[Lebst du auch von jedem Wunsch geschieden]

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Lebst du auch von jedem Wunsch geschieden,
Uns doch wirst du suchen und uns fröhnen;
Hast du stets auch Sängerruhm gemieden,
Uns doch wird ein Lied von dir ertönen.
Bist du reich auch, wie Cărūn gewesen,
Bei der Liebe wirst du betteln gehen;
Warst du auch zur Herrschaft auserlesen,
Dienend wird man uns dich huld'gen sehen.
Eine Fackel dieses Saal's voll Schimmer
Wird wohl hundert Fackeln noch entzünden.
Leblos oder lebend, wirst du immer
Nur durch uns das Leben dir begründen.
Deiner Füsse Fessel wird sich lösen,
Reine Klarheit wird dich rings umstrahlen,
Und es wird auf deinem ganzen Wesen
Sich, durch uns, ein Rosenlächeln malen.
Tritt herein mit dem zerfetzten Kleide,
Dass du Herzen schau'st, die lebend leuchten;
Hüllst du auch in Atlas dich und Seide,
Wirst bei uns du doch zerfetzt dir däuchten.
Wenn zur Erde niederfällt der Samen,
Steigt empor als mächt'ger Baum er wieder:
Fandst du sinnig dieses Räthsels Namen,
Fällst mit uns auch du in Demuth nieder.
Tebris' hehres Sonnenlicht der Wahrheit
Spricht zur Knospe auf den Herzens-Auen:
»Wenn dein Auge sich erschliesst in Klarheit,
Wirst, durch uns, du hell und deutlich schauen.«

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