[133] 42. De blinne Schausterjung

»Ach, Meister! Meister! Ach, ick unglückselig Kind!
Wo geiht mi dit? Herr Je, du mein!
Ach, Meister! Ick bün stockenblind,
Ick kann ok nich en Spirken seihn!«
De Meister smitt den Leisten weg,
Hei smitt den Spannreim in de Eck
Un löppt nah sinen Jungen hen.
»Herr Gott doch, Jung! Wo is di denn?«
»Ach, Meister! Meister! Kiken S' hir!
Ick seih de Botter up't Brod nich mihr!«
De Meister nimmt dat Botterbrod,
Bekikt dat nipp von vörn un hin'n.
»So slag doch Gott den Düwel dod!
Ick sülwst kann ok kein Botter finn'n.
Na, täuw!« Hei geiht tau de Fru Meistern hen
Un seggt tau ehr: »Wat makst du denn?
Wo is hir Botter up dat Brod?
Dor slag doch Gott den Düwel dod!«
»Is dat nich gaud för so'n Jungen?
Ji sünd man all so'n Leckertungen;
Ji müggten Hus un Hof vertehren,
Un sick sall fingerdick upsmeren.
So geiht dat noch nich los? Prahl sacht!
De Botter gelt en Gröschner acht.«
»Ih, Mutter, ward man nich glik bös,
Hest du denn nich en beten Kes'?«
Un richtig! Sei lett sick bedüden
Un deiht den Jungen Kes' upsniden.
De Meister bringt dat Botterbrod herin,
Giwwt dat den Jungen hen und fröggt,
Ob sick sin Blindheit nu hadd leggt
Un ob hei wedder seihen künn.
»Ja, Meister«, seggt de Jung ganz swipp,
»Ja, Meister, ja! Ick seih so nipp,
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As hadd 'ck 'ne Brill up mine Näs',
Ick seih dat Brod all dörch den Kes'.«

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