Christ ist erstanden!
Reiseerzählung von Dr. Karl May

1. La Pasionaria

1.

La Pasionaria
(Die Passionsblume)

Wir schwammen, fünf Personen in einem kleinen sechssitzigen Boote, auf dem Rio Madeira, dem größten Nebenflusse des Amazonenstromes. Vorn am schmalen Buge saß Sennor Perdido; dann kamen die drei Ruderer Agustin, Manuel und Mateo, und ich lenkte hinten das Steuer. Man darf sich durch die Namen nicht verleiten lassen, die drei Leute, welche die Ruder führten, für Weiße zu halten. Sie waren echte Toba-Indianer, welche vor einigen Monaten bei der heiligen Taufe diese christlichen Namen erhalten hatten. Obgleich Agustin und Manuel älter waren als ich, waren die Drei doch meine geistlichen Kinder, denn ich hatte sie in den Lehren des Christentums unterrichtet und dann Pate bei ihnen gestanden.

Die beiden Genannten waren ernste, wortkarge, doch höchst zuverlässige Personen, während der vielleicht zwanzigjährige Mateo ein heiteres, mitteilsames Naturell besaß und ganz besonders gern von seiner Treue und Zuneigung zu mir sprach. Nur ihre große Anhänglichkeit hatte sie vermocht, mit mir so weit von ihrer Heimat bis fast hinab zum Marañon zu gehen und während der langen Bootsfahrt nicht geringe Fährlichkeiten zu bestehen. In Cratto hatten wir Halt gemacht und uns ausgeruht, um da wieder umzukehren. Hier war Sennor Perdido zu mir gekommen und hatte mich gebeten, ihn mitzunehmen, da er hinauf nach den Anden wolle.

Ich muß gestehen, daß er keinen freundlichen Eindruck auf mich gemacht hatte. Der Name Perdido heißt auf deutsch »der Verlorene«, und dazu stimmte sein Wesen und sein Verhalten. Er war ein kräftiger, junger Mann und machte sich als Ruderer nützlich; er wußte sehr gut mit dem Gewehre umzugehen, kannte die Tücken des tropischen Urwaldes genau und ging, so oft wir an das Ufer legten, auf die Jagd, um reiche Beute mitzubringen; er war des Tupi vollständig mächtig, jenes Zweiges der weitverbreiteten Guaranisprache, welcher unter der Bezeichnung Lingoa general de Brasil den meisten Stämmen des Innern als Mittel zur Verständigung dient. Und trotz dieser guten und für mich nützlichen Eigenschaften gefiel er mir doch nicht. Er war finster und unfreundlich, in sich verloren, vielleicht mit sich selbst zerfallen, und besaß, was mich am meisten abstieß, weniger Glauben als ein Heide; das hatte ich trotz seiner Schweigsamkeit bald weg. Ich unterhielt mich mit meinen Toba-Indianern oft und gern über Religion; dann lag auf seinem sonnverbrannten Gesichte stets der Ausdruck eines Spottes, eines Hohnes, der sich meist in dem Ausrufe Luft machte:

»Chito – schweigen Sie! Es giebt keinen Gott; warum reden Sie davon!«

Ich gab ihm natürlich hierauf die erforderliche ernste Antwort; er aber wendete sich von mir ab und ließ sie an sich vorübergehen, ohne daß sie die von mir beabsichtigte Wirkung hervorbrachte.

Er war mir auch in Beziehung auf seinen Stand ein Rätsel. Ich hatte aus verschiedenen seiner Aeußerungen bemerkt, daß er mehr Bildung besaß als diejenigen Weißen, welche sich zu irgend einem Zwecke bei den Indianern des Urwaldes herumtreiben. Auch seine Kleidung paßte ganz und gar nicht in die Gegend, in welcher wir uns befanden. Er trug Reithosen von Jaguarfell und an den mit Alpargatas leichtbeschuhten Füßen pfundschwere, großräderige Sporen, welche hier im Urwalde nicht nur überflüssig sondern sogar hinderlich waren. Diese Hose und die blaue, dünnstoffene Jacke wurde von einer Hüftschnur zusammengehalten, an welcher ein langes Messer in lederner Scheide hing. Außerdem hatte er einen festen, breiten Ledergurt, in welchem zwei Pistolen steckten und der zwei lederne Leibtaschen trug, in denen man das Geld und andere Wertsachen zu verwahren pflegt. Auf seinem Kopfe saß ein schwerer, sehr breitrandiger, aus feinem Schilfstroh geflochtener Hut. Neben dem Messer und den Pistolen war er mit einem kurzläufigen Gewehre bewaffnet. Das war nicht das Habit eines Waldmenschen; viel eher hätte ich ihn für einen Comercianten, das heißt für einen jener Händler halten mögen, welche auf den zwischen den Cordilleren und der heißen Zone liegenden einsamen Dörfern und Höfen herumziehen. Dafür sprachen auch die zwei schweren Pakete, welche er beim Einsteigen sich in unser Boot hatte bringen lassen. Vielleicht hätte er mir Auskunft gegeben, aber da er mir nicht freiwillig mit einer offenen Mitteilung entgegengekommen war, so hatte ich es nicht für angezeigt gehalten, ihn nach seinem Stand und seinen Verhältnissen zu fragen.

Es war ein wunderbarer Urwaldsmorgen, ganz, ganz anders, als ich im Westen der Vereinigten Staaten erlebt hatte. Der Urwald der Tropen ist ja unendlich verschieden von dem des Nordens. Der jungfräuliche Wald der Felsengebirge ist ernst, hehr und still. Er gleicht einem Dome. Wer ihn betritt, fühlt sich ergriffen, so daß er es kaum wagen möchte, das tiefe Schweigen durch ein laut gesprochenes Wort zu unterbrechen, zu entweihen. Im Urwalde des Südens aber ist alles eine einzige große Pracht der Farben und Formen. Da giebt es Leben und Bewegung selbst in der dunkelsten Nacht, und Ruhe tritt eigentlich nur zur Mittagszeit ein, wenn die im Zenithe stehende Sonne so glühend niederstrahlt, daß alles tierische Leben ermattet und sich in den tiefsten Schatten des Waldes zurückzieht.

Die beiden Ufer des Flusses zeigten eine üppige, undurchdringliche Palmenvegetation, über welche sich die hohen Turu- und Cucuritkronen erheben. Dann treten stellenweise die Palmen zurück, und dichtes Laubgebüsch, mit Tausenden der verschiedenfarbigsten Blüten überladen, gewann die Oberhand. Das schillerte, flimmerte, brillierte in allen möglichen Farben und Farbenmischungen und schwängerte die Morgenluft mit einem Dufte, wie so schwer und zugleich süß ihn eben nur die Tropen hervorzubringen vermögen. Dann wieder waren die Ufer bedeckt mit Bombaceen, welche ihr Laub verloren hatten. An Stelle dessen waren Millionen herrlicher Blüten aus den kahlen Aesten hervorgebrochen, aus denen sich lange, rotglänzende Samenkapseln entwickeln. Zwischen diesen Blüten hingen Hunderte der Japera-Beutelnester. Goldene Schreivögel schossen durch die Lüfte. Kolibris zuckten wie funkelnde Edelsteine hin und her. Zuweilen ertönte der entsetzliche Schrei eines einzelnen Brüllaffen, in welchen dann die ganze Satanasschar einstimmte. Auf den höchsten Zweigen der Bäume schaukelten sich Uistitis, niedliche Aeffchen von Eichhörnchengröße. Eine große Menge von Wat- und Schwimmvögeln belebte den Strom, und auf den Sandbänken sonnten sich die Krokodile. Zuweilen begegnete uns eine Schildkröte, welche uns im Vorüberschwimmen dumm-dreist anstierte. Und die Tiefe wimmelte förmlich von Fischen, welche luftschnappend in die Höhe kamen.

Die Wasservögel begrüßten unser Boot mit einem Höllengeschrei; noch größer aber war der Lärm, welcher von Zeit zu Zeit aus dem Walde drang. Das wurde aber anders. Je näher der Mittag kam, desto stiller wurde es, und als die Sonne den Scheitelpunkt beinahe erreicht hatte, herrschte tiefste Ruhe ringsumher.

Auch wir konnten die Glut nicht länger ertragen und strebten dem Ufer zu, als wir eine Stelle bemerkten, wo das Gebüsch nicht sehr dicht war und wir also landen konnten. Wir banden das Boot an und wateten durch den tiefen Schlamm, bis wir festen Boden unter uns hatten. Dann aber war die Vegetation so undurchdringlich, daß wir uns mit den Messern Platz verschaffen mußten.

War das eine Pflanzenpracht und Pflanzenherrlichkeit! Wir befanden uns unter Timichopalmen, deren Wedel in blaßrosener Färbung prangten. Hoch darüber breitete der Riese des Urwaldes, ein kolossaler Ceiba, sein schirmartiges Laubdach aus. Baumartige Farren, wunderbar gefiedert, strebten vergeblich zu ihm empor. Und hoch oben in den Wipfeln des Ceiba kletterten Lianen, bald wie Schnüre herabhängend oder wie Seile von einem Aste zum andern gespannt, auf denen Affen, die Seiltänzer des Waldes, ihre Künste ausübten, ohne sich durch uns stören zu lassen.

Hie und da stiegen die Lianen wie Stangen senkrecht oder wie Seile um einander gedreht in den seltsamsten Verschlingungen zur Erde herab, und an ihnen rankte sich ein Dickicht von Passifloren bis zur Krone des Ceiba empor, mit Millionen und Abermillionen von roten, blauen und violetten Passionsblumen besetzt.

Ich war ganz Staunen über diese geradezu unbeschreibliche Herrlichkeit. So eine unendliche Fülle von Blüten wollte mir fast unbegreiflich erscheinen. Das war ja ein förmliches Blumenfeuer, eine Blütenflamme, welche bis zum Himmel zu reichen schien! Ich winziger Erdenwurm stand vor und unter ihr wie Moses, als die Stimme des Herrn aus dem brennenden Busche ertönte:

»Moses, zieh' Deine Schuhe aus, denn der Ort, auf welchem Du stehst, ist ein heiliges Land.«

Es war nicht das Gigantische dieses Passiflorendickichts, nicht die wunderbare Farbenpracht allein, welche diese Wirkung auf mich hervorbrachte, sondern auch der Umstand, daß wir uns jetzt in der Passionszeit befanden. Die Passiflorenblüte schließt ja die Insignien des Leidens unseres Herrn und Heilandes ein.

Der Schlaf war infolge der großen Hitze ein fast unabweisbares Bedürfnis für uns, aber beim Anblicke dieses blühenden Wunderwerkes der Allmacht Gottes war es mir unmöglich, die Augen zu schließen. Die Gefährten warfen sich hin, hüllten Gesicht und Hände gegen die Mosquitos ein und waren bald in tiefen Schlaf gefallen. Ich saß still da, ohne auf die Stechfliegen zu achten, und dachte an das ferne Zion, die Burg des Heiles, an Gethsemane, an die Kreuzesstätte, an das Felsengrab und an den Osterjubelruf: »Er ist wahrhaftig auferstanden und nicht mehr hier!«

Da hatte sich ein Krokodil an das Ufer gemacht und schob sich in der Lücke, welche wir durch das Gebüsch gehauen hatten, auf uns zu. Als es uns erblickte, hielt es an. Es schien, als ob es überlege, ob es fliehen oder angreifen solle. Wahrscheinlich entschloß es sich für das letztere, denn es setzte nach einer kurzen Pause seinen Weg fort. Ich griff nach der Bärenbüchse und gab ihm eine Kugel in das Auge. Es brüllte, warf sich herüber und hinüber, wälzte sich, bis es auf den Rücken zu liegen kam und war dann tot. Es war ein schwarzer Kaiman von dreizehn Fuß Länge.

