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An Sophie von La Roche

Sie erhalten liebe Mama einen Brief von einem zwar ungezognen doch nicht ganz ungerathnen Sohne, der eine gute Gelegenheit ergreifft sich wieder bey Ihnen zu produziren. Herr von Knebel ein sehr braver Mann aus unserm Kreise wird zu Ihnen kommen, den bitt ich gut zu empfangen und ihm beyliegendes zu geben.

Wollen Sie mir alsdenn sagen ob er Ihnen gefallen, und etwas von Sich dazufügen werden Sie mich sehr vergnügen.

Vor wenig Tagen hab ich Mad. de Branckoni hier gesehen, mit ihr von Ihnen gesprochen, und die Frauenzimmer Briefe empfohlen.

Eben fallt mir ein dass Sie vielleicht eine meiner iezzigen Lieblingsneigungen füttern können wenn Sie so freundlich seyn wollen.

[277] Ich gebe, seit ich mit Bergwercks Sachen zu thun habe, mit ganzer Seele in die Mineralogie. Wenn Sie mir durch irgend einen dienstbaaren Geist, deren auf Ihren Winck eine Legion wimmelt etwas aus Ihrer Gegend, oder sonst zusammen tragen liesen, würden Sie mir ein Fest machen. Da ich kein Brod verlange sondern nur Erz und Steine so geht das ia wohl.

Addio! Wieland ist wohl und will wieder sein eigen Haar ziehen.

Wenn man Boden in seiner Stärcke sehen will, muss man gegen Sie einen Diskurs anfangen, dann beisst und hackt er.

Übrigens leben wir so gut als in irgend einer Zeitlichkeit möglich ist, und ich bin wie immer der nachdenckliche Leichtsinn, und die warme Kälte. Nochmals Adieu. Grüsen Sie die Töchter, und wenn Herr v. La Roche noch etwas von mir weis so empfehlen Sie mich ihm.

Da Herr v. Knebel auch wohl nach Düsseldorf geht, so gebe Gott dass er mir mit unserm alten Friz eine angenehme Vereinigung auswürcke. Wir sind ia denck ich alle kluger geworden, es ist Zeit dass man aufs Alter sammelt und ich möchte wohl meine alten Freunde, die ich auf ein oder andre Weise von mir entfernt sehe, wieder gewinnen, und wenn möglich in einem konsequenten guten Verhältniss mit ihnen weiter und abwärts gehn.

[278] Es fällt mir noch eine Menge ein doch will ich schliessen.

Weimar d. 1. Sept. 80.

Goethe. [279]

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