1. [Was ist mein Schatz - Eine Plättmamsell]LiederIrrgarten der LiebeGedichteBierbaum, Otto JuliusJeanette

Jeanette

1.

Was ist mein Schatz? – Eine Plättmamsell.
Wo wohnt sie? – Unten am Gries.
Wo die Isar rauscht, wo die Brücke steht,
Wo die Wiese von flatternden Hemden weht:
Da liegt mein Paradies.
Im allerkleinsten Hause drin,
Mit den Fensterläden grün,
Da steht mein Schatz am Bügelbret;
Hoiho, wie sie hurtig den Bügelstahl dreht,
Gott, wie die Backen glühn.
Im weißen Röckchen steht sie da,
Ihre Bluse ist blumig bunt;
Kein Mieder schnürt, was drunter sich regt,
Sich wellenwohlig weich bewegt,
Der Brüste knospendes Rund.
2. [Der Frühling kam, die Knospen sprangen]1. [Was ist mein Schatz - Eine Plättmamsell]LiederIrrgarten der LiebeGedichteBierbaum, Otto JuliusJeanette

[40] 2.
Im alten Ton

Der Frühling kam, die Knospen sprangen,
Da bin ich auf die Wiese,
Ja Wiese,
Alleine hinausgegangen.
Ich ging allein
Und kam zu Zwein:
Mit einem holden Kinde;
Das hab ich geküßt auf den roten Mund
Wohl unter der grünenden Linde,
Dem hab ich den Blick in die Augen gesenkt,
Das hat mir seine Liebe geschenkt
Und hat mir gelacht
Zum Lohn bei der Nacht,
Zur Seite geschmiegt mir im Bette:
Ein Waschermadl ist mein Schatz,
Mein brauner, mein wilder, mein lustiger Schatz,
Und heißt Jeanette!
3. [Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank]2. [Der Frühling kam, die Knospen sprangen]1. [Was ist mein Schatz - Eine Plättmamsell]LiederIrrgarten der LiebeGedichteBierbaum, Otto JuliusJeanette

3.
In enger Kammer

Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank,
Und mittendrin ein Mädel schlank,
Meine lustige, liebe Jeanette.
Braune Augen hat sie, wunderbar,
In wilden Ringeln hellbraunes Haar,
Kirschroter Lippen ein schwellend Paar, –
Jeanette! Jeanette!
[41]
Am Fensterbret ein Epheu steht,
Durchs grüne Geranke die Liebe späht,
Meine lustige, liebe Jeanette.
Thüre auf: da liegt mir am Hals das Kind.
Alleine wir beiden, es singt der Wind
Das Lied von Zweien, die selig sind, –
Jeanette! Jeanette!