VorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Adolf Glaßbrenner
Die Verkehrte Welt

[1] Vorgesang

Ich hatte fast so viel wie Göthe's Faust
Vom ewigen Geheimniß mir gemaust;
Ich hatte mich in jeder Wissenschaft,
So weit sie nicht verpönt war und verpfafft,
Als guter Christ umhergetrieben;
Ich ochste in verschiedenen Logie'n;
Ich hatte mich in mancherlei Sophie'n
Versucht, und immer redlich nachgeschrieben:
Und war dabei doch ein Hans Narr geblieben.
Ich hatte Kopf und Magen mir verdorben,
Und war auch glücklich dran gestorben.
Man legte mich in einen Sarg,
Der aber, wie es uns die The-
Ologen prophezeit von je,
Nur meinen Staub, mein Schlechtstes, barg:
[1]
Kaum todt, so kroch durch Nase, Mund und Ohr
Mein Geist aus Herz und Kopf hervor;
Just im Moment, als Ich ihn aufgegeben,
Erwachte Er zu seinem wahren Leben,
Gab noch dem Körper einen Schlag,
Weil er durch dessen Schuld so lang in Fesseln lag,
Warf Alles fort, was ihm hier angemeistert,
Was ihm die Schule, Sitte und Gesetz
Und alle Zappelnden im weiten Bildungs-Netz
An seiner Freiheit hatten angekleistert;
Behielt nur Das, was er in keckem Muth
Ursprünglicher und frischer Zeugungskraft
Sich selber in sich selbst geschafft,
Und wurde so, wenn ich nicht irre: absolut.
Mein Geist war überall, in allen Nähen, Fernen:
Er sprach mit Blumen, glänzte aus den Sternen,
Sang mit den Nachtigallen, war ein Stück Mission
Von Frankreichs Louis, von Napoleon;
Sprach aus dem Donner, aus Geheimenräthen,
Aus Wogenliedern und aus Bartverbots-Decreten!
Er war, uneingeschränkt von Zeit und Raum,
Lichtaufgelöst im großen, ew'gen Ur,
[2]
In höchster Wirklichkeit, in schönstem Traum
Als Wesenheit in Gott, als Gott in der Natur.
Bald aber ward ihm dieses Erden-Himmelsband,
Die Allgemeinheit, furchtbar ennuyant,
Das Anundfürsichsein, ach, viel zu weit und stät!
Er dissonirte noch in den Accorden
Der freien Einen Harmonie,
Der Alldurchfluthenden Sympathie;
Er war noch nicht ganz Er geworden,
Und sehnte sich zurück nach Subjectivität.
Kaum rief er diesen Wunsch, so ward ich wieder Ich
Und kam, im höchsten Geister-Sinn, zu Mich,
Da jenes Ich des Mir, zu dem ich nicht gekommen,
Das kleine Sternchen Erde hatte weggenommen.
Gottlob, ich ward Subjekt! Ich hatte Frack und Hosen;
Ich brauchte nun nicht mehr im Sturme mitzutosen,
Nicht mitzublühn und duften mit den Rosen,
Nicht zu entspringen aus der Konstitutionellen
Gehirn, um zu citir'n Gesetzesstellen!
Nicht mitzu-zirpen, meckern, blöken, schrei'n!
Ich brauchte nicht kartoffelkrank zu sein,
[3]
Nicht mitzuweinen bei der Armuth Lasten,
Nicht mitzujubeln wenn die Reichen praßten,
Nicht mitzukrähen wenn die Krähe krächzte,
Nicht mitzuseufzen wenn der Fällbaum ächzte,
Nicht mitzureimen in dem ew'gen Sterngedichte!
Mein Geist war dieser Objectivität so satt!
War noch nicht reif für sie! Ich wurde müd' und matt,
Und setzte wieder mich mit J.G. Fichte.
Zurück! erscholl's durch alle Tausend Himmel,
Und plötzlich wurde jede Kraft Gestalt;
Ich sah den Geist, umgeben vom Gewimmel
Lammfrommer Engel, nun als Eine Gottgewalt.
Zu seinen Füßen lagen Hella's Menschengötter
Mit Dornenstacheln in der blut'gen Brust,
Und hinter ihnen stand der alte Spötter
Der Negation, sich seines Werths bewußt.
Er lachte höhnisch, packte mich beim Kragen
Und flog mit mir durch's weite Sternenzelt;
So ward ich Millionen Meilen weit getragen
Bis zu dem Sterne: »Die Verkehrte Welt.«
Es ist ein Stern, den allerdings die Gnomen,
[4]
Die allerdings sehr klugen Astronomen,
Verleugnen werden und verlachen;
Den aber ich durch Erd-Autoritäten –
Und wenn sie ihn mit Füßen träten –
Mir nicht zum Humbug lasse machen!
Es ist ein Stern nicht weit vom großen Bären,
Der Venus und Asträa im Gesicht,
Liegt in der Mitte beider Hemisphären
Und hat, wie unsre Erde, wenig Licht.
»Hier, Erdenwurm!« so rief der Satan grinsend,
»Hier sollst du bleiben, bis dein Geist gereift;
Bis er, aufgehend in dem Wust der Allmacht,
Den süßen Egoismus abgestreift!
Leb' wohl, und klinge nur nicht gar zu balde
In jene Harmonie der Bläße ein!
Bleib', was du bist, du bist drum nicht verlassen:
So lange du ein Ich bist, bist du mein!«
Mit diesen Worten war der Narr verschwunden;
Ich aber stand in der Verkehrten Welt,
War Mensch mit halben Menschen, hatte Stiefel
Und Hosen an und in der Hose Geld;
[5]
Ich aß und trank, und hatte Tausend Pläne,
Und war beim ersten schon erschlafft;
Ich lästerte an Andern Meine Fehler,
Und fand mich selbst untadelhaft.
Ich log und prahlte, wußte Tausend Dinge,
Die all' zusammen keinen Heller werth;
Ursprünglich Großes ward von mir bespöttelt,
Das Angebettelte verehrt;
Das ew'ge Wunder nannte ich gemein,
Das Schlecht-Abnorme aber wunderbar,
Was auf der Hand lag, wühlte mir im Kopfe,
Das Niebegreifliche, das war mir klar;
Verzerrtheit und Verleugnung hieß ich Sitte
Und tanzte wie ein Bär nach ihren Pfeiferei'n;
Verbuhlte Kraft, erblaßter Geist und Wille
Galt als gebildet, vornehm mir und fein;
Die Eitelkeit zerstörte meine Sinne;
Ich fühlte mich, das Andre war mir fremd;
Ich log der Wahrheit vor, daß ich sie liebe,
Und fand die Schönheit nur im plumpen Hemd;
Ich spei'te auf den kecken Blitz des Geistes,
Der aus dem Genius der Freiheit flammt;
Ich rutschte auf den Knien vor allen Götzen
[6]
Der Tradition und hielt mich für verdammt;
Ich schlang den Lorbeer um den trocknen Jammer
Den man Ehrwürde, Ernst und Sitte nennt,
Und zürnte auf die Heiterkeit, die goldne,
Der Geister glücklich Element;
Ich schrie nach Freiheit draußen vor der Thüre,
Und trat in's Haus und herrschte als Despot;
Ich war Despot, und folgte blind und knechtisch
Der Narrheit und der Bosheit Machtgebot;
Ich schrie nach Freiheit, ich, mein eigner Sklave
In meiner Schwächen, meiner Laster Koth,
Ein Wesen, Gott und alle Welt studirend,
Und neidisch-geizend um des Nachbars Brod,
Das kränkelt, jammert, heult durch's ganze Leben
Und dennoch schreckt und zittert vor dem Tod!
Kurz: statt zu leben mußt' ich wieder beben!
In's alte Dasein wiederum begraben
Ward der Verkehrten Welt ich hingegeben:
Ein Mensch, ein Geck, mit manchen hübschen Gaben!
Was ich nun hier erlebt, gehört, erblickt,
Ich hab's, so weit es mir im Kopf geblieben,
Zur Kurzweil und Belehrung aufgeschrieben
[7]
Und hoffentlich Euch unten zugeschickt.
Ich bring' das Manuscript, verpackt und eingenäht,
Und auch frankirt, zur Sternenschnuppen-Post,
Die jedes Mal bei glücklichem Nordost
Von hier direct nach Deutschland geht.
So wird's – falls auf der letzten Station,
Zwei Tausend Meilen von der Erden,
Wo alle Güter für jedwede Nation
Geordnet und hinabgeworfen werden,
Nicht ein Versehn geschieht – und falls mein schön Gedicht
Wie sein Poet, fest seine Richtung hält,
Und nicht in's Wasser und, durch Zufall, nicht
Herrn Hassenpflugen vor die Füße fällt –
Und falls im deutschen Land noch ein Verleger lebt,
Dem's prinzipiell nicht gänzlich widerstrebt,
Ein solches Opus ohne Honorar zu drucken
Und den Gewinn allein zu schlucken –
So wird es, nein! und falls die Muckerei,
Die manchen Orts ein wenig spionirt,
Dies Buch nicht etwa in der Druckerei
Verpönt und als gefährlich confiscirt,
Weil schon der Titel, den es bringt,
Zu Mißvergnügen höchst erregend klingt –
[8]
So wird es überall, auf Sopha's und auf Stühlen,
Am Thron, am Arbeitstisch und an den Herden,
In weichen Betten und auf harten Pfühlen,
Von adligen und bürgerlichen Wesen,
Von Dummen und von Klugen viel gelesen,
Und von den Klugen sehr gepriesen werden.
Doch bitt' ich Euch, Ihr Herrn und schönen Frauen,
Daß Ihr hier nicht nur die barocksten,
Heterogen- und paradoxten
Geschichten hören wollt und schauen!
Zwar bring' ich viel Extravagantes,
Doch auch mitunter ganz Bekanntes,
Und wer nur Jenes hat gewollt,
Und etwa mir, dem Stern-Touristen,
Dem mit dem Tod belohnten Christen
Und himmlisch-sel'gen Humoristen
Ob manches Widerspruches schmollt:
Der hat, und wäre er selbander
Arago und der Kosmos-Alexander,
Und hätte er ein Glas vom feinsten Schliffe,
Von diesem Sterne hier und seinem Leben
Die allerältesten und darum eben
[9]
Die allerfalschesten Begriffe!
Nicht Alles ist in der Verkehrten Welt
So ganz verkehrt und auf den Kopf gestellt,
Wie's drunten meinen Hinz und Kunz!
Nein, Vieles ist, ich kann es Euch beschwören,
Und Ihr sollt's selber sehn und hören:
Ganz so vernünftig wie bei uns.
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Eine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Eine Rundschau

Die Residenz, in der ich mich befinde,
Heißt Dummdummdumm, und ist halb Stadt, halb Land,
Ein bunt Gemisch von Stall und Pallast, ein Gewinde
Von Gärten, Straßen, Fluß und Feld und Sand;
Thür, Thor und Fenster bleiben unverschlossen;
Es zeigen hier die Wesen alle sich,
Halbmenschen und Halbthiere, öffentlich
In ihres Lebens Tragödien und Possen,
In allem Thun und Treiben, gut und schlecht,
In Arbeit und Gebet und Unterhaltung,
In ihrem Hassen wie in ihrem Lieben,
Und einzig nur das öffentliche Recht,
Die Politik und die Finanzverwaltung,
Die werden auf das Heimlichste betrieben.
[11]
S'ist Frühlingszeit! Ein rabenschwarzer Schnee
Fällt pfeifend aus dem grünen Himmel nieder;
Verklungen sind des Pfauen holde Lieder,
Die Nachtigall sitzt auf dem Galgen wieder
Und krächzt der blauen Erde vor ihr Weh.
Auf hohen Felsen, ganz mit Eis bedeckt,
Flicht schlittschuhlaufend man die vollen Garben;
Die Thäler unten haben sich erkeckt
Zu kleiden sich in schwarzrothgoldne Farben;
Die Sonne sinkt in Osten nieder, dann
Erscheint der Mond mit hellen, heißen Strahlen;
So wird es Tag! Man steckt Laternen an,
Und wer schon Greis, und nicht verlassen kann
Sein Zimmer mehr, der muß dafür bezahlen.
Das Thermometer steht auf Dreiundneunzig –
Just wie die Staatsanleihe – unter Null!
Dabei die Damen ohne Unterröcke, einzig
In einem Kleid von lichtem, leichtem Mull.
Die Herren gehn im Frack mit rothen Mützen,
Wie es die gute Sitte hier erlaubt;
[12]
Die Reichen transpirir'n, die Armen schwitzen,
Doch wischen Beide sich den Schweiß vom Haupt.
Der Tag ist da mit allen seinen Sorgen;
Ihr Alphorn bläst von fern die Polizei;
Die Henne kräht verkündigend den Morgen,
Im Winkel dort legt schon der Hahn ein Ei;
Die Hunde putzen sich, die Katzen bellen,
Die Lerchen brüllen in den Ställen;
Die Ochsen heulen, fette Kühe schwingen
Sich jubilirend auf, und in dem Rock von Drill'ch,
Die vollen Eimer tragend, bringen
Schon die Geheimenräthe ihre Milch.
Schimpfend und prügelnd auf die trägen Dohlen,
Bringt hier der Künstler seinen Mehlsack fort,
Und viele hundert Esel, schwarz wie Kohlen,
Umflattern jenen alten Kirchthurm dort.
Der Cavalier schärft seine blanke Sense
Und geht zur Arbeit, froh und frisch;
Es sitzen um den langen Kaffeetisch
Gespreizte, alte, schnatterhafte Gänse;
[13]
Die plumpen, kugelrunden Tauben grunzen
Und wälzen sich in koth'ger Gruft;
Man hört die Magd die Hausfrau 'runterhunzen;
Der Drescher schimpft den Pächter: fauler Schuft;
Das gnäd'ge Fräulein buttert hier die Sahne;
Der Knabe dort schwingt lustig seine Fahne
Und treibt die holden Schweine in die Luft.
Der Garten-Rath pflückt von der schlanken Eiche
Nachtmützen ab, vollsaftig, reif und süß.
»Löscht aus das Licht!« ruft jetzt der vornehm-reiche
Nachtwächter, drohend mit dem scharfen Spieß.
Zwei junge Hasen, buntgekleidet, wichsen
Den Schnauzbart sich, und nehmen ihre Büchsen,
Vom Hund geladen, schwingen sich auf's Reh
Und rufen schnarrn'den Nasentons: »Auf Ehre,
Es wär' Pläsir, wenn heut im Wald von Klee
Ein schmuckes Jägerchen zu schießen wäre!«
Die Jungfrau sitzt auf ihrem Sorgenstuhle
Mit bleichen Wangen und gefurchter Stirn;
Die Greise gehn verdrießlich in die Schule,
Der Jüngling näht und strickt und wickelt Zwirn,
[14]
Und fertigt Hemden und säumt Taschentücher,
Stickt sich Manchetten, macht sich seinen Zopf –
Die Frauen reiten, schreiben lange Bücher,
Und Männer schaffen an dem Suppentopf.
Gemeine Knechte fahren in der Chaise
Nach Hofe hin, wie Narren aufgeputzt;
Der Landrath bringt zu Markte Wurst und Käse,
Vom langen Weg ermüdet und beschmutzt;
Dort schleppt sich eine Waschfrau fort auf Krücken,
Wer sie erblickt, macht seine Reverenz,
Zieht seinen Hut, krummbuckelt seinen Rücken
Und nennt das alte Waschweib: Excellenz!
Jetzt seh' ich, welch ein herrlicher Genuß!
Die zierlich-reizend freundlichen Gensd'armen!
Wem sie begegnen, der kriegt einen Kuß,
Wer ihnen nah' kommt, liegt in ihren Armen!
Sie sind so sehr beliebt, daß immer nur
In ihrer Tracht der Sultan darf erscheinen;
Käm' er je anders, zeigte sich,
Wie man mir sagte, sicherlich
[15]
Von Enthusiasmus keine Spur,
Und keine Seele würfe ihn mit Steinen.
Nun öffnet sich eins jener grauen Klöster
»Zur ew'gen Tugend,« und es tritt heraus
Ein junger Leierkastenmann, genannt der »Tröster,«
Der fromme Götzenpriester Sanktus Klaus;
Ihm folgen betend die Putzmacherinnen
Im zücht'gen Schleier und Cypressenkranz,
So ziehn sie nach dem Markt hin und beginnen
Dort den uralten, heil'gen Polkatanz.
Die Landarmee in der verkehrten Welt
Besteht aus Hunderttausend kleinen Knaben,
Die blutigrothe Uniformen haben,
Auf Steckenpferden durch die Straßen traben,
Und in Casernen und in Zelt und Feld
Verprassen ihrer armen Väter Geld.
Hier ziehen, ihre Butterbrode schmausend,
Die kleinen Körper alle kerzengrade,
Steif und geschnürt, wohl eben gegen Tausend,
Der Kindertrommel folgend, zur Parade.
[16]
Sie schau'n martialisch hin auf ihre Mütter
Und auf die Väter in der Gaffer Runde,
Doch beißen sie nur Brod, und Keinen dieser Ritter
Verunziert eine Narbe oder Wunde.
Es zog seit frühstem Morgen pfeifend schon
Der elegante Lumpensammler durch die Stadt;
Jetzt liefert er, was er gewonnen hat,
Ab an die »Bunte-Lappen-Commission«.
Dorthin drängt Alles und umringt den Karren,
Was mehr und wen'ger toll ist und verrückt;
Es zittern vor Begier Dummdummdumm's Narren,
Bis ihren Hintern solch ein Lappen schmückt.
Hoch aufgerichtet auf dem Walle geht
Das allgemein verehrte Rindvieh promeniren;
Die alte Edelkuh läßt sich von Kälbern, seht!
Großmäul'gen und glotzenäugigen, hofiren,
Und auch die junge Kuh, die mit dem Fächer weht,
Uebt, hinter ihr, sich schon im Coquettiren,
Nimmt knixend an von einem alten, welken,
Verliebten Ochsen einen Strauß von Nelken,
Und läßt dafür sich ein Glas Milch abmelken.
[17]
Die Straßen reinigen nun die Rentiers;
Hoffräuleins rufen Grünes aus und Eier;
Es betteln rings die hungrigen Banquiers,
(Dem Einen, Rothschild hieß er, schenkt' ich einen Dreier)
Der Arzt haut mit dem Stocke, schimpft und flucht
Auf alle Kranken, fährt nur zu Gesunden;
Der Fiscus in der Uniform besucht
Flinklaufend mit dem Scheersack seine Kunden;
Es gehen die Minister Haus zu Haus
Durch alle Straßen, alle Gassen,
Und tragen die Regierungszeitung aus,
In der sie für des Bürgers Geld –
O, über die verkehrte Welt! –
Sich und ihr Treiben täglich loben lassen.
Ein Handelsherr, ein aufgeblas'ner, reicher,
Löscht seinen Dämpfer »Liebe« an der See,
Wirft schwarze importirte Menschen in den Speicher,
Männer und Frauen premiere qualité,
Und exportirt daneben weiße Menschenwaare,
Die, hier gedrückt, gemartert und geprellt,
Den letzten Fluch flucht und die letzten Jahre
Verleben will fern der verkehrten Welt.
[18]
Dort courbettirt ein eitles Pferd, ein Schimmel,
Auf einem wieh'rnden Vollbluts-Lieutenant
Vor einer Bayadere, die dem Himmel
Schmerzvoll ihr frommes Auge zugewandt;
Barmherz'ge Schwestern, wein- und liebesüchtig,
Schnauzbärtig und mit Schmarren ruhmbedeckt,
Die sitzen vor der Kneipe, kneipen tüchtig
Und singen, lang die Beine ausgestreckt.
Studenten, die vorbeigehn, halten züchtig
Ihr Köpfchen unterm Sonnenschirm versteckt.
Hier ehrt man Einen mit des Mordes Brandmal,
Dort schleppt man einen edeln Dichter fort;
Hier stellt man einen Bürger auf am Schandpfahl,
Weil er gehalten streng sein Manneswort;
Dort prügelt ihren Prior eine Nonne,
Weil er das schöne Kind zu selten küßt,
Und hier den alten Grafen dessen Bonne,
Weil er Nichts lernt und ungezogen ist,
Den Müller dort der weiße Schornsteinfeger,
Weil jener ihm die Atlasschuh' beschmiert,
Und hier der Autor wüthend den Verleger,
Weil dieser ihn zu hoch stets honorirt!
[19]
Verdammter Unsinn ist dieß Alles, ja!
Schier um uns den Verstand zu rauben!
Und hätt ich eh'dem größern nicht gesehen,
Ich würde Das, was hier geschehen,
Mir selber nicht, der ich doch selbst es sah,
Geschweige irgend einem Andern glauben.
Zweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Die Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Die Gräfin Lotte

Morgen war's; der Mond stand hoch im Westen;
Auf sprang ich vom Federposen-Lager,
Und stieg schnell in das Champagnerbad,
Das die Gräfin schon bereitet hatte,
Welche Lotte von der Lottburg hieß,
Treu als Magd mir diente und dafür
Monatlich mir dreißig Scudi zahlte.
»Herr!« sprach sie, mit feinen schwarzen Linnen
Sich den zarten Körper eifrig reibend,
Um den meinigen zu trocknen: »Herr!
Eh' der Ewigkeiten Stunden Eine
Sechzig der Minuten ausgeathmet;
Eh' der müde Mond sich noch gelegt hat
In der Wolkenkissen Purpurlager,
Und der schöne, finstre Tag heraufkommt:
[21]
Wird die Zwanzig Zehen seiner Füße,
Unser Land durch ihren Tritt beglückend,
Sultan Pumpel-Pampel von Dummdummdumm,
Der Beherrscher aller Dummdummdummer,
Richten her nach diesem Deinem Stalle,
Unter der Kanonen Donnerknalle!«
»Kürzer, glaub' ich, gnädige Comtesse,
Hätten Sie mir dieses melden können,
Wenn die Denkkraft dieser edeln Stirne
Meines schönen Hauptes sich nicht irret.
Doch: ist's wahr, daß Seine Hoheit selber
Sich höchsteigenfüßig zu bemühen
Her zu mir die hohe Absicht haben?«
»Herr, es ist so,« gab die Magd zur Antwort:
»Ganz, wie ich durch meine Lippenrose
Silberklingenden Organs gemeldet.
Ja, es wird der Sultan von Dummdummdumm
Deinen Stall betreten, Dich, den Fremden,
Hier begrüßen und die saure Gurke
Und den Pampel-Orden dar Dir reichen,
Wie es dessen Schuldigkeit und Amt ist
[22]
Seit Jahrtausenden, der von den Göttern,
Wahrhaft konstitutionell zu herrschen
Ueber die verkehrte Welt, verdammt ist.«
Also sprechend hatte die Comtesse
Einen goldnen Frack mit Silberknöpfen,
Als bequeme leichte Morgenhülle
Dargereicht mir freundlich, um in solcher
Nun das leck're Frühstück, das bereit schon,
Vor des Sultans Ankunft einzunehmen.
Aber hell auf schlug sie eine Lache,
Als ich jetzt nach einer Schaale würz'gen
Kaffee's griff und solchen trinken wollte.
»Nein, bei allen Göttern«, rief sie lachend,
»Solche Huld darf ich Dir nicht erlauben,
Deiner niedern Gräfin zu erweisen.
Wie, Du wolltest selber, hi, hi, hi!
Deine Lippen mit dem Tranke netzen?
Nein, Herr, das ist Sache Deiner Magd!
Dir gebührt als Frühstück dieser Rauch!
Du erquickst Dich an dem kräft'gen Gase,
[23]
Welches, wie du siehst, aufkreiselnd zieht
In den Schornstein Deiner edeln Nase.«
Und mich schnuppernd ließ die Gräfin stehen;
Setzte sich in eine Sammt-Bergère;
Trank drei Schaalen würz'gen Moccakaffee's,
Noch durch Zucker, Mandelkuchenschnitte
Wie durch schönen, fetten Rahm geköstlicht.
Als ich so auf allerdings bequeme
Und sublime Art gefrühstückt hatte,
Hörten wir: »Heil unserm dummen Sultan!«
Unterbrochen von Kanonendonner,
Jauchzend auf der Straße unten schreien.
»Eiligst Deinen Frack fort!« rief die Gräfin.
»Wirf den Schlafrock hier, den buntgeblümten,
Ueber Deines Körpers holde Glieder!
Dunkle mit dem kecken Calabreser
Den romant'schen Mondschein Deines Hauptes;
Leime – da Dir Keiner ist gewachsen –
Diesen Knebelbart Dir in das Antlitz;
[24]
Stecke Deine Füße in Pantoffeln,
Und den Dolch hier in den Gurt des Schlafrocks!«
»Wie«, rief ich, »in solcher Kleidung sollt' ich...?«
»Niemand«, unterbrach mich die Comtesse,
»Darf den Sultan anders je empfangen
Noch sich Seiner dummen Hoheit nahen!
Wagt' es Einer ohne Calabreser!
Ohne Dolch und Schlafrock und Pantoffeln,
Oder bartlos vor ihm zu erscheinen,
So verurtheilt das Gesetz, o Jammer!
Ihn: Zehn Jahr lang täglich zuzuhören
Den Verhandlungen der Ersten Kammer!«
Eiligst ließ hierauf von meiner Gräfin
Ich mich putzen und zurecht mich stutzen,
Und von Allem g'nau mich unterrichten,
Was die strenge Etikette fordert
Hier im Reiche der Verkehrten Welt.
Drittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Der Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Sultan und sein Hof

