1. HöhentodSturmlieder vom MeerGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraVom Sterben
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Vom Sterben
1. Höhentod
Zwischen Morgen und Abend
dehnt sich ein schweres Joch;
und wenn die Schatten steigen,
flammen die Gipfel noch.
Die Hohen, die Stolzen, die Letzten,
des leuchtenden Tages Erben – –
auf dieser Gipfel höchstem,
Ewiger, laß mich sterben!
2. Der letzte Gang1. HöhentodSturmlieder vom MeerGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraVom Sterben
2. Der letzte Gang
Reich mir den Kelch! Und deine Hand!
Und komm! Das Dunkel bricht herein.
Die Blätter schauern kühl und krank;
noch wehn sie nicht in unsern Wein.
Kein Auge sieht bei Nacht uns nach
und weint um uns bei Morgenschein –
Reich mir den Kelch! Und deine Hand!
Und komm! Wir werden selig sein.
3. Spuk2. Der letzte Gang1. HöhentodSturmlieder vom MeerGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraVom Sterben
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3. Spuk
Der Sturm erstarb. Die Woge singt
ihr zitternd Lied dem Abendrot.
Ueber die dunkle Düne klingt
ein Schluchzen wie aus letzter Not . . .
Der kühle Hauch des Wassers streift
mich scheu wie ein verstoßner Schmerz,
– und spukhaft aus dem Dämmer greift
mir eine blasse Hand ans Herz.
4. Im Reiche des Todes3. Spuk2. Der letzte Gang1. HöhentodSturmlieder vom MeerGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraVom Sterben
4. Im Reiche des Todes
Und nimmst du gleich die Welt zum Raub,
durch deine Reiche schreit ich;
über das fallende Lindenlaub
und meiner Ahnen wehenden Staub
die segnenden Hände breit ich!
Du bist der finstere Sieger nicht;
du dienst dem lachenden Leben!
Aus deinen Tiefen keimt und bricht
und muß zum flammenden Sonnenlicht
die junge Saat sich heben.
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