Erstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte
Anakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[59] [61]Erstes Buch

Anakreons Erbschaft 1

1769.


Sollt' Anakreon itzt sterben,
Und wir wären seine Erben:
Gleim, der zweit' Anakreon,
Trüge seine Leyer billig
Vor uns übrigen davon.
[61]
Seine Gabe zum Beneiden:
Lebensweisheit einzukleiden
In der Spiele leichte Tracht,
Hat zu seinem Eigenthume
Lichtwehr schon vorlängst gemacht.
Seine Kunst, vergnügt zu scherzen,
Aller Frauenzimmer-Herzen
Sichre Ueberwinderin!
Nähme wohl mit Fug und Rechte
Unser Freund Jacobi hin!
Sein geheimes Schmachten, Sehnen
Und Frohlocken, erst der Schönen
Hartes Herz, durch Amors Pfeil
Zu verwunden, dann zu heilen,
Würde dir, o Schmidt! zu Theil.
Wein verließ er nicht, der Zecher!
Aber seine Kränz' und Becher,
Und den sorgenlosen Sinn
[62]
Ihres vorigen Besitzers,
Nähmest du, Michälis! hin.
Alles wollt' ich gern Euch gönnen,
Möcht' ich Eins nur erben können: –
Seine Taube wünscht' ich mir!
Ach! mich liebt ein holdes Mädchen,
Aber weit ist sie von hier.
Und das Mädchen liebt die Tauben,
Aber diese, sollt' ich glauben,
Liebte sie vor allen wohl,
Wenn sie käme, beide Krallen
Von des Senders Briefen voll!

Fußnoten

1 Als in einer Gesellschaft zu Halberstadt, von Anakreons Vorzügen gesprochen wurde.

An Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[63] An Herrn Schmidt, in Halderstadt

1770.


Leb' wohl, mein Freund! ich werd' ein Eremite,
Und zieh' in eine Siedelei,
Wo von des Zwanges Fesseln frei,
Ich meinen Stunden selbst gebiete.
Die große Welt berauschte nur die Sinnen,
Und ließ Gehirn und Herz mir leer;
Die Prahlerin! was lehrt sie mehr,
Als Muth, ihr selber zu entrinnen?
Auch den muß man um hohen Preis erkaufen:
Denn Zwang, den freie Seelen scheun,
Und Langeweil' und Tändelein,
Stehn unbemerkt in ihrem Haufen.
[64]
Wie sehnt' ich mich, aus ihr hinweg zu schleichen,
In meine süße Dunkelheit,
Wo, mit gewohnter Freundlichkeit
Die Musen mir die Laute reichen.
Hier darf ich mich vor keinem Laster bücken,
Hier rechnet mir kein stolzer Thor
Die sechszehn klügern Ahnherrn vor,
Um keck auf mich herab zu blicken.
Hier schmiedet man mich nicht zu halben Tagen,
Und ganze Nächt', am Spieltisch' an,
Um, was doch nur die Muse kann,
Mir meine Grillen zu verjagen.
Hier faselt mir kein Held, der hinter Schanzen
Schon zitterte, von Krieges List,
Kein Mann, der selbst ein Prasser ist,
Erbaut Systeme von Finanzen.
Hier grübelt nicht die laurende Chikane
Aus einem Scherze Hochverrath;
[65]
Hier nagt am Lorbeer' guter That
Kein Neid mit seinem Wolfeszahne.
Hier wispert nicht, mit List, von Sitz zu Sitze,
Die Schmähsucht, daß sie fressend Gift
Auf jeden Namen, den es trifft,
Aus ihrer Vipernzunge sprütze.
Mein Bücherschrank, mein unbelauschtes Zimmer,
Ist mein Gespräch und meine Welt:
Mein Wunsch nach aller Größe fällt,
Und Friede baut auf seine Trümmer.
Weg mit den Tänzen und den Pfänderspielen,
Und mit der Zeitverderberin,
Der Kart'! Ist Weisheit nur Gewinn:
So laß in ihrem Schatz' mich wühlen.
Und ehe sollst du mich nicht wieder sehen,
Als bis mein Geist die große Welt
Für eine Puppenbude hält,
Und ihre Riesen, für Pigmäen.
AuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[66] Aurora

1770.


Als in einem Veilchenthal'
Cephalus zum erstenmal
In Aurorens Armen ruhte,
Wurde, wie natürlich ist,
Und Ihr – aus Erfahrung wißt,
Solche Nacht ihr zur Minute.
Auf des Jünglings Busen fällt
Müd' ihr Haupt, das an die Welt
Und ans Tageslicht nicht dachte.
Sie entschlafen beid', und ach!
Schon die ganze Welt war wach,
Als die Göttin erst erwachte.
[67]
Und sie flog auf ihre Bahn;
Alle Götter sahn sie an:
Scham glüht' ihr auf Stirn und Wangen.
Bleib, sprach Zevs, so schön, wie heut;
Du gefällst uns! – Seit der Zeit
Ist die Röth' ihr nie vergangen.
Die NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[68] Die Nuß

1770.


Geröthet von der Sonne, hing
Einst eine Nuß am Baum';
Ich war ein Knab', und so ein Ding
So recht für meinen Gaum.
Ich kletterte den Baum hinan;
Mein war die Nuß! hinein
Biß ich, fing aber hurtig an
Sie wieder auszuspein.
Mit Tugend auf der Stirne, stand
Ein Mädchen einst am Bach';
Ich war ein Jüngling, und empfand
Die Liebe allgemach.
[69]
Ihr Herz war sanft; ich bat darum;
Mein ward's, nach langem Harr'n.
Drauf nahm sie mir's, weiß nicht, warum?
Und schenkt' es einem Narrn.
Mit Weisheit auf den Lippen, saß
Ein Autor einst bei mir;
Ich war ein Mann, und hört' und las
Die Weisen mit Begier.
Ich warb um seine Freundschaft zwar,
Mein ward sie auch; darauf
Gab aber mich sein Golddurst gar
Für einen Schurken auf.
Itzt seh' ich erst bei Nüssen zu:
Zernagt' ein Wurm den Kern?
Bei Mädchen: Aendert sie ein Nu?
Beim Mann': Was lockt den Herrn?
Die Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[70] Die Parforce-Jagd

Der Hofjäger-Meister.

Da kommen Seine Durchlaucht!
Paßt auf, ihr Herren! Schaut da!
Wie's um den fliegenden Phaeton raucht!
Die Hörner! die Hörner! der Wagen ist nah!
Die Hörner.

Trarara! trarara!
Erster Piqueur.

Der Vierzehnen er ist gestellt;
Stark ist er und auch schlau;
Doch, brave Hund', euch überfällt,
Nicht wahr? nicht Furcht, noch Grau?
[71] Die Hunde.

Hauhauhau! Hauhauhau!
Zweiter Piqueur.

Schnell bist du, Hirsch, schnell wie der Wind;
Entflieh du denn, entflieh!
Den Pferden, die noch schneller sind,
Entrinnst du dennoch nie!
Die Pferde.

Hihihihihi, Hihihi!
Chor der Jäger.

Hervor aus deinem Dickigt nun!
Hervor auf's flache Feld!
Nicht Mann, noch Roß, noch Hund wird ruhn,
Bis dir dein Schweiß entquellt!
Seht da! dort ist er schon! seht da!
Wie fliegt er wild voran!
Fort über Stock und Stein! Sa sa!
Rasch, rasch! was folgen kann!
[72] Ein Jagdjunker.

Zum Teufel! So 'n verdammter Streich!
Zerfetzt mir der verfluchte Zweig
Das Gesicht, daß das Feuer aus den Augen mir stiebt!
Das wird nun schön im Spiegel lassen!
Und, Blitz! die Fürstin wird mich hassen,
Wie sie mich sonst geliebt!
Ein Bauer.

Jesus Maria! was ist das?
Ach weh! mein schön Getreide,
Und meiner Wiese langes Gras!
Da seht mir nun mal beide!
Wer gibt für mich nun Martinshahn,
Zinßkorn und Steuer? Keiner!
Der gnäd'ge Fürst hat das gethan?
Ach Gott! erbarm' sich meiner!
Ein Reitknecht.

Hundsfött'scher Bauer, halt das Maul!
Um solchen Ouark solch' Lärmen anzufangen?
[73]
Ihr Lumpenpack seyd so so faul:
Wär' ich der Fürst: Ich ließ euch alle hangen.
Ein Piqueur.

Herr Jemine! mein Arm, mein Arm!
Zu Hülfe! ach! daß Gott erbarm'! –
Stürzt mir die Schindermähre! –
Daß doch der Fürst mit seiner Jagd
Zu allen Teufeln wäre!

Der Fürst.

(Im Vorbeijagen).

Was gibt's? Was ist da für Geschrei?
Was fehlt ihm? Nahm er Schaden?
Der Piqueur.

Ach! halten Ihro Durchlaucht zu Gnaden:
Mein Arm ist morsch entzwei.

Der Fürst.

(Im Wegreiten).

Sag' er's dem Hofchirurgus nur!
[74] (Zum Hofjägermeister.)

Nun! reis't er ab, so reis't er! –
Doch, Herr Hofjäger-Meister!
Wie hält's? Wir sind wohl von de Spur?

Ein Jäger.

(Bei einem verwundeten Hunde.)

Lieber Picas! lieber, guter Hund!
Ach! wie schmerzt mich dein Gewimmer!
Bist so blutig, bist so wund?
Wär' ich lieber todt und du gesund!
Warest unter allen, immer
Mein getreuster, bester Hund! –
Ach! wie schmerzt mich dein Gewimmer!
Auf dem ganzen Erdenrund'
War, wie du, kein Läufer, und
Kein so guter Fänger oder Schwimmer.
Lieber Picas! lieber, guter Hund!
Ach! wie schmerzt mich dein Gewimmer!

[75] Ein Piqueur.

(Zu den Hunden.)

Halloh! Halloh! Wie steht ihr da?
Huhlah! Hetz! Hetz! Huhlah! Huhla!
Faß, faß ihn, Sirius!
Huß, Herkules, huß, huß!
Chor der Jäger.

Sa, sa! der Hirsch ist rund umstellt,
Und matt bis in den Tod;
Sein Schweiß, der tröpfelnd niederfällt,
Färbt schwarzen Boden roth.
Ein junger Prinz.

Gebt ihm den Fang, und endet doch
Des armen Thieres Qual.
Der erste Piqueur.

Auf! hast du Muth, so wehre noch
Dich gegen diesen Stahl!
Chor der Jäger.

Da stürzt er! und zappelt, und schlägt
[76]
Die Erde mit seinem Geweih'!
Herbei nun, ihr Hunde, herbei!
Verschlinget die Beute, da liegt sie zerlegt!
Schluß-Chor.

Es leb' unser gnädigster Landesfürst hoch!
Der sanfte Menschenfreund!
Die Hörner.

Trarara! trarara!
Chor.

Es lebe, wer heut mit uns zog!
Es sterbe unsrer Jagden Feind,
Wie unsre Beute da!
Die Hörner.

Trarara! trarara!
WiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[77] Wiegenlied, für die süßen Herren

Schlummre, du duftendes Herrchen,
Schlummre, du plapperndes Närrchen,
Hast dich ja ritterlich müde gehüpft!
Hast bei den Spielen um Pfänder
Mühsam gekniet, und Bänder
Ueber die Wade der Schönen geknüpft.
Hast du geschlummert: So tödte
Hurtig den Morgen, und röthe
Blaßbleiche Damen im leichten Corset.
Ist erst vertändelt der Morgen:
Püppchen! dann bist du geborgen!
Spielst du doch l'Hombre und strickest Filet!
[78]
Spiel' du am Abend Romanen,
Schwatze von deinen zwölf Ahnen,
Willst du galant und ein Edelmann seyn.
Schlafen und essen und trinken,
Spielen, sich putzen und schminken,
Siehe! das heißet des Lebens sich freun!
Fort mit den Büchern zum Teufel!
Bücher erregen nur Zweifel,
Zweifeln führt endlich dem Todtschießen zu.
Nimm du ein Beispiel an Schafen;
Wie sie nicht hüpfen und schlafen!
Sind sie gleich lange so klug nicht, wie du.
Schläfst du denn noch nicht? Zum Henker!
Machst du nun vollends den Denker?
Sicherlich hat dich ein Spieler geprellt!
Hast du drum Sorgen? Hab' keine!
Wisse, Verdienste, wie deine,
Gelten bei Damen noch immer ihr Geld.
An Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[79] An Bürger, in Appenrode 1

Verdammte Versemacherei!
Was hast du angerichtet?
Uns unsers Lebens einz'gen Mai
Zum Kuckuck hingedichtet?
Gevatter Bürger! sagt einmal,
Sind wir nicht brave Thoren,
Daß wir, durch selbstgemachte Qual,
Den schönen Mai verloren?
[80]
Was hat man von dem Dichten? Hum!
Vielleicht das bischen Ehre:
Gekannt zu seyn vom Publikum? –
Ich dachte was mir wäre!
Mag seyn, daß man bei Tafeln spricht,
Wenn den durchlauchten Bäuchen
Die Zeit lang währt: Ist Bürger nicht
Amtmann zu Altengleichen?
Ein Fräulein thut dir wohl sogar
Die Gnad', und fragt nicht minder:
Trägt denn der Bürger eigen Haar?
Hat er schon Frau und Kinder?
Ein Amtsauditor geht, bepackt
Mit deinem Buch', zu Schönen,
Und lieset, daß der Balken knackt
Und alle Fenster dröhnen.
Das hört denn ein Student und schreit:
»Und wohnt' er bei den Sternen!
[81]
Ich muß – ist Altengleichen weit? –
Muß Bürgern kennen lernen.«
Und eh' Herr Bürger sich's versieht,
Kommt mein Signor geritten,
Und Bürger, für sein herrlich Lied,
Muß ihn zum Essen bitten.
Da schlingt er nun den Truthahn ein,
Den du mir aufbewahrtest,
Und trinkt – hol' ihn der Fuchs! – den Wein,
Den du für mich erspartest.
Er rühmt dir baß sein gutes Herz,
Will Freundschaft mit dir treiben,
Und droht sogar, – o Höllenschmerz! –
Recht oft an dich zu schreiben.
Das macht: Manch ehrliches Journal
Ließ laut dein Lob erschallen;
Allein, wann las denn wohl einmal
Herr Bürger Eins von allen?
[82]
Und ließ ich dich in Kupfer, schier
Von Bausen selber, stechen:
Hilft dir es etwas, wenn von dir
Die Leut' ein Weilchen sprechen?
Was hast du von dem allen? Sklav!
Wenn ich's zusammenpresse,
Was ist es, als: Despoten-Schlaf
Und Inquisiten-Blässe?
Hör' auf! Ich gab mein Herz dir hin,
Eh' du ein Blatt geschrieben;
Hör' auf! und die Frau Amtmannin
Wird dich noch lieber lieben.
Hör' auf! Als Dichter kennt man dich,
Als Mensch lebst du verborgen;
Kein Christenkind bekümmert sich
Um alle deine Sorgen.
Ja solltest du auch den Homer
In Jamben übersetzen,
[83]
Drob werden dich kein Haarbreit mehr
Die Herrn Minister schätzen.
Du würdest dennoch nach wie vor
Amtmann zu Gleichen bleiben;
Drum, trauter Bürger, sey kein Thor,
Und trinke, statt zu schreiben.

Fußnoten

1 Sowohl dieses Gedicht, als die Antwort darauf, steht zwar schon in Bürgers Gedichten; jenes ist aber hier um einiger Veränderungen willen wieder abgedruckt.

Klaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[84] Klaglied eines Schiffbrüchigen, auf einer wüsten Insel, über den Tod seines Hundes

Jammer! Meinen Freund hab' ich verloren,
Meinen einzigen auf dieser Welt!
Ha! da liegt er mit gesenkten Ohren,
Der mir oft noch Muth ins Herz gebellt,
Und mir Trost hat zugewedelt! –
Ha! da liegt – mein letztes in der Welt!
Damals, als auf einer kleinen Trümmer
Mich die Fluth an diese Wüste trieb,
Sprang er aus dem Wracke, schwamm mir immer
Hinten nach, und sah nur, wo ich blieb;
[85]
Leckte mich am Ufer trocken! –
Welcher Mensch hat seinen Freund so lieb?
Hüt' und Schuhe, die am Ufer schwammen,
Holt' er unermüdet aus der See,
Trug zum Feuer Reiser Holz zusammen,
Fing mir alle Tag' ein junges Reh;
Vögel, die ihn noch nicht kannten,
Hascht' er listig in dem hohen Klee.
Dann so lagen wir bei unserm Feuer,
Aßen mit einander; süßer Ruh',
Caro, guter Caro! mein Getreuer!
Pflegten wir zusammen, ich und du.
Aber, welcher Kokus-Wipfel
Säuselt nun mir wieder Schlummer zu?
Wachen werd' ich, mich zu Tode wachen,
Und das will ich, bester Caro, gern,
Wenn nicht früher eines Tigers Rachen
Schon erwürget deinen alten Herrn;
[86]
O! er sollt' ihn nicht erwürgen,
Wärest du, mein Tapfrer! nur nicht fern.
Aber trennen sollen wir uns, trennen?
Niemals wieder in der bessern Welt,
Als zwei Wesen bessrer Art, uns kennen?
War dein Geist nur Stoff, der auch zerfällt?
Nein! auch er geht nicht verloren,
Wenn die Treue dort erst Lohn erhält.
Junker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[87] Junker Franz

Ist Krauf, mein Informator, toll,
Daß ich Latein soll lernen?
Er denkt mit guten Worten wohl,
Der Schulfuchs! mich zu körnen?
Doch körn' er nur, mein Herr Pedant!
Wir haben auch, Gottlob! Verstand.
Ha ha! Wer auf dem Kopfe geht,
Mag glauben, daß die Raben
Und Füchse, wie im Phädrus steht,
Vordem gesprochen haben.
Der Phädrus ist ein Narr, wie Krauf;
Lügt nur! Mir bindet ihr nichts auf.
[88]
Französisch lern' ich noch zur Noth
Wohl etwas radebrechen;
Ich Narr werd' immer blaß und roth,
Wenn Fräulein mit mir sprechen,
Und ich bei ihrem: »hé! Monsieur?«
Wie Butter an der Sonne steh'.
Was soll ich übrigens mich noch
Mit Christenthume plagen?
Ja! pros't die Mahlzeit! weiß ich doch
Die Catechismus-Fragen.
Was geht mich Doctor Luther an?
Dafür bin ich ein Edelmann!
Ich lasse lieber fix dafür
Die Jungen exerciren,
Und übe mich, als Offizier
Sie wacker auszuschmieren,
Und trommle meinen Zapfenstreich
Dem besten Trommelschläger gleich.
[89]
Auch kann ich über Zäune hin
Mit unserm Schimmel setzen,
Und, ohne mich zu rühmen, bin
Ich Meister schon im Hetzen.
Und unser Kammerkätzchen wehrt –
Doch still! daß es Mama nicht hört.
Ha! hab' ich erst einmal das Gut:
Das soll ein Leben werden!
Mit meinem großen Federhut'
Und Hunden, Jägern, Pferden
Und Bauren, will ich Tag und Nacht
Heraus zur Hetz' und Klapperjagd.
Verdammt! das Ding steigt mir zu Kopf,
Daß Krauf mich so will necken!
Erwisch' ich ihn einmal beim Schopf':
Ich schlag' ihm blaue Flecken;
Und werd' ich gar Gerichtsherr noch,
Dann sollst du mir ins Hundeloch!
An das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[90] An das Rosenmädchen zu Lichstedt 1

Den 4ten Juli 1772.


