1.Gedichte 1842-1843LyrikPetöfi, SándorVolkslieder

[79] Volkslieder.

I.

Herbst naht, der Storch verläßt uns bald,
Hier wird's dem Armen ja zu kalt,
Drum fliegt er fort in weite Fern',
Die warme Sonne hat er gern.
Der Storch, der hat für seinen Flug
In ferne Länder Grund genug,
Doch nie, mein Schatz, hab' ich erfaßt,
Warum du mich verlassen hast!
Dir war ich treu, und bin's auch jetzt,
Und war's vom Anfang bis zuletzt,
Mein Herz, das Lenz und Herbst nicht kennt,
Für dich wie nur der Sommer brennt.
Ob's dort, wohin dein Flug dich führt,
Nicht kalt, daß dir das Herz erfriert?
Mein Täubchen, eines sag' ich bloß:
Dir wünscht' ich nimmer solch ein Los!
Dem Storche, wenn er wiederkehrt,
Ist stets ein neuer Lenz beschert,
Doch du, bei deiner Wiederkehr,
Du find'st mich nur im Grabe mehr!
2.1.Gedichte 1842-1843LyrikPetöfi, SándorVolkslieder

II.

Beim ersten Hahnenruf erwacht
Das Morgenrot aus dunkler Nacht;
Bei Mädchen gilt das auch, und wie!
Beim ersten Wort erröten sie.
[80]
Drum schweig' ich gern. Ihr denkt dabei,
Daß ich dem Hahne ähnlich sei?
Stets hat sich gern der falsche Hahn
In fremden Nestern umgetan.
Der Hahn, der nascht von Fall zu Fall,
Doch ich bin eine Nachtigall:
Ein Nest, das nur ein Lieb enthält,
Für das nur leb' ich in der Welt!