[20] 7.

Andere mögen dich jetzt im steigenden Sommer verlassen,
Ich doch bleibe dir treu, strahlendurchfunkelte Stadt.
Nicht verlangt es mich mehr nach himmelan ragenden Gletschern,
Nicht nach des nordischen Meers wogenumbraustem Gestad.
Gern verträum' ich die Tage im Dunstkreis der stilleren Straßen,
Quälen auch Hitze und Staub, giebt's doch Oasen genug.
Wohlig schlürft sich am Morgen der Kaffee im Runde des Stadtparks,
Liebliches Blumenarom mengt der Cigarre sich bei.
Brennt die Sonne dann heißer, so find' ich schattige Gärten,
Wo ein erquickliches Buch still und gesammelt man liest.
[21]
Ja, dann nimmst du mich auf, Erschloss'ner vom »Schätzer der Menschheit«,
In deiner breiten Alleen wipfelumdunkelte Ruh;
Oder auch du, Belvedere, mit zierlich gehegten Terrassen,
Still ins Weite hinaus schweift dort der sinnende Blick.
Traulich empfängt mich Schönbrunn, es winkt mir der gastliche Prater,
Wo dem dürstenden Mann froh sich der Abend beschließt.
Sehn' ich mich dennoch nach kühleren Schatten, nach frischeren Lüften,
Führen auch Schienen und Dampf rasch mich in's Volle hinein;
Rasch in ein grünes Bereich der herrlichsten Eichen und Buchen –
Tief in des Wienerwalds quellendurchrieselte Pracht.
Mögen doch Andere jetzt dich pilgernd verlassen – ich bleibe:
Liegt das Gute so nah', wünsch' ich mir Besseres nicht!

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