Mädchen! in der kleinen stillen Hütte,
Wo die Unschuld und die alte Sitte
Ganz allein dich groß gezogen hat;
[91]
Oder in dem ländlich wilden Garten,
Wo die Rosen heute dich erwarten,
Sieh! da sucht, aus einer fremden Stadt,
Dich des Unbekannten Blatt.
Der es schicket, hat dich nie gesehen,
Weiß nicht, wie viel Reitze dich erhöhen?
Deinen Namen selber weiß er nicht.
Wie viel andre Mädchen dich beneiden?
Wie viel Jüngling' heut' sich besser kleiden,
Weil sich jeder einst dein Ja! verspricht?
Nach dem allen fragt' er nicht.
Nur daß dir ein Herz im Busen schläget,
Schöner, als es oft ein Fräulein träget
Unter einem Orden auf der Brust;
Daß du zwar, an Kunst in deinen Mienen,
Hundert Damen, aber unter ihnen
Keiner in der Unschuld weichen mußt,
Dieses hat er nur gewußt.
[92]
Auf! verlaß, du taubenfrommes Mädchen,
Heut' einmal dein bunt gemaltes Rädchen,
Deine Lämmer weid' ein andrer heut.
Sieh, das Dorf pocht früh an deine Hütte,
Mit verstecktem Kranz' in seiner Mitte,
Dich mit ungestümer Fröhlichkeit
Zu begleiten schon bereit.
Sieh, du Traute, um dich her, wie heute
Jeder Jüngling seinen Vordermann, zur Seite,
Um von dir gesehn zu werden, schiebt;
Deine Schulgespielen nach dir blicken,
Freundlich mit den Köpfen nach dir nicken,
Jede stolz es zu verstehen gibt,
Sie auch sey von dir geliebt.
Zwar es wartet dein kein goldner Wagen,
Dich zu deinem Krönungsfest' zu tragen,
Aber auf den Schultern trägt man dich.
Keiner fühlt, daß sich der Platz verenget,
Keiner merkt, daß ihn ein andrer dränget,
[93]
Denn ein jeder selber dränget sich
Immer mehr heran an dich.
Geh hinein zu Gottes Heiligthume,
Tritt so schön erröthend, wie die Blume,
Die dich krönen soll, an den Altar.
Engel, die begierig um dich stehen,
Und dein Herz in deiner Miene sehen,
Preisen glücklich den aus ihrer Schaar,
Der bisher dein Schutzgeist war.
O wie schön bist du in diesem Kranze!
Eine Heilige im Sternenglanze
Würde selbst dich mit Vergnügen sehn.
Sieh! aus eines guten Jünglings Blicke
Spricht der Wunsch: »Ach! würde mir's vom Glücke,
Neben ihr am Traualtar' zu stehn!«
Sage, soll es bald geschehn?
Gib ihm deine Hand, und ziehet Kinder,
Die der gute Stifter einst nicht minder,
Als die Mutter heute, krönen läßt.
[94]
Sag' dem Stifter: Der dieß Lied gesungen,
Kenn' ihn nicht; sey aber tief durchdrungen,
Von des Mannes Tugend, der ein Fest
Für die Unschuld feiern läßt.

Fußnoten

1 Der verstorbene Geheimerath und Kanzler zu Rudolstadt, Herr von Kettelhodt, hat auf seinem GuteLichstedt, zur Belohnung jungfräulicher Tugend, ein Rosenfest, nach dem Muster des zu Salency, gestiftet. Zum Rosenmädchen wird jährlich die Tugendhafteste unter den Jungfrauen des Dorfs ausgewählt, am 4ten Juli in Procession zur Kirche geführt, (welches der Erbprinz von Schwarzburg-Rudolstadt einigemal selbst gethan hat,) vor dem Altare mit Rosen bekränzt, und ihr mit den übrigen jungen Leuten hernach ein Ball gegeben. Sie erhält überdieß 20 Thlr. zum Geschenk.

VerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[95] Verschiedenheit

Diogenes sitzt in der Tonne,
Legt sie mit Sorgfalt in die Sonne,
Trinkt Wasser, keinen Wein:
Und das soll närrisch seyn!
Mops aber sitzet vor der Tonne,
Verbirgt sie fleißig vor der Sonne,
Trinkt, statt des Wassers, Wein:
Und das soll weise seyn!
Und ich, nicht in, noch vor der Tonne,
Ich trink' im Schatten, in der Sonne,
Bald Wasser und bald Wein:
Was wird nun das wohl seyn?
An die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[96] An die Frau Vicekanzlerin Rinck, in Sondershausen, bei Uebersendung eines Musen-Almanachs

Den 31sten December 1772.


Ob ich das Jahr durchleben werde,
Das noch in diesem Büchlein steckt?
Das weiß ich freilich nicht! da Erde
Vielleicht mich morgen schon bedeckt.
Doch wenn ich's nur erleben werde,
Dann will ich auch das ganze Jahr
So froh seyn, als bei seiner Herde
Der Prinz und Schäfer Paris war.
Ich habe noch in meinem Keller
Ein Fäßchen alten deutschen Wein;
[97]
Was macht den trägen Winter schneller
Und sorgenlos noch obenein?
Auch schlafen fröhliche Gesänge
In meiner Harf'; im Frühling' trägt
Mein Gärtchen Blüthen mir die Menge,
Worin ein Heer von Finken schlägt.
Im Sommer hab' ich kühle Lauben,
Und Bach-Gemurmel fürs Gehör,
Im Herbste, Muskateller-Trauben,
Und Karpfen, größer als ein Stör.
Komm! und versuche meine Trauben,
Zieh meiner Veilchen Balsam ein,
Und kühl' dich ab in meinen Lauben,
Und koste meinen süßen Wein!
Und höre meine Finken schlagen,
Und murmeln meinen Schmerlenbach;
Komm bald! denn den vergangnen Tagen
Folgt gar zu bald der letzte nach!
An meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[98] An meine Augen

In einer langwierigen Krankheit.


Dreimal hat nun der Mond die Erde schon gegrüßet,
Seit sich der Schmerz um eure Nerven schlang,
Und Thränen, die ihr sonst so fest in sie verschließet,
Aus euren Drüsen rang.
Ihr blickt auf meine Hand, daß sie vor Sonnenpfeilen
Mitleidig euch zum Schilde werden soll,
Und auf den grünen Schirm, die Feuerglut zu theilen,
Die aus dem Scharlach quoll.
Was habt ihr doch gethan, ihr Märtyrer! ihr Augen!
Ließ ich euch meines Feindes Unglück freun?
[99]
Aus euch, ein Mädchen Gift für ihre Tugend saugen?
Ist's so: dann trocknet ein!
Wie? oder lockte je des Wuchrers goldner Wagen
Nur einen Blick voll Neid von euch heraus?
Und konntet nicht den Glanz des Ordenssterns ertragen?
Wüßt ich's: Ich riß' euch aus!
Das nicht! Ihr habet oft mit Traurigen geweinet,
Und mit den Fröhlichen so gern gelacht!
Und nun ist euch der Blick nach beiden dick verzäunet,
Und nun kommt solche Nacht?
Sprich, Sonne! sahst du nicht, wenn aller Augen schliefen,
Die meinen schon auf unsers Harzes Höhn,
Wie Zähren dir entzückt darin entgegen liefen,
Im Morgenschimmer stehn?
Verweiltest du dich nicht noch gern am Horizonte,
Wenn ich am Bach' zu Laurens Füßen saß,
[100]
Wo dieses Auge selbst, so einsam! sprechen konnte,
Und nur in ihrem las?
Jetzt aber meidet scheu mein Auge deine Strahlen,
Es flüchtet schon vor meiner Lampe Schein.
O! sieh mich nicht mehr an! du mehrest meine Qualen!
Laß mich in Nacht allein.
Doch, laß nur, selbst mit Schmerz mich Laurens Antlitz sehen!
(Was seh' ich sonst liebreichers außer ihr?)
Nicht Einen Seufzer soll der Wind dann mir entwehen,
Entziehst gleich du dich mir.
An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[101] An meinen Hund

Schlaf du fest und ruhig vor den Dieben!
Wo die Fenster ohne Laden blieben,
Wie bei mir, da sucht man schwerlich Gold.
Macht' ein Dieb sich dennoch das Vergnügen:
Meinen Flaccus ließ er sicher liegen,
Meinen Flaus hat keiner noch gewollt!
Doch des Nachbars Katze, die zu fressen
Sich nicht scheute, was zum Abendessen
Wir für Gleim, den Trauten, aufgespart,
Der, wenn er den Harz, uns zu besuchen,
Uebersteigt, nur einen Eyerkuchen
Findet, doch kein Rebhuhn prick und zart.
[102]
Dieser Räuber, der der Thränen größte
Aus der kieselharten Köchin preßte,
Und mein Weibchen seufzen hat gemacht,
Dieser Mörder einer frohen Stunde,
Sterbe, o du Ausbund wackrer Hunde!
Sterbe denn durch dich noch diese Nacht.
An den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[103] An den Herrn von S. in B., als ich auf der Reise bei ihm logirte

Nein, Freund! ich mag nicht vorgestellt
Bei deinem Fürsten seyn,
Weil er's für große Gnade hält,
In hohen Augenschein,
Gleich einem Thier' der neuen Welt,
Von ihm genommen seyn.
Auch geh' ich morgen nicht zu Gast
Bei deinem reichen Mann',
Der bloß aus Eitelkeit verpraßt,
Was er durch Trug gewann;
Denn wer, wie ich, die Schurken haßt,
Dem stinkt ihr Wein auch an.
[104]
Dein großer Autor bleibt für mich
Wohl auch in guter Ruh'.
Streust du ihm Weihrauch, hält er sich
Die Nase höhnisch zu;
Streust keinen? so besieht er dich
Vom Kopf' bis auf die Schuh'.
Drum bitte, Freund, auf ein Gericht
Von Tauben und Salat,
Den Kantor her, der weiser spricht,
Als dein Geheimerrath.
Denn, siehst du, eitel bin ich nicht,
Doch stolz in hohem Grad'.
Am dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[105] Am dreißigsten Geburtstage

Ha! Schon bin ich auf des Berges Spitze!
Wie ich hier so wohlbehaglich sitze,
Lächelnd die zurückgelegte rauhe
Straße beschaue!
Und der Wölfe, welche mit mir stritten,
Und des Durstes, den ich oft erlitten,
Und des Irrwischs tückevoller Ränke
Nicht mehr gedenke.
Aber wohl an all' den Wasserfällen
Und von Rosen angehauchten Stellen,
Wo ich sonst mich laß gelagert habe,
Immer noch labe!
[106]
Sey des Weges andre Halbscheid rauher,
Als die erste! Itzt will ich wohl schlauer,
Von der Landstraß' ab, in Wiesengründen
Fußstege finden.
Steh denn auf, lieb Weibchen, mit dem Jungen!
Hast den Weg mir schon so kurz gesungen!
Singe fort, bis, eh' wir's uns versehen,
Plötzlich wir stehen,
Wo am Ende der vergnügten Reise
Meine Heimath ich von fern Euch weise;
Trennt Euch dann mit Muth von mir, ihr werthen
Reisegefährten!
An den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[107] An den Harz

Alle Jäger sind dir gut,
Um der Sechszehnender willen;
Aber sollt' ich wohl durch Blut
Meines Magens Wünsche stillen?
Trieb zum Leben wird so gut
Einen Hirsch, als Dichter füllen.
Da ich selbst ein wenig viel
Aus dem Stündchen Leben mache,
Treib' auch meinethalb ihr Spiel,
Wie der Keuler, so die Bache;
Denn der Thiere froh Gewühl
War von jeher meine Sache.
[108]
Selbst den Fürsten bist du lieb,
Lieb um deiner Berge willen,
Die mit Gold das weite Sieb
Ihrer Habsucht nimmer füllen.
Ohne Gold nehm' ich vorlieb;
Wer es hat, hat viele Grillen.
Was kein Andrer haben mag:
Blumen, Moose, Schwämm' und Kräuter,
Gibst du, Harz, mir Tag für Tag;
Auch verlangt mein Herz nichts weiter;
Denn mir macht ein Trinkgelag
Stirn und Auge kaum so heiter.
Auf den Bergen steigt und fällt,
In der reinern Atmosphäre,
Meine Brust so leicht, und hält
Nur Zufriedenheit für Ehre,
Gleich als wenn bereits die Welt
Um mich her versunken wäre!
[109]
Kommt der Mond noch obenein
Durch die Dämmerung geschwommen,
Ist's, als würde mein Gebein
Von dem Boden aufgenommen,
Und als zög' ich lebend ein
In das stille Land der Frommen.
Welch ein Leben! Ist doch mir
Ach! so wohl an Seel' und Leibe!
Wem gebührt mein Dank dafür?
O, nächst Gott, so lang ich's treibe,
Dank' ich's, Harz! zur Hälfte dir,
Und zur Hälfte meinem Weibe.
BrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[110] Brunnenlied

Laßt nun alles stehn und liegen,
Wie es liegt und steht!
Plaudre, wer am Pult' geschwiegen,
Tanze, wer genäht!
Denn nun gilt's, wer auf Vergnügen
Sich von allen am besten versteht.
Von Geschäften sind wir alle
Durch die Cur befreit.
Sorgt nun noch, daß böse Galle
Keine Freund' entzweit,
Daß der Grillen Schwarm, beim Schalle
Süßer Lieder, sich hurtig zerstreut!
[111]
Nicht von Krieg, und Lug und Truge,
Soll die Rede seyn.
Scherzet! denn der wahre Kluge
Scherzt nicht bloß beim Wein';
Auch bei seinem Wasserkruge
Flößt er Traurigen Fröhlichkeit ein.
Mit der Freude knüpft von neuen
Einen festen Bund!
Denn die Aerzte prophezeien
Euch durch meinen Mund:
Wer sich wird am meisten freuen,
Wird von allen am ersten gesund!
An einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[112] An einen Familien-Pokal

Bei meiner Schwester Hochzeit.


Den 30sten September 1778.


Komm herab, du mächtiger Pokal!
Blind vor Alter, der das Hochzeitsmahl
Unsers Eltervaters mit gefeiert!
Füllen will ich dich mit süßem Wein',
Und der Mundschenk meiner Freunde seyn,
Bis Aurora diese Nacht entschleiert.
Geh, du überschweppernder Pokal,
Löse nun die Zungen, bis der Saal
Von Gesang und Scherz und Lachen schüttert!
Keiner setze voll dich wieder hin!
Sag' ihm, daß er sonst der Enkelin
Deines Herrn, den Hochzeitwein verbittert!
[113]
Denn, verschonend fristete die Zeit
Dein zerbrechlich Leben, eingeweiht
Vor dem Traualtar' auch sie zu sehen,
Und mit Wünschen für den wackern Mann,
Der in ihr ein Engelherz gewann,
Dreimal in die Rund' herum zu gehen.
Dreimal auch mit Wünschen für den Arm,
Der zur Schlacht der Feinde größern Schwarm
Lange schon, auf ihrem Boden, winkte!
Dreimal für das Schwert in Heinrichs Hand,
Das so oft ein Lorbeerkranz umwand,
Als es vor dem Heer' im Schlachtfeld' blinkte.
Aber wenn zuletzt sich mäuschenstill,
Grade wenn man recht ihn fangen will,
Unser Bräutigam davon gestohlen,
Und der Saal, so fest er immer steht,
Um die Gäste sich im Kreise dreht,
Bis sie Abschied stammelnd sich empfohlen:
[114]
Dann, du freudenreicher Erbpokal,
Fülle dich mein Weibchen noch einmal,
Steh' ich anders noch auf gleichen Füßen:
So, dich leer in Händen haltend, soll
Mich Auror' als Ueberwinder wohl
Auf dem scherbenvollen Wahlplatz' grüßen.
Mein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[115] Mein höchster Wunsch

Ließ' ein hartes Mädchen mich
Auch ein Jahr und länger schmachten,
Ohn' auf meine Pein zu achten,
Dennoch würde sicherlich
Sie mich endlich wieder lieben,
Oder – Stolz und Kälte trieben
Weg von ihr, und heilten mich.
Aber ach! Natur! nach dir
Brennet Tag und Nacht vergebens
Zwanzig Jahre meines Lebens
Sehnsucht schon im Herzen mir.
Läg' ich Armer nicht an Ketten;
Himmel! meine Füße hätten
Längst sich wund gesucht nach dir!
[116]
Dennoch, wenn's auch länger währt,
Will ich gern geduldig schmachten.
Ach! dein kleinstes Werk betrachten,
Ist allein des Kummers werth,
Daß von deinen Meisterstücken,
Die im Traum' mich oft entzücken,
Dein Verlaßner nichts erfährt.
Unbemerkt und unbekannt,
Brod in einer Jägertasche,
Milch in dieser Kürbisflasche,
Diesen Stab in meiner Hand,
Wollt' ich, gleich dem schönsten Weisen, 1
Froh die halbe Welt durchreisen,
Bis ich fände, was er fand.
Würde mir wohl so gemach
Dieses Herz im Busen schlagen,
Folgte gleich ein Küchenwagen,
Und des Landes Gold mir nach?
[117]
Aber auch der Spott der Ritter,
Das Geheul verarmter Mütter,
Und der Bauren leises Ach!
Zwar es würde dann vor mir
Sich kein Spiel am Thore rühren,
Keine Wache präsentiren,
Und kein Horn die Neubegier
Der geschminkten bleichen Docken
Haus für Haus ans Fenster locken,
Um zu schaun das Wunderthier.
Zwar der Gastwirth schösse nie
Auf mich zu, gleich einem Blitze,
Unterm Arm' die Sammetmütze,
Und das Haupt gebückt aufs Knie,
Um den Schlag an meinem Wagen
Aufzureißen, und zu fragen:
»Gnädger Herr! befehlen Sie?«
Weder ein Heyduck noch Mohr
Fragte je nach meinem Namen;
[118]
Durch Lorgnetten sähn die Damen
Nicht nach meiner Log' empor;
Niemand bäte mich zum Schmause,
Und vor meines Wirthes Hause
Führen keine Kutschen vor.
Die Gelehrten – o wie gern
Wollt' ich, um ihr Herz zu werben,
Wenigen nur Zeit verderben;
Denn die Weisheit dieser Herrn
Ist fast immer eitles Prahlen,
Leeres Klappern mit den Schaalen!
Denn wer sucht und schmeckt den Kern?
Traurig würd' ich, o Natur!
Meinen Stab nur weiter setzen,
War' ich deiner Schwester Schätzen
Irgendwo schon auf der Spur,
Und mir fehlt' es dann an Golde!
Denn die Kunst nicht, du, o Holde!
Zeigst umsonst die deinen nur.
[119]
Laß mich deine Schilderein
Nur beschauen, und vor allen
Erdefreuden, nach Gefallen,
Deiner guten Menschen freun!
Dann mag zu Florenz die schöne
Venus Anadyomene
Meinethalb verschlossen seyn!

Fußnoten

1 Homer.

Will auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[120] Will auch 'n Genie werden

Ich bin doch wohl ein rechter Thor,
Was auffällt, so zu meiden!
Mich nicht durch irgend etwas, vor
Der Welt zu unterscheiden,
So schlecht und recht, fast wie ein Tropf,
Der Nase nachzuschleichen,
Und jedem, wenn's mit seinem Kopf'
Nur richtig ist, zu gleichen.
Gebt aber Acht! Man soll, im Fall'
Mir Witz und Glück nicht fehlen,
In kurzer Zeit wohl überall
So viel von mir erzählen,
Daß Fremde, zwanzig Meilen weit,
[121]
Mit Wagen und mit Pferden,
Um mich zu sehn, mich Seltenheit,
Nach Ellrich kommen werden.
Wer wird dann Schachte noch besehn?
Wer Hütten? Keine Seele!
Verödet wird der Brocken stehn,
Und leer die Baumannshöhle.
Wer mich sah liegen, stehn und gehn,
(Zeigt das mein Bild von Geyser?)
Der hat fürwahr genug gesehn,
Und fühlet stracks sich weiser.
Denn alle Schnellkraft der Genies
Will ich in mir vereinen;
Was Zimmermann bejaht' und prieß,
Will ich verschrein, verneinen;
Was Winkelmann verneint, verschreit,
Laut preisen, grob bejahen,
Und kurz, Copernik schimpf' ich heut'
Und morgen Tycho Brahen.
[122]
Die Sprach' – kommt mir ein Drang, ein' Grill' –
Verhunzen werd', verdrehen,
Soll, traun! schier der 's verstehn mir will,
Gleich'n Hahn nach'm Morg'nlicht krähen.
Und wäre noch die Eselin
Von Bileam am Leben:
Schrein sollte sie: J-A! darin
Ist Kraft und Drang und Streben!
Ich nehme, wenn's die Obrigkeit
Erlauben will, zwei Frauen,
Und lasse der Empfindsamkeit
Capell' und Altar bauen.
Zum Priester wird sich, wie bekannt,
Herr Säugling trefflich schicken,
Dem laß ich denn ein Meßgewand
Von Gold und Perlen sticken.
Doch, ich Patronus, merkt das wohl!
Geh' im zerrißnen Kittel,
Hab' aber alle Taschen voll
[123]
Yorikischer Capittel.
Doch laß ich, wenn mir's Kurzweil schafft,
Die Hülfe fleh'nden Armen,
Durch meinen Schweitzer, Peter Kraft,
Zerprügeln oh'n Erbarmen.
Scheint eine Physiognomie
Mir neu von Bau und Falten,
So frag' ich nicht: »Herr! wollen Sie?«
Kraft muß mir gleich ihn halten,
Bis Barnsdorf 1, den ich bloß für dieß
Gesicht mir lasse kommen,
Den sonderbaren Schattenriß
Für mich hat aufgenommen.
Fällt mir es ein, so kann ich ja
Wohl auch nach Hofe gehen;
In aller Absicht werd' ich da
Mich gar nicht übel stehen;
[124]
Denn Bischoff und Champagner Wein
Kann ich wie Wasser saufen,
Und, werfen Nachts wir Fenster ein,
Gewiß am schnellsten laufen.

