[Rubinemund- Du zierde der jugend]Jugend-FlammenGedichteGedichteZesen, Philipp vonDas sechzehende Lied

[329] Das sechzehende Lied/

An die am bluht und muhte hochädel-gebohrne/ folkommene Rubinemund/ das schönste Rubienchen des Adlichen Frauenzimmers zu Hals-furt.


gesetzt durch J(ohan) Schopen.

[330] 1.
Rubinemund/ Du zierde der jugend/
ach! Sonne/ mahn/ und stern/
welche mit hohen strahlen der tugend
stets blikket her von fern;
Dich o du Königin aller jungfrauen/
mus ich zwar meiden/
dännoch nicht neiden
dein schönes gesicht.
2.
Rubinemund/ Du kanst es nicht gläuben/
was ich itzt leiden mus;
träu und beständig werd' ich verbleiben/
ob auch mein Himmels-schlus
mich schon entfernet und reisset von hinnen:
Liebe giebt Ehre
selten gehöre/
doch mus es hier sein.
3.
Werd' ich nicht wohl der stunden gedenken/
und auch das liebe feld
ewig mit tausend wündschen beschenken/
da Du/ o zier der welt/
reitztest mit pfeilen mein schüchternes hertze/
ja es verletztest/
ewig versetztest
in leiden und pein.
[331] 4.
Da mier dein erstes blikken und lachen
ein rechter liebes-strük/
der mier das hertz mit schmertzlichen sachen/
mit grauen/ angst und schrik
füllte/ verhüllte/ ja stillte die freuden/
brachte mier leiden/
machte mich scheiden/
o Freiheit von dier.
5.
Es hat zwar Utrecht manchen bestrükket/
ja Frankreich/ Engeland
hat auch die härtesten hertzen verzükket
durch jäher liebe brand:
doch hat kein Frauenbild können verwunden/
können verzükken/
können verstrükken
so eilend/ als Du.
6.
Rubienemund/ dieweil Du mein leben
so sehr gekränket hast/
ei so vergönne/ daß ich mag geben
Dier einen lieben gast/
daß ich in träue dein hertze mag küssen/
daß ich mag schertzen/
kühlen die schmertzen/
o Schöne/ bei Dier.
[332] 7.
So scheid' ich ab mit freudigem muhte/
dieweil mir deine gunst/
Liebstes Rubienchen/ kommet zu guhte/
und lindert meine brunst.
Rubinemund/ o Rubinemund lebe/
lebe vol freuden/
ausser dem leiden/
Ach lebe stets wohl!
Über das bildnüs der Liebinnen[Rubinemund- Du zierde der jugend]Jugend-FlammenGedichteGedichteZesen, Philipp vonDas sechzehende Lied

Über das bildnüs der Liebinnen/ fast nach dem Lateinischen
Sie redet selbsten

1.
Aus dem Mehre bin ich kommen/
aus des bitren saltzes kraft
hab' ich dieses Sein genommen;
dessen schaum an meinen lokken
wie gefrohrne wasser-flokken
annoch haft.
2.
Meinen krum-gekrüllten hahren/
hat die wild-erboßte See/
(wie die hohlen wellen wahren)
gleiche krümmen eingetrükket/
daß des schaumes silber blikket
in die höh.
[333] 3.
Als Kluginn' und Himmelinne
dis mein bildnüs sahen hier/
sprachen sie; es kan Schauminne/
ja Schauminne kan mit rechte/
schahmroth machen ihr geschlächte
durch die zier.