Der Schuß hatte meine Gefährten natürlich aufgeweckt. Es fiel ihnen nicht ein, über die tote Bestie zu erschrecken, denn am Lande sind diese Tiere nicht gefährlich; aber von einem Wiedereinschlafen war doch nun keine Rede mehr. Perdido stand auf und entfernte sich, indem er mit Hilfe seines Messers in das Dickicht eindrang. Er pflegte unser Lager oft ohne einen sichtbaren Grund zu verlassen; man hörte ihn dann in der Ferne laut mit sich sprechen, und wenn er zurückkehrte, war er innerlich erregt, äußerlich aber stiller und finsterer als vorher.


»Pah!« antwortete ich, indem ich den Revolver zog. »Ehe Sie den Arm erhoben, haben Sie zwei, drei Kugeln von mir! ...«

Als er fort war, führte ich die Gedanken, welche mich vorher bewegt hatten im Gespräche mit den Tobas weiter und brach schließlich einige Passionsblumen ab, um ihnen die Bedeutung der einzelnen Teile zu erklären. Dabei bemerkte ich Perdido. Er war zurückgekehrt und steckte nahe bei uns im Gesträuch, um mir heimlich zuzuhören. Der Ausdruck seiner Augen war dabei ein ganz sonderbarer. Es lag zwar die gewöhnliche Verachtung darin, aber auch etwas, was ich beinahe Sehnsucht oder geistlichen Hunger hätte nennen mögen. Als er gewahrte, daß ich ihn gesehen hatte, kam er herbei, riß eine der Blüten ab und fragte:

»Also diese Blume soll ein Sinnbild des Leidens Ihres sogenannten Heilandes sein, Sennor?«

»Ja,« antwortete ich ruhig, »doch nicht des sogenannten, sondern des wirklichen!«

»Die Ranken sollen die Geißeln, die lappigen Blätter die Lanze, der Fadenkranz die Dornenkrone, die fünf Staubbeutel die Wundenmale, der Fruchtknoten den Kelch und die drei Griffel die Nägel des Kreuzes bedeuten? Sennor, wenn das nicht der höhere Blödsinn ist, so giebt es eben keinen Blödsinn mehr!«

Er warf die Blume zu Boden und trat darauf. Das empörte mich; darum sagte ich in scharfem Tone:

»Denken Sie, was Sie wollen, Sennor; aber Sie haben jetzt nicht die Pasionaria, sondern das, was sie bedeutet, mit Füßen getreten!«

»Pasionaria!« hohnlachte er. »So wird die Blume doch nur von verdummten Menschen genannt. Sie wissen doch jedenfalls, daß ihr eigentlicher Name Granadilla ist. Sind Sie denn wirklich so albern, das, was Sie sagen, zu glauben? Leiden Christi! Wer war Christus? Ein Mensch wie Sie und ich! Wie kann ein Mensch die ganze Menschheit selig machen! Er ist gestorben, wie jeder sterben muß. Und daß er das Erlösungswerk durch seine Auferstehung gekrönt haben soll, das ist – das – das ist – – –«

Er hielt inne, wohl in Folge des Blickes, den ich auf ihn warf. Ich sprang auf, stellte mich hart vor ihn hin und fragte:

»Das ist – das ist – – nun, was ist es?«

»Unwahrheit. Kein Toter steht auf!«

Ich wollte ihm eine zornige Entgegnung in das Gesicht schleudern, beherrschte mich aber und sagte in gemäßigtem Tone, indem ich ihm die Hand auf den Arm legte:

»Sennor, Sie können mir leid thun, ungeheuer leid! Christus ist auch für Sie gestorben und auch für Sie auferstanden, und wohl Ihnen, daß dem so ist!«

»Wohl mir? Warum?«

»Weil Sie eines Heilandes wohl mehr bedürfen als tausend andere Menschen.«

»Ich – ich – – ich?« fragte er, indem er einige Schritte zurücktrat und mich aus seinen dunklen Augen förmlich anblitzte.

»Ja Sie! Was für eine Last liegt auf Ihrem Herzen? Warum gehen Sie so oft von uns fort, um laut mit dem finstern Geiste zu sprechen, der in Ihnen wohnt? Sie haben ein böses Gewissen!«

»Ein böses Gewissen?« schrie er mich an, indem er nach seinem Messer griff. »Wagen Sie, das noch einmal zu sagen, so fährt Ihnen meine Klinge in das Herz, ohne daß Ihr Erlöser mich daran hindern kann!«

»Pah!« antwortete ich, indem ich den Revolver zog. »Ehe Sie den Arm erhoben, haben Sie zwei, drei Kugeln von mir! Ich wiederhole es: Sie haben ein böses Gewissen; Sie tragen ein Verbrechen mit sich herum. Es giebt nur ein Heil für Sie, und dieses kommt von Dem, den Sie verleugnen. Sie werden keine Ruhe und keinen Frieden finden und nach Erlösung schreien, daß Ihnen die Zunge am Gaumen klebt. Es wird eine Passionszeit, eine Zeit der Qual, des tiefsten Leidens für Sie kommen, und ich will wünschen, daß das Osterwort ›Christ ist erstanden‹ dann auch für Sie erklingen möge; denn ohne dieses Wort giebt es für Sie keine Rettung!«

Er war leichenblaß geworden und starrte mich wie abwesend an. Seine blutleeren Lippen zuckten, die Hand sank ihm vom Messer nieder. Dann jedoch raffte er sich zusammen, stieß ein kurzes, heiseres Gelächter aus und sagte:

»Sie phantasieren, Sennor: darum will ich nicht mit Ihnen rechten. Sobald sich mir eine andere Gelegen heit bietet, verlasse ich Sie. Bis dahin aber hüten Sie sich! Ich bin nur dieses eine Mal nachsichtig, nun aber nicht wieder. Mein Messer kann eben so schnell wie Ihre Kugeln sein!«

Ich hielt es nicht für nötig, hierauf ein Wort zu entgegnen. Am liebsten hätte ich ihn fortgejagt; aber das konnte ich hier im tiefen Urwalde doch nicht thun. Er sprach während der folgenden Tage nicht mehr mit mir; er wendete sich an die Tobas, wenn er etwas zu sagen oder zu fragen hatte. Das war eine unerquickliche Zeit, und ich freute mich, als wir nach vieler Anstrengung die Fälle des Rio Madeira überwunden hatten und dann in den Mamoré einbogen. Wir waren da in einer Gegend, wo man hoffen konnte, wieder Menschen, und zwar Weiße zu treffen.

Diese Hoffnung erfüllte sich schon am nächsten Tage. Wir hörten an einer Stelle, wo der Fluß schmäler wurde, Axtschläge vom Ufer herübertönen und lenkten natürlich auf dasselbe zu. Es waren da mehrere Kähne angebunden, doch zunächst keine Menschen zu sehen. Wir stiegen aus und folgten einem schmalen, durch das Unterholz gehauenen Pfad. Er führte uns nach einem freien Platze, welcher durch das Fällen von Cinchonabäumen entstanden war. Wir befanden uns auf dem Arbeitsfelde einer Gesellschaft von Cascarilleros.

Cascarillero heißt Rindensammler. Diese Leute gehen in die Urwälder, um die China- oder Fieberrinde zu gewinnen. Das ist mit großen Schwierigkeiten verbunden und kann nur von kräftigen, erfahrenen und kühnen Menschen betrieben werden. Man fällt die Bäume dicht an der Wurzel, zieht die Rinde in Streifen ab und trocknet sie entweder an der Sonne oder über einem Feuer. In Gegenden, wo man künstliche Chinabaumpflanzungen angelegt hat, werden die Bäume nicht gefällt, sondern nur sorgfältig abgerindet, was selbstverständlich ein viel vernünftigeres Verfahren ist.

Es waren hier gegen zwanzig Cascarilleros vorhanden, welche uns zunächst nicht allzufreundlich begrüßten. Als sie aber erfuhren, daß wir keine Rindensammler, also nicht Konkurrenten von ihnen seien, änderte sich ihr Verhalten sofort zum Besseren. Das waren halb nackte, von der Sonne fast schwarz gebeizte Gestalten mit kühnen Gesichtszügen und überaus kräftigen Gliedmaßen, welche für einen reichen, oben in Exaltacion wohnenden Unternehmer arbeiteten. Sie hatten bedeutende Vorräte liegen, und zwei von ihnen wollten noch heute in einem Boote nach Exaltacion aufbrechen, um ihrem Arbeitgeber Bericht zu erstatten. Perdido fragte sie, ob sie ihn mitnehmen wollten. Sie waren für eine angemessene Bezahlung bereit dazu, und als er das hörte, sprach er nach langem Schweigen wieder das erste Wort zu mir:

»Gracias á Dios – Gott sei Dank, daß ich Sie nun nicht mehr zu sehen brauche! Hüten Sie sich, mir jemals wieder in den Weg zu kommen!«

»Gracias á Dios!« antwortete ich lächelnd. »Sie glauben nicht an Gott und sagen ihm doch Dank? Fahren Sie in Frieden von hier fort! Ich wünsche Ihnen alles Gute. Aber denken Sie an das, was ich Ihnen prophezeit habe; es wird gewiß in Erfüllung gehen!«

Er schaffte seine Habseligkeiten in das betreffende Boot und kehrte dann nach dem Arbeitsplatze zurück, wo die Cascarilleros sich jetzt im Schatten lagerten, um auszuruhen, denn die Mittagszeit war nahe. Ich wollte das Geschäft dieser Leute gern kennen lernen und fragte sie darum, ob sie mir erlauben würden, einige Tage bei ihnen zu bleiben. Sie waren sehr gern einverstanden.

Ein Mitglied der Gesellschaft war fortgegangen, um nach Calisaya-Bäumen zu suchen, welche die beste Fieberrinde liefern. Der Mann kam jetzt zurück. Er sah zunächst mich und die drei Indianer und gab uns die Hand. Dann fiel sein Blick auf Perdido; er machte eine Bewegung der Ueberraschung und rief erstaunt:

»Sennor Riberto! Sie hier, hier im Ciachonawalde! Sollte man eine solche Begegnung für möglich halten!«

Perdido hatte an der Erde gesessen; jetzt sprang er auf. Er sah grad so verstört aus wie damals, als ich von seinem bösen Gewissen gesprochen hatte. Er wußte, daß die Worte des Cascarillero ihm galten, denn sonst wäre er nicht aufgesprungen; dennoch fragte er beinahe stammelnd:

»Mit wem sprechen Sie? Meinen Sie etwa mich?«

»Ja, gewiß.«

»Dann scheinen Sie mich mit einem andern zu verwechseln.«

»Nein, Sennor. Von einer Verwechselung kann keine Rede sein. Sie wissen, daß ich Sie genau kenne, so genau, daß ein Irrtum vollständig ausgeschlossen ist.«

»Ich weiß nichts, ganz und gar nichts!«

»Aber Sie kennen mich doch?«

»Nein.«

»Nicht? Sennor Riberto, Sie werden doch Ihren früheren Nachbar Antonio Gorra kennen, der tagtäglich mit Ihnen zusammen gewesen ist!«

»Den Teufel werde ich!« schrie ihn da Perdido zornig an. »Ich heiße weder Riberto noch kenne ich einen Menschen, der sich Antonio Gorra nennt. Wenn Sie nichts anderes wissen, als mir mit solchen Albernheiten zu kommen, so schweigen Sie lieber, Sie dummer Mensch!«

Er wollte sich abwenden; da aber faßte ihn Gorra beim Arme und antwortete:

»Sie scheinen nicht zu wissen, wie man mit anständigen Leuten verkehrt, Sennor! Selbst wenn ich Unrecht hätte, so befände ich mich infolge einer wirklich großen und ganz seltenen Aehnlichkeit in einem sehr verzeihlichen Irrtume, den Sie mir höflich zu widerlegen hätten. Auf eine Beleidigung, wie Sie ausgesprochen haben, antworte ich nur mit dem Messer. Ueberdies täusche ich mich nicht im mindesten. Sie sind der junge Riberto, welcher – – –«

»Halt!« brüllte Perdido. »Kein Wort weiter, sonst – – –!«

»Was, sonst?« fragte Gorra furchtlos. »Wollen Sie etwa wagen, mir zu drohen?«

Er hatte ihn noch immer beim Arme. Ich saß ganz in der Nähe der Stelle, auf welcher die beiden standen, und erhob mich, um bei einem zusprechenden Handgemenge nicht im Wege zu sein.

