[127] Lied

Wer nie geprüft, wer nie gefragt
Nach aller Dinge Grund,
Wer nie um Wahrheit sich geplagt,
Ob sie ihm werde kund?
Wer nicht den freien Blick bewahrt
Der Vorwelt und der Gegenwart,
Die er genießt, begreift –
Ist nicht zum Mann gereift.
Wer nie an einer That der Kraft
Den frischen Geist gelabt,
Wer niemals eine Leidenschaft
Sein Lebenlang gehabt,
Und nie ein überschwänglich Glück,
Und keinen großen Augenblick,
Der läutert und erhebt –
Umsonst hat er gelebt!
Wer nie ein liebes Weib umarmt,
Den Becher nie geküßt,
Er ist an Leib und Seel verarmt,
Von keinem Stern gegrüßt;
Dem hat sich auch kein Freund gesellt,
Der schleichet durch die schöne Welt
Ein Trostverlaßner hin –
Er hat es nicht Gewinn.

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