GlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Mit roten Kressen

[57][59]

Glut

Mit roten Kressen hatt' ich mich geschmückt –
du hast sie jäh an deiner Brust zerdrückt.
Mit bleichen Wangen bot ich dir den Gruß –
in Flammenwogen tauchte sie dein Kuß.
Mit ruhigem Herzschlag trat ich zu dir her, –
und nun, und nun: ich kenne mich nicht mehr....
[59]
Nun lachst du mich verstohlen an
mit dunklem Auge, du fremder Mann;
mit brennender Lippe streifst du mich –
heiß pocht mein Herz: ich kenne dich!
Aus schwüler Träume Zauberspuk,
aus Wüstenschemen voll Lug und Trug,
aus Frühlingsnächten voll Windeswehn
hab ich dein Bild mir winken sehn!
Aus düster flammendem Morgenrot,
das Hagelschauer den Saaten droht,
aus lohendem Blitz, wenn ein Wetter braut,
hat schon dein Auge mich angeschaut . . .
Nun trittst du selbst in meinen Pfad:
ich weiß, daß mein Verhängnis naht;
mit brennender Lippe streifst du mich –
wild rast mein Blut – ich grüße dich!
Und als ich aus dem liebebangen,
dem Kindertraum emporgeschreckt,
hieltest du meine Hand umfangen
und hast mit Küssen sie bedeckt.
Ich hab im Blick dir lodern sehen
der Sehnsucht zwingende Gewalt – –
ich sah die Fieberschauer gehen
durch deine trotzige Gestalt.
[60]
Umsonst! umsonst nun Kampf und Beben:
du hast gewußt, was dir gefrommt . . . .
ein Blütenopfer war dein Leben,
neige dein Haupt – der Herbststurm kommt!
Auf meinen Lippen brennt dein Kuß,
er brennt wie Feuer und Sünde,
er brennt wie himmlischer Hochgenuß
und macht mich zum schwachen Kinde.
Viel wilde Rosen erblühn und glühn
und glühn und verwelken am Hage –
und der Wald ist duftig, der Wald ist grün
am leuchtenden Julitage . . . . .
Vom Meer herauf die Sonne grüßt,
Tautropfen am Riedgras beben: – –
wir haben uns kaum Willkommen geküßt
und sollen uns Abschied geben!
Und gehen sollst du, geliebter Mann,
mit all' dem zitternden Bangen,
mit der ungelöschten Glut hindann –
und durften uns kaum umfangen.
Wie lange währt es, so schwillt der Wein,
im Felde die Sicheln klingen;
all', was da blühte im Sonnenschein,
wird reifen und Früchte bringen.
[61]
Die Luft wird kühl, und das Laub verdorrt,
Schnee liegt auf Hängen und Hagen ...
wir aber werden von Ort zu Ort
die zehrenden Gluten tragen.
Ich lag in deinen Armen
in willenloser Haft,
durch deine Seele brauste
der Sturm der Leidenschaft.
Du zogst an deine Lippen
aufjauchzend meine Hand –
auf deiner stolzen Stirne
ein Wort geschrieben stand.
In schweren dunklen Zügen
ein rätselwirres Wort, –
ich seh' vor meinen Augen
es leuchten immerfort.
Es glüht in meinem Herzen
und brennt sich in mein Hirn,
es lockt mich in die Hölle
das Wort auf deiner Stirn . . . .
Und weil du meinem besseren Wesen mich
entfremdet hast in jener schwülen Stunde,
weil ich dich liebe, darum hass' ich dich,
ja, hass' ich dich aus meines Herzens Grunde!
[62]
Ich rüttle wild das eiserne Geflecht,
das ich mir selber habe schmieden müssen;
in deinen Armen hass' ich dich erst recht –
und töten möcht' ich dich mit meinen Küssen!
Laut pocht mein Herz – und dürstend blickt dein Aug':
den Becher hebst du, – wohl, so laß uns trinken!
Verglühen sollst du noch in meinem Hauch
und sterbend mit mir in die Flammen sinken!
Und siehst du nicht auf meiner Stirn
das blutige Mal, den roten Streif? –
Er drückte weh und wund mein Hirn,
und ich zerbrach den Kettenreif.
Des frommen Spieles ward ich müd,
aus meinem Herzen bricht ein Schrei:
es wogt die Nacht – die Lippe glüht –
und aller Bande bin ich frei!
Zieh mich noch einmal an deine Brust,
erstick mich in lodernden Küssen:
wir haben vom ersten Blick ja gewußt,
wie bald wir scheiden müssen.
Wir haben geschwelgt in heißem Genuß,
als gält' es ein ewiges Meiden,
und doppelt geküßt jeden feurigen Kuß,
als wär' es der letzte vorm Scheiden!
[63]
Bei dem die Minne am längsten wohnt,
nicht der mag am besten fahren – –
wir haben genossen in einem Mond
die Seligkeit von Jahren!
Ich habe aus dem übervollen
Pokal der Liebe rasch gezecht,
ich nahm im Sturm, im heißen, tollen
lenzseligen Rausch mein Jugendrecht.
Dann hat der Trotz zu roten Flammen
empört in mir das wilde Blut –
und all mein Leben brach zusammen
in schrankenloser Liebesglut.
Was mir das Reinste schien und Beste,
begraben liegt's im Flammenschoß.
Am glühend heißen Aschenreste
harre ich schauernd atemlos
des lichten Wunders, das sich zeigen:
des Phönix, der da lebensvoll
aus toten Erdengluten steigen
und mich gen Himmel tragen soll.
MargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[64] Margarete

Dornige Wege
bin ich gewandelt,
blutende Wunden
trag ich im Herzen,
lichtlose Tiefen
hab ich durchmessen . . . .
[65]
In Wogen des Schmerzes,
im Abgrund der Qual
fand ich eine Perle:
Dich, Margarete!
Wir schreiten über den Dünenweg,
als gält' es das Glück zu packen –
die Zweige schlagen uns ins Gesicht,
der Sturm sitzt uns im Nacken.
Vorüber geht es am grünen Grund,
am riedbewachsenen Hange,
vorüber am Siebenbirkenplatz . . . .
Die Wellen murmeln so bange.
Zur Linken ein steinernes Festungstor;
aus moosiger Mauern Kranze
blickt das Gesicht der alten Zeit –
das ist die Heydenschanze.
Zur Rechten das weite, blauende Meer,
darüber die Möwen kreisen,
drauf spielt der trotzige Harfner Sturm
uralte Freiheitsweisen.
Und nun ein blühender Schlehdornhag –
der Fink schlägt in den Wipfeln,
dann geht es aus schattigem Grund empor
zu leuchtenden Bergesgipfeln.
Und fragen wir schier erstaunt, wohin
der Weg uns endlich führe: –
da sind wir schon am Ziel, da stehn
wir an der Friedhofstüre.
[66]
Rotblühende Tannen nicken scheu
uns zu mit dumpfem Geflüster –
und drüben grüßt vom Leichenhaus
das Kreuz uns ernst und düster.
Ich lasse dich nicht, mein letztes Glück,
ich halte dich fest mit kräftiger Hand:
schaumsprühende Woge kehrst du zurück
an meines Lebens verlassenen Strand.
Du nie versiegendes tiefes Meer,
du Abgrund der Liebe, ich lasse dich nicht, –
meine Stirn so heiß und mein Auge schwer,
du gibst mir Kühlung, du gibst mir Licht!
Ob, was ich baute, in Trümmer bricht,
wonach ich faßte, wie Schaum zerstiebt:
der sich mein Wesen zu eigen gibt,
du meine Seele, ich lasse dich nicht!
Im fernen Westen ein blasses Rot,
auf schimmernden Wassern ein Fischerboot.
Von den Gräbern über die Dünen her
weht Blumenduft, so schwül und schwer.
Ein Vogel mit müdem Flügelschlag
irrt durch den blühenden Brombeerhag –
Und es fällt der Tau, und der Tag schläft ein . . .
wir beide hier oben ganz allein.
Wir beide hier oben Hand in Hand
schaun stille hinab ins verdämmernde Land:
[67]
In blassen Nebeln die Welt versinkt,
die letzten Laute die Stille trinkt.
Nun gleitet über das dunkle Meer
mit Sternensegeln die Nacht daher,
Und wo sie landet, wird Fried und Ruh, –
und einsam hier oben ich und du . . . . . . .
So fass' ich deine beiden Hände
und blick ins Auge dir ohne Laut:
du bist mein eigen bis ans Ende,
mir Schwesterseele, tiefvertraut.
Kein Trauern kenn ich, kein Begehren,
nickst du mir lieb und lächelnd zu: –
es ist, als ob wir fern auf blauen Inseln wären,
als überflösse nun ein abendlich Verklären
die sturmesmüde Welt – ein Traum von Sonnenruh.
WeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
BefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[68] Weib

Befreiung

Eine Kraft ist in mir frei geworden, die mit eisernen Ketten seit Jahrtausenden gebunden lag.

Gebunden in mir.

Eine Kraft, die ich mit flammender Seele erstrebt und mit brennenden Tränen erbeten habe . . .

eine Kraft, nach der meine Sehnsucht durch schwarze Höhlen suchen gegangen und auf bereifte Gipfel gestiegen ist . . .

eine Kraft, die mich in des Mannes Arme getrieben und auf meine verdürstenden Lippen den Schrei gelegt hat: »Herr – gib!«

[69] Aber die schwarzen Höhlen waren bewohnt von Schlangen und Ungetier, und auf den Bergen waren alle Kräfte tot.

Und der Mann gab mir wohl auf meinen zitternden Ruf; gleichzeitig aber nahm er auch von mir. Und da ich genauer zusah, erkannte ich, daß dem viel mehr war, das er mir genommen, denn das er mir gegeben hatte.

Da stieg ich hinab in die Hütte des Elends. Und als ich am Schmerzenslager des Weibes stand, das keine Milch in den Brüsten hatte und nicht wußte, womit es sein Kindlein nähren sollte, und das dennoch auf das Neugeborene mit einem leuchtenden Blicke herniedersah, in dem eine Welt von Kraft lag: – da fühlte ich ein Verwandtes erwachen und etwas frei werden in mir und los von einem ungeheuren Bann.

Und alle Sehnsucht war von mir genommen wie der Morgentau von der Mittagswiese.

Da erkannte ich, daß es die Kraft war, die ihre Schwingen in mir regte. Die Kraft, nach der ich irrend, blutend und blind die vielen Jahrtausende lang gesucht.

Und die Kraft in meinem Herzen hob ihr Haupt empor und riß meine Seele mit sich hinaus in eine reine, blaue, klingende Welt . . .

Ich nahm die Laute in meine Hände und sang. Sang von den Blicken des Weibes, die meine Ketten zerbrochen hatten und mich das Schaffen gelehrt.

Das WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Das Weib

Ich sah das Weib, wie tiefer Sehnsucht voll
es auf den dürren dornenbewehrten Aeckern
nach Paradiesen suchte, – sah das Weib,
von dunklem Fluch gehetzt,
mit blutenden Füßen durch die Wüsten irren . . .
[70]
Ich sah das Weib, von Gotteskraft gesegnet,
die allen Fluch in lauter Licht verwandelt:
sah, wie es Mutter ward,
Gebärerin der kommenden Geschlechter,
und in den Augen der Gemarterten,
die opferfroh mit tausend Toden rang
und tausend Leben gab, –
in ihren Augen las ich diese Lieder:
Aus Felsenöde
von zerklüftetem Berggrat
in den lichtlos fahlen Morgenhimmel
ragt ein Kreuz.
Ueber dem Kreuz
schwebt auf schweren, schwarzen Schwingen
– wie ein nachtgeborner
sehnsuchtgetragener Schmerzgedanke –
ein Königsadler
einsam und lautlos
in der dämmernden Frühe dahin . . .
Am Kreuz aber hängt,
in Ketten geschlagen,
sich windend in blutiger Qual,
ein Menschenleib –
der nackte Körper einer Frau.
Jeden Muskel gestrafft
an den weißen, zuckenden Armen,
das Haupt geneigt
und die starrenden Blicke
hilfesuchend nach Ost gerichtet –
auf den heißen, vertrockneten Lippen
die stöhnende Frage,
den Schrei nach Erlösung:
[71]
»Wie lange noch, Herr –
oh, Herr, wie lange noch? –«
Nur ein Wolkenschatten geht
über die Gefilde.
und aus der Wolke
– von einem Heiligenschein
aufflammender Strahlen umgeben –
blickt ein Dulderantlitz,
neigt ein dornengekröntes Heilandshaupt
schmerzvoll lächelnd sich dir entgegen.
Seine Augen suchen die deinen –
und die gequälten, dürstenden Lippen
zucken und stammeln,
als wollten sie reden,
helfen und trösten
und Antwort dir geben
auf deine stöhnende Frage –
und wissen keinen Trost
und finden keine Antwort . . .
Nur ein Wolkenschatten
geht über die Gefilde.
Vom Meere braust der Wind,
die sieben Birken schwanken –
durch mein gequältes Haupt
hinflattern irre Gedanken . . .
Die Sonne sank zu Grab,
ihr Glühn hat all gelogen,
ein windverwehtes Blatt
treibt über die dunklen Wogen.
[72]
Das war im Traum: – Ein schattendunkles Tal,
ein bleiern Wasser, tief im Schilf versteckt,
erlenumsäumt, von Lailich zugedeckt –
darüber lag das Mondlicht kalt und fahl
wie tote Liebe . . .
Ein scheuer Wind schlich durch das feuchte Gras
und schluchzte leis – und sprang dann jäh empor
und hob des Lailichs grünen Schleierflor –
und aus der Tiefe starrte blicklos, blaß
mein eigen Antlitz . . .
Vom Schlafe bin ich jäh erwacht:
es heult mein Hund in dunkler Nacht.
Er heult im Traum – wie dumpf und bang!
Aus weiter Ferne ein Weheklang . . .
Ums Fenster nächtiges Grausen spinnt:
leis raunend singt Novemberwind
Ein Sterbelied der kranken Welt – – –
und morgen fegt der Sturm das Feld,
Und morgen deckt den Hag der Schnee . . .
mir ist so weh, zum Sterben weh!
Mir ist, als sollte ich nimmer schauen
die Rosen blühen, die Wogen blauen, –
Mir ist, als hörte ich nimmermehr
in Frühlingslüften der Vögel Heer, –
[73]
Als grüben sie bald im Totenschrein
mich in die kalte Erde ein,
Und schlafen müßt ich da Jahr und Tag,
und niemand hielte mir Totenklag . . .
Und niemand segnet mein Grab, – vielleicht,
daß noch mein Hund auf den Friedhof schleicht
Und einsam hält da die Leichenwacht
und bange heult durch die Winternacht – – –

Fahldunkel des Dezembermorgens brütet über der Welt.

Nur am Südosthimmel hin dehnt sich ein schmaler herzblutroter Streif.

Rastlos schlägt das Meer ans Ufer; dumpfgrollend raunt die Tiefe ein nächtliches Geheimnis der zagenden Frühe zu . . .

Und durch den Nebel auf der Heide schwimmen ferne, weiche, verlorene Töne – Kinderstimmen gleich: die Weihnachtsglocken.

Ich bin allein in der schweigenden Feiertagsfrühe. Und wende mein Haupt gen Osten, wo die Sonne sich erheben soll, und wende meinen Blick gen Himmel, von wo die Liebe herabgestiegen ist in dieser Nacht.

Ein warmer Schein kommt von Südosten hergeflossen, so daß der Schnee am Dünenhange leicht errötet. Und da . . . im unberührten Weiß vor mir erblick' ich eine Fußspur . . .

Die Spur eines nackten Menschenfußes. Schmal und zierlich nur: ein Frauenfuß.

Ein Schaudern fliegt mir durch den warmen Leib – mich friert bis in das Mark.

»Wo kommst du her? – Wohin bist du gegangen?«

Lauter klingen die Feiertagsglocken herüber . . . »Wohin bist du gegangen?« –

[74] Ein Schatten huscht an mir vorüber, ein körperloses Schemen nur . . . Ich seh' ihn nicht: ich fühle seinen eisigen Hauch und das Wehen gelösten Haares um meine Stirn . . . Notdürftig bekleidet – mit nackten Füßen in dem kalten Schnee . . . und jetzt – jetzt sehe ich sie auch – sie, die in der schwülen Sommernacht ihr Alles einst der Liebe geopfert hat, – sie, die nun, verlassen und von Haß und Hohn verfolgt, von wehem Hoffen und tödlicher Sehnsucht emporgetrieben, vom zerwühlten Lager in die Winternacht hinausgeflüchtet ist, um Frieden zu suchen an dem Fest der Liebe – ach, nur Frieden! –

Mit schneebleichen Lippen und todesstarrem Gesicht, mit weitoffenem, erloschenen Augenpaar seh' ich sie vorüberhuschen, die Düne hinab, über den schimmernden Schnee hinweg, und tiefer hinab, tiefer, immer tiefer . . .

Ein Angstschrei erstickt in meiner Kehle: mit beiden Armen greife ich in die Luft und fasse nichts – mit irren Blicken suche ich umher und sehe nichts – nichts mehr als die entsetzliche Fußspur vor mir, die hinabführt bis an das gurgelnde Wasser . . .


Mein liebes Kind, in Schmerzen –
mein armes Kind, in Schmach
bis zum Befreiungstag
trag ich dich unterm Herzen.
Getränkt mit meinen Tränen,
genährt mit meinem Blut,
– mein höchstes Erdengut –
ich darf dich nicht ersehnen!
Darf fühlen nur mit Beben,
geheimer Lust und Pein
– noch eins mit meinem Sein –
dein jungerwachend Leben.
[75]
In grüner Wälder Stille
geh ich zur tiefen Nacht, –
aus reifer Ernten Pracht
keimt mir der Lebenswille.
Fern von der Menschen Blicken,
von der Gerechten Zorn,
trink ich aus ewigem Born
ein schmerzliches Entzücken . . .
Bis an den Tag der Schmerzen,
den Tag, der dich mir nimmt,
schlaf ruhig, du mein Kind,
schlaf unter meinem Herzen.
Mutter der Barmherzigkeit,
Retterin aus Todesnöten,
halte deinen Fuß bereit,
schützend vor mich hinzutreten,
die gebenedeite Hand,
die den Herrn der Welt durft' pflegen,
auch auf meines Kindes Haupt,
aller Gnaden voll, zu legen . . .
In dunkler Straße das niedre Haus –
vorüberflutet der Welt Gebraus.
Voll Stroh die Lade, nicht Bett noch Schrein,
und drüber des leuchtenden Sternes Schein!
Und drinnen das reichste Glück der Welt:
die Mutter, welche ihr Kindlein hält.
[76]
Und aus den Augen des Kindes fällt
ein Heilandsblick in die dunkle Welt . . .
Ich glaube: wer dem Tod geweiht
ins schmerzenreiche Dasein tritt,
der bringt für seine Spanne Zeit
die Fülle der Erkenntnis mit . . .
Den letzten Blick in das bleiche Gesicht,
du einsame Mutter, weine nicht!
So trüb' die Sorge dein Haupt umspinnt,
so friedlich und sorglos schläft dein Kind!
Sie nahmen es bald von deiner Seit';
sein kurzes Leben war Qual und Leid,
Sein frühes Sterben ist Trost und Ruh', –
lächle noch einmal dem Liebling zu!
Den letzten Blick in das süße Gesicht . . .
Freue dich, Mutter, – weine nicht!
Was kommst du zu mir alle Nacht
und pochst an meine Fensterscheiben?
Ich darf nicht auftun, armes Kind –
du mußt im kalten Grabe bleiben.
Ich darf nicht auftun, süßes Kind,
darf dich nicht hegen, dich nicht tränken . . .
Ich darf an dich nur alle Nacht,
nur alle Nacht in Tränen denken.
[77]
Die Erde deckt dich zu, ich weiß nicht wo . . .
Auf deinem Grabe blühen keine Blumen,
kein Vogel singt ein Wiegenlied für dich;
und dennoch schlummerst du so tief und süß,
so tief und süß, wie selbst in Mutterhut
kein Kindesauge sich zum nächtigen Frieden schließt.
Ein kurzer Frühling war's, ein Lenz von Tagen,
den du gelebt. – Doch war's ein goldener Lenz,
und blauer Himmel lachte über dir,
und lichter Sonnenschein umspann dein Lager.
In deiner Augen sammetbraunen Kelch
fiel keiner Wolke Schatten, süße Knospe –
in deiner Wurzel aber saß der Wurm;
und als der Sturmwind kam, verwehtest du,
mein Sonnentraum . . .
Seit jenen schmerzenreichen Frühlingstagen
lieb' ich den Lenz, wie ich ihn nie geliebt,
und seine Knospen lieb' ich schmerzlich heiß
und pflückt sie gerne, eh' der Sturm sie bricht,
und sonnenklare Kinderaugen lieb' ich
und küsse gern aus ihrem Sammetkelch
die Tränen fort . . . und leg' die Blütenpracht
des Frühlings gern in weiche Kinderhände . . .
Die Erde deckt dich zu, ich weiß nicht wo,
zu deinem Grab ist mir die Spur verloren.
Doch aus der Veilchen frühem Duft umhaucht
dein Wesen mich, – aus jedem Kindesauge
blickst du mich an – und lächelst
dein Sonnenlächeln mir ins wunde Herz . . .
[78]
Und wo ich geh' im Dämmerschein,
im öden Park – ich geh' zu Zwei'n:
im Märzschneetreiben um mich wallt
ein Lenzhauch, eine Duftgestalt
mit flehenden Kinderaugen . . .
Ein wehes Weinen irrt im Wind;
empor aus feuchter Tiefe spinnt
ein Brodem, der mich kühl umfängt,
der weich an meine Brust sich drängt
mit dürstenden Kinderlippen . . .

Kein Kreuzlein, das ich dir gesetzt, – und kein Veilchen, das ich auf dein Grab gepflanzt . . .

Deine Flamme flackerte auf, sehnsüchtig und blaß, ein Weilchen nur, – und dann kam der Märzwind heran und blies die zarte kleine Flamme aus.

Keine Spur ist von der Flamme mehr zu sehen – und auf deinem Grabe haben sie keinen Hügel aufgeschüttet. Die Erde ist so eben, und die Luft so klar –

In meinem Herzen aber fühle ich die Spur der Flamme, die darin gebrannt. –

Und in meinem Leben gähnt eine tiefe Gruft, in die alles versinkt, was mich erfreut und durchglüht, alles, was auf meinem Pfade schreitet und aus meinem Becher trinkt –

Und alle Rosen, die mir blühen, – und alle Sterne, die mir glänzen . . .

Und wie dein Grab keinen Hügel hat, so hat diese Gruft keinen Grund.

[79] Fände ich nur dein Grab und dürfte den Staub auf deinem Sarge küssen, so schlösse sich wohl die Gruft, und mein Herz würde wieder gesund . . .

Oh, daß ich kein Kreuzlein dir gesetzt und keine Blume dir gepflanzt! –


O du heiliges blasses Glück,
du mit dem leuchtenden Kinderblick . . .
Durch die Felder bin ich dich suchen gegangen,
Tropfen hingen an meinen Wangen,
auf den feuchten Wiesen der Nebel lag,
– es war am Allerseelentag.
Vor dem Stadttor am geweihten Ort
viel irre Lichtlein brannten dort
und nickten mir zu mit leisem Blinken
und war ein Huschen und Händewinken . . .
Ich aber bin mit nassen Wangen
und scheuem Schritt vorbeigegangen. –
[80]
FreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Freiheit

Dem Kampf entgegen

So schlaf in Frieden, armes Lamm . . .
Laß einsam mich auf steinigen Wegen
im Straßenstaube fürbaß ziehn
des Tages großem Kampf entgegen.
Es geht ein Brausen durch die Luft
wie eines starken Sturmes Wehen:
Aus Trümmern tausendjährigen Wahns
will eine neue Welt erstehen.
[81]
Des Wertes Wage schwankt nicht mehr,
schon neigt sich tief die goldene Schale –
des neuen Glaubens Märtyrer
empfingen ihre Wundenmale.
In deinem Tempel knieen sie,
von Schmerz durchloht und edlem Grimme,
du dreimal heilige Natur,
und hören der Verheißung Stimme:
»Raum hat die Erde allerwärts,
der Himmel Luft für Millionen –
der Aermste soll auf eigenem Grund
im Schatten seines Daches wohnen!
Und trinken soll mit vollem Zug,
wer nach dem Born der Wahrheit dürstet, –
und wem der Geist die Krone reicht,
die göttliche, der sei gefürstet!
Fortan soll keine Mutter mehr
ihr Kind in tausendfachen Schmerzen
verleugnen müssen, das sie trägt
in heiligster Liebe unterm Herzen.
Das reine Antlitz der Natur,
wer wagt, mit Schmach es zu bewerfen? –
Das Schwert der siegenden Vernunft,
zum letzten Kampfe sollt ihr's schärfen! –«
Und glühend stürmen sie zum Streit,
laut gellend schreit die Schlachttrompete, –
hoch über ihren Häuptern flammt
des neuen Tages Morgenröte.
[82]
Aus Ketten schmieden sie den Stahl,
von Herzblut rot die Banner wehen . . .
Mich aber laßt mit nackter Brust
in ihren ersten Reihen stehen!
Genug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Genug der Qualen!

Ich ging mit dir durch alles Elends Tiefen,
geknechtet Volk, durch einen Pfuhl der Schmach;
die Stimmen hört' ich, die nach Freiheit riefen,
und meine Seele hallte zitternd nach.
Ich schlief mit dir in deiner Armut Hütten,
in die kein Mondlicht mild verklärend scheint,
all deinen Jammer hab' ich durchgelitten,
all deine Tränen hab' ich mitgeweint!
Ich frohnt' wie du dem Sausen der Maschine
im grauen Tagewerk voll Staub und Dunst;
mit deinen Töchtern ging ich, daß ich diene, –
um trocken Brot verkauft' ich Geist und Gunst!
Ich ballt' die Faust – und doch: das Joch zu tragen,
beugt' ich die Stirn vor des Gesetzes Fluch –
und deine Zähne hört' ich knirschend schlagen
und knirscht mit dir ein trotziges: »Genug!«
Genug des Knechttums und genug der Qualen!
Der Gott des Zorns, den deine Sehnsucht träumt,
geht durch die Welt. – Und wenn aus seinen Schalen
der erste Tropfen brausend überschäumt,
dann weh dem Götzen, der auf ehrnen Achsen
das Feld zerstampft, von deinem Schweiß beträuft:
aus deinen Tränen wird die Sturmflut wachsen,
die seine goldne Herrlichkeit ersäuft!
[83]
Dann aus den Himmeln fällt der Wahrheit Feuer
in deine Nacht, das einst Prometheus stahl –
an ihrem Brand entzündet sich ein neuer:
der Welterlösung leuchtend Flammenmal!
Lichttrunken will ich dann die Arme heben
und jauchzen in den glühen Glanz hinein –
und wenn des Liedes Gabe mir gegeben,
laß mich die Stimme deiner Freiheit sein!
Die Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Die Zeit ist nah

Ein Gloria singend geht die Winternacht
durch Schneegefilde; keines Sternbilds Pracht
schaut aus den schwarzverhüllten Himmeln nieder, –
durch eisbereifte Fenster aber bricht
ins Straßendunkel eine Flut von Licht
und eine Woge kindhaft süßer Lieder.
In Bethlems Tälern nicht, – nicht weltenfern
und himmelhoch glänzt heut der Weihnacht Stern,
nach dessen Strahl die Brust sich sehnend weitet:
die Zeit ist nah, wo licht und hüllenlos,
wo neugeboren aus der Menschheit Schoß
die Liebe durch des Elends Nächte schreitet.
Die Zeit ist nah, wo jede Klage schweigt,
wo jedem Flehn ein menschlich Herz sich neigt,
Das Bruder heißt den Irrenden und Armen, –
wo sich der Keim aus brauner Scholle drängt
und Licht und Wärme als sein Recht empfängt
und nicht als Bettelgabe – aus Erbarmen!
[84]
Die Zeit ist nah: schon blüht ein bleiches Rot
im Osten auf, – schon zuckt in heißer Not
ein letztes Wehe durch der Menschheit Glieder;
sie ruft und ringt – der Dämmerung Schleier fällt:
erlösungsfreudig steigt zur dunklen Welt
das Himmelskind, die goldne Liebe, nieder.
JahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Jahrwende

Am altersgrauen Baum der Zeit
ist eine Blume abgeblüht,
und eine Knospe tut sich auf.
Die Menschheit seufzt in gleicher Fron;
von ihrer müden Stirne fällt
der Schweiß in Tropfen erdenwärts.
Ihr Glaube aber träumt im Licht:
vor ihren Sehnsuchtsblicken schwimmt
das Morgenrot des neuen Tags.
Wie auch die Kette klirrt und drückt,
der Zukunft Sturm zerbricht sie doch, –
und jedes Jahr löst einen Ring.
Und jede Knospe, die erblüht
am altersgrauen Baum der Zeit,
birgt einen Keim der künftigen Frucht.
So grüß ich dich, du neues Jahr;
du junge Knospe tu dich auf,
und blüh' in lichtem Rosenrot!
[85]
Des Friedens milder Maienwind
umspiele deinen vollen Schoß,
der Liebe Geist befruchte dich!
Und deine Düfte gieße aus, –
mit Blütenblättern kränze du
der Menschheit tiefgefurchte Stirn.
In des Jahrhunderts Niedergang
sei du ein lichter Zukunftstraum,
sei du ein Gruß der neuen Zeit!
Der HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Der Heiland

Im Prunkschloß nicht, in goldner Königshalle:
in enger Krippe und im niedern Stalle
ist einst der Strom des ewigen Lichts entsprungen,
der Lebenschöre Vollakkord erklungen.
Nicht im Gewand von Goldstoff oder Seide:
mit nackten Füßen und im härenen Kleide
ging einst der Christ in seiner Freunde Schar
hinauf zum Haus, das seines Vaters war. –
Und als am Kreuz, verblutend, wegbestaubt
er sterbend neigt' das schmerzgekrönte Haupt,
da weinten um des künftigen Heils Verkünder
die Armen nur, die Zöllner und die Sünder . . .
Doch nicht am Kreuze kann der Geist verbluten,
und was aus Gott entsprang, muß rastlos fluten.
[86]
Und heut, nachdem Jahrtausende verflossen,
durchbebt die Welt ein heimlich Glühn und Sprossen:
im Volke wandelt, segnend, unerkannt
der Heiland schon im dürftigen Gewand.
Und wieder schaun des nahen Heils Verkünder
Enterbte nur, die Siechen und die Sünder,
indes der Fromme hohnvoll fragend geht,
»was Gutes kommen kann aus Nazareth –?«
Das Kind, dem einst der Engel Loblied scholl,
der Friedenskönig, der da kommen soll,
aus dessen Mund ertönt das zweite »Werde«,
ihr ahnt ihn nicht, ihr Mächtigen dieser Erde.
In seinem hagern Antlitz lest ihr nur
die tiefe Sehnsucht aller Kreatur:
den Trieb nach Glück, den heißen Durst nach Licht –
die Gottesglorie aber seht ihr nicht.
Der Armen fürchtet ihr, der Sklaven Heer,
das ihn umdrängt mit zitterndem Begehr,
und vor dem Schrei, der aus der Tiefe hallt,
verschließt ihr eure Ohren mit Gewalt,
und flüchtet euch in eurer Schlösser Schutz
und ruft die Söldner auf zu Wehr und Trutz
und schickt vom Schloßhof schon mit Spieß und Stangen
die Häscher aus, den Fremdling einzufangen –
Und laßt beim ersten blassen Morgenschimmern
durch eure Knechte schon den Kreuzstamm zimmern.
[87]
Ich aber sag euch, daß, noch eh die Hallen
im Frührot glühn, in Staub die Balken fallen,
und daß die Nägel rosten, eh zur Qual
des Menschensohns erhöht der Marterpfahl, –
ich aber sag euch, was die Bibel lehrt:
wenn der von Gott Gesandte wiederkehrt,
dann wird erlöst, was unfrei, krank und dumpf,
dann wird die Schärfe eurer Waffen stumpf.
Die Kette klirrt, das letzte Kreuz zerbricht,
in alle Kerker strömt das Sonnenlicht –
ein Liebeslächeln, ach, ein Freiheitsstrahl
fällt in den staubigsten Maschinensaal . . .
Und kommt ein Frühling, dessen Blütenpracht
dem ärmsten Kind mit tausend Wonnen lacht, –
und eine Flamme, die, was Spreu, verzehrt,
wenn Christ der Herr als König wiederkehrt . . .
Dann wird das Kleid, das seinen Leib umschließt
zu lauter Licht, darin die Welt zerfließt –
und aus des Dornenkranzes bitterem Hohne
erblüht der Liebe rote Rosenkrone.
FabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Fabrikausgang

Bleigraue Schatten zittern durch die Luft,
aus hohen Essen quillt ein blauer Duft.
Durch Steingefüge dröhnt der Hämmer Ton,
um Erzgeäst schwirrt dumpf die Transmission,
[88]
schwirrt stumpf und dumpf, noch eh' die Sonne kam
bis daß der Tag verglüht in Zorn und Scham,
bis daß die Nacht barmherzig deckt die Qual –
Ein Glockenzeichen gellt im Arbeitssaal.
Da stockt der Lärm – und kreischend geht das Tor:
Ein Jüngling stürmt, ein Knabe fast, hervor;
im staubigen Rock, die Mütze im Genick,
ein frohes Leuchten noch im Kinderblick,
staunt er die Welt wie neugeboren an –
da schiebt ihn seitwärts schon sein Nebenmann.
Da drängt's hervor wie flügellahme Brut,
da wächst und wogt des Elends graue Flut:
Mit bangem Blick die blasse Mutter hier, –
zu Hause weint der Säugling schon nach ihr.
Das Mädel dort, Chrysanthemum am Hut,
– in flacher Brust erlogne Liebesglut, –
das frech vertraut dem nächsten Burschen nickt, –
der Mann, der stieren Auges vor sich blickt, –
und nun der Greis, der matt nach Hause wankt
und für den Hungerlohn dem Schöpfer dankt . . .
Des Landes Mark, der Großstadt Kraft und Glut
verschlingt des Elends uferlose Flut.
[89]
Mit müdem Schritt, die Stirn gesenkt und schwer,
zur Heimstatt zieht der Arbeit Sklavenheer,
zu kurzer Rast, daß schlafgestärkt die Kraft
beim nächsten Morgengraun aufs neue schafft.
Mit frischer Gier, mit niegestillter Wut
trinkt die Maschine ihres Herzens Blut.
Vorüberziehn, in seltsam scheuer Hast,
sie an der Arbeitsherren Prunkpalast:
den Tisch, der dort vor Ueberfülle bricht,
sie deckten ihn; doch ihnen blüht er nicht . . . .
Zwei Männer nur, den Hammer in der Hand,
hemmen den Blick und starren unverwandt
in all den Glast, der Freude goldenen Sitz;
aus ihren Augen zuckt des Hasses Blitz.
– So blickt der Leu, wenn sich die Schlange regt. –
sie wissen wohl, wohin ihr Fuß sie trägt,
sie schaun ihr Ziel, so sternenlicht und weit . . .
Und um sie braut die große Einsamkeit,
die schwere Ruh. –
Vom Himmel dichtgedrängt
die schwarze Wolkenmasse niederhängt,
indes am freien Horizont verloht
sturmdunklen Blicks ein blutig Abendrot.
Der Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Der Zukunft Krone

Dem Mann der Arbeit – und ob er schwingt
die Axt in der nervigen Rechten,
und ob er das Gold aus der Erde ringt
aus des Bergwerks dämmernden Schächten,
[90]
ob er lehrt und schafft und die Feder hält
und den Meißel führt, – ihm gehört die Welt,
ihm gehört der Zukunft Krone!
Wir haben gebeugt in Fron und Joch
den trutzigen Nacken lange, –
und heimlich glühte das Herz uns doch
bei des Hammers ehernem Klange.
Der Schweiß, der nieder die Stirn uns rann,
er adelt uns alle, Weib und Mann,
und gibt uns der Zukunft Krone.
Wir wollen kein feiges, kein halbes Geschlecht,
kein tröstendes Wort, uns zum Hohne:
wir wollen für jeden sein heiliges Recht,
für jeglichen Arbeit, die lohne, –
und Freude, wo brennend die Träne jetzt fällt,
und Frieden der ganzen, der seufzenden Welt –
und dem Volke der Zukunft die Krone!
SilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Silvesterklänge

Eisnebel drängen vom grauen Meer
gespenstisch über die Dünen her
und hüllen in frühen Dämmerschein
die schneelichtleuchtenden Weiten ein
und ziehen die schimmernden Spinneweben
über des Waldes erstarrtes Leben.
[91]
– Einsam schreit ich im tiefen Hag –
ein Rabe mit lautlosem Flügelschlag
streift vom aufschnellenden Tannenast
die weiße, stäubende Winterlast;
und durch die Lüfte, verdämmernd weit,
schwimmen die Stimmen der Einsamkeit . . . . .
Sie flüstern heimlich wie Frühlingswind,
wenn rings der Saft in den Zweigen rinnt,
sie raunen zärtlich wie Liebesgruß,
wie ein wonneschauernder Brautnachtkuß,
sie weinen schmerzlich wie Klagesang
und sie schwellen zum hellen Glockenklang – –
von allen Türmen grüßen, locken –
läuten und stürmen Silvesterglocken!
Ein blutiges Rot im Westen blüht,
ein brausender Windstoß kommt aus Süd,
und der Schnee stäubt auf – und es will auf Erden
ein neues Jahr geboren werden.
Ein neues Jahr, eine neue Zeit . . . . . .
Aus der schweigenden Schneeeinsamkeit
kehre ich heim; da gleißt und bricht
aus breiten Fenstern ein Strom von Licht
[92]
und tönt ein Lachen und Gläserklingen:
sie feiern Silvester mit Scherz und Singen.
Vorüber an prunkender Villen Geheg
durch schmutzige Gassen führt mein Weg.
Hier tönt nur Fluchen; ein trübes Licht
träg durch befrorene Scheiben bricht.
Das Elend hütet des Hauses Schwelle, –
an der erkalteten Feuerstelle
hockt die Verzweiflung und stiert und lacht
gell auf in der eisigen Winternacht . . . . .
Da, horch: aus den Lüften ein Glockenchor!
Da, schau: aus des Gäßchens niedrigem Tor
tritt weißgewandet ein leuchtend Kind,
so zart und hold, wie die Engel sind.
Mit bloßen Füßchen im kalten Schnee
es lächelt sonnig: ihm tut's nicht weh –
kommt es die Straße heraufgeschritten
und steht vor dem Haus in des Gäßchens Mitten
und pocht so leise wie Nachtgespenster
mit der leuchtenden Hand ans Kammerfenster.
Und wie der Klang durch die Stube hallt,
erhebt sich am Herde die dunkle Gestalt,
[93]
und von der Schwelle der Hüter weicht:
auf nackten, rosigen Füßchen schleicht
ein scheues Hoffen, ein Neujahrstraum
sich in den unwirtbaren Raum
und küßt der Darbenden blasse Lippen
und läßt sie aus Schalen voll Manna nippen . . .
und träufelt Trost in der Schlafenden Ohren:
»Es wird eine neue Zeit geboren!«
[94]
FlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
FlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Flug

Flug

Ich gürte dich, mein Flügelroß:
wir fliegen weit ins Land hinein
nach einem fernen Märchenschloß,
das dämmert weiß im Mondenschein.
Um seine Zinnen windet sich
die scharlachrote Blütenpracht,
durch seine Säulengänge weht
der lilienschwüle Hauch der Nacht.
Und rings der Blick ins blühende Land,
das blau verschwimmt im Mondscheinduft, –
und tief im Park mit süßem Klang
ein seltener Wundervogel ruft.
[95]
Der Silberspringquell steigt und fällt
und plaudert leis'; – hier halte Ruh,
mein schnelles Roß, mein weißes Roß,
aus Marmorschalen trinke du, –
indes ich heimlich suchen geh
tief, tief im mondumflossnen Hag,
ob aus dem Lorbeerdickicht nicht
die weiße Hand mir winken mag . . . .
Der goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Der goldene Schlüssel

Dir, –
dem goldenen Schlüssel
zum sonnigen Lande der Freiheit,
dir sing ich.
Irgendwo, irgendwo in der Welt,
– in Orangenwäldern vielleicht,
wo der Glutwind die Zweige bricht
und sie reifer, saftstrotzender Früchte voll
dem Wanderer in den Schoß wirft, –
oder an Norwegs Felsenkap,
das die kühle Stirn
hoch in schimmernde Wolken hebt
und niederschauend sich spiegelt
in den träumerisch blauen Augen des Fjords –
irgendwo in der Welt
weilt die Fee,
die dich mir versprochen
ihr Wort mir zu lösen.
und nun der Zeit nicht gedenkt,
in heiliger Stunde
[96]
Jahre verrauschen,
auf meinen Scheitel fällt Schnee.
In den Tiefen der Seele
aber wirkt und schafft
befruchtete Frühlingskraft
und keimt und gebiert an das Licht
der Gewißheit leuchtende Blume:
ein Tag wird kommen
und eine Stunde blühen
aus dem Dämmerdunkel des Alltagsdaseins,
so wonnig und wärmend
von Gebeten begrüßt,
wie die Siegerin Sonne
der eisigen Oede
den Schauern der arktischen Nacht enttaucht.
Und leise, leise,
lockend wie Harfenlaut
klingt es und klirrt es
vor der Tür meiner Hütte
und pocht und pocht.
Ich erkenne den Laut
und erhebe mein Haupt
und lächle und lausche . . . . .
Da knarren und knirschen
die rostigen Riegel:
die Tür springt auf.
Ueber die Schwelle strömt
eine flimmernde Flut von Sonnensilber –
und mitten drin in dem Sonnenlichtmeer
die Fee,
[97]
die dich mir versprochen,
den goldenen Schlüssel zum Lande der Freiheit,
und die nun gekommen ist,
ihr Wort zu lösen.
Liebevoll lächelnd
schreitet die Lichtmar
durch das Dunkel der Hütte.
Um sie her
wallen und weben
gleißend und glimmernd
die goldenen Fäden
und legen ein Lichtband
über die lastende Staubschicht am Boden,
über die drückenden Ketten am Arm mir,
über den klappernden Webstuhl,
an den ich geschmiedet war
Jahre, o Jahre lang,
wie Prometheus dereinst an die Felsen des Kaukasus.
In leuchtenden Händen
trägt sie den Schlüssel, –
und wie sie leise den Arm mir berührt,
springt die Kette mit klirrendem Klang, –
springt – fällt –
und ich hebe die Hände
jubelnd und jauchzend
und fasse die strahlenden Finger der Fee
und schreite mit ihr
aus dem Dunste der Dienstbarkeit,
aus der Hütte farbloser Finsternis
in die Helle,
in die sonnigen Lande der Freiheit hinaus.
[98]
Durch Rosenbüsche und Lilienfelder
wandle ich träumend und duftbefangen;
Wundblätter vom Wege
legen sich lindernd
mir auf die blutig geriebenen Arme;
Scharlachdolden neigen sich nieder
aus exotischem Blättergewirr,
küssen die Stirn mir mit feurigen Lippen –
Palmenfächer und Riesenfarren
wölben sich über meinem Haupte,
gegen die sengenden Gluten der Sonne
Schatten spendend ein duftiges Dach.
Aber weiter –
aus Palmenhainen und Lilienfeldern
zieht mich die Sehnsucht zu sonnigen Höhen.
Wo Dornenhecken den Fuß mir hemmen,
berühr ich sie lächelnd mit goldenem Schlüssel
und schreite mitten durch Rosenhage;
mitten durch marmorne Märchenschlösser
öffnet der Schlüssel mir leuchtende Wege, –
über Steine und Felsgeröll
geh ich so sanft wie auf sammetnem Teppich,
weiter und weiter,
höher und höher,
bis mir zu Füßen
in bläulichem Duft
die blühende Ferne verschwimmt, versinkt, –
bis mir zu Häupten
der Sphären Gesang,
die goldene Harfe des Weltalls klingt . . . ..
[99]
Und wieder nieder
aus den heiteren Höhen
himmlischer Herrlichkeit
in die Täler des Schmerzes
schreite ich schweigend.
Aus seligen Gefilden
in sumpfige Niederung
– Geschöpf zu Geschöpfen –
treibt mich das Herz.
Wo ein Vöglein gefangen
hinter Gitterstäben
sehnsüchtige Lieder girrt, –
wo, zitternd vor Fieberdurst,
kettengeschlossen
ein hungernder Hund die Nächte durchheult, –
wo ein Dulder gefesselt
ans Marterpfühl,
aus des Krankenzimmers giftigem Broden
nach dem heilenden Hauch der Höhen seufzt, –
wo Menschenblüten verwelken
im Dunste der Dienstbarkeit
und unter des Alltags
gleichmäßig dröhnendem Hammerschlag
eine Kraft zermürbt, – –
wo immer ein Mensch
eine Kette schleppt,
sei es Sehnsucht und Sorge,
sei es Schmerz oder Schmach – –
Da geh ich und wandle
und schließe und schließe
mit goldenem Schlüssel
[100]
Ketten und Schlösser auf
und führe freudig
die Qualbefreiten
in die sonnendurchglühten Gefilde der Freiheit
und an der Schönheit kühlenden Quell.
Doch wo gebrochen
eine Seele trauert
an dunklen, verschütteten Grüften,
die kein Schlüssel mehr sprengt,
und hinaus sich sehnt,
– über Höhen hinaus,
die ein Fuß noch beschreitet, –
da lege ich leise und heimlich,
daß der Klang sie nicht schrecke,
den goldenen Schlüssel beiseite
und neige mich nieder
zu der armen trauernden Seele,
ein Lied ihr zu singen,
das ich erlauschte,
als ich einsam stand
auf den himmlischen Höhen,
als mir zu Füßen
die Welt in leuchtendem Duft zerfloß
und über mir
ein lichter Engel
die Harfe spielte,
die mit Sonnenstrahlen besaitet war,
und das Lied dazu sang
unsterblicher Liebe,
die göttlicher als die Freiheit ist.
Das Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[101] Das Märchen meiner Tage

Da geht mir durch den Sinn die alte Sage
von jenem König, dem, was er berührt,
zu Golde ward: – das Märchen meiner Tage.
Als noch mein Geist, der Erdenfesseln frei,
in seliger Gefilde Wonne schwelgte,
trat lächelnd zu ihm der Erhörung Fei.
Ihr roter Mund verhieß ihm reichen Segen
auf seiner Pilgerfahrt: »Nun wähle dir
den Leitstern selbst auf deinen Erdenwegen.«
Vor meines Geistes Augen hingestreut
lag alles Glück und alle Herrlichkeiten,
die seinen Lieblingen das Leben beut.
Da funkelten des Reichtums Diamanten,
der Liebe Rosen blühten düftereich,
der Weltlust helle Opferfeuer brannten,
der Freundschaft Perlen glänzten auf der Schnur;
doch meinen Geist vermochte nichts zu locken,
als eines Himmelssternes Schimmer nur:
»Ob meinem Haupte strahlt der Stern der Lieder,
nimm hin des Reichtums Glanz, der Liebe Lust:
im Reich der Dichtung blüht mir alles wieder.
Und was dein Mund mir schönes bieten mag,
ich geb es freudig hin um seinen Schimmer,
ins tiefste Dunkel trägt er lichten Tag.
[102]
Nicht sorg ich mehr, daß ich den Heimweg finde:
was meine Hand berührt, wird Poesie –
o gib den Stern mir mit als Angebinde!«
Und lächelnd winkte der Erhörung Fei. –
Da sank ein dumpfer Schlaf auf meine Lider;
als ich erwachte, war der Traum vorbei.
Im dunklen Tal der Welt fand ich mich wieder;
und Zentnerlasten beugen mir das Haupt,
und Eisenfesseln drücken mir die Glieder.
Die glühende Bilderpracht des Lebens blinkt
vor meiner Sehnsucht fieberheißen Blicken,
wie durch die Wüste die Morgana winkt.
Der Freundschaft Lächeln hab ich nie empfangen;
wenn sie bei andern sich zu Gaste lud,
an meiner Tür ist sie vorbeigegangen.
Und selbst die süße Liebe pochte nur
zum Spiele an mein Herz; als ich geöffnet,
da fand ich nicht mehr ihrer Tritte Spur.
Und bange Töne klingen mir im Haupte:
im Liede glüht und blüht mir alles neu,
was mir die Welt versagte oder raubte,
der Winde Wehen klingt wie Melodie;
ob meinem Haupte strahlt der Stern der Lieder,
was meine Hand berührt, wird Poesie.
[103]
Du holde Fei des Himmels logst mir nimmer!
Du arge Fei, du hast mich nicht gewarnt,
daß meines Sternes Glück nur Schein und Schimmer, –
und daß ich mit des Daseins Fesseln auch
des Daseins Lust und Weh empfinden würde, –
ach, brennende Lippen kühlt kein Himmelshauch!
Heiß pocht mein Herz nach irdischem Glück und Lieben,
und will ich's fassen, faß ich Luft und Dunst,
und nur das Lied, das Lied ist mir geblieben.
Den Fischer neid ich, der vom Strande kehrt
mit raschem Schritt, die Last auf seinem Rücken:
daheim erwartet ihn sein Weib am Herd.
Den Bauer neid' ich mit der Hand am Pfluge:
er schaut im Geist der künftigen Ernte Pracht,
und frische Labung quillt aus seinem Kruge.
Und von der Dirne, die im Tanz sich schwingt,
wie tauscht ich gern für alle meine Lieder
die Rose nur, die ihr am Busen blinkt!
Wie gäb ich freudig die erträumten Schätze
für einen Trunk aus dieses Lebens Quell,
daß er die glühenden Lippen mir benetze!
Mir aber blüht die Lust der Jugend nie,
auf meinen Feldern reifen keine Früchte, –
was meine Hand berührt, wird Poesie.
Beati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[104] Beati qui in Domino moriuntur

Da riß der Geist mich fort auf Sturmesflügeln
und trug mich über Mauer, Tor und Strom
zur alten heiligen Stadt auf sieben Hügeln.
Die tolle Nacht zum Aschermittwoch sank
auf Rom herab, das, Rosen in den Locken,
berauschten Sinns den Kelch der Freude trank.
Mich aber zog es aus dem Lärm der Gassen,
der grellen Farbenpracht des Karnevals
zu einer Villa, lichtlos und verlassen.
Wie kam's, daß sie, die nur der Lust geweiht,
die freudenreiche Villa Cavalotti,
am Fasching sank in Nacht und Dunkelheit?
Wohl mag sie trauern, da ihr Stern erblich;
mit leisem Seufzen nur um ihre Mauern
gespensterhaft der irre Nachtwind strich:
Denn er, der römischen Jugend ein Verderben,
des Bundes Meister und der Kunst Mäcen,
Ernesto Cavalotti, kam zum Sterben.
In Seide ruht er und auf Purpurpfühlen, –
und keine Hand erhebt sich, ihm die Stirn,
die fieberglühende, mitleidsvoll zu kühlen?!
Weilt von den Frauen, die sein Kuß beglückt,
nicht eine hier, daß sie in Todeswehen
dem vielgeliebten Mann die Kissen rückt? –
[105]
Hielt keiner seiner Freunde bei ihm stand? –
Sind schon die Funken, die sein Geist versprühte,
bevor sein Blick erloschen, ausgebrannt?! – –
Die Lust des Faschings rief sie alle – alle –;
ein Diener nur mit welkem Angesicht
lehnt einsam wachend in der Säulenhalle,
indes der kranke Herr sich unruhvoll
auf seinem Lager dehnt und von der Gasse
das Fastnachtstreiben laut und lauter scholl.
Da plötzlich lächeln Cavalottis Züge:
es ist, als habe ein Trompetenstoß
den fliehenden Geist belebt zur letzten Lüge.
Er strebt empor und winkt dem alten Mann:
»Die andern sind zerstoben und verflogen –
Du bliebst mir treu; nun hör mein Letztes an.
Mein Lebenlang hab ich gewirkt im Dienste
der freien Wahrheit, hab verhöhnt, verflucht
der Priesterweisheit taube Hirngespinste.
Das Kreuz, davor der feige Pöbel kriecht,
mit Füßen trat ich's und zerriß der Dornen
Gewinde, das um seinen Stamm sich flicht.
Die Wahngebilde, ich bezwang sie alle –
nun kommt der schwerste Kampf, der stärkste Feind
und kommt zur rechten Stunde: – Carne vale!
Zum letzten Siege steh ich kampfbereit;
hörst du die Hörner durch die Gassen gellen?
den Mantel her, das rote Narrenkleid!
[106]
Im Festschmuck will ich Ehre ihm bekunden,
dem »Boten Gottes«, den ich stets gehaßt,
des Narrengotts, den Pfaffentrug erfunden,
den Dummheit nur und Heuchelei verehrt!
der Mummenschanz des Lebens geht zu Ende –
so laß mich sterben, meines Lebens wert!« –
Und zitternd eilt der Diener, dem Gebote
des Herrn zu folgen; mit dem Domino,
dem flammendroten, schmückt er ihn zum Tode.
Und da er sorglich ordnet das Gewand,
da streift sein Blick die spottverzerrten Züge, –
und angstvoll flehend hebt er seine Hand:
»O Herr, gedenket eurer armen Seele!« –
Doch der, die Arme wie zum Kreuz verschränkt,
ruft hohnvoll, schrill, mit schon gelähmter Kehle,
den starren Blick gerichtet himmelwärts:
– »Beati qui in ›Domino‹ moriuntur!!« –
Das war des Cavalottis Fastnachtsscherz.
Das Auge bricht, die Hand sinkt kraftlos nieder,
doch um den Mund das grause Lachen bleibt;
ein Grau'n durchbebt des alten Dieners Glieder.
Scheu schleicht er, wie von Geistermacht bezwungen,
zur Türe sich und scheu sich zum Portal, –
da ist der lustige Faschingslärm verklungen.
Da ist versiegt der bunte Menschenstrom.
Vom Dome klingt ein dumpfes Sterbeläuten:
der Aschermittwoch dämmert über Rom.
[107]
Und in die Kirche zieht's ihn, Gott die Ehre
zu geben; – dort im Schein des ewigen Lichts
beugt er die Knie und betet: »Miserere –«.
Der RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Der Rufer

