24/6704.

An August von Goethe

Dir soll gleich, mit umgehender Post, die Nachricht werden daß dein Brieflein angekommen ist und uns höchlich erfreut hat. Fahre so fort, mit heiterem Sinn, auf zwey Dinge zu achten, erstlich, wo die Menschen hinaus wollen? und zweitens wie sie sich deshalb masquiren? Zeige dich nicht allzu behäglich, damit sie dir dein Glück nicht übel nehmen. Wir gehen in unsrem Wesen fort und zu diesem Gehen auch das Schlittenfahren, obgleich andere sich daraus ein Bedenken machen.

Die Menschen sind noch eben so absurd wie 1806, wo ich gar frömmlich aufgefordert wurde das Schauspiel abzudanken, nach welchem sie vier Wochen später jämmerlich lechzten, da ich nun die Bosheit hatte die Eröffnung noch vierzehn Tage aufzuschieben, bis sie mich unter Drohungen dazu nöthigten. Wir sind mit Achse genug bestreut, und brauchen nicht noch gar einen Sack überzuziehen.

Erkundige dich, wenn du Zeit hast, nach Antikuaren aller Art, besuche ihre Läden und Zimmer und bringe mir etwas Gedeihliches wohlfeil mit. Wenn dir etwas behagt, so zaudere nur nicht, denn wenn du auch irrtest, hat es nichts zu sagen. Irrend lernt man.

In der Jenaischen Literaturzeitung steht eine treffliche Ankündigung, in welchem Sinne man, zunächst,[100] die politischen Flug-Schriften anzeigen wolle. Ich würde, (bis auf wenige Stellen, die noch einer Erläuterung bedürfen) diese Columnen gern unterschreiben. Folgende Stelle nimm dir zu Herzen, und sprich sie nicht aus. Insofern aber in Frankfurt Exemplare unserer Literaturzeitung gehalten werden, so mache die Menschen, gelinder Weise, darauf aufmerksam. »Unsere Männer und Frauen mögen ja nicht glauben, die Deutschheit sey einerley mit dem Christenthum und der ritterlichen Gesinnungen; denn jenes war ihr an sich fremdartig, zumal ehe es die Reformation verdeutschte, und dieses, gleichfalls ein Sprößling der Fremde, stand in manchem Widerspruch mit der ursprünglichen deutschen National-Freyheit.«

Und hiemit glauben wir für diesesmal aus unsrem gegenwärtigen allgemeinen Schnee, dir den freundlichsten Segen ertheilt zu haben.

Die Nonne grüßt den Hühnermönch zum schönsten, »gieb mir dein Seel«.

Weimar den 14. Jan. 1814.

G.

Cnaja! Cnaja!

Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid, www.editura.de) veröffentlicht. Die Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen).

Lizenzvertrag

Eine vereinfachte Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in allgemeinverständlicher Sprache

Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek