Das Dritte Buch vom wahren Christenthumb/ vom In- wendigen Menschen. W ie G Ott den hoͤchsten Schatz: sein Reich in des Menschen Hertz ge- leget hat/ als einen verborgenen Schatz im Acker: Als ein Goͤttliches Liecht der Seelen/ vnd wie dasselbe in vns zu erwecken vnd zu suchen. Durch Johannem Arndt/ Pfarꝛern der Kir- chen S. Andre æ zu Eißleben. Luc. 17. Sehet/ das Reich Gottes ist inwendig in euch. Matth. 7. Die Pforte ist eng der Weg ist schmal der zum Leben fuͤhret vnd wenig sind die jn finden. Bernhard. Christum sequendo citius appræhendes quam legendo. Mit Churf. Saͤchsischer Freyheit/ etc. Gedruckt zu Magdeburg / Durch Joachim Boel / Jn verlegung Johan Francken / Jm Jahr 1610 . Das Dritte Buch vom Wahren Christenthumb/ vom In- nern Menschen/ vnd von seinem in- wendigen Schatz. Vorrede. In das Dritte Buch vom Wahren Christenthumb. G Leich Wie vnser Verglei- chung deß Natuͤrli- chen vnd Geistlichẽ Lebens. Natuͤrliches Leben seine Gradus hat/ seine Kindheit Man- heit vnd Alter/ also ists auch ge- schaffen mit vnserm Geistlichen vnd Christlichen Leben. Denn dasselbe hat seinen anfang in der A ij Busse Vorrede. Busse/ dadurch der Mensch sich Taͤglich bessert/ darauff folget eine mehrere Erleuchtigung als das Mittel Alter/ durch Goͤtt- licher dinge betrachtung/ durchs Gebet/ durchs Creutz/ durch welches alles die Gaben GOt- tes vermehret werden/ Letzlich koͤmpt das vollkomne Alter/ so da stehet in der gentzlichen ver- einigung durch die Liebe wel- ches S. Paulus das vollkom- ne Alter Christi nennet/ vnd ein vollkomnen. Mann in Christo Ephes. 4. Solche ordnung hab ich in diesen Dreyen Buͤchern/ so viel sich leiden wollen in acht genommen/ vnd halte dafuͤr es sey das gantze Christenthumb (so das Bettbuͤchlein dazu kompt) Vorrede. kompt) hierin nach Notturfft Beschrieben/ obs gleich nicht al- les vollkommen/ oder also das nichts desiderirt werden koͤnne/ außgefuͤhret ist. Das Vierdte Buch aber hab ich dar umb hin- zu thun wollen/ das man sehe/ wie die Schrifft/ Christus/ Es muß alles zu dem eini- gen wie- der kom- men. Mensch/ vnd gantze Natur vber- ein stimme/ vnd wie alles in dem einigen/ Ewigen/ Lebendigen Vrsprung/ welcher GOtt selbst ist/ wieder einfliesse/ vnd zu dem- selben leite. Damit du mich aber in diesem Dritten Buch recht verstehest/ so wisse das es dahin gerichtet ist/ wie du das Reich GOttes in dir suchen Luc. 17. vnd finden muͤgest/ welches so es geschehen soll/ mustu GOtt A iij dein Vorrede. dein gantz Hertz vnnd Seele ge- Gott die gantze Seele zu- ergeben. ben/ nicht allein den Verstandt sondern auch den Willen/ vnnd Hertzliche Liebe/ Ihr viel meinen es sey gar gnug vnd vberfluͤssig zu jhrem Christenthumb/ wenn sie Christum ergreiffen mit jrem Verstandt durch Lesen vnd Di- sputieren/ welches jtzo das ge- meine Studium Theologicum ist/ vnd in blosser Theoria vnd wis- senschafft bestehet/ vnnd beden- cken nicht/ dz die ander vorneh- me Krafft der Seelen nemblich der wille vnnd Hertzliche Liebe auch dazu gehoͤre: Beydes mu- stu GOtt vnd Christo geben/ so hastu jhm deine gantze Seele ge- ben/ den es ist ein grosser vnter- scheid vnter dem Verstande/ da- mit Vorrede. mit man Christum erkennet vnd vnter dem willen da mit man jn Liebet. Denn wir erkennen Chri- stũ/ so viel wir koͤnnen/ wir Lie- ben jhn aber wie er ist: Christum durch blosse wissenschafft erken- nen vnnd nicht Lieb haben ist nichts nuͤtze: Ist demnach tau- Christum Lieb habẽ ist besser denn viel von Ihme koͤnnen reden. sentmahl besser Christum Lieb haben den viel von Ihm reden vnd Disputieren koͤnnen: Der- halben sollen wir Christum mit vnserm Verstande also suchen/ das wir Ihn auch mit Hertzli- chen willen vnnd Wolgefallen Lieben/ den auß dem wahren Er- kentniß Christi koͤmpt auch die Liebe Christi/ thun wir dz nicht/ so finden wir Ihn zwar/ aber mit vnserm grossen schaden/ A iiij denn Vorrede. denn diß ist eben das was der Matth. 7. HErr sagt: Es werden nicht al- le die zu mir sagen HErr HErr ins Himmelreich kommen. So Zweierley Weg zur Erkent- niß Got- tes. sind auch zweyerley wege Weiß- heit vnd Erkentniß zu erlangen/ der erste durch viel Lesen vnnd Disputiren/ die heisset man Do- ctos, der ander durchs Gebet vnd die Liebe/ vnnd die heisset man Sanctos, zwischen diesen ist ein grosser vnterscheidt/ Jene wo sie nur Gelehrte vnnd nicht Liebhaber sind stoltz vnd auffge- blasen/ diese Niedrig vnd Demuͤ- tig. Durch den ersten weg wirstu deinen jnwendigen Schatz nicht finden. Durch den andern Weg aber findestu denselben in dir/ darauff Vorrede. darauff gehet nu diß gantze drit- te Buch. Wie herrlich/ koͤstlich/ vnnd Das Reich Gottes ist in vns. Lieblich ists nu/ das vnser hoͤch- ster vnd bester Schatz das Reich Gottes/ nicht ein außwendi- ges/ sondern ein inwendiges Gut ist/ welches wir stets bey vns tragen/ verborgen fuͤr aller Welt/ vnd fuͤr dem Teuffel selbst/ welches vns auch weder Welt noch Teuffel nehmen kan/ dazu wir auch keiner grossen Kunst/ Sprachen/ oder vieler Buͤcher Ein gelas- sen GOtt ergeben Hertz ist der Weg zur kreff- tigen Er- kentniß GOttes. beduͤrffen/ sondern ein gelassen GOtt ergeben Hertz. Lasset vns demnach fleiß anwendẽ/ ein zu- kehren zu diesem vnserm inwen- digen verborgenen Himlischen vnd Ewigen Gut/ vnd Reich- A v thumb. Vorrede. thumb. Was suchen wir auß- wendig in der Welt/ dieweil wir inwendig in vns alles haben vñ das gantze Reich GOttes/ mit allen seinen Guͤtern? In vn- sern Hertzen vnnd Seele ist die rechte Schule des H. Geistes/ Joh. 4. die rechte Werckstadt der H. Dreyfaltigkeit/ der rechte Tem- pel Gottes/ das rechte Bett- Hauß im Geist vnd in der War- heit. Denn ob wol GOtt durch Gottes Wohnũg in einer erleuchte- ten Seelẽ. seine Allgemeine gegenwart/ in allen dingen ist/ nit eingeschlos- sẽ/ sondern vnbegre i fflicher wei- 1. Cor. 6. Esa. 66. se dadurch er Himmel vnd Erde erfuͤllet/ so ist er doch sonderlich vnd eigentlich in des Menschen erleuchte Seele/ darin er wohnet vnd seinen sitz hat/ als in seinem eignen Vorrede. eignen Bilde vnd Gleichheit da Wirckt er solche Wercke wie Er selbst ist/ da Antwortet Er im Hertzen allzeit auff vnser seuff- tzẽ. Denn wie ists muͤglich dz Er sich dem Jenigen versagen kan/ bey dem Er seine Wohnung hat/ ja welchen Er selbst beweget vnd treget/ denn jhm nichts liebers vñ angenemers ist den dz Er sich allen mittheile die jn suchen. Da gehoͤret nu eine feine stille vñ ru- Ruhe der Seelen in abwen- dung von der Welt. hige Seele zu. Deñ wird aber die Seele ruhig vñ stille/ weñ sie sich von der Welt abwendet. Daher auch die Heyden gesagt haben: Animã nostrã tùm demùm fieri sa- pientẽ, cùm quieta \& tranquilla sit. Deñ werde vnser Seele weise vñ klug/ wen sie ruhig vñ stille wird Davon Vorrede. Davon der H. Cyprianus herr- Cypriani Spruch von der Seelen ruhe. lich redet: Das ist/ spricht er/ die bestendige ruhe vnd sicher- heit/ wenn man von den vnge- stuͤmmen Sturmwinden dieser Welt erloͤset wird/ vnd seine Au- gen vnd Hertz zu GOtt erhebt von der Erden/ vnd sich mit dem Gemuͤte zu Gott nahet/ ( mente DEO fit proximus ) verstehet auch das alles was vnter Menschlichen dingen fuͤr hoch vnnd koͤstlich gehalten wird/ in seinem Hertzen vnd Gemuͤt ver- borgen liegt/ also dz man nichts von der Welt wuͤnschet vnd be- gert/ weil ein solch Gemuͤte vber die Welt ist/ vnd mehr ist als die Welt. O welch ein Himlischer Schatz ist dz/ von den Banden vnd Vorrede. vnd Stricken dieser Welt erloͤ- set sein/ welch ein hohes vnnd grosses Gut/ dazu man nicht grosse Arbeit/ vorbitte an hohe Leute/ oder viel vmblauffens von noͤten hat/ sondern es ist ein Gnadengeschenck Gottes/ den gleich wie die Sonne von Ihr selbst scheinet/ der Tag von jhm selbst leuchtet/ der Brunnen von jhm selbst quillet/ der Regen von jhm selbst fleust vnd feuchtet/ al- so geusset sich der H. Geist in eine solche Seele/ die sich von der Welt zu Gott erhebt: In diesen Worten ist grosse Weiß- heit/ vnd hierin stehet die Sum- ma dieses dritten Buchs. Als den ereuget sich offt/ wiewol in einem Augenblick/ der verbor- gene Vorrede. gene Schatz in vnser Seelen/ vñ Anblick Gottes besser den aller Cre- aturen Lieblig- keit. dieser Anblick ist besser den Him- mel vnd Erden vnd aller Crea- turen liebligkeit/ wie S. Bern- hardus sagt: Welche Seele ein- mahl recht gelernet hat in sich selbst ein zukehren/ vnd Gottes Angesicht zu suchen/ vnd die ge- genwart Gottes in jrem inwen- digen zuschmeckẽ/ so weiß ich nit ob dieselbe Seele/ Peinlicher vnd schmertzhaffter achte/ eine zeit- l an g die Helle zu leiden/ oder dz sie nach erkanter vnd empfunde- ner Suͤssigkeit/ dieser Heiligen vbung/ wiederumb außgehen wolle zur wollust oder vielmehr zur vnlust vnd beschwerung der Welt vnd des Fleisches/ vnd zu der vnersaͤtlichen begierligkeit/ vnd Vorrede. vnd vnruhe der Sinnen. Hacte- nus Bernbardus. Denn eine sol- che Seele findet nicht allein das hoͤchste Gut in jr selbst/ wenn sie zu Gott einkehret/ sondern auch das hoͤchste Elend in jhr selbst/ wenn sie GOtt verleurt. Sie mercket wol das sie in GOtt Le- Wer der Welt ab- stirbt/ Lebt GOtt. bet als in dem Vrsprung des Le- bens/ weñ sie der Welt abstirbet/ vnnd hinwieder je mehr sie der Welt Lebet/ je mehr sie GOtt abstirbet. Eine solche Seele die der Welt abgestorben ist/ Lebet recht in GOtt/ vnnd ist Got- tes lust vnnd frewde/ eine suͤsse vnnd reiffe Wein Trauben/ im Weingarten Christi wie das hohe Lied Salomonis sin- Cant. 6. get/ die andern Weltsuͤchtige Hertzen/ Vorrede. Hertzen/ sind bitter vnreiffe Zeichen ei- ner Seelen die der Welt ab- gestorben Trauben. Die zeichen aber ei- ner solchen Seelen/ die der Welt Abgestorben ist/ sind diese: Weñ ein Mensch/ in allen dingen/ „Gottes willen seinẽ willen vor- „zeucht: Die eigne Liebe dempf- „fet/ des Fleisches begierde toͤd- „tet/ die Wollust der Welt fleugt/ sich fuͤr den geringsten Menschẽ achtet/ seinen Nechsten nicht leicht richtet vñ vrtheilet/ Gott das Vrtheil vnd Gericht befih- let/ sich nicht erhebt/ wenn er ge- lobet wird/ sich auch nicht betruͤ- bet wenn er gescholten wird/ al- les geduͤldig leidet vnd vber Nie- mandt klaget/ ein Exempel sol- ches Auffgeopfferten willens haben wir am Koͤnig David 2. Reg 18. Vorrede. 2. Reg 18. Als er so hefftig be- gerte deß Wassers zu Trincken aus dem Brunnen zu Bethle- hem/ vnd die drey Helden durch die Feinde hindurch rissen/ vnd dem Koͤnige desselben Wassers holeten/ gosse ers aus fuͤr dem Herrn: Das ist/ Er verziehe sich seines eignen willens/ weil die drey Helden jhr Leben durch seinen willen gewagt hatten. Siehe hierin stehet die rechte Worin die voll- kommen- heit stehe. vollkommenheit eines Christli- chen Lebens. Denn die vollkom- menheit ist nicht wie etliche mei- nen/ eine hohe grosse Geistliche Himlische frewde vnd andacht: Sondern sie ist die verleugnung deines eignẽ willens/ Liebe/ Eh- re/ vnd erkentniß deiner eignen B Nichtig- Vorrede. Nichtigkeit/ ein stete volbringũg des willens Gottes/ in bruͤnfti- ger Liebe des Nechstẽ/ ein hertzli- ches Mitleiden/ vñ in Summa eine solche Lieb die nichts begert/ gedencket/ suchet/ den Gott allein so vil in der schwacheit dieses Le- bens muͤglich ist. darin sieht auch die rechte Christliche Tugend/ die wahre freyheit vnd friede/ in Victoria carnis \& affectuum, in vberwindung des Fleisches vnd Fleischlichẽ affectẽ. solchs wirstu in diesen 3. Buch weiter lesen/ vñ in der vbũg befinden/ dazu ich dir vñ mir die gnade des H. Gei- stes wuͤnsche/ die alles in vns an- fahen mitteln vñ vollenden muß zu Gottes Ehre/ Lob vnnd Preiß/ Amen. Register Register der Capittel dieses dritten Buchs. 1. V On dem grossen inwendigen Schatz eines erleuchten Menschen. 2. Durch was Mittel ein Mensch zu seinem inwendigen Schatz kommen sol/ nemlich durch den waren lebendigen Glau- ben/ vnd durch einkehren in sich selbst. 3. Im Glauben ist der gantze Schatz des inwendigen Menschen/ nemlich/ GOtt/ Christus/ heiliger Geist/ vnnd das Reich Gottes. 4. Wie eine glenbige Seele/ Gott inwendig in jhr selbst suchen soll/ vnd von der schoͤn- heit vnd Seligkeit der Seelen/ so mit Gott vereiniget. 5. Wie ein Mensch in GOtt kan gezogen werden/ Item was Geistliche Armut sey/ vnd von den graden der Demut. 6. Wie sich das hoͤchste ewige Gut offt in B ij vnser Register. vnser Seelen ereuget in einem Augenblick/ vnd wo die Stadt Gottes sey in der Seele. 7. Von der Seelen wirdigkeit/ von wahrer Rewe/ vom gnedigen willen vñ erbarmung GOttes. 8. Gottes Beruff ist hertzlich vnd gruͤnd- lich/ vnd leitet vns zu jhm selbst. 9. Wie der wahre Glaube das Hertz reini- ge/ von den Creaturen/ von boͤsen zunei- gungen vnd von vngedult/ dagegen aber gedult pflantzet im Creutz. 10. Wie das natuͤrliche Liecht in vns muͤsse vnter gehen/ vnd das GnadenLiecht muͤsse auffgehen. 11. Gott ist allein der Seelen Liecht: vnnd leuchtet von innen heraus/ durch Christli- che Tugende/ gegen den Nehesten/ sonder- lich in Richten vnd Vrtheilen. 12. Ein Christ sol zum wenigsten des Tages ein mal/ von allen eusserlichen dingen sich abwenden/ vnd in den grund seines Hertzens einkehren/ vnd was er dauon fuͤr nutz hat. 13. Wenn die Liebe der Creaturen außgehet so gehet GOttes Liebe ein/ vnd von den herrlichen wirckungen vnnd effecten / der Goͤttlichen Liebe in vns. Eine Register. 14. Eine Christliche Seele die eine wohnung Gottes sein sol/ muß mit grosser gedult be- reitet werden/ vnd die liebe Gottes behal- ten/ vnd was die Liebe sey vnd wircke. 15. Das Jesus Christus das ewige Wort des Vaters in den Gleubigen Hertzen sein werck verrichte/ durch inwendiges emsprechen vnd reden/ vnd wie solches durch Mittel der Liebe geschehe/ auch wie er sich in der Demut offenbaret vnd zu erkennen gibt. 16. Wie der H. Geist empfangen werde/ vnnd wie er vnuerhindert in vnser Seelen wircke. 17. Wobey man mercken kan/ daß der heilige Geist in vnser Seelen sey. 18. Die Welt mit jhrer kurtzweile treibet aus den H. Geist/ vnd fuͤhret ein den Weltgeist/ welcher die Seele jhrer hoͤchsten vnd edelen Ruhe beraubet. 19. Von dem inwendigen Gebet des Hertzens/ vnd vom rechtem verstand des Vater vn- sers. 20. Die Demut muß in dem grund des Her- tzens gelegt werden/ darauff alle werck des Menschen muͤssen erbawet werden/ oder es fellet alles zu grund was der Mensch in sei- nem gantzen Leben erbawet hat/ vnnd wie B iij durch Register. durch Demut der Sathan vberwunden wer- de/ wie in der Demut wahre Busse sey/ wie Demut das Creutz williglich trage vnnd in Ruhe erhalte. 21. Ein Mensch sol seine lust vnd freude nicht haben an den Gaben/ sondern an GOtt selbst/ vnd von verleugnung sein selbst. 22. Wie vnsere Wercke Gott wolgefallen/ wie wir bey Gott gnade erlangen muͤgen vñ gerecht werden/ auch wie ein Mensch seiner Gaben so er von Gott empfangen/ leichtlich mißbrauchen/ vnd die Seele schendlich befle- cken kan/ vnd wie er seiner Gaben recht ge- brauchen sol. 23. Von dem Geheimnis des Creutzes/ wie wir dardurch zu Gott gezogen werden. Das Das I. Capittel. Von dem grossen inwendigen Schatz eines erleuchten Menschen. 1. Cor. 6. Wisset Ihr nicht das ewer Leib ein Tempel ist des H. Geistes der in euch ist/ welchen Ihr habt von Gott. D As die Gleubigen Hertzen Wohnung sind der H. Drey- faltigkeit/ bezeuget die Heilige Schrifft an vielen orten als Leuitici 26. Es. 44. Joel. 2. Joh. 14. am 17 Rom. 15. 1. Cor. 2. am 3. am 13. 2. Cor. 6. Gal. 2. Ephes. 3. am 4. Col. 3 1. Joh. 4. Wer ist aber vnter den Christen der diesen Schatz in jhm er- kennet/ groß achtet/ vnd suchet? Auff das nun ein wahrer Christ/ seine eigne Himlische vnd Geistliche Dignitet vñ B iiij Wir- Von dem grossen inwendigen Schatz Wenig er- kennen jh- ren in- wendigen Schatz. Wirdigkeit erkennen lerne/ vnnd sei- nen hoͤchsten Schatz in jhm selbst su- che vnd finde/ wird in diesem Dritten Buch genugsame anleitung geben. Darzu ist auch zuuor im Ersten Buch im 5. Capittel das Fundament gele- get/ Nemblich wie Gottes Wort muͤs- se im Menschen/ durch den Glauben Lebendig werden. Im andern Buch aber von 27. Biß auffs 34. Capittel/ wie sich GOtt/ der Liebhabenden Seelen zuerkennen gebe/ als die hoͤch- ste Liebe/ Guͤtigkeit/ Schoͤnheit/ Hei- ligkeit vnd Weißheit/ etc. Zu erkent- niß des innerlichẽ Schatzs gehoͤret ruhe der Seelen. Weil aber solcher grosser Schatz im Hertzen nicht kan erkandt vnd ge- sucht werden/ ohne einen stillen vnd innerlichen Sabbath des Hertzens/ da der H. Geist inwendig Lehret/ durch betrachtung des Worts/ da Er erleuchtet/ Lebendig machet/ da der 1. Cor. 2. Geist alles erforschet auch die Tieffe der Gottheit/ so ist von noͤten zu wis- sen/ wie das Hertz in einen solchen stil- len eines erlenchten Menschen. len Sabbath zu bringen/ darzu im an- dern Buch in dem Tractetlein vom Gebet abermahl der grundt gelegt ist: Hie aber in diesem dritten Buch wirds weiter außgefuͤhret nemlich/ wie der verborgene Schatz vnnd Perle im Matth. 13. Acker des Hertzens zu suchen/ durch einkehren in sich selbst/ ja in GOtt/ denn das ist der innerliche Hertzen Act. 15. Sabbath/ eines solchen Hertzen/ so durch den Glauben gereiniget/ vnnd durch den Heiligen Geist erleuchtet ist. Aus diesem Schatz des Geistes/ Woher die wahre Goͤttliche Weißheit. vnd des Reiches Gottes/ so im Gleu- bigen Hertzen verborgen ligt/ ist alle Weißheit entsprungen/ der hocher- lenchten Maͤnner Gottes so je gelebet haben/ auch der H. Propheten vnnd Aposteln. Diese Perle ist zu suchen/ dieser Acker ist zu Bawen/ diese Gabe des Geistes vnd gnade Gottes ist zu- erwecken als ein Fuͤncklein Fewr so man auffbleset wie S. Paulus sagt. 2. Tim. 1. Damit du aber im eingang dieses B v Buchs/ Von dem grossen inwendigen Schatz Buchs/ welches gar auff den In- nern Menschen gerichtet ist/ einen einfeltigen/ doch Gruͤndtlichen Be- richt haben muͤgest/ wie die Kinder GOttes vom eussern Menschen ab- zufuͤhren/ zu dem Innern/ das ist/ in den grund des Hertzens/ densel- Wie man zum grũd des Her- tzens ge- fuͤhrt wer- de. ben zuerforschen/ zu erkennen/ zu reinigen/ zu endern/ vnnd in dem- selben jhrem Hertzen grunde/ Got- tes vnnd des Himmelreichs wahr zunehmen/ wil ich davon in diesem ersten Capittel einen einfeltigen Be- richt in genere vnnd specie thun/ vnnd dann in folgenden des Geist- reichen Mannes Johannis Tau- leri Theologiam einfuͤhren/ des- sen Wort ich auch in diesem Buch/ so viel immer muͤglich/ vnnd vn- ser itzige zierliche Deutsche sprach erleiden will behalten hab. Da- von mercket nuhn folgenden Be- richt: Weil die gantze Heilige Schrifft eines erleuchten Menschen. Schrifft auff das Hertz des Men- schen siehet vnnd dringet so ist die Tauleri Theolo- gia gerich- tet auff dẽ inwendi- gen Men- schen. gantze Theologia des Tauleri, auff den inwendigen Menschen gerich- tet/ vnnd auff den innern grund des Hertzens oder der Seele. Daher sagt er so offt von innern grunde/ das man GOTT vnnd das Reich Gottes in demselben lauter haben/ suchen vnnd finden muͤsse. Das ist: Was die Heilige Schrifft vnd recht- messige erklaͤrung der Schrifft auß- wendig handelt/ das soll im Hertzen grunde/ in That vnd Warheit also be- funden werden. Darzu ist von noͤten das einkeren zu seinem eignen grunde. Vnnd je mehr man nun von der Je weiter von der Welt/ je neher zu GOtt. Welt außgehet in sich selbst/ je mehr gehet man zu GOTT ein in seinen ewigen Vrsprung. Vnnd je mehr dasselb ein Wahrer Christ thut/ je mehr sich das Reich GOttes vnnd verborgene Schatz in jhm ereuget. Wer Von dem grossen inwendigen Schatz/ Wer nun diese inwendige Frucht des Hohe Ga- ben gelten nichts oh- ne die in- wendige frucht des Geistes. Geistes/ oder des Newen Menschen nicht davon bringet/ der wird fuͤr GOtt wenig gelten mit seiner hohen Profession/ sondern ist vnter dem Vr- theil des He rren begriffen/ Matth. 7. Herr haben wir nicht in deinem Nahmen Geweissaget. Denn fuͤr GOtt gilt nichts eusserliches/ sondern das innerliche/ nicht was in Buchsta- Notitia li- teræ \& Spiritus ben bestehet/ sondern was aus dem Geist gehet vnnd im Geist bestehet. Darumb ist (wie auch in der Vorre- de vermeldet) ein grosser vnterscheidt/ vnter einem Weltgelerten vnd Got- tesgelerten/ oder vnter einem Gelehr- ten vnnd Heiligen/ der Gelerte lernet Vnter- scheid ei- nes Geler- ten vnd Heiligen. von aussen auß dem Buchstaben/ der Heilige lernet auß GOtt: Inwen- dig/ aus dem H. Geist/ aus der Sal- bung die vns alles lehret/ der Gelehr- 1. Joh. 2. te hat seine Kunst in Worten/ der Hei- 1. Cor. 4. lige in der Krafft. Denn das Reich Gottes stehet nicht in Worten son- dern eines erleuchten Menschen. dern in der Krafft. Damit wir aber nicht in genere bleiben/ sondern in specie den einfeltigen zu jhrem grund helffen/ biß sie es besser begreiffen koͤn- nen/ so sollen sie acht haben auff die fuͤnff Hauptstuͤck jhres Catechismi/ wie dieselbe nicht ausser jhnen sondern in jhnen sein muͤssen. Vnd erstlich: Das eus- serliche vñ inner- liche muß vberem- kommen. Du gleubest/ GOtt habe sein Gesetz geben auff dem Berge Sina/ in zwo Steinern Taffeln geschrieben/ vnnd das Gesetz sey der H. Wille Gottes nach dem du Leben solt/ Du gleubest recht. Es ist dir aber nicht nuͤtze/ wenn Jerem. 31. GOtt mit dem Finger seines Geistes das Gesetz nicht in dein Hertz schrei- bet/ vnd seinen Goͤttlichen Willen in dir selbst vollbringet. Soll aber GOtt solches thun vnnd zu diesem seinem Edelen Werck in dir gelangen so mu- stu Ihm/ weil du nun ein Christ worden bist/ dein gantz Hertz geben/ vnd Ihm deinen willen Auffopffern/ jtzo geschicht sein wille in dir. Vnnd weil Von dem grossen inwendigen Schatz Gott das gantze Hertz zu- geben. weil diß ein hohes vnnd edeles Werck Gottes in vns ist/ so bittet der Koͤnig- liche Prophet David so embsig dar- umb/ sonderlich im 119. Psalm/ (denn dahin gehet dieser gantze lange Psalm) daß jhn Gott nach seinem Gesetz vnd Zeugnis/ leiten/ fuͤhren/ lehren wolte/ damit diß hohe heilige Werck Gottes in jhm nicht moͤge verhindert werden. 1. Cor. 3. Ferner/ du gleubest Christus sey deine Gerechtigkeit/ Leben vnnd Seligkeit/ du gleubest recht/ deñ es kan kein ander grund gelegt werdẽ/ deñ welcher gelegt Act. 14. ist Jesus Christus: Vnd ist in keinẽ an- dern Heil/ ist auch kein ander Name dẽ Menschẽ gegeben/ darin sie sollen selig werden: Aber du must Christum in dir haben/ dz ist inwendig mit dem Glan- ben fassen/ daß er dein eigen werde/ mit seiner Person vnd mit seinem Ampt. Siehe weñ nun Christus dein ist/ so ist Christus wird vn- ser durch den Glau- ben. alles dein wz Gottes ist/ vñ wen er tau- sent Him̃elreich hette/ vnd aber tausent Him̃el voll Gerechtigkeit vñ Seligkeit/ so ists alles dein. Deñ Christus mit sei- ner eines erleuchten Menschen. ner Gerechtigkeit ist mehr vnd groͤsser/ denn tauseut Himmel voll Gerechtig- keit vnd Seligkeit. Vnd so schadet dir auch deine Suͤnde nit/ vnd wenn tau- sent Welt voller Suͤnde auff deinem Halse lege/ also mustu den Schatz in dir haben/ nit ausser dir: Sehet das Reich Gottes ist inwendig in euch: Das ist Luc. 17. Gerechtigkeit/ Friede vñ Freude im H. Rom. 14. Geist. Du gleubest das Christus das ewige Wort des Vaters ist/ das wahre Joh. 1. Liecht vnnd Leben der Menschen/ Du Christus muß in vns reden leuchten vnd Lebẽ. gleube s t recht/ Siehe aber zu/ daß diß Wort in dir rede/ daß diß Liecht in dir leuchte/ daß diß Leben in dir lebe: oder es ist dir nichts nuͤtze/ du must diesen Schatz in dir habẽ: Du must mit Chri- sto durch den Glauben vereiniget sein. Du gleubest vnd weissest/ das ein koͤst- Psal. 92. lich ding sey beten/ dem He rrn dan- Der Hei- lige Gerst muß in vns seuff- tzen. Rom. 8. Zach. 12. eken/ vnd deinen Namen loben du aller- hoͤhester/ du gleubest recht: Wenn aber Christuͤs nit in dir betet/ vñ der heilige Geist in dir seufftzet/ welcher ist ein Geist der Gnaden vnnd Gebetes/ vnd Von dem grossen inwendigen Schatz/ vnd du im rechten Tempel des Gei- Joh. 4. stes vnd Warheit in grund deines Her- tzens nicht Betest/ wird dirs nicht viel nuͤtzen. Du gleubest das dir in der Tauffe vergebung der Suͤndẽ gegeben werde/ die Newe Geburth/ die Kindt- schafft Gottes: Du gleubest recht aber wenn du die Frucht der Tauffe die Die wah- re Busse. Newe Geburt/ die Salbung des Gei- stes/ die wahre erleuchtigung/ nichtin dir hast/ was wird dirs helffen? Du gleubest dz du im eusserlichen Sacra- ment des Abendmals/ den wahren we- Matt. 26. sentlichen Leib vnd Blut Christi em- pfehest: Du gleubest recht/ Lautes der Geistliche niessung Christi muß beim H. Abend- mal sem. Wort des He rren: Aber ist die inner- liche Geistliche niessung nicht dabey/ so wirstu nicht allein keinen nutz vnnd frucht davon bringen/ sondern vber das noch dz Gericht Essen vnd Trin- cken. Du gleubest Christus sey das 1. Cor. 11. Geschlachte vñ Auffgeopfferte Lemb- lein Gottes am Creutz/ Du gleubest recht: Ist Er aber nicht deine Taͤg- liche eines erleuchten Menschen. liche innerliche Speise/ was wird er dir Nuͤtzen. Also siehestu/ wie dein Schatz in dir zu suchen/ in dir sein mus/ nicht ausser dir. Das II. Capittel. Durch was Mittel ein Mensch zu sei- nem inwendigen Schatz kommen soll/ nem- lich durch den wahren Lebendigen Glau- ben/ vnnd durch einkehren in sich selbst. Esa. 46. Ihr vbertreter gehet in Ewer Hertz. D Er Warhafftige Weg ein- zukehren zu seinem inwendi- Weg ein- zukeren zum in- wendigen Schatz ist der Glau- be. gen Schatz vnnd hoͤchstem Gut/ ist der wahre Lebendige Glaube. Wiewol nun derselbe im ersten vnd andern Buch gnugsam mit seiner Krafft vnd eigenschafft/ wie er allein Christo anhanget/ vnd sich al- lein auff denselben gruͤndet erklaͤret ist/ so ist doch von demselben noch eines C hoch Durch was Mittel ein Mensch hoch in acht zunehmen/ Nemlich das jenige was vns jtzo zu vnserm vorneh- men dienet. Ist demnach des wah- ren Lebendigẽ Glaubens eigenschafft/ Gott von gantzem Hertzen getrewlich anhangen/ seine gantze zuuersicht auff Gott setzen/ jme von Hertzen vertraw- en/ sich jhm gantz ergeben/ seiner Barmhertzigkeit sich lassen mit GOtt sich vereinigen/ Eines mit GOtt sein vnd bleiben/ allein in Gott ruhen vnd seinen innerlichen Sabbath halten/ Gott allein lassen sein hoͤchste Begiet- de/ wunsch vnd verlangen/ lust vnnd frewde sein/ alle Creaturen außge- schlossen/ nichts wuͤnschen/ nichts be- geren denn Gott allein als das hoͤchste ewige/ vnendliche vollkommene Gut/ dz alles Gut ist/ ohne welches kein wa- res Gut sein kan im Him̃el vnd Erden in zeit vnd Ewigkeit/ vnd das alles in Glaubens eygen- schafft. Heb. 12. vnd durch Christum JEsum vnsern He rrn: Welcher ist der anfenger vnd vollender des Glaubens. Dieser Glau- be ists der vns zu vnserm inwendigen Schatz zu seinem inwendigen Schatz kom̃en sol/ Schatz vnd hoͤchsten Gut fuͤhret. Des nemet ein Exempel an David: Derselb hatte eben einen solchen Glauben/ als er sprach: He rr weñ ich nur dich ha- Psal. 73. be/ so frage ich nichts nach Him̃el vnd Erden: Einen solchẽ Glauben bewiese Maria Lazari Schwester/ da sie sich Luc. 10. setzte zu den Fuͤssen des He rren vnd sein Wort hoͤrete: Deñ dieser Glaube macht vñ Wircket den rechten Hertzen Sabbath/ in Gott zu ruhen/ in welchẽ Glaube machet dẽ Hertzen Sabbath. inwendigen Sabbath sich Gott offen- bahret. Darumb sprach der He rr zu Martha: Martha Martha/ du hast vil zuschaffen/ Eins ist noth: Marta hat dz beste theil erwehlet/ dz wird nit von jhr Luc. 10. genommen werden/ welches ist aber dz beste theil? Ohn zweiffel Gott allein in Christo JEsu: Denn durch diesen Der beste S ch hatz GOtt in Christo. Glauben welcher Gott allein im Her- tzẽ statt vñ raum gibt/ erwehlet man dz beste theil/ durch diesen Glauben besitzt GOtt des Menschen Hertz/ vnnd Eph e s 3. wohnet Christus in vns/ sampt dem Joh. 14. C ij H. Geist/ Durch was Mittel ein Mensch H. Geist/ vnd die Heilige Dreyfal- tigkeit/ das ist das beste Theil so ein Auß dem wahren Glauben fleust alle Tugend. Mensch erwehlen kan/ das ist die See- ligkeit vnd ewige Leben. In diesem ei- nigen ist alles begriffen was zum wah- ren Christenthumb gehoͤret/ daraus „ fleusset die Liebe vnnd alle Tugendt. „ Denn wer Gleubet der Liebet/ wer „ Liebet der Hoffet/ wer Hoffet der ist „ Geduͤldig/ wer geduͤldig ist/ ist Sanfft- muͤtig/ wer Sanfftmuͤtig ist/ ist De- muͤtig/ wer Demuͤtig ist der fuͤrchtet GOtt/ wer GOtt fuͤrchtet der Be- tet/ der Creutziget sein Fleisch verleug- net sich selbst/ hasset sein eigen Leben/ verschmehet die Welt. Derentwegen Glaub ist der Sieg vber die Welt. S. Johannes 1. am 5. Den Glau- ben nennet den Sieg vber die Welt. Auff diß einige Ein/ wiese der He rr den Reichen Juͤngling/ Luce 18. wel- cher jhn fraget: Guter Meister was muß ich thun das ich das Ewige Leben Erbe/ vnd da jhn der He rr auffs Ge- setz wiese/ sprach er/ das hab ich alles gehal- zu seinem inwendigen Schatz kom̃en soll/ gehalten von Jugend auff/ der He rr Antwortet es feilet dir noch eins. Ver- vnum est necessa- rium. kauffe alles was du hast vnd folge mir so wirstu einen Schatz im Himmel ha- ben. Da Lehret jhn der He rr das ei- nige/ Nemlich das beste Theil erweh- len durch den Glauben/ vnd in seinen Vrsprung einkehren in GOtt durch den innerlichen Sabbath des Her- tzens. Auß diesem einigen Quillet her- aus das gantze Christliche Leben/ vnd Wahre Tugendt muß auß Liebe vnd freyheit des Gei- stes ge- schehen. alle Gebot so man erdencken kan von jhm selbst als Wasser auß einem Brũ- nen/ nicht aus Noth oder Gesetz/ son- dern auß Liebe vnd Freyheit des Gei- stes. Denn GOtt Wircket solches alles selbst in vns/ nach seinem Wol- gefallen/ vnd was er selbst in vns nicht Wircket/ das erkennet er nicht fuͤr das seine. Darumb bedarff man hie kei- nes drang Gesetzes Gebots oder Ver- bots/ denn der Glaube thut alles was zu thun ist auß freyem Geist: Das ist: Er lesset sich GOtt/ der alles auß C iij gnaden Durch was Mittel ein Mensch Esa. 55. Gnaden in vns Wirckt/ vnd das ists auch dauon Esaias Predigt/ das wir zum He rrn kommen sollen/ jme zuhoͤ- ren/ vnd vmbsonst keuffen/ beyde Wein vnd Milch. So ist nun daß das Mit- tel zu vnserm inwendigen Schatz zu kommen/ nemlich der Glaube/ der GOtt einen stillen Sabbath helt/ vnd den Menschen machet einkehren in sich selbst. Denn gleich wie des Him- mels Lauff darumb der aller Edelste vnnd vollkomneste ist/ daß er stets in sich selbst wiederkehret/ in seinen Vr- Redeun- dum ad principi- um. sprung aus welchem sein lauff seinen anfang genommen hat: Also ist des Menschen lauff der aller Edelste vnd vollkomneste/ wenn er wiederkehret in seinen Vrsprung welcher ist GOtt. Das kan aber nicht geschehen denn wenn ein Mensch in sich selbst gehet mit allen seinen Kraͤfften/ vnd seinem Verstand/ Willen vnnd Gedechtnis erlediget von der Welt/ vnnd von allen Fleischlichen dingen/ vnnd seine Seele zu seinem inwendigen Schatz kom̃en sol/ Seele mit allen jhren Begierden zu GOtt wendet durch den H. Geist/ Von der Welt zu ruhen/ soll Gott in vns Wir- cken. ruhet vnnd feyret von der Welt durch einen stillen Sabbath: Als denn fehet GOtt an in jhm zu Wircken/ denn auff diesen Hertzen Sabbath wartet GOtt vnd ist sein hoͤchste frewde/ daß er sein Werck in vns Wircken muͤge. Denn GOtt ist so Jach nach vns Gott ist Begierig vnsers Heils. vnnd eilet so sehr/ vnnd thut nicht an- ders als ob Ihm sein Goͤttlich wesen wolte zubrechen vnnd zu nichte wer- den an jhm selbst/ daß Er vns offen- bare/ allen Abgrund seiner Gott- heit/ vnnd die fuͤlle seines wesens vnd seiner Natur. Da eilet GOtt zu das er vnser eigen sey/ gleich wie er sein ei- gen ist/ nicht mag der Mensch GOtt Liebers thun den ruhig sein vnd diesen Im demuͤ - tigen vnd ruhigem Hertzen Wircket GOtt. Sabbath halten. GOtt bedarff nicht mehr zu seinem Werck/ denn das man jm ein demuͤtig vnd ruhig Hertze gebe/ so wircket er solche Werck in der Seele C iiij dazu Durch was Mittel ein Mensch dazu kein Mensch kommen kan/ die ewige Weißheit Gottes ist so zart in jhrem Werck/ dz sie nicht leiden mag/ das da eine Creatur zusehe. So viel nun die Seele ruhet in GOtt/ so viel ruhet GOtt in jhr: Ruhet sie gantz in GOtt so ruhet auch GOtt gantz in jr. Brauchstu aber deinen eignen willen deinen Verstand/ Gedechtnis vnnd Begierde/ nach deinem gefallen/ so kã sie GOtt nicht brauchen noch sein Werck in jhr haben/ Denn wenn zwey Soll Gott in vns Wircken muͤssẽ wir ruhen. eins sollen werden/ so muß das eine ru- hen vnnd leiden/ das ander muß Wir- cken/ Nun ist aber GOtt eine vnend- liche stetigwirckende Krafft/ vnnd merus actus, vñ ruhet nicht/ sondern Wircket in dir wo fern er zu seinem Wercke kommen kan/ vnd du jhn nicht hinderst/ welches durch dis Gleichniß besser kan verstanden werden: Wenn dein Auge sehen sol/ vnd ein Bilde em- pfahen so muß es bloß vnnd ledig sein aller Bilde vnd Formen/ denn so es ein Bilde zu seinem inwendegen Schatz kom̃en sol. Bilde vnnd Formen in jhm hette/ so koͤnte es nicht sehen/ oder ein Bilde fassen/ also auch die Seele mit jhren Kraͤfften/ Verstandt/ Willen/ Ge- dechtnis/ Begierde/ koͤnnen GOtt nit fassen/ wenn sie voll sein der Welt vnd der Irrdischen dinge. Gleich wie das Ohr leer sein muß von allem Getoͤhn/ wenn es sol ein gut Seytenspiel hoͤren/ also auch deine Seele muß leer sein von der Welt/ soll sie Gottes Liebligkeit hoͤren. Je mehr sich nun die Seele abzeuget von Irrdischen dingen/ je Himlischer sie wird/ je mehr sie sich ď Fleischlichen luͤste entschlegt/ je mehr sie theilhafftig wird Goͤttlicher Na- tur. Die Natur leidet keine leere statt/ sie erfuͤllet alle ding mit jhr selbst/ es Die Seele so leer ist von der Welt Lie- be ist Got- tes Werck- statt. muͤste ehe die Natur brechen/ ehe etwas leeres in jhr sein vnd bleiben solte/ vnd durch diß Principium vnnd Mittel seind grosse Kuͤnste erfunden worden: Also wenn der Mensch sein Hertz gar C v auß- Durch was Mittel ein Mensch außleeret von der Welt Liebe/ eignen willen/ Luͤsten vnd Begierden/ vnd ste- het dieses alles ledig/ so kans Gott nit lassen/ Er muß die leere statt mit seiner Goͤttlichen Gnade/ Liebe Weißheit vnd Erkentnis erfuͤllen. Wiltu aber voll sein dieser Welt/ so bistu leer der Himlischen dingen. Da Abraham Gen. 12. außgieng aus seinem Vaterlande/ vnnd von seiner Freundtschafft auß Gottes befehl/ da ward er von GOtt erleuchtet. Vnsere Fleischliche affe- cten, eigen Liebe/ eigen Wille/ eigen Weißheit/ eigen Ehre/ eigen Lust sind vnser nechste Freunde/ Es thut dem Fleisch wehe dieselbe zu verlassen/ vnnd von jhnen außzugehen. Aber wie dem allen/ so ist diß der anfang/ Wie man alles ver- lassen vnd verkeuffẽ soll. zu dem verborgenen Schatz vnnd zu der Koͤstlichen Perle/ im Acker/ wie vnser Herr Matth. 13. sagt/ ein Mensch verkauffte alles/ das er die Perle finden moͤchte/ was ist das an- ders denn das der Herr sagt/ wer vmb zu seinem inwendigen Schatz kom̃en sol/ vmb meinet willen lesset Vater vnnd Mutter/ Bruͤder/ Schwester/ Haͤuser Ecker/ der wirds Hundertfaͤltig fin- Marc. 10. den/ vnnd darzu das ewige Leben/ vn- sere Fleischliche affecten, Wille/ vnd Fleischli- che affe- cten Will vnd Luͤste zuverlassẽ. Luͤste/ sind vnsere Bruͤder vnnd Schwester die wir lassen sollen/ gleich wie die Jungfrawe Maria eine reine vnbefleckete Jungfraw war/ (vnnd bleibt in Ewigkeit) als sie Chri- stum Leiblich empfieng also vnsere Luc. 1. Seele/ soll sein wie eine vnbeflecke- te Jungfraw/ das ist/ sie soll nicht Apoc. 14. mit der Welt Liebe beflecket sein/ so wird sie Christum Geistlich empfan- gen/ so hat sie den hoͤchsten Schatz in Ihr/ so ist sie des Koͤniges Toch- ter inwendig Geschmuͤcket/ vnnd Psal. 45. tregt jhren Schatz in Ihr verbor- gen/ ist sie aber mit der Welt vermehlet/ wie kan sie mit GOTT vermehlet werden? Es spricht vn- ser HERR/ Ich bin kommen ein Durch was Mittel ein Mensch ein Fewr anzuzuͤnden/ vnd wolte Gott Luc. 12. es Brennete schon/ wolte Gott das in Fewr der Goͤttlichẽ Liebe soll vnsers Flersches luͤste ver- zehren. dem Fewr der Goͤttlichẽ Liebe/ alle vn- sere affecten, Fleischlicher wille vnnd luͤste Verbrenneten/ das allein Gottes Wille vnnd Wolgefallen in vns voll- bracht wuͤrde. Er spricht jhr sollet nicht meinen das ich kommen hin frie- de zu bringen/ sondern Krieg vnnd Schwerdt/ wolte GOtt es wuͤrden durch den Geist Gottes/ alle Fleischli- che Sinne vnd Begierde/ getoͤdtet vnd erwuͤrget auff das GOtt in vns Leben vnnd Wircken muͤge. So dich aber dein Ampt vnd Beruff hindert das du nicht in dein Hertz gehen kanst soltu al- lezeit bey Tage oder Nacht ein Staͤt- lein suchen/ oder ein zeit erwehlen ein- zukehren in den grund deines Her- tzens/ auff was weise du kanst vnnd magst/ vnd mit S. Augustino sagen: Ach lieber Herr ich will ein geding mit dir machen/ ich wil recht in mir sterben/ auff das du in mir Lebest/ ich will zu seinem inwendigen Schatz kom̃en sol. will selber gantz in mir schwiegen/ auff das du in mir redest/ ich will auch sel- ber in mir ruhen/ auff das du in mir Wirckest. Das III. Capittel. Im Glauben ist der gantze Schatz des inwendigen Menschen/ nemlich/ GOtt/ Christus/ Heiliger Geist/ vnnd das Reich Gottes. Ephes. 3 GOtt gebe euch Krafft nach dem Reichthumb seiner Herrligkeit starck zu werden durch seinen Geist/ an dem inwendigen Menschen/ vnd Christum zu wohnen durch den Glauben in ewren Her- tzen/ vnd durch die Liebe ein- gewurtzelt vnnd gegruͤndet werden. E Ines Christen vornemste werck vnnd sorge soll sein das er den Glauben wol lerne verstehen vnd Im Glauben ist der gantze Schatz vnd vben/ deñ im Glauben ist Christus vnd das gantze Reich Gottes/ vnd alle Seligkeit/ darumb auch die Epistel an die Hebreer am 11. Den Glau- ben nennet eine Hypostasin, eine Substantz vnnd Wesen. Denn das gantze Geistliche Wesen vnnd Leben bestehet im Glauben/ nicht in einer blossen wissenschafft/ nicht in einem schein vnnd schattenwerck/ sondern in Lebendiger Thetiger Krafft. Summa der Glaube bringet alle Seligkeit vnnd benimbt alle Vn- seligkeit. Darumb bald im anfang vnsers Christenthumbs in Primo limine Ecclesiæ, in der Heiligen Tauffe/ dadurch wir als durch eine Thuͤr in die Christenheit eingehen/ der Glaube forne an stehet: Wer da Gleubet vnnd getaufft wird/ der wird Selig. Vnnd S. Pau- lus Rom. 10. Das ist das Wort des Glaubens/ so wir Predigen/ denn so du mit deinem Hertzen gleu- best/ der inwendigen Menschen/ best/ so bistu Gerecht/ etc. Wir koͤn- nen aber den Glauben nicht besser ver- stehen vnnd vben lernen/ denn durch seine Eigenschafften: Derer wollen wir achte nacheinander hoͤren. Der Erste ist/ die Geistliche freyheit/ von Suͤnden Todt Teuffel vnnd Hell/ Fluch des Gesetzes/ von allen Mo- saischen Figuͤrlichen Ceremonien/ vnnd von allen Menschen Satzun- gen/ vnd Geboten. Denn gleich wie der Seelen keine groͤssere Pla- ge vnnd Angst wiederfahren mag/ vnnd keine groͤssere Seelen Pein sein kan/ denn wenn sie leiden muß die Fewrige Pfeile des Teuffels vnnd die Tyranney des Antichrists/ da- durch die Gewissen mit Menschen Gebotten Gefangen/ Bestrickt/ vnd Geaͤngstet werden/ also ist hinwie- der keine groͤssere Ruhe/ Friede/ Trost vnnd Frewde der Seelen/ denn die Warhafftige Freyheit des Gewissens/ von der Gewalt des Im Glauben ist der gantze Schatz des Teuffels vnd der Suͤnden/ vnnd von allen Menschen satzungen/ welche freyheit des gewissens/ Warhafftig nichts anders ist/ deñ der wahre Selig- machende Glaube. Vrsach/ der glau- be ergreifft Christum den Sohn Got- tes/ mit allen seinen Himlischen gna- den Schaͤtzen/ sonderlich die Versoͤh- nung mit GOtt/ Vergebung der Suͤnden/ den Heiligen Geist/ vnd al- les was Gottes ist/ vnd das ewige Le- ben. Da koͤnnen weder Suͤnde Tod/ Teuffel/ Hell oder Welt einem sol- chem Menschen schaden/ denn er hat Christum in jhm vnnd bey jhm Woh- nend/ der seine Gerechtigkeit ist wieder die Suͤnde/ sein Leben wieder den Tod/ seine stercke wieder den Teuffel/ sein Himmelreich/ wieder die Helle/ sein Sieg wieder die Welt/ sein Se- gen wieder aller Welt Fluch/ seine Seligkeit/ wieder alle Vnseligkeit die- ser Welt/ seine Freyheit/ wieder alle Menschen satzungen/ welches der He rr des inwendigen Menschen/ Herr Joh. 8. mit dem Kurtzen spruͤchlein begreiffet/ so euch der Sohn frey machet/ so seid jhr recht frey. Also ist Christus dem Glauben alles/ vnd Er darff nichts mehr zur Seligkeit den Christum allein. Derwegen gibt der Glaube der Seelen vnd Gewissen/ ru- he friede/ freyheit/ vnnd vertreibt alle furcht angst vnd schrecken/ vnd macht das Hertz in GOtt getrost vnd frew- dig. 2. So vereiniget der Glaube vn- sere Seele mit Christo/ als eine Braut mit jhrem Breutigam. Ose. 2. Ich will mich mit dir verloben in ewigkeit. Ja im Glauben will ich mich mit dir vertrawen. Alß dann haben diese bey- de jhre Guͤter miteinander gemein: Auch jhr Creutz vnd Leidt. Denn was Christus hat/ wird der Gleubigen Seelen eigen/ vnd was die Seele hat/ wird Christi eigen. Nun hat aber Christus alle Himlische vnnd Ewige 1. Cor. 1. Guͤter/ Weißheit/ Gerechtigkeit/ D Hei- Im Glauben ist der gantze Schatz Heiligung Erloͤsung vnnd alle Selig- keit vnd ewiges Leben/ Ja Er ist das ewige Leben selbst/ das wird alles der Seelen eigen Gut. Vnser Seele hat dagegen Suͤnde/ Vnreinigkeit/ Jammer/ Elond/ Fluch vnnd Todt/ das wird Christi eigen. Ille nostram miseriam facit suam. Vnser E- lend helt Er fuͤr sein Elend. Seine Guͤter schenckt er vns/ vnser Armuth vnd Elend nimpt Er an sich. Die- weil aber Christi Guͤter ewig sein/ vn- uͤberwindlich/ Ja Allmaͤchtig so vber- winden/ verschlingen vnnd vertil- gen sie/ alle vnsere Suͤnde vnnd den Todt. Denn Christi ewige vnuͤber- windtliche Gerechtigkeit ist der Suͤn- den zu starck/ das sie muß weichen/ verschlungen vnnd vertilget wer- den/ also wird vnsere Seele frey von Suͤnden vnd dagegen mit Christi Ge- rechtigkeit bekleidet/ das ist ein schoͤ- Esa. 61. ner vnnd wuͤnderlicher Wechsel/ fuͤr Suͤnde/ Tod/ Fluch/ Verdamniß/ bekom- des inwendigen Menschen/ bekommen Gerechtigkeit/ Leben/ Se- gen vnd Seligkeit. Demnach ists vn- muͤglich das die Suͤnde einen Gleubi- gen verdammen kan/ denn die Suͤnd sind in Christo verschlungen/ erwuͤrget vnd getoͤdtet. Der Tod ist verschlun- gen in den Sieg/ ist der Tod verschlun- 1. Cor. 15. gen/ so ist auch die Suͤnde verschlungen vnd getilget. 3. Daraus folget fuͤrs dritte/ das der Glaube/ vnsere Seelen vnnd Ge- wissen/ versichert vnd gewiß machet/ ď ewigen Seligkeit. Ich bin gewiß sagt S. Paulus/ dz vns nichts scheiden kan Roͤm. 8. von der Liebe Gottes. Sihe ich lege in Zion ein koͤstlichen Eekstein/ wer gleu- Esa. 28. bet fleuget nicht. Ich will mit euch einẽ ewigen Bund machen. Meine gnade sol nit von dir weichen/ vnd der Bund Es. 55. 54 des friedes soll nicht hinfallen spricht der He rr dein Erbarmer. 4. Darauß folget nun der Sieg des Glaubens/ vber Suͤnde Todt Teuf- fel Helle vnnd Welt. 1. Joh. 5. D ij Alles Im Glauben ist der gantze Schatz alles was von GOtt geboren ist/ vber- windet die Welt: Wer ist aber der die Welt vberwindet ohn der da gleubet das JEsus Gottes Sohn ist. Da- zugleich des Glaubens Vrsprung an- Joh. 6. gedeutet wird: Das er nicht auß eig- nen Natuͤrlichen Menschlichen kreff- Psal. 110. ten gewircket werde/ sondern der glaub ist Gottes Werck in vns/ vnd die Newe Geburt ist ein Goͤttlich vber Natuͤr- lich Werck. Deine Kinder werden dir Geboren/ wie der Taw/ auß der Morgenroͤthe: Weil nun Diese Newgeburt vber die Natur ist/ so kan Ihr auch die gantze Welt nicht scha- den/ denn ob gleich ein Christ der Welt Fluch sein muß/ so ist er doch in Chri- sto/ ein Sieges Fuͤrst/ gantz vnuͤber- Rom. 8. windlich. In dem vberwinden wir alles/ vmb deß willen der vns geliebet hat. 5. Darauß folget des Glaubens Herrligkeit/ dieselbe ist zweyfach/ eine Geistliche/ verborgene/ die andere die zukuͤnff- des inwendigen Menschen/ zukuͤnfftige sichtbahrliche offenbahr- liche Herrligkeit/ im ewigen Leben. Beyder Herrligkeiten Christi macht vns der Glaube theilhafftig. Christi herrligkeit stehet in seinem Koͤnigreich vnd Hohen Priesterthumb/ Er hat vns aber auch zu Priestern vnnd Koͤnigen gemacht fuͤr GOtt/ welches S. Pe- trus nicht hoch gnug ruͤhmen kan. Ihr Apoc. 5. 1. Petri. 2. seid das ausserwehlte Geschlecht/ das Heilige Volck/ das Volck deß Eigen- thumb/ das Koͤnigliche Priesterthumb Die herrligkeit aber des Koͤnigreichs Christi/ ist das es ein ewig Reich ist/ vñ alle seine Guͤter sein ewig/ ewige Gna- de/ ewige Gerechtigkeit/ ewiger Trost/ ewig Leben/ ewige Frewde/ ewiger Frie- de/ ewige Seligkeit. Was wer vns mit einem Weltlichen Koͤnige gedie- net/ die Guͤter der Weltlichen Reiche vergehen mit der Welt/ vnd der Welt- lichen Herrn Gnade stirbt mit jhnen. Christus aber ist Ewig/ vnnd seine Gnade Gerechtigkeit vnd Heil. Dar- D iij umb Im Glauben ist der gantze Schatz umb stehet nun das Geistliche Koͤnig- reich eines Christen darin/ das er durch den Glauben vber alles erhoben ist/ Geistlicher weise/ das jhm kein ding schaden kan zur Seligkeit/ Er ist ein Herr vber alles dasselbe. Ja es muͤssen Ihm alle ding vnterworffen sein/ vnd helffen zur Seligkeit/ denn Rom. 8. denen so GOtt lieben muͤssen alle ding zum besten gedeyen. Es sey Leben/ Sterben/ Tod/ Teuffel/ Hell/ Welt. Das ist gar eine hohe herrliche geist- liche Herrschafft/ vnd Koͤnigliche wuͤr- digkeit/ da kein ding so gut oder so boͤ- se ist/ es muß einem Gleubigen die- nen zur Seligkeit/ weil er Christum hat vnnd besitzt/ vnnd Christus jhn/ Also darff ein Christ nichts mehr zur Seligkeit/ denn Christum allein durch den Glauben/ Christus ist mir gnug- sam. Das laß mir eine Koͤstliche Freyheit sein/ vnnd Gewalt der Chri- sten nach dem inwendigen Menschen/ denn das ist gewiß das kein eusserlich ding des inwendigen Menschen/ ding/ ausser Gottes Wort vnnd be- fehl/ einen Christen kan from oder selig machen/ Sintemal die froͤmmig- keit/ Seligkeit Freyheit der Christen/ sind nicht eusserliche Leibliche ding/ gleich wie auch jhre Gebrechen/ Ge- fengniß vnnd Elend/ nicht eusserlich sein/ darumb hilfft auch der Seelen kein eusserlich Leiblich ding/ von Menschen erdacht. Ja was hilfft das der Seelen/ wenn der Leib gleich frey/ frisch vnnd gesund ist/ Trincket vnnd Isset/ etc. Wiederumb was schadet das der Seelen/ wenn der Leib Gefangen/ Kranck vnnd Matt ist/ Hungert vnnd Duͤrstet/ Leidet/ etc. Diese ding gehen alle die Seele nicht an/ sie frey zumachen oder Ge- fangen/ from oder boͤse zu machen. Summa der Gleubigen Seelen/ scha- det nichts eusserlichs/ sie bleibet in jh- rer Edelen Koͤniglichen Freyheit vnnd Herrschafft. Also kan auch D iiij kein Im Glauben ist der gantze Schatz kein eusserlich ding der Seelen an jh- rem Geistlichem Priesterthumb scha- den oder hindern. Denn jhre Opffer/ Gebet/ Seufftzen andacht geschehen Geistlich im Glauben/ ohne hinde- rung aller eusserlichen ding/ es sey Zeit/ Ort/ Speise/ Kleidung/ Kirche Tem- pel. Hinwieder/ hilffts auch der See- len nicht/ wenn gleich alle eusserliche dinge auff einem hauffen da stuͤnden/ Heiligen/ Kleider/ Kirchen/ auch das Leibliche Fasten/ muͤndlich Beten/ vnd alle eusserliche Werck. Es muß ein anders sein das die Seele from machet/ vnd frey. Denn es kan auch ein boͤser Mensch/ ein Gleißner vnnd Heuchler/ erzehlte eusserliche Werck thun/ hilfft jm aber nichts an der See- len/ denn es hat die Seele keinander ding/ weder im Himmel noch auff Er- den/ darin sie Lebe/ from/ frey/ selig vnd froͤlich sein koͤnne denn Christum/ in welchem die Seele ruhet durch den Joh. 14. Glauben. Ich bin der Weg die War- heit des inwendigen Menschen/ heit vnd das Leben: Kompt zu mir/ Matt. 11. so werdet jr ruhe finden fuͤr ewre See- le. Wenn der Glaube den Herrn JEsum hat/ so darff er keines dinges mehr/ er hat an Christo alles vnnd ge- nug: Speise/ Frewde/ Friede/ Liecht Kunst/ Gerechtigkeit/ Warheit/ Weißheit/ Freyheit/ Trost/ Selig- keit/ Leben erhoͤrung des Gebetes vnd alles. Alles/ vnd in allem Chri- stus. Muß man aber mit eusserlichen Col. 3. Ceremonien, vmb guter Zucht vnnd Ordnung willen vmbgehen/ wolan/ den reinen ist alles rein. Tit. 1. Ihr seid rein/ vmb des Worts willen/ Also kan die Seele nichts beflecken/ denn der Vnglaube/ vnd seine Fruͤchte. 6. Es ernewert auch der Glaube den gantzen Menschen/ Wirckt in jhm Liebe/ vnd alle Christliche Tugende/ vnd Werck der Barmhertzigkeit nicht das er damit etwas bey GOtt verdie- ne/ sondern das er danckbar sey. Opf- Psal. 50. fere GOtt Danck/ vnnd bezahle dem D v hoͤch- Im Glauben ist der gantze Schatz Hoͤchsten deine Geluͤbte. Da fehet denn der Glaube das Newe Leben an im Menschen/ vnd Gottes Wort Le- bendig zumachen/ denn im Glauben ist die gantze Heilige Schrifft begriffen/ wie nun Gottes Wort ist/ Heilig/ Warhafftig/ Gerecht/ Lebendig/ Geistlich/ frey/ vnnd alles guten voll/ Also machet es auch die so es im wah- ren Glauben annehmen/ Heilig/ Ge- recht/ Lebendig/ Warhafftig/ Frey/ Kinder Gottes vnd alles gutem voll. 7. Ob nun wol der Seligmachende Glaube ist ein Vberwinder vnd Sieg vber Welt vnd Teuffel/ dennoch hat Roͤm. 8. Er auch die art/ das er sich Jederman zum Knechte macht durch die Liebe/ weil jm Gott vmbsonst Christum vnd alles mit jhm geschencket hat/ also das er zu seiner Seligkeit nichts mehr be- duͤrffe von allem das in der Welt ist/ das jhn auch nichts von Gottes Liebe scheiden kan/ auch nichts ist/ in der Welt das jhm schaden kan. Darumb geden- des inwendigen Menschen/ gedencket er also/ ich wil auß schuͤldiger Danckbarkeit meinem lieben GOtt zu Ehren/ meinem Nechsten wieder al- so werden wie mir Christus worden ist. Alle meine Gaben/ Weißheit/ Verstandt/ Reichthumb/ Trost/ soll wieder meines Nechsten werden/ gleich wie Christi Guͤter mein worden seyn. 8. Ist deß Glaubens art/ das er alles Roͤm. 5. Creutz lindert/ vnd vberwindet/ vnnd sich deß Creutzes ruͤhmet. Denn in Christo haben wir ja viel mehr Guͤter/ denn wir in der Welt lassen muͤssen: In Christo haben wir viel groͤsser Eh- re/ ob vns gleich alle Menschen ver- achten. In Christo haben wir ja viel groͤssere Liebe/ ob vns gleich die gantze Welt hasset. In Christo haben wir ja viel mehr Segen/ ob vns gleich alle Welt verfluchet. In Christo haben wir viel mehr Frewde/ wenn vns gleich alle Welt Betruͤbet Vnd Wie eine Gleubige Seele Vnnd wens muͤglich were/ das vnser Leib tausent mahl in der Welt erwuͤr- get vnd getoͤdtet wuͤrde/ so bleibet doch Christus vnser Herr / vnser Ewiges Leben/ welches Leben ja vnendtlich besser ist denn vnser zeitliches Leben. Das IIII. Capittel. Wie eine Gleubige Seele/ Gott/ in- wendig in jhr selbst suchen soll/ vnd von der Schoͤnheit vnd Seligkeit der Seelen so mit GOtt vereiniget ist. Joh. 17 Ich hab jhnen deinen Namen kundt gethan/ auff das die Liebe damit du mich Liebest sey in jhnen/ vnnd ich in jhnen. G OTT wird auff zweyerley Zweyer- ley weise GOtt zu- suchen. weise gesucht: Die eine ist außwendig/ die ander inwen- dig. Die erste geschicht in Wirckender weise/ so der Mensch GOtt suchet/ die ander Gott in jhr selbst suchen soll/ ander in leidender weise/ so der Mensch von GOtt gesucht wird. Die auß- wendige suchung geschicht durch man- cherley vbung der Christlichen Werck/ mit Fasten Beten/ Stilligkeit Sanfft- muth/ wie deñ ein Christen Mensch võ GOtt angetrieben oder durch Gott- fuͤrchtige Leute/ gefuͤhret wird. Die ander geschicht/ wenn der Mensch ein- gehet in den grund seines Hertzens/ vñ daselbst warnimt deß Reichs Gottes/ welches in vns ist Luc. 17. Denn so das Reich Gottes in vns ist so ist GOtt selbst in vns mit aller seiner Guͤte: Daselbst ist GOtt der Seelen neher vnnd inwendiger/ denn die Seele jhr Gott der Seelen ne- her als die Seele jhr selbst. selbst ist. Daselbst muß der grund der Seelen ersucht werden/ welches also geschicht: Wenn ein Mensch in lei- dender weise in allen außwendigen vnd inwendigen dingen/ mit jhr handeln lesset/ wie es GOtt gefellet/ vnd lesset sich GOtt gantz/ lesset sich allein an Gottes willen benuͤgen/ wie jhn GOtt Gott sich ergeben. haben Wie eine Gleubige Seele haben will Arm oder Reich/ Froͤlich oder Trawrig/ Geistreich oder Trost- los/ denn dadurch wird das Hertz ge- reiniget von den Creaturen/ vnnd von allem dem dz die Sinne vnd Ver- nunfft von aussen haben eingetragen/ was nicht GOtt selbst ist. Wenn die Seele also endtbloͤsset wird von allen Vernuͤnfftigen Sinnlichen/ Creatur- lichen dingen/ das Gott nicht selbst ist/ so kompt man in den grundt/ da man GOtt lauter findet/ mit seinem Liecht vnnd Wesen. Summa es muß alles Wie der rechte grund zu- finden. gelassen sein/ wenn du diesen grundt finden wilt. Vnnd die denselben finden/ werden die Allerlieblichsten Menschen/ kommen auch vber die Natur/ denn sie kleben nicht mehr an denn Creaturen/ wie die Natuͤrlichen Menschen/ sondern sind in GOtt/ vnnd mit GOtt vereiniget vnd Gott mit jhnen. Welches die schoͤn- ste Seele. Wer nun eine solche Seele sehen koͤnte/ der sehe die allerschoͤnste Crea- tur Gott in jhr selbst suchen soll/ tur/ vnnd das Goͤttliche Liecht in jhr leuchten/ denn sie ist mit Gott verei- niget/ vnnd ist Goͤttlich nicht von Na- tur/ sondern auß gnaden/ vnd eine sol- che Seele begert nichts in zeit vnnd ewigkeit denn Gott allein/ ja bloß vnd lauter begert sie Gott allein/ vnd nich- tes des jhren/ weder im Geist oder Na- tur. Vnd hinwieder wer eine Seele se- hen koͤnte/ die mit aller jhrer Liebe an den Creaturen hengt/ an des Fleisches- lust/ Augenlust vnnd hoffertigem Le- ben/ vnnd hette mit jhrer Liebe der Cre- aturen Form vnd Bilde in sich gezogen vnd sich damit vereiniget/ das were ein grewlich Monstrum vnd Vngeheur/ aller Heiligen Augen/ vnnd scheußli- cher vnnd grewlicher als der Teuffel selbst. Vnd weil nun an jenem Tage 1. Cor. 4. eines jeden Menschen Hertz vnnd Ge- wissen wird offenbar vnnd das inwen- dige Auge auffgethan werden/ da- mit eine jede Seele sich selbst erken- net/ so wird als denn eine solche vnrei- Wie eine Gleubige Seele/ vnreine Seele/ jhren verborgenen Woher der Ver- dampten Leidt vnd der Seli- ligẽ frewd Grewel sehen/ vnd wird vnd muß den- selben ewig sehen ohne Ende/ vnd allen Jammer Hertzleidt Angst vnnd Pein in jr selbst haben/ aber die lauter Goͤtt- liche Seele wird GOtt vnd das Reich Gottes in jhr selbst anschawen/ vnnd wird GOtt ewiglich sehen in seinem Wesen/ als GOtt/ vnnd dasselb in jhr selbst/ vnd wird also alle jhre Seligkeit in jhr selbst haben/ vnd besitzen vmb der vereinigung willen mit GOtt. Wer nun diese vereinigung der Seelen mit GOtt verstehet vnnd betrachtet/ der wird verstehen was S. Paulus Roͤm. 8 spricht/ das vns weder hohes noch tieffes kan von der Liebe Gottes schei- den: Also auch/ wens muͤglich were/ das eine solche Goͤttliche Seele in der Hellen were/ so hette sie doch dz Reich Gottes vnd jhre Seligkeit in jhr selbst. Vnd wens muͤglich were das ein Ver- dampter/ Ja der Teuffel selbst im Pa- radies vnnd im Himmel were/ so het- te er Gott in jhr selbst suchen sol/ te er doch seine Helle vnd Pein in jhm selbst. Das V. Capittel. Wie ein Mensch kan in GOtt gezo- gen werden/ Item was Geistliche Armuth sey vnd von dem Graden vnd Staf- feln der Demuth. Luc. 18. Wer sich selbst ernidri- get der wird erhoͤhet werden. V Iel Menschen suchen viel Mittel mit GOtt vereiniget zu werden/ mit außwendigem Lesen vnnd anderer andacht: Aber in Warheit ist nehest dem waren Lebendi- Demuth der Weg zur erkent niß Got- tes. gen Glauben welcher das Hertz reini- get von der Creatur Liebe wie droben gelehrt/ vnd im folgenden achten Ca- pittel weiter erklaͤret wird/ kein besser vnd leichter Weg darzu/ denn die wah- re gruͤndliche Demuth/ dieselbe aber muß nicht stehen in Worten/ oder eus- serlichen Schein/ sondern im grunde Was da sey hertz- liche De- muth. des Hertzens/ das der Mensch war- E hafftig Wie ein Mensch hafftig sich fuͤr nichts halte/ in allen dingen/ es sey in Geistlichen oder Na- tuͤrlichen gaben/ also das er inwendig recht Geistlich arm sey/ vnd daß er kein Matt. 5. ding in der Welt so lieb habe/ es sey Gut/ Ehre/ Leib oder Seele/ Frewde vnd Ruhe/ weñ GOtt ein anders von jhm haben wolte/ daß er nicht alles gern williglich vnnd froͤlich GOtt zu Lob vnd Liebe/ nach seinem Goͤttlichen Vaͤterlichen willen/ verlasse: Ja wenn er auch der Hellen Pein leiden solt/ daß er sich desselben wol werth achte/ denn willen Gottes Lobe/ vnd lasse jhm den- selben wolgefallen. Diß ist die wahre Geistliche Armuth. Geistliche Armuth/ die bereit ist/ alle ding durch GOtt froͤlich vnnd willig zulassen/ vnd zu leiden/ wie es der liebe GOtt will/ wie vnser Herr Jesus Matth. 26 thet/ da er bereit war/ denn willen Gottes zu leiden vnnd zu thun/ ein Fluch vnnd Wurm zu werden/ vnnd Phil. 2. den Todt des Creutzes zu leiden/ darumb hat jhn auch GOtt erhoͤhet. Wer kan in Gott gezogen werden. Wer nun eine solche erniedrigung des Hertzens hat/ der ist recht Geistlich Eusserli- cher Reich thumb hindert an jhm selbst nit Geistliche Armuth. arm/ vnnd wenn er gleich ein Koͤnig- reich hette so verhinderts jn doch nicht an der Goͤttlichen einigkeit/ das ist der rechte Elende vnd Arme der da schrei- et/ wie im 34. Psalm geschrieben ist/ da dieser Elender rieff hoͤrets der Herr . Vnd wenn dieser Elende Mensch vber hundert tausent Meil- weges/ wens muͤglich were/ von Gott abwesend were/ GOtt muͤste jhn zu sich ziehen/ wegen seiner vberschweng- lichen erbarmung vnd guͤtigkeit. Denn Reich- thumb Goͤtlicher gnade ver senckt sich in des Menschen Elende. der Reichthumb Goͤttlicher gnade ver- sencket sich in des Menschen Elende/ vnnd kan sich fuͤr demselben nicht ver- bergen/ so wenig als ein Vater Hertz sich fuͤr seinem Elenden Kinde verber- gen kan. Derhalben als das Ca- naneische Weiblein/ sich so vnwerth Matt. 15. hielt in jhrem Hertzen als ein Hund/ ja als ein Huͤndlein/ da ward sie vom He rren Gewuͤrdiget seiner huͤlffe. E ij Denn Wie ein Mensch Denn es kompt Niemandt zu der Le- Erkent- niß seines nichts vñ vnwirdig- keit ist der Weg zur Lebendi- gen War- heit. Act. 5. bendigen warheit/ denn durch diesen Weg/ nemlich durch erkentniß seines eigen nicht. Wer diesen grund verste- het/ dem ist nicht vnlieb seine verach- tung Schmach vnnd Creutz/ sondern hat dasselbe lieb vnnd frewet sich der Truͤbsall/ mit den H. Aposteln/ auff das sich GOtt mit seiner Herrligkeit in sein Elende sencke. Darumb ist nun kein besser Weg/ dadurch man zu Stuffen vnd Gra- dus der Demuth. Gott vnd in Gott gezogen werde/ den gruͤndliche Demuth des Hertzens/ vnd Geistliche Wesendtliche Armuth des Geistes. Solches ist fein Abgebildet 1. Reg. 10. in dem Guͤldenen Thron oder Stull Salomonis/ welcher sechs Gradus oder Stuffen hatte auff welchen man hinnauff steig/ vnnd auff der siebenden findet man Sedem \& Thronum pa- cis . Also sind sechs Grad der De- muth wenn man dieselbe auffsteiget/ so findet man den Himlischen Frieden- Koͤnig Salomon in seinem Thron/ vnd kan in Gott gezogen werden. vnd den rechten Frieden des Hertzens: Der erste Grad ist sich in seinem Her- tzen geringer halten denn ander Leut/ vnnd gerne gering sein. 2. Niemandt verachten oder richten/ sondern allzeit auff sich selbst sehen: Quicquid agant alii, sis memor ipse tui. 3. Angebor- ne Ehr fliehen vnd meiden/ vnd wann man dieselbe haben muß darob Traw- ren. 4. Verachtung geduͤldig leiden/ Ja sich darob Frewen. 5. Mit gerin- gen Leuten gerne vmbgehen vnnd sich nicht besser achten denn sie/ Ja sich fuͤr den Elendesten Menschen vnnd groͤsten Suͤnder halten. 6. Gerne vnd willig Gehorsam sein/ nicht allein den grossen/ sondern auch den gering- sten. Durch diese Staffeln steigen wir auff biß zu dem siebenden in dem Thron Salomonis/ vnnd zu wahren Friede. Est humilis via, sed excel- sa Patria, sagt Augustinus: Si Patriam desideras, viam hanc ambules. E iij Das Wie sich das hoͤchste Ewige Gut Das VI. Capittel. Wie sich das hoͤchste Ewige Gut offt in vnser Seelen ereuget in einem Augen- blick/ vnd wo die statt vnd sitz Got- tes sey in der Seele. Cant. 6. Wo ist dein Freundt hingangen/ O du schoͤnste vnter den Weibern? V Nser Freund ist allzeit bey vns/ aber er lest sich nicht allzeit mer- Gott ist anzeit bey vns/ aber wir mer- ckens nit allezeit. cken ohne wenn das Hertz stille ist/ wenn alle Sinne hinein gekehret sein/ zu Ruhe gebracht vnd in Gott ge- samlet sein/ wenn im Verstandt kein Irrdisch Liecht scheinet/ sondern die Thirische Weißheit vntergangen ist/ vnd in eine Nacht oder Goͤttliche Fin- sterniß verwandelt ist/ so gehet denn dz Goͤttliche Liecht auff vnnd gibt einen Blick vnd Strahl von sich/ vnd schei- net in der Finsterniß/ das ist dz dunckel darin der He rr wohnet/ vnd die Nacht in welcher der wille schlefft vnnd mit Gott offt in vnser Seelen ereuget. Gott vereiniget ist/ darin das Gedecht- niß vergessen hat/ der Welt vnnd der Zeit/ so bewegt als in einẽ Augenblick Offenba- rung Got tes in der Seelen. das Goͤttliche Liecht den Verstandt/ die Himlische begierde den willen/ vnd die Ewige Frewde das Gedechtniß/ vnnd es kans doch weder Verstandt/ Wille oder Gedechtniß begreiffen/ noch behalten/ denn es bleibet nicht in den Kraͤfften der Seelen/ sondern ist verborgen im innersten grunde/ vnnd wesen der Seelen. Es kan aber wol er- wecket werden durchs Wort/ dz wir im Hertzen ruffen mit der heiligen Moni- ca, Evolemus evolemus, ad æterna gaudia. Daher kommen alle seufftzen der heiligen/ die auch vnaußsprechlich sein. Als S. Paulus diese Suͤssig- keit geschmecket hatte sprach er/ Roͤm. 8. Ich bin gewiß das vns weder Leben noch Todt/ noch einige Creatur schei- den kan/ von der Liebe Gottes: Ver- stehe damit mich Gott liebet die ich in mir empfunden hab. Daher S. Au- gustinus spricht: Ich befinde offt eine bewe- Wie sich das hoͤchste Ewige Gut bewegung in mir/ wenn dieselbe immer Vor- schmack des ewigẽ Lebens. in mir bliebe/ so koͤnte dieselbe nichts anders sein denn das ewige Leben. Diese ists die vnsere Seele gern wolt fuͤllen vnd nach sich ziehen/ vnnd dar- auß lernen wir schmecken was das ewi- ge Leben sey/ denn solcher Liebligkeit vnnd Frewde wird die Seele ewig voll sein/ daher die liebhabende Seele im Cant. 5. hohen Lied Salamonis spricht: Ani- ma mea lique facta est : Meine See- le ist gar zuflossen vnnd zuschmoltzen/ Das ist: Meine Seele Jammert vnd Seufftzet immer darnach/ das sie die- sen jhren lieblichen Breutigam moͤcht finden/ vnd sich in seiner Liebe saͤttigen/ Der Seelẽ Adel in der verei- nigung mit Chri- sto. jhren rechten Himlischen Adel wieder erlangen/ welcher stehet in der vereini- gung mit Christo/ das sie nicht jhr Lust vnnd Fewde am nichtigen vergengli- chen/ viel weniger an der Suͤnden vnd Fleisches Lust haben muͤge. Von die- sem Adel der Seelen wissen nicht viel Leute/ auch die Weisen vnd klugen die- ser offt in vnser Seelen ereuget. ser Welt nicht. Die/ so von der See- len vnd jhren Kraͤfften geschrieben ha- ben/ sind nie auff den rechten grund kommen: Christus ist der Seelen rech- Christus der Seelẽ Krafft. te Krafft/ jhr Verstandt/ jhr Wille/ jr Gedechtniß/ das ist jhr Liecht im Ver- standt/ jhr Lust im Willen/ jre Frewde im Gedechtnis/ also ist auch Christus die rechte heiligung zierde vnd schmuck der Seelen/ das ein Mensch wegen dieser Liebe Christi die sie empfindet/ nicht mag suͤndigen/ wie S. Joh. 1. am 3. sagt: Wer in jhm bleibet suͤndi- det nicht/ vnd wer auß GOtt geboren ist der thut nicht Suͤnde/ denn sein Same bleibet in Ihm vnd kan nicht suͤndigen/ Ja auß dieser Liebe Chri- sti entspringet offt eine Frewde vnnd Wonne/ wenn du vmb Christi willen Act. 5. Creutz vnnd Schmach leiden solt/ als denn wird leiden die hoͤchste Frewde. Vnnd die entspringet im grund deiner Seelen auß Gott/ den GOtt hat jhm selbst im Menschen eine statt geheili- E v get Von der Seelen Wirdigkeit/ Gottes statt in der Seelẽ. get vnnd also gefreyet vnnd geeignet/ daß weder Engel noch Mensch noch keine Creatur darin kommen kan/ das ist das Edle lautere wesen der Seele/ dieselbe statt will der ewige GOtt jhm selber allein haben/ vnnd will sie auch mit keinem andern gemein haben. Denn der ewige GOtt wohnet mit grosser lust in der reinen lautern See- le/ wie er spricht: Meine lust ist bey den Prov. 8. Menschen Kindern/ vnd was das fuͤr eine lust sey/ kan niemand außspre- chen/ denn der es empfindet/ vnnd kan doch niemand vollkoͤmlich dauon redẽ. Das VII. Capittel. Von der Seelen Wirdigkeit/ von wahrer Rewe/ vnd vom gnedigen willen vnd erbarmung Gottes. Esa. 56. Matth 21. Mein Haus ist ein Betthaus. Hoͤchste wirde der Seelen. D Er Seelen Wirdigkeit ist/ daß sie ein Haus vnd wohnung Gottes ist/ darin von wahrer Rewe etc. darin GOtt lieber wohnet denn im Himmel vnd Erden/ vnd die gleubige Seele hat mehr GOttes in jhm denn alle Himmel/ vnd alle Leibliche Tem- pel/ vnnd alles das GOtt je geschaf- fen hat/ denn das Hertz vnd wolgefal- len GOttes ist in der Seele/ mit aller seiner Gnade vnnd Liebe/ mit allem seinem lust vnnd wolgefallen. Denn durch alle Creaturen suchet GOTT nichts anders/ denn wie er die Seele des Menschen Ehre/ wirdige/ vnnd selig mache. Vnd weil GOtt mit al- Wo Gott eigentlich wohne. ler seiner Liebe vnd Meinung auff die Seele gekehret ist/ so ist Gott eigent- licher in der Seele denn in den Him- meln/ oder in allen Leiblichen Tem- peln. Denn GOtt wircket alle seine Werck in der Seelen/ vnnd gibt sie der Seelen. Die Seele ist Edler denn alle Creaturen. GOtt hat sie aber darumb so Edel gemacht auff daß er sich der Seelẽ geben moͤchte/ deñ so er jr etwas anders Von der Seelen Wirdigkeit/ anders gebe denn sich selbst/ das achtet sie nicht/ vnd ist jhr viel zu geringe. Es spricht S. Paulus wir seind von E- Ephes. 1. wigkeit her erwehlet in dem Sohn Gottes/ vnnd darumb sollen wir nim- mer ruhen biß wir darzu kommen das wir das werden/ das wir ewiglich in jhm gewesen sein/ vnnd weil die Seele soll ein Gesponß sein des Sohns Got- Die Seele Gottes Gesponß. tes/ so ist nichtes vnter allen Creaturen das GOtt so lieb hat als die Seele/ vnd darumb ist Gottes Sohn außgan- gen von dem Allerhoͤchsten/ auff das Er hole seine Freundin/ die jhm der Vater ewiglich vermehlet hatte/ das Er sie wiederbrechte in das Allerhoͤch- ste daraus sie kommen ist. In Gott all vnser lust vnnd genuͤgde. Darumb solte nun der Mensch hinwieder alle seine lust vnnd genuͤgte an Gott haben vnd suchen/ weil Gott so eine vberaus grosse Liebe hat zu des Menschen Seele/ solte demnach dem Menschen leid sein/ das er an jrgendt einer Creatur mit seiner Lust vnnd Frewde Von wahrer Rew/ etc. Frewde hangen wolte/ als allein an GOtt/ denn das ist GOtt zuwieder. Es ist solche eine Liebligkeit vnd schoͤn- Gottes schoͤnheit. heit in Gott/ moͤchte jhn vnser Seele nur ein Augenblick sehen von ferne/ wie in einer Wolcken/ sie kehrete sich nicht von GOtt vmb alle diese Welt. Dar- umb solte es nun dem Menschen leidt sein/ das er seine Seele die GOtt so lieb hat an eine Creatur hangen solte/ denn hiemit thut er GOtt zuwieder. Daruͤber solte man trawren/ vnd das ist die rechte wahre Rewe/ Leid daruͤber Was rech te Rewe sey. haben/ so man gethan was Gott zu- wieder ist: So man GOtt nicht allen Creaturen vorgezogen/ so man Gottes Ehre nicht in allen dingen gesucht/ jhn vber alles geliebet/ sondern die Creatu- ren/ vnd sich selbst. Ein jeder Creatur Ein iegli- Creatur liebet Got mehr als sich/ auff gewisse inasse. liebet GOtt von Natur mehr denn sich selbst/ in dem sie Gottes Gebot außrichtet/ vnd sich selbst daruͤber ver- zehret/ allein der Elende Suͤndet liebet sich mehr denn GOtt. Darumb wenn du Von der Seelen Wirdigkeit du Rewe vnd Leid hast vmb deinen eig- nen schaden/ vnd nicht viel mehr daß du wieder GOtt gethan/ vnnd jhn er- zuͤrnet vñ entehret hast/ so hastu noch keine wahre Rewe. Vnd wenn gleich weder Helle noch Himmel were/ soll dir nicht desto minder leid seyn/ daß du wieder GOtt gethan/ vnnd jhn erzuͤrnet hast. Denn Gott ist dir Him- mel genung/ so ist dir auch sein Zorn Helle genung. Hast du aber solche Rewe/ wie jetzo beschrieben/ vnd wah- ren Glauben an Christum/ jetzo ver- gibt dir GOtt von Hertzen alles was du wieder jhn gethan hast/ denn es ist GOtt eine groͤssere Ehre/ daß er die Suͤnde vergebe/ denn daß er sie straf- fe. Denn die gerechtigkeit zwingt auch GOtt darzu/ daß er barmhertzig seyn muß/ denn er ist vnser Vater vnd wir seine Kinder. So er denn vnser Vater ist/ so vollbringt er seinen Veterlichen willen an vns/ beydes nach seiner Ge- rechtigkeit vnd nach seiner Barmher- tzig- von wahrer Rewe/ etc. tzigkeit. Vnd so sollen wir vns auch in dem willen vnsers Vaters ergeben/ denn weme der wille GOttes freund- lich schmecket/ deme gefellet alles wol Wem Got tes wille gefelt/ dem gefelt al- les/ lieb vnd leid. was GOtt thut/ beydes nach seiner Gerechtigkeit vnd nach seiner Barm- hertzigkeit. Einen recht liebhabenden Menschen gefellet alles das wol/ was GOtt thut vnd will/ Es sey lieb oder leid in jhm selber vnd an allen Creatu- ren/ ist es GOttes wille/ so laß es auch deinen willen seyn. Ich will lieber in„ der Helle seyn vnd GOtt haben/„ denn im Himmel vnd Gott„ nicht haben. Das Gottes Beruff Das VIII. Capittel. Gottes Beruff ist hertzlich vnd gruͤnd- lich/ vnd leitet vns zu zu jhm selbst. Psalm. 50. GOtt rufft Himmel vnd Erde daß er sein Volck richte. 2. Tim. 1. GOtt hat vns beruffen/ mit einem hei- ligen beruff. G Ott der Himlische Vater Gottes verlangen nach vns. rufft vns mit allem daß er ist/ daß er hat vnd daß er vermag/ das alles ruffet/ leitet vnd locket vns zu zu jhm/ vnd in jhn. Denn Gott hat so ein warhafftiges vnnd bruͤnstiges ver- langen nach vns/ als ob alle sein wesen vnd Seligkeit an vns gelegen wehre/ Sintemal alles das er geschaffen hat im Himmel vnd Erde/ mit aller seiner Weißheit vnd guͤte/ vnnd alles was er jederzeit wircket vnd thut/ daß thut er/ vnd hat alles darumb gethan/ daß er vns ist hertzlich vnd gruͤndlich. vns dadurch rieffe vnd luͤde in vnsern Vrsprung/ vnd wieder brechte in sich/ Alle Wort vnd heili- ge Werck Gottes leiten vns zu jhm. vnd alle seine Wort vnnd Werck sind ein lauter ruffen zu vnserm Vrsprung/ daß Er die Seele wiederbring/ das sie seine Stimme hoͤren soll vnd jhn lieb haben/ gleich wie sie zuuor des Sa- thans stimme gehoͤrt/ vnd von seiner Liebe abgewichen. Er hat vns aber beruffen/ an sei- nen Lieben Sohn zu gleuben/ vnd die- selben Fußstapffen nachzufolgen/ in Sanfftmuth vnnd Gedult/ denn da- durch ruffet vnd zeuhet Er vns in sich selbst/ wie er den Eliam Rieff/ vnd fuͤr jhm vber gieng im Fewr/ vnd starckem 1. Reg. 19. Winde der die Felsen zureiß/ aber im sanfften Saussen war vnnd kam der Herr / also sencket Er sich in ein stilles/ sanfftmuͤtiges demuͤtiges Hertz. Gleich wie der Koͤnig Ahasverus die Ester. 15. Esther vmbfieng/ da sie fuͤr jhm nieder sanck/ also geschicht auch den Men- schen/ wenn er an allen seinen Krefften F vnd Gottes Beruff vnd vermuͤgen verzagt/ vnnd nieder- sincket in sein eigen Nicht. Wenn er denn von den Armen der Goͤttlichen Krafft nicht erhalten wird/ so deneht jhn/ er muͤsse zu einem lautern Nicht werden/ als den duͤncket den Men- schen/ er sey geringer in alle seinem Verstande/ vnnd vermuͤgen/ den alle Creaturen. So nun vnser Him̃el vnd Gott der sich so hoch ge- setzt hat siehet in vnser nie- driges. Gnaden Koͤnig das siehet/ so staͤrcket Er die bloͤde vnd demuͤtige Seele vnd gibt jhr seinen Goͤttlichen Kuß/ daß ruͤhret her/ von der gruͤndlichen wah- ren Demuth/ denn je nidriger je hoͤher/ denn Gottes hoheit siehet eigentlich in das tieffe Thal der Menschlichen Eusserli- che ver- achtung sordert er- kentniß vnserer nichtig- keit. demuth. So du aber von aussen/ we- gen deiner niedrigkeit verachtet wirst/ so wirstu noch tieffer in dein Nicht ge- sencket/ als denn wird es mit dir gar gut. Denn darin wird der Geist des Friedes geborn/ der alle Vernunfft Philip. 4. vbertrifft. Darumb ruffet dich Gott ist hertzlich vnd gruͤndlich. GOtt wunderlich durch mancherley Creutz vnd Verachtung/ das er dich Wohin al les Creutz gemeinet. bereite/ denn du must in der Warheit vnnd That bereitet werden/ wirder in GOtt einzukehren/ vnnd Er zu dir vnnd in dich/ welches denn nicht ge- schicht mit Gedancken/ oder mit Wor- ten/ sondern durch viel leiden/ denn das ein Mensch offt gedencket vnnd redet von der Demuth/ wird Er darumb nicht demuͤtig/ vnnd hilfft jhm gar nicht wenn er nicht vnterge- drucket wird vnter die Menschen vnnd verschmehet wird. Deß- gleichen wenn du offt vnnd viel re- dest von der Gedult/ ist doch nich- Alles in der Krafft tes/ du werdest denn starck angefoch- ten/ von allen Creaturen/ sonst ist es gantz nichts/ vnnd erlangest nicht das Wesen der Tugend/ sondern es fellet alles wieder ab/ wie es ein vnnd zugefallen ist. Dar- umb were billich/ das du einen F ij solchen Gottes Beruff solchen Menschen der dich schmehet vñ durchechtet/ einen sonderlichen Lie- bedienst erzeigest/ denn diese zwo Edele Tugend/ Sanfftmuth vnnd Gedult/ muͤssen durch grosse bittere/ harte/ wie- derwertigkeit erstritten werden. Denn wo du kein wiederwertigkeit hettest/ wie woltestu diese Edele Tugend in vbung vnd erfahrung bringen. Denn die Sanfftmuth gehet auff den inwen- digen grund des Gemuͤtes/ welchen du vielleicht nie gepruͤffet noch erforschet hast/ die Gedult aber auff den außwen- digen Menschen/ welcher mit Christo hinauß gehen/ vñ seine schmach tragen muß. Vnnd so vergleichet man sich dem Vnschuͤldigen Heiligen Leben vnsers He rrn Jesu Christi/ dadurch Lebet Christus in dir/ vnnd sein bitter Leiden vnd Sterben ist in dir. Innerli- cher Be- ruff Got- tes durch empfin- dung sei- ner Liebe. So ist auch eine art des innerli- chen Beruffs Gottes/ wenn GOtt seine Liebe im Menschen anzuͤndet/ denn dadurch gibt er sich dem Men- schen ist hertzlich vnd gruͤndlich. schen selbst/ weil er selbst ist die Liebe/ denn es ist ja so vnmuͤglich/ das der 1. Joh. 4. Mensch GOtt habe ohne die Liebe/ so vnmuͤglich es ist/ das der Mensch lebe ohne Seele. Denn dz Christus durch den Glauben in vnserm Hertzen woh- net/ wird durch die Liebe bezeuget vnnd Eph. 3. offenbahr. Es kan aber diese Liebe Gottes in vns nicht raum oder statt finden/ wo die Welt Liebe nicht außge- trieben/ vnd GOtt nicht lauter gemei- net wird in allen dingen. Darumb sehe ein jglicher Mensch offt in seinen inwendigen grund/ vnnd erforsche da Grund zu pruͤfen was am hoͤchsten geliebet werde. mit fleiß/ was in jhm am allermeisten geliebet vnd gemeinet werde/ obs Gott sey/ oder er selber/ oder die Creaturen/ Lebendig oder Tod/ was da allermeist besitzt sein Hertz vnd Seele/ vnnd war- auff dein begierde vnnd lust hafftet. Denn ist dein grund etwas anders das da gemeinet vnd geliebet wird/ das nit warhafftig vnd lauter Gott ist/ vnnd dessen Gott nicht eine wahre Vrsach F iij ist/ so Gottes Beruff ist/ so kompt GOTT nicht in deine Seele/ vnd weinetest du so viel Zeher so viel Tropffen im Meer sind/ es hilfft dich nicht/ vnnd must jhn ent- beren in ewigkeit. O jhr Armen Menschen womit gehet jhr vmb? Wie lasset jhr euch die listige Natur also Creatur Liebe soll nicht die innerste stete der Seelen be- sitzen. betriegen/ durch die Creatur Liebe/ die euch so heimlich vnnd verborgen besitzt/ an der innersten stete ewer See- le/ da GOTT allein sitzen solt. Denn darumb sind wir in der Welt/ das wir durch absterben vnsers wil- lens/ vnnd durch absagen der Welt vnnd Creaturen wieder in GOTT vnnd zu GOTT kommen/ mit GOTT vereiniget werden/ das wir am Ende wieder zu vnserm Vr- sprung kommen/ vnnd wie der Leib in die Erde begraben wird/ also die Seele in die grundlose Gottheit/ vnd so wir das hie verseumen/ so ists ewig- lich verseumet/ denn mit wem du dich Frewest/ vnd mit weme du dich Betruͤ- best/ ist hertzlich vnd gruͤndlich. best/ mit deme soltu Geurtheilet wer- den. Ein ding soltu wissen vnd zu Die Seele so von der Creatur- liebe ledig erfuͤllet Gott. Hertzen nehmen/ nemlich dieses: Werestu allein ledig der Bilde der Creaturen/ du wuͤrdest GOtt ohn vn- terlaß haben vnnd besitzen/ denn er moͤchte sich nicht enthalten/ weder im Himmel noch Erde/ Er muͤste in dich kehren/ er muͤste deine Seele erfuͤllen/ so er sie ledig fuͤnde. Darumb kehre es vnnd wende es wie du wilt/ so lang die Creaturen in dir sein/ so lang mustu Gottes entbehren/ denn so viel ein Mensch Rast vnd Ruhe in den Crea- turen/ vnd in allen dingen nimpt/ das Gott nicht selbst ist/ so viel scheidet er sich von GOtt. Wie ein hart Creutz nun dasselbe sey/ so man also tragẽ muß ist wol zudencken. Aber nicht mit wol sein/ sondern mit Creutz er- folget man Gott. F iiij Das Wie der wahre Glaube das Hertz Das IX. Capittel. Wie der wahre Lebendige Glaube das Hertz reiniget von den Creaturen/ von boͤsen zuneigungen vnd von Vngedult: Dage- gen aber Liebe vnd Gedult pflan- tzet im Creutz. Act. 15. GOtt reiniget jhre Her- tzen durch den glauben. D ES glaubens eigenschafft Wovon das Hertz durch den Glauben gereiniget werde. ist dz er das Hertz reinige. Nun mercke wovon soll er das Hertz reinigen? Antwort: Von der Welt/ vnnd aller zuneigungen dessen/ was Irrdisch/ eitell/ nichtig/ vnnd vergeng- lich ist/ vnd von allen da die Natur mit voller lust vnd genuͤgte an hafftet vnd drauff Ruhet/ es sey Reichthumb/ Eh- re oder Wollust/ denn der Glaube han- get allein am vnsichtbahren/ vnd Ewi- gen/ vnnd so die hindernissen hinweg sind so folget die vereinigung/ denn ein gleiches vereiniget sich mit seinem glei- chen/ vnd nicht mit einem vngleichen. Mercke reiniget von den Creaturen/ Mercke aber dz Gott eine lauter Wir- ckung ist/ vnd wo Er eine leere statt fin- det/ da Wircket Er auß Erbarmung solche Werck/ deren das Elende Hertz/ das sein begert vnnd jhm anhanget/ Nottuͤrfftig ist. Daher ists kommen/ Warumb dem Glau ben die huͤlff wirt zugeschrie ben. Matth. 15 das der Herr sprach zu den Elenden Leuten im Evangelio: Dein Glaube hat dir geholffen: Nicht das es des Glaubens vermuͤgen were/ sondern daß der Glaube das Hertz selbst gereini- get hatte/ das er Gott gantz ergeben/ vnd in Gott gezogen/ vnd dasselbe leer gemacht von allen dingen die nicht Gott sein/ auff das GOtt darin Wir- cken vnd sein Werckstat haben muͤge. Darumb konte vnser Herr zu Na- Marc. 6. zareth kein wunder thun/ weil Er solche Wie das zuverste- hen das Christus zu Naza- reth keine wunder thun kon- te. Hertzen nicht fandt in welchen seine Goͤttliche Krafft Wircken moͤchte. Denn sol GOtt ein/ so muß die Crea- tur auß. Eins ist hie des andern hinde- rung/ es kan kein Hertz Gottes huͤlff so sehr vnnd hertzlich begeren/ GOtt F v huͤlffe Wie der wahre Glaube das Hertz huͤlffe jhm tausentmal lieber/ wenn jhm nur das Hertz gruͤndlich anhan- get/ vnd sich jhm gantz ergibt. Denn wie Gott ein solch Hertz williglich er- fuͤllet/ mit Liecht/ Trost/ Gnade vnd Krafft/ also wird auch ein solch Hertz leicht vber sich gezogen/ also daß dem Fewer nicht so leicht ist zubrennen/ vnnd einem Vogel zu flichen/ als ei- Ledig ge- muͤt gehet auff in Gott. nem ledigen gemuͤte auffzugehen in GOTT . Daselbst findet denn GOtt seine rechte Werckstatt/ zu wir- cken solche ding daran er ein wolgefal- len hat/ wie er ein solch wolgefallen hatte/ an Christo vnserm Her- ren / darumb das GOTT allein in jhm wirckte ohne hindernuͤß. Denn es gefallen GOTT die Wercke nicht/ derer er nicht ein Anfang vnnd Gott alle- zeit bereit in vns zu wircken. Ende ist. Vnnd weil GOTT so eine grosse Liebe hat zu dem Men- schen in jhm zu wircken/ weil dasselbe seine Natur ist/ so wartet er allezeit auff reiniget von den Creaturen. auff vns/ vnnd ist mehr bereit dem Menschen zu geben/ denn der Mensch bereit ist/ von GOTT zu begeren. Darumb so verseume diese zeit nicht/ denn nach dieser zeit/ wird ein jeder empfangen wie er gelebet hat/ vnnd worzu sein Hertz geneiget gewest/ es sey boͤses oder gutes: GOTT oder die Creatur. Vnnd wenn nach der zeit alle Heiligen GOTtes/ fuͤr einen Diß Lebẽ ist die zeit der bekeh- rung zu Gott/ vnd abwen- dung võ irrdischen. Menschen beketen vnd Blut weine- ten/ wuͤrde es jhm doch gar nicht helf- fen/ jhm wird weder zu noch abge- legt/ sondern worzu er sein Hertz geneiget/ vnnd womit er dassel- be vereiniget hat/ das wird jhm blei- ben. Gleich wie nun der wahre leben- dige Glaube das Hertz reiniget von der Welt Liebe/ so reiniget er dasselbe auch von den vnordentlichen affecten, vñ neigungen/ als vom zorn/ vngedult/ vnd pflantzet dagegen sanfftmut vnd Gedult Wie der wahre Glaube das Hertz Gedult gegen den Nechsten. Denn anders kan Gott nicht Wircken in den Gleubigen Hertzen/ denn was seine Natur ist. Nun ist GOtt nichts an- ders denn Liebe/ Sanfftmuth vnd Ge- dult/ als wir sehen an vnserm He rrn Wahrer Liebe ei- genschafft JEsu Christo. Die Liebe Gottes aber gehet vber alle Menschen/ vnnd erbarmet sich vber alle/ darumb Wirckt Er auch eine solche Liebe in den Gleu- bigen/ die Niemandt außschleust in dieser zeit/ weder Feind noch Freund/ vnnd ist allezeit vereiniget mit allen Menschen/ gleich als mit GOtt. Es Frewet sich auch die Liebe/ alles des guten/ das GOtt dem Menschen gibt/ vnnd der mannicherleyen Gaben der Glieder Christi/ vnnd dienet denselben mit Ehrerbietung. Denn gleich wie denn Edelsten Gliedern/ alle andere Glieder dienen/ als die Handt dienet dem Haupt/ den Augen/ dem Hertzen: Also soll eine solche vereinigung sein der Glieder des Geistlichen Leibes Christi. reiniget von den Creaturen/ Christi. Vnd weñ wir vnter desselben Vereini- gung der Geistlichẽ Glieder am Leibe Christi. wissen ein Edeler Glied den wir vns selbst erkennen/ dz solten wir viel lieber haben denn vns selbst/ vnnd solten vns dessen so viel mehr frewen/ so viel mehr dasselb von seinem Edelen Haͤupte Jesu Christo Gaben empfangen hat/ Denn solches ist ein gemein Gut eines gemeinen Leibes/ so herab fleusset von vnserm allgemeinen Haupt Christo/ vnd desselben kan man nicht geniessen denn durch die Liebe/ denn die Liebe machets vnser eigen/ vnd alles was ich in GOtt liebe/ das ist mein vnd genies- se desselben. Alle Gaben so GOtt ei- nem frommen Menschen mittheilet/ Alles gu- te in Gott zulieben. die sind so wol mein als dasselbe/ wenn ich sie in GOtt Liebe/ denn die Liebe machets vnser eigen. Ja wenn ein Mensch seiner empfangenen Gaben halben sich nicht erhebet/ als es denn sein soll/ sondern sich vnd seine Gaben/ fuͤr klein vnd nichtes helt. Ich Liebe sie aber in GOtt/ so seind sie eigentli- cher Wie der wahre Glaube das Hertz cher mein denn sein. Vnd also werde ich Geistlich reich in GOtt. Vnnd theilhafftig aller Guͤter im Himmel vnd Erden/ vnd in allen Gottes Freun- den. In dem einigen Heupt Jesu Christo. Es muß wircklich vnd wesent- lich alles in mich fliessẽ/ daß diß Heupt in seinen Gliedern hat/ in Himmel vnd Erden/ in Engeln vnnd Menschen. Aus der Liebe ge- dult. Aus solcher innerlichen Liebe quillet auch heraus die gedult/ dardurch man alles Creutz williglich auffnimpt als eine bereitung zu sondern hohen gnadẽ Creutz be- reitet alle- zeit zurson derbaren guade. Gottes/ denn kein Crentz ist es bringet eine sondere gnade mit sich/ daher ein heiliger Mann sagt: GOtt gruͤsse dich lauter bitter Leyden voller gnade/ denn S. Petrus spricht: So jhr vmb Christi 1. Epist. 2. willen das vbel vertraget vnnd leidet das vnrecht/ das ist gnade bey Gott. Vnd vmb der Liebe des Creutzes Woher freude in Truͤbsal. Christi willen/ sein Creutz williglich tragen/ bringet dem Hertzen endlich grosse freude/ vnd friede: Darumb wer in reiniget von den Creaturen. in seinem außwendigen oder inwendi- gen Creutz geduͤltig leidet/ ohne klage/ ob gleich sein Hertz sehr verwundet wird/ vnd er leidet das zu liebe den hei- ligen Wunden Christi/ denselben wer- den seine Wunden vnnd Schmertzen/ innigliche freude bringen. Denn wer sich GOtt also im Creutze lesset/ deme wird GOtt endlich selbst zu trost vnnd zum Friede. Vnnd dieser Friede ist ein recht Goͤttlich Kleinot vnnd Suͤssig- Friede des Hertzens so GOtt gantz ge- lassen. keit/ so der inwendige Mensch schme- cket/ von welchem Friede niemand sa- gen/ oder denselben verstehen kan/ denn der jhn selbst hat/ vnd das ist der Friede der hoͤher ist denn alle Vernunfft/ daruon S. Paulus sagt/ Phil. 4. Das Wie das Liecht in vns muß vntergehen Das X. Capittel. Wie das natuͤrliche Liecht in vns muß vntergehen/ vnd das Gnadenliecht auffgehen. 2. Cor. 4. Gott der da hieß das Liecht herfuͤr leuchten aus der Finsterniß hat einen hel- len schein in vnser Hertz ge- ben. Vnter- scheidt des natuͤrlichẽ vnd Gna- denliechts D As natuͤrliche Liecht vnd das Gnadenliecht zu vnterschei- den/ ist zu mercken/ der vnter- scheidt der Seelen vnnd jhrer Kreffte: Nemlich der vernuͤnfftigen Krafft vnd des Willens/ vnd der sinnlichen Kraͤff- te: Vnnd dann der lauteren blossen Substantz vnnd Wesen der Seele. Dauon im 20. Capittel weiter in den ersten/ als in den kraͤfften der Seelen/ Vernunfft/ Willen vnnd Sinnen ist das natuͤrliche Liecht. Vnnd so lange dieselbe des Menschen Seele gefangen hal- vnd das Gnaden Liecht auffgehen. halten/ kan das Gnaden Liecht/ die lauter blosse Seele nicht erleuchten/ darumb wo das Gnadenliecht soll scheinen/ da muß das Natuͤrliche Liecht vntergehen/ denn die erleuchtigung des Das Na- tuͤrliche Liecht muß vn- ter gehen/ soll das Gnaden- Liecht scheinen. Gnaden Liechtes ist vber alle Sinne vnd Vernunfft. Ja es wird durch die Natuͤrlichen Sinne vnnd Fleischliche Vernunfft verhindert. Da siehestu was der Natuͤrliche Mensch/ in Goͤtt- lichen dingen vermag? lauter nichts. Wie aber das Gnaden Liecht gemei- ner ordnung nach in der Seelen auff- gehet/ da mercke: GOtt hat ein Gna- den Wort das lest Er verkuͤndigen: Joh. 6. Vnd wircket durch dasselbe/ vnd das- selbe Wort ist Geist vnnd Leben/ wie- wol nun GOtt in allen dingen ist mit seiner Gewalt/ Wirckung vnd Leben/ so hat Er doch nirgend seine eigne Werckstatt seine Gnade zu Wircken/ Die Seele Gottes Werck- stat. vnd das Gnaden Liecht anzuzuͤnden/ denn in der Seele des Menschen. Dar- umb das Goͤttliche Liecht/ vnd erleuch- G tigung Wie das Liecht in vns muß vntergehen tigung der Seelen/ nirgend anders her- kompt/ oder kommen kan/ weder auß Sinnen noch Vernunfft/ noch auß al- len andern Natuͤrlichen krefften/ als allein auß der wirckung der Gnaden Gottes/ in der Seele des Menschen. Hierauß fleusset aller Trost vnd Friede der Seelen/ alle Warheit/ Weißheit/ vnd Leben/ diß bestehet ewiglich/ denn es ist das ewige Gut der Seelen: Alles andere aber was von aussen die Sinne vnd Vernunfft begreiffen/ dz verdirbet alles/ als ein thummes Korn/ vñ lesset keine Frucht hinter sich. Diß ist allein der Seelen Gut/ nemlich die vereim- gung Gottes/ vnd seine Gnadenwir- ckung. Derselben koͤnnen andere Crea- turen nit theilhafftig sein/ in denen das Bilde Gottes nit ist/ deñ sein Bilde al- Ernewe- rung deß Bildes Gottes im Men- schen. lein zieret vñ schmuͤcket Gott mit Liecht Weißheit/ vñ Gnade/ aus diese Liecht kommen der Seelen jhre rechte Geist- liche kraͤffte wieder/ nemlich Verstand Weißheit vnd Erkentniß/ die sie zuuor nicht vnd das Gnaden Liecht auffgehen. nicht gewust/ auch im willen/ ein ge- schmack der Goͤttlichen Liebe/ so zart vnd lieblich/ dz einer solchen erlenchten Seele/ alles verdreust vnd zuwieder ist/ was nicht Goͤttlich ist. Viel guter be- wegung vnnd antreibung spuͤret man/ die du wol merckest/ das sie von innen auß deinem Hertzen kommen/ vnd von keiner Creatur. Es mag wol die Crea- tur einen bewegen zur lust/ verwunde- rung vnd Frewde/ aber das kompt von aussen. Der vnterscheid aber ist hie wol zumercken/ das der innerste grund der Seele/ vber alle Sinne vñ Vernunfft/ durch diß Gnaden Liecht beruͤret wird/ vnd je mehr du ledig bist von außwen- digen Creaturen/ je oͤffter vnd lauterer diß geschicht/ das du Liecht vnnd Warheit empfindest: Auß diesem Erkent- niß der Warheit koͤmpt auß dem Goͤttlichẽ Liecht. Liecht gehet nun die Erkentniß der Warheit/ vnnd wenn man diesen grund verlesset/ vnnd sich in die auß- wendigen Phantaseyen begibt/ da- her kompt Irrthumb. Denn Warheit G ij ist in- Wie das Liecht in vns muß vntergehen ist inwendig im grund der Seelen/ vnd nicht außwendig. Auß diesem Liecht der Seelen steiget offt auff ein solcher heller schein vnd glantz/ das ist: Eine solche erkentniß/ das der Mensch offt mehr weiß vnd erkennet/ denn jhm Je- mand lehren kan. Vnnd welcher Mensch deß Goͤttlichen Liechtes in jhm gewar wird ein Augenblick/ der wird also getroͤstet vnnd erfrewet/ das dieselbe Wonne vnd Frewde vbertrif- fet Tausentmal/ alle Wonne/ Frewde vnd Trost/ die alle Welt mit einander leisten mag/ doch ist diß alles in den ni- dersten krefften der Seelen. Auß die- sem Fundament/ hat der Koͤnigliche Prophet Dauid geredt/ Psalm. 119. Du machest mich mit deinem Gebot Weiser denn meine Feinde/ denn es ist ewiglich mein Schatz/ ich bin Gelerter denn alle meine Lehrer/ ich bin kluͤger denn die Alten/ denn ich halte deinen befehl/ dein Wort macht mich klug/ darumb hasse ich alle falsche Wege. Vnd vnd das Gnaden Liecht auffgehen. Vnd auff diesen grund ist derselbe gan- tze lange Psalm erbawet/ das in jhm moͤge das Goͤttliche Liecht leuchten/ das in jhm moͤge das Goͤttliche Wort reden/ das er moͤge diesen Schatz in jm Das Goͤlt liche Licht bringet verachtũg deß zeitli- chen. durch Gottes furcht vnnd erhaltung der Gebot Gottes bewahren/ oder ja nicht verlieren. Darumb ist jm dz Ed- le Wort vnnd Gesetz Gottes/ lieber denn viel tausent stuͤck Goldes vnnd Silber. Summa wenn die Seele diß hohe Gut in jhr befindet/ vnnd diesen Himlischen Schatz/ so achtet sie aller Welt Gut vnd Herrligkeit fuͤr Koth Eccles. 1. vnnd sagt mit Koͤnig Salomon/ es ist alles eitel. Weil nun diß Liecht nicht leuchten kan in den Gottlosen/ denn was hat das Liecht fuͤr gemeinschafft 2. Cor. 6. mit der Finsterniß/ vnd aber diß Liecht der hoͤchste Schatz der Seelen ist/ so bittet der liebe David so hefftig/ so fleissig/ so embsig im 119. Psalm (mit solcher Geistlicher Eloquentz vnnd copia, daruͤber man sich zuuer- G iij wun- Wie das Liecht in vns muß vntergehen wundern) das jhn Gott woͤlle fuͤr Fin- Finster- niß der Suͤnden dempfet das Gna- den Liecht sterniß der Suͤnden bewahren/ vnd in seiner Furcht erhalten. Ja es ist diß Gnaden Liecht so vberschwenglich gut vnnd groß/ das es auch offt als ein Stral in der Gottlosen Hertzẽ schlegt/ vñ sie warnet fuͤr jrem verderben/ wel- ches nirgend anders herkoͤmpt/ denn Joh. 1. von dieser Erleuchtigung. Also scheinet diß Liecht offt in der Finsterniß/ aber die Finsterniß koͤnnen es nicht begreiffen. Warumb aber diß Liecht/ den innerstẽ/ grund der Seelen beruͤhre/ ist diese Vr- sach/ dz die kreffte d̕ Seelen zerstrewet sein in die eusserliche Sinne/ da keine Ruhe ist. Denn daselbst ist keine Eccle. 1. Ruhe/ da das Ohr alle ding hoͤren will/ da das Auge alle ding sehen/ das Hertz alle ding bedencken will: In eusser- lichen sin- nen keine ruhe. Denn das ist eine vnruhige/ vnd zer- strewete Seele mit jhren krefften: Diß Liecht aber suchet vnnd begehret/ einen stillen Sabbath des Hertzens/ auff das vnd das Gnaden Liecht auffgehen. das der Mensch von innen Erleuchtet werde/ das seine Sinne/ Vernunfft/ Verstandt/ Wille vnd Gedechtnis/ von innen auß dem grund der Seelen/ Erleuchtet werden. Da hoͤret der Mensch anders als zuuor/ siehet an- ders als zuuor/ redet anders als zuuor/ denn dasselbe sind denn nicht schlech- te gemeine Wort/ sondern kraͤfftige Wort des Geistes/ da schawet die Er- leuchte Seele im Geist die Herrlich-„ keit Gottes/ vnnd seufftzet nach jhm„ vnd spricht: Ach Gott du bist meinen„ Augen der aller schoͤnste: Meinem„ Munde der aller suͤssete/ meinen Oh- ren der allerlieblichste/ meinem Her- tzen der allerliebste: So ist denn des Menschen thun nicht sein/ sondern es ist Gottes Werck in vns/ vnnd so viel GOtt Edler ist denn alle Creaturen/ so viel ist auch Gottes Werck Edler denn der Menschen/ darmnb liegt auch vnsere Seligkeit nicht an vnsern G iiij Wer- Gott ist allein der Seelen Liecht. Wercken/ sondern an Gottes gnade: Also ist auch vnsere Seele viel seliger/ durch Gottes Werck/ wenn sie Gott leidet/ vnd in jhr Wircken lesset/ denn wenn sie jhr eigen Werck thut/ denn also thut die Seele nichts ohne Gott vnd ausser Gott in allen Wercken. Das XI. Capittel. GOtt ist allein der Seelen Liecht/ vnd leuchtet von innen herauß/ in Christlichen Tugenden vnnd Wercken/ gegen dem Nechsten sonderlich in Richten vnd Vrtheilen. 1. Joh. 4. GOtt ist ein Liecht vnnd ist kein Finsternuͤß in Ihm. Gottes Lust die Menschen zuerleuͤch- ten. G Ott ist das hoͤchste/ lauterste/ reineste/ subtilesie/ klaͤreste vnd schoͤnste Liecht vnnd hat eine Vnmaͤßliche Liebe zu deß Menschen Seele/ sie zuerleuchten/ vnnd sich mit vnd leuchtet von innen heraus. mit jhr zuvereinigen/ wird aber verhin- dert durch die Finsterniß/ welche die Menschen mehr lieben dann dz Liecht. Joh. 1. Die Finsterniß aber der Seelen/ ist die Liebe dieser Welt/ vnd die eigne Liebe/ dieselbe hindert GOtt/ vnd sein Ede- les Goͤttliches Werck im Menschen/ sol nun die Seele das Goͤttliche Liecht empfahen/ so muß sie sich nicht selbst Was deß Menschen Fin ster- niß. mit den Creaturẽ verfinstern/ mit geitz/ mit zorn/ mit eigner Liebe/ mit Hoffart mit Fleisches lust/ denn solches ist die Finsterniß/ darin der Gott dieser Welt 1. Cor. 4. herrschet/ darumb muß der Mensch ab- lassen/ von allem dem das Gott nicht selbst ist/ von jhm selber/ vnd von allen Creaturen/ denn das heisset absagen Luc. 14. allen deme das er hat. Einem solchen Menschen schmecket allein Gott vnnd Niemandt anders/ vnd derselbe wird in der Warheit erleuchtet/ vnd so er mit der Welt muß vmbgehen/ brauchet er Wie man mit den Creaturẽ sol vmb- gehen. alles in demuͤtiger furcht/ vnnd behelt den grund seiner Seelen rein von den G v Crea- Gott ist allein der Seelen Liecht Wie man mit den Creaturẽ sol vmb- gehen. Creaturen vnd von der Welt. So er- leuchtet denn Gott von innen/ denn es muß alles von innẽ aus/ herfuͤr quellen aus Gott. Diß innerliche Liecht leuch- tet denn außwendig in den Wercken/ vnd was du denn thust/ oder redest/ oder leidest/ ist nicht dein oder der Natur/ sondern deines Gottes/ deme du dich gelassen hast. Denn sage mir/ wessen ist das Werck/ der es thut/ oder der es leidet? Es ist freylich dessen der es thut. Das gute in vns ist Gottes. Womit dich Gott nun beweget. Es sey heilige begierde/ gute meinung/ Gebet oder Danckbarkeit/ so ist es alles sein vnd nicht dein: Darumb laß GOtt in dir wircken/ vnd seinen willen in dir ha- ben/ also thustu alles in jhm durch jhn/ vnd er in dir: also muß alles in Gott ge- Johan. 3. Die gute Wercke muͤssen in Gott ge- than wer- den. hen/ vnd in Gott geschehen/ daß wir in jhm loben/ beten/ vnd alles thun: Vnd das allergeringste von Gott gethan ist besser denn aller Creaturen Werck. Daher kommen die rechte Tugende/ denn die Tugend ist nicht ein Tugend/ sie vnd leuchtet von innen heraus. sie komme denn von GOtt oder durch GOtt/ oder gehet zu GOtt vnnd in Gott. Je groͤsser aber die lust der Cre- aturen/ vnd die Welt Liebe in dir ist/ je ferner dir Gott ist/ je neher dir aber Gott ist/ im innern grunde deiner See- len. Je mehr seine Liebe vñ Barmher- tzigkeit gegen dem Nechsten in deinen Wercken herfuͤr leuchtet. Denn vnser lieber Herr spricht: Ich bin das Joh. 8. Liecht der Welt/ darumb sollen wir hafften an der wahren Liebe vnsers Hauptes/ so werden wir erleuchtet in Christo. Denn alle vnsere Wercke allein Liecht sein/ die auß Gott gehen/ Wercke der Liebe. vnnd sollen Leuchten in der Finsterniß vnsers Nechsten/ in Gedult in Sanfft- muth/ in Demuth/ in Troͤsten vnnd Mittleiden/ in besserung/ vnnd sonder- lich in Gedultmuͤtiger straffe/ vnnd Vrtheil. Denn von vbermuͤtigem Vr- theil des Menschen vber seinen Nech- Vbermuͤ- tigen Vr- theils scha de. sten/ entstehet ein eigen wolgefalle sein selbst/ vnnd auffgeblasene Hoffart/ ver- Gott ist allein der Seelen Liecht/ verachtung vnd vernichtung des Ne- hestẽ/ dasselbe ist eine boͤse Wurtzel vie- ler Suͤnde/ vnd des Teuffels selbst/ der aus dem Samen d̕ hoffart gewachsen: vnd daselbst ist der heilige Geist nit mit seinem Liecht/ wo er aber ist/ da vrthei- let er den Menschen nit ehe/ denn aus hoher Notturfft/ mit grosser gelindig- keit vnd erwartet der zeit vnd Ortes/ da es sich wol fuͤget/ auff daß man nicht zehen Wunden schlahe/ ehe man eine heilet: Man sol auch den Menschen in seinem Vrtheilen/ nicht verkleinern vnd vernichten in keines andern Men- schen Hertzen/ es sey Geistlich oder Weltlich/ sondern es sol gehen aus ei- ner lautern Liebe/ Freundligkeit vnnd Sanfftmuht/ so bleibet der Mensch selbst in Demut vnd Armut seines Gei- stes/ vnd wandelt seinem He rrn nach/ wird sanfftmuͤtig als ein Lemblein/ ge- gen die so jhn zu wieder seyn. Die vr- theilenden Menschen aber sind als die Schlangen/ so die alte Schlange der Teuffel vnd leuchtet von innen heraus. Teuffel außgebruͤtet/ dieselbe schleicht vnnd geust jhren Gifft in sie/ dasselbe giessen sie denn wieder aus/ mit verklei- nerung vnd vernichtung des Nehesten. Sie erkennen vnnd sehen nicht wer sie selber seyn/ vnd wollen andere richten. O Mensch nim dieses deines salschen grundes war/ vnd richte dich selbst vnd sonst niemand. Denn das falsche na- Deß Na- tuͤrlichen Liechtes Wercke. tuͤrliche Liecht betreuget dich/ vñ schei- net außwendig in Hoffart/ vnd eignem wolgefallen/ in eignem Ruhm vnd Vr- theil anderer Menschen. Darumb wisse daß diß nicht ist GOttes Liecht in dir/ sondern des Sathans Finsterniß. Aber das warhaffte Goͤttliche Liecht/ das erniedriget sich vnd helt sich klein/ vnd gering in allen dingen: Es pranget nit eusserlich/ sondern es suchet den inwen- digen grund daraus es geboren ist/ nemlich Gott/ da eilet es wieder zu mit allen Krefften/ vnnd duͤncket sich der geringste/ schnoͤdeste/ krenckeste/ vnnd Blindeste/ denn es ist etwas bessers da/ das Gott ist allein der Seelen Liecht/ etc. das ist Gottes vnnd nicht sein. Dar- Richte dich selbst umb siehe fuͤr allen dingen/ auff dich felbst/ vnd nicht auff ander Leute/ son- derlich auff jhre Suͤnde/ damit du nit selbst in mißfallen vnnd bitterkeit deß Gemuͤtes/ deinen Nechsten Vrthei- lest/ denn dasselbe thut so grossen scha- den in deß Menschen Seele/ das es zu- erbarmen ist. Darumb kehre dich da- von so lieb als dir GOtt selbst ist/ vnd kehre dich zu dir selbst/ vñ besiehe ob du die Gebrechẽ/ nit auch in dir findest/ dz Wie ande- rer Gebre chen anzu- sehen. du sie entweder in vergangner zeit ge- habt/ oder jetzo habest. Findestu sie in dir so gedenck dz es Gott also gefuͤget hat/ dz du dieselbe an einẽ andern sichest dz du dadurch kom̃en sollest zum erkent- niß vnd rewe desselben/ vnd besserung deines Lebens/ als denn bitte fuͤr densel- ben das jhm Gott erkentniß vnd besse- tung verleihe/ nach seinen willen. Also wird ein gut Hertz gebessert von ander Leut Gebrechen/ vñ fuͤr allem mißfal- len vnd Vrtheil deß Nechsten behuͤte. Das Ein Christ sol in den grund/ etc. Das XII. Capittel. Ein Christ sol zum wenigsten des Ta- ges einmal/ von allen eusserlichen dingen sich abwenden/ vnd in den grund seines Her- tzens einkeren: Vnd was er davon fuͤr grossen nutz hat. Psal. 116. Sey wieder zufrieden meine Seele/ oder kehre wie- der in deine Ruhe/ denn der HErr thut dir guts. D IE Seele der Menschen so Die Seele muß mit dem einen vereiniget werden. sich in den eussern dingen so weit außbreitet vnd den Crea- turen allein anhanget/ ist gar verirret wie ein verirret Schaff. Daran legt nun GOtt der Herr alle seinen Psal. 119. fleiß/ das Er eine solche Seele wie- der samle/ dieselbe von den Creaturen erledige/ in sich selbst einkehre/ auff das Er sein Edeles Goͤttliches Werck in jhr vollbringen moͤge/ daher der H. Koͤnig- Ein Christ sol in den grund Koͤnigliche Prophet David seinen langen 119. Psalm mit dem Wort be- schleusset: Ich bin wie ein verirret Schaff/ suche deinen Knecht. Welcher Beschluß einem Fleischlichen Men- schen nerrisch deucht/ aber einem Gott Weisen zeigt er das gantze Werck der Erleuchtigung/ vnd Himlischer weiß- heit. Denn die Seele des Menschen Wie die Seele zu Gott na- he. ist gesetzt zwischen Zeit vnd Ewigkeit/ wendet sie sich zu d̕ zeit/ so vergisset sie der Ewigkeit/ vnd werden jhr alle ding ferne/ die GOtt zu gehoͤren: Wendet sie sich aber zu der Ewigkeit/ so vergis- set sie der Creaturen/ erlanget jhre Freyheit vnd wird Gott nahe. So zeu- het sie GOtt zu sich vnnd das ist seine hoͤchste freude/ daß er sein Werck in des Menschen Seele haben mag/ da empfindet denn die Seele jhre rechte Ruhe/ jhre rechte Speise/ jhr rechtes Leben/ die Fruͤchte der Salbung/ da- uon du ein Christ genennet bist. Siehe solte nun ein wahrer Christ nicht teg- lich seines Hertzens einkehren. lich zum wenigsten einmal/ diese Him- lische Seelen Speise/ welche GOtt selber ist/ geniessen? Der Seelen jhre rechte Ruhe geben/ vnd jhr rechtes wa- res Leben? Verstuͤndestu das/ du wuͤr- dest tausentmal mehr lauffen nach dem Ewigen als nach dem Zeitlichen. Vnnd wenn du denn gleich ein gantz Creaturen schaden nicht weñ sie nicht dz Hertz Ge- fangen halten. Koͤnigreich hettest/ wie David/ es wuͤrde dir nicht schaden/ wuͤrde dich auch nicht hindern oder auffhalten. Denn die Creaturen schaden dir nichts wenn sie nur die Seele nicht gefan- gen halten/ oder wie der Psalm saget/ wenn du dein Hertz nicht dran hengest: Psal. 62. Denn dasselbe sol allein an Gott han- gen. Auß diesem grunde spricht Da- vid im 73. Psalm/ Herr wenn ich nur dich habe/ so frage ich nichtes nach Himmel vnd Erde. Wenn diese suͤsse begierde/ vnd Liebe Gottes/ die Seele beruͤhret/ so vergessen solche Gottlie- bende Seelen in solcher suͤssen Liebe Gottes/ alles leiden/ achtens klein vnd H gering Ein Christ sol in den grund/ gering/ bekuͤmmern sich nicht ob man sie Liebe oder Hasse/ denn sie haben steten friede/ in GOtt mit allen Crea- turen/ mit Feinden vnd Freunden/ vnd diesen Menschen ist allezeit des He r- ren Christi Joch suͤsse/ denn sie sind in Matth. 11. Christo vnd Christus in jhnen/ Chri- stus treget sein Joch in jhnen/ vnnd sie in Christo: Seine buͤrde macht er jhnen leicht/ denn er tregt sie in jhnen/ vnd sie in jhm. Darumb sagen sie mit Phil. 4. S. Paulo/ wir vermoͤgen alles in Christo. Siehe nun wie hoch noͤtig einen Christen ist/ vnd wie heilsam vnd nuͤtzlich/ Taͤglich zum wenigsten ein- mal einkehren in sein eigen Hertz/ in GOtt vnd Christum/ vmb der Ruhe willen seiner Edlen Seele/ vmb deß Gott goͤn net das zeitliche/ wenn nur das Hertz jhm an- hanget. rechten gebrauchs willen deß zeitli- chen/ welches zeitliche dir Gott woll goͤnnet vnd erlaubt/ so du in Demuth vnnd Gottes furcht wandelst/ vnnd in Gott taͤglich wieder einkehrest. Ja auch vmb deines Armuts willen/ denn eine seines Hertzens einkehren. eine solche Seele verlesset Gott nicht/ es muͤsten jhr ehe alle Creaturen die- nen/ vnnd endtlich vmb deines taͤgli- chen Creutzes vnd Buͤrde willen/ das es dir in Christo suͤsse vnnd leicht wer- de: So erinnert dich solches der Geist Gottes der in dir ist/ das du wuͤnschest vnd seufftzest das du GOtt lauter allein lieben muͤgest/ vnd wenn du daran verhindert wirst/ so ist dirs leidt/ vnnd das ist denn der rechte in- nerliche beruff deß Heiligen Geistes/ oder das anklopffen deines Breuti- Apoc. 3. gams an die Thuͤr deines Hertzens/ zum Lebendigen zeugniß/ das dein Hertz/ soll seine eigner thalamus vnnd Brautkammer sein. H ij Das Weñ die Liebe der Creaturen außgehet/ Das XIII. Capittel. Wenn die Liebe der Creaturen außge- het/ so gehet Gottes Liebe ein vnd von den herrlichen wirckungen vnd affecten der Goͤttlichen Liebe in vns. 1. Joh. 2. So Jemand die Welt Lieb hat/ in dem ist die Liebe des Vaters nicht. S O der Mensch Gottes will fe- hig werden/ seine Wohnung vnd Tempel sein/ so muß er die Welt Liebe außziehen/ vnd sich in der Goͤttlichen Liebe vben. Denn er kan Welt Lie- be muß außgehen sol Gottes Liebe ein- gehen. zur lautern Goͤttlichen Liebe nicht kommen/ er laß denn die Liebe der Welt fahren vnnd vereinige sich mit Got- tes Liebe. GOtt muß vns aber mit seiner Goͤttlichen Liebe beruͤren/ sollen wir mit jhm recht gruͤndlich vereiniget werden/ gleich wie ein Magnetstein/ das Eysen beruͤhret vnnd nach sich zeuhet. Nun so gehet Gottes Liebe ein. Nun ist Gottes Liebe gegen die Menschliche Seele so groß/ das sie Gottes Liebe ist allgemein vberall leuchtet vnnd scheinet/ groͤsser denn die Sonne am Himmel/ ja gegen die Sonne zurechnen/ als wenn der grosse Himmel/ vberall lauter Sonne were/ vnd hat also der Ewige GOtt der die Liebe selber ist keine schuldt/ aber sein Liecht vnnd Gaben werden von dem Menschen verhindert. Denn so er kompt mit seiner Milden Zarten Wodurch Gottes wirckung verhin- dert wer- de. vnnd Edelen Liebe/ so findet Er der Menschen Hertz voll Welt Liebe/ vnd voll boͤser Geister/ das ist voll Hoffart/ Geitz vnd Wollust/ Haß vnnd Neid/ vnnd voll boͤser Gedancken/ als denn muß der guͤtige GOtt mit seiner Liebe vnd Gnade/ wider zuruͤck kehren/ denn deß Menschen Seele ist allbereit durch den Magneten dieser Welt/ ja mit dem Hellischen Magneten beruͤhret/ wel- cher jhn nicht zu dem Himmel sondern zu der Hellen zeuhet/ da doch der liebe GOtt bereit ist/ als die Sonne am H iij Him- Weñ die Liebe der Creaturen außgehet/ Him̃el allezeit zugeben seinen Gnaden- schein einem jglichen Menschen/ wenn er sein Hertz frey lauter vnnd rein be- halten koͤnte/ von der Creatur Liebe. Darumb ist die schult vnser vnnd nicht Gottes. Dawieder dienet nun die bewahrung vñ custodia fuͤr der Welt Liebe. Die bekerung von der Welt zu dem Lebendigen Gott/ vnd ein emb- sig Gebet/ das wir die Goͤttliche Lie- be die vns mit GOtt vereiniget suchen in Christo/ vnnd an die Thuͤr seiner Heiligen Wunden klopffen/ in jm vn- ser Seligkeit suchẽ/ so wird er vns auff- thun vnd eingehen lassen/ in die Liebe der vereinigung mit GOtt/ dadurch nahet der Mensch zu Gott vnd verles- set die Welt/ so beruͤhret jhn denn Gott mit seiner Liebe/ vnnd erfrewet jhn je mehr vnd mehr. Denn solte dich der Gott er- frewet besser als die Crea- turen. liebliche GOtt nicht baß ergetzen moͤgen/ denn die Elende Nottuͤrffti- ge vnnd verderbte Creatur. Der Mensch der nun Gott Lieb hat/ so gehet Gottes Liebe ein. hat/ wird von allen Heiligen vnnd von allen Engeln/ vnmessiglich sehr gelie- bet/ also das alle Liebe die man erden- cken kan/ dieser Liebe nicht gleich ist. Vnnd wenn ich GOtt liebe/ so ha- ben mich alle lieb die im Himmel sein/ vber alle masse vnnd vber alle Liebe auff Erden. Denn das ist ein vn- gleich ding was die wollen vnnd wuͤn- schen vnd Lieben so im Himmel sein/ vnnd was die wuͤnschen so auff Erden sein. Ja alle Heilige vnnd alle En- gel haben an vnser Gottes furcht vnd guten Wercken/ eine solche grosse Frewde/ die kein Mund außsprechen kan/ denn sie haben GOtt vnauß- sprechlich Lieb/ also das seine Ehre jhnen lieber ist denn jhre seligkeit. Dieser Liebe Gottes zeichen aber Die Crea- turen mit furcht vñ demuth zugebrau- chen. ist/ das sie der Creaturen mit furcht vnd Demuth gebrauchet. Denn Gott beruͤhret den Menschen also mit furcht vnnd Demuth Tag vnnd Nacht/ er H iiij Esse Weñ die Liebe der Creaturen außgehet/ Esse oder Trincke/ dz er alles in Kindt- licher furcht gebrauchet. Darauff folget denn ein heimlich seufftzen vnnd jammern nach Christo/ vnnd nach der Erloͤsung von dieser Welt/ weil der Mensch in seiner verderbten Natur so viel Suͤnde vnnd Vnflath verborgen findet/ die Gottes Liecht vnnd Gnade Seufftzen zu Christo in jhm hindert/ daruͤber seufftzet er mit S. Paulo Roͤm 7. Ich Elender Mensch/ wer wil mich erloͤsen/ von dem Leibe dieses Todes. Vnnd eben darumb muß man seufftzen vmb Gna- de/ damit man gestercket werde/ diesen Jammer desto baß zu tragen/ damit man nicht zu Kranck werde in diesem Elende. Darumb haben alle Heiligen gejammert vnnd geseufftzet/ wegen der angebornen eitelkeit/ vnd Fleischlichen Liebe/ denn ohne zweiffel mag kein Mensch der Goͤttlichen Gnade em- pfindtlich sein/ dessen Hertz mit den Creaturen besessen ist. Denn wer GOtt suchet/ vnnd suchet etwas mit jhm so gehet Gottes Liebe ein. jhm er findet jn nicht. Wer aber Gott allein suchet in der Warheit der findet GOtt al- leine zusu- chen. GOtt/ vnd alles was Gottes ist vnnd was GOtt je geben vnnd leisten kan. Denn wer nichts anders suchet noch meinet den lauter GOtt/ deme entde- cket GOtt/ vnnd giebet jhm alles das Er verborgen hat in seinem Goͤttli- chen Hertzen/ das es jhm so eigen ist/ als es Gottes eigen ist. Das XIIII. Capittel. Eine jede Christliche Seele/ die eine Wohnung Gottes sein wil/ muß mit grosser Gedult bereitet werden/ vnd die Liebe Gottes behalten vnd was die Liebe sey vnd wircke. Esa. 53. Christus ist wie ein Laͤmlein das zur Schlacht- banck gefuͤhret wird. W Er sein Hertz recht will berei- ten das er mit Christo verei- niget bleibe/ der muß Christi H v Sinn Eine Christliche Seele Sãfftmut vñ gedult gehoͤrt zu den warẽ Liebha- bern. Sinn vnd gemuͤte haben/ vnd muß ein Lemblein sein wie er ist/ das ist geduͤltig vnd sanfftmuͤtig wie Christus. Ma- che es nun wie du wollest/ wende dich hin vnnd her/ du must ein Schefflein vnnd ein Lemblein seyn/ wiltu deinem Herren nachfolgen. Dein Herr spricht Matth. 10. Siehe ich sende euch wie Schaffe mitten vnter die Woͤlffe. Darumb mache es wie du wilt du must vnter die Woͤlffe/ die werden dich zausen/ mit list vmb dich hergehen/ vnd zerreissen. Darwieder hastu aber keinen bessern Sieg denn Willig leyden ist der Sieg im Creutz. die gedult: Die Stilligkeit/ Sanfft- mut vnd williges leiden/ wie du solches an dem Lemblein GOttes siehest. Gleich wie nun GOtt einen wolge- fallen hat an Christo/ dem Sanfftmuͤ- tigen Lemblein/ also gefellet jhm dei- ne gedult wol/ vnd er will deine gedult exercieren vnnd vben. Darumb lasse dich seinem willen/ in was weise vnnd wege er dich auch vben will/ durch wem muß mit gedult bereitet werden. wem vnd zu welcher zeit/ Es sey durch sich selbst oder durch Menschen/ oder durch den Feind/ oder durch alle Crea- turen/ im Himmel vnd Erden/ durch Scheltwort oder Verachtung oder was es sey/ daß du als denn stille schweigest vnd leidest. Siehe so kompt denn der getrewe Hirte/ vnnd suchet diß Schefflein/ vnnd tregets auff sei- nem Ruͤcken/ vnnd so wird eine solche Seele vber alle Creaturen gefuͤhret zu GOtt/ denn Christus fuͤhret nir- gend anders hin den zum Vater. Koͤmpt aber das blinde Fleischliche vr- theil vnnd spricht/ warumb wiltu dich also verachten vnnd vnterdrucken las- sen/ so laß die Sanfftmut antworten vnnd nicht die Rache/ vnnd siehe an das Vorbilde des gecreutzigten Lemb- leins GOttes. Siehe zu das du ein Lemblein bleibest/ das ist: Die gedult vñ Sanfftmut behaltest: Vnd fuͤr allẽ dingen die Liebe Gottes/ deñ bey dem Zorn/ Eine Christliche Seele Was Lie- be Gottes sey? Zorn/ kan die Liebe nicht stehen. O du gleubiges Hertz/ lerne was Liebe sey. Du meinest das sey Liebe/ wenn du in- wendig grosse suͤssigkeit vnd Liebligkeit empfindest: Nein/ dz ist die Liebe nicht in jhrem Wesen/ sondern es ist nur ein schein wie von Fewer/ vnd ein Bluͤet oder glost der Liebe/ das Wesen aber der Liebe ist/ wenn man sich GOtt al- so lesset/ auffopffert/ vnd seinem wil- Job. 1. len ergibt/ das man alles auffnimpt als von GOtt selbst/ wie Job den verlust seiner Kinder/ Guͤter/ Gesundtheit/ vnnd Ehre/ als von der Handt des He rren auffnam vnd GOtt preiset. 2. Reg. 16 Also auch der Koͤnig David die schelt- wort Simci auffnam/ als vom He r- ren/ vnd blieb in der Liebe vnd Gedult ohne alle Rache/ so bleibet das Wesen/ die Flamme der grund vnnd quelle der Liebe rein vnd vnbeweglich/ vnd ist mit GOtt wol zufrieden/ er mache es mit jhm wie er wolle/ nach seinem willen. Vnnd so jhn auch GOtt mit Christo in muß mit Gedult bereitet werden in die Helle fuͤhren wolte/ so were jhm daselbst wol vnnd Ruhet in dem willen Gottes/ welcher Niemandt verdirbet oder verderben lesset. In dieser Liebe ist grosser Friede deß Hertzens/ wenn man nemlich in Gott alles Lieb hat/ In Got- tes Liebe vnd Ge- dult ist des Her- tzens frie- de. auch das Creutz/ es sey was es sey/ auch die Feinde/ denn die ware Liebe schleus- set niemand auß hie in dieser zeit/ vñ ist allezeit vereiniget in GOtt mit allen Menschen. Niemand gleubets welche stilligkeit vnnd ruhe diese Liebe dem Hertzen bringt/ denn da ruhet man in GOtt selbst. Das XV. Capittel. Das Jesus Christus dz Ewige Wort deß Vaters in den Gleubigen Hertzen sein Werck verrichte/ durch inwendiges einspre- chen vnnd reden/ vnd wie solches durch Mittel der Liebe geschehe auch wie er sich in der Demuth offenba- ret vnd zu erkennen gibt. 2 Cor. 13. Christus verrichtet sein Werck 2. Cor. 13. Pruͤffet euch selbst/ ob Jesus Christus in euch sey. Gottes in wendiger Trost. G Leich wie man des boͤsen Fein- des einsprechen vnnd einrau- nen offt wieder seinen willen leiden muß: Also empfindet eine gleu- bige Seele hinwieder auch den Goͤtt- lichen Trost so das ewige Wort in vns redet. Dauon Taulerus sagt: Wisset daß das ewige Wort vns also vnauß- sprechlich nahe ist/ inwendig in vn- serm grunde/ daß der Mensch jhme Gott ist vns neher als wir vns selbst. selber noch sein eigen Natur vnnd ge- dancken/ noch alles das man sagen vnd verstehen kan/ nicht so nahe vnnd so inwendig ist/ als das ewige Wort im Menschen ist/ vnnd spricht ohn vn- terlas in dem Menschen/ vnnd der Mensch hoͤret das alles nicht wegen grosser Thaubheit seines Hertzens/ welche vom Teuffel herruͤhret. Denn der boͤse Feind erteubet den Menschen durch sein Einraunen/ durch Weltliebe vnd in den gleubigen Hertzen. vnnd durch alles das/ so an der Welt hanget. Denn der Teuffel versuchet Gen. 3. auch jtzo alle Menschen/ durch alles was der Natur Liebkoset/ vnd schmei- chelt/ wie er die Evam versuchte/ also thut er noch teglich/ durch/ Gut/ Ehr/ Freundschafft/ durch dein eigẽ Natur/ oder was er dir einbildet/ durch lieb vnnd gunst der Creaturen/ dardurch treibet er sein Einraunen. Denn er Teuffels einraunẽ. ist allezeit bey dem Menschen/ vnnd mercket worzu der Mensch lust hat/ inwendig vnd außwendig mit lieb oder leid/ damit ficht er jhn an/ vnd bildets jhm ins Hertz/ daß er darfuͤr/ was GOTT durch seinen H. Geist vnnd Wort in jhm redet/ nicht hoͤren kan. Solchem Teufflischen einsprechen mustu wiederstreben. Denn so viel du deine inwendige Ohren dazu leihest/ so viel bistu allbereit vberwunden/ Kehre- stu dich aber schnelle zu deinem Her- tzen/ vnnd wendest deine Ohren ab/ so hastu vberwunden. Gleich wie nun die Christus verrichtet sein Werck die Liebe vnd Freundtschafft zwischen frommen Menschen/ ein gespreche machet vnnd verursachet vnter jhnen selbst: Also so du GOtt hertzlich lieb hast/ wirstu seine stimme in dir hoͤren/ Joh. 14. denn wer mich Liebet spricht der He rr der wird mein Wort hoͤren/ nicht al- GOtt re- det zu vns eusserlich vnd inner lich. lein in eusserlichen versamlungen der Kirchen/ sondern in den rechten Tem- pel deß Hertzens. Denn wens daselbst nicht gehoͤret wird/ wird das außwen- dige nicht viel Frucht schaffen. Dar- umb ist nun daran gelegen/ dz du Gott Liebest/ auff das du jhn hoͤrest in dei- nem Hertzen mit deiner Seele reden. Wiltu aber wissen sagt S. Gre- gorius/ ob du GOtt liebest/ so mercke ob du auch alles Creutz vnnd Leiden/ Truͤbsal and Elende/ mit Gedult von Gott auffnimpst/ ohne alle Vngedult in Worten vnd Wercken/ oder Geber- Gedult ein zeichen der Liebe. den: Thustu das/ so ist kein zweiffel du Liebest Gott: Ists anders so Liebestu GOtt nicht rein/ sondern liebest mehr das in den gleubigen Hertzen. das deine denn GOtt/ wiewol nichtes dein ist/ als deine Suͤnde/ das ander ist Gottes/ darumb siehe zu/ das du die Die Ga- ben nicht mehr als Gott zu- lieben. Gaben nicht mehr liebest/ als GOtt selbst. Wirstu jhn nun hertzlich Lieb haben/ so wirstu manches suͤsses Wort in deinem Hertzen von jhm haben vnd hoͤren: Denn Er spricht ja/ wer mich Joh. 14. Liebet dem wil Ich mich offenbaren/ Diese offenbahrung geschicht durch eroͤffnung des Verstendtniß/ durch er- leuchtigung deß Hertzens/ durch denn Geist der Weißheit deß Erkentniß/ der stercke/ krafft/ verstandes vnnd furcht Esat. 11. Gottes: Sonderlich aber durch eroͤff- nung der inwendigen Augen/ damit Ephes. 1. du Christum siehest vnd kennest. Wie aber der Teuffel durch sein einraunen die inwendigen Ohren verstopffet/ wie oben vermeldet/ also verblendet er auch die inwendigen Augen/ mit eigner Liebe/ mit der Liebe der Welt/ vnd der Creaturen/ vnd durch deine inwendige vnd außwendige Hoffart/ denn gleich J wie Christus verrichtet sein Werck wie du in Hertzlicher vnnd inniglicher Liebe Christum must hoͤren in dir redẽ/ also mustu Christum recht sehen ler- nen im Glauben/ vnnd in der wahren Demuth/ dadurch dein Hertz gereini- get vnd gelautert wird/ von dem Hof- fertigen Leben. Denn es sagt der He rr Matth. 5. nicht ohne Vrsach/ Selig sind die rei- nes Hertzens sind/ sie werden GOtt sehen. Darumb lesset GOtt so manch Creutz fuͤ- ret zur Demuth. hart vnnd schwer Creutz auff dich fal- len/ das du in den grund der lautern Demuth versincken solt/ welches alles dir zum besten geschicht/ vnnd ist dir tausentmal besser denn das du in gu- ten froͤlichen Tagen/ vnnd grosser Herrligkeit Lebest. Lasse auff dich fallen Himmel vnnd Erde/ ja alle Teuffel in der Helle davon wird dir das beste theil werden/ denn es versen- cket dich in die lautere Demut/ dar- ein du Christum recht sehen lernest. Siehe Christus ist GOtt der allerhoͤ- hest vnd gewaltigest/ der Himmel vnd Erden in den gleubigen Hertzen. Erden gemacht/ vnnd wieder zu nicht machen konte/ vnd hat doch so viel lei- Christi Leiden. den wollen/ vnnd gleichsam zu nicht werden wollen/ wegen seiner armen Creatur. Darumb scheme dich du Toͤdtlicher Mensch/ das du die Hof- fart vnnd eitel Ehre/ vnnd ander Leut Vrtheil hast in dein Hertz kom- men lassen: Vnterwirffe dich aber Vnter Christi Creutz sol- len wir vns beu- gen. dem Creutz wo es auch herkompt/ inwendig vnnd außwendig/ vnnd beu- ge dein Hoffertiges Gemuͤte vnter die Dorne Krone Christi vnnd folge nach dem Gecreutzigten GOtt/ mit niedrigem Gemuͤte in warer verkleine- rung dein selbst inwendig vnnd auß- wendig/ vnnd wende fleiß an das du dich mit geduͤldigem Leiden/ vnnd Demuͤtigem Wandel in sein Heiliges Leiden Verbildest/ so wirstu Christum recht sehen vnnd erkennen lernen. Denn was ists/ das du an das Heilige Leiden deines Her ren gedenckest/ in J ij einer Christus verrichtet sein Werck einer erloͤschener blinden Liebe/ bringest Christi Leiden in vbung zu- bringen. aber Christi Leiden nicht in die vbung/ sondern lessests nur ein blossen gedan- cken hangen/ vnnd wilt im geringsten deiner Hoffart/ Ehre/ vnd Gemachs nicht entberen: So wirstu Christum nimmermehr recht sehen koͤnnen/ noch seine Wirckung in dir empfinden. Den gleich wie die Sonne vnd der Himmel in der tieffe der Erden Wircken/ also Christus in der tieffe der Demuth/ wie er deñ auch selber in seiner Niedrigkeit/ die hoͤchsten Wercke gewircket hat. Demuth eigen- schafft. Das ist aber die lauterkeit der De- muth/ das ein Mensch von jhm nichts halte/ noch von alle deme/ das er ge- than hat/ oder hinfort thun mag/ denn ist etwas gutes in deinem Wercke/ das ist Gottes vnd nicht deß Menschen. In diesen grund der Demuth mu- stu kommen/ soltu die selige Augen ha- ben die Christum sehen/ denn den klei- nen demuͤtigen Menschen offenbar et der Himlische Vater die Geheimniß von in den gleubigen Hertzen. von Christo/ vnd die verborgene Weiß- Psal. 51. heit/ vnnd verbirget sie den grossen klu- gen vnd Weisen dieser Welt. Denn Matth. 11 in diesser blossen niedrigkeit vnd klein- 1. Cor. 1. heit ist allein das Verstendtniß vnd Er- kentniß der blossen lautern Goͤttlichen Warheit/ da das wesen der Ewigen Seligkeit inne verborgen liegt. Da- selbst offenbaret sich die hoheit der Gottes hoheit of- fenbaret vnsere nichtig- keit. Mayestet Gottes/ vnd je mehr die ho- heit Gottes dem Menschen offenba- ret wird/ je mehr wird jhm bekant seine nichtigkeit/ vnnd daran sol man erken- nen die Warheit des Goͤttlichen ein- leuchtens/ den dieselbe versencket einen Menschen immer tieffer in sein eigen nichtigkeit/ auff das der Mensch nicht Eigner Liebe scha den. sey ein liebhaber sein selbst/ denn daher ist alle Finsterniß/ Blindheit vnd Irr- thumb kommen. Welche aber das rechte Goͤttliche Liecht empfinden/ dem duͤrstet immer nach Leiden vnnd verkleinerung jhr selbst/ vnd nachzufol- gen der Lehre vnnd Exempel jhres J iij He rrn Christus verrichtet sein Werck He rrn Jesu Christi/ wie denn ein sol- cher durst der Gottseligkeit im 119. Psalm beschrieben ist/ denn der Heili- Ohne Gottselig keit kein wares Goͤttli- chesliecht. ge Koͤnig David wol verstanden/ das ohne dieselbe kein Goͤttliches Liecht vñ Weißheit/ auch kein divinũ respon- sum, kein Goͤttliche Antwort vnnd alloquium, oder einsprechen/ in deß Menschen Seele einleuchten kan/ vnd das ist der rechte verstandt desselben langen Psalms. Diese niedrigkeit vnd demuth deß Menschlichen Gemuͤtes/ ist die rechte Werckstatt Gottes/ darin GOtt al- Die Seele voll Got- tes/ der Leib voll Leidens. les Wircket mit seiner Gnade: Ei- nem solchen Gottfuͤrchtigen Men- schen bleibet allezeit eine Seele voll Gottes/ vnnd ein Leichnam voll Lei- dens/ denn er sich auch alles dinges vn- wirdig achtet/ brauchet alles mit furcht/ nicht zur wollust/ sondern ist als ein Knecht/ der fuͤr seines Herren Tische stehet/ vnd jhn ansiehet/ was er wolle von jhm gethan haben/ densel- ben in den gleubigen Hertzen. ben lesset der He rr nimmermehr oh- ne Gnade vnd freundlich Gesprech. Das XVI. Capittel. Wie der Heilige Geist empfangen werde/ vnd wie er vnuerhindert in vnser Seelen Wircke. Esa. 44. Ich wil Wasser giessen auff die duͤrstige/ vñ Stroͤme auff die duͤrre. W Enn es gienge wie zu Eliæ zeiten/ dz es drey Jahr vnd 3. 1. Reg. 18. Monden nicht Regnete/ vnd man weder Pfluͤgẽ noch Seaͤn kunte/ vnd es keme denn ein sanffter/ suͤsser/ vnd Fruchtbarer Regen/ davon alles Erdreich erquicket wuͤrde/ vnnd aber eines Menschen Acker wuͤrde nicht befeuchtet/ sondern bliebe allein tru- cken vnnd duͤrre/ der moͤchte wol von Vngluͤck sagen/ ja von Gottes Vn- gnade vnd blutige Thraͤnen Weinen: J iiij Tau- Wie der Heilige Geist Tausentmal mehr aber moͤgen die Empfin- dung des H. Gei- stes. jenigen heisse vnnd blutige Thraͤnen Weinen/ welche den Heiligen Geist in dem grunde jhres Hertzens nicht empfinden/ sondern Glaubloß vnnd Liebeloß bleibẽ/ als ein duͤrrer Steinig- ter Acker/ der auch des vberschweng- lichen Tonstes des H. Geistes nicht theilhafftig worden/ die schuldt aber ist nicht Gottes/ der sich erbeut seinen Heiligen Geist vber alles Fleisch auß- zugiessen/ sondern des Menschen der den grund seines Hertzens nicht berei- tet. Die groͤste bereitung aber den H. Das Hertz zu GOtt bereiten. Geist zu empfahen ist/ wenn das Hertz von der Welt durch den Glauben vnd Gebet zu GOtt gewendet wird/ wie der Apostel Hertz am Pfingstage/ wens außgeleeret wird von den Creaturen: Ach fuͤnde GOtt ein solches leeres Hertz/ Er goͤsse den H. Geist mit allen seinen Gaben hinein/ ist aber das Hertz der Welt voll/ so kans nicht voll Got- tes vnnd voll Geistes werden. Soll GOtt in vnser Seelen Wircke. GOtt ein so muß die Creatur herauß. Gleicher weise wie es in der Natur ist/ Welt Lie- be hin- dert Got- tes Wir- ckung in vns. die Natur leidet keine leere oder ledige statt/ sie erfuͤllets/ oder die Natur muß brechen vnd zerfallen/ vnd were etwas leere oder ledig auff Erden/ der Him- mel zeuge es entweď zu sich/ oder neig- te sich Kraͤfftiglich herunter/ vnnd er- fuͤllets mit jhm selber. Darumb laß dein Hertz ja nicht an den Creaturen Das Hertz sol allein Gott an- hangen. hangen/ weder außwendig noch in- wendig/ weder an deiner eignen Liebe/ noch an deinem eignen Willen/ son- dern lauter an GOtt/ so hastu das al- ler groͤste vnnd nuͤtzlichste Werck voll- bracht/ vnd laß dich ja deine eigne Lie- be vnd Lust nicht hindern/ denn solches ist gleich als wenn ein grosser Meister ein gros Werck anfienge vnnd es keme ein Kind vnd verderbets jhm alles. So ist der Mensch/ wenn er jhm zueignet was Gottes ist/ vnnd seine Lust vnnd Frewde darinnen suchet/ denn so ver- derbet er dem H. Geist sein Werck/ J v vnnd Wie der Heilige Geist vnd treiben sein eigen Werck/ vnd mei- net denn es sey alles Gottes Werck in jhm/ vnd ist doch sein eigen Werck vnd Luc. 17. gutduͤnckel: Wir wissen aber daß wir in alle vnserm thun vnnuͤtze Knechte seyn/ vnnd ein vnnuͤtzer Knecht thut vnnuͤtze Wercke. So viel nun als GOtt besser ist denn alle Creaturen/ so viel ist auch sein Werck besser/ denn aller Menschen Werck/ vnnd Men- schensatzung. Darumb sol Gott eigent- lich vñ Adelich in dir wircken/ so ist von noͤten daß du jhm statt vnd raum ge- best/ vnd das deine affecten ruhen/ vnd Soll Gott reden so muß alles in vns schweigen. du Gott leidest: Soll Gott in dir reden so muͤssen alle ding in dir schweigen. Darumb lieber Mensch/ Es ist nicht alles GOttes Werck/ was in dir wircket/ sondern es ist deines Fleisches vnd Blutes Werck. Siehe zu daß du vnterscheiden lernest/ vnnd nicht des Teuffels Wercke GOtt zuschreibest. Wiltu aber daß der H. Geist in dir wir- cken sol/ so mustu diese zwey Regeln in acht in vnser Seelen Wircke. acht nehmen. 1. Mustu dein Hertz von der Welt/ vnd den Creaturen/ vnd von dir selbst vnd von allem deinen willen vnd affecten abwenden/ vnd abziehen/ so bleibet des H. Geistes Werck vnge- hindert in dir. 2. Daß du alle Zufaͤlle des Creutzes vnd Truͤbsals wo sie auch herkommen/ vnd was es sey inwendig oder außwendig/ als von GOtt dir zugeschicket ohne alle Mittel anneh- mest/ vnd nicht anders annehmest/ als daß dich GOTT dardurch bereiten will/ zu jhm selber vnnd zu seinen gros- sen Gaben. Wenn du nun in einem Goͤttlichen Werck bist/ vnnd es keme dir dein liebster Freundt/ vnnd betruͤ- bete dich mit harten Scheltworten/ vnnd du nemest das alles mit gedult an/ in schweigen vnnd leyden/ so wisse daß es des heiligen Geistes Werck ist in dir/ dardurch er dich zu sei- nem Gaben wol bereiten will. So Boͤse Ge- dancken schaden nicht. aber der boͤse Geist/ dir boͤse Gedan- cken eingibt/ so wisse daß sie dir nicht moͤgen Wobey man mercken kan/ moͤgen schaden/ denn sie geschehen wieder deinen willen. So du auch mit deinen eusserlichen Ampts Wercken must vmbgehen/ so soltu alles in der Liebe thun zu Gottes Lobe vnd Ehre/ vnd des Nehesten nutz/ so thustu es in GOtt vnd in dem Heiligen Geiste. Das XVII. Capittel. Wobey man mercken kan/ das der H. Geist in vnser Seelen sey. Joh. 16. Der H. Geist wird die Welt straffen. W Enn der Heilige Geist in vnse- Werck deß Heili- gen Gei- stes in der Seelen. re Seele kompt/ das ist: Sei- ne gegenwart durch seine Wer- cke erzeigt/ so straffet er alles in vns was nicht Goͤttlich ist vnnd was die Welt ist: Als Augenlust/ Fleisches- lust/ vnnd Hoffertiges Leben/ vnd er- wecket dawieder einen verdruß in vns. Vnd wer dasselbe Welt Leben/ in jhme hat/ ohne inwendige straffe/ des Heili- gen das der H. Geist in vnser Seelen sey. gen Geistes/ der sol wissen das der H. Geist noch nicht in den grund seiner Seelen kommen ist/ denn es ist des H. Geistes art/ das er den Menschen zu allen zeiten ermahnet/ treibet/ locket vnd zeuget in ein geordnet Leben/ das thut er allen denen/ die sein warten vnd jhm statt geben. So strafft der Heili- ge Geist die Suͤnden im Menschen. Die Suͤnde aber ist alles was wieder Suͤnde ist vngehor- sam wie- der Gott. Gottes heiligen Willen geschicht/ nemlich der Vngehorsam wieder GOtt/ diese heimliche verborgene Suͤnde offenbaret vnnd straffet der Heilige Geist/ wenn er zu dem Men- schen kompt/ darauß entstehet ein in- wendig Hertzeleidt/ Trawrigkeit/ Angst vnd Pein der Seelen/ ja offt ei- ne Hellische Pein/ davon die Welt- Menschen/ so nach der Natur Leben Seelen- angst/ vñ Goͤttliche Trawrig- keit. wenig wissen/ das ist der Waresten Zeichen eins der gegenwart des Hei- ligen Geistes. Die aber ausser sol- cher Goͤttlichen Trawrigkeit sein/ vnd haben Wobey man mercken kan haben an allem jhren thun vnd lassen/ keine Traurigkeit/ sondern eitel Lust vnd Wolgefallen/ die sind in einem ge- fehrlichen Stande ohne Geist Gottes: Hiebey mercke nun das ander Zeichen/ des gegenwertigen H. Geistes. Das dritte Zeichen ist/ wenn er vns allen Ruhm vnsers eignen Verdienstes vnd Gerechtigkeit benimpt/ vnd fuͤr Got- tes Gerichte verwelcket machet wie ei- ne Blume welche abfellet/ vnnd wie Hew so verdorret/ wenn der Geist des Vnsere Gerechtig keit in Christo. Herren drein bleset Esa. 40. Denn der Geist Christi/ zeiget vns allein dem festen/ vnbefleckten/ vnnd vnbewegli- chen grund/ der Gerechtigkeit vnd ver- dienstes Jesu Christi/ vnd der Barm- hertzigkeit Gottes. Denn wehe aller vnser Gerechtigkeit sagt S. Augusti- nus/ so sie ohne Barmhertzigkeit von Esa. 64. Gott sol geurtheilet werden. Denn al- le vnsere Gerechtigkeit ist wie Vnflat fuͤr Gottes Augen. Das vierdte Zeichẽ der gegenwart des H. Geistes ist/ wenn ein das der H. Geist in vnser Seelen sey. ein Mensch seinen Nechsten mit erbar- mender Liebe/ mit allen seinen Gebre- chen tregt/ vnd nit leicht vrtheilet oder richtet. Denn solch hochmuͤtig richten ist ein Same vnnd Wurtzel des Teuf- fels/ das ist: Hoffart vnnd verschme- hung des Nechsten/ vnd ein wolgefal- len an jhm selbst/ welches alles eine an- zeigung ist daß der Heilige Geist nicht da ist. Wo aber derselbe ist beweiset er Wie man des nehe- sten gebre chen straf- fen soll. sich vnter andern also: 1. Er straffet wens hohe noth ist: 2. Er wartet der stunde/ vnd ort da es sich wol fuͤget zu straffen als man an Christo siehet. 3. Er straffet nit mit allzuharten Wor- ten/ sondern mit Erbarmung. 4. Ver- achtet er den Nehesten nicht noch ver- kleinert jhn in eines andern Hertzen/ sondern er thut alles in lauter Liebe vnd Sanfftmuth. Siehe das mercke/ so bleibestu in wahrer Demuth/ vnd in der Gnade des H. Geistes/ vnd dieselbe in dir. Das Die Welt mit jhrer kurtzweil Das XVIII. Capittel. Die Welt mit jhrer Kurtzweil treibet aus den H. Geist/ vnd fuͤhret ein den Welt- Geist/ welcher die Seele jhrer Edelen vnd hoͤchsten ruhe beraubet. 1. Petr. 2. Enthaltet euch von den Fleischlichen Luͤsten wel- che wieder die Seele strei- ten. Dieser Welt freu- de. D IE Weltkinder suchen Lust vnd Freude dieser Welt/ die Kinder Gottes aber fuͤrchten sich darfuͤr/ als fuͤr der Lockspeise des Teuffels/ dardurch sie von GOtt jh- rem hoͤchsten Gut abgerissen werden. Wiltu nun diesen Edlen Schatz in dei- nem Hertzen behalten/ so huͤte dich fuͤr den vrsachen vnd gelegenheiten/ dar- durch du dieses hoͤchsten Gutes berau- bet wirst: Neinlich fuͤr der Gesellschafft vnd Kurtzweil der Welt/ so sie treiben in Worten vnnd Wercken/ Ja fuͤr al- lem treibet auß den H. Geist. lem Werck darin Gottes Lob vnnd Ehre nicht ist. Mustu aber ja noth- halben wieder deinen willen darbey Wie man sich in der Welt Ge- sellschafft sol verhal ten. sein/ so siehe zu/ das du allezeit bey dir selbst bleibest mit einem waren einke- ren in dein Hertz zu GOtt/ so behelstu allezeit den Heiligen Geist/ Friede vnd Frewde wo du dich hinkehrest. Vnd so mag dir die Welt mit jhrer Vppigkeit nicht schaden. Also war die Koͤni- gin Esther inwendig von Hertzen de- muͤtig/ ob sie wol außwendig mit Koͤ- niglichem schmuck gezieret war. Also war David klein in seinem Hertzen in seinem grossen Reichthumb: Joseph hatte ein keusches Hertz in dem wollu- stigen Hause seines He rren: Also gibt der H. Geist allezeit den seinen Gottes furcht be- waret fuͤr der Welt Vppig- keit. die Goͤttliche furcht/ die sie fuͤr der Welt vnnd jhrer Vppigkeit behuͤtet/ auff das sie den innerlichen Geistlichen Friede nicht verlieren/ noch die Ruhe jhrer Seelen. Diß ist die furcht Got- tes die der Weißheit anfang ist. Dar- Psal. 111. Syr. 1. K umb Die Welt mit jhrer kurtzweile Wahre bestendi- ge freude in Gott. umb keyret sich ein Gottfuͤrchtig Hertz nicht zur Welt/ sondern wendet sich voͤder Welt zu Gott/ vnd suchet seine Lust/ Ruhe/ Friede vnd Frewde allein in Gott. Denn das ist die Frucht der Was wa- re Rewe sey. waren Rewe/ nemlich ein abkehren von allen dem das nicht lauter GOtt ist/ oder dessen des GOtt nicht eine Vrsach ist. Vnd ein wares zukehren zu dem lautern vnnd waren Gut wel- ches GOtt ist vnd heist. Denn so wir das nicht gethan haben/ sondern vnser Leben in der Welt Vppigkeit verzeh- ret haben/ das sol vns vnser Lebetag gerewen. So aber ein Mensch dasselbe Gottes Augen se- hen auff den Glau- ben. thut/ vnnd were er noch so ein grosser Suͤnder gewest/ so frewet sich GOtt vber jhn/ vnnd wil nicht ansehen seine Suͤnde/ sondern seinen Glauben/ wie er begehret gegen Gott zu sein/ von grund seines Hertzens. So eine grosse begierde hat GOtt zu deß Menschen Heil/ welchem doch so offt wieder- standen wird/ damit das sie sich zur Welt treibet auß den H. Geist. Welt von Gott abwen den/ vñ treiben also mit Gewalt Gott auß jhrem Her- tzen/ ď sie doch mit seiner suͤssen gegen- wart begehret zubesitzen/ darumb so muß ein Mensch der Welt absterben/ Mundo morien- dum vt DEO pos- simus vi- vere. will er Gotte leben: Dabey befindet sichs/ dz der meiste theil der Welt Got- tes Feinde sey. Ach wie sind wir Gott so manchen Todt schuͤldig/ biß die boͤse Natur sterbe/ inwendig vnd außwen- dig/ biß das ein Goͤttlich Adelich Leben folge. Diese Toͤdtung geschicht durch Dz Creutz ist vnserer vergiff- ten Natur Artzney. mancherley Creutz vnnd Anfechtung inwendig vnnd außwendig/ welche vn- ser vergifften Natur Artzney sind/ die- selbe von jhrer boͤsen Gifft zuheilen/ auff das ein Goͤttlich Leben in vns an- gefangen werde/ darumb dieselbe An- fechtung hoch noͤtig vnd nuͤtzlich sein/ vnd wenn sie vberhin weren vnnd auß- gestanden/ solten wir sie billig alle wie- derruffen/ vnnd bitten das sie moͤchten wiederkommen/ auff daß das boͤse in vns getoͤdtet/ vnnd Gottes Werck in K ij vns Die Welt mit jhrer kurtzweile/ etc. vns gepflantzet wuͤrde. So lernestu das aller Edelste Werck/ nemlich der Welt absterben in Liebe vnd Leidt/ vnd dasselb in einem stillschweigen vnnd hoffen/ heimlich/ inwendig/ ohne alle klage: Denn die also klagen mit vnge- Vngeduͤl- tiges kla- gen im Creutz ist ein Zeichẽ das man der Welt noch nicht abgestor- ben. dult/ die bezeugen das sie der Welt nit wollen absterben/ das ist/ das sie wenig gutes in jhnen haben/ vnd wenig Goͤtt- liches Liechtes in jhrer Seele. Denn GOtt kan im Menschen nicht leben/ so er nicht der Welt abstirbet/ Sinte- mal je mehr man der verderbten Na- tur lebet vnnd jhrer Lust/ je weniger man GOtt lebet vnd seinen Willen: Vnd je weniger man der Natur lebet vnnd jhrer Lust/ je mehr man GOtt lebet vnd seinen Willen: Summa/ je mehr jhr dem Geist wollet leben/ je mehr jhr der Natur vnd dem Fleisch muͤsset sterben. Das Vom Gebet deß Hertzens/ etc. Das XIX. Capittel. Vom inwendigen Gebet deß Her- tzens/ vnd vom rechten verstand deß Vater vnser. Roͤm. 8. Wir haben einen Kind- lichen Geist empfangen/ durch welchen wir ruffen Abba lieber Vater. G Leich wie GOtt grosse ding in den demuͤtigen Hertzen Wir- Gebet ist eine Wir- ckung deß H. Gei- stes. cket/ also auch der Heilige Geist/ das Kindtliche Gebet. Denn ohne den H. Geist geschicht kein wa- res Gebet/ denn der Heilige Geist ruffet vnd seufftzet in vnser Seele/ vnd Roͤm. 8. ist vnser Seelen sprache vnd geschrey/ Gal. 4. ja vnser Leben. Denn gleich wie die Seele das Leben ist vnsers Leibes/ also Der Hei- lige Geist ist vnserer Seelen Le ben. lebet die Seele von dem Heiligen Geist/ vnnd er ist vnser Seelen Leben. Nun ist aber der Heilige Geist ein zeu- ge der Goͤttlichen Kindtschafft/ vnnd K iij der Vom Gebet deß Hertzens der Himlischen geburt auß Gott/ wer dieselbe recht weis zugebrauchen/ im Glauben an Christum/ in der Liebe deß H. Geistes/ auff die guͤtigkeit deß Milden vnd Ewigen Vaters/ der wird grosse Himlische Guͤter von jhm erbit- ten. Denn vnser Gott ist so guͤtig vnd Gott ist leichtzuer- bitten. freundtlich/ wer es recht verstuͤnde/ er bete jhm alles ab/ denn er ist gantz leicht zuerbitten von seinen Kindern/ die sich gruͤndlich zu Ihm kehren. Aber diß gruͤndliche zukehren zu Gott/ das muß GOTT selber wircken. Darumb sollen jhn seine Kinder taͤg- lich bitten. Daher kompt das rech- te inwendige Gebet deß Hertzens/ durch die rechte zuneigung zu GOtt. Inwendi- ges Ge- bet. Diß inwendige Gebet durchdringet die Himmel/ in dem man den Liebli- chen Fußstapffen vnsers Herrn JEsu Christi nachfolget auß grosser Liebe/ nicht auß zwa n g wie Simon von Cyrene/ den man zwingen muste dem Herrn sein Creutz nach vnd vom verstandt deß Vater vnser. nach zueragen. Denn so Barmhertzig ist GOtt/ das Er nicht warten mag biß vir jhn bitten. Er gehet vns ent- gegen vnnd bittet vns/ das wir seine Fre un de sein wollen/ denn Er begeret von vn s das wir wollen das Er vns vergoe/ vnnd wie Er thut/ das wir auch also vnsern Nehesten thun. Se- lig ist er diese Liebe Gottes erkennet Christi Gebet. vnnd erstehet/ vnnd dieselbe in dem Gecretzigten Christo recht lernet an- schawe/ derselbe Betet in seinem Hertzen m ehr denn alle außwendige Stimm auff Erden. Warhafftig ein ein ige r Gedancke/ vnnd durch- schwang durch die Wunden vnsers Herrn JEsu Christi/ im Glau- ben Lieb e vn d Andacht/ ist GOtt lie- ber denn alle Orgeln/ Glocken/ Gesen- ge vnd M usic vnd Seitenspiel. E in Christ soll in seinem gan- tzen Leben auß Liebe alles thun/ Alles aus Liebe zu- thun. vnnd sich in den Gecreutzigten Christum ver bilden: Was moͤchte K iiij einem Vom Gebet deß Hertzens/ einem solchem Gehorsamen Kinde GOtt versagen/ das er jhm nicht ge- be: Darumb auff das wir wissen moͤchten wie wir sollen bitten/ hat vns vnser He rr das Vater vnser gel e hret/ dasselbe ist so Edel vnnd Koͤstli c h mit seinen Guͤtern/ das wir nichtes K oͤstli- chers vnd Edelers bitten koͤnne n Deñ sonst wuͤsten wir nicht was wi r fuͤr grosse Guͤter bitten solten. D enn ist nicht Gottes Reich ein vber gr o s Gut: Gottes Reich ist er selbst. Nun ist GOtt selbst sein Reic h / vnnd in denselben Reich/ reichet er in alle vernuͤnfftige Creaturen/ vnd d arumb ist das vmb welches wir bit te n war- hafftig GOtt selbst/ mit al le m seinen Reichthumb. In denselb en Reich wird ja GOtt vnser Vater vnnd be- weiset seine Vaͤterliche T re w/ vnnd Liebe in deme/ das er in vns s ein Reich erbawet/ auff das er in vn s statt vnnd raum finde zu Wircken se in Edeles Werck/ das ist die Heil ig ung seines Namens/ vnd vom verstandt des Vater vnser. Namens/ das er groß vnnd herrlich in vns erkandt werde. In diesem seinem Reich in vns/ Wircket er auch seinen Edelen willen/ ohne alle hinderniß/ also geschicht sein Wille auff Erden das ist in vns/ als ein Himmel/ das ist in jhm selber. Also siehestu was vns GOtt geben will/ wenn wir Beten/ nemlich sich selbst/ Er beut dem Menschen nichts weniger denn sich selbst/ wie er zu Abraham Gen. 15 sagt/ Ich bin dein Schildt/ vnnd dein sehr grosser Lohn. So gibt vns vnser Vater auch das Taͤgliche Brodt/ das ist/ er gibt vns alle seine Creaturen zu Dienste/ vnd in denselben seine Guͤtig- keit vnnd Mildigkeit. Denn ein recht GOtt ergeben Hertz/ dar in GOtt seinen Willen wircket/ ist faͤhig aller Gaben Gottes/ vnnd aller Tugenden die GOtt je gab oder geben will. Denn GOtt wil noch kan vns wegen seiner grossen Liebe vnnd Erbarmung nichts versagen/ was vns nuͤtze vnd noth ist K v Leib- Vom Gebet des Hertzens Leiblich vnnd Geistlich als deme beym besten bewust vnnd bekant ist vnser E- lende. Darumb hat er vns auch zu er- kennen gegeben/ vnser Elend vnd Suͤn- de/ vmb vnsers besten willen/ vnd geleh- ret/ wie sich der Mensch fuͤr Gott de- muͤtigen solle/ vnnd sich fuͤr Gottes Fuͤsse legen/ vnd sprechen: Vergib vns vnser Schuld/ als wir vusern Schuͤldi- gern vergeben/ denn so barmhertzig ist Gott/ daß er vns die Vergebung an- beut/ vnd lehret vns wie wir von Her- tzen begeren vnnd wollen sollen/ daß er vns vergebe/ anzudeuten/ Er sey aus grundloser Liebe vnd gnade/ ehe vnd mehr zu vergeben geneigt als wir jhn geneigt sein zu bitten: Ja auff daß er vns auch lehre daß seine Liebe von vns erfordere vnserm Nechsten also auch zu thun/ vnnd ein solch Hertz gegen jhm zu haben/ wie er gegen vns. Denn ein wahres Kindt Gottes schleusset niemand aus/ aus seiner liebe/ noch aus der Liebe Gottes: Ja die Kinder Got- tes vnd vom verstandt des Vater vnser. tes werden also sanfftmuͤtig vnnd guͤ- Wahre Sanfft- muht vnd Guͤtig- keit. tig/ moͤchten sie das Edle Reich GOt- tes/ allen Menschen mittheilen/ das wehre jhre Freude/ vnd moͤchten sie alle Menschen selig machen sie theten es gerne. Aus solcher Erkentnis vnnd abbittung der Suͤnden/ erkennet der Mensch/ daß er ausser Gott vñ seinem Reich/ Trostloß Arin vnnd Elend ist wegen der grossen Schwachheit vnnd gebrechligkeit der Natur/ darumb hat vns der Herr ferner befohlen zu bitten/ daß vns GOTT nicht wolte lassen fallen in Versuchung/ dardurch vns der boͤse Feind von Got- tes Reich/ Heiligem Willen vnd Hei- ligen Namen abzufuͤhren vnterstehet/ sondern daß er vns von dem Boͤsen erloͤsen wolle/ das ist von vnserm eignẽ willen/ der boͤsen hochverderbte Natur/ welche in vns das Reich/ vnnd willen Gott al- lem ge- buͤrt Eh- re/ Krafft vnd Herr- ligkeit. Gottes hindert/ vnd die Ehre so allein dem Namen GOTTES gebuͤhret. Denn Vom Gebet deß Hertzens/ etc. Denn das Reich ist sein/ vnnd sol sein bleiben/ die Krafft ist sein vnnd bleibet sein/ die Herrligkeit ist auch sein/ vnnd soll vnnd wird in Ewigkeit allein sein bleiben. Vnnd in dem wir sie jhm al- lein geben/ in dem bleibet sie vns auch. Geben wir sie jhm nicht allein/ so ver- lieren wir sein Reich Krafft vnd Herr- ligkeit/ denn wir Heiligen seinen Na- men nicht recht/ thun auch seinen Willen nicht recht: So bleiben wir denn auch ausser seinem Reich/ haben keine vergebung der Suͤnden/ vnd keine Erloͤsung von al- lem boͤsen. Das Die Demuth muß in den grund/ etc. Das XX. Capittel. Die Demuth muß in den grund deß Hertzens geleget werden/ darauff alle Werck deß Menschen muͤssen erbawet werden/ oder es fellet alles zu grunde was der Mensch in seinem gantzen Leben erbawet hat/ vnd wie durch Demuth der Sathan vberwunden werde: Wie in der Demuth wahre Busse sey: Wie Demuth das Creutz williglich trage vnd das Hertz in Ruhe erhalte. 1. Petri 5. Haltet fest an der Demuth. D As Werck das bestehen soll/ Demuth ein grund aller gutẽ Werck. muß auff den grund der De- muth erbawet werden/ denn der Mensch vermag von jhm selbst nichts. Darumb wenn du etwas an- fahen wilt/ so falle nieder fuͤr dem Brunnen der vberfliessenden Gnade Gottes vnd bitte Ihn demuͤtiglich das sein Goͤttliche Ehre/ Lob vnd Preiß in deinem Wercke moͤge gesuchet wer- den/ Die Demut muß in den Grund den/ denn ausser Gottes gnade ist al- Ausser Gottes gnade al- les suͤnde. les dein thun Suͤnde vnd Verdamnis. Wer nun diß thun kan/ vnd allem des liebsten willens GOttes warten/ in der stille in hoͤchster Demuth/ vnnd sei- ne eigen Nichtigkeit ansehen: Sich in hoͤchster Liebe Gott ergebẽ kan/ in dem- selben wircket Gott solche Wercke die nicht außzusprechẽ seyn/ wie im gegen- theil die leidige Hoffart alle ding fuͤr Gott vnwerth vnnd zu einem grewel machet/ vnd alle Wercke des Menschẽ verderbet vnd bestecket/ vnd zu grunde Hoffart verderbet auch die besten Werck. reisset. Darumb haben wir viel mehr vrsach vns zu demuͤtigen/ denn zu stol- tzieren/ denn wir sind ja erstlich kommẽ aus einem lautern Nicht/ vnnd werden wieder zu einem lautern Nicht/ vnnd sind weniger denn ein Schatte der ver- schwindet. Wir befinden auch die gros- se vergifftung vnnd verderbung vnser Gruͤnde vnd vr- sachen der Demut. Natur/ daß wir alle zu grossen Suͤndẽ geneiget sein. Deñ so vns Gottes gna- de vnd Barmhertzigkeit nicht erhielte/ so fie- des Hertzens gelegt werden. so fielen wir teglich in die allergroͤssestẽ Suͤnde/ vnd in die ewige Verdamnis/ wuͤrden allen Teuffeln in der Helle ewig zu theil: So kanstu auch den boͤ- sen Geist nicht besser vberwinden/ denn durch Demuht/ denn der boͤse Geist ist hoffertig vnnd will nicht mit hoffart vberwunden seyn/ sondern mit Demuht: Durch Hoffart wird er ge- stercket/ denn die Hoffart ist eine Wuͤr- tzel des Sathans. Wenn du dich aber i n lauterer Demuht zu Gott wendest/ von allen Suͤnden/ jtzo vberwindestu den Teuffel/ daß er mit schanden da- u on fliehen muß. Es ist ein erberm- lich ding/ daß sich ein Mensch also vom Teuffel vberwinden lesset/ da doch ein Christ ist mit GOTTES Wort/ Geist vnd Krafft geruͤstet. Es ist gleich als weñ ein wolgeruͤster Man sich niederlegte fuͤr einer Fliegen/ vñ liesse sich zu tode stechen vnd beissen. Denn bey den Demuͤtigen ist die gna- de Gottes so starck vnd mechtig/ dz ein Mensch Die Demuth muß in den grund Mensch dadurch warhafftig den Sa- than vberwinden kan/ wenn er jhm Maͤnnlich durch Gottes Krafft vnnd Gnade wiederstehet/ vnnd so kan jhm auch der Sathan nichtes angewin- Dem Teuf fel zu wie- derstrebẽ. nen. Denn warhafftig so jhr dem boͤ- sen Feinde nicht habt wiederstanden/ vnnd jhn durch Gottes Krafft vber- wunden/ sondern euch vberwinden las- sen/ so werdet jhr der Teuffel spott sein an jenem Tage in Ewigkeit/ das jhr dem Sathan gefolget habt: Also ler- net die Frucht vnd Gnade der Demut Demuͤtig Hertz duͤr stet nach Gott. verstehen. So wird auch in den De- muͤtigen Seelen erwecket ein stetiger hunger vnnd durst nach Gottes Gna- de/ denn das ist der Demuth eigen- schafft/ vnd so kans denn GOtt nicht lassen/ Er muß diesen hunger saͤttigen. Er kan jhn aber nirgendt mit saͤttigen/ denn mit jhm selber/ denn es kan in Ewigkeit der Hunger vnnd Durst der Seelen nicht gesaͤttiget vnd geleschet werden/ denn mit GOtt selber. Solch einen deß Hertzens geleget werden. einen hefftigen durst hat die erleuchtete Seele in jhr nach GOtt. In dieser Demuth ist gegruͤndet die wahre Bus- Wahre Rewe koͤmpt her aus der Demut se/ da der Mensch von Hertzen die Suͤnde berewet/ seine grundtlose vn- reinigkeit/ verborgene boßheit/ vnnd abgruͤndtliche verderbung seines Her- tzens siehet/ vnnd im Glauben sich an Gottes vnuerdiente Gnade helt/ vnd fehet an Gott Hertzlich zu Lieben/ sich dem Willen Gottes zu lassen/ vnd sich jhm gantz zu ergeben/ also das was Gott wil/ das wil er auch. Einem solchen Menschen vergibt Gott Mil- diglich/ wil auch von desselben Suͤnde nicht wissen/ sondern wil sie vergessen/ vnd nicht mehr gedencken. Denn er hat sich von Suͤnden zu Gott bekeret/ so hat sich auch Gott zu jhme gekeh- ret/ vnnd wil seine Suͤnde nicht mehr wissen. So nimpt auch die wahre Demuth alles Creutz von Gott wil- liglich auff/ als ein solch Mittel/ da- durch vns Gott zu vielen gnaden be- L reitet/ Die Demut muß in den Grund/ etc. reitet/ vnd nimpt es nicht auff als von Menschen/ es komme her wo es wolle/ sondern lauter allein von Gott vnnd spricht: Biß willkommen mein lieber Freundt/ ob ich mich deiner gleich hie nicht versehen hette/ so kompstu mir doch nicht zur vnzeit/ GOtt wil einen Heiligen auß mir machen vnnd einen gelassenen Menschen. Letzlich so In demuͤ- tigem Her tzen warer friede. behelt die wahre Demuth den Men- schen allezeit im Friede/ auch im gros- sen gluͤck vnnd vngluͤck/ in den gaben Gottes. Er gebe oder nehme/ so bleibet er gleich/ vnd nimpt alle ding von Gott gleich/ lieb vnd leidt/ sawr vnnd suͤsse. Also fehet denn Gottes gnade an gros- se ding zu wircken in den demuͤtigen/ denn zuuor haben sie jhre eigne Wercke gethan/ auß jhnen selbst/ aber nu tregt sie Gott vnd wircket alle jhre Wer- cke ja seine Wercke in jnen/ vnd durch sie. Das Ein Mensch sol seine lust nit haben/ etc. Das XXI. Capittel. Ein Mensch sol seine Lust vnd Frewde nicht haben an den Gaben sondern an Gott selbst/ vnd von verleugnung sein selbst. Psal. 32. Frewet euch deß HEr- ren/ seidt froͤlich jhr Gerech- ten/ vnd ruͤhmet alle jr from- men. D IE wahre Liebe Gottes su- chet vnd meinet Gott lauter Eigen- schafft der waren Lie be Gottes. allein in allen dingen vñ nicht sich selbst/ beluͤstiget sich allein in Gott/ in dem hoͤchsten Ewigen vnerschaffenẽ gute/ vñ nit in den Creaturen/ vnd sol- ches innerlich im grund der Seelen/ da dz Reich Gottes ist. Deñ die Seele hat vber die natuͤrlichen Kreffte/ so dem Leibe das Leben vnd bewegung geben/ ein verborgenes innerliches/ blosses/ lauteres wesen/ welches mit der zeit vñ mit der Welt nichts zuthun hat/ da ist der sitz vñ die statt Gottes/ abgeschiedẽ L ij von Ein Mensch sol seine lust nicht haben von allen eusserlichen Irrdischen din- gen/ da wircket der H. Geist seine Ga- ben/ vnnd treibet dieselbe auß in die Kreffte der Seelẽ/ in Weißheit/ Ver- standt/ Sprachen vnnd Erkentniß. Darein fellet denn die Listige Natur/ Lust soll nicht sein in den Ga ben. vnd erfrewet sich der Gaben mehr als Gottes/ befleckets mit eigenen Wol- gefallen vnnd Lust/ liebet die Gaben mehr als den der sie geben hat/ welches eine falsche betriegliche frewde vnd lie- be ist. Denn die Gaben Gottes sind nicht Gott selbst/ darumb sol deine Lust allein in Gott sein vnnd nicht in den Gaben/ wenn ein Mensch die Gaben empfangen hat/ so ruhet er darin vnnd hat seine Lust darin/ es sey was es wolle/ eine Erkentniß/ Liecht/ oder suͤssigkeit Gottes/ so meinet er es sey alles genug/ aber mit nichten/ es mangelt noch viel/ denn das ist noch nicht Gott selbst. Denn wir sind zu GOtt selbst ei- ni g zu lie- b en. vnmessigen grossen dingen geschaffen vnd beruffen/ nemlich Gottes selbsten theil- an den Gaben sondern an Gott selbst. theilhafftig zu werden. Darumb nimpt das Gott hoͤchlich fuͤr vbel/ das wir vns an kleinen dingen benuͤgen las- sen/ denn er ist nichts so willig vnd be- reit vns zu geben/ als sich selbst/ vnnd das in hoͤchster Edelster weise. Vnnd wenn ers besser hette denn sich selbst/ so gebe ers vns/ darumb weil wir Got- tes begierde sein/ denn Gott begeret nichts so hoch als vns/ derwegen sol Gott hinwieder vnser hoͤchste begierde sein. Demnach sollen wir nicht in den Gaben Ruhen/ sondern in Gott/ vnd sollen vns nirgend an begnuͤgen lassen denn an Gott selbst. Denn welche Gabe were demselbẽ zu groß zugeben/ Gott gibt sich vns selbst. der sich selbst gentzlich geben hat vnnd geben wil? Die boͤse Natur aber ist al- so sehr auff sich selbst geneigt/ mit eig- ner Liebe vnd Ehre/ das sie jhr allezeit zueignet das jhr nicht gebuͤret/ vnnd darin Lust vnnd Frewde suchet/ das doch ein frembd Gut ist/ vnnd im Au- genblick kan wieder genommen wer- L iij den/ Ein Mensch sol seine lust nicht haben Jon. 4. den/ wie der Kuͤrbis Jon æ : Beflecket auch die guten gaben Gottes/ vnnd hindert GOtt an seinen Wercken. Tieffe ver derbung Menschli- ches Her- tzens. Denn die Elende Menschliche Natur ist durch die Erbsuͤnde/ also hoch vnnd tieff durch vnnd durch vergifftet/ das der tausende Mensch die verborgene boßheit/ seines Hertzens nicht erken- net oder verstehet/ wie der 19. Psalm spricht: Vnnd wegen solcher vergiff- tigung liebet sich der Mensch mehr denn GOtt/ seine Engel vnd was Er je geschaffen hat. Diesen tieffen Ab- grundt der verderbung Menschlicher Natur/ koͤnnen alle Gelehrte Leute nicht gnugsam außreden/ kostet dem- nach viel muͤhe diesen falschen grundt/ im Hertzen vmbzustossen vnnd außzu- reuten. Denn diß ist die rechte Ab- Sich selbst ver- leugnen ist sehr schwer. negatio vnd verleugnung sein selbst/ davon vns vnser Herr Predigt/ wollen wir anders seine Juͤnger sein vnnd kan ehe ein Mensch alles zeitli- che verlassen/ Golt/ Silber/ Heuser vnd an den Gaben sondern an GOtt selbst. vnd Schloͤsser/ denn er sich selbst ver- lassen vnnd verleugnen kan/ so tieff ist diß Gifft eingewurtzelt in die Natur. Zu dieser verleugnung muß vns Gott durch mancherley Creutz zwingen/ vnnd alles Creutz ist zu diesem Ende gerichtet/ vnnd was denn also dem Menschen wiederstehet eusserlich vnd innerlich/ Leiblich oder Geistlich/ ist von GOtt hiezu verordnet/ ja von GOtt Ewiglich da- zu versehen. L iiij Das Wie vnser Werck Gott gefallen Das XXII. Capittel. Wie vnser Werck Gott gefallen/ wie wir bey GOtt Gnade erlangen moͤgen/ vnd gerecht werden/ auch wie ein Mensch seiner Gaben/ so er von Gott empfangen./ leicht- lich Mißbrauchen/ vnd seine Seele schend- lich beflecken kan/ vnd wie er seiner Gaben recht gebrau- chen soll. Psal. 37. Habe deine Lust an dem HErrn/ der wird dir ge- ben was dein Hertz wuͤn- schet. Ausser der Gnaden Gottes ge schicht kem gut Werck. W Eil der Mensch von Natur ist vnter Gottes Zorn/ so sind auch alle seine Natuͤrliche Wercke/ vnter Gottes Zorn/ Er thue denn auch so hohe Wercke fuͤr der Welt/ als er immer wolle/ denn er kan ausser der Gnaden Gottes/ nichts thun das Gott Wolgefalle/ ist er aber in Gnaden/ so sind alle seine Wercke in Gna- vnd wie wir fuͤr jhm Gerecht werden. Gnaden/ vnnd gefallen GOtt wol/ denn Gottes gnade wircket dieselbe in jhm. Darauß folget nun das du mit S. 1. Cor. 15. Paulo/ alle deine Gaben/ der gnaden Gottes solt zuschreiben/ vnnd nicht dir In Wer- cken ist nicht die Gerechtig keit zusu- chen. selbst/ auch nicht darin deine Gerech- tigkeit vnd Seligkeit suchen. Denn hette ein Mensch alle die Marter gelit- ten/ die alle Heiligen gelitten haben/ vnnd alles gethan/ das alle Christen je gethan haben/ oder immer thun moͤgen biß ans Ende der Welt: Vnnd wenn du dich alle Tage liessest toͤdten/ vnnd wieder Lebendig machen/ vnd Steine vnd Dorne Essest/ hiemit koͤntestu kei- ne Gnade erlangen auß dir selbst/ son- dern sencke dich durch den Glauben in„ die tieffeste grundtloseste Barmhertzig-„ keit Gottes in Christo/ mit einem De-„ muͤtigen gelassenen willen vnter Gott/„ vnd alle Creaturen/ so wird dirs Chri- stus allein geben auß grosser Mildig- keit/ vnd freyer reiner Liebe vnd Barm- L v hertzig- Wie vnser Werck Gott gefallen Luc. 17. hertzigkeit/ wie vnser lieber Herr spricht: So jhr alles thut so sprechet/ wir sind vnnuͤtze Knechte gewesen. Ach Barmhertziger GOtt/ wie ist vnser Gerechtigkeit aus vns selbst/ so ein arm schnoͤde ding fuͤr den Au- Esa. 64. gen GOttes/ Ein Vnflat/ wie Esa. außsagt. Denn alle Wercke die alle Menschen vnnd Creaturen wircken oder wircken moͤgen/ biß an das Ende Sicher- ster Weg zur Selig- keit. der Welt/ die tuͤgen alle zu vnser Ge- rechtigkeit lauter nichts. Gehe aber durch die sicherste Pforte in das Er- be/ vnnd opffere Christi vnschuͤldi- „ges Leyden/ fuͤr dein verschuldes Ley- „den/ seine vnschuͤldige Gedancken „fuͤr deine schuͤldige gedancken/ seine „Heilige Wort fuͤr deine schuͤldige „Wort/ vnnd also alle seine Wercke/ seine Armut/ Gedult/ Sanfftmut vnd Liebe/ fuͤr alles das/ so dir gebuͤhrt auß- wendig vnd inwendig/ vnnd siehe alle- zeit Christum an so du bey GOtt wilt Luc. 15. gnade haben/ vnnd kehre zu jhm wie der vnd wie wir fuͤr jhm gerecht werden. der verlorne Sohn thut/ so wird er Christus wird sich vmb vn- sert willen nicht en- dern. dich mit Freuden auffnehmen. Er wird ohne zweyffel sein wesen/ nach seiner gewoͤhnlicher guͤtigkeit/ vmb deiner Suͤnde willen/ so sie dir leid seyn/ nicht endern. Es ist doch sein eigner milder Schatz/ den er allen anbent aus lauter guͤte/ vnd ist jhm ein geringes dir deine Schuld zu verge- ben/ wenn du jhm dasselbe nur ge- trawest. Denn seine Hand ist nicht Esa. 50. verkuͤrtzet/ daß sie dir nicht helffen koͤnte. Vnd so viel Armer vnd Elen- So viel Armer in dir/ so viel Reicher in Christo. der du in deinen selbst Augen fuͤr jhn koͤmpst so viel mehr du jhm angeneh- mer bist/ vnnd er dich von seinem gut selbst herrlich begaben vnnd Reich machen will/ denn gleich wie ein Tro- pffen gegen dem Meer/ also sind aller Menschen Suͤnde gegen der grundlo- sen guͤte Gottes. So du nun in gna- den bist/ so sind alle deine Wercke in gnaden/ vnnd alles was GOtt gefellet das Wie vnser Werck GOtt gefallen das gefellet jhm in seinem eingebornen Sohn/ vnd alles was Gott lieb hat/ das hat er lieb/ in seinem eingebornen Ist die Person in Gnaden bey Gott so gefallẽ jhm die Wercke. Sohn/ darumb sol der Mensch also leben/ das er eins sey durch den Glau- ben mit dem eingebornen Sohn Got- tes/ so ist er vnd alles das sein/ bey Gott in Gnaden. Hie mustu aber mercken/ so dir Gott als seinem gnaden Kinde Gaben gibt/ daß du dich nicht in den- selben solt beluͤstigen/ sondern allein an Gott deinen Vater: Am Herrn Psalm 37. soltu/ wie der Psalm sagt/ deine Lust haben/ vnnd nicht an deinen Gaben/ nicht soltu deine Lust vnd ergetzung su- chen in den Gaben/ sondern allein in Gottes Lob vnnd Ehr/ das allein sein Goͤttlicher wille in dir/ vnd durch dich moͤchte vollbracht werden/ vnd in allen Creaturen. Gleich wie ein Wasser außfleusset vnnd wieder einfleusset in seinen Vrsprung: Also trage deine Gaben sind Gott wieder zu zuschreibẽ Gaben wieder in jhren Vrsprung/ in GOtt/ darauß sie geflossen sein. Dar- umb vnd wie wir fuͤr jhm Gerecht werden. umb wiltu nu deiner Gaben recht ge- brauchen/ so mercke folgende Regel: Wenn du alle Goͤttliche Gaben het- test/ im Himmel vnd Erden/ vnd aller Heiligen gute Werck/ so bald du dich dar in beluͤstigest/ vnnd deine eigen Lust vnnd Frewde darin suchest/ so bald ist diß Gut alles beflecket/ mit Vntu- gendt vnd Abgoͤtterey. Denn du solt an keinem dinge Lust Ruhe vnd Frew- de haben/ weder im Himmel noch Er- den/ denn bloß vnd lauter an Gott al- lein/ vnd so du das thust/ so ist GOtt selbst deine Frewde/ Lust/ Ruhe/ genuͤg- te/ Schatz/ Reichthumb/ auffenthalt innerlich vnnd eusserlich/ welches tau- sentmal besser ist/ denn alle deine Ga- ben. Auff diese weise wirstu Wirdig ein Werckzeug vnd Gefaͤß zu sein der Gnaden gaben Gottes/ denn Gott wil Hofferti- ge sind des Teuf- fels Werck zeuge. nicht durch Hoffertige Geister Wir- cken/ denn dieselbe sind Werckzeuge vnd Glieder des Lucifers/ den Demuͤ- tigen aber gibt er gnade/ sagt S. Pe- 1. Petri. 5. trus/ Wie vnser Werck Gott gefallen trus/ darin legt er seinen Schatz. Die inwendige Hoffart ist die grosse Wur- tzel aller Vntugend/ dardurch besitzet der Teuffel die stadt/ die allein der ewige GOtt/ mit seiner gnade besitzen solte. Gleich wie ein Weinstock/ auß- Schoͤnes gleichnis. wendig vngestalt/ vnnd vnansehnlich ist/ vnnd wenn er dem Menschen nicht bekant were/ wuͤrde es jhm deuchten/ er were nirgend nuͤtze vnnd gut zu/ denn ins Fewer: Aber in diesem deinen Holtz/ sind die lebendigen Adern dar- aus die Edelste Suͤssigkeit entspringt: Also sind alle Goͤttliche Leute/ durch welche GOtt wircket/ außwendig als ein schwartz verdorben vnnuͤtz Holtz denn sie sind demuͤtig/ vnachtbar/ we- der von grossen Worten/ noch eusserli- chen Scheinwercken: Aber inwendig sind sie die lebendigen Adern/ da jhr Theil GOtt selbst ist. Welche aber mit jhren gaben stoltzieren/ vnd mit jh- rer milden Almosen prangen/ machen Fen- vnd wie wir fuͤr jhm gerecht werden. Fenster vnd Altar in die Kirchen/ vnnd Alle gute Wercke sollen in wahrer Demut geschehẽ. zeichnen dieselbe mit Schilt vnd Wa- pen/ vnnd wollen das es alle Men- schen wissen/ darin haben sie jhren Lohn hinweg/ vnnd damit hat der Mensch alle seine Werck verderbet. Ist auch nerrisch/ daß sie lassen fuͤr sich bitten mit grossem Schein/ denn die Allmosen so aus demuͤtigen einfel- tigen Gott ergebenen Hertzen gegeben werden/ bitten mehr denn alle Men- schen/ denen die Allmosen wissent vnd bekant seyn/ daß sie zum Schein geben seyn. Wiltu nun das alle deine Wer- cke tuͤglich vnnd nicht Wurmstichig sein sollen/ so mercke diese vier Regeln/ Vier Re- geln der wahren Demut. Erstlich daß du von allen deinen Wer- cken nichts haltest/ nicht dich suchest vnd meinest/ sondern GOTT allein. 2. Soltu ein demuͤtig Gemuͤt haben vnter Gott/ vnd alle menschen/ in dem kleinesten so wol als in dem groͤsten/ dich sol duͤncken alle Menschen sind gerechter denn du. 3. Soltu Wie vnser Werck Gott gefallen 3. Soltu alle dein thun fuͤr vnnuͤtz vnd fuͤr nichtig halten. 4. Das du dich immer fuͤrchtest/ fuͤr dem verborgenen Vrtheil Gottes/ nicht zwar als ein zweiffeler sondern als ein Liebhaber Gottes/ wie sich ein Freund fuͤrchtet/ das sein Freund nicht mit jhm zuͤrne. Wer in diesen 4. stuͤcken sein Werck nit thut/ der verdirbet alle seine Wer- cke/ vnd wenn sie lauter Gold weren/ vnd thet er auch so viel Wercke/ als die gantze Welt thun kan. Wer aber sei- ne Werck also thut/ der ist ein rechter guter Baum/ an welchem allein die rechte Frucht hanget/ die andern sind alle Wurmstichig vnd ein fauler Apf- fel. Auch soltu wissen das nie so ein Was dem Nehesten zu nutz ge- schicht ge- felt Gott wol. klein oder gering Werck vnnd Ampt ist/ so es dem Nechsten zu nutz ge- schicht/ es ist Gott angenehme. Vnnd wer sein Pfundt nicht anleget dem Menschen damit zudienen/ der muß schwere Rechnung dafuͤr geben/ denn darumb hat ers von Gott empfangen/ als vnd wie wir fuͤr jhm Gerecht werden. als eine Gabe das ers wieder geben sol/ seinem Nehesten zu nutz/ denn es ist nie so ein klein Werck vnd Kuͤnstlein es kompt von GOtt vnnd ist dem Men- schẽ zu nutz gegeben: Darumb sagt vn- ser He rr/ Johannis am dritten/ von Welche Wercke in Gott ge- than sind. den Wercken die in GOtt gethan sein/ das sind die so im Glauben in Hertzlicher Liebe/ zu Gottes Ehren/ auß reiner lauter meinung/ ohne alle eigne Ehre vnd nutz dem Nehesten zum besten gethan werden/ wie einem jeden solches sein gewissen lehret. Darumb hab acht/ was dich zu deinem Werck jagt oder treibet/ damit du dein eigen Werck nicht verderbest. So du aber mit deinen gaben deinem Nehesten Matt. 25. nicht dienen wilt/ so wirdt dirs gehen wie jenem faulen Knecht/ der soin Pfundt vergraben hatte/ der Herr aber der es jm gegeben/ nams jhm wie- der vnd gabs einen andern der es besser zugebrauchen wuste/ Also bleibestu leer/ beydes der Gaben vnd der Gna- M den Wie vnser Werck Gott gefallen den dazu. So ists auch grosse Thor- heit/ sich eines dinges vnternehmen/ das jhm GOtt nicht gegeben hat/ oder davon zierliche Reden fuͤhren/ das man nie geuͤbet oder erfahren hat/ vnd wenn man auch fuͤrgebe/ das die H. Dreyfaltigkeit solches wirckete/ so hal- te nichts davon/ er habs denn erfahren vnnd geuͤbet inwendig vnd außwen- dig. Schein- Wercke gefallen Gott nit. So soltu auch wissen das alle Werck die ein Mensch thut die nur zum schein dienen/ oder das man gese- hen vnd groß gehalten werde/ das alle diese Wercke GOtt nicht gefallen/ wie groß oder hoch dieselbe auch seindt oder scheinen/ denn wer deß Wercks eine Vrsach ist/ oder wer die Geburt gebieret/ deß ist sie/ vnd keines andern/ darumb ist der ein Heuchler vnnd Gleißner der in allen dingen sich selbst meinet/ vnnd ist gleich als ein vberguͤl- det Werck/ dz inwendig nichts taugt/ vnd so man das vberguͤldete abschabet/ so ist vnd wie wir fuͤr jhm gerecht werden. so ist das da bleibet nichts werth/ also ist in solchen Heuchelwercken/ keine reine Liebe vnd Ehre Gottes/ sondern eine Blinde Fleischliche Liebe/ die der Ehrsuͤchtigen Natur/ lustig vnnd lieb- lich ist. Auch soltu wissen das alle gute Alles in Gott zu- richten. Wercke/ die der Mensch in etwas an- ders richtet denn in GOtt/ eitel Luͤ- gen sein vnd Abgoͤtterey. Denn alle ding sind denen ein Abgott/ deß GOtt nicht ein Ende ist. Darumb muͤgen wir wol Gaben gebrauchen/ aber nicht dran hangen mit Lust/ denn solches ohne Abgoͤtterey nicht ge- schehen kan. M ij Das Vom Geheimniß des Creutzes/ Das XXIII. Capittel. Vom Geheimniß deß Creutzes/ wie wir dadurch zu GOtt gezogen werden. Matt. 10. Wer nicht sein Creutz auff sich nimpt/ vnnd folget mir nach/ der ist meiner nicht werth. Alle ware Christen sind Creutz traͤger. A LLe die wahre Juͤnger/ Liebha- ber vnd nachfolger Christi sein wollen/ die muͤssen jhr Creutz tra- gen in dieser zeit/ es sey welcherley es wolle/ denn fleuget man eines so fellet man ins ander. Fleug wohin du wol- lest/ vnd thu was du wollest/ es muß ge- litten sein. Es ist so klein oder groß GOTT hilfft tra- gen. Creutz nicht/ GOtt leget seine Hand vnter vnd tregt die Buͤrde am schwere- sten theil/ dadurch wird der Mensch so froͤlich/ vnnd jhm das Creutz so leicht gemacht/ das jhm nicht duͤncket das er je gelitten hab/ so bald aber Gott vnter der wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. der Buͤrden weg gehet/ so bleibet die Buͤrde des Leidens in jhrer schwerheit vnd bitterkeit/ darumb hat der Sohn Gottes Christus Jesus das schwere- ste Creutz getragen in der aller schwere- sten Weiß/ vnd haben es jm alle nach- getragen/ die seine liebste Freunde ge- west sein. Denn Niemandt das mit Grosses Gut im leiden ver borgen. Worten außsprechen mag/ wie ein vnaußsprechlich gut im Leiden verbor- gen ist/ denn Gott auß lauter Liebe vnd Trewe/ das Creutz auffleget/ auff Roͤm. 8. das er dadurch seine Freunde zu sich ziehe/ Christo gleich mache/ vnd das sie jhrer Seligkeit nicht beraubet werden. Es sollen dich aber lehren dein Creutz recht tragen/ die H. Fuͤnff Wunden vnsers He rrn Jesu Christi: Diesel- ben sollen dein Lehr vnd Creutzbuͤch- Christi Wunden vnser Creutz- Buch. lein sein: Als die Wunden seiner Hei- ligen Fuͤsse/ sollen dich lehren meiden vnd leiden: Meiden/ alle Lust: Leiden/ alles was vber dich kompt/ inwendig vnd außwendig/ diese beyde Kraͤffte/ M iij sauge Vom Geheimnis des Creutzes sauge auß den Wunden der Fuͤsse Chri- sti. Die Heiligen Wunden seiner Mil- den Haͤnde sollen dich lehren schwei- gen/ vnd alle zeitliche dinge verachten. Die Wunde seiner H. Seiten/ soll dich lehren dich selbst verleugnen/ vnd allein in Christo alle deines Hertzens Lust vnd Wonne suchen. Der Heilige blosse Leichnam deines Herrn am Creutz sol dich lehren entbloͤssen von allen Creaturen. Denn gleich wie vn- ser Herr bloß ans Creutz geschlagen ward/ das nicht ein Faͤdenlein an sei- nem Leibe bliebe/ vnd seine Kleider wur- den darzu verspielet fuͤr seinen Goͤttli- chen Augen/ also soltu wissen in der Warheit/ soltu zu deiner vollkommen- heit kommen/ so mustu also bloß wer- den/ alles dessen das Gott nicht ist/ das du einen Fadem an dir nicht behaltest/ vnnd dasselb muß dennoch fuͤr deinen Augen verspielet werden/ vernichtet/ vnd von allẽ Menschen fuͤr ein gespoͤtt vnd Thorheit vnnd Ketzerey geachtet vnd wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. vnd geschetzet werdẽ. Es fellet nicht so Alles Creutz ist zuuor ver- sehen. klein auff vns/ Es ist alles von Gott zu- uor angesehen/ das es also sein sol vnd nicht anders/ vnd dafuͤr soll man Gott dancken. Deñ Gott verhengt das aller groͤsseste vnd schwereste leiden/ vber die so jm Lieb sein/ der boͤse Feind legt dem Menschen auch viel heimliche vnd ver- borgene Stricke/ das er jhn in guten Tagen stuͤrtze: Darumb wil vnser Der Teuf- fel verfuͤrt durch gu- te Tage/ Gott legt Creutz auf auß Liebe. lieber GOtt/ seine Ausserwehlten aus grosser Liebe vnnd Erbarmung in dieser Zeit/ ohne vnterlaß Creutzigen/ in mancher verborgener frembder wei- se/ die vns offt vnbekandt ist/ vnnd will jhnen keinerley ding in dieser Welt lassen zu Lieb werden/ auff das die boͤsen Geister keine Gewalt vber sie haben/ sie zubetriegen/ vnnd von GOTT abzufuͤhren. O wuͤsten wir/ wie das Creutz vns zu GOTT fuͤhrete/ vnnd was grosse Ehre drauff folgen wuͤrde/ vnnd wie behende es den boͤsen Geist von vns M iiij triebe/ Vom Geheimniß des Creutzes triebe/ wir lieffen viel Meileweges dem Creutz entgegen. Denn Leiden vnnd Creutz ist so Edel vnd nuͤtze/ das vnser lieber GOtt alle seine Freunde ohne Leiden nicht lassen will. Verstuͤnden wir den Adel des Creutzes/ wir achteten vns desselben Vnwirdig/ so eine grosse gnade Got- tes ist es/ Christi Bilde gleich werden. Christus hat der Welt nie gefallen/ darumb hat jhn die Welt verschmehet: Gal. 1. Vnter tausendt Christen aber findet man kaum einen/ der zu dieser vollkom- menheit kommen ist/ das er der Welt nicht begehre zu gefallen. Denn wer Der Welt vnd jhm selbst ab- sterben. der Welt gefallen wil/ kan Gott nicht gefallen/ vnd wer der Welt voll ist/ der ist Gottes leer/ denn so viel ein Mensch der Welt vnd jhm selbst stirbt vnd auß- gehet/ also viel gehet vnser Herr GOtt wieder ein/ der das Leben ist. Kein Mensch gefellet Gott besser/ denn an dem Gott seinen willen voll- bringet. Were ein Koͤnig deme ich gerne wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. gerne wolte gefallen/ vnd ich wuͤste ge- wiß das ich denselben baß gefiele/ in ei- nem grawen Rock/ denn in einem an- dern wie gut er auch were/ so ist kein zweiffel/ mir were das grawe Kleidt lustiger vnnd lieber denn kein ander/ es were so gut als es wolle. Also weil du weist/ das dein Creutz Gottes Wolge- fallen ist/ so solle dirs lieber sein denn gute Tage. Wiltu recht wissen/ ob Vnter- scheid des Leidens vmb vns selbst vnd vmb Got- tes willen. dein leiden Gottes sey oder dein/ das soltu daran mercken: Leidestu vmb dein selbst willen/ in welcher weise es sey/ das leiden thut dir wehe vnd ist dir schwer zutragen: Leidestu aber vmb GOtt allein/ das Leiden thut dir nicht wehe/ vnnd ist dir auch nicht schwer/ denn GOtt tregt die Last/ Leget dir nu GOtt einen Centner auff vnnd tregt jhn selbst/ so mehr legte er Hundert auff/ als nur einen/ denn daselbst ma- chet GOtt die Last leicht/ vnnd das Matth. 11. Joch suͤsse. Darumb lege auff lieber GOtt was du wilt/ vnnd wie viel du M v wilt Vom Geheimniß des Creutzes wilt/ vnd hilff tragen/ so trage ichs nit sondern du. So mustu auch lernen/ das alle rechtschaffene gaben GOttes muͤssen durch Leyden kommen/ kom- men sie aber fuͤr dem Leiden/ so muͤssen sie doch mit dem Leyden bewehret wer- den. Vnd dieweil das Leyden der See- len sehr nuͤtze vnd fruchtbar ist/ darumb hat GOtt allen seinen lieben Heiligen vnd Freunden/ vnd sonderlich seinem Eingebornen Sohn groß Leyden hie in dieser Zeit auffgeleget/ darumb so leidet auch vmb Gottes willen/ von wegen derselben Fruchtbarkeit. Die Gott sol man sich gantz er- geben. Gottseligen Leute ergeben sich GOtt gantz vnd gar/ vnnd nehmen suͤsse vnnd sawr zu gleich von jhm an/ so muͤssen sie in der Demuth bleiben/ denn die Hellischen Hunde lassen nicht ab/ son- dern versuchen allezeit/ ob sie den Menschen von der Gottseligkeit ab- reissen moͤgen. Der Himlischer Va- ter sandte seinen Eingebornen Sohn/ in Menschlicher Natur zu leyden/ so wolten wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. wolten wir gerne alle Leyden fliehen/ aber ich sage euch fuͤrwar/ wollen wir den sichersten Weg gehen vnd durch- brechen/ so mag es nicht anders seyn/ wir muͤssen den wahren Bilde vnsers Herren Jesu Christi in etwas durch Leyden nachfolgen. Alle Ley- den eines Christen sie sind so gering als sie wollen/ kommen von GOtt vnd auß seiner vnaußsprechlichen Liebe/ vnd gereichen dem Menschen zu nutz. Es ist nimmer so ein klein Leyden auff dich kommen/ Gott hat es zuuor ewig- lich angesehen/ vnd das geliebet jhm/ vnnd hat sein wolgefallen dran. Wenn Nichts ohne Got tes willen. alle Teuffel die in der Helle sein/ vnnd alle Menschen die auff Erden sind/ zu sammen geschworen hetten/ sie koͤnten alle einem gleubigen Menschen vnnd einem geliebten Gottes nicht schaden/ vnd je mehr sie sich befleissigen jhm zu schaden/ je mehr er erhoͤhet wird von Gott/ vnnd wenn ein solcher Mensch gleich in die Helle gezogen wuͤrde/ so muste Vom Geheimniß des Creutzes muste er doch darinnen/ GOtt/ sein Himmelreich vnd Seligkeit haben. Die Jaͤger welche einen Hirsch im Thiergarten Hetzen/ wenn sie se- hen das der Hirsch zu muͤde ist/ weil sie wissen das sie seiner im Garten gewiß sein/ halten die Hunde ein wenig/ vnd lassen den Hirsch im Thiergarten ein wenig spatzieren gehen/ das er etwas dadurch gestercket werde/ damit er das Jagen darnach desto baß außstehen moͤge: Also thut GOtt dem Men- schen auch/ wenn er siehet das jhn das Anfech- tung Ja- get zu GOtt. Jagen wil zu viel werden/ vnd die An- fechtung zu groß ist/ so helt er ein we- nig auff/ Troͤstet/ Labet vnd erquicket den Menschen/ das jhm deucht er hab seine noth nugantz vnnd gar vberwun- den/ diß ist darnach ein sterckung zu ei- ner newen Jagt/ vnd wenn der Hirsch am wenigsten drauff gedencket/ so sind jhm die Hunde wieder auff den Halse/ vnd setzen jhm mehr zu denn zuuor/ vnd das thut GOtt auß grosser Trewe vnd wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. vnnd Liebe denn durch die Anfechtung wird der Mensch zu GOtt gejagt/ mit begierlichen durst vnd froͤlichem Her- tzen/ als zu dem Brunnen da alle Wonne Friede vnnd Frewde ist/ also das jhm der Trunck den er bekompt auff den durst/ desto suͤsser/ lustiger vnd angenehmer werde/ hie in dieser zeit/ darnach im Ewigen Leben/ da man den suͤssen Brunnen Trincken wird mit voller Lust/ auß seinem eignen Vrsprunge/ das ist auß dem Vaͤterli- chen Hertzen/ das koͤnnen die klugen dieser Welt nicht begreiffen/ die hie- von nichts wissen/ was der H. Geist fuͤr Wunder wircket in seinen Heili- gen. GOtt thut wie ein kluger Hauß- Vater/ der viel gutes Edles Weins Gott han delt mit vns durchs Creutz als ein Vater. hat/ gehet hinweg leget sich schlaffen/ so gehen denn seine Kinder hin vnnd Trincken deß guten Weins so viel das sie Truncken werden/ vnnd wenn der Hauß Vater auffstehet vnnd das ge- wahr wird/ so machet er eine Ruhte vnnd Vom Geheimniß des Creutzes vnd steupet die Kinder wol/ daß sie dar- nach so traurig werden/ so froͤlich sie zuuor gewesen/ vnd gibt jhnen darnach so viel Wasser zu trincken/ daß sie da- uon wieder nuͤchtern werden: Also thut GOTT seinen außerwehlten Kin- dern/ er thut gleich als wenn er ent- schlaffen were/ vnd lesset seine Kinder zuuor seinen suͤssen Wein trincken/ mit vollem Munde vnd gantzem lust/ wie sie es begeren/ aber wenn er siehet daß es jhnen zu viel vnnd nicht nuͤtz- lich sein will/ so enthenget er jhnen den guten Wein/ vnnd machet sie so trau- rig/ so froͤlich als sie zuuor gewesen sein/ damit sie nach jhm duͤrsten vnd er Das ge- ringste koͤnnen wir aus eignen Krefften nicht lei- den. sie zu jhm bringe/ vnnd das sie sehen was sie sind/ vnd was sie aus eignen Krefften vermuͤgen/ wenn GOtt seine Gnade von jhnen abzeugt/ vnnd daß sie gedemuͤtiget werden/ da sie zuuor gedechten/ sie wolten wol mehr leyden vmb GOTtes willen/ so sehen sie daß wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. daß sie nichtes vermoͤgen vnnd daß sie nicht nur ein klein Werck/ oder Wercklein vmb Gottes willen leyden/ vnnd vertragen moͤgen. Wir sehen wie vns Christus fuͤrgangen ist/ in Armut/ Elend/ Verschmehung/ biß in den Todt/ also muͤssen wir densel- ben Weg auch gehen/ wollen wir an- ders mit jhm in den Himmel kom- men. Da vns GOTT sonst nicht kan demuͤtigen/ so lesset er vns offt in Schande vnnd Truͤbsal fallen/ daß es fuͤr Jederman erbermlich ist/ auff daß wir in vns selbsten geniedriget werden/ denn in der Anfechtung ler- net der Mensch sich selbst erkennen wer er ist/ oder was er ist. Denn man- cher Mensch ist in dieser Welt ver- dorben/ deme nichts anders gefei- let denn die Anfechtung. Wenn du es recht bedechtest/ soltestu dich von Hertzen frewen/ vnnd dich vn- wirdig duͤncken/ daß man dich ver- schmehete/ vnnd dir leyden anthete/ daß Vom Geheimnis des Creutzes. das du es vmb Gottes willen/ leiden sollest. Denn weme Gott die Ehre vnd die Seligkeit goͤnnet/ dz er dz Kleidt deß Leidens vmb seinet willen hie in dieser Zeit an jhm tragen sol/ es sey Alles Creutz ein Zeichen der Liebe. außwendig oder inwendig/ das ist ein lauter Zeichen der Liebe Gottes/ vnd fuͤhret den Menschen zu seinem eignen grunde/ das er sich selbst fuͤr nichts helt/ mehr denn jhn Jemandt halten mag. Welcher Mensch vnserm He rrn Jesu Christo nachfolgen wil/ der muß der Natur vnnd jhrer verkehrter Lust Vrlaub geben. Man findet der Leu- te viel/ die GOtt gerne nachfolgten ohne Leiden vnd Arbeit/ vnd dieselben suchen in jhnen selbst Trost/ Friede vnd Frewde/ da wird denn nichts aus. Christus muste Leiden vnd sterben vnd Luc. 24. also in seine Herrligkeit eingehen/ demselben Hertzog vnsers Lebens/ sollen wir allezeit nachfolgen/ der vns daß Panier/ des bittern Leidens/ so trewlich hat fuͤrgetragen/ mit so gros- ser wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ. ser Gedult/ inwendig vnd außwendig. Darumb sollen alle wahre nachfolger Christi demuͤtiglich auff sich nehmen/ Alles Ge- duͤldig auffzuneh men. das Creutz jhres Leidens/ vnd dasselbe Geduͤltig vnnd froͤlich tragen vmb Christi willen/ wovon es auch her- kompt/ es sey verschuldet oder vnuer- schuldet/ inwendig oder außwendig/ so gehet er mit Christo durch Leiden in die Herrligkeit. Wir sehen ja das mancher Mensch der Welt dienet/ vñ nachfolget vmb ein wenig vergeng- licher Ehre vnd Ruhms willen/ vnnd sich froͤlich sein selbst vorzeihet vnnd was er hat/ vnd waget sich in ein frem- des Landt vnnd Krieg vmb zeitlicher Ehre vnnd Gutes willen/ solten wir vmb die Ewige Kron/ nicht desto willi- ger Fechten vnd Streiten. Es ist im Creutz ein grosser Sieg/ wie du an dei- nem Herrn Christo siehest. GOtt ist auch im Creutz/ denn Gott gibt sich dem Menschen ja so wol durch harte schwere Anfechtungen/ als durch N Suͤs- Vom Geheimnis deß Creutzes Suͤssigkeit vnnd Guͤtigkeit/ im Creutz ist Gottes Wolgefallen mehr denn in guten Wegen: Denn so wenig das Dz Creutz ist das Saitz vn- sers Flei- sches. Fleisch behalten werden mag ohne Saltz das es nicht faul werde/ so wenig moͤchte der Mensch Gott Wollgefal- ten/ ohne Leiden vnnd Anfechtungen. Ja je mehr der Mensch durchs Creutz gesencket wird/ in den grund der wah- ren Demuth/ je mehr er gesencket wird in den grund deß Goͤttlichen wesens/ denn wenn sich der Mensch recht gruͤndtlich Demuͤtiget/ so kan sich GOTT nicht enthalten wegen sei- ner grossen Guͤtigkeit/ er muß sich sen- cken vnnd giessen in den Demuͤtigen Menschen. Darumb braucht Gott Warumb der Mensch muß Ge- demuͤtiget werden. mancherley Mittel den Menschen zu demuͤtigen/ vnnd in das erkentniß sei- ner Nichtigkeit zu bringen/ auff das er deß Menschen willen zu nicht mache/ das er GOtt diene ohne eignen wil- len/ welches denn Gott sonderlich Lieb ist. Es ist auch offenbar auß vielen Exem- wie wir dadurch zu Gott gezogen werdẽ Exempeln der Heiligen/ da sie mit harten Anfechtungen geplagt gewe- sen/ vnnd nicht haben koͤnnen erloͤset werden/ das sie sich gentzlich vnnd gruͤndtlich dem Willen Gottes er- geben/ vnnd seiner gnedigen Verse- hung/ vnnd sich gentzlich verleugnet/ vnnd Auffgeopffert/ also das sie sich ergeben/ zeit jhres Lebens solch Creutz zutragen/ wo es GOTT gefiele/ vnnd dadurch sind sie bald erloͤset/ nemlich durch eine solche Demuth vnnd Gehorsam vnnd Auffopfferung jhres eignen willens. Denn da hat Gott erlangt im Menschen was er wolte/ nemlich die verleugnung sein selbst/ vmb welcher willen/ der Mensch dz Creutz leiden muste. Letzlich hastu auch aus dem lieben Creutz diese Lehr/ Niemand beleidiget vns als wir selber. das du wissen solt/ das dich Niemandt beleidigen kan/ wo du dich nit selbst be- leidigest/ durch vngedult vnnd zorn/ du jrrest wenn du meinest/ du seyst von diesem oder jenem beleidiget/ denn N 2 was Vom Geheimniß deß Creutzes/ etc. was kan dich ander Leut spott oder ver- achtung/ oder verleumbdung beleidi- gen/ wenn du in der stille ruhig/ vnnd geduͤldig bleibest. Gleub mir die gan- tze Welt kan dich nicht beleidigen/ weñ du ohne Vngedult vnd Zorn bleibest. Schweig stille als ein Todter im Gra- be/ vnd siehe was die die gantze Welt thun kan: Warlich sie thut nichts an- ders/ denn das sie dir eine Krone berei- tet deines Lobes bey Gott. O welche schoͤne drey Gradus hat die Gedult/ in welchen der rechte Sieg stehet: 1. Lei- den ohne murmeln. 2. Nicht allein Truͤbsal leiden/ sondern dieselben vmb der Liebe Christi willen begeren. 3. Sich in der Truͤbsal frewen. Das ist der Allermechtigste vnd sterckeste Sieg. Drey Drey Gebet aus dem Betbuͤchlein Johannis Arndts/ zum Beschluß des dritten Buchs mit angehenget. Das Erste/ Vmb die Ruhe der Seelen in Christo. A CH du ewiger vnd einiger Fridefuͤrst/ Herr Jesu Chri- ste/ du aller seligste vnnd hoͤchste Ruhe/ aller gleubigen Seelen/ du hast gesagt/ kompt zu mir/ so werdet jhr ruhe finden fuͤr ewre Seele/ in der Welt habt jhr Angst/ in mir habt jhr friede. Ach wie offt habe ich ruhe ge- sucht/ in dieser Welt/ vnnd im zeitli- chen/ habe sie aber nicht funden/ denn es kan die vnsterbliche Seele nicht ge- settiget noch gestillet noch gesenffti- get werden/ denn mit vnsterblichen dingen/ nemlich mit dir/ vnnd in dir N iij O du Das Erste Gebet O du vnsterblicher Gott/ wo du nicht bist/ da ist keine ruhe der Seelen/ denn alles zeitliche eilet zum vntergang/ vnnd verschleisset wie ein Kleidt/ die Erde veraltet wie ein Gewandt/ sie verwandelt sich/ vnnd du vnwandel- barer GOTT/ wirst sie verwandeln/ wie solte denn meine vnsterbliche See- le/ in den sterblichen wandelbaren fluͤchtigen dingen/ ruhe finden? Denn gleich wie du lieber GOTT / vnser Schoͤpffer vnd Vater/ in keiner Crea- tur ruhen woltest/ ohne in dem Men- schen/ (denn als du den Menschen geschaffen hattest/ ruhetestu von dei- nem Wercken) also kan des Menschen Seele in keiner Creatur ruhen/ denn allein in dir OGOTT / Meine Seele kan nicht gesettiget werden denn allein mit dir OGOTT / der du alles gut bist. Darumb hungert vnd duͤrstet meine Seele nach dir/ vnd kan nicht ehe ruhen/ noch gesettiget werden/ vmb die Ruhe der Seelen in Christo werden/ sie habe dich denn selbst. Der- halben du mein Herr Christe woll gesagt hast/ Wem da duͤrstet der kom- me zu mir. Du bist meiner Seelen Vrsprung/ darumb kan sie nirgend ruhen denn in dir. Darumb ruffe meine Seele vnnd sprich zu jhr/ kom̃ meine Taube/ meine Taube in den Steinritzen/ vnnd Felßloͤchern/ das sind deine Wunden Herr Jesu/ O du Felß des Heyls/ in welchen mei- ne Seele ruhet. Denn auch dein lie- ber Apostel Thomas nicht ehe ruhen konte/ er hette denn seine Hand gelegt in deine Wundenmahl/ das sind vn- sere Heilbrunnen/ vnsere Friedebrun- nen/ vnsere Liebebrunnen. Ach mein Herr Jesu/ wie bruͤnstig ist deine Liebe/ wie rein ist sie ohne allen Falsch/ wie vollkommen/ wie vnbefleckt: Wie groß/ wie hoch/ wie tieff/ wie Hertzgruͤndlich? Ach laß meine Seele in dieser deiner Liebe ruhen/ in dei- N iiij nem Das Erste Gebet deinem Hertzen in welchem kein falsch noch betrug ist/ da ruhet sie ohne furcht/ sanfft vnd sicher. Ach laß alle meine Sinne ruhen in dir/ daß ich dich in mir hoͤre freundlich reden/ das meine Augen dich anschawen/ O du hoͤchste Schoͤnheit/ das meine Ohren dich hoͤren/ O du hoͤchste Lieb- lichkeit/ das mein Mund dich schmecke/ O du hoͤchste Suͤssigkeit/ daß ich von dir empfinde den Edlen geruch/ des Le- bens/ O du edle Blume des Paradi- ses/ das meine Arme dich mit Liebe vmbfahen/ O du lieblichster Breuti- gam/ das mein Hertze in dir jauchtze/ O meine Freude/ mein wille dein al- lein mit verlangen begere: O meines Hertzens einige begierde/ mein ver- stand dich allein erkenne/ O du ewige Weißheit/ alle meine affecten vnnd begierden in dir allein muͤgen ruhen/ O Jesu meine Liebe/ mein Friede/ meine Freude. Nim weg aus mei- nem Hertzen alles was du nicht sel- ber vmb die Ruhe der Seelen in Christo. ber bist. Du bist mein Reichthumb in meiner Armuth/ du bist meine Ehre in meiner verachtung/ du bist mein Lob vnd Ruhm wieder alle verleumbdung/ du bist meine staͤrcke in meiner schwach- heit/ du bist mein Leben in meinem Todt/ Ach wie solte ich nicht in dir ruhen/ bistu mir doch alles/ du bist meine Gerechtigkeit wieder meine Suͤnde/ meine Weißheit wieder meine Thorheit/ meine Erloͤsung wieder mei- ne Verdamniß/ meine Heiligung wie- der meine Vnreinigkeit. Kom zu mir vnnd stille mein Hertz/ halt in mir dei- nen Sabbath/ Laß mich hoͤren was du in mir Redest/ laß mich empfinden das du in mir Lebest/ O mein Leben/ wie du mich Liebest/ O meine Liebe wie du mich Troͤstest/ erquickest/ erfrewest/ vñ erleuchtest/ O mein Trost/ meine Er- quickung/ meine Frewde/ vnnd mein Liecht. Laß mich dir ein gantzes Hertz geben/ dieweil du mir dein gantzes Hertz gegeben hast/ laß mich von mir N v selbst Das ander Gebet selbst ausgehen/ auff das du zu mir ein gehest/ laß mich mein Hertz außlehren von der Welt/ auff das du mich mit Himlischen Gaben erfuͤllest. O Jesu meines Hertzens Ruhe/ du Heiliger Sabbath meiner Seelen/ bringe mich in die Ruhe der ewigen Seligkeit/ da Frewde ist die fuͤlle vnd Lieblich wesen zu deiner Rechten Ewiglich. Das Ander Gebet vnd Danck- sagung fuͤr die Geistliche vermaͤh- lung Christi mit vnser Seelen. A CH Herr Jesu Christe/ du schoͤnster vnter den Menschen Kindern/ du Holdseliger Breut- gam vnser Seelen/ du hast gesagt/ ich wil mich mit dir verloben in ewigkeit/ ich wil mich mit dir vertrawen im Ge- richt vnd Gerechtigkeit/ ja im Glau- ben wil ich mich mit dir verloben/ vnnd du solt den He rrn erkennen/ ich Dan- cke dir von Hertzen fuͤr deine Inbruͤn- stige/ Hertzliche/ Heilige vnd reine Lie- be/ da- fuͤr die Geistliche vermaͤhlung/ etc. be/ damit du mich allezeit geliebet hast/ du hast deine Liebe bewiesen in deiner Heiligen Menschwerdung/ da du Menschliche Natur/ das ist Menschli- chen Leib vnd Seele/ in Einigkeit der Person angenommen/ vnd mit deiner Ewigen Gottheit vnzertrenlich vnnd vnauffloͤßlich in Ewigkeit/ dir vereini- get/ Ach welch eine Troͤstliche/ Liebli- che vnd Holdselige vereinigung ist dz? Das Gott Mensch/ vñ Mensch Gott ist/ was koͤnte doch Freundlicher vnnd Leutseliger sein? Damit hastu bezeu- get/ das du dich also mit mir vnd allen Gleubigen vereinigen wollest/ das wir mit dir ein Leib/ ein Fleisch vnd Bein/ ein Geist vñ Hertz werden sollen. Da- zu hastu verordnet die H. Tauffe/ vnd dadurch dich mit mir vereiniget/ ver- mehlet vnnd verbunden/ das sie mir sey ein Bund eines guten Gewissens mit dir. Vnnd weil du deine Zar- te Edele/ Menschliche Natur die du angenommen/ Geheiliget hast/ das Das Ander Gebet das sie Engelrein ist/ ja mehr denn En- gelrein/ ohne Suͤnde/ ohne Mackel/ lauter vnd vnbeflecket/ So hastu vns in der H. Tauffe/ weil du dich mit vns vermaͤhlen wollest/ auch gereiniget durchs Wasserbadt im Wort/ vnnd hast dir zugerichtet eine Gemeine die Heilich sey/ die nicht habe einen fle- cken oder runtzelen/ sondern das sie Heilig sey vnd vnstrefflig/ So rein vnd vollkommen rein/ hastu vns mit dei- nem Blut gewaschen/ denn deine Rei- nigung ist vollkommen/ das kein Suͤn- denfleck ist vberblieben/ hast vns auch mit dir durch den Heiligen Geist ver- einiget/ vnd zu einem Leibe verbunden/ vñ vereinigest vns auch mit dir durchs Heilige Nachtmahl/ durch niessung deines Heiligen Fleisches vnd Blutes/ damit du dich vns gar zu eigen gibest/ dein Leben/ deinen Geist/ dein Fleisch vnnd Blut/ Ja deine Gottheit vnnd Menschheit ist vnser/ der gantze Chri- stus ist vnser eigen/ vnd du wilt in vns sein/ fuͤr die Geistliche vermaͤhlung/ etc. sein/ vnd wir sollen in dir sein. Du hast auß grosser Liebe/ deinen H. Leib vnd Blut/ fuͤr vns Geopffert am Creutz/ weil du vns einmal Lieb gewunnen/ so hastu so eine bestendige Liebe gegen vns/ dz sie stercker ist den der Tod/ dein Eyffer ist fest wie die Helle/ jhre Gluth ist Fewrig/ vnd eine Flamme des He r- ren/ das auch viel Wasser nicht muͤgen diese Liebe außleschen/ noch die Stroͤ- me erseuffen vnnd wenn einer alles Gut in seinem Hause/ vmb diese Liebe geben wolte/ so were es alles nichts. Ach mein Freund wie freudig ist dein Hertz/ wie Wacker deine Liebe. Das ist die Stimme meines Freundes/ Siehe er kompt/ vnnd huͤpffet auff den Bergen/ vnd springt auff den Huͤ- geln/ mein Freund ist gleich wie ein Re- he/ oder Junger Hirsch/ mein Freund ist weiß vnd roth/ Außerkohrn vnter viel Tausenden/ sein Haͤupt ist wie das feinste Golt/ seine Backen wie die wachsenden Wuͤrttzgaͤrtelein/ seine Lippen Das ander Gebet Lippen sind wie Rosen/ die mit fliessen- der Myrren trieffen/ seine Haͤnde sind wie die Guͤldene Ringe voller Tuͤr- ckiß/ sein Leib ist wie Elphenbein mit Saphieren geschmuͤcket/ seine Beine sind wie Marmel Seulen gegruͤndet auff Guͤldenen Fuͤssen. Ach du aller schoͤnster Breutgam/ enttzuͤnde eine Hertzliche innigliche Bruͤnstige gegen Liebe in mir/ kuͤsse mich mit dem Kuß deines Mundes/ Erquicke mich mit Blumen deines Edelen Lebendigen Geruchs/ Labe mich mit Epffeln dei- ner Liebligkeit/ lege deine Lincke Handt vnter mein Heupt/ vnnd deine Rechte Handt Hertze mich: Ach kom mein Freund in meinen Garten/ vñ iß deiner Edlen Fruͤchte. Setze mich wie ein Siegel auff dein Hertz/ vnnd wie ein Siegel auff deinen Arm/ nim weg auß meinem Hertzen alles was deine Liebe in mir hindert/ entkleide meine Seele von aller Creatur vnnd Welt Liebe/ mache sie bloß vnnd lauter von allen Irr- fuͤr die Geistliche vermaͤhlung/ etc. Irrdischen dingen/ das du dich allein mit jhr vermaͤhlen vnnd vereinigen kanst/ das du sie allein haben vnd be- sitzen muͤgest/ vnnd kein ander mit dir/ du schoͤnster Hoherpriester im Heili- gen Schmuck/ eine Jungfraw mustu zur Gemahlin haben/ die nicht mit der Welt/ vnnd mit frembder Liebe/ beflecket ist/ Eine solche Seele nim- stu gantz an/ vnnd fie nimpt dich gantz an/ Eine solche Seele hastu Tausend- mal lieber/ denn ein lieber Bule/ sei- nen Bulen Lieb hat. Vber einer sol- ehe Seelen Frewestu dich Tausend- mal mehr/ denn sich ein Breutgam Frewet seiner Braut/ einer solchen Seelen Offenbarestu dich/ vnnd dein gantzes Hertz: Wer dich Hertzlich Liebet/ dem Offenbarestu dich Hertz- lich. Ach meine Seele vergiß der gantzen Welt/ vnnd wende dich gantz zu deinem Breutgam/ so wird er Lust an deiner Schoͤne haben/ so wird er sich mit dir recht verei- nigen/ Das ander Gebet nigen/ vnd du wirst den Herren erkennen/ Er hat dir ja seine liebe gantz gegeben/ vnnd dardurch sich mit dir gantz vereiniget. Daß du dich aber mit jm nit gantz vereinigen kanst/ dz macht daß du jhm deine liebe nicht gantz ge- geben hast. Ach wie gehet dieser liebste Breutigam vmbher vnnd suchet eine liebhabende Seele/ eine reine Jung- fraw/ mit welcher er sich vermehlen moͤchte. Ach er hat solche heilige gleu- bige Seelen so lieb/ daß er tausent Himmel verliesse/ vnnd wohnete in ei- ner solchen liebhabenden Seele/ mit derselben nimpt er alles gleich gluͤck vnnd vngluͤck/ Leben vnnd Todt. Cr nimpt einer solchen Seelen Creutz auff sich/ vnd tregts/ als wer es sein eigen/ er leidet mit jhr/ er arbeitet mit jhr/ trauret mit jhr/ weinet mit jhr/ Er fuh- ret sie durch Creutz vnd Truͤbsal/ durch Helle vnd Todt mit sich/ vnd so wenig als Creutz vnnd Todt/ jhme seine Menschliche Natur nehmen/ von jhm tren- fuͤr die Geistliche vermaͤhlung/ etc. trennen vnnd abreissen koͤnnen/ so we- nig koͤnnen auch alle Tr uͤ bsal/ weder Schwerdt noch Hunger/ weder En- gel noch Fuͤrstenthumb/ weder hohes noch tieffes/ weder gegenwertiges noch zukuͤnfftiges/ weder Leben noch Todt/ jhme eine solche Seele nehmen vnnd von jhm scheiden/ denn er hat sich mit denselben in Ewigkeit verlobet. Ach hilff Herr Jesu/ das wir das erken- nen/ diese hohe Himmel Gemaͤhl- schafft/ vnd Koͤnigliche Ewige Ver- einigung recht bedencken/ vnd mit dir Ewig verlobet/ vermaͤhlet vnnd verei- niget bleiben Amen. Das Dritte Gebet/ vmb ver- schmehung der Welt. A CH mein Hertzlieber Herr JEsu Christe/ du Herr der Herrligkeit/ wie hab ich diese Elende vergengliche Welt/ so Lieb ge- habt? Ach was hab ich so sehr gelie- bet? Eine Blume die verwelcket/ O Hew/ Das dritte Gebet Hew das verdorret/ Ach wie hab ich meine Liebe vnd mein Hertz/ an so ein nichtiges vnd fluͤchtiges gehenckt/ wie hab ich doch einen Schatten der nichts ist/ so sehr geliebet/ wie hab ich mir dar- umb so viel vergeblicher Vnruhe ge- macht/ so viel Schmertzen/ so viel Sorgen vnnd Gramen? Was kan doch meiner vnsterblichen Seelen/ ein sterblich ding helffen? Wo ist alle Herrligkeit Salomonis? Sie ist als eine Blume verwelcket/ wo ist seine Ehre/ wenn jhn GOtt nicht Ehren wirdt? GOtt Ehren ist die rechte Ehre/ wer mich Ehret den wil ich wie- der Ehren. Welchen nun GOtt nicht Ehret an jenem Tage/ wer wil jhn Ehren? Die Ehre dieser Welt fehret Niemandt nach. Aber wer GOtt Ehret/ deß Ehre wird Ewig bleiben. In Menschen Augen groß sein ist nichts/ vnnd wehret eine kleine zeit/ aber fuͤr GOtt groß sein/ das ist Gottfuͤrchtig sein/ das wehret Ewig- lich/ vmb verschmehung der Welt. lich/ was hilfft nun grosse Ehre auff Erden/ wenn man fuͤr GOtt nicht ge- ehret ist? Wie sagt der Engel Ga- briel/ zum Propheten Daniel: Du lieber Mann/ du bist bey GOtt lieb vnd wehrt/ Ach mein GOtt laß mich nach dieser Ehre trachten/ das ich dir lieb sein muͤge/ vnd nicht nach der Eh- re dieser Welt/ was schadets fuͤr der Welt verachtet vnd verschmehet wer- den/ wenn man von GOtt geehret wird. Laß mich O Herr Christe mit dir/ hie deine Schmach tragen/ auff das ich dort deiner Herrligkeit theilhafftig werde. Gib mir das ich deine Schmach O Herr Christe/ groͤsser achte denn alle Schetze Egypti ja der gantzen Welt. Ach was kan mir auch aller Welt Reichthumb helf- fen/ wenn ich sterben soll? Werde ich auch etwas mitnehmen? Darumb O mein GOtt vnd Herr laß mich den Ewigen Reichthumb behalten/ welchen ich nimmermehr verlieren O ij kan/ Das dritte Gebet kan/ Nemlich dich selbst/ deine Gnade vnnd Barmhertzigkeit/ deinen Heili- gen verdienst O Herr JEsu/ ver- gebung der Suͤnden/ den H. Geist vnd Ewig Leben. Bleibet doch sonst alles in der Welt/ vnnd vergehet mit der Welt/ was wird michs denn helf- fen wenn ich aller Welt Gut hette/ was wird mirs denn schaden wenn ich nichts gehabt habe? Im Himmel ist mir auffgehoben/ das Ewige/ vnuer- gengliche/ vnuerwelckliche/ vnd vnbe- fleckte Erbe. Ach was ist auch alle Lust dieser Welt vnnd deß toͤdtlichen Fleisches? Ists nicht der verbottene Baum/ davon wir den Tod essen/ Ists nicht lauter Gifft? Bringts nicht Gre- men/ Schmertzen Rewe/ boͤse Gewis- sen/ vnd einem nagenden W u rm/ wei- nen vnd heulen? Wie sagen die ver- dampten Sap. 5. Was hilfft vns nun der Pracht/ Reichthumb vnnd Hohmut/ Ists doch alles dahin ge- fahren wie ein Schatte/ wie ein Ge- schrey vmb verschmehung der Welt. schrey das fuͤrvber fehret/ Ach mein Herr JEsu Christe: Laß mich meine Lust an dir haben/ so wird mei- ne Lust ewig bleiben/ laß mich meine Frewde an dir haben/ so wird meine Frewde Ewig sein/ Laß mich meine Eh- re an dir haben/ so wird meine Ehre E- wig sein/ laß mich meinen Reichthumb an dir haben/ so ist mein Reichthumb Ewig/ laß mich meine Herrligkeit an dir haben/ so ist meine Herrligkeit Ewig. Ach mein Herr JEsu Christe/ in dir hab ich Tausentmal mehr Guͤter/ denn ich in der Welt las- sen muß/ In dir hab ich viel groͤssere Ehre/ ob ich gleich von allen Men- schen verachtet werde/ In dir hab ich viel groͤsser Liebe/ ob mich gleich die gantze Welt hasset/ In dir hab ich viel mehr Segen/ ob mich gleich die gantze Welt verfluchet/ In dir hab ich viel groͤsser Frewde/ ob mich gleich die gan- tze Welt Betruͤbet. Summa in dir O iij hab Das dritte Gebet/ etc. hab ich alles vnd du bist mir alles/ vnd wanns muͤglich wehre das mein Leib Tausentmahl erwuͤrget wuͤrde/ So bleibestu doch Herr Christe/ mein Leben/ mein ewiges Le- ben vnd mein Ewiges Heil. Finis tertii libri. Erra- Errata deß dritten Buchs: F Ol. 43. lin. 15. fuͤr achten/ liß neunden. fol. 53. lin. 3. pro jhm/ liß jhr. fol. 59. lin. 10. pro dieselben/ liß desselben. fol. 71. lin. 1. liß denselben. Ibid. lin. 17. liß desselben. fol. 74. lin. 15. pro 20. liß 21. fol. 79. lin. 6. pro erhaltung/ liß haltung. fol. 87. lin. vlt. dele es. sol. 102. lin. 8. liß Glast. fol. 114. lin. 8. pro tonstes/ liß trostes. fol. 116. lin. 1. liß treibet. fol. 131. lin. 7. pro ein/ liß im. fol. 168. lin. 13. pro enthenget/ liß entzeu- get. Ibid. lin. 22. liß gedachten.