[116] Der Wein

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Der Wein der Lumpensammler.

Oft schauen wir, wie in der Flammen rotem Flirren,
Im wehnden Flackerschein, bei der Laternen Klirren,
Im Schoß der alten Stadt, von Schmutz und Elend voll,
Dort, wo die Menschheit stöhnt in wetterschwangrem Groll,
Ein Lumpensammler kommt, der, wie ein Dichter schwankend,
Wild schüttelt mit dem Kopf, an alte Mauern wankend;
Und voll Verachtung für der Späher feilen Hauf
Läßt seinem Hoffen er im Rausche freien Lauf.
Er schwört Gelübde, gibt erhabene Gesetze,
Er hebt Gestürzte auf, zerreißt der Bösen Netze,
Der Himmel überwölbt ihn wie ein Baldachin,
Wie trunken macht der Glanz der eignen Tugend ihn.
Ja, diese Leute, die in Sorgen niederbrechen,
Die Arbeit schier zermalmt, die lange Jahre schwächen,
Gelähmt, sich bückend vor der Last gehäuften Schutts,
Die ausgespien Paris, ein wirr Gewühl von Schmutz,
Sie kommen vom Geruch der Fässer wie umflossen,
Mit kampfergrauter Schar, mit jubelnden Genossen,
Ihr Schnurrbart hängt herab wie Fahnen greisen Ruhms,
– Siegbogen, Blumen, all der Glanz des Heldentums
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Erhebt vor ihnen sich wie eine Zaubersonne,
Sie bringen, ganz betäubt vom Festlärm und der Wonne
Der Trommeln, des Geschreis, des Horns, der Strahlenpracht,
Die Glorie ihrem Volk, das Liebe trunken macht,
So rollt, auf daß er all die nichtge Menschheit letze,
Der Wein sein reiches Gold, ein Paktolos der Schätze;
Im Mund des Menschen singt sein Tun er, siegeshehr,
Gleich wahren Köngen herrscht durch seine Gaben er.
Den Gram zu tilgen und die Gleichmut sanft zu wiegen
All der Verstoßnen, die ergreist und stumm erliegen,
Gab reuig Gott den Schlaf, der tröstlich und gelind.
Der Mensch erschuf den Wein, der Sonne heilges Kind!

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