»Ja, das wage ich!« schrie Perdido. »Ich dulde es nicht, daß ich mit einem Menschen verwechselt werde, der – – – –«

Er hielt inne, denn er merkte, daß er im Begriffe stand, sich zu verraten. Gorra vollendete den unterbrochenen Satz mit einem sehr bezeichnenden Lächeln:

»Der mit dem ganzen Vermögen seines Vaters durchgegangen ist. Nicht wahr, das wollten Sie doch sagen?«

Perdido riß sich von ihm los, stieß ein förmliches Wutgeheul aus, zog ein geladenes Pistol aus dem Gürtel und – – – wollte schießen, kam aber nicht dazu, denn ich hatte von hinten blitzschnell die Hand, welche das Pistol hielt, ergriffen, und sagte:

»Hier wird nicht geschossen, Sennor Perdido oder Sennor Riberto! Sennor Gorra hat recht. Sie sind grob gewesen und müssen ihn um Verzeihung bitten.«

Er drehte sich nach mir um und brüllte mich an:

»Laß mich los, Hund, sonst ist es aus mit Dir!«

Da ich ihn dennoch fest hielt, zog er mit der linken Hand das zweite Pistol und richtete es auf mich. Der Hahn knackte; da krachte er aber auch wie ein Sack auf den Boden nieder. Ich hatte ihm meine Faust gegen die Schläfe geschlagen, mein alter, bewährter Jagdhieb, auf dessen Wirkung ich mich stets verlassen konnte.

»Valgame Dios!« wurde gerufen. »Welch ein Hieb! Der Mann ist tot!«

»Nein,« antwortete ich; »er ist nur betäubt und wird in einigen Minuten wieder zu sich kommen. Nehmen Sie ihm die Waffen weg, Sennores, damit er dann kein Unheil anstiften kann!«

Dies geschah. Die beiden Cascarilleros, welche ihm versprochen hatten, ihn mitzunehmen, erklärten, daß sie dies nun lieber nicht thun möchten. Ich aber wollte ihn nicht wiederhaben, und hierbleiben konnte und sollte er auch nicht; darum brachten wir sie so weit, daß sie sich bereit zeigten, ihm ihr Versprechen doch zu halten. Der Sicherheit wegen nahmen sie seine Flinte, die Pistolen und auch das Messer und trugen sie nach dem Boote, um sie dort einstweilen zu verstecken.

»Ich habe doch recht, Sennores,« erklärte Antonio Gorra. »Er heißt Riberto und ist genau derjenige, den ich meine, ein früherer Nachbar und Spielkamerad von mir.«

»Woher?« fragte ich.

»Buenos Aires. Mein Vater war arm, der seinige aber ziemlich reich, ein Bankier und sehr braver, frommer Mann. Desto schlimmer war sein Sohn, ein Taugenichts, der dem Vater nichts als Gram und Sorge bereitete. Dieser mußte einst nach Rio de Janeiro reisen, und während der Zeit seiner Abwesenheit hat der Sohn leeren Tisch gemacht. Als der Bankier nach Hause kam, war hier dieser sogenannte Sennor Perdido mit der Kasse fort, und bald stellte sich gar noch heraus, daß er sich außerdem noch reichlich mit Anweisungen, Wechseln oder Checks oder wie diese Papiere heißen, von denen ich nichts verstehe, versehen hatte, um an andern Orten auch noch bedeutende Gelder zu erheben. Diese Summen mußte sein Vater später ersetzen und machte Bankerott. Die Mutter starb vor Gram; der alte Sennor Riberto verschwand und ist nicht wieder gesehen worden; auch über den jungen habe ich nichts vernommen, bis heute, wo er plötzlich vor mir stand.«

»Und Sie sind fest überzeugt, daß er es wirklich ist?«

»Fest; ich kann es mit hundert Eiden beschwören.«

»Dann bin ich froh, daß ich diesen Menschen losgeworden bin.

Es ist am besten, Sie schaffen ihn ins Boot, damit er uns aus den Augen kommt.«

Zwei Cascarilleros waren bereit, ihn fortzuschaffen. Eben als sie ihn anfassen wollten, bewegte er sich. Er kam zu sich, sprang auf und wollte nach den Waffen greifen. Er vermißte sie und verlangte sie in drohendem Tone zurück; ich sah, daß er es ganz besonders auf mich abgesehen hatte. Da aber bedeutete ihm Antonio Gorra:

»Seid wer Ihr wollt, Sennor, ob Perdido oder Riberto, das soll uns gleich sein; aber hier ist Eure Rolle ausgespielt. Eure Waffen liegen im Boote, und Euch werden wir auch dorthin bringen. Die Kameraden, mit denen Ihr fortwollt, mögen sogleich mit Euch abrudern. Dann sind wir Euch los. Ein Kerl wie Ihr gehört nicht unter solche Caballeros, wie hier versammelt sind!«


Perdido wollte Widerspruch erheben, wurde aber von vier oder fünf sehr kräftigen Cascarilleros gepackt und fortgeschafft.

Perdido wollte Widerspruch erheben, wurde aber von vier oder fünf sehr kräftigen Cascarilleros gepackt und fortgeschafft. Als er nun einsehen mußte, daß jeder Widerstand nutzlos sei, drehte er sich noch einmal nach mir um und drohte mir mit der geballten Faust. Die, welche ihn ins Boot gebracht hatten, kamen nicht eher zurück, als bis dasselbe auf dem Wasser schwamm und die Mitte des Stromes erreicht hatte. Von ihnen erfuhr ich, daß seine letzten Worte gewesen waren:

»Sagt dem verdammten Aleman 1, daß ich, wenn er mir jemals wieder vor die Augen kommt, mit ihm abrechnen werde!«

2. Domingo de ramos

2.

Domingo de ramos
(Palm-Sonntag)

Vor einigen Jahren war ich mit einer Schar von Tobakriegern hoch oben auf der Pampa de Salinas gewesen, wo wir sehr Wichtiges erlebt hatten. Ich wollte jetzt hinauf nach dieser Pampa, um die Stätte der damaligen Ereignisse wiederzusehen, und meine drei Tobas waren gern bereit, mich zu begleiten. In Cochabamba versahen wir uns mit guten Pferden, die dort sehr billig sind, und mit allem, was wir zu dem Ritte brauchten, und dann ging es nach der Cordillere, ohne daß wir einen Führer mitnahmen, denn es liegt für mich ein eigener Reiz darin, mich wie ein Vogel auch da zurecht zu finden, wo ich noch nie gewesen bin.

Wenn man, an der untersten Stufe der Cordilleren 2 stehend, dein freien Blick nach rückwärts hinuntergleiten läßt, so schweift er über hügelig durchwellte Landschaften bis hinunter nach dem Tieflande, welches sich als unbegrenzte Fläche bis zum fernen Horizonte ausbreitet. Von da unten herauf atmet ein warmes, süßduftendes Leben. Die Ebene ist von den feurigen Tinten der Tropensonne überflutet und streckt tausend unsichtbare Arme aus, den Wanderer wieder zu sich hinabzuziehen.

Hier oben aber atmet die Brust eine gesunde, von dem Fieberhauche des Tieflandes freie Lebensluft. Dunkle Waldflächen wechseln mit freiliegenden, grünen Pampas, welche das Auge erquicken und den Europäer heimatlicher anmuten als die Dickichte der Tieflandsflüsse oder die hoch über ihm von den Gebirgsschultern getragenen weiten, öden Puam-Flächen.

Da, wo am Fuße der Cordilleren Menschen fernab von der Verkehrsstraße wohnen, bauen sie sich kleine, einstöckige, mit Palmenstroh gedeckte Häuser, welche regelmäßig um einen großen, freien Platz gelagert werden.

Jedes dieser Häuschen hat einen Garten, hinter welchem die Felder liegen, von deren Ertrag der Montañero seinen Unterhalt bestreitet. Vielleicht giebt es auch eingehegte Weideplätze mit darauf weidenden Herden, deren Besitzer dann den Ruf eines reichen Mannes hat.

Der Montañero ist ein einfacher Mann, dabei aber sehr höflich und sehr stolz wie jeder Spanier. Er lebt wie ein Freigraf unter Seinesgleichen und hält sich für besser und auch glücklicher als der Bewohner der tief unter ihm liegenden Ebene. Die Händel, bei denen da unten oft mit Menschenblut bezahlt wird, gehen ihn nichts an, doch sieht er es gern, wenn hie und da jemand von dort zu ihm heraufsteigt, von dem er erfahren kann, was im Tieflande geschehen ist und wie man sich da unten schlägt und verträgt.

Gewöhnlich ist das ein Comerciante, ein Handelsmann, welcher den Bewohnern der Höhe diejenigen Erzeugnisse der Industrie zuträgt, welche da oben zwar auch gebraucht, doch nicht verfertigt werden. So einen Comercianten darf man in Beziehung auf das Ansehen, in dem er steht, keineswegs mit unseren Hausierern vergleichen. O nein! Er ist ein Caballero (Kavalier) in jeder Beziehung und wird als solcher von jedermann geachtet und geehrt. Daß er Geld verdienen will, bringt seinem Ansehen nicht den geringsten Schaden, und wenn er einer hübschen Montañera ja einmal einen schlechten Schmuck als gutes Gold verkauft, wird bei seinem nächsten Besuche im Scherz darüber hinweggegangen, und die Freundschaft bleibt trotzdem dieselbe, wie sie vorher gewesen ist.

Diese schöne Verträglichkeit pflegt nur dann Einbuße zu erleiden, wenn mehrere Comerciantes an einem Orte, wo sie Geschäfte machen wollen, zusammentreffen. Dann macht der gelbe Neid sich bemerkbar, und die stolzen Caballeros verwandeln sich in gemeine Kampfhähne, welche wütend über einander herfallen.

Frutobamba war ein solches Gebirgsdorf, welches wir am Sonnabend vor Palmarum gegen Abend erreichten. Es bestand aus vielleicht zwölf oder vierzehn Häusern, welche, wie oben beschrieben, ein Viereck um den Mittelplatz bildeten. Die Gärten prangten in Blumen, und hinter ihnen dehnten sich schöne Orangenhaine aus, an welche dann die Fruchtfelder stießen. Eine Schar von Kindern kam uns jubelnd entgegen; sie freuten sich darüber, daß Fremde kamen. Wir fragten sie nach der Venta, dem Gasthause, und hörten, daß dieses hier den viel stolzeren Namen Posada führe. Der Wirt wurde Don Geronimo de Magujo genannt. Sein Haus war das größte des Dorfes, zwar auch nur einstöckig aber sehr langgestreckt, so daß es zwei Thüren besaß. Don Geronimo empfing uns mit einer stolzen, selbstbewußten Liebenswürdigkeit, wie ein König seine Gäste empfängt. Als wir ihn fragten, ob wir bei ihm nächtigen könnten, stellte er uns sein ganzes Haus, sein ganzes Vermögen zur Verfügung. Ich nahm dies natürlich für bloße Redensart und erklärte mich mit einer Stube für uns drei und einem Corral (Stall) und Maisfutter für die Pferde zufrieden.

»Tretet herein in das Gastzimmer, Sennores,« sagte er, »und geduldet Euch zwei Augenblicke, bis man Euch Eure Sala vorgerichtet hat!«

Also eine »Sala«, einen Saal sollten wir bekommen! Hätte ich die hiesigen Verhältnisse nicht bereits gekannt, so wäre es mir wohl angst um die Bezahlung geworden.


Wieder drangen Klagelaute aus dem Fenster. Ich stand auf und hielt das Ohr an das Loch, doch so, daß ich von innen nicht bemerkt werden konnte.

Das Gastzimmer bestand aus einem kahlen Raum mit gestampfter Diele, einem Tische und einigen Stühlen. Die Fensteröffnungen waren mit geöltem Papiere verklebt. Auf meine Frage nach Speise und Trank erklärte er, daß bei ihm alles Menschenmögliche zu bekommen sei; bei näherem Eingehen auf das Specielle aber stellte sich heraus, daß dies Menschenmögliche nur aus einer Kaffeetasse voll Mate 3 und einem sehr zähen Asadobraten bestand. Ich war frugal gewöhnt und fügte mich in die Umstände.

Ein Knecht hatte unsere Pferde in den Corral geschafft. Ich ging hinaus, um nach ihnen zu sehen. Für sie war besser gesorgt als für uns. Sie hatten Wasser, Gras und Mais die Hülle und Fülle. Dann machte ich mit meinen Tobas einen Spaziergang durch und um das Dorf. Die Bewohner selbst rüsteten sich zur morgigen Palmsonntagfeier. Selbst die kleinste Hütte war mit Palmen geschmückt, die hier allerdings billig zu haben waren. Dann kehrten wir nach der Posada zurück und erfuhren, daß unsere Sala noch nicht ganz vorgerichtet sei. Endlich, nach langem Warten, kam der Knecht, um sie uns anzuweisen. Wir mußten zur zweiten Hausthüre hinein und fanden ein kleines, vollständig leeres Loch, aus welchem uns ein schrecklicher Geruch entgegenkam. Wer weiß, was alles hier gelegen hatte und wegen uns fortgeräumt worden war! Ich frug nicht darnach und sagte dem Knechte, daß wir doch lieber hinter dem Hause im Freien schlafen wollten. Er machte eine sehr gravitätische Körperbewegung, warf den Kopf in den Nacken und meinte:

»Die Sennores können thun, was sie wollen; aber diese Sala ist für sie bestellt und bestimmt und muß bezahlt werden.«

Darüber war es dunkel geworden. Gegessen hatten wir, und so schleppten wir, da wir vom heutigen langen Ritte ermüdet waren, unsere Sättel und Decken hinter das Haus, wickelten uns in die Ponchos 4 und schliefen ein, ohne uns durch den Lärm der festlich gestimmten Dorfbewohner irre machen zu lassen.

Ihr Lachen, Schreien, Rufen und Singen störte mich nicht. Bei solchem Lärm kann ein Prairiejäger ganz gut schlafen; aber kleine, charakteristische Geräusche, auf welche ein anderer gar nicht achtet, die sind es, welche ihn aus dem tiefsten Schlafe wecken können. So auch hier. Ich wachte plötzlich auf; ich hatte etwas gehört, ohne aber zu wissen, was. Ich lauschte. Das Dorf lag in tiefster Ruhe; die Leute von Frutobamba waren schlafen gegangen; es war zur Zeit des Vollmondes, welcher hoch am Himmel stand und die Umgebung hell beleuchtete; ich konnte aber nichts sehen, was mich gestört haben könnte.

Schon wollte ich den Kopf wieder sinken lassen, da klang ein eigentümlicher Ton an mein Ohr; es war wie ein Schmerzensruf aus einer tiefen Grube. Nach kurzer Zeit hörte ich es wieder, und zwar länger als vorher. Es kam von oben, nicht von unten. Wir lagen an der hintern Mauer des Hauses, und in dieser befand sich grad über mir ein Fenster, nämlich ein Fenster nach dortigen Begriffen; eigentlich war es ein vollständig offenes Mauerloch von so geringer Größe, daß man nicht einmal den Kopf hindurchstrecken konnte. Ich erinnerte mich, daß unser »Saal« ein solches Fenster gehabt hatte, und als ich über die Oertlichkeit nachdachte, fand ich, daß wir unter dem Fenster dieser Sala lagen. Sollte dieselbe einen andern Besitzer bekommen haben? Wieder drangen Klagelaute aus dem Fenster. Ich stand auf und hielt das Ohr an das Loch, doch so, daß ich von innen nicht bemerkt werden konnte. Da hörte ich sehr deutlich sporenklingende Schritte. Es ging jemand drinnen auf und ab im Finstern, denn es brannte kein Licht, sonst hätte ich den Schein desselben sehen müssen. Und nun vernahm ich deutliche Worte. Befanden sich mehrere Personen in der Sala? Oder sprach der Mann mit sich selber?

»O Mutter, Mutter!« seufzte es. »Tot – tot – – – tot! Que angustia, que martirio – – welche Angst, welche Qual!«

Hierauf folgte ein langgezogenes »Huh!« wie man es wohl von einem Frierenden zu hören bekommt, und dann jammerte es weiter.

»Und der Vater, der Vater! Lebt er noch? Habe ich ihn auch gemordet? Warum finde ich ihn nicht? Ah, que desgracia, ay, que pena – o, welches Unglück, o welcher Schmerz!« Es lief mir eiskalt über den Rücken. Der Mann da drinnen wurde von seinem Gewissen gefoltert. Oder war er ein Wahnsinniger, der sich seine Qualen in der Einbildung schuf?

Ich horchte und hörte weiter:

»O, cielos, cielos, cielos – o Himmel, Himmel, Himmel! Ein Verbrechen, ein Verbrechen! Nach – nach – nach – Erlösung schreien – – – Zunge – Zunge – am Gaumen klebt; o desdichado de mi, o ich Unglücklicher!«

Was waren denn das für Worte. So hatte ich doch zu Perdido gesagt! Sollte er etwa – – –? Nein! Dieser freche Gottesleugner, dieser hartgesottene Bösewicht konnte unmöglich so zerknirscht sein. Und doch waren es meine Worte, und ich mußte daran denken, daß er sich so oft von unserem Lager entfernt hatte, um mit sich selbst zu reden. Sollte er es doch sein? Sollte sein Grimm gegen den Glauben nur eine, allerdings entsetzliche Maske sein, unter welcher die Qualen der Reue sein Inneres durchwühlten?

»Kreuzestod, Kreuzestod!« erklang es wieder. »Für wen, für wen? Für mich? Wahnsinn – – Wahnsinn – – Wahnsinn! Auferstehung? Christ ist erstanden?! Hahahaha!«

Dieses Lachen klang so wahnwitzig und zugleich so trostlos, daß mich ein Grauen überlief. Die langsamen Sporenschritte klangen fort und fort, dazwischen ächzte und stöhnte der Mann zum Herzbrechen. Dann kreischte er plötzlich auf, als ob eine Faust sich um sein Herz gekrallt hätte:

»Perdido, Perdido, der Verlorene! So heiße ich; so habe ich mich selbst genannt! Wer wird mich Hallado nennen, Hallado, den Wiedergefundenen? Aleman mald cido, – verfluchter Deutscher! Dein Stachel ist's, Dein Stachel, ja, der Deinige!«

Jetzt konnte kein Zweifel mehr sein: es war Perdido! Welch ein Zufall! Wie kam er hierher? Was wollte er hier? Nun ich wußte, wer der Mann war, erschien es mir als Unrecht, noch länger zu lauschen. Ich legte mich wieder nieder und hüllte mich gegen die nächtliche Kühle in meinen Poncho; aber es vergingen Stunden, bis ich den Schlaf wieder fand. Darum wachte ich nicht auf, als die Zeit dazu gekommen war, sondern der Toba Manuel weckte mich. Ich erzählte den drei Gefährten, daß Sennor Perdido sich in der Posada befinde; da fragte Mateo angelegentlich:

»Werden wir weiterreiten, Sennor?«

»Ja.«

»Das ist gut! Laß uns gleich aufbrechen!«

»Gleich? Warum?«

»Daß wir nicht von diesem Perdido gesehen werden.«

»Wir werden erst am Gottesdienste teilnehmen. Fürchtest Du Dich vor Perdido?«

»Nein. Aber er haßt Dich und hat Dir Rache geschworen. Er wagt es nicht, Dich offen anzugreifen, denn Du würdest ihn besiegen; aber er wird aus dem Hinterhalte auf Dich schießen.«

»Pah! Ich sehe mich vor!«

»Sennor, thu mir den Gefallen und geh' gleich jetzt mit fort! Du weißt, wie lieb ich Dich habe. Ich würde sterben, wenn er Dich tötete.«

»So wirst Du niemals sterben, denn er tötet mich nicht.«

Damit mußte sich der brave Toba zufrieden geben. Wir gingen in das Gastzimmer, um den Mate dort zu trinken. Wir waren noch nicht fertig, so kam Perdido herein. Man sah es ihm an, daß er die halbe Nacht durchjammert hatte. Als er uns erblickte, fuhr er mit der Hand nach dem Messer und stieß einen Fluch aus, besann sich aber doch eines Bessern und ging wieder hinaus.

Draußen tönten Schüsse; es waren Freudenschüsse, um das Fest einzuleiten. Die Hütten des Dorfes waren leer, denn die Bewohner derselben befanden sich im Freien. Mehrere von ihnen gingen dem Wanderfrater aus Cochabamba entgegen, welcher kommen wollte, um den Gottesdienst abzuhalten. Er kam wie ein Prophet des alten Testamentes, ein ernster Mann in härenem Gewande, mit tiefliegenden, weltfremden Augen. In der Mitte des freien Platzes war ein kleiner Palmenaltar errichtet worden. Jedermann hatte eine Palme in der Hand, und jedermann rief demjenigen, den er noch nicht begrüßt hatte, ein freudiges Hosianna zu. Der Gottesdienst war einfach, so, wie ich es mir für diese kleine Gemeinde in so abgelegener Gegend gedacht hatte, und doch ist mir die Feier diesesDomingo de ramos, dieses Palmsonntages stets treu im Gedächtnisse geblieben, treuer als manche andere, bei welcher die Festfreude unter der Festunruhe und Festarbeit erstickte.

Gern hätte ich mich mit dem Frater unterhalten, aber er mußte schnell wieder fort, nach einem andern, mehrere Stunden entfernten Dorfe. Ich konnte ihm nur die Hand drücken und mich bedanken.

Nun trieb Mateo zum Aufbruche; aber wir waren ja Herren unserer Zeit, und ich wollte erst essen. Ich hatte mir ein Mittagsmahl bestellt und von dem Wirte das Versprechen bekommen, daß es ein wahres Festmahl sein solle. Als wir in die Gaststube traten, saß Perdido am Tische und sah mir hohnlächelnd entgegen. Früh, als wir diesen Platz gehabt hatten, war er nicht hingekommen, nun glaubte er, wir würden, weil er da saß, uns auch vor ihm genieren. Ich ging aber hin und setzte mich nieder, so thuend, als ob er gar nicht vorhanden sei. Das brachte ihn auf und er warf mir die spöttische Frage hin:

»Nun Sennor, ich sehe, daß Sie den Domingo de ramos mit diesen hochintelligenten Dorfleuten begehen. Mir scheint, Sie sind der Esel, auf welchem der Palmsonntag hier eingezogen ist. Denn ein Esel war es doch damals, nicht?«

Ein Glück für ihn, daß ich ihn während der Nacht belauscht hatte, sonst hätte ich ihn sofort niedergeschlagen. Statt dessen antwortete ich in aller Ruhe:

»Sie können mich nicht beleidigen, Sennor Riberto. Sie sind ein – – –«

»Ich heiße nicht Riberto!« fuhr er mir zornig in die Rede.

»Und haben doch Ihren Vater, den alten Bankier Riberto vergeblich gesucht!« warf ich ihm hin, indem ich seinen Blick mit dem meinigen festpackte.

Er erschrak.

»Wer – – wer – wer hat Ihnen – – – – –« stammelte er.

»Das ist Nebensache; kurz und gut, ich weiß es. Sie sind jener verlorene Sohn, welcher seine Mutter in den Tod und seinen Vater in das Elend trieb. Die Liebe einer Mutter ist ohne Grenzen, und selbst der strengste Vater kann barmherzig sein. Die beiden würden Ihnen vielleicht verzeihen, aber Sie können sie nicht um Vergebung bitten. Wenden Sie sich an den Heiland der Welt, der allein Sie retten kann! Er ist heute bei allen Gläubigen eingezogen und möchte auch bei den Verlorenen, auch bei Ihnen Einzug halten. Oeffnen Sie ihm Ihr Herz! Es ist heute Domingo de ramos, der Sonntag der Palmenzweige, welche das Zeichen des Friedens, der Versöhnung sind. Söhnen Sie sich mit dem himmlischen Richter aus; dann wird Ihr Gewissen Sie nicht mehr des Nachts vom Lager treiben, daß Sie nach Vergebung und Erlösung wimmern! Warten Sie nicht, bis Ihnen die Zunge am Gaumen klebt und Sie nicht mehr um Gnade bitten können!«

Sein Mund öffnete sich; seine Augen schienen aus ihren Höhlen hervortreten zu wollen, und sein Gesicht bekam infolge des Blutandranges nach dem Kopfe eine blaurote Färbung. Er erhob sich, mich immer groß anstarrend, langsam von seinem Stuhle, indem er sich mit beiden Händen schwer auf die Platte des Tisches stützte; er schien sprechen zu wollen und doch nicht zu können. Dann endlich stieß er mit aller Anstrengung hervor:

»Perro, maldito – Hund, verfluchter! Das bezahlst Du mir mit Deinem Leben!«

Er fuhr mit beiden Händen nach dem Gürtel; da aber stand ich aufrecht vor ihm, faßte ihn bei den Oberarmen, drückte ihm dieselben so fest in die Seiten, daß er stöhnte, und sagte ihm:

»Wenn jemand etwas zu bezahlen hat, so sind Sie es, Riberto! Ihre Drohungen belache ich. Wenn ich will, so drücke ich Ihnen den Brustkasten ein wie einem armen Sperlinge, und Sie – – –«

Ich kam nicht weiter; ich wurde unterbrochen. Bei der Scene, welche sich im Zimmer abspielte, hatten wir nicht beachtet, daß mehrere Reiter angekommen und draußen abgestiegen waren. Jetzt traten sie herein. Als sie sahen, daß ich Riberto gepackt hielt, riefen sie lachend aus:

»Ha, una riña, una pendencia – ah, eine Prügelei, eine Schlägerei!«

Sie drängten sich herbei, um zuzuschauen. Ich hatte mit dem Rücken nach der Thür zu gestanden und drehte jetzt den Kopf nach ihnen um. Da rief einer von ihnen:

»Holá, ea silencio, el rastreador – holla, still da, das ist der Rastreador!«

Rastreador heißt Pfadfinder. So war ich bei meinem vorigen Aufenthalte in den Pampas und den Anden oft und viel genannt worden.

»El rastreador!« wiederholten seine Gefährten, und »el rastreador!« sagte auch Riberto, indem seine Augen sich noch weiter als vorher öffneten.

»Ja, der Rastreador,« bestätigte der vorige Sprecher. »Der schießt hundert Kugeln aus seinem Laufe, ohne zu laden, und schlägt den stärksten Feind nur mit der bloßen Faust zu Boden.«

»Sie kennen mich, wie es scheint, Sennor,« fragte ich. »Wo haben Sie mich gesehen?«

»In Tucuman, als Sie damals mit den Toba-Indianern von dem Salzsee auf der Pampa de Salinas zurückkehrten.«

»Aber ich kenne Sie nicht!«

»Nein. Ich stand von weitem und habe nicht mit Ihnen sprechen können, Sennor.«

Die Leute standen in höchst achtungsvoller Haltung da. Ich ließ jetzt die Arme Ribertos los und sagte zu ihm:

»Sie scheinen meinen Namen auch gehört zu haben und wissen nun, mit wem Sie anbinden wollten. Lassen Sie sich das nicht wieder einfallen, und beherzigen Sie den hochernsten Rat, den ich Ihnen vorhin gegeben habe!«

Es ging eine fliegende Röte über sein Gesicht. Er warf mir einen Blick des Hasses zu, der mich sicher durchbohrt hätte, wenn er von Stahl gewesen wäre; dann wendete er sich ab und wollte hinausgehen. Da trat ihm einer der Neuangekommenen in den Weg und sagte:

»Wir erfuhren soeben, daß sich ein Comerciante Namens Perdido hier befindet. Sind Sie dieser, Sennor?«

»Ja,« antwortete der Gefragte.

»So verbieten wir Ihnen, hier Handel zu treiben. Wir sind auch Comerciantes und betreiben unser Geschäft in Compagnie.«

»Sie haben mir nichts zu verbieten!« wehrte er sich in entschlossenem Tone.

»Darüber denken Sie, wie Sie wollen, und wir werden thun, was wir wollen, wenn Sie uns nicht gehorchen!«

Er ging hinaus; sie folgten ihm und setzten draußen den Zank mit ihm fort. Sie hatten mir Hochachtung erwiesen; das konnte mich aber nicht hindern, sie für das zu halten, was sie waren; sie sahen ganz wie Strolche aus.

Ich hatte mich also nicht geirrt, als ich annahm, daß Sennor Perdido ein Händler sei. Er hatte das gestohlene Vermögen seines Vaters durchgebracht und mußte sich nun auf diese Weise ernähren.

Als wir dann aufbrechen wollten, stellte es sich leider heraus, daß eines unserer Pferde lahmte. Wir mußten es gegen ein anderes umtauschen. Aber, sonderbarer Weise, obgleich die Bewohner des Dorfes von den Comerciantes alles mögliche, was diese hatten, kauften, verkaufen wollte am heutigen Tage keiner von ihnen; sie meinten, dies würde eine Entweihung des heiligen Domingo de ramos sein. Wir waren also gezwungen, bis morgen in Frutobamba zu bleiben. – – –

3. Viérnes santo

3.

Viérnes santo
(Karfreitag)

Die drei später gekommenen Händler schienen Perdido doch imponiert zu haben, denn er bot, wie ich bemerkte, seine Waren niemanden an; ja, er packte sie nicht einmal aus. Wie ich später hörte, bestanden sie nur in Schmucksachen, wie sie von den Bewohnern dieser Gegenden getragen werden. Diese Sachen hatten sich in den zwei Paketen befunden, welche von ihm mit in unser Boot genommen worden waren.

Diese drei Comerciantes brachten Leben in das Dorf. Sie hausierten nicht, sondern hielten ihren Markt vor der Posada ab, was dem Wirte Gäste und also Gewinn brachte. Die gute Laune, in welcher er sich dadurch versetzt fühlte, wurde an ihm zum Verräter. Er tischte Speisen und Getränke auf, welche er vorher nicht zu besitzen behauptet hatte. Sogar eine Flasche guten Cafayatawein bekamen wir für billigen Preis von ihm zu kaufen.

Perdido hatte sich mißmutig in seine »Sala« zurückgezogen, und ich machte am Spätnachmittage wieder einen Spaziergang in die Umgegend des Dorfes. Am Abende kehrte ich zurück; es war dunkel, denn der Mond war noch nicht aufgegangen. Ich pflege, wie jeder geschulte Westmann, leise aufzutreten und die Sporen abzulegen, wenn ich nicht reite. Darum waren an jenem Abende meine Schritte wohl nicht leicht zu hören. Ich wollte nach den Pferden sehen und, als ich die hintere Lehmmauer des Corrals erreichte, mich einfach über diese schwingen, um nicht noch um zwei Ecken gehen zu müssen. Da hörte ich hinter dieser Mauer, also im Innern des Corrals, unterdrückte Stimmen. Das klang so heimlich; ich horchte. Weil die Betreffenden nicht laut sprachen und die Mauer sich zwischen ihnen und mir befand, konnte ich nur abgerissene Bruchstücke ihres Gespräches verstehen:

»Müssen uns doch besprechen – – geht nicht bei den andern – – – ich Dich hierher gewinkt – – – mit dem Pferde besorgt?«

»Ja; dieser Rastreador wird keins bekommen – – – gezwungen, hier zu bleiben – – – den andern dann recht schön für uns«

»– – – will jedenfalls dem Rastreador auflauern. Hat den Wirt gefragt, wohin dieser will.«

»Nach der Pampa de Salinas – – – grad auch unser Weg – – – – beim alten, roten Gambusino 5 bleiben – – – verteufelt stören – – – könnte leicht nichts aus der Sache werden.«

»Das wäre höchst fatal. Der Kerl soll entsetzlich viel Geld zusammengebracht haben, und wenn es diesmal – – – so dürfen wir es binnen Jahren nicht wieder versuchen.«


Nach vielleicht zehn Minuten kam ein Mann um die vor uns liegende Felsenecke. Er ging barfuß und barhäuptig und trug ein langes kaftanartiges Gewand, an dessen Leibschnur ein Rosenkranz hing.

»Richtig! Also müssen wir – – – – der Rastreador uns nicht in den Weg kommt. Und wenn – – – – wird er einfach erschossen.«

Sie entfernten sich jetzt. Ich eilte um die hintere Ecke nach der vordern, blieb dort stehen und wartete. Als sie aus dem Corral traten, machte ich mich hinter ihnen her und sah, daß es die zwei Comerciantes waren, während der dritte, welcher mich als den Rastreador erkannt hatte, inzwischen mit dem Warenverkauf beschäftigt gewesen war.

Ich hatte bei weitem nicht alles verstanden und konnte also nicht wissen, ob die Kombination, welche ich nun folgerte, richtig sei. Perdido wollte mir auflauern; ich sollte kein Pferd bekommen, um hier bleiben zu müssen, weil ich den drei Comerciantes im Wege war. Ein alter, roter Gambusino befand sich in Gefahr. Das war alles, was ich wußte, aber viel zu wenig. Ich war während des ganzen Abends höchst aufmerksam, konnte aber nichts weiter erfahren; ich stellte meine Tobas an, doch auch das war umsonst. Ich mußte die Sache abwarten.

Die Dorfbewohner gingen spät nach Hause; die Comerciantes legten sich schlafen, und wir kampierten wie gestern hinter dem Hause. Es war nichts Ungewöhnliches zu bemerken, außer daß Perdido wieder eine Zeitlang in seiner Sala jammerte.

Am andern Morgen schafften die Comerciantes den Tisch aus der Gaststube in das Freie und setzten sich daran nieder, um zu rauchen, zu trinken und zu spielen. Perdido drückte sich von einem Orte zum andern, um uns zu beobachten, wie ich sehr wohl bemerkte. Wir gingen auf den Pferdehandel. Da aber wollte keiner von denen, welche gestern für heute zugesagt hatten, von einem Verkaufe oder Tausche etwas wissen. Das war der Einwirkung der Comerciantes zuzuschreiben. Es blieb uns wirklich nichts anderes übrig, als zu warten, bis das Pferd wieder laufen konnte. Ich untersuchte den Fuß und entdeckte in dem Hornstrahl ein Geschwür, welches ich mit dem Messer öffnete. Hierauf war zu hoffen, daß wir nach vielleicht zwei Tagen weiterreiten könnten.

