EXAMEN FORTIFICATORIUM oder Gruͤndlicher Unterricht von der THEORIA und PRAXI Der heutigen K riegs- B au- K unst/ Jn Fragen und Antwort verfasset/ und in VII. besondere Theile eingetheilet/ Davon Der I. T heil handelt von der R e- chen-Kunst/ samt ihren fuͤrnehmsten Speciebus. II. Von der Geometrie und ihren nothwendigen Stuͤcken. III. Von dem Anfang/ Fortgang und Untersuchung unterschied- licher Arten der Kriegs-Bau-Kunst/ wie auch von einigen general- und præliminar- Sachen/ so bey derselben zu wissen hoͤchstnoͤthig sind. IV. Von der Regular-Fortification und deren Maxim en. V. Von der Irregular-Fortification und deren Maxim en. VI. Von den Aussenwercken und Feld-Schantzen. VII. Von der Praxi der Kriegs-Bau-Kunst/ oder Off- und Defensiv-Fortification, und wie die Haupt-Festungen ceremonial isch zu belagern/ zu at- taqui ren und zu defendi ren sind: Welches alles zum Behuff und Besten der Liebhaber sothaner Wissenschafften in der Kuͤrtze zusammen gefasset/ mit behoͤrigen Kupffer-Stuͤcken versehen/ und zum Druck befoͤrdert worden durch Johann Sebastian Grubern / Major. Leipzig/ zu finden bey Joh. Herbord Kloßen . Anno 1703 . V orrede. W Eil es/ nach Standes Gebuͤhr geehrter Leser/ ausser allem Zweifel wahr ist/ daß keine Disciplin ordentlicher/ und deutlicher kan gelehret/ leichter erlernet/ noch besser behalten werden/ als wenn man deren Fundamenta unter gewisse Titul und Capittel in Fragen und Antwort abfasset; so habe auch in Betracht dessen/ und weil in meinen andern Tractaͤtlein ein solches nicht observi ret/ die ma- terie auch von der Fortification nicht genung- sam ausgefuͤhret worden/ zu geschweigen der vie- len Fehler und Jrrthuͤmer/ so in Ermangelung eigener Druck- Revision sich haͤuffig mit einge- schlichen/ nicht unterlassen sollen/ gegenwaͤrtiges Wercklein unter dem Nahmen eines Examinis fortificatorii heraus zu geben/ worinnen ich denn wo nicht alles/ iedoch das meiste/ und was in der Kriegs-Bau-Kunst zur Theorie und Praxi fuͤrnehmlichen zu wissen von noͤthen ist/ a 2 nicht Vorrede. nicht alleine in ordentlichen Fragen und Antwort gruͤndlich an- und ausgefuͤhret/ sondern auch sol- ches gegen meine andere Schrifften um ein ziem- liches/ so wohl was die wahren Principia dieser herrlichen Disciplin, als die nothwendigen Kupf- fer-Stuͤcke hierzu anbelanget/ vermehret und verbessert/ auch so viel moͤglichen von den vielen Druck- und andern Fehlern selbst purgi ret/ und die uͤbrigen in erratis corrigi ret. Die Haupt- und General-Eintheilung dieses examinis wei- set das vorgedruckte Titul-Blat/ zu Ende aber dieser Vorrede werden die Capittel eines iedwedẽ Theils statt eines Registers specifici ret/ und an- gewiesen/ wornach denn ein ieder sich wird leicht finden und richten koͤnnen. Weil aber die Wis- senschafft der Kriegs-Bau-Kunst/ ob wohl solche in ihren Erfindungen sehr herrlich/ in Aufferbau- ung sehr kostbar und real, und zur Beschuͤtzung Land und Leute sehr noͤthig und nuͤtzlich ist/ von einigen gantz verachtet und negligi ret/ von an- dern aber in ihren Linien/ Winckeln und Funda- ment en vielmahls sehr verkuͤnstelt/ zerstuͤmmelt und confundi ret wird/ so hoffe/ es werde der ge- ehrte Leser nicht ungleich deuten/ wenn ich in die- ser Vorrede folgende zwey Fragen auff das Ta- pet bringe/ und einiger massen eroͤrtere/ nemli- chen: Was fuͤr junge Leute die Fortification bil- Vorrede. billig solten erlernen/ und welche hingegen vor andern am capabel sten sind/ solche zu profiti ren/ und davon oͤffentlich zu schreiben? massen ich solches einem ieden zur guten Nachricht dienlich zu seyn erachtet. Was nun die erste Frage an- belanget/ welche junge Leute die Fortification billig erlernen solten? So ist bekandt/ daß diese Wissenschafft auch ein besonderer/ und nicht ge- ringer Theil sey des nob eln und herrlichen Studii Mathematici, daran viel grosse Herren und Standes-Personen ihr sonderliches Vergnuͤgen und Belieben haben: Wie aber nun die Mathe- sis insgemein/ und sonderlich auch was die For- tification anreichet/ ein sehr kostbares/ scharffsin- niges und muͤhsames Studium ist/ welches viel Zeit und Experimenta haben will/ wenn man anders darinnen gedencket etwas rechtschaffenes zu præsti ren/ so ist leicht zu schliessen/ daß keine dumme/ langsame und schlaͤffrige/ sondern ha- bile und muntere ingenia sich darzu alleine schi- cken/ und die auch Mittel haben/ ihr Dessein voͤl- lig und ruͤhmlich auszufuͤhren; Grillenfaͤnger und caprici oͤse Leute aber sollen sich dieser/ und dergleichen edlen Scienti en billig entschlagen/ damit sie etwan heute oder Morgen mit ihren wunderlichen und naͤrrischen Einfaͤllen vor der klugen Welt/ und bey andern vernuͤnfftigen und a 3 erfahr- Vorrede. erfahrnen Leuten sich nicht prostitui ren moͤchten. Hierbey aber koͤnte mancher reicher und vorneh- mer junger Mensch/ so dem studi ren ergeben/ einwenden und gedencken/ was gehet mich die Fortification an/ ich will Jura, Politica und an- dere Disciplin en studi ren/ und begehre nicht in Krieg zu gehen/ die Fortification gehoͤret nur vor Kriegs-Leute/ ich aber gedencke einmahl mit der Zeit einen Politicum, Rath oder Hofmann bey einem grossen Herrn abzugeben/ oder auch nur vor mich auff meinen Guͤtern ein privat- Le- ben zu fuͤhren. Nun ist es wohl an dem/ daß ein Kriegs-Mann vor andern in der Fortifica- tion, als einem hoͤchstnoͤthigen Theil der Scien- tiæ militaris, soll beschlagen seyn/ wie bald hievon mit mehren soll gemeldet werden; Weil aber sonderlich ein junger Mensch/ er mag auch wes Standes und condition seyn/ was er wolle/ vie- len Fatalit aͤten unterworffen ist/ und er nicht ge- wiß wissen kan/ was kuͤnfftig seine fuͤrnehmste Profession seyn moͤchte/ indem es heisset: Ho- mo quidem proponit, Deus disponit, davon ein gewisser ehrlicher Mann auch viel sagen koͤn- te/ zu geschweigen der wunderlichen Veraͤnde- rungen der Zeiten/ welche kuͤnfftig noch erfolgen duͤrfften; so thut ein wohlhabender junger Mensch nicht uͤbel/ wenn er nebst seinen Haupt- Stu- Vorrede. Studiis sich auch in andern real en Kuͤnsten und Wissenschafften/ sonderlich aber in beyden Ar- chitectur en/ so viel moͤglich/ qualificir et machet/ damit er mit der Zeit capable sey/ sich von andern an Merit en mercklichen zu distingui ren/ und al- len Falls mit einem Pinsel zwey Waͤnde zu be- streichen. Gesetzt auch/ es erlangete einer und ander junger und wohlhabender Mensch seinen finem, und haͤtte von einem grossen Herrn ge- wisse Vertroͤstung/ seinen Studiis nach/ welchen er einig und alleine obgelegen/ accommodi ret zu werden/ es beruhete aber nur noch auff diesen/ daß er einige Zeit sich zuvor moͤchte in fremden Laͤndern umsehen/ weil man von einem unge- reisten Politico, Hof- oder andern Welt-Mann zu diesen Zeiten nicht viel pflege zu halten; so moͤchte ich nur wissen/ mit was vor Nutzen und Vortheil ein solcher nur auff einen Sattel gerech- ter Mensch koͤnne die grossen und vielen Civil- und Militar- Gebaͤude auff seiner Reise ansehen/ worauff grosse Potentat en zu ihrem ewigen Nach- Ruhm so viel Tonnen-Goldes und Million en gewendet/ auch noch wenden/ und wenn er wie- der nacher Hause kommen/ und nun seine charge angetreten/ was er bey Gelegenheit des discur- ses entweder im Beyseyn seines Herrn selbsten/ o- der anderer qualificir ten Leute hiervon vernuͤnff- a 4 tig Vorrede. tig und kunstmaͤßig discurri ren/ oder auch seinem Herrn selbst hierunter fuͤr einen guten Rath mit- theilen koͤnne/ wenn er dergleichen neue Gebaͤu- de auffzufuͤhren resolvi ret waͤre. Jch bin ge- wiß versichert/ daß ein solcher wohlhabender Mensch uͤber seine Ignoran tz in den Architectu- ren/ deren man zu keinen Zeiten und Gelegenhei- ten entrathen kan/ sich recht schaͤmen wuͤrde/ und gerne viel Geld auff der Stelle darum gaͤbe/ wann er auff Universi taͤten/ oder andern Orten nebst seinen principal-Studiis auch darinnen nur etwas weniges gethan haͤtte/ welches denn auch der jenige gleichfalls observi ren soll/ der einmahl gedencket nur privatim auff seinen Guͤtern zu le- ben/ und in keine Dienste zu gehen/ will er an- ders als ein honé ter und kluger Mensch in Com- pagnie sich aufffuͤhren/ und nicht ein blosser Bau- er-Placker seyn. Was die Kriegs-Bedienten anbetrifft/ so ist gar kein Zweiffel zu machen/ daß ein junger Soldate und Officier, er mag gleich sonst studiret haben oder nicht/ wann er nur an- ders dem ingenio nach hierzu faͤhig ist/ auch sonst Mittel und Gelegenheit hat/ sich bey Zeiten in der Kriegs-Bau-Kunst/ gleichwie in andern Exercitiis informi ren zu lassen/ und solche zu er- lernen: Denn es bleibet wohl darbey/ daß die Kriegs-Wissenschafft eine von den hoͤchsten Disci- Vorrede. Disciplin en in der Welt ist/ welche nimmermehr kan ausgelernet werden/ dahero es denn hoͤchst noͤthig/ daß ein ieder wohlhabender junger Mensch/ so einmahl vom Kriege Profession zu machen gedencket/ vorhero erstlichen Juridica, Historica und Geographica, insonderheit auch die Fortification und Artillerie wohl erlernete/ sich auch in Sprachen und fremden Laͤndern ziemlichen versuchte/ hernach aber ein oder zwey Campagn en unter Protection und Anfuͤhrung eines klugen und hohen Officie rs als Voluntair thaͤte/ und denn endlichen eine anstaͤndige Char- ge wuͤrcklichen annehme/ so koͤnte man wohl ver- sichert seyn/ daß aus einem solchen habil en Sub- jecto, wenn GOtt demselben Leben und Ge- sundheit verleihen solte/ mit der Zeit ein grosser/ kluger/ tapfferer und erfahrner General zu gros- sem Ruhm und Nutze seines Herrn/ und gan- tzen Landes werden koͤnte. Weil aber ein solches von den Wohlhabenden mehrentheils unter- bleibet/ andere aber/ so da gerne wolten/ keine Mittel haben/ ihr wohlmeynend Absehen zu voll- ziehen/ die meisten auch insgemein gedencken/ sie haben den Kriegs-Wissenschafften schon eine Genuͤgen gethan/ wenn sie nur von unten auff in ihrer Jugend gedienet/ und die ordinair en Kriegs- Exercitia nebst andern gemeinen Ob- a 5 ser- Vorrede. servan tzen verstuͤnden/ so ist nicht zu verwun- dern/ wann es auch bey der Miliz an qualifi- cir ten und klugen Leuten/ so man nicht alleine zur blossen Execution, sondern auch zu heilsamen und ersprießlichen Consiliis gebrauchen koͤnne/ ein mercklicher Mangel zu nicht geringem Scha- den eines gantzen Landes fuͤrfallen will. Ja/ es gedencken oͤffters die jungen Kriegs- Candida- ten/ daß sie noch Recht uͤberley haben/ wenn sie sprechen: Schade vor die Fortification, ich be- gehre kein Ingenieur zu werden/ ich will unter die Regimenter gehen/ wie denn die jenigen son- derlich/ so zu Pferde dienen wollen/ oder wuͤrck- lichen schon dienen/ sich gantz versichert einbilden/ die Fortification waͤre ihnen nichts nuͤtze/ ande- rer Wissenschafften und Exercitia zu geschwei- gen. Alleine ich will hoffen/ es werde ein ieder junger Kriegs-Mann mit der Intention in Krieg gehen/ nicht nur Zeit seines Lebens bey sei- ner ersten Function und Charge zu verbleiben/ sondern mit GOtt kuͤnfftig weiter zu avanci ren/ und mit der Zeit ein Commendant, Obrister und General zu werden/ bey welchen vornehmen Chargen denn von ihme viele Wissenschafften erfordert werden/ sonderlich aber die Wissen- schafft der Fortification und Artillerie, damit man nicht alleine bey Versamlung eines grossen Kriegs- Vorrede. Kriegs-Raths gestalten Sachen nach ein kluges Consilium in allen Dingen von sich geben/ son- dern auch nach Gelegenheit bey Off- und Defen- sion sich tapffer und vorsichtig halten koͤnne/ wo- durch denn hernach ein solcher Mann seinen hohẽ Character recht mainteni ret/ bey seinem Prin- cipal sich wohl signalisi ret/ und bey der gantzen Armée und dem Vaterlande sich einen guten Ruhm und Renommée erwirbet. Wenn aber einer/ der schon zu grossen Dignit aͤten im Kriege gelanget ist/ entweder nur durch anderer Leute Augen/ Ohren und Mund sehen/ hoͤren und re- den will/ das ist/ wenn ein solcher uͤber die ordi- nai ren Wissenschafften und Exercitia im Kriege nichts mehr weiß/ und bey fuͤrfallenden Gele- genheiten bey andern erst sich muß Raths erho- len/ was bey der Sache zu thun/ und wie er/ als der commandi rende Officier, darbey sich ver- halten solle/ der kan gar leicht ums Licht gefuͤh- ret/ und sehr betrogen werden/ ja wohl gar um Ehre/ Gut und Blut darbey kommen: Oder wenn ein solcher hoher Officier alsdenn erst die Fundamenta einer und andern Kriegs-Wissen- schafften legen wolte/ da er solche mit grossem Verstande und Vorsichtigkeit wuͤrcklichen exer- ci ren solte/ der wuͤrde viel zu langsam kommen/ und sein Intent nicht wohl erreichen/ noch sein De- Vorrede. Devoir recht abstatten/ weil dergleichen reale Scien tzen/ als die Fortification und Artillerie ist/ nicht so gleich in einem Jahre zu erlernen ste- hen/ sondern viel Zeit/ Muͤhe und Erfahrung allerdings erfordern; dahero es auch hoͤchst- loͤblich/ daß einige kluge Potenta ten hierunter kein Geld ansehen/ und ihre Cader s/ oder andere faͤhige junge Mannschafft entweder in dero Re- sidentzen/ besondern hierzu auffgerichteten Aca- demi en, oder auch an andern Orten in erwehn- ten und andern Wissenschafften und Exercitiis bestmoͤglichst informi ren lassen/ sintemahl sotha- ne gnaͤdige Vorsorge in dero Landen und Ar- me en mit der Zeit grossen Nutzen schaffen kan/ und so viel sey allhier genung gesaget von der er- sten Frage bey dieser Vorrede. Was nun auch die andere anlanget/ nemlichen welche Leute am capabe lsten sind/ die Fortification zu profiti ren/ und davon so wohl in Theoria als Praxi etwas tuͤchtiges und solides zu schreiben? So ist zur Eroͤrterung sothaner Frage zum Fundament und voraus wohl zu wissen/ daß die Fortification nicht alleine eine scientia speculativa und the- oretica, sondern auch und fuͤrnehmlichen pra- ctica sey/ indem es nicht genung/ hievon nur et- was auff das Papier auffzureissen/ kleine Mo- dell en zu machen/ oder wenns hoch koͤmmt in Gaͤr- Vorrede. Gaͤrten oder auff Wiesen zur Lust ein kleines Schaͤntzlein/ oder ander Wercklein anzulegen/ sondern man muß in der Praxi selbst wohl erfah- ren seyn/ und im Ernst darinnen nach vollkom- mener orthographi schen Anweisung des Pro- fils in den rechten proportionir ten Hoͤhen/ Tieffen/ Breiten und Laͤngen/ wie es die natuͤr- liche Landes-Gelegenheit vortheilhafftig erfor- dert und haben will/ gearbeitet haben/ worbey man denn erst recht viel erlernet/ davon man in der Theoria zuvor nichts gewust/ noch wissen koͤnnen/ indem die Begebenheiten sich oͤffters hierbey so wunderlich erweisen/ daß man es sich zuvor nicht einbilden koͤnnen: Deßgleichen muß man bey einem solchen kostbaren Real- Bau auff die Menage und Erspahrung grosser und unnoͤ- thiger Unkosten/ wie auch auff die selbst eigene/ als feindliche Force und Tugend der Artillerie genaue Reflexion machen/ damit man wegen unnoͤthiger Multiplici rung der Wercke nicht allzu grosse Depenc en verursache/ und man auch die Artillerie nebst dem Hand-Geschuͤtz in allen Linien/ Puncten und Winckeln mit gutem Ef- fect und Nachdruck gebrauchen koͤnne/ will man anders sich den Nahmen eines rechtschaffenen Ingenieurs erwerben/ und capabel seyn in der Fortification etwas Tuͤchtiges und Ruͤhmliches/ es Vorrede. es sey mit der Feder/ oder Schauffel zu præsti- ren; denn eine gute Theorie koͤmmt aus der Praxi, und muß solche schlechter Dings aus der langen Erfahrenheit ihren Ursprung nehmen/ weil sonst ihre Reguln aus blosser Einbildung koͤnten falsch und betruͤglichen seyn; in der Praxi aber alleine ohne gewisse Haupt-Reguln und Maxim en kan man auch nicht fortkommen/ weil man doch ein versichertes Fundament ha- ben muß/ wornach man sich richten/ und sein Werck raisonnabel in der That ausfuͤhren soll. Weil nun ein blosser Theoreticus, so nur Scien- tiam speculativam in der Fortification hat/ ob er gleich sonst gelehrt/ und in der Geometrie wohl erfahren ist; noch ein blosser Practicus, welcher niemahls nach den ordentlichen und wahren Maxim en der Kriegs-Bau-Kunst fun- damental unterwiesen worden/ er mag sonst auch gleich studiret haben/ oder nicht/ und die Geome- trie taliter, qualiter verstehen/ die Theorie und Praxin, als zwey Haupt- und essential- Stuͤcke der Fortification nicht mit einander zu- gleich besitzen/ und nicht verstehen/ so wird ein ieder/ der nur eine gesunde Vernunfft hat/ aus diesem leicht schliessen/ und recht urtheilen muͤs- sen/ daß nur diejenigen am capabel sten sind/ die Fortification in allen ihren Stuͤcken zu profiti- ren/ Vorrede. ren/ und darvon etwas Tuͤchtiges und Versi- chertes zu schreiben/ so nicht alleine die Funda- menta unter kluger und redlicher Anfuͤhrung eines verstaͤndigen und erfahrnen Mannes vorgaͤngig wohl geleget/ auch viele Autores hiervon mit Verstande und fleißiger Auffmer- ckung gelesen; sondern auch hernach die The- orie mit der Praxi selbst bey Gelegenheiten conjungi ret/ und also beyde Essential- Stuͤcke der Fortification im Friede und Kriege lange Zeit und Jahre mit grosser Muͤhe/ Arbeit und Gefahr exerci ret haben. Denn ein blosser Theoreticus, er mag auch in den Fundamen- ten der Fortification so hoch erfahren/ oder sonst so weise und gelehrt/ auch was von Stand und Condition seyn/ wie er wolle/ so muß er dennoch bald in diesem bald in jenem Stuͤcke/ wenn er entweder Exercitii gratia sich selbst et- was opponi ret/ oder von einem andern ihme ein Einwurff gethan wuͤrde/ zweifelhafftig seyn/ welches eigentlich recht oder unrecht/ und wel- ches man in der That wohl observi ren/ oder meiden muͤsse/ massen er seine Fundamenta, so theils veraͤnderlich sind/ aus der langen und unbetruͤglichen Erfahrung noch nicht erhaͤrtet/ und dahero als ein Dubius nach der Juristen Regul mit dem Errante in eine Classe, und auff b eine Vorrede. eine Banck gehoͤret/ auch hierbey insonderheit das alte Spruͤchwort rechtschaffen wahr blei- bet/ welches saget/ es taug nichts unversucht. Dessen sich denn auch ein ieder rechtschaffener Theoreticus ohne mein Erinnern wird wohl zu bescheiden wissen/ und sich nicht unterfan- gen/ ausser einigen theoreti schen Fundamen- ten und guten special- Erfindungen von der weitlaͤufftigen Disciplin der Fortification in genere zu schreiben/ noch viel weniger anderer ehrlichen Leute Schrifften zu censi ren/ weil er die voͤllige Wissenschafft selbst noch nicht besi- tzet: Wiewohl nicht zu laͤugnen/ daß ein guter Theoreticus, zumahl wann solcher studir et und die Geomotrie wohl verstehet/ einem an- dern die Fundamenta der Fortification eher und besser beybringen kan/ als ein blosser Pra- cticus, welcher keinen rechten Modum docen- di weiß/ indem er selbst nicht die Grund-Re- guln ordentlicher Weise erlernet/ noch recht verstehet. Wie nun ein blosser Theoreticus der gantzen Wissenschafft der Fortification nicht gewachsen/ also verhaͤlt es sich auch auff gleiche Weise mit einem blossen Practico, wel- cher nicht gruͤndliche Manuduction und Unter- weisung hat/ sondern entweder auff seiner ge- leisteten Hand-Arbeit/ oder durch Zusehen/ oder auch Vorrede. auch aus confu ser und unrichtigen Unterrich- tung eines halbgelehrten Lehrmeisters talem, qualem Scientiam in der Kriegs-Bau-Kunst sich erworben/ gestalt denn dergleichen Leute gemeiniglich von schlechter Extraction sind/ und nichts studiret haben/ sondern in ihrer Ju- gend entweder ein Handwerck erlernet/ und hernach in Krieg kommen/ oder eines Wall- setzers/ oder andern Werckmeisters Sohn sind/ da sie denn bey dergleichen Arbeit angefuͤhret werden/ die Geometrie ein wenig erlernen/ und sich einiger massen auff das Reissen legen/ hernach einige Risse in der Fortification abco- piren/ und folgends als Conducteurs gebrau- chet werden. Wenn sie nun solchen Verrich- tungen einige Jahre obgelegen/ und sich im Reissen ie mehr und mehr exerci ret/ so geschie- het es zum oͤfftern/ daß dergleichen Leute ent- weder aus Mangel anderer/ oder auff nach- druͤckliche Recommendation hoher Patron en zu hoͤhern Charg en gelangen/ und endlichen gar vor wuͤrckliche Ingenieurs declari ret werden/ GOtt gebe sie moͤgen die Sachen recht gruͤnd- lich verstehen/ oder nicht. Diese Leute nun bilden sich bey ihrer neuen Ehren-Stelle ge- meiniglich nicht wenig ein/ ja sie unterstehen sich auch wohl gleich andern rechtschaffenen In- b 2 ge- Vorrede. genieurs einen eigenen Modum fortificandi zu erwehlen/ und ihre Meynung in Schrifften an Tag zu geben/ so aber vielmahls Sachen sind/ die ein ander nicht naͤrrischer und einfaͤl- tiger erdencken koͤnte/ welches denn/ wenn man ihren Zustand bedencket/ nicht wohl an- ders seyn kan/ indem sie Zeit Lebens nichts gruͤndliches und solides erlernet/ und also wohl haben lauten hoͤren/ aber eigentlich nicht wis- sen/ wo die Glocken hangen/ dahero sie noth- wendiger Weise nur Stuͤmpler und Huͤmpler bleiben muͤssen: Nichts desto weniger geschie- hets oͤffters/ daß das blinde Gluͤcke der Albern Vormund wird/ und solche Leute vor etwas besonders gehalten/ und im Lande wohl ac- commodi ret werden/ da es denn recht heisset/ Mundus vult decipi. Ob nun wohl ein sol- cher halbgelehrter Practicus nicht capabel ist/ die Fortification in ihren Fundament en recht zu profiti ren/ noch sonst hievon etwas solides zu schreiben/ oder viel ruͤhmliches zu erfinden; so ist mir doch ein solcher Mann im Felde bey einer Expedition viel lieber/ als etliche blosse Theori sten mit allen ihren Concept en/ weil ein Practicus der wuͤrcklichen Arbeit in Cam- pagne schon gewohnet/ und einem andern noch ziemliche Dienste leisten kan/ wenn er nur zu- vor Vorrede. vor in allen wohl unterrichtet/ und ihme des Landes Gelegenheit nebst dem Profile der Fe- stung moͤglichst eingebildet worden. Bleibet demnach unwidersprechlich darbey/ daß nie- mand capabler ist/ die Fortification in ihrer Theorie und Praxi zugleich und insgesamt zu profiti ren/ davon viel zu schreiben/ etwas neu- es und zuverlaͤßiges darinnen zu erfinden/ die unterschiedlichen und vielen Modos munien- di, iedoch tecto nomine, zu untersuchen/ und sein bescheiden und gruͤndliches Urtheil davon zu faͤllen/ als der jenige/ so seine wohlgelegten Fundamenta und Theorie mit der Praxi lan- ge Jahre umgesetzet/ die Artillerie auch zu- gleich verstehet/ in Campagne und sonst Profes- sion darvon gemachet/ und also sich in allen/ so viel nur Mensch- und moͤglichen/ hierunter ha- biliti ret/ massen er denn aus den vielen und wunderlichen Begebenheiten nothwendiger Weise hat erfahren und observi ren muͤssen/ worinnen eigentlich cardo Architecturæ mili- taris, so wohl in Theoria als praxi, bestehe/ und was dieser herrlichen und edlen Wissen- schafft in allen ihren Theilen und Stuͤcken am nuͤtzlichsten und bequemsten sey; Usus enim facit artificem, welches denn wohl wird wahr bleiben/ so lange auch dieses von niemand wird b 3 koͤn- Vorrede. koͤnnen umgestossen werden/ daß die Praxis der Theorie beste Lehrmeisterin sey. Mit weni- gem nun noch von meinem Examine zu geden- cken/ kan ich den geehrten Leser versichern/ daß mein eintziges Absehen in diesem Buche dahin gangen/ wie ich nicht alleine einen leichten und verbesserten mechani schen Modum fortifican- di zum Auffreissen/ Grundlegen und Abstecken iedwedem præsenti ren/ sondern auch nach dem- selben eine regulare oder irregulare Festung wuͤrcklich uñ in der That wohl erbauen moͤge uñ koͤñe/ und zwar mit genauer Observi rung dieser drey Haupt- Cautel en/ daß nemlich die Festung an und vor sich selbst starck und dauerhafft ge- nung sey/ nicht vergebliche grosse Unkosten er- fordere/ und so wohl mit Artillerie, als Hand- Geschuͤtz aller Orten gar fuͤglich und nachdruͤck- lich sich defendi ren koͤnne. Jm uͤbrigen habe mich bey den Regular- Wercken der unnoͤthi- gen Aussenwercke/ des uͤberfluͤßigen detachi- rens/ reteri rens/ reveti rens und der irregu- la ren Seconds-Flanquen enthalten/ weil en- tia præter necessitatem nicht sollen multipli- ci ret werden/ uͤber dieses auch dergleichen Sa- chen nicht allezeit den verlangten Effect und Nutzen schaffen/ gleichwohl aber viel Kosten erfordern/ und billig nicht eher sollen gebrau- chet Vorrede. chet werden/ als wo es bey Irregular- Wercken die hoͤchste Noth erfordert/ da ein kluger Inge- nieur sich nach der wunderlichen Situation des Platzes allerdings und gar genau richten muß. Habe ich nun hiermit etwas nuͤtzliches und fruchtbarliches ausgerichtet/ und mir hierin- nen rechtschaffener und erfahrner Leute Ap- plausum erworben/ so dancke ich zufoͤrderst GOtt/ und Jhnen von Hertzen dafuͤr/ nach andern naseweisen Censor en frage ich so viel als nichts/ weil sie entweder die gantze Sache nicht recht verstehen/ oder aus blossen Affect en nur davon urtheilen. Jnzwischen verspreche auch den Liebhabern der Artillerie mit einem gleichmaͤßigen Examine von der gantzen Buͤch- senmeisterey und dem Ernst-Feuerwerck mit nechsten/ so GOtt Leben und Gesundheit er- halten wird/ à part auffzuwarten/ damit sie der vielen andern theuren und theils unbequemen Buͤchern gaͤntzlich koͤnnen uͤberhoben bleiben/ hingegen aber solches zu Hause oder im Felde nuͤtzlichen und bequem gebrauchen. Die Er- rata und andere gemeine Druck-Fehler in Characte ren und Division en/ so sich uͤber Ver- hoffen mit eingeschlichen/ wolle der geehrte Le- ser guͤtig pardonni ren/ und nach Belieben b 4 ohn- Vorrede. ohnschwer selber corrigi ren/ auch im uͤbrigen dem Autori, als welcher sich einem iedweden nach Standes Gebuͤhr bestens recommen- di ret/ gewogen verbleiben/ Vale ! Jm J m ersten T heil Von der Arithmetic sind enthalten folgende Capittel/ als I. Von der Nomination. II. Von der Addition. III. Von der Subtraction. IV. Von der Multiplication. V. Von der Division. VI. Von der Regul de Tri. VII. Von der Regul Quinque oder Dupla. VIII. Von Ausziehung der Quadrat- Wur- tzel. IX. Von Ausziehung der Cubic- Wurtzel. J m andern Theil Von der Geometrie sind enthalten folgende Capittel/ als I. Von Benennung und Explici rung der Dinge/ so in der Geometrie pflegen fuͤr- zukommen. II. Von Auffreissen einiger Linien/ Win- ckel/ Figuren und Coͤrper. b 5 III. Von III. Von Ausmessung der Linien und Win- ckel nach ihren Hoͤhen/ Tieffen/ Laͤngen und Breiten. IV. Von Ausmessen der Figuren nach ih- ren Ebenen/ Flaͤchen und superficia len Jnhalt. V. Von Ausmessung der massiv und dichten Coͤrper nach ihren Laͤngen/ Tieffen und Breiten. VI. Von Ausmessung der hohlen Coͤrper nach ihren Laͤngen/ Breiten/ Tieffen und Hoͤhen. Jm dritten Theil Von Præliminar- und General- Sa- chen der Fortification sind enthal- ten folgende Capittel/ als I. Von Benennung und Explici rung der Fortification s- und Kriegs- Termino- rum. II. Vom Ursprung/ Fortgang und Unter- scheid der Fortification. III. Von den Situation en der Festungen/ und derer daher entstehenden Maͤngel und Vortheile. IV. Von IV. Von Beschaffenheit und Unterscheid des Erdreichs. V. Von Suchung und Befestigung der Fundamenta im Wasser/ und auff dem Lande. VI. Von der Definition und Division der For- tification. VII. Von einigen General- Bau- Maxim en der Fortification. VIII. Von den Proportion-Tabellen, und wie eine Festung/ und deren Profil ver- juͤngt auffzureissen. IX. Von einer besondern neuen/ leichten und bequemen Manier der Fortifica- tion. J m vierten Theil Von der Regular-Fortification sind enthalten folgende Capittel/ als I. Von dem Wall und dessen Beschaffen- heit. II. Von der Brustwehr des Walles/ und deren Beschaffenheit. III. Von den Streichen und Flanqu en/ und deren Beschaffenheit. IV. Von IV. Von den Facen und Gesicht-Linien/ und deren Beschaffenheit. V. Von der Courtine und deren Beschaf- fenheit. VI. Vom Unter-Wall oder Faussebraye, und der Berme oder Fuß des Walles/ und de- ren Beschaffenheit. VII. Von den Haupt- und andern Graͤben/ wie auch der Cuvette, und deren Beschaf- fenheit. VIII. Von der Contre-Scarpe oder bedecktem Weg/ und dessen Beschaffenheit. IX. Von Thoren/ Sortien, Schutz- und an- dern Gattern/ wie auch von Bruͤcken/ und deren Beschaffenheit. X. Von Corps de garde, Schilder-Haͤuß- lein/ Casernen und Magazinen/ und de- ren Beschaffenheit. XI. Von Strassen und Gassen/ item von Commun- und Privat- Haͤusern/ item von Brunnen uñ Canaͤlen in einer Festung/ und derselben Beschaffenheiten. J m fuͤnfften Theil Von der Irregular-Fortification sind folgende Capittel enthalten/ als I. Von I. Von dem Gebrauch und General-Maxi- men der Irregular-Fortification. II. Von Fortifici rung alter erbauter Staͤd- te/ Schloͤsser und Citadellen auff Hoͤ- hen/ Felsen und Ebenen/ item an und in Moraͤsten und Wassern. J m sechsten Theil Von den Aussenwercken und Feld- Schantzen sind folgende Capit- tel enthalten/ als I. Von Aussenwercken insgemein/ deren Benennung und Gebrauch. II. Von Structur und Unterschied der Rave- line. III. Von den halben Monden/ und Contre- garden, und deren Gebrauch. IV. Von den Horn-Wercken und deren Ge- brauch. V. Von den Cron-Wercken und deren Ge- brauch. VI. Von einfachen und doppelten Tenail- len, und deren Gebrauch. VII. Von VII. Von kleinen und grossen Traversen, und deren Gebrauch. VIII. Von grossen und kleinen Lunetten, und deren Gebrauch. IX. Von halben und gantzen Caponnier en/ und deren Gebrauch. X. Von Redouten und Bonneten, und deren Gebrauch. XI. Von Stern-Schantzen/ und deren Stru- ctur. XII. Von Feld-Schantzen mit halben Boll- wercken. XIII. Von Feld-Schantzen mit gantzen Bollwercken. XIV. Von dem Profil der Aussenwercke/ und Feld-Schantzen. J m siebenden Theil Von der Off- und Defensiv-Fortifi- cation sind enthalten folgende Capittel/ als I. Von der Behutsamkeit und den Requisi- tis tis vor und bey einer Belagerung/ und was der attaqui rende und defendi rende Theil in acht zu nehmen. II. Vom Berennen einer Festung/ und was hierbey auch wegen einer Bloquade und Bombardi rung einer Festung zu observi- ren. III. Vom Volcke/ groben Geschuͤtz/ Muni- tion und Proviant vor und in einer Fe- stung. IV. Von Aprochen oder Ceremonial-Atta- qui rung und Defendi rung einer Fe- stung. V. Von Bestuͤrmung und Defendi rung der Contrescarpe. VI. Von allerhand Arten der Blendungen/ und deren Gebrauch. VII. Von den Sappen, Passi ren und Galleri- en in/ uͤber und unter den Graͤben/ und wie solchen zu wehren und fuͤrzukom- men. VIII. Von Brech machen/ und Defendi rung einer Festung mit Canonen, und deren Gebrauch. IX. Von IX. Von Brech machen/ und Defendi rung einer Festung mit Minen, und deren Ge- brauch. X. Von Bestuͤrmung und Beschuͤtzung der Brechen. XI. Von Verfertigung/ Attaqui rung und Defendi rung der innerlichen Abschnit- te. XII. Von Capitulation, und Eroberung ei- ner Festung mit Sturme. E rster T heil. Von der ARITHMETIC Oder R echen- K unst Und deren fuͤrnemsten Speciebus. D as I. C apitel. Von der Nomination, und was darbey zu observir en. (1.) Frage. Jst die Rechen-Kunst auch sehr noͤ- thig bey der Fortification? O B wohl die Rechen-Kunst/ und Geo- metrie vieler mathemati schen und anderer Wissenschafften Fundamen- te sind/ und dahero es noͤthig/ sol- che/ wo nicht gaͤntzlich/ jedoch deren fuͤrnehmsten Theile zu wissen/ zu mal in einigen Stuͤcken/ wo solche allerdings muͤssen gebrauchet werden; So koͤnnen doch auch die meisten Sachen in der Fortification nur durch mechani sche Demonstrationes, welche viel sicherer und besser zu behalten sind/ als etwan die Arithmeti schen/ gemachet und erlernet werden. Damit aber bey bevorstehenden Wercklein hie- runter auf keinerley Weise einiger Mangel sich er- weisen moͤge/ so sollen so wohl von der Arithmetic als Das I. Capitel. Von der Nomination, als Geometrie die fuͤrnehmsten und practicable- sten Species zum voraus in folgenden Capituln mit angefuͤhret werden. (2.) Frage. Was ist und lehret denn die Re- chen-Kunst? Die Arithmetica ist eine Kunst/ so dadurch zah- len alle verwirrete Fragen/ welche in kauffen und verkauffen/ wie auch in Gewicht und Geo- metri schen Ausmessen geschehen und fuͤrgebracht werden/ recht auszurechnen und eigentlich zu ent- scheiden lehret. (3.) Frage. Welche Species der Rechen-Kunst muß man nothwendig wissen bey der Fortification? Wenn einer bey der Fortification und andern militari schen Wissenschafften sich in allen wohl qvalifici ret machen will/ muß er die nachfolgenden Species der Rechen-Kunst wohl verstehen/ als nemlichen die Nomination, Addition, Subtra- ction, Multiplication, Division, die Regel de Tri, die Regel Qvinqve, die Radix qvadrata und Radix cubica. (4.) Frage. Was ist und lehret die Nomination? Die Nomination oder das Numerir en ist und, A 2 lehret und was darbey zu observir en. lehret/ wie man eine jede Zieffer oder Zahl recht und ordentlich schreiben/ bezeichnen und ausspre- chen soll. (5.) Frage. Was heist und bedeutet denn eine jede Zieffer oder Zahl in ihrer Ord- nung? Eine jede Zieffer oder Zahl heisset und ist eine Versamlung vieler Unit aͤten/ welche allen andern nachgesetzten Zahlen ihre Substanz, Wesen und Anfang giebet; bedeutet demnach eine jegliche Zieffer oder Figur an der ersten Statt zur rechten Hand allezeit sich selber/ und behaͤlt seine natuͤrli- che Aussprechung/ als 1. eins. 2. zwey 3. drey ꝛc. an der andern Statt/ nach der lincken Hand zu/ gibt eine jede Zahl und Figur seine Bedeutung so viel 10. mal mehr/ als die vorhergehende erste Zahl; An der dritten Statt gibt die gesetzte Zahl so viel 100. mal mehr; An der vierdten Statt aber so viel 1000. mal mehr. (6.) Frage. Wie muͤssen denn die Zahlen recht ausgesprochen werden/ und was ist darbey in acht zu nehmen? Man muß die Aussprechung der Zahlen alle- zeit anfangen von der lincken nach der rechten Seiten/ und dennoch anzehlen von der rechten nach Das I. Capitel von der Nomination, nach der lincken Hand/ als zum Exempel in den 4. nachgesetzten Zahlen. Wird also obgesetzte Zahl gebuͤhrend ausgespro- chen/ dreytausend/ vierhundert und sechs und funffzig. (7.) Frage. Wie muͤssen denn die Zahlen aus- gesprochen/ und was muß darbey ob- servi ret werden/ wenn deren mehr als viere sind? Wenn mehr als vier Zahlen vorhanden/ so setzt man auf iede vierdte Zahl von der rechten gegen die lincke Hand zu einen Punct/ und faͤn- get wiederum von eben dieser vierdten punctirt en Zahl an zu zehlen/ wie in voriger Qvæstion gemel- det worden/ nur muß man das Woͤrtlein mahl darzwischen auszusprechen nicht vergessen/ so viel als dergleichen Puͤnctlein uͤber den Zahlen moͤg- ten vorhanden seyn/ als zum Exempel . . 3 7 6 8 9 4 1 3 2 Dieses muß ausgesprochen werden drey hun- dert sechs und siebenzig tausendmal tausend/ acht A 3 hun- und was darbey zu observir en. hundert vier und neuntzig tausend/ einhundert und zwey und dreyßig. (8.) Frage. Wie muß eine Summe ausgespro- chen werden/ wenn nicht lauter Zieffern/ sondern auch Null en unter den- selben mit vorhanden? Es moͤgen gleich lauter Zieffern/ oder auch Null en mit unter denselben sich befinden/ so wird doch die Operation und das Aussprechen gleicher Gestalt verrichtet/ wie in vorgehender Quæstion berichtet worden/ als zum Exempel . . 3 0 2 3 5 0 6. Dieses wird ausgesprochen drey tausendmahl tausend/ dꝛey und zwantzig tausend/ fuͤnffhundert und sechs. Und so viel sey genung gesaget von blosen Numeri ren und dessen Aussprechung. (9.) Frage. Wie wird denn bey den Geometri- schen Messen die Bezeichnung der Zah- len gemachet und solche aus- gesprochen? Bey den Geometri schen Messen ist die Bezeich- nung der Zahlen und deren Aussprechung unter- chiedlich zum Exempel. (10.) Das I. Capitel. Von der Nomination, (10.) Frage. Was wird eine Ruthe genennet/ und woraus bestehet solche? Eine Ruthe wird bey den Geometri schen Mes- sen ein gewisses Maaß von Holtz/ Strick oder Ketten geheissen/ welches aus gewissen Schuhen bestehet/ deren zehne/ zwoͤlffe oder sechzehen/ nach Gelegenheit und eines ieden Orthes Obsor- vanz eine Ruthe ausmachen/ wiewohl die zehen- schuͤhigen Ruthen am bequemsten sind zum aus rechnen. (11.) Frage. Was ist und bedeutet denn ein Schuh/ und woraus bestehet solcher? Ein Schuh ist gleichfalls ein gewisses Maaß/ welches insgemein aus zwoͤlff Zollen oder Dau- men breiten bestehet/ und werden solche in Rhein- laͤndische und Werckschuh vertheilet: Die Rhein- laͤndischen Schuhe sind allezeit etwas groͤsser als die Werck Schuhe/ und werden gemeinig- lich bey der Fortification gebrauchet; Die Werck- Schuhe aber/ welche nach ieden Ortes Obser- vanz unterschiedlichen sind/ gebrauchet man ge- meiniglich bey der Civil Bau-Kunst und der Ar- tillerie. (12) Frage. Was ist und bedeutet ein Zoll und woraus bestehet solcher? A 4 Ein und was darbey zu observir en. Ein Zoll ist gleichfalls ein gewisses Maaß/ so aus einer Laͤnge/ von zwoͤlff Linien bestehet/ deren iede eines Gersten Korns breit von der andern ist. (13.) Frage. Hat man nicht auch noch andere Arten/ welche bey dem Messen koͤnnen gebrauchet werden. Man kan auch etwas ausmessen/ nach der Ellen/ gemeinen Schritt/ Geometri schen Schritt/ und Klaffter oder Toise. (14.) Frage. Was ist eine Elle und woraus beste- het solche? Eine Elle ist ein gewisses Maaß/ welches fuͤr- nehmlich in Kauffen und verkauffen gebrauchet wird/ und bestehet solche/ nachdem sie groß oder klein/ aus anderhalb oder zwey Schuh. (15.) Frage. Was ist und bedeutet ein gemeiner Schritt und woraus bestehet solcher? Ein gemeiner Schritt ist gleichfalls ein gewis- ses Maaß/ dessen man unvermerckt in Abmes- sung einer Vestung oder terrains bey spatzieren gehen oder sonst sich bedienen kan/ und bestehet folcher gemeiniglich aus zwey oder meistens dritt- Das I. Capitel von der Nomination, dritthalben Schuhen nach dem ein Mann weit oder enge Schritte thut. (16.) Frage. Was ist und bedeut et ein Geometri- scher Schritt/ und woraus bestehet solcher? Ein Geometri scher Schritt bestehet insgemein aus fuͤnff Schuhen/ wiewohl einige nur vier Schuhe auff solchen rechnen wollen/ woran aber nichts gelegen/ wenn nur solches bey dem Messen gebuͤhrend angedeutet wird/ und wird mehren- theils solches Maaß gebrauchet/ wenn die Schu- he gar zu kleine und subtil fallen wolten auf ei- nem verjuͤngten Maaßstabe; oder und bey verfer- tigung der Landcharten nach ihren longitudinibus latitudinibus. 17. Frage. Was ist und bedeutet eine Klaffter oder Toise? Eine Klaffter oder Toise ist insgemein eine iedwede halbe Ruthe von fuͤnff Sechs oder acht Schuhen/ und bedienen sich dieses Maaßes gemeiniglich die Frantzosen bey ihrer Fortifica- tion, da iede Toise auff 6. Schuhe gerechnet wird. (18.) Frage. Wie wird denn ins gemein das Ge- wicht genennet und abgetheilet? Das Gewicht wird insgemein abgetheilet in Centner/ Pfund/ Untzen und Loth. Was die A 5 Cent- Das II. Capitel. Centner anlanget/ varijr en solche sehr nach ihrem Gewichte/ und muß man jedes Orts gewisse Nachfrage halten/ wie viel man Pfund auf sol- chen rechne: Nach der Nuͤrnberger Gewicht wird der Centner zu 100. Pfund gerechnet/ und mehrentheils bey der Artillerie also gebrauchet/ auch muͤssen die andern Centner/ welche entwe- der mehr oder weniger halten/ mit solchen vergli- chen werden. Ein Pfund haͤlt insgemein 16. Untzen oder 32. Loth eine Untze aber 2. Loth. Wie- wohl sonst auch ein Unterschied ist unter den Cramer/ Apothecker und andern Gewichte/ wel- ches aber hieher nicht zu ziehen. D as II. C ap. Von der Addition, und de- ren Probe/ und was darbey zu mercken. (1.) Frage. Was ist und lehret die Addition? Die Addition oder Summirung lehret/ wie man viele und mancherley Zahlen und Bezeich- nungen in eine Summam bringen soll/ wozu den gehoͤren/ zum allerwenigsten zwo Zahlen/ oder 2. gleiche Zeichen/ und muͤssen die Zahlen und Zief- fer gleich unter einander/ nemlichen die erste un- ter Von der Addition, ter die erste/ die andere unter die andere/ die dritte unter die dritte; Jngleichen die Centner unter die Centner/ die Pfunde unter die Pfunde/ die Untzen unter die Untzen/ die Loth unter die Lothe; Wie auch die Ruthen unter die Ruthen/ die Schuhe unter die Schuhe/ die Zolle unter die Zolle ordentlicher weise gesetzet werden/ damit man im rechnen keinen Jrrthum begehe. Als zum Exem- pel. (2.) Frage. Was ist insonderheit bey der Addi- tion in acht zu nehmen? Bey der Addition ist fuͤrnemlich zu mercken/ daß wenn zwey Zahlen oder Figuren aus dem Addir en erwachsen/ wie in vorigen Exempeln ge- schehen/ man die Zahl/ so an der ersten Statt ste- het/ gleich darunter allemahl schreibe/ die andere oder mehr bedeutende Figur im Sinne behalte/ die erst nechst folgende Figuren zusammen auch addire, darnach die zuvor im Sinn behaltene Zahl zu der itzt addirt en Summa setze/ und die er- ste Figur allemahl schreibe/ so fern solche vorhan- den/ auch mit allen andern Figuren auf gleiche weise verfahre/ biß auf die letzte/ welche man/ so fern eine Zahl mit 2. Figuren entspringet/ gantz Das II. Cap. gantz ausschreiben muß/ als zum Exem- pel: (3.) Frage. Wie wird denn die Probe der Addi- tion gemachet? Wenn man erfahren will/ ob die gegebene Exempel und Zahlen bey der Summirung recht addiret und sicher ausgezogen worden/ muß man die Probe darauff machen/ welches denn am al- lergewissesten geschiehet/ wenn eine Species der andern Von der Addition, Arithmetic mit der andern probi ret wird/ nemli- chen die Probe des Addirens wird probi ret durch das Subtrahi ren/ in dem man eine Zahl nach der andern von der erwachsenen und entstandenen Summa/ Facit oder Product abziehet; Wenn nun alles/ so addir et worden/ abgezogen ist/ und nichts uͤbrig bleibet/ so ist die Addition recht ge- macht. D as III. C ap. Von der Subtraction, dersel- ben Probe/ und was insonder- heit dabey zu mercken. (1.) Frage. Was ist und lehret die Subtraction in der Rechen-Kunst? D Je Subtraction lehret/ wie man eine kleine- re Zahl von der groͤsseren abziehen soll/ da- mit der Uberrest davon an Tag komme/ und muß man allezeit die kleinere Zahl unter die groͤs- sere/ die erste unter die erste/ die andere unter die andere/ und so fort/ setzen/ hernach von der rechten Hand anfangen/ eine Zieffer und Zahl von der andern abzuziehen/ und den Uberrest unter ei- ne gemachte Linien zu setzen/ als zum Exem- pel. Von Das III. Cap. (2.) Frage. Was ist denn bey der Subtraction in- sonderheit in acht zu nehmen? Bey der Subtraction ist insonderheit fuͤrnem- lich in acht zunehmen/ daß/ wenn die untere Figur oder Zahl von der oberen nicht mag gezogen wer- den/ als wenn etwann oben eine 0. stehet/ oder sonst eine kleinere Zieffer und Figur als die unte- re gefunden wird/ man von der nechsten oberen Figur gegen der lincken Hand 10. entlehne/ ziehet hernach die untere Zahl darvon ab/ und laͤsset 1. fallen bey der Figur/ davon man zuvor geborget hat/ als zum Exempel: (3.) Frage. Wie wird die Probe des Subtrahirens gemachet? Die Probe des Subtrahirens, wird verrichtet durch Das IV. Cap. durch das Addir en/ in dem man die Zahl/ so zuvor von der oberen groͤsseren ist Subtrahiret worden/ zu dem Rest/ welcher von dem Subtrahir en uͤber- blieben/ addi ret; Kommt nun die oberste groͤssere Zahl/ davon zuvor subtrahi ret worden/ wieder heraus/ so ist die Subtraction recht gema- chet. D as IV. C ap. Von der Multiplication, derselben Probe und was dar- bey insonderheit in acht zu nehmen. (1.) Frage. Was ist und lehret die Multiplication in der Rechen-Kunst? D Je Multiplication lehret/ wie man eine Zahl mit einer andern/ oder in sich selbst vermeh- ren solle/ worbey man denn das Woͤrtlein Mal muß in Sinn nehmen/ und das 1. mal. Eins wohl auswendig koͤnnen/ wie folget: Das Das IV. Cap. Das Einmahl Eins. (3.) Fra- Von der Multiplication, (2.) Frage. Auf was weise wird die Multiplica- tion verrichtet? Wenn man eine Zahl multiplicir en will/ muß man solche oben setzen/ den multiplicant en aber oder die Zahl/ durch welche die obere soll multipli- ci ret werden/ ordentlicher weise darunter bey der rechten Hand/ und multiplici ret hernach mit dem multiplicant en alle obere Zahlen; Entstehet nun daraus eine Zahl nur mit einer Figur/ so schreibet man sie gleich darunter/ wo aber aus der multipli- cation eine Zahl mit zwo Figuren entspringet/ so schreibet man nur allein die letzte darunter/ und behaͤlt die andere im Sinn/ darnach multiplici ret man weiter die andere Zahl oder Figur der oberen Zeile/ und addi ret darzu die im Sinn be- haltene Zahl/ wie folgende Exempel solches aus- weisen (3.) Frage. Was ist weiter bey der Multiplicati- on in acht zu nehmen? B Wen Das IV. Cap. Wenn im multiplicir en/ wie zum oͤfftern zuge- schehen pfleget/ unten Null en zu multiplici ren fuͤrfallen solten/ so setzet man die Null en alsbald im Anfang zu der oberen Zahl und multiplici ret mit den andern bedeutlichen Zahlen/ wie in vori- gen erwehnet und angezeiget worden/ als zum Exempel: 506700. soll mit 300. multiplici ret werden/ stehet in der Regul also: 4. Frage. Wie wird die Multiplication / ob sol- che recht gemachet/ probir et? Die Probe der Multiplication wird durch die Division verrichtet/ indem man das product mit dem multiplicant en dividi ret; koͤmmt so denn die erste anffgesetzte Zahl wieder heraus/ so hat man recht operi ret und multiplici ret. Das V. Cap. Von der Division, derselben Probe und was insonderheit darbey in acht zu nehmen. 1. Fra- Von der Division, 1. Frage. Was ist und lehret die Division in der Re- chen Kunst? D Je Division lehret/ wie man eine Zahl aus der andern ausziehen soll/ damit erkant weꝛ- de/ wie offt eine Zahl in der andern beschlossen sey. 2. Frage. Wie viel Zahlen werden denn zum wenigsten zur Division erfodert/ und wie werden solche genennet? Es werden zur Division zum wenigsten zwey Zahlen erfordert/ eine so getheilet werden soll/ und oben stehet/ die andere/ dadurch die Theilung vollbracht wird/ und nuten stehet/ welche man denn den Theiler oder Divisorem nennet. (3.) Frage. Was ist ferner wegen des Theilers in acht zunehmen/ wenn viel Zahlen sol- len dividi ret werden/ und wie pfle- get man darbey zu operi- ren? Wenn man viel Zahlen dividir en will/ setzet man wie gesagt den Theiler unter die erste Zahl zur lincken Hand; im Fall aber der Theiler groͤs- ser als die obere Figur seyn solte/ so muß man den Divisorem nach der rechten Hand umb eine Zahl B 2 fort Das V. Capitel. fortruͤcken und unter die andere obere Zahl setzen/ und als dann zu sehen/ wie offt man den Theiler in den beyden obern Zahlen haben koͤnne/ welches man dann hinten zur rechten Hand in ein neben krum gezogenes Strichlein schreibet; darnach multiplici ret man daßjenige product, was aus dem dividir en kommen ist/ mit dem Theiler/ und nimt alsdann dieses/ so aus der Multiplication entstanden/ von der Summa/ daß uͤberbleibende setzet man wieder uͤber die Zahl/ davon man es ge- nommen hat/ und ziehet allemahl im Reden oder nehmen ein Strichlein durch die Figur/ davon man abgenommen hat/ umb damit zuerkennen/ daß solche Zahl und Figur nicht mehr gelte. Nach diesem ruͤcket man den Theiler weiter unter die nechste Figur nach der rechten Hand/ forschet abermals wie offt man ihn nehmen koͤnne/ wel- ches dann zu der vorigen Figur in dem krum ge- zogenen Strichlein auch geschrieben wird/ und procedir et also mit den andern Ziffern ferner biß zum Ende/ wie itzo gemeldet worden. (4.) Frage. Was zu thun/ wann der Divisor in der Mitten oder am Ende von der obern Zahl nicht kan genommen werden? Wenn der Theiler in der Mitten oder am En- de von der obern Zahl nicht kan genommen wer- den Von der Division. den/ so schreibet man in das krum gezogene Strichlein eine 0. wegen Erhaltung und Ver- mehrung der Staͤte/ wie diese und vorige Quæ- stion aus folgenden Exempeln zu ersehen. (5.) Frage. Was muß man ferner wegen des Theilers in acht nehmen/ wann sol- cher aus einigen Zahlen be- stehet? Wenn viele Zahlen durch etliche Figuren/ zwey/ drey oder mehr sollen dividi ret werden/ so schreibet man/ wie vor erwehnet/ den Theiler gleich unter die erste Zahl zur lincken Hand/ wann nur die obere Zahl groͤsser ist: Wie offt nun die erste Zahl des Theilers in der obern Figur genommen wird/ also offt und vielmahl sollen und muͤssen auch alle nachfolgende Figuren desselbi- gen Theilers genommen werden/ den Quotient en aber schreibet man an seinem Ort in das krum gezogene Strichlein/ das uͤberbleibende aber vor- ne uͤber die obere Ziffern/ ruͤcket hernach umb eine Zahl den Theiler zur rechten Hand weiter fort/ und procedi ret darmit/ wie itzo gemeldet wor- den/ als zum Exempel/ 1 2 3 4. soll mit 56. B 3 divi- Das V. Cap. dividi ret werden/ stehet in der Regul al- so: (6.) Frage Was zu thun/ wenn bey der Thei- lung etwas uͤbrig bleibet/ und nicht alles gleich aufgehet? Wann bey der Division zu letzt etwas uͤbrig bleibet/ wie in vorigen Exempel geschehen/ so schreibet man dasselbige mit einem untergezoge- nem Strichlein/ darunter der Theiler gesetzet/ hinten an zu letzt des products, welches man in der Rechen-Kunst einen Bruch nennet/ davon die Autores, in sonderheit Hr. Johan Hemeling/ so ex professo von der Arithmetica geschrieben/ mit mehren koͤnnen nachgesehen werden/ wie darmit weiter zu procedi ren/ und eingewisses Product heraus zu bringen sey aus dem uͤbrigen kleinen Rest. (7.) Frage. Was zuthun wenn der Theiler aus einigen Null en mit bestuͤnde? Wenn der Theiler einige Null en hat; als 10. 100. Von der Division, 100. oder 1000. so leget man so viel Figuren von der Zahl/ so zu dividir en begehret wird/ hin- weg/ als Null en bey dem Theiler vorhanden sind/ als zum Exempel/ man wolte 12345. theilen mit 100. so stehet solches in der Regul al- so: (8.) Frage. Wie wird denn das Dividir en probi ret? Das Dividir en wird probi ret durch das Mul- tiplicir en/ indem der Theiler mit dem Product multiplici ret wird; Jm Fall nun bey dem divi- dir en etwas uͤbrig blieben/ dasselbige muß man zur rechten Hand darzu addir en; Komt alsdann die Zahl/ so getheilet worden/ wider heraus/ so ist die Division recht verrichtet worden. Das VI. Capitel. V on der R egul de Tri, drey Proba/ und was sonst darbey in achtzunehmen. B 4 (1.) Fra- Das VI. Cap. (1.) Frage. Was ist und lehret die Regul de Tri, und worinnen bestehet solche? D Je Regul de Tri bestehet aus drey bekanten Saͤtzen oder Zahlen/ dahero sie auch ihren Namen fuͤhret/ woraus die unbekante vierte Zahl soll erforschet werden. (2.) Frage. Wie werden die drey Saͤtze in der Regel de Tri eingerichtet/ und wie wird damit operi ret? Unter den dreyen erkanten Saͤtzen muß alle- zeit eine gewisse Zahl die Frage seyn/ so zuletzt in der Regul de Tri zu stehen komt/ und wird solche mit der mittlern Zahl multiplici ret/ das product r aber/ so da heraus koͤmmet/ wird endlich mit der ersten Zahl/ welche mit der letzten in Nahmen und Wesen allezeit gleich seyn muß/ dividi ret/ was nun auff der division heraus koͤmmet/ daß ist dasjenige unbekante vierte Ding/ so man zu wissen verlanget/ als zum Exempel/ 1. Maaß Bier kost etc 2. grund man wolte wissen wieviel 9. Maaß Bier am Gelde austruͤgen/ solches wird nun also gesetzet/ und auff folgende Weise ver- richtet. Maaß- Von der Regul de Tri. Weil nun 18. mit 1. nicht kan dividi ret werden/ indem 1. nichts aͤndert/ so machen 9. Maaß Bier 18. gr. wenn 1. Maaß 2. gr. kostet. (3.) Frage. Was zu thun/ wenn die erste Zahl in der Regul mit der letzten den Na- men nach nicht gleich were? Wann in der Regul de Tri hinten Centner und vorne Pfunde oder Loth/ oder hinten Gul- den oder Thaler/ vorne aber Groschen oder Pfennige stuͤnden/ oder wie es sonst Namen ha- ben moͤgte/ so muß man alsdenn allezeit das groͤste in dem Werth des kleinesten und gering- sten resolvi rẽ/ also zum Exempel: 1. ℔ fuͤr 8. Pfen. wie theuer 1. Centner/ weil nun vorne in der Regul Pfunde stehen/ so muß der zu letzt gesetzte Centner auch erst zu Pfunden gemachet/ und das Exemplum regulæ also gesetzet werden/ als: Anders ist es unmoͤglich zu solvi ren/ man wol- te es dann durch den Sinn verrichten. Wann nun die 100. ℔ multiplici ret werden/ so bekoͤmt B 5 man Das VI. Cap. man 800. Pfund/ welche man hernach mit 12. Pfennig zu Groschen/ und mit 24. Groschen zu Thalern dividi ren kan. (4.) Frage. Was zuthun/ wenn in der Mitten/ vorne oder hinten der Regul einige Nullen solten fuͤrhanden seyn? Wann in der Mitten/ vorne oder hin- ten in der Regul eine oder mehr Nullen zu multi- plici ren oder zu dividi ren solten verhanden seyn/ wird man nicht alleine aus den vorigen/ sondern auch aus nachgesetzten Exempel vernommen ha- ben/ und ersehen koͤnnen/ wie es darmit muͤße ge- halten werden/ als: (5) Frage. Wie wird die operation der Regul de Tri probi ret? Wenn man probi ren und versichern will/ ob die Exempel nach der Regul de Tri recht gema- chet/ multiplici ret und diviti ret sind/ so umkehret man Von der Regul de Tri man die Saͤtze der Zahlen also/ nemlich was vor- ne zu erst gestanden/ setzet man hinten/ und was vor hinten gestandten/ daßelbige setzet man vor/ das Facit aber/ so aus der Multiplication entstan- den/ in der Mitten; Koͤmt denn die Zahl/ so zu erst in der Mitten gestandten wider heraus/ so ist das Exempel nach der Regul recht gemachet. D as VII. C ap. Von der R egul Quinque o- der Dupla und was darbey zu observi ren. (1) Frage. Was ist und lehret die Regul Quin- que, und worinnen bestehet solche? D Je Regul Quinque oder Dupla lehret/ wie man durch fuͤnff oder mehr bekant gegebe- ne Zahlen die sechste oder mehr abgehende unbe- kante Zahl suchen und finden soll. (2) Frage. Wie werden die fuͤnff Saͤtze in der Regul Quinque eingerichtet/ und wie wird darmit operi ret? Ordentlicher Weise wird in den drey ersten Saͤtzen etwas gewisses angedeutet/ worauß die zwey letzten Saͤtze/ auch ein gewisses iedoch noch unbe- Das VII. Cap. unbekandtes sechstes Stuͤck/ so dem Mittlern den Namen und Wesen nach gleich seyn muß/ schlies- sen und erfinden wollen/ als nemlich: Nein Mañ graben in drey Tagen ein und zwanzig Schacht Erden/ wieviel Schacht koͤnnen denn fuͤnff und siebenzig Mann in neuntzig Tagen graben: Die Operation geschiehet also; Der erste Satz wird mit dem andern multiplici ret/ ingleichen auch der vierte Satz mit dem letzten; wenn nun das Facit dieser zwey letzten Saͤtze gefunden/ so wird solches mit dem mitlern Satz auch noch multiplici ret/ und solches facit hernach mit dem product, so aus dem ersten und andern Satz herkommen/ dividi ret/ das Exemplum Regulæ stehet also: Arbeiten also die 75. Mann in 90. Tagen 5250. Schacht. 3. Fra- Regul Quinque oder Dupla (3.) Frage. Kan den die Operation nicht auch aus eine andere Weise verrichtet werden? Es koͤnnen die Saͤtze so wohl in der Regel Quinque, als de Tri verkehrt gesetzet/ und die hin- tersten an Stadt der vordersten kommen/ zumahl wenn man die Probe machen will: Dahero dann diese Reguln entweder directæ, und conversæ, inversæ, und indirectæ genen- net werden; so kan man auch nach der Regul de Tri durch zwey oder mehr Saͤtze einen nach- dem andern alles verrichten/ was man in der Re- gul Quinque durch fuͤnffe machen kan/ wie davon die Aritmetici koͤnnen nachgesehen werden. Das VIII. Cap. V on A usziehung der Qua- drat Wurtzel, (1.) Frage. Was ist die Quadrat Wurtzel? D Je Radix Quadrata ist eine Zahl/ welche in sich selbst quadrate multiplici ret wird/ als wenn ich sage Zwey mahl 2. ist vier/ oder 3. mal 3. ist 9. wie solche neben der Cubic -Wurtzel/ aus folgenden Taͤffelein kan ersehen werden. Klei- Das VIII. Capitel Kleines Cubic- Taͤfelein lit. A (2.) Frage. Wie wird die Quadrat Wurtzel ge- suchet/ und von einer andern aus gezo- gen? Die Wurtzel aus der Quadrat- Zahl/ soll man also ausziehen/ nemlichen: Man zeichnet die Zahlen mit Puͤnctlein/ und faͤnget von der Er- sten zur rechten Hand an/ die andere uͤberschrei- tet man/ und machet wieder ein Puͤnctlein unter die dritte/ alternir et also mit dem Puͤnctlein/ wie folgendes Exempel weiset: Lincke Hand/ 133225. rechte Hand. . . Nun suchet man ober dem letzten Punct zur lincken Hand/ eine Quadrat- Zahl/ welche die an- dere Zahl aufs naͤchste hinweg nehme/ und das thut die Wurtzel 3. so man/ wie bey der Division, hinten in einem krum̃en Strich setzet/ und stehet also: 133225 (3 . . Die- Von der Regul Quinque oder Dupla. Diese gefundene Wurtzel muß man quadri- r en oder multiplicir en in sich selbst/ giebt 9 diese 9. ziehet man oben von den 13. ab/ so bleiben 4. hernach durchstreichet man 13. und schreibet 4. daruͤber/ stehet also Ferner multiplicir et man die Wurtzel 3. mit 2. worunter wieder ein Puͤnctlein stehet/ so kom- men 6. heraus/ welches denn der Theiler ist/ so man auch Dupla nennet/ diese 6. muß man einen Grad weiter setzen/ nemlich unter die Zahl nach dem ersten Punct zur lincken Hand/ welche 6. in 43. soll genommen werden/ nemlich 6. mahl/ und setzet den Quotient en/ das ist 6. so wohl hinten nach der Wurtzel 3. als auch unter den andern Punct also: Hernach multiplicir et man die untergesetzte Zahl 66. mit 6. welche hinter der Wurtzel 3. ste- het/ so kommen 369. heraus/ diese 369. ziehet man von der obern Zahl 342. ab/ und stehet also: 436 Das VIII. Cap. Ferner multiplicir et man mit 2. die 36. so hin- ten im Circul stehen/ kommen 72. heraus/ diese 72. sind abermahl der Theiler/ welche man unter 66. iedoch einen Grad weiter zur rechten Hand also setzen muß/ wie folget: Nun siehet man zu/ wie offt diese 72. als das Duplat oder Theiler/ in den oben uͤberbliebenen 362. moͤgen genommen werden/ nemlichen 5. mahl/ derohalben schreibet man die Zahl 5. nicht alleine hinter bey 36. in dem Circul, sondern se- tzet auch solche 5. zu den 72. stehet in der Regul also: Letztlich multiplicir et man die 725. mit 5. so zu- letzt Von Ausziehung der Quadrat -Wurtzel. letzt in Circul stehen/ so kommet das Product nem- lichen 3625 heraus/ welches man von der ober- sten Zahl der 3625 abziehet/ so bleibet 0. und ist also die Quadrat- Zahl extrahir et/ stehet in der Regul also: Auf diese Weise mag man kleinere oder groͤs- sere Zahlen/ so Quadrati sind/ extrahir en: Wenn aber es keine Quadrat- Zahlen seyn solten/ so ex- trahir et man die Wurtzel/ was uͤbrig bleibet/ du- plir et man mit der Wurtzel/ zum Duplat addir et man 1. und setzet das Duplat unter die 6. uͤberblie- bene Zahl/ so giebt es einen Bruch zur gefunde- nen Radici gehoͤrig. (3.) Frage. Wie wird die Extrahir ung der Qua- drat- Wurtzel probir et? C Die Das VIII. Cap. Die Probe auf die Extrahir ung der Quadrat- Wurtzel geschiehet also/ indem man die gefunde- ne Quadrat- Wurtzel 365. in sich selbst multiplici- r et/ koͤmmet denn die aufgeschriebene Quadrat- Zahl wieder heraus/ so ist in allem recht operir et worden. D as IX. C ap. Von der Cubic- Wurtzel/ wie solche ausgezogen und probir et wird? (1.) Frage. Wie muß die Cubic -Wurtzel aus einer Zahl gesuchet wer- den? D Je Radix Cubica ist noch muͤhesamer auszu- ziehen/ als die Quadrata, und muß man wis- sen/ daß nicht alle Zahlen Cubic- Zahlen seyn/ und Radicem Cubicam geben koͤnnen. Wenn man nun aus einer Zahl Radicem Cubicam su- chen will/ so verzeichnet oder punctir et man aber- mahls die Zahl mit Puͤnctlein/ und faͤnget bey der Von der Cubic- Wurtzel. der ersten zur rechten Hand an; darnach unter- punctir et man wiederum die vierdte Zahl/ und faͤhret also biß zum Ende fort/ daß allemahl 2. Zahlen darzwischen unbezeichnet ledig stehen bleiben/ und sind dieses Cubic -Zahlen/ so in sich selbst zweymahl multiplicir et werden/ als wenn ich sage/ 2. mahl 2. ist 4. und 2. mahl 4. ist 8. o- der 3. mahl 3. ist 9. und 3. mahl 9. ist 27. wie im vorigen kleinen Cubic -Taffelein zu sehen. Das Exempel der Cubic -Zahlen stehet in der Regul punctir et also: 279726264 . . . So viel Puncten nun vorhanden seyn/ so viel Figuren hat der Radix, und ist zu mercken/ daß die Figuren bey der lincken Hand alle unter dem Punct gehoͤren/ der nach der rechten Hand ste- het/ als itzt stehen unter dem ersten Punct 279. und suchet man einen Cubum, welcher diese Zahl aufs genaueste hinweg nehme/ das thut dann die Zahl 216 diese Substrahi ret man von 279. so bleiben uͤbrig 63. diese nun gehoͤren zum folgenden Punct/ und bleiben 63726. man muß aber des abgenommenen Cubi radicem, als hier 6. hinaus in einen Circul, an statt eines Quotient en setzen/ und stehet das exemplum regulæ also: C 2 63. Das IX. Capitel. Ferner multiplici ret man den gefundenen Ra- dicem 6. allemal in sich qvadrate, kommen 36. heraus. Diese nun multiplici ret man auch mit 3. kommen 108. heraus/ welche man also setzen muß/ daß die 8. unter die naͤchste Figur nach dem ersten Punct/ als hier unter 7. komme. Weiter tripli ret man den Radicem 6. so kommen 18 her- aus/ so man also in der Figur also setzen muß/ daß sie aber um eine Zahl weiter/ und die 8. unter die 2. komme. Nun suchet man/ wie offt die 108. in oberen Zahlen koͤnnen genommen werden/ und kommen 5. heraus. Dieselbe 5. setzet man/ wie Quotient en/ darnach schreibet man auch die 5. neben 108. und mit 25. die producte setzet man ge- rade drunter. Endlich nimmt man den Cubum der neu gefundenen Figur/ als 125. den setzet man unter die zwey Producte also/ daß die 5. un- ter den folgenden Puncten zu stehen kommen/ darnach machet man eine Linie darunter/ und summiret die Zahlen/ was denn heraus kommt dasselbige subtrahi ret man von abgesetzten 13726. oder von des andern Puncten Zahlen/ und stehet nun also: 279 Von der Cubic- Wurtzel. Kommen demnach unter den letzten Puncten 5101264. darauff suchet man eine neue Figur mit Huͤlffe erfundenen radicis 65. gleichwie man mit Huͤlffe der ersten Figur die andere gefunden hat/ nemlichen man quadri ret 65. so kommen 4225 heraus/ diese Zahl tripli ret man/ so thut das Triplat 12675/ welches man unter die naͤchste Figur nach dem andern Punct/ als die 5. unter die 2. setzet. Darnach tripli ret man 65. und se- tzet das Trlplat aber mals eine neue Figur/ die ist 4. welche man neben 12675. setzet/ und ihr Qua- drat neben 195. hernach multiplici ret man wie zu- vor/ und setzet letzlich den Cubum, so von der Zahl 4. erwachsen/ als 64. auch darunter/ summiret/ C 3 was Das IX. Capitel. was denn koͤmmt/ subtrahi ret man von obgesetz- ter Zahl/ so bleibt nichts uͤbrig/ ist also Radix Cu- bica der vorgenom̃enen Zahl 654. und stehet also: (2.) Frage. Wie wird die Ausziehung der Cubic- Wurtzel probi ret? Wenn Von der Cubic- Wurtzel. Wenn man probir en will ob die Radix Cubica auch recht extrahi ret worden/ so multiplici ret man nur den Quotient en oder die gefundene Wurtzel/ als hier 654. in sich cubice; koͤm̃t so dann erst ge- setzter numerus cubicus wider herauß/ so hat man recht operi ret/ welches den also gemachet wird: (3.) Frage. Hat man keine andere Invention leichter zur Extrahi rung der Cubic -Wur- tzel zugelangen/ als durch das be- schwerliche Rechnen. Es haben einige fleißige Manner bereits groß- und kleine Cubic -Tafselen verfertiget/ und alles was zur Extrahi rung der Radix Cubica dienlichen/ auf das genaueste ausgerechnet/ welche man dañ an statt des langweiligen und verdrießlichen Aus- rechnens gar wohl und sicher kan gebrauchen/ uñ daꝛmit gaꝛ leicht zu seine Zweck kom̃en/ wie folgen- de kleine u. grosse Cubic -Tafel bezeiget. Kleine Cubic- Tafel. lit. B. Große Cubic -Tafel. lit. C. Und so viel sey genung gemeldet von der Arith- metic bey diesen Wercklein/ weil man nicht ge- sonnen gewesen alhier ex professo hiervon zu han- deln; sondern nur von einigen Stuͤcken und Speciebus derselben/ welche einem Kriegs- oder andern curio sen Man zur Erlernung einiger mathemati schen Wissenschafften von noͤthen sind: Wer nun ein mehrers hiervon zu wissen begehret/ derselbe darff nur die Autores consu- lir en/ so in allen Stuͤcken weitlaͤufftig und zur Gnuͤge von der Arithmetica geschriebe/ de- rer dann keine geringe Anzahl ist/ auch dieselbe nicht unbekandt sind. An- A nder T heil. Von der Geometrie, Und deren nothwendig- sten Stuͤcken zur FORTIFICATION. D as I. C apitel. Von Benennung und Expli- ci rung der Dinge/ so insgemein in der Geometrie pflegen fuͤrzukom- men. (1.) Frage. Was ist und bedeutet ein Punct/ und was soll man sonst darbey in achtnehmen. E Jn Punct oder Tuͤpffgen auf dem Pap- pier ist eigentlich keine Quantit aͤt/ son- dern nur ein Anfang derselben/ so subtil und klein/ daß es unmoͤglichen solches in kleinere Theile zuvertheileilen, Wenn man nun einen gewissen Punct auf dem Felde abzeichnen und bemercken will/ so geschiehet solches mit einem Pfahl/ Stabe/ Steine/ Baume oder Gebaͤu- de etc. welches man hernach mit dem Augen- Maaß fasset. Sonst wird der Mittel-Punct einer jeden Figur centrum genennet/ davon an seinem Ort schon Meldung geschehen soll. (2.) Frage. Was wird eine Linie in der Geome- trie genennet/ und wie vielerley ist dieselbe? Eine Das I. Capitel. Eine Linie ist ein Strich und Laͤnge einer Quantit aͤt oder Figur/ und ist solche mancherley/ als Linea recta, curva vel circularis, mixta, perpen- dicularis, parallela, fundamenralis \& diagona- lis . (3.) Frage. Was ist dann Linea recta, und wel- che wird also genennet? Linea recta ist eine gerade gleiche Linie/ so zwi- schen zweyen Puncten oder andern Anmerckun- gen gezogen und gemachet wird/ es geschehe gleich auf was weise es wolle. (4.) Frage. Welches wird Linea curva oder circularis geheissen? Linea curva oder circularis ist eine krumme/ o- der nach der Rundung gezogene und gemachte Linie. (5.) Frage. Was ist Linea mixta? Linea mixta ist eine vermischte Linie/ so theils gerade/ theils krum oder rund gehet. (6.) Frage. Welche Linia wird perpendicularis genennet? Linea Von Benennung u. Explici rung der Dinge. Linea perpendicularis wird diejenige Linie ge- nennet/ welche von der Bley- und Wasser-Wa- ge zugleich gemachet wird/ und dahero einen rech- ten Winckel von 90. gr. schliesset und formi ret/ wird sonst bey den recht winckligten Trianguln Cathetus geheissen. (7.) Frage. Was ist Linea parallelis? Die Parellelis ist eine Linie/ so mit einer oder mehr andern Linien ingleicher Weite und Form uͤberall fortgehet. (8.) Frage. Was ist L inea fundamentalis? Linea fundamentalis, wird sonst auch Basis ge- nennet/ ist die Grund-Linie in einer ieden Figur/ so mit der Wasser-Wage/ oder dem horizont pa- rallel lauffet. (9.) Frage. Was ist L inea diagonalis? Linea diagonalis ist eine Linie/ welche iewede Figur uͤber Eck in zwey Theile zertheilet/ wird in einem Circul chorda genennet weil solche nicht durch dessen Centrum oder Mittel-Punct gehet/ gehet sie aber durch das centrum, so wird sie der diamenter geheissen: Jn einem Triangul wird sie gemeiniglich hypothenusa, oder subtensa, oder auch chorda genennet. 10. Das I. Cap. (10.) Frage. Was wird in der Geometrie angu- lus geheissen/ und wie vielerley ist derselbe? Angulus ist in der Geometrie ein Winckel/ Ort oder Ecke/ da zwey oder mehr Linien in einem Punct zusammen lauffen/ und ist solcher mancherley/ als angulus planus, solidus, rectiline- us, curvilineus, mixtus, rectus, obliquus, acutus, \& obtusus . (11.) Frage. Was ist ein Angulus planus? Angulus planus ist ein falscher Winckel ohne Hoͤhe oder Tieffe. (12) Frage. Was ist Augulus solidus? Angulus solidus ist ein Winckel mit einer gantzen Massiv en Spitze oder Ecke hoch und di- cke. (13.) Frage. Was ist Angulus rectilineus? Angulus rectilineus ist ein Winckel/ so aus zwey geraden Linien bestehet. (10.) Von Benennung u. Explici rung der Dinge. (14.) Frage. Was ist Angulus curvilineus? Angulus curvilineus ist ein Winckel/ so von krummen oder Circul- Linien gemachet ist. (15.) Frage. Was ist Angulus mixtus? Angulus mixtus ist ein Winckel/ so theils aus einer geraden/ theils aus einer krummen Linie bestehet/ oder deren Linie keine recht gera- de/ auch keine recht nach dem Circul gekruͤmmet ist. (16.) Frage. Was ist Angulus rectus? Angulus rectus ist ein rechter gerader Winckel so nach der Bley und Wasser-Wage von 90. gr. geschlossen wird. (17.) Frage Was ist Angulus obliquus? Angulus obliquus ist eine schreger Winckel/ welcher entweder weniger oder mehr Grad haͤlt/ als der rechte Winckel/ dahero er auch zweyerley ist/ als acutus und obtusus . (18.) Frage. Was ist Angulus acutus? Angelus acutus wird genennet derjenige Win- D ckel/ Das I. Cap. ckel/ welcher schaͤrffer/ spitziger/ enger oder kleiner ist/ als ein rechter Winckel von 90. gr. (19.) Frage. Was ist Angulus obtusus? Angulus obtusus ist ein stumpffer Winckel/ welcher weiter und groͤsser ist/ auch mehr Grad hat/ als ein rechter Winckel. 20. Frage. Was wird in der Geometria Figura geheissen und wie vielerley ist solche? Figurs ist eine Form/ Groͤße oder Platz/ so aus vorbesagten Linien oder Winckeln bestehet/ und sind die Figuren fuͤrnemlichen wider zweyerley/ als Figuræ planæ, \& corporales . (21.) Frage. Welche werden Figuræ planæ ge- heissen/ und wie vielerley sind der- selben? Figuræ planæ sind flache Figuren/ ohne Hoͤhe o- der Tieffe und von mancherley Arten; Denn ei- nige bestehen aus einer einigen recht runden Li- nie/ als der Circulus; Etliche aber aus einer ab- laͤnglicht runden Linie/ als die Ellipsis, oder Figu- ra elliptica \& Ienticularis; etliche bestehen aus zweyen Linien/ welche entweder alle beyde/ oder doch eine derselben krummist/ weil zwey gerade Linien Von Benennung u. Explici rung der Linien keine voͤllige Figur/ sondern nur einen Winckel und Stuͤck einer Figur machen koͤnnen; Etliche bestehen aus dreyen Linien/ als die Trian- gul; etliche auß vier Linien/ als die Figuræ qvadri- lateræ oder Vierseitige/ waß druͤber ist/ werden insgemein multi lateræ oder vielseitlge Figuren genennet/ und werden in Außrechnunge ihres su- perficialen Jnhaltes/ wann nemlich ihre latera einander ungleich sind/ gemeiniglich auf Triangul und Quadrangel reduci ret: Sonsten weñ alle Sei- ten und Winckel an einer Figur einander gleich sindbekom̃en dergleichen Figuren den Namen von der Zahl ihre laterum, nehmlichen dryeck/ viereck/ fuͤnffeck/ und so weiter. (22.) Frage Was ist Circulus? Circulus ist eine runde Flaͤche oder Umkreiß/ welcher von einer einigen krummen Linie/ die da aller Orten gleich weit von dem Mittel-Punct desselben abstehet/ beschlossen wird. 23. Frage. Jn wie viel Grad und Theile wird ein Circul in der Mathesi eingethei- let? Alle Circuli, sie moͤgen groß oder klein seyn/ wer- den in der Mathesi in 360 Theile und Grade/ ieder Grad in 60. Minuten/ iede Minute in 60 secun- den etc, eingetheilet. D 2 24. Fra- Das I. Cap. 24. Frage. Welches sind den die fuͤrnehmsten Stuͤcke eines Circuls/ und wiewerden solche gebeissen? Die fuͤrnehmsten Stuͤcke eines Circuls sind das Centrum, peripheria oder Circumferentia, dia- meter, Semidiame set, quadrans, semicirculus, chor- da oder Polygone, segmentum circuli, sector circuli \& sinus. (25.) Frage. Was wird das Centrum eines Cir- euls geheissen? Centrum ist der Mittel-Punct in einem Cir- cul oder andern Figur/ wie brreits in vorigen ge- meldet worden. (26.) Frage. Was ist P eripheria oder Circumfe- rentia Circuli? Peripheria sive Circumferentia, vel Perimeter eines Circuls ist die krumme Linie/ so umb dessen Centrum gleich weit ab herumb gefuͤhret wird. (27.) Frage. Was ist der Diameter? Der Diameter des Circuls ist die gerade Linie/ so mitten durch das Centrum gehet/ die Circumfe- renz Von Benennung u. Explici rung der Dinge. renz auff beyden Seiten beruͤhret/ und also den gantzen Circul in zwey gleiche Theile zertheilet. (28.) Frage. Was ist der Semidiameter? Der Semidiameter, oder Radius, oder auch Sinus totus ist die Linie in dem Circul/ welche von dem Centro biß an die Circum-feren tz sich erstre- cket. (29.) Frage. Was wird Qvadrans bey einer Fi- gur oder Circul geheissen? Qvadrans wird bey einer Figur oder Circul genennt ein Viertel von solchen/ wann der Cir- cul durch sein Centrum vermittelst zweyen dia- metris in vier gleiche Theile/ oder sonst nur an der Circumferen tz also getheilet worden/ und haͤlt iedes Viertel von einen Circul 90. Grad/ und machet solches also einen rechten Winckel in der Mitten bey dem Centro . 30. Frage. Was ist Semicirculus? Semicirculus ist ein halber Circul/ so nicht in der voͤlligen Rundung beschlossen ist. (31. Frage. Was ist Chorda? D 3 Chor- Das I. Cap. Chorda ist/ wie bereits gemeldet worden/ eine Linie/ so in dem Circulo von einem Punct des Um- kreiß zu dem andern gezogen wird/ ohne daß solche durch das Centrum gehet/ wird sonst bey der For- tification die Polygone geheissen. (32.) Frage. Was ist Segmentum Circuli? Segmentum Circuli ist ein Stuͤck eines Circuls welches beschlossen ist vvn einem Theil der peri- pherie, und einer Linie/ so nicht durch das Cen- trum gehet. (33.) Frage. Was ist Sector Circuli? Sector Circuli ist eine Figur/ welche begrieffen ist/ von einem Theil der Circumterenz und von zweyen Semidiametris . welche von den Enden des Stuͤcks gegen das Centrum lauffen. (34.) Frage. Was ist Sinus? Sinus ist nichts anders/ als die halbe Chorda, so unter ihren doppelten Winckel gezogen ist/ und ist vornehmlich zweyerley/ als Sinus totus und Sinus partialis . (35) Frage. Was ist Sinus totus? Sinus totus ist der Sinus so zu 90 Grad gehoͤret und Von Beneunung u. Explici rung der Dinge und in sich selbst als der halbe Diameter eines Cir- culs ist/ von dessen Bogen oder eingezeichneten Winckeln und Trianguln geredet wird/ da man in Specie diese und folgende Terminos gebrauchet. (36) Frage. Was ist Sinus Partialis und wie wird solcher eingetheilet? Sinus Partialis ist/ welcher zu Zeiten weniger/ o- der auch bißweilen mehr als zu 90. Gr. gehaͤrig ist/ und ist solcher wieder fuͤnfferley/ als Sinus rectus, versus, Complementi, tangens und Secaus. 37. Frage. Was ist Sinus rectus? Sinus rectus eines gegebenen Bogens ist der hal- be Theil derjenigen Chorda, welcher noch so vielen Graden/ unterzogen ist/ als der gegebene Bogen haͤlt; Oder es ist die Linie/ welche von dem obe- ren Punct des gegebenen Bogens Bleirecht auff den oberen Punct des gegebenen Bogens und sectoris faͤllet: weil nun dieser Sinus rectus zum oͤff- tern fuͤr koͤmmet/ wird er gemeiniglich per eminen- tiam bloß nur Sinus genennet. 38. Frage. Was ist Sinus versus und wie wird solcher sonst geheissen? Sinus versus ist ein Stuͤck des Diametri, welcher D 4 die Das I. Cap. die Chordam in zwey gleiche Theile theilet/ wird sonst Sagitta genennet. 39. Frage. Was ist Sinus Complementi: Sinus Complementi ist der Sinus rectus des uͤ- brigen Bogen-Stuͤcks/ welches mit samt dem ge- gebenen Bogen so viel thut/ als ein quadrans oder Viertel eines Circuls/ nemlich 90 Grad. 40. Frage. Was ist Sinus tangens? Sinus tangens ist die Linie/ so einen Bogen bey der Basi anruͤhret. 41. Frage. Was ist Sinus secans? Sinus secans ist die Linie so den Bogen/ von welchem geredet wird/ von dem uͤbrigen gleich- sam abschneidet. 42. Frage. Was ist Figura lenticularis, oder Elliptica oder Ellipsis? Die Figuræ lenticulares sind Oval Figuren’/ in welchen die Linien von dem Centro auff dem Um- kreiß gezogen/ uͤber zwerg kuͤrtzer fallen/ als nach der laͤnge/ und zwar noch kuͤrtzer in der lenticulari als in der Elliptica, mit deren/ helffte ver- Von Benennung u. Explici rung der Dinge. vergleichet sich fast die Hyperbole, nicht aber die Parabole. 43. Frage. Was ist Hyperbole? Hyperbole ist die Flaͤche eines Kegel-Schnitts von oben herab zur Seiten nicht aber durch dessen Spitze/ gerade auff die Basin zu genommen/ wel- che mit der Basi einen geraden Winckel machet. 44. Frage. Was ist die Parabole Die Parobole ist die Flaͤche eines solchen Ke- gel-Schnitts/ der gleichfalls oben von der Seiten des Kegels auff die Basin zu/ iedoch schrege genom- men ist/ dergestalt/ daß solche entweder einen Angulum obtusum oder acutum mit der Basi mache. 45. Frage. Was ist Triangelum und wie vieler- ley ist solches? Triangulum ist eine Figur so aus dreyen Lini- en und Winckeln bestehet/ und ist wieder entwe- der ein Triangulum æquilaterum, æquicrurum, scalenum, rectilineum, curvilineum, mixtum, rect- angulum und obliquangulum. 46. Frage. D 5 Was Das I. Cap. Was ist Triangulum æquilaterum? Triangulum æquilaterum ist eine Figur aus dreyen Winckeln bestehend/ deren Winckel und Seiten einander gleich sind/ wird sonst lsopleuron genennet. 47. Frage. Was ist Triangulum æquicur- rum? Triangulum æquicurrum wird diejenige Figur oder Triangul geheissen/ welcher nur zwo gleiche Seiten hat/ wird sonst Isosceles genennt. 48. Frage. Was ist Triangulum Scalenum? Triangulum Scalenum ist eine dreyeckigte Figur/ daran alle drey Seiten einander un- gleich sind. 49. Frage. Was ist Triangulum rectili- neum? Triangulum rectilineum ist eine Figur von drey gleichen und geraden Linien zusammen gezogen. 50. Frage. Was ist Triangulum curvi-lineum Triangulum curvilineum ist eine dreyeckigte Figur Von Benennung u- Explici rung der Dinge. Figur von krummen oder Circul-Linien gema- chet. 51. Frage. Was ist Triangulum mixtum? Triangulum mixtum ist eine Figur/ welche theils aus geraden/ theils aus krumm gezogenen Linien bestehet. 52. Frage. Was ist Triangulum rectangulum Triangulum rectangulum ist eine dreyeckigte Figur/ welche einen rechten und geraden Win- ckel von 90. Gr. hat. 53. Frage. Was ist Triangulum obliquangu- lum, und wie vielerley ist der- selbe Triangulum obliquangulum ist eine dreyeckig- te Figur/ so keinen geraden Winckel hat/ und kan ein solcher Triangul entweder obtus-angulum oder acut angulum seyn. (54.) Frage. Was ist Triangulum Obtus-angu- lum? Triangulum obtusangulum ist ein Triangul so einen Stumpff und zwey Spitz Winckel hat. 55. Frage Das I. Cap. (55.) Frage. Was ist Triangulum acutangulum? Triangulum acutangulum ist ein Triangul, so drey spitzige Winckel hat. (56.) Frage. Was ist wegen der Winckel bey den Trianguln in acht zunehmen? Es ist wohl zu mercken daß ein Triangul nicht mehr als einen geraden Winckel habe/ vielweni- ger zwey obtusos, oder einen obtusum samt einem recto haben koͤnne; Sintemahl alle drey Win- ckel eines Trianguls, er mag auch seyn wie er will/ nicht mehr noch weniger machen und austra- gen als zweene Angulos rectos von 180. Gr. 57. Frage. Was sind Figuræ quadrilateræ, und wie werden solche eingetheilet? Die Figuræ quadrilateræ, oder quadrangulæ sind Figuren/ so von vier Linien/ und vier Win- ckeln beschlossen werden/ und sind insgemein zweyerley/ als Parallelogrammum und Trapezi- um. 58. Frage. Was ist Parallelogrammum, und wie vielerley ist solches? Paral- Von Benennung u. Explici rung der Dinge. Parallelogrammum ist eine solche viereckigte Figur/ da alle vier Seiten/ eine jede gegen ihrer gegengesetzten Parallel sind/ und in gleicher Di- stanz von einander abstehen/ also daß wenn man sie gleich unendlich weit ferner hinaus zoͤge/ sie dennoch nimmermehr auf einen Winckel zu- sammen lieffen/ und sind die Parallelogram- ma wieder vielerley als: Quadratum, quadra- tum oblongum, rhombus, rhomboides. (59) Frage. Was ist Qvadratum? Qvadratum oder qvadrangulum ist ein viereckig- te Figur/ welche aus gleichen Linien und vier rech- ten Winckeln bestehet. 60. Frage. Was ist Quadratum oblongum? Qvadratum oblongum ist eine viereckgite Fi- gur/ worinnen zwey gleich lange/ und zwey gleich kurtze Linien/ vier gleiche Winckelaber sich befin- den. 61. Frage. Was ist Rhombus? Rhombus ist eine viereckigte Figur/ da die Sei- ten alle viere/ unter den Wickeln je zwey uñ zwey/ so gegen einander uͤberstehen/ einander gleich sind/ welche aber beyde an einem Winckel stehen/ einan- Das I. Capitel. einander ungleich sind/ wird sonst eine Rau- ten Fuͤhrung oder geschoben Viereck genen- net. 62. Frage. Was ist Rhomboides? Rhomboides ist eine Figur/ da die zwo Seiten/ wie auch die zwey Winckel/ so gegen einander uͤ- ber stehen/ einander gleich und Parrllel sind/ die aneinander aber stehende Latera und Winckel an einem Latere ungleich sind/ wird sonst einge- schobene ablaͤngigte Vierung genen liet. 63. Frage. Was ist Trapezium? Trapezium ist eine viereckigte Figur/ da entwe- der gar kein Latus gegen dem andern/ oder doch nicht alle viere/ sondern nur zwey einander Paral- lel sind/ und da sie weit genug fort gezogen wuͤr- den/ endlich auf einen Winckel zusammen lief- fen. 64. Frage. Wie vielerley sind die Trapezia, oder Multilateræ Figuræ, und wie muß man solche ausrech- nen? Die Trapezia, und Multilateræ Figuræ, so mehr als vier Winckel und Selten haben/ sind unend- licher Arten iedoch werden sie alle/ wie auch die Rhombi und Rhomboides, wenn man sie ausrech- nen Von Benennung u. Explici rung der Dinge. nen will/ auf Triangul oder parallelogramma re- duci ret. 65. Frage. Was/ und wie vielerley ist eine Figu- ra corporalis oder Corpus? Figura corporalis oder ein Corpus wird in der Geometrie ein solches dickes Stuͤck oder Groͤsse genennet/ welches nach der Laͤnge/ Breite/ und Tieffe kan ausgemessen werden/ und ist wider mancherley/ als Pyramis, Tetraedrum, Hexaé- drum, oder Cubus, Octaëdrum, Dodecaédrum, Jeo- saédrum, Cubus, Conus, Sphæra, Cylindrus und Prisma. 66. Frage. Was ist ein P yramis? Pyramis ist ein Corpus von drey oder vielen Trianguln, so eine Flaͤche zur Basi haben/ und dann oben in einem Punct zusammen lauffen. 67. Frage. Was ist ein Tetraëdrum? Tetraëdrum ist ein Corpus, so vier gleiche Tri- angul in sich beschliesset/ oder von vier gleichen dreyeckigten Flaͤchen umschlossen ist. (68.) Frage. Was ist ein Hexaëdrum oder Cubus? Ein Das I. Capitel Ein Hexaëdrum oder Cubus ist ein Wuͤrffel- Stuͤck oder Coͤrper/ so von 6. gleich grossen Qua- drat -Flaͤchen begriffen ist. (69.) Frage. Was ist ein Octaëdrum? Ein Octaédrum ist ein Coͤrper/ so von 8. gleich grossen Ecken und Flaͤchen/ beschlossen ist. (70.) Frage. Was ist ein Dodecaëdrum? Ein Dodecaedrum ist ein Coͤrper/ welcher von 12. gleich Seitigen / gleich winckligten/ und gleich grossen fuͤnff eckigten Flaͤchen begriffen ist. (71) Frage. Was ist ein Jcosaëdrum? Jcosaëdrum ist ein Coͤrper/ welcher von 20. gleich grossen/ und gleich winckeligten drey-eckig - ten Flaͤchen umbschlossen ist. NB. Diese fuͤnfferley Arten der Coͤrper we r- den die fuͤnff corpora platonica genennet/ w eil sie von dem Platone zu erst erfunden worden. (72.) Frage. Was ist ein Cubus? Cubus ist ein Wirffel und Corpus von 6. gle ich grossen vier Ecken. ( 73.) Von Benennung u. Explici rung der Dinge. (73.) Frage. Was ist ein Conus? Conus ist ein Kegel oder Coͤrper/ dessen Basis e i ne runde Cireul-Flaͤche ist/ und die eusserste bauchigte/ Flaͤche sich oben spitzig zuthuͤrmet. 74. Frage. Was ist eine Sphæra oder Globus? Sphæra oder Globus ist eine Kugel oder Coͤrper/ der von einer einigen bauchigten Flaͤche rings herumb also umbschlossen ist/ daß er uͤberall recht Circul rund ist. Wenn nun durch dessen Cen- trum eine Mittel-Linie oder Diameter gantz durch gehet/ wird solche Linie Axis, und der A- xis ihre beyde eusserste Puncta die Poli genen- net. 75. Frage. Was ist ein Cylinder? Cylindrus ist eine Ciicul -runde Saͤule/ Waltze und Coͤrper dessen oberste und unterste superficies als zwey gleiche Bases sind. 76. Frage. Was ist ein P risma oder P a- rallelopipedum? Prisma oder Parallelopipedum ist ein Coͤrper in gestalt einer eckigten Saͤule/ daran zwey gegen E einan- Das II. Cap einander uͤberstehende Ecken einander stets gleich und parallel sind. Es kan auch der- gleichen eckigt Corpus an einem Ende spitziger seyn als am andern/ gleich wie ein abgekurtzter Pyramide, wenn nur die obere und untere Flaͤchen am Ecken einander parallel sind/ von gleicher Figur. 77. Frage. Was ist ein P risma pentaëdrum? Prisma pentaëdrum ist ein Coͤrper vor 3. paral- lelogrammis, mit rechten Winckeln/ hat 2. gleich- seitige Triangul vor seine Bases. Das II. Cap. Von Auffreissen einiger Linien/ Winckel/ Figuren und Coͤrper/ so zu wissen nuͤtzlich und noͤthig sind. 1. Frage. Wie soll man einer gegebenen Linie eine Parallel ziehen? W Enn eine Linie zu erst gegeben worden/ muß man auff derselben zwey gewisse Puncte sich demtrcken/ und aus solchen mit glei- cher Von auffreissen einlger Linien. cher Circul-Weite/ oben oder unten zwey halbe Circul machen/ und an den halben Circuln eine gleiche Linie ziehen/ so wird solche in gleicher Di- stanz von der ersten abstehen/ und mit derselben parallel lauffen. vid. Fig. 1. Desgleichen muß man auch thun/ wenn einem eine krumme Linie gegeben waͤre/ und wolte eine Parallel darzu haben/ jedoch muß man allezeit den einen Fuß des Circuls an einem gewissen Ort se- tzen/ welcher gleichsam der Mittel Punct der krummen Linie ist. vid. Fig. 2. 2. Frage. Wie soll man eine P erpendicular- Linie auf einen gewissen Punct/ so auff ei- ner Linie gegeben worden/ fallen lassen? Man muß den Circul von einer gewissen und beqvaͤmen Weite auffthun/ und solche Weite aus dem gegebenen Punct lincks und rechts unver- ruͤckt auf die Linie tragen/ hernach den Circul so weit auff machen/ als die aͤussersten Puncte von einander stehen/ dann einen Fuß des Circuls in einem aͤussersten Punct auff der Linie einsetzen/ und mit dem andern Fuß des Circuls oben oder unter der Linie/ wie man die Perpendicular ver- langet/ einen Schnitt machen; Desgleichen muß man auch mit gleicher Weite des Circuls aus dem andern aͤussersten Puncte auff der Linie E 2 ver- Das II. Cap. verrichten/ und also durch den vorgemachten Schnitt einen andern Durchschnitt machen/ aus dem Mittel-Punct aber des durchschnitts eine Linie ziehen auff den Punct der erst gegebenen Linie/ worauf man eine perpendicular haben wol- jen/ vid. Fig. 3. 3. Frage. Wie soll man an einem Ende einer gegebenen Linie eine perpendicular auffziehen? Wenn eine perpendienlar am Ende einer Lini- en soll aufgerichtet werden um also einen gleichen Winckel zu machen setzet man den einen Fuß des Circuls am Ende der Linie ein/ oͤffnet den Circul nach belieben und machet also mit dieser Weite einen halben Circul, also/ daß solcher halbe Circul mit dieser Weite auch an einen Ort die gegebene Linie beruͤhre; in diesem Punct, wo die gegebene Linie mit dem halben Circul beruͤhret ist/ setze ich den einen Fuß des Circuls mit unverruͤckter Wei- te ein/ und trage solche beyde auf den halb gemach- ten Circul zweymal auff/ aus den zweyten Auff- trage machet man mit gleicher Weite/ in der Hoͤhe Kreutz-Schnitte/ und laͤsset aus denen Mittel- Punct auf das Ende der Linie eine perpendicular fallen/ wohin man sie verlanget hat. vid. Fig. 4. oder man kan aus dem Ende der gegebenen Linie/ worauff man eine perpendicular haben will/ mit einer Von auffreissen einiger Linien. einer gewissen Circuls Weite einen Punct ausser der gegebenen Linie suchen/ und aus solchen ge- machten Punct einen gantzen oder halben Circul machen/ wolcher das Ende der gegebenen Linie worauff eine perpendicular fallen soll/ Just durch schneide; wenn nun dieses verrichtet/ ziehet man aus dem Ende der gegebenen Linie durch das Centrum des gegebenen Circuls eine blinde Linie durch/ biß an dessen Circumferenz aus welchen durch Schnitt und Anruͤhren man hernach eine Perpendicular Linie auff das Ende der gegebenen Linie fallen laͤsset/ vid. Fig. 5. (4.) Frage. Wie soll man auff die Mitte einer gegebenen Linie eine Perpendicular fallen/ oder durch dieselbe gantz durch gehen lassen? Wenn eine Linie gegebenen worden/ auff de- ren Mitte/ so durch keinen Punct angedeutet/ man eine perpendicular haben wolte/ muß man den Circul so weit auffmachen/ als die gegehenen Li- nie lang ist/ darauff muß man mit dieser unver- ruͤckten Weite aus beyden Extremitæt en der Li- nie ober und unter der Linie Creutz-Schnitte ma- chen/ und also die Creutzschnitte durch das Mittel der gegebenen Linie mit einer Linie zusammen ziehen/ so bekommt man ober und unter der gege- benen Linie perpendicularen, und ist die gegebene E 3 Linie Das II. Cap. Linie in zwey gleiche Theile getheilet/ und machet vier rechte Winckel. Wolte man aber eine perpen- dicular auff die unbekannte Mitte der gegebenen Linie nur fallen/ und nicht gantz durch gehen las- sen/ muß man zu vor die gegebenen Linien in zwey gleiche Theile mit einem Punct zertheilen/ hernach mit der Weite der gantzen Linie vermittelst des Circuls oben einen Creutz-Schnitt machen und aus dessen Centrum eine perpendicidar Linie auff die zertheilte Linie fallen lassen/ wodurch denn zwey rechte Winckel entstehen/ vid. Fig. 6, (5.) Frage. Wie soll man eine gegebene Linie mit einer andern Linie durch schneiden/ daß vier ungleiche Winckel heraus kommen? Man darff nur durch die gegebene Linie und durch das Merckmahl/ so etwan auff der selden angedeutet worden/ eine Diagonal oder schrege Li- nie durch-ziehen/ so wird die gegebene Linie in zwey stumpff und zwey spitz Winckel getheilet seyn/ vid. Fig. 7. (6.) Frage. Wie soll man eine Linie in so viel gleiche Theile zertheilen/ als man will? Man machet eine gerade Linie/ und setzet so viel gleiche Theile auf dieselbe/ als man seine Linie will Von auffreissen einiger Linien. will eingetheilet haben/ machet denn hernach mit der gantzen Weite der eingetheileten Linie in der Hoͤhe zwey Durchschnitte/ und ziehet aus deren Centro auf iede Extremi taͤt der unter getheilten Linie eine Linie/ also/ daß daraus ein gleichseitiger Triangul formi ret werde/ hernach ziehet man aus den Theilen Linien in die Hoͤhe/ so alle in den obe- ren Winckel auf einen Punct zusammen lauffen. Wenn man nun seine Linie/ so man noch nicht ab- getheilet/ in so viel Theile auch theile will/ alß man bereits die erste Lienie getheilet/ so muß man die gantz Weite der ungetheilten Linie mit den Cir- cul nehmen/ und suchen/ wo diese Weite sich auff den Triangul gleich und parallel mit der untersten Linie abschneide/ so hat man denn deren rechte Theilung gefunden. vid. Fig. 4. 7. Frage. Wie soll man einen Winckel in zwey oder mehr gleiche Theile verthei- len? Man oͤffnet den Zirckel nach Belieben/ setzer den einen Fuß dessen in den Punct des Winckels und machet mit dem andern Fuß des Zirckels ei- nen Bogen durch beyde Linien des Winckels; hernach theilet man diesen Vogen in so viel glei- che Theile/ als man den Winckel zutheilen ge- sonnen ist/ und ziehet aus dem Winckel durch die gemachte Eintheilungen auf dem Bogen Linien/ vid. Fig. 9. E 4 (8.) Das II. Capitel (8.) Frage. Wie man auf einer gegebenen Linie einen Winckel machen soll/ welcher ei- nem andern fuͤr gegebenen Win- ckel gleich sey? Man machet aus dem Centro des gegebenen Winckels mit willkuͤhrlicher Eroͤffnung des Zirckels einen Bogen durch dessen beide Linien; Hernach machet man mit gleicher Weite/ aus dem Ende der gegebenen Linie/ worauf ein glei- cher Winckel mit dem andern soll formi ret wer- den/ auch einen Bogen; Misset darauf die Wei- te des Bogens des fuͤrgegebenen Winckels/ und traͤget solche Weite auch aus dem gemachten Circul der fuͤrgegebenen Linie/ endlichen ziehet man aus dem eussersten Punct dieser Linie durch den Punct des gemachten Vogens/ so hat man einen Winckel auf der fuͤrgegebenen Linie for- mi ret/ welcher dem andern Winckel gantz gleich ist/ vid. Fig. 10. 9. Frage. Wie soll man einen gleichseitigen Triangul machen? Man ziehet eine gewisse Linie zur Basi des Tri- anguls, machet mit der gantzen Weite dieser Lini- en oben zwey Creutz-Schnitte/ und ziehet aus de- ren Mittel-Punct Linien/ biß an die Extremit aͤten der Von auffreissen einiger Linien. der Basis, so sind alle drey Linien in gleicher Laͤnge/ vid. Fig. 11. (10.) Frage. Wie soll man das Centrum eines gleichseitigen Trianguls fin- den? Man suchet das Mittel von ieder Linie/ und fuͤhret aus demselben eine Linie nach dem gleich gegen uͤberstehenden Winckel zu; Wo nun die- se Linien einander durchschneiden/ daselbst ist auch das Centrum von dem Triangul, vid. Fig. 12. 10. Frage. Wie soll man in oder ausserhalb ei- nes gleichseitigen Trianguls einen Circul machen? Wenn man das Centrum gefunden/ wie be- reits in voriger Frage angedeutet worden/ und man will den Circul inwendig des Trianguls ha- ben/ setzet man den einen Fuß in das Centrum, und thut den andern so weit auf/ biß er den Mit- tel-Punct einer Linie beruͤhre/ und machet also ei- nen Circul inwendig des Trianguls: Wenn aber aber der Circul auswendig am Triangul herumb gehen soll/ muß man den einen Fuß des Zirckels auch zu erst in das gefundene Centrum des Trian- guls setzen/ den andern Fuß aber so weit auf ma- E 5 chen/ Das II. Cap. machen/ biß er just einen Winckel vom Triangul beruͤhre/ und machet also einen Circul/ welcher dann von aussen umb den Triangul gehet/ vid. Fig. 13. 12. Frage. Wie soll man einen Winckel rechten Triangul machen? Man giehet erstlich eine Linie/ und faͤllet auf ein Ende derselben eine perpendicular, wie in vorigen gewiesen worden; Darnach theilet man diese perpendicular in 3. gleiche Theile/ und die Basin in 4. gleiche Theile mit einer Weite/ ziehet so dann die eussersten Puncte mit einer Diagonal -Linie zusammen/ so hat man einen recht winckligten Triangul formi ret/ vid. Fig. 14. 13. Frage. Wie soll man ein gleichseitiges und und rechtwinckligtes Quadrat machen? Man ziehet erstlich eine Linie nach Belieben zur Basi, richtet an deren Ende einem eine per- pendicular auf von gleicher Laͤnge der Basis, her- nach machet man den Circul so weit auf/ als die Basis lang ist/ und machet aus den eussersten Puncten der Basis und der perpendicular einen Creutz Schnitt/ ziehet hernach die Punete ins Gevierte zusammen/ so ist das Winckel rechte und Von aufreissen e in iger Linie. und gleichseltige Quadrat formi ret/ vid Fig. 15. 14. Frage. Wie soll man in einem gleichseitigen und Winckel rechten Quadrat das Centrum finden? Man darff nur aus den 4. Winckeln zwey Diagonal -Linien ziehen/ wo nun solche in der Fi- gur einander durchschneiden/ daselbst ist auch das Centrum des Qvadrats, vid Fig. 16. (15.) Frage. Wie soll man in oder ausserhalb ei- ner Quadrats einen Circul ma- chen? Wenn das Centrum auf vorige weise gefun- den worden/ und man will den Circul inwendig des Quadrats haben/ muß man zuerst das Mit- tel von einer Seiten suchen; Wenn dieses ge- funden/ setzet man den einen Fuß des Circuls in das Centrum, und thut den andern so weit auf/ biß an das Mittel einer Linie/ und machet mit sol- cher Weite also inwendig des Quadrats einen Circul: Soll aber der Circul auswendig umb das Quadrat herum gehen/ muß der eine Fuß des Circuls in das gefundene Centrum des Qua- drats auch eingesetzet/ und der andere biß zu einen Winckel aufgethan werden/ da man dann mit sol- Das II. Cap. solcher Weite den Circul auswendig umb das Quadrat machen kan/ vid. Fig. 17. (16.) Frage. Wie soll man ein Quadratum oblon- gum machen/ so Winckel recht ist? Man ziehet erst eine lange Linie/ und machet derselben eine parallel, hernach fuͤhret man an den Enden perpendicular en auf/ und ziehet so dann darmit als den kuͤrtzern Linien/ die zwey laͤngern zusammen/ so ist das quadratum oblon- gum fertig/ vid. Fig. 18. (17.) Frage Wie soll man einen Rhombum oder Rauten Vierung machen? Man ziehet erstlich eine Linie zur Basi, von glei- cher Laͤnge der Basis laͤsset man eine schrege Linie auf ein Ende der Basis gehen/ nimt darauf die Laͤn- ge der Basis mit dem Circul/ und machet aus dem Ende der Basis und der schregen Linie Creutz- Schnitte/ ziehet darauf die Puncte alle in das Gevierte zusammen/ so bekomt man eingescho- ben 4. Eck/ vid. Fig. 19. (18.) Frage. Wie soll man einen Rhomboidem machen? Die Von aufreissen einiger Linie. Die Operation ist aus vorigen leicht abzuneh- men/ wenn nur an Statt der kleinen perpendicu- lar Linien schrege Linien von einer Laͤnge gema- chet/ und die langen Linien darmit ingleicher Laͤn- ge und Weite zusammen gehenget werden/ vid. Fig. 20. (19.) Frage. Wie soll man das verlohrne Cen- trum eines gantzen Circuls wieder finden? Wenn man einen gantzen Circul gemachet/ und das Centrum dessen verlohren hat/ soll man nach Belieben eine Linie von einem Theil der Cir- cumferenz biß zur andern ziehen/ und dieser Linie eine andere parallel fuͤhren; Hernach das Mittel auf bey den Linien suchen/ und eine Linie durch diese zwey Mittel gantz durch gehen lassen/ daß sie auf beyden Seiten die Circumferenz des Circuls auch beruͤhre: Wo nun d as Mittel dieser letzten Linie ist/ da ist auch das verlohrne Centrum von dem gantzen Circul, vid Fig. 21. Oder Man kan nur eine Linie durch den Circul machen/ das Mit- tel darauf suchen/ und mit der Weite der Linie/ wo sie die Circumferenz beruͤhret/ vermittelst ei- nes Zirckuls in der Hoͤhe einen Creutz-Schnitt machen/ und aus dessen Centro durch das Mittel der Linie eine perpendicular durch den gantzen Circul durch gehen lassen/ bernach auf der Di- Das II. Cap. Distanz, so weit solche den Circul auf beyden Sei- ten beruͤhret/ das Mittel suchen/ so hat man auch durch dasselbige das Centrum gefunden von Cir- cul, vid. Fig. 22. (20.) Frage- Wie soll man eines Circul -Stuͤcks Centrum finden/ und daraus den gantzen Circul machen? Wenn man ein Stuͤck von einen Circul hat/ darbey aber das Centrum verlohren/ daß man also das bekante Circul -Stuͤck nicht vollig in sei- nem Circul herum fuͤhren und schliessen kan/ so muß man an zwey Orten auf dem Circul- Stuͤck zwey kleine Boͤgen machen/ so in wendig und aus wendig des Circul -Stuͤcks einander durch schnei- den, durch die Durchschnitte nun/ deren in allen viere sind/ ziehet man gerade Linien/ so inwendig des Circul -Stuͤcks einander durchschneiden muͤs- sen/ wo nun dieser Duꝛchschnitt ist/ da ist auch das Centrum zum Circul, und kan daraus das Circul- Stuͤck zu seiner voͤlligen Perfection gebracht wer- den/ vid. Fig. 23. (21.) Frage. Wie soll man drey gegebene P uncta in einem Circul zusammen brin- gen? Wenn drey blasse Puncta gegeben worden/ sol- che Von auffreissen einiger Linie. che in einem Circul zusam̃en zubringen/ muß man mit den zweye Distanzen zwischen den drey Punetẽ aus wendig und inwendig Creutz-Schnitte ma- chen/ hernach solche mit Linie zusam̃en ziehen; Wo nun diese Linien einander durchschneiden/ da ist das Centrum zu diesen drey Puncten/ solche in ei- nem Circul zusammen zu ziehen/ vid. Fig. 24. (22.) Frage. Wie soll man einen Circul auf einer- ley Manier in so viel gleiche oder ungleiche Theile vertheilen/ als einem beliebet? Man hat sonst gantz unterschiedliche und ab- sonderliche Arten gehabt/ einen Circul in so viel Theile und Polygonen zu theilen/ als man belie- bet/ welches aber sehr muͤhesam/ und nicht wohl zubehalten gewesen: Nun aber ist nur ein eini- ger Modus bekant/ wornach ieder Circul in so viel gleiche Theile kan eingetheilet werden/ als einer Lust hat/ nemlichen ich setze man wolte ein sieben Eck haben/ oder einen Circul in sieben gleiche Theile vertheilen/ so ziehet man erstlichen eine blinde Linie/ und traͤget auf dieselbe nach Belie- ben mit einem Circul sieben gleiche Theile/ dar- nach suchet man das Mittel der gantzen Linie von diesen 7. Theilen/ und machet daraus einen Circul/ also/ daß sich die eussersten zwey Puncte von den sieben Theilen darmit abschneiden/ und der Das II. Cap. der Circul durch dieselbe durchgehe: Nach die- sem oͤffnet man den Circul so weit als die gantze Linie der 7. Theile/ oder der gantze diameter des Circuls lang ist/ machet darmit aus beiden Enden der Linie oben in der Hoͤhe einen Creutz-Schnitt/ leget das Lineal just auf den Punct dieses Creutz- Schnittes/ und auf dem andern Punct des an- dern sieben theils auf der zuerst gemachten blin- den Linie/ wo nun das Lineal die Circum-feren tz des Circuls unten beruͤhret/ daselbst durchschnei- det man den Circul/ so wird die Distan tz zwischen diesen Durchschnitt biß zum ersten Punct der sie- ben Theile auf der blinden Linie die juste Weite seyn/ darmit der Circul in seine sieben gleiche Theile kan vertheilet werder; Es muß aber alles Haar scharff gemachet werden/ und ist diese Erfindung gantz richtig und unfehlbar/ vid. Fig. 25. (23.) Frage. Wie soll man mit leichter Manier einen ieden Circul in 360. gleiche Theile vertheilen? Es ist bekant/ dsß nach der Mathesi ieder Cir- cul in 360. gleiche Grade und Theile muͤsse verthei- let werden/ dieses nun mit leichter Manier zuver- richten geschiehet also; Man machet nach belie- ben einen Circul, ziehet durch dessen Centrum einen gantzen Diametrum, und laͤsset durch die Mit- Von auffreissen einiger Linien. Mitte desselben und durch das Centrum des Cir- culs eine perpendicular gehen nach vorigen Be- richt/ also daß hirdurch der gantze Circul in 4. glei- che Theile/ und seine Quadrant en getheilet sey. Hernach oͤffnet man den Circul so weit/ als ein halber diameter des Circuls lang ist/ setzet einen Fuß des Circuls vice versa und wechsels weise auf den Punct/ wo die beyden diametri den Circul in seiner Circumferen tz beruͤhren oder durchschnei- den/ so wird ieder Quadrante in drey gleiche Thei- le/ und also der gantze Circul in zwoͤlff gleiche Thei- le vertheilet; Ein solches 12. Theil theilet man wider in andere drey gleiche Theile/ so bekoͤmt man den gantzen Circul in 36. gleiche Theile ver- theilet; wenn nun also darmit weiter verfahren wird/ so kan der gantze Circul gantz leichte und richtig in 360. Grade oder Theile vertheilet werden/ so er anders groß genug ist/ daß man alle Theile insonderheit darauf bezeichnen und sehen kan; Sonst muß man nur zu letzt die 5. Theile zwischen zehen bemercken/ wann der Circul zu klein seyn solte/ vid. Fig. 26. 24. Frage. Wie soll man einem Circul in einen gleichseitigen Triangul verwan- deln? Ob wohl dieses Problema zu der Metamorpho se und Verwandelung der Figuren gehoͤret/ welches ich/ weil es mehr eine curiosit aͤt ist/ als einen son- F der- Das II. Capitel. derlichen Nutzen schaffet/ in diesem Wercklein weggelassen/ so habe doch dieses einige hie- bey mit andeuten wollen/ massen in fol- genden dieses proplematis vielmals gedacht wird; die Verwandelung aber eines Cir- culs in einen gleichseitigen Triangul geschie- het also/ man ziehet durch den Circul und dessen Centrum den gantzen diameter des Circuls, rich- tet an dessen Ende einem eine perpendicular auf/ und traͤget auf solche dreymahl die Weite des gantzen Diametri des Circuls; nach diesen theilet man den Diametrum des Circuls in 7. gleiche Theile/ und traͤget auch noch ein solch sieben Theil zu den aufgetragenen dreyen diametris auf die perpendicular endlich laͤsset man aus dem Ende der perpendicular eine Linie gehen biß auf das Centrum des Circuls, so hat man einen gleichseiti- gen Triangul, und den Circul darein verwandelt/ vid. fig. 27. (25.) Frage. Wie soll man einen verdruckten Bo- gen machen zu den Gewoͤlbern so hoch oder niedrig ist? Man muß erstlichen einen gleichseitigen Trian- gul formir en mit einer Spitzen unterwarts/ her- nach auf zweyen Seiten desselben von der unte- ren Ecke an eine gleiche Distan tz bemercken/ und durch solche Puncte eine gerade Linie ziehen/ her- nach den Circul/ so lang als eine Seite ist/ auff- machen/ und damit einen runden Bogen fuͤhren/ welcher Von auffreissen einiger Linien welcher die durchgehende Linie/ so vormahls durch den Triangul gefuͤhret worden/ abschneide und beruͤhre/ welcher Bogen denn/ nach dem man den Circul weit oder enge auffmachet/ niedrig o- der hoch kan gefuͤhret werden/ als man das Ge- wolbe haben will/ vid. Fig. 28. (26.) Frage. Wie soll man den Spiel raum einer jeden eisern Kugel finden bey denen metalle nen Stuͤcken? Man muß den gantzen Diametrum haben von der Muͤndung eines metallen en Stuͤckes/ hernach suchet man das Mittel auff demselben und machet aus demselben einen Circul in der Weite des halben Diametri; Weiter muß der halbe Diameter wieder halb getheilet werden/ und setzet man den einen Fuß des Circuls in einen Punct/ wo der gantze Diameter die Circum-ferenz beruͤhret/ und durch schneidet die Circum-ferenz auf beyden Seiten mit solcher Weite und vier- theils des gantzen Diametri, ziehet darauff diese beyden Durchschnitte mit einer gleichen Linie zu- sammen/ so ist als denn der vorige Diameter des Stuͤcks in etwas verkuͤrtzet/ und ist dieser ver- kuͤrtzte Diameter der rechte Diameter der eisseren Kugel/ so zu den metallen en Stuͤcken gehoͤret; Wenn man nun diesen verkuͤrtzten d iameter auch in seiner Rundung bringen will/ muß man auff F 2 den- Das II. Cap. denselben mit dem Circul a parte das Mittel su- chen/ und also mit dieser Weite aus dem Mittel einen Circul machen/ so hat man auch die gantze Circum-ferenz der Kugel/ vid. Fig. 29. (27.) Frage. Wie soll man einen kurtzen und wei- ten Oval Circul machen? Man ziehet erstlich eine blinde Linie/ und traͤget auff dieselbe nach belieben drey gleiche Theile mit einem Circul/ machet hernach aus den zweyen Mittel-Puncten der drey gleichen Theile/ mit un- verruͤckter Circul weite zwey Circcul/ so einander in ihren Centris durch schneiden/ hernach machet man den Circul zwey Theile weit auff/ setzet den einen Fuß des Circuls in die Durchschnitte der Circul an einander/ so koͤmmt ein kurtzes und weites Oval heraus/ vid. Fig. 30. (28.) Frage Wie soll man ein laͤngligtes Oval machen? Man machet wieder eine blinde Linie/ und se- tzet nach belieben vier gleiche Theile darauff/ aus den drey mittlenen Puncten machet man mit un- verruckten Circul drey gleiche Circul/ so einander durchschneiden; hernach oͤffnet man den Circul zwey Theile weit/ setzet einen Fuß in den andern und Von auffreissen einiger Linien. und vierdten Punct der vier gleichen Theile/ machet oben und unten Kreutz-Schnitte/ hernach oͤffnet man den Circul so weit/ als drey gleiche Theile lang sind/ und ziehet aus den Creutz- Schnitten die aͤussersten zwey Circul oben und unten zusammen/ so hat man ein ablaͤngligtes Oval, vid. Fig. 31. Mechanice koͤnnen dergleichen Oval Figuren laͤngligt oder kurtz/ weit oder schmal gemachet werden/ wenn man zwey Naͤgel in solcher Di- stanz von einander einschlaͤget/ als man das Oval lang haben will; Und hernach einen Bindfaden weit oder enge zusammen gebunden darum ma- chet/ und mit einem andern Nagel oder Bley- Stiff in wendig des Bindfadens/ so in etwas an den Nageln muß erhoͤhet werden/ herum faͤhret/ also das der Bindfaden allezeit auff einer Seiten der Naͤgel feste bleiben muß/ so kan man auch oh- ne der Geometrie und dem Circul ein Oval machen. (29.) Frage. Wie soll man eine Eyer-Rundung Geometrice machen? Man machet erstlich eine gleiche Linie/ und traͤ- get auff dieselbe mit einen Circul vier gleiche Thei- le nach belieben/ laͤsset hernach eine perpendicular Linie durch das Mittel der vorig gezogenen Linie durch gehen/ und traͤget auff dieselbe drey derglei- chen vier Theile/ nemlich eines ober und zwey un- F 3 ter Das II. Cap. ter der erst gezogenen Linie auff die perpendicular, hernach setzet man den einen Fuß des Circuls wie- der in die Mitte der zu erst gezogenen Linie/ und ziehet mit solcher Weite die zwey mittleren Thei- le uͤber der Linie mit einer Rundung zusammen; Nach diesem nimmt man mit den Circul die Helffte von einen Theile und machet damit unte auf die perpendicular Linie einen kleinen Circul/ also/ daß der unterste dritte Theil der perpendicu- lar Linie in seinen gebuͤhrenden Circul eingeschlos- sen werde: Wenn dieses verrichtet muß man den Circul drey gantze Theile weit auff mache/ als die gantze perpendicular Linie lang ist/ oder als drey Theile auff der zu erst gemachten blinden Linie austragen/ setzet darauff den einen Fuß des Cir- culs in die aͤusserste Puncte der zu erst gezogenen Linie/ und ziehet damit die obere grosse Weite und untere kleine und enge Rundung zusammen/ so hat man eine richtige Eyer-Rundung formi ret/ vid. Fig. 32. 30. Frage. Wie soll man nach der Geometrie, ein Hertze formir en? Man ziehet eine blinde Linie/ und traͤget auff dieselbe nach belieben vier gleiche Theile/ aus dem andern und vierdten Punct machet man ober der Linien mit unverruckter Circul-Weite zwey hal- be Boͤgen; hernach oͤffnet man den Circul so weit Von auffreissen einiger Linien. weit als alle vier Theile austragen/ setzet den ei- nen Fuß des Circuls in die aͤussersten Puncte auff der Linie/ und machet damit unterwaͤrts von ei- nem aͤussersten Punct an auff beyden Seiten/ Boͤgen/ welche einander durch schneiden/ so for- mi ren die zwey oberen Rundungen/ und denn die untersten zwey Boͤgen bey ihrem Durchschnitt die Gestalt eines Hertzens/ vid. Fig. 33. 31. Frage. Wie soll man eine Regular Schne- cken/ oder Schrauben Figur machen und auffreissen? Man ziehet anfangs eine blinde Linie/ und traͤ- get auff dieselbe so viel gleiche Theile als einen be- liebet/ jedoch muͤssen dergleichen gleiche Theile nicht von gleichen/ sondern von ungleichen Zah- len seyn; Hernach suchet man auff dem mittle- ren Theile die Helffte/ und machet darmit ober sich einen halben Circul/ als denn machet man den Circul ein gantzes Theil weit auff/ setzet den einen Fuß des Circuls in den einen Punct zur lin- cken Hand des zuvor gemachten Circuls/ und machet mit solcher Weite von der erst gezogenen Linie an/ unterwaͤrts einen Bogen biß wieder an die erst gezogene Linie/ und daß solcher Bogen dem andern Punct von dem ersten Theil auff solcher Linie beruͤhre; Hernach oͤffnet man den Circul ein und ein halbes Theil/ setzet den einen Fuß des F 4 Cir- Das II. Cap. Circuls in das Centrũ des zu erst gemachten halbé Circuls uñ machet mit solcher Weite/ von der lin- cken zur rechten Hand oberwaͤrts der zur erst ge- zogenen Linie wieder einen halben Circul/ wel- cher den fuͤnfften Punct auff der Linie beruͤhre t : Weiter oͤffnet man den Circul so weit als zwey Theile austragen/ setzet den einen Fuß des Cir- culs in den letzten Punct des andern Theils und faͤhret damit unterwaͤrts von der rechten Hand zur lincken biß an den ersten Punct der zur erst gegebenen Linie: Endlichen oͤffnet man den Cir- cul zwey Theile und ein halbes weit/ setzet den ei- nen Fuß in das Centrum des zu erst gemachten halben Circuls und machet darmit oberwaͤrts der Linie von der lincken zur rechten Hand wie- der einen halben Bogen/ welcher den sechsten Punct auff der Linie beruͤhre/ so hat man eine Re- gulare Schnecken Figur/ und kan man also wei- ter nach Proportion und gestalten Sachen proce- dir en/ und derglelchen Figuren so groß und weitlaͤufftig machen als einen beliebet/ vid. Fig. 34. (32.) Frage. Wie soll man eine Irregular -Schne- cken-Rundung machen/ so in der Mitten enge ist/ und sich immer nach der Weite weiter oͤffnet und auff- machet? Man Von auffreissen einiger Linien. Man ziehet eine blinde Linie und traͤget nur et- wan zwey gleiche Theile nach belieben darauff/ den andern Theil halbiret man wieder und muß der erste halbe Theil von dem andern gantzen Theil nochmahls halbiret werden; Als denn se- tzet man den einen Fuß des Circuls auff die letzt gefundene Mitte und machet unter der zur erst ge- zogenen Linie einen halben Circul von der rech- ten zur lincken Hand; Weiter oͤffnet man den Circul die Helffte von einem gantzen Theile/ setzet den einen Fuß des Circuls in das Centrum des gantzen andern Theils und machet damit ober- waͤrts der Linie von der lincken zur rechten Hand einen halben Circul; Wenn dieses geschehen oͤff- net man den Circul ein gantzes Theil weit/ setzet den einen Fuß des Circuls auff den andern Punct der Linie/ und machet damit unterwaͤrts/ von der rechten zur lincken einen halben Bogen; Endlichen oͤffnet man den Circul gantzer zwey Theile weit/ setzet den einen Fuß des Circuls in den letzten Punct der zwey gegebenen Theile auff der Linie/ und machet darmit oberwaͤrts/ von der lincken zur rechten wieder einen halben Circul/ welches man denn nach belieben mit behoriger Oeffnung des Circulsweiter continui ren kan/ vid. Fig. 35. F 5 23. Fra- Das II. Cap. (33.) Frage. Wie soll man das so genante Auge/ als fundament zu dem Schnirckel der Jonischen Saͤule machen? Man ziehet erstlich eine gerade Linie/ und laͤs- set durch das Mittel derselben eine perpendicular fallen/ ziehet darauf diese beyde Linien in ein gleichseitiges Quadrat in zwey gleiche Theile/ und ziehet solche Puncta abermals mit Linien Creutz- weitz wieder zusammen: Wann dieses geschehen theilet man diese letzte zwey Creutz-Linien iede in 6. gleiche Theile wieder/ so kommen in allen 12. gleiche Theile auf denselben heraus/ be- zeichnet diese Theile mit Ziffern/ also/ daß man uͤ- ber der zu erst gezogenen Linie von der lincken Hand darmit anfaͤnget/ zu eusserst an den Thei- lenherumb gehet/ und einwaͤrts nach dem Ceutro in behoͤriger Ordnung continui ret/ damit unter 1. die Zahlen 5. 9. unter 2. die Zahlen 6. 10. unter 3. die Zahlen 7. 11. unter 4. die Zahlen 8. 12. kom- men moͤgen/ wornach der Schnirckel viertel weiß von Quadrat muß gezogen werden/ wie in fol- gender Quæstion zu vernehmen ist/ vid. Fig. 36. (34.) Frage. Wie soll man den Schnirckel bey der Jonischen Saͤule nach dem gemachten Auge gebuͤhr end ziehen und auf- reissen? Wenn Von auffreissen einiger Linien. Wenn die aller ersten Creutz-Linien nach pro- portion des Capi taͤlls und dessen Sims-Wercks der Jonischen Saͤule gebuͤhrend sind gezogen/ und das Auge hierzu bey dem Durchschnitte der er- sten Linien recht gemachet worden/ so oͤffnet man den Circul von den Punct des 1. Theils von Au- ge biß zu den aͤussersten Punct des obern lei- stens/ von welchen eine perpendicular Linie he- runter fallen/ und die erst zu unterst aus dem Bauche gezogene Linie durch schneiden muß/ und fuͤhret mit solcher Weite zu eussert von oben an einen Viertel Circul zur rechten Hand zu; dar- nach setzet man den einen Fuß in den Punct des andern Theils/ druͤcket solchen ein wenig zu/ und continui ret den Circul unter sich wider ein Vier- tel fort/ und also immer weiter einwaͤrts/ mit Fortsetzung des Circuls in die zwoͤlff Theile/ als Centra des gantzen Schnirckels/ welcher von wei- ten auswaͤrts muß angefangen/ und nach ein- waͤrts immer enger zusammen gezogen werden/ iedoch kein mahl weiter/ als allezeit nur ein Vier- tel von Circul/ wie solches aus der Figur mit meh- ren wird zuersehen und zu lernen seyn; Gestalt dann auch die doppelten Linien des Schnirckels also muͤssen gemachet und aufgerissen werden/ vid. Fig. 37. (35) Frage. Wie soll man einen Cylindrum aufreissen? Die Das II. Capitel. Die Coͤrper/ und insonderheit seinen Cylinder aufzureissen/ muß man eine blinde perpendicular auffuͤhren/ und zu beiden Seiten derselben in die Hoͤhe ein ablaͤnglicht gleichwincklicht Quadrat auffrichten/ und mit dessen halben Weite an ei- nem Ende einen Circul machen/ umb die Dicke und solidit aͤt hierunter vorzustellen/ an dem an- dern Ende aber solches Viereck mit einem halben Circul von aussen beschliessen/ so ist der Cylinder fertig/ vid. Fig. 38. (36.) Frage. Wie soll man einen Conum aufreissen? Man ziehet unten eine blinde gleiche Linie/ so breit als man den Conum haben will/ laͤsset auf die Mitten solcher Linie von oben eine blinde per- pendicular fallen/ erwehlet oben auf besagter per- pendicular einen Punct/ so hoch als man den Co- num haben will/ aus welchen man zu beiden Sei- ten auf die unterste Linie/ und zwar auf dero beide Enden Linien ziehet/ machet endlichen mit einer gewissen Circul-Weite uͤber und unter die erst gezogene Linie halbe Boͤgen/ so einander an dem Enden solcher Linien beruͤhren/ wodurch dan die untere Dicke des Coni abgebildet wird/ so ist der Conus fertig/ vid. Fig. 39. (37.) Fra- Von aufreissen einiger Linie. (37.) Frage Wie und von wie viel Ecken kan und soll man einen Pyramid en auf- reissen? Man kan einen Pyramid en von 3. biß 12. Eck aufreissen und machen/ wann nur allezeit das Fundament zu demselben von so viel Ecken/ als man solchen Verlanget/ zu erst angeleget ist: Aus der mittelsten Ecken aber des Fundamentes muß man eine blinde perpendicular Linie lassen in die Hoͤhe gehen/ daran sich auf einen gewissen Punct die vorder und Seiten-Linien alle ab- schneiden/ und ausgezogen werden muͤssen/ so ist der Pyramis fertig und aufgerissen/ vid. Fig. 40. (39) Frage. Wie soll man einen Cubum auf- reissen? Wenn man einen Cubum aufreissen will/ muß man zu erst ein regulares, aber gleichseitiges und recht winckligtes Viereck machen/ uͤber das rechte Viereck machet man gegen die rechte Hand ein- ander geschobenes Viereck oder Rhombum, und denn auch endlich neben den rechten Viereck zur rechten Hand noch einander geschobenes Viereck/ also daß alle Linien in einerley Laͤnge kommen/ ziehet so dann die Winckel mit Linien zusammen/ so Das II. Cap. so hat man einen Cubum recht verfertiget. Will man nun mit blinden Linien inwendig desselben noch einen andern Cubum andeuten/ so koͤmt das rechte Quadrat zur rechten Hand oben/ die zwey geschobene aber unten und neben zur lincken Hand/ vid. Fig. 41. 39. Frage. Wie soll man ein Prisma auf- reissen? Man machet zu erst in die Hoͤhe ein regulares ablaͤnglichtes Viereck oder parallelogrammum, uͤber/ und neben dasselbige zur rechten Hand ma- chet man ablaͤnglicht geschobene 2. Vier Eck o- der Rhomboides, iedoch/ daß das obere kleine das nebenstehende aber an den langen Linien so lang ist/ als das rechte lange Vier-Eck/ uñ ziehet darauf die Winckel mit Linien zusammen. Will man nun noch ein ander Prisma oder Parallelopipe- dum in das rechte inwendig mit blinden Linien an- deuten/ so koͤmmt das rechte Quodratum oblon- gum oben zur rechten/ das klein geschobene ab- laͤnglicht Viereck unten und das andere laͤnglicht geschobenen auf die neben Seiten zur lincken Hand/ vid. Fig. 42. 40. Frage. Wie soll man eine Patrone zu einem runden Feuer-Kugel-Sack auf- reissen? Weil Von auffreissen einiger Linien. Weil dieses in der Geometrie auch fein Funda- ment hat/ so habe ich solches mit hieher setzen wollé/ und ziehet man erstlich eine blinde Linie in der Laͤn- ge des Diameters des Geschuͤtzes/ woraus die Ku- gel soll geschossen oder geworffen werden/ theilet solche in 4. gleiche Theile/ oͤffnet den Circul 3. Theile weit/ setzet den einen Fuß in den cussersten Punct einen/ und machet mit den andern durch den dritten Punct einen Bogen/ welches gleich falß auf der andern Seiten auch geschehen muß/ also/ daß die Boͤgen unten einander durch schnei- den/ und giebet auf ieder Seiten dem Bogen noch ein Viertel Laͤnge von einem Theile zu zur Nad/ oben aber muͤssen die Boͤgen einander nicht durch schneiden/ indem man die Patrone daselbst nicht spitzig/ sondern etwas breitligt formir en muß wegen der Lappen/ darein die Kugul bey der Bereitung in gewisse Hacken eingehaͤckelt und feste gemachet wird/ und werden dergleichen Patron en 4. gebrauchet zu einer runden Feuer- Kugel/ wornach der Zwillig muß geschnitten und mit einer starcken Nad zusammen genaͤhet wer- den/ vid. Fig. 43. 41. Frage. Wie soll man eine Patrone zu einer ablaͤnglicht runden Feuer-Ku- gel aufreissen? Man muß abermahl zu Anfangs eine blinde Linie Das II. Cap. Linie ziehen/ und den Diametium des Geschuͤtzes/ worauß die Feuer-Kugel soll geschossen oder ge- worffen werden/ auff dieselbige aufftragen/ den Diametrum in 7. gleiche Theile vertheilen/ den Circul 6. Theile weit auffmachen/ und zu beiden Seiten des Diametri aus den eusersten Puncten darmit Boͤgen machen/ welche einan- der unten durchschneiden oben aber wegen der Lappen wird darmit verfahren/ wie in vorigen gemeldet worden/ und muß man wegen der Nad bey ieden Bogen ein halbes Theil breit zugeben/ so ist auch diese Patrone verfertiget/ deren man 3. brauchet/ zu einem ablaͤnglichten Feuer-Kugel Sacke/ wornach endlich der Zwillig muß ge- schnitten/ und feste zusammen genaͤhet werden/ davon bey dem Ernst-Feuer-Werck mit mehren gehandelt wird/ vid, Fig. 44. Das III. Cap. Von der Geometria Practi- ca, und insonderheit von der Eutime- tria, oder ausmessen der Linien und Win- ckel nach ihren Hoͤhen/ Tieffen/ Laͤngen und Breiten durch gewisse Iustrumenta, und was sonst darbey zu ob- servi ren. 1. Fra- Von der Geometria oder Eutimetra. (1.) Frage. Was ist und lehret die Eutimetria. Die Eutimetrta ist eine Meßkunst/ welche leh- ret/ wie man vermittelst gewisser Iustrumenta so wohl in der ferne als naͤhe alle Linien und Win- ckel nach ihren Hoͤhen/ Tiefen/ Breiten und Laͤn- gen außmessen kan und soll. Wenn dergleichen operation durch die Arithmetic geschiehet/ wird diese Wissenschafft Trigonometria genennet. (2.) Frage. Was und wie vielerley Instrumenta kan man im Felde hierzu gebrauchen? Zu Außmessung der Linien und Winckel/ zu- mahl in die ferne worzu man nicht kom̃en kan/ kan man vielerley Instrumenta gebrauchen/ als nemli- chendas Quadrat, das Pantometron den Jacobs- Stab/ das a strolabium oder halb e n Circul/ und andere/ worunter aber der halbe Circulam be- s ten und am sichersten ist/ dessen Gebrauch auch bey folgenden Quæstion en soll angewiesen werden 3. Frag. Hat man nicht auch andere Instru- menta und modos die Linien und Winckel in der Naͤhe/ und zu welchen mankommen kan/ darmit außzumessen. Die Linien koͤnnen in der Naͤhe/ zu welche man fuͤglich kommen kan/ entweder mit Meß-Ruthen, Meß-Ketten/ oder mit Stricken und Leinen/ wel- che ingewisse Schue und Ruthen mit einiger G Zei Das III. Cap. Zeichen eingetheilet sind/ ausgemessen werden: Die Winckel aber kan man durch ein bequemes Instrument, und einen halben Circul auff zwey zusammen gemachten Linialen von 1. und halben oder 2. S. lang gar wohl erforschen und ausmes- sen; oder man kan in nachgesetzter Tafel entwe- der die Winckel durch die Basin, oder auch die ba- sin vermittelst der Winckel erfinden/ nemlichen also: Man misset auff ieder Linien/ so den Win- ckel machen und einschliessen/ 30. S. ab/ und be- mercket daꝛauf denselbe Oꝛt; Hernach ziehet Man eine Schnure die quere vor dem Winckel/ strecket solche wohl aus/ und machet sie an beyden Orten der abgezehlten 30. S. veste/ alsdann misset man diese Schnure/ als die Basin des Winckels/ so viel nun solche an Schuen oder Zollen austraͤget/ das suchet man in der Taffel unter der Colomn en der Basium, so wird denn in der andern Colomnen man die Grade und Minuten finden/ wie hoch sich der zuwissen verlangte Winckel belauffe. O- der man wuͤste schon den Jnhalt und Quantitaͤt des flachen Winckels/ man wolte aber auch ger- ne die Laͤnge seiner Basin wissen/ so suchet man erst die Grade und Minuten des Winckels/ und sie- het dann zur Seiten/ wie viel Schue und Zoll die Laͤnge seiner Basis haben moͤge: Worbey aber zu mercken/ daß solches alles nur von 30. S. solle und muͤsse verstanden werden/ welche man auff den Linien des Winckels just und wohl muß abmes- ein: die kleinern Zieffern bedeuten auff der Co- lumnen der Basium Zolle/ die grossen aber Schue. Taffel Taffel der Winckel welche alle- zeit durch zwo Seiten von 30. Schuhen begriffen sind. (4.) Frage. Mit was vor Instrument en soll man eine Figur nachdem verjuͤngten Maaßstaab auffreißen? Man kan eine abgemessene Figur vom Fel- de nach dem verluͤngten Maaß-Stab auftragen und zu Pappier bringen durch den Transporteur und einen kleinen Maaß-Staab nach belieben/ oder auch ohne Transporteur, wenn man nem- lichen auff einen gewissen Maaß-Staab mit dem Circul 6. R. ergreiffet/ und mit solcher wei- te auff das Pappier einen Circul machet/ her- nach alle Weiten und Laͤngen nach R, und S. nach eben demselben verjuͤngten Maaß-Stab mit dem Circul verzeichnet/ und des Lineal bey den Linien allezeit an das Centrum des gemach- ten Circuls anleget/ so wird man/ wen die Win- ckel bekant/ die Figur just in das kleine bringen/ G 5 und Das III. Cap. und einen gewissen Plan und Grund-Riß ma- chen koͤnnen ohne sondere Muͤhe. 5. Frage. Wie soll man eines Thurms oder andere Vertical- Hoͤhe messen/ zu dessen Fuß man kommen kan/ und wiesoll man solches nach dem verjuͤng- ten Maaß-Staab zu Pap- piere bringen? Man ziehet unten von dem Fuße des Thurmes eine gleiche Linie nach belieben von vielen Schu- hen lang/ biß man an deren Ende die Hoͤhe des Thurms recht ersehen kan/ stellet hernach auff den aͤussersten Punct dieser Linie das Instrument und Stativ recht perpendicular auf und in die Erde/ jedoch also/ daß der halbe Circul oben in die Hoͤhe komme/ welches allezeit bey Ausmessung der Hoͤ- hen geschehen muß; Damit man die Gradus, wenn man in die Hoͤhe siehet/ darauff abschnei- den koͤnne: Wenn nun dieses geschehen/ so siehet man durch die unbeweglichen Dioptras nach dem Fuß des Thurms/ hernach muß das Instrument an seiner Kugel feste gemachet/ und durch die be- weglichen Dioptras mit unverruckten Instrument auch nach der Hoͤhe des Thurms gesehen wer- den: Wenn nun dieses geschehen/ zehlet man den Winckel auff dem Instrument, wie groß und weit derselbe ist/ und bemercket also diese Zahlen. Die- Von der Geometria oder Eutimetria. Diesen erforschten Winckel nun nach dem ver- juͤnckten Maaß-Staab auf Pappier zu bringen/ reisset man eine gleiche Linie von so viel Schuhen und Ruthen/ als die erste Linie bey dem Abmessen ist gemachet worden/ leget den Transporteur auff das Ende derselben/ und machet auch einen so weiten Winckel/ als bey der Abmessung solcher erforschet worden; Endlichen fuͤhret man an dem andern Ende der Fundamental Linie eine per- pendicular auff/ also/ daß diese die andere Linie so den Winckel machet gantz durch-schneide; Mis- set hernach diese Hoͤhe der perpendicular Linie biß an den Durchschnitt auf dem verjuͤngten Maaß- Staab/ und addir et noch dazu die Hoͤhe des Sto- ckes des Instruments, so bekommet man just die Hoͤhe des gantzen Thurms/ oder einer andern Vertical -Hoͤhe/ so man zuvor gemessen/ vid. Fig. 45. (6.) Frage Wie soll man eine Vertical -Hoͤhe messen und nach dem verjuͤngten Maaß- Staab auff Pappier auftragen/ zu deren Fuß man nicht kom- men kan? Wenn man zu dem Fuß und Basi einer Verti- cal -Hoͤhe etwan wegen eines Flusses/ Grabens oder Morastes nicht kommen kan/ muß man in gleicher Gegend der Hoͤhe disseits des Flusses an- Das III. Cap. anfangen und laͤngst demselben eine gleiche Linie ziehen von etlichen Schuhen lang: Bey dem An- fang nun dieser Linie/ nemlich dem Fusse der Hoͤ- he gleich uͤber stellet man das Instrument- Wage recht auff/ und siehet durch die unbeweglichen Dioptras nach dem End-Punct dieser gezogenen Linie; Hernach siehet man auch durch die beweg- lichen Dioptras uͤber dem Fluß nach dem Fuß der verlangten Hoͤhe/ zehlet diesen Winckel auff dem Instrument, wie groß er ist/ und schreibet solchen auff. Wenn der erste Winckel gefunden/ stel- let man das Instrument auff dem andern End- Punct der zulaͤngst des Flusses disseits gezoge- nen Linie/ siehet durch die unbeweglichen Dioptras nach dem Anfang dieser Linie/ wo zu vor das Sta- tiv gestanden/ und durch die bewegliche auch nach dem Fuß der Vertical- Hoͤhe/ zehlet darauff auff den Instrument diesen Winckel und schreibet ihn wieder auff. Endlichen werden diese Winckel und Linien nach dem Verjuͤngten Maaß-Staab und vermittelst des Transporteurs auffgerissen/ also daß ein Triangul in der Figur heraus kommt. Wenn man nun die Weite hat biß unten an den Fuß der verlangten Hoͤhe/ kan man das uͤbri- ge durch vorhergehendes Problema leicht erfin- den/ vid. fig. 46. 7. Fra- Von der Ceometria oder Eutimetria. (7.) Frage. Wie soll man eine Vertical oder perpendicular Hoͤhe eines Thurmes oder Hauses/ zu dessen Fuß man kommen kan bey Sonnen - Schein mit einem Staabe nach den Schatten messen? Man stecket perpendiculariter einen Stock in die Erden/ welcher eines Fusses lang bleibet uͤber der Erden/ und misset den Schatten so dieser Staab sonderlich zu Mittage im Sommer/ da die Sonne am hoͤchsten ist/ machet und von sich wirffet. Mit diesem Schatten nun des Stocks misset man auch hernach den Schatten des Hau- ses; So viel Schuhe nun der Schatten des Hau- ses den Schatten des Stocks uͤbertrifft so viel Schuhe hoch wird auch das Hauß seyn/ als zum Exempel: Der Schatten von Hause waͤre 24. mallgroͤsser als der Schatten vom Stocke/ so ist auch das Hauß 24. Schuhe hoch. (8.) Frage. Wie soll man den Abhang und glei- che Hoͤhe eines Berges messen/ zu des- sen Fuß man kommen kan? Man ziehet von dem Fuß des Berges eine ge- rade Das III. Cap. rade Linie von etlichen Schuhen lang/ biß man von dem aͤussersten Punct derselben die Spitze des Berges ersehen kan; Setzet das Instrument auff dem Anfang der Linie an dem Fuß des Ber- ges/ und siehet durch die unbeweglichen Dioptras nach dem Endpunct solcher Linie welcher mit et- was muß bemercket seyn; Hernach siehet man auch durch die beweglichen Dioptras nach dem Gipffel oder Spitze des Berges/ und mercket/ wie hoch sich solcher Winckel auff dem Instrument be- lauffe; Wenn dieses geschehen/ stellet man auch das Instrument auf das andere Ende der zur erst gezogenen Linie/ siehet ruͤckwarts durch die unbe- weglichen Dioptras, nach dem Anfang der Li- nie und Fuße des Berges/ durch die beweglichen Dioptras aber nach der Spitze des Berges/ und noti ret abermahls die Weite dieses Winckels. Endlichen machet man nach einem verjuͤngten Maaß-Staab, vermittelst eines Transporteurs, ingleicher Laͤnge der Linien und Weite der Win- ckel einen Triangul auff das Pappier/ so wird die kuͤrtzeste Schrege Linie des Trianguls den Abhang des Berges geben. Wenn man aber die unter Fundamental Linie uͤber den Punct des Berges Fusses laͤsset fortgehen/ und aus der oberen Spiße des Berges eine perpendicular sal- len/ so bekoͤmmet man die perpendicular Hoͤhe des Berges/ es muß aber allezeit die Hoͤhe des Stativis auch darzu gerechnet werden/ vid Fig. 47. 9. Fra- Von der Geometria oder Eutimetria. 9. Frage. Wie soll man die Hoͤhe eines Thurms messen/ und nach dem verjuͤngten Maaß-Staab auftragen/ welcher auf einen Felsen oder Berge stehet? Man suchet die ablange Hoͤhe des Felsens oder Berges durch vorhergehende Quæstion, und verfertiget nach Laͤnge der Fundamental Li- nie und Weite derer Winckel/ mit einem ver- juͤngten Maaß Stab und Transporteur einen Triangul. Auff der Ecke des Trianguls, so die Spitze des Berges machet/ fuͤhret man eine Perpendlcular in die Hoͤhe nach belieben/ misset hernach durch das Instrument gebuͤhrend auff den Felde den gantzen Winckel auff der erst gezogenen Linie mit der Hoͤhe des Thurms/ so auff der Spitze des Ber- ges stehet/ ziehet die Linien recht zusammen/ wenn dieser letzte Winckel nach dem verjuͤngten Maaß- Staab auf gerissen worden/ und misset die obe- re perpendicular Linie/ welche denn die Hoͤhe des Thurms giebet/ wenn die Hoͤhe des Stativs auch darzu gerechnet worden/ vid. Fig. 48. (10.) Frage. Wie soll man die Tieffe eines Brun- nes oder Grabens messen/ und solche nach dem verjuͤngten Maaß- Staab auftragen? Man Das III. Cap. Man muß das Instrument bey dem Brunnen oder Graben perpendiculariter in die Hoͤhe stellen/ iedoch also solches in seiner Kugel umbdrehen/ daß die Rundung un t en komme/ welches allezeit bey Ausmessung der Tieffen geschehen muß; Her- nach siehet man durch die unbeweglichen Dioptras uͤber den Brun und Graben in gleicher Linie hin/ durch die beweglichen aber in den Brun und Gra- ben biß an dessen Boden an einer Seiten/ und noti ret den Winckel/ welcher sich also auf dem Instrument formi ret: Endlich ziehet man nach- dem verjuͤngten Maaß-Staab eine gerade Li- nie auf das Pappier/ so die bekante Breite des Brunnes oder Grabens ist/ und formi ret auf sol- cher vermittels des transporteurs einen Winckel/ welcher dem vorigen gleich ist/ laͤsset hernach am Ende der erstgezogenen Linie eine perpendicular durch die andere Linie/ so den Winckel formi ret/ durch gehen/ misset die Laͤnge der perpendicular biß an dem Durchschnitt/ so wird solche die Tief- fe des Brunnes oder Grabens geben/ vid. Fig. 49. (11.) Frage. Wie soll man die Distanz zweyer Oerter messen und nach dem verjuͤngten Maaß-Staab aufreissen/ zuwelchen bey- den oder nur deren einen Man kom- men kan? Zum Exempel man stuͤndte bey einem Bau- me/ Von der Geometria oder Eutimetria. me/ Thurme oder Hauße/ und man wolte gerne durch das Instrument erfahren die Weite und Di- stanz, so man wohl messen koͤnte/ zwischen einem andern Baume/ Thurme oder Hauß/ so vor einem in gerader Linie gleich weg stuͤndte; So muß man von dem Fuße des Baumes an/ wo man stehet/ rechts oder lincks eine gerade Linie ziehen nach be- lieben von etliche Schuen lang; Hernach stellet man das Stativ an dem Fuß des Baumes per- pendiculariter und Wasser-Recht auf/ siehet durch die unbeweglichen D ioptras nach dem an- dern Ende der gezogenen Linie/ und durch die be- weglichen nach dem andern vor sich stehenden Baume/ zehlet und bemercket diesen Winckel: Hernach stellet man das Stativ auf das andere Ende der gezogenen Linie/ siehet durch die unbe- weglichen Dioptras ruͤckwaͤrts nach dem Fuß des Baumes/ wo zu erst das Stativ gestandten/ und durch die beweglichen nach dem andern Baum/ zehler und bemercket auch diesen Winckel: End- lichen reisset man nach einen verjungten Maaß- Staab eine gleich lange Linie von so viel Schuen/ als die vorige gewesen/ auff dem Pappiere auf/ und formi ret auch zu gleich/ vermittelst eines Transporteurs, die zwey bekantẽ Winckel darauf/ also/ daß ein rechtwincklichter Triangul heraus koͤmmet/ so wird die Perpendicular und Cathetus die Weite geben/ so zwischen den beyden Baͤu- men ist/ welche operation dann auf gleiche weise kan verrichtet werden/ wenn man zu dem andern H Baum Das III. Cap. Baume/ Thurme/ oder Hauße wegen eines Gra- bens/ Flusses oder Morastes nicht gehen kan/ vid. Fig. 50. 12. Frage. Wie soll man die Distanz zweyer Oerter messen/ und nach dem verjuͤngten Maaß-Staab aufreissen/ zu deren keinen man kommen kan? Zum Exempel: Man stuͤnde an dem Ufer ei- nes Flusses/ man sehe aber an der andern Sei- ten des Ufers zwey gewisse Baͤume oder andere Sachen von einander stehen/ deren Distanz man gerne wissen wolte/ so muß man disseits des Flus- ses gerade gegen einem Baume uͤber anfangen eine Linie zu ziehen/ biß man fast die gleiche wider von dem andern Baume hat/ und solche Linie ausmessen: Dann setzet man das Stativ -Wag recht auf dem Anfang der gezogenen Linie/ und siehet durch die unbeweglichen Dioptras nach dem ersten Baume/ observi ret den Winckel/ und schreibet solchen auf; Hernach setzet man auch das Stativ -Wag recht auf das andere Ende der Linien/ siehet durch die unbeweglichen Dioptras zu ruͤcke nach dem Anfang der Linie/ wo zu erst das Stativ gestanden/ und durch die beweglichen uͤber das Wasser nach den andern Baume/ ob- servi ret auch diesen Winckel und noti ret ihn; Endlichen ziehet man nach dem verjuͤngten Maaß-Staab eine gerade Linie/ so der vorigen dem Von der Geometria oder Eutimetria. dem Maasse nach gleich lang ist/ formi ret ver- mittelst eines transporteur die vier bekanten Win- ckel darauf/ ziehet solche mit Linien ereutze weiß zusammen/ daß also 3. Triangul sich præsentir en/ so wird die leere weite zwischen den Ecken/ welche mit einer Linie nicht zusammen gezogen worden/ die Distanz geben/ welche zwischen den beyden Baͤumen sich befindet/ vid. Fig. 51. 13. Frage. Wie soll man die Breite eines Flus- ses oder Grabens mit den halben Circul messen/ und nach dem verjuͤngten Maaß-Staab aufreissen? Man ziehet disseits des Wassers laͤngst/ dem Ufer eine gleiche und gerade Linie von etlichen Schuen nach belieben/ stellet das Stativ -Wag recht zu Anfangs dieser Linie/ siehet durch die un- beweglichen Dioptras nach dem Ende dieser Linie/ und durch die beweglichen nach einen gewissen Punct uͤber das Wasser an dem Ufer/ observi- ret diesen Winckel und schreibet ihn auf; Her- nach stellet man das Instrument auf das andere Ende der zu erst gezogenen Linie/ siehet ruͤckwaͤrts durch die unbeweglichen Dioptras nach dem er- sten Standt/ und durch die beweglichen nach dem bekanten Punct uͤber das Wasser an dem Ufer/ und observi ret auch diesen Winckel: Endlichen ziehet man nach einem verjuͤngten Maaß-Staab H 2 eine Das III. Cap. eine gerade Linie auf das Pappier/ welche so lang ist/ als die vorige/ und formi ret die bekanten zwey Winckel darauf/ so wird man einen recht winckligten Triangul bekommen/ so lang nun die Perpendicular oder Cathetus an demselben Trian- gul seyn wird/ so breit wird auch der Fluß oder Graben seyn/ vid. Fig. 52. 14. Frage. Wie soll man die Breite eines Flus- ses oder Grabens mit zwey Staͤben messen? Man richtet disseits an dem Ufer eines Flusses einen Stab ohngefehr von 3. oder 4. S perpen- diculariter in die Hoͤhe/ spaͤltet solchen Stab oben ein wenig auf/ und stecket in die Spalte einen an- dern kleinen Stab etwan von 1. S. lang; Her- nach stellet man sich hinter diesen kleinen Stab/ und richtet solchen in dem grossen Stab so lang zu rechte/ biß man uͤber demselben das andere Ufer des Flusses sehen kan. Nach diesem laͤsset man den kleinen Staab also unverruͤckt in dem gros- sen stecken/ und drehet nur den grossen auf eine Seite umb/ daß man disseits des Fluß/ laͤngst dem Ufer uͤber den kleinen hingehen kan: Wo nun der Augen-Punct uͤber denselben auf das Ufer hinfaͤllet/ dieselbige Weite muß man ausmessen von dem grossen Stabe an/ so giebet solched verlangte Breite des Flusses/ oder Grabens So Von der Geometria oder Eutimetria. Solches kan auch mit einem Hude verrichtet werden. Das IV. Capitel. Von der Planimetria und Ausmessung der Figuren nach ihren ebenen Flaͤchen/ und superficial en Jnhalt/ so die Geometræ Aream nennen. 1. Frage. Was ist und lehret die Planime- tria? Die Planimetria ist eine Wissenschafft/ welche lehret/ wie man aller flachen Figuren superficial en Jnhalt/ so die Geametræ Aream nennen/ ausmes- sen soll. 2. Frage. Wie soll man die Flaͤche oder aream eines recht winckligten Trianguls ausrechnen? Bey einem rechtwincklichten Triangul misset man erst die Basin, hernach die Perpendicular, oder auch die halbe Perpendicular, oder auch die halbe Basin mit der gantzen Perpendicular, oder auch die halbe Perpendicular mit der gantzen Basi, die H 3 Sum- Das IV. Capitel. Summa und das Facit so heraus koͤmmet/ giebt den verlangten superfieial Jnhalt des rechtwirck- ligten Trianguls. Jm Fall aber so wohl die Basis, als die perpendicular ungerade Zahlen haͤtten/ und sich nicht wohl halbieren liessen/ so multiplici - ret man die gantzen zwo Linien mit einander/ und halbiret hernach das Product, so koͤmt auch der Superficial -Jnhalt heraus. 3. Frage. Wie soll man eines ieden andern Trianguls aream ausmessen? Bey den andern Stumpff oder spitz-wincklig- ten Trianguln, sie moͤgen gleichseitig oder nicht gleichseitig seyn/ muß man allezeit aus deren ober- sten Ecke eine perpendicular auf die Basin, fallen lassen/ damit man zwey recht winckligte Triangul bekomme/ und dann solche/ wie in voriger Quæ- stion gelehret worden/ ausmessen. NB. Bey einem stumpff-wincklichten Trian- gul ist insonderheit zu mercken/ daß umb die per- pendicular zu finden/ man die Basin blind/ so weit es noͤthig ist/ vorlaͤngern/ und hernach die per- pendicular auf solche aus der obern Spitze fallen lassen muͤsse; im uͤbrigen aber damit weiter ver- fahren/ wie bereits in vorigen gelehret wor- den. 4. Fra- Von der Planimetria, 4. Frage. Wie soll man den Aream eines recht Winckligten/ und gleichseitigen re- gularen Vier-Ecks finden? Eine Seite wird mit der andern multiplici ret/ oder eine Seite wiꝛd in sich selbst quadrate multipli - ret/ was heraus koͤmmet/ deutet die Zahl an/ wel- che der verlangte Area in sich haͤlt. 5. Frage. Wie soll man den A ream eines regularen Parallelogrammi und ab- laͤnglichten Vier-Eckes fin- den? Man multiplici ret eine kleine Seite mit einer langen/ das Product giebt den Jnhalt des Areæ an Tag. 6. Frage. Wie soll man den A ream eines ieden ungleichseitigen Vier-Ecks fin- den? Man theilet iedes ungleichseitiges Vier-Eck anfangs in zwey Triangul, hernach theilet man diese 2. Triangul wider in vier rechtwinckligte Tri- angul, wenn dieses geschehen/ werden die Areas ge- suchet/ wie bey der andern Quæstion gewiesen worden; die herauskommende Summ en addi ret H 4 man Das IV. Capitel. man zusammen/ so den Aream und superficial en Jnhalt der Figur geben. 7. Frage. Wie soll man den Aream einer ieden regular Figur finden? Gesetzt/ man habe ein regulares sieben Eck/ und man wolte dessen Aream und superficial en Jnhalt gerne wissen/ so misset man nur eine Seite dar- von/ und multiplici ret diese Zahl mit 7. weil auch 7. Ecken in der Figur sind/ wodurch man dann die Laͤnge aller Seiten und Polygon en bekoͤmmet; Hernach ziehet man aus der Mitten einer Sei- ten eine Perpendicular, und multiplici ret mit die- ser Zahl die Summen aller Seiten/ das Product, so heraus koͤmmet/ deutet an den verlangten A- ream des Sieben-Ecks. 7. Frage. Wie soll man den superficial en Jn- halt einer ieden irregular Figur oder Trapezii finden? Man muß die gantze Figur in eitel recht winck- ligte Triangul theilen/ und ihre areas suchen/ wie in der ander Quæstion gelehret worden/ die gantze Summa nun/ wenn solche zusammen oddi ret ist/ wird geben den Jnhalt der irregular Figur. 8. Fi- Von der Planimetria, 8. Frage. Wie soll man den a ream eines Rhombi und Rhomboidis finden? Man laͤsset oben aus den inwendigen Win- ckel der Figuren Perpendicular en fallen auff die Bases: continui ret unten die Bases mit blinden Lini- en/ und laͤsset gleichfalls von oben aus den eusser- sten Winckeln Perpendicular en fallen auf die blind continuirt en Bases, misset hernach der Per- pendicular en Hoͤhe und Laͤnge der Basium, multi- plici ret solche Zahlen bey ieder Figur à part mit ei- nander/ addi ret das Product, so wird solches einer jeden Figur superficialem Jnhalt an Tag ge- ben. (9.) Frage. Wie soll man den Aream eines Tra- pezii finden/ an welchen zwey Seiten einander parallel sind? Man misset die Laͤnge der zwey ungleichen Seiten/ und addi ret diese Zahl zusammen/ halbie- ret hernach die Summa/ so bekoͤmmt man die Mit- tel-Linie oder æquation; Wenn nun aus den E- cken Perpendicular en auf die Basin gezogen worden/ werden ihre Hoͤhen auch gemessen/ und wird iede Perpendicular mit der æquation multipli- cir et/ und das Product zusammen addi ret/ welches dann den Jnhalt der Figur giebet. H 5 (10.) Das IV. Cap. (10.) Frage. Wie soll man den A ream eines Circuls suchen? Man machet aus dem Circul einen rechtwinck- ligten Triangul, welches geschiehet/ wenn man den Diameter des Circuls in 7. gleiche Theile/ verthei- let; Hernach richtet man an einem Ende des Diametri eine Perpendicular auf/ so \frac {22}{7} Theil/ des besagten Diametri hoch seyn muß/ die Basis aber halb so breit als der Diameter; Wenn min der Triangul also recht winckligt formi ret ist/ wie auch im 2. Capitel dieses theils quæst 24. gelehret worden/ so verfaͤhre man mit demselben/ wie bey der andern Quæstion gelehret worden/ das Facit giebt den superficial en Jnhalt des Circuls. (11.) Frage. Wie soll man den A ream einer Oval- Figur finden? Man theilet einen Oval -Circul in der Mitte mit zweyen Diametris Creutzweiß in vier gleiche Theile/ hernach suchet man den proportionirt en Diameter unter diesen zweyen/ auf folgende weise: Man ziehet eine blinde Linie/ und setzet erstlichen den langen Diameter des Ovals darauf/ hernach auch den kurtzen Diameter, iedoch beyde von oben aus einem End-Punct/ also/ daß nur 3. Puncte auf der blinden Linie zu sehen sind: Wann die- ses Von der Planimetria, ses verrichtet/ wird die kuͤrtzste Distanz zwischen diesen dreyeu Puncten/ wider halbiret/ und kom- men so dann vier Puncte auf die blind gezogene Linie; Ein solches kleines Theil nun wird zu dem kurtzen Diameter des Ovals gesetzet/ welches dann den proportionirt en Diameter giebet; Dieser Dia- meter wird endlichen wider à part gesetzet/ halbi- ret/ und aus dessen Mittel-Punct umb denselben mit der Heiffte ein Circul gemachet/ welcher Cir- cul in einen gleichseitigen Triangul, nach voriger Quæstion, muß verwandelt/ und weiter darmit procedi ret werden/ wie albereit angewiesen wor- den/ so wird das Facit geben dem superficial en Jn- halt des Ovals. (12.) Frage. Wie soll man den superficial en Jn- halt eines gleichseitigen Pyramid en finden? Zum Exempel: Es haͤtte der Pyramide ein gleichseitiges vier-Eck zu seiner Basi, so suchet man den Aream dieses vier-Ecks/ wie in vorigen 4. Quæ- stion gewiesen worden; multiplici ret hernach eine Seite von diesem viereck und Basi mit der Hoͤhe des Pyramiden, multiplici ret auch das producte mit der Zahl der Ecken des Pyramiden, als all- hier mit 4. zu dieser Summa addi ret man endli- chen die Aream des vier Ecks/ so zu erstgesuchet worden/ so wird die General Summa geben den gantzen Aream des Pyramiden. 13. Fra- Das IV. Cap. 13. Frage. Wie soll man den A ream der Ober- flaͤche eines recht Cylindri schen Coͤr- pers suchen? Man ziehet eine blinde Linie/ und traͤget mit ei- nem Circul die Laͤnge des Cylin ders darauff nach einem verjuͤngten Maaß-Stabe; Jngleichen traͤ- man auch den Diameter von der Basi des Cylin ders darauff aus einem End-Punct/ also/ daß nur 3. Puncte auff der blinden Linie zusehen; Hernach theilet man die kleine Distanz als den proportio- nirten Diameter zwischen den drey Puncten in zwey gleiche Theile/ und machet mit solcher Helf- te einen Circul/ durch den Circul und dessen Cen- trum ziehet man seinen Diameter, machet aus den Circul nach der 10. Quæstion einen rechtwinck- ligten Triangul, suchet nach der 1. Quæstion die Aream desselben/ so die gantze Oberflaͤche des Cy- linders enthaͤlt: Wenn diese gefunden/ muß man hernach die Areas der zwey Basium suchen/ in der halben weite ihrer Diametrorum einen Circul ma- chen/ solchen auch in einem rechtwinckligten Tri- angul verwandeln/ und das doppelte product, wel- ches heraus koͤmmet von den zwey Basibus zu der ersten Summe addi ren/ da denn das general fa- cit geben wird/ die Superficiem convexam des Cy- linders/ mit samt seinen Fuͤssen oder beyden Ba- sibus. 14. Fra- Von der Planimetria. 14. Frage. Wie soll man die Superficiem conve- xam oder die Oberflaͤche eines ordent- lichen Coni finden? Man ziehet eine blinde Linie/ und setzet auff die selbe die gantze Hoͤhe des Comi, hernach setzet man auch den halben Diameter des Coni Fußes oder Basis darauff/ iedech aus einem End-Punct/ also/ daß nur 3. Puncte auff der Linie sind. Die laͤng- ste Distanz auff der Linie zwischen den drey Pun- cten theilet man wieder in 2 Theile von diesen 2. Theilen laͤsset man eines weg/ und machet in der Weite der uͤbrigẽ gantzẽ Linie einẽ Circul/ welcher ohne die Basis so groß seyn wird/ als der Conus ist. Dieser Circul wird hernach nach der 10. Qvæst. in einen ꝛecht winckligtẽ Triangul veꝛwandelt/ u. nach der I. Quæst. dessen Area erkundiget; Endlich wird mit der Weite des halben Diametri der Basis auch ein Circul gemachet/ auch solcher in einen recht- winckligten Triangul verwandelt/ und dessen Jnhalt/ wie zuvor/ erkundiget/ welche Sum- men/ wenn sie alle zusammen addi ret werden/ die Superficiem convexam des Coni mit samt dem Fuße weisen. (15.) Frage. Wie soll Man eines Globi oder runden Kugels Superficiem con- vexam finden? Man Das VI. Cap. Man mißet den gantzen Diameter der Kugel/ ingleichen die Circumferen tz derselben/ welche allezeit dreymahl/ und ein sieben Theil groͤßer ist/ als der Diameter; hernach wird der Diameter mit der Circu m feren tz multilplici ret/ waß herauß koͤmt/ giebt die superficiem convexam oder gantze Oberflaͤche der Kugel. (16.) Frage. Wie soll man A ream der Basis eines runden Thurms finden/ wenn man nur zu einem Theil desselben kommen kan? Zum Exempel/ der runde Thurm haͤtte an ei- ner Seite/ zu welcher man kommen kan/ ein Loch/ so muß man die Linie des, Loches von Thurme nach dem verjuͤngten Maaßstab auf eine blinde Linie auftragen/ theilet hernach die Linie in die Helffte nur davon/ und multiplici ret eine Helffte mit der andern: Wenn dieses geschehen laͤsset man aus der Helffte eine Perpendicular fallen/ biß an die Circumferen tz/ so das offene Stuͤcke geben moͤgte/ addi ret auch die Laͤnge der Pendicular zu der vorigen Summa/ so wird das facit den Dia- meter geben/ die Basin des Thurms gantz zu ma- chen. Dieser Diameter wird in zwey gleiche Theile endlich getheilet/ und umb denselben ge- buͤhrender maßen ein Circul gefuͤhret/ so die Area des Thuͤrmes ist; wenn nun dieser Circul in einen recht- Von der Planimetria. rechtwinckligten Triangul verwandelt/ und recht ausgerechnet wird/ so kan man hierdurch den Jnhalt der Basis des Thurms erforschen. Das V. Cap. Von der Stereometria und Ausmeßung der Massiv und dich- ten Coͤrper nach ihren Laͤngen/ Brei- ten Tieffen und Hoͤhen. (1.) Frage. Was ist und lehret die Stereometria? Die Stereometria ist eine Wissenschafft/ welche lehret wie man das Solidum, daß ist die Groͤße/ Laͤnge/ Breite und Dicke eines jeden Coͤrpers fin- den und ausmessen soll. (2.) Frage. Wie soll man die Dicke einer Mau- er oder eines Walles/ ingleichen die Solidit aͤt eines Parallelopipedi finden? Man mißet die Hoͤhe oder Breite der Figur mit der Laͤnge/ und multiplici ret die Breite mit der Laͤnge nach der Planimetrie, das product, so herauskommt deutet den Aream der Basis an; her- nach multiplici ret man den Aream mit der Hoͤhe/ das Facit deutet die Solidi taͤt des Coͤrpers/ und di- cke der Mauer oder Walles an. (3.) Fra- Das V. Cap. (3.) Frage. Wie soll man eines Cubi oder Pa- rallelogrammi, ingleichen eines Rhom- bi und Rhomboidis Solidi taͤt finden? Wenn die Areæ der Basium nach vorherge- gangenen Unterweisungen bey der Planimetrie ge- suchet worden/ wird das Product mit der Laͤnge eines jeden Coͤrpers multiplici ret/ was den her- auskoͤmmt/ gibt die eigentliche Solidi taͤt des Coͤrpers. (4.) Frage. Wie soll man eines Prismatis und und Cylindri Solidi taͤt suchen? Man suchet erstlichen die Areas der Basium, wie zuvor gewiesen worden/ hernach mißet man die Hoͤhe der Coͤrper/ multiplici ret endlich die Bases mie den Hoͤhen/ so giebet die Summa die Solidi- taͤt der Coͤrper. (5.) Frage. Wie soll man der Pyramiden, Te- traedrorum und Conorum Solidi- taͤt suchet? Man misset ihre Hoͤhe/ suchet nach den vori- gen Planimetri schen Qvæstionen die Areas ihrer Ba- sium, multiplici ret entweder die gantze Hoͤhe mit dem Von der Stereometria. dem dritten Theil der Hoͤhe/ das Product weiset die Solidi taͤt so wohl der Pyramiden, Tetraëdro- rum, als auch Conorum. NB. Bey den andern Platoni schen Coͤrpern wird allezeit die Solidi taͤt eines Pyramiden gesuchet/ und das Product mit der Vielheit der Pyramid en eines ieden Coͤrpers multiplici ret/ das Facit weiset so dann die Solidi taͤt. (6.) Frage. Wie soll man eines Globi, Sphæræ oder runden Kugel Solidit aͤt suchen? Man multiplici ret den halben Diameter mit der gesuchten Oberflaͤche des Globi nach dem vorigen Planimetri schen Qvæstion en; dividi ret hernach das Product mit 3/ der Qvotus wird als denn die verlangte Solidit aͤt andeuten. Das VI. Capitel. Von der Cœlometria- oder Ausmeßung der holen Coͤrper/ nach ihren Laͤngen/ Breiten und Hoͤhen. (1.) Frage. Was ist und lehret die Cœlometria. J Di Das VI. Cap. Die Cœlometrie ist eine Wissenschafft/ wel- che lehret/ wie man die Capaci taͤt der holen Coͤr- per finden soll/ oder auf was vor eine Art man die holen Coͤrper nach ihren Laͤngen/ Breiten/ und Tieffen oder Hoͤhen ausmessen soll/ um zu wissen/ wie viel solche in sich halten. (2.) Frage. Mit was vor einem Maaß-Staa- be muͤßen denn die Zohlen Coͤrper ausgemessen werden? Die hohlen Coͤrper sollen und muͤssen nach- gestalten Sachen mit zweyerley Maaß-Staͤben ausgemeßen werden/ nemlichen die holen Cor- per/ so eine runde Figur haben/ werden mit dem Cylindri schen Maaß-Staabe gemeiuiglich ge- messen/ welche hohlen Coͤꝛper aber viereckigt sind/ und aus superficiebus planis bestehen/ die werden mit dem Cubimetri schen Maaß-Staab gemeßen. (3.) Frage. Wie wird ein Cylindri scher Maaß- Staab verfertiget? Der Cylindri sche Maaß-Staab/ wormit die holen und gemeiniglich runden Coͤrper/ sie moͤgen gleiche oder ungleiche Boͤden haben/ ge- messen werden/ wird also verfertiget/ in dem man auf eine Seite die Hoͤhe und Laͤnge/ auf der an- dern aber die Weite eines jedwederen Maaßes be- Von der Cœlometria. bezeichnet/ womit man die Sachen/ so in einem ho- len Coͤrper gethan werden/ ordentlicher weise pfle- get zu messen/ als nemlichen; Wenn man ein Bier Faß ausmessen will/ wie viel Kannen Bier in dasselbige gehen/ muß man die Hoͤhe und Weite des Kannen Maasses von Biere des Ortes/ wo man sich befindet/ bekannt haben/ und darnach den Maaß-Staab gebuͤhrender Massen einrich- ten; Desgleichen muß man auch thun mit dem Wein-Maaße/ wenn man ein Wein-Faß aus- messen will. (4.) Frage. Wie wird dann ein Cubimetri scher Maaß-Staab verfertiget? Die Verfertigung eines solchen Maaß-Staa- bes/ womit aller hohlen und anderer eckigten Coͤrper Dicke/ Breite Hoͤhe und Tieffe muß aus- gemessen werden/ wird entweder nach den Cubi- schen Haupt Umschlaͤgen/ als 1. 8. 27. 64. 125. 216. 343. 512. 729. und 1000. wie in dem vorigen klei- nen Cubic-Taͤffelein Sub lit. A. zu ersehen/ gema- chet und auffgetragen/ in dem der erste Haupt- Umschlag oder Diameter in 4. gleiche Theile ge- theilet wird/ wenn nun 1. Theil von diesen 4. Thei- len zu dem erste Pfundte oder Masse gesetzet wird/ so hat man das andere Pfund oder Maaß. Wenn das erste Maaß in 6. Theile getheilet/ und ein solch 6. Theil zum andern Masse gesetzet J 2 wird/ Das VI. Cap. wird/ so hat man das dritte: Weiter wenn der Diameter des ersten Masses oder Pfundtes in 7. Theile getheilet/ und zu dem diametro des dritten Pfundtes oder Masses gesetzet wird/ so hat man das vierte; Wird der Diameter des ersten Pfun- des oder Masses in 8. Theile getheilet/ und ⅛. zu dem vierdté Maße gesetzet/ so hat man das fuͤnffte Pfundt oder Maß; Wird der Diameter des ersten Pfundes oder Masses in 9. Theile getheilet/ und 1. Theil hiervon zu den fuͤnfften Diameter gesetzet/ so hat man das sechste Pfundt oder Maaß; Thei- let man den Diameter des ersten Pfundtes in 11. Theile/ und setzet 1. Theil hiervon zu dem Diameter von 6. Pfund oder Massen/ so hat man 7. Pfund oder Maaß/ das 8. Pfund oder Maaß ist bereits mit dem andern Haupt-Umschlag angedeutet. Oder man kan den Diameter eines Pfundes oder Maasses so vielmahl nach einander auftragen/ als man will/ und dann kan man ieden Diameter wider absonderlich in 10. gleiche Theile vertheilen/ und iedes 10. Theil à part wiederumb 10. andere Theiligen gelten lassen/ so ist also ieder Diameter in 100. gleiche Theile vertheilet/ schreibet her- nach bey dem ersten Diameter 100. bey dem an- dern 200. und so fort/ so hat man die Fundamen- tal -Linie verfertiget; Wann man nun auch das andere Pfund und Maaß bemercken will/ gehet man in die kleine Cubic -Tafel sub lit. B. und sie- het/ was der Zahl 2. gegen uͤberstehet/ da findet man 125. diese letzten 35. Theiligen nimt man aus dem Vonder Cœlometria. dem ersten Diameter, und setzet solche weite noch uͤ- ber demselben auf eine andere gezogene Neben-Li- nie/ auf welcher alle Pfunde und Maaße nach ei- nander muͤssen richtig aufgetragen seyn/ so hat man das andere Pfund oder Maaß/ und also weiter. (5.) Frage. Was koͤnnen denn unter den hoh- len und andern Coͤrpern vor aller- hand Sachen verstanden werden? Unter den hohlen und andern Coͤrpern koͤn- nen nicht alleine allerhand Faͤsser/ Kaͤsten/ Schif- fe/ Graͤben/ Frucht-Boͤden/ Keller/ Gewoͤlber/ Thuͤrme/ Brunnen/ sondern auch Holtz/ Steine/ Ziegel-Steine/ Stroh/ Heu/ Haber/ Korn und alle andere Sachen verstanden/ welche man in einen Hauffen auffschuͤtten/ zu sammen legen/ o- der sonst zu einer Massa bringen kan. (6.) Frage. Wie soll man eines holen Parallelo- pipedi Capacit aͤt ausmessen? Es ist zu wissen/ daß unter diesen Nahmen des Parallelopipedi alle viereckigte hole Coͤrper ver- standen werden/ welche man denn mit dem Cubi- metri schen Maaß-Staab muß ausmessen/ nach deren Laͤnge/ Breite und Hoͤhe; Hernach multi- plici ret man die Laͤnge mit der Breite/ und das Product wird wieder multiplici ret mit der Hoͤhe; J 3 End- Das VI. Cap. Endlichen muß man sehen/ wie viel diese Zahl auf dem Maaß-Staab nach dem gewoͤhnlichen Maaß/ womit die Materia ordentlicher weise pfle- get gemessen zu werden/ austrage/ welches denn die Capacit aͤt des holen eckigten Coͤrpers anzei- gen wird. (7.) Frag. Wie soll man eines Grabens Capa- cit aͤt finden? Man misset des Grabens ober-Breite/ un- ter-Breite/ Tieffe und Laͤnge mit behoͤrigen Ru- then und Schuhen Maaße und multiplici ret mit der Helffte des Products des Grabens Laͤnge/ hernach wird dieses Product mit des Grabens Tieffe wieder multiplici ret/ was heraus koͤmmt/ giebet die verlangte Capalit aͤt des Grabens. (8.) Frage. Wie soll man die Capacit aͤt holer Saͤulen/ Thuͤrne und anderer Pris- matum finden? Man misset mit dem Cubimetri schen Maaß- Staab die Hoͤhe/ suchet Aream Basis nach dem vorigen planimetri schen Quæstion en/ multiplici- ret Aream mit der Hoͤhe/ als den kommt die Capa- cit aͤt heraus. (9.) Frage. Wie soll man die Capacit aͤt eines ie- den regular Pyramid en finden? Man Von der Cœlometria. Man suchet durch den Cubimctri schen Maaß Staab die Aream Basis, misset in gleichen die Hoͤ- he/ multiplici ret die Hoͤhe mit der Area dividi ret endlichen diese Zahl mit 3. Was denn heraus kommt/ weiset die Capacit aͤt des Pyramid en. (10.) Frage. Wie soll man die Capacit aͤt eines Coni finden? Man suchet mit dem Cylindri schen Maaß- Staab den Aream der Basis, multiplici ret diese Zahl mit dem dritten Theil der Hoͤhe/ dividi ret dieses Product wiedet mit 3. was heraus kommt giebet die Capacit aͤt des Coni. (11.) Frage. Wie soll man die Capaci taͤt eines Cylindri suchen? Man suchet mit dem Cylindri schen Maaß- Staab den Aream der Basis, multiplici ret den Aream mit der Hoͤhe/ das Product giebet die Capa- cit aͤt des Cylindri. (12.) Frage. Wie soll man die Capacit aͤt eines Cylindri von ungleichen Basibus finden? Man suchet mit dem Cylindri schen Maaß- Staab den Aream einer ieden Basis, addi ret diese J 4 zwey Das VI. Cap. zwey Summen zusammen/ multiplici ret mit der Helffte des Products die Hoͤhe des Cylindri, die die Zahl/ so heraus koͤmmet/ weiset dessen capaci - taͤt. (13.) Frage. Wie soll man die Capacit aͤt eines Fasses mit gleichen Boͤden fin- den? Man muß in achtnehmen/ daß der Cylindri- sche Maaß-Staab/ so man hirzugebrauchet/ auf einer Seiten gezeichnet sey mit den Theilen/ so die Laͤnge der Faͤsser von noͤthen haben/ auf der an- dern aber muͤssen diejenigen Theile seyn/ welche man vor die Tieffe der Faͤsser brauchet: Oder man fasset auf das allergenaueste ab den rechten Diameter der Maaß-Kanne ieden Ortes: Jnglei- chen auch die Hoͤhe derselben/ und traͤget auf die eine Seiten der Meß-Ruthe die Hoͤhe und Laͤn- ge/ auf die andern aber die Weite und Breite der Maaß-Kanne/ bezeichnet solche Theile mit Zif- fern/ und theilet solche wieder in 10. und iedes 10. in 100. gleiche Theilgen/ also/ daß eine Seite das Tieffen-Maaß/ die andere aber das Langen- Maaß des Fasses kan genennet werden/ wie in vorigen gemeldet worden; Darauf mifset man den Aream eines Bodens/ misset auch durch den Spund des Fasses die Tieffe/ und den mittlern Aream des Fasses/ addi ret diese zwey Producta zu- Von der Cœlometria, zusammen/ und multiplici ret darvon die Helffte mit des Fasses Laͤnge/ was dann heraus koͤmmet giebet die Capacit aͤt des Fasses. 14. Frage. Wie soll man ein Faß mit unglei- chen Boͤden visir en/ und dessen Capa- cit aͤt erforschen? Man misset den Diameter des einen Bodens/ und durch demselben den Aream selbsten/ hernach misset man auf gleiche Weise auch den andern Diameter und dessen Aream, addi ret die Summa dieser zwey Areas zusammen/ suchet durch das Spund-Loch die Tieffe und den mittlern Aream des Fasses/ und addi ret diesen numerum zur Helffte der zwey Boͤden; Endlichen multiplici- ret man die Helffte des Products mit der Laͤnge des Fasses/ was dann heraus koͤmmet giebet die Capacit aͤt des Fasses mit ungleichen Boͤden. 15. Frage. Wie soll man einen zusammen ge- tragenen Hauffen von Heu/ Stroh und dergleichen ausrechnen und ausmes- sen/ was und wie viel solcher in sich halte? Was das Heu oder Stroh anlanget/ welches in einen grossen Hauffen zusammen bracht wor- J 5 den/ Das VI. Cap. den/ so ist es mit denselben ein ungewisses Mes- sen/ so wohl wegen der irregularit aͤt des Hauf- fens/ als auch der unterschiedlichen Maassen und Gewichte/ so man darzu gebrauchet. Wenn man aber durch die Multiplication gefunden/ wie viel aufs allernechste an Cubi schen Schuen und Zollen 1. Pfund. oder 1. Bund etc. von Heu oder Stro halte/ so tracti ret man darnach die Figur des gantzen Stosses oder Hauffens/ so gut man kan/ und sind dergleichen Hauffen ge- meiniglich Coni sch/ oben etwas stumpff; Dero- halben man auch meistens nach derselben Figur gehen/ und in uͤbrigen ein gutes Judicium darbey gebrauchen muß. (16.) Frage. Wie soll man einen Hauffen Korn oder Haber und dergleichen ausrech- nen und ausmessen? Wenn das Korn oder Haber in Coni scher oder Kegel Form auffgeschuͤttet lieget/ muß man damit ebener Massen procedir en/ wie in vorigen gedacht worden/ wenn man nur weiß/ wie viel eine Metze/ Scheffel/ Suͤmbra ꝛc. an Cubischen Massen halte. Hat man nun mit dem Cubime- tri schen Maaß-Staab durch die Multiplication gefunden wieviel der auffgeschittete Conus von Korn nach demselben Masse halte/ so dividi ret man Von der Cœlometria. man eines in das andere/ und koͤmmet endlich heraus wieviel Mezen/ Scheffel oder Suͤmbea in dem Hauffen stecken: Waͤre aber das Korn oder ander Gedraͤytig in geradseitigté Plaͤtzen zwischen auffgerichtete Bretter auffgeschuͤttet/ so darff man sichs solches nur/ so viel moͤglichen/ ebenen lassen/ und tracti ret also den gantzen Hauffen als Parallelopipeda oder Prismata. (17.) Frage. Wie soll man das zusammen geleg- te Holtz/ Qvader- und Ziegel-Steine/ zusammen aus rechnen und ausmessen? Das Holtz/ Quader- und Ziegel-Steine/ wel- che ordentlicher weise auff einander geleget/ sind leichte auszumessen/ massen solche alle als Paralle- lopipeda und Prismata tracti ret werden/ deren Su- perficiem man ausrechnet/ und hernach siehet/ wie viel dergleichen Reyhen hinter einander stehen/ als zum Exempel: Man haͤtte Holtz/ dasselbe lege 8. Klaffter Breit und zehen Klaffter hoch/ multiplici ret derohalben diese beyde Numeros, woraus 80. Kommen; Wenn nun etwan zwey Hoͤltzer durchgehends hinter einander legen/ so multiplici ret man voriges Product mit 2. Kommen also in allen 160. Klafftern heraus. Und Und so viel sey auch genug gesagt von der Geometria, so einer/ der die Fortification erler- nen will/ zu wissen von noͤthen hat: Wer hiervon ein mehrers zu wissen verlanget/ inson- derheit von der Geodæsia oder Land- und Feld- messen/ der kan nur die Autores, so hiervon in grosser Menge geschrieben/ selber consuli- ren und nachlesen/ sintemahl mein Endzweck nicht ist/ allhier ex professo und von allen Theilen der Geometria zu han- deln. D rit- Dritter Theil. Von Nahmen und Erklaͤrung der in deutscher und Frantzoͤsi- scher Sprache gebraͤuchlichen Kriegs- TERMINORUM, wie auch von Ursprung/ Fortgang und Untersuchung unterschiedlicher Arten der Krigs- Bau-Kunst/ nebst andern præliminar -Sachen/ so vor denen Erlernung zuwissen noͤthig sind. Das I. Cap. Das I. Cap. Von Benennung und Expli- ci rung einiger Formul en und Ter- minorum, so bey der Fortification und Militz in Frantzoͤsischer und Deutscher Sprache pflegen fuͤr zu kommen/ nach dem Alphabet. A. Armes, Waffen/ Wappen. Armée navale, Schiff-Flotte. Armée volante, eine fluͤgende Armée. Aile seynd die langen Seiten/ mit welchen die Aussenwerck beschlossen werden/ als Horn- werck/ Kronwerck ꝛc. Ailes de l’ Armée seynd die Regimenter/ die zur rechten und lincken Hand stehen/ wenn die Ar- mee in der Schlacht-Ordnung stehet. Antestature ist eine kleine Verschantzung mit Schantz-Koͤrben/ umb das uͤbrige von dem schon angegriffenen Platz vollend einzuneh- men. Anlage des Walles/ oder einer Brust/ ist die Un- ter-Breite derselbigen. Aussenwercke werden diejenigen Wercke genen- net/ so theils in/ theils ausserhalb den Polygo- n en liegen und von dem Haupt-Wall detachi- ret sind. Von Benennung und Explici rung ꝛc. Approches seynd allerhand Art Aufsenwerck und Lauff-Graͤben/ vermittelst welcher man zu einem belagerten Ort kommen kan. Avantgarde ist ein Theil der Armee, der vor dem gantzen Corpo hermarschiret. Arriergarde ist ein Theil von der Armee, welcher dem gantzen Corpo nachfolgt/ die Durchgaͤn- ger auffzuhalten/ auch sonsten zu wehren/ daß der Armee kein Schade geschiehet, Arcenal, (Zeug-Hauß) ist ein beqvemer Ort der gewidmet ist so wohl zur Verfertigung/ als auch Erhaltung derjenigen Sachen/ so man in Angreiffung/ wie auch Beschuͤtzung eines Orts noͤthig hat. Artillerie, seyn allerley Schieß-Waffen von Gro- ben-Geschuͤtz. Appel schlagen oder Vlasen lassen heisset und be- deutet eine Ruffung thun. Assaut (Sturm) ist/ wenn ich mich mit Gewalt eines Postens bemaͤchtige. Attaque ist/ alles was der Feind zu seinen Vortheil machen kan/ nahe an die Vestungs- Wercke zu kommen. Attaque fausse ist/ wenn der Feind sich stellet den Ort bald hier/ bald da anzugreiffen/ damit nur der Belagerte seine Soldaten zertheilen soll. Attaqueren flanc ist/ wenn ich das Bollwerck auf beyden Seiten angreiffe. Avant fossé ist ein Graben/ welcher rings um das Glacis gehet. Avan- Das I. Capitel. Avancer, voraus gehen/ weiter marchi ren. Avantage, vortheil. Avanturier, ein Wage-Halß. Afront, Beschimpffung/ Betrug. Aboucher, sich muͤndlich besprechen. Abdachung vid. Talut. Angle du Centre, ist derjenige Winckel/ welcher gemacht wird wenn man aus dem Centro rech- te Linien ziehet in die zwey naͤchsten Polygons Winckel. Angle de la Circonference, ist derjenige vermisch- te Winckel/ wenn man einen Bogen ziehet von einem Keel-Punct zum andern. Angle de la Gorge, Keel-Winckel/ welcher gemacht wird von zwey Keel-Linien. Angle d’ Epaule, der Schulter-Winckel/ welcher gemacht wird von eined Flanque und Face. Angle du Bastion oder Angle Flanqué oder Boll- wercks-Winckel/ weicher von zwey Faces ge- macht wird. Angle de la Courtine, ist derjenige Winckel/ wel- cher gemacht wird von einer Flanque und Co- urtine. Angle flanquant ou de tenaille, der Schuͤtz-Win- ckel/ so mitten vor der Courtine ist/ und von den Facen der Bollwercke kreutzweiß bey Auffrei- sung einer Festung gezogen wird/ welchen man aber bey Verfertigung der Fortification nicht siehet. Ang- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Angle dufossé, ist der Winckel welcher gemacht wird vor der Courtin, wo der Graben sich scheidet. Angle rentrant, ist ein Winckel/ welcher sich gegen dem Platz zu auffthut. Angle saillant ist ein Winckel/ der sich gegen dem Feld zu auffthut. Apparelles sind Auffarthen fuͤr die Stuͤcke und andere Waͤgen auf die Wercke. Affutes sind Laveten fuͤr das Grobe-Geschuͤtz. Affuter, Schuͤfften. B. Bacule, ein Schlag-Bauml vor einem Thor oder Bruͤcken/ und andere Eingaͤnge. Banc oder Banquette ist eine kleine Staffel unten an der Brustwehr/ worauff die Soldaten steigen/ wenn sie vom Walle und uͤber die Brust Feuer geben wollen. Barricade ist eine Verschrenckung und Verle- gung mit Holtze. Es kan auch das Wort Barricade eine Wagenburg heisen. Bollwerck/ vid. Bastion. Boͤschung vid. Talut. Bride ein Zaum. Brider, auffzaͤumen. Barrieres oder Drehbaͤume/ seynd grosse Hoͤltzer/ die auff einem Pfosten Kreutzweise zusammen gemacht sind/ und man nach belieben herum K dre- Das I. Cap. drehen kan: Man kan auch die langen Baͤu- me also nennen/ welche auf die Schaͤrffe und Winckel des Glacis und zu Conservi rung derer Brust/ und Verwahrung der Ein- und Aus- gaͤnge gemacht werden; Jngleichen auch die Schlag-Baͤume. Bastions ein Bollwerck/ so ordentlicher weise vor die Keel-Puncte mit Flanquen und Facen g e - machet werden. Bastion detaché ist ein Bollwerck/ so entweder im Haupt-Graben lieget/ aber von dem Wall ab- geschnitten ist/ oder so auf dem Glacis und Feld terrain ohne/ oder mit einem Graben erbauet ist. Bastion plat, ist ein plattes Bollwerck/ welches man auff die Courtine leget/ wenn solche gar zu lang ist/ damit sie genugsam von diesem und den zwey andern Bastions, die zur Seiten stehen kan bestrichen werden. Bataillon, ist ein Hauffen Fuß-Volck von 3. biß 600. Mann in Schlacht-Ordnung gestel- let. Bataille, eine Schlacht Ordnung. Batterie, ist ein erhabener Ort/ um Stuͤcke darauff zu pflantzen/ wenn man nach dem Feind und dessen Wercke schiessen will. Berme ist der Fuß des Walles von 1. 2. 3. biß 6. Schuhe breit gegen den Graben und das Feld zu/ um desto besser die Erde vom Wall zu er- halten/ daß sie nicht in Graben falle. Bre- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Breche ist ein grosses Loch/ welches entweder die Mine oder das grobe Geschuͤtz in dem Wall oder Mauer einer Festung gemachet/ um solche mit Sturm einzunehmen. Bedeckter Weg/ vid. Chemin couvert. Blendungen/ sind kleine bewegliche Wercke/ umb den Feind damit das Gesichte zu neh- men/ damit er nicht eigentlich sehen koͤnne/ was man vorhabe. Bottes, Stiefeln: Se Botter, die Stieffeln anziehen. Brigade wird geheissen/ wenn 2. 3. oder mehr Re- gimenter von einem Mann und Obristen al- leine commandir et werden. Brigadier also wird derjenige genennet/ welch er 2. oder 3. Regimenter zugleich comman di- ret. Barbettes seynd erhabene Oerter oder Cavall iers, worauff man das Geschuͤtz stellet/ und uͤber die Brust-Wehrẽ ohne Schieß-Schar ten uͤ ber selbe weg schiest. Bombes seynd grosse Granaden/ welcher man aus Moͤrsern und Haubitzen pfleget unter die Feinde zu werffen/ um damit sie/ i hre Wercke und Haͤuser zu ruini ren. Bombarder une place, einen Ort mit Feuer ein- werffen ruinir en. Bloquer une place einen Ort von weitem be- schliessen/ daß nichts au s noch ein pasiren kan. K Ble Das I. Capitel. Blesser, verwunden. Blindes sind grosse Balcken/ die man der quere o- ben uͤber die Laͤuff-Graͤben leget/ um die Fachi- nes zu erhalten/ welche mit Erde angefuͤllet die Lauff-Graͤben damit oben zu bedecken. Boulets rouches sind gluende Kugel so man aus dem groben Geschuͤtz schiesset. b audrier, ein lang Degen-Gehencke. b roder verbremen. Brisure ist ein Bruch von einer Linie, oder an- dern Sache. b oyeau ist die Wurst von Leinewand gemacht zu einem Lege-Feuer und Anzuͤndung der Mi- nen; Man nennet auch bißweilen eine lange Linie bey den Aprochen also/ solche damit anei- nander zuhaͤngen. b ase heist die Fundamental -Linie einer Figur und Werckes. Battre, schlagen. Battu, geschlagen. C. Camp ist ein flaches Feld/ wo a rmeén sich koͤn- nen auffhalten/ entweder einen Ort zu be- lagern/ oder dem Feind eine b ataille zu liefern. Colonel ein Obrister. Capitain ein Hauptman. Capitane de Cavalerie ein Rittmeister. Camp volant ist eine fliegende A rmée, so in 6. biß 10. Regimenter starck von einer grossen A r- mée abgehet/ hin und wieder das Land durch streichet/ einige Paͤsse besetzet und den Feind observi ret. Ca- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Caponieres ist ein Weg von 6. biß 12. Schuhe breit/ so 3. Schuhe in die Erde eingeschnitten und 3. Schuhe hoch mit einer ver pallisadirt en Brust-wehr zu beyden Seiten versehen/ und oben mit starcken Bretern und auffgeschuͤtte- ter Erden bedecket ist/ und kan man halbe und gantze Caponieres machen/ die halben seynd auff einer Seiten offen/ auff der andern aber/ wie gesagt mit einer Brust bewah- ret. Canon ist eine Canone, Stuͤck und grobes Ge- schuͤtz. Carcasse ist eine gewisse Ernst Feuer-Wercks Ku- gel/ inwendig mit Hand-Granaden versetzet. Cavalier ist ein erhobener Ort von Erden auff einer B astion oder Courtine um von denselben die vorliegende Hoͤhe mit Stuͤcken koͤnnen zu bestreichen/ heist auch sonst eine Katze/ it. ein Reiter. Cartouche ist ein rundes von Papier oder an- dern Sachen zusammen gemachtes Gefaͤsse/ worein man entweder Pulver oder allerhand Kugeln und Stuͤck-Eisen thun kan/ um damit das Geschuͤtz zu laden und unter den Feind zu schiessen/ welches man hernach Cartaͤtzschen nennet. Cascanes oder Wall-Keller/ seyn Gewoͤlber/ de- ren eines tieffer als das andere/ die man in der Abschneidung der Bollwercke nechst der Mauer macht/ die Mine zu nichte zu machen/ K 3 so Das I. Cap. so der Feind irgend eine gemacht haͤtte/ um unter dem Graben an die Vestung zu kom- men. Casemate oder Mord-Gruben Keller ist ein absonderlich Gewoͤlbe/ das man nahe an der Courtin in den Flancken macht/ und mit Mauren umbgiebt; Woraus man hernach dem Feind mit Feuer begegnet/ wenn er ent- weder die Gesicht-Linien oder den Graben an- greifft. Chandeliers seynd auff einem qver Holtze zwey auffgerichtete und oben zugespitzte Hoͤltzer/ worein man Fachines pfleget zu legen/ um dem Feind eine Blendung zu machen und vor ei- nem Mußqveten Schuß sicher zu seyn/ wenn man sich zu des Feindes Wercken naͤhern will. Chateau/ ein Schloß oder kleine Vestung/ so ge- meiniglich auff einer Hoͤhe lieget/ oder auch in Morast/ Wasser oder Ebne/ und mit einem Graben/ Wall oder Mauer umgeben ist. Chausses trappes oder Fuß-Angel/ seynd 4. spitzig- te Eisen/ deren jedes 4. Zoll lang/ und also zu- bereitet seyn/ daß wie man sie wirfft/ stets ei- eines davon in die Hoͤhe gehet: Man bedient sich derer/ umb sie in Graben und Brechen zu werffen/ die Soldaten damit zu verlaͤhmen und auffzuhalten. Cazernes seynd hinter dem Walle in einer lan- gen Linie auffgebauete Logements fuͤr die Sol- daten/ Von Benennung und Explici rung ꝛc. daten/ worinnen sie mit ihren Ober und Unter- Officiers zu logi ren pflegen/ um desto besser sol- che beysammen in guter Disciplin zu erhalten/ und im Fall der Noth geschwind auff den Wall zu kommen. Chemin convert, der bedeckte Weg oder die soge- nannte Contrescarpe ist der Gang/ welcher rings um den Graben einer Vestung gegen das Feld zu gehet/ er hat seine Brust und Baͤn- cke/ und ist solche Brust auch noch ver pallisadi - ret. Chemin de Ronde ist der Weg zwischen dem Ober- und Unter-Wall oder zwischen dem Wall und einer erhoͤheten Mauer/ worinnen die Rondes des Nachts herum gehen/ um den Wall und Mauer vor allen Thaͤtligkeiten zu- beschuͤtzen. Centre ist der Mittel-Punct eines Circuls. Cercle ist ein Circkel. Chamade schlagen lassen/ bedeutet eine Ruffung von Feinde mit der Trommel. Citadelle ist eine kleine Vestung von 4. 5. biß 6. Vollwercken/ so an einem vortheilhafftigen Orte einer grossen Stadt geleget wird/ umsel- bige dadurch im Zaum zu halten/ und sich da- raus tapfer zu defendir en/ wenn die Stadt sol- te etwan rebellir en/ oder sonst vom Feind ein- genommen werden. Circumvallation, ist eine Umschantzung einer gan- tzen Armee, so einen Ort und Vestung bela- K 4 gert/ Das I. Cap. gert/ damit der Feind von aussen die Belaͤgerer nicht unverhofft uͤberfallen und einigen Suc- curs in die Stadt bringen koͤnne/ hat eine star- cke Brust und einen ziemlichen Graben. Contrayallation, ist diejenige Verschantzung/ so die Belaͤgerer nach der Vestung zu machen/ da- mit der Feind nicht aus solcher sie unverhofft in ihrem Lager uͤberfallen koͤnne. Clayes, seynd in einander geflochtene Weyden/ in Gestalt eines langen viereck/ man leget sie entweder auff hole Gaͤnge/ und werden mit Erden uͤberschuͤttet/ oder wirfft sie auch an sumpffigt Ort/ damit einen gewissen Tritt zu haben. Caisson des Bombes, ist eine Art von hoͤltzern Ki- sten/ in welche man 3. biß 6. Bomben thut/ und solche hernachmals unter einen gewissen Ort der Erden legt/ damit man denselben im Fall der Noth/ so sich der Feind dessen bemaͤchtiget/ in die Lufft sprengen kan. Chemise oder Mauer Mantel/ ist derjenige Per- pendicular -Strich der Mauer/ welche vom Umbwurff biß an das Mauerband gehet. Coffre ist ein ausgehoͤlter Gang 6. biß 7. Schu- he tieff/ und 15. biß 18. Schuhe breit welcher gantz uͤber einen trockenen Graben qver uͤber gehet/ hat seine kleine Brust-Wehr von 2. Schuh hoch/ welche mit Schieß-Loͤchern ver- sehen/ oben wird er zu gedeckt mit Weiden oder fachin en mit Erden uͤberschuͤttet. Con- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Contregardes Bollwerckswehre/ seynd dreyeckigte Werck die in Gestalt einer grossen Brust- Wehr vor den Gesicht-Linien und Spitzen des Bollwercks aus dem Graben steigen und de- tachi ret sind/ umb dasselbe zu bewahren. Capital Linie ist die unsichtbare und blinde Linie/ so von dem Keehl-Punct biß zu dem Boll- wercks-Punct gehet. Contre mine ist ein unter der Erden verborgener Gang/ welchen der Belagerte macht/ umb des Feindes Mine zu suchen/ und das Pulver da- raus zu nehmen/ damit sie hernach keine Wuͤr- ckung mehr thun kan. Convois ist ein Geleit/ mit welchen man der A r- mée Victuali en zufuͤhret. Corbeilles, ist eine Art von angefuͤllten Schantz- Koͤrben/ welche man auff die Brustwehr setzet/ den Feind zu beschiessen und doch nicht von demselben gesehen werden. Cordon das Mauerband/ ist ein runter steinener Ring welcher rings um eine Mauer herumge- het/ wo sich nemlich solche endiget/ und ihr Brustwehr anfaͤngt. Coridor, ist der bedeckter Weg auff der Contre- scarpe zwischen dem Graben und den Pallisa- den/ gehet gantz um einen Ort herumb. Collet ein lederner Rock vor einem Reuter. Casaque ein Rock von Tuche. Cornes, Hornwerck/ seynd Aussenwercke/ welche weit ins Feld gehen/ und haben fernen 2. halbe K 5 Boll- Das I. Cap. Bollwercke in gestalt 2. Hoͤrner/ welche sie ge- gen dem Feinde halten. Corps de bataille, ist die voͤllige A rmee, so auf dem March zwischen der vor und Nach-Wachte gehet/ und in bataille zwischen den Fluͤgeln ste- het. Corps de garde seynd Soldaten/ welche comman- di ret seynd einen Ort zu bewachen/ unter ei- nem oder mehr Officiers. Corps de reserve ist ein Theil von der A rmee, wel- che der General hinter oder neben/ oder zwi- schen die Linien stellet/ wenn die Schlacht an- gehet/ umb damit den Schwaͤchsten zu Huͤlff zu kommen. Cartel, schrifftliche Ausforderung/ it. der Ver- gleich unter zwey Feinden/ wie viel man Rantzion fuͤr die Gefangene einander geben soll. Coté exterieur ist diejenige Linie/ die von ei- nem Bollwercks-Punck zum andern gehet. Coté interieur ist diejenige Linie/ so von einem Keel-Winckel zum naͤhesten Keel-Winckel gehet. Coucher au bivovac ist/ wenn man die gantze Nacht die Waffen nicht weg darff legen. Couronnement ist ein Aussenwerck/ nahe vor ei- nem Horn- oder andern Werck/ die Feinde da- mit destoweiter von sich zu halten. Courtine ist eine Linie/ womit die Bollwercke an- einander pflegen gehenget zu werden. Colon- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Colonne ist ein Zug und Linie oder Treffen einer Armee, wenn sie an den Feind marchi ret. Commendement heisset nicht alleine den Befehl und die Ordres, welche ein commandiren der Officier seinen unterhabenden Leuten giebet/ sondern es bedeutet auch ein Werck/ welches 9. Schuh hoͤher als ein anders ist. Complement ist der Uberrest von der Defensions- Linie/ wenn man den Streich-Winckel weg thut. Complement de la Courtine ist der Rest von der Cortine, wenn man deren Streich weg thut biß an den Keel. Winckel. Casquet eine eiserne Sturm-Haube. Cornette ein Cornet, so bey der cavalerie die Standarte fuͤhret. Contr’ approches seynd allerley Wercke/ die die Belagerte machen/ umb den Feind die Appro- chen zu nicht zu machen. Contr’-escarpe ist die gegen Abdachung in den Graben des Theils und Linie nach dem Felde zu/ und wird auch insgemein und abusive der bedeckte Weg also geheissen. Cronwerck/ ist ein langes Aussenwerck mit 2. oder mehr courtin en/ in der mitten mit einem oder mehr gantzen Bollwercken/ und zu eusserst mit zwey halben. Contreforts seynd gewisse Stuͤtzen und Theile der Mauer so 15. biß 16. Schuh weit von einan- der stehen/ und so weit als es moͤglich in den Wall Das I. Cap. Wall hinein gehen/ oben bey dem Mauer- Band gehen sie Bogenweiß zusammen den unter-Wall-Gang/ und ein Theil vom Wall selbsten zu stuͤtzen/ wie nicht weniger die Mauer und das Erdreich veste zu machen. Coupures du glacis ou sorties sind Ausgaͤnge wel- che in die Brust des bedeckten Weges umb dessen Abdachung eingeschnitten sind ohnge- faͤhr 12. oder 15. Schuh breit/ und werden ge- meiniglich an einen eingehenden Winckel der Brust des bedeckten Weges angeleget. Cassir en abdancken oder abschaffen. Cuvettc, ist ein kleiner Graben/ welchen man in der Mitte eines grossen trockenen Grabens machet/ biß man Wasser findet; Seine Wuͤrckung ist des anfallenden Feindes Mini- ren zu nichte zu machen. Corne à poudre ein Pulver-Horn. Coudée ist eine Laͤnge von anderthalb biß 2. Schuhen. Chevaus de Frise, sind Spanische Reuter und sechseckigte Baͤume mit Zwerg-Hoͤltzern oder Schweinfedern Creutzweiß durchzogen/ so man in die Wege und Strassen/ in gleichen in die brech en leget/ und fuͤr die infanterie stel- let/ daß nicht der Feind weder zu Fuß/ noch zu Pferdt so leicht einbrechen koͤnne. Cheval ombragé ein scheues Pferdt. Ceinturon, ein Leib-Gehencke. Ceinture ein Guͤrtel. D Von Benennung und Explici rung ꝛc. D. Defenses seynd allerley Streich-Wercke/ um wel- che der Feind zuverderben sich am ersten bemuͤ- het/ ehe er den Graben besteiget. Doci rung ist die Abdachung des Walles oder ei- ner Brust-Wehr. Se Debotter, die Stiefel ausziehen. Defilée ist ein enger Ort und Paß/ wodurch die Soldaten und Armee entweder nur einer hin- ter den andern/ oder doch in geringer Anzahl nach einander marchir en und also ihre vorge- machte Ordnung und Breite zertheilen muͤs- sen. Dehors seynd allerhand abgesonderte Aussen- wercke/ als Ravelin, halbe Mond/ Gegen oder Bollwerckswehren/ Horn- und Korn-wercke/ Zangen ꝛc. sie werden gemachet/ damit der Platz destobesser verdeckt wird. Demigorge, ist die halbe Keel-Linie/ so von einer Flanc angehet und sich bey den innerlichen Po- lions -Winckel endet. Demilune ist ein halber Mond und ein klein Boll- werck mit Streichen/ welches man vor ein schwaches Bollwerck zu legen pfleget/ um sol- ches desto besser dadurch zu beschuͤtzen: Die Frantzosen nennen auch die Ravelines heute zu tage also/ und ist das Wort Raveline bey ih- nen gar nicht mehr gebraͤuchlich. Descente wird geheissen/ wenn mau von Wasser auff Das I. Cap. auff das feste Land tritt/ und das Volck von Schiffen aussetzet: Es bedeutet auch einen gewissen verdeckten Gang/ wodurch man un- terwaͤrts gehet/ entweder in einen Graben oder zu den Minen zu kommen. D etachement ist eine gewisse Anzahl Officiers und Soldaten/ so man von den Regimenteren ab- giebet/ und zu einem gewissen Dessein verschi- cket und gebrauchet. Division sind gemeiniglich 6. Glieder Soldaten wenn ein Bataillon und Regiment-Zug oder Division weise marchi ret. Donjon ist gemeiniglich ein erhabener Ort und Retraite in einer Vestung/ wohin man sich im Fall der Noth retiri ret/ damit man desto bes- seren einen Aceord mit dem Feinde machen koͤnne. Degrez, sind die Grade auff einem Maaß-Sta- be oder Circkel. Deseller absatteln. Debrider abzaͤumen. Desangler aufguͤrten. Distance du polygone ist die Weite der innerli- chen oder aͤusserlichen Poligons Linie. Dessein ein Vorhaben/ Anschlag. Delineation ein Grund-Riß mit einer Linie. E. Embarras heist nicht allein eine Verwirrung und Unordnung unter vielen Volcke/ sondern auch Von Benennung und Explici rung ꝛc. auch allerhand Obstacula, so einem koͤnnen vor- kommen und in Weg geleget werden/ um wei- ter zu marchir en und das Dessein auszufuͤhren/ als Spanische Reiter/ ꝛc. Embrassure ist ein Schieß-Loch durch eine Mau- er/ Holtz oder Wall/ wodurch man mit klei- nem und groben Geschuͤtz schiessen kan. Embuscade ist ein Ort/ allwo man sich verstecket/ dem Feind an einen Paß unversehens zu uͤber- fallen. Etrier, ein Steigbuͤgel. Eperon, ein Sporn. Eperonner anspornen. Enceinte, ist der gantze innerliche Umkreiß eines Orts/ welcher mit Mauren oder Waͤllen und Graben fortifici ret und umgeben ist. Enclouer le Canon ein Stuͤck vernageln/ geschie- het/ wenn der Feind aus einer Vestung faͤllet/ oder sonst in Bataille der feindlichen Stuͤcke sich bemaͤchtiget/ solche aber nicht mit sich fortbringen kan/ sondern stehen lassen muß/ so wird jedwedes Stuͤck durch das Zuͤnd-Loch mit einem starcken Nagel also vernagelt/ daß man es nicht brauchen kan. Enfiler ist/ wenn man in gleicher und gerader Linie etwas der Laͤnge nach bestreichen und beschies- sen kan. Epaulement ist das Orillon an der heutigen Frantzoͤsischen Fortification; Wird auch sonst eine Brust von 9. biß 12. Schuhe hoch ge- nen- Das I. Cap. nennet/ worhinten sich die Cavallerie verdeckt auffhalten/ und von den feindlichen Canonen beschuͤtzet seyn kan. Escalade ist/ wenn man mit Leitern eine Mauer o- der Wall besteiget/ um sich dadurch des Ortes zu hemaͤchtigen. Escarpe ist die Abdachung des Grabens nach dem Walle und Vestung zu/ dahero die gegen uͤberstehende Abdachung im Graben gegen das Feld Contr’-escappe genennet wird. Etoile ein Sternwerck/ welches nach Gelegen- heit des Orts tenaillen weise mit vielen Ge- sichts-Linien/ so einander bestreichen konnen/ formi ret ist. Evolutions, sind allerhand Veraͤnderungen und Figuren/ so ein Regiment oder Bataillon bey den Exercir en machen muß. Echelle heisset man einen verjuͤngten Maaß- Stab/ wornach man pfleget einen Plan auffzureissen. Ecluses sind Schleussen/ welche in Wasser-Graͤ- ben/ und Canales pflegen gemachet zu werden/ um die Menge des Wassers dadurch zu stem- men und auffzuhalten/ oder auch nach Gele- genheit abzulassen und einzunehmen. Escadron ist ein Hauffen Reuterey/ so aus 2. oder 3. Compagni en bestehet. Escharpe eine Binde/ Feld-Zeichen/ oder Scharpe. Etre en faction, auf der Schildwacht stehen/ und das Commando abwarten. Etre Von Benennung und Explici rung ꝛc Etre flanqué, von einer Seiten koͤnnen wohl de- fendi ret werden. Esplanade ist der leere Plaͤtz und Raum zwischen der Citadelle und der Stadt/ wird auch sonst das glacis genennet. Enseigne ein Feindrich. F. Face oder Gesicht-Linie/ ist derjenige Theil des Bollwercks/ so am weitesten ins Feld gehet/ und wird zu erst angegriffen. Faire feu ist/ wenn man immerzuschiest. Faire halte ist/ weñ man etwas auf oder stille haͤlt. Faire main basse ist/ wenn man alles nieder macht. Faire la patrouille ist/ wenn man des Nachts he- rum gehet/ um Unordnung und Haͤndel zu verhindern. Fa re ron de ist/ wenn man des Nachts auff dem Wall um die Vestung herum gehet/ um zu vernehmen/ ob nicht irgend von aussen her et- was vorgehet/ so dem Ort schaden kan/ wie denn auch zu sehen/ ob die Schild-Wachen ih- re Wachten recht versehen. Fascines seynd von Reise zusammen gebundene Wellen/ 2. Schuh breit und 4. 6. und mehr Schuh lang/ oben und unten/ wie auch in der mitten gebunden/ man wirfft sie in die Graͤbẽ so entweder trocken oder mitviel Wasser an- gefuͤllet sind/ damit man dar uͤberlauffen und an die Mauren kommen kan. L Fausse Das I. Capitel. Fausse braye ist der Unterwall/ so seine Brustwehr und Banck hat/ gehet um den gantzen Haupt- Wall herum/ theils damit man den Feind bes- ser beschiessen kan/ wenn er vom Haupt- Wall nicht mehr kan zuruͤck getrieben wer- den/ theils aber auch damit die zerschossene Er- de des Haupt-Walls nicht kan in den Graben fallen. Fer à cheval ist ein Werck/ so bald rund/ bald oval ist/ hat seine Brustwehr/ wird gemacht/ entwe- der ein Thor zu bedecken/ oder die Defension zu verstaͤrcken. Force Gewalt. Forcer zwingen. Flanc oder Streich ist derjenige Theil der Ve- stung/ so die Courtine mit der Gesicht-Linie ver- einiget/ wo von das naͤchste Bollwerck seine Bestreichung und Defension sucht. Flanc couvert ist diejenige Streich-Linie/ deren aͤusserster Theil so weit hervor gehet/ daß er den inneren bedecket/ und wenn dieser heraus- gehender Theil rund ist/ nennet man ihn Oril- lon. Flanc Fichant ist die bewegliche Streich-Linie/ wel- che aus den Courtinen und Streich-Winckeln die Face des Bollwercks laͤngst bestreichen kan/ und an den Bollwercks-Punct/ ohne Beruͤh- rung der Face anlaͤufst. Flanc rasant ist die bestaͤndige Streich Linie/ wel- che aus dem Bollwercks Punct vermittels der Fa- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Face an den Corti nen und Flanc -Winckel in gerader Linie gezogen wird. Flancquer, etwas bestreichen und Seiten waͤrts defendi ren koͤnnen. Forts seynd allerhand Feld-Schantzen deren Streich-Winckel ungefaͤhr 60. Ruthen von einander stehen; Man machet dergleichen Wercke gemeiniglich nur auff eine Zeitlang/ nemlichen wenn man willens ist/ entweder einen Paß oder andern gefaͤhrlichen Ort in et- was zu bewahren/ und werden solche auch bey den Gircum - und Contravallation -Linien ge- brauchet. Fossé oder Graben ist eine Tieffe/ nachdem es noͤ- thig ist/ welche um eine Vestung gantz herum gehet/ bald mit Wasser angefuͤllet/ bald aber trocken: Wird gemacht/ um zu verhindern/ daß der Feind nicht nach Willen in ein Ort kommen kan. Fougade ist ein kleiner Kessel unter der Erden/ so der Feind wegnehmë will/ wird angefuͤllet mit etzlichë Pulver Saͤcken/ in welche ein lauffend Feueꝛ zugericht ist/ damit man solches in einem andern Ort ohne Gefahr anzuͤnden koͤnne. Fourneaux sind grosse und kleine Minen Ge- woͤlber/ so durch verdeckte Gaͤnge gemeiniglich unter dem Glacis dem Feind ent- gegen gemachet werden. Fournelles Fortification, ist die Kriegs-Bau-Kunst. Fundaments seynd die Grundsuchungen und L 2 Grund- Das I. Cap. Grundlegungen bey allen beyden Architectu- r en/ so wohl der Civil als militar, und ist darauff am meisten mit zu sehen und darbey alles wohl in acht zu nehmen/ damit die mit grossen Un- kosten aufferbauten Wercke dauerhafftig be- stehen koͤnnen. Fraises sind Sturm-Pfaͤhle/ welche 7. biß 8. Schu- he lang und ohngefaͤhr einen halben Schuh dicke sind/ und unten zu Ende der Brust 4. Schuhe tieff in die Erde eingeleget und mit der Brust bedecket werden; Die heraus/ ragende Ende sind zugespitzet/ und gehen etwas abhaͤn- gig nach den Feldte zu; Man bedienet sich sol- cher um zu verhuͤten/ das niemand leicht uͤber den Wall oder einer Burst. Wehr aus reißen/ noch auch uͤber dieselben einfallen kan. Fusil eine Flinte. Fusilier ein Soldate/ so eine Flinte fuͤhret. G. Gabions sind Schantz-Koͤrbe/ so auff allerhand Arten gross und klein koͤnnen gemachet und geflochten werden; Man fuͤllet sie mit blosser Erden ohne Steine aus/ und setzet solche in Form eines Trianguls an einander/ und dar- aus Batteri en zu machen. Man setzet sie auch bißweilen auff die Brust-Wehren oder ande- re Oerter/ um dahinter sicher zu seyn vor des Feindes schiessen. Ga’lerie wird gemeiniglich der bedeckte Gang ge- nen- Von Benennung und Explici rung ꝛc. neñet/ welcher uͤber einen Graben/ so schon mit Fachinen oder andern Sachen angefuͤllet ist/ gefuͤhret wird/ damit man die Mineurs unter sicherer Bedeckung an ein Werck bringen/ und sie daselbst eine Mine machen und anle- gen koͤnnen: Wird oben und unten mit star- cken Bretern beschlagen/ und allezeit oben/ auch auff den Seiten/ wo es noͤthig/ mit etli- chen Schuhe hoch Erden beschuͤttet. Es be- deuten auch die gemachten Gaͤnge/ so bey einer Vestung unter dem Wall herum gemacht sind/ und sind solche kleine oder grosse/ enge o- der weite Gaͤnge/ um dadurch das feindliche Minir en zu verkundschaffen/ und das Dessein zu hinter treiben. Gasons sind frische stuͤcker Erden mit Graß uͤ- berwachsen ohngefaͤhr eines Schuhes lang und einen halben Schuh breit/ in Form eines Keils ausgestochen/ womit die Brust-Wehren von Erden inwendig und auswendig ver- setzet werden; Wenn der Wall auswendig nicht reveti ret/ bedienet man sich dergleichen auff gleiche weise/ inwendig aber den Wall damit zu begleiten ist nicht noͤthig. Glacis ist die Abdachung der Brust-Wehre in dem bedeckten Wege/ welche sich immer nach und nach abhaͤngend in das Feld hinaus verlieret/ und seynd die breitesten die be- sten. Gorge die Keele/ ist der Eingang der Bollwercke/ L 3 wo Das I. Cap. wo die innerlichen Polygons zusammen stossen und einen Winckel machen. Grenades seynd hole/ groß und kleine Kugeln ge- meiniglich von Eisen oder auch von Glaße/ Bley/ Metall/ und wenn man sie zur Lust ge- brauchet/ auch von Holtze; Werden mit gu- ten Pulver gefuͤllet/ mit einer Brand-Roͤhre versehen/ angezuͤndet/ und entweder aus dem groben Geschuͤtz/ wenn solche groß oder auch nur aus der Hand wenn sie klein sind/ unter das Volck und andere Oerter geworffen/ um damit etwas zu ruinir en und zu verbrennen. Die grossen werden Bombes, die kleinen aber Hand-Granaden genennet. Guerir heilen. Gouverneur ein Regent in Kriegs-Sachen. Gardes sind Wachten/ so von Fuß-Volck und Reuterey entweder zu Beschuͤtzung eines gan- tzen Lagers oder nur einer und andern Per- son ausgestellet werden/ und zwar entweder in eintzelen oder doppelten Personen/ oder auch Troupp -weise/ welches letzte denn gemei- niglich die grosse Wachte genennet wird/ die eintzelen/ aber heisset man Schild-Wach- ten. Guerite ein Schilder-Haͤußlein. Guide ein Weg-Weiser. Guerre, der Krieg. Guerrier, ein Kriegs-Man. Gui- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Guichet ist das kleine Thuͤrlein/ welches in ein grosses Thor eingeschnitten ist. H. Herisson, ist ein mit starcken und langen eisernen Naͤgeln beschlagener Balcken/ welcher sich auff einen Pfal oder Pfeiler herum drehen laͤsset/ um damit einen engen Gang und Paß zuversperren/ und gehen die Spitzen der Naͤ- gel alle auswaͤrts. Herse ist ein Schutz-Gatter/ so aus grossen zuge- spitzten und an einander gemachten Balcken bestehet welches gemeiniglich an die Thore auswendig gemachet/ und oben an einen Wall-Baum mit Stricken oder Ketten ange- haͤnget wird/ um in Fall der Noth solches koͤn- nen herunter zu lassen und die Eingaͤnge um so viel mehr zuversperren. Haye des Soldats wird genennet/ wenn die Sol- daten auff beyden Seiten einer Gassen oder sonst im Felde in gleichen Linien stehen und al- so eine Gasse machen/ wodurch man passir en kan. Halte vid, faire halte. Hornwerck/ ist ein langes Aussenwerck/ so seine courtine, und 2. halbe Bollwercke hat. Halber Mond/ vid. demilune. Harguebusir en/ todtschiessen. Halebarde eine Hellebarde. Haranguer, anreden/ Rede fuͤhren. L 4 Har- Das I. Cap. Hardi Kuͤhne Harnacher die Pferdte anschirren. Harquebuse à croc ein Doppel-Hacke. Harquebouse à rouët ein Feuer-Rohr mit einem Rade. Háter, eilen/ Haubert, ein Pantzer. Haubois, eine Schalmeye. Hautain, stoltz/ hoffaͤrtig. Hute, eine Huͤtte. Humide, feucht/ naß. Hennir, Wihern/ wie ein Pferdt. Heraut ein Heroldt. Housse, eine Pferdt-Decke. Hazard, eine Gefahr. Hazarder, es Wagen. Heros, ein Held. Honorable, ehrlich. Honteux, schaͤndlich. Horrible, schrecklich. I. Ingenieur ein Kriegs-Bauverstaͤndiger. Ichnographie ein Auffriß einer Bestung mit al- len ihren Grund-Linien nach der Breite/ Laͤn- ge/ Tieffe und Hoͤhe/ wie solches das Profit an- ordnet/ und haben will. Insulter une place einen Ort auff eine sonderbah- re Art angreiffen/ von welchem man alle Kundschafft oder Nachricht eingezogen. Irregu- Von Benennung und Explici rung. ꝛc. Irregular Forme oder Werck ist/ wenn eine Ve- stung nicht uͤberall gleiche Linien und Winckel hat. Injuri en/ beschimpffen/ Leid anthun. Injurie eine Beschuͤmpffung. Instiguer anreitzen. Innooent unschuldig. Jambieres, Bein-Harnisch. Jambon, ein Schincke. Imagination, Impression, Einbildung. Immobila unbeweglich. Immortaliser, unsterblich machen. Imparfait, unvollkommen. Impatient, ungedultig. S’ Impatroniser sich zu einem Besitzer machen. Imperatif, Befehlungs-weise. Imperial Kaͤyserlich. Journal Tage-Buch. Imperieux, herrisch. Impertinent ungereimt. Impieux unbarmhertzig. Implorer, anruffen. Important, wichtig daran vielgelegen. Importuner, beschwerlich fallen. Imposer auf legen. Impossible unmoͤglich. Impost, Zoll/ Auf-Lage. àl’ Impourreu, unversehener weisen. Imprudent, unvorsichtig. Impudent, unverschaͤmt. L 5 Im- Das I. Cap. Impugner, anfechten. Imputer, zumessen. Inaccessible, unersteiglich. Incertain ungewiß. Incident ein Zufall. Incivil unhoͤfflich. Irriter Inciter anreitzen. Inclus eingeschlossen. Incommoder, verhindern. Inconnu, unbekand. Incomperable unvergleichlich. Inconstant, unbestaͤndig. In expert unerfahren. Indomptable, unbezwinglich. Inegal ungleich. Invincible, unuͤberwindlich. Infidel treuloß. Investir in ein Gut setzen. Infortuné ungluͤcklich. Ingrat undanckbar. Invisible unsichtbar. Inhabile ungeschickt. Inutile, unnuͤtzlich. Injuste unrecht. Joüer, spielen. Innoumerable unzehlbar. Inopiné unverhofft. Insatiable unersaͤttlich. Insensible unempfindlich. Irrisonoable unvernuͤnfftig. Insi- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Insinuer, einschmeicheln. Insolent, hoffaͤrtig/ uͤbermuͤthig. Installer in ein Amt einsetzig. Instruction Unterricht. Insupportable unertraͤglich. Intendant Ober-Auffseher. Intercession Vorbitte. Intrigue Verwirrung. Intimer ankuͤndigen. Invasion, Anfall. Intituler, Titul geben. Inventaire Verzeichnuͤß Intolerable unertraͤglich. Inviter einladen. Inquisition gerichtliche Nachforschung. Jurisdiction Gerichts-Zwang. Jurer, schweren. L. Ligne capitale ist die Haupt-Linie/ so von dem Keel-Punct biß zu dem Bollwercks-Punct gehet. Ligne de Defense sind die Linien/ welche eine Mus- qvet en-Kugel in die Lufft machet/ und uͤber 60. biß 70. Ruthen nicht soll lang seyn/ wel- ches die gebuͤhrende Laͤnge eines wirckenden Schlusses dieses Gewehres ist. Ligne rasante ist die bestaͤndige Streich-Linie/ wel- che von dem Bollweꝛcks-Punct auf/ und durch die Face biß an den Winckel/ welchen die Flanc und Courtine machet/ gehet. Ligne Das I. Cap. Ligne Fichante ist die bewegliche Streich-Linie/ welche aus dem Punct/ wo die Courtine und Flanc zusammen lauffen/ biß zu dem Boll- wercks-Punct ausserhalb neben der Face weg- gehet. Lignes de l’ Armée werden die Treffen einer Ar- mée genennet/ wenn sie in ihrem Gewissen Li- nien und Schlacht-Ordnungen stehet. Ligne de Communication ist eine Ligne, welche die Wercke und Quartiyre pfleget an einander zu haͤngen/ damit der Feind nicht zwischen durch passir en koͤnne. Lignes en dedans seynd Retrenchementer und Graͤben/ so bey einer Belagerung gegen die Vestung zu gehen/ damit niemand koͤnne aus- reissen/ noch vom Feinde aus der Vestung den Belaͤgerern unverhofft Schaden thun; Wir sonst die Contravallations Ligne genennet. Labourer arbeiten. Lame eine Klinge. Lance eine Lantze. Lapider steinigen. Larder spicken. Larmer Traͤhen vergiessen. Ligne en dehors seynd Retrenchementer und Graͤber/ so gegen das aͤusserste Zeld zu um die Armée bey einer Belaͤgerung gemacht wer- den/ damit der Feind nicht so leicht einen Suc- curs in die Vestung bringen koͤnne/ wird sonst circumvalescentions Linie geheissen. Logement ist eine Schuß freye Bedeckung/ wel- che Von Benennung und Explici rung ꝛc. che man an gefaͤhrliche Orter zu machen pfle- get/ damit man vor allem Feindlichen Schies- sen koͤnne sicher und unverletzet seyn. Lieutenant-Colonel ein Obrist- Lieutenant. Lunettes seynd gewisse Aussenwercke/ welche vor Bastions oder andere Aussenwercke/ insender- heit vor die Ravelines auf beyden Seiten pfle- gen gelegt zu werden/ damit der Feind die in- nern Wercke nicht so leicht emportir en koͤnne/ und werden diese Wercke die grossen Lunettes genennet; die kleinen Lunettes nennet man diejenigen Wercklein/ welche zu beyden Sel- ten der Ravelines nechst dem Haupt- und Ra- velin- Graben/ in Form kleiner Ravelines an- gelegt werden. Larron ein Dieb. Lasche schlecht/ feig. Laver waschen. Leger unbestaͤndig/ leichtsinnig. Legion ein Regiment Kriegs-Volck. Leste geschwind. Lettre ein Brieff. Lever aufheben. Liberal freygebig. Lier binden. Luxe Bracht/ Schwelgerey. Lanspassade ein Gefreyter. Lozange ist nichts anders als ein Rhombus, oder geschobenen viereck und Rauteufuͤhrung. Lieutenant d’ infanterie ein Leutenant zu Fusse. Lieu- Das I. Cap. Lieutenant de cavalerie ein Leutenant zu Pferdte. Lieutenant de dragons ein Dragoner Leutenant. M. Madrier ist das Madril Bret/ worauf die Petar- den aufgebunden werden/ und koͤnnen derglei- chen Breter viereckigt oder laͤnglicht seyn/ nachdẽm man vorhabens ist mit der Petarde ein Dessein auszufuͤhren/ wenn nur anders die Breter vom dicken und starcken Holtze/ auch uͤ- ber das Creutz mit starcken eisernen Schienen beschlagen sind. Manteau ein Mantel. Mantelets sind Blendungen/ welche von starcken Bretern zusammen gemacht/ uñd mit eisernem Bleche von aussen beschlagen sind/ deren sich die Mineurs sonderlich bedienen/ um vor dem Handgewehr bedeckt und Schuß-frey zu seyn/ damit sie die Oeffnung der Minen an behoͤri- gen Orten unverhindert machen koͤnnen. Mine ist ein hohler Gang und gemachte Kant- mer/ worein man in offenen Saͤcken oder Faͤs- sern Pulver setzet/ um die Wercke darmit zu sprengen/ und uͤber einen Hauffen zu stuͤrtzen. Mineur ein Minirer, welcher nicht alleine die Mi- nen gebuͤhrend weiß anzugeben/ sondern auch solche selbst zu machen und an zu zuͤnden. Merlon bedeutet das Stuͤck der Brust-Wehre/ so zwischen zweyen Schieß-Scharten inne lie- get/ welches denn gemeiniglich 24. Schuhe lang ist/ damit solches nicht so leicht vom Fein- de Von Benennung und Explici rung ꝛc. de koͤnne ruinir et und weggeschossen werden. Monter à l’ assaut zum Stnrm gehen. Mortier ist ein Moͤrser/ welcher so wohl zum Lust- als Ernst-Feuerwerck kan gebrauchet/ und auf unterschiedliche Manier von Metall oder Eisen gegossen werden/ um daraus allerhand Bomben, Grenaden/ Feuer-Kugeln und Stei- ne weit oder nahe zu werffen mit einem oder zwey Feuern. Moulinet, ist ein hoͤltzern Creutz/ welches nahe an einem Schlag-Baume auf einem besondern Pfal kan herum gedrehet werden/ damit man zu Fusse durch dasselbe durchgehen koͤnne. Major ein Obrist-Wachtmeister. Moyenneau ist eine blatte Form/ so man gemei- niglich auf die Mitten der Courtine zu legen pfleget/ wenn sie gar zu lang ist/ und von denen zwey nechst anliegenden Bollwercken mit Musquet en nicht gnugsam kan bestrichen wer- den. Mousquet eine Musquete. Musquetaire ein Soldat/ so eine Musquete fuͤhret. Mousquetades sind Musqueten Schuͤsse. Mousqueton ein Hand-Geschoß/ so vorne weit ist. Marchiren fortziehen. Massacriren niederhauen. Matrosen Bots-Knechte/ Schiff-Gesellen. Mainteniren ver thaͤdigen oder erhalten. Marquageux Morastig. Meliren unter einander vermischen. Mena- Das I. Cap. Menagiren sparsam seyn/ wohl Hauß halten. Menaciren dreuen. Meche Lunte. Meurtieurs ein Loch uͤber einem Thor/ da man kan Steine und Feuer herunter werffen/ oder Wasser herunter giessen. Montaigneux bergigt. Munition heiß Pulver/ Kugel und Lunten/ auch was sonst zum grossen Geschutz gehoͤret. Mayazin ein Proviant oder Munition- Hauß. Mutiniren Meuterey anrichten. Muraille eine Mauer. Marquise ist ein besonderer Uberzug uͤber ein Zelt/ solches darmit vom Hitze und Regen zu bema- chen. Massacre ein Blut-Bad. Mener fuͤhren. Mettre legen. Maison ein Hauß. Grand-Maitre Feldzeugmeister. Malicieux boßhafftig. Malade kranck. Malheur Ungluͤck. Manche Hefft oder Stiel/ Ermel. Manger essen. Manifeste offenbar. Manuel Hand-Buch. Maraude Bettler/ fauler Mensch. Marét Morast. Marque ein Zeichen. Mate- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Matebas Madratz. Mirable Wunderwerck. Martial Kriegerisch. Maxime Regel/ Richtschnur. Meliorer verbessern. Membre ein Glied. Mentir luͤgen. Mepriser verachten. Messager ein Bote zu Pferdte. Metier Handwerck. Mesurer messen. Mignon ein Favorite. Militer Krieg fuͤhren. Miserable armselig. Morfondre erfrieren/ erkaͤlten. Mourir sterben. Mortel sterblich. Mystere Geheimnuͤß. N. Naufrage Schiffbruch. Neutral unpartheyisch. Nettoyer les approches ist/ wenn man die Besaͤ- tzung/ Wachten und Arbeiter aus den Lauff- Graͤben verjaget/ und solche wieder zufuͤllet. Naviger zu Schiffe fahren. Navire de combat, ou de guerre ein Kriegs- Schiff. Nacelle ein klein Schifflein. Nager schwimmen. Naturel natuͤrlich. M Na- Das I. Cap. Nation ein gewisses Volck und Nation. Naulage Schiff-Lohn. Nebuleux neblicht. Necessaire nothwendig. Neiger schneyen. Niveau eine Richtschnur/ gleicher Horizont, Was- ser-Paß. Niveau de plamb eine B ley-Wage. Niveler mit der Richtschnur abmessen. Nombreur in grosser Anzahl. Nompareil das seines gleichen nicht hat. Nord der Nord. Norme eine Regul oder Richtschnur. Notable merckwuͤrdig/ scheinbarlich. Notification Andeutung. Notoire maͤnniglich bewust. Nouveau neue. Nouvelles neue Zeitung. Nud nacket. O. Oecuper einnehmen. Ouvrager â cornes, ein Horn-Werck. Ouvrage couronné, oder couronne ein Cron-Werck Ovale, laͤnglicht/ rund. Orgues sind zugespitzte und mit Eisen beschlage- ne grosse Fall-Baͤume/ welche uͤber ein Thor/ solches im Fall der Noth darmit zubedecken bedecken/ an gewisse Kette/ Stricke und Well- Baͤume angemachet sind/ und nach belieben herunter gelassen werden koͤnnen. Orillon ist eine kleine Runden an der Schulter- Ecken Von Benennung und Explici rung ꝛc. Ecken einer Baston, um die Streiche darmit ein wenig zubedecken. Ouverture eine Oeffnung. Obligation, Verschreibung/ verpflichtung. Observer wahrnehmen/ in acht nemen. Obstacle eine Verhinderung. Obstination Hartnaͤckigkeit. Obtenir erhalten/ erlangen was man begehr et. Occassion die Gelegenheit. Occuper einnehmen besitzen. Occupation Verrichtung/ Einnehmung. Offense die Beleidigung. Offendre beleidigen. Office ein Amt/ Dienst. Officier ein Diener/ Befehlshaber/ Officier. Ombrageux Schattig/ Opiniatre Halßstarrig. O pposser entgegen sehen. Oppugnex, bestreiten oder bestuͤrmen. Orageur ungestuͤm/ boͤse/ windig/ und Regen- Wetter. Ordonnance Ordre Befehl/ Ordnung. Ordonner anbefehlen/ gebiethen/ auferlegen/ se- tzen/ anordnen. Ordre de bataille die Schlacht-Ordnung. Original das Original oder der Ursprung. Orthographie heist das Profil, oder die Hoͤhe/ die Tieffe/ Laͤnge und Breite einer Vestung. Ouvert offen/ unbedeckt. M 2 Oeffnen Das I. Cap. Oeffnen die Campagne, das ist/ die Campagne nunmehro anfangen/ und die Armée und Trouppen lassen zu Felde gehen und campi ren. Oeffnen die Approchen, die Lauff-Graͤben an- fangen zu machen. P. Pacification Friedens-Handlung. Paille Stroh. Paillace ein Stroh-Sack. Pain Brod. Pair ein Paar. Pais ein Land/ Landschafft. Paisible friedsam. Pallisades zugespitzte kurtze oder lange Pfaͤhle. Pallisader mit Pallisaden besetzen und verpfaͤhlen. Papier Pappier. Par avant zuvor. Par derriere von hinden zu. Par dessus von oben. Par dessous von unten. Par ci, hier durch. Par là dort durch. Par tout uͤberall. Parade Eine Ziehrung/ Bereitung. Parapet die Brust-Wehr. Parasol Sonnen oder Regen-Schirm. Piste die Fußstapffen eines Menschen oder Thie- res. Parc ist ein befonderer Ort bey dem Campement einer Armée, wo die gantze Artillerie mit ihrer Muni- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Munition und andern Waͤgen a lleine stehet. Pattis ist ein Hauffen Volcks/ welches zu reco- gnoscir en/ und den Feind aufzusuchen ausge- schicket wird/ es sey zu Pferd oder Fuß. Partisan ist der Officier oder Partigaͤnger/ so der- gleichen ausgeschickte kleine Trouppen com- mendir et. Pardon die Verzeihung oder Vergebung. Pardonner verzeihen/ vergeben. Parfait vollbracht/ vollendet/ it. vollkommen/ deutlich. Parole ein Wort/ Losungs-Wort/ welches alle Abende im Felde oder Garnison pfleget gege- ben zu werden/ um darbey zuerkennen/ wer Freund oder Feind ist. Partager theilen. Partir von einem Ort ziehen. Parvenir an einem Ort angelangen. Passable da man leicht durchkommen kan. Passage ein Paß oder durchgang. Passer von einem Ort zum andern uͤbergehen. En Passant im Vorbeygehen. Passager vergaͤnglich. Passepart ein Paßpart. Passevolant ein entlehnter Mann und Soldat/ so vor einem andern bey der Musterung durchge- het/ wird sonst ein Blin der geheissen. Patapatapon der Trommel-Schlag. Patent offenstehend. Patentes offene Brieffe der Obrigkeit. M 3 Pa- Das I. Cap. Patriot ein treuer Verthaͤdiger des Vaterlandes. Patron Vorbild/ Muster/ it. eine Patrone. Patrociner beschuͤtzen/ beystehen. Patrouille ist die Wacht/ so des Nachts in den Gassen und auf dem Lande herum gehen/ um allerhand Ungelegenheiten zu unternehmen. Pavillon ein Zeit mit einem runden Himmel. Payement oder Paye Bezahlung. Payer bezahlen. Peage Zoll/ Schiff oder Fuhr-Lohn. Pendre hencken. Peinible muͤhsam. Pension Dienst-Geld/ Rente/ Zinß. Perdre verliehren. Perte der Verlust/ Schaden. Perfection Vollkommenheit. Perfectionner vollkommen machen. Peril Gefahr. Perilleux gefaͤhrlich. Perir verderben/ zu grund gehen. Petard ist eine von Metall oder Eisen hole Machi- na, so fast einem spitzigen hohen Hute gleich sie- het/ wird mit Pulver gefuͤllet/ auf das Madril. Bret fest angemachet/ und an Thore/ Mau- ren oder andere Sachen angehencket und an- gezuͤndet/ um dadurch ein Loch zu machen. Places d’ Armes ist ein weiter Ort/ als nemlichen die ausgehende Winckel in dem bedeckten Wege/ und auch sonst inwendig in einer Ve- stung/ worauf sich bie Soldaten pflegen zu ver- Von Benennung und Explici rung ꝛc. versammlen/ um solche daselbst zu vertheilen/ und an andert nothleidende Oerter zu schi- cken. Place irreguliaire ist eine Vestung oder ander ver- schantzter Ort/ woran die Winckel und Linien einander ungleich sind. Place reguliaire ist ein fortificirt er Ort/ daran alle Winckel und Linien einander gleich sind. Polygone exterieur ist die Weite von einem Boll- wercks-Punct zu dem andern. Polygone interieur ist die Weite von einem Keel- Punct zum andern. Plan ist der Grund-Riß u. Vorstellung eines Orts nach seiner Circumferenz, Laͤnge und Breite. Platte Forme ist ein erhoben Werck/ welches man entweder auf die langen Courtinen oder auch auf die Bollwercke laͤnglicht oder eckigt zu se- tzen pfleget/ um von daraus uͤber die Brust- Wehre wegzuschiessen. Pont de Jonc ist eine Bruͤcke von grossen zusam- men gebun d enen Binsen oder Schilff-Rohr/ die in dem Moraste wachsen/ welche man ver- mitt elst gewisser Stangen oder Breter zusam- men bindet/ und so man will/ auch mit Bre- tern beleget/ um damit uͤber einem breiten Wasser Graben und Canal zu fahren/ oder auf solche uͤber Morastige Oerter zu gehen/ zu fah- ren und zu reiten. Pont flottant ist eine fliegende Bruͤcke/ so von 2. Schiffen gemachet/ und mit Bretern beleget M 4 wird/ Das I. Cap. wird/ welches alles denn fest an einander muß verwahret werden/ damit man allerhand Sachen vom Volck und Artillerie uͤber einen Fluß fuͤhren koͤnne. Pont levis ist eine Fall-Bruͤcke/ welche man auf- und zuziehen/ und auch ein Thor einiger massen damit bedecken kan. Poterne ist ein heimlicher Gang und Thuͤrlein/ wodurch man aus einer Vestung unvermerckt ausfallen/ und den Feind unvermerckt uͤber- rumpeln kan. Prosil ist die Præsentir ung eines Wercks bey der Orthographie nach seiner Laͤnge/ Breite/ Hoͤ- he und Tie ff e. Plumage ein Feder-Busch. Persecuter verfolgen. Perseverant standhafftig. Persvasion eine Uberredung. Persvader bereden/ uͤberreden. Perturber zerstoͤren/ zerruͤcken/ entruͤsten/ betruͤben Peuple das Volck/ Leute. Piece ein Stuͤck. Pied ein Fuß. Pied à Pied Fuß fuͤr Fuß. Pierre ein Stein. pierreux Steinigt. Piller rauben/ berauben. Pillage der Raub. Pilote ein Steyer-Mann oder der Schiff- Patron Piquant. stehend/ spitzig. pi- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Piquer stechen/ anspornen. Piquet Pfahl/ ist die Wacht bey dem Gewehr/ so vor die Fronte an einem Pfahl zusammen an- gelehnet ist. Pistolet ein Pistol. Plaine eine ebene oder grosse Flaͤche. Plaisir ein Gefallen/ Wohlthat/ Dienst/ it. Freude Wollust und Kurtzweil. Planir gleich machen/ eben. Planter pflantzen. Planter les eanons die Stuͤcke pflantzeeꝛ Playe eine Wunde. Plonger ins Wasser tauchen. Poignard ein Dolch. Peloton ein kleiner Hauffen Kriegs-Volck it. ein Kneul. Au Point du jour bey anbrechenden Tage Pointu spitzig/ scharff/ geschaͤrffet. Poix Buch. Poltron ein verzagter Mensch. Portepée ein Degen und Leib Gehaͤng. Porter tragen. Poser legen/ niederlegen. Posseter besitzen. Possible das moͤglich ist. Poste die Post it. ein gewisser Ort in dem Kriege/ woran viel gelegen. Pouce ein Zoll oder Daumen breit. Poudre à Canon Schieß-Pulver. Poudreux staubigt. M 5 pousser Das I. Cap. Pousser fortstossen/ forttreiben. Pouppe das hinter Theil am Schiff. Precipice ein gefaͤhrlicher und hoher Ort. Precipiter herab stuͤrtzen. Preferer vorziehen. Prejudice Nachtheil. Preparer bereiten/ Zuruͤsten. Presence Gegenwart/ Presenter anbieten zu stellen. Preserver vor Ungluͤck bewahren. Pressant dringend/ noͤthig. Presser dringen/ zwingen. Pretendre fuͤrgeben. Prevenir vorkommen. Preuve eine Probe. Prisonnier ein gefangner. Prison das Gefaͤngniß. Priver, berauben. Privilege eine Freyheit. Proceder fortfahren/ fortgehen. Probable glaublich/ guͤltig. Proche nahe. Procurer versorgen/ verschaffen. Profitable nuͤtzlich. Perfiter Nutzen schaffen. Profond