Die Blumen im Alleghanytal,
sie duften so süß wie nie zumal,
vom fächelnden Odem der Nacht gewiegt.
Die Welt in den Armen des Schlummers liegt;
nur leise flüstern wie Liebesgruß
die träumenden Wasser im Fluß – im Fluß –
und Maienzauber webt weit und breit
und lächelnde, blühende Einsamkeit.
Da horch! – durch die schweigende Nacht ertönt
ein dumpfer Laut – und es hallt und dröhnt
wie Hufgeklapper und Roßgeschnauf . . .
Du schlummernde Erde, wach auf, wach auf!
Ein Reiter jagt aus der Ferne her –
und die Erde erwacht und atmet schwer, –
es löst sich die Knospe in jäher Hast
aus dem Blatt, das schützend sie umgefaßt,
und sie schaut empor – und das Rot wird fahl
der Rose im Alleghanytal.
Dumpf murrt der Fluß, und er raunt und klagt . . .
Zur Stadt hinunter der Reiter jagt,
die Funken sprühen, der Staub wallt auf, –
es blinken die Lichter von Johnstown auf.
Viel Kerzen schimmern im hohen Saal,
es greift der Zecher zum Goldpokal.
Aus flackernden Blicken die Freude glüht,
[108]
von trunkenen Lippen die Rede sprüht . . .
Und auf der Schwelle zerlumpt, verstaubt,
mit wunden Füßen, mit wehem Haupt
ein Ausgestoßener Nachtruh hält, –
die Lippe lechzt, und die Wimper fällt . . .
Da hallt das Pflaster von Rosseshuf,
da schallt von der Straße der Warnungsruf;
er klingt zu den jubelnden Zechern empor,
er dringt an des schlafenden Bettlers Ohr:
»Hinauf, daß ihr Hügel und Felsen erreicht,
das Wasser, das Wasser der Sündflut steigt!«
»Das Wasser? – Das Wasser! Du faselst, Tor!
Der Sekt soll steigen! Der Schaum empor!«
Und das Glas erklirrt, und der Pfropfen knallt –
ein fernes Brausen dumpf widerhallt.
»Das Wasser – das Wasser?« – In Traumesbann
nachlallt es der Arme – da rollt es heran
wie wogende Berge, das Flutengebraus –
und es wanken die Mauern, es stürzt das Haus.
Ein fahler Streifen im Osten tagt:
zur Stadt hinunter der Reiter jagt,
als säß ihm im Nacken der bleiche Tod . . .
Aufblitzen die Dächer im Morgenrot.
Durch die Lüfte erklingt es wie Lerchengesang.
Die Burschen ziehen den Rain entlang,
das Messer im Gurt und die Rose am Hut,
im Auge den blitzenden Jugendmut –
Und am schimmernden Tamarindenzweig,
da lehnt eine Dirne, vor Sehnsucht bleich;
[109]
feuchtglänzenden Blickes späht sie hinaus:
»Er hat es versprochen und blieb mir aus?! –«
Da kommt's durch die Felder herübergebraust –
nur locker umschließt noch den Zügel die Faust,
wild flattert das Haar, jede Ader klopft –
dem Roß der Schaum von den Stangen tropft.
Und da er vorbeischießt im rasenden Lauf,
da gellt seine Stimme: »Hinauf! Hinauf!
Auf daß ihr die rettenden Hügel erreicht, –
das Wasser, das Wasser der Sündflut steigt!«
Ein spöttisches Lachen vernimmt er noch:
»Das Wasser, Du Narr? – Ei, so zeig' es uns doch!«
Doch das Mädchen schaut auf mit erglühendem Blick:
»Das Wasser?! – Er kommt nicht! O, gnädig Geschick,
O rette ihn – rette –« Noch betet ihr Mund,
da zieht sie die sprudelnde Flut auf den Grund, –
da löschen die Wogen mit dumpfem Gebraus
die Flammen der Jugend, der Sehnsucht aus.
Der Tag bricht an, und das Wasser schäumt –
»Nun keine Sekunde, mein Roß, gesäumt!
Schon wirbeln die Fluten im dichten Tann,
dort atmen noch Menschen – bergan, bergan!«
Zwei Buhlen ruhen am Felsenhang –
die Nacht war schwül und die Nacht war lang
voll Liebeszauber, voll Maienlust . . .
sein Haupt sank müde auf ihre Brust.
Im Walde noch schluchzt die Nachtigall –
da klingt es von ferne, ein dumpfer Hall,
Und er naht im schimmernden Morgenlicht,
der Rufer, der Retter – sie hören's nicht.
[110]
Sein Blick starrt gläsern, sein Haar ist ergraut;
doch wie er die schlummernden Liebsten erschaut,
da hemmt er noch einmal des Rosses Lauf,
und es schrillt eine Stimme! »Wacht auf, wacht auf!
Auf daß ihr die rettenden Hügel erreicht, –
das Wasser, das Wasser der Sündflut steigt!«
Das Weib schrickt auf aus des Mannes Arm,
doch er zieht sie nieder: »Sei ohne Harm,
mein Lieb, – der Himmel ist klar und blau,
und die Rosen blitzen im Morgentau,
die Rosen im Alleghanytal –«
Und er fährt in die Höhe, das Antlitz fahl,
das Haar gesträubt – und er lauscht – und lauscht: –
um die schützenden Felsen kommt es gerauscht
wie Sündflutwogen, wie Todesgraus –
und löscht die glühendste Liebe aus.
Und weiter, weiter in jäher Hast, –
aufstöhnt das Roß – doch er gibt nicht Rast.
Die Dörfer, die Städte versinken im Schwall,
schon wogen die Fluten von Wall zu Wall,
nun aufwärts, aufwärts den engen Pfad!
Da winkt von des Berges steilstem Grat,
die eigene Rettung – hinauf, Gesell,
die Felsen stehen, dein Roß ist schnell!
Und das Roß im Sterben zusammenbricht, –
zu Fuß denn weiter – er rastet nicht.
Wo eng an die schützenden Tannen geschmiegt
ein kleines verstecktes Häuschen liegt,
dort schlummern noch Menschen! – Der kalte Schweiß
perlt ihm von der Stirn, die Brust fliegt heiß,
und er schleppt sich bis vor des Hüttleins Tür,
– ein weinender Knabe tritt herfür.
[111]
»Und bringst Du nicht heim mein Mütterlein?
Sie ging zur Stadt, und ich blieb allein –
sie ging zur Stadt, und sie weilt so lang,
Du fremder Mann, mir ist so bang!«–
»Die Mutter, mein Knabe«, – sein Blick starrt hohl, –
»die Mutter, die Mutter; ich sah sie wohl –
von jenem Berge dort winkt sie Dir,
sie ruft mein Knabe – hinauf zu ihr!«
Da lächelt das Kind und eilt hinan;
an der Tür noch lehnt der sterbende Mann,
noch einmal schlägt er die Augen auf:
»Mein wackerer Knabe, hinauf, hinauf!
Ein Schritt noch – ein Schritt – und das Ziel ist erreicht;
so hoch keine Woge der Sündflut steigt!
Gott schütze dich droben im sonnigen Licht,
gerettet, gerettet!« – Sein Auge bricht,
sein Haupt sinkt nieder zum feuchten Grund,
die Flut küßt schweigend den starren Mund.
Das blühende Alleghanytal
durchtobt der brausende Wogenschwall,
doch über den wirbelnden Wassern kreist
versöhnend der ewigen Liebe Geist!
[112]
KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
O, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Kämpfe

O, einen Sturm!

O schilt nicht, daß mein Flug erlahmt,
daß farblos meine Lieder kranken:
mein Herz ward müde, stumpf mein Hirn,
zu stumpf für einen Glutgedanken.
Im öden Dünensand verweht
ist all mein Ringen – Lust und Fehle –,
es tönt wie müder Wogenschlag
das Lied aus einer kranken Seele.
[113]
O, einen Sturm, mein Gott, mein Gott,
daß er die Kraft mir neu belebe,
daß er in Blitz und Wetterschlag
von meinem Pfad die Nebel hebe!
Nur einen Strahl des Lichtes, Herr! –
Ich hebe aus den Eisenketten
den wundgeriebenen Arm empor:
noch kann mich deine Gnade retten.
Du schenktest einst im Morgengraun
ein köstlich Kleinod deinem Kinde,
ein Kronjuwel im Erdenstaub, –
nun hilf mir, daß es nicht erblinde!
Nun schließe du die finstre Kluft,
darin mein Bestes will versinken, –
den bleichen Schemen wehre, die
das Blut aus meinen Adern trinken!
O, einen Sturm, mein Gott, mein Gott,
daß er die Kraft mir neu belebe,
daß er in Blitz und Wetterschlag
den Bann von meiner Seele hebe!
Aus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Aus der Enge

Hinaus möcht ich ziehn in die blühende Weite,
ein Lied auf der Lippe, den Lenz als Geleite,
in rauschende Wälder an sonnigen Borden,
auf ragende Berge – nach Süden, nach Norden –
Hinaus nur, hinaus!
[114]
Hinaus möcht ich ziehn auf die lärmenden Gassen,
ein Tropfen, versinken im Meere der Massen,
der eigenen Pulse Anschwellen und Schwinden
erschauernd als Herzschlag der Menschheit empfinden;
Hinaus nur, hinaus!
Hinaus möcht ich ziehn in die schimmernde Ferne; –
schon glänzen zu Häupten mir tropische Sterne:
in glühenden Nächten, in pressenden Armen
möcht ich zu lachendem Leben erwarmen . . .
Hinaus nur, hinaus!
SpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Spätrot

Goldene Sonne, kaum gesunken,
wolkenüberschattet Glück,
zauberst du in Spätrotfunken
einen schöneren Tag zurück?
Holde Jugend, kehrst du wieder? –
In des Abends Rosenschein
fallen mir verklungne Lieder,
halb vergessne Weisen ein:
Seufzer, Küsse, leise Klagen,
Liebeslust und Liebesnot –
daß des Herzens heißes Schlagen
mir die Brust zu sprengen droht!
Spätrotschein und solche Lieder . . .!
Und es geht mir durch den Sinn
leise Mahnung, daß ich wieder
unverzeihlich töricht bin.
IrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[115] Irrlicht

Ich hab mich lange Zeit gesträubt
und wollt es nie und nie verstehen,
was ich im Leuchten deines Blicks,
im Zucken deines Munds gesehen.
Es war in tiefer Dunkelheit
ein Irrlicht, welches mich geblendet;
und daß der Pfad, auf den es lockt,
in Nacht und Not und Grauen endet –
Ich weiß es längst: – In bleicher Angst
halt ich die Augen fest geschlossen,
und dennoch fühl ich Fieberglut
durch alle Adern mir ergossen –
Und dennoch pocht bei deinem Blick
mein Herz in immer heißern Schlägen:
magnetisch zieht das Zauberlicht
den Tiefen mich der Schuld entgegen.
Letzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Letzte Liebe

So weiß ich, daß in blauer Ferne
dein Herz in Liebe für mich schlägt,
daß dich bis hoch ins Reich der Sterne
der Sehnsucht Engelsfittich trägt;
so seh ich noch im welken Garten
dich, lächelnder Gedanken voll,
der letzten Rosenknospe warten,
weil sie für mich erblühen soll.
[116]
Und mag auf unserer Sehnsucht Flammen
herniedertaun der Reif der Nacht,
mag schonungslos die Welt verdammen
den Traum, der uns so selig macht, –
vergeblich wird sie drohn und schelten:
in Treuen bleib ich dir geeint
und will's dir königlich vergelten,
daß du um mich – um mich geweint.
Da bricht aus winterlichem Schweigen
ein lichter Sonnenblitz hervor,
da lacht auf halbentlaubten Zweigen
ein sommerlicher Rosenflor,
und aus dem fast erstarrten Herzen,
wie einst zur holden Maienzeit,
entspringt ein Strom von Lust und Schmerzen,
ein heißer Quell der Zärtlichkeit.
So mag die Liebe dich behüten,
sie, »die nichts Böses sinnt und sucht«;
wirst atmen mit dem Duft der Blüten
zugleich den Duft der reifen Frucht.
So mag denn gleich der goldnen Sage
von Frühlingsglück und Auferstehn
durch unsrer Jugend Spätherbsttage
der Traum der letzten Liebe gehn.
Im NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Im Novembersturm

Der Sturmwind rast und der Regen schlägt
ans Fenster in schweren Tropfen –
Ich fühl in der tollen Novembernacht
mein Herz wohl hörbar klopfen.
[117]
Es schlägt in brennender Ungeduld
sehnsüchtig und beklommen . . .
Ach, wenn die Stunde doch Flügel hätt'
und wäre der Winter gekommen!
Und deckte die Ströme das blinkende Eis
und der Schnee die schweigende Runde –
und wären wir endlich allein, allein
in der heimlichen Mitternachtsstunde!
O Liebster, Liebster, – der Sturmwind rast
und der Regen rauscht endlos nieder –
mir aber fluten durch Haupt und Herz
traumselige Liebeslieder.
SonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Sonnenwendspuk

