I [Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich]Aus: Verse I-VWaclaw Rolicz-LiederPolenZeitgenössische Dichter. Zweiter TeilGesamtausgabe der WerkeGeorge, StefanLied unter Tränen

[105] LIED UNTER TRÄNEN

I

Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich ·
Mit hundert riegeln versperrt in dem häuslichen kloster ·
Und rollt von der höhe des schmerzes gleich einer lawine
Den fluch auf das tal in dem nimmer er schreiten darf ...
Wer das herzleid behüllt mit bösem zorne und welchen
Gewundne gedanken hinführen durch abgrundswege
Ist gleich einem menschen eines erloschenen glaubens
Ohne gott ohne kirche ohne festtag und beten.
II [Ich hätte ohne zweifel das herzensrecht heute]I [Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich]Aus: Verse I-VWaclaw Rolicz-LiederPolenZeitgenössische Dichter. Zweiter TeilGesamtausgabe der WerkeGeorge, StefanLied unter Tränen

II

Ich hätte ohne zweifel das herzensrecht heute
Zu wandeln wohin mich unfrei gefühle führen ·
Am Weichselstrand hin im weinen aufzustöhnen
Wie einst die Juden an Babylons trüben gewässern.
Ich könnte gleich diesen altertümlichen Juden
So bangen schrei aus der tiefe der brust aufholen
Und ihn so vielfach modulieren mit schluchzen
Dass leichen röcheln würden · lebendige versteinern.
III [Wol hätte ich dies menschliche recht, doch zu sehr verführend]II [Ich hätte ohne zweifel das herzensrecht heute]I [Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich]Aus: Verse I-VWaclaw Rolicz-LiederPolenZeitgenössische Dichter. Zweiter TeilGesamtausgabe der WerkeGeorge, StefanLied unter Tränen

[106] III

Wol hätte ich dies menschliche recht · doch zu sehr verführend
Macht sich der erinnrung nymfe dem auge schön ·
Nicht ganz verblühte veilchen duften zu süss noch
Auf wäldlichen stegen wo schatten ziehn von zwei seelen.
Noch wurde die liebe · zweier herzen geheimnis ·
Nicht unterdrückt durch eigenwillige mächte
Und noch gleich zwei vögeln rufen sich dein mund und mein mund
Einander zu bei stiller bei träumender nacht.
IV [So also hinsitzend an heiliger gefühle orgel]III [Wol hätte ich dies menschliche recht, doch zu sehr verführend]II [Ich hätte ohne zweifel das herzensrecht heute]I [Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich]Aus: Verse I-VWaclaw Rolicz-LiederPolenZeitgenössische Dichter. Zweiter TeilGesamtausgabe der WerkeGeorge, StefanLied unter Tränen

IV

So also hinsitzend an heiliger gefühle orgel
Sing ich dem Herrgott mein lob für verflossene tage.
In wortlosen liedern und in biblischen tönen
Vergiesse ich dort mein wesen und all mein lieben.
Schon beben von mächtigen psalmen der seele gewölbe
Und wiegen sich schäumend anschwellende widerhalle ·
An wänden hängend schluchzen erinnerungs-bilder
Und Gott selbst · gleich deiner liebe · lächelt mir zu.