Fußnoten

1 Zu Hannover, der ein Gewerbe daraus machte, Schattenrisse aufzunehmen.

Erkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[125] Erkannte Wohlthat

Ich danke Gott, daß ich zu Fuß muß gehen,
Nicht fahren und nicht reiten kann!
Der Gemse Klippen und des Adlers Höhen
Klimmt keines Fürsten Roß hinan.
Ich aber höre, auf des Brockens Spitze,
Von meinem Fuß' hinab ins Land
Die Donner rollen, und die Blitze
Greif' ich am Saum' mit meiner Hand.
Mir ist, als müßt' ich mich an diese hangen,
Als sollten sie mich nach sich ziehn;
Denn jeder Erdenwunsch ist mir vergangen,
Und klein, was sonst so groß mir schien.
[126]
Wie magst du dieses nur einmal verstehen,
Wie vollends fühlen, reicher Mann?
Drum dank' ich Gott, daß ich zu Fuß muß gehen,
Nicht fahren und nicht reiten kann.
An das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[127] An das Glück

Du hast, das ist genug bekannt,
Den armen Dichtern selten
Geöffnet deine milde Hand,
Doch oft den Rücken zugewandt,
Trotz Bitten oder Schelten!
Auch ich, ich habe wahrlich dir
Sehr wenig zu verdanken;
Doch, laß nur, was ich habe, mir,
Dann will ich, liebes Glück, mit dir
Mich um den Rest nicht zanken.
Das WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[128] Das Wunderhemde

In alten Zeiten ritt ein Ritter,
Conrad von Reizenstein,
Nach Anspach; aber ein Gewitter
Trieb ihn nach Heilgenbein;
Hier kehrt' er in der goldnen Zitter
Auf ein paar Stunden ein.
Und gegenüber saß ein Mädchen,
Schön, wie einst Galathee;
Sie spann auf ihrem bunten Rädchen
Flachs, weißer als der Schnee,
Und sah nur immer auf ihr Fädchen,
Und niemals in die Höh'.
[129]
»Herr Wirth! was ist das für ein Mädchen,
Die in der Thür' da spinnt?« –
Die dort? Es ist des Kirchners Käthchen,
Und meiner Tochter Kind;
Glaubt's Keiner, was mit ihrem Rädchen
Das Ding für Geld gewinnt!
»So?« sagte Conrad, »nun das heiß' ich
Auch spinnen!« – ging hinaus
Und hin zu ihr. »Ei! noch so fleißig?
Du spinnst ja wie ein Daus!« –
Man muß wohl; denn ein Schock'er dreißig
Zupft man nicht gleich heraus! –
»Hm!« fiel ihr jener in die Rede,
»Wenn dir's an Geld gebricht« –
I! das nicht! doch für eine jede
Ist dieser Flachs nur nicht!
Und röther ward, als sie dieß blöde
Herlispelt', ihr Gesicht.
[130]
Dieß hört' ihr Vater auf der Diele
Gelassen erst mit an.
Doch, dacht' er, es ist Zeit, ich spiele
Nur bald den dritten Mann;
Denn schlimmer Ritter gibt es viele,
Und Käthchen wächst heran.
Der Herr wird nach dem Flachs wohl fragen?
Sprach unser Kirchner; zwar
Klingt das, was ich davon kann sagen,
Wohl freilich wunderbar,
Doch soll der Kirchthurm mich erschlagen,
Ist nur ein Wort nicht wahr!
Beim heil'gen Stephan! In ganz Sachsen,
Ja! in ganz Deutschland wohl,
Muß solcher Flachs, wie der, nicht wachsen!
Wer's anders red't, (hier schwoll
Sein Kinn ihm) den will ich beflachsen,
Daß er dran denken soll!
[131]
Er wächst sonst nirgend, als zur Seite
Der Kirche hier; ja, ja!
Was liegen auch für fromme Leute,
Exempli gratia
Nur Weiber, die den Kranz als Bräute
Mit Ehren trugen, da!
Dem Flachs, vom Grabe dieser Frommen,
(Der Name Heilgenbein
Ist drum davon auch hergenommen)
Darf keine, die zum Schein'
Nur Jungfer ist, zu nahe kommen,
Sonst muß sie Zeter schrein.
Drum wird im Dorfe manches Mädchen,
Die nur ihn sieht, schon bleich;
Denn rührt Eins von dem Flachs ein Fädchen
Nur an, so brennt es gleich
Wie Feuer; aber hier mein Käthchen
Spinnt sich daran noch reich.
[132]
Für Eine solche Stiege Linnen
Kauf' ich das beste Pferd.
Ihr denkt wohl: Ist der Kerl bei Sinnen?
Allein die Stieg' ist's werth;
Denn es ist eine Kraft darinnen –
Wie Feuer und wie Schwert!
Zieht eine Braut am Hochzeittage
Ein Hemde davon an,
Und ist nicht Jungfer: Höllenplage
Fühlt sie am Leibe dann,
Und jeder Floh im Ehrgelage
Setzt an die Braut sich an.
Doch – Käthchen! daß dich Gott bewahre! –
Ist sie noch, wie ein Lamm,
Voll Unschuld an dem Traualtare,
So wird dem Bräutigam
Sie treu bis an die Todtenbahre,
Und jeder Floh ihr gram. –
[133]
»He da!« rief Conrad einer Dirne
Von fern zu, und empor
Hielt er ein Goldstück; »Komm! und zwirne
Drei Faden Garn hievor!« –
Das Mädchen runzelte die Stirne,
Und hatt' ein taubes Ohr.
Doch Conrad hin, und zog's herüber
Zum Spinnerocken, nahm
Des Mädchens Hand, und wischte drüber
Mit Flachs her; – wundersam! –
Da schrie die Dirne, daß man's über
Zehn Häuser weg vernahm.
»Nein, Mann! ihr sagtet keine Lüge!
Laßt von den Linnen mir
Für Geld nur eine halbe Stiege.« –
Und fort trug Conrad, schier
So froh, sie, als nach einem Siege
Den Dank aus dem Turnier.
[134]
»Ach Ursel! wenn ich dich nur hätte,«
Seufzt' unser Reizenstein,
»Dich Preis der Fräulein! deren Kette
Schon lang ich trug mit Pein!
Dich, ohne Floh, in meinem Bette –
Wie glücklich würd' ich seyn!«
Und sie erhört' ihn. Endlich rückte
Der Hochzeittag heran,
An dem er früh das Hemd' ihr schickte,
Das Käthchen für sie spann.
Drauf kam der Ritter selbst, und blickte
Neugierig Urseln an.
Doch grad und schlank, wie eine Lanze,
Voll Unschuld wie ein Kind,
Stand sie in ihrem Myrtenkranze.
Ach! aber, wie geschwind
Verschwand der Nebel! denn beim Tanze
War Reizenstein nicht blind.
[135]
Urplötzlich stand erblaßt der Ritter
Wie eine Säule da,
Als durch des Busenflores Gitter
Ein andres Hemd' er sah.
»Ist das mein Hemde?« fragt' er bitter,
»Liebt ihr mich so? Ha ha!« –
Ich zog es, schwör' ich hoch und theuer,
Heut' an; im Augenblick'
Brannt's aber auf der Haut wie Feuer. –
»Ei!« sprach, mit Wuth im Blick',
Der Ritter, »welch' ein Abenteuer!
So gebt mir's nur zurück!«
Sie ging und bracht' es ihm; mit Zittern
Nahm Conrad ihr es ab,
Und riß den Kranz von Myrt' und Flittern
Von ihrem Haupt' herab,
Und rief: »Laß hier nicht lang dich wittern,
Sonst findest du dein Grab!«
[136]
Kaum hatt' er dieß gesagt, und streckte
Die Hand zum Schwerte schon,
So war sie, die sein Grimm erschreckte,
Aus dem Gemach' entflohn.
Ach aber! ihre Schuld entdeckte
Bald drauf ein junger Sohn.
Und Conrad wagt die große Wage
Beherzt zum zweitenmal,
Doch glücklicher war, nach der Sage
Der Chronik, seine Wahl;
Die Braut trug an dem Hochzeittage
Das Hemd' ohn' alle Qual.
Sie trieb die Flöhe, wie wir lesen,
(So wie einst Rabener
Die Witzling' und die Narrn zu Dresden,)
In Herden vor sich her;
Ist von zwölf Kindern zwar genesen,
Doch Vater war nur Er.
[137]
»Ach!« seufzt' er diesen zu, beim Scheiden,
»Reibt euch damit! – Ihr kennt
Dieß Hemde doch? – wenn ihr den Leiden
Des Vaters, Lindrung gönnt!« –
Die Fräulein rieben sich mit Freuden,
Und keine schrie: Es brennt!
»Ich dank' euch, Töchter! Jede schütze
Sich ferner, wie zuvor!« –
Drauf küßt' er sie, zog seine Mütze
Gelassen über's Ohr,
Und fuhr zu Gottes Wolkensitze
Als freier Geist empor.
Das Hemde kam in unsern Tagen
An Bastel 1 Reizenstein;
Sie, die als Braut es auch getragen,
Doch nicht mit Ursels Pein,
Legt' dieses Kleinod in den Wagen,
Auf Reisen, selbst mit ein.
[138]
Allein, wer ist, der auf der Reise
Noch nichts vergessen hat?
So blieb auch sonderbarer Weise
Dieß Hemd' in Halberstadt;
»Mit Willen!« zischt der Spötter leise,
Doch spott' er nur sich satt!
Zur Ehre meiner Landsmänninen
Sey laut es hiermit kund:
Daß drei von ihnen, mit dem Linnen
Die Hände fast sich wund
Gerieben; sind indeß von innen
Und außen noch gesund.

Fußnoten

1 Das in Franken übliche Diminutiv von Sebastiane.

An Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[139] An Herrn K–r

Die Welt ist mir kein Jammerthal.
Der böse Mensch darin,
Gönnt Guten nur nicht allemal
Den sorgenlosen Sinn.
Zur Welt mach' ich darum mein Haus:
Geh du zum Bösewicht' hinaus.
Kein deutscher Fürst ist ein Barbar!
Am Höfling' aber, Freund,
Ist selten nur ein gutes Haar,
So brav er immer scheint.
Zum Schlosse mach' ich drum mein Haus:
Geh du nach Königen hinaus.
[140]
Der Reichthum ist ein edles Gut!
Nur daß der reiche Mann
Noch oft zu stolz auf Güter thut,
Die ich entbehren kann.
Kohlrüben ess' ich drum zu Haus:
Geh du nach Ananas hinaus!
Die Lieb' ist gar ein köstlich Ding!
Doch fodert die Natur
Ihr Recht, und dieses gibt der Ring
Am Traualtare nur.
Ein Weibchen führt' ich mir nach Haus:
Geh du nach Phrynen noch hinaus.
Gesundheit ist ein großer Schatz!
Doch Krankheit war mein Loos!
Der Eine macht dem Andern Platz:
Ist's Unglück denn so groß?
Machst du, o Tod! mir auf das Haus,
Froh geh' ich heute noch hinaus.
Die NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[141] Die Nachahmer

An Gotter in Gotha.


Singst du ewig nur von Flammen?
Zwar ein Thor kann den Gesang
Keuscher Liebe, nur verdammen,
Die des Weisen Herz durchdrang;
Aber Lieb' und Dichterglut
Sind so selten wahr beisammen:
Dennoch, o du Afterbrut!
Singst du ewig nur von Flammen?
Soll der Bach nur immer rauschen?
Nennst du das, du blinder Thor,
Leise die Natur belauschen,
Und durchschauen ihren Flor?
[142]
Eurer Tausend würd' ich gern
Gegen Einen Kleist vertauschen:
Dennoch, malerische Herrn!
Soll der Bach nur immer rauschen?
In des wahren Dichters Köcher
Ruhn der goldnen Pfeile viel!
Einer sey der Unschuld Rächer,
Des Tyrannen Herz sein Ziel!
Schlag den Takt, du leichter Pfeil,
Zu dem Klange froher Becher,
Auf des Narren Haupt! Und Heil
Sey mit Gotters vollem Köcher!
Auf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[143] Auf der Stelle, wo Gustav Adolph in der Schlacht bei Lützen blieb

(Den 2ten Juni 1778.)


Laßt den Wagen halten oder fahren!
Denn ich bleib' hier sitzen. Dieser Stein 1
Soll des Mannes, der an seiner Schaaren
Spitze hier geblutet, Altar seyn!
Thränen will ich opfern. Denn von allen
Königen, die vor ihm, wie nachher,
Unterm Schwert' des Krieges sind gefallen,
War nur Gustav kein Eroberer.
[144]
Auf die Stelle, die sein Blut getrunken,
Wälzten Bauren weinend diesen Stein,
In die Erde halb schon itzt versunken!
Und ich kann ihm keinen bessern weihn!
Solch ein Denkmal für das große Leben
Dieses Retters einer halben Welt! –
Murren möcht ich, (mag mir's Gott vergeben!)
Daß die Armuth mich gefesselt hält.
Zwar bedarf er nicht der Marmorsäule,
Die hier stehen sollte: aber dann
Ruhte hier der Wandrer eine Weile,
Läs' und segnete den braven Mann!
Läs' und weinte seinen Muth wohl größer,
Seinen Stolz geringer durch die Scham!
Denn auch ich, das fühl' ich, gehe besser
Weg von diesem Steine, als ich kam.

Fußnoten

1 Ein großer Feldstein, den die Bauren gleich nach der Schlacht auf diese Stelle brachten.

Antwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[145] Antwort auf die Forderung eines Weltbürgers

Cosmopolit wie du zu seyn,
Mag freilich oft das Herz erfreun,
Mir aber, muß ich sorgen,
Bleibt's ewig wohl verborgen.
Ist Eurer Menschenfreundlichkeit
Ein Land zu lang, ein Land zu breit?
Was Cook entdeckt im Meere,
Gehört zu Eurer Sphäre.
Ich kann, fehlt meinem Nachbar nur
Ein Scheffel Saat für seine Flur,
Den Scheffel kaum ihm geben,
Und soll fürs Weltall leben?
[146]
Dafür zu schwatzen? Das geht an!
Dafür zu schreiben? Ei wohlan!
Das könnten, wär's vonnöthen,
Vor allen, wir Poeten.
Allein dafür zu leben? – Hum!
Wer läßt dem Nachbar, um und um
Von den Cosmopoliten,
Zwei Metzen Saatkorn bieten?
Reiß' mich von meinem Städtchen los!
Klein ist's, mir aber schon zu groß,
Weil ungestillter Zähren
Noch viel mein Herz beschweren.
Ein Cleysing 1 könnte mit der Zeit
Zur Noth, durch meine Wenigkeit,
Ein glücklich Dörfchen werden:
Nimm du den Rest der Erden!

Fußnoten

1 Ein Dörfchen von fünf Häusern, nahe bei Ellrich; das kleinste im ganzen Königreiche.

Zweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte
Als Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[147] Zweites Buch

Als Wilhelmine vermählt wurde

Prophezein wird dir der Schmeichler Haufen
Mit dem Trauungsringe, Freud' und Glück!
Aber, einem Ringe gleich, entlaufen
Glück und Freud' in einem Augenblick',
Hast du, beide liebzukosen,
Und mit einer Schnur von Rosen
Fest zu halten, kein Geschick.
Hätte deine Wang' auch nicht das Grübchen,
Das so gern wir alle lächeln sehn,
[148]
Dennoch würdest du als Damis Liebchen
Vor dem Traualtare heute stehn;
Denn der Jünglinge Verlangen
In dem Netz' der Liebe fangen,
Das ist wahrlich leicht geschehn!
Lieblich, gleich dem klugen Vogelsteller,
Mußt du nur dein Netz auch überstreun;
Denn aus einem Lamm' verwandelt schneller
Keine Wolke sich in einen Leun,
Als die Gatten in Tyrannen,
Wenn zu straff sie Netz' umspannen,
Die nicht sichtbar sollten seyn.
Laß du deinem Liebling' niemals fühlen,
Daß der Ring, der itzt so viel verspricht,
Und so leicht ist, um damit zu spielen,
Jeden Tag vermehret sein Gewicht.
Damis wird die Bürde tragen,
Nur verbirg auch deine Klagen
Im gelassenen Gesicht'!
[149]
O vielleicht ist kaum der Strauß von Rosen,
Der itzt deinen Busen schmückt, verblüht,
Daß, dich so wie sonst noch liebzukosen,
Damis ganze Stunden schon verzieht,
Und mit Grillen im Gehirne,
Und mit Falten vor der Stirne,
Stumm auf seine Nägel sieht.
Sicher, Mädchen, bist du halb verloren,
Wenn du wähnst, daß ihn der Trauring drückt.
Nein! der Mann ist nur noch nicht geboren,
Den die Laune nicht schon dann bestrickt,
Wenn er kaum die letzte Blume
In der Liebe Heiligthume,
Süß berauscht, hat abgepflückt.
Darum bitt' ich, Freundin, dich, erstaune
Ueber die Verwandelung nur nicht.
Zeige dann ihm zwiefach gute Laune,
(Das zu thun, ist deine schönste Pflicht!)
Treib ihn, daß er reit' und jage,
[150]
Wie vordem, weil das die Tage
Alter Freiheit, ihm verspricht.
Laß ihn nie empfinden, o du Holde,
Daß sein Herz für Mädchen nicht mehr frei,
Daß er nicht allein von seinem Golde
Und von seiner Zeit noch König sey;
Trinkt er aus der Sorgen Schaale,
Dann so fordre vom Gemahle
Nicht des Bräut'gams Schmeichelei.
Wenn du Damis Herz als edel kennest,
So versag' ihm seine Wünsche nie.
Denn je mehr du ihm die Herrschaft gönnest,
Desto weniger gebraucht er sie.
Er wird fehlen; du wirst dulden;
Sicher wirst dann sein Verschulden
Ihn von selbst vor dir aufs Knie.
Widersprich ihm nur durch muntre Scherze,
Und bekämpf' ihn nur durch Schmeichelein.
Wäre selbst sein Busen auch von Erze,
[151]
Dennoch würd' er zu erweichen seyn.
Höhlt nicht – was des Hammers Klopfen
Nicht vermag – ein Wassertropfen
Endlich einen Kieselstein?
Laß dich niemals dünken, an Verstande
Deinen weisen Freund zu übersehn;
Denn der Mann ist seines Weibes Schande,
Wenn er muß zurück im Schatten stehn.
Schuf ihn die Natur nicht stärker?
Mag ein Thor denn in den Kerker
Einer reichen Thörin gehn.
Voll blüht deine Schönheit! doch gewöhnet
Damis Auge sich zuerst daran.
Stütze dann auf Güte dich, sonst lehnet
Deine Liebe auf ein Rohr sich an.
Ach! dieß würde bald zerknicken,
Und sie selbst im Schlamm' ersticken,
Wo sie Niemand retten kann!
Die BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[152] Die Barden

An den Herrn von Schlaff, in Greifswalde.


In dem Hain', wo vormals Harfen klangen,
Und im Mondenscheine Barden sangen,
Sitz' ich auf dem grauen Opfersteine
Einsam, und weine.
Ihre Lieder, die auf allen Zungen
Damals schwebten, hat die Zeit verschlungen,
Ihre Namen – einst in jedem Munde! –
Täuschen die Kunde.
Ruhm und Dank dem Volke, das die Lieder
Ossians, hat, von dem Sohne, wieder
Auf den Enkel, mit der Vorwelt Sagen,
Uebergetragen!
[153]
Väter unsers Harzes! Euren Söhnen
Ließet ihr den Hang zu süßen Tönen 1:
O warum nicht Einen, von der Menge
Bardengesänge?
Doch ich will, (obgleich im langen Haine,
Wo ihr sonst gesungen, nur der Eine
Sänger noch!) auch den Verlust von Herzen
Gerne verschmerzen.
Dafür ließt ihr uns, in euren Hütten,
Festen Muth, und unschuldsvolle Sitten!
Edler dünkt mich's, Thaten selbst vollbringen,
Als sie nur singen.

Fußnoten

1 Der Hang der Thüringer zur Musik ist allgemein.

An Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[154] An Herrn Koch, in Wismar

Um den Reitz der Erde zu genießen,
Siehest du dich um, mein lieber Freund,
Wo aus ihrem Schooße Veilchen sprießen,
Und der Vollmond durch die Birken scheint.
Aber, wo die Distel ihren spitzen
Stachel in des Wandrers Ferse sticht,
Und die Wolken auf ihn niederblitzen,
Diesen Irrweg sucht dein Auge nicht.
Und weshalb auch suchen? Um die Hände
Wund zu reißen an dem Distelheer'?
(Eine von zehntausend!) Oder fände
Nun der Blitz des Wandrers Haupt nicht mehr?
[155]
Aber jede Nessel in den Gängen
Deines Gartens, die uns tückisch sticht,
Und den Busch voll Rosen will verdrängen,
Auszureuten: machst du dir zur Pflicht.
Sieh denn auch, des Lebens froh zu werden,
Um dich her, wo stille Weisheit wohnt,
Und das Glück zuweilen schon auf Erden
Edler Seelen Tugenden belohnt.
Aber da, wo Menschen, Menschen braten,
Weil sie andres Glaubens sind als du,
Und nach ihrem Glauben Gutes thaten:
O da drücke fest dein Auge zu.
Immer neue Lechzende auf Erden
Aufzusuchen, macht die Welt zur Last,
Da dir mehr schon itzt begegnen werden,
Als du zu erquicken Wasser hast.
Wahrlich, Bester! nur von fünf Minuten
Alles Elend dieser Erde sehn,
[156]
Wäre schrecklicher, als in den Fluten
Des erzürnten Meeres untergehn.
Ehe noch am fröhlichen Pokale
Dieser Kranz von Rosen wird verblühn,
Werden Tausende zum letztenmale
Röchelnd ihren Athem in sich ziehn.
Eh' wir unser Rheinweinlied gesungen,
Und für Claudius das Glas geleert,
Ist gewiß bereits ein Schiff verschlungen,
Und durch Brand ein halbes Dorf verheert.
Auch an uns wird einst die Reihe kommen,
In der Zahl der Weinenden zu seyn,
Ehe wir im stillen Thal' der Frommen
Uns der wahren Freud' auf ewig weihn.
Wirst du früher zu dem Thale wallen,
Als der Freund, der auch hinüber strebt?
Nie in eine von den Gruben fallen,
Die der Böse hier dem Guten gräbt?
[157]
Nein! dem Schmerze werden alle beide,
Wie dem Tode, nimmer wir entfliehn.
Darum laß uns hurtig aus der Freude
Spindel, unsern Lebensfaden ziehn!
GolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[158] Golddurst

Die allgemeine Leidenschaft
Ist nicht der Ruhm! 1 In meinem Vaterlande
Zum mindsten nicht. Denn ach! der Deutsche rafft
Nach Golde nur. Was kümmert ihn die Schande?
Was thut der Deutsche nicht für Geld! –
Ein schöner Ruhm! Ein Sprichwort aller Zonen!
Wie? bauet er, dem Britten gleich, sein Feld?
Und nährt es schon zu viele Millionen?
Muß darum sich dein schlanker Sohn,
Klopffechtern gleich, für einen Fremdling raufen?
Und ach! zu eines stolzern Volkes Hohn,
Sein tapfres Blut für theures Brod verkaufen?
[159]
Bist du, Germanien, so karg
Wohl darum schon mit deinem weiten Boden,
Daß du dem Juden, kaum für seinen Sarg
Vergönnest, nur ein Plätzchen umzuroden?
Mußt darum du zum Wolgastrand'
Und Vandaliciens 2 versengten Beeten,
Die Kinder mit stiefmütterlicher Hand
Fortpeitschen, und der Mutter Haus veröden?
O nein! So viel auch ihrer sind,
Du hättest Platz für alle deine Kinder.
Der Aberglaube macht' einst Frankreich blind,
Dich aber macht der Golddurst dreimal blinder.
Zwar schwimmt dein Schiff ins fernste Meer,
Dein Wagen fährt zu Pohlen und zu Ungern;
Doch macht Ein Mißwachs deine Speicher leer, 3
So muß zu Haus dein eignes Kind verhungern.
[160]
Bist du wohl klüger, als der Geitz,
Der traurig darbt bei angefüllten Kasten?
Wann durfte deine ärmre Schwester selbst, die Schweitz,
Auch ohne Frankreichs Gold, noch jemals fasten?
Wenn dem, der in der Sonne brennt,
Um deinen Boden mühsam umzupflügen,
Dein Geitz kaum einen Labetrunk noch gönnt:
Wie können noch sich deine Speicher biegen?
Bist du so reich: wo ist dein Gold?
Wo baust du neue Brücken itzt? Wo sagen
Die Steine schon die Stunden uns? Wo rollt
Auf Straßen neuer Appier der Wagen?
Wenn du dich Rom zu seyn erkühnst:
Worin bist du wohl Rom schon gleich geworden?
Du hast ja nicht einmal für das Verdienst
Ruhm bringender Plebejer, einen Orden? 4
[161]
Und ahmst du ja den Schwestern nach,
Und forderst den Erfinder auf zu Wachen:
O so bezahlst du ihm sein Oel, doch ach!
Um ihn berühmt, dich lächerlich zu machen.
Germanien! was könntest du
Nicht thun und werden! Sönnen die Magnaten,
Die immer sinnen, was geradezu
Die Kasten füllt, auf edle, große Thaten!
Und pflanzten Menschen in ihr Land,
Statt Menschen wie das Unkraut auszujäten,
Und richteten mit väterlicher Hand
Den Pflüger auf, statt nieder ihn zu treten.
Und spotteten, wie Friederich,
Im Ueberrock' des Prunks der Sybariten,
Und – schwer, doch groß! – geböten über sich,
Um weiser über Andre zu gebieten.

Fußnoten

1 Young hat, wie bekannt, die Ruhmbegierde in seiner Satyre: love of fame, zur universal passion gemacht.

2 Man wird sich erinnern, daß die Sierra Morena in diesem Königreiche liegt.

3 wie im Jahre 1772.

4 Dieß war wenigstens damals (1772.) noch der Fall.

An meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[162] An meinen Hund

Auch ich, ich lasse mir zuweilen träumen,
Wie jeder, der einmal gereimt,
Daß mit des Harzes jüngsten Eichenbäumen
Mein Lorbeer einst noch in die Wette keimt.
Doch wahrlich nicht, weil ihr, oft herbe Lieder,
Im Wahn' des Sängers süßer wärt;
Ich schlage gern' beschämt die Augen nieder,
Wenn euch das Ohr des größern Meisters hört.
Süß aber ist's, zu träumen, daß von Wesen,
Die ich geliebt, und selbst, Gesang
Nicht dichten konnten, man noch dann wird lesen,
Wenn sie und mich vorlängst das Grab verschlang.
[163]
So möcht' ich auch, du König aller Hunde!
So gerne die Unsterblichkeit
Dir geben! denn in mancher Lebensstunde
Hast schmeichelnd du, mich Traurigen, zerstreut.
Du trugst, wenn ich zu lang in träger Ruhe
Am Pulte saß, – gerad als wärest du
Mit meinem Arzt' verstanden – mir die Schuhe
Schon oft von selbst, mich anzukleiden, zu.
Und Vestris selbst sprang höher nicht und kühner,
Als du, wenn ich den Hut ergriff!
Vor großer Freude ranntest du die Hühner
Und Enten um – und standest, wenn ich pfiff!
Und wenn ein Maulwurf unser Beet voll Bohnen
Zerwühlt, so lauerst du ihm auf,
Um seine Frevelthat zu lohnen,
Geht auch der Abendstern darüber auf.
Doch meine Wachtel, gutes Thier! spatzieret
Nach Herzenslust auf dir herum,
[164]
Und picket dich am Ohr', und närrt und schieret
Dich baß; und du? siehst kaum einmal dich um.
Dann aber sprühten deine Augen Feuer,
Wenn Nachts ein Dieb am Laden war;
Dein eignes Leben ist dir niemals theuer,
Entziehst du mich nur immer der Gefahr.
Wie lohn' ich dir so viele schöne Thaten?
Ein Denkmal will ich einst dir weihn!
Doch, besser ist vorher im Leben Braten,
Als nach dem Tode bloß ein Marmorstein.
An die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[165] An die Natur

Oft setz' ich mich auf deine Berge hin,
Und wühle mit dem Aug' in deinen Schätzen,
Und lasse sich mein Herz an dem Bewußtseyn letzen,
Daß ich genügsam bin.
Daß ich den braunen Kohl und Kopfsalat,
Die meine Schüssel füllen, selbst mir baute;
Daß ich den Himmel nie bei Butterbrod und Raute
Um etwas mehr noch bat.
Daß von dem Saft', der Rhingaus Trauben schwillt,
Auch mir die Winzer ein paar Flaschen preßten,
Doch ich den Becher nur damit bei Freundschaftsfesten,
Und nie für mich gefüllt.
[166]
Daß man für mich noch keinen Strauß erschlug,
Daß, wenn sich von den Herden, die dort weiden,
Ein Berg von Wolle thürmt, um mich nach Wunsch zu kleiden,
Drei Schafe sind genug.
Für dieses Beet voll Kohl, dieß Fäßchen Wein,
Und diese Handvoll Wolle, schlicht' ich bieder
Der Menschen Händel, bin ein Sänger froher Lieder,
Und karg nur mir allein.
O die du meinen Lebensfaden sponnst!
Gib, bis er in die Gruft sich einst verlieret,
Mir nur das wenige, was mir als Lohn gebühret:
Denn ich mag nichts umsonst!
Und bin ich einst zu kraftlos für mein Joch,
Nur da noch, um zu essen: o so spanne
Mich aus! und schenke mir im Harz' die kleinste Tanne
Zu einem Sarge noch!
[167]
Ich will den Bruch um keinen Marmorstein
Vermindern. Weg, du Thor, von meinem Grabe,
Der keinen Armen fragt, ob er auch Hunger habe?
Und mir will Urnen weihn!
An HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[168] An Holtzhauer, in Königsberg

Um deine Achtung zu erzwingen,
Stellt zwar ein Thor so oft, im Lauf'
Des Lebens, deinen Füßen tausend Schlingen,
Allein vergeblich auf.
Ein Narr ist darum dir nicht minder
Ein Narr, wenn er auf Silber dich
Mit Kaviar bewirthen will, denn blinder
Macht er damit nur sich.
Was kümmert dich sein Dutzend Gäste,
Nachsinnend, wie es ihm den Wanst
Mit Schmeicheleien und mit Lügen mäste?
Da du nicht heucheln kannst?
[169]
Indeß schleicht um den Tisch des Thoren
Der Tod sich ungesehn herum,
Und schlägt ihm mit der Fackel um die Ohren,
Und wirft den Lehnstuhl um.
Und sieh! da liegt der Götze röchelnd,
Und fährt, wer weiß wohin? und du
Siehst dem geborgten Leichenzuge, lächelnd,
An deinem Fenster zu.
Auch du stirbst einst; dann aber blähen Hundert
Der Thoren auf, ihr stolzes Unterkinn,
Und sehen neidisch nach, wenn du bewundert,
Fortgehst – man weiß, wohin.
An MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[170] An Maria

Der Ritter martert sich mit Ränken,
Wie er den Fächer dir zerbricht?
Um einen schönern dir zu schenken:
Du aber nimmst ihn nicht!
Dein Ständchen lockt in bloßen Hemden
Die Nachbarn aus dem Bett' hervor;
Nur du, zu aller Welt Befremden,
Hast dann allein kein Ohr.
Gehst du in einen Garten: Haufen
Der schönsten Früchte harren dort
Auf dich; vor deinem Gelde laufen
Die Gärtner aber fort.
[171]
Du tratst in eines Landmanns Hütte,
Als ein Gewitterschauer droht',
Gleich bot er dir, auch ohne Bitte,
Sein letztes Salz und Brod.
Und du, gerührt, daß keine Klage,
Kein Murren über karges Glück
Hier wohnet, ließest auf acht Tage
Ihm heimlich Brod zurück.
Und unter seinem Strohdach' kehrest
Du oft im Sommer wieder ein,
Und issest Milch mit ihm, und hörest
Ihn Wetter prophezein.
Ist das der Mann, aus dessen Händen
Dir ein Geschenk den Starrsinn bricht?
Auch ich kann nichts für dich verschwenden,
Auch ich, ich murre nicht.
Sey diese Sammlung meiner Lieder
Drum ohne Weigerung auch dein!
[172]
Es ist ja selbst gepreßter Cyder,
Kein theurer fremder Wein.
Und wenn dein Herz nach Troste lechzet,
Daß in des Habichts Krallen, dir
Ein Täubchen seine Schmerzen ächzet;
Dann kehr' du ein bei mir.
HerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[173] Herbstlied

Hu hu! wie kommt der Wind so kalt
Schon über die Stoppel gelaufen!
Wie färbet sich so gelb der Wald,
Und wie versammlen sich so bald
Die Schwalben zum Abzug' in Haufen!
Die Wiese dampft, der Brocken braut, 1
Und schüttelt, Schauer auf Schauer,
Den Regen ab; durch Nebel schaut
Die Sonn' herab, wie eine Braut
Gehüllet in düstere Trauer.
Ein Heer von Droßeln kommt vom Rhein',
Im Schimmer des Morgens, gezogen;
[174]
Doch manche wird bei Hespers Schein
Bereits des Amtmanns Speise seyn,
Durch röthliche Beeren betrogen.
Der Cantor sondert nun das Wachs
Vom goldgelben Honig der Scheiben;
Die Dirne sonnt den grauen Flachs,
Der Jäger gräbt, um Fuchs und Dachs
Hervor aus dem Baue zu treiben.
Wir suchen das Kamin nunmehr,
Ohn' ewig aufs Wetter zu schmälen.
Ist unser eigner Kopf zu leer,
So soll Herr Mars von Land und Meer
Uns etwas neues erzählen.
Süß mag es seyn, fürs Vaterland
Als Held zu sterben mit Freuden;
Doch haben wir so viel Verstand,
Um Fürstengeitz und Vaterland
Ein wenig zu unterscheiden.
[175]
Laßt uns, bei dieser Schaale Punsch,
Dem Himmel danken, ihr Lieben!
Daß wir, nach unsrer Jugend Wunsch,
Nicht da sind, wo die Schaalen Punsch
Von Kugeln in Scherben zerstieben.
Von unsern Thaten am Kamin',
Schweigt zwar der Fama Posaune,
Doch unser Schlaf wird nicht entfliehn
Vor einem Rochambeau und Green,
Und Boreas tückischer Laune.
Herr Boreas stört nicht den Klang
Von unsern warmen Pokalen,
Und nicht den lautern Lobgesang,
Den wir dem Herbst', aus altem Hang'
Zu reichen Weinlesen, bezahlen.

Fußnoten

1 Der Brocken braut, ist ein gewöhnlicher Ausdruck, um anzuzeigen, daß er mit Wolken bedeckt, und Regen zu erwarten sey.

Die KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[176] Die Kelle 1

Nur frisch, ihr Herrn und Damen! Gleich
Sind wir an unsrer Höhle.
Seht da! – Nicht wahr, es fährt auch Euch
Ein Schauer durch die Seele?
Wohlan! Nehmt Platz! Warum ihr das
Empfindet, sollt ihr hören.
Erst aber lasset uns ein Glas,
Aufs Wohl der Todten, leeren.
[177]
Nun! Sitzt ihr alle? – Hört denn an!
Nicht lang vor Luthers Tode,
Bewohnt' ein wackrer Edelmann,
Herr Veit von Wülferode,
Das Haus, woher wir kommen. Doch
Lag freilich Muskateller,
Nicht solcher Bleichert, damals noch
In dieses Hauses Keller.
[178]
Zwei Kinder hatte Veit. Sein Fritz,
Verlobt mit Fräulein Goltze,
Zu Bischofsrod', des Vaters Sitz',
Gleich hinter diesem Holze,
Kam oft auf dieser Stelle hier
Mit seiner Braut zusammen. –
Doch noch ein Glas! Mir fängt es schier
Im Gaumen an zu strammen.
[179]
Nun! Eine Tochter hatt' auch Veit,
Die jung zu einer Muhme
Nach Querfurt kam, wo Adelheid,
(So hieß sie,) um die Blume
Der Unschuld, sich, im Augenblick'
Des Taumels, ließ bethören.
Sie floh, doch Furcht hielt sie zurück,
Zum Vater heim zu kehren.
[180]
Aus Appenrode 2 kam von ihr
Zum Bruder Fritz ein Bote:
Sie harre bei der Kelle hier,
Sein mit dem Morgenrothe.
Fritz mit des Tages Anbruch fort,
Und seht: (den Platz umzäunte
Die Nachwelt,) bei der Eiche dort
Saß Adelheid und weinte.
Ob Neugier gleich und Ungeduld
Im Bruder Fritz sie baten,
So schwieg sie dennoch; ihre Schuld
Ließ sie ihn selbst errathen.
Sie sank für Scham in seinen Arm,
Und floß in Thränen über,
Und schluchzte nur: Erbarm', erbarm'
Auch itzt dich mein, o Lieber!
»Gib dich zufrieden, gutes Herz!
Ich liebe dich noch immer.
[181]
Nur häufe Schmerzen nicht auf Schmerz,
Und stille dein Gewimmer.
Hier hast du meine rechte Hand,
Dein Fritz wird treulich sorgen
Für dich und deiner Liebe Pfand,
Und alles bleibt verborgen.«
Gertrud von Goltze ging oft früh
In dieses Holz spatzieren;
Das Unglück mußt' auch heute sie
Nah an die Kelle führen.
Hier hört sie eine Stimm' und spitzt
Das Ohr, schleicht durch die Hecken
Sich immer näher hin, und itzt –
Denkt selbst Euch Trudchens Schrecken!
»Für sie und ihrer Liebe Pfand
Will Fritz getreulich sorgen?
Bin ich bei Sinnen, bei Verstand?
Ist's Nacht und Traum? Ist's Morgen?
Halt! stehn sie auf? – Sie gehen fort! –
[182]
Was thu' ich? Folg ich ihnen?
Kann solch ein Scheusal noch ein Wort,
Noch einen Blick verdienen?« –
Fritz und die Schwester waren grad
An jenem Schlund', den oben
Ihr in der Höhle Kuppel saht,
Als durchs Gebüsch gestoben
Das Fräulein kam. »Ist das die Braut?«
Fragt höhnisch sie und bitter,
Indem sie auf die Schwester schaut,
Und lächelnd sprach der Ritter:
»Ei, ei! das Horchen thut nicht gut!
Wenn ich mich nun beklagte?« –
Sie aber stieß mit voller Wuth
Ihm vor die Brust, und sagte:
Fort Bösewicht! bist du noch kühl
Dabei, daß dein ich spotte? –
Fritz wich zurück, und glitscht' und fiel
Hinab in diese Grotte.
[183]
Mein Bruder! Ach! mein Bruder! schrie
Das Fräulein Adelheide,
Und sank erblassend in die Knie,
Erdrückt von so viel Leide.
»Was? Er dein Bruder? Nun, so flieg'
Dem Teufel nach zur Hölle!«
Sprach Gertrud. Adelheide schwieg,
Todt war sie auf der Stelle.
Gertrude floh durch Busch und Dorn;
Gewinsel aus der Höhle
Erreicht sie hier; weg war ihr Zorn,
Voll Mitleid ihre Seele.
Als sie herab zur Grotte sprang,
Lag Fritz von Wülferode
Zerschmettert auf der Erd', und rang
Zähnknirschend mit dem Tode.
»Fritz! Fritz! Was machst du? Kennst du mich
Nicht mehr? Ich bin ja Trude!
Sieh! ich bin nicht mehr bös' auf dich!
[184]
Was ist das? – Schwimmst in Blute?« –
Sie faßt ihn bei der Hand, doch schier
Fiel schwer wie Blei sie nieder;
Fritz schlug die Augen auf, sah stier
Sie an, und schloß sie wieder.
Aus seiner Tasche hing von Flor
Ein Tuch, das sie ihm stickte;
Sie zog's und ach! den Brief hervor,
Den Adelheid ihm schickte.
Das Fräulein las, sank hin und lag,
Die Händ' auf Fritz gefaltet;
Als sie erwacht' am Nachmittag',
War Fritz bereits erkaltet.
Gertrude, fühllos, dumpf und krank
Am Leib' und an der Seele,
Saß ohne Speis' und ohne Trank
Drei Tag' in dieser Höhle.
Ihr Vater und sein Hofgesind'
Durchstöbert' alle Sträuche,
[185]
Und fand zuletzt das schöne Kind
Im Schlaf' auf Fritzens Leiche.
Sie blieb am Leben, doch betrog
Die Hoffnung manche Freier
Um ihre Hand; das Fräulein zog
Ins Kloster, nahm den Schleier,
Und saß, wenn alles schlief, und wacht'
Und weint' auf ihrer Zelle,
Und starb. – Oft hör' ich itzt bei Nacht
Sie trauren in der Kelle.
Das Horchen thut, sprach Fritz, nicht gut!
Doch Eifersucht noch minder!
Drum, bitt' ich, seyd auf Eurer Huth,
Ihr guten, schönen Kinder.
Denn vorgethan, und nachbedacht,
Wie wir zu oft vergessen,
Hat manchen in groß Leid gebracht. –
Doch kommt zum Abendessen!

Fußnoten

1 Die Kelle, (ich weiß nicht, woher sie den seltsamen, unpoetischen Namen hat,) ist eine große unterirdische Grotte, eine Stunde von Ellrich. Herr von Rohr hat sie in seinen Merkwürdigkeiten des Unterharzes beschrieben, aber ohne Gefühl für Schönheiten der Natur. Es mag hier genug seyn, nur dieses davon zu sagen, daß die Höhle in einem kleinen Eichen- und Buchenwalde liegt, womit eine Strecke von Bergen besetzt ist, die, nach der Mittags-Seite, aus hohen, weißen, sehr schroffen Felsenwänden bestehen, von deren Spitze man eine sehr schöne Landschaft übersieht. Im Bauch dieser Felsenberge, ist die Kelle; man erblickt sie nicht eher, als bis man dem Eingange gegenüber steht. Allein um in die Höhle zu kommen, muß man einen steilen Weg von etwa 100 Schritten hinab gehen. Das Portal der Höhle ist ohngefähr 50 Fuß hoch, beinah eben so breit, oben mit herabhangenden Bäumen und Gesträuchen bekränzt, das Ganze eine steile Felsenwand von alabasterartigem Kalkstein, in einen halben Zirkel ausgehöhlt, und oben etwas gewölbt. Durch diese hohe weite Oeffnung, sieht man von der Höhe in die Grotte selbst hinein. Ein schauerlicher Anblick! Durch das Portal, und durch eine zirkelförmige Oeffnung in der Kuppel der Grotte, von etwa 6 Fuß im Durchmesser, fällt ein mäßiges Licht hinein; die Strahlen brechen sich auf der Fläche des Wassers, womit der Boden größtentheils bedeckt ist; nach und nach unterscheidet man die verschiedenen Gruppen, und sieht im Hintergrunde einen gewölbten Felsen, der völlig der Beschreibung alter Dichter, von dem Eingange zur Hölle, entspricht. Die Gewölbe der Baumanshöhle, und andere solcher unterirdischen Grotten in Deutschland, sind inwendig größer und schöner; aber was den Anblick von außen betrifft, erreicht keine die Schönheit derKelle. Reisende, die Italien gesehen haben, versichern, daß auch keine der wälschen Höhlen, einen so romantischen Eingang habe. Da immer mehr Kalksteine herabfallen, so wird endlich einmal das ganze große Gewölbe mit den darüber stehenden Bäumen zusammen stürzen. Die Oeffnung, welche schon in der Kuppel entstanden ist, hat man umzäunt, damit das Vieh, welches hier weidet, nicht durchfalle. Die Höhle liegt kaum einen Büchsenschuß von Wülferode. Dieß war sonst ein Dorf, ist aber itzt ein bloßes Landhaus, das der Verf. im Sommer bewohnte. (S. die XIV. Epist. im II. Bande.) Freunde, die ihn hier besuchten, pflegte er gewöhnlich nach der Höhle zu führen, und unter den Buchen, dem Eingange der Grotte gegenüber, einen Nachtmittag mit ihnen zuzubringen; denn bei dem schwülsten Wetter ist es hier kühl, in der Grotte selbst aber läuft man große Gefahr, sich heftig zu erkälten. Bischofrode ist ein adeliches Gut, gleich hinter dem Kellholze, das dem Herrn BaronSpiegel zum Diesenberge, gehört, und Appenrode ein Dorf, eine halbe Stunde von Wülferode. Das Kellholz mit seiner Höhle, liegt zwischen diesen drei Orten in der Mitte. So viel war nöthig, wenn fremde Leser die Balade im Zusammenhange verstehen sollten.

2 Ein Dorf nicht weit von der Höhle.

An Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[186] An Herrn K–r

Der Ruhm ist nur ein schöner Traum!
Wenn du ihn träumest, wird er kaum
Die Müdigkeit am Morgen lohnen.
Der Ruhm ist ein verzognes Kind,
Es närrt den Vater zwar, doch ist der Vater blind,
Und spielt mit ihm – um bunte Bohnen.
Für diesen Sohn hat Tag und Nacht
Dein Herz gesorgt, dein Kopf gewacht,
Ihn groß zu ziehn; itzt muß er wandern.
Ha! wie dein Busen steigt und fällt,
Ob ihn ein Gönner küßt, ein Räuber Netze stellt!
Was habt ihr Einer von dem Andern?
[187]
Wie wenig strahlt von seinem Glück'
Aus weiter Fern' auf dich zurück!
Selbst deinem Nachbar wird nicht träumen,
Daß, fern von dir, ein Sohn noch lebt,
Den, wenn sein Nam' auch dir nicht auf der Lippe schwebt,
Doch alle Reimer baß bereimen!
Ist Ruhm allein der Preis am Ziel',
So ist es etwas, doch nicht viel;
Denn, wenn ein Jüngling ihn verachtet:
So wahrt den Beutel! Hütet Euch,
Daß unter Einem Dach' Ihr nie mit ihm zugleich
Ohn' Euren Degen übernachtet.
Doch, übersteh' der Künstler Pest,
Und halt', als Mann, den Proteus fest:
Vorüber ist die Schäferstunde!
Mehr als das Ganze, war auch hier
Die Hälfte. So erlischt der Durst nach Wein in dir
Am ersten vor des Fasses Spunde.
[188]
Wie? Ist denn alles Unbestand?
Und ringt der Weise nur, für Tand
Den Kranz zu achten, der die Scheitel
Nach langem saurem Kampfe schmückt?
Kaum hat er noch auf ihn mit Lächeln hingeblickt:
Itzt seufzt er schon: Auch du bist eitel!
Wenn Ruhm auch eitel ist: wohlan!
Was spornt zu schweren Kämpfen an?
Das Gold? – Wirst du den Kämpfer schätzen,
Wenn gleich auch seine große That?
Und ihn dem Manne, Freund, der arm denselben Pfad
Aus Tugend ging, zur Seite setzen?
Was von der Zeit als Eigenthum
Uns übrig ist, soll nicht dem Ruhm',
Nicht Peru's Minen angehören.
Des Bechers Klang soll selten nur,
Doch öftrer das Geschwätz des Bachs der Hirtenflur,
Uns, Kämpfer für die Zukunft! stören.
[189]
Kein Panzer dünk' uns noch zu schwer,
Zu tief kein Stand, zu lang kein Speer,
Den süßen Dank davon zu tragen!
Doch thut es, Freund, nicht immer Roth,
So lang kein offner Helm mit einer Fehde droht,
Gleich das Visir zurückzuschlagen.
Wer mißt sich kühn mit diesem Glück',
Wenn alle Thaten unserm Blick'
Einst sterbend noch vorüber gehen?
Sie bleiben hier, und wirken fort,
Sind wir gleich längstens Staub! Und o! wir werden dort
Mit schärferm Blick' die Folge sehen.
An Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[190] An Herrn Frhrn. von Lauer

Auch ich, o Freund, hab' auf dem Lande mir
Mit meinem letzten Deut ein kleines Ohnesorge
Zurecht gebaut. Mein Leben gleichet hier
So ziemlich meiner Nachbarin, der Zorge. 1
Zwar kennt man ihren Namen schon nicht mehr,
Betritt ein Wanderer nur Schwarzburgs nahe Grenzen,
Zwar drückt kein Schiff mit Kaufmannsgut sie schwer,
Zwar sieht man kaum im Mondenschein' sie glänzen.
[191]
Auch geht nur der an ihren Kieselstrand,
Wer sanftes Rauschen liebt von felsenvoller Welle,
Und Freud' am Spiel' mit ihren Kindern fand,
Dem trägen Krebs, der lustigen Forelle.
Doch wuchs durch sie schon manche Weide groß,
Und gab dem armen Lamm' im Pelze, kühlen Schatten;
Und Wiesen trugen Klee durch sie, die Moos
Und Disteln sonst und Dorn getragen hatten.
So weiß von mir kein Wort die nächste Stadt,
So drückt nicht Lein und Korn und Wolle meine Speicher,
Und die zu Bettlern viel' gestickt schon hat,
Lion, wird durch mein Kleid gewiß nicht reicher.
Doch mancher Jüngling scheut durch mich den Schlag
Des Stärkern nicht, mit ihm für Unschuld Kampf zu wagen;
Und liegt, durch mich, nicht da, wo Stoppe lag,
Itzt Kleist auf manchem Nachttisch' aufgeschlagen?
[192]
O flösse doch mein Leben ganz die Stadt,
Der Zorge gleich, vorbei! Irrt' ich, wie sie, durch Wiesen,
Bis alles Irren hier ein Ende hat,
Von den Socraten glücklich nur gepriesen!
Dann – – Aber halt! du steigst zu hoch empor!
Zurück du kühner Wunsch! du darfst noch nicht entfliegen.
Denn wäre nicht selbst Socrates ein Thor,
Daß er nicht lebte, bloß für sein Vergnügen?
Athen mit Achselzucken nicht verließ,
Wo ihn die Schlangen der Verläumdung rund umzischten?
Den Söhnen noch den Werth der Tugend prieß,
Indeß schon Gift die Väter für ihn mischten?
Wohlan! Auch ich will unter Menschen alt,
Im Kleinen, Socrates, und grau mit Ehren werden.
Dann aber hin, wo die Schalmey erschallt!
Hinaus zu den friedsamen Lämmerherden!

Fußnoten

1 Die Zorge, ein kleiner, aber schneller Fluß, scheidet die Stadt und Vorstadt von Ellrich, und geht wenige Schritte vor Wülferode, des Verf. ehemaligem Landhause, vorbei.

Die Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[193] Die Abend-Dämmerung

Sey mir willkommen, Dämmerung!
Mir wird so leicht in deinem Schatten!
Und wenn die Flügel mir ermatten,
So gibst du ihnen neuen Schwung.
Wir müssen leider einst uns trennen:
Doch, bis die Abschiedsstunde schlägt,
Soll dann erst meine Lampe brennen,
Wenn dich die Finsterniß verjägt.
Schon immer hab' ich dich geliebt;
Als Knabe unter deinem Schutze,
Des Argus Augen selbst zum Trutze,
So manchen losen Streich verübt;
Für Nachbar Filz, den reichen Thoren,
[194]
Geldtuten, angefüllt mit Sand,
So lang vor seiner Thür' verloren,
Bis sein betrogner Geitz sie fand.
Das allerlieblichste, was schier
Mein Herz in seinen schönsten Stunden
Bei meinem Mädchen hat empfunden,
O Dämmerung! verdankt es dir!
Des Lebens Nachen trieb gelinde
An einem Veilchenstrande fort;
Mir war – – Ich sinne, doch ich finde
Für diesen Wonnestand kein Wort.
Itzt lässest du bei Hespers Schein
Vom Himmel leise dich hernieder,
Und flößest deinem Freunde Lieder,
Und reine Lebensweisheit ein.
Mein Geist fängt an empor zu schweben,
Mir wird, in schmelzendem Gefühl',
Zum Feenmährchen dieses Leben,
Die Welt zum Marjonettenspiel'.
An Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[195] An Herrn Hofrath von Köpcken, zu Magdeburg

Laß du dem Britten seinen Wahn und Hohn,
Daß er der erstgeborne Sohn
Der Freiheit sey, wir aber Sklaven!
Was kümmert sich der Weis' um Fasees und um Thron?
Für ihn hat kein Gesetz noch Strafen.
So lang des Landes Satzung ihm gefällt,
Ist er der erste, der sie hält;
Was hat er noch zu fürchten? Glücklich leben
Kannst du, ob über dich den Zepter Einer hält,
Ob Hundert dir Gesetze geben.
[196]
Doch, kann der Stab der Consuln nicht so schwer,
Als eines wüthenden Tiber
Metallner Zepter, auf dich fallen?
Was ist dir übrig, Freund, als, selbst an Gütern leer,
Zu einem freiern Volk' zu wallen?
Denn, Köpcken, wer nicht Freiheit höher hält,
Als alle Güter dieser Welt,
Ja selbst als dieses gute Pilgerleben:
Der ist ein Sklav, wenn gleich Tartaren ihm ein Zelt
In ihrer freien Horde geben.
Zu edlen Thaten fühlt er nimmer Muth;
Ihm ist sein Leben oder Gut
Der höchste Trieb zum Thun und Unterlassen.
So billigt denn der Sklav das, was ein Nero thut,
Und muß August mit Nero hassen.
[197]
Den Pöbel blendet jedes falsche Licht;
Der Freiheit Name hat Gewicht
Für ihn; die Freiheit selbst, für Weise.
Der Schweizer, der so laut zu Hause prahlet, spricht
Mit seinen Consuln, ach! so leise!
Er beugt vor ihnen dreimal tiefer sich,
Als ich vor einem Fürsten mich,
Und was er ist, das muß er ewig bleiben.
Wenn du ein Haller 1 wärst, Bern könnte dennoch dich
Nicht auf der Rathsherrn Rolle schreiben.
Den Prunk mit Sina's Vasen, mit Kristall
Aus Böhmen, und den ganzen Schwall
[198]
Von Frankreichs Moden, mag der Staat mir wehren.
Stört das des Weisen Glück: so muß sich überall
Sein Freiheits-Sinn in ihm empören.
Laß auch den Staat der Russen Kaviar,
Und Holsteins Austern, ja sogar
Den edlen Most vom Rhingau selbst, vertheuren;
Der Freundschaft Feste werd' ich dennoch, Freund, ob zwar
Mit etwas kleinern Bechern feiren.
Doch wenn er auf der Bahn der Ehre, Stein
Auf Steine häufte, aus dem Hain'
Der Wahrheit, uns zum Nichtstuhl' zöge,
Und Wahrheit strafte: dann würd' ich der erste seyn,
Der nackt nach Sanct-Marino flöge.

Fußnoten

1 Herr von Haller selbst, war zwar ein Mitglied des großen Raths in Bern, weil er aus einer Rathsfähigen Familie war; denn sonst würde er es noch weniger haben werden können, als er, seiner vielen und großen Mühe ohnerachtet, Mitglied des kleinen Raths werden konnte. Er war in seiner Vaterstadt schon halb vergessen, als seine Mitbürger durch den Besuch, welchen ihm der Kaiser gab, erst wieder an ihn erinnert wurden.

Der EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[199] Der Empfindsame

Herr Mops, der um das dritte Wort
Empfindsamkeit im Munde führet,
Und wenn ein Grashalm ihm verdorrt,
Gleich einen Thränenstrom verlieret,
Mops grüßt', als ein Romanenschmidt,
Das Autorhandwerk, mich denn mit.
Mit meinem Weibchen that er schier
Gleich so bekannt, wie ein Franzose.
All' Augenblicke bot er ihr
Tobak aus eines Bettlers Dose,
Mit dem, am Zaun' im tiefen Schlaf',
Er einen Tausch, wie Yorik, traf.
[200]
Der Unempfindsamkeit zum Hohn'
Hielt er auf eine Mück' im Glase
Beweglich einen Leichsermon.
Purrt' eine Flieg' ihm an der Nase,
Macht' er das Fenster auf, und sprach:
Zieh Oheim Toby's Fliege nach!
Durch Mops ist wahrlich meine Magd
Nicht mehr bei Trost, nicht mehr bei Sinnen,
So sehr hat ihr sein Lob behagt,
Daß sie empfindsam allen Spinnen
In meinem Hause, frank und frei
Verstattet ihre Weberei.
Er trat mein Hündchen auf das Bein:
Hilf Himmel! Welch ein Lamentiren!
Es hätte mögen einen Stein
Der Straße, zum Erbarmen rühren.
Auch wedelt' ihm in einem Nu
Das Hündchen schon Vergebung zu.
[201]
Ach! Hündchen, du beschämst mich sehr!
Denn daß mir Mops von meinem Leben
Drei Stunden stahl: wie schwer, wie schwer
Wird's halten, das ihm zu vergeben.
Denn Spinnen werden oben ein
Wohl gar noch meine Mörder seyn.
Reisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[202] Reisebeschreibung, für meinen Fritz

1781.


In Kassel war ein Elephant,
Der an Gehalt im Jahr',
Gerade gleich mit mir sich stand,
Und den ein jeder witzig fand,
Weil er ein Säufer war.
In Frankfurt baun die Herrn, von Stein,
Ein größres Schauspielhaus;
Das alt' ist beides denn: zu klein
Und groß; denn Niemand geht hinein,
Und Niemand geht heraus.
[203]
Ein Thor erbaut der Magistrat
In Heidelberg, voll Pracht 1!
Von Bettlern wird man in der That,
Bis auch ein Arbeitshaus der Rath
Wird baun, fast umgebracht.
Der Dom in Speier ist durchaus
Und schön erneut, mein Sohn.
Siehst gern Ruinen? Manches Haus
Liegt jämmerlich in Schutt und Graus
Ein Seculum dort schon!
Ein Thor der Festung Manheim thut
Zu wissen: daß die Stadt
Drei Hundert Jahre nach der Flut,
Die einst verschlang der Vorwelt Brut,
Mannus erbauet hat.
Das Zeitwort galoppiren: Wie
Schreibt das dein Cantor Heinz?
Was? ga-lop-pi-ren? Pfi doch, pfi!
[204]
Niemand darf kaloupiren hie 2!
So schreibt's der Rath in Mainz.
Mit aller Weltgelehrsamkeit,
Mit Witz und mit Geschmack,
Bringst du, mein Sohn, es niemals weit;
Drum sinne du bei guter Zeit
Auf neuen Schnupftobak.
Herr Bolongaro 3 schrieb zwar fast
Den Mainzern gleich 4; allein
Reichsgrafen gleich hat er gepraßt,
Und einen fürstlichen Pallast
Erbaut, zu Höchst am Main.
[205]
Die Militär-Akademie
In Stutgard, ist allein
Vielleicht der Reise werth, um sie
Zu sehn; doch dahin reise nie!
Denn Niemand kommt hinein 5.
Die Militär-Akademie
In Colmar, kannst du sehn,
So viel du willst, so spat als früh,
Und unzufrieden wirst du nie
Aus ihr nach Hause gehn 6.
Wie, denkst du wohl, daß aus Gefahr
Zurück ein Krieger kehrt?
Essex, auf Strasburgs 7 Bühne, war
[206]
Sehr nett frisirt, und nicht ein Haar
An der Frisur versehrt.
Du weißt, wie schön im Mondenschein'
Spatzieren gehen sey.
In Zweibrück wirst du oben ein
Begleitet von Laternen seyn 8:
Das heiß' ich Polizei!
Wer lahm und blind ist, der vertrau'
Dem Bad' in Lauchstedt zwar,
Doch keine Adelstolze Frau,
Denn die wird nur zu Brückenau 9
Geheilt von ihrem Staar.

Fußnoten

1 Es kostet über 80000 fl.

2 So heißt die Aufschrift der Tafel an der Rheinbrücke, die wenigstens auf Verordnung des Magistrats dastand.

3 Weiland ein Tobaksfabrikant aus Frankfurt, der seinen Namen einer neuen Sorte von Schnupftobak gegeben hat.

4 Wie die Inschrift auf dem von ihm zu Höchst erbauten (Bett-Hause) Bet-Hause beweiset.

5 Nemlich, um den Unterricht, worauf doch alles ankommt, mit anzuhören. Um das Aeußerliche und Zufällige in Augenschein zu nehmen, dazu konnte man leicht Erlaubniß erhalten, als sie noch bestand.

6 Sie war eine Privatanstalt des verstorbenen Dichters Pfeffel.

7 Französischer.

8 Wer ohne Laterne, selbst bei vollem Mondenscheine, betroffen wird, den bringt man in die Wache.

9 Ein Bad und Curbrunnen im Fürstenthum Fulda. Eine adeliche Dame, die dort aus Stolz mit einem Bürgerlichen nicht hatte tanzen wollen, wurde genöthiget, das Bad zu verlassen, weil der Fürst selbst dort keinen Vorzug verlangte.

An Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[207] An Mamsell M.P.J. André, in Offenbach

Was du noch itzt nicht träumst, das wird geschehen:
Du wirst dereinst den Jüngling sehen,
Bei dem dein Herz zum erstenmal
Verdoppeln wird die Schläge, deine Wange
Verrätherisch wird glühn, und bange
Dem Munde seyn, um seiner Worte Wahl.
O! wenn du dann zum erstenmal im Bette
Das Läuten in die Morgenmette,
Des Wächters Tagverkünden hörst:
So denk an mich! Denn Worte, die itzt keinen
[208]
Verstand für dich zu haben scheinen,
Verstehest du in solchen Stunden erst.
So wisse denn: du liebest! Zwar zu lachen
Wird heute dich der Ausspruch machen,
Allein zu weinen sicher auch einmal.
Doch kosten soll er dir nur süße Zähren,
Wirst du dein Herz nur dem gewähren,
Der deine Achtung nicht durch Ränke stahl.
Wer seine Hand nicht gleich am Traualtare
Dir bieten kann, vor dem bewahre
Dein Herz, und wär' er Grandison.
Ja, wenn auch du selbst Clementinen gleichest,
Und nie vom Pfad' der Tugend weichest:
Die Ruhe fliegt doch allemal davon.
Es gibt vielleicht für ächte Menschenkenner
Nicht Einen Grandison, doch Männer,
Die keinen Händedruck erlaubt
Sich halten, lieber schweigend sich verzehren;
[209]
Doch wirst du nur dein Glück vermehren,
Wenn nie dein Herz an Männertugend glaubt.
Wenn aber einst, durch seine schöne Seele
Ein junger Mann dein Herz dir stöhle,
Und du – für deinen Werth, ein klein
Geschenk, so groß es ist! – die Hand ihm raubest:
Je tugendhafter du ihn glaubest,
Je glücklicher wirst du als Gattin seyn!
An Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[210] An Herrn Helmuth, in Würzburg

Wärst du, wie ich, in Gröningen geboren,
Du hättest keine Messe noch gehört,
Für Wachslicht keinen Kreuzer noch verloren,
Und Hagedorns Porträt nicht minder,
Als das von Sanct Anton geehrt.
Und hätt' in Würzburg mich zuerst umleuchtet
Vom Leistenberg' 1 herab, der Sonne Glanz:
Ich hätte Nantens Liebe dort gebeichtet,
Geknieet vor dem Hochaltare,
In meiner Hand den Rosenkranz.
[211]
Wär' aber auch, o Helmuth, unser Leben
An jedem Ort' im weiten Reich'
Europens, aufgekeimet: unser Streben,
Den Kern im Inneren der Schaale
Zu suchen, blieb sich immer gleich.
Der eine Apfel spielt mit hundert Farben,
Der andre hat ein Streifchen kaum,
Und recht besehn, hat jeder seine Narben,
Doch alle gleichen Kern; denn alle
Trug Eine Wurzel und Ein Baum.
Wir streiten uns nicht um die äußre Schaale,
Wie Knaben sich um bunte Aepfel; frei
Steht dir und mir, daß jeder sie sich male,
Wie ihn es gut dünkt, ja sich schmeichle,
Daß er der beste Maler sey.
Gern wollen wir die Narben oder Flecken
Und kleinen Warzen schweigend übersehn,
Vor fremdem Blick' sorgfältig sie bedecken;
[212]
Denn, ohne Duldung, laß zu Heiden
Uns weg von Afterchristen gehn!
Sie gleißen zwar von außen, trotz dem Stiche
Des Wurms; allein zu Staub ward längst ihr Kern,
Und wie der Ros' erquickende Gerüche
Lockt keiner so wie du, mein Lieber!
Den matten Wanderer von fern.
Du würdest Vater deiner tausend Armen
Gewiß so gut in meinem Ellrich seyn,
Als du zu Würzburg bist. Erbarmen
Quillt wahrlich nicht aus Catechismen,
Quillt aus dem Herzen ganz allein.
Ich liebe dich vor tausend meiner Brüder,
Denn sind die Helmuths aller Kirchen, nicht
Der wahren unsichtbaren Kirche Glieder,
So ist die unsichtbare Kirche
Nur ein ersonnenes Gedicht.

Fußnoten

1 Auf welchem das alte Schloß von Würzburg steht.

An den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[213] An den Genfer See

(Zu Morges, den 12ten Juni 1781.)


Mir ist so wohl an deinem Strande,
Wie nie mir noch am Wasser war.
O hätt' ich dich in meinem Lande,
Du fesseltest mich immerdar.
Und immer dich, du schöner Spiegel,
Aus meinem Fenster anzuschaun,
Wollt' ich ein Haus auf diesem Hügel,
Wär's auch nur Eins von Rasen, baun.
Erhabner sieht das Meer, von Zonen
Zu Zonen wallend, freilich aus;
Doch möcht' ich nicht am Meere wohnen,
Und schenkt' ein Fürst mir dort ein Haus.
[214]
Mich weckte jeder Sturm; ich stünde
Die Nacht mit wilder Phantasei
Am Strand', und im Geheul' der Winde
Hört' ich der Wracke Hülfsgeschrei.
Und könnte nichts, als um Verschonen
Den Himmel flehen; retten nicht. –
Ich mag an keinem Meere wohnen,
Das Masten wie ein Rohr zerbricht.
Doch säß' itzt neben mir Amande:
Wer weiß, ob nach dem Harz zurück
Ich kehrte! Fischt an deinem Strande
Der Fischer nur, kein Dichter Glück?
An meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[215] An meine Tobaksdose

O du, die so viel Jahre lang
Mein Nachbar war im Schlaf' und Essen,
Mit mir den Rhein befuhr, und zu den Feueressen
Des Donners, auf den Brocken drang:
Verzeihe, daß dich mein Gesang
Hat undankbar bis jetzt vergessen.
Ist je aus meinem Kopf' ein Lied,
Werth der Unsterblichkeit, gekommen,
So dank' ich's dir allein! Denn die Ideen schwommen
Verwirrt umher, die Stirne glüht'
Und dampfte, aber nichts gerieth,
Bis ich aus dir Rappee genommen.
[216]
Ich mißte, wenn's der Arzt gebot,
Drei Monat' allen Saft der Reben;
Wohl könnt' ich ohne ihn, drei ganze Jahre leben,
Vielleicht drei Tag' auch ohne Brod;
Doch, ohne dich! – Ich wollt', o Tod!
Dir lieber beide Hände geben.
Du, gute Dose, lehrtest mich
Die Einsamkeit als Jüngling lieben,
Bei Schwätzern oft Geduld, bei Narren Langmuth üben,
Mit Fröhlichen mich inniglich
Erfreuen, mit Betrübten mich
Noch herzlicher als sonst betrüben.
Was kaum ein Freund dem andern that,
Das thatest du. Du hingst wie eine Klette
An mir; du warst mein Trost, wenn ich im öden Bette
Den Schlaf vergebens zu mir bat,
[217]
Mein Trost, wenn ich bei Akten spat
Noch gähnt' und gern geschlummert hätte.
Werd' ich dereinst zum letztenmal
Die dürren kalten Hände falten,
Und über meine Brust in beiden fest dich halten,
So wird mit Schluchzen mein Gemahl
Heraus dich brechen, und so kahl
Dein Rock auch ist, doch gern behalten.
An den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[218] An den Herrn Domcapitular und geistlichen Regierungs- und Oberraths-Präsidenten, Freiherrn von Bibra, in Fuld

Nicht Flaccus Lied bedurfte des Mäcens,
Doch Flaccus selbst bedurfte sein vielleicht.
Wird bis zum Tag' des großen Wiedersehns
Nicht täglich noch durch Cid ein neues Herz erweicht,
Indessen Chapelain's Trophäen,
Trotz allem Schutz' der Richelieuen,
Die Motte schon ein Seculum beschleicht?
Wenn ein Mäcen mein Lied vom Untergang'
Nicht retten kann: wozu ihn sonst, wozu?
Wie schwankend wird des Dichters fester Gang
[219]
In eines Richelieu zu engen Gallaschuh!
Wie glücklich bin ich, daß ich keines
Mäcens bedarf! Bedürft' ich Eines:
So würd' es, Freund, kein anderer – als du!
Sollt' ich dem Mann' nicht meine Lieder weihn,
Der selbst der Freud' und Weisheit Lieder singt?
Sollt' ich nicht dem mein Körnchen Weihrauch streun,
Der jeglichem Verdienst' so gern ein Opfer bringt?
Bei dem mich schämen einer Bitte
Um Milch und Brod und eine Hütte,
Um dessen Gunst ein Thor vergebens ringt?
Du hast den Muth, am Hofe selbst zu seyn,
Was mancher nur auf seinem Zimmer ist,
Der, hier nicht karg mit süßen Schmeichelein,
Den ahnenlosen Mann bei Rittern bald vergißt;
Du aber hast den Freund, der ärmer
An Glück, als Flaccus war, noch wärmer
Im Angesicht' des ganzen Hofs geküßt.
[220]
Wenn an dem Wahlspruch': Immer selbst sich gleich!
Ein Sterblicher das Näherrecht besitzt:
So bist es du! Nur für die Tugend weich,
Hat nie ein Pfeil des Glücks noch deine Brust geritzt;
Selbst, wenn's zum Fürstenstuhl' dich führet,
Auf dem dein Ahnherr 1 itzt regieret,
Bist du auch dann des Dichters Freund, wie itzt.

Fußnoten

1 Der damalige Fürst-Bischof von Fulda, ein geborner Freiherr von Bibra.

An Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[221] An Herrn Gramberg, in Oldenburg

Was wär', o Gramberg, diese Welt
Für den gequälten Weisen, wenn die Seele
Nicht über der Verwesung Knochenfeld
Hinaus oft blickte? Eine Mörderhöhle,
Vom matten Strahl' der Hoffnung kaum erhellt.
Doch hätte die Religion
Wohlthätig nicht zerstreut die dicken Schatten:
Willkommen wäre mir die Täuschung schon,
Daß unsre Seelen wandern! Denn was hatten
Die Weisen sonst für Trost, für Schmerzenlohn?
Und, lieber Freund, was wär' es mehr,
Wenn ich zuweilen träumte, daß die Seelen
[222]
Fortwanderten, bis zu dem Endverhör'?
Daß Hagedorn noch itzt in Philomelen
Sein Lied uns säng'? O Freund, was wär' es mehr?
Wirst du den edlen Hirsch nicht jetzt
Bedauren, dich die tolle Wuth nicht kränken,
Die ihn zum Scherz' abmartert und zerfetzt?
Laß mich ein Thor seyn, Gramberg, laß mich denken:
Daß man in ihm den Kaiser Nero hetzt.
So oft als meine Augen sahn,
Wie an des Fischers Angel sich mit Schmerzen
Ein Würmchen krümmte: Balsam war der Wahn
Dann immer meinem wundgefreßnen Herzen:
Es sey vielleicht ein Höfling wie Sejan.
Welch Thier der Erde hat den Muth
Des Rosses? Dennoch muß es jungen Thoren
Gehorchen; dennoch stößt ihr Uebermuth
In seine Seite scharfgespitzte Sporen;
Doch was da fließt, sey eines Mörders Blut.
[223]
Sieh dieser Wachtel Schmeichelein!
Auf meiner Schulter, gleich als wenn sie lange
Mich schon gekannt, steht sie auf einem Bein',
Und kratzt mir mit dem andern sanft die Wange;
Ach! könnt' es nicht mein Sohn, mein Günther, seyn?
Und warum sollt' ich nicht dereinst
Als Lerche dann mich in die Lüfte schwingen,
Wenn du um mich auf meinem Hügel weinst?
Nicht dir auch dann noch süße Lieder singen?
Der Wahn ist süß! Still! wenn du's nicht so meinst.
Gleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[224] Gleim an Göckingk

Halberstadt, den 27. October 1781.


In diese Gegend sich verirren,
In welcher kaum noch Tauben girren,
Ist Wollust! Ich gefalle mir,
O du, mein lieber Freund, in ihr
Am besten fast, vielleicht auch dir!
Du hättest mich nicht finden sollen!
Ich hätte tiefer mich verirrt;
Ich hätte, was denn? werden wollen,
Was man so leicht im Alter wird:
Ein Menschenfeind! Und du, mein Lieber,
Du hättest oft Besuch gewagt
[225]
Beim neuen Timon, und dich über
Die bösen Menschen auch beklagt.
Ei! höre doch die Tauben girren,
Die deine liebsten Tauben sind!
Ei! höre doch den Silberbach,
Der über harte Kiesel rinnt;
Man hört ihn doch!
Ihr Götter! ach!
Fern von den Menschen hier zu leben,
Könnt ihr zu meiner Lebenszeit
Zehn tausend Tage mir noch geben!
In dieser stillen Einsamkeit
Dürft' ich in keine Tiefe mich
Erniedrigen, mich nicht erheben
Auf eine Höhe, welche sich
Feindselig könnte mir beweisen!
Ach! o du Zeit! du Zeit von Eisen!
Am glücklichsten ist der zu preisen,
Der, weit von Königen und Weisen,
[226]
Sein König und sein Weiser ist,
Wie du's erst itzt, nach deinen Reisen,
In deinem Ohnesorge bist.
Mit Königen ist nur zu streiten
Um Menschen, und um Menschenblut!
Und mit den Weisen unsrer Zeiten,
Verträgt man sich nicht eben gut;
Sie schelten gleich.
Darum entfliehe,
Du Durst nach Ehre, Würd' und Stand!
Um euch geb' ich mir keine Mühe,
Was meine Ruhe stört, ist Tand,
Und wenn's der Schatz des Mogols wäre!
Was hätt' ich von der großen Ehre,
Der erste zu Berlin zu seyn,
Und meine Seele wäre klein?
Was hätt' ich von der höchsten Würde
Der ganzen werthen Christenheit?
Bei der mir aufgelegten Bürde,
[227]
Zu sorgen für die Seligkeit
Der Menschen, welche Haß und Neid
Entbrüdert, hätt' ich keine Zeit,
An mich zu denken.
Welch ein Stand
Nimmt nicht dem Stillen seine Freuden?
Wer's haben kann, der geh' aufs Land
Und lasse da sich nicht beneiden!
Neid macht nur Feinde.
Ruhe, du
Bist meine Göttin! Lebensmüde
Geh' ich auf deinen Tempel zu,
Denn unter Menschen ist kein Friede!
Nun erst? Warum nicht eher, Freund?
Ach! nimm ein klägliches Exempel
An mir, und geh in ihren Tempel
Bei Zeiten, eh ein böser Feind
Hinein dich treibt.
[228]
Die Menschen alle
Sind böse Feinde, die zu Halle,
Zu Bonn, zu Mannheim, zu Berlin,
Zu Düsseldorf, zu Zürch, zu Wien,
Und die zu Mainz in der Carthaus;
Zwei, oder dreie nehm' ich aus.
Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[229] Antwort an Gleim

Den 27. October 1781.


Seh' ich die Welt aus meinem Häuschen an,
Umgeben rund herum von Menschen, die ich liebe,
Und inniglich mich wieder lieben: dann
Ist mir, o Freund, die Aussicht nicht so trübe.
Denn, lieber Gleim, so schlimm, als dir er scheint,
Ist wahrlich nicht der Mensch. An meinem Rosenbache
Hätt' ich wohl sonst gewiß so oft geweint,
Als ich daran mit Weib und Kinde lache.
Gesetzt, der Mensch sey solch ein böses Thier,
Verfolgen würd' er mich selbst bis in diese Stille,
[230]
Und ach! der Ruhe warmen Mantel mir
Entreißen, Freund, in den ich hier mich hülle.
Doch gönnt er gern mir diese Einsamkeit,
Denn ich verlange nichts von seinen kargen Händen,
Er aber weiß, wie leicht den letzten Deut,
Auch ohne Dank, die meinen ihm verschwenden.
Mir ist der Mensch nicht böse, sondern schwach;
Entkräftet von dem Gift' des Luxus, und verblendet
Vom Schein' der falschen Ehre. Gib ihm nach!
Statt, wider sich, das Schwert ein Cato wendet.
Ach! bring du selbst auf der Capelle Herd
Nicht alle Freund', o Gleim! Bleib' aber ich im Feuer
Beständig, und wie lautres Gold bewährt:
(Versuch' es, Freund!) so sey der Mensch dir theuer.
Sag' nicht, das Leben sey dir eine Last,
So lang zur Stütze noch sich meine Händ' ihm bieten.
[231]
So lang du hier noch deinen Göckingk hast,
Flieh in die Wildniß nicht, gleich Eremiten.
Zwar ward ich selbst schon längst ein Eremit,
Doch mitten in der Stadt; wer will mich drum verdammen?
Denn was mein Herz als Freund nicht an sich zieht,
Das hängt mit ihm durch Faden nur zusammen.
Und ob Ein solcher zarter Faden reißt?
Ob Hundert? o! das macht das Auge mir nicht nässer;
Denn ich bedarf der keines, wie du weist;
Bedürfen sie auch mein nicht? desto besser!
Hast du dich, Freund, mit dicken Seilen, (ach!
Gutherzig, doch zu rasch,) an einen Duns gebunden,
Und schleppest du, gleich einem Klotz', ihn nach:
Er wird die Fers' auf jeden Schritt verwunden.
Wer hat für Freiheit, unser höchstes Gut,
Noch je zu viel gethan, noch je zu viel geboten?
[232]
So habe denn auch Alexanders Muth:
Zerhaue du den oft verschlungnen Knoten!
Dann sieh den Erdball an, wie ein Spital
Voll siecher Narren, Freund, verpflegt von den Gesunden.
Sey Arzt darin! So hast du auf einmal,
Was diese Welt gewähren kann, gesunden.
Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[233] Gleim an Göckingk

Halberstadt, den 2. November 1781. Abends.


Du Lieber! der die Menschen lehret,
Vergnügt zu seyn in Gott, und sich!
Und den nicht Einer singen höret,
So lauschend, und so froh, als ich!
Was machst du? Singst du neue Lieder
Den Nymphen an der Zorga vor?
Hört Chloe zu? Sind Musenbrüder
Bei dir? Ist es das Musenchor?
Wüßt' ich's, o Freund, ich flöge, flöge
Noch diesen Abend spät, zu dir!
Ich faßte dich beim Arm, und zöge
[234]
Mit deinen Musen dich zu mir!
Versteht sich, wenn die neuen Lieder
Gesungen wären, morgen früh –
Und Abends, spät erst, wär' ich wieder
In meiner Closterzelle, die
Mit Kaiser Nero's goldnen Sälen 1
Ich nicht vertauschte.
Sorgen quälen
In meiner Closterzelle mich
Nur manchen Tag, wenn Herzen fehlen,
[235]
In die mein Herz, wenn's voll ist, sich
Ergießen kann.
In Nero's Sälen,
Und wär' ich Uz auch, würden sie,
Glaub' ich, mich alle Tage quälen.
Erfahrung lehrt's; ich habe nie
Ein hohes Dach, ein prächtig Haus
Von Sorgenschwärmen leer gefunden,
Die meisten oft bei einem Schmaus.
Und, Lieber, ohne Zweifel hast
Auf deinen Reisen in den Stunden
Der Muße, wenn von Hirsch und Hunden
Zurück du warest, halb geschunden,
Auch du derselben wohl gefunden
In einem fürstlichen Pallast!
Und also, weil Erfahrung lehrt,
Daß eben in die goldnen Säle
Die Freude nicht war eingekehrt,
So tausch' ich nicht!
[236]
Die kleine Kehle
Der Virtuosin Philomele
Hör' ich so gut, bei meiner Seele,
Das kleine Ding hör' ich so gut
In meinem kleinen Sanssoucis,
Als Friederich sie hören thut
In seinem großen!
Also zieh,
Mein Göckingk, weiser Biedermann!
Den alten Reiserock nur an!
Und komm gegangen, komm geritten,
Daß ich mein Herz in deines schütten,
Und dich nach Königen in Hütten,
Und meinem Bodmer fragen kann.

Fußnoten

1 Man nannte den goldnen Saal des Kaisers Nero,domus aurea, das goldne Haus. Die zirkelförmigen Bewegungen der Seitenwände dieses Saales, und die Decken desselben, ahmten die Bewegungen des Himmels nach, und stellten die Jahreszeiten vor, die bei jeder Schüsseltracht sich veränderten, und den Frühling über die Gäste mit einem Regen von Blumen und Spezereyen ausbreiteten. – Ut subinde alia facies atque alia succedat, et toties tecta, quoties fercula mutentur. Coenationes laqueatae tabulis eburneis versatilibus, ut flores ex fistulis et unguenta desuper spargerentur. Seneca. ep. 90.

Antwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[237] Antwort an Gleim

Den 17. November 1781.


Die Freude trat in Nero's goldnen Saal
Zwar nie mit einem Fuß'; sie liebt die kleinen Zimmer
Der Weisen nur; doch ach! sie wohnt auch da nicht immer:
Sie kommt und geht, wie Gott es ihr befahl.
Sie, der es sonst so wohl bei mir gefiel,
War fort, als ich zurück vom hohen Jura kehrte,
Und ach! das erste Wort, das ich am Schwelle hörte:
»Dein Sohn ist todt.« – Verstumm', o Saitenspiel! –
[238]
Fast preis' ich, Freund, dich glücklich, daß kein Sohn
Dir sterben kann, nicht Schmerz dir eine Gattin klagen,
Den du nicht lindern kannst! Denn ach! seit hundert Tagen
Seufzt, doch umsonst! nach Lindrung Chloe schon.
Auch ich bin Mensch, nicht Philosoph allein.
Wenn sich um uns das Glück und Unglück nicht bekümmert,
Kein König uns umarmt, kein Liebling hülflos wimmert:
Wie leicht ist's da, ein weiser Mann zu seyn!
Ich aber, den im Wrack' der Sand umfleußt,
Muß sehn, wie ich ans Land auf einem Brette fahre,
Eh' die Verzweiflung mich, die schon in meine Haare
Sich klammern will, herab zur Tiefe reißt.
Wohl mir, daß ich ins Meer entschlossen sprang!
Gewonnen ist der Strand! das Land indeß ist öde!
[239]
Allein genug, daß mich, im Angesicht' der Rhede,
Die Welle nicht mit sammt dem Wrack' verschlang.
Ich fall' am Ufer dankbar auf die Knie,
Daß der noch Muth mir gibt, ein Leiden zu bestehen,
Der uns durch Leiden prüft. Wer kann ihn übersehen?
Und was ist gegen ihn Philosophie?
Ach! hätt' er nicht jenseit der finstern Gruft
Des Todes, noch ein Land des längern, bessern Lebens,
So schnappte wahrlich hier itzt Chloe nicht vergebens,
Dem Fisch' am Strande gleich, nach seiner Luft.
So weint' um einen Knaben nicht mein Herz,
Der seiner Eltern Schatz und aller Menschen Freude
Schon in der Wiege war; so ständen wir itzt beide,
Mein trauter Gleim! und opferten dem Scherz'.
An den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[240] An den Tod

Nach dem Absterben seiner Gattin.