Da blitzt aus mitternächtgem Dunkel
ein ferner fahler Schein herauf;
mit Augen, licht wie Sterngefunkel
steht meine Kindheit vor mir auf;
sie grüßt so süß, und lächelnd lauschen
möcht ich den Worten, die sie spricht, –
ich hör ihr Raunen, Flüstern, Rauschen,
doch ihren Sinn erfaß ich nicht.
Da hallt in nächtlich-tiefem Schweigen
ein leiser Laut wie Harfenton,
da gaukelt um mein Bett ein Reigen
von Freuden, die mir längst entflohn –
Mir ist, als sollt noch einmal wenden
die dunkle Bahn sich sonnenwärts:
mit leisen, kühlen Geisterhänden
pocht meine Jugend an mein Herz.
[118]
O Kinderlust, verklungne Weise
von Heimatflur und Vaterhaus,
du nahst wie Gottes Engel leise
und teilst des Lichtes Botschaft aus –
O Liebe, die mit Rosenketten
mein liedersprühend Haupt umwand,
kommst du noch einmal, mich zu retten,
zu retten von des Abgrunds Rand?! –
Von der Adventszeit geht die Sage,
sie locke manch verlornes Kind
zur Heimkehr – ach, durch leere Hage
streicht seufzend der Dezemberwind,
das ist die Nacht der Sonnenwende, –
doch glänzt für mich kein Weihnachtslicht –
O Herr im Himmel, mach ein Ende,
denn meine Kraft zerbricht – zerbricht! –
O Herr im Himmel, mach ein Ende! –
doch schon erblaßt der matte Schein;
dumpf schlägt die Uhr: – der Sonnenwende
Gespensterstunde bricht herein.
Und wieder tönt ein Raunen, Locken
wie Nixensang, wie Geisterchor. –
Mit fliegenden Pulsen, tief erschrocken
richt ich vom Lager mich empor.
Ein Gaukeln ist's, ein irres Schweifen –
die alten Götter sind erwacht,
die fieberheiße Stirne streichen
mir Schemen der Mittwinternacht, –
aus längst verschollner Vorzeit Feiern
[119]
klingt Zauberkunde dumpf herauf:
das Haupt umhüllt von Nebelschleiern
steht meine Zukunft vor mir auf.
Sie hebt beschwörend ihre Hände,
wie Drudenweisheit klingt ihr Spruch:
»Du stehst an deines Lebens Wende –
nun gilt es Segen oder Fluch!
Zwei Wege hat auch dir beschieden
geheimnisvolle Schicksalsmacht –
der eine führt zu Licht und Frieden,
der andre in die ew'ge Nacht.
Der eine führt durch steinige Gründe,
der andre durch ein blumig Tal –
ein Pfad des Lichts – ein Pfad der Sünde!
Die Götter lassen dir die Wahl!
Es quillt empor aus einem Borne
des Guten Strom – des Bösen Macht« –
so klingt der Spruch der Schicksalsnorne
in schweigender Mittwinternacht.
Ihr Blick erlischt in Sterngefunkel,
ihr Wolkenkleid zerfließt in Luft;
nun hellt kein Schimmer mehr das Dunkel,
und keine süße Stimme ruft.
Ein Warner war es – kein Erretter,
der dem Gefallnen naht voll Huld, –
klug sind sie doch, die ew'gen Götter,
und wahren sich vor jeder Schuld! –
[120]
Klug sind sie schon seit Odins Zeiten:
sie gaben uns ein fühlend Herz,
sie stellten uns in Kampf und Streiten,
sie warfen uns in Not und Schmerz.
Sie weisen uns den Kelch der Rose
und mahnen höhnend zur Geduld . . .
und bricht der Schild im Kampfgetose,
so tragen eben wir die Schuld!
Zwei Wege wurden uns beschieden
durch strengverhüllte Schicksalsmacht:
der eine führt zu Licht und Frieden,
der andre in die ew'ge Nacht.
Der eine: Tragen und Entsagen,
der andre: Lust und Lebensmut. –
Und wird der Himmel mir zerschlagen,
so geh ich durch der Hölle Glut.
WiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Wiedersehn

Aufblitzen im goldigen Sonnenstrahl
Millionen glitzernder Sterne –
durch schneeige Flächen braust der Zug
herbei aus dämmernder Ferne.
Er keucht und stöhnt – und es gellt ein Pfiff,
ein hastiges Drängen und Treiben –
der schneidende Wind, der schwarze Rauch,
befrorene Fensterscheiben!
Und doch: es liegt mir im Sinn, im Sinn,
als käme das Glück gefahren,
Als kläng durch die Lüfte das Jubellied
heimkehrender Vogelscharen,
[121]
Als quöllen Wolken von Rosenduft
empor aus dem dampfenden Schlote,
und er nahte mir strahlend in Licht und Glanz,
der lächelnde Götterbote.
Da schmilzt das Eis in der Sonne Kuß,
da rieseln und rauschen die Quellen,
und es klingt mir im Ohr wie Möwenschrei,
wie brandende Meereswellen!
Vernahmst du jemals des Schiffers Ruf,
der sicher durchfuhr die Klippen? –
Doch eh' ich den Mund noch öffnen mag,
verschließen ihn deine Lippen.
ZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Zuversicht

Nun mag kommen, was da will,
mag die Lust verwehen:
Jedem Unglück halt ich still,
seit ich dich gesehen!
Seit ich dir im Arm geruht,
schreckt mich nicht der Hölle Glut,
find ich noch in Schmerzen
Trost an deinem Herzen.
Mag dich hundert Meilen auch
weit das Schicksal führen,
mein ich deines Mundes Hauch
immer noch zu spüren,
strahlt mir deiner Augen Schein
leuchtend bis ins Herz hinein –
wenn mir nichts mehr bliebe,
bleibt mir deine Liebe!
[122]
Will ich heut vom Haupte mir
eine Locke trennen,
sollen morgen schon auf ihr
deine Lippen brennen, –
deine Lippen, die sich fest
jüngst auf meinen Mund gepreßt,
dort in seligen Stunden
süße Rast gefunden.
Draußen unter Schnee und Eis
will der Lenz sich regen,
aus den Wolken rauscht es leis,
linder Gottessegen.
Liebster, schau: die Welt erwacht . . .
Höher als die Frühlingspracht,
als die Blütentriebe
preis ich deine Liebe.
Auf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Auf dem Ball

Heut in der rauschenden Festespracht
hab ich, mein Schatz, an dich gedacht, –
an prunkender Tafel, in schimmernden Reihn
war meine Seele mit dir allein.
Mit Blumen, die deine Hand gepflückt,
hatt ich mir Haare und Brust geschmückt;
als am vollsten der Becher der Lust geschäumt,
hab ich vergangene Lust geträumt.
Die Weise schwoll und der Tanz begann –
mich rührte der Odem Gottes an;
aus der Seele hallte der Klang zurück:
ein Lied von künftigem großen Glück.
Stummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[123] Stummes Glück

Das war zur schimmernden Maienzeit,
da sang ich Lieder voll Lust und Leid:
des Waldquells Rauschen, der Vögel Singen,
in tönende Reime tät ich's bringen.
Und wenn ich der kommenden Lust gedacht –
wie wollt ich erst singen zur Rosenpracht,
wie wollt ich in jubelnden Tageweisen
die Sommersonne, die goldene, preisen!
Der Frühling schwand, und die Sonne stieg,
der Fink und die Finkin fanden sich –:
in Waldes Dunkel, an Baches Borden,
die jubelnden Sänger sind still geworden.
Und mir auch erging es wundersam:
als meinem Leben der Sommer kam
und die Rosendüfte mein Haupt umfingen,
In Kuß und Seufzer verklang mein Singen . . .
Von der Lippe flutet das Lied zurück:
im namenlosen, im stummen Glück
nur kann ich vor dir die Seele neigen,
nur lieben und schweigen.
SonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Sonnenwende

Es fiel ein Blütenregen
herab auf Wald und Feld,
ein Netz von Sonnenstrahlen
umspinnt die grüne Welt;
[124]
das flammt und blüht und duftet
und höhnt den Glockenschlag,
als ging er nie zu Ende,
der süße, goldene Tag . . .
O Tag der Sonnenwende,
vollblühende Rosenzeit,
du hast mir ins Herz geduftet
berauschende Seligkeit!
Das pocht und glüht und zittert
und bebt im Vollgenuß,
als ging er nie zu Ende,
der süße, erste Kuß –
O Tag der Sonnenwende –
– – – – – – – – – – – – –
LiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Lied

Laß ab mit deinen Blicken –
nicht können sie fortan
mich fester noch umstricken,
als sie es schon getan.
Laß ab mit deinen Worten,
die schmeichelnd mich betört, –
mein Ohr doch allerorten
nur deine Stimme hört.
Laß ab mit deinen Küssen, –
mein Herz pocht bang und schwer:
ich hab dich lieben müssen
und seh kein Ende mehr . . .
MeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[125] Meerfahrt

Fühlst du die Bretter schwanken?
schon brandet dumpf das Meer –
am Horizonte lagern
die Wolken schwül und schwer . . .
Ha, Wogen und Blitz und Stürme!
mir wird so froh zu Mut:
ich fahre mit dir zusammen
durch die wildeste Flut!
WeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Weltflüchtig

Das Mondlicht überfloß den Strand
mit sanftem, süßem Schein;
wir gingen beid im Dünensand
weltflüchtig und allein.
Kein Menschenauge hat gesehn,
wie du herab dich bogst
und liebesicher lächelnd mich
in deine Arme zogst.
Ich weiß nicht, war's ein Liebeswort,
das flüsternd zu mir drang,
war's träumerischer Nixenruf,
der aus den Wassern klang?!
MorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Morgen

Der erste rosige Dämmerschein
schwimmt draußen in grauer Luft,
durchs offene Fenster der Frühwind weht
uns würzigen Fliederduft.
[126]
Zerronnen ist all im schimmernden Licht
der finstere Traum der Nacht . . .
an deiner wogenden Brust bin ich
zum Leben aufgewacht!
LavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Lavasturz

Mein Herz ist wie die Märchenstadt,
drin Lachen und Lust erklungen,
bis donnernden Grimms die Lavaglut
ihr Totenlied gesungen.
Da sank dem Zecher der Goldpokal,
gefüllt bis zum Ueberlaufen,
da ward der Liebe das Hochzeitsbett
zum lodernden Scheiterhaufen.
Und ein Glutschrei war es, ein Flammenmeer
wie stürzender Sonnen Gefunkel,
dann legte darüber bleiern und schwer
sich Asche und Nacht und Dunkel . . . . . .
Mit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Mit leisem Nicken

An einem fernen, fremden Ort
war's, wo ich all mein Glück verloren;
ich ging, dich suchend, fort und fort
vorbei an festverschlossenen Toren.
Am fernen Horizont erblich
der Abendröte letzter Schimmer –
mit blutendem Herzen sucht ich dich
und suchte dich und fand dich nimmer.
[127]
Dann war's nach Jahren, als sich grau
das Haar um meine Schläfe schmiegte,
als auf der blütenleeren Au
der letzte Halm im Wind sich wiegte,
Daß wir uns trafen – daß du mir
von fern gewinkt mit leisem Nicken . . . . . . .
Ein Gruß von dir – ein Laut von dir –
ein Widerschein aus feuchten Blicken!
Und eh ich noch die liebe Hand
mit zärtlich festem Druck umfangen,
war schon dein Bild am Himmelsrand
wie Spätrotschein dahingegangen.
Da wacht ich auf. – Vor Sehnsucht blaß
sah Morgendämmrung in mein Zimmer;
mein Herz schlug laut, mein Aug war naß – – –
ich fühl's: ich seh dich nun und nimmer.
VorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Vorbei

Und wenn du wieder zu mir trätest
und weinend um Verzeihung bätest,
es wird doch nimmer, wie es war:
das Glück ist tot, das wir genossen,
die Blüte, die sich uns erschlossen,
ist nun verwelkt, für immerdar.
Mir würde stets vor Augen stehen,
wie ich so maßlos dich gesehen
im Zorn, dem jeder Grund gebrach –
und bei dem Kuß von deinem Munde
gedächt ich doch der bösen Stunde,
als er so bittre Worte sprach.
[128]
In jener Stunde sank für immer
der fromme Glaube mir in Trümmer,
daß du mein Bild im Herzen trugst,
daß ich dein tiefstes Sein besessen – – –
vergeben kann ich – nicht vergessen:
die Wunde brennt, die du mir schlugst.
Nein, geh: ich hab es überwunden,
den Frieden hab ich jetzt gefunden,
den deine Liebe mir nicht gab.
Geh hin, vor deinen Gott zu treten –
und wenn ich sterbe, magst du beten
und weinen über meinem Grab.
Verlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Verlornes Glück

Noch einmal, eh' am Himmelsrande
der letzte Sonnenblick verglüht,
zieht mich ein Sehnen an die Stätte,
wo meines Lebens Glück geblüht.
Durch hochgewölbte Gänge fluten
der Dämmrung Schatten kalt und bleich –
leis mahnend pocht wie Geisterfinger
ans Fenster ein Spireenzweig.
Und rings im Haus ein tiefes Schweigen,
wie ausgestorben jeder Raum . . .
An meiner Seite lächelnd wandelt
ein halbvergessner Jugendtraum;
von weltverlornen Küsten zaubert
entflohene Wonnen er zurück
und küßt mir in die müde Seele
ein letztes Bild vom Erdenglück.
[129]
Ein letztes Lied in diesen Räumen!
Der Herbstwind rast am Gartentor –
hier aber wogen Rosendüfte
und singt ein Nachtigallenchor.
Von all den süßen Liebesworten,
die schmeichelnd deine Lippe sprach, –
von meinen Seufzern, deinen Küssen
wird hier ein flüsternd Echo wach.
Der alte Zauber lockt mich wieder,
der Leib und Seele mir gebannt:
dein Odem über meiner Stirne,
auf meinem Herzen deine Hand!
Der Spiegel wirft im Dämmerschimmer
mir dein geliebtes Bild zurück – –
zum letzten Male trink ich wieder
aus deinem Born, verlornes Glück!
Und lauter tönt des Windes Brausen,
der Sonne letzter Strahl erblich;
ich aber berg in meine Hände
das Haupt und weine bitterlich.
Nun liegt die Nacht auf allen Wegen . . . . . .
und langsam wend ich meinen Schritt
und nehm aus den geliebten Räumen
mir der Erinnrung Sterne mit.
[130]
StilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
DornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Stille

Dornen

Der Frühling meines Lebens
blühte lang schon ab –
nun trug ich auch den leuchtenden
Sommer zu Grab . . . .
[131]
Die blühende Rosenkrone
verlor nun Duft und Glanz . . .
auf meine blutende Stirne drückt
der nackte Dornenkranz.
Im AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Im Abendschatten