Was aber während dieser Zeit thun? Das Dorf bot uns nichts, und da wir überhaupt im Freien schliefen, so hielt ich es für das Einfachste, gleich ganz im Freien zu wohnen. Was die Comerciantes vorhatten, das wußte ich nicht, und wenn ich es gewußt hätte, so befand ich mich doch nicht in der Lage, es zu verhindern. War ich denn verpflichtet, aller Welt und selbst der fremdesten Menschen Hüter zu sein. Mir drohte von Perdido Gefahr; nun, mit dem wollte ich schon fertig werden! Um ja nichts zu versäumen, hatte ich mich bei dem Wirte nach einem gewissen roten Gambusino erkundigt, aber nichts erfahren können.

Ich bezahlte unsere Zeche; dann zogen wir die Pferde aus dem Stalle und verließen das Dorf. Wegen des lahmenden Pferdes mußten wir nach ungefähr einer Wegsstunde schon anhalten. Ich wählte dazu einen Platz, wo es ein kleines Wässerchen und genügende Weide gab. Da lagerten wir uns im Schutze einiger Felsen. Hinter diesen versteckt, konnten wir die zwischen uns und dem Dorfe liegende Strecke übersehen. Ein Reiter kam geritten; als er nahe genug heran war, erkannten wir Perdido. Er sah uns nicht eher, als bis er um die Felsen bog. Sein Gesicht zeigte, daß es ihm höchst unlieb war, von uns bemerkt zu werden. Er ritt in gerader Richtung weiter, bis er nach einiger Zeit hinter dem Horizonte verschwand. Ich war überzeugt, daß er nach dem Dorfe zurückkehren werde, um uns dann bei Nacht zu beschleichen. Darum suchten wir, als es zu dunkeln begann, ein kleines Calisayawäldchen auf, welches eine halbe Stunde entfernt war und uns Sicherheit bot.

Am andern Morgen kehrten wir nach dem Felsen zurück und hatten das Vergnügen, Perdido wieder kommen zu sehen. Er hatte uns während der Nacht nicht mehr gefunden und wunderte sich nun jedenfalls außerordentlich darüber, daß wir doch noch an derselben Stelle lagerten. Er ritt wie gestern vorüber, ohne zu thun, als ob er ein Interesse für uns habe. Am Abende suchten wir natürlich das Calisayawäldchen wieder auf. Ganz genau dasselbe wiederholte sich auch am folgenden Tage, und es war nun mehr als gewiß, daß Perdido es auf mich abgesehen hatte. Er wollte sich rächen, aber aus dem Hinterhalte.

So waren drei Tage vergangen; wir hatten während derselben vom Fleische der Pampashasen gelebt, welche es hier mehr als zur Genüge gab. Am Donnerstag früh konnten wir endlich aufbrechen, denn der Fuß des Pferdes war ziemlich geheilt. Es fiel uns natürlich nicht ein, unsern Weg über das Dorf zu nehmen. Wir wollten von demselben und denen, die sich dort befanden, gar nichts wissen.

Wir befanden uns noch auf bolivianischem Gebiete. Es giebt dort Gegenden, in denen man im Verlaufe von zwei Tagen aus der heißen Zone bis hinauf in die Region des ewigen Schnees gelangen kann. Das war nun bei uns nicht der Fall, doch die Veränderung der Luft und Wärme, der landschaftlichen Scenerie, war immerhin eine ziemlich bedeutende. Wir stiegen aus der Region der Thalstufen nach der Puna 6 empor.

Je höher wir kamen, desto kühler wurde es, und die zunehmende Dünne der Luft machte sich besonders an unsern Pferden bemerklich. Es gab keine sanften Hügel, keine rundgezeichneten Höhenrücken mehr. Steile Felsenberge türmten sich, einer immer höher als der andere, neben und hinter einander auf; zwischendurch führten Schluchten welche oft kaum Platz für zwei Reiter hatten. Dann gab es wieder gigantische Trümmerhaufen, welche das Aussehen hatten, als ob mehrere Berge da gegen einander geworfen worden und in unzählige Stücke zerborsten seien. Da war ein schweres Vorwärtskommen.

Wir mußten hoch hinauf nach einem Längenthale. Wenn wir diesem folgten, konnten wir dann am Ostertage jenseits nach der Pampa de Salinas hinunter steigen.

In diesem Gebiete fehlen die Bäume gänzlich; nur Gräser wie Yareta, Valeriana und Gentiana sind zu finden, und nur höchst selten sieht man einmal einen dünnen Busch am Wege. Dagegen kann man hier schon wilde Kamelziegen finden.

Es war am Karfreitag gegen Abend, als wir, fast ebenso ermüdet wie unsere Pferde, uns nach einem Platze umschauten, welcher uns für die Nacht Schutz gegen den durchdringend kalten Wind gewährte. Wir ritten an einer beinahe senkrecht aufsteigenden Höhe hin da hielt ich, beinahe erschrocken, mein Pferd an, denn über uns erklang der Ton eines Glöckchens, und dann hörte ich von einer wohltönenden Stimme die fremdartigen aber deutlich und langsam gebeteten Worte:

»Muchaycus cayki Maria Diospa gracianhuan huntascam canki. Apunchik Diosmi camhuan huarmicunamanta collananmi canki. Uicsaikimante pacarimuk Jesu huahuaykiri collananrakmi. Oh Santa Maria virgen Diospa maman, ñocaycu huchasapa cunapak muchapuchuaycu cunan huañuyñiycu pachapipas. Amen!«

Man denke, wie ich staunte! Das war die Sprache der Inkas, der altperuanischen Sonnensöhne, die Hofsprache eines groß- und eigenartigen Kulturreiches, dessen Säulen längst in Trümmer liegen! Und was bedeuteten die Worte, welche ich hier absichtlich anführe, um eine Probe dieser berühmten Inkasprache zu geben? Es war unser Ave Maria, unser englischer Gruß, ganz genau und wörtlich! Das Gebet wurde zweimal wiederholt; der Beter mußte ein Christ, aber ein Abkömmling der Sonnenkinder sein. Als das dritte Amen verklungen war, rief ich hinauf. Es verging eine kleine Weile, bis als Antwort die Frage herunterschallte:

»Wer ist da unten?«

»Ein guter Christ, ein Fremder aus Europa, der für das Abendläuten danken möchte.«

»Allein?«

»Es sind zwei Tobaindianer bei mir; wir sind zu Pferde.«

»Bleiben Sie da unten halten und warten Sie!«

Die Stimme, welche mir antwortete, war eine andere als diejenige, welche vorher gebetet hatte. Es befanden sich also wenigstens zwei Menschen auf der Felsenhöhe. Wir stiegen ab und warteten. Nach vielleicht zehn Minuten kam ein Mann um die vor uns liegende Felsenecke. Er ging barfuß und barhäuptig und trug ein langes, kaftanartiges Gewand, an dessen Leibschnur ein Rosenkranz hing. Langes, schneeweißes Haar wallte ihm bis auf den Rücken herab. Er betrachtete uns, besonders mich mit scharfem, strengem Auge und fragte dann:

»Sie sind ein Europäer, Sennor? Wie heißen Sie?«

»Mein eigentlicher Name wird Ihnen wohl nichts nützen,« antwortete ich. »Hier hat man mich den Rastreador genannt.«

»Hala! So sind Sie der Aleman, welcher auf der Pampa de Salinas den Sendador besiegte und ihn von der Felsenwand zur Höhe holte?«

»Ja.«

»Dann willkommen, Sennor! Es darf niemand zu uns hinauf; Sie aber sollen in der Wohnung des Büßers in der Wildnis aufgenommen werden. Kommen Sie!«

Er führte uns um die erwähnte Ecke. Dort war der Fels bis hoch empor geteilt; unten füllten diesen Riß Steintrümmer an. Es war ein Kunststück, mit den Pferden darüber hinweg zu kommen. Der Alte half uns dabei. Es kam auch noch ein anderer Helfer, auch ein weißhaariger Greis, doch augenscheinlich ein Indianer und nach der Weise der Cordilleros gekleidet.

»Das ist mein Freund und Bruder Ollco, dessen Gebet Sie hörten,« sagte der erstere. »Als er noch unter die Leute ging, wurde er der rote Gambusino genannt.«

Welch ein Zusammentreffen! Da konnte ich den Gambusino warnen. Hinter dem Geröll verbreiterte sich der Riß zu einem hofartigen Raume, in welchem zwei zahme Lamas waren. Große Haufen Punakräuter lagen da. Das gab Platz und Futter für unsere Pferde. Als wir dieselben abgezäumt und versorgt hatten, wurden wir nach dem hintersten Winkel des hofartigen Raumes geführt. Dort ging im Rücken des Felsens ein schmaler aber sicherer Pfad empor, welcher oben in ein höhlenartiges Loch mündete, groß genug, zwanzig Menschen aufzunehmen; daneben gab es eine zweite, kleinere Abteilung. Da, wo dieses Loch nach vorn mündete, wo wir unten am Felsen gehalten hatten, war ein hohes Kruzifix errichtet, und daneben hing die kleine Glocke, deren Stimme wir gehört hatten.

Der alte Inka ging in den Nebenraum, um dort für ein Lager für uns zu sorgen; der andere sagte:

»Sennor, Sie müssen uns für heute entschuldigen. Ich habe zu büßen und zu beten, und es ist der größte, ernsteste Tag des Jahres heute; aber morgen bin ich ganz der Ihrige. Da drin ist Ihr Schlafgemach, wo Sie auch essen werden.«

»Ich danke, Ehrwürdiger,« antwortete ich. »Es ist der Viérnes santo, an welchem Christus starb; da essen und trinken wir nicht.«

Er neigte billigend den weißen Kopf, und ich fuhr fort:

»Darf ich, um Sie nicht später zu stören, Ihnen etwas Wichtiges mitteilen?«

»Ja, Sennor Rastreador.«

»Es werden drei Comerciantes kommen, welche ich belauscht habe. Sie scheinen es auf den alten Gambusino abgesehen zu haben, von dem sie glauben, daß er sehr viel Gold bei sich habe.«

Es ging ein trübes Lächeln über sein greises Angesicht, als er antwortete:

»Gold und immer Gold! Das ist der Teufel, dem so viele Tausende von Seelen verfallen. Der Gambusino hat nicht so viel Gold, daß er sich eine Stecknadel dafür kaufen könnte.«

»Dennoch bitte ich, Ihre Vorbereitungen zu treffen. Diese Menschen glauben, daß er welches hat. Es ist auf sein und wohl auch auf Ihr Leben abgesehen.«

»Mein Leben ist in Gottes Hand noch weniger als ein Sonnenstäubchen, welches in einem Augenblicke kommt und verschwindet. Beruhigen Sie sich! Es kommt ohne unsern Willen kein Fremder so weit an uns heran, daß er uns schaden könnte. Sind Sie müde, Sennor?«

»Ja,« sagte ich mehr aus Rücksicht für ihn als der Wirklichkeit gemäß.

»So werden sie mir leichter verzeihen, daß ich Sie bitte, zur Ruhe zu gehen. Die Gesetze dieser Felsenzelle sind sehr streng.«

Er deutete nach der Schilfmatte, welche die zweite von der ersten Abteilung trennte. Wir schlugen sie zurück und traten hinein. Es gab da vier Lager, aus trockenem Gras bereitet, und eine primitive Kürbislampe, weiter nichts. Der Gambusino, welcher diese Lampe angebrannt hatte, wünschte uns »buenas noches« und ging dann fort. Wir waren allein und legten uns nieder.

Ich habe mich in vielen, vielen außergewöhnlichen Situationen befunden, aber die heutige kam mir doppelt ungewöhnlich vor. Wir waren als Gäste, und zwar ganz freundlich aufgenommen und doch gleich beim Eintritte zur Ruhe verwiesen worden. Doch das war eine Folge der Klausur. Das Fremdartige lag weniger in der Situation als in den Personen. Wer waren diese beiden Männer? An dem Weißen kam mir einiges wie bekannt vor, die Stimme, die Augen und die eigentümlich tief eingesenkte Nasenwurzel. Bei wem hatte ich das nur schon gesehen? Am nächsten Tage sollte ich auf die Frage die Antwort bekommen. Der Alte sollte mir seine Gastfreundschaft nicht umsonst angeboten haben.

