310. An Maria Anderson

310. An Maria Anderson


Wolfenbüttel 15 Sept. 75


Liebe Frau Anderson!

Frei ist der Anfang und frei ist das Ende; Was dazwischen liegt ist nothwendig. Bei dieser Nothwendigkeit, welche Alles, auch unser Thun und Laßen, beherrscht, könnten wir unmöglich ein Gefühl der Verantwortlichkeit, ein Gewißen haben, wenn wir nicht an jenem Anfang, nämlich der Erschaffung der Welt, ganz gründermäßig betheiligt wären. Diese Welt, unser Werk, ist ohne Frage mangelhaft; sie besteht durch und durch aus einem unersättlichen Begehren, aus lauter Wünschen, welche niemals vollkommen befriedigt werden können. Der Zustand vor jedem Dasein war beßer, war unsere Heimath. Je nachdem die Ahnung davon einen Menschen mehr oder weniger durchdämmert, wird er seinem Wollen, welches ihn in die Fremde treibt, die Entsagung, die Umkehr entgegen setzen. Hoffentlich wird dieser leise Zug nach Billionen von Jahren Alles heimführen; vielleicht wird es mit einem Ruck geschehn. Dem Singen und Sagen vom goldenen Zeitalter, dem Glauben der Chiliasten, dem Streben der Internationalen –– all diesen Träumen liegt jenes dunkle Heim weh zum Grunde. – Träume. Ja! – Denn Der wird sich eklig täuschen, welcher Frieden und Ruhe in dieser Welt erhofft. – Worte? Bildersprache! Freilich! – Aber ich möchte über Ihr Mitleid mit Thieren doch gern'n Bißel phantasiren. Wäre dies Thema nicht von Ihnen zu mir herüber geklungen – nie hätte ich Ihnen Was vorgeklimpert. – So hören Sie mir denn auch ferner hübsch freundlich zu, und sein Sie überzeugt:

Trotz aller » Undwennauchs«

bin ich Ihr ganz ergebenster

W. Busch.

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