Nun liegt der Reif auf allen Matten,
der letzte fahle Schein erblich,
und traumhaft kommt im Abendschatten
ein Todessehnen über mich.
Ich ließ in dämmergrauer Ferne
die Hoffnung lange schon zurück
und forsche nicht im Buch der Sterne
dem Rätsel nach vom Menschenglück.
Mir geht kein Sommertag zu Ende,
gewebt aus Duft und Farbenpracht: –
mein ist die Wintersonnenwende
mit ihrer ewig langen Nacht, –
mit ihrer Nacht voll Geisterchören,
voll Eisesschauer, Sturmesklang,
die keine Blüte mag zerstören,
weil nie ans Licht die Knospe drang.
In dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

In dunkler Stunde

Da war's noch einmal, daß ich fest
an meines Schicksals Sterne glaubte,
bis mir die Welt mit jäher Hand
die letzte Blütenhoffnung raubte.
Ich hab' geirrt, ich hab' gefehlt
mit meinem Blut, dem jugendheißen;
ein kleiner Fehl – doch groß genug,
um Herz von Herzen loszureißen.
[132]
Die Freundschaft schwand wie Wolkenflug,
die Liebe sank wie Sonnengluten,
und die mir einst so hold gelacht,
sehn mitleidslos mein Herz verbluten.
Ihr Auge kalt, ihr Antlitz streng –
o, meiner Jugend töricht Wähnen!
Danieder kämpf ich stolz und stark
auch dieser Stunde bittre Tränen.
Und nimmer soll vor ihnen sich
mein Haupt erbarmenheischend neigen; –
ich hab's gewollt und kann es jetzt:
der Welt ein lachend Antlitz zeigen!
In Stunden nur der Einsamkeit,
in Stunden der Erinnerungen,
da fühl ich's doch, wie tief, wie tief
der Stachel mir ins Fleisch gedrungen.
Es war nicht Sünde, war nicht Schuld,
der Jugend Leichtsinn war's zu nennen –
doch groß genug, um Herz von Herz
für Zeit und Ewigkeit zu trennen.
In TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

In Tränen

Die Fliederblüten fallen.
Und wieder ist ein Lenz dahin
mit seinen Träumen allen.
Vom Meere wehr ein sanfter Wind
und singt die Schlummerlieder
den Freuden, die entschlafen sind.
Nun blühn ja wohl die Rosen –
und unterm dichten Laubendach
die Turteltauben kosen.
[133]
Ich seh es nicht, ich weiß es kaum:
vor meinem Blick, ein Schleier,
liegt ein gestorbner Traum.
Ein feuchter Tränenschleier
hängt zitternd überm Rosenhag
und wandelt mir den Sommertag
zur düstern Totenfeier.
ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Erinnerung

1.

Das ist der Platz, auf dem ich stand
zum letzten Mal, zum letztem Mal
an deiner Seite Hand in Hand – – –
nun ging ein Wetter übers Land,
die Luft ward kühl, das Laub wird fahl.
Jenseits der Düne schäumt das Meer,
sein Rauschen klingt wie Klagesang;
scharf weht der Wind von Osten her – – –
mir pocht das Herz so sehnsuchtsschwer:
ich seh dich nicht, weiß Gott, wie lang!
So schleppt sich müde Tag für Tag,
schon färbt sich rot der Waldessaum;
in Tränen steht der Rosenhag – – –
daß ich in deinen Armen lag,
es dünkt mich wie ein Traum . . .
2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

2.

Als noch von deinem Munde
mir Wort und Gruß erklungen,
in glückberauschter Stunde
ist mir kein Lied gelungen.
[134]
Erst wenn der Sonnenball
verglomm in sprühenden Funken,
anhebt erinnerungstrunken
ihr Lied die Nachtigall.
Begegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Begegnung

Und neulich traf sich's auf der Reise:
du bogst dein bleiches Angesicht
am Fenster vor und nicktest leise –
dann pfiff der Zug; du sahst mich nicht.
War's so, daß wir uns finden sollten
nach langer Irrfahrt wunderlich?!
Ich weiß nicht, wem dein Gruß gegolten,
und nahm ihn lächelnd an – für mich.
NachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Nachtwandlerin

Ahnungslos an Abgrunds Rande
wandelst du, vom Tod umhegt –
welche Gottheit hat die Binde
deinen Augen umgelegt?
Ströme brausen dir zu Füßen,
doch dein Herz erzittert nicht, –
bleich erglänzt im Mondenstrahle
dein verklärtes Angesicht.
Die letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Die letzte Note

Nun ist die letzte Note
vom alten Lied gesungen,
an der verstaubten Harfe
die letzte Saite ist gesprungen.
Kaum rührt ein Hauch die Lüfte
mit leisem tönenden Beben,
wenn über die toten Saiten
hinflattern die Spinneweben . . .
AlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[135] Alltag

So schleppen sich in breiter Spur
dahin die müden Tage,
der Sang der Liebe tönt mir nur
wie eine ferne Sage.
Das eine Wort, das mich beglückt,
war in den Wind gesprochen, –
den Goldreif, der mein Haupt geschmückt,
hat deine Hand zerbrochen.
WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Wetterleuchten

Durch die dichtverhüllten Fenster dringt
noch der letzten Blitze mattes Leuchten, –
und die Stunde naht auf regenfeuchten
Sohlen, die dich wieder zu mir bringt.
Jahre liegen zwischen dir und mir:
Herzen, deren Pulse nicht mehr pochen,
Klüfte, deren Brücken abgebrochen –
tote Gluten, Staub und Grabeszier.
Aber heut umweht von Liedern mich
noch ein Ton, die einst so süß mir däuchten,
und die Brust durchzuckt's wie Wetterleuchten,
das noch blitzt, wenn schon die Wolke wich.
Lächle, ob ich finster blicken mag!
Strahle mir mit deiner Augen Sonnen
neu ins Herz die längstverrauschten Wonnen,
unserer Liebe heitern Frühlingstag.
Aus den Schalen duftet Veilchenpracht
dir zum Gruß, und volle Kelche schäumen:
o, noch einmal laß den Traum mich träumen,
der mein Herz so selig einst gemacht!
Ruh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[136] Ruh' dich aus!

Nun laß dich nieder, flüchtige Taube,
du Unruhvolle, halte Rast!
In meines Gartens dunklem Laube
erscheinst du wie ein seltener Gast.
Hier tönen keine Vogellieder,
kein Rosenflor erblüht für mich –
verstoßne Taube, laß dich nieder,
an meinem Busen berg' ich dich!
Wohl stand dein Sinn in blaue Ferne,
dein Auge trank das goldne Licht,
doch bis hinauf ins Reich der Sterne
die müde Schwinge trug dich nicht.
Es sank dein Heim der Glut zum Raube,
irr flatternd flogst du weit hinaus . . .
nun laß dich nieder, flüchtige Taube,
in meinem Garten ruh dich aus!
Verschüchtert Kind, laß ab zu zittern;
nicht schreib ich dir ein hart Gesetz,
ich berg' dich nicht in goldenen Gittern
und spanne deinem Flug kein Netz:
ein Dach für dich im lichten Laube,
ein Nest für dich im tiefsten Grün . . .
an meinem Herzen, flüchtige Taube,
soll dir die Heimat neu erblühn!
AusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Ausgekostet

In alle Tiefen bin ich gestiegen,
erklommen habe ich alle Höhn:
ich sah um die Gipfel die Adler fliegen
und hörte der Stürzenden Angstgestöhn.
[137]
Nichts Menschliches ist mir fremd geblieben;
aus dem Becher trank ich der bittern Not –
und ein wettersturmwildes, gewaltiges Lieben
hat wie sengende Flamme mein Haupt umloht.
– Nun steh ich abseits – am Straßenrande
und hör in den Fernen des Nachtwinds Wehn
und seh im sinkenden Sonnenbrande
die letzten Schatten vorübergehn . . .
KrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Krankenwacht

Dumpfe Stille braut und braut
rings im Haus, – zuweilen nur
leiser Stundenschlag der Uhr
und ein geisterhafter Laut
wie ein banges, tiefes Stöhnen . . .
Nicht der Wind, der nächtlich singt, –
ach, ein Seufzen grambeschwert
hebt die Brust, die mich genährt –
eine müde Seele ringt
mit dem letzten großen Schweigen.
Müde glimmt zur Krankenwacht
noch die Lampe – müde fort
starrt mein Blick – – – ach, nur ein Wort,
nur ein Schrei in dieser Nacht!
Nicht dies hoffnungslose Schweigen . . .
Schlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Schlaf und Tod

Süß und wonnesam ist der Schlaf. –
In der strengen Schule des Lebens,
wo gleich unverständigen Kindern
wir die krausen, verworrenen Rätsel
[138]
mühsam zusammenbuchstabieren
aber nimmer den Sinn erforschen,
wo der Schmerz mit ehernem Griffel
Runen auf unsere Stirnen schreibt,
dünkt der Schlaf die Erholungsstunde
mir, die süße, köstliche Pause,
da die verschlossene Türe aufspringt
und statt dumpfigen Bücherstaubes
Sonnenstrahlen und Luft wir atmen . . .
süß und wonnesam ist der Schlaf. –
Schlaf ist Vergessen, ist die Befreiung
von all den lastenden, quälenden Sorgen
um des Daseins traurige Narrheit,
um der Zukunft lichtloses Dunkel,
um das eine, selige Glück,
das gleich silbernen Wasserwogen
meines Lebens dornige Wüste
noch mit blühenden Blumen schmückte,
und nun haltlos wie Regentropfen
mir in der zitternden Hand zerrinnt. –
Süß und wonnesam ist der Schlaf,
aber eines noch däucht mich süßer:
nicht das Vergessen nur, – das Vergehen!
Nicht das Ausruhen, – nein, die Ruhe!
Sei willkommen mir, goldene Stunde,
die den Schüler gereiften Sinnes
aus der drückenden Mauern Enge
über die Schwelle hinaus in lichte
sonnendurchstrahlte Weiten führt – –
[139]
Sei gesegnet, du Götterbote,
der auf rauschenden Adlerschwingen
meine Seele aus Nacht und Dunkel
aufwärts trägt zu den fernen Höhn,
wo aus goldenem Schacht des Glückes
nie versiegende Quellen sprudeln! –
Dreimal süßer ist Schlaf, denn Wachen,
aber das Süßeste ist der Tod.
BildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Bild

Blaß und herbe dein Gesicht,
tief im Blick erloschne Funken,
hast den Kelch der Bitternis
bis zum Grund du leergetrunken.
Langsam hebst du ihn vom Mund,
lautlos starrst du in die Ferne –
über deinem Haupte gehn
klar und kalt die ewigen Sterne.
[140]
Aus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
In ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Aus jungen Tagen

In ausgefahrnen Gleisen

Tausend helle Tropfen sprühen
glitzernd auf im Flutenschaum;
tausend taube Blüten fallen
nieder von der Menschheit Baum;
tausend blasse Sterne kreisen
ungesehn im Weltenraum –
ach, in ausgefahrnen Gleisen
meine Spur bemerkt ihr kaum.
[141]
Ach, in ausgefahrnen Gleisen
meine Spur bemerkt ihr kaum –
und doch träumte meine Seele
einen stolzen Sonnentraum;
und doch zog ich trunknen Mutes
einst ins Land der Wunder aus,
und die blaue Märchenblume
bracht ich jubelnd mit nach Haus.
Tausend taube Blütenflocken
fallen von der Menschheit Baum,
und nur selten reift die Goldfrucht
unter seiner Blätter Saum – –
Ueber meinem Lebenswege
liegt ein Nebel dumpf und dicht,
und das Ziel in weiten Fernen,
meinem Blick erscheint es nicht.
Doch die blaue Wunderblume,
die ich jubelnd einst gepflückt,
wankend unter Kettenlasten
halt ich sie ans Herz gedrückt –
und aus ihrem Kelche singen
Stimmen süß und sehnsuchtsvoll
mir ein Lied von jenen Bergen,
die ich nie erreichen soll. –
SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[142] Spinnlein

Maiblumen pflückt ich mir einen Strauß
und brachte ihn abends mit nach Haus
und stellte ihn in ein Wasserglas
auf den Schreibtisch neben mein Tintenfaß –
und schlief und träumte von Blumenblühn,
von Wogenrauschen und Waldesgrün,
und als die Sonne ins Zimmer sah,
welch lieblich Wunder beschien sie da:
ein Spinnlein, das ich vergangene Nacht,
im Strauß verborgen, mit heimgebracht,
war seiner duftigen Haft entronnen
und hatte ein schimmerndes Netz gesponnen;
das schwankte nun zwischen dem Blumenglas
und dem Liederbuch über dem Tintenfaß.
Da lacht ich: du willst eine Dichterin sein –
und die Spinnen spinnen dein Tintfaß ein?
[143]
So laß es gelten als freundliches Bild:
das Lied, das dir frisch aus der Seele quillt,
schreib es nicht nieder mit Stift und Stahl, –
gib es dem leuchtenden Sonnenstrahl
und sing es hinaus in die blühende Welt . . .
Nachsingen mag es, wem es gefällt!
Viele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Viele Wasser fließen – –

Viele Wasser fließen
noch den Berg hinab,
eh ich meinen Nachen
segelfertig hab.
Viele rote Rosen
welken noch im Hag,
eh ich mir ein blühend
Kränzel winden mag.
Ach, und viele Jahre
müssen noch vergehn,
eh ich meinen lieben
Schatz soll wiedersehn . . .
O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[144] O sei gesegnet

