123. Königsbach.

Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien, legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand, der Steinhausberg genannt. Uebrigens war Königsbach damals so groß, daß es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn [90] sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land abgeschnitten.

Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.

Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte. Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im Burgraume sehen.

In ein dortiges Gewölbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen Augen lag. Als er den Kopf zurückziehen wollte, war derselbe so geschwollen, daß, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden mußte. Nachher wurde das Gewölbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund gefunden.

Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Küfer an Fässer klopfen.

Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber Schneckenhäuschen. Er steckte eines davon ein und fand es später in einen goldenen Knopf von der Größe einer Doppelkarlin verwandelt.

[91] Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen mit Goldkäfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Käfer waren zu Goldmünzen geworden.

Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn gegangen, um Futter zu holen, aber über dem Geschäft ermüdet eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und plötzlich sah sie vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie ihn in ihre Schürze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie möge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden.

Im Burgraum hängt an manchen Mittagen feine weiße Wäsche, von der man nicht weiß, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb 11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden.

Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid, www.editura.de) veröffentlicht. Die Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen).

Lizenzvertrag

Eine vereinfachte Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in allgemeinverständlicher Sprache

Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek