Das erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[161] Die Sieben /
In dem Tod Christi geschehene / Zeichen oder Wunder-Worte

Das erste:
die Sonn-Finsterniß

Weil die Seel-und Engel-Sonne / aller Himmel Klarheit Liecht /
der selb-selbste Gottheit-Glanz / sich mit einer Wolk bedecket:
ist es billich / daß sich auch mein betrübter Schein verstecket.
Wer wolt / wann Gott selber leidet / sich doch hoch betrüben nicht?
der ist unwehrt meiner Strahlen / der Ihn unbetrübt ansicht.
Eine neue Gnaden-Sonn diese Dunkelangst / erwecket;
vor derselben Hitz und Blitz meine Brunst und Gunst nicht klecket.
keine nebelluft noch Wolke ihr beglänzen unterbricht.
Ach ich kan ja einmal nicht meine Vrquell sterben sehen /
daß der Edle Mund verseuffzet / der da sprach mein werden aus.
ich wähl / vor des Liechtes-Liechts / eh mein eignes / untergehen.
Ach ihr blinde Menschen / sehet eurer Sünden Greuel-Grauß /
daß ihr' Höllen-Laster-Schwärz' auch den Gottdurchklärten dunkelt.
Aus der äussern eußrers Noht / eur' Erlösungs-Sonne funkelt.
Das andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[162] Das andre:
Des Vorhangs im Tempel Zerreissung

Was soll ich weiter lang das Heiligste verhüllen?
hängt es doch ganz entblöst vor aller Welt allhier.
Daß allerheiligst' Herz brennt todte von Begier /
recht zuentdecken sich / zu zeigen Gottes Willen.
Das Gott-vereinigt Blut / läst eher sich nit stillen /
bis es ganz ausgeschütt und halb verwässert schier.
Ach diesen weichet erst des Gnaden-Stuhles Zier.
Seht / hier den Sinn-entwurff / und dort das Werk-erfüllen!
die Göttliche Geheim / mit Dunkelheit verhängt
in manchem lebens-Bild der Vätter und Propheten /
in wahre Klarheits-Sonn' ist aus dem Schatten tretten.
Ihr' Vnverberglichkeit hat mich nun auch zersprängt /
reist alle Vorhäng weg der Falschheit / zeigt im Herzen
daß Heiligst Christi Blut / und wahrer Reue Schmerzen.
Das dritte: Das Erd-bebenDas andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[163] Das dritte:
Das Erd-beben

Ey was! nit beben nur / ich solte ganz zerspringen;
den Mittel-punct mein Herz mitleidigst schütten aus.
Erschütt-und Zittern soll ich vor den starken Braus
der Seuffzer Winde / die sich aus den Hölen schwingen.
Der Stürme Schwerd mir soll durch Herz und Nieren dringen.
Die Berg verbergen auch der Wunder-Schmerzen Strauß /
und in die innerst Klufft das höchste Adler-Hauß:
dieweil der Tod jetzt kam / das Leben umzubringen.
Das Wort / durch daß ich ward / der Athem / der mich schuff /
mein Seel' und Quelle / stirbt: und ich solt nicht erschrecken /
und zeigen Schmerz und Leid? durch Beben / ich ausruff /
daß Gott liebt / leidt und stirbt / auf mir / in allen Ecken.
Mensch / der du auch bist Erd' / erbeb auch und erschrick!
denk / was das Leben tödt / sind deine Sünden-Tück.
Das vierdte: Die Felsen ZerreissungDas dritte: Das Erd-bebenDas andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[164] Das vierdte:
Die Felsen Zerreissung

Ja / wann wir Demant selbst / wir müsten krach- und brechen.
Mit nie-gefühlter Angst ein Schrecken-Knall-Strahl dringt
durch mich / daß ganz entzwey mein harter Harnisch springt.
Mein Schall / will Christi Tod in alle Welt aussprechen:
daß Er / der rechte Felß / in den die Römer stechen /
den Himmel-Hönig Safft / Wund-Wunder Wasser / bringt /
und Felsen-stark für Euch mit Tod und Teuffel ringt /
die auf das grimmigst sich an seiner Vnschuld rächen.
Was müst ihr Menschen doch vor harte Herzen haben?
hat euch gezeugt ein Schlang / ein Tyger euch gesäugt?
wir wurden zur erbarmd / ob diesem Fall / geneigt:
die Schrick find Ewiglich die Herzenleid-Buchstaben /
gemacht in Angst und Eyl. Ach lernet doch von mir
das Herz-zersprengen auch / vor Reu / Lieb / Leid / und Gier!
Das fünffte: Die Gräber-EröffnungDas vierdte: Die Felsen ZerreissungDas dritte: Das Erd-bebenDas andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[165] Das fünffte:
Die Gräber-Eröffnung

Wir müssen offen seyn / dieweil uns aufgeschlossen
des Welt-Erlösers Tod / der unser Schlüssel ist.
Die Auferstehung sich im Grab zum Sieg-Pracht rüst /
macht Sterbend selbst dem Tod den grösten Spott und Bossen.
Der Pfeil / mit dem er ihn traff / hat ihn selbst erschossen.
Der Tod as sich zu todt am Leben / ach der List!
gar willig geben wir auch her in kurzer Frist
daß uns-vertraute Pfand / die seines Siegs genossen.
Auf! auf! ihr schlaffenden / auf! helffet Triumphiren
dem Lebens-Fürsten bald! wir machen uns schon auf.
Folgt dem Erz-Sieges-Held / wie vor im Leidens-Lauf /
jetzt in die Herrlichkeit / den Sieges-Pracht zu zieren.
Am All-erstehungs-Tag / wird unser aller Mund
euch geben all' hervor / wie auch des Meeres Schlund.
Das sechste: Der umstehenden BekehrungDas fünffte: Die Gräber-EröffnungDas vierdte: Die Felsen ZerreissungDas dritte: Das Erd-bebenDas andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[166] Das sechste:
Der umstehenden Bekehrung

Es ist / es ist vollbracht: die Frucht ereugt sich schon.
Der Herzen-Diamant ist durch sein Blut erweichet.
Der Heilig Geist-Magnet die eisnen Sinnen streichet.
Es ritzet neue Reu die Stachel-Dornen-Kron.
Man sicht ihn hier am Creutz / und glaubt Ihm dort im Thron
der hohen Göttlichkeit / daß er dem Vatter gleichet /
Er sey der Ewig Gott / da Er doch todts verbleichet /
siht einem Würmlein gleich; man nennt ihn Gottes Sohn.
O seltner Wunder-Glaub / den Fluch vor Segen schätzen /
zum selbst-verlassenen die Zuflucht nehmen noch /
sein Leben auf den Tod / Trost auf Trostlose / setzen /
und hoffen Hülff' von dem / der unter seinem Joch
schier selbst verschmachtet ist. So hat es Gott gefallen:
das alles Er erlitt' / und uns erlöst von allen.
Das siebende: Die Seiten EröffnungDas sechste: Der umstehenden BekehrungDas fünffte: Die Gräber-EröffnungDas vierdte: Die Felsen ZerreissungDas dritte: Das Erd-bebenDas andre: Des Vorhangs im Tempel ZerreissungDas erste: die Sonn-FinsternißDer Sonneten - Andres HundertKunst-Klang in dritthalb-huntere Sonneten oder KlinggedichtenGeistliche Sonnette, Lieder und GedichteGedichteGreiffenberg, Catharina Regina vonDie Sieben - Zeichen oder Wunder-Worte

[167] Das siebende:
Die Seiten Eröffnung

Mein Heiland! wird dann gar dein Heiligs Herz verwund?
Ach ja? es wird der Welt und mir zum Lebens-Brunnen:
so lieb-erfüllt und mild ist Blut heraus gerunnen.
Ach wär / zufangen auf / doch meinem Mund vergunnt!
im Tod auch seine Lieb' herfloß und nit verschwund;
das letzte Kalt hat ihr die Hitz nit abgewunnen:
sie ist der Sterblichkeit / in seinem Tod / entrunnen.
Ach daß ich in seim Herz mich ganz verbergen kund!
mein Herz! leg dich hinein / und leb' in deinem Leben!
ist es schon Tod itzund: es stirbet / nur zu geben
die recht' Vnsterblichkeit. Ach füll die Wunden an
mit Lieb / Lob / Preiß und Dank / und stätem Ehrerzeigen:
mit tausend-Treu und Dienst / so viel ein Mensch nur kan.
Wollst glaubend hin den Mund / sie stäts zu küssen / neigen.
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