Lotte klopfte; klopfte nämlich, weil man draußen rief: Herein!
Und es traten das Kindermädchen, das bei Sultans diente, ein,
Auf dem Arm den jüngsten Prinzen, General der Cavall'rie,
Eine Hoheit von Acht Wochen, welche ganz abscheulich schrie.
Erst nachdem das hohe Würmchen lutschbeutlig beruhigt war,
Reichte Pumpel-Pmapels Magd mir die Visitenkarte dar.
Zehn Minuten ließ ich höflichst unten im Kartoffelgarten
Den Beherrscher von Dummdummdumm mit dem Hofgefolge warten.
[26]
Dann schrie Lotte aus dem Fenster. »Mein Gebieter – heda, Sultan!
Nimmt nunmehro die Visite in Herablassung und Huld an!«
»Schön!« erwiederte der Herrscher und stieg auf zu mir die Treppe.
Zwanzig Professoren trugen seine lange Purpurschleppe.
Neben ihm der Ober-Henker (er hieß hier »Gedankenrächer«)
Seiner dicken Hoheit wedelnd Kühlung mit dem Kuhschwanzfächer.
Sechszehn Tänzerinnen hielten über ihn den Baldachin,
All' von reizender Figur und – angekleidet, wie mir schien.
Fahsionable Bettelmönche gingen Arm in Arm zusammen
Mit Zehn unentweihten Jungfrau'n: approbirten Hebeammen.
Ferner folgten Dreizehn Ritter, edel und grundsteuerfrei,
Sechs die große Pauke blasend, Sieben trommelnd die Schalmei.
Dann der Leibpfaff der zugleich des Harems oberster Eunuche;
Dann der Zwerg, der Lustigmacher, mit dem Reichsgesetzesbuche;
[27]
Ferner noch der Koch, der Hofarzt und ein großer Stabstrompeter,
Kammerherrn und Kammerdiener und ein kleiner Volksvertreter,
Der, getragen auf den Armen des Ministerpräsidenten,
Einschlief beim Gesang der andern hohen Diener des Regenten.
Endlich kamen noch zwei Dutzend Götzen-Pfaffen, Einer feister
Als der Andre, und zum Schluß ein kugelrunder Kellermeister.
»Fremdling!« sprach zu mir der Sultan, tief und ehrfurchtsvoll sich bückend:
»Deine Ankunft, Mich, den Herrscher, und ganz Dummdummdumm beglückend,
Sei mit aller Götter Segen hoch von heute an gesegnet,
Bis zur Zeit, von der verkündet, daß es goldne Scudi's regnet!«
»Möchten sie,« war meine Antwort, »dann so dicht herunterfallen,
Daß sie, trotz der harten Schale, Deinen Schädel Dir zerknallen!
[28]
Denn es dürften sich so leicht nicht andre Räume finden lassen,
Die, wie jene Deines Hauptes, so viel goldne Scudi's fassen!«
Pampel, bei den ersten Worten zürnend noch die Stirne runzelnd
Fühlte durch die feine Wendung sich gechmeichelt und gab schmunzelnd
Mir mit hochhöchsteignen Fingern einen starken Nasenstüber
Als ein Zeichen seiner Gnade, und ich sprach, da dies vorüber:
»Herr, auf andern Sternen spreizt sich mancher Ochse, manche Kuh,
Doch auf keinem Sterne, Sultan, lebt solch' großer Ochs wie Du!
Deine Dummheit überbietet alle Dummheit, die man kennt,
Selbst die, welche Weisheit, Ordnung, Sitte und Geduld sich nennt.«
Diese Lobsalm-Uebertreibung, diese tolle, unverbrämte
Höfisch-freche Lüge, der ich mich im tiefsten Herzen schämte,
[29]
Sie verfehlte ihren Zweck nicht: Pampel klopfte sich den Bauch
Und (hier höchster Wonne Zeichen) dessen Schattenseite auch;
Küßte mir den Saum des Schlafrocks, leckte meinen Knebelbart,
Kurz, that Alles, was ihm vorschrieb Hof und feine Lebensart,
Und als ihm der Ober-Mufti zurief, daß es nun genug sei,
Gab er mir noch die Versich'rung, daß auch ich durchaus nicht klug sei;
Daß auch meine Dummheit, wenn auch keine so erhab'ne, mächt'ge
Wie die seine, doch zu großen, schönen Hoffnungen berecht'ge.
Viertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Adel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Adel und Verfassung

»Jetzt verzeihe«, sprach der Sultan, wenn ich schuldigst mich erkecke
Vorzustell'n Dir meine hohen, staatsministeriellen Röcke.
»Röcke?« unterbrach ich fragend.
»Röcke, ja! So nämlich heißen
Die, die an dem Schiff des Staates sich als Ruderer befleißen.
Dieser hier ist der Finanzrock, der Marquis von Rumpel-Rampel;
Dieser fette Kerl der Kriegsrock, General von Wumpel-Wampel;
Jener ist der Rock des Cultus, Ober-Mufti Lumpel-Lampel,
Neben ihm der Rock der Prügel, der Baron von Krumpel-Krampel;
[31]
Dieser hier der Rock des Aeußern, Excellenz von Schlumpel-Schlampel;
Endlich hier der Rock der Krone, Präsident von Humpel-Hampel:
Sämmtlich Diener ihres Herren, ihres Sultans Pumpel-Pampel.«
»Aber, wie ist's möglich«, rief ich, »daß die Namen der geheimen
Räthe just sich, dummer Herrscher, alle auf den Deinen reimen?«
»Diese Frage, nimm's nicht übel,« sprach, indem er drei Mal schlug
»Vor die Stirne mir, der Sultan lachend: ist ein wenigklug!
Wer in unsrer Welt gereimt ist auf den Namen des Tyrannen,
Der gehört zum hohen Adel, der gehört zu seinen Mannen,
Und die glattesten und besten unter diesen Reimen, die
Kommen, abgesehn von Tugend, Fähigkeiten und Genie,
Und wenn sie auch täglich schössen kluge und gescheidte Böcke,
[32]
Eo ipso zur Regierung, werden meines Staates Röcke.
Dieser Census ist poetisch und verhindert abgefeimtes
Und ehrgeiz'ges Stellenjagen, und daß einmal Ungereimtes
In der Administration sich könnte irgendwie ereignen,
Da ja alle meine Ordern stets ein Rock muß unterzeichnen.
Endlich ist dies Grundgesetz auch nützlich bei Revolutionen,
Ließ das Volk, wie's auch empört war, stets die Form des Staates schonen;
Alles blieb, so wie's gewesen, nur daß mit dem andern Namen,
Den man auf den Thron schob, andre Reime an das Ruder kamen,
Ohne Rücksicht auf Charakter, Dummheit, Tugend und Genie,
Ausgewählt nur nach der höhern Eigennamen-Poesie.
Liest Du dieser Welt Geschichte, findst Du Knubbiacks, Knipse, Tapse,
Nichts von einem Volk', nur einzeln lauter Schubbiaks, Fips' und Flapse;
So regierte vor Zehn Jahren noch ein Herrscher Namens Kornox,
Dessen Oberrock reimmetrisch-selbstverständlich war ein Hornochs.«
[33]
»Hab' ich recht gehört, o Sultan, hocherhab'ner Dummheitsquell!
So ist dieses Reichs Verfassung wahrhaft konstitutionell?«
»Allerdings! Dreihundert Eigner von den minder reinen, lahmen,
Falschen, schlechten Reimen auf den jedesmal'gen Herrscher-Namen,
Die daher nicht gänzlich adlig aber doch von höh'rem Stande:
Diese werden zu Vertretern ausgewählt in unserm Lande;
Heißt – Du weißt, Ich, gegenwärt'ger Sultan, heiße Pumpel-Pampel –
Einer, zum Exempel: Humpell-Hampell oder Bumbel-Bambel
Oder ähnlich, und ist Vierzig Jahr alt, so qualifizirt er
Sich – Hepso! – zum Geldbewill'gen und ist folglich Deputirter.«
Mehr als über die verkehrten Pairs, als über die Dreihundert
Falschen Pumpel-Pampel-Reime, war darüber ich verwundert,
[34]
Daß beim Niesen hier die Nasen nicht »Hepsi!« wie anderswo
Heftig-prustend rufen, sondern klar und würdevoll: Hepso!
Und daß, als der Sultan nieste, sich sein Hof die Nase schnaubte,
Und dabei statt »Zur Genesung!« oder sonstwie, sich erlaubte
Eine Einladung zu rufen, die zwar weit und breit bekannt ist
Auch auf unserm Sterne unten, aber keineswegs galant ist!
Offnen Mundes vor Erstaunen aber stand ich da, als jetzt
Pampel sich nach allen Seiten hin verneigte und zuletzt,
Huld und Freundlichkeit in seinen unaussprechlich dummen Zügen,
Keine andre Antwort hatte als die Worte: »Mit Vergnügen!«
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Der Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Abschied des Sultans

Seine Excellenz der Kriegs-Rock spießte nun aus einem Fasse
Mit dem kurzen Kindersäbel eine grüne, essignasse
Gurke auf und steckte sie zur Hälfte in des Sultans Mund,
Duckte dann zu seinen Füßen, bellte, blaffte wie ein Hund,
Sprang dann wieder auf, auf mich los, und befahl mir, stracks ein gleiches
Hundebellen loszulassen vor dem höchsten Herrn des Reiches,
Dessen Calabreserhut mit meinem ihm vom Kopf zu schmeißen,
Und zum Schluß die halbe Gurke ihm vom Mund weg abzubeißen.
Dieser Cultus-Akt, durch den sich jeder sel'ge Erdensohn,
Der nach der Verkehrten Welt kommt, unterwerfen muß dem Thron,
[36]
Ich gesteh's, ist eine furchtbar alberne Ceremonie,
Wie in den civilisirten Staaten unsrer Erde sie –
Außer als ehrwürdige Sitte, da und dort und dann und wann,
Oder bei Gelegenheiten – ähnlich nie passiren kann.
»Nun Du, Fremdling, Dummdummdummer«, sprach der Sultan, »bist geworden,
Steck ich Dir an Deinen Rücken diesen Pumpel-Pampel-Orden.
Diesen mußt Du, so ist's Vorschrift, und ich darf Dir's nicht erlassen,
Tragen wie ein jeder Andre aus den ungereimten Klassen,
Tragen bis Du Dir erworben irgend ein Verdienst um Mich,
Und mein Prügel-Rock Dich freispricht öffentlich und feierlich.
Dann erst darfst Du Dir den Orden ab vom Rücken unten reißen
Und ihn einem Narren schenken oder auf die Straße schmeißen.«
[37]
Kaum, daß mir am Schlafrock hinten hing das lange Ordensband,
Hielt der Sultan hin mir seine allerhöchste off'ne Hand.
»Was begehrst Du, Herr?«
»Wie? Bist Du unterrichtet nicht, daß Du die
Staatsgebühren mir mußt zahlen: Fünfundzwanzig goldne Scudi?
Allerdings geschieht hier Ales par honneur, doch wenn die Ehre
Ausgeprägt nicht in verschied'nen Gold- und Silbermünzen wäre,
Könnte man sie ja nicht richtig nach des Staates Interessen,
Nicht in ihrem eignen Werthe, nicht nach Rang und Würde messen!
Ich, der ich die größte Ehre, Drei Millionen Pfund, genieße,
Was wär' ich, wenn ich auf Worte, statt auf Steuern mich verließe!
Nein, der Dummdummdummer, Fremdling, ist reeller Realist,
[38]
Und nimmt nur für baare Münze das, was baare Münze ist!
Zahl' drum die Gebühren!«
»Gerne, doch ich hab' kein Geld zur Hand;
Nimm hier diese Sultans-Scheine nach dem heut'gen Börsenstand.«
»Sultans Scheine? Diese Lappen? Was? Hältst Du mich für gescheidt?
Sieh nur, wie mein Hof empört ist über diese Schändlichkeit!
Solche Scheine haben Werth nur, wenn der Staatsschatz sie muß pumpen
Und den Bürgern damit zahlen; später sind sie nichts als Lumpen,
Lumpen, deren Wir, die Edeln, uns aus tiefster Seele schämen,
Niemals in die Hand, geschweige je als Zahlung an sie nehmen!
Zahl' die Kosten!«
[39]
»Ich erkenne selbige als meine Schuld an
Und will morgen, nimm mein Wort drauf ....«
»Baare Münze!« rief der Sultan.
»Ich beschwör's bei allen Göttern, hocherhab'ner, pudelnärr'scher
Sultan, morgen ....«
»Eid und Schwur? Spaß! Baare Münze!« schrie der Herrscher.
»Donnerwetter!« rief ich, »längst schon hättst Du sie, wenn ich sie hätte!«
»Da! nimm meine Repetiruhr mit der langen goldnen Kette
Als Versatz an und sei sicher, daß ich morgen aus sie löse!«
Rasch ergriff die Uhr der Sultan, schmeichelnd: »Sei doch nicht so böse!
Das ist Etwas, ja, das nehm' ich!« Warf sodann sich vor mir nieder
[40]
Plump auf beide Knien und küßte mir den Saum des Schlafrocks wieder;
Ließ dann von dem Obermufti und vom Kriegs-Rock auf sich heben,
Und thät mir – was zu erwiedern meine Pflicht war – huldreichst geben,
Als das vorgeschrieb'ne Zeichen, daß der Actus nun vorüber,
Einen sehr empfindlich starken, allerhöchsten Nasenstüber.
Und das Mädchen mit des Sultans jüngstem Wurm, dem General,
Der just, schreiend, zappelnd, strampelnd, anhub einen Mordscandal,
Führte wiederum den Zug an all der Hof- und Staats-Personen,
Die beim Jubelpfiff des Volkes und beim Donner der Kanonen
Nach dem Pumpel-Pampel-Schlosse, so gelegen ist inmitten
Der Palais der Adels-Reime, feierlich zurück nun schritten.
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Der StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Stiefelputzer

»O weh mir!« so schrie ich am Morgen darauf
Die Augen geöffenet kaum noch.
Ich fühlte schon wirkliche Prügel, trotzdem
Mich umfing ein lieblicher Traum noch.
»Hilf, Himmel! Was ist das? Er, Lümmel, wird Er –
Au! Au! – wohl in Ruhe mich lassen!«
So schrie ich, doch konnt' ich mich selber noch nicht,
Geschweige den Störenfried fassen.
Derselbe, er stellte sich vor als Wichsier,
Als ich endlich vollständig erwachte;
Er klopfete spanischen Rohres mich aus;
Die Comtesse, die Lotte, sie lachte.
Sie lachte, bis daß mir der Klopfer befahl
Nunmehr mir die Kleider zu rein'gen
[42]
Und ihm, daß er ordentlich aus mich geklopft,
Durch Siegel und Schrift zu beschein'gen.
Dann fuhr mit 'ner Bürste er über den Frack,
Den seinigen, einige Mal sich;
Sang mir das »Heil, Pampel!« die Volkshymne, vor
Mit vielem Gefühl, und empfahl sich.
»Er ist,« so erklärte mir Lotte, das Bad
Von rothem Champagner bereitend,
»Ausübender Ministerialrath, im Fach
Der spanischen Röhre arbeitend.
Da die Bürger den Kopf sich mit schlechten Ideen
Im Gespräch und aus Büchern vollpfropfen,
So läßt die Regierung tagtäglich sie
Des Morgens gehörig ausklopfen.
Ich lachte, weil Du, der Du freilich noch nicht
Dich an diese Erfrischung gewöhnt hast,
Die kein Dummdummdummer entbehren mehr mag,
So ergötzlich geplärrt und gestöhnt hast.«
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Der Barbier

Kopfschüttelnd entstieg ich dem Bade, da rief
Es »Herein!« und der Fiskus, der flinke,
Mit dem purpursammetnen Scheersack trat ein
Und reichte mir zum Handkuß die Linke.
Dann schob er mich fort und stellte mich auf,
Mit dem Rücken steif an, an der Thüre,
Und sagte, es koste den Hals mir, wenn ich
Bei dem Bartabnehmen mich rühre.
»Der Unterthan,« sprach er, »der wahre, darf selbst
Unter Schmerzen nicht mucken und zucken!
Den gerechtesten Ingrimm, den edelsten Zorn
Muß er still und geduldig verschlucken!«
Und während er so mich beschwatzte, ergriff
Er ein schartiges Messer und kratzte
[44]
Mich dermaßen, daß mir denn doch die Geduld,
Die germanisch-unendliche, platzte!
Nein: wäre bei einem Haar mir geplatzt!
So wollte ich sagen – wenn ich nicht
Die Folgen, die möglichen, hätte bedacht,
Und hätte beruhiget mich nicht.
Und grade als mir meine teutsche Geduld
Die Absicht verrathen, zu platzen,
Und ich sie beruhiget, endete er,
Der Fiskus, sein Schinden und Kratzen.
Doch nahm noch Derselbe – begriff ich's auch nicht
Wie all dies konnt' amtliche Pflicht sein –
Schaumbecken und Pinsel und seifete mir
Nachträglich das ganze Gesicht ein!
Damit war verflossen denn endlich, o Gott!
Die fiskalische Marter- und Qualzeit;
Der Staatsdiener hüpfte zur Thüre hinaus
Mit dem Wunsche: »Gesegnete Mahlzeit!«
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Der BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Briefträger

Meine Lotte, die Gräfin, war eben dabei
Zu schlürfen vom Mokka drei Tassen,
Um mir zum Frühstück den würzigen Rauch
In die Nase ziehen zu lassen:
Da rief es von draußen schon wieder: »Herein!«
Und es trat, als von Lotten geklopft war,
Der Briefträger ein, ein knieschlotternder Greis,
Der gepudert, toupirt und bezopft war.
Er setzte sich nieder und suchte sodann
Unter Aechzen und Athemgeschnappe,
Einen Brief, dessen Siegel zerbrochen schon war,
Langsam hervor aus der Mappe.
»Drei kupferne Pim ... Pampels Porto ... u ... und,«
Sprach er stotternd, ihn mir überreichend,
[46]
»Und zehn für die Durchsicht der Regier ... gier ... gierung!«
Versetzte er hustend und keuchend.
Ich zahlte, wogegen so freundlich er war,
Mein Erstaunen in etwas zu mildern
Und das, was despotische Willkühr mir schien,
Als sittliche Ordnung zu schildern.
»Die Regier ... ung erachtet die Oeff.. entlichkeit,
So weit sie ihr nutzbar, f f für heilig,
Den geheimen Verkehr zwischen Bürgern a ... a ...
A ... aber für sehr na ... nachtheilig.
Sie mu ... mu ... muß immer in Kenntniß von dem,
Was No ... Noth thu ... thu ... thu ... thut thut ... bleiben,
Und darum A ... A ... Alles wi ... wissen, wa ... was
Die Burr ... Bürger dede ... denken und treiben.
Das Po ... Po ... Po ... Porto ist billig, der Pppreis
Für's D.. Durchlesen allerdings theuer,
[47]
Doch ist dies eine weh ... wenig drückende und
Mu ... Moralisch wirr ... wirkende Steuer.
Sie h ... emmt den geheimen und geist'gen Verkehr,
So Bei ... Beide im Dienst sind beim Satan;
Sie hält die Burr ... Bürger vom Schrei ... Schreiben ab,
Und spie ... spornt sie zur Arbeit und That an.« –
»Die höhere Dummheit, die sich offenbart
In all solchem Schu- und Verriegeln,
Anerkenne ich gern, doch warum trotzdem
Ihre Briefe die Leute noch siegeln...?«
»Das müssen,« unterbrach mich der Alte, »sie thun
Weil's zum fi ... na ... na ... nanziellen Wohl ist
Des Sult ... ha ... ha ... han's, weil der Siegel la ... la ...
La ... Lack sein Monopo ... pol ist.«
Nach diesem Gestottere stotterte er
Ein Adieu noch unwirsch und verdrießlich,
Und schlotterte Kniee und wackelte Zopf
Und hustete stark und verließ mich.
[48]
Ich aber ich, konnte nunmehr das Billet,
Das staatsrevidirte, entfalten,
Und will meinen irdischen Lesern nicht vor-
Länger das, was dasselbe-enthalten.
Neuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Das BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Das Billet

»Fremdling, nie der Liebe noch
gedacht' ich,
Eh' gesehen ich in Deiner
Pracht Dich!
Frühinge erlebte Zehn und
Acht ich;
Schaukelnd in der Jugend bunten
Jacht mich,
Sah ich meine Tage fließen;
macht' ich
Schöne Reime, spielte, sang und
lacht' ich,
Und es störte keines Kummers
Fracht mich.
Da nahmst Du, den in der fremden
Tracht ich
[50]
An dem Fenster sah, in Deine
Acht mich,
Fesseltest durch Deiner Reize
Macht mich,
Schlepptest in der Lebenssorgen
Wacht mich,
Wo nun seufzend liege Tag und
Nacht ich,
Rufend, während Thränen schleichen
sacht sich
Aus dem Aug', durch Tausend O und
Ach Dich,
Dich, den Jüngling, der so weit
gebracht mich!
Lange kämpfte in der Zweifel
Schlacht ich:
Ob nicht träf' ein niedriger
Verdacht mich
Dieses Briefes wegen, doch jetzt
acht' ich
Mich als Sieg'rin rufend: offen
tracht' ich
[51]
Darnach, daß in Deines Herzens
Schacht sich
Gleiche Gluth entzünde, wie
entfacht sich
In dem meinen! Und nun, Theurer,
schmacht' ich,
Bis Du kurz die Antwort schreibst:
›Es macht sich!‹

Lilia Linda,

Tugend-Holzweg Nr. 80.«


Nachdem als Herr den Inhalt des Billetes
Pflichtschuldigst ich der Dienerin erklärt,
Rief ich mit wahrhaft königlicher Würde:
»Die Bitte dieser Dame sei gewährt!«
Zehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Das hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Das hohe Lied vom Passe

Hinaus in's Freie wollte nun ich wandeln,
Da sang die Gräfin: »Das,
Das geht nicht so! Da gibt's noch viel zu handeln!
Du hast ja keinen Paß!
Du hast ja keinen Paß!
Jedwedes Wesen, das hier promeniret
Im Feld und in der Stadt,
Es wird sofort gesetzlich arretiret,
Wenn keinen Paß es hat!
Wenn keinen Paß es hat!
Der Bürgersmann, so still des Weges ziehet
Mit Weib und Kind am Arm,
Braucht einen Paß, denn eh' er's sich versiehet,
Umarmt ihn ein Gensd'arm!
Umarmt ihn ein Gensd'arm!
[53]
Umarmet ihn und küßt ihn auf die Backe;
Bringt aber gleich nachher
Ihn in Prison, und haut ihm durch die Jacke,
Entbehrt des Passes er!
Entbehrt des Passes er!
Die Dienstmagd, welche geht nach Brod und Käse,
Wurst oder sonst so was,
Sie käm sofort in strenge Haft, vergäße
Sie einmal ihren Paß!
Sie einmal ihren Paß!
Und wenn der Schneider auf dem wilden Stiere
Zufällig unbepaßt
Zur Kundschaft reitet, wird mitsammt dem Thiere
Per fas er abgefaßt!
Per fas er abgefaßt!
Das fromme Weib, das seine Blumenspenden
Zum Göttertempel trägt,
Sieht, wenn sie paßlos, von Gensd'armenhänden
Sich mit Beschlag belegt!
Sich mit Beschlag belegt!
[54]
Der Philosoph, der größte Mann der Lettern,
Kommt, wär' er noch so dumm,
Und wäre er gespickt mit Lorbeerblättern,
Nicht um den Paß herum!
Nicht um den Paß herum!
Der Arzt muß nach dem hohen und hochdummen
Ministerial-Erlaß
Vom 3. Mai 217 brummen,
Besitzt er keinen Paß!
Besitzt er keinen Paß!
Den Volksvertreter selbst thut in den Bann man,
Ihn, der zur Kammerfrist
Doch unantastbar, ihn selbst tastet man an,
Wenn er passiv nicht ist!
Wenn er passiv nicht ist!
Und wer verreis't, zwei Meilen oder weiter,
Ist zwar des Passes quitt,
Kriegt aber zwei Gensd'armen als Begleiter
Auf seine Kosten mit!
Auf seine Kosten mit!
[55]
Ganz ungestört, noch von des Volkes Liebe
Bejubelt, zieh'n durch's Land
Einzig nur die Betrüger und die Diebe
Und was damit verwandt!
Und was damit verwandt!
Heil, Heil, dem Paß! Heil unseren Gensd'armen!
Heil den Gesetzen, Heil!
Heil unserm Herrn zum Schrecken und Erbarmen,
Heil Pumpeln-Pampeln, Heil!
Heil Pumpeln-Pampeln, Heil!«
Eilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Der Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Paß-Rath

Nachdem die Gräfin mir versetzt
Dies hohe Lied vom Passe,
Sprang sie, den eignen in der Hand,
Hinunter auf die Gasse,
Und schon nach Zehn Minuten stand
Vor mir, und artig und galant –
Das ist doch ein verkehrtes Land! –
Ein Paß-Rath erster Klasse.
Bei weitem Katze mehr als Mensch,
War er doch nicht verwildet,
Im Gegentheil: ein Gentleman,
Welt- und Salongebildet.
Er knickste dreimal, warf sich auf
Den Divan, den bequemen,
Und bat auf einer Hütsche mich
Gefälligst Platz zu nehmen.
[57]
Dann ließ er gnädig sich herab
Der Gräfin zuzuwinken,
Daß sie ein Frühstück bringe, aß
Ein Viertel Pfaffenschinken,
Ein delikates Herz-Ragout
Von Adlern und Hyänen,
Und einen Trüffel-Cacadu
Und feines Brod und trank dazu
Fünf Gläser Menschenthränen.
Und winkte Lotten wiederum,
Daß sie mit der Serviette
Ihm schuldigst säubre Kinn und Mund
Und Brust vom Frühstücks-Fette,
Und schnitt ihr ein Gesicht dann, ein
Halb lüsternes, halb frommes,
Als sie, den Bauch ihm klopfend, sprach:
»Herr Paß-Rath, wohl bekomm' es!«
Er steckte ihr aus Dankbarkeit
In's Mäulchen eine Trüffel,
[58]
Und ging dann an das Paßgeschäft,
Entwerfend mit dem Griffel
Ein männlich Brustbild, das jedoch
Im Borsthaar eine Platte,
Und eine Nase stumpf und breit,
Und statt des Munds ein rundes Loch,
Kurz, nicht die kleinste Aehnlichkeit
Mit mir, dem Schönen, hatte.
Ich wollte, als er mein Porträt
Mir zeigte, mich erfrechen,
Ihm, hinsichtlich des Kunstwerths, mein
Bedenken auszusprechen,
Doch ließ sein strenger, ernster Blick
Kein Tädelchen mich wagen,
Und ganz bescheid'ne Antwort gab
Ich jetzt auf seine Fragen:
»Von Adel?«
Ja, vom edelsten!
»Verdienst?«
Es ruht im Grab mein's!
»Ihr kommet?«
[59]
Von der Erde!
»Pfui!«
»Eu'r Vaterland?«
Ich hab' kein's!
»Eu'r Vater?«
Aller!
»Mutter?«
Witz!
»Charakter?«
Einen biedern!
»Der Name ist?«
Ernst Heiter!
»Stand?«
Herr von Humor und Liedern!
»Ah, Gutsbesitzer! Was noch sonst?«
Narr unter den Verrückten!
»Gedient bereits?«
Ja, treu und brav
Im Heer der Unterdrückten.
»Eu'r Glaube?«
Ist die Freiheit.
»Alt?«
Nur oben in dem Haare!
[60]
»Vermögen?«
Kein's, doch hab' ich Geld!
»Wie lang in der Verkehrten Welt
Währt Euer Aufenthalt?«
So gegen Vierzig Jahre.
»Jedwede Antwort«, sprach er jetzt,
Den Paß mir überreichend
Und mit Beamtenwürde sich
Den Katzen-Schnautzbart streichend,
»Jedwede Antwort, welche Ihr
Gegeben, ist Beweis mir,
Daß Ihr ein dummer Kerl seid, dem,
Wenn er mit allem Fleiß hier
Die theuern Steuern zahlt und sich
Fern hält von allem Denken,
Der Sultan Pampel sicherlich
Wird seine Gnade schenken,
Höchstselbst, wie's hier zu Land Gebrauch
Auf Euern vielverzeh'rnden Bauch
Ein Loblied wird verfassen,
Und Euch zuletzt das Tragen auch
Des Ordens wird erlassen!«
[61]
Nachdem für sein Vertrauen ich
Bedankt mich, sprach er weiter:
»Es ist nun meines Amtes Pflicht,
Herr Unterthan Ernst Heiter« –
Bei diesen Worten zog er aus
Die purpurrothen Handschuh' –
»Euch hier mit diesem allerdickst-
Geflocht'nen Sultans-Kantschu
So lange durchzuhau'n bis zwei
Pott Blut von Euch geflossen,
Die Euch dann werden günstigenfalls,
Wenn Ihr nicht schreit, notiret als
Für's Vaterland vergossen.
Dies wäre, sag' ich, meine Pflicht,
Doch laß' ich mit mir sprechen,
Und mich durch landesübliche
Münzsorten gern bestechen.
Gesetzt, Ihr fühltet keinen Drang
Den Kantschu zu genießen,
Und wolltet Euer Blut nicht gern
Für's Vaterland vergießen:
Ganz gut! Drei Pampelsd'ore mir,
[62]
Sechs meinen Vorgesetzten!
Bewahre Ego uns, daß wir
Den Körper Euch verletzten!
Ja gebt Ihr noch ein Goldstück mehr
Für unsern Ober-Mufti her,
So preiset die Bestechung Der
Und giebt Euch ihretwegen,
Falls Euch daran gelegen,
Noch seinen heiligen Segen.«
Da er nach diesen Worten schon
Die rechte Hand sich netzte,
Und in die Amtspflicht-Positur,
Die drohende, sich setzte,
Auch mein unritterlicher Sinn
Das Heil nicht konnte fassen,
Sich so Staatsimpfen, Thadden-Trie-
Glaff-Gerlachen zu lassen:
So nahm ich Abstand schnell von den
Kantschuigen Staatsstreichen,
Bat Lotten, Neun Stück Pampelsd'or
Dem Paß-Rath darzureichen,
[63]
Und schwur dabei dem Ehrenmann
Bei allen Göttern, daß mir an
Des Ober-Mufti's Segen
Durchaus gar Nichts gelegen.
Zwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
LilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Lilialinda

Kaum, daß er zur Thür hinaus war
Flötete mit süßem Tone
Es »Herein!« und Lilialinda,
Jene achtzehnjähr'ge Jungfrau
Mit der Offnen-Fenster-Liebe,
Zeigte plötzlich sich in ihren
Neunmalhundertneunundneunzig
Reizen; reizender als aller
Glaube aller gläub'gen Seelen,
Malt ich sie, mir glauben würde!
Lieblicher, ach! als der Himmel
Wachend, sinnend und im Traume
Irgend Etwas zu erblicken
Sterblichen bisher vergönnte!
Schöner, ja vielleicht noch schöner,
Als selbst frommestes Verzücken,
[65]
Und selbst meiner schönen Lieder
Schönstes je sie preisen könnte!
Kaum, daß sie erschienen, füllte
Rosenduft das ganze Zimmer,
Und mir war, als schwebten um mich,
Ihrer Kön'gin Lilialinda
Erst entflattert, Blumengeister,
Die mir leis' die Stirne küßten,
Leise singend, leise mahnend,
Hier, statt irdischem Gelüsten
Auge oder Ohr zu leihen:
Reinster Andacht mich zu weihen.
Ihre Füße waren zarte
Händchen, die den Boden kos'ten,
Daß es möge ihm behagen,
Ein ihm fremdes Himmelswesen
Einen Augenblick zu tragen.
Auf der Waden Lilienhügel,
Ach! da sah' ich Schmetterlinge,
Die da flatterten und naschten
[66]
Und mich aufzufordern schienen,
Wenn auch nicht, daß ich sie finge,
Doch mit ihnen hier zu spielen
Und, wo sie auch immer möchten
Niederlassen sich und naschen,
Und wohin auch flattern, immer
Zu versuchen, sie zu haschen!
Doch solch loses Spiel erlaubten
Nicht in dieser schönen Gegend
Zwei erhabene Marmorsäulen
Eines Tempels, einer Kirche,
Aehnlich der vom weisen König
Salomo im Hohenliede,
Dem so überaus gelungnen,
Mit so feinem Sachverständniß,
Mit so rühmenswerther Kenntniß
Und Ausführlichkeit besungnen.
Nein, der straffe Bau, die Bildkunst,
Haut- und Basreliefs, die Kuppel,
Frontispice und lichten Fenster,
Alle die geweihten Räume,
[67]
Formen, Reize, Ornamente
Dieser salomonisch-warmen,
Süß-lebendigen Liebeskirche,
Deren Altarbild ich selbst war:
Forderten mich auf zur Andacht,
Auf zum ernsten Eifer, balde
Ihren Segen zu empfangen,
Und die seligste von ihren
Seligkeiten zu erlangen!
Laßt mich schweigen von dem Nacken
Dieses himmlischen Gebäudes,
Der zum Freund von Nackenschlägen,
Von activen freilich, mein' ich,
Auch den furchtsamsten der Männer
Augenblicks umwandeln mußte!
Laßt mich schweigen von den Armen!
Arme! neben denen jeder
Crösus Bettler ward, und wieder
Crösus, wenn sie ihre Hand ihm,
Ihre kleinste Gabe, reichten!
[68]
Laßt mich schweigen von dem Halse!
Dessen Schönheit selber schuld war
Wenn bei dieser Jungfrau Jeder
Plagegeist ward und sich sehnte
Auf dem Halse ihr zu liegen.
Laßt mich schweigen von den Wangen!
Die darüber rosig lachten,
Daß in ihre Schelmengrübchen
Jedes Männerherz hineinfiel!
Laßt mich schweigen von den Lippen!
Wünscht mir, daß sie, selber schweigend,
Ewig mich verhindert hätten
Ihrer Schönheit Lob zu singen!
Laßt mich schweigen von dem Mündchen!
Wünscht mir, daß als Perlenfischer
Ich an den korall'nen Klippen
Glücklich wäre dort verunglückt
Und, im Kampfe mit den Wogen,
Aber nicht um Hülfe rufend,
Nein, gefaßt, hinabgesunken!
[69]
Laßt mich schweigen von der Nase!
Die ich, als hier Angestellter,
Irgend eines Fehlgriffs wegen
Wohl bekommen haben möchte!
Laßt mich schweigen von den Augen!
Die zu sehn mehr war der Wonne,
Als sie in der Schöpfung sahen,
Da sie sich nicht sehen konnten!
Laßt mich schweigen von den Ohren!
Denn wer würde jemals schwatzen,
Der bei solchem süßen Weibe,
Wär's auch nur das allerkleinste,
Wie ich hier, Gehör gefunden?
Laßt mich schweigen von der Stirne!
Kaum, wenn ich der größte Dichter
Und wenn solche Stirne mein wär',
Hätte ich die Stirn zu schildern,
Wie viel Anmuth, Geist und Hoheit
Heiter um die ihre strahlte!
[70]
Laßt mich schweigen von den Locken!
Die ihr Gold, um mich zu locken
Und zum Sklaven mich zu machen
Ihrer Herrin, rein verschwendet,
Da durch deren Reize alle
Von der Zehe bis zum Scheitel
Ich, vom Scheitel bis zur Zehe,
Längst ja schon gefesselt war!
Laßt von alle Dem mich schweigen!
Denn von solcher Schönheit trunken
Könnte leicht ich Dinge sagen,
Welche die blasirten, feigen,
Zippen, prüden, frommen Dichter,
Und die plumpen Sittenrichter,
Und die Jesuiten-Unken,
Die sich über's Licht beklagen,
Und die heuchelnden Hallunken
Unsrer Tage nicht vertragen!
Dreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
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Die Trennung

Als die Jungfrau Lilialinda
Meinen Wonnerausch bemerkte,
Dem ich, schwelgend im Genusse
Ihrer Reize, war verfallen:
Strahlte auch aus ihrem holden
Antlitz seliges Entzücken,
Und sie wollte eben, glaub' ich,
Mich an ihres Leibes Dolden,
An den keuschen Busen drücken.
Doch verwandelt plötzlich schien sie,
Als ich nun – ein Kind der Erde,
Welches weibliche Avancen
Solcher Art nicht dulden darf –
An der Schwelle dieser Kirche
Salomonis hin mich warf,
[72]
Flehend: »Noch in dieser Stunde
Mußt', o Engel ohne Gleichen,
Du zum heil'gen Ehebunde
Am Altar die Hand mir reichen!«
Leichenblaß und tief erschüttert
Erst, dann stolz empor sich richtend
Und verächtlich auf die Gräfin,
Welche höhnisch lachte, blickend,
Winkte sie mir, ihr zu folgen,
Führte mich hinab zur Gasse,
Führte mich nach ihrer Wohnung,
Tugend-Holzweg Nr. 80;
Führte mich zu ihrer Mutter,
Flog an deren Hals und schluchzte,
Weinte heiße, bittre Thränen.
»Lilia! Lilchen! Armes Kindchen!«
Rief die Mutter, gleichfalls weinend,
»Wär' es möglich? Ruhig, Lindchen!
Hätte jener Fremde wirklich
Dich in Deiner Jugend Schöne
Sich zur Gattin auserkoren?«
[73]
»Ja,« war der Geliebten Antwort
Mit von Schmerz gebrochner Stimme,
»Ja, es ist geschehen, was ich,
Liegt mir fern auch eitles Wesen,
Nimmer, nimmer konnte glauben!
Mich, die achtzehnjähr'ge Jungfrau,
Voller Lebens für die Liebe,
Und ihm dieses Leben weihend,
Mich, o es ist mehr als grausam!
Höhnt er durch erkünstelt Staunen
Ueber meines Leibes Schönheit,
Durch erlog'ne Liebesworte,
Und stößt dann zurück mich, wählend,
O ihr Götter! mich zur Gattin!«
Alle Fragen des Erstaunens
Ueber ihr verändert Wesen,
Die an Lilialinda früher
Ich schon richten wollte, hatte
Durch abwehrende Gebärden
Sie erstickt mir. Eben wollt' ich
Nochmals heilig ihr betheuern,
Daß es ja nur heiße Liebe,
[74]
Die ich fühlte, die mich triebe,
Sie, die Göttliche, zu heuern:
Da begann vor'm off'nen Fenster
Eine Menschenschaar, in welcher
Meine Gräfin ich bemerkte,
Plötzlich, wie wenn Hunde heulen,
Einen Trauersang zu singen!
Und in's Zimmer trat ein Mufti,
Drehte bis das Lied zu Ende,
Sich auf einem Bein im Kreise,
Aehnlich wie die Königlichen
Solotänzer unsrer Erde
Alle ihre Werke schließen;
Schnitt dann eine ganz abscheulich
Dumme Fratze, welche hierorts
Gilt als überweltlich, heilig;
Gab der schönen Lilialinda
Warm und herzlich sie umarmend,
Schmatzend drei Mal sieben Küsse;
Machte dann an mir ein Zeichen,
Welches für die sittlich-reine
Erdenwelt inexpressibel;
[75]
Trank hierauf von Amtes wegen
Sieben Schnäpse Salamander;
Stellte mich und meine Braut dann
Mit dem Rücken aneinander,
Und rief salbungsvoll und laut dann
Also seinen Muftisegen:
»Heil Dir, Jüngling, daß zur Gattin,
Ihren Reizen widerstrebend:
Frommen Sinn's Du Dir erwählet
Diese farbenprächt'ge, duft'ge,
Aufgeblühte Himmelsblume,
Namens Lilia Lilialinda,
Und dadurch für jetzt und ewig
Jedes Anspruchs auf die Wonne
Ihrer Liebe Dich begeben!
Heil Dir, Jungfrau, der das seltne,
Neidenswerthe Loos geworden,
Daß, trotz ihrer Leibesschönheit,
Und bevor die Blüthe solcher
Abgeknicket und verdorret,
Einen Gatten sie gefunden,
Der, entsagend all den Reizen,
[76]
Ihr den frommen Rücken zukehrt!
Heil Dir, Jungfrau! Denn von nun an
Darf bei unsrer Tempelstraf' der
›Muftiheiligen Erleuchtung,‹
Des ›Verbrennens,‹ wie's profan heißt,
Uns, die Priester, ausgenommen,
Keiner der Verkehrten Welter,
Weder Greis, noch Mann, noch Jüngling,
Und am wenigsten Dein Gatte,
Sich Dir zärtlich nah'n, geschweige
Jenes staatlich zwar erlaubten
Aber immer frevelhaften,
Ungepriesterten, unfrommen
Laien-Liebesglücks genießen!
Und zum dritten Male: Heil Dir,
Daß die Würde Dir geworden,
Uns, den Muftis zu gehören,
Deren heil'ge Urgesetze
Ihnen nur die Lieb' gestattet
Mit der rechtmäßig getrauten
Frau Gemahlin eines Laien!
Komm' nun, holde Mufti-Nonne,
Mit mir in des Tempels Hallen,
[77]
Wo bei Sang und Liebeswonne,
Hoch des Glaubens Korke knallen!
Und Du, Gatte, zieh' des Weges,
Kose mit den Mädchen allen,
Und geneuß des Privileges
Deiner Ehe nach Gefallen!«
Vierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
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Zurück

Auf so wunderbare Weise nun verehlichet, ging ich
Vorschriftsmäßig angekleidet zu dem Sultan. Er emfing mich
Nicht mit jener Ehrerbietung, welche Dem geziemt und nett steht,
Der als erster Bürger-Diener obenan in dem Budget steht.
Nein, als er mich sah, begann er, statt sich fürstlich zu betragen,
Ein so allerhöchst abscheulich, toll Gelächter aufzuschlagen,
Daß sein Thron, ein goldner Rollstuhl, ohne daß es Pampel wollte,
Rundherum ihn, bald nach dieser, bald nach jener Ecke rollte.
[79]
»Deine Uhr,« so rief er lachend, »die bei mir versetzt, versetzt mich
In Entzücken. Hi, hi, hi, hi! Nie hat Etwas so ergötzt mich!
Diese Uhr – Ihr Kammerherren hört es! – ist ein Meisterstück!
Sie geht – ach, mein Bauch! Hi, hi, hi! Sie gehtvorwärts statt zurück!«
»Vorwärts?« schrie'n die Kammerherren. »Vorwärts? Eine Uhr!« und lachten,
Daß des Zimmers Palmensäulen alle zitterten und krachten.
Und noch stärker ward dies Lachen, als die Edlen sich nun beugten
Ueber meine Uhr hin und von ihrem Gang sich überzeugten.
»Still!« gebot der Sultan endlich. Und nun mußt ich ihm erklären,
Daß wir auf der Erde Alle solche Vorwärts-Narren wären,
[80]
Mußt' ihm schildern, wie wir theilen nach den Licht- und Wärme-Spendern,
Mond und Sonne, unsre Zeit ein; wie wir zählen und kalendern.
»Alles gut bis auf das Vorwärts!« lachte Pumpel-Pampel wieder.
»Steigt ihr denn vom Berg der Kindheit nicht in's Thal des Grabes nieder?
Kehrt Ihr nicht zurück zum Staube? Legt Ihr, gehend, nicht ein Stück
Weges, legt Ihr alle Tage denn nicht einen Tagzurück?
Ist's nicht toll wie Ihr zu leben so hinein in's Nebelgraue!
Ohne Zweck und Ziel und Ende so zu zählen in das Blaue!
Geht die alte Welt der Schöpfung nicht zurück zum jüngsten Tag?!
Tollheit, Tollheit, Euer Vorwärts, wie man's überdenken mag!
[81]
Wir sind dummer; wir gehn rückwärts. Immer Tausend Jahre schenket
Durch der Mufti Hand Gott Ego der Verkehrten Welt und lenket,
Unter Beistand seiner Götter, Mufti's, Sultan's und der Edeln,
Alle, die vor seinem Standbild jammern, winseln, schrei'n und wedeln.
Und am letzten Tag des Jahres I. senkt in der Zeiten Gruft die
Tausend abgelebten Jahre unser zopf'ger Obermufti,
Und wir stehn dann zitternd, bangend, daß vom Himmel niederfalle
Diese Sternwelt und dann plötzlich, wie's das Volk nennt: Allens alle!
Doch der zopf'ge Ober-Mufti und die würd'ge Mufti-Rotte
Fleht dann brünstiglich zu Ego, unserm Zeit- und Ober-Gotte,
Daß er uns noch einmal schenke Tausend Jahre seiner Ehre;
Daß er unsern Stern nicht schmeiße aus dem großen Sternenheere.
[82]
Unsern Stern, auf welchem einzig unter Mill-Trill-Quadrillionen
Seiner ächten Lehre Priester, seine ächten Mufti's wohnen;
Daß er dieses Sandkorn, das er aus der weiten Welten-Masse
Vielfach glorreich ausgezeichnet, nun auch ferner nicht verlasse.
Und zuletzt schrei'n alle Mufti's: ›Willst du Tausend Jahr uns schenken?‹
Und dann sieht man Ego's steinern Haupt sich langsam niedersenken,
Und dann hört man aus dem Munde, der sich öffnet, donnern: ›Ja!‹
Und die Mufti's sagen, daß dies Sieben Mal bis jetzt geschah'.
Und schon schmücket dies Jahrtausend mit dem höchsten Ehrenkranz sich,
Denn wir leben gegenwärtig in dem Jahre Sechs und Zwanzig,
[83]
Und kannst Du noch so viel Jahre steuerpflichtig Dich erhalten,
Siehst Du selbst die furchtbar große Katastrophe sich gestalten.
Kurz, so wie die ganze Schöpfung und wir Ego-Kreaturen,
Stirbt auch die geschenkte Zeit ab – gehn auch rückwärts unsre Uhren;
Geht hier Alles in der Faulheit und des Gleichmuths Ruh' und Glück
Täglich einen Schritt zum Grabe, unserm Ziel und Trost, zurück.
Vorwärtsgehn, selbst wenn es möglich, wäre ja nur höchst verderblich;
Machte Sorge, Qual und Eifern und Revolutionssucht erblich;
Wandelte die ruh'gen Bürger um in lauter Weltenstürmer,
Bis ihr Vorwärts – hi, hi, hi, hi! – auffrißt das Geschlecht der Würmer!«
[84]
Und von Neuem brach ein hohes, wieherndes Gelächter los,
Und als ich nach meiner Uhr sah, fand ich selbst es schon curios,
Daß sie, die vom Onkel Hofrath einst in Deutschland ich empfing –
So verwirrt war ich geworden durch den Unsinn – vorwärts ging!
Ja, ich fand dies Vorwärtsgehen meiner Uhr so widersprechend,
Daß ich, in das ausgebrochne Lachen herzlich miteinbrechend,
Sie ergriff und Pumpeln-Pampeln – was man hierorts nicht nur darf
Sondern muß, will man ihn ehren – klirrend vor die Füße warf.
»Danke! Danke!« sprach der Sultan und verlangte dann mit Gier
Nach den Fünfundzwanzig Scudi's, die ich zahlte, und noch Vier
[85]
Für die Audienz, die lange, die um Dreizehn Uhr begonnen
Und bis jetzt, bis Fünf Minuten vor halb Zwölf sich ausgesponnen.
Und nachdem auch diese Leistung Pampels honorirt war, riß mich
Ein Lakai, bunt wie ein Stieglitz, zu der Thüre hin und schmiß mich
Einem Andern in die Arme, und der weiter, und so weiter,
Bis ich aus dem Schloß hinausflog auf die Straße, ich, Ernst Heiter!
Fünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
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An die Leser

Wenn Ihr, Du mein hochverehrter
Leser, und Du (leider nicht mein)
Holde, reizende und kluge
Leserin, in diesem Buche
Selbst zuweilen solchen baaren
Unsinn findet, der nicht Sinn hat,
Und bei welchem der Verstand uns,
Wie der Deutsche pflegt zu sagen,
Stillsteht: so erwägt zuvörderst,
Eh' Ihr mein Gedicht in's Feuer
Werft und mir, was noch viel härter,
Eure Gunst entzieht, erwägt erst
Meine drei Rechtfert'gungsgründe,
Die ich Euch hier unten künde.
Es ist nämlich sehr wohl möglich
Daß, selbst im verkehrten Sinne
[87]
Ungeeignet, hier zum Beispiel:
Dumm statt klug gebraucht ist, oder
Zopfig statt ehrwürdig, oder
Weise für verrückt; und schändlich
Für gerecht; Gattin und Gatte
Statt Geliebte und Geliebter;
Oben, hoch, statt unten, niedrig,
Fader Kerl' und dummer Junge
Statt Virtuose und statt Künstler;
Mannesstolz statt feiges Knechtthum;
Guter Bürger für Philister;
Hochgelahrtheit für Bornirtheit;
Unschuld, Keuschheit statt Geziertheit;
Heil'ger statt Vermaledeyter;
Allerliebst für unerträglich;
Lump statt Ritter; schlecht statt bieder;
Fromm für heuchelnd ... und so weiter!
Und dann umgekehrt dies wieder
Alles. Wie gesagt, sehr möglich!
Aber erstens soll sich jeder
Gutgesinnte – und wahrhaftig,
Ja, das bin ich! – gegenwärtig
[88]
Auf das Eifrigste bemühn, daß
Einem der Verstand, und nicht nur
Einem sondern möglichst Allen,
Und mit ihm das Wissen, stillsteht
Oder, besser noch, zurückgeht.
Zweitens gab ein Linguist hier –
Den als Freund ich grade deshalb
Schätzen lernte, weil er nie mich
Zu taxiren ihn veranlaßt,
Und mir deshalb just war theuer,
Weil er sich bewies so billig –
Mir den Rath: beim Uebersetzen
Aus der Sprache dieses Sternes
In das Deutsche je mitunter –
Um, worauf es doch alleine
Ankommt, meinem deutschen Volke
Das Verständniß zu erleichtern –
Auch Verkehrtes umzukehren
Wieder, also beispielsweise
Was nach unserm Erdbegriffe
Wirklich dumm ist, nach dem hies'gen
Aber klug und weise und just
[89]
Deßhalb wird durch »dumm« gepriesen:
Auch im Deutschen so zu geben;
Im gewohnten Styl zu bleiben,
Und zuweilen dumm zu schreiben.
Drittens endlich wird der Leser
Und die schöne Leserin wohl
Nicht Unmögliches verlangen,
Nicht verlangen, daß ich, Mitglied
Zweier Welten, sel'ges einer
Ganz vernünft'gen und gelehrten,
Und lebend'ges einer tollen
Unvernünft'gen und verkehrten,
Alle Tage unter Wesen,
Deren keins vollkommen Mensch,
Jedes Mensch und Thier zugleich ist;
Alle Tage so viel Tolles,
Abgeschmacktes und Verkehrtes
Hörend, sehend, fühlend, ja ich
Möchte sagen: ganz verrückte
Luft einathmend, daß ich, sag' ich
Nie mich irre,
Nie verwirre,
[90]
Niemals mente captus werde,
Sondern klarsten Kopfes bleibe
Und so denke und so schreibe
Wie vor Zeiten auf der Erde.
Sechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Ein VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Ein Vernünftiger

Auf der Straße da hört' ich ein wildes Geschrei:
»Ein Vernünftiger! Leute, o seht doch!
O, über den Spaß! Ein Vernünft'ger! Herbei!
Jetzt fällt er! Juchhe! Nein, er steht noch!«
Und da kam man, um dieses Spektakel zu sehn,
Von nah und von fern her gelaufen,
Und auch ich, neugierig auf das, was geschehn,
War bald in dem lustigen Haufen.
Ich erblickte ein Wesen, mehr Mensch, als Kalb,
Das dem Fortschritt nicht sonderlich traute
Und die Welt um sich her sehr blasirt und mit halb
Aufgeschlagenen Augen beschaute;
Ein Wesen vom starken Geschlecht, das gelenkt
Mehr durch höh're, als eigene Macht schien
[92]
Und, den Kopf nach dem Busen hinuntergesenkt,
Auf Nichts, als auf – gar Nichts bedacht schien.
Es bewahrte den Ernst sich, den würdigsten, wie
Sich mehrte auch rings das Gekicher;
Und, wie es auch wankte und schwankte, sein
physiologisches Urtheil war sicher:
Es bezeichnete alle die Gaffenden dort
Durch ein aus ermatteter Kehle
Und mit schwerester Zunge gelalletes Wort,
Durch das sehr injuriöse: »Kameele!«
Und in dieser Kritik, repetirt oft, da kam
Ihm der Schlaf an, erschöpfte sein Geist sich!
Er wollt' auf der Straße zu Bett und benahm
Einleitend das cynisch und dreist sich!
Doch genug, denn ich darf die Erkenntniß baß
Meines irdischen Lesers verhoffen,
Daß das fragliche Wesen dasselbe war, was
Auf der Erde man heißet: besoffen.
Wir ließen's nun schlafen und trollten uns fort;
Doch als nach verbummelter Stunde
[93]
Der Zufall mich führte zurück an den Ort,
Da stand in der Gaffenden Runde
Der Trunk'ne und rief mit dem trübsten Gesicht:
»O weh' mir, ich fühle mich nüchtern!
So nüchtern wie Ihr fast, das Anstandsgezücht
Mit den unzüchtig zücht'genden Züchtern!
Ihr Philister, gepeinigt, gedrückt und gezwickt
Durch das längst von dem Geiste Begrab'ne!
Ihr Sitten-Kameele, Ihr, die Ihr erstickt
Alles Sittlich-Große, Erhab'ne!
Verkehrtes Gezücht in dem stinkenden Dust
Der Gespenster und Götzen erblindet,
Das mit müffig-muftig-verschimmeltem Wust
Den Genius, den eigenen, schindet!
Deß Despot der Betrug und deß Vater der Wahn,
Und deß zippe Mama Heuchelei ist;
Das den Unsinn vergöttert, dem die Schönheit profan,
Das Gemeine der köstlichste Brei ist;
Dem der frohe Genuß schnapp! weg vor dem Maul
Von den frechsten Pygmäen geschnappt wird,
Und das, um sich selbst zu beherrschen zu faul,
Zu Tode geschützt und gepappt wird!
[94]
Ich muß mich von Euch, Ihr Kameele, befrei'n!
Ihr seid mir zu fürchterlich nüchtern!
Und da's leider unmöglich den göttlichen Wein
In das wäss'rige Haupt Euch zu trichtern,
So will ich mich benebeln, so oft ich's vermag,
Und beseligt mich über Euch schwingen,
Und versaufen die Nacht und verschlafen den Tag,
Und um's schnöde Bewußtsein mich bringen!«
Und damit entfernte er sich und verschwand
In der Wein-Apotheke daneben.
Und ein hochweiser Bürger, der hinter mir stand,
Thät folgendes Votum abgeben:
»Es wär' gut, wenn der Mann erst ganz und gar
Ausschlief, eh' er predigte künftig!
Lichtblicke, die hatte er wohl, doch er war
Noch immer ein Bischen vernünftig.«
Siebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Begräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[95] Siebzehntes Kapitel

Begräbniß und Kirchhof

Ein Gelächter, ein Jauchzen! Es lockt mich hinaus,
Was seh' ich? Ein Leichenbegängniß!
»Er hat's überstanden,« so rufen sie aus,
»Das traurige Daseinsverhängniß!
Der Sklav, der den Kerker des Lebens verließ,
Geht ein nun in's ewige Lustparadies,
Juchhe! wo die Engel, die holden,
Uns von unten bis oben vergolden!
Wo die Häuser aus funkelndem Edelgestein;
Wo gebraten die Vögel 'rumfliegen;
Wo in Strömen von köstlichem, feurigem Wein
Weißzuckerne Schwäne sich wiegen;
Wo die seligen Sultane all von Konfekt,
Und das selige Volk sie beliebig beleckt;
[96]
Wo die Mufti's uns waschen, und Nixen
Und Feeen die Stiefel uns wichsen!
Wo als adlige Ritter man wieder begrüßt
Unsere klügsten, plebegischsten Töffel;
Wo man Alles, die Luft selbst, die freie, genießt
Höchst vornehm mit silbernem Löffel!
Wo man Nektar verweigert, Ambrosia häuft,
Und Perlen, die köstlichsten, schwitzt, wenn man läuft;
Wo man Arien singt, wenn man prustet,
Und Volkshymnen reimt, wenn man hustet!
Wo die Dirne Moral uns den Becher kredenzt,
Kein Genuß von der Lust'gen bedroht ist;
Wo den ewigen Lenz man durchfaullenzt,
Und die Arbeit das einz'ge Verbot ist!
Wo zwei Magen man, also in einem stets hat
Appetit, wenn man just in dem anderen satt;
Wo der einzige Doctor der Schankwirth,
Und Keiner der Seligen krank wird!«
Das war's, was vom Jubelgeschrei ich verstand. –
Auf dem Kirchhof begruben die Leiche
[97]
Viel Mufti's und machten dabei allerhand
Narrethei'n und possierliche Streiche.
Sie heulten und blafften, umtanzten das Grab,
Ueberhopsten's und warfen Kartoffeln hinab,
Und sammelten dann auf 'nem Teller
Sich Scudi's ein, Groschen und Heller.
Und zum Schlusse verlief die Beerdigungsschaar
Sich, den lachenden Erben noch bringend
Ein Hoch, ganz wie sie gekommen war,
Aufjauchzend, lärmend und singend.
Ich aber, ich ging durch den friedlichen Hain –
Beleuchtet von wunderbar magischem Schein –
Und las, was da meldeten Tafel und Stein
Von den Ruhenden allen, den Lieben,
Und hab', was davon mir geblieben
Im Ged-enkbuch, hier niedergeschrieben.
Krusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Krusel-Kresel †

Hier ruht Herr Krusel-Kresel.
Er war –
Was wir bisher uns mußten leise klagen,
[98]
Nun aber frei und deutlich dürfen sagen:
Fürwahr
Ein alter, grober Esel!

Seine Verwandten.

Netta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Netta Reseda †

Hier ruht mein Weib, die immer treu mir war,
Und auch an meine Treue glaubte!
O, daß nach einem Vierteljahr
Sie schon der schnöde Tod mir raubte!

Der traurige Gatte und Hofrath Reseda.

Gottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Gottlieb Tauber †

Auf den Jüngling, der hier ruht,
Hab' ich eine grimmige Wuth!
Wand'rer, denk' Dir, er ist Sieben
Skudi's bei mir Rest geblieben!

Bock, Schneidermeister.

Vornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[99] † Vornox-Hornox †

Er soff bedeutend, war sehr dumm und roh,
Stand aber hoch in Amt und Ehren.
Kannst, Wand'rer, Du Dir's nicht erklären?
Sein Vetter war Geheimer Staats-Rock. O!

Die Polizeibehörde der Residenz.

Barbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Barbara Keif †

Ein Weib nur war mir unausstehlich!
Und das, o Pein!
War mein!
Jetzt ist sie todt und ich – bin selig!

Ihr Mann.

Wolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Wolf-Marder †

Die Erde, die zu lange Dich, Du Lump, auf sich geduldet,
Macht nun durch ihre Würmer gut, was Dein Papa verschuldet.

Die Erben.

MathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[100] † Mathilde †

Mathilde!
Du, dieser Ego-Gilde
Liebreizendstes Gebilde
Mit Engelshuld und Milde:
Trotz Deiner Tugend Schilde,
Warf Dich der Tod, der wilde,
In dieses Schmerzgefilde!
Dein Grab ist mein's:
Mathilde!

Ihr Mann.

Hassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Hassan-Lucks †

Ich sinn' auf Lob für Dich vergebens!
Denn, ach! die einz'ge Handlung Deines Lebens,
Durch die Du meine Achtung Dir erworben,
War die: daß Du gestorben.

Sein dankbarer Erbe Lieb-Lucks.

Rosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[101] † Rosaura Mager †

Du starbst für mich, Rosaura!
Jetzt nehm' ich mir die Laura.

Ernst Mager, ihr Gemahl.

SchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Schluck †

Sein Glauben, Hoffen, Lieben war die Flasche!
Des Weines Feuer, das durch ihn gerannt,
Hat seine Seele – ach, zu früh! – verbrannt.
Sanft ruhe seine Asche!

Sein Weinlieferant Freundlich.

Fürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Fürchtegott Fuchs †

Hier ruht mein Mann. Er war galant,
Sehr artig, geistvoll, amüsant;
War überall beliebt, begehrt,
Galt als verdienstvoll, ehrenwerth,
Als redlich, fromm und tugendsam,
Und war doch so grundschlecht, infam;
[102]
Vom Sporen an bis zu dem Helm
So durch und durch ichsücht'ger Schelm;
So böser, heuchlerischer Schuft
Wie Keiner athmet Gottes Luft!
Genug! Denn wollt' sein Tugendkleid
Auftrennen ich in all' die feinen
Einzelnen Lug- und Laster-Fetzen:
Ich brauchte hundert Jahre Zeit
Und müßt' im wahrlich, statt des Einen,
Zehntausend solcher Steine setzen!

Seine Gattin.

Norma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Norma von dem Worte †

Hier durch dieses Grabes dunkle Pforte
Ist die holde Jungfrau von dem Worte,
Mutter eines einzigen und kleinen Rangen,
Heut zu dessen Vätern heimgegangen.

Am 3. des Dornenmondes 76.


Ihr Letzter.

Raugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[103] † Raugraf Jambus †

Dreimalhundertsechsundsiebzig
Scudi ist mir dieser Raugraf,
Der im Leben führt' ein großes
Haus und itzo ruht im kleinen,
Mir für meine Tischlerarbeit
Annoch schuldig! Aber treff' ich
Jenseits einst mit ihm zusammen,
Soll Gott Tibi mich verdammen:
Will ich diesen fashionablen
Raugraf noch ein Mal vermeublen!
Will ich diesem edlen Jambus,
Herr auf Schmalen, Kahlen, Prahlen,
Mit dem allerdicksten Bambus
Seine Schuld mit Zinsen zahlen!!!

Knorre, Tischlermeister.

Hans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Hans Michel †

Er, der hier ruht,
War nicht ganz gut
Und nicht ganz schlecht:
[104]
Für Euch, gemüthlich-freundliche Canaillen,
Die Ihr den Lorbeer pflanzt und pflückt am Galgen,
Gerade recht!

Wurm, Philosoph.

Klette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Klette-Kette †

Bürgermeister.


Zur Steuer sei's gesagt, der Wahrheit, deren Würger
Zum Wohl der Stadt
Sich hier gebettet hat:
Er war zwar Bürgermeister, jedoch kein Meisterbürger.

Der Magistrat der Residenz.

Pluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Pluto-Plutus †

Dr. der Medizin.


Liebst Du das Leben, Wand'rer, mußt Du danken
Dem Himmel für dies Glück!
Von dem Besuche aller seiner Kranken
Kehrt Pluto nicht zurück!

Die Ober-Sanitätsbehörde.

Schnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[105] † Schnüffel-Windhund †

Der Hundsmensch, der hier unten ruht,
Bei trocknem Ostwind ziemlich gut,
War, schlug es um nach Nord und Süd,
Von bösem Sinne und Gemüth.
Bald war er hitzig-liberal,
Bald kalt und schmeidig, wie ein Aal,
Selbstsüchtig-gier in allen Phasen,
Die Schnauze voll der schönsten Phrasen,
Dummstolz und eitel, zeigte er
Die Zähne oft und blaffte sehr,
Doch drohte irgend ihm Gefahr,
So sträubte sich vor Furcht sein Haar;
Er heult', krummbuckelte und kroch
Schwanzwedelnd in's gemeinste Loch!
Bei all' dem aber war ein Mann
Von Welt und Schliff er. Kurz man kann
Charaktrisir'n ihn anders nicht
Als durch: Charakterloser Wicht!

Seine Verwandten.

CamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[106] † Camillus †

Heldenführer.


Der, dem er oft entlaufen,
Der Held im Flieh'n,
Warf ihn doch über'n Haufen
Und dann hier unter ihn.

Die Ober-Kriegsbehörde.

Rentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Rentier Ochs †

So dick Dein Renten-Bauch, so mager war Dein Witz,
Du zähltest, was Du warst, Dein Werth war Dein Besitz.
Was, Capital-Ochs, hier von Dir der Wurm verspeist,
Das war Dein besser Theil, Dein Adel und Dein Geist!

Seine Erben.

Louis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

† Louis Iltis †

Er ist mir noch für Kleider
Bedeutend schuldig leider
Der ... Cavalier!

Sein Schneider.

Bürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[107] † Bürger Schwein †

Zu faul, daß für's gemeine Wohl
Er jemals sich bemühte,
War's Kegelspiel nur, Wurst und Kohl,
Für die sein Herz erglühte,
Und dennoch war sein drittes Wort:
Ich bin ein Bürger hier am Ort!
Und dennoch wollt' dieß Menschenschwein
Freiherr im freien Staate sein!
Wenn alle Wir als Menschenkind
Vom Hause »Staub zu Staube« sind,
Ist Er, der ruht auf diesem Fleck,
Ein Bastard vom Geschlechte »Dreck.«

Das Cultus-Ministerium.

Achtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Beim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Beim Ober-Mufti

Von dem zopf'gen Ober-Mufti
Lumpel-Lampel in persona
(Was mich höchlich überraschte)
Eines Tages vorgefordert:
Ließ von meiner Gräfin, welche
Auch bei meiner Haus-Chatulle
Gern mir ihre Dienste weihte,
Ich mir holen eine Pulle
»Grüneberger Schattenseite.«
Denn es ist hier Pflicht und Sitte
Jedem, den der Ober-Mufti
Lampel durch Audienz beehret,
Eine solche theure Pulle
Von dem köstlichsten der Weine
Der gepreßt hier wird und welchen
[109]
Eine goldne Etiquette
Titelt »Herber Himmelssegen,«
Auf den Altar des Pallastes
Seiner Zopfigkeit zu legen.
Das Portal des mächtig-prächt'gen
Marmorschlosses Lumpel-Lampels,
Das dem braven Dummdummdummer
Volk, bei dem man immer frommen
Und erbauungslust'gen Sinn trifft:
Ueber eine Million
Beutel Goldes einst gekostet,
Trug in Zeichen, schon verrostet,
Diese demuthvolle Inschrift:
»Hier Entbehrung, dort der Lohn!«
Als ich durch die hochgewölbten
Weiten, kalten Hallen schritt,
Nahm es Anfangs mich Erstaunen,
Daß die kolossalen Statuen
All' der frühern Ober-Mufti's
Und der frühern hohen Sultans
(Andere Personen durften
[110]
Hier nicht ausgehauen werden),
Welche ich als Meisterwerke
Der Sculptur bewundern mußte:
Sich hier sämmtlich präsentirten
Mit grellblauen oder schwarzen
Augen, lebensrothen Backen,
Dunkeln oder grauen Haaren,
Bunten Mänteln, Hosen, Jacken!
Kurzum: coloriret waren.
Aber bald erkannt ich freudigst,
Daß die Künstler dieses Sternes
Unsre ird'schen Griechenschüler
So an äußerlicher Klarheit,
Wie an Tiefe und an Wahrheit
Kirchthurmartig überragen
Und, was mehr noch, vom Gemeinen
Fern sich haltend, nie den feinen
Anstand zu beleid'gen wagen.
Denn daß diese Griechenschüler
Weiß uns machen möchten: unsre
Großen und berühmten Männer,
[111]
Die sie durch den Meißel schaffen,
Wären immer ohne Halstuch,
Mit so leichenblassem Antlitz
Und mit so schneeweißem Schlafrock,
Stiefel, Beinkleid, Rock und Mantel
In der Welt umhergegangen:
Das muß doch der kleinste Junge
Lächerlich und albern finden!
Und daß gar die Griechenschüler
Sich die Blöße geben, große
Frau'n und Männer so zu meißeln,
Als ob sie stets alle Sitte
Und mit ihr zugleich bei Seite
Unterröcke, Schuh' und Strümpfe,
Hosen, falsche Cul's, Manchetten,
Hemden und Corsetts geworfen,
Und zuletzt, just solche zeigend,
Alle Scham vergessen hätten:
Das muß jeden Jüngling, jede
Dame, Demoiselle, jedes
Fräulein, darauf möcht' ich schwören
(Nach geschehener Betrachtung)
Jach erfüllen mit Verachtung
Und im Innersten empören.
[112]
Selbst, daß diese Steingestalten
Todtbezwung'ner Herrschgewalten.
Sich nicht hier im bloßen, weißen
Haupte zeigten, sondern Fezze
Und bequeme Hüte trugen,
Mußte kritisch gut ich heißen,
Da nach höchstem Kunstgesetze
All' sie sollten sein doch möglichst
Aehnlich den Originalen,
Und sich diese, barhaupt weilend
Hier in diesen kühlen Stätten,
Sicher einen kolossalen
Schnupfen zugezogen hätten.
Auch die Maler mußt' ich ehren,
Deren große Essig-Bilder
(Denn hier malt man nicht in Oel)
Goldgerahmt Plafonds und Wände
Reicher, hoher Säle schmückten,
Die, geführt von zween sehr jungen
Blonden Müft'chen ich durchschritt.
Nicht des Menschengeist's vulgärer,
Destruktiv-unritterlicher
[113]
Drang und Kampf nach Licht und Freiheit,
Offenbart durch die Geschichte!
Nicht die wild-konstablerlose
Urkraft der Natur und ihre
Sinnlich-unmoral'sche Schönheit!
Nicht der Witz und Sinn des Tages,
Der aus Handel und Verkehr blitzt!
Nicht der lebenden Geschlechter
Geistige Belagerung
Jener alt-ehrwürd'gen Zwingburg,
Die das Vorrecht den Plebegern
Gegenüber aufgerichtet:
Alles Dies, wiewohl verführbar
Für des Künstlers hohe Seele,
Gab den sehr verehrungswürd'gen,
Braven, pinselnden Talenten
Hier nicht Stoff zu ihren Werken!
Nein, vermeidend jeden Vorwurf –
Solcher Art – der leicht begeistert,
Wählten sie vielmehr sich Stöffe,
Denen gegenüber jeder
Anreiz, jeder Aufschwung selber
Schon ein Kunststück war, ein schweres.
[114]
Wählten sie sich lauter laut're,
Alt-naive, lobenswerthe,
Wunderreiche Traditionen,
Die seit langen, langen Jahren
In den Odem alles Lebens,
(Des verkehrten und profanen)
Segensvollen Staub einbliesen;
Die, gottlob, den tollen Geist meist
Schon geknebelt und gebunden,
Und der radicalste meist heißt:
Abgelebt und überwunden!
Neunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Empfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Empfang und Unterricht

Seine Zopfigkeit, der ernste
Ober-Mufti, mich nach guter,
Alter Sitt' empfangend, küßte
Meines Schlafrocks Saum und nahm dann
Meine rebenblut'ge Spende
Mit der größten Huld entgegen,
Während ich, gleichwie zum Segen,
Mußte meine beiden Hände
Ihm auf Bauch und Gurgel legen.
Und nachdem nun diese Handlung,
Ganz so geistvoll wie erhaben,
Ich vollbracht und seine Diener
[116]
Sich entfernt, ergriff der Mufti
Eine goldkrystall'ne Flasche,
Goß aus dieser in ein spitzes,
Goldkrystall'nes, frommes Kelchglas
Köstlich duftende und gold'ne
Feine Kräutertropfen, die er
»Wohlgefäll'gen Bittern« nannte,
Und von denen er betheuernd
Sagte, daß sie ganz so schmackhaft
Und belebend wie zuträglich
Der Gesundheit seien – goß er
Diese edeln Kräutertropfen
Langsam in den Mund und Schlund sich;
Schnalzete und sprach zu mir dann
Freundlich nickend: »Wohl bekomm's Euch!«
Ich erstaunte und sann drüber
Nach, woher es wohl mag kommen,
Daß auf diesem Stern die Menschen
Alle, selbst die hochgestellten,
Stets den Aberglauben hegen:
Das, was sie nur für sich selbst thun,
Anderen gethan zu haben?
[117]
»Ihr seid von mir hergerufen,«
Sprach der Mufti jetzt, nachdem er
Sich auf einen goldbetroddelt-
Sammetrothen Sopha wohlig
In der ganzen Körperlänge
Ausgerecket und gestrecket,
Und ein Gleiches auf dem gleichen
Gegenüberstehnden Sopha
Mich zu thun bedeutet hatte:
»Ihr seid von mir herberufen,
Um die Kenntniß zu empfangen
Unsrer Mytheologie.
Sie ist einfach, und für Geister
Eures Schlages, welche schnell sich
Angeochst- und aufgedrung'nem
Wust entschlagen, leicht erfaßbar.
Gänzlich müßt Ihr Euch, zum Beispiel
Von dem christlich-jüd'schen Denken
(Wenn man dieses captivirte,
Abgezogne, blinde Tappen
Und dies Vorschrifts-Drumherumgehn,
Dies sophist'sche Absichschweißen
In dem Nichtigen und Flachen
[118]
Ueberhaupt kann Denken heißen!)
Oder Fühlen frei Euch machen.«
»Wie?« rief ich, erhitzt aufspringend
Von dem Lager, »wollt Ihr Alles,
Was im Geist und gegenständlich
Offenbart ist und als heil'ge
Ueberzeugung unvertilgbar
In Millionen und in mir lebt,
In dem Scheidewasser Eures
Irren, ewig wirren Grübelns
Und Vernünftelns, Eures heidnisch
Sogenannten abso ...«
»Nicht doch!«
Unterbrach der Mufti mich und
Gab Befehl mir, wieder langaus
Auf dem Sopha mich zu strecken.
»Ich will Euch durchaus nicht zwingen,
Unsern Glauben anzunehmen,
Den zu glauben hier Gesetz ist.
Ihr hört ruhig an mich, höret,
Was Ihr denken, fühlen, glauben
(Denn Gedank', Gefühl und Glaube
[119]
Ist ja Eines!) sollt, und wenn dann
Noch nach eines Jahr's Verlauf Ihr
Christ seid – denn ich weiß, Ihr seid es,
Seid ein ächter Christ – so werdet
Nach dem Paragraphe Sechszehn
Unsres Toleranz-Ediktes
Ihr, wie's wörtlich heißt, ›aus Unserm
Horizont beseitigt,‹ nämlich,
Wenn Ihr nicht, was ich Euch lehrte
Anerkennt als letztes Wissen:
Aus dem Sterne, die Verkehrte
Welt, sofort hinausgeschmissen.
Hört nun weiter! Wir besitzen
Religion in Eurem Sinne
Gar nicht; wir besitzen Glauben,
Aber jenen äußerst starken,
Der mit Wissen synonym ist.
Was Ich, was der Ober-Mufti
Glaubt, ist Wissen und ist Glaube
Jedes Einzelnen der Icher,
Wie wir, Ego's Volk, uns nennen.
Was ich glaube, das ist Wahrheit,
[120]
Denn in mir ist Ego selber,
Sind die Icher alle, gleichwie
Ich in ihnen. Und da Glauben
Eins mit Fühlen ist und Denken:
Fühl' und denke ich im Grunde
Ganz alleine, denn die Freiheit
Alles Wissens, Fühlens, Denkens
Ist beschränkt im Ober-Mufti.
Oder,« sprach er seufzend weiter,
»Sollte es doch sein, denn leider
Gibt's hier rationale Hetzer,
Die den Denkerplebs bethören;
Giebt's hier, wie Ihr gleich sollt hören
Auch in unserm Reiche Ketzer!
Ego ist, wie Euch bekannt schon,
Gott der Götter und der Zeiten.
Ihm der nächst' an Macht und Herrschaft
Ist Gott Te, der Gott der Prügel.
Nos heißt unser Teufel, Satan,
Und der Gott des Reichthums Natan.
Schtille ist der Gott der Ordnung,
Me, sein Weib, Göttin des Schlafes,
[121]
Pruda die der Langenweile,
Tibi, Vater Te's, der Keile
Gott und der gemeinen Hiebe;
Roma endlich Gott der Liebe.
Früher hatten wir noch Andre,
Die jedoch ob ihres Starrsinns,
Den sie den prophet'schen Worten
Unsres Ober-Muftithumes
Gegenüber sich erfrechten,
Bis auf Weit'res suspendirt sind.
Welches Recht, die Götter – Ego
Ausgenommen nur und Tibi
Abzusetzen, der Funktionen
Sie zeitweilig zu entheben,
Wenn sie störrig, eigensinnig,
Jedem Ober-Mufti zusteht.«
»Darf ich mir an Eure Zopfheit
Eine Frage wohl erlauben?«
»Gerne!«
»Wie ist's möglich, daß Ihr
Für so nah verwandte Dinge,
[122]
Wie die Prügel sind und Keile,
Zwei der Götter habt statt Eines?«
»Nah' verwandt? Quod non! Ihr irrt Euch,
Und seid nah' daran, den Ketzern
Beizutreten, welche eben
Unsern Te nicht haben wollen
Und als schlechte Egoisten
Nur den Tibi anerkennen;
Weßhalb wir sie Ateisten
Oder Tibianer nennen.«
»Euer Zopfigkeit verzeihen,«
Sprach ich, »doch es wird von Eurer
Mytheologie so dumm mir
Als ob (Göthe'n sehr verbessernd)
Drei mal drei zelot'sche Rabbi's
Und raviate Kirchenväter
Tappten in dem Kopf herum mir.«
»Es soll bald Euch Licht drinn werden,«
Lächelte der Mufti, seine
Ausgestreckte Sophalage
[123]
Beibehaltend und sprach also:
»Zwischen Prügel, Freund, und Keile
Ist nach Unserem Begriff hier
Ein tieffrommer Unterschied noch.
Keile, und so fassen sie die
Ateisten-Ketzer auf auch,
Ist das rohe, allgemeine,
Demokratische, profane
Element, sind Püff' und Hiebe,
Welche unter Tibi's Obhut,
Gleichberechtigt, gegenseitig
Sich mit Stöcken, Peitschen, Händen
Mensch und Thier tagtäglich spenden.
Prügel aber ist das göttlich-
Te-aristokrat-spezifisch-
Heil'ge Element, mit Einem
Worte: ist die höhere Keile!
Tibi's Macht erstreckt sich einzig
Ueber die von Uns und Pampeln
Nicht gesetzlich sanctionirten
Kleinen Knecht- und Kinderstrafen;
Ueber Püffe, Ruthenhiebe,
Fußtritte und Katzenköpfe,
[124]
Kantschu-, Faust- und Backenschläge,
Oder höchstens über Tabagieen-
Klubb's und Kneipen-Saufereien,
Und Casino's-, Harmonieen-
Oder Volksfest-Raufereien.
Te, Freund, Te ist viel erhab'ner!
Te ist Gott des Ehren-Zweikampfs,
Gott der Schlachten, Ego's Zorn-Gott!
Und so fassen die Teisten,
Unsres Tempels guten Schafe,
Auch die Prügel auf und nehmen
Sie als süße Himmelsstrafe.«
»Also«, fragt' ich, »die Tibianer
Oder Ateisten wollen
Prinzipiell nicht Prügel haben?«
»Nein!« erwiederte der Mufti.
»Diese unfromm-demokrat'schen
Wichte nennen Keile: Keile!
Sondern nicht von der gemeinen
Unsre höhere. Sie schelten
Krieg und Zweikampf: Luxus-Keile,
[125]
Oder Keile nur im Großen;
Leugnen Te und opponiren
Gegen unsere dictirte
Balsam-Prügel, die verlor'ner
Ehr' und Tugend Wunden heilet,
Nur Diejen'ge anerkennend,
Die der Mensch kraft angebor'ner
Freiheit selber sich ertheilet.«
»Eine Frage noch erlaubt mir,«
Sprach ich nach erlangter Prügel-
Kenntniß, »Eine noch, betreffend
Euern Gott der Liebe, Roma.
Mir fällt's nämlich auf, daß er dem
Namen nach ist der verkehrte
Liebesgott der Alten: Amor.
Und so möcht' ich gerne wissen,
Ob er anders auch geartet
Als der unmoralisch-lose,
Kleine, flatterhafte Pfeilschütz?
Als der Bringer süßen Schmerzes;
Als der himmlisch-holde Schalk
Jener großen, ernsten Liebe
[126]
Die das All schuf und gestaltet,
Der, so klein, als größter Heros
Ueber alle Wesen schaltet?
Als Cupido, Amor, Eros?«
»Roma«, sprach der Ober-Mufti,
»Sohn des Ego und der Pruda,
Hat in unserm Reich mit Alten
Wenig oder Nichts zu schaffen.
Er ist Knabe noch an Jahren
Aber ernster, würd'ger Haltung,
Sittig, anstandsvoll gekleidet;
Eine Peitsche in der Rechten,
Strebt er, Maid- und Jünglingsseele
Stets zur Liebe anzufeuern,
Auf daß nimmer es an Knechten
Unserm theuern Staate fehle
Oder, deutlicher, an Steuern.«
»Also Knabe ist er auch?«
»Ja,
Freilich! Knabe ist und bleibt er,
Muß der Gott der Liebe bleiben!
[127]
Denn wenn größer er und älter
Würde, könnte er vielleicht ja
Sclave werden, wo er herrschte;
Könnte er ein Mädchen finden,
Dem er weihete sein Leben;
Könnt' sich ehelich verbinden
Und dann sein Geschäft aufgeben!«
»Das heißt: wenn er Eh'mann wäre,
Wär' die Liebe nicht sein Reich mehr?
Ihr habt hier höchst wunderbare«
(Wagte ich hinzuzufügen)
»Ansichten von Eh' und Liebe!
Und noch wunderbarer sind,
Wie ich leider selbst vor Kurzem
Schon erfahren mußte, diese
Ansichten manifestiret.
Denn sich trauen lassen, heißt hier:
Seiner Seele schön're Hälfte
Ach! auf immerdar verlieren;
Heißt: die Herzerkor'ne, statt in
Süßer Eh' mit ihr zu leben
Als – ich will's so nennen – Gattin
[128]
Euern Dienern übergeben!«
Währenddem ich diese Worte
Schmerzbewegt, entrüstet sprach,
Hielt der Mufti einen scharfen,
Prüfenden Blick auf mich gerichtet,
Ließ denselben aber fallen,
Als ich ihm mein Haupt zuwandte,
Und gab dann mir diese Antwort:
»Heißt denn, Freund, sich trauen lassen,
Nicht bei Euch und überall auch:
Die Geliebte seines Herzens
Opfern auf der Frau Gemahlin?
Wahre Liebe ist schon Segen,
Himmlischer als irgend einer!
Wahre, gegenseitige Liebe
Ist schon heiligste Verbindung!
Lieb', die Würde, Halt und Glanz sucht
Mehr als sie in sich empfindet,
Retten wir durch schnelle Trennung,
Deren Wunde bald vernarbt ist,
Vor dem grausen Schmerz und Elend
Zwangvereinigten Entzweitseins.
[129]
Aechte, wahre Liebe hütet
Ihre süße Freiheit besser
Als die flücht'ge, die den Titel
Sucht und findet, der ihr Schutz giebt. –
Hier, Freund, schließt die Liebes-Ehen
Wirklich und allein der Himmel,
Wirklich und allein Gott Roma.
Hier bleibt jeder Liebste Liebster!
Hier bleibt der Verbindung Myrthe
Blühend, wie das Haar auch graut!
Hier bleibt von den Liebe-Frauen
Jede eine Himmelsbraut!
Hier, Freund, läßt man sich nicht trauen,
Weil man selber sich hier traut!«
Zwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Die Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Die Bibliothek. Eine Injurie. Schlußeffekt

Daß mich dieser krasse Blödsinn
Einer heidnischen Sophistik
Innerlichst empörte, werden
Alle meine Herrn Collegen,
Alle wahrhaft frommen Priester
Meines Vatersternes Erde
Wohl begreifen. Und die Deutschen
Unter ihnen auch, daß trotzdem
Ich – die Macht des Ober-Mufti's
Und das Kitzliche, Prekäre
Meiner Stellung hier ermessend –
Dieses heft'gen und gerechten
Zornes Meister blieb und meine
Oppositionellen Fäuste
[131]
In der Tasche machte. Daß ich
Raisonnirte nur im Tiefsten
Meines Innern, in Gedanken,
Und selbst dabei noch wohlweislich,
Und prämeditirt, bedächtig,
Jedes unparlamentarisch-
Schroffen Ausdrucks wie: »Barbarisch!
Oeffentliche Meinung! Scheußlich!
Schändlich! Einheit! Niederträchtig!
Freie Presse! Klein, doch mächtig!
Privilegienstürmer! Censor!
Liberal! Frech! Ordnungsfeindlich!
Fortschritts-Wahnsinn! Plebs-Defensor!
Deutschkatholisch! Freigemeindlich!
Literat! Ruh'störer! Jude!
Nationalsinn! Bummellude!
Reactionswuth! Communistisch!
Heuler! Wühler! Schmutz'ges Siel-Thier!
Menschenrecht! Lump! Antichristlich!«
Und so weiter ... mich enthielt hier.
Seine Zopfigkeit geruhten
Sich nunmehr vom Ruhesopha
[132]
Zu erheben und – durch so viel
Zimmer führend mich, daß drinnen
Tausend Ober-Mufti's mind'stens
Platz gehabt – vor meinem Auge
Des Pallastes der »Entbehrung«
Glanz und Luxus zu entfalten.
Mehr jedoch als all' die Speise-,
Spiel-, Empfangs-, Rauch-, Wonne-, Bade-,
Tanz-Appartements und and're
Klein're, machte mich erstaunen
Die Bibliothek hier, welche
Dreizehntausend Bände zählte,
Aber wörtlich auch nur Bände,
Nur die reichen, goldverzierten,
Inhaltslosen Deckelpappen
Mit den Titeln aller Werke
Aller Dichter und Gelehrten
Dieses Sternes, des Verkehrten!
»Was staunt«, sprach mein Führer, »über
Diese Staats-Oekonomie Ihr?
Sie erfüllt den Zweck vollkommen
Zier und Catalog zu sein.
[133]
Will, was mich nicht oft anlaunet,
Ich ein Werk der Sünder lesen,
Die dem Volk das Licht verleihen,
Das des Glückes, des Gehorsams
Und der Demuth Hütte ansteckt:
Sende ich des Werkes Einband
Nach der Leihbibliothek hin;
Laß' ihn mit dem Buche füllen
Den sein Titel heischt und les' es
Für ein Hunderttheil des Preises
Den es selbst mir kosten würde.«
»Aber ...«
»Und wie ich, so handelt
Alles, was zur fashionablen
Welt gehört, was wahrhaft vornehm.
Nur der dumme Plebs sucht, hi, hi!
Seine Ehre drinn, so weit es,
Noth und Dürftigkeit gestatten,
Seiner Dichter und Gelehrten
Werke zu besitzen eigens,
Geist zum Mindesten wie Nahrung
Hochzuachten und Bedürfniß;
[134]
Gleichen Dank zu zollen Ihm,
Ihm, der, wie der Plebs sich ausdrückt:
Unsre Seele tröstet, lichtet,
Reinigt, aufschwingt, Heil und Wonne
Ihr erstreitet und bereitet
Und, gleichwie die Gottessonne,
Segen überall verbreitet.
Ja, er schilt Diejen'gen Pöbel,
Die für Hunde, Pferde, Affen,
Flitterkram und Schwelgereien
Tausend Mal wohl mehr verprassen
Als für Dichterwerke jährlich!
Tausend Mal mehr für ihr Fressen
Als für geist'ge Nahrung zahlen,
Die sie borgen statt zu kaufen!
Ja, er stellt dabei ein Gleichniß
Auf von angelieh'ner Nahrung,
Die, genossen kaum, verborgt wird
Und, pfui! wiederum genossen
Und verborgt wird und genossen
Und so fort, ein Gleichniß, pfui, pfui!
[135]
So abscheulich, daß kaum Enten
Es app'titlich finden könnten!«
Unter diesen Worten waren
Angelangt wir in des Mufti's
Arbeits-Zimmer, wie er's nannte,
Ob es gleich, von violetter
Fenster-Draperie gedüstert,
Weder Pult, Repositorium
Noch Papierkorb, Pfeifenriegel
Und dergleichen aufwies, sondern
Einen großen Frauenspiegel,
Schilderein und Nippes-Capricen,
Die auf keinen hypochondern
Eigner eben schließen ließen,
Und ein seiden Himmelsbette,
Ueppig breit, nebst Toilette.
»Götter!« rief ich aus, »Was seh' ich?«
Als ich plötzlich, nah' am Fenster,
Eingerahmt in goldner Leistung,
Meiner Gattin, meiner reizend-
Schönen Lilialinda's Brustbild,
[136]
Ausgeführt sehr gut in Essig,
Hier gewahr ward. »Götter! Himmel!«
Aber eh' ich selbst es konnte,
Hatte, zornig-wilden Blickes,
Lumpel-Lampel mich gefaßt schon,
Und zwar grade vor dem Busen
Unter welchem, ach, mein liebend
Herz so stürmisch klopfte:
»Bube!«
Rief er (Als ich dieses Ausdrucks
Wegen später injuriarum
Ihn belangte und der Richter – –
In Erwägung, daß zwar »Bube«
An und für sich nicht beleid'gend,
Da er oft sowohl von Mädchen
Wie von Dichtern schelmisch-freundlich
Angewendet wär' und würde,
Auch im Kartenspiele eine
Respectabele Figur sei,
Welche von dem Sultan (König)
Durch die Mittelspersonnage,
Durch die Dame, nur getrennt sei,
[137]
Der Herr Ober-Mufti aber
Weder Mädchen sei noch Dichter
Noch der Kläger eine Karte; –
Und in fernerer Erwägung,
Daß bereits der Kläger faktisch
In den sogenannten besten
Jahren so weit vorgerücket
Daß Superlativus »beste«
Sehr bedenklich würde, ergo
Des hochzopf'gen Angeklagten
Einwand: Kläger hätt' durch seinen
Tugendhaften Lebenswandel
So vortrefflich conservirt sich,
Daß er, Kläger, ihn für einen
Jüngeling gehalten hätte:
Platz nicht greifen kann, vielmehro
Asinus injuriandi
(Dieser Schreibefehler schlich sich
Beim Mundiren ein) dabei nicht
Zu verkennen, doch der Ausdruck
»Bube« als injuria levis
Nur zu nehmen – nach dem eilften
Paragraphen, Titel Sieben
[138]
Des Neunzehnten Theils des
Allgemeinen Sultan-Rechtes:
Zu der Zahlung von Dreihundert
Gold'ner Scudi's an den Fiscus
Und der Kosten – – condemnirt ihn,
Wurde Lumpel-Lampeln auf sein
Immediat-Gesuch vom Sultan
Pumpel-Pampel es verziehen,
Daß er mich beleidigt! und die
Kosten wurden, (was ich selbst war
Ueber diese wunderbare
Gnade und, wie soll ich sagen:
Rehabilitirung meiner
Ehre) niedergeschlagen.
»Bube!« rief er, meines Schreckens
Blässe für die Farbe eines
Schuldbewußtseins nehmend, »Bube!
Lilialinda, Deine Gattin,
Sprich, wo ist sie? Sicher weißt Du's!
Sicher hast Du diese schönste,
Diese köstlichste von allen
Blumen meines Cölibates
[139]
Frech geraubt mir! Hast zur Flucht sie
Ueberredet, vor ihr spiegelnd
Als ob plötzlich nun entflammt sei
Lieb' für sie in Deinem Herzen,
Gegenliebe für die Holde,
Die, ächt weiblich, unschuldvoll
Sich zu Deinem Weib, auf ewig
Zur Geliebten angetragen,
Und die Du, statt hinzusinken
Glückbetäubt zu ihren Füßen,
Der Du werth nicht bist, vom Schatten
Dieser Füße nur zu träumen,
Grausam Dir antrauen ließest!
Ihre Liebesgluth verlachend
Und zu Deiner Gattin machend,
Frech und schnöde sie verstießest!«
Ich betheuerte bei Ego
Und den Heidengöttern allen,
Selbst bei Te, dem Gott der Prügel
Und bei Tibi und bei Roma,
Daß an meiner Gattin, meiner
Heißgeliebten Lilialinda,
[140]
Flucht ich schuldlos, schwor dem Mufti,
Seit dem Augenblick der Trennung
Sie mit keinem Aug' gesehen,
Sie mit keinem Mund gesprochen
Und mit keiner Hand geschrieben
Ihr zu haben, also auch durch
Dritter Auge, Mund und Hand nicht.
Schwor ihm, daß er selbst es wäre,
Der mir ihre Flucht aus seinem
Harem oder Cölibate,
Wie er's nenn', zuerst verkünde.
»Und so,« endigte erhitzt ich,
»Prallt der ›Bube,‹ der auf meine
Schuldlos-starke Brust geworfen,
Auf den Werfenden zurück nun,
Der, wiewohl schon alter Sünder,
Nicht einmal solch alter Sünder
Einz'gen Vorzug sonst vor jungen
Sündern zeigte: Selbstbeherrschung!«
Rasend, mit gierglühnden Augen,
Wie das Lamm, wenn's Appetit hat,
Auf den frommen Tiger losspringt,
[141]
Stürzte sich des Götzenpriesters
Zopfheit in Person auf mich und
Zeigten deutlich dero Absicht,
Das mir zu ertheilen, was man,
Angewendet bei Personen,
Denen jeder ganz vernünft'ge
Menschenfreund noch dreimal mehr wünscht:
Ausfluß des Verrücktseins heißet.
Ich jedoch, nicht faul, ich riß ihn
Stürmisch an mein Herze, preßte
Ihn inbrünstiglich und klopfte,
Ihn beruh'gend, ihm den Rücken.
Dann ergriff ich seine Hände,
Hielt sie fest und sicher, blickte
Fest und sicher ihm in's Auge,
Nahm all meine Kraft zusammen
Und die angebor'ne Hoheit,
Und sprach mit dem ganzen Adel,
Der mir zu Gebot steht, also:
»Weißt Du, Mufti, Wer vor Dir steht?
Weißt Du, Knirps, auf wen Du wolltest,
Te verleugnend, Tibi'n opfern?
[142]
Ich bin nicht nur Ernst, bin Heiter!
Ich, Ernst Heiter, Erst und Einz'ger,
Bin erhaben über Vieles!
Bin ein Fürst, mit dem die Kaiser
China's, Rußlands und Marokko's.
Nimmermehr sich messen werden!
Zwischen diesem, dem Verkehrten
Weltchen und dem hochvernünft'gen
Sterne Erde hab' ich Schlösser
Eine Unzahl und viel prächt'ger
Als Du, Mufti, Dir kannst denken!
Das Gebiet, das schöne, reiche
Deutscher Zunge ist das meine!
Und im Reiche der Humoren,
Wie in jenem zaubervollen,
Himmlischen, deß Blum' und Früchte
Man vom heiligen Parnassus
Ueberschaut, bin ich, Ernst Heiter,
Wenn auch oft nicht Selbstbeherrscher,
Doch so mächtig und gebietend,
Daß, gleichwie der Gott der Götter
Ego, ich dies Reich des Sultans
Und mit ihm Dich, alle Mufti's
[143]
Und die andern Creaturen
In dem nächsten Augenblick schon
Stürzen und vernichten könnte!
Außerdem bin ich noch Doctor
Der Weltnarrheit und der Rechte,
Die das arme, vielbetrog'ne
Menschenthum sich will erstreiten!
Bin an Spree, Rhein, Main und Elbe
Mannigfacher Lustvereine
Shakespearweiser Narren Mitglied,
Präsident, Doktor und Ritter!
Bin auch Ritter des erhab'nen
Goldenen Champagnerkorkes
Erster Klass' mit Lorbeerblättern,
Wie des schönen Kreuzstern-Ordens
Für wahrhaftige Verdienste
Mit der Schleife – und noch and'rer
Irisbunter (falls dies Wort nicht
Tautologisch) Narren-Orden!
Ferner, staune! bin Prophet ich,
Denn ich habe, Dank den Göttern!
Wenn der großen Lüge ich die
Wahrheit sagte, wahrgesagt oft!
[144]
Ferner bin ich Oberpriester
In Hafisens Freudenkirche
Objectiver Weltanschauung!
Und zuletzt: ich bin, was alle
Diese Hoheit, Ehr' und Würden
Weit, weit hinter sich zurückläßt,
Ich bin, und im höhern Sinne
Als man sich im Rausch der Liebe
Und des Weines heißt und preist:
Ich bin selig! Bin ein Geist!«
Diese Worte, wie gesagt schon,
Mit der angebor'nen Hoheit
Meines Wesens, mit der Wärme
Des Bewußtseins eigner Größe
Ausgesprochen, effektuirten
Mehr noch als gehofft ich hatte.
Reuig warf der Götzenpriester
Sich auf seine Hände nieder;
Richtete als Quadrupede
Auf zu mir sein Haupt und blickte
Mich mit hündisch-stummer-dummer
Demuth und Verehrung an.
[145]
Und auch ich that, wie sich's schickte,
Ohn' ihm mein Gesicht zu zeigen,
Artig mich vor ihm verneigen.
Doch, erwägend, daß in Scenen
Solcher Art ein Schlußeffekt ganz
Unumgänglich nöthig, rief ich
(Leider ohne Inspicient-
geblas'ne Colofoniumblitze!)
Einen fürchterlichen Fluch aus,
Der von gleicher fürchterlicher
Wirkung wie die Flüche alle
Im Theater und im Leben;
Rief ich, wenn auch dem Gebrülle
Unserer Coulissenhelden
Und dem des vom Speer Minervens
In dem Unterleib verletzten
Mars genüber: mezza voce,
Doch mit donnerndem Organe
Folgendes Fluch-Ultimatum:
»Höre, Mufti, wie das Fatum,
Das untrügliche, Dich richtet:
[146]
Bist auf Tausend Jahr vernichtet,
Legst Du jemals wieder Hand an
Sel'ge Geister!«
Und verschwand dann.
Einundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
An die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

An die Kritik

Wohl flammte im Herzen mir fort und fort
Für Lilia die glühendste Liebe,
Doch folgt' ich als einstiger Deutscher trotzdem
Meinem Kenntniß verlangenden Triebe.
Und ich sahe und hörte und forschte und nahm
Notiz mir von Jenem und Diesem,
Und theil' es hier mit in gefälligem Styl
Und in möglichst con- und präcisem.
Und wie Du bei Manchem auch schütteln magst
Dein sceptisches Haupt, Recensente,
Mein königlich Wort darauf: Alles ist wahr!
Nicht das Kleinste ist Puff oder Ente.
[148]
Und stieße der pureste Nonsens Dir auf,
Du Erdenklos, der Du gewonnst das
Weltweisheits-Diplom, so bedenke, daß hier
Weder Logik vorhanden noch sonst was.
Daß Alles und Alles sich hier widerspricht,
Und drum Spott auch und Hohn unvermeidbar;
Daß die höcheste, tiefeste Philosophie
Von dem Blödsinne kaum unterscheidbar.
Und daß just wenn man staunt ob des göttichen Geist's,
Der der fernesten Sterne Gewicht wägt,
Uns die aufgeblasenste Fach-Unvernunft
In demselben Moment in's Gesicht schlägt!
O, bedenke Das gütigst, o, Rezensent
Und des Doctor-Diplomes Besitzer,
Und beweise nicht weise, mein Buch sei nur Lug
Und voll gräßlicher logischer Schnitzer.
Und thust Du es doch, nun so nennst Du doch nicht
Den Inhalt kurzweg: Larifari!
[149]
Wie Gewisse, die sich auf den Standpunkt stell'n,
Den erhab'nen des Nil admirari.
Ach, Nichts nicht schmerzt uns Poeten so sehr,
Als wenn mit 'nem Werke wir Wunder
Was zu bringen geglaubt und dann hinterher ein
Kritiküschen es wegwirft wie Plunder.
Denn, ach! in die Thräne, geweint um uns selbst,
Mischt sich auch noch die um den Richter,
Der (vom Geist abgesehn) fünf Minuten verlor
Um zu werden des Werkes Vernichter!
Doch was schwatz' von Kritik ich und werde mit ihr
Fast wie'n Komödiant so krakeelig!
Ich, der ich schon längst, was in Deutschland man wird
Wenn man unter der Erde ist: selig!
Was kümmert es mich, ob das Stäubchen Herr X.
Auf dem Staubkorne Erde mich tadelt!
Mich, der das Tellurische ab sich gestreift
Und deß Psyche schon kosmisch geadelt!
[150]
Mich, dessen Gefühl und deß Denken so rein,
So ganz absolut und total ist,
Daß sein Ruhm auf 'nem einzelnen lumpigen Stern
Ihm totaliter schaal und egal ist!
Nein, nein! und selbst wenn durch dieses Gedicht
Sich in Deutschland mein Ruf noch erhöhte,
Und ich würde verherrlicht in ähnlicher Art
Wie Schiller, Pepita und Göthe:
Es bewegte mein Ich doch, mein seliges, kaum
Wie den türkischen Siebenten Himmel
Ein zur Anbetung lieblich einladendes
Christkirchliches Glockengebimmel!
Und so theil' ich im nächsten Kapitel denn mit –
Da dieses (deß Raum doch begrenzt ist)
Durch unnützes Plaudern (wie drück' ich es aus?)
Ver-kammert und ver-conferenzt ist –
[151]
Um Lob und Kritik unbekümmert all Das,
Was im Merkbuch bis heute notirt zwar,
Doch bishero noch nicht in der Schöpfung der Welt
(Hier in meiner Verkehrten) fixirt war.
Zweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
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[152] Zweiundzwanzigstes Kapitel

Aus meinem Merkbuche

»Communismus! Gleichheit! Kein Selbsteigenthum!
Der Staat ist die Bürger-Caserne!
Kein Gesetz! Keine Liebe! Kein Kranz für den Ruhm!
Alles Große, hei, an die Laterne!«
Mit solchem Gebrüll und dem Weibergekreisch
Dazwischen: »Wir emancipiren das Fleisch!«
Zog täglich die roheste Klasse
Der Dummdummer wild durch die Gasse.
Am Anfang erregten die Tollen mir Graun
Mit ihren Schlachtbeilen und Messern;
Doch der Umstand, daß sie tagtäglich zu schau'n,
Belehrte mich bald eines Bessern.
[153]
Sie waren besoldet und spielten so graß,
Um das Streben, das edelste, heiligste, das
Nach Freiheit, durch solch Menetekeln
Dem Volk allgemach zu verekeln.
Ein Bürschchen sprach drüben im Heil-Institut
Für sittlich-verwahrloste Greise
Für den geistigen Fortschritt sehr warm und sehr gut
Und ... drehte dabei sich im Kreise! –
Daneben im Wasserverehrer-Verein,
Da schimpfte man wacker auf Schnaps und auf Wein
Und zechte hernach in Spelunken
Bis daß man sternhagelvoll trunken.
Es gibt hier 'n Collegium (Namens: Mies-Mies)
Alter Weiber mit pechschwarzen Hauben,
Das allen Dummdummern vorschreibet präcis,
Was sie sollen empfinden und glauben.
[154]
Und wer anders empfindet und Anderes glaubt,
Der wird in den Fuß- und den Hals-Block geschraubt,
Und muß dies unglückliche Wesen
Des Sultans Gedichte dann lesen!
Niemals wag' ich einen Zweifel
Auszusprechen, kaum zu hegen,
Wenn hier alle Eltern sagen,
Aber ohne Ausnahm' alle:
Daß ihr Kind »merkwürdig klug sei!
Und gewitzt wie gar kein and'res!«
Aber wie's bei diesem Segen
An geiststarker Jugend möglich,
Daß man unter den Erwachs'nen
Eine solche ungeheure
Anzahl großer Esel findet,
Das ist's, was ich nicht verstehe.
[155]
Das Gymnasium, in welchem die Prüfung heut war,
Trägt die Inschrift: »Wissen macht Wühler.«
Der Director, ein alter und braver Husar,
Ward examinirt durch die Schüler.
Man ging scharf ihm zu Leibe, allein er bestand,
Denn jedwede Antwort gab dafür ein Pfand,
Daß vom Wissen in allen Gestalten
Er vollständig rein sich erhalten.
Und wie Er, so bewiesen die Lehrer, die noch
Vor's Examen der Schüler heut mußten,
Daß sie viel zwar vom Muftigefabel, jedoch
Von Gott und der Welt Nichts wußten;
Daß sie also das Ziel, und zwar wunderbar leicht,
Das höchste der Philosophieen erreicht,
Und daß für der Staatsschule Zweck hie
Durchaus und vollkommen am Fleck sie.
Der VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[156] Der Verlehrer

»Herein!« rief es draußen. Ich klopfte. Es trat
In mein Zimmer mit freundlichen Mienen
Ein Wesen, halb Mensch und halb Kranich, und bat
Mich, mich seines Talents zu bedienen.
»Ihre Kinder vom Leiden der Kunst zu befrei'n,
Dürften Wen'ge wie ich so befähiget sein.«
»Ich bin«, so sprach er, »ein hehrer
Pianoforte-Verlehrer.«
»Verlehrer?« fragte erstaunt ich und ließ
Mir von Lotten, der Gräfin, erklären,
Daß die Mütter hier allesammt lauter Genie's
Für das Fortepiano gebären!
Daß der Säugling Sonaten, die schwierigsten, schon
Mit Bravour und mit technischer Perfektion,
Noch ehe »Mamachen« er plappert
Prima vista vom Blatte abklappert!
Ja, daß Manche, den Beutel des Lutsch's noch im Mund,
Schon sehr geistvoll und tief phantasirten,
[157]
Ja, sogar Generalbaß durchgrübelten und
In den Windeln bereits componirten!
Und daß, falls man ihnen entzieht das Klavier,
Die armen, geniekranken Würmerchen schier
Wie Rasende strampeln und trappeln,
Und balde zu Tode sich zappeln!
Und so sei denn in keinem Familienkreis
Der Verlehrer allhier zu entbehren,
Der, die Kinder zu retten, mit Sorgfalt und Fleiß
Ihre Kunst sie verlernen muß lehren,
Auf daß sie, anstrebend ein nützliches Ziel,
Sich selbst nicht verzehren im tobenden Spiel,
Und nicht martern die lieben Verwandten
Und alle die guten Bekannten.
Ich lachte hell auf und erklärte dabei
Des Meisters der Umkehr-Kunst Bitte
Als nicht hier am Platz, da ich kinderlos sei
Und Selbst am Piano nicht litte.
Denn daß ich mit Einem der Finger der Hand
Arndt's deutsches, stets fragliches Vaterland
[158]
Könn' spielen, das, meint' ich, sei schwerlich
Für meine Gesundheit gefährlich.
VolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Volksspruch

Der Mann:

10 Jahr:was frißt er!
20 Jahr:Philister.
30 Jahr:Pantoffelheld!
40 Jahre:scharrt nach Geld.
50 Jahr:wird wieder jung.
60 Jahr:noch Spiel und Trunk.
70 Jahre:frei vom Zopf.
80 Jahre:Schüttelkopf.
90 Jahr:nennt Alles Wahn.
100 Jahr:noch Unterthan!
Das Weib:

10 Jahre:Lärmerin.
20 Jahre:Schwärmerin.
30 Jahr:am Kinderbett.
40 Jahr:noch nett kokett.
50 Jahr:will Keiner kommen.
60 Jahr:geht zu den Frommen.
70 Jahre:weiß und weise.
80 Jahr:im Enkelkreise.
90 Jahre:engelgleich.
100 Jahr:vor'm Himmelreich.
Ein SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Ein Sultanchen

Ein fürchterlich Geheul durchtönt die Gasse.
Was schreit, worüber klagt des Volkes Masse?
Was ist's, um das das Weib so fest umklammert
Den Gatten und mit ihren Kindern jammert?
Wie kommt's, daß ich die ernsten Männer sehe
Verzweifelnd stehn, und daß sie rufen: Wehe!?
Was schrein so schmerzlich selbst die Millionäre
Als ob der Zins herabgegangen wäre?
[160]
Welch Schicksal, daß die Mufti's an den Säulen
Des Tempels stehn und mit den Junkern heulen?
»Die Antwort, Fremdling, brüllen vor den Thoren
Kanonen Dir: Ein Prinz ist heut geboren!
Es ist der Fünfunddreißigste des Schlosses,
Des Sultan Pumpel-Pampelschen Gesprosses!
Wir klagen nicht um uns; denn uns ist Segen
Jedweder Prinz! Wir klagen seinetwegen.
Es schmerzt uns, daß schon wieder, ach! ein Wesen
Zum Opfer für das Volkswohl auserlesen!
Ein Wesen, o! auf dem schon in der Wiegen
So schwere Lasten für das Volkswohl liegen!
Ein Wesen, dem das Loos, statt eins zu wählen,
Bestimmt ist, sich für's Volkswohl abzuquälen!
[161]
Das deutet unser Jammern, Heulen, Schreien,
Daß er sein Leben muß dem Volkswohl weihen!«
Ich nickte schmerzlich, ging hinab zur Gasse
Und schrie laut auf und heulte mit der Masse.
Der HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Der Hauswirth

Mein Hauswirth, der pünktlich nach jedem Quartal
Mir bezahlte die schuldige Miethe,
Anschnauzte mich heut, daß zu wenig Skandal
Und Spektakel mein Hiersein ihm biete.
Auch hätt' er, kaum glaublich! noch gar nicht verspürt,
Daß ich eine der Töchter des Hauses verführt!
Und endlich sei Lotte zu reinlich,
Und im Punkte der Sitte zu peinlich!
Ich müsse, im Fall daß die Dinge nicht bald,
Die verdrüßlichen, Wandelung nähmen,
Bei Vermeidung rechtsexecutiver Gewalt,
Das Logis mich zu räumen bequemen.
[162]
Wonach dann den Rest meiner Miethe-Caution,
Von der er ein Achtel zurückgezahlt schon,
Er mir würde nach Landes-Manieren
»Auf ewige Zeit reserviren.«
Ich schwur bei den Göttern, ich würde sofort
So handeln nur, wie's ihm gefiele,
Und warf, zum Beweise wie ernst mir mein Wort,
Zur Thür' ihn hinaus auf die Diele,
Und schmiß ihm verschiedentlich Waschgeschirr nach,
Das ihn und die Wände befluthend zerbrach,
Und werde ihm künftig bereiten
Noch weitere Aufmerksamkeiten.
ZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Zunftrecht

Welch ein launisch-wildes Wetter!
Aber, sieh! es warf dazwischen
Gottes Auge, unsre Sonne,
Einen wonnig milden Blick und –
Und aus einer rothen Wolke
[163]
Hagelte es rasselnd, prasselnd:
Große, süße Zuckererbsen!
»Dank Dir, Himmel! Dank, Gott Schtille!«
(Welcher nebenbei dem Amt des
Wind- und Wettermachens vorstand).
»Dank Dir, güt'ger Gott der Ordnung!«
Rief das Volk, begierig sammelnd
In Geschirren und in Körben,
Was dies meteorologisch-
Ungesetzliche Ereigniß
Seiner Armuth freundlich darbot.
Aber schon am selben Abend
Stürmten alle Zuckerbäcker,
Demüthigst petitionirend,
In das Schloß des Ober-Mufti's,
Und nach dreimal dreißig Wochen
(Daß sich die Behörden hierorts
Keine Zeit zur ruh'gen Prüfung
Eingegangner Bitten lassen,
Fand ich immer unverzeihlich!
Hab' es aber nie geäußert.)
[164]
Kam ein muftiger Erlaß schon
An des Reiches Zuckerbäcker,
Wörtlich also lautend:
»Schafe!
Nach gewissenhafter Sitzung
Meines zopf'gen Mufti-Rathes
Und nach dessen Anerkennung
Der Gerechtigkeit der Klage,
Welche ihr Mir übergeben,
Habe Ich dem Standbild Ego's
In das linke Ohr gerufen,
Daß die Zuckerbäckerei sei
Euer gutes, alt-ehrwürd'ges
Monopol und Zunftrecht, ergo
Er, der große Gott der Götter,
Schtille'n, seinem Gott der Ordnung,
Gnädigst möge anbefehlen:
Niemals wieder Zuckererbsen
Auf das Volk herabzuhageln,
Und dadurch den Zuckerbäckern,
Welche concessionirt sind,
Frechlichst in's Gewerb' zu pfuschen,
Und – da Schtille's Zuckererbsen
[165]
Feiner, süßer als die ihren
Und herabgefallen gratis –
Sie, die guten Zuckerbäcker
So an Nahrung, wie an Ehre
Zu beschäd'gen und verletzen:
Widerigenfalls genöthigt
Ich und fest entschlossen wäre
Ihn auf zehn Jahr abzusetzen!
Denn zwar, rief Ich zürnend weiter
In das linke Ohr Gott Ego's,
Ist Herr Schtille Gott der Ordnung,
Und wer ehrte mehr als Mufti's
Hier die alte feste Ordnung?
Aber das ist keine Ordnung,
Plötziglich sich zu erfrechen
Das Gewohnte durchzubrechen,
Und zum Vortheil und Vergnügen
Der gesammten Volkesmasse,
Welche ewig gier und leckern:
Unsern edeln Zuckerbäckern
So an Ehre, wie an Kasse
Schweren Nachtheil zuzufügen!«
BemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[166] Bemerkungen

Ich sah' manchen Herrn promeniren, der Blut
In der steifesten Halsbinde schwitzte,
Den Kopf eingezwängt in 'nem Filztopf-Hut,
Der vor Sonne und Regen nicht schützte,
Und vom Knappstiefel an bis zum borstigen Haar
Durch Kleider gepeiniget ganz und gar,
Die die Menschenfigur ihm verhunzten!
Und das ... Einer dem Andern zu Gunsten!
Ich hörte den dumm-philiströsesten Tropf
Um alte Gesetzlasten klagen,
Und sah' ihn voll Wuth mit dem eigenen Zopf
Auf jedwede Neuerung schlagen;
Ich sahe Hetären mit Myrthe geschmückt,
Die rosigste Unschuld vom Leumund erdrückt;
Sah' wie Geier sich Dichter auffingen
Und sie ließen im Käfige singen!
Ich bemerkte Kameel, Ochs, Esel und Gans
Als weise Geschöpfe geachtet;
Sah' Schweine und Säue umgeben mit Glanz,
[167]
Und Böcke als Heil'ge betrachtet;
Sah' Füchse und Tiger im Lammesornat,
Kreuzspinnen, die giftigsten, sitzen im Rath;
Sah' die bissigsten Hunde verwegen
Den Menschen Maulkörbe anlegen!
VorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Vorwurf

Mehr, Freund, als Du aufgestellt,
Uebersahst Du, wir vermissen
Vieles Wicht'ge, Deine Welt
Ist nichts Ganzes, ist zerrissen!
AntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Antwort

Vieles, was hier fehlt, erhellt
Wohl aus Dem, was Euch beschieden;
Viel mit Fleiß ist aufgestellt,
Einiges mit Fleiß vermieden;
Rundung und Vollendung, gelt?
Laß' ich besser bessern Köpfen:
Ich erschuf zwar eine Welt,
Doch ich kann sie nicht erschöpfen.
EinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[168] Einfall

Des Märchens Scherz und Lüge lehrt
Dir Ernst und Wahrheit klar;
Der Spiegel zeigt Dein Bild verkehrt
Und doch so klar und wahr!
Nein, was ist doch Das für ein wunderlich Reich!
Steinhart sind die Betten, das Pflaster ist weich!
Champagnerwein stellet auf Kohlen man heiß,
Den Thee und den Plumpudding aber in Eis!
Steigt geputzt in das Bad, sielt nackt sich im Sand,
Küßt der reizendsten Weiblein und Jungfrauen – Hand!
Spuckt's Fleisch weg vom Steine der Kirsche,
Und benutzt nur die Hörner vom Hirsche!
Stellt in's Wasser der Blumen sich viele
Nach unten! nach oben die Stiele.
Man gähnt in dem göttlichen Tempel: Natur!
Und erbaut in dem eigen erbauten sich nur;
Wichst Stiefel und Schuh' sich mit Caviar blank,
Und tractirt sich mit Wichse und schmierigem Trank!
[169]
Ist zum Grübeln nach Unsinn allstündlich bereit;
Zwängt Liebe und Lust in gemessene Zeit!
Schmeißt's Glück aus der Thür um halb Zwölfe;
Nährt am Busen sich Schlangen und Wölfe;
Wirft die Auster beim leckeren Mahle
Auf die Erde und kaut an der Schaale!
Lammdemüthig seufzt man im härtesten Fluch,
Und martert und mordet sich oft um ein Buch!
Und schnuppert nach Mist, und hat Ekel vor Duft,
Hat die Früchte vor'm Maule und beißt in die Luft!
Tritt die blühende Rose mit Füßen
Um am Dorne die Sünde zu büßen!
Und verochst sich die herrliche Jugend!
Und das Alles heißt:

Dreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
ParlamentarismusDreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Parlamentarismus

Heute war ich in der Kammer, oder, wie sie mir mein braver
Linguist hier übersetzte, im Gesetzgebungs-Cadaver,
Wo die falschen schlechten Reime auf des Sultans Namen nachten
Und das Volk stets zu vertreten, wie man ihnen zugab, dachten.
Was mir auffiel, war: die Rechte saß hier auf der linken Seite
Und die Linke auf der Rechten! Trotzdem muß, wenn auch, gescheidte
[171]
Deutsche Deputirte, albern Ihr dies nennt, ich Euch betheuern,
Daß die Wirksamkeit der Kammer fast erreichte die der Euern.
Die Fraktionen in der Linken hießen »Hummer« und »Vermummer«;
Die Gemäßigt-Rechte »Schlummer« und die radikale »Kummer«;
Die Partei des Ober-Mufti's auf der Linken die »Verdummer«
Und die Herren in der Mitte die »Centrumdummdrumherummer.«
Als ich eintrat, lief und schwatzte durcheinander noch die Kammer,
Eilte aber nach den Plätzen lautlos, als mit schwerem Hammer
Kräftig jetzt der Präsident schlug auf den Amboß, und den Reigen
Der Debatte selbst eröffnend, aufstand und erhob einSchweigen.
[172]
Und er schwieg, und schwieg sehr flüssig, schwieg wohl gegen zehn Minuten,
Doch erregte kein Int'resse, selbst nicht wenn mit resoluten
Gesten und Geberden Das er, was in seinem Innern lebte,
Auf die möglichst klarste Weise auszudrücken sich bestrebte.
Nach ihm trat ein Mensch, halb Truthahn, von der Linken auf und blickte
Lange starr auf die Versammlung; doch auch Er bracht's – durch geschickte
Wendungen des Haupts, wobei er, heftig schweigend, rechtshin ausfiel –
Nur dahin, daß von den Hummern und Verdummern ein Applaus fiel.
Einem dritten Stummen wurde, da er, was er zur Debatte
Schweigen wollte, schielend ablas von dem mitgebrachten Blatte,
[173]
Dies entzogen und er selber, der nachdem nur noch Grimassen,
Höchst verleg'ne, schneiden konnte, unter Lachgebrüll entlassen.
Jetzt trat Einer auf vom Kummer. Er, der lebhaft mit Emphase,
Ja, mit Leidenschaft schwieg, wurde, bumms! bei einer Schweigephrase
Durch des Präsidenten Hammer unterbrochen, schwieg dann milder
Einen Augenblick, doch gleich drauf wieder wild und immer wilder.
Stampfte mit den Füßen; drohte linkshin mit gewalt'ger Fauste;
Schwieg so geistvoll, daß die ganze Rechte in Applaus aufbrauste,
Der so toll ward, als die Linke quiekte, murrte, grunzt' und pochte,
Daß zuletzt der Schweiger selber schwerlich sich verstehen mochte.
[174]
Als er abtrat, fiel zu Füßen demonstrirend die Partei ihm,
Doch er achselzuckte als ob Lob und Beifall einerlei ihm. –
Ein Verdummer – still! – halb Affe und halb Mensch, streckt seine Tatz' aus
Und – der Präsident bewilligt's – still!! – steht auf und: schweigt vom Platz aus.
Was er schweigt – man sieht es deutlich an dem Wuthblick und dem Fletschen
Seiner Zähne, durch die manches Schimpfwort möchte durch sich quetschen –
Zielt auf den Vorschweiger, auf das radicale, äußerst rothe
Kammermitglied, das so eben noch in heil'gem Zorne lohte.
Und gleich wieder springt es auf jetzt, und versetzt durch schnelles Stummsein
Und durch eine Pantomime, die, und sollt' es noch so dumm sein,
[175]
Jedem Kinde leicht verständlich, einen solchen Hieb dem Affen,
Daß die Rechte hell auflachte und selbst lächelten die Pfaffen.
Der Tumult, der ausbrach, wurde schnell durch einen wahren Mordblick
Des Vorsitzenden ersticket. Drauf ertheilte er das Wort (sic?)
Einem hochgeöhrten Staatsmann, der als Tacitus in Ruf stand,
Und auf streng histor'schem Boden stets mit seinem Eselshuf stand.
Er stand eine volle Stunde schweigend da auf der Tribüne
Mahnend durch höchst virtuose Mienen rechts und links zur Sühne;
Mahnend den Extravaganzen der Prinzipe zu entsagen
Und, statt Sich, statt aufeinander, heut zum Centrum sich zu schlagen.
[176]
Rauschender Applaus ward diesem Abgeordneten zum Lohne,
Und dem Tacitus-Erfolg noch dadurch aufgesetzt die Krone,
Daß des Kriegs-Rocks Excellenz jetzt rasch auf die Ministerbank stieg
Und dem eben abgetret'nen Volksvertreter einen Dank schwieg.
Mind're Gunst ward einem Hummer, der mit rohem Faustgedrohe
Alsogleich stieg zur Tribüne. Die Versammelung, die hohe,
Lief, als der Restaurationsheld inwendig hier raisonnirte,
Großentheils nach dem Büffet hin, wo sie selbst sich restaurirte.
Erst des Präsidenten Hammer machte die Gesetzesgeber,
Die zum Wohl des Staates durchaus frisch und frei weg von der Leber
[177]
Durften schweigen – wenn auch langsam, äußerst langsam nur, allmälig,
Den Cadaver wieder füllen, bis zuletzt er ganz vollzählig.
Die Debatte war zu Ende. Jetzt galt's über jene Summen,
Die bewilligt werden mußten, ordnungsmäßigabzustummen.
Also war der Modus: »Nein!« hieß Kopf hoch und am Daumen saugen;
»Ja!« den Kopf gebeugt, die Hände beide haltend vor die Augen.
Der Credit-Antrag der hoh'n Regierung forderte zur »Kettung
Der Tibianer« Drei Millionen und die gleiche Summ' zur »Rettung
Armer Ritter,« die enterbt man aus dem mathematisch klaren
Grunde hatte, weil sie jünger als ihr ält'ster Bruder waren.
[178]
Das Abstummungs-Resultat war glänzend, denn es wurden beide Steuern
Mit Majorität bewilligt und zwar mit 'ner ungeheuern:
Fast Dreihundert Deputirte deckten, kopfgebeugt, die Augen,
Und nur etwa zwanzig Gegner thäten sich am Daumen saugen!
Auf der Heimkehr sprach ich: »Wahrlich, niemals noch sah' ich ein närr'scher's
Parlament!« zu Einem von der Namensvetterschaft des Herrschers,
Und gestand, daß von der ganzen, eigenthümlichen Debatte
Jedes Wort ich und drum eben nicht ein Wort verstanden hatte.
»Warum schweigt Ihr?«
»Sehr begreiflich!« sprach er.
»Denn daß wir uns zwischen
Inn're Politik, die gänzlich administrativ ist, mischen,
[179]
Duldet's Ministerium nimmer! Und der Sultan wieder liebt's nicht,
Daß die äuß're wir berühren! Eine dritte aber giebt's nicht.«
Vierundzwanzigstes KapitelParlamentarismusDreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
Eine GesellschaftVierundzwanzigstes KapitelParlamentarismusDreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

Eine Gesellschaft

»Vier der Scudi muß ich zahlen,« sagte Gräfin Lotte mir.
»Was, vier Scudi?«
»Für den Boten, für die kleine Karte hier!
Du bist zum Diner gebeten bei dem Lord Brummbrumm von Bär;
Dafür giebt, so will's die Sitte, man dem Diener solch Douceur.«
»Vier der Scudi, Gräfin Lotte, das ist stark! Ich bin kein Filz,
Doch für zween der Scudi speis' ich drüben in dem›Goldnen Pilz‹
[181]
(Solche geistvoll-nationale Namen führen hies'gen Orts
Die Hotels!) ich sollte meinen, so vorzüglich wie bei Lords.«
Lotte lächelte. »Nein, wahrlich«, rief sie, »nein, so ideal
Wie beim edlen Lord, dem Brummbär, ist im Pilze nie das Mahl!
Auch ist's wohl nicht mehr als billig, daß ein Lord für solch ein Fest
Einen höhern Preis sich zahlen als die Fremdenkneipe läßt.«
»Aber«, fuhr sie fort, »ich weiß nicht, was Du jetzt schon ein Dich zwängst
In den weißen Schwalbenschwanzrock?« »Jetzt schon?« wiederholt' ich. »Längst
Hat es Zwölf vom Kerkerthurme hertrompetet, und hier diese
Karte giebt die Ordre deutlich: Zum Diner, Eilf Uhr präcise.«
[182]
»Pfui, daß man doch,« rief die Gräfin, »Dich erzog so ordinär!
Kein Begriff von savoir vivre! Keine Spur vonsavoire faire!
Wie im Großen müssen alle Vornehm-Edlen auch im Kleinen
Anders sprechen und auch immer anders schreiben als sie meinen.
Noch drei Stunden mußt Du warten! Kämst Du in's Palais vor Acht,
Würdest von den Domestiken, und mit Recht, Du ausgelacht.«
»Aber ich bin zum Diner doch ...« Ja, so schrieb man, zum Diner;
Aber eben, weil man so schrieb, lud man ein Dich zum Souper.
Sagt man denn nicht »Guten Tag!« auch und wünscht eine böse Nacht?
Wird beim »Prosit!« und »Helf Gott!« denn nicht das Gegentheil gedacht?
[183]
Schreibt man nicht »Ergeb'ner Diener,« lieber Dich mit Füßen tretend?
Segnet man uns nicht die Mahlzeit, Obstruction für uns erbetend?
Preist man nicht ein Werk und meint doch, daß es werth nicht einen Dreier?
Freut man sich nicht, Dich zu sehen, denkend: hole Dich der Geier!?
Ja, ich darf Dir's nicht verhehlen, daß man, wo Du heute Gast,
Deiner fremden Abkunft wegen, just Dich wie die Sünde haßt,
Oder, besser: wie die Tugend! denn die Frauen und die Herrn,
Die im Wort die Sünde hassen, haben in der That sie gern.
»Längst schon,« wandte das Gespräch ich, »wollt' ich, Gräfin, mich erdreisten
Mein Erstaunen auszudrücken, daß, bei Allem, was Sie leisten
[184]
An Geburt, Geist, Schönheit, Bildung, Euer Hochhochhochgeboren
Sich den niedern Stand als Jungfer oder Hausmamsell erkoren.«
Bitter lachend sprach die Gräfin: »Kann Ich das Gesetz umstoßen,
Das der Primogenitur, ach, lastend auf des Reiches Großen?
Wie die erstgebor'nen Söhne Erben nur des ganzen Gutes,
Sind die erstgebor'nen Töchter Kinder nur des vollen Blutes.
Sie nur dürfen sich vermählen einem Ritter oder Lord;
Uns treibt, wenn wir Zwanzig Jahr alt, man wie fremde Bettler fort!
Ohne Mittel, ohne Mitleid werden wir hinausgejagt,
Um bei Plebs, beim niedern Bürger, zu verdingen uns als Magd!«
»Aber warum wird«, so fragt' ich zorngeröthet, »denn von oben
Dieser Tollheit nicht gesteuert, dies Gesetz nicht aufgehoben?«
[185]
Da ... ich wußte nicht, was plötzlich sie so aus der Stimmung brachte:
Sah die Gräfin mich erstaunt an, schnitt Gesichter und – und lachte!
Lachte so charmant und herzlich, daß ich, der mit Recht Ergrimmte,
Ueber's Primogenitur-Recht, nolens volens mit einstimmte.
Und wir lachten, scherzten, lachen, küßten uns sogar dazwischen,
Ohne daß ich Lilialinda'n aus dem Herzen konnt' verwischen!
Welches für moralisch-strenge Männer, welche diesem Werke
Ihren Beifall zollen möchten, ich expreß hierbei bemerke.
»Wisse«, sagte Lotte endlich, ihres Dienstherrn Gunst abwehrend,
Und ihn über ihr Gelächter, das so plötzlich kam, belehrend:
[186]
»Wisse, daß auf diesem Sterne Jeder, der wie Du Warum? frägt,
Uns zum Lachen reizt und immer, ohne Ausnahme sehr dumm frägt.
Das, was ist, das ist ja.. deshalb! Drum ist, was da ist, vernünftig!
Unvernünftig, was gewesen aber und was sein wird künftig.«
Fast zwei Stunden lang lief diese tiefeste Philosophie
Meiner Gräfin durch den Kopf mir, ehe ich begriffen sie.
Doch, daß ich für mich behalte, was mir so viel Zeit und Grübeln
Kostete, wird mir der Leser, wenn er billig, nicht verübeln.
Die Toilette war beendet: weißer Frack und weißer Claque,
Weiße Schuh und schwarze Wäsche, und, nach neuestem Geschmack,
[187]
Pantalons mit circa Fünfzig Gold-Quadraten, die als Rahmen
Farbiger Bildnisse dienten von Theater-Herrn und Damen.
Kaum fiel's auf mir von dem Kutscher, dessen rosenrother Wagen
Nunmehr rasch mich zur Gesellschaft des Lord Brummbär sollte tragen,
Daß er einen goldnen Scepter statt der Peitsche in der Hand!
Da ich wußte, daß die Peitsche hier in Scepterehren stand.
Als sich, unter vielen andern, meine rosige Karosse
Näherte dem alt-verfall'nen also höchst ehrwürd'gen Schlosse,
Hörte ich von zween Lakaien staunend das Geschrei, das stete:
»Heut ist hier bei unsrer Herrschaft eine ungeheure Fete!«
[188]
Auf der Flur zunächst der Treppe, war placirt, wenn auch von bester
Qualität nicht just, ein großes Blech- und Streich- und Pauk-Orchester,
Und das ließ (mein Wort als Dichter, daß ich wahr in allen Dingen!)
Wolfgang Mozart's Melodieen aus dem Don Juan erklingen!
Ob nun diese Melodieen himmlisches Original,
Ob vom Himmel einst sie Mozart, ob sie Ihm der Himmel stahl
Und durch seine Sphären rauschen, in den Sternen ließ verbreiten?
Darum werde ich, der Sel'ge, mit Unsel'gen mich nicht streiten.
Als ich in den großen Saal trat, fand ich alle Gäste stumm!
Alle gingen grüßend, knixend, um das Theeservice herum,
Das auf einem langen Tische glänzte und, ich sah es klar
An den zierlich kleinen Löffeln, von massivem Silber war.
[189]
Festen Schritts trat ich zur Lady, die sich tief vor mir verbeugte
Und durch einen Nasenstüber ihre Achtung mir bezeugte;
Darauf stellt' ich mich dem Lord vor, welcher dreimal vor mir knixte,
Dann jedoch, stumm ab sich wendend, wieder seinen Schnauzbart wichste.
Nach Verlauf von zehn Minuten trat in's Zimmer ein Lakai,
Unterbrechend diese Stille durch nachfolgendes Geschrei:
»Herrn und Damen, ich verkünde: Heute war sehr schönes Wetter!
Ziemlich wohl befinden Tante, Onkel, Muhme sich und Vetter!«
Ich fand's roh, die Unterhaltung ihres Schmucks so zu entkleiden,
Ihr die beiden besten Stoffe so gewaltsam abzuschneiden!
Doch ich irrte mich, denn plötzlich brach in den Gesellschaftsketten
Ein Geschnatter los, so mächtig, um ein Capitol zu retten.
[190]
»Aber«, fragte einen Gast ich, der an meiner Seite stand,
Einen kleinen, netten Knaben, einen Gardelieutenant,
»Was bedeutet das Gekicher, das ich höre, und warum
Drehn beim Sprechen sich die Leute stets gesichterschneidend um?«
»Nun, man macht sich Complimente«, sprach er, »sagt sich Schmeichelein.
Jeder aber weiß: der Andre glaubt's nicht, und drum gilt's als fein,
Daß man stracks – nachdem man eben Einen, daß er klug, versichert,
Schön, gelehrt, fromm und so weiter – umdreht sich und höhnisch kichert.«
»Allerdings sehr eigenthümlich, aber lästig und beschwerlich«,
Meint' ich, »kürzer wär's, man spräche miteinander wahr und ehrlich!«
Und es schmeichelte mir höchlich, daß der Gardelieutenant
Diesen Ausspruch »kolossal gut!« und »auf Ehre, reizend!« fand.
[191]
»Ja, 'sist wahr, was man behauptet«, rief er, »Ihr seid ein Genie!«
Drehte aber schnell den Kopf um, kicherte ein Hi, hi, hi!,
Ging zu einem Thee-Lakain und – so ist's Ton hier – ließ durch diesen
Eine Schaale Thee sich langsam in die edle Kehle gießen.
Doch die Leserinnen werden, wie ich merke, ungeduldig
Daß das Wichtigste von Allem ich so lange ihnen schuldig:
Die Beschreibung der Toilette der verkehrten Damen, »die
Ganz gewiß nicht so geschmackvoll wie die unsre!« – Hi, hi, hi!
Meine Damen: hier die Weibchen, deren Wuchs so schön wie zart,
Schlagen, sich zu Damen drechselnd, alle aus Natur und Art;
[192]
Plustern sich das Haar um's Köpfchen, als ob gänzlich ohne Ohren,
Tragen's Kleid so lang als wären ohne Füße sie geboren!
Bilden aus den Marmor-Armen: Windbeutel und Schwimmeblasen!
Pressen sich die Brust ein, schnüren sich so über alle Maaßen,
Daß sich ihre Grazie wandelt in ein Schreckgespenst von Knochen;
Daß bei starkem Winde draußen viel schon mittendurch gebrochen!
Doch dies Minus, unter welchem die Natur hier stöhnen muß,
Das ersetzen anderswo sie durch ein ungeheures Plus;
Wo? das hab' ich nicht verrathen! Denn selbst ein Incognito,
Das für mehr sich ausgiebt, acht' ich, und drum sagt' ich: anderswo.
[193]
Ebenso will ich nicht zählen, durch wie viele Unterkleider
Von dem Weib die Dame trennt sich, und das Weib verunziert leider,
Denn das könnte auf der Erde, wo man zipp in solchen Dingen,
Wenn auch nicht in üble Lage – doch in Mißcredit mich bringen.
Schmäh'n wir lieber etwas über jene Damen da vom Hofe,
Eine Sultanin und deren erste Leib- und Ehren-Zofe,
Die zwar auch mit ihren ächten, mit den feinern Reizen geizen,
Dafür aber sich mit plumpen, etwas feisten Reizen spreizen.
Spreizen? Nein, das ist das rechte Wort noch nicht; denn da von Büsten
Weit'sten Sinnes hier die Rede, brauchen besser wir wohl: brüsten?
[194]
Brüsten, ja! O, unsre Sprache ist in diesem Worte sehr ...
O, wo nehm' ich nur für »plastisch« einen deutschen Ausdruck her?
Schämen sich nicht diese Damen? frägt die holde Leserin
Und wird selbst bei dieser Frage rosenroth bis unter's Kinn.
Nein, das Schämen ist hier Ton nicht. Erstens hat man's nicht vonnöthen,
Und zum Andern, weil die Wangen hier beim Schämen nicht erröthen.
Nicht erröthen? Nein, die Schaam haucht hier im Reiche Jedermann
Statt der lieblich rothen Farbe eine häßlich trübe an.
Hier wird – und das ist für Frauen doch gewiß nicht einerlei! –
Hier wird man nicht roth beim Schämen, nein, hier wird man grau dabei.
[195]
Doch, ich muß jetzt Abschied (weh mir!) von der schönen Les'rin nehmen
Und (noch weher mir!) zu einem Pfänderspiele mich bequemen,
Das, ich merkt' es an der lauten, allgemeinen Stuhlrevolte
Und der jungen Mädchen Kichern, jetzt geleistet werden sollte.
Etwas Trost fand meine Seele, opfermuthig, schmerzdurchschauert,
Im empirischen Bewußtsein, daß solch' Spiel nie lange dauert;
Daß, und wenn's auch immer wieder, wieder, immer wieder statthat,
Weil's so schonend für den Geist ist, man's doch jedes Mal bald satt hat.
Und fast war ich ganz getröstet, als ich sah, daß man dies Spiel
Ohne Pfänderaustausch spielte; gleich begann beim süßen Ziel!
[196]
Allem Speck- und Schinkenschneiden und den geistigen Genüssen
Dieser Art dabei entsagte, und sich einzig hielt an's Küssen.
Alle Damen zogen nämlich zum Beginn der Minnelust
Blumen aus dem Blumenkorbe, den sie trugen vor der Brust,
Schüchtern sie den Männern reichend, die sich durften dann erlauben,
So viel Blumen als sie hatten, so viel Küsse sich zu rauben.
Eine Dame, deren Tochter meine Mutter konnte sein,
Rückte aus mich los und bot mir huldvoll Sieben Blümelein!
Sieben! Das war unverschämt doch! Dankend drückt' ich ihr die Hände,
Mich entschuld'gend, daß ich fremd sei und das Spiel noch nicht verstände.
Und dann schob den Gardelieutenant ich als Opfer ihr an's Herz,
Und entsagte gerne diesem zu loyalen Minnescherz;
[197]
Ging zum Theetisch in der Hoffnung, daß des Festes Unterhaltung
Bald gewinnen würde eine ... unterhaltende Gestaltung.
Aber, ach, statt dessen tauchte, und mit eitlem Ungestüm,
Auf ein frech-geschmackanspeiend-nervenmarternd Ungethüm,
Das sich durch Miauung äußert, Klapprung, Kratz-, Quiek-, Kreisch- und Grunzung,
Und Dilettantismus heißet oder besser: Kunstverhunzung.
Auf der Erde kann von diesem gräulichen socialen Drachen,
Kunst- Molch und ästhet'schen Lindwurm, schwerlich man ein Bild sich machen!
Nein, die klugen Leser werden, wenn ich schild're, wie er ras't,
Lächelnd und die Köpfe schüttelnd meinen: unser Autor spaßt!
[198]
Und doch ist es reine Wahrheit, wenn ich sage: jene Frau,
Noch vor Kurzem geistvoll-lieblich, läßt er kreischen wie 'nen Pfau!
Läßt er sich den Mund ausspülen mit Rouladen, und owaihn,
Jammern, stöhnen und sich quälen bis Mitleid'ge Bravo schrein.
Jene Eltern läßt er wandeln ihr liebreizend Kind zum Affen,
Und dort den Familienvater selber wandeln sich zum Laffen!
Jener holden Jungfrau wickelt aus der Kehle er ein Knäul
Falscher Töne ab und Schnörkeln, bis sie Allen wird ein Gräul!
Diesen braven Jüngling zwingt er eine Geige abzukratzen,
Daß selbst von den nahen Dächern hülfeschreiend fliehn die Katzen;
[199]
Einen Andern läßt er klimpern, daß man diesem Drahtarbeiter
Gern 'nen Groschen schenkte, bittend: Bester, ein paar Häuser weiter!
Einen dritten braven Jüngling läßt er, ohne zu erröthen,
Einen Mozart oder Weber langsam mit der Flöte tödten!
Einen Greis ein Lied abknarren von verliebten Turteltauben,
Und zwei Mädchen ohne Stimme Wuthhusten und Racheschnauben!
Selbst die Mutter nicht, die Hausfrau, schont dies schnöde Ungeheuer!
Eine dicke Fünfzigjähr'ge schmort in heißem Liebesfeuer,
Aechzt Gefühl heraus, keucht Wehmuth, schwitzt sich Triller ab und girrt
Zehn Mal den gerechten Zweifel: ob der Liebste kommen wird?
[200]
Und sonst würd'ge Frau'n und Männer, die, zu zeigen, wie sie leiden,
Bei dem Treiben dieses Drachens, heimlich sich Gesichter schneiden,
Rufen: »Bravo! Ganz vortrefflich!« wenn ein Leidensact zu Ende,
Hauend, And're hauen mögend, sich in ihre eig'nen Hände!
Und Personen, deren Bildung zweifellos wie ihr Geschmack,
Macht, tritt Einer von den Ihren auf mit seinem Dudelsack,
Augenblicks der Lindwurm dämisch, so vernagelt, so verrückt,
Daß das Plumpste sie bezaubert und das Schrecklichste entzückt!
Mehr noch dürften meine Leser staunen, wenn ich ihnen sage,
Daß dies Monstrum, dies sociale, rasend, wüthend alle Tage,
[201]
Von Gewaltigen gehätschelt und gepflegt wird. Und warum?
Weil es weise macht die Menschen, wie man hier sagt, nämlich: dumm.
Weil er kitzelt statt zu spornen, und verbuhlt der Jugend Kraft;
Weil, was Feuer, Drang und Muth ist, unter ihm erstickt, erschlafft;
Weil den Geist er nur auf kleine, eitle Eitelkeiten lenkt,
Und ihn einwiegt und ihn einlullt, daß er ja nicht forscht und denkt.
Daß der Mensch nicht aus der Traumwelt in die Welt des Lebens schweift!
Daß er ja nicht nach den Werken seiner edlen Dichter greift!
Ja nicht in gesell'gem Kreise diesen und sich selbst erhebt,
Ja nicht nach erhab'nen Zielen, so die Denker preisen, strebt!
[202]
Darum kennt man von den Dichtern hier kaum mehr als ihren Ruhm;
Darum sind sie nur der Schränke nicht des Volkes Eigenthum!
Darum, weil dies Volk sie adlen, spornen, kräft'gen würden, darum
Scheucht man fort sie durch Gedudel, durch ein ew'ges Lirumlarum!
Darum .... doch der Geist allein nicht, auch der Körper fordert Nahrung,
Wie dem Volke der Instinkt lehrt und Gelehrten die Erfahrung!
Und so ward denn das Gedudel, wurden denn die Singeschnurren
Endlich, endlich übertönt durch obligates Magenknurren.
Doch so weit das Auge schweifte rings durch alle die Salons:
Keine Spur von einem Seefisch, von Ragout mit Champignons!
[203]
Gar Nichts von gefüllter Lammsbrust, Fricassee's und Fricardellen,
Von Filets mit Trüffeln, Hasen, Tauben oder Lachsforellen!
Kein Gedanke hier von Austern! Keine Schnepfen, keine Kücken!
Kein Atom von einem Rumsteak oder eines Rehes Rücken!
Keine Ahnung von 'nem Kalbskopf, noch von irgend einem Braten,
Von Pasteten oder andern gastronomisch-edlen Thaten!
Und so weit das Auge schweifte: keine einz'ge Flasche Sekt!
Der uns so poetisch fröhlicht, und der außerdem auchschmeckt!
Nichts von Ihr, der einzigen Wittwe, geistvoll, reizend, feurig-süß,
Von der gern ich einen Korb mir ... auch wohl zweie geben ließ!
[204]
Keine Roed'rer und Olivier's, keine Jaqueson's keine Mumm's;
(Gäb' es selbst so hohe Geister in den Sphären Dummdummdumms)!
Keine Foucher's, keine Sergent's, keine goldvollblut'gen Boll's!
Nichts von diesen Himmelsrittern Seiner Majestät Apoll's!
Seh' ich recht? Da naht ein Diener! Armes Herz, verzweifle nicht!
Selbst im Jenseits ist dem Deutschen Ruhe und Geduld ja Pflicht!
Ja, es ist ein Diener! Aber ... mit Servietten! Und ... o Spott!
Kein College folgt ihm! Keiner! Das ist Alles! Großer Gott!
Nein, kein Teller, kein Besteck folgt', keine Speise und kein Trank,
Und – wie ich vor Wuth auch bebte und vor Hunger um bald sank –
[205]
Alle andern Gäste nahmen ruhig sich Servietten und ....
Wischten sich, als ob sie äßen! wischten sich damit den Mund!
Und der Gardelieutnant sagte auf Befragen: das seifein!
Wirklich essen oder trinken in Gesellschaft seigemein!
»Und das«, fügte er hinzu noch, »das, verehrter Herr, wird Sie,
Der Sie sicher von Geburt sind, nicht befremden. – Hi, hi, hi!«
»Darf ich um die Ehre bitten«, unterbrach uns eine Schöne,
»Zu dem ersten Hopphopphoppsa, dessen wundersüßen Töne
Vom Orchester aus dem Tanzsaal durch der Räume Lüfte kräuseln
Und durch das entzückte Ohr uns in des Busens Tiefe säuseln?«
Dankend lehnt' ich ab den Antrag, da ich mir an der Serviette,
Wie ich vorgab, meinen Magen leider ganz verdorben hätte,
[206]
Und daher nicht disponirt sei, mich in diesem wilden Ranzen,
Pusten und Keuchen auszuzeichnen, das man hier benamset: Tanzen.
Dann ging ich zum edlen Lord hin, gab ihm einen Nasenstüber
Und empfahl mich, ihm versichernd, daß ich ganz Bewund'rung über
Seine große Fete wäre, und in meinem Leben nie
Mir solch köstliches Diner sei vorgekommen. – »Hi, hi, hi!«
Unten aber streckt' ich wüthend die geballte Faust empor
Nach der Belle-Etage droben, wo's so fein hergeht, und schwor:
Niemals wieder anzunehmen eine Einladung von Lords,
Die der Himmel würde richten ob versuchten Hungermords!
»Hier!« Der erste Kammerdiener rief's, hing mir den Mantel um
Und – nein, das ist Unbeflecktheit! Mehr als Unsinn! Mehr als dumm! –
[207]
Gab mir einen blanken Scudi: Trinkgeld! Er! und sprach dazu:
»Restauriren Sie sich, Lieber! Wünsche angenehme Ruh'!«
Wüthend, meiner Sinne kaum noch Lehrling denn geschweige Meister,
Flucht' ich auf dies Schloß hernieder Te's und Tibi's Prügelgeister!
Warf den Scudi einer Statue Pruda's an den Kopf und rannte
Nach der Brücke hin und stürzte ... in's Hotel »Zur guten Tante.«
Fünfundzwanzigstes KapitelEine GesellschaftVierundzwanzigstes KapitelParlamentarismusDreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt
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Woher mein Geld?

Ich merk's den Lesern an, die sich
Nicht gern mit Räthseln plagen,
Daß sie schon lange einmal mich
Den Sel'gen, möchten fragen:
Woher in der Verkehrten Welt
Hier oben immer ich das Geld,
Das viele Geld herkriege?
Er, der da oben, sagen sie,
Gott um den Tag beschummelt;
Der seine schöne Zeit fast wie
Ein Cavalier verbummelt:
Er thut, als säße er in Fonds!
Als könnte er sich die Coupons
Nur so wie Häcksel schneiden!
[209]
Ja, wär' er fromm, reactionär,
Der todte Homme de lettres!
Ja, wenn ein Bankerott ihm wär'
Gelungen, ein honetter!
Schrieb Bücher er im russ'schen Sinn,
Ja, oder wär' er Tänzerin!
Dann könnte man's begreifen.
So aber scheint's als führ' er ein
Dukatenmännchen bei sich,
Und letzte dies mit Aepfelwein
Und mit Rhabarber fleißig.
Das wäre aber auch nicht klug,
Dann merkt's die Po ... genug, genug!
Ich will das Räthsel lösen.
So oft es mir an Geld gebricht,
Geh' Nachts ich ganz alleine
Bei stillem gutem Mondeslicht
Nach einem nahen Haine,
Und hör', was sich der Wald erzählt,
Und was die Würmer freut und quält,
Und daß sie gutgesinnt sind.
[210]
Doch schlägt die Geisterstunde kaum,
Geh' feierlich ich drei Mal
Um einen hohlen Eichenbaum
Und rufe feierlich drei Mal:
»Romantik hin! Romantik her!
Mein Beutel ist schon wieder leer!
Ich brauche Geld. Hilf Schicksal!«
Und kaum, daß dies gescheh'n, so fällt
Zu Füßen mir, o Wunder!
Ein Beutel, straffgefüllt mit Geld!
Und also ruft's herunter:
»Romantik hin! Romantik her!
Hier ist die Börse voll und schwer!
Empfehl' mich ganz gehorsamst!«
Und's Beste dabei ist, und Das
Bitt' wohl ich zu bedenken:
Das Geld gehört mir zu! ich laß'
Es keineswegs mir schenken!
Der Himmel zahlt nur jedes Mal
Mir Zinsen von dem Kapital,
Das er für mich verwaltet.
[211]
Und solch ein Kapital – nun spitzt
Die Ohren! – deß Verweser
Der liebe Himmel ist, besitzt
Ein jeder meiner Leser!
Der mehr, Der wen'ger, freilich, ja!
Doch Etwas ist für Alle da,
Und das hängt so zusammen:
(Und wer's nun liest und ruft dabei
»Ja, Das! Ach, Das! Das weiß ich ....«
Der denke an's Columbus-Ei
Und ... und studire fleißig
Naturweisheit, die zeigt ihm klar
Daß just zuletzt, was einfach-wahr,
Gefunden und gefaßt wird.)
Ihr wißt, daß Der, der Wohlthun liebt,
Sich Selbst die Gaben weihet;
Daß Jeder, der den Armen giebt,
Dies nur dem Himmel leihet;
Ja, in der letzten Zeit sogar
Gab's heil'ge Rom aus, gegen Baar,
Schuld-Aktien auf den Himmel.
[212]
Dies ist nun Alles wörtlich wahr,
Kein bildliches Gespaße:
Der Himmel zahlt und lohnt, und zwar
Im allergrößten Maaße.
Nicht nur, was ihm geliehen ist,
Auch was die Welt an Dank vergißt,
Das giebt er voll und reichlich!
Nicht nur erhört er's, wenn der Schmerz,
Wenn Noth in Euch begegnet
Dem Retter, wenn ein leidend Herz,
Getröstet, still Euch segnet,
Und wenn die Bettler dankesvoll
Zurufen Euch: Der Himmel soll
Euch's Tausend Mal vergelten!
Nein, er bezahlt selbst, was auf ihn
Gewisse Herrn anweisen,
Die Euch des Lebens Sold entziehn
Und ihn erst »dort!« verheißen!
Er thut's, denn Er ist himmlisch gut!
Doch was er mit den Herren thut,
Das ist 'ne andre Frage.
[213]
Und endlich was Ihr unten, ach!
Gerungen und gelitten,
Wenn gegen Wahn und Trug und Schmach
Und Unrecht Ihr gestritten:
Auch das ist oben gut verborgt!
O, für die Todten ist gesorgt;
Die Todten haben zu leben!
SchlußgesangWoher mein GeldFünfundzwanzigstes KapitelEine GesellschaftVierundzwanzigstes KapitelParlamentarismusDreiundzwanzigstes KapitelEinfallAntwortVorwurfBemerkungenZunftrechtDer HauswirthEin SultanchenVolksspruchDer VerlehrerAus meinem MerkbucheZweiundzwanzigstes KapitelAn die KritikEinundzwanzigstes KapitelDie Bibliothek. Eine Injurie. SchlußeffektZwanzigstes KapitelEmpfang und UnterrichtNeunzehntes KapitelBeim Ober-MuftiAchtzehntes KapitelBürger SchweinLouis IltisRentier OchsCamillusSchnüffel-WindhundPluto-PlutusKlette-KetteHans MichelRaugraf JambusNorma von dem WorteFürchtegott FuchsSchluckRosaura MagerHassan-LucksMathildeWolf-MarderBarbara KeifVornox-HornoxGottlieb TauberNetta ResedaKrusel-KreselBegräbniß und KirchhofSiebzehntes KapitelEin VernünftigerSechszehntes KapitelAn die LeserFünfzehntes KapitelZurückVierzehntes KapitelDie TrennungDreizehntes KapitelLilialindaZwölftes KapitelDer Paß-RathEilftes KapitelDas hohe Lied vom PasseZehntes KapitelDas BilletNeuntes KapitelDer BriefträgerAchtes KapitelDer BarbierSiebentes KapitelDer StiefelputzerSechstes KapitelDer Abschied des SultansFünftes KapitelAdel und VerfassungViertes KapitelDer Sultan und sein HofDrittes KapitelDie Gräfin LotteZweites KapitelEine RundschauErstes KapitelVorgesangGedichteGlaßbrenner, AdolfDie Verkehrte Welt

[214] Schlußgesang

Wie heißt dort im schattig grünen, im blumig-blühen-Hain,
Das altergraue, hohe, verfallene Riesengestein,
Das trotz vermauerter Fenster, trotz der Säulen, geborsten, geknickt,
Doch noch so stolz-erhaben, so groß und mächtig blickt?
Das, ob auf Fels gegründet, doch scheinbar wankt und schwankt,
Lichtscheuer Eulen Stätte, von Epheu und Reben umrankt;
[215]
Das jenen Friedhof beleuchtet mit wunderbar magischem Schein;
Wie heißt das altergraue, verfallene Riesengestein?
»Das ist der Tempel der Wahrheit! verhöhnt, verpönt, verflucht,
Weil seine Herrin, die Göttin, den Mufti's zu trotzen versucht!
Sie büßt dadrinnen die Sünde; das früher himmlische Weib
Trägt jetzt, verwandelt, auf Krücken den alten, zitternden Leib.
Das ist der Tempel der Wahrheit, dem Jeder weicht und flieht,
An dessen Altar nur je noch ein Dichter und Denker kniet,
Ein Künstler-Vagabunde, ein frecher Forscher des Lichts,
Deß Gottheit die Natur ist und der Mufti Gottheit Nichts.
[216]
Das ist der Tempel der Wahrheit, das gemeinste, ekelste Haus,
Gesitteten ein Schrecken, Guten und Frommen ein Graus!
Das ist der Tempel der Wahrheit, bespie'n, beschmiert, beschmutzt,
Der leider dem Wind und Wetter, dem Zahn der Zeit noch trutzt!«
Und also sprechend verließ mich der brave Bürgersmann,
Der mir Bescheid gegeben vom fürchterlichen Bann,
In welchen der Götzen Priester die arme Wahrheit, gepflegt
So liebevoll auf Erden, hier grausamlich gelegt.
Ich aber, wie's auch drohte zu stürzen das morsche Gestein,
Und ob's als Schmach und Sünde auch galt, trat muthig hinein;
[217]
Schritt durch die öden Gänge, durch finstre Hallen, schritt
Durch Schutt, Geröll und Trümmer, bis in des Tempels Mitt'.
Das weite, hohe Gewölbe, vermauert ganz und gar,
Beleuchtete, aufflackernd aus steinernem Altar,
Ein kleines goldnes Flämmchen, so schön, so himmlisch-hell,
Als wär's des ewigen Geistes, des ewigen Lichtes Quell!
Und oben im kühnen Bogen da funkelten Sterne mild,
Und ringsum standen mit blitzendem Griffel und Schwert und Schild
Steinbilder von Männern und Frauen, gekrönt mit Lorbeergesproß,
Aus deren Herzen ein Blutstrahl, ein rosiger, sich ergoß.
[218]
Und tief im Osten des Tempels da stand das arme Weib,
Die Wahrheit, auf Krücken tragend den alten, zitternden Leib;
Doch um ihr Haupt, das welke, glänzte ein Heiligenschein,
Und ihre Augen flößten Liebe und Andacht ein.
Und nieder sank am Altar ich und betete, betete lang,
Wie nie in meinem Leben mit solchem frommen Drang,
Und pries die geächtete Göttin, und fühlt' es in meine Brust
Einziehen wie Lerchenjubel, wie selige Frühlingslust.
»Du, deren Diener«, so rief ich, »gemartert, verfolgt, verbannt,
Erdolcht, vergiftet, erschossen, gekreuziget und verbrannt,
Und die jetzt Selbst verwunschen verwünschter Lug und Neid:
Gelobt sei und gepriesen in alle Ewigkeit!
[219]
Und haßten Dich selbst die Götter! und lechzte der Lüge Brut
Im Wahnsinn ihres Eifers zuletzt nach Deinem Blut:
Ein Tropfen würde zur Sündfluth der finstern Despotie!
Und eh' sie Dich begraben, begräbst Du Alle sie!«
Und rings die steinernen Helden hoben ihr Haupt empor,
Blickten zur Göttin der Wahrheit und riefen mächtig im Chor:
»Ein Tropfen würde zur Sündfluth der finstern Despotie!
Und eh' sie Dich begraben, begräbst Du Alle sie!«
Und die Göttin hustete lange, und schleppte sich darnach
Zu mir herab und küßte mir auf die Stirn' und sprach:
[220]
»Worte, mein Lieber, Worte! Saat, schöne, gute Saat!
Ich aber verschmachte inzwischen! Wann kommt die Ernte-That?«
»Ach, Göttin«, rief ich, »verzeihe, ich bin wahrhaftig nicht schuld!
Ich bin hier fremd! Ich stamme vom Lande her der Geduld,
Wo man Dich achtet, nicht ächtet; Dich nimmer legt in Bann!
Mich geht die ganze Geschichte hier oben ja gar Nichts an!
Und wollt' selbst meinen Muth ich loslassen, es könnte nicht sein,
Denn Muth hat man im Herzen, und mein's ist nicht mehr mein;
Das schlägt in Lilialinda, der Heißgeliebten, die
Geflohen ist, ach, verschwunden ....«
»Wie?« rief die Göttin. »Wie?
Du wärst Ernst Heiter, der Doctor?«
[221]
Und auf sprang eine Thür,
Und Lilialinda selber, der Engel, trat herfür
Und flog an meinen Busen und weinte vor Freude da.
»Du liebst mich also?« rief sie, und ich, ich weinte »Ja!
Ja, ewig werd' ich Dich lieben, Dich, Traute, mir getraut,
Dich, Poesie des Stoffes, Dich, Freiheitselige Braut!
Nicht Ein Weib bist Du, Lilia, Du bist das Weib! Du hast
Wie meine Leserinnen so viele Reize ... fast!«
Und Lilialinda erzählte wie sie seit Monden schon,
Trotz seiner Spione, dem Scheusal, dem Obermufti, entfloh'n!
Wie er um ihre Liebe bestürmt sie und mit dem Tod,
Wenn sie ihn nicht erhöre, zuletzt ihr frech gedroht.
[222]
»Und keiner Seele verrieth ich's, selbst nicht der Mutter, daß
Vor dieser verhaßten Liebe und dieser Liebe Haß
Ich hier den geächteten Tempel mir als Asyl erkürt,
Aus dem zur Menschen-Gesellschaft kein Thor zurück mich führt.«
So sprach sie und zog mich nieder zu Füßen der Wahrheit, und
Bat demuthvoll die Göttin zu segnen unsern Bund.
Und die Göttin griff in die Flamme, netzte uns Kopf und Gesicht
Und ... was bisher mir dunkel, ward plötzlich hell mir und licht!
Ich erkannte den Anfang der Dinge, das A des All's ganz klar;
Ich wußte, was dieser Dinge, aller Welten Ende war!
Ich sah' eine große Neuwelt im Schooße der Natur,
Ich entdeckte den Stein der Weisen und des Zirkel's Quadratur!
[223]
Ich hätt' ein Buch können schreiben jach überUnsterblichkeit!
Ich hörte die Uhr des Raumes, durchmaß mit demZollstock die Zeit!
Ich erkannte die Werden-Vergehen, Stoff-Geist-Identität!
Ich verstand, was der Donner donnert, was Gallus und Leo kräht!
Ich kannte den kleinsten Bruchtheil und die letztegrößeste Zahl!
Ich hatte sogar eine Ansicht über des Weltall'sMoral!
Ich wußte mit einem Wort: Alles!, war allerallerallerhöchst klug!
Nur Eines: was eigentlich adlig? Das war mir nicht klar genug.
Doch während ich darob nachsann, da hörten wir Stimmengewirr,
Hastige Männerschritte, Toben und Waffengeklirr.
[224]
»Verbergt Euch!« rief die Göttin. »Der Feind naht! Hier! Geschwind!«
Und unter den Altar kroch ich eiligst mit Lilialind.
Es war der Obermufti mit gegen dreißig Mann.
»Wo ist Ernst Heiter?« schnob er wüthend die Göttin an.
Und die Wahrheit wollte mich retten – ich aber rettete sie,
Kroch muthig aus meinem Verstecke und sagte mit Würde: »Hie!«
»Und wo Du bist! ist Sie auch!« hohnlachte der Wütherich
Und stürzte nach dem Altar hin.
Die Göttin aber strich
Mit rascher Hand die Flamme. Da wuchs sie hoch und breit,
Und deckte Lilialinda und hielt den Mufti weit.
»Verfluchte!« schrie dieser und packte mit wüthendem, rasendem Blick
Die hohe, heilige Göttin, die Wahrheit, in's Genick,
[225]
Und warf sie sich zu Füßen, zog einen Dolch und stieß ...
Nein: wollte stoßen als plötzlich Gott Ego »Halt!« ihm hieß.
Ein furchtbarer Donner krachte, rollte durch's Riesengestein,
Krachend stürzte im Osten Gebälk und Mauer ein:
Da stand die Statue Ego's mit off'nem Munde und schrie:
»Ich muß Sie unterbrechen, Herr Mufti, entschuldigen Sie!
Ich lasse Mir viel gefallen! Ich schwör's bei Mir: sehr viel!
Doch jetzt ist's aus, jetzt bin Ich mit Meiner Geduld am Ziel!
Müd' des Regierens drückte Ich stets ein Auge zu,
So oft Mir und der Welt ward gemacht ein X für U.
[226]
Ihr, Sie und Ihre Mufti's, habt Götter abgesetzt;
Habt des Olymps Verfassung geschändet und zerfetzt;
Die Welt schon unter den Füßen, habt Ihr getrachtet halt:
Uns Götter zu Muftis zu machen und Euch zur Gottgewalt!
Und jetzt, frech durch Erfolge auf diesem verkehrten Stern,
Legt Ihr die frevle Hand selbst an Uns, an Eure Herrn!
Wagt es, mit ird'schen Waffen! Das Leben zu bedroh'n
Der Wahrheit, muftilüstern nach ihrem ewigen Thron!
Ich stehe mit dieser Göttin nicht auf dem besten Fuß,
Und ließ sie darum auch schmachten in Eurer langen Buß;
Doch, wißt: wird je ihr Leben, ihr göttliches, verkürzt
Um Einen Tropfen Blutes: Ich Selber würde gestürzt!
[227]
Und lieber als Mich selber, stürz' Ich, Gott Ego, Euch!
Und mit Euch zusammen das ganze Dummdummer und Icher Reich;
Denn also steht's im Urbuch: wenn der Obermufti fällt,
So fällt nach wen'gen Minuten auch die Verkehrte Welt!«
»O«, heulten die Muftis, »erhalte uns Deine Gnade doch!
O bitte, bitte, Ego, o lass' uns leben noch!
Wir haben so hoch Dich gehalten! Wir haben Dir Opfer gereicht
Tagtäglich und gelegen vor Dir im Staube ...«
»Schweigt!
Ich weiß, weshalb mit Worten Ihr Mich so hochgeehrt:
Je höher der Thaler geltend, je mehr sind die Dreier werth!
[228]
Und was die Opfer angeht, so habe ich oft geleckt
Darnach die Zunge, derweil sie Euch Dickwänsten trefflich geschmeckt.
Es bleibt, wie Ich gesprochen, Ich, Gott der Götter und Zeit!
Ihr seid dem Tod verfallen! Kein Wort mehr! Macht Euch bereit!
Was ist's auch mehr? Ihr prieset den Tod ja stets als süß!
Ihr kommt ja nun in Euer: seliges Lustparadies!
Herr Obermufti, Sie kriegen ja bald den Lohn nun bei Mir,
Den Lohn für die Entbehrung, die Sie erduldeten hier!
Vielleicht wär' Ihnen lieber ein neu Jahrtausend, wie?
Daraus kann nichts mehr werden. Adieu! Entschuldigen Sie!«
Und furchtbarer Donner krachte, rollte durch's Riesengestein.
Gott Ego war verschwunden. Da ... stürzte der Boden ein
[229]
Beim Obermufti! Es krachte! Ein schwarzer Rachen riß
Verschlingend ihn hinunter in die ewige Finsterniß!
Und neben ihm das alte, geächtete, elende Weib
Verwandelte sich zur Göttin. Es deckte ihren Leib
Statt grauen Bettlerkittels ein duftiges Rosengewand,
Und statt der Krücke führte ein Flammenschwert die Hand.
»Laßt diesen Stern versinken: es giebt noch Welten genug!«
Sprach sie zu uns: »Ich lenke nach einer schönern den Flug.
Ich habe, ach, viel zu lange! hier mit den Verkehrten verkehrt!
Jetzt schwing' ich für andre Geschöpfe, für bess're, mein Flammenschwert!
Und Euch, die Ihr mich nimmer verachtet und mitverflucht,
Vielmehr in der Verbannung, im Elend aufgesucht,
[230]
Euch, die Ihr mich so innig fast wie Euch selber liebt:
Euch nehm' ich unter die Flügel, wenn diese Welt zerstiebt!«
Und kaum, daß sie gesprochen: Plauz!
Sturm, Donner und Gewimmer,
Blitz, Krach, Paff, Bums, Bauz, Plauz, Pardauz!
Da fiel der Stern in Schutt und Trümmer!
Und wer's nicht glaubt, daß Dies geschehn,
Der sei so gut und wende
Nur dieses Blatt und er wird seh'n,
Daß die Verkehrte Welt zu

Ende.

[231]