Du bist nicht falsch, wie alle noch,
die mir auf schmalem Pfad begegnet,
um deine Stirn weht Gotteshauch,
ein Geist des Lichts, – o sei gesegnet!
O sei gesegnet tausendmal
für deines Sinnes edle Klarheit,
für jede Tat voll Mut und Kraft,
für jedes Wort voll Glut und Wahrheit.
O sei gesegnet, daß du mir
geoffenbart dein tiefstes Wesen, –
ein guter Geist war's, der mich trieb,
die Schrift auf deiner Stirn zu lesen.
Ein guter Geist, der heimatwärts
den sturmverschlagnen Nachen lenkte
und durch den Glauben mir an dich
den an die Menschheit wiederschenkte.
Fahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Fahr wohl –

Aus rastlosem Ringen nach Schein und Schaum
in ewige Ruh gerettet –
fahr wohl, mein schöner Jugendtraum,
sie haben dich sanft gebettet.
[145]
Sie haben des Friedens Palmenzweig
um deine Stirn geschlungen,
den Sarg geschmückt mit Lorbeer reich,
den lebend du nicht errungen.
Und wenn der Abend sinkt herab,
von fern die Glocken klingen,
dann will ich schleichen an dein Grab
und dir die Rose bringen.
[146]
HeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
FrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Heimatklänge

Frühling

Zu meinen Füßen im welken Laub
und mir zu Häupten singt der Wind
in den knospenden Buchenkronen.
blühen die Anemonen,
[147]
Ist das ein strahlender Sonnenschein –
ist das ein wonniges Wetter!
Es rauschen unter meinem Fuß
die abgestorbenen Blätter . . .
Das ist der lachende Frühlingswind,
der kommt aus dem sonnigen Süden
und grüßt von der blauen Adria
die Wellen, die wintermüden.
Das ist der lachende Frühlingswind,
der wandert weiter am Strande
und küßt noch heute ein einsam Grab
im nordischen Nebellande.
Auch in den düstern Tannenwald
zieht singend König Frühling ein:
die jungen Knospen lockt er bald,
die glühn wie Blut im Sonnenschein.
Durch die wogende Brust des Waldes geht
ein Atemholen tief und stark –
ein Baum nur trauernd seitwärts steht,
den traf der Frost bis tief ins Mark . . .
MainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Mainacht

So geh ich einsam wieder meine Bahnen
im gleichen Schritt im kalten Dämmerlicht,
und selten treibt ein stummes Liebesahnen
das Blut mir noch ins bleiche Angesicht.
[148]
Das ist, wenn traumesselig in der holden
Frühsommerzeit das Herz der Erde klopft,
wenn langsam durch die blauen Fliederdolden
auf meine Stirn der Nachttau niedertropft.
Dann geht ein Raunen in den Dornenhagen,
um die das Mondlicht goldne Schleier webt,
daß, süß erschreckt von ahnungsbangen Fragen,
ihr junges Haupt die Rosenknospe hebt –
Dann schwillt empor aus dunklen Rätseltiefen
der Nacht ein Hauch und löst den Zauberbann
und rührt, die lange, lange klanglos schliefen,
die Saiten meiner Seele tönend an . . .
FruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Fruchthauch

Ich liebe dich, du weicher Wind,
der schmeichelnd meine Stirn umfängt,
der mir erstorbenen Sommerglücks
Fruchtkeime in die Seele senkt . . .
HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Herbst

Ueber den brennenden Meeressand
sind wir beide geschritten,
als mir dein trotziger Mund gestand,
was du erlebt und erlitten.
Weithin lachender Sonnenschein,
duftverschleierte Fluren . . .
sahen denn unsere Augen allein
rings des Verderbens Spuren?
[149]
Welk am Stengel, duftlos und matt,
hing die Rose, die süße;
ein vertrocknetes Lindenblatt
warf uns der Wind vor die Füße.
Glanzumflossen und ohne Schmerz
nahte des Sommers Scheiden –
du nur, zuckendes Menschenherz,
du mußt leiden, mußt leiden! –
Seine Blüte hat jeder Strauch,
Früchte der Baum getragen –
du nur, ringender Menschengeist,
mußt entsagen – entsagen!
Ueber den brennenden Meeressand
sind wir beide geschritten,
als mir dein trotziger Mund gestand,
wie du geliebt und gelitten.
Träume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Träume nur, Seele ...

In den verdämmernden Herbsttag hinein
zauberst du lachenden Sonnenschein,
und aus der Blätter vergilbendem Flor
blühen dir duftige Veilchen empor,
träumende Seele –
Tönt denn der Glocken dumpfhallender Klang
dir wie ein schmetternder Lerchengesang?
Siehst du der Erde verweintes Gesicht,
fühlst du die eisigen Nebel denn nicht,
träumende Seele? –
[150]
Träume nur, träume . . . der Frühling ist weit;
Rosen hat's nimmer im Winter geschneit –
dumpf nur und klagend, verweht vom Nordwest,
läuten die Glocken zum Totenfest.
Träume nur, Seele . . .
FrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Frost

Vom Meer heran braust schwirrend
ein schneidender Nordnordost,
durch öde Straßen klirrend
schreitet der scharfe Frost.
Im Schnee verloren die Pfade
und Tür und Tor verweht –
nur daß der Stern der Gnade
noch leuchtend am Himmel steht!
EisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.
Aus den Wassern der Rauhreif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.
HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

[151] Heimweh

1.

Ich fliege mit euch, ihr Winde,
weit in die Welt hinaus
bis unter die grüne Linde
vor meines Vaters Haus.
Ich eile durch Himmelshallen
euch, wandernde Wolken, nach
und höre die Tropfen fallen
auf meines Vaters Dach.
Heimkehrend von langer Reise,
voll Sehnsucht für und für,
klopfe ich bang und leise
an meines Vaters Tür.
Mir ist, als müßte von innen
ertönen ein traut »Herein« –
als blühte noch immer da drinnen
die liebe Heimat mein!
Als träte mir grüßend entgegen
manch lächelnde Gestalt,
die lang schon auf den Wegen
des ewigen Friedens wallt, –
als dürfte ich wieder lauschen
dem Knistern des Feuerherds –
und die Regentropfen rauschen
eintönig niederwärts.
[152]
Der Sturm singt vor den Toren,
die See grollt dumpf und schwer,
meine Heimat ist verloren,
ich finde sie nimmermehr . . .
2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

2.

Aus wallenden Herbstesnebeln
grüßt mich dein Angesicht,
mein lieber, trauter Bruder,
wie Maiensonnenlicht!
Rings blütenduftig Schweigen
am Sommernachmittag,
hoch über unsern Häuptern
das grüne Laubendach.
Du warest heimgekehret,
und ich hielt deine Hand
und lauschte deinen Worten
Vom schönen Feindesland,
von Schlachtengebraus und Siegen, –
dein Auge blitzte klar,
du strichst dir aus der Stirne
dein dunkellockig Haar – – –
Wie kommt's, daß grade heute
ich dein gedenken muß?
Der Herbst blickt in die Fenster
und grüßt mit rauhem Gruß.
[153]
Verödet liegt nun der Garten,
die Bäume sind längst geleert –
und du bist fortgezogen,
von dannen niemand wiederkehrt.
3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

3.

Ich war ein Kind und er war schon groß,
und wir liebten uns recht wie Geschwister,
ich setzte mir auf seinen blanken Helm
und schnallte mir um den Tornister.
Dann schlich ich verstohlen, daß keiner es sah,
in die Ecke zu seinem Gewehr
und versucht es zu heben und prüft es wohl
und fand es für mich zu schwer . . .
Zu schwer! – O mein toter Liebling du,
o du blühende, selige Zeit!
ich wurde groß und ich trage Last,
und du bist längst befreit.
Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen
1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

Ostara

1.

Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel,
will mich nicht grämen noch schämen:
daß mir die Liebe vom Himmel fiel,
mag es die Welt vernehmen!
Küsse denn, küsse zum andern Mal,
leuchtende Frühlingssonne,
mir aus den Augen mit goldigem Strahl
selige Tränen der Wonne!
[154]
Rausche denn, rausche, mein blaues Meer,
flute aus allen Borden:
eisige Nebel drückten dich schwer –
nun ist es Lenz geworden!
Lachender Frühling, ich grüße dich,
sprudelnder Jugendbronnen:
all deine Schönheit erblüht für mich,
mein sind all deine Wonnen!
2. [Vom Himmel ist der Frühlingsregen]1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

2.

Vom Himmel ist der Frühlingsregen
herabgerauscht die ganze Nacht, –
ich hör im Traum die Tropfen fallen
und habe lächelnd dein gedacht.
Und nun im lichten Frührotkleide
der Tag vor meiner Türe steht,
nun schließ ich unter Tränenströmen
dich in mein heiligstes Gebet.
3. [Komm du, wir wollen traulich schreiten]2. [Vom Himmel ist der Frühlingsregen]1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

3.

Komm du, wir wollen traulich schreiten
wie selige Kinder, Hand in Hand,
durch blütenschwangre Frühlingsweiten,
durch warmbesonnten Meeressand.
Die Luft erklingt, die Wipfel lauschen,
die Sonne grüßt uns trunknen Blicks, –
und über unsere Seelen rauschen
die Wogen des Ostaraglücks.
[155]
Das ist ein Wachsen und ein Werden,
wir wandeln wie voll süßen Weins:
Eins sind wir mit der Kraft der Erden,
und mit dem Himmel sind wir eins.
Wie rings die Ferne sich entschleiert
in Glut und Glanz und Windeswehn,
so – Aug in Auge! – leuchtend feiert
die Gottheit in uns Auferstehn!
4. [Blumen pflückt ich auf der Frühlingswiese]3. [Komm du, wir wollen traulich schreiten]2. [Vom Himmel ist der Frühlingsregen]1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

4.

Blumen pflückt ich auf der Frühlingswiese,
blaue Blumen aus dem Paradiese,
Blumen mit den tiefen quellenfeuchten
Augen, die wie Menschenaugen leuchten.
Ach, aus diesen Kelchen laß mich nippen:
dürstend heb ich sie an heiße Lippen,
und ich trinke – und ein Sommersehnen
träumt in mir, ich trinke deine Tränen....
5. [Wir gingen schweigend Hand in Hand]4. [Blumen pflückt ich auf der Frühlingswiese]3. [Komm du, wir wollen traulich schreiten]2. [Vom Himmel ist der Frühlingsregen]1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

5.

Wir gingen schweigend Hand in Hand
über das reife Ackerland,
über die glühe Haide, –
im fernen Westen starb das Licht:
wir grauten uns im Dunkel nicht,
wir lachten im Leide.
[156]
Und rot erglomm der junge Tag,
und laut erscholl der Lerchenschlag, –
wir weinten vor Liebe
und wußten: hinter den Bergen lag
ein Märchenreich, ein Sonnentag,
der ewig bliebe.
6. [Gedanke du voll stiller Majestät]5. [Wir gingen schweigend Hand in Hand]4. [Blumen pflückt ich auf der Frühlingswiese]3. [Komm du, wir wollen traulich schreiten]2. [Vom Himmel ist der Frühlingsregen]1. [Klinge denn, klinge, mein Saitenspiel]Ostara3. [Ich war ein Kind und er war schon groß]2. [Aus wallenden Herbstesnebeln]1. [Ich fliege mit euch, ihr Winde]HeimwehEisnachtFrostTräume nur, Seele ...HerbstFruchthauchMainachtFrühlingHeimatklängeFahr wohl -O sei gesegnetViele Wasser fließen - -SpinnleinIn ausgefahrnen GleisenAus jungen TagenBildSchlaf und TodKrankenwachtAusgekostetRuh' dich aus!WetterleuchtenAlltagDie letzte NoteNachtwandlerinBegegnung2. [Als noch von deinem Munde]1. [Das ist der Platz, auf dem ich stand]ErinnerungIn TränenIn dunkler StundeIm AbendschattenDornenStilleVerlornes GlückVorbeiMit leisem NickenLavasturzMorgenWeltflüchtigMeerfahrtLiedSonnenwendeStummes GlückAuf dem BallZuversichtWiedersehnSonnenwendspukIm NovembersturmLetzte LiebeIrrlichtSpätrotAus der EngeO, einen Sturm!KämpfeDer RuferBeati qui in Domino moriunturDas Märchen meiner TageDer goldene SchlüsselFlugFlugSilvesterklängeDer Zukunft KroneFabrikausgangDer HeilandJahrwendeDie Zeit ist nahGenug der Qualen!Dem Kampf entgegenFreiheitDas WeibBefreiungWeibMargareteGlutGedichteGedichteMüller-Jahnke, ClaraMit roten Kressen

6.

Gedanke du voll stiller Majestät,
der mir durchs Hirn an sonnigen Tagen geht,
wenn rings die Welt nach Frucht und Reife ringt,
du Lied der Sehnsucht, das in lauer Nacht,
wenn nur der Mond auf blauen Bergen wacht,
das rauschende Blut in meinen Adern singt –
Du Lebensflut, die aus den Tiefen quillt
begrabnen Seins und rastlos wächst und schwillt
und von Geschlecht sich zu Geschlecht ergießt,
verborgener Stern im tiefsten Weltenraum,
der schlummernd seine Strahlen keusch verschließt, –
du meiner Liebe rosiger Knospentraum:
ich fordre dich vom Himmel kraft der Kraft
die dieses Frühlings holde Wunder schafft,
die, Purpurblut, in schwellender Traube schäumt,
die im begrenzten Raum Unendlichkeiten träumt,
ich glühe nach dir, wie Frührot nach dem Tag!
[157]
Aufjauchzend steh ich vor der Zukunft Tor
und klopfe an mit starkem Herzensschlag:
die schweren Marmorflügel drehn sich schon
und klaffen weit – –
Auf beiden Händen heb ich dich empor,
hebe dich zu des Geisterkönigs Tron,
daß er mit Feuer deine Stirne weiht,
du meine Sehnsucht, meine Ewigkeit:
Mein ungeborener Sohn!
[158]