Wir hatten die Lampe ausgelöscht. Die Tobas schliefen. Ich lag schlaflos, sinnend und grübelnd auf dem Lager. Der Gambusino hatte sich, wie ich am nächsten Morgen erfuhr, hinunter zu unsern Pferden gelegt; der Alte war oben allein. Ich hörte seine halblaute Stimme; er betete ohne Unterlaß; oft erklang ein tiefer Seufzer, zuweilen ein schwer unterdrückter Schrei. Was quälte diesen ehrwürdigen Greis in solcher Weise? Lastete eine schwere Schuld auf ihm? War er vielleicht ein Sünder wie Perdido gewesen? Ich hörte ihn die sieben Worte am Kreuze beten. Das letzte veränderte er in: »Wann ists vollbracht, wann ists vollbracht?« Der Todestag des Herrn war auch für ihn ein schwerer Tag. Hätte er geahnt, daß der, für den er litt, heut einen ebenso schweren Viérnes santo, ja, einen noch viel, viel schwerern Karfreitag hatte! – – –

4. Mañana de pascua

4.

Mañana de pascua
(Ostermorgen)

Endlich doch noch eingeschlafen, erwachte ich erst durch das Geräusch, welches die Tobas verursachten. Ich stand auf und schlug die Matte ein wenig zurück. Die beiden Greise saßen, von der Morgensonne hell bestrahlt, vorn an der Höhle. Ich trat zu ihnen hinaus; sie begrüßten mich freundlich. Wir bekamen Wasser zum Waschen und zum Trinken und dann Brotfladen, aus zerstoßenen Bohnen selbst gebacken. Auf meine Frage, wie ich den Alten nennen solle, antwortete er:

»Sagen Sie Vater, Sennor. Und nun erzählen Sie mir von den drei Comerciantes, welche uns überfallen wollen!«

Ich that dies, so weit es sich auf den Gambusino bezog; was ich sonst noch erlauscht hatte, das ließ ich als nicht hierher gehörig aus. Als ich fertig war, meinte der Vater mit demselben Lächeln wie gestern:

»Diese Leute mögen beabsichtigen, was Sie wollen, sie sind uns ganz ungefährlich. Ich habe während dieser ganzen Nacht an Sie gedacht, Sennor. Sie sind ein Europäer, ein Deutscher und wohl weit herumgekommen. Vielleicht können Sie mir eine Frage beantworten, welche mir lange und zentnerschwer auf dem Herzen gelegen hat. Ist Ihnen der Name Monaco bekannt?«


»Ja, ich bin es,« antwortete ich. »Die Hände in die Höhe, sonst schieße ich!«

»Nicht nur der Name, sondern der Ort selbst. Ich war einige Male da.«

»Um zu spielen?«

»Nein; das thue ich grundsätzlich nicht; sondern ich wollte nur diese Hölle mit ihren gefallenen Engeln und hundertfachen Teufeln studieren.«

»Und das haben Sie gethan?«

»Ja.«

Er blickte lange still vor sich nieder; es wurde ihm sichtlich schwer, zu sprechen; dann sagte er:

»Ich habe früher oft von diesem Ort gehört und gelesen. Der Selbstmord soll dort ohne Unterbrechung wüten. Meinen Sie, daß diese Todesfälle eingetragen werden?«

»Hm, wahrscheinlich, vielleicht aber nicht alle.«

»Und daß man für einen ganz bestimmten Fall dort Aufklärung erhalten kann?«

»Das ist nicht unmöglich. Man müßte aber den Namen und die Verhältnisse kennen.«

»Und an wen hätte man sich zu wenden?«

»Von hier aus brieflich etwa?«

»Das hätte sicher keinen Erfolg. Man müßte eine zuverlässige Person beauftragen.«

»Die aber schwer zu finden ist!«

Ich wußte nicht, wo er hinaus wollte, glaubte aber, ihm die Erreichung seiner Absicht erleichtern zu müssen und entgegnete darum:

»Wohl nicht so schwer, wie Sie meinen. Ich zum Beispiel werde wahrscheinlich über Italien heimkehren und kann da Monaco sehr leicht wieder berühren.«

»Sie, Sennor, wirklich, wirklich?« fragte er schnell. »Aber wie wollten Sie Nachricht geben?«

»Das kann doch viel eher brieflich geschehen als die Anfrage. Wissen Sie jemanden, der eine Auskunft wünscht?«

Er wurde plötzlich ein ganz anderer als vorher; er sprang auf und rief:

»Jawohl, Sennor! Ich bin es selbst, ich selbst! Würden Sie sich meiner annehmen? Würden Sie nach Monaco gehen, um zu fragen?«

»Ja, ja. Da Sie es sind, nun ganz gewiß. Ich müßte aber um Namen, Zeit und die sonstigen Angaben bitten.«

»Die sollen Sie haben.«

Er schritt in höchster Erregung in der Höhle auf und ab. Dieser durch Gram, Fasten und Kasteien bis auf das Skelett abgemagerte Mann war mir vorher viel hinfälliger und schwächer erschienen. Dann blieb er wie unter einem raschen, festen Entschlusse vor mir stehen und sagte:

»Es handelt sich um einen Bankierssohn aus Buenos Aires, welcher Riberto hieß; er stahl seinem Vater die Kasse und noch mehr und ging hinüber nach Frankreich und Italien. In Monaco hat er alles, alles verspielt; das ist ganz sicher, und er soll sich dann getötet haben, wie sein Vater erfahren hat. Die Mutter starb vor Kummer, und der Vater ist zum Büßer geworden, um einen Teil der Schuld des Selbst- und Muttermörders auf sich zu nehmen – – –«

Er unterbrach sich und wendete sich ab, um seine Bewegung zu bemeistern. Ich stand da wie einer, dem eine plötzliche Offenbarung wird. Das war ja die Aehnlichkeit, die Nasenwurzel, die Augen, die Stimme! Der Alte war der vormalige Bankier Riberto! Wieder eine jener wunderbaren Fügungen Gottes, welche der Ungläubige für Zufall hält. Ich mußte den Vater trösten, doch recht vorsichtig. Er durfte nicht alles auf einmal erfahren. Der Sohn schien ein Bösewicht jetzt noch zu sein; aber er hatte den Vater gesucht; wenn er ihn fand, so konnte das die Veranlassung zu einer plötzlichen und gründlichen Umkehr sein.

»Wollen Sie sich das merken, Sennor?« fragte der Alte. »Ich werde Ihnen auch die Zeit angeben. Ich muß wissen, ob er sich damals wirklich getötet hat.«

»Ich brauche weder die Zeit noch sonst etwas,« erklärte ich. »Der Name genügt. Auch ist es gar nicht notwendig, daß ich nach Monaco gehe.«

»Nicht? Nicht?« fragte er, indem er mich wie unter dem Aufdämmern einer Ahnung anblickte.

»Nein. Ich habe nämlich erst zufällig von diesem Falle sprechen hören, und sodann – – –«

»Sodann? Weiter, weiter!«

»Zunächst habe ich gehört, daß er sich nicht getötet hat.«

»Nicht, nicht, nicht?« erklang es atemlos.

»Es ist ihm wohl so viel Geld übrig geblieben, daß er der Hölle entrinnen konnte. Dann war er so klug, nach Amerika zurückzukehren.«

»Zurück – – zu – rück – zu – kehren!« stammelte der Vater. »Mein Gott! Wissen Sie das genau, Sennor?«

»Ja. Ich habe wohl sogar mit ihm gesprochen.«

»Wo, wo, wo? Schnell, schnell, Sennor; ich muß es wissen!«

»Ich kann mich leider nicht sofort besinnen. Sie müssen mir Zeit lassen. Es mag Ihnen jetzt genügen, daß er lebt. Wahrscheinlich hat er Sie aufsuchen und um Verzeihung anflehen wollen, Sie aber nicht gefunden. Ich glaube aber kaum, daß Sie ihm dieses schwere Verbrechen vergeben hätten!«

»Nicht vergeben? Herrgott, Herrgott, nicht vergeben! Was wissen Sie von einem Vaterherzen, Sennor! Ich möchte – – –«

Er wurde unterbrochen. Unten vom Felsen herauf ertönte ein scharfer Pfiff. Der Gambusino trat hart an den Rand der Höhle und fragte hinab, wer unten sei.

»Drei Comerciantes,« lautete die Antwort, »welche dem Gambusino Geschenke zu überbringen haben.«

»Das sind die Halunken,« meinte der alte Inka. »Ich weise sie ab!«

»Warten Sie noch,« antwortete ich. »Ich will sie erst sehen.«

Ich schob den Kopf über die Kante der Höhle hinaus und sah hinab. Ja, die drei Comerciantes waren es, aber mit einem vierten, ledigen Pferde; es war Perdidos Pferd; ich erkannte es und erschrak. Hatten sie ihn ermordet? Dann verlor der Vater den Sohn zum zweiten Male. Hier galt es, keine Zeit zu verlieren, sondern so rasch wie möglich handeln.

»Laßt sie von den Pferden steigen und herein in den Hof kommen.« sagte ich. »Die Pferde mögen aber draußen bleiben.«

»Aber – – –« wollte der Gambusino entgegnen.

»Still, Sennor! Es handelt sich um ein kostbares Menschenleben, kostbar auch für Sie, Sennores. Der Vater mag hier bleiben; der Gambusino läßt sie herein. Das Uebrige thue ich mit meinen drei Tobas.«

Um jede Widerrede abzuschneiden, schob ich den Gambusino fort und hinaus auf den Felsenpfad. Er stieg hinab; wir folgten ihm und blieben hinter der Ecke halten. Ich hatte den Stutzen mitgenommen. Nach kurzer Zeit kam der Gambusino mit den Comerciantes über die Trümmer hereingestiegen. Sobald sie sich im Hofe befanden, sprang ich vor, an ihnen vor über, besetzte die Stelle, über welche sie hereingekommen waren, so daß sie nicht zurück konnten, und legte den Stutzen auf sie an.

»Válgame Dios, el Rastreador – Gott stehe uns bei, der Rastreador!« rief der eine von ihnen.

»Ja, ich bin es,« antwortete ich. »Die Hände in die Höhe, sonst schieße ich!«

Mein Kriegsname hatte ihnen Respekt eingeflößt; sie zögerten nicht, zu gehorchen, und hielten ihre Hände hoch über ihre Köpfe empor. Die Tobas mußten ihnen nun die Waffen abnehmen und alle Taschen leeren. Sie wollten sich über dieses Verhalten beschweren; aber ich fuhr sie an:

»Ruhig! Ich habe Euch belauscht, als Ihr am Sonntag Abend im Corral über Eure Pläne spracht. Ich weiß alles, auch was Ihr hier wollt. Wo ist Sennor Perdido?«

»Wir wissen es nicht.«

»Ihr habt doch sein Pferd.«

»Ja; er ist mit uns geritten, stieg aber ab und bat uns, sein Pferd mitzunehmen, er werde nachkommen.«

»Sinnt Euch doch bessere Lügen aus als diese!«

»Es ist so wahr.«

»Meinetwegen! Ich habe keine Lust, meine kostbare Zeit mit Euch zu verlieren. Ein offenes Geständnis könnte mich mild gegen Euch stimmen; nun habt Ihr auf keine Nachsicht zu rechnen. Machen Sie sich zu einem Ritte fertig, Sennor Gambusino. Sie sollen mich begleiten.«

Ich nahm ihn mit, weil er erfahrener als meine Tobas war. Die Comerciantes wurden gefesselt und auf die Erde geworfen; ihre Pferde sollten von den Tobas hereingeschafft werden. Als der Vater hörte, daß wir beide fort wollten, sollte ich ihm ausführlich sagen warum. Ich sagte ihm aber nur kurz, daß es sich um die Rettung eines Beraubten handle.

»So beeilen Sie sich,« drängte er nun. »Vielleicht finden Sie ihn noch am Leben. Leider wurden wir grad gestört, als wir von meinem Sohne sprachen. Ihre Nachricht ist mir auf den gestrigen Trauertag eine wahre Jubelbotschaft gewesen.«

»Wills Gott, wird es auch hierin Ostern werden.«

Wir schafften unsere Pferde hinaus und ritten auf der Spur der Comerciantes zurück. Jetzt war es nicht zu umgehen: ich mußte dem Gambusino sagen, um wen es sich handelte. Sein Erstaunen war groß. Auf dem felsigen Terrain war die Spur leicht zu verlieren; ich hielt sie aber fest, ohne daß der Gambusino mir dabei von Nutzen war. Diese Leute sind zwar für ihre specielle Thätigkeit förmlich abgerichtet, aber mit den echten nordamerikanischen Westmännern lange nicht zu vergleichen.

Es würde zu weit führen, die Einzelheiten unserer Suche zu beschreiben. Perdido war mir und die Comerciantes waren ihm gefolgt. Ich sah an den Spuren, wo sie ihn eingeholt hatten; dann ging eine Fährte nach einer Felsenwand, von welcher früher ein kleiner Wasserfall, den der Zufall abgeleitet hatte, herabgestürzt war. Dieser Wasserfall hatte ein brunnenähnliches, tiefes Loch ausgewirbelt, und in diesem Loche steckte Perdido, im eiskalten Wasser stehend und an Händen und Füßen gebunden. Er war mit Hilfe eines Lasso hinabgelassen worden, und es machte uns nicht wenig Mühe, ihn wieder herauszubringen. Ich erschrak, als er dann vor uns lag. Er war unbeschädigt; aber die Todesangst und der viele Stunden lange Aufenthalt im eiskalten Felsenwasser waren nicht ohne Wirkung geblieben. Er phantasierte, und jedes dritte Wort dabei war Viérnes santo, der Karfreitag. Der Ueberfall war gestern abend geschehen; seitdem hatte er in dem Wasserloche gesteckt, ohne zu erstarren! Aber diese Karfreitagnacht in immerwährender Todesangst hatte ihn innerlich mürbe gemacht und klein gemahlen, wie wir später bemerkten.

Nun war es freilich schwer, ihn zu transportieren. Ich nahm ihn vor mir auf das Pferd, mußte aber alle Kraft aufwenden, um ihn festzuhalten. Er glaubte noch immer im Wasser zu stecken und schrie und jammerte, daß es zum Erbarmen war. Er wollte fort, und oft mußte mir der Gambusino zu Hilfe kommen, sonst hätte er sich meinen Armen entwunden.

Endlich, endlich kamen wir an. Der Gambusino mußte hinauf zum Vater, um diesen vorzubereiten; die Tobas waren mir behilflich, den Geretteten in den Felsenhof zu bringen, wo wir ihn niederlegten. Die Gefühle der drei Comerciantes, als sie uns mit ihm kommen sahen, hätte ich nicht haben mögen. Ich hätte sie freilich am liebsten tüchtig durchpeitschen mögen, und sie hatten jedenfalls eine noch ganz andere Strafe verdient, doch hielt ich das für unter meiner Würde und warf keinen einzigen Blick auf sie. Ich war im stillen dafür, sie laufen zu lassen, natürlich nur dann, wenn Perdido mit dem Leben davonkam. Sollte er aber an der fürchterlichen Erkältung und Todesangst zu Grunde gehen, dann war eine scharfe Strafe ganz am Platze.

Da ertönte oben ein durchdringender Schrei.

»Mein Sohn, mein Sohn!« rufend, kam der Vater den Felsenweg herabgeeilt, warf sich auf Perdido, riß ihn an sein Herz, küßte ihn, nahm ihn dann hoch auf die Arme und stieg mit ihm hinauf zur Höhle. Ich folgte nicht nach. Es war besser, Vater und Sohn waren jetzt allein. Aber ich schickte unsere drei Ponchos hinauf mit der Weisung, sie naß zu machen und den Kranken dann hineinzuwickeln. Nachher kam der Gambusino herab und berichtete mir mit Thränen in den Augen, mit welcher Liebe und Wonne der Vater um den verloren gewesenen und nun wiedergefundenen Sohn, der ihm doch so viel Gram bereitet hatte, beschäftigt sei.

Perdidos Taschen waren von den drei Räubern ausgeleert worden. Da es zunächst nichts anderes zu thun gab, so wurde bestimmt, was ihm gehört hatte; sie mußten es hergeben.

Die Nähe des Vaters war von guter Wirkung auf die Phantasien des Sohnes; er beruhigte sich nach und nach und fiel in einen tiefen, festen Schlaf. Am Nachmittag brach ein tüchtiger Schweiß aus, welcher alle Hoffnung auf eine vollständige Heilung gab.

Auf die Gefangenen wurde natürlich keine Rücksicht genommen. Sie lagen in sehr fest angezogenen Fesseln da, die wir ihnen nicht lockerten, und bekamen weder zu essen noch zu trinken.

Gegen Abend ließ mich der Vater hinauf zu sich bitten. Er drückte mir wohl hundertmal die Hände, sprach dabei aber sehr leise, um den schlafenden Sohn ja nicht zu wecken. Ich mußte ihm erzählen, wie ich Perdido kennen gelernt hatte. Ich that dies ganz der Wahrheit gemäß und beschönigte nichts.

»O, Sennor, er war nicht so schlimm, wie es schien,« sagte er Alte. »Das Gute hat mit dem Bösen in ihm gekämpft, und bei jedem Kampfe kommt bekanntlich das Schlachtfeld am allerschlechtesten weg. Er hat sich nach Vergebung gesehnt und sie doch nicht finden können, weil ich verschwunden war. Das hat ihn verbittert.«

»Woher wissen Sie das, Vater?«

»Aus seinen Phantasien. Und die Nacht im Loche des Wasserfalles muß entsetzlich gewesen sein; seine Irrreden sagen mir auch das. Ich denke, daß diese Nacht zu seinem Heile gewesen ist, und bitte Gott, daß ich mich da nicht irre.«

»Auch ich wünsche das herzlich. Was gedenken Sie denn mit den Comerciantes zu thun?«

»Ich? Nichts. Aber Sie?«

»Mich gehen Sie gar nichts an, denn sie haben mir nichts gethan. Meiner Ansicht nach haben Sie und Ihr Sohn über diese Leute zu entscheiden. Strafe haben sie verdient.«

»Ja. Aber wer soll der Richter sein? Etwa mein Sohn, der selbst anstatt der Strafe Verzeihung finden wird? Oder ich? Sennor, ich glaube, ich bin auch nicht ohne Schuld. Wem eine Menschenblume anvertraut ist, der soll sie pflegen, und wenn sie nicht gerät, so ist nicht allein die Blume schuld. Nein, diese Comerciantes mögen ihre Sachen nehmen und sich davonmachen.«

»Aber erst morgen, damit sie noch Angst auszustehen haben. Wie denken Sie denn nun von Ihrer Zukunft? Werden Sie hier bleiben? Mittel, in die Civilisation zurückzukehren, besitzen Sie wohl nicht?«

»O, der Gambusino, dieser alte Goldsucher, hat viel, viel mehr edles Metall, als ich gestern eingestanden habe. Darüber läßt sich jetzt noch nichts bestimmen. Mag es aber kommen, wie es wolle, wir bleiben Ihre Schuldner, so lange ein Atem in uns ist!«

Der Vater blieb den ganzen Abend bei dem Sohne. Ich saß mit dem Gambusino und den drei Tobas beisammen, bis die Müdigkeit sich meldete und wir zur Ruhe gingen. Früh war ich zeitig munter, als eben die junge Ostersonne den Osten mit purpurnen und goldigen Tinten färbte.



Der Gambusino und die Tobas schliefen noch. Die Comerciantes lagen mit offenen Augen und verzerrten Zügen da; sie befanden sich jedenfalls nicht in guter Osterstimmung. Ich stieg leise hinauf zur Höhle. In der großen Abteilung schlief der Kranke, der nun wohl gesund war, denn er atmete ruhig, und sein Gesicht zeigte die frühere Farbe wieder. Sein Vater hatte während der ganzen Nacht bei ihm gewacht und sich erst vor ganz kurzer Zeit in die kleinere Abteilung gelegt. Die aufgehende Sonne schien zur offenen Höhle herein und warf zitternde Lichter auf die Wände derselben. Einige dieser Lichter verirrten sich auf das Gesicht des Schlafenden; sie gaben demselben ein eigentümliches warmes Leben. Es waren nicht mehr die Züge des Perdido vom Madeirastrome, sondern es sprach aus ihnen eine Seele, die er damals nicht besessen hatte.

Da bewegte er sich. Ich wollte zurücktreten, aber schon öffnete er die Augen.

»Sennor, Sie hier?« fragte er halb erstaunt und halb erfreut. »Sie haben – – –«

Er besann sich, und ich trat näher. Sein Auge leuchtete glücklich auf, indem er sagte:

»Ich erwachte, und mein Vater saß bei mir. Ich bat ihn, mich nicht Perdido sondern Hallado, den Wiedergefundenen, zu nennen. Ist es wahr, daß ich bei meinem Vater bin?«

»Ja, Sie sind bei ihm und werden von nun an bei ihm bleiben.«

»Und wem verdanke ich das?«

»Dem guten Gott, der die Schicksale der Menschen wie Wasserbäche lenkt.«

»O, dem guten Gott, von dem ich nichts wissen wollte, Sennor. Erinnern Sie sich Ihrer Worte, daß meine Zunge mir am Gaumen kleben würde? Es ist eingetroffen. Man senkte mich in die kalte Tiefe, daß das Wasser mir bis an den Leib reichte, und deckte das Loch über mir mit Steinen zu. Da habe ich um Hilfe gerufen und um Gnade gebeten; da habe ich Gott um Barmherzigkeit angefleht fort und immerfort, bis mir, wie Sie sagten, die Zunge am Gaumen klebte. Dann weiß ich nichts mehr. Später aber war es mir, als ob ich in Ihren Armen gelegen hätte.«

»Das war allerdings der Fall. Wir hatten Sie aus dem Loch geholt und wollten Sie Ihrem Vater bringen.«

»Wie lange habe ich da unten gesteckt?«

»Gewiß zwölf Stunden lang.«

»Daß ich da nicht gestorben bin! Das war die entsetzliche Leidens- und Karfreitagsnacht. So ist es jetzt Sonnabend früh?«

»Nein, Freitag haben wir Sie hierher gebracht, und bis jetzt haben Sie geschlafen. Es ist Ostermorgen. Sehen Sie die Sonne dort! Wissen Sie, was sie verkündigen will?«

»Christ ist erstanden.«

»Und glauben Sie nun daran?«

»Ja, er ist wahrhaftig auferstanden, Sennor!«

Da kam sein Vater, welcher aufgewacht war und diese Worte gehört hatte, herbei und beugte sich mit Thränen der Freude über ihn. – –

[Fußnoten]

1 Deutschen.

2 Die Cordilleren sind das längs der südamerikanischen Westküste sich hinziehende Hochgebirg.

3 Paraguaythee.

4 Poncho ist ein aus einem viereckigen Stück Tuch bestehender Mantel.

5 Goldsucher.

6 Punas heißen die kalten Hochebenen auf den Cordilleren (besonders in Peru).

Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid, www.editura.de) veröffentlicht. Die Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen).

Lizenzvertrag

Eine vereinfachte Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in allgemeinverständlicher Sprache

Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek