Preis GOttes wegen der Wun-
derbahren Hervorbringung und
Einrichtung der Menſchen.HErr, des Lebens, Quell der Dinge,
Deinen Ruhm recht zu erhoͤhn,
Bin ich viel, viel zu geringe,
Jch muß ſelbſt mein Nichts geſtehn:
Du haſt mich mit deinen Haͤnden,
Aus den tief verdekten Waͤnden
Wunderbar aus Licht gefuͤhrt,
Dadurch iſt mein Herz geruͤhrt.
Es erkennet mein Gemuͤte;
Du HErr! du biſt es allein,
Und die groſſe Wunderguͤte
Jſt die Quell von meinen Seyn;
Jch waͤr in dem Nichts geblieben,
Wenn dein uͤberſchwenglich Lieben,
Mich nicht aus der finſtren Nacht,
An des Tages Licht gebracht.
Du haſt mich wie Milch geronnen,
Weiſer Meiſter der Natur,
Wie ein zartes Garn geſponnen,
Auf der unſichtbahren Spur,
E 2Du
[68]Preis GOttes wegen der
Du haſt meinen Leib formiret,
Deſſen Wunderbau vollfuͤhret,
Glied an Glied, durch deine Hand,
Wie ein Uhrwerk aufgeſpannt.
O! was bin ich vor ein Wunder,
Seh ich mich nur ſelbſten an;
Denk ich was ich bin jetzunder,
Und was du an mir gethan,
Da du meinen Leib gewebet,
Wo ein Theil am andern klebet;
So macht Herze, Zung und Mund,
Deine Wundergroͤſſe kund.
Jn dem kuͤnſtlichſten Verbinden,
Da ein Glied am andern haͤngt,
Kan ich lauter Wunder finden
Dadurch wird mein Sinn gelenkt,
Weiſer Schoͤpfer dich zu loben,
Da du mir ſo viele Proben
Deiner Allmacht kund gethan,
Als ich Glieder zaͤhlen kan.
Werffe ich der Andacht Blikke,
Bei des Koͤrpers ſchoͤnſter Zier,
Auf den erſten Stoff zuruͤkke,
So kommt mir ein Puͤnctgen fuͤr,
Das ſich an zu regen faͤnget,
Weiter auseinander drenget,
Und entwikkelt wie ein Draht,
Den man aufgewunden hat.
Da
[69]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Da ſeh ich mich in Gedanken,
Wie ein kleines Wunderkorn,
Daß in ſeinen engen Schranken
Theile hat die ganz verworn
Durcheinander ſind gefalten,
Die ein Allmachtvolles Walten,
Durch die unſichtbahre Krafft,
Unvermerket groͤſſer ſchafft.
Weiter ſeh ich mich im Kleinen,
Und die erſte Grundbildung,
Woran Kopf, Arm, Schenkel ſcheinen,
Bringt mich zur Bewunderung.
Jch war in den engen Kreiſen,
Noch ſo klein wie die Ameiſen
Als ich in dem Auffenthalt,
Schon bei nah zwei Monath alt.
Deine Vorſicht half mich weiter,
Durch des Wachsthums Treibe-Krafft,
Jch ward laͤnger, ich ward breiter,
Durch dem der da alles ſchafft.
Augen, Finger die entſproſſen,
Waren weiter ausgeſchoſſen;
Jch empfing im finſtren Schlauch,
Bald darauf den Lebens Hauch.
Meine Bildung ward vollendet,
Groſſer GOtt! durch deine Macht,
Als die Zeit hernach geendet,
Haſt du mich ans Licht gebracht.
E 3Wie
[70]Preis GOttes wegen der
Wie dies alles ſey geſchehen,
Kan mein Wiz noch nicht verſtehen;
Aber dies verſteh ich klar,
Es ſey alles wunderbahr.
Deine Hand hat mich formiret,
Und dein goͤttlicher Verſtand,
Hat mich weislich ausgezieret,
Das iſt mir genug bekandt.
Nehm ich mich zum Augenmerke,
Seh ich ſo viel Wunderwerke,
So viel Stuͤk und Glieder man,
An dem Koͤrper zaͤhlen kan.
Unſers Koͤrpers Kunſtgebaͤude,
Jſt der Seelen ihr Pallaſt,
Drin das ſchlanke Eingeweide
Wunderbahrlich eingefaßt.
Und das aͤuſerlich Gehaͤuſe
Der Maſchine, iſt ſehr weiſe
Durch der Sehnen ſtarkes Band,
Wie ein Uhrwerk aufgeſpannt.
Dieſes ſchoͤne Meiſterſtuͤkke
Zeiget ſeinen Meiſter an,
Fuͤhrt uns gleich auf dem zuruͤkke,
Der ſolch Kunſtwerk bilden kan:
Und daß biſt du ewger Schoͤpfer
Der du uns, als wie ein Toͤpfer
Unſer leimern Haus formirt
Und ſo weislich ausgeziert.
O!
[71]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
O! wie herrlich, o! wie weiſe,
Jſt das Auſſenwerk polirt,
An des Koͤrpers Kunſtgehaͤuſe,
Jſt es nicht ſo aufgefuͤhrt,
Jn einander ſo geſezzet,
Daß uns alles dran ergoͤzzet?
Jeder Theil iſt ſo gefuͤgt,
Daß das Ganze uns vergnuͤgt.
Es iſt nicht dabei vergeſſen,
Des Verhaͤltnis Richtigkeit
Als wenn alles ausgemeſſen;
Jedes Gliedes Zierligkeit,
Giebet uns ein weiſes Weſen,
Das es ſo formirt, zu leſen,
Und des ganzen Koͤrpers Bau,
Legt uns Ordnung, Pracht zum Schau.
Wie die Zweige mit den Stammen;
So haͤngt auch das Haupt und Glied
Wolgefuͤget feſt zuſammen
Da ein Glied das andre zieht
Wie die Saͤffte zirkuliren,
Sich durch alle Theile fuͤhren
Jn dem Baum; ſo geht das Blut
Durch den Leib das nimmer ruht.
Dieſes ſchoͤne Kunſtgebaͤude,
Das aus manchen Theil beſteht,
Hat Kopf, Leib, und Fuͤſſe, Haͤnde,
Daran ſich ein jedes dreht,
E 4Es
[72]Preis GOttes wegen der
Es kan ſich von ſelbſten lenken,
Wie und wo es will hinſchwenken,
Zeigt uns das nicht klaͤrlich an,
Was des Hoͤchſten Allmacht kan?
Wer kan alle Wunder zaͤhlen,
Die am Haupte ſind vereint
Da am Hirn dem Siz der Seelen
Schon ſo manches uns erſcheint.
Sehn wir wie von allen Seiten
Sich die zarten Faͤſern leiten:
So bemerkt man hier den Siz,
Von der Menſchen zarten Wiz.
O! wie viele Wunderroͤhren,
Sehen wir nach weiſen Rath,
Aus des Hirnes Hoͤlen kehren,
Die ſich wie ein zarter Draht,
Durcheinander kuͤnſtlich winden,
Und wie ein Geſpinſt verbinden,
Die ſich immer weiter drehn,
Und zum aͤuſren Sinnen gehn.
Dieſe alle ſind zuſammen
Werkzeuge der Sinnligkeit,
Die aus dem Gehirne ſtammen,
Und im Kopf herum zerſtreut:
Das was auſſen wird verſpuͤret,
Wenn die Nerven ſind geruͤhret,
Zu der Seele wird geſchikt,
Und verborgen eingedruͤkt.
Unbe-
[73]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Unbeſchreiblich iſt geſchmuͤkket,
Unſrer Augen Wunderglas,
Dadurch unſer Geiſt erblikket,
Was in dem Criſtallnen Naß
Sich mit ſeinem Bilde mahlet,
Da denn in die Roͤhren ſtrahlet,
Was vom Koͤrper ſichtbahr ſpringt
Das dadurch zur Seele dringt.
Herrlich iſt der Gang der Ohren,
Von dem Schoͤpfer aufgebaut,
Wenn man durch die offnen Tohren,
Krumgewundne Schnekken ſchaut:
Da muß ſich durch Jrregaͤngen,
Der getriebne Schall fortdraͤngen
Der drauf an die Trommel ſchlaͤgt,
Und geſpannte Nerven regt.
Kunſtreich iſt der aͤuſre Huͤgel,
Von der Weisheit angelegt,
Der der Augen runde Spiegel,
Gleichſam als ein Pfeiler traͤgt.
Es dringt durch die offnen Hoͤlen,
Durch ein Sieb zum Siz der Seelen,
Der ambrirter Blumen Rauch,
Und der dufftgen Koͤrper Hauch.
Es ſind dieſe Naſen Loͤcher,
Durch die Fluͤgelwand getheilt,
Und gleichſam zwiefache Faͤcher,
Dadurch das herunter eilt,
E 5Was
[74]Preis GOttes wegen der
Was von zaͤhen Feuchtigkeiten,
Vom Gehirne abzuleiten:
Es muß auch durch dieſe Roͤhrn;
Othem hin und wieder kehrn.
Oefnen wir der Lippen Schloͤſſer,
Und das Elfenbeinern Thor;
So kommt uns wie im Gewaͤſſer
Unſre feuchte Zunge vor;
Die aus einem ſchwammicht Weſen
Von dem Schoͤpfer auserleſen,
Und von allen Knochen frei,
Damit ſie beweglich ſey.
Weiſer Schoͤpfer mit Ergoͤzen,
Macht uns unſre Zung und Mund,
Die die Speicheldruͤſen nezen,
Deiner Allmacht Groͤſſe kund!
Der gewoͤlbte Bau der Lippen,
Und der Zaͤhne harte Klippen,
Die verriegeln wunderbahr
Unſre Zunge vor Gefahr.
Dieſes Glied das ſich leicht reget,
Wie ein Schwerd iſt zugeſpizt,
Wird wenn man es recht erweget,
Sonderlich zur Sprach genuͤzt,
Und durch ein empfindend Schmekken,
Muß es uns dazu entdekken,
Was vor ſuͤſſe Liebligkeit,
Sey in Speiß und Trank geſtreut.
Darum
[75]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Darum ſind drauf ausgeſaͤet,
Warzen die ſehr ſpiz und klein,
Dadurch der Geſchmak entſtehet,
Weil es lauter Nerven ſeyn:
Daß wenn Speis und Trank ſie ruͤhret,
Wird ſo gleich von uns verſpuͤret:
Ob dieſelben uns bequem,
Ob ſie herbe, angenehm.
Wenn die Muskeln ſich bewegen
An der Zung, ſo merket man,
Wie durch ihr geſchwindes Regen,
Stimm und Wort entſtehen kan;
Da was unſer Geiſt gedenket,
Wenn die Zung den Gaum gelenket,
Unſer Mund ſo gleich erklaͤrt,
Welches man in Worten hoͤrt.
Schauen wir die Leibes Hoͤle,
Die am Hals iſt angefuͤgt,
So entdekken wir Canaͤle
Deren Nuzze uns vergnuͤgt.
Eine von des Halſes Roͤhren,
Laͤßt uns das Gethoͤne hoͤren:
Wird die Lufftroͤhr ſonſt genannt,
Wie iedweden iſt bekannt.
Dieſe ſteiget zu der Lunge,
Jene geht zum Magen hin,
Und nimmt von der regen Zunge,
Speis und Trank als den Gewin
Den
[76]Preis Gottes wegen der
Den der Magen zubereitet,
Und durch das Gedaͤrme leitet,
Dadurch denn der beſte Safft,
Allen Gliedern Kraͤffte ſchafft.
Was in den Gedaͤrmen haͤnget,
Das ſich kriechend fort bewegt,
Wird denn immer fortgedraͤnget,
Jn die Milchgefaͤß gelegt,
Welche dieſe Nahrung ſeigen,
Wie uns die Zergliedrer zeigen,
Bis der Safft denn fortgedruͤkt,
Jn die Adern wird geſchikt.
Spuͤrt hiebei nicht das Gemuͤte,
Eine groſſe Wundermacht,
Eine ewig weiſe Guͤte,
Wenn man dieſes uͤberdacht,
Wie der Koͤrper ſo formiret,
Daß ſich Sinn und Geiſt verlieret,
Wenn man achtſam uͤberſchaut,
Wie der Leib iſt auferbaut?
Doch laſt uns zu GOttes Preiſe
Ferner noch die Bruſt beſehn,
Welche der alleine Weiſe
Wie ein jeder muß geſtehn,
Als die Feſtung vor das Leben,
Wie mit einem Wall umgeben;
Mit des Bruſtbeins ſtarken Schild,
Gegen die Gefahr verhuͤllt.
Die-
[77]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Dieſer dekt die Lebens-Quelle,
Woraus Freud und Leid herſtammt,
Worin Has und Zorn ſehr ſchnelle,
Wie ein wuͤtend Feur entflammt:
Dieſer Siz von Luſt und Schmerze,
Aller Leidenſchafft, das Herze,
Jſt von GOttes Allmachts Hand,
Wie ein Uhrwerk aufgeſpannt.
Dieſes Triebrad das ſich reget
Machet daß der Lebensſafft,
Das Gebluͤt das es beweget,
Durch den Leib wird fortgeſchafft;
Durch ſein ſpruͤzzendes Gedraͤnge,
Fuͤllet es der Adern Menge,
Da denn weil es immer treibt,
Keine Faſer ſafftlos bleibt.
Nehmen wir zum Augenmerke,
Ferner die Beſchaffenheit,
Von dem groſſen Wunderwerke,
Von dem Herz das oben breit,
Unten aber zugeſpizzet,
Wie es im Gewoͤlbe ſizzet
Der von GOtt gebauten Bruſt:
So verſpuͤrt man Wunderluſt.
Es haͤngt an den Adern, Roͤhren,
Die mit Blut ſind angefuͤllt,
Wo beim Hin- und Wiederkehren,
Dieſer rothe Safft fortquillt;
Dieſe
[78]Preis GOttes wegen der
Dieſe gehn zu beiden Seiten,
Durch die Puls das Blut zu leiten,
Jn des Koͤrpers Aederlein,
Die wie kleine Aeſte ſeyn.
Daraus wird es fortgeſchikket,
Wie der rege Kreislauf geht,
Jn das Herz zuruͤk gedruͤkket,
Wenn die Fall-Thuͤr offen ſteht,
Die in denen Herzens-Kammern,
Welche wie mit feſten Klammern
An der ſtarken Scheidewand,
Wundernswuͤrdig angeſpannt.
So geht aus der einen Celle
Die des Herzens Vorſal heiſt,
Dieſe rothe Lebens-Quelle
Fort bis ſie durchs Herze fleuſt,
Das mit einem ſcharffen Druͤkken
Es muß wiederum fortſchikken;
Und ſo flieſt das ab und zu,
Und das Herz hat nimmer Ruh.
Denkt man zu des Schoͤpfers Preiſe
Nach, des Herzens Einrichtung,
So bringt der alleine Weiſe
Uns zu der Bewunderung:
Wie er ein ſo zart Geſpinſte,
Macht zum Wunder aller Kuͤnſte,
Das ſich wie ein Drukwerk treibt,
Und ſo lang im Stande bleibt.
Um
[79]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Um das Herz iſt wie ein Kuͤſſen,
Ferner auch die Lung gelegt,
Die wir faſt vergleichen muͤſſen,
Einem Blasbalg der ſich regt,
Da die Lufft durch Roͤhren gehet,
Pauſtend in die Blaͤsgens wehet,
Die hernach das Blut verduͤnnt,
Welches in den Adern rinnt.
Dadurch ſchoͤpfet wer da lebet,
Jmmer einen friſchen Hauch,
Wenn ſich auf und nieder hebet
Dieſer ſchwammigt Lungen Schlauch,
Der ſo kuͤnſtlich iſt formiret,
Und mit Blaͤsgens ausgezieret,
Daß man gnugſam dran erkennt,
Wer ſein Meiſter wird genennt.
O! wie viele kleine Roͤhren
Die mit Blut ſind angefuͤllt,
Sieht man hie und dahin kehren,
Gleich als wenn ein Springborn quillt,
Da ſich faſt zu allen Seiten,
Wie im Haus die Roͤhren leiten,
Worin nachmahls Waſſer ſpringt,
Das in alle Zimmer dringt.
Wird ein Meiſter hochgeruͤhmet
Und mit Lob und Ehrenpreiß,
Wegen ſeiner Kunſt bebluͤhmet,
Der da anzugeben weiß,
Wie
[80]Preis GOttes wegen der
Wie Fontainen anzulegen,
Wie ein Orgelwerk zu regen:
So verdient um ſo vielmehr,
Unſer Schoͤpfer Ruhm und Ehr.
Dieſer hat dergleichen Werke,
Jn die hohle Bruſt gelegt,
Wo ich eine Roͤhr bemerke,
Drin die Lufft den Thon erregt,
Die gleich Orgel-Pfeiffen ſchallet,
Dran der Lungen Blasbalg wallet,
Der die Lufft die dadurch geht,
Zum verſchiednen Thone dreht.
Und das Herz noch zu erwaͤhnen
So legt deſſen Wunderbau
Uns recht kuͤnſtliche Fontainen,
Die mit Blut gefuͤllt zum Schau.
Und die Adern die dran ſizzen,
Siehet man beſtaͤndig ſprizzen
Durch ein Triebwerk das ſtets geht,
Bis zum Todt nicht ſtille ſteht.
Doch wir wollen weiter gehen,
Und was hintern Vorhang ſtekt,
Den man Zwergfell nennt, beſehen,
Das noch viele Wunder dekt.
Dieſes Fell wird gleich der Lungen,
Jmmer auf und ab gedrungen,
Dient dem Herzen ſelbſt zum Schuz,
Ohne ſeinen andern Nuz.
Denn
[81]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Denn ſieht man die Leber hangen,
Die den bittren Gallenſafft,
Aus dem Blute muß auffangen,
Und in ihre Blaſe ſchafft:
Da die bittre Quelle flieſſet,
Sich in das Gedaͤrm ergieſſet,
Und die ſcharffe Feuchtigkeit,
Reinigt, die der Magen ſtreut.
O! wie vieles waͤr zu ſagen
Von der Kuͤche, die uns naͤhrt,
Von dem dikken Schlauch, dem Magen,
Der dem Leibe Krafft beſchert.
Weislich iſt er zugerichtet,
Wie uns jederman berichtet,
Der die Abſicht nachgedacht,
Warum dieſer Sak gemacht.
Er beſteht aus dreien Haͤuten,
Und hat unterm Mittelfell,
Gegen unſrer linken Seiten,
Seine angewieſne Stell.
Es pflegt ſich in ſeinen Falten
Salzzig ſaures auf zuhalten
Das den Appetit erwekt,
Und die Koſt verdaut, zerlekt.
Oben aus des Halſes Schlunde
Gehet durch die Speiſe Roͤhr,
Koſt und Trank zum Magen-Munde,
Und der wird denn wieder leer,
Vierter Theil. FWenn
[82]Preis Gottes wegen der
Wenn das was genug bereitet,
Gleich der Pfoͤrtner weiter leitet,
Der was woll verdaut, zerkeut,
Unten ins Gedaͤrme ſtreut.
Da wird das denn abgeſeiget,
Was als unſer Nahrungsſafft,
Jn die Milchgefaͤſſe ſteiget,
Und uns Kraft zum Leben ſchafft;
Was hernach wie Kley zu achten,
Und als Unrath zu betrachten,
Findet eine andre Spur,
Als ein Auswurff der Natur.
Zu des Koͤrpers Eingeweide
Wird die Milz annoch gezaͤhlt,
Die mit einem bangen Leide
Viele recht entſezlich quaͤlt;
Doch wir koͤnnen ſicher ſchlieſſen,
Daß ſie auch wird dienen muͤſſen;
Ob gleich von der Nuzbarkeit,
Die ſie ſchafft ein groſſer Streit.
Alles was das hoͤchſte Weſen,
Zu dem Menſchen auserſehn,
Und zum Koͤrper auserleſen,
Jſt ob wir es nicht verſtehn:
Dennoch nuͤzlich zu benennen;
Wenn wir gleich nicht ſagen koͤnnen,
Was die Weisheit hat gedacht,
Da ſie unſre Milz gemacht.
Jn
[83]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Jn den kuͤnſtlichen Maſchienen,
Jſt kein Haͤkgen, Rad, ſo klein,
Es muß zu dem Ganzen dienen,
Zur Bewegung nuͤzlich ſeyn:
Solte ſich in uns was finden,
Deſſen Nuz nicht zu ergruͤnden:
So muß man doch eingeſtehn,
GOtt hat es uns nuͤz geſehn.
Vielleicht ſind das ihre Pflichten,
Was die Forſcher der Natur,
Von der Milzen uns berichten,
Daß ſie auf der Wallungsſpur
Vom Gebluͤt das Dikke leite,
Und daraus den Safft bereite,
Der bis zu der Leber ſpruͤzt,
Und zur Gallen Scheidung nuͤzt.
Doch wir wollen uns nun wenden,
Zu der beiden Nieren Paar,
Welche ſich auf denen Lenden
Stellen als zwo Bohnen dar.
Wenn wir ſie genau beſehen,
Sind es Druͤſen dadurch gehen,
Wie uns weißt der Augenſchein,
Viele kleine Aederlein.
Man ſieht das die Nieren dekken
Eine Hoͤle darin fließt,
Als in ein geſtelltes Bekken,
Was ſich von dem Blut ergießt,
F 2Als
[84]Preis GOttes wegen der
Als geſalzne Feuchtigkeiten,
Die ſich von hier weiter leiten,
Als durch einen Waſſer Fall,
Zum gedoppelten Canal.
Dieſe ziehn das Salzgewaͤſſer,
Bis es in die Blaſe laͤufft,
Welche weil ſie weit und groͤſſer,
Dehnend dieſen Vorrath haͤufft.
Bis das es zur Roͤhre ſchieſſet,
Da es aus den Koͤrper flieſſet,
Wenn es durch den ſcharffen Drang,
Sich eroͤfnet ſeinen Gang.
Da wir nun zu Ende eilen,
Sagen wir nichts mit Bedacht
Von den wunderbahren Theilen,
Die die keuſche Zucht bewacht:
Es ſind dieſe groſſen Wunder,
Leider ſchnoͤder Geilheit Zunder:
Wodurch doch, wers recht bedenkt,
Wird zu GOtt hinauf gelenkt.
O! mein GOtt! wer kann erzaͤhlen,
Wie du allhie angelegt,
Eine Werkſtat in den Hoͤlen,
Da der Menſche wird gepraͤgt.
Dieſe Wohnung die wir haben,
So lang wir noch ſind vergraben.
Jn der Mutter dunklen Schoos,
Jſt zwar klein und dennoch gros.
Groſſe
[85]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Groſſe Wunder ſind im Kleinen,
Von der Weisheit ausgedacht,
Und da, wo wirs nimmer meinen,
Von des Schoͤpfers Hand gemacht:
Denn der Raum den wir bewohnen,
Gleichet kaum der Groͤß der Bohnen,
Jſt das nicht ein weiſer Rath,
Der dies ſo geordnet hat?
Dennoch ſind ſo viele Dinge,
Jn dem engen Plaz gelegt,
Welche ich zwar nicht beſinge,
Aber wenn man ſie erwegt:
So muß man geruͤhrt bemerken,
Daß es von den Wunderwerken
Warlich eins der groͤſten heißt,
Das uns hie der Schoͤpfer weißt.
Ewge Vorſicht! die Anſtalten,
Die du hier haſt eingericht,
Zeugen von dem weiſen Walten,
Das durch Almacht wuͤrkend ſpricht.
Da wir noch daſelbſt verſchloſſen,
Haben wir da ſchon genoſſen,
Deine Guͤt, die in der Welt
Uns noch dieſen Tag erhaͤlt.
Wie gar leicht waͤr unſre Bluͤte
Jn dem erſten Keim verheert,
Wenn nicht deine Wunderguͤte,
Uns bewachet und ernaͤhrt.
F 3Dei-
[86]Preis GOttes wegen der
Deine Huld hat uns umwunden,
Bis auf die Entbindungsſtunden,
Auf der finſtren Bahn regiert,
Gluͤklich in die Welt gefuͤhrt.
So hat GOtt das Haus formiret
Und die Werkſtat angelegt,
Worin er den Menſch gebiehret,
Der ſo viele Wunder hegt.
Moͤchten wir doch das erkennen,
Da wir GOtt den Schoͤpfer nennen!
O! ſo machte unſer Mund,
Mehr des Schoͤpfers Groͤſſe kund.
Wenn wir zu den Untertheilen,
Worauf unſer Leib beſteht,
Zu den Bein und Fuͤſſen eilen,
Worauf unſer Koͤrper geht:
Die des Leibes Kunſtmaſchienen,
Stat der ſtarken Pfeiler dienen:
So ſieht man hie abermahl,
Eine groſſe Wunder Zahl.
Alle ſchweren Koͤrperslaſten,
Muͤſſen auf der Fuͤſſe Grund,
Als auf ſtarken Saͤulen raſten.
Daher wird die Weisheit kund,
Welche Beine auserwaͤhlet,
Starke Knochen unterpfaͤlet,
Worauf alle Schwere liegt,
Die die Pfeiler nicht einbiegt.
Wenn
[87]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Wenn wir ferner noch bedenken,
Wie ſich jede Saͤule regt.
Und mit Sehnen und Gelenken,
Nach dem Gleichgewicht bewegt;
Wie die Fuͤſſe plat zum Gehen,
Wie ſich dran die Zaͤhen drehen:
So beweißt auch dieſes klar,
Bein und Fuß ſey wunderbahr.
Ruͤhmt ihr euch ihr klugen Geiſter,
Die ihr ein Bild machen koͤnnt,
Das beweglich. GOtt wird Meiſter,
Ueber alle doch genennt.
Kont Albertus
(*) Kunſtwerk rennen,
Das ein Thomas kann zertrennen;
So iſt es wie jezt bekandt,
Nur ein Bild das aufgeſpannt.
Koͤnnen andre Bilder ſchnizzen,
Die da reden, aufrecht ſtehn,
Wie ſich in verborgnen Rizzen,
Die geſpannten Raͤder drehn:
F 4So
[88]Preis GOttes wegen der
So iſt keine Kunſt zu finden,
Die die Theile ſo verbinden;
Die aus Muskeln, Fleiſch und Haut,
Jemahls Koͤrper aufgebaut.
Wuͤrde nichts an allen fehlen,
So iſt doch der Wiz, die Kunſt,
Die kein Uhrwerk kann beſeelen,
Nur ein aufgeblaßner Dunſt:
Merket dies ihr Atheiſten,
Jhr pflegt euch umſonſt zu bruͤſten,
Gegen GOttes Wundermacht
Mit dem, was der Menſch erdacht.
GOttes Macht iſt nichts zu gleichen,
Davon ſind auch Arm und Hand,
Unleugbare Wunderzeichen,
Die er an dem Leib geſpannt.
Arme ſind gelenkte Stangen,
Und die Haͤnde gleichſam Zangen,
Die, wenn man es recht bedenkt,
Wunderbarlich ſind verſchraͤnkt.
Durch die eingefuͤgten Sehnen,
Drehen ſie ſich hin und her,
Man kan ſie auch lang ausdehnen,
Und dies alles ohn Beſchwer.
Wie der Muskeln Drat gezogen,
Sind ſie flach, bald eingebogen;
Weil das alles ſich ſo druͤkt,
Wie es ſich recht weislich ſchikt.
Jede
[89]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Jede Hand hat ſeine Theile,
Die mehr in, als auswerts gehn,
Und ſich in geſchwinder Eile,
Nach dem Wink der Augen drehn.
Wenn man auf die Finger ſiehet,
Wie der Glieder Band ſie ziehet:
Merkt man mit Bewunderung
Daran GOttes Vorſehung.
Wie unzaͤhlbar die Geſchaͤffte
Weis ein jeder Menſche wohl,
Dazu man der Arme Kraͤfte,
Und die Haͤnde nuͤzzen ſol.
Bei ſo vielen tauſend Dingen,
Muß es unſern Wiz gelingen,
Wenn man Arm und Hand dran legt,
Und die ſchlanken Finger regt.
Dieſes ganze Kunſtgehaͤuſe,
Jſt bewundernswerth und ſchoͤn,
Wie man zu des Schoͤpfers Preiſe
Muß mit Herz und Mund geſtehn.
Schon aus dem was wir beruͤhret,
Wird des Hoͤchſten Macht verſpuͤret;
Aus dem was hier abgedruͤkt,
Wird die Weisheit klar erblikt.
Und wie vieles iſt verſchwiegen,
Am Haupt, Leibe, Fuß und Hand,
Daran ſich die noch vergnuͤgen,
Den des Koͤrpers Bau bekannt?
F 5Wie
[90]Preis GOttes wegen der
Wie viel tauſend Kleinigkeiten
Sind, die die zur Andacht leiten,
Die mit Meſſern ſcharf geſpizt,
Alle Theile aufgerizt.
Wie viel unzaͤhlbahre Hoͤlen
Stekken in dem Schedel nicht,
Jm Gehirn dem Siz der Seelen,
Die ein bloſſes Augenlicht
Nicht entdekt: doch aber merket,
Wenn den Strahl ein Glas verſtaͤrket;
Wie viel kleine Aederlein
Werden noch verborgen ſeyn?
Wie viel noch verborgne Dinge,
Welche unſichtbahre Glut,
Theilgen die doch nicht geringe,
Schwimmen in dem fetten Blut?
Welch geheimer Lebens-Zunder,
Welche unſichtbahre Wunder,
Sind in rothen Safft verſtekt,
Die kein Aug annoch entdekt?
O! wie viele feſte Rippen,
Sind ums Eingeweid gepaßt,
Worin als in ſteinern Klippen,
Ein recht ſtaͤrkend Mark gefaßt;
Dadurch unſer theures Leben,
Als mit Panzern iſt umgeben.
Was wird nicht vor manche Haut,
Jn und um uns angeſchaut?
Wie
[91]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Wie viel zart geſtrikte Nezze,
Sind um das Gedaͤrm gewebt,
Und wie viele Wunderſchaͤzze
Sind, die noch der Bauch vergraͤbt?
Wie viel Nerven ſind geſponnen,
Die an unſern Lebensbronnen,
Gleichſam ſilbern Strikke ſind,
Die ein ſcharffer Forſcher find.
Wie viel Druͤſen, weiche Schwaͤmme,
Die theils groß, und theils ſehr klein,
Sind, die gleichſam ſtat der Daͤmme,
Zu der Waſſer Scheidung ſeyn,
Die ſich in ſo vielen Gaͤngen,
Durch den ganzen Koͤrper drengen?
Denke Menſch wie vielerlei,
An dir zu bewundern ſey!
Kan dir dies nicht gnug beſtaͤrken,
Daß dein Leib, die kleine Welt,
Von des Schoͤpfers Wunderwerken,
Einen Auszug vorgeſtellt?
Zieh einmahl des Geiſtes Blikke,
Auf den Anfang jezt zuruͤkke;
Haſt du nunmehr nach gedacht?
Sage wer hat dich gemacht.
O! ein allmachts-volles Weſen,
Ein allwiſſend weiſer Geiſt,
Hat dies alles auserleſen,
Was der Menſch ſich ſelber weiſt.
Ein
[92]Preis GOttes wegen der
Ein Verſtand der frei von Schranken
Eingeſchloſſener Gedanken,
Hat den Abris ausgedacht,
Und den Bau zu Stand gebracht.
Denke welche Millionen
Menſchen, ſind nicht auf der Welt:
Alle die auf Erden wohnen,
Die ſein Odem hier erhaͤlt;
Die geweſen, jezt vorhanden,
Sind durch ſeinem Wink entſtanden;
Dieſe hat ſchon ſein Verſtand,
Als er Adam ſchuff, erkannt.
Wie kanſt du des Schoͤpfers Groͤſſen,
Die unendlich herrlich ſind,
Bei dem allen doch vergeſſen?
So biſt du ganz dumm und blind.
Sagt ihr dennoch o! ihr Thoren,
Daß ihr ohngefehr gebohren:
Nun, ſo muͤſt ihr eingeſtehn,
Daß ihr euch nie angeſehn.
Euer ungluͤkſeelig Kluͤgeln,
Wuͤrde bald zum Ende gehn,
Wenn ihr nur in Augen-Spiegeln,
Wolt des Schoͤpfers Bildnis ſehn.
Wuͤrdet ihr den Mund nur fragen,
Der kann euch ganz richtig ſagen:
Daß ein Weſen, deſſen Macht,
Was da iſt, hervorgebracht.
[93]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Eure Zunge wirds euch lehren,
Wenn ihr ihre Kunſt erwegt,
Daß der ſey als GOtt zu ehren
Der ſie in den Mund gelegt;
Eure eigne Haͤnde weiſen,
Daß ein Schoͤpfer ſey zu preiſen
Der nach einen weiſen Rath,
Sie gelenkt gebildet hat.
Fragt das Herz: Ob ein Geſpiele,
Und ein blindes Ohngefehr,
Daß ohn Geiſt und ohn Gefuͤhle,
Seiner Brunnen Quelle waͤr;
Fraget eure eigne Ohren,
Ob ſie ſo von ſelbſt gebohren:
Jedes ſagt: O Nein! o Nein!
Es muß GOtt, ein Schoͤpfer ſeyn.
Frage bei dem Zweiffeln, Wanken,
Was du vor ein Wunder biſt,
Dich nur ſelbſt in den Gedanken,
Was dein Auge an dir lieſt:
So wirſt du an allen Werken
Eine weiſe Gottheit merken;
Die Empfindung wird dich lehrn,
Daß ein GOtt, der zuverehrn.
Dich empfind ich, groſſer Schoͤpfer,
Dich erkenn ich an mir klar;
Jch bin Thon, du biſt der Toͤpfer,
Welcher mich recht wunderbahr,
Durch
[94]Preis GOttes wegen der
Durch die Allmachts-Hand geleitet,
Jn dem Mutterleib bereitet;
Es erkennt mein reger Sinn:
Durch dich bin ich, was ich bin.
Waͤren alle Glieder Zungen,
Alsdenn wuͤrde doch von mir,
HErr! dein Ruhm nicht gnug beſungen.
O! ſo wuͤrde deine Zier,
Deine Weisheit, die dich ſchmuͤkket,
Die du an mir abgedruͤkket;
Deine Macht, doch nicht erklaͤrt,
Die mein Herz empfindend ehrt.
Es erkennet meine Seele
Daß ich wunderbahr gemacht,
Und aus einer dunklen Hoͤle
An des Tages Licht gebracht.
Solt ich dir dafuͤr nicht danken,
Daß du mich aus engen Schranken
Drin ich lag, ganz unverlezt,
Jn die groſſe Welt geſezt?
Schauplaz groſſer Meiſterſtuͤkke,
Erden-Ball, gewoͤlbtes Blau!
Da ich dich nunmehr erblikke
Leget ſich mir auch zum Schau,
Jn der Kreaturen Menge,
Und den ſchimmernden Gepraͤnge,
GOttes Weisheit, die was ſtrahlt,
Mit den Almachts-Finger mahlt.
Du
[95]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Du o! reiche Wunderbuͤhne,
Die ein breiter Vorhang dekt,
Der durch holdes Blau und Gruͤne
Jn uns rege Luſt erwekt!
Buͤhne von geflammten Bogen,
Die du biſt ganz uͤberzogen,
Mit der Farben Wunder-Schein,
Du ſolt hier mein Eden ſeyn!
Jn der Erden Luſtrevieren,
Will ich allenthalben ſehn,
Und das wird mir auch gebuͤhren,
Da ich kan die Augen drehn
Hoch zu dem beſtirrnten Himmel,
Niedrig zu dem Kraut Gewimmel;
Dieſes giebt mir Unterricht,
Wie ich nuͤzze das Geſicht.
Du haſt mich o! GOtt gebauet,
Daß ich aufrecht ſtehen kan,
Wo mein Auge nur hinſchauet,
Sieht es deine Wunder an;
Blik ich in die heitre Ferne,
Sehe ich das Heer der Sterne
Und der Himmel koͤmmet mir,
Wie beſchriebne Taffeln fuͤr.
Dieſe guͤldnen Lettern, Zeilen,
Strahlen mir gleich ins Geſicht,
Scheinen auf viel tauſend Meilen.
Wenn man es in Wort ausſpricht,
Was
[96]Preis GOttes wegen der
Was ich kan darinnen leſen,
So heiſt es: Das Hoͤchſte Weſen
Und der groſſe Jehovah
Scheint zwar fern, und iſt doch nah.
Blik ich vor mir in der Naͤhe,
Und beſchau der Erden Rund,
So macht mich wo ich hinſehe,
Jede Kreatur dies kund:
GOtt iſt guͤtig, maͤchtig, weiſe,
Und zu ſeiner Gottheit Preiſe,
Sind wir, alle Ding der Welt,
Als Herolden aufgeſtelt.
So wil ich ſtets buchſtabiren,
Deine Wunder zu verehrn,
Die durchs Aug die Seele ruͤhren,
Die wir durch die Ohren hoͤrn,
Die wir in der Lufft, in Winden,
Riechen, ſchmekken und empfinden;
Weil dies nach der Menſchen Pflicht,
Als ein Gottesdienſt geſchicht.
Weil im A. B. C. der Sternen,
Jn der Kreaturen Schrifft,
Nicht der Weg iſt zu erlernen,
Wie man deine Gnad antrifft,
Die wir durch die Suͤnd verſcherzet,
Wie uns in der Seele ſchmerzet:
So ſol deines Wortes Schein,
Auch mein Licht und Leitſtern ſeyn.
Laß
[97]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Laß mich dadurch recht erkennen,
Daß ich ſey mit Schuld gebohrn,
Auch ein Suͤnder ſey zu nennen,
Der da von Natur verlohrn.
Der allhie im Kreis der Erden,
Muß ein neuer Menſche werden,
Durch des Worts und Geiſtes Krafft,
Welche uns verneuet ſchafft.
Wunderbahr iſt deine Gnade
Jn Natur- und Gnadenreich,
Du haſt mich im Waſſerbade,
Jn Geheimnis vollen Teich,
Wiederum ganz neu gebohren,
Und zum Himmelreich erkohren:
Hoͤr dafuͤr auch meinen Dank,
Jezt bei dieſem Lobgeſang.
Endlich ſteht des Geiſtes Huͤlle,
Unſer Leib, die Wunder-Uhr,
Wenn ſie abgelauffen ſtille,
Nach dem Lauffe der Natur;
Es verdampft das Lebens-Oele,
Jn des Herzens offner Hoͤle,
Und ſtoͤßt aus des Leibes Haus
Endlich Geiſt und Athem aus.
Die entſpannten Muskeln ſchwinden,
Nehmen immer taͤglich ab,
Endlich ſtarret das Empfinden,
Und da faͤlt der Leib ins Grab;
Vierter Theil. GDa
[98]Preis GOttes wegen der
Da ſinkt Haupt und Hand und Glieder,
Wie die Balken, Pfeiler nieder;
Fallen in den Schut und Graus,
Wie ein abgewohntes Haus.
Doch der Leib des Geiſtes Tempel
Bleibt in ſeinem Moder nicht,
JEſus zeiget im Exempel,
Was der Glaube uns verſpricht.
Er iſt wieder auferſtanden,
Und des Todes kalte Banden,
Muͤſſen dreinſt von hinnen fliehn,
Wenn wir andre Haut anziehn.
Alsdenn werden unſre Augen,
Die ein andrer Stand verklaͤrt,
Den im Glanz zu ſehen taugen,
Welchen man in Dunkeln ehrt;
Alsdenn werd ich dich im Lichte,
Jener Welt, von Angeſichte!
Hoͤchſtes Weſen, naͤher ſehn,
Als wir hie im Fleiſch verſtehn.
Laß mich aber unterdeſſen,
Da ich bin im Kreis der Zeit,
Ehrfurchtsvoll an mir ermeſſen,
Deine groſſe Herrlichkeit;
Laß mich HErr! zu deinem Ruhme
Jn der Welt, im Heiligthume,
Jm Geſchoͤpf und Bibel ſehn,
Wie ich ſol dein Lob erhoͤhn.
Jch
[99]wunderbahren Hervorbringung der Menſchen.
Jch bin HErr durch dich ein Wunder,
Jedes Glied zeigt mir es klar:
O! entflam der Andacht Zunder,
Auf des Herzens Brand-Altar:
Damit ich, das was ich habe,
HErr! als dein Geſchenk und Gabe
Dir zum Opfer moͤge weihn;
So kan ich recht dankbahr ſeyn.