1. [Auf dem Obernauer Kirchthurm sei einst eine Tanne]6.Sagen, Märchen, VolksaberglaubenMärchen und SagenBirlinger, Anton664. Die Obernauer

664. Die Obernauer.

Mündlich.

1.

Auf dem Obernauer Kirchthurm sei einst eine Tanne und Gras gewachsen. Der wolweise Rat beschloß, um das Gras wegzubringen, einen Esel, andere sagen einen Hagen, hinaufzuziehen, der es wegfressen sollte. Halb droben hing der Esel seine Zunge heraus und die Obernauer schrien: »Guckət aå, .r langət scheõ dərnå, .r ştrekt schəõ d' zung' 'rauss!« Seitdem neckt man diese Ortsbewohner mit der Geschichte, und es ist keinem zu raten, wenn er nicht den Buckel voll Schläg will, von der Sache bei den Obernauern anzufangen 1.

Fußnoten

1 Von den Ertingern sagt man, sie hätten den »Ortshummel« hinaufgezogen. Vgl. G. Schwab, Volksbücher I. 346. Dieser Schwank kehrt in Schwaben unzähligemal wieder. Den Moosheimern bei Saulgau sagt man es auch nach, sie hätten einen Esel hinaufgezogen (Eselshenker). Vgl. unten.

2. [Die Obernauer heißen nur »die Esel«. »Eselohren«]1. [Auf dem Obernauer Kirchthurm sei einst eine Tanne]6.Sagen, Märchen, VolksaberglaubenMärchen und SagenBirlinger, Anton664. Die Obernauer

[442] 2.

Die Obernauer heißen nur »die Esel«. »Eselohren« aus den Rockflügeln, aus dem Nastuch zu machen, das Nastuch absichtlich oder ohne Wissen heraushängen lassen, genügt schon, von den Obernauern »gewampt« zu werden. Dieses kommt daher. Ein Obernauer fand mal eine Kürbis und trug aus lauter Verwunderung dieselbe auf's Rathaus und der wolweise Rat hielt Sitzung, was mit dem seltsamen Ding zu machen sei. Endlich kam's einem: das sei ein Eselei. Der Bettelvogt, so lautete der Beschluß, muß das Eselei ausbrüten. Gesagt, gethan. Er hockte auf die Kürbis, sie fiel ihm hinunter, rollte in ein Hag, aus dem ein Hase sprang. »ïa, ïa Esəlẽ î bĩ dəẽ Ättẽ«, rief der erstaunte Bettelvogt und meinte, dort springe der junge Esel. Der Hase lief davon.