tieff. Progress grossen Fortgang haben. Prolenger verlaͤngern. Promessè eine Zusage. Promettre zusagen/ versprechen. propor- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Proportion eine Gleichheit/ Vergleichung. Propos Gelegenheit oder Bequaͤmligkeit/ it. Vor- nehmen/ Vorsatz/ Anschlag. Ptopre was einem eigen ist. Protection Beschuͤtzung. Proteger beschuͤtzen/ bedecken. Province eine Landschaft. Provision Versorgung/ Vorrath. Provoquer ausfodern/ anreitzen. Prouver beweisen. Publier oͤffentlich ausruffen/ verkundigen. Publique gemein. Puissance Gewalt, Macht. Puissamment moͤchtiglich. Puissaut starck/ maͤchtig. Pulverin eine Zuͤnd-Pulyer-Flasche. Pulverisser zu Pulver stossen. Punir straffen. Purger Purifier reinigen saubern. Q. Quaré viereckigt. Queüe d’ Hyronde ist ein gewisses Aussenwerck/ welches hinten enge und forne weit ist/ in Form einer einfachen. Tenaille so man einen Schwalben-Schwantz heiset. Quartier du Roy oder General das Haupt- Quartier, wo der Hoff und General-Staab zu Logir en pfleget. Quar- Das I. Capitel. Quartier d’ un Suge ist das Lager/ so man bey dem vornehmsten Paß eines belagerten Or- tes schlaͤget/ damit alle Zufuhꝛ und Succurs den Belagerten abzuschneiden. Qualifier heissen oder nennen it. geschickt und be- quaͤm machen. Qualité Geschickligkeit und gute Gestaltniß it. Ehren- und Amts- Titul. Quantire Grosse/ Vielheit/ Maͤnge. Quarer viereckigt machen. Quart der vierte Theil. Querelle Zanck/ Hader/ Uneinigkeit/ Streit. Quereller zancken/ hadern. Querir hohlen/ suchen. Question eine Frage/ it. Zanck und Streit. Quintal ein Centner. Quittance eine Quittung. Quite loß und frey. Quiter quittir en/ ledig zehlen/ loß lassen/ verlas- sen. R. Ravelin ist ein dreyeckigtes Aussenwerck/ so ins- gemein vor die Mitte der Courtin pfleget gele- get zu werden/ um dieselbe desto besser zu be- decken. Redans sind gewisse Wercke/ so als wie Saͤg- Zaͤhne aussehen/ indem sie bald scharff/ bald stumpff wincklicht gemacht werden/ damit ein Theil den andern wohl bestreichen koͤnne/ und werden Von Benennung und Explici rung ꝛc. werden sie gemeiniglich gemachet an die Was- ser-Seiten/ wo ein Fluß voruͤber gehet. Redoute ist eine viereckigte Verschantzung/ wel- che man gemeiniglich bey denen ausgehenden Winckeln der Approchen pfleget zu machen/ oder auch sonst bey andern Linien/ Hoͤhen und Retrenchementen hin und wieder anzubrin- gẽ/ um daraus alles desto besser zu bestreichen. r empart ist der Erdwall von Courtin en und Bollwercken/ so um eine gewisse Stadt gefuͤh- ret ist. R etirade oder retraite, eine innerliche verschan- tzung in einer Vestung/ oder ein anderer sicherer Ort im Felde/ wohin man sich im Fall der Noth salvi ren kan. Die R etraite schlagen lassen/ daß ist auff dem A- bend den Zapffen Streich thun/ da- mit die Soldaten aus dem Wein und Bier- Haͤusern nach ihren Quarti ern sich begeben moͤgen. R etrenchement ist eine Verschantzung mit einer starcken Brust und ziemlichen Graben umb ein Lager/ Vor-Staͤdte oder andern Art/ damit solcher von einen feindlichen Anfall in etwas moͤge bedecket seyn. R evetir heist/ wenn man einen Erdwall/ Brust- Wehr oder Graben mit Steinen bekleidet/ da- mit die Erde nicht mehr abschiessen koͤnne/ und man auch weitern Raͤum bekomme. R ideau ist ein kleiner Wall im flachen Felde/ ei- ner ziemlichen Laͤnge/ dienet eigentlich denjeni- gen Das I. Cap. gen zu grossen Vortheil/ so einen Oꝛt ohne weit- laͤufftige Approchen in der Naͤhe belagern wollen/ um die Zeit zu gewinnen. Mit solchen chen Namen wird anch derjenige Ort benen- net/ wodurch man verdeckt biß zum Fuß eines Bollwercks kommen kan. R ondel ist ein grosses rundes Werck mit einer Mauer umbgeben/ welches man vor alters ge- meiniglich fuͤꝛ die Thoꝛe und Ecken einer Stadt geleget/ und sich dessen an Stadt eines Boll- wercks bedienen. Rameaux sind Galleri rn/ und Gaͤnge unter den Wall oder Glacis zu den Minen. Relais ist so viel als die Perme oder Fuß des Wal- les damit die Erde nicht so gleich koͤnne im Graben fallen. Rabotteux, uneben/ rauch/ item schaͤbig kraͤtzig. Raccommoder wiederzurichten. Raccorder wieder vereinigen. Race, Geschlchet/ oder Ankunfft. Racheter wiederkauffen. Rachat Rançon Loͤß-Geld/ Rantzion/ was man dem Feinde giebt/ umb von der Gefangen- schafft wider frey zu werden. Racourir zuruͤcklauffen. Rade de mer ist ein solcher Ort/ welchen man Ret heisset/ da die Schiffe zu nechst bey dem Hafen vor Ancker liegen. Raffiné ein arger und listiger Mensch. Rafrechir erfrischen/ erneuern. Ra- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Ragas d’ eau ein Wasser-Guß. Ragencer wider in Ordnung stellen. Raggrandir weiter ergroͤssern. Railler Schertz mit einem treiben. P ar raillerie im Schimpff und Schertz. R ais de roüe eine Speiche im Rade. R aison Vernunfft/ Ursache. Raisonable billigen. R aisonner uͤberlegen betrachten. R allier wider vereinigen. R allonger wider verlaͤngern. R allumer wider anzuͤnden. R amancher das Hefft wider anmachen. R amasser versamlen/ zusammen bringen. R ame ein Ruder an einer Gallee r/ oder andern kleinen Fahr-Zeuge. R amener widerherbringen. R amper klettern oder kriechen. R ang Reiche/ Ordnung. R anger in Ordnung stellen. R animer ein Hertz wieder einsprechen. R apine der Raub. R apiner, rauben stehlen. R appeler wider ruffen. R apport, Erzehlung/ was man gehoͤret und gese- hen. R apporter widerbringen/ it. etwas erzehlen. R aquette eine Raquete. R are seltzam. R aser, scheren/ glat abschneiden/ schleiffen. R as- Das I. Cap. R assasier ersaͤttigen. R assembler wiederversamlen. R assurer von neuen versichern. R asteau ein Rechen. R asteler zusammen Rechen. R atifier bekraͤfftigen. R avage, Einfall/ Landes-Streiffung. R avager verhehren/ auspluͤndern/ durchstreiffen. Ravegourer wieder ermundern/ Krafft geben. R avir, Rauben/ mit Gewalt nehmen. R aviser sich wieder bedencken. R aviver wider lebendig werden. R avitailler wieder mit Lebens-Mitteln verse- hen. Rayé gezogen/ wie die Buͤchsen/ womit man schies- set. Rayer, auskratzen durchstreichen. Realement mit der That. Rebelle wiederspenstig. Rebeller sich w idersperren/ abfaͤllig werden. R ebellion, Menterey/ Abfall. Rebours verkehrt/ hinter sich. Rebuter ausmustern verwerffen. Recapitulation der Schluß und Auffsatz/ was man contrahi ret. Recapituler wiederholen/ was man verspro- chen. Reception Auffnehmung. Reciproquer wiedergelten. Reclamation Wiedersprechung. R e- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Reconnoitre erkennen/ danckbar seyn. Recommandable eine Sache die zu loben ist. Recommandation ein Gruß/ oder Empfehlung. Recommander befehlen/ loben. Recompenser vergelten/ belohnen. Reconcilier versohnen. Reconvoyer das Geleit wiedergeben. Recorder wieder gedencken. Recourrir eine Zuflucht haben. Recreer erlustigen/ erqvicken. Recreation Ergetzung. Recueil Versamlung. Recueillir wieder versam̃len/ freundlich empfan- gen. Reculer zuruͤck gehen/ zuruͤcke lauffen. Reddition Wiedergebung. Redevable der schuldig und verbunden ist. Redonner wiedergeben. Redoubler etwas doppelt machen. Redresser wiederauffrichten. Reduire wieder zuruͤck oder zurechte bringen. Reellement wuͤrcklich/ in der That. Refaire wieder machen. Refermer wieder schliessen. R eformer eine andere Gestalt geben/ in bessere Ordnung. R efrener zaͤumen/ baͤndigen. R efugier Zuflucht nehmen. Refus Verweigerung. Refuser verweigern. N R e- Das I. Cap. Regalgner wieder gewinnen. Regaler herrlich beschencken. Regarder ansehen. Region eine Landschafft. Regner regieren. Regretter nach etwas grosses verlangen haben. Rejetter verwerffen. Regler regulir en. Relager nachlassen. Relation Erzehlung. Relegation Verweisung. Religion Gottes-Dienst. Remede ein Mittel. Remedier helffen oder rathen. Remercier bedancken. Remettre wieder an seinen Ort setzen. Remission Vergebung/ Nachlassung. Remonter wieder auffsteigen. Remparer mit einem Wall um geben. Remplir erfuͤllen. Remporter darvon tragen. Remuër bewegen. Remunerer vergelten. Rencontre eine Begegnung. Recontrer einander entgegen kommen. Rencourager wieder ein Hertz einsprechen. Rendre wiedergeben. Renegat ein abgefallener Mammeluck. Renforcer wieder staͤrcken. Renfort eine Verstaͤrckung. R e- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Renommé der einen guten Nahmen hat. Renoncer abkuͤndigen/ ausschlagen. Renouveller verneuern. Renverser umwerffen/ uͤber einen Hauffen werf- fen. Reparer verbessern. Reparation Verbesserung Repasser wieder durch gehen. Repeter wiederholen. Repeupler wieder mit Volck besetzen. Repondre antworten. Reposer ausruhen. Reprendre wieder nehmen. Representer fuͤr Augen stellen. Reprimander ausfielsen/ straffen. Reprimande eine Bestraffung mit Worten. Reproche Verweisung. Reprouver verwerffen/ verweisen. Reputation Hochachtung/ vornehmer Nahme. Reserrer einen enge einsperren. Reserve Vorbehalt/ Hinterhalt. Residence Sitz oder Wohnung eines grossen Herrn. Resigner auffgeben. Resignation Auffsagung oder Ubergebung. Resistence Wiederstand. Resister wiederstehen. Resolution Entschliessung/ Vorsatz. Resoudre festiglich vornehmen. Repondre antworten. N 2 R e- Das I. Cap. Retablir wiederordnen/ wiederbestaͤtigen. Reste das uͤbrige. Rester uͤbrig bleiben. Restituer wieder einsetzen/ zurichten Restitution Wiedergebung. Reveille Auffwache/ Tagwache. Reveiller auffwecken. R etarder verhindern/ auffhalten. R etenir hinter halten. R etirer zuruͤck ziehen. R etourner wieder um kehren. R etracter sein Wort wieder zuruͤck ruffen. R etrencher abschneiden. R eveler offenbahren. R evenir wiederkommen. R evoir wiedersehen. R evuẽ eine Besehung/ Beschauung/ Muste- rung. R everence Ehrerbietung. R evers ein Ruͤck-Streich umgewendete Seite. R eunir wieder vereinigen. Revolter von seinem Herrn abfallen/ Meuterey machen. R evoquer wiederruffen. R igoureux scharff/ ungenaͤdig. R oche ein Felß. R odomont ein Praler/ Auffschneider. R odomontade Auffschneiderey/ Pralerey. R ompre zerbrechen. R ond Rund. Ron- Von Benennung und Explici rung ꝛc. R onder rund machen. R ouë ein Rad. Rougir roth machen. Rouiller rostig werden. Rouler waͤltzen. Royal Koͤniglich. R ute rauch/ hart/ unfreundlich. R uë eine Gasse. R uiner verderben/ verstoͤren. R uine Verfallung/ Verwuͤstung. S. Sac à Terre ist ein Sack von groben Zwillig/ oder Leinwand/ in welchen man Erde oder Sand thut/ um sich damit auff dem Nothfall zuver- schantzen. Sappe ist ein verdeckter Gang/ welcher zu aͤus- serst der Brust auff dem Glacis eingegraben/ und unter sich gemachet wird/ um dadurch unvermerckter weise in den Graben zukom- men. Saigner un Fossé ist/ wenn man einen Wasser- Graben das Wasser benehmen und abziehen kan. Saucisse, ist ein langer Sack von Bargent oder Leinwand gemacht/ worein man Pulver thut um eine Mine von weitem dadurch an- zuzuͤnden/ heisset sonst auch eine Brat- Wurst. Saucissons sind grosse Waͤllen von Baum-Aesten gemacht/ an den Enden und in der Mitten zu- N 3 sam- Das I. Capitel. sammen gebunden/ welche man sonst Fachi- n en nennet/ es bedeutet auch eine Knack- Wurst. Santinelle eine Schild-Wacht zu Fuß/ welche man auff dem Wall/ Thore/ Bruͤcken und sonst im Felde ausstellet/ um Achtung zugeben und anzumelden/ was passi ret. Sillon ist eine Brust-Wehre unten im Graben/ woraus man solchen wohl bestreichen kan. Sable Sand Sablon. Sablonneux Sandig. Sacacher eine Stadt aus pluͤndern. Sacrilege Kirchen-Raub. Saillir ausfallen/ ausgehen. Sain gesund. Saintement. heiliglich. Saisir einnehmen/ angreiffen/ bemaͤchtigen. Salpetre oder Salnitre Salpeter. Salve eine Salve und Loßschiessung der Buͤch- sen. Saluër gruͤssen. Sang Blut. Sanglant blutig. Sangler guͤrten Sangle ein Pferdte-Gurt. Santé Gesundheit. Satisfaction Genugthuung. Satisfaire bezahlen/ genugthun. Sauf frisch und gesund. Saut ein Sprung. Sauter springen. Sau- Von Benennung und Explici rung. ꝛc. Sauvage Wild. Sauver bewahren/ behalten/ erretten. Sçavoir wissen. Scelerat ein boͤsewicht. Sçenographie der perspectivi sche Auffriß eines Wercks oder Gebaͤudes. Science Kunst oder Weißheit. S cier saͤgen. S eau ein Siegel/ Pitschier Rinck- S eel. S echer drucken machen. S ecourir helffen/ beystehen. S ecours Huͤlffe/ Beystand. S ecret heimlich. S edieux auffruhrisch. S edition Auffruͤhrung/ Empoͤrung. S eduire verfuͤhren/ betriegen. S ensible empfindlich. Sentence Meynung/ Gerichts-Spruch. S entencier Ausspruch thun. Sentiment Meynung. Sentir empfinden/ riegen. Separer unterscheiden/ absondern. S ergent ein Unter- Officier, Feldwebel. Serieux ernsthafftig Serment ein Eydschwur. Serrer zu schiessen/ zusammen ruͤcken. Service ein Dienst. S ervir dienen. S evere ernsthafftig/ streng. S iege eine Belaͤgerung. N 4 S ignal Das I. Cap. S ignal ein Zeichen. S ignaler trefflich hervor thun/ bemercken. S igner unterzeichnen/ unterschreiben. Signifier anzeigen/ kund thun. Silence das Stillschweigen. Simple schlecht/ einfaͤltig. Situation die Gegend und Gelegenheit eines Ortes. Situer gelegen. Soldat ein Kriegs-Mann. Solde Besoldung. Solennel herrlich praͤchtig/ oͤffentlich so jaͤhrlich einmahl geschiehet. Solennizer Feyerlich begeben. Soliciter anliegen/ begehren. Solide gaͤntzlich/ voͤllig/ gruͤndlich/ Solitude Wuͤsteney Einsamkeit. Solution Bezahlung. Somme eine gewisse Summa. Sommer auff-ordern/ beruffen/ zusammen rech- nen/ auffuͤhren. Sonde Trompette Trompeten-Schall. Sonder gruͤnden/ it. erforschen. Songer Traͤumen oder gedencken. Sonner lauten/ klingen. Sonner le T ambour die Trommel schlagen. Sonner les tymbales die Paucken schlagen. Sonner les trompetes die Trompeten blaßen. Sonette eine Schelle. Sort das Loß- oder Gluͤcke. Sor- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Sorte Art und Weise. Sortir ausgehen/ ausziehen. Soumetre unterwerffen. Soumission Unterwerffung. Soubscrire unterschreiben. Subscription Unterschrifft. Subsigner Unterzeichnen. Soutenir unterstuͤtzen/ einen Sturm aushalten. Soubterrain das unter der Erden ist. Souder Loͤten. Soudre loͤsen/ auffloͤsen. Soufler blasen. Souffre Schweffel. Soulier ein Schuch. Soupçon/ Argwohn. Soupçvner Argwoͤhnen. Souper zu Nacht-Essen. Souplesse Weichigkeit/ Geschmeidigkeit it. Arge Luͤst/ luͤstige Behaͤndigkeit zubetruͤgen. Source ein Uhrsprung/ Brunquelle. Sourdine der Klarin einer Trompeten. Soûlevement eine Auffhebung/ it. Auffstand/ Auffruhr. Soulever auff heben/ it. aufflehnen/ einen Auff- stand machen. Sonvenance Gedaͤchtniß. Souvenir eingedenck seyn. Souvent offt. Souverain ein Herr der niemand unterworffen ist. N 5 Souve- Das I. Cap. Souveraineté die hoͤchste Gewalt. Spatieux raumlich/ weit/ breit. Special besonder. Specification sonderliche Benennung berechnung Specifier absonderlich von Stuͤck zu Stuͤck be- nennen und erzehlen. Speculation Betrachtung. Speculer fleißig nach sinnen/ nach dencken. Squadron ein Troupp Reuterey. Stabilité Bestaͤndigkeit. Stable bestaͤndig fest. Station Stelle oder Ort/ da die Schiffe oder Kriegs-Leute stehen. Statue de fonte, bronze ein gegossen Bild. Sterile unfruchtbar Land. Sterilité Unfruchtbarkeit. Stimuler stechen/ anreitzen/ anhetzen. Stipendiare der von iemand unterhalten wird. Strade Weg/ Strasse. Stradiot. leichter Reuter/ it. ein nichtswuͤrdiger- Kerl. Stranguler erwuͤrgen/ auffhecken. Stratageme Kriegs-List. Structure Gebaͤu. Subalterne der unter einem andern stehet. Subdeleger einem andern anbefehlen aufftra- gen. Subdelegation Anbefehlung/ Ubergebung. Subhaster oͤffentlich feil biethen/ ausruffen/ ver- kauffen. Sujet Von Benennung und Explici rung ꝛc Sujet unterthan/ unterworffen/ it. Ursache. S ubjection Unterthaͤnigkeit. Subjuger unterthaͤnig machen. Subjugation bezwingung/ so durch Krieg geschie- het. Submis unterworffen. Suborner einen heimlich unterrichten/ was er thun oder sagen soll. Subroger an eines Stadt setzen. Subside Huͤlffe/ Beystandt. Subsidiaire Huͤlffs-Volcker. Subsister bestehen. Substanze das Wesen. Substantiel wesentlich. Substituer an eines ander Platz stellen. Subtil scharffsinnig/ spitzig. Subtilité Klugheit/ Spitzfinnigkeit. Subtiliser kluͤgeln. Subvenir zu Huͤlffe kommen. Subvertir alles umkehren. Subversion eine gaͤntzliche verwuͤstung. S ucceder an eines andern Statt kommen. S uccés fortgang. Successeur nachfolger. Succession Erbschafft/ Nachkunft. Succomber unten liegen. Suée der Schweiß Suer Schwitzen. Sussire genung seyn. Suffisamment genugsam. Su- Das I. Cap. Suffisanco genugen. Suisse ein Schweitzer. Suivre folgen. Sulfureux schweselicht. Superflu oder Superabondant uͤberfluͤßig. Superabonder uͤberfluͤßig seyn. Superteur der oͤberste. Superiorité Oberhand. Supernaturel uͤbernatuͤrlich. Supleer Ersetzen/ einbringen/ bitten. Supplier unterthaͤnig bitten. Supplication eine unterthaͤnige Bitte/ Supplica- tion. Support Gunst/ Huͤlffe. Supporter einem goͤnstig seyn/ it. dulten/ vertra- gen. Supposer untersetzen/ unterstellen. Suppression Versteckung/ Vertuschung/ Ver- bergung. Supprimer etwas verheelen/ heimlich halten. Sur-charge eine Uberlast. Sur-charger uͤberladen. Surfaire uͤberbiethen/ zu theuer bieten. Surhater uͤbereilen. Sur intendant Ober Auffseher/ Verwalter. Supasser Sormonter uͤbersteichen/ uͤberwinden/ uͤber- treffen. Surnom Zunahme. Surnommer einen zunahmen geben. Sur- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Surprendre unverhofft uͤberfallen/ erhaschen/ uͤ- berrumpeln. Surprise Uberrumpelung. Survenir unversehens darzukommen. Surtout ein Ober-Rock. Sur vivre uͤberleben. Sur vivance das Uberleben/ it. Anmerckung. Susciter erwecken. Suspert verdaͤchtig. Suspendre Entsetzen it. ruhen lassen. Suspension Stillstand der Waffen. Sustenter unterhalten. Sustentation Unterhaltung. Sympathie gleiche Eigenschafft. T. Talut Abdachung der Wercke/ sie seyn von Erde oder Mauer. Tanaille eine Zange/ so ein offen Werck ist/ u. kan ein solches Werck einfach mit einem eingebo- genen Winckel/ oder doppelt mit zweyn ein/ und einen außfahrenden Winckel seyn, Terreplein der Wallgang/ wo die Soldaten or- dentlich auff dem Wall gehen/ und die Stuͤcke stehen. Tour creuse ist die runde Aushoͤlung bey der so genanten Frantzoͤsischen Fortification. Tranchée sind die approchen welche die Belaͤge- rer fuͤr einen belagerten Ort auffwerffen. Traverse ist ein Zwerg-Wall mit seinem Gra- ben so gemeiniglich die Quere an enge Oerter und Das I. Cap. und Tassagen gemachet wird/ damit man nicht durchkommen/ und solchen Ort frey beschies- sen koͤnne. Toise eine Klaffter/ von 6. R. lang/ dessen sich die Frantzosen bey der Fortification bedienen. Tour bastionne ein starcker Thurm welcher auff dem Keel-Winckel eines Bollwercks erbau- et ist/ und an Stadt eines Cavaliers und Maga- zins dienen kan. Tabernacle ein Zelt. Table Tisch. Table ouverte offene Tafel. Tablettes Schreib-Taffel. Tambour eine Trommel/ Trommelschlaͤger/ it. ei- ne grosse Reisetasche. Tacite heimlig. Taillade ein Schnitt. Taillader mit grossen und weiten Schnitten zer- schneiden. Taillant die Schneide. Taille Gestald des Leibes/ it. Schneidung it. Steuer Schatzung. Tailler schneiden/ hauen Taire stillschweigen. Talon die Verse am Fuße/ der Absatz am Schue. Tappis Teppich. t abusser mit Teppichten behaͤngen. t apisserie Tapetzerey. Tart spaͤt/ langsam. Tarter verziehen auffhalten. T artif Von Benennung und Explici rung ꝛc. T ardif ein langsamer Mensch. T arelle ein Borer. t artane eine gewisse Art kleiner Schiffe/ wor- mit man geschwind segeln kan. T as de gens ein hauffen Volcks. Tasche ein Tagwerck. t ascher sich bemuͤhen. t asse â boire eine Schale/ daraus zut rincken. T ater fuͤhlen/ greiffen. t averne eine Herberge, t axe Schaͤtzung. t axer Schaͤtzen/ taxir en. t emeraire vermessen. t emperer men gen/ maͤßigen. t empéte Ungewitter. t empeter toben/ wuͤten/ rumpeln/ entruͤsten/ Auffruhr machen. t empetieux ungestuͤmm. t emple Kirche. t emporiser sich in die Zeit schicken. T emporel zeitlich, T emps die Zeit, T enaille Zange/ eingewisses Aussen-Werck bey der Fortification, T enailler un mal faiteur einen Ubelthaͤter mit gluͤ- enden Zangen zerreissen. T endre strecken/ Spannen/ auffspannen/ darrei- reichen/ geben/ langen. T endre zart/ Frisch. T enebreux dunckel/ finster. t enir Das I. Cap. Tenir halten. Tentation Versuchung. Tente ein Zelt. Tenter versuchen. Terme Wort/ Ziel/ Zeit/ Termin. T erminer enden/ vollbꝛingen. T errasser zur Erden werffen. T erre die Erde. T erre ferme fest Land/ so keine Jnsul ist. T erreur ein Schrecken. T errible erschrecklich. T emoignage ein Zeugniß. T emoin ein Zeuge, T estament ein Testament/ letzter Wille. T ete das Haupt. T estifier oͤffentlich bezeugen. T estification bezeugung. T estimonial Zeugend. T etter sauger. T heorie das Bedencken und speculi ren einer Kunst. T hresor ein Schatz. T hresorier Schatzmeister/ Zahlmeister. T hresororie die Renterey. T hrone ein Thron. T iede laulicht. T iedir laulicht machen. T ige de botte das Bein an einen Stiefel. T illet ein Lindenbaum. T itre ein Titul. T imide Von Benennung und Explici rung ꝛc. T imide furchtsam. T imon de chariot die Wagen deichsel. T imon de navire das Steuer-Ruder. T intiner klingen oder schellen. T irer ziehen/ zielen/ schiessen. T irebale ein Kugelzieher. t ireboutre ein Kretzer. t irer d’ armes fechten. t isane Gerstenwasser/ ein gewisser Tranck. t ocsing Sturmglocke. t oiser mit der Ruthe messen. t olerable pertraͤglich. t olerer leiden/ vertragen. t oletance Vertraͤglichkeit. Tomber fallen/ kommen. Ton ein Thon oder Laut. Tondre scheren. Tonneau ein Faß/ Thonne. Tonner donnern. Torche eine Fackel. Torcher fegen/ abwischen. Tordre kruͤmmen/ buͤgen/ draͤhen. Torrent ein Regen oder Schneebach. Tort unrecht. Totalement Total gaͤntzlich. Toucher anruͤhren. Toujours allezeit. Tour ein loser Fund/ boͤses Stuͤck/ it. ein Thurn- Reise oder Weg. O t our Das I. Cap. Tour à tour einer nach dem andern. Tourmenter plagen/ peinigen. Tourner umkehren/ umwenden/ verdraͤhen/ it. uͤ- bersetzen in eine andere Sprache/ it. draͤhen/ drechseln. Tout alles. Tout de bon im rechten Ernst. Tout à fait gantz und gar. Tout à point zu rechter Zeit. Tout à coup auf einmahl. Tout à l’aise gantz gemaͤchlich. Traces die Fußstapffen eines Menschen. Tracer nach spuͤhren/ it. abzeichñen. Trahir verrathen. Trahison Verraͤtherey. Traitre Verraͤther. Trait ein Zug/ Trunck/ ein subtil Stuͤck. Traitter handeln/ tractir en/ beschreiben. Train der Anhang/ Nachfolge bey grossen Herrn/ it. die Spuhr eines Thiers. Trainer schleppen/ nachschleiffen. Tramer weben/ rathschlagen/ anstellen/ anordnen. Transferer versetzen. Transporter uͤberbringen/ uͤbertragen. Transformer in eine andere Gestalt veraͤndern. Transgresser uͤbertreten. Transpercer durchstechen. Transmuer veraͤndern. Transport Ubertragung/ Ubersetzung der Voͤlcker auf dem Wasser. t rans- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Transposer versetzen/ an einem andern Ort hinse- tzen. Trape Strick/ Schlinge/ Falle. Travail Arbeit. Travailler arbeiten. Travers uͤberzwerg. Traverser durchgehen. Travetir verkleiden. Trebucher anstossen/ straucheln/ fallen. Treillis ein Gitter. Treillisser vergittern. Trembler zittern. Tremblement Zitterung. Tremper weichen/ waͤssern/ eintuncken/ it. haͤrten. Trenchée Trenchement Lauffgraͤben. Trencher schneiden/ hauen. Trépied ein Dreyfuß. Trespasser absterben. Tresser flechten. Tribut Stuer/ Schatzung/ Anlag. Tributaire zinßbar. Trinquer trincken. Triompher triumphiren. Triomphant Sieghafft. Trippes Gedaͤrme/ die Kutteln. Tripler dreyfaͤltigen. Triste Tristement traurig/ betruͤbt. Trois drey. O 2 t rom- Das I. Cap. Tromper betruͤgen. Trompeur Betruͤger. Trompette eine Trompete/ Trompeter. Tronc d’ arbre der Stamm eines Baums. Tronquer abschneiden/ kuͤrtzer machen/ stuͤmmeln. Trop zu viel. Trop peu allzuwenig. Trop tost gar zu bald. Trophée Siegszeichen. Troquer tauschen. Trotter traben. Trou ein Loch. Trouer loͤchern/ bohren. Trouble Unruhe/ Aufruhr/ Empoͤhrung. Troubler truͤbe machen/ verwirren/ verstoͤhren. Trouppe ein Hauffen Volcks. Trousser aufstuͤlpen/ aufschuͤrtzen/ aufpacken. Trouver finden. Trucheman ein Tolmetscher. Tube ein Sprachrohr. Tuër toͤden/ wuͤrgen/ umbringen. Tumnlte Aufruhr/ Tumult. Tumultuer aufruͤhrisch seyn. Turc ein Tuͤrcke. Turque eine Tuͤrckin. Turquesque Tuͤrckisch. Turquie Tuͤrckey. Tyran ein Tyran. Tyrannie Tyranney. Tyrannique Tyrannisch. t yran- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Tyranniser Tyranney treiben. U. V. Vedette eine Schildwacht zu Pferde. Ville close eine verschlossene und mit Mauren umgebene Stadt. Vacant ledig/ feyrend. Vache eine Kuhe. Vacherie eine Heerde Kuͤhe. Vaciller hin und her wancken/ ungewiß stehen. Vagabond Landstreicher. Vague eine Meereswelle. Vaguer Wellen machen/ fliessen. Vaillant tapffer/ it. Vermoͤgen/ Reichthum. Vaillance Tapfferkeit/ Mannhafftigkeit. Vainement En Vain vergebens. Vanité Eitelkeit. Vaincre uͤberwinden. Vaincu uͤberwunden. Vainqueur ein Uberwinder. Vaisseau ein Faß/ Geschirr/ it. ein Schiff. Vaisselle allerley Geschirr. Val Vallée ein Thal. Valet ein Knecht/ Diener. Valeur der Werth oder Preiß. Valenreur tapffer/ mannhafftig. Valeureusement mannhafftiglich. Valise ein Wattsack/ Felleisen. Valoir gelten/ nuͤtzen/ werth seyn. O 3 Van- Das I. Cap. Vanger raͤchen/ Rache nehmen. Vanter ruͤhmen. Vanteur ein Ruhmraͤthiger Mensch. Vapeur Daͤmpff/ Dunst. Vapereux daͤmpffig/ voll Duͤnste. Variable veraͤnderlich/ unbestaͤndig. Variation Veraͤnderung. Varier veraͤndern. Varieté die Vielfaͤltigkeit. Vaste groß und weitlaͤufftig. Vauneant oder Vaurien ein nichtswuͤrdiger Mensch. Veau ein Kalb. Vef ein Wittber. Vefve eine Wittfrau. Vehemence die Hefftigkeit. Vehement hefftig/ kraͤfftig. Veille eine Wacht. Veiller wachen. Veillant wachend/ emsig. Veine eine Blutader. Velocité schnelle. Venaison Wildpraͤt. Vendange Weinlese. Vendition Verkauffung. Vendre verkauffen. Venin Gifft. Venir kommen. Vent der Wind. Venter Wind machen. Ven- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Venteux windig. Ventre der Bauch. Voir sehen. Veuẽ das Gesicht. Verbal mit Worten gesagt/ schrifftlich aufgesetzt. Verd gruͤne. Verifier bekraͤfftigen. Veritable wahrhafftig. Verité Wahrheit. Verole Kinderbocken/ Frantzosen. Verser giessen/ einschencken/ umwerffen. Version eine Ubersetzung. Vertu Tugend. Vetir kleiden. Viande Speise. Vice Laster/ Gebrechen/ Mangel. Vicieux lasterhafftig. Vicinité Nachbarschafft. Victoire der Sieg. Victorieux sieghafftig. Vie das Leben. Vieillard ein Alter. Vieillesse das Alter. Vieillir alt werden. Vielle eine Leyer. Vieller leyren. Vierge eine Jungfrau. Violer beleidigen/ schaͤnden. Vivement lebhafftig/ nachdruͤcklich/ scharff. Vigilant sorgfaͤltig/ emsig/ wachsam. O 4 Vigne Das I. Cap. Vigne Weinberg/ it. Vignoble. Vigueur Krafft. Vigoureux frisch/ gesund/ starck. Vil unwerth. Vilain unhoͤfflich/ unflaͤtig/ undanckbar/ ein kar- ger Filß/ ein Schelm/ ein Bube/ ein Bauer/ ein grober Gesell. Vilainement schaͤndlich. Vilage ein Dorff. Ville eine Stadt. Vin Wein. Vinaigre Eßig. Vingt zwantzig. Violence unbillige Gewalt/ Nothzwang. Violent gewaltig/ starck/ hefftig. Violon ein Geiger/ ein Fidler/ eine Geige. Virilement maͤnnlich/ tapffer/ redlich. Vis eine Schtaube. Visage das Gesicht. Visant zielend. Viser zielen. Visible sichtbar. Visite eine Besuchung. Visiter heimsuchen/ besuchen. Vite, Vitement geschwind/ hurtig. Vital lebhafftig. Vivacité Lebhafftigkeit. Vivre leben. Ulcere ein Geschwaͤr. Unanime eintraͤchtig. Una- Von Benennung und Explici rung ꝛc. Unaniment eintraͤchtiglich. Unanimité die Eintraͤchtigkeit. Union Einigkeit/ Vereinigung. Unique einig/ allein. Unir vereinigen/ zusammen fuͤgen. Universel allgemein. Uniforme gleichfoͤrmig. Vocation die Beruffung. Voguer rudern. Voile ein Segel/ it. der Schleyer eines Weibsbil- des. Voicin Nachbar. Voicinage Nachbarschafft. Voiture die Fuhr. Voix die Stimme. Volée der Flug. Voler fliegen/ it. berauben. Voleur ein Rauber. Volerie Rauberey/ Pluͤnderung. Volontiers gerne. Volonté Wille/ Meynung. Volontaire ein Freywilliger. Voltiger voltisir en. Vouloir wollen. Vouté ein Gewoͤlbe. Vouter woͤlben. Voyager reisen. Voyage die Reise. Vray ement wahrhafftiglich/ glaubar/ warlich. Usaye Gewohnheit/ Gebrauch. O 5 User Das I. Cap. User gebrauchen/ verschliessen/ abnuͤtzen. Usure Wucher. Usurper gebrauchen/ sich etwas zueignen/ was ei- nem nicht gehoͤret. Utensiles allerley Haußrath/ Ruderwerck. Utile nuͤtzlich. Utilité Nutzbarkeit. Vuide leer. Vuider leeren/ ausleeren. Vulgaire gemein. Vulgairement gemeiniglich. Y. Yverner uͤberwinden. Yver der Winder. Yvoire Elffenbein. Yvre truncken. Yvrogne ein Trunckenbold. S’Yvrogner sich offt doll und voll sauffen. t vrognerie Trunckenheit. Z. Zele, Eyffer. Zelé eiferig. Zeler eiferig machen. Zenit der Punct uͤber unsern Haupt an den Him- mel. Zodiaque der Circul/ worinnen die zwoͤlff himm- lische Zeichen lauffen. Zone ein Guͤrtel/ it. ein Umkreiß am Himmel. Zangen/ vid. Tenaille. Das Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. Das II. Cap. Von dem Uhrsprung/ und Fortgang der Fortification, auch derselben unterschiedlichen heutigen Manier en. (1.) Frage. Auf was weise hat man sich zu al- lererst zuverschantzen angefan- gen? A Ls die Leute erstlichen angefangen in etwas beysammen zu wohnen/ haben sie ihren Platz und Ort mit selbst wachsenden Zaͤunen und He- cken verwahret/ damit sie nur einiger Massen vor den wilden Thieren haben koͤnnen gesichert seyn. (2.) F rage. Was hat man nach den Hecken vor Fortification pflegen zu machen? Weil die Hecken und Zaͤune so wohl von wil- den Thieren/ als auch von einigen andern he- rum vagi renden Leuten/ so mehrentheils Diebe und Raͤuber abgeben/ leicht haben koͤnnen durch- loͤchert/ verwuͤstet und verbrand werden/ und also die beysammen wohnenden Leute darbey nicht recht sicher gewesen/ haben sie Baͤume uͤberei- nander geleget/ Pallisaden in die Erde eingese- tzet/ Das I. Cap. tzet/ dañ Waͤnde von Eꝛden und Leimen gemachet/ u. nachdem dieses alles nicht recht verwahrlig hat zu langen wollen/ haben sie endlichen ihren wohn- hafften Ort mit einer blossen Mauer umbge- ben. (3.) F rage. Wie ist die erste Fortification weiter verbessert worden? Weil der Hochmuth unter den Leuten sehr gewachsen/ und andere diejenigen/ so sich mit der- gleichen blosen Mauer verwahret/ unter ihre Botmaͤßigkeit zubringen gesuchet/ haben sie bald Mittel erfunden die Mauern mit ihren Machinis und Boͤcken zu ruini ren und einzustos- sen: Dahero es hernach kommen/ daß man umb die blose Mauer einen Graben gefuͤhret/ damit die Feinde nicht so gleich an dem Fuß derselben kommen koͤnnen. (4.) F rage. Wie hat sich die Fortification noch ferner veraͤndert? Ungeachtet man noch einen Graben umb die Mauer gefuͤhret/ so haben sich doch die Feinde da- rein geleget/ und sich dennoch mit ihren Machi- nis an dem Fuß der Mauer angehenget/ worauff dann nicht alleine die Schieß-Loͤcher/ oder viel- mehr die Einschnitte/ und so genante Zahn-Luͤ- cken Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. cken oben in die Mauer gemachet worden/ um mit Pfeilen heraus auf den Feind zuschiessen; Sondern man hat auch Uberhaͤnge auf die Mau- er gemachet/ so unten offen gewesen/ wodurch man dann Steine und Feuer auf den Feind gleich unter geworffen/ auch heises Wasser auf denselben gossen/ wenn er sich an dem Fuß der Mauer logi ret. (5.) F rage. Wie ist die Fortification noch hoͤher gestiegen? Weil die vorigen Verwahrungen nicht ge- nug gewesen/ den Feind an seinem Vorhaben zuverhindern/ massen er sich mit seinen Schildern und andern Invention en uͤber dem Haupte wohl bedecket/ und also sein Vorhaben ungehindert unten an der Mauer verbringen koͤnnen; Hat man angefangen an die Mauern/ sonderlich a- ber an die Winckel/ von Distan tzen zu Distan tzen runde und viereckigte Thuͤrme zubauen/ umb von daraus den Feind von den Seiten zu flanquir en/ und so viel moͤglichen ihn von der Mauer abzu- treibẽ/ wann er sich an dieselbe angeleget; welche Fortification denn so lange gedauret/ da man nuꝛ mit Pfeilen/ Steinen/ Feuerwerffen und Boͤ- cken einander zu ataqui ren/ und sich zu defendi - ren gewohnet gewesen/ biß so lange das Schieß- Pulver/ und das kleine und grobe Geschuͤtz er- funden worden. (6.) Fra- Das II. Cap. (6.) Frage. Wie hat man mit der Zeit die For- tification noch mehr verbessert? Als man gesehen/ daß dergleichen Defension der runden oder viereckigten Thurme nicht aller- dings capable gewesen/ die Mauern und Thuͤrme recht zu beschuͤtzen/ immassen einiger Platz an den Thuͤrmen ohne Bestreichung frey geblieben/ und die Belaͤgerer also weder solchen Ort/ noch sonst von der Mauer wohl haben koͤnnen abge- trieben werden; So hat Man an deren Statt zwo blose Fac en an die Mauer pflegen zu ma- chen/ in der Meynung/ auf solche weise alle Linien und Winckel umb desto besser zubestreichen. (7.) Frage. Wie ist die Fortification nachgehens noch besser corrigi ret worden? Nachdem die Erfahrung gelehret/ daß auch diese Fac en alleine nicht sufficient gewesen/ alle Li- nien uñ Winckel an der Mauer mit Nachdruck zu defendir en/ hat man noch uͤber dieselbe/ und zwar erstlich die kurtzen perpendicular Flanqu en gema- chet/ und also mit solchen und den zwo Fac en die Bolwercke erfunden/ umb nicht alleine die Mittel und Communications- Linie zwischen den Boll- wercken/ so man nun Courtine pfleget zunennen/ mit den Flanqu en desto besser zubestreichen/ son- dern Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. dern auch aus den Fac en den Land- Horizont uͤber den Graben umb so viel reiner zuhalten. (8.) Frage. Haben dann diese kurtze perpendi- cular Flanqu en viel Nutzen schaffen koͤn- nen/ und hat man nicht etwan an de- ren Statt nachgehens etwas bessers erfunden? Weil vor alters die Bollwercke zimlichen klei- ne und weit von einander gemachet/ auch die atta- quen gemeiniglich auf die Mitte der langen Cour- tin en/ wo durch die Thore gangen/ sind gefuͤhret worden/ haben zwar die kurtzen und einfachen perpendicular Flanqu en/ so viel moͤglichen/ das ih- rige gethan/ aber dennoch nicht die allzulange Courtine zur Gnuͤge bestreichen/ und den Feind mit Nachdruck davon abtreiben koͤnnen; Da- hero dann geschehen/ daß man die engen Boll- wercke an ihren Fac en umb ein zimliches erwei- tert/ solche erlaͤngert/ und an statt der einfachen kurtzen Flanqú en doppelte/ und reterir te kurtze perpendicular Flanqu en/ und so genante Casa- matt en gemachet/ so die Spanier sollen erfunden haben/ welche dann ein eckigt Stuͤck von den Fac en an den Schulter-Ecken der Bollwercke be- decket/ wodurch sie also mehr Feuer bekommen/ die langen Courtin en nebst dem Graben/ so wohl niedrig/ als hoch in gerader Linie besser zu flanqui- ren/ Das II. Cap. ren/ weil doch die groͤste Force und staͤrckste De- fension aus den Flanqu en hat muͤssen gesuchet/ und hergenommen werden; Jm uͤbrigen auch noch vor diejenige Courtin en Mauer eine niedri- ge andere gebauet/ so man den Zwinger geheis- sen/ wodurch man auch den Graben in fronte horizontal besser und mit doppelten Feuer defen- dir en koͤnnen. (9.) F rage. Wie ist dann die Fortification noch weiter verbessert/ und wie sind die Ataqu en anders gefuͤhret worden? Man hat an Statt der kostbaren dicken Mau- ern nicht alleine die Erd-Waͤlle erfunden/ und solche von aussen nur mit Mauer-Werck reveti- ret/ damit man aus dem Graben nicht so leicht auf den Wall kommen koͤnne; Sondern man hat auch die Bollwercke naͤher an einander geruͤ- cket/ u. nicht mehr so weit von einander gelegt/ da- hero es hernach auch kommen/ daß die Attaqu en/ nicht mehr so gebraͤuchlich/ als vor diesen bey den langen Courtin en geschehen/ auf solche/ son- dern viel mehr auf die Fac en der Bollwercke/ als welche an weitesten ins Feld hinaus lauffen/ und den Feind frey im Gesicht liegen/ gefuͤhret/ mas- sen die reterirt en perpendicular Flanqu en und Ca- samet- Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. samatt en bey Bestuͤrmung der langen Courtine in gerader Linie das ihrige wohlgethan/ und der Feind wo er hierdurch nicht gaͤntzlich abgetrie- ben/ doch ziemlichen warm gehalten worden. 10. F rage. Sind denn die perpendiaular-Flan- quen auch noch nuͤtzlichen oder an deren Statt keine andere erfunden worden/ weil die ataquen heute zu Tage mehren- theils auf die Fac en gefuͤhret werden? Ohngeacht die ataquen so lange Zeit auf die Gesicht Linien der Bollwercke sind gefuͤhret worden/ so hat man doch nichts desto weniger die perpendicular flanquen, sie haben moͤgen ein- fach oder doppelt und reteri ret gewesen seyn/ be- halten, dahero es auch nicht anders seyn koͤnnen/ daß viele belagerte Festungen vor der Zeit haben muͤßen uͤbergehen/ weil sie bey ihren ataquen kei- ne rechte und nachdruͤckliche Defension und Be- streichung von ihren flanquen gehabt. Nachdem aber dieser grobe Fehler von einigen ist observi - ret worden/ sonderlich aber von einem Itali aͤni- schen Mathematico, davon Blondel gedencket in seinem Buch/ l’ art de jetrer les Bombes lib. 1. cap. 4. welche die Courtin en Linie an ihren Enden etwas gebrochen/ uñ hernach eingehende runde flanqven mit orillons gemachet/ um darauf nicht nur allei- ne mehr Stuͤcke/ als auf bloße perpendicular flan- P quen Das II. Cap. quen zustellen/ sondern auch daraus eines Theils den Feld Horizont, und andern Theils den Gra- ben und die Courtine zubestreichen; Andere haben die kurtzen perpendicular Flanquen etwas schrege und geschoben gemachet/ um so viel besser daraus die nothleidende Face des andern Bollwercks zu defendir en: Noch andere haben eines Theils die perpendicular Flanque zu nechst der Face behal- ten/ die Helffte aber davon zu nechst der Courti- ne schrege gemachet/ und also mit einem obtus en Winckel eine second Flanquen formir et/ um mit jener den Graben/ mit dieser aber den Feld- Ho- rizont zu bestreichen: Wie gute Meynungen a- ber diese Leute gefuͤhret/ und die perpendicular Flanquen zu verbessern gedacht/ so hat doch keiner darunter zu dem rechten Ziele geschossen/ wie bald aus folgenden wird zu vernehmen seyn. (11.) F rage. Aus was Ursachen werden denn die vorigen Flanquen alle verworffen/ und wie sollen denn die Flanquen heute zu Ta- ge beschaffen seyn/ daß sie ihr Devoir recht thun koͤnnen? Weil die Ataqnen, wie gemeldet/ heute zu Ta- ge gemeiniglich/ auf die Facen der Bollwercke ge- fuͤhret werden/ und aber aus den Flanquen, als den staͤrcksten Theilen der Fortification, die groͤste Force und Beschuͤtzung muß hergenom̃en werden/ massen sechs Schuͤsse in Flanque gestalten Sachen nach Von dem Uhrsprung und Fortgang ꝛc. nach mehr ausrichten koͤnnen/ als zwantzig in Fronte ; so ist es hoͤchst noͤthig/ daß man nicht al- leine die gantze Flanque gebuͤhrend schrege fuͤhre/ weil die Defension sich allerdings nach der Ataque richten muß; sondern man muß auch solche in Ansehen der Facen also mit einander wohl pro- portionir en/ daß eine Flanque der Face im Fall der Noth sufficiente und zulaͤngliche Defension geben koͤnne. Weil nun die vorigen Flanquen theils nicht gantz schrege gefuͤhret/ noch theils mit den Facen recht proportionir et werden/ so ist auch dahero leicht zu schliessen/ daß sie keines weges zu loben/ sondern vielmehr mit Rechte zu verwerffen sind. (12.) Frage. Jst es denn nicht gut/ wenn man ei- ne Flanque also ordonni ret/ daß man auf derselben einige Stuͤcke verdeckt behalte/ um darmit im Fall der Noth den Graben zu defendi ren? Nein/ keines weges: Denn man muß wohl bey den Flanquen, so das principal ste Stuͤck einer Festung sind/ in acht nehmen/ daß man aus den- selben eine hohe/ und auch tiefe oder horizontal Defension haben moͤge: Die hohe Defension muß fuͤrnemlichen den bedeckten Weg und das Glacis, so wohl mit groben Baterie, als kleinen Handge- schuͤtz vollig bestreichen koͤnnen/ damit der Feind daselbst mit seinen Approchir en/ Posto fassen/ P 2 und Das II. Cap. und Bateri en aufrichten sein Dessein entweder gar nicht/ oder doch nach langer Zeit/ grosser Muͤhe und Gefahr erreichen koͤnne/ welches denn ei- gentlich eine nothleidende Face defendir en heisset/ damit solche nicht so bald von den feindlichen Ba- teri en koͤnne ruinir et/ und eine Breche zum Sturm darein gemachet werden. Es erfordert aber sol- che hohe Defension alle Stuͤcke auf der Flanque, keines ausgeschlossen/ sintemal man auf solcher nicht Geschuͤtz genug bringen kan/ um den Feind in seinem gefaͤhrlichen Vorhaben zu verhindern. Die tieffe Defension der Flanque bestehet ohnge- fehr aus 3. oder 4. kurtzen Stuͤcken auf Schiffla- veten/ und zwar entweder durch die untere Wal- les- Gallerie, oder auch aus einer besonderen aͤus- serlichen und bedeckten Casamatte, so niedrig/ als es sich will thun lassen/ und koͤnnen die Stuͤcke mit Cartaͤtzschen und Kugeln nach Gelegenheit gela- den/ und darmit alle Linien und Winckel im Graben Horizontal wohl bestrichen und defendi- r et werden/ wenn der Feind auch in demselben kommen/ und entweder seinen Minen gedencket anzubringen/ oder auch auf die gemachte Breche Sturm zulauffen. Kan man so denn auch aus einer Faussebraye Flanque, oder in Mangelung derselben von der einigen hohen Walles Flanque etlicher massen und Secundario eine Grabens- Defension mitnehmen/ desto besser wird solcher beschuͤtzet/ und der Feind in seinem Vorhaben ge- hindert/ davon an seinem Orte schon mit meh- rern Von dem Uhrsprung und Fortgaug ꝛc. rern soll gemeldet werden; von einer hohen Wal- les Flanque aber/ dafuͤr eine andere rechte Fausse- brayes Flanque ist/ kan und soll man keine Hori- zontal Beschuͤtzung des Grabens suchen/ weil sol- che viel zu hoch darzu ist. (13.) F rage. Was ist von der Mani er zu halten/ welche allzulange Flanquen, und gar zu kurtze Facen machet? Gleich wie die Bollwercke/ so allzulange Facon. und zu kurtze Flanquen haben nicht zu loben/ also koͤnnen auch diese Bollwercke nicht approbir et werden/ welche gar zu kurtze Facen, und hingegen gar zu lange Flanquen haben/ weil auf beide Ma- nir en in defectu \& excessu pecticir et wird; Wie nun alle Sachen auf der Welt in ihren Rechten und gewissen Numero, Pondere und Mensura be- stehen sollen/ so muß man auch bey der Fortifica- tion in ihren Winckeln und Linien eine rechte und geschickte Proportion erwehlen/ damit keinem Theile weder zu viel noch zu wenig geschehe. Denn ob es wohl gut/ daß einer gestalten Sachen nach lange uñ geschobene Flanquen mache/ so muͤs- sen doch auch die Facen ihre rechte Proportion dar- bey erhalten/ und nicht gar zu kurtz werden; sonst wenn die Facen allzukurtz sind/ koͤnnen solche nicht alleine vom Feinde bald ruinir et werden/ sondern das Bollwerck wird auch vorne gar zu enge/ daß man sich mit der Artillerie nicht recht bethun/ noch P 3 solches Das II. Cap. solches gebuͤhrend gegen dem Feld Horizont zu gebrauchen kan; Sin d denn die Facen allzulang/ und hingegen wider dero Flanquen zu kurtz/ so koͤnnen diese Flanquen ihre lange Facen, als die schwaͤchsten Theile einiger Vestung und so der feindlichen Gefahr am meisten exponir et sind/ nicht zur Gnuͤge defendir en; dahero denn hernach viele unnoͤthige Aussenwercke/ mehr als sonst muͤssen gemachet/ und grosse Unkosten verursa- chet werden/ welches aber die meisten nicht verste- hen koͤnnen/ oder wollen. (14.) F rage. Was ist von der Mani er zu halten/ nach welcher eine gantze Festung auf Te- naillen Art gebauet wird. Ob wohl einer meynen solte/ daß diese Inven- tion nicht zu verwerffen waͤre/ weil man hierbey nicht alleine einen Ort ziemlichen befestigen/ son- dern auch grosse Unkosten erspahren koͤnte: allei- ne wer siehet nicht/ daß bey dergleichen Tenaillen Art/ ob auch schon R aveline darzwischen kommen solten/ die Haupt- Defension an rechter Flanqui- rung allzusehr ermangele/ ohne welche denn ein Ort mit Nachdruck nicht kan beschuͤtzet werden: Was die Bau-Unkosten anbelanget/ muß man wohl erwegen/ welche hoͤchst noͤthig sind/ und wel- che wohl koͤnnen unterlassen werden; bey den hoͤchstnoͤthigen muß man keine Menage suchen/ anders entstehet bey einem so hoch wichtigen Wercke Von dem Uhrsprung und Fortgang ꝛc. Wercke ein unverantwortlicher Schade/ bey des- sen Ersetzung man hernach wohl doppelte Unko- sten aufwenden muß; Vergebliche und unnoͤthige Unkosten aber muß man auch nicht verursachen/ sondern nur dahin trachten/ wie mit Wenigen/ so viel als es moͤglich/ etwas nuͤtzliches/ gutes und bestaͤndiges koͤnne gemachet werden/ welches nach den rechten Kriegs Bau- Maximen, und ei- nes ieden Orts Gelegenheit keines weges zu ver- werffen oder zu peraͤndern waͤre. (15.) F rage. Was ist von der Manier zuhalten/ so an statt der Courtine eingehende Kessel hat? Dergleichen Manier kostet nicht alleine sehr viel zu bauen wegen ihrer allzuvielen Winckel/ Linien und Bollwercke/ sondern sie hat auch keine rechte f lanqui rung aus den Kesseln/ massen sol- che viel zu wenig/ und auch zu weit ist/ die gar zu- lange Fac en sattsam zu defendi ren/ und die feind- lichen Wercke und Baterien auf dem Glacis zu ruini ren; zu dem auch die Linien in den Kesseln selbst viel zu kurtz/ und die Wercke zu hoch fallen/ einander in der Hoͤhe und Tiefe gebuͤhrend zu defendir en/ also/ daß das grobe Geschuͤtz bey sotha- nen concentrir enden Linien und Winckeln ent- weder gar nicht/ oder doch ohne sonderlichen Effect kan gebrauchet werden/ welches dann ei- P 4 ner Das II. Cap. ner von dem groͤsten Fehlern ist/ so bey einem Festungs-Bau kan begangen werden/ weil an den rechten und bequemen Gebrauch der Artil- lerie so wohl bey de- als offension sehr viel/ ja das meiste gelegen ist/ und dahero billig alle Manie- ren der fortification zu verwerffen sind/ wenn ei- niger Mangel hierunter an denselben verspuͤhret wird/ sie moͤgen sonst von neuen und besondern invention en ausgedacht/ und ausgekuͤnstelt seyn/ wie sie wollen. (16.) F rage. Was ist von den Fac en zu halten/ die vorne an der Bollwercks-Spitzen auf Te- naill en Art eingebogen/ oder auf den gleichen Linien eingeschnitten sind? Wenn man wegen Enge des Ortes nicht ge- zwungen ist dergleichen eingebogene Fac en zu- machen/ soll man solche fuͤrnemlichen bey den Haupt-Wercken billig meiden/ weil die Boll- wercke also in ihren Linien und Puncten von an- dern anliegenden Wercken und Flanqu en nicht voͤllig koͤnnen bestrichen und defendi ret werden; so sind auch diese eingebogene Linien an dem Bollwercks-Punct nicht capable vor sich selbst einander/ zu mahl mit groben Geschuͤtz zu bestrei- chen/ weil sie allzu nahe an einander liegen/ und uͤber dieses auch viel zu hoch sind: Man laͤsset aber dergleichen eingebogene Fac en an den spitz Win- Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. Winckeln bey kleinen andern irregular Wercken pashr en/ wo man das grobe Geschuͤtz mehr in fronte, als flanque zugebrauchen gedencket/ da denn diese Linien einander mit Hand Gewehr allen Falß defendir en muͤssen. Die eingeschnit- tene Fac en aber auf ihren sonst gleichen Linien sind mehr schaͤdlich/ als nuͤtzlich/ weil sie dem Fein- de bey seiner ataque, so er heute zu Tage mehren theils auf die Fac en fuͤhret/ einiger massen schon eine breche geben/ wodurch er die uͤbrige Face- Linie/ zu mahl in den Ecken umb so viel eher und leichter ruini ren kan. (17.) F rage. Was ist von den detachirt en Boll- wercken zuhalten/ welche nicht an dem Haupt-Wall ange- henget sind? Man findet noch an einigen Orten/ und an al- ten Festungen Bollwercke/ so von dem Haupt- wall und Keel-Puncte durch einen besondern revetirt en Graben abgeschnitten sind/ welche Manier aber aus folgenden Ursachen auch keines Weges zu loben ist: Denn ob man gleich hierbey einwenden und sagen wolte/ daß man hierdurch bereits einen guten Abschnitt/ und gleich- sam eine reterir te Festung gemachet/ wann der- gleichen Bollwerck vom Feinde solte eingenom- men werden/ uͤber dieses auch ein solches Boll- werck Das II. Cap. werck allezeit unterminiret seyn muͤste/ umb sol- ches gleich zusprengen/ wann man gezwungen were es zuverlassen; So sind doch dergleichen rationes nicht genung und sufficient die Manier der detachirt en Bollwercke in Haupt-Graben zu defendi ren: den was erstlich den Abschnitt anbe- langet/ ist es besser/ daß solcher in einem attachir- ten Bollwercke an die Courtin en/ als in einem andern detachirt en gemachet werde/ weil man in einem geraumlichen Bollwercke/ ohngeacht die Haupt- Flanqu en auch nebst dem Fac en solten rui- nir et seyn/ bey dem Abschnitt neue F lanqu en hin- ter den ruinirt en bald machen/ und deren sich hauptsaͤchlich bey Defendi rung des Abschnitts/ als der Courtine bedienen kan/ welche Flanqui- rung aber/ woran am meisten mit gelegen bey ver- gleichen Linien hinter einem detachirt en Boll- wercke gantz wegfaͤllet/ oder so noch einige à parte Flanqu en als auf einer besondern reterirt en Ve- stung sich befinden solten/ sind doch solches alles kleine Wercke/ spitzige Winckel/ und uͤbel pro- portionir te Linien/ welche alle keine sonderliche Staͤrcke haben der feindlichen Gewalt lange zu wider stehen. Zum andern kan man sich in ei- nem attachirt en Bollwercke/ und in dessen Ab- schnitten laͤnger und besser halten/ als in einem detachirt en/ weil man in jenen mehr Raum und Platz/ auch nach Gelegenheit mehr Erde haben kan. Was drittens die Unterminirung eines detachirt en Bollwerckes anlanget/ ist solche auf gewisse Masse einem Feind mehr nuͤtzlich/ als schaͤd- Von dem Uhrsprung/ und Fortgang ꝛc. schaͤdlich; Denn wenn man gleich ein solches sprenget/ indem der Feind darauf posto gefasset/ so ist doch der Schaden vor dem Feind hierunter nicht so greß/ wann er sein darauf stehendes Volck verlieret/ als hernach der Nutz/ welchen er von den Ruin en hat/ indem ein solch gantz ge- sprengtes Bollwerck ihme nicht alleine eine gute Bedeckung/ sondern auch einen bequemen Auff- lauff giebet/ die hintern Linien mit Sturme leicht zubesteigen/ zumahl wenn er noch einige faschin en mit einwuͤrffet/ welches dann sein Vorhaben umb so vielmehꝛ facilitir en hilffet. Zum vierten er- fordern dergleichen detachir te Wercke grosse Un- kosten wegen ihrer absonderlichen Reveti rung im Ruͤcken/ welche aber mit guten Nutze koͤnnen er- spahret werden/ wenn das Bollwerck an die Co- urtin en angehenget ist; ein anders ist es mit den Revelin en vor den C ourtin en/ so nothwendiger weise von den Haupt-Linien muͤssen detachi ret seyn/ zu Folge der Kriegs-Bau- Maxim en/ dahe- ro sie auch Aussenwercke genennet werden. (18.) Frage. Was ist von der Manier zuhalten/ wenn man in große Bollwercke oder Ra- veline andere kleinere vermittelst eines Abschnittes und kleinen Gra- bens pfleget zu machen? Die Curiosit aͤt der Ingenieurs in kluger Auffer- bauhung Das II. Cap. bauhung der Festung hat manchsmahl sich viel- mehr unnuͤtzlich/ als nuͤtzlich erwiesen/ und einer Festung mehr Schaden/ als Vortheil zugezogen: Denn ob es wohl wahr ist/ daß man gestalten Sachen nach sich hinter vielen Abschnitten laͤn- ger und besser defendi ren koͤnne/ als hinter weni- gen/ oder wenn gar keine da sind: So muß man doch dieses nicht ziehen auff die realst en Wercke der Festung/ so man auffer im Fall der Noth nicht so verstimlen/ und den Platz und Ort/ worauff man viel Volck artillerie und ander gereitschafft haben muß/ gleich Anfangs zu enge und unbe- quem machen/ weil allerdings hinzu ein grosser Raum erfordert wird/ will man anders einen nachdruͤckliche und Sufficiente defension fuͤhren/ entweder vor sich selbst/ oder zu Huͤlffe anderer Wercke. Uber dieses der grossen Unkosten/ wel- che bey dergleichen Abschnitten mit Ausfuͤtterung der Graͤben muͤssen angewendet werden/ vor ietzo zugeschweigen/ so kan ein Feind/ wenn er der eusserlichen grossen Linien einmahl maͤchtig/ die innern kleinern Wercke auch bald uͤberkommen/ wenn er in dieselben viel Stein und Hand-Gra- naden einwuͤrffet/ den zwischen Graben mit Fas- chin en ausfuͤllet/ und mit einer starcken Force dar- auff loß gehet/ massen man sich in kleinen u. engen Weꝛckẽ nicht wohl bethun/ nicht viel Volck und an- dere defensions Mittel darein bringen/ uñ also da- hero gar eine schwache Gegenwehre thun kan/ ist demnach es viel besser/ wenn man um alle Wercke einer Von dem Ursprung und Fortgang ꝛc. einer Vestung einen weiten und bequenien Unter- wall mit seiner Brust fuͤhret/ alle andere reterir te enge und detachir te Wercke weglaͤsset/ so kan man aller Orten eine genugsame defension fuͤh- ren/ wie davon mit mehren schon wird gemeldet werden. 19. Frage. Was ist von den Courtin en zuhal- ten/ so nicht in gleicher Linie gemachet sind? Es werden die drey Essential- Linien/ als Cour- tine, Flanc uñ Face, ingleichen die fuͤnff ordinai ren Haupt-Winckel/ als Centrums, Keel/ Courti nen Schulter und Bollwercks Winckel von einigen ingenieurs dergestalt verkuͤnstelt und uͤber Noth mit andern/ so gar auch bey Regular Wercken/ multiplici ret/ daß man nur aus den blosen An- schauen ihres Entwurffes bald das Bauch-kruͤm- men bekommen moͤgte. Was nun auch die Or- donni rung der Courtine anlanget/ wird solche gleichfalls auff wunderliche Weise auch gefuͤhret und angeleget/ indem einige solche ein waͤꝛts/ ande- re aber auswaͤrts in der mitten bauchigt: Eini- ge fuͤhr en solche wohl gleich und gerade/ setzen a- ber auff die Mitte derselben auswaͤrts ein bonnet auff; Einige schneiden in dieselbe ein/ oder brechen solche unterschiedlichen an den Enden/ in Mei- nung noch eine à parte und so genandte Second Flanc zumachen: einige lassen die Courtine gar weg/ Das II. Cap. weg/ und machen an deren Statt Kessel/ oder bauen die gantze Vestung auff tenaillen Art/ wie im vorigen gedacht worden/ und wer will alle die naͤrrischen inventionen allhier erzehlen. Wie nun eine Unordnung die andere machet/ also geschiehet auch solches in der Kriegs-Bau-Kunst: Denn wenn man bey regula ren Wercken/ und den drey essential Linien einen rechten modum For- tificandi gebrauchte/ und die Facen mit dem Flan- quen wohl mit einander proportionirte / also/ daß alle Linien sufficient weren gegen einander ihre be- hoͤrige und zulaͤngliche defension zuthun/ so haͤt- te man gar nicht noͤthig auff extra ordinaire Lini- en und Winckel zu gedencken/ welche man nicht eher als im Fall der Noth/ und nach Gelegenheit bey irregular Wercken nur gebrauchen soll/ an- ders wird nur ein mischmasch bey der fortification unter der regular und irregular, und entstehen da- hero so viele und unterschiedliche Meynungẽ/ wel- che aber in den wahren Bau- maximen der Kriegs Bau-Kunst nicht gegruͤndet seynd. Es ist aber diese Regul nicht eine von dem geringsten/ welche saget und haben will/ daß in einer polygone bey ei- nen Haupt-Werck alle Linien u. Winckel nicht al- leine einander mit Hand-Gewehr/ sondern auch und fuͤrnehmlich mit dem groben Geschuͤtz/ als woran das meiste gelegen/ defendi ren und bestrei- chen sollen; Denn gleichwie die groͤste Weite der Linien/ welche einander beschuͤtzen muͤssen/ nicht uͤber einen Musqueten oder Flinten Schuß/ nem- lichen Von dem Ursprung und Fortgang ꝛc. lichen 60. oder 70. Rheinlaͤudische Ruthen von einander liegen sollen: Also duͤrffen auch die Lini- en und Winckel nicht allzunahe beysammen ste- hen/ daß man wegen kuͤrtze der distanz, und Hoͤhe der Wercke die defension der artillerie nicht ge- buͤhrend gebrauchen koͤnne: Wann dieses nun als eine Haupt- Maxim bey einen Festungs Bau nicht observi ret wird/ so entstehet darinnen ein unverantwortlicher Fehler/ so auch mit den groͤsten Unkosten nicht so leicht kan wider ersetzet und verbessert werden/ welches ein ieder wohl be- dencken solte. 20. Frage. Was ist von der Manier zuhalten/ welche a part doppelte Waͤlle und Graͤben machet? Doppelte Haupt Waͤlle und doppelte Haupt-Graͤben sind geschwinde gesaget/ auch bald auff das Pappier gerissen/ aber sehr langsam u. mit grossen Unkosten auf den Felde auff gebanet und gebuͤhrend reveti ret. Jch will einen ieden auch hierinnen bey seiner Meynung lassen/ nur ist diese Regul nebst andern gleich falls wohl in acht zunehmen/ daß ein recht schaffener Bau-Meister/ es sey in der Civil oder militar architectur so viel moͤglichen/ und nach dem es der Zustand eines ie- den Dinges und Ortes leiden will/ mit wenigen Unkoste/ iedoch aber mit guter raison etwas taug- liches und bestaͤndiges mache/ grosse unnoͤthige Un- Das II. Capitel. Unkosten aber keines weges verursachet. Mei- nes Orts lob ich nur einen rechten trockenen Haupt-Graben in der mitten mit einer Cuvette so beyde ihre gebuͤhrende Weite und Tieffe haben vor zwey andern Graͤben wann sie nicht gar zu breit und tieff sind/ welche nur viel Unkoste verur- sachen/ u. man doch keine bequeme horizontal de- fension an groben und Hand-Geschuͤtz/ welches allerdings/ und nothwendiger weise seyn muß/ da- rinnen fuͤhren kan. Jm uͤbrigen mache ich auch einen attachir ten rechten Unter-Wall mit seiner Brust umb alle Linien des hohen Haupt-Walles mit einer revetir ten Contrescarpe wodurch ich sehr viel Unkosten erspahre/ und doch aller Orten gnungsame/ raumliche und beqveme defension fuͤhre/ und bekuͤmmere mich weiter umb andere nichts/ sie moͤgen ihre Winckel und Wercke bey der Regular Fortisication gleich uͤber Noth multi- plici ren/ reteri ren/ reveti ren und viele unnoͤthige Aussen-Wercke machen/ wie sie wollen/ ein Ver- staͤndiger wird doch wohl wissen/ was hiervon mit Rechte zu urtheilen sey. (21.) Frage. Jst es denn auch sehr nuͤtzlich und noͤthig eine doppeite Defension auff den Wall zumachen/ nemlichen eine aus- waͤrts wie gebraͤuchlichen/ und eine inwaͤrts nach der Festung zu? Ob Von dem Ursprung und Fortgang ꝛc. Ob wohl die Vorsichtigkeit der Kriegs-Bau- verstaͤndigen einige dahin verleidet/ daß sie es vor gut und nuͤtzlich befunden/ zwey Brustwehren auff einem Wall zu setzen/ als eine nach dem Land Horizond zu/ wie es sich ordentlicher Weise ge- buͤhret/ die andere aber nach der Stadt zu/ nebst einen innern Graben/ damit man sich auff den Walle so wohl gegen das umbliegende Feld/ als innerliche Festung und Stadt zu/ in Fall der Noth defendi ren koͤnne/ weñ entweder der Feind an einem Ort des Walles durch gebrochen/ und in die Stadt Kommen were; oder wenn die Buͤrger- schafft selbst rebellit en/ und ihren hern untren werden wolte: so ist doch solche innere Defension auf dem Wall alleine nicht capable genug/ einer großen Gewalt dieseits der Stadt in die Laͤnge zu wieder stehen/ weil man doch alle Nothdurfften alleine nicht auf dem Walle in großer quanti taͤt haben kan/ zudem man auch die nechst anliegen- den hohen Haͤuser bald ausfuͤllen/ sich darmit uͤ- ber den Wall erhoͤhen/ und so wohl hievon/ als von den Thuͤrmen das Hand-Geschuͤtz mit gros- sen Nutz gebrauchen/ den innern Graben ausfuͤl- len/ und den Wall mit einer escalade ersteichen/ und bestuͤrmen kan. Dahero es den sicherer und besser eine rechte Citadelle mit fuͤnff bastionen zu- bauen/ und solche mit allen Nothwendigkeiten zur Gnuͤge zu verfehen/ indem solche nicht so leicht/ als eine blosse Brust auf dem Wall kan uͤberhoͤ- het/ erstiegen und eingenommen werden/ weil ei- Q ne Das II. Cap. ne Citadelle sich so wohl gegen das Feld/ als die Stadt zu viel besser und nachdruͤcklicher defendi- r en kan/ massen alle acula bey deren Aufer- bauung an allen Orten schon weggeraͤumet sind. (22.) Frage. Jst es besser eine Festung nach der Circul- Runde/ oder nach dem Quadrat zu bauen? Es haben sich Ingenieurs gefunden/ welche be- haupten wollen/ daß es zu Erspahrung der Unko- sten viel besser waͤre/ wenn man eine Festung nach dem Quadrat in Form der T enaillen und Stern-Schantzen/ iedoch in der Mitten entwe- der mit einem gantzen grossen Bollwercke/ oder gar mit einer detachir ten Citadelle von vier klei- nen Bollwercken/ als nach der Circul- Rundung mit Courtinen und Bollwercken erbauete/ indem man also einen Ort viel enger einschliessen/ weni- ge B ollwercke machen/ und bey der Besatzung viel erspahren koͤnte. Weil man aber wegen der wunderlichen Situation des T errains sehr wenig regulare Festungen machen kan/ zumahl wenn man schon erbaute alte Staͤdte fortificir en wolte/ welche man zum oͤfftern mit grosser Muͤhe und Geschickligkeit kaum nach der irregularen Circul- Runde recht verwahren/ und mit Bollwercken und Flanqui r ungen nach Gebuͤhr versehen kan; uͤber dieses auch nach des Inventoris selbsteige- nem Gestaͤndniß die Tugend und Force der A r- tille- Von dem Ursprung und Fortgang ꝛc. tillerie bey sothanen concentri renden Linien/ wie ich in vorigen schon gemeldet/ nicht recht in Flan- que, so wohl als in Fronte kan gebrauchet wer- den/ woran aber bey der gantzen Fortification das meiste gelegen/ so faͤllet eine solche besondere neue Invention in der Praxi selbst hinweg/ zu geschwei- gen/ daß die vermeynte Menage bey einem solchen Real- Bau/ da man entweder gar zu wenig Boll- wercke machet/ und nicht eine noͤthige und zu- laͤngliche Flanqui rung hat/ gar nicht zu loben/ son- dern vielmehr schaͤdlich ist; oder auch/ wenn man nach dem Quadrat also bauen/ und auf die Mitte einer Linie eine detachir te Citadelle mit vier klei- nen Bollwercken setzen wolte/ gar zu viel Boll- wercke machen/ und also vielmehr Unkosten auf- wenden wuͤrde als sonsten/ da man mit der Heff- te/ und auch noch wohl mit wenigern zukommen koͤnte/ fehlen also beyde Mani ren auch in Defectu und Excessu der Bollwercke. (23.) Frage. Welche Boͤllwercke sind am besten und bequemsten die hohlen oder Massiven? Daß die hohlen Bollwercke/ welche nemlichen inwendig mit Erden nicht ausgefuͤllet/ den Massi- ven, so gantz von Erden erbauet/ auf einen glei- chen und ebenen Land- Horizont, wo keine gefaͤhr- liche und mehr schaͤdliche Hoͤhen fuͤrhanden/ billig fuͤrzuziehen sind/ daran ist nicht zu zweiffeln; und Q 2 ob Das II. Cap. ob gleich einige darwider einwenden moͤchten/ daß man bey den hohlen in Zeit der Noth nicht so gute Abschnitte und R etiraden machen koͤnte/ als wie bey denen Massiven; so ist doch zu wissen/ daß/ was diesen Einwurff anbelanget/ man das hohle Spacium der Bollwercke nicht so leer und bloß muͤsse stehen/ sondern entweder mit einem starcken runden Thurme/ oder andern steinern Haͤussern von zwey Stockwercken bebauen las- sen/ um solche zu allerhand Magazinen und Bara- qven fuͤr die Soldaten zu gebrauchen/ auch end- lichen im Fall der Noth innerliche Retrenchemen- te und Baterien daraus zu machen/ und sich auf solchen noch bestens zu defendir en. So kan man auch in einem hohlen Bollwercke das feindliche miniren eher gewahr werden/ und sich darwider schuͤtzen/ als bey denen Massiven, Bollwercken/ da es bey diesen sehr muͤhesam und langsam/ zu- gehet/ sich in dieselbe biß auf dem Horizont einzu- graben/ und den feindlichen Minen entgegen zu kommen/ welches aber bey hohlen Bollwercken gar nicht zu befahren/ auch endlich wohl bey bey- derley Bollwercken nicht/ wenn solche unten auf dem Horizont des haupt Grabens mit einer wohl angelegten Gallerie durchaus versehen sind/ wie es billig/ und auch unter dem gantzen Wall um ei- ne Festung herum seyn soll. Wo aber an einer Fe- stung nahe schaͤdliche Hoͤhen fuͤrhanden/ da muß man nothwendiger weise Massive Bollwercke machen/ und Cavaliers drauf setzen/ um die umlie- gen- Von dem Ursprung und Fortgang ꝛc. genden Hoͤhen wohl zu entdecken und zu deschies- sen. (24.) Frage. Jst es denn auch nuͤtzlich einen Wall auf seinem Gange mit Baͤumen zu besetzen/ und Alleen darauf zu machen? Es finden sich einige/ welche nicht billigen wol- len/ daß man auf einen Wall/ wenn nur anders unter demselben keine grosse Gallerien sind/ Baͤu- me pflantze/ und Alleen mache/ aus Ursachen/ weil dergleichen erwachsene Baͤume bey einer Belagerung/ wenn darauf mit Stuͤcken solte ge- schossen werden/ grossen Schaden mit dem Abfal- len der Aeste/ und anderer Stuͤcke verursachen koͤnten; uͤber dieses auch bey windigtem Wetter dieselbe mit ihren Blaͤttern ein solches Rauschen und Brausen verursachten/ daß man vom Fein- de/ und dessen Vornehmen bey finsterer Nacht nichts observir en koͤnte: Alleine diese Raisons hin- dern nichts/ daß man das Contrarium nicht viel- mehr statuir e: denn wenn bey einer Belagerung dergleichen Schaden und Verhinderung die Baͤume causir en solten/ so kan man solche gar ge- schwinde umhauen/ und sich davon befreyen; zu geschweigen/ daß die gepflantzte Baͤume an Statt der Contreforts mit ihren Wurtzeln einen Wall sehr zusammen halten und feste machen; es geben auch in Friedens Zeiten die Alleen auf einem Q 3 Walle Das III. Cap. Walle ein liebliches Ansehen/ und kan man sich mit Spatzieren gehen darunter sehr erlustigen; Hat man im Fall der Noth Brennholtz oder Fa- schinen vonnoͤthen/ kan man folche leicht umhau- en/ und darzu gebrauchen/ also daß man gleich- saͤm in einem Augenblick dasjenige abschaffen kan/ was einem hindert/ zu dessen Wachs thum aber viel Jahre erfordert werden. Sonst gehoͤret es sich nicht/ daß man Baͤume pflaͤntze/ sie moͤgen fruchtbar oder wilde seyn/ auf eine Brustwehr/ bedeckten Weg und Glacis, auch sonst auf dem Wall/ zumahl an dessen aͤussertlichen Boͤschung kein Gestraͤuche leide/ weil alles sauber und rein an einer Fortification muß gehalten werden/ da- mit man aller Orten ein frey Gesicht/ und unver- hinderte Flanqui rung haben koͤnne. Das III. Cap. Von den Situationen der Fe- stungen/ was fuͤr Vortheile und Maͤngel darbey zu observir en/ und wohin man fuͤrnemlichen feste Oerter erbauen solle/ oder nicht. (1.) Frage. Jst denn an der Situation des Lan- des viel gelegen/ und muß man solche wohl betrachten/ wohin man eine Festung erbauen will? A Llerdinges/ denn weil an einem solchen Bau Lan- Von den Situationen der Festungen/ ꝛc. Land und Leuten/ wegen ihrer Sicherheit viel gelegen/ und auch hierzu sehr grosse Unkosten er- fordert werden/ so ist es nicht mehr als billig/ daß man zuvsrhero alles wohl und fleißig uͤberlege/ wie und wohin man eine Festung am fuͤglichsten und besten anlegen solle; auch muß man hierzu in Zeiten genungsame Geld-Mittel/ und andere Vau- Materialien an Handẽ schaffen/ damit man einen sothanen kostbaren Bau nicht nur wohl an- fangen/ sondern auch gluͤcklichen zu seiner Perfe- ction bringen/ und den verlangten Vortheil dar- durch erlangen moͤge. (2.) Frage. Was hat eine Festung fuͤr Vorthei- le und Maͤngel/ so auf einem Berge lieget. Die Vortheile/ so eine Berg-Vesturg haben kan/ sind ohngefehr Folgende/ nemlichen: 1. Kan eine solche Festung nicht wohl unter mini- r et/ und durch Minen ruinir et werden. 2. Hat ein Feind sehr grosse Muͤhe/ das grobe Geschuͤtz und Munition auf einen Berg zu bringen/ und darmit eine solche Festung zu ruinir en. 3. Kan man aus einer solchen Festung den Feind von weitem entdecken/ also daß man bald dar- gegen kan gute Anstalt machen/ und den Feind in Zeiten abhalten/ daß er nicht zu nahe kom̃e. 4. Des Feindes Baterien koͤnnen von der Hoͤhe Q 4 aus Das III. Cap. aus der Vestung sehr entdecket und leichtlich ruinir et werden. 5. Jst auf der Hoͤhe allezeit bessere und reinere Lufft/ als in Thaͤlern und andern niedrigen Oertern. 6. Werden dergleichen Berg Festungen gar sel- ten von einer Armee belagert/ und mit Sturm eingenommen. Die Maͤngel hingegen einer solchen Festung sind mehrentheils Nachfolgende: 1. Gemeiniglich mangelt es solchen Berg Fe- stungen an Wasser und Holtze. 2. So muß man auch mit grosser Muͤhe aller- hand Nothwendigkeiten an Proviant, Muni- tion, Geschuͤtz/ und andern Materialien auf dieselben bringen. 3. Jst der Succurs auch nicht wohl auf solche hohe Oerter zu bringen. 4. Haben die Stuͤcke nicht sonderlichen Effect. weil ein Schuß von der Hoͤhe in die Tieffe nicht allein sehr ungewiß/ sondern auch weni- ge Operation erweiset. Die Ausfaͤlle sind aus solchen hohen Oertern sehr gefaͤhrlich/ weil sie bald vom Feind koͤn- nen abgeschnitten werden. 6. Sind dergleichẽ Festungen an ihrem Bau sehr gezwung/ Irregular und enge/ und koͤnnen dahero vom Feinde mit Bomben sehr geaͤng- stiget v. ruini ret werden. (3.) Fra- Von den Sit u ation en der Festungen ꝛc. (3.) Frage. Welche Meinung nun prævali ret denn bey dergleichen Berg-Festun- gen? Es haben vor diesen die Alten/ ehe noch das Pulver erfunden worden/ dergleichen Clausen/ Schloͤsser und Berg-Festungen mit sehr grosser Muͤhe und Unkosten gerne erbauet/ weil sie in denselben vor Menschen/ Viehe und effect en gute Sicherheit gehabt: Nach dem aber man das grobe Geschuͤtz und sonderlich die Bomben angefangen zu brauchen/ ist die Wuͤrdigkeit der- gleichen Hohen Oerter heut zu tag sehr wieder gefallen/ sintemahl man sie darmit sehr beaͤng- stigen/ ruini ren und zu einer Aufgabe leichtlichen zwingen kan. Jedoch wenn man Holtz und Wasser genug an solchen hohen-vortheil haffti- gen Oertern haben kan/ und etwan an einer Pas- sage eines Flusses/ oder grossen gangbahren Land-Strasse liegen/ auch sonst mit allen zube- hoͤr und Nothwendigkeiten wohl versehen sind/ sind sie nicht gaͤntzlichen zu verwerfen/ und kan das umbliegende Landen bey so gestalten Sa- chen in grosse contribution gesetzt werden. (4.) Frage. Was hat eine Festung vor vorthei- le und Maͤngel/ so an einen Morasti- gen Ort erbauet ist? Q 5 Die Das III. Cap. Die Vortheile so dergleichen Festungen ha- ben/ koͤnnen folgende seyn/ nehmlichen: 1.) Kan ein Feind solche nicht wohl belagern und gaͤntzlichen einschliessen. 2.) Man kan darvor keine Approch en machen und grosse Baterien auffuͤhren. 3.) Kan ein Morastiger Ort/ mit wenig Unkost eu befestiget werden. 4.) Hat man nicht noͤthig grosse Besatzung drein zu legen. Die Maͤngel hingegen koͤnnen wieder folgende seyn nehmlichen: 1.) Man kan einen solchen Ort mit Succurs und andern Nothwendigkeiten im Fall der Noth nicht wohl zu Huͤlffe kommen/ weil gemeinigli- chẽ nuꝛ ein schmaleꝛ Weg und Damm zu deꝛsel- ben gehet/ und vom Feinde zweiffels ohne oc- cupi ret ist. 2.) Jst die Lufft und Wasser an solchen morasti- gen Oertern sehr ungesund/ daher denn viel Kranckheiten entstehen und die Garnison da- durch sehr ruini ret werden kan. 3.) Die Ausfaͤlle sind bey dergleichen Oertern gemeiniglich vergebens/ und kan man sich hie- rinnen der Cavallerie nicht wohl bedienen. 4.) Giebt es an solchen Oertern immer zu bessern und zu bauen/ weil meyrentheils alles mit Pfaͤhlen muß gemachet und unterstuͤtzet wer- den/ welche denn bald wieder verfaulen und wandelbahr werden. 5.) Kan Von den Situation en der Festung ꝛc. 5.) kan ein Feind solche Oerter zu Winters-Zeit wenn es hart gefrohren ohne grossen Verlust bald uͤberrumpeln und einnehmen. (5.) Frage. Welche Meynung prævali ret denn bey dieser Art Festungen. Ob es wohl war ist/ und die Erfahrenheit ge- nug bezeiget/ daß die morastigen Oerter viele Kranckheiten unter den Garnison en erwecken/ nichts desto weniger muß man sich dergleichen natuͤrlichen Avantag en bedienen/ und wohl erbau- te Festungen dahin liegen/ wenn ein solcher Ort einen Haupt-Paß/ es sey auf dem Wasser oder Lande/ Commandir en kan/ welches denn noch heut zu tage observi ret wird/ und muß man zu se- hen wie die andern inconvenienti en durch gute Mittel und Anstalten koͤnnen unter-brochen wer- den. (6.) Frage. Was hat eine Festung vor Vorthei- le und Maͤngel welche mitten im Wasser erbauet ist? Die Vortheile einer Festung so mitten im Wasser lieget/ koͤnnen Nachfolgende seyn nehm- lichen. 1.) Man kan einen solchen Ort nicht Minie- ren. 2.) Jst Das III. Cap. 2.) Jsts nicht noͤthig hohe und grosse Wercke zu machen. 3.) Des Feindes Schuͤsse sind ungewiß und son- der grossen Effect, weil das Wasser ihnen die Krafft benimmet. 4.) Koͤnnen die Belaͤgerten leichtlich des Feindes Schiff anzuͤnden/ und solche mit Canon en rui- nir en. Die Maͤngel hingegen sind wieder ohngefaͤhr diese/ nehml. 1.) Der Feind kan leichtlich alle Zufuhr und Suc- curs abschneiten. 2.) Man muß aus solchen Oertern nur allein mit Fahr-Zeuge ausfallen/ welches denn sparsam und langsam zu gehet in Anmarch und reteri- ren. 3.) Sind dergleichen waͤsserichte Oerter den Kranckheiten auch ziemlich unterworffen. (7.) Frage. Welche Meynung prævali eret denn bey dieser Art Festungen? Wenn man den Festungen/ so mitten im Wasser liegen/ das Wasser auf keinerley weise benehmen kan/ ist gar leicht zu schliessen daß solche keines weges zu verwerffen/ zu mahl wenn sie ei- nen grossen Fluß oder den Eingang eines Ha- fens defendir en und bestreiten koͤnnen; Denn die Natur hat solche selbst feste gemacht/ und sind sie Von den Situation en der Festungen ꝛc. sie besser als eine von denen vorhergehen den Ve- stungen. (8.) Frage. Was haben die Festungen so auf ebenen Lande erbauet sind vor Vor- theile und Maͤngel? Was die Fortheile dergleichen Vestungen anbelanget koͤnnen solche folgende seyn: Nehm- lich. 1.) Hat man Erde genung einen Wall und an- dere Wercke daraus zu machen. 2.) Kan man mit den Stuͤcken auf ebenem Lande ziemlichen weit herum flanquir en/ also daß ein Feind gezwungen ist seine approchen von wei- ten anzufangen. 3.) Fehlet es dergleichen Oertern fast niemahlen an Wasset. 4.) Koͤnnen diese Vestung auf ebenem Lande mehrentheils Regular erbauet werden. 5.) Muß ein Feind solche Oerter mit einer gros- sen Armee gantz einschliessen/ wenn er ihnen al- le Zufuhr und Succurs benehmen will. Die Maͤngel hingegen bey dergleichen Festun- gen koͤnnen ohngefehr folgende seyn. 1.) Hat der Feind auch Erde genug seine Linien/ Retrenchemente, und andere Wercke/ so wohl gegen die Festung als dem Felde zu/ zu machen um sich damit wohl zu verschantzen/ und nach der Festung zu naͤhern. 2.) Kan Das III. Cap. 2.) Kan man solche Oerter gar wohl unter mini- ren, und bedarf man des langen Brech e schies- sens nicht/ wenn nur andets die Erde nicht steinigt und sandigt ist. 3.) Kan der Feind alle fourrag en von Fruͤchten geniessen/ so auf dem guten Lande um die Festung herum zu wachsen pflegen. (9.) Frage. Welche Meynung prævali ret denn bey dieser Art Festungen? Daß diese Art Festungen den andern/ wovon bereits gedacht worden/ billig vorzu-ziehen ist/ da- ran wird kein Kriegs-Bau verstaͤndiger zweif- feln; Denn man hat nicht allein an solchen Oertern gesunde Lufft/ sondern man hat auch keinen Abgang an andern Nothwendigkeiten/ welche man von allen Seiten leicht zufuͤhren kan. (10.) Frage. Was haben die Oerter vor Vor- theile und Maͤngel/ so an einem Schiff- reichen Fluß liegen? Die Vortheile sothaner Festungen sind un- terschiedlich/ als nehmlichen: 1.) Kan man leicht auf den Wassern alles zufuͤh- ren/ was zu Bauung und Erhaltung einer sol- chen Festung von noͤthen ist. 2.) Feh- Von den Situation en der Festung ꝛc. 2.) Fehlet es einem solchen Ort niemahls an Wasser/ indem ein Schiffreicher Fluß vom Feinde nicht wohl kan abgeleitet werden. 3.) Brauchet man an der Wasser-Seiten nicht hohe und starcke Wercke/ und kan man um so viel desto mehr einen solchen Ort auf der Land-Seite mit tuͤchtigen und starcken Wer- cken versehen. 4.) Kan man sich nach gestalten Sachen an der Wasser-Seite der Schleissen bedienen/ und das umliegende Land im fall der Noth unter Wasser setzen. 5.) Muß ein Feind eine starcke Armee haben/ sol- chen Ort gantz einzuschliessen/ wenn er etwas Fruchtbarliches will ausrichten. 6.) Wenn ein Feind einen solchen Ort nicht so wohl auf der Wasser-als Land-Seite bela- gert/ koͤnnen die Belagerten gar leicht Succurs und andere Nothwendigkeiten zu Wasser ein- bringen. Die Maͤngel und Nachtheile hingegen koͤnnen diese seyn. 1.) Koͤmbt der Fluß den Belaͤgerern auch wohl zustatten alle Nothwendigkeiten mit leichter Muͤh und Unkosten in das Lager zu brin- gen. 2.) Kan der Feind den Fluß ober-und unterhalb der Festung mit Ketten verziehen/ daß zeit waͤhrender Belagerung nichts auf densel- ben kan in die Stadt gebracht werden. 11. Fra- Das III. Cap. (11.) Frage. Welche Meynung prævalir et bey dergleichen Festungen? Daß diese Art der Festungen/ so an einem gros- sen und Schiffreichen Flusse liegen/ unter allen andern die bequemsten und besten sind/ daran darff niemand zweiffeln; denn sie koͤnnen nicht allein mit wenigen Unkosten wohl fortificir et wer- den/ sondern man hat auch an andern Nothwen- digkeiten keinen Mangel darinnen/ weil solche zu Wasser mit leichten Unkosten koͤnnen uͤberfluͤßig zugefuͤhret werden. (12.) Frage. Wohin sind denn die Festungen in in einem Lande fuͤrnemlich zu legen und aufzubauen? Wenn ein grosser Herr sein Land zur Sicher- heit mit Festungen versehen will/ soll er solche mehrentheils an die vortheilhafftigsten Oerter und Graͤntzen/ woraus man einen Paß/ es sey zu Wasser oder Lande/ wohl bestreichen und defendi- r en kan/ anlegen/ um dem Feind dadurch allen Einfall zu verwehren/ und capable zu seyn/ eher solches in die anliegende Laͤnder selbst zu verrich- ten/ als in denen seinigen solches Ungluͤck zu er- fahren: dahero denn man auch der Jnsuln/ so auf einem Schiffreichen Flusse liegen/ wohl wahrneh- men/ und solche fortificir en soll/ um damit den Fluß zu commendir en/ und einem Feinde darauf die Passagen zu disputir en. 13. Fra- Von Beschaffenheit und Unterschied ꝛc. (13.) Frage. Welche Oerter sind unbequehm ei- ne Festung darauf zu bauen? Man soll nicht leicht an den Abgang eines Ber- ges/ noch viel weniger in einem Thal/ so mit Berg und Huͤgeln umgeben/ eine Festung anlegen/ wenn nicht solches nothwendiger Weise zur Be- schuͤtzung eines Haupt-Passes zu Wasser odeꝛ Lan- de/ oder eines Sechafens geschehen muß/ wobey man denn sonderlich dahin trachten soll/ die nechsr anliegenden schaͤdlichen Hoͤhen entweder mit in die Festung einzuziehen/ oder doch à parte Wer- cke darauf zu legen/ damit ein Feind sich solcher nicht gleich bemaͤchtigen/ und der Festung in kur- tzer Zeit viel Schaden thun/ oder solche gar einbe- kommen koͤnne: Ausser diesen soll man an solche unbequehme Oerter keinen so kostbaren Bau auffuͤhren/ weil das Geld/ so man nuͤtzlicher haͤtte anwenden koͤnnen/ nur luͤderlicher Weise ver- schwendet wird/ und das Land mehr Schaden/ als Nutzen davon hat. Das IV. Cap. Von Beschaffenheit und Un- terschied des Erdreichs/ und wie sol- chen und den Mauren bey deren Auferbau- ung ihre gebuͤhrende Boͤschung und Ab- dabung zu geben. R (1.) Fra- Das IV. Cap. (1.) Frage. Jst es denn anch noͤthig auf die Qua- lit aͤt der Erde zu sehen/ wenn man an einem Ort eine Festung er- bauen will? Es ist nicht alleine genung nur die Gelegenheit des Landes wohl zu betrachten/ sondern man muß auch wohl den Boden/ und die Erde desselben exa- minir en/ ob solche bequem und tuͤchtig einen guten Wañ oder Bꝛust/ und consequenter eine bestaͤndi- ge Festung daselbst mit Nutzen anzulegen u. zu er- bauen; denn weñ gleich eine bequeme Gelegenheit des Landes fuͤrhanden/ die Erde waͤre aber darbey nicht viel nuͤtze/ so muß ein grosser Unterschied in Auferbauung der Festungen bey guten und schlimmen Boden gemachet werden/ will man anders etwas tuͤchtiges und bestaͤndiges zu Wer- cke richten. (2.) Frage. Was und wie vielerley ist denn der Unterschied der Erde? Die Erde ist gemeiniglich viererley Art/ nem- lich steinigte/ sandigte/ morastige und gute/ schwartze/ leimigte und fette Erde. Die steinigte Erde ist unter allen die schlimste/ weil sie sich gar nicht ligir en/ binden und zusammen stossen laͤsset/ als etwan die andern; die sandigte ist nicht viel besser/ indem sie leicht aus einander faͤllet/ und sehr abrutschet; die Morastige ist zwar besser/ als die Von Beschaffenheit und Unterschied ꝛc. die zwey vorigen Arten/ laͤsset sich auch ziemlichen binden/ wenn sie feichte ist/ alleine sie setzet sich auch sehr/ und faͤllet leicht von einander/ wenn sie trocken worden. Die fette und leimigte Erde ist zur Fortification am allerbequemsten und bestaͤn- digsten/ und kan man daraus gute Waͤlle und Brustwehren bloß und alleine ohne einige Reve- tir ung sicher erbauen. (3.) Frage. Was zu thun/ wenn man an einem Orte aus gewissen Ursachen eine Fe- stung erbauen muͤste/ wo nur stei- nigte Erde waͤre? Wenn mag gezwungen waͤre/ auf einem sol- chen steinigten Boden eine Festung aufzubauen/ und man koͤnte in der naͤhe nicht gute Erde darzu haben/ muͤste man entweder deu gantzen Wall von solcher schlimmen Erde machen/ und hernach zum wenigsten von aussen mit Steinen wohl ein- fassen und revetir en; oder man muͤste nur gantze staꝛcke Mauꝛen an Statt des Walles und andereꝛ Wercke auffuͤhren/ und entweder die Brust von guter Erden darauf setzen/ oder solche von schlim- mer Crde nur machen/ und von aussen und innen mit Ziegel-Steinen verkleiden/ oder man muͤste nur blosse Ziegel-Steine/ keines weges aber Mauer oder Quader- Steine darzunehmen/ weil diese grossen Schaden verursachen solten/ im Fall der Feind sie mit Canon en ruini ren wuͤrde/ wel- R 2 ches Das IV. Cap. ches aber bey denen Ziegel-Steinen nicht so wohl zu besorgen. (4.) Frage. Was zu thun/ wenn man an einem Orte/ gewisser Ursachen halber/ eine Fe- stung bauen muͤste/ wo nur sandigte Erde waͤre? Weil diese Erde von der vorigen nicht viel dif- ferir et/ so muß fast eben damit auch procedir et werden/ wie ietzo nur gemeldet worden/ im Fall keine andere gute Erde nahe dabey vorhanden/ welche man nebst dem alten Roß-Mist sonst dar- unter vermischen muͤste/ und also/ wo nicht den gantzen Wall/ iedoch die Brustwehre nur un reve- tir et/ und bloß mit innerlicher und aͤusserlicher Versetzung lassen und machen koͤnte. (5.) Frage. Was zu thun/ wenn man eine Fe- stung auf einen morastigen Boden erbauen muͤste? Ob wohl die morastigen Oerter etwas besser als die steinigten und sandigten sind/ nichts desto we- niger hat man grosse Muͤhe an solche Oerter eine bestaͤndige Festung aufzubauen; sintemahl der Grund fuͤr allen Dingen muß wohl geleget und mit Pfaͤhlen befestiget werden/ uͤber dieses auch muß die Arbeit bey druckenem Sommer gesche- ben/ weil die morastige Erde/ wenn sie duͤrre ist/ mehr Bestand hat und sich nicht so leicht setzet/ als wenn Von Beschaffenheit und Unterschied ꝛc. wenn man sie naß arbeitet/ da sie gemeiniglich/ wenn sie wieder duͤrre worden/ sich sehr setzet/ auf- buͤrstet/ und nach Gelegenheit wohl gar wieder von einander faͤllet. Wenn man nun dergleichen Waͤlle von aussen mit Steinen zu Erspahrung der Unkosten nicht revetir en will/ muß man nur solche von aussen/ wie auch die Brust von aussen und innen mit Wasen wohl versetzen/ und ieden Schuch hoch Erde wohl auf einander stampffen. (6.) Frage. Was hat man in acht zu nehmen bey einer Festung/ wenn man gute Erde dazu hat? Wenn an einem Orte/ allwo man eine Fe- stung erbauen will/ gute/ fette und leimigte Erde ist/ so kan man mit wenigern Unkosten und gerin- gerer Muͤhe das Dessein ausfuͤhren/ als wenn man schlimme Erde hat; denn mankan aus der guten Erde alles machen/ man darff sie nicht so hart stossen und stampffen als die andere lockere/ man kan sie arbeiten/ wenn sie trocken und auch etwas naß ist. Die Fundamenta darf man nicht mit Pfaͤhlen beschlagen/ die Waͤlle auch nicht eben revetir en oder mit Wasen versetzen/ wenn man nicht will/ und der Sachen einen bessern Bestand und Ansehen geben/ weil sie sich ohne dem wohl binden laͤsset/ und fuͤr sich selbst bestaͤn- dig ist. R 3 (7.) Fra- Das IV. Cap. (7.) Frage. Wie starck wird denn die Abda- chung an denen Erd-Waͤllen ins ge- mein geinachet? Weil bereits gedacht worden/ daß die Erde un- terschiedlichẽ sey/ also muß auch folgen/ daß noth- wendig die Abdachung der grossen Erd-Waͤlle auch unterschiedlichen seyn muͤsse: denn was die zwey schlimsten Arten der steinigten und sandig- ten Erden anbelanget/ muͤssen ihre un revetir ten Waͤlle eine staͤrckere Boͤschung haben als die an- dern/ so von der morastigen oder guten Erden ge- machet worden: Jnsgemein gibt man zur aͤusserli- chen Boͤschung eines un revetir ten Walles ein Viertheil von der Hoͤhe des Walles ohne der Brustwehre: Bey morastiger Erden gibt man et- wan die Helffte von der Hoͤhe des Walles zur Boͤ- schung; bey sand- und steinigter Erden aber muß man mehr als die Helffte von der Hoͤhe des Wal- les zur Boͤsehung geben/ sollen anders die Wercke noch ziemlichen bestaͤndig bleiben/ und nicht in Wetter oder sonst bey Attaquir ung leicht abrut- schen und sich ruinir en. (8.) Frage. Was hat man bey dem Maurwer- cke/ wegen der Boͤschung/ in acht zu nehmen? Man muß einen Unterschied machen unter dem Manrwercke bey der Civil und Militar Archite- ctur: Von Beschaffenheit und Unterschied ꝛc. ctur: bey der Civil Architectur wird das Mauer- werck/ wenn es nicht im Fundament oder in einem Graben ist/ auf dem L and Horizont perpendicula- riter in die Hoͤhe gefuͤhret; Bey der Kriegs-Bau- Kunst aber wird solches nicht allein im Funda- ment und Graben/ sondern auch uͤber dem Land Horizont schraͤge biß an die Brust in die Hoͤhe ge- fuͤhret/ es mag gleich eine blosse Mauer oder auch eine R evet ier-Mauer seyn/ um bessern Stand zu halten/ wenn dergleichen Wercke von einem Feinde mit Carthaunen solten beschlossen wer- den: wie nun die Erde unterschiedlichen ist/ und nicht einerley Boͤschung leiden will/ also sind auch die Steine nicht alle gleicher Art/ und muͤssen auch ihre besondere Abdachung haben/ und soll man sich sonderlich huͤten/ daß man zur Fortification, noch sonst in der Hoͤhe Steine gebrauche/ so von der Lufft zergehen/ und verderben. Gemeiniglich aber brauchet man bey der Fortification grosse Quader- Steine zu denen Fundament en/ Pfeilern und Ecken der Mauren/ das andere Mauerwerck aber kan von andern Bruch-oder Back-Steinen gemachet werden. Was die Quader- Steine an- belanget/ weil sie ins gemein duͤcke und lang sind/ gibt man denn solchen gar eine geringe Boͤschung von der Hoͤhe ihrer Mauer/ wenn solche von lau- ter Quader- Steinen aufgefuͤhret worden/ als nemlichen wenn die Mauer in allen 24. S. hoch ist/ kan die Boͤschung hierzu ungefehr einen Schuch breit gegeben werden. Bey einer Mau- R 4 er/ Das V. Cap. er/ so von gleicher Hoͤhe aus Ziegel-Steinen gautz aufgefuͤhret worden/ muß man etwas mehres nehmen; bey einer Mauer aber/ so von Bruch- Steinen gemachet/ und auch von gleicher Hoͤhe ist/ muß man der Boͤschung noch mehr zu geben als bey den Ziegel-Steinen/ weil diese wegen ih- rer ungleichen Form sich nicht so wohl binden las- sen als die andern/ welche durchaus eine Gleiche haben. Das V. Cap. Von Suchung und Befesti- gung der Fundamenta, so wohl im Wasser als auf dem Lande/ auch wie darauf zu bauen. (1.) Frage. Jst denn an Suchung und Befesti- gung der Fundamenta eines Ge- baͤndes auch viel gelegen? W Eil kein Gebaͤude weder bey der Civil, noch militar Architectur, so wohl im Wasser als auf dem Lande kan bestaͤndig seyn und fuͤr tuͤchtig erkant werden/ weñ die Fundamenta insonderheit darzu nicht wohl gesuchet und fleisig befestiget sind; So ist es allerdings hoͤchst noͤthig/ daß ein kluger Bau-Meister sich derselben zu Anfangs wohl erkundige/ und versichere/ damit nicht et- wan Von Suchung und Befestigung der ꝛc. wan aus Ruin derselben/ die darauf aufgefuͤhrten kostbahren Wercke moͤgen einigen Schaden leiden/ und er zu grosser Verantwortung des we- gen gesetzet werden. (2.) Frage. Was ist denn fuͤr ein Unterschied bey bey denen Fundament en/ und was hat man insgemein bey denselben in acht zu nehmen? Gleichwie die obere Erde sehr vari ret und un- terschiedlichen ist in kurtzen Distan tzen/ also sind auch die Fundamenta, wenn man in die Erde ein graͤbet/ nicht einerley Art: Denn sie koͤnnen theils von Kiese oder trockenem Sande/ theils von Sumpffe oder Moraste/ theils gantz unter Wasser/ theils von guter fetter und leimigter Er- den seyn. Je schlimmer nun der Grund ist/ und nach dem auch ein hohes und starckes Werck da- rauf soll aufgefuͤhret werden/ ie tieffer muß er gesuchet und auch breiter angeleget werden. (3.) Frage. Was zu thun wenn der Grund fel- sigt und von harten Steinen ist? Wenn der Grund felsigt und von harten Steinen ist/ hat man gar keines eingrabens von- noͤthen/ und darff derselbe nur oben/ und an der Sei- Das V. Cap. Seiten/ so viel moͤglichen geebnet/ iedoch ein- waͤrts gegen die Festung zu in etwas abhengend oder ein oder zwey Absaͤtze an Statt der Verme auswaͤrts an den Enden gemachet werden/ da- mit die darauf gefuͤhrte Erde und Gebaͤnde nicht auswaͤrts den Hang gewinuen koͤnnen/ und sie nun so viel desto bestaͤndiger bleiben/ wenn man solche mit Canoni ren zu Ruinir en suchte. (4.) Frage. Was zu thun/ wenn der Grund von Kieß und trockenem harten Sand ist? Wenn das Fundament aus Kieß oder trocke- nem harten Sande bestehet/ bedarf es auch kei- nes sonderlichen eingrabens/ und koͤnnen 3. biß 6. S. tief/ nach dem das ober-Gebaͤude starck oder schwach werden soll/ schon hierbey genung seyn/ Fals man nur versichert ist/ daß unter sol- chen Sand und Kieß nicht etwan noch ein Mo- rast liege/ welches aus des Bodens bebender Be- wegung leichtlich zu mercken/ oder durch eingra- ben biß auf den harten Grund mit einer langen Stangen zu erfahren stehet/ denn auf diesen Fall muͤste der Grund nothwendiger weise tiefer und biß auf die harte Erde gesuchet werden. (5.) Frage. Was ist zu thun/ wenn der Grund Morastig ist? Bey Von Suchung und Bevestigung der ꝛc. Bey dergleichen morastigen Oertern muß man sich Anfangs wohl erkundigen/ ob der Mo- rast tief/ oder nicht tief ist/ u. ob unter dem Morast ein fester Boden sich unten befinde/ oder ob die obere Flaͤche des Erdreichs trocken und unten morastig ist. Was die Oerter anlanget so entweder von tieffen sichtbahren Morast/ oder oben trocken und unten morastig sind/ setzet man entweder auf dieselben nach proportion und Form des Terrains von fest in einander verbunden Eich-oder auch nur Tannen Baͤumen einen so genanten Rost/ schlaͤget zwischen die Spatia des Rostes zu gespitzte starcke Pfaͤhle ein/ vermittelst eines grossen Rammlers/ fuͤllet die neben Loͤcher mit allerhand Steinen und groben Kieß aus/ fuͤhret die aͤusser- liche Lage von Qvader-Steinen verbundsweise zu mahl an den Ecken mit Einruͤckung etlicher Zoll oder halben Schuhes auf dem Rost in die Hoͤhe/ bevestiget auch solche Qvader-Steine mit Klammern/ und mauret hernach den inwendi- gen Raum mit andern Steinen Massiv aus/ so ist der Grund an einem solchen morastigen Ort wohl geleget/ und kan man darauf sicher bauen. Oder man kan auch ohne einen Rost in der Circumferenz als man bauen will/ viel eichene/ steinbuͤchne oder auch starcke ellerne Pfaͤhle/ so nahe als sichs thun laͤsset/ neben einander/ iedoch etwasschraͤge und gegen die Festung und dem Ge- Das V. Capitel. Gebaͤude hangend entschlagen/ dieselben an de- nen Spitzen und von aussen etwas brennen/ und weil sie noch warm/ mit Pech und Lein-Oel be- streichen/ damit keine Faͤule daran hafften koͤn- ne. Es muͤssen aber dergleichen eingeschlagene Pfaͤhle oben mit einem Richtscheit oder Bley- Wage aufs beste vergleichen/ und zu mehrerer Befestigung mit starcken Schwellen und Schlaͤudern Creutzweiß durch ein Zapffen oder Ausgraben befestiget werden/ damit sie nicht von einander weichen und nachgeben koͤnnen/ und muß man die uͤbrigen Loͤcher darzwischen mit Steinen/ Thon und Kalck wohl ausfuͤllen. Wenn der Morast flach und nicht tieff ist/ auch unter sich einen harten Boden hat/ so man mit Einsteckung einer Stange leicht erforschen kan/ darf derselbe nur ohn grosses Abraͤumen mit grossen Feld-Steinen/ auch allerhand anderen zerbrochenen Dach-und Mauer-Steinen/ wohl gebundenen Faschinen und Reiß-Wellen ver- schrencket und mit Sand und Erden verglichen und geebnet werden/ welches Fundament denn tuͤchtig genug seyn wird/ einen ziemlichen Bau zu tragen/ doch muͤssen die Faschienen mit Pfaͤh- len und Pfloͤcken fest an einander gemachet/ und auf solchen Fundament ein oder mehr Absaͤtze und Bermes an Enden bey Auffuͤhrung des Gebaͤu- des darauf gelassen werden: Oder man kan auch nach Gelegenheit von Distan tzen zu Diston- tzen Von Suchung und Befestigung der ꝛc. tzen Erd-Gewoͤlber mit Pfeilern machen/ worauf man auch sicher bauen kan. Wo sich etwan im Fundament- Qvellen finden solten/ muß man sol- che mit kleinen Roͤhren und Canal en enge fassen/ damit sie ihren richtigen Lauff haben/ sonsten hat das Fundament immer einen Anstoß/ und muß dann geflicket werden. (6.) Frage. Was zu thun/ wenn ein fester Grund und Boden/ da man hinzubauen gesonnen/ gaͤntz voll Wasser ist? Wenn man ein Gebaͤude/ zum Exempel stei- nerne Pfeiler zu einer Bruͤcke oder ein ander ge- wisses Werck von Steinen in das Wasser und einen Fluß auf erbauen wolte/ muß man vor al- len Dingen die gantze Circumferen tz/ so zu dem Bau erfordert wird mit einem Damm oder so ge- nandten Wasser-Stuben umbgeben/ damit das Wasser nicht so haͤuffig auf den bestim̃ten Platz eindringen/ und man darauf unverhindert bauen koͤnne. Was den Damm anlanget muß solcher zum wenigsten 4. biß 6. Sch. breit seyn/ waͤre aber das Wasser ziemlichen tief/ muß solcher noch breiter gemachet werden/ die Verfertigung aber dessen geschiehet also; Man beschlaͤget die gan- tze Cireumferen tz/ oder nur die Seite wo das Was- Das V. Cap. Wasser vorbey/ gehet von 6. Sch. zu 6. S. mit ziemlichen starcken Pfaͤhlen/ ausserhalb aher der Pfaͤhle schlaͤget man starcke oder doppelte Bre- ter an/ des gleichen thut man auch auf der andern Seiten/ nachdem der Dam̃ starck und breit wer- den soll/ den schuͤttet man zwischen die beschlagene Pfosten groben Kieß und Erde/ so wird das ein- gefaste Spatium, so viel moͤglichẽ/ vor dem Einlauf des Wassers befreyet ultrocken seyn/ daꝛauf nach belieben zu bauen; Solte aber dennoch das Was- ser ziemlichen eindringen/ so muß man solches so wohl Nachts als Tages durch Pluinpẽ/ Schepf- werck/ einfache oder doppelte Schnecken und Wasser-Schrauben mit gewissen hierzu bestel- ten Leuten/ so einander zu bestimten Zeiten abloͤ- sen/ continuir lich heraus bringen/ und als denn das gantze Fundament mit grossen zusammen ge- klammerten Qvader-Steinen/ verbunds weise darauf legen/ und damit/ oder auch mit anderen grossen Steinen continuir en und das Fundament auffuͤhren/ biß man etliche Schuh hoch uͤber das Wasser ist/ iedoch mit unterschiedlichen Absaͤtzen/ welches wohl zu mercken ist. Oder man kan auch zu Folge der Bau- Circumferen tz ohne Was- ser-Stube oder mehr Reihen starcke Pfaͤhle ein- schlagen/ an den aͤussersten Enden und uͤber Zwerg mit so genanden Schlaͤudern und Schwellen an einander bevestigen/ die Luͤcken und Spatia mit allerhand Stein-Wercke/ ungeleschtem Kalck/ Thon/ Kieß/ groben Sand und Von Suchung und Bevestigung der ꝛc. und dergleichen ausfuͤllen/ und denn eine Mauer gantz sicher darauf bauen. Hat man aber kei- ne grosse Qvader oder andere Feld-Steine/ und man kan auch aus Mangel des Holtzes oder Haͤrte des Bodens denselben mit Pfaͤhlen/ nicht bevestigen/ so muß man entweder alte Schiffe/ oder mit fleiß hierzu gemachte starcke und mit eussern Baͤndern und Klammern wohl verwahrte und verpichte Kaͤsten/ oder doppelt ge- flochtene Koͤrbe mit allerhand kleinen Steinen/ Thon und ungeloͤschtem Kalck aus gefuͤllet/ und mit einer darauf gemachten Decke verwahret/ damit die Steine nicht heraus fallen/ nahe neben einander auf den Grund setzen/ oder wenn Was- ser vorhanden vermittels langer Straͤnge oder Stoß-Hacke aus Schiffen oder Barqu en einsen- cken/ die Fugen zwischen den Schiffen; Kaͤsten oder Koͤrben mit allerhand Steinen ausfuͤllen/ durch Wasser-Taucher mit Klammern und Ketten die eingesenckten Sachen veste lassen an- einander machen/ und damit in der Vreite und Hoͤhe uͤber das Wasser also continuir en/ daß man das vorhabende Gebaͤude darauf unverhin- dert recht bauen koͤnne. (7.) Frage. Wie soll man einen Damm fuͤhren in einen grossen Fluß/ damit solcher das U- fer und die Felder nicht zerreisse/ und einen neuen Gang suche? Wenn Das V. Cap. Wenn man einen solchen Damm in einen star- cken und tieffen Fluß machen will/ soll man sol- ches fuͤrnehmen/ wenn der Fluß im Sommer am allerkleinsten ist. Ehe man aber wuͤrcklichen zu dem Wercke schreitet/ soll man etliche 1000. wohl gebundene Wuͤrste verfertigen lassen/ und/ wo moͤglichen/ die Circumferenz des Dammes an- fangs mit eingeschlagenen starcken Pfaͤhlen be- festigen/ so denn die Wuͤrste alle schicht und Verbundsweise auf einander legen und anpfloͤ- cken/ und zwischen iedes Schicht Kieß/ Erde/ Lei- men mit einstampffen und einschuͤtten/ damit alles fest an einander hangen und bleiben moͤge- Es muͤssen aber die untersten Schichte immer breiter und breiter/ die obern aber immer schmaͤh- ler und schmaͤhler angeleget und mit Absaͤtzen ge- machet werden/ damit sie auf keinerley Weise vom Wasser koͤnnen ruinir et werden; fuͤrnemli- chen aber muß man auf die Seite des Dammes gegen dem Strohm zu/ und bey der vordersten E- cken starcke und viele Pfaͤhle einschlagen/ und ei- nige Eißbaͤume einsetzen/ damit der Damm dis- seits/ weil er daselbst am meisten auszustehen hat/ nicht so leicht wieder verderbet werde. So muß man auch bey so gestalten Sachen nicht nur einen grossen Damm etwan alleine/ sondern etliche Daͤmme nach einander in gewissen Distanz en machen lassen/ weil die Staͤrcke eines einigen Dammes nicht so wohl/ als die Vielheit der Daͤm̃e capable ist/ einen grossen Wasser Schaden zu Von Suchung und Befestigung der ꝛc. zu verhuͤten. Uber dieses muß der erste Damm/ gegen dem Strohm zu/ starck genug/ aber nicht zu lang ins Wasser hinein gemachet und angele- get werden; die folgenden Daͤmme koͤnnen nach der Reihe immer etwas weiter in das Wasser ge- hen/ als die ersten/ da sich denn das Wasser an sol- chen Daͤmmen nach und nach abstossen/ und kei- nen Damm mit sonderlicher Gewalt so sehr ruini- r en wird/ als wenn einer nur alleine waͤre/ ob er schon starck und breit genug angeleget/ weil das Wasser seine untern heimliche Gaͤnge hat/ wel- ches/ wenn es nicht an seinem voͤlligen Gange durch einiges Abstossen verhindert wird/ auch den groͤsten Damm gar leicht ruinir en kan. Was die so genannten Wuͤrste betrifft/ muͤssen solche von starcken Aesten und Reisig der Eichen und El- lern auf 30. biß 50. S. lang/ und 1. S. dicke/ ge- machet/ und von Schuhen zu Schuhen mit Wei- den feste zusammen gebunden seyn. Das Anpfloͤ- cken derselben/ wie auch das Einschuͤtten des Lei- mens/ Thones/ Kiesses und der Steine muß man darbey nicht vergessen/ weil er durch dergleichen Sachen um so viel fester an einander haͤnget/ und gleichsam zu einem Stuͤck wird. (8.) Frage. Wie soll man einem Damm fuͤhren vor einen Seehafen/ damit die Wellen nicht so einschlagen/ und die im Hafen ste- henden Schiffe nicht beschaͤdigen koͤnnen? S Wenn Das V. Cap. Wenn man einen Damm vor einen See-Ha- fen ins Meer legen will/ muß man erstlichen die Tiefe mit Einwerffen des Bleyes/ hernach auch den Grund und Platz/ wo solcher soll hingeleget werden/ durch die Meer-Taucher recognoscir en lassen/ ob solcher sehr tieff/ eben/ sandig oder felsigt ist. Wenn der Boden ungleich und felsigt waͤre/ muß man solchen mit Einschuͤtten kleiner und an- derer zerbrochenen Steine in der besten Som- mers-Zeit/ als im Junio, Julio und Augusto, da das Meer am stilsten ist/ ziemlichen in die Hoͤhe und Breite aus- ebnen: Wenn dieses geschchen/ muß man grosse/ lange/ breite und hohe/ vonstar- cken Eichen Baͤumen/ mit grossen eisernen Naͤgeln und starcken eisernen Banden zusammen geschla- gene/ eingezaͤpffte/ und mit einigen Unterschieden Creutzweiß gemachte/ auch mit zusammen ge- klammerten ordentlich eingelegten Quader- Stei- nen ausgefuͤllte und inwendig wohl ausgepichte Kaͤsten nach einander darauf setzen/ die Taucher auch alles wohl lassen recognoscir en/ ob es or- dentlich beysammen stehe/ und wenn die ersten eingesenckte Kaͤsten/ nicht etliche Schuch uͤber das Wasser gehen solten/ muͤssen noch andere/ iedoch etwas schmaͤhler als die ersten/ auf solche einge- sencket/ im uͤbrigen aber auf gleiche Manier / wie die vorigen gemacht und gefuͤllet worden/ verfer- tiget werden/ worauf denn hernach eine Mauer von Quader- Steinen wohl zusammen geklam- mert Von Suchung und Bevestigung der ꝛc. mert kan gefuͤhret/ und also ein bestaͤndiger Damm auch in das Meer vor einen Hafen gele- get werden. (9.) Frage. Wie groß und lang muͤssen denn die Kaͤsten gemachet werden/ und was hat man sonst noch mehr dabey zu obser- vir en? Wenn wegen der Tiefe des Wassers bey Ver- fertigung eines solchen Meer-Dammes zwey Kaͤsten muͤssen auf einander gesetzet werden/ koͤn- nen die obern 60. Sch. lang. 40. S. breit/ und 20. S. hoch seyn. Den Sch. zu 10. Zoͤll gerechnet/ und muͤssen noch uͤber das Wasser 5. Sch. heraus ge- hen/ worauf noch die Mauer 25. Sch. hoch/ und also der Damm uͤber dem Wasser in allen 30. S. hoch verbleibe; die Mauer kan unten auf den Kaͤ- sten 14. S./ oben aber nur 12. S. breit seyn/ und muͤssen die Spatia zwischen den Quader- Steinen so wohl in den Kaͤsten/ als auch bey der Mauer mit gutem Kalck wohl eingeleget und ausgeebnet/ auch alle mit eisernen Klammern feste zusammen gebunden werden/ damit es gleichsam nur einem einigen Stein gleichen/ und sich nicht leicht von einander geben moͤge. Die untersten Kaͤsten muͤs- sen etliche Sch. laͤnger und breiter seyn als die o- bern/ und soll man gegen das hohe Meer zu von aussen allerhand grosse eckigte/ Feld- und andere Steine nahe an die Kaͤsten einwerffen/ auch dar- mit biß uͤber das Wasser und an die Mauer conti- S 2 nui- Das VI. Cap. nuir en/ damit nicht alleine die Kaͤsten gegen die wilden Meeres Wellen etwas beschuͤtzet/ sondern auch fuͤr die feindlichen Schiffe sicher seyn moͤ- gen/ daß sie sich nicht allzu nahe an solche machen duͤrffen/ um sich an ihnen nicht zu zerschmettern. Das VI. Cap. Von der Definition und Ein- theilung der Fortification. (1.) Frage. Was ist und lehret die Fortification? Die Fortification oder Kriegs- Bau-Kunst ist eine Wissenschafft/ welche lehret/ wie man alle Oerter und Plaͤtze mit Mauren oder Waͤllen/ Brustwehren/ Graͤben/ bedecktem Weg/ Aussen- wercken und Glacis nicht allein wohl und mit Vor- theil befestigen/ und solche bey einer Belaͤgerung und Bestuͤrmung mit wenig Mannschafft/ ver- mittelst kleinen und groben Geschuͤtzes/ zu grossem Verlust des Feindes tapffer defendir en/ sondern auch/ wie man im Gegentheil alle feste Oerter mit guter Vorsichtigkeit und Avantage belagern/ At- taquir en/ Ruinir en und solcher sich bemaͤchtigen solle. (2.) Frage. Wie vielerley ist denn die Forti- fication? Die Von der Definition und Eintheilung ꝛc. Die Fortification ist sehr unterschiedlich und mancherley/ als eine natuͤrliche und kuͤnstliche/ ei- ne regulare und irregulare, eine bestaͤndige oder unbestaͤndige/ eine kleine/ mittelmaͤßige oder groß royal, und dann endlichen eine off- und defensiv Fortification. (3.) Frage. Was nennet man eine natuͤrliche Fortification? Die natuͤrliche Fortification wird diejenige geheissen/ wenn eine Situation und Art mit ho- hen/ unersteiglichen Gebuͤrgen/ Felsen und Thaͤ- lern oder unpassirlichen Wassern und Moraͤsten von Natur gleichsam selbst befestiget und umb- geben ist. (4.) Frage. Was nennet man denn eine kuͤnstli- che Fortification? Die kuͤnstliche Fortification ist diejenige/ wenn man entweder der Natur eines Ortes mit kuͤnst- cher Anlegung gebuͤhren der Wercke huͤlffet/ und solche verbessert/ oder aber ohne einigen Vortheil der Natur alleine durch klugen und vorsichtigen Menschen Verstand befestiget/ und mit Waͤllen oder Mauren umbgiebet. (5.) Frage. Welches wird denn eine Regular- Fortification genennet? S 3 Eine Das VI. Cap. Eine Regular-Fortification ist/ wenn alle Pun- cta, Linien und Winckel/ vermittelst welchen die Fortification muß gemachet werden/ umb die gan- tze Festung einander gleich sind/ so aber wegen der wunderlichen und mancherley Situation gar wenig kan gemachet werden. (6.) Frage. Was nennet man denn eine Irregular Fortification? Eine Irregular Fortification wird diejenige ge- heissen/ wenn die meisten Linien und Winckel ei- ner Festung ein ander ungleich sind/ welche Art den der Fortification mehr Practicable ist als die vorige/ weil man mehr irregulare als regulare Plaͤtze zu fortificir en hat. (9.] Frage. Was nennet man denn eine bestaͤn- ge oder unbestaͤndige Fortification? Eine bestaͤndige Fortification nennet man die- jenige/ wenn ein gewisser Ort oder Gegend mit Fortifications- Wercken soll umbgeben/ und da- mit bestaͤndig befestiget bleiben/ und ausser des Feindes Gewalt nicht wieder ruini ret und unbe- festiget gelassen werden. Eine unbestaͤndige Fortification aber/ nennet man diejenigen Wercke/ so man gemeiniglichen zu Kriegs-Zeiten an gewisse Oerter in geschwin- der Von der Definition und Eintheilung ꝛc. der Eil pfleget aufzuwerffen/ damit man sich hin- ter denselben im fall der Noth/ einiger massen de- fendir en koͤnne: So bald aber der Friede wie- der erfolget/ werden solche Wercke wieder demo- li ret und geschleiffet/ und der Platz zu seinen vo- rigen natuͤrlichen Stand und Gebrauch ge- bracht. (8.) Frage. Was nennet man denn eine kleine/ Mittelmaͤßige und grosse Royal For- fication? Die Groß- Royal Festungen werden diejeni- gen genennet/ deren aͤusserliche Polygone 100. R. lang/ und 10. 12. oder mehr Bastion en haben/ auch die bestaͤndige Defens- Linie niemaln unter 60. auch nicht viel uͤber 70. R. lang ist/ welches dann eine rechte Distan tz ist vor einem Mußqueten oder Flinten-Schuß/ so mit guten Effect und Nach- druck kan gethan werden. Die kleinen Royal- Festungen sind diese/ deren ausserliche Polygone 60. R. nur lang ist/ und et- wan 4. oder 5. Bastion en haben/ als wie gemei- niglich die Citadell en. Die Mittel Royal- Festungen sind die/ deren aͤusserliche Polygone eine Zahl zwischen den vor- besagten R. betrifft/ und 6. biß 9. Bastion en ha- ben; Was nun unter dieser Anzahl R. bey der Fortification erbauet wird nennet/ man gemeini- glich nur Aussenwercke oder Feld-Schantzen/ und keine Royal- Wercke. (9.) Das VII. Cap. (9.) Frage. Was nennet man dann die off - nnd defensiv Fortification? Die Offensiv-Forrification wird dasjenige alles geheissen/ was man von retrenchement en/ ap- prochen, baterien Kesseln/ redouten, Feld-Schan- tzen/ und andern Wercken machet/ wenn man ei- ne Festung belagern/ oder sich sonst wegen eines Feindes in seinem Lager oder einem Paß ver- schantzen will/ damit man einiger Massen koͤnne sicher seyn/ auch sonst sein Dessein wohl bedeckt erreigen. Die Defensiv-Fortification nennet man alle diejenigen Wercke und Abschnitte/ welche so wohl bestaͤndig als unbestaͤndig sind/ wenn man sich nur hinter denselben im Fall der Noth bey ei- ner Attaque und Belagerung gegen den Feind defenti ren kan. Das VII. Cap. Von einigen General-Maxi- men so bey Aufferbauung einer Fe- stung/ wegen der fuͤrnehmsten Lienien und Winckel durch gaͤngig in acht zu neh- men sind. 1. Fra- Von einigen General-Maximen. 1. Frage. Woraus bestehet eine gantze Fe- stung/ und was ist darbey insgemein zu mercken? E Jne gantze Festung bestehet aus 3. Haupt und Fundamental-Linien/ nehmlichen aus der Courtine, Flanque und face welche dem her- nach bey ihrem zusammenlauff absonderliche Winckel und Puncta verursachen; wobey denn zu mercken/ daß kein Punct-Winckel oder Linie in einer Polygone an einer wohlerbauten Festung sich finden muͤsse/ welche nicht von einem andern koͤnne gantz besehen oder entdecket und bestrichen werden/ und dieses zwar zum weitsten in einer Distanz von 60. biß 70. R. welches ein rechter Musqueten Schuß ist/ so man mit gutem effect thun kan/ und muß man nicht nur die distanz be- trachten/ wie weit ungefehr eine mittelmaͤßige Canone in ihrer geraden Linie reichen koͤnne/ son- dern man muß fuͤrnehmlichen die defension des Hand Geschuͤtzes in acht nehmẽ/ weil solche viel frequenter geschehen kan/ und muß also eine Fe- stung mit Hand und groben Geschuͤtz bey allen Winckeln und Linien mit guten effect koͤnnen bestrichen und wohl defendi ret werden/ anders werden bey einem so kostbaren Bau grosse Haupt-Fehler begangen. S 5 2. Fra- Das VII. Cap. 2. Frage. Welche Fortification, nehmlich die regular oder irregular soll der andern billig vorgezogen werden? Die regular fortification soll allezeit der irre- gular, so viel als es nur die Gelegenheit des Terra- ins leiden und zugeben will/ vorgezogen und obser- vi ret werden/ weil die regulari taͤt in allen Stuͤ- cken eine gleichere distanz und defension haͤlt/ als die Irregularit aͤt/ wie wohl man auch solche also an- legen kan und soll/ daß an der defension kein Mangel zuspuͤren sey/ davon an seinem Ort schon mit mehren soll gehandelt werden. Jm uͤbrigen ist bey der regular fortification zu behalten/ daß man nicht leicht uͤber 12. Eck. schreiten/ sondern lieber zwey Festungen anlegen soll/ um bessere defension und geschickte Linien und Winckel zu haben. 3. Frage. Was ist von den Bollwercks-Win- ckel in acht zunehmen. Der Vollwercks-Winckel soll niemahls viel groͤsser als 100. auch niemahls kleiner als 60. Gr. seyn; Denn ist solcher groͤsser/ so kan die Gesichts-Linie/ zumahl von einer kleinen Flan- que nicht wohl bestreichen werden/ und ist das Bollwerck uͤber dieses auch vorne gar zu weit/ also daß es gar leicht von aussen kan ruini ret werden: Jst Von einigen General-Maximen. ist aber der Vollwercks-Winckel gar zu klein/ so faͤllen die Facen gar zuspitzig/ also daß solche nicht alleine vom Feinde koͤnnen leicht ruini ꝛet weꝛden/ sondern man auch sonst sich nicht wegen der En- ge mit der Artillerie und ander Sachen darinnen wohl bethun kan. 4. Frage. Wie soll der Kehl Winckel an ei- ner Festung recht beschaffen seyn? Der Kehl Winckel soll niemahls kleiner als 90. Gr. auch nicht viel groͤsser als 100. Gr. seyn; Denn ist derselbe groͤsser/ wird solcher vom Fein- de gar zu sehr entdecket/ ist er aber kleiner kan er die gegen uͤberstehende Face nicht wohl bestrei- chen: Derohalben kan kein Spitz-Winckel mit einer gantzen Bastion recht beleget und fortifici- ret werden/ weil beyde Winckel/ so wohl der Boll- wercks als der Kehl-Winckel unter die behoͤrige Weite faͤllen/ und muß man den Spitz-Winckel abschneiten/ und solchen in Form entweder einer einfachen oder doppelten Tenaille, oder auch nach gelegenheit in Form eines Horn-Wercks fortifi- ci ren/ und wenn man will auch ein klein ravelin davor legen. (5.) Frage. Welche Kehl Linien sind am besten/ die langen/ oder die kurtzer? Die großẽ und langẽ Kehl-Linien/ wenn sie nur nicht Das VII. Cap. nicht anders aus ihrer rechten proportion schrei- ten/ sind den kleinen und kurtzen billig fuͤr zu zie- hen; denn man hat bey den selben auf dem Boll- werck viel bessern Platz sich zu defendiren, und im Fall der Noth sich auff demselben zu retrenche- mendiren, als bey den kleinen und kurtzen. (6.) Frage. Was hat man bey der Courtine, wegen ihrer rechten Proportion in acht zu nehmen? Die Courtine soll bey einer regularen R oyal- Festung niemahls kuͤrtzer als 30 R., noch bey einer irregular en laͤnger als 50. R. seyn/ damit die bestaͤndigen Streich-Linien ihre rechte pro- portion an der Laͤnge bekommen moͤgen: Solte aber bey genoͤthigten langen Courtine die defen- sion aus den Flanquen und andern Linie mit gutem effect nicht koͤñen sattsam genom̃en werden/ muß man auch die Mitte deꝛselbe eine Platte Form oder Cavallieur auf setzen/ damit man die noͤthige Be- streichung aller Orten haben koͤnne. (7.) Frage. Wie sollen die Flanqven proportioni- ret seyn/ und was ist bey denselben zu observi ren? Weil aus den Flanqven die beste und staͤrckste Defension vor allen andern Linien herkommet/ wel- Von einigen General-Maximen. welches niemand leugnen kan/ weil 6. Schuͤße in Flanqve nach gestalten Sachen mehr præsti ren konnen/ als 20. Schuͤsse in Fronte/ so ist dahero leicht zn schluͤße/ das ordinarie die langen Flanqven den kurtzern/ sie moͤgen auch gemacht seyn wie sie wollẽ/ billig fuͤrzuziehẽ sind/ iedoch alles nach rech- ter ungezwungener Proportion, davon an seinen Orte schon mit mehren soll gehandelt werden; Wiewohl bey den Berg-Festungen dieses wegen der Flanquen nicht allezeit kan observir et werden/ wegen der engen und wunderlichen Situation, daͤ man offt gezwungen ist/ kurtze iedoch reterirte Flanqven und Casematten zu machen/ so man aber heut zu Tage sonst ohne Noth nicht gebrauchen soll/ wie bereits gedacht worden. (8.) Frage. Was ist bey den Facen, wegen ihrer Proportion in acht zu nehmen? Weil die Facen oder Gesicht Linien an einer Festung die aller schwaͤchsten Theile sind/ in dem sie am weitesten in das Feld hinaus gehen/ vom Feinde am ersten attaqviret werden/ und weder sich oder andern Linien groß bestreichen koͤnnen- so muß ein rechter Kriegs-Bau verstaͤndiger sich wohl in achtnehmen/ das er solche weder zu lang/ noch zu kurtz mache; denn sind solche gar zu lang und viel laͤnger als die Flanqven, koͤnnen solche von den kurtzen Flanqen ihre rechte Defension und zulaͤnglichte Bestreichung nicht habẽ; dahero deñ ge- Das VII. Cap. geschiehet/ daß man nun solchen Mangel zu er- setzen/ vielerley Aussenwercke vor die Cour- tinen hernach machen/ und grosse Unkosten/ wo fuͤr sich ein rechtschaffener ingenieur fleißig huͤtten soll/ verursachen muß/ welche doch/ wen die gebuͤh- rende Proportion der Facen gleich anfangs waͤre recht in acht genommen worden/ mehrentheils haͤtte koͤnnen uͤberhoben bleiben. Sind aber die Facen gar zu kurtz/ kaͤunen solche nicht alleine vom Feinde bald ruiniret werden/ und sie auch selbst wenig defendiren / sondern das Bastion wird vorne gar zu enge/ also/ das maͤn sich auf den selben mit der A tillerie und andern Sachen nicht wohl be- thun kan. (9.) Frage. Was ist wegen der Proportion der bestaͤndigen Defens Linien in acht zuneh- men? Es ist im vorigen schon gemeldet worden/ daß man beyeinem kostbaren Fortifications- Bau vor allen dingen auf die Defension und Bestreichung gute acht geben muͤsse/ soll anders eine Festung sich lange halten und defendiren koͤnnen. Es muß aber die D efension nicht alleine nach denen Distan- zen der Canonen / sonder viel mehr nach der Weite eines Mußqueten Schutzes von 60. biß 70. R. proportioni ret werden/ damit man auch das Hand-Gewehr/ welches um soviel frequenter ge- schehen Von einigen General-Maximen. schehen kan/ mit Nutzen und effect gebrauchen koͤnne. (10.) Frage. Wie muͤssen denn die Linien und Winckel bey den Aussenwercken be- schaffen seyn/ und was ist sonst darbey inachtzuneh- men? Die Linien und Winckel bey den Aussenwer- cken sind gemeiniglich nicht so groß und lang/ als wie bey den innern Hauptwercken/ nichts desto- weniger muͤssen sie auch untereinander ihre ge- buͤhrende proportion haben/ und sich nach der Gelegenheit des Landes und der Hoͤhen/ umb wel- cher willen sie vor die Haupt-Wercke geleget wer- den/ richten/ u. soll man so viel moͤglichen allezeit die eusersten Wercke niedriger machen als die innern/ damit man von innen heraus solche wohl be- streichen/ und im Fall der Noth/ so viel moͤglichen defenti ren koͤnne/ davon an seinem Ort schon mit mehren wird gehandelt werden. Das VIII. Cap. Von den Proportion Ta- bell en und wie eine Festung nach ih- ren Theilen und profil ver- juͤngt auff zureißen/ und im Felde abzustecken ist? 1. Fra Das VIII. Cap. (1.) Frage. Was ist dann von den Proportion Tabellen zuhalten/ welche sonderlich die Alten wegen der Linien und Win- ckel bey den Royal- Wercken gemachet/ und obser- viret haben? E S ist bekant daß die alten Mathematici und Ingenieurs kleine und grosse Proportion-Ta- bellen herausgegeben/ und sich sehr sorgfaͤltig er- wiesen bey den regular Wercken der Fortification die drey Haupt und Fundamental-Linien/ Courti- ne, Flanqve und Face/ wie auch anderern Theilen nach Vielheit der Ecken so wohl an ihrer Laͤnge/ als Dicke in eine bestaͤndige Proportion zu brin- gen/ also das die Courtine das laͤngste/ die Face das mittlere/ und die Flanqve das kleinere Theil einer Festung haben formiren und ausmachen muͤssen/ davon viele Autores koͤnnen nach gesehen werden/ insonderheit aber der Schild-Knecht welcher ge- wisse Proportional- Linial des wegen erfunden/ und von seiner Schraff sinnigkeit hierinnen selbst viel ruͤhmens gemachet/ da doch hierinnen die Proportional-Circul vor Jhm schon sind bekand gewesen/ wornach er leicht sein Dessein hat aus fuͤhren koͤnnen: Wie sehr nun die guten Leute ver- meynet/ der Kriegs Bau-Kunst hirunter eine große Huͤlffe zu thun/ und allen Liebhabern hievon ein son- Von den Proportion-Tabell en. sonderliches Vortheil an Handen zu geben/ so ist doch dieses alles viel mehr eine Mathema tische Sub- tili taͤt und Curiosi taͤt gewesen/ als daß es einen rechschaffenen Nutzen und guten effect der Forti- fication haͤtte an Tag geleget; denn wer will zweif- feln/ das man vor einen 5. und 6. Ecke an feind- licher Seiten bey einer Belagerung nicht eben solche Force von Canonen und Minen gebrauche/ als etwan vor einen 12. und mehreren Ecke: dahero ist nun sicher zu schliessen/ das man bey Auffer- baung einer Festung/ sie mag groß oder klein seyn/ fuͤr allen dingen dahin sehen muͤsse/ wie sie an ih- Wercken starck genung angeleget/ und mit sussi- cienten Flanqvi rungẽ/ woran am meisten aller din- ges gelegen/ versehen werde/ ohngeacht vorer- wehnte Geome trische demonstrationes ein anders besagen moͤchten. Solte aber dennoch von eini- gen/ so dergleichen Proportion Tabellen zur zeit nicht verwerffen wolten/ eingewendet werden/ daß man aus einem grossen Graben mehr Erde nehme/ als aus einem kleinen/ welche man doch zu den Wercken nicht alle gebrauchen koͤnne/ so ist zu antworten/ daß man hierunter/ wegen der Propor- tion der Erde/ so aus dem Graben genommen wird/ und wegen der Hoͤhe und Breite der Wercke nicht so genau judici ren koͤnne und muͤsse: Denn wenn gleich noch einige Erde uͤber die gebuͤhrende Aufrichtung der Wercke bey Ver- fertigung des Grabens uͤbrig verbleiben solte/ kan man solche gar wohl bey den Glacis und dessen T Brust Das VIII. Cap. Brust employ ren/ welches denn gar viel Erde er- fordert/ wenn man solches recht breit machen will/ wie es allerdings seyn soll. Keine Erde aber muß bey Auffrichtung den Wercke fehlen/ weil der Graben niemahls zu breit/ noch zu tieff kan gemachet werden. Ubrigens ist nicht zuleug- nen/ daß man noch biß dato bey der Kriegs Bau- Kunst/ eine gebuͤhrende proportion in ihren Thei- len/ nicht aber nur nach Vielheit der Ecken obser- vi ren muͤsse/ davon mit mehren schon ist/ und wei- ter soll gehandelt werden. (2.) Frage. Nach wie vielerley Art und Weise kan das Plan einer Festung verjuͤngte auff gerissen werden? Es sind vielerley Theile einer Festung/ nach welcher solche kanverjuͤnget auffgerissen werden/ als nehmlichen die Delineation, die Ichnographia die Orthographia und die Scenographia. (3.) Frage. Wie wird denn eine Festung nach der Delineation verjuͤnget auffgeris- sen/ und im Felde gebuͤhrend abgestecket? Wen man das Plan einer Festung nach der Delineation fuͤrstellen will/ muß solches nach der eußerlichen Anlage und Laͤnge aller Linien und Winckel nur mit einer Linie/ so man hernach den Grundriß heiset/ aufgerißen und abgestecket wer- den. 4. F ra- Von den Proportion-Tabellen. (4.) Frage. Wie wird denn eine Festung nach der Ichnographi e verjuͤngt auf- gerissen und im Felde gebuͤh- rend abgestecket? Wenn man nach der Ichnographia etwas auf reissen und abstecken will/ muß man alle eußerli- che und innerliche Anlagen mit ihren Linien und Winckeln aufreißen und abstecken/ wodurch man denn nicht allein die Laͤnge aller Linien/ sondern auch die breite oder Anlage der Wercke beraͤndt bekoͤmmt. (5.) Frage. Wie soll man nach deꝛ Orthographia ein Werck abreissen und abstecken? Bey der Orthographia wird nicht alleine die Laͤnge der Linien/ und die Breite der Anlage der Wercke/ sondern auch die Hoͤhe der selben/ an dem so genandten proh aufgerissen und sur gebildet/ welches hernach mit Stangen bey dem Abstecken auch muß observiret werden. (6.) Frage. Wie wird denn ein Profil gebuͤhrend aufgerissen? Weil an Aufreissung eines Profils sehr viel ge- T 2 legen Das VIII. Cap. legen/ indem man daraus nicht allein den gantzen Zustand/ sondern auch die Unkosten einer Festung ziemlicher massen judicir en kan/ als habe folgende Nachricht hiervon andeutẽ wollen/ nemlichẽ: man ziehet erstlichen eine blinde lange Linie auf dem Pappier/ und traͤget die gantze Anlage des Wal- les/ vermittelst eines Circul s darauf/ aus diesen 2. Punct en laͤsset man zwey blinde Perpendicular- Li- nien in die Hoͤhe gehen/ traͤget die Hoͤhe des Wal- es auf solche auf/ und ziehet die Puncta mit blinden Linien zusammen/ so hat man also ein Quadratum oblongum formir et; hernach formir et man die in- nerliche Boͤschung des Walles/ wie breit solche auf der Grund Linia seyn soll/ und ziehet auch sol- che aus dem obern Punct der innern Perpendicu- lar- Linien zusammen; Nach diesen formir et man die Anlage der Vrustwehre / an dem andern und aͤussersten Ende oben auf dem Quadrato oblongo vermittelst zweyer Puncta, aus welchen Puncten man denn wieder 2. kleine Perpendicular- Linien muß aufrichten/ um die innerliche und aͤusserliche Hoͤhe der Brustwehre/ auf derselbigen mit Pun- cten anzudeuten/ und solche zusammen zu ziehen; Endlichen deutet man auch auf der Grund-Linien die Anlage der aͤusserlichen Boͤschung an/ welche denn von dem aͤussersten obersten Punct der Brustwehre durch den aͤussersten obern Punct des zu erst gemachten Quadrati oblongi zusam- men gezogen/ und also continuir et wird/ biß auf die Horizont- Linie. Die innerliche Boͤschung der Brust- Von den Proportion-Tabellen. Brustwehre zu samt der Hoͤhe und Breite der Banck wird zuletzt auch angedeutet/ so ist das Profil des obern Haupt-Walles nach seiner Laͤn- ge/ Breite und Hoͤhe gaͤntzlich fuͤrgestellet: Wenn nun auch ein Unter-Wall/ oder so genannte Faus- se-Braye soll gemachet und angeleget werden/ wird darbey nach gestalten Sachen auf der Grund-Linie mit deren Laͤnge/ Breite und Hoͤhe auch operir et/ wie im vorigen bey dem Haupt- Wall gemeldet worden. Nach der Fausse-Braye deutet man auf der Grund-Linie die Berme an/ hernach die Ober-Breite des Haupt-Grabens/ aus welchen zwey Puncten man unterwaͤrts 2. Perpendicular- Linien fallen laͤsset/ und auf diesel- ben die Tieffe des Haupt-Graben andeutet/ wel- che Tieffe denn mit einer Linien muß wieder zu- sammen gezogen werden; auf dieser untern Linien wird Scarpe und Contrescarpe nach ihre Breite an- gewiesen/ und aus den obern Puncten der Ober- Breite des Grabens zusammen gezogen. Wenn nun in dem Haupt-Graben noch ein kleiner fal- scher Graben/ oder so genannte Cuvette soll gema- chet werden/ muß man erstlichen das Mittel von dem Haupt-Graben untensuchen/ hernach die halbe Ober-Breite der Cuvette lincks und rechts des Mittel Puncts auftragen/ aus dieser Ober- Breite des kleinen Grabens laͤsset man aber- mahls zwey Perpendicular en unter sich fallen/ be- zeichnet die Tiefe desselben darauf/ ziehet solche zu- sammen/ und bemercket auch die Breite der Scarpe T 3 und Das VIII. Cap. und Contrescarpe der Cuvette darauf/ und ziehet solche von ihrer Ober-Breite zusammen. Wenn nun hinter die Cuvette dissetts der Festung/ wie es hoͤchstnoͤthig ist/ eine Brustwehr oder ander Werck in dem Haupt-Graben zu dessen Horizon- tal- Bestreichung vor Hand- und grobes Geschuͤtz soll angeleget werden/ muß man solches alles mit behoͤrigen Linien nach der Laͤnge/ Breite und Hoͤhe gleichfalls andeuten. Endlichen bemercket man oben auf der Land- Horizont- Linie von dem letzten Punct der Ober-Breite des Haupt Grabens an die Breite des bedeckten Weges/ giebt solcher ihre Innerliche Boͤschung/ und eine oder mehr Baͤncke/ nachdem diese Brust hoch seyn soll/ bemercket auch die Breite des Glacis auf der Horizont Linte/ und ziehet solche aus dem Ober-Punct der Brustwehr des bedeckten Weges mit einer Linie zusammen/ so ist das gantze Profil mit seinen Linien und Win- ckeln nach der Laͤnge/ Breite und Hoͤhe gebuͤhrend nach dem verjuͤngten Maaß-Staab aufgerissen und fuͤrgestellet: Wolte man aber uͤber die ordi- nare aͤusserliche Brust des bedeckten Weges noch eine innerliche machen nach meiner Manier auf der Contrescarpe, muß man solche mit dem Ein- schnitt auf dem bedeckten Wege an der Contre- scarpe nach ihrer Hoͤhe und Breite bey dem Profil auch mit andeuten/ wie in meinen Rissen zu sehen. Dergleichen Aufriß eines Profil s muß man allezeit nebest dem Grund-Riß und Dessein der Festung/ so da soll auferbauet werden/ verfertiget halten/ und Von den Proportion-Tabellen. und fuͤrweisen koͤnnen/ weil man hier aus so wohl/ was die Art und Weise der neuen Fortification selbst anlanget/ als auch einiger massen die behoͤ- rigen Unkosten hierzu/ urtheilen/ auch alle Linien und Winckel darnach leicht im Felde abstecken kan. (7.) Frage. Wie wird eine Festung nach der Sce- nographie verjuͤngt auffgerissen und fuͤrgestellet? Man muß wissen/ daß die Scenographie, oder die perspectivi sche Vorstellung eines Gebaͤudes auf zweyerley weise pfleget gemachet und einge- theilet zu werden/ nemlichen auf eine nicht schwe- re so genante Cavaliri sche/ und dann auf eine schwere und kunstreiche mahlerische Manier. Die so genante Cavaliri sche Perspectiv wird mehren- theils nur bey der Kriegs-Bau-Kunst gebrau- chet/ weil sie eine Festung an ihrem Lager und Form nicht so veraͤndert/ als wie die andere mit ihren gewoͤhnlichen zwey Puncten/ nemlichen dem Aug- und Distan tz-Punct/ so gemeiniglich nur bey der Civil Bau-Kunst in derselben Abreissung und perspectivi schen Vorstellung pfleget gebrau- chet zu werden: Jedoch stehet es einem Cavalier, Kriegs-Man und sonderlich einem ingenieur gar wohl an/ wann er auch diese schwere Manier nebst der andern leichten verstehet/ und uͤber dein T 4 ein- Daß VIII. Cap. einfachen Grund-Riß und Plan einer Festung/ nach Gelegenheit auch einen zierlichen und an- nehmlichen Prospect zu gleich darvon machen kan/ weil solche Wissenschafft und alles Reissen bey grossen Herrn einen sehr recommendir en und auch ein junger Mensch sein Gluͤcke dadurch eher und besser poussir en und stabili ren kan. Von der rechten und schweren Perspectiv koͤnnen die Autores, so hiervon geschrieben/ consulir et werden worunter Pater Po tz/ und Albrech Dürer die fuͤr- nemsten sind: Was aber die leichte perspectivi- sche Manier anlanget/ kan solche von einem ie- den/ welcher nur capable ist einen Grund-Riß zu verfertigen/ gar bald gemachet werden/ nemli- chen: Wann der Grund-Riß einer Festung nur nach der Delineation mit einer einfachen Linie ver- juͤngt auffgerissen worden/ darff man nur gleich vor sich aus den Puncten und Winckeln des Grund-Risses blinde perpendicnla ren unter sich fallen lassen/ und entweder nachdem Maaß- Staab/ oder nur nach Belieben/ iedoch mit Dis- cretion uñ zimlicher Proportion des gantzen Wer- ckes darauf eine unveraͤnderliche Hoͤhe durchge- hens auftragen/ und solche mit Linien zusammen ziehen/ so hat man nach dieser leichten Manier und Soenographie eine Festung verjuͤngt aufge- rissen/ worbey denn die Wercke an ihrem Linien und Winckeln gar keine weitere Veraͤnderung leiden/ sondern bekommen hierdurch umb so viel mehr ein lieblichers Ansehen/ zu mahl wann die be- Von einer neuen Manier zu fortifici ren. behoͤrige Schattirung von Touche oder Wasser Farben darbey gefuͤget wird: An den Orten a- ber/ und aus den Winckeln/ wo man keine blosse perpendicular en ohne Beruͤhrung anderer Linien kan fallen lassen/ muß die Delinetion ohne Per- spectiv nur alleine bleiden/ und kan die Scenogra- phie daselbst nicht applici ret werden. Das IX. Cap. Von einer neuen Manier zu fortificir en/ welche so wohl quo ad modum \& forman sehr leichte/ be- qvem und vortheilhafftig ist. (1.) Frage. Welche Manier ist wohl am leichte- sten und bequemsten/ deren man bey Auff- erbauung einer Festung heute zu Tage sich wohl bedienen kan? A Lhier moͤgte einer wohl sagen/ so viel Koͤpf- fe/ so viel Sinn/ so viel ingenieurs so viel be- sondere modi fortificandi; Man muß sich aber die differente Meinung der Leute von den wahren Gruͤnden der Kriegs-Bau-Kunst nicht verfuͤhren lassen/ und weil ich in vorigen andere Capitel die- T 5 ses Das XI. Cap. ses dritten Theils unterschiedliche Manieren an- gefuͤhret/ deren Fundamenta ich untersuchet/ und aus erheblichen Ursachen widerleget/ gleich wohl aber Land und Leuten an einem rechten/ dauer- hafften und bestaͤndigen Festungs-Bau viel gele- gen/ so wird mir Niemand verargen/ daß ich hie- runter auch meine unvorgreiffliche Meinung/ von mir gebe/ und gleich andern ingenieurs mein Dessein offenbahre/ welches ich vor gut/ leichte und bequeme befinde/ mit ausdruͤcklicher Prote- station, daß ich hierzu Niemand obligir en/ noch diesen modum vor den aller besten eben ausgeben will/ wie wohl ich versichert/ daß ein rechtschaf- fener und erfahrner Mann/ so die Sache funda- mentaliter verstehet/ und sonst unpassioni ret da- von urtheilen will/ nicht viel haupsaͤchliche Ursa- chen findẽ wiꝛd/ von meineꝛ Meinung zu dissenti ꝛe/ weil ich hierunter nichts gekuͤnstelts und gruͤllen- faͤngerisch nur auf dem Pappier/ sondern was wuͤrcklichen in der That mit Nutzen und Avan- tage auf dem Felde kan erbauet werden/ gesuchet. Es will mir aber keine Manier besser gefallen/ als derjenige leichte und beqveme mechani sche Modus, so in der directiv-fortification zu finden/ wenn man nemlichen bey real Wercken die in- nerliche Polygone in fuͤnff gleiche Theile verthei- let/ und davon ein Theil zu einer Kehl-Lienie/ zwey Theil aber zur Capital nimmet/ und Flanc und Face auf den blind gezognen Streich Linien mit einander vergleichet: Jedoch ist folgendes bey Von einer neuen Manier zu Fortificiren. bey dieser Art Festung-Baues wohl in acht zu- nehmen/ daß man bey einem Vier-Eck nur 1½. Theil zur Haupt-Linie nehme/ damit der Voll- wercks-Winckel nicht gar zu enge und spitzig fal- le/ sonst kan man in uͤbrigen allezeit zwey fuͤnff- Theil zur Capital-Linie behalten und gebrauchen. Hernach muß man auch dieses darbey obiervi- ren/ daß weil das Bollwerck auf besagte Manier aufgerissen bey dem Kehl-Winckel etwas enger/ als bey den Schulter-Winckeln faͤllet/ man eine gerade blinde Linie von einem Schulter-Winckel zum andern ziehẽ/ u. die Helffte der Weite hiervon zu einer Kehl-Linie durchgaͤngig gebrauchen muͤs- se/ so bekoͤmt man ein recht geschicktes und wohl proportionirt es Bollwerck in seinen Winckeln und Linien fallen auch die flanqu en in etwas schreger und laͤnger/ als wenn man bloß bey der ersten Erfindung nur bleiben wolte/ und hat man solcher gestalt alle behoͤrige und zu laͤngliche hohe principal Defension des Glacis und bedeckten We- ges sich von solchen zu versichern; Denn was die eigentliche und recht rasi rende Bestreichung des Grabens anlanget/ muß solche von einer abson- derlichen horizontal Defension, so wohl des gro- ben/ als kleinen Hand-Geschuͤtzes/ primario und fuͤrnemlichen aus der Flanc unten hergenommen werden/ secundario aber so viel moͤglichen auch aus der obern Flanque, zu mahl wann eine Faus- sebrage fuͤrhanden ist/ weil die hohen Defension der Flanquen, nur in tantum, die niedrige aber in Das IX. Cap. in totum den Graben recht flanquir en und be- schuͤtzen koͤnnen. Was die Courtin en-Linie an- belanget/ wormit die Bollwercke an einander ge- haͤnget/ und der zwischen Raum beschlossen wird/ muß man solche nach vorigen General Maxim en bey Regular- Wercken nicht unter 30. auch nicht uͤber 50. R. lang machen/ damit die innerliche Polygone nicht ihre gebuͤhrende Laͤnge uͤberschrei- te/ sonderti allezeit bey den Haupt-Wercken 50. biß 70. R. lang bleibe. Und so viel sey alhier genug gesaget von der Manier und Form, wie eine Festung heute zu Tage nach ihren drey essen- tial- und Haupt-Linien koͤnne leicht und beqvem aufgerissen und erbauet werden; Von andern Stuͤcken der Fortification, wie solche gleichfalls wohl anzulegen/ und was darbey in acht zu neh- men/ soll im folgenden Theile bey der regular For- tification alles Specialiter und ausfuͤrlichen ge- meldet werden. (2.) Frage. Jst es besser die Haupt-Wercke ei- ner Festung eher nach der eusserlichen/ oder nach der innerlichen Polygone am- fangs zu trasir en und abzuste- cken? Ob wohl viele unter den Kriegs-Bau werstaͤn- digen die Haupt-Wercke einer Festung/ von aus- sen nach inwendig hinein pflegen anzrifangen/ und abzustecken/ so halte ich doch meines Orts vor Von einer neuen Manier zu Fortificir en. vor viel beqvemerer und sicherer/ wenn man ei- nen modum fortificandi hat/ wornach man von innen nach aussen anfangen kan abzu stecken und zu fortificir en. Denn ich muß mich doch darnach richten/ wie groß ungefehr der inwendige Platz zur Festung werden oder bleiben soll/ zu- mahl wann ich eine alte Stadt fortificir en will/ da ich ohne Noth und rechtmaͤßige Ursachen eini- ge schon erbauete Haͤußer/ Thuͤrme oder Mau- ern nicht gleich darnieder reissen/ sondern viel- mehr zusehen muß/ ob solche der neuen Fortificati- on nicht schaden oder hindern/ oder auch wohl zu traͤglichen seyn/ weil dergleichen Sachen viel Geld gekostet. Hernach ist auch die innerliche Polygone viel kuͤrtzer als die eusserliche/ und kan ich solche den behoͤrigen Distan tzen nach eher finden und absolvir en als die andere/ wenn man nur darbey wohl in acht nimmet/ daß man die Kehl-Puncte recht und wohl placi ret/ damit her- nach die Bollwercke nach des Landes Situation recht vortheil hafftig koͤñen angeleget und erbau- et werden. Bey einer regular Fortification muß ich mich auch anfangs nach dem innern Haupt Centro richten/ und dem Umkreiß zur Stadt mit den innerlichen Polygon en eher aufreifsen/ als die aͤusserlichen/ weil sich der uͤbrige gleiche Feld- horizont nach mir/ ich mich aber nicht nach ihme richten muß; Ein anders ist es/ bey irrugular- Wercken/ und wenn des Landes Gelegenheit un- gleich/ oder sonst mit Moraͤsten angefuͤllet were/ Das IX. Capitel. were/ da ich mich mit der extension und dem mo- do fortificandi wohl in achtnehmen muß/ wie weit ich darmit gehen/ und solchen recht anlegen soll. Jngleichen werden auch die Aussenwercke meh- rentheils von aussen nach innen hinein angefan- gen zu tracir en/ weil sich solche nach der aͤusserli- chen Gelenheit des terrains, umb welcher willen sie auch uͤber die Haupt-Wercke angeleget wer- den/ nothwendiger weise richten/ und also dahe- ro ihren Anfang nehmen muͤssen. (3.) Frage. Wie werden dann die Kehl-Puncte recht placi ret/ die Bollwercks-Puncte ge- funden/ die Capital Linie gezogen/ und die Absteckung im Felde verrichtet? Hierinnen beruhet eines rechtschaffenen inge- nieurs groͤste Kunst und Erfahrenheit/ daß er wisse/ wie er nach der Situation des Ortes/ und dessen umbligenden Landes die Kehl-Punete und Winckel an rechte Orten und Stelle/ inglei- chen in behoͤrigen Distan tzen an und von einan- der legen solle/ damit die Bollwercke hernach ge- gen die schaͤdlichsten Hoͤhen/ Fluͤsse/ enge Paͤsse und Land-Strassen des Feld Terrains zufallen moͤgen/ wohin man die noͤthige Defension zu thun hat/ und ein Feind deren sich nicht zu seinem Vortheil bediene/ posto darauff fassen/ und einer Fe- Von einer neuen Manier zu Fortificir en. Festung desto schaͤrffer zusetze. Die Boll- wercks-Puncte und Capital-Linien koͤnnen im Felde also gefunden werden/ wenn man an den aͤussersten zwey Kehl-Puncten zwey gleich lange Leinen anmachet/ und solche mit bey- den andern Enden zusammen gefasset gleich in das Feld hinaus strecket/ hernach eine andere lange Lelne an dem mittel-Kehl-Puncte an ma- chet/ und solche durch den Ort und Punct wo die zwey Ende auf der Erden zusammen angetroffen/ gerade durchgehen laͤsset/ so hat man die Capnal- Linie/ und kan auf solche zu Folge des Desseins den Bollwercks-Punct darauf anmercken. Das Absteckert im Felde geschiehet mit langen gleichen Stangen bey allem Haupt-Winckeln und Punc- ten/ und werden die zwischen Disten tzen und Linien mit Stricken zusammen gezogen/ und die Dressi- rung mit einem Graͤblein bemercket/ daß man sich wegen der Gerade und Gleiche bey Auffuͤhrung des Walles oder einer Mauer darnach richten koͤnne. Vierd- Vierdter Theil. Von der Regular Fortification und allen ihren Theilen/ auch was sonst darbey insonderheit in acht zu neh- men. Das Von dem Wall und Beschaffenheit. Das I. Cap. Von dem Wall und dessen Beschaffenheit/ was die Hoͤhe/ Breite/ Aushoͤlung/ Abdachung/ und Reveti rung anlanget. (1.) Frage. Wie breit und hoch soll denn ein Wall angeleget und gefuͤhret wer- den? W Eil ein Wall das Fundament ist aller an- dern Wercke bey der Fortification, und auch einer Festung die meiste und staͤrckste Be- deckung geben muß/ so ist es noͤthig/ daß solcher nach des Orts Gelegenheit und Qualit aͤt der Er- den auch seine rechte Breite/ Hoͤhe und Abdach- ung habe. Was nun die Anlage oder Unter- breite des Walles anlanget/ kan solche bey allen royal Wercken ohne die innerliche und aͤusserliche Boͤschung 54. S. breit seyn/ daß also zu der An- lage der Brust-Wehr auf demselben 24. S. und zu dem Wallgang 30. S. kommen und uͤ- berbleiben. Nachdem nun die Erde darzu gut oder schlim ist/ und der Wall weder von aussen/ noch iñen mit einer Futter Mauer soll eingefasset werden/ so muß man noch uͤber die gemelde Anla- ge etwan 18. biß 20. S. rechnen/ wegen der in- U ner- Das I. Cap. nerlichen gestampfften Erde natuͤrlicher weise selbst fallen/ und also ungezwungen seyn/ will man anders dieselbe fuͤr Regen und Schnee/ so viel moͤglich/ bestaͤndig erhalten/ die innerliche a- ber kan nach belieben so starck gegeben werden/ als einer will. Wenn ein Wall auswendig mit Mauer-Steinen an den gleichen Linien/ und mit Qvater-Steinen an den Ecken und Win- ckeln verbunst weise reveti ret wird/ stehet solches nicht alleine reine und schoͤne/ sondern der Wall ist viel dauerhafftiger/ man bekoͤmt inwendig und auswendig mehr Raum/ und brauchet auch nicht so viel Erde uͤber die ordinaire Anlange/ weil die Boͤschung der Mauer gar gering ist/ davon in vorigen bereits gemeldet worden. Solte aber ein Wall/ oder vielmehr nur dessen Brustwehr mit ausgestochenen asen/ Woder auch nur mit Quecken eingefasset und versetzet werden/ muß die Boͤschung viel staͤrcker/ als bey einer Mauer/ und auch geringer/ als bey einem gantz unbeklei- deten Walle seyn; Wie wohl ein blosser Erd- Wall von innen nicht leicht als wie von aussen mit Wasen/ sondern entweder gar nicht/ oder nur mit Queckẽ pfleget besetzet zu werdẽ. Dessẽ Vrust- wehr aber wird gemeiniglich von aussẽ u. iñen mit Wasen allein nur veꝛsetzet. Die Hoͤhe des Walles betreffend/ muß sich solche nach der Gegend u. Ge- legenheit des Landes richten/ u. machet man solche gemeiniglich von 12. biß 24. S. hoch/ damit ein Wall/ wañ er noch hoͤher/ u. von aussen nicht solte reve- Von dem Wall und Beschaffenheit. reveti ret werden/ von der naturlichen Erd-Boͤ- schung nicht gar zu schrege falle/ dem Feinde eine leichte Auffsteigung gebe/ auch von Regen und Schnee nicht so grossen Schaden leide/ als bey ei- ner Boͤschung/ die nicht gar zu breit und schrege ist: Solte aber auch die hoͤchste Hoͤhe eines Walles von 24. S. nicht zu reichen wollen/ alle nahe und schaͤdliche umbliegende Gegenden unb Hoͤhen umb eine Festung wohl zu entdecken/ so muß man auf denselben/ und zu foͤrderst auf die Massiv en Vollwercke/ oder wo es sonst die Noth erfordert/ Cavaliers aufsetzen/ und solche so hoch machen/ daß man von denselben die gantze umb- liegende Gegend wohl besehen/ und mit Geschuͤtz bestreichen koͤnne. (2.) Frage. Wenn soll man bey einer Festung hohle/ oder massive Bollwercke machen? Wenn die nahe umliegende Gelegenleit einer Festung gleich und eben/ auch sonst kein quellend Wasser oder Morast fuͤrhanden ist/ so ist es besser und nuͤtzlicher/ daß man nur hohle Bollwercke mache; denn man darff nicht alleine bey solchen so viel Erde/ als wie bey den Massiven, wodurch man einige Unkosten erspahret/ sondern man kan den innern leeren Raum wohl nuͤtzen/ und entwe- der starcke Magazin- Haͤuser/ oder Baraquen fuͤr die Soldaten/ oder auch runde starcke Pulver- U 2 Thuͤr- Das I. Cap. Thuͤrme darein aufbauen lassen/ damit man al- les nahe an der Hand haben/ auch sich im Fall der Noth auf solchen Gebaͤuden/ wenn sie nach Gelegenheit mit Erden ausgefuͤllet Statt in- nerlichen Retrenchementen wohl wehren/ und darauf gute Baterien bauen kan. So koͤnnen auch des Feindes Minen bey hohlen Bollwercken eher gefunden/ und observir et werden/ als bey Massi- ven. Wenn aber der Land- Horizont um eine Fe- stung ungleich/ und nahe schaͤdliche Hoͤhen fuͤr- handen waͤren/ so muͤssen nothwendiger Weise die dahin liegende Bollwercke massiv gemachet/ und biß an den Keel-Punct mit Erde gantz aus gefuͤllet werden/ weil so denn man auf solche Cavalters se- tzen muß/ um alle nahe anliegende Hoͤhen wohl zu uͤbersehen/ und mit groben Geschuͤtz zu bestreichen. (3.) Frage. Wie breit soll denn insgemein der Haupt-Wallgang seyn? Weil man auf dem Wall/ sonderlich bey des- sen Defension, und im Fall der Noth/ an Stuͤcken und Munition viel Gereitschafft haben muß/ die Soldaten auch zu ihrem Auf- und Ab marchir en genungsamen Raum und Platz haben wollen/ so ist es noͤthig/ daß der Wallgang eines Hauptwer- ckes lieber zu breit/ als zu schmahl sey/ und soll man zum hohen Wallgange aufs wenigste 30. S. neh- men/ zu einem Faussebraye Gange kan etwas weni- ger seyn/ iedoch nicht viel/ damit man sich in allen dar- Von dem Wall und Beschaffenheit. darauf wohl bethue/ und Raum genung haben koͤnne. (4.) Frage. Was werden dann fuͤr Leute erfor- dert zu Verfertigung eines Walles/ und was hat man wegen der Abdachung/ und sonst weiters hierbey in acht zu nehmen? Wenn man ein Hauptwerck von Erden auf- fuͤhren will/ soll derjenige Ingenieur, so davon den Riß gemachet/ und zugleich die Aufsicht darauf hat/ vor allen Dingen dahin bedacht seyn/ wie er einen guten Conducteur, oder Wercknieister/ und ein oder ein Paar gute Wallsetzer bekomme/ wenn dergleichen Leute nicht vorhanden waͤren/ die solche Arbeit/ und was darzu gehoͤret/ wohl verstehen/ und er sich auf solche hierunter verlas- sen koͤnne. Denn einem Ingenieur koͤmmt nicht zu/ daß er bey Auffuͤhrung eines Walles oder andern Werckes selber mit Hand anlege/ und arbeiten helffe/ sondern es ist genug/ wenn er von dem Dessein mit Verstande den Riß/ und das hierzu be- hoͤrige Profil gemachet/ hernach auch das Werck mit Huͤlffe anderer im Felde voͤllig mit Stangen abgestecket/ wornach sich denn fuͤrnemlichen die Wallsetzer mit ihren Arbeitern bey Verfertigung des Wercks allerdings richten muͤssen/ der Ingeni- eur aber darff nur dann und wann gute Aufsicht halten/ daß alles nach dessen Risse/ Profil und Ab- U 3 stecken Das I. Cap. stecken recht und tuchtig gemachet werde/ weßwe- gen denn uͤber die Wallsetzer noch ein Conducteur oder Werckmeister bey den Arbeitern continuir li- chen bleiben/ und solche zur Arbeit zu Folge dessen Instruction fleißig anhalten muß. Jnsonder heit ist bey Auffuͤhrung eines Walles wohl in acht zu nehmen/ daß die Erde/ wenn sie 1. S. hoch aufge- schuͤttet worden/ fein gleich zerthellet/ und etliche Zoll mit gewoͤhnlichen Erdsetzern allezeit wieder nieder gestampffet werde/ damit der Wall nach- gehends sich von selber nicht etwan setzen/ und die rechte Form wegen der Hoͤhe und Breite veraͤn- dern koͤnne. Deßgleichen muß auch ein Ingenienr wohl observir en/ daß die aͤusserliche Boͤschung des Walles/ welche er nach dessen Hoͤhe und Qua- lit aͤt der Erde wohl und genau uͤberleget/ recht nach seinem Risse gemachet werde/ wenn nemlich der Wall von aussen mit Rasen nur verbunds- weise soll versetzet werden/ massen hieran wegen Abschiessung der Erde/ Regens und Schnees viel gelegen/ und soll man so wohl bey innerlicher/ als aͤusserlicher Boͤschung desselben Heu und andere Saamen allezeit Schichtweise mit einstreuen/ und es fleißig begiessen/ damit sich alles wohl be- rase und feste zusammen halte; Viel junge Rei- ser aber von Weiden oder andern Baͤumen mit einzulegen/ daß sich solche bewurtzeln/ und den Wall von aussen zumahl desto besser zusammen haltẽ sollẽ/ ist nicht rathsam/ weil man solche/ weñ sie erwachsen/ nothwendiger Weise allezeit wie- der Von dem Wall und Beschaffenheit. der abputzen muß/ um den Wall sauber/ und reine zu haben/ welches denn so leicht nicht abgehet/ daß man nicht bey dem Abhauen einige Loͤcher in den Wall machen solte/ wenn man gleich/ wie ge- braͤuchlichen/ darzu Lettern gebrauchet/ worein sich hernach das Wasser von Regen nur setzet/ und den Wall nach und nach zerreisset. (5.) Frage. Was ist dann in acht zu nehmen/ wenn ein Wall und Graben mit einer Fut- ter-Mauer soll revetir et werden? Man muß zu dergleichen Futter-Mauern im Graben/ so wohl an der Contresearpe, als Scarpe nicht allein 3. auch mehr S. tief/ nach Gelegenheit/ zum Fundament eingraben/ sondern auch die Mauer unten 5. biß 6. dicke machen/ und sonder- lich an der Scarpe, weñ der Wall ziemlichẽ hoch/ u. die Erde schlimm ist/ von R. zu R. Contreforts mit anlegen/ auch eine rechte Boͤschung geben/ damit solche allen Falls koͤnne Bestand haben/ und auch vom Feinde nicht so leicht ruinir et und durch bro- chẽ werdẽ; oben aber in der Hoͤhe kan von der un- tern dicke/ zumahl an der Contrescarpe etwas ab- gehen/ weil sich keines Eingrabens der Minen, oder Sappe wegen daselbst zu befahren/ iedoch muß sol- che oben auch an der Scarpe starck genug bleiben/ damit der Wall von den feindlichen Canon en nicht so leicht koͤnne ruinir et werden/ und wird ge- meiniglich zu oberst der Mauer an der Scarpe ein U 4 Wulst Das I. Cap. Wulst von ausgehauenen Quader- Steinen auf- gesetzet/ etwan 1. S. breit Raum zu einer Berme gelassen/ damit die Erde von der Brustwehr nicht so gleich in Graben fallen moͤge. Solte aber auch die Brustwehr wegen der schlimmen Erde muͤssen revetir et werden/ muß man hierzu Ziegel-Steine verbundsweise gebrauchen/ weil solche keine so grossen Loͤcher geben/ als die gemeinen Mauer- Steine/ wenn mit Stuͤck-Kugeln darwider ge- schossen wird/ an den Ecken aber muß man auch wie sonst bey den Mauern Quader- Steine neh- men/ und mit starcken eingegossenen Klammern feste zusammen machen/ damit alles wohl ver- wahret sey/ und nicht so leicht koͤnne zertrennet und ruinir et werden. Die Berme kan bey einer revetirt en Brustwehr gar weg bleiben/ und ist schon genug/ wenn der Wulst auf der Futter- Mauer nur so viel/ als seine Rundung ist/ hervor gehet/ iedoch soll die revetirt e Brustwehr nicht perpendicular, sondern auch etwas schraͤge in die Hoͤhe gefuͤhret werden. (6.) Frage. Jst es dann auch nuͤtzlichen/ daß man unter einem Wall Galler ien mache/ und was hat man hier- bey in acht zu nehmen? Es ist allerdings hoͤchst noͤthig und nuͤtzlich/ daß/ wo nicht der gantze Wall/ iedoch zum wenig- sten die Bollwercke und R aveline unten hohl/ und mit Von dem Wall und Beschaffenheit. mit Gallerien oder andern Fourneaux und Gewoͤl- bern gemachet sind/ und dieses so wohl wegen Er- kundigung und Verwahrung des feindlichen Mi- nir ens/ als auch wegen Erhaltung und Conservi- r ung der besten beweglichen Guͤter bey einer Bombardir ung/ wie nicht weniger wegen einer Horizontal- Bestreichung eines Wassergra- bens/ oder wenn in einem trockenen keine aͤusserli- che Horizontal- Wercke fuͤrhanden waͤren/ die den Graben so wohl mit groben als Hand-Geschuͤtz defendir ten. Es ist aber wegen der Hoͤhe der Galle- rien in acht zunehmen/ daß man solche von Hori- zont des Grabens nicht viel uͤber 10. biß 12. S. hoch mache/ damit ein Feind solche von aussen mit seinen Canon en nicht fassen und ruinir enckoͤnne/ die Schießschartten und Loͤcher aber koͤnnen von dem Horizont 8. biß 9. S. hoch kommen. Die Breite der Gallerien ist unterschiedlich/ indem man solche von 4. biß 12. S. nach Gelegenheit breit machen kan. Wenn ein Wall von aussen revetir et/ koͤnnen die Gallerien von der Futter- Mauer an einwaͤrts unter die Erde gefuͤhret wer- den; Waͤre aber solcher bloß von Erden un revetir et/ und man wolte gleichwohl Gallerien darunter ma- chen/ muß man mit solchen unter den Wall wohl einruͤcken/ damit man von aussen auf ein Paar R. breit Erde behalte/ um solche darmit zu bede- cken. U 5 (7.) Das II. Cap. (7.) Frage. Wie muͤssen dann die Eingaͤnge und Lufftloͤcher in die Gallerien gemachet werden? Wenn die Voll- und andern Wercke hohl/ koͤn- nen die Eingaͤnge mit leichter Muͤhe zu beyden Seiten an den Flanquen unter sich in den Wall ge- machet werden; waͤren aber die Wercke massiv, ist es nicht noͤthig/ daß man auch solche dadurch/ oder von dem Keel-Punct aus nach dem Bollwercks- Punct zu/ mache/ sondern man kan sie durch die Courtine nechst der Flanque inwendig einfuͤhren/ und allezeit an Statt der à parten Gaͤnge zu den Ausfaͤllen zugleich gebrauchen/ welche sonst eini- ge von oben hinunter durch das Bastion machen/ so aber nicht zu loben ist/ well sie von Wasser und Regen koͤnnen sehr ruinir et werden. Man muß aber die Eingaͤnge so wohl/ als die Gallerien selbst gantz ausmauern und woͤlben von 4. biß 6. S. di- cke/ damit alles recht bestaͤndig bleibe/ nicht aber solche mit Bretern und Pfosten ausfuͤttern und unterstuͤtzen/ weil diese Sachen unter der Erden in der Laͤnge keinen Bestand haben/ sondern bald an- fangen zu faulen/ dahero man hernach immer zu bessern/ und viele Unkosten aufzuwenden hat. Die Lufftloͤcher in die Gallerien muͤssen nothwen- dig seyn/ so wohl wegen der Lufft/ als auch etwas Licht darinnen zu haben/ und koͤnnen solche ohn- gefehr 1. S. in Quadrat groß gemachet/ und entwe- der durch die Berme, oder inwendig auf dem Wall- Von der Anlage ꝛc. Wallgang nahe der Brustwehr eingeschnitten werden/ wie es dißfalls die Gelegen heit des Wal- les an Hand geben moͤchte; Jedoch muͤssen solche ausser dem Gebrauch der Gallerien oben mit ei- nem Stein bedecket seyn/ damit der Regen und das Wasser in die Gallerien mit einlauffen und sol- che verderben koͤnne. Das II. Cap. Von der Anlage/ Hoͤhe und Boͤschung der Brustwehre/ auch was sonst wegen der Banck und Schieß- Schartten in acht zu nehmen. (1.) Frage. Wie breit und hoch muß denn eine Brust-Wehr anf dem Wall gemachet werden? Die Anlage einer Brustwehre ist unterschied- lichen/ nach dem das Werck und der Wall groß oder starck ist. Bey einẽ grossen Haup-Wercke ist die breiteste Anlage einer Brustwehre 21 biß 24. S. bey einen mittelmaͤßinen oder aussen Wercke 15. biß 18 Sch. bey einem kleinen Wercke aber oder Feld-Schantzen 9. biß 12. Schuhe: uͤber 24 Schu- he soll man auch hey dem aller groͤstẽ Wercke nicht gehen Das V. Cap. gehen/ weil es sonst die Oberbreite der Brust weh- re gar zu breit machte/ und man uͤber solche mit dem Handgewehre nicht wohl dem Graben und den bedeckten Weg unter sich beschiessen koͤnte. Was die Hoͤhe einer Brust wehre anbelanget/ wird solche ins gemein und ordinarie durchgaͤngig inwendig 6. S. hoch/ auswendig aber 4. S. hoch mit einer Vanck alleine gemachet/ und solches we- gen bestreichung des Grabens und des bedeckten Weges, Sonst kan auch eine Brustwehre die von aussen und innen hoͤher gemachet und mit 3. 4. und mehr Baͤncken versehen werden/ nach dem es die Gelegenheit und Nothdurfft erfordert. (2.) Frage. Wie wird denn einer Brustwehre die Boͤschung gegeben/ und inwendig an dieselbe die Banck ange- leget? Die Boͤschung einer Brustwehre ist auch zweyerley wie bey einem Walle/ nehmlich eine in- nerliche und aͤußerliche. Die innerliche Boͤ- schung ist nur Ordinai re bey groß und kleinen Wercken 1. S. breit; in dem bedeckten Wege aber/ kan man bey der Brust eine staͤrckere Boͤ- schung geben/ damit die Erde/ weil vielmahl aus Unvorsichtigkeit daselbst gegangen wird/ nicht so leicht einschiesse/ und uͤber dieses auch dergleichen Brustwehren billig ver pallisadiret seyn sol- len. Die euserliche Boͤschung der Brust- wehren ist gemeiniglich 2. S. breit/ und muß Von der Anlage ꝛc. muß mit der aͤußerlichen Boͤschung eines un reve- tirten Walles in eine schraͤge Linie fallen biß auf die horizont Linie des Walles. Beyde Boͤschungen nun der Brustwehre/ muͤssen inwendig und aus- wendig ordinarie mit Wasen wohl versetzet wer- den/ und soll man sonst die beste Erde/ worinnen gantz keine Steine sind/ zu den Brustwehren neh- men/ damit solche der Gewalt der Feindlichen Canonen koͤnne wiederstehen/ und nicht so leicht ruini ret werden/ auch den hinterstehenden Leuten von Steinen kein Schade geschehe. 3. Frage. Jst es denn auch gut eine Brust von innen und aussen mit Steinen oder andern Sachen zu reveti ren/ o- der einzufassen? Wenn man gute Erde zu einer Brustwehre hat/ wie es allerdings seyn soll/ soll man solche we- der inwendig noch außwendig mit etwas einfas- sen/ sondern nur mit blosen Wasen versetzen: Waͤre aber die Erde sehr Sandig und gering/ daß man sie nothwendig von innen und aussen reveti ren muͤste/ soll man vor allen andern Stei- nen die Ziegel-Steine darzu gebrauchen/ weil sel- bige durch ihr zerschellern keinen so grossen Scha- den verursachen/ als die harten Mauer-Steine; Ubrigens auch nicht ein so groß Loch machen und so leicht zu ruini ren sind/ als die andern Steine/ wenn Das II. Cap. wenn mit Cano nen daran geschossen wird. Sonst aber ist nicht zu loben/ wenn man eine Brust von guteꝛ Eꝛdẽ haͤtte/ u. man wolte solche inwendig mit Brettern ausfuͤttern/ daß solche um so viel mehr bestaͤndiger und reiner bliebe/ weil der Regen sich gemeiniglich zwischen dergleichen Einfaße setzet/ die Bꝛust an ihrer innerlichen Boͤschung nach und nach ruini ret/ auch die abgeschossenen Breter im Fall einer Attaque den dahinter stehenden Leuten leicht Schaden thun koͤnnen. (4.) Frage. Wie breit und hoch werden insge- mein die Baͤncke an die Brustweh- ren geleget? Wenn man eine Brustwehre inwendig nur 6. S. hoch ist/ wie sie denn auch ordentlicher Wei- se seyn soll/ so wird nur eine Banck fuͤr dieselbe ge- leget/ worauff denn die Soldaten zum Abfeuren ihrer Hand-Gewehr zu treten pflegen/ und wird gemeiniglich eine solche Banck 3. S. breit und 1. ½ S. hoch gemachet; Waͤre aber die Brustwehre inwendig hoͤher als 6. Schu- he/ so muͤssen auch mehr Baͤncke nach Pro- protion der Hoͤhe der Brust angeleget und ge- machet werden/ iedoch also/ das die oberste Banck allezeit 3. Schuhe bꝛeit veꝛbleibe/ u. ein ieder Absatz oder Staffel von der Banck einen Sch. hoch/ und ohngefehr 1½ Sch. breit sey/ auch die Brust wehre- Von der Anlage ꝛc. wehre innerlich uͤber die Baͤncke 4 ½ Schuh Hoͤ- he behalten. An den Baͤncken kan man sowohl der Hoͤhe als der Breite auch eine geringe Boͤ- schung geben/ damit der Regen desto besser ab- schießen koͤnne. (5.) Frage. Wie muͤssen deñ die Schiß-Schart- ten in eine Brustwehre eingeschnitten und gemachet werden? Obwohl einige gar keine Schiß-Schaꝛtẽ in die Brustwehren machen wollen/ und solche also gantz behalten/ umb die dahinter stehende Solda- ten so viel besser zu bedecken/ hingegen aber an de- ren Statt einige Erhoͤhungen auf den Wall machen/ daß man die Stuͤcke darauf fuͤhren/ und uͤber die Brust mit solchen hinschießen koͤnne; so ist doch diese Art nicht zu loben/ weil man mit erhoͤheten Stuͤcken nicht so gewiß und mit Nach- druck unter sich schießen kan/ als wenn solche gleich und niedrig stehen; uͤber dieses sind die Stuͤ- cke bey dem uͤber Banck schiessen nicht so wohl be- decket/ als wie in denen ordentlichen Schießschar- ten/ ob man gleich auff die Brust zu beiden Sei- ten des Stuͤckes Schantz-Koͤrbe setzen wolte/ weil solche leicht zu ruini ren sind. Jst derohal- ben besser/ man stelle die Stuͤcke auf den ordentli- chen Wallgang/ und mache gebuͤhrende Schieß- Scharten in der Hoͤhe und Weite/ wie es insge- mein gebraͤuchlichen. Die innwendige Hoͤhe einer Das II. Cap. einer Schieß-Scharte von dem Wallgang an ist ordinarie 3. S. und muß vor die Schießscharte keine Banck angeleget werden/ in der Weite un- gefehr von 7. S. damit die Raͤder des Stuͤckes al- so Raum haben moͤgen. Die innerliche weite einer Schiffscharte/ richtet sich nach dem Stuͤcke/ welches darein zustehen kommen soll/ gemeiniglich aber wird die innerliche Weite von 2. biß 3. S. auffs hoͤchste seyn/ die aͤuserliche aber kan von 6. bitz 9. S. seyn/ damit man nach Gelegenheit das Stuͤck wenden/ und damit schiesen koͤnne wohin man wolle; wiewohl die engen Schießscharten nicht so leicht zu ruini ren sind/ also die weiten/ Die Constabel auch hinter jenen viel sicherer ste- hen als hinter diesen/ dahero sich ohne Noth von den weiten Schießscharten zu huͤten. Die untere Flaͤche des Einscheits von der Schieß-Scharte soll auch auswerts etwas abhangend gehen/ da- mit man das Stuͤck etwas sencken/ und darmit umb soviel besser auch unterwaͤrts schiessen koͤnne. Der Einschnitt der Schieß-Scharte wird bey guter Erde mit Wasen auffgesetzet; Waͤre aber die Erde nicht zum bestẽ/ soll man solche mit Flecht- Werck von Reißig ohne Blaͤtter und Laubwerck einfassen/ nicht aber mit Steinen reveti ren/ wel- che darinnen gar nicht gut sind/ ob es auch gleich Ziegel-Steine waͤren/ weil solche so wohl dem Stuͤcke/ als den Constablern leicht Schaden ver- ursachen koͤnnen. Es muͤssen aber die Schieß-Scharten gleich zu Anfangs der Festung mit Von der Anlage ꝛc. gemachet werden/ damit das Erdreich sich recht zusammen setzen/ und solche umb so viel bestaͤndi- ger bleiben moͤgen/ und kan man sie zu Winters Zeit oben mit einen Dach bedecken/ daß der Schnee sich in solche nicht so einlegen/ und bey des- sẽ Zerschmeltzung sie leicht ruiniren koͤñe/ weil diese Vorsicht gar nicht zulobẽ/ wie einige wollẽ/ weñ sie deßwegen nicht eher in eine Brustwehr die Schieß Scharten einschneiden wollen/ man habe sich deñ wuͤrcklichen einer ataqve zubefahren/ sintemal der gleichen neu gemachte und versetzte Schießschar- ten anfangs gar leicht wieder zu ruiniren sind/ und hat man hernach daran immer zubessern zu der Zeit/ da man solcher wohl gebrauchen muß/ wel- ches dann uͤber dem Schaden die Defension auch sehr verhindert. (6.) Frage. Wie weit muͤssen den die Schieß- Scharten von einander gemachet werden? Gleichwie der Wall die eigentliche Bedeckung der Haͤusser einer Stadt ist/ also sind auch die Brustwehren eine ordinaire Bedeckung der Sol- daͤten/ so auff dem Walle stehen/ und solchen de- fendi ren muͤssen/ dahero es dann nicht gut/ wenn eine Brustwehr unnoͤthiger weise mit den Schieß Schartten zu sehr zerreissen/ und gar zu Zahn- luͤckigt gemachet wird. Die sicherste weise ist/ X daß Das II. Cap. daß man 20. biß 24. S. allezeit zwischen den Schieß-Schartten/ Distan tz und die Brustwehr gantz lasse/ so bleiben also die merlons starck ge- nung/ koͤnnen von Feinde nicht so leicht ruini ret werden/ und kan sich die infanterie in zimlicher Anzahl darhinter sicher aufhalten. Muͤste man aber an einem Ort/ aus gewissen Ursachen/ viel Stuͤcke haben/ und solche naͤher beysammen stel- len/ so ist es bessen man schneide gewisse Schieß- Scharten auf 24. S. weit von einander in die Brust ein/ und schiesse mit den andern zwischen stehenden Stuͤcken uͤber Banck/ und setze darne- ben auf die Brust mittelmaͤßige Schantz-Koͤrbe zur Bedeckung/ so wird doch die Brustwehr nicht allzusehr durchloͤchert/ kan auch sonst von Feinde nicht so bald ruini ret werden/ als wenn sie allzu- sehr und zu nahe durchschnitten were. (7.] Frage. Muͤssen den alle Brustwehren nur von Erden gemachet werden? Was zuvor gesaget worden/ daß die Brust- wehren von guter/ fetter und leimigter Erde ohne Steine/ sollen gemachet werden/ das ist ordinaire von den Hauptwercken einer Festung zu verste- hen/ wenn man die gute Erde also haben kan. Jm Fall der Noth aber/ und zumahl bey kleinen/ und nur auf eine zeitlang stehend bleibenden Wercken/ als Feld-Schantzen/ approch en/ re- tren- Von der Anlage ꝛc. trenchement en/ Bateri en und dergleichen/ kan man die Brustwehr entweder bloß von guter Er- de/ oder Erde und faschin en/ Sand und Woll- Saͤcken/ Schantz-Koͤrben mit Erde/ Sand o- der Mist ausgefuͤlten Faͤssern und Sturm-Kaͤ- sten/ 2. oder 3. fach eingeschlagenen Pallisaden/ zusammen getragenen Bretern/ Bauhoͤltzern und andern Baͤumen/ leimigten Waͤnden/ und Mauern von allerhand Steinen/ zusammen ge- schlepten toden Coͤrpern von Menschen und Vie- he/ an einander geschobenen Waͤgen und Kar- ren/ zu Winterszeit auf starcken Eiße/ oder sonst auf der Erden/ da man in dieselbe nicht eingra- ben/ noch etwas anders zur Bedeckung haben kan/ von zusammen gemachten/ mit Stroh und Mist unter mischten/ und mit Wasser begossenen Schnee/ Eiß-Schollen/ und was sonst auch die Gelegenheit der Natur und Vernunfft nur kan in geschwinder Eil an Hand geben/ machen/ mas- sen die Nothwendigkeit kein Gesetze hat/ wann nur anders ein guter Vortheil dadurch zur zeit der Noth erlanget wird. Sonst wenn man zu starcker Winters-Zeit nicht in die Er- de eingraben kan/ soll man heiß Wasser an den Ort giesen und hernach den Boden auf- hacken. X 2 (8.) Das II. Cap. (8.) Frage. Darff man dann auch auf die Brustwehren Baͤume pflantzen/ wie etwan sonst auf den Wallgang? Es ist in vorigen gemeldet worden/ daß es nicht undienlichen/ wenn man auf die Wall-Gaͤnge der Haupt-Wercke ordentliche Gaͤnge und Gal- leri en mache von Baͤumen; solches aber muß kei- nes weges etwan auf die Brnstwehren gezogen werden/ in der Meinung/ dahinter umb so viel desto sicherer zu feyn in Zeit einer ataque, weil man dieser Orten das Gesichte gantz frey und unverhindert haben muß/ umb alles genau zu ob- servi ren/ und zu defendir en/ wie denn auch deßwe- gen auf keinen Gang zugeschweigen einer Brust/ aller andern aͤusserlichen Wercke/ es moͤge gleich seyn die fausse braye, ein Aussenwerck/ der bedeck- te Weg oder das Glaeis man zu keiner zeit Baͤu- me setzen und pflantzen soll/ weil dieses wieder die Kriegs-Bau-Maximen ist/ auch sonst der Gra- ben von dem Abfallen der Blaͤtter nur unreine gemachet wird/ welcher doch so wohl von Schilf- fe/ Rohr/ Graße und allen andern Dingen rei- ne und sauber soll gehalten werden/ damit man auch die geringste Bedeckung und Blendung nicht haben koͤnne. Das Von den Streichen und Flanquen. Das III. Cap. Von den Streichen und Flan- quen, derselben grossen Nutzbarkeit/ und unterschiedlichen Structur und Defension. (1.) Frage. Wie viel Haupt-Theile sind an einer Real- Festung/ und welche koͤnnen denen andern die beste und staͤrckste Defension geben? E S ist im vorigen schon gemeldet worden/ daß alle Real- Festungen fuͤrnehmlichen von 3. Haupt-Linien beschlossen werden/ nehm- lichen von der Courtine, Flanqve und Face, wel- ches alles hier zu wiederhohlen unnoͤthig ist. Nach einhelliger Meinung aber aller Kriegs- Bau-Verstaͤndigen/ werden die Flanqu en voꝛ die staͤrcksten Wercke gehalten/ weil sie im Fall der Noth so wohl die Courtine als die Face nachdruͤck- lich bestreichen u. defendir en koͤñ en u. sollen. Nun ist bey den Artilleri- Verstaͤndigen bekandt/ u. gibt es die Erfahrung/ daß wenig Schuͤsse in Flanque gemeiniglich mehr thũ als viele Schuͤsse in Fronte, sintemahl das Flanqvir en mehrere u. gewisseꝛe Ge- legenheit hat Schadẽ zu thũ/ als das perpendicu- X 3 lar Daß III. Cap. lar schiessen: Dahero denn recht und billig insgemein statui ret wird daß man die noͤthigste und beste Defension bey Defendi rung einer Fe- stung von dem Flanqv en erwarten muͤsse. (2.) Frage. Wie soll denn eine rechte Flanque bey einem Haupt-Wercke erbauet seyn/ wenn man vorbesagte Defension daraus haben will? Daß die Flanqu en auf unterschiedliche Mani- ren zu alten Zeiten sind erbauet worden/ auch noch heut zu tage zum Præjudiz ihrer rechten De- fension, auf mancherley weise erbauet werden/ davon ist gleichfals im vorigen Meldung gesche- hen. Wie nun bey diesem Wercke mein Vorhaben nicht ist/ alle andere Meynungen anzufuͤhren/ und solche entweder zu Mainteniren/ zu disputir en oder gar zu verwerffen; So will ich nur das jenige bey Verfertigung einer Flan- que behaupten/ was mir vor allen andern Mey- nungen am raisonable sten scheinet. Zum vor- aus dessen nun muß man wissen/ daß heut zu Ta- ge die Ataqv en gemeiniglich auf die Fac en/ als welche dem Feinde am nechsten im Gesichte lie- gen/ weil die Courtin en auch nicht mehr so lang seyn als vor diesem/ gefuͤhret werden; Weil nun die Courtine solche nicht/ den Feld- horizont aber nur in fronte bestreichen kan/ so muß noth- wendig die Linie der Flanque also schraͤg und lang gefuͤhret werden/ daß sie capable sey/ die gantze F ace Von den Streichen und F lanqven, Face und den darum liegenden Feld- Horizont, als wohin der Feind seine Batteri en zur F reche pfleget anzulege und zu erbauen/ nachdruͤcklichen und mit guten Effect zu flanquir en und zu ruini- r en. Wie nun alles auf der Welt in rechten numero, pondere \& mensura bestehen soll/ so muß man auch die Flanque wieder proportion der an- dern Linien nicht alzu groß noch alzu klein ma- chen/ weil der Defect und Excess in keinem Din- ge nichts nuͤtzet: Denn wenn die Flanqv en alzu groß sind/ muß nothwendig ein ungeschicktes Bollwerck erfolgen/ ob man auch gleich kleine Fac en machen wolte/ weil auch diese nichts tau- gen/ wie im folgendẽ soll berichtet werden: Wolte man aber die Flanqv en zu klein machen/ oder sonst auf andere Manir verkuͤnsteln/ es geschehe nun durch die Rundirung/ oder das reterir en dersel- ben/ so wird man den verlangten Effect, und zuͤ was Ende die Flanqv en fuͤrnehmlich gemachet werden/ nicht erreichen/ auch also eine Festung bey einer sehr scharffen Belagerung nicht recht defendir en koͤnnen. Dahero deñ gar keines weges zu loben/ uñ in dem fuͤrnemsten u. principal Punc- ten der Kriegs-Bau-Kunst sehr gefehlet wird/ weñ man noch heut zu tage entweder die Flanqv en sehe kurtz/ u. die F ac en hingegen allzulang machet/ oder die F lanqv en nach schon laͤngst bekanter Manir/ so man doch vor neue ausgeben will/ also verstuͤmmelt und verkuͤnstelt/ daß man die da- rauf stehenden Stuͤcke nicht an allen behoͤrigen X 4 Or- Das III. Cap. Orten sonderlich aber zur Bestreichung des Land- Horizontes, gebrauchen kan/ welches doch noth- wendiger weise geschehen solte. Diejenigen sind auslachens werth/ welche ihre Stuͤcke vor dem feindlichen enfilir en auf der F lanque mit ein Stuͤck-Walles gedencken zu bedecken/ und koͤn- nen doch der Gebuͤhr nach die andern nothleiden- den Linien nicht damit bestreichen. Jch sehe nicht was man bey einer geschobenen Flanque, welche mit einer guten und starcken Brustweh- re versehen/ und auch auf der Seiten von einer guten Face- Brust bedecket ist/ vor dem feindli- chen enfilir en zu befuͤrchten habe; Denn wenn dieses waͤre/ daß die Stuͤcke welche doch niedriger stehen als die Menschen/ auf einer Bastion dafuͤr nicht sicher waͤren/ so koͤnte und duͤrfte auch gar kein Mensch auf demselben bleiben und ausdau- ren; Dahero denn die vermeinte Bedeckung der Stuͤcke von selbst wegfaͤllet/ und keinen Nu- tzen/ sondern vielmehr Schaden hat; Sinte- mahl sich keine Canone auf einer Flanque befinden muß/ welche nicht tapffer die nothleidende Face, oder die Courtine zu samt dem bedeckten Weg und Glacis bestreichen koͤñe/ welches Bestreichen denn man die hohe Defension nennet/ und an solcher weder an der rechten Structur der Flanque, noch auch an der Nutzbarkeit der darauf stehen- den Stuͤcke etwas muß abgehen/ soll anders ei- ne Festung sich lange halten/ und die Linien und Winckel daran einander recht defendir en. Was die Von den Streichen und Flanqven, die Defension des Grabens anbelanget/ muß man solche aus einer untern und horizontal Bestrei- chung der Flanqve hernehmen/ also/ daß noth- wendiger weise zwey Haupt- Defensiones, zu mahl was das grobe Geschuͤtz anbelangt/ aus ei- ner Flanque muͤssen genommen werden/ nehmli- chen eine hohe und obere Bestreichung/ da viel Stuͤcke darzu erfordert werden/ und keines ohne Nutz seyn muß die oberen nothleidenden Wercke aller Orten zu defendir en/ des Feindes Bateri en zu verwehren und zu ruinir en/ und eine untere Flanqui rung/ die entweder aus den unten gemach- ten Gewoͤlbern/ oder in einen truckenen Graben aus einer vorgelegten u. bedeckten Brust/ vermit- telst 2. oder 3. kurtzen Stuͤcken auf Schiff-Lave- ten geschehen muß/ umb dem Feinde die passage uͤ- ber dem Graben zuverwehren/ und dem Fuß des Walles und Grabens zu bestreichen. Nach meiner Manier vergleiche ich Face und Flanque anfangs aus dem Bollwercks- und Courtin- Winckel auf den bestaͤndigen Streich-Linien/ hernach messe ich die Weite von einer Schulter zur andern/ und nehme die Helffte hiervon zu ei- ner Kehl-Linie/ so bekomme ich nicht alleine eine geschickte Bastion und eine geschobene Flanque, so sich nach der Defension der gegen uͤberliegenden Fac en und des Glacis richtet/ sondern die Flanqve wird auch lang genug/ 6. biß 7. Baterie und Haupt-Stuͤcke zur hohẽ Defension in raumlicher X 5 Di- Das III. Cap. Distan tz zu pflantzen/ und alle andringende Ge- fahr moͤglichst abzuwenden. (3.) Frage. Was heist man dann eine Second Flanc, wie wird solche gemachet/ und was ist davon zuhalten? Es pflegen die ingenieurs daßjenige eine Se- cond Flanc zu nennen/ wenn man aus der Courtin en uͤber die ordinar en Flanqven noch eine andere Bestreichung suchet/ und wer- den solche auf unterschiedliche Maniren ge- machet/ nemlichen/ einige formir en wohl eine gleiche Courtin en Linie/ fuͤhren aber auff deren Brust-wehr zu nechst den Haupt- Flanquen eini- ge gantz schrege Schieß-Schartten/ in Meynung die nothleidenden F acen der Bollwercke hier durch umb so vielmehr und besser helffen zu de- fendir en: Weil aber diese Art der Secons F lan- quen schon laͤngst verworffen worden/ indem der- gleichen allzuschrege Schiß-Schartten nur die Brustwehr schwaͤchen/ und doch wenig rechten Nutzen schaffen/ so brechen andere einwaͤrts die- ses Stuͤck der Courtine nechst der F lanque, damit die Schiß-Schartten darauff nicht duͤrffen so schrege gefuͤhret/ und also die Brustwehr ge- schwaͤchet werden; Einige schneiden auf der Co- urtine auf unterschiedliche Manier ein/ oder fuͤh- ren die gantze Courtine einwaͤrts bauchigt; ande- re Von den Streich und Flanqven, re machen sie auswaͤrts bauchigt/ oder setzen auf deren Mitten ein Bonnet, oder gar ein kleines Bollwerck auff/ und was dergleichen Manieren von den Second Flanque mehr ist. Alleine es moͤchten diejenigen/ so solche passionirte Second- Flanquer weren/ wohl betrachten/ daß diese Defen- sion und Flanqui rung sehr gezwungen und extra- ordinaire waͤre/ welche nicht eher als im Fall der Noth bey irregular Wercken/ wenn die ordinaires Flanquer ihre gebuͤhrende Proportion und Laͤnge wegen Enge des Orts nicht haben koͤnnen/ solten gebrauchet werden; Aber wie bey den meisten kein rechter modus fortificandi \& proportionandi in acht genommen wird/ auch die Linien und Winckel so gar bey den regular Wercken ohne Noth verkuͤnstelt/ und verstimmelt werden/ so ge- schiehets auch daß man ordinaires und extraordi- naires, oder regulare und irregulare Sachen in- different gebrauchet und einen rechten Misch- masch in der edlen Kriegs-Bau-Kunst daraus machet/ ja mancher wohl gedencket/ was er Sinn- und kunstreiches bey den Seconds Flan- quen erfunden/ gleich wohl aber darbey nicht be- dencket/ daß die Artillerie bey den allzusehr con- centrir en den Linien nicht koͤnne recht gegen einan- der gebrauchet werden/ ob sie wohl andere weit entlegene Linien einiger massen koͤñen bestreichen/ woruͤber sich aber nicht zu verwundern/ indem die wahren Maxim en der Fortification insgemein aus Unverstandt negligi ret/ auch die wenigste in- gem- Das III. Cap. genieurs die Tugend und Force der Artillerie nicht verstehen/ dahero dann hernach auf dem Pappie- re nur etwas Martzipan und Pasteten Beckers/ ich wolte sagen/ mit vielen uͤberfluͤßigen Win- ckeln und Linien entweder gar zu klein/ oder zu groß/ oder in einem zu groß/ in andern wider zu klein/ auffgerissen/ und manchesmahl gar im Felde practici ret wird/ so aber keines weges zu lo- ben stehet. Jst also viel besser/ man mache gleich Anfangs bey Regular- Wercken eine rechtschaf- fene proportionirt e Flanque, darauf man 6. oder 7. Baterie Stuͤcke gar fuͤglich stellen kan/ und lasse die Courtine in ihrer behoͤrigen gleichen Li- nie von einen Bollwerck zum andern fortgehen/ so erspahret man sehr viel Unkosten/ und hat aller Orten Defension und Bestreichung genug/ bey irregular Wercken hat es damit seine geweiste Wege. Jch bringe bey meinem modo Fortifi- candi alleine auf den zwey Flanquen und Fac en/ mit dem Unter-Wall/ und einer Seiten des Ra- velins, ohne Zehlung einigẽ Stuͤckes auf deꝛ Cour- tine etliche dreyßig in hohe Defension, wodurch ich den bedeckten Weg/ Glacis und Land- horizont zur Gnuͤge zu beschuͤtzen und zu bestreichen/ auch die groͤsten feindlichen Baterien zu ruinir en ca- pable bin. Das Von den Fac en oder Gesicht-Linien. Das IV. Cap. Von den Fac en oder Besicht- Linien/ wie solche recht zu propor- tionir en/ und was sonst darbey in achtzunehmen. (1.) Frage. Wie soll man dann bey einem regu- laren Haupt-Wercke eine recht Face proportionir en und anle- gen? W Eil die Facen auch ein Essential- Stuͤck sind bey einer Festung/ so ists noͤthig/ daß man auf solche gleichfalls/ wie auf andere/ genaue Refle- xion mache/ wie sie behoͤriger massen sollen ange- leget werdẽ. Jch will allhier nicht widerholẽ/ was schon im vorigẽ bereits vielmals gemeldet wordẽ/ nemlich/ daß weder der Defect, noch Excess in keinẽ Dinge zu loben sey/ und dahero billig aller derje- nigen Meynung zu verwerffen ist/ welche die Facen entweder gar zu lang/ oder gar zu kurtz machen/ o- der sonst auf unterschiedliche Weise verkuͤnsteln und verstimmeln: Denn werden solche gar zu lang gemachet/ muß sich der Bollwercks-Winckel nicht allein gar zu sehr oͤffnetz/ welches denn wegen besorgender Enfilir ung des Feindes nicht gut ist/ sondern man muß auch nothwendiger Weise sol- cher Das IV. Cap. cher gestalt die Flanquen kurtz machen/ oder sonst mit Einbiegung solche verkuͤnsteln/ will man an- ders einiger massen ein geschicktes Bastion bekom- men/ welches nicht gar zu weit auch an dem Keel- Punct offen stehe; Weil aber dergleichen kurtze Flanquen die allzu langen Facen, als welche heut zu Tage mehrentheils attaquir et werden/ nicht zur Genuͤge bestreichen koͤnnen/ und aber solches nothwendiger Weise doch geschehen muß/ wenn eine Festung recht soll defendir et werden/ so ma- chen dergleichen Leute hernach vor die Courtine uͤ- ber die Raveline noch andere unnoͤthige Aussen- wercke/ um dadurch ihr Intent der Defension hal- ber zu erreichen/ und verursachen also grosse Unko- sten/ welche gar wohl haͤtten unterbleiben koͤn- nen/ wenn die Haupt-Linien Anfangs waͤren recht proportionir et und angeleget worden. Diejenigen nun/ so die Facen sehr kurtz machen/ und hingegen die Flanquen allzulang/ begehen gleichfalls einen grossen Fehler/ ohngeachtet ihre Meynung gut/ daß sie die Defension aus der Flanque vor die beste und nachdruͤcklichste halten: Denn auf solche Weise wird das Boll werck forne gar zu schwach und enge/ also daß es vom Feinde daselbst bald kan ruinir et werden/ weil man sich im gegentheil wegen der Kuͤrtze und Enge nicht genug und wohl defendir en kan/ und bekoͤmmt man im uͤbrigen ein sehr ungeschicktes und uͤbel formirt es Bollwerck/ welches zwar lang genug ist/ aber inwendig sehr wenigen Raum hat/ sich mit allen Bereitschafften zu- Von den F ac en oder Gesicht-Linien. zumahl bey den Facen darauf recht zu bethun. Jst demnach am sichersten und besten/ daß man auch hier unter das Mittel halte/ und Flanc- und Face gegen einander recht proportionir e/ welches denn gar leicht geschehen kan/ wenn man beyde aus dem Courtin- und Bollwercks-Puncten auf den bestaͤndigen Streich-Linien/ so viel moͤglichen/ vergleichet/ ohngeacht die Facen ein wenig kuͤrtzer als die F lanquen fallen solten/ so bekoͤmmt man nicht allein ein recht geschicktes Bollwerck/ wel- ches an keinem Ort weder zu enge/ noch zu weit ist/ und koͤnnen auch die Linien/ welche gleichfalls weder zu lang noch zu kurtz sind/ einander der Ge- buͤhr nach recht defendir en und bestreichen. (2.) Frage. Jst es noͤthig/ daß man bey rechten proportionirt en Facen inwendig des Bollwercks ein Bonnet mache/ um da- durch mehrere Bedeckung zu haben? Wenn die Facen mit den Flanquen recht pro- portionir et sind/ so ist es nicht noͤthig/ daß man in- wendig an dieselbe noch ein ander Werck zur Be- deckung anhaͤnge/ weil dadurch das Bollwerck an seinem Raum sehr verschmaͤhlert wird/ zu- mahl was die Artillerie anlanget/ mit welcher man sich nicht recht wird bethun/ und solche aller Orten gebrauchen koͤnnen. Wolte man aber mit der ordinar en Hoͤhe der Brustwehre wegen des feindlichen Einstreichens bey den Facen nicht zu frie- Das V. Cap. frieden seyn/ koͤnnen solche von Schulter-Win- ckel an biß zu dem Bollwercks-Punct einiger massen schroͤge und verlohren erhoͤhet/ und mit mehreren Baͤncken daselbst versehen werden. Wie sonst der Bollwercks-Winckel recht zu schliessen und zu machen/ ist bey denen General- Maxim en bereits mit mehreren angedeutet worden. Das V. Cap. Von der Courtine, derselben rechten Gestalt und Proportion, auch was sonst darbey in acht zu neh- men? (1.) Frage. Wie soll man eine rechte proportio- nir te Courtine machen/ damit die Defensi- on aller Orten gebuͤhrend geschehen koͤnne? W Eil die Courtine, welche sonst die Commu- nication s-Linie der Bollwercke kan genen- net werdẽ/ das 3. Haupt-Stuͤcke ist einer Real- Fe- stung/ so ist es auch hoͤchstnoͤthig/ daß man auf de- ren Structur und Proportion wohl Achtung gebe/ soll anders eine gute Harmoni e unter den 3. Haupt-Linien der Defension wegen seyn und ver- bleiben. Was nun die Structur der Courtine an- belanget/ ist gleichfalls im vorigen gemeldet wor- den/ wie solche von vielen auf unterschiedliche Ma- ni er Von der Courtine, derselben rechten ꝛc. ni er mehr zum Schaden als zum Vortheil erbau- et werde. Jch meines Orts halte dafuͤr/ daß es am sichersten und besten/ wenn man die gantze Courtine bey R egular- Wercken ohne einige Brisu- re an deren Enden/ oder ohne einiges Aus- und Einfahren in der Mitte derselben gantz gleich und gerade biß an die Flanquen fort und anfuͤhre: Denn je weniger Winckel eine rechte Festung auf den drey Haupt-Linie der Conrtine, Flanc- und F a- ce hat/ ie besser kan solche so wohl von groben/ als kleinen Geschuͤtz defendir et und bestriechen wer- den; die drey Haupt-Winckel aber/ als der Boll- wercks/ Schulter und Courtin en-Winckel muͤs- sen allerdings bleiben/ was aber noch daruͤber von Winckeln an diese Linien gemachet wird/ ist nicht allein uͤberfluͤßig/ sondern auch vielmahls schaͤd- lich/ weil man das grobe Geschuͤtz wegen ihrer En- ge nicht allezeit darbey gebrauchen kan/ welches doch allerdings seyn muß: Ein anders ist es bey Irregular- Wercken/ und wenn man manches- mahl aus Noth etwas thun muß/ so daher gar nicht zu ziehen. (2.) Frage. Wie lang soll denn eine rechte glei- che Courtin e seyn? Eine gleiche Courtine soll unter 30./ auch nicht uͤber 50. R. ordinarie gemachet werden/ damit die bestaͤndige Defens- Linie nicht uͤber 60. biß 70. R. kommme/ welches ein rechter Musquet en-Schuß Y ist/ Das VI. Cap. ist/ so mit gutem Effect von dem Bollwercks- und Schulter-Punct an biß zu dem Courtinen- Winckel kan gethan werden-solte aber solche eine uͤbrige Distanz des Musquet en-Schusses verursa- chen/ muß man auf deren Mitte eine platte Form oder Cavalier legen/ damit man das Hand-Ge- schuͤtz bey allen Puncten und Linien wohl gebrau- chen koͤnne/ massen es nicht genug/ eine Festung nur mit groben Geschuͤtz zu defendir en und zu be- streichen/ sondern es muß auch solches geschehen koͤnnen mit dem Hand-Gewehr/ weil dieses viel frequenter, und mit wenigern Unkosten/ auch mit gutem Nutzen und Effect verrichtet werden kan/ als jenes/ also/ daß alles beydes Geschuͤtz zu einer recht vollkommenen Defension einer Real- Fe- stung billig und nothwendig erfordert wird/ und irret derjenige im Fundament der Kriegs-Bau- Kunst sehr/ wer dieses nicht wohl in acht nimmt/ und eine Defension mangeln laͤsset an einem Punct/ Winckel und Linie der gantzen Festung. Das VI. Cap. Von dem Unterwall/ und so genannten Fausse-Braye, deren Ein- und Ausgaͤnge/ wie auch von der Berme o- der Fuß des Walles/ deren Beschaffenheit und Structur, auch was sonst darbey in acht zu nehmen. (1. Von dem Unterwall/ und so ꝛc. (1.) Frage. Jst denn auch ein Unterwall sehr noͤ- thig/ und wie muß solcher recht angeleget und aufgefuͤhret werden? E S wird Niemand von denen Kriegs-Ver- staͤndigen in Zweiffel ziehen/ daß man hinter einer recht gemachten doppelten Brust und Wall sich besser als hinter einen einfachen wehren koͤñe/ dahero deñ leicht zu schliessen/ daß eine wohl ange- legte Festung/ wenn sie noch uͤber ihrem Haupt- Wall einen rechten Unter Wall hat/ umb soviel staͤrcker/ und nicht so leicht einzunehmen sey/ als wenn solche nur mit einen einigen Wall versehen waͤre. Ob nun wohl einige wunderliche Koͤpffe unter denen ingenieur s die F aussebraye entweder gar verwerffen und improbi ren/ einige aber solche disputi ren/ und wegen der Struckur nicht einig sind/ die meisten aber solche approbi ren/ so will ich einem iedweden gern bey seiner Meynung lassen/ iedoch muß ich sagen/ daß biß dato die Faussebraye von keinen-noch erbauet worden/ wie es billig haͤt- te seyn sollen/ wẽnn man anders eine gute defen- sion von solcher so wohl als von den Haupt-Wall selbst haben wolle. Diejenigen so die Faussebraye gantz improbi ren/ fuͤhren zur behauptung ihrer Meynung an/ daß dieselbe an ihrer Brust mit dem groben Geschuͤtz gar leicht zu ruini ren waͤre/ und wenn denn die Erde davon in den Haupt- Y 2 Gra- Das VI. Cap. Graben gefallen/ so gebe solche nur eine desto leichtere Aufsteigung nicht allein auf dieselbe son- dern auch gar auff dem Haupt-Wall zukom̃en/ zu dem so stuͤnden die Soldaten darinnen sehr ge- faͤhrlich wegen des abgeschossenen Erdreichs von den Ober-Wall/ indem die Faussebraye dadurch nicht alleine bald koͤnte ausgefuͤllet uñ unbrauch- bar gemachet/ sondern auch die Soldaten darin- nen und alles Geschuͤtz davon leicht bedecket wer- den. Die andern welche bey der Structur der Faussebraye ihr soderliches Bedencken haben/ in- dem sie solche biß an die Schulter-Ecken/ und nicht umb die F acen gantz herum wollen gehen lassen/ fuͤhren zum Grunde an/ daß weil die Facen des Haupt-Walles ohne dem am weitesten in Anse- hung aller andern Linien von der F ortification in das Feld hinaus legen/ dem Feind am meisten im Gesichte stuͤnden/ auch dahero die heutigen Ata- quen gemeiniglich auff solche gefuͤhret wuͤrden/ so waͤre es nicht rathsam/ sondern vielmehr schaͤd- lich/ wenn man noch mehr Linien ohne Noth die- ser Gefahr exponi ren wolte; Weil die Defensi- on in Fronte bey weiten nicht so starck als in Flan- que, und waͤre schon genung/ wenn die einfache Face aus einer doppelten Flanque, tapffer bestri- chen und defenti ret wuͤrde/ zu geschweigen der Un- kosten/ so dadurch verhuͤtet und der Gefahr/ so da- mit abgewendet wuͤrden/ weil solche niedrich und fuͤr den Grenaden und andern Feuer-Kugeln nicht bedecket waͤre, Diesem aber ungeachtet thun die- Von dem Unterwall/ und so ꝛc. diejenigen viel besser/ welche die F aussebraye nicht improbi ren oder sonst disputi ren/ und sie um die gantze Festung herum gehen lassen/ und zwar sol- ches aus folgenden Ursachen/ nehmlichen/ daß der Unter-Wall/ wenn er anders recht angeleget und gemachet worden/ eine vollkommene andere Fe- stung repræsenti re/ dessen Linien ein Feind so wahl auch besondern beschießen und ataqui ren muͤsse/ alsdenn Haupt-Wall selbst. Es comman- di ren auch der F aussebraye, F acen und F lanqnen mit Artillerie und infanterie uͤber die Aussen-Wercke den bedeckten Weg und Campagne, und stellen also den Feindliche Linien und Bateri en zwey starcke resistiren de Fronten und Flanquen entgegen/ und wird die F ace des Oberen-Walles in so weit von der untern versichert/ daß sie nicht koͤnne ein- genommen werden/ so wohl in Furioͤsen Anfaͤllen als langsamen ceremonial Ataquen, biß so lange die F aussebraye nicht gantz ruini ret und erobert worden/ worzu denn viel Zeit und Muͤhe auch er- fordert wird. So ist auch sonst die F aussebraye sehr beqvehm/ daß die Runden des Nachts dar- innen gar wohl koͤnnen verrichtet werden/ weil der Unter-Wall viel niedriger als der obere ist/ und man von jenem besser als von diesem in den Graben sehen kan. Nur dieses ist allhier wohl zu mercken/ daß der Haupt-Mangel einer F ausse- braye dariñen beruhe/ weil sie bißhero nicht recht/ wie ein andern Wall mit seinem Gange und Brustwehr angeleget und gemachet worden/ und Y 3 da- Das VI. Cap. dahero solche/ weil sie nur aus einer bloßen Brust- wehr bestanden/ auch dero Gang gantz enge gewe- sen/ man vor unnoͤthig und unnuͤtzlich halten wol- len/ indem sie also einer belagerten Festung nicht eine nachdruͤckliche und zu laͤngliche defension ge- ben koͤnnen. Wenn aber ein rechter Unter- Wall/ wie er den Nahmen fuͤhret/ mit seiner Brust gemachet wird/ so kan man sich in densel- ben mit der Artillerie in Fall der Noth/ und wenn die Brust gantz ruini ret waͤre/ ein schneiden/ u. dar- auß so wohl das Land/ als den Graben noch nach- druͤcklich bestriechen/ u. also des F aussebraye Walls Statt einer Brust sich bedienen. Jch nehme zu der gantzen Anlage meiner F aussebraye 57. Schuh in allen/ davon gebe ich 6. S. breit einem Gang oder Berme an den Haupt-Wall auff dem blos- sen Land Horyzont; Hernach mache ich die gan- tze Anlage der f aussebraye 51. S. breit und 6. S. hoch/ welches der rechte untere Wall ist/ auf die- sem Unterm-Wall mache ich die Anlage zur Brust 21. S. breit/ und formire im uͤbrigen die Brust- wehre nach der Hoͤhe/ Boͤschungen/ Banck und Schießscharten wie es sich gebuͤhret/ auff diese Manier bekoͤmmet man eine starcke Untere-Fe- stung/ welche weit und hoch genung ist/ darinnen mit allen Geschuͤtz und Volck zu agi ren/ wie auff dem Haupt-Wall/ also daß ein Feind wiꝛd Muͤhe u. Zeit genug haben muͤssen/ dergleichen wohl ange- legte f aussebraye zu ruini ren/ weil er so wohl aus dieser/ als von dem Oberen Wall grosse resiten tz von Von dem Unterwall/ und so ꝛc. von allerhand groben und kleinen Geschuͤtz wieder sich finden und antreffen wird/ uͤber dieses auch die detachirt en Contregardes, reterir ten f lanqueu und Bonnet en gantz unterbleiben koͤnnen. Bey den Ravelinen aber sind die f aussebrayes nichts nuͤ- tze/ weil alle Aussenwercke billig unter mini ret und im Fall der Noth gesprenget werden sollen/ wie an seinem Orte wird gemeldet werden. (2.) Frage. Worzu nuͤtzet denn der auff dem blossen Horyzont gelassene Gang und wie kan man sich dessen im Fall der Noth bedienen? Nicht aus besondern Ursachen lasse ich einen a parten Gang von 6. S. breit auff dem natuͤr- lichen Land Horyzont zwischen dem Ober- und Unter-Wall: Denn dieser Gang dienet nicht al- lein an Statt einer Berme des Obern-Walles/ wenn solcher solte beschossen werden/ und davon die Erde abfallen/ indem also die abgeschossene Erde die Faussebraye gar nicht unbrauchbar ma- chen/ noch sonst einen Schaden darinnen verursa- chen kan/ weil sie nicht auf dem Wallgang der Faussebraye fallë/ auch nach Gelegenheit bald wie- der weggeschaffet werden kan: hernach ist dieser Gang auch gut bey den Orten der ataqve an Satt eines innerlichen Abschnits/ und einer halben Capennire zu gebrauchen/ wenn solcher gegen die Y 4 Faus- Das VI. Cap. f aussebraye zu ver palli sadiret/ und oben wohl be- decket wird/ im Fall der Noth so die f aussebraye solte ruiniret und bestuͤrmet werden. Solte der Feind auch/ wie gemeiniglich zu geschehen pfleget Grenaden und Bomben in die f aussebraye werf- fen/ umb die Leute daraus zu vertreiben und die Stuͤcke darinnen zu ruiniren / so koͤñen solche leicht in diesen tiefen Gang geworffen und gestoßen werden/ worinnen sie denn ohne Schaden der Faus- sebraye crepi ren/ zu mahl wenn man noch à parte gewisse Loͤcher in den Land- horizont hierzu ein- schneiten wolte/ da die Grenaden bey ihren crepi ren noch weniger Schaden veruͤben wuͤrden. (3.) Frage. Weil zwey Waͤlle bey einer star- cken Festung beliebet werden/ ist es dann nicht noͤthig/ das man auch zwey Graͤben mache? Ob man gleich bey einer starcken Festung zwey Waͤlle zu haben verlangen kan/ so ist doch deswe- gen nicht die Folge/ daß man auch gleich zwey Graͤben machen muͤsse: Denn ein weiter und zu gleich tieffer Graben/ welcher auch auff seinen Horizont mit guter Defension von groben und Hand-Geschuͤtz gleichfalls versehen/ wie im folgen- den soll gemeldet werden/ ist viel nuͤtzlicher und bes- ser/ deñ etwan zwey schmale Graͤben/ worein man keine sonderliche Horizontal-Defension wegen der enge des Platzes machen/ auch sonst solchen leicht aus- Von dem Unterwall/ und so ꝛc. ausfuͤllen und passi ren kan/ zugeschweigen der grossen Unkosten/ so bey reveti rung der vielen S car- pen und Contrescarpen wuͤrden muͤssen aufgewen- det werden/ solte anders das Werck einen rechten- den Bestandt und eine rechte Tuͤge haben/ welches man aber bey einen tieffen und breiten Graben nicht zu befahren und zu gewarten hat/ auch sol- cher sonst dem Feinde schwer genung wird zu pas- si ren seyn/ weil man darinnen ziemlich so wohl mit groben/ als kleinen Geschuͤtz herum F lanqui ren/ und dem Feinde seine gallerien und Bedeckungen mit guten effect gar balde ruini ren kan. (4.) Frage. Was heisset man bey der Fortificati- on die Berme/ worzu nutzet solche/ und wie wird sie angeleget? Die Berme ist nichts anders als der Fuß eines Walles/ er mag gleich groß oder klein seyn und dienet solche darzu/ das der Wall nicht alleine in seiner eußerlichen Boͤschung bestaͤndiger sey/ als wenn gar kein berme da waͤre/ weil so dann die Schrege allzugroß und hoch seyn wuͤrde/ sondern auch und fuͤrnehmlichen das die abgeschossene Erde von einem Wall nicht so leicht in Graben fallen/ und solchen ausfuͤllen koͤnne/ wenn der Feind eine Breche zu schießen solte resolvi ret seyn/ damit die im Graben gefallene Erde ihme nicht einen so leichten Aufflauff bey dem Sturme geben moͤchte. Waß nun die Breite einer Berme anlanget/ so wird sol- che/ nach dem das Werck groß oder klein ist/ von Y 5 1. biß Das VI. Cap. 1. biß 6. S. inclusive gemachet. Bey einen grossen Haup-Werck gibt man 6. S. zur Breite der Bre- me/ bey einem Mittlern Wercke 3/biß 4. S. nach- dem die Erde gut oder boͤse ist/ bey einem kleinen Werck und Felde Schantze giebt man nach Gele- genheit nur 1. S. zur Berme/ und wenn nur eine Brust auffgeworffen worden/ wird offmahls solche gar ab scarpiret / welche aber Anfangs alle- zeit auch bey den Brustwehren nur soll gemachet werden/ damit die eusserliche Boͤschung der auf- gefuͤhrten Brust mit der Boͤschung des Grabens disseits recht in eine/ und nicht gaꝛ zu præcitant falle/ welche einem Wercke/ zumahl wo die Erde nicht sehr gut ist/ leicht von sich selbst Schaden und ruin verursachen kan; sonst wenn der Wall und Graben revetiret / wird zu obeꝛst der Maueꝛ von grossen brei- ten Qvater- Steinen eine Wulst gemachet/ und die Brust darauf von Erden gesetzet/ wo selbst man uͤber 1. S. breit nicht mehr zur Berme giebt auch bey dem groͤsten Haup-Wercke. (5.) Frage. Wie muͤssen den die Aus- und Ein- gaͤnge durch den ober Wall in den Untern gemachet werden? Die Aus- und Eingaͤnge von dem Obern in den Unter-Wall sind zweyerley/ nemlichen brei- te/ wodurch man nebst den Soldaten auch Stuͤ- cke und ander Gereitschafft in die Fanffebraye bringen und fuͤhren kan/ und dann schmale/ wo- durch Von dem Unter-Wall und so ꝛc. durch nur allein ein Mañ nach dem andern etwas gebuͤckt gehen kan. Die breiten Eingaͤnge muͤs- sen zum wenigsten 7. S. breit und hoch seyn/ und werden solche gemeiniglich durch die mitten der Courtine des Haupt-Walles in die Faussebraye gemachet/ wañ sonst kein Haupt-Thor durch die- selbe gehet; Solte aber ein recht Haupt-Thor daselbst schon dadurch gehen/ so kan ausser dem- selben zu beiden Seiten der Faussebraye ein breiter Eingang gemachet werden/ um das grobe Ge- schuͤtz Ein- und Aus- zu bringen: Die schmahlen Aus- und Eingaͤnge in die F aussebraye koͤnnen am Ende der F lanque nahe dem Courtin en-Winckel 3. S. breit und 5. S. hoch durch den Haupt- Wall gemachet werden/ damit man aller Orten auf dem Nothfall mit Mannschafft und andern behoͤrigen Gereitschafften ein und aus kommen/ und Communication haben koͤnne. Das VII. Cap. Von den Haupt- und andern Graͤben/ wie auch von der Cuvette, deren Breite und Tieffe/ und was sonst darbey in acht zu neh- men. (1.) Fra- Das VII. Cap. (1.) Frage. Was sind vor unterschiedliche Meynungen wegen der Graͤben/ und welche sind der Hoͤhe und Tieffe nach die besten? D Je Meynungen der Ingenieurs wegen der Breite und Tieffe des Haupt-Grabens ist wieder unterschiedlich/ denn einige belieben lie- ber tieffe und schmale Graͤben/ andere hingegen Breite und flache Graͤben; Einige ziehen die Wasser-Graͤben denen trockenen vor/ andere a- ber statuir en vielmehr das Gegentheil; Einige fuͤhren die Graͤben mit den f acen parallel, andere aber nicht; Die Meynung nun eines iedweden anzufuͤhren/ oder nach Gelegenheit mit Gegen- Gruͤnden umbzustossen/ wuͤrde viel zu weitlaͤuff- tig seyn allhier aus zufuͤhren. Es ist im vorigen schon gemeldet worden/ daß ein breiter und tieffer Graben besser sey/ als zwey schmale und tieffe/ weil ein Feind mehr Gefahr und Zeit muß haben solchen aus zu fuͤllen und zu passir en/ als ein oder zwey schmale und tieffe andere Graͤben/ massen man in einem breiten Graben allerhand Hori- zontal-Defension fuͤglich anlegen/ und so wohl mit groben als kleinen Hand-Geschuͤtz solchen tapffer bestreichen kan. Daß nun wohl diese Meynung unter allen andern die beste sey/ wird keiner leicht negir en/ der bey einer und andern Action Von den Haupt- und andern Graͤben. Action gewesen/ wo es einiger massen scharff her- gangen; uͤber dieses werden auch bey einem ei- nem einigen wohl angelegten Graben viel Unko- sten ersparet/ welche sonst bey doppelten Graͤben nothwendiger weise mehr wegen der R ovetir ung muͤsten angewendet werden. (2.) Frage. Welche Graͤben sind denn einander vor zu ziehen/ die trockenen oder die Wasser-Graͤben? Es wird hieruͤber von denen Kriegs-Bau- Verstaͤndigen viel disputi ret/ ob die trockene de- nen Wasser-Graͤben/ oder diese hingegen denen andern fuͤr zu ziehen sind/ und gehen die meisten dahin/ daß man bey grossen Festungen lieber tro- ckene Graͤben/ bey kleinen Festungen aber lieber Wasser-Graͤben machen solle/ aus den Ursachen weil in grossen Festungen nothwendig auch gros- se Garnison en seyn muͤste/ welche denn bey Belaͤ- gerung pflegten vielmahl aus zu fallen/ dahero es deñ sicherer/ wenn sie sich uͤber einen trockenen Graben auch bald wieder reteri ren koͤnten; Bey kleinen Festungen aber/ worinnen auch eine ge- ringe Garnison waͤre/ thaͤte man nicht so viel Aus- Faͤlle/ und haͤtte diese Passage uͤber den Graben nicht so sehr von noͤthen/ so waͤre es auch dem Feinde viel beschwerlicher uͤber einen Wasser- Graben zu passir en/ und das miniren anzubrin- gen/ als bey einen trockenen. Diesen allen aber ohn- Das VII. Cap. ohngeachtet ist billig dafuͤr zu halten/ daß so wohl bey kleinen als grossen Festungen die trockene Graͤben den andern Wasser-Graͤben fuͤr zu zie- hen sind/ weil man nicht allein in denselben/ wel- ches zwar in den Wasser-Graͤben auch gesche- hen kan eine Cuvette von 15. und mehr S. breit und von 12. und mehr S. tieff/ sondern auch al- lerhand andere Defensiones anlegen kan/ solche im Fall der Noth nachdruͤcklichen zu defendir en und dem Feinde die Passage zu verwehren/ da man im Gegentheil bey den Wasser-Graͤben zu Win- ters Zeit wenn Feindes Gefahr ob handen/ im̃er zu thun hat/ und solche fleißig eisen muß/ auch kan man sie wenn nur stehend Wasser darinnen/ bald ausfuͤllen und passi ren. Was mich anlan- get bin ich der Meynung daß es gut gethan heisse/ wenn man in der Mitte eines trockenen Grabens nicht allein eine Breite und Tieffe Cuvette durch gaͤngig machet/ und solche reveti ret/ sondern auch uͤber dieselbe nach der Festung zu eine Brustweh- re von 6. S. breit und 6. S. hoch anleget/ solche innerlich ver pallisadi ret/ daß nur die Spitzen der Pallisad en einen S. hoch vorgehen/ und etwan ei- nen S. breit bey der Cuvette zur Berme laͤs- set/ so wird der Graben mit dem Hand-Gewehr horizontal genug defendi ret werden koͤnnen. Was die Artillerie andetrifft/ welche auch an der untern Horizontal-Defension in Graben nicht ermangeln darff/ es sey der Graben gleich trocken oder voll Wasser/ muß man in die Gallerien un- ten Von den Haupt und andern Graͤben. ten bey den Flanqv en ohngefehr 8. S. hoch solche Gewoͤlber anlegen/ und 2. oder 3. schieß Loͤcher durch die Futter-Mauer durch brechen/ oder aber alleine bey einem trockenen Graben eine Brust von 8. S. hoch/ und ohngefehr 2. R. lang/ auch 6. S. breit iedoch daß der innere Raum 12. S. breit bleibe/ unten an der F lanqu en von aussen bey dem Courtin en-Winckel anlegen/ auch solche oben wohl bedecken/ damit man darinnen sicher mit 2. kurtzen Stuͤcken auf Schiff-Laveten agi- ren und den Graben aller Orten uͤber die untere Brust bestreichen koͤnne. (3.) Frage. Jst es besser daß der Graben mit der Face parallel lauffe oder nicht? Diejenigen so kurtze und reterirte F lanqven, Ca- sematt en oder Orillons machen und belieben/ die fuͤhren gemeiniglich den Graben Parallel mit den F acen, weil ihre F lanqv en nicht lang und wohl proportioni ret sind mit den andern Theilen der Festung: Diejenigen aber so rechte proportio- nirte lange Flanqv en machen/ um eine nachdruͤck- liche hohe Defension auf dem Land- Horizont hin- aus zu haben/ muͤssen auch nothwendiger weise den Graben nach der C ourtine zu wei- ter fuͤhren/ als er etwan vorne bey der Boll- wercks-Spitze ist/ damit sie auf den Nothfall auch solchen von der hohen Defension einiger mas- sen Das VII. Cap. sen beschiessen koͤnnen. Was mich anlanget gebe ich der Breite des Grabens in der Mitte vor der Courtine die Laͤnge von einer Haupt- F ace o- der f lanqve aus den Schuͤtzen-Punct anzurech- nen/ vorne aber an der Bollwercks-Spitze nehme ich zur Breite des Haupt-Grabens 80. S. und zur Tieffe 24. S. so ist der Graben an allen Or- ten nicht allein breit und tief genug/ sonder er- laͤuffet auch nicht mit den f acen parallel, und kan also von der obern und untern Defension der f lan- qven wohl bestreichen und defendi ret werden. (4.) Frage. Wie muͤssen denn die Graͤben der Aussen-Wercke beschaffen seyn/ und ist es besser daß solche mit den Haupt-Gra- ben auf einen gleichem Horizont fortgehen oder nicht? Es muͤssen die Aussen-Wercke einer Festung so wohl auch ihre besondere Graͤben ha- ben/ als die Haupt-Wercke/ ob wohl nicht so breit als die Haupt-Graͤben/ weil die Aussen- Wercke auch nicht so starck und groß pflegen an- geleget zu werden als die inneren Wercke. Ge- meiniglich nimmet man die Helffte von dem Haupt-Graben/ nehmlichen bey den F acen forne an der Bollwercks-Spitze/ zur Breite der Graͤ- ben vor die Aussen-Wercke welche Breite denn bey den Aussen-Wercken mit allen Linien Pa- rallel laͤuffet/ aus genommen wenn gantze und halbe Bastions, als wie bey den Cron und Horn- Wer- Von den Haupt und andern Graͤben. Wercken vorhanden sind/ so wird auch dieser Graben vor der Courtine, in so weit von dem Schuͤtz-Punct an eine F lanque lang breit gefuͤh- ret/ daß die Flanqv en solchen aller Orten unver- hindert bestreichen koͤnnen. Was sonst die Tieffe des Grabens vor den Aussen-Wercken anbelanget/ ist es sicherer und besser/ daß solcher in gleichem Horizont mit dem Haupt-Graben fortgehe/ als daß er etwan einen Absatz habe von etlichen S. hoch/ und nicht so tief gefuͤhret werde als der Haupt-Graben/ denn sonst kan er von der angelegten Horizontal-Defonsion im Haupt- Graben nicht bestrichen werden/ und wuͤrde eine solche gelassene Hoͤhe/ so wohl vor sich selbst/ als auch dem Haupt-Graben nur schaͤdlichen seyn. (5.) Frage. Was zu thun/ wenn eine Festung nicht auf einen gleichen Horizont erbauet/ und der Graben auch am Horizont ungleich ist? Wenn der Horizont eines Haupt-Grabens ungleich ist/ so muß man wissen/ ob der Graben trocken ist/ oder ob er Wasser hat; Jn einem tro- ckenẽ ungleichẽ Graben muß man entweder solchẽ verlohren aus ebnen/ oder aber zumahl an den Schulter-Winckeln Absaͤtze und Caponnieren drein machen/ und solche ver pallisatir en/ damit man aus solchen den Graben vor den Facen Hori- Z zon- Das VII. Cap. zontal bestreichen koͤnne: Waͤre aber der unglei- che Graben voll Wassers/ so muß man nothwen- dig vor denen Bollwercks-Spitzen gute steinerne Traversen und so genannte Baͤre machen/ damit der Ablauff des Wassers koͤnne gehemmet/ und auch durch dieselben vermittelst eines Lochs ge- buͤhrend ausgefuͤhret werden. (6.) Frage. Wie muͤssen denn dergleichen Tra- versen, Daͤmme und Baͤre in die unglei- chen Wasser-Graͤben angeleget und gemachet werden? Wenn man die Bau-Unkosten ersparen/ und keine steinerne Baͤren in die ungleichen Wasser- Graͤben machen will/ kan man nur lange und ho- he Kaͤsten/ so breit und hoch der Graben und das Wasser ist/ von ungefehr 12. S. breit aus zusam- men geschlagenem Zimmer-Holtze verfertigen/ sol- che inwendig und auswendig wohl verpichen/ und den inwendigen Raum mit Thon oder Lettig einstampffen und ausfuͤllen lassen: Jn der Mitte dieses Dammes muß ein viereckigter hoͤltzerner Canal von eines halben S. breit und hoch zum Em- pfang und Ablauff des Wassers von der Hoͤhe nach der Tieffe des Grabens gefuͤhret/ und endli- chen oben in Form eines Daches/ so mit Bretern beschlagen/ zugemachet/ auch mit einem hoͤltzer- nen oder eisernen Gatter oben in der Mitten ver- wahret werden/ damit Niemand auf demselben weder Von den Haupt- nnd andern Graͤben. weder an die Festung kommen/ oder von solcher aussteigen koͤnne. Ob nun wohl dergleichen Daͤmme nicht zu verwerffen/ sie auch nicht so viel Unkosten verursachen/ als die steinernen so ge- nannten Baͤren/ so dauren sie auch hingegen nicht so lange als diese/ und hat man sonst daran im- mer zu bessern/ die steinerne Baͤren koͤnnen auch von 8. biß 12. S. breit angeleget/ und die auswen- digen Seiten mit zusammen geklammerten Qua- der- Steinen gemachet werden; Jn der Mitten muß gleichfalls ein Abfall zum Wasser seyn/ in- gleichen auch ein Massiv- runder Thurm von 5. o- der 6. S. nach dem Diameter breit/ und 6. S. hoch/ welcher zu oberst in der Mitte auf dem Baͤren/ so auch scharff/ wie ein Dach oben formir et/ kommen muß/ damit uͤber demselben Niemand weder ein/ noch aussteigen koͤnne. (7.) Frage. Was ist sonst wegen des Auf- und Abkommens in dem Graben so wohl fuͤr Infanterie, als Cavalerie, wie auch vor das grobe Geschuͤtz und andere Waͤgen in acht zu nehmen? Wenn man eine Festung in allen Stuͤcken wohl anlegen will/ muß man sonderlich auch auf die Ausfaͤlle und Retiraden wohl Achtung geben/ damit hierunter kein einiger Mangel und Verse- hens vorgehen moͤge/ indem zur Zeit einer Bela- gerung daran sehr viel mit gelegen ist. Man muß Z 2 aber Das VII. Cap. aber nicht alleine Aparelles und Auffarten von 8. biß 10. S. breit vor die Cavalerie oder grobes Ge- schuͤtz und andere Waͤgen/ darmit von den Massi- ven Ravelinen bey den Haupt-Bruͤcken in dem Graben/ und aus demselben bey den eingehenden Winckeln in den bedeckten Weg zu kommen; son- dern auch schmahle Sorties und Retiraden vor die Infanterie haben/ damit keines zur Zeit der Noth das andere hindern moͤge. Die Aparelles und Auffarten nun gebuͤhrend zu machen und anzu- bringen/ muß solches/ wie gesagt/ bey allen ein- lauffenden Winckeln der Contrescarpe, und von den Haupt-Bruͤcken geschehen/ und kan man bey dem Ein- und Ausgange solche mit einem starcken Gatter vermachen/ damit nicht ein iedweder auf denselben ein- und ausreiten und gehen/ und sol- che einiger massen damit ruinir en moͤge. Die Sor- ties hingegen fuͤr das Fuß-Volck muß man bey de- nen ausgehenden Winckeln der Contrescarpe fuͤr den Bollwercken anbringen/ und weil der Haupt- Graben mit Steinen billig soll revetir et seyn/ so koͤnnen auch einfache oder doppelte schmahle stei- nerne Treppen daselbst angeleget und aufgefuͤh- ret werden/ dergestalt/ daß fuͤglich ein Mann nach dem andern auf solchen auf- und absteigen koͤnne. Wenn sonst zwey Graͤben vor einer Festung sol- ten angeleget seyn/ muß die Communication von einem in den andern entweder aus der Mitte der Courtine, oder an beyden Enden derselben nahe an den Flanquen gefuͤhret werden. Das Von dem bedeckten Weg/ dessen Breite. Das VIII. Cap. Von dem bedeckten Weg/ des- sen Breite und Beschaffenheit/ wie auch von der Brustwehr in demselben/ und dem Glacis. (1.) Frage. Jst denn der bedeckte Weg eine nuͤtz- liche Sache bey einer Festung? D Aß der bedeckte Weg bey einer wohl erbau- ten Festung ein hoͤchstnoͤthiges und nuͤtzli- ches Werck sey/ wird Niemand von denen Kriegs- Verstaͤndigen leugnen koͤnnen/ weil aus solchen das Glacis horizontal muß bestrichen/ und des Feindes Annaͤherung durch die Lauff-Graͤben/ so viel moͤglich/ verwehret und aufgehalten werden; Dahero viele eine belagerte Festung wollen schon halb verlohren geben/ wenn der bedeckte Weg vom Feinde eingenommen worden: Jn Betracht dessen nun sind einige von denen Kriegs-Bau- Verstaͤndigen auf die Gedancken gerathen/ daß/ um mehrere Zeit zu gewinnen/ den Feind aufzu- halten/ man lieber zwey bedeckte Wege und Gla- cis um eine Festung machen solte/ als nur einen ei- nigen: Weil aber dieses ein sehr weitlaͤufftiges Werck seyn wuͤrde/ welches sich nicht allezeit we- gen des wunderlichen Terrains duͤrffte thun las- sen/ so ist es besser/ daß man nur einen recht guten bedeckten Weg vor eine Festung mache/ und das Glacis daraus tapffer defendir e. Z 3 (2.) Das VIII. Cap. (2.) Frage. Wie soll denn ein rechter bedeckter Weg gemachet und angeleget werden? Es ist gewiß/ daß bey Verfertigung der bedeck- ten Weges von denen Ingenieurs bißhero grosse Fauten fuͤrgangen seyn/ indem sie nicht allein sol- chen viel zu schmahl und nicht breit genug gema- chet/ auch dessen Brust/ und Places d’ armes nicht wohl angeleget und verwahret/ welches ich all- hier weitlaͤufftig auszufuͤhren nicht vor noͤthig achte/ und gerne einen iedweden bey seiner Mey- nung deßwegen lassen will. Was mich anlanget/ mache ich um eine Haupt-Festung/ wo Platz und Terrain genug ist/ den bedeckten Weg in allen 60. S. breit/ so kan man sich auf den selben in allen mit auf/ ab/ contremarchir en und chargir en recht be- thun/ und muß der Feind viel Zeit und Muͤhe ha- ben/ ehe er unter solchen seine Sappe verfertiget: Auf dem selben aber schneite ich zur nechst der Contrescarpe 6. S. tieff und 10. S. breit/ einen Gang ein/ so bekomme ich also in der Kuͤrtze und Enge ohne grosse Unkosten gleichsam zwey be- deckte Wege/ nemlich einen aͤusserlichen/ welcher das Glacis defendir et/ und einen innerlichen/ wel- cher eigentlich den rechten bedeckten Weg und dessen Brust bestreichet. Beyde Brustwehren nun dieses bedeckten Weges/ muͤssen ihre gebuͤh- rende Boͤschung/ Vorsetzung mit Waasen/ Ver- palli- Von dem bedeckten Weg/ dessen Breite. pallisadir ung und Baͤncke haben/ auch koͤnnen sol- che beyde zur Zeit der Noth an den Orten/ wo die Ataquen zu vermuthen und geschehen/ oben als halbe Caponnieres fuͤr den Hand- Grenaden bede- cket werden. Die Brustwehre auf dem aͤussersten bedeckten Weg kan einige S. hoͤher seyn als ordin aͤre/ ingleichen muß man auch vor allen Bollwercks-Winckeln eine Traverse von 6. S. breit/ und so viel hoch auf die Breite des bedeck- ten Weges anlegen/ damit der Feind/ solchen/ weil er ziemlich breit ist/ weder in Fronte, noch in Flanque von weitem bestreichen und enfiliren koͤnne. (3.) Frage. Jst es denn nicht noͤthig/ daß man bey den eingehenden Winckeln auch Tra- versen, und in die ausgehende Winckel Bonnets mache/ die langen Linien mit aus- gesetzten Flanquen versehe/ und dop- pelte Ver pallisadir ung mache? Weil das Gesicht aller Orten einer Festung uͤber die noͤthige Defension frey soll verbleiben/ da- mit man alles wohl entdecken/ und der Feind keine Bedeckung finden koͤnne/ so ist gar nicht zu loben/ daß man auf dem bedeckten Weg/ zumahl/ wenn er nicht recht breit ist/ viel vermeynte Defension s- Wercke anlege/ welche vielmahl schaͤdlicher/ als nuͤtzlicher seyn; Denn was erstlichen den ver pal- Z 4 lisa- Das VIII. Cap. lisatird en Gang nahe der Brustwehre in dem be- deckten Weg anlanget/ ist solcher vielmehr den Belaͤgerten selbst schaͤdlicher/ als nuͤtzlicher; Weil sie darein eingesperret/ und bey Bestuͤrmung des bedeckten Weges grossen Verlust ausstehen/ auch sich mit groͤster Confusion und langsam re- terir en muͤssen/ und waͤre einiger massen solcher ver pallisatird er Gang noch wohl zu loben/ wenn er nur oben auch fuͤr den feindlichen Hand- Grena- d en bedecket waͤre/ als welche bey deren Einwerf- fen/ in solchem zugemachten Gange dem Feinde grossen Abbruch thun/ zu geschweigen der vielen Pallisad en/ so also unnuͤtzlicher Weise enploy ret werden. Die Bonnets vor den Bollwercks-Win- ckeln geben einem Feinde mehr Bedeckung/ als daß man gute Defension davon nehmen kan/ weil hinter solchen gemeiniglich wenig Raum fuͤrhan- den/ und das Volck vom Feinde davon kan leicht abgetrieben werden/ wenn er nur mit Hand- Gre- nad en tapffer darein spielen laͤsset; Hat sich denn der Feind solcher einmahl impatronir et/ so hat er vor sich eine gute Bedeckung/ woraus er hernach desto eher den Graben recognoscir en und in sol- chen kommen kan. Viel Traversen auch in dem bedeckten Weg zu machen/ besondern zu beyden Seiten der eingehenden Winckel/ giebt zur De- fension wenig Vortheil/ dem Feinde aber nach Gelegenheit abermahls viel Bedeckung; Denn gleich wie der Feind/ wenn er den bedeckten Weg bestuͤrmet/ nicht etwan uͤber die Pallisaden in den- selben Von dem bedeckten Weg/ dessen Breite. selben einspringet/ auf diesen her marchir et/ und solchen inwendig Fuß fuͤr Fuß suchet zu gewin- nen/ sondern in einer breiten F ronte auf dem Gla- cis alleine biß an die Brust desselben avancir et/ und sich daselbst verschantzet und eingraͤbet/ um von daraus den bedeckten Weg vor sich reine zu behal- ten und zu bestreichen; Als sind dergleichen Tra- versen ohne Noth gantz unnoͤthig und unnuͤtzlich/ weil sie von Seiten des Glacis gantz koͤnnen enfili- r et werden: Ein anders waͤre es/ wenn der Land- Horizont um die Festung bergigt und uneben waͤre/ und man den bedeckten Weg von einer Hoͤ- he wohl entdecken und bestreichen koͤnte/ auf sol- chem Fall ist es allerdings noͤthig/ daß man von gewissen R. zu R. einige Traversen, auf alle Winckel und Linien des bedeckten Weges anlege. Nach meiner Manir aber/ da der bedeckte Weg sehr breit ist/ muß man allezeit eine Traverse in dem auslauffenden Winckel vor die Bollwercks- Spitzen legen/ damit solche fuͤr dem feindlichen Einstreichen um so viel mehr bedecket seyn. Was die blosen ausgesetzten Flanquen, zumahl/ wenn sie Perpendicular sind/ auf dem bedeckten Weg an- langet/ sind solche gantz nichts nuͤtze/ weil sie von der Seiten und von hinten zu enfilir et seyn bey Bestuͤrmung der Contrescarpe, dahero es besser/ wenn lange Facen an einer Festung fuͤrhanden/ da auch nothwendig lange Linien in dem bedeckten Wege folgen muͤssen/ daß man auf solche uͤber die Places d’ armes noch zwey Facen oder Bonnet auf- Z 5 setze/ Das VIII. Cap. setze/ und also solche daraus besser verdeckt bestrei- che : Wenn aber die Facen mit den Flanquen wohl proportionir et/ und die Places d’ armes groß und weit genug angeleget sind/ hat man weder der ausgesetzten Facen noch Flanquen auch in dem be- deckten Wege weiter gar nicht noͤthig/ weil die zwischen liegenden Linien von den grossen P laces d’ armes zur Genuͤge koͤnnen bestriechen wer- den. (4.) Frage. Was ist und heist man das Glacis und wie breit soll man solches ma- chen umb eine Haupt-Fe- stung? Das Glacis ist nichts anders als die Abda- chung der Brust des bedeckten Weges/ auf wel- ches der Feind durch seine approch en sich bemuͤhet zu kommen/ und hernach wenn er ungefehr noch 80. biß 100. gemeiner Schritte/ oder auch noch weniger von dem bedeckten Wege ist/ solchen mit einer Furie bestuͤrmet; Dahero es denn noͤthig ist und insgemein von allen Kriegs-Bau Ver- staͤndigen approbi ret wird/ wenn man das Glacis, so viel als es moͤglichen ist/ und es die Gelegenheit des umliegenden Landes zu lassen will/ weit und breit allmaͤhlig abhangend in das Feld hinaus fuͤhre/ da mit man den Feind auf solchen von wei- ten wohl entdecken/ und ihn obligir en koͤnne/ daß er Von dem bedeckten Weg dessen Breite. er seine Lauff-Graͤben um so viel weiter anfan- gen und fuͤhren muͤsse/ wodurch denn die Bela- gerten bey einer Ataqve viel Zeit gewinnen/ der Feind aber hingegen solche zu seinem Nachtheil verliehren/ auch grosse Unkosten auf wenden muß. Wenn es anders seyn kan/ soll man un- ter hundert gemeiner Schritte zu der Breite des Glacis nicht nehmen/ wohl aber daruͤber gehen/ und solches breiter machen/ weil die breiten den schmalen aus ob angefuͤhrten Ursachen billig fuͤr zu ziehen sind. (5.) Frage. Was ist davon zu halten/ wenn man am Ende des Glacis einen kleinen Graben fuͤhret/ damit das Glacis von Reiten und Fahren nicht ruini ret werde? Das an der Conservation des Glacis, so wohl als anderer Wercke viel gelegen/ damit solche in ihrem rechtem Stand verbleiben/ und nicht rui- ni ret werden moͤgen/ ist nicht zu leugnen; Daß aber hingegen einige Ingenieurs einen apart en Graben deßwegen um das Glacis gantz herum fuͤhren wollen/ ist nicht zu billigen/ sintemahl bey einer Belagerung ein solcher Graben dem Fein- de eine gute Bedeckung gibt/ woraus er mit gu- ten Effect seine approch en gegen die Festung fuͤh- ren kan; Jst dahero am besten/ wenn man zu Frie- Das IX. Cap. Friedens-Zeiten zur conversation des Glacis, an Statt eines schaͤdlichen Grabens/ welchen man im Fall der Noth nicht gleich wieder ausfuͤllen kan/ ein Gelaͤnder von blossem Bau-Holtze da- rum machet/ oder doch zum wenigsten auf die Hoͤ- hen und Schaͤrffen des Glacis bey denen aus und eingehenden Winckeln/ so lange Barrieren setzet/ als das Glacis breit ist/ in Kriegs-Zeiten aber sol- che gleich wieder weg nimmet/ damit man das Gesicht frey habe/ und der Feind den geringsten Vortheil auch nicht haben moͤge. Das IX. Cap. Von dem Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen/ ingleichen von Schutz oder Fall-Gattern und Baͤumen/ wie auch von dem Fall- und andern Bruͤ- cken/ deren Hoͤhe und Breite/ auch was sonst dabey in acht zu nehmen. (1.) Frage. Soll man auch in eine Festung viel Haupt-Thore und andere Ausgaͤnge machen? ??M An soll in eine rechte Festung/ die von gros- ser Importans und sonst keine Handel- Stadt Von dem Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen. Stadt ist/ ohne Noth und Nutzen nicht viel Haupt-Thore und Ausgaͤnge machen/ weil der Wall nicht alleine dadurch sehr geschwaͤchet wird/ sondern man auch hierzu grosse Unkosten aufwenden/ viel corps de garde machen/ und eine starcke Garnison zur Besatzung der vielen Wach- ten halber halten muß/ und ist es schon genug/ wenn allezeit uͤber drey Bollwercke ein Haupt- Thor auf das feste Land zu gemachet wird/ es waͤren denn nothdringende Ursachen verhan- den/ daß man gezwungen waͤre/ dergleichen mehr anzulegen. Weñ die Festung nahe an einer Seite einen starcken Fluß hat/ so koͤnnen daselbst nach Gelegenheit und Nutzen etliche Thore in kurtzen Distan tzen von einander angeleget werden/ weil gemeiniglich solche nahe Wasser-Seiten der Fe- stung nicht mit einem Haupt-Walle/ sondern nur mit einer starcken Brust pflegen bedecket zu werden/ davon an seinem Orte schon mit meh- rern soll gehandelt werden. (2.) Frage. Um welche Gegend der Festung sol- len denn die Thore durch gefuͤhret/ auch ihrer Hoͤhe/ Breite/ und anderer Be- schaffenheit nach gemachet wer- den? Wenn man eine gantz neue Festung anlegen/ und in selbige eine Stadt anbauen will/ soll man ordent- Daß IX. Cap. ordentlicher weise die Haupt-Thore aus der Mit- te der Courtine, durch den Wall durch etwas schraͤge fuͤhren/ weil die Durchgrabung des Walles daselbsten in seiner Desension gar nicht geschwaͤchet/ der Graben auch alda am breitesten ist/ und so wohl die Bruͤcke als das Thor dieser Gegend von beiterseits anliegenden Bollwercks Flanqv en am besten koͤnnen bestreichen und von einem Ravelin bedecket werden: Solte man a- ber schon erbaute alte Staͤdte mit einer Fortifi- cation umbgeben muͤssen/ und es sich nicht allezeit wegen fuͤrsichtiger Anlegung der Bollwercke schi- cken wolte/ daß man die Thore durch die Mitte der Courtine wie billig fuͤhren koͤnte/ weil die Haupt-Strassen und Gassen/ der zuvor laͤngst erbauten Stadt nicht darauf Correspondirt en/ so soll man doch dahin bedacht seyn/ wie man fuͤg- lich an einem Orte durch die Courtine, nicht aber durch ein Bollwerck/ die Thore ausfuͤhre/ weil das Bollwerck und dessen Linien hierdurch sehr geschwaͤchet werden/ und ist es besser die Boll- wercke etwas naͤher oder weiter an und von ei- nander zu legen/ und durch die Courtine nahe an einer Flanque ein Thor zu machen/ als etwan bey Anlegung der Bollwercke an eine so geringe Di- stan tz/ als ein Thor seiner Breite nach aus tra- gen moͤchten/ sich so sehr zu binden/ und das Thor entweder durch die Flanquen, oder gar durch die Facen der Bollwercke/ welches am allerschaͤd- ligsten ist/ durch zu brechen/ weil heut zu tage ge- mein Von dem Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen. meiniglich und mehren Theils die Ataqv en auf derselben Facen gefuͤhret werden/ da dann der Feind an dergleichen Wercken/ und bey so gestal- ten Sachen schon eine zimliche Breche in das Bollwerck sindet/ dessen Brustwehr er hernach umb so viel eher ruinir en und faͤllen kan; Wie wohl auch nicht zu laͤugnen/ daß man die Gewoͤl- ber der Thore unter dem Walle dergestalt mit langen Eichbaͤumen/ Erde/ Mist/ Steine/ Sturm-Kaͤsten und andern Sachen also ver- daͤmmen und verbauen kan/ daß dadurch nicht so leicht eine Breche oder Passage zu machen/ wie man sichs wohl einbilden duͤrffte/ der obere Bogen a- ber/ und Wall nebst der Brustwehr koͤnnen den- noch eher gefaͤllet und ruini ret werden/ als wann der Wall gantz Massiv woͤre. Die Breite der Haupt-Thore kan von 14. biß 16. S. die Hoͤhe aber von 16. biß 18. S. seyn; Die Breite des in wendigen Gewoͤlbes unter dem Wall kan ohn- gefehr 18. die Hoͤhe aber 20. S. seyn; Das Gewoͤl- be oben an sich selber kan etwan 4. oder 6. S. von Steinen dicke gemachet werden/ worauf hernach der uͤbrige Wall und die Brustwehr kommen muß: Dieser Gang kan auch durch den Wall mit einem Winckel gefuͤhret werden/ damit allen Falls eine Stuͤck-Kugel nicht gleich durch kan geschossen werden. Wenn der Gang lang und sehr fuͤnster ist/ kan man oben durch den Wall Gang in der Mitten ein rundes oder viereckigt Loch/ welches mit einem starcken eisern Gatter auff Das IX. Cap. auff dem Wall-Gange muß versehen seyn/ ohn gefehr in Diameter 2. biß 2. ½. S. weit machen/ damit man Licht und Lufft in solchen gewoͤlbten Gang bekomme. Kan solcher Gang etwan aus Mangel der Steine bey einem kleinem Wercke nicht gewoͤlbet werden/ muß man solchen mit starck eichenen Pfosten und Bretern nur ausfuͤttern/ bey einem grossen Haupt-Werck a- ber soll er billig mit Steinen gewoͤlbet seyn/ da- mit er eine ewige Dauer haben moͤge. (3.) Frage. Wie sollen denn die Portale an die Statt-Thore/ inglelchen die hoͤltzerne Th uͤ - und Thore gemachet werden/ und was ist von den eingeschnittenen kleinen Pfoͤrtlein zu halten? Die Haup-Thore an einer Satt und Festung sollen so wohl von innen/ als aussen/ umb mehres Ansehens halber mit starcken steineren Portalen àla rustica/ und uͤber dem Bogen oben mit des Landes Herrn/ oder Statt/ Wappen/ ingleichen mit U- berschrifften/ wañ solche erbauet/ oder erobeꝛt woꝛ- den/ gezieret werden. Am Fuße des Portals muͤssen allezeit grosse Steine mit starcken eusern Schinen geleget/ so 1 ½ biß 2. S. herfuͤrgehen/ oder sonst alte euserne Stuͤcke in die Hoͤhe/ doch etwas schrege gesetzet werden/ damit das Portal durch das Ein- und Ausfahren/ keinen Schaden leide. Das Holtz- Werck Von den Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen. Werck zu dem Thoren und Thuͤren soll von Ei- chen seyn/ und muͤssen solche mit 2. oder 3. starcken Bretern/ vermittelst starcker eiserner Baͤnde und grosser Naͤgel/ welche starcke erhobene Kuppen ha- ben/ nach ordenlichen Reichen feste zusammen geschlagen/ oder wohl gar die eusserste Seit mit starcken eissern Blechen uͤberzogen werden/ da- mit solche fuͤr Feuer und Musquet en sicher und Schuß frey seyn moͤgen. Die kleinen Pfoͤrtlein/ so in die grossen Thore eingeschnitten worden/ sind nicht zu loben/ masen solche nur die grossen Haupt- Thore schwaͤchen/ dahero pfleget man an deren Stadt heut zu Tage neben Gaͤnge zumachen/ mit einer besonderen kleinen Fall-Bruͤcken/ zum Ein- und Auslassen der Posten/ wenn die grossen allbe- reit geschlossen sind/ und werden solche ungefehr 6. biß 7. S. hoch und 3. oder 4. weit gemachet. Alle Thuͤre und Thore muͤssen mit starcken eißernen Angeln/ Baͤndern und Schloͤßern wohl versehen werden/ damit hirunter im geringsten kein Man- gel fuͤrfallen moͤge. (4) Frage. Was nennet man denn die Schutz- Gatter und Fall Baͤume/ und wie werden solche applici ret und ge- brauchet? Die Schutz-Gatter und Fall-Baͤume seynd gewisse Machinen / welche man zu eußerst der in- A a wen- Das X. Cap. wendig Thore gemeiniglich pfleget anzumachen/ und solche in die Hoͤhe an gewisse Ketten und Wall-Baͤume inwendig aufzuziehen/ damit man solche im Fall der Noth koͤnne wieder zu mehrerer Beschuͤtzung der Thore herunter fallen laßen. Die Schutz-Gatter koͤnnen nicht alleine von einge- schnittenen und zusammen gefuͤgten eichenem Holtze seyn/ sondern man kan sie auch in Form ei- nes Gatters von gantzen Eißen machen. Die Fall- Baͤume werden nur neben einander oben und un- ten durch Qver-Hoͤltzer fest angemachet/ deren Ende unten/ wie auch bey den Gattern spitzig seyn/ und mit Eißen/ beschlagen werden. Dergleichen Machinen nun haben sich die Alten zur verwah- rung ihrer Thore/ weil mehrentheils die Ataqven darauf gefuͤhr e t/ und die petarden daran ange- henget worden/ sehr bedienet? heut zu tage aber kommen solche in keinen sonderlichen Gebr auch mehr/ weil der Feind nicht vor gut befindet bey heutiger neuen Art-Festung Baues/ die Ataqven auf die Thore zufuͤhren/ es geschehe den solches et- wan heimlichen in der Nacht bey einer Uber- rumpelung und concer tirten Verraͤtherey mit gewissen S pion en und corrumpir ten Leuten in der Festung. (5.) Frage. Wohin und wie sollen denn die Sor- tinen und Ausfaͤlle einer Festung ge- machet werden? Die Von den Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen. Die S ortien und Ausfaͤlle werden ungefehr 7. biß 8. S. hoch von dem Horizont des Haupt-Gra- bens entwedeꝛ durch die Courtin e nechst der Flanqve oder durch die F lanque nechst der Courtine / zumahl wenn die Bollwercke hohl sind/ und eine inwendige Gallerie haben/ wie es billig seyn soll/ gemachet/ ie- doch also/ dz der inwendige Gang unter dem Wal- le 4. S. Breit und 6. S. hoch sey/ die Thuͤr aber des Ausfalls durch die futter-Mauer/ weñ deꝛ Gꝛaben revetiret ist/ muß nur 3. S. breit u. 4. S. hoch gelaßen werdẽ/ damit nur ein man gebuͤckt dadurch genau gehen koͤnne/ und muͤssen die Tuͤhren davor auch von starcken eichenen Holtze doppelt oder drey- fach gemachet/ mit starckem eißernen Bleche uͤber- zogen/ und inwendig mit Baͤndern und Riegeln wohl verwahret werden. Wenn eine eußerliche Brust an den Flanqven unten in den Graben zu ei- ner horizontal Defension fuͤr die Artilleie vorhan- den/ kan man die Auß- und Eingaͤnge durch diesel- be machen/ damit man nicht von noͤthen habe den Wall mit einer besondere Sortie allzusehr durch zu graben/ wodurch er nur geschwaͤchet wird/ und muß man sich bey dem Auß- und Einsteigen einer kleiner Leiter bedienen/ in dem man nicht gerne fuͤr solche einige bestaͤndige Treppen pfleget anzule- gen/ weil sie dem Feinde einiger Maßen koͤnten ei- nige Bedeckung und Vortheil geben. A a 2 (6.) Das IX. Cap. (6.) Frage. Auf Was weise und in was vor ei- ner Breite sollen denn die Haup-Bruͤcken fuͤr denen Haup-Thoren/ in gleichen auch die bey Bruͤcken angeleget und gemachet werden? Nach dem die Haupt-Thore aus gewissen Ur- sachen und an gewissen Orten durch den Wall ei- ner Festung gefuͤhret worden/ davon im vorigen Meldung geschehen/ nach dem muͤssen auch die Bruͤcken davor angeleget werden: Wenn die Tho- re durch die Mitte der Courtine gemachet worden/ wie es billig seyn soll/ werden die Bruͤcken dafuͤr uͤber den Graben auf das stumpffe Eck und ein- lauffenden Winckel der Contrescarpe / oder wenn/ wie billig/ ein Ravelin davor lieget/ gerade auf dessen Kehl Punct zu gefuͤhret/ ledoch al- so/ daß sie/ so viel als es sich leiden will/ niedrig und gesenckt gemachet werden/ damit sie desto mehr ausser des Feindrs Gesicht und Geschoß seyn moͤgen. Die Breite derselben kan von 14. biß 18. S. seyn/ die Laͤnge richtet sich nach des Grabens Ober Weite/ ist nun die Bruͤcke ziemlich lang/ werden auf solche zwey andere Fall-Bruͤcken gemachet/ als nemlichen eine hart am Thore der Festung/ und etwan eine in der Mitte der Bruͤcken/ we- selbst auch ein starckes Gatter mit einẽ Uberhange muß verfertiget werden. Zu eusserst der Bruͤcken oder Von den Thoren/ Sortien und Ausfaͤllen. oder bey dem Duꝛchschnitt des Glacis werden staꝛ- cke Schlag der Zieh-Baͤume nebst einem andern niedrigen Gatter gemachet/ damit alles wohl verwahret sey. Die Pfeiler zu den Haupt-Bruͤ- cken koͤnnen unten im Graben entweder von star- cken eichenen Pfosten/ und auf einen steinern Mauren Fuß gesetzet/ oder gar von Steinen ge- machet seyn; iedoch muͤssen die steinern Pfeiler in der Mitte nicht durchbrochen/ sondern gantz und Massiv seyn/ auch also angeleget werden/ daß man solche aus den Flanqven wohl bestreichen/ und der Feind keine Bedeckung dahinter finden koͤnne. Der Gang der Bruͤcken soll von staꝛcken Holtze be- leget/ mit Steinen darauf gepflaster/ und mit ei- nem Gelaͤnder an den Seiten versehen seyn/ damit alles bestaͤndig und dauerhafftig verbleiben moͤge; Wenn man sie nicht pflastern will/ muͤssen doch in der Mitte derselben/ wo gefahren wird 9. biß. 6. S. breite starcke á parte Bretter oder Baͤume in die Qvere geleget werden/ damit die Bruͤcke nicht bald ruiniret werde/ keine gantz steinerne Bruͤcken aber mit Gewoͤlbern und Boͤgen soll man uͤber den Graben einer Festung machen/ weil ein Feind sich nur darunter verdecken/ und man auch der- gleichen Bruͤcken in Nothfall nicht so leicht auff- raͤumen und einreissen kan/ als die Hoͤltzernen: Ein anders waͤre es wenn ein starcker Fluß durch- eine Festung ginge/ oder zwey Festungen von ein- ander schiede/ woruͤber man gar wohl eine starcke steinerne Bruͤcke mit behoͤrigen starcken Pfeilern A a 3 anlegen Das X. Cap. anlegen kan und soll/ iedoch muß man sonderlich auff die Mitte derselben/ wenn sie zumahl lang ist/ entweder nur zwey Facen aussetzen/ oder ein Blockhauß oder Baum/ oder gar einen stumpffen Thurm mit einem Thor darauff bauen/ damit man die Bruͤcke und den Fluß im Fall der Noth mit Stuͤcken und Hand-Gewehr auff und ab- waͤrts bestreichen und defendi ren koͤnne. Die Neben- und Bey-Bruͤcken auff die andern Rave- line, wohin keine Haupt-Bruͤcke gefuͤhret wird/ muͤssen uͤber einen Graben aus der Mitten der Courtine durch einen niedrigen und von ungefehr 8. oder 9. S. breiten Außgang von Holtze auch so breit und starck werden/ damit man ein ziemliches Stuͤck auff seiner lavet en nach dem R avelin brin- gen koͤnne. Jn einem trockenen Graben aber unterbleiben dergleichen Bruͤcken gaͤntzlich/ weil man von dem Haupt-Bruͤcken allerhand gereit- schafften auff die Raveline bringen kan. Uber eine Cuvette kan man vor der Mitte der Courtine nur ein paar starcke Bretter zusammen schlagen und solche nebst einen engen Ausgange durch die niedrige Brust im Graben an Statt einer Lauff- Bruͤcke gebrauchen/ so man aber durch einen Strick muß koͤnnen auff und ablassen. (7.) Frage. Wie werden denn die groß und klei- ne Fall- oder Aufzug-Bruͤcken gemachet? Die Von den Thoren Sortien und Ausfaͤllen. Die grossen Zug-Bruͤcken werden auf man- cherley Art verfertiget/ indem man solche durch ein gewisses grosses Rad auf den Seiten des Thors kan aufziehen oder ablassen/ oder auch sol- ches durch ein verborgenes. Gewicht verrichten/ welches in eine hierzu à parte gemachte/ und so ge- nante Wolffs-Grube unter dem Thore sich nie- der laͤsset; Gemeiniglich aber gebrauchet man darzu zween Zieh-Baͤume/ die zweymahl laͤnger sind/ als das Thor hoch ist/ davor die Zug Bruͤcke angeleget/ und muͤssen diese Baͤume an einem En- de viel staͤrcker seyn/ als am andern/ damit sie das Gegengewicht der Zug-Bruͤcken recht geben koͤn- nen: Sie werden in der Hoͤhe/ als ohngefehr die Bruͤcke lang ist/ mit einer Axe zu beyden Seiten an starcke Pfosten/ Pfeiler/ oder durchbrochene Mauer angemachet/ und soll die Axe/ worin die Armee gehen 14. biß 16. Daumen dicke seyn/ wel- ches auch an der Bruͤcke selbst muß observir et werden. Die Armee aber koͤnnen 6. oder 8. Zoll un- gefehr in der Dicke seyn; An die dicken Enden der Zich-Vaͤume werden zwey eiserne Ringe ange- machet/ und koͤmmt ein starckes Creutz von Holtz darzwischen/ welches die Baͤume in ihrer rechten Distan tz nicht allein zusammen haͤlt/ sondern auch um so viel besser das Gegen-Gewichte giebet/ wenn man die Bruͤcke auf- und niederlassen will. Die dinnen Ende dieser Baͤume muͤssen so lang seyn als die Zug-Bruͤcke an sich selber ist/ woran sie auch mit Ketten angemachet werden/ damit A a 4 ma Das X. Cap. man die Bruͤcke an den andern dicken Enden/ woran auch zwey kurtze Ketten mit Ringen oder Stricke gemachet sind/ kan auf- und niederlassen. Die grossen Fall-Bruͤcken muͤssen von doppelten starcken Bretern gemachet/ und mit eisernen Schienen in die Qvere starck beleget werden/ da- mit solche durch das Fahren nicht so leicht ruinir et werde. Die kleinen Fall-Bruͤcken bey denen Ne- ben-Thuͤren/ werden nur von blossen starcken einfachen oder doppelten Bretern gemachet/ so breit und hoch/ als ungefehr die Thuͤr selber ist/ und vermittelst eines starcken Seils und ange- machten Rolle in der Hoͤhe an einer Seiten auf- und abgelassen/ auch zu beyden Seiten wegen be- sorglicher Gefahr des Fallens mit einem Gelaͤnder versehen/ so man nach Belieben auflegen und wie- der wegthun kan. Das X. Cap. Von Schilder oder Macht- Haͤußlein/ Corps de garde, Casernen, Magazin en/ Pulver-Thuͤrmen und Zeug-Haͤusern. (1.) Frage. Wohin und wie sollen denn die Schilder und Wacht-Haͤußlein angeleget und gemachet werden? Die Von Schilder oder Wacht-Haͤußlein/ D Je Schilder oder Wacht-Haͤußlein sollen/ wo nicht auf ieden Winckel der Boll- und an- dern Wercke/ iedoch auf die Bollwercks- und Fa- cen- Winckel/ item bey dem Aus- und Eingang der Thoren/ Bruͤcken und Schlag-Baͤume/ ent- weder von Steinen oder Holtze gebauet seyn/ und zwar soll man die vom Holtze also machen/ daß sie sich auf einen starcken Zapffen in einem festen in der Erde eingemachten hoͤltzern Creutze/ umdre- hen koͤnnen/ wohin man wolle. Gemeiniglich werden sie 7. biß 8. S. hoch/ und 3. biß 4. S. in Dia- meter weit gemachet; Oben werden sie mit einem runden Dache bedecket/ und mit einer engen offe- nen Thuͤr zum Eingang/ ingleichen mit drey Loͤ- chern von einem halben S. hoch und breit zum Aussehen versehen/ damit die Schildwachte aller Orten/ wenn es windigt und Regen-Wetter ist/ daraus observir en koͤnne/ was auf den anliegen- den Wercken und in Graͤben passir e; Die Form an sich selbst kan rund/ vier oder mehr eckigt seyn. (2.) Frage. Wohin und wie werden denn die Corps de garden gemachet und erbauet? Die Corps de garde werden inwendig der Haupt-Thore/ ingleichen in die Bollwercke/ in die Raveline, auf dem bedeckten Weg an die einge- hende Winckel/ und anderer leeren Plaͤtze der A a 5 Stadt Das X. Cap. Stadt gemachet und angeleget. Die Weite und Laͤnge der Corps de garden, kan unterschiedlich gemachet werden/ nachdem auf einer iedern Post viel oder wenig Soldaten zur Wacht pflegen aufzuziehen/ und rechnet man gemeiniglich auf ei- nen Mann in seinem Lager 3. S. in die Breite und 7. biß 8. Sch. in die Laͤnge/ wornach man denn die Groͤsse der Corps de garde proportionir en muß/ ie- doch ungerechnet der Personen/ so zu gewissen Stunden davon auf ihren Posten stehen muͤssen. Die Corps de garden, so inwendig der Festung an den Thoren und Ausgaͤngen vor oder in dem Wall/ ingleichen diejenigen/ so in die Bollwer- cke erbauet sind/ koͤnnen gantz von Steinen gema- chet und nach gestalten Sachen gewoͤlbet wer- den; Die andern aber kan man nur von Bau- Holtze machen/ und mit Ziegel-Steinen ausmau- ren/ oder auch solche nur von Bretern auffuͤhren/ zumahl auf den eingehenden Winckeln des be- deckten Weges/ damit man solche gleich wieder einreissen koͤnne/ wenn es noͤthig ist; Nechst dem hat man dieses wohl darbey zu mercken/ daß man allezeit in die groͤsten Corps de garden zwey à par- tements mit einem Unterschiede/ ein kleines vor die Officiers, und ein grosses vor die Gemeinen mache/ iedoch also/ daß ein Ofen mit einer einigen Feuer-Mauer zu Winters-Zeit beyde heitze; An die Corps de garde auf dem bedeckten Weg kan man auch einen Beschlag vor die Pferdte ma- chen/ damit die Cavalerie sich allezeit auch daselbst auff Von Schildern und Wacht-Haͤußlein. auf halten koͤnne/ wenn es noͤthig ist. Man muß auch nicht vergessen/ entweder in oder nahe an die- selben ein Secret anzulegen/ damit die Wercke von allem Gestanck und Unsoubrigkeiten moͤgen rein bleiben. Jn die Apartements muͤssen auch gebuͤh- rende kleine Fenster/ Tisch/ Baͤncke und Pritschen gemachet werden/ damit man sich solcher nach Gelegenheit bedienen koͤnne. Die Pritschen wer- den in der Laͤnge des Gebaͤudes hinten an einer Wand 4. S. hoch von der Erden/ forne aber nur 3. S. hoch schroͤge erbauet/ und 7. biß 8. S. breit ge- machet/ damit die abgeloͤste Wachte in ihren Klei- dern darauf etwas ruhen kan. Die Fenster und Thuͤren der Corps de garden muͤssen auf die Passa- ge zu gehen/ damit die Wachte alles besehen/ und nach Gelegenheit gleich ins Gewehr heraus treten koͤnne; Vor denselben aber soll ein Gang von 4. S. breit frey gelassen werden/ welcher oben von dem Dache der C orps de garde zugleich mit bede- cket sey/ damit zu Winters-Zeit oder im Som- mer bey stuͤrmischen und regnichten Wetter die Wachte ihr Gewehr in guter Ordnung darunter anlehnen/ oder aufhaͤngen koͤnne. (3.) Frage. Wohin und wie sollen denn die Casernen gemachet und erbauet werden? Die Casernes und Baraquen sollen entweder nechst/ oder an den Wall inwendig der Festung von Das X. Cap. von Steinen oder Holtze erbauet werden/ damit nicht allein die Buͤrgerschafft der Festung in ihren Haͤusern von der Einquartirungs-Last der Garni- son wegen befreyet/ sondern auch die Soldgten in besserer Disciplin beysammen gehalten/ auch im Noth-Fall gar leicht bereit seyn/ den Wall zu be- setzen und zu defendir en. Nach dem nun Platz und Gelegenheit fuͤrhanden/ auch die ordinare Garni- son groß oder klein ist/ nach dem muͤssen auch die Casernes lang/ hoch und breit erbauet werden. Gemeiniglich werden solche von zwey Stock- Wercken hoch erbauet/ es moͤge Cavallerie oder Infanterie darinnen liegen; Vor die Cavallerie muͤssen im untersten Stock-Wercke Staͤlle ge- machet werden vor iede Compagnie, oben darauf aber Zimmer vor die Soldaten; Vor die Infante- rie kommen unten und oben Zimmer/ ausgenom- men wenige Stallung vor die Pferde der Ober- Officir er. Jedes Zimmer soll so groß seyn/ daß 4. Soldaten geraͤumlich darinnen logir en koͤnnen/ von ungefehr 12. S. lang und breit. Den Ober- Officir ern werden die Eck- und Seiten-Zimmer eingeraͤumet/ und bekoͤmmt ein iedweder Capitain sein Zimmer alleine/ zwey Leutenants und zwey Fendriche oder Cornets muͤssen in einem Zimmer Paarweiß beysammen wohnen; Sonst sollen die Oefen bey denen Zimmern der Gemeinen alle also angeleget werden/ daß ein Ofen mit einer Eße zwey Zimmer heitze. Hat man Gelegenheit und Platz den Ober- Officir ern/ auch eine à parte Kam- mer Von Schilder- oder Wacht-Haͤußlein. mer und kleines Kuͤchlein zu geben/ desto bequeh- mer wird es fuͤr solche seyn; Vor die Gemeinen aber muß man entweder bey dem Ofen-Loch ein kleines Heerdlein mit aufrichten/ oder aber eine à parte grosse Kuͤche machen/ damit sie selber vor sich etwas kochen koͤmmen/ wenn keine besondere Marquetaͤnder in dergleichen Casernen fuͤrhan- den waͤren/ welches aber billig seyn soll/ damit man keine Feuers-Gefahr noch andere Ungele- genheit so groß zu besorgen habe; Endlich muß man auch dahin bedacht seyn/ daß kein Wasser in der Naͤhe der Casernen fehle/ weil man dessen zu vielen Sachen stets benoͤthiget ist; Jngleichen muͤssen auch viele Treppen/ Fenster und Secreta gemachet/ und wohl angebracht werden. (4.) Frage. Wohin und wie sollen denn die Ma- gazin en und Proviant- Haͤuser gema- chet und erbauet werden? Dergleichen Magazin en und Proviant- Haͤuser vor Menschen und Viehe/ sollen auch zu nechst au dem Wall/ oder in die hohlen Bollwercke von star- cken Mauren und Gewoͤlbern wohl und Massiv er- bauet werden/ damit soche fuͤr Feuers-Gefahr koͤnnen sicher/ und die eingebrachten Sachen dar- innen wohl verwahret seyn; Sondern auch/ daß man sie zur Zeit der Noth koͤnne ausfuͤllen/ und an Statt der innern Abschnitte und Retrenche- mente gebrauchen. Die Fenster muͤssen in die Ma- gazin- Haͤuser nicht groß und weit/ sondern schmahl Das X. Cap. schmahl nnd kleine gemachet/ und mit eiserm Drath/ Staͤben und Laͤden versehen seyn/ damit man der Lufft wegen solche oͤffnen nnd zumachen koͤnne nach belieben. Die Thore/ Thuͤre und Treppen in dergleichen Proviant- Haͤuser muͤssen auch bequehm und geraumlich angeleget werden/ damit man Platz und Licht genug haben moͤge/ sich darinnen zu bethun/ und alle Nothdurfft ein- und auszubringen. Wenn in der Hoͤhe keine Gewoͤl- ber gemachet worden/ welchet aber in dem unter- sten Srock-Wercke nicht ermangeln sollen/ muͤssen die Boͤden mit doppelten zusammen gesponnen starcken Bretern gemachet/ auch mit Pfeilern und Saͤulen wohl unterstuͤtzet seyn/ damit alles wohl und feste zusammen halte/ und die darauf geschuͤtte und angefuͤllte Last nicht einigen Scha- den verursache. Jngleichen muß auch das Dach und das Gesparre mit Srebe und Quer-Balcken wohl verbunden/ mit gebuͤhrenden Kapp-Fen- stern versehen/ und mit guten Ziegeln bedecket seyn/ damit solches im Wetter/ Wind und Regen sicher nnd bestaͤndig seyn moͤge. Andere gute An- ordnungen/ so bey dergleichen Commun- Gebaͤu- den nach Gelegenheit zu observir en/ und sonder- lich wenn man etwan grosse Keller darunter ma- chen und anlegen wolte/ wird ein rechter Bau- Verstaͤndiger von sich selbst wohl wissen in acht zu nehmen. (5.) Von Schilder oder Wacht-Haͤußlein. (5.) Frage. Wie und wohin soll man dann die Pulver Magazir en und Thuͤrme/ inglei- chen die Laboratoria zu den Feuer- Wercken machen und anle gen? Weil dergleichen Gebaͤuden wegen des Pul- vers und anderer brennenden Materi en so darin- nen pflegen verwahret zu werden/ grosse Gefahr zu befuͤrchten/ so ist es billig und noͤthig/ daß man bey deren Aufferbauung und Einrichtung grosse Fuͤrsichtigkeit anwende und gebrauche. Es ist aber wegen Verwahrung des Pulvers sonder- lich in achtzunehmen/ daß man dessen nicht zu viel an einem Ort alleine sondern an unterschied- liche/ nicht in so gar grosser Quantit aͤt verwahre/ auch lieber solches in erhabene Oerter und Ge- woͤlber thun/ als etwan unter die Erde/ von deren Feichtigkeit das Pulver ohne dem kan leicht ver- derben/ auch bey dessen Entzuͤndung grossen Schaden gaͤntzer Staͤdte verursachen: Jn der Hoͤhe aber liegt es nicht alleine besser und trock- ner wegen der durchstꝛeichen dẽ Lufft/ sondern weñ auch solches von Wetter oder sonst liederlicher oder leichtfertiger weise solte entzuͤndet werden/ kan es auch keinen sonderlichen grossen Schaden verursachen/ weil alles gleich uͤber sich gehet/ und nichts mehr als das Behaͤltnuͤß darbey am groͤstẽ Scha- Das VI. Cap. Schaden leiden kan. Die Mauern und Gewoͤlber nun zu diesen Pulver- Magazin en und Thuͤrmen sollen dicke und starck genug angeleget und ge- machet werden/ daß man weder fuͤr feindlichen Schiessen/ und Einwerffen der Bomben/ noch auch fuͤr dem Wetter sich etwas zubefahren ha- be. Sonderlich aber soll das Gewoͤlbe 8. biß 10. S. dicke/ auch mit so hoch Erde beschuͤttet/ und mit einem flachen leichten Dach verwahret seyn/ damit nicht so leicht von oben/ welches am mei- sten wegen des Wetters und der Bomben zu be- fuͤrchten/ eine Entzuͤndung und Ruini rung ent- stehen koͤnne. Die Thuͤre und Fenster-Laͤden in die Pulver-Gewoͤlber und Thuͤrme sollen von starcken eichenen Holtze/ und von aussen mit ei- sern Blechen beschlagen/ und gantz uͤberzogen seyn. Die Fenster an sich selber muß man enge und niedrig machen/ und mit dichten zusammen geflochtenem Drate/ und mit eißernen Staͤben wohl verwahren/ damit auch nicht die kleinste Mauß durch kriegen koͤnne/ weil man in Erfah- rung bracht/ daß man wohl ehe den Maͤusen an die Schwaͤntze eine brennende Lunte angebun- den/ solche in die Pulver- Magazin en ein kriegen lassen/ und damit grossen Schaden veruͤbet. Dergleichen Gebaͤude an sich selber wie auch Laboratoria sollen an besonderen Orten stehen entweder von andern Haͤusern abgesondert/ oder mit einer eigenen à part en Mauer umbge- ben/ bey deren Eingange Nachts und Tages eine Von Schilder- oder Wacht-Haͤußlein. eine Wachte stehen/ und auf alles wohl acht geben soll/ damit man alle Gefahr abwende. (6.) Frage. Wie und wohin soll man die Zeug- Haͤuser bauen und anlegen? Die Arsenals und Zeug-Haͤuser sollen nicht weit von dem Haupt-Walle inwendig der Fe- stung erbauet seyn/ damit man im Fall der Noth die Stuͤcke aus denselben bald zu Walle brin- gen/ und von denselben wieder abfuͤhren koͤnne. Sie koͤnnen ohngefehr von zwey Stockwercken hoch auf gefuͤhret werden/ worunter der unterste mit seinen Pfeilern/ Gewoͤlbern und Gallerien starck und M assiv muß gemachet werden/ worein das grobe Geschuͤtz in rechter Ordnung nach ie- der Sort en und C alibern auf seinen Lavet en und starcken unterlegten Fuß-Bretern gestellet wird; in dem andern Stockwerck welcher nicht eben darf gewoͤlbet seyn/ zu mahl wenn die Seiten Mauren und das Fundament derselben nicht starck genug angeleget und auf gefuͤhret waͤren/ welches doch allerdings billig seyn soll/ koͤnnen die die Harnische und Cürasse, und alles was dazu ge- hoͤret/ ingleichen allerley Hand-Gewehr/ auch Fahnen/ Trommeln und Paucken/ item Rarit aͤ- ten von alten Schildern/ aus gestopfften Pfer- den und andern Sachen/ an den Waͤnden und langen Tafeln in rechter Ordnung und einge- theilten Gaͤngen verwahret und gezeiget werden. B b Un- Das X. Cap. Unter dem Dache uͤber dem andern Stockwerck kan man mit behoͤrigen Kapp-Fenstern auch ge- wisse Kammern machen/ und darinnen allerhand Sachen in gewissen Gaͤngen von Eißen Werck/ als Schippen/ Hauen/ Aexten/ Saͤulern/ Saͤ- gen/ Ketten und dergleichen/ item was zum Ge- schirr der Reit- und Zug Pferde von noͤthen/ als Zaͤume/ Saͤttel/ Halfftern/ Kumbte/ wie auch Lonten/ Struͤck und Saͤule ordentlich verwah- ren. Wenn das Arsenal an und fuͤr sich selbst inwendig einen Hof hat/ oder aber von Aussen mit einer Mauer umbgeben ist/ kan man in solche leere Plaͤtze allerhand Kugeln und Grenaden/ ingleichen Stuͤcker Bley ordentlich auf einan- der Pyramid en weiß aufthuͤrmen/ iedoch muͤssen die Grenaͤden mit ihren Mindungen dabey alle unter sich gekehret werden/ damit unter blossen Himmel nach Gelegenheit der Zeit weder Schnee/ noch Wasser darein kommen und sol- che befeuchten koͤnne/ massen man solche nasse Grenaden im Fall der Noth nicht gleich gebrau- chen/ sondern erst wieder bey einem Feuer trock- nen muß. Was die Structur der Zeug-Haͤuser an sich selbst belanget/ koͤnnen solche/ nach dem der Platz ist/ laͤnglicht oder viereckigt erbauet werden; Jedoch ist dabey zu behalten/ daß man in solche Haͤuser/ welche nicht eigentlich zum Zier- rath und Wohnung eines grossen Herrn/ son- dern nur zum behaͤltniß und Verwahrung seiner Artillerie, gemachet sind/ zu mahl in dem unter- sten Von Schilder oder Wacht-Haͤußlein. sten Stockwerck/ nicht so hoch und grosse Fenster machen/ als wie man bey denen andern Wohn- Pallaͤsten zu thun pfleget/ weil ein grosser Unter- schied des Nutzens halber unter diesen Gebaͤuden ist/ und muͤssen die untersten Fenster also nicht alleine kleiner seyn als die oberen im andern Stockwercke/ sondern auch von der Erden ziem- lichen weit in die Hoͤhe durch die Mauer einge- brochen mit Scheiben/ geflochtenem Drat/ eißer- nen Staͤben/ und wenn man will mit Laͤden ver- sehen seyn/ damit auch der allerlaͤngste Mensch von aussen nicht koͤnne hinein sehen und etwan seine boͤse Mesures darnach nehmen. Der Thore und Eingaͤnge in solche Haͤuser koͤnnen mehr als eines seyn/ nach dem es die Gelegenheit des Gebaͤudes zur beqvehmen Aus- und Einfahrt der Stuͤcke an Hand gibet/ und sollen die Portale an die Thore und Thuͤre ala rustica und mit der geringsten Ordnung der Saͤulen/ wenn man will/ erbauet werden; Viel Sinnswerck aber und andere Ordnung der zaͤrteren Seulen bey solchen Haͤusern zu machen/ ist wieder die Ord- nung und Fundamenta der Civil Bau Kunst/ welche in ihren. Maxim en nur confundir et wird/ wenn man in Aufbauungder Kirchen/ Pallaͤste/ und andern Commun Gebaͤnden/ so nur zu ver- sicherter Verwahrung zu gewissen Sachen die- nen/ keinen Unterschied zu machen weiß. Wenn die Fundamenta zu solchen Haͤusern gut und starck B b 2 genug Das X. Cap. genug angeleget worden/ wie es allerdings seyn muß/ kan man auch unter die Erde Keller ma- chen/ und solche mit starcken Gewoͤlbern/ auch vielen Pfeilern versehen/ und soll kein Pfeiler so wohl unter als ober der Erden/ wo Gewoͤlber da- rauf sollen geschlossen werden/ uͤber 24. biß 26. S. von einander stehen/ damit nach Gelegenheit uͤber der Erden darinnen 3. Stuͤcke neben einan- der koͤnnen Raum haben/ und alles dauerhafft und bestaͤndig sey. Wolte man aber dennoch in dem untersten Stock der Zeug-Haͤuser/ wieder Manier der Civil Bau-Kunst auch grosse Fenster macher/ so muß man entweder eine à parte Mau- er/ oder doch zum wenigsten ein starckes Gelaͤn- der von Holtzwerck darumb fuͤhren/ damit nicht ein iedweder an die untersten Fenster gleich koͤm- men/ dadurch sehen/ oder sonst einen Schaden verursachen moͤge. Nahe der Zeug-Haͤusser koͤn- nen auch das Gieß-Hauß/ und andere Haͤußer vor die Handwercks Leute erbauet werden/ so mit der Artillerie zu thun haben. Das Von denen Srrassen und Gassen. Das XI. Cap. Von denen Strassen und Gassen/ ingleichen von andern Com/ mun- und Privat- Haͤusern/ item von Ca- naͤlen Zieh- und andern Brunnen/ wie und wohin solches alles in einer Festung der Beqvehmligkeit und Nutzens halber soll angeleget und gema- chet werden? (1.) Frage. Welcher gestalt und wie breit sollen denn die Haupt-Strassen und queer Gaͤßlein/ in einer neuen regular en Festung angeleget und gema- chet werden? D Je Haupt-Stꝛassen und Gassen bey einer re- gular Festung solle alle also angeleget werden/ daß sie auff die Mitte der Courtine, und auf den Kehl-Punct der Bollwercke in gerader Linia zu gehen/ u. dieses daꝛum/ daß man so wohl zu Kꝛiegs- und andern Zeiten bald auf die Bollwercke kom- men/ und durch die Haupt-Thore in der Mitte der Courtine, beqvehm ein und aus pasfir en koͤñe. Die Haupt-Strassen sollen 50. biß 60. S breit seyn/ damit alles rumlich fahren/ gehen und rei- B b 3 ten Das XI. Cap. ten Platz genug haben/ und einander wohl aus weichen koͤnne. Wenn die Gasse 50. S. breit/ soll man zu beiden Seiten der Haͤuser iedes mahl 10. S. breit nehmen/ und solchen Platz von Haͤusern an etwas abhengend fuͤhre u. pflastern/ den mitt- lern Platz aber/ welcher also 30. S. breit bleibet/ soll man in der Mitte erhoͤhen/ auf beiden Seiten aber etwas wieder abhangend machen und auch pflastern/ so bekoͤmmt man nicht allein auf den Seiten zwey offene Canaͤle/ wodurch das Regen- Wasser zu folge einer gebuͤhrenden Ableitung/ verschiessen kan/ sondern es werden auch drey à parte Plaͤtze/ als nehmlichen zwey an den Haͤu- sern zum gehen/ und der grosse in der Mitte zum fahren und reiten also formi ret, welche denn in der Wochen an gewissen Tagen muͤssen sauber gefeget und gereiniget werden/ damit keine Un- reinigkeit auf denselben verbleiben moͤge/ gestalt denn die Stadt Obrigkeit deßwegen gewisse Ordnungen machen muß/ damit die zusammen gekehrten Unsauberkeiten entweder durch Bau- en/ oder gewisse Karren an gewisse Oerter und Stellen allezeit abgefuͤhret werden. Der klei- nen Queer Gaͤßlein soll man uͤber Noth nicht zu viel machen/ weil sie nur den inwendigen Platz verschmaͤlern/ und verursachen/ daß man weni- ger Haͤuser als sonst auf bauen kan. Sie muͤs- sen aber nothwendig auch ihre gebuͤhrende Wei- te haben/ und zum wenigsten 18. biß 24. S. breit seyn/ damit allen Falls zwey Waͤgen einander aus- Von denen Strassen nnd Gassen. ausweichen koͤnnen/ und man sich darinnen/ wenn Feuers-Gefahr verhanden/ mit denen Feuer-Spritzen bethuen/ und den Brand bald wieder loͤschen koͤnne. Jn diese Qveer-Gaͤß- lein nun soll man zur Abfuͤhrung des Regens/ o- der eines ander durchgehenden Baches/ entwe- der in der Mitte einen verdeckten raumlichen Ca- nal von ausgesetzten/ Qvater-Steinen und in die Qveer mit starcken Holtz beleget verfertigen/ oder aber auf ieder Seiten der Haͤuser von 3. biß 5. S. breit gleich den grossen Strassen wieder einen Abhang machen/ und den zwischen Raum in der Mitte erhoͤhen/ auf den Seiten aber wie- der ablauffen lassen/ damit man zwey offene Ca- naͤle auch in solchen Gaͤßlein bekommen koͤnne; Der offenen Canaͤle aber in der Mitten/ so wohl der grossen/ als absonderlich der kleinen Gassen/ soll man sich billig enthalten/ weil die nicht allein einen uͤbeln Weg und Pflaster geben/ zum gehen/ reiten und fahren/ sondern auch nur confusion erwecken/ daß man bey der Wan- delung zwischen Menschen und Vieh keinen ge- wissen Unterschied machen kan. An alle Aus- und Eingaͤnge der Gassen soll man unten ohnge- fehr 4. S. hoch von der Erden angemachte staͤrcke Ketten haben/ um bey entstandenen Tumult und Alarm/ die Gassen damit zu versperren; Jnglei- chen soll man bey den Anfang des ander Stock- wercks vermittels eißernen Stangen Pech- Pfannen anmachen/ damit man im Fall der B b 4 Noth Das XI Cap. Noth zu finsterer Nacht an allen Orten wohl sehen koͤnne. (2.) Frage. Wie und auff was Weise sollen deñ die Haͤuser in einer Festung erbaue t und angeleget werden? Die Haͤuser sollen in einer rechten Festung uͤber 3. biß 4. Geschoß hoch nicht gemachet weꝛden/ damit solche nicht zu sehr bey einer Belagerung der Gefahr der Canon en exponi ret seyn moͤgen. Die Haͤuser sollen auch alle ingleicher Linie mit einer steinern Mauer in Fronte und hinterwaͤrts auffgebauet seyn/ auch ihre neben und starcke Brand-Mauren haben biß zu eusseꝛst des Gibels. Das Dach soll uͤber drey Boͤden nicht hoch seyn/ weil die alzu hohen Daͤcher nicht allein ein Hauß ehr beschweren/ sondern auch bey Feuers-Gefahr eher und mehr ruini ret werden/ als die niedrigen. Jn dem untersten Stockwercke sollen die Ein- und Aus-Gaͤnge zum Fahren nnd Gehen in der Mitte des gantzen Hauses/ zu beiden Seiten a- ber Gram- und andere Gewoͤlber gemachet/ und also der untere Stock durch-aus gantz gewoͤlbet seyn. Unter der Erden soll man auch einen starck gewoͤlbten Keller/ oder andere Gewoͤlber haben/ damit man in Fundament der Haͤuser fuͤr Feuers-Gefahr und einer feindlichen Bombardi- ung vor sich und seine beste Sachen allen Falls sicher Von denen Strassen und Gassen. sicher seyn koͤnne. Die grossen Ercker aber/ in gleichen auch die Thuͤrmlein auf den Daͤchern soll man nicht verstatten zu bauen/ weil nicht al- lein die grossen Ercker und Aus-Laden das eigene Hauß sehr beschwerẽ/ sondeꝛn auch den Nachtbaꝛ das Seiten-Gesichte benehmen; Gleichfalls be- schweren die Thuͤrmer auf denen Daͤchern nicht allein sehr die Haͤuser/ sondern sie seynd auch Ca- pable die umbgreiffende Feuer-Flamme bald an- zunehmen/ wenn ein grosser Brand entstanden/ so nicht geschwinde wieder kan geloͤschet werden. Wenn Vorstaͤdte vor einer Festung/ welches zwar sich nicht gebuͤhret/ etwan in der Naͤhe noch solten angeleget werden/ muͤssen die Haͤuser uͤber ihrer richtigen Ordnung und Linia nur zwey Stockwercke hoch von Holtze ohne einigen Keller wegen des feindlichen besorglichen mini rens angeleget und erbauet werden/ und kan man auch allen Falls in dergleichen Vorstaͤdte Scheu- ren erbauen/ solche aber in einer Festung wegen Feuers-Gefahr durch aus nicht dulten. Der- gleichen Vorstaͤdte nun und andere erbaute Garten-Haͤuser und Blanqven, weil man nahe der Festung gantz keinen Keller und Mauer lei- den soll/ muͤssen zu der Zeit/ da man eine gewisse Belagerung vermuthen/ von den Belagerten selbst zu Grunde ruini ret/ verbrand/ und einge- rissen werden/ damit der Feind hinter denselbi- gen keine Bedeckung finden koͤnne: Muͤste man aber dennoch wegen des Ortes Zustandes und B b 5 Viel- Daß XI. Cap. Vielheit des Volcks grosse Vorstaͤdte um die Festung mit Mauren und Kellern erbauen/ so muß man solche tausend gemeiner Schritte von der Festung ablegen/ damit man ein rechtes Gla- cis behalte/ der Feind seine ordentlichen Aproch en fuͤhren/ und von der weit entlegenen Vorstadt aus nichts sonderliches mit Effect gegen die Fe- stung wuͤrcken koͤnne davon an seinem Ort schon mit mehren soll gemeldet werden. (3.) Frage. Wie weit sollen denn die aͤussersten Haͤuser einer Festung vom Wall abste- hen/ und wie muß der Mittel- und Haupt-Platz der Stadt ange- leget seyn? Bey einer regula ren Festung muͤssen die Haͤu- ser und zwar die letzten/ an den Wall nicht zu nahe erbauet werden/ sondern zum wenigsten von dem- selben etliche Ruthen abstehen/ damit man sich bey allen Begebenheiten an solchen Orten mit allem wohl bethuen/ und ohne Verhinderung auf und von dem Wall ab marchir en und fahren koͤnne. Der mittlere Haupt-Platz der Fe- stung soll in gleicher Form mit den Polygon en der Festung angelegt seyn/ damit man von de Centro desselben auf alle Thore und Basteyen durch die wohl ordinirt en Strassen sehen koͤnne. Jst nun die Festung groß und brauchet zu ihrer Defension eine Von denen Strassen und Gassen. eine starcke Garnison, so muͤssen auch noch andere grosse leere Plaͤtze in der Stadt zur Versam- lung und Parade der Buͤrgerschafft und Garnison gelassen/ und darauf Corps de garde zur Haupt und andern Wachten erbauet werden. (4.) Frage. Wie und wohin sollen denn andere Commun Haͤuser/ ingleichen die Zieh- und andere Brunnen angeleget und erbauet werden? Die uͤbꝛigen commun Haͤuseꝛ/ so nicht eigentlich zur Defension der Festung erbauet/ koͤnnen nach eines ieglichen Nutzen/ Gebrauch und Zierrath an beqveme Oerter nach belieben geleget werden/ wenn man nur die Haupt- Passagen dadurch nicht etwan versperret/ auch sonst die Haͤuser und Thuͤrme nicht allzu hoch bauet damit solche bey ei- ner Belagerung nicht allzu großen Schaden ver- ursachen moͤgen/ wenn sie vom Feinde solten rui- niret werden/ wie es denn gemeniglich solchen ho- hen Haͤusern und Thuͤrmen zum aller ersten zu ergehen pfleget/ damit man aus denselben nicht in die Weite herumb schauen und des Feindes Acti- ones observiren koͤnne. Zu dergleichen Comun- Gebaͤuden koͤnnen nun gerechnet werden/ Kirchen/ Schulẽ/ Rath-Haͤuser/ Kauff- u. Gewand-Haͤu- ser/ Muͤhlen/ zimmer Hoͤfe/ Fleisch-Baͤncke/ Laza- rete, Manefactur- Haͤuser/ Zucht-Findel-Spinn- und Das VII. Cap. und Toll-Haͤußer/ uñ was von solchen Gebaͤuden noch mehr seyn kan/ wovon denn die Civil Bau- Kunst zu handeln pfleget/ wie und wohin die Com- mun und privat Haͤußer in einer wohl regulirten Stadt sollen angeleget werden. Was die Zieh und andere offene Brunnen belanget/ umb nicht alleine zu dem taͤglichen Gebrauch frisch und rein Wasser zu haben/ sondernauch bey entstandener Feuers-Brunst sich dessen sufficient koͤnnen zu bedienen/ soll man deren an die Ecken der Gassen/ nicht aber auf die Mitte derselben/ und anderer Plaͤtze also anlegen/ das sie der Passage an keinen Orte hinderlich seyn moͤgen. Die Zieh Brunnen soll man billig mit einem Gelaͤnder einfasten und oben bedecken/ damit solche nicht alleine rein blei- ben/ sondern auch Niemand mit einstuͤrtzen in die- selben einigen Schaden nehmen moͤge; auch sollen sie also mit zieh Eimern oder Blump-Werck ver- sehen seyn/ das man daß Wasser ohne sonderliche grosse Muͤhe leicht heraus bringen koͤnne. Die andern grossen und weiten Brunnen koͤnnen oben wohl offen bleiben/ muͤssen aber mit starckem Holtz/ oder besser mit Qvater- Steinen also eingefasset und erhoͤhet werden/ damit sie be- staͤndig seyn/ und Niemand leicht einen Schaden dabey nehmen moͤge; Die Roͤhren zu dergleichen Brunnen werden gemelniglich von außen in die Stadt gefuͤhret/ da entweder eine gewisse Qvelle/ Bach oder Fluß ist/ welcher entweder von Natur seinen Fall hat/ oder durch Kunst der Zug und durck Wercke Von denen Strassen und Gassen. Wercke durch die so genandẽ Wasser-Kuͤnste muß in die Stadt gebracht werden. Die Roͤhren an sie selber muͤssen uͤber den Graben der Festung etwas tief u. gesenckt/ oder an der Contre Scarpe uñ Scar- pe des Grabens gar ab- und aufsteigend anleget werden/ damit solche der Feind zur Zeit einer Ata- qve mit seinen Canonen oder sonst auf andere Weise so leicht nicht ruiniren koͤnne. Die Wasser- Kuͤnste ausserhalb der Festung muͤssen auch also erbauet werden/ daß sie nicht allein der Festung nicht koͤnnen schaden/ sondern man sie auch aus der Festung fuͤr der Feindl. Gewalt und Ruin mit Ca- nonen und andern Gewehr wohl bestreichen koͤn- ne. Andere gute Ordnung und Anstalten wird ein kluger Herr durch seinen Commendanten und Statt-Rath selbst wissen anzugeben. Fuͤnff- Fuͤnffter Theil. Von der Irregular Fortification Und was wegen der un- geschickten Linien und Min- ckel/ auch sonst darbey weiters in achtzuneh- men ist. Das I. Cap. Von dem Gebrauch der Irre- gular-Fortification und einigen Ge- neral-Maximen, so bey dersel- ben insonderheit noͤthig zu ob- servi ren sind. (1.) Frage. Jst denn die Irregular-Fortification auch sehr gebraͤuchlich/ und was nen- net man eine Irregulare- Festung? W Eil die Gelegenheit des Landes/ wohin man aus gewissen Ursachen eine Festung erbauen muß/ nicht allezeit gleich und eben/ oder sonst mit Fluͤssen und Huͤgeln natuͤrlicher Weise untermenget und umgeben ist/ also das man nach Anleitung der Situation keine regulare Festung machen kan/ so ist gewiß/ des die irregular Forti- fieation vielmehr in Gebrauch koͤmpt als die regu- lare/ zumahl auch wenn man schon alte erbaute Staͤdte mit einer F ortification soll ein schließen/ wobey man denn zum oͤfftern gezwungen ist we- g en der vielen erbauten Haͤußer von der regular F or- Das I. Cap. Fortification abzuschreiten/ und eine irregular zu- ergreiffen/ damit so viel moͤglichen der Platz nach seinen wunderlichen Linien und Winckeln mit Waͤllen nnd Pasteyen zu seiner Versicherung und Defension moͤge umgeben werdẽ. Es wird aber ei- ne irregulare Festung diejenige geheißen/ woran alle Linien und Winckel einander nicht gleich/ son- dern gantz ungleich sind/ dahero denn auch die Wercke und Pasteyen nicht von einerley Groͤße/ sondern bald klein und enge/ bald groß und weit muͤssen gemachet/ und nicht alles nach der Circul Runde eingetheilet werden/ weil die natuͤrliche S tituation sich nicht nach der Fortification/ sondern diese nachjener sich richten muß/ und gar wenig Oerter auf der Welt zu finden/ wo man eine regu- lare Festung mit Nutz und Beqvemligkeit kan anlegen. (2.) Frage. Was fuͤr Maximen soll man denn bey einer irregular Fortification ins ge- mein in acht nehmen? Die fuͤrnehmesten Maximen/ so bey einer ir- regular Fortification in acht zu nehmen sind/ koͤnnen folgende seyn/ nehmlichen/ das alle irregulure Plaͤ- tze nach der regularen Form/ so viel es immer moͤg- lichen seyn will/ soll eingerichtet werden/ dahero es den auch hoͤchst noͤthig ist/ wie es denn auch bey der regularen Fortification allezelt geschehen muß/ daß man Von dem Gebrauch der Irregular. ꝛc. man die gantze Gelegenheit des Landes nach dem verjuͤngten Maaß-Stab zu Pappire bringe/ und dabey wohl uͤberlege/ wohin die Bollwercke am besten und beqvemesten zu erbauen sind/ damit kei- nes von dem andern weder zu nahe/ noch zu weit liege/ und sich unter einander wohl Defendiren und bestreichen koͤnnen/ welches denn die groͤste Kunst und fuͤrnehmste Wissenschafft ist eines rechtschaffenen und wohl erfahrnen Ingenieurs, wenn er alle Vortheile/ so wohl der Natur/ als der Kunst bey einem so kostbahren und importanten Bauweiß in acht zu nehmen. Mann soll auch bey der irregularen Fortification zu mahl an deren Haupt-Wercken die halbe Pasteyen so viel moͤg- lichen veꝛmeiden/ und weglaßen/ weil sie nicht eine so vollkommene Defension geben koͤnnen als die gantzen/ iedoch soll man auch wohl zu sehen/ daß man auch die gantzẽ Boll-Wercke nach Gelegen- heit weder allzu klein/ noch allzu groß mache/ weil weder der Excess / noch der Defect zu loben ist/ und muß man vor allen dingen dahin trachtẽ/ daß auch bey einer irregularen F ortification die gebuͤhrende Flanqvir ung in ihrer behoͤrigen Distanz an keinen Wercke ermangele/ weil daran bey der gantzen Fortification am meisten gelegen ist. C c (3.) Das I. Cap. (3.) Frage. Was hat man bey den Oertern/ so geschickte Linien und Winckel haben forti- ficir et zu werden/ in acht zu nehmen/ welche nennet man also/ und wie vielerley sind die Winckel in der Forti- fication? Geschickte Linien und Winckel werden bey der Fortification diejenigen genennet/ wenn ein Win- ckel nicht unter 90. Gr. ist/ und die Linien/ so die sen Winckel machen und einschliessen/ nicht unter 36. R. sind/ welcher Winckel mit seinen Linien/ denn so viel moͤglich/ nach der regular en Fortification pfleget erbauet zu werden; Weil aber die Win- ckel bey den irregular en Plaͤtzen koͤnnen zweyerley seyn/ als eingehende und aus lauffende Winckel/ so muß man hierunter sehr behutsam gehen/ und die irregular-Fortification also anzulegen wissen/ daß sie eine tuͤchtige Defension in allen Linien und Winckeln geben koͤnne; Dahero es denn hoͤchst- noͤthig/ daß man alle Linien und Winckel An- fangs wohl ausmesse/ ehe und bevor man Anfan- ge solche zu fortificir en. Bey denen auslauffen- den Winckeln/ wenn dahin muͤssen Bollwercke an- geleget werden/ muß man die Vergleichung der Kehl-Winckel und Haupt-Linien sothaner Boll- wercke/ welche auf ungleiche auslauffende Win- ckel muͤssen geleget werden/ sonderlich wohl in acht nehmen/ damit man/ so viel moͤglich/ eine gute Pro- por- Von dem Gebrauch der irregular. ꝛc. portion und Defension unter denselben haben moͤ- ge/ gestalt man denn die kleineren Keel-Linien von den groͤssern/ und die kuͤrtzeren Haupt-Linien von denen laͤngeren/ wenn nach meiner Manir die in- nerliche Polygone in fuͤnff gleiche Theile gethei- let/ ein fuͤnff-Theil und etwas mehr zur Keel-Linie/ und ⅖ zur Haupt-Linie genommen wird/ von einander abziehen/ und die Helffte von den uͤbrigen Rest der laͤngeren Linien einer innerli- chen Polygone zu den andern kleinern Linien der andern kleinern Polygone schlagen muß/ so findet sich denn zwischen diesen beyden ungleichen inner- lichen Polygonen, eine proportionir e Haupt- und Keel-Linie/ also/ daß daraus ein bequehmes Boll- werck entstehet/ welches capable ist/ auf beyden Seiten seine Polygon en zur Genuͤge zu bestrei- chen: Solte aber ein Platz/ welcher eingebogene Linien und Winckel haͤtte/ fortificir et werden/ muß man darbey in acht nehmen/ ob die zwey ein- gehende Linien/ iede zwischen 40. und 60. R. lang/ der Winckel aber zwischen 75. und 90. Gr. halte/ welcher Winckel denn nur mit zwey ausge- setzten Facen ohne Flanquen kan fortificir et wer- den: Jst der Winckel aber groͤsser/ und zwischen 90. und 120. Gr./ kan man fuͤr denseben ein Rave- lin legen; Waͤre denn der Winckel noch groͤsser/ so muß man auf denselben ein Bastion aufrichten/ dessen Winckel 90. Gr. haben soll. C c 2 (4.) Das II. Cap. (4.) Frage. Was ist bey denen Oertern/ so unge- schickte Linien und Winckel haben/ in acht zu nehmen? Was die Oerter und Plaͤtze/ so ungeschickte Li- nien und Winckel zu fortificir en haben/ und den- noch aus gewissen Ursachen fortificir et werden muͤssen/ anlanget/ kan man hierunter keine gewisse Regulen geben/ sondern muß sich am meisten nach des Orts Gelegenheit und denen General-Maxi- m en der Fortification richten/ und sich hierbey alle- zeit mehr der Regular, als Irregular-Fortification naͤhern. Gesetzt nun es præsentirt e sich ein aus- lauffender Winckel von 85. biß 90. Gr./ so kan man ein kleines Bollwerck auf demselben anle- gen/ solte aber der Winckel noch geringer und spi- tziger seyn/ muͤste man der Figur entweder mit Zu- geben oder Abnehmen helffen; Koͤnte aber auch dieses um gewisser Ursachen nicht geschehen/ muͤ- ste man zwey halbe platte Bollwercke in der Form einer Tenaille oder Horn-Wercks/ und fuͤr denselben nach Gelegenheit ein Ravelin anlegen/ auch zu ieder Keel und Haupt-Linie der halben platten Bollwercke 20. R./ und zu den Flanquen halb so viel nehmen. Ein Spitz-Winckel und so genannte Erd-Zunge aber kan nicht besser fortifi- cir et werden/ als daß man etliche R. weit einruͤ- cke/ und solchen entweder in Form einer einfachen oder doppelten Tenaille, oder eines Horn- Wercks Von Fortificir ung alter erbauter ꝛc. Wercks befestige/ auch nach Gelegenheit dafuͤr ein klein R avelin lege. Was nun die ungeschickten Linien anlanget/ ist zu wissen/ daß man fuͤr solche/ wenn sie 72. biß 78. R. lang sind/ einige bequehme Aussenwercke mache; Waͤren sie aber noch laͤn- ger von 125. biß 150. R. muß man solche mit einem platten Bollwercke fortificir en/ und die Haupt-Li- nie hierzu von 30. biß 35. R./ die Keel-Linie aber von 17. biß 20. R. lang machen: Waͤren denn die zwey zusammen lauffende Linien gar zu klein/ so hat man nicht Ursache auf deren Winckel etwas zu legen/ weil die Linien an Statt zweyer ausgesetz- ten Facen dienen koͤnnen. Das II. Cap. Von Fortificir ung alter er- bauter Staͤdte/ so mit einer oder doppelten Ring-Mauer umgeben/ oder sonst in oder an einem Morast liegen/ und was darbey in acht zu nehmen? (1.) Frage. Wie soll man die alten Staͤdte/ so mit einer Ring-Mauer und alten Thuͤr- men nach heutiger Manier mit Waͤllen und Bastion en fortificir en und befestigen? W Enn man bey F ortificir ung sothaner alten C c 3 Staͤdte/ Das II. Cap. Staͤdte/ welche nur mit einer einigen Ring- Mauer umgeben sind/ einigen Nutzen su- chen will/ muß man wohl observir en/ ob ein tieffer und breiter Graben/ oder nur ein schlechter und verfallener fuͤrhanden sey: Wenn nur ein schlechter Graben fuͤr einem solchen Orte ist/ soll man kein Bedencken tragen/ den neuen Wall biß an die Ring-Mauer zu fuͤhren/ also/ daß die alte Ring-Mauer/ an Statt einer innerlichen Reveti- r ung bey dem neuen Wall dienen koͤnne; Dem Wall aber samt denen Basteyen/ neuen Graͤben und andern Aussenwen also anlegen/ daß sie saͤmt- lich bey einer Belagerung und Ataque gegen ein- ander die gebuͤhrende Defension verrichten koͤn- nen: Waͤre aber der alte Graben ziemlichen weit und tieff/ und also noch in einem guten Stande/ daß man sich darinnen wohl defendir en koͤnte/ so ist es besser/ daß man uͤber denselben in das Feld hinaus die neue Fortification vortheilhafftig anle- ge mit ihren Waͤllen/ Bastey en/ neuen Graden und Aussenwercken/ als daß man den alten innerlichen Graben/ so noch ziemlichen gut ist/ ausfuͤllen und verschuͤtten/ auch den neuen Wall darauf bauen wolte/ weil man hierzu aus den neuen Graben uͤ- ber die grossen Unkosten/ welche man dabey auf- wenden muͤste/ nicht wuͤrde Erde genug haben/ und kan auch allen Falls die innerliche alte Ring- Mauer und Graben an Statt eines guten Ab- scheits und Retirade dienen/ wenn zumahl die Mauer oder vielmehr derselben Thuͤrme also zu- gerich- Von Fortificir ung alter erbauter ꝛc. gerichtet worden/ daß man auch einige Stuͤcke darauf dringen kan. Sonst soll man bey derglei- chen Fortification keine nahe umliegend Gebaͤude oder Gaͤrten verschonen/ und deßwegen etwan die Fortification nicht gebuͤhrend ausfuͤhren/ weil doch das Publicum dem Privato billig und noth- wendig fuͤrzuziehen ist/ auch Land und Leuten dar- an gelegen/ daß eine Festung recht vortheilhafftig angeleget werde/ um bey Kriegs-Zeiten/ sich und das ihrige darinnen zu salvir en/ zu geschweigen der grossen Unkosten/ so bey einem solchen Gebaͤu- de erfordert werden/ und alle gleichsam wuͤrden umsonst oder uͤbel angewendet seyn/ wenn man eine Festung ihrer Defension nach nicht recht an- geleget und erbauet haͤtte. (2.) Frage. Wie soll man die alten Staͤdte mit Wall und Erden fortificir en/ so mit einer doppelten Mauer/ und so genannten Zwinger umgeben sind? Die Alten haben gemeiniglich ihre Staͤdte pflegen zu befestigen mit einer Mauer an den E- cken mit R undelen, in der Mitten aber mit kleinen viereckigten Thuͤrmen/ und wenn die Fortificati- on noch staͤrcker hat seyn sollen/ haben sie ausser- halb der Mauer einen ziemlichen breiten Gang ge- lassen/ um denselben noch eine niedrigere Mauer gefuͤhret/ und denn den Graben gemachet: Weil aber dergleichen F ortification zu unsern Zeiten/ da C c 4 das Das II. Cap. das grobe Geschuͤtz in Gebrauch kommen/ bey ei- ner Ataque nicht bestehen kan/ und aber viel dar- an gelegen/ daß ein und andere Stadt wohl befe- stiget werde/ denen heutigen Ataquen gebuͤhrend zuwider stehen/ so soll ein kluger Ingenieur fuͤr- nemlich dahin bedacht seyn/ wie er einen solchen kostbaren Bau/ so viel moͤglich/ ohne grosse Unko- sten machen und ausfuͤhren moͤge. Sind nun die Mauren bey solchen Staͤdten noch ziemlichen gut/ und der Zwinger auch ziemlichen weit/ so hat man nicht noͤthig/ daß man uͤber den alten Graben eine à parte neue Festung anlege/ sondern man darff nur den Zwinger mit Erde ausschuͤtten/ die innerliche Mauer so hoch/ als der Wall werden soll/ abbrechen/ die Zwinger-Mauer hingegen biß an des neuen Walles Brust erhoͤhen/ so kan man/ was die Courtinen anbelanget/ bey Auferbauung einer solchen Festung viel Geld erspahren. Wo nun die Bollwercke ihres Nutzen und Defension halber muͤssen hingeleget werden/ da darff man keine Unkosten ansehen/ und muͤssen die alten Mauern und Rundele/ wenn sie nicht wohl hierzu zu aptir en sind/ eingerissen und zu rechten Bastey- en gemachet werden. Die Erde zu dem Wall und Brustwehre muß man theils aus dem Graben ausheben/ wenn solcher nicht recht breit und tieff genug waͤre/ theils auch sonst von aussenher zu fuͤhren. Wenn nun/ wie sich gebuͤhret/ eine durch- gaͤngige grosse Gallerie oder andere Gewoͤlber un- ter den Wall zu einer gewissen Versicherung fuͤr Feu- Von F ortificir ung alter erbauter ꝛc. Feuers-Gefahr und andern Schaden solten ge- machet werden/ hat man der Erden auch nicht so viel von noͤthen/ als wenn der gantze Wall Massiv waͤre; Nichts desto weniger bekoͤmmt man also mit leichten Unkosten einen inwendig und aus- wendig revetirt en Wall/ worauf man sich mit Stuͤcken und Volcke recht bethun und defendi- r en kan/ welches sonst bey den blossen Mauern nicht so gut geschehen kan. Auf solche Weise koͤn- nen dergleichen alte Staͤdte mit doppelten Mau- ern aufs kuͤrtzeste u. beste befestiget werdẽ; Wolte man aber die Stadt gerne etwas erweitern/ oder muͤste sonst an einem u. anderm eingebogenẽ Or- te/ um besserer Defension halber ausfahrẽ/ so muß man solches gar wohl u. kluͤglich uͤberlegen/ damit die Defension nicht etwan allzu weitlaͤufftig u. zu ungeschickt kommen moͤge/ welche hernach wohl mehrmahlẽ/ als man die Faut en dabey in acht ge- nommen/ haben muͤssen wieder eingerissen wer- den: Die Vor-Staͤdte aber/ wenn sie zumahl in einer einigen Gasse und langen Linien weit in das Feld hinaus lauffen/ soll man in die Haupt-Fe- stung nicht suchen einzuschliessen/ weil dieses viel zu weitlaͤufftig fallen wuͤrde/ sondern/ wenn solche nicht gleich bey einer Belagerung sollen abgebro- chen werden/ soll man solche mit einem ziemlichen Retrenchement umgeben/ den Feind bey dem er- sten Anlauff in etwas dabey aufzuhalten. Wenn die Vor-Staͤdte sehr groß und Volckreich/ auch an einander sehr gebauet/ soll man solche durch ei- C c 5 ne Das II. Cap. ne à part e Fortification befestigen/ und nach Gele- genheit mit an die Festung anhaͤngen. Am sicher- sten ists aber/ daß man lieber die Festung anfangs etwas erweitere/ und die Leute/ so in denen Vor- Staͤdten gewohnet/ an gewisse Plaͤtze anweise/ daselbst aufzubauen/ und ihre vorige Haͤuser und Stellen in den Vor-Staͤdten gaͤntzlich zu quitti- r en/ oder aber/ daß man die Vor-Staͤdte von ei- ner Festung auf 1000. gemeiner Schritte abbaue/ und solche gantz un fortificir et/ zumahl gegen die Festung zu stehen lasse. (3.) Frage. Wie soll man eine neue oder alte Stadt/ so an einem morastigen Ort gelegen/ fortificir en und er- bauen? Man muß alhier einen Unterschied machen unter einem Ort/ welcher entweder gantz mit ei- nem Morast umbgeben ist/ und einen andern/ so nur auf einer Seiten von Natur damit bedecket worden. Wenn ein Ort mit einen ziemlichen weitlaͤufftigen Morast gantz umb schlossen ist/ hat man nicht noͤthig grosse und hohe Waͤlle da- selbst aufzufuͤheren/ iedoch muß man bey derglei- chen Oertern nothwendiger weise die Fundamen- ta mit Roͤsten/ Pfaͤhlen und Qvater-Steinen wohl verwahren/ damit die darauf gefuͤhrten Wercke einigen Bestand haben koͤnnen: So hat man auch nicht nothig viel Thore und Zu- gaͤn- Von Fortifici rung alter erbauter ꝛc. gaͤnge in eine solche Festung zu machen/ weil man gemeiniglich an einem Ort allein einen ziem- lichen Damm nicht ohne sonder grosse Unko- sten mit einigen ver pallisadirt en Abschnitten pfle- get anzulegen/ und sich dessen insgemein bey dem Aus- und Eingehen zu bedienen. Ob nun wohl die Waͤlle bey morastigen Festungen/ wo der Ho- rizont eben ist/ nicht duͤrfften hoch gefuͤhret wer- den/ so muͤssen doch hingegen die Graͤben um so viel weiter/ auch so viel es moͤglich/ tieffer werden als die anderen/ damit ein Feind zur Zeit einer Ataqve solche nicht so leicht ausfuͤllen und passi- ren koͤnne. Jm Winter/ wenn Kriegs-Gefahr vorhanden/ soll man alle Wasser-Graͤben fleißig lassen eissen/ und in der Mitte darinnen starcke Baͤume lassen hin und wieder ziehen/ damit sie nicht zusammen frieren und dem Feinde eine Ge- legenheit geben moͤgen/ die Festung unvermuth- licher weise zu uͤberrumpeln man soll auch an Statt der Aussen-Wercke/ und zu mahl wenn man keinen bedeckten Weg um dergleichen Fe- stung fuͤhren kan/ einige Block-Haͤuser von Hol- tze hin nnd wieder in dem Morast also aufrich- ten/ daß sie eine gute Bestreichung so wohl von groben eissern Geschuͤtz/ als von Hand-Gewehre unter sich selbst und auf das Land haben moͤgen. Kein Schilff Rohr und ander Buschwerck soll man bey denen Festungen in den Graͤben leiden/ weil solches dem Feinde nur einige Bedeckung geben kan/ und muß man nicht allein dergleichen Graͤ- Das II. Cap. Graͤben mit Flechwerck/ und doppelten Bretern/ oder auch welches am besten ist/ mit Steinen wohl ausfuͤttern/ auch im letzten Vierthel des Braach und Herbst-Monats das darinnen ge- wachsene Rohr und Schilff unter dem Wasser abhauen lassen/ damit solches sich nicht weiter be- saͤmen und wachsen koͤnne/ massen denn zu dieser Zeit das Rohr reiff und zeitig/ auch inwendig of- fen und hohl ist/ da denn das Wasser bey dessen Abmeyung in das uͤbrige Rohr fallen/ und die Wurtzel davon in Grunde verderben kan. Wenn eine Stadt nur anf einer Seiten mit ei- nem Morast bedecket ist/ hat man an dieser Seite nur daßjenige wohl zu bedencken/ was bißhero ge- saget worden/ und kan man der Block-Haͤuser/ und ver pallisadirt en Abschnitte in dem Moraste hin und wieder so viel machen/ darbey aber die Sortien und Retrait en nicht vergessen/ als es nur fuͤglich und mit Nutze geschehen kan: auf die Land-Seite aber muß ein starcker Wall nach des Landes-Gelegenheit mit seinen Vasteyen/ Graͤben und gebuͤhrenden Aussen-Wercken auf gefuͤhret werden/ daß die Festung disseits Capa- ble sey/ bey allen feindlichen Ataqv en sich gebuͤh- rend zu defendir en/ und zuerhalten. (4.) Fra- Von Fortifici rung alter erbauter ꝛc. (4.) Frage. Wie soll man die Oerter und alten Staͤdte befestigen/ so auf einer Sei- ten an einem ziemlichen Fluß liegen? Daß dergleichen Oerter und Plaͤtze/ so zu mahl an einem schiffreichen Flusse liegen/ und anders keine hohe Berge in der Naͤhe fuͤrhanden/ zu einer Festung sehr beqvehm und fuͤr andern Oertern einen grossen Vortheil haben/ ist im vorigen schon mit mehren gemeldet worden. So viel nun die Fortification betrifft/ muß man dabey in achtnehmen/ ob der Ort und die Stadt einen gu- ten Musqveten-Schuß von dem Wasser abliege oder nicht; Lieget dieselbe einen Musqveten- Schuß/ nehmlichen 60. biß 70. R. lang oder druͤ- ber vom Wasser ab/ muß diese Seite gegen das Wasser zu mit Haupt-Wercken eben so starck fortifici ret werden/ als die andere Seite gegen das Land zu/ und kan man die Gegend des Wassers an dem Ufer entweder mit einer à part en Brust/ oder nur mit einer und andern Redout en versehen/ damit sich Niemand dem U- fer so bald nahen koͤnne: Laͤge aber die Stadt keinen Musqveten Schuß vom Wasser ab/ und ginge das Wasser gar nahe an solcher vorbey/ so muß man die Wasser-Seite nur mit einer starcken Brustwehre/ so von aussen mit Qvater- Steinen wohl revetir et/ befestigen/ iedoch also Das II. Cap. also daß solche so wohl gegen/ als abwaͤrttz den Strom von Dista ntzen zu Dista ntzen ihre gebuͤh- rende Flanqui rung habe/ welches die Frantzosen Redans zu nennen pflegen. An den Enden dieser Brust sollen billig bequehme Baterien angeleget werden/ so den Fluß wohl bestreichen koͤnnen; Jst nun diese Wasser-Seite ziemlich lang/ muͤssen dergleichen Baterien auch noch mehr als eine in der Mitte mit aus gesetzten Facen angeleget wer- den: So kan man auch starcke Block-Haͤuser nach Gelegenheit an einer solchen Wasser- Seite aufrichten/ und einige lange Stuͤcke da- rauf fuͤhren. Uber das Wasser wird entweder eine gantz steinerne Bruͤcke/ oder auch nur eine hoͤltzerne/ oder wenn der Strohm gar zu breit und starck/ eine stehende ober fluͤgende Schiff-Bruͤ- cke gemachet: Bey denen zwey ersten Bruͤcken soll man nicht unterlassen auf beiden Seiten hin und wieder kleine ausgesetzte Flanqv en oder Fac en zu machen/ um so wohl die Bruͤcke/ als den Fluß desto besser zu bestreichen: Bey denen stehenden Schiff-Bruͤcken muß man zu Kriegs-Zeiten an- der kleines verbollwercktes Fahr-Zeug mit An- ckern hin und wieder vor die Bruͤcke auf den Fluß legen/ damit sich weder von oben hierunter/ noch von unten hinauff etwas feindliches an die Bruͤcke hengen und solche ruiniren moͤge; Wie- wohl dergleichen Bruͤcken bey einer Belagerung mehrentheils zernommen und abgebrochen wer- den. Uber das Wasser werden die angelegten Bruͤ- Von Fortifici rung alter erbauter ꝛc. Bruͤcken mit einer guten und starcken Schantze versehen/ worinnen Tag und Nacht staꝛcke Wach- te seyn muß/ damit weder zu Kriegs-noch Frie- dens-Zeiten der Bruͤcken einiger Schade wieder- fahren moͤge. Uber dieses kan auch der Strom an den Enden der Fortification mit starcken Ket- ten verzogen werden/ daß Niemand mit Fahr- Zeuge auf dem Strohm weder auf/ noch abkom- men koͤnne. Das verziehen aber mit den Ketten geschiehet also/ nehmlichen man muß staꝛcke lange Ketten wohl zu sammen machen lassen/ so breit als der Strohm ohngefehr seyn moͤchte/ hernach aber die Ketten durch hoͤltzerne starck aus gebohrte Roͤhren an einander durch ziehen/ biß der Fluß damit gar bedecket/ an den Enden aber zu beiden Seiten des Ufers muß die Kette mit starcken Ancker/ oder sonst mit Pfaͤhlen feste in Erde eingemachet/ mit einer kleinen Schantze versehen/ und mit einer guten Wacht besetzet werden/ damit die Kette vom Feinde nicht so leicht koͤnne ruini ret und abgenommen werden: Auf der andern Seiten gegen das Land zu muß die Stadt mit ihren gebuͤhrenden Waͤllen und Ba- steyen nach iedes Ortes Gelegenheit wohl for- tifici ret/ und mit Aus- und Eingaͤngen/ so wohl auch als bey dem Wasser versehen wer- den. (5.) Fra- Das II. Cvp. (5.) F rage. Wie soll man denn die Oerter forti- ficir en/ so mitten in einem Wasser liegen? Wenn das Wasser ziemlichen breit und groß/ und vom Feinde nicht kan abgenommen werden/ worinnen eine Stadt erbauet ist/ so hat man nicht noͤthig/ daß man eine allzu grosse Fortificati- on bey solchen Oertern auffuͤhre/ weil die Na- tur selbst solche damit versehen/ iedoch soll man nicht unterlassen/ entweder eine starcke Mauer/ welche nicht gar zu hoch/ oder eine starcke Brust von Erden/ so von aussen mit Qvater-Steinen reveti ret ist/ darumb zu machen/ und muß man der Flanqui rung darbey nicht vergessen/ es gesche- he nun solches entweder mit kleinen Bollwercken/ oder mit blossen aus gesetzten Facen und Streich- Linien/ damit man das Wasser aller Orten so wohl mit groben als kleinen Geschuͤtz nachdruͤck- lich bestreichen koͤnne. Solte nun etwan in ei- nem Wasser/ es mag fliessend oder stehend seyn/ einige Jnsulen sich befinden/ so muß man aller- dinges auch solche suchen zu fortificir en/ wie es die Gelegenheit moͤge an die Hand geben/ um damit alle Passage auf dem Wasser zu verwehren/ sie mag herkommen oder hingehen wo sie wolle. (6.) F ra- Von Fortifici rung alter erbauter ꝛc. (6.) F rage. Wie soll man die Ein- und Ausgaͤn- ge der Fluͤsse oder Canaͤle verwahren/ und wie muͤssen diese durch eine Festung gefuͤhret werden? Wenn ein Fluß oder anderer Bach durch eine alte erbaute Stadt/ welche da soll fortifici ret wer- den/ laͤuffet/ muß man die Ein- und Aus-Gaͤnge vermittelst gewisser Schleissen/ eissern Rastellen/ oder Rechen/ ingleichen mit eißernen Fall-Gat- tern aufs beste verwahren/ damit Niemand sich dieser Ein-Gaͤnge/ zum Nachtheil oder Schaden der Stadt/ zu keiner zeit bedienen koͤnne. Von Rechtswegen soll man aber zu sehen/ daß man dieselben/ wo nicht in der Mitte der Courtine, doch zum wenigstẽ an einer Seite/ derselben unter dem Wall vermittels eines starcken Gewoͤlbes durch fuͤhre/ damit allen Falls die A pertur en des Walles von den anliegenden Flanqv en koͤñen wohl bestri- chẽ werdẽ; Keines weges aber muͤssen solche durch ein gantz Bollwerck gehen/ wil so denn der Fluß solches nur schwaͤchte/ und auch sonst nicht recht koͤnte bestrichen werden/ es waͤre denn Sache/ daß man jen- und disseits des Flusses nur halbe Bastionen machen muͤste/ wenn es die Gelegen- heit nicht anders leiden wolte. Weil nun ein solcher Fluß die Stadt zertheilet/ muß man wegen der Communication auf die breiten Gas- sen und Plaͤtze zu einige Bruͤcken fuͤhren/ wel- ches denn auch zu verstehen ist von stehenden Ca- D d naͤlen/ Das II. Cap. naͤlen/ wenn solche durch die Festung und Stadt gemachet sind. Wenn nur ein Bach durch ei- ne Festung laͤuffet/ muß man solchen in einem hoͤltzern verpichteten Canal/ oder ausgehauenen grossen Qvater-Steinen durch leiten/ und so wohl die kleinen als grossen appertur en/ wie be- reits gesagt/ mit eissern Gattern und andern Sachen mehr als einfach verwahren. Was bißhero von dem Ein- und Auslauff eines reinen Baches gesaget worden/ muß man auch von den Abzugten/ welche mehrmahls durch eine Stadt/ zur Sauberung derselben auf einen Abhang o- der Fluß gefuͤhret werden/ gestalten Sachen nach verstehen/ und die Oeffnungen derselben mit eis- sernen Staͤben aufs beste etliche mahl verwah- ren/ damit niemand durch solche weder aus noch ein kommen und durch brechen koͤnne. Ubri- gens aber muß die Fortification, nach reiffer U- berlegung wohl und tuͤchtig gefuͤhret werden/ da- mit sie eine gute Defension zur Zeit einer Ataqve an allen Orten præstir en koͤnne. (7.) F rage. Was soll man bey einem See- oder oder andern Hafen in acht nehmen/ und wie ist solcher zu fortificir en? An einem guten See-Hafen ist bey denen See- und Handels-Staͤdten sehr viel gelegen/ und wenn die Natur solchen von sich selbst nicht etwan wohl gemachet und befestiget/ soll man da- hin bedacht seyn/ einen bequehmen und nahen Ort bey Von Fortificir ung alter erbauter ꝛc. bey einer Kruͤmme hiezu zu erwehlen/ und solchen aufs beste mit niedriger Fortification suchen zu befestigen/ damit nicht alleine die einlauffenden Schiffe bey stuͤrmigem Wetter fuͤr den wuͤten- den Meeres-Wellen koͤnnen unbeschaͤdiget/ son- dern auch zu Kriegs-Zeiten fuͤr den feindtichen Schiffen darinnen sicher und beschuͤtzet seyn. Der Eingang eines Ports soll nicht allzuweit seyn/ wenn nur anders eines von den groͤsten Schiffen geraumlich aus- und einlauffen kan/ auch soll ein See-Hafen nicht so weit von den Haupt-Wer- cken der Festung entfernet seyn/ damit er von sol- chen auch uͤber seine eigene Defension wohl koͤnne defendir et werden; Gienge aber eine lange Ave- nuë zu den Hafen/ so muß auch solche zu beiten Seiten mit einer Brust/ und an den aͤussersten Enden mit einer starcken Schantze derwahret seyn/ damit nichts aus- noch ein passir en koͤnne/ was nicht mit Willen geschiehet. Wie man sonst einen See-Hafen/ welcher weit gegen das Meer offen/ mit einem Damm gegen die wuͤtenden Wellen verwahren solle/ ist im vorigen bey Befe- stigung der Fundament e mit mehren gemeldet worden/ welches denn hieher kan wiederhohlet werden. Bey einem Schiffreichen und starcken Flusse/ so an einer Festung hinlaͤuffet/ kan man entweder in dem Haupt-Graben/ oder an einem andern fuͤglichen Orte/ ausserhalb iedoch nahe der Festung/ einen bequehmen Ort aptir en/ da alles Fahr-Zeug zu Winters-Zeit sicher beysammen D d 2 stehen Das II. Cap. stehen kan/ und muͤssen die Eingaͤnge hierzu also gemachet und verwahret werden/ daß weder das Eiß vom Haupt-Strohme/ noch auch sonst das grosse Wasser dem Behaͤlter und den Schiffen in denselben etwan Schaden thun koͤnne/ gestalt denn die Schleissen hierzu am bequehmsten sind/ veil man so viel Wasser durch dieselbe gestalten Sachen nach ein- und auslassen kan/ so viel man will. (8.) F rage. Wie soll man denn die Oerter und Schloͤsser/ so auf Bergen liegen/ fortificir en? Es ist bekant/ daß die Alten zu ihren Zeiten/ wo nicht gantze Staͤdte/ iedoch viele Schloͤsser und Claus en auf hohe Berge mit sehr grossen Unkosten erbauet/ und allda vor sich und ihre besten Sachẽ zu Kriegs-Zeiten ihre Retirade gesuchet haben; Ob nun wohl dazumahl/ ehe und bevor noch das grobe Geschuͤtz recht in Gebrauch kommen/ sie ihr Intent ziemlicher massen erreichen koͤnnen/ so wird doch heut zu Tage von solchen Berg-Festungen gar wenig mehr gehalten/ weil solche nicht allein viel zu erbauen kosten/ sondern auch dergleichen Oerter in wendig ziemlich enge sind/ welche man denn durch das heutige Bombardiren sehr be- aͤngstigen und ruinir en kan. Solte es aber den- noch geschehen/ daß man einen und andern Berg- Ort aus gewissen Ursachen/ wenn er etwa an ei- nem Passe, oder sonst mitten im Lande gelegen/ for- Von Fortificir ung alter erbauter ꝛc. fortificir en muͤste/ so soll man wohl zusehen/ daß man die Festungs-Theile alle also anlegen und machen moͤge/ wie es der Zustand und Gelegen- heit des Ortes erfordere/ und muß man sich hier- bey an keine Regular F ortification so sehr binden/ weil sie wegen der Enge und Irregularit aͤt des Or- tes nicht allezeit wohl anzubringen ist/ sondern man muß nur zusehen/ wie mit Ab- und Zugeben der Wercke und Linien einer guten Irregular- F or- tification koͤnne geholffen/ und der Ort damit be- schlossen werden. Jnsgemein kan man auf denen Berg-Festungen/ zumahl wo Felsen vorhanden/ keine weite Graͤben machen/ und ist schon genug/ wenn der Haupt-Graben nur tieff gemachet/ und in den Stein-Felsen eingebrant und gehauen wird/ ob er gleich nicht allzu breit ist. Man darff auch nicht die Bastions, sonderlich die Flanquen an denselben zu groß und lang machen/ weil es die Gelegenheit des Ortes/ wie auch die Enge des Grabens nicht zulassen wird. Die reterirt en Flan- quen und Casematt en sind bey denen Berg-Festun- gẽ nicht undienlichẽ/ weil kein groͤsser Feld Terrain in der Hoͤhe berum lieget/ worauf der Feind postò fassen/ und die Belaͤgerte solchen starck bestrel- chen muͤsten; Jedoch soll man wohl zusehen/ daß man keine nahe Hoͤhe auf eben diesen/ oder auf ei- nen andern nechst anliegenden Berge/ leide/ oder unbebauet lasse/ welche der Festung einiger mas- sen koͤnte schaͤdlich seyn. Fuͤr allen Dingen soll man bey einer solchen Berg-Festung zuseher/ daß D d 3 es Das II. Cap. es weder am Wasser/ noch Holtze mangele/ weil uͤ- ber die behoͤrige Besatzung/ Munition und Provi- ant, dergleichen Sachen zum taͤglichen Gebrauch nothwendig erfordert werden. Kan man keine Zich-Brunnen darinnen haben/ so muß man der steinernen Cystern en sich bedienen/ um das Re- gen-Wasser darinnen aufzufangen/ und im Fall der Noth dessen zu gebrauchen. Starcke Gewoͤl- ber und Keller seyn in solchen Berg-Festungen sehr nuͤtzlich und noͤthig/ damit man fuͤr die ein- dringenden Bomben zusamt denen darauf ge- pflichteten Sachen koͤnne sicher seyn; Man kan auch auf solchen Berg-Festungen an unterschied- lichen Orten heimliche Ausgaͤnge haben/ und dem Feinde/ wenn er sich in dieser Gegend nahe befin- den solte/ undermutheter Weise ziemlichen Ab- bruch thun/ auch sonst das nahe anliegende feind- liche Land in grosse Contribution setzen. Den Weg soll man auf solche hohe Festungen/ so es an- ders moͤglichen seyn kan/ Schlangen Weiß und rund herum fuͤhren; Die Seiten aber gegen das Land zu mit einer Brust wohl bedecken/ damit man auf und ab unvermerckt kommen koͤnne; Den Eingang unten auf dem Land Horizont soll man/ so viel moͤglich/ mit einer ziemlichen Schan- tze verwahren/ den Weg auch an sich selber an ei- nigen Orten/ zumahl an denen Ecken/ und wo Kruͤmmen seyn/ mit Abschnitten versehen/ und/ wo moͤglich/ so breit machen/ daß man mit einem Wagen darauf fahren/ oder doch zum wenigsten mit Von Fortificir ung alter erbauter ꝛc. mit Lastbaren Thieren alle Nothdurfften darauf bringen/ und sich allen Falls auch auf den selben wohl defendir en koͤnne. (9.) F rage. Wie soll man denn die Oerter und Pæss e in einem Thale/ wodurch eine Haupt- Passage gehet/ fortificir en und verwahren? Man findet an einigen Orten grosse Defil een/ zwischen zweyen hohen Bergen und Felsen/ welche theils mit einem fremden Lande/ Graͤntzen/ oder doch sonst durch dieselbe eine Haupt- Passage ge- het/ dahero es denn noͤthig/ daß man solche Ave- n uͤen/ welche natuͤrlicher Weise schon ziemlichen fortificir et/ noch mehr befestige/ indem an solchen Haupt-Posten sehr viel gelegen ist. Gemeiniglich ist in einem solchen engen Thale entweder ein Fluß oder starcker Bach dabey/ so entweder aus gewis- sen Quellen der anliegenden Berge/ oder sonst von dem Regen-Wasser sich versammlet; Jnglei- chen gibt es auch gemeiniglich an einigen Orten in einem solchen Thale gantz enge/ und auch ge- kruͤmmte Passag en. Dieser natuͤrliche Vortheile nun muß man sich/ bey Auferbauung eines Forts und Schantzen wohl bedienen/ und die Defension also anlegen/ daß sie nicht alleine nicht viel kosten/ sondern auch die Passage von weiten wohl bestrei- chen moͤge: Weil man nun bey dergleichen Gele- gen heiten/ zwischen Bergen und Felsen wenig Er- D d 4 de Das II. Cap. de hat/ so muß die F ortification mehrentheils aus starcken und hohen Mauern gemachet werden/ daß sie die Passage gantz einnehme/ und Niemand weder zu Fuß noch zu Pferde/ dieser Gegend vor- bey gehen koͤnne/ er passir e denn durch diese Schantze und Claus e. Solten die Berge an den Seiten nicht recht præcipitant, sondern etwas schraͤge herab gehen/ also daß man besorgen muͤ- ste/ man koͤnne auch einiger massen uͤber dieselbe fort kommen/ so muß man entweder solche recht ab scarpir en/ oder aber zum wenigsten eine ziemli- che hohe Mauer an dieselbe hinauf biß an die Hoͤ- he/ allwo es unmuͤglich ist/ zu passir en/ auffuͤhren lassen/ damit ein solcher Pass aller Orten recht ver- wahret sey/ welcher denn mit wenigem Volcke und geringer Unterhaltung kan maintenir et und defendir et werden/ weil die Natur das beste hier- bey gethan/ und man solchen wegen Enge der Pas- sage nicht wohl beykommen kan. (10.) F rage. Wie soll man die Oerter befestigen/ welche wohl auff ebenen Lande erbauet sind/ iedoch aber einige nahe anliegen- de Hoͤhen/ oder eine innerli- che grosse Hoͤhe bey sich haben? Zum oͤfftern findet man solche alte erbaute Staͤdte welche nahe und schaͤdliche Hoͤhen umb sich Von F ortificir ung alter erbauter/ ꝛc. sich liegend haben/ und dahero nach der regular- Fortification nicht koͤnnen befestiget werden; Bey dergleichen Oertern nun muß man wohl zusehen/ ob die umliegende Hoͤhen uͤber einen starcken Mußqveten-Schuß von der Stadt abliegen/ o- der nicht; Wenn die Hoͤhen uͤber einen starcken Mußqueten Schuß von der Stadt abliegen/ so soll man solche durch â parte Feld und Stern- Schantzen befestigen/ damit ein Feind sich solcher nicht gleich bemaͤchtigen und der Haupt-Festung naͤhern koͤnne/ und ist es gut/ wenn man bey so gestalten Sachen einen heimlichen Gang unter- der Erden aus der Festung in solche Oerter fuͤh- ren und haben kan/ damit man sie im Fall der Noth um so viel besser und laͤngeꝛ defendi ren koͤn- ne/ wenn man alle Nothdurfften darein sicher bringen kan: Laͤgen aber dergleichen Hoͤhen nicht uͤber einen Mußqueten-Schuß von der Stadt/ o- der befaͤnden sich auch gar in derselben/ so muß man solche nicht alleine nothwendiger Weise in die Stadt mit ein/ oder mit behoͤrigen Aussen- wercken mit anschliessen/ sondern sie auch à part in der Hoͤhe mit einer Fortification als eine citadelle oder so genannden Donjon nach Gelegenheit des Orts befestigen. Gegen die aussen liegende Hoͤ- hen/ muß man die Bollwercke der Stadt noth- wendiger Weise zufuͤhren/ und auff solche so ge- nandte Cavalliers oder Katzen so hoch anlegen/ daß man von denselben die nechst anliegende schaͤdli- Das II. Cap. schaͤdliche Hoͤhe wohl entdecken und bester ma- sen bestreichen koͤnne. Solten auch gar zu lan- ge Polygo nen fallen/ oder sonst einige Hohe fuͤr derselben liegen/ muß man eine platte Form oder einen Cavalier in der Mitte der Courtine anlegen/ iedoch aber daß der gantzen Defension der Cour- tine hiedurch nichts benommen werde/ daß man also in der Weite und Hoͤhe auch bey einer Cour- tine Bestreichung genung haben koͤnne. Eine platte Form aber wird in der Kriegß Bau-Kunst dasjenige Werck genennet/ welches laͤnglicht viereckigt ist/ also daß es unterschieden ist von ei- nen platten Bollwerck/ weil es seine racen und f lan- quen hat/ und in Bollwercks- und Kehl-Winckel sehr weitlaͤufftig und groß ist. (11.) F rage. Auff wie vielerley Weise und an wel- chen Orten koͤnnen den die Cavaliers angeleget werden. Die Cavaliers koͤnnen auff unterschiedliche Manier und auch an unterschiedlichen Orten an- geleget und erbauet werden. Was die S tructur anlanget/ koͤnnen solche gleich seyn mit der plat- ten Form/ sie koͤnnen auch als ein Triangel/ in gleichen in der Runde als ein Thurm/ und endli- chen wie es insgemein zugeschehen pfleget/ als ein Bastions erbauet werden. Jhr ordinar er Platz ist Von Fortifiei rung alter erbauter/ ꝛc. ist auff denen Bollwercken/ wie solche/ wie gemel- det von rechtswegen nach denen anliegenden Hohen zu gehen sollen/ und zwar wenn sie erbau- et werden als wie ein Thurm so stehen solche nahe an den Kehl-Winckeln an; Werden sie aber als wie ein Bastions erbauet/ so lauffen sie mit F lanq - und Face ingleichen parallel Linien/ iedoch also/ daß der Wallgang des Bastions allenthalben 30. S. breit und leer bleibe/ damit durch den auffge- setzten Cavalier demselben an seiner Defension kei- ne Verhinderungen geschehe/ welchẽs den gleich- falls bey einem runden Cavalier auch muß in acht genommen werden/ damit der ordentliche Wall- gang seine rechte breite aller Orten behalte. Auff die Courtuine koͤnnen auch die Cavaliers gesetzet werden/ entweder in die Mitte oder auff einer Seiten derselben/ nachdem es die Gelegenheit des umliegen den Landes erfordert/ und muß auch bey solchen des Wallgangs der Courtine, wo nicht gaͤntzlich/ iedoch zum wenigsten auff die Helffte geschonet werden/ damit man umb die gantze Fe- stung auff dem Wallgang eine freye Passage ha- ben moͤge; Denn die Cavaliers werden nur einig und alleine des wegen auff die inneren Haupt- Wercke gesetzet/ daß man die nechst anliegenden Hoͤhen/ so nicht uͤber einen Mußqueten-Schuß von der Festung abliegen/ wohl endtecken/ und so wohl mit klein/ als groben Geschuͤtz bestreichen koͤnne; Die untern Wercke aber muͤssen den ordi- Das II. Cap. ordinar en Land- Horyzont defendi ren/ damit der Feind auff demselben sich der Festung nicht allzu- nahemachen koͤnne. Wenn aber gar zu große und weitlaͤufftige Hohen vor einer Festung solten voꝛ- handen seyn/ so muͤssen solche mit Aussenwercken befestiget werden/ davon an seinem Ort mehrere Meldung geschehen soll. (12.) Frage. Aus was Ursachen/ wie und wohin sollen denn die Festung erbauet werden? Die Citadell en werden fuͤrnehmlich deßwe- wegen an eine Festung erbauet/ damit man sol- che/ und die Jnwohner darinnen koͤnne in be- staͤndigen Gehorsam behalten/ oder auch/ wenn die Stadt von einem Feinde belagert und einge- nommen worden/ man sich den noch auf der Ci- tadelle taper wehren/ und den Feind wieder aus der Stadt-treiben koͤnne. Geineiniglich aber wird eine rechte Citadelle von fuͤnff Bollwercken erbauet/ wie wohl man auch dergleichen hat/ so nur aus vieren/ und auch wohl gar aus sechsen be- stehẽ. Weñ man nun eine fuͤnffeckigte Citadelle an einer Festung anlegen will/ so muß man anfangs die gantze Festung mit der umbliegenden Gegend nach dem verjuͤngten Maaß-Stab in Grund le- gen/ damit man recht sehen und urthoilen koͤñe/ wie die Bollwercke der Citadelle gebuͤhrender massen kommen muͤssen/ sintemahl zwey Bastions da von nach der Stadt/ die uͤbrigen 3. aber auf das umb Von Fortifici rung alter erbauter ꝛc. umbliegende Land zu gehen muͤssen. Es soll auch zwischen der Stadt und Citadelle ein Platz gantz leer bleiben/ von 20. biß 30. R. lang/ damit das Castell sein gebuͤhrend Glacis oder viel mehr Esplanade haben moͤge/ umb die Gegend/ so wohl nach dem Lande/ als nach der Stadt zu zu be- schiessen. Wenn nahe an einer Festung ein Pass - Hoͤhe oder Fluß fuͤrhanden/ muß man nothwen- diger weise die Citadelle disseits der Festung anle- gen/ damit solche dieses alles wohl Commandir en/ und man zur Zeit der Noth Volck/ Geschuͤtz/ Pro- viant und Munition in dieselbe à part und unge- hindert ein und aus bringen/ auch der Feind sich der natuͤrlichen Gelegenheit und Vortheil nicht bedienen koͤnne. Nechst diesen muͤssen die nechst anliegenden Theile des Walles von der Festung also angeleget werden/ daß sie der Citadelle kei- nen Nachtheil und Gefahr bringen/ wohl aber von derselben koͤnnen entdecket und bestrichen werden; Gestalt denn die Face des nechst anlie- genden Bollwercks von der Festung ohne F lan- qve muß auf die Mitte der Courtirie des Castels zugezogen werden/ also/ daß solches capable ist/ nicht alleine diese/ sondern auch das gantze Boll- werck voͤllig zu bestreichen. Sonst werden ge- meiniglich in die Citadell en kleine Kirchen und Capell en zum Gottes-Dienst/ in gleichen des Commendant en-Hauß/ ein Zeug- Munition und Proviant- Hauß/ ein Lazareth und Cassernes fuͤr die Das II. Cap. die gemeine und gantzen Garnison erbauet/ den uͤbrigen Platz aber in derselben soll man zur Para- de und andern militari schen Gereitschafften leer lassen/ und nicht etwan grosse Lust-Gaͤrten/ Scheuren und uͤberfluͤßige Staͤlle darein ma- chen/ weil solches alles wieder die Fundamenta der Kriegs-Bau-Kunst laͤuffet/ und auch sonst der Citadelle kan schaͤdlichen seyn. S ech- Sechster Theil. Von den Aussen-Wercken/ deren Unterschied und Benennung/ auch wie und wohin solche sollen angeleget und erbauet/ auf gerissen und abgestecket werden. Das I. Cap. Von denen Aussen-Wercken insgemein und wie sie pflegen genennet und gebrauchet zu werden. (1.) F rage. Wie vielerley Aussen-Wercke pfle- get man heut zu Tage zu gebrau- chen/ und solche zu nen- nen? D Er Aussen-Wercke/ so man noch heut zu ta- ge/ und zwar sonderlich bey denen irregula- ren Festungen pfleget zu gebrauchen/ seynd un- terschiedliche Arten/ nehmlichen: Raveline, wel- ches die Frantzosen nach heutiger Manir Demi- lune nennen/ halbe Monden/ Contregardes, Hornwercke/ Cronwercke/ eine fache uud doppel- te Tenaill en/ Pfaffen-Muͤtzen/ Schwalben- Schwaͤntze/ klein und grosse Lunettes, Travers en/ Caponnieures und dergleichen/ von deren ieden insonderheit gebuͤhrende Meldung geschehen soll/ wie und wohin solche zu gebrauchen/ und anzule- gen. (2.) Von denen Aussen-Wercken. (2.) F rage. Haben denn die Aussen-Wercke auch einen sonderlichen Nutzen/ und kan man nicht an deren Statt etwas bes- sers erfinden? Ob wohl einige den Gebrauch der Aussen- Wercke gaͤntzlich wollen verwerffen/ aus den Ur- sachen/ weil ein Feind solche fuͤr einer Festung leicht erobern/ und hernach nur zu seiner Bede- ckung und Vortheil desto mehr gebrauchen koͤn- ne/ so sind doch solche wegen ihres vielfaͤltigen Nutzes halber/ und sonderlich/ wenn fuͤr einer Fe- stung breite und lange Hoͤhen fuͤrhanden/ blosser- dings nicht zu verwerffen/ iedoch soll man auch deren ohne Noth und R arson der F ortification fuͤr einem Ort nicht zu viel machen/ damit man keine vergebliche Unkosten verursache und eine staͤrcke- re Garnison in den Platz legen muͤste/ welches sonst nicht waͤre von noͤthen gewesen: Wenn man a- ber deren nicht entrathen kan/ muͤssen solche alle also angeleget werden/ daß man sie von den haupt Wercken wohl entdecken und bestreichen koͤnne; Gestalt denn alle Aussen-Wercke viel niedriger seyn muͤssen/ als die andere Haupt und innerli- chen Wercke; Jngleichen muͤssen sie nach der Festung zu gantz offen seyn/ damit der Feind/ wenn er ja solche ein bekommen solte/ keinen son- derlichen Vortheil hierdurch bekaͤme/ sondern sich E e zu Das I. Cap. zu erst von neuen verschantzen muͤste/ wenn er aus denen eroberten Aussen-Wercken gegen die Festung etwas tentir en wolte; Waͤren aber sol- che unter minir et/ wie es billig seyn soll/ so koͤn- nen solche mit samt den darauf postirt en Feind gesprenget werden. An statt der Aussen-Wer- cke und des bedeckten Weges/ pflegen einige auf das Glacis detachirte und revetirte Bollwercke/ welche alle hohl und unter minir et sind/ zu gebꝛau- chen/ auch solche in Form eines Triangels von ei- nander zu setzen/ damit sie gute Defension gegen einander fuͤhren koͤnnen. Umb diese detachirte Bollwercke machen sie keinen Graben/ noch be- deckten Weg/ sondern setzen nur auf den blossen Horizont zu gespitzte Pallisad en/ nicht in gleicher Hoͤhe/ sondern schrege gegen das Feld zu auf den halben man hoch ein; Dieses sind aber gar sehr kostbahre Wercke/ und sind allenfalls der Fe- stung selbst schaͤdlich/ wenn sie muͤssen gesprenget werden/ weil ein Feind dahinter gute Bedeckung findet/ dem Graben sich naͤhert/ und also die Sappe gar leicht in den Graben hinter solche hernach machen kan. Jch meines Orts lobe einen guten rechten bedeckten Weg/ mit zweyen Brust- Wehren auf meine Manier/ oder doch andere niedrige und wohl angelegte Aussen-Wercke/ uͤ- ber welche man oben hin/ und auf den Seiten sie und das Feld wohl bestreichen kan/ und soll man nicht unterlassen um alle Aussen-Wercke einen guten Graben zu fuͤhren/ auch solchen in der Mit- te Von denen Aussen-Wercken. te mit einfachen oder doppelten Pallisa den zu bese- tzen/ zu mahl wenn die Graͤben trocken sind/ an deren Ecken und Winckel man auch nach Gele- genheit gantze und halbe Caponnietes kan anle- gen/ um solche desto besser verdeckt und horizon- tal zu defendir en. Das II. Cap. Von der Structur und Un- terschied der Raveline, wie und wohin solche muͤssen geleget und erbauet werden. (1.) F rage. Wie und wohin soll man denn die Raveline an legen und er- bauen? D Je Raveline seynd unter allen Aussen- Wercken das allergebrauchlichste/ so wohl bey der regular, als irregular Fortification, unan- gesehen ob der Terrain und die umbliegende Ge- legenheit des Landes eben oder bergigt ist/ weil sie mehr zur Bedeckung der Courtinen en/ und Flan- qui rung der anliegenden Facen, als zu Bestrei- thung der anliegenden Hoͤhen erbauet werden. Was die Structur, der Raveline anbelanget/ koͤn- E e 2 nen Daß II. Cap. nen solche auf unterschiedliche Manier gemachet und angeleget werden/ wie wohl man sie bey einer Festung an keinen andern Ort hinleget/ als nur vor die Mitte der Courtine; Jnsgemein aber kan man die Raveline auf fuͤnfferley Art machen/ nehmlich man nimbt. (1.) Wenn die Festung nach dem verjuͤng- ten Maaß-Stab zu Pappier gebracht/ mit ei- einem Circul die gantze Laͤnge der Courtine des haupt-Walles/ machet damit aus den bei- den Courtin en-Winckeln zwey Creutz-Boͤgen uͤber den Graben/ der Mittel-Punct dessen wei- set an die eusserste Spitze und den Punct des Ra- velins; Wenn nun von diesem Punct/ vermit- telst eines Lineals/ gegen die beiden Schulter-E- cken der nechst anstossenden Bollwercke biß an den Graben der Festung-Linien gezogen werden/ so geben sich die zwey F acen des Ravelins von selbst/ und ist solches nach seiner Grund-Linie auf die erste Manier fertig. (2.) Theilet man die zwey nechsten Kehl-Lini- en der Bollwercke in zwey gleiche Theile/ und ziehet aus solchen Puncten durch die Schulter- Ecken uͤber den Graben zwey blinde Linien/ wo dieselben einander durch-schneiden/ da faͤllet des Ravelins eusserste Spitze hin/ und geben sich die zwo F acen von selbsten. (3.) Man ziehet aus dem Mittel-Punct der Courtine durch den Punct/ da die beyden aͤusser- sten Seiten des Grabens zusammen stossen/ eine blinde Von denen Aussen-Wercken. blinde perpendicular- Linie uͤber den Graben/ schneidet auf derselben von den gedachten Punct des Grabens drey Viertheil von der Laͤnge der F acen eines anstossenden Bollwercks zu des Ra- velins Haupt-Linie ab/ leget darauf das Linial an diesem Punct/ und beeden anstossender Bollwer- cke Schulter-Ecken oder halben Kehl-Linie an/ so finden sich auch die zwey F acen. Diese drey Manieren nun werden gemeiniglich bey grossen Royal-Wercken/ so perpendicular F lanqu en auf die alte Art haben/ fuͤr die Thore/ Bruͤcken/ Schleissen/ Baͤhren ꝛc. wo es von noͤthen/ ge- brauchet. Bey kleinen Wercke will sichs nicht wohl thun lassen/ die R aveline aus denen Schul- ter-Ecken zu ziehen/ sonder man muß dieselben aus dem Drittheil oder ein Viertheil der F acen des Haupt-Walles nechst den f lanqv en fuͤhren/ damit die Raveline nicht zu enge werden. (4.) Richtet man aus dem Mittel-Punct der Courtine uͤber den Graben eine Perpendicular auf/ schneidet auf derselben von Graben an 18. R. lang zu der Haupt-Linie des Ravelins ab/ und nimbt den Winckel von 90. Gr. mit Huͤlffe ei- nes Transporteurs, so geben sich die f acen des R a- velins auf den eingetheilten Facen des Haupt- Werckes von selbst. (5.) Findet man auch bey einigen irregular- Festungen Raveline mit f lanqu en/ und werden dieselben auf folgende weise verfertiget: Man ziehet aus dem Mittel-Punct der Courtine uͤber den Graben eine blinde perpendicular. Linie in E e 3 das Das I. Cap. das Feld hinaus/ schneidet darauf zu des Ravelins Haupt-Linie 22. R. in gleichen auf eussersten Linie des Grabens die beiden Kehl-Linien/ iede von 2. und ein halb R. Denn hernach die Flanqv en und Facen in einer Laͤnge. Sonst a- ber soll man keine Faussebraye an ein Ravelin o- der ander Aussen-Werck machen/ wie etwan an dem Haupt-Wall weil dergleichen Wercke/ wie gedacht alle sollen unter minir et/ und im Fall der Noth gesprenget werden/ wo durch denn die viele Erde nur den Graben besser fuͤllen wuͤrde. (2.) F rage. Was ist von solchen Ravelien zu halten/ so Flanqven haben? Von den R avelinen mit Flanqen ist des wegen nicht viel zu halten/ weil sie gemeinglich bey den Fa- cen sehr enge kommen/ also daß man sich mit allen Gereitschafften bey einer Belagerung nicht wohl bethuen kan/ der Feind auch uͤber dieses, wenn er solche unter minir et einbekom̃ẽ/ gegen die Festung zu/ da sie nicht weit offen/ sich darinnen bald ver- schantzen/ und hernach in Front und Flanqve den Festung-Wercken grossen Schaden thun kan. Jst demnach sicherer und besser/ das man durch- gaͤngig alle Raveline/ sie moͤgen vor einem Haupt- Wercke oder Aussen-Wercke liegen/ bloß mit zweyen Facen ohne F lanqven mache/ damit ein Feind sich nicht darinn so leicht bedecken/ und man Von denen Aussən-Wercke. man selbige von hinten wohl bestreichen koͤnne. (3.) Frage. Welche Raveline sind denn einander vorzuziehen/ die kleinen oder die grossen/ und wie soll man ein Ravelin nach meiner Manir anlegen? Das die grossen Raveline den kleinen billig vor- zuziehen sind/ daran ist gar keinen Zweiffel/ weil man in einem grossen mehr Raum und Platz hat/ sich besser und laͤnger zu Defendiren/ als in einen kleinen. Die ienigen so wieder die rechten Funda- menta der Kriegs-Bau-Kunst allzulange Facen und kurtze Flanqven bey den Haupt-Bollwercken machen/ muͤssen nothwendiger Weise auch enge und spitzige R aveline anlegen und erbauen/ wel- ches aber aus mehr erwehnten Ursachen keines Weges zu loben ist. Was mich anlanget/ nehme ich die Haupt-Linie der Raveline so lang als eine Face oder F lanqve meines Bollwercks ist/ indem ich erstlich den Graben vor der Courtine aus dem Schuͤtzen-Punct von gleicher Breite mache/ und hernach auch gedachte Capital zu dem R aveline al- so lang abstecke; Die F acen hierzu laß ich auf die Schulter Ecken der Bollwercke anlauffen/ so be- komme ich ein weites und grosses R avelin/ wel- ches nicht alleine die Courtine wohl bedecket/ son- dern auch in Ansehung der Bollwercke mit den- selben wohl proportioni ret ist/ und die Noth lei- E e 4 dende Das XI. Cap. dende F ace des Bollwercks wohlbestreichen kan mit Hand und groben Geschuͤtz. (4) F rage. Was ist von der jenigen Manier zu halten/ welche kleine Raveline mit ei nem besonderen Graben in ein grosses zu setzen pfle- get? Es finden sich einige unter denen Kriegs Bau- verstaͤndigẽ/ welche nicht alleine in die Bollwercke einander keines mit einem Graben machen/ son- dern auch dergleichen bey denen Außen-Wercken und sonderlich bey denen R avelinen thun/ indem sie gedencken hiedurch einen bestaͤndigen Ab- schnitt zu haben/ und sich allen Falls in demsel- ben wohl zu defendiren; Allein es ist zu wissen/ daß dieses weder bey denen Bollwercken noch viel weniger bey denen Aussen-Wercken zu loben ist/ weil der Platz/ welcher doch aller dings weit und raumlich genug verbleiben solte/ hierdurch sehr verschmaͤlert wird/ zu geschweigen der grossen Unkosten/ welche auf das Revetiren der eingeschnit- tenen kleinen Graͤben noͤthiger Weile muͤs- sen gemachet werden. Zu dem kan man sich in sol- chen kleinen und engen Wercken nicht wohl de- fendiren weil man wenig Volck und andere Noth- wendigkeiten darein bringen kan/ dahero es einem Feind Von denen Aussen-Wercken. Feind gar leicht ist/ solche einzunehmen/ wenn er nun anders den kleinen Graben mit Faschinen aus fuͤllet/ und in die enge Wercke tapffer mit Hand Granaten einspielen laͤsset. Sonst soll von den Abschnitten und wie solche recht zu machen/ schon anseinen Orte mit mehren gemeldet werden. (5.) F rage. Wie sollen denn die Aus- und Ein- gaͤnge durch ein Ravelin ge- fuͤhret werden? Bey einem R aveline mit Flanqven/ wodurch ei- ne Haupt-Straße gehen soll/ muß der Durchbruch hierzu durch die Flanqve geschehen/ und nicht durch die Facen; hat aber das R avelin keine Flanqven, wie es auch seyn soll/ so kan entweder ein Stuͤck Face nechst dem Haupt Graben vom gantzen Walle des Ravelins wegelassen/ oder auch durch dasselbe eben an diesem Orte unten durch gebrochen/ und der Wollgang nebst der Brust oben in der Hoͤhe biß an den Haupt-Graben continuiret werden/ welche Aushoͤhlung aber man nicht ausmauren/ sondern nur mit starcken Brettern und Pfosten unterbauen muß/ damit solche im Fall der Noth/ oder wenn/ der Feind das Ravelin einbekommen/ koͤnne bald wieder ruiniret werden und der Fẽind darinnen keine sonderliche Bedeckung finden. E e 5 6. Fra- Das II. Cap. (6.) F rage. Wie werden denn die Raveline im Felde abgestecket? Gleich wie die Haupt-Wercke nach ihren Haupt-Puncten/ als nemlichen entweder An- fangs nach dem Bollwercks-Punct/ oder welches besser und kurtzer/ nach dem Kehl-Punct/ und denn nach dem Courtinen u. Schulter-Punct im Felde durch lange Stangen muͤssen abgestecket/ und die Linien vermittels einer Schnur gleich gezogen/ und an derselben mit einem kleinen Graͤbelein bemercket werden; Also muͤssen auch alle Aussen- Wercke in ihren Puncten und Linien nach den ge- gebenen Profi len im Felde mit Stangen abge- stecket werden/ und zwar was das R avelin belan- get/ wird solches zuerst mit seiner Capital Linie/ und hernach auch mit seinen F acen an den Haupt- Graben angestecket/ welches alles denn kein wei- des Bedencken brauchet/ und im uͤbrigen nach dem Profil die Hoͤhe und Breite muß abgestecket uud bemercket werden/ dovon am Ende dieses Theiles die beygefuͤgten Profile so wohl von Aus- sen-Wercken/ als Feld-Schantzen und Retrenhe- ment en koͤnnen nachgesehen werden. Das Von denen halben Monten. Das III. Cap. Von denen halben Monden und Contregardes, wie/ und wohin solche zu machen/ auffzureissen und im Felde abzustecken? (1.) F rage. Wie und wohin werden denn die hal- ben Monden geleget und aufer- bauet? D Je halben Monden werden ordentlicher wei- se fuͤr die Bollwercke geleget/ und bekom- men ihre flanquir ende Defension von denen anlie- genden Ravelin en/ oder andern Aussen-Wercken und kan man solche auf unterschiedliche Manier formir en/ nehmlichen (1.) verlaͤngert man die Haupt-Linie des Bollwercks blind uͤber den Graben hinaus/ und reisset an den aͤussersten Rand des Grabens/ welcher ohne deme allezeit soll rondiret werden/ einen Cireul -Bogen gleich einẽ halbẽ Mond nach der Breite des Grabens/ in dem man eine Spitze des Circuls auf die aͤusserste Spitze der Berme setzet/ mit der andern aber den Circul machet; darnach nimt man von den Mittel- Punct des C ircul- Bogens die Paupt-Linie des halben Monden etwan drey Vortheil der Face des Das III. Cap. des Bollwercks/ nach meiner Art aber die Laͤnge der Haupt Flanqve/ und ziehet aus dem Kehl- Punct der von beyden Seiten anstossenden Rave- line/ oder aus dem vierten-Theil der Face des Ravelins nechst dem Graben eine blinde Linie biß zu der aͤussersten Spitze des halben Monden/ so bekomt man die beeden Facen/ leget ferner das Lineal auf den Flanq oder Courtinen Punct der beiden anstossenden Bollwercke/ daß es die f acen der f aussebarye/ wenn eine fuͤꝛhanden/ auf beiden Seiten beruhre/ und ziehet die beiden Fluͤgel/ wel- che ich nach meiner Manier halb so lang mache/ als die Haupt Flanqven/ oder nach Gelegenheit etwas weniger/ so ist der halbẽ Mond nach dieser Art fertig. (2) Reisset man wieder/ wie zu vor/ ein Stuͤck von einem Circul/ ingleichen auch gibet man die Laͤnge zur Haupt-Linie/ darnach theilet man die zwey f lanqen an den nechst anliegenden Boll- wercken in 2. Theile/ leget das Lineal auf diesen/ und auf der Haupt-Linie aͤussersten Punct an/ und ziehet also des halben Monden F acen. Ferner leget man das Lineal auf die Facen der f aussebraye, oder Mangelung derselben/ auf die Haupt Facen der Bollwercke/ und verlaͤngert solche auf beiden Seiten uͤber den Graben hinaus/ so schneiden sich die Fluͤgel auch ab. (3) Man verfaͤhret mit dem Circul Bogen/ und der Haupt-Linie wie zu vor; theilet darauf die zwo Kehl-Linien der nechst an- liegenden Bollwercke mit Perpendicular Flanqven in 2. gleiche Theile/ leget das Lineal auf solchen Mit- Von denen halben Monden. Mittel-Punct/ und auf den aͤussersten Punct der Haupt-Linie an/ und ziehet die beiden Facen zu- sammen; endlich richtet man von dem Bollwercks Punct der Faussebraye/ wenn eine fuͤrhanden/ ei- ne Perpendicular Linie auf/ so gebensich die Flan- qven des halben Monden von selbsten. Zu mei- nen halben Monden/ weñ ich einige machen solte/ nehme ich zur Laͤnge der Capital Linie die Laͤnge einer Face oder Flanque/ zur f lanqve aber des hal- ben Mondens/ nehme ich zur Laͤnge die Breite des Haupt-Grabens/ vorne bey der Bollwercks Spitze/ nehmlichen 80. S; wiewohl die halbe Monden heute zu Tage nicht sondern mehr ge- brauchet werden/ weil sie gar zu sehr in das Feld hinaus gehen und doch keine grosse Bedeckung geben/ auch sonst wegen ihrer f lanqven einige Gefahr zu besorgen ist; dahero man an deꝛen Statt lieber die Contregardes machet/ wie in folgenden zu vernehmen ist. (2.) F rage. Wie und wohin werden denn die Contre-Gardes angeleget und gemachet? Die Contregardes seyn keine neue Inventio- nes, sondern von langen Zeiten her an Statt der halben Monde vor die Bollwercke/ und auch vor die Raveline geleget worden. Man kan zu deren Haupt-Linie ohngefehr 100. S. nehmen/ und wer- den die langen Facen, wenn die Contregardes vor einem Das III. Cap. einem Bollwerck liegen/ biß an den Graben der anliegenden R avelines gezogen/ welche denn am Ende halb so breit sind/ als die Capital- Linie lang ist. Nach meiner Art nehme ich zu der Capital- Li- nie einer Contregarde zwey Drittheil von einer Haupt- Flanque oder Face; und macht auch die Enden davon ein 3. Theil breit. Wenn man die Contregardes vor der Ravelinen- Spitze abschnei- det/ und nicht gantz zusammen lauffen laͤsset/ nen- net man solches nach Franzoͤischer Manier die grossen Lunettes, davon an seinem Ort auch schon mehrere Meldung geschehen soll. (3.) F rage. Wie werden denn die halbe Monde und Contregardes nach dem verjuͤngsten Maß-Stabe aufgerissen/ und im Fel- de abgestecket? Wenn man einen halben Mond vor einem Bollwercke aufreissen will/ muß man Anfangs die Capital- Linie des Bollwercks uͤber den Gra- ben blind fort lauffen lassen in gerader Linie/ und die Laͤnge der Capital- Linie zu dem halben Mond darauf verzeichnen/ wenn zuvor der Haupt-Gra- ben vor der Bollwercks-Spitze von 80. S. weit vermittelst eines Circul s nach dem verjuͤngsten Maß-Stabe ist rondir et worden; hernach laͤsset man auch die F acen des Bollwercks blindlings uͤ- ber den Graben Creutzweiß in gerader Linie fort lauffen/ und bemercket auf solchen Linien auch die Von denen halben Monden. die Laͤnge der Flanquen darauf; Wenn dieses ge- schehen/ werden die Puncte zusammen gezogen/ und hat der halbe Mond nach der aͤussersten Grund-Linie seine Richtigkeit. Was das Aufreis- sen der Contregardes anlanget/ ist solches aus dem vorigen leicht auch nachzumachen/ indem der Graben/ wo vor die Contregardes sollen geleget werden/ bey der Spitze auch nothwendig muß rundir et seyn/ und werden die Capital- und andere Linien nach dem gegebenen Profil, und vor er- wehnten Laͤnge nach Belieben abgestochen/ und die Puncta zusammen gezogen. Das Abstecken im Felde geschiehet auf gleiche Manier/ wie bey dem Aufreissen beyder Wercke itzt berichtet worden/ und werden die Stangen in die Haupt- und End- Puncte eingestecket/ die Linien abeꝛ mit Leinen ver- zogen/ und nach deren Anleitung ein Graͤblein ge- machet/ damit man die Gerade aller Linien sehen und behalten koͤnne. Die Rundirung im Felde geschiehet/ wie gedacht/ also: Man machet einen langen Pflock bey der Spitze der Berme des Haupt-Walles in die Erde feste/ und bindet an solchen eine Leine von 80. S. lang an/ welche just die Weite des Grabens forne bey den Facen aus- traͤget; An das andere Ende dieser Leine machet man einen spitzigen Pflock an/ und faͤhret also mit ausgestreckter Leine vor der Bollwercks-Spitzen auf beyden Seiten der F acen herum/ so wird sich ein halb-runder Circul formir en/ wornach denn der Graben in seiner rechten Weite muß rondir et werden. Das IV. Cap. werden. Was nun dißfalls von denen Bollwer- cken und Haupt-Graben gesaget worden/ muß auch von denen andern Aussenwercken und deren Graben an ihren Spitzen observir et werden. Das IV. Cap. Von denen Horn-Wercken/ wie und wohin solche zu machen/ aufzureissen und im Felde abzustecken/ auch was sonst dabey in acht zn nehmen? (1.) Frage. Wie und wohin sollen denn die Horn-Wercke geleget und gemachet werden? B Ey der Kriegs-Bau-Kunst pfleget man die Wercke/ so vorne zwey halbe Bollwercke haben/ Horn-Wercke zu nennen/ und koͤnnen sol- che so wohl vor die Courtin en/ als Bollwercke/ in- gleichen an die Graͤntzen/ Fluͤsse und Paͤsse/ wie auch auf die Hoͤhen und Abhaͤge eines Landes/ ent- weder vor sich alleine/ oder mit Einschliessung an- derer Haupt- und Aussen-Wercke/ nachdem es die Gelegenheit erfordert und haben will/ geleger werden. Wenn solche fuͤr eine Courtine kommen sollen/ muß man aus beyden Schulter-Ecken der anliegenden Bollwercke/ oder auch der Fausse- braye, wenn eine fuͤrhanden/ zwey gleich lauffen- de Von denen Horn-Wercken. de Parallel- Linien/ uͤber den Graben in das Feld hinaus 60. R. lang/ zu verstehen von den Schul- ter-Ecken an/ lauffen lassen/ und diese Distanz dar- auf mit Puncten bemercken; Wenn dieses gesche- hen/ werden die Puncte zusammen gezogen/ und hat man so denn die aͤusserste Polygone zu dem Horn-Wercke. Worbey zu mercken/ daß man bey denen meisten und groͤsten Aussenwercken von aussen einwaͤrts hinein fortificir en muͤsse/ weil man gemeiniglich und ordentlicher Weise die aͤus- serste Polygone eher pfleget zu machen/ als die in- nerliche; Bey denen Haupt-Wercken aber ist es sicherer und besser/ daß man zu erst die innerliche Polygone mache/ als die aͤusserliche/ und von in- nen anfange auswaͤrts zu operir en/ ohngeacht Einige hierbey das Gegentheil observir en. Soll denn ein Horn-Werck vor ein Bollwerck geleget werden/ muͤssen aus beyden Schulter-Ecken zwey lange Linien von 60. R. lang wieder in das Feld hinaus gezogen werden/ und schadet so denn nichts/ wenn sie gleich nicht zusammen Parallel lauffen/ und vorne etwas breiter/ als hinten kom- men/ weil die aͤusserliche Polygone 40. biß 60. R. lang seyn kan. Wenn die langen Seiten-Linien des Horn-Wercks vor einem Bollwercke hinten zu enge kommen solten/ kan man nur die beyde Distanz en von 60. R. aus denen Schulter-Ecken aus mit einer blinden Quer-Linie bemercken/ die aͤusserste Polygone, nach erforderter Nothwen- digkeit zwischen 40. und 60. R. lang darauf ma- F f chen/ Das IV. Cap. chen/ und so denn die aͤusserste Seiten-Linien des Horn-Wercks/ von den aͤussersten Puncten der aͤusserlichen Polygone einwarts gegen die Cour- tine biß an den Graben zulauffen lassen/ wie es ungefehr die Gelegenheit erfordern moͤchte. (2.) Frage. Wie wird denn die innerliche Poly- gone gefunden/ wie werden beyde Polygo- nen eingetheilet/ und wie wird das Horn- Werck nach der ersten Grund-Linie aufgerissen? Wenn die zwey aͤussersten Seiten-Linien/ wie ingleichen die aͤusserste Polygone blind gezogen/ w i rd solche/ nachdem sie lang oder kurtz in vier o- der 3. Theile eingetheilet. Nach meiner Manier theile ich solche allezeit in 4. gleiche Theile ein/ und setze ein solches Viertheil von denen aͤussersten Puncten der aͤussersten Polygone einwarts auf die aͤussersten lang gezogenen Linien/ und ziehe diese beyden Puncte zusammen/ so habe ich die innerliche Polygone: Diese nun theile ich gleich wieder/ wie die aͤusserliche/ in 4. gleiche Theile/ die aͤussersten zwey Theile bleiben die Keel-Linien zu denen halben Bollwercken/ ziehe demnach die be- staͤndigen Defens- Linien auf solche Puncte aus beyden aͤussersten Puncten der aͤussersten Polygo- ne Creutzweise zusammen/ vergleiche Face und Flanque auf solche/ so bekomme ich zwey halbe Bollwercke mit geschobenen Flanquen und der be- hoͤri- Von denen Horn-Wercken. hoͤrigen Courtine, und ist also das gantze Horn- Werck/ nach der ersten Grund-Linie verfertiget. (3.) F rage. Was zu thun/ wenn die aͤussersten langen Seiten-Linien etwas laͤnger werden muͤssen als 60. R.? Es kan sich bißweilen zutragen/ daß die aͤusser- sten langen Seiten-Linien an einem Aussenwercke wegen Gelegenheit der Hoͤhe oder anderer Ursa- chen halber/ laͤnger als 60. R. welches doch ordi- nar geschehen soll/ muͤssen gemachet werden/ wenn nun dergleichen Begebenheiten sich ereignen sol- ten/ muß man von der aͤusserlichen Polygone an/ einwarts nach der Festung zu/ 50. oder 60. R. ab- messen/ und so denn auf die langen Linien eine F lanquir ung von zwey oder 3. R. aufsetzen/ damit man die voͤrdere Linie mit Hand-Geschuͤtz von die- ser F lanque aus wohl bestreichen koͤnne/ der uͤbri- ge Theil aber von derselben aus der Festung moͤ- ge defendir et werden. (4.) F rage. Was zu thun/ wenn die Hoͤhen fuͤr einer Festung gar zu lang und breit/ und mit einem Horn- oder andern Aussen- Wercke allein nicht koͤnnen be- decket werden? Wenn die Hoͤhen fuͤr einer Festung/ welche F f 2 man Das V. Cap. man doch gerne mit an dieselben fortificir et an- haͤngen will/ gar zu lang und weit sind/ daß ein Horn-Werck alleine nicht zureichen wolte zur Bedeckung/ kan man noch fuͤr die Horn-Wercke ein Cron-Werck legen/ und muß man so denn aus der Mitte der Courtine des Horn-Wercks eine blinde Perpendicular- Linie von 60. R. lang zie- hen/ und mit dieser Weite aus dem Mittel-Punct der Courtine des Horn-Wercks einen halben Cir- cul auswaͤrts machen/ und so denn ferner operi- r en/ wie im folgenden Capitel mit mehrem schon soll gelehret werden. (5.) F rage. Kan man denn in ein Horn-Werck auch Abschnitte machen/ und vor dassel- bige ein Ravelin legen? Jn alle lange Aussen-Wercke koͤnnen gar fuͤg- lich ein oder zwey Abschnitte auf Tenaillen oder andere Art gemachet werden/ welches aber bey kurtzen Aussenwercken/ als zum Exempel bey Ra- velin en und halben Monden/ nicht wohl geschehen kan/ massen alles viel zu kurtz und zu enge fallen wuͤrde. Was die Raveline belanget/ kan man sol- che auch fuͤr die Courtine der Horn-Wercke le- gen/ wenn es noͤthig/ und zwar auf gleiche Weise nach meiner Manier/ wie bereits im vorigen ge- meldet worden. Das Profil zu den Horn-Wer- cken wird fast so starck/ als das Profi der Raveli- ne, wenn solche anders bestaͤndig bleiben sollen/ sonst Von den Cron-Wercken. sonst aber wird solches nur gleich den Profil en der Trench een/ wenn die Horn-Wercke im Fall der Noth nur angeleget werden. Das Abstecken der Horn-Wercke auf dem Felde ist leicht zu machen/ wenn nur die Principal-Puncta darbey wohl ob- servir et werden. Das V. Cap. Von den Cron-Wercken/ wie und wohin solche zu machen/ aufzu- reissen/ und im Felde abzustecken. (1.) F rage. Wie und wohin sind denn die Cron- Wercke anzulegen und zu machen? U Nter allen Aussenwercken/ zumahlen unter denjenigen so weit ins Feld hinaus gehen/ sind die Cron-Wercke die allerstaͤrckesten und fuͤr- nehmsten/ darnach folgen die Horn-Wercke/ als denn die doppelten Tenaillen und Pfaffen-Muͤ- tzen/ und endlichen die einfachen Tenaillen und Schwalben Schwaͤntze. Es werden aber die Cron-Wercke fuͤrnehmlichen gebrauchet/ wenn grosse und weite Hoͤhen fuͤr einer Festung liegen/ so da sollen an dieselbe angehaͤnget werden. Sie haben eigentlich keinen gewissen Ort/ wohin man sie anlegen muß; Denn nachdem es die Gelegen- heit des Landes erfordert/ koͤnnen solche vor die Courtine, oder auch fuͤr ein Bollwerck alleine/ o- F f 3 der Das V. Cvp. der vor ein Bollwerck/ und Courtine zugleich/ wie auch fuͤr andere Aussenwercke geleget werden/ und hat ein Cron-Werck ordinarie zu aͤusserst zwey halbe/ und in der Mitten ein gantzes Boll- werck. Die Structur eines Cron-Wercks fuͤr ei- nem Bollwercke wird also gemachet/ nehmlich: Man verlaͤngert aus dem Bollwercks-Punct/ o- der der Faussebraye, wenn eine fuͤrhanden/ die Haupt-Linie auf 60. R. lang/ in das Feld hinaus. Wenn ein Cron-Werck fuͤr eine Courtine soll ge- fuͤhret werden/ muß aus der Mitten derselben eine Perpendicular uͤber den Graben ins Feld von 95. R. lang nach meiner Manier kommen/ und ma- chet mit solcher Weite durch die Puncten auf den besagten Linien einen Bogen/ und traͤget aus den Puncten/ so auf denen Linien bemercket werden/ mit dem Circul lincks und rechts die aͤusserlichen Polygon en auf zwischen 40. und 60. R. lang. Von den aͤussersten Puncten der aͤusserlichen Polygone laͤsset man lange Linien auf die Schulter-Ecken der anliegenden Bollwercke zugehen/ so sich an dem Haupt-Graben abschneiden/ und hinten en- ger zusammen kommen als vorne; Darauf thei- let man iede aͤusserliche Polygone, nach meiner Art/ in 4. gleiche Theile/ davon denn ein Theil ein- waͤrts/ gegen die Festung zu/ auf alle Linien des Cronwercks getragen/ und alles mit Linien zu- sammen gezogen wird; So hat man auch die in- nerliche Polygone; Diese wird wieder in 4. glei- che Theile getheilet/ ohngeacht sie etwas kuͤrtzer/ als Von den Cron-Wercken. als die aͤusserliche Polygone ist/ indem das Cron- Werck hinten enger als vorne faͤllet/ und wird da- von ein Viertheil zu den Keel-Linien genommen; Endlichen machet man auf den blind gezogenen Strichen Flanq und Face gleich/ und schadet nicht/ wenn die Facen bey dem mittleren Bollwercke gleich etwas laͤnger/ als die Flanquen kommen solten/ wenn nur sonsten das gantze mittlere Boll- werck eine rechte Form und Geschicke bekoͤmmt. (2.) F rage. Was zu thun/ wenn eine Hoͤhe und Breite fuͤr einer Festung mit einem or- dentlichen Cron-Wercke/ so an der Mitte nur ein gantzes/ auf beiden Seiten aber zwey halbe Bollwercke hat/ nicht koͤnte eingeschlossen werden? Wenn die Hoͤhen also beschaffen/ daß sie von keinem ordinar en Cron-Wercke koͤnnen einge- schlossen werden/ muß man in der Mitten der zwey aͤussersten halben Bollwercke mehr/ als ein gantzes Bollwerck machen/ und also das Cron- Werck mit mehren als zwey Polygon en extendi- r en/ welches denn auf folgende Weise fuͤglichen geschehen kan/ nehmlichen: Man suche einwaͤrts gegen die Festung zu/ nachdem solche mit der gan- tzen umliegenden Gegend/ nach dem verjuͤngten Maß-Stab zu Pappire bracht worden/ mit Auf- und Zuthuung des Circul s dergestalt ein Cen- trum vermittelst dreyer Puncte/ daß aus demsel- F f 4 ben Das VI. Cap. ben mit einem Circul- Bogen die gantze Hoͤhe und Breite wohl koͤnne eingefasset und beschlossen werden; Hernach theile man den Umkreiß in so viel gleiche Theile/ so offt man die aͤusserliche Po- lygone zwischen 40. biß 60. R. lang darauf haben kan/ und operir e als denn ferner/ wie zuvor gemel- det worden. Gestalt man sich bey solcher Begeben- heit zn der R egular-Fortification ziemlichen halten kan/ und muß man auf die Defension der aͤusser- sten halben Bollwercke sonderlich wohl Achtung geben/ weil solche mehrentheils aus der Festung selbst/ oder auch von dem bedeckten Wege/ wenn er nicht gantz um die Aussenwercke mit herum ge- het/ muß genommen werden. (3.) F rage. Wie starck wird denn ein Cron- Werck gemachet/ und im Felde ab- gestecket? Es kan ein Cron-Werck/ welches auch von al- len andern Aussenwercken soll verstanden wer- den/ starck oder schwach/ nachdem es die Gelegen- heit und Nothdurfft erfordert/ angeleget und ge- machet werden/ wie man denn hierzu bald das Profil der Raveline, bald das Profil auch der Tren- cheen, davon am Ende dieses Theils gehandelt wird/ nehmen kan. Das Abstecken geschiehet von aussen einwaͤrts hinein durch die Haupt- Puncta, wie bereits gemeldet worden/ welches denn nach dem Context gantz keine Schwuͤhrigkeiten hat. Das Von denen einfachen nnd doppelten ꝛc. Das VI. Cap. Von denen einfachen und dop- pelten Tenaill en/ ingleichen von de- nen Schwalben Schwaͤntzen/ und Pfaffen- Muͤtzen/ wie und wohin solche zu ma- chen/ aufzureissen und abzu- stecken? (1.) F rage. Wie und wohin wird eine einfache Tenaille, ingleichen ein Schwalben Schwantz gemachet? W Enn man fuͤr ein Bastion oder Courtine kein Horn-Werck/ noch weniger ein Cron- Werck der Kostbarkeit oder anderer Ursach halber anlegen/ dennoch aber gleich wohl die nahe befind- liche Hoͤhe mit einem langen Aussenwercke ohne sondere Unkosten und Muͤhe/ an die Haupt-Fe- stung mit anhaͤngen will/ so kan man eine einfache Tenaill e oder Schwalben Schwantz/ welche die geringsten Wercke sind unter den langen Aussen- wercken/ gebrauchen und anlegen. Es sind aber der Tenaill en zweyerley Arten/ nehmlichen eine einfache und eine doppelte: Die einfache/ wenn sie vor eine Courtine kommen soll/ wird also ge- machet/ man laͤsset aus denen beyden anliegenden Schulter-Ecken zwey Parallel- Linien in das Feld hinaus lauffen/ deren iede 60. biß 70. R. von dem F f 5 Schul- Das VI. Cap. Schulter-Ecken lang ist; Aus der Mitte der Cour- tine laͤsset man gleichfalls eine blinde Perpendicu- lar- Linie in das Feld hinaus gehen/ ziehet so denn die aͤussersten Puncte auf den beyden langen Lini- en der Tenaille zusammen/ so hat man die aͤusser- liche Polygone derselben. Diese Polygone nun theilet man in 4. gleiche Theile/ und setzet ein solch Viertheil von der aͤusserlichen Polygone der T e- naille einwaͤrts auf die blind gezogene Mittel-Li- nie/ ziehet darauf diese drey Puncte mit Linien zu- sammen/ so hat man die aͤusserste Grund-Linie der gantzen einfachen Tenaille. Vor ein Boll- werck kan man gleichfalls eine einfache T enaille legen/ es muͤssen aber die langen Seiten-Linien einander Parallel lauffen/ sonst/ wenn diese Linien vorne weiter von einander/ als hinten kommen solten/ und darnach das Werck/ im uͤbrigen in Form einer einfachen Tenaille gemachet wuͤrde/ verliehret solches den Nahmen einer einfachen Tenaille, und wird ein Schwalben Schwantz ge- nennet/ welches denn der eigentliche Unterschied ist/ zwischen diesen beyden Wercken; Jm uͤbrigen aber wird darbey vorne auf gleiche Weise operi- r et/ wie bereits gemeldet worden. (2.) F rage. Wie wird ein Ravelin vor eine einfa- che Tenaille oder Schwalben Schwantz geleget? Wenn ein Ravelin vor eine einfache Tenaill e/ o- der Schwalben Schwantz kommen soll/ muß man Von denen einfachen und doppelten ꝛc. man eine von den eingehenden Linien vorne an der Spitzen in zwey gleiche Theile theilen/ und fuͤr allen Dingen eine blinde Mittel-Linie entweder aus der Mitte der Courtine, oder aus dem Boll- wercks-Punct/ nachdem das Werck angeleget worden/ durch solche durchgehen lassen; Ein sol- ches Theil nun der getheilten eingehenden Linie/ se- tzet man vorne auf die Mittel-Linie von der aͤusser- lichen Polygone an in das Feld hinaus/ so hat man die Capital zu dem Raveline, die Facen des Ravelin s laͤsset man auf die Mitte der eingehen- den Linie zulauffen/ welche sich denn an dem behoͤ- rigen Graben endigen und abschneiden/ so hat man auf solche Weise/ auch ein Ravelin nach der ersten Grund-Linie vor einer einfachen Tenaille, und so genannten Schwalben Schwantz. Wenn man das R avelin groͤsser haben will/ muß man aus der Mitte der zwey eingehenden F acen in der Weite dieser zwey Puncte gegen das Feld zu einen Creutz-Schnitt machen/ so hat man den aͤusser- sten Punct des Ravelin s/ und werden im uͤbrigen die beyden F acen auf die Mitte der eingehenden Linie bey der Tenaille zugezogen. (3.) F rage. Wie und wohin soll eine doppelte Tenaille, und so genannte Pfaffen- Muͤtze gemachet werden? Es kan eine doppelte Tenaille, gleich wie die einfache/ so wohl voꝛ ein Bollwerck/ als eine Cour- tine Das VI. Cap. tine geleget werden. Wenn solche vor eine Cour- tine kommen soll/ ziehet man aus beyden anlie- genden Schulter-Ecken der Bollwercke in das Feld hinaus lange Linien/ und bemercket auf ieder 60. biß 70. R. von einem Schulter-Eck an/ welche zwey Puncte denn man zusammen ziehet/ so hat man die aͤusserliche Polygone. Aus der Mitte der Courtine nun ziehet man eine gleiche blinde Linie mitten durch diese aͤusserste Polygone der doppel- ten Tenaille, so ist die Polygone in zwey gleiche Theile getheilet/ bernach theilet man iedes Theil noch einmahl in die Helffte/ so ist die Polygone, auch wie bey der einfachen Tenaille in 4. gleiche Theile getheilet. Ein solches Viertheil setzet man einwaͤrts auf die blind gezogene Mittel-Linie von der Polygone an/ und ziehet auf solchen einwaͤrts gesetzten Punct von beyden aͤussersten Puncten der Polygone zwey eingehende Facen, diese Facen theilet man wieder in die Helffte/ und ziehet von daraus wieder zwey Linien auswaͤrts nach dem Mittel-Punct der aͤussersten Polygone zusam- men/ so ist die doppelte Tenaille nach ihrer ersten Grund-Linie fertig. Wenn eine doppelte Tenail- le auch fuͤr ein Bollwerck soll geleget werden/ muͤs- sen die zwey aͤussersten Linien mit einander Paral- lel lauffen/ welches denn bey den Zangen allezeit muß in acht genommen werden; Solten aber die Linien hinten enger fallen/ als vorne/ so wird der Nahme der doppelten Zangen auch veraͤndert/ und das Aussenwerck eine Pfaffen-Muͤtze ge- heissen. (4.) Von denen einfachen und doppelten ꝛc. (4.) Frage. Kan man denn auch vor die dop- pelten Tenaillen, als wie bey den einfa- chen/ Ravelinen anlegen? Vor die doppelten Tenaillen leget man keine R aveline an/ als wie bey denen einfachen/ weil die zwey mittlere ausgesetzte Facen an Statt eines Ravelin s dienen muͤssen/ und waͤre also unnoͤthig/ wenn man noch ein ander kleines Aussenwerck vor die doppelten Tenaillen legen wolte; Ein an- ders waͤre es/ wenn lange und weitlaͤufftige Hoͤ- hen vorhanden/ daß man noch ein langes Aussen- werck davor legen muͤste/ welches gar wohl nach Gelegenheit sich thun laͤsset. (5.) F rage. Wie starck wird eine doppelte Te- naille verfertiget/ und im Felde abgestecket? Was wegen des Profil s bey der einfachen Te- naille erwehnet worden/ das kan auch hieher zu der doppelten Tenaille gezogen werden/ weil hier- unter nichts weiters zu erinnern ist: Das Abste- cken ist aus vorhergehendem Context auch leicht zu machen/ wenn nur die Haupt-Puncte der er- sten Grund-Linie observir et/ und dah in gebuͤhren- de lange Stangen gestecket werden. Das Das VII. Cap. Das VII. Cap. Von den kleinen und grossen Traversen oder Zwerg-Linien/ wie und wohin solche zu machen/ aufzureis- sen und abzustecken. (1.) F rage. Welche Wercke werden denn Tra- versen genennet/ und worzu werden solche gebrauchet? V On denen Traversen ist insgemein zu wis- sen/ daß man solche zu Bedeckung der Passa- gen, D efileen, Daͤmme/ Thore und gantzer Graͤn- tzen pflege zu gebrauchen/ und werden alle Linien also genennet/ sie moͤgen gleich lang oder kurtz seyn/ wenn sie nicht die rechte Form eines Aussen- wercks haben. (2.) Frage. Wie werden denn die kurtzen Traver- sen mehrentheils gemachet? Was die kurtzen Traversen anlanget/ so an en- ge Oerter geleget werden/ wird die Breite nach Gelegenheit des Orts gemeiniglich allezeit in 6. kleine Theile getheilet/ und werden entweder aus den Puncten des andern und 4ten Theils Perpen- dicular- Linien in die Hoͤhe von der Laͤnge eines 6. Theils aufgerichtet/ und die vier mittelsten Thei- le mit doppelten ausgesetzten Facen und Puncten der Von den kleinen und grossen Traversen. der Perpendicular Linien zusammen gezogen/ und also ist die Travers in Form einer doppelten Zan- ge verfertiget/ und pfleget man allezeit an beyden Enden der Courtine, oder dieser Zwerg-Linien auch ein Sechs-Theil lang einwaͤrts gegen die Festung zu zu fortificir en. Oder/ man theilet abermadl die gantze Breite in 6. gleiche Theile/ su- chet auf derselben das Mittel/ und richtet daraus eine Perpendicular- Linie von einem Sechs-Theil auf/ und ziehet von diesem Punct biß zu den Pun- cten der zu beyden Seiten nechst gelegenen Theile zwey Facen, so ist die andere Travers auch richtig. Oder/ wenn die Linie in 6. Theil getheilet/ und der Mittel-Punct darauf gesuchet worden/ kan man aus den selben von zwey Sechs-Theilen eine Per- pendicular zur Haupt-Linie eines Bollwercks auf- richten/ und zu denen Keel-Linien und Flanquen auch ein Sechs-Theil nehmen/ so geben sich denn auch die F acen. Oder/ es wird die Linie wiederum in 6. gleiche Theile getheilet/ und aus dem ersten und fuͤnfften Punct Perpendicular- Linien von einem Sechs-Theil aufgerichtet/ dergleichen auch aus dem Mittel geschiehet von zwey Sechstel- Theilen; Darnach werden von denen zwey aͤusser- sten Perpendicular- Linien/ auf die zu beyden Sei- ten anstossende Theilungs-Puncte/ F acen gezo- gen/ diese beyde innerliche Facen werden wieder in 2. gleiche Theile getheilet/ und von diesen Puncten biß zu dem Punct der Mittel- Perpendicular- F acen gezogen/ so ist diese Travers auch fertig. Auf solche Mani- Das VII. Cap. Maniren nun werden gemeiniglich die kleinen Traversen verfertiget/ wenn Platz genug da ist/ daß sie in 6. gleiche Theile koͤnnen getheilet wer- den/ wie wohl es auch nach Gelegenheit kuͤrtzere/ und etwas laͤngere giebet/ so in weniger oder mehr gleiche Theile/ um die F lanquir ung desto besser zu haben/ koͤnnen eingetheilet werden: (3.) F rage. Wie und wohin werden denn die langen Travers en gema- chet? Mit den langen Travers- Linien werden gemei- niglich die aͤussersten Graͤntzen eines Landes und vornehmsten Passagen oder Defileen, es sey zwi- schen Berg/ Moraͤsten oder Wasser fuͤr einen feindlichen Einfall verwahret und fortifici ret; Bey dergleichen Begebenheiten nun muß man fuͤrnehmlich dahin sehen/ ob nicht die Natur und Eigenschafft des Landes so wohl zum Anfang u. Ende/ als auch zur Continuation der Liniẽ Gele- genheit u. Anlaß gebe/ solche mit leichtere Muͤhe und Unkosten wohl anzufangen/ zu continui ren und zu endigen/ es sey nun ein gewisser Bach- Graben/ Huͤgel/ Morast/ Fluß/ Holtz oder Fel- sen. Waͤren dergleichen natuͤrlichen Begeben- heiten nicht vorhanden/ muß man sehen/ ob man nicht etwan/ wenn ja nicht continue, doch bißwei- len und zum oͤfftern/ rudera von alten Haͤusern/ Graͤ- Von den kleinen und grossen Traversen. Graben/ Mauren und Thuͤrmen finden moͤchte/ solche bey Continuation der Linie mit einzuziehen/ zusammen zu haͤngen/ uñ eine durchgaͤngige Ver- schantzung mit Vortheil zu machen. Wenn aber auch dergleichen nicht anzutreffen/ muß man die Linien ein und auswaͤrts also fuͤhren und einrich- ten/ damit solche gute Defension gegen einander haben/ und keine Flanqui rung ausser eines Mus- queten Schußes von der andern seyn moͤge/ im uͤ- brigen aber die Linien mit Redou ten/ Ravelin en und andern Fortifications Wercklein versehen/ auch verdeckte Ein- und Aus-Gaͤnge fuͤe die In- fanterie und Cavallerie darein machen/ und die Linien an einigen Orten wo es noͤthig/ gar ver- doppeln/ daß ein solcher Pass, woran Land und Leuten gelegen/ wohl und feste verwahret sey. (4.) F rage. Wie starck werden denn die kleinen und grossen Traversen den Profil en nach gemachet/ und im Felde abgestecket? Die kleinen Travers en kommen nicht so starck als die grossen und langen/ und werden solchege- meiniglich nur von einer ziemlichen Brust gema- chet/ dahero auch das Profil der Trenche en hierzu kan genug seyn; zu denen langen T ravers en aber wird ein staͤrckeres profil erfordert/ und zwar ge- G g mei- Das IIX. Cap. meiniglich das Profil der Aussenwercke/ weil so- thane Linien von Feinde pflegẽ staꝛck attaqui ret zu werdẽ/ so wol von Attillerie, als der Mannschafft. Das Abstecken aller T ravers en belangend/ ist sol- ches im Felde nach dem Project leicht zu machen/ wenn nur allezeit die Principal Puncte der Linien und Winckel observi ret werden. Das IIX. Cap. Von den grossen nnd kleinen Lunettes, wie und wohin solche zu machen/ Auffzureissen/ und abzustecken. (1.) F rage. Wie und wohin werden denn die grossen Lunettes gemachet und angeleget? Die grossen Lunettes, welche auch sehr alte in- ventiones sind/ werden ordentlicher Weise nur fuͤr die R aveline/ gleich wie die Contregardes ordinarie vor die Bollwercke geleget; Man ist aber hieran nicht eigentlich gebunden/ und kan man die gros- sen Lunettes auch vor die Bollwercke/ und die Con- tregardes vor die Raveline zur Bedeckung legen. Wie nun die Contregardes an ihꝛen Winckel gantz zusammen lauffen/ und an einander stehen/ also sind Von den grossen und kleinen Lunettes. sind die grossen Lunertes vor der Spitze des Wer- ckes/ dafuͤr sie geleget werden/ dissuniret/ und zer- brochen/ gestalt denn die Facen des Wercks/ wo- fuͤr solche liegen/ blind uͤber den Graben fort ge- fuͤhret werden/ und wird die ober Breite der gros- sen Lunettes, welche gemeiniglich so groß genom- men wird/ als die Helffte der Facen des Werckes/ wofuͤr die Lunettes liegen/ lang sind/ darauf auf getragen; die andere Breite der Lunettes schnei- d e t sich an dem Haupt-Graben selber ab/ und ist ohngefehr die Helffte breit von der oberen. (2.) F rage. Kan denn auch zur Bedeckung der grossen Lunettes vorne an der Fronte, allwo sie offen/ ein ander Aussenwerck zur Bedeckung dafuͤr geleget werden? Wenn man will/ und es die Gelegenheit er- fordert/ so kan man auch noch vor die grossen Lun- ettes ein kleines R avelin der Gestalt anlegen/ daß die Ravelins. F acen auf die Mitte der grossen Lun- ettes vorne an der Fronte zulauffen/ und also das R avelin in gleicher Weite der Lunettes mit seiner aͤussersten Spitzen in das Feld hinaus gehen; wie wohl von so vielen kleinen Wercklein und Ab- schnittẽ nicht gar viel zu halten/ weil man sich doch wenig darinne defendiren kan/ gleich wohl aber G g 2 viel Das VIII. Cap. viel Geld und Unkosten verursachen/ uñ es viel bes- ser und sicherer/ wenn zu Anfang ein recht Haupt R avelin gemachet worden/ daß man sich darauf mit Nachdruck wohl defendiren kan. (3.) F rage. Wie und wohin werden denn die klei- nen Lunettes gemachet; Die kleinen Lunettes kommen zu beiten Sei- en des Ravelins, und seynd nichts anders als klei- ne Raveline/ deren Capital Linie ungefehr halb so lang ist als die Capital des grossen Ravelins/ und schneiden sich die kleinen Lunettes an ihren Kehl-Puncten bey dem Haupt-Grabenab. Es ist aber von solchen Kindischen und allen kleinen Wercken nichts zu halten/ weil solche klei- ne Sachen/ wie in vorigen bereits gemeldet wor- werden/ nur viel Unkosten zu erbauen erfordern/ in der That aber wegen ihrer Kleinigkeit wenig Dienste leisten/ auch vom Feinde gar leicht eingenommen werden koͤnnen. Das IX. Cap. Von halben und gantzen Ca- ponnieren/ wie und wohinsol- che zu machen und mit nu- tzen zu gebrauchen? (1. Fra- Von halben und gantzen Caponnier en. (1.) Frage. Was werden bey der Kriegs Bau- Kunst Caponnieren genennet/ und wie werden solche eingethei- let? Caponnieren werden bey der Fortification ge- nennet die bedeckten Gaͤnge bey einer Festung unter dem freyen Himmel/ also/ daß der Feind mit seinen Hand-Grenaden der darein verdeckten Infanterie keinen Schaden Thun kan; ja wenn sie recht starck in der Hoͤhe bedecket werden/ kan man auch vor allen grossen Granaten und Einwerffen der Bomben dariñen sicher seyn. Es werden aber die Canponniren in halbe und gantze getheilet. (2.) F rage. Wie und wohin werden denn die gantzen Caponnieren gemachet und angeleget? Die gantzen Caponnieren koͤnnen zu Bestreich- ung eines Horizonts an unterschiedliche Oerter angeleget werden/ fuͤr nehmlichen aber pfleget man solche in die Haupt-Graͤben zu machen/ wenn sonst keine andere Horizontal-Defension daselbst erbauet ist/ und zwar gemeiniglich vor die Bollwercks-Spitzen/ und denn auch zu beiden Seiten des Ravelins bey dem Eingang seines Gra- bens in den grossen; wodurch denn aller Orten der Graben Horizontal kan bestrichen/ und die Feind G g 3 liche Das IX. Cap. liche Passage in so viel verhindert und verwehret werden. Dergleichen verdeckte Gaͤnge nun sie moͤgen halb oder gantz seyn/ kan man auch an an- dern Orten in den Aussen-Wercken/ u. wo etwan eine grosse Hoͤhe fuͤrhanden/ anlegen/ und sich sol- cher nicht allein zu Bestreichung des Horizonts/ sondern auch als retraiten u. Außfaͤlle/ sich darin- verdeckter Weise nach gestalten Sachen zu rete- ri ren oder zu avanci ren/ bedienen. Die Structur der gantzen Caponnieren ist folgende/ nehmlichen: man schneidet sich wenn es seyn kan 3. S. tief in die Erde ein/ und machet also einen Gang aufs hoͤchste von 12. S. breit/ die aus gegrabene Erde wird zu beiten Seiten des Grabens an Statt einer Brust auf geworffen/ ungefehr von 3. biß 4. S. hoch; in wendig in dem Gange werden zu bei- den Seiten Pallisa den gesetzet/ welche einen Schuh hoch uͤber diẽ Brust herfuͤr gehen: nach dem nun die beiden Brust-Wehren dieses Ganges hoch ge- machet/ nachdem muß man ein oder 2. Baͤncke in wendig an Pallisaden anlegen/ damit die Sol- daten darinnen beqvemlich den Horizont zu bei- den Seiten bestreichen koͤnnen. Die Bedeckung der gantzen Caponnieren geschiehet mit einem flachen Dache/ welches in der Mitte etwas erho- ben ist/ gestalt denn solches mit starcken Pfosten in der Mitte muß unterbauet/ und hernach das Dach an sich selbst von starcken doppelten euche- nen-Brettern/ oder welches sicherer u. besser/ mit starcken andern Baͤumen gemachet und feste ver- wahret Von halben und gantzen Caponnier en. wahret werden/ worauf man denn hernach die uͤbrige Erde aus der Caponniere auf das Dach aufschuͤttet/ und solches mit Eꝛde so hoch bedecket/ daß auch eine Bombe solchen nicht schaden kan. An Statt eines hoͤltzernen Daches kan man auch gewoͤlbte Caponnieren machen/ wenn sie allezeit bestaͤndig seyn sollen; das Gewoͤlb aber muß an sich selber zum wenigsten 3. oder 4. S. duͤcke seyn/ und mit Erden wohl beschuͤttet wer- den/ welches denn viel dauerhafftiger und bestaͤn- diger ist/ als die andere Bedeckung/ so von Holtze gemachet werden. (3.) F rage. Wie und wohin werden deñ die hal- ben Caponnieres anleget? Die halben Caponnieres kan man sonderlich wohl gebrauchen/ bey der Brust des bedeckten Weges/ zumal nach meiner Manier/ auch bey der inneren Brustwehre der Contrescarpe/ weil man durch solche oben wohl bedecket/ und fuͤr den Ein- werffen der feindlichen Hand-Granaden also sicher ist. Man kan sie auch an andere Oerter/ es sey in Graͤben/ oder auf gleichem Land Horizont, nach Gelegenheit/ wenn man nur anders in Ruͤ- cken sicher ist/ anlegen/ wie man solche vor nuͤtzlich und noͤthig halten mag/ iedoch soll man die Be- deckung nicht breiter machen als ungefehr 6. S. austragen moͤchten/ weil sonst/ wenn die Caponi- G g 4 er en Das IX. Cap. eren ihre geordnete breite uͤberschreiten/ welche doch zu nichts nuͤtzet/ die Bedeckung auch noth- wentiger Weise muß uͤber Gebuͤhr breiter ge- machet/ und also den feindlichen Granaten mehr exponiret seyn/ als eine schmale Bedeckung. Die halben Caponnieres koͤnnen auch entweder in die Erde 3. S. tief eingeschnitten/ oder auf blos- sen Horizont gleich erbauet werden/ wenn nur die Brust/ woruͤber die Defension geschehen soll/ zum wenigsten 6, S. hoch/ inwendig ver palli sa- diret/ uñ daran eine Banck anleget ist. Das Dach und Bedeckung wird nur allezeit von Holtze Baͤu- men und starcken Bretern gemachet/ mit Pfof- ten wohl unterstuͤtzet/ und mit Erden bedecket/ weil solche mehrentheils nur auf eine gewisse Zeit gemachet und dahero nicht gemauret werden. Das X. Cap. Von Redouten und Bonet- ten/ wie und wohin solche anzu- legen/ aufzureissen und ab- zustecken sind. (1.) F rage. Wie und wohin werden denn die Redouten gemachet? D Je Redout en sind viereckigte Feld-Schan- tzen/ welche gemeiniglich bey einer Belage- rung Von Redouten und Bonetten. rung/ und den Approch en und retrenchemnnt en sehr gebrauchet werden; Man leget solche auch auff gewisse Hoͤhen/ ingleichen an Paͤsse und Fluͤsse/ solche damit zu bedecken: Bey den Tra- vers en und andern Linien werden solche auch sehr gebrauchet/ und ist eine Redoute die gemeineste Feld-Schantze eine mit/ so vor diesem/ als auch noch heut zu Tage am uͤbligsten ist. Es koͤnnen aber die Redouten auf zweyerley Weise gema- chet werden/ nehmlichen recht viereckigt/ daß eine Seite im Quadrat so lang ist/ als die andere/ und denn ablaͤnglicht viereckigt/ daran 2. lange/ und 2. kurtze Linien sich befinden. (2.) F rage. Wie werden denn die viereckigte und ablaͤnglichte Redouten verfertiget/ und was ist sonst mehr dabey in acht zu nehmen? Die kleinsten Redouten in Quadrat sollen zu ie- der Seiten zum wenigsten 4. R. lang haben/ man kan sie aber auch groͤsser machen/ daß eine 6. 7. biß 8. R. lang ist, Die andern R edouten, von einem langen Viereck/ werden also gebauet/ daß die 2. langen Seiten von 12. biß 20. R. die 2. kurtzen Sei- ten aber zum allerwenigsten 2. R. lang seyn. Es werden aber die R edouten insgemein nur mit ei- ner Brust mit 1. 2. oder 3. Banquettes und einem Graben verfertiget/ und sollen solche mit Sturm- Pfaͤhlen wohl versehen/ auch zu Winters-Zeit G g 5 mit Das X. Cap. mit kaltem Wasser begossen werden/ da- mit die Brust mit Eiße uͤberzogen/ und so leicht vom Feinde nicht koͤnne erstiegen werden. Wenn kein Wasser in deren Graben/ muͤssen in die Mit- ten desselben Pallisaden/ um besserer Defension s- halber/ gesetzet/ die Brust mit Sturm-Pfaͤhlen verwahret/ und uͤber dem Graben abgehauen/ starcke Baͤume mit abgestumpfften langen Aesten herum geleget werden. Durch die Brust muß an dem sichersten Ort ein Eingan/ entweder nur von 2. oder 3. S. breit/ wenn kein Stuͤcke in die R edou- ten kommen soll/ oder 7. S. breit gelassen werden/ wenn darein soll Attillerie gefuͤhret werden; Die P assage uͤber den Graben soll man mit einer ziehm- lichen starcken Auf-Zug-Bruͤcken versehen/ wel- che hernach an Statt des Thors fuͤr dem Eingang dienen kan/ damit die gantze R edoute geschlossen sey. (3.) Frage. Kan man denn auch in einer Redou- te, eine Baterie aufrichten/ und aus- waͤrts der selben einige Minen anlegen? Nachdem es die Noth er fodert/ und die Redou- te auch groß genug ist/ kan man in dieselbige gar wohl eine Batterie aufrichten/ so sich nach der Front und auf den Seiten an den Banquertes ab- schneidet/ um 2. oder 3. kleine Feld-Stuͤcke oder Feld-Schlangen darauf zu pflantzen/ und den Land- Von Redouten und Bonnetten. Land- Horizont damit wohl zu bestreichen. Um die Redoute von aussen/ kan man auch einige Flo- der- Minen anlegen/ und solche bey ereignetem Sturm durch ein heimliches Lege-Feuer anzuͤn- den/ dem Feind also die Passage uͤber den Graben unsicher und schwer zu machen. (4.) F rage. Wie wird denn eine viereckigte Re- doute im Felde abgestecket/ und welches ist das P rofil darzu? Das Abstecken einer viereckigten R edoute im Felde wird gemeiniglich also verrichtet/ nehmli- chen man nimmt erstlichen eine Leine/ so in etliche R. getheilet/ und einen Strick von 1. R. lang/ wel- chen man in 12. gleiche Theile oder S. abtheilet/ und machet also nach des Pythagoræ Invention ei- nen rechten Winckel/ indem man die eine Linie/ als die Perpendicular und Cathetum 3. R./ die an- dere Linie und Basin 4. R. und die dritte Linie Hy- pothenusam oder Protensam 5. R. lang nimmt. Darnach stecket man in dem Punct des rechten Winckels einen Stab/ und verlaͤngert beyde Li- nien/ welche den rechten Winckel einschliessen/ so lang/ als eine Seite der Schantze seyn soll/ stecket abermahls an diese beyde Oerter 2. Staͤbe/ wor- auf denn die vierdte Seite mit einer gleich langen Linie bald zu finden/ und auf den bereits gezoge- nen Seiten abzuschneiden/ so ist also die viereckig- te R edoute nach der ersten Grund-Linie verferti- get. Das X. Cap. get. Das Abstecken einer laͤnglichten Redouten ist auch gantz leichte/ wenn man nur weiß/ wie lang eine iede Seite werden/ und wie weit eine lange Linie von der andern stehen soll. Das Profil zu denen R edouten und andern Feld-Schantzen ist am Ende dieses Theils mit angefuͤget/ welches denn nach Belieben kan vergroͤssert/ oder auch verringert werden/ wie es etwan die Gele- genheit des Landes und andere Umstaͤnde erfor- dern moͤchten. (5.) F rage. Wie und wohin werden denn die Bonnettes gemachet? Die Bonnettes sind nichts anders/ als die hal- ben viereckigten Redouten, wenn solche uͤber- zwerch mit einer Diagonal- Linien durchgeschnit- ten worden/ und werden sonst auch zwey ausge- setzte F acen geheissen/ deren S tructur gantz leicht- ist/ indem man die Linie/ worauf solche sollen gese- tzet werden/ in 2. gleiche Theile theilet/ aus dem Mittel-Punct eine Perpendicular aufrichtet/ in der Laͤnge eines Theils der Linie/ und ziehet solche mit Linien zusammen. Sie werden bey den Tren- cheen und Circumvallation s-Linien sehr gebrau- chet/ auch sonst hin und wieder in die Winckel ei- ner Festung gesetzet/ iedoch ist davon nicht viel zu halten/ wenn sie auf dem bedeckten Wege stehen/ davon bereits vorne gedacht worden. Das Von Stern-Schantzen. Das IX. Cap. Von Stern-Schantzen/ wie solche zu machen/ und wohin sie zu legen. (1.) F rage. Jst denn ein Unterschied zwischen den Stern-Schantzen und Redouten? D Je Stern-Schantzen differir en von denen Redouten, was den Gebrauch anlanget/ gantz nicht/ der Form und Nutzen aber nach/ sind sie anders und von besserer Defension und Flan- quir ung als die R edouten, und koͤnnen mit 4. 5. und 6. Ecken gemachet werden. (2.) F rage. Wie wird denn eine viereckigte Stern-Schantze gemachet? Eine viereckigte Stern-Schantze wird folgen- der Gestalt aufgerissen/ nehmlichen: Man ma- chet ein Quadrat, wie zuvor gemeldet/ von blinden Linien/ an welchem iede Seite von 4. 5. 6. 7. biß 8. R. lang ist/ theilet hernach iede Seite in acht glei- che Theile/ laͤsset aus der Mitten einwaͤrts ein acht Theil lang eine blinde Perpendicular- Linie fallen/ ziehet so dann von diesem Punct auf beyde Ecken der gantzen Seiten/ und verfaͤhret mit denen uͤbri- gen Seiten auf gleiche Manier/ so ist die vier- eck i gte Das XII. Cap. eckigte Stern-Schantze nach der ersten Grund- Linie fertig. (3.) F rage. Wie wird denn eine fuͤnffeckigte Stern-Schantze gemachet? Wenn man eine fuͤnffeckigte Stern-Schantze machen will/ muß man erst ein Fuͤnff-Eck formi- r en/ so groß/ als man es haben will/ und seyn muß/ hernach theilet man eine iede Seite in 6. Theile/ und laͤsset aus der Mitten einwaͤrts ein Sechstel- Theil lang eine Perpendicular- Linie fallen/ ver- faͤhret damit weiter/ wie bereits bey der viereckig- ten gedacht worden/ so ist auch solche/ nach der Grund-Linie zur Perfection. (4.) F rage. Wie werden denn die sechseckigte Stern-Schantzen gemachet? Die sechseckigten Stern-Schantzen kommen selten fuͤr/ und kan eine Seite auch in sechs Theile getheilet/ und im uͤbrigen damit verfahren wer- den/ wie schon angedeutet worden. Das XII. Cap. Von denen Feld-Schantzen mit halben Bollwercken/ wie und wohin sie angeleget werden? (1.) Von denen Feld-Schantzen. (1.) F rage. Wohin werden denn die Feld- Schantzen mit halben Bollwercken gele- get und gebrauchet? D Je Feld-Schantzen mit halben Bollwercken/ werden mehrentheils gebrauchet/ an solche Oerter/ die sich wegen einer Hoͤhe/ Morast/ Was- ser oder Tieffe abschneiden/ an welche Seiten die halben Bollwercke ordentlicher Weise pflegen geleget zu werden: Wie wohl man sie auch an- ders wohin fuͤglichen gebrauchen kan/ ob schon dergleichen Paͤsse und Abschnitte nicht vorhanden sind/ wenn nur anders die Flanquir ung an sol- chen Wercken gut gemachet ist/ damit solche zu D efendir ung der langen Linien sufficient seyn moͤ- gen. Es werden aber dergleichen Schantzen ge- meiniglich mit 3. oder 4. halben Bollwercken ge- machet/ und wird zu einer Seiten nicht gerne uͤber 6. R. genommen. (2.) F rage. Wie wird denn eine drey- oder vier- eckigte Feld-Schantze mit halben Boll- wercken gemachet? Eine dreyeckigte Feld-Schantze mit halben Bollwercken wird auf folgende Weise aufgeris- sen: Man machet einen gleichseitigen Triangel/ und theilet iede Seite in 3. gleiche Theile/ nimmt hernach ein Drittheil zur Haupt-Linie/ und setzet solches ausser dem Triangel auf einer blind fort gefuͤhr- Das XIII. Cap. gefuͤhrten Linie desselben/ nimmt auch so viel zur Keel-Linie; Die Flanquen setzet man perpendicu- larit er so lang auf/ als man sie haben will/ und zie- het vom aͤussersten Punct der Bollwercks-Spitze/ biß zu solchem Flanquen- Punct/ so hat man auch die F acen; Mit einer viereckigten Feld-Schantze/ von halben Bastion en wird auf gleiche Weise ver- fahren/ wie bey der vorigen/ wenn man nur an Statt des Trianguls ein rechtes Quadrat machet. Das Abstecken dieser und vorigen Feld-Schan- tzen ist aus dem Context gar leicht in acht zu neh- men/ wenn man nur die Haupt-Puncte der er- sten Grund-Linie/ und denn die Ordinanc e der Pro- fil e dabey in acht nimmt. Das XII. Cap. Von den 4. 5. und 6. eckigten Feld-Schantzen mit gantzen Bollwercken/ wie und wohin solche zu machen und anzulegen. (1.) F rage Wie wird denn im Felde eine vier- eckigte Schantze mit gantzen Boll- wercken in geschwinder Eil gemachet? Man machet erstlich ein rechtes Qvadrat/ wie zuvor gelehret worden/ hernach ziehet man mit den Lini- Von den 4. 5. und 6. eckigten Feld-Sch. Linien durch die 4. gegen einander stehende Win- ckel 2. Diagonal -Linien/ verlaͤngert solche uͤber die Winckel hinaus/ so lang als die Haupt-Linie seyn soll/ und verfaͤhret hernach mit Eintheilung weiter damit nach meiner Mecha nischen Art/ wie mehr mahlen gezeiget worden. (2.) F rage Wie wird denn eine regulare Feld- Schantze von 5. gantzen Bollwercken im Felde mit geschwinder Eil an- geleget? Man reisset erstlich ein regula 5. Eck auf Pap- pier theilet dessen eine Seite in so viel R. als solche im Felde lang werden soll/ und verfaͤhret mit dem Aufreissen weiter/ wie es sich gebuͤhret. Das Ab- stecken im Felde wird also verrichtet/ nehmlichen: Wenn man zu dem Centro des Platzes kommen kan/ so strecket man einem Struͤck aus demselben nach der Laͤnge des halben Diameters an dem Ort und Kehl-Punct/ da ein Bollwerck zu liegen kom- men soll/ stecket daselbst einen Stab ein/ muͤsset mit der Linie weiter die innerlichen Polygone eine nach der andern/ biß die Figur in allen sich recht schliesse/ kan man aber nicht zum Centro kommen/ so muͤsset man nur von einem Kehl-Punct zum andern die Figur/ wie der Riss nach dem verjuͤng- ten Maaß-Stab ausweiset. H h (3.) Das XIII. Cap. (3.) F rage. Wie wird denn eine 6. eckigte Feld- Schantze mit gantzen Bollwercken in geschwinder Eil verfertiget? Eine gantze 6. Eckigte-Schantze mit gantzen Auswercken wird im Felde gar selten oder gar nicht/ sondern nur eine halbe 6. Eckigte mit zwey gantzen/ und zwey halben Bollwercken in ge- schwinder Eil gemachet/ nemlich man muß zu An- fangs den Grund-Riss hirzu nach dem verjuͤngten Maaß-Stab zu Pappier bringen/ damit man er- fahꝛe wie lang iede Linie/ u. wie groß ieder Winckel recht seyn muͤsse; hernach wird auf den Felde mit Huͤlffe einer Leine/ welche so lang seyn muß/ als der Semidiameter auf den verjuͤngten Maaß- Stab den Ruthen nach befunden wordẽ/ aus den Mittel-Punct und Centro des Orts/ wohin der- gleichẽ Schantze soll geleget werden/ es sey nun ein Paß/ Bruͤcke/ oder waß anders/ ein halber Circul in Umkreisse des Platzes gemachet/ welcher Cir- cul denn in 3. gleiche Theile duꝛch den semidiameter getheilet wird/ wodurch man die innerlichen Poly- gonen bekoͤmmet. Wenn nun dieses verrichtet/ so wird die Operation mit Formir ung der Boll- wercke verbracht/ wie bereit schon angewiese wor- den/ und werden die 2. gantzen Bollwercke auß- waͤrts gegen das Feld zu/ die 2. halben aber ein- waͤrts gegen den Fluß/ Bruͤcke oder Paß zu al- lerzeit angeleget/ und nachdem Profil verfor- tiget. (4.) Von den 4. 5. und 6. eckigten Feld-Sch. (4.) F rage. Werden dann sonst keine andere Feld-Schantzen der Form, nach mehr gemachet/ als nur diejenigun/ so bißhero angewiesen worden? Gleich wie die Gelegenheit des terrains/ es sey auf einer Ebene/ an einem Flusse/ Moraste oder andern Passe/ oder auch auf einem Huͤgel oder Berge sehr unterschiedlich ist/ also koͤnnen auch auf unterschirdliche Formen und Arten die Feld- Schantzen erbauet werden/ weil sie sich alle nach der Gelegenheit des Platzes nothwendiger Wei- se richten muͤssen/ damit er vortheilhafftig mit einer Fortification beleget und eingeschlossen wer- de/ und kan hirunter einem nichts gewisses vor- geschreiben werden/ massen ein leder ingenieur nach seinem besten Vestand die Sache anordnen und außfuͤhren muß. Das XIV. Cap. Von dem Profi der Aussen- wercke/ groß und kleinen Feld- Schantzen/ und Trencheen oder andern Linien? (1.) F rage. Was ist denn ins gemein von den Profil der Aussenwercke/ und aller Feld-Schantzen in acht zunehmen? H h 2 Das Das XIV. Cap. Das Profil zu dergleichen Wercken kan un- terschiedlich seyn/ nach dem es die Gelegenheit und Eigenschafft der Situation/ und die Nothwendig- keit es erfordert/ weil manchesmahl ein kleiner Wall mit einer Brust/ oder ohne Wall eine hohe und starcke Brust mit vielen banqvetten/ oder auch nur eine ordinare Brust kan und muß ge- machet werden/ welches man alles zu vorhero wohl uͤberlegen/ und hernach das Profil darnach einrichten muß/ weßwegen/ auch der Inventor da- fuͤr Rede und Antwort geben soll/ wan etwas nicht recht gemachet/ und nach den F undamenten der Kriegs-Bau-Kunst recht angeleget worden. (2.) F rage. Welches sind den ohngefehr die Pro- file zu den Aussenwercken und gros- sen Feld-Schantzen? Breite Von dem Profil, \&c. (3.) F rage. Welches sind den die geringeren Pro- file zu dem Wercken nur mit einer Brust? Sie- Siebender Theil. Von der PRAXI , oder Off - und Defensiv-For- tification, auch was so wohl der eine Theil/ der eine Festung gedencket zu belagern/ und seine Ar- mée mit retrenchement en zu umb- geben; Als auch der andere Theil der eine belagerte Festung geden- dencket zu defendi ren darbey insgemein und specialiter in achtzuneh- men/ und sich zuver- halten. Das I. Cap. Von der Behudsamkeit und Fuͤrsichtigkeit/ wie auch von noͤthi- gen requisitis so voꝛ eineꝛ Belageꝛung und defendi rung einer Festung wohl in achtzuneh- men. (1.) F rage. Was hat derjenige Theil besonders in seinen Kriegs- Consiliis in acht zu neh- men/ welcher kuͤnfftig eine gewisse feindli- che Festung gedencker zu belagern? E S ist gewiß/ daß das Belagern und A taqui- ren einer Festung ein Werck von grosser Wichtigkeit und unerschoͤpfflichen Unkosten sey/ massen hierzu gar zu viel er fordert wird/ und kan ein Kriegs-Heer nirgend mehr ruinir et und stra- pazir et werden/ als bey Belagerung einer wohl erbauten/ mit einem tapffern und erfahrnen Com- mendant en nebst einer guten und zulaͤnglichen Garnison besetzten/ mit behoͤriger Artillerie bestell- ten/ und mit genugsamer Munition und Proviant, auch sonst mit allerhand nothwendigen Defensi- on s-Mitteln auf beste versehenen Festung; Da- hero derjenige/ so einen dergleichen Haupt-Ort H h 4 Willens Das I. Cap. Willens ist zu belagern/ nicht alleine ein solch im- portant es Vorhaben lange Zeit zu vorhero in gute und reiffe Berathschlagung/ iedoch in aller Stille und hoͤchstem Geheim ziehen/ und des Feindes Macht und Staͤrcke darbey wohl erwaͤgen/ son- dern auch Mine machen/ und der Welt einbilden muß/ als ob man gantz etwas anders fuͤrzuneh- men willens/ um den/ wo nicht bereits wuͤrckli- chen/ doch kuͤnfftigen Feind dadurch sicher zu ma- chen/ daß er im Gegentheil sich in Zeiten in keine gute Defension s-Verfassung setze. (2.) F rage. Was soll einer weiter zu seiner Fuͤr- sichtigkeit in acht nehmen/ welcher kuͤnfftig eine gewiße Festung gedencket zu belagern? Es muß derjenige/ so eine Festung belagern willens ist/ sich auch angelegen seyn lassen/ von des destinirt en feindlichen Orts und Festung ei- gentlichen Beschaffenheit/ so wohl/ was die Situa- tion und Auferbauung der Festung an ihr selber/ als auch ihre innerliche Defension s-Mittel anbe- langet/ heimliche und sichere Kundschafft einzuzie- hen/ und zwar solches entweder durch einen mit Gelde corrumpirt en und klugen Corresponden- ten darinnen/ oder in Mangelung dessen selbst ei- nige verstaͤndige Officier s und erfahrnen Inge- nieur s unvermerckter Weise/ wenn es seyn kan/ und es sich will practicir en lassen/ oder unter einem an- Von der Behutsamkeie und Fuͤrsichtigk. andern Prætext in veraͤnderten Kleidern/ als et- wan eines Geistlichen/ Kauffmanns/ Trompe- ters/ Tambour s/ Bauern/ Weibes-Bildes und dergleichen dahin abfertigen/ welche alle Gelegen- heit der Fortification mit Fleiß betrachten/ die De- fect en und Vortheile der Festung so wohl aͤusser- lich/ als innerlich in gute Obacht nehmen/ den Grund-Riß/ so viel moͤglichen/ davon bringen/ auch sich der Defension s-Mittel zugleich wohl er- kundigen/ was vor ein Commedant darinnen/ ob solcher tapffer und von guter Resolution, auch ob er die Fortification und Artillerie wohl verstehe/ wie starck die Besatzung und Buͤrgerschafft sey/ ob solche wohl mit einander sich vernehmen oder nicht/ wohin die Buͤrgerschafft insonderheit incli- nir e/ ob tuͤchtige und zulaͤngliche Artillerie, Muni- tion, Proviant und andere Nothwendigkeiten fuͤr- handen/ oder einiger Mangel daran zu finden/ und was dergleichen mehr ist/ dessen man sich nach Befinden der Sachen Umstaͤnde wohl vorhero informir en soll. (3.) F rage. Was fuͤr nothwendige Reqvisita soll derjenige bey zeiten an Handen schaffen/ welcher eine importante Belagerung mit nechsten gedencket fuͤr zu- mehmen? Es ist nicht genug/ daß derjenige/ so einen fe- sten und grossen Ort gedencket zubelagern/ fleißig H h 5 da- Das I. Cap. daruͤber vorhero consulire, uud so wohl des Fein- des als der Festung Zustandtes sich auf das ge- nauste erkundige/ sondern er muß auch dahin be- dacht seyn/ wie er die behoͤrige nothwendige Mit- tel und reqvisita in zeiten/ so wohl in qvalitate, als quantitate herbey und zusammen schaffe/ damit er nicht alleine sein Dessein moͤge wohl anfangen/ sondern auch solches ohne einigen Mangel gluͤck- lichen continuir en und ausfuͤhren: Dahero weil ein solches grosses Werck auch grosse Sumtus und Unkoste taͤglichẽ er fordert/ muß er fuͤr allen Din- gen einengewissen Font erklecklicher und zu laͤng- lichter Geld-Mittel/ als den nervum gerendarum rerum herbey schaffen/ daß imgeringsten hieran kein Mangel gespuͤret werde/ umb alle Nothwen- digkeiten hiervon einzukauffen/ und die Armee, als welche bey dergleichen occasion en sehr defati- gi ret wird/ richtig zubezahlen/ die travaillen, Muͤ- he und Gefahr zu versuͤssen/ und die Soldaten umb so viel behertzter zu machen: Weiter muß ein grosser Potentate sich umb tapffere und wohler- fahrne Officiers bewerben/ welche capable sind mit Rath und That der Sachen fuͤrzustehen/ und auf welche er sich bey allen Begebenheiten sicher verlassen kan: Jngl. muß man eine wohl eingerichte und starcke Armeé von infanteri als Cavalerie auf den Beinen haben/ welche nicht al- leine aus tapffern und manhafften Leuten/ son- dern auch aus wohl disciplinirt en und exercirt en Troupp en bestehen soll: Nechst diesem wird zu der- Von der Behutsamkeit/ und Fuͤrstichtigk. dergleichen Dessein insonderheit eine wohl einge- richtete Artillerie, meistens von halben Carthau- nen/ und 18. pfuͤndigen. Feld-Schlangen/ als Bat- terie Stuͤcken/ nebst andern groben Geschuͤtz von 12. und wenigen Pfundten erfordert/ umb sich de- ren nach Gelegen auf kleinen Bateri en hin und wider zu bedienen: Jngleichen muͤssen auch eine gute Anzahl grosser und mittel Moͤrser fuͤrhan- den seyn/ umb daraus nach Erforderung der Sa- chen Zustandt allerhand Arten Feuer-Werck auf die Wercke der Festung/ und gar in die Stadt zuwerffen. Zu dergleichen wohl formirt en Ar- mée nun gehoͤret nechst dem richtigen Solde fuͤr- nemlichen auch genungsames Proviant und Mu- nition; ingleichen genungsames Schantz-Zeug von allerhand Arten/ gute und erfahrne ingeni- eurs, mineurs und Feuer-Wercker/ als welche der Armée den Eingang in die Festung eroͤffnen/ und bey einer Belagerung das meiste thun muͤßen/ an welchen capabl en Leuten dann/ weil sie bey schweren Ataqv en zimlichen duͤnne pflegen gemachet zu werden/ sehr viel gelegen ist/ und an solchen im geringsten kein Abgang muß gespuͤhret werden/ will man anders einen erwuͤnschten Aus- gang seines unternommenen grossen Wercks er- warten und erlangen/ anderer Nothwendigkei- ten und Ataqvi rungs-Mittel zugeschweigen/ wel- che ein erfahrner Kriegs-Verstaͤndiger schon von selbst in Zeiten wissen wird herbey zu schaffen/ und zuveranstalten. (4.) F ra- Das I. Cap. (4.) Frage. Was hat derjenige grosse Potenta- te zu observir en/ wann die benachbarte Po- tenz sich so maͤchtig ruͤstet/ und entweder mit derselben schon in einem Krieg begrif- fen/ oder sich doch nichts gutes/ sondern ei- nes Einbruches und Belagerung von ihme zuversehen? Der andere Theil/ wann er entweder allbe- reit mit seinem maͤchtigen Nachtbar in einem Krieg verwickelt/ oder sonst in Erfahrung bracht/ daß derselbe seine Armée und Trouppen uͤber Noth sehr verstaͤrcke/ auch sonst grosse unge- woͤhnliche Kriegs- Apparatus mache/ woraus et- was sonderliches und haupsaͤchliches zu vermu- then/ zumahl wo nur die allergeringste Suspicion fuͤrhanden/ daß es seinem angrentzende Lande/ oder einer dem Feinde wohl gelegenen Festung gelten moͤchte/ soll kein Geld nicht schonen/ sich darmit unter des benachbarten Bedienten einige treue Correspondent en zu machen/ und auf seine Seiten zu bringen/ oder aber in Mangelung der- selben entweder unter einem gewissen Prætext, o- der gantz unvermerckter weise in verstelten Per- sohnen einige hirzu geschickte treue Leute an dem Hoff und Ort/ wo sich die benachbarte Potenz wuͤrcklichen auf haͤlt/ abzusenden/ damit er inge- heim alle Nachricht/ Discourse, vorhaben/ Ge- walt/ Von der Behutsamkeit/ und Fuͤrsichtigk. walt/ Thun und lassen verkundschafften/ sich in Zeiten darnach richten/ und in noͤthige Defen- sions-Positur an den Grentzen/ in allen Festungen/ und dem gantzen Lande setzen/ oder wo moͤglichen/ dem Contrepart selbst in seinem Lande zuvor kom- men/ und entweder eine Ravage darinnen thun/ oder einen sichern festen Ort unvermutheter wei- se mit Uberrumpelung in Eil wegnehmen/ und also des benachbarten Concept, wo nicht gaͤntz- lich/ iedoch zimlichen verruͤcken/ und Statum belli in dessen Land formir en moͤge; Dergleichen Raisonnements gehoͤren zwahr eigentlich zu der Kriegs- Politic, welches aber hier Incidenter muß mit berieret werden. (5.) F rage. Was hat derjenige Theil/ so einer Belagerung sich zu vermuthen/ weiters in acht zu nehmen/ und was soll er hingegen auf seiner Seiten fuͤr Anstalten machen? Wenn ein grosser Herr und Potentate seinen maͤchtigen Nachbar/ von welchẽ er sich nichts gu- tes zu vermuthen/ siehet starck werben/ und andere grosse Kriegs- Præparatoria machen/ soll er solchen darumb durch einen klugen abgeordneten lassen begruͤssen/ und vernehmen/ zu was En- de er solche grosse Kriegs-Verfassungen mache/ und wessen er sich deßwegen zu ihme zu- ver- Das I. Cap. versehen/ wenn er noch nicht wuͤrcklichen im Krieg mit ihme verwickelt: Bekoͤmt nun er eine cathegori sche resolution darauf/ daß er guter Nachbarschafft und fernerer Freundschafft ver- sichert wird/ so soll der doch allerdings nicht recht trauen/ sondern sich so viel moͤglichen unter der Hand in gute Postur setzen/ mit andern Poten - tzen Buͤndnuͤsse schliessen/ und in allen Dingen ein wachend Auge haben: Bekoͤmt er aber eine zweydeutige/ dunckele und keine richtige Ant- wort/ so soll er gantz nicht trauen/ zu mahl wann einige Streitigkeiten uͤber einige Prætensiones oder anderer Ursachen wegen unter ihnen fuͤr- handen/ sondern soll gleichfalß unter einem dun- ckelen Prætext starck werben lassen/ die festen Plaͤ- tze/ sonderlich diejenigen/ welche dem vermeinten Feind am nechsten und beqvemsten g el egen/ mit fleiß selbst besichtigen/ solche wo es noͤthig/ lassen reparir en/ nach Gelegenheit mit einigen Aussen- wercken in zeiten lassen verbessern/ die Jnwohner freundlich und gnaͤdig tractir en/ die Garnison an Infanterie, und Cavalerie verstaͤrcken/ die gantze Festung mit groben und andern Geschuͤtz/ Muni- tion, Proviant und allerhand andern Nothwen- digkeiten aufs beste und zum Uberfluß lassen ver- sehen/ die Buͤrgerschafft sich auf ein Jahr lang zu proviantir en anbefehlen/ einen grossen Vor- rath von allerley Schantz-Zeich in Bereitschafft haben/ eine grosse qvantit aͤt Faschin en/ Pallisad en Sturm-Kaͤsten/ Spanische Reuter/ Sturm- Pfaͤh- Von der Behutsamkeit/ und Fuͤrsichtigk. Pfaͤhle Schantz-Koͤrbe/ Feuer Spritzen/ und und Eimer lassen verfertigen/ auch sonst in allen Magazin en Apothecken/ Lazarethen und wegen der Muͤhlen und Brunnen solche Anstalt ma- chen/ damit hernach bey einer unverhofften Bela- gerung/ da dergleichen Sachen und Succurs nicht wohl/ oder gar nicht/ oder doch mit grosser Gefahr einzubringen/ und zu machen sind/ kein Mangel moͤge fuͤrfallen/ und die Festung dieser wegen vor der Zeit muͤsse uͤbergeben werden. (6.) F rage Was soll ein Commendante thun/ wann er sich einer Belagerung zuvermuͤ- then/ und umb die Festung grosse oder kleine un fortificir te Vorstaͤdte sich befinden? Wenn grosse Vorstaͤdte nahe umb die Fest- ung erbauet sind/ welches zwar wider alle Funda- menta der Fordification lauffet/ und aber der Lands-Herr und Commendante derselbigen Fe- tung sich gewiß einer kuͤnfftigen Belagerung zu vermuthen/ soll er in Zeiten die grossen Vorstaͤdte/ als welche man Anfangs nicht leichte selbst zu ruiniren pfleget/ entweder mit einer à parten For- tification umbgeben/ und selbige andte Haupt- Festung mit Anhaͤngen/ wann es anders die Zeit/ Gelegenheit/ und das Wetter leiden wollen/ oder doch zum wenigsten solche mit starcken R e- trenchementen einschliessen/ der Jnwohner beste Sachen Das I. Cap. Sachen aber lassen in die Festung bringen/ und sich auf begebenden Fall darinnen mit den ge- worbenen Soldaten so gut anfaͤnglichen Defen- diren/ als es moͤglich ist: Solten aber nur eine und andere Gassen und kleine Vorstaͤdte sich nahe umb eine Festung befinden/ soll ein Commendan- te kein Bedencken tragen/ solche gleich Anfangs bey einer wuͤrcklichẽ Belagerung selbst in Brand zu stecken/ ingleichen auch die grossen Vorstaͤdte/ wann ihre F ortifications -Wercke vom Feinde allbereit erobert worden/ und gar nicht dulten/ das einig Garten- oder ander Hauß/ Scheine/ Mauer/ Blancke/ Zaͤume/ Baͤume/ Gestaͤudte/ Keller/ Gewoͤlber/ und was nur dem Feinde zu einiger Bedeckung dienen koͤnne/ stehen bleibe/ sondern aus dem Grund hinweg geraͤumet/ die Grubẽ ausgefuͤllet und der Horizont gantz gleich gemachet werde/ damit man die gantze plaine, wo nicht auf einen Canonen, iedoch Mußqveten- Schuß lang umb die Festung entdeckung und be- schießen koͤnne. (7.) F rage Was soll ein fuͤrsichtiger Commen- dante thun/ der sich einer Belagerung/ zuͤvermuthen/ wenn entweder durch die Festung/ oder nahe an derselben ein Fluß gehet/ und die Graͤben alle voll Wassers sind? Wenn Von der Behutsamkeit und Fuͤrsichtigk. Wenn durch die Festung ein Fluß gehet/ muß ein kluger Commendante wohl zusehen/ daß des- sen Ein und Ausgaͤnge mit eisern starcken Fall- Gattern/ Ketten und Schleissen nicht alleine wohl verwahret/ sondern auch von Horizontal- Defension allerhand Geschuͤtzes wohl koͤnnen be- strichen und defendiret werden. Wenn ein Fluß nahe an der Festung vorbey gehet/ muß die Wasser Seite der Festung mit einer starcken Brust und eini g en niedrigen Baterien alles Flan- qven weise wohl versehen/ auch einige Schan- tzen und Aussen-Wercken disseits ober und unter der Festung angeleget werden/ damit der Feind sich keines Vortheils zuerfreyen habe. Gehet eine Bruͤcke uͤber den Flüß/ muß jenseits die Bruͤcke auch mit einer Schantze auffs beste verwahret werden. Befinden sich Jnsuln auff dem Fluße/ und zwar unweit der Festung/ es sey ober oder unter derselben/ muͤssen solche auch fortifici ret werden/ damit ein Feind auff dem Fluße keine Passage haben moͤge/ welches man denn auff dem festen Lande bey engen Passag en und aven uͤen/ in- gleichen bey den nahe gelegenen Hoͤhen gleichfals wohl observiren/ und solche mit Redouten, Traver- sen und andern Werckẽ belegen muß. Die Was- ser-Graͤben umb eine Festung muͤssen nicht allei- ne in Sommer von dem Schilffrohre und al- en andern Hinderungen gesaubert/ sondern auch zu Winterszeit Nacht und Tag geeiset und of- fen behalten worden/ welches dann mit conti- J i nu- Das II. Cap. nu irlichen hin undwieder ziehen einiger Bau- und anderer Hoͤltzer geschehen kan/ damit das Wasser in steter Bewegung bleibe/ nicht zufriere/ und ein Feind die Festung nicht uͤberrumpeln koͤnne/ wie bereits in vorigen schon gemeldet worden. Das II. Cap. Von Berennung einer Fe- stung/ wie das Lager zu schlagen/ und mit Retrenchement en zu umgeben/ oder die Festung zu bloqui ren und zu bom- bardi rẽ/ auch wie im Gegentheil der Com- mendan te in der Festung sich weiter zu verhalten/ und was beyde Theile wohl in acht zu nehmen. (1.) F rage. Wie soll ein grosser Potentat e oder General, der sich einen Haupt-Ort zu be- lagern fuͤrgenommen/ solchen anfans recht berennen/ und mit seiner Armée einschliessen? W Enn an einem Theile es festiglich beschlos- sen worden/ eines andern Herrn grosse Fe- stung ceremoniali sch zu belagern und zu stuͤrmen/ muß man wegen Berennung derselben wohl in acht nehmen/ daß man mit der gesamten Armée sich/ so viel moͤglichen/ anfangs der Festung zu Nacht naͤhere/ die Campagne aber in Fruͤh-Jahre antrete/ wenn schon Fuͤtterung im Felde fuͤrhan- den; Von Berennung einer Festung. den; Hernach muß man den folgenden Morgen darauf ohne Verzug die Cavalerie zu erst avanci- ren lassen/ und nach Gelegenheit alle Ein- und Zu- gaͤnge der Festung damit besetzen/ worauf denn gleich die Infanterie folgen soll/ und muß die gan- tze umliegende Gegend des Orts ordentlich mit Cavalerie und Infanterie durch einander und Re- gimenter weise/ oder wie es am besten der Sa- chen Zustand erfordern moͤchte einen Canon en- Schuß weit zu Lande und Wasser/ wenn dessen fuͤrhandẽ/ beschlosse werdẽ/ so/ daß nichts von dem Feinde weder aus/ noch in die Festung kommen und passir en koͤnne. Die saͤmtliche Bagage koͤmmt hinter ihre Regimenter zu stehen/ fuͤr die Artillerie aber wird ein sicherer Ort zu ihrem Parc und Lager angewiesen/ wo selbst sie mit ihrer Munition und andern Sachen wohl bestehen koͤnne/ beßgleichen auch bey Proviant und andern Aemtern muß in acht genommen werden. Solte aber aus ge- wissen Ursachen sich eine grosse Armée zertheilet haben/ oder andere Auxiliar-Trouppen erwar- ten/ muß fleißige Correspondenz zwischen ihnen gefuͤhret werden/ damit auf einem Tage und zu einer Zeit die Festung an allen Orten moͤge be- schlossen und belagert werden/ und nicht etwan nur ein Theil der Armée, zumahl wenn es schwach waͤre/ zu bald komme/ und Gefahr lauffe vom Feinde ataquir et/ und geschlagen zu werden/ ehe noch der andere Theil der Armée herbey kom- J i 2 men. Das II. Cvp. men. Eine Haupt-Festung aber nur an einem und andern Orte belagern/ und solche doch bestuͤrmen wollen/ ohngeacht der Feind darinnen einige Tho- re frey behaͤlt/ wodurch er nach Gefallen ohnege- fehr ein- und aus marchir en kan/ das ist gar nicht zu rathen/ weil man dafuͤr eine Armee gaͤntzlich ruinir en/ und doch nichts fruchtbarliches ausrich- ten wird/ auf solchen Fall ist es besser/ einen Haupt-Ort nur zu bloqui rẽ/ zu bombardir en/ und mit Feuer zu aͤngstigen/ auch nach Gelegenheit sich wieder zu reterir en. (2.) F rage. Wie soll das Campement einer Ar- mée fuͤr einer Festung eigentlich geschla- gen/ und andere Cautelen darbey in acht genommen werden? Das Campement einer Armée fuͤr einer Fe- stung muß nicht alleine ordentlich/ sondern auch wohl bedaͤchtig und fuͤrsichtiglich nach des Orts und Landes Gelegenheit also geschlagen werden/ daß die Fronte der Belagerer nicht gegen die Stadt/ sondern das herumliegende Feld zugehe/ hingegen aber so weit von der Festung entfernet sey/ daß man mit dem groben Geschuͤtz aus der Festung darein nicht spielen/ und einigen Scha- den verursachen koͤnne. Wenn fuͤr der Festung ei- nige Gruͤnde und Thaͤler fuͤrhanden/ so aus der Stadt nicht zu entdecken/ noch derselben allzu na- he Von Berennung einer Festung. he sind/ kan man sich darhinter wohl logir en/ mas- sen die Bogen-Schuͤsse der Armée wenig Scha- den thun koͤnnen. Wenn Defileen und Hoͤhen nicht allzuweit vor einer Festung sind/ sollen die Belagerer solche mit Feld-Schantzen wohl bele- gen/ und darinnen posto fassen. Muß die Armée um die Festung herum wegen eines Flusses oder Morastes in etwas zertheilet liegen/ muß man uͤ- ber solche Bruͤcken machen/ um die Communica- tion fuͤglich zu haben/ auch einander im Fall der Noth bestens zu secundir en. Gehet ein Fluß durch/ oder nahe an der Festung weg/ muß man ober und unter derselben auf einen Canon en- Schuß Bruͤcken machen/ vor dieselbe Ketten zie- hen/ bey deren Befestigung am Lande ver pallisa- dirte kleine Redouten, und andeꝛe Schantzen nach Gelegenheit zu dero Bedeckung aufwerffen/ auf dem Fluß aber hin und wieder Trianguls weise kleine Fahr-Zeuge mit Volcke aussetzen/ mit An- ckern im Wasser feste machẽ/ und solche auch mit einer starcken breternen Brust/ wodurch kleine Schieß-Loͤcher gehen muͤssen/ versehen/ damit al- ler Orten gute Wacht koͤnne gehalten werden/ und also nichts auf dem Flusse aus oder in die Fe- stung kommen/ noch den gemachten Bruͤcken/ auf was Art es auch sey/ einigen Schaden zu fuͤgen/ und solche ruinir en moͤge. Wenn die Festung an einem nahen Fluß lieget/ muß man die Wasser Seiten gegen uͤber disseits des Flusses auf festem Lande auch einige tausend Mann und Regimen- J i 3 ter Das II. Cap. ter legẽ/ damit die gantze Rivier um die Festung al- ler Orten recht beschlossen sey/ weñ man eine Cere- monial-Ataque gedencket vorzunehmen/ oder sonst einen Ort bloquir et halten/ um solchen aus- zuhungern/ da man einen solchen Platz nach Laͤn- ge der Zeit nur Quartier weise wohl verschantzet machen kan. (3.) F rage. Wie muͤssen die Circum- und Contra- vallation s-Linien um ein Campement vor einer belagerten Festung recht gemachet und gefuͤhret/ auch eines und das andere darbey in acht genommen werden? Wenn das Campement durch die Gerieralit aͤt/ und absonderlich durch den General-Quartier- Meister allen Regimentern/ so wohl von Cavale- rie als Infanterie, und sonderlich auch der Artil- lerie an sichere und bequeme Oerter/ damit alles trocken stehe/ und bey Regen-Wetter nichts leicht koͤnne uͤberschwemmet werden/ angewiesen/ und die noͤthigen Feld-Wachten vor/ neben und hin- ter der Armee ausgesetzet worden/ muß die gantze campir ende Armee gegen das Feld/ und auch der Festung zu mit R etrenchementen umgeben/ und hierdurch fuͤr allem feindlichen Einfall verwahret werden/ welches denn mehrentheils also verrich- tet wird/ nemlichen es recognoscir et das com- mandir ende Chef nebst andern Generalen und In- genieurs Von Berennung einer Festung. genieurs unter einer guten Escorte die umliegen d e Gegend selbst/ und wird mit saͤmtlicher fuͤrsich t i- gen Berathschlagung der Schluß gefasset/ wie so- thane Linien zur Sicherheit des Campement s am besten zu ziehen/ und mit noͤthigen kleinen und grossen Wercken/ auch mit gebuͤhrenden engen und weiten Auß- und Eingaͤngẽ vor Cavalerie, In- fanterie und Wagens anzulegen und zu machen: Die Passagen muͤssen zwischen zwey guten Flan- cken inne liegen/ damit auf dem Noth-Fall solche wohl koͤnnen bestrichen werden. Die groͤsten For- tification s-Wercke bey den Linien kommen gemel- niglich auf die Winckel/ Hoͤhen und Defileen, da- mit solche capable sind die Linien lincks/ rechts und in fronte wohl zu defendir en; Die kleinern wer- den auf die gleiche Linien gesetzet/ iedoch also/ daß sie uͤber einen Mußqueten-Schuß nicht von ein- ander kommen moͤgen/ damit alles wohl koͤnne flanquir et und bestrichen werden. Die Circum- vallation s-Linie wird zu erst gemachet/ und wird solche diejenige geheissen/ so nach dem herum lie- genden offenen Felde zu gehet/ weil man sich eher eines feindlichen S uccurs es und Einfalls von aus- sen/ als einen Ausfall von innen aus der Festung beraus zu befuͤrchten hat. Das Profil hierzu muß etwas starck gegeben werden/ so wohl wegen An- legung und Hoͤhe der Brust/ als auch wegen der Breite und Tieffe des Grabens/ damit man sich wohl hinter sothanen Retrenchement, als welches bißweilen sehr furi oͤs vom Feinde pfleget angefal- J i 4 len Das II. Cap. len/ und uͤberrumpelt zu werden/ defendir en koͤn- ne. Zwischen der F ronte der campir enden Armée und der Circumvallation s-Linie muß ein leerer Platz bleiben etwan von 100. Schritten breit/ da- mit im Fall der Noth die Armée fuͤglichen ausruͤ- cken/ und einen raumlichen Parade und Lerm- Platz haben moͤge. Die Contravallation s-Linie/ welche nach der Festung zu gemachet wird/ wird von der Circumvallation s-Linie auf 300. R. weit ungefehr angeleget und wohl bedaͤchtig gefuͤhret. Beyde Linien werden insgemein von guten zu- sammen gebundenen F aschinen und Erden gema- chet/ und wird die Arbeit unter die Regimenter zu Fuß/ und die Ingenieurs gebuͤhrender massen ein- getheilet/ die Cavalerie aber muß auf den Pferdten die Faschinen herzubringen/ so durch gewisse Com- mandir te in dem nechsten Busch-Wercke pflegen gemachet zu werden. Welches alles Abends zu- vor bey der Parole anbefohlen wird/ wie es in/ oder ausserhalb des Lagers mit den Wachten/ Arbei- ten und andern Kriegs-Gebraͤuchen solle und muͤs- se gehalten werden/ welcher Ordre man dann in allen genau nachleben muß. Zur Verfertigung der Trenchementen und aller andern Arbeit im Felde muß die Artillerie den behoͤrigen Schantz- Zeug hierzu hergeben/ an Aexten/ Betlen/ Hauen/ Schuͤppen und Spaden. Zu Fortbringung der Erden brauchet man in Campagne gemeiniglich Sand-Saͤcke/ davon eine wohl eingerichtete Ar- til- Von Berennung einer Festung. tillerie nach Proportion der Armée von allerhand Sachen eine ziemliche Quantit aͤt mit sich fuͤhren/ und allen Abgang hiervon bey Zeiten ersetzen muß/ damit kein Mangel hierunter fuͤrfallen/ und die noͤthige Arbeit ins Stecken gerathen moͤge zu grossem Schaden und Nachtheil der gantzen Ar- mée. Der Zeug-Schreiber bey der Artillerie haͤlt uͤber alles ein richtig Inventarium, und notir et auf alles/ was/ u. an wem er etwas auf Befehl seines Obersten u. Commendant ẽ ausgiebet/ welches deñ zu seiner Zeit ihme muß auch wieder uͤberliefert werden/ ohne was zu Schaden gangen/ an dessen Statt wieder neues gleich muß herbey geschaffet werdẽ. Kan man zu Verfertigung der R etrenche- menter Bauern und ander Land-Volck haben/ desto weniger werden die Soldaten strapazzir et/ welche doch hernach ohne deme genug mit den Wachten und andern Kriegs- Commandi zu ver- richten haben. Falls aber eine Armée nicht gar zu starck waͤre/ und koͤnte zumahl die weite Circum- vallation s-Linie nach der Gebuͤhr nicht besetzen/ und aller Orten bey einer feindlichen Ataque de- fendir en/ so muß man die Armée Quart ier-Weise campir en lassen/ und solche in unterschiedliche Cor- pora von 2. biß 6000. Mann starck vertheilen/ die Quart iere mit einer Communication s-Linien an einander haͤngen/ raumlich anlegen/ und reine halten/ iedoch muͤssen die Quart iere alle gegen ein- ander also gefuͤhret und beschaffen seyn/ daß auf J i 5 dem Das II. Cap. dem Noth-Fall sich alle einander wohl secundi- r en/ und leicht zusammen kommen koͤnnen/ wel- ches letztere auch bey einer Bloquir ung wohl kan in acht genommen werden. Jn die Circumvalla- tion s-Linie/ oder andere verschantzte Particulier- Quart iere soll das Feld-Geschuͤtz mit allem Zube- hoͤr hin und wieder gebuͤhrend ausgetheilet und aufgefuͤhret werden/ damit man sich dessen zu ie- der Zeit gleich bedienen koͤnne. Vor die Retren- c hementer auf 2. biß 300. Schritte werden auf lange Stangen Strohwische ausgestecket/ und Gruben gemachet/ worein die Soldaten ihre Nothdurfft verrichten/ damit das Lager von aller Unsauberkeit und Gestanck reine verbleibe/ wie denn auch die Marquetender und Schlaͤchter den Koth und andere Unreinigkeiten von dem ge- schlachten Viehe gleich in die Erde eingraben und verscharren muͤssen. (4.) F rage. Was hat dann hingegen ein kluger und fuͤrsichtiger Commendant zuthun/ wann er seine untergebene Festung also von Feinde berennet und belagert siehet? Wenn ein kluger und erfahrneꝛ Commendant e seine ihme anvertraute Festung also umrennet und belagert siehet/ soll er die gantze Garnison zu Fusse aus der Stadt lassen in dem bedeckten Weg aus marchir en/ sie in gewisse Posten daselbst ver- Von Berennung einer Festung. vertheilen/ inzwischen muß aus dem Zeug-Hause die Artillerie nebst allem Zubehoͤr auf die Waͤlle aller Orten auch aufgefuͤhret/ und insonderheit die langen Feld-Schlangen auf die hoͤchste Wer- cke/ als Cavaliers, Donjons und Thuͤrme gestellet/ und darmit zuweilen unter die feindlichen nahen Trouppen, zumahl aber auf diejenigen/ so die Fe- stung und deren Wercke geꝛne recognoscir en wol- len/ tapffer Feuer gegeben werden/ damit der Feind sich von der Festung um so viel weiter muͤs- se ablegen/ und das nahe Recognoscir en bleiben lassen. Die Buͤrgerschafft und andere junge Leute von Studenten/ Kuͤnstlern und Handwerckern soll ein Commendant alle aufzeichnen lassen/ solche in gewisse Compagni en und Troppen mit ihren Fahnen und Officiers eintheilen/ und auf ihre ge- wisse assignirt e Posten auf dem hohen Wall zu gleicher Zeit ziehen lassen. Die befindindliche Ca- valerie bey der Garnison muß unter dessen auch auf dem Glacis unter den Stuͤcken herum bravi- ren/ mit den feindlichen einzelen Trouppen nach Gelegenheit ein Charm uͤtzel wagen/ sich iedoch bald wieder reterir en/ um dem Feinde also zu zei- gen/ daß man starck und behertzt genug sey/ sich tapffer zu defendir en/ und eine scharffe Belage- rung auszustehen. Sind einige Bedeckungen als Defileen, Haͤuser/ Huͤgel und dergleichen nahe vor der Festung/ soll ein Comendant solche An- fangs gleich mit Volcke besetzen/ mit Brustweh- ren/ Das II. Cap. ren/ Graͤben und Pallisaden verwahren/ auch nach gestalten Sachen mit einem bedeckten Weg an die Festung zur Sicherheit des Ein- nnd Aus- marchir ens anhaͤngen/ damit die umliegende Ge- gend um so viel besser und mehr durch Horizontal- Defension moͤge bestrichen/ und der Feind ge- zwungen werden/ seine kuͤnfftige Aprochen desto weiter anzufangen. Kan man in dergleichen aͤus- serliche Posten/ wie sonst in dem ordenlichen be- deckten Weg/ auch einige kleine Feld-Stuͤcke/ eiser- ne Falcon ete und Moͤrser bringen/ um so viel mehr wird das Terrain dem Feinde unsicher/ und das R ecognoscir en einzeler Trouppen und A prochi- ren schwer gemachet werden; Von dem hohen Wall aber mit grossen Stuͤcken allzu viel auf die feindlichen Trouppen, zumahl wenn solche von der Festung ziemlichen entfernet marchir en oder cam- pir en/ canonir en/ ist nicht rathsam/ weil man nur darbey die Munition verschwendet/ die Stuͤcke er- hitzet/ ausbrennet/ und vor der Zeit verderbet/ und doch dem Feinde geringen Schaden thut: Dahe- ro ein Commendant das viele Canonir en aus grossem Gefchuͤtz zu Anfangs einer Belagerung unterlassen/ hingegen aber solches tapffer gebrau- chen soll/ wenn er den Feind etwan im Marchir en/ auf Abloͤsen der Wachten/ oder sonst damit wohl erreigen kan/ ingleichen/ wenn etwas vom Feinde zu seiner Bedeckung oder Baterien erbauet/ und Faschin en zur Arbeit getragen/ die Contrescarpe o- der Von Berennung einer Festung. der andere Aussenwercke von ihme bestuͤrmet/ die Graͤben passir et/ und General- Sturm soll gelauf- fen werden. Damit aber die Garnison und ander Volck in der Festung nicht gleich Anfangs mit Wachten allzu sehr strapazzir et werden/ soll ein kluger Commendant die Garnison und saͤmtliche Buͤrgerschafft/ was tuͤchtig ist/ Gewehr zu tra- gen/ wieder ab marchir en lassen/ und es also unter denselben veranstalten/ daß allezeit der dritte Theil darvon die Wachten auf dem hohen Walle und in dem bedeckten Weg wohl bestellen und versehen koͤnnen/ biß auf weitere Ordre, oder wenn der Feind allzu nahe avancir et/ und mit nechsten ein Sturm von demselben sich zu be- fuͤrchten/ da denn alles gleich zu Walle und auf die Wercke/ und behoͤrige angewiesene Posten marchir en muß/ wie es dißfalls angeordnet/ und iedem Regimente und Compagnie anbefohlen worden: Jedoch ist es am sichersten/ daß die ge- worbenen Soldaten alle zusammen von Infante- rie und Cavalerie gleich zu Anfangs in dem bedeck- ten Weg und andere Aussenwercke verleget/ und daselbst zu campir en und ordentlich zu wachen commendir et werden/ damit sie allen Falls gleich parat seyn/ und alle Gefahr tapffer abwenden koͤn- nen. Alles unnuͤtz Gesindel/ und was sich ausser der Garnison nicht erhalten kan/ auch sonst inca- pale ist in der Festung auf allem Noth-Fall Dien- ste zu thun/ die soll ein Commendant e auch gleich zu Anfangs der Belagerung ausjagen/ damit er um Das II. Cap. um so viel besser mit dem befindlichen Proviant bey einer langen Belagerung zureichen koͤnne. (5.) F rage. Was soll ein kluger Commendant, der seinem Herrn gedencket treu zu seyn/ und sich recht tapffer zu wehren/ noch weiters in acht nehmen? Weil auch bey Belagerungen eine Festung der Bomben/ gluͤenden und andern Ernst-Feuer- wercks-Kugeln Gefahr meistentheils mit unter- worffen/ als ist es hoͤchst noͤthig/ daß ein kluger Commendant e mit den andern Befehlichs-Ha- bern der Buͤrgerschafft eine gute Feuer-Ordnung abfasse und einrichte/ damit die Festung auch an den innern Haͤusern und Gebaͤuden allen Falls koͤnne erhalten und beschuͤtzet werden. Hierzu muß man nur am meisten employir en die Schor- stein-Feger/ Schiffer-Decker/ Zimmer-Leute/ Maͤurer und dergleichen/ wie auch die Buͤrger und Jnwohner von Manns- und Weibes-Perso- nen/ welche nicht capable seyn Gewehr zu fuͤhren/ gestalt man solche auch zu anderer Arbeit/ als zum Schantzen/ Bewahrung der Brunnen/ damit nichts unreines hinein kommen moͤge/ gebrauchen kan/ nachdem es die Nothdurfft erfordert/ weil Niemand bey gemeiner Gefahr sich entschuldigen soll. Alles Lauten der Klocken und der Schlag- Uhren muß eingestellet/ und wehrender Zeit der Bela- Von Berennung einer Festung. Belagerung nicht gebrauchet werden/ damit ein Feind sich nicht darnach richten/ oder solche desto eher zu rnini ren suchen moͤge. Alles Proviant in den Magazin en und Buͤrger-Haͤusern muß unter- suehet/ aufgezeichnet/ der Uberschlag davon auf ein Jahr nach Proportion der Jnwohner und gan- tzen Garnison gemachet/ und gewisse Leute daruͤ- ber zur taͤglichen Ausgabe bestellet werden/ damit hierunter im geringsten kein Mangel fuͤrfallen moͤge. Am Gelde zur Bezahlung der Soldaten muß gleichfalls kein Abgang seyn/ damit nicht al- leine ein ieder alle Monath seine richtige Gage zie- hen/ und die Tapffersten bey ihrem Wohlverhal- ten vor andern recompensi ret/ auch die andern zu gleichem Wohlverhalten animi ret werden moͤ- gen. Die gefaͤhrlichsten Thore soll man inwendig mit starcken ausgefuͤllten Sturm-Kaͤsten verse- tzen/ mit langen und dicken Bau- Holtze verstaͤm- men/ und mit Erde und Mist durch einander ver- schuͤtten/ daß der Feind mit keiner Canon en-Kugel durchschiessen/ oder sonst auf solche mit Spren- gung einen Einfall mit Vortheil thun koͤnne. Jst es noͤthig/ soll ein kluger Commendant bey einer Bombardirung das Pflaster auf den Gassen las- sen aufheben/ die hoͤchsten Daͤcher der Haͤuser und Kirchen abtragen/ solche/ wenn sie nahe am Walle gelegen/ und man sich disseits einer Ataque befuͤrchtet/ lassen ausfuͤllen/ um sich derer im Fall der Noth als Baterien zu bedienen. Die hohen Ca- Das II. Cap. Camin e und Thurme/ welche den Canon en- Schuͤssen nicht widerstehen koͤnnen/ kan er auch nach gestalten Sachen in Zeiten lassen einreissen/ und abbrechen/ damit solche hernach keinen Schaden thun/ und die Passag en mit ihren Ruin en nicht veꝛschuͤttẽ moͤgẽ. Sonderlich soll ein Com̃en- dant auf die Brunnen und Muͤhlen gute Acht ha- ben/ damit er allezeit zur taͤglichen Nothdurfft gut und frisch Wasser behalte/ auch im uͤbrigen kein Mangel am Mehl und Brode fuͤrfalle. Wenn der Buͤrgerschafft nicht wohl zu trauen/ und die Garnison starck genug ist/ muß ein Com- mendan t solche bey Zeiten disarmi ren lassen/ und nicht zugeben/ daß sie einige Versammlung un- ter einander haben/ noch des Nachts auf den Gassen und Strassen sich finden lassen. Wenn die Buͤrgerschafft ihre beste Effect en in Kellern und Gewoͤlbern nicht genug verwahren koͤnnen fuͤr besorgender Feuers-Gefahr/ muß ein Commen- dant hin und wieder in die Erde hierzu Gruben machen/ und solche oben wohl bedecken lassen. Jn Summa es muß ein rechtschaffener Com- mendant e auch in allen andern Sachen/ so zu gu- ter Defension einer belagerten Festung nach Be- schaffenheit der Ursachẽ und Gelegenheit der Ge- gend und des Platzes einigen Nutzen schaffen koͤn- nen/ fehr fuͤrsichtig und sorgfaͤltig seyn/ sonderlich/ wenn er wegen keines Abgangs der behoͤrigen De- fension s-Mittel kan/ und sich gedencket biß auf den Von Verennung einer Festung. den letzten Mann tapffer zu wehren/ soll er auch wegen der innerlichen Abschnitte/ und Communi- cation durch die Haͤuser/ gegen welche Orten die feindlichen A taquen moͤchten gefuͤhret werden/ in Zeiten gute Anstalt maͤchen und Vorsehung thun/ damit er sein Devoir recht in acht nehmen/ und sei- ne ihme anvertraute Festung/ so viel nur mensch- und moͤglichen/ beschuͤtzen und erhalten moͤge. Das III. Cap. Von dem Volcke nnd groben Geschuͤtz/ samt dem Proviant, Muni- tion und Schantz-Zeug/ wie viel deren so wohl zur Belagerung/ als Defendi rung ei- ner rea len Festung anzuwenden/ recht zu gebrauchen/ und was sonst darbey wohl in acht zu nehmen. (1.) F rage Wie starck muß wohl eine Armée von Infanterie, Cavalerie und A rtillerie seyn/ welche eine Haupt-Festung zu bela- gern/ zu ataqui ren/ und zu emport iren ge- dencket? E S ist bereits im vorigen schon gemeldet wor- den/ daß das Belagern einer Festung eine sehr importante Sache sey/ welche man zuvorhero K k wohl Das III. Cap. wohl und reifflich uͤberlegen soll/ weil sie grosse Unkosten/ und eine starcke Armée mit allem Zube- hoͤr erfordere. Wenn nun eine formal e und Cere- monial-Ataque mit Breche machen/ es sey mit Mini ren oder Canoni ren bey einer Haupt-Fe- stung/ so mit allen Defension s-Mitteln wohl ver- sehen ist/ soll fuͤrgenommen/ und auf allen Seiten recht eingeschlossen werden/ so gehoͤret hierzu eine Armée zum wenigsten von 50. biß 60. tausend Mann; Denn von rechts wegen gehoͤren sich fuͤr ieder grosser Festung zwey Haupt- Ataquen zu fuͤhren/ will man anders was fruchtbarliches ausrichten/ und sein Dessein bald erreichen/ sonst wird man das Volck und die Zeit nur verliehren/ und mit Schimpff und Schande die Belagerung wieder aufheben/ und mit grossem Schaden ab- ziehen muͤssen. Wenn nun der Contrepart auch ein maͤchtiger Potentate/ und eine starcke Armée aufbringen kan/ oder schon auf den Beinen hat/ die Festung auch der Situation nach also beschaf- fen ist/ daß der Eigenthums-Herr aller Orten mit seiner Armée zu solcher sich nahen/ und in selbige auf Verlangen einen starcken Renfort und S uc- curs einbringen kan/ so muß solche von den Bela- gerern auf allen Seiten mit dem Volcke recht ein- geschlossen/ und also mit Retrenchement en um- geben werden/ daß nichts weder ein noch aus vom Feinde passi ren koͤnnne/ zu welcher gaͤntzlichen Einschliessung nun eine starcke Armée auch fuͤr ei- ner Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. ner grossen Haupt-Festung gehoͤret/ um nicht al- lein die angefangenen Ataquen zu poussi ren/ son- dern auch die umzogenen Linien zu defendi ren/ und den ankommenden Feind zu repoussir en. Waͤre aber die S ituation der Ferstung/ und des herum liegenden Terrains also beschaffen/ daß man etwan nur durch einen gewissen Paß und Defi l ée zu derselben fuͤglichen kommen koͤnne/ als wenn solche etwan auf einem Berge/ im Moraste oder im Wasser lege/ so muß man fuͤr derselben so viel Volcks zu zwey Ataquen lassen/ als es moͤge genug seyn/ mit dem uͤbrigen Rest aber der Armée sich vor und an dem Paß setzen/ um den ankom- mende n S uccurs die Spitze zu biethen/ daß er durch denselben nicht durchdringen/ und der noth- leidenden Festung Assistenz leisten koͤnne. Zu ieder Ceremonial-Ataque aber gehoͤren nach gestalten Sachen 10. biß 12. tausend Mann/ als 7. biß 8. tau- send von Infanterie, und 3. biß 4. tausend von Ca- valerie, ohne Rechnung der Artillerie mit ihrem Zubehoͤr/ Ingenieurs und Mineurs, weil die Bela- gerer sehr fatiguir et/ und taͤglich an ihrer Zahl ver- ringert werden. Wenn nun ein solch grosses De- tachement zur Belagerung von einer Armée von 50. biß 60. tausend Mann abgehet/ so bleiben et- wan 30. tausend in allem uͤbrig/ so den feindlichen Succurs und Armée observi ren und die Belaͤgerer bedecken muͤssen/ welche Armée denn nicht allzu starck ist/ zumahl wenn der Feind mit einer Staͤr- K k 2 ckerern Das III. Cap. ckerern ankommen solte/ da die kleinere zu thun genug bekommen wird/ wenn sie sich gleich ver- schantzet/ wie es billig/ den Feind in seinem Vorha- ben zu hindern und abzuhalten/ welches alles denn bey dergleichen Entreprison muß wohl in acht genommen/ des Feindes Macht uͤberleget/ und der Festung Zustand ponderi ret werden/ so hernach bey Gelegenheit zu vermehren/ und zu mindern stehet. (2.) F rage. Wie viel Volcks/ so wohl von C ava- lerie als Infanterie, wird wohl zur Besa- tzung und Garnison einer Festung gerech- net/ daß sie ohne weitern Succurs capable sey bey einer schweren Belagerung sich recht zu defen- di ren? Wenn gleich eine Festung von Natur noch so wohl lege/ oder durch Kunst nach den F undamen- ten der Fortification noch so wohl erbauet waͤre/ so wird sie dennoch nicht capable seyn/ ohne zu- laͤngliche und behoͤrige Defension s-Mittel sich lange zu halten/ und eine harte Belage- rung in die Laͤnge auszustehen; Dahero es denn hoͤchst noͤthig/ eine Haupt-Festung/ woran Land und Leuten sehr viel gelegen/ mit allen R equisitis aufs beste zu versehen/ so zu einer D efension und tapffern Gegenwehr im Fall der Noth erfordert werden/ weil man solche nicht allezeit/ zumahl/ wenn Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. wenn sie von einem maͤchtigen Feinde schon be- rennet und belagert/ in dieselbe bringen kan. Wie starck aber eigentl ich eine Garnison an Mann- schafft in allem seyn muͤsse/ solches wird unter den Herrn Ingenieurs ziemlichen disputi ret; Denn einige wollen behaupten/ man muͤsse die Garnison nach der gantzen Circumferenz des hohen Walles reguli ren/ und auf iedem gemeinen Schritt einen Mann rechnen; Geschehe nun solches nur mit ei- ner Linie/ so waͤre dieses vor eine kleine Garnison zu halten; Wuͤrde aber die Linie verdoppelt/ so wuͤrde folches eine mittel maͤßige Garnison seyn; Wenn man aber eine rechte starcke Garnison ha- ben wolte/ muͤste man den Haupt-Wall und des- sen Circumferenz also drey doppelt besetzen. An- dere rechnen auf iede 10. Mann des Feindes und der Belagerer 1. Mann hinter dem Wall und in der Festung zu deren Besatzung. Einige propor- tioni ren die Garnison nach Vielheit der Bastione n auf dem Haupt-Wall/ und zwar also/ daß sie bey einer grossen Festung 300. bey einer mittlern 400. und bey einer kleinern 500. Mann rechnen. An- dere richten die Besatzung ein nach Anzahl der A- aquen, und der Orten/ so am schwaͤchsten/ und vom Feinde koͤnnen angegriffen werden. Alleine man darff sich an dergleichen Eintheilungen nicht allezeit halten/ und muß man hierinnen fuͤrnemli- chen ansehen/ ob die Festung der natuͤrlichen Ge- legenheit nach recht vortheilhafftig erbauet/ und K k 3 mit Das III. Cap. mit guten Flanqui rungen versehen/ auch ob viel Buͤrgerschafft in derselben fuͤrhanden/ und wie solche mit ihren Landes-Herrn/ und Commendan- ten der Festung stehe: Sind diese Sachen alle richtig/ und hat man sich dieser wegen nichts boͤses zu besorgen/ so ist nicht noͤthig/ daß eine gar zu starcke Carnison darein geleget werde/ inmassen solche zum oͤfftern Hungers-Noth/ graßirende Seuchen/ Empoͤhrungen und ander Unheil mehr verursachen kan. Jch meines wenigen Orts halte dafuͤr/ daß man die Gatnison s starck genug formi- re/ wenn man in grosse/ weitlaͤufftige Haupt-Fe- stungen/ wo eine starcke und treue Buͤrgerschafft innen ist/ 8. biß 10. tausend Mann an Infanterie und Cavalerie lege; in eine mittelmaͤßige Festung 6. biß 8. tausend/ und in eine kleine 4. biß 6. tausend/ und zwar dieses alles stehet zu vermindern und zu vermehren nach Befindung der Sachen Umstaͤn- de/ nnd erheischender Nothdurfft; duͤrffte man a- ber der Buͤrgerschafft/ so in grosser Anzahl sich in der Festung besindet/ nicht wohl trauen/ so muß man solche/ wie beꝛeits gemeldet/ nicht alleine des- armi ren/ sondern man muß auch die Garnison zum wenigsten so starck/ als die Buͤrgerschafft an Menschen ist/ oder nach Gelegenheit etwas staͤr- cker darein legen/ um auf allen Fall der malcon- ten ten Buͤrgerschafft gewachsen zu seyn/ und sol- che in Zaum zu halten. Befindet sich denn an ei- ner Festung eine à parte Citadelle, muß man auch in Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. in solche zum wenigsten 15. hundert/ biß 2. tausend geworbener Soldaten rechnen/ nachdem solche groß oder klein ist. Auf iede tausend Mann Fuß- Volck zur Garnison kan man 100. Mann von Ca- valerie rechnen/ wenn zumahl die Festung auf ei- ner Plaine lieget/ und darinnen sonst F ourage ge- nug fuͤrhanden: Lege aber solche im Wasser/ Moraste oder auf einem Berge/ oder waͤre sonst in derselben wenig Fuͤtterung fuͤrhanden und zu bekommen/ so muß man entweder gar keine/ oder doch nach Proportion der Infanterie gar wenig Ca- valerie hinein legen/ so zum noͤthigen R ecognosci- ren von weiten nur einiger massen koͤnne genug und dienlich seyn. (3.) F rage. Was hat sonderlich ein Commen- dan te in einer belagerten Festung wegen seiner unterhabenden Soldaten/ als auch der Buͤrgerschafft wohl in acht zu nehmen/ damit er solche bey ihren Devoir erhalten moͤge? Weil in eine belagerte Festung man nicht alle- zeit Volck und neuen Succurs nach Belieben und erheischender Nothdurfft einbringen kan/ anderer Defension s-Mittel voritzo zu geschweigen/ so muß ein kluger C ommendan te folgende Stuͤcke wohl in acht nehmen/ nemlichen/ daß er zufoͤr- derst unter der Buͤrgerschafft und Soldatesca/ so K k 4 viel Das III. Cap. viel nur immer moͤglichen/ ein gutes Vertrauen und Harmonie erhalte/ damit keine innerliche R e- bellion und Aufruhr entstehen moͤge. So muß er auch beyder Gemuͤther durch kluges Zureden also gewinnen/ daß sie sich alle einmuͤthigsich entschlies- sen/ bey ihme Zeit wehrender Belagerung Gut und Blut aufzusetzen/ und die bedraͤngte Festung moͤglichster massen helffen zu defendi ren. Das Leben und die Gesundheit/ zumahl der ar- men Soldaten soll er ihme sehr angele- gen seyn lassen/ und deßwegen auf dem Haupt- Wall/ und in andern Aussenwercken gute und be- queme Corps de garde und Schilder-Haͤußlein haben/ damit die Soldaten/ so wohl vor der gros- sen Sonnen-Hitze/ als auch vor dem Regen und Nacht-Froste/ welche leicht Kranckheit erwecken koͤnnen/ versichert seyn moͤgen. Er soll sich gegen solche allezeit wie ein Vater und treuer Ober- Herr/ nicht aber wie ein Tyrann auffuͤhren/ ihre Klagen und Noth gerne anhoͤren/ sie mit Klei- dern/ Speiß und Tranck/ insonderheit aber die Krancken und Verwunden mit guten Artzeneyen und fleißiger Verpflegung versehen lassen/ sie auch zu Zeiten selbst besuchen/ daß sie nicht das Hertz und die Staͤrcke nebst dem guten Willen und Vermoͤgen verllehren/ sondern vielmehr durch solche gute Unterhaltung ihrer ungluͤckhaff- ten Camerad en angetrieben/ aller Gefahr sich de- sto williger unterwerffen/ und ihre Schuldigkeit mit Freuden verrichten moͤgen/ sintemahl kein C- lend Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. lend so groß/ welches man einem rechtschaffenen Soldaten mit suͤssen Worten/ und guten Wer- cken nicht solte ertraͤglichen und leicht machen koͤn- nen. Er soll uͤber Noth die Soldaten und Buͤrger- schafft mit Wachen nnd Arbeiten nicht zu sehr strapazzi ren/ sondern die Eintheilung hierunter also machen/ daß ein ieder/ wenn es seyn kan/ zwey Tage zu seiner Ruhe und Abwarsung frey haben moͤge. Er soll sie auch alle zum Gehorsam anhalten/ und daß so wohl durch ernsthaffte Be- straffung ihrer Fehler/ als auch durch milde Be- lohnung ihres Wohlverhaltens; Denn die Furcht der Straffe/ und der Geld-Geitz finden sich gemeiniglich bey geringen Leuten/ diejenigen aber/ an welchen etwas Ehr-Geitz verspuͤhret wird/ muß er suchen durch Ehrerbiethung zu ge- winnen/ weil die Ehre die einige Belohnung ist heroi scher Tugend. Diejenigen/ so an Brechen, Minen und Retrenchement en arbeiten/ soll ein Commendant fleißig dezahlen/ denn in dem Kriege oͤffters die Pickel und Schauffeln mehr thun/ als der Degen und das Geschoß. Er soll auch der Gar- nison und Buͤrgerschafft niemahls flati ren/ und ihnen Hoffnung machen/ daß sie einen Entsatz/ o- der gute Capitulation zu erwarten haben/ weil man die Soldaten und Jnwohner dadurch nur heilloß und nachlaͤßig machet/ und wenn der Suc- curs ausbleiben solte/ wuͤrden sie ei n en Commen- dant en bey einer harten Belagerung zur Uberga- K k 5 be Das III. Cap. be endlichen zwingen wollen/ und ist hierinnen das beste/ daß er ihnen gleich anfangs der Bela- gerung zu verstehen gebe/ wie ihre gantze Hoff- nung nechst GOtt auf ihrer Tapfferkeit/ und die Erhaltung der Festung auf einer guten Defension bestehe; Jedoch soll er selbige nicht lassen gantze Naͤchte durch ohne grosse Noth Feuer geben/ da- mit sie nicht allzu sehr ermuͤdet/ und bald ver- drossen gemachet werden/ masseu auch ein solch groß und continuir lich Feuer nirgends zu dienet/ als nur die Munition unnuͤtzlich zu verschwenden/ des Feindes Aprochen auch hierdurch gar nicht verwehret/ und jehr wenig verhindert werden koͤnnen: Derohalben es rathsamer/ die Solda- ten und den groͤsten Theil der Munition anfangs in etwas zu menagi ren/ und solche zu rechter Zeit/ als zu Beschirmung der Graͤben/ Brechen, Ab- schnitte/ und Abschlagung der Stuͤtme zu gebrau- chen. Es soll auch ein Commendant den Solda- ten und allen andern verbiethen/ daß keiner unter ihnen mit dem Feinde im Vor posten, oder uͤber andere Wercke anfange zu discuri ren/ es moͤge auch antreffen/ was es im̃er wolle/ sondern sie viel- mehr mit guter Ordre u. Bescheidenheit zu ihrem Devoir anhalten/ damit die Garnison u. der Feind destomehr gegen einander verbittert werden. Es soll ein kluger Commendant/ wann der Feind noch ziemlich entfernet/ die Garnison niemals in gros- ser Anzahl zu dem Ausfaͤllen gebrauchen/ sondern alle- Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. allezeit kleine Ausfaͤlle/ und nicht anders/ als um nahmhaffter Ursachen willen/ solche thun lassen Denn die grossen Außfaͤlle sind bey noch so ge- stalten Sachen den Belagerten allezeit schaͤdlich; Hingegen die kleinen/ wenn sie zumahl wohl und unvermerckt angestellet werden/ allezeit nuͤtzlich; Und obgleich von den Außfallen den wenig auff dem Platze bleiben/ so ist es doch ein unwieder- bringlicher Schade der Festung so weder durch die Anzahl derjenigen/ welche dem Feinde in den trencheen erschlagen/ noch durch andern Vor- theil kan ersetzet werden. Es soll auch endlich ein Commendante bey seiner importanten Charge wohl zusehen/ daß er sich nicht zuviel unterstehe/ und alles lasse auf das letzte und aͤuserste ankom- men/ sondern nach Beschaffenheit der Festung/ und der saͤmtlichen Defension s-Mittel mit hoͤch- ster Fuͤrsichtigkeit hierinnen verfahre/ anders moͤchte ihme solches fuͤr keine Tapfferkeit und Tugend/ sondern fuͤr eine Halßstarrigkeit/ Ver- wegenheit und Laster zugerechnet/ und schwere Verantwortung von ihme gefordert werden/ zu- mahl wenn die Festung mit Sturme endlich uͤ- bergehen solte. Was nun bißhero wegen Tracti- rung der Garnison von einem Commendant en ge- meldet worden/ das kan auch auf gewisse Masse von allen andern General en ausserhalb einer Fe- stung bey Belagerung und Bataill en/ oder andern Action en verstanden werden/ massen von dem Chef Das III. Cap. Chef einer Armée alle Verantwortung seines Thuns und Lassens gefordert wird/ und daher selbiger nicht behutsam und sorgfaͤltig genug sich erweisen kan/ damit er von seinen Thaten guten Ruhm und Nach-Lob erlangen/ auch seine Re- nommee ungeschmaͤhlert erhalten moͤge. (4.) F rage. Wie viel/ und was fuͤr grobes Ge- schuͤtz soll eine Armée mit ins Feld fuͤh- ren/ welche entweder eine Belagerung gedencket fuͤr zunehmen/ oder auch keine/ und was ist darbey mehr in acht zu nehmen? Wenn eine Armée zu Felde gehet/ und nicht willens ist eine Belagerung zu thun/ so darff solche so viel und großes grobes Geschuͤtz nicht mit sich fuͤhren/ als eine andere/ welche einen importan ten feindlichen Ort zu ataqvi ren ge- sonnen ist/ weil hierdurch wegen der Anspan- ne und anderer Sachen halber viel Unkosten koͤnnen erspahret/ und auch mit kleinen Feld- Stuͤcken etwas fruchtharliches ausgerichtet werden/ solt man gleich eine harte Battaille wagen und thun muͤßen. Bey dergleichen Armé en nun/ so nur den Feinde im Felde ob- servi ren/ und nach Gelegenheit sich mit ihme schlagen/ keinen festen und importan ten Ort a- ber belagern wollen/ soll man uͤber viertel Carthaunen nicht mit sich fuͤhren/ maßen auf wei- Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. weiten und vielen Maͤrchen die all zu großen Canon en in tiefen und engen Wegen beschwer- lich sort zubringen/ die Wege und Bruͤcken verderben/ und die Armée vielmahls an einem guten Dessein verhindern und retardi ren. Die F alcone te/ und kurtze Feld-Stuͤcke von 3. 4.36. und mehr Pfundten woraus nachgelegenheit Cartaͤtzschen Ketten und Stangen-Kugeln un- ter Volck koͤnnen geschossen werden/ sind hier- zu am beqvemsten mit. Befindet man es fuͤr gut/ kan man auch einige wenige Haubitze und Moͤrser von einen kleinen caliber zugleich mit zunehmen/ umb bey creigneter occasion etwas Cartaͤtzschen und Bomben darauß zuschießen und zuwerffen. Man rechnet aber gemeinig- lich bey einer solchen herumbschweiffenden Ar- mée auf tausend Mann 1. Feld Stuͤck/ und nach Gelegenheit auch weniger oder mehr/ wie man es der Wege und des Vorhabens halber am rathsamsten und dienstligsten urtheilet. Wenn aber eine Armée zu Felde gehet/ mit dem gewissen Vorhaben/ sich an einem Orte lange aufzuhalten/ und eine Festung zu belagern/ alsdann muͤßen hierzu/ was die Artillerie und Feuerwerckerey anbelanget/ nicht alleine große Anstalten und præparatoria vorhero gemachet/ sondern auch grosse baterie Stuͤcke von 18 biß 24, Pfund nebst vielen Moͤrsern und haubitzen von mancherley Calibern in zulaͤnglichter qvan- tit aͤt mit allen Zubehoͤr zu Lande und Wasser/ so es Das III. Cap. es seyn kan/ mit und nachgefuͤhret werden/ da- mit man zu zwey Ataqven nicht alleine in allen genug Vorrath/ sondern auch etwas in reset- ve habe/ wann ein und ander grobes Geschuͤtz von Feinde oder von den vielen Schiesen solte beschaͤdiget und unbrauchbar gemacht werden. Nechst diesen baterie Stuͤcken muß man auch noch einige Viertels Carthaunen u. 6. Pfundter haben/ umb mit solchen hin und wieder auf des Feindes Wall die Schießschartzen unsicher zu- machen/ und wo es noͤthig/ herumb zu flanqvi- ren. Gantze oder drey Viertel Carthaunen aber einer Armée, ob solche gleich eine Festung zu belagern gedencket/ nach zufuͤhren/ ist nicht rathsam/ zumahl wann es auf der Axe geschehen muß/ weil solches große Unkosten erfordert lang- sam hergehet/ und doch nicht einen allzugroßen Nutzen schaffet/ maßen zwey halbe Carthaunen Schuͤße mehr effectuir en koͤnnen/ als ein Schuße aus einer gantzen Carthaune. Nachdem man nur einen festen Ort vor sich hat/ oder nicht/ nachdem muß man auch die Bateri en dafuͤr groß oder klein und also anlegen/ daß man in dieselben aus der Festung nicht Flanqui ren kan. Muͤssen nun die Haupt- Bateri en zum Brech-Schiessen/ wenn die feindlichen Wercke anders mit Cano- nen sollen gefaͤllet werden/ groß gemachet werdẽ/ so gehoͤren auch viel Baterie -Stuͤcke darein/ und werden solche gemeiniglich 24. biß 18. Sch. von ein- Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. einander gestellet/ die grosten von 24. Pfund in die Mitten/ die 18. Pfuͤndigen Schlangen aber auff beyde Seiten; Wiewohl man auch nach Gelegenheit bißweilen viertel Carthaunen auch zu eusserst auff die Seiten stellen kan. Die ge- ringste Haupt- Bateri e muß zum wenigsten 10. o- der 12 Haupt Baterie Stuͤcke haben. Die groͤ- sten Bateri en aber koͤnnen mit 30. und mehr Bate- ri e Stuͤcken besetzet werden. Die Haubitze die- nen vor einer Festung nicht sonderlich/ es waͤre dann/ daß man solche bedeckt gegen den ausfal- lenden oder sonsten ankommen Feind mit Car- taͤtzschen geladen gebrauchen/ oder gewisse Wall- Granaten aus denselben in die Wercke schtessen wolte. Die Moͤrser sind vor einer Festung sehr noͤthig/ umb nicht alleine dann und wann in die Haͤuser der Festung Bomben oder andere Brand-Kugeln zu werffen/ und der Buͤrger- schafft/ wann solche sich mit der Garnison wohl vernimmt/ und die Festung bestens defendi- ren hilfft/ mit Feuer loͤschen etwas zu thun zu- machen; sondern man muß auch fuͤrneml i chen aus denselben viele b omb en auf die Pasteyen und feindlichen Wercke werffen/ damit so wohl das Volck duͤnne zu machen/ als auch das gro- be Geschuͤtz zusamten Lave ten nnd Munition zu ruini ren/ wie man dann auch hiermit fleißig suchen soll/ des Feindes Pulver und andere Ma- gazin -Haͤuser bald im Brand zubringen/ und ihn zu einer baldigen Ubergabe der Festung zu obli- Das III. Cap. obligir en/ maßen solcher ohne Munition sich nicht laͤnger halten kan. (5.) F rage. Wieviel und was fuͤr grobes Ge- schuͤtz soll man zu defendi rung einer Festung haben? Was die Vielheit und Anzahl des groben Geschuͤtzes/ welches man zu Defendi rung einer Festung von noͤthen/ auch anlanget/ so sind die Herrn Ingenieurs abermals ungleicher Mei- nung/ und wird hierinnen von den allerwenig- sten der rechte Zweck getroffen/ woruͤber sich a- ber nicht zu verwundern/ weil die meisten die Artillerie und ihre force nicht verstehen/ und da- hero davon reden/ als ein Blinder von der Far- be/ welches aber ein großer Mangel ihrer Wis- senschafft ist/ und allerdings seyn will nebst der Fortification auch die Artillerie im fundament zu verstehen/ will man anders sich signalisi ren/ und nach Gelegenheit von allen mit Verstan- de raisonni ren. Die unterschiedliche Sentimen- te hier anzufuͤhren/ ist unnoͤthig: Die meisten gehen dahin und meinen/ weil auch die allergroͤ- sten Armé en auf einmahl mehr nicht als zwo Ataqven thun und fuͤhrnehmen koͤnnen/ und zwar solches nicht allein in Ansehen der Plaͤtze/ als auch fuͤrnehmlichen wegen ihrer eigenen Unmoͤglichkeit/ so muͤße man die Anzahl der Stuͤcke alleine nach den zwey Ataqven, nicht aber Von dem Volcke nnd groben Geschuͤtz. aber der Vielheit der Bolwercke in der Festung ein richten/ und waͤre dahero schon genung/ wann mann bey zwey Ataqven zwey Flanqven mit 30. Baterie -Stuͤcken von 24. Pfund besetzen/ die uͤ- brigen Linien aber mit andern wenigen geringern Stuͤcken auf dem Noth-Fall zu samt der infan- trie im Feuer halten koͤnne. Welcher artillerie und Kriegs-Verstaͤndiger siehet aber nicht/ daß solche Anzahl der Stuͤcke in eine Festung viel zu wenig sey/ weil der Feind/ will er anders etwas Fruchtbarliches ausrichten/ bey zwey Ataqven nicht alleine zwey/ sondern wohl vier Flanquen an der Festung ruiniren muß/ dahero es dann noͤthig/ das solche vier Sreich-Linien/ als die staͤrcksten Theile einer Festung/ mit guten Baterien- Stuͤckẽ/ der Facen zugeschweigen/ muͤssen besetzet werden. Jch will die Anzahl der Stuͤcke nicht propor- tioniren nach Vielheit der Ataqven/ oder Bas- tionen, wie manche gethan/ da sie 6/ biß 8. Stuͤcke auf iede Pastey gerechnet/ sondern ich halte da- fuͤr/ daß/ wenn man einmahl resolvi ret A. zu- sagen/ und eine Festung erbauet/ sie mag nun groß oder klein/ mit oder ohne C itadelle seyn/ man auch B. sagen/ und in derselben alle noͤthige Defensions. Mittel/ sonderlich aber ein wohl ge- spicktes Zeug-Hauß von allerhand Sorten klein oder groben Geschuͤtzes/ Carthaunen/ Schlangen/ Haubitzen und Moͤrsen haben/ und also auch diese Unkosten nicht ansehen muͤsse/ widrigen Falls hilfft eine erbauete Festung L l einem Das III. Cap. einem Lande nicht viel/ ja sie ist vielmehr schaͤdlich/ wenn solche aus Mangel der behorigen Pertinenz- Stuͤcke einem Feind vor der Zeit muß uͤbergeben werden/ welcher solche hernach mit allem schon besser versehen/ und zu seinem grossen Vortheil gebrauchen wird. Andern ihre Opinion zu lassen/ halte ich dafuͤr/ daß man bey einer kleinen Fe- stung von 6. biß 7. Bastion s ohn gefehr hundert Stuͤck grobes Geschuͤtz ordonni ren muͤsse/ wor- unter 40. biß 50. metall ene Baterie- Stuͤcke an halben Carthaunen und gantzen Feld Schlan- gen von 18. Pfund seyn sollen/ die an- dern kleinern Stuͤcke von 1. biß 12. Pfund inclusive koͤnnen nach Belieben von Metall oder Eisen seyn/ iedoch sind die ersten am bequemsten und dauerhaffsten. Deßgleichen soll man auch in eine solche Festung zum wenigsten 6. Moͤrser von 60. biß 300. Pfund/ und 6. Haubitze von 20. biß 50. Pfund haben/ um sich deren nach Gelegen heit wohl bedienen zu koͤnnen. Bey mit- telmaͤßigen Festungen von 8. biß 10. Ecken/ koͤn- nen 150. Stuͤck grobes Geschuͤtzes wohl emploi - ret werden/ und muͤssen darunter 50. biß 60. Bate- rie -Stuͤcke seyn/ ingleichen 8. biß 9. oder 10. Moͤr- ser und Haubitze von unterschiedlichen Calibern. Jn grossen Festungen muß man an die zwey hun- dert Stuͤck grobes Geschuͤtz haben/ darunter 60. biß 70. Baterie -Stuͤcke seyn sollen/ ingleichen 12. Moͤrser von 60. biß 600. Pfund/ auch 12. Haubitze von 20. biß 50. Pfund. Jst an grossen Fe- Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. Festungen noch eine Citadelle, so muß solche/ gleich wie bey der Garnison gedacht/ auch mit à part en groben Geschuͤtz an die 50. biß 60. Stuͤcke/ nachdem sie groß oder klein ist/ versehen seyn/ und soll man allezeit lieber zu viel/ als zu wenig an al- len gebuͤhrenden Defension s-Mitteln in einer Fe- stung haben/ weil daran leicht Schaden und ein Abgang kan gespuͤhret werden. Uber halbe Car- thaunen aber soll man in einer Festung nicht ha- ben oder gebrauchen/ massen das allzu grosse Ge- schuͤtz bey deren Loßbrennen nur die Waͤlle und Mauern erschuͤttern; Viele Falckonette aber und Doppelhacken sind sehr nuͤtzlichen/ um dar- mit manchen Prahler und Recognosci rer in der Weite von Pferdte und Vrodte zu helffen/ und das allzu nahe Recognosci ren desto unsicherer zu machen. Mit dem groben Geschuͤtz muß man vor allen Dingen und fuͤrnemlichen suchen des Fein- des Bateri en zu ruini ren/ und mit Ernst Feuer- wercks-Kugeln zu verbrennen/ wenn man solche in gleicher Linie damit erlangen kan/ ingleichen auch alles Verschantzen und Eingraben in dem Haupt-Graben zu verwehren. Die Haubitzen koͤnnen bey Bestuͤrmungen in Graben/ oder auch sonst mit Carthaͤtzschen Miracul thun; Aus den Moͤrsern aber soll ein Commendant in die nahen Aprochen viele Steine unaufhoͤrlichen/ inglei- chen auch auf die Bateri en und Kessel- Bomb en werffen lassen/ um darmit dem Feinde in allem einen grossen Abbruch zu thun. L l 2 6.) Das III. Cap. (6.) F rage. Wie viel Munition pfleget man auf iedes grobes und kleines Geschuͤtz Zeit einer Belagerung/ oder auch ein Jahr lang in ei- ner Festung gemeiniglich zu rechnen/ und was ist darbey zu observi ren? Auf iedes grobes Geschuͤtz wird in Zeit einer Belagerung 600. Schuͤsse Munition, und auf ie- den Soldaten des Tages 8. biß 10. Schuͤsse gemei- niglich gerechnet. Auf ieden Moͤrser und Haubi tz kan man die gantze Zeit uͤber mehr als 1000. Schuͤsse rechnen/ ohne der munition, wel- che man sonst zum Feuerwercks Sachen ver- brauchet/ so man leicht uͤberschlagen/ und dar- nach die Anstalt auf ein odeꝛ mehꝛ Jahr deꝛ noͤthi- gen munition halber/ am Pulver/ Kugeln/ Lunten Schwefel/ Salpeter/ Kohlen/ Pech/ und andern dergleichen zubehoͤr machen kan. Ein Uber- schuß und guter Vorrath hierinnen ist allezeit zu loben/ und soll man die Munition, sonderlich aber das Pulver wie ingleichen das proviant nicht an einem oder zwey Oerter nur alleine/ sondern sol- che hin und wieder an vielen Oertern der Fe- stung wohl verwahret halten/ massen darzu so wohl aus eigener Unvorsichtigkeit/ als auch und sonderlich wegen des Feuer einwerffens von Fein- de/ leicht Schadengeschehen kan/ welcher Abgang dann Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. dann nicht gleich wider zuersetzen ist/ und gerei- chet socher einer Festung zum hoͤchsten Schaden und præjudiz. (7.) F rage Mit wie viel Proviant, und allerhand Victuali en soll man eine Festung/ zu mahl in Krieges Zeiten versehen/ und was ist sonst darbey in acht zu nehmen? Nach dem eine Festung groß oder klein/ und also die Garnison starck oder schwach seyn muß/ nachdem muß man auch viel oder wenig Proviant haben; wie wohl es besser ist/ daß man auch hier- innen lieber mit zu vielen/ als zuͤ wenigen verse- hen ist/ weil dergleichen Sachen zum taͤglichen/ gebrauch nothwendig erfordert werden/ und kan man eher das Geld/ als die Victuali en entrathenn wenn ja eines unter diesen zwey Stuͤcken etwan mangeln solte. Man muß aber des Provian ts in einer Festung zum wenigsten so viel haben/ als man einen Sommer hindurch/ oder so lang sich ein Feind im Felde zuhalten vermag/ be- darff. Gemeiniglich rechnet man anf ieden Soldaten des Tages 2. Pfund Brods/ 2. Maaß Bier/ oder ein Maaß Wein/ und 1. Pfund Fleisch: eine Pferdt portion ist taͤglich 7. Pfund Haber/ 8. Pfund Heu/ und woͤchentlich 2. Bun- Stroh. Welches alles man dann nach propor tion der Garnison uͤberschlagen und ausrechnen L l 3 kan Das III. Cap. kan/ wie viel man auff ein oder mehr Jahre zu noͤthiger und nothduͤrfftiger Unterhaltung der Menschen und des Viehes haben muͤsse. Der Buͤrgerschafft wird gemeiniglich von Commen- dant en/ oder dem Lands-Herrn selber anbefoh- len/ daß sie sich auff 1. Jahr lang zum wenigsten mit allen provianti ren/ und versehen muß/ und wer dann solches wegen Armuth nicht anschaffen kan/ der muß sich in Zeiten aus der Festung ma- chen mit seiner Familie, zumahl wann er nicht mehr capable ist/ das Gewehr zufuͤhren/ ehe der Ort noch vom Feinde berennet nnd wuͤrcklichen belagert wird. Solte aber eine Festung welche nicht recht provianti ret waͤre/ unverhofft vom Feinde uͤberrumpelt/ belagert oder ataqui ret wer- den/ also/ daß man diesen proviants Mangel auff keinerley Weise ersetzen koͤnte/ so muß ein kluger Commendant den Vorrath an Victuali en in der gantzen Stadt/ und unter der Buͤrgerschafft flei- ßig lassen auffverzeichnen/ gewisse Ausgeber da- ruͤber bestellen/ die solches sowohl unter der Garni- son, und nothleidenden Buͤrgern taͤglich austhei- len/ damit beyde Theile nothduͤrfftig koͤnnen er- halten/ und zu defendi rung der Festung gebrau- chet werden/ weil die Nothwendigkeit kein Gese- tze hat/ iedoch muß man nach ausgestandner Gefahr demjenigen/ wie billig/ der Schade ersetzet werden/ so einigen Vorschuß an Victuali en dem Communi bono zum besten/ und also zu Erhal- tung Von dem Volcke und groben Geschuͤtz. tung der Fesiung in Zeit der Noth hergegeben/ und fuͤrgeschossen hat. (8.) F rage. Mit was/ und vielerley Sorten Schantz-Zeug soll eine Festung versehen seyn? Es ist im vorigen schon gemeldet worden/ wie alle Magazi nen mit guten und zulaͤnglichten Vor- rath in einer Festung sollen versehen und angefuͤl- let seyn/ desgleichen dann auch von Holtz und Zim- mer-Hoͤfen zuverstehen/ darinnen es am Brenn- Bau- und andern Holtze zu Pfosten/ Bohlen/ und Bretern/ so man zu Unterbauung der Galleri en und anderer Wercke vonnoͤthen hat/ keinen Man- gel haben muß. So muß man auch in einer Fe- stung einen grossen Vorrath haben an allerhand Schantz-Zeug/ als da sind Hauen/ Schauffeln/ Pickel-Brech-Eisen/ Aexte/ Beile/ Saͤgen/ Haͤmmer/ Schlegel/ Schieb-Karren/ Rade- bergen/ Koͤrbe und Saͤcke zum einfassen und Tra- gen der Erde/ und was nur einigermassen zur Ar- beit und Beschuͤtzung einer Festung kan nuͤtzlich seyn; und obwohl nur die Helffte einer Garnison zum hoͤchsten zur Arbeit emploiret wird/ und da- hero man etwan von ieder Sorte so viel rechnen wolte/ als die halbe Garnison an Manschafft auß- truge; so muß man doch bedencken/ daß viel Schantz-Zeug bey der Arbeit zerbricht und rui- L l 4 ni ret Das IV. Cap. ni ret wird/ zugeschweigen der Buͤrgerschafft/ so zu dieser zeit/ auch das Frauen-Volck nicht ausge- nommen/ alle mit arbeiten und helffen muͤssen/ wann die Noth an den Mann gehet/ also daß es hoͤchstnoͤthig ist des Schantz-Zeuges auch eine gute Qvantitæt in Zeiten herbey zuschaffen/ und hiriñen lieber einen Uberfluß/ als einen Mangel zuhaben; andere gute Anstalten wird ein kluger erfahrner Commendant selbst wissen zu ver Anstalten nach der Sachen Gelegenheit und etheischender Nothwendigkeit. Der Feind aber vor einer Fe- stung so das Land offen hat/ kan durch zufuhre/ wenn anders ihme solche vonseinem Contrepatt nicht unsicher gemachet/ oder gar abgeschnitten wird/ den Abgang seiner ataqvi rungs Mittel in allen leicht eꝛsetzen von zeiten zu zeiten/ welches abeꝛ ein eingeschlossener Ort nicht thun kan/ und dahero gleich Anfangs auf aller hand genugsame Defen- di rungs Mittel muß bedacht seyn/ um solche wuͤrck- lichen in Zeiten herbey schafften. Das Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. Das IV. Cap. Von Ceremonial-Ataqvi- rung und Defendi rung einer Festung/ von Verfertigung und De- fendi rung der Aprochen Redouten und Baterien ingleichen von Contre-Apro- chen Contre-Baterien und Außfallen/ auch was sonst darbey vor Anstalt zu ma- chen und in acht zunehmen ist. (1.) F rage. Was ist von den Ataqven zu halten/ so nicht cermoni alisch sind/ das ist/ wo man keine Aprochen und Baterien machet sondern mit den Degen in der Hand in der Furie einen Ort uͤberrumpelt/ und was ist davon zuhal- ten? Ehe und bevor man zu Erklerung und Jnhalt dieses Capitels schreitet/ wird es noͤthig seyn diese erste Frage zueroͤrten/ und darauf zu antworten/ nemlichen/ obman wohl koͤnte vorgeben/ daß durch eine schleinige und furioͤse Uberrumpelung mit dem Degen in der Faust/ man eher seine Inten- tion koͤnne erreigen/ die Zeit und Unkosten er- L l 5 spah- Das IV. Cap. spahren/ und so viel Volck/ als bey den langsamen aprochiren gemeiniglich zugeschehen pfleget/ nicht verliehren/ auch sonst auf dergleichen Manier ei- nige Oerter gluͤcklichen emportiret worden; So ist doch solches eine sehr gefaͤhrliche und desperate Sache/ worzu kein vernuͤnfftiger General vor ei- ner importanten Haupt Festung ohne Verletz- ung seines Gewissens rathen kan/ noch wird. Man laͤsset zwar gelten/ das einige kleine Oerter und geringe Festungen ohne sonderliche Contre- scarpen wie auch die Feld-Schantzen/ Trencheen und andere Linien also koͤnnen uͤberrumpelt wer- den/ und auch wuͤrcklich erobert worden/ so ist doch hiraus keine Folge zumachen/ und diese Manier keines Weges auf eine Belagerung vor einer realen Festung zu ziehen; denn/ wenn es gleich ei- nem gelingen koͤnte/ sich durch List oder Gewalt einer wohl angelegten Contrescarpe dergestalt zu nahen/ und hernach darauf Post o zu faßen/ so ist es sich doch darauf nicht alle mahl sicher zu verlaßen indem wann es mißlingen solte/ das Volck in der R etirate auf freyen Felde also unbedeckt von der Festung aus Stuͤcken und Handgewehr uͤbel wuͤrde zugerichtet/ und bẽgleidet werden: Gesetzt aber/ es ginge in einer finstern Nacht so thaner desperater Handel und Furioͤse action an/ so darff doch am Tage sich auf dem blosen Glacis und Land Horizont Niemand sehen u. blicken lassen/ u. kan also der Feind/ ob er sich gleich eingeschantzet/ und eini- Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. einiger Massen posto gefasset/ durch einen star- cken und Furioͤsen Ausfall leicht wider zu ruͤck- getriben/ und aus seinen vermeithen Vortheil repoussi ret werden/ weil er aus dem Lager nicht wohl zu secundi ren ist. Derohalben es am rath- samsten und sichersten ist/ wenn man mit Blute nicht will besprenget seyn/ keinen Scheu zu trage/ auch Zeit und Arbeit nicht anzusehen/ mit Erden bestaubet zu werden/ und die langsamen a prochen zueroͤffnen/ indem es verantwortlicher/ einen Freund das Leben zuerhalten/ als 10. Feinden das ihre zunehme/ ja es ist besser in einer so impor- tanten Sache mit Verlust mehrerer Unkoste/ und einer laͤngern Zeit gewiß zugehen/ als sich in der Geschwindigkeit den zweifelhafften Gluͤcke an zu vertrauen/ und in der gantzen Haup-Sache fehl zustreichen. (2.) F rage. Wie viel A taquen koͤnnen vor einer Festung auf einmahl zugleich fuͤrgenom- men werden/ und was ist darbey sonst in acht zu nehmen? Man muß vor allen Dingen allhier einen Un- terschied machen/ ob die Festung groß/ mittelmaͤs- sig oder klein sey/ und ob eine Citadelle an der Festung fuͤrhanden/ so kan alsdenn diese Frage am besten beantwortet werden: Jst die Festung groß/ wohl fortifici ret/ und mit einer guten Gar- nison Das IV. Cap. nison nebst einer Zahl-reichen treuen Buͤrger- schafft versehen/ so ist es unstreitig/ daß man noth- wendiger Weise solche an zwey besondern Orten mit Ernst ataqui ren muͤsse/ die Brechen moͤgen gleich mit Untergrabung und Minen/ oder nur bloß mit Canon en gemachet werden/ nachdem es die Gelegenheit des Ortes am besten erfordern wird; Denn mit einer Ataquen wuͤrde man fuͤr einer solchen Festung gar wenig ausrichten/ und mehr rechte Ataquen als zwey zufuͤhren/ wuͤrde viel zu kostbar/ nicht wohl moͤglichen/ und gar schaͤdlichen seyn/ weil man so denn entweder gar kleine Ataquen von wenigem Geschuͤtz auf iedem Ort machen muͤste/ oder so es doch geschehen koͤn- te/ alle behoͤrige Ataqui rungs-Mittel in grosser Quantit aͤt etwan fuͤglichen auf einem Strohm zu- zufuͤhren/ so koͤnte doch aus so vielen Ataquen uͤber die Festung weg durch die Canon en und Bomben einander selbst leicht Schaden zugefuͤget werden; Dahero es denn am sichersten und besten vor ei- nen grossen Ort rechte zwey besondere Haupt- Ataquen zu fuͤhren/ also daß iede Haupt- Baterie etliche 20. 30. und mehr Baterie -Stuͤcke fuͤhre/ so kan man in kurtzer Zeit etwas rechtes voll bringen/ und einen Feind/ wenn er denn Ernst siehet/ bald zu andern Gedancken bringen/ massen er seine in- nerliche Force nicht alleine allezeit muß zertheilen/ sondern auch Nachts und Tages solche Anstalten machen/ damit er der aͤuserlichen Gewalt einiger massen widerstehen moͤge/ wodurch aber die Gar- nison Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. nison und innerliche Mannschafft sehr entkraͤfftet wird. Vor einer guten und wohl bestelten mittel- maͤßigen Festung/ wenn man auch nicht 2. ziemli- che Ataquen an besondern Orten aus gewissen Motiv en fuͤhren will/ so aber billich seyn soll/ kan man entweder eine gantze Polygone, und also zwey Bastion s zugleich in einer Linie ataqui ren; o- der aber/ wenn solches aus erheblichen Ursachen nicht koͤnte bewerckstelliger werden/ zwey Ataquen an besondern Orten fuͤhren/ doch also/ daß eine darunter eine rechte grosse Haupt- Ataque von vielen Baterie -Stuͤcken/ die andere aber nur eine Fausse Ataque sey/ um den Feind in der Festung zu verfuͤhren/ damit er seine Force zertheilen/ und al- ler Orten ein wachtsames Auge haben muͤste/ weil er nicht die Intention des Contrepart s wissen kan/ wodurch denn eine Garnison nicht wenig kan fatigui ret werden. Vor einer kleinen Festung kan eine ernsthaffte Ataque auch genug seyn/ iedoch muß solche/ wie ingleichen alle andere Festungen dergestalt aus allen Seiten eingeschlossen seyn/ auch wohl nach Gelegenheit darbey eine Fausse A- taque gefuͤhret werden/ damit der Feind in der Fe- stung recht geaͤngstiget werde/ und keines Succur- s es oder andern Zufuhre sich erfreuen koͤnne. Waͤre aber einer grossen oder mittelmaͤßigen F- stung eine Citadelle beygefuͤget/ so muß man wohl erwaͤgen/ ob die Citadelle eben so leicht/ als die Stadt selbst koͤnne belagert und erobert werden/ oder Das IV. Cap. oder nicht; Wenn die Citadelle leicht zu belagern und wohl zu ataqui ren ist/ so kan man solche An- fangs nur alleine ohne die Stadt ataqui ren/ dar- bey aber/ so viel moͤglichen/ verhindern/ daß sie weiters mit der à part en Festung keine Communi- cation haben moͤge; Denn erobert man auf sol- che Weise die Citadelle zu erst/ welche meisten- theils viel besser und sester erbauet sind/ als die Stadt selbsten/ so kan man hernach auch der Stadt bald Meister werden/ indem eine rechte Citadelle die Stadt allezeit commandi ren/ und mit Vortheil beschiessen muß/ welches aber bey Eroberung einer Stadt gegen die noch freye Ci- tadelle nicht so wohl geschehen kan: Auf dem an- dern Fall aber muß man Stadt und Citadelle zu- gleich belagern und ataqui ren/ oder aber sehen/ daß man der grossen Stadt und Festung zu erst sich bemeistere/ und alsdenn versuchen/ die a parte Citadelle, Donjons, oder andere innerlich erbaue- te Wercke auf Hoͤhen und Felsen gaͤntzlich einzu- schliessen/ und mit Canon en oder Bomben unauf- hoͤrlichen zu beaͤnstigen/ und also zur Ubergabe auch zu zwingen. Was bey dergleichen Begeben- heiten mehr wird in acht zu nehmen seyn/ wird ein kluger und verstaͤndiger General selbst wissen an- zuordnen/ massen die Gelegenheit/ Zeit und ande- re Umstaͤnde wohl muͤssen erwogen werden. (3.) Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. (3.) F rage. Wie und gegen welche Festungs- Theile und Wercke sollen denn die Ata- quen heut zu Tage recht gefuͤhret wer- den/ und was ist sonst darbey in acht zu nehmen? Ehe man zum Eroͤffnen der Aprochen schreitet/ muß man vorhero nothwendig wissen/ welche Wercke und Oerter der Festung am besten und vortheilhaffsten zu ataqui ren/ damit man hernach desto desser posto fassen/ die Aprochen wohl an- fangen/ und auch gluͤcklich fortfuͤhren koͤnne. All- hier gilt es aber Kunst/ und erfordert solches eine gruͤndliche Wissenschafft und lange Praxin der Fortisication, wenn man den eigentlichen Zweck nach dem aͤusserlichen Augenschein nur in einer so hochwichtigen Sache wohl treffen will. Hat aber man einen gewissen Grund-Riß der gantzen Fe- stung so ist solches sehr gut/ und kan man so denn ohne grosses Recognosci ren die Sache in Gegen- wart der saͤmtlichen Generalit aͤt/ und allen Kriegs-Bau-Verstaͤndigen/ oder auch nach Gele- genheit nur mit den Fuͤrnehmsten und E r fahrne- sten uͤberlegen/ so fern man nur auch des aͤusser- lichen herum liegenden Terrain s versichert/ wie solches beschaffen/ worzu die Ataquen mit Vor- theil kuͤnfftig zu fuͤhren sind: Hat man aber ent- weder gar keinen/ oder doch keinen zuverlaͤßigen Grund-Riß von der Festung/ so soll man auf ge- wisse/ Das IV. Cap. wisse/ sichere und kluge Spion en bedacht seyn/ wel- che capable sind/ dem ataqui renden Theile zu sei- nem Vortheil alle gute Nachricht zu geben/ wo die Festung am staͤrcksten und am schwaͤchsten/ auch was sonst in derselben notable s passi re/ da- mit man sich hierinnen darnach richten/ und seine Sachen am besten anstellen koͤnne. Waͤre aber kein versicherter Grund-Riß von der Festung zu haben/ noch auch kluge und gewisse Spion en zu er- langen/ welche von der Festungs Zustand einen ausfuͤhrlichen Vericht geben koͤnten/ so muß man solche auf allen Seiten mehr als einmahl fuͤrsich- tiglich recognosci ren/ und die Ingenieurs bey der Armée einen Grund-Riß hiervon/ so gut als es nur seyn kan/ machen lassen. Es ist aber nicht al- leine genug die Wercke der Festung wohl zu beo- bachten/ wo solche schwach oder starck/ klein oder groß/ und geringe oder gute Flanqui rungen ha- ben/ sondern man muß auch fuͤrnehmlichen dar- bey die aͤusserliche Situation und das Terrain be- trachten/ ob solches hoch oder niedrig/ sandigt/ steinigt/ sumpffigt/ oder von guter Erdẽ ist/ oder ob es gar im Wasser lieget/ wornach man sich auch sehr viel richten muß/ und wird man gemeiniglich die Wercke an einer Festung schwach befinden/ vor welchen man auf dem Land- Horizont und Glacis nicht wohl aprochi ren kan; Da hingegen die Wercke einer Festung starck sind/ wo guter Woden um dieselbe zu finden ist. Die sandigten/ fel- Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. felsigten/ morastigten und waͤsserigten Revir en soll man/ so viel moͤglichen/ meiden/ und wenn nun zuvorhero wohl recognosci ret/ der Grund-Riß gemachet/ und alle Umstaͤnde darbey reifflich uͤ- berleget worden/ so wird denn endlichen der Schluß gefasset/ gegen welche Theile und Wercke der Festung die Ataquen sollen gefuͤhret/ und dar- auf die Aprochen gemachet werden. Es ist aber zu wissen/ daß die heutigen A taquen, nicht wie vor Alters auf die langen Courtinen, sondern/ weil solche zu unserer Zeit viel kuͤrtzer gemachet wer- den/ gemeiniglich auf die Facen der Bollwercke zugehen sollen/ damit man sich nicht zwischen zweyen Flanquen einlege/ und also doppelt Feuer von denselben auszustehen habe/ es waͤre denn/ daß die Nothwendigkeit und die Gelegenheit des Landes ein anders erfordere und haben wolle/ wornach man sich denn allerdings richten muß/ und gedencken/ daß Nothwendigkeit kein Gesetz habe. Der Ort und die Festung man nun liegen und erbauet seyn/ wie sie wolle/ so soll man doch gegen die Facen einer Bastion nicht zwey Ataquen fuͤhren/ sintemahl die Distanz hierzu viel zuklein/ auch der Effect der Breche sehr geringe waͤre vor eine maͤchtige Armée, so einen grossen Ort bela- gert haͤtte/ zugeschweigen der andern Motiv en/ um welcher willen sothane Ataquen nicht zu billi- gen: Deßgleichen soll man auch nicht zwey Ata- quen fuͤhren auf zwey besondere Pasteyen/ so ein- ander diametraliter gegen uͤberliegen/ massen man M m leicht Das IV. Cap. leicht einander Schaden thun/ und grosse Confu- sion unter sich selbst anrichten koͤnte. Ob nun wohl einige vor sehr Profitable halten/ daß man die in einer Polygone befindliche zwey F acen mit zwey Ataquen zugleich angehen solle/ weil die bey- den a taquen also mit einander koͤnten eine gute Correspondenz haben/ man koͤnte auch das Feuer der Festung besser daͤmpffen/ den Ausfaͤllen der Fe- stung koͤnte man gewaltsamer den Kopff biethen/ man haͤtte weniger Volck und Geschuͤtz vonnoͤ- then/ man fiele sich selbst mit Canon iren und Bom- bardi ren nicht molest irlich/ man gelangte mit der Arbeit eher zum Ende/ ja man noͤthigte die Gar- nison, daß sie ihre General- R etrait en von einem grossen Bezirck anlegẽ muͤsten/ u. koͤntẽ solche nicht zu rechter Zeit im Stand und zur Perfection brin- gen; So laͤsset man zwar dieses alles an seinem Ort gestellet seyn/ iedoch wird auch Niemand leugnen koͤnnen/ daß auf solche Weise die Festung an allen Orten nicht wohl eingeschlossen/ und daß man also S uccurs, Correspondenz und andere Nothwendigkeiten in dieselben leicht bringen koͤnne/ zu geschweigen/ daß auf solche Weise die Garnison sich nicht groß und weitlaͤufftig zu zer- theilen/ und also sich nicht gar zu sehr defatigui ren duͤrffte; Derohalben es am rathsamsten ist/ eine grosse Festung auf zwey besondern Seiten und Bastion en zu ataqui ren/ wo die Wercke am schwaͤchsten/ und der Land. Horizont einiger mas- sen Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. sen nur bequem ist/ sich in demselben einzuschnei- den/ und also verdeckt fortzugehen/ die zwischen Distanz en aber/ wie ingleichen die Hoͤhen/ Jnsuln/ Fluͤsse/ Paͤsse und Aven uͤen/ so nahe vor einer Fe- stung liegen/ und zu solcher fuͤhren/ mit Volcke und starcken Wachten wohl besetzen/ und nach Gelegenheiten mit Redout en oder andern Linien verwahren/ damit nichts in die Festung weder ein noch aus ohne grosse Gefahr passi ren koͤnne/ wel- ches denn den Belagerten leicht eine grosse Furcht und Schrecken einjagen kan. (4.) F rage. Wie und auf was Weise soll man fuͤr einer Festung Posto fassen/ und was ist hierbey wohl in acht zu nehmen? Wenn man ein mahl eine Festung belagert/ soll man nicht lange vergebliche Verzoͤgerung ma- chen/ zu den Ataquen wuͤrcklichen zu schreiten/ und der Zeit und des Wetters sich wohl zu bedienen/ weil es noch seyn kan/ inmassen ohne dem wohl noch grosse Verhinderungen bey der Belagerung und Arbeit darzwischen kommen koͤnnen/ welche einem bey seinem A vanci ren ziemlichen bißweilen pflegen aufzuhalten. Fuͤrnemlichen aber muß man bey dem Posto fassen wohl in acht nehmen/ daß man aller natuͤrlichen/ oder andern erbaueten Vortheile sich bediene/ als da sind: Vorstaͤdte/ Hoͤhen/ Huͤgel/ Hecken/ Zaͤune/ Mauern/ Kloͤ- M m 2 ster/ Das IV. Cap. ster/ Capellen/ Haͤuser/ Thaͤler/ Keller und der- gleichen/ auch so nahe/ als es nur seyn kan/ sich mit denselben zur Festung begebe; Sind solche natuͤr- liche oder andere Gelegenheiten und Bedeckun- gen zum Posto fassen nicht fuͤrhanden/ muß man bey finsterer Nacht an gewissen hierzu ausgese- henen Orten einige hohe Bedeckungen und E- paulement s zugleich machen und auswerffen/ ohn- gefehr von 10. oder 12. S. hoch und breit/ damit das Volck/ und sonderlich die Cavalerie, so zum Posto fassen commandi ret worden/ fuͤr den feind- lichen Canon en koͤnnen sicher und bedecket stehen- Dergleichen Linien nun werden bey einem glei- chen Horizont uͤber 300. R. oder 1000. gemeiner Schritt gemeiniglich von der Festung ab gema- chet an unterschiedlichen Orten/ und zwar/ daß die groͤsten Linien hiervon den Polygon en der Festung gerade uͤberliegen/ und anderer Neben-Linien a- ber also vortheilhafftig gefuͤhret werden/ damit der Feind solche weder von Seiten/ noch von hin- den bestreichen koͤnne. Was die Trouppen anlan- get/ so zu erst Posto fassen sollen/ ist zu observi ren/ daß solche nicht schwach/ sondern lieber etwas starck seyn sollen/ und zwar ohngefehr halb so starck/ als die Garnison etwan in der Festung seyn moͤchte/ damit/ wenn solche an einem Ort starck ausfallen solte/ welches denn uͤber die Helffte der Besatzung nicht leicht geschiehet/ man so denn ca- pable waͤre/ sich gegen solche nicht alleine wohl zu defen- Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. defendi ren/ sondern auch sie zu einer baldigen R e- tirade zu zwingen. Es muß aber die Mannschafft/ so Posto fasset/ Anfangs mehr in C avalerie, als In- fanterie bestehen/ weil die Belagerte in so weiter Distanz von der Festung keine Ausfaͤlle zu Fusse leicht wagen werden/ wegen Gefaͤhrlichkeit und Langsamkeit des Reteri rens/ sondern mehren- theils zu Pferdte/ und dahero nicht rathsam waͤre die ausgefallene C avalerie mit Infanterie alleine zu repoussi ren und zu verfolgen. Die Infanterie, so Posto fasset/ muß nebst dem Gewehr zugleich auch Schantz-Zeug haben/ die Cavalerie aber auf den Pferdten faschin en/ und andere Nothwendigkei- ten herzu bringen/ damit die Verschantzungen um so viel geschwinder in guten Stand koͤnnen gebracht/ und allen Falls mainteni ret werden/ massen hieran sehr viel gelegen ist. (5.) F rage. Wie die Aprochen auf unterschied- liche Manier zu machen/ zu fuͤhren/ zu mainteni ren/ und was sonst darbey in acht zu nehmen? Wenn nun zu den Ataquen in einer Nacht Posto gefasset worden/ so werden die folgende Nacht darauf die Trenchéen eroͤffnet/ und die A- prochen zu machen angefangen. Es sind aber die Aprochen gewisse Graͤben/ Wege oder Bede- ckungen/ in oder hinter welchen man sich den feindlichen Wercken der Festung sicher nahen/ M m 3 und Das IV. Cap. und fuͤr das verletzliche Schiessen befreyet seyn kan/ dergleichen nun sind dreyerley/ als halb tie- fe/ gantz tiefe/ und denn gantz hohe. Die halb tie- fen sind die gebraͤuchlichsten/ werden bey einem guten oder sandigten Boden gemachet/ und 3. o- der 4. S. tief in den Land- Horizont eingeschnit- ten/ die Breite kan von 4. biß 9. S. seyn/ wenn et- wan durch dieselben kleine Feld-Stuͤcklein sollen durchgefuͤhret werden. Die Brustwehr dieser Aprochen wird gegen der Festung zu aufgeworf- fen/ kan auch 3. biß 4. S. auf dem Land- Horizont hoch/ und so dicke seyn/ als wie die Erde natuͤrli- cher Weise von selbst fallen moͤchte/ es waͤre denn/ daß man die sandigte Erde zwischen zwey niedri- gen Zaͤunen einschuͤtten/ oder mit kleinen Sand- Saͤcken und Schantz-Koͤrben bauen/ oder sonst die Brust mit F aschin en und Erde durch einander mit geringen Pfloͤcken/ wie es gemeiniglich zu ge- schehen pfleget/ 4. biß 6. S. dicke machen/ und mit einer oder mehr Banquetten versehen wolte; Die Steine aber sollen fleißig aus allen Brustwehren ausgelesen/ und weggethan werden/ damit sie bey den feindlichen Schiessen auf dieselben keinen Schaden dem Volcke in a proch en oder sonsten thun koͤnnen. Die gantz tiefen a prochen werden gemeiniglich 6. S. tief in die Erde/ wo kein Was- ser ist/ eingeschnitten/ und wird die Erde aus den- selben nahe zu beyden Seiten auf dem Land- Ho- rizont nur ausgeworffen/ wie sie natuͤrlicher Weise Von Ceremonial- A taqui rung und Defend. Weise fallen moͤchte/ weil der Land-und Feld- Ho- rizont selbst die rechte Brustwehr ist; Deralei- chen gantz tiefe a prochen sind die allerbesten und staͤrckesten/ und werden gemeiniglich gemachet/ wenn die Belaͤgerten die halb tiefen a prochen, und dero Brustwehren mit vielen Canon en/ Schuͤssen gedencken zu ruini ren/ oder wenn man sehr nahe zur Festung koͤmmet/ oder wenn conti- nui rlichen starcke Ausfaͤlle vom Feinde geschehen/ oder wenn die a prochen, so man aus gewissen Ursachen nicht anders machen kan/ vom Feinde koͤnnen bestrichen und flanqui ret werden/ da man denn Schuß-freye T raversen in solche hin und wie- der machen/ auch solche oben/ zumahl bey den Creutzen und Winckeln mit starcken Bretern/ Balcken und Faschin en/ so mit Erde einige Schue dicke muͤssen beschuͤttet werden/ bedecken muß. Die gantz hohen a prochen werden uͤber den Land- Horizont, wenn solcher morastig/ waͤsserig oder steinigt ist/ 6. oder mehr S. hoch/ und 10. oder 12. S. breit von Faschin en/ Faͤssern/ Kaͤsten/ grossen Wolle oder Sand-Saͤcken aufgefuͤhret/ und mit behoͤrigen Banquettes versehen. Bey steinigten und felsigten Boden/ wenn solcher gleich und eben ist/ kan man sonderlich die Trenchées roulantes gebrauchen/ welche vom Holtze zusammen ge- schlagene starcke Sturm-Kaͤsten sind/ so man auf vier niedrigen gantzen Schiff-Raͤdern leer fort- schieben/ und hernach inwendig mit kleinen ange- M m 4 fuͤl- Das IV. Cap. fuͤlten Sand-Saͤcken ausfuͤllen kan; Derglei- chen hohe a prochen nun sind unter allen die schwaͤchsten und gefaͤhrlichsten/ massen man denn einen solchen uͤbe r n Horizont, wenn es anders seyn kan/ meiden/ und die feindlichen Wercke auf einer bessern Erde ataqui ren soll. Es koͤnnen aber die a prochen bey einer a taque in einfacher oder doppelten Tour oder Linien/ zum wenigsten 6. R. weit von einander/ entweder gleich oder schrege/ und also Schlangen weise von einer Seiten zur andern/ wie es die Gelegenheit und R aison der Kriegs-Bau-Kunst erfordert/ gefuͤhret/ und mit noͤthigen T raversen und Bedeckungen versehen werden. Eine Linie aber von den Schlangenweiß gefuͤhrten Aprochen, so man gemeiniglich bey gleichem und gutem Horizont pfleget zu machen/ muß von 10. biß uͤber 40. R. nicht lang seyn/ damit man mit dem Hand-Geschuͤtz die Linien alle mit gutem Effect defendi ren koͤnne/ und muß der Be- schluß einer solchen Nacht-Arbeit in Verferti- gung dieser schregen Aprochen allezeit ein Win- ckel oder Creutze seyn/ wo sich bey folgender Nacht eine neue und andere Linie anfangen soll/ an wel- che Ecken und Winckel denn man pfleget R edou- ten oder andere Lermen-Plaͤtze zu machen/ worin- nen man die andern gleichen Linien bey den Aus- faͤllen aus der Festung tapffer beschuͤtzen und de- fendi ren kan. Die gleichen Linien der a prochen werden gemeiniglich gebrauchet/ wenn man durch enge Wege und a ven uͤen/ so zwischen Ber- gen/ Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. gen/ Felsen/ Moraͤsten oder Wasser liegen/ apro- chi ren muß/ da mann denn dergleichen gleiche Li- nien nicht alleine tief genug/ wie im vorigen ge- dacht worden/ machen/ sondern auch solche mit guten Bedeckungen in der Hoͤhe versehen/ Traver- sen in dieselbige hin und wieder legen/ und an den langen Linien zu aͤusserst auf das Land zu in behoͤ- rigen Distanz en Bonnettes, R edouten oder andere Lermen-Plaͤtze zu deren D efendi rung machen muß. Die Anlagen der a prochen muͤssen von den Ingenieurs mit Lunte oder Falchin en trasi ret und abgestecket werden/ wenn der Entwurff derselben von dem Haupt/ so die A taque fuͤhret/ bereits ge- machet und communici ret worden/ worbey denn fuͤrnehmlichen wohl in acht zu nehmen/ daß man die halb tiefen und schrege a prochen also anfange und continu ire gegen die Festungs-Theile und Polygonen- Winckel/ damit selbige vom Feinde nicht koͤnnen enfili ret und bestrichen werden/ wor- innen aber vielmahls grosse Fauten pflegen fuͤrzu- gehen/ und kan einer hierbey/ der die a taquen fuͤh- ret zu Schande und Suͤnden gemachet/ auch Ehr und Reputation verliehren. Wenn die Linien zum Aprochen den Officiers von den Arbeitern des A- bends angewiesen worden/ welches denn eine Ziemlich gefaͤhrliche Sache ist/ muͤssen dieselben/ und zumahl der fuͤrnehmste unter ihnen die com- mandir ten Arbeiter bey der Nacht fleißig anhal- ten/ daß sie die Aprochen von der Tiefe und Brei- te tuͤchtig verfertigen/ wie es sichs gebuͤhret; koͤn- M m 5 nen Das IV. Cap. nen aber selbige des Nachts uͤber/ etwan wegen schlimmen Bodens/ nicht gantz in gebuͤhrenden Stand gebracht werden/ muß man solche des Tages uͤber nach beschehener fruͤhezeitigen Visiti- rung des Ingenieurs voͤllig vertiefen/ erhoͤhen/ er- weitern und die Brustwehren tuͤchtig verferti- gen. Trifft man im Avanci ren der Aprochen nach Anleitung des Project s hohle Wege/ Gewoͤlber/ Keller oder andere natuͤrliche Gelegenheiten an/ so einem koͤnnen zur Bedeckung dienen/ und zur Festung leiten/ soll man darbey alsobald eine R e- doute, oder andern Lermen-Platz bauen/ um dar- aus alles zu beherrschen/ was etwan den Bela- gerten zu Contre-Aprochen oder andern Vor- theil dienen moͤchte. Damit aber die commandi r- ten Arbeiter zu den Aprochen bey ihrer Arbeit um so viel sicherer sey moͤgen/ soll man solche nebst dem ausgetheilten Schantz-Zeug nicht alleine mit ihrem Ober- und Unter-Gewehr lassen auf- ziehen/ sondern auch solche von vorne/ und auf den Seiten gegen dem Feind zu mit einigen Fuseliers bedecken/ und auf allen Fall zu dero Beschuͤtzung eine gute und starcke Reserve und Hinterhalt in der Naͤhe an einem sichern Ort haben/ damit sie ihre Arbeit um so viel sicherer und besser fuͤr allem feindlichen Anlauff fortsetzen/ auch allen Falls sich zu ihrem Gewehr reteri ren/ und nebst den an- dern defendi ren koͤnnen. Wenn die Naͤchte dun- ckel und finster sind/ brauchet man weder bey den Arbei- Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. Arbeitern zu Anfangs/ noch bey den Bedeckern/ welche sich nur duͤrffen auf dem Bauch platt nie- der liegen/ Blendungen und Chandeliers, waͤren aber die Naͤchte helle und Monden-Schein/ sollen die Arbeiter grosse Schantz-Koͤrbe mit Faschin en gefuͤllet fuͤr sich uud zur Seiten/ wo es am gefaͤhr- lichsten/ herrollen/ und dahinter zu arbeiten an- fangen/ biß sie sich ziemlicher massen eingegra- ben; Deßgleichen sollen auch die Bedecker thun/ und/ so viel moͤglichen/ sich einiger Blendungen bedienen/ welche vor Hand-Gewehr und Falcko- netten Schuß-frey sind; Die in der Reserve ste- hende koͤnnen sich entweder in einer hintern ver- fertigten Redouten, oder anderer sichern Bede- ckung aufhalten/ auf dem Noth-Fall aber gleich herfuͤr ruͤcken/ und ihr gebuͤhrend Devoir tapffer verrichten/ damit der Feind sich wieder zu reteri- ren gezwungen werde/ und die bereits verfertigte Arbeit nicht gleich wieder ruini ren koͤnne. Solte auch der Feind bey finstern Naͤchten aus der Fe- stung einige Licht-Kugeln werffen/ wie es gemei- niglich zugeschehen pfleget/ damit ersehen koͤnne was und wo gearbeitet werde/ so muß man solche entweder in eine hierzu gemachte Gruben mit Er- de verscharrẽ/ oder mit den Aꝛbeits-Hauen/ zerreis- sen/ ins Wasser wenn eines nahe beyhanden/ stos- sen/ oder mit Aschen wohl bedecken/ damit sol- che nicht leichten/ und der Feind seyn intent errei- chen koͤnne/ ohngeacht solcher hiebey tapffer aus der Festung pfleget zuschiessen. Wenn man mi t dem Das IV. Cap. dem Approchi ren etwan 100 R. weit zur Festung avanci ret/ soll man die beyden doppelten Tour en und eussersten Linien einer ataque, oder auch alle zwey Ataquen, wann solche nicht allzuweit von einander liegen/ vermittelst einer Communica- tions -Linie/ welche mit/ oder ohne travers en/ wie ei- ne gemeine Aproche kan gemachet werden/ anein- ander haͤngen/ um das zwischen inliegende T e rrain dadurch in Sicherheit zu setzen/ u. fuͤr den feindli- che An- u. Ausfaͤllen zu bewahrẽ. Dergleichẽ Com- munications -Linien sollen uͤber alle Hoͤhen/ wenn einige fuͤrhanden/ gezogen/ mit Redouten und Kes- seln zu den Moͤrsern versehen/ auch mit einer star- cken Wacht allezeit besetzet werden. Wenn man nun etwan 80. biß 100. R. von dem bedeckten Wege oder Haupt-Graben der Festung mit den Aproch en entfernet ist/ und die ersten Commu- nications -Linien ohngefehr 20/ biß 30. R. weit von einander gefuͤhret worden/ von den feindli- chen Stuͤcken aber aus der Festung sehr incom- mod i ret wird/ es sey bey dem Ein-oder Ab marchi- ren aus den aproch en/ oder auch die Besatzung in denselben/ soll man nach gut befinden hinter die andere Communications -Linie eine Baterie bauen solche mit langen Feld-Schlangen wohl besetzen/ und suchen des Feindes artillerie auff den Waͤl- len und andern Orten damit zu demondi ren/ und dessen Schieß scharten zu ruini ren und unsicher zumachen/ auff daß die Arbeiter mit den Apro- ch en Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. ch en und andern Wercken desto sicherer biß et- wan auff 10. R. von bedeckten Wege ab avanci- ren/ und solche in einem perfect en Standt zuꝛ Be- deckung bringen koͤnnen: Jnzwischen soll man auch den groͤsten Vorrath der Moͤrser gebraut chen/ und die Festung mit Feuer auff den Bastio- nen und in Haͤusern/ wann es anders noͤthig und nuͤtzlich ist/ aͤngstigen/ damit die Belagerte von ihrer Defension in etwas abgehalten/ und zu an- derer Arbeit angestrenget werden. So sollen auch die Redont en oder Lermen-Plaͤtze an den Winckeln der a proch en/ sonderlich diejenigen/ welche der Festung am nechsten liegen/ mit wohl munitioni rten fusiliers und Granadiers nebst ei- nigen kleinen Regiment-Stuͤcken besetzet und versehen werden/ weil von solchen fuͤrnemlichen dependi ret die Erhaltung der Bateri en/ Kessel/ Communications -Linien und Aproch en, gestalt solche alle gegen einander also liegen muͤssen/ daß sie sich und andere anliegende Wercke beherschen u. defendi ren koͤñen/ auch in dem Ruͤcken fꝛey seyn moͤgen. Den Bateri en und Kesseln muß man eine à parte Wacht von 20. biß 50. Mann/ nachdem solche groß oder klein/ geben/ welche sich auff der Seiten in der Communications- Linie posti ren; Zur m unition aber werden nur Schildwachten mit Spring-Stoͤcken und halben Piquen/ und mit keinem Hand-Geschuß gestellet/ so da wohl achtung geben muͤssen/ das niemand mit Feuer/ brennender Lunte/ Toback-Pfeiffen/ oder sonst ein Das IV. Cap. ein fremder/ so auf der Baterie und im Kessel nichts zuverrichtẽ/ sich hierzu nahen/ oder mit heimlichen L ege-Feuern/ und andern Leichtfertigkeiten einen Schaden verursachen moͤge. Ob nun wohl ei- nige in den Approchen keine Besatzung leiden wollẽ/ mit dem Voꝛgeben/ als koͤnte sie den feindli- chen An- und Ausfaͤllen darñien nicht recht Wie- derstand thun/ deßwegen sie nun verlohrne Schildwachten/ darein ordonni ren/ welche wann es Noth/ nur muͤssen Lermen/ unter weilen auch falsche Lermen machen/ damit die Soldaten in den Redouteu und andern Posten allezeit Allart bleiben moͤgen; so ist es doch viel sicherer und bes- ser/ wenn man auch die zwey oder drey vordersten Linien der Aproch en gegen die Festung zu mit Volcke besetzet/ und die Brust mit zusammen ge- henckten Spanischen Reitern fuͤr allen feindli- chen Einspringen bedecket/ um dadurch zuver- wehren/ daß der Feind die mit grosser Gefahr und Muͤhe gemachte Aproch en nicht nach Belie- ben ohne Wiederstand ruini ren/ die Zeit hier- durch gewinnen/ und die Arbeit desto schwerer und doppelt machen koͤnne. Zum Uberfluß kan man auch die Durchschnitte und Creutz-Linien der Aproch en tieff/ weit/ und oben bedecket zuma- chen/ daß sie mit den Feld- Horizont eine gleiche haben/ worunter hernach/ als in einer Corps de garde 15. biß 20. Mann allert stehen/ und beyden Ausfaͤllen den Horizont der Aproch en mit m us- quetonen tapffer defendi ren kuͤnnen/ zumahl weñ solche auch voꝛ sich eine Bedeckung habẽ. Wie nun Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. nun von Tage zu Tage die Attaquen u. Aproch en gegen die Festung zu avanci rẽ muͤssen/ also folgen auch meistentheils die ausgestellten Wachten/ u. Besatzungen/ u. bleiben die hintersten Posten am Volcke ziemlichen leer/ welche man deñ hernach fuͤglichen gebrauchẽ kan/ die Schantz- Materiali ẽ zur Fortsetzung der Ataquen darein in Verwah- rung zulegen; Jngleichen dienen sie auch vor den Stand und Auffenthalt der Marquetender und Feldscherer/ damit die Soldaten/ so von noͤthen haben/ erquicket u. verbunden zu werdẽ/ nicht erst ins Lager gehen oder getragen werden duͤrffen/ woruͤber mancher crepi ret/ der sonst noch wohl haͤtte koͤñen erhalten werdẽ/ welches deñ eine un- verantwortliche Sache ist. Ob man nun wohl Anfangs der Ataque, zumahl zum posto fassen/ mehr Cavalerie, als infanterie von noͤthen gehabt/ wie in vorigẽ bereits gemeldet woꝛdẽ/ so muß man in Gegentheil/ wenn das Feld im̃er naͤher zur Fe- stung gewoñen wird/ die Wachtẽ an Fuß-Volcke ie mehr und mehr verstaͤrcken/ die Wachten aber an Cavalerie alsdann einiger masen vermindern/ massen zu solcher Zeit die Cavaliere nicht so wohl/ als die Infanterie/ mit Nutz zugebrauchẽ ist. Es ist aber nicht allemahl rathsam/ daß die Infanterie, wann sie sich gleich mit dem ausgefallenen Feinde meli ren solte/ ihn bey seiner Retirade weit veꝛfolge/ weil sie sich hierdurch in grosse Gefahr begiebet/ keinen Succurs hat/ undbey der Zuruͤckkehrung uͤbel kan zugerichtet werden/ die Cavalerie aber soll sol- ches vielmehr thun/ indem sich geschwinde aus dem Fe- Das IV. Cap. Festungs-Feur/ wann es von noͤthẽ/ ziehe kan: Je- doch soll man/ wan deꝛ Außfall bey nachts geschie- het oder sonst bey einen starcke Nebel oder Dem̃e- rung/ denselben bey seinen reteri ren nicht allzu- weit verfolgẽ/ weil bißweilen ein heimlicher Hin- terhalt darunter kan verborgen stecken/ zumahl wenn der Feind einige natuͤrliche oder andere na- he Gelegenheiten zu seinen Vortheil wohl besetzet und verwahret hat. Jngleichen soll man sich in acht nehmen/ daß bey falschen/ Alarm, welchen die Belagerten dann und wann pflegen zu machen/ man sich nicht allzuhitzig aus seinen Vortheil be- gebe/ und hernach von dem Festungs Feuer/ wel- ches express darauff lauret/ unverhofft uͤbel em- pfangen werde. Auch soll sich niemand sonder Befehl des Commandiren ten Offici ers von sei- nem Posten weg begeben/ ob gleich anderer Orten ein Alarm und Getuͤmmel solte gehoͤret werden/ sintemahl die Belagerte sich zum oͤfftern stellen und Finte machen/ diejenigen Wercke zu uͤber- rumpeln/ wo es am wenigsten angesehen ist nur daß die Mannschafft von dem Ort/ worauff der Uberfall in der That geschehen soll/ moͤgte einiger massen weggezogen werden. Wann der Feind allzustarck aus der Festung ausfallen solte/ daß die Besatzung in den a proch en/ Redout en und an- dern Linien und Lerm-Plaͤtzen nicht capable waͤre einander recht zu defendi ren/ so muß der Ge- neral-Major, an dem der Tag und Commendan te von der gantzen Ataque ist/ nicht allein die zuruͤck- liegende Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. liegende Manschafft uud Reserv en von ihren Po- sten geschwinde lassen abfordern und avanci ren; sondern auch/ wenn die Noth solte gar zu groß seyn/ solches alsobald an das commandi rende Chef, von der Armée durch einen Adjudant en las- sen berichten/ und frische Trouppen und Succurs aus dem Lager eilfertigst verlangen/ damit allen fernerern Unordnungen in Zeiten koͤnne vorge- bogen werden. (6.) F rage. Was hat dann ein Commendant in einer belagerten Festung zuthun/ wann er siehet/ wie der Feind auf gewisse Wercke seine Ataqven und Aprochen anfaͤnget und fortfuͤhret/ und wie hat er sich so wohl wegen der Ausfaͤlle/ als an- deren Defension ge- buͤhrend zu ver- halten? Es ist bereits im vorigen gedacht worden/ das ein kinger und erfahrner Commendant/ wann er zumahl eine starcke Garnison hat/ und an der Be- satzung ihme nichts abgehet/ soll er/ wann die Fe- stung belagert wird/ sich gleich Anfangs aller natuͤrlichen und anderer Gelegenheiten/ so nechst der Festung liegen/ und mit Canonen von Waͤl- len/ als auch aus dem bedeckten Wege mit Hand- Gewehr koͤnnen bestrichen und erlanget werden/ N n zu Das IV. Cap. zu seinem Vortheil bedienen/ damit der Feind hierdurch umb so vielmehr gemuͤssiget werde/ von weiten die Schantzen seine Aprochen anzufan- gen/ viel Zeit und Volck darbey zu verlieren/ und endlich mit Schimpff und Schaden wiederabzu- ziehen. Wenn aber dessen ungeachtet die Belage- rer in ihren Vorhaben fortfahren/ posto fassen/ die Trencheen eroͤffnen/ nnd mit den Aprochen sich der Festung naͤhern/ so muß ein Commendante son- derlich auf den Wercken und Facen/ gegen welche der Feind seine Ataqven fuͤhret/ nicht alleine die Manschafften verstaͤrcken/ und mehr Stuͤcke und/ andere Nothwendigkeiten dahin bringen lassen umb dieses alles bey Gelegenheiten und wann es noͤthig von Waͤllen und auch aus den bedeckten Weg mit Nachdruck zu gebrauchen/ sondern er muß auch zu Zeiten/ und umb namhaffter Ursachẽ Willen mit Ausfaͤllen sein Heil versuchen/ den Feind in seinem Vorhaben zu hindern/ zu repous- si ren/ und dadurch die Zeit zugewinnen/ dem Fein- de aber mercklichen Abbiuch zuthun/ und grosse Muͤhe und Unkosten zuverursachen. Jst nun eine starcke Garnison von 9. biß 12. tausend-Mann in der belagertẽ Festung, so sol ein Commendante nach ei- ner ungestuͤmen und nassen Nacht entweder bey anbrechenden Tage/ oder an hellen Mittage uͤber Essen einen jaͤhlingen/ und furioͤsen Ausfall mit 2. biß 4 tausend Mann zu Pferde und Fuß/ unter Anfuͤhrung tapfferer Officiers auf des Feindes Wercke und Aprochen thun/ mit vielen Hand- Gra- Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. Granaden ihn daraus verjagen/ solche ruini ren/ anzuͤnden/ oder rasiren/ das grobe Geschuͤß verna- geln/ die Munition und andere Ataqvirungs Mittel verbrennen/ und nach verrichten Sachen sich bald in guter Ordnung wider zuruͤck nach den Vor- posten/ und unter die Stuͤcke der Festung ziehen lassen. Solte der Feind den Außfall verfolgen/ und zuruͤcke treiben/ auch die ruinir ten Wercke und Aprochen gleich wider repari ren wollen/ muß ein Commendante aus den nechsten und gelegnesten Festungs Facen/ und dem bedeckten Weg so wohl auf den Feind/ als dessen Wercke tapffer Feuer geben lassen/ damit er die ruinir ten Wercke nicht gleich wider in guten Standt bringen koͤnne/ und auch sonst von seinem repoussi ren ablassen muͤsse; worbey dann inacht zunehmen/ das die ausgefal- lene zu zeiten sich mit Fleiß von Feinde sollen zuruͤck treiben lassen/ immittelst aber ihn auf ei- nen Hinterfall locken/ umb entweder solchen gar von den seinigen abzuschneiden/ oder doch der Ge- stalt zuempfangen/ das er gezwungen ist/ mit grosser Verlust sich ingeschwinder Eil wider zu- ruͤck zu ziehen/ welches dann alles mit guter Vor- sicht unter gewissen Feld-Zeichen muß angestellet/ und einander abgeredet werden/ damit die eigene/ Leute einander nicht selbst Schaden thun moͤgen. Eine mittelmaͤßige Garnison von 6. biß 9. tausend Mann soll gedachte starcke Ausfaͤlle unter wegen lassen/ hingegen den Feld- Terrain und Glacis mi C ontre- a prochen, Contre- B aterien, und Veꝛschan N n 2 tzen Das IV Cap. tzten Vorposten und Retiraden Fuß fuͤr Fuß ver- fechten/ und im Fall die Belagerten aus einem Aussen Wercke vertrieben/ entweder durch wohl geordnete/ und bedeckte Anfaͤlle des verlohrnen Posten sich wieder bemaͤchtigen/ oder durch eine zu vor gemachte Mine solchen uͤber einen Hauffen stuͤrtzen/ damit der Feind sich dessen nicht zu seinem Vortheil bedienẽ koͤnne/ wo durch dann sein avan- ci ren ihme sehr muͤhesam und schwer gemachet werden kan. Es werden aber die Contre-Aprochen also verfertiget/ wenn man von den Aussen-Wer- cken und entlegnesten Vorposten/ oder in Man- gelung derselben aus dem bedeckten Wege an tra- versen/ und andere Linien Wechselß-Weise in einfacher oder doppelten Tour gegen des Fein- des Aprochen also fuͤhret und continui ret/ daß man aus den eigenen in des Feindes Linien und Aprochen Streich-Schuͤsse thun koͤnne/ dem Feinde aber in die Contre- A prochen desgleichen zuthun/ und solche zu enfiliren unmoͤglich sey; Nechst diesem muͤssen auch die Contre-Aprochen gegen die Festung zu/ woraus sie ihre beste Defen- sion haben/ offen seyn/ u. in einer Streiche stehen/ damit wenn der Feind solche ein bekommen solte/ sie ihme kein sonderlich Vortheil geben koͤnten. Die Contre-Baterien koͤnnen in allen Winckeln und Linien des Haupt-Walles/ Faussebraye/ und bedeckten Weg angebracht werden/ es geschehe nun soches/ daß man entweder die Wallgaͤnge mit Erde/ oder einer hoͤltzernen Pritschen biß an die Von Ceremonial-Ataqui rung und Defend. die Helffte der Brustwehr erhoͤhet/ auf die Brust Schantz-Korbe setzet/ und zwischen diselbe oben uͤber der Brust Weg mit den Canonen ins freye Feld schiesset. Die kleinen Canonen von 2. biß 4. tausend Mann koͤnnen weder sonderliche Auß- saͤlle thun/ doch sich auf denn Glacis groß verschan- tzen/ weil ein Commendante als dann das Volck sehr menagi ren/ und zu andern noͤthigen Ver- richtungen anwenden muß/ iedoch soll er mit Schießen aus Schlangen und Falcone ten dem Feind das Feld strittig machen/ damit er gezwun- gen sey/ sich voͤllig unter halb dem Feld- Horizont einzuschneiden/ oder aber auf Stuͤck-Proben seine Bedeckung oberhalb dem Erd- Horizont zufuͤh- ren/ und bey ein und anderer Begebenheit in eine langwuͤrige Arbeit und Verdruͤßligkeit gezogen werde. Jm uͤbrigen soll ein Commendant des Nachts aus Haubitzen oder kleinen Moͤrsern vie- le Licht- und Feuer-Kugeln nach dem Orten ins Feld werffen lassen/ wo man hoͤret oder ver- muthet/ das der Feind schon arbeitet/ oder arbeitẽ weꝛde/ umb sein Thun und Lassen damit zuerkundi- gen und ihn mit Canonen und Hand-Geschuͤtz daran desto besser zuverhindern. Wenn ein Com- mendant des Tages oder Nachts einiger aus- gestelten Blendungen gewahr wird/ soll er aus dem groben Geschuͤtz mit Ketten und Stangen- Kugeln darauf loßschiessen lassen/ damit solche niedergerissen/ und unbrauchbar gemachet wer- den und man sehen koͤnne/ ob der Feind recognos- N n 3 ci ren Das IV. Cap. ci ren/ sich verschantzen/ oder sonst ein Werck auff- erbauen wolle. So bald ein Commendant mit den Stuͤcken auf den Facen die feindlichen Ba- terien und Kessel erreichen kan/ soll er so wohl Nachts als Tages darauf canoni ren lassen/ da- mit des Feindes Vorhaben wo nicht gaͤntzlich ruini ret/ und verbrennet/ doch zum wenigsten mit grosser Verlust der Zeit/ des Volcks/ Muͤhe und Unkosten auf die lange Banck gezogen werde. Deßgleichen soll ein Commendant auch aus vielen Moͤrsern/ Bomben/ Carcassen, Hand-Granaden/ und sonderlich viele Steine in des Feindes R e- douten, Lermen-Plaͤtze/ Baterien/ Kessel und Apro- chen unauf hoͤrlich werffen lassen/ damit alles ru- iniret, verbrennet und zerschmertert/ auch alles Volck blessi ret und getoͤdet werde. Wenn dann der Feind dessen allen ungeachtet seine Wercke als a prochen, Redouten, Baterien, und Kessel nach seinen Gefallen endlichen in Standt bringet/ sich mit solchen der Festung zimlichen genaͤhret/ ihr an Macht des Feuers der Canonen uͤberlegen/ auch die Gesicht-Linien/ als die schwaͤchsten und eusersten Theile der Haupt-Wercke und Basti- onen zimlich ruiniret, soll ein Commendant die schwere Canonen von des Walles- Facen oder Ge- sicht-Linien bey zeiten wider zuruͤck ziehen/ und solche in die Flanqven und uͤbrigen unbeschaͤdigte Linien stellen lassen/ damit selbige nicht alleine moͤgen conservi ret bleiben/ sondern auch hinfuͤhre zu Beschuͤtzung des bedeckten Weges/ des Gra- ben Von Ceremonial-Attaqui rung und D efend. bens/ der Brechen und des Haupt-Walles auch zu mehrerer Ruini rung der feindlichen Baterien koͤn- nen gebrauchet werden. Das V. Cap. Von Bestuͤrmung und De- fendi rung des bedeckten Weges oder so genannten Contrescarpe, von Suchung und Defendi rung der Contreminen, von Verfertigung der Bateri en und Kaͤsten/ und was auf beyden Theilen darbey wohl in acht zu nehmen. (1.) F rage. Wenn und wie muͤssen die Contre- minen von dem ataqui renden Theile gesu- chet/ und von dem defendi renden Thei- le defendi ret wer- den? W Enn die Belaͤgerer mit den Aprochen an dem bedeckten Weg oder so genannte Contrescarpe biß auf 60. 80. oder auch nach Gele- genheit biß auf 100. und mehr gemeine Schritte kommen und avanci ret/ und man vermuthend ist/ oder sonst gewisse Nachricht hat/ daß einige Con- treminen die Belagerten unter das Glacis gema- chet/ so wird alsdenn mit dem Aprochi ren inne ge- halt en/ und muß man an den Orten herum/ wo N n 4 man Das V. Cap. man gedencket den bedeckten Weg zu bestuͤrmen/ durch tiefes und weites Eingraben die Contremi- nen fleißig suchen: Finden sich nun welche/ so wird der Feind/ wenn er darinnen auflauren sol- te/ entweder mit Gewalt der Waffen oder des Wassers/ oder auf andere Weise durch Feuer/ Rauch oder Gestanck daraus vertrieben/ oder wenn er sich in solchen Gaͤngen nicht aufhaͤlt/ wird nur aus den Minen- Cammern das Pulver her- aus genommen/ und das Lauff-Feuer zum Anzuͤn- den ruini ret/ also daß dergleichen Contreminen im Fall der Noth den Belagerern bey Bestuͤr- mung des bedeckten Weges keinen Schaden thun koͤnnen/ gestalt sie sich denn in solche Minen- Gaͤn- ge hernach sicher koͤnnen begeben/ den Graben aus denselben wohl recognosci ren/ ja solche wohl gar an Statt einer Sappe brauchen. Hingegen soll ein Commendant der Festung/ um welche unter dem Glacis einige Contreminen fuͤrhanden/ solche steis- sig observi ren und bewachen lassen/ zumahl vorne bey der Pulver-Cammer/ wenn er siehet/ daß der Feind mit seinen Aprochen biß dahin bald gelan- get ist/ damit/ wenn er eingraben/ und die Contre- minen suchen solte/ man so denn geschwinde der Wurst Feuer geben/ und dem Feind hierdurch ziemlichen Schaden verursachen koͤnte. Wie- wohl ich meines Orts von solchen Contreminen unter dem Glacis nicht viel halte/ und lieber einige Floderminen nahe der Brust des bedeckten We- ges/ Von Bestuͤrmung und Defendi rug des ꝛc. ges/ oder sonst hin und wieder einige Caissons de bombe auf dem Glacis anordnen wolte/ als der- gleichen Contreminen, massen deren Effect sehr wenig thut/ dem Feinde auch hernach nur eine gu- te Bedeckung/ und einen Eingang zur Sappe ge- ben/ auch sonst viel zu unterhalten kosten/ zumahl wenn die Minen- Gaͤnge mit Pfosten und Bretern unterbauet sind/ weil daran immer etwas zu ma- chen und zu bessern ist/ und das Holtzwerck unter der Erden sehr verfaulet. Muͤsten aber solche Contreminen dennoch unter dem Glacis etwan gemachet/ und bestaͤndig erhalten werden/ so ist es besser/ daß man solche gleich Anfangs ausmanret und woͤlbet/ die Gaͤnge nicht uͤber 3. S. breit im Lichte/ auch nicht uͤber 4. S. hoch machet/ damit nur ein Mann nach dem andern darinnen gebuͤ- cket gehen koͤnne; Auch soll man deren Eingaͤnge nicht auf dem Horizont des Grabens/ sondern et- wan 12. S. daruͤber anfangen/ solche hernach im- mer schrege in die Hoͤhe/ iedoch wincklicht fortfuͤh- ren/ biß man etwan noch ein 6. S. Erden uͤber sich hat auf dem Glacis, woselbst man die Pulver- Cammer 1. oder 1½. S. uͤber dem Gang erhoͤhet machen/ und wohl im Eingange verstaͤmmen und versetzen muß. Solte nun ein Feind nach Spie- lung sothaner Cammer sich in die Minen- Gaͤnge ein logi ren/ daraus eine S appe machen/ oder sanst den Gꝛabẽ recognosci ꝛen wollen/ muß man solche Gaͤnge/ zumahl an den Wendungen und Ecken N n 5 wohl Das V. Cap. wohl lassen verbauen/ und ein klein Loch dadurch lassen/ daß man mit einem Musqueton, so mit vie- len Lauff-Kugeln muß geladen seyn/ durch schies- sen/ und den Feind in seinem Vorhaben abhalten koͤnne. (2.) F rage. Wie und zu welcher Zeit muß der bedeckte Weg oder so genannte Contrescar- pe bestuͤrmet/ und diese Post mainteni ret werden? Wenn keine Contreminen auf dem Glacis vor- handen/ oder gesetzt/ man koͤnte solche durch Ein- graben und Nachsuchen nicht finden/ muß der ata- qui rende Theil die Zeit und Gelegenheit nicht ver- absaͤumen/ sondern balde zu dem Sturm des be- deckten Weges schreiten/ welcher Sturm denn auf allen Ataquen zugleich muß fuͤr genommen werden/ ob schon bey der Action einige Contremi- nen springen solten/ weil sie doch keinen sonderli- chen Schaden thun. Es muß aber sothaner Sturm gegen den Abend angefangen werden/ auf einige gewisse Losungs-Schuͤsse oder ander Zeichen/ damit die bald kommende Nacht den Feind in der Festung an seiner Defension des be- deckten Weges verhindere/ und also aus der Fe- stung nicht recht Feuer geben duͤrffe/ aus Furcht seine eigene Leute an der Brust des bedeckten We- ges/ wenn daselbst noch einige solten vorhanden seyn/ zu toͤdten und zu blessi ren. Die commandi r- ten Von Bestuͤrmung und Defendi rung ꝛc. ten Leute zu solchem Sturm muͤssen in den vorder- sten Linien der Aprochen nebst deren Besatzung sich stille aufhalten/ sobald aber das Zeichen zum Sturm gegeben worden/ aus den Aprochen zu- gleich heraus springen/ mit einer furi oͤsen Ataque, iedoch in guter Ordnung auf die aͤusserste Brust des bedeckten Weges avanci ren/ daselbst sich hin- ter den Pallisaden arreti ren/ den Feind mit Mus- quetonen und Hand-Granaden von seinen Po- sten abtreiben/ und also sich des bedeckten Weges gantz bemeistern. Weil aber dem Feinde hieran viel gelegen/ und er suchen wird aller Moͤglichkeit nach solchen zu defendi ren/ muͤssen nicht alleine allen Falls andere neue Trouppen die vorigen Be- stuͤrmer secundi ren/ sondern es muͤssen noch à part andere Commandi rte fuͤrhanden seyn/ so da aus den nechsten hintern Linien und Wercken/ die im Vorrath liegende Hand-Granaden/ F aschin en/ Huͤrten/ Schantz-Koͤrbe/ Erd- und Woll-Saͤcke/ Faͤsser/ Blendungen/ Hauen/ Schaufeln/ und dergleichen in geschwinder Eil herbey bringen/ da- mit die Bestuͤrmer sich gleich einiger massen bey der Brust des beoeckten Weges fuͤr dem feindli- chen Schiessen koͤnnen bedecken und eingraben/ und solche important e Post endlichen mainteni ren/ sintemahl/ wenn die Contrescarpe gewonnen/ man die Festung schon halb erobert hat. Mittlereꝛ Weile des Gefechtes aber muͤssen die zuruͤck lie- genden Linien mit dem Hand Gewehr zu schiessen inne halten/ die Stuͤcke aber auf den hin und wie- der Das V. Cap. der gemachten Bateri en/ ingleichen die Moͤrser in den Kesseln tapffer auf die Waͤlle und Stadt spie- len/ da mit die Festung aller Orten zugleich moͤge geaͤngstiget/ und von den Waͤllen nicht sehr starck gefeuert werden. Koͤnnen denn die hi n tern Linten auf den Seiten der Bestuͤrmer aus dem Hand-Gewehr den Wall mit gutem Effect auch erreichen/ so sollen sie nicht unterlassen continuir- lich Feuer zu geben/ um das Schiessen von den Waͤllen um so viel unsicherer zu machen. Bey dergleichen Sturm/ wo es sehr hitzig pfleget her- zugehen/ sind zumahl die Ober- Officiers nicht zu verdencken/ wenn sie von den Curassi ern ihre Brust-Stuͤcke/ und C asque te entlehnen/ um sich einiger massen besser hiermit zu conservi ren. Wenn nun endlichen die Belagerte aus Macht des Feuers gezwungen werden/ den bedeckten Weg voͤllig zu verlassen/ ziehen sich die meisten von den Commandi rteu zum Sturme des Nachts wieder zuruͤcke in die nechst gelegene Posten/ und bleiben in guter Bereitschafft darinnen/ biß sich die vordersten an der Brust des bedeckten Weges ohngefehr 3. S. tief in die Erden eingeschnitten/ voͤllig wohl verschantzet und bedecket haben/ so wohl oben/ als auf den Seiten mit Redouten. Wenn es nun mit der Eroberung des bedeckten Weges seine Bewendung hat/ muͤssen so fort hin- ter solchen letzten Bedeckung auf dem Land- Hori- zont die Haupt- Bateri en und Kessel vortheilhaff- tig Von Bestuͤrmnng und Defendi rung ꝛc. tig angeleget/ wohl erbauet/ und mit behoͤrigen Baterie- Stuͤcken/ und andern groben Geschuͤtz ge- buͤhrend versehen werden/ woraus denn hernach auf die F acen und Flanquen muß Breche geschos- sen/ die Brust des Walles ruini ret/ und also zum weitern Sturm/ wenn sich der Ort hartnaͤckigt defendi ret/ der Weg gebahnet werden. Alle vor- dere Linien und Bedeckungen aber muͤssen also durch Ecken und Winckel an einander angeschlos- sen/ und mit Pallisaden versehen werden/ daß sol- che auf dem Noth-Fall einander wohl defendi- ren/ und sich und die Bateri en wohl beschuͤtzen koͤn- nen/ sonderlichen muß man wohl achtung geben/ daß der Feind auf keiner Seiten die Linien oder Baterien flanqui ren koͤnne/ sonst wuͤrde man uͤbel gewartet werden. Jst vor der Festung kein be- deckter Weg fuͤrhanden/ ruͤcket man auf gleiche Weise auf die eigentliche Contrescarpe des Gra- bens/ und bedecket sich alldar/ so gut man kan. Sind Gassen und Vor-Staͤdte fuͤrhanden/ die biß an dem Graben und Contrescarpe erbauet sind/ so hat man zu beyden Seiten schon zur Ge- nuͤge seine Bedeckung/ und muß man sich darmit nur von vorne wohl verwahren. Gesetzt aber/ es koͤnte der ataqui rende Theil die Contrescarpe oder den bedeckten Weg weder durch Sturm/ noch durch sonst einige Bedeckung sich solchen naͤhern und erobern/ so muß man das Erdreich biß an die Brust des bedeckten Weges/ oder in Mangelung derselben/ biß an die Contrescarpe des Grabens Fuß Das V. Cap. Fuß fuͤr Fuß erobern/ und mit Graben/ Schiessen und Sprengen/ so wohl Tages als Nachts un er - muͤdet fortfahren/ biß man endlichen den End- Zweck erreichet/ auch die Contrescarpe an Statt einer Sappe durch hierzu gemachte Fournellen gantz uͤber einen Hauffen in Graben gestuͤrtzet/ und einen weiten Eingang in demselben gema- chet habe. Damit man aber diese Arbeit um so viel geschwinder/ und sonder grosse Gefahr der feindlichen Granaden fortsetzen koͤnne/ soll man die Arbeiter alle 6. oder 8. Stunden lassen abloͤsen/ und fuͤr sich her grosse Woll-Saͤcke von 6. S. di- cke/ und 9. S. lang waͤltzen/ zur rechten und lincken Hand Faͤsser oder grosse Schantz-Koͤrbe stellen/ selbige mit bloser Erden ohne Steine fuͤllen/ von Ruthen zu Ruthen Traversen in die Gaͤnge anlt- gen/ die Woll-Saͤcke mit nasser Erden fuͤr den Brand bedecken/ die Aprochen auch obenher mit Faschinen und Erd-Saͤcken vor den Steinen und Granaten vermachen/ und also auf solche Weise immer weiter gehen/ biß die Logemen ter an den Orten verfertiget/ wo man gedencket Posto zu fas- sen/ und die Sappe, oder andere Minen Cammern zu machen. Bey dergleichen Begebenheiten nun wuͤrde es sehr nuͤtzlichen und dienlichen seyn/ wenn drey Trencheen und Aprochen neben einander in der Distanz von ungefehr 6. oder mehr R. gema- chet wuͤrden/ so blieben die Aprochen und Besa- tzung in der Mitten um so viel mehr von allen feindlichen Anfaͤllen un molesti ret/ und koͤnte man auch Von Bestuͤrmung und Defendi rung des ꝛc. auch darinnen einigen Voirath von Schantz- Ma- teriali en fuͤglichen aufbehalten/ um die Arbeit de- sto besser zu bestreiten und zu beschleinigen. (3.) F rage. Wie und auf was Weise soll ein Commendant von einer belagerten Fe- stung die ataqui rte Contrescarpe und bedeckten Weg defen- di ren? Weil es ohnstreitig/ daß an dem Ubergang/ o- der Erhaltung des bedeckten Weges allzuviel ge- legen/ so soll ein Commedant den ataqui renden Feind aus selbigen mit Horizontal-Defension so wohl mit kleinen Stuͤcken und Carthaͤtztschen/ als auch mit dem Hand-Gewehr/ und sonderlich mit Musqueton en bey seinem Avanci ren ziemlichen lassen empfangen und warm halten/ auch auf dem Glacis nahe der Brustwehr des bedeckten Weges Floder-Minen liegend/ und sonst hin und wieder unter dem Glacis caissons de bombes ver- borgẽ stehend haben/ um solche bey Gelegenheit zu zuͤnden durch ein Lauff-Feuer. Wenn eine starcke Garnison in der Festung sich befindet/ soll ein Com- mendant den bedeckten Weg/ zumahl/ wenn er recht breit gemachet/ mit vielen Soldaten bele- gen/ daß sie recht Gliederweiß koͤnnen chargi ren/ auch solche mit allerhand ander Gewehr/ als Pi- quen/ Spring-Stoͤcken/ Helleparten/ Sturm- Sensen und Hand-Granaden zur Genuͤge lassen ver- Das V. Cap. versehen/ damit sie sich tapffer koͤnnen wehren/ und dem Feind einen mercklichen Abbruch thun. Jst die Brustwehr des vedeckten Weges an den Orten/ wo die Ataquen geschehen/ als eine halbe Caponniere von oben wohl bedecket/ und mit Erde oben beschuͤttet/ desto weniger koͤnnen die feindli- chen Hand-Granaden ihren Effect erreichen/ und desto laͤnger koͤnnen die Belagerte solchen bedeck- ten Weg mainteni ren und defendi ren; Waͤre a- ber dieses von einem Commendan ten nicht in acht genommen/ sondern nur etwan Bonnettes in die Lermen-Plaͤtze daselbst gemachet worden/ so wird sich eine Garnison nicht gar zu lange aufhalten duͤrffen/ will sie anders nicht endlichen mit grossen Schaden abziehen/ weil solche/ wie starck sie auch sey/ der feindlichen Gewalt nicht resisti ren kan: Jmmittelst aber muͤssen alle Linien von der Fe- stung/ so viel als es nur immer moͤglichen seyn kan/ mit Hand- und groben Geschuͤtz sich tapffer hoͤren lassen/ und sonderlichen trachten den Be- stuͤrmern der Contrescarpe, ehe sie sich noch recht bedecket/ und weil es noch Tag ist/ Feuer und Ku- geln genug zuzuschicken. Jst aber noch eine ande- re Brust nach meiner angewiesenen Manier auf der eigentlichen Contrescarpe, und als eine halbe Caponiere bedecket/ so ist es nicht noͤthig/ daß auch eine starcke Garnison bey der aͤusersten Brust des bedeckten Weges die Extrema abwarte/ sondern sie kan/ zumahl/ wenn/ wie gesagt/ die Brust nicht recht Von Bestuͤrmung und Defendi rung des ꝛc. recht bedecket/ nach einem ziemlichen Gefechte al- len Falls lincks und rechts durch die Aparelles und Treppen in Graben sich reteri ren/ und die uͤbrige Defension der andern verdeckten Brust und Linie uͤberlassen/ welche denn auch mit gutem Effect das ihrige ohne sonderlichen Verlust thun koͤn- nen/ zumahl/ wenn auch einige kleine Stuͤcke mit Cartaͤschen und Stangen-Kugeln geladen in den Ler nen-Plaͤtzen daselbst sich sinden/ so dem Feinde viel Schadens thun koͤnnen. Eine mittelmaͤßige und kleine Garnison soll die Bestuͤrmer des bedeck- ten Weges bey dessen eigentlichen Brust mit eini- gen guten Salven aus Hand-Gewehr und Mus- quetonen empfangen/ auch viele Hand-Grang- den unter dieselbe auf das Glacis werffen/ sich a- ber in ein langweiliges Gefechte nicht einlassen/ sondern sich in Zeiten reteri ren/ damit sie an Mannschafft nicht zusehr geschwaͤchet werde; Hingegen soll aus der andern Brust auf der Con- trescarpe, wenn eine fuͤrhanden/ und von allen Li- nien der Festung mit Infanterie und Artillerie continuir lich Feuer gegeben/ und dem Feinde/ so viel nur moͤglichen/ Schaden zugefuͤget/ auch von seinem Vorhaben abgehalten werden; Solte derselbe aber dennoch diesen Posten mainteni ren/ und sich verschantzen/ muß man aus Moͤrsern mit Bomben/ Hand-Granaden und vielen Steinen/ auch nach Gelegenheit mit andern Brand-und Feuer-Kugeln ihn sehr aͤngstigen/ um seine ge- O o machte Das VI. Cap. machte Arbeit von Holtzwerck und Erde zu ruini- ren und zu verbrennen/ auch dessen S appen und Minen durch Untergraben zu nichte zu machen/ und uͤber einen Hauffen zu stuͤrtzen. Das VI. Cap. Von allerhand Arten der Blendungen/ wie solche zu machen/ und hin und wieder zu gebrauchen. (1.) F rage. Was sind die Blendungen/ und auf wie vielerley Art und Manier koͤnnen denn solche gemachet und verfertiget werden? W Eil der Blendungen bishero mehrmalen gedacht worden/ so ist noͤthig/ daß man wis- se/ was solche fuͤr Wercke bey der F ortication seyn/ und auf wie vielerley Art sie koͤnnen gemachet werden. Es sind aber/ was das erste anlanget die Blendungen mehrentheils Schußfrey kleine be- wegliche von 6. biß 7. S. hoch Wercke fuͤr dem Handgewehr/ so gemeiniglich der ataqvi rende Feind auf dem Land und andern Horizont pfleget zugebrauchen/ wann er in der Naͤhe der Festung entweder etwas recognosciren/ oder sonst zu sei- nem Behuff erbauen will/ damit der Contre- part seine Verrichtung nicht gleich koͤnne gewahr wer- Von aller hand Arten und Blendungen ꝛc werden/ sondern durch sothane vorgesetzte kleine Wercke einiger Maßen verblendet werde/ dahero sie auch ihren Namen fuͤhren. Dergleichen Blen - dung nun koͤnnen/ was das andere betrifft/ au- unterschiedliche Manieren gemachet werde/ nem h lich von Faschinen/ von starcken Bretern/ von Schantz-Koͤrben/ von Woll und Sand-Saͤcken/ von Faͤssern/ von gebundenen Schilffe/ und was solcher leicht tragenden und fortbringinden Sach- chen mehr seyn moͤgen. Die Blendungen von Fas- chinen und Schilffe verfertiget man also/ nem- lichen man bindet von ieder Materie Wuͤrste/ so ohngefehr 12. oder mehr S. lang/ und 1. biß 2. S. in Diameter dicke sind/ sothane Wuͤrste aber muͤs- sen an verschiedenen Orten von Schuhen zu Schuen feste zusammen gebunden/ und hernach zwischen zwey auf gesetzten spitzigen Pfaͤhlen/ so man auf einen starcken Qver-Holtze unten feste anmachet/ und Chandeliers zu nennen pfiget/ ein- geleget werden an beiden Enden/ und also da rmit continuiren/ biß sie ohngefehr 5. oder 6. S. hoch seyn/ damit ein auf gerichter man hinter densel- ben koͤnnen verdecket stehen/ die Wuͤrste und chan- deliers/ deren allezeit 2. zu einer Blendung seyn muͤs- sen/ werden bey der Nacht ápart an die Oerteꝛ gantz stille getragẽ/ wo man die Blendungen darvon auf setzen und gebrauchen will. Die Blendungen von Schantz Koͤrben oder Faͤssern/ werden entweder also bloß gebrauchet/ nachdem man solche in die Hoͤhe am behoͤrigen Ort in ihrer Ordnung auff O o 2 gerich Das IV. Cap. gerichtet/ wann sie zu vor dahin geweltzet worden oder man kan solche auch mit bloser Erden/ oder kleinen gefuͤlten Sand-Saͤcken aus suͤllen/ wenn man solche will recht Schuff frey haben/ und lange an einem Ort stehen lassen; Es muͤssen aber so wohl die Faͤsser/ als Schantz-Koͤrbe 5. biß 6. S. hoch/ und 3. oder mehr Schue dicke seyn: Von Bretern koͤnnen die Blendungen auf mancher- ley Art gemachet werden/ und zwar wenn man entweder auf die Breter Wall oder Seiler auf machet/ oder zwischen doppelte Reihen Breter Erde einschuͤttet und solche damit ausfuͤllet. Die Breter/ woꝛauf auf einer Seiten sollẽ Woll-Saͤ- cke oder Seiler kom̃en/ muͤssen nicht alleine starck/ sondern auch auf 10 oder 12. S. lang seyn/ und werden diese Blendungen also gemachet/ nem- lichen man muß die Breter qver uͤber einander an 2. Pfosten/ so unten S. vorgehen und spitzig sind/ zu beide Seiten feste añ ageln/ daß sie von 5. biß 6. S. eine Hoͤhe austragen/ hernach machet man auf dieser Seiten der Pfosten zwey paar starcke Tage-Riemen an/ das 2. Persohnen die Blen- dungen auf den Ruͤcken tragen koͤnnen/ wohin man solche verlanget; zwischen den Trage Riemen muß eine starcke zugespitzte Stuͤtz/ so man nach Gefallen aus und ein wenden kan auch an ge- machet werden/ umb dadurch die Blendung et- was schrege auf die Erde zusetzen/ das sie nicht so bald uͤber einen Hauffen falle; auf der andern Sei- ten aber werden en t weder Woll-Saͤcke in der Laͤn- Das VI. Cap. Laͤnge der Breter von 1. S. etwan in Diametro dicke feste angebunden/ oder aber starcke Seiler in der Runde auf die Breter mit starcken Rade-Na- geln angeschlagen/ damit keine Kugel von einem Hand-Gewehr in der Naͤhe durchgehen koͤnne; Die zwey Pfosten und Mittel-Stuͤcke kan man unten an ihren Spitzen mit starckem eisern Blech/ oder mit purem Eisen spitzig beschlagen lassen/ um so viel besser werden hernach solche dauren koͤnnen. Man kan auch starcke Breter auf beyden Seiten zweyer Pfosten/ so etwan einen halben S. dicke sind/ also in die Hoͤhe annageln/ und den inwendigen Raum mit Erden wohl aus- fuͤllen; Die Pfosten aber muͤssen unten auf 2. starcke Quer-Hoͤltzer feste angemachet und einge- zapsset seyn/ so koͤnnen zwey Personen an den Trage-Baͤndern dergleichen Blendungen auch hintragen/ wo sie wollen und sollen. Will man a- ber diese Art von zweyen Waͤnden und Bede- ckungen machen/ muͤssen zu unterst der drey Pfo- sten starcke/ iedoch niedrige gantze Raͤder kom- men/ wie man sie bey den Schiff-Laveten gebrau- chet/ damit man solche darauf fortschieben und wenden koͤnne/ als es von noͤthen ist. Man kan auch Blendungen nur von blossen gꝛuͤnen Reißig/ und sonst auf mancherley Weise machen/ nach- dem es die Gelegenheit und Umstaͤnde erfordern und an Hand geben. O o 3 (2.) Das VI Cap. (2.) F rage. Wie und wenn sollen denn die Blen- dungen recht applici ret und gebrau- chet werden? Die Blendungen hat der ataqui rende Theil am meisten zu gebrauchen/ und zwar gegen die Oerter und Flaqui rungen/ von welchen er sich des groͤsten Schadens bey seinem Avanci ren zu be- fuͤrchten/ es sey gleich in F ronte, oder auf den Sei- ten/ wo es wolle/ und muß er sich dessen bedienen/ wenn er mehrentheils unter die feindlichen Stuͤ- cke gelanget/ daß solche von dem groben Geschuͤtz nicht leicht koͤnnen ruini ret/ und uͤber einen Hauf- fen geworffen werden/ anders wuͤrden sie eine schlechte Bedeckung geben/ und waͤre es besser/ daß man entweder Traversen von Faschinen und Erden etwan 6. S. dicke und hoch machte/ oder Aproches roulantes gebrauchte/ davon im vorigen gemeldet worden/ als daß man bey einer solchen Gefahr nur Blendungen gebrauchen wolte/ so al- leine fuͤr dem Hand-Gewehr Schuß-frey waͤren. Wenn man bey der Brust des bedeckten Weges Posto gefasset/ die Sappe gemachet/ und nun in Graben gehen und denselben passi ren will/ koͤnnen die Blendungen am besten gebrauchet werden/ wenn nur anders keine Horizontal-Artillerie in dem Graben fuͤrhanden ist; Auf dem Glacis koͤn- nen die Bedeckter der Arbeiter auch solche ge- brauchen/ wenn finstere und dunckele Naͤchte sind/ Von allerhand Arten der Blendungen. sind/ und muß man sich hier innen allezeit darnach richten/ wie es die Zeit und Gelegenheit erfordern und leiden moͤchte. Das. VII. Cap. Von Verferdigung der Sap- pen/ der Galle rien uͤber uud unter den Graben/ was der ataqvi rende Theil dabey inacht zunehmen/ und wie ein Com- mendante in der Festung hinge- gen sich dawider am besten De- fendiren solle. (1.) Frage. Was heist dann bey der Fortifica- tion eine Sappe/ und wie soll der ataqvi ren- de Theil bey einem trockenen Graben or- dentlicher Weise eine Sappe ma- chen und die Contre-Scarpe in dem Graben durch brechen? Wenn der ataqvi rende Theil an der Brust des bedeckten Weges wuͤrcklichen posto gefasset/ und sich alda ein logi ret/ und wohl bedecket hat/ muß er/ umb keine Zeit zu verlieren/ auch den Aufang zu der Sappe machen/ damit er balde in und uͤber den Graben passi ren koͤnne/ wann entweder mit Canonen schon Breche gemachet worden/ oder der Wall kuͤnfftig soll unter mini ret und gespren- O o 4 get Das VII. Cap. get werden. Es wird aber die Hoͤhe und Weite eineꝛ Sappe/ welches nichts andeꝛs ist/ als ein veꝛ- borgener und verdeckter Gang unter dem be- deckten Weg an den Fuß der Contre- S carpe/ und Horizont des Grabens/ ohngefehr von 8. oder 9. S. gemachet/ also das drey Mañ neben einander aufgericht raumlich darinnen ab und aufwaͤrts gehen koͤnnen: Wenn nun bey dem Eingraben/ so gleich hinter der Bedeckung auf der Glacis bey der Brust des bedeckten Weges geschiehet/ gute fette und dicke Exde gefunden wird/ muß solche in der Hehe des Ganges nur halb rund ausge- hauen/ und weder daßelbst/ noch auf den Seiten mit Bretern und Pfosten aus gefuͤttert werden; Waͤre aber die Erde boͤse und schlim/ also/ daß man sich eines Einfallens befuͤrchte/ muß der Gang oben und auf den Seiten wohl verwahret werden. Wenn nun die Sappe also fuͤr sich biß an dem Fuß der Futter-Mauer verfertiget/ muß ferner durch solche der Durbruch/ und die Oeff- nung zu Abends-Zeit im dem Graben geschehen/ welches dann entweder/ wie es dann bey einer ge- machten Sappe gemeiniglich geschiehet/ mit ei- ner Pet rte am sichersten verrichtet wird/ oder es kann die Durchbrechung der Contre Scarpe auch druch eine Mine geschehen/ welche zwar einen grossen Bruch in die Contre-Scarpe machet/ und solche gar uͤber einen Hauffen stoͤsset/ daß man mit zimlicher Fronte in dem Graben kommen kan; Aber es ist dergleichen Druchbruch auch sehr ge- faͤhr- Von Verfertigung der Sappen ꝛc. faͤhrlich/ eines Theils/ daß die Mine/ wann solche in ihrer Cammer aufs beste nicht verwahret/ leicht kan zu ruͤcke schlagen/ und die Futter-Mau- er umbeschaͤdiget lassen/ andern Theils wann solche gleich ihren rechten Effect erweiset/ kan sie doch den ataqvi renden Theil in seinen eigenen Posten durch die in die Hoͤhe gesprengte Steine und Erden grossen Schaden thun/ welches dann billig in Consideration zu ziehe/ u. man sich bey der- gleichen Faͤllen wohl inacht zunehmen hat. Weñ der Druchbruch druch die Futter-Mauer mit ei- ner Petarde geschehen soll/ muß ein sehr starckes und mit Eisen-Creutze weiß wohl beschlagenes viereckigt Matrill- Bret hirzu genommen/ die Pe- tarde daran in dem Gang der Sappe wohl an- gespreitzet/ und der Gang an sich selber zuletzt starck außgefuͤttert werden/ damit solcheꝛ von dem Schlage der Petarde nicht verfalle; Es soll auch die Petarde an sich selber eine lange Brandroͤhre haben damit man Zeit genug habe/ sich zu rete- riren. So bald nun der Schlag der Petarde gesche- hen/ und ein guter Bruch durch die Contre-Scar- pe gemachet worden/ muͤssen hirzu gewisse Com- mandi rte in dem Graben eindringen/ welche dann weil es bey dergleichen Action sehr warm pfleget herzugehen/ mit Ruͤck- und Bruft-Stuͤcken/ in- gleichen auch mit Casqveten nebst dem bẽhoͤrigen Gewehr/ als Musqvetonen/ Hand-Granaden/ Morgenstern/ Sturm-Spitzen/ Senssen und dergleichen/ sollen versehen seyn/ damit sie den O o 5 au- Das VII. Cap. auf laurenden Feind koͤnnen mit F orce repoussi- ren/ und also den neuen Posten mainteni ren: Dar- nach folgen gleich andere Commandi rte mit Hau- en/ Schaffeln/ Faschinen/ Blendungen/ Schantz- Koͤrben/ Sand und Woll-Saͤcken/ damit man sich bald in Fronte und F lanqve auf dem Horizont des Grabens bedecken und einschneiden koͤnne: So muͤssen auch nach dem Schlag der Petarde alle Linien und Baterien auf die feindliche Wer- cke continuir lichen Feuer geben/ biß man sich in dem Graben recht feste gesetzet/ wohl bedecket/ und nach Gelegenheit gallerien gemachet/ damit der Feind den eigedrungenen in dem Graben nicht sonderlichen koͤnne Schaden thun/ oder sol- che gar nicht wider zu ruͤck treiben koͤnne. Gestalt dann vor der passi rung in Graben alle feindliche Defensiones/ und sonderlich alle Flanqven so viel nur immer moͤglichen/ muͤssen ruini ret/ und un- brauchbar gemachet werden. Falls aber die Pe- tarde keinen sonderlichen Bruch und Oeffnug in die Contre-Scarpe gethan haͤtte/ muß man mit Eisen und andern hirzu beqvemen Instrumen ten die Oeffnung groͤsser machen/ damit man fuͤg- lich in dem Graben kommen und mit Haussen ein dringen koͤnne. (2.) Von Verfertigung der Sappen ꝛc. (2.) F rage. Was zuthun und wie soll man uͤber die Graͤben passi ren/ wenn die Brechen mit Minen muͤssen gemachet wer- den/ und die Graͤben gantz voll Wasser sind? Wenn der Haupt-Graben ganß voll Wasser ist/ und die Breche gewisser Ursachen halber noth- wendig muß mit Minen gemacher werden/ da von in folgenden mehrere Meldung geschehen soll/ muß man zusehen/ ob man das Wasser im Gra- ben/ es mag fließend oder stehend seyn/ durch Ab- graben trockẽ mache koͤñe/ Gehet nun der Handel an/ daß der Graben trocken wird/ und ist sonst kei- ne Horizontal-Defension am artillerie in densel- ben/ soll man drey Sappen und Gallerien neben einander indem Graben fuͤhren/ solche als capon- ni ren uͤber dem Boden des Grabens unter guter und starcker Bedeckung oben und auf den Sei- ten biß an die Mitten der Bollwercks- Facen fort- setzen/ worunter die mittlere Gallerie vor die Sicherheit der Mineurs mit ihren Instrumenten dienen soll/ in den andern aber zu beiten Seiten muͤssen Commandi rte Leute seyn/ so die Mineurs fuͤr allen feindlichen Ausfaͤllen bestens beschuͤtzen sollen: Waͤre aber in einem solchen abgezapfften Graben Horizontal-Defension an Artillerie fuͤr- handen/ so ist es sicherer/ das man nur eine Sap- pe und Gallerie unter der Erden wohl unterbauet biß Das VII. Cap. biß an die F acen der Bollwercke fortfuͤhre/ mit Bruch-Zeiche/ wann die Scarpe gemauret/ ein- breche/ und so viel moglichen zur Mine eine Oef- fnung mache. Kan aber der Wasser Graben nicht trocken gemachet werden/ muß man ent- weder durch eine Sappe und Gallerie auch unter der Erden im Graben wohl unterstuͤtzet und tief genug biß an die Wercke der Festung fortgehen/ oder/ wenn das Wasser im Graben stehend und nicht sehr tief ist/ der Graben auch nicht gar zu breit/ muß man mit Einwerffen allerhand Sachen/ als Faschinen/ Faͤsser/ Schantz-Koͤrbe/ gefuͤlte Saͤcke und dergleichen einen Damm uͤber denselben von ohngefehr 24. S. breit/ und etwan 2. oder 3. S. hoch uͤber das Wasser machen/ und auf demselden/ und zwar auf der Seiten/ wo von man mit Canonen kan beschossen werden/ eine von 7. S. hoch Schußfreye Brust und Gall erie biß an die Facen fortfuͤhren/ wann nur solche auf der andern Seiten/ wo keine sonderliche Gefahr zubefuͤrchten/ mit starcken doppelten Bretern und Blendungen/ in der Hoͤhe aber mit starcken Bal- cken wohl bedecket ist. So kan man auch auf dem Damm eine gantz hoͤltzerne Gallerie machen/ es muͤssen aber die Joch und Gebuͤnde zu vorhero von den Zimmer Leuten also zugerichtet/ und alle Stuͤ- cke wohl bezeichnet seyn/ das man hernach bey fin- stere Nacht ohne Weitlaufftigkeit und grosses Gepoltere solche zusammen bringen koͤnne zu ei- nem ieden Joch nun gehoͤren 5. Stuͤcke/ als 2. Staͤndte/ Von Verfertigung der Sappen ꝛc. Staͤndte/ 2. Unter-Balcke/ 2. Ober-Balcke/ u. 4. Zwerch-Hoͤltzer oder Baͤnde. Die Bande sind et- wã 7. S. hoch/ von welchẽ hernach untẽ in die Un- ter-Blacken ein halber S . eingezapffet wird. Die Ober-Balcken/ welche 6. oder 7. Z. dicke seyn muͤs- sen/ weꝛden am Ende auf beiden Seiten zur Helffte ausgehauen/ etwan auf einen halben S. lang/ damit die Staͤndte eingezapffet werden koͤnnen/ iedoch muß solches ohne Zwang geschehen/ damit es/ wie gesaget/ bey der Nacht/ ohne klopffen und Schlangen stille zu gehen moͤge. Die Laͤnge der Zwerch-Hoͤltzer kan etwan 10. S. seyn/ nach dem man die Gallerie weit oder enge haben will/ darnach muß man auch eine gute qvantitæt star- cker doppelter Breter im Vorrath haben von 5 biß 6. Ellen lang/ das sie einen halben S. laͤnger sind/ als die Joch von einander stehen/ damit sie an beiden Enden auf die Joch koͤnnen ange- bohret werden/ in welchen Fall man sich allent- halben nur eines einigen Bohres alleine/ und also einerley Hoͤltzerner Naͤgel bed enen soll/ umb besserer Bequemlichkeit willen: Mit dergleichen Bretern nun wird die Gallerie auf den Seiten beschlagen/ und oben beleget ohne sonderliche Befestigung/ daß sie nuꝛ nicht abglitschen koͤnnen. Wenn ein Joch aufgerichtet/ und mit Bretern beschlagen ist/ so bewirfft man die Seiten so dick mit Erden/ oder setzet ausgefuͤlte Santz-Koͤrbe herumb/ damit solche fuͤr einen zunlichen Cano- nen Schuß moͤge frey seyn. Oben auf die Decke wird Das VII. Cap. wird auch etwan 3. S. hoch Erden geworffen/ damit die Granaden und ander Feuer-Werck nicht so leicht darauf hafften koͤnnen: Diesen be- deckten Gang nun continui ret man den geraden Weg auf dem gemachten Damm biß an die F a- cen, damit man hernach ohne sondere Gefahr zu dem Mini ren kommen/ und den Anfang machen koͤnne; Wie wohl/ die Wahrheit zu sagen/ man sich dergleichen hoͤltzern Gallerien heute zu Tage wenig mehr bedienet/ weil es darmit nicht alleine etwas langsam/ sondern auch gefaͤhrlich zugehet/ dahero es mit der ersten Manier am meisten zu halten ist. Wenn aber das Wasser im Graben flie ssend/ oder auch der Graben voll stehend Was- ser gar sehr breit und tief ist/ soll man die Mineurs mit wohl bedecktem Fahr-Zeug und schwimmen- den Bruͤcken uͤber den Graben bey Nachts setzen/ ihnen allerhand Nothdurfften und Bedeckungen gleich mitgeben/ damit sie ihr Dessein um so viel besserer und sicherer verrichten koͤnnen: Worbey zu mercken/ daß/ wenn die Scarpe gemauert/ man vor dem Ubersetzen der Mineurs solche mit gro- ben Geschuͤtz/ um die Gegend/ wo zur Mine soll eingebrochen werden/ eine ziemliche Oeffnung/ so viel moͤglichen/ machen solle/ damit alles leichter und geschwinder hernach zugehen moͤge/ auch muͤssen die Aussenwercke und R aveline zuvor e ro- bert oder gantz ruini ret seyn/ damit der Feind die Passage uͤber dem Graben nicht wohl mehr ver- hindern koͤnne. (3.) Von Verfertigung der Sappen ꝛc. (3.) F rage. Was zu thun/ und wie soll man uͤ- ber einen Graben passi ren/ welcher sehr breit und trocken ist/ in der Mitten aber ei- ne tiefe Cuvette mit Wasser hat/ auch sonst an Horizon-Defension von Artillerie und Infanterie hinter einer Brust wohl versehen ist? Bey dergleichen Graͤben/ so nach meiner Mey- nung gemachet seyn/ ist es schwer eine particular Passi rung fuͤrzunehmen/ und sind auch die Minen uͤbel anzubringen/ dahero die Brechen nothwen- diger Weise mit Canonen muͤssen gemachet wer- den. Was die Sappe anbelanget/ darff man nur eine machen/ man gehet aber von selbiger aus unter dem bedeckten Weg lincks und rechts in das Erdreich/ und leget nahe an die Futter-Mau- er zwey Minen- Cammern an/ deren Effect seyn muß/ die Contrescarpe auf eine ziemliche Distanz, ob es gleich gefaͤhrlich/ voͤllig in den Graben zu stuͤrtzen/ damit die Sturm-Lauffer/ wenn bereits auch an den Haupt-Wercken grosse Breche ge- machet worden/ mit breiter Fronte und grossem Nachdruck zugleich koͤnnen in Graben einlauffen/ die Cuvette, wenn solche von der Mine nicht er- schuͤttet/ mit F aschin en vollends ausfuͤllen/ die nie- drige Brust im Graben gleich ersteigen/ die Garni- son daselbst nieder machen/ und denn den Sturm mit gutem Effect uͤber die Haupt- Breche fortse- tzen/ Das VII. Cap. tzen/ und darauf Posto fassen; Und dieses alles muß mit einer nachdruͤcklichen und furi oͤsen Ata- que mit dem Degen in der Faust geschehen/ weil es viel Blut sonst kosten wuͤrde/ wenn sich der Feind erhohlen/ und auf seinen vortheilhafften Posten in Graben mainteni ren solte; Dahero bey so gestalten Sachen es besser/ etwas an Mann- schafft in geschwinder Eil verliehren/ und doch zu seine Zweck kom̃en/ als langsame u. muͤheselige A- taquen fuͤhren/ und doch wohl endlichen in der Haupt-Sache nach Wunsch nicht reussi ren. Jn zwischen muͤssen die andern Linien und Baterien auf dem Glacis, weil die Bestuͤrmer noch unten im Graben sind/ tapffer Feuer geben auf alle hohe Li- nien und Wercke der Festung/ auch nach Gelegen- heit Bomben und andere Feuer-Kugeln in die Stadt werffen/ damit die Garnison distrahi ret/ und von nachdruͤcklicher Defendi rung des Gra- bens abgehalten werde; So bald aber die Be- stuͤrmer auf die Breche des hohen Walles kom- men/ muͤssen die zuruͤck gelegenen Linien und Bate- rien mit Schiessen inne halten/ damit sie nicht ihre eigene Leute blessi ren und toͤdten; Unter dessen muß bey dem Sturm Force auf Force gebrauchet werden/ damit man den erstiegenen Posten main- teni ren/ und weiter gluͤckliche Progress en machen koͤnne/ davon im Folgenden schon mit mehrem wird gehandelt werden. (4.) Von Verfertigung der Sappen ꝛc. (4.) F rage. Was hat in Gegentheil ein Com- mendant zu thun/ und wie soll er einen Wasser Graben defendi ren/ wann der Feind solchen auff was Weise es auch sey passi ren will? Es ist gewiß/ daß ein Wasser Graben nicht so wohl zu defendi ren ist/ als ein trockener/ und kan solcher von einer grossen Garnison nicht gewalt- samer defendi ret werden/ als von einer kleinen/ weil keine infanterie indem Graben kan gefuͤhret/ und daselbst bedecket werden/ aus dem Hand- Gewehr gute Horizontal-Defension zuthun/ wel- che doch bey verwahrung der Passage sehr noͤthig waͤre/ und vielmehr ausrichten wurde/ als wenn die Garnison alleine auff den Waͤllen bleiben/ und von der Hoͤhe den Graben defendi ren muß: Jst nun keine wohlgeordnete Horizontal-Defension an A r tillerie auch fuͤrhanden/ umb so viel destowe- niger kan ein solcher Wasser-Graben recht be- strichen/ und von den Ubersetzen des ataqui renten Feindes mit guten Effect beschuͤtzet werden; da- hero denn bey dergleichen Graͤben sonderlich wohl zu observi ren ist/ daß man so wohl in der Courtine als F lanque inwendige Galleri en anlege/ umb aus denselben nach Gelegenheit und im Fall der Noth mit Infanterie, als Artillerie solche tapffer koͤnnen zu bestreichen/ und des Fein des Arbeit zu ruini ren/ wenn er etwan Daͤmme und Gallerien in dieselbe P p zu Das VII. Cap. zu seiner Passage machen wolte/ gestalt man denn auch von dem hohen Wall Brand- und andere Feuer-Kugeln auf selbige werffen/ und/ so viel moͤglichen/ sie verbrennen soll/ und muß man durch ausgesteckte brennende Pech-Pfannen die gantze Nacht durch an allen Winckeln der Wer- cke Feuer haben/ damit man sonderlich im Gra- ben allezeit sehen koͤnne/ was des Feindes Vorha- ben und Uuternehmen sey; Jngleichen soll ein Commendant die Artillerie und Infanterie so nie- drig bringen/ als es sich will thun lassen/ weil es einmahl gewiß und die Erfahrung gnugsam be- zeuget/ daß eine durchgaͤngige Horizontal Defensi- on zu Beschuͤtzung der Graͤben grosses Wun- der thut. (5.) F rage. Wie soll dann ein Commandant ei- nen gantz trockenen Graben/ oder auch denjenigen/ worinnen in der Mitten eine Wasser Volle luvette ist am besten defendi ren Wenn der Graben bey einer belagerten Fe- stung trocken ist/ soll ein Commendant e in die Ge- gend herum/ wo die feindliche A taque gefuͤhret wird/ unten im Graben an der C ontrescarpe eini- ge Gruben und Puits von ohngefehr 12. oder mehr S. tief lassen m a chen/ und darein so wohl Tags/ als Nachts Wachten bestellen/ welche gute Auf- merckung haben sollen/ um welche Gegend der Feind Von Verfertigung der Sappen ꝛc. Feind seine S appen oder Min en mache/ und ver- hoffentlich durch die Futter-Mauer gedencke durchzubrechen; Wenn nun die Gegend erfor- schet/ wo der Feind unter dem bedeckten Wege ar- beite/ soll man von oben durch denselben bey mei- ner andern Bruft/ eine geringe Oeffnung und endlichen ein Loch mit einem Erd-Bohrer ma- chen/ darein continuir lich Wasser/ oder andere stinckende Sachen bringen/ damit der Feind sich weiter darinnen nicht halten/ noch sein Dessein so bald ausfuͤhren koͤnne: Die Unter-Grabung der Sappe, oder der feindlich gemachten Minen unter dem bedeckten Weg/ wodurch man solche gaͤntz- lich ruini ren/ und uͤber einen Hauffen werffen koͤnte/ ist nicht wohl zu rathen/ weil man nur hier- durch dem Feinde selbst eine Breche machte/ deren er sich zu Ausfuͤhrung seiner Ataque hernach mit Vortheil wohl bedienen koͤnte/ massen er das we- nige Volck/ so er hierbey verlohren/ nichts wuͤrde achten/ und nur um so viel behertzter und staͤrcker sich erweisen/ sein Vorhaben mit Nachdruck aus- zufuͤhren/ welches denn ihme gar nicht zu schwer fallen wuͤrde/ wenn man gleich solche Breche wie- der alsobald bewerffen und verdecken wolte/ mas- sen er sich nunmehro wuͤrcklichen auf der Brust des bedeckten Weges/ und also in der Naͤhe ein lo- gi ret/ und Posto gefasset hat. Koͤnte man aber dem Feinde das Durchbrechen durch die Contre- scarpe auf keinerley Weise verwehren/ oder waͤre P p 2 schon Das VII. Cap. schon bereits im Graben eingangen/ und wolte nun anfangen sich in demselben zu verschantzen/ so muß eine starcke Garnison mit 1. biß 2000. Mann zu beyden Seiten einen Ausfall in dem Graben thun/ die feindliche Bedeckungen einreis- sen/ an brennen/ und den Feind/ so viel nur moͤgli- chen/ repoussi ren/ die Sappe und den Durchdruch wider vermachen/ und daselbst Tags und Nachts ein wachend Auge haben/ welches Unterfangen denn man mit wenigem Volcke nicht fuͤrnehmen soll/ damit man nicht den Kuͤrtzern ziehe/ der Feind allzu geschwind die Haupt-Wercke erreiche/ und selbige entweder mit den Minen zum Sturm oͤeff- ne/ oder wenn schon mit den Canonen Breche ge- schossen/ die selbe nicht gleich ersteige/ und darauf Posto fasse. Eine mittelmaͤßige Garnison kan im Boden des Grabens mit verdeckten Abschnitten Fuß fuͤr Fuß an den Feind sich halten/ seine Passage mit Feuer geben/ und Granaden werffen ober der Erden und mit m inen unter der Erden zuruͤck stel- len/ die Arbeiter unverhofft uͤberfallen/ ermor- den/ verjagen/ und endlichen die Arbeit wieder einreissen/ verbrennen/ und die Sappe aufs beste vermachen. Eine kleine Garnison, wie auch die andern alle/ kan die Passage dem Feinde uͤber einen trockenen Graben nicht besser verwehren/ als wenn sie an dem Ort/ wo der Feind uͤbersetzen will/ eine Cuvette oder falschen Graben/ wenn sol- cher auf meine Manier nicht etwan schon fuͤrhan- den/ Von Verfertignug der Sappen ꝛc. den/ in der Mitten des Haupt-Grabens und hin- ter demselben eine ver pallisadi rte Brust machet/ solche oben in Form halber Caponnier en fuͤr den Hand-Granaden bedecket/ und daraus den Gra- ben nebst wohl angelegter Horizontal-Artillerie in Flanc und Fronte tapffer beschuͤtzet und bestrei- chet. Oder wenn dieses nicht koͤnte ins Werck ge- setzet werden/ muß eine kleine Garnison viel Stein-Hauffen hin und wieder in dem Graben legen/ solche oben mit Erden bedecken/ und denn/ wenn der Feind daselbst etwas tenti ren/ und uͤber dem Graben passi ren wolte/ darauf mit Stuͤcken tapffer loß schiessen/ damit die Steine in grosser Quantit aͤt herum springen/ und mercklichen Schaden thun moͤgen. Deßgleichen soll keine ein- tzige Garnison bey Gelegenheit/ und wenn es die Noth erfordert/ unterlassen/ viele Bomben/ Hand-Granaden/ und andere Feuer-Kugeln con- tinulr lichen in dem Graben zu werffen/ Cartaͤtz- schen zu schiessen/ und Sturm-Pfloͤcke und Faͤsser von dem Wall ablauffen zu lassen/ damit man den Feind/ so viel moͤglichen/ vertreiben/ von fer- nerm Sturm abhalten/ und seine gemachte Ar- belt ruini ren moͤge/ wodurch denn die Zeit gewon- nen/ und viel Unkosten und Gefahr dem Feinde aufs neue gemachet/ auch ein Ort also laͤnger er- halten/ und wohl gar von aller Noth wieder be- freyet wird. P p 3 Das Das VIII Cap. Das VIII. Cap. V on Brech machen mit Ca- nonen und Granaden, was hierbey der ataqui rende Theil in acht zu nehmen/ und wie hingegen ein Commendant sol- ches Brech machen verwehren/ und sich darwider bestens defendi - ren solle. (1.) F rage. Auf wie vielerley Weise werden die Brechen gemachet/ und bey was fuͤr Wercken werden solche recht angebracht? D As Brech machen kan auf dreyerley Weise geschehen/ nemlichen mit Canonen, mit Wall-Granaden/ und mit Minen: Die erste Ma- nier ist die gemeineste/ und auch die sicherste/ wie- wohl es etwas langsam damit zugehet/ und wird gemeiniglich gebrauchet/ wenn die feindlichen Wercke von steinigten und sandigten Boden er- bauet/ außwendig mit Steinen reveti ret/ oder auch un reveti ret sind/ und eine geringe Boͤschung haben/ auch sonst wegen des Wassers/ Morastes oder Felsen die Wercke mit Minen nicht koͤnnen gesprenget/ oder solche sonst wegen grosser Ge- fahr/ der befindlichen Gallerien, Contreminen, und hohlen Bollwercken/ und anderer Ursachen halber Von Brech machen mit Canonen ꝛc. halber nicht wohl angebracht werden. Mit Gra- naden aus Haubitzen und Canon en koͤnnen die feindlichen Wercke gesprenget werden/ wenn sie von aussen nicht reveti ret sind/ gute Erde und eine starcke Boͤschung haben/ worbey man aber die recht e n Minen nicht wohl anbringen kan. Die m i- nen machen in kurtzer Zeit eine grosse Breche ohne sondere Unkosten/ nur daß Anfangs eine grosse Ge- fahr darbey/ ehe die m ineurs sich koͤnnen an die feindlichen Wercke anhaͤngen/ u. darein ein wenig zu ihrer Bedeckung sich eingraben/ werden gemei- niglich gebrauchet/ wenn die feindlichen Wercke von guter Erde erbauet/ Massiv, und nicht unten gewoͤlbet sind/ und auch sonst keine sonderliche Verhinderniß oder Ursache fuͤrhanden/ solche an- zubringen/ wovon im Folgenden schon mit meh- ren und weitlaͤufftig soll gehandelt werden. Sonst wenn man grosse Kauff- und Handels- Staͤdte/ die wohl befestiget seyn/ mit einer Cere- monial-Ataque nicht wohl einschliessen/ und mit gutem Effect Breche machen kan/ muß der ataqui - rende Theil deren Zugaͤnge von weiten nur wohl bloqui ren/ die Stadt aber an sich selbsten mit Feuer und Bomben Tag und Nacht beaͤngstigen/ damit die schoͤnen grossen Haͤuser und besten Effe- ct e im Feuer und Rauche aufgehen/ so werden die reichen Jnwohner bald zur Raison gebracht/ zu- mahl wenn keine sonderliche Garnison in densel- ben fuͤrhanden/ und das Ober- Commando nur P p 4 bey Das VIII. Cap. bey den fuͤrnehmsten Buͤrgern bestehet/ auch sich sonst keines sonderlichen und gewissen Succurs es zu getroͤsten haben. (2.) F rage. An welchen Wercken und Oertern einer Festung soll man denn heute zu Tage die Brechen machen? Vor Alters sind die Brechen mehrentheils ge- machet worden auf die Mitten der uͤberlaͤngten Courtin en und Thore/ so zu beyden Seiten gerin- ge F lanqui rungen gehabt: Heute zu Tage aber/ da die Courtin en viel kuͤrtzer/ und die Flanquen der Bollwercke auch groͤsser und staͤrcker sind als sonst/ so werden die Brechen gemeiniglich an den Facen der Bollwercke gemachet/ weil solche am meisten in das Feld heraus gehen/ und nicht so wohl in der Naͤhe/ als die Courtin en von den F lan- quen koͤnnen bestrichen und defendi ret werden; Wie wohl solches auch nicht allezeit heute zu Ta- ge geschehen darff/ denn wenn die Bastion en ziem- lichen groß und starck/ auch inwendig mit andern Wercken und Abschnitten wohl versehen sind/ al- so/ daß sie gar zu viel Zeit und Volck zu erobern ko- sten moͤchten/ so kan auf solchen Fall auch noch wohl zu dieser Zeit die Courtine, ob sie wohl kurtz und klein ist/ angegriffen/ und in solche Naͤhe bey der Flanque eines Boͤllwercks Breche gemachet/ beyde anliegende Flanquen aber zuvor ruini ret/ o- der doch gegen die weit entlegneste bey dem Sturm Von Brech machen mit Canonen ꝛc. Sturm ein starcker Damm und Brust gemachet/ und also die Breche gluͤcklichen bestiegen/ und ero- bert werden/ welches alles/ als eine Sache von grosser Wichtigkeit zu vorhero muß wohl uͤberle- get/ und hernach mit Nachdruck effectui ret wer- den/ damit man von dem Unternehmen keinen Schimpff und Schaden haben moͤge. (3.) Frage. Wie sollen dann die feindlichen Mauren und revetirten Wercke von ge- ringer Erde mit Canonen beschossen und gefuͤllet werden? Ob wohl die Eroͤrterung solcher Frage hieher nicht eigentlich/ sodern viemehr zu der Buͤchsen- meistrey gehoͤret/ so habe doch nicht unterlassen wollen/ auch hirvon in diesen Buch einigen Be- richt zu theilen/ weil daran sehr viel gelegen/ und im uͤbrigen die Fortification mit der Wis- senschafft der artillerie so sehr verwand ist/ das ei- ne ohne die andere nicht wohl seyn kan/ will man anders etwas fruchtbarliches ausrichten. Wann demnach ein Wall von steinigter oder sandigter Erden erbauet/ und von aussen reveti ret ist/ wie solches nothwendiger Weise seyn muß/ soll man das Mauer-Werck entweder in der Mitten der Facen perpendiculariter mit Canonen beschiessen/ massen dergleichen Schuͤsse die Mauern am nachdruͤcklichsten antasten und erschuͤttern/ und zwar solches in der Mitten zuerst suchen zu durch- P p 5 loͤchern/ Das VIII. Cap. loͤchern/ damit die obere Last zu samt der Brust- wehr desto eher nachfalle/ oder man kan die Spitze des Bollwercks nur in der Mitten mit Canonen ruini ren/ so die steinigte oder sandigt Erde bald nach ruͤtzschen/ und in den Strum einen bequemen Aufgang zur Breche machen/ welches dann nicht alleine bey revetir ten sandigten Wercken/ son- dern auch bey blossen Mauern ohne Crde muß in achtgenommen/ und solche in der Mitten/ oder wohl gar nach Gelegenheit am Fusse angegriffen werden: Denn die Mauern von harten Bruch- Steinen sind an einer Festung am leichtesten zu- faͤllen/ in dem sie sich geschwinde von einander loß- geben/ und gantze Steine bey den Schießen da- raus wegspringen/ und so bald nur ein klein Loch in die Mauer gebrochen ist/ so sind die andern Steine auch bald zufaͤllen. Die Mauern so von weichen Werck-Stuͤcken gebauet/ sind uͤbel zu- beschiessen/ dann man kan ihnen weder mit Ort/ noch Creutz-Schuͤssen etwas thun/ sonderlichen wann die Ecken mit eisern Klammern zusam- men verbunden sind/ will man aber etwas an ihnẽ faͤllen/ so muß man alles mit grossen Haupt- Stuͤcken thun/ und mit vielen Schuͤssen ent- weder zugleich/ oder continui rlich auf einander solches verrichten. Die Mauern und Brust- wehren/ so von starcken Ziegel-Steinen gemachet/ sind am uͤbelsten Zufaͤllen/ indem die Stuͤck- Kugln kein sonderlich Loch dareln machen/ auch diese Von Brech machen mit Canonen ꝛc. diese Steine nicht wie die andern ausspringen/ dahero man dergleichen Mauern von beyden Sei- ten gar Schrege mit Feld-Stuͤcken und viertel Carthaunen zusammen schießen/ und dann von vorne gerade und perpendiculariter mit halben Carthaunen und schweren Baterie Stuͤcken an- greiffen muß. Wenn in den Mauern/ Geboͤlber und Gallerien sind/ so man mit Stuͤcken umb dise Gegend beschiessen kan/ soll man etliche schwere Stuͤcke zugleich auf ein Centrum allein richten/ und solche zu einer zeit und moment abbrennen/ so muß die Mauer/ sie mag auch von was vor Steinen erbauet seyn/ bald ein Loch bekommen/ und das Gewoͤlbe uͤber einen Hauffen fallen. (4.) Frage. Wie sollen dann die reveti rten oder unrevetir ten Wercke von guter Erden/ sie moͤgen eine geringe oder starcke Boͤschung haben/ mit Canonen beschossen/ und mit Granaden gesprenget werden? Wenn ein Bollwerck/ so von guter Erden er- bauet/ und auswendig reveti ret ist/ mit Ca- nonen soll beschossen werden/ muß man von bei- den Seiten die Schaͤrffe und Ecken der Boll- wercke fassen/ und die Schuͤsse neben einander richten/ so kan man großen Schaden thun/ dann mit geraden ein Schießen richtet man bey sol- chen Wercken nicht viel auß. Einen Wall von blos- ser Das VIII. Cap. ser guter Erde/ und so darbey eine gute Boͤschung hat/ muß man in der Hoͤhe nach und nach von der Brust angreiffen und mit continui rlichen scharf- fen Schießen faͤllen/ oder auch solchen aus Hau- bitzen mit großen Granaden sprengen; Wie wohl die Bollwercke/ so von Erden und Faschinen zu- gleich erbauet sind/ mit Granaten besser und eher/ als mit Canonen zu ruini ren sind// maßen eine Granade in der Erden mehr Effect thut/ als 10. andere Stuͤck-Kugeln/ es waͤꝛe dann daß deꝛ Wall eine geringe Boͤschung habe/ oder mit Faschinen und Plack-Werck gaͤhling in die Hoͤhe gefuͤhret waͤre/ auf solche Weiselkan man auch mit Canonen Schießen alleine dergleichen Wall faͤllen/ zumahl wenn man dafuͤr drey Baterien anleget/ da die Mittlere die groͤste ist/ und die schwersten Stuͤcke hat/ auch den Wall perpendiculariter beschießen kan/ die zwey neben B aterien aber nicht groß sind/ auch keine schwere Stuͤcke fuͤhren/ woraus der Brech -Punct nur Seiten waͤrts beschossen/ und die durch die mittlere Baterie erschuͤtrerte Eꝛde her- aus gerissen wird. (5.) F rage Wie soll man dann die Courtin en/ Cavalier und Casemat en beschiessen und ruinir en? Die Courtin en wohl zubeschiessen/ muß man zu erst an der Brust anfangen/ sonderlich aber bey Von Brech machen mit Canon en ꝛc. bey den Schieß-Scharten/ und so weiter unter sich gehen/ weil man solchen mit den Streich- Schuͤssen wegen der anliegenden Bollwerck-E- cken nicht recht beykommen kan. Die Cava- liers muͤssen nicht zu niedrig/ sondern etwan in der Mitten an den Ecken mit Creutz-Schuͤssen beschossen werden/ sonst wenn man sie nur auf einer Seiten fassen will/ wird man solche schwer- lich faͤllen. Die Casemat en zu ruinir en muß man kurtz vor dieselbe an die Courtin en-Mauer anschiessen/ so gellet die Kugel in die Casematte, als wenn man das Stuͤcke mit fleiß darein ge- richtet haͤtte; Wie wohl es am sichersten und be- sten ist/ daß man solche gemauerte enge Wercke mit Bomben und Granaden suche zu ruini- r en/ weil diese den groͤsten Schaden thun koͤn- nen. (6.) F rage. Wie soll man dann die runden oder andern eckigten Thuͤrme mit Cano - nen beschiessen? Bey allen Thuͤrmen und hohen Wercken insgemein/ welche da sollen ruini ret/ und niderge- schossen werden/ soll man fuͤr allen dingen sehen/ daß man zu erst ihre Bruͤstwehren und Schieß- Scharten zu nichte/ und unsicher mache/ damit man keiner sonderlichen Gefahr sich dahero auf einigerley weise zu befuͤrchten haͤbe. Nach die- sem Das VIII. Cap. sem wenn man einen viereckigten Thurm/ so frey stehet mit Canon en ruinir en will/ soll man solchen mit Creutz-Schuͤssen an den Ecken wohl fassen/ weil darinnen des Thurms meiste Force beste- het/ und nach deren Ruinir ung sich leicht von ei- nander begiebet. Einen runden Thurm muß man zwischen den Schieß-Loͤchern angreiffen/ oder in der mitten an einem Fenster gegen einan- der brechen/ oder solchem mit Circular -Schuͤssen unten beschiessen. Einen Thurm/ so halb in der Ring-Mauer stehet/ muß man zu beiden Seiten an den Winckeln/ wo der Thurm und die Mau- ern zusammen stossen/ ergreiffen und faͤllen/ wie wohl es langsam daher gehet. Wenn die Be- lagerte an die Thuͤrme und Mauern grosse Woll- und Hopffen-Saͤcke/ mit Heu oder Wolle angefuͤllet/ oder Mist und Holtzwerck haͤngen und machen solten/ umb hierdurch die Schuͤsse an ihren Wuͤrckungen zuverhindern/ muß man nur mit gluͤenden Kugeln darnach schiessen/ umb solche so viel moͤglichen zu verbrennen und anzu- zuͤnden. (7.) F rage. Wie sind die Pallisaden/ hoͤltzerne Bruͤcken/ und Galleri en Staqveten/ Spa- nische Reuter/ Gelaͤnder und Sturm- Pfaͤhle mit Canon en am besten zu ruinir en? Die Von Brech machen mit Canon en ꝛc. Die Pallisaden/ hoͤltzerne Bruͤcken und Galle- rien Staqueten/ Spanische Reuter und Gelaͤn- der werden am besten aus den Stuͤcken mit Stangen und Ketten Kugeln ruini ret und zusam- men geschossen; Die Sturm-Pfaͤhle koͤnnen auch also ruini ret werden/ wie wohl solches besser mit Granaten aus Stuͤcken und Haubitzen ge- schehen kan. (8.) F rage. Wie soll dann ein Commende dem Feinde das Brech-Schiessen verwehren/ und seine Stuͤcke und Bateri en demontir en und ruini - ren? Gleichwie ein kluger Commendant wegen das Anhengen der Mineurs an die Haupt-Wercke/ wann solche von Feinde sollen unter mini ret/ und mit Minen eine Breche gemachet werden/ sich wachtsam und tapffer halten soll/ damit der Feind sein Dessein nicht leicht anfangen/ weniger aber fortsetzen und ausfuͤhren koͤnne; Also und gleicher gestalt soll ein Commendant bey Auffer- bauung der feindlichen Baterlen sich mit grossen Geschuͤtz gleich anfangs tapffer hoͤren lassen/ damit er solches so viel moͤglichen verwehren/ o- der doch auf einige Zeit verzoͤgern moͤge/ weil das Brech machen an den Haupt-Wercken/ es geschehe solches mit Min en/ oder Canon en/ den Festungen mehr entheils den Halß bricht/ daß sie sich Das VIII. Cap. sich bald darauf ergeben muͤssen. Die feindli- chen Bateri en nun am besten zu ruinir en muß ge- schehen mit vielen und den groͤbsten Geschuͤtz in einer Festung/ und zwahr nicht alleine in Fronto aus den Fac en und Courtin en/ sondern auch nothwendiger weise in Flanqve, weil diese Schuͤs- se einer Baterie, sie mag in gerader Linie/ oder wie ein halber Mond/ oder wie zwey ausgesetzte Fac en gebauet seyn/ am meisten von hinten und auf den Seiten zu Schaden thun koͤnnen/ dahe- ro dann mit der groͤsten Raison alle diejenigen Flanqven an einer Haupt-Festung billig zuver- werffen sind/ welche entweder perpendiculariter noch erbauet/ oder wenn sie gleich geschoben doch allzukurtz/ die Facen aber allzulang sind/ oder wann die Flanqve mit Casematten auf ihrer o- bern Defension abgeschnitten/ oder reteriret und gesencket oder in einer Rundung gebauet sind/ da nicht alle Stuͤcke zu Ruini rung der feindlichen Baterien auf dem Glacis oder sonst koͤnnen ge- brauchet werden/ worinnen doch die groͤste De- fension einer Festung mit bestehet/ und auch der hohen Flanqven fuͤr nemster Zweck und Absehen seyn soll/ weil die Bestreichung der Graͤben nur secundario aus den hohen Flanqv en/ primario a- ber solche aus einer Horizontal-Defension von a rtillerie und Hand-Geschuͤtz herkommen soll und muß/ will man anders sich gebuͤhrender mas- sen und mit Nachdruck gegen die feindliche Ge- walt defendi ren/ und das Brech machen mit Ca - non en Von Brech machen mit Canon en ꝛc. non en dem Feinde verwehren. Solten aber die einfachen Linien an den Facen und Flanqven der Bollwercke nicht zu langen wollen/ so viel Geschuͤtz zubegreiffen/ damit des Feindes Bate- rien koͤnten entweder verwehret/ oder wenn sie erbauet/ wider ruini ret und uͤber einen Hauffen geworffen werden/ muß ein Commendant noch Contrebaterien hinter der Brust das Walles auffwerffen/ und also gegen dem Feiad doppelte Baterien fuͤhren/ damit er capable sey Gewalt mit Gewalt recht zu vertreiben. So muß man auch viele und grosse Moͤrser an dem Ort der a taqve in einer Festung bringen/ umb daraus viele Steine und Bomben auf die Baterien und Kessel des Feindes zu werffen/ und damit dessen Wercke und grobes Geschuͤtz zu ruini ren/ und zu fernern Gebrauch untuͤchtig zu machen; Dann bey dessen sehr gefaͤhrlichen Zustandt muß an munition in der Festung nichts erspahret wer- den/ und soll man wohl zusehen/ daß man die Brustwehr und Schieß-Schartten/ so viel moͤg- chen/ gantz behalte/ oder doch solche mit starcken wohl ausgefuͤlten Schantz-Koͤrben besetze/ damit man das grobe Geschuͤtz aufs beste conservi ren/ und sich darmit in Fronte und Flanqve lange und tapffer wehren koͤnne zu einem mercklichen Schaden der Feinde. Q q Das Das IX. Cap. V on Minir en und Contre- minir en/ was darbey so wohl der a- taqui rende/ als defendir ende Theil in acht zu nehmen/ und auf wie vielerley. weise nach Gelegenheit das minir en koͤnne verrichtet und gemachet/ die Min en hinge- gen gesuchet/ und mit guten Effect gesprenget werden. (1.) F rage. Was ist wegen der Persohnen/ so bey den minir en sollen gebrauchet werden/ in acht zu neh- men? W Eil das Minir en im Kriege und son- derlich bey Belagerungen sehr gebrau- chet wird/ und man darmit ohne weniger Unko- sten in kuͤrtzerer zeit zu seinen Entzweck gelanget/ als mit den Canonir en/ so ist es hoͤchst noͤthig hier- von etwas weitlaͤnfftig zuhandeln/ und von allen Stuͤcken und Begebenheiten ausfuͤhrlich Be- richt zu thun/ indem man sonst wenig findet/ die von dieser wichtigen Materia etwas rechtes ge- schrieben. Was nun fuͤrnemlich die Personen anlanget/ so man zu dergleichen important en Ver- Von Minir en und Contreminir en/ Berrichtungen muß gebrauchen/ massen diese gantze Kunst in der Hand-Arbeit bestehet/ so ist es loͤblich/ wann bey grossen Arméen gantze Com- pagni en Mineurs mit ihren Haupt-Leuten und andern Officiers gehalten und gebuͤhrend ver- pfleget werden/ und dienen hierzu die Bergleute/ Teich-Graͤber/ Zimmerleute und Maurer am besten: Hat man aber zu mahl bey kleinen Ar- méen keine gewisse Mineurs in Bestallung/ so muß man bey deren Beduͤrffnuͤß unter den Regi- mentern lassen ausruffen/ wer sich zu dergleichen Arbeit freywillig will gebrauchen lassen/ mit dem Versprechen nach eines ieden capacit aͤt und Dienste gute Belohnung und Beforderung zu geben; Zu einer ieden Mine aber werden zum wenigsten 24. gemeine erfordert/ sintemahl es eine grosse Strapazzo ist unter der Erden zu arbeiten/ und kan ein Mañ darunter an einem Stuͤck nach einander uͤber 8. Stundten nicht dauren/ dahero drey parti en unter den Arbeitern muͤssen gema- chet werden/ welche in 24. Stundten alle 8. Stundten einander abloͤsen/ und also iede partio 16. Stundten ausruhen/ und sich wider erhohlen koͤnne/ zugeschweigen der Gefahr/ so dergleichen Leute alle Augenblick unterworffen sind. Man soll aber die Leute zu sothaner muͤhesamen Arbeit nicht mit Gewalt zwingen/ weil sie dadurch nur verdrossen/ unlustig/ untreu und desperat wer- den/ auch endlichen gar uͤberlaͤuffer abgeben/ wo- durch dann Verraͤtherey und Hintertreibung Q q 2 alles Das IX. Cap. alles heimlichen Vornehmens entstehen kan . Vielmehr soll man die Leute hierzu mit guten Worten bringen/ und ihnen eine gute und richti- ge Bezahlung geben/ zu mahl wenn sie in wuͤrck- licher Arbeit sind/ da man sie nicht gantze Mona- the auf ihre Besoldung soll warten lassen/ weil das Feld und Campagne keine Stadt u. ein Auf- fenthalt ihrer Bekanten ist/ von denen sie aus Freundschafft/ und auf Credit einige Lebens- Mittel erhalten koͤnnen/ so laͤsset sich auch der- gleichen schwere Arbeit nicht bey einem unver- sorgten Magen/ noch etwan bey Wasser und Brot nur verrichten/ weil die Kraͤffte und Lust hierzu einem bald vergehen solten. Uber dieses muͤssen auch die Mineurs mit gebuͤhrenden In- strument en/ und behoͤrigen Werckzeug/ welches schmeidig und wohl gestahlt seyn muß/ versehen seyn/ damit solcher nicht alleine bey der Arbeit wohl daure und aushalte/ sondern auch ohne grosses Gepoltere die Mauern koͤnnen durchbre- chen/ und die Erde heraus gebracht werden/ wel- ches letztere dann gemeiniglich durch lederne Ei- mer oder Schlaͤuche/ oder mit Sand-Saͤcken und Koͤrben geschlehet. (2.) F r Von Minir en und Contreminir en ꝛc. (2.) F rage. Wie sollen die Minen dem Grund- Riß nach insgemein wohl angeleget/ und das Centrum zur Minen-Cammer recht gesuchet und getroffen werden? Man muß zuvorhero die Situation der Festung und qvalit aͤt der Wercke/ welche da sollen unter- mini ret und gesprenget werden/ wohl betrachten/ und sich fuͤrsichtiglich entschliessen/ wie die Mi - nen/ oder vielmehr das Centrum zu der Min en- Cammer recht zu treffen und anzulegen sind/ mas- sen hieran sehr viel gelegen/ damit die Mine ihren erwuͤnschten und verlangten Effect thun/ und Zeit/ Muͤhe und Unkosten nicht moͤgen vergeblich seyn; Dahero es am sichersten/ daß man die gantze Mine mit ihrer Cammer und Gange nach dem verjuͤngten Maaß-Stab auf Pappier auf- reisse/ solches auf ein Bretlein aufklebe/ und sich bey dem Eingraben unter der Erden in Laͤnge und Breite darnach richte/ wie das Project ausweiset/ worbey man dann das Grundlegen und Ausste- cken wohl verstehen muß: Solte man aber das Vorhaben nachdem Abriß wegen ein und an- derer Ursacher/ oder des Feindes Gallerien und Gegen- Min en/ welches man durch Einbohren mit einem Erdbohrer von ohngefehr 6 S. lang/ leicht erfahren kan/ nicht koͤnnen fortsetzen/ muß Q q 3 man Das IX. Cap. man die Mine auf eine andere Manier zu vor in Grund legen/ und sich hernach mit dem Abstecken darnach richten/ und wird der Eingang zur Mi - nen gemeiniglich in der Mitten einer Facen ge- machet. Andere gebrauchen bey Verfertigung der Min en den Compass und Magnet -Nadel/ welches aber nicht allemahl recht zutreffen will/ weil dieselbe durch unerforschliche Accidenti en sich unter der Erden bißweilen anders lencket/ als uͤber derselben. (3.) F rage. Wo und wie sollen dann die Mi- nen-Gaͤnge abwaͤrts und in gleicher Linie gemachet und gefuͤhret werden/ und was ist hierbey besonders wohl in achtzu- nehmen? Nachdem das Absehen und Vornehmen ist/ die Min en anzulegen/ auch der Horizont und die Gelegenheit der Wercke es erfordern/ nachdem koͤnnen die Minen -Gaͤnge abwaͤrts/ gerade/ oder uͤber sich gemachet und gefuͤhret werden: Wenn die Min en-Gaͤnge muͤssen abwaͤrts ge- fuͤhret werden/ als wie in einer Festung bey den grossen Galleri en in den massiv en Bollwercken/ koͤnnen solche in gerader Linie schrege abwaͤrts biß an die Bollwerck-Spitze unter der Erden ge- fuͤhret werden: Dergleichen schreger abwaͤrts Gang kan man auch bey der Sappe, oder wenn die Contrescarpe von aussen soll unter mini ret wer- den Von Min en und Contreminir en ꝛc. den/ also verfertigen/ oder man kan zu erst oben auf dem Glacis ein rundes Loch/ von 9. S. weit in Diameter, und 3. S. tief perpendiculariter in die Erden/ dann in der Mitten desselben obern Loches ein ander rundes von 6. S. in Diametro weit/ und wider 3. S. tief in die Erden gleich un- ter sich/ und endlich abermahl ein ander rundes Loch in das vorige von 3. S. in Diametro weit/ uñ 3. S. tief machen/ so stehet man in allen 9. S. tief perpendiculariter in der Erden/ welche Absaͤtze dañ zum Ab- und Auffsteigen dienen koͤnnen/ und brauchet man hierbey keiner Unterbauung. Wenn nun die Contrescarpe, oder ein ander Werck nicht hoͤher oder tiefer als 9. S. were/ so darff man den Minen-Gang nur in gerader Li- nie von dem perpendicular Eingraben an gantz Wasser recht unter der Erden fortsetzen; Were aber die Contrescarpe noch tiefer/ muß man den Minen-Gang Berg ableiten biß an die Grund- fest und dem Fuß der Contrescarpe. Dieser Mi- nen -Gang nun/ wenn er also abwaͤrts muß in einem Wercke gefuͤhret werden/ darff weiter nicht als 3. S. noch hoͤher als 5. S. seyn. Jst nun die Erde nicht die beste/ muß solcher Gang mit Pfosten und starcken Bretern von Stand Zustand ohngefehr einer Klaffter lang wohl un- ter bauet werden/ damit solcher nicht von sich selbst einfalle/ die Arbeiter erschlage/ und die Muͤ- he und Unkosten verdopple; Jst aber die Erde Q q 4 gut Das IX. Cap. gut und feste/ als wie die leimichte und thonigte/ so brauchet es hierbey kein Unterbauens/ und koͤn- nen die Gaͤnge in der Hoͤhe etwas rundlicht for- mi ret werden/ weil sie besser als die flachen De- cken halten. Will man in einer hohlen Pastey grosse Galleri en und Contre-Min en anlegen/ darff man nur auf dem inwendigen Horizont den Min en-Gang wag recht fortfuͤhren/ und darmit weder auf noch abwaͤrts steigen/ auch darbey in acht nehmen/ daß man/ wann das Vollwerck von aussen reveti ret ist/ biß an die Mauer des Voll- wercks-Punets fortlauffe/ hernach lincks und rechts an solcher bey den Facen fortgehe/ und die Gallerie oder Contre-Min en formire; waͤre aber das Bastion nicht eingefasset/ soll man mit den Min en Gange nach der Bollwercks-Spitze so weit avanci ren/ daß ohngefehr 3. Klafftern von Erden außwendig uͤbrig bleiben/ auch kan man den Anfang und Eintritt in wendig zum Min en- Gange 2. S. weit und 3. S. hoch/ auch also 3. S. lang machen damit allen falls ein Feind nicht alsobald mit Hauffen in die Festung eindringen koͤnne/ ob er gleich der Gallerie und Min en sich be- maͤchtiget/ den uͤbrigen. Min en-Gang aber kan man 4. S. weit und 5. S. hoch machen/ damit man Platz genung habe/ die Arbeit bestens zuver- fertigen/ auch im Fall der Noth sich darinnen mit Musqvetonen und andern Gewehr/ wie inglei- schen mit travers en und Abschnitten best moͤglichst zu defendir en. (4.) Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. (4.) F rage. Wo und wie soll man denn die Mi- nen -Gaͤnge aufwaͤrts gerade und winck- licht fuͤhren/ und was ist sonst hier- bey zu observi ren? Wenn man von aussen einen Berg und Basti- on unter mini ren will/ muß man den min en Gang auffwaͤrts leiten/ iedoch alles nach Propor- tion und Hoͤhe der Wercke/ so da sollen gespren- get werden; Bißweilen geschiehet es auch daß man den min en Gang Wage recht fuͤhret/ die min en Haͤlße aber nothwendiger Weise allezeit auffwaͤrts/ wann nemlichen das Werck von kei- ner sonderlichē Hoͤhe ist/ oder auch andeꝛe Gegen- Ursachen obhanden sind. Wenn man ein hohles un revetirtes Bollwerck von aussen mini ren will/ muß man mit den Minen Gange/ wann die Mi- neurs an die Scarpe angebracht/ nicht weiter als die Doci rung des Walles mit seinem Fuße sich erstrecket auffwaͤrts avanci ren/ welches dann auffs hoͤchste etwan 3. Klafftern seyn werden/ und zwar vor sich in gerader Linie; Bey einen Ma- siv en und un revetir ten Bollwercke kan der Mi- nen Gang aufwaͤrts entweder auch gerade/ oder welches sicherer und besser ist/ Schlangen Wei- se und winckligt/ von einer Seiten zur andern biß unter das Mittel der Brustwehr des Wal- les gefuͤhret werden/ auch kan solcher Gang nach Gelegenheit 4. oder 5. S. breit/ und 5. oder 6. S. Q q 5 hoch Das IX. Cap. hoch seyn/ damit zwey Maͤnner neben einander arbeiten/ die Minen umb so viel eher in Standt kommen/ und die Arbeiter und Lampen zum O- them hohlen u. brennen bessere Lufft haben koͤn- nen. Wann es aber in einen winckligten Mi- nen Gange an der Lufft mangeln solte/ kan man entweder durch einen Erdbohrer/ zumahl bey den Berg-Vestungen/ sonsten aber nicht/ von oben ein Loch bohren/ oder die scharffen und rechten Winckel der Linien/ woran sich die Lufft im Gan- ge stoͤssetund nicht weiter schleichen kan/ mit ei- nem feste Vorschlag von Bretern verstumpffen/ oder aber in den Gang einen Ledern Schlaug mit sich fuͤhren/ an dessen Ende bey dem Eingan- ge der Minen ein ziemlicher großer Blasebalg sol befestiget seyn/ durch welchen man die Lufft trei- ben muß in den Minen-Gang biß an das andere Ende bey dem Arbeitern/ woselbst er geoͤffnet seyn soll/ damit die Lufft ihren Ausgang nehmen kan: durch dieses Mittel kan man allezeit auch in einer felsichten Erden/ wo keine uͤber sich steigende Duͤnste welche Lufft machen befinden/ Lufft ge- nug haben und Othem hohlen/ auch die Lampen brennend erhalten. Die Pastey/ so da von aus- sen soll unter mini ret werden/ mag nun hohl oder massiv seyn/ so muß man in beiden Faͤllen wohl be- trachten/ ob der Graben trocken/ oder voll Was- ser und Morastes ist. Jst solcher trocken/ so muß man den Minen Gang tieff genug unter der Grund-Feste der Baterie anfangen/ damit man Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. man nicht etwan den Feind unter sich behalte/ und durch eine Contre-Mine moͤge in die Hoͤhe geschuͤpffet u. ersticket werden/ dann wer den an- dern hierinnē zuvorkom̃et/ der ist allezeit Meister Jst aber der Graben voll Wasser oder Morast/ so darff man nur 2. S. auffs Hoͤchste uͤber dem Wasser- Horizont im Graben sich mit dem Mi- nen-Gange in die Baretio setzen/ weil bey so ge- stalten Sachen die Belagerten tiefer nicht/ als die Belagerer gehen und stehen koͤnnen. Wann es noͤthig kan der Gang 4. oder mehr S. auff- waͤrts geleidet werden/ damit die Belagerten we- der mit Dampff noch Wasser die Arbeiter ver- treiben koͤnnen/ welches dann die Offici ers von den Mineurs, oder in deren Ermangelung die in- genieurs observi ren sollen/ auch mit Klaffter lan- gen Erd-Bohrern den Grund fuͤr sich/ uͤber sich/ und zu beiden Seiden wohl recognosci ren/ ob die Erde felsigt/ oder gut/ oder ob vieleicht die Bela- gerten mit Contremi nen vorpassen. Sonst muß man insgemein/ ehe man anfaͤnget von aus- sen zu mini ren/ ohne unterlaß gegen die Festung Canoni ren und Bombardi ren lassen/ auff daß die Belagerten weniger vermeꝛcken koͤnnen/ wo man mini ret. Hingegen sollen sich die Arbeiter gantz stille halten/ und die Erde wo es noͤthig/ fleißig unterstuͤtzen/ damit selbige nicht einfalle/ und Schaden verursache. Viel Leute aber soll man zum Ausbringen der Erde aus den Minen auff einmahl nicht gebrauchen/ damit solche einander nich Das IX. Cap. nicht selbst hindern/ und sind 4. oder 6. Mann genug hierzu; Wie man dann auch Niemand Fremdes aus Vorwitz in die Minen soll gehen lassen/ als nur diejenigen/ so darzu bestellet seyn/ umb allen Verdacht und Schaden zuverhuͤten. Wann ein Bollwerck/ so von aussen reveti ret ist/ soll unter mini ret werden/ darf man keine Minen- Gang machen/ sondern nur einen Minen halß von 9. S ohne gefehr lang/ welchen man parallel mit der F ace nechst der Mauer wohl auffwaͤrts fuͤhret und zuletzt eine Cammer machet. (5.) F rage. Wie sollen denn die Min en Haͤlße gemachet und gefuͤhret wer- den? Wenn der Min en-Gang zu einer Mine gema- chet/ wendet man sich zu Ende desselben lincks und rechts mit zwey andern Gaͤngen/ so Minen- nen-Haͤlße genennet werden/ unter der Brust- wehr des Walles parallel mit den Fac en fort biß 19. oder 12. S: lang/ es duͤrffen aber diese Haͤlßt nicht uͤber dritthalb S. hoch/ und dritthalb weit seyn/ daß nur ein Mann zur Arbeit darinnen sich wenden/ ein Faͤßlein Pulver da durchbringen/ und die Verspeꝛrung deꝛ Mine desto besser gefche- hen koͤnne; Auch muͤssen solche aufwaͤrts ohn- gefehr 3. oder 4. S. von dem grossen Minen- Gange/ wenn einer fuͤrhanden gefuͤhret werden/ damit das Pulver in der Minen-Kammer weni- ger Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. ger eine falsche Wuͤrckung thue/ oder zuruͤckstosse/ muͤssen auch im uͤbrigen wohl unterbauet seyn/ ohngeacht der Grund/ welchen nicht zutrauen/ gut zu seyn scheinen moͤgte. (6) F rage. Wie sollen dann die Minen-Kam- mern und Oefen angeleget und ge- machet werden? Zu Ende vorbesagter Minen-Haͤlße werden wieder etwas hoͤher uͤber dieselben die Minen- Kammern und Oefen/ wie ein hohler cubus, oder auf eine laͤnglichte Art/ nachdem das Werck be- schaffen ist/ groß oder klein gemachet/ mit wei- chen Daͤnnen-Holtze wohl unterstuͤtzet/ und auff allen Seitē ausgefuͤttert/ zumahl wañ das Pul- ver daꝛein bald’ muß gesetzet/ die Mine aber so bald nicht gesprenget werden/ und muß man das Pul- ver darein entweder in Saͤcken oder Faͤssern ne- ben einander stellen/ die Faͤsser und Saͤcke oben auffmachen/ und daruͤber 4. Zoll hoch fein Pul- verstreuen/ damit wann solches durch ein Lauff- Feuer angezuͤndet wird/ alles in der Minen gesetz- te Pulver zugleich in Flamme kommen und sei- nen Effect thun moͤge. Der Einganglin die Minen-Kammer muß sehr klein seyn/ daß man mit genauer Muͤhe nur eine Tonne Pulver dar- einbringen/ und ein Mensch sehr gezwungen dar- ein kriegen koͤnne/ die Kammer aber an sich selder muß 3. mahl koͤnnen so viel Pulver fassen/ als ei- gent- Das IX. Cap. gentlich hinein gehoͤret/ damit das Pulver Raum und Platz habe sich in Dunst zuverwandeln/ und desto groͤssere Wuͤrckung zuthun. So muͤs- sen auch bey eine r Ataque zum wenigsten 2. Kam- mern feyn/ damit/ wenn eine etwan mißlingen solte/ oder sonst von Feinde untauchlich gemachet wuͤrde/ dennoch die andere den verlangten effect erweisen moͤge. Wenn der Graben einer Fe- stung voll Morast oder Wasseꝛ ist/ muß die Kam- mer uͤber 7. biß 8. S. uͤber den Wasser- Hori- zont des Grabens nicht kommen/ damit die ge- sprengten Ruinen von Walle zulangen moͤgen den Wasser-Graben von Grund auszufuͤllen. Sind die Graben aber trocken/ so muͤssen die die Kammern ohngefehr in dem untern drittel von des Walles hoͤhe angerechnet von Horizont des Grabens geordnet werden/ damit der Wall nach seinem Abfall einen unverhinderlichen und bequemen Aufflauff geben moͤge. Wann ein revetirtes Werck soll unter mi n i ret werden/ kan man die Kammer zur min en zum Theil mit in die Mauer ein setzen/ wenn nur die Mauer gegen das Feld zu noch 5. biß 6. dicke verbleibet/ und muß die Kam̃er von solcher groͤsse seyn/ daß darein etliche Centner Pulver koͤnnen gesetzet werden. (7.) F rage. Wie viel Pulver muß den ohngefehr in eine Minen-Kammer unter einen Erd-Wall gethan wer- den? Die- Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. Dieses kan also bloser Dinge nicht beantwor- tet werden/ denn nachdem das Werck groß oder klein/ die Erde auch gut oder boͤse ist/ nach dem muß man auch viel oder wenig Pulver gebrau- chen/ und hat man observi ret/ daß gar zu viel Pul- ver unter einem schwachen Wall nur ein Loch o- ben ausbreche/ und denselben nicht stuͤrtze/ zu we- nig Pulver aber wider einen starcken Wall schre- cke denselben nur in etwas von einander/ und daͤmpffe darnach aus; Hingegen wird ein fester Grund mit wenig Pulver besser gehoben/ als mit vielen/ und bedarff eine luckeres Erdreich mehr Pulver/ als ein dichtes. So hat auch die Erfah- rung bezeuget/ daß 1. Tonne oder 20. Pfund Pul- ver Wiener Gewichte/ koͤnne eine cubi sche Klaff- ter guter Erden heben. Wenn demnach eine Bre- che soll weit werden in F ronte 6. Klaffter/ tieff 4. Klaffter/ und daß die Walles-Hoͤhe von Boden des Grabens anzurechnen 4. Klafftern austrage/ so hat man von noͤthen zu 2. Cammern 1920. Pfund Pulver. Einen Wall von 6. oder mehr Rheinlaͤndischen R. dicke zu sprengen/ muß man 12. biß 1500. Pfund Pulver haben. Die Spitze o- der Schulter Ecke eines reveti rten Bollwercks kan man mit tausend Pfund Pulver schon spren- gen. Jm uͤbrigen ist zu wissen/ daß das Pulver/ so in eine Cammer alleine zusammen gethan wird/ besser operi re/ und mehr Effect erweise/ als wenn es in drey besondern Cammern gesetzet und ver- theilet wird. (8.) Das IX. Cap. (8.) F rage. Wie und an welchen Ort der Cam- mer muß denn das Pulver gesetzet/ und der uͤbrige Raum der Cammer verbauet werden/ wenn die Mine recht schlagen soll? Es ist im vorigen bereits gemeldet worden/ daß die Minen -Cammer dreymahl so viel Pulver fas- sen solle/ als von Rechts wegen darein gehoͤret/ welches denn ob angefuͤhrter Ursachen allerdin- ges seyn muß. Wenn nun die Mine nach Verlan- gen den rechten Effect thun/ und an den Ort/ wo man es gerne haben will/ operi ren soll/ so muß sol- cher nach gestalten Sachen entweder gar nicht/ o- der doch schwach unterbauet seyn/ auch alles be- hoͤrige und proportioni rte Pulver in der Minen - Cammer an die Seite/ und unter den Platz or- dentlicher Weise/ wie bereits erinnert worden/ ge- stellet werden/ welchen man in die Hoͤhe oder auf die Seiten sprengen und umstuͤrtzen will; Der andere und uͤbrige Raum aber der Cammer/ wo die Mine nicht wuͤrcken soll/ wird um so viel mehr und staͤrcker mit Pfosten und Bretern unterstuͤtzet und gantz vermachet/ daß bey Zuͤndung der Mine das Pulver nothwendig an den schwaͤchsten Ort der Cammer operi ren/ und nach Wunsche wuͤr- cken muß/ welches/ wenn es nicht recht besbachtet wird/ einen grossen Schaden/ neue Muͤhe und Un- kosten/ ja wohl gar einen schimpfflichen Abzug vor einer Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. einer Festung verursachen kan/ zumahl/ wenn es schon weit in Herbst hinein ist/ und das nasse und kalte Wetter anfaͤnget/ da man in Campagne nicht mehr dauren kan. (9.) F rage. Wie wird denn das Lauff-Feuer in die Cammer gefuͤhret/ und zubereitet/ um damit die Mine anzu- zuͤnden? Wenn es mit dem Minen Gange/ Halse und Cammer in allen seine Richtigkeit hat/ wird auch ein Lauff-Feuer in die Cammer zu dem Pulver ge- fuͤhret/ welches gemeiniglich auf folgend Weise geschiehet/ nemlichen: man machet von starcker luͤfftiger Leinwad einen Schlauch von 1. Z. weit/ und etliche S. lang/ daß er aus der Cammer biß an dem Eingang des Minen -Ganges vorge- he/ fuͤllet hernach solchen mit feinem Pulver/ und machet an das Ende/ welches auswaͤrts ge- het/ eine mit langsamen Satz geschlagene Brand- Roͤhre an/ welche denn ohne einigen Schaden/ wenn es noth ist/ kan gezuͤndet werden. Wenn man keine Brand-Roͤhre also anmachen und ge- brauchen will/ kan man durch das Lauff-Feuer entweder einen oder mehr Schwefel-Faden zie- hen/ und selbige zum Anzuͤnden so weit aus sol- chem hervor gehen lassen/ als man ohngefehr Zeit begehret sich zu reteri ren; Oder man kan an die- ses Ende der Wurst eine abgepaste Lunte anbin- R r den/ Das IX. Cap. den/ und also das Lege-Feuer auch anzuͤnden/ wel- ches gewißlich nicht mißlingen wird/ wenn nur anders diese Sachen recht gemachet/ und fuͤr Naͤsse wohl verwahret werden: Das andere En- de nun der Wurst zu diesem Lauff-Feuer wird o- ben an den offenen Saͤcken oder Faͤssern/ worauf ander gut Pulver herum gestreuet/ feste angema- chet/ und hernach der gantze Schlauch an einem Winckel der Minen -Cammer und deren Halses durch den grossen Minen -Gang in einem hoͤltzern zugemachten Canal biß zum Eingange heraus ge- fuͤhret/ um dadurch zu verhindern/ daß bey der Versperrung der M inen -Cammer und deren Halses keine Last auf das Lege-Feuer immediate komme/ oder das Pulver im Schlauche nnd Cana- le auf einigerley Weise befeuchtet/ und an seiner Wuͤrckung interrumpi ret werde. (10.) F rage. Wie soll denn der Eingang in die Minen -Cammer/ ingleichen auch der Minen -Halß recht versperret nnd zugemachet werden? Das Versperren der m inen -Cammer und des m inen -Halses ist eines mit von den fuͤrnehmsten Stuͤcken/ welche bey Verfertigung der m inen muͤssen in acht genommen werden/ soll anders die m ine mit Contento ihren Effect thun/ nicht zuruͤck schlagen/ und wohl gar den Minen -Gang einreis- sen und verderben/ daß man aus demselben keine andere Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. andere m ine mehr anlegen kan; Worzu hernach auch weiter hilfft/ wenn die m inen -Cammer et- wan nicht uͤber den m inen -Halß erhoͤhet/ sondern demselben gleich/ oder wohl gar tiefer gesetzet worden/ dahero auch nothwendig das Operi ren der Mine muß uͤbel ablauffen. Damit man aber bey der Versperrung der Minen -Cammer und de- ren Halses keinen unersetzlichen Fehler begehren moͤge/ so ist zu observi ꝛen/ daß man zuerst den Ein- gang in die m inen -Cammer mit einer Reihe Schue dicken/ und vier-seitigten Travers -Balcken beschliesse/ nachmals den m inen -Halß mit Erde/ Mist und Steinen gantz ausfuͤlle und verstampf- fe/ und endlichen in den m inen -Gang gerade dem m inen -Halse uͤber so viel Schue lange und dicke runde Balcken neben und uͤber einander lege und feste anstaͤmme/ als der Platz und Weite des Gan- ges solches haben und zugeben wollen. (11.) F rage. Wie soll denn endlichen der Sturm recht angestellet und gefuͤhret werden/ wenn die Mine den verlangten Effect gethan/ und was ist darbey weiter in acht zu nehmen? Ehe und bevor der m ine an einem Haupt- Wercke und Bastion Feuer gegeben wird/ wel- ches gemeiniglich bey anbrechendem Tage ge- schiehet/ damit/ wenn die m ine recht gespielet/ man Zeit habe am hellen Tage den Sturm wohl anzu- R r 2 fan- Das IX. Cap. fangen/ ohne Confusion fortzu setzen/ und den Posto oder die Breche einzunehmen und zu mainteni ren/ muͤssen des Abends zu vorhero bey der Parole, oder in der Nacht von allen Regimentern zu Fusse ge- wisse Mannschafft von Officiers und Gemeinen zum Sturm/ und zur Reserve zu Fusse und Pferdte commendi ret werden/ welche sich bey dunckeler Zeit unvermerckt muͤssen an die nechsten Posten der Festung ziehen/ um nach Spielung der m ine u. gemachten Breche gleich parat zu seyn/ solche zuer- steigen/ einzunehmen und zu beschuͤtzen; Damit a- ber die commandi rten Bestuͤrmer zu Fusse desto besser avanci ren/ und uͤber alle Obstacula, m inen o- der Graͤben/ wie auch auf die Breche leichter kom- men koͤnnen/ so muͤssen von den 2. ersten Partien ieder 2. gute gebundene F aschine nebst dem Gewehr mit sich fuͤhrē/ solche in der Hoͤhe vor dem Leibe fuͤr sich tragen/ um sich nicht alleine dadurch einiger massen zu bedecken/ sondern auch/ wo es noͤthig/ die Passage zu faciliti ren u. gleich zu mache/ die andern aber koͤnnen einige Sturm-Lettern bey sich habẽ. Auf daß nun bey dem Sturm keine Confusion entstehe/ sondern alles ordentlich/ wie es im Kꝛlege seynmuß/ zugehen moͤge/ wird gemeiniglich zu erst/ ein Sergeante mit 20. Mann zum Anlauffen com- mendi ret/ darauf folget gleich ein Lieutenant mit andern 30. Gemeinen/ so die ersten Bestuͤrmer/ welche ziemlichen warm gehalten werden/ secun- di ren muß/ denn folget ein Hauptmann mit 50. andern/ denn ein m ajor oder Obrist- Lieutenant o- der Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. der Obrister mit etlichen hundert genwinen und behoͤrigen Officiern, welche alle gleich nach einan- der avanci ren/ auf die b reche steigen/ und zum Feind eindringen/ denselben ermorden/ und von der b reche wegjagen/ sich aber derselben und des Walles um dieser Gegend und des ruini rten b asti- ons impatroni ren muͤssen. Sind nun andere feind- liche Abschnitte hinter der b reche nach der Stadt zu noch fuͤrhanden/ muß man sich so lange auf der b reche erhalten/ biß man sich alldar ein wenig ver- decket/ und dann hernach auch die innern Ab- schnitte/ wie im Folgenden soll gemeldet werden/ ataqui ren und erobern: Waͤren aber hinter der b reche keine andere feindlichen Wercke verbor- gen/ so muͤssen immer frische Trouppen in ziemli- cher Quantit aͤt, und also F orce auf Force auf ein- ander folgen/ in die Stadt weiter eindringen/ und sich der nechst gelegenen Thore und Plaͤtze be- maͤchtigen/ die Breche aber und den Wall darbey keines Weges verlassen/ diß man endlichen der gantzen Festung sich bemeistert/ und die gantze Garnison entweder zu Kriegs-Gefangeneu gema- chet/ wenn sie das Gewehr nieder geleget/ und um Quart ier gebeten/ oder solche gaͤntzlichen erleget/ wenn sie sich halßstarriger Weise biß auf den letz- ten Mann gewehret. Worbey denn uͤber dieses zu observi ren/ daß so bald die Bestuͤrmer die Breche erstiegen/ und sich des eroberten Werckes Meister gemachet/ sie alsobald die daselbst befindlichen R r 3 Stuͤcke Das IX. Cap. Stuͤcke gegen die Stadt zu umkehren/ und auf den reterir ten Feind/ oder dessen innere gemachte Wercke richten sollen/ damit sie um so viel desto mehr auf ihren obtini rten Posten sicher seyn koͤn- nen; Jn wehrendem Sturm aber/ wenn solcher ein Haupt- und General -Sturm ist/ muß die gan- tze Armée allert und im Gewehr stehen/ um so wohl auf einen feindlichen Succurs, als auch auf einen Ausfall/ wenn die Bestuͤrmer von der b re- che solten wieder abgetrieben seyn/ ein wachend Auge zu haben/ und parat zu seyn/ allen Unheil vorzubuͤgen/ den Feind zuruͤcke zu treiben/ und das vorhabende Dessein gluͤcklichen und mit Ruhm auszufuͤhren/ welches denn alles von dem Com- mando und Anstalt eines klugen/ erfahrnen und fuͤr sichtigen Generals, so an Chef commandi ret/ auf vorhero gehaltenen grossen Krieges-Rath/ be- ruhet/ und auf das genaueste muß exequi ret wer- den. (12.) F rage. Wie soll man denn ein Werck an ei- ner Festung/ es mag reveti ret und un reve- ti ret seyn/ mit Minen sprengen und ruini - ren/ wenn in demselbigen Contreminen oder Gallerien vorhanden sind? Jn dieser und folgenden Fragen sollen eine und andere Special-Casus fuͤrgebracht werden/ wie man sich des m ini rens vortheilhafftig allezeit be- dienen Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. dienen solle. Wenn nun die Belagerte in ihre Wercke und Pasteyen Contreminen und Galle- rien unten auf dem Horizont des Grabens gema- chet/ soll man an einem un reveti rten Bollwercke nur kleine m inen oder Fournelles von aussen hin- ein anlegen/ daß sie bey deren Sprengung nur die Walles- Doci rung wegwerffen/ eine mittelmaͤßi- ge Breche geben/ und die m ineurs bedeckt hinein zu logi ren gestatten/ wodurch man denn die Contre- minen verderben/ und von daraus eine Real- m ine anfangen kan/ indem solche in den Grund und fe- ste Erde der b astion kan getrieben/ und die ver- langte Wuͤrckung erhalten werden. Wenn aber die Pastey mit Steinen von aussen reveti ret waͤre/ und inwendig eine Gallerie haͤtte/ soll man zu glei- cher Zeit drey halbe m inen oder Fournelles in eine Face machen/ damit selbige nur die Gallerie spren- gen und ruini ren moͤgen/ welches denn auch mit Hand-Arbeit oder einer Perarde geschehen kan; Oder aber man soll in die Gallerie durch die Mauer an drey unterschiedlichen Orten einbre- chen/ sich an die aͤussersten Oerter in der Gallerie einlegen/ und wider den Feind mit einer Traverse sich verbauen/ in der mittlerern Oeffnung aber die m ineurs sicher ein logi ren/ damit sie ihr Vorhaben desto besser verrichten koͤnnen. Oder wenn man wegen grosser Gefahr und anderer Ursachen hal- ber solches uͤber dem Horizont des Grabens nicht verrichten koͤnte/ muß man durch gewisse Minen- R r 4 Gaͤnge Das IX. Cap. Gaͤnge unter der Erden/ wenn kein Wasser oder andere grosse Obstacula vorhanden/ verborgen fortgehen/ und unter die Gallerie kommen/ her- nach darein einbrechen/ den Feind mit Musqueto- nen daraus verjagen/ und den Posto durch Ab- schnitte und Traversen mainteni ren: Solten a- ber die Belagerte contramini ren/ muß man an die eigenen Minen -Gaͤnge Corps de garde haͤngen/ so unter einander gute Correspondenz -Linien ha- ben/ entweder dadurch die Belagerten unter der Erden von ihrer Arbeit abzuhalten/ oder/ wenn man von dem Principal m inen -Gang aus nicht fuͤglich eine m ine anlegen koͤnte/ daß man solches alsdenn aus einer Correspondenz -Linie zu thun vermoͤchte. (13.) F rage. Wie soll dann eine Bastion oder an- der Werck mit Minen gesprenget und ru- ini ret werden/ wann solches aus Stein-Felsen bestuͤndte? Wenn ein Bastion/ ander Werck oder Berg/ so mit Minen soll gesprenget werden/ aus Stein-Felsen bestehet/ so muß man zusehen/ ob an dem Ort/ wo die Mine soll angeleget werden/ ei- nige Stein Adern zu finden sind/ oder nicht. Sind einige nun fuͤr handen/ so muß man des natuͤrlichẽ Vortheils sich hirunter/ so viel moͤglichen/ bedie- nen/ und in dieselben eine solche Anzahl Minen Cammern von 60. biß 100. Pfund Pulver zu- richten/ daß solche/ wann sie auf einmahl mit ein- ander Von Mini ren und Contremi ni ren ꝛc. ander gezuͤndet werden/ capable seyn moͤgen/ nach Verlangen guten Effect zuthun; weren aber der/ gleichen Adern nicht zn finden/ so muß man den Felßen Stuͤck vor Stuͤck zersprengeu/ und die m inen -Cammern hierzu folgender Maßen ver- fertigen/ nemlichen: Mann muß die Gegend/ wo die Cammern in den Felßen kommen sollen/ erst- lich einen Schuh weit im quadart laßen ebenen/ hernach in dem Mittel dieser Flaͤche durch einen wohlgestalten Maͤisel ein Loch von etlichen Zollen tief/ und auch so weit machen/ umb darinnen mit dem Bohrer das Centrum der Cammer zunehmẽ. Diesen Bohrer nun/ welcher gleich dem Maͤisel unten von guten Stahl seyn soll/ recht zu applici - ren/ ist zu mercken/ daß man gedachtes Centrum nicht uͤber 2. S./ und also nach dem ordentlichen Stand und zwischen Weite der Fuͤsse nehme/ hernach dem Centro gegen uͤber zwey hoͤltzerne Boͤcke setze in einer solchen Hoͤhe/ daß/ wenn der Bohrer uͤber sie geleget wird/ solcher das Cen- trum accurat beruͤhre. Jnnerhalb den zwey Boͤckẽ uͤber schreitet ein Man den Bohrer also/ das er ihn zwischen die Beine habe/ umb dessen Nacken aber muß ein starcker Riemen hangen/ welcher zugleich den Bohreꝛ hebet/ weñ sich deꝛ Mann auf- richtet/ u. muß er denselbē im Aufheben also oft an einer Handhabe mit den Haͤndẽ umdrehen/ so offt andere zwey Maͤnner einer umb den an- dern mit ihren eisern Haͤmmern dem Boh- rer hinten bey dem einen Bocke einen Schlag ge- R r 5 ben/ Das IX. Cap. ben/ welches dann in so weit Continuiret wird/ biß der Bohrer 7. S. tief in den Felsen eingedrungen/ und ist dieses Loch die m inen -Cammer. Worbey dann inacht zunehmen/ daß man gedachte Minen - Camme/ wo moͤglich/ umb 1. S. aufwaͤrts fuͤhrẽ und bohren solle/ wegen sicherer Wuͤrckung der Minen, und daß auch der Grund leichter koͤnne aus dem Loche geraumet werden: Jm Fall man aber nicht aufwaͤrts mit der Minen-Cammer kommen koͤnte/ sondern man muͤsse sich eher etwas niederwaͤrts halten/ so muß dieselbe umb so viel staͤrcker versperret werden. Zum Ausraͤumen des durch den Bohrer geloͤsten Grundesaus der Mi- nen-Cammer kan man sich bedienen eines eisern halbrunden Kruͤckleins/ welches auf der andern Seite des Stiels/ so auch gantz von Eisen/ und etwan so dicke/ als ein starcker Feder-Kiel seyn muß/ ein Schaufflein haben soll. Wann nun die Cammer darmit bereits ausgeraumet worden/ thut man darein das Pulver in einer nach des Lochs D iametro proportioni reten Wurst von Leinwand/ oder langen Cartuschen von starcken Pappier. Gesetzt nun eine Cammer waͤre in allen 8. S. tief und lang/ so muß die Wurst oder Car- tusche mit Pulver 6. S. lang gefuͤllet seyn/ damit also noch 2. S. lang uͤbrigen bleiben zur Versper- rung des Hoͤltzern Zapffens. Durch das Pulver in der Wurst oder Cartusche muß entweder 2 oder 3. lange Faden von gezogenen Schweffel gehen/ und Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. und am Ende der Cartusche angebunden seyn/ also das solche in allen 8.½ S. lang bleiben/ und durch die Mittel Hoͤhlung des Spundes gantz durchgehen/ umb von vorne koͤnnen anzuͤndet zu werden. Oder man durchsticht oder oͤffnet die ein- gebrachte Wurst oder Cartusche vorne gegen dem Eingang der Cammer zu/ schuͤttet Mehl Pulver darauf/ und verfaͤhret mit der Versper- rung der Cammer auf solgende Weise/ nemlichē: Man hoͤhlet die zu vor gedachte viereckigte 1. S. weite Ebene von 1/ biß 6. und mehr Zoll aus zu der eisernen Platten/ welche vor dem Spunt der Cammer muß starck fuͤrgespreitzet werden; Je staͤrcker und laͤnger nun die m inen -Cammer ist/ ie tiefer die Außhoͤhlung seyn/ und ie staͤrcker und dicker auch die Platte von etlichen Zollen/ iedoch muß die Außhoͤhlung nun etliche Zoll tiefer seyn/ weder die Platte dicke ist/ damit die Platte umb so viel fester hernach mit Balcken in sothaner Hoͤblung koͤnne angestaͤm̃et werden/ ohne das die Balcken sich verruͤcken oder außweigen koͤnnen/ wie in folgenden weitere Meldung geschehen soll. Der hoͤltzerne Spund/ wormit die Cammer in- wendig verschlossen wird/ muß sich in die Laͤnge/ Runde u. Staͤrcke also in die Cam̃er schickē/ daß er den vieꝛtē Theil von deꝛ Cam̃er lang sey/ u. mit ziml. Gewalt gantz in dieselbe koͤñen geschlagē werden. Der Diameter der Cam̃er kan 1½ biß 2. Z. seyn/ die Aushoͤlũg des Spunds in deꝛ Mittẽ zum Bꝛãdsatz/ wenn Das IX Cap. wenn einer darein kommen soll/ kan ein Viertel Zoll weit seyn. Bey Eintreibung des Spundes muß man sich wohl in acht nehmen/ daß zwischen den Schlag kein Steinlein so ungluͤckseelig ge- troffen werde/ welches dem Pulversatz Feuer ge- ben/ und die Minen -Cammer wieder alles verhof- fen ploͤtzlich anzuͤnden koͤnne/ und kan man sich hirdey gantz sicher eines Stuͤck Holtzes bedienen/ so man auf den Spund setzet/ und hernach mit ei- nem starcken hoͤltzern Schlegel nicht gleich auf dem Spund/ sondern auf das zwischen Holtz/ wie bey dem Eintreiben der grossen Brand-Roͤhren in die Bomben geschiehet/ schlage: Es muß aber gedachter Spund degestalt in die Cammer ge- trieben werden/ das er sich mit der 1. S. weiten E- bene vor der Cammer gantz vergleiche: Wann dieses geschehen/ muß man in Bereitschafft ha- ben eine eiserne Platte von 1. S. in das gevierte groß/ also daß sie sich in die von 1. S. weit aus ge- woͤlte Ebene gehebe schicke/ und muß die Platte etliche Zoll dicke seyn/ nachdem die Minen-Cam- mer groß oder klein ist/ und einer starcker oder schwachen Versperrung vonnoͤthen hat. Durch das Centrum ermelder Platten muß ein Loch ge- hen/ in der Weite eines kleinen Fingers dicke/ ver- mittelst dessen man dem Spunde/ und folgendlich der Minen-Cammer Feuer geben muß/ weß- wegen die centra der Platten und des Spundes gleich aufeinander treffen muͤssen. Jm Fall a- ber Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. ber der Spund etwas zu tief in die Minen -Cam- der eingetrieben were/ daß zwischen selbigen und der Platten noch einiger leerer zwischen Raum sich befinde/ so muß man solchen Raum mit Filtz oder Leder/ welches in Mitten muß rund aus ge- geschnitten seyn// wohl aus fuͤllen/ sonst wuͤrde der Spund/ so bald das Pulver entzuͤndet/ die Platte eher zertruͤmmern/ als den Felsen zer- sprengen/ von wegen daß er Lufft finde/ eine Ge- walt an der Platten zu veruͤben. Die Platte muß mit Klaffter langen und halb S. dicken Bal- cken an die Minen -Cammer wohl und starck ver- sperret werden. Wenn die Minen-Cammer groß/ so hat man dergleichen Balcken 2. biß 3. von noͤthen/ deren 2. oben neben einander an die Plat- te/ einer aber gleich in der Mitten darunter kan ge- stellet werden: Oder man kan auch an Statt des dritten Balckens einen starcken hoͤltzern Cy- linder oder Klotz perpendiculariter den 2. obern Balcken untersetzen. Hinten muͤssen gedachte Balcken in dem Felsen einen halben S. tief ein- gesencket/ feste verkeilet/ und dann oben mit gros- sen Steinen zum beßern Widerhalt beschweret werden/ wodurch die Platte allerseits gleich starck an die m inen -Cammer wird gehalten/ damit die m ine nicht zuruͤck/ sondern nach Gebuͤhr ihre Wuͤrckung verrichten koͤnne. (14.) Das IX. Cap. (14.) Frage. Wie soll man dann die Cavaliers von Erde auf den Massiven Pasteyen mit Minen sprengen und ruiniren? Wenn man die Cavalters von Crde auf den Massiven Pasteyen mit Minen sprengen will/ so ist nicht noͤthig/ daß man den gantzen Cavalier mit der Brust/ sondern nur sein Terrain/ wo das Ge- schuͤtz und Volck stehet/ ruinire damit die Erde/ Wann sie in die Hoͤhe geworffen worden/ sich wieder an ihre vorige Stellen gutẽn Theils setze/ und also dienen koͤnne durch ihre Conduite uͤber die Retrenchementer in der Stadt/ und auf dē be- nachbarten Waͤllen zu commandi ren/ weßwegen dann die m inen also muͤssen angeleget werden/ das sie nur alleine uͤber sich hinauß operiren/ wel- ches dann also geschiehet: Man machet die Cammer 6. S. hoch/ und 5. S. breit ins qvadrat; Mitten in dieser Cammer setzet man einen Ka- sten von 3. S. bꝛeit/ lang u. hoch/ also das 400. biß 500. Pfund Pulver hinein gehen/ welches dann uͤberfluͤßig genug ist/ ungeacht man biß 15. S. hoch Erden uͤber sich haͤtte; hernach befestiget man den Kasten uͤberall zur Seiten aufs beste/ so hoch er ist/ mit Holtze/ Erde/ Mist und Steinen; Wann der Kasten dann mit Pulver gefuͤllet ist/ so muß man ihn nur obenher verschließen mit ei- nem starcken Deckel/ als dann muß man in der Minen - Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. m inen -Cammer/ oberhalb des Deckels/ einen Ca- min uͤber sich in die Erde fuͤhren/ ohngefehr 2. S. weit ins Gevierte/ und 3. biß 6. S. in die Hoͤhe: Je weniger Pulver man nun zur Ladung will anwen- den/ je hoͤher muß man den Camin fuͤhren: Wenn dieses geschehen/ so werden zwey Creutze zugerich- tet von starcken vierseitigten Balcken/ so lang als der Deckel in der Diagonal -Linie uͤber Eck ist/ diese werden uͤber einander gestuͤtzet mit 5. andern Balcken/ deren ieglicher dicke ist 6. Zoll/ und so lang/ als die Hoͤhe von Kasten biß an dem Camin erfordert/ alsdenn ist alles zum Sprengen fertig/ und wird die Mine ihre Wuͤrckung/ nach dero starcken Versperrung/ zum Camin hindurch ge- rade uͤber sich verrichten. (15.) F rage. Wie soll man ein mit Erden ange- fuͤlltes Rondel und innere Abschnitte auf den Pasteyen unter mini ren und sprengen? Wenn man ein Rondel/ so mit Erden gefuͤllet ist/ aus einander sprengen will/ muß man ober- halb der Grund-Feste mitten in Centro des Ron- dels eine Cammer weit und groß genug und hoch von 5. S. anlegen. Das Pulver wird eingefasset in einem starcken Kasten/ welcher 2. S. hoch seyn muß/ uͤber diesen Kasten leget man nachge- hends starcke Balcken feste neben einander/ und derselben so viel/ biß die obern 3. S. uͤber den Ka- sten Das IX. Cap. sten gantz gefuͤllet sind: Wenn nun alles verrich- tet/ und das Lauff-Feuer angezuͤndet wird/ so wird das Pulver seitwaͤrts seine Wuͤrckung ver- richten/ das Rondel aus einander reissen/ die obe- re Last nach Verlangen zerruͤtteln/ und die be- gehrte Breche machen. Mit dergleichen Minen koͤnnen auch die R etrenchementer und Abschnitte in den Pasteyen wohl gefasset/ und umgestuͤrtzet werden. (16.) F rage. Wie soll man denn eine reveti rte Contrescarpe mit einer Mine in dem Graben stuͤrtzen? Wenn eine gemauerte Contresoarpe mit einer Mine soll in Graben gestuͤrtzet werden/ muß man die m inen -Cammer darunter also anlegen/ daß uͤ- ber derselben die Erde zum wenigsten noch 5. S. dicke bleibe/ und machet man bey so gestalten Sa- chen die m inen -Cammer laͤnglicht cubi sch/ so daß 200. biß 400. Pfund Pulver darein in Saͤcken koͤnnen gesetzet/ und mit einem Lauff-Feuer nach gewoͤhnlicher Art angezuͤndet werden; Wenn a- ber nicht 5. S. dicke Erden uͤber der m inen -Cam- mer verbleiben solten/ so wird die Gewalt des Pulvers durch die Schwaͤche der Erden nur oben hinaus seine Wuͤrckung thun/ die Contrescarpe Mauer aber/ zumahl/ wenn solche ein wenig starck/ zum oͤfftern stehen lassen; Dahero ist von noͤthen/ uͤber die schwache Erde oben eine ziemli- che Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. che ast von gefuͤlte Sand-Saͤcken u. Holtzwerck zu legen/ wenn die obere Erde der m inen Gewalt widerstehen/ u. sie allein die Contrescarpe -Mauer faͤllen soll: Wenn nun dergleichen Last-Aufle- gung fuͤglich u. ohne Gefahr geschehen kan/ wird die Minen -Cam̃er zugerichtet u. geladen/ wie zu- vor gedacht worden/ wobey noch dieses zu behal- ten/ und bey allen andern dergleichen Faͤllen wohl zu observi ren ist/ daß/ weñ die Contrescarp. Mau- er in ihrem Fundament so dick waͤre/ daß die Cam- mer entweder gaͤntzlichen/ oder doch zum Theil in dieselbe koͤnte eingeschnitten werden/ u. der uͤbrige Rest der Mauer noch 4. S. etwan dicke bliebe/ mã solches niemals unterlassen soll/ massen dieses viel/ ja das meiste zu Stuͤrtzung einer Mauer contri- bui ret/ und kan man auf solche Weise zusamt der Contrescarp -Mauer auch eine grosse Quantit aͤt/ Faschinen und Sand-Saͤcke auf einmahl mit in dem Graben zu dessen mehrerer Fuͤllung einwerf- fen. Solte man aber wegen allzu grosser feindli- cher Gefahr die Erde mit einiger Last oben nicht beschweren koͤnnen/ muͤste man laͤngst der Cam- mer uͤbereck S. dicke vierseitigte Balcken neben einander legen/ also/ daß gedachte Bal- cken oben in der Contrescarp -Mauer halb S. tief eingeschnitten legen/ in untern gegen uͤberstehen- den Winckel der Erden aber sich anstaͤmmeten/ alsdenn muͤste man den leeren Raum oberhalb den Balcken mit Erden/ den untern Raum aber mit Pulver in Saͤcken ausfuͤllen/ und der m inen behoͤriger massen Feuer geben/ so wird selbige un- S s gezweif- Das IX. Cap. gezweiffelt die Contrescarp -Mauer in den Gra- ben werffen. (17.) F rage. Wie soll man eine Reihe Pallisaden mit Minen sprengen/ um dadurch eine Passage zu haben? Wenn man Rethen Pallisaden mit m inen sprengen will/ um eine Passage dadurch zu oͤffnen/ so muß man den M inen -Gang unter der Erden so weit fortsetzen/ biß man unter die Linie der Palli- saden gelanget/ und deroselben unterstes Theil uͤ- ber etliche S. nicht mehr von einem sey: Nach die- sem formi ret man die Minen -Cammer laͤngst un- ter die Linie der Pallisaden hin/ und zwar in einer solchen Laͤnge/ als man gedencket viel Pallisaden auf einmahl in die Lufft zu schicken: Was die Weite und Hoͤhe der Cammer anreichet/ koͤnnen solche 3. S. seyn/ es muß aber die Minen -Cammer ohne Minen -Halß gegen dem Minen -Gang per- pendiculariter gerichtet/ und uͤber solchen erhoͤhet seyn; Wenn dieses geschehen/ muß man etliche Kaͤsten von 1. S. weit und 3. S. lang/ auch deren so viel haben/ als man allemahl 3. Pallisaden zu- gleich sprengen will. Diese Kaͤsten nun/ wenn das Lauff-Feuer vermittelst einer Wurst durch die be- hoͤrige Loͤcher durchgezogen/ fuͤllet man mit Pul- ver/ und stellet sie in die m inen -Cammer just unter die Pallisaden neben einander in einer Reihe fort/ vermachet sie oben mit einem starckern bretern Deckel/ Von Mini ren und Contremini ren ꝛc. Deckel/ und leget auf denselben einen Schuhe di- cken Balcken dergestalt/ daß solcher das unterste Theil der Pallisaden beruͤhre/ alßdenn ist die m i- nen -Cammer geladen. Dieselbe nun anzuzuͤn- den/ muß man eine Wurst von Leinewad machen in solcher Weite/ daß man ohngefehr ein Huͤner- Ey durch schieben moͤge/ welche man denn mit gu- tem Pulver-Staub fuͤllen/ und mit einem Ende zuletzt in der Pulver-Cammer auf dem Grund und Boden der Kaͤsten/ befestigen muß. So weit nun die Wurst durchs Pulver gehet/ muß man in derselben von einer Spann zur andern Oeffnung machen/ damit sich die Pulver-Cammer auf ein- mahl entzuͤnden moͤge: So bald aber gedachte Wurst aus der Pulver-Cammer heraus gehet/ muß sie in einem bretern Canal ihren Ausgang nehmen biß vor die Versperrung hinaus/ allda sie durch einen angebundenen Schwefel-Faden kan angezuͤndet werden. Einige pflegen zur Wurst Leder zu nehmen/ aber das Pulver hat darinnen nicht so gute Lufft das Feuer zu empfangen/ und biß in die Cammer fortzufuͤhren/ als in einer weit- schiedigen Leinwad. Sonst ist noch zu observi ren/ daß der Raum zwischen den Kaͤsten und der Er- den gantz muß ausgefuͤllet werden mit Erden/ und/ wenn man zwo m inen -Cammern anleget zu beyden Seiten des m inen -Gangs/ muß man die Wurst der einen und andern Pulver-Eammer nicht in Linea recta einander entgegen/ sondern zum Minen -Gange gekruͤmmt hinaus fuͤhren/ an- S s 2 derer Das IX. Cap. derer Gestalt wuͤrde die Pulver-Cammer/ welche am ersten Feuer fassete/ die andere daͤmpffen/ und ihre Wuͤrckung zum oͤfftern verhindern/ welches denn generaliter bey allen dergleichen m inen in acht zu nehmen ist. (18.) Frage. Wie soll man freystehende Stadt- oder andere Mauren/ ingleichen Erd- leere Ronde/ Thuͤrne und Pfeiler un- ter mini ren und sprengen? Wenn man freystehende Stadt oder andere Mauren mit m inen sprengen und niederwerffen will/ muß man die Pulver-Cammer 5. S. hoch/ und auch so viel breit machen/ auch solche gerade unter die Grund-Feste der Mauern fuͤhren/ wie die m inen -Cammern unter das unterste Theil der Pallisaden sollen gefuͤhret werden. Was nun die Zurichtung und Ladung dergleichen m inen - Cammer anreichet/ muß man solche oben gegen dem Mittel-Punct der Grund-Feste zuspitzen mit 4. seitigen Schuh-dicken Balcken neben einander geleget/ ieden 6. S. lang/ dergestalt/ daß sie auf beyden Seiten der Cammer unten in den Win- ckeln des Bodens anstehen/ und ungefehr einen kleinen halben S. weit in die Grund-Feste einge- spreitzet sind: Die zwey obere Triangul-Spatia uͤ- ber den Balcken fuͤllet man mit Erden/ Stein und Holtze aus/ damit die Balcken bey Entzuͤndung der m ine nicht koͤnnen nachgeben; Den leeren grossen Von m ini ren und Contremini ren ꝛc. grossen Triangul, welchen die beyderseits uͤber Eck angespritzten Balcken auf dem Boden der m inen - Cammer formi ren/ fuͤllet man aus mit Pulver in Saͤcken/ stellet solche neben einander/ oͤffnet und uͤberstreuet sie nachgehend mit etlichen Zolln ho- hen Pulver/ welches denn von einer Wurst Feuer faͤnget/ und alle Pulver-Saͤcke zugleich anzuͤn- det/ wodurch denn die Mauer unfehlbar uͤber ei- nen Hauffen gestuͤrtzet wird. Auf diese Weise koͤnnen auch die Erdleeren Rondele/ Thuͤrne und Pfeiler gesprenget werden. (19.) F rage. Wie soll man denn die Schiffe/ Schiff- und andere niedrige Bruͤcken/ in- gleichen steinerne Mauern und Pfeiler unter dem Wasser sprengen und ruini ren? Bißhero ist in unterschiedlichen Fragen abge- handelt worden/ wie man eine und andere Wer- cke/ so uͤber der Erden auf festen Boden stehen/ un- ter mini ren und uͤber einen Hauffen stuͤrtzen soll/ nun ist noch uͤbrig mit wenigen zu gedencken/ wie man die Sachen auf oder unter dem Wasser mit Feuer-Werck unvermerckt sprengen soll: Wenn man nun Schiffe/ Schiff- und andere niedrige Bruͤcken verborgener Weise sprengen und ruini - ren will/ kan man in einem von innen und aussen peguli rten Kasten 6. grosse Bomben ohne Brand- Roͤhren in zweyen Reihen neben einander einse- S s 3 tzen/ Das IX. Cap. tzen/ den zwischen Raum mit Feuerwerck Satz ausfuͤllen/ uͤber die Granaden gut Pulver streuen/ immediate aber uͤber das Pulver etwas von Eisen Blech legen/ auf solches Eisen hernach 2. Theil le- bendigen pulveri sirten Kalck/ und wenn man will 1. Theil pulveri sirten lebendigen Schweffel durch einander schuͤtten/ biß der Kasten ausgefuͤllet/ den Kasten hernach mit auch einem von innen und aussen peguli rtẽn starcken Deckel/ wodurch etwan 3. oder 4. Ritze gehen/ vermachen/ dem Kasten sei- ne gebuͤhrende Senckung im Wasser ohngefehr 1½. oder 2. S. tief geben/ solchen des Nachts an Ort und Stelle verborgener Weise bringen/ oder an dem Kasten einige Hacken oder lange Stange Creutz weiß anmachen/ damit er den Strohm ab- waͤrts schwimmend fuͤr sich selber an den Wer- cken/ so da sollen ruini ret werden/ hangend bleibe/ von Wasser aber durch die Ritze des Deckels ent- zuͤndet werde/ und also seinen Effect erweise. Dergleichen Kaͤsten koͤnnen bey Sprengung stei- nerner Mauern und Pfeiler unter dem Wasser gebrauchet werden/ wenn zuvor das Wasser ge- schuͤtzet/ und eine Wasser-Cammer um die Pfei- ler gemachet/ hernach aber eine ziemliche Hoͤh- lung darein gebrochen/ und ein Kasten darein ge- setzet wird/ man muß aber an Statt der Ritze durch den Deckel ein Loch machen/ eine Roͤhre von Bleche oder peguli rten Canal mit Pulver gefuͤl- let/ darein fuͤhren/ so aber uͤber dem Wasser muß heraus gehen/ und daselbst/ wenn es Zeit ist/ gezuͤn- det Von m ini ren und Contremini ren ꝛc. det werden/ wie bereits von dem Lege-Feuer ge- dacht worden. (20.) F rage. Wie soll dann bey Aufferbauung einer Festung bey den Haupt-Wercken und Graben gute Vorsehung gethan wer- den/ damit bey deren Belagetung ein Feind solcher mit Minen keinen Schaden thun koͤnne? Daß das Mini ren einer Festung mehr Scha- den thue/ und in wenigerer Zeit/ auch ohne gerin- gere Unkosten koͤnne verrichtet werden/ als das Brech machen mit Canon en/ davon ist bereits im vorigen gnugsame Meldung geschehen/ weil nun solches sich also in der That und Warheit verhaͤlt so thut ein grosser Potentat wohl/ und ist die Vorsichtigkeit eines Ingenieurs hierunter hoͤchst zu ruͤhmen/ wann bey Aufferbauung der Haupt-Wercke/ und sonderlich der Bastion en entweder grosse zusammen verklammerte Qva- tersteine/ oder lange und starcke eigene Baͤume und Kloͤtze in grosser qvantit aͤt im Fundament und auch einige Schue daruͤber geleget werden/ wel- che dann verhindern koͤnnen/ daß kein Mineur darein leicht einbrechen/ und seine Mine mit ihrem Gaͤngen/ Haͤlßen und Cammern wird anbrin- gen koͤnnen. Oder man thut auch wohl/ wann entweder unter den gantzen Wall herumb/ oder S s 4 doch Das IX. Cap. doch nur unter die Bastion en grosse Galleri en in continuo gemachet/ oder nur von Distan tzen zu Di- stan tzen ohngefehr 1. R. weit Minen -Gaͤnge ein- geschnitten und ausgemauert werden/ woraus man das feindliche miniren kan balde gewahr werden/ und sich darwieder mit guten Vortheil setzen/ wie im folgenden hiervon mehr Bericht soll erstattet werden. Oder man kan in dem Haupt- Graben/ zu mahl wann er trocken/ eine tiefe Cu- vette in der mitten anlegen welche dann verhin- dert wird/ daß der Feind mit seinen verborgenen Minen-Gaͤngen und Galleri en unter dem Hori- zont des Grabens zu Anbringung seiner vorha- benden Minen nicht wird fortkommen koͤnnen/ sondern dadurch leicht entdecket/ und von seinem Vorhaben abgehalten werden. Oder man soll doch zum wenigsten bey Haupt-Festungen gute Horizontal-Defension am Artillerie in dem Gra- ben habẽ/ doch unbeschadet deꝛ obeꝛn Artillerie auf ihren langen Flanqv en/ damit man dem Feind bey offener Passi rung des Grabens/ er mag trocken oder voll Wasser seyn/ tapffer bewillkom- men/ und die Linien der Facen wohl bestreichen koͤnne/ also und dergestalt/ daß kein Mineur an die Wercke sich anhaͤngen duͤrffe/ weßwegen dann ein Commendante bey so gestalten Sachen die gantze Nacht durch auf den Wercken/ und son- derlich im Graben viel Feuer- und Pech-Pfan- nen brennond haben soll/ damit er den Feind an seinen Vorhaben/ welches gemeiniglich bey fin- ste- Von Minir en und Contreminir en. sterer Nacht pfleget vorgenommen zu werden/ mit guter Vorsicht und Nachdruck verhindern moͤge. (21.) F rage. Wie soll denn ein Commendant, wenn er siehet/ oder sich vermuthet/ daß der Feind mini re/ seine Minen suchen/ und den unter mini rten Ort erkundigen? Die feindlichen m inen, so der ataqui rende Theil bey einer belagerten Festung anzubringen/ und solche darmit zu ruini ren gesonnen/ koͤnnen auf unterschiedliche Weise gesuchet und erfor- schet werden: Einige stellen an die Oerter/ so man verdaͤchtig haͤlt/ etliche Becken mit Wasser/ oder binden Zimbeln an/ uud vermeynen durch des Wassers Bewegung/ und der Zimbeln Klang/ wenn anders kein Wind darzu koͤmmt/ zu erfah- ren/ an welchen Ort der Feind unter der Erden ar- beite/ und mini re: Etliche legen auf eine Trom- mel Erbsen/ Bohnen oder Wuͤrffel/ und geden- cken dadurch zu vernehmen/ wo etwan unter dem Horizont gehacket und gearbeitet werde. Andere machen zumahl im Graben nahe an der Contre- scarpe an unterschiedlichen Orten puits und tiefe Loͤcher/ um hierinnen das seindliche Eingraben zu erforschen: Die meisten aber gebrauchen zu Su- chung der feindlichen m inen 6. S. lange Erd- Bohrer/ mit welchen sie nach Gelegenheit ober o- S s 5 der Das IX. Cap. der unter sich/ oder zu beyden Seiten einbohren/ legen hernach ein Ohre auf das Loch/ und zu ver- nehmen/ wo der Feind eigentlich arbeite und gra- be/ welche letztere Manier auch unter allen andern das sicherste und gewisseste Mittel ist. (22.) F rage. Was soll denn ein Commendant thun/ wenn er keine schon bereitete Con- treminen oder Gallerien unter den Wercken hat/ wo er hoͤret/ da der Feind mini ret? Wenn ein C ommendant in seiner Festung er- forschet/ wo der Feind von aussen hinein mini re/ und aber an diesem Ort noch keine Contreminen oder Gallerien fuͤrhanden/ muß er gleich ohne ei- nigen Verzug an bewusten Ort dem Feinde lassen entgegen mini ren/ solchem vorzukommen versu- chen/ und die Schiede-Wand zwischen den bey- den m inen -Gaͤngen/ sie mag oben/ unten/ oder auf den Seiten seyn/ wenn solche noch etwan 6. S. di- cke ist/ mit einer Petarde gegen dem Feind zu ein- stossen/ und daselbst hinter guten Traversen mit Musqueton en und Hand-Granaden des Feindes Wiederkunfft weiter erwarten. Wenn aber nichts desto weniger der Feind die Belagerten aus ihren Gallerien und Contreminen vertreiben/ und sich darein setzen solte/ muß man stinckend Wasser/ oder andere stinckende Materien conti- nuir lichen in die Contreminen einrinnen lassen/ auch Von m ini ren und C ontremini ren ꝛc. auch nach Verliehrung der F aussebraye, wenn ei- ne fuͤrhanden/ von hohen Wall Bomben/ Hand- Granaden und andere Feuer-Kugeln in dieselbe oder in Ermangelung solcher in dem Graben ab- rollen/ damit der Feind gezwungen werde/ die Faussebraye und den Graben wieder zu verlassen/ und von seinem Vorhaben abzustehen. (23.) F rage. Wie soll denn ein Commendant bey dem feindlichen Mini ren und Einbrechen seiner gemachten Gallerien und Contre- minen unter den Wercken zu seinem Vortheil sich bedienen? Wenn die Bastionen, oder wohl auch der gan- tze Wall herum grosse Gallerien und Contreminen haben/ welche gleich Anfangs bey Auferbauung der Festung mitgemachet sind/ und der Feind in- tenti ret in die Wercke einzugraben/ und solche mit Minen zu sprengen/ soll man zu beyden Seiten der Gallerien gegen den Ort/ wo der Feind durchzu- brechen gedencket/ 3. oder 4. S. dicke Traversen an- legen/ und ihn bey seinem Eintritt in die Contre- minen und Gallerien mit Hand-Granaden und Musqueton en tapffer empfangen/ solchen mit Nachdruck repoussi ren/ und die gemachten Ein- bruͤche gaͤntzlichen inwendig mit Miste/ starcken Quer-Hoͤltzern/ Erde/ Faschin en und Steinen wieder verbauen/ damit er von neuen sich anders wo einzugraben gezwungen werde/ welches denn sehr Das X. Cap. ehr gefaͤhrlich vor ihme seyn wird/ auch sonst viel Muͤhe und Zeit erfordert/ und doch wohl endli- chen von seinem Vorhaben wieder abstehen muß/ wenn er gebuͤhrenden Widerstand befindet/ wie bereits gemeldet worden. Das X. Cap. V on B estuͤrmung und E r- steichen der Brechen, und wie die Ra- veline und Hauptwercke sollen erodert und eingenommen/ hingegen wieder von dem Commendant en bestens defendi ret/ und auf allem Noth-Fall beschuͤtzet wer- den/ auch was sonst hierbey beyde der ataqui rende/ als defendi rende Theil in acht zu nehmen. (1.) F rage. Wie soll denn der ataqui rende Theil der Raveline und anderer Aussenwer- cke vor einer Festung sich bemaͤchtigen und solche einnehmen? W Enn vor den Festungs- Polygonen Raveli- ne, oder andere Aussenwercke und Schan- tzen sich befinden/ welche den ataqui renden Theil entweder verhindern/ das Corpus der Festung mit Minen und Breche machen anzugreiffen/ oder im Gegentheil grossen Vortheil geben/ die Ataquen mit desto besserm S ucces gegen die Hauptwercke fort- Von Bestuͤrmung und Ersteichen ꝛc. fortzusetzen/ soll man solche allezeit zu erst einneh- men: Worbey denn in acht zu nehmen/ daß/ wenn das Ravelin oder ander Aussenwerck klein ist/ und leichtlich kan uͤberstiegen werden/ man dafuͤr/ iedoch hinter einer Blendung/ eine Baterie von etlichen Stuͤcken auffuͤhren/ nach deren Ver- fertigung des Nachts die Blendung wegthun/ das R avelin unaufhoͤrlich beschiessen/ dessen Brust u. Wall/ so viel moͤglich/ ruini ren/ den Gra- ben mit F aschin en ausfuͤllen/ oder auch einige Sturm-Lettern gebrauchen/ und in einem furi osen Sturm mit dem Degen in der Faust das Werck uͤberrumpeln solle; Es muͤssen aber die commandi rte Sturm-Laͤuffer hierzu billig mit Casque ten/ Ruͤck und Brust-Stuͤcken zu ihrer Beschuͤtzung und Verwahrung versehen seyn/ weil es bey dergleichen desperat en Action en ziem- lichen warm pfleget herzugehen: Waͤre aber das Ravelin groß und starck/ und sonst wegen guter Vorsehung nicht anders als Fuß fuͤr Fuß zu ge- winnen/ soll man dessen Graben ceremoniali sch/ wie vor einem Hauptwerck/ uͤber passi ren/ die Point en und Fac en mit Min en suchen zu sprengen/ und nach dessen Erfolg mit hitzigem Sturm ein- lauffen/ die Brechen ersteigen/ und solche/ so viel moͤglichen/ mainteni ren. (2.) Das X. Cap. (2.) F rage. Was sol der ataqvi rende Theil thun/ wann er das Ravelin erstiegen/ und auf denselben einiger Abschnitte gewahr worden? Wenn das Ravelin mit Strum erstiegen wor- den/ und der Feind sich mit Abschnitten allen Falls auf demselben versehen/ muͤssen die Be- stuͤrmer in der ersten Furie noch mit Einwerffung vieler Hand-Granaden trachten/ die gemachten Abschnitte nebst dem Ravelin taͤglich zuerobern/ und sich wo moͤglichen hinein zu logiren/ welches auch bey Eroberung der Haupt-Wercke kan in achtgenommen werden; Behaupten aber die Belagerte ihre innere retrenchemente auf den Ravelin/ so muß man die erste Nacht nur auf der gemachten Breche logiren/ sich nach Moͤglichkeit wohl bedencken/ die Mini rer aber gleich des Nachts an dem Abschnitt bringen/ und selbige suchen/ ie eher lebesser zu sprengen/ auch nach Ge- legenheit gantz zuschleiffen/ damit die Belagerte/ wann sie uͤber verhoffen wider auf das Ravelin kommen solten/ sich darinnen nicht lange halten koͤnnen. Bewaͤlchtiget man nun das Ravelin voͤllig/ und treibet den Feind gantz darvon ab/ muß man gleich auf die Kehl-Linien gegen die Festung zu eine gute Brustwehr und Graben machen/ damit die Belagerte das Ravelin nicht uͤberrumpeln koͤnnen/ zu mehrerer Vorsorge des- sen Von Bestuͤrmung und Ersteichen ꝛc. sen kan man auf den Seiten und ruͤckwaͤrts be- deckte Linien ziehen/ daß im Fall der Feind die vor- dersten logimenter angreiffen solte/ selbige doch von den hintersten koͤnten secundiret werden. (3.) F rage Wie soll dann der ataqvi rende Theil die gemachte Breche auf den Haupt- Wercken durch Sturm besteigen/ sich darauf mainteni ren/ und weitere Veranstaltung machen? Wann die Gesicht-Linien an dem Haupt- Wall durch eine Breche/ es sey mit Canonen oder Minen sind geoͤffnet und ruini ret worden/ muß entweder durch einen geharnischten ingenieur unter Begleitung etlicher commandi rten/ und auch geharnischten F usiliers die Breche zu vor be- sichtiget werden/ ob solche zum Sturm und An- lauffe beqvem/ oder nicht/ und was sonst fuͤr Hin- dernuͤfse noch im Weg seyn moͤchten/ so vor dem Sturm wegzuschaffe waͤrẽ; Oder aber/ meñ man dergleichẽ Besichtigung der Zeit u. Gefahr halber nicht vor rathsã urtheilet/ sollẽ die erstẽ 2. Parti ē/ so zũ Sturm com̃andi rt/ allzeit in die Laͤnge Faschin ẽ vor sich zur Bedeckung tragẽ/ solche bey dem An- lauff/ wo es noͤhig/ einwerffẽ/ u. im uͤbrigẽ ihr De- voir nach aller Moͤglichkeit erweisẽ. Auf der Con- trescarpe, wo man zuvor Posto gefasset/ soll man auch inzwischē der Breche gegẽ uͤber etliche Canon ẽ pflantzen/ welche auf dem obern Theil der Breche, zumahl/ Das X. Cap. zumahl/ wenn solche mit Pallisaden/ Spanischen Reitern oder Schantz-Koͤrben versetzet und ver- bauet/ mit Ketten/ Stangen und andern Kugeln vor dem Aufsteigen der Sturm-Laͤuffer continu - irlichen Feuer geben muͤssen/ um alle Obstacula aus dem Wege zu raͤumen/ und die Passage frey zu machen. Jngleichen soll man auch aus den nech- sten Kesseln am Graben eine grosse Menge Stei- ne und Hand-Granaden hinter die Breche gleich einwerffen/ damit die Belagerte nicht alleine ver- hindert werden die gemachte Breche zu verbau- en/ sondern auch im Fall der Noth zu defendi ren. Wenn nun zum Sturm alles parat ist/ und der Feind die Festung durch accord nicht ergeben/ sondern solche biß auf den letzten Mann defendi - ren will/ so muß man in guter und behoͤriger Ord- nung/ wie bereits im vorigen gemeldet worden/ darauf loß gehen/ und ihme den Meister zeigen; Wenn man sich nun auf dem Haupt-Wall durch Sturm also posti ret hat/ und hinter der Breche Abschnitte siehet/ muß man vor allen Dingen die Wege ruͤckwaͤrts uͤber die Graͤben und Waͤlle bequem/ und in genugsamer Breite zurichten/ damit/ wenn wider Verhoffen/ man solte von dem Wall und Breche heraus getrieben werden/ man mit grosser Macht und starcker Fronte abermahls die verlohrne Posten von neu- en gleich wieder einnehmen koͤnne. (4.) Von Bestuͤrmung und Ersteichen ꝛc. (4.) F rage. Wie soll denn ein Commendant e bey Bestuͤrmung der Raveline und Haupt- wercke solche defendi ren/ und was hat er sonst bey dergleichen letzten Action en wohl in acht zu neh- men? Es soll ein C ommendan te/ welcher sich geden- cket/ odeꝛ Befehl hat sich biß auf den letzten Mann wehren/ so bald die C ontrescarpe besturinet und erobert worden/ uͤber die viele und grosse Feu- er in dem Graben/ und die brennende Pech- Pfannen auf den Wercken/ davon im vorigen gedacht worden/ die nechst gelegenen hohe und steinerne Haͤuser an den Wall mit Erden nicht alleine lassen ausfullen/ um deren sich hernach bey dem feindlichen Brach Schiessen als Contrebate- rien nebst andern Wercken koͤnnen zu bedienen/ sondern auch in die fuͤrnehmsten Gassen Traver- sen anlegen/ und durch die Haͤuser Communica- tion machen/ damit er sich auch noch zuletzt in der Stadt selber allen Falls defendi ren/ und sich si- cher reteri ren koͤnne. Auf dem Haupt- und grossen Aussenwercken aber soll er fuͤrnemlichen gleich Anfangs der Ataque, wenn er sichet/ gegen wel- che Wercke solche gefuͤhret werde/ gute und star- cke innerliche Abschnitte machen/ und Contremi- nen anlegen lassen/ damit er bey Bestuͤrmung die Wercke nicht so gleich gaͤntzlichen verlassen/ son- T t dern Das X. Cap. dern sich auf denselben noch ziemlichen defendi - ren koͤnne. Jn die kleinen und schmahlen Aussen- wercke/ wo keine Abschnitte koͤnnen fuͤglichen ge- machet werden/ muß man nur Minen -Cammern anlegen/ um solche Wercke/ wenn sie mit Sturm vom Feinde erobert worden/ nebst den darauf be- findlichen Leuten koͤnnen in die Lufft zuschicken. Wenn auch die Waͤlle und Brustwehren an den Wercken mit Min en oder Canon -Schuͤssen von Feinde ziemlichen waͤren ruini ret worden/ muß ein Commendant die Brechen in der Hoͤhe mit ausgefuͤllten Schantz-Koͤrben versetzen/ mit star- cken Pallisaden und Spanischen Reitern verbau- en/ mit Erd und Faschin en bewerffen/ und mit Reisig/ Stroh und Mist belegen/ auch diese letzte- re Materien in Zeit der Noth anzuͤnden/ damit sol- che den anstuͤrmenden Feind mit ihrem Feuer/ Gestanck und Dampff vertreiben/ und er sonst keinen festen Fuß/ noch freye Passage haben koͤnne. Man kan auch unter die Breche eine oder zwey geladene Minen -Cammern und Fourneaux legen/ und solche in Zeit der Noth spielen lassen. Jn dem Abhang der Breche kan man viele Fuß-Angel werffen/ oder umgekehrte eiserne Egen legen/ wel- che den Feind im Anlauffen sehr verhindern/ und in die Fuͤsse blessi ren. Zur Zeit des Sturms kan man oben von der Breche ablauffen lassen/ offene Faͤsser mit geraͤderten ungeloͤschten Kalck/ und gedoͤrter Aschen/ welche den Feind in den Anlauf- fen blenden und ersticken; Jngleichen muß man auch Von Bestuͤrmung und Ersteichen ꝛc. auch in wehrenden Sturm allerhand andere Defension s-Mittel gebrauchen/ als Sturm- Sensen/ Morgen-Sterne/ Tromben und der- gleichen; Man muß auch unter die Bestuͤrmer werffen und lassen Wall ablauffen/ Hand-Gra- naden/ Bomben/ Pech-Kraͤntze/ Brand-Kugeln mit Mord-Schlaͤgen/ Sturm-Ploͤcker/ angezuͤn- dete Tonnen mit Pech/ Hartz/ Schwefel und Pulver durch einander angefuͤllet/ welche sehr brennen und grossen Schaden thun; So kan man auch siedend heiß Wasser auf die Bestuͤr- mer giessen/ und gluͤende Steine unter solche werffen/ welches denn alles zum Schaden der Feinde und Erhaltung der Festung in Zeit der Noth dienen muß. Die ruini rten hohen Flanquen und Linten an den Wercken/ so die Breche bestrei- chen koͤnnen/ muß man suchen mit grossen Schantz-Koͤrben oder Baterie -Kaͤsten/ so viel moͤglichen/ wieder zu versetzen/ Stuͤcke darauf bringen/ solche mit Cartaͤtzschen laden/ und in wehrenden Sturm Creutzweiß nebst der Infan- terie unaufhoͤrlichen spielen lafsen: Jngleichen soll die Horizontal-Artillerie im Graben das ih- rige auch thun/ wenn der Feind solchen passi ren will/ worauf denn ein kluger Commendant fuͤr- nehmlichen mit sehen soll/ daß eine solche hoͤchst- noͤthige Horizontal-Defension recht moͤge ange- leget und bestellet seyn/ weil der Feind solche am wenigsten zu ruini ren vermag/ und sie dahero sol- T t 2 chen Das X. Cap. chen bey dem Bestuͤrmen am meisten Abbruch mit thun kan/ es muß aber der Graben von der abge- schossenen Erden des Walles wohl gereiniget seyn/ damit an solcher Horizontal-Defension kei- ne Verhinderung vorfallen koͤnnen; Solte aber der Feind viel Faschin en in Graben werffen/ um darmit die Horizontal-Defonsion zu ruini ren/ und sich einen bequemen und sichern Gang zu ma- chen/ so muß man viel brennend Feuerwerck auf solche werffen/ um sie darmit anzuzuͤnden/ und des Feindes Unternehmen zu verwehren. So muß auch endlichen ein Commendant zumahl bey Bestuͤrmung der Hauptwercke Force auf Force setzen/ den Sturm allezeit tapffer abschlagen/ auch nach Gelegenheit darauf bald einen star- cken und furi oͤsen Ausfall thun/ um den Feind in Confusion zu setzen/ seine Wercke und Baterien zu ruini ren/ der beaͤngstigten Festung einige Lufft zu machen/ und die Zeit zu gewinnen. Andere noͤthi- ge Anstalten wird bey dergleichen Begebenheiten ein kluger und erfahrner Commendant e selbst wissen zu machen/ davon auch schon hin und wie- der gehandelt worden. Das Von Verfertigung/ Ataqui rung und ꝛc. Das. XI. Cap. V on V erfertigung/ Ataqui- rung und Eroberung der innerlichen Abschnitte; Jngleichen von D efendi - rung und Mainteni rung derselben. (1.) F rage. Was soll der ataqui rende Theil thun/ wenn er durch Sturm die Breche er- stiegen/ und sich von derselben Meister ge- machet/ gleich wohl aber den Feind in sei- nen Abschnitten noch trotzig und unverzagt sehen muß? W Enn der ataqui rende Theil die Breche end- lich erstiegen und gluͤcklichen mainteni ret/ soll er die erbeutete Artillerie auf dem Walle gleich nach der Stadt zu umkehren/ oder in Er- mangelung derselben/ wenn der Feind solche in seine gemachte Abschnitte etwan schon haͤtte zu- ruͤck gezogen/ seine eigene Canon en von 12. oder weniger Pfundten auf dem Wall lassen bringen/ und anfangen des Feindes Retirad en damit tapf- fer zu begruͤssen. Wenn nun die eroberte Pastey oder ander Werck mit innerlichen starcken Re- trenchement en versehen ist/ muß man selbige/ wenn es nicht anders seyn kan/ Fuß fuͤr Fuß auch suchen zu bewaͤltigen/ allermassen wie bey der T t 3 Con - Das XI. Cap. Contrescarpe und dem R avelin gemeldet worden. Solte denn die reteri rte Garnison unter der ver- lohrnen Post- Minen gemachet/ und solche bey der Eroberung des ataqui enden Theils springen las- sen/ um denselben wieder aus seinem Vortheil darmit zu treiben/ so muß man also bald den rui- ni rten Posto mit dem Degen in der Faust wieder einnehmen/ solchen repari ren/ und unter demsel- ben eine Contremine fuͤhren/ um zu verhindern/ daß der Feind aus seinen gemachten Abschnitten unter der Erden mit Mini ren nichts weiters ten- di ren koͤnne: Hingegen muß man dran seyn/ der Belagerten innerliche Retrenchemente mit Mi- nen zu sprengen/ oder mit Canon en deren Brust- wehr uͤber einen Hauffen zu werffen/ die Graͤben mit Faschin en auszufuͤllen/ und den Feind mit fu- ri oͤsen Vestuͤrmen und Hand-Granaden von ei- nem Ort in den andern zu jagen/ biß er entweder in seinem letzten Abschnitt und Retraide sich ge- zwungen siehet zu capituli ren/ oder auch den letz- ten Sturm aus Hartnaͤckigkeit abzuwarten/ welches aber ein desperat er Handel ist/ wovon im folgenden mehrere Meldung geschehen soll. (2.) F rage. Was soll der defendi rende Theil thun/ wann der Feind die Breche ersteiget/ und sich darauff logi ret/ ohngeacht man ihme allen Wieder- standt thut? Es Von Verfertigung/ Ataqui rung/ und ꝛc. Es soll ein Comm e ndant, wann ersiehet/ daß ungeachtet allen Wiederstand der Feind sich dennoch auff der Breche des Haupt-Walles po- sti ren werden/ noch in Zeiten die groͤsten und be- sten Stuͤcke in seine letzten Abschnitte aufden ho- hen Wercken abfuͤhren/ und darmit die Bestuͤr- mer auff den Wall gleich Anfangs in Fronte und Flanque tapffer empfangen/ ehe sie sich noch ein wenig bedecket. Es muͤssen abeꝛ die letztē Abschnit- te auf den Walle etwas hoͤher seyn/ als die ersten/ damit man uͤber solche mit den Canonẽ wegschies- sen/ u. die andern Retrenchemente dadurch einiger maßen defendi ren koͤnne/ masen nicht zu rathen daß man dasgrobe Geschuͤtze nur in die ersten Re- trenchementer bringe/ weil doch selbige so wohl als andere Wercke koͤnnen auch erobert/ und die Garnison also leicht umb die Canonen gebracht werden/ welche doch ihrer bester Schutz aller- dings seyn muͤssen. Greiffet nun der Feind den ersten Abschnitt an/ muß man sich darinnen mit Musqueton en und Hand-Granaten wehren/ so gut man kan; Wird man aber genoͤthiget den Abschnitt zu verlassen/ muß man solchen mit ei- ner Mine sprengen/ und den Feind dadurch in confusion setzen/ bey welcher man denn zugleich einen furi oͤsen Außfall aus den hintern Abschnit- ten unter den Feind thun soll/ umb solchen mit tollkuͤhner Faust/ so viel moͤglichen/ wegzujagen/ und von seinen fernern Progressen abzuhalten/ wo durch man dann nach gestalten Sachen sich T t 4 stal- Das XI. Cap. langwierig halten/ den Feind dadurch abmatten/ daß nasse u. kalte Wetter ihn uͤber den Halß zie- hen/ einen General Suecurs erwaꝛten/ u. endlichen entweder einen reputir lich Accord erlangen/ oder die Festung von deꝛ voͤlligẽ Belagerung befreyen. (3.) F rage. Wie vielerley sind dann die Ab- Abschnitte/ und wie sollen solche ge- machet werden? Der Abschnitte koͤnnen zweyerley Arten seyn/ als General/ und particular: Die General Ab- schnitte werden diejenigen bey der Fortification genennet/ wenn hinter einer verlohrnen innerli- chen Polygone eine gantz neue Polygone mit gan- tzen oder halben Bollwercken und ihrer Courtine nebst einen weiten Graben/ hohen Walle und Brustwehre fortifici ret/ u. an die andern annoch unverlohrnen Hauptwercke angeschlossen wird/ also/ daß ein Feind/ ob er gleich die euserste gantze Polygone erobert/ dennoch hinter derselben eine andere reterirte Festung wieder erbauet findet/ welche ihme eben so viel/ als die erste verursachet/ zuerlangen machen wird: Particulir Abschnitte aber nennet man diejenigen Retranchemente, so nur auff einen und den andern Wercke/ welches an dessen Brust und Fac en ziemlich ruini ret ist/ machet/ und eigentlich die innerlichen Abschnitte genennet werden. Diese aber sollen gleichwohl mit Von Verfertigung/ Ataqui rung/ und ꝛc. mit ihren gebuͤhrenden Graben umbgeben/ mit Communication, mit Flanquen und Facen, soviel moͤglichen versehen/ und mit Brustwehren/ Sturmpfaͤhlen und Pallisaden verwahret seyn/ daß ein Feind auch grosse Muͤhe und Gefahr an- wenden muß solche einzubekommen. Jnsge- mein aber sollen alle retrenchem enter so wohl als andere Haupt und Aussenwercke ihre Galleri en u. Minen-Kam̃ern/ oder doch nur zum wenigsten F ougad en und Floder -Minen haben/ damit man solche in Zeit der Noth spielen lassen/ und den Feind bey seinen Stuͤrmen einen ziemlichen Ab- bruch thun koͤnne. Wie nun die Haupt-Wer- cke uͤber alle andere vorgelegene und Aussenwer- cke muͤssen hin flanqui ren/ und solche nachgestal- ten Sachen mit Canonen beschuͤtzen/ also sollen auch die hintersten und letzten Abschnitte auff ei- nem Walle und Pastey hoͤher/ als die vordersten seyn/ weil darein die Canonen zu ihrer Sicher- heit muͤssen gebracht/ und daraus zu Beschuͤtzung der andern vorliegenden Abschnitte mit guten Ef- fect gebrauchet werden/ davon in vorigen bereits Meldung geschehen. Dergleichen particulir Ab- schnitte koͤnnen nun auff den Haupt und andern Aussenwercken/ ingleichen in den Gassen der Stadt/ wie bereits gemeldel/ angebracht werden: Auf den Haupt-Wercken/ als auff einer Bastion so ataqui ret wird/ kan man solche entweder aus der helffte der Facen. oder aus den Schulter-E- cken/ oder auch nach Gelegenheit aus den F lan - T t 5 quen Das XI. Cap. quen und Kehl-Linien anfangen/ und in Form/ wie gemeiniglich geschiehet/ einer einfachen oder doppelten Tenaill en machen/ wie es der vordere Ruin des Wercks etwan am besten moͤgte anhan- den geben u. haben wollen. Jn den ruinirt en Aus- senwercken/ zumahl in den langen/ als Cron- und Horn-Wercken/ einfachen und doppelten te- naill en konnen solche am besten entweder nach Art des Werckes/ oder zum wenigsten wie eine einfache und doppelte Zange angeleget werden; Auf den ruinir ten grossen Raveli nen werden sol- che gemeiniglich aus der mitte der Facen wie eine ein fache Zange formi ret/ in den kleinen R avelin en lassen sich die Abschnitte nicht wohl machen/ we- gen Mangelung der Erden und Euge des Pla- tzes/ und ist es besser/ daß man solche kleine Wer- cke nach deren Eroberung nur sprenge/ und gaͤntzlich ruini re/ damit der Feind keinen sonder- lichen Vortheil davon habe. Das XII. Cap. Von Capitulation einer F e- stung/ ingleichen von Eroberung deꝛ- selben mit einen General-Sturm/ uñ wie sich beyde/ so wohl der defendir ende/ als ataquir ende Theil darbey zuver- halten haben. 1. Fra- Von Capitulation einer Festung/ (1.) F rage. Wie und auf wieviel mahl pfleget man wohl nach Kriegs Gebrauch eine be- lagerte real -Festung auffzufordern/ und ihr Capitulati on und Ac- cord anzubiethen? Weil bey allen important en Sachen ein jeder sehr fuͤr sichtig und bescheiden sich verhalten soll/ und aber im Kriege eine Ceremonial Belagerung vor einer real -Festung ein Werck von grosser Wichtigkeit ist/ wobey man in allen Dingen nicht kluͤglich und fuͤrsichtig genug handeln kan/ so ist zumahl unter den Christen/ nach Kriegs- Gebrauch eingefuͤhret worden/ daß der ataqui ren- de Theil die belagerte Festung zu unterschiedlichẽ mahlen wegen derselben Ubergabe lasse aufor- dern/ um nicht so viel Christen Blut zuvergießen/ ehe und bevor er den endlichen General-Sturm auff solche thue/ und sie mit Gewalt bezwinge und einnehme: dergleichen Aufforderungẽ koͤñen nun geschehen zum meisten viermahl/ nemlichen zum erstenmahl/ wann eine real -Festung von ei- ner maͤchtigen Armée mit allen behoͤrigen Kriegs Zubereitungen umbschlossen/ und belagert wird/ ehe noch andere feindliche Thaͤtligkeiten von der- selben veruͤbet werden: Die andere Aufforde- rung kan geschehen/ wann der ataquir ende Theil die Das XII Cap. die Contrescarpe, und andere Aussenwercke be- stuͤrmet/ und von denselben Meister worden/ die dritte Aufforderung kan gescheben/ wenn man die Haupt bateri en verfertiget/ und alle schwere Stuͤcke zum Brech schiessen darauff auffgefuͤh- ret/ oder wenn man die Sappe gemachet/ uͤber den Graben passi ret/ sich an die Wercke angehaͤn- get/ und die Min en verfertiget/ also/ daß nun leicht die Breche kan gemachet/ und darauff gestuͤrmet werden; Die vierte Aufforderung kan gesche- hen/ wenn man von der gemachten Bteche auff den Haupt wercken Meiscer worden/ und auf sel- bigen posto gefasset/ der Feind aber noch viele in- nerliche/ oder nur einen real -Abschnitt/ innerli- che Festung und Donjon hat/ wohin er sich sicher retiri ren/ und eine zeitlang halten kan. Die Aufforderung an ihr selber aber kan geschehen entweder durch einen Trompeter oder durch ei- nen Tambour/ wenn solche den Apel blasen oder schlagen; durch einen Trompeter pfleget solches zugeschehen/ wann der ataquir ende Theil die Fe- stung nur belagert hat/ da ein Trompeter gantz alleine pfleget abgeordnet zu werden/ und die Fe- stung zur Ubergabe und Accord auff zufordern/ in dem er sich blassend nahe an die Contrescarpe, oder ausgesetzte vorwachten begiebet/ worauf er dann durch einen unter einen Unter- Officier und wenig Reitern pfleget eingehohlet/ ihme die Au- gen verbunden/ in die nechste Post/ und dann end- lich nach des Gouverneurs oder Commendan ten Hauß also gebracht zu werden/ da er dann seine Ordre Von Capitularion eine Festung Ordre entweder muͤndlich oder schrifftlich muß vortragen und uͤbergeben/ auch darauff die Antwort erwarten/ und solche auff solche Weise wie er eingehohlet/ auch wieder uͤberbringen/ wornach sich dann ieder Theil pfleget zurichten/ und sein bestes zu observi ren. Durch einen T ambour kan die Auforderung geschehen/ wann der ataquir ende Theil bereits die so genannte Contrescarpe erobert/ wo selbst ein T ambour auff Befehl der Generalit aͤt pfleget Apel zuschla- gen/ welches dann der Feind leicht hoͤren und vernehmen kan/ und wann solcher Beliebung hat sich in eine Unterredung mit seinem Contre- part einzulassen/ laͤsset er gleichfalls durch einen Tambour auff dem Haupt-Wall antworten/ worauff dann beyde Theile mit Schiessen innen- halten/ die Tambour frey und sicher gegeneinan- der herfuͤrtreten/ und wird den ersten der Ort angesaget/ wo er sich hin begeben/ und in die Fe- stung eingelassen werden soll/ da er dann heꝛnach mit verbundenen Augen zum Haupt der Besa- tzung gefuͤhret/ und auff sein Anbringen wieder verabschiedet wird. Die letzten zwey Auffor- derungen koͤñen gleichfalls durch einen Tambour geschehen/ weil es in der Naͤhe ist/ da man alles hoͤren und vernehmen kan. 2. Fra- Das XII. Cap. (2.) F rage. Wenn soll ein Commendante in ei- belagerten Orte capituli ren/ und die Fe- stung uͤbergeben/ damit er hernach bey seinem Printipal deßwe- gen keine Verantwor- tung haben? Diese Frage recht zubeantworten ist eine Sa- che von grosser Importan tz/ und werden die we- nigsten Commendant en/ zumahl wenn sie nur Soldaten von execution, und von keinen sonder- lichen consiliis sind/ indem sie die Fortification und Artillerie/ auch andere zum Kriegs-wesen noͤ- thige Wissenschafften entweder gar nicht/ oder doch nicht recht/ und voͤllig erlernet/ erfahren un̄ practicir et/ hierunter das rechte temperament zutreffen wißen/ wenn und wie sie capituli ren/ und einen Ort uͤbergeben sollen/ daß sie davon keine Verantwortung/ Schimpff oder Schande haben/ oder der Sache zu viel thun moͤgen. Da- mit man aber hierunter sich auff etwas gewisses gruͤnden koͤnne/ soll ein Commendante zu einer Belagerten Festung folgende Erinnerung wohl in achtnehmen/ und zwar so ist zuwissen/ daß ob- gleich ein Feind bey Berennung und Einschlies- sung eines Orts solchen auch zugleich auffordern lassen/ umb sich zu uͤber geben/ und eine gute Ca- pitulation und Vortheilhafften Accord zuschlies- sen Von Capitulation einer Festung/ sen/ so verstehet sich doch nimmermehr ein recht- schaffener Commendant darzu/ wenn auch gleich grosse Bedrohungen dem Auffordern solten mit bey gefuͤget werden/ es were dann/ daß die Sol- daten und Buͤrgerschafft/ wegen ein und ande- rer Ursachen zusammen rebelli rten/ und den Com- mendant en zwingten die Stadt und Festung/ ehe noch einige weitere Feindseeligkeit veruͤbet wuͤr- den/ zu uͤbergeben: Wiewohl bey dergleichen de- sperat en Begebenheiten ein Commendant besser und sicher thut/ wañ er nach allen gethanen Ver- mahnungen/ guͤtlichen Zuredungen/ und Erinne- rung eines ieden geschwornen Treu/ so aber nichts verfangen wollen/ sich wegen Verweige- rung der allzufruͤhzeitigen Ubergabe von seiner eigenen Garnison u. saͤmtlichen Vuͤrgerschafft laͤs- set in verhafft nehmen/ oder sich wohl gar von ih- nen den Todt anthun/ also daß ein anderer an sei- ner Stelle capituli ren muͤsse. Wenn der Feind die Contescarpe eꝛobert/ wiꝛd insgemein dafuͤr gehal- tē/ daß die Festung halb u. guten Theils schon ver- lohren gangen/ bey diesem Fall muß ein C ommen- dant wohl in achtnehmen/ ob er von seinem Prin- cipal Ordre und Befehl habe/ die Festung zu uͤ- bergeben/ und zu capituli ren/ oder ob er noch ei- nen General Sturm auff die Hauptwercke ab- warten solle. Auf beyde Faͤlle muß ein Commen- dant seines Herrn Befehl stricte nachleben/ es waͤre denn/ daß/ was den ersten Punct anlanget/ kei- Das XII. Cap. keine Munition und Proviant mehr in der Festung/ oder wenn die Helffte von der Garnison kranck und untuͤchtig zu fechten/ oder rebelli rte deßwe- gen die Buͤrgerschafft wider den Commendan - ten und Garnison, welche viel staͤrcker waͤre als diese/ und koͤnte der C ommendant mit seiner Gar- nison auch nicht in einem á part en festen Ort und Citadelle der Stadt sich reteri ren und einschlies- sen. Bey dergleichen Umstaͤndten und Motiv en kan auch wider des Herrn Befehl capituli ret werden/ gestalt ein Commendant ohne Noth und Ordre sich nicht zwar soll ergeben/ hingegen auch nicht die Extrema erwarten/ wenn er die Unmoͤg- lichkeit zu subsisti ren/ und sich ferner zu defendi - ren vor Augen siehet/ welches denn mehr eine de- sperat e/ als ruhmwuͤrdige That seyn wuͤrde/ und deßwegen auch billig bernach von seinem Princi- pal kan zu Rede gesetzet werden/ massen es bey dergleichen Action en ohne grossen Schaden und Nachtheil niemahls pfleget abzugehen. Hat aber ein Commendant seines Herrn Befehl vor sich/ daß er die Festung/ ob gleich solche mit Volcke/ Munition, Proviant und andern Nothwendigkei- ten zur Genuͤge versehen/ auch sonst unter der Gar- nison und Buͤrgerschafft gute Inclination, Corre- spondenz, Standhafftigkeit und Treue verspuͤh- ret werde/ an den Feind cedi ren/ und einen guten Actord treffen solle/ so ist er gleichfalls obligi ret/ auch diesem Befehl nachzukommen/ und die Fe- stung Von Capituli ren einer Festung. stung vermittelst eines vortheilhafften Accords ohne ferneres Blut-Vergiessen zu uͤbergeben. Haͤtte aber ein Commendant von seinem Princi- pal auf keinerley Weise einen Speial -Befehl/ son- dern die Festung waͤre ihm auf seine Treue/ Tapfferkeit und gut befinden bey allen Gelegen- heiten damit zu schalten und zu walten generali- ter anvertrauet worden/ es koͤnte auch der Com- mendant e wegen genauer Einschliessung mit sei- nem Principal en keine Correspondenz haben/ sich Raths zu erhohlen/ und einen Special -Befehl zu uͤberkommen/ so muß derselbe/ wenn ihm keine De- fension s-Mittel abgehen/ fuͤrnehmlichen wohl uͤberlegen/ ob er die Festung an den Orten der Ataquen mit guten/ starcken und genugsamen in- nern Retrenchementen versehen lassen/ oder ob sonst noch einige innerliche fortifici rte Plaͤtze/ als Citadelle, Donjon, und Hoͤhen vorhanden/ wor- auf er sich im Noth-Fall mit den Seinigen reteri - ren/ und allezeit noch einen raisonnabl en Accord treffen und erhalten koͤnne; Auf solchen Fall kan ein Commendant noch ohne Gefahr den Gene- ral-Sturm auff die Hauptwercke abwarten/ und wann er zuweigen gezwungen worden/ sich noch einige Zeit aus seinen innern Abschnitten und retirad en wehren. Wenn aber endlichen ein Commendant in seinen innern Abschnitten zum vierten mahl solte auffgefordert werden/ o- der seine retrai ten von keiner sonderlichen impor- tan tz weren/ sich in die Laͤnge darinnen zu defen - U u di - Das XII. Cap. di ren/ oder es entgingen ihm einige Nothwenthig- keiten an Volcke/ Munition, oder Lebens-Mitteln haͤtte auch darbey sich keines Succurses, noch Cor- responden tz zugetroͤsten/ so kan er ohne weiteres Bedencken sich bequemen zu capituli ren/ und auch vor sich wenn der Feind nahe/ die Chiamata lassen zuschlagẽ/ oder wenn er ferne weise Fahnen aus zustecken/ umb Geißel zu bitten/ und einen re- putirli chen Accord zumachen und zu erhalten. (3.) F rage. Was fuͤr Accords -Puncte hat sich dann ein Commendante bey seinem ver- halten und capituli ren gestalten Sachen nach zugetroͤsten/ und wie pfleget dann der Auszug und ubergabe der Festung zugeschehen? Nachdem der ataqui rende Theil vor einer Fe- stung mit seinen Ataquen weit avanci ret oder nicht/ auch viele oder wenige Unkosten/ Zeit und Volck angewendet uñ ruini ret hat/ nachdeñ ist sol- cher auch inclini ret den Belagerten einen guten oder schlechten Accord zu geben/ es waͤre denn/ daß er sich vor der Festung/ Zeit waͤhrender Be- lagerung/ so sehr entkraͤfftet/ auch die Jahres- Zeit/ und das boͤse Wetter ihn obligi rten/ daß er des weitern Belagerns selbst uͤberdruͤßig/ und der Sachen gerne ein Ende sehe. Gemeiniglich aber kan ein Commendant von einer R eal -Fe- stung den besten Accord erhalten/ wenn er an- faͤn- Von Capitulation einer Festung. faͤnget zu capituli ren/ nachdem die Contrescarpe vom Feinde erobert worden/ da man denn mit Sack und Pack/ klingenden Spiel/ fliegenden Fahnen/ brennenden Lunten/ Kugel im Munde und allen/ oder nur etlichen und den besten Stuͤ- cken und groben Geschuͤtz darff abziehen/ worzu denn vom Feinde etliche bundert Wagen und Pferdte zur Vorspanne und Fortbringen der Sachen muͤssen von dem umliegenden Lande her- bey geschaffet/ und an einem bestimten Ort/ durch den nechsten und rechten/ aber keinen Jrr- Weg unter einer guten Escorde sicher begleitet werden/ und margi ret die Bagage mit untermisch- ten Garden und einigen Officiern zuerst aus/ her- nach das grobe Geschuͤtze/ denn die Infanterie, darauf die Cavalerie, und endlich der gewesene Commendant noch mit wenig Cavalerie begleitet/ welcher denn an dem aͤussersten Thore der Fe- stung dem daselbst befindlichen Chef von der Be- lagerung vermoͤge des getroffenen Accords in Nahmen seines Principal en die Festung uͤberlie- fert/ darzu gratuli ret/ und sich an seinem Ort vor die guten Conditiones der Capitulation bedan- cket; Worauf denn von der andern Seite wider ein Gegen- Compliment gemachet/ auch nach Ge- legenheit der gewesene Commendant e/ wenn er sich tapffer gehalten/ und darbey raisonnable auf- gefuͤhret/ mit einem kostbaren Geschencke/ gemel- niglich einem guͤldenen Degen/ verehret wird/ U u 2 masen Das XII. Cap. massen die Tugend auch bey dem Feinde zu loben ist. Wenn ein Commendant e mit dem Capituli ren anstehet/ biß der Feind alles parat hat gemachet zu einem General -Sturm auf die Hauptwercke/ wodurch er schon einen sehr grossen Vortheil zu seinem Dessein erhalten/ so darff es den Belager- ten nicht befremdten/ wenn sie nicht die besten Conditiones eines Accords uͤberkommen/ und mit Sack und Pack/ sondern nur was etwan ein Mann tragen kan ohne sondere Kriegs- Ceremo- ni en und wenig Stuͤcken duͤrffen ausziehen. Noch geringere Accords -Puncte werden denje- nigen Commendant en fuͤrgeleget/ welcher einen General -Stürm auf die Hauptwercke abgewar- tet/ und sich endlichen in seine innere Retrenche- mente reteri ret hat/ welche doch von keiner sonder- lichen Importanz seyn; Oder wenn ein Commen- dant in einem geringen Orte/ Schloß oder Stadt/ so keine Real -Festung ist/ sich gegen eine vorlie- gende Armée allzu hartnaͤckigt defendi ret/ und alles auf die Extremit aͤt laͤsset ankommen/ da sich denn ein solcher nach Aussteckung einer weisen Fahnen mit seiner Garnison als Kriegs-Gefan- gene auf Gnade und Ungnade ohne sonderliche Auswaͤchselung der Geisseln/ und gemachten Ac- cords -Puncte ergeben muß/ welche denn hernach von dem victori sirenden Theil koͤñen niedergema- chet/ ausgepluͤndert/ disatmi ret/ untergestecket/ oder zur Auswaͤchselung gefangen behalten wer- den. So geschiehet es auch bißweilen/ daß die Gar- nison Von Capitulation einer Festung. nison in einem geringen Ratten-Neste/ wofuͤr man doch viel Volck verlohren/ oder sonst mit Blo- qui rung grosse Ungelegenheit ausstehen und ma- chen muͤssen/ gar schimpfflich und nur mit weisen Staͤben ohne Gewehr und Bagage ausziehen muß/ welche denn auch hernach meistentheils entweder unterstecket/ oder gar nieder gemachet wird. Dahero denn billig zu schlies- sen/ daß es nicht allezeit gut und nuͤtzlich ist/ sich in einem Orte/ zumahl/ wenn er schlecht versehen ist/ und sich doch endlichen nothwendiger Weise er- geben muß/ allzulange und biß auf das aͤusserste sich zu defendi ꝛen/ sondern man muß als ein kluger Kriegs-Mann alles wohl uͤberlegen/ und nicht alles tollkuͤhne ohne Raison auf das blosse Gluͤck hinein wagen. (4.) F rage. Wie soll denn endlich der ataqui ren- de Theil einen General -Sturm recht an- ordnen/ fortsetzen/ und gluͤcklich hinaus- fuͤhren/ und die Festung mit Gewalt ein- nehmen/ wenn der Feind von keinem Accord nicht hoͤren will? Wenn der ataqui rende Theil eine ziemliche Breche in die Hauptwercke/ es sey mit Canon en o- der Minen gemachet/ und die Belagerte wollen sich noch nicht ergeben/ so muß man zu einem Haupt- und General -Sturm behoͤrige Anstalt U u 3 machen/ Das XII. Cap. machen/ auch darmit nach gemachter Breche so lange anhalten/ und Force auf Force unaufhoͤr- lichen setzen/ biß die Garnison ermuͤdet/ erleget/ und die Festung in die voͤllige Gewalt der Belage- rer gebracht worden. Es soll aber ein general - und Haupt-Sturm auf die Hauptwercke Vormitta- ge fuͤrgenommen/ und angefangen werden/ da- mit ein ieder sein Devoir besser verrichten/ die Unordnungen verhuͤten/ und das Schiessen von hinten zu die vordern eigene Leute nicht verletzen koͤnnen. Soͤ kan auch der ataqui rende Theil Mine machen/ ob wolle er zugleich an einem andern Or- te/ da etwan eine F ausse Ataque gefuͤhret worden/ die Festung mit einer Escalade uͤbersteigen/ damit also die Force der Garnison sich zertheile/ und dar- bey confundi re. Solten nun etwan die Belager- ten in dem Graben Hauffen Steine geleget/ nnd mit Erden bedecket haben/ oder sonst die Ruin en von der gemachten Breche steinigt seyn/ und man sich besorgen muͤste/ daß der Feind bey dem Sturm auf solche offene oder verdeckte Steine mit verborgenen und Horizontal-Canon en dar- auf schiessen/ und die anlauffende Trouppen in Confusion und grossen Schaden bringen moͤchte/ so muͤssen die vordersten Bestuͤrmer allezeit Fa- schin en in die Laͤnge vor sich mittragen/ um sich so wohl einiger massen hiermit zu beschuͤtzen/ als den Stein-Grund darmit zu bedecken/ damit man um so viel sicherer und bequemer fortkommen koͤnne/ Von Capitulation einer Festung. koͤnne/ welches denn auch zu practici ren stehet/ wenn die Breche sehr sandigt ist/ daß man darauf mit keinem festen Fuß stehen kan; Jngleichen wenn der Feind Fuß-Angel oder eiserne umge- kehrte Egen in die Breche geworffen/ welche denn mit Faschin en und Huͤrten koͤnnen bedecket und verworffen werden/ daß man diesen allen unge- acht den Sturm weiter fortsetzen koͤnne. Was die commandi rte Trouppen zum Sturm anlan- get/ koͤnnen solche fuͤglichen in drey Corpora ein- getheilet werden/ damit durch das erste in guter Ordnung von dem Sergeant en an biß zum Obri- sten/ nach dem Rang der Officiers, oder wie es die Generalit aͤt hierinnen vor gut befindet und an- ordnet/ der Angriff geschehe/ und in der ersten Fu- rie alles aus dem Wege geraͤumet und massacri - ret werde: Das andere Corpus muß das erste souteni ren/ und wenn dieses in die Stadt avanci - ret/ muß das andere sich in die Haupt-Gassen/ Thore/ Laͤrmen-Plaͤtze/ bey den Bruͤcken/ und auf die Waͤlle in Bataille stellen/ und/ wo moͤglich/ zu- gleich die Zeug-Haͤuser und andere Magazin en in Besitz nehmen: Das dritte Corpus soll wehren- dem Sturm auf der Contrescarpe bey der Ataque bleiben/ damit/ wenn die eingedrungene Troup- pen solten uͤber Verhoffen wieder repoussi ret und zuruͤck geschlagen werden/ solche gleich entsetzen/ und allerhand andere schaͤdliche Zufaͤlle in Zeiten abwenden koͤnne; Gestalt denn auch der Uberrest U u 4 der Das XII. Cap. der Armée aus dem Lager zugleich ausruͤcken/ und alles in voͤlliger Bataille stehen soll/ um so wohl auf die bestuͤrmte Festung/ als auch auf das Feld we- gen eines unverhofften Succurs es ein wachtsa- mes Auge zu haben. Das erste Corpus soll billig mit Casquet en/ Ruͤck und Brust-Stuͤcken verse- hen seyn/ weil es die groͤste feindliche Gewalt em- pfinden muß/ und wenn solches biß in die Stadt kommen/ soll es sich darinnen/ weil es noch schwach ist/ nicht allzu weit wagen/ es sey gleich im Verfolgen der Feinde/ oder wenn es auch gleich Niemand ansichtig wird/ weil vielmahls hierunter ein verborgener Hinterhalt kan bestel- let seyn/ so das erste Corpus von dem andern ab- schneiden/ und folgendlich massacri ren soll. So soll auch das erste eingedrungene Corpus die gan- tze Breite einer Gassen und Strassen im Avanci - ren einnehmen/ damit solches eine breite Fronte mache; Waͤre aber das erste Corpus hierzu nicht starck genug/ muß das andere gleich zu dem ersten stossen/ inzwischen aber das dritte sich auf die Breche, Waͤlle und Eingaͤnge des Platzes ver- theilen/ und solche starck verwachen/ die in Ge- wehr stehende Armée aber/ oder zum wenigsten einige commandi rte Trouppen sich um so viel mehr der Festung naͤhern/ und die aͤussersten Po- sten wohl verwahren. Jm Fall aber die Stadt ziemlichen groß waͤre/ oder sonst an einem grossen Wasser und Meere laͤge/ daß solche von allen Seiten Von Capitulation einer Festung. Seiten nicht haͤtte koͤnnen fuͤglich eingeschlossen werden/ oder sonst etwan frischen Succurs em- pfangen haͤtte/ muͤssen die ersten eingedrungene Trouppen gleich Anfangs eines gewissen Thores sich bemaͤchtigen/ solches eroͤffnen/ und dadurch auch Cavalerie einruͤcken lassen/ welche mit ihrem Geschwinden herum springeu auf den Gassen den Jnwohnern und der Garnison verwehren koͤn- nen/ sich zu recolligi ren/ und in Bataille zustellen. Wenn nun endlichen die Garnison entweder in ihren Waffen gantz erleget/ oder disarmi ret/ ge- fangen genommen/ und an einem gewissen Ort zusammen eingefchlossen worden/ auch man sich aller Thore/ Bruͤcken/ Corps de garde und Laͤr- men-Plaͤtze bemaͤchtiget und besetzet/ so koͤnnen die vornehmsten Haͤuser darinnen fuͤr die Gene- ralit aͤt assigni ret/ mit Wachten bestellet/ das Pluͤndern auf eine gewisse Zeit der Soldatesca zugelassen/ oder auch alle Beute zusammen ge- bracht werden/ damit ein ieder an der Victorie einen Theil haben moͤge. Nach diesem wird gleich ein neuer Commendant uͤber die eroberte Festung ernennet/ die Garnison darinnen formi - ret/ die Aprochen durch Land-Volck/ und Solda- ten wieder eingerissen/ das Feld ausgeebnet/ die Ataquen und Brechen, so viel moͤglichen/ in ge- schwinder Eil repari ret/ und die gantze Fortificati- on nebst andern guten Anordnungen der Defen - U u 5 sion Das XII. Cap. sion und anderer Nothwendigkeiten halber in kurtzer Zeit in solchen Stand gesetzet/ daß man sich vor nichts zu fuͤrchten Ursach habe: Wormit ich auch unter Goͤttlicher Dancksagung diesem letzten Theile und gantzen Buche mache sein ENDE. ERRATA. So sich uͤber verhoffen mit einge- schlichen/ und koͤnnen solche auff folgende Wei- se nebst den andern gemeinen Druckfeh- lern corrigi ret werden. Pag. 6. zuletzt muß in der mitten zwischen den zwey Virgul n und Zeichen das Wort bedeutet eingesetzet werden. pag. 9. lin. 15. longitudinibus latutidinibus leg. longitudinibus und latitutini- bus pag. 10. lin. 4. nach der lege nachdem. ead. pag. lin. ult. Ziffer/ leg. Ziffern. pag. 24. lin. auf- lege aus. pag. 25. lin 19. also/ leg. als. pag. 31. lin. ult. 342, lege 432. pag. 36. lin. 10. del. ein- mahl also. Ead. pag. lin- 14- pro wie leg. in. pag. 37. lin. 10. Trlplat, leg. Triplat. pag. 45. lin. 14. zuvertheileilen leg. zuvertheilen/ pag. 46. lin. 4. fundamenralis, leg. fundamentalis. pag. 47. lin 9. parellelis, leg. parallelis. ead. pag, lin. 14. fundamentblis, leg. fundamentalis. pag 48. lin. 13. falfcher/ leg. flacher. pag. 49. lin. ult. Ange- lus, lege Angulus. pag. 51. lin. 7. Außrechnun- ge/ leg. Ausrechnungen. pag. 52. lin 7. semidi- amcset, leg. semidiameter. lin. 14. brreits leg. bereits, pag. 53. lin 14. vermittelst/ leg. mit. pag, 55. lin. . in sich selbst als/ leg. an sich selbst nichts als/ ead. pag. lin. 9. gehaͤrig/ leg. gehoͤrig. ead. pag. lin. 15. Chorda, leg. Chordæ. pag. 57. lin. 11. Parobole. leg. Parabole. lin. 14. solche/ lege solcher. lin. 18. Triangelum, lege Triangulum. Pag. 62. lin. 8. Parrll, lege parallel. Pag. 68. lin. 11. perpendicular, lege perpendicular. pag. 69. lin. ERRATA. lin. 4. wolcher/ leg. welcher/ pag. 79. lin. 10. in so viel gleiche oder ungleiche/ dele oder ungleiche. pag. 82. lin. 4. proplematis, leg. problematis. pag. 90. lin. 8. gleichseitiges Quadrat in zwey gleiche Theile/ leg. gleichseitiges Quadrat zu- sammen/ theilet auch iede Linie in zwey gleiche Theile. pag. 92. lin. 1. seinen/ leg. einen. pag. 94. lin. 16. is/ leg. sey. pag. 97. lin. ult. einiger/ leg. ei- nigen. pag. 98. lin. antepen. abmes. ein/ leg. ab- messen. pag. 113. lin. 10. Wasser-Recht/ leg. Wa- ge-Recht. pag. 116. lin. 23. des Fluß/ leg. des Flus- ses. lin. seq. hingehen/ leg. hinsehen. pag. 122. lin. 13. verfaͤhre/ leg. verfaͤhret. pag. 125. lin. 6. Comi, leg. Coni. pag. 133. lin. 16. verstandten/ leg. ver- standten werden. pag. 141. lin. 12. denen/ leg. de- ren. pag. 257. lin. 4. Abgang/ leg. Abhang. pag. 263. lin. 11. beschlossen/ leg. beschossen. pag. 268. lin. 1. entschlagen/ leg. einschlagen. pag. 279. lin. 25. Wasser-Staͤbe oder mehr Reihen/ leg. Wasser- Stube doppelte und dreyfache oder mehr Reihen. pag. 284. lin. 20. Cavallieur, leg. Cavalier. pag. 286. lin. 1. nun/ leg. einen. pag. 287. lin. 16. dele, so viel moͤglichen. pag. 290. lin. 16. vielerley/ leg. viererley. pag. 295. lin. ult. uͤber dein/ leg. uͤber den. pag. 306. lin. 1. innerlichen ge- stampfften Erde/ leg. innerlichen und aͤusserli- chen Boͤschung/ welche muͤssen bey der nider ge- stampfften Erde. lin. 17. asen/ woder/ leg. Wa- sen/ oder. pag. 310. lin. 18. Rasen/ leg. Wasen. pag. 313. lin. 3. Verwahrung/ leg. Verwehrung. pag. ERRATA. pag. 316. lin. 10. del. die. pag. 318. lin. 15. del. man. pag. 319. lin. 2. behalten/ leg. behalte. pag. 321. lin. 24. der Soldaten/ so/ leg. der Soldaten und Stuͤcke/ so. pag. 332. lin. 1. dele. nicht. pag. 346. lin. 12. præcitant, leg. præcipitant. pag. 354. lin. 24. Wassers von/ leg. Wassers in die Quere von. pag. 356. lin. 3. dele massiven. pag. 374. lin. 4 dele oder Baum. pag. 375. lin. 3. Rad auff/ leg. Rad oder zwey Rollen oben auff. lin. 20. Armee leg. Arme. pag. 378. lin. 27. Feuer-Mauer/ leg. Feuer Meyer. pag. 382. lin. 18. Srebe/ leg. Strebe. p. 383. lin. 7. weil dergleichen/ leg. weil bey dergleichen. p. 386. lin. 5. dele Saulern. p. 418. lin. 4. verpich- teten/ leg. verpichten. p. 423. lin. 11. Lande Graͤntzen/ leg. Lande grentzen. p. 427. lin. 1. wie solche/ leg. weil solche. p. 428. lin. 10. Fe- stung/ leg Cidadell en an die Festungen. p. 436 lin. 2. Haupt-Linie 22. N. ingleichen auff eus- sersten/ leg. Haupt-Linie 22. N. ab/ ingleichen auf der eussersten. p. 442. lin 23. oder Mange- lung/ leg. oder in Mangelung. p. 443. lin. 13. nicht sonder mehr/ leg. nicht sonderlich mehr. p. 468. lin. 21. an Pallisaden/ leg. an die Pal- lisaden p. 480, lin. 6. Auswerck/ leg. Boll- werck. p. 483. lin. 1. Breite der Banck 1. leg. 3. it. Hoͤhe der Banck 3. ½ leg. 1. ½. p. 488. lin. 1. consulire, leg. consultire. p. 515. lin. 21. gros- sen/ leg. kleinen. it. lin. 22. kleinern/ leg grossen. p. 534. lin. ult. schafften/ leg. zuschaffen. p. 560 lin. ERRATA. lin. 3. die Schantzen seine/ leg. die Schantzen und seine. p. 561. lin. 19. Hinterfall/ leg. Hinter- halt. p. 593. lin. 4. Canonen, leg. Garnisonen. p. 545. lin. 9. Kaͤsten leg. Kessel p. 583. lin. 29. Sturm-Spitzen/ leg. Sturm-Spießen. p. 587. lin. 11. Schlangen/ leg. Schlagen. p. 589. lin. ult. Haupt- Breche fortsetzen/ leg. Haupt- Brech e ohne oder mit einer escalade fortsetzen p. 600. lin. 4. so die/ leg. so wird die. pag. 602. lin. 14. Canon en-Schiesen/ leg. Canon en-Schuͤssen. p. 605. lin. 10. Commende. leg. Commendant. p. 616. lin. 22. befinden/ leg. zubefinden/ p. 627. lin. 1. genwinen/ leg. gemeinen. p. 633. lin. 4. anzuͤndet. leg. gezuͤndet. p. 642. lin. 9. Ronde/ leg. Rondele. p. 643. lin. 2. angespritzten/ leg. angespreitzten. p. 646. lin. 11. verhindert/ leg. verhindern. p. 650. lin. 1. ehr/ leg. sehr. p. 652. lin. 11. taͤglich/ leg. zugleich. it. lin. 18. bedencken/ leg. bedecken. p. 655. lin. 8. welcher sich gedencket/ leg. welcher gedencket. ead. pag. lin. 10. wehren/ leg. zuwehren. p. 660. lin. 4. ataquien de/ leg. ataquir enden. 662. lin. 5. befreuen/ leg. befreyen kan. p. 666. lin. 27. durch einen Unter einen Unter- Officier. leg. durch einen Unter- Officier. p. 277. lin. 20. Kuͤnstchen/ leg. Kuͤnstlichen. p. 229. lin. 15. pecticir et/ leg. pecci - ret.