Wissenschaft der Logik . Von D. Ge. Wilh. Friedr. Hegel , Professor und Rector am Koͤnigl. Bayerischen Gymnasium zu Nuͤrnberg. Erster Band. Die objective Logik . Nuͤrnberg , bey Johann Leonhard Schrag 1812 . Vorrede . D ie voͤllige Umaͤnderung, welche die philosophi- sche Denkweise seit etwa fuͤnf und zwanzig Jahren un- ter uns erlitten, der hoͤhere Standpunkt, den das Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode uͤber sich erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik gehabt. Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Meta- physik hieß, ist, so zu sagen, mit Stumpf und Styl ausgerottet worden, und aus der Reihe der Wissenschaften verschwunden. Wo lassen, oder wo duͤrfen sich Laute der vormaligen Ontologie, der ratio- nellen Psychologie, der Kosmologie oder selbst gar der vormaligen natuͤrlichen Theologie noch vernehmen las- sen? Untersuchungen, zum Beyspiel uͤber die Imma- terialitaͤt der Seele, uͤber die mechanischen und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse finden? auch die sonstigen Beweise vom Daseyn Gottes wer- den nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemuͤthserhebung angefuͤhrt. Es ist diß ein Factum, daß das Interesse theils am Inhalte, theils an der Form der vormaligen Metaphysik, theils an beyden zugleich verlohren ist. So merkwuͤrdig es ist, wenn Vorrede . wenn einem Volke z. B. die Wissenschaft seines Staats- rechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwuͤrdig ist es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich beschaͤftigende Geist kein wirkliches Da- seyn mehr in demselben hat. Die exoterische Lehre der Kantischen Philosophie, — daß der Verstand die Erfahrung nicht uͤber fliegen duͤrfe , sonst werde das Erkenntniß- vermoͤgen theoretische Vernunft , welche fuͤr sich nichts als Hirngespinste gebaͤhre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem specu- lativen Denken zu entsagen. Dieser populaͤren Lehre kam das Geschrey der modernen Paͤdagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Be- duͤrfniß richtet, entgegen, daß, wie fuͤr die Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so fuͤr die Geschiklichkeit im oͤffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht so- gar schaͤdlich, und Uebung und praktische Bildung uͤberhaupt das Wesentliche, allein Foͤrderliche sey. — Indem so die Wissenschaft und der gemeine Men- schenverstand sich in die Haͤnde arbeiteten, den Unter- gang der Metaphysik zu bewirken, so schien das son- derbare Schauspiel herbeygefuͤhrt zu werden, ein ge- bildetes Volk ohne Metaphysik zu sehen; — wie einen sonst mannichfaltig ausgeschmuͤckten Tempel ohne Allerheiligstes. — Die Theologie, welche in fruͤhern Zeiten die Bewahrerin der speculativen My- sterien Vorrede . sterien und der obzwar abhaͤngigen Metaphysik war, hatte sie gegen Gefuͤhle, gegen das Prattisch-populaͤre, und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher Veraͤn- derung entsprechend ist, daß anderwaͤrts jene Einsa- men , die von ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem Zwecke, daß die Contemplation des Ewigen und ihr allein dienendes Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Seegens willen, — verschwanden; ein Ver- schwinden, das in einem andern Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das vorhin erwaͤhnte, betrachtet werden kann. — So daß, nach Vertreibung dieser Finsternisse, der farblosen Beschaͤf- tigung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitre Welt der Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine schwar- ze gibt. Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Daß man durch sie denken lerne , was sonst fuͤr ihren Nutzen und damit fuͤr den Zweck derselben galt, — gleichsam als ob man durch das Studium der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte —, diß Vorur- theil hat sich laͤngst verlohren, und der Geist des Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schikfal zu. Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde selbst als Gegen- stand des oͤffentlichen Unterrichts beybehalten. Diß bessere Vorrede . bessere Loos betrift jedoch nur das aͤussere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, je- doch in dieser Ueberlieferung immer mehr verduͤnnt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit aufge- gangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspuͤren lassen. Es ist aber ein fuͤr allemal vergebens, wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die Formen fruͤherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blaͤtter, welche von den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestossen werden. Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veraͤn- derung faͤngt es nach gerade an auch im Wissenschaft- lichen auszugehen. Unbemerkterweise sind selbst den Gegnern die andern Vorstellungen gelaͤufig und eigen geworden, und wenn sie gegen deren Quelle und Prin- cipien fortdauernd sproͤde thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafuͤr die Consequen- zen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer un- bedeutender werdenden negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den neuen Vorstellungsweisen mitsprechen. Von der andern Seite scheint die Zeit der Gaͤh- rung, mit der eine neue Schoͤpfung beginnt, vorbey zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung pflegt eine solche sich Vorrede . sich mit fanatischer Feindseeligkeit gegen die ausgebrei- tete Systematisirung des fruͤhern Princips zu verhal- ten; theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Aus- dehnung des Besondern zu verlieren, theils aber die Arbeit zu scheuen, die zur wissenschaftlichen Ausbil- dung erfordert wird, und im Beduͤrfnisse derselben zu- erst zu einem leeren Formalismus zu greifen. Die Anfoderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um so dringender. Es ist eine Pe- riode in der Bildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es vornemlich um Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner unentwickel- ten Intensitaͤt zu thun ist. Aber die hoͤhere Fode- rung geht darauf, daß es zur Wissenschaft werde. Was nun auch fuͤr die Sache und fuͤr die Form der Wissenschaft bereits in sonstiger Ruͤcksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft, welche die eigent- liche Metaphysik oder reine speculative Philosophie aus- macht, hat sich bisher noch sehr vernachlaͤssigt gesehen. Was ich unter dieser Wissenschaft und ihrem Stand- punkte naͤher verstehe, habe ich in der Einleitung vorlaͤufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche haͤtten benutzt werden koͤnnen, moͤgen bey billigen Beurtheilern in Ruͤcksicht kommen, wenn auch eine vieljaͤhrige Arbeit diesem Versuche nicht eine groͤßere Vollkommenheit geben konnte. — Der wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es uͤberhaupt um Vorrede . um einen neuen Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwaͤrts erinnert habe, hie- zu ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wis- senschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so wenig als es bey kategorischen Versicherungen innerer An- schauung bewenden lassen, oder sich des Raͤsonnements aus Gruͤnden der aͤussern Reflexion bedienen. Son- dern es kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt , indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt . Der Verstand bestimmt und haͤlt die Be- stimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch , weil sie die Bestimmungen des Ver- stands in Nichts aufloͤst; sie ist positiv , weil sie das Allgemeine erzeugt, und das Besondere dar- unter subsumirt. Wie der Verstand als etwas ge- trenntes von der Vernunft uͤberhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als etwas getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist , der hoͤher als beydes, der verstaͤndige Vernunft, oder vernuͤnfti- ger Verstand ist. Er ist das Negative, sowohl das- jenige, welches die Qualitaͤt der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht; — er negirt das Ein- fache, so setzt er den bestimmten Unterschied des Ver- standes, er loͤst ihn eben so sehr auf, so ist er dia- lektisch. Vorrede . lektisch. Er haͤlt sich aber nicht im Nichts dieses Re- sultates, sondern ist darin eben so positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber als Allge- meines; unter dieses wird nicht ein gegebenes Beson- deres subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der Aufloͤsung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst gibt, die somit die im- manente Entwicklung des Begriffes ist, ist die absolu- te Methode des Erkennens, und zugleich die imma- nente Seele des Inhaltes selbst. — Auf diesem sich selbst construirenden Wege allein, behaupte ich, ist die Philosophie faͤhig, objective, demonstrirte Wissen- schaft zu seyn. — In dieser Weise habe ich das Be- wußtseyn , in der Phaͤnomenologie des Gei- stes darzustellen versucht. Das Bewußtseyn ist der Geist als concreter Gegenstand; aber seine Fortbewe- gung beruht allein, wie die Entwicklung alles natuͤrli- chen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen Wesenheiten , die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewußtseyn, als der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und Concretion befreyt, wird zum reinen Wissen, das jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und fuͤr sich sind, zum Gegenstand hat. Sie sind die reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges Leben, und ist das, wodurch sich die Wis- senschaft constituirt, und dessen Darstellung sie ist. Es Vorrede . Es ist hiemit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phaͤnomenologie des Geistes nenne, zur Logik angegeben. — Was das aͤusserliche Ver- haͤltniß betrift, so war dem ersten Theil des Sy- stems der Wissenschaft (Bamb. und Wuͤrzb. bey Goͤbhard 1807.), der die Phaͤnomenologie ent- haͤlt, ein zweyter Theil zu folgen bestimmt, welcher die Logik und die beyden realen Wissenschaften der Phi- losophie, die Philosophie der Natur und die Philoso- phie des Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft beschlossen haben wuͤrde. Aber die noth- wendige Ausdehnung, welche die Logik fuͤr sich erhalten mußte, hat mich veranlaßt, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane die erste Folge zur Phaͤnomenologie des Gei- stes aus. Spaͤterhin werde ich die Bearbeitung der beyden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen lassen. — Dieser erste Band der Logik aber ent- haͤlt als erstes Buch die Lehre vom Seyn ; das zweyte Buch, die Lehre vom Wesen , als zweyte Abtheilung des ersten Bands, ist bereits unter der Presse; der zweyte Band aber wird die subjective Logik , oder die Lehre vom Begriff enthalten. Nuͤrnberg, den 22. Maͤrz 1812. Inhalts- Inhaltsanzeige. Einleitung S. I—XXVIII. Allgemeine Eintheilung der Logik S. 1—5 . Erstes Buch . Das Seyn . Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? S. 6—18 . Allgemeine Eintheilung des Seyns S. 19—20 . Erster Abschnitt . Bestimmtheit (Qualitaͤt) S. 21—129 . Erstes Kapitel . Das Seyn S. 22—46 . A. Seyn S. 22 . B. Nichts ebendas. C. Werden S. 23—46 . 1. Einheit des Seyns und Nichts S. 23 . Anmerkung 1. Der Gegensatz von Seyn und Nichts in der Vorstellung S. 23 . Anm. 2. Seyn und Nichts, jedes fuͤr sich genommen S. 33 . Anm. 3. Andere Verhaͤltnisse in der Bezie- hung des Seyns und Nichts S. 38—40 . Anm. 4. Die gewoͤhnliche Dialektik gegen das Werden und gegen das Entstehen und Vergehen S. 40 . 2. Die Momente des Werdens S. 43 . 3. Aufheben des Werdens S. 44 . Anmerkung. Das Aufheben S. 45 . Zweytes Kapitel . Das Daseyn S. 47—90 . A. Daseyn als solches S. 47—59 . 1. Daseyn uͤberhaupt S. 47 . 2. Rea- Inhaltsanzeige . 2. Realitaͤt S. 48. a ) Andersseyn S. 49. b ) Seyn- fuͤr-anderes und Ansichseyn S. 51. c ) Realitaͤt S. 53. — Anmerkung. Gewoͤhnliche Bedeu- tung der Realitaͤt S. 54 . 3. Etwas S. 57 . B. Bestimmtheit S. 60—78 . 1. Grenze S. 60 . 2. Bestimmtheit S. 65. a ) Bestimmung S. 66. b ) Beschaffenheit ebendas. c ) Qualitaͤt S. 67. Anm. Gewoͤhnliche Bedeutung der Qualitaͤt S. 68. 3. Veraͤnderung S. 69. a ) Veraͤnderung der Be- schaffenheit S. 70. b ) Sollen und Schranke S. 71. Anm. Du sollst, weil du kannst S. 74. c ) Ne- gation S. 75 . C. (Qualitative) Unendlichkeit S. 79—90 . 1. Endlichkeit und Unendlichkeit S. 79 . 2. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendli- chen S. 81 . 3. Ruͤckkehr der Unendlichkeit in sich S. 85 . Anm. Gewoͤhnliche Entgegensetzung des End- lichen und Unendlichen S. 87 . Drittes Kapitel . Das Fuͤrsichseyn S. 91—129 . A. Das Fuͤrsichseyn als solches S. 92—100 . 1. Fuͤrsichseyn uͤberhaupt S. 92 . 2. Die Momente des Fuͤrsichseyns ebendas. a ) Sein Ansichseyn S. 93. b ) Fuͤr eines seyn, ebendas. Anm. Was fuͤr einer? S. 94. c ) Idealitaͤt S. 95 . 3. Werden des Eins S. 99 . B. Das Eins S. 101—111 . 1. Das Eins und das Leere S. 101 . Anm. Atomistik S. 103 . 2. Viele Eins (Repulsion) S. 104 . Anm. Vielheit der Monaden. 3. Gegenseitige Repulsion S. 108 . C. Attraction S. 112—129 . 1. Ein Eins S. 113 . 2. Gleichgewicht der Attraction und Repulsion S. 114 . Anm. Kantische Construction der Materie aus Attractiv- und Repulsivkraft S. 119 . 3. Uebergang zur Quantitaͤt S. 128 . Zwey- Inhaltsanzeige . Zweyter Abschnitt . Groͤße (Quantitaͤt) S. 130—263 . Erstes Kapitel . Die Quantitaͤt S. 134—155 . A. Die reine Quantitaͤt S. 134—150 . Anmerk. 1. Spinoza’s Begriff der Quantitaͤt S. 136 . Anmerk. 2. Kantische Antinomie der unendlichen Theilbarkeit der Materie S. 138 . B. Continuirliche und discrete Groͤße S. 151—153 . Anmerk. Gewoͤhnliche Trennung dieser beyden Groͤs- sen S. 152 . C. Begrenzung der Quantitaͤt S. 154—155 . Zweytes Kapitel . Das Quantum S. 156—247 . A. Die Zahl S. 157—168 . Anmerk. 1. Raumgroͤße und Zahlgroͤße als Arten S. 162 . Anmerk. 2. Ausdruck von Vernunftverhaͤltnissen durch Zahlen S. 163 . B. Extensives und intensives Quantum S. 169—181 . 1. Unterschied derselben S. 169 . 2. Identitaͤt beyder S. 174 . Anm. Beyspiele dieser Identitaͤt S. 176 . 3. Veraͤnderung des Quantums S. 179 . C. Quantitative Unendlichkeit S. 182—247 . 1. Begriff derselben S. 182 . 2. Der unendliche Progreß S. 183 . Anmerk. 1. Der unendliche Progreß als ein Letztes S. 187 . Anmerk. 2. Kantische Antinomie der Begrenzt- heit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit und Raum S. 194 . 3. Unendlichkeit des Quantums S. 200 . Anmerk. Der Begriff des mathematischen Un- endlichen S. 206 . Drittes Kapitel . Das quantitative Verhaͤltniß S. 248—263 . A. Das directe Verhaͤltniß S. 249—252 . B. Das umgekehrte Verhaͤltniß S. 253—258 . C. Das Potenzenverhaͤltniß S. 258—264 . Anmerk. Inhaltsanzeige . Anmerk. Anwendung dieses Verhaͤltnisses auf Begriffsbestimmungen S. 261 . Dritter Abschnitt . Das Maaß S. 264 . Erstes Kapitel . Die specifische Quantitaͤt S. 268—288 . A. Das specifische Quantum S. 268—270 . B. Die Regel S. 271—283 . 1. Die qualitative und quantitative Groͤßenbestimmt- heit S. 271 . 2. Qualitaͤt und Quantum S. 274 . 3. Unterscheidung beyder Seiten als Qualitaͤten S. 278 . Anmerkung. Naturmaaße S. 281 . C. Verhaͤltniß von Qualitaͤten S. 284—288 . Zweytes Kapitel . Verhaͤltniß selbststaͤndiger Maaße S. 289—320 . A. Das Verhaͤltniß selbststaͤndiger Maaße S. 291—306 . 1. Neutralitaͤt S. 291 . 2. Specification der Neutralitaͤt S. 293 . 3. Wahlverwandschaft S 298 . Anmerk. Die chemischen Stoffe als Maaßmo- mente S. 301 . B. Knotenlinie von Maaßverhaͤltnissen S. 307—314 . Anmerk. Beyspiele hievon S. 311 . C. Das Maaßlose S. 315—320 . Drittes Kapitel . Das Werden des Wesens S. 321 . A. Die Indifferenz S. 321— 322 . B. Das Selbststaͤndige als umgekehrtes Verhaͤltniß sei- ner Factoren S. 323 . Anm. Anwendung dieses Verhaͤltnisses S. 328 . C. Hervorgehen des Wesens S. 331 . Ein- Einleitung . E s fuͤhlt sich bey keiner Wissenschaft staͤrker das Beduͤrfniß, ohne vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bey der logischen Wissen- schaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den sie be- handelt, und die wissenschaftliche Methode von einander unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen abso- luten Anfang macht, sondern von andern Begriffen ab- haͤngt, und um sich herum mit anderem Stoffe zusammen- haͤngt. Diesen Wissenschaften wird es daher zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der Methode lemmatischer Weise zu sprechen, die als be- kannt und angenommen vorausgesetzten Formen von De- finitionen und dergleichen ohne weiteres anzuwenden, und sich der gewoͤhnlichen Art des Raͤsonnements zur Fest- setzung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestimmun- gen zu bedienen. Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln und Gesetze des Denkens voraus- setzen, denn sie machen einen Theil ihres Inhalts aus und haben erst innerhalb ihrer begruͤndet zu werden. A Auch Einleitung . Auch der Begriff selbst der Wissenschaft uͤberhaupt, nicht nur der wissenschaftlichen Methode, gehoͤrt zu ihrem In- halte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist, kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung bringt diß Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre Vollendung hervor. Gleich- falls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das begreiffende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer ab- gehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe, und kann daher nicht vorausgeschikt werden. Was daher in dieser Einleitung vorausgeschikt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der Logik etwa zu begruͤn- den, oder den Inhalt und die Methode derselben zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen, sondern, durch einige Erlaͤuterungen und Reflexionen, in raͤsonnirendem und historischem Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft zu betrachten ist, der Vorstellung naͤ- her zu bringen. Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen angenommen wird, so wird dabey ver- standen, daß diß Denken die bloße Form einer Er- kenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte ab- strahire, und das sogenannte zweyte Bestandstuͤck , das zu einer Erkenntniß gehoͤre, die Materie, anderswo- her gegeben werden muͤsse, daß somit die Logik, als von welcher diese Materie ganz und gar unabhaͤngig sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniß ange- ben, nicht aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu realer Wahrheit seyn koͤnne, weil gerade Einleitung . gerade das Wesentliche der Wahrheit, der Inhalt, ausser ihr liege. Vors erste ist es schon ungeschikt zu sagen, daß die Logik von allem Inhalte abstrahire, daß sie nur die Re- geln des Denkens lehre, ohne auf das Gedachte sich ein- lassen und auf dessen Beschaffenheit Ruͤksicht nehmen zu koͤnnen. Denn da das Denken und die Regeln des Den- kens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran ihren eigenthuͤmlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweyte Bestandstuͤck der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit sie sich bekuͤmmert. Allein zweytens sind uͤberhaupt die Vorstellungen, auf denen der Begriff der Logik bisher beruhte, theils bereits untergegangen, theils ist es Zeit, daß sie vol- lends verschwinden, daß der Standpunkt dieser Wissen- schaft hoͤher gefaßt werde, und daß sie eine voͤllig veraͤn- derte Gestalt gewinne. Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewoͤhnlichen Bewußtseyn ein fuͤr allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der Erkenntniß und der Form der- selben, oder der Wahrheit und der Gewißheit. Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des Erkennens, als eine fertige Welt ausserhalb dem Denken, an und fuͤr sich vorhanden, daß das Denken fuͤr sich leer sey, als eine Form aͤusserlich zu jener Materie hinzutrete, sich damit erfuͤlle, erst daran einen Inhalt gewinne und ein reales Erkennen werde. Alsdann stehen diese beyden Bestandtheile, — (denn sie sollen das Verhaͤltniß von Bestandtheilen haben, und das A 2 Er- Einleitung . Erkennen wird aus ihnen mechanischer oder hoͤchstens chemi- scherweise zusammengesetzt —) in dieser Rangordnung ge- gen einander, daß das Object ein fuͤr sich vollendetes, fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit voll- kommen entbehren koͤnne, da hingegen das Denken etwas mangelhaftes sey, das sich erst an einem Stoffe zu ver- vollstaͤndigen, und zwar als eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen habe. Wahr- heit ist die Uebereinstimmung des Denkens mit dem Ge- genstande, und es soll, um diese Uebereinstimmung her- vorzubringen, — denn sie ist nicht an und fuͤr sich vor- handen, — das Denken nach dem Gegenstande sich fuͤgen und bequemen. Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit gelassen, sondern be- stimmter genommen wird, so ist jede eine von der andern geschiedene Sphaͤre. Das Denken kommt daher in sei- nem Empfangen und Formiren des Stoffs nicht uͤber sich hinaus, sein Empfangen und sich nach ihm Bequemen bleibt eine Modification seiner selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewußte Bestimmen gehoͤrt ohnediß nur ihm an; es kommt also auch in seiner Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande, dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des Denkens. Diese Ansichten uͤber das Verhaͤltniß des Subjects und Objects zu einander druͤcken die Bestimmungen des- selben aus, welche die Natur unsers gewoͤhnlichen, des erschei- Einleitung . erscheinenden Bewußtseyns ausmachen; aber diese Vor- urtheile, in die Vernunft uͤbergetragen, als ob in ihr dasselbe Verhaͤltniß Statt finde, als ob dieses Verhaͤlt- niß an und fuͤr sich Wahrheit habe, so sind sie die Irr- thuͤmer, deren durch alle Theile des geistigen und natuͤr- lichen Universums durchgefuͤhrte Widerlegung die Philo- sophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind. Die aͤltere Metaphysik hatte in dieser Ruͤksicht einen hoͤhern Begriff von dem Denken als in der neuern Zeit gaͤng und gaͤb geworden ist. Jene legte nemlich zu Grun- de, daß das, was durchs Denken von und an den Din- gen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; somit nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die Form des Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit dafuͤr, daß das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenstaͤn- den fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die Dinge und das Denken derselben, — (wie auch unsere Sprache eine Verwandschaft derselben ausdruͤckt, —) an und fuͤr sich uͤbereinstimmen, daß das Denken in sei- nen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte Na- tur der Dinge, ein und derselbe Inhalt sey. Aber nachdem der gemeine Menschenverstand sich der Philosophie bemaͤchtigte, hat er seine Ansicht geltend gemacht, daß die Wahrheit auf sinnlicher Realitaͤt be- ruhe, daß die Gedanken nur Gedanken seyen, in dem Sinne, daß erst die finnliche Wahrnehmung ihnen Ge- halt und Realitaͤt gebe, daß die Vernunft, insofern sie an Einleitung . an und fuͤr sich bleibe, nur Hirngespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun der Vernunft auf sich selbst ist der Begriff der Wahrheit verlohren gegangen; sie hat sich darauf eingeschraͤnkt, nur subjective Wahrheit, nur die Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht entspreche; das Wissen ist zur Mey- nung zuruͤkgefallen. Allein diese Wendung, welche das Erkennen genom- men hat, und die als Verlust und Ruͤkschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf uͤberhaupt die Er- hebung der Vernunft in den hoͤhern Geist der neuern Philo- sophie beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vor- stellung ist nemlich in der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der Bestimmungen des Verstands mit sich selbst, zu suchen. — Die Reflexion geht uͤber das con- crete Unmittelbare hinaus, und trennt dasselbe bestim- mend. Aber sie muß eben so sehr uͤber diese ihre tren- nenden Bestimmungen hinausgehen, und sie zunaͤchst bezie- hen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens tritt der Widerstreit derselben hervor. Dieses Beziehen der Re- flexion gehoͤrt der Vernunft an; die Erhebung uͤber jene Bestimmungen, die zur Einsicht ihres Widerstreits ge- langt, ist der große negative Schritt zum wahrhaften Begriffe der Vernunft. Aber die nicht durchgefuͤhrte Einsicht faͤllt in den Misverstand, als ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit sich gerathe; sie er- kennt nicht, daß der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft uͤber die Beschraͤnkungen des Verstands und das Aufloͤsen derselben ist. Statt von hier aus den letz- ten Einleitung . ten Schritt in die Hoͤhe zu thun, ist die Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der Verstandesbestimmungen zu der sinnlichen Wirklichkeit zuruͤkgeflohen, an derselben das Feste und Einige zu haben vermeinend. Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die Erkennt- niß nur von Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedi- gende derselben eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die Dinge an sich, aber doch innerhalb der Sphaͤre der Erscheinung richtig erkannt wuͤrde; als ob gleichsam nur die Art der erkannten Gegenstaͤnde ver- schieden waͤre, und zwar nicht die eine Art, nemlich die Dinge an sich, aber doch die andere Art, nemlich die Erscheinungen in die Erkenntniß fielen. Wie wenn ei- nem Manne richtige Einsicht beygemessen wuͤrde, mit dem Zusatz, daß er jedoch nichts Wahres, sondern nur Un- wahres einzusehen faͤhig sey. So ungereimt das Letztere waͤre, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniß, die den Gegenstand nicht erkaͤnnte, wie er an sich ist. Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angefuͤhrte Resultat gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich ha- ben. — Diß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an ihnen selbst etwas Unwahres sind. Al- lein indem sie fuͤr die subjective Vernunft und fuͤr die Er- fahrung als geltend gelassen werden, so hat die Kritik keine Aenderung an ihnen selbst bewirkt, sondern laͤßt sie fuͤr das Subject in derselben Gestalt, wie sie sonst fuͤr das Object galten. Wenn sie ungenuͤgend fuͤr das Ding an sich sind, so muͤßte der Verstand, dem sie angehoͤren sollen, Einleitung . sollen, noch weniger dieselben sich gefallen lassen und da- mit vorliebnehmen wollen. Wenn sie nicht Bestimmun- gen des Dings an sich seyn koͤnnen, so koͤnnen sie noch weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Wuͤrde eines Dings an sich zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, daß sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als Schwarz und Weiß ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete mit einander vereinigt werden; wenn unsre Weltvorstellung sich auf- loͤst, indem die Bestimmungen des Unendlichen und End- lichen auf sie uͤbergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie beyde in sich enthaͤlt, ein in sich selbst widersprechendes, ein sich aufloͤsendes. — Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder Gegenstands, worauf sie angewendet wuͤrden oder in dem sie sich be- faͤnden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand hat nur durch und nach jenen Bestimmun- gen den Widerspruch an ihm. Jene Kritik hat also die Formen des objectiven Den- kens vom Ding nur entfernt, aber sie im Subject gelas- sen, wie sie sie vorgefunden. Sie hat dabey nemlich die- se Formen nicht an und fuͤr sich selbst, nach ihrem eigen- thuͤmlichen Inhalt betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der subjectiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung ihrer an ihnen selbst, oder einer Ablei- tung der subjectiv-logischen Formen, noch weniger aber von Einleitung . von der dialektischen Betrachtung derselben die Rede war. Der consequenter durchgefuͤhrte transcendentale Idea- lismus hat die Nichtigkeit des von der kritischen Philoso- phie noch uͤbrig gelassenen Gespensts des Dings-an ‒ sich , dieses abstracten von allem Inhalt abgeschiede- nen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vol- lends zu zerstoͤren. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft aus sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die subjective Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung kommen. Ferner- hin ist mit dieser Haltung auch jener Anfang um die Ausbildung der reinen Wissenschaft aufgegeben worden. Ganz ohne Ruͤksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige betrachtet, was gemeinhin unter Lo- gik begriffen wird. Diese Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat freylich keinen Inhalt der Art, wie er als Realitaͤt und als eine wahrhafte Sache in dem gewoͤhnlichen Bewußtseyn gilt. Aber sie ist nicht aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahr- heit entbehrende Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermißt, und dessen Mangel das Unbefriedigende der- selben zugeschrieben zu werden pflegt, ist ohnehin das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern das Ge- haltlose der logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, sie zu betrachten und zu behandeln. Indem sie nemlich als feste Bestimmungen aus einander fallen, und nicht in organischer Einheit zusammengehalten werden, sind sie todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht wohnen, Einleitung . wohnen, der die lebendige concrete Einheit ausmachte. Damit aber entbehren sie des gediegenen Inhalts, einer Materie, die Gehalt an sich selbst waͤre. Der Inhalt, der an den logischen Formen vermißt wird, ist nemlich nichts anderes, als eine feste Grundlage und Concretion der abstracten Bestimmungen; und ein solches substantiel- les Wesen pflegt aussen gesucht zu werden. Aber die Vernunft selbst ist das Substantielle oder Reelle, das alle abstracten Bestimmungen in sich zusammenhaͤlt, und ihre gediegene, absolut-concrete Einheit ist. Nach dem also, was eine Materie genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu werden; es ist nicht Schuld des Gegenstands der Logik, wenn sie gehaltlos seyn soll, son- dern allein der Art, wie derselbe gefaßt wird. Dieser Gesichtspunkt fuͤhrt mich naͤher auf die An- sicht, nach der ich dafuͤr halte, daß die Logik zu betrach- ten ist, inwiefern sie sich von der bisherigen Behand- lungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und auf den allein wahrhaften Standpunkt, auf den sie in Zukunft fuͤr immer zu stellen ist. In der Phaͤnomenologie des Geistes (Bamb. und Wuͤrzb. 1807) habe ich das Bewußtseyn in seiner Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Ge- gensatz seiner und des Gegenstands bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht durch alle Formen des Verhaͤltnisses des Bewußtseyns zum Objecte durch, und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß er innerhalb der Logik selbst hervorgeht) hier keiner Recht- Einleitung . Rechtfertigung, weil er sie daselbst erhalten hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung faͤhig, als nur dieser Hervorbringung desselben durch das Bewußtseyn, dem sich seine Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit aufloͤsen. — Eine raͤsonnirende Begruͤndung oder Erlaͤu- terung des Begriffs der Wissenschaft kann zum hoͤchsten dieß leisten, daß er vor die Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniß davon bewirkt werde; aber eine De- finition der Wissenschaft oder naͤher der Logik hat ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den ab- soluten Anfang macht, kann nichts anders enthalten, als den bestimmten, regelrechten Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebener- und bekanntermas- sen unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt. Daß man sich gerade diß darunter vorstelle, ist eine historische Versicherung, in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes Anerkannte berufen, oder ei- gentlich nur bittweise beybringen kann, daß man diß und jenes als anerkannt gelten lassen moͤge. Es hoͤrt gar nicht auf, daß der eine daher, der andere dorther einen Fall und Instanz beybringt, nach der auch noch et- was mehr und anderes bey diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also noch eine naͤhere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach auch die Wissenschaft einzurichten sey. — Es kommt dabey ferner auf Raͤsonnement an, was alles und bis zu wel- cher Grenze und Umfang hereingezogen oder ausgeschlossen werden muͤsse; dem Raͤsonnement selbst aber steht das mannich- Einleitung . mannichfaltigste und verschiedenartigste Dafuͤrhalten offen, woruͤber am Ende allein die Willkuͤhr eine feste Bestim- mung abschliessen kann. Davon aber kann bey diesem Verfahren, die Wissenschaft mit ihrer Definition anzu- fangen, nicht einmal die Rede seyn, daß die Noth- wendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer selbst aufgezeigt wuͤrde. Der Begriff der reinen Wissenschaft und seine De- duction wird hier also insofern vorausgesetzt, als die Phaͤnomenologie des Geistes nichts anderes als die De- duction desselben ist. Das absolute Wissen ist die Wahr- heit aller Weisen des Bewußtseyns, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit seiner selbst vollkommen sich aufgeloͤst hat, und die Wahrheit, dieser Gewißheit, so wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist. Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreyung von dem Gegensatze des Bewußtseyns voraus. Sie ent- haͤlt den Gedanken, insofern er eben so sehr die Sache an sich selbst ist , oder die Sache an sich selbst, insofern sie eben so sehr der reine Gedanke ist. Oder der Begriff der Wissenschaft ist, daß die Wahr- heit das reine Selbstbewußtseyn sey, und die Gestalt des Selbsts habe, daß das an sich seyende der Begriff , und der Begriff das an sich seyende ist. Dieses objective Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt Einleitung . entbehrt so wenig der Materie zu einer wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist, — eine Materie aber, der die Form nicht ein aͤusserliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit selbst, wie sie ohne Huͤlle an fuͤr sich selbst ist; man kann sich deßwegen ausdruͤcken, daß dieser Inhalt die Darstel- lung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen, vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist. Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke , das Princip der Welt, daß das Wesen der Welt als der Gedanke zu bestimmen ist. Er hat da- mit den Grund zu einer Intellectualansicht der Welt ge- legt, deren reine Gestalt die Logik seyn muß. Es ist in ihr nicht um ein Denken uͤber Etwas, das fuͤr sich ausser dem Denken zu Grunde laͤge, zu thun, um For- men, welche bloße Merkmahle der Wahrheit abgeben soll- ten; sondern die nothwendigen Formen und eigenen Be- stimmungen des Denkens sind die hoͤchste Wahrheit selbst. Aber um diß in die Vorstellung wenigstens aufzu- nehmen, ist die Meynung auf die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches seyn muͤsse. Es ist zum Beyspiel auch die sonderbare Art aufzugeben, die Plato- Einleitung . Platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, zu fassen, nemlich gleichsam als existirende Dinge, aber in einer andern Welt oder Region, ausserhalb welcher die Welt der Wirklichkeit sich befinde und eine von jenen Ideen verschiedene, erst durch diese Verschiedenheit reale Substantialitaͤt habe. Die Platonische Idee ist nichts anders, als das Allgemeine oder bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in seinem Begriffe hat Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe verschieden ist, hoͤrt es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; die Seite der Handgreiflichkeit und des sinnlichen Ausser- sichseyns gehoͤrt dieser nichtigen Seite an. — Von der andern Seite aber kann man sich auf die eigenen Vorstel- lungen der gewoͤhnlichen Logik berufen; es wird nemlich angenommen, daß z. B. Definitionen nicht Bestimmun- gen enthalten, die nur ins erkennende Subject fallen, sondern die Bestimmungen des Gegenstandes, welche sei- ne wesentlichste eigenste Natur ausmachen. Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere geschlossen wird, wird angenommen, daß das erschlossene nicht ein dem Gegenstande Aeusserliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr wesentlich selbst zukoͤmme, daß diesem Denken das Seyn entspreche. — Es liegt uͤberhaupt bey dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, Schlußes, Definition, Division u. s. f. zum Grunde, daß sie nicht bloß Formen des selbstbewußten Denkens sind, sondern auch des gegenstaͤndlichen Verstandes. — Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beylegt. Aber Einleitung . Aber insofern gesagt wird, daß Verstand , daß Ver- nunft in der gegenstaͤndlichen Welt ist , daß der Geist und die Natur Gesetze habe, nach welchen ihr Leben und ihre Veraͤnderungen sich machen, so wird zuge- geben, daß die Denkbestimmungen eben so sehr objectiven Werth und Existenz haben. Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur Logik , aber sie wie der spaͤtere Idealismus gab, wie vorhin schon erinnert worden, zu- gleich aus Angst vor dem Object den logischen Bestim- mungen eine wesentlich subjective Bedeutung, wodurch sie gerade mit dem Objecte, das sie flohen, behaftet blieben, und ein Ding-an-sich, einen unendlichen Anstoß, als ein Jenseits sich uͤbrig ließen. Aber die Befreyung von dem Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wis- senschaft muß voraussetzen koͤnnen, erhebt sie uͤber diesen aͤngstlichen, unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung der Denkformen, wie sie an und fuͤr sich, ohne eine solche Beschraͤnkung und Ruͤksicht, das Logi- sche, das Rein-vernuͤnftige sind. Kant preißt sonst die Logik, nemlich das Aggregat von Bestimmungen und Saͤtzen, das im gewoͤhnlichen Sinne Logik heißt, daruͤber gluͤcklich, daß ihr vor an- dern Wissenschaften eine so fruͤhe Vollendung zu Theil ge- worden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Ruͤkschritt ge- than, aber auch keinen Schritt vorwaͤrts, das Letztere deßwegen, weil sie allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine. — Wenn die Logik seit Aristo- teles keine Veraͤnderung erlitten hat, — wie denn in der Einleitung . der That die Veraͤnderungen fast mehr nur in Weglas- sungen bestehen — so ist daraus eher zu folgern, daß sie um so mehr einer totalen Umarbeitung beduͤrfe; denn ein zweytausendjaͤhriges Fortarbeiten des Geistes, muß ihm ein hoͤheres Bewußtseyn uͤber sein Denken und uͤber seine reine Wesenheit in sich selbst, verschaft haben. Die Vergleichung der Gestalten, zu denen sich der Geist der Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen Bewußtseyns, emporgehoben hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik, sein Bewußtseyn uͤber sein reines Wesen, befindet, zeigt einen zu großen Unter- schied, als daß es nicht der oberflaͤchlichsten Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß diß letztere Bewußtseyn den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und ihrer unwuͤrdig ist. In der That ist das Beduͤrfniß einer Umgestaltung der Logik laͤngst gefuͤhlt worden. In der Form und In- halt, wie sie sich in den Lehrbuͤchern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. Sie wird noch mit geschleppt mehr im Gefuͤhle, daß eine Logik uͤber- haupt nicht zu entbehren sey, und aus einer noch fort- dauernden Gewohnheit an die Tradition von ihrer Wich- tigkeit, als aus Ueberzeugung, daß jener gewoͤhnliche Inhalt und die Beschaͤftigung mit jenen leeren Formen, Werth und Nutzen habe. Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, paͤdagogisches und selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind nachher fuͤr Verunstaltun- gen ziemlich allgemein anerkannt worden. An und fuͤr sich Einleitung . sich muß ein großer Theil dieser psychologischen, paͤdago- gischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Re- geln, sie mochten in der Logik oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und trivial erscheinen. Vollends solche Regeln, als zum Beyspiel, daß man dasjenige durchden- ken und pruͤfen solle, was man in Buͤchern lese oder muͤndlich hoͤre; daß man, wenn man nicht genau sehe, seinen Augen durch Brillen zu Huͤlfe zu kommen habe — Regeln, die von den Lehrbuͤchern in der sogenannten an- gewandten Logik, und zwar ernsthaft in Paragraphen ab- getheilt gegeben wurden, auf daß man zur Wahrheit ge- lange, — muͤssen jedermann als uͤberfluͤssig vorkommen, nur hoͤchstens dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch irgend etwas auszudehnen Eine so eben erschienene neueste Bearbeitung dieser Wis- senschaft, „ System der Logik von Fries ,“ kehrt zu den anthropologischen Grundlagen zuruͤck. Die Seich- tigkeit der dabey zu Grunde liegenden Vorstellung oder Meynung an und fuͤr sich, und der Ausfuͤhrung uͤberhebt mich der Muͤhe, irgend eine Ruͤcksicht auf diese bedeu- tungslose Erscheinung zu nehmen. . Was diesen Inhalt selbst betrift, so ist schon oben der Grund angegeben worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten in ihrer Festigkeit unverruͤkt, und werden nur in aͤusserliche Beziehung mit- einander gebracht. Dadurch daß bey den Urtheilen und Schluͤssen die Operationen vornemlich auf das Quantita- tive B Einleitung . tive der Bestimmungen zuruͤckgefuͤhrt und gegruͤndet wer- den, beruht alles auf einem aͤusserlichen Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein voͤllig analytisches Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das Ableiten der sogenannten Regeln und Gesetze, des Schliessens vornemlich, ist nicht viel besser, als ein Befingern von Staͤbchen von ungleicher Laͤnge, um sie nach ihrer Groͤße zu sortiren und zu verbinden, — als die spielende Be- schaͤftigung der Kinder, von mannichfaltig zerschnittenen Gemaͤhlden die passenden Stuͤcke zusammen zu suchen. — Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem Rechnen und das Rechnen wieder diesem Denken gleich- gesetzt. In der Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das ausser seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, ausser seinem ganz aͤusserlichen Verhaͤltnisse keine Bedeutung hat; das weder an ihm selbst, noch dessen Beziehung ein Gedanke ist. Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreyviertel mit zweydritteln multiplicirt, ein halbes ausmacht, so enthaͤlt diese Operation ungefaͤhr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung, ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben koͤnne. Ausserdem, daß die Logik den Geist in ihren todten Inhalt zu empfangen hat, muß ihre Methode dieje- nige seyn, wodurch sie allein faͤhig ist, reine Wissen- schaft zu seyn. In dem Zustande, in dem sie sich befin- det, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher Metho- de zu erkennen. Sie hat ungefaͤhr die Form einer Er- fahrungswissenschaft. Erfahrungswissenschaften haben fuͤr Einleitung . fuͤr das, was sie seyn sollen, ihre eigenthuͤmliche Me- thode, des Definirens und des Klassificirens ihres Stof- fes, so gut es geht, gefunden. Auch die reine Mathe- matik hat ihre Methode, die fuͤr ihre abstracten Gegen- staͤnde und fuͤr die quantitative Bestimmung, in der sie sie allein betrachtet, passend ist. Ich habe uͤber diese Methode und uͤberhaupt das untergeordnete der Wis- senschaftlichkeit, die in der Mathematik Statt finden kann, in der Vorrede zur Phaͤnomenologie des Geistes, das Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst naͤher betrachtet werden. Spinoza, Wolf und andre haben sich verfuͤhren lassen, sie auch auf die Philo- sophie anzuwenden, und den aͤusserlichen Gang der be- grifflosen Quantitaͤt zum Gange des Begriffes zu ma- chen, was an und fuͤr sich widersprechend ist. Bisher hat die Philosophie ihre Methode noch nicht gefunden; sie betrachtete mit Neid das systematische Gebaͤude der Mathematik und borgte sie, wie gesagt, von ihr, oder behalf sich mit der Methode von Wissenschaften, die nur Vermischungen von gegebenem Stoffe, Erfahrungssaͤtzen und Gedanken sind, — oder half sich mit dem rohen Wegwerfen aller Methode. Das Naͤhere desjenigen, was allein die wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, faͤllt in die Abhandlung der Lo- gik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn uͤber die Form ihrer innern Selbstbewegung. Ich habe in der Phaͤnomenologie des Geistes ein Beyspiel von dieser Me- thode, an einem concretern Gegenstande, an dem Be- wußtseyn, aufgestellt. Es sind hier Gestalten des Be- B 2 wußt- Einleitung . wußtseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst aufloͤst, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat, — und damit in eine hoͤhere Gestalt uͤbergegangen ist. Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, ist die Erkenntniß des logischen Satzes, daß das Negative eben so sehr positiv ist, oder daß das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstracte Nichts aufloͤst, sondern wesentlich nur in die Negation seines besondern Inhalts, oder daß eine solche Ne- gation nicht alle Negation, sondern die Negation der bestimmten Sache , die sich aufloͤst, somit bestimmte Negation ist; daß also im Resultate wesentlich das ent- halten ist, woraus es resultirt; — was eigentlich eine Tavtologie ist, denn sonst waͤre es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das Resultirende, die Ne- gation, bestimmte Negation ist, hat sie einen Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der hoͤhere, reichere Be- griff als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Ne- gation oder Entgegengesetztes reicher geworden; enthaͤlt ihn also, aber auch mehr als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten. — In diesem Wege hat sich nun auch das System der Begriffe zu bilden, — und in unaufhaltsamem, reinem, von Aussen nichts herein- nehmendem Gange, sich zu vollenden. Ich erkenne, daß die Methode, die ich in diesem Sy- steme der Logik befolgt, — oder vielmehr die diß System an ihm selbst befolgt, — noch vieler Vervollkommnung faͤhig ist; aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige wahrhafte ist. Und diß erhellt leicht daraus, daß sie von Einleitung . von ihrem Gegenstande und Inhalte nichts unterschiede- nes ist; — denn es ist der Inhalt in sich selbst, die Dialektik, die er an sich selbst hat , wel- che ihn fortbewegt. Es ist klar, daß keine Darstellun- gen fuͤr wissenschaftlich gelten koͤnnen, welche nicht den Gang dieser Methode gehen und ihrem einfachen Ryth- mus gemaͤß sind, denn es ist der Gang der Sache selbst. In Gemaͤßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und Ueberschriften der Buͤcher, Ab- schnitte und Kapitel, die in der folgenden Abhandlung der Logik selbst vorkommen, so wie etwa die damit ver- bundenen Angaben, zum Behuf einer vorlaͤufigen Ueber- sicht gemacht und eigentlich nur von historischem Werthe sind. Sie gehoͤren nicht zum Inhalte und Koͤrper der Wissenschaft selbst, sondern sind Zusammenstellungen der aͤussern Reflexion, welche das Ganze der Ausfuͤhrung schon durchlaufen hat, daher die Folge seiner Momente voraus angibt, ehe sie noch durch die Sache selbst sich herbeyfuͤhren. In den andern Wissenschaften sind solche Voraus- bestimmungen und Eintheilungen gleichfalls nichts ande- res, es heißt darin bloß assertorisch, selbst in der Logik zum Beyspiel, „die Logik hat zwey Hauptstuͤcke, die Ele- mentarlehre und die Methodik,“ alsdann unter der Ele- mentarlehre findet sich ohne weiters die Ueberschrift : Gesetze des Denkens; — alsdann erstes Kapitel : von den Begriffen. Erster Abschnitt : von der Klar- heit der Begriffe u. s. f. — Diese ohne irgend eine De- duction und Rechtfertigung gemachten Bestimmungen und Ein- Einleitung . Eintheilungen machen aber das Geruͤste und den ganzen Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik spricht selbst davon, daß die Begriffe und Wahrhei- ten aus Principien muͤssen abgeleitet seyn; aber bey dem, was sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, in der Vor- ausschickung des Einfachern vor dem Zusammengesetzten und andern aͤusserlichen Ruͤcksichten. Aber in Ruͤcksicht eines innern, nothwendigen Zusammenhangs sind die Ab- theilungsbestimmungen nicht anders neben einander, als in einem Register, und der ganze Uebergang besteht darin, daß es itzt heißt: Zweytes Kapitel ; — oder wir kommen nunmehr zu den Urtheilen, u. dgl. So haben auch die Ueberschriften und Eintheilun- gen, die in diesem Systeme vorkommen, keine andere Bedeutung, als einer Inhaltsanzeige. Ausserdem aber muß die Nothwendigkeit des Zusammenhangs und imma- nente Entstehung der Unterschiede vorhanden seyn, welche in die Abhandlung der Sache selbst, und in die eigene Fort- bestimmung des Begriffes faͤllt. Das aber, wodurch sich der Begriff selbst weiter lei- tet, ist das Negative, das er in sich selbst hat; diß macht das wahrhaft Dialektische aus. Die Dialektik , die bisher als ein abgesonderter Theil der Logik betrachtet, und in Ansehung ihres Zwecks und Standpunkts, man kann sagen, gaͤnzlich verkannt worden, erhaͤlt dadurch eine ganz andere Stellung. — Auch die platonische Dia- lektik hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch Einleitung . noch directer, theils nur die Absicht, beschraͤnkte Be- hauptungen durch sich selbst aufzuloͤsen und zu widerlegen, theils aber uͤberhaupt das Nichts zum Resultate. Die Dialektik erschien gewoͤhnlich als ein aͤusserliches, und negatives Thun, das nicht der Sache selbst angehoͤre, und das in bloßer Eitelkeit, als einer subjectiven Sucht, sich das Feste und Wahre in Schwanken zu setzen und aufzuloͤsen, seinen Grund habe, oder wenigstens zu Nichts fuͤhre, als zur Eitelkeit des dialektisch behandel- ten Gegenstandes. Kant hat die Dialektik hoͤher gestellt, — und diese Seite gehoͤrt unter die groͤßten seiner Verdienste, — in- dem er ihr den Schein von Willkuͤhr nahm, den sie nach der gewoͤhnlichen Vorstellung hatte, und sie als ein noth- wendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur fuͤr die Kunst, Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt, so wurde schlechthin vorausgesetzt, daß sie ein falsches Spiel spiele, und ihre ganze Kraft allein darauf beruhe, daß sie den Betrug verstecke; daß ihre Resultate nur erschlichen, und ein subjectiver Schein seyen. Kants dialektische Darstellungen in den Antino- mien der reinen Vernunft, verdienen zwar, wenn sie naͤher betrachtet werden, wie diß im Verfolge dieser Ab- handlung an einigen weitlaͤufiger geschehen wird, frey- lich kein großes Lob; aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde gelegt und damit geltend gemacht hat, ist die Objectivitaͤt des Scheins und Nothwendigkeit des Wi- derspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen gehoͤrt: zunaͤchst nemlich insofern diese Bestimmungen von der Ver- Einleitung . Vernunft auf die Dinge an sich angewendet werden; aber eben, was sie in der Vernunft und in Ruͤcksicht auf das sind, was an sich ist, ist ihre Natur. Es ist diß Re- sultat in seiner positiven Seite aufgefaßt , nichts anders, als die innere Negativitaͤt derselben, oder ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller natuͤrlichen und geistigen Lebendigkeit uͤberhaupt. Aber so wie nur bey der negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird, so ist das Resultat nur das Be- kannte, daß die Vernunft unfaͤhig sey, das Unendliche zu erkennen; — ein sonderbares Resultat, indem das Unendliche das Vernuͤnftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht faͤhig das Vernuͤnftige zu erkennen. In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im Negativen besteht das Speculative . Es ist die wichtigste, aber fuͤr die noch ungeuͤbte, unfreye Denkkraft schwerste Seite. Wenn sie noch darin begriffen ist, sich vom sinnlichcon- creten Vorstellen und vom Raͤsonniren loszureissen, so hat sie sich zuerst im abstracten Denken zu uͤben, Be- griffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ih- nen erkennen zu lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf haͤtte sich in ihrer Methode an das oben- besagte Eintheilen und in Ansehung des naͤhern Inhalts selbst, an die Bestimmungen, die sich fuͤr die einzelnen Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialekti- sche einzulassen. Sie wuͤrde der aͤussern Gestalt nach dem gewoͤhnlichen Vortrag dieser Wissenschaft aͤhnlich werden, Einleitung . werden, sich uͤbrigens dem Inhalte nach sehr davon un- terscheiden, und immer noch dazu dienen, das abstracte, ob zwar nicht das spekulative Denken, zu uͤben, welchen Zweck die durch psychologische und anthropologische Zu- thaten populaͤr gewordene Logik nicht einmal erfuͤllen kann. Sie wuͤrde dem Geiste das Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des Ge- baͤudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin erschiene. In Ruͤcksicht auf die Bildung und das Verhaͤltniß des Individuums zur Logik, merke ich schließlich noch an, daß sie, wie die Grammatik, in zwey verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. Sie ist etwas anderes fuͤr den, der zu ihr und den Wissenschaften uͤberhaupt erst hinzutritt, und etwas anderes fuͤr den, der von ih- nen zu ihr zuruͤckkommt. Wer die Grammatik anfaͤngt kennen zu lernen, findet in ihren Bestimmungen und Ge- setzen, trokne Abstractionen, zufaͤllige Regeln, uͤber- haupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den Werth und die Bedeutung dessen zeigen, was in ih- rem unmittelbaren Sinne liegt; das Erkennen erkennt in ihnen zunaͤchst nichts als sie. Wer dagegen einer Spra- che maͤchtig ist und zugleich andere Sprachen in Verglei- chung mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die Bildung eines Volks in der Grammatik seiner Spra- che ausgedruͤckt zeigen. Dieselben Regeln und Formen haben nunmehr einen erfuͤllten, reichen, lebendigen Werth. Und endlich kann er durch die Grammatik hin- durch den Ausdruck des Geistes uͤberhaupt, die Logik, erken- Einleitung . erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, findet in der Logik zunaͤchst ein isolirtes System von Abstractionen, das auf sich selbst beschraͤnkt, nicht uͤber die andern Kenntnisse und Wissenschaften uͤbergreift. Vielmehr, ge- halten gegen den Reichthum der Weltvorstellung, gegen den realerscheinenden Inhalt der andern Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der absoluten Wis- senschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Na- tur des Geistes und der Welt zu enthuͤllen, hat diese Wissenschaft in ihrer abstracten Gestalt, in der Einfach- heit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, alles eher zu leisten als diß Versprechen, und gehalt- los jenem Reichthum gegenuͤber zu stehen. Die erste Be- kanntschaft mit der Logik schraͤnkt ihre Bedeutung nur auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur fuͤr eine isolirte Beschaͤftigung mit den Denkbestimmungen, neben der die andern wissenschaftlichen Beschaͤftigungen ein eigner Stoff und Inhalt fuͤr sich sind, auf welche das Logische nur einen formellen Einfluß hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht, und fuͤr den die wissenschaft- liche Gestalt und deren Studium auch zur Noth entbehrt werden kann. Die andern Wissenschaften haben die re- gelrechte Methode, eine Folge von Definitionen, Axio- men, Theoremen und deren Beweisen u. s. f. zu seyn, im Ganzen abgeworfen, die angebohrne Form des Den- kens, die sogenannte natuͤrliche Logik macht sich fuͤr sich in ihnen geltend, und hilft sich ohne besondere auf sie gerichtete Erkenntniß fort. Vollends aber haͤlt sich der Stoff und Inhalt dieser Wissenschaften vom Logischen ver- schieden Einleitung . schieden und voͤllig unabhaͤngig, und ist fuͤr Sinn, Vor- stellung, und praktisches Interesse jeder Art anspre- chender. So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, das man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und weitere Bedeutung an- fangs vermißt wird. Erst aus der tiefern Kenntniß der andern Wissenschaften erhebt sich fuͤr den subjectiven Geist, das Logische, als ein nicht nur abstract Allgemei- nes, sondern als das den Reichthum des Besondern in sich fassende Allgemeine; — wie derselbe Sittenspruch in dem Sinne des Juͤnglings, der ihn ganz richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen er im Geiste eines lebenserfahrnen Mannes hat, dem sich damit die ganze Kraft des darin enthaltenen ausdruͤckt. So erhaͤlt das Logische erst dadurch die Schaͤtzung seines Werths, wenn es zum Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt sich daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere Kennt- niß neben anderem Stoffe und Realitaͤten, sondern als das Wesen alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar. Ob nun das Logische zwar im Anfange des Stu- diums nicht in dieser bewußten Kraft fuͤr den Geist vor- handen ist, so empfaͤngt er durch dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle Wahrheit lei- tet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Concretion befreyt. Das Studium dieser Wissenschaft, der Einleitung . der Aufenthalt und die Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des Bewußtseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Zwecken, von Gefuͤhlen, von der bloß gemeynten Vorstellungswelt fernes Geschaͤf- te. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht diß Geschaͤfte in dem Fernehalten der Zufaͤlligkeit des raͤson- nirenden Denkens und der Willkuͤhr, diese oder die ent- gegengesetzten Gruͤnde sich einfallen und gelten zu lassen. Vornemlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbststaͤndigkeit und Unabhaͤngigkeit vom Concreten. Er wird in dem Abstracten und in dem Fortgehen durch Begriffe ohne sinnliche Substrate, einheimisch, und da- durch die unbewußte Kraft, die sonstige Mannichfaltig- keit der Kenntnisse und Wissenschaften in die vernuͤnftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu erfas- sen und festzuhalten, das Aeusserliche abzustreifen und auf diese Weise aus ihnen das Logische auszuziehen, — oder was dasselbe ist, die vorher durch das Studium er- worbene abstracte Grundlage des Logischen mit dem Ge- halte aller Wahrheit zu erfuͤllen, und ihm den Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Be- sonderes neben anderem Besondern steht, sondern uͤber dasselbe uͤbergreift und das Wesen desselben, das Abso- lut-wahre ist. Logik . Logik . Ueber die allgemeine Eintheilung derselben . U eber den Begriff dieser Wissenschaft, und wohin seine Rechtfertigung falle, ist in der Einleitung das Noͤ- thige gesagt worden. Aus demselben ergibt sich auch ihre vorlaͤufige allgemeine Eintheilung. Die Logik, als die Wissenschaft des reinen Denkens, oder uͤberhaupt als die reine Wissenschaft, hat zu ihrem Elemente diese Einheit des Subjectiven und Objectiven, welche absolutes Wissen ist, und zu der der Geist als zu seiner absoluten Wahrheit sich erhoben hat. Die Bestim- mungen dieses absoluten Elementes, haben die Bedeu- tung, weder nur Gedanken noch nur gegenstaͤndliche Be- stimmungen zu seyn, weder leere Abstractionen und jen- seits der Wirklichkeit sich bewegende Begriffe, noch aber dem Ich fremde Wesenheiten, und objectives An-sich zu seyn, noch auch bloß aͤussere Verbindungen und Vermi- schungen von beydem. Sondern das Element dieser Wissenschaft ist die Einheit, daß das Seyn reiner Begriff an sich selbst, und nur der reine Begriff das wahrhafte Seyn ist. Indem Allgemeine Eintheilung Indem nun die Einheit sich bestimmt und entwickelt, so muͤssen ihre Bestimmungen die Form jener Trennung haben, denn die Einheit ist eben Einheit jenes Unterschie- des, und ihre Entwicklung ist die Darstellung dessen, was sie in sich enthaͤlt, also jenes Unterschiedes von Seyn und von Denken. Allein indem das Wissen darin besteht, daß die Wahrheit dieses Unterschiedes in seiner Einigung besteht, so hat er, indem das Wissen an und aus sich selbst denselben durch sein Bestimmen entwickelt, nicht mehr die Bedeutung, die er auf seinem Wege hat- te, oder indem er ausser seiner Wahrheit war; sondern er kann nur als eine Bestimmung dieser Einheit, als ein Moment innerhalb ihrer selbst , auftre- ten und diese Einheit kann nicht wieder in ihn sich auf- loͤsen. Die Logik kann daher uͤberhaupt in die Logik des Seyns und des Denkens , in die objective und subjective Logik eingetheilt werden. Die objective Logik wuͤrde dem Inhalte nach zum Theil dem entsprechen, was bey Kant Ich erinnere, daß ich auf die Kantische Philosophie in die- sem Werke darum haͤufig Ruͤcksicht nehme, (was manchen uͤberfluͤssig scheinen koͤnnte) weil sie, — ihre naͤhere Be- stimmtheit so wie die besondern Theile der Ausfuͤhrung moͤgen sonst und auch in diesem Werke betrachtet werden, wie sie wollen, — die Grundlage und den Ausgangspunkt der neuern Philosophie ausmacht, und diß ihr Verdienst durch das, was an ihr ausgesetzt werden moͤge, ihr unge- schmaͤlert bleibt. Auch darum ist auf sie in der objectiven Logik wenigstens haͤufig Ruͤcksicht zu nehmen, weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen naͤher ein- laͤßt, spaͤtere Darstellungen der Philosophie hingegen das- selbe wenig beachtet, zum Theil oft nur eine rohe, — aber nicht ungeraͤchte —, Verachtung dagegen bewiesen haben. tran- scen - der Logik . scendentale Logik ist. Er unterscheidet diese so von dem, was er allgemeine Logik nennt, oder was gewoͤhn- lich Logik uͤberhaupt genannt wird, daß jene die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstaͤnde beziehen, so- mit nicht von allem Inhalte der objectiven Erkenntniß abstrahire, oder daß sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, und zugleich auf den Ur- sprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie nicht den Gegenstaͤnden zugeschrieben werden koͤnne. — Der Hauptgedanke Kants ist, die Kategorien dem Selbstbe- wußtseyn, als dem subjectiven Ich , zu vindiciren. Daher spricht er noch ausser dem Empirischen, der Seite des Gefuͤhls und der Anschauung, besonders von Gegen- staͤnden, oder von Etwas, das nicht durch das Selbst- bewußtseyn gesetzt und bestimmt ist. Waͤre die Katego- rie Form des absoluten Denkens, so koͤnnte nicht ein Ding-an-sich , ein dem Denken fremdes und aͤusserli- ches, uͤbrig bleiben. Wenn andere Kantianer sich uͤber das Bestimmen des Gegenstands durch Ich so aus- gedruͤckt haben, daß das Objectiviren des Ich, als ein urspruͤngliches und nothwendiges Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem urspruͤnglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist, — als wel- che erst ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein Objectiviren jenes Bewußtseyns sey, — so ist die- ses von dem Gegensatze des Bewußtseyns befreyte objectivirende Thun naͤher dasjenige, was als abso- lutes Denken uͤberhaupt genommen werden kann. Aber dieses Thun sollte dann nicht mehr Bewußtseyn ge- nannt werden, denn Bewußtseyn schließt den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in sich, der in jenem urspruͤnglichen Thun nicht vorhanden ist; und die Be- nennung Bewußtseyn wirft noch mehr den Schein von Subjectivitaͤt darauf, als der Ausdruck Denken, der hier uͤberhaupt im absoluten Sinne, oder wenn es ver- meintlich Allgemeine Eintheilung meintlich verstaͤndlicher seyn sollte, als unendliches Den- ken genommen werden muß. Die objective Logik begreift uͤbrigens nicht bloß die Denkbestimmungen des unmittelbaren Seyns in sich, sondern auch die des vermittelten Seyns, die eigentlichen Reflexionsbestimmungen, oder die Lehre vom Wesen ; insofern nemlich das Wesen noch nicht der Begriff selbst ist, sondern erst das Gebiet der Reflexion als der Bewegung zum Begriffe ausmacht, indem es, aus dem Seyn herkommend, noch ein diffe- rentes Insichseyn ist. Die objective Logik tritt somit uͤberhaupt an die Stelle der vormaligen Metaphysik . Erstens unmit- telbar an die Stelle der Ontologie , des ersten Theils derselben, der die Natur des Ens uͤberhaupt darstellen sollte; — das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen in sich, fuͤr welchen Unterschied unsere Sprache gluͤckli- cherweise den verschiedenen Ausdruck gerettet hat. — Alsdann aber begreift die objective Logik auch die uͤbrige Metaphysik in sich, insofern als diese die reinen Denk- formen auf besondere, zunaͤchst aus der Vorstellung ge- nommene Substrate, die Seele, die Welt, Gott, an- gewendet enthielt, und diese Bestimmungen des Den- kens das Wesentliche der metaphysischen Betrachtungs- weise ausmachten. Die Logik betrachtet diese Formen frey von jenen Substraten, und ihre Natur und Werth an und fuͤr sich selbst. Jene Metaphysik unterließ diß und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik gebraucht zu haben, ohne die vorgaͤngige Untersu- chung, ob und wie sie faͤhig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach Kantischem Ausdruck, — oder viel- mehr des Vernuͤnftigen zu seyn. — Die objective Logik ist daher die wahrhafte Kritik derselben, — eine Kritik, die der Logik . die sie nicht bloß nach der allgemeinen Form der Aprio- ritaͤt, gegen das Aposteriorische, sondern sie selbst in ih- rem besondern Inhalte betrachtet. Die subjective Logik ist die Logik des Be- griffs, — des Wesens, das die Beziehung auf ein Seyn, oder seinen Schein aufgehoben hat, und in seiner Be- stimmung nicht aͤusserlich mehr, sondern das freye selbst- staͤndige Subjective, oder vielmehr das Subject selbst ist. Indem aber das Subjective das Misverstaͤndniß von Zufaͤlligem und Willkuͤhrlichem, so wie uͤberhaupt von Bestimmungen, die in die Form des Bewußtseyns gehoͤren, mit sich fuͤhrt, so ist auf den Unterschied von Subjectivem und Objectivem, der sich spaͤterhin inner- halb der Logik selbst naͤher entwickeln wird, hier kein be- sonderes Gewicht zu legen. — Die Logik zerfaͤllt zwar uͤberhaupt in objective und subjective Logik. Bestimmter aber hat sie die drey Theile: I. die Logik des Seyns ; II. die Logik des Wesens und III. die Logik des Begriffs . C Erstes Erstes Buch. Das Seyn . Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? A us der Phaͤnomenologie des Geistes, oder der Wissenschaft des Bewußtseyns, als des erscheinenden Geistes wird vorausgesetzt, daß sich als dessen letzte, ab- solute Wahrheit das reine Wissen ergibt. Die Lo- gik ist die reine Wissenschaft , das reine Wissen in seinem Umfange und seiner Ausbreitung. Das reine Wissen ist die zur Wahrheit gewordene Gewißheit, oder die Gewißheit, die dem Gegenstande nicht mehr gegen- uͤber ist, sondern ihn innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiß, und die auf der andern Seite eben so, das Wissen von sich, als einem, das dem Gegenstaͤndlichen gegenuͤber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben, sich entaͤussert hat, und Einheit mit seiner Entaͤusserung ist. Das reine Wissen in diese Einheit zusammengegan- gen, hat alle Beziehung auf ein Anderes und die Ver- mittlung aufgehoben, und ist einfache Unmittel- barkeit . Die Erstes Buch. Das Seyn . Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexions- ausdruck, und bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren Ausdrucke ist diese ein- fache Unmittelbarkeit das reine Seyn , oder das Seyn uͤberhaupt; Seyn , sonst nichts, ohne alle wei- tere Bestimmung und Erfuͤllung. Dieser Ruͤckblick auf den Begriff des reinen Wissens ist der Grund , aus welchem das Seyn herkommt, um den Anfang der absoluten Wissenschaft auszuma- chen. Oder zweytens umgekehrt der Anfang der ab- soluten Wissenschaft muß selbst absoluter An- fang seyn, er darf nichts voraussetzen . Er muß also durch nichts vermittelt seyn, noch einen Grund haben; er soll vielmehr selbst der Grund der ganzen Wissenschaft seyn. Er muß daher schlechthin ein Unmit- telbares seyn, oder vielmehr das Unmittelbare selbst. Wie er nicht gegen anderes eine Bestimmung haben kann, so kann er auch keine in sich, keinen Inhalt enthalten, denn dergleichen waͤre ebenfalls eine Unterscheidung, und Beziehung von Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittlung. Der Anfang ist also das reine Seyn . In neuern Zeiten vornemlich wurde es als eine Schwierigkeit angesehen, einen Anfang in der Philoso- phie zu finden, und der Grund dieser Schwierigkeit, so wie die Moͤglichkeit, sie zu loͤsen, vielfaͤltig besprochen. Der Anfang der Philosophie muß entweder ein Vermit- teltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht zu zei- gen, daß er weder das Eine noch das Andere seyn koͤn- ne; somit findet die eine oder die andere Weise des An- fangens ihre Widerlegung. C 2 In Erstes Buch . In der ersten so eben gegebenen Darstellung des Seyns als des Anfangs ist der Begriff des Wissens vor- ausgesetzt. Somit ist dieser Anfang nicht absolut, son- dern kommt aus der vorhergehenden Bewegung des Be- wußtseyns her. Die Wissenschaft dieser Bewegung, aus der das Wissen resultirt, muͤßte nun den absoluten An- fang haben. Sie macht ihn mit dem unmittelbaren Bewußtseyn , dem Wissen, daß etwas ist . — Das Seyn macht so hier gleichfalls den Anfang, aber als Bestim- mung einer concreten Gestalt, des Bewußtseyns; erst das reine Wissen, der Geist, der sich von seiner Er- scheinung als Bewußtseyn befreyt hat, hat auch das freye, reine Seyn zu seinem Anfang. — Aber jener An- fang, das unmittelbare Bewußtseyn, enthaͤlt das Ich als bezogen auf ein schlechthin Anderes, und umgekehrt, den Gegenstand bezogen auf Ich; somit eine Vermittlung. — Zwar enthaͤlt das Bewußtseyn die beyden Vermittelnden, — die auch wiederum die Vermittelten sind, — selbst, weißt somit nicht uͤber sich hinaus, und ist in sich be- schlossen. Aber indem die Vermittlung gegenseitig ist, so ist jedes Vermittelnde auch vermittelt, somit keine wahr- hafte Unmittelbarkeit vorhanden. — Aber umgekehrt waͤre eine solche vorhanden, so ist sie, da sie nicht begruͤndet ist, etwas willkuͤhrliches und zufaͤlliges. Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resul- tat seyn muͤsse, und umgekehrt, daß ein Resultat ein Er- stes Wahres voraussetzt, das aber, weil es Erstes ist, objectiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach der sub- jectiven Seite, nicht erkannt ist, — hat in neuern Zeiten den Gedanken hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn koͤnne. Nach Das Seyn . Nach dieser Ansicht ist das Vorwaͤrtsschreiten in der Philosophie vielmehr ein Ruͤckwaͤrtsgehen und Begruͤnden, durch welches erst sich ergebe, daß das, womit angefangen wurde, nicht bloß ein willkuͤhrlich an- genommenes, sondern in der That theils das Wahre, theils das erste Wahre sey. Man muß zugeben, daß es eine wesentliche Be- trachtung ist, — die sich innerhalb der Logik selbst naͤher ergeben wird, — daß das Vorwaͤrtsgehen ein Ruͤckgang in den Grund und zu dem Urspruͤnglichen ist, von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, ab- haͤngt. — So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von der Unmittelbarkeit aus, mit der es anfaͤngt, zum absoluten Wissen, als seiner Wahrheit, zuruͤckgefuͤhrt. Diß letzte, der Grund, ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst als Unmittel- bares auftrat. — So wird auch der Geist am Ende der Entwicklung des reinen Wissens, sich mit Freyheit ent- aͤussern und sich in die Gestalt eines unmittelbaren Be- wußtseyns, als Bewußtseyn eines Seyns, das ihm als ein Anderes gegenuͤber steht, entlassen. Das Wesentli- che ist eigentlich, nicht daß ein rein Unmittelbares der Anfang sey, sondern daß das Ganze ein Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das Letzte, und das Letzte auch das Erste wird. Daher ist auf der andern Seite eben so nothwendig, dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zuruͤckgeht, als Resultat zu betrachten. Nach dieser Ruͤcksicht ist das Erste eben so sehr der Grund, und das Letzte ist ein Abgeleitetes. Denn in- dem von dem Ersten ausgegangen und durch richtige Fol- gerungen auf das Letzte, als auf den Grund, gekommen wird, so ist dieser in der That Resultat. Der Fort- gang Erstes Buch . gang von dem, was den Anfang macht, ist ferner nur eine weitere Bestimmung desselben, so daß diß allem Folgenden zu Grunde liegen bleibt, und nicht dar- aus verschwindet. Das Fortgehen besteht nicht darin, daß ein Anderes abgeleitet, oder daß in ein wahrhaft Anderes uͤbergegangen wuͤrde; — und insofern diß Ue- bergehen vorkommt, so hebt es sich eben so sehr wieder auf. So ist der Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwicklungen gegenwaͤrtige und sich erhaltende Grundlage, der seinen weitern Bestimmungen durchaus immanente Begriff. Durch diesen Fortgang, worin der Anfang sich weiter bestimmt, verliert er, was er in dieser Bestimmt- heit, ein Unmittelbares zu seyn, einseitiges hat, wird ein Vermitteltes, und macht eben dadurch die Linie der wissenschaftlichen Fortbewegung zu einem Kreise. — Zu- gleich wird das, was den Anfang macht, indem es darin das noch Unentwickelte, Inhaltslose ist, noch nicht wahrhaft erkannt, denn so ist es im Anfange, das heißt noch vor der Wissenschaft; erst diese und zwar in ihrer ganzen Entwicklung ist seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft begruͤndete Erkenntniß. Darum aber, weil das Resultat auch den absoluten Grund ausmacht, ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas provisorisches, noch ein problematisches und hypothetisches, sondern es ist durch die Natur der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt. Noch ist jener Anfang etwas willkuͤhrliches und nur einstweilen angenomme- nes, noch ein als willkuͤhrlich erscheinendes und bittwei- se vorausgesetztes, von dem sich aber doch in der Folge zeigte, daß man Recht daran gethan habe, es zum An- fange zu machen; — wie von den geometrischen Con- structionen sich freylich erst hinterher in den Beweisen er- gibt, Das Seyn . gibt, daß man wohlgethan habe, gerade diese Linien zu ziehen, oder sogar in den Beweisen selbst, daß es gut gewesen sey, mit der Vergleichung dieser Linien oder Winkel anzufangen; fuͤr sich, an diesem Linienziehen oder Vergleichen selbst, begreift es sich nicht. So ist oben der Grund , warum in der reinen Wissenschaft vom reinen Seyn angefangen wird, unmit- telbar an ihr selbst angegeben worden. Diß reine Seyn ist die Einheit, in die das reine Wissen zuruͤckgeht, oder es ist auch der Inhalt desselben. Diß ist die Seite, nach welcher diß reine Seyn , diß Absolut-Unmittelbare, eben so absolut Vermitteltes ist. Aber eben so wesent- lich ist es das Rein-Unmittelbare; als solches nur ist es darum zu nehmen, eben weil es der Anfang ist; in- sofern es nicht diese reine Unbestimmtheit, insofern es weiter bestimmt waͤre, wuͤrde es als Vermitteltes genom- men. Es liegt in der Natur des Anfangs selbst , daß er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf da- her keiner sonstiger Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen; noch anderweitiger Reflexionen und An- knuͤpfungspunkte. Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, dar- aus kann nun keine naͤhere Bestimmung oder ein positiver Inhalt fuͤr denselben genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort, oder ir- gend eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen gibt nur diese negative Bestimmung, daß er der abstracte , oder absolute Anfang seyn soll. Insofern das reine Seyn als der Inhalt des reinen Wissens genommen wird, so hat dieses von seinem Inhalte zuruͤckzutreten, ihn fuͤr sich selbst gewaͤhren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen. — Oder indem das Erstes Buch . das reine Seyn als die Einheit betrachtet werden muß, in die das Wissen auf seiner hoͤchsten Spitze der Eini- gung mit dem Objecte, zusammengefallen ist, so ist das Wissen in diese Einheit verschwunden, und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine Bestimmung fuͤr sie uͤbrig gelassen. Sonst ist auch nicht Etwas, oder irgend ein Inhalt vorhanden, der gebraucht werden koͤnnte, um damit den bestimmtern Anfang zu machen. Es ist nichts vorhanden, als das reine Seyn als Anfang . In dieser Bestimmung: als Anfang , ist die reine Unmittelbarkeit etwas concreteres , und es kann analytisch entwickelt werden, was in ihm unmittelbar enthalten ist, um zu sehen, wohin diß weiter fuͤhre. Ueberhaupt kann auch die bisher als Anfang an- genommene Bestimmung des Seyns ganz weggelassen werden; es wird nur gefordert, daß ein reiner Anfang gemacht werde; es ist somit nichts vorhanden, als der Anfang selbst, und es ist zu sehen, was er ist. Es ist noch Nichts, und es soll etwas werden. Der Anfang ist nicht das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem etwas ausgehen soll; es ist zugleich das Seyn schon in ihm enthalten. Der Anfang enthaͤlt also beydes, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; — oder ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich Nichtseyn ist. Seyn und Nichts sind im Anfange als unter- schieden vorhanden; denn er weißt auf etwas ande- res hin; — er ist ein Nichtseyn, das auf das Seyn als auf ein anderes, bezogen ist; das anfangende ist noch nicht; es geht erst dem Seyn zu. Zugleich enthaͤlt der Anfang Das Seyn . Anfang das Seyn, aber als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt, als ein ihm entgegengesetztes. Ferner aber ist das, was anfaͤngt, schon, eben so sehr aber ist es auch noch nicht . Seyn und Nicht- seyn sind also in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre ununterschiedene Einheit . Die Analyse des Anfangs gaͤbe somit den Begriff der Einheit des Seyns und des Nichtseyns, — oder in reflectirterer Form, der Einheit des Unterschieden- und des Nichtunterschiedenseyns, — oder der Identitaͤt der Identitaͤt und Nichtidentitaͤt. Dieser Begriff koͤnnte als die erste, reinste Definition des Absoluten angesehen wer- den; — wie er diß in der That seyn wuͤrde, wenn es uͤberhaupt um die Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun waͤre. In diesem Sinne wuͤrden, wie jener abstracte Begriff die erste, so alle weitern Bestimmungen und Entwicklungen nur bestimmte- re und reichere Definitionen des Absoluten seyn. Allein diese Analyse des Anfangs setzt denselben als bekannt voraus; sie hat unsre Vorstellung dessel- ben zur Grundlage. Es ist diß ein Beyspiel wie andere Wissenschaften verfahren. Sie setzen ihren Gegenstand als bekannt voraus, und nehmen dabey bittweise an, daß je- dermann in seiner Vorstellung ungefaͤhr dieselben Bestim- mungen in ihm finden moͤge, die sie durch Analyse, Ver- gleichung und sonstiges Raͤsonnement von ihm da und dort- her beybringen und angeben. Das was den absoluten Anfang macht, muß zwar ein Bekanntes seyn; aber wenn es ein Concretes, somit in sich mannichfaltig Be- stimmtes ist, so gebe ich, indem ich diese seine Beziehun- gen als etwas Bekanntes voraussetze, sie als etwas un- mittel- Erstes Buch . mittelbares an, was sie nicht sind. An ihnen tritt da- her die Zufaͤlligkeit und Willkuͤhr der Analyse und des verschiedenen Bestimmens ein. Weil einmal die Bezie- hung als etwas unmittelbar Gegebenes zugestanden ist, hat jeder das Recht, die Bestimmungen herbeyzubringen oder wegzulassen, wie er in seiner unmittelbaren zufaͤlli- gen Vorstellung vorfindet . Insofern der Gegenstand aber, wie ihn die Analyse voraussetzt, ein Concretes, eine synthetische Einheit ist, so ist die darin enthaltene Beziehung eine nothwendi- ge , nur insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die ei- gene Bewegung der Momente, in diese Einheit zuruͤck zu gehen, hervorgebracht ist; — eine Bewegung, die das Gegentheil der erwaͤhnten ist, welche ein analyti- sches Verfahren, und ein der Sache selbst aͤusserliches, in das Subject fallendes Thun ist. Es ergibt sich hieraus das vorhin Bemerkte naͤher, daß das, womit der Anfang zu machen ist, nicht ein Concretes, nicht ein solches seyn kann, das eine Be- ziehung innerhalb seiner selbst enthaͤlt, denn ein solches setzt eine Bewegung, ein Vermitteln und Heruͤbergehen von einem zu einem andern innerhalb seiner selbst, vor- aus, von der das einfachgewordene Concrete das Resul- tat waͤre. Aber der Anfang soll nicht ein Resultat seyn. Was den Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares, in seiner einfachen unerfuͤll- ten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als das ganz Leere zu nehmen. Wenn man etwa gegen die Betrachtung des ab- stracten Anfangs ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes leere Seyn; denn Das Seyn . denn was die Sache sey, diß ist es, was sich eben erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt vorausgesetzt werden kann. Welche Form sonst genommen werde, um einen an- dern Anfang zu haben, als das leere Seyn, so leidet er an den angefuͤhrten Maͤngeln. Insofern darauf reflectirt wird, daß aus dem ersten Wahren, alles Folgende ab- geleitet werden, daß das erste Wahre der Grund des Ganzen seyn muͤsse, so scheint die Forderung nothwendig, den Anfang mit Gott, mit dem Absoluten zu machen, und alles aus ihm zu begreiffen. Wenn, statt auf die gewoͤhnliche Weise die Vorstellung zu Grunde zu legen, und eine Definition des Absoluten derselben gemaͤß vor- auszuschicken, — wovon vorhin die Rede war, — im Gegentheil die naͤhere Bestimmung dieses Absoluten aus dem unmittelbaren Selbstbewußtseyn genommen, wenn es als Ich bestimmt wird, so ist diß zwar theils ein Un- mittelbares, theils in einem viel hoͤhern Sinne ein Be- kanntes, als eine sonstige Vorstellung; denn etwas sonst Bekanntes gehoͤrt zwar dem Ich an, aber indem es nur eine Vorstellung ist, ist es noch ein von ihm unterschie- dener Inhalt; Ich hingegen ist die einfache Gewißheit seiner selbst. Aber sie ist zugleich ein Concretes, oder Ich ist vielmehr das Concreteste; es ist das Bewußtseyn seiner, als unendlich mannichfaltiger Welt. Daß aber Ich Anfang und Grund der Philosophie sey, dazu wird vielmehr die Absonderung des Concreten erfordert, — der absolute Akt, wodurch Ich von sich selbst gereinigt wird, und als absolutes Ich in sein Bewußtseyn tritt. Aber diß reine Ich ist dann nicht das bekannte, das gewoͤhn- liche Ich unseres Bewußtseyns, woran unmittelbar und fuͤr jeden die Wissenschaft angeknuͤpft werden sollte. Jener Akt sollte eigentlich nichts anderes seyn, als die Erhe- bung auf den Standpunkt des reinen Wissens, auf wel- chem Erstes Buch . chem eben der Unterschied des Subjectiven und Objecti- ven verschwunden ist. Aber wie diese Erhebung so un- mittelbar gefordert ist, ist es ein subjectives Postulat; um als wahrhafte Forderung sich zu erweisen, muͤßte die Fortbewegung des concreten Ichs oder des unmittelba- ren Bewußtseyns zum reinem Wissen an ihm selbst, durch seine eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und darge- stellt worden seyn. Ohne diese objective Bewegung er- scheint das reine Wissen, die intellectuelle An- schauung , als ein willkuͤhrlicher Standpunkt, oder selbst als einer der empirischen Zustaͤnde des Bewußt- seyns, in Ruͤcksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn der eine in sich vorfinde oder hervorbringen koͤnne, ein anderer aber nicht. Insofern aber diß reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn muß, das reine Wissen aber nur durch den absoluten Akt der Selbsterhebung, im individuellen Bewußtseyn gesetzt wird, und nicht unmit- telbar in ihm vorhanden ist, so geht gerade der Vortheil verlohren, der aus diesem Anfange der Philosophie ent- springen soll; daß er nemlich etwas schlechthin Beckann- tes sey, was jeder unmittelbar in sich finde, und daran die weitere Reflexion anknuͤpfen koͤnne; jenes reine Ich ist vielmehr in seiner absoluten Wesenheit, etwas dem ge- woͤhnlichen Bewußtseyn Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet. Es tritt daher vielmehr die Taͤu- schung ein, daß von etwas Bekanntem, von dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die Rede seyn soll, in der That aber von etwas diesem Bewußtseyn Fernem die Rede ist. Die Bestimmung des reinen Wissens als Ich, fuͤhrt die fortdauernde Zuruͤckerinnerung an das subjective Ich mit sich, dessen Schranken vergessen wer- den sollen, und erhaͤlt die Vorstellung gegenwaͤrtig, als ob die Saͤtze und Verhaͤltnisse, die sich in der weitern Entwicklung vom Ich ergeben, in gewoͤhnlichen Bewußt- seyn als etwas darin vorhandenes, da es ja das sey, von Das Seyn . von dem sie behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden koͤnnen. Diese Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit vielmehr nur eine um so grellere Verwirrung und gaͤnzliche Desorientirung hervor. Das reine Wissen benimmt dem Ich seine be- schraͤnkte Bedeutung, an einem Objecte seinen unuͤber- windlichen Gegensatz zu haben; aus diesem Grunde waͤ- re es wenigstens uͤberfluͤssig , noch diese subjective Hal- tung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beyzubehalten. Aber diese Bestimmung fuͤhrt nicht nur jene stoͤrende Zweydeutigkeit mit sich, sondern bleibt auch naͤher betrachtet, ein subjectives Ich. Die wirk- liche Entwicklung der Wissenschaft, die vom Ich ausgeht, zeigt es, daß das Object darin die perennirende Bestim- mung eines Andern fuͤr das Ich hat und behaͤlt, daß also das Ich, von dem ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des Bewußtseyns in Wahr- heit uͤberwunden hat, somit noch in der Erscheinung, und nicht das Element des Anundfuͤrsich-Seyns ist. Wenn aber auch Ich in der That das reine Wis- sen, oder wenn die intellektuelle Anschauung in der That der Anfang waͤre, so ist es in der Wissenschaft nicht um das zu thun, was innerlich vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Wissen . Was aber von der intellektuellen Anschauung — oder wenn ihr Gegenstand das Ewige, das Goͤttliche, das Absolute genannt wird, — was vom Ewigen oder Ab- soluten im Anfange der Wissenschaft da ist, diß ist nichts anderes, als eine erste, unmittelbare, einfache Bestim- mung. Welcher reicherer Name ihm gegenuͤber werde, als das bloße Seyn ausdruͤckt, so kann es nur in Be- tracht kommen, wie es in das Wissen und in das Aus- sprechen des Wissens eintritt. Die intellektuelle An- schauung ist selbst die gewaltsame Zuruͤckweisung des Ver- Erstes Buch . Vermittelns und der beweisenden, aͤusserlichen Reflexion; was sie aber mehr ausspricht, als einfache Unmittelbar- keit, ist ein Concretes, ein in sich verschiedene Bestim- mungen Enthaltendes. Das Aussprechen und die Dar- stellung eines solchen aber ist eine vermittelnde Bewegung, die von einer der Bestimmungen anfaͤngt, und zu der andern fortgeht, wenn dieses auch zur ersten zuruͤckgeht; — es ist eine Bewegung, die zugleich nicht willkuͤhrlich oder assertorisch seyn darf. Von was daher in dieser Dar- stellung angefangen wird, ist nicht das Concrete selbst, sondern nur ein einfaches Unmittelbares, von dem die Be- wegung ausgeht. Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes, wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt , als im reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen hervortreten; das was darin liegt, sey so reich als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als der reine Anfang; oder sie ist nur das Unmittelbare, denn nur im Unmittel- baren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von einem zu ei- nem andern, somit gleichfalls nicht mehr als der Anfang. Was somit uͤber das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn soll, in den reichern Formen von Absolutem oder Gott, diß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; diß Einfache, das sonst keine weitere Bedeutung hat, diß Leere ist also der absolute Anfang der Philosophie. Diese Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser An- fang, wie erinnert, keiner Vorbereitung noch weitern Ein- leitung bedarf; und diese Vorlaͤufigkeit von Raͤsonnement uͤber ihn konnte nicht die Absicht haben, ihn herbeyzu- fuͤhren, als vielmehr alle Vorlaͤufigkeit zu entfernen. Allge- Das Seyn . Allgemeine Eintheilung des Seyns . Das Seyn ist zuerst gegen anderes bestimmt; Zweytens ist es innerhalb seiner selbst bestimmt; Drittens kehrt es aus dem Bestimmen in sich zu- ruͤck, wirft diese Vorlaͤufigkeit des Eintheilens weg, und stellt sich zu der Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit her, in der es der Anfang seyn kann. Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab, wie bereits angegeben worden. Nach der zweyten Eintheilung ist es die Sphaͤre, innerhalb welcher die Bestimmungen und die ganze Bewegung der Reflexion faͤllt. Das Seyn wird sich darin in den drey Bestimmungen setzen 1) als Bestimmtheit , als solche; Qualitaͤt ; 2) als aufgehobene Bestimmtheit; Groͤße, Quantitaͤt ; 3) als qualitativ bestimmte Quantitaͤt; Maaß . Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen Eintheilungen uͤberhaupt erinnert worden, eine vorlaͤufige Anfuͤhrung; ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu entstehen, und sich darin zu rechtfertigen. Ueber die Abweichung derselben von der gewoͤhnlichen Auffuͤhrung der Katego- rien, — nemlich Quantitaͤt, Qualitaͤt, Relation und Modalitaͤt, ist uͤbrigens hier nichts zu erinnern, da die ganze Ausfuͤhrung das uͤberhaupt von der gewoͤhnlichen Ord- Erstes Buch. Das Seyn . Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende zei- gen wird. Nur diß kann naͤher bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der Quantitaͤt vor der Qualitaͤt auf- gefuͤhrt wird, — und diß — wie das Meiste — ohne weitern Grund. Es ist bereits gezeigt worden, daß der Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, und da- her mit dem qualitativen Seyn. Aus der Vergleichung der Qualitaͤt mit der Quantitaͤt erhellt leicht, daß jene die der Natur nach erste ist; denn die Quantitaͤt ist erst die negativ-gewordene Qualitaͤt. Die Groͤße ist die Be- stimmtheit, die nicht mehr mit dem Seyn eins, sondern schon von ihm unterschieden, die aufgehobene, gleichguͤl- tig gewordene Qualitaͤt ist. Sie schließt die Veraͤnder- lichkeit des Seyns ein, ohne daß die Sache selbst, das Seyn, dessen Bestimmung sie ist, veraͤndert werde; da hingegen die qualitative Bestimmtheit mit ihrem Seyn eins ist, nicht uͤber dasselbe hinausgeht, noch innerhalb dessen steht, sondern seine unmittelbare Beschraͤnktheit ist. Die Qualitaͤt ist daher, als die unmittelbare Be- stimmtheit die erste, und mit ihr der Anfang zu machen. Das Maaß ist eine Relation , aber nicht die Relation uͤberhaupt, sondern bestimmt der Qualitaͤt und Quantitaͤt zu einander. Es kann auch fuͤr eine Modali- taͤt, wenn man will, angesehen werden; indem diese nicht mehr eine Bestimmung des Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung desselben auf das Denken, auf das Subjective, angehen soll. Das Maaß enthaͤlt die Aufloͤsung des Inhalts, seine Beziehung auf ein Anderes; es macht den Uebergang ins Wesen aus. Die dritte Eintheilung faͤllt innerhalb des Abschnittes, der Qualitaͤt. Erster Erster Abschnitt. Bestimmtheit . (Qualitaͤt.) D as Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frey von der ersten Bestimmtheit gegen das Wesen, und von der zweyten innerhalb seiner. Diß Reflexionslose Seyn ist das Seyn, wie es unmittelbar an und fuͤr sich ist. Weil es unbestimmt ist, ist es Qualitaͤtsloses Seyn; aber es kommt ihm der Charakter der Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative zu. Dem Seyn uͤberhaupt tritt daher das bestimmte Seyn als solches gegenuͤber; oder damit macht seine Unbestimmt- heit selbst seine Qualitaͤt aus. Es wird sich daher zei- gen, daß das erste Seyn, an sich bestimmtes, also Zweytens Daseyn ist oder daß es in das Da- seyn uͤbergeht; daß aber dieses als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des Seyns auf sich selbst, Drittens in das Fuͤrsichseyn uͤbergeht. D Erstes Erstes Buch . I. Abschnitt . Erstes Kapitel. Seyn . A. Seyn, reines Seyn , — ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch nicht ungleich gegen anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach Aussen. Durch irgend eine Bestimmung oder In- halt, der in ihm unterschieden, oder wodurch es als un- terschieden von einem andern gesetzt wuͤrde, wuͤrde es nicht in seiner Reinheit festgehalten. Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere. — Es ist nichts in ihm an- zuschauen, wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es ist nur diß reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig etwas in ihm zu denken, oder es ist ebenso nur diß leere Denken. Das Seyn, das un- bestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts , und nicht mehr noch weniger als Nichts. B. Nichts . Nichts, das reine Nichts ; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst, vollkommene Leerheit, Bestim- mungs- und Inhaltslosigkeit; Ununterschiedenheit in ihm selbst. — Insofern Anschauen oder Denken hier erwaͤhnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas oder nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts An- schauen oder Denken hat also eine Bedeutung; Nichts ist in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr es das Qualitaͤt . das leere Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere Anschauen oder Denken, als das reine Seyn. — Nichts ist somit dieselbe Bestimmung oder vielmehr Bestim- mungslosigkeit, und damit uͤberhaupt dasselbe, was das reine Seyn ist. C. Werden . Einheit des Seyns und Nichts . Das reine Seyn und das reine Nichts ist dasselbe . Was die Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn, — nicht uͤbergeht, — sondern uͤbergegangen ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern daß sie absolut unterschieden sind, aber eben so unmittelbar je- des in seinem Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem andern; das Werden ; eine Bewe- gung, worin beyde unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgeloͤst hat. Anmerkung 1. Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu wer- den; Etwas aber ist ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas unterscheidet; so ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts, das Nichts von ir- gend Etwas, ein bestimmtes Nichts. Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen; das Nichts rein an und fuͤr sich. — Das Nichtseyn , enthaͤlt die Beziehung auf das Seyn; es ist also nicht das reine Nichts, sondern das Nichts, wie es bereits im Werden ist. D 2 Den Erstes Buch . I. Abschnitt . Den einfachen Gedanken des reinen Seyns hatte Parmenides zuerst als das Absolute und als einzige Wahrheit, und in den uͤbergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen Begeisterung des Denkens, das zum erstenmale sich in seiner absoluten Abstraction erfaßt, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und das Nichts ist gar nicht . — Der tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und einseitige Abstraction den hoͤhern totalen Begriff des Werdens hervor, und sagte: das Seyn ist so wenig, als das Nichts , oder auch daß Alles fließt , das heißt, daß Alles Werden ist. — Die populaͤren, besonders orientalischen Spruͤ- che, daß alles, was ist, den Keim seines Vergehens in seiner Geburt selbst habe, der Tod umgekehrt der Ein- gang in neues Leben sey, druͤcken im Grunde dieselbe Einigung des Seyns und Richts aus. Aber diese Aus- druͤcke haben ein Substrat, an dem der Uebergang ge- schieht; Seyn und Nichts werden in der Zeit auseinander gehalten, als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht aber in ihrer Abstraction gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an und fuͤr sich dasselbe sind. Ex nihilo nihil fit — ist einer der Saͤtze, denen in der sonstigen Metaphysik große Bedeutung zugeschrieben wurde. Es ist aber darin entweder nur die gehaltlose Tavtologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das Werden wirkliche Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem nur Nichts aus Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden, denn Nichts bleibt Nichts. Das Werden enthaͤlt, daß Nichts nicht Nichts bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn uͤbergehe. — Wenn die spaͤtere vornemlich christliche Metaphysik den Satz, aus Nichts werde Nichts, ver- warf, so behauptete sie somit einen Uebergang von Nichts in Seyn; so synthetisch oder bloß vorstellend sie auch die- sen Qualitaͤt . sen Satz nahm, so ist doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein Punkt enthalten, worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre Unterschiedenheit ver- schwindet. Wenn das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, auffaͤllt oder paradox scheint, so ist hierauf nicht wei- ter zu achten; es waͤre sich vielmehr uͤber jene Verwun- derung zu verwundern, die sich so neu in der Philosophie zeigt, und vergißt, daß in dieser Wissenschaft ganz an- dere Ansichten vorkommen, als im gewoͤhnlichen Bewußt- seyn und im sogenannten gemeinen Menschenverstande. Es waͤre nicht schwer, diese Einheit von Seyn und Nichts, in jedem Beyspiele, in jedem Wirklichen oder Gedanken aufzuzeigen. Aber diese empirische Erlaͤute- rung waͤre zugleich ganz und gar uͤberfluͤssig. Da nun- mehr diese Einheit ein fuͤr allemal zu Grunde liegt, und das Element von allem folgendem ausmacht, so sind aus- ser dem Werden selbst, alle fernern logischen Bestimmun- gen: Daseyn, Qualitaͤt, uͤberhaupt alle Begriffe der Philosophie, Beyspiele dieser Einheit. Die Verwirrung, in welche sich das gewoͤhnliche Bewußtseyn bey einem solchen logischen Satze versetzt, hat darin ihren Grund, daß es dazu Vorstellungen von einem concreten Etwas mitbringt, und vergißt, daß von einem solchem nicht die Rede ist, sondern nur von den reinen Abstractionen des Seyns und Nichts, und daß diese allein an und fuͤr sich festzuhalten sind. Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es das- selbe, ob ich bin oder nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert Thaler in meinem Vermoͤgens- zustand sind oder nicht. — Dieser Schluß, oder die An- wendung jenes Satzes, veraͤndert seinen Sinn vollkom- men. Erstes Buch . I. Abschnitt . men. Der Satz enthaͤlt die reinen Abstractionen des Seyns und Nichts; die Anwendung aber macht ein be- stimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus. Allein vom bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Ein bestimmtes, ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf anderes bezieht; es ist ein Inhalt, der im Ver- haͤltnisse der Nothwendigkeit mit anderem Inhalte, mit der ganzen Welt steht. In Ruͤcksicht des wechselbestim- menden Zusammenhangs des Ganzen konnte die Meta- physik die — im Grunde tavtologische — Behauptung machen, daß wenn ein Staͤubchen absolut zerstoͤrt wuͤrde, das ganze Universum zusammenstuͤrzte. Aber dem be- stimmten Inhalte seinen Zusammenhang mit ande- rem genommen, und ihn isolirt vorgestellt, so ist seine Nothwendigkeit aufgehoben, und es ist gleichguͤltig, ob dieses isolirte Ding, dieser isolirte Mensch existirt oder nicht. Oder indem dieser ganze Zusammenhang zusam- mengefaßt wird, so verschwindet gleichfalls das bestimmte, sich auf anderes beziehende Daseyn, denn fuͤr das Uni- versum gibt es kein Anderes mehr, und es ist kein Un- terschied, ob es ist oder nicht. Es erscheint also etwas als nicht gleichguͤltig, ob es sey oder nicht sey, nicht um des Seyns oder Richt- seyns willen, sondern um seiner Bestimmtheit, um seines Inhalts willen, der es mit anderm zusammenhaͤngt. Wenn die Sphaͤre des Seyns vorausgesetzt ist, und in dieser ein bestimmter Inhalt, irgend ein bestimmtes Daseyn angenommen wird, so ist diß Daseyn, weil es bestimmtes ist, in mannichfaltiger Beziehung auf an- dern Inhalt; es ist fuͤr dasselbe nicht gleichguͤltig, ob ein gewisser anderer Inhalt, mit dem er in Beziehung steht, ist, oder nicht ist; denn nur durch solche Beziehung ist er wesentlich das, was er ist. Dasselbe ist in dem Vor- stellen (indem wir das Nichtseyn in dem bestimmtern Sinne Qualitaͤt . Sinne des Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen) der Fall, in dessen Zusammenhange das Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts, der als bestimmt mit ande- rem in Beziehung steht, nicht gleichguͤltig ist. — Denn uͤberhaupt faͤngt nur erst in der Bestimmtheit der reale Unterschied an: das unbestimmte Seyn und Nichts hat ihn noch nicht an ihm, sondern nur den gemeynten Un- terschied. Diese Betrachtung enthaͤlt dasselbe, was ein Haupt- moment in der Kantischen Kritik des ontologischen Be- weises vom Daseyn Gottes ausmacht; naͤher ist uͤbrigens diese Kritik erst beym Gegensatze des Begriffes und der Existenz zu betrachten. — Bekanntlich wurde in diesem sogenannten Beweise der Begriff eines Wesens voraus- gesetzt, dem alle Realitaͤten zukommen, somit auch die Existenz, die gleichfalls als eine der Realitaͤten ange- nommen wurde. Die Kantische Kritik hielt sich vornem- lich daran, daß die Existenz keine Eigenschaft oder kein reales Praͤdikat sey, das heisse, nicht ein Begriff von etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen koͤnne. — Kant will damit sagen, daß Seyn keine Inhaltsbestimmung sey. — Also enthalte, faͤhrt er fort, das Moͤgliche nicht mehr als das Wirk- liche; hundert wirkliche Thaler enthalten nicht das Min- deste mehr, als hundert moͤgliche; — nemlich jene ha- ben keine andere Inhaltsbestimmung als diese. Es ist fuͤr diesen als isolirt betrachteten Inhalt gleichguͤltig, zu seyn oder nicht zu seyn; es liegt in ihm kein Unterschied des Seyns oder Nichtseyns, dieser Unterschied beruͤhrt ihn uͤberhaupt gar nicht; die hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie nicht sind, und nicht m ehr, wenn sie sind. Der Unterschied muß erst derswoher kommen. — „Hingegen, erinnert Kant, in meinem Vermoͤgenszustande ist mehr bey hundert wirklichen Tha- lern, Erstes Buch . I. Abschnitt . lern, als bey dem bloßen Begriff derselben, oder bey ih- rer Moͤglichkeit. Denn der Gegenstand ist bey der Wirk- lichkeit nicht bloß in meinem Begriff analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine Bestim- mung meines Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Seyn ausser meinem Begriffe, die- se gedachten hundert Thaler selbst im mindesten vermehrt wuͤrden.“ Es werden hier zweyerley Zustaͤnde, um bey den Kantischen Ausdruͤcken zn bleiben, vorausgesetzt, der reine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die Vorstellung zu verstehen ist, und einen andern, den Ver- moͤgenszustand. Fuͤr den einen wie fuͤr den andern sind hundert Thaler eine weitere Inhaltsbestimmung, oder sie kommen, wie Kant sich ausdruͤckt, synthetisch hinzu; und ich als Besitzer von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder auch, ich als hundert Thaler vorstellend oder sie nicht vorstellend, ist ein verschie- dener Inhalt. Einerseits ist es ein Unterschied, ob ich mir diese hundert Thaler nur vorstelle oder sie besitze, ob sie sich also in dem einen oder dem andern Zustande befinden, weil ich einmal diese beyden Zustaͤnde als ver- schiedene Bestimmungen vorausgesetzt habe. Andrerseits, jeden dieser Zustaͤnde besonders genommen, sind sie in- nerhalb desselben eine besondere Inhaltsbestimmung, die in Beziehung zu anderem tritt, und deren Verschwinden nicht ein bloßes Nichtseyn ist, sondern ein Anders- seyn ausmacht. Es ist eine Taͤuschung, daß wir den Unterschied bloß aufs Seyn und Nichtseyn hinausschie- ben, ob ich die hundert Thaler habe oder nicht ha- be . Diese Taͤuschung beruht auf der einseitigen Ab- straction, die das bestimmte Daseyn , das in sol- chen Beyspielen immer vorhanden ist, weglaͤßt und bloß das Seyn und Nichtseyn festhaͤlt. Wie vorhin erinnert, ist Qualitaͤt . ist erst das Daseyn der reale Unterschied von Seyn und Nichts, ein Etwas und ein Anderes . — Die- ser reale Unterschied, von Etwas und einem Andern schwebt der Vorstellung vor, statt des reinen Seyns und reinen Nichts. Wie Kant sich ausdruͤckt, so kommt durch die Exi- stenz etwas in den Context der gesammten Erfahrung; wir bekommen dadurch einen Gegenstand der Wahrneh- mung mehr, aber unser Begriff von dem Gegenstande wird dadurch nicht vermehrt. — Diß heißt, wie aus dem Erlaͤuterten hervorgeht, in der That so viel, durch die Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Exi- stenz ist, tritt es in den Zusammenhang mit ande- rem , oder steht es darin, und unter anderem auch mit einem wahrnehmenden. — Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde nicht durch das Wahrnehmen vermehrt. — Der Begriff heißt hier die isolirten ausser dem Contexte der Erfahrung und des Wahrnehmens vor- gestellten hundert Thaler. In dieser isolirten Weise sind sie wohl eine und zwar sehr empirische Inhaltsbestim- mung, aber abgeschnitten, ohne Zusammenhang und Be- stimmtheit gegen anderes ; die Form der Identitaͤt mit sich, der einfachen sich nur auf sich beziehenden Bestimmt- heit, erhebt sie uͤber die Beziehung auf anderes und laͤßt sie gleichguͤltig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht. Aber wenn sie wahrhaft als bestimmte und auf anderes bezogene betrachtet, und ihnen die Form der ein- fachen Beziehung auf sich, die einem solchen bestimmten Inhalt nicht gehoͤrt, genommen wird, so sind sie nicht mehr gleichguͤltig gegen das Daseyn und Nichtdaseyn, son- dern in die Sphaͤre eingetreten, worin der Unterschied von Seyn und Nichtseyn zwar nicht als solcher, aber als von Etwas und Anderem guͤltig ist. Das Erstes Buch . I. Abschnitt . Das Denken oder vielmehr Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, oder das Daseyn vorschwebet, worein die reale Verschiedenheit des Seyns und Nichts faͤllt, ist zu dem Anfang der reinen Wissenschaft zuruͤck zu wei- sen, welchen Parmenides gemacht hat, der unter den Menschen der erste gewesen zu seyn scheint, welcher sein Vorstellen und damit auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken des Seyns gelaͤutert und erho- ben, und damit das Element der Wissenschaft erschaffen hat. Es ist aber, um zur Hauptsache zuruͤckzukehren, zu erinnern, daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der Betrachtung des Seyns und des Nichts ergibt, durch den Satz: Seyn und Nichts ist eins und das- selbe , unvollkommen ist. Der Accent wird nemlich vorzugsweise auf das Eins- und Dasselbe- seyn ge- legt, und der Sinn scheint daher zu seyn, daß der Un- terschied geleugnet werde, der doch zugleich im Satze selbst unmittelbar vorkommt; denn der Satz spricht die beyden Bestimmungen, Seyn und Nichts, aus, und ent- haͤlt sie als unterschiedne. — Es kann zugleich nicht ge- meynt seyn, daß von ihnen abstrahirt und nur die Einheit festgehalten werden soll. Dieser Sinn gaͤbe sich selbst fuͤr einseitig, da das, wovon abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze vorhanden ist. — Insofern der Satz: Seyn und Nichts ist dasselbe , die Iden- titaͤt dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der That sie eben so als unterschieden enthaͤlt, widerspricht er sich in sich selbst, und loͤst sich auf. Es ist also hier ein Satz gesetzt, der naͤher betrachtet, die Bewegung hat, durch sich selbst zu verschwinden. Damit geschieht an ihm das, was seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nemlich das Werden. Der Qualitaͤt . Der Satz enthaͤlt somit das Resultat, er ist an sich das Resultat selbst; aber es ist nicht in ihm selbst in sei- ner Wahrheit ausgedruͤckt ; es ist eine aͤussere Re- flexion, welche es in ihm erkennt. — Der Satz, in Form eines Urtheils, ist uͤberhaupt nicht unmittelbar ge- schikt, speculative Wahrheiten auszudruͤcken. Das Ur- theil ist eine identische Beziehung zwischen Subject und Praͤdicat; wenn auch das Subject noch mehrere Be- stimmtheiten hat als die des Praͤdicats, und insofern et- was anderes ist, als dieses, so kommen sie nur addirt hinzu, und heben die identische Beziehung dieses Praͤdi- cats mit seinem Subjecte nicht auf, das sein Grund und Traͤger bleibt. Ist aber der Inhalt speculativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjects und Praͤdicats we- sentliches Moment, und der Uebergang oder das Ver- schwinden des ersten in das andere ihre Beziehung. Das paradoxe und bizarre Licht, in dem vieles der neuern Philosophie den mit dem speculativen Denken nicht Ver- trauten erscheint, faͤllt vielfaͤltig in die Form des einfachen Urtheils, wenn sie fuͤr den Ausdruck speculativer Resul- tate gebraucht wird. Das wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, ist das Werden , welches nicht bloß die einseitige oder abstracte Einheit des Seyns und Nichts ist. Son- dern es besteht in dieser Bewegung, daß das reine Seyn unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das reine Nichts ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so sehr sich aufhebt und nicht ist. Das Resul- tat behauptet also den Unterschied des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur gemeynten . — Man meynt, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andre, als das Nichts ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied, und es scheint nichts leichter, als ihn angeben zu geben. Es ist aber eben so leicht, sich Erstes Buch . I. Abschnitt . sich zu uͤberzeugen, daß diß unmoͤglich ist. Denn haͤtte Seyn und Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich unterschieden, so waͤren sie, wie vorhin erinnert worden, bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts, nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie es hier noch sind. Ihr Unterschied ist daher voͤllig leer, jedes der beyden ist auf gleiche Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht an ihnen selbst, sondern nur in einem Dritten, im Meynen. Aber das Meynen ist eine Form des Subjectiven, das nicht in diese Reihe der Darstel- lung gehoͤrt. Das dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr Bestehen haben, muß auch hier vorkommen; und es ist vorgekommen, es ist das Werden. In ihm sind sie als unterschiedene; Werden ist nur, insofern sie verschie- den sind. Diß Dritte ist ein andres als sie; — sie be- stehen nur in einem Andern, diß heißt gleichfalls, sie bestehen nicht fuͤr sich. Das Werden ist das Bestehen des Seyns so sehr als des Nichtseyns; oder ihr Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem ; gerade diß ihr Bestehen ist es, was ihren Unterschied eben so sehr aufhebt. Man stellt sich auch wohl das Seyn etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die Klarheit ungetruͤb- ten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht vor, und knuͤpft ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinn- liche Verschiedenheit. In der That aber, wenn man sich diß Sehen genauer vorstellt, so begreift sich leicht, daß man in der absoluten Klarheit so viel und so wenig sieht, als in der absoluten Finsterniß, daß das eine Se- hen so gut das andere, reines Sehen, Sehen von Nichts ist. Reines Licht und reine Finsterniß sind zwey Leeren, welche dasselbe sind. Erst in dem bestimmten Lichte — und das Licht wird durch die Finsterniß be- stimmt, — also im getruͤbten Lichte, eben so erst in der bestimmten Finsterniß, — und die Finsterniß wird durch Qualitaͤt . durch das Licht bestimmt, — in der erhellten Finsterniß kann etwas unterschieden werden; weil erst das getruͤbte Licht und die erhellte Finsterniß den Unterschied an ihnen selbst haben, und damit bestimmtes Seyn, Daseyn sind. Anmerkung 2. Parmenides hielt das Seyn fest, und sagte vom Nichts, daß es gar nicht ist; nur das Seyn ist. Das, wodurch diß reine Seyn zum Werden fortgeleitet wurde, war die Reflexion, daß es gleich Nichts ist. Das Seyn selbst ist das Unbestimmte; es hat also keine Beziehung auf anderes; es scheint daher, daß von diesem An- fang nicht weiter fortgegangen werden koͤnne, nemlich aus ihm selbst, ohne daß von aussen etwas Frem- des daran geknuͤpft wuͤrde. Die Reflexion, daß das Seyn gleich Nichts ist, erscheint also als ein zweyter, absoluter Anfang. Auf der andern Seite waͤre Seyn nicht der absolute Anfang, wenn es eine Bestimmtheit haͤtte, denn alsdann hinge es von einem andern ab und waͤre in Wahrheit nicht Anfang. Ist es aber unbestimmt und damit wahrer Anfang, so hat es auch nichts, wo- durch es sich zu einem Andern uͤberleitet, es ist damit zugleich das Ende . Jene Reflexion, daß das Seyn nicht sich selbst gleich, sondern vielmehr sich schlechthin ungleich ist, ist, von der letztern Seite betrachtet, allerdings insofern ein zweyter, neuer Anfang, aber zugleich ein anderer Anfang, wodurch der erste aufgehoben wird. Diß ist, wie schon oben erinnert worden, die wahre Bedeu- tung des Fortgehens uͤberhaupt. Der Fortgang von dem, was Anfang ist, ist in der Philosophie zugleich der Ruͤck- gang zu seiner Quelle, zu seinem wahrhaften Anfang. Somit beginnt im Hinausgehen uͤber den Anfang zugleich ein Erstes Buch . I. Abschnitt . ein neuer Anfang, und das Erste zeigt sich damit als nicht der wahrhafte. Diese Seite also, daß die Re- flexion, welche das Seyn dem Nichts gleich setzt, ein neuer Anfang ist, wird zugegeben, und sie ist, wie er- hellt, selbst nothwendig. Aber umgekehrt ist dieser neue Anfang, so sehr als der erste, nicht ein absoluter; denn er bezieht sich auf den ersten. Aus diesem Grunde aber muß es in dem ersten selbst liegen, daß ein anderes sich auf ihn bezieht; er muß also ein Bestimmtes seyn. — Er ist aber das Unmittelbare, das noch schlechthin Unbe- stimmte. Aber eben diese Unbestimmtheit ist das, was seine Bestimmtheit ausmacht, denn die Unbestimmt- heit ist der Bestimmtheit entgegengesetzt, sie ist somit als Entgegengesetztes selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar die reine Negativitaͤt. Diese Unbestimmt- heit oder Negativitaͤt, welche das Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die Reflexion ausspricht, indem sie es dem Nichts gleichsetzt. — Oder kann man sich ausdruͤk- ken, weil das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die Bestimmung, welche es ist, also nicht Seyn, sondern Nichts. Ansich also, das heißt, in der wesentlichen Re- flexion ist der Uebergang nicht unmittelbar; aber er ist noch verborgen. Hier ist nur seine Unmittelbarkeit vor- handen; weil das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts unmittelbar an ihm hervor. — Eine bestimmtere Vermittlung ist diejenige, von der die Wis- senschaft selbst, und ihr Anfang, das reine Seyn, ihr Daseyn hat. Das Wissen hat das Element des reinen Denkens dadurch erreicht, daß es alle Mannichfaltigkeit des vielfach bestimmten Bewußtseyns in sich aufgehoben hat. Die ganze Sphaͤre des Wissens enthaͤlt also als ihr wesentliches Moment, die absolute Abstraction und Negativitaͤt ; das Seyn, ihr Anfang ist diese reine Abstra- Qualitaͤt . Abstraction selbst, oder ist wesentlich nur als absolutes Nichts. Diese Erinnerung liegt aber hinter der Wissenschaft, welche innerhalb ihrer selbst, nemlich vom Wesen aus, jene einseitige Unmittelbarkeit des Seyns als eine Ver- mittelte darstellen wird. Insofern aber jenes Hervorbrechen des Nichts und die Betrachtung des Seyns, was es an sich ist, ver- schmaͤht wird, so ist nichts als das reine Seyn vor- handen. Es wird an ihm festgehalten, wie es Anfang und zugleich Ende ist, und in seiner unmittelbaren Unmittel- barkeit sich der Reflexion weigert, welche es uͤber es selbst hinausfuͤhrt, daß es nemlich das Unbestimmte, das Leere ist. In diese reine Unmittelbarkeit scheint nichts einbrechen zu koͤnnen. Da diese Behauptung des Reflexionslosen Seyns an dem bloß unmittelbaren festhaͤlt, an dem, als was das Seyn gesetzt oder wie es vorhanden ist, so ist sich auch daran zu halten, und zu sehen, wie diß Seyn denn vor- handen ist. Weil nun das Seyn das Nichts ist, so muß sich diß an seiner Unmittelbarkeit darstellen. Nehmen wir die Behauptung des reinen Seyns α) in der Form auf, wie sie am weitesten aus dem Meynen herausgetreten ist, als den Satz: Das Seyn ist das Absolute ; so wird vom Seyn etwas aus- gesagt, das von ihm unterschieden ist. Das von ihm Unterschiedene ist ein Anderes als es; das Andre aber enthaͤlt das Nichts dessen, dessen Andres es ist. Was somit in diesem Satze vorhanden ist, ist nicht das reine Seyn, sondern das Seyn eben so sehr in Beziehung auf sein Nichts. — Das Absolute wird von ihm unterschie- den; Erstes Buch . I. Abschnitt . den; indem aber gesagt wird, es sey das Absolute, so wird auch gesagt, sie seyen nicht unterschieden. Es ist also nicht das reine Seyn, sondern die Bewegung vor- handen, welche das Werden ist. β) Bedeutet nun das reine Seyn gerade so viel als das Absolute, oder auch bedeutet es nur eine Seite oder Theil desselben, und wird nur diese festgehalten, so wird ihr Unterschied weggelassen, der vorhin die Reinheit des Seyns truͤbte, und die Verschiedenheit als bloß des Wortes oder als Verbindung mit einem unnuͤtzen Theile verschwindet. Der Satz heißt nunmehr: Das Seyn ist das Seyn . — Von dieser Identitaͤt, wovon unten die Re- de seyn wird, erhellt so viel unmittelbar, daß sie, wie jede Tavtologie, Nichts sagt. Was also vorhanden ist, ist ein Sagen, das ein Nichts-Sagen ist; es ist hier so- mit dieselbe Bewegung, das Werden, vorhanden, nur daß statt des Seyns ein Sagen sie durchlaͤuft. γ) Das tavtologische Praͤdikat weggelassen, so bleibt der Satz: Das Seyn ist . Hier ist wieder das Seyn selbst, und das Seyn desselben unterschieden; es soll durch das ist etwas weiteres und somit anderes gesagt werden, als das Seyn. Wird aber durch das ist nicht ein Andersseyn, und somit nicht ein Nichts des reinen Seyns gesetzt, so ist diß ist als unnuͤtz gleichfalls wegzulassen, und nur zu sprechen: reines Seyn. δ) Reines Seyn , oder vielmehr nur Seyn ; satzlos ohne Behauptung oder Praͤdikat. Oder die Be- hauptung ist in das Meynen zuruͤckgegangen. Seyn , ist nur noch ein Ausruf, der seine Bedeutung allein in dem Subject hat. Je tiefer und reicher diese innre An- schau- Qualitaͤt . schauung ist, wenn sie das Heilige, Ewige, Gott u. s. w. in sich fassen soll, — desto mehr sticht diß Innre von dem ab, als was es da ist, von dem ausgesprochenen leeren Seyn, das gegen jenen Inhalt Nichts ist; es hat an seiner Bedeutung und seinem Daseyn, den Unterschied von sich selbst. Von der andern Seite betrachtet, diß Seyn ohne Beziehung auf Bedeutung, wie es unmittelbar ist und unmittelbar genommen werden soll, gehoͤrt es einem Sub- jecte an; es ist ein ausgesprochenes, hat empirisches Daseyn uͤberhaupt, und gehoͤrt damit zum Boden der Schranken und des Negativen. — Der gesunde Men- schenverstand, wenn er sich gegen die Einheit des Seyns und Nichts straͤubt, und zugleich sich auf das, was un- mittelbar vorhanden ist, beruft, wird eben in dieser Er- fahrung selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke oder Negation, — jene Einheit finden, die er verwirft. So reducirt sich die Behauptung des unmittelbaren Seyns auf eine empirische Existenz, deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die Re- flexionslose Unmittelbarkeit ist, an die sie sich halten will. Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts , nur auf entgegengesetzte Weise; es zeigt sich in seiner Unmittel- barkeit genommen als seyend ; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das Nichts wird gedacht, vorgestellt; es wird von ihm gesprochen; es ist also. Das Nichts hat an dem Denken, Vorstellen u. s. f. sein Seyn. Diß Seyn aber ist von ihm unterschieden; es wird daher gesagt, daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß darum nicht es ist , daß nur Denken oder Vorstellen dieses Seyn ist. Bey diesem Unterscheiden ist aber eben so sehr nicht zu leugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein Seyn steht; aber in E der Erstes Buch . I. Abschnitt . der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied enthaͤlt, ist eine Einheit desselben mit dem Seyn vorhanden. Das reine Nichts ist noch nicht das Negative, die Reflexionsbestimmung gegen das Positive; noch auch die Schranke; in diesen Bestimmungen hat es unmittelbar die Bedeutung der Beziehung auf sein Anderes. Sondern das Nichts ist hier die reine Abwesenheit des Seyns, das nihil privativum, wie die Finsterniß die Abwesen- heit des Lichts ist. Wenn sich nun ergab, daß das Nichts dasselbe ist, als das Seyn, so wird dagegen fest- gehalten, daß das Nichts kein Seyn fuͤr sich selbst hat, daß es nur, wie gesagt, Abwesenheit des Seyns ist, wie die Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, welche Bedeutung nur hat in der Beziehung aufs Auge, in Ver- gleichung mit dem positiven, dem Lichte. — Diß alles heißt aber nichts anders, als daß die Abstraction des Nichts nichts an und fuͤr sich ist, sondern nur in Be- ziehung auf das Seyn, oder dasselbe, was sich ergeben hat, daß die Wahrheit nur seine Einheit mit dem Seyn ist, — daß die Finsterniß nur etwas ist in Beziehung auf Licht, wie umgekehrt Seyn nur etwas ist in Beziehung auf Nichts. Wenn auch die Beziehung oberflaͤchlich und aͤusserlich genommen und in ihr vornemlich bey der Unter- schiedenheit stehen geblieben wird, so ist doch die Einheit der Bezogenen wesentlich als ein Moment darin enthalten, und daß jedes nur etwas ist in der Beziehung auf sein anderes, damit wird gerade der Uebergang des Seyns und des Nichts ins Daseyn ausgesprochen. Anmerkung 3. Das Seyn ist Nichts, das Nichts ist Seyn . Es ist schon bemerkt worden, daß der Ausdruck speculativer Wahrheit durch die Form von einfachen Saͤtzen, Qualitaͤt . Saͤtzen, unvollkommen ist. Hier muͤßten noch die Saͤtze hinzugefuͤgt werden: Das Seyn ist nicht Nichts, das Nichts ist nicht Seyn ; damit auch der Unterschied ausgedruͤckt sey, der in jenen Saͤtzen nur vorhan- den ist. — Diese Saͤtze geben das, was gesagt wer- den soll, vollstaͤndig, aber nicht wie es zusammengefaßt werden soll, und im Werden zusammengefaßt ist. In jene ersten Saͤtze nun koͤnnen andere Denk- verhaͤltnisse hineingebracht werden. Sie koͤnnen so ausgesprochen werden: Was ist, wird darum zu Nichts, weil das Seyn das Nichts ist. Was nicht ist, wird darum zu Etwas, weil das Nichts Seyn ist. Oder unmittelbar: Was ist, wird darum zunichte, weil es ist. Was nicht ist, wird darum zum Seyenden, weil es nicht ist. Der Grund, daß irgend Etwas zum Seyenden werde, weil es nicht sey, und daß das Seyende ver- schwinde, weil es ist, erscheint schon deswegen als un- befriedigend, weil er abstract und leer ist, unter dem Et- was aber ein concretes, empirisches Ding verstanden wird. So wahr jene Saͤtze sind, so kann, wie von ei- nem solchen Daseyn die Rede ist, der Grund nicht bloß leeres Seyn oder Nichtseyn oder eine leere Beziehung derselben aufeinander seyn, sondern muß die vollstaͤndige Bestimmtheit des Inhalts haben, um ihn daraus zu be- greifen. Das Verhaͤltniß des Grundes uͤberhaupt ist ei- ne weitere, vollkommenere Bestimmung der Beziehung des Seyns und des Nichtseyns aufeinander; es kann E 2 auf Erstes Buch . I. Abschnitt . auf diese Beziehung, wie sie hier ist, nicht angewendet werden, weil sie vielmehr eine Einheit von reinen, be- stimmungslosen Abstractionen, also wesentlich noch keine Vermittlung ist. Wuͤrde das Verhaͤltniß der Bedingung herbey- gezogen, so gaͤbe die Beziehung des Seyns und Nicht- seyns die Saͤtze: Etwas kann nur unter der Bedingung in das Nichts uͤbergehen, daß es ist; und nur unter der Bedingung in das Seyn, daß es nicht ist. Diese Saͤtze sind leere Tavtologien; denn da darin ein Uebergehen ins Entgegengesetzte angenommen ist, so ist gewiß, damit das Entgegengesetzte, das Seyn sey, noͤthig, daß sein Entgegengesetztes, das Nichts, sey. Anderntheils insofern der Zusammenhang dieses Ueber- gangs in das Verhaͤltniß der Bedingung gesetzt wird, wird ihre eigentliche Einheit aufgehoben; denn die Bedin- gung ist zwar ein Nothwendiges fuͤr das Bedingte, aber nicht das Setzende desselben; es muß erst ein Drittes hinzukommen, welches den Uebergang bewirkt. Durch die Einmischung der Bedingung werden also Seyn und Nichts auseinander geruͤckt, und ein Drittes, das ausser ihnen faͤllt, fuͤr ihre Beziehung gefodert. Das Werden aber ist eine solche Einheit derselben, die in der Natur eines jeden selbst liegt; das Seyn ist an und fuͤr sich selbst das Nichts, und das Nichts an und fuͤr sich selbst das Seyn. Anmerkung 4. Es geht aus dem bisherigen hervor, welche Be- wandniß es mit der gewoͤhnlichen Dialektik ge- gen Qualitaͤt . gen das Werden , oder gegen den Anfang und Un- tergang, Entstehen oder Vergehen hat. — Die Kanti- sche Antinomie uͤber die Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt in Raum und Zeit wird unten bey dem Begriffe der Unendlichkeit naͤher betrachtet werden. — Jene ein- fache gewoͤhnliche Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und Nichts. Es wird auf fol- gende Art bewiesen, daß kein Anfang der Welt oder von Etwas moͤglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, faͤngt es nicht erst an; insofern es aber nicht ist, faͤngt es auch nicht an. — Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so haͤtte sie im Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang; denn Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthaͤlt kein Seyn. — Aus demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhoͤren. Denn so muͤßte das Seyn das Nichts enthal- ten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das Gegeutheil sei- ner selbst. Werden aber, oder Anfangen und Aufhoͤren sind gerade diese Einheit des Seyns und Nichts, gegen welche diese Dialektik nichts vorbringt, als sie assertorisch zu laͤugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von dem andern, Wahrheit zuzuschreiben. — Dem ge- woͤhnlichen reflectirenden Vorstellen, gilt es fuͤr vollkom- mene Wahrheit, daß Seyn und Nichts, nicht eines seyen; auf der andern Seite aber laͤßt es ein Anfangen und Aufhoͤren, als eben so wahrhafte Bestimmungen gel- ten; aber in diesen nimmt es in der That eine Einheit des Seyns und Nichts fuͤr wahrhaft an. Indem die absolute Geschiedenheit des Seyns vom Nichts vorausgesetzt wird, so ist — was man so oft hoͤrt — der Erstes Buch . I. Abschnitt . der Anfang oder das Werden allerdings etwas unbegreif- liches; denn man macht eine Voraussetzung, welche den Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch auch wieder zugibt. Das Angefuͤhrte ist dieselbe Dialektik, die der Ver- stand gegen den Begriff braucht, die hoͤhere Analysis von den unendlich-kleinen Groͤßen hat. Der Aus- druck: unendlich-klein hat uͤbrigens etwas unge- schicktes, und es wird von diesem Begriffe weiter unten ausfuͤhrlicher gehandelt. — Diese Groͤßen sind als solche bestimmt worden, die in ihrem Verschwinden sind , nicht vor ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie endliche Groͤßen; — nicht nach ihrem Ver- schwinden, denn alsdann sind sie nichts. Gegen diesen reinen Begriff ist bekanntlich eingewendet und immer wiederhohlt worden, daß solche Groͤßen entweder Et- was seyen, oder Nichts; daß es keinen Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender, barbarischer Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe. — Es ist hiebey gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen. Dagegen ist aber gezeigt worden, daß Seyn und Nichts in der That dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, daß es gar nichts gibt , das nicht ein Werden, das nicht ein Mittelzustand zwi- schen Seyn und Nichts ist. Da das angefuͤhrte Raͤsonnement die falsche Vor- aussetzung der absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, ist es auch nicht Dialektik , son- dern Sophisterey zu nennen; denn Sophisterey ist ein Raͤsonnement aus einer grundlosen Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten laͤßt; Dia- lektik aber nennen wir die hoͤhere vernuͤnftige Bewegung, in welche solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, Qualitaͤt . selbst, und darin in einander uͤbergehen. Es ist die dia- lektische Natur des Seyus und Nichts selbst, daß sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen. 2. Momente des Werdens . Das Werden ist die Einheit des Seyns und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstra- hirt; sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist . Aber indem Seyn und Nichts, jedes in der Einheit mit seinem Andern ist, ist es nicht . Sie sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als aufgehobene . Sie sind als nicht seyende ; oder sind Mo- mente . — Der Vorstellung bieten sie sich zunaͤchst dar, als solche, deren jedes fuͤr sich getrennt von dem andern selbststaͤndig ist, und sie sind nur Seyn und Nichts in dieser Trennung. Aber indem beyde dasselbe sind, sinken sie von der Selbststaͤndigkeit zu Momenten herab, indem sie uͤberhaupt zunaͤchst noch als unterschie- dene, aber zugleich als aufgehobene betrachtet werden. Indem Seyn und Nichts in Einem sind , so sind sie darin unterschieden; aber so daß zugleich jedes in seiner Unterschiedenheit, Einheit mit dem andern ist. Das Werden enthaͤlt also zwey solche Einheiten; jede ist Einheit des Seyns und des Nichts; aber die eine ist das Seyn als Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts als Beziehung auf das Seyn: die beyden Bestimmungen sind in ungleichem Werthe in diesen Ein- heiten. Das Erstes Buch . I. Abschnitt . Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Be- stimmung; als anfangend vom Nichts, das sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe uͤbergeht, oder vom Seyn, das in das Nichts uͤbergeht, — Entstehen und Vergehen . Aber diese so unterschiedenen Richtungen durchdrin- gen und paralysiren sich gegenseitig. Die eine ist Ver- gehen ; Seyn geht in Nichts uͤber, aber Nichts ist eben so sehr das Gegentheil seiner selbst und vielmehr das Uebergehen in Seyn, oder Entstehen. Diß Ent- stehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn uͤber, aber Seyn hebt eben so sehr sich selbst auf und ist viel- mehr das Uebergehen in Nichts, oder Vergehen. Entstehen und Vergehen sind daher nicht ein ver- schiedenes Werden, sondern unmittelbar Eines und das- selbe: Sie heben sich auch nicht gegenseitig, nicht das eine aͤusserlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an sich selbst auf, und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner. 3. Aufheben des Werdens . Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Ver- gehen setzen, ist zunaͤchst das Werden selbst. Aber die- ses geht eben so in ruhige Einheit zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende; aber das Werden als solches ist nur durch die Unter- schiedenheit derselben. Ihr Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens, oder Verschwinden des Verschwindens selbst. Das Werden ist also eine hal- tungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammen- sinkt. Diß Qualitaͤt . Diß koͤnnte auch so ausgedruͤckt werden: Das Werden ist das Verschwinden von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das Verschwinden von Seyn und Nichts uͤberhaupt; aber es beruht zugleich auf dem Unterschiede derselben. Es widerspricht sich also in sich selbst, weil es solches in sich vereint, das sich entgegen- gesetzt ist; eine solche Vereinigung aber zerstoͤrt sich. Diß Resultat ist das Verschwundenseyn nicht als Nichts ; so waͤre es nur ein Ruͤckfall in die eine der schon aufgehobenen Bestimmungen. Sondern es ist die zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Im Werden selbst ist sowohl Seyn als Nichts, je- des auf gleiche Weise vielmehr nur als das Nichts seiner selbst. Werden ist die Einheit als Verschwinden, oder die Einheit in der Bestimmung des Nichts . Aber diß Nichts ist wesentliches Uebergehen ins Seyn, und das Werden also Uebergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche als seyend ist, oder die Gestalt der unmittelbaren Einheit dieser Momente hat; das Daseyn . Anmerkung . Aufheben und das Aufgehobene ist einer der wichtigsten Begriffe der Philosophie, eine Grundbestim- mung, die schlechthin allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen, und besonders vom Nichts zu unterscheiden ist. — Was sich aufhebt, wird dadurch nicht zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare ; ein Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes , es ist das Nichtseyende, aber als Resultat , das von einem Seyn ausgegangen ist. Es hat daher die Bestim- mung, aus der es herkommt, noch an sich . Auf- Erstes Buch . I. Abschnitt . Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als aufbewahren, erhalten be- deutet, und so viel als aufhoͤren lassen, ein Ende ma- chen . Das Aufbewahren schließt schon das Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem den aͤusserlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnom- men wird, um es zu erhalten. — So ist das Aufgeho- bene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur seine Unmittel- barkeit verloren hat, aber darum nicht verschwunden ist. Das Aufgehobene genauer bestimmt, so ist hier et- was nur insofern aufgehoben, als es in die Einheit mit seinem Entgegengesetzten getreten ist; es ist in dieser naͤ- hern Bestimmung ein reflectirtes, und kann passend Moment genannt werden. — Wie noch oͤfter die Be- merkung sich aufdringen wird, daß die philosophische Kunstsprache, fuͤr reflectirte Bestimmungen lateinische Ausdruͤcke gebraucht. Der naͤhere Sinn aber und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr Momente sind, er- halten, hat sich bey der Betrachtung des Daseyns, als der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, naͤher zu erge- ben. Seyn ist Seyn, und Nichts ist Nichts, nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in ihrer Wahrheit aber, in ihrer Einheit sind sie als diese Bestimmungen verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und Nichts sind dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht mehr Seyn und Nichts, und haben eine ver- schiedene Bestimmung; im Werden waren sie Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders bestimmten Einheit sind sie wieder anders bestimmte Momente. Zwey- Qualitaͤt . Zweytes Kapitel. Das Daseyn . Daseyn ist bestimmtes Seyn. Das Daseyn selbst ist zugleich von seiner Bestimmtheit unterschie- den. In der Bestimmtheit tritt der Begriff der Qualitaͤt ein. Aber die Bestimmtheit geht in Be- schaffenheit und Veraͤnderung, und dann in den Ge- gensatz des Endlichen und Unendlichen uͤber, der sich in dem Fuͤrsichseyn aufloͤst. Die Abhandlung des Daseyns hat also die drey Abtheilungen A) des Daseyns als solchen ; B) der Bestimmtheit ; C) der qualitativen Unendlichkeit . A. Daseyn als solches . Das Daseyn als solches bestimmt sich an ihm selbst, zu dem Unterschiede der Momente des Seyns-fuͤr-an- deres , und des Ansichseyns , oder es bestimmt sich, indem es deren Einheit ist, als Realitaͤt ; und weiter zum Daseyenden oder Etwas . 1. Daseyn uͤberhaupt . Daseyn ist das einfache Einsseyn des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, die Form Erstes Buch . I. Abschnitt . Form von einem Unmittelbaren . Seine Vermitt- lung, das Werden, liegt hinter ihm; sie hat sich aufge- hoben, und das Daseyn erscheint daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn . Etymologisch genommen, Seyn an einem gewissen Or- te ; aber die Raumvorstellung gehoͤrt nicht hieher. Da- seyn ist, nach seinem Werden, uͤberhaupt Seyn mit einem Nichtseyn , aber so daß diß Nichtseyn in ein- fache Einheit mit dem Seyn aufgenommen ist; das Da- seyn ist bestimmtes Seyn uͤberhaupt. Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts, eins sind, gehen sie nicht uͤbereinan- der hinaus; sondern so weit das Daseyende seyend ist, so ist es Nichtseyendes, so weit ist es Bestimmtes. Das Seyn ist nicht das Allgemeine , die Bestimmtheit nicht das Besondere . Die Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Seyn abgeloͤst; oder vielmehr wird sie sich nicht mehr von ihm abloͤsen; denn das nunmehr zum Grunde liegende Wahre ist diese Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr als dem Grunde ergeben sich alle fernern Bestimmungen. Das Seyn, das der Be- stimmtheit fernerhin entgegentritt, ist nicht mehr das er- ste, unmittelbare Seyn. 2. Realitaͤt . Das Daseyn ist Seyn mit einem Nichtseyn. Als unmittelbare Einheit aber des Seyns und Nichts ist es vielmehr in der Bestimmung des Seyns , und das Gesetztseyn dieser Einheit ist daher unvollstaͤndig; denn sie enthaͤlt nicht nur das Seyn, sondern auch das Nichts. 2) An- Qualitaͤt . a) Andersseyn . Das Daseyn ist daher erstens jene Einheit nicht nur als Seyn, sondern so wesentlich als Nichtseyn. Oder jene Einheit ist nicht nur seyendes Daseyn, sondern auch nichtseyendes Daseyn; Nichtdaseyn . Es ist beym Uebergang des Seyns in Nichts erin- nert worden, inwiefern er unmittelbar ist. Das Nichts ist am Seyn noch nicht gesetzt , ob zwar Seyn we- sentlich Nichts ist. Das Daseyn hingegen enthaͤlt das Nichts schon in ihm selbst gesetzt, und ist dadurch der eigne Maßstab seiner Unvollstaͤndigkeit, und damit an ihm selbst die Nothwendigkeit, als Nichtdaseyn gesetzt zu werden. Zweytens , das Nichtdaseyn ist nicht reines Nichts; denn es ist ein Nichts als des Daseyns . Und diese Verneinung ist aus dem Daseyn selbst genom- men; aber in diesem ist sie vereinigt mit dem Seyn. Das Nichtdaseyn ist daher selbst ein Seyn; es ist seyendes Nichtdaseyn . Ein seyendes Nichtda- seyn aber ist selbst Daseyn. Diß zweyte Daseyn ist jedoch zugleich nicht Daseyn auf dieselbe Weise, wie als zuerst; denn es ist eben so sehr Nichtdaseyn; Daseyn als Nichtdaseyn; Daseyn als das Nichts seiner selbst, so daß diß Nichts seiner selbst gleichfalls Daseyn ist. — Oder das Daseyn ist wesentlich Andersseyn . Oder kurz mit sich selbst verglichen, so ist Daseyn, unmittelbare einfache Einheit des Seyns und Nichts; aber weil es Einheit des Seyns und Nichts ist, so ist es vielmehr nicht sich selbst gleiche Einheit, son- dern sich schlechthin ungleich, oder ist das Anders- seyn . Das Erstes Buch . I. Abschnitt . Das Andersseyn ist zunaͤchst Andersseyn an und fuͤr sich, nicht das Andre von Etwas, so daß das Da- seyn dem Andern noch gegenuͤber stehen geblieben waͤre, und daß wir haͤtten, ein Daseyn, und ein anderes Daseyn. Denn das Daseyn ist uͤberhaupt uͤbergegangen in Andersseyn. Das Andersseyn ist selbst Daseyn; aber Daseyn als solches ist das Unmittelbare; diese Unmittel- barkeit ist aber nicht geblieben, sondern das Daseyn ist nur Daseyn als Nichtdaseyn, oder es ist Andersseyn. Wie Seyn in Nichts uͤberging, so Daseyn in An- dersseyn; Andersseyn ist das Nichts, aber als Bezie- hung. Anderes ist Nichtdiß ; aber diß ist gleichfalls ein Anderes , also auch Nichtdiß. Es ist kein Daseyn, das nicht zugleich als Anderes bestimmt waͤre, oder eine negative Beziehung haͤtte. Die Vorstellung gibt diß gleichfalls zu. Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B ; so ist zu- naͤchst B als das Andere bestimmt. Allein A ist eben so sehr das Andere des B . Beyde sind andere. Hiebey erscheint aber das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn fremde Bestimmung, oder das An- dere ausser dem einen Daseyn; theils so, daß ein Da- seyn erst durch die Vergleichung eines Dritten, als an- deres bestimmt werde, fuͤr sich aber nicht ein anderes sey, theils so, daß es nur um des andern willen, das ausser ihm ist, als anderes bestimmt werde, aber nicht an und fuͤr sich. Allein in der That bestimmt sich jedes Daseyn auch fuͤr die Vorstellung eben so sehr als ein an- deres Daseyn, so daß ihm nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein Daseyn, nicht als ein anderes bestimmt waͤ- re; oder nicht ein Daseyn, das nicht ausserhalb eines Daseyns, also nicht selbst ein Anderes waͤre. — Die Vor- Qualitaͤt . Vorstellung kommt zwar zur Allgemeinheit einer Bestim- mung, nicht zur Nothwendigkeit derselben an und fuͤr sich selbst. Diese Nothwendigkeit aber liegt darin, daß es sich am Begriffe des Daseyns gezeigt hat, daß das Da- seyn als solches an und fuͤr sich das Andre ist, daß es sein Andersseyn in sich selbst enthaͤlt. — Aber das An- dersseyn ist das Nichts wesentlich als Beziehung, oder ist das Trennen, Entfernen von sich selbst, daher diese Bestimmung des Andersseyns sich das Daseyn gegenuͤber- stellt; welche Seite allein der Vorstellung vorschwebt. Drittens : Das Daseyn selbst ist wesentlich An- dersseyn; es ist darein uͤbergegangen. Das Andere ist so unmittelbar, nicht Beziehung auf ein ausser ihm Befindliches , sondern Anderes anundfuͤrsich. Aber so ist es das Andre seiner selbst . — Als das Andre seiner selbst ist es auch Daseyn uͤberhaupt oder unmittel- bar. Das Daseyn verschwindet also nicht in seinem Nichtdaseyn, in seinem Andern; denn diß ist das Andre seiner selbst; und das Nichtdaseyn ist selbst Daseyn. Das Daseyn erhaͤlt sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich eins mit ihm, und wesentlich nicht eins mit ihm. Das Daseyn steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein sein Andersseyn; das Andersseyn ist zugleich wesentlich in ihm enthalten, und zugleich noch davon getrennt ; es ist Seyn-fuͤr- Anderes . b) Seyn-fuͤr-Anderes und Ansichseyn . 1. Seyn-fuͤr-Anderes macht die wahrhafte Bestimmung des Daseyns aus. Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in der Be- stimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in Erstes Buch . I. Abschnitt . in sich schliessend, ist wesentlich bestimmtes Seyn, verneintes Seyn, Anderes, — aber weil es sich in sei- ner Verneinung zugleich auch erhaͤlt, nur Seyn-fuͤr- Anderes . 2. Als reines Seyn-fuͤr-Anderes ist das Daseyn eigentlich nur uͤbergehend in das Andersseyn. Es erhaͤlt sich aber auch in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn. Es ist aber nicht nur Seyn uͤberhaupt, sondern im Gegen- satze gegen sein Nichtdaseyn; ein Seyn als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf Anderes, als Gleich- heit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein solches Seyn ist das Ansichseyn . 3. Seyn-fuͤr-Anderes und Ansichseyn machen die zwey Momente des Daseyns aus. Es sind zwey Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Daseyn und Anderes; 2) Seyn-fuͤr-Anderes, und Ansichseyn . Die erstern enthalten die gleichguͤl- tige, beziehungslose Bestimmung; Daseyn und ein Ande- res fallen auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung; das Seyn-fuͤr-Anderes, und das Ansich- seyn sind daher jene Bestimmungen als Momente; als Bestimmungen, welche Beziehungen sind, und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns bleiben; oder jedes selbst enthaͤlt an ihm zugleich auch sein von ihm verschie- denes Moment. Es ist oben erinnert worden, daß Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, nicht mehr Seyn und Nichts sind, — denn diß sind sie nur ausser ihrer Einheit; so Seyn und Nichts, in ihrer unruhigen Ein- heit, im Werden, sind Entstehen und Vergehen. — Seyn im Daseyn, ist Ansichseyn . Denn Seyn ist die Beziehung auf sich, die Gleichheit mit sich, die aber itzt nicht Qualitaͤt . nicht mehr unmittelbar ist, sondern sie ist Beziehung auf sich nur als Nichtseyn des Nichtdaseyns; (als reflectirtes Daseyn). — Eben so ist Nichtseyn als Moment des Da- seyns, in dieser Einheit des Seyns und Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn uͤberhaupt, sondern unmittelbar Ande- res, und bestimmter, Beziehung auf das Nichtdaseyn oder Seyn-fuͤr-Anderes. Also Ansichseyn ist erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn, es hat das Andersseyn ausser ihm und ist demselben entgegen; insofern etwas an sich ist, ist es dem Andersseyn und dem Seyn-fuͤr-Anderes ent- nommen. Aber zweytens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm; denn es selbst ist das Nichtseyn des Seyns-fuͤr-Anderes. Das Seyn-fuͤr-Anderes aber ist erstlich Ne- gation des Seyns, im Daseyn; insofern etwas in einem Andern oder fuͤr ein Anderes ist, entbehrt es des eigenen Seyns. Aber zweytens ist es nicht das Nichtdaseyn als reines Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansich- seyn hinweist, so wie umgekehrt das Ansichseyn auf das Seyn-fuͤr-Anderes hinweist. c) Realitaͤt . Ansichseyn und Seyn-fuͤr-Anderes sind die Mo- mente oder innern Unterschiede des Daseyns. Sie sind das Seyn und Nichts unterschieden im Daseyn. Oder durch diesen Unterschied ist das Daseyn nicht aufgeloͤst; sondern diese Momente sind wesentlich in der Einheit ge- halten, welche Daseyn ist; denn sie sind selbst, wie so eben gezeigt, diese Einheiten. Das Daseyn selbst ist zunaͤchst unmittelbare, ein- fache Einheit des Seyns und Nichts. Insofern sich F Seyn Erstes Buch . I. Abschnitt . Seyn und Nichts naͤher in ihm als die so eben betrach- teten Momente bestimmt haben, ist es nicht mehr in der ersten Form der Unmittelbarkeit, sondern ist reflectirtes Daseyn; es ist Daseyn, insofern es sich als Ansichseyn und als Seyn-fuͤr-Anderes bestimmt hat, und die Ein- heit von ihnen als seinen Momenten ist. Als diß re- flectirte Daseyn ist es Realitaͤt . Anmerkung . Realitaͤt kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von sehr verschiedenen, ja entgegenge- setzten Bestimmungen gebraucht wird. Wenn von Ge- danken, Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realitaͤt , so heißt diß hier, daß ihnen kein aͤusserliches Daseyn, keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe koͤnne die Idee einer platoni- schen Republik z. B., wohl wahr seyn. — Umgekehrt wenn z. B. nur der Schein des Reichthums im Aufwand vorhanden ist, wird gleichfalls gesagt, es fehle die Realitaͤt , es wird verstanden, daß jener Aufwand nur ein aͤusserliches Daseyn sey, das keinen innern Grund hat. Von gewissen Beschaͤftigungen wird gesagt, sie seyen keine reelle Beschaͤftigungen, nemlich keine solche, die Werth an sich haben; — oder von Gruͤnden, sie seyen nicht reell, insofern sie nicht aus dem Wesen der Sache geschoͤpft sind. Das einemal ist also unter Realitaͤt das aͤusser- liche Daseyn , das anderemal das Ansichseyn ver- standen. Allein diß ist nicht eine verschiedene oder ent- gegengesetzte Bedeutung der Realitaͤt, sondern vielmehr nur Eine, weil die Realitaͤt wesentlich jene beyde Bestim- mungen in sich schließt. Wenn also nur das Ansich- seyn, oder nur das Seyn-fuͤr-Anderes vorhanden ist, so Qualitaͤt . so wird die Realitaͤt darum vermißt, weil jede dieser Bestimmungen fuͤr sich einseitig, sie aber die Totalitaͤt ist, welche beyde fodert. Auch das An-sich hat zum Theil diese Doppelbe- deutung. An-sich ist etwas, insofern es aus dem Seyn- fuͤr-Anderes heraus, in sich zuruͤckgekehrt ist. Aber Et- was hat auch eine Bestimmung oder Umstand an sich (hier faͤllt der Accent auf an ) oder an ihm , insofern dieser Umstand aͤusserlich an ihm, ein Seyn-fuͤr-Ande- res ist. Dieses beydes ist in dem Daseyn oder der Realitaͤt vereinigt. Das Daseyn ist sowohl an sich, als es etwas an ihm hat, oder Seyn-fuͤr-Anderes ist. Aber daß das Daseyn das, was es an sich ist, auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als Seyn-fuͤr-Anderes ist, auch an sich ist, — diß betrift die Identitaͤt des Ansichseyns und Seyns-fuͤr-Anderes, vornemlich einem Inhalte nach, und ergibt sich formell zum Theil schon in der Sphaͤre des Daseyns, insofern die Bestim- mung in Beschaffenheit uͤbergeht, aber ausdruͤck- licher in der Betrachtung des Wesens und des Verhaͤlt- nisses der Innerlichkeit und Aeusserlichkeit , und dann am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des Begriffs und der Wirklichkeit. Es zeigt sich hier aber schon vorlaͤufig auch der Sinn des Dings-an-sich , das eine sehr einfache Ab- straction ist, aber eine Zeitlang eine sehr wichtige Be- stimmung, so wie, der Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine vielgeltende Weisheit war. — Die Dinge heissen an-sich , insofern von allem Seyn- fuͤr-Anderes abstrahirt wird, das heißt uͤberhaupt, in- sofern sie ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht F 2 wer- Erstes Buch . I. Abschnitt . werden. In diesem Sinn kann man freylich nicht wis- sen, was das Ding an-sich ist. Denn die Frage: was ? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem es aber zugleich Dinge-an-sich seyn sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in die Frage gedan- kenloserweise die Unmoͤglichkeit der Beantwortung gelegt, oder man macht eine widersprechende Antwort. Das Ding-an-sich ist dasselbe, was jenes Absolute, von dem man nichts weiß, als daß Alles eins in ihm ist. Was aber das Ding-an-sich in Wahrheit ist, oder vielmehr was uͤberhaupt an sich ist, davon ist die Logik selbst die Darstellung. Wenn von einem bestimmten Dinge ge- fragt wird, was es an sich sey, so ist die einfache logi- sche Antwort, daß es das an sich ist, was es in seinem Begriffe ist. Es kann hier der vormalige metaphysische Begrif von Gott , der vornemlich dem sogenannten ontologi- schen Beweise vom Daseyn Gottes zu Grunde gelegt wur- de, erwaͤhnt werden. Gott wurde nemlich als der Inbegriff aller Realitaͤten bestimmt, und von diesem Inbegriffe gesagt, daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der Realitaͤten die andere auf- hebe; denn sie sey nur als eine Vollkommenheit, als ein Positives zu nehmen, das keine Negation enthalte. So- mit seyen die Realitaͤten sich nicht entgegengesetzt und wi- dersprechen sich nicht. Bey diesem Begriffe der Realitaͤt wird also ange- nommen, daß sie dann noch bleibe, insofern alle Nega- tion, damit aber alle Bestimmtheit derselben aufgehoben sey. Allein sie ist das Daseyn uͤberhaupt; sie enthaͤlt das Nichtseyn als Seyn-fuͤr-Anderes, und naͤher die Grenze oder Bestimmtheit . Die Realitaͤt, die im sogenannten eminenten Sinne oder als unend- liche Qualitaͤt . liche , — in der gewoͤhnlichen Bedeutung des Worts, — genommen werden soll, wird ins Bestimmungslose erwei- tert, und verliert ihre Bedeutung. Die Guͤte Gottes solle nicht Guͤte im gewoͤhnlichen, sondern im eminenten Sinne, nicht verschieden von der Gerechtigkeit, sondern durch sie temperirt seyn, so wie umgekehrt die Ge- rechtigkeit durch die Guͤte; so ist weder Guͤte mehr Guͤte, noch Gerechtigkeit mehr Gerechtigkeit. — Die Macht sol- le durch die Weisheit temperirt seyn, aber so ist sie nicht absolute Macht; — die Weisheit solle zur Macht er- weitert seyn, aber so verschwindet sie als Zweck und Maaß bestimmende Weisheit. Es wird sich spaͤter der wahre Begriff des Unendlichen ergeben, so wie die ab- solute Einheit sich immer mehr naͤher bestimmen wird, die nicht in einem Temperiren , einem ge- genseitigen Beschraͤnken oder Vermischen besteht, als welches eine hoͤchst oberflaͤchliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit der sich nur das be- grifflose Vorstellen begnuͤgen kann. — Die Realitaͤt, wie sie in jener Definition Gottes als bestimmte Qualitaͤt genommen wird, uͤber ihre Bestimmtheit hinausgefuͤhrt, hoͤrt auf Realitaͤt zu seyn; sie wird das einseitige Ansich, das leer ist; und Gott als das rein Reale in allem Rea- len, oder als Inbegriff aller Realitaͤten, ist dasselbe Bestimmungs- und Gehaltlose, was das vorhin erwaͤhnte leere Absolute ist, in dem alles Eins ist. 3. Etwas . Das Daseyn ist als Realitaͤt die Unterscheidung sei- ner selbst in Ansichseyn, und Seyn-fuͤr-Anderes. Hier- in ist das Ansichseyn als unterschieden vom Seyn-fuͤr- Anderes; aber es ist somit nur als darauf bezogen, und in der Einheit mit ihm. Eben so das Seyn-fuͤr-Ande- res Erstes Buch . I. Abschnitt . res ist nicht das Andersseyn selbst, sondern enthaͤlt die Beziehung auf sich selbst, das Ansichseyn, in sich. Diese beyden Einheiten machen also in ihrem Unterschiede selbst Eine Einheit aus, und sind das Uebergehen in einander. Das Daseyn zunaͤchst als solches ist nur die un- mittelbare Einheit des Seyns und Nichts. Die Realitaͤt ist diese Einheit in dem bestimmten Unterschiede ihrer Momente, die an ihr verschiedene Seiten aus- machen, Reflexionsbestimmungen, die gegen einander gleichguͤltig sind. Aber weil jede nur ist als in Bezie- hung auf die andere, und jede die andere in sich schließt, so hoͤrt die Realitaͤt auf, eine solche Einheit zu seyn, in welcher beyde gleichguͤltig bestehen. Es ist eine Einheit, welche sie nicht bestehen laͤßt, ihre aufhebende ein- fache Einheit. Das Daseyn ist Insichseyn , und als Insichseyn ist es Daseyendes oder Etwas . Das Insichseyn des Daseyns ist somit die einfache Beziehung desselben auf sich selbst, wie das Ansichseyn. Aber das Ansichseyn ist diese Gleichheit mit sich mehr auf unmittelbare Weise; im Ansichseyn ist das Moment des Seyns das zum Grunde liegende, und das Seyn-fuͤr- Anderes steht ihm gegenuͤber. Diß kann so ausgedruͤckt werden, das Ansichseyn ist die Beziehung des Daseyns auf sich selbst, nicht als eigene Reflexion des Daseyns in sich , sondern als eine aͤusserliche; oder nur dadurch, daß das Seyn-fuͤr-Anderes von der Be- ziehung auf sich, abgetrennt wird. — Das Insichseyn hingegen ist nunmehr das eigene Ansichseyn des Daseyns; es ist seine Reflexion in sich . Das Daseyn ist die Einheit, welche Realitaͤt ist, insofern sie verschiedene Seiten hat, das heißt, die Realitaͤt ist die unmittel- bare Einheit, aber bezogen auf jene aͤusserliche Reflexion, welche verschiedene Seiten unterscheidet. Das Insich- seyn Qualitaͤt . seyn dagegen ist die Beziehung des Daseyns auf sich, in- sofern das Aufheben des Seyns-fuͤr-Anderes sein eige- nes ist; das Seyn-fuͤr-Anderes geht an ihm selbst in das Ansichseyn uͤber, und dieses ist dadurch nicht mehr unmittelbares Ansichseyn, sondern das sich gleichfalls mit seinem andern Momente vereint hat, und in dem das Seyn-fuͤr-Anderes aufgehoben ist, oder Insichseyn. Etwas bestimmt sich fernerhin naͤher als Fuͤrsich- seyn, oder Ding, Substanz, Subject u. s. f. Allen diesen Bestimmungen liegt die negative Einheit zu Grun- de; die Beziehung auf sich durch Negation des Anders- seyns. Etwas ist diese negative Einheit des Insichseyns nur erst ganz unbestimmt. Das Daseyn geht in Daseyendes innerhalb seiner selbst uͤber, dadurch daß es als Aufheben des Seyns- fuͤr-Anderes diesen Punkt der negativen Einheit gewinnt. Das Daseyn ist also als Etwas nicht die unmittel- bare, seyende Einheit des Seyns und Nichts; son- dern als Insichseyn hat es Beziehung auf sich, insofern es Negation ist. Das Seyn des Etwas besteht also nicht in seiner Unmittelbarkeit, sondern im Nichtseyn des Andersseyns, das Daseyn ist also im Etwas inso- fern in das Negative uͤbergegangen, daß dieses nunmehr zu Grunde liegt. Das Etwas ist Daseyn allein insofern es eine Bestimmtheit hat. B. Be- Erstes Buch . I. Abschnitt . B. Bestimmtheit . Daseyn ist Seyn mit einem Nichtseyn. Es ist Seyn, einfache Beziehung auf sich selbst, aber nicht mehr als Unmittelbarkeit, sondern als negative Bezie- hung auf sich selbst, diese macht sein Seyn aus. So ist es Etwas. Hier kehrt sich also am Daseyn, das Moment des Nichtseyns heraus. Etwas als Daseyendes unterscheidet erstlich sein Moment der Negativitaͤt von ihm selbst, als seine Grenze . Alsdann aber zeigt sich die Grenze als die We- sentlichkeit des Etwas, und ist seine Bestimmtheit , die sich in Bestimmtheit als an-sich-seyende, in Be- stimmung , und in Bestimmtheit als seyende fuͤr-Ande- res, in Beschaffenheit , unterscheidet. Die Be- stimmtheit ist als die Beziehung dieser Momente Qua- litaͤt . Drittens aber geht die Qualitaͤt durch die Be- schaffenheit in Veraͤnderung uͤber. 1. Grenze . 1. Das Etwas ist erstens ein uͤberhaupt um- schlossenes Daseyn; es enthaͤlt das Nichtseyn des An- dersseyns in sich; ein Nichtseyn, wodurch es ist, als Insichseyn. Zwey- Qualitaͤt . Zweytens ist es als Daseyn wohl Seyn-fuͤr-An- deres; aber das Seyn-fuͤr-Anderes ist in das Ansich- seyn zuruͤckgenommen. Diß heißt einestheils das An- dersseyn ist nicht verschwunden; aber weil das Etwas eben aus dem Grunde des Zuruͤckgekehrtseyns in sich einfaches Insichseyn ist, so faͤllt das Andersseyn ausser ihm. Diß Andre ist ein anderes Etwas, wogegen das Etwas gleichguͤltig ist ; es ist , ob diß Andere sey, oder nicht sey, oder wie es sey. Das Etwas ist An- sichseyn , und zwar gegen das Andre; diß Ansichseyn macht seine Gleichguͤltigkeit aus. — Das erste Ansichseyn des Daseyns ist unmittelbares Ansichseyn; hingegen das Insichseyn ist auch Ansichseyn, aber als nicht unmittelbares, sondern ein Ansichseyn, das negativ ist, gegen Anderes, oder das Ansichseyn. Das heraus- getreten ist, in das Seyn-fuͤr-Anderes. — Darin al- so, daß das Daseyn bestimmt ist als gleichguͤltig, tritt erst das Andere einem Daseyn eigentlich gegenuͤber; in das Andersseyn, wie es vorhin erschien, war das Daseyn selbst uͤbergegangen; diese Einheit beyder bildete sich zu den betrachteten Momenten aus, durch deren ne- gative Einheit, das Insichseyn, sich das Daseyn vom Andersseyn abtrennt und in gleichguͤltige Beziehung auf einander setzt. Drittens deßwegen aber, weil das Insichseyn das Nichtseyn des Andersseyns ist, ist das Etwas nicht gleichguͤltiges uͤberhaupt, sondern, das Nichtseyn des Andern ist wesentliches Moment seiner Gleichguͤltigkeit; es ist das Aufhoͤren eines Andern in ihm . Etwas enthaͤlt also die drey Momente 1) sein Nichtseyn, das Andere ist ausser ihm; es selbst ist sich selbst gleiche Beziehung auf sich, 2) das Andere ist nicht Anderes uͤberhaupt, oder in einer aͤusserlichen Reflexion, sondern Erstes Buch . I. Abschnitt . sondern es hoͤrt im Etwas auf, Etwas ist sein Nicht- seyn; 3) Etwas hat dadurch das Nichtseyn selbst an ihm, aber als Aufhoͤren seines Andersseyns, und damit als Seyn seiner selbst. Es hat eine Grenze . Etwas hat eine Grenze zunaͤchst nur als gegen An- deres; sie ist das Nichtseyn des Andern, nicht des Et- was selbst; es begrenzt nicht sich selbst dadurch, sondern sein Anderes . 2. Aber das Andre ist selbst ein Etwas uͤberhaupt, denn es ist gleichfalls Daseyn. Die Grenze also, welche das Etwas gegen das Andre hat, ist auch Grenze des Andern als Etwas, oder es ist Grenze desselben, wo- durch es das erste Etwas als sein Anderes von sich ab- haͤlt, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas . Sie ist also nicht nur Nichtseyn des Andern, sondern auch des Etwas; sie am Etwas selbst. Oder unmittelbar insofern das Etwas nur ist, als Nichtseyn des Andern, so ist es an ihm selbst Nichtseyn, und die Grenze ist eben so sehr das, wodurch es selbst begrenzt wird. 3. Sie ist als Nichtseyn das Aufhoͤren des Etwas, Aber indem sie wesentlich das Aufhoͤren des Andern ist, so ist das Etwas zugleich durch seine Grenze. — Das Andre ist gleichfalls Nichtseyn des Etwas, aber wenn die Grenze nur diß Nichtseyn waͤre, so hoͤrte Etwas uͤberhaupt in seiner Grenze auf; aber sie ist nur so Nichtseyn des Etwas, daß sie zugleich Nichtseyn des An- dern, also Seyn des Etwas ist. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist , und diese Momente in unmittelbarer Unter- schiedenheit zunaͤchst genommen werden, so faͤllt das Nicht- Qualitaͤt . Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas ausser einander. Etwas hat sein Daseyn ausser seiner Grenze; eben so ist aber auch das Andre, weil es Etwas ist, ausser- halb derselben. Sie ist die Mitte beyder, in der sie aufhoͤren. Sie haben das Daseyn jenseits von einander und von ihrer Grenze ; die Grenze als das Nichtseyn eines jeden ist das Andre, jedes hat so sein Daseyn ausser seinem Nichtseyn. — Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von sei- ner Grenze, erscheint uns die Linie als Linie nur aus- serhalb ihrer Grenze, dem Punkte ; die Flaͤche als Flaͤche ausserhalb der Linie; der Koͤrper als Koͤrper nur ausserhalb seiner begrenzenden Flaͤche. — Diß ist die Seite, von welcher die Grenze zunaͤchst in die Vor- stellung, — das Aussersichseyn des Begriffes, — faͤllt, also vornemlich auch in den raͤumlichen Gegenstaͤnden ge- nommen wird. 4. Ferner aber ist das Etwas, wie es ausser der Grenze ist, das unbegrenzte Etwas nur das Daseyn uͤber- haupt. Ausser der Grenze ist Etwas nicht von seinem Andern unterschieden; es ist nur Daseyn, es hat also mit seinem Andern dieselbe Bestimmung; jedes ist nur Etwas uͤberhaupt, oder jedes ist Anderes. Etwas aber ist Etwas nur durch Insichseyn; und es ist in sich , nur durch Nichtseyn eines Andern; ohne Grenze ist es sein Anderes. Sein Hinausgekehrtseyn gegen Anderes, das Nichtseyn, das seine Grenze ist, macht somit das Wesentliche des Etwas, oder sein Da- seyn aus. Etwas ist, was es ist, nur in sei- ner Grenze . Das Insichseyn, als einfache Beziehung auf sich selbst schließt zunaͤchst das Andersseyn und damit die Grenze Erstes Buch . I. Abschnitt . Grenze selbst — als die Beziehung auf das Andere — von sich und aus dem Etwas aus. Aber die Gleichheit des Etwas mit sich beruht auf seiner negativen Natur; oder das Nichtseyn ist hier das Ansichseyn selbst; also ist die Grenze das Insichseyn. Es hatte sich oben das Insichseyn des Etwas so bestimmt, daß es das in das Ansichseyn aufgenommene Seyn-fuͤr-Anderes ist; das Ansichseyn gegen Anderes war die Gleichguͤltigkeit des Etwas gegen Anderes. Aber umgekehrt ist das An- dersseyn oder Nichtseyn des Etwas damit als Ansichseyn gesetzt, das keinen andern Inhalt oder Bestehen hat, als die Grenze selbst. — Der Punkt ist also nicht nur so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhoͤrt, und sie als Da- seyn ausser ihm ist; — die Linie nicht nur so Grenze der Flaͤche, daß diese in der Linie nur aufhoͤrt, eben so die Flaͤche als Grenze des Koͤrpers . Sondern im Punkte faͤngt die Linie auch an; er ist ihr absoluter Anfang, er macht ihr Element aus, wie die Linie das Element der Flaͤche; die Flaͤche das des Koͤrpers. Diese Grenzen sind so zugleich das Princip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z. B. als hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert. Die Grenze ist also von dem Etwas nicht unter- schieden; diß Nichtseyn ist vielmehr sein Grund, und macht es zu dem, was es ist; sie macht sein Seyn aus, oder sein Seyn geht nicht uͤber sein Andersseyn, uͤber seine Negation hinaus. So ist die Grenze Bestimmt- heit . 2. Be - Qualitaͤt . 2. Bestimmtheit . Die Grenze gehoͤrt dem Etwas selbst an; es hat kein Daseyn ausser ihr; sie ist das Ansichseyn des Etwas selbst; ist seinem Insichseyn nicht aͤusserlich, sondern ist selbst insichseyende Grenze. Ihre Wahrheit ist die Be- stimmtheit uͤberhaupt. — Diß ist das Resultat des vorhergehenden. — Wenn die Grenze sich veraͤndert, so scheint das Etwas uͤberhaupt noch als ein Daseyn zu bleiben, und die Veraͤnderung ausser ihm, nur in der Grenze vorzugehen. Wie aber die Grenze in Wahrheit ist, nemlich als Bestimmtheit, (die qualitative, noch nicht quantitative Grenze) ist sie das, wodurch Etwas das ist, was es ist; wenn die Bestimmtheit verschwin- det, so verschwindet Etwas selbst, oder wenn eine an- dere Bestimmtheit an die Stelle einer andern tritt, so ist Etwas selbst ein Anderes. Etwas hat eine Bestimmtheit. In diesem Aus- drucke wird das Etwas und seine Bestimmtheit von ein- ander unterschieden. Dieser Unterschied gehoͤrt aber der aͤussern Reflexion an. Etwas ist das Bestimmte ; es ist in einfacher unmittelbarer Einheit mit ihr. Et- was verschwindet darum in seiner Bestimmtheit; es ist daher eigentlich nicht sowohl mehr von dem Etwas als von ihr zu sprechen. Denn Etwas ist das Insichseyn in einer Unmittelbarkeit; nach dieser hat es die Regation, die Grenze nur an ihm, als Seyn-fuͤr-Anderes, und Etwas ist an sich gegen sie; aber in der Einheit mit ihr ist es aufgehoben, denn seine Unmittelbarkeit ist ver- schwunden, und es ist in die Bestimmtheit uͤbergegangen. Die einfache Bestimmtheit ist Einheit des In- sichseyns und der Grenze. Sie enthaͤlt beyde in ihr als auf- Erstes Buch . I. Abschnitt . aufgehobene, als Momente, oder sie ist selbst auf diese gedoppelte Weise bestimmt . Sie ist ei- nerseits in sich gekehrte Grenze, andererseits aber auch das Insichseyn, das in das Seyn-fuͤr-Anderes uͤberge- gangen oder als Grenze ist. a.) Bestimmung . Als insichgekehrte Grenze ist die Bestimmtheit an sich ; sie ist das Bestimmte als sich nur auf sich bezie- hend; als das Nichtseyn des Andern, so daß es dadurch nicht selbst begrenzt wird. Die Bestimmtheit kann nach dieser Seite genauer Bestimmung genannt werden. In seiner Bestim- mung ruht Etwas in sich selbst; es ist in ihr das, was es seyn soll . Es ist zwar Anderes ausser ihm, aber so daß Etwas nicht das, was es ist, in dieser Beziehung auf Anderes ist, sondern es ist aus der Beziehung auf Anderes in sich zuruͤckgenommen. Grenze als Be- stimmung ist nicht mehr die beziehende Mitte zwischen ihm und Anderem, sie gehoͤrt nur dem Etwas an, das sie nicht gemeinschaftlich hat, sondern sie ist seine Beziehung auf sich selbst. b.) Beschaffenheit . Die Bestimmung macht das Ansichseyn des Et- was aus. Aber die Bestimmtheit ist nicht nur An-sich- seyn, sondern ist als Grenze, auch Seyn-fuͤr-Ande- res, oder das in das Andersseyn uͤbergegangene Insich- seyn. Die Bestimmtheit ist zuerst Gleichguͤltigkeit gegen Anderes, und das Andre faͤllt ausser dem Etwas. Aber zugleich indem die Grenze ihm selbst angehoͤrt, hat es das Andersseyn an ihm selbst. Die Bestimmtheit ist auf diese Qualitaͤt . diese Weise aͤusserliches Daseyn des Etwas, das zwar sein Daseyn ist, aber das nicht seinem Ansichseyn an- gehoͤrt. Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit . So oder anders beschaffen, ist Etwas nicht als in sich seyend, sondern als in aͤusserem Einfluß und Ver- haͤltnisse begriffen. Diese Bestimmtheit, die ihm zwar angehoͤrt, ist vielmehr sein Andersseyn, aber insofern es an ihm ist. Die aͤusserliche Beziehung, von der die Be- schaffenheit abhaͤngt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes erscheint als etwas Zufaͤlliges, weil es als ein Anderes, Aeusserliches erscheint. Aber das Etwas be- steht darin, dieser Aeusserlichkeit preisgegeben zu seyn, und eine Beschaffenheit zu haben. — Die Bestim- mung ist das in sich zuruͤckgenommene Andersseyn; eben dadurch ist vielmehr das Andersseyn, statt aufgehoben zu seyn, zur Bestimmung der Bestimmtheit, zu ihrem Ansichseyn gemacht worden. c.) Qualitaͤt . Die Bestimmtheit ist also zuerst die einfache in-sich- seyende Grenze. Aber sie hat dadurch die zwey Mo- mente, die betrachtet worden sind. Die Bestimmtheit in dieser naͤhern Reflexion ist Qualitaͤt, welche sowohl die Bedeutung von Bestimmung als Beschaffenheit in sich vereinigt. Die Qualitaͤt als diese Vereinigung ist die bestimmte Natur von Etwas, nicht als eine in sich ru- hende, sondern sofern es zugleich eine durch die Beziehung auf Anderes sich bestimmende Weise an ihm hat. Insofern bey ihrer besondern Betrachtung Bestim- mung und Beschaffenheit von einander unterschieden wur- den, so ist Etwas nach seiner Bestimmung gleichguͤltig gegen Erstes Buch . I. Abschnitt . gegen seine Beschaffenheit. Aber beyde sind wesentlich Momente eines und desselben, oder naͤher ist die Be- schaffenheit eigentlich die in der Bestimmung selbst enthal- tene Grenze. Die Beschaffenheit, insofern sie zugleich als in einem Aeusserlichen, einem Andern uͤberhaupt ge- gruͤndet erscheint, haͤngt also auch von der Bestimmung ab, und die fremde Bestimmung ist durch die eigene, immanente zugleich bestimmt. Umgekehrt gehoͤrt die Be- schaffenheit zu dem, was das Etwas an sich ist; mit sei- ner Beschaffenheit aͤndert sich Etwas. Anmerkung . Die Qualitaͤt ist in dieser Ruͤcksicht vornemlich Ei- genschaft , als sie in einer aͤusserlichen Bezie- hung sich als immanente Bestimmung zeigt. Denn unter Eigenschaften z. B. von Kraͤutern versteht man Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur uͤber- haupt eigen sind, sondern insofern es sich dadurch in Beziehung auf andere Dinge auf eine eigenthuͤmliche Weise verhaͤlt, und die fremden in ihm gesetzten Einwir- kungen nicht in sich gewaͤhren laͤßt, sondern seine Schranke als ein Insichseyn zeigt, und sie in seinem An- dersseyn — ob es diß zwar nicht von sich abhaͤlt — geltend macht. Die mehr ruhenden Bestimmtheiten, z. B. Figur, Gestalt, Groͤße, nennt man dagegen nicht wohl Eigenschaften. Insofern man von guter oder schlechter Qualitaͤt spricht, so hat die Qualitaͤt die Bedeutung seines Mo- ments, der Beschaffenheit. Denn gut und schlecht sind Urtheilsbestimmungen uͤber die Uebereinstim- mung der Beschaffenheit mit der Bestimmung , mit dem Begriffe. Zugleich aber ist diese Beschaffenheit nicht eine bloße unwesentliche, abtrennbare Aeusserlich- keit, Qualitaͤt . keit, oder ein bloßer Zustand , sondern Bestimmtheit des Seyns der Sache selbst. Beschaffenheit ist nicht von der Bestimmung abgesondert, sondern wie die Sache beschaffen ist, so ist sie auch. Die Qualitaͤt ist eben diß, daß die in Bestimmung und Beschaffenheit unter- schiedene Bestimmtheit, wesentlich die Einheit beyder Momente ist. Die Qualirung oder Inqualirung einer in die Tiefe aber in eine truͤbe Tiefe gehenden Philosophie, bezieht sich auf die Bestimmtheit, insofern sie an sich, aber zugleich ein Anderes an sich ist; oder auf die naͤhere Natur des Gegensatzes, wie er im Wesen ist, in- sofern er die innere Natur der Qualitaͤt und wesentlich ihre Selbstbewegung in sich ausmacht. Die Qualirung be- deutet daher in jener Philosophie die Bewegung einer Bestimmtheit in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer Qual ) sich aus anderem setzt und be- festigt, uͤberhaupt die Unruhe ihrer an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt und erhaͤlt. 3. Veraͤnderung . Die Bestimmtheit ist Qualitaͤt, reflektirte Bestimmt- heit, insofern sie die beyden Seiten, der Bestimmung, und der Beschaffenheit, hat. Die letztere ist die Bestimmtheit, insofern sie das Andersseyn an ihr selbst ist. Die Grenze, als Seyn aͤusserer Bestimmungen macht die Beschaffenheit aus; aber es ist die Bestimmtheit selbst, welche diese Grenze ist, die Aeusserlichkeit ist daher eigne Aeusserlichkeit seiner selbst . Indem also Etwas in seiner Bestimmtheit an ihm selbst sein Nichtseyn ist, oder seine Bestimmtheit eben so sehr sein Anderes, als die seinige ist, so ist hier ein Werden gesetzt, welches Veraͤnderung ist. G Die Erstes Buch . I. Abschnitt . Die Veraͤnderung liegt nothwendig schon im Daseyn selbst; es ist Einheit des Seyns und Nichts, es ist an sich Werden. Aber es ist das zur unmittelbaren Einheit gewordene Werden. Insofern es sich zum Werden wie- der entwickelt, sind es nicht die abstracten Momente des Seyns und Nichts, in die es auseinander tritt, die das uͤbergehende ausmachen, sondern die Momente als aus dem Daseyn, der Einheit des Seyns und Nichts, hervor- gehend, als solche welche selbst diese Einheiten sind, Diese Momente sind das Insichseyn des Etwas, und das Andere; — nicht als Momente der aͤussern Reflexion, wie Ansichseyn und Seyn fuͤr Anderes — sondern als im- manente Momente des Daseyns selbst. In der Bestim- mung ist das Andersseyn, das zunaͤchst als Grenze ist, zur einfachen Bestimmtheit zuruͤckgenommen, oder sie ist selbst die einfache Einheit beyder Momente. Aber die Beschaffenheit ist die Beziehung derselben als sich einan- der anders seyender oder als unterschiedener, und ihn Beziehung in einer und derselben Ruͤcksicht; somit ihr Aufheben an ihnen selbst. a) Veraͤnderung der Beschaffenheit . Die Veraͤnderung faͤllt zunaͤchst nur in die Beschaf- fenheit; die Bestimmung ist die der Beziehung auf Ande- res entnommene Grenze; die Beschaffenheit dagegen die dem Andern offene Seite, oder die Seite, in der das Andre als Andres ist. Es ist insofern in der Bestim- mung noch ein Insichseyn vorhanden, das von der Be- schaffenheit und der Veraͤnderung verschieden ist; das Etwas ist noch vorhanden und gibt nur die eine seiner Seiten preis. — Auch ist das Werden darum hier naͤher als Veraͤnderung bestimmt, weil nicht rein abstracte Momente in Beziehung sind, sondern solche, welche selbst Einheiten von einander sind, wodurch also die Bestim- mung Qualitaͤt . mung sich im Uebergehen zugleich erhaͤlt, und hier nicht ein Verschwinden, sondern nur ein Anderswerden ge- setzt ist. Zunaͤchst ist es also die Beschaffenheit, welche sich so aͤndert, daß sie nur eine andere Beschaffen- heit wird; indem nemlich eine Beschaffenheit ei- ne bestimmte ist, und die Bestimmtheit in Veraͤnde- rung uͤbergeht. Aber diese Veraͤnderung der Bestimmt- heit ist es selbst, die hier naͤher betrachtet wird; die Be- stimmtheit geht darum in Veraͤnderung uͤber, weil sie Beschaffenheit ist. Es ist also die Beschaffenheit als solche, die sich veraͤndert; nicht eine Beschaffenheit, so daß die Beschaffenheit als solche bliebe; daher muß nicht sowohl gesagt werden, daß sie sich veraͤndert, sondern ist selbst die Veraͤnderung. b.) Sollen und Schranke . Etwas erhaͤlt sich in der Veraͤnderung seiner Be- schaffenheit; die Veraͤnderung trift nur diese unstaͤte Oberflaͤche des Andersseyns, nicht die Bestimmung des Etwas selbst. Es ist aber die Beschaffenheit des Et- was, welche Veraͤnderung ist: das heißt, das Anders- seyn desselben, welches an ihm selbst ist. Die Be- schaffenheit des Etwas ist nicht nur Oberflaͤche, sondern die Grenze ist das Insichseyn des Etwas; oder die Be- schaffenheit ist seine Bestimmung selbst. Beyde ergaben sich oben nur als verschiedene Seiten fuͤr die aͤussere Reflexion; aber sie sind an sich in der Qualitaͤt vereinigt und ungetrennt; die Aeusserlichkeit des Andersseyns ist die eigene Innerlichkeit des Etwas. Etwas ist bestimmt, es ist in sich nur durch seine Grenze; sie ist Negation des G 2 Anders- Erstes Buch . I. Abschnitt . Andersseyns, aber damit ist das Andersseyn die an-sich- seyende immanente Bestimmung des Etwas selbst. Es ist nemlich im Etwas nicht nur vorhanden, das Insichseyn und sein Anderes uͤberhaupt, sondern diß sein Anderes ist seine ansichseyende Bestimmtheit, nemlich die Bestimmung selbst. Diese ist daher das sich auf sich beziehende Insichseyn, das aber als dieses Insichseyn selbst seine Grenze ist. Das sich selbst gleiche Insichseyn bezieht sich daher auf sich selbst als auf sein eigenes Nichtseyn. Die Grenze, die so die Bestimmung des Et- was ausmacht, aber so daß sie zugleich als sein Nicht- seyn bestimmt ist, ist Schranke . Das Ansichseyn der Bestimmung aber in dieser Be- ziehung auf die Grenze, nemlich auf sich als Schranke, ist Sollen . Die Grenze, die am Daseyn uͤberhaupt ist, ist nicht Schranke. Daß sie Schranke sey, muß das Da- seyn zugleich uͤber sie hinausgehen . Es muß sich auf sie als auf ein Nichtseyendes beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt nur ruhig gleichguͤltig gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber uͤber seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehoben- seyn ist. Und indem die Grenze die Bestimmung selbst ist, geht Etwas damit uͤber sich selbst hinaus. Das Sollen enthaͤlt also die verdoppelte Bestim- mung, einmal sie als ansichseyende Bestimmung; das andremal aber dieselbe als ein Nichtseyn, als Schranke. Das Sollen ist die Bestimmung und das Aufgehobenseyn ihrer selbst, und zwar so daß eben diß Aufgehobenseyn ihrer selbst in ihr ist. Das Sollen ist also die Beziehung der Bestimmung auf sich als auf ihr Nichtseyn, oder auf das Nichtseyn, das sie selbst ist. Was Qualitaͤt . Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht . Wenn es waͤre, so sollte es nicht bloß seyn . Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. — Aber ferner die- se Schranke ist nicht ein Fremdes. Das, was seyn soll, ist die Bestimmung, d. i. es ist die Bestimmt- heit der Bestimmung selbst, welche nicht ist. Diß ist das, was so eben so ausgedruͤckt wurde, daß das Sollen die Bestimmtheit ist, aber eben so das Aufgehoben- seyn dieser Bestimmtheit selbst. Was sich also ergeben hat, besteht darin: Etwas hat eine Bestimmung; d. h. eine Bestimmtheit, welche aber nicht seine Grenze, nicht sein Aufhoͤren sey, son- dern vielmehr sein Insichseyn selbst. Aber es hat da- mit zugleich eine Grenze oder ist bestimmt; die aufgeho- bene Grenze ist aufbewahrt. Diese Grenze ist Schranke, und die Bestimmung ist Sollen, insofern die Bestimmt- heit in der einfachen Einheit des Insichseyns zugleich ist und nicht ist . Das In-sich-Beruhen des Etwas in seiner Be- stimmung setzt sich also zum Sollen herab, dadurch daß dieselbe Bestimmtheit, welche sein Insichseyn aus- macht, zugleich auch in einer und derselben Ruͤcksicht aufgehoben, als Nichtseyn ist. Die Schranke des Etwas ist daher nicht ein Aeusseres, sondern seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke. Als Sollen geht das Etwas ferner uͤber seine Schranke hinaus, d. h. das was nicht ist in ihm, was aufgehoben ist, ist auch in ihm; nemlich dieselbe Be- stimmtheit, als welche es aufgehoben ist, ist sein Ansich- seyn, und seine Grenze ist auch nicht seine Grenze. Als Sollen ist somit Etwas uͤber seine Schranke erhaben, umgekehrt hat es aber nur als Sollen Erstes Buch . I. Abschnitt . Sollen seine Schranke . Beydes ist untrennbar. Es hat insofern eine Schranke als es eine Bestimmung hat, und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke. Anmerkung . Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie, vornemlich in Beziehung auf Morali- taͤt, und uͤberhaupt auch als der letzte und absolute Be- griff von der Identitaͤt der Gleichheit mit sich selbst und der Bestimmtheit gespielt. Du kannst, weil du sollst , — dieser Aus- druck, der viel sagen sollte, liegt im Begriffe des Sol- lens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn uͤber die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben. — Aber umgekehrt ist es eben so richtig: Du kannst nicht, eben weil du sollst . Denn im Sollen liegt eben so sehr die Schranke als Schranke; die Bestimmt- heit macht die Bestimmung aus als Insichseyn; aber das Insichseyn ist wesentlich als das Aufgehobenseyn dieser Bestimmtheit, welche doch das Insichseyn selbst ist, also die Bestimmtheit als Nichtseyn, als Schranke. Im Sollen beginnt uͤberhaupt der Begriff der Endlichkeit , und damit zugleich das Hinausgehen uͤber sie, die Unendlichkeit. Das Sollen enthaͤlt dasjenige, was sich in weiterer Entwicklung als der Progreß ins Un- endliche darstellt, bey welchem die Natur der darin ent- haltenen unvollkommenen Identitaͤt naͤher betrachtet wer- den wird. c.) Ne - Qualitaͤt . c.) Negation . 1. Das Daseyn, das bestimmte Seyn, als Einheit seiner Momente, des Ansichseyns und des Seyns- fuͤr-Anderes, war oben Realitaͤt . Die freygewordene Bestimmtheit ist, gleichfalls als Einheit der Bestimmung und der Beschaffenheit, Qua- litaͤt . Der Realitaͤt steht die Negation gegenuͤber. Die Qualitaͤt macht die Mitte und den Uebergang zwi- schen Realitaͤt und Negation aus; sie enthaͤlt diese bey- den in einfacher Einheit. Aber in der Negation tritt das Nichtseyn als die Wahrheit hervor, in welche die Rea- litaͤt uͤbergegangen ist. Dem Reellen steht auch das Ideelle entgegen, und dem Negativen das Positive . Der Gegensatz des Reellen und Ideellen wird sich unten beym Fuͤrsich- seyn ergeben; der Gegensatz des Positiven und Negativen aber gehoͤrt unter die eigentlichen Reflexionsbestimmun- gen, oder ist der Gegensatz, wie er im Wesen ist, und tritt dort hervor. — Insofern der Negation die Position uͤberhaupt entgegengesetzt wird, so heißt diese nichts an- deres als Realitaͤt. Wie die Realitaͤt dasselbe ist, was das Daseyn, insofern dieses die Momente des Ansichseyns und des Seyn-fuͤr-Anderes an ihm hat, so kann die Negation auch fuͤr die reflectirte Bestimmtheit angenommen werden, nach demjenigen nemlich, was sich als die Wahrheit der- selben ergeben hat, nemlich die Einheit von Sollen und von Schranke zu seyn. Anmerkung . Die Bestimmtheit uͤberhaupt ist Nega- tion, ( Determinatio est negatio ) sagte Spinoza; — ein Erstes Buch . I. Abschnitt . ein Satz, der von durchgaͤngiger Wichtigkeit ist; — der sich an der Betrachtung der Bestimmtheit ergab. Denn sie ist wesentlich die Grenze und hat das Andersseyn zu ihrem Grunde; das Daseyn ist nur durch seine Grenze das, was es ist; es faͤllt nicht ausserhalb dieser seiner Negation. Daher war nothwendig, daß die Realitaͤt in Negation uͤberging; sie macht damit ihren Grund und Wesen offenbar. Es ist bey der Realitaͤt bemerkt worden, daß der Inbegriff aller Realitaͤten, wenn sie ohne Gren- ze gedacht werden, zum leeren Nichts wird. Werden sie aber als bestimmte Realitaͤten erhalten, so wird der Inbegriff aller Realitaͤten eben so zum Inbegriff aller Negationen . Diß kann, da die Negation sich so eben zur Schranke und der Endlichkeit bestimmt hat, auch heissen, der Inbegriff aller Schranken und End- lichkeiten. Aber Schranke und Endlichkeit sind nur diß, sich selbst aufzuheben; die Negation aber, daß sie als absolute Negativitaͤt wesentliche Bestimmung des absoluten Wesens, und die hoͤhere Bestimmung als die Realitaͤt ist, wird gleich nachher vorlaͤufig erwaͤhnt werden. Von dem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit der Spinozistischen Sub- stanz, oder daß nur Eine Substanz ist, — eine noth- wendige Consequenz. Denken und Seyn mußte er in die- ser Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitaͤ- ten, sind sie Negationen, deren Unendlichkeit oder Wahr- heit nur ihre Einheit ist. Er begriff sie daher als At- tribute, d. h. als solche, die nicht ein besonderes Beste- hen, ein An-und-fuͤr-sich-Seyn haben, sondern nur als aufgehobene, als Momente sind. — Eben so wenig kann die Substantialitaͤt der Individuen, gegen jenen Satz bestehen. Denn das Individuum ist ein nach allen Ruͤck- Qualitaͤt . Ruͤcksichten beschraͤnktes; es ist individuelle Beziehung auf sich, nur dadurch, daß es allem Andern Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm selbst. Das Individuum ist zwar mehr als nur das nach allen Seiten beschraͤnkte; aber insofern es als endliches genommen wird, so macht sich dagegen, daß das Endliche als solches als bewegungslos, als seyend, an und fuͤr sich sey, die Bestimmtheit wesent- lich als Negation geltend, und reißt es in die negative Bewegung, woraus es aber nicht sein leeres Nichts, son- dern vielmehr erst seine Unendlichkeit und das An-und- fuͤr-sich-Seyn hervorgeht. 2. Die Bestimmtheit ist Negation uͤberhaupt. Aber naͤher ist die Negation das gedoppelte Moment der Schranke und des Sollens . Erstens: Die Negation ist nicht bloß das Nichts uͤberhaupt, sondern reflectirte, auf das Ansichseyn bezo- gene Negation; der Mangel als von Etwas, oder die Schranke; die Bestimmtheit, gesetzt als das was sie in Wahrheit ist, als Nichtseyn. Zweytens: Die Negation als Sollen ist die an sich seyende Bestimmtheit, oder umgekehrt, das Sollen ist die Bestimmtheit oder Negation als An-sich-seyn. Sie ist insofern die Negation jener ersten Be- stimmtheit, welche als Nichtseyn, als Schranke gesetzt ist. Sie ist somit Negation der Negation, und absolute Negation . So ist die Negation das wahrhafte Reale und An- sichseyn. Diese Negativitaͤt ist es, die das Einfache ist, welches Erstes Buch . I. Abschnitt . welches als Aufheben des Andersseyns in sich zuruͤckkehrt; die abstracte Grundlage aller philosophischen Ideen, und des speculativen Denkens uͤberhaupt, von der man sagen muß, daß sie erst die neuere Zeit in ihrer Wahrheit auf- zufassen begonnen hat. — Diese Einfachheit hat an die Stelle des Seyns , oder jeder Bestimmtheit zu treten, die in unmittelbarer Form, als an-und-fuͤr-sich- seyend genommen wird. Wenn fernerhin von Regativi- taͤt oder negativer Natur die Rede seyn wird, so ist dar- unter nicht jene erste Negation, die Grenze, Schranke oder Mangel, sondern wesentlich die Negation des An- dersseyns zu verstehen, die, als solche, Beziehung auf sich selbst ist. Hier ist die an-sich-seyende Negation nur erst Sollen, zwar Negation der Negation, aber so daß diß Negiren selbst noch die Bestimmtheit ist. Es ist nemlich die Grenze oder Negation, welche sich als Ansichseyn auf sich als Nichtseyn bezieht. Bey- de Negationen, welche sich aufeinander beziehen, machen die Beziehung der Negation auf sich selbst aus, aber sie sind noch andre fuͤr einander; sie begrenzen sich gegenseitig. Diese Negationen nun, die sich noch als andere aufeinander beziehen, — die als Nichtseyn gesetz- te Negation und die ansichseyende Negation — die Schranke und das Sollen, machen das (qualitativ) Endliche und (qualitativ) Unendliche , und deren Beziehung aufeinander aus. C. (Qua- Qualitaͤt . C. (Qualitative) Unendlichkeit . 1. Endlichkeit und Unendlichkeit . Das Daseyn ist bestimmt; und die Bestimmtheit setzt sich als Negation und Schranke dadurch, daß sie als insichseyende Bestimmtheit zugleich uͤber sich hinaus- geht, und sich auf sich als auf ihre Negation bezieht. Das Daseyn ist auf diese Weise nicht nur bestimmt, son- dern beschraͤnkt; endlich , und es ist nicht nur endlich, sondern es ist die Endlichkeit . Insofern wir von den Dingen sagen, sie sind end- lich, so wird darunter verstanden, daß sie nicht nur eine Bestimmtheit enthalten, — denn die Qualitaͤt kann als Bestimmung oder auch als Realitaͤt genommen werden, — sondern daß nicht das Seyn, vielmehr das Nichtseyn als Schranke ihre Natur ausmacht. Das Bestimmte ist aber nur im Sollen endlich; das heißt, insofern es uͤber sich selbst als uͤber seine Negation hinausgeht. Das Endliche ist Negation, inso- fern es sich Negation ist, sich auf sich als auf Nicht- seyn bezieht, insofern es also die Schranke eben so sehr aufhebt . Es ist nemlich die Grenze, insofern sie das Ansichseyn, oder die Bestimmung ausmacht, das heißt, eben so sehr insofern es sich auf sich bezieht, also sich selbst gleich ist. In dieser Beziehung der Negation auf Erstes Buch . I. Abschnitt . auf sich selbst aber besteht das Aufheben der Negation seiner, oder seiner Ungleichheit. Die Bestimmtheit ist also nur insofern Negation und Endlichkeit, als zugleich darin die Beziehung auf sich selbst, die Gleichheit mit sich, das Aufheben der Schranke vorhanden ist. Das Endliche ist also selbst dieses Aufheben seiner, es ist selbst diß, unendlich zu seyn. Wie sich also der Begriff des Unendlichen er- geben hat, so ist es das Andersseyn des Andersseyns, die Negation der Negation, die Beziehung auf sich, durch Aufheben der Bestimmtheit. — Das Unendliche in die- sem seinem einfachen Begriffe kann als die zweyte Defi- nition des Absoluten werden; er ist tiefer als das Wer- den; aber hier noch mit einer Bestimmtheit behafftet; und die Hauptsache ist, den wahrhaften Begriff der Un- endlichkeit von der schlechten Unendlichkeit, das Unend- liche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu unterscheiden. Zuerst hat es sich am bestimmten Daseyn gezeigt, daß es in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und uͤber sich als die Schranke hinausgeht. Es ist also uͤberhaupt die Natur des Endlichen selbst, uͤber sich hin- auszugehen, die Negation zu negiren und unendlich zu werden. Das Unendliche steht also nicht als ein fuͤr sich fertiges uͤber dem Endlichen, so daß das Endliche aus- ser oder unter jenem sein Bleiben haͤtte und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjective Vernunft uͤber das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, daß das Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft uͤber das Zeitliche und End- liche erheben, so geschieht diß ganz unbeschadet der End- lichkeit, welche jene ihm aͤusserlich bleibende Erhebung nichts angeht. Insofern aber das Endliche selbst in die Unend- Qualitaͤt . Unendlichkeit erhoben wird, so ist es eben so wenig eine fremde Gewalt, welche ihm diß anthut, sondern es ist diß seine Natur, sich auf sich als Schranke zu beziehen, und somit uͤber dieselbe hinauszugehen. Denn wie sich ge- zeigt hat, ist die Schranke nur, insofern uͤber sie hin- ausgegangen wird. Also nicht im Aufheben der Endlich- keit uͤberhaupt, besteht die Unendlichkeit uͤberhaupt, son- dern das Endliche ist nur diß, selbst durch seine Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit ist seine Bestim- mung, oder das was es an sich ist. 2. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. Die Unendlichkeit ist die Bestimmung des Endlichen, aber diese Bestimmung ist das Bestimmte selbst. Die Unendlichkeit ist also selbst bestimmt, Beziehung auf An- deres. Das Andere aber, auf welches sich das Unend- liche bezieht, ist das Endliche. Sie sind aber nicht nur andere uͤberhaupt gegeneinander, sondern sind beyde Ne- gationen, aber das eine ist die an-sich-seyende Negation, das andere die Negation, als nichtansichseyend, die Ne- gation als Nichtseyn, als aufgehobenes. Nach dieser seiner Bestimmtheit gegen das Unend- liche, ist das Endliche die Negation als die Bestimmtheit am Daseyn; es ist nicht die Negation der Negation; sondern die erste Negation, oder die welche das Seyn zwar in sich aufgehoben hat, aber es in sich aufbewahrt, nur die unmittelbare Negation . Das Endliche steht daher als das reale Daseyn dem Unendlichen als seiner Negation gegenuͤber. Beyde stehen nur in Beziehung aufeinander; das Endliche ist noch nicht wahr- haft aufgehoben, sondern bleibt demselben gegenuͤber ste- hen; Erstes Buch . I. Abschnitt . hen; unmittelbar hat das Unendliche gleicherweise das Endliche nicht wahrhaft in sich aufgehoben, sondern hat es ausser sich. So das Unendliche gesetzt, ist es das Schlecht- Unendliche , oder das Unendliche des Verstandes. Es ist nicht die Negation der Negation, sondern ist zur ein- fachen ersten Negation herabgesetzt . Es ist das Nichts des Endlichen, welches das Reale ist, es ist das Leere , bestimmungslose Jenseits des Daseyns. — Es ist auf diese Weise wohl die Bestimmung des Endlichen, unendlich zu werden, aber es hat diese seine Bestimmung nicht an ihm selbst; sein Ansichseyn ist nicht in seinem Daseyn, sondern ein Jenseits seiner. Diß Unendliche ist dieselbe leere Abstraction, die als Nichts im Anfange dem Seyn gegenuͤber stand. Dort war es das unmittelbare Nichts; hier ist es das Nichts, das aus dem Daseyn zuruͤckkommt und hervorgeht, und als nur unmittelbare Negation in Beziehung auf dasselbe steht. Weil ihm das Endliche so als Daseyn gegenuͤber bleibt, so hat es seine Grenze an diesem, und ist somit nur ein bestimmtes, selbstendliches Unendliches . So erscheint der Vorstellung das Endliche als das Wirkliche, und das Unendliche dagegen als das Unwirk- liche, das in truͤber, unerreichbarer Ferne das Ansich des Endlichen, aber zugleich nur seine Grenze sey; denn beyde sind ausser und jenseits von einander. Sie sind ausser einander, aber ihrer Natur nach schlechthin aufeinander bezogen; jedes ist die Grenze des andern, und besteht nur darin diese Grenze zu haben. In ihrer Absonderung hat daher jedes zugleich diß sein Anderes an ihm selbst, aber als das Nichtseyn seiner selbst, Qualitaͤt . selbst, es eben so unmittelbar von sich abstossend. Ihre Einheit ist somit nicht die an ihnen gesetzte Beziehung; diese ist vielmehr ihre Beziehung als schlechthin Anderer, der Endlichkeit als der Realitaͤt, der Unendlichkeit als der Negation. — Ihre Begriffseinheit ist die Bestim- mung , in der das Sollen und die Schranke als dasselbe war, und aus der die Endlichkeit und Unendlichkeit ent- sprungen sind. Aber diese Einheit hat sich in dem An- dersseyn derselben verborgen, sie ist die innerliche, die nur zu Grunde liegt ; — daher scheint das Unendliche an dem Endlichen, und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem Andern, nur hervor- zutreten , das heißt, jedes ein eigenes unmittel- bares Entstehen zu seyn, und ihre Beziehung nur eine aͤusserliche. Es wird daher uͤber das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Diß Hinausgehen erscheint als ein aͤusserliches Thun. In diesem Leeren was entsteht? Was ist das Positive darin? Um der Einheit des Unend- lichen und Endlichen willen, oder weil diß Unendliche selbst beschraͤnkt ist, entsteht die Grenze; das Unendliche hebt sich wieder auf, sein Anderes, das Endliche ist ein- getreten. Aber diß Eintreten des Endlichen, erscheint als ein dem Unendlichen aͤusserliches Thun, und die neue Grenze als ein solches, das nicht aus dem Unendlichen selbst entstehe. Es ist somit der Ruͤckfall in die vorheri- ge, aufgehobene Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist selbst nur ein solches, das aufzuheben, oder uͤber das hinaus zu gehen ist. Somit ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem aber jene Bestimmung, eine neue Grenze gesetzt werden kann, und sofort ins Unendliche . Es ist die Wechselbestimmung des Endli- chen und Unendlichen vorhanden; das Endliche ist endlich Erstes Buch . I. Abschnitt . endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf das Endliche. Sie sind schlechthin Ande- re gegeneinander, und jedes hat das Andere seiner an ihm selbst. Diese Wechselbestimmung ist es, welche naͤher im Quantitativen als der Progreß ins Unendliche auf- tritt, der in so vielen Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, uͤber das nicht mehr hinausgegangen wird, sondern angekommen bey jenem: Und so fort ins Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben. Der Grund, daß uͤber diß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird, hat sich ergeben. Es ist nur das schlechte Unendliche vorhanden; uͤber das- selbe wird allerdings hinausgegangen, denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit eben wird vielmehr nur zum Endlichen zuruͤckgekehrt. Die schlechte Unendlich- keit ist dasselbe, was das perennirende Sollen , sie ist zwar die Negation des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in Wahrheit davon zu befreyen; diß tritt an ihr selbst wieder hervor, als ihr Anderes, weil diß Un- endliche nur ist als in Beziehung auf das ihm andre Endliche. Der Progreß ins Unendliche ist daher nur die sich wiederhohlende Einerleyheit, eine und dieselbe lang- weilige Abwechslung dieses Endlichen und Unendlichen. Diese Unendlichkeit des unendlichen Progresses, die mit dem Endlichen behafftet bleibt, hat an ihr selbst ihr Anderes, das Endliche; sie ist somit dadurch begrenzt und selbst endlich ; sie ist darum die schlechte Unendlich- keit, weil sie nicht an und fuͤr sich, sondern nur ist, als Beziehung auf ihr Anderes. Diß Qualitaͤt . Diß Unendliche ist selbst endlich . — So- mit waͤre es in der That die Einheit des Endlichen und Unendlichen. Aber auf diese Einheit wird nicht reflectirt. Allein sie ist es nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im Unendlichen das Endliche hervorruft, und, so zu sagen, die Triebfeder des unendlichen Progresses ist. Er ist das Aeussere jener Einheit, bey welchem die Vor- stellung stehen bleibt, bey jener perennirenden Wieder- hohlung eines und desselben Abwechselns, der leeren Un- ruhe des Weitergehens uͤber die Grenze hinaus, das in diesem Unendlichen eine neue Grenze findet , auf der- selben aber sich so wenig halten kann, als in dem Un- endlichen. Dieses Unendliche hat einmal die feste Deter- mination eines Jenseits , das also nicht erreicht wer- den kann, darum weil es nicht erreicht werden soll , weil es die Bestimmung eines Jenseits hat. Es hat nach dieser Bestimmung das Endliche, als die Bestim- mung eines Disseits , sich gegenuͤber; das sich eben so wenig ins Unendliche erheben kann, darum weil es diese Determination eines Andern fuͤr es hat. 3. Ruͤckkehr der Unendlichkeit in sich . In der That aber ist in diesem heruͤber- und hin- uͤbergehenden Wechselbestimmen die Wahrheit dieses Un- endlichen schon enthalten. Es ist nemlich, wie erinnert, als schlechthin bezogen auf das Endliche selbst endlich . Die Einheit des Endlichen und Unendlichen ist also nicht nur das Innre, sondern sie ist selbst vor- handen . Das Unendliche ist nur als das Hinausgehen uͤber das Endliche; so das Endliche nur als das, was eine Grenze ist, und uͤber das hinausgegangen werden muß. In jedem selbst liegt daher die Bestimmung, wel- H che Erstes Buch . I. Abschnitt . che in der Meynung des unendlichen Progresses oder des Sollens, nur von ihm ausgeschlossen ist, und ihm ge- genuͤber steht. Die Einheit des Endlichen und Unendlichen aber hebt sie auf ; denn eben Endliches und Unendli- ches sind sie nur in ihrer Trennung. Jedes aber ist an ihm selbst diese Einheit und diß Aufheben seiner selbst. Die Endlichkeit ist nur als Hinausgehen uͤber sich; es ist also in ihr die Unendlichkeit, das Andre ihrer selbst em- halten. Eben so ist die Unendlichkeit nur als Hinausge- hen uͤber das Endliche; sie hat nur Bedeutung als die negative Beziehung auf das Endliche, sie enthaͤlt also wesentlich ihr Andres, und ist somit an ihr das Andre ihrer selbst. Das Endliche wird nicht vom Unendlichen als einem ausser ihr seyenden aufgehoben, sondern seine Unendlichkeit besteht darin, sich selbst aufzuheben. — Ferner ist diß Aufheben nicht das Andersseyn uͤberhaupt; sondern das Endliche, nach seiner Bestimmung , als das was es an sich seyn soll, ist Negation , ist Andersseyn, ist das Daseyn als ein Nichtseyn. Indem es also das Andersseyn seiner Bestimmung an ihm selbst hat, ist es selbst das Andersseyn des Andersseyns. — So besteht die Unendlichkeit nicht in dem leeren Jenseits, das nur aͤusserlich begrenzt wird und eine Bestimmung er- haͤlt, sondern sie ist gleichfalls an ihr das Andre ihrer, das sich aus seiner Flucht zuruͤckruft, und somit als An- deres des leeren Andersseyns, als Negation der Nega- tion, Ruͤckkehr zu sich und Beziehung auf sich selbst ist. Weder das Endliche als solches, noch das Unend- liche als solches haben daher Wahrheit. Jedes ist an ihm selbst das Gegentheil seiner, und Einheit mit seinem Andern. Ihre Bestimmtheit gegen einander ist also verschwunden. Es ist hiemit die wahre Un- end- Qualitaͤt . endlichkeit , in der sowohl die Endlichkeit, als die schlechte Unendlichkeit aufgehoben ist, eingetreten. Sie be- steht in dem Hinausgehen uͤber das Andersseyn, als der Ruͤckkehr zu sich selbst ; sie ist die Negation als sich auf sich selbst beziehend ; das Andersseyn, insofern es nicht unmittelbares Andersseyn, son- dern Aufheben des Andersseyns, die wiederherge- stellte Gleichheit mit sich ist. Das Daseyn ist zunaͤchst bestimmtes Seyn, wesentlich bezogen auf Anderes. Das Nichtseyn ist im Daseyn als Seyn; hiezu hat es sich nun an ihm selbst, nemlich als Unendlichkeit gemacht. Die Bestimmtheit des Daseyns ist als Beziehung auf Anderes verschwunden; sie ist zur sich auf sich selbst beziehenden Bestimmtheit, zum absoluten, schrankenlosen Bestimmtseyn geworden. Dieses reine Bestimmtseyn in sich, nicht durch Anderes, die qualitative Unendlichkeit, das sich selbst gleiche Seyn, als die negative Beziehung auf sich ist das Fuͤrsich- seyn . Anmerkung . Das Unendliche, — nach dem gewoͤhnlichen Sinne der schlechten Unendlichkeit, — und der Progreß ins Unend- liche, wie das Sollen, sind der Ausdruck eines Wi- derspruchs , der sich selbst fuͤr die Aufloͤsung , oder fuͤr das Letzte haͤlt. Diß Unendliche ist eine erste Erhe- bung des sinnlichen Vorstellens uͤber das Endliche in den Gedanken, der aber nur den Inhalt von Nichts hat, — eine Flucht uͤber das Beschraͤnkte, die sich nicht in sich sammelt, und das Negative nicht zum Positiven zuruͤck- zubringen weiß. Diese unvollendete Reflexion hat die Negativitaͤt jenseits, das Positive oder Reale aber disseits. Obwohl die Erhebung des Endlichen ins Un- H 2 endli- Erstes Buch . I. Abschnitt . endliche und die Zuruͤckrufung des Jenseits in das Dis- seits, oder das Aufheben dieser beyden unvollkommenen Bestimmungen vorhanden ist, bringt sie doch diese beyden Gedanken nicht zusammen. Die Natur des speculativen Denkens besteht allein in dem Auffassen der entgegengesetz- ten Momente in ihrer Einheit. Indem jeder sich an sich zeigt, sein Gegentheil an ihm selbst zu haben, so ist seine positive Wahrheit diese Einheit, das Zusammenfassen beyder Gedanken, ihre Unendlichkeit, die Beziehung auf sich selbst, nicht die unmittelbare, sondern die unendliche. Das Wesen der Philosophie ist haͤufig, von solchen, die mit dem Denken schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten, wie das Unendli- che aus sich heraus und zur Endlichkeit komme ? — Das Unendliche, bey dessen Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser Darstel- lung, weiter bestimmen , und somit an ihm das Ge- foderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdruͤcken will, zur Endlichkeit komme . Hier betrachten wir diese Frage nur in ihrer Unmittelbarkeit, und in Ruͤcksicht des vorhin betrachteten Sinnes, den das Un- endliche zu haben pflegt. Von der Beantwortung dieser Frage soll es uͤber- haupt abhaͤngen, ob es eine Philosophie gebe , und indem man es hierauf noch ankommen lassen zu wollen vorgibt, glaubt man zugleich an der Frage selbst einen unuͤberwindlichen Talismann zu besitzen, durch den man gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie uͤberhaupt fest und gesichert sey. — Auch bey andern Gegenstaͤnden setzt es eine Bildung voraus, um zu fragen zu verstehen, noch mehr aber bey philosophi- schen Gegenstaͤnden, um eine andere Antwort zu erhal- ten, als die, daß die Frage nichts tauge. Es Qualitaͤt . Es pflegt bey solchen Fragen in Ansehung des Aus- drucks, die Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die Worte nicht ankomme, sondern in einer oder andern Weise des Ausdrucks verstaͤndlich sey, wor- auf es ankomme? Ausdruͤcke der sinnlichen Vorstellung, wie herausgehen und dergleichen, die gern bey der Frage gebraucht werden, erwecken den Verdacht, daß die Heimath, aus der sie stammt, der Boden des ge- woͤhnlichen Vorstellens ist, und daß fuͤr die Beantwor- tung auch Vorstellungen, die im gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt eines sinnlichen Gleichnisses erwar- tet werden. Wenn statt des Unendlichen das Seyn uͤberhaupt genommen wird, so scheint das Bestimmen des Seyns, eine Negation an ihm, leichter begreiflich. Denn Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte; insofern es also be- stimmt ist, ist es das bestimmte Unbestimmte, Einheit der Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Aber es ist nicht un- mittelbar an ihm ausgedruͤckt, daß es das Gegentheil des Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthaͤlt diß ausgedruͤckt; es ist das Nicht- endliche. Die Ein- heit des Endlichen und Unendlichen scheint somit unmit- telbar ausgeschlossen; die unvollendete, vorstellende Re- flexion ist daher am hartnaͤckigsten gegen diese Einheit. Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt unmit- telbar, daß das Unendliche, und zwar in dem Sinne, in dem es von jenem Reflectiren genommen wird, — nemlich als dem Endlichen gegenuͤberstehend, — darum weil es ihm gegenuͤbersteht, an ihm sein Anderes hat, daher be- grenzt und selbst endlich ist. Die Antwort auf die Frage, wie das Unendliche endlich werde , ist somit diese, daß es nicht ein Unendliches gibt , das vorerst unendlich ist, und das nachher erst endlich zu werden, zur Erstes Buch . I. Abschnitt . zur Endlichkeit zu kommen noͤthig habe, sondern es ist fuͤr sich selbst schon eben so sehr endlich als unendlich. Oder indem die Frage das Unendliche einerseits fuͤr sich an- nimmt, und daß das Endliche, das aus ihm heraus in die Trennung gegangen sey, abgesondert von ihm, wahr- haft real sey, oder daß wenn auch eben nicht diß End- liche, wenigstens jenes Unendliche die Wahrheit sey, — so koͤnnte man sagen, diese Trennung sey allerdings un- begreiflich. Denn weder solches Endliches, noch solches Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist unbe- greiflich. Man kann also sagen, jene Frage stellt einen unwahren Inhalt auf, und enthaͤlt eine unwahre Be- ziehung desselben. Somit ist nicht auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen Voraussetzungen, die sie enthaͤlt, oder die Frage selbst zu negiren. Es ist aber, was schon oben von der Einheit des Seyns und Nichts bemerkt worden ist, in Erinnerung zu bringen, daß auch der Ausdruck: Einheit des Unendlichen und End- lichen, oder: daß Endliches und Unendliches dasselbe sind, eine schiefe Seite hat; weil er das, was ein Werden ist, als ruhendes Seyn ausdruͤckt. So ist auch das Unend- liche das Werden zum Endlichen, und umgekehrt das End- liche das Werden zum Unendlichen. Man kann so sagen, das Unendliche gehe zum Endlichen heraus, und zwar darum, weil es keine Wahrheit, kein Bestehen an ihm selbst hat; so umgekehrt geht das Endliche, aus demsel- ben Grunde seiner Nichtigkeit, in das Unendliche hinein. Die Frage aber nimmt das Unendliche, das dem Endli- chen gegenuͤbersteht, als etwas Wahrhaftes an; oder auch das beziehungslose Unendliche, das denn aber nicht Unendliches, sondern Seyn heissen sollte; aber am Seyn hat es sich schon gezeigt, daß diese reine unmit- telbare Einheit keine Wahrheit hat . Drit- Qualitaͤt . Drittes Kapitel. Das Fuͤrsichseyn . Im Fuͤrsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet ; es ist das unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das Daseyn ist das aufgehobene Seyn, aber nur das unmittelbar aufgeho- bene Seyn. Es enthaͤlt daher zunaͤchst nur die erste, un- mittelbare Negation, das Seyn ist gleichfalls als erhal- ten, und die Bestimmtheit ist erst Grenze. Die Bewe- gung des Daseyns besteht darin, diese Grenze aus ihrer Aeusserlichkeit in sich hinein zu verlegen. Im Fuͤrsichseyn ist diese Umkehrung vollendet. Das Negative als In- sichseyn und das Negative als Grenze, als Andersseyn ist als identisch gesetzt; das Fuͤrsichseyn ist das sich auf sich beziehende Negative, das absolute Bestimmtseyn . Wie nun das Daseyn sich zum Daseyenden bestimmt oder macht, so bestimmt erstens das Fuͤrsichseyn sich zum Fuͤrsichseyenden, oder zum Eins . Zweytens ist das Eins Repulsion und geht in Vielheit der Eins uͤber. Drittens aber hebt sich diß Andersseyn des Eins durch die Attraction auf, und die Qualitaͤt, die sich im Fuͤrsichseyn auf ihre Spitze trieb, geht in Quantitaͤt uͤber. A. Fuͤr- Erstes Buch . I. Abschnitt . A. Fuͤrsichseyn als solches . Der allgemeine Begriff des Fuͤrsichseyns hat sich ergeben. Es unterscheiden sich in ihm die Momente sei- ner unendlichen Beziehung auf sich selbst , und des Fuͤr-eines-seyns . Als diß reflectirte Fuͤrsich- seyn ist es Idealitaͤt . Aber als die an ihm selbst in sich zuruͤckkehrende Einheit seiner Momente ist es das Eins . 1. Fuͤrsichseyn uͤberhaupt . Was fuͤr sich ist, ist es dadurch, daß es das An- dersseyn, und die Beziehung und Gemeinschaft mit An- derem aufhebt. Das Andere ist in ihm nur als ein aufgehobenes, als sein Moment. Das Fuͤrsichseyn geht nicht uͤber sich hinaus, so daß es sich eine Schranke, ein Anderes waͤre, sondern es besteht vielmehr darin, uͤber die Schranke, uͤber sein Andersseyn hinausgegangen, und als diese Negation die unendliche Ruͤckkehr in sich zu seyn. 2. Die Momente des Fuͤrsichseyns . Das Fuͤrsichseyn ist als Negation des Andersseyns, Beziehung auf sich; Gleichheit mit sich. Diß macht a. ) das Qualitaͤt . a. ) das Moment seines Ansichseyns , aus. Diß Ansichseyn ist aber weiter bestimmt als es im Daseyn war. Das Ansichseyn des Daseyns ist traͤge, wird bestimmt, und erhaͤlt sich nicht gegen die Grenze und das Begrenztwerden; so wie auch das Ansichseyn als Bestimmung zwar seiner Schranke gleich ist, oder sich selbst seine Schranke wird, aber so, daß es sich darin schlechthin das Nichtseyn seiner ist. Im Ansichseyn des Daseyns ist zwar gleichfalls das Seyn-fuͤr-Anderes auf- gehoben; aber diß Aufheben besteht vielmehr nur in dem Unterscheiden und Absondern beyder von einander, und zwar gehoͤrt diß Absondern einer aͤussern Reflexion an. — Die Bestimmung oder das Sollen und die Schranke sind wohl an sich eine und dieselbe Bestimmtheit, die aber nur das einemal als das An-sich-seyn gegen das Nicht- seyn, und das andremal, als diß Nichtseyn oder als ab- solutes Andersseyn gesetzt ist; sie sind nur an sich das- selbe, darum weil sie sich noch nicht an ihnen selbst in ihrer Unterschiedenheit, aufgehoben haben und noch nicht fuͤr sich dasselbe sind. Das Ansichseyn des Fuͤrsichseyns dagegen hat die Bestimmung dieses Aufhebens; das Fuͤrsichseyn ist da- durch auch in der Unterscheidung, im Daseyn, die Ein- heit, welche das Sollen und die Schranke, oder der un- endliche Progreß nur an sich ist. Es ist in sich beschlos- senes Daseyn, unendliche Beziehung auf sich selbst. In- dem es Beziehung auf Anderes ist, ist es Beziehung darauf nur als auf ein aufgehobenes; es ist also im An- dern Beziehung nur auf sich. b. ) Fuͤr eines seyn . Die unendliche Beziehung des Fuͤrsichseyns auf sich besteht in der Gleichheit der Negation mit sich selbst. Das Erstes Buch . I. Abschnitt . Das Andersseyn ist aber nicht verschwunden, so daß das Fuͤrsichseyn nur die unmittelbare Beziehung des Seyns auf sich waͤre, sondern es ist ein aufgehobenes. Das Andersseyn ist nicht zwischen dem Fuͤrsichseyn und einem Andern vertheilt; das Fuͤrsichseyn hat nicht das Nicht- seyn an ihm als Grenze oder Bestimmtheit, und da- mit auch nicht als ein von ihm anderes Daseyn. Das Andre ist daher uͤberhaupt kein Daseyn, kein Etwas; es ist nur im Fuͤrsichseyn, ist nichts ausser der unendlichen Beziehung desselben auf sich selbst, und hat damit nur diß Daseyn, fuͤr eines zu seyn. Diß zweyte Moment des Fuͤrsichseyns, druͤckt es aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem Unend- lichen ist. Auch das Seyn-fuͤr-Anderes im Daseyn oder das Daseyn uͤberhaupt hat diese Seite fuͤr eines zu seyn; aber ausserdem ist es auch an sich, gleichguͤltig gegen diese seine Grenze. Anmerkung . Der zunaͤchst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache fuͤr die Frage nach der Qualitaͤt, was fuͤr ein Ding etwas sey, hebt das hier betrachtete Moment vornemlich heraus. Die Bestimmtheit ist darin ausgedruͤckt, nicht als ein an-sich-seyendes, sondern als ein solches, das nur fuͤr eines ist. Dieser idealisti- sche Ausdruck fragt dabey nicht, was diß Ding A fuͤr ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch fuͤr einen andern Menschen sey; — sondern was ist diß fuͤr ein Ding, fuͤr ein Mensch ? so daß diß Seyn fuͤr eines zugleich zuruͤckgenommen ist in diß Ding, in diesen Menschen selbst, oder daß dasjenige, welches ist , und das fuͤr welches es ist, ein und dasselbe ist, — eine Identitaͤt, welche itzt an der Idealitaͤt be- trachtet werden wird. c. ) Idea- Qualitaͤt . c. ) Idealitaͤt . Das Fuͤrsichseyn ist die einfache Gleichheit mit sich. Es hat die beyden unterschiedenen Momente in sich, weil die einfache Gleichheit mit sich, nicht das Unmittelbare, das Seyn, ist, sondern nur als Aufheben des Anders- seyns; sie enthaͤlt also zugleich eine Trennung, oder An- dersseyn, aber als verschwindende Trennung, als sich aufhebendes Andersseyn. Die beyden Momente sind da- her unzertrennlich. Die unendliche Beziehung auf sich ist nur als Negation der Negation, und diß Aufheben des Andersseyns ist unmittelbar sich auf sich beziehende Einheit. Das Fuͤrsichseyn in dieser Bestimmung, daß es sich auf sich bezieht, dadurch daß das Andre in ihm nur auf- gehobenes ist, ist Idealitaͤt . Die Idealitaͤt ist also dasselbe, was die Unend- lichkeit ist, oder sie ist der positive und reflectirte, be- stimmte Ausdruck derselben. Was unendlich ist, ist ideell ; es ist nur insofern schrankenlos, insofern das Andere nur fuͤr es ist. Haͤtte das Andere ein Da- seyn, so waͤre es nicht nur ein fuͤr eines , sondern machte eine Grenze aus. Die Idealitaͤt und Realitaͤt ist ein und dasselbe , ist einer der schon geruͤgten schiefen Aus- druͤcke. Die Idealitaͤt ist vielmehr die Wahrheit der Realitaͤt, oder wenn man unter Realitaͤt, das Substan- tielle, das Wahre selbst verstehen will, so ist die Ideali- taͤt die wahrhafte Realitaͤt; insofern nemlich das Daseyn oder die Realitaͤt sich zur Idealitaͤt bestimmt hat. Wie die Realitaͤt nach ihren beyden Seiten, des Ansichseyns und des Seyns-fuͤr-Anderes, unterschie- dene Erstes Buch . I. Abschnitt . dene Bedeutungen zu haben schien, so scheint auch das Ideelle im Sinne des Ansichseyns, als unendliche Beziehung auf sich , und im Sinne des Seyns-fuͤr- Anderes, nemlich als Seyn-fuͤr-eines , unterschie- den zu seyn. — So ist der Geist, Gott, das Absolute uͤber- haupt, ein Ideelles , als unendliche Beziehung auf sich selbst, als Einheit mit sich, die nicht in die Aeusser- lichkeit und in das Andersseyn verloren ist, sondern fuͤr welche alle Bestimmtheit ist. — Das Leibnitzische vorstellende Wesen, die Monade , ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fuͤrsichseyn, in wel- chem die Bestimmtheiten, nicht Grenzen, sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar eine concretere Be- stimmung, die dem Bewußtseyn angehoͤrt, aber es hat hier keine weitere Bedeutung, als die der Idealitaͤt; denn auch das Bewußtseynslose uͤberhaupt ist Vorstellen- des. Es ist in diesem Systeme also das Andersseyn uͤberhaupt aufgehoben; Geist und Koͤrper, oder die Mo- naden uͤberhaupt sind nicht Andere fuͤr einander, sie be- grenzen sich nicht, haben keine Einwirkung aufeinander; es fallen uͤberhaupt alle Verhaͤltnisse weg, welchen ein Andersseyn zum Grunde liegt. Daß es mehrere Mo- naden gibt, daß sie damit auch als Andere bestimmt werden, geht die Monaden selbst nichts an; es ist die ausser ihnen fallende Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an ihnen selbst Andere . — Allein hierin liegt zugleich das Unvollendete dieses Systems. Die Mo- naden sind nur an sich , oder in Gott , als der Mo- nade der Monaden, oder auch im Systeme , Vor- stellendes. Aber das Andersseyn ist gleichfalls vorhan- den; es falle wohin es wolle, in die Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt werde, welches sie als Andere betrachtet. Das Andre ist daher nicht an sich selbst Qualitaͤt . selbst aufgehoben; es ist nur ausgeschlossen, und die Mo- naden nur durch die Abstraction als solche gesetzt, welche nicht Andre sind. Oder wenn es ein Drittes ist, wel- ches ihr Andersseyn setzt, so ist es auch ein Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze Be- wegung, welche sie zu ideellen macht , faͤllt ausser ihnen. Anderer Idealismus, wie zum Beyspiel der Kanti- sche und Fichte’sche kommt nicht uͤber das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und erreicht hiemit den Idealismus und das Fuͤrsichseyn nicht. In diesen Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unend- liche Anstoß zwar unmittelbar in das Ich und wird nur ein fuͤr dasselbe ; aber er geht von einem freyen An- dersseyn aus. Das Ich wird daher wohl als das Ideelle von der Seite des Ansichseyns als unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber die Seite des Fuͤr- eines-seyns ist nicht vollendet, daher aber auch nicht jene erste. Das Ideelle ist zweytens auch das Seyn- fuͤr-eines . Dieser Sinn wird unterschieden von dem ersten, der unendlichen Beziehung auf sich selbst. Im erstern Sinne, wird Gott, Ich u. s. f. ein ideelles ge- nannt, und das eigentliche Fuͤrsichseyn, die Unendlich- keit auf ihn eingeschraͤnkt, so daß Gott, Ich so nur ein Ideelles seyen, daß sie schlechthin nicht fuͤr-eines seyen. — In diesem andern Sinne, wird eine leere Theorie, ein nur ideelles genannt. Das Ideelle hat dann ungefaͤhr die Bedeutung einer bloßen Einbildung, wenigstens einer bloßen Vorstellung, der nichts Wirk- liches entspricht, deren Inhalt nichts fuͤr sich selbst ist. Inso- Erstes Buch . I. Abschnitt . Insofern aber an diesem Unterschiede festgehalten wird, so ist der Vorstellung, noch das Daseyn und ein Etwas geblieben, oder eben durch jenes Bestim- men selbst zuruͤckgekehrt. Als ob nemlich ein Etwas vor- handen, das als Grund oder Subject bestuͤnde, und fuͤr welches das Andre, so wie ein Etwas sey, welches nur das Bezogene waͤre; jenes das fuͤr-sich-seyende, diß aber nur das fuͤr-anderes seyende Etwas. Aber das Fuͤr-eines-seyn und das Fuͤrsichseyn machen keine wahrhaften Bestimmtheiten gegeneinander aus. Das Fuͤr-eines-seyn druͤckt das Aufgehobenseyn des Andersseyns aus; es ist also wesentlich mit dem Fuͤrsich- seyn eins. Das Fuͤrsichseyn ist unendliche Beziehung auf sich, dadurch daß es das aufgehobene Andersseyn ist. Insofern der Unterschied auf einen Augenblick angenom- men, und hier schon von einem Fuͤrsichseyenden ge- sprochen wird, so ist das Fuͤrsichseyende es selbst, auf welches es sich als auf das aufgehobene Andre bezieht, welches also fuͤr-eines ist. Das Fuͤrsichseyn ist Be- ziehung auf sich, aber unendliche; es ist also die Nega- tion darin enthalten. Oder das Fuͤrsichseyende ist nicht Unmittelbares, nicht Seyendes; aber dieses Nichtseyn ist schlechthin aufgehoben; es ist also sich selbst das auf- gehobene Andere, das Fuͤr-eines-seyn ; es bezieht sich dadurch in seinem Andern nur auf sich. Das Ideelle ist also nothwendig fuͤr-eines , aber es ist nicht fuͤr ein anderes ; oder das eine, fuͤr welches es ist, ist nur es selbst. Ich also, der Geist uͤberhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als fuͤr-sich-seyende, verschieden von dem, das fuͤr-ei- nes ist. Denn so waͤren sie nur unmittelbare, oder naͤ- her waͤren sie Daseyn, ein Seyn-fuͤr-Anderes, weil das, welches fuͤr sie waͤre, nicht sie selbst, sondern ein Ande- Qualitaͤt . Anderes waͤre, wenn das Moment, fuͤr-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. Gott ist daher fuͤr sich , insofern er selbst das ist, das fuͤr ihn ist. Fuͤr-sich-seyn und Fuͤr-eines-seyn sind also nicht verschiedene Bedeutungen der Idealitaͤt, sondern sind wesentliche, untrennbare Momente derselben. 3. Werden des Eins . Das Fuͤrsichseyn ist Idealitaͤt; und es ist, wie sich so eben ergeben hat, die einfache Einheit seiner Mo- mente, und eigentlich kein Unterschied derselben. Es enthaͤlt das Andersseyn als aufgehobenes; das Aufheben des Andersseyns und die Beziehung auf sich selbst sind dasselbe; es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, die Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die innern Momente des Fuͤrsichseyns sind daher in der That in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken. Das Fuͤrsichseyn ist daher ein einfaches Einsseyn mit sich, ein In-sich-seyn, das keine Grenze oder Be- stimmtheit hat, oder dessen Bestimmtheit das reine Negi- ren ist. Indem es uͤberhaupt das sich auf sich be- ziehende Aufheben, diese einfache Gleichheit mit sich selbst ist, ist es somit ein Insichseyn, das die Form der Unmittelbarkeit hat; Etwas, aber ein unbestimmbares. Nach dieser Unmittelbarkeit ist diß Insichseyn kein Beziehen, sondern ein Seyn . Aber als Unmittel- barkeit , die sich auf das Negiren gruͤndet, ist es zu- gleich wesentlich Beziehung, diß macht seine Bestimmung aus. Seine Unmittelbarkeit und diese seine Bestimmung unter- Erstes Buch . I. Abschnitt . unterscheiden sich also von einander. Bey seiner einfa- chen Unmittelbarkeit, oder als Seyn, ist es zugleich rei- nes Negiren, eine Beziehung nach Aussen uͤberhaupt, ein reines negirendes Beziehen; aber nicht auf ein An- deres; denn es ist hier kein Anderes mehr vorhanden, sondern vielmehr schlechthin aufgehoben. Diese Bezie- hung ist auch noch nicht Beziehung auf das Unmittelbare, sondern zunaͤchst ist diese Unmittelbarkeit nichts anderes als das einfache Beziehen der Negation auf sich selbst. Was also gesetzt ist, ist die Ruͤckkehr der Idealitaͤt in das einfache Insichseyn, in eine Sichselbstgleichheit, welche die Form von Unmittelbarkeit hat, und die ein bloß negatives Beziehen, ein Beziehen auf Nichts uͤber- haupt ist. Das Fuͤrsichseyn ist, als dieses Unmittelbare, das reines Negiren ist, das Fuͤrsichseyende, das Eins . B. Das Qualitaͤt . B. Das Eins . 1. Das Eins und das Leere . Das Eins ist die einfache Beziehung des Fuͤrsich- seyns auf sich selbst, die, indem seine Momente in sich zusammengefallen sind, die Form der Unmittelbar- keit hat. Es ist daher uͤberhaupt, ohne ein Daseyn zu haben; das bestimmte Seyn oder Daseyn ist im Fuͤr- sichseyn zum reinen Seyn zuruͤckgekehrt. Weil Eins kein Daseyn und keine Bestimmtheit als Beziehung auf Anderes hat, ist es auch keine Beschaffen- heit und somit keines Andersseyns faͤhig; es ist unver- aͤnderlich . Es ist unbestimmt, aber nicht wie das Seyn; son- dern seine Unbestimmtheit ist die Bestimmtheit, welche Be- ziehung auf sich selbst ist, absolutes Bestimmt- seyn . — Das absolute Bestimmtseyn ist die Bestimmt- heit, oder Negation, als Beziehung nicht auf Anderes, sondern auf sich. Diese Gleichheit des Eins mit sich hat es also nur, insofern es Verneinen, eine Richtung von sich ab, hinaus auf Anderes ist, die aber unmittelbar aufgehoben, umgewendet, weil kein Anderes ist, auf das sie gehe, und die in sich zuruͤckgekehrt ist. Weil um der Einfachheit dieses In-sich-zuruͤckge- kehrt seyns willen, das Eins die Gestalt eines Unmit- J telba- Erstes Buch . I. Abschnitt . telbaren, Seyenden hat, so erscheint sein Aufheben, oder die Negation, als ein ausser ihm seyendes Anderes, das nicht Etwas, sondern das Nichts ist, das selbst die Gestalt der Unmittelbarkeit gegen jenes Seyen- des hat, aber an sich zugleich nicht das erste Nichts, nicht unmittelbar ist, sondern das Nichts als auf- gehobenes Etwas — oder es ist das Nichts als Leeres . Das Leere ist also in Wahrheit nicht unmittelbar, gleichguͤltig fuͤr sich dem Eins gegenuͤber, sondern es ist dessen Sich-beziehen-auf-Anderes oder dessen Grenze. Das Eins aber ist selbst, als das absolute Bestimmt- seyn, die reine Grenze, die reine Negation oder Leere. Es ist also, indem es sich zum Leeren verhaͤlt, die un- endliche Beziehung auf sich. Es selbst ist aber die reine Negation, als unmittelbar sich selbst gleich, als seyend ; die Leere aber ist dagegen dieselbe Negation, als Nicht- seyn . Das Fuͤrsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das Leere bestimmt hat, hat wieder ein Daseyn erlangt. Wie aber Etwas und ein Anderes, so zu sagen, zu ihrem Boden das Seyn haben, auf dem die Bestimmtheit derselben gesetzt ist, so hat das Eins und das Leere, das Nichts zu ihrem gemeinschaftlichen oder vielmehr einfachen Boden. Das Fuͤrsichseyn hat zuerst den Unterschied in ihm selbst, und die unterschie- denen als seine Momente, das Fuͤrsichseyn als Ansich- seyn, und das Seyn-fuͤr-eines, deren Einheit die Idea- litaͤt ist. Sie treten aus dieser Einheit oder werden die sich Aeusserlichen, das Eins und das Leere, indem durch die einfache Einheit der Momente selbst, die Bestimmung des Seyns hereinkommt, wodurch das, was vorher Mo- ment war, die Gestalt eines Seyenden erhaͤlt. — Oder es Qualitaͤt . es sind zwey Momente, das einfache Fuͤrsichseyn, und das Seyn-fuͤr-eines; jedes fuͤr sich betrachtet, und je- des ist auch so fuͤr sich, denn jedes ist auch das Ganze, sinkt in der einfachen Beziehung auf sich in die Unmit- telbarkeit zusammen, und damit in das Daseyn gegen- einander, in eine Beziehung von solchen, die nicht nur als Bezogene, sondern auch unmittelbar sind. Anmerkung . Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stuf- fe der Kategorie, die bey den Alten, als das Atomi- stische Princip vorgekommen ist, nach welchem das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere , (το ἀτομον oder τα ἀτομα και τοκενον.) Die Abstraction zu dieser Form gediehen, hat eine groͤßere Bestimmtheit gewonnen, als das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. So hoch sie steht, indem sie diese einfache Bestimmtheit des Eins und des Leeren zum Princip aller Dinge macht, die unendliche Mannichfal- tigkeit der Welt auf diesen einfachen Gegensatz zuruͤck- fuͤhrt und sie aus ihm zu erkennen sich erkuͤhnt, so leicht ist es fuͤr das vorstellende Reflectiren, sich hier Atome und daneben das Leere vorzustellen. Es ist daher kein Wunder, daß das atomistische Princip sich jederzeit erhalten hat; das gleich triviale und aͤusserliche Verhaͤlt- niß der Zusammensetzung , das noch hinzukommen muß, um zum Scheine einer Verschiedenheit und Man- nichfaltigkeit zu gelangen, ist eben so populaͤr als die Atome selbst und das Leere. Das Eins und das Leere ist das Fuͤrsichseyn, das hoͤchste Insichseyn zur voͤlligen Aeusserlichkeit herabgesunken; denn im Eins ist die Un- mittelbarkeit oder das Seyn vorhanden, das, weil es die Negation alles Andersseyns ist, nicht mehr bestimm- bar und veraͤnderlich ist, also auch nicht wieder in sich J 2 zuruͤck- Erstes Buch . I. Abschnitt . zuruͤckkehren zu koͤnnen scheint, sondern fuͤr das in seiner absoluten Sproͤdigkeit alle Bestimmung, Mannichfaltig- keit, Verknuͤpfung schlechthin aͤusserliche Beziehung bleibt. In dieser Aeusserlichkeit aber ist das atomistische Princip nicht bey den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte ausser seiner Abstraction, auch die spe- culative Tiefe darin, daß das Leere als der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander und die Gleichguͤltigkeit dieser beyden Bestimmungen gegeneinander. Daß das Leere der Quell der Bewegung ist, hat aber nicht den gering- fuͤgigen Sinn, daß sich etwas nur in ein Leeres hinein- bewegen koͤnne, und nicht in einen schon erfuͤllten Raum; in welchem Verstande das Leere nur die Voraussetzung oder Bedingung, nicht der Grund der Bewegung waͤ- re, so wie auch die Bewegung selbst als vorhanden vor- ausgesetzt, und das Wesentliche, der Gedanke an einen Grund derselben vergessen ist. Die Ansicht dagegen, daß das Leere den Grund der Bewegung ausmacht, enthaͤlt den tiefen Gedanken, daß im Negativen uͤberhaupt, der Grund des Werdens, der Unruhe der Selbstbewegung liegt. Wobey aber das Negative nicht als das der Vor- stellung am naͤchsten liegende Nichts, sondern als die wahrhafte Negativitaͤt, als das Unendliche zu nehmen ist. 2. Viele Eins . (Repulsion.) Das Eins und das Leere macht das Fuͤrsichseyn in seinem Daseyn aus. Jedes Qualitaͤt . Jedes dieser Momente ist zugleich die Negation; das Eins und das Leere macht also die Beziehung der Negation auf die Negation aus. Aber die Bestimmtheit dieses Daseyns, wie es sich ergeben hat, ist, daß das Eins die Negation in der Bestimmung des Seyns, das Leere aber die Negation in der Bestimmung des Nicht- seyns ist. Dieser erst abstracte Unterschied hat sich wei- ter zu bestimmen. Das Eins hat Unmittelbarkeit; es ist Beziehung auf sich und gleichguͤltig fuͤr sich, gegen das Nichts, das ausser ihm ist. Aber das Eins ist wesentlich nicht gleich- guͤltig gegen das Leere; denn es ist Beziehung auf sich nur als beziehende Negation, d. h. als dasjenige, was das Leere ausser ihm seyn soll. Insofern daher er- stens das Eins als unmittelbares sich auf das Leere, das gleichfalls die Gestalt eines unmittelbaren hat, be- zieht, so ist die Beziehung des Daseyns vorhanden, das Eins bezieht sich also auf das Leere als ein ihm An- deres , und geht uͤber sich hinaus in das Leere. Aber da zweytens in der Idealitaͤt des Fuͤrsichseyns kein Anderes, da die Beziehung auf sein Nichtseyn wesentlich Beziehung auf sich selbst ist, so ist das daseyende Andere zugleich es selbst , und zugleich sein Nichtseyn. Das Eins ist somit Werden zu vielen Eins . Diese Bewegung des Eins zu vielen Eins ist aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein Ueberge- hen ins Entgegengesetzte, von Seyn in Nichts, und es ist eine Beziehung, die nicht unmittelbar das Bezogene selbst ist. Hier hingegen wird Eins nur zu Eins; ferner Eins, das Bezogene, ist diese negative Beziehung selbst. Denn Eins ist Beziehung auf sich als negatives Be- ziehen; so ist es Fuͤrsichseyn uͤberhaupt, ein Beziehen oh- ne Erstes Buch . I. Abschnitt . ne Bezogenes. Aber insofern es Eins ist, ist es unmittel- bar; und ist damit wesentlich Beziehung auf sich, als auf ein unmittelbares ; es ist damit ein Bezo- genes vorhanden, aber durch absolut negative Bezie- hung, welche unendliches Aufheben des Andersseyns ist. Das Eins geht also nicht in ein Anderes uͤber; sondern es stoͤßt sich selbst von sich ab . Die ne- gative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion . Die Repulsion ist also wohl Werden der vielen Eins, aber durch das Eins selbst. Das Eins ist darum auch nicht als ein gewor- denes ; das Werden zu Vielen verschwindet unmittelbar als Werden; die gewordenen sind Eins, sind nicht fuͤr Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. Das Eins stoͤßt nur sich von sich selbst ab, es wird also nicht, sondern es ist schon ; diß Werden ist daher kein Uebergehen. Die Vielheit ist somit nicht ein Andersseyn , und eine dem Eins vollkommen aͤussere Bestimmung. Das Eins, indem es sich selbst repellirt, bleibt Bezie- hung auf sich, wird nicht Beziehen auf ein Anderes. Daß die Eins andere gegeneinander, daß sie in die Be- stimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins nichts an. Waͤre die Vielheit eine Beziehung ihrer selbst aufeinander, so begrenzten sie einander oder haͤtten ein Seyn-fuͤr-Anderes. Ihre Beziehung, inso- fern sie als unmittelbare vorgestellt werden, ist das Leere, oder keine Beziehung. Die Grenze ist das, worin die Begrenzten eben so sehr sind als nicht sind; aber das Leere ist als das reine Nichtseyn bestimmt, und nur diß macht ihre Grenze aus. Die Qualitaͤt . Die Repulsion des Eins von sich selbst, ist daher die ausser sich gekommene Unendlichkeit; sie ist ein eben so einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als vielmehr die absolute Beziehungslos i gkeit der Eins. Oder die Vielheit des Eins ist das eigene Setzen des Eins; das Eins ist nichts als die negative Beziehung des Eins auf sich, und diese Beziehung, also das Eins selbst ist das viele Eins. Aber eben so geht die Vielheit das Eins nichts an, sie ist ihm schlechthin aͤusserlich; denn das Eins ist eben das Aufheben des Andersseyns, die Re- pulsion ist seine Beziehung auf sich, und einfache Gleich- heit mit sich selbst. Anmerkung . Es ist vorhin des Leibnitzischen Idealismus erwaͤhnt worden. Es kann hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade , dem Fuͤr- sichseyn, in der weitern Bestimmung dieses Fuͤrsichseyns, nur bis zu der so eben betrachteten Repulsion fortging, und zwar zu der Vielheit , in der die Eins jedes nur fuͤr sich, gleichguͤltig gegen das Daseyn und Fuͤr-sich-seyn anderer ist, oder uͤberhaupt Andere gar nicht fuͤr das Eins sind. Die Monade ist fuͤr sich die ganze abgeschlos- sene Welt; es bedarf keine der andern. Die innre Man- nichfaltigkeit, die sie in ihrem Vorstellen hat, geht uns hier nichts an; denn sie aͤndert in ihrer Bestimmung, fuͤr sich zu seyn, nichts; die Monade, da die Mannich- faltigkeit eine ideelle ist, bleibt nur auf sich selbst bezogen, die Veraͤnderungen entwickeln sich innerhalb ihrer, und sind keine Beziehungen derselben aufeinander; was nach der realen Bestimmung als Beziehung der Monaden auf- einander genommen wird, ist ein unabhaͤngiges nur simultanes Werden. Der Leibnitzische Idealismus nimmt uͤbrigens die Vielheit unmittelbar als eine gegebe- ne Erstes Buch . I. Abschnitt . ne auf, und begreift sie nicht als eine Repulsion der Monade. Er hat daher die Vielheit nur nach der Seite ihrer absoluten Aeusserlichkeit, nicht nach der Seite, daß die Beziehung der Monade auf sich, als negative eben so sehr selbst die Vielheit ist; — welche beyde Momen- te die Repulsion in sich faßt. Die Atomistik hat einerseits den Begriff der Idealitaͤt nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm selbst die beyden Momente des Fuͤrsichseyns und des Fuͤr-es-seyns ent- haͤlt; also nicht als ideelles, sondern nur als einfach, unmittelbar Fuͤr-sich-seyendes. Dagegen geht sie uͤber die bloß gleichguͤltige Vielheit hinaus; die Atomen kom- men doch in eine weitere Bestimmung gegeneinander, wenn auch nicht durch die Repulsion selbst; da hingegen in jener gleichguͤltigen Unabhaͤngigkeit der Monaden, die Vielheit, welche Grundbestimmung ist, wie oben schon erinnert, etwa nur in die Monade der Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen faͤllt, und nicht eine Bestimmung der Monaden an sich ist. Oder eben insofern die Vielheit nicht eine Bestimmung der Monaden an sich ist, insofern sie nicht andere fuͤr einander sind, so gehoͤrt diese Bestimmung nur der Erscheinung an, ist ihrem Wesen aͤusserlich, und ihre Wahrheit ist nur die Substanz , die Eine ist. 3. Gegenseitige Repulsion . 1. Die Repulsion macht die Beziehung des Eins auf sich selbst aus, aber ist eben so sehr sein Ausser-sich- kommen. Diß Aussersichkommen, die Vielheit der Eins ist die Repulsion des Eins von sich selbst; daher nicht ei- ne dem Eins aͤusserliche Bestimmung, nicht verschieden von der Repulsion als einfacher Beziehung auf sich. Diß Qualitaͤt . Diß naͤher betrachtet, so bezieht das Eins sich auf sich als auf ein unmittelbares; aber die Unmittelbarkeit ist Seyn; die Repulsion, als die sich auf sich beziehende Negation aber ist nicht Unmittelbarkeit oder Seyn. Eins bezieht sich daher auf sich zugleich als sein absolutes Nichtseyn; es ist Abstossen seiner von sich selbst; das Ab- gestossene ist einerseits zwar es selbst, aber eben so sehr sein Nichtseyn . Diß Abgestossene selbst als Eins ist ein Unmittelbares, und zugleich als Nichtseyn des sich auf sich selbst beziehenden bestimmt; oder als ein absolut Anderes . Die Vielheit enthielt zunaͤchst kein Anders- seyn; die Grenze war nur das Leere, oder nur das, worin die Eins nicht sind . Aber sie sind auch in der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre gemeinsame Beziehung. Die Repulsion des Eins also, indem sie Abstossen seiner von sich selbst ist, ist zugleich Abstossen des Eins als eines Andern von sich , und damit ein gegenseitiges Repelliren der vielen Eins. Die Vielen stehen auf diese Weise als einander ab- stossend, in Beziehung auf einander; sie erhalten sich als fuͤr sich seyende in der Repulsion; ihre Beziehung besteht darin, ihre Beziehung zu negiren . Diese gegenseitige Repulsion macht erst das Da- seyn der vielen Eins aus; denn sie ist nicht ihr Fuͤrsich- seyn, das nur in einem Dritten unterschieden waͤre, sondern ihr eigenes sich erhaltendes Unterscheiden. Naͤ- her bestimmt ist sie, insofern darin jedes gegen die An- dern sich erhaͤlt, ein gegenseitiges Ausschliessen . Oder diese Beziehung ist eine nur relative Repulsion. Sie negiren sich nemlich gegenseitig, oder setzen sich als solche, die nur fuͤr-eines sind. Aber sie negiren eben Erstes Buch . I. Abschnitt . eben so sehr zugleich diß, nur fuͤr-eines zu seyn ; sie repelliren diese ihre Idealitaͤt . 2. In diesem Daseyn der vielen Eins trennen sich somit die Momente, die in der Idealitaͤt schlechthin verei- nigt sind. Das Eins ist in seinem Fuͤrsichseyn zwar auch so fuͤr-eines , daß diß Aufgehobenseyn des Anders- seyns seine Beziehung auf sich selbst ist. Aber zugleich ist das Seyn-fuͤr-eines, wie es in der relativen Repul- sion, dem Ausschliessen bestimmt ist, ein Seyn-fuͤr-An- deres. Jedes wird von dem Andern repellirt, aufgeho- ben und zu einem gemacht, das nicht fuͤr sich, sondern fuͤr-eines ist. Sein Seyn-fuͤr-eines faͤllt sonach nicht nur in das Eins als solches selbst, sondern auch in ein anderes Eins, und ist Seyn-fuͤr-Anderes. Das Fuͤrsichseyn der vielen Eins ist hiemit die Re- pulsion derselben gegeneinander, wodurch sie so sich er- halten, daß sie sich gegenseitig aufheben, und die andern als ein bloßes Seyn-fuͤr-Anderes setzen. Aber zugleich besteht die Repulsion darin, diese Idealitaͤt zu repelliren, und sich zu setzen, nicht fuͤr-ein-Anderes zu seyn. Aber beydes ist wieder eine und dieselbe Beziehung; die gegen- seitige Repulsion ist gegenseitiges Aufheben, jedes erhaͤlt sich nur, indem es die Andern als ein Seyn-fuͤr-Ande- res, als ein Nichtdaseyn setzt, und eben so sehr nur in- dem es diß aufhebt, fuͤr ein Anderes zu seyn. 3. Das Seyn-fuͤr-Anderes ist insofern so sehr aufgehoben als vorhanden. Aber es ist in verschiedener Ruͤcksicht gesetzt und aufgehoben. Die Eins sind unmit- telbare; sie beziehen sich repellirend, aufhebend gegenein- ander; sie setzen so gegenseitig das Fuͤrsichseyn der An- dern auf das Seyn-fuͤr-Anderes herab; diß Moment hat also Statt in Beziehung auf Andere . Aber das Qualitaͤt . das Eins hebt diß sein Seyn-fuͤr-Anderes auf; diß Moment ist seine Beziehung auf sich selbst . Das Eins ist Seyn-fuͤr-Anderes nur in Andern; aber diß Aufgehobenseyn des Eins geht das Eins nichts an; in ihm sind die Andern nicht als daseyende, unmittelbare Andre, sondern nur als Aufgehobene, dadurch bezieht es sich auf sich. Das Eins war Repulsion, indem es sich von sich abstoͤßt, und indem somit das Abgestossene nur es selbst ist, ist es damit unmittelbare Ruͤckkehr in sich. Aber dieses Repelliren ist uͤbergegangen in die Repulsion Ande- rer und des Seyns-fuͤr-Andere von sich. Das Eins erhaͤlt sich nur dadurch fuͤr sich, daß es sich auf Andere negirend bezieht, und indem diese Negation gegenseitig ist, daß es das Seyn-fuͤr-eins, das es darin erhaͤlt, aufhebt. Die Repulsion, das Abstoßen des Eins von sich, ist somit uͤbergegangen in Abstoßen der Andern, in das Setzen der Andern als seyend nur fuͤr-eines, und damit das Aufheben seines Seyns-fuͤr-Anderes, in die Attraction . C. At- Erstes Buch . I. Abschnitt . C. Attraktion . Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunaͤchst in Viele, und dann um ihrer Unmittelbarkeit willen, in Andre. Indem aber die Eins uͤberhaupt Viele und eben so Andre sind, so ist dadurch kein Unter- schied derselben vorhanden, und das absolute Bestimmt- seyn des Eins an sich selbst ist noch nicht realisirt. Das Eins nemlich als das Ideelle, welches ebensowohl fuͤr- sich, als auch fuͤr eines, beydes in einer Identitaͤt ist, faͤllt um dieser Unterschiedslosigkeit willen in die Unmit- telbarkeit des Seyns zusammen. Weil in dieser Ideali- taͤt kein wahrhaftes Anderes vorhanden ist, so findet auch kein wahrhaftes Aufheben des Andersseyns Statt, und damit keine reelle Idealitaͤt. Diese wird nun in der Attraction. Die Repulsion enthaͤlt zwar andere; aber indem die vielen Eins uͤberhaupt sich insgesammt andere sind, so haͤlt sich ihre Repulsion das Gleichgewicht; sie heben ihr gegenseitiges Seyn-fuͤr-eines, selbst auf. Sie repelliren die Repulsion, oder das Andersseyn. Indem nun aber das Eins aufhoͤrt die bloß ein- fache Beziehung der Negation auf sich selbst zu seyn, und zu einem bestimmten Unterschiede in sich gelangt, so wird es zur Totalitaͤt, oder zur Identitaͤt der Idealitaͤt und Realitaͤt. Das absolute Bestimmtseyn hat dann seine Spitze erreicht, es ist in sich zuruͤckgegangen; und die Qualitaͤt, das unmittelbare Bestimmtseyn durch ein An- deres, oder das Andersseyn uͤberhaupt, wird ein gleich- guͤltiges; die Qualitaͤt wird an dieser in sich gediegenen Einheit zur Quantitaͤt. 1. Ein Qualitaͤt . 1. Ein Eins . Die Repulsion macht die vielen Eins zu Seyenden- fuͤr-Anderes. Aber es sind die Vielen, denen diß Re- pelliren zukommt, und zwar kommt es ihnen zu als Eins. Aber als Eins sind sie unendliche Beziehung auf sich selbst, als solche repelliren sie eben so sehr diß Seyn-fuͤr-An- deres, oder jenes Repelliren. Diese Repulsion der Re- pulsion ist somit, als sich selbst aufhebend, Attraction. Es tritt aber hier der erwaͤhnte Unterschied ein; Eins setzt nemlich die andern Eins, als Seyn-fuͤr- Anderes, und hebt, — insofern diß Repelliren gegen- seitig waͤre, — sein Seyn-fuͤr-Anderes, das es darin erhielte, auf; es erhaͤlt aber das Seyn-fuͤr-Anderes der Andern. Die Attraction ist naͤmlich Repulsion der Repulsion. Das Eins setzt die andern Eins ideell, als Seyn-fuͤr- Anderes, aber hebt diß Seyn-fuͤr-Anderes eben so sehr wieder auf. Es ist somit die Ruͤckkehr des Eins in sich selbst gesetzt, oder dieselbe unendliche Beziehung auf sich, welche das Eins an sich ist. Aber es sind damit zweyerley Eins vorhanden; nemlich das unmittelba- re Eins, oder das Eins, wie es an sich ist, und dann das Eins, das aus seiner Zerstreuung, aus der Vielheit in sich zuruͤckkehrt . Dieses Eins kann das reale Eins insofern ge- nannt werden, als es aus der Vielheit und dem Seyn- fuͤr-Anderes in sich zuruͤckkehrt, und diß Moment, aber als aufgehobenes an ihm hat; oder insofern das Moment des Seyns-fuͤr-eines, das es in seiner Idealitaͤt ent- haͤlt, nicht bloß diß abstracte Moment mehr ist, sondern die Erstes Buch . I. Abschnitt . die unmittelbaren Eins es ausmachen. Das andere Eins dagegen ist diß unmittelbare nicht in sich zuruͤckkehrende Eins, das wesentlich als aufgehobenes ist, und im Seyn- fuͤr-Anderes bleibt. Jenes Eins ist das attrahirende Eins ; das sich an den unmittelbaren Eins sein Moment des Seyn- fuͤr-eines gibt. Diese werden attrahirt . Sie sind unmittelbar; aber das Eins ist wesentlich diß, nicht ein unmittelbares Seyendes zu seyn; denn es ist viel- mehr die sich auf sich beziehende Negation. Indem sie also unmittelbare sind, sind sie nur sich selbst ungleiche, andre an sich selbst . Es ist hiemit auch das an-sich-seyende An- dersseyn vorhanden, und das vorherige, nur aͤusser- liche Andersseyn verschwunden. Das unmittelbare Eins ist nur als aufgehobenes, das nur fuͤr-anderes ist. Das Fuͤrsichseyn aber, das nur fuͤr-anderes ist, ist eben das Andersseyn an sich selbst . Ferner das attrahirende Eins, welches das Seyn- fuͤr-Anderes in sich aufhebt, und aus demselben in sich zuruͤckkehrt, ist eben damit nicht mehr das einfache Fuͤrsichseyn, sondern das auch das Andersseyn als Mo- ment in ihm selbst hat. Das attrahirende Eins also als aus der Vielheit in sich zuruͤckkehrend, bestimmt sich selbst als Eins, es ist Eins, als nichtseyend Vieles, Ein Eins . 2. Gleichgewicht der Attraction und Repulsion. Das Fuͤrsichseyn, das sich als Eins bestimmt hat, verliert sich zuerst als Vielheit in absolute Aeusserlichkeit, und Qualitaͤt . und erhaͤlt sich darin nicht sowohl nach seiner Unmit- telbarkeit, — insofern die Vielen auch Eins sind, — als es sich daraus zu Einem Eins wiederher- stellt . Diß in sich zuruͤckgekehrte Eins ist, nicht nur die einfache Beziehung auf sich selbst, sondern die Beziehung auf sich als aufgehobenes Andersseyn. — Ferner ist das Andersseyn, wie es hier vorkommt, nicht das unmittel- bare Andersseyn des Daseyns als solchen, sondern das eigene Andersseyn des Eins, die Vielheit. Das Fuͤr- sichseyn ist nach seinem Werden aus dem Daseyn zwar schon an sich aufgehobenes Andersseyn; aber es hatte sich hier wieder an ihm selbst sein Anderes zu setzen , um das, was es an sich ist, auch im Fuͤrsichseyn als solchem zu seyn. Das Andersseyn hat aber in ihm eine andere Form, als im Daseyn. Weil das Fuͤrsichseyn unendliche Beziehung auf sich ist, ist das Andersseyn an ihm nur die Vielheit, es selbst als anderes. Indem das Fuͤrsichseyn aber so seine Unmittelbar- keit aufgehoben hat, und fuͤr-sich-seyendes Fuͤr-sich- seyn ist, hat in ihm das Bestimmtseyn sich zwar zum ab- soluten Bestimmtseyn an ihm selbst, zum absoluten Qua- litativen gemacht; aber ist in dieser Realitaͤt schon uͤber die Qualitaͤt hinausgegangen. Eins ist nur Ein Eins, insofern in ihm die Vielheit, d. h. das Eins selbst aufgehoben ist. — Oder Eins ist als Ein Eins mit sich selbst zusammengegangen ; es hat also, statt ausschliessend zu seyn, sich in Continuitaͤt ge- setzt. Die Attraction nemlich, oder das Eine Eins naͤ- her betrachtet, so ist es bestimmt an sich selbst , denn es ist nicht eins der Vielen, es hat die Vielheit in sich Erstes Buch . I. Abschnitt . sich aufgehoben; es ist also nicht ein Bestimmtes gegen Anderes, sondern hat das Andere und die Beziehung darauf an ihm selbst. Als Ein Eins ist aber seine ab- solute Bestimmtheit gleichfalls in die Unmittelbarkeit zuruͤckgegangen, und bezieht sich als ausschliessend auf die Vielen, als gegen andere, als gegen sein Nicht- seyn, das selbst unmittelbar waͤre. Aber es ist nur Ein Eins ; die Vielen sind gar nicht, sie haben sich aufgehoben; so sind sie mit Eins in eins gesetzt , und dieses ist nicht mehr Eins als solches. Das Eine Eins ist an sich Attraction, aufgehobene Repulsion; aber dieses Eins faͤngt selbst damit an, ein unmittelbares zu seyn; es ist ein Eins , und seine Re- flexion in sich besteht darin, eben die Unmittelbarkeit aufzuheben. Die Repulsion der Repulsion hebt nur das eigne Seyn-fuͤr-Anderes, erhaͤlt aber das Seyn-fuͤr- Anderes der Andern; aber ein eignes solches Seyn, das sich unterschiede von andern setzt eine urspruͤng- liche , eine unmittelbare Unterschiedenheit der Eins voraus, welche nicht vorhanden ist. Die Re- pulsion ist also ein Seyn-fuͤr-eines der Vielen uͤber- haupt, und insofern sie Repulsion der Repulsion ist, so ist sie Erhaltung eben so sehr der Vielen Eins, deren Seyn-fuͤr-eines von ihnen selbst repellirt wird. Es sind daher alle gleich attrahirend, sie setzen alle auf glei- che Weise einander, als Seyn-fuͤr-Anderes, und re- pelliren dasselbe, heben es in ihrer unendlichen Beziehung in sich selbst auf. Die Vielen Eins sind somit erhalten. — Schon in der sinnlichen Vorstellung der raͤum- lichen Attraction dauert der Strom der attrahirt-wer- denden Punkte fort; an die Stelle der Atome, die in dem einen attrahirenden Punkte verschwinden, tritt eine an- dere Menge aus dem Nichts hervor. Diß Werden geht nicht Qualitaͤt . nicht in das Resultat des Einen Eins so zuruͤck, daß nur das Eine Eins und sonst nichts waͤre; auf diese Wei- se wuͤrde nur die anfaͤngliche Bestimmung, das Eins und das Leere gesetzt, und die Realitaͤt des Eins, das Zuruͤckkehren in sich aus dem Vielen, verschwunden seyn. Sondern indem es sich als Ein Eins durch diese Ruͤck- kehr wird, so ist es ausschliessend, Ein Eins gegen Viele und es erhaͤlt sie damit eben so. Aber die Erhaltung der Vielen heißt nichts anderes, als daß sie attrahirend sind, daß sie ihr Seyn-fuͤr-Anderes aufheben. Attraction und Repulsion sind auf diese Weise nicht nur im Gleichgewicht, sondern sie sind in der That iden- tisch und ununterscheidbar dasselbe. Die Repulsion er- scheint zunaͤchst als das Ausschliessen der andern; aber diß Ausschliessen ist Setzen derselben als Seyender-fuͤr- Andere. Aber die Attraction ist dasselbe, denn sie be- steht eben in der Selbsterhaltung des Eins gegen die Andern, in dem Aufheben derselben, im Setzen derselben als Seyender-fuͤr-Andere. Die Repulsion ist ferner umgekehrt das Aufheben dieses Seyns-fuͤr-Anderes, durch sie erhaͤlt sich das Eins, indem es sein Negirtwer- den aufhebt; aber die Attraction ist eben diß Aufheben seines Seyns-fuͤr-Andere, welches Aufheben es erhielt. Die sinnliche Vorstellung erhaͤlt allein den Unterschied von Attraction und Repulsion, indem sie einen unmittel- baren Punkt festhaͤlt, und die Unmittelbarkeit der an- dern verschwinden, aber in der That eben so sehr auch wieder entstehen laͤßt. Wie die Repulsion sich selbst repellirt, so attrahirt die Attraction sich selbst, oder ist Attraction der Attra- ction. Denn ihrer Bestimmung nach ist sie das Ideell- setzen der vielen Eins, und dadurch das Werden Eines Eins, das fuͤr sich bleibe, und sein Seyn-fuͤr-Anderes K auf- Erstes Buch . I. Abschnitt . aufhebe. Aber unter den vielen Eins, die aufgehoben werden sollen, sind alle Eins begriffen; die Attraction hebt das eine Eins, dessen Werden sie seyn soll, eben so sehr auf. Oder umgekehrt indem sie als Werden des Einen Eins das Seyn-fuͤr-Anderes des Eins aufhebt, so hebt sie eben so sehr das Setzen, wodurch die Eins- Seyn-fuͤr-Anderes werden, das heißt wieder, sich selbst auf. Diese Identitaͤt der Repulsion und Attraction hat somit das Resultat, daß die unendliche Beziehung des Eins auf sich, sein Seyn-fuͤr-Anderes ist; sein Fuͤr- sichseyn ist unendliche Negation seiner selbst, unendliches Aussersichseyn, und diß Aussersichseyn ist umgekehrt un- endliches Zuruͤckgekehrtseyn in sich selbst. Das Eins ist an sich nur diese unendliche Bezie- hung auf sich, deren Resultat die Identitaͤt der Attra- ction und Repulsion ist; — das Eins ist nichts ausser der Repulsion und Attraction. Aber insofern das Eins die Gestalt der Unmittelbarkeit erhalten hat, erscheinen sie als Beziehungen desselben, so daß es ausser ihnen sich fuͤr sich erhielte; als ob sein Seyn-fuͤr-ein-Anderes unterschieden waͤre von seinem Fuͤrsichseyn, oder viel- mehr von seinem Ansichseyn, seiner unendlichen Bezie- hung auf sich selbst. Eins aber als an sich genommen, unterschieden von seiner negativen Beziehung, ist es das unmittelbare Eins, das Viele. Aber eben so unmittel- bar faͤllt das Viele in Eins zusammen, oder ist das Viele die Negation seiner selbst. Denn von dem Vielen ist jedes Eins, oder jedes ist ein Vieles, oder jedes un- terscheidet sich schlechthin von den Andern, und schließt sie von sich aus. Aber eben darin sind sie einander gleich; jedes hat ganz und gar dieselben Bestimmungen, welche das Andere hat; darin daß das eine der Viele nicht sey, was das andere, sind sie dasselbe. Die Qualitaͤt . Die vorhin relative Repulsion und Attraction, wel- che nur eine Beziehung der Eins war, wovon sich ihre Unmittelbarkeit , als Beziehung auf sich selbst, unterschied , ist also in der That absolute Repulsion und Attraction; Repulsion und Attraction, welche identisch sind. Was vorhanden ist, ist, daß Eins, als sich unendlich auf sich selbst beziehend, sich auf sein absolutes Andersseyn bezieht, und indem es sich auf diß sein Nichtseyn bezieht, eben darin sich auf sich selbst bezieht, und daß das Eins selbst nur dieses Beziehen ist. Seine Unmittelbarkeit, sein Seyn ist vielmehr sein Andersseyn , und diß sein Aussersichseyn ist sein Seyn . Anmerkung . Attraction und Repulsion pflegen bekanntlich als Kraͤfte angesehen zu werden. Sie werden bey dieser Vorstellung als selbststaͤndig betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur aufeinander beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte uͤbergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenuͤber be- harren soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten , der Materie , zusammenkommend; so je- doch, daß diß in-eins-Werden nicht als ihre Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und An-und-fuͤr- sich-seyendes, die Materie aber das durch sie gesetzte und hervorgebrachte ist. Wenn gesagt wird, daß die Materie diese Kraͤfte in sich habe , so ist unter dieser ihrer Einheit eine Verknuͤpfung verstanden, wobey sie zugleich als in sich seyende frey von einander vorausge- setzt werden. Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsiv - und Attractiv-Kraft construirt , K 2 oder Erstes Buch . I. Abschnitt . oder wenigstens, wie er sich ausdruͤckt, die metaphysi- schen Elemente dieser Construction aufgestellt. — Es wird nicht ohne Interesse seyn, diese Construction naͤher zu beleuchten. Diese metaphysische Darstellung ei- nes Gegenstandes, der nicht nur selbst, sondern in sei- nen Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehoͤren schien, ist einestheils dadurch merkwuͤrdig, daß sie we- nigstens den Anstoß zur neuern Naturphilosophie gegeben hat, — der Philosophie, welche die Natur nicht als ein sinnlich gegebenes der Wahrnehmung zum Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre Bestimmungen aus dem absoluten Begriffe erkennt; anderntheils auch, weil bey jener Kantischen Construction noch haͤufig stehen geblie- ben und sie fuͤr einen philosophischen Anfang und Grundlage der Physik gehalten wird. Es gehoͤrt hieher zwar noch nicht eine solche Exi- stenz, wie die sinnliche Materie, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen. Aber auch der Attra- ctiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kraͤfte der sinn- lichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrach- teten reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen aufeinander zu Grunde, die ich gleich- falls Repulsion und Attraction genannt habe. Kants Verfahren in der Deduction der Materie aus diesen Kraͤften, das er eine Construction nennt, verdient, naͤher betrachtet, diesen Namen nicht, wenn nicht anders jede Art von Reflexion, selbst die analysi- rende, eine Construction genannt wird, wie denn freylich spaͤtere Naturphilosophen auch das flachste Raͤsonnement und das grundloseste Gebraͤue einer willkuͤhrlichen Ein- bildungskraft und gedankenlosen Reflexion, — das beson- ders die sogenannten Faktoren der Attractivkraft und Re- pulsivkraft gebrauchte und allenthalben vorbrachte, — ein Construiren genannt haben. Kants Qualitaͤt . Kants Verfahren ist im Grunde analytisch , nicht construirend. Er setzt die Vorstellung der Materie voraus , und fragt nun, welche Kraͤfte da- zu gehoͤren, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten. So fodert er also einestheils die Attractivkraft darum, weil durch die Repulsion allein, ohne Attraction, eigentlich keine Materie da- seyn koͤnnte . (Anfangsgr. der Natur-Wissensch. S. 53. f.) Die Repulsion anderntheils, leitet er gleich- falls aus der Materie ab, und gibt als Grund derselben an, weil wir uns die Materie undurch- dringlich vorstellen , indem diese nemlich dem Sin- ne des Gefuͤhls , durch den sie sich uns offenbare, sich unter dieser Bestimmung praͤsentirt. Die Repulsion werde also sogleich im Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit unmittelbar gegeben sey; die Attraction dagegen werde derselben durch Schluͤsse beygefuͤgt. Diesen Schluͤssen aber liegt das so eben Gesagte zu Grunde, daß nemlich eine Materie, die bloß Repulsiv- kraft haͤtte, das, was wir uns unter Materie vorstel- len, nicht erschoͤpfte. Es ist diß, wie erhellt, das Verfahren des ge- woͤhnlichen, uͤber die Erfahrung reflectirenden Erkennens, das zuerst in der Erscheinung Bestimmungen wahr- nimmt , diese nun zu Grunde legt, und fuͤr das soge- nannte Erklaͤren derselben Grundstoffe auch Kraͤfte annimmt, welche jene Bestimmungen der Er- scheinung hervorbringen sollen. In Ansehung des angefuͤhrten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und wie die Attractivkraft von dem Er- kennen in der Materie gefunden werde, bemerkt Kant noch ferner, daß die Attractivkraft zwar eben so wohl zum Begriffe der Materie gehoͤre, ob sie gleich nicht Erstes Buch . I. Abschnitt . nicht darin enthalten sey . Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine Bestim- mung, die zum Begriffe einer Sache gehoͤrt, muß wahrhaftig darin enthalten seyn . — Was die Schwierigkeit macht, und diese leere Aus- flucht herbeyfuͤhrt, besteht darin, daß Kant zum Begrif- fe der Materie bloß die Bestimmung der Undurch- dringlichkeit rechnet, die wir durch das Ge- fuͤhl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsiv- kraft, als das Abhalten eines andern von sich, unmit- telbar gegeben sey. Allein wenn die Materie ohne At- tractivkraft nicht soll daseyn koͤnnen, so liegt dabey eine aus der Wahrnehmung genommene Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der Attraction muß also gleichfalls in der That aus der Wahrnehmung ge- schoͤpft und daher in ihr anzutreffen seyn. Es ist aber wohl wahrzunehmen, daß die Materie ausser ihrem Fuͤr- sichseyn, welches das Seyn-fuͤr-Anderes aufhebt, auch eine Beziehung des Fuͤrsichseyenden aufein- ander , raͤumliche Ausdehnung und Zusammen- halt hat. Aus dieser Wahrnehmung, kann die Re- flexion eben so unmittelbar die Attractivkraft ableiten, oder sie als gegeben annehmen, als sie es mit der Repulsivkraft that. In der That, wenn die Schluͤsse, aus denen die Attractivkraft abgeleitet werden soll, be- trachtet werden, (S. den Beweis des Lehrsatzes: daß die Moͤglichkeit der Materie eine Anziehungskraft als zweyte Grundkraft erfodere a. a. O.) so enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie nicht raͤumlich seyn wuͤrde. Indem die Materie, als Raumerfuͤllend vorausgesetzt ist, so ist ihr damit die Con- tinuitaͤt zugeschrieben, als deren Grund die Anziehungs- kraft angenommen wird. Wenn Qualitaͤt . Wenn nun diese sogenannte Construction der Ma- terie, hoͤchstens ein analytisches Verdienst haͤtte, das noch durch die unreine Darstellung geschmaͤlert wuͤrde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schaͤtzen, die Materie aus diesen zwey entgegengesetzten Bestimmungen als ih- ren Grundkraͤften zu erkennen. Es ist Kant vornemlich um die Verbannung der gemein-mechanischen Vorstel- lungsweise zu thun, die bey der einen Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der fuͤr-sich-seyenden Punktualitaͤt , stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materier, die wieder als besondere Eins ange- sehen werden, aufeinander, zu etwas aͤusserlichem macht; — die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine bewegenden Kraͤfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch Einwirkung von Aus- sen, einraͤumen will. Diese Aeusserlichkeit des Er- kennens setzt die Bewegung immer schon als vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas innerliches zu fassen und sie selbst und in der Materie zu begreifen, sondern nimmt diese fuͤr sich als bewegungslos und als traͤge an. Indem nun Kant diese Aeusserlichkeit zwar insofern aufhebt, als er die Attraction, die Be- ziehung der Materien aufeinander, insofern sie als verschieden angenommen werden, oder der Materie uͤber- haupt in ihrem Aussersichseyn, zu einer Kraft der Materie selbst macht, so bleiben jedoch auf der andern Seite seine beyden Grundkraͤfte, innerhalb der Materie, aͤusserliche und fuͤr sich selbststaͤndige gegen einander . So nichtig der Unterschied dieser beyden Kraͤfte, der ihnen in Ruͤcksicht auf das Erkennen beygelegt wurde, war, eben so nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer Inhaltsbestimmung gemacht wird, zeigen, weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrach- tet Erstes Buch. I. Abschnitt . tet wurden, nur Momente sind, die in einander ver- schwinden. Ich betrachte diese fernern Unterschiedsbe- stimmungen, wie sie Kant angibt. Er bestimmt die Attractivkraft als eine durch- dringende , die Repulsivkraft, als eine Flaͤchen- kraft . Der Grund, der angefuͤhrt wird, daß die letz- tere nur eine Flaͤchenkraft seyn soll, ist folgender: „Die einander beruͤhrenden Theile begrenzen einer den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft koͤnne keinen entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen liegenden, eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer Materie auf eine andere durch Ausdehnungskraͤfte (das heißt hier Repulsivkraͤfte) sey unmoͤglich.“ Ich will mich nicht damit aufhalten, daß, indem naͤhere oder entferntere Theile der Materie ange- nommen werden, in Ruͤcksicht auf die Attra- ction gleichfalls der Unterschied entstuͤnde, daß ein Atom zwar auf ein anderes einwirkte, aber ein drittes entfernteres, so daß daß andere zwischen ihm und dem ersten attrahirenden sich befaͤnde, zunaͤchst in die Anziehungssphaͤre des dazwischen liegenden ihm naͤhern traͤte, das erste also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung ausuͤben wuͤrde; woraus eine eben so vermittelte Wirkung fuͤr die Attractivkraft, als fuͤr die Repulsivkraft entwickelt werden koͤnnte; — ferner, daß uͤberhaupt das wahre Durchdringen der Attra- ctivkraft allein darin bestehen muͤßte, daß alle Theile der Materie an und fuͤr sich attrahirend waͤren, nicht aber eine gewisse Menge passiv und nur Ein Atom activ sich verhielte. Ich bemerke aber unmittelbar in Ruͤcksicht auf die Repulsivkraft, daß in der angefuͤhrten Stelle sich beruͤhrende Theile, also eine Gediegenheit und Qualitaͤt . und Continuitaͤt einer fertigen Materie vorkommt, welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte; diese Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich beruͤhren , nicht mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn der Repulsiv- kraft bereits voraus. Sich beruͤhrende Theile sind nach der hier herrschenden sinnlichen Vorstellung der Re- pulsion als solche zu nehmen, die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz tavtologisch, daß da, wo das Nicht- seyn der Repulsion angenommen ist, keine Repulsion Statt finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter fuͤr eine Bestimmung der Repulsivkraft. Auf dieselbe Weise ist es dem sinnlichen Vorstellen natuͤrlich, anzunehmen, indem es einen anziehenden Punkt und andere, die nicht anziehen, sondern nur an- gezogen werden, voraussetzt, daß jener etwas mit sei- nem Anziehen vor sich bringe, und eine Dicke, als eine Sphaͤre um sich anlege, so daß in derselben, weil sie unter der Herrschaft seiner Attraction stehe, die Repul- sion aufgehoben sey, somit nur ausserhalb, gegen die Oberflaͤche dieser Sphaͤre Statt finden koͤnne. — Eines- theils erscheint die Oberflaͤche als das, was noch im Verhaͤltnisse zu einem unbezogenen Andern steht. An- derntheils aber ist die Repulsion selbst inner- halb jener Sphaͤre der Attraction . Diejenigen Atome nemlich oder materiellen Theile, die als attrahir- te fuͤr das Vorstellen sind, sind fuͤr dasselbe in der That eben so sehr auch repellirte (— indem wir nemlich Re- pulsion als Entfernung, Attraction als Naͤherung zu ei- nem bestimmten Punkte gelten lassen —). Denn die at- trahirten, wenn sie diß nur waͤren, waͤren im Punkte der Attraction verschwunden, es waͤre nur dieser Atom, nicht ein attrahirtes von ihm unterschiede- nes , somit nicht sich beruͤhrende, d. h. auch zugleich aus- Erstes Buch . I. Abschnitt . auseinander gehaltene Theile. Insofern aber solche an- genommen werden, so ist in der That die Repulsion nicht aus jener Sphaͤre der Attraction ausgeschlossen, sondern innerhalb ihrer vorhanden. Ferner nimmt Kant die weitere Bestimmung an, daß durch die Anziehungskraft die Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfuͤllen . „Weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfuͤlle, so koͤnne diese durch den leeren Raum wir- ken, indem ihr keine Materie, die dazwischen laͤge, Grenzen setze.“ — Dieser Unterschied ist ungefaͤhr wie der obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache gehoͤren, aber nicht darin enthalten seyn sollte. Durch die Anziehungskraft soll die Materie den Raum nicht erfuͤllen, sondern soll in Ruͤcksicht auf diese Kraft, sich durch den leeren Raum zu sich ver- halten; — es ist somit nicht abzusehen, wie sie ihn ein- nehmen soll, wenn er leer ist. Aber ferner ist es die Repulsion , wenn wir bey ihrer ersten Bestimmung stehen bleiben, durch welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das heißt hier, durch den leeren Raum, sich aufeinander beziehen . Hier aber erhaͤlt sich die Attractivkraft den Raum leer, sie erfuͤllt den Raum durch ihre Beziehung der Atome nicht , das heißt, sie erhaͤlt die Atome in einer negativen Beziehung auf einander. — Wir sehen somit, daß hier Kant bewußtlos das begegnet, was in der Natur der Sache, in der Nichtigkeit des Unterschieds von Repulsion und Attraction, liegt, daß er der At- tractivkraft gerade das zuschreibt, was er der ersten Be- stimmung nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb. Unter dem Geschaͤfte der Festsetzung des Unterschiedes beyder Kraͤfte, war es geschehen, daß eine in die an- dere uͤbergegangen war. — So soll dagegen durch die Repul- Qualitaͤt . Repulsion die Materie einen Raum erfuͤllen , somit durch sie der leere Raum, den die Attractivkraft laͤßt, verschwinden. In der That hebt sie somit, indem sie den leeren Raum aufhebt, die negative Beziehung der Atome oder Eins, d. h. die Repulsion derselben, auf; oder die Repulsion ist als das Gegentheil ihrer selbst ge- setzt. Zu dieser so eben aufgezeigten Verwischung der Un- terschiede kommt noch die Verwirrung hinzu, daß, wie gleich anfangs bemerkt worden, diese Darstellung der entgegengesetzten Kraͤfte analytisch ist, und in dem gan- zen Vortrage, die Materie, die erst aus ihren Elemen- ten hergeleitet werden soll, bereits als fertig und con- stituirt vorkommt. In der Definition der Flaͤchen- und der durchdringenden Kraft werden beyde als bewegende Kraͤfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere Weise sollen wirken koͤnnen. — Sie sind also hier als Kraͤfte dargestellt, nicht durch welche die Materie erst zu Stande kaͤme, sondern wodurch sie, schon fertig, nur bewegt wuͤrde. Insofern aber von Kraͤften die Rede ist, wodurch verschiedene Materien auf einander einwirken und sich bewegen, so ist diß etwas ganz anderes, als die Bestimmung und Beziehung, die sie als die Momente der Materie haben sollten. Denselben Gegensatz, als Attractiv- und Repulsiv- kraft machen in weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft . Diese scheinen einen we- sentlichen Unterschied zu gewaͤhren, indem in ihrer Sphaͤre Ein Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die andern Eins als nicht fuͤrsichseyende verhalten. Insofern sie aber zur Erklaͤrung gebraucht werden — zu welchem Behuf man sie, wie auch sonst die Repulsiv- und Attractivkraft, in entgegengesetztem quantitativem Ver- Erstes Buch . I. Abschnitt . Verhaͤltniß annimmt, so daß die eine zunehme, wie die an- dere abnehme, so soll die Erscheinung und deren Ungleichheit erst aus ihnen resultiren. Man braucht aber nur die naͤchste beste Darstellung einer Erscheinung, z. B. die ungleiche Geschwindigkeit, die ein Planet in seiner Bahn um seinen Centralkoͤrper hat, aus dem Gegensatze jener Kraͤfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die Ver- wirrung, die darin herrscht, und die Unmoͤglichkeit, die Groͤßen derselben auseinander zu bringen, so daß immer eben so gut diejenige als zunehmend anzunehmen ist, wel- che in der Erklaͤrung als abnehmend angenommen wird, und umgekehrt. 3. Uebergang zur Quantitaͤt . Das Qualitative hat zu seiner Grundbestimmung das Seyn und die Unmittelbarkeit, in welcher das Seyn und Nichts eins ist; die Grenze und die Bestimmtheit ist mit dem Seyn des Etwas so identisch, daß mit ihrer Ver- aͤnderung dieses selbst verschwindet. Um der Unmittel- barkeit dieser Einheit willen, worin der Unterschied ver- schwunden ist, der aber an sich darin in der Einheit des Seyns und Nichts , vorhanden ist, faͤllt er als das Andersseyn ausser jener Einheit. Diese Bezie- hung auf Anderes aber widerspricht der Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit ist. Sie hebt diß Andersseyn, hebt sich in der Unendlichkeit des Fuͤrsich- seyns auf, welches die Beziehung des Bestimmtseyns auf sich selbst, das Bestimmtseyn an sich ist. In dieser Gleichheit mit sich hat das Qualitative, welches das Andre zunaͤchst als ein Aeusseres hatte, sich zu seiner wahrhaften Einheit erhoben. Aber seine Be- stimmtheit, die Unmittelbarkeit, ist zugleich verschwunden. Das Qualitaͤt . Das Fuͤrsichseyn ist zunaͤchst nur der Begriff der unendlichen Beziehung des Negativen auf sich selbst, ohne das Negative als realen Unterschied in dieser Einheit zu- gleich zu enthalten, so daß es durch diese einfache Einheit selbst wieder in die Unmittelbarkeit zusammengeht, und das Andre als Vieles ausser ihm hat. Aber diß Viele ist selbst Eins, oder das Eins ist Vielheit in ihm selbst. Die Bewegung des Fuͤrsichseyns hat darin bestanden, sich zu realisiren, oder das in ihm aufgehobene Andersseyn in sich selbst zu setzen, und damit sich als die Identitaͤt mit sich im Andersseyn darzustellen. Was also nunmehr vorhanden ist, ist das Eins, das mit sich in Einheit, aber nicht unmittelbar ist, son- dern darin daß es sich auf sein Nichtseyn bezieht, aber damit auf sich selbst; seine unendliche Beziehung durch sein Nichtseyn auf sich selbst. Das Eins ist somit zur Einheit erweitert; das Andersseyn ist eine Grenze ge- worden, die in ihrer Negation in sich zuruͤckgekehrt, nicht mehr Bestimmtheit als Beziehung auf Anderes, also eine gleichguͤltige Grenze ist. Die unmittelbare Einheit des Qualitativen mit sich ist also uͤbergegangen in die Einheit mit sich durch sein Andersseyn. Diese Ein- heit, in der das Andersseyn in sich zuruͤckgenommen, und die Bestimmtheit dadurch gleichguͤltig ist, die aufgehobene Qualitaͤt ist die Quantitaͤt . Zwey- Zweyter Abschnitt. Groͤße . (Quantitaͤt.) D er Unterschied der Quantitaͤt von der Qualitaͤt ist so eben angegeben worden. Die Qualitaͤt ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantitaͤt ist die Be- stimmtheit, die dem Seyn gleichguͤltig geworden, eine Grenze, die eben so sehr keine ist. Das Seyn hat die Bestimmung erhalten, die ein- fache Gleichheit mit sich, in seinem Andersseyn und nur durch das Aufheben seines Andersseyns zu haben. Das Andersseyn und die Bestimmtheit, insofern sie in dieser Sphaͤre wieder hervortritt, ist daher nicht mehr als unmittelbare, bleibende, sondern als aufgehobene, etwas das nicht in einfacher Beziehung auf sich selbst, sondern vielmehr ein sich schlechthin Aeusserliches ist. Die Quantitaͤt ist die unendlich in sich zuruͤckgekehrte Be- stimmtheit; sie ist nicht mehr Seyn als Beziehung auf Anderes und als Nichtseyn eines Andern; die Be- stimmtheit hat sich in ihrem Andersseyn, mit dem sie in Einheit ist, aufgehoben; und die Quantitaͤt ist die Gleich- guͤltigkeit der Bestimmtheit. — Insofern aber die Be- stimmt- Quantitaͤt . stimmtheit als unterschieden von dieser ihrer Einheit wie- der auftritt, so tritt sie auf als das, was sie in Wahr- heit ist, nemlich schlechthin nur als in Einheit mit ihrem Andersseyn. Als Qualitaͤt sollte sie eine seyende, in ein- facher Beziehung mit sich stehende seyn; aber als Quan- titaͤt ist sie als die nur aufgehobene, aͤusserliche, nicht in sich, sondern im andern seyende Bestimmtheit. Aber zunaͤchst ist die reine Quantitaͤt von sich als bestimmter Quantitaͤt, vom Quantum zu un- terscheiden. Die Quantitaͤt ist erstens das in sich zuruͤck- gekehrte, reale Fuͤrsichseyn, das noch keine Bestimmt- heit an ihm hat; die gediegene unendliche Einheit. Diese geht zweytens in die Bestimmtheit uͤber, aber in eine solche, die zugleich keine, nur aͤusserliche ist. Sie wird Quantum . Das Quantum ist die gleichguͤltige Bestimmtheit, d. h. die uͤber sich hinausge- hende, sich selbst negirende; es wird als diß Anders- seyn des Andersseyn unendlich . Das unendliche Quantum aber ist die aufgehobene gleichguͤltige Bestimmt- heit, oder es ist die Wiederherstellung der Qualitaͤt. Drittens , das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative Verhaͤltniß . Das Quantum geht nur uͤberhaupt uͤber sich hinaus; im Verhaͤltnisse aber geht es so uͤber sich in sein Andersseyn hinaus, daß es in diesem seine Bestimmung hat, also zugleich in sich zuruͤck- gekehrt, und die Beziehung auf sich in seinem Anders- seyn vorhanden ist. Im Verhaͤltnisse ist daher das Quantum in die Quantitaͤt zuruͤckgekehrt, welche damit zugleich als Qualitaͤt bestimmt worden ist. Diesem Erstes Buch . II. Abschnitt . Diesem Verhaͤltnisse liegt noch die Gleichguͤltigkeit des Quantums zu Grunde, oder es ist nur formelle Ein- heit der Qualitaͤt und Quantitaͤt. Die Bewegung des Verhaͤltnisses ist sein Uebergang in ihre absolute Einheit in das Maaß . Anmerkung . Im qualitativen Seyn erschien die Grenze zuerst als ein solches, das vom Insichseyn des Etwas unter- schieden, als ein aͤusserliches ist, wogegen das Etwas selbst gleichguͤltig ist. Aber diese Aeusserlichkeit der Gren- ze hob sich sogleich auf, und die Grenze zeigte sich als eins mit dem Insichseyn des Etwas, und als Bestimmt- heit. Aber jene Grenze war noch nicht die quantitative Grenze; denn das Insichseyn des Etwas ist nur erst un- mittelbar, welchem das Andere sich gegenuͤber erhaͤlt; es ist noch nicht das unendliche Zuruͤckgekehrtseyn der Quantitaͤt, in welchem das Andersseyn sich an und fuͤr sich selbst aufgehoben hat. Am Etwas ist daher seine Grenze wesentlich seine Bestimmtheit. Wenn wir sonach unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. B. ein Acker seine Grenze, nemlich die quantitative veraͤndert, so bleibt er Acker vor wie nach. Wenn aber seine qualitative Grenze veraͤn- dert wird, so ist diß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, Wald u. s. f. — Ein Roth, das intensiver oder schwaͤcher ist, ist immer Roth; wenn es aber seine Qualitaͤt aͤndert, so hoͤrte es auf Roth zu seyn; es wuͤrde Blau u. s. f. — Der wahre und bestimmte Begriff der Groͤße, wie er sich hier erge- ben hat, daß ein Bleibendes zu Grunde liegt, das ge- gen die Bestimmtheit, die es hat, gleichguͤl- tig ist , ergibt sich an jedem andern Beyspiel. Gewoͤhn- Quantitaͤt . Gewoͤhnlich wird eine Groͤße definirt, als etwas, das sich vermehren oder vermindern laͤßt. Ver- mehren aber heißt, etwas mehr groß , vermindern weniger groß machen, und das Mehr in mehr groß, und das Weniger in weniger groß — loͤst sich wieder so auf. Es liegt darin ein Unterschied der Groͤße uͤberhaupt von ihr selbst, und die Groͤße waͤre also das, dessen Groͤße sich veraͤndern laͤßt. Die Definition zeigt sich deßwegen als ungeschikt, weil in ihr diejenige Bestimmung selbst gebraucht wird, welche definirt werden sollte. Es ist jedoch in diesem unvollkommenen Ausdruck das Hauptmoment nicht zu verkennen, worauf es ankommt; nemlich die Gleich- guͤltigkeit der Veraͤnderung, daß in ihrem Begriff selbst ihr eigenes Mehr Minder liegt; ihre Gleichguͤl- tigkeit gegen sich selbst. L Erstes Erstes Buch . II. Abschnitt . Erstes Kapitel. Die Quantitaͤt . A. Die reine Quantitaͤt . 1. Die Groͤße ist das aufgehobene Fuͤrsichseyn; das repellirende Eins, das sich gegen anderes nur nega- tiv verhielt, ist in die Beziehung mit demselben uͤberge- gangen, es verhaͤlt sich identisch zu dem andern, und hat damit seine Bestimmung verlohren. Das Fuͤrsich- seyn ist Attraction geworden; aber diese ist selbst nicht das Werden der Vielen zu Eins geblieben; denn der Unterschied Eines Eins zu andern ist gleichfalls ver- schwunden und diß Werden zur Ruhe geworden. At- traction und Repulsion sind in einer Einheit auf- gehoben, oder zu Momenten herabgesunken . Das Eins ist in Beziehung auf sich selbst, durch die At- traction, und auf sich zugleich als auf ein Anderes, durch die Repulsion. Das Eins als diß mit den Eins, die sich repelliren, eben so sehr zusammengegangene Eins, hat somit, so zu sagen, eine Breite erhalten, und sich zur Einheit ausgedehnt. Die absolute Sproͤdigkeit des repellirenden Eins ist in diese Einheit zerflossen, wel- che aber als diß Eins enthaltend durch die innwohnende Repulsion zugleich bestimmt, und somit als Einheit des Aussersichseyns Einheit mit sich selbst ist . Die Attraction ist auf diese Weise das Moment der Continuitaͤt in der Groͤße geworden. Die Quantitaͤt . Die Continuitaͤt ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf sich, die durch keine Grenze und Ausschliessung unterbrochen ist, aber nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fuͤrsichseyenden Eins. Darin ist also das Aussereinander der Vielheit enthalten, aber zugleich als eine nicht unterschiedene, ununterbrochene . Die Vielheit ist in der Continui- taͤt so gesetzt, wie sie an sich ist; die Vielen sind nemlich eins was andere, jedes dem andern gleich, und die Viel- heit daher einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die Continuitaͤt ist dieses Moment der Sichselbstgleich- heit des Aussereinanderseyns. 2. Unmittelbar hat daher die Groͤße in der Conti- nuitaͤt das Moment der Discretion . Die Staͤtigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch nicht zum Ausschliessenden wird; und die Repulsion dehnt erst die Sichselbsigleichheit zur Continuitaͤt aus. Die Dis- cretion ist daher ihrerseits zusammenfliessende Discretion, deren Eins nicht das Leere, das Negative, zu ihrer Be- ziehung haben, und die Staͤtigkeit, die Gleichheit mit sich selbst im Vielen, nicht unterbrechen. Der Unter- schied des Repellirens ist daher nur als Unterscheidbar- keit vorhanden. 3. Die Groͤße, als die Einheit dieser Momente, der Continuitaͤt und Discretion kann Quantitaͤt ge- nannt werden; indem bey dem Ausdruck Groͤße das Unmittelbare derselben, und die begrenzte Groͤße, das Quantum, der Vorstellung naͤher liegt, Quantitaͤt aber mehr an das Reflectirte und den Begriff derselben erinnert. Die Quantitaͤt ist also Fuͤrsichseyn, wie es in Wahrheit ist. Es war das sich aufhebende Beziehen auf L 2 sich Erstes Buch . II. Abschnitt . sich selbst, perennirendes Aussersichkommen. Aber das Abgestossene ist es selbst; die Repulsion ist daher das er- zeugende Fortfliessen seiner selbst. Um der Dieselbigkeit willen des Abgestossenen ist diß Discerniren, ununterbro- chene Continuitaͤt; und um des Aussersichkommens willen, ist diese Continuitaͤt, ohne unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die eben so unmittelbar in ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt. Anmerkung 1. Die reine Quantitaͤt hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht Quantum; — auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze nicht beschraͤnkt, denn sie besteht eben darin, durch die Grenze nicht beschraͤnkt zu seyn, das Fuͤrsichseyn als ein aufgehobenes in sich zu haben. Daß sie die aufgehobene Discretion ist, kann auch so ausgedruͤckt werden, daß die Quantitaͤt schlecht- hin in ihr allenthalben die reale Moͤglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben so schlecht- hin nur als continuirliches ist. Der begrifflosen Vorstellung wird die Continui- taͤt leicht zur Zusammensetzung , nemlich einer aͤusserlichen Beziehung der Eins aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sproͤdigkeit und Ausschlies- sung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß es an und fuͤr sich selbst, in die Attraction, in seine Idealitaͤt uͤbergeht, und daß daher die Continuitaͤt ihm nicht aͤusserlich ist, sondern ihm selbst angehoͤrt, und in seinem Wesen gegruͤndet ist. Diese Aeusserlichkeit der Continuitaͤt fuͤr die Eins ist es uͤberhaupt, an der die Atomistik haͤngen bleibt, und die zu verlassen und in den Begriff, in das Innre zu gehen, die Schwierigkeit fuͤr das Vorstellen macht. Den Quantitaͤt . Den Begriff der reinen Quantitaͤt gegen die bloße Vorstellung hat Spinoza , dem es vorzuͤglich auf den- selben ankam, im Sinne, indem er ( Eth. P. I. Prop. XV. Schol. ) auf folgende Weise von der Quantitaͤt spricht: Quantitas duobus modis à nobis concipitur, ab- stracte scilicet sive superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vel ut substantia, quod a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, prout in imagina- tione est, quod saepe et facilius à nobis fit, reperietur finita, divisibilis et ex partibus conflata , si autem ad ipsam, prout in intellectu est, attendimus, et eam, quatenus substantia est, concipimus, quod difficil- lime fit, — infinita, unica et indivisibilis re- perietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem et intellectum distinguere sciverint, satis manifestum erit. Bestimmtere Beyspiele der reinen Quantitaͤt, wenn man deren verlangt, hat man an Raum und Zeit, auch der Materie uͤberhaupt, Licht u. s. f. selbst Ich; nur ist, wie schon bemerkt, darunter nicht das Quantum oder Groͤße uͤberhaupt, insofern diese zunaͤchst an das Quan- tum erinnert, zu verstehen. Raum, Zeit u. s. f. sind Ausdehnungen, Vielheiten, die ein Ausser-sich-gehen, ein Stroͤmen sind, das aber nicht ins Entgegengesetzte, in die Qualitaͤt oder in das Eins uͤbergeht, sondern als Aussersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren sind. Der Raum ist diß absolute Aussersichseyn , das eben so sehr schlechthin ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn, das identisch mit sich ist; die Zeit ein absolutes Aussersichkommen , ein Zunichte- werden, das staͤtig wieder das Zunichtewerden dieses Vergehens ist; so daß diß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr einfache Gleichheit und Identitaͤt mit sich ist. Was Erstes Buch . II. Abschnitt . Was die Materie als Quantitaͤt betrift, so be- findet sich unter den sieben Propositionen , die von der ersten Dissertation Leibnitzens aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hieruͤber, die zweyte, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et quantitatem esse realiter idem. — In der That sind diese Begriffe auch nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantitaͤt die reine Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in aͤusserlicher Existenz ist. — Auch Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantitaͤt zu, als es ein absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder allseitige Repulsion zur negativen Frey- heit des Fuͤrsichseyns ist, aber welche schlechthin einfache Continuitaͤt bleibt. — Welche sich dagegen straͤuben, die Vielheit als einfache Einheit zu fassen, und ausser dem Begriffe, daß von den Vielen jedes das- selbe ist, was das Andere, nemlich eins der Vielen, — indem nemlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von Gruͤnem, Rothem u. s. f. sondern von dem Vielen an-und-fuͤr-sich betrachtet, die Rede ist, — auch eine Vorstellung von dieser Einheit verlangen, die finden der- gleichen hinlaͤnglich an jenen Staͤtigkeiten, deren einfache Anschauung unmittelbar den deducirten Begriff der Quantitaͤt gibt. Anmerkung 2. In die Natur der Quantitaͤt, diese einfache Ein- heit der Discretion und der Continuitaͤt zu seyn, faͤllt der Streit oder die Antinomie der unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u. s. f. Diese Antinomie besteht allein darin, daß die Dis- cretion eben so sehr als die Continuitaͤt behauptet wer- den Quantitaͤt . den muß. Die einseitige Behauptung der Discretion gibt das unendliche oder absolute Getheiltseyn , so- mit ein Untheilbares zum Princip; die einseitige Behaup- tung der Continuitaͤt dagegen die unendliche Theilbar- keit . Die Kantische Kritik der reinen Vernunft stellt be- kanntlich vier (kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweyte den Gegensatz betrift, der die Momente der Quantitaͤt ausmacht. Diese Kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der kritischen Philosophie; sie sind es vornemlich, die den Sturz der vorhergehenden Metaphy- sik bewirkten, und als ein Hauptuͤbergang in die neuere Philosophie angesehen werden koͤnnen. Bey ihrem gros- sen Verdienste aber ist ihre Darstellung sehr unvollkom- men; theils in sich selbst gehindert und verschroben, theils schief in Ansehung ihres Resultats. Wegen ihrer Merkwuͤrdigkeit verdienen sie eine genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und Methode naͤher beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, von der unnuͤtzen Form, in die er hineingezwaͤngt ist, befreyen wird. Zunaͤchst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmo- logischen Antinomien durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der Kategorien hernahm, einen Schein von Vollstaͤndigkeit geben wollte. Allein die tie- fere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter, in die dialektische Natur der Vernunft faßt uͤberhaupt jeden Be- griff als Einheit entgegengesetzter Momente, denen man die Form antinomischer Behauptungen geben koͤnnte. Werden, Daseyn u. s. f. und jeder andere Begriff koͤnnte daher seine besondere Antinomie liefern, und also so viele Anti- Erstes Buch . II. Abschnitt . Antinomien aufgestellt werden, als Begriffe aufgestellt werden. Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begrif- fen selbst, sondern in der schon concreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt. Um die Anti- nomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ih- rer Anwendung und Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der Materie u. s. f. genommen, sondern ohne diesen concreten Stoff, der keine Kraft noch Gewalt dabey hat, rein fuͤr sich be- trachtet werden, indem sie allein das Wesen und der Grund der Antinomien ausmachen. Kant gibt diesen Begriff von der Antinomie, daß sie „nicht sophistische Kuͤnsteleyen seyen, sondern Wider- spruͤche, auf welche die Vernunft nothwendig stossen (nach Kantischem Ausdrucke) muͤsse;“ — was eine wich- tige Ansicht ist. — „Von dem natuͤrlichen Scheine der Antinomien werde die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar nicht mehr hintergegangen, aber immer noch getaͤuscht.“ — Die kritische Aufloͤsung nemlich durch die sogenannte transcendentale Idealitaͤt der Welt der Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den sogenannten Widerstreit zu etwas subjectivem macht, worin er freylich noch immer derselbe Schein, d. h. so unaufgeloͤst bleibt als vorher. Ihre wahrhafte Aufloͤ- sung kann nur darin bestehen, daß zwey Bestimmungen, indem sie entgegengesetzt und demselben Begriffe nothwen- dig sind, nicht in ihrer Einseitigkeit, jede fuͤr sich, gel- ten kann, sondern daß sie ihre Wahrheit nur in ihrem Aufgehobenseyn haben. Die Kantischen Antinomien naͤher betrachtet, ent- halten nichts anders, als die ganz einfache kategorische Behaup- Quantitaͤt . Behauptung eines jeden der zwey entgegengesetzten Mo- mente der Antinomie. Aber dabey ist diese einfache kate- gorische oder eigentlich assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Geruͤste von Raͤsonnement eingehuͤllt, wodurch ein Schein von Beweisen hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt und un- kenntlich gemacht werden soll; wie sich diß bey der naͤ- hern Betrachtung derselben zeigen wird. Die Antinomie, die hieher gehoͤrt, betrift die soge- nannte unendliche Theilbarkeit der Materie , und beruht auf dem Gegensatze der Momente der Con- tinuitaͤt und Discretion, welche der Begriff der Quan- titaͤt in sich enthaͤlt. Die Thesis derselben nach Kantischer Darstellung lautet so: Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen Theilen, und es existirt uͤberall nichts als das Ein- fache, oder was aus diesem zusammenge- setzt ist . Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte gegenuͤbergestellt, was gegen das Staͤtige oder Continuirliche eine sehr zuruͤckstehende Be- stimmung ist. — Das Substrat, das diesen Abstractio- nen gegeben ist, nemlich empirische Substanzen in der Welt, was hier weiter nichts heißt, als die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, hat auf das Antino- mische selbst keinen Einfluß; es konnte eben so gut auch Raum und Zeit genommen werden. — Indem nun die Thesis nur von Zusammensetzung statt von Con- tinuitaͤt lautet, so ist sie eigentlich ein analytischer oder Erstes Buch . II. Abschnitt . oder tavtologischer Satz. Daß das Zusammenge- setzte nicht an und fuͤr sich, sondern nur ein aͤusserlich Verknuͤpftes ist, und aus Anderem besteht , ist seine unmittelbare Bestimmung. — Das Andre aber des Zusammengesetzten ist das Einfache. Es ist daher ein tavtologischer Satz, daß das Zusammengesetzte aus Ein- fachem besieht. — Wenn einmal gefragt wird, aus was Etwas bestehe , so verlangt man ein Ande- res , dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Laͤßt man die Dinte wieder aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen verfehlt, sie ist nicht beantwortet. Die Frage ist denn allein noch, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlecht- hin ein solches, das nicht unmittelbar, nicht an und fuͤr sich, sondern ein vermitteltes, ein verbundenes ist, und aus anderem besteht. Wenn es daher wieder aus Zu- sammengesetztem bestehen soll, so bleibt die Frage: aus was das Zusammengesetzte bestehe? vor wie nach; weil sie im Zusammengesetzten selbst liegt. — Wird das Ein- fache, welches das Andre des Zusammengesetzten und dasjenige, nach welchem gefragt wird, nur fuͤr ein re- lativ-einfaches genommen, das fuͤr sich wieder zu- sammengesetzt sey, so wird die Antwort wieder in jene: daß die Dinte aus Dinte bestehe, verwandelt, und so- mit die Frage nur wiederhohlt. Der Vorstellung pflegt nur diß oder jenes Zusammengesetzte vorzuschweben, von dem auch diß oder jenes Etwas als sein Einfaches an- gegeben wuͤrde, was etwa wieder fuͤr sich ein Zusam- mengesetztes waͤre. Aber es ist von dem Zusammen- gesetzten als solchem die Rede. Es kann also auch nicht wieder gefragt werden, aus was von neuem das Einfache bestehe, das selbst ein Zusammengesetztes sey; denn das Einfache ist nicht ein Zusammengesetztes, sondern vielmehr das Andre des Zusammengesetzten. Was Quantitaͤt . Was nun den Kantischen Beweis der Thesis betrift, so macht er, wie alle Kantischen Beweise der uͤbrigen antinomischen Saͤtze, den Umweg , der sich als sehr uͤberfluͤssig zeigen wird, apogogisch zu seyn. „Nehmet an, beginnt er, die zusammengesetzten „Substanzen bestaͤnden nicht aus einfachen Theilen; so „wuͤrde, wenn alle Zusammensetzung in Gedanken auf- „gehoben wuͤrde, kein zusammengesetzter Theil und da es „(nach der so eben gemachten Annahme) keine einfache „Theile gibt, auch kein einfacher, mithin gar nichts „uͤbrig bleiben, folglich keine Substanz seyn gegeben „worden.“ — Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn es nichts als Zusammengesetztes gibt, und man denkt sich alles Zusammengesetzte weg, so hat man gar nichts uͤbrig; — man wird diß zugeben, aber dieser tavtologische Ueber- fluß konnte wegbleiben, und der Beweis sogleich mit dem folgenden anfangen: „Entweder laͤßt sich unmoͤglich alle Zusammensetzung „in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren Auf- „hebung etwas ohne alle Zusammensetzung bestehendes, „d. i. das Einfache, uͤbrig bleiben.“ „Im erstern Fall aber wuͤrde das Zusammengesetzte „wiederum nicht aus Substanzen bestehen ( weil bey „diesen die Zusammensetzung nur eine zu- „faͤllige Relation der Substanzen Zum Ueberfluß des Beweisens selbst kommt hier noch der Ueberfluß der Sprache, — weil bey diesen (den Substan- zen naͤmlich) die Zusammensetzung nur eine zufaͤllige Re- lation der Substanzen ist. ist, oh- „ne Erstes Buch . II. Abschnitt . „ne welche diese als fuͤr sich beharrliche „Wesen, bestehen muͤssen .) — Da nun dieser „Fall der Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der „zweyte uͤbrig: daß nemlich das substantielle Zusammen- „gesetzte in der Welt aus einfachen Theilen bestehe.“ Derjenige Grund, welcher nebenher in eine Paren- these gelegt ist, ist in der That die Hauptsache, gegen welche alles bisherige voͤllig uͤberfluͤssig ist. Das Dilem- ma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das Bleibende, oder nicht, sondern das Einfach e . Waͤre das erstere, nemlich das Zusammengesetzte das Bleiben- de, so waͤre das Bleibende nicht die Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur zufaͤllige Relation; aber Substanzen sind das Bleibende, also sind sie ein- fach. Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg, an die Thesis: Die zusammengesetzte Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die Zusammensetzung bloß eine zufaͤllige Relation der Substanzen ist, wel- che ihnen also aͤusserlich ist, und die Substanzen selbst nichts angeht. — Hat es mit der Zufaͤlligkeit der Zu- sammensetzung seine Richtigkeit, so ist das Wesen frey- lich das Einfache. Diese Zufaͤlligkeit aber, auf welche es allein ankommt, wird nicht bewiesen, sondern gera- dezu, und zwar im Vorbeygehen, in Parenthesi ange- nommen, als etwas das sich von selbst versteht oder eine Nebensache ist. Es versteht sich zwar allerdings von selbst, daß die Zusammensetzung die Bestimmung der Zu- faͤlligkeit und Aeusserlichkeit ist; allein unter Zusammen- setzung sollte die Continuitaͤt zu verstehen seyn, und diese dann freylich nicht in einer Paranthese abgethan werden. In Quantitaͤt . In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kuͤrzer laͤßt sich der Beweis so fassen: Man nehme an, die zusammengesetzten Substanzen bestuͤnden nicht aus einfachen Theilen. Nun aber kann man alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine zufaͤllige Relation;) also blieben nach de- ren Aufhebung keine Substanzen uͤbrig, wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestuͤnden. Substanzen aber muͤs- sen wir haben, denn wir haben sie angenommen; es soll uns nicht alles verschwinden, sondern Etwas uͤbrig blei- ben, denn wir haben ein solches Beharrliches, das wir Substanz nannten, vorausgesetzt; diß Etwas muß also einfach seyn. Es gehoͤrt noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet folgendermassen: „Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der „Welt insgesammt einfache Wesen seyn, daß die Zu- „sammensetzung nur ein aͤusserer Zustand „derselben sey , und daß die Vernunft die Elemen- „tarsubstanzen, als einfaches Wesen denken muͤsse.“ Hier sehen wir die Zufaͤlligkeit der Zusammen- setzung als Folge aufgefuͤhrt, nachdem sie vorher im Beweise parenthetisch eingefuͤhrt, und in ihm ge- braucht worden war. Kant protestirt sehr, daß er bey den widerstreiten- den Saͤtzen der Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege) einen Advocatenbeweis zu fuͤhren. Der betrachtete Beweis ist nicht so sehr ei- nes Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnuͤtzen ge- quaͤlten Erstes Buch . II. Abschnitt . quaͤlten Geschrobenheit, die nur noͤthig war, um die aͤus- sere Gestalt eines Beweises hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese der Angel des Beweises war. Die Antithesis lautet: Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen, und es existirt uͤberall nichts Einfaches in der- selben . Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere Weise eben so tadelhaft als der vorige. „Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding „(als Substanz) bestehe aus einfachen Theilen. Weil „alles aͤussere Verhaͤltniß , mithin auch alle Zu- „sammensetzung aus Substanzen nur im Raume moͤg- „lich ist, so muß, aus so vielen Theilen das Zusammen- „gesetzte bestehet, aus so vielen Theilen auch der Raum „bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht „aus einfachen Theilen, sondern aus Raͤumen. Also „muß jeder Theil des Zusammengesetzten einen Raum „einnehmen.“ „Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammen- „gesetzten sind einfach.“ „Also nimmt das Einfache einen Raum ein.“ „Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, „ein ausserhalb einander befindliches Mannichfaltiges in „sich fasset, mithin zusammengesetzt ist, und zwar aus „Substanzen, so wuͤrde das Einfache ein substantielles „Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht.“ Dieser Quantitaͤt . Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt werden. Zunaͤchst ist die apogogische Wendung ein durchaus grundloser Schein. Denn die Annahme, daß alles substanzielle raͤumlich sey, der Raum aber nicht aus einfachen Theilen bestehe , ist eine directe Behauptung, die den unmittelbaren Grund des zu Beweisenden ausmacht und mit dem das ganze Beweisen fertig ist. Alsdann faͤngt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: „daß alle Zusammensetzung aus Substanzen, ein aͤusseres Verhaͤltniß sey,“ vergißt ihn aber son- derbar genug, sogleich wieder. Es wird nemlich fort- geschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume moͤglich sey, der Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das einen Raum einnehme, sey mit- hin zusammengesetzt. Da einmal die Zusammensetzung als ein aͤusserliches Verhaͤltniß angenommen ist, so ist die Raͤumlichkeit, als in der allein die Zusammensetzung moͤglich seyn soll, eben darum selbst ein aͤusserliches Ver- haͤltniß, das die Substanzen nichts angeht, und ihre Natur nicht beruͤhrt, so wenig als das uͤbrige, was man aus der Bestimmung der Raͤumlichkeit noch folgern kann. Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine Anschauung, nemlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung, die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden koͤnne, und kein discursiver Begriff sey. — Bekanntlich hat sich aus dieser Kantischen Unterscheidung von Anschauung und Begriff viel Unfug mit dem Anschauen entwickelt, und um Erstes Buch . II. Abschnitt . um das Begreifen zu ersparen, ist der Werth und das Gebiet derselben ins Unendliche erweitert worden. Hie- her gehoͤrt nur, daß der Raum, wie auch die An- schauung selbst zugleich begriffen werden muͤsse; wenn man nemlich uͤberhaupt begreifen will. Damit entstuͤnde die Frage, ob der Raum nicht, wenn er auch als An- schauung einfache Continuitaͤt waͤre, nach seinem Begrif- fe als aus einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden muͤsse, oder der Raum traͤte in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die Substanz versetzt wurde. In der That wenn die Antinomie abstract gefaßt wird, betrift sie, wie erinnert, die Quantitaͤt uͤberhaupt und somit Raum und Zeit eben so sehr. Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus einfachen Theilen bestehe, diß haͤtte Grund seyn sollen, das Einfache nicht in diß Element zu versetzen, welches der Bestimmung des Einfachen nicht angemessen ist. In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdruͤcklich die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie herbeygebracht, daß wir von Koͤr- pern nur als Erscheinungen einen Begriff haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung der Moͤglichkeit aller aͤussern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn hiemit unter den Substanzen nur Koͤr- per gemeynt sind, wie wir sie sehen, fuͤhlen, schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie im Denken sind, ei- gentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom sinn- lich Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu fassen: Die ganze Erfahrung unseres Sehens, Fuͤhlens u. s. f. zeigt uns nur Zusammengesetz- tes; auch die besten Mikroscope und die feinsten Messer haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen. Also Quantitaͤt . Also soll auch die Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen. Wenn wir also den Gegensatz dieser Thesis und An- tithesis genauer betrachten, und ihre Beweise von allem unnuͤtzen Ueberfluß und Verschrobenheit befreyen, so ent- haͤlt der Beweis der Antithesis, — durch die Versetzung der Substanzen in den Raum, — die assertorische Annahme der Continuitaͤt , so wie der Beweis der Thesis, — durch die Annahme der Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des Substantiellen, — die assertorische An- nahme der Zufaͤlligkeit dieser Beziehung , und damit der absoluten Eins . Die ganze Antinomie reducirt sich also auf die Trennung und directe Behaup- tung der beyden Momente der Quantitaͤt, insofern sie ge- trennt sind. Nach der bloßen Discretion genommen, sind die Substanz, Materie, Raum, Zeit u. s. f. schlecht- hin getheilt, das Eins ist ihr Princip. Nach der Con- tinuitaͤt ist dieses Eins nur ein aufgehobenes; das Thei- len bleibt Theilbarkeit, es bleibt die Moͤglichkeit zu theilen, als Moͤglichkeit, ohne wirklich auf das Atome zu kommen. — So aber enthaͤlt die Continuitaͤt selbst das Moment des Atomen; so wie jenes Getheiltseyn al- len Unterschied der Eins aufgehoben hat, — denn die einfachen Eins ist eines was andere ist, — somit eben so ihre absolute Gleichheit und damit ihre Continuitaͤt ent- haͤlt. Indem jede der beyden entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthaͤlt, und keine ohne die an- dere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß keine dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur ihre Einheit. Diß ist die wahrhafte dia- lektische Betrachtung derselben, so wie das wahrhafte Resultat. Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete Kantische Antinomie sind die dialektischen Beyspiele der M alten Erstes Buch . II. Abschnitt . alten eleatischen Schule , besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf den Begriff der Quan- titaͤt gruͤnden, und in ihm ihre Aufloͤsung haben. Es wuͤrde zu weitlaͤufig seyn, sie hier noch zu betrachten; sie gehoͤren naͤher zu den Begriffen von Raum und Zeit, und sind bey diesen und in der Geschichte der Philosophie ab- zuhandeln. Sie machen der Vernunft ihrer Erfinder die hoͤchste Ehre; sie haben das reine Seyn des Parme- nides zum Resultate , indem sie die Aufloͤsung alles bestimmten Seyns in sich selbst aufzeigen, und sind so- mit an ihnen selbst das Fliessen des Heraklit. Sie sind darum auch einer gruͤndlichern Betrachtung wuͤrdig, als der gewoͤhnlichen Erklaͤrung, daß es eben Sophis- men seyen; welche Assertion sich an die Wahrnehmung nach dem, dem gemeinen Menschenverstande so einleuch- tenden, Vorgange des Diogenes haͤlt, der, als ein Dia- lectiker den Widerspruch, den die Bewegung enthaͤlt, aufzeigte, seine Vernunft weiter nicht angestrengt haben, sondern durch ein stummes Hin- und Hergehen auf den Augenschein verwiesen haben soll, — eine Assertion und Widerlegung, die freylich leichter zu machen ist, als ihre wahrhafte Erkenntniß und Aufloͤsung, die eine Einsicht in die dialektische Natur der Begriffe voraussetzt. Die Kantische Aufloͤsung der Antinomie besteht allein darin, daß die Vernunft die sinnliche Wahrneh- mung nicht uͤberfliegen und die Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Aufloͤsung laͤßt den Inhalt der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht die Na- tur des Begriffes nicht, der wesentlich die Einheit ent- gegengesetzter ist, deren jedes, fuͤr sich isolirt, nichtig und an ihm selbst nur das Uebergehen in sein Anderes ist, wie hier die Quantitaͤt diese Einheit und darin die Wahr- heit der beyden die Antinomie ausmachenden Bestimmun- gen ist. B. Con- Quantitaͤt . B. Continuirliche und discrete Groͤße . 1. Die Quantitaͤt enthaͤlt die beyden Momente der Continuitaͤt und der Discretion. Sie ist zunaͤchst, un- mittelbare Einheit derselben. Sie ist somit selbst in der Bestimmung der Continuitaͤt, und ist continuir- liche Groͤße . Oder die Continuitaͤt ist zwar zunaͤchst nur eins der Momente der Quantitaͤt, und die Quantitaͤt ist erst mit dem andern, der Discretion, vollendet. Aber die Con- tinuitaͤt ist eben so wesentlich auch das Ganze; denn sie ist nur die zusammenhaͤngende, gediegene Einheit, als Einheit des Discreten. Die Continuitaͤt ist somit nicht nur Moment, sondern eben so sehr ganze Quantitaͤt; und diese in dieser unmittelbaren, selbst continuirlichen Ein- heit ist nicht so sehr Quantitaͤt, als Groͤße; — also continuirliche Groͤße. 2. Die unmittelbare Quantitaͤt ist continuir- liche Groͤße. Aber die Quantitaͤt ist uͤberhaupt nicht ein unmittelbares; oder die Unmittelbarkeit ist eine Bestimmt- heit, eine Qualitaͤt derselben, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie geht also aus der Unmittelbarkeit oder Unbestimmtheit in die Bestimmtheit uͤber; die ihr imma- nente Bestimmtheit aber ist das Eins. — Oder die un- mittelbare Quantitaͤt, die continuirliche Groͤße, ist nicht die Quantitaͤt als solche , sondern als bestimm- te ; aber die wahrhafte Bestimmtheit derselben ist das Eins, und die Quantitaͤt ist als discrete Groͤße . M 2 Die Erstes Buch . II. Abschnitt . Die Discretion ist uͤberhaupt Moment der Quanti- taͤt, aber ist selbst auch die ganze Quantitaͤt, weil diese wesentlich vermittelt, negativ in sich selbst, in der Be- stimmtheit des Eins ist, eine zunaͤchst unbestimmte Viel- heit von Eins. Die Quantitaͤt ist Aussereinanderseyn, und die continuirliche Groͤße ist diß Aussereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in sich selbst gleicher Zusammenhang. Die discrete Groͤße ist diß Aus- sereinander als nicht continuirlich, als unterbrochen. Mit dieser Menge von Eins aber ist nicht die Menge des Atomen, und das Leere wieder vorhanden. Son- dern weil die discrete Groͤße Quantitaͤt ist, ist die in ihr aufgehobene Continuitaͤt selbst continuirlich. Diese Con- tinuitaͤt am Discreten besteht darin, daß die Eins das einander gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben. Die discrete Groͤße ist also das Aussereinander des vielen Eins, als des Gleichen , nicht das viele Eins uͤberhaupt, sondern als das Viele einer Ein- heit . Anmerkung . In der gewoͤhnlichen Vorstellung von continuirli- cher und discreter Groͤße wird es uͤbersehen, daß jede dieser Groͤßen beyde Momente, sowohl die Continuitaͤt als die Discretion an ihr hat, und ihr Unterschied nur dadurch constituirt wird, welches von beyden Momente als die zum Grunde liegende Bestimmung gilt, die aber nicht allein in einer solchen Groͤße vorhanden ist. Dabey aber hat die continuirliche Groͤße die Discretion nicht so an ihr, daß sie aus Eins bestuͤnde, denn die Eins sind in ihr aufgehoben, sondern als Aussereinanderseyn; sie ist nicht bloße Gleichheit mit sich selbst, sondern die wesentlich das Eins in ihr aufgehoben und aufbewahrt hat, die Gleichheit des Aussersichseyns der Repulsion. Raum, Zeit, Materie u. s. f. sind Quantitaͤten, die eine staͤtige Groͤße Quantitaͤt . Groͤße haben, indem sie Repulsionen von sich selbst, ein stroͤmendes Aussersichkommen sind, das nicht ein Ueber- gehen in ein Anderes ist. Sie haben die absolute Moͤg- lichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt wer- de; sie haben diese Moͤglichkeit nicht, als die leere Moͤg- lichkeit eines bloßen Andersseyns (wie man sagt, es waͤ- re moͤglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum stuͤnde) sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst. Umgekehrt ist an der discreten Groͤße die Continui- taͤt nicht zu uͤbersehen; diß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit. Die continuirliche und discrete Groͤße koͤnnen als Arten der Groͤße betrachtet werden, aber nur insofern die Groͤße nicht unter irgend einer aͤusserlichen Bestimmt- heit gesetzt ist, sondern unter der Bestimmtheit ih- rer eigenen Momente. In dem gewoͤhnlichen Ueber- gange von Gattung zu Art, laͤßt man an jene nach irgend einem ihr aͤusserlichen Eintheilungsgrunde aͤusserliche Be- stimmungen kommen. — Ferner aber geht die continuir- liche in die discrete Groͤße uͤber, weil jene zwar die Groͤße in einer Bestimmung ist, aber die Unmittelbarkeit oder Continuitaͤt ist nicht die eigenthuͤmliche, immanente Bestimmtheit der Quantitaͤt, sondern diß ist das Eins. Oder die Groͤße hat erst als discrete eine reale Bestim- mung, denn damit tritt der Unterschied oder das Anders- seyn an ihr selbst ein. Die continuirliche Groͤße ist nur staͤtig, ununterschieden an ihr selbst, unterschieden nur gegen die ihr gegenuͤberstehende discrete Groͤße. — Allein die reale Bestimmung ist in der discreten Groͤße als sol- cher, den Eins, welche durch ihre Einheit staͤtig sind, noch nicht vollendet; es gehoͤrt dazu noch die Bestimmung dieser ihrer Continuitaͤt durch das Eins. C. Be- Erstes Buch . II. Abschnitt . C. Begrenzung der Quantitaͤt . Die discrete Groͤße hat erstlich das Eins zum Prin- cip, zweytens ist sie wesentlich staͤtig, sie ist das Eins zugleich als aufgehobenes, als Einheit , das gleichsam breite, continuirte Eins. Insofern aber das Eins, oder die vielen Eins gleich wesentlich und unmittelbar Einheit sind, ist damit nur Quantitaͤt uͤberhaupt, oder insofern das Eins in der Einheit aufgehoben ist, und als viele Eins in die Einheit zusammensinken, continuirliche Quan- titaͤt gesetzt. Aber diese ist umgekehrt in discrete Groͤße uͤbergegangen, und die Continuitaͤt das im Eins aufge- hobene Moment. Das Eins ist somit zwar einerseits zur Einheit erweitert, und diese ist nicht verschwunden, sondern vielmehr wesentlich vorhanden, aber sie ist mit einer Negation gesetzt; das Eins wird an der Einheit zur Grenze . Die Continuitaͤt ist wesentliches Moment, und hat die Negation an ihr, aber ist unterschieden zugleich von dieser ihrer Negation, die in dieser Bestimmung Grenze ist. Diese Grenze, ausser dem, daß sie auf die Einheit bezogen und die Negation an derselben ist, ist sie auch auf sich bezogen ; sie ist als das, wie sie an sich ist, nemlich als Eins, umschliessende, befas- sende Grenze. Die Grenze unterscheidet sich hier nicht zuerst von dem Insichseyn oder dem Etwas ihres Da- seyns, sondern als Eins ist sie unmittelbar dieser negati- ve Punkt selbst. Auf der andern Seite ist das Seyn, das begrenzt ist, wesentlich hier als Continuitaͤt, die uͤber die Grenze und diß Eins hinausgeht. Die wahr- hafte discrete Quantitaͤt ist also eine Quantitaͤt, oder Quantum . Oder Quantitaͤt . Oder die Groͤße ist zuerst unmittelbare Einheit der Continuitaͤt und Discretion. Als Quantitaͤt ist sie die in sich zuruͤckgekehrte Einheit dieser Momente; als diese ihre negative Einheit hat sie den in der unmittelba- ren oder continuirlichen Groͤße nur verschwundenen oder nur moͤglichen Unterschied an ihr. Erstens ist diese negative Einheit nicht nur Ein- heit der Continuitaͤt und Discretion, als abstracter Mo- mente, sondern auch derselben betrachtet als continuirli- cher und discreter Groͤße. Es ist uͤberhaupt kein wahr- hafter Unterschied der continuirlichen und discreten Groͤße. — Zweytens aber ist diese negative Einheit nicht eine Bestimmtheit, in welche die Groͤße uͤbergeht, sondern die sie an ihr selbst hat; sie ist das Eins, in welchem sich als ihrer eigenen Bestimmtheit sich die Quantitaͤt setzt. In- dem uͤberhaupt die Quantitaͤt die aufgehobene Qualitaͤt, indem sie an sich selbst unendlich ist, so ist in ihrer Be- wegung kein Uebergehen in absolutes Andersseyn vorhan- den, sondern ihr Bestimmen besteht eben so sehr nur in dem Hervortreten der in ihr bereits vorhandenen Momente. Zwey- Erstes Buch . II. Abschnitt . Zweytes Kapitel. Quantum . Das Quantum ist die reale Quantitaͤt, wie Daseyn das reale Seyn. Es ist zunaͤchst Quantitaͤt mit einer Bestimmtheit oder Grenze uͤberhaupt, aber in seiner vollkommenen Bestimmtheit ist es Zahl . Das Quan- tum unterscheidet sich zweytens in extensives und intensives Quantum, deren Unterschied aber einerseits gleichguͤltig ist, so daß dieselbe Zahlbestimmtheit eben so sehr auf die eine als auf die andre Weise vorhanden ist. Anderer- seits aber liegt darin der Unterschied des Quantums an sich selbst, das drittens als an sich sich selbst aͤusserlich in die quantitative Unendlichkeit uͤbergeht. A. Die Quantitaͤt . A. Die Zahl . Die Quantitaͤt ist Quantum, oder hat eine Grenze. Insofern die continuirliche und discrete Groͤße als Arten der Groͤße angesehen werden, so ist das Quantum so- wohl die eine als die andere als begrenzt; oder jede von ihnen hat eine Grenze; an der continuirlichen ist die Grenze als Grenze der Continuitaͤt; an der discreten als Negation an der Vielheit, die fuͤr sich ununterschiedene Menge uͤberhaupt ist. Aber der Unterschied dieser Arten hat hier keine Bedeutung mehr. Zunaͤchst als negative Einheit des Unterschiedes, der Continuitaͤt und der Discretion, ist die Quantitaͤt ein Insichseyn, in dem der Unterschied aufgehoben ist, oder das sich von ihm unterscheidet. Die Quantitaͤt ist an sich das aufgehobene Fuͤrsichseyn; sie ist also schon an und fuͤr sich selbst gegen ihre Grenze gleichguͤltig. Aber so wenig als das Etwas eine von seinem In- sichseyn unterschiedene Grenze hat, so wenig ist diß hier der Fall. Die Grenze ist das, wodurch sich Etwas von Anderem abscheidet, und sich auf sich selbst bezieht; durch seine Grenze ist also Etwas in sich und nicht in Andern; seine Grenze ist also sein Insichseyn. Der Quantitaͤt ist uͤberhaupt unmittelbar die Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichguͤltig; denn sie ent- haͤlt das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich selbst, als ihr eigenes Moment. Diß Erstes Buch . II. Abschnitt . Diß Eins ist das Princip des Quantums; es ist aber nicht das abstracte Eins, sondern das Eins als der Quantitaͤt . Dadurch ist es erstlich continuir- lich; es ist Einheit; zweytens ist es discret, da- durch ist es in sich eine Vielheit der Eins, welche aber die Gleichheit miteinander, jene Continuitaͤt, dieselbe Einheit haben. Drittens ist diß Eins Negation der Continuitaͤt und der Discretion; und indem sie seine Mo- mente ausmachen, so ist es somit die Negation seiner selbst; indem es aber eben so unmittelbar ist , so ist die- se Negation seiner zugleich ein Ausschliessen seines Nicht- seyns aus sich, eine Bestimmung seiner gegen andere Quanta. Das Eins ist insofern sich auf sich beziehende, umschliessende, und anderes ausschliessende Grenze. Es ist gesagt worden, daß die Momente der Con- tinuitaͤt und der Discretion in dem begrenzenden Eins enthalten sind. Insofern in diesem Begrenzen das Eins das Bestimmende , oder das Ganze uͤberhaupt in der Form der Discretion ist, so ist die Continuitaͤt als die Einheit der vielen Eins vorhanden; sie ist das Eins , insofern es das Princip ist, oder die Vielen alle Eins sind. Diese Einheit unterscheidet sich insofern zugleich von den Vielen als solchen. Die Continuitaͤt ist aber auch das Unbestimmte der Vielheit uͤberhaupt, und insofern ist das Eins als Grenze an ihr. Die Vie- len als discrete Viele oder als Eins sind unbegrenzbar, denn als Fuͤrsichseyende enthalten sie die Grenze als ein aufgehobenes Moment, und sind die absolute Negativi- taͤt gegen dieselbe. Eine Menge als solche ist keine Gren- ze an den Vielen selbst, es ist eine ihnen voͤllig aͤusserliche Bestimmung. Die Grenze ist an ihnen nur als den Vie- len, die darin sich gleich sind, daß sie Viele sind; diese ihre Continuitaͤt ist das unbestimmte Seyn, an dem die Negation als Grenze ist. Zugleich aber ist sie nicht Grenze Quantitaͤt . Grenze an der Continuitaͤt, insofern sie als die Einheit ist, denn diese macht eben das von dem Vielen, dem Discre- ten und damit dem Negativen uͤberhaupt unterschiedene Moment aus. Das Quantum erscheint daher in seinem An-sich-bestimmtseyn nicht als continuirliche son- dern als discrete Groͤße , wie sich auch im Ueber- gange zu demselben gezeigt hat. Das Quantum als be- grenzte continuirliche Groͤße, ist eine unbestimmte Grenze; denn sie enthaͤlt nicht das continuirliche als vieles Eins, somit auch nicht in der Form des An-sich-selbst-be- stimmtseyns. — Die Momente der Continuitaͤt und Discretion aber, indem sie in dem Quantum als ihrer Einheit sind, sind selbst das Ansichbestimmtseyn, das ihre Einheit ausmacht. Die Continuitaͤt ist als Einheit, als auch als vieles Eins. Die Discretion oder der Unter- schied ist ferner darin nicht nur der unbestimmte der Vielheit uͤberhaupt, sondern als der Bestimmte der Ein- heit gegen die Vielheit. Diß ist aber zugleich nicht ein bloß qualitativer Unterschied, denn die Vielen sind Eins, sie haben dieselbe Einheit. — Ferner ist das Viele nicht unterschieden von der Grenze oder dem begrenzenden Eins; es macht die Continuitaͤt sowohl als die Discre- tion des umschliessenden Eins selbst aus, denn es ist selbst continuirlich und discret; das Quantum oder die Grenze der Quantitaͤt als solche ist selbst Quantitaͤt. Das Quantum auf diese Weise an sich selbst be- stimmt, ist die Zahl . Sie ist das Quantum in seiner Bestimmtheit, weil sie nur ein Verhalten des Eins, das absolut an-sich-bestimmten zu sich selbst ist, das in sei- nem Unterschiede von sich, also dem Bestimmtseyn als durch anderes sich selbst gleich bleibt, oder worin dieser Unterschied eben so unmittelbar ein aufgehobener ist. Die Erstes Buch . II. Abschnitt . Die Zahl hat erstens das Eins als Princip , insofern ist es das continuirliche Eins, oder die Einheit. Ferner ist diese Einheit von sich repell i rt; sie ist als Viele Eins ; aber diese Vielen machen selbst nur das Eins aus, insofern es das begrenzende ist. Die Vielen der Zahl machen das Quantum aus; die Vielheit ist Mo- ment des begrenzenden Eins ; die Vielen, die durch die Grenze abgesondert und umschlossen werden, sind nicht ausserhalb ihrer Grenze ; diese ist das Eins selbst, und diß Eins ist die Quantitaͤt und das Discrete oder das Continuirliche selbst, welches die Vie- len sind. Diese Vielen machen die Anzahl der Zahl aus. Einestheils unterscheidet sie sich von dem Eins als der Einheit, aber zugleich ist sie nur eine Anzahl sol- cher Einheiten. Anderntheils ist sie nicht eine Vielheit gegen das umschliessende, begrenzende Eins; sondern die Anzahl macht selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die Vielen machen eine Zahl, Ein Zwey, Ein Zehen, Ein Hundert u. s. f. aus. Die Zahl hat also zu ihren Momenten die Einheit und die Anzahl , und ist selbst die Einheit derselben. Jene macht das Moment der Continuitaͤt, diß der Dis- cretion aus, wie sie, in dem Quantum, als Zahl sind. Die Einheit unterscheidet sich von der Anzahl, und zu- gleich sind sie vereinigt in der Zahl selbst als dem ne- gativen Eins , im Zehen, im Hundert, welches eben so sehr selbst Einheit als diese Anzahl ist. Das begrenzende Eins ist das Bestimmtseyn gegen anderes, die Unterscheidung der Zahl von andern. Aber diese Unterscheidung wird nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, faͤllt nur in die vergleichende aͤusserliche Reflexion; die Zahl selbst bleibt in sich zu- ruͤckgekehrt, und gleichguͤltig gegen das Andere, oder ist nicht darauf bezogen. Diese Quantitaͤt . Diese Gleichguͤltigkeit der Zahl gegen anderes ist die wesentliche Bestimmung derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn , aber zugleich ihre eigene Aeusserlichkeit aus. — Was das erste betrift, so ist die Quantitaͤt selbst nicht gleichguͤltig gegen die Gren- ze; sie hat an ihr selbst die Grenze in ihrem Momen- te der Discretion. Aber diese Grenze ist nicht die Be- ziehung auf anderes als anderes, sondern gleichguͤltig dagegen. Diese Gleichguͤltigkeit besteht darin, daß die Negation der Quantitaͤt, das Eins, unendlich auf sich bezogen ist, und das Andersseyn als aufgehobenes an ihm selbst hat; ferner hat sich auch die eigne Repulsion des fuͤrsichseyenden Eins aufgehoben. Das Eins der Zahl ist insofern numerisches Eins; ein absolut an und fuͤr sich bestimmtes, das zugleich die Form der Un- mittelbarkeit hat, und dem daher die Beziehung auf an- deres voͤllig aͤusserlich ist. Als Eins, das Zahl ist, hat es ferner die Bestimmtheit , insofern sie Bezie- hung auf anderes ist , in ihm selbst, in seinem Un- terschiede der Einheit und der Anzahl . Die- ser Unterschied ist aber zugleich quantitativ, indem die Anzahl Vielheit der Einheiten , und die Vielheit das discrete Moment der Zahl selbst, oder ihr Eins ist. Aber eben so sehr ist die Quantitaͤt selbst die auf- gehobene Bestimmtheit, der aͤusserlich gewordene Unter- schied. Das Eins ist Princip der Zahl, als numeri- sches Eins, das heißt, als gleichguͤltiges, dem die Be- ziehung auf anderes voͤllig aͤusserlich ist. Die Zahl aber ist die Beziehung dieses Eins; sie ist die Einheit, die als viele Eins in sich zuruͤckkehrt. Aber weil es nume- rische Eins sind, so ist ihnen diese Beziehung und Ruͤck- kehr in sich eben so sehr ein gleichguͤltiges. Die Grenze des Quantums besteht in der Anzahl, in der sich aͤusser- lichen Vielheit, welche zu ihrem Princip oder Einheit das Erstes Buch . II. Abschnitt . das gleichguͤltige Eins hat. Die Zahl ist auf diese Weise das Ansichbestimmtseyn, aber das Ansichbestimmtseyn der Aeusserlichkeit, oder ein Ansichbestimmtseyn, das eben so unmittelbar voͤllige Aeusserlichkeit des Bestimmt- seyns ist. Die Quantitaͤt ist die Unendlichkeit in sich. Die Zahl ist naͤher diese Unendlichkeit als innerhalb ihrer selbst an sich bestimmt, und als eben so absolutes Aufge- hobenseyn oder Aeusserlichkeit des Bestimmtseyns. Anmerkung 1. Gewoͤhnlich werden Raumgroͤße und die Zahlgroͤße, so als zwey Arten betrachtet, als ob die Raumgroͤße fuͤr sich so sehr bestimmte Groͤße als die Zahlgroͤße waͤre; ihr Unterschied bestuͤnde nur in den verschiedenen Bestimmun- gen der Continuitaͤt und Discretion; als Quantum aber stuͤnden sie auf derselben Stuffe. Die Geometrie hat zwar im Allgemeinen in der Raumgroͤße die continuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgroͤße die discrete Groͤße zum Gegenstande. Aber bey dieser Ungleichheit des Ge- genstandes haben sie nicht eine gleiche Weise und Voll- kommenheit der Begrenzung oder des Bestimmtseyns. Die Wissenschaft betrachtet wesentlich die Bestimmtheiten dieser Gegenstaͤnde, insofern sie Quanta sind, und sich nach dieser Seite verhalten. Die Weise der Begren- zung aber ist an beyden Gegenstaͤnden gleichfalls verschie- den. Die Raumgroͤße hat nur eine Begrenzung uͤber- haupt; insofern sie als an sich bestimmtes Quantum be- trachtet werden soll, hat sie die Zahl noͤthig. Auch be- trachtet die Geometrie die Raumfiguren nicht nach einer an und fuͤr sich bestimmten Groͤße; sie mißt sie nicht; ist nicht Meßkunst; sondern vergleicht sie nur d. h. sie betrachtet sie nur als relative Quanta, nach einer Groͤßebestimmung, die sie zu Andern haben. Auch bey ihren Definitionen sind die Bestimmungen zum Theil von Quantitaͤt . von der Gleichheit der Seiten, Winkel, der glei- chen Entfernung hergenommen. So bedarf der Kreis, weil er allein auf der Gleichheit der Entfernung al- ler in ihm moͤglichen Punkte von einem Mittelpunkte be- ruht, zu seiner Bestimmung keiner Zahl. Diese auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen sind aͤcht geometrisch. Aber sie reichen nicht aus, und zu an- dern z. B. Dreyeck, Viereck, ist die Zahl erforderlich, die das An-sich-Bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch Huͤlfe eines Andern, also nicht durch Vergleichung enthaͤlt. Die Zahl aber enthaͤlt diese Bestimmtheit an sich, weil das Eins ihr Princip ist. Die Raumgroͤße hat zwar an dem Punkte die dem Eins entsprechende Be- stimmtheit; der Punkt aber wird, insofern er ausser sich kommt, ein Anderes wird, zur Linie; weil er wesentlich nur als Eins des Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu einer Continuitaͤt, in der die Punktualitaͤt, das An- sich-Bestimmtseyn, das Eins, aufgehoben ist. Insofern das An-sich-Bestimmtseyn im Aussersichseyn sich erhalten soll, muß die Linie als eine Menge von Eins vorgestellt werden, und die Grenze die Bestimmung der Vie- len Eins in sich enthalten, d. h. die Groͤße der Linie — eben so der andern Raum-Bestimmungen — muß als Zahl genommen werden. Anmerkung 2. Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftver- haͤltnisse oder Philosopheme in Zahlen dar- gestellt, und in neuern Zeiten ist das Rechnen als gleich bedeutend mit dem Denken, oder wie man sich genauer ausgedruͤckt hat, mit dem reinen realen Denken ge- nommen worden. — Auch ist in paͤdagogischer Ruͤcksicht die Erstes Buch . II. Abschnitt . die Zahl fuͤr den geeignetsten Gegenstand des innern An- schauens, und die rechnende Beschaͤftigung mit Verhaͤlt- nissen derselben, fuͤr die Thaͤtigkeit des Geistes gehalten worden, worinn er seine eigensten Verhaͤltnisse und uͤber- haupt die Grundverhaͤltnisse des Wesens zur Anschauung bringe. — Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beykom- men koͤnne, geht aus ihrem Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat. Die Zahl ist die absolute Bestimmtheit der Quan- titaͤt; ihr Element ist der gleichguͤltig gewordene Unter- schied. Sie ist also die Bestimmtheit an sich, die zu- gleich voͤllig nur aͤusserlich gesetzt ist. Die Arithmetik ist daher analytische Wissenschaft, weil alle Verknuͤpfungen und Unterschiede, die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm selbst schon liegen, sondern ihm voͤllig aͤusser- lich angethan sind. Sie hat keinen concreten Gegen- stand, welcher innere Verhaͤltnisse an sich haͤtte, die zu- naͤchst fuͤr das Wissen verborgen, nicht in der unmittel- baren Vorstellung von ihm gegeben, sondern erst durch die Bemuͤhung des Erkennens herauszubringen waͤren. Sondern seine Verhaͤltnisse sind rein durch die Reflexion selbst in ihn hineingelegt; diese hat es daher in ihrem rechnenden Geschaͤfte nur mit solchen hineingelegten Be- stimmungen zu thun. Weil in diesen Beziehungen hiemit nicht ein wahrhaftes Andersseyn enthalten ist, so hat sie es nicht mit Entgegengesetztem zu thun; sie hat uͤberhaupt die Aufgabe des Begriffes nicht; geht nur an dem Faden ihrer eigenen Identitaͤt fort, und verhaͤlt sich in ihrer Thaͤtigkeit rein analytisch. Um der Gleichguͤltigkeit des Verknuͤpften gegen die Verknuͤpfung, der die Nothwendigkeit fehlt, willen, be- findet sich das Denken hier in einer Thaͤtigkeit, die zu- gleich die aͤusserste Entaͤusserung seiner selbst ist, in der gewalt- Quantitaͤt . gewaltsamen Thaͤtigkeit, sich in der Gedankenlosig- keit zu bewegen und das keiner Nothwendigkeit faͤhi- ge zu verknuͤpfen. Denn der Gegenstand, die Zahl, ist nur der Gedanke und der abstracte Gedanke der Aeusser- lichkeit selbst. In jedem andern concreten Gegenstande ist das Denken sich gleichfalls aͤusserlich, aber er ist zu- gleich an ihm selbst ein innerlich verknuͤpftes und noth- wendiges; es findet also in ihm wesentliche Beziehungen; die Zahl dagegen hat das wesentlich Beziehungslose zum Princip. Um dieser reinen Aeusserlichkeit und eignen Bestim- mungslosigkeit willen hat das Denken an der Zahl eine unendliche bestimmbare Materie, die nicht Widerstand durch eigenthuͤmliche Beziehungen leistet. Sie ist zugleich die Abstraction von aller sinnlichen Mannichfaltigkeit, und hat vom Sinnlichen nichts als die abstracte Bestim- mung der Aeusserlichkeit selbst behalten. Durch diese Ab- straction liegt sie, so zu sagen, dem Gedanken am naͤch- sten; sie ist nur der reine Gedanke seiner eignen Entaͤusserung. Der Geist, der sich uͤber die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen erkennt, indem er ein Element fuͤr seine reine Vorstellung , fuͤr den Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher darauf verfallen, ehe er das Denken selbst als diß Element faßt, und fuͤr seine Darstellung den rein geistigen Ausdruck gewinnt, die Zahl , diese innerliche, abstracte Aeusserlichkeit zu waͤhlen. Daher sehen wir in der Geschichte der Wissenschaft, ehe das Denken den Ausdruck fand, der nur den abstracten Gedanken selbst enthaͤlt, die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen gebraucht werden. Sie macht die letzte Stuffe der Unvollkommenheit dieses Ausdrucks aus, mit ihr verlaͤßt das Denken, das schon die sinnliche Vorstel- N lung Erstes Buch . II. Abschnitt . lung fuͤr seine Darstellung verlassen hat, vollends auch selbst den reinen Gedanken der Aeusserlichkeit. Indem nun das Denken seine Bestimmungen in diß Element niederlegt, so fallen sie um der betrachteten Na- tur desselben willen, darin unmittelbar in die Begrifflo- sigkeit herab; oder die Gedanken werden in ihm als dem gedankenlosen, zu Gedankenlosem. Die Gedanken, das Lebendigste, Beweglichste, nur im Beziehen Begriffene, werden in diesem Elemente des Aussersichseyns, zu todten, bewegungslosen Bestimmungen. Je reicher an Bestimmt- heit und Beziehung die Gedanken werden, desto verwor- rener einerseits und desto willkuͤhrlicher und sinnleerer an- dererseits wird ihre Darstellung in Zahlen. Das Eins, das Zwey, das Drey, das Vier, als Henas oder Mo- nas, Dyas, Trias, Tetraktys, liegen noch einfachen Begriffen sehr nahe; aber wenn die Zahlen zu weitern Verhaͤltnissen des Begriffs uͤbergehen sollen, so ist es vergeblich, sie noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen. Wenn aber auch nur im Eins, Zwey, Drey, Vier der Begriff festgehalten, wenn sie gedacht und bewegt werden sollen, so ist diß die haͤrteste Bewegung des Den- kens; denn es hat, statt rein mit sich zu thun zu haben und bey sich einheimisch zu seyn, zugleich unmittelbar mit seiner Entaͤusserung zu kaͤmpfen. Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der Beziehungslosigkeit; sein Geschaͤfte ist die Arbeit der Verruͤktheit. Daß z. B. Eins Drey, und Drey Eins ist, zu begreifen, ist darum eine so harte Zumuthung, weil das Eins, das in der Zahl herrschend ist, das Beziehungslose ist, das also nicht an ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein Entgegengesetztes uͤbergeht, sondern vielmehr diß ist, eine solche Beziehung schlechthin auszuschliessen und zu verweigern. Indem Quantitaͤt . Indem also der Gedanke sich von dem sinnlichen Stoffe reinigt, ist es die letzte Stuffe, daß ihm das Sinnliche, das Aeusserliche zum reinen Gedanken dieser Aeusserlichkeit, zur Zahl wird, und daß er diese zum Elemente und Materie seiner selbst nimmt. Aber er hat auch noch diese abstracte Gedankenlosigkeit zu uͤberwin- den, und seine Bestimmungen in seiner eigenen unmittelba- ren Form zu fassen, nemlich als Seyn, Werden u. s. f. als Wesen, Identitaͤt u. s. f. Was die Ansicht des gemeinen Rechnens selbst betrift, daß es Denken sey , weil es „eine Bestim- „mung der relativen Vielheit, oder der bestimmbaren „Wiederhohlbarkeit von Einem und Ebendemselben in ei- „nem Andern, durch die absolute Einheit des Identischen „sey,“ so ist insofern das Rechnen freylich Denken. Aber Lesen, Schreiben u. s. f. ist eben so sehr Denken; denn auch in ihnen ist eine Bestimmung eines relativ Vielen durch eine Identitaͤt. Das Rechnen hat vor an- dern Functionen des Denkens oder Bewußtseyns, wie sich ergeben hat, einerseits das Abstracte seiner Materie oder Elementes voraus; aber auf der andern Seite steht es ihnen durch das Begrifflose des Eins nach, das zwar ein rein mit sich identisches und im Andern, nemlich im Vielen sich wiederhohlendes ist, aber darin sich wesent- lich als beziehungslos halten, und seinem Andern selbst aͤusserlich bleiben, somit die wahrhafte, nemlich die be- greifende Einheit des Denkens in ihm abwesend seyn soll. Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat, insofern er eine paͤdagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus dem Bisheri- gen von selbst hervor. Die Zahl ist ein unsinnlicher Ge- genstand, und die Beschaͤftigung mit ihr und ihren Ver- bindungen, ein unsinnliches Geschaͤfte; der Geist wird N 2 somit Erstes Buch . II. Abschnitt . somit dadurch zur Reflexion in sich und einer innerlichen abstracten Arbeit angehalten. Auf der andern Seite aber, indem der Zahl der aͤusserliche, gedankenlose Un- terschied zu Grunde liegt, so wird jenes Geschaͤfte zu- gleich ein gedankenloses, mechanisches Geschaͤft, und die Kraftanstrengung besteht vornemlich darin, die Lebendig- keit des Geistes zu toͤdten, den Begriff zu unterdruͤcken, Begriffloses festzuhalten, und begrifflos es zu verbinden. Weil das Rechnen ein so sehr aͤusserliches, somit mecha- nisches Geschaͤft ist, so haben sich bekanntlich Maschi- nen verfertigen lassen, welche die arithmetischen Opera- tionen aufs vollkommenste vollfuͤhren. Wenn man uͤber die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kaͤnn- te, so laͤge darin die Entscheidung, was es damit fuͤr ei- ne Bewandniß hat, wenn dem Geiste das Rechnen zum Hauptgeschaͤft gemacht, und er auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen, gelegt wird. B. Exten- Quantitaͤt . B. Extensives und intensives Quantum . 1. Unterschied derselben . 1. Das Quantum hat seine Bestimmtheit als Gren- ze in der Anzahl . Es ist ein in sich Discretes, ein Vieles, das begrenzt ist; dieses Viele hat, wie sich zeig- te, nicht ein Seyn fuͤr sich, das verschieden waͤre von seiner Grenze und sie ausser sich haͤtte. Denn eben in- nerhalb der Zahl macht die Vielheit die Bestimmtheit ge- gen die Einheit aus; das Eins als Einheit ist zwar an sich bestimmt als numerisches Eins, aber als Einheit ist es die unbestimmte, in sich unterschiedslose Continuitaͤt; Unterschied, Andersseyn enthaͤlt es durch die Vielheit. Sie enthaͤlt also das Moment der Grenze, der Negation in der Zahl selbst; der Unterschied-an-sich besteht daher in der Anzahl. Das Quantum ist also ein Vielfaches, und diese Vielheit ist eins mit seiner Grenze; es ist als Grenze, als bestimmtes Quantum, ein Vielfaches an sich selbst. So ist es extensive Groͤße . Die extensive Groͤße ist von der continuir- lichen zu unterscheiden; es steht ihr direct nicht die discrete, sondern die intensive Groͤße gegenuͤber. Die extensive Groͤße ist die aussereinanderseyende in ihrer Be- stimmtheit, oder insofern die Grenze ein Vielfaches ist; sie hat das Moment der Continuitaͤt, insofern an ihr und auch Erstes Buch . II. Abschnitt . auch in ihrer Grenze, als dieses Viele ein continuirliches und die Grenze als Negation an dieser Gleichheit der Vielen erscheint. Die continuirliche Groͤße aber ist die sich fortsetzende Quantitaͤt ohne Ruͤcksicht auf eine Grenze, oder insofern sie mit einer Grenze vorgestellt wird, die diese ausser jener Continuitaͤt und ist Begrenzung ndig r- haupt, ohne daß die Discretion an ihr ge- setzt sey . — Die continuirliche Groͤße ist noch nicht die wahrhaft an sich bestimmte Groͤße, weil sie des vielen Eins, worin das an-sich-Bestimmtseyn liegt, entbehrt; ihre Grenze ist daher ausser ihr, und noch nicht Zahl. — Eben so ist die discrete Groͤße unmittelbar in ihrer Be- stimmung nur unterschiedenes Vieles uͤberhaupt, das, insofern es als solches eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h. ein unbestimmt und aͤusserlich begrenztes waͤre. — Insofern aber sowohl continuirliche als discre- te Groͤße Quantum sind, sind sie nach dessen wahr- hafter Bestimmung Zahl, und dieses ist zunaͤchst als ex- tensives Quantum, — die Bestimmtheit, die wesent- lich als Anzahl , jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit ist. 2. Das extensive Quantum ist die in sich vielfache Grenze. Es hat das unterschiedene Andere an ihm selbst, und deswegen ist die Zahl das vollkommen an sich selbst bestimmte. Die Bestimmtheit, wie groß etwas ist, durch die Zahl, bedarf nicht des Unterschiedes von et- was Anderem Großem, so daß zur Bestimmtheit dieses Großen es selbst und ein Anderes Großes gehoͤrte; es ist an-sich-bestimmte, und dadurch gleichguͤltige, einfach auf sich bezogene Grenze. Das Viele der Grenze aber ist wie das Viele uͤberhaupt, nicht ein in sich ungleiches, sondern ein continuirliches; jedes der Vielen ist was das andere ist; es als vieles aussereinanderseyendes, oder discretes macht daher die Bestimmtheit als solche nicht aus. Quantitaͤt . aus. Diß Viele faͤllt also fuͤr sich selbst in seine Conti- nuitaͤt zusammen und wird einfache Einheit. — Das Viele war jedoch hier nicht uͤberhaupt Vieles fuͤr sich, sondern die Bestimmung des Vielen, Anzahl gegen die Einheit. Allein die Zahl ist Eins der Einheit und der Anzahl, oder die aus der Verschiedenheit dieser Bestim- mungen in sich zuruͤckgekehrte Einheit. Die Anzahl ist darin nur Moment, oder ist aufgehoben; sie macht al- so nicht die Bestimmtheit der Zahl aus, als eine Menge von numerischen Eins ; sondern diese als gleichguͤltige, sich Aeusserliche sind im Zuruͤckge- kehrtseyn der Zahl in sich, aufgehoben; die Aeusserlich- keit, welche die Eins der Vielheit ausmachte, verschwin- det in der Beziehung der Zahl auf sich selbst. Das Quantum, das als extensives seine Bestimmt- heit an der sich selbst aͤusserlichen Anzahl hatte, geht also in einfache Bestimmtheit uͤber. In dieser einfa- chen Bestimmung der Grenze ist es intensive Groͤße ; und die Grenze oder Bestimmtheit als solche, die vorher als Anzahl war, ist ein einfaches, der Grad . Der Grad ist also bestimmte Groͤße, Quantum, aber nicht zugleich Menge, oder Mehreres innerhalb sei- ner selbst; er ist nur eine Mehr heit ; die Mehr heit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammen- genommen. Seine Bestimmtheit wird zwar durch eine Zahl ausgedruͤckt, als dem an-sich-Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht eine Anzahl , sondern ein- fach, nur Ein Grad. Wenn von 10, 20 Graden ge- sprochen wird, so ist das Quantum, das so viele Gra- de hat, nicht die Anzahl und Summe derselben; so waͤre es ein extensives; sondern es ist nur Einer, der zehente, zwanzigste Grad. Er enthaͤlt dieselbe Bestimmtheit, welche in der Anzahl zehen, zwanzig liegt, aber er ent- haͤlt Erstes Buch . II. Abschnitt . haͤlt sie nicht als Mehrere, sondern ist die Zahl als auf- gehobene Anzahl, als einfache Bestimmtheit. Aber diese Form der Beziehung auf sich, welche das Quantum erreicht hat, ist zugleich das Aeusser- lichwerden desselben . Die Zahl hat als extensives Quantum die Bestimmtheit an sich selbst nur in der nu- merischen Vielheit; aber diese, als Vieles uͤberhaupt, faͤllt in die Ununterschiedenheit zusammen, und als sich aͤusserliches Vieles hebt es sich auf in dem Eins der Zahl, in der Beziehung derselben auf sich selbst. Das intensive Quantum bleibt bestimmtes Quantum. Die Bestimmt- heit aber des Quantums ist sich aͤusserliches, gleichguͤlti- ges Andersseyn. Der Grad , der in sich selbst einfach ist, und diß aͤusserliche Andersseyn nicht mehr in ihm hat , hat es ausser ihm , und bezieht sich darauf als auf seine Bestimmtheit. Es ist also eine aͤus- serliche Vielheit; aber so daß dieses Aeusserliche zugleich die einfache Grenze, die Bestimmtheit, welche er fuͤr sich ist, ausmacht. Die Anzahl als solche bleibt also die Be- stimmtheit der Zahl, aber ausser der Zahl, deren Be- stimmtheit sie ist. Daß somit die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven Quantum befinden sollte, darin aufhob, diß bestimmt sich naͤher so, daß sie ausserhalb derselben gesetzt worden ist. Indem die Zahl Eins, in sich reflectirte Beziehung auf sich selbst ist, so schließt sie damit die Gleichguͤltigkeit und Aeusserlichkeit der Anzahl aus sich aus, und ist Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein Aeusserliches. Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe ge- maͤße Realitaͤt. Das Quantum ist bestimmte Quantitaͤt. Die Bestimmtheit der Quantitaͤt ist gleichguͤltige Be- stimmtheit, die nicht ist als auf anderes bezogen; sie hat damit das Andersseyn an ihr selbst, und ist in sich selbst aͤusser- Quantitaͤt . aͤusserlich. So ist sie Anzahl, das bestimmte Unterschie- denseyn in sich selbst; die Anzahl macht eine bestimmte Groͤße aus, und diß Bestimmtseyn, — ob es drey, oder vier u. s. f. sind, faͤllt ganz innerhalb die Zahl selbst; es bedarf dazu nicht einer Vergleichung mit an- dern, noch ist es ein qualitativer Unterschied von Ande- rem. Da diese Aeusserlichkeit innerliche, sich auf sich beziehende Aeusserlichkeit ist, so ist sie die Aeusserlichkeit ihrer selbst. Sie ist also intensive Groͤße, einfache Be- stimmtheit, als Beziehung auf sich selbst, welche eben so sehr ihre Bestimmtheit in Aeusserlichem hat; die Be- stimmtheit, die an ihr selbst die sich aͤusserliche Bestimmt- heit ist. Sonach ist also der Grad einfache Groͤßenbestimmt- heit, unter einer Mehrheit von Intensitaͤten, die ver- schieden, aber in wesentlicher Beziehung auf einander sind, so daß jede in dieser Continuitaͤt mit den andern ihre Bestimmtheit hat. Diese Beziehung des Grades durch sich selbst auf sein Anderes, macht das Auf- und Absteigen der Scale der Grade zu einem staͤtigen Fort- gang, einem Fliessen, das eine ununterbrochene, un- theilbare Veraͤnderung ist. Jedes der Mehrern, die darin unterschieden werden, wird damit nicht getrennt von den Andern, sondern es hat sein Bestimmtseyn nur in diesen Andern. Als sich auf sich beziehende Groͤßebe- stimmung ist jeder der Grade gleichguͤltig gegen die an- dern; aber er ist eben so sehr an sich auf diese Aeusserlich- keit bezogen, und hat darin seine Bestimmtheit; seine Beziehung auf sich ist also eben so sehr die nicht gleich- guͤltige Beziehung auf das Aeusserliche. Das Aeusser- liche ist in der Einfachheit des Grades aufgehoben; aber es ist eben so sehr auch als aͤusserliches ausser ihm auf- gehoben; denn es ist in wesentlicher Beziehung auf die einfache Bestimmtheit, also derselben eben so sehr nicht aͤusserlich. 2. Iden- Erstes Buch . II. Abschnitt . 2. Identitaͤt der extensiven und intensiven Groͤße. Die intensive Groͤße ist die Anzahl der extensiven Groͤße in die Einfachheit zusammengenommen; ein be- stimmtes Eins, das seine Bestimmtheit nicht als ein Mehreres an ihm selbst hat; der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Aeusserliches. Allein er ist nicht nur das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl uͤberhaupt, das nicht Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu seyn. — Aber die intensive Groͤße hat zugleich ihre Be- stimmtheit nur in einer Anzahl. Sie ist ein einfaches Eins der Mehrern; es sind mehrere Grade; aber be- stimmt sind sie nicht weder als einfaches Eins, noch als Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Aussersich- seyns, oder in der Identitaͤt des Eins und der Mehr- heit. Wenn also die Mehrern als solche ausser dem ein- fachen Grade sind, so besteht in seiner Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthaͤlt also die Anzahl. Wie zwanzig als extensive Groͤße, die zwanzig Eins, als di- screte in sich enthaͤlt, so enthaͤlt der bestimmte Grad sie als Continuitaͤt, welche diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der zwanzigste Grad; und ist der zwan- zigste Grad nur als diese Anzahl. Diese Anzahl aber, die im Grade einfach ist, ist zugleich Aeusserlichkeit an sich selbst; sie ist Anzahl nur als Menge von numerischen Eins, die eben so sehr ausser jener Einfachheit des Gra- des ist. Die Bestimmtheit der intensiven Groͤße ist daher von doppelter Seite zu betrachten. Sie ist erstens bestimmt durch andere intensive Quanta; sie ist in Con- tinuitaͤt mit ihrem Andersseyn, und in dieser Beziehung auf ihr Andersseyn besteht ihre Bestimmtheit. Insofern sie die einfache Bestimmtheit ist, ist sie also bestimmt gegen Quantitaͤt . gegen andere Grade; sie schließt dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem Ausschließen. Aber zweytens ist sie an ihr selbst bestimmt; in- sofern ist sie es in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht als in der ausgeschlossenen oder nicht in der An- zahl anderer Grade. Der zwanzigste Grad enthaͤlt die zwanzig an sich selbst; er ist nicht nur bestimmt als un- terschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u. s. f. sondern seine Bestimmtheit ist seine gleichguͤltige An- zahl. Aber insofern die Anzahl die seinige ist, und zwar ist die Bestimmtheit zugleich wesentlich als Anzahl, so ist er extensives Quantum. Extensive und intensive Groͤße sind also eine und dieselbe Bestimmtheit des Quantums, sie sind nur da- durch unterschieden, daß die eine dasselbe ist in einfacher Bestimmtheit, die andere in vielfacher. Die extensive Groͤße geht in intensive Groͤße uͤber, weil ihr Vieles an und fuͤr sich in die Einheit zusammenfaͤllt, und als Be- stimmtheit des Vielen, sich aͤusserlichen numerischen Eins gegen die Einheit, in der Beziehung der Zahl auf sich selbst gegen diese Einheit, ausser ihr tritt. Aber umge- kehrt hat dieses Einfache seine Bestimmtheit nur an der Anzahl und zwar als seiner ; denn es ist zugleich gleich- guͤltig gegen die anders bestimmten Intensitaͤten. Die intensive Groͤße ist also eben so wesentlich extensive Groͤße. Der Unterschied von extensiver und intensiver Groͤße beruht auf dem Unterschiede ihrer Momente, der Anzahl und der Einheit; sie ist die eine und die andre Groͤße in der Bestimmung des einen oder des andern Moments gesetzt. Aber weil diese Momente ihr wesentlich sind, weil die Bestimmtheit eben so sehr Bestimmtheit des Vie- len als eines continuirlichen oder einfachen Beziehung auf sich, Erstes Buch . II. Abschnitt . sich, wie als des discreten, des sich aͤusserlichen ist, so ist ihr Gesetztseyn in einem derselben, eben so sehr ihr Gesetztseyn in dem Andern; oder ihr Daseyn ist dieses gedoppelte Daseyn, das aber in Ruͤcksicht auf die Be- stimmtheit des Quantums selbst gleichguͤltig ist. Anmerkung . In der gewoͤhnlichen Vorstellung pflegen extensi- ves und intensives Quantum so als Arten von Groͤßen unterschieden zu werden, als ob es Ge- genstaͤnde gaͤbe, die nur intensive, andere, die nur ex- tensive Groͤße haͤtten. Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive , z. B. in der Grundbe- stimmung der Materie, einen Raum zu erfuͤllen, so wie in andern Begriffen, in ein Intensives verwan- delte, in dem Sinne, daß das Intensive, als das Dy- namische die wahrhafte Bestimmung sey, und z. B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfuͤllung wesentlich nicht als eine gewisse Menge und Anzahl materiel- ler Theile in einem Quantum Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfuͤllenden Kraft der Ma- terie gesaßt werden muͤsse. Es sind hiebey zweyerley Bestimmungen zu unter- scheiden; es kommt der Begriff von aussereinander bestehenden selbststaͤndigen Theilen , die nur aͤusserlich in ein Ganzes verbunden sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor. Was in der Raumerfuͤllung einerseits nur als eine Menge einander aͤusserlichen Atome angesehen wird, wird andererseits als die Aeusserung einer zu Grunde liegenden einfachen Kraft betrachtet. — Diese Verhaͤltnisse von Ganzem und Theilen, der Kraft und ihrer Aeusserung gehoͤren aber nicht Quantitaͤt . nicht hieher, sondern werden unten betrachtet werden. — Das andere aber ist die quantitative Bestimmtheit, die dabey vorkommt, und in Ansehung deren die Groͤße als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als die wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird. In Ansehung dieser vermeynten Wesentlichkeit des Unterschiedes ist es hinreichend gezeigt zu haben, daß er fuͤr die Bestimmtheit des Quantums selbst unwesentlich, die eine Form aber fuͤr die andere wesentlich ist, und daher jedes Daseyn seine Groͤßebestimmung eben so sehr als extensives wie als intensives Quantum dar- stellt. Als Beyspiel hievon dient daher alles, insofern es in einer Groͤßebestimmung erscheint. Die Zahl selbst hat diese gedoppelte Form nothwendig unmittelbar an ihr selbst. Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie extensive Groͤße. Aber sie auch ein Eins, ein Zehen, ein Hundert; insofern steht sie auf dem Uebergange zur inten- siven Groͤße, indem in dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht. Das Zehente , das Hun- dertste ist diß Einfache an ihm selbst, das seine Bestimmt- heit an dem ausser ihm fallenden Mehrern hat, und ist insofern eigentlich intensive Groͤße. Die Zahl ist Zehen, Hundert, und dieselbe ist zugleich die Zehnte, Hundert- ste im Zahlensystem; beydes ist dasselbe; jede Bestim- mung kann fuͤr die andere genommen werden; die zehente Zahl im Zahlensystem ist Zehen. Das Eins im Kreise heißt Grad , weil ein Theil des Kreises wesentlich seine Bestimmtheit in einem Mehrern ausser ihm hat, nur als eines einer gewissen Anzahl solcher Eins bestimmt ist. Der Grad des Krei- ses Erstes Buch . II. Abschnitt . ses ist aber nur Princip der Zahl einer Groͤße des Krei- ses, nur ihr Eins. Ein Quantum selbst vom Kreise ist ein Bogen von bestimmter Groͤße, eine gewoͤhnliche Zahl, nemlich eine Anzahl solcher Eins, die Grade sind. Die- se Zahl ist extensive Groͤße, und intensive nur insofern, wie so eben erinnert, die Zahl diß uͤberhaupt ist. Die Groͤße wirklicher Gegenstaͤnde, stellt ihre ge- doppelte Seite, extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen des Daseyns des Gegenstandes dar, in deren einer er als ein aͤusserliches , in der andern aber als ein innerliches erscheint. So ist z. B. eine Masse als Gewicht, ein extensiv-Großes , insofern sie eine Anzahl von Pfunden, Centnern u. s. f. ausmacht; ein intensiv-Großes , insofern sie einen gewissen Druck ausuͤbt; diese Groͤße des Drucks ist ein einfaches, ein Grad, der seine Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes hat. Als druͤckend er- scheint die Masse als ein In-sich-seyn, als Subject, dem der intensive Groͤßenunterschied zukommt. — Um- gekehrt was diesen Grad des Drucks ausuͤbt, ist ver- moͤgend, eine gewisse Anzahl von Pfunden u. s. f. von der Stelle zu bewegen, und mißt seine Groͤße hieran. Oder die Waͤrme hat einen Grad ; der Waͤr- megrad, er sey der 10te, 20ste u. s. f. ist eine einfache Empfindung, ein subjectives. Aber dieser Grad ist eben so sehr vorhanden als extensive Groͤße, als die Aus- dehnung einer Fluͤssigkeit, des Quecksilbers im Thermo- meter, der Luft oder des Thons u. s. f. Ein hoͤherer Grad der Temperatur druͤckt sich aus als eine laͤngere Quecksilbersaͤule, oder als ein schmaͤlerer Thoncylinder; er erwaͤrmt einen groͤßern Raum auf dieselbe Weise als ein geringerer Grad den kleinern Raum. Der Quantitaͤt . Der hoͤhere Ton ist als der intensivere , zu- gleich eine groͤßere Menge von Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein hoͤherer Grad zugeschrieben wird, macht sich in einem groͤßern Raume hoͤrbar. — Mit der intensivern Farbe laͤßt sich eine groͤßere Flaͤ- che, als mit einer schwaͤchern, auf gleiche Weise faͤr- ben; oder das Hellere , eine andere Art von Intensi- taͤt, ist weiter sichtbar als das weniger Helle u. s. f. Eben so im Geistigen ist die hohe Intensi- taͤt des Charakters, Talents, Genies, von eben so weitgreiffendem Daseyn, ausgedehnter Wir- kung und vielseitiger Beruͤhrung. Der tiefste Begriff hat die allgemeinste Bedeutung und An- wendung. 3. Veraͤnderung des Quantums . Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der Bestimmtheit des Quantums an ihm selbst gleichguͤltig; er ist nur ein Unterschied seines Da- seyns, oder es hat die Bestimmungen, welche das Ex- tensive und Intensive ausmachen, als seine Momente in ihm selbst. Aber wenn es dagegen als gegen einen Un- terschied des Daseyns gleichguͤltig ist, so sind dafuͤr seine Momente in einen innern Gegensatz getreten. Das ex- tensive Quantum ist als sich auf sich beziehendes Eins in das intensive Quantum uͤbergegangen. Dieses aber, welches somit allein zu betrachten ist, ist die Groͤße- bestimmtheit, die einfach in sich, aber eben in dieser sich auf sich beziehenden Bestimmtheit sich aͤusserlich ist, nicht in sich, sondern in einem andern Mehrern be- steht. Die Erstes Buch . II. Abschnitt . Die intensive Groͤße ist also fuͤrsichseyendes Quan- tum und darin wesentlich auf ein Anderes bezogen. Diß Andre ist ein Anderes dieser Groͤße; ein anderes Quantum. Sie ist also nur, als ihre Bestimmung in ei- ner andern Groͤße habend. Aber sie hat ihre Bestim- mung, ihr Ansichseyn, in einer andern Groͤße, heißt, sie ist nicht sie selbst, sondern ein anderes Quantum. Oder sie geht wesentlich in eine andere Groͤße uͤber. Die intensive Groͤße ist aber uͤberhaupt das reale Quantum. Das Quantum ist die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die gleichguͤltige Grenze; das heißt also, es ist die Bestimmtheit, welche eben so sehr die Negation ihrer selbst ist. So ist das Quantum als Grad gesetzt. Er ist die einfache sich auf sich beziehende Bestimmtheit, welche die Negation ihrer selbst ist, indem sie ihre Be- stimmtheit nicht an ihr, sondern in einem andern Quan- tum hat; er ist also, indem er dieses bestimmte Quan- tum ist, vielmehr wesentlich nicht er, sondern ein ande- res Quantum. Ein Quantum ist also uͤberhaupt in absoluter Con- tinuitaͤt mit seiner Aeusserlichkeit, mit seinem Anders- seyn. Es kann daher nicht nur uͤber jede Groͤßebe- stimmtheit hinausgegangen, sie kann nicht nur veraͤn- dert werden, sondern sie muß sich veraͤndern. Die Quanta erschienen zuerst als aͤusserliche gegeneinan- der , in der Bestimmung von numerischen Eins. Aber sie sind nicht nur aͤusserlich gegeneinander, sondern sind sich selbst aͤusserlich . Die Groͤßebestimmung conti- nuirt sich also so in ihr Andersseyn, daß sie ihr Seyn nur in dieser Continuitaͤt mit einem andern hat. Ein Quantum ist also es selbst, und eben so wesentlich nicht es selbst, sondern die Negation seiner, ein Anderes. Es ist nicht eine seyende , sondern eine werdende Grenze. Das Quantitaͤt . Das Eins ist unendlich, oder die sich auf sich be- ziehende Negation; es ist daher die Repulsion seiner von sich selbst. Das Quantum ist gleichfalls unendlich und repellirt sich von sich selbst. Aber das Quantum ist das bestimmte Eins, das Eins, welches in Daseyn und in die Grenze uͤbergegangen ist. Das Quantum ist also die Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst; sie ist da- her nicht das Erzeugen des sich selbst gleichen, wie die Repulsion des Eins, sondern seines Andersseyns. Wie uͤber das Eins nicht von einem Dritten hinausgegangen wird, sondern es selbst sich von sich abstoͤßt, so ist es auch der Begriff des Quantums uͤber sich hinaus zu schi- cken, und ein Anderes zu werden. Es besteht darin, sich zu vermehren oder zu vermindern; es ist die Aeusser- lichkeit der Bestimmtheit an sich selbst. Das Quantum schickt sich selbst uͤber sich hinaus; diß Andre, zu dem es wird, ist zunaͤchst selbst ein Quan- tum; eine nicht seyende, sondern sich uͤber sich selbst hin- austreibende Grenze; es continuirt sich in sein Anders- seyn; es ist sich aͤusserlich; und diese Aeusserlichkeit sei- ner selbst ist es selbst. Die in diesem Hinausgehen wie- der entstandene Grenze ist also schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt, und so fort ins Unend- liche . O C. Quan- Erstes Buch . II. Abschnitt . C. Quantitative Unendlichkeit . 1. Begriff derselben . Das Quantum veraͤndert sich und wird ein anderes Quantum; es ist aber eine weitere Bestimmung dieser Veraͤnderung, daß sie ins Unendliche fortgeht. Das Quantum wird ein Anderes ; es continuirt sich in sein Andersseyn; das Andre ist also auch ein Quantum. Aber das Andre ist zugleich das Andre nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst. Denn das Quantum ist die gleichguͤltige Bestimmtheit, welche gegen Anderes, aber auch gegen sich gleich- guͤltig ist. Wie sich seine Momente in dem intensiven Quantum bestimmt haben, ist es die Bestimmtheit, die sich nicht auf anderes, sondern auf sich selbst bezieht; eben so sehr aber ist diese Bestimmtheit schlechthin nur die Bestimmtheit in einem Andern; die Beziehung auf Anderes ist ihm aͤusserlich, aber es ist selbst diese Aeus- serlichkeit seiner. Es ist also das Quantum selbst, wel- ches sich widerspricht, und somit sich an sich aufloͤst; es selbst ist somit die Negation seiner selbst; die Veraͤn- derung betrift nicht nur ein Quantum, sondern das Quantum. Das Quantum ist ein Sollen ; es enthaͤlt, an sich bestimmt zu seyn , und dieses An-sich-be- stimmtseyn selbst ist vielmehr das Bestimmtseyn in einem Andern ; und umgekehrt ist es das aufgehobene Bestimmtseyn in einem andern; es ist gleichguͤltiges Be- stimmt- Quantitaͤt . stimmtseyn. Es ist also gegen sich selbst ein Anderes und Aeusserliches; es enthaͤlt diß, endlich zu seyn, und uͤber die Endlichkeit, uͤber das Bestimmtse n in ei- nem Andern hinauszugehen, und unendlich zu seyn. Bey der qualitativen und quantitativen Unendlichkeit ist es wesentlich zu bemerken, daß nicht von einem Dritten uͤber das Endliche hinausgegan- gen wird, sondern daß die Bestimmtheit als sich in sich selbst aufloͤsend, uͤber sich hinausgeht. Aber das quali- tative und quantitative Unendliche unterscheiden sich da- durch, daß im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen qualitativ ist, und der Uebergang des Endli- hen in das Unendliche, oder die Beziehung beyder auf einander nur im Ansich , in ihrem Begriffe liegt. Die qualitative Bestimmtheit ist zunaͤchst unmittelbar, seyend; und bezieht sich auf das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr Anderes, sie ist nicht gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an ihr selbst zu haben. Die Groͤße hingegen ist als solche, aufgehobene Bestimmtheit; sie ist gesetzt, die Negation, ungleich mit sich und das Veraͤnderliche zu seyn. Das qualitative Endliche und Unendliche stehen sich daher absolut gegeneinander uͤber; ihre Einheit ist, die zu Grunde liegende innerliche Beziehung; das Endliche continuirt sich daher nicht unmittelbar in sein Anderes. Hingegen das quantitative Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein Unendliches. Ihre Beziehung ist daher der unendliche Progreß . 2. Der unendliche Progreß . Der Progreß ins Unendliche ist nichts anderes, als der Ausdruck des Widerspruchs, den das quantitativ- O 2 End- Erstes Buch . II . Abschnitt . Endliche oder das Quantum uͤberhaupt enthaͤlt. Er ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen, die in der qualitativen Sphaͤre betrachtet worden ist, aber mit dem Unterschiede, daß wie so eben erinnert, im Quantitativen sich die Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits fortsetzt, und somit umgekehrt auch das quantativ-Un- endliche gesetzt ist, das Quantum, sein Anderes an ihm selbst zu haben. Endliches und Unendliches ist, das ei- ne das Nichtseyn des andern. Aber weil die quantita- tive Bestimmtheit der nur aufgehobene Unterschied ist, so ist das Quantitative in seinem Aussersichseyn selbst. Das quantitativ-Unendliche ist also zwar das aufgehobene Quantum nicht nur als ein Quantum, sondern als das Quantum. Aber weil das Quantum sich in sein Aufge- hobenseyn continuirt, so ist das Unendliche eben so sehr als das Gegentheil seiner selbst, als Quantum bestimmt. Das Quantum also ist die Bestimmtheit-an-sich, die gegen anderes gleichguͤltige Bestimmtheit, welche aber eben so sehr nur ist, als sich aͤusserlich. Der un- endliche Progreß ist der Ausdruck dieses Wider- spruchs, nicht die Aufloͤsung desselben; er bleibt schlechthin im Widerspruche stehen, und geht nicht uͤber ihn hinaus. Oder der Progreß ins Unendliche ist nur die Auf- gabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben. Er ist das perennirende Erzeugen desselben, ohne uͤber das Quantum selbst hinauszukommen, und ohne daß das Unendliche ein Positives und Gegenwaͤrtiges wuͤrde. Das Quantum ist ein solches, in dessen Begriff es ist, ein Jenselts seiner zu haben. Diß Jenseits ist erst- lich das reine Moment des Nichtseyns des Quan- tums; denn es loͤst es sich an sich selbst auf. So be- zieht es sich auf sein Jenseits , auf seine Unend- lich- Quantitaͤt . lichkeit . Diß ist das qualitative Moment des Gegensatzes. Aber zweytens steht das Quantum in Continuitaͤt mit diesem seinem Jenseits, das ein Nicht- suner s Nichtseyn des Quantums ist; denn das Quan- tum st eht eben darin, das Andre seiner selbst, sich selbst aͤusserlich zu seyn; also ist diß Andre, diß Aeusser- liche eben so sehr nicht ein Anderes als das Quantum. Das Jenseits , oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum . Das Jenseits ist auf diese Weise aus sei- ner Flucht zuruͤckgerufen, und das Unendliche erreicht. Aber weil diß zum Disseits gewordene wieder ein Quan- tum ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt worden. Das wieder entstandene Quantum ist darum, weil es Quantum ist, auch wieder von sich selbst geflohen, ist als solches uͤber sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn von sich selbst repellirt; es hat somit ein perennirendes Jenseits. Aber das Quantum besteht zugleich eben darin, sich aͤusserlich zu seyn. Also ist jenes Jenseits, selbst wieder das Quantum. Wird diß, daß hierin das Jenseits oder das Un- endliche als Quantum und umgekehrt das Quantum als Unendliches bestimmt wird, in einen Ausdruck vereinigt, so gibt diese Verbindung ein Unendlichgroßes oder Unendlichkleines . Aber diese Verbindung ist selbst nichts anderes als nur der falsche Ausdruck des Wider- spruchs, oder des unendlichen Progresses. Denn das Quantum und sein Jenseits sind darin in ihrer absoluten Bestimmtheit gegen einander, das eine als das Nichtseyn des andern, erhalten. Das Unendlichgroße und Unend- lichkleine, wird als ein Quantum vorgestellt; es ist ein Großes oder Kleines; aber als Quantum hat es sein Jenseits eben so sehr von sich abgestoßen; es ist nicht zum Unendlichen erweitert, sondern im perennirenden Gegensatze gegen dasselbe erhalten. Das Große noch so Erstes Buch . II . Abschnitt . so sehr erweitert, schwindet daher zur Unbetraͤchtlichkeit zusammen; denn insofern es sich auf das Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz nach diesem Momente qualitativ ; das erweiterte Quanturt, hat also dem Unendlichen nichts abgewonnen; sondere wieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben. Oder, die Vergroͤßerung des Quantums ist keine Naͤherung zum Unendlichen, denn der Unterschied des Quantum und seiner Unendlichkeit hat wesentlich das Moment, ein nicht quantitativer Unterschied zu seyn. — Eben so das Un- endlichkleine ist als Kleines ein Quantum und bleibt da- her absolut d. h. qualitativ zu groß fuͤr das Unendliche, und ist diesem entgegengesetzt. Das Unendlichgroße oder Kleine ist daher nur selbst der unendliche Progreß. Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu bezeich- nen. Sie ist Unendlichkeit des Progresses und wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, nur das perennirende Heruͤber- und Hinuͤbergehen von dem einen Gliede des bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn, von dieser aufs neue zuruͤck zu eben- demselben zur Grenze. Es ist nicht sowohl ein Fort- gehen, sondern ein Wiederhohlen von einem und eben demselben, Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben; eine Ohnmacht des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein Aufheben selbst als ein continuirliches wiederkehrt. Es sind zwey so zusammen- geknuͤpft, daß sie sich schlechthin fliehen; und indem sie sich fliehen, koͤnnen sie sich nicht trennen, sondern sind in ihrer Trennung verknuͤpft. Anmer- Quantitaͤt . Anmerkung 1. Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornemlich in der Form des Progreßes des Quantitativen ins Unendliche , — diß fortgehende Ueberfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der perennirende Ruͤckfall in dieselbe, — fuͤr etwas Erha- benes und fuͤr eine Art von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der Philosophie als ein Letz- tes angesehen worden ist. Es finden sich allenthalben Tiraden solcher Art, die als erhabne Productionen be- wundert worden sind. In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht den Gegenstand groß, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das Subject , das so große Quantitaͤten in sich verschlingt. Es thut sich aber die Duͤrftigkeit dieser subjectiv bleibenden Erhe- bung, die an der Leiter des Quantitativen hinaufsteigt, damit kund, daß sie in der vergeblichen Arbeit dem un- endlichen Ziele nicht naͤher kommt, welches zu erreichen ganz anders anzugreifen ist. Bey folgenden Tiraden dieser Art ist es zugleich ausgedruͤckt, in was solche Erhebung uͤbergeht und auf- hoͤrt. Kant z. B. fuͤhrt es als erhaben auf, „wenn das Subject mit dem Gedanken sich uͤber „den Platz erhebt, den es in der Sinnenwelt einnimmt, „und die Verknuͤpfung ins unendlich Große erweitert, „eine Verknuͤpfung mit Sternen uͤber Sternen, mit „Welten uͤber Welten, Systemen uͤber Systemen, uͤber- „dem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Be- „wegung, deren Anfang und Fortdauer. — Das Vor- „stellen erliegt diesem Fortgehen ins Unermeßlich-Ferne, „wo die fernste Welt immer noch eine fernere hat, die „so weit zuruͤckgefuͤhrte Vergangenheit noch eine weitere „hinter sich, die noch so weit hinausgefuͤhrte Zukunft „immer Erstes Buch . II . Abschnitt . „immer noch eine andere vor sich; der Gedanke er- „liegt dieser Vorstellung des Unermeßlichen; wie ein „Traum, daß einer einen langen Gang immer weiter „und unabsehbar weiter fortgehe, ohne ein Ende abzu- „sehen, mit Fallen oder mit Schwindel endet.“ Diese Darstellung, ausserdem daß sie den Inhalt des quantitativen Erhebens in einen Reichthum der Schil- derung zusammendraͤngt, verdient wegen der Wahrhaf- tigkeit vornemlich Lob, mit der sie es angibt, wie es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist Fallen und Schwindel. Was den Gedan- ken erliegen macht, und das Fallen desselben und Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes, als die Langeweile jener Wiederhohlung, welche eine Grenze verschwinden und wieder auftreten und wieder verschwin- den, so immer das eine um das andere, und eins im andern, in dem Jenseits das Disseits, in dem Disseits das Jenseits perennirend entstehen und vergehen laͤßt, und nur das Gefuͤhl der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens gibt, das uͤber das Endliche Mei- ster werden will und nicht kann. Auch die Hallersche, von Kant sogenannte schau- derhafte Beschreibung der Ewigkeit pflegt beson- ders bewundert zu werden, aber oft gerade nicht wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben ausmacht: „Ich haͤuffe ungeheure Zahlen, Gebuͤrge Millionen auf, Ich setze Zeit auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauff, Und wenn ich von der grausen Hoͤh Mit Schwindeln wieder nach dir seh, Ist alle Macht der Zahl, vermehrt zu tausendmahlen, Noch nicht ein Theil von dir.“ „ Ich Quantitaͤt . „ Ich zieh sie ab, und du liegst ganz vor mir .“ Wenn auf jenes Aufbuͤrgen und Aufthuͤrmen von Zahlen und Welten als auf eine Beschreibung der Ewig- keit der Werth gelegt wird, so wird uͤbersehen, daß der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte Hin- ausgehen fuͤr etwas vergebliches und hohles erklaͤrt, und daß er damit schließt, daß nur durch das Aufge- ben dieses leeren unendlichen Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn komme. Bekanntlich thun sich auch die Astronomen auf das Erhabene ihrer Wissenschaft gern darum viel zu Gute, weil sie mit einer unermeßlichen Menge von Ster- nen, mit so unermeßlichen Raͤumen und Zeiten zu thun habe, in denen Entfernungen und Perioden, die fuͤr sich schon so groß sind, zu Einheiten dienen, welche noch so vielmahl genommen, sich wieder zur Unbedeu- tenheit verkuͤrzen. Das schaale Erstaunen, dem sie sich dabey uͤberlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst noch in jenem Leben von einem Sterne zum andern zu reisen und ins Unermeßliche fort dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, geben sie fuͤr ein Hauptmoment der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus, — welche al- lerdings bewundernswuͤrdig ist, aber nicht um der quan- titativen Unendlichkeit willen, die in ihr vorkommt, son- dern im Gegentheil um der Maaßverhaͤltnisse und der Gesetze willen, welche die Vernunft in diesen Ge- genstaͤnden erkannt hat, und die das vernuͤnftige Unend- liche gegen jene unvernuͤnftige Unendlichkeit sind. Der Unendlichkeit, die sich auf die aͤussere sinnliche Anschauung bezieht, setzt Kant die andere Unendlich- keit gegenuͤber, wenn „das Erstes Buch . II . Abschnitt . „das Individuum auf sein unsichtbares Ich zuruͤck- „geht, und die absolute Freyheit seines Willens als ein „reines Ich allen Schrecken des Schicksals und der Ty- „ranney entgegenstellt, von seinen naͤchsten Umgebungen „anfangend, sie fuͤr sich verschwinden, eben so das, was „als dauernd erscheint, Welten uͤber Welten in Truͤm- „mer zusammenstuͤrzen laͤßt, und einsam sich als sich „ selbst gleich erkennt.“ Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das er- reichte Jenseits; im reinen Selbstbewußtseyn ist die ab- solute Negativitaͤt zur Gegenwart gebracht und bey sich selbst, welche in jenem Fortgehen uͤber das sinnliche Quantum, nur flieht. Aber indem diß reine Ich in sei- ner Abstraction und Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn uͤberhaupt, die Fuͤlle des natuͤrlichen und geistigen Universums als ein Jenseits sich gegenuͤber. Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem unendli- chen Progresse zu Grunde liegt; nemlich ein Zuruͤckge- kehrtseyn in sich, das unmittelbar zugleich Aussersichseyn, Beziehung auf sein Anderes als auf sein Nichtseyn, ist. Welche Beziehung eine Sehnsucht bleibt, weil Ich sich seine Leere einerseits, und die Fuͤlle als sein Jenseits fixirt hat. Kant fuͤgt diesen beyden Erhabenheiten die Bemer- kung bey, „daß Bewunderung (fuͤr die erstere, aͤusserli- „che) und Achtung (fuͤr die zweyte, innerliche) Erhaben- „heit, zwar zur Nachforschung reitzen , aber den „ Mangel derselben nicht ersetzen koͤnnen.“ — Er er- klaͤrt damit jene Erhebungen als unbefriedigend fuͤr die Vernunft, welche bey ihnen und den damit verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das Jenseits und das Leere nicht fuͤr das Letzte gelten lassen kann. Als Quantitaͤt . Als ein Letztes ist der unendliche Progreß vornem- lich in seiner Anwendung auf die Moralitaͤt genom- men worden. Der so eben angefuͤhrte zweyte Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, der mannichfaltigen Welt und des in seine Freyheit erhobenen Ichs, ist zu- naͤchst in seiner Reinheit qualitativ. Indem das Selbst- bestimmen des Ich zugleich darin besteht die Natur zu bestimmen und sich von ihr zu befreyen, so bezieht es sich durch sich selbst auf sein Anderes, welches als aͤus- serliches Daseyn ein Vielfaͤltiges und Quantitatives ist. Das Bestimmen eines Quantitativen wird aber selbst quantitativ, und die negative Beziehung des Ich darauf, die Macht des Ich uͤber das Nicht-Ich oder uͤber die Sinnlichkeit und aͤussere Natur, wird daher so vorge- stellt, daß die Moralitaͤt immer groͤßer , die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner werden koͤnne und solle; die voͤllige Angemessenheit des Willens aber zum moralischen Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progreß verlegt, das heißt, als ein absolutes un- erreichbares Jenseits vorgestellt, und eben diß solle der wahre Anker und der rechte Trost seyn, daß es ein unerreichbares ist. In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich, oder der reine Wille und die Natur und Sinnlichkeit als vollkommen selbststaͤndig und gleichguͤltig gegeneinan- der vorgestellt. Der reine Wille hat sein eigenthuͤmli- ches Gesetz, das in wesentlicher Beziehung auf die Sinn- lichkeit steht; eben so hat die Natur Gesetze, die weder aus dem Willen genommen und ihm entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich verschieden davon, an sich eine wesentliche Beziehung auf ihn haͤtten, sondern sie sind uͤberhaupt fuͤr sich bestimmt, in sich fertig und ge- schlossen. Zugleich sind beyde aber Momente eines und desselben einfachen Wesens , des Ich; der Wille Erstes Buch . II . Abschnitt . Wille ist das Negative, das darin besteht, die Natur aufzuheben, also nur ist, insofern ein solches von ihm verschiedenes ist, das von ihm aufgehoben werde. Er setzt sich in ein Verhalten gegen die Sinnlichkeit, sie zu bestimmen; er geht dadurch uͤber sich hinaus, beruͤhrt sie und ist so selbst von ihr assicirt. Die Natur und Sinn- lichkeit ist als ein selbststaͤndiges System von Gesetzen vorausgesetzt; das Beschraͤnken durch ein anderes ist ihr also gleichguͤltig; sie erhaͤlt sich in diesem Begrenztwer- den, tritt selbststaͤndig in die Beziehung ein, und be- grenzt den Willen eben so sehr, als er sie begrenzt. — Es ist Ein Act, daß der Wille sich selbst bestimmt, und das Andersseyn einer Natur aufhebt, und daß diß An- dersseyn gesetzt ist, oder daß es sich in sein Aufgehoben- werden continuirt. Der Widerspruch, der hierin liegt, wird im unendlichen Progresse nicht aufgeloͤst, sondern im Gegentheil als unaufgeloͤst und unaufloͤsbar darge- stellt und behauptet; der Kampf der Moralitaͤt und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das an und fuͤr sich feyende, absolute Verhaͤltniß. Die Ohnmacht uͤber den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen Meister zu werden, nimmt zur Groͤße ihre Zuflucht, um sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene Qualitative, der gleichguͤltig ge- wordene Unterschied ist. Allein indem beyde Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu Grunde liegen, so wird dadurch, daß sie sich in ihrer gegenseitigen Be- ziehung als Quanta verhalten, eben jedes gegen diese Veraͤnderung gleichguͤltig. Die Natur wird durch Ich bestimmt; aber weil diese Negation nicht dem qualitati- ven sondern nur den quantitativen Unterschied enthaͤlt, so ist es eben ein solcher, der die Natur nicht selbst be- trift, sondern sie als das bestehen laͤßt, was sie ist. In Quantitaͤt . In der abstractern Darstellung der Kantischen Phi- losophie oder wenigstens ihrer Principien, nemlich in der Fichte’schen Wissenschaftslehre, macht der unendliche Pro- greß auf dieselbe Weise die Grundlage und das Letzte aus. Auf den ersten Grundsatz dieser Darstellung, Ich = Ich, folgt ein zweyter davon unabhaͤngiger, die Entgegen- setzung des Nicht-Ich; die Beziehung beyder wird als der quantitative Unterschied angenommen, daß Nicht- Ich zum Theil durch Ich bestimmt wird, zum Theil auch nicht. Das Nicht-Ich continuirt sich auf diese Weise in sein Nichtseyn als ein seinem Nichtseyn entgegengesetzt bleibendes, als ein nicht aufgehobenes. Nachdem daher die Widerspruͤche, die darin liegen, ent- wickelt worden sind, so ist das schluͤßliche Resultat dasje- nige Verhaͤltniß, welches der Anfang war; das Nicht- Ich bleibt ein unendlicher Anstoß, ein absolut-Anderes; die letzte Beziehung seiner und des Ich aufeinander ist der unendliche Progreß, derselbe Widerspruch, mit wel- chem angefangen wurde. Das Endliche, und das end- liche Verhaͤltniß soll das absolute Wahre seyn. Weil das Quantitative uͤberhaupt die Negation der Bestimmtheit ist, so glaubte man fuͤr die Einheit des Absoluten, fuͤr die Eine Substantialitaͤt, viel oder viel- mehr Alles gewonnen zu haben, indem man den Gegen- satz uͤberhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede herabsetzte. Aller Gegensatz ist nur quantita- tiv , war einige Zeit ein Hauptsatz der neuern Philoso- phie; die entgegengesetzten Bestimmungen haben dasselbe Wesen, denselben Inhalt; — ferner hat auch jede Seite des realen Gegensatzes beyde Bestimmungen, beyde Factoren in ihr; nur daß auf der einen Seite der eine Factor, auf der andern der andre uͤberwiegend ist; und das Ueberwiegende wurde haͤufig auch in dem Sinne genommen, daß in der einen Seite der eine Factor, ei- ne Erstes Buch . II . Abschnitt . ne Materie oder eine Thaͤtigkeit, in groͤßerer Men- ge oder in staͤrkerem Grade vorhanden sey, als in der andern. Was das letztere betrift, insofern verschie- dene Stoffe oder Thaͤtigkeiten vorausgesetzt werden, so bestaͤtigt und vollendet der quantitative Unterschied viel- mehr ihre Aeusserlichkeit und Gleichguͤltigkeit gegeneinan- der. Was aber das erstere betrift, daß der Unterschied der absoluten Einheit nur quantitativ seyn soll, so ist das Quantitative zwar die aufgehobene unmittelbare Be- stimmtheit, aber es ist die nur unvollkommene Negation; denn es ist erst die erste Negation, nicht die unend- liche, nicht die Negation der Negation. — Oder indem Seyn und Denken als quantitative Bestimmungen der absoluten Substanz vorgestellt werden, so werden sie, als Quanta, eben dadurch, wie in untergeordneter Sphaͤ- re der Kohlenstoff, Stickstoff u. s. f. sich vollkommen aͤus- serlich und beziehungslos. Es ist ein Drittes, eine aͤus- serliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede abstra- hirt, und ihre innere , nur ansichseyende Einheit erkennt. Diese Einheit wird auf diese Weise nur als erste unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn , welches in seinem quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt , aber nicht sich durch sich selbst gleich setzt ; oder es ist nicht begriffen, als Negation der Negation, als unendliche Einheit. Es ist nur der qualitative Ge- gensatz, welcher die wahrhafte Unendlichkeit enthaͤlt, und der quantitative Unterschied geht, wie sich sogleich naͤher ergeben wird, in das Qualitative uͤber. Anmerkung 2. Es ist oben erinnert worden, daß die Kanti- schen Antinomien Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer concretern Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung ange- wendet, Quantitaͤt . wendet, sind. Die oben betrachtete Antinomie enthielt mehr den Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Un- endlichkeit. In einer andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr die quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird. Ich will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier an- stellen. Sie betrift nemlich die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit und Raum . — Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Ruͤck- sicht auf Zeit und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum Verhaͤltnisse der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung sind, aͤndert nichts fuͤr das antinomische der Begrenztheit oder Unbegrenztheit. Die naͤhere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen, daß die beyden Saͤtze und eben so ihre Beweise, die wie bey der oben betrachteten apo- gogisch gefuͤhrt sind, auf nichts, als auf die zwey einfa- chen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine Grenze, und es muß uͤber die Grenze hinausgegangen werden . Die Thesis ist: „ Die Welt hat einen Anfang in der „Zeit, und ist dem Raume nach auch in „Grenzen eingeschlossen .“ Der eine Theil des Beweises, die Zeit be- treffend, nimmt das Gegentheil an, „die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist „bis zu jedem gegebenen Zeitpunkt eine Ewig- „keit abgelaufen, und mithin eine unendliche Reihe auf „einander folgenden Zustaͤnde der Dinge in der Welt ver- „ flos- Erstes Buch . II . Abschnitt . „ flossen . Nun besteht aber eben darin die Unendlich- „keit einer Reihe, daß sie durch successive Synthesis nie- „mals vollendet seyn kann. Also ist eine unendliche „verflossene Weltreihe unmoͤglich, mithin ein Anfang der „Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns; wel- „ches zu erweisen war.“ Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrift, wird auf die Zeit zuruͤckgefuͤhrt. Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume unendlichen Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als abge- lauffen angesehen werden muͤßte, insofern die Welt im Raume nicht als ein werdendes, sondern als ein vollen- detes gegebenes anzusehen ist. Von der Zeit aber wur- de im ersten Theile des Beweises gezeigt, daß eine un- endliche Zeit als abgelaufen anzunehmen unmoͤglich ist. Man sieht aber sogleich, daß es unnoͤthig war, den Beweis apogogisch zu machen, oder uͤberhaupt einen Be- weis zu fuͤhren, indem in ihm selbst unmittelbar die Be- hauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen werden sollte. Es wird nemlich irgend ein oder jeder gegebe- ne Zeitpunkt angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (— Ewigkeit hat hier nur den geringen Sinn einer schlecht-unendlichen Zeit) abgelaufen sey. Ein gegebener Zeitpunkt heißt nichts anders, als eine bestimmte Grenze in der Zeit. Im Beweise wird also eine Grenze der Zeit als wirklich vorausgesetzt ; sie ist aber eben das , was bewiesen werden sollte. Denn die Thesis besteht darin, daß die Welt einen An- fang in der Zeit habe. Nur der Unterschied findet Statt, daß die ange- nommene Zeitgrenze ein Jetzt , als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt als Anfang einer Quantitaͤt . einer Zukunft ist. Allein dieser Unterschied ist unwesent- lich. Jetzt wird als der Punkt angenommen, in wel- chem eine unendliche Reihe auf einander folgender Zu- staͤnde der Dinge in der Welt verflossen seyn soll, al- so als Ende, als qualitative Grenze. Wuͤrde diß Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, uͤber welche hinaus zu gehen und die fliessend sey, so waͤre die un- endliche Zeitreihe in ihr nicht verflossen , sondern fuͤh- re fort zu fliessen, und das Raͤsonnement des Beweises fiele weg. Dieser als qualitative Grenze fuͤr die Ver- gangenheit angenommene Zeitpunkt aber ist zugleich An- fang fuͤr die Zukunft, — denn an sich ist jeder Zeit- punkt die Beziehung der Vergangenheit und der Zukunft, — und zwar ist er absoluter Anfang fuͤr dieselbe. Denn es thut nichts zur Sache, daß vor seiner Zukunft und vor dem Anfange derselben schon eine Vergangenheit ist; indem dieser Zeitpunkt qualitative Grenze ist, — und als qualitative ihn anzunehmen, liegt in der Be- stimmung des Vollendeten , Abgelaufenen, also sich nicht continuirenden , — so ist die Zeit in ihm abgebrochen, und die Vergangenheit, von der die Rede ist, ohne Beziehung auf die Zeit, welche nur Zu- kunft in Ruͤcksicht auf diese Vergangenheit genannt wer- den konnte, und daher nur Zeit uͤberhaupt ist, die einen absoluten Anfang hat. Stuͤnde sie aber, — (wie sie es denn thut —) durch das Itzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer Beziehung auf die Vergangenheit, waͤre sie in der That Zukunft, so waͤre auch dieser Zeitpunkt von der andern Seite keine Grenze, die unendliche Zeitreihe con- tinuirte sich in dem, was Zukunft hieß, und waͤre nicht, wie angenommen worden, vollendet . In Wahrheit ist die Zeit reine Quantitaͤt; der im Be- weise gebrauchte Zeitpunkt , in welchem sie unterbro- chen seyn sollte, ist vielmehr nur das sich selbst auf- P heben- Erstes Buch . II . Abschnitt . hebende Fuͤrsichseyn des Itzt. Der Beweis leistet nichts, als daß er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und geradezu annimmt, eine populaͤre Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als ei- ne Grenze passiren, somit im Beweise diß als Annah- me gelten laͤßt, was vorher als das zu beweisende aufge- stellt wurde. Die Antithesis heißt: „ Die Welt hat keinen Anfang und kei- „ne Grenzen im Raume, sondern ist sowohl „in Ansehung der Zeit als des Raumes un- „endlich .“ Der Beweis setzt das Gegentheil: „Die Welt habe einen Anfang. Da der Anfang „ein Daseyn ist, wovor eine Zeit vorhergeht, darin das „Ding nicht ist, so muß eine Zeit vorhergegangen seyn, „darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit. Nun „ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend „eines Dings moͤglich; weil kein Theil einer solchen Zeit „vor einem andern irgend eine unterscheidende „ Bedingung des Daseyns, vor der des Nichtdaseyns „an sich hat. Also kann zwar in der Welt manche Rei- „he der Dinge anfangen, die Welt selbst aber keinen An- „fang nehmen, und ist in Ansehung der vergangenen „Zeit unendlich.“ Dieser apogogische Beweis enthaͤlt, wie die an- dern, nur die direkte und unbewiesene Behauptung des- sen, was er beweisen sollte. Er nimmt nemlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit, an; aber continuirt alsdann auch das weltliche Daseyn eben so sehr uͤber sich hinaus in diese leere Quantitaͤt . leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf, und setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort . Die Welt ist ein Daseyn; der Beweis setzt voraus , daß diß Daseyn entstehe , und das Entstehen eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe. Darin aber eben besteht die Antithesis selbst, daß es kein unbedingtes Daseyn, keine absolute Grenze gebe, sondern das wesentliche Daseyn immer eine vorher- gehende Bedingung fodere. Diese Bedingung ist zugleich selbst bedingt; sie wird in der leeren Zeit ge- sucht, was so viel heißt, als daß sie selbst als zeitlich und somit als Daseyn, und beschraͤnktes angenommen wird. Ueberhaupt also ist die Annahme gemacht, daß die Welt als Daseyn ein anderes Daseyn voraussetze und so fort ins Unendliche. Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist dasselbe. Apogogischer Weise wird die raͤumliche Endlichkeit der Welt angenommen; „sie befaͤnde „sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume, und „haͤtte ein Verhaͤltniß zu ihm; ein solches Verhaͤlt- „niß der Welt zu keinem Gegenstande aber ist Nichts.“ Was bewiesen werden sollte, ist hier im Beweise gleichfalls direct vorausgesetzt. Es wird nemlich direct angenommen, daß die begrenzte raͤumliche Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhaͤltniß zu ihm haben sollte, das heißt, daß uͤber sie hinaus- gegangen werden muͤsse, einerseits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn derselben, andererseits aber daß sie damit im Verhaͤltniß stehe, also sich darein hinein continuire , und das Jenseits mit welt- lichem Daseyn erfuͤllt vorzustellen sey. Was die Anti- thesis behauptet, die Unendlichkeit der Welt im Raume, ist nichts anderes, als einestheils der leere Raum, an- P 2 dern- Erstes Buch . II . Abschnitt . derntheils das Verhaͤltniß der Welt zu ihm, das heißt die Continuitaͤt derselben in ihm, oder die Erfuͤllung desselben; welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als erfuͤllt, der unendliche Progreß des Daseyns im Raume ist. Aber dieser Widerspruch selbst, das Verhaͤltniß der Welt zum leeren Raume, ist im Be- weise direct angenommen. Die Thesis und Antithesis und die Beweise dersel- ben stellen daher nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, daß eine Grenze ist, und daß die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; daß nemlich die Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie in Be- ziehung steht, wohin uͤber sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche Grenze entsteht, die keine ist. Die Aufloͤsung dieser Antinomien ist, wie die der obigen, transcendental, das heißt, sie besteht in der Behauptung der Idealitaͤt des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem Sinne, daß die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich, nicht ein sich aufhebendes, sondern das Bewußtseyn in seinem An- schauen und in der Beziehung der Anschauung auf Ver- stand und Vernunft, ein sich selbst widersprechendes We- sen sey. 3. Unendlichkeit des Quantums . 1. Das unendliche Quantum , als unend- lichgroßes oder unendlichkleines , ist selbst der unendliche Progreß; es ist Quantum als ein Großes oder Kleines, und ist Nichtseyn des Quantums als Unendli- ches. Das Unendlichgroße und Unendlichkleine sind da- her Bilder der Vorstellung, die bey naͤherer Betrach- tung Quantitaͤt . tung sich als nichtiger Nebel und Schatten zeigen. Der unendliche Progreß aber druͤckt nichts anders aus, als die Natur des Quantums, das als intensive Groͤße seine Realitaͤt erreicht hat. Das Quantum, in sich zuruͤckgekehrt, ist einfach, auf sich bezogen und als an sich bestimmt. Aber indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und die Bestimmt- heit an ihm selbst aufgehoben ist, so ist diese ihm aͤusser- lich; es hat seine absolute Bestimmtheit vielmehr ausser ihm. Diß sein Aussersichseyn ist zunaͤchst das abstracte Nichtseyn des Quantums uͤberhaupt, die schlechte Un- endlichkeit. Aber ferner ist es auch ein Großes, das Quantum continuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat eben seine Bestimmtheit in seiner Aeusserlichkeit; diese seine Aeusserlichkeit ist daher eben so sehr selbst Quantum, nur ein anderes Quantum, das aber wieder wie das erste sich aufhebt. Das Quantum ist also an sich bestimmtes; diese sei- ne Bestimmtheit aber hat es ausser sich, es hebt sich also auf; umgekehrt ist es in seinem Aussersichseyn in sich zu- ruͤckgekehrt, sein Aussersichseyn ist eben so sehr aufge- hoben. Dieser Kreis ist das Wahrhafte, was im unendli- chen Progresse gesetzt ist. Es ist vorhanden das Quan- tum und sein Jenseits. Erstens hebt sich das Quan- tum auf, es ist an sich selbst das Hinausgehen uͤber sei- ne Grenze; das Jenseits ist die Unendlichkeit, aber es ist die schlechte Unendlichkeit, denn zweytens conti- nuirt sich das Quantum in sie. Diß Jenseits das Nicht- seyn des Quantums, die Unendlichkeit wird selbst begrenzt , und von neuem ein Quantum ge- setzt, das heißt, diß Jenseits wird selbst auf- geho- Erstes Buch . II . Abschnitt . gehoben . Das Quantum ist eben es selbst durch sein Aeusserlichseyn; diß macht gerade die Bestimmtheit des Quantums, oder das aus, was das Quantum ist. Es ist also im unendlichen Progresse der Begriff des Quan- tums, wie er an sich ist; und es ist in dem Pro- gresse vorhanden, das Aufheben des Quan- tums aber eben so sehr seines Jenseits ; oder die Negation des Quantums sowohl, als die Negation dieser Negation . Das Hinausgehen uͤber das Quantum ist die Ne- gation desselben, das Unendliche; aber es wird ein neues Quantum gesetzt, diß ist die Negation des Unendlichen, dieses schlechten Unendlichen, das der Vorstellung als ein Absolutes gilt, als ein Letztes, das sich nicht wieder aufhebt, und uͤber das nicht mehr hinausgegangen wer- den koͤnne. Die Wahrheit des unendlichen Progresses ist also, daß Quantum und sein Jenseits gesetzt sind, aber daß sie gesetzt sind, als aufgehobene. Seine Wahrheit ist also ihre Einheit, worin sie sind , aber als Mo- mente. Diß ist somit die wahre Aufloͤsung des Wider- spruchs, dessen Ausdruck der unendliche Progreß ist. Sie besteht in nichts anderem als in der Wiederher- stellung des Begriffs der Groͤße , daß sie gleich- guͤltige oder aͤusserliche Grenze ist. Im unendlichen Progresse als solchem pflegt nur darauf reflectirt zu werden, daß jedes Quantum, es sey noch so groß oder klein, verschwinden, daß uͤber dasselbe muß hinausgegan- gen werden koͤnnen; aber nicht darauf, daß diß sein Aufheben, das Jenseits, das schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet. Diß geschieht aber darin, daß das Quantum sich in seine Negation hinein continuirt, daß uͤber jedes Quantum hinaus, in sein Aufheben , ein Quantitaͤt . ein neues Quantum gesetzt wird. Das erste Aufheben ist zwar an sich das Aufheben der Negation, — denn das Quantum ist aufgehobene Grenze, — aber es ist zu- gleich nur an sich diß; diß Unendliche ist nemlich fixirt, als das Jenseits des Quantums, das noch als ein Dis- seits bestehen bleibt; oder das Quantum ist nur genom- men als ein unmittelbares , und das Unendliche nur als die erste Negation. Aber im unendlichen Pro- gresse ist mehr vorhanden, — als nur das Aufheben des unmittelbaren Quantums, oder als nur ein erstes Auf- heben; es wird darin auch diß schlechte Unendliche, — durch die neue Begrenzung aufgehoben; es ist also darin vorhanden die Negation der Negation, oder das, was das Unendliche in Wahrheit ist. — Der Begriff des Quantums aber ist nicht nur wieder hergestellt, sondern er hat seine naͤhere Bestimmung erhalten; es ist das durch seinen Begriff bestimmte Quantum ent- standen, was verschieden ist, von dem unmittelba- ren Quantum . 2. Das Jenseits des Quantums hat nemlich eine bestimmtere, positive Bedeutung, als nur die des Nicht- seyns des Quantums; und eben so das Aufheben dieses Jenseits, und die Vereinigung desselben mit dem Quan- tum selbst. Das Quantum ist als gleichguͤltige Grenze an sich selbst bestimmt; dieses sich auf sich beziehende Bestimmt- seyn ist das Verschwundenseyn seiner Aeusserlichkeit, die es an ihm selbst hat; diese tritt damit ausser demselben; sein Hinausgehen uͤber sich ist sein wesentliches Moment, es bezieht sich durch sich selbst auf seine Aeusserlichkeit; diese aber macht sein Ansich bestimmt seyn aus, und die Natur seines Ansichbestimmtseyns besteht in dieser Aeusserlichkeit. Das Jenseits des Quantums ist also nicht Erstes Buch . II. Abschnitt . nicht das bloße Nichtseyn , die leere, unbestimmte Negation desselben. Sondern das Quantum geht darum uͤber sich hinaus, insofern es gleichguͤltige Grenze ist; es hebt diese Gleichguͤltigkeit auf, und setzt das Ansich- seyn derselben, als ein unendliches Jenseits , als das worin es negirt, worin es nicht es selbst, son- dern die Aeusserlichkeit seiner selbst ist. Aber vielmehr ist diese Aeusserlichkeit das Gegentheil ihrer selbst; sie ist absolutes Moment der Groͤße selbst; denn das Quantum ist nicht es in seiner Unmittelbarkeit, sondern ist wesentlich Hinausgehen uͤber sich; diß Hin- ausgehen uͤber sich, diese seine Aeusserlichkeit gehoͤrt also ihm selbst. Sein Hinausgehen uͤber sich aber ist das Aufheben seiner Gleichguͤltigkeit gegen das Aeusserliche, das seine Bestimmtheit ist, es setzt damit diese als sich selbst. Es hebt sein Jenseits, seine Negation auf, das heißt, es hebt die Aeusserlichkeit seines Bestimmtseyns auf; verei- nigt es mit sich und macht sich dadurch an sich be- stimmt . Jedes der Momente der Bewegung des unendlichen Progresses ist das Gegentheil seiner selbst; denn der un- endliche Progreß ist der gesetzte Widerspruch. Das Quantum geht erstens uͤber sich hinaus; diß heißt also 1) es hebt sich auf, setzt seine Negation, sein Jen- seits und 2) es setzt damit vielmehr sein absolutes Bestimmtseyn, das was es an sich ist. Zweytens diß Unendliche wird wieder bestimmt, es wird eine neue Grenze gesetzt; diß heißt somit 1) das Ansichseyn des Quantums wird aufgehoben, es entsieht nur wieder ein gleichguͤltiges Quantum, 2) es wird die Negation des Quantums, das Jenseits desselben aufgehoben, sein Hinausgehen uͤber sich wird also in es selbst zuruͤck- genom- Quantitaͤt . genommen. Beyde Seiten druͤcken diß aus, daß das Quantum, und daß die Negation des Quantums negirt wird; es ist also gesetzt seine unendliche Beziehung auf sich selbst, oder sein Ansichbestimmtseyn. Die Unendlich- keit, die nur die schlechte, und ein Jenseits des Quan- tums war, gehoͤrt ihm an, das Quantum ist selbst un- endlich. In dieser Wiederherstellung des Quantums ist es als gleichguͤltige Grenze, als diß perennirende Hinaus- gehen uͤber sich aufgehoben. Die Gleichguͤltigkeit und Aeusserlichkeit des Quantums verschwindet also nur inso- fern als das Jenseits desselben aufgehoben ist. Das Quantum hat die Unendlichkeit, das Ansichbestimmtseyn nicht mehr ausser sich. Die Grenze ist also als gleich- guͤltige oder als aufgehobene aufgehoben. Sie ist somit wieder qualitativ geworden. Das Unendliche also, welches im unendlichen Pro- gresse nur die leere Bedeutung eines Nichtseyns, eines Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualitaͤt . Das Quantum ist gleichguͤltige Grenze; es geht uͤber sich hinaus ins Unendliche; es sucht damit nichts anderes, als das Ansichbestimmtseyn, das qualitative Moment. Aber diß qualitative Moment ist nicht ein Jenseits seiner, es liegt in ihm selbst. Denn eben diß Hinausgehen selbst, oder das Jenseits, die Negation sei- ner ist dasjenige, was das Quantum zum Quantum macht; diß ist seine Bestimmtheit an sich; eben seine Gleichguͤltigkeit ist seine Bestimmung selbst. Oder das Quantum ist die aufgehobene Qualitaͤt; aber das Quantum ist unendlich, geht uͤber sich hinaus, es ist die Negation seiner. Es ist also die Negation der negirten Qualitaͤt, oder es ist die Wiederherstellung der- selben. Das Erstes Buch . II. Abschnitt . Das Quantum aber, das als gleichguͤltige Grenze aufgehoben und qualitativ bestimmt ist, ist das quanti- tative Verhaͤltniß . Im Verhaͤltnisse ist das Quan- tum sich aͤusserlich, von sich selbst verschieden; aber diese seine Aeusserlichkeit, die Beziehung auf das andere Quan- tum, macht zugleich seine Bestimmtheit aus; es hat darin nicht eine gleichguͤltige, sondern qualitative Bestimmung; es ist in seiner Aeusserlichkeit in sich zuruͤckgekehrt. Anmerkung . Das mathematische Unendliche ist eines- theils interessant durch die Erweiterung der Mathematik und die großen Resultate, welche seine Einfuͤhrung in dieselbe hervorgebracht hat; anderntheils aber ist es da- durch merkwuͤrdig, daß es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen ist, sich uͤber den Gebrauch desselben durch den Begriff zu rechtfertigen. Die Rechtfertigungen beruhen auf der Richtigkeit der mit seiner Huͤlfe sich ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gruͤnden erwiesen ist ; nicht aber auf der Klarheit des Gegen- standes und der Operation, durch welche die Resultate her- ausgebracht werden, sogar daß diese Operation vielmehr als unrichtig zugegeben wird. Diß ist schon ein Mißstand an und fuͤr sich, denn ein solches Verfahren ist unwissenschaftlich. Es fuͤhrt aber auch den Nachtheil mit sich, daß die Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments nicht kennt, weil sie mit der Metaphysik oder Kritik desselben nicht fertig ist, den Umfang seiner Anwendung nicht bestim- men, und von Misbraͤuchen desselben sich nicht sichern kann. In philosophischer Ruͤcksicht aber ist das mathema- tische Unendliche darum wichtig, weil ihm in der That der Quantitaͤt . der Begriff des wahrhaften Unendlichen zu Grunde liegt und weil es viel hoͤher steht, als das gewoͤhnlich soge- nannte metaphysische Unendliche , von dem aus die Einwuͤrfe gegen ersteres gemacht werden. Gegen diese Einwuͤrfe weiß sich die Wissenschaft der Mathema- tik gewoͤhnlich nur dadurch zu retten, daß sie die Kom- petenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet, daß sie mit dieser Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um ihren Begriff nicht zu bekuͤmmern habe, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden consequent verfahre. Sie habe nicht zu betrachten, was an sich, sondern was auf ihrem Felde das Wahre sey. Die Metaphysik weiß die glaͤnzenden Resultate des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen nicht zu leugnen oder umzustossen, und die Mathematik weiß mit der Metaphysik ihres eigenen Be- griffs und daher auch mit der Ableitung der Verfahrungs- weisen, die der Gebrauch des Unendlichen noͤthig macht, nicht ins Reine zu kommen. Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs uͤberhaupt waͤre, von der die Mathematik gedruͤckt wuͤr- de, so koͤnnte sie diesen ohne Umstaͤnde auf der Seite lie- gen lassen, insofern nemlich der Begriff mehr ist, als nur die Angabe der wesentlichen Bestimmtheit einer Sa- che; denn sie ist nicht eine Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstaͤnde zu thun, und durch die Ent- wicklung des Begriffs, wenn auch nur durch Raͤsonne- ment, ihren Inhalt zu erzeugen hat. Allein bey der Methode ihres Unendlichen findet sie den Hauptwi- derspruch an der eigenthuͤmlichen Methode , worauf sie uͤberhaupt als Wissenschaft beruht. Denn die Rechnung des Unendlichen erlaubt und erfodert Ver- fahrungsweisen, welche die Mathematik sonst bey Ope- rationen mit endlichen Groͤßen durchaus verwerfen muß, und zugleich behandelt sie ihre unendlichen Groͤßen, wie endliche Erstes Buch . II. Abschnitt . endliche Quanta, und will auf jene dieselben Verfah- rungsweisen anwenden, welche bey diesen gelten. Die Mathematik zeigt bey ihrem Gebrauche des Un- endlichen und bey den der mathematischen Verfahrungs- art geradezu widerstreitenden Operationen, die er noͤ- thig macht, daß Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen uͤbereinstimmen, welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und analytische, Methode gefunden werden. Aber theils betrift diß nicht alle Resultate, und der Zweck der Einfuͤhrung des Unendli- chen ist nicht allein, den gewoͤhnlichen Weg abzukuͤrzen, sondern zu Resultaten zu gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden koͤnnen. Theils aber rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht an und fuͤr sich. Diese Manier aber der Rechnung des Unendlichen ist immer durch den Schein der Ungenauigkeit ge- druͤckt, den sie sich giebt, indem sie endliche Groͤßen um eine unendlich kleine Groͤße das einemahl vermehrt, sie in der fernern Operation zum Theil beybehaͤlt, aber ei- nen Theil derselben auch vernachlaͤssigt. Diß Verfahren zeigt die Sonderbarkeit, daß der eingestandenen Unge- nauigkeit unerachtet, ein Resultat herauskommt, das nicht nur ziemlich und so nahe , daß der Unterschied ausser Acht gelassen werden koͤnnte, sondern vollkommen genau ist. In der Operation selbst aber, die dem Resultate vorher geht, kann die Vorstellung nicht entbehrt werden , daß einiges nicht gleich Null, aber so unbetraͤchtlich sey, um ausser Acht gelassen werden zu koͤnnen. Bey dem aber, was unter mathematischer Bestimmtheit zu verstehen ist, faͤllt aller Unterschied einer groͤßern oder geringern Ge- nauigkeit gaͤnzlich hinweg, wie in der Philosophie nicht von groͤßerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, sondern von der Wahrheit allein die Rede seyn kann. Wenn die Metho- Quantitaͤt . Methode und der Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg, und selbst diß nur zum Theil, gerechtfertigt wird, so ist es nicht so uͤberfluͤssig dessen ungeachtet die Rechtfertigung derselben zu fordern, als es bey der Nase uͤberfluͤssig scheint, nach dem Erweiße des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen. Denn es ist bey der ma- thematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniß we- sentlich um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate ist es der Fall, daß die streng mathemati- sche Methode nicht zu allen den Beleg des Erfolgs lie- fert, der aber ohnehin nur ein aͤusserlicher Beleg ist. Es ist der Muͤhe werth, den mathematischen Be- griff des Unendlichen und einige der merkwuͤrdigsten Ver- suche naͤher zu betrachten, welche die Absicht haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit, von der sich die Methode gedruͤckt fuͤhlt, zu beseitigen. Die Betrachtung dieser Rechtfertigungen und Bestimmun- gen des mathematischen Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung weitlaͤufiger anstellen will, wird zugleich das beste Licht auf die Natur des wahren Begriffes selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen vorgeschwebt und zu Grunde gelegen hat. Die gewoͤhnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, daß es eine Groͤße sey, uͤber wel- che es keine groͤßere oder kleinere mehr ge- be . — In dieser Definition ist zwar der wahre Begriff noch nicht unmittelbar ausgedruͤckt, aber, wenn sie naͤher betrachtet wird, darin enthalten. Denn eine Groͤße wird in der Mathematik so definirt, daß sie etwas sey, das vermehrt und vermindert werden koͤnne; uͤberhaupt also eine gleichguͤltige Grenze. Indem nun das Unend- lichgroße oder kleine ein solches ist, das nicht mehr ver- mehrt oder vermindert werden kann, so ist es in der That kein Quantum als solches mehr. Diese Erstes Buch . II. Abschnitt . Diese Consequenz ist nothwendig und unmittelbar. Aber die Reflexion, daß das Quantum, — und ich nenne in dieser Anmerkung das endliche Quantum, nur Quan- tum uͤberhaupt, — aufgehoben ist, ist es, die gewoͤhn- lich nicht gemacht wird, welche fuͤr das gewoͤhnliche Be- greifen die Schwierigkeit ausmacht, indem das Quan- tum, indem es unendlich ist, als ein aufgehobenes, als ein solches zu denken gefodert wird, das zugleich nicht ein Quantum ist. Um das anzufuͤhren, wie Kant jenen Begriff be- urtheilt In der Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie, in der Kritik der reinen Vernunft. , so findet er ihn nicht uͤbereinstimmend mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen verstehe. „Nach dem gewoͤhnlichen Begriffe sey eine Groͤße unend- lich, uͤber die keine groͤßere (d. i. uͤber die darin enthal- tene Menge einer gegebenen Einheit) moͤglich ist. — Durch ein unendliches Ganzes sey nicht vorgestellt, sagt er, wie groß es sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines Maximums (oder Minimums) sondern es werde dadurch nur sein Verhaͤltniß zu einer be- liebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren dasselbe groͤßer ist, als alle Zahl. Je nachdem diese Einheit groͤßer oder kleiner angenommen wuͤrde, wuͤrde das Unendliche groͤßer oder kleiner seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhaͤltnisse zu dieser gegebenen Einheit bestehe, wuͤrde immer dieselbe bleiben, obgleich freylich die absolute Groͤße des Ganzen dadurch gar nicht erkannt wuͤrde.“ Kant tadelt es also, daß unendliche Ganze als ein Maximum, als eine vollendete Menge einer gegebe- nen Einheit angesehen werden. Das Maximum oder Mini- Quantitaͤt . Minimum ist nemlich selbst ein Quantum, eine Menge, nicht bloß ein Verhaͤltniß. Die gewoͤhnliche Vorstellung, der das Unendlichgroße oder kleine als ein Etwas, das ein Quantum sey, erscheint, kann die von Kant ange- fuͤhrte Consequenz, nicht ablehnen, die auf ein groͤßeres oder kleineres Unendliches fuͤhrt, je nachdem die zum Grunde liegende Einheit als groͤßer oder kleiner ange- nommen wuͤrde, die ein veraͤnderliches ist. Oder uͤber- haupt indem das Unendliche als Quantum vorgestellt wird, so gilt noch fuͤr dasselbe der Unterschied eines groͤßern oder kleinern. Allein die Kritik trift nicht den Begriff des wahrhaften mathematischen Unendlichen, der unendlichen Differenz, denn diese ist kein endliches Quan- tum mehr. Kants Begriff dagegen, den er den wahren tran- scendentalen nennt, ist, „daß die successive Synthesis der Einheit in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn koͤnne.“ Einerseits ist hier zwar ein Quantum als gegeben vorausgesetzt; aber diß solle erst synthesirt und zwar solle diß Synthesiren, wodurch es zu einer Anzahl und einem Quantum gemacht wuͤrde, niemals vollendet werden. Hiemit ist, wie erhellt, nichts als der Progreß ins Unendliche ausgesprochen, nur transcendental, oder eigentlich subjectiv und psycho- logisch vorgestellt. An sich soll zwar das Quantum vol- lendet seyn, aber transcendentalerweise, nemlich im Sub- jecte entstehe nur ein solches Quantum, das unvollendet und schlechthin mit einem Jenseits behafftet sey. Es wird also hier uͤberhaupt beym Widerspruche, den die Groͤße enthaͤlt, stehen geblieben, aber vertheilt an das Object und das Subject, so daß jenem die Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen uͤber sie, das schlechte Un- endliche, zukommt. Das Erstes Buch . II. Abschnitt . Das wahrhafte unendliche Quantum aber ist an sich selbst unendlich; es ist diß, wie sich oben ergeben hat, als solches, in welchem das endliche Quantum oder das Quantum uͤberhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche, auf gleiche Weise aufgehoben sind. Das aufgehobene Quantum aber ist in die Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst zuruͤckgegangen, — nicht nur wie das extensive, indem es in intensives Quantum uͤberging, als welches seine Bestimmtheit nur an sich an einer aͤussern Vielfachheit hat, gegen welches es jedoch gleichguͤltig und wovon es verschieden seyn soll. Das unendliche Quantum dagegen enthaͤlt die Aeusserlichkeit und die Negation seiner an ihm selbst; so ist es nicht mehr irgend ein endliches Quantum, nicht eine Groͤße- bestimmtheit, die ein Daseyn als Quantum haͤtte, son- dern es ist einfach als Moment ; es ist nur der Be- griff seines Bestimmtseyns, oder eine Groͤßebestimmt- heit in qualitativer Form. Als Moment ist es in wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als be- stimmt durch dieses sein Anderes. Oder es hat nur Be- deutung in Beziehung auf ein im Verhaͤltniß mit ihm stehendes. Ausser diesem Verhaͤltnisse ist es Null ; — da gerade das Quantum als solches gegen das Verhaͤltniß gleichguͤltig seyn, und zu seiner Bestim- mung keines andern beduͤrfen soll. In dem Ver- haͤltnisse aber ist es eben so kein Quantum , eben darum, weil es nur Moment, nur etwas ist im Ver- haͤltnisse, nicht ein fuͤr sich gleichguͤltiges. Indem das Quantum somit nach seiner Wahrheit nur als Groͤßebestimmung ist, hat es qualitative Natur, und ist unendlich, denn erstlich enthaͤlt diß seine Negation, — es hat nemlich aufgehoͤrt, das was es sei- ner Bestimmung nach seyn sollte, ein gleichguͤltiges zu seyn. Zweytens hat es das An-sich-bestimmtseyn an Quantitaͤt . an ihm, denn es hat sie nicht mehr als ein Jenseits ausser ihm. Dieser Begriff wird sich zeigen, dem mathemati- schen Unendlichen zu Grunde liegen, und er wird deutli- cher werden, indem wir die verschiedenen Stuffen des Ausdrucks des Quantums als eines Verhaͤltniß- Moments betrachten, von der untersten an, wo es zugleich Quantum als solches ist, bis zu der hoͤhern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck eigentlicher unend- licher Groͤße hat. Nehmen wir zuerst das Quantum in dem Verhaͤlt- nisse, wie es eine gebrochene Zahl ist. Der Bruch \frac{2}{7} z. B. ist nicht ein Quantum, wie 1, 2, 3 u. s. f., er ist zwar eine gewoͤhnliche endliche Zahl, jedoch nicht eine unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch ist er mittelbar bestimmt durch zwey Zahlen, die Anzahl und Einheit gegeneinander sind, so daß die Ein- heit selbst eine bestimmte Anzahl ist. Aber von dieser naͤhern qualitativen Bestimmung derselben gegeneinander, abstrahirt, und sie bloß nach dem, was ihnen als Quan- tum hier widerfaͤhrt, betrachtet, so sind 2 und 7 sonst gleichguͤltige Quanta, hier treten sie aber nur als Mo- mente eines andern auf. Aus diesem Grunde soll nun sogleich 2 und 7 hier nicht als 2 und 7, sondern als ihre Bestimmung gegeneinander gelten. Statt ihrer kann da- her eben so gut 4 und 14, oder 6 und 21 u. s. f. ge- setzt werden. Hiemit fangen sie an, einen qualitativen Charakter zu haben. Gaͤlten sie als bloße Quanta, so ist 2 und 7, schlechthin nur 2 und 7; 4 und 14, 6 und 21 u. s. f. sind schlechthin etwas anderes und koͤn- nen nicht an die Stelle jener Zahlen gesetzt werden. In- sofern 2 und 7 nicht nach dieser Bestimmtheit gelten, so ist ihre gleichguͤltige Grenze aufgehoben, sie haben somit, Q ob Erstes Buch . II. Abschnitt . ob zwar noch unvollkommen, das Moment der Unend- lichkeit an ihnen, indem sie zugleich nicht bloß nicht sind, sondern auch ihre Bestimmtheit, als eine an sich seyende qualitative, — nemlich nach dem, was sie im Verhaͤlt- nisse gelten, — bleibt. Es koͤnnen unendlich viele an- dere an ihre Stelle gesetzt werden, so daß zugleich der Werth des Bruches, die Bestimmtheit, welche die Sei- ten des Verhaͤltnisses haben, sich nicht aͤndert. Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat, ist aber darum noch unvollkommen, weil die beyden Seiten des Bruchs, 2 und 7, wenn sie aus dem Verhaͤltnisse genommen werden, gewoͤhnliche gleichguͤltige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhaͤltnisse und Momente zu seyn, ist ihnen etwas aͤus- serliches und gleichguͤltiges. Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird, haben die Eigenschaft nicht, daß sie einen bestimmten Zahlenwerth haben, sondern sind allgemeine Zeichen, und unbestimmte Moͤglichkeiten jedes bestimmten Werthes. Der Bruch scheint daher um seiner Elemente willen ein passenderer Ausdruck des Un- endlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen besondern eigenthuͤmlichen Werth haben — Allein diese Buchstaben sind zwar unbestimmte Groͤs- sen; ihr Sinn aber ist, daß sie irgend ein endliches Quantum seyen. Da sie also zwar nur die allgemeine Vorstellung, aber von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen ebenfalls gleichguͤltig, im Verhaͤltnisse zu seyn, und ausser demselben behalten sie diesen Werth. Die beyden Seiten, die die Groͤßen im Bruche ha- ben, bestanden darin, endliche Groͤßen, Quanta, und zugleich Quantitaͤt . zugleich unendlich, keine Quanta zu seyn. Das Ver- haͤltniß selbst als solches ist erstlich ein Quantum; zweytens aber nicht ein unmittelbares, sondern das den qualitativen Gegensatz in ihm hat; ein gegen das andere nicht gleichguͤltiges sondern dadurch bestimmtes, in seinem Andersseyn in sich zuruͤckgekehrtes und somit Unendliches zu seyn. Diese beyden Seiten stellen sich auf folgende Weise dar. Der Bruch \frac{2}{7} kann ausgedruͤckt werden, als 0,285714 … wie als 1 + a + a 2 + a 3 u. s. f. So ist er als eine unendliche Reihe dargestellt, und der Bruch selbst heißt die Summe oder der end- liche Ausdruck derselben. Vergleichen wir diese bey- den Ausdruͤcke, so stellt die unendliche Reihe den Bruch nicht mehr als ein Verhaͤltniß, sondern nur nach der Seite dar, daß er ein Quantum ist, als eine Menge von solchen, die zu einander hinzukommen, als eine An- zahl, oder hat wenigstens die Bestimmung ihn so darzu- stellen. — Daß die Groͤßen, die ihn als Anzahl aus- machen sollen, wieder aus Decimalbruͤchen, also selbst aus Verhaͤltnissen bestehen, darauf kommt es hier nicht an; denn dieser Umstand betrift ihre Einheit , nicht sie, insofern sie die Anzahl constituiren; wie eine aus mehrern Ziffern bestehende ganze Zahl des Decimalsy- stems wesentlich als eine Anzahl gilt, und nicht dar- auf gesehen wird, daß sie aus Producten einer Zahl und der Zahl Zehen und deren Potenzen besteht. So wie es hier auch nicht darauf ankommt, daß es andere Bruͤche gibt als der zum Beyspiel genommene \frac{2}{7} , die zu Decimalbruͤchen gemacht, nicht eine unendliche Reihe ge- ben; es ist nur davon die Rede, daß jeder als eine sol- che ausgedruͤckt werden koͤnne. In der unendlichen Reihe, die den Bruch wesent- lich als Anzahl darstellen soll, vrrschwindet also die Q 2 Seite, Erstes Buch . II. Abschnitt . Seite, daß er Verhaͤltniß ist, und wenn er auch als eine Summe von Verhaͤltnissen ausgedruͤckt wird, so wird, indem diese als Glieder einer Summe genommen werden, davon abstrahirt, daß sie Verhaͤltnisse sind. Mit dem Verhaͤltnisse schwindet also auch die Seite, nach welcher der Bruch die Unendlichkeit an ihm hatte. Diese aber ist auf eine andere Weise hereingekommen; die Reihe ist nemlich selbst unendlich. Von welcher Art aber die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von sich selbst; es ist die schlechte Unendlich- keit des Progresses. Denn die Reihe enthaͤlt den Wider- spruch, etwas, das ein Verhaͤltniß und qualitativer Natur ist, als ein verhaͤltnißloses, als ein bloßes Quantum , als Anzahl darzustellen. An der An- zahl, die in der Reihe ausgedruͤckt ist, fehlt immer et- was, so daß uͤber das, was gesetzt ist, immer hinaus- gegangen werden muß, um die gefoderte Bestimmtheit zu erreichen. Das Gesetz des Fortgangs ist bekannt; es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedruͤckt werden soll. Sie kann durch Fortsetzung der Reihe so genau gemacht werden, als man noͤthig hat; aber immer bleibt die Darstellung durch sie nur ein Sollen ; sie ist mit einem Jenseits behaftet, das nicht aufgehoben werden kann, weil ein qualitatives als Anzahl auszudruͤcken, der bleibende Widerspruch ist. In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauig- keit wirklich vorhanden, von der am wahrhaften ma- thematischen Unendlichen nur der Schein vorkommt. Diese beyden Arten des mathematischen Un- endlichen sind so wenig zu verwechseln, als die bey- den Arten des philosophischen Unendlichen. Bey der Darstellung des wahrhaften mathematischen Unendlichen ist Quantitaͤt . ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch neuerlich wieder hervorgerufen worden. Aber sie ist fuͤr dasselbe nicht wesentlich; im Gegentheil ist das Unendli- che der unendlichen Reihe wesentlich von ihm unterschie- den, wie die Folge zeigen soll; es steht sogar dem Aus- drucke des Bruches nach. Die unendliche Reihe enthaͤlt nemlich darum die schlechte Unendlichkeit, weil das was sie ausdruͤcken soll, ein Sollen bleibt; und was sie ausdruͤckt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet und ver- schieden von dem ist, was ausgedruͤckt werden soll. Sie ist unendlich nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern darum, weil sie unvollstaͤndig sind, weil das An- dere das zu ihnen wesentlich gehoͤrt, jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der gesetzten Glieder moͤgen so viele seyn als wollen, ist nur ein endliches, und zwar gesetzt als endliches, als solches, das nicht ist, was es seyn soll. Dagegen ist das, was der endliche Aus- druck , oder die Summe einer solchen Reihe genannt wird, ohne Mangel; er enthaͤlt vielmehr das, was die Reihe nur sucht, vollstaͤndig; das Jenseits ist aus seiner Flucht zuruͤckgerufen; was er ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt, sondern ist dasselbe. Er enthaͤlt also keine Endlichkeit, nicht ein solches, uͤber das hinausge- sehen werden muß. Diß kann auch so betrachtet werden, daß in der unendlichen Reihe das Negative ausserhalb ihrer Glie- der ist, welche Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten. In dem endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhaͤltniß ist, ist das Negative im- manent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhaͤlt- nisses durcheinander. In Erstes Buch . II. Abschnitt . In der That ist also die gewoͤhnlich sogenannte Summe , das \frac{2}{7} oder , ein Verhaͤltniß ; und der sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck . Die unendliche Reihe aber ist in Wahrheit die Summe ; ihr Zweck ist, das was an sich Verhaͤltniß ist, in der Form einer Summe darzustellen, und die vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines Verhaͤltnisses, sondern eines Aggregats. Ferner ist sie vielmehr der endliche Aus- druck ; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und bleibt wesentlich ein Mangelhaftes. — Wird der Bruch insofern der endliche Ausdruck genannt, weil er ein be- stimmtes Quantum ist, so ist die unendliche Reihe erstens nach dem, was in ihr da ist, gleichfalls ein bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie seyn soll; alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes Quantum; und das was in ihr da ist, zusammen mit dem was ihr fehlt, ist ein eben solches, dasselbe, was der Bruch ist. Insofern also der Bruch ein endliches, d. h. ein bestimmtes Quantum ist, ist sie es gleichfalls und noch mehr als er. Insofern er aber unendlich, und zwar im wahrhaften Sinne unendlich an ihm selbst ist, weil er das negative Jenseits an ihm selbst hat, ist sie mangelhaft, und hat das Unendliche nur als ein Jen- seits ausser ihr. Mit unendlichen Reihen aber, die nicht summirbar sind, hat es eine andere Bewandniß; die Mathematik bleibt jedoch bey diesem Unterschiede, als einem aͤusser- lichen und zufaͤlligen Umstande, ob sie summirt werden koͤnnen oder nicht, stehen. Sie enthalten nemlich eine hoͤhere Art der Unendlichkeit, als die summirbaren; eine Incommensurabilitaͤt, oder die Unmoͤglichkeit, das darin enthaltene quantitative Verhaͤltniß als ein Quantum — sey es auch als Bruch — darzustellen; die Form der Reihe Quantitaͤt . Reihe jedoch, die sie haben, ist dieselbe schlechte Unend- lichkeit, welche in der summirbaren Reihe ist. Dieselbe hier am Bruch und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung findet Statt, insofern das mathemati- sche Unendliche, nemlich das wahrhafte, das relati- ve Unendliche, das gewoͤhnliche metaphysische dage- gen das absolute Unendliche genannt worden ist. In der That ist vielmehr das metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdruͤckt, nur im Gegensatze einer Grenze ist, die von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische Unendliche hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich aufgehoben, weil das Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist. In dem Sinne, in welchem ich aufgezeigt habe, daß die sogenannte Summe oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der Unendliche anzusehen ist, ist es vornemlich, daß Spinoza den Begriff der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt, und durch Beyspiele erlaͤutert. Sein Begriff gewinnt am meisten Licht, indem ich das, was er hier- uͤber sagt, an diese Entwicklung anschließe. Er definirt zunaͤchst das Unendliche als die ab- solute Affirmation der Existeuz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als Bestimmtheit als Verneinung. Die absolute Affirmation einer Existenz ist nemlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen, nicht dadurch zu seyn, daß ein Anderes ist; das End- liche hingegen ist die Verneinung, ein Aufhoͤren, inso- fern ein Anderes ausser ihm anfaͤngt. Die absolute Af- firmation einer Existenz erschoͤpft nun zwar den Begriff der Unendlichkeit nicht; dieser enthaͤlt, daß die Unend- lichkeit Affirmation ist nicht als unmittelbare Affirmation, sondern Erstes Buch . II. Abschnitt . sondern nur als wiederhergestellte, durch die Reflexion des Andern in sich selbst; oder als Negation des Negati- ven. Aber bey Spinoza hat die Substanz und deren ab- solute Einheit die Form von unbewegter Einheit, von einer Starrheit, worin der Begriff der negativen Einheit des Selbsts, die Subjectivitaͤt, sich noch nicht findet. Sein mathematisches Beyspiel vom wahren Unend- lichen ist bekanntlich ein Raum zwischen zwey ungleichen Kreisen, deren einer innerhalb des andern, ohne ihn zu beruͤhren, faͤllt, und die nicht concentrisch sind. Er machte, wie es scheint, sich viel aus dieser Figur und dem Begriff, als deren Beyspiel er sie gebrauchte, daß er sie zum Motto seiner Ethik machte. — „Die Mathe- matiker, sagt er, schließen, daß die Ungleichheiten, die in einem solchen Raume moͤglich sind, unendlich sind, nicht aus der unendlichen Menge der Theile, denn sei- ne Groͤße ist bestimmt und begrenzt , und ich kann groͤßere und kleinere solche Raͤume setzen, sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit uͤber- trift.“ — Man sieht, Spinoza verwirft jene Vorstel- lung vom Unendlichen, nach welchem es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird, die nicht vollendet ist, und erinnert, daß hier an dem Raume des Beyspiels das Unendliche nicht jenseits, sondern gegenwaͤrtig und voll- staͤndig ist; dieser Raum ist darum ein unendlicher, „weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit uͤbersteigt,“ weil die darin enthaltene Groͤßenbestimmung zugleich nicht ein Quantum ist. Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spi- noza das Unendliche der Imagination ; das Unendliche hingegen als Beziehung auf sich selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu. Es ist nemlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet und gegenwaͤrtig ist. So ist die Reihe 0,285714 … oder 1 + a + a 2 + a 3 … das Unend- liche Quantitaͤt . liche bloß der Einbildung, oder des Meynens; denn es hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin etwas; hingegen \frac{2}{7} oder ist das wirklich , nicht nur was die Reihe in ihren vorhandenen Gliedern ist, son- dern noch das dazu, was ihr mangelt, was sie nur seyn soll . Das \frac{2}{7} oder ist gleichfalls eine be- stimmte Groͤße, wie der zwischen den zwey Kreisen ein- geschlossene Raum Spinoza’s und dessen Ungleichheiten; und kann wie dieser Raum groͤßer oder kleiner gemacht werden. Aber es kommt damit nicht die Ungereimtheit eines groͤßern oder kleinern Unendlichen heraus; denn diß Quantum des Ganzen, geht das Verhaͤltniß seiner Momente, die Natur der Sache, d. h. die qualitative Groͤßenbestimmung nichts an. Die Einbildung dagegen bleibt beym Quantum als solchem stehen, und reflectirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den Grund der vorhandenen Incommensurabilitaͤt ausmacht. Diese Incommensurabilitaͤt im allgemeinern Sinne ist auch schon am \frac{2}{7} vorhanden, insofern 2 und 7 Prim- zahlen zu einander sind, somit das Quantum \frac{2}{7} nicht als ganze Zahl, oder nicht als ein unmittelbares, verhaͤlt- nißloses Quantum ausgedruͤckt werden kann. Die hoͤhe- re, eigentliche Incommensurabilitaͤt aber schließt das Beyspiel Spinoza’s, uͤberhaupt die Functionen krummer Linien in sich. Sie fuͤhrt uns naͤher auf das Unendliche, das die Mathematik bey solchen Functionen, uͤberhaupt bey den Functionen veraͤnderlicher Groͤßen braucht, und welches das wahrhafte mathemati- sche Unendliche , uͤberhaupt das absolute quantita- tive Unendliche ist, das auch Spinoza sich dachte. Der Begriff der Groͤßen, deren Beziehung diese Functionen ausdruͤcken, nemlich der veraͤnderlichen Groͤßen , ist aber genauer zu fassen, als es gewoͤhn- lich Erstes Buch . II. Abschnitt . lich geschieht. Sie sind nemlich veraͤnderlich nicht in dem Sinne, wie im Bruche \frac{2}{7} die beyden Zahlen 2 und 7 veraͤnderlich sind, indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche andre Zahlen an ih- re Stelle gesetzt werden koͤnnen, ohne die im Bruche ge- setzte Groͤßenbestimmung zu aͤndern. So kann auch in an die Stelle von a und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu aͤndern was ausdruͤcken soll. In dem Sinne, daß jede beliebige Zahl an die Stelle von dem x und y einer Function gesetzt werden koͤnne, sind a und b so sehr veraͤnderliche Groͤße, oder sind es noch mehr, insofern die Function das x und y in eine Grenze uͤberhaupt, oder wenigstens in Beziehung auf- einander, einschließt. Der Ausdruck: veraͤnderliche Groͤßen , ist daher oberflaͤchlich und ungeschickt, das zu bestimmen, was die Groͤßen einer Function auszeichnet. Ihr wahrhafter Begriff liegt in folgendem. In \frac{2}{7} oder sind 2 und 7, jedes fuͤr sich, bestimmte Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und b soll gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch ausser dem Verhaͤltnisse bleiben, was sie sind. Ferner ist \frac{2}{7} und ein fixes Quantum, ein Quotient; das Verhaͤltniß ist eine Anzahl, deren Einheit der Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der Zaͤhler — oder umgekehrt ausdruͤckt; wenn auch 4 und 14 u. s. f. an die Stelle von 2 und 7 treten, bleibt das Verhaͤltniß auch als Quantum dassel- be. In der Function = p z. B. dagegen haben x und y zwar den Sinn, bestimmte Quanta seyn zu koͤnnen; aber nicht x und y , sondern nur x und y 2 ha- ben einen bestimmten Quotienten. Dadurch sind diese Seiten des Verhaͤltnisses erstens nicht nur keine be- stimmten Quanta, sondern zweytens ihr Verhaͤltniß ist nicht ein fixes, sondern ein veraͤnderliches Quantum. Sie Quantitaͤt . Sie sind auch nicht bloß allgemeine Quanta, bey denen so wie bey ihrem Verhaͤltnisse ein bestimmtes Quantum gemeint seyn sollte. Sondern ihr Verhaͤltniß selbst ist als Quantum an und fuͤr sich veraͤnderlich . Diß ist aber darin enthalten, daß x nicht zu y ein Ver- haͤltniß hat, sondern zum Quadrate von y , weil das Verhaͤltniß einer Groͤße zur Potenz nicht ein Quan- tum , sondern ein Begriffsverhaͤltniß ist. Das Potenzenverhaͤltniß ist nicht eine aͤusserliche, sondern eine durch sich selbst bestimmte Begrenzung; also ein wesent- lich qualitatives Verhaͤltniß; wovon unten weiter die Rede seyn wird. Wenn dem x ein bestimmter Werth gegeben wird, so erhaͤlt auch y durch die Function einen bestimmten Werth; wenn aber x einen andern Werth erhaͤlt, so bleibt das vorige Verhaͤltniß als Quantum nicht, sondern ist veraͤndert. In der Function der ge- raden Linie y = a x ist = a ein gewoͤhnlicher Bruch und Quotient; diese Function ist daher nur formell eine Function von veraͤnderlichen Groͤßen, oder x und y sind hier was a und b in , nicht wahrhaft das, was die ver- aͤnderlichen Groͤßen in den eigentlichen Functionen sind. — Um der besondern Natur der veraͤnderlichen Groͤßen in den eigentlichen Functionen, waͤre es wohl zweckmaͤsig gewesen, fuͤr sie andere Bezeichnungen einzufuͤhren, als die gewoͤhnlichen der unbekannten Groͤßen in je- der endlichen, bestimmten oder unbestimmten Gleichung, indem sie auch wesentlich verschieden von solchen bloß un- bekannten Groͤßen, die an sich vollkommen bestimmte Quanta, oder ein bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind. In Functionen wahrhaft veraͤnderlicher Groͤßen also ist das Verhaͤltniß als Quantum ein veraͤnderliches. Was bestaͤndig im Verhaͤltniß dieser Groͤßen ist, — denn der Parameter oder die Constante druͤckt nicht ein unmit- telba- Erstes Buch . II. Abschnitt . telbares Verhaͤltniß derselben aus, sondern insofern sie, wie gesagt, noch durch ein Potenzenverhaͤltniß gegenein- ander bestimmt sind —, ist nicht durch eine Zahl, oder Zahlenbruch auszudruͤcken, oder auf die Function einer geraden Linie zuruͤckzubringen, sondern es ist Quanti- taͤtsverhaͤltniß, das nur qualitativer Natur ist. Die Seiten x und y einer solchen Function koͤnnen aber auch noch Quanta bedeuten, allein ihre Bestimmung zu einander ist qualitativer Natur und ihr Bestimmtseyn durch das Verhaͤltniß macht ihre wesentliche Groͤße aus. Sie sollen die quantitative Bestimmtheit, die ihnen zu- kommt, nicht ausser dem Verhaͤltnisse fuͤr sich schon un- mittelbar haben, und ihnen die Beziehung nicht wie dem 2 und 7 in nur aͤusserlich seyn. Wenn 2 als Zaͤhler eines Bruchs angenommen ist, so ist der Nenner dadurch noch nicht bestimmt. In eine Function aber verbunden, ist, wenn die eine Groͤße bestimmt wird, die andere gleichfalls dadurch bestimmt; und zwar nicht nach einem constanten Quotienten. Die quantitative Bestimmtheit, der Exponent des Verhaͤltnisses der veraͤnderlichen Groͤs- se ist also qualitativer Natur. Dabey haben jedoch die veraͤnderlichen Groͤßen, als die Seiten des Verhaͤltnis- ses, ob zwar nicht mehr der Exponent, noch die Bedeu- tung von Quantis. Diese Bedeutung aber geht vollends in den un- endlich kleinen Differenzen gaͤnzlich verlohren. d x, d y sind kein Quantum mehr, noch sollen sie ein solches bedeuten, sondern haben allein in ihrer Bezie- hung eine Bedeutung, einen Sinn blos als Mo- mente . Sie sind nicht mehr Etwas , das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche Differenzen; aber auch nicht Nichts , nicht die bestimmungslose Null. Ausser ihrem Verhaͤltnisse sind sie reine Nullen, aber sie sollen Quantitaͤt . sollen nur als Momente des Verhaͤltnisses, als Be- stimmungen des Differential-Coefficianten ge- nommen werden. In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quan- tum wahrhaft zu einem qualitativen vollendet; es ist wirklich unendlich gemacht; es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern als Quantum uͤberhaupt. Es bleibt aber Quantitaͤtsbestimmtheit, Element von Quantis, Princip, oder sie in ihrem ersten Begriffe . Gegen diesen Begriff des Unendlichen ist aller An- griff gerichtet, der auf die Mathematik des wahrhaft Un- endlichen, die Differential- und Integralrechnung, ge- macht worden ist. Unrichtige Vorstellungen der Mathe- matiker selbst veranlaßten es zuweilen, daß er nicht an- erkannt worden ist; vornemlich aber ist die Unvermoͤgen- heit, den Gegenstand als Begriff darzustellen, Schuld an diesen Anfechtungen. Den Begriff kann aber die Ma- thematik, wie schon oben erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als Mathematik des Unendlichen schraͤnkt sie sich nicht auf die endliche Bestimmtheit ihrer Gegen- staͤnde ein, — wie in der reinen Mathematik der Raum und die Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit betrachtet und auf einander bezogen wer- den —; sondern setzt eine Bestimmung in die Identitaͤt mit ihrer entgegengesetzten. Die Operationen, die sie sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der Natur bloß endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gaͤnzlich widersprechend und haben darum ihre Rechtfertigung allein in dem Begriff . Wenn die Mathematik des Unendlichen daran fest- hielt, daß jene Quantitaͤts-Bestimmungen verschwinden- de Erstes Buch . II. Abschnitt . de Groͤßen, d. h. solche, die nicht mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine Bestimmtheit gegen anderes sind, so schien nichts klarer, als daß es keinen solchen Mittelzustand , wie man es nannte, zwischen Seyn und Nichts gebe. — Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten Mittelzu- stande auf sich habe, ist oben bereits gezeigt. Al- lerdings ist die Einheit des Seyns und Nichts kein Zu- stand ; ein Zustand waͤre eine Bestimmung des Seyns und Nichts, in welchen diese Momente nur etwa zufaͤl- ligerweise gleichsam als in eine Krankheit oder aͤusserliche Affection gerathen sollten; sondern diese Mitte und Ein- heit, das Verschwinden oder eben so das Werden, ist vielmehr allein ihre Wahrheit . Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar als ein groͤßeres oder kleineres; es koͤnne daher nicht ein Verhaͤltniß von Unendlichen zu Un- endlichen, noch Ordnungen oder Dignitaͤten des Unend- lichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen Differenzen in der Wissenschaft derselben vorkommen. — Es liegt bey diesen Einwuͤrfen immer die Vorstellung zu Grunde, daß hier von Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen werden; daß Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhaͤltniß mehr zu einander haben Vielmehr ist aber das, was nur im Verhaͤltniß ist, kein Quantum; denn das Quantum ist eine solche Bestimmung, die ausser ihrem Verhaͤltniß ein vollkommen gleichguͤltiges Daseyn haben, der ihr Unter- schied von einem andern gleichguͤltig seyn soll, da hin- gegen das qualitative nur das ist, was es in seinem Un- terschiede von einem Andern ist. Jene unendlichen Groͤs- sen sind daher nicht nur vergleichbar, sondern sind nur Momente der Vergleichung oder des Verhaͤltnisses. Ich Quantitaͤt . Ich fuͤhre hier die wichtigsten Bestimmungen an, welche von Mathematikern uͤber diß Unendliche gegeben worden sind. Es wird daraus erhellen, daß diesen ih- ren Bestimmungen der Gedanke der Sache, uͤbereinstim- mend mit dem hier entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, daß sie ihn aber als Begriff nicht ergruͤndeten und deswegen bey der Anwendung wieder Auskunftsmittel noͤthig hatten, welche ihrer bessern Sache widersprechen. Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn gegeben hat. Ich trenne dabey die Bestimmungen ab, die der Vorstellung der Bewegung und der Geschwindigkeit angehoͤren, (von welcher er vor- nemlich den Namen Fluxionen nahm,) weil der Ge- danke hierin nicht in der gehoͤrigen Abstraction, sondern concret, vermischt mit ausserwesentlichen Begriffen er- scheint. — Diese Fluxionen erklaͤrt Newton naͤher ( Princ. mathem. phil. nat. L. 1. Lemma XI. Schol. ) dahin, daß er nicht untheilbare — eine Form deren sich fruͤhere Mathematiker, Cavalleri und andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich bestimmten Quan- tums enthaͤlt, — verstehe, sondern verschwinden- de Theilbare . Ferner nicht Summen und Verhaͤlt- nisse bestimmter Theile, sondern die Grenzen ( limi- tes ) der Summen und Verhaͤltnisse . Es werde die Einwendung gemacht, daß verschwindende Groͤßen kein letztes Verhaͤltniß haben, weil es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte, und wenn sie verschwun- den, keines mehr ist. Aber unter dem Verhaͤltnisse ver- schwindender Groͤßen sey das Verhaͤltniß zu verstehen, nicht eh sie verschwinden, und nicht nachher , son- dern mit dem sie verschwinden ( quacum evanescunt ). Eben so ist das erste Verhaͤltniß werdender Groͤßen, das, mit dem sie werden. Nach Erstes Buch . II. Abschnitt . Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur erklaͤrt, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; daß nun diß oder jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjective Zumuthung oder auch eine historische Foderung, wobey nicht gezeigt wird, daß ein solcher Begriff an und fuͤr sich nothwen- dig ist und innere Wahrheit hat. Aber das Angefuͤhrte zeigt, daß der von Newton aufgestellte Begriff dem ent- spricht, wie die unendliche Groͤße sich in der obigen Dar- stellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab. Es sind Groͤßen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht mehr Quanta sind; ferner nicht Verhaͤlt- nisse bestimmter Theile, sondern die Grenzen des Verhaͤltnisses . Denn auch das unmittelbare Ver- haͤltniß, insofern es einen Exponenten hat, ist ein Quan- tum; es sollen also sowohl die Quanta fuͤr sich, die Seiten des Verhaͤltnisses, als damit auch das Verhaͤlt- niß, insofern es ein Quantum waͤre, verschwinden; die Grenze des Groͤßen-Verhaͤltnisses ist, worin es ist, und nicht ist; diß heißt genauer, worin das Quantum ver- schwunden, und damit das Verhaͤltniß nur als qualita- tives Quantitaͤts-Verhaͤltniß erhalten ist. — Newton fuͤgt hinzu, daß daraus, daß es letzte Verhaͤltniße der ver- schwindenden Groͤßen gebe, nicht zu schließen sey, daß es letzte Groͤßen, Untheilbare , gebe. Diß waͤre nemlich wieder ein Absprung von dem Verhaͤltnisse als solchem auf die Seiten desselben, welche fuͤr sich ausser ihrer Beziehung einen Werth haben sollten, als Untheil- bare, als etwas, das nicht ein relatives waͤre. — An der Theilbarkeit haͤlt er darum fest, um noch das Quan- titative zu erhalten, weil das Untheilbare oder Atome, das Eins, ein Verhaͤltnißloses seyn wuͤrde. Gegen jenen Misverstand erinnert er noch, daß die letzten Verhaͤltnisse nicht Verhaͤltnisse letzter Groͤs- Quantitaͤt . Groͤßen seyen, sondern Grenzen, denen die Ver- haͤltnisse der ohne Grenze abnehmenden Groͤßen naͤher sind als jeder gegebene , d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber nicht uͤberschreiten, so daß sie Nichts wuͤrden. — Unter letzten Groͤßen haͤtten nemlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden koͤnnen. In der Bestimmung des letzten Ver- haͤltnisses aber ist sowohl die Vorstellung des gleichguͤlti- gen Eins, des verhaͤltnißlosen, als auch des endlichen Quantums entfernt. Es beduͤrfte aber weder des Ab- nehmens ohne Grenze , in das Newton das Quan- tum versetzt und das nur den Progreß ins Unendliche ausdruͤckt, noch der Bestimmung der Theilbarkeit, wel- che hier keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn der gefoderte Begriff sich zum Begriffe einer Groͤßebe- stimmung, die rein nur Moment des Verhaͤltnisses ist, fortgebildet haͤtte. Gleich interessant ist die andere Form der Newtoni- schen Darstellung dieser Groͤßen, nemlich als erzeug- ter Groͤßen . Eine erzeugte Groͤße ( genita ) ist ein Product oder Quotient, Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken, Quadraten; — uͤberhaupt eine endliche Groͤße . — „Sie als veraͤnderlich be- trachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fliessen zu- oder abnehmend ist, so verstehe er ihre momenta- nen Incremente oder Decremente unter dem Namen von Momenten . Diese sollen aber nicht fuͤr Theilchen von bestimmter Groͤße genommen werden ( par- ticulae finitae ). Solche sind nicht selbst Momente , sondern aus Momenten erzeugte Groͤßen; es sind vielmehr die werdenden Principien oder Anfaͤnge endlicher Groͤßen zu verstehen.“ — Das Quantum wird hier von sich selbst unterschieden, wie es als ein Pro- duct, oder Daseyendes, und wie es in seinem Wer- R den , Erstes Buch . II. Abschnitt . den , in seinem Anfange und Princip , das heißt, wie es in seinem Begriffe , oder was hier dasselbe ist, in seiner qualitativen Bestimmung ist; in der letztern sind die quantitativen Unterschiede, die unendlichen Incre- mente oder Decremente nur Momente; erst das gewor- dene ist in die Gleichguͤltigkeit des Daseyns und in die Aeusserlichkeit uͤbergegangen, in der es Quantum ist. — Die Incremente und Decremente fallen zwar innerhalb der sinnlichen Vorstellung des Quantums; die angefuͤhr- ten andern Bestimmungen aber muß die Philosophie des Begriffs des wahrhaft mathematischen Unendlichen an- erkennen. Gegen die betrachteten Bestimmungen steht die ge- woͤhnliche Vorstellung von unendlich-kleinen Groͤßen weit zuruͤck. Nach derselben sollen sie von der Beschaffenheit seyn, daß nicht nur sie gegen endliche Groͤßen, sondern auch deren hoͤhere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die Producte aus mehrern gegen eine einzelne zu vernachlaͤssigen seyen. — Leib- nitz , wie die vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese Groͤße bezogen, hielt sich an diese Vor- stellung; sie ist es vornemlich, die diesem Calcul beym Gewinne der Bequemlichkeit, den Schein von Ungenauig- keit in dem Wege seiner Operationen gibt. — Wolf hat sie in seiner Weise, die Sachen populaͤr zu machen, d. h. den Begriff zu verunreinigen und unrichtige sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle zu setzen, verstaͤndlich zu machen gesucht. Er vergleicht nemlich die Vernachlaͤs- sigung der unendlichen Differenzen hoͤherer Ordnungen gegen niedrigere, mit dem Verfahren eines Geometers, der bey der Messung der Hoͤhe eines Bergs um nicht we- niger genau gewesen sey, wenn der Wind indeß ein Sandkoͤrnchen von der Spitze weggeweht habe. Wenn Quantitaͤt . Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstan- des eine solche Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese Vorstellung verworfen. — Es dringt sich von selbst auf, daß in der Wissenschaft der Mathe- matik von einer solchen empirischen Genauigkeit ganz und gar nicht die Rede ist, daß das mathematische Messen durch Operationen des Calculs oder durch Constructio- nen und Beweise der Geometrie gaͤnzlich vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien, Figuren u. s. f. unter- schieden ist. Ohnehin zeigen, wie oben angefuͤhrt, die Analytiker durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf streng geometrischem Wege und wie es nach der Methode der unendlichen Differenzen erhalten wird, daß das eine dasselbe ist als das andere, und daß ein Mehr oder We- niger von Genauigkeit ganz und gar nicht Statt findet. Und es versteht sich von selbst, daß ein absolut genaues Resultat nicht aus einem Verfahren herkommen koͤnne, das ungenau waͤre. Jedoch kann auf der andern Seite wieder das Verfahren selbst , jener Vernachlaͤssi- gung aus dem Grunde der Unbedeutenheit nicht entbeh- ren. Und diß ist die Schwierigkeit, um welche die Be- muͤhungen der Analytiker gehen, sich selbst das hierin liegende Widersinnige begreiflich zu machen. Euler , indem er die allgemeine Newtonische Defi- nition zu Grunde legt, dringt vornemlich darauf, daß die Differentialrechnung die Verhaͤltnisse der In- cremente einer Groͤße betrachte, daß aber die un- endliche Differenz als solche ganz als Null zu betrachten sey. — Es ist zur Genuͤge erlaͤutert, wie diß zu verstehen ist; die unendliche Differenz ist Null nur des Quantums, nicht eine qualitative Null, sondern als Null des Quantums ist sie vielmehr reines Moment nur des Verhaͤltnisses. Sie ist nicht ein Unterschied um eine Groͤße ; wie wenn ein Quantum von einem andern R 2 sub- Erstes Buch . II. Abschnitt . subtrahirt wird, wo ihr Unterschied selbst auch ein Quantum ist, dem es gleichguͤltig ist, ob es als eine Differenz, oder als eine Summe, Product u. s. f. angesehen wird, und das also nicht nur den Sinn einer Differenz hat. Indem die Verhaͤltnisse der unendlichen Differenzen aus den Verhaͤltnissen veraͤnderlicher aber als endlich betrach- teter Groͤßen abgeleitet werden, so enthalten jene Verhaͤltnisse als Resultate dasjenige als Moment in sich, was jene als daseyend , oder in endlicher Bestimmung ausdruͤcken, — oder vielmehr nur in end- licher Bestimmbarkeit, denn die endlichen Groͤßen, die solche Incremente haben, als hier betrachtet werden, sind veraͤnderliche, die nicht selbst ein bestimmtes Quan- tum haben, aber eines haben koͤnnen. Einerseits ist es, wie erinnert, uͤberhaupt schief und der sinnlichen Vor- stellung angehoͤrig, die unendlich-kleinen Groͤßen, als Incremente oder Decremente, und als Differenzen aus- zusprechen. Denn dieser Darstellung liegt zu Grunde, daß zu der zuerst vorhandenen endlichen Groͤße, etwas hinzukomme oder davon abgezogen werde, eine Subtraction oder Addition, eine arithmetische, aͤus- serliche Operation vorgehe; vielmehr ist der Ueber- gang von der veraͤnderlichen Groͤße in ihre unendliche Differenz, oder der Function in ihr Differential von ganz anderer Natur; es ist als die Zuruͤckfuͤhrung der- selben auf das qualitative Verhaͤltniß ihrer Quantitaͤts- bestimmungen zu betrachten. — Andererseits hat es deß- wegen eine schiefe Seite, wenn gesagt wird, daß die Incremente fuͤr sich Nullen seyen, daß nur ihre Verhaͤlt- nisse betrachtet werden. Denn eine Null hat uͤberhaupt keine Bestimmtheit mehr. Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum Negativen des Quantums, und spricht es bestimmt aus, aber faßt diß Negative nicht zugleich in seiner positiven Bedeutung auf, welche, wie gezeigt, da- rin besteht, daß die veraͤnderlichen Groͤßen, indem ihr Ver- Quantitaͤt . Verhaͤltniß in seine qualitative Bestimmtheit zuruͤckgeht, keine Quanta, aber auch nicht bestimmungslose Nullen, sondern Momente sind; es ist ein Verhaͤltniß von Quan- titaͤtsbestimmungen, die, wenn sie aus dem Verhaͤltnisse gerissen und als Quanta genommen werden wollten, nur Nullen waͤren. — Lagrange urtheilt uͤber die Metho- de, welche die Vorstellung der Grenzen oder letzten Ver- haͤltnisse zu Grunde legt, — welche besonders L’ Huil- lier ausbildete, — daß wenn man gleich sehr gut das Verhaͤltniß zweyer Groͤßen sich vorstellen koͤnne, so lan- ge sie endlich bleiben, so gebe diß Verhaͤltniß dem Ver- stande keinen deutlichen und bestimmten Begriff, sobald seine Glieder zugleich Null werden. — In der That muß der Verstand uͤber diese bloß negative Seite, daß die Verhaͤltnißglieder Nullen als Quanta sind, hinaus- gehen, und sie positiv, als qualitative Momente auffassen. In Ruͤcksicht der Erhaltung des Verhaͤltnisses im Verschwinden der Quantorum findet sich, z. B. bey Carnot , der Ausdruck, daß vermoͤge des Ge- setzes der Staͤtigkeit , die verschwindenden Groͤs- sen noch das Verhaͤltniß, aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten. — Diese Vorstellung druͤckt die wahre Natur der Sache aus, insofern nicht diejenige Staͤtigkeit des Quantums verstanden wird, welche es im unendlichen Progreß hat, wo es sich in sein Verschwin- den continuirt, nemlich im Jenseits seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues Glied der Reihe, oder die Summe desselben mit den vorhergehenden, entsteht. In derjenigen Negation dagegen, welche das wahrhafte Unendliche ist, verschwinden die Quanta als gleichguͤltige, aͤusserliche Bestimmungen, und werden nur Momente des Verhaͤltnisses. Das Verhaͤltniß ist daher in diesem Uebergange so sehr staͤtig und sich erhaltend, daß er vielmehr allein darin besteht, das Verhaͤltniß rein her- aus- Erstes Buch . II. Abschnitt . auszuheben, und die verhaͤltnißlose Seite verschwinden zu machen. Diese Reinigung des quantitativen Verhaͤlt- nisses ist nichts anders, als wenn ein empirisches Da- seyn begriffen wird. Diß wird hiedurch so uͤber sich selbst erhoben, daß sein Begriff dieselben Bestimmungen enthaͤlt, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und in die Einheit des Begriffes gefaßt, worin sie ihr gleich- guͤltiges, begriffloses Bestehen verlohren haben. Ich enthalte mich, die Anfuͤhrungen zu vermehren, indem die betrachteten Bestimmungen zur Genuͤge gezeigt haben, daß ihnen der wahrhafte Begriff des quantitati- ven Unendlichen zu Grunde liegt, ob er gleich nicht in seiner Bestimmtheit herausgehoben und gefaßt worden ist. Aus diesem Grunde aber geschieht es, daß er sich nicht in seiner Anwendung erhaͤlt und die Operation ihm un- getreu wird. Sie gruͤndet sich vornemlich auf die Vor- stellung eines bloß relativ-kleinen . Der Calcul macht es nothwendig, die unendlichen Groͤßen den ge- woͤhnlichen arithmetischen Operationen des Addirens u. s. f., welche sich auf die Natur endlicher Groͤßen gruͤn- den, zu unterwerfen, und sie somit als endliche Groͤßen fuͤr einen Augenblick gelten zu lassen und als solche zu behandeln. Der Calcul haͤtte sich einestheils daruͤber zu rechtfertigen, daß er sie das einemal in diese Sphaͤre herabzieht, und daß er auf der andern Seite sie hin und wieder weglaͤßt und als Quanta vernachlaͤssigt, nachdem er so eben die Gesetze der endlichen Groͤßen auf sie ange- wendet hatte. Ich fuͤhre noch einiges uͤber die Versuche der Geo- meter an, die Schwierigkeit, welche der Methode den Schein von Ungenauigkeit gibt, zu beseitigen. Die aͤltern Analytiker machten sich hieruͤber weni- ger Scrupel; aber die Bemuͤhungen der Neuern gingen vor- Quantitaͤt . vornemlich dahin, den Calcul des Unendlichen zur Evi- denz der eigentlich geometrischen Methode zu- ruͤckzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten in der Mathematik zu erreichen. Allein da das Princip der Analysis des Unendlichen hoͤherer Na- tur, als das Princip der Mathematik endlicher Groͤßen ist, so muß jene auf das geringere Verdienst der Evi- denz , das diese vornemlich der Begrifflosigkeit ih- res Inhalts und ihrer Methode verdankt, nothwendig Verzicht thun, wie die Philosophie auch auf diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die Wis- senschaften des Sinnlichen, z. B. Naturgeschichte hat, und wie Essen und Trinken fuͤr ein verstaͤndlicheres Ge- schaͤfte gilt, als Denken und Begreifen. Mehrere haben versucht, den Begriff des Unend- lichen ganz zu entbehren, und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden schien. — La- grange spricht z. B. von der Methode, die Landen erfunden hat, und sagt von ihr, daß sie rein analytisch sey und die unendlich kleinen Differenzen nicht gebrau- che, sondern zuerst verschiedene Werthe der ver- aͤnderlichen Groͤßen einfuͤhre, und sie in der Folge gleichsetze . Er urtheilt uͤbrigens, daß darin die der Differentialrechnung eignen Vorzuͤge, Einfachheit der Me- thode und Leichtigkeit der Operationen verlohren gehe. — Es erhellt aus dem angefuͤhrten, daß das Verschwinden des Quantums auch in dieser Methode vorkommt, nem- lich darin, daß die verschiedenen angenommenen Werthe veraͤnderlicher Groͤßen einander gleichgesetzt werden; denn ein Quantum einem andern ihm ungleichen gleich- setzen, heißt nichts anderes, als sie aufheben, und zwar hier, um dadurch ihre allgemeine Verhaͤltnißbestimmung zu gewinnen. — L’ Huilliers Methode, die sich auf die Vorstellung der Grenzen eines Verhaͤltnisses gruͤndete, dringt Erstes Buch . II. Abschnitt . dringt vornemlich darauf, d x und d y schlechthin nur als Momente des Differential-Coefficienten, und als ein einziges untheilbares Zeichen anzusehen. Aber wenn diese Methode dem philosophischen Begriffe des quantita- tiven Unendlichen am getreusten bleibt, so leistet sie nach dem Urtheile der Geometer nicht dasjenige, was die Rechnung des Unendlichen dadurch erreicht, daß sie die Seiten des Differential-Coefficienten von einander ab- sondert. Ausserdem daß die Grenze immer das Posi- tive, hier nemlich ein Quantum, einerseits, andererseits aber das Negative davon getrennt vorstellt, und bey- de nicht in die einfache Bestimmung des qualitativen Quantitaͤtsmoments vereinigt; — so scheint diese Methode nicht den fuͤr die Rechnungsweise, die den Vorzug der Leichtigkeit des Calculs des Unendlichen ausmacht, noth- wendigen Uebergang der Verhaͤltnißmomente in die Ge- stalt endlicher Groͤßen, und die Angabe der Gesetze, die fuͤr sie auf diesem Boden und fuͤr den Ruͤckgang derselben in ihre Eigenthuͤmlichkeit erforderlich sind; zu leisten. Die Aeltern unter den Neuern, wie z. B. Fer- mat, Barrow und andre, die sich zuerst des Unend- lich-kleinen in derjenigen Anwendung bedienten, welche spaͤter zur Differential- und Integralrechnung ausgebildet wurde, und dann auch Leibnitz und die Folgenden, haben immer unverhohlen, die Producte von unendlichen Differenzen, so wie ihre hoͤhern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen zu duͤrfen geglaubt, weil sie relativ gegen die niedrige Ordnung verschwinden . Hierauf beruht bey ihnen allein der Fundamentalsatz der ganzen Lehre, was das Differential eines Products oder einer Potenz ist. Aus dem gleichen Grunde wird der Haupt- satz, die Curven betreffend, angenommen, der darin be- steht, daß die Elemente der Curven, nemlich die Incre- mente der Abscisse und der Ordinate, das Verhaͤltniß der Quantitaͤt . der Subtangente und der Ordinate zu einander haben; indem fuͤr die Absicht, aͤhnliche Dreyecke zu erhalten, der Bogen, der die dritte Seite eines Dreyecks zu den bey- den Incrementen ausmacht, als eine gerade Linie, als Theil der Tangente, und damit das eine der Incremente bis an die Tangente reichend angesehen wird. Diese An- nahmen erheben diese Momente einerseits uͤber die Natur endlicher Groͤßen; andererseits aber wird ein Verfahren auf sie angewendet, das nur von endlichen Groͤßen gilt, und bey dem nichts aus Ruͤcksicht der Unbedeutenheit vernach- laͤssigt werden darf. Die Schwierigkeit, von der die Methode gedruͤckt wird, bleibt in der angefuͤhrten Ver- fahrungsweise in ihrer ganzen Staͤrke. Newton hat ( Princ. Math. phil. nat. Lib. II. Lemma II. nach Propos. VII. ) ein sinnreiches Kunststuͤck gebraucht, um das arithmetisch unrichtige Weglassen der Producte unendlicher Differenzen oder hoͤherer Ordnun- gen derselben bey dem Finden der Differentialien, zu be- seitigen. Er findet das Differential des Products — woraus sich dann die Differentialien der Quotienten, Potenzen u. s. f. leicht herleiten, — auf folgende Art. Das Product, wenn x, y, jedes um die Haͤlfte sei- ner unendlichen Differenz kleiner genommen wird, geht uͤber in ; aber wenn x und y um eben so viel zunimmt, in . Von diesem zweyten Product das erste abge- zogen, bleibt y d x + x d y als Ueberschuß, und diß sey der Ueberschuß des Wachsthums um ein gan- zes d x und d y, denn um dieses Wachsthum sind beyde Producte unterschieden; es ist also das Differential von x y. — Man sieht in diesem Verfahren faͤllt das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das Product der beiden unendlichen Differenzen, d x d y durch sich selbst hinweg. Aber es ist unrichtig, daß Erstes Buch . II. Abschnitt . oder daß der Ueberschuß eines Products , dessen Fa- ctoren jeder um ein ganzes Increment zunimmt, uͤber das Product der urspruͤnglichen Factoren, — gleich sey dem Ueberschusse des Products, wenn seine Facto- ren jeder um die Haͤlfte des Increments waͤchst , uͤber das Product, insofern seine Factoren um diese Haͤlfte abgenommen haben . Andere Formen, die Newton bey der Ableitung des Differentials gebraucht, sind an concrete Bedeutun- gen der Elemente und deren Potenzen gebunden. — Beym Gebrauche der Reihen , der seine Methode aus- zeichnet, liegt die gewoͤhnliche Vorstellung der Reihen zu nahe, daß man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufuͤgen weiterer Glieder die Groͤße so genau zu nehmen, als man noͤthig habe , und daß die weggelassenen relativ unbedeutend , uͤberhaupt das Resultat nur eine Naͤherung sey. — Der Fehler , in welchen Newton bey der Aufloͤsung eines Problems durch das Weglassen wesentlicher hoͤherer Potenzen ver- fiel, der seinen Gegnern eine Gelegenheit des Triumphs ihrer Methode uͤber die seinige gab, und von dem La- grange in seiner neuerlichen Untersuchung desselben den wahren Ursprung aufgezeigt hat, — beweist wenig- stens das Formelle und die Unsicherheit , die im Gebrauche seines Instruments noch vorhanden war. Lagrange (in seiner Theorie des Fonctions analyti- ques ) zeigt, daß Newton dadurch in den Fehler fiel, daß er das Glied der Reihe vernachlaͤssigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der bestimmten Auf- gabe ankam. Es Quantitaͤt . Es ist nemlich merkwuͤrdig, daß in der Mecha- nik die Glieder der Reihe, in der die Function einer Bewegung entwickelt wird, ihre bestimmte Bedeu- tung haben, so daß das erste Glied, oder die Erste Function sich auf das Moment der Geschwindigkeit, die zweyte auf die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den Widerstand von Kraͤften bezieht. Die Glieder der Reihe sind also hier nicht nur als Theile einer Sum- me anzusehen, sondern als qualitative Momente eines Ganzen des Begriffs . Hiedurch erhaͤlt das Weglassen der uͤbrigen Glieder, die der schlecht- unendlichen Reihe angehoͤren, eine gaͤnzlich ver- schiedene Bedeutung , von dem Weglassen aus dem Grunde der relativen Kleinheit derselben. Sie sind wegzulassen, weil durch die Begriffsbestimmungen, denen die erstern Glieder angehoͤren, das Ganze des Ge- genstands als Begriff und dadurch auch als Summe, uͤberhaupt seine Quantitaͤtsbestimmung vollendet ist. Die Newtonsche Aufloͤsung enthielt jenen Fehler, nicht weil in ihr Glieder der Reihe, als Theile einer Summe , sondern weil ein Glied, das eine Be- griffsbestimmung enthaͤlt , welche zum Ganzen gehoͤrte, weggelassen wurde. In dieser Ruͤcksicht ist es auch, daß das Differen- tial von x n , durch das erste Glied der Reihe, die durch Entwicklung von (x + d x) n sich ergibt, gaͤnzlich er- schoͤpft ist; — eine Ansicht, auf welche L’ Huillier vornemlich drang. Daß die uͤbrigen Glieder nicht be- ruͤcksichtigt werden, kommt nicht von ihrer relativen Kleinheit her; — es wird dabey nicht eine Ungenauig- keit, ein Fehler oder Irrthum vorausgesetzt, der durch einen andern Irrthum ausgeglichen und verbessert wuͤrde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot vornemlich die gewoͤhnliche Methode der Infinitesimalrechnung rechtfer- tigt. Erstes Buch . II. Abschnitt . tigt. Sondern indem hier nicht von einer Summe die Rede ist, sondern von einem Verhaͤltniß , so ist das Differential vollkommen durch das erste Glied er- schoͤpft , indem die fernern Glieder, oder Differentiale hoͤherer Ordnungen sich auf dieselbe Weise aus ihren vorhergehenden entwickeln, als das Differential der ur- spruͤnglichen Function aus derselben, somit in ihnen nichts, als nur die Wiederhohlung eines und des- selben Verhaͤltnisses , das man allein will, und das somit im ersten Glied bereits vollkommen er- reicht ist . Ich fuͤhre die Erlaͤuterungen, welche Carnot uͤber die Methode der unendlichen Groͤßen gibt, nicht beson- ders an. Sie enthalten das gelaͤutertste, was in den oben angefuͤhrten Vorstellungen vorkam. Aber bey dem Uebergange zur Operation selbst treten mehr oder weni- ger die gewoͤhnlichen Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der weggelassenen Glieder gegen die an- dern ein. Er rechtfertigt die Methode vielmehr durch die Thatsache, daß die Resultate richtig werden, und durch den Nutzen , den die Einfuͤhrung unvollkommner Glei- chungen, d. h. solcher, in denen eine solche arithmetisch unrichtige Weglassung geschehen ist, fuͤr die Vereinfa- chung und Abkuͤrzung des Calculs hat, als durch die Na- tur der Sache selbst. Lagrange hat bekanntlich die urspruͤngliche Me- thode Newtons, die Methode der Reihen, wieder auf- genommen, um der Schwierigkeiten, welche die Vorstel- lung des Unendlich-kleinen, so wie derjenigen, welche die Methode der ersten und letzten Verhaͤltnisse und Gren- zen mit sich fuͤhrt, uͤberhoben zu seyn. Es ist von sei- nem Functionen-Calcul, dessen sonstige Vorzuͤge in Ruͤck- sicht auf Praͤcision, Abstraction und Allgemeinheit hier nicht Quantitaͤt . nicht weiter auszuheben sind, nur diß anzufuͤhren, daß er auf dem Fundamentalsatze beruht, daß die Differenz, ohne daß sie Null werde, so klein angenommen werden koͤnne, daß jedes Glied der Reihe die Summe aller folgenden an Groͤße uͤber- treffe . — Man sieht, daß die wegzulassenden Glie- der der Reihe hier nur in der Ruͤcksicht, daß sie eine Summe constituiren, in Betracht kommen, und der Grund, sie wegzulassen, in das Relative ihres Quan- tums gesetzt wird. Die Weglassung ist also hier auch nicht fuͤr das Allgemeine auf denjenigen Grund zuruͤckge- fuͤhrt, der in einigen Anwendungen vorkommt, worin nemlich, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine bestimmte qualitative Bedeutung haben, und folgende Glieder ausser Acht gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Groͤße sind, sondern weil sie unbedeu- tend der Qualitaͤt nach sind. Ich stelle diesen einzig richtigen Gesichtspunkt, die qualitative Natur der unendlichen Differenzen, zum Schlusse dem Misverstande entgegen, welcher besonders in den aͤltern Darstellungen vorzukommen scheint, und der die unendlichen Differenzen als gaͤnzlich verhaͤltnißlose Momente nimmt, und mit den Quantis auch die Verhaͤltniß-Bestimmung verschwinden laͤßt. Indem nemlich die unendlichen Differenzen das Verschwinden der Seiten des Verhaͤltnisses, als Quan- torum, sind, so ist das, was uͤbrig bleibt, ihr Quanti- taͤtsverhaͤltniß, rein insofern es von der qualitativen Be- stimmung abhaͤngt. Das qualitative Verhaͤltniß geht hierin so wenig verlohren, daß es vielmehr das Bestim- mende und dasjenige ist, was eben durch die Verwand- lung endlicher Groͤßen in unendliche resultirt. Hierin besteht, wie gezeigt worden, die ganze Natur der Sa- che. Erstes Buch . II. Abschnitt . che. — So verschwinden also im letzten Verhaͤlt- nisse die Quanta der Abscisse und der Ordinate; aber die Seiten dieses Verhaͤltnisses bleiben wesentlich die ei- ne, Increment oder Element der Ordinate, die andere Increment oder Element der Abscisse. Indem man nach der gewoͤhnlichen Vorstellungsweise, die eine Ordinate sich der andern unendlich naͤhern laͤßt, so geht die vorher unterschiedene Ordinate in die andre Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse in die andre Abscisse uͤber; (— wie, nach dem obigen, Landen den veraͤnderlichen Groͤßen zuerst verschiedene Werthe beylegt, und diese dann gleichsetzt —) in diesem Uebergehen verschwindet ihr endlicher Unterschied, und es bleibt nur die unendli- che Differenz, als Moment dieses Uebergehens, das Ele- ment der Ordinate und das Element der Abscisse. Es geht wesentlich nicht die Ordinate in die Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate uͤber. Das qualitative Ver- haͤltniß continuirt sich, wie diß oben ausgedruͤckt wurde, so sehr in die unendlich-werdenden, d. h. verschwindenden Quantumsunterschiede, daß es allein das ist, wodurch die Quantitaͤtsbestimmung noch getragen wird. Hiernach nun ist es wesentlich, gegen den Gesichts- punkt, den die gewoͤhnliche Ansicht von den unendlichen Differenzen hat, und der es vornemlich erschwert, den richtigen Begriff der Sache zu fassen, — zu bemerken, daß das Element der Ordinate, — um bey diesem Bey- spiele von veraͤnderlichen Groͤßen stehen zu bleiben, — nicht der Unterschied einer Ordinate von ei- ner andern Ordinate mehr ist, denn diese sind keine verschiedene Quanta mehr gegeneinander, indem sie unendlich einander genaͤhert sind, sondern es ist vielmehr der Unterschied, oder die qualitative Groͤßenbestim- mung gegen das Element der Abscisse; das Princip der einen veraͤnderlichen Groͤße gegen Quantitaͤt . gegen das der andern steht im Verhaͤltnisse mit- einander. Der Unterschied, indem er nicht mehr Unter- schied endlicher Groͤßen ist, hat aufgehoͤrt, ein Vielfa- ches innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensitaͤt zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen Verhaͤltnißmoments gegen das andere. Die Betrachtung dieser Elemente, als Differenzen oder auch als Incremente haͤlt wesentlich nur den Unter- schied des Quantums einer Ordinate zwischen dem Quan- tum einer andern Ordinate fest. Die Grenze wird als der letzte Werth genommen, dem sich eine andere Groͤße, uͤbrigens von gleicher Art, bestaͤndig naͤhere, so daß sie von ihm, so wenig als man will, unterschieden seyn koͤnne, und daß das letzte Verhaͤltniß, ein Verhaͤlt- niß der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz ein Schweben als Unterschied eines Quantums von einem Quantum, und die qualitative Natur, nach welcher d x wesentlich nicht eine Verhaͤltnißbestimmung gegen x , son- dern gegen d y ist, tritt in der Vorstellung zuruͤck. Man laͤßt d x 2 gegen d x verschwinden, aber noch vielmehr verschwindet d x gegen x , oder es hat nur ein Verhaͤlt- niß zu d y . — Es ist erinnert worden, daß am meisten in L’Huilliers Methode, diese Seite herausgehoben ist. Aber sie ist noch nicht auf den Begriff der qualitativen Groͤßenbestimmung gebracht, und es ist den Geometern, die sich an die Vorstellung der Grenzen halten, immer vor- zuͤglich darum zu thun, die Annaͤherung einer Groͤße an ihre Grenze begreiflich zu machen, und sich an diese Sei- te des Unterschiedes des Quantums vom Quantum, wie er kein Unterschied und doch noch ein Unterschied ist, zu halten. Indem es aber geschehen ist, daß die Incremente oder unendlichen Differenzen bloß nach der Seite des Quan- Erstes Buch . II. Abschnitt . Quantums und als verhaͤltnißlose Momente genommen wurden, so ist die unstatthafte Vorstellung hieraus ent- sprungen, welche es sich erlaubt, in dem letzten Verhaͤlt- nisse, Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus, Cosi- nus, Tangente, Sinus versus und was alles noch, ein- ander gleich zu setzen. Auch der Bogen ist wohl incommensurabel mit der geraden Linie , und sein Element zunaͤchst von anderer Qualitaͤt als das Element der geraden Linie. Es scheint somit noch widersinniger und unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse, Ordinate, des Si- nus, Cosinus u. s. f. wenn quadrata rotundis, wenn ein ob zwar unendlich kleiner Theil des Bogens, fuͤr einen Theil der Tangente, oder uͤberhaupt als Hypotenuse in einem rechtwinklichten Dreyecke, worin die beyden Ka- theten die Elemente der Abscisse und der Ordinate sind, genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird. — Allein diese Behandlung ist von der geruͤgten Ver- wechslung wesentlich zu unterscheiden; sie hat ihre Recht- fertigung darin, daß in einem solchen Dreyeck, das Ver- haͤltniß des Elementes eines Bogens zum Elemente der Abscisse und der Ordinate, dasselbe ist, als wenn jenes Element das Element einer geraden Linie, der Tangente, waͤre; denn die Winkel , welche das wesentliche Verhaͤltniß constituiren, nemlich dasjenige, das die- sen Elementen bleibt, nachdem die ihnen zugehoͤrigen endlichen Groͤßen als Quanta verschwunden sind, sind die nemlichen. — Man kann sich hieruͤber auch so aus- druͤcken, gerade Linien, als unendlichklein, seyen in krumme Linien uͤbergegangen, und das Verhaͤltniß ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Curvenverhaͤltniß. Denn wenn man die gewoͤhnliche Definition der geraden Linie nimmt, daß sie der kuͤrzeste Weg zwischen zwey Punk- ten ist, so gruͤndet sich ihr Unterschied von krummer Li- nie Quantitaͤt . nie auf die Bestimmung von Menge , auf die gerin- gere Menge des Unterscheidbaren auf diesem Wege, was also eine Bestimmung von Quantum ist. Aber diese Bestimmung verschwindet in ihr, sie als intensive Groͤße, als unendliches Moment, als Element genom- men; somit auch ihr Unterschied von der krummen Linie, der bloß auf dem Quantumsunterschiede beruhte. — Oder, eine unendliche gerade Linie ist die aufgehobene gerade Linie, denn die unendliche gerade Linie ist die in sich zuruͤckgehende, das ist, eine Curve. Also als unendlich, behalten gerade Linie und Kurve kein qualita- tives Verhaͤltniß mehr gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese uͤber. Ganz anders aber ist es mit den Verhaͤltnissen von Sinus, Tangente u. s. f. zu einander beschaffen. Es ist leicht einzusehen, und ist auch von andern erinnert wor- den, daß wenn man mit der allgemeinen Ausrede, daß im letzten Verhaͤltnisse alles gleich, d. h. auch das Ver- haͤltniß selbst aufgehoben sey, sich erlaubt, fuͤr die Ab- scisse die Ordinate zu setzen, das ungereimteste sich her- ausbringen, oder wie es genannt wird, sich beweisen lasse. Durch eine solche Verwechslung wird der zu Grunde liegende Begriff, daß den veraͤnderlichen Groͤs- sen in ihrem Verschwinden das Verhaͤltniß, aus dem sie herkommen, erhalten bleibt, gaͤnzlich zerstoͤrt. Es entsteht im eigentlichen Sinne ein Verhaͤltniß von Null zu Null, dem es ganz willkuͤhrlich und zufaͤllig ist, wel- che qualitative und quantitative Bedeutung gegeben wer- de. Mit der Erlaubniß solcher Gleichsetzung kann es nicht schwer seyn, Formeln hervorzubringen, die als Resultat ergeben, daß der Diameter groͤßer sey als die Peripherie, die Hypotenuse kleiner als ein Kathete u. s. f. Es kann wohl keinen andern Grund geben, daß man sich Beweise, die auf jenes Gleichsetzen gebaut sind, S hat Erstes Buch . II. Abschnitt . hat gefallen lassen, als den, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, ungeachtet sich auf solche Art eben so gut das Gegentheil herausbrin- gen ließ, wenigstens den Schein eines Geruͤstes von Beweis zu Stande brachte; — einen Schein, den man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus sinnlicher Erfahrung immer noch vorzog. Ich trage kein Bedenken, diese Manier fuͤr nicht mehr als eine bloße Taschenspielerey und Charlatanerie des Beweisens anzu- sehen, und hierunter selbst eine Menge der Newtoni- schen Beweise zu rechnen, besonders aber derjenigen, wegen welcher man Newton bis an den Himmel und uͤber Keppler erhob, das was dieser bloß durch Erfah- rung gefunden, mathematisch dargethan zu haben. So lange die Mathematik des Unendlichen, des gruͤndlichen Begriffs ihres Gegenstands entbehrt, vermag sie die Grenze nicht anzugeben, bis zu welcher jenes Gleich- setzen gehen darf, und auch den richtigen ihrer Opera- tionen haͤngt immer das Mistrauen an, welches aus der Unsicherheit, und bey der angefuͤhrten Verwechs- lung, — der Sinnlosigkeit dieses Verfahrens entspringt, — eines Verfahrens, das dem schon oͤfters erwaͤhnten Gerede neuerer Philosophen, — das zugleich ihre ganze Philosophie auszumachen pflegt, — daß im Absoluten Alles Eins ist, nichts vorzuwerfen hat. Das leere Geruͤste Newtonischer Beweise jener Art, wurde vornemlich errichtet, um physische Gesetze zu be- weisen. Aber die Mathematik vermag uͤberhaupt nicht Groͤßenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind, welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem einfachen Grun- de, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist, nicht vom Begriffe ausgeht, und das qualitative daher, inso- Quantitaͤt . insofern es nicht lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, ausser ihrer Sphaͤre liegt. Jenem Geruͤste wird ohne Zweifel noch dasselbe Recht widerfah- ren, das dem grundlosen Newtonischen Kunstgebaͤude von optischen Experimenten und damit verbunde- nem Schließen kuͤrzlich angethan worden ist. Die angewandte Mathematik ist noch voll von einem gleichen Gebraͤue aus Erfahrung und Reflexion, aber wie von jener Optik seit geraumer Zeit bereits ein Theil nach dem andern anfing factisch ignorirt zu werden, so ist es auch Factum, daß bereits ein Theil jener truͤgerischen Be- weise, die sich auf jenes regellose und sinnleere Gleich- setzen qualitativer Bestimmungen unter dem Vorwande ihrer unendlichen Kleinheit gruͤnden, wenn auch deren Mangel nicht eingesehen worden, von selbst in Vergessen- heit gerathen oder durch andere ersetzt worden ist. S 2 Drit- Erstes Buch . II. Abschnitt . Drittes Kapitel. Das quantitative Verhaͤltniß . Das Quantum, unendlich geworden, hat das ne- gative Jenseits an ihm selbst. Diß Jenseits ist das Qualitative uͤberhaupt. Das unendliche Quantum ist die Einheit von beyden Momenten, der quantitativen und der qualitativen Bestimmtheit. Es ist Ver- haͤltniß . Im Verhaͤltnisse hat also das Quantum nicht mehr eine gleichguͤltige Bestimmtheit, sondern ist qualitativ be- stimmt, als schlechthin bezogen auf sein Jenseits. Das Quantum continuirt sich in sein Jenseits; dieses ist zu- naͤchst ein anderes Quantum uͤberhaupt. Aber we- sentlich sind sie nicht bloß als aͤusserliche Quanta auf ein- ander bezogen, das eine hat nicht seine Bestimmtheit als gleichguͤltig gegen die des andern, sondern jedes hat sie in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind daher in diesem ihrem Andersseyn in sich zuruͤckgekehrt; denn das was jedes ist, ist es nicht unmittelbar fuͤr sich, sondern in dem Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus. — Ein Quantum geht uͤber sich hinaus als Quantum, aber weder daß es sich nur in ein anderes veraͤnderte, noch in sein abstractes Anderes, in sein ne- gatives Jenseits; sondern in seine Bestimmtheit; es fin- det sich selbst in seinem Jenseits, welches ein anderes Quantum ist. Diß Bestimmtseyn der Quantorum durch einander, in welchem jedes die wesentliche Bedeutung hat, nicht gleich- Quantitaͤt . gleichguͤltig fuͤr sich, sondern Moment des Verhaͤltnisses, und nur in der Beziehung auf das Andere das zu seyn, was es ist, macht das qualitative Moment des Verhaͤlt- nisses aus. Das Verhaͤltniß bleibt aber zugleich quanti- tativ. Es sind Quanta, die zu Grunde liegen und die Beziehung, die sich ergab, auf einander haben; oder es ist ein Quantum uͤberhaupt, das die qualitative Be- stimmtheit innerhalb seiner hat. Das Quantum, indem es Verhaͤltniß ist, druͤckt sich als in sich geschlossene Tota- litaͤt und seine Gleichguͤltigkeit gegen die Grenze aus, da- durch daß es die Aeusserlichkeit seines Bestimmtseyns in- nerhalb seiner selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen ist. — Das Qualitative und Quantitative sind hier noch nicht auseinander getreten; das Qualitative ist das des Quantums selbst, oder das, wodurch das Quantum, Quantum ist. A. Das directe Verhaͤltniß . 1. Im Verhaͤltnisse ist die Bestimmtheit des einen Quantums, die Bestimmtheit des andern. Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beyder. Von zwey verhaͤltnißlosen Quantis hat jedes seine eigene gegen die des andern gleichguͤltige Bestimmtheit. Aber die Quanta des Verhaͤltnisses haben nur Eine gemeinschaftliche Be- stimmtheit, den Exponenten des Verhaͤltnisses. Dieser ist in dem unmittelbaren Verhaͤltnisse selbst eine unmittelbare quantitative Bestim- mung , oder irgend ein Quantum uͤberhaupt. Er macht das eine Quantum aus, das allein als solches im Verhaͤltnisse ist. Die Quanta, welche die Seiten des Ver- Erstes Buch . II. Abschnitt . Verhaͤltnisses ausmachen, sind die als aufgehoben gesetzte Quanta; sie sind nicht gleichguͤltige Quanta, also nicht zwey; sondern jedes hat seine Bestimmtheit an dem an- dern; sie machen daher nur eines aus, den einfachen Exponenten, und sie selbst sind in dieser Einheit als gleichguͤltige gesetzt . 2. Der Exponent ist die einfache Bestimmtheit des Verhaͤltnisses. Aber so ist er nicht die qualitative Bestimmtheit; sondern irgend ein Quantum. Als das qualitativ bestimmte Quantum ist er das Quantum, das den Unterschied seiner, sein Jenseits und Andersseyn an ihm selbst hat. Diß ist nicht der aͤusserliche Unterschied des Quantums, wodurch es groͤßer oder kleiner gegen ein anderes ist, sondern seine qualitative Bestimmtheit, sein eigner Unterschied an ihm selbst. Aber der Unter- schied des Quantums an ihm selbst, ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl . Die Einheit ist selbst das einfache, absolute Bestimmtseyn; die Anzahl aber das gleichguͤltige Hin- und Hergehen an der Bestimmt- heit, die aͤussere Gleichguͤltigkeit des Quantums. Ein- heit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quan- tums; jetzt erscheint zugleich jedes dieser Momente als ein eignes Quantum; sie sind die Bestimmungen seines Daseyns, die Begrenzungen, in denen die sonst nur aͤus- serliche, gleichguͤltige Groͤßen gegen einander gesetzt sind. Diese beyden Momente des Quantums machen die Momente des quantitativen Verhaͤltnisses selbst aus; denn es ist die Einheit der qualitativen und der quanti- tativen Bestimmtheit. So ist in ihm das Quantum theils als an sich bestimmt theils als gleichguͤltig und aͤus- serlich. Es ist also die immanente Bestimmtheit des Quantums selbst, oder seine Qualitaͤt, welche die Sei- ten des Verhaͤltnisses gegen einander haben. Das eine Quan- Quantitaͤt . Quantum desselben ist nicht bloß Anzahl, sondern diese Anzahl ist Einheit gegen die Anzahl, und hat wesentlich diesen Werth und Bedeutung, als Einheit zu gelten; und das andere ist eben so nicht bloß Anzahl uͤberhaupt, als ein gleichguͤltiges Quantum uͤberhaupt, sondern ist Anzahl als gegen das andere Quantum, insofern dieses die Einheit ist. Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit; er ist erstens Quantum; so ist er die Seite der Anzahl. Wenn die eine Seite des Verhaͤlt- nisses, welche als Einheit genommen wird, als numeri- sches Eins ausgedruͤckt ist, so ist die andere, die Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst; zweytens ist er die einfache Einheit, das qualitative der Quantorum, welche Seiten des Verhaͤltnisses sind; sie sind Momente in dieser Einheit. Wenn das eine bestimmt ist, ist auch das andere durch den Exponenten bestimmt, und es ist voͤllig gleichguͤltig, wie das erste bestimmt wird; es hat als fuͤr sich bestimmtes, als gleichguͤltiges Quantum kei- ne Bedeutung mehr, sondern kann eben so gut jedes an- dere seyn, ohne die Bestimmtheit des Verhaͤltnisses zu aͤndern, die allein auf dem Exponenten beruht. 3. Indem die Seiten des Verhaͤltnisses durch die Momente des Quantums gegen einander bestimmt sind, so machen sie darin eigentlich nur Ein Quantum aus. Sie sind umgekehrt nicht qualitativ gegen einander be- stimmt , insofern sie verschiedene Quanta sind. — Was die erste Ruͤcksicht betrift, so hat das eine Quan- tum nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das andre nur den der Anzahl; nach ihrer Be- stimmtheit also sind sie nicht vollstaͤndige Quan- ta. Wenn das eine veraͤndert wird, so wird das an- dere um eben so viel vermehrt oder vermindert; das heißt, Erstes Buch . II. Abschnitt . heißt, es wird schlechthin nur das eine, die Einheit, veraͤndert, und die andere bestimmte Seite, die Anzahl, bleibt immer dasselbe Quantum. Sie sind sonach als Quanta nicht qualitativ gegeneinander bestimmt; oder diese Veraͤnderung, in der sich beyde als Quanta ver- halten, ist keine negative Bestimmung am Verhaͤltnisse als solchem. — Der Exponent seiner Seits, ist nur die Anzahl des Verhaͤltnisses, und hat keine negative Be- stimmung an ihm selbst. — Insofern die andere Seite, die der Einheit, ein Quantum ist, so sind zwey gleich- guͤltige Quanta, der Exponent oder die Anzahl als sol- che, und jenes Quantum vorhanden, und als gleichguͤl- tige, nicht durch das Verhaͤltniß bestimmte. Insofern aber die andere Seite als Einheit gilt, so ist die andere, die Anzahl oder der Exponent, nicht durch sie bestimmt, sondern ein gleichguͤltiges Quantum uͤberhaupt. Das Quantum aber ist im Verhaͤltnisse nur als un- endlich gesetzt, insofern es im andern Quantum sein Jen- seits, sein Nichtseyn hat. Die beyden Seiten des Ver- haͤltnisses sind nicht nur bestimmt als Einheit und An- zahl; nach diesen Momenten machen sie nur Ein Quan- tum; sie sind aber beyde Quanta, und indem sie diß in der einfachen Einheit des Verhaͤltnisses sind, so ist darin wesentlich ihre Negativitaͤt gesetzt. — Sie sind qualita- tiv auf einander bezogen; aber die Qualitaͤt ist wesent- lich Negation, und die eine Seite verhaͤlt sich in der That zu der andern nur als andere , insofern sie als ein Nichtseyn , als ein Aufheben derselben ist. Die einfache Bestimmtheit, der Exponent, ist auf diese Weise wahrhafte Bestimmtheit, insofern sie nicht nur unmittel- bares, seyendes Quantum ist, sondern zugleich nicht- seyendes, und in ihrer Einfachheit nicht ein bestimmtes gegen Anderes, sondern an sich bestimmtes, also das negative ihrer selbst ist. B. Das Quantitaͤt . B. Das umgekehrte Verhaͤltniß . 1. Das Verhaͤltniß hat sich jetzt so bestimmt, daß das Gesetztseyn eines Quantums zugleich als Nichtseyn dieses Quantums ist. Im umgekehrten Verhaͤlt- nisse ist diß vorhanden, daß dasselbe Quantum gesetzt ist, als seyend und als nichtseyend. Die eine Seite desselben verhaͤlt sich so zu der andern, daß so groß die eine ist, so viel mangelt der andern. Um so viel die ei- ne zunimmt, um so viel nimmt die andere ab. Die eine der in diesem Verhaͤltnisse stehenden Groͤs- sen continuirt sich also nicht so in die andere hinein, daß sie die Einheit ihrer andern, der Anzahl, bliebe, sondern sie continuirt sich negativ in sie; sie hebt so viel in ihr auf, als sie selbst ist. Jede ist als Anzahl die negative der andern; jede ist so groß als der andern abgeht. Jede enthaͤlt auf diese Weise die andere, und ist an ihr gemessen; denn jede ist nur das Quantum, das die an- dere nicht ist. — Die Continuitaͤt jeder in der andern macht das Moment der Einfachheit in diesem Ver- haͤltnisse aus. Das eine Quantum ist Nichtseyn des an- dern; somit ist keines ein gleichguͤltiges; sondern es ist erstlich, als es selbst, zweytens ist es als negirt, so ist es das andere. Insofern es als es selbst ist, ist es die Negation des andern Quantums. Diese beyden Seiten, die jede der beyden im Ver- haͤltniß stehenden Groͤßen hat, fallen nicht auseinander, oder in eine aͤussere Reflexion, welche sie nur vergliche und faͤnde, daß das eine Quantum Weniger ist, als das andere, Erstes Buch . II. Abschnitt . andere, daß in einem ein Seyn sey, das im andern ein Nichtseyn ist. Das, was ein Quantum fuͤr diese aͤussere Reflexion oder in der Vergleichung nicht ist, geht dasselbe nichts an. Was in derselben das kleinere Quantum ist , oder die positive Groͤße desselben ist nicht ein Nichtseyn, ein Mangel des andern, des groͤßern; sondern das Groͤs- sere enthaͤlt das Kleinere in sich. In der negativen Beziehung der Quantorum aber, in der sie im umgekehrten Verhaͤltnisse sind, ist das An- dersseyn eigene Einschraͤnkung, und das Nichtseyn ein Mangel und Sollen der eigenen Vergleichung mit sich. Das Quantum hat darin ein anderes Quantum sich so gegenuͤber, daß es an sich selbst diß andere Quan- tum ist, aber zugleich als sein Nichtseyn . Die Veraͤnderung des einen ist also diß gedoppelte, daß sie erstlich eine Veraͤnderung seiner als seyenden Quan- tums ist, und zugleich seiner andern Seite, nemlich sei- nes Nichtseyns oder des andern Quantums; zweytens aber, daß was dadurch Seyn des einen wird, Nicht- seyn des andern ist; also nicht wie im directen Verhaͤlt- niß eigentlich nur die eine Seite, die Einheit, sich aͤn- dert. 2. Das Quantum im umgekehrten Verhaͤltnisse geht also so uͤber sich hinaus, daß es seine Bestimmtheit in dem hat, worauf es bezogen ist; es hat sie darin als in seinem Nichtseyn, und eben damit, weil sein Nichtseyn es zu dem macht, was es ist, ist diß sein Nichtseyn es selbst. Das eine Quantum macht auf diese Weise mit sei- nem andern Eine Sphaͤre aus; jedes der beyden Quantorum ist selbst dieses Ganze. Diß Ganze ist somit hier der Exponent . Er ist die Grenze und die einfa- che Quantitaͤt . che Bestimmtheit dieses Verhaͤltnisses. Er ist erstlich die einfache Bestimmtheit desselben als unmittelbares Quantum. So ist er irgend eine gleichguͤltige Groͤße; das Ganze als seyendes Quantum. Denn das quantitative Verhaͤltniß hat uͤberhaupt das Quantum zu seiner Grundlage. — Er ist in dieser unmittelbaren Be- stimmtheit die Grenze der Seiten seines Verhaͤltnisses, innerhalb deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, die sie aber nicht uͤberschreiten koͤnnen. Er macht ihre Grenze, ihr Nichtseyn aus, indem er das seyende Ganze, die Seiten aber nur das Ganze sind, nach einem Theile seyend, nach dem andern aber nichtseyend. Er ist so ihr Jenseits , dem sie sich unendlich naͤhern, aber das sie nicht erreichen koͤnnen. Diese Unendlichkeit, in der sie sich ihm naͤhern, ist die schlechte Unendlichkeit des un- endlichen Progresses; sie ist selbst endlich, beschraͤnkt durch ihr Gegentheil, daher nur Naͤherung; denn eines der Quantorum kann das andere nicht uͤberwinden, und das Ganze erreichen, sondern bleibt von dieser seiner Negation, seinem Andern, afficirt. Die schlechte Un- endlichkeit ist aber hier gesetzt, als das was sie in Wahr- heit ist, nemlich nur als Moment des Ganzen, des Exponenten. Sie ist zugleich aufgehoben, das Jenseits ist erreicht; denn die Sphaͤre ist die Einheit des Jenseits und des Disseits jeder der beyden Groͤßen; das Jenseits einer jeden ist die andere, und jede ist an sich ihre an- dere, jede ist an sich diß Ganze. 3. Von den beyden Groͤßen des negativen Ver- haͤltnisses nimmt die eine zu, wie die andere abnimmt, und umgekehrt; das Seyn der einen ist wesentlich das Nichtseyn der andern. Diß macht aber keinen Unter- schied derselben aus; denn dasselbe ist der Fall bey der einen wie der andern. Ihr quantitativer Unterschied, welche die groͤßere oder kleinere, oder ob sie gleich seyen, ist Erstes Buch . II. Abschnitt . ist ohnehin ihr gleichguͤltiger Unterschied; und zwar ist er im Verhaͤltniß als unwesentlicher gesetzt ; sie gelten nur als solche, die zu- oder abnehmen koͤnnen. Es ist daher nicht einer der Seiten gegen die andere, sondern dem Zusammen derselben, der ganzen Sphaͤre, der der Unterschied zukommt. Das Ganze nun, oder der Exponent ist, wie er sich ergab, ein unmittelbares Quantum, das die Grenze fuͤr die unter ihm enthaltene Quanta ausmacht. Er ist nicht nur unmittelbares Quantum, sondern ist das Un- terschiedenseyn an ihm selbst, in zwey Seiten zunaͤchst, deren jede an sich die ganze Sphaͤre ist, sie selbst ist und wesentlich auch die andere als ihre Negation an ihr hat. Dadurch ist das Ganze selbst auf gedoppelte Weise gesetzt. — Erstlich ist es die Summe der beyden Seiten, in- sofern sie seyende Quanta sind, das ganze seyende Quantum. Aber zweytens ist diß Ganze auch als negatives. Denn jede der beyden Seiten ist der Mangel oder ist als Negirtseyn der andern; jede ist so groß, als der andern fehlt. Somit ist auch das Ganze zugleich als ein Sollen, als ein negirtes gesetzt. Wie erinnert ist jede nicht in einer aͤusserlichen Reflexion nur ein Nicht- seyn der andern, sondern diß ist hier ihr Werth; daß das Nichtseyn einer jeden die andere ist; beyde sind so- mit, und hierdurch das Ganze als ein Nichtseyn gesetzt. Hiemit ist aber drittens diß Seyn und Nichtseyn ein und dasselbe. Die ganze Sphaͤre ist zunaͤchst unmit- telbares Quantum; alsdann ist es als ein Nichtseyn ge- setzt; aber eben diß sein Nichtseyn ist selbst nur die ganze seyende Sphaͤre. Denn jede der beyden Seiten, inso- fern sie die Negation der andern ist, hat sie Daseyn; was von der andern verschwindet, waͤchst ihr zu; das Nichtseyn einer jeden macht also das aus, was die an- dere Quantitaͤt . dere ist, und das Aufgehobenseyn ist in dieser Gegensei- tigkeit das Daseyn dessen, das aufgehoben ist. Was also vorhanden ist, besteht darin, daß der Exponent des Verhaͤltnisses, ein unmittelbares Quantum, als sein Nichtseyn, als Anderes ist, aber daß diß An- dersseyn er selbst ist. Das Quantum continuirt sich in sein Andersseyn hinein, und die Negation ist nur ein Andersseyn, in welchem es sich als zu Grunde liegender Sphaͤre erhaͤlt, und die Einheit in diesem Andersseyn bleibt. Somit ist das umgekehrte Verhaͤltniß, wie es sei- ner Bestimmung nach erscheint, aufgehoben. Es besteht darin, daß das Quantum sich darin so auf sein Anderes beziehen sollte, daß dieses nur sein Nichtseyn seye, daß das Positive seines Jenseits ein von ihm verschiedenes Quantum seyn sollte. Aber die Natur des Quantums ist, eine gleichguͤltige Grenze zu seyn, somit diß Nicht- seyn, die absolute Grenze aufgehoben zu haben, und sich in derselben zu erhalten. Das umgekehrte Verhaͤltniß ist also ein solches Sollen, das seine Schranke, sein Andersseyn, aufgeho- ben hat; eine Unendlichkeit, die als Jenseits zugleich verschwunden, und in die Einheit mit ihrem Disseits zu- ruͤckgekehrt ist. Indem das Quantum sich auf diese Weise in sein Andersseyn continuirt, ist es die Einheit seiner und seines Andersseyns. Es liegt seinem Andersseyn zu Grunde; es ist dessen Einheit. Somit hat sich das directe Ver- haͤltniß wieder hergestellt. Aber so zugleich, daß das Andere nicht ein unmittelbares Quantum ist, sondern schlechthin seine Bestimmtheit, sein Andersseyn nur in der Einheit selbst hat. Das Erstes Buch . II. Abschnitt . Das Verhaͤltniß ist zum Potenzenverhaͤltniß uͤbergegangen. C. Potenzenverhaͤltniß . 1. Das Potenzenverhaͤltniß hat, nach dem was sich ergab, einerseits die Aeusserlichkeit, womit das di- recte behaftet ist, nemlich die Gleichguͤltigkeit der Be- stimmung des Quantums, welches Einheit ist, gegen das andere Quantum, welches Anzahl oder Exponent ist, — und das entgegengesetzte Nichtseyn, die abstracte qualitative Bestimmtheit des umgekehrten Verhaͤlt- nisses, aufgehoben. Das Andersseyn oder der Unterschied des Quan- tums ist zunaͤchst die Mehrheit, aber qualitativ bestimmt, so, daß sie sich zu einem andern Quantum als Anzahl zu seiner Einheit verhaͤlt. Nunmehr im Potenzenverhaͤlt- nisse ist die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zu- gleich die Anzahl gegen sich als Einheit. Oder das An- dersseyn, die Anzahl der Einheit, ist die Einheit selbst. Das Quantum erhebt sich in seine Potenz, insofern es sich ein Anderes wird; aber diß sein Andersseyn ist zugleich rein durch sich selbst begrenzt. Insofern es im directen Verhaͤltnisse Einheit ist, ist es auch die Einheit der Anzahl; die Seite, welche Anzahl als solche ist, hat den Unterschied des Quantums an ihr, sie ist eine Anzahl von Einheiten, diese sind Anzahl, und zwar die Anzahl, welche die erste Seite ist. Aber von dieser Anzahl, wel- che die Einheit ist, ist die Anzahl der zweyten Seite un- terschieden; sie ist der Exponent oder ein unmittelbares Quan- Quantitaͤt . Quantum. In der Potenz aber ist das Andersseyn, die Seite, welche im Verhaͤltnisse als Anzahl ist, von der Anzahl, insofern sie ihre Einheit ist, nicht unterschieden; oder umgekehrt die Potenz ist eine Menge, von der jedes diese Menge selbst ist. Dadurch enthaͤlt sie zugleich das Moment des umgekehrten Verhaͤltnisses; das Anders- seyn, die Anzahl als solche ist durch ihr erstes Quantum bestimmt. — Das Quantum ist also in der Potenz in sich selbst zuruͤckgekehrt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein Andersseyn. Der Exponent dieses Verhaͤltnisses ist nun nicht mehr ein unmittelbares Quantum, wie im directen. Auch im umgekehrten Verhaͤltnisse ist er als die Summe betrachtet, zwar ein vermitteltes, aber zugleich nur ein gleichguͤltiges Quantum, oder als Beziehung der Sum- me zu einer der schlechthin veraͤnderlichen Seiten dersel- ben genommen, ist er nur dieses schlechthin veraͤnderli- che Quantum. — Im Potenzenverhaͤltniß aber ist der Exponent ganz qualitativer Natur, einfache Bestimmt- heit, daß die Anzahl die Einheit selbst, die Identitaͤt des Quantums in seinem Andersseyn mit sich selbst ist. Darin liegt auch seine quantitative Natur, daß das An- dersseyn, die Grenze oder Negation, schlechthin nur als aufgehobenes, das Daseyn in sein Andersseyn conti- nuirt ist; denn die Wahrheit der Qualitaͤt ist eben diß, Quantitaͤt zu seyn. 2. Das Potenzenverhaͤltniß erscheint als eine aͤusse- re Veraͤnderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird, und als ob es so gut in jede andere Veraͤnderung versetzt werden koͤnnte. Allein diß Verhaͤltniß hat eine engere Beziehung auf den Begriff des Quantums; das Quantum ist, nach dem Bisherigen, selbst in diese Veraͤn- derung uͤbergegangen, und hat in diesem Daseyn seinen Begriff Erstes Buch . II. Abschnitt . Begriff erreicht, oder sich darin auf vollstaͤndige Weise realisirt. Diß Verhaͤltniß ist die Darstellung dessen, was das Quantum an ihm selbst ist; es druͤckt dessen Bestimmtheit aus, wodurch es sich von anderem unter- scheidet. Das Quantum ist nemlich die gleichguͤltige, aufgehobene Bestimmtheit, das heißt, die Bestimmtheit, welche in ihr Andersseyn sich continuirt, und darin sich selbst gleich ist. So aber ist das Quantum als Poten- zenverhaͤltniß; denn sein Andersseyn ist darin es selbst. — Im directen Verhaͤltnisse ist diese Qualitaͤt des Quan- tums, der Unterschied seiner von sich selbst zu seyn, nur erst uͤberhaupt oder unmittelbar gesetzt, somit noch die Gleichguͤltigkeit der beyden Seiten des Unterschiedes, nicht der Unterschied seiner von sich, sondern von einem aͤus- serlichen vorhanden. Im umgekehrten Verhaͤltniß ist das Quantum der Unterschied seiner von sich als von seinem Nichtseyn, das Verhalten zu sich als zu seiner Nega- tion. Im Potenzenverhaͤltniß endlich ist es der Unter- schied seiner als von sich selbst; sein Andersseyn durch es selbst bestimmt, oder darein schlechthin continuirt. Das Quantum hat sich damit nicht bloß dargestellt mit einer qualitativen Bestimmtheit, sondern als Quali- taͤt. Es ist aber insofern zugleich in eine andere Be- stimmung uͤbergegangen. Es hat nemlich das Moment seiner Aeusserlichkeit oder Gleichguͤltigkeit aufgehoben, welche seine Bestimmung war, und ist zu seinem An- dern, der Qualitaͤt, geworden. Daß das Quantum in das Verhaͤltniß, und bestimmter in das Potenzen-Ver- haͤltniß tritt, erscheint zunaͤchst als bloße Beschaffen- heit , als eine Aeusserlichkeit des Quantums. Aber in dieser Aeusserlichkeit wird die Bestimmung des Quan- tums, welche selbst Aeusserlichkeit ist, aufgehoben; diese Aeusserlichkeit wird sich selbst aͤusserlich; — indem sie sich damit aufhebt, so findet sie eben so sehr sich darin, oder Quantitaͤt . oder kehrt darin in sich zuruͤck, denn die Aeusserlichkeit ist die Bestimmung des Quantums selbst. Das Quantum ist somit jetzt Einheit seiner Bestim- mung und seines Anderswerdens oder seiner Beschaffen- heit, es ist Qualitaͤt. Zunaͤchst erscheint die Quantitaͤt als solche der Qua- litaͤt gegenuͤber; aber die Quantitaͤt ist selbst eine Qua- litaͤt; sich auf sich beziehende Bestimmtheit, unterschie- den von der ihr andern Bestimmtheit, von der Qualitaͤt als solcher. Aber damit ist sie selbst eine Qualitaͤt. Allein sie ist nicht nur eine Qualitaͤt, sondern die Wahrheit der Qualitaͤt selbst ist die Quantitaͤt; jene ist in diese uͤbergegangen. Aber die Quantitaͤt ist dage- gen in ihrer Wahrheit die in sich selbst zuruͤckgekehrte, nicht gleichguͤltige Aeusserlichkeit. So ist sie die Qualitaͤt selbst, so daß ausser dieser Bestimmung nicht die Qualitaͤt als solche noch etwas waͤre. Die Quantitaͤt, welche zunaͤchst Bestimmtheit uͤber- haupt, Quantum ist, oder das Quantum ist nunmehr nicht mehr gleichguͤltige, oder aͤusserliche Bestimmung, sondern das, wodurch etwas das ist, was es ist. Die Wahrheit des Quantums ist, Maaß zu seyn. Anmerkung . Das Potenzenverhaͤltniß wurde in neuerer Zeit auf Begriffsbestimmungen angewendet. Der Begriff in seiner Unmittelbarkeit ist die erste Potenz, in seinem Andersseyn oder der Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweyte , und in seiner Ruͤckkehr in sich oder als Totalitaͤt die dritte Potenz genannt T worden. Erstes Buch . II. Abschnitt . worden. — Die naͤhere Bedeutung der besondern Po- tenzen gehoͤrt jedoch nicht hieher; die Potenz wird selbst wieder zu einem formellen Zahlen-Verhaͤltniß, insofern zur zweyten, dritten, vierten und so fort ins Unendliche gegangen wird. Ihre Bedeutung als zwey- ter, dritter, und so fort ins Unendliche, wuͤrde von einem Begriffswerthe der Zahlen uͤberhaupt abhaͤngen, wovon oben schon die Rede gewesen. Was aber die Anwendung der Potenzenbestim- mung selbst betrift, um Begriffsmomente zu bezeich- nen, so erhellt, daß die Potenz dem Quantum wesent- lich angehoͤrt. Sie ist ein Anderswerden desselben, worin es selbst bleibt. Der Unterschied ist ein Un- terschied der Einheit und Menge oder Anzahl , schlechthin nur ein Andersseyn des Quantums . Es ist sein Unterschied, worin es sich als Qualitaͤt ausdruͤckt, oder als diejenige Bestimmtheit, die es we- sentlich ist. Das Potenzenverhaͤltniß ist also nur der wahrhafte Unterschied des besondern Begriffs des Quantums , nicht der Unterschied des Begriffs selbst. Dem Begriffe aber ist das Quantum sehr un- tergeordnet; es enthaͤlt die Negativitaͤt, welche zur Natur des Begriffs gehoͤrt, nicht in ihrer eigenthuͤm- lichen Bestimmung; Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind daher sehr oberflaͤchliche Bestimmungen fuͤr den Begriff selbst. Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Sym- bol gebraucht wird, so ist dagegen so wenig zu sagen, als gegen Symbole anderer Art fuͤr Begriffe; aber zugleich eben so viel, als gegen alle Symbolik uͤber- haupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische Bestimmungen uͤberhaupt dargestellt werden sollen. Die Philosophie bedarf einer solchen Huͤlfe nicht, we- der Quantitaͤt . der aus der sinnlichen Welt, noch aus der vorstellen- den Einbildungskraft, auch nicht aus Sphaͤren ihres eigenthuͤmlichen Bodens, welche untergeordnet sind, de- ren Bestimmungen daher nicht fuͤr hoͤhere Kreise und fuͤr das Ganze passen. Es ist diß dasselbe, als wenn uͤberhaupt Kategorien des Endlichen auf das Unendliche angewendet werden. Wie die gelaͤufigen Bestimmungen von Kraft, oder Substantialitaͤt, Ur- sache und Wirkung u. s. f. unpassende Symbole fuͤr den Ausdruck z. B. lebendiger oder geistiger Verhaͤlt- nisse sind, so noch mehr die Potenzen des Quantums und gezaͤhlte Potenzen, fuͤr dergleichen und fuͤr specu- lative Verhaͤltnisse uͤberhaupt. T 2 Drit- Dritter Abschnitt. Das Maaß. I m Maaße sind Qualitaͤt und Quantitaͤt vereinigt. Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit mit sich selbst. Diese Unmittelbarkeit hat sich aufgehoben. Die Quantitaͤt ist das in sich zuruͤckgekehrte Seyn; einfache Gleichheit mit sich als Gleichguͤltigkeit gegen die Be- stimmtheit. Aber diese Gleichguͤltigkeit zeigt sich reine Aeusserlichkeit zu seyn, nicht an sich selbst, sondern in anderem die Bestimmung zu haben. Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst beziehende Aeusserlichkeit; um der Beziehung auf sich willen ist sie zugleich aufgehobene Aeusserlichkeit, Gleichguͤltigkeit gegen das Bestimmtseyn, dadurch daß sie an ihr selbst ihren Unterschied von sich hat. Wenn das Dritte als bloße Aeusserlichkeit genom- men wuͤrde, so waͤre es Modus . — In diesem Sin- ne ist das Dritte nicht Ruͤckkehr in sich, sondern indem das Zweyte die beginnende Beziehung auf Aeusserlich- keit, ein Herausgehen ist, das mit dem Urseyn noch in Beziehung steht, so ist das Dritte der vollendete Abfall. — Die Modalitaͤt , unter den Kategorien des tran- scendentalen Idealismus, hat die Bedeutung, die Be- ziehung des Gegenstands auf das Denken zu seyn. Es ist Das Maaß . ist hierin von einer Seite nur die reine Aeusserlichkeit enthalten; denn die Beziehung auf das Denken, welche das Moment der Reflexion in sich seyn koͤnnte, ist viel- mehr hier die Aeusserlichkeit selbst; im Sinne des tran- scendentalen Idealismus ist das Denken nemlich dem Ding-an-sich wesentlich aͤusserlich. Insofern aber auch die andern Kategorien nur die transcendentale Bestim- mung haben, dem Bewußtseyn anzugehoͤren, so enthaͤlt die Modalitaͤt, als die Kategorie der Beziehung auf das Subject, insofern relativ die Bestimmung der Reflexion in sich. — Bey Spinoza ist der Modus nach Sub- stanz, und Attribut gleichfalls das Dritte, er erklaͤrt ihn fuͤr die Affectionen der Substanz, oder fuͤr das- jenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen wird. Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur Aeusserlichkeit; wie sonst erinnert worden, daß bey Spinoza uͤberhaupt der starren Substantialitaͤt die Ruͤck- kehr in sich selbst fehlt. Nach dem vorhergehenden hat hier der Modus seine bestimmte Bedeutung als Maaß . Das Maaß ist noch nicht die absolute Ruͤckkehr des Seyns in sich, sondern vielmehr seine Ruͤckkehr in sich innerhalb seiner Sphaͤre. Es ist die in sich reflectirte Aeusserlichkeit des Quantums; durch seine Reflexion hat sich sein Werth bestimmt; nemlich dafuͤr zu gelten, daß es das Ansichseyn ist. Das Quantum ist die Qualitaͤt . Das in sich reflectirte, das guͤltige Seyn besteht also in der Art und Weise , in dem Mehr oder Weniger , in dem Maaße, in dem Etwas ist. — Diß ist die Wahrheit, zu der das Seyn nunmehr sich bestimmt hat, die Gleich- heit der Aeusserlichkeit mit sich selbst zu seyn. Das Quantum hat in seiner Ruͤckkehr in sich seine Aeusserlichkeit und damit sich selbst als Quantum aufge- hoben. Aber diß Aufheben hat zunaͤchst das Quan- tum Erstes Buch . III. Abschnitt . tum zu seiner Grundlage ; und die Form des Quan- tums, die es erlangt hat, sich auf sich beziehende Gleich- guͤltigkeit zu seyn, macht das Ansichseyn aus. Das Maaß ist die Einheit der Qualitaͤt und der Quantitaͤt, des an sich und des aͤusserlich Bestimmtseyns, aber die unmittelbare Einheit derselben; diese unmittelbare Einheit aber ist hiemit qualitative Bestimmtheit gegen die Vermittlung und Aeusserlichkeit des Quantums; die Einfachheit seines In-sich-zuruͤckgekehrtseyns steht dieser gegenuͤber. Das Maaß ist daher eine Beziehung des Qualitativen und Quantitativen, worin sie noch unter- schiedene sind. In der Bewegung also, worin sich das Maaß realisirt, vergleichen sie sich aneinander, in der bestimmten Bedeutung, die sie gegeneinander haben; sie setzen sich aber dadurch in die negative Identitaͤt, in der die Bestimmung der Unmittelbarkeit des Seyns absolut verschwindet und zum Wesen wird. Es liegt dem Maaße bereits die Idee des Wesens vor, nemlich in der Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn; oder die Reflexion, deren Be- stimmungen selbststaͤndig bestehen, aber in dieser Selbst- staͤndigkeit schlechthin nur Momente ihrer negativen Ein- heit sind. Im Maaße ist das Qualitative quantitativ; es hat ein gleichguͤltiges Bestehen, der Unterschied ist ihm gleichguͤltig; damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; es ist aufgehoben; diese Quantitativitaͤt ist die Ruͤckkehr in sich, das An- und Fuͤrsichseyn, welches das Wesen ist. Aber im Maaße haben das Qualitative und Quan- titative, wie erinnert, zuerst noch ihre Bestimmtheit ge- geneinander; es ist die erste Negation der Aeusserlichkeit des Quantums; oder die Identitaͤt des Qualitativen und Quantitativen, der Begriff des Wesens, der im Maaße schon geworden ist, ist noch nicht in seinen Mo- menten realisirt und damit noch nicht gesetzt . Das Das Maaß . Das Maaß ist zunaͤchst unmittelbare Einheit des Qualitativen und Quantitativen, so daß erstens ein Quantum es ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maaß ist. — Das Maaß aber bestimmt sich weiter, das an sich bestimmte in- sofern zu seyn, als an ihm selbst der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen Bestimmt- seyns, ist. Diese Momente bestimmen sich weiter zu Ganzen des Maaßes, dem unmittelbar an sich bestimm- ten, und dem anderes specificirenden Verhaͤltnisse; das Maaß als Einheit von ihnen ist Selbststaͤndiges . — Das Maaß wird hiedurch zweytens Verhaͤltniß von specifischen Quan- tis, als selbststaͤndigen Maaßen . Indem aber ihre Selbststaͤndigkeit nur auf dem quantitativen Verhaͤlt- nisse und dem Groͤßenunterschiede beruht, so sind sie an sich dasselbe, und das Uebergehen in einander. Naͤher betrachtet geht damit das Maaß im Maaßlosen zu Grunde. — Diß Jenseits des Maaßes, ist die Negati- vitaͤt desselben nur an sich selbst; es ist dadurch drittens das Maaß gesetzt, als umgekehrtes Verhaͤltniß von Maaßen . In diesem Verhaͤltnisse wird der qualitative Unterschied der Selbststaͤndigen zu ihrer identischen Beziehung, und ihre gleichguͤltige Un- mittelbarkeit besteht in der Reflexion in diese ihre negati- ve Unmittelbarkeit und Einheit, welche das Wesen ist. Die Gleichguͤltigkeit und Unmittelbarkeit der selbststaͤndi- gen Seiten selbst macht ihre negative Unmittelbarkeit aus, die das Wesen ist. Erstes Erstes Buch . III. Abschnitt . Erstes Kapitel. Die specifische Quantitaͤt . Die qualitative Quantitaͤt ist zunaͤchst ein spe- eifisches Quantum . Aber sie wird zweytens zu einer Regel , welche nicht selbst Quantum, sondern quantitatives Specificiren, ein Auf- heben des gleichguͤltigen Quantums ist. Die Regel ent- haͤlt die beyden Momente des Maaßes unterschieden, nemlich die ansichseyende quantitative Bestimmtheit, und das aͤusserliche Quantum. Durch diesen Unterschied werden die beyden Seiten zu Qualitaͤten, und die Re- gel zu einem Verhaͤltnisse; das Maaß stellt sich daher dar drittens als Verhaͤltniß von Qualitaͤ- ten , die zunaͤchst Ein Maaß haben; aber ferner auch sich zu eigenthuͤmlichen Maaßen gegeneinander specificiren. A. Das specifische Quantum . Das Maaß ist die einfache Beziehung des Quan- tums auf sich, seine eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ. In dieser unmittelba- ren Einheit mit sich ist es ein Quantum, welches die Qualitaͤt von Etwas ausmacht; ein unmittelbares Maaß. Es ist ein Quantum, aber diese an sich gleichguͤltige Grenze mit der Bestimmung, nicht gleichguͤltige, sondern sich Das Maaß . sich auf sich beziehende Aeusserlichkeit zu seyn, die nicht uͤber sich hinausgeht; so ist es in die einfache Gleichheit mit sich zuruͤckgekehrte Bestimmtheit, die mit ihrem Seyn eins ist, eine unmittelbare Bestimmtheit, eine Qualitaͤt. Insofern man mit dieser Unmittelbarkeit die For- men des Daseyns zuruͤckkehren lassen und aus der erhal- tenen Bestimmung einen Satz machen will, so kann man sich ausdruͤcken: Alles, was ist, hat ein Maaß . Diese Groͤße gehoͤrt zur Natur von Etwas selbst, oder vielmehr sie macht allein seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus. Etwas ist gegen diese Groͤße nicht gleich- guͤltig, so daß wenn sie geaͤndert wuͤrde, es bliebe was es ist, sondern die Aenderung derselben aͤnderte seine Qualitaͤt. Das Quantum hat als Maaß aufgehoͤrt Grenze zu seyn, die keine ist; es ist nunmehr die Bestim- mung der Sache, so daß sie, uͤber diß Maaß vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge. — Ein Maaß, als Maaßstab im gewoͤhnlichen Sinne, ist ein Quantum, das als die an sich bestimmte Einheit gegen aͤusserliche Anzahl genommen wird, jedoch fuͤr sich willkuͤhrlich ist. Eine solche Einheit kann zwar wohl auch in der That an sich bestimmte Einheit seyn, wie Fuß und dergleichen ur- spruͤngliche Maaße; insofern sie aber als Maaßstab zu- gleich fuͤr andere Dinge gebraucht wird, ist sie fuͤr diese nur aͤusserliches, nicht ihr urspruͤngliches Maaß. — So mag der Erddurchmesser, oder die Pendellaͤnge, als spe- cifisches Quantum, fuͤr sich genommen werden. Aber es ist willkuͤhrlich, den wievielsten Theil des Erddurchmessers oder der Pendellaͤnge und dieser unter welchem Breiten- grade man nehmen wolle, um sie als Maaßstab zu ge- brauchen. Noch mehr aber ist fuͤr andere Dinge ein sol- cher Maaßstab etwas aͤusserliches. Diese haben das all- gemeine specifische Quantum wieder auf besondere Art specificirt, und sich dadurch zu besondern Dingen gemacht. Ohne- Erstes Buch . III. Abschnitt . Ohnehin soll aber ein allgemeiner Maaßstab nur fuͤr die aͤusserliche Vergleichung dienen; in diesem oberflaͤchlichsten Sinne, in welchem er als allgemeines Maaß ge- nommen wird, ist es voͤllig gleichguͤltig, was dafuͤr ge- braucht wird. Er soll nicht ein Grundmaaß in dem Sin- ne seyn, daß die Naturmaaße der besondern Dinge dar- an dargestellt und daraus nach einer Regel, als Specifi- cationen Eines allgemeinen Maaßes, des Maaßes ihres allgemeinen Koͤrpers, erkannt wuͤrden. Ohne diesen Sinn aber verliert ein absoluter Maaßstab seine Bedeu- tung und sein Interesse. — Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Groͤßen- bestimmung; wie z. B. die specisische Schwere der Me- talle, die Groͤße der organischen Wesen, ihrer Glied- massen und so fort. — So aber als Quantum daseyend ist es gleichguͤltige Groͤße, aͤusserlicher Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und Weniger faͤhig. Aber als Maaß zugleich ist es Bestimmtheit an sich, und ist insofern von sich selbst als Quantum, als voͤllig gleichguͤltiger Bestimmung, verschieden und viel- mehr das Negative dieser gleichguͤltigen Unmittelbarkeit. Das Maaß ist das, was das Quantum an sich ist; es hat also uͤberhaupt die gedoppelte Seite, Quantum zu seyn als an-sich-seyendes, und Quantum als aͤusserli- ches oder unmittelbares. Als das letztere ist es die gleichguͤltige Grenze; das Maaß selbst aber ist einfache, innere Quantitaͤtsbestimmtheit, welche die Veraͤnderung des aͤusserlichen Quantums aufhebt, und dadurch sich als an sich seyende Bestimmtheit erweist und erhaͤlt. Es ist wesentlich nicht selbst ein fixes Quantum, sondern eine Regel desselben. B. Die Das Maaß . B. Die Regel . Die Regel hat erstlich die qualitative und quantitative Groͤßen- Bestimmtheit zu ihren Momenten; zweytens trennen sich diese Momente in den Un- terschied von Qualitaͤt und ihrer quantitativen Bestim- mung; drittens bestimmen sich diese beyden Seiten zu Qualitaͤten gegeneinander. 1. Die qualitative und quantitative Groͤßen- Bestimmtheit. Die Regel ist zunaͤchst specifisches Bestimmen der aͤusserlichen Groͤße. Sie enthaͤlt die beyden Bestimmun- gen des Qualitativen und Quantitativen. Diese sind in ihrem Unterschiede zugleich in der Einheit der Regel. In dieser Einheit sind sie Momente, jede in wesentlicher Beziehung auf die andre. Die Regel ist somit das Maaß als diese reflectirte Einheit seiner sich unterscheidenden Momente. Sie ist also erstlich die an sich bestimmte Groͤs- se oder vielmehr Groͤßebestimmtheit; diß Moment ist nicht selbst Quantum, sondern das Qualitative als das Quan- tum bestimmend. Zweytens hat sie das Quantum als Seite Erstes Buch . III. Abschnitt . Seite der Aeusserlichkeit, des Seyns-fuͤr-anderes; die- ses geht an dem gleichguͤltigen Vermehren und Vermin- dern hin und her; aber seine Beziehung auf das erste Moment ist sein wesentliches Seyn, nemlich nach seiner Gleichguͤltigkeit aufgehoben zu werden. An Etwas, insofern es ein Maaß ist, kommt aͤus- serlich eine Veraͤnderung seiner Groͤße; es nimmt davon nicht die arithmetische Menge an. Sein Maaß reagirt dagegen, verhaͤlt sich als ein intensives gegen die Men- ge, und nimmt sie auf eine eigenthuͤmliche Weise auf. Es veraͤndert die aͤusserlich gesetzte Veraͤnderung, macht aus diesem Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specification als Fuͤrsichseyn in dieser Aeusserlich- keit. Es entstehen in diesem Verhalten zwey Quanta; das eine ist aͤusserliche Menge ; das andere die specifisch-aufgenommene . — Die letztere ist selbst ein Quantum, und abhaͤngig von der erstern. Sie ist daher auch veraͤnderlich; aber es ist darum nicht ein Quantum als solches, sondern das aͤussere Quantum als auf eine constante Weise specificirt. Das Maaß hat also sein Daseyn als ein Verhaͤltniß , und das Spe- cifische desselben ist uͤberhaupt der Exponent dieses Verhaͤltnisses. Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich oben bey diesen Bestimmungen ergab, das- selbe Quantum, welches das einemal in der Form der Intensitaͤt, das anderemal in der Form der Extensitaͤt vorhanden ist. Das zu Grunde liegende Quantum erlei- det in diesem Unterschiede keine Veraͤnderung, er ist nur eine aͤussere Form. In der Regel hingegen ist das Quantum das einemal in seiner unmittelbaren Groͤße, das Das Maaß . das anderemal aber wird es durch den Verhaͤltnißexpo- nenten in einer andern Anzahl genommen. Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunaͤchst ein fixes Quantum zu seyn scheinen, als Quo- tient des Verhaͤltnisses zwischen dem aͤusserlichen und dem qualitativ bestimmten Quantum. Aber so waͤre er nichts als ein aͤusserliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts anders als das Moment des Qua- litativen selbst zu verstehen, welches das Quantum als solches specificirt. Denn was hier in Beziehung steht, ist das Quantum und das Qualitative; nicht zwey un- mittelbare Quanta. — Aber das eigentliche immanente Qualitative des Quantums ist, wie sich ergeben hat, nur die Potenz-Bestimmung. Sie zeigte sich als die an sich seyende Bestimmtheit des Quantums selbst, so daß das Quantum durch seine Natur oder Begriff es ist, welches sich selbst producirt und in die Potenz er- hebt. Hier ist dieser Begriff als die an sich seyende Bestimmung dem Quantum als der aͤusserlichen Beschaf- fenheit gegenuͤbergetreten. Denn indem, wie sich oben er- gab, das Maaß unmittelbare Einheit des Quan- tums und der Qualitaͤt ist, so ist diese Einheit selbst das Qualitative und es steht dem Quantum als solches ge- genuͤber. — Insofern sowohl das specificirte als das aͤusserliche als Quantum erscheinen, so zeigen sie den Unterschied ihrer Natur an ihrer Veraͤnderung. Das aͤusserliche Quantum hat zu seinem Princip das numeri- sche Eins; diß macht sein An-sich-Bestimmtseyn aus, und die Beziehung des numerischen Eins ist die aͤusserli- che. Die durch die Natur des unmittelbaren Quantums als solchen bestimmte Veraͤnderung desselben besteht daher in dem Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen und so fort. Wenn also das aͤusser- liche Quantum in arithmetischer Progression sich veraͤn- dert, Erstes Buch . III. Abschnitt . dert, so bringt die specificirende Reaction der qualitati- ven Natur des Maaßes eine andere Reihe hervor, wel- che sich auf die erste bezieht, mit ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem durch einen Zahlexponenten bestimm- ten, sondern in einem einer Zahl inkommensurabeln Ver- haͤltnisse. 2. Qualitaͤt und Quantum . Die Regel enthaͤlt das Quantum in der gedoppel- ten Bestimmung als unmittelbares und als specificirtes und beyde sind verschiedene Quanta. Das Qualitative als specificirend, der Exponent des Verhaͤltnisses, ist die negative Beziehung auf das unmittelbare Quantum, er hat sein Daseyn als das specificirte Quantum, und ist das mit sich identische Moment dieses zweyten Quantums; das Qualitative gegen die Unmittelbarkeit des ersten. Beyde Seiten sind Quanta, gehen uͤber sich hinaus und haben ihr Jenseits an der andern; die qualificirte ist selbst nicht gegen das Quantum gleichguͤltig; sondern viel- mehr schlechthin darauf bezogen, und eben dadurch selbst Quantum. Weil beyde Seiten Quanta, aͤusserliche Un- terschiede sind, so ist ihre Beziehung das an sich bestimm- te, das Moment des Exponenten, insofern er einfache Einheit mit sich ist. In dieser Beziehung sind das un- mittelbare und das specificirte Quantum selbst Momente; sie ist die Continuitaͤt, in der beyde Quanta als die gleichguͤltigen Bestimmungen sind. Wie das aͤusserliche Quantum die unmittelbare Aeusserlichkeit ist, so ist sie das unmittelbare An-sich-bestimmtseyn. Sie ist eine Qualitaͤt . Diese Qualitaͤt und das Quantum machen zwey Extreme gegeneinander aus, welche durch das specificirte Quan- Das Maaß . Quantum sich vermitteln, welches beyde Momente, das Qualitative und Quantitative, vereinigt enthaͤlt. Das Qualitative scheidet sich insofern zur abstracten Qualitaͤt aus, als das Quantum in seinem Andersseyn, nemlich in seiner Specification, die Gleichheit mit sich erlangt, und diese Gleichheit mit sich sein gegen das Quantum gleichguͤltiges Ansichseyn ausmacht. Dieses Ansichseyn hat den Character der Unmittelbarkeit als des Seyns, im Gegensatze gegen die sich aufhebende und vermittelnde Un- mittelbarkeit des Quantums. Es ist also ein Seyn, und zwar ein gegen diese Vermittlung negatives, ein bestimm- tes Seyn; seine Bestimmtheit geht ferner nicht uͤber sein Seyn hinaus; sondern indem das Quantum uͤber sich hinausgeht, und das specificirte Quantum selbst nur im Verhaͤltnisse zum ersten ist, ist jene Bestimmtheit das negative Moment beyder, der mit sich gleiche Exponent als die einfache Beziehung derselben. Es ist also das bestimmte Seyn als Qualitaͤt. Diese Qualitaͤt ist so das unmittelbare Seyn, es hat ein Daseyn, und diß sein Daseyn ist das Quanti- tative, das aͤusserliches Quantum, und dann durch die Qualitaͤt des Seyns, unmittelbar an sich bestimmt zu seyn, bestimmt ist. — Es ist also hier erst die Qualitaͤt entstanden, als dasjenige, was ein Quantum hat; sie ist die reine Quantitaͤt, an der die Bestimmtheit als eine gleichguͤltige ist. Insofern sie erstens unmittelbare Bestimmtheit ist, ist sie irgend eine Qualitaͤt; aber sie ist zweytens gesetzt als bestimmt in Beziehung auf das Quantum, so ist sie reine Quantitaͤt; das aͤusserlich bestimmbare, das gleichguͤltig dagegen ist. Aber indem das Quantum als an ihr aufgehobenes, indem sie Qua- litaͤt ist, durch die Ruͤckkehr des Quantums in sich selbst ist, so ist sie die negative Einheit ihrer eignen ersten Unmittelbarkeit und des Quantums; sie ist Aufheben- des, Erstes Buch . III. Abschnitt . des, reagirende Negation ihres aͤusserlichen Bestimmt- seyns. Es ist ein Insichseyn gegen diese seine Grenze und ein bestimmendes Fuͤrsichseyn gegen diß sein Daseyn vorhanden. Diß fuͤrsichseyende Etwas hat eine Qualitaͤt, eine Bestimmtheit; diese ist Beschaffenheit, und zwar ist diese Beschassenheit das Quantum. Die Qualitaͤt geht aber nicht mehr in diese ihre Beschaffenheit uͤber, sondern er- haͤlt sich in ihr; denn diese ist das Quantum, das sich selbst aufhebt und in die Qualitaͤt zuruͤckgeht. Die Qua- litaͤt selbst ist eigentlich nur diese Bestimmtheit, die Un- mittelbarkeit des Quantums aufzuheben und es zu speci- ficiren. Eine weitere Bedeutung, die sie als sonst eine Bestimmtheit hat, ist hier unwesentlich; eine solche Be- deutung gehoͤrt nur jenem abstracten Momente an, nach welchem der qualitative Exponent, Qualitaͤt, unmittelba- res, nicht reflectirtes An-sich-bestimmtseyn uͤberhaupt, oder nach welchem er nicht Exponent ist. Das Quali- tative aber, wie es wesentlich ist, als Exponent, ist das Fuͤrsichseyende, das somit seine Bestimmung, wodurch es sich von andern unterscheidet, allein darin hat, daß es sich als Maaßbestimmendes kund gibt; seine Natur besteht in dieser Regel, die es ist, und sein Daseyn in diesem negativen Verhalten gegen die aͤusserliche Unmittelbarkeit. Dieses Verhalten selbst aber besteht naͤher, wie sich vor- hin ergab, in dem Qualificiren, d. i. Potenziren des aͤus- serlichen Quantums. — So ist um ein Beyspiel anzufuͤhren, die Tempe- ratur , eine Qualitaͤt, an der diese beyden Seiten, aͤusserliches und specificirtes Quantum zu seyn, sich un- terscheiden. Als Quantum ist sie eine aͤusserliche Tem- peratur, welche an der Scale der arithmetischen Pro- gression fortgehend und als gleichfoͤrmig zu- oder abneh- mend Das Maaß . mend betrachtet, dagegen von den verschiedenen in ihr befindlichen Koͤrpern verschieden aufgenommen wird, in- dem dieselben durch ihr immanentes Maaß die aͤusserlich empfangene Temperatur bestimmen. Insofern verschie- dene Koͤrper in einer und derselben Temperatur vergli- chen werden, so geben die Verhaͤltnißzahlen der Verglei- chung ihre specifischen Waͤrmen, oder ihre Capacitaͤten. Aber die Capacitaͤten der Koͤrper aͤndern sich in verschie- denen Temperaturen. Es zeigt sich in der Vermehrung oder Verminderung der Temperatur eine besondere Spe- cification. Das Verhaͤltniß der Temperatur, die als aͤusserliche vorgestellt wird, zur Temperatur eines be- stimmten Koͤrpers hat nicht einen festen Verhaͤltnißexpo- nenten; die Vermehrung oder Verminderung der am Koͤr- per daseyenden Waͤrme geht nicht gleichfoͤrmig mit der Zu- und Abnahme der aͤusserlichen fort. Wenn daher die aͤussere als eine Abscisse, die andere als Ordinate vor- gestellt wuͤrde, so wuͤrde, indem jene gleichfoͤrmig wuͤch- se, durch die entsprechende Veraͤnderung von dieser eine krumme Linie beschrieben werden. — Es wird dabey ei- ne Temperatur als aͤusserlich uͤberhaupt angenommen, deren Veraͤnderung bloß aͤusserlich oder rein quantitativ sey. Aber sie ist Temperatur der Luft oder sonst specifi- sche Temperatur, und naͤher betrachtet, wuͤrde daher das Verhaͤltniß eigentlich nicht als Verhaͤltniß von einem bloß quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwey specifischen Quantis zu nehmen seyn. Wie sich das specificirende Verhaͤltniß gleich weiter bestimmen wird, daß die Momente des Maaßes nicht nur in einer quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer und derselben Qualitaͤt bestehen, sondern im Verhaͤltnisse zweyer Qualitaͤten, welche an ihnen selbst Maaße sind. U 3. Un- Erstes Buch . III. Abschnitt . 3. Unterscheidung beyder Seiten als Qualitaͤten. Das Fuͤrsichseyende hat seine Bestimmung in sei- nem specifischen Verhalten zum Quantum. Es hat zwey Seiten, jene die qualitative, das Ansich-Bestimmtseyn; diese die aͤusserlich quantitative. Aber jene ist nur als Beziehung auf diese; sie ist das aufgehobene Quantum; sie hat daher dasselbe zur Voraussetzung und faͤngt von ihm an. Das Quantum ist also zwar nur als aufgeho- bene Unmittelbarkeit; aber damit hat es selbst eine Un- mittelbarkeit gegen sein Aufgehobenseyn, das Qualitative. Das Qualitative und Quantitative ist uͤberhaupt quali- tativ von einander unterschieden; die Quantitaͤt ist selbst eine Qualitaͤt gegen die Qualitaͤt als solche. Hier an dem Maaße verhaͤlt sich das Quantitative selbst als ein Qualitatives; insofern es bloß Quantum ist, verhaͤlt es sich nur zu einem andern Quantum; hier aber verhaͤlt es sich zum Qualitativen. — Oder die quantitative Seite fuͤr sich betrachtet, so ist sie selbst an sich bestimmt. Die Qualitaͤt nemlich als solche, ist das Moment der einfa- chen Bestimmtheit des Exponenten; dieser steht gegen- uͤber die andere Seite, die Beziehung des aͤusserlichen Quantums auf das specificirte. Diese Seite ist die quan- titative als solche; sie enthaͤlt nicht ein unmittelbares Quantum, sondern dasselbe als Verhaͤltniß und als quan- titativen Exponenten; es ist also das Quantitative selbst als Qualitaͤt uͤberhaupt. Diese beyden Qualitaͤten sind aber ferner noch im Maaße begriffen, sie haben es zur Grundlage und ma- chen Ein Maaß aus. Denn erstlich nach der ersten Betrachtung, insofern die beyden eigentlichen Seiten des Maaßes, das specificirte und das aͤusserliche Quantum, sich zu Qualitaͤten bestimmen, machen diese beyden quanti- tativen Das Maaß . tativen Seiten die Bestimmtheit aus, welche ihre Quali- taͤten gegen einander haben. Zweytens nach der an- dern Betrachtung ist die eine Qualitaͤt zwar das unmit- telbare Ansichbestimmtseyn, und der ganze Unterschied des Quantitaͤten faͤllt auf die andere Seite, und diese ist nur insofern selbst Verhaͤltniß und Qualitaͤt, insofern sie den ganzen Unterschied des Quantums an ihr hat. Al- lein jene ist nun nicht mehr die reine Quantitaͤt, an der der Unterschied gleichguͤltig ist; sondern indem dieser als sich auf sich beziehender Unterschied selbst das Ansichbe- stimmtseyn ist, so ist jene erst hiedurch wahrhafte Quali- taͤt und bestimmt gegen eine andere. Diese Bestimmtheit aber oder die Grenze, in der sie sich auf einander bezie- hen, ist das Quantitative uͤberhaupt; sie haben dasselbe zu ihrer Grundlage; das Qualitative hat hier uͤberhaupt keine andere Bedeutung, als diese, Beziehung des Quan- tums auf sich zu seyn. Es sind also nunmehr Qualitaͤten, welche in der Beziehung des Maaßes auf einander sind. Nach ihrer ab- stracten Seite als Qualitaͤt uͤberhaupt, haben sie irgend eine besondere Bedeutung, (z. B. Raum und Zeit). Aber ferner treten sie in das Maaßverhaͤltniß als Groͤße- bestimmtheiten, und von den Groͤßebestimmtheiten des Maaßes ist die eine die Anzahl, die in aͤusserlicher, arith- metischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl, welche durch das Maaß specifisch bestimmt ist. Was den Unterschied der Seiten in Vergleichung ihrer qualitativen Bestimmung zu ihrer quan- titativen betrift, so ist jede zunaͤchst eine besondere Qualitaͤt uͤberhaupt. Insofern liegt kein Unterschied in ihnen, welche von den beyden Qualitaͤten, in Ruͤcksicht auf die quantitative Bestimmung, als die bloß aͤusserlich quantitative, und welche als die in quantitativer Spe- U 2 cifica- Erstes Buch . III. Abschnitt . cification sich veraͤndernd genommen werde. Wenn die eine Seite, die nur als Quantum angesehen wird, sich zur andern z. B. verhaͤlt als Wurzel zum Quadrat, so ist es gleichviel, an welcher die Vermehrung oder Ver- minderung als bloß aͤusserlich, in arithmetischer Progres- sion fortgehend, und welche dagegen als an diesem Quantum sich specifisch bestimmend angesehen wird. Laͤßt man die Seite der Wurzel sich in arithmetischer Pro- gression fortgehen, so enthaͤlt die andere die entsprechen- den Quadrate, welche die nicht arithmetisch progredirende Reihe ausmachen; laͤßt man hingegen die Seite des Quadrats in der arithmetischen Progression sich veraͤn- dern, so enthaͤlt die andere Seite die entsprechenden Wurzeln, und stellt ihre Veraͤnderung als nicht in aͤus- serlicher Progression, sondern specifisch bestimmt dar. Aber die Qualitaͤten sind nicht unbestimmt verschie- den gegen einander, denn sie gehen aus dem Maaße hervor und es liegen ihnen die zwey Seiten des Maaßes zu Grunde, des urspruͤnglichen Verhaͤltnisses von Quantis, welche qualitative Bedeutung haben, das eine die gleich- guͤltige, die andere die qualitative Quantitaͤtsbestimmt- heit zu seyn. Die Qualitaͤten sind daher wesentlich nach dem bestimmten Character der quantitativen Momente des Maaßes unterschieden. Die eine hat also die Be- stimmtheit gegen die andere, das Extensive , die Aeus- serlichkeit an ihr selbst zu seyn; die andere aber das Intensive , das Insichseyende oder Negative gegen je- ne; jene die reelle , gleichguͤltige, diese die ideelle , specifische Seite. Das quantitative Moment von dieser ist also auch als die Einheit, und das von jener als die Anzahl, jenes als Divisor, diß als Dividend im einfa- chen Verhaͤltnisse, oder jenes als Wurzel und diß als die Potenz oder das Anderswerden, im specificirenden Ver- haͤltnisse zu nehmen. — Insofern nun auch ein solches Ver- Das Maaß . Verhaͤltniß an gleichguͤltigen Quantis seiner Seiten Da- seyn hat, und an dem gleichguͤltigen Quantum Veraͤnde- rungen vorgehen, so ist die specifische Seite als die Grundlage in arithmetischer Progression, die aͤusserliche Seite hingegen in der specificirten Reihe sich veraͤndernd darzustellen; denn jene als die an sich specifische, durch ihr arithmetisches Progrediren, zeigt das Quantum als ein aͤusserliches zu haben; hingegen die aͤusserliche Seite zeigt sich durch ihre specificirte Reihe als eine solche, de- ren Quantum durch ein anderes bestimmt ist. — Oder insofern die arithmetische Progression als natuͤrliche Re- gel angesehen wird, so geht die an sich specificirte Seite in ihr fort, weil sie selbst das Qualificirende, Bestim- mende ist; die andere aber in einer Reihe, welche sich zeigt in einem Andern ihre Regel zu haben. Anmerkung . Das hier Eroͤrterte in Ruͤcksicht des Zusammen- hangs der qualitativen Natur eines Daseyns und seiner Quantitaͤtsbestimmung im Maaße, hat seine Anwendung zum Beyspiel darin, daß in der Geschwindigkeit , als dem directen Verhaͤltnisse von durchlaufenem Raume und verflossener Zeit, die Groͤße der Zeit als Nenner, die Groͤße des Raums dagegen als Zaͤhler, angenommen wird. Wenn Geschwindigkeit uͤberhaupt ein Verhaͤltniß vom Raum und der Zeit einer Bewegung ist, so ist es gleichguͤltig, welches von beyden Momenten als die Zahl oder als die Einheit, als Ganzes oder als Moment des Ganzen betrachtet werden soll. Aber Raum, wie in der specifischen Schwere das Gewicht, ist Zahl, aͤusserliches, reales Ganzes uͤberhaupt, die Zeit hingegen, wie das Volumen, ist das Ideelle, das Negative, die Seite der Einheit. — Weiter gruͤndet sich aber hierauf das wich- tigere Verhaͤltniß, warum in der freyen Bewegung , — zu- Erstes Buch . III. Abschnitt . — zuerst der noch bedingten —, des Falls , Zeit- und Raum-Quantitaͤt, jene als Wurzel, diese als Quadrat, — oder in der absolutfreyen Bewegung der Himmelskoͤrper die Umlaufszeit und die Entfernung, jene um eine Po- tenz tiefer als diese, — jene als Quadrat, diese als Kubus gegen einander bestimmt seyen. Dergleichen Grundverhaͤltnisse beruhen auf der Natur der im Ver- haͤltniß stehenden Qualitaͤten des Raums und der Zeit, und der Art der Beziehung, in welcher sie stehen, entwe- der als mechanische Bewegung, oder als Fall oder als freye himmlische Bewegung; — insofern nemlich uͤber- haupt das Qualitative, zwar nicht als solches, sondern als bestimmter Begriff, der sowohl die Raum- und Zeit- bestimmung nach ihrer qualitativen als quantitativen Na- tur enthaͤlt, zu Grunde zu legen ist. — In Ruͤcksicht auf die absoluten Maaßverhaͤltnisse ist uͤberhaupt zu erinnern, daß die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von Wissenschaft wuͤrdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maaße seyn muͤsse, — eine Wissenschaft fuͤr welche empirisch wohl viel, aber wissenschaftlich wenig gethan ist. Mathematische Princi- pien der Naturphilosophie, — wie Newton sein Werk genannt hat, — wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn erfuͤllen sollten, als er und das ganze Ba- conische Geschlecht von der Philosophie und Wissenschaft hatte, muͤßten noch ganz andere Dinge enthalten, um ein Licht in diese noch dunkeln aber hoͤchst betrachtungs- wuͤrdige Regionen zu bringen. — Es ist ein großes Ver- dienst, die empirischen Zahlen der Natur kennen zu ler- nen, z. B. Entfernungen der Planeten von einander; aber ein unendlich groͤßeres, die empirischen Quanta ver- schwinden zu machen, und sie in eine allgemeine Form von Quantitaͤtsbestimmungen zu erheben, so daß sie Momente eines Gesetzes oder Maaßes werden; — unsterb- Das Maaß . unsterbliche Verdienste, die sich z. B. Galilei in Ruͤck- sicht auf den Fall, und Keppler in Ruͤcksicht auf die Bewegung der himmlischen Koͤrper erworben hat. Das Hoͤhere aber ist diese Gesetze zu beweisen . Dieß heißt aber nichts anders als ihre Quantitaͤtsbestimmungen aus den Qualitaͤten, oder bestimmten Begriffen, die be- zogen sind, (wie Zeit und Raum) zu erkennen. Von dieser Art des Beweisens aber findet sich in jenen mathe- matischen Principien der Naturkenntniß, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch keine Spur. Es ist oben bey Gelegenheit des Scheins mathematischer Be- weise von Naturverhaͤltnissen, der sich auf den Mis- brauch des Unendlichkleinen gruͤndet, bemerkt worden, daß der Versuch, solche Beweise eigentlich mathematisch zu fuͤhren, ein widersinniges Unternehmen ist. Diese Beweise setzen ihre Theoreme aus der Erfahrung voraus, und was sie leisten, besteht allein darin, diese auf ab- stracte Ausdruͤcke und bequeme Formeln zu bringen. Das ganze reelle Verdienst, das Newton im Vorzug gegen Keppler in Beziehung auf die nemlichen Gegen- staͤnde zugeschrieben wird, wird, das Scheingeruͤste von Beweisen abgezogen, — ohne Zweifel bey gereinigterer Reflexion uͤber das, was die Mathematik zu leisten ver- mag und was sie geleistet hat, einst mit deutlicher Kennt- niß auf jene Umformung des Ausdrucks eingeschraͤnkt werden. C. Ver- Erstes Buch . III. Abschnitt . C. Verhaͤltniß von Qualitaͤten . Das Maaß hat sich zu einem Verhaͤltniß von Qua- litaͤten bestimmt. Die Regel ist zunaͤchst nur qualitatives Verhalten gegen das Quantum als solches. Die Quali- taͤten haben zunaͤchst nur Ein Maaß, und sind Momente desselben. Diese Qualitaͤten haben die beyden Seiten, als Qualitaͤten erstens gleichguͤltig gegen ihre Maaßbeziehung als gegen die quantitative Seite zu seyn, und zweytens in dieser Beziehung zu stehen. Es ist so eben gezeigt worden, wie ihre rein qualitative Bestimmung in Beziehung steht auf diejenige Bestimmung, die sie im Maaßverhaͤlt- nisse zu einander haben. Aber ihre Gleichguͤltigkeit ge- gen das Maaß hat noch eine andere Seite, nemlich die directe Bedeutung ihres Heraustretens aus dem Maaße. — Die Qualitaͤten sind nemlich nur durch das Maaß selbst; denn in diesem liegt das Moment der an sich be- stimmten Unmittelbarkeit. Aber diß Moment ist als Un- mittelbarkeit der einfache, unvermittelte Quotient des Maaßes, oder er ist das aufgehobene Maaß; denn das Maaß ist die Vermittlung, ein Ansichbestimmtseyn durch das Aufheben des unmittelbaren Quantums. Insofern sie also ausser dem Maaße und von seiner Beziehung freye Seiten selbst nur in Beziehung auf das Maaß sind, so sind sie nur das negirte Maaß, die wieder aufgehobene qualitative Bestimmung des Quantums oder das wieder- hergestellte unmittelbare Quantum . Diß Mo- ment gehoͤrt zur Vervollstaͤndigung des Begriffs der Qua- litaͤt, wie sie hier bestimmt ist; denn sie ergab sich als der Das Maaß . der Exponent eines Verhaͤltnisses, dessen Seiten das un- mittelbare und das specificirte Quantum ist; sie enthaͤlt also selbst beyde Seiten. Wie die beyden Qualitaͤten als Qualitaͤten Eines specificirenden Maaßes und als die Verhaͤltnißmomente desselben betrachtet wurden, so war in dieser Bestimmung nur die eine ihrer Seiten vorhan- den, nemlich die qualitativbestimmte, nicht aber die Seite der Unmittelbarkeit. — Oder die Qualitaͤt ist uͤberhaupt die Einheit des Ansichseyns, und des Seyns-fuͤr-ande- res; jenes ist das specifische, diß das unmittelbare Quantum. Diese Seite ist also ihre unbestimmte Beschaffenheit, das aͤusserliche Quantum, das ihnen ausser der specifi- schen Bestimmung zukommt. Aber die Seite des Quan- tums kommt ihnen nur in Beziehung auf das Maaß zu. Das Maaß ist als abstracte unmittelbare Bestimmtheit, eine Bestimmtheit als Quantum, das aber Maaßbe- stimmtheit oder Exponent eines unmittelbaren directen Verhaͤltnisses ist, das seine Seiten an dem Momente der Qualitaͤten, aͤusserliche Quanta zu seyn hat. Die Qualitaͤten sind also nur insofern unmittelbare Quanta, als sie Seiten dieses Verhaͤltnisses sind; oder umgekehrt, die Quanta, in deren Unmittelbarkeit sich die qualitati- ven Maaßmomente herabsetzen, haben ihre Unmittelbar- keit allein in der Bestimmtheit gegen anderes. Die Quanta naͤher betrachtet, wie sie in diesem directen Verhaͤltnisse bestimmt sind, so sind es die Ein- heiten derselben, deren Maaßbestimmung gegen einan- der es ist; und diese Maaßbestimmung bleibt in aller uͤb- rigen specifischen Bestimmung ihrer Anzahlen dieselbe. (— Es ist das Verhaͤltniß, das z. B. in der Bewegung, den Raum ausdruͤckt, den der Koͤrper in dem ersten Zeitmoment durchlaufe; es ist aber das eben so sehr im zwey- Erstes Buch . III. Abschnitt . zweyten, dritten u. s. f. Zeitmomente bleibende Verhaͤlt- niß, und druͤckt uͤberhaupt das Verhaͤltniß eines Quan- tums des Raums aus, das einer Zeiteinheit entspricht; jenes Quantum des Raums ist die Einheit zu der sonsti- gen durch das specificirende Maaß bestimmten Anzahl desselben. —) — Diß ergibt sich naͤher aus Folgendem. Das specificirende Maaß ist das rein qualitative Verhaͤlt- niß, das insofern an und fuͤr sich ist, als in ihm das Quantum in seiner wesentlichen Qualitaͤt ist; es ist die Form der Beziehung desselben auf sich in seinem Anders- seyn; aber als diese Form setzt es das Quantum als ein Unmittelbares voraus . Das Potenzenverhaͤltniß hat irgend ein Quantum zu seiner Grundlage, das sich in ihm zu sich verhaͤlt. Diese Unmittelbarkeit ist es, die das specificirende Maaß an dem ersten oder unmittelbaren Verhaͤltnisse hat. — Das specificirende Verhaͤltniß besteht ferner darin, ein aͤusserliches Quan- tum zu specificiren; eine unbestimmte Anzahl uͤberhaupt wird in ein anderes qualificirtes Quantum veraͤndert; es sind Anzahlen, die einander gegenuͤber stehen, de- ren Exponent, als Quantum schlechthin veraͤnderlich ist; sie haben nur einen qualitativ bestimmten. Die Anzahlen sind aber Anzahl von Einheiten ; so sind sie die Qualitaͤten, welche die Seiten des Maaßes ausmachen; das Quantum ist Qualitaͤt zunaͤchst als Beziehung von Anzahl und Einheit; die potenzirte oder reale Qualification des Quantums ist das Maaßver- haͤltniß selbst. — Sie sind ferner im Verhaͤltnisse be- stimmte Seiten gegen einander; so haben sie auch jede ihre besondere Einheit ; und indem diese Einheiten zugleich Anzahlen angehoͤren, die wesentlich im Ver- haͤltnisse sind, oder indem uͤberhaupt die Qualitaͤten im Maaßverhaͤltnisse stehen, so ist auch diese Seite derselben, die Einheiten, bestimmt gegen ein- ander ; oder sie haben ein Maaß. Diß ihr Maaß ist Das Maaß . ist also Verhaͤltniß ihrer als Einheiten, somit nicht das specificirende, sondern ein unmittelbares directes Verhaͤltniß. — Oder unmittelbar, das specificirende Verhaͤltniß ist vorhanden nur als rein qualitatives; seine einfache Beziehung auf sich selbst ist seine Un- mittelbarkeit. Diese aber als Unmittelbarkeit zugleich des Maaßes ist der Exponent als Quantum und als Verhaͤltniß ein directes Verhaͤltniß; es ist also das, in dem das specificirende in sich zuruͤckgekehrt ist. Die Beziehung, die sich ergeben hat, ist hiemit so vorhanden. Es ist ein erstes unmittelbares Ver- haͤltniß, das zu Grunde liegt, und dessen Exponent nicht veraͤndert wird. Seine Seiten veraͤndern ihr Quantum, und zwar so, daß die Veraͤnderung der ei- nen Seite als aͤusserliche in arithmetischer Progression fortgeht, die der andern Seite aber qualitativ und ei- ne Reihe von specificirten Quantis ist. Die Ein- heiten dieser beyden Quantorum aber treten als Einheiten nicht in diese Veraͤnderung ihrer Anzahl ein; sie bleiben in ihrem ersten directen Verhaͤltnisse, indem sie das unmittelbar an sich bestimmte Mo- ment ihrer Seiten ausmachen, und in dem rein qua- litativen Verhaͤltnisse den Werth von verhaͤltnißlosen Einheiten haben. Aber ausser demselben sind diese zwey Einheiten gegen einander ein bestimmtes Quantum, und stehen in einem unmittelbaren Verhaͤltnisse. Diese zwey Verhaͤltnisse, das specificirende und das unmittelbare directe, zeigen sich als die realisirten Momente des Maaßes. Das Maaß enthaͤlt nemlich die Seite der Unmittelbarkeit des Quantums oder sei- ner als eines gleichguͤltigen. Indem das Moment selbst das Ganze ist, ist es Maaß, und in der Be- stimmung des unmittelbaren Quantums, das unmittelba- re directe Verhaͤltniß. — Auf der andern Seite enthaͤlt das Erstes Buch . III. Abschnitt . das Maaß die wesentlich qualitative Bestimmung des Quantums; so ist es das qualitative Verhaͤltniß gegen jenes erste directe Verhaͤltniß. Beyde Seiten des Maaßes sind somit selbst Maaßverhaͤltnisse. Das Maaß ist durch diese Realisirung in sich zuruͤck- gekehrt, es ist in seinem Andern mit sich gleich geworden. Denn das Qualitative desselben bezog sich zuerst auf ein aͤusserliches Quantum; nun aber ist diese Seite selbst Maaß. Und zwar ist sie zu Grunde liegendes Maaß. Das specificirende Maaß, indem es sich auf das unmit- telbare Quantum bezieht und dasselbe specificirt, hat die Anzahl zu seinem Inhalt; die qualificirte Groͤße ist nach diesem Inhalt unbestimmt, und von der aͤusserlichen Groͤße abhaͤngig. Hingegen im directen Maaßverhaͤltniß, stehen die Einheiten der Seiten in Beziehung; die Einheit ist das an und fuͤr sich bestimmte des Quantums. In der Regel ist das Qualitative und das Quantita- tive getrennt, und die Specification dasjenige, was das Maaß ausmachte; aber das Maaß ist seinem Begriffe nach diß, daß das Quantum das Qualitative ist. Hier hat sich diß wieder hergestellt, daß ein Quantum die Grundlage des Maaßes ausmacht, aber ein Quantum, das selbst Exponent und als Verhaͤltniß bestimmt ist. Das Maaß ist Qualitaͤt uͤberhaupt, als Ansichbe- stimmtseyn. Sie ist Einheit des Ansichseyns und des Seyns-fuͤr-anderes, der Bestimmung und der Beschaf- fenheit. Diese ihre Momente haben nun den naͤhern Inhalt, daß das Ansichseyn oder die Bestimmung ein di- rectes Maaßverhaͤltniß, das Seyn-fuͤr-anderes oder die Beschaffenheit aber das specificirende Maaß ist. Indem die beyden Seiten selbst Maaße, also die Bestimmung und Beschaffenheit an sich dasselbe sind, so ist die Qua- litaͤt eine Selbststaͤndigkeit geworden. Zwey- Das Maaß . Zweytes Kapitel. Verhaͤltniß selbststaͤndiger Maaße . In dem unmittelbaren Maaße ist das Quantum die Qualitaͤt; die quantitative Bestimmung liegt zum Grunde. Wie das Maaß sich aber zum Selbststaͤndigen bestimmt hat, so ist nunmehr die qualitative Bestimmtheit das Erste; das Maaß ist an sich bestimmte Einheit, welche sich zur Anzahl verhaͤlt. Die Selbststaͤndigkeit des Maaßes beruht also auf einem unmittelbaren zu Grunde liegenden Verhaͤltnisse; es ist nicht mehr das einfache, bloß aͤusserliche Quantum, das Qualitaͤt seyn soll; son- dern es ist Qualitaͤt, insofern es an sich selbst Verhaͤltniß ist. Dieses directe Verhaͤltniß ist aber zugleich Verhaͤlt- niß zu andern Maaßen, und insofern ist es specificiren- des. Es ist also erstens ein selbststaͤndiges Maaß, das sich zu an- dern verhaͤlt und in diesem Verhalten dieselben specifi- cirt. Diese Specification aber ist das Hervorbringen anderer directer Verhaͤltnisse, somit anderer Maaße; und die specifische Selbststaͤndigkeit besteht nicht in ei- nem directen Verhaͤltnisse, sondern in der specifi- schen Bestimmtheit zu der Reihe selbststaͤn- diger Maaße . Zweytens sind die dadurch entstehenden di- recten Verhaͤltnisse, an sich bestimmte und ausschlies- sende Maaße; indem aber ihr Unterschied von einan- der Erstes Buch . III. Abschnitt . der zugleich nur quantitativ ist, so ist ein Fortgang von Verhaͤltnissen vorhanden, der zum Theil bloß aͤus- serlich quantitativ ist, aber auch durch qualitative Ver- haͤltnisse unterbrochen wird, und eine Knotenlinie von specifischen Selbststaͤndigen bildet. Drittens aber tritt in diesem Fortgange fuͤr das Maaß die Maaßlosigkeit uͤberhaupt, und be- stimmter die Unendlichkeit des Maaßes ein, in welcher die sich ausschliessenden Selbststaͤndigkeiten eins mit einander sind, und das Selbststaͤndige in negative Beziehung zu sich selbst tritt. A. Das Das Maaß . A. Das Verhaͤltniß selbststaͤndiger Maaße . 1. Neutralitaͤt . Etwas das durch sein Maaß selbststaͤndig ist, ist an sich ein unmittelbares Verhaͤltniß, und diß macht seine Natur und den Grund seines Unterschieds gegen andere aus. Es ist seine Bestimmung oder sein An- sichseyn; insofern es Verhaͤltniß ist, ist es eine Qualitaͤt. Alsdenn aber bezieht sich diß Etwas auch auf andere, ist aber in dieser Beziehung selbststaͤndig, oder erhaͤlt sich darin; so specificirt es das aͤusserliche Quantum, das an dasselbe kommt. — Diese Seite ist seine Beschaf- fenheit oder Seyn-fuͤr-anderes. Sie ist als Ver- haͤltniß seiner Bestimmung zu der Aeusserlichkeit selbst eine Qualitaͤt. Das Etwas ist ein Selbststaͤndiges, in- dem es die Einheit dieser seiner Qualitaͤten ist. Es ist deßwegen hier nicht bloß eine Qualitaͤt, die in Beziehung auf eine andere Qualitaͤt steht. Das unmittelbare Verhaͤltniß, welches das Etwas an ihm selbst ist, ist nunmehr sein wahrhaftes specifi- sches Quantum. Der Exponent dieses Verhaͤltnisses ist ein unmittelbares Quantum, nur in Vergleichung mit andern dergleichen Verhaͤltnissen; aber diese Bestim- mung durch anderes geht dasselbe nichts an; es ist an sich selbst, indem es Verhaͤltniß in sich ist. — Insofern seine Seiten als Quanta sich veraͤndern, so erhaͤlt es sich in ihnen, wie ein unmittelbares Verhaͤltniß uͤber- haupt; Erstes Buch . III. Abschnitt . haupt; indem die eine Seite die Einheit ist, ist die an- dere die Anzahl, und es veraͤndert sich hierin nur die Einheit, nicht die specifische Anzahl oder der Exponent. (— Ein solches Maaß ist die specifische Schwere der Koͤrper.) Aber ferner hat dieses Maaß eine Seite des Ver- haltens zu andern. Diß Verhalten betrift die Anzahl. Durch dasselbe vergleicht nemlich das Selbststaͤndige sich selbst mit andern; es hat darin die Aeusserlichkeit an ihm, setzt sich also nach dem Exponenten seines an sich seyenden Verhaͤltnisses in Beziehung. Allein er ist darin we- sentlich Exponent, qualitativer Natur; seine Be- ziehung auf andere ist weder die gleichguͤltige Unmittelbar- keit eines Quantums gegen andere Quanta; noch auch eine eben so aͤusserliche gleichguͤltige Veraͤnderung dessel- ben. Sondern indem er an sich bestimmtes Quantum oder quantitative Qualitaͤt ist, verhaͤlt er sich als Maaß gegen das aͤusserliche Quantum, und specificirt das- selbe. Aber umgekehrt, insofern er selbst Quantum ist, wird er darin ebenfalls veraͤndert . Es ist ei- ne gegenseitige Specification, welche von unmittelbar bestimmten Maaßen ausgeht, und daher nicht an und fuͤr sich bestimmtes, sondern aͤusserliches Maaß ist. Das specifische Verhalten zu andern ist daher zwar eine negative Richtung auf das unmittelbare Maaß, denn das An-sich-bestimmte tritt durch diß Verhalten in die Aeus- serlichkeit, aber das unmittelbare Maaß macht die Grundlage des entstandenen Verhaͤltnisses der Beziehung aus. Diese Beziehung ist eine Neutralisirung bey- der Seiten; durch ihre quantitative Natur, die in der Beziehung zu Grunde liegt, continuiren sie sich in einan- der, es ist dadurch ihr gleichguͤltiger Unterschied gesetzt, und Das Maaß . und indem darin zugleich die qualitative Bestimmung liegt, die sie haben, so modificirt sich auch diese. Die Einheit des Qualitativen ist hier nicht das Uebergehen der einen Qualitaͤt in die andere, auch ihr Resultat nicht das bloß Negative ihres gegenseitigen Aufhebens, son- dern es ist hier gesetzt, daß sie in ihrem Aufgehobenseyn sich auch erhalten; denn ihr Unterschied ist als quantita- tiv, ein gleichguͤltiger und ein solcher, worin das Unter- schiedne sich auch in sein Andersseyn continuirt, und in seiner Aenderung sich erhaͤlt. Das Selbststaͤndige bleibt also in der Neutralisation zwar nicht, was es unmittel- bar ist, es stellt sein Ansichbestimmtseyn nur als einen Modus, als eine Art und Weise des Seyns-fuͤr-Ande- res dar; aber umgekehrt ist seine Veraͤnderung eben so nur ein Modus fuͤr es, und betrift nicht seine Bestimmung an und fuͤr sich. 2. Specification der Neutralitaͤt . Das Grundmaaß eines Selbststaͤndigen also, (sein Gewicht in sich selbst oder seine eigenthuͤmliche Schwere,) ist erstens Quantum und in der Verbindung, die es mit andern eingeht, veraͤndert sich dieses Quantum; diß Quantum ist zweytens Exponent; es macht die Qualitaͤt des Selbststaͤndigen aus, diese wird dadurch veraͤndert; aber drittens ist diese Veraͤnderung nur eine Modification, es ist nur als Anzahl, daß es specifi- cirt wird, und Anzahl ist es nur in Vergleichung mit anderem. Weil nun das Selbststaͤndige gegen diese Veraͤnderung in der Neutralisation gleichguͤltig ist, so geht es mit Mehrern solche neutrale Verbin- dungen ein. Wenn es nur qualitativer Natur waͤre, so haͤtte es an dem andern nur sein Nichtseyn ; eine X Qua- Erstes Buch . III. Abschnitt . Qualitaͤt hat nur an einer andern ihre Bestimmtheit. Erst in das Quantitative eingehuͤllt ist ihr der Unterschied von einem andern auch gleichguͤltig. Das Selbststaͤndige ist nicht eine Qualitaͤt sondern negative Einheit von Qua- litaͤten, und darin ist es wesentliches Quantum. Diese Verbindungen mit mehrern sind nun verschiedene Ver- haͤltnisse, die also verschiedene Exponenten haben. Das Selbststaͤndige hat den Exponenten seines An-sich-be- stimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die Neutralitaͤt mit andern macht seine wahrhafte Verglei- chung mit denselben aus, denn es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst. — Die Exponenten dieser Ver- haͤltnisse aber sind verschieden, und es stellt hiemit seinen qualitativen Exponenten als die Reihe dieser ver- schiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist; — als eine Reihe von specifischem Ver- halten zu andern . Der qualitative Exponent ist an und fuͤr sich nicht ein unmittelbares Quantum. Von an- dern unterscheidet sich also das Selbststaͤndige, durch die eigenthuͤmliche Reihe der Exponenten, die es als Einheit angenommen, mit andern Selbststaͤndigen bildet, indem ein anderes Selbststaͤndiges mit ebendenselben in Beziehung gebracht und als Einheit angenommen, eine andere Reihe formirt. Das Selbststaͤndige ist, wie betrachtet worden, die Einheit zu diesen Exponenten oder Anzahlen, die sein Verhalten zu andrem ausdruͤcken. Denn es ist das An- sichbestimmtseyn gegen seine Beschaffenheit, das ist, ge- gen sich als Quantum. Sein Quantum ist als solches seine Aeusserlichkeit, welche modificirt wird; es stellt da- her sein quantitatives Bestimmtseyn nicht in einem Quan- tum, sondern vielmehr dieses als ein veraͤnderliches dar, und zeigt sein Ansichbestimmtseyn daher in einer Reihe von Exponenten. Das Verhaͤltniß dieser Reihe inner- halb Das Maaß . halb ihrer macht das Qualitative des Selbststaͤndigen aus, welches in dieser Mannichfaltigkeit der quantitati- ven Bestimmung die Einheit mit sich ist. — Insofern also ein Selbststaͤndiges mit einer Reihe von Selbststaͤndi- gen eine Reihe von Exponenten bildet, so ist es zunaͤchst von einem Selbststaͤndigen nicht dieser Reihe, sondern einem andern, mit welchem es vergleichen wird, nur dadurch unterschieden, daß dieses eine andere Reihe von Exponenten mit denselben Selbststaͤndigen macht. Aber auf diese Weise waͤren diese beyden Selbststaͤndigen nicht vergleichbar , insofern jedes als Einheit gegen seine Exponenten zu betrachten ist, und die beyden hiedurch entstehenden Reihen unbestimmt andere sind. Das Selbststaͤndige ist aber nicht an sich bestimmt, als die Einheit, welche einfaches Eins ist, sondern we- sentlich als Verhaͤltniß; es ist Eins wohl gegenuͤber der Zahlenreihe seiner Exponenten; an sich bestimmte Einheit ist es weder als diß Eins noch in dem Verhaͤltnisse zu einem derselben, so haͤtte es seine Bestimmtheit in ei- nem Quantum als solchen; sondern es hat sein Ansich- bestimmtseyn nur in dem Verhaͤltnisse der Reihe, in dem Verhaͤltnisse, das diese in ihr selbst hat. Diese ist seine Einheit, und insofern das andere mit ihm vergleichbare Selbststaͤndige von derselben Art uͤberhaupt ist, nemlich insofern es an den Selbststaͤndigen der andern Seiten gleichfalls diejenigen hat, mit denen es sich neutralisirt, so hat es eben so sein Ansichbestimmtseyn in ihr. Diese aber ist nur insofern an sich bestimmt, als die Glieder derselben ein constantes Verhaͤltniß unter einander zu beyden haben; so ist sie ihre gemeinschaftliche Einheit . In dieser gemeinschaftlichen Einheit liegt al- lein die Vergleichbarkeit der beyden Selbststaͤndigen, die als sich nicht mit einander neutralisirend, sondern als gleichguͤltig gegen einander angenommen wurden. Sie sind in dieser Ruͤcksicht Quanta gegen einander, als sol- X 2 che Erstes Buch . III. Abschnitt . che aber sind sie nur vergleichbar in der aufgezeigten ge- meinschaftlichen Einheit. Diejenigen Selbststaͤndigen aber, welche mit den ihnen gegenuͤber stehenden unter sich nur verglichenen, sich neutralisiren, und die Reihe der Exponenten des Verhaltens von jenen abgeben, sind an ihnen selbst, gleichfalls Selbststaͤndige; sie sind insofern gleichfalls je- des als Einheit zu nehmen, die an den erst genannten unter sich bloß verglichenen Beyden oder vielmehr unbe- stimmt Mehrern die Reihe ihrer Exponenten haben, wel- che Exponenten die Vergleichungszahlen jener erst ge- nannten unter sich sind; so wie die Vergleichungszahlen der zweyten Reihe unter sich gleichfalls umgekehrt die Reihe der Exponenten fuͤr die erste Reihe ist. Beyde Seiten sind auf diese Weise Reihen von Zahlen, in denen jede erstens Einheit ist gegen ihre gegenuͤber stehende Reihe, an der sie ihr Quantum als eine Reihe von Exponenten hat; zweytens ist sie selbst einer der Exponenten fuͤr die gegenuͤber stehende Reihe; und drittens Vergleichungs- zahl zu den uͤbrigen Zahlen ihrer Reihe, und hat als diese Anzahl ihr An-sich-bestimmtseyn oder ihre Einheit an der gegenuͤber stehenden Reihe. — Insofern also je- des der als selbststaͤndig sich verhaltenden Einheit mit sich, an sich bestimmt ist, hat es diese seine Einheit an einer Reihe gegenuͤber stehender Exponenten seines Verhaltens. Insofern es Quantum oder Anzahl ist, ist es ein specifi- cirtes Quantum unter andern, und unterscheidet sich da- durch von ihnen. Also sein Ansichbestimmtseyn ist die gegenuͤber stehende Reihe, welche fuͤr die andern seiner Seite nur die gemeinschaftliche Einheit ist; durch sein Ansichbestimmtseyn also ist es den andern gleich. Ein Anderes gegen sie aber ist es, oder eine Vergleichungs- zahl und gleichguͤltiges Quantum hat es, insofern es von einer fremden Einheit specificirt und gesetzt ist. In Das Maaß . In diese Aeusserlichkeit seiner selbst also hat sich die Na- tur des selbststaͤndigen Maaßes verkehrt, insofern es ein unmittelbares Verhaͤltniß seyn sollte, das gegen anderes specificirend sey, und sich in dieser Specification gleich- guͤltig erhalte. Seine Beziehung auf sich sollte von sei- ner Beziehung zu anderem nicht leiden; aber seine Be- ziehung auf sich ist zunaͤchst unmittelbares Verhaͤltniß; seine Gleichguͤltigkeit gegen anderes besteht in dem Quan- tum; darum ist seine qualitative Seite gegen es selbst gerichtet; sein Verhalten zu anderem, als das wahrhaft Qualitative , wird zu dem, was die specifische Bestimmung dieses Selbststaͤndigen aus- macht; sie besteht daher schlechthin in der Art und Wei- se sich zu Anderem zu verhalten, und diese Art und Wei- se ist so sehr durch das Andere als durch es selbst be- stimmt. Die Aeusserlichkeit, in welche sich die specifische Selbststaͤndigkeit verkehrt, ist, naͤher betrachtet, der Ue- bergang des Qualitativen in das Quantitative, und um- gekehrt des Quantitativen in das Qualitative, der hier eingetreten ist. Im Maaße sind sie uͤberhaupt in unmit- telbarer Einheit; im realen Maaße, in der specifischen Selbststaͤndigkeit sind sie unterschieden, aber um ihrer wesentlichen Einheit willen, wird dieses Unterscheiden zu einem Uebergehen des einen Moments in das andere. Die selbststaͤndigen Maaße sind an sich unmittelbar be- stimmt; so sind sie Quanta; aber diese Bestimmung schlaͤgt um in qualitatives Verhaͤltniß zu andern, in die Neutralisirung. Gegen diese negative Einheit sind sie gleichguͤltig, sie geht in quantitative Bestimmung uͤber; sie sind in dieser Beziehung mit Mehrern ; diese Meh- rern sind durch die qualitative Beziehung gegen einander bestimmt; aber ihr Unterschied ist nur die Verschiedenheit des Quantums. — Aber sie sind somit nur Mehrere, und Erstes Buch . III. Abschnitt . und verschiedene Quanta uͤberhaupt gegen einander; es ist die specifische Bestimmtheit, die Ruͤckkehr dieses Ver- haltens in sich, noch nicht vorhanden. Allein die Neutralisation gegenuͤber stehender Selbst- staͤndiger ist so ihre qualitative Einheit, daß das eine darin nicht in das andere uͤbergegangen, also nicht nur eine Negation uͤberhaupt, sondern beyde darin nega- tiv gesetzt sind; oder daß indem jedes sich gleichguͤltig darin erhaͤlt, seine Negation auch wieder negirt ist. Ihre qualitative Einheit ist somit fuͤr sich seyende ausschliessende Einheit. Die Exponenten, welche Vergleichungszahlen unter sich sind, haben in dem Mo- mente ihres Ausschliessens gegen einander, erst ihre wahrhaft specifische Bestimmtheit. — Ihr Unterschied ist erst so nicht bloß der gleichguͤltige des Quantums, son- dern auch qualitativer Natur. Zugleich aber gruͤndet er sich, wie erhellt, auf das Quantitative; nemlich das Selbststaͤndige verhaͤlt sich nur darum zu einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil es in diesem Ver- halten zugleich gleichguͤltig ist; und durch die Quantita- tivitaͤt der neutralen Beziehung ist diese in ihrer Natur unendlich, nicht bloß Negation uͤberhaupt, sondern Ne- gation der Negation; fuͤr sich seyende, ausschliessende Ein- heit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines Selbst- staͤndigen zu den Mehrern der andern Seite nicht nur eine indifferente Beziehung, sondern eine ausschliessende, eine Wahlverwandtschaft . 3. Wahlverwandtschaft . In der Wahlverwandtschaft hat das specifisch Selbststaͤndige seinen ersten Charakter vollstaͤndig verloh- ren, Das Maaß . ren, unmittelbar an sich bestimmt zu seyn; es ist an sich bestimmt, nur als fuͤrsichseyende negative Ein- heit. Diese Einheit hat sich gezeigt, als das in sich zu- ruͤckgegangene Uebergehen des Quantitativen und Quali- tativen, die absolute Einheit des Quantitativen und des Qualitativen zu seyn. Sie ist dadurch so bestimmt, daß sie, als in sich quantitativer Unterschied, gegen sich selbst gleichguͤltig in sich zerfaͤllt, oder als in sich qualita- tiv sich negativ gegen sich verhaͤlt, — beydes ist hier dasselbe, — und sich auf die aufgezeigte Weise specificirt. In diesem Abstossen trennen sich theils die Verhaͤltnisse in ihre allgemeinen qualitativen Seiten, theils specifici- ren diese einander und damit sich selbst, und schliessen sich von einander aus. Hieraus ist dann erst das Selbststaͤndige als Verhaͤltniß hervorgegangen, in welchem das als gleichguͤltiges Quantum erscheinende zu- gleich nur Moment ist. Diß Selbststaͤndige hat die gedoppelte Beziehung, sich zu anderem neutralisirend zu verhalten, und einerseits unmittelbar in dieser seiner sich aufhebenden Beziehung nicht uͤberzugehen in das Andere, sondern sich nur zu modificiren, andererseits, sich als sich rein auf sich beziehend zu verhalten, andere Ver- haͤltnisse von dieser seiner Modification auszuschliessen und die Neutralitaͤt mit ihnen von sich abzuhalten. In diesem Verhalten zu Anderem besteht die Selbststaͤndig- keit, und zwar so, daß es eben so sehr Verhalten der an- dern gegen es oder uͤberhaupt Aller gegen Alle ist. Fer- ner ist jedes Moment eben so sehr qualitativer als quan- titativer Natur; so auch die letzte Bestimmung, der Un- terschied der sich ausschliessenden ist ein Unterschied des Quantums. Die Continuitaͤt eines specifischen Moments mit sei- nem Andern, ist Neutralisirung; sie ist auch negativer Natur, specificirend und ausschliessend. Das von die- fer Erstes Buch . III. Abschnitt . ser Wahlverwandtschaft ausgeschlossene aber ist zugleich einer der Exponenten; es ist als Quantum un- terschieden; und so ist auch das Ausschliessende ein ver- schiedenes Quantum. Die Zahlen haben in dieser Seite des ausschliessenden Verhaltens ihre Continuitaͤt und Zu- sammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder Weniger , was diesen negativen Charak- ter erhalten hat, und den Vorzug dem einen Expo- nenten gegen andere, und unter diesen wieder einem ge- gen die uͤbrigen gibt. Allein indem es zugleich wieder nur Quanta sind, was sich ausschließt, so setzt sich ein Moment, das als selbststaͤndig angesehen werden kann, ausschliessend mit einem Exponenten, der ein Mehr fuͤr dasselbe ist, in specifische Neutralitaͤt; aber es ist auch ei- nem Momente wieder gleichguͤltig, von mehrern ihm ge- genuͤber stehenden Momenten diß neutralisirende Quan- tum zu erhalten, von jedem nach seiner specifischen Be- stimmtheit gegen das Andere. Ob zwar das ausschlies- sende Verhalten derselben hier das Bestimmende ist, so leidet doch dieses negative Verhalten auch diesen Eintrag von der quantitativen Seite her. Das reale Maaß fing also von einem an sich be- stimmten, directen Verhaͤltnisse an, dem Verhaͤltnisse der Einheiten, des an-sich-einfach-bestimm- ten der Seiten, das als das unmittelbare fest zu Grunde liegen und sich von dem specificirenden, dem qualificiren- den Verhaͤltnisse der Anzahlen unterscheiden soll- te. Allein es hat sich gezeigt, daß vielmehr nur diß specificirende, als Verhalten zu Anderen sich bestimmen- de, das totale Verhaͤltniß und jenes erste unmittelbare in dieses andere uͤberging. Die an-sich-bestimmten Ein- heiten , welche die Seiten des directen Verhaͤltnisses ausmachten, sind selbst zu Anzahlen geworden, zu solchen, die ihre an-sich-bestimmte Einheit in einer ge- gen- Das Maaß . genuͤber siehenden Reihe haben, und als sich unterschei- dende ausschliessende Anzahlen nur Glieder einer specifi- cirten Reihe sind. Die unmittelbare qualitative Einheit des ersten Verhaͤltnisses selbst, ist uͤbergegangen in die negative ausschliessende Einheit, welche nicht eine Be- ziehung unmittelbarer an-sich-bestimmter Einheiten, son- dern ein Specificiren derselben ist. Was eine Neutrali- sation unmittelbar vorhandener Selbststaͤndiger war, ist eine Beziehung von Quantis, welche ihr Daseyn allein in dieser qualificirenden Negation haben, die auch ihre Neutralisation ausmacht. Was hiemit vorhanden ist, ist die negative Beziehung der unmittelbaren Einheit des Verhaͤltnisses und der specificirten Einheit, und damit der qualitative Unterschied des Quantitati- ven und Qualitativen selbst . Jene unmittelbare Einheit ist damit als gleichguͤltige Unmittelbarkeit uͤber- haupt, als Quantum als solches bestimmt, und das Specifische als das Qualitative. Indem ferner die Ver- haͤltnisse nun unter diesen Bestimmungen und diese Be- stimmungen schlechthin auf einander bezogen sind, so ist uͤber- haupt ein Umschlagen von gleichguͤltigem, bloß quantita- tivem Verhalten, umgekehrt ein Uebergehen des specifi- schen Bestimmtseyns in das bloß aͤusserliche Verhaͤltniß; — eine Reihe von Verhaͤltnissen, die bald bloß quanti- tativer Natur, bald specifische, und Maaße sind. Anmerkung . Die chemischen Stoffe sind solche Maaße oder Maaßmomente, als sich so eben ergeben haben, die das- jenige, was ihre Bestimmung ausmacht, allein im Ver- halten zu andern haben. Saͤuren und Kalien oder Ba- sen uͤberhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimm- te Dinge, aber zugleich vielmehr als unvollkommene Koͤr- perelemente, als Bestandtheile, die eigentlich nicht fuͤr sich Erstes Buch . III. Abschnitt . sich existiren, sondern nur diese Existenz haben, ihr iso- lirtes Bestehen aufzuheben, und sich mit einem andern zu verbinden. Ihr Unterschied, wodurch sie selbststaͤndige gegen einander sind, besteht nicht in unmittelbaren Qua- litaͤten, sondern in der quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Dieser Unterschied ist ferner, nicht auf den chemischen Gegensatz von Saͤure, und Kali oder Basis uͤberhaupt eingeschraͤnkt, sondern ist weiter zu ei- nem Maaße der Saͤttigung specificirt, und be- steht in der specifischen Bestimmtheit der Quantitaͤt der sich neutralisirenden Stoffe. Diese Quantitaͤts-Bestim- mung in Ruͤcksicht auf die Saͤttigung macht die qualita- tive Natur eines Stoffes aus, sie macht ihn zu dem, was er fuͤr sich ist; die Zahl, die diß ausdruͤckt, ist we- sentlich einer von mehrern Exponenten fuͤr eine gegen- uͤber stehende Einheit. — Ein solcher Stoff steht mit ei- nem andern in sogenannter Verwandtschaft. Insofern diese Beziehung rein qualitativer Natur bliebe, so waͤre, — wie die Beziehung der magnetischen Pole oder der Elektricitaͤten, — die eine Bestimmtheit nur die nega- tive der andern, und beyde nicht auch zugleich gleichguͤl- tig gegen einander. Aber weil die Beziehung auch quan- titativer Natur ist, ist jeder dieser Stoffe faͤhig mit Mehrern sich zu neutralisiren, und nicht auf einen ge- genuͤber stehenden eingeschraͤnkt. Es verhaͤlt sich nicht nur die Saͤure und das Kali oder Basis, sondern Saͤuren und Kalien oder Basen zu einander. Sie charakterisiren sich in dem Unterschiede der Saͤuren von Saͤuren und der Kalien von Kalien dadurch gegen einander, je nachdem ihre Verwandtschaften sich ausschliessend gegen einander verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, in- dem fuͤr sich eine Saͤure mit allen Kalien, und umge- kehrt, eine Verbindung eingehen kann. Es macht da- her den Hauptunterschied einer Saͤure gegen eine andere aus, ob sie zu einer Basis eine naͤhere Verwandtschaft habe, Das Maaß . habe, als eine andere. Und die naͤhere Verwandt- schaft beruht auf dem Unterschied der Menge , welche von ihr hinreicht, ein gegenuͤber stehendes quali- tatives Moment zu saͤttigen; es ist daher eine Ver- haͤltnißzahl , durch welche die specifische Eigenschaft eines solchen Stoffes ausgedruͤckt ist. Ueber die chemischen Verwandtschaften der Saͤuren und Kalien hat Richter und Guyton das Gesetz ge- funden, daß wenn zwey neutrale Solutionen gemischt werden und dadurch eine Scheidung entsteht, die Pro- dukte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus, daß die Mengen von zwey kalischen Basen, die zur Saͤtti- gung einer Saͤure erfodert werden, in demselben Verhaͤltnisse zur Saͤttigung einer andern noͤthig sind; uͤberhaupt wenn fuͤr ein Kali als Einheit genommen die Reihe der Verhaͤltnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die verschiedenen Saͤuren dasselbe saͤttigen, so ist fuͤr jedes andere Kali diese Reihe dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander in verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind; — Anzahlen, die wieder ih- rerseits eine eben solche bestaͤndige Reihe von Exponenten fuͤr jede der gegenuͤber stehenden Saͤuren bilden, indem sie eben so zu jeder einzelnen Saͤure sich in demselben Verhaͤltnisse beziehen, als zu jeder andern. — Fischer hat diese Reihen aus den Richterischen Arbeiten in ih- rer Einfachheit herausgehoben (s. in s. Anmerkungen zur Uebersetzung von Berthollets Abhandlung uͤber die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie, S. 232. und Berthollet Statique chimique I. Part. p. 134. ff.) Bekanntlich hat Berthollet ferner die allgemeine Vorstellung von der Wahlverwandtschaft durch den Be- griff von der Wirksamkeit einer chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat auf die Quantitaͤts- Ver- Erstes Buch . III. Abschnitt . Verhaͤltnisse der chemischen Saͤttigungs-Gesetze selbst kei- nen Einfluß, sondern nur auf das qualitative Moment der ausschliessenden Wahlverwandtschaft. Weil die Grundlage des qualitativen Verhaltens Quantitaͤts-Be- stimmungen sind, so wird dasselbe durch die gleichguͤltige Natur von diesen geschwaͤcht. Wenn zum Beyspiele zwey Saͤuren auf ein Kali wirken, und diejenige, die eine groͤßere Verwandtschaft zu derselben hat, auch in dem Quantum vorhanden ist, welches faͤhig ist, das Quantum der Basis zu saͤttigen, so erfolgt nach der Vor- stellung der Wahlverwandtschaft nur diese Saͤttigung; die andere Saͤure bleibt ganz unwirksam und von der neutralen Verbindung ausgeschlossen. Nach jenem Be- griffe der Wirksamkeit einer chemischen Masse hinge- gen, ist jede von beyden wirksam in einem Verhaͤltniß, das aus ihrer vorhandenen Menge und ihrer Saͤttigungs- faͤhigkeit oder Affinitaͤt zusammengesetzt ist. Berthollets Untersuchungen haben die naͤhern Umstaͤnde angegeben, unter welchen die Wirksamkeit der chemischen Masse auf- gehoben wird, eine staͤrker verwandte Saͤure die andre schwaͤchere auszutreiben und deren Wirkung auszu- schliessen , somit nach dem Sinne der Wahlverwandt- schaft thaͤtig zu seyn scheint. Er hat gezeigt, daß es Umstaͤnde , z. B. die Staͤrke der Kohaͤsion, Unaufloͤs- barkeit der gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen jenes Ausschliessen Statt findet, nicht die Na- tur der Agentien selbst, — Umstaͤnde, welche durch an- dere Umstaͤnde z. B. die Temperatur in ihrer Wirkung aufgehoben werden koͤnnen. Durch die Beseitigung die- ser Hindernisse tritt die chemische Masse in Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschliessen, als Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in aͤusserli- chen Modificationen zu liegen. Das, was in der Darstellung des Textes die un- mittelbaren selbststaͤndigen Maaße, die an sich bestimm- ten Das Maaß . ten Verhaͤltnisse sind, welche sich von ihrem Verhalten zu andern uuterscheiden , ist durch die specifischen Schweren der Koͤrper representirt. — Sie sind in- nerhalb ihrer selbst ein Verhaͤltniß von Gewicht zum Vo- lumen. Der Verhaͤltnißexponent, welcher die Bestimmt- heit einer specifischen Schwere zum Unterschiede von an- dern ausdruͤckt, ist zunaͤchst bestimmtes Quantum nur der Vergleichung ; was ein ihnen aͤusseres Verhaͤltniß in dem Beziehen einer aͤussern Reflexion ist, und sich nicht auf das eigne qualitative Verhalten zu einer gegenuͤber stehenden Einheit gruͤndet. Indem aber diese Unterschie- de als Bestimmung uͤberhaupt, eine specificirende Einheit zu Grunde liegen haben, und das bestimmte Qualificiren eine Identitaͤt mit sich in ihrem Unterscheiden, eine Re- gel, ist, — so ist die Aufgabe vorhanden, die Verhaͤlt- nißexponenten der Reihe der specifischen Schwe- ren , als ein System aus einer Regel zu erkennen, welche eine arithmetische Progression zu einer Reihe har- monischer Knoten specificirt; jedem solchen Knoten haͤtte ein Exponent zu entsprechen, der das Quantum der spe- cifischen Schwere eines vorhandenen Koͤrpers ist. Auf diese Weise wuͤrden die einfachen Zahlen der specifischen Schweren, — Zahlen, welche fuͤr sich eine begrifflose Unmittelbarkeit haben, und daher keine Ordnung zeigen koͤnnen, — als die letzten Resultate von Verhaͤlt- nissen erscheinen, in welchen die zu Grunde liegende spe- cificirende Regel erkennbar waͤre. — Dieselbe Foderung ist fuͤr die Erkenntniß der angefuͤhrten chemischen Ver- wandtschaftsreihen vorhanden. Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunaͤchst kein qualitatives Verhaͤltniß zu einander zu haben scheinen, zeigen sich jedoch gleichfalls in einer quali- tativen Beziehung. Indem die Koͤrper chemisch ver- bunden, auch nur amalgamirt oder synsomatirt werden, (selbst Erstes Buch . III. Abschnitt . (selbst schon indem nur die Temperatur sich aͤndert) so zeigt sich die Vereinigung gleichfalls als eine Neu- tralisation der specifischen Schweren. Bekanntlich ist das Volumen auch des Gemisches von vermengten, chemisch gegen einander eigentlich gleichguͤltigen Fluͤssig- keiten oder Basen nicht von gleicher Groͤße mit der Summe des Volumens der vermischten vor ihrer Ver- mischung. Sie modificiren in derselben gegenseitig das Quantum ihrer Bestimmtheit, mit dem sie in die Be- ziehung eintreten, und geben sich auf diese Weise als qualitative Bestimmungen gegen einander kund. Hier aͤussert sich somit das Quantum der specifischen Schwe- re nicht blos als eine fixe Vergleichungszahl , sondern als eine Verhaͤltnißzahl , die verruͤckbar, mit andern eine besondere Neutralitaͤt eingeht. B. Kno- Das Maaß . B. Knotenlinie von Maaßverhaͤltnissen . Es ist das Maaßverhaͤltniß vorhanden, das sich als ausschliessend und dadurch als selbststaͤndig erweist; der Vorzug, den die Seite des Verhaͤltnisses einem ihrer Exponenten gegen andere gibt, beruht auf dem Quantum desselben gegen andere. Das Mehr oder Weniger ist das ausschliessende, qualitative. Umgekehrt aber ist es das Specifische, wodurch ein solches Mehr oder We- niger bestimmt ist. Das Qualitative, das sich auf diese Weise zu einem quantitativen Unterschiede macht, wird ein aͤusserliches, voruͤbergehendes. Es ist uͤberhaupt vorhanden, der Uebergang des specifischen in das bloß quantitative, und des quantitativen in das specifische Verhaͤltniß. Indem das qualitative Verhaͤltniß sich zu einem quantitativen Unterschiede macht, so besteht es ei- nerseits in diesem; es bleibt darin was es ist, und das Quantitative ist die Gleichguͤltigkeit seines Bestehens; es ist diese Einheit beyder, worin das Quantitative durch das Specifische bestimmt ist, welche ein Selbststaͤndiges ausmacht. Andererseits aber ist es dadurch veraͤn- dert ; das Quantitative ist sein Anderes. Umgekehrt macht das Quantitative seinerseits eben so die Grundlage des specifischen Verhaͤltnisses aus. Durch das quantitative Moment erhaͤlt sich das Selbststaͤndige in seinem Anders- seyn; andererseits aber ist das quantitative Moment in seiner Einheit mit dem specifischen gleichfalls veraͤn- dert . — Jedes der beyden Momente tritt daher als das Bestimmende auf, in welchem das andere nur als aufgehobenes ist, und damit jedes auch als aufgehobenes. Die Erstes Buch . III. Abschnitt . Die schließliche Bestimmung des Maaßverhaͤltnis- ses war, daß es als ausschliessend specifisch ist. Aber diß repellirende Ausschliessen ist theils an und fuͤr sich Beziehung auf das Ausgeschlossene und gegenseitige At- traction beyder; theils aber insofern das gleichguͤltige Be- stehen der Ausgeschlossenen das quantitative Moment ist, so ist das Ausschliessende gleichguͤltig unterschieden von dem Andern und continuirt sich in dasselbe. Es conti- nuirt sich darein einestheils als sich selbst erhaltend; sein Anderes ist ein Quantitatives, also ein gleichguͤltiger Unterschied, der das Specisische nicht afficirt; anderer- seits aber ist es qualitativ von ihm unterschieden; es wird in diesem seinem Andersseyn ein anderes Ver- haͤltniß und damit ein anderes Maaß. Die specificirende Einheit bestimmt, wie sich erge- ben hat, Zahlenverhaͤltnisse, welche qualitativer Natur und Maaße sind. Aber die Seiten oder auch die Expo- nenten derselben sind Anzahlen uͤberhaupt, daher das an sich unbestimmte und aͤusserliche. Einestheils bleibt das Maaß unveraͤndert in diesem Unterschiede seiner Quan- titaͤt; anderntheils wird es veraͤndert, und zwar nicht durch sich selbst, oder so daß es sich in seinem Anders- seyn als in dem, worauf es sich bezieht, erhielte; son- dern das Quantitative, worein es uͤbergeht, ist die Be- schaffenheit, das an sich aͤusserliche; es ist also darin nur untergegangen. Allein indem das Quantitative selbst eben so zugleich qualitative Natur hat, so wird ein an- deres quantitatives Verhaͤltniß auch wieder ein Maaß, und ein an-sich-bestimmtes, das nicht aus der Aeusser- lichkeit und bloßen Beschaffenheit kommt, sondern mit dem vorhergehenden Maaß zusammenhaͤngt, und durch eine Regel mit ihm in qualitativer Beziehung steht. Es ist also diß gedoppelte vorhanden. Der Uebergang von einem Maaße in ein anderes ist aͤusserlich, unzusammen- haͤn- Das Maaß . haͤngend, eines ist ohne das andere, jedes erscheint als ein unmittelbares; sie unterscheiden sich durch ein Mehr und Weniger, diß ist die Beziehung derselben in der Vergleichung , die ihnen aͤusserlich und gleichguͤltig ist. Aber sie haben auch eine Regel zu Grunde liegen, und verhalten sich als qualitative Unterschiede zu einan- der; denn das Quantum hat seine Bestimmtheit in der Specification. Die selbststaͤndigen Maaße also, sowohl bloß quan- titativ als auch qualitativ von einander unterschieden, so- wohl einander ganz aͤusserlich, als auch durch eine Regel bestimmt, bilden eine Knotenlinie von Maaßen auf einer Scale des Mehr und Weniger. Es ist ein Maaß- verhaͤltniß vorhanden; diß ist ein selbststaͤndiges Daseyn, eine Realitaͤt, die qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Daseyn ist zugleich, weil es auf einem Verhaͤltnisse von Quantis beruht, der Aeusserlichkeit und der Quantumsveraͤnderung offen, und insofern ist das, wodurch es veraͤndert wird, ein unbestimmt Anderes uͤberhaupt, Zufaͤlligkeiten, aͤussere Umstaͤnde. Es hat eine Weite, innerhalb deren es gegen diese Veraͤnderung gleichguͤltig bleibt und seine Qualitaͤt nicht aͤndert. Aber es tritt ein Punkt dieser Aenderung des quantitativen Verhaͤltnisses ein, auf welchem die Qualitaͤt geaͤndert wird, oder das Quantum sich als specificirend erweist, wo ein solches anderes quantitatives Verhaͤltniß Statt findet, welches selbst Maaß und damit eine neue Quali- taͤt und ein neues Etwas ist. Insofern das vorher- gehende Verhaͤltniß auf sein Anderes, das Quantitative, worin es zu Grunde geht, sich qualitativ bezieht, indem das Qualitative und Quantitative uͤberhaupt sich qualita- tiv gegen einander verhalten, so ist auch das Verhaͤltniß, das an die Stelle des ersten getreten, durch dieses be- stimmt. Aber diß neue Etwas verhaͤlt sich eben so Y gleich- Erstes Buch . III. Abschnitt . gleichguͤltig gegen das Vorhergehende, denn ihr Unter- schied ist der aͤusserliche des Quantums; es ist also nicht aus dem vorhergehenden, sondern unmittelbar aus sich hervorgetreten. Die neue Qualitaͤt oder das neue Et- was ist demselben Fortgange seiner Veraͤnderung unter- worfen und so fort ins Unendliche. Insofern der Fortgang von einer Qualitaͤt in staͤti- ger Continuitaͤt der Quantitaͤt ist, so sind die einem qua- lificirenden Punkte sich naͤhernden Verhaͤltnisse quantita- tiv betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger unter- schieden. Die Veraͤnderung ist nach dieser Seite eine allmaͤhlige . Aber die Allmaͤhligkeit betrift bloß das Aeusserliche der Veraͤnderung, nicht das Qualitative derselben. Das vorhergehende quantitative Verhaͤltniß, das dem folgenden unendlich nahe ist, ist noch eine an- dere Realitaͤt. Von der qualitativen Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der Allmaͤhligkeit, das keine Grenze an sich selbst ist, absolut abgebrochen, und indem die neu eintretende Qualitaͤt um ihres quantitati- ven Unterschieds selbst willen eine gegen die verschwin- dende unbestimmt andre, eine gleichguͤltige ist, so ist der Uebergang ein Sprung ; die verschwundene und die neu eintretende sind voͤllig aͤusserliche. — Man sucht sich gern durch die Allmaͤhligkeit des Uebergangs eine Veraͤn- derung begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die All- maͤhligkeit gerade die bloß gleichguͤltige Aenderung, gera- de das Gegentheil der qualitativen. In der Allmaͤhlig- keit ist vielmehr der Zusammenhang der beyden Realitaͤ- ten, — sie werden als Zustaͤnde, oder als selbststaͤndige Dinge genommen, — aufgehoben, es ist gesetzt, daß keine die Grenze der andern, sondern eine der andern schlechthin aͤusserlich ist, daß in dem bloß quantitativen Fortgange sich Verhaͤltnisse von Quantis zeigen, die ge- gen ihre unmittelbar vorhergehenden und nachfolgenden quali- Das Maaß . qualitativ unterschieden, und gegen sie die bloß aͤussern qualitativ gleichguͤltigen sich als specifische darstellen. Anmerkung . Das natuͤrliche Zahlensystem ist schon eine solche Knotenlinie von qualitativen Momenten, die sich in einem bloß aͤusserlichen Fortgang hervorthun. Es ist ei- nestheils ein bloß quantitatives Vor- und Zuruͤckgehen, ein fortwaͤhrendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede Zahl dasselbe arithmetische Verhaͤltniß zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden u. s. f. Aber die hie- durch entstehenden Zahlen haben auch zu andern vorher- gehenden oder folgenden ein specifisches Verhaͤltniß, entweder ein solches vielfaches von einer derselben als eine ganze Zahl ausdruͤckt, oder Potenz oder Wurzel zu seyn. — In den musikalischen Verhaͤltnissen, tritt ein harmonisches Verhaͤltniß in der Scale des quantitati- ven Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß dieses Quantum fuͤr sich auf der Scale zu seinem vorhergehen- den und nachfolgenden ein anderes Verhaͤltniß haͤtte, als diese wieder zu ihren vorhergehenden und nachfolgenden. Indem folgende Toͤne vom Grundtone sich immer mehr zu entfernen oder Zahlen durch das arithmetische Fortge- hen nur noch mehr andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr auf einmal eine Ruͤckkehr, eine uͤberraschende Uebereinstimmung hervor, die nicht durch das unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet war, sondern als eine actio in distans, als eine Beziehung zu einem ent- fernten erscheint. Der Fortgang an bloß gleichguͤltigen Verhaͤltnissen, welche die vorhergehende specifische Rea- litaͤt nicht aͤndern, oder auch uͤberhaupt keine solche bil- den, unterbricht sich auf einmal, und indem er in quan- titativer Ruͤcksicht auf dieselbe Weise fortgesetzt ist, tritt Y 2 somit Erstes Buch . III. Abschnitt . somit durch einen Sprung ein specifisches Verhaͤltniß ein. In chemischen Verbindungen kommen al- lenthalben bey der progressiven Aenderung der Mischungs- verhaͤltnisse, solche qualitative Knoten und Spruͤnge vor, daß zwey Stoffe auf besondern Punkten der Mischungs- scale, Producte von besondern Qualitaͤten bilden. Die- se Producte unterscheiden sich nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind sie mit den Ver- haͤltnissen, die jenen Knotenverhaͤltnissen nahe liegen, schon vorhanden, etwa nur in einem schwaͤchern Grade, sondern sie sind an solche Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen von Sauerstoff und Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxide und Salpetersaͤuren, die nur an bestimmten Quantitaͤts-Verhaͤltnissen der Mischung hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitaͤten ha- ben, so daß in dazwischen liegende Mischungsverhaͤltnisse keine Verbindungen und specifische Existenzen erfolgen. — Die Metalloxide , z. B. die Bleyoxide bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten der Oxidation, und un- terscheiden sich durch Farben und andere Qualitaͤten. Sie gehen nicht allmaͤhlig in einander uͤber, sondern die zwischen jenen Knoten liegende Verhaͤltnisse kommen nicht als ein specifisches Daseyn vor, sie vermoͤgen kein Pro- dukt zu bilden. Ohne durch Zwischenverhaͤltnisse durch- gegangen zu seyn, tritt eine specifische Verbindung auf, die auf einem Maaßverhaͤltnisse beruht, und eigene Qua- litaͤten hat. — Oder das Wasser , indem es seine Temperatur aͤndert, wird damit nicht blos mehr oder weniger warm, sondern geht durch die Zustaͤnde der Haͤr- te, der tropfbaren Fluͤssigkeit und der elastischen Fluͤssig- keit hindurch; diese verschiedenen Zustaͤnde treten nicht allmaͤhlig ein, sondern eben das bloß allmaͤhlige Fort- gehen der Temperatur-Aenderung wird durch diese Punkte Das Maaß . Punkte mit einemmahle unterbrochen und gehemmt, und der Eintritt eines andern Zustandes ist ein Sprung. — Alle Geburt und Tod , sind statt eine fortgesetzte All- maͤhligkeit zu seyn, vielmehr ein absolutes Abbrechen derselben, und der Sprung aus dem Quantitativen in das Qualitative. Es gibt keinen Sprung in der Natur ; und die gewoͤhnliche Vorstellung, wenn sie ein Ent- stehen oder Vergehen begreifen soll, meynt, wie bereits erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein allmaͤhliges Hervorgehen oder Verschwin- den vorstellt. Es hat sich aber gezeigt, daß die Veraͤn- derungen des Seyns uͤberhaupt nicht nur das Uebergehen eines Quantums in ein anderes Quantum, sondern Ue- bergang vom Qualitativen in das Quantitative, und umgekehrt sind, ein Andreswerden, das ein Abbrechen des Allmaͤhligen und ein Qualitativ-Anderes gegen das vorhergehende Daseyn ist. — So wird das Wasser durch die Erkaͤltung nicht nach und nach hart, so daß es breyartig wuͤrde und allmaͤhlig bis zur Consistenz des Eises sich verhaͤrtete, sondern es ist auf einmal hart; schon wenn es die ganze Temperatur des Eispunktes hat, aber ruhig steht, hat es noch seine ganze Fluͤssigkeit, und eine geringe Erschuͤtterung bringt es in den Zustand der Haͤrte. — Bey der Allmaͤhligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde, daß das Entstehende schon sinnlich oder uͤberhaupt wirklich vorhanden, nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bey der Allmaͤhligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andre an seine Stelle tretende gleichfalls vor- handen, nur noch nicht bemerkbar sey; — und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andre in dem vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur unbemerkbar vorhanden sey. Es wird damit Erstes Buch . III. Abschnitt . damit das Entstehen und Vergehen uͤberhaupt aufgeho- ben, oder das An-sich , das Innere, in welchem etwas vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des aͤusserlichen Daseyns verwandelt, und der wesentliche, oder der Be- griffsunterschied in einen aͤusserlichen, bloßen Groͤßeun- terschied. — Das Begreiflichmachen eines Entstehens oder Vergehens aus der Allmaͤhligkeit der Veraͤnderung hat die der Tavtologie eigene Langweiligkeit, weil es das Entstehende oder Vergehende schon vorher ganz fertig hat, und die Veraͤnderung zu einer bloßen Aenderung eines aͤusserlichen Unterschiedes macht, wodurch sie in der That nur eine Tavtologie ist. Im Moralischen , insofern es in der Sphaͤre des Seyns zu betrachten ist, findet derselbe Uebergang des Quantitativen ins Qualitative statt; oder verschie- dene Qualitaͤten gruͤnden sich auf eine Verschiedenheit des Quantums. Es ist ein Mehr oder Weniger, wo- durch das Maaß des Leichtsinns uͤberschritten wird, und etwas ganz anderes, Verbrechen, hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster uͤbergeht. — So erhalten auch Staaten durch ihren Groͤßenunterschied, wenn das uͤbrige als gleich angenommen wird, einen ver- schiedenen qualitativen Charakter. Gesetze und Verfas- sung werden zu etwas Anderem, wenn der Umfang des Staats und die Anzahl der Buͤrger sich erweitert. Der Staat hat ein Maaß seiner Groͤße, uͤber welche hinaus- getrieben, er haltungslos in sich zerfaͤllt, unter derselben Verfassung, welche bey einem andern Umfang sein Gluͤck und seine Staͤrke ausmachte. C. Das Das Maaß . C. Das Maaßlose . Das Maaß ist an sich seyende Groͤße, welche der Aeusserlichkeit und Gleichguͤltigkeit des unmittelbaren Quantums widersteht und sich dagegen erhaͤlt. Diese gleichguͤltige Selbststaͤndigkeit der specifischen Maaße aber beruht auf dem quantitativen Unterschiede, und ist darum des Auf- und Absteigens an der Scale des Quantums faͤhig, auf welcher die Verhaͤltnisse sich aͤndern; Etwas oder eine Qualitaͤt wird uͤber sich hinaus in das Maaß- lose getrieben, und geht durch die bloße Aenderung sei- nes Quantums zu Grunde. Die Groͤße ist die gleich- guͤltige aͤusserliche Beschaffenheit, an der ein Daseyn er- griffen und wodurch es zerstoͤrt werden kann. Das qualitative Verhaͤltniß geht uͤber in bloß quan- titative Verhaͤltnisse, die keine negative Einheit haben und damit keine qualitative Verhaͤltnisse sind, die mit ih- nen eingetretene Aenderung ist nicht eine Qualitaͤts-Aen- derung. Aber umgekehrt wird diese zunaͤchst gleichguͤltige Aeusserlichkeit des Verhaͤltnisses wieder eine qualifici- rende Bestimmtheit und so fort ins Unendliche . Es ist insofern die schlechte Unendlichkeit des unendlichen Progresses vorhanden. — Das Maaßlose besteht in dem bloß Quantitativen, in welches ein Maaß uͤbergeht; das Quantum ist als solches das Maaßlose. Da aber um- gekehrt das maaßlose quantitative Verhaͤltniß selbst wie- der zu einem specifischen wird, so hebt sich das Maaßlose so wieder an ihm selbst auf. Was also vorhanden ist, ist nicht Erstes Buch . III. Abschnitt . nicht nur die Negation des specifischen Verhaͤltnisses, sondern auch die Negation des quantitativen Fortgangs selbst. Das Unendliche ist diese Negation beyder Momente; es ist die absolute Bestimmung, welche ihnen fehlt. Das specifische Verhaͤltniß ist zunaͤchst das an sich bestimmte, weil es als Verhaͤltniß den Unterschied an ihm selbst hat, und weil auch seine Seiten nicht unmit- telbare Groͤßen, nicht Einheiten wie im unmittelbaren directen Verhaͤltnisse, sondern specificirte, gesetzte Quan- titaͤtsbestimmungen sind. Aber diß Bestimmtseyn an sich haͤlt sich nicht, es kontinuirt sich mit seinem andern, und geht in den bloß quantitativen Unterschied uͤber; einen Unterschied, der in unmittelbaren nicht durch die negati- ve Einheit specificirten Quantis besteht; dieser aber geht vielmehr in das specifische Verhaͤltniß zuruͤck. Keins von beyden ist also absolutes Bestimmtseyn. Diese Un- endlichkeit besteht also uͤberhaupt in der Negation beyder Seiten. Aber zugleich ist diese Negation nicht das Jen- seits einer jeden, ein ausser ihnen befindliche oder nur ihre innre Unendlichkeit, sondern ihre an ihnen selbst ge- setzte Unendlichkeit. — Die qualitative Unendlich- keit war nemlich das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, der unmittelbare Uebergang und das Ver- schwinden des Disseits in seinem Jenseits. Die quanti- tative Unendlichkeit hingegen ist die Continuitaͤt des Quan- tums, eine Continuitaͤt desselben uͤber sich hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird zum Unendlichen; das Quan- titativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm selbst, und weißt uͤber sich hinaus . Aber die Unendlichkeit der Specification des Maaßes ist an ihr selbst diese To- talitaͤt, die das Andre nicht als ein Jenseits seiner hat, sondern nur diß in seiner uͤber sich hinausgehenden Ne- gation setzt, daß es Totalitaͤt ist, daß es nicht ein An- deres gegen sich hat oder setzt. Das specifische Ver- haͤltniß ist die negative Einheit von Quantitaͤten, die durch Das Maaß . durch sie bestimmt sind; es ist als diese negative Einheit das selbststaͤndige gleichguͤltige Bestehen. Aber zu was es sich specificirt hat, sind Quantitaͤtsbestimmungen; es geht somit in das quantitative Verhaͤltniß nicht uͤber, sondern bezieht sich darin nur auf sich selbst; und die Maaßlosigkeit oder seine Negation, nemlich das Quantita- tive des Verhaͤltnisses, ist seine negative Beziehung auf sich selbst. Seine Unendlichkeit ist also das Aufheben nicht seiner selbst, sondern seiner, daß es ein Anderes ist; es ist diß die Negation seiner, als das wodurch es ist. Das qualitative Verhaͤltniß also als Beziehung spe- cifischer Quantitaͤten macht sich dadurch aͤusserlich, zu ei- nem qualitaͤtslosen Bestehen; aber eben-diese seine Ne- gation ist es, wodurch es ist, was seine specifische Be- schaffenheit ausmacht. — Diß ist seine Natur, aber es ist zugleich in dem unendlichen Progreß vorhanden. Nem- lich das specifische Verhaͤltniß, als gleichguͤltig gegen sich selbst, stoͤßt sich von sich selbst ab, und macht sich zu ei- nem andern specifischen Verhaͤltnisse. Dieses ist ein an- deres quantitatives Verhaͤltniß; darum sind beyde gleich- guͤltig gegen einander, und ihre qualitative Beziehung aufgehoben. Aber eben damit sind sie nur aͤusserlich un- terschieden; die Beziehung auf das andere ist also eine Beziehung auf sein nicht unterschiedenes, auf sich selbst, als auf seine Negation. Diß Abstossen des Specifischen von sich ist seine Selbststaͤndigkeit; sie besteht also darin sich auf sein anderes, nur quantitativ unterschiedenes so zu beziehen, daß es in seiner Negation das ist, was es ist. — So umgekehrt die quantitative Bestimmung schlaͤgt in specifische Bestimmung um, aber weil diese an ihr selbst das Quantitative ist, so erhaͤlt dieses sich in sei- nem Anderswerden, und ist somit in seiner Beschaffen- heit das, was es seiner Bestimmung nach ist, in seiner Negation das zu seyn, was es ist. Der Erstes Buch . III. Abschnitt . Der unendliche Progreß als solcher besteht nur darin, daß das specifische Selbststaͤndige in das Quantitative uͤbergeht, und dieses in jenes, und daß in diesem Ueber- gehen, das Uebergehen sich selbst aufhebt, indem das neue Verhaͤltniß wieder als ein unmittelbares, gleichguͤl- tiges ist. Die Unendlichkeit selbst aber ist die Einheit des Qualitativen und Quantitativen, die sich von sich ab- stoͤßt, und unmittelbar nur dieses Abstossen selbst ist. — Das Quantitative und Qualitative sind im unmittelbaren Maaße unmittelbare Einheit. Aber sie sind sich eben so qualitativ entgegengesetzt, jedes ist, was das andere nicht ist; so sind sie im unendlichen Progresse die Bestim- mungen der Verhaͤltnisse gegen einander. In dieser qua- litativen Bestimmung aber sind sie zugleich schlechthin je- des an ihm selbst das Uebergehen in sein Anderes. Diß Uebergehen ist der Form nach betrachtet, dasselbe, wo- durch die Qualitaͤt uͤberhaupt zur Quantitaͤt, und diese zu jener wird; nemlich das Specifische des Verhaͤltnisses geht als ausschliessende Repulsion mit dem ausgeschlosse- nen in eins zusammen, oder wird Attraction und damit Quantitaͤt. Umgekehrt diese als die Aeusserlichkeit an sich, die im Progresse die Aeusserlichkeit ihrer selbst wird, ist damit in sich zuruͤckgekehrt und Quantum als das, was es an sich ist, Qualitaͤt. Es ist aber nicht nur diß Uebergehen der Qualitaͤt und Quantitaͤt in einander vorhanden, das sich an ihnen als den Bestimmungen des Seyns zeigt, sondern es kommt hier in der Beziehung beyder zuruͤck; ihr Ue- bergehen in einander geschieht auf dem Boden ih- rer Einheit . Es ist ein Uebergehen, welches zugleich der Ruͤckschlag seiner gegen sich selbst ist, und sich auf- hebt. Das Qualitative geht nemlich uͤber in das Quan- titative zunaͤchst als in sein Anderes; aber dieses ist hier selbst als solches, das an sich Uebergehen in das Quali- tative Das Maaß . tative ist; — und so gegenseitig. Jedes geht also uͤber in sein Andres, das aber an ihm selbst sich aufhebt, und nur das Werden zu seinem Andern ist. Indem jedes also ein Anderes wird, hebt es vielmehr nur diß auf, ein anderes zu seyn; es geht in sei- ner Aenderung somit nur mit sich selbst zu- sammen . Indem also das Uebergehen specifisch Selbststaͤndi- ger in einander zugleich das Negiren dieses Uebergehens als eines Anderswerdens ist, so ist dasjenige, was sich aͤndert, keine Selbststaͤndigkeit; die Veraͤnderung ist nur Aenderung eines Zustandes , und das Uebergehende bleibt an sich dasselbe . Die quantitative Beziehung, das Specifische des Unterschiedes von Qualitativem und Quantitativem wird in dieser Unendlichkeit aufgehoben. Wie zuerst das unmittelbare Maaßverhaͤltniß sich in der specifischen Selbststaͤndigkeit aufhob, so ist diese nun eben- falls verschwunden, indem sie zum Zustande herabge- setzt ist. Sie sollte uͤberhaupt das aufgehobene unmittel- bare Maaßverhaͤltniß, das Quantitative in ihr sollte ein qualitativ bestimmtes, und als ausschliessende negative Einheit mit sich absolut an sich bestimmtes Fuͤrsichseyn seyn. Aber diese Selbststaͤndigkeit hat sich als uͤberge- hend in das Quantitative, das in ihr nur aufgehoben seyn sollte, zum Momente herabgesetzt. Aber indem das Uebergehen sich uͤberhaupt aufgehoben, ist die Selbststaͤn- digkeit in ihrem Uebergehen nur mit sich zusammengegan- gen. Dadurch, daß sie im Uebergehen ihr Uebergehen aufhebt, ist sie erst wahrhafte Selbststaͤndigkeit. Das Selbststaͤndige setzt in einer und derselben Ruͤcksicht, wor- in es seine specifische Qualitaͤt aufhebt, sich als selbst- staͤndig; denn damit ist es erst die wahrhafte Beziehung auf sich selbst. Was Erstes Buch . III. Abschnitt . Was also vorhanden ist, ist die Selbststaͤndigkeit, welche durch ihre Negation sich mit sich selbst vermittelt . Die specifische Selbststaͤndigkeit, die aus- schliessende Beziehung auf sich, hat ihre Gleichguͤltigkeit gegen sich, das Quantitative, als ihre Negation, zu ih- rem vermittelnden Momente, und als diese Ruͤckkehr in sich ist sie absolute Selbststaͤndigkeit. Drit- Das Maaß . Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens . A. Die Indifferenz . Das specifische Selbststaͤndige ist durch seine Nega- tion mit sich selbst vermittelt, so ist es nicht mehr speci- fische, sondern absolute Selbststaͤndigkeit. — Zunaͤchst ist zwar das Specifische das unmittelbare Seyn uͤber- haupt, das Qualitative, die Negation desselben aber ist das Quantitative, wodurch es in sich zuruͤckkehrt. Al- lein das Quantitative ist eben so sehr Qualitaͤt und damit specifisches gegen die Qualitaͤt als solche, und diese ist seine Negation; beyde haben also nur noch eine unbe- stimmte Bedeutung gegen einander. — Ferner ist das Specifische nicht mehr Selbststaͤndiges zu nennen; das Qualitative und das Quantitative sind schlechthin nur noch Momente. Das absolute Selbststaͤndige, das ihr Unendliches ist, in welchem sie aufgehoben sind, ist ihre Einheit, insofern sie aus ihnen herkommt. Sie ist nicht das Werden derselben, — diß war die Knotenlinie und der unendliche Fortgang derselben, denn sie ist nicht ihre Einheit, in der sie noch ihren qualitativen Unterschied haͤtten. Noch ist sie auch in die Bestimmung ihrer un- mittelbaren Einheit zuruͤckgegangen; denn die Mo- mente sind als im Unterschiede von einander eins, oder es ist nicht ihre Einheit vorhanden, in der sie nur als aufgehobene eins waͤren, sondern sie sind diß, eines im andern sich zu continuiren. Ihre Einheit ist daher die Erstes Buch . III. Abschnitt . die in ihnen gegen sie gleichguͤltige Einheit, ihre Indifferenz . Diese Indifferenz des Qualitativen und Quantitati- ven ist die Gleichguͤltigkeit beyder Bestimmungen uͤber- haupt, deren jede in der andern nicht uͤber-, sondern nur mit sich selbst zusammengeht. Darum ist sie aber ferner auch nur die an-sich-seyende , noch nicht die fuͤr- sich-seyende Selbststaͤndigkeit. Indem sie die Gleich- guͤltigkeit gegen den Unterschied der beyden Bestim- mungen ist, so hat sie denselben noch nicht an ihr selbst. Sie ist ansichseyende, gleichguͤltige Einheit, so ist in der Bestimmung der Quantitaͤt gesetzt, und der qualitative Unterschied steht ihr gegen uͤber, als das wogegen sie gleichguͤltig ist. — Oder insofern sie das Unendliche ist, das aus dem Insichgehen des Qualitativen und Quanti- tativen resultirt , so hat sie diese Bewegung hinter sich , und ist auf sie bezogen. — Der Indifferenz man- gelt also diß, an ihr selbst die qualitative Einheit mit sich, die absolute Negativitaͤt. Sie ist in der Be- stimmung der Gleichguͤltigkeit gegen das Negative; al- so nicht das absolut Selbststaͤndige. B. Das Das Maaß . B. Das Selbststaͤndige als umgekehrtes Verhaͤltniß seiner Factoren. Die Indifferenz ist nur die an sich seyende Einheit des Qualitativen und Quantitativen; sie hat die be- stimmte Beziehung auf ihr Anderes, gegen welches sie gleichguͤltig ist; sie ist als ansichseyend , zwar Unmit- telbarkeit, aber von der ihre Vermittlung verschieden ist; sie ist also in der That selbst vermittelt. Somit ist sie das specifische Selbststaͤndige, das sich durch seine Negation mit sich vermittelt, und dadurch absolute Selbststaͤndigkeit wird, so, daß sie die beyden Bestim- mungen, die specifische Selbststaͤndigkeit und deren Ne- gation, noch als Momente an ihr hat, die von ihrer Indifferenz unterschieden sind; diese Momente erhalten dadurch auf einen Augenblick wieder ihre bestimmte Be- deutung gegen einander. Aber nicht als Selbststaͤndige, welche es unmittelbar fuͤr sich sind, sondern die ihre Selbststaͤndigkeit allein in ihrer Indifferenz haben, und deren Momente sind. Es ist zuerst das Moment der specifischen Selbst- staͤndigkeit vorhanden, das in seiner Bestimmtheit das qualitative ist; es ist nicht an ihm selbst die indifferente Einheit mit sich, sondern ist gegen sie das Bestimmte , somit in sich unterschiedene. Es sind also zwey Selbst- staͤndigkeiten uͤberhaupt; sie sind selbststaͤndig nur an sich, in ihrer Einheit; denn in ihr sind sie nicht bestimmte ge- gen anderes; nur in der Negation seiner ist das Speci- fische selbststaͤndig. In ihrer specifischen Bestimmtheit aber Erstes Buch . III. Abschnitt . aber sind sie das eine, was das andre nicht ist, und da- her jedes zugleich nur insofern das andere ist. Aber ihre bestimmte Verschiedenheit gegen einander, macht der quantitative Unterschied aus; der qualitative seine Be- schaffenheit, seine specifische Beziehung auf anderes, durch das Quantum. Dieses, das das Seyn der Seiten des Verhaͤltnisses ausmacht, ist qualitativ gegen einander be- stimmt, so daß das Seyn der einen das Nichtseyn der andern ist. Sie stehen somit im umgekehrten Ver- haͤltnisse . Das umgekehrte Verhaͤltniß kehrt hier zuruͤck; es ist aber nicht das erste, formelle. In diesem war die qualitative Beziehung den Seiten selbst, daß die eine nicht ist, was die andere, gleichguͤltig, denn sie waren nur Quan- ta uͤberhaupt. Hier in der Realitaͤt dieses Verhaͤltnisses ist es die eigene Qualitativitaͤt der Seiten, welche sie so bezieht; ihre specifische Bestimmung enthaͤlt das Moment des Ausschliessens, an sich selbst zu seyn, insofern das andere nicht ist. Zugleich ist diese Ruͤckkehr der Seiten in sich die gleichguͤltige Beziehung auf sich, das Quan- tum; sie haben es zur Bestimmung ihres gleichguͤltigen Bestehens gegen einander. So ist das Quantum seiner- seits als specifisches, nicht die unmittelbare aͤusserliche Bestimmtheit, sondern qualitative Beziehung. Die beyden Seiten dieses umgekehrten Verhaͤltnis- ses haben ihre Selbststaͤndigkeit an der ansichseyenden In- differenz ihrer Momente; sie sind diese Einheit selbst; aber die differentiirte Einheit; sie sind specificirte Selbst- staͤndige. Als die Einheit des Qualitativen und Quanti- tativen, sind an sich beyde dasselbe und selbststaͤndig, aber sie sind diese Einheit als vermittelt durch ihre Ne- gation oder das Andersseyn; jedes hat an dem andern seine Ruͤckkehr in sich; das Qualitative ist das an sich bestimm- Das Maaß . bestimmte nur in der Quantitaͤt als dem gleichguͤltigen Bestehen, und das Quantitative nur specifisches in dem Qualitativen. Diese negative Einheit, in der sie Selbst- staͤndiges sind, ist von ihrer absoluten Indifferenz noch unterschieden; daher tritt das Negative in sei- ner Bestimmtheit sich gegenuͤber . Ihre Ein- heit ist daher als ihre Selbststaͤndigkeit uͤberhaupt in dem Unterschied von zweyen vorhanden, die, wie sich bereits bestimmt hat, im umgekehrten Verhaͤlt- nisse zu einander stehen. Sie sind specifisch Selbststaͤn- dige, als bestimmte, und jedes die Vermittlung seiner mit sich durch seine Negation; aber seine Negation ist von seiner nur erst an sich seyenden Selbststaͤndigkeit unter- schieden; sie ist also anderes Selbststaͤndiges. Die Ruͤckkehr in sich besteht damit auch nur erst in der Unmit- telbarkeit eines jeden, in der es sich gegen seine Veraͤn- derung erhaͤlt; die Unmittelbarkeit seines Bestehens und seine Gleichheit mit sich als in der Veraͤnderung oder seine Vermittlung mit sich fallen aus einander. Es ist ein unmittelbarer Theil an jedem, der fuͤr sich ist, und ihm nicht aus der Negation des andern zuwaͤchst, ein Theil, der groͤßer oder kleiner oder als unendlich klein angesehen werden kann, der uͤberhaupt das Moment der specifischen Selbststaͤndigkeit ist. Was also im realen umgekehrten Verhaͤltnisse vor- handen ist, sind zwey specifische Selbststaͤndigkeiten; die an sich dasselbe, und als Quanta unterschieden sind. Somit ist ihre ansichseyende Indifferenz, nur ihre Summe ; ein bestimmtes Quantum. Diese hat ihre qualitative Bestimmtheit an den unterschiