[271] Die arme Schönheit

Mir gegenüber das schöne Kind,
Strickte sonst fleißig um's liebe Brod,
Barfuß doch lief sie bei Regen und Wind,
Schwarz war ihr Kopftuch, ihr Röckchen war roth;
Wenn ich sie grüßte, dankte sie schön,
Und ich mocht gern ins Auge ihr sehn.
Mir gegenüber sitzt nun das Kind
Müßig am Fenster, daß jeder sie schaut,
Hat sich gelocket die Haare geschwind,
Putzt sich in Seide wie eine Braut;
Wenn ich sie sehe, winket sie mir,
Wenn du sie grüßest, winket sie dir.
Hör' gegenüber du armes Kind,
Schande macht reich und die Schönheit ist arm,
Schande, die tauscht mit der Schönheit geschwind,
Daß sich doch Gott nur der Schönheit erbarm.
Siehst du zum Himmel, Gott siehet dich nicht,
Sieht kein geschminketes Angesicht.

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