Wohl sollt' ich itzt nach dir mich heiser rufen!
Dem Traurigen bist du ein Gut!
Allein hinan des Lebens letzte Stufen!
Denn dieß will größern Muth.
Was schwerer ist, war immer meine Sache.
Wie? dennoch wollt' ich schon hinab,
Gleich einem Weib', auf meinem Thränenbache
Mich schwemmen an das Grab?
Und wollte – denn von ihrem Todesschlummer
Sind beide sicher wieder wach! –
[241]
Durch meinen bleichen, eingefallnen Kummer
Erpressen noch ihr Ach? –
Ist ihnen wohl: wer kann, als ich, sie stören?
Im Fall' sie noch mich weinen sehn!
Ha! kann mein Dulden ihre Ruhe mehren:
So soll die Trauer gehn!
Wir mußten einst, (doch schon so früh?) uns trennen!
Wär' ich vorauf gegangen: ach!
Wie hätten sie die Bürde schleppen können?
Bin ich nicht fast zu schwach?
Hier war es gut, dort, hoff' ich, ist es besser!
Sie sind vom Sehen nun zum Schaun!
Ich aber werde ruhig meine Schlösser
Hier in die Luft noch baun.
Mein Tagewerk ist noch nicht ganz geendet.
Laß mich geschwind noch ab es thun,
Um dreimal sanfter, wann ich's nun vollendet,
In ihrem Schooß' zu ruhn.
[242]
Dann führe mich, o Tod! durch dich verkläret
Zum leichtern Geist', zu ihnen hin,
Und wer mich liebt, frohlocke, daß gewähret
Ich meines Wunsches bin!
Drittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte
An Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[243] Drittes Buch

An Elisa, in Mietau

Bei Uebersendung der Lieder zweier Lieben.


Ich sah dich nie, werd' auch wohl nie dich sehen,
Als bis die Erd' uns beide nicht mehr faßt,
Als bis mein Geist, frei von des Körpers Last,
Hinauf sich schwingt zu den bestirnten Höhen,
Wo er nichts mehr befürchtet, hofft und haßt.
Ich werde wohl voran dir gehen;
Als Freundschaftspfand lass' ich dieß Büchelchen zurück,
[244]
Bis später du mir nachkommst, und, o Glück!
Wir uns zum erstenmale sehen.
Dort wird uns weder Land noch See,
Kein Strom und kein Gebirge trennen,
Dort werden, wie Amint und Galathee,
Wir unschuldsvoll uns lieben können.
Der Thränen, die wir hier geweint,
Gedenkt man dort nicht mehr, Elise!
Wie heut uns hold die Sonne scheint,
Scheint ewig sie im Paradiese.
Sey hier denn auch mein Horizont
Noch öfter in der Zukunft trübe,
Wenn aus der Ferne deine Liebe
Nur meinen dunkeln Pfad besonnt!
ErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[245] Ergebung

Bist du bestimmt zum Dulden:
Wohlan! so duld', o Herz!
Schmerz wider dein Verschulden,
Ist nur ein halber Schmerz.
Eh' noch die Sonn' entweicht,
Wird gütig sie vielleicht
Den Horizont vergulden,
Der traurig jetzt erbleicht.
Und würd' auf meinem Stiege
Auch nie es wieder licht,
Doch thät' ich wohl, ich schwiege
Und seufzt' und klagte nicht.
[246]
Wer ahnet wohl die Last,
Erdrückt sie gleich mich fast,
Worunter ich mich schmiege,
Mich schmiege sonder Rast?
O Freund! seit ich so weise
Durch dich geworden bin,
Fliegt oft zu dir noch leise
Der Wunsch, der Seufzer hin:
Hätt' ich nur seine Hand,
Zu halten festern Stand,
Wenn Kleinmuth auf dem Eise
Ab alle Sehnen spannt.
AbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[247] Abendgespräch, auf einer Reise mit angehört

I! Mann, so laß es gut doch seyn,
Und rauche keine mehr!
Ich schlafe doch nicht eher ein;
Mich schläfert aber sehr.
Ha, ha! ich merke wohl, warum?
Nicht wahr, du Närrchen, du,
Kommst wieder einmal so krumm um?
Doch laß du mich in Ruh!
I! nicht doch, Mann! da irrst du dich.
Geh mir mit dem Verdacht'.
[248]
Ich sehne bloß nach Schlafe mich.
So rauch' denn! Gute Nacht!
Leg' auf die Bank das Kissen erst,
Hernach leg' ich mich drauf,
Und ohne, Martha, daß du's hörst;
Sonst weckt' ich dich nur auf.
Was? auf die Bank? Seltsamer Mann!
Warum nicht gar aufs Dach!
Wach' ich auch auf: was liegt daran?
Ich frage nichts darnach.
Nein, nein! ich weiß schon wie das geht,
Fünf Kinder haben wir,
Und bei der neuen Steuer steht
Das Haar zu Berge mir.
Fünf Kinder! Und mein Herz hängt dran!
Muß sehn, ob ich denn doch
Sie trotz der Steuer füttern kann;
Nur, Frau, kein sechstes noch.
[249]
Mit Sorgen – darum geh zu Bett! –
Kein Mensch etwas erwirbt.
So schlaf' ich denn hier auf dem Brett',
Bis unser Herzog stirbt.
ConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[250] Constantia, eine schöne Gegend bei C–g

Constantia! du tief verstecktes Thal,
Das dunkle Büsche rund umkränzen,
Erhelle dich, und laß im Mondenstrahl'
Die weißen Felsenwände glänzen,
Denn sieh! dein alter Freund ist da,
Constantia!
Die halbe Welt durchstrich Tavernier,
Die Werke der Natur zu schauen;
Den Preis behielt zuletzt der Genfer See.
Auch ich sah ihn; doch Copet's Auen
Zog ich dich vor, als ich dich sah,
Constantia!
[251]
O wie viel lieber hört' ich deinen Bach
Sanft rieseln, als den Rheinfall toben!
Und schlugen deine Nachtigallen: ach!
Weit über Welt und Glück erhoben
Dünkt' ich Unglücklicher mich da,
Constantia!
Mag er berühmt und noch so theuer seyn
Der Berg, der deinen Namen führet 1,
Und gibt er gleich den Fürsten süßern Wein,
Als ganz Germanien gebieret:
Ich nähme, läg't zur Wahl ihr da,
Constantia!
Durch deine Büsche wird zum letztenmal
Heut Zephyr meine Seufzer wehen.
Und künftig wirst du, mein geliebtes Thal,
Von mir verlassen, einsam stehen;
Werd' ich dich wieder schauen? – Ja!
Constantia!

Fußnoten

1 Auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung.

An LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[252] An Lilla

Gestern bedeckte dein Haar ein röthlicher Puder und Salben,
Federn vom Reiher und Strauß, Blumen und Spitzen und Band.
Heute seh' ich es schwarz, gleich Fäden von seidenem Atlaß,
Sehe, nicht minder erstaunt, daß es die Hüfte dir küßt.
Gestern verhüllte das Fell von einer cyprischen Katze,
Und ein Segel von Flor, mächtig sich blähend, die Brust;
[253]
Heut errath' ich sogleich, das Auge werde so wenig
Durch den Busen getäuscht, als durch die Lippen das Herz.
Gestern berührte der Saum, – der Blumenstickerin Schöpfung –
Selbst die Sohle des Schuhs, der sich vermuthen nur ließ;
Heut überrasch' ich dich im Morgenröckchen, du Holde,
Und du tanzest sogar mit dem chinesischen Fuß'!
Gestern fanden dich schön die Kammerfräulein der Fürstin;
Schöner finden dich heut Grazien, Amor und ich.
Lied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[254] Lied, am Sprudel in Carlsbad zu singen

Chor.

Rausche leiser, edle Quelle,
Unser Lied ertönet dir,
Schweigend kamen wir zur Stelle,
Aber singend scheiden wir.
Gabst nicht du die Stimm' uns wieder,
Die zu Hause war erkrankt?
Billig denn durch laute Lieder
Dir zuerst sie freundlich dankt.
Eine Stimme.

Blasser war ich hergegangen,
Als der Mond dort über mir,
[255]
Und mit Pfirsichrothen Wangen
Spiegl' ich heute mich in dir.
Chor.

Für der Freundin rothe Wange,
Für ihr Auge klar und hell,
Dein Geschenk allein! empfange
Unsern Dank, du Wunderquell.
Eine Stimme.

Jüngst noch schlich ich matt an Krücken
Zu dem Wunderquell' hinan,
Denkt Euch, Freunde, mein Entzücken,
Daß ich heute tanzen kann.
Chor.

Quell! wir hangen hier die Krücke
Unsrer Freundin, dankend auf,
Und zu diesem Denkmal' blicke
Hoffnungsvoll der Lahm' hinauf.
[256] Eine Stimme.

Ha! des Todes kalte Hippe
War dem Nacken schon so nah,
Und ich wandelndes Gerippe
Steh' itzt wie der Vollmond da.
Chor.

Ja! selbst dieses Freundes Leben
Ist, o Quelle, dein Geschenk.
Dein, bis wir der Erd' entschweben,
Sind wir dafür eingedenk.
Eine Stimme.

Krummer hatt' ich mich geschrieben,
Als ein Raths-Notarius.
Freude war mir's, mich betrüben,
Jetzt ist meine Freud' ein Kuß.
Chor.

Keinen fröhlichen Gedanken
Bracht' ihm selbst der Wein ins Herz,
[257]
Doch aus dir, o Quelle, tranken
Seine Lippen wieder Scherz.
Eine Stimme.

Freund'! ihr hörtet sonst mich schreien,
Wenn das Seitenweh mich stach,
Laßt den Quell uns benedeien,
Der ihm seinen Dolch zerbrach.
Chor.

Ja! sey dreimal hochgepriesen,
Quelle, die du all' uns labst,
Dreimal hoch, daß du Elisen
Ihren Freunden wieder gabst.
An Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[258] An Fräulein von der Lühe

Ob ich nach deinen Küssen noch frage? – Dorette! wie fragst du?
Was ist unter dem Mond' mehr wohl der Frage noch werth,
Als ein herzlicher Kuß vom Rosenmunde der Unschuld?
Mindestens dünket er doch Dichtern das liebste der Welt.
Gold kann jeder im Schweiß' des Angesichtes erwerben,
Man kauft vieles dafür, Küsse wie deine nur nicht.
[259]
Was man mit Golde nicht kauft, das könnten freilich die Fürsten
Einem Dichter verleihn: Würden und Orden und Macht.
Aber sie könnten doch nicht Dorettens Kusse gebieten,
Daß er auf den Mund hüpf' aus dem Herzen empor,
Daß er bemerken nicht soll die silberfarbenen Haare,
Nicht die gefaltete Stirn, nicht den gebogenen Hals.
Wenn sich je der Wunsch nach diesem Kusse verlöre:
Dann so hoble du mir, Tischler! die Bretter zum Sarg'.
Todtengräber! bereite mir dann nur immer im voraus
Eine Grube, die mich, Hoffnung und Wünsche verschlingt.
Aber nehmet euch beide noch Zeit; denn wisset, im Frühling'
Kommt Dorette zu mir. Wartet so lange vorerst!
Aubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[260] Aubry's Hund 1

In König Karls, des weisen, Gnade
Wuchs Aubry von Montdidier,
Gleich einem Oelbaum' am Gestade
Der Marne, in die Höh'.
Denn er, kein Schmeichler und kein Zwitter
Von Schurk' und Biedermann,
Hing eifriger als alle Ritter
Bei Hof, der Wahrheit an.
[261]
Schnell sah der Ritter von Macaire
Im Glanz' des Throns den Liebling blühn,
Und er, der gern gewesen wäre,
Was, ohne sein Bemühn,
Jetzt Aubry war, legt' diesem Schlingen,
Fein, wie der Neid sie flicht,
Und grub ihm Gruben, doch gelingen
Wollt' alle List ihm nicht.
Von einem Jagdhund' nur begleitet,
Ging Aubry einstens in den Wald
Von Bondy. Siehe! plötzlich reitet
Sein Feind daher. »Halt! Halt!
Du Memme!« rief er. Aubry kannte
Die Stimm', und hielt's für Scherz;
Doch jener zog sein Schwert und rannte
Die Spitz' in Aubry's Herz.
Noch warm verscharrt' er Aubry's Leiche,
Bedeckte den blutrothen Ort
Mit Erde, Rasen und Gesträuche
[262]
Sorgfältig, und ritt fort.
Der Hund, fast in den letzten Zügen,
Bedeckt mit Wunden, blieb
Auf Aubry's Grabe winselnd liegen,
Bis Hunger fort ihn trieb.
Von Aubry's Sippschaft fast vergessen,
Kam Herkul mager nach Paris;
Sie gab ihm gern ihr eignes Essen,
Doch, hastig schlingend, ließ
Er halb es stehn, und rannte wieder
In Bondy's finstern Hain,
Legt' auf der Gruft des Herrn sich nieder,
Und kratzt' ein Loch hinein.
So trieb er's lange Zeit. Man spürte
Des Hundes Fährte nach, und fand
Tief im Gehölz', wohin sie führte,
Den Hund auf seinem Stand'.
Als man die Stelle voll Gesträuche
Und frisch gegraben sah,
[263]
Grub man sie auf, und Aubry's Leiche
Lag halb verweset da.
Man fuhr sie nach Paris. Die Ohren
Gesenkt, lief Herkul nebenher.
Schon alle Hoffnung war verloren,
Je zu entdecken, wer
Der Mörder sey? Da packt, voll Rache,
Einst Herkul seinen Mann
Im Kreis der Armbrustschützenwache
Des Königs, grimmig an.
Was schlagen konnte, schlug den Treuen,
Der seines Herren Mörder biß,
Doch immer faßt' er ihn von neuen,
Bis man hinweg ihn riß.
In allen Häusern, allen Gassen,
Sucht' er den Feind nun auf,
Und konnt' er ihn nach Wunsch nicht fassen,
So bellt' er drauf und drauf.
[264]
Dem Adel, der den Hund wohl kannte,
Schien das verdächtig. Bald erfuhr
Der König selbst es. Dieser brannte
Noch näher auf die Spur
Zu kommen, ließ, umringt von Rittern,
Den Mörder Aubry's stehn,
Und dennoch war, heraus ihn wittern,
In einem Hui! geschehn.
Und Herkul kündigt mit Gebelle,
So schlau sich dieser auch verbirgt,
Den Thäter an. Gleich auf der Stelle
Hätt' er ihn auch erwürgt,
Doch Karl gebot, huldvoll und weise,
Macaire zu befrein.
»Das scheint doch – murrte mancher leise –
Begünstigung zu seyn!«
Karl aber zog ihn auf die Seite.
»Gesteht mit Offenherzigkeit,
Ob Ihr – so glauben alle Leute –
[265]
Nicht Aubry's Mörder seyd?
Bedenkt! Wenn gar verloren sollte
Selbst Eure Seele gehn!« –
Allein aus Furcht vor Strafe, wollte
Macaire nichts gestehn.
»Nun wohl!« sprach König Karl, »so mache
Gott selber denn die Wahrheit kund!
Denn Aubry's Blut schreit laut um Rache
Durch seinen treuen Hund.
Drum soll ein Zweikampf zwischen beiden
Den sonderbaren Streit
Den nächsten Freitag gleich entscheiden,
Und wenn Ihr schuldig seyd!« –
Karl drohte mit den Augenbrauen
Dem Mörder noch, und hieß ihn gehn.
Die Insel unsrer lieben Frauen,
Zum Kampfplatz' ausersehn,
Ward eingefasset mit Staketen,
Dem Hof' ein Pavillon
[266]
Erbaut; der König kam; Trompeten
Erschallten vom Balkon.
Macair' erschien; in seiner rechten
Mit einem Prügel, einen Schild
In seiner linken; doch zum Fechten
Hatt' Herkul nichts, der wild
Um seinen Feind, und um die Keule,
Die hoch der Bube schwang,
Mit Zähnefletschen und Geheule
Herum im Kreise sprang.
Doch blitzschnell fuhr er zu, und packte
Den, der verhöhnend vor ihm lief,
So fest, daß jedes Glied ihm knackte,
Und daß er angstvoll rief:
»Ach! Gnad'! Ihr sollet alles wissen!
Reißt nur die Bestie fort!« –
Und als der Hund war losgerissen,
Gestand er seinen Mord.
[267]
Welch Drängen, Herkuln liebzukosen!
»Es lebe,« schrien aus Einem Mund'
Enthusiastisch die Franzosen,
»Der König und der Hund!« –
So? rief jetzt vom Balkon der König,
Wohlan! du Schlangenbrut!
Recht und Gerechtigkeit versöhn' ich
Nunmehro durch dein Blut.
Macair' erzittert' und erbleichte;
Er bat; – umsonst! – Ein Priester führt'
In einen Winkel ihn zur Beichte,
Dann ward er absolvirt.
Jetzt, als er noch sich sträuben wollte,
Packt' ihn der Henker fest, und band
Ihn an den Stuhl, und schnappend rollte
Sein Kopf hin in den Sand.

Fußnoten

1 Die folgende Geschichte trug sich unter Karl V. oder dem weisen, von Frankreich, am 8 Oct. 1371 zu. In Montfaucon's Monuments de la Monarchie Française, findet man Tom. 3. p. 6. nach einem alten Kupferstiche eine Abbildung davon.

LillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[268] Lilla

Hundert der Schönen im Saal' gehn meinen Blicken vorüber,
Lilla's schlanken Wuchs glaub' ich hier wieder zu sehn,
Lilla's dunkeles Haar, von selbst in Locken sich kräuselnd,
Fällt bei dieser und der wallend den Nacken herab;
Jene schreitet gerade so leicht, so edel als Lilla,
Aehnlich den Grazien, her, reitzend gekleidet wie sie;
Und bei dieser verspricht das sanfte Auge dem Herzen
Hülfe, das ihrer bedarf, lindernde Thränen und Trost;
[269]
Und dem Geiste verspricht's durch neckende Scherze, wie Lilla,
In das Pfänderspiel grämelnde Greise zu ziehn.
Aber ach! Schade fürwahr um diese schlanke Gestalten,
Um das lockige Haar, Schad' um den Graziengang,
Um das weiße Gewand, mit Blumenschnuren durchflochten,
Um das Auge, das viel – wenig nur haltend – verspricht!
Unter dem Hundert gleicht auch nicht eine einzige, Lilla.
Sie, an Herzlichkeit eine Germanierin,
Eine Gallierin an Witz und Feinheit im Scherzen,
Eine Brittin dem Ernst' und der Bescheidenheit nach;
Und den Glücklichen, der ihr Herz erobert, den wird sie
Feurig lieben, wie einst Donna Poretta geliebt.
Lied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[270] Lied eines Mädchens aus dem zwanzigsten Jahrhundert

An M.A.v. Thümmel's Geburtstage 1.


O Mann! der meine Seele füllt,
Warum mußt' ich mit dir zugleich nicht leben?
Warum muß nur ein todtes Schattenbild
Empor mein Herz mit eitlen Wünschen heben?
Wie glücklich war, wer ihn gekannt,
Wie neid' ich den, der seine Suada hörte,
Sein Lächeln sah, und seinen Kuß empfand! –
O daß er doch noch einmal wiederkehrte!
[271]
Ich sucht' ihn auf, wär' er entflohn,
Ich folgt' ihm nach in Frankreichs tiefsten Süden;
Er fände mich auf jeder Station. –
Ach! Einmal lebt und liebt man nur hienieden.
Der Einzige, den ich geliebt,
Dem ich mein Herz so gern hätt' hingegeben,
Der lebt nicht mehr! ist längst in Staub zerstiebt:
Und so viel schale, trockne Reimer leben!
Allein vielleicht zu meinem Glück'
Ward ein Jahrhundert später ich geboren.
Wer weiß, hätt' er, trotz seinem Kennerblick',
Aus Tausenden mein schmachtend Herz erkoren?
Nun! so verschmähet doch der Stein
Hier über des geliebten Sängers Asche
Die Veilchen nicht, die Lieb' und Dank ihm streun,
Die Thränen nicht, womit ich heut ihn wasche!

Fußnoten

1 Des Dichters Geburtstag ward bei seiner Anwesenheit in Berlin, am 12. May 1807. gefeiert, und dieß gab Veranlassung zu dem folgenden Liede.

Ueber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[272] Ueber ein Gemälde

Amor mit gelocktem Haar'
Schwebt auf Myrthen hier und Rosen,
Und er scheint sein Täubchenpaar
Voller Unschuld liebzukosen;
Doch aus seinen Pfeilen sprühet,
Von der Eifersucht geglühet,
Funk' auf Funke, hell empor.
Denkst du mehr noch als zuvor
Wärm' im Herzen zu erregen?
O du wirst es, kleiner Thor!
Ganz dadurch in Asche legen.
[273]
Einmal muß man freilich sterben,
Doch man stirbt auch leicht zu früh.
Laß die Eifersucht doch nie,
Amor! solch ein Herz verderben,
Das sich nicht für einz'gen Erben
Alles Liebenswürd'gen hält;
Das zwar Eine nur von allen
Oben an auf immer stellt,
Doch der zweiten, die ihr gleichet,
Wenn es Sympathie bestimmt,
Freundlich auch ein Veilchen reichet,
Und sich freuet, wenn sie's nimmt;
Aber selbst im schlimmsten Falle
Ihrer Rose nie begehrt,
Und der Einen über Alle,
Eben dieses gern gewährt.
Amor! Nur in solchen Herzen
Bist du sicher deiner Macht,
[274]
Selbst noch dann, wenn Hymens Kerzen
Längstens sie ans Ziel gebracht.
Andre kann in Einer Nacht
Dein bethörter Wahn verscherzen.
An Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[275] An Gleims Geburtstage

Den 2ten April 1789.


Habe Dank, o Gleim, daß du das Leben
Hast genossen als ein weiser Mann;
Daß dem jüngern Freund', der horchend neben
Dir nun sitzt, du alles das kannst geben,
Was ein froher Greis noch geben kann.
Mit der Freud' allein hast du getrunken,
Mit den Scythen und Prälaten nicht.
Diese sind schon längst ins Grab gesunken,
Doch aus deinem Auge sprühn noch Funken,
Wenn aus ihm der Nachruhm Friedrich's spricht.
Amors Pfeil ward nach der ersten Wunde
Dir zum Griffel süßer Lieder schon.
[276]
Dich zu hören, sitzen in die Runde
Noch um dich die Schönen. Solchem Munde
Weigert keine Suada's schönsten Lohn.
Freude fernen Lieben hinzutragen
Fand Aurora dich auf rauhem Pfad'
Munter oft in deinem Reisewagen,
Aber niemals hörte sie dich fragen:
Wer gibt Karten, oder: wer legt Skat?
Allen Musen stand dein Hüttchen offen,
Alle, alle zogen sie hinein.
Schelm und Dummkopf blieben nur betroffen
Auf dem Schwell'; nur Weise durften hoffen,
Hier zu Hause wie bei sich zu seyn.
Darum können wir dich noch umschweben,
Deren Faden später Clotho spann,
Und in deine Stunden Lieder weben.
Habe Dank, o Gleim! daß du das Leben
Hast genossen als ein weiser Mann.
Abschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[277] Abschiedslied an den Rhein

Ha! laßt ihr jetzt den Rossen just die Zügel?
Wo ist der Rhein? Verschwunden in das Thal?
Halt! halt! ich will zu Fuß auf jenen Hügel.
Es ist vielleicht das letztemal!
Noch einmal reck' ich hoch auf meinen Zehen
Den Hals empor, du königlicher Fluß!
Du sollst noch selbst die Abschiedsthräne sehen,
Die ich um dich vergießen muß.
Um dich, der sanfter noch auf seinem Rücken,
Und so getreu, als wie mein Roß, mich trug,
Und runde grüne Wellen, meinen Blicken
Zum Spiele nur! am Schiffe schlug.
[278]
Um dich, der seines Mosts, (entquillt der Palme
Gleich kaum ein Saft wie dieser, Männern süß,)
Und seiner Mandeln, seiner fetten Salme,
Mich ganz und gar vergessen ließ.
Denn lieblicher als deine Frücht' und Reben,
Sind meine Freunde, die an deinen Strand
Der Hebe Finger für dieß Erdenleben
Mit Traubenvollen Ranken band.
Und dich, o Rhein! soll ich nicht wiedersehen?
Und sie erst dann, wenn du vertrocknet bist,
Und jeder Stern dort in den blauen Höhen,
Ein kalter Schlackenklumpen ist?
Doch warum sollst du schöner Strom, du Erde,
Du Sternenhimmel, einstens untergehn?
O nein! des Herzens Hoffnung sagt, ich werde
Euch alle schöner wiedersehn.
Dann überfliegt dich, Rhein! auf leichten Schwingen
Der Schiffer, den dein Strudel jetzt verschlingt;
[279]
Auch wird er dann allein nach Tugend ringen,
So wie er jetzt nach Golde ringt.
Dann wird kein Fürst uns mehr in Fesseln schlagen,
Kein Vaterland und kein Geschlecht mehr seyn,
Kein Trennen und kein Zählen mehr nach Tagen;
Die ganze Schöpfung ist dann mein!
WiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[280] Wiegenlied

Ich wieg' an meiner Brust dich ein;
Nicht wahr, da ruht sich's gut?
Frag' nur den Vater, der allein
Hat sonst daran geruht.
Ein Domherrnleben führest du,
Denn trinkend schläfst du ein.
Doch trinke du nur immer zu,
Denn alles ist ja dein.
Fort, Fliege! Stehlen willst du Dieb,
Was meinem Karl gehört?
Nein! jedes Tröpfchen ist ihm lieb,
Drum laß es unversehrt.
[281]
Flieg' hin zum Vater! Trinke Wein,
Wie Wasser trinkt der Fisch,
Auch lad' ich selbst dich hiermit ein
An meinen Kaffeetisch.
Doch weckst du mir den Jungen auf,
(Jetzt eben schläft er ein!)
So mache dich gefaßt darauf:
Die Klappe wartet dein.
Auf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[282] Auf dem Stubenberge bei Gernrode

Seht nur umher die Gegend an,
Wie schön ist sie, wie schön!
O! wer das nicht empfinden kann,
Mag immer wieder gehn.
Er wäre doch für uns kein Mann,
Und würd' uns nicht verstehn.
Sey fröhlich, oder sey betrübt,
Komm spät hieher, komm früh:
Wenn sonst dein Auge Schönheit liebt,
So heb' es auf, und sieh!
Das Vorrecht, zu erfreun, vergibt
Sich diese Höhe nie.
[283]
Die reinste Freud' auf dieser Welt
Gewährt uns die Natur.
Dem Herzen, welchem sie gefällt,
Vertraun wir ohne Schwur.
Doch wer sich heuchelnd nur so stellt,
Der mache Fürsten Cour.
Kann Liebe jemals ohne Pein,
Kann Freundschaft ohne Schmerz,
Kann Reichthum ohne Sorge seyn,
Ohn' Angst ein Mutterherz?
Ach! Hefen führt der beste Wein,
Und Gift das reinste Erz.
Doch sehen wir noch tausendmal
Die Sonn' hier untergehn,
So sagen wir zum letzten Strahl':
Leb' wohl, auf Wiedersehn!
Und können ohne Reu' und Qual
Wie sie zur Ruhe gehn.
EntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[284] Entschluß

Ich lieb', und will mein Lebenlang
Der Liebe willig fröhnen.
Ich sing', und ihr soll mein Gesang
Bis an mein End' ertönen.
Das Leben wird zur langen Nacht,
Wenn nicht ein Kuß es kürzer macht,
Und heller das Lächeln der Schönen.
Ich lieb', und will mein Lebenlang
Nach einem Kuß' mich sehnen.
Ich sing', und nie soll mein Gesang
Den größern Sold beschönen.
Die Liebe hüllet sich in Nacht,
[285]
Nimmt sich das Liebchen nicht in Acht,
Den letzten der Wünsche zu krönen.
Ich lieb', und finde Lebenslang
Dich schöner als Helenen.
Ich sing', und nie wird dem Gesang'
Sich Liebchens Ohr entwöhnen.
Die edle Liebe haßt Verdacht;
Doch wenn ihr Zorn einmal erwacht,
So wird sie sich nimmer versöhnen.
Das ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[286] Das Scheiden

Muß es einmal geschieden seyn,
Und ist das Scheiden Pflicht,
So mehre deines Herzens Pein
Durch langes Zögern nicht.
O hätt' ich selber dieß bedacht,
Als Morgens schon um vier
Mein Liebchen, nach durchwachter Nacht,
Anklopft' an meine Thür.
Fünf schlug es, und mit nassem Blick'
Ließ sie mich endlich gehn,
Doch schluchzend rief sie mich zurück,
Noch Einmal mich zu sehn.
[287]
Hoch ging mein Busen, wie die See,
Mein bleicher Mund ward stumm,
Mein Aug' erlosch bei Liebchens Weh,
Und dreimal kehrt' ich um.
Warum gab ich dem Ruf' Gehör?
Warum war ich so schwach?
Der ersten Trennung folgt nunmehr
Vielleicht die letzte nach.
Scheid' ohne Abschied, wer einmal
Vom Liebchen scheiden muß.
Sonst wird ihr letztes Wort zur Qual,
Zum Dolch' ihr Abschiedskuß.
Zum Beschluß eines BallesDas ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[288] Zum Beschluß eines Balles

Sehet dort! Aurora schaut
Ueber jenes Berges Gipfel,
Und nach seines Deckbetts Zipfel
Gähnt der alte Vater laut.
Höret auf! die Mütter schelten!
Höret auf! die Tochter muß
Jeden Tanz und jeden Kuß
Zwiefach sonst noch heut entgelten.
Hüllet euch, ihr Mädchen, ein,
Horchet nun im bunten Kreise
Auf der Tassen Klang, und leise
[289]
Stimmt in unsre Lieder ein;
Daß des Busens hohe Wellen
Nicht des Nebels feuchtem Duft'
Und der kühlen Morgenluft
Und dem Arzt' entgegen schwellen.
Aus der letzten Schaale Punsch
Laßt das Glas mit Dank uns füllen.
Dank den Vätern, denn sie stillen
Gern der jüngern Herzen Wunsch.
Lebt denn hoch, ihr guten Väter!
Reibt euch, zweifelnd, nicht den Bart,
Denn an eurer Nachsicht ward
Keiner von uns zum Verräther.
Auch den Müttern unsern Dank
Aus der bald geleerten Schaale,
Daß aus ihres Auges Strahle
Nicht den Töchtern drohet Zank.
Lebt denn hoch, ihr guten Mütter!
Aber laßt das Um-sich-schaun.
[290]
Selbst an eurem Unvertraun
Wird kein edler Mann zum Ritter.
Füllet nun zum letztenmal
Eure Gläser bis zum Rande.
Leb' und schlafe wohl, Amande!
Und gedenk' an diesen Saal.
Gute Nacht, ihr Schönen alle!
Gleich sey eure Phantasie
Unsrer Tänze Melodie,
Und an Freude diesem Balle.
Beim Antritt einer ReiseZum Beschluß eines BallesDas ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[291] Beim Antritt einer Reise

Wohlan! Wir sind zur Stadt hinaus,
Erschallt nun, ihr Gesänge!
Mit Rechte war uns unser Haus
Zu dunkel und zu enge;
Hier lockt uns die Schalmey heraus,
Und Vögelein die Menge.
Fort, Schwager! über Stock und Stein
Mit unserm leichten Wagen!
Mehr als Ap'thekerspezereyn
Wird uns das Ding behagen;
Erschüttern wird es Mark und Bein,
Und stärken unsern Magen.
[292]
Brav, Schwager! Nein! ich lobe mir
Das Reisen auf dem Lande!
Was fragen nach den Winden wir
Und der Planeten Stande?
Wer fürchtet sich vor Klippen hier,
Und vor des Meeres Strande?
Halt, Schwager! halt! Hervor mit dir,
Du guter Flaschenkeller!
Du duftest, Wein! im Freien hier
So lieblich, blinkst auch heller;
Allein hinab, hinab mit dir,
Denn du verriechst auch schneller.
Nun aber, Schwager! blase du
Was Lung' und Horn vermögen!
Und nun, ihr Rappen, laufet zu,
Als wenn davon wir flögen!
O seht! wie kommen uns im Nu
Die Weidenbäum' entgegen!
[293]
Lauft nur, ihr Weiden, lauft nur hin,
Woher wir eben kommen,
Es wird, so wahr ich fröhlich bin,
Im Städtlein euch nicht frommen,
Denn Luft und Sonne wird darin
Den Menschen fast benommen.
Mag an des Städtleins Einerlei
Ein Faulthier sich gewöhnen.
Auf jedem Schritte aber neu
Sind hier der Landschaft Scenen.
Was kommt der Lust zu reisen bei?
Laßt uns ihr ewig fröhnen.
Jugend-ErinnerungenBeim Antritt einer ReiseZum Beschluß eines BallesDas ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[294] Jugend-Erinnerungen

O du Garten, wo, als Knaben,
Mir zu hoch kein Apfel hing,
Du verschwiegner Mühlengraben,
Wo den ersten Schmerl ich fing,
Und du Busch, durch dessen Aeste
Mir ein Hänfling einst entflog,
Und fünf Junge mir im Neste
Ueberließ, die ich erzog:
Eurer werd' ich dann noch denken,
Wenn der Operntänzer Kunst
Mit der Scaramuze Schwänken
Längst bei mir verflog wie Dunst.
[295]
Eurer werd' ich nicht vergessen,
Wenn ich gleich des Witzlings Spaß,
Und der Prunksucht Abendessen
Schon am Morgen drauf vergaß.
Nachbarin im Flügelkleide,
Meines Herzens erste Braut,
Meiner Kindheit liebste Freude!
Hörst du jetzt noch meinen Laut?
Denkst du noch im Himmel meiner?
Oder weist du nichts von mir?
Lieb' ist dort ja selbst nicht reiner,
Als die meinige zu dir.
Jährlich wird der Hügel kleiner,
Den dein Sarg so lange trug,
Aber das Gedächtniß deiner,
Mindert nicht der Jahre Flug.
Lieben werd' ich, bis mein Endchen
Lebenslicht ist abgebrannt,
[296]
Dich wie sonst, als noch dein Händchen
Unschuldsvoll mir Kränze band.
Ach! aus keinem Festpokale
Sog ich solchen Rausch noch ein,
Als aus dir, geliebte Saale!
Auf dem Felsen Gieb'chenstein.
Tragt, wenn's seyn kann, aus dem Thale
Sterbend mich auf jene Höhn,
Daß ich da zum letztenmale
Seh' die Sonne niedergehn.
Von der Newa bis zum Rheine,
Von der Weichsel bis zur Aar,
Sah ich jede Flur, doch keine,
Die mir lieb wie jene war.
Wie ich nun allein so walle
In des Lebens Abendroth!
Saale! Wie zerstreut sind alle
Unsre Freunde, oder todt!
[297]
Meinen Schlaf hat nur zwei Lenze,
Emma 1! dein Geräusch erquickt,
Aber tausend Veilchenkränze
Mir die Freud' an dir gepflückt.
O du trauter Vollmond! glänze
So noch jetzt auf meinen Pfad!
Meine Tage waren Tänze,
Meine Nächt' ein kühlend Bad.
Dort versucht' auf kleiner Leyer
Meine Hand den ersten Griff.
Doch, so segelt ohne Steuer
Ein sich selbst gelaßnes Schiff.
Dennoch hüpfte damals freier
In den Adern mir das Blut,
Als wie jetzt, wo unterm Schleier
Nicht wie sonst mein Name ruht.
Was gibt mehr als edle Liebe?
Und was diese geben kann,
[298]
Gab sie alles mir. Ich bliebe
Noch ein hochbeglückter Mann,
Hätte sie die Hälfte dessen,
(Zu partheiisch zwar vielleicht!)
Was sie mir hat zugemessen,
Nur zu meinem Theil' gereicht.
Tückisch stachen zwar die Schlangen
Um des Neides Haupt, auch mich;
Doch Vergangnes sey vergangen!
Dann so schmerzt nicht mehr ihr Stich.
Uebrig bleiben nur die Zähren,
Die der Tod mir ausgepreßt,
Aber diese selbst gewähren
Mir ein stilles Herzensfest.
Nimm denn, Glück! mir jede Gabe!
Dennoch bleibt mir noch genung,
Wenn ich dich nur immer habe,
Süße Rückerinnerung!
[299]
Bleibst nur du bis an das Ende
Meines Lebens mir getreu:
O so sterb' ich reich, und fände
Mich der Tod auf einer Streu.

Fußnoten

1 Die Holtemme, ein Fluß bei Halberstadt.

An Herrn B.Jugend-ErinnerungenBeim Antritt einer ReiseZum Beschluß eines BallesDas ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[300] An Herrn B., als er sich vermählen wollte

Glücklich, wer von Hymens Bande
Nicht zu süße Hoffnung hegt,
Und mit prüfendem Verstande,
Unbefangen auf die Wage,
So Verdruß als Freude, legt.
Glücklich, die von ihrem Gatten
Ewges Lächeln nicht verlangt,
Und mitleidend wird verstatten,
Daß bei drückenden Geschäften
Dann und wann das Herz ihm bangt.
[301]
Wenn bei beiden Herzensgüte
Sanft mit Duldung sich durchflicht,
Kann zwar ihres Frühlings Blüthe
Wohl ein kleiner Reif befallen,
Doch erfrieren kann sie nicht.
An seine FreundeAn Herrn B.Jugend-ErinnerungenBeim Antritt einer ReiseZum Beschluß eines BallesDas ScheidenEntschlußAuf dem Stubenberge bei GernrodeWiegenliedAbschiedslied an den RheinAn Gleims GeburtstageUeber ein GemäldeLied eines MädchensLillaAubry's HundAn Fräulein von der LüheLied, am Sprudel in Carlsbad zu singenAn LillaConstantiaAbendgesprächErgebungAn Elisa, in MietauDrittes BuchAn den TodAntwort an Gleim [1]Gleim an Göckingk [1]Antwort an GleimGleim an GöckingkAn Herrn GrambergAn den Herrn DomcapitularAn meine TobaksdoseAn den Genfer SeeAn Herrn HelmuthAn Mamsell M.P.J. AndréReisebeschreibung, für meinen FritzDer EmpfindsameAn Herrn Hofrath von KöpckenDie Abend-DämmerungAn Herrn Frhrn. von LauerAn Herrn K-rDie KelleHerbstliedAn MariaAn HoltzhauerAn die NaturAn meinen HundGolddurstAn Herrn Koch, in WismarDie BardenAls Wilhelmine vermählt wurdeZweites BuchAntwort auf die Forderung eines WeltbürgersAuf der StelleDie NachahmerAn Herrn K-rDas WunderhemdeAn das GlückErkannte WohlthatWill auch 'n Genie werdenMein höchster WunschAn einen Familien-PokalBrunnenliedAn den HarzAm dreißigsten GeburtstageAn den Herrn von S. in B.An meinen HundAn meine AugenAn die Frau Vicekanzlerin RinckVerschiedenheitAn das Rosenmädchen zu LichstedtJunker FranzKlaglied eines SchiffbrüchigenAn Bürger, in AppenrodeWiegenliedDie Parforce-JagdDie NußAuroraAn Herrn Schmidt, in HalderstadtAnakreons ErbschaftErstes BuchGedichteGoeckingk, Leopold Friedrich Günther vonLyrische Gedichte

[302] An seine Freunde

Hört ihr einst, ich sey gestorben,
O! dann spielet auf Theorben
Keine Trauermelodie.
Ich, der euch im Leben nie
Eure Freude hat verdorben:
Ich verdürb' im Sterben sie?
Nein! Ihr sollt um mich nicht klagen!
Freuen mögt ihr euch, und sagen:
»Wohl! Geborgen ist auch der!
Und wer gab die Hand wie er
Dem Befreier ohne Zagen?
Darum klatschet hinterher!«
[303]
Dann so holt aus meinem Keller
Die paar Flaschen Muskateller,
Aufgespart für euch, heraus,
Trinkt, als wär' ich noch zu Haus,
Sie auf meinem Lieblingssöller
Mit einander fröhlich aus.
Und erinnert euch der Zeiten,
Wo beim Klange süßer Saiten
Meine Laun', im Vogelflug',
Mich von Scherz zu Scherze trug.
Stunden, die mich nicht gereuten,
Als der Tod nun sprach: Genug!
Laßt von mir die Leute sprechen,
Was sie wollen; von Verbrechen
War mein ganzes Leben rein,
Und so darf man Mensch nur seyn,
Um auch mir so manche Schwächen
Nach dem Tode zu verzeihn.
[304]
Meine Lieder tadeln hören,
Soll nicht eure Ruhe stören.
Nie verschwand noch ein Gesang,
Den ein reiner Geist durchdrang.
Nichts, wenn meine den entbehren,
Rettet sie vom Untergang'.
[305]