[171] XVII.
Das Diebsgeschlechte.

Ein Mitglied von der finstern Bande,
Die grober Pöbel Diebe nennt,
Erzählte seiner Braut von seinem hohen Stande,
Denn, sprach er, es ist Zeit, daß ihr die Freundschaft kennt.
Mein Vater, hub er an, ein Engel im Vergiften,
Schwang sich durch seine Kunst aufs Rad,
Mein theurer Großpapa, der lauter Wunder that,
Herrscht, seit ich jung ward, in den Lüften,
Und meiner Mutter Ruhm ist aller Welt bekannt;
Man hat an ihrem Todestage
Auf zwanzig Klaftern Holz verbrannt.
Erlaubt mir, sprach die Braut, daß ich euch gleichfals sage,
Wer meine lieben Aeltern sind:
Ich bin nur eines Kaufmanns Kind,
Er reichte freylich nicht an eures Hauses Helden;
Zwar hat er, ohne Ruhm zu melden,
Auf zwölf Familien zu Bettelvolk gemacht,
Und noch den Ruhm ins Grab gebracht,
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Daß er ein halbes Land betrogen:
Sein Vater war ein Advokat,
Die Pest und Geißel seiner Stadt,
Der ganze Dörfer ausgesogen;
Und seine Frau hielt wirthlich Haus,
Und lieh' auf Zins und Pfänder aus,
Und ließ vom Thaler sich, in ihrem ganzen Leben,
Die Woche nur neun Pfennig geben:
Doch dieses muß ich euch gestehn,
Daß diese Leute nicht an jene Väter reichen,
Die eures Stammbaums Glanz erhöhn,
Nein! an Geburt muß ich euch weichen!
Vergebt mir, sprach der Bräutigam,
Was fehlet eurer Aeltern Stamm?
Ihr müsset das Verdienst nicht mit dem Lohn vermengen,
Sie waren Alle werth, zu hängen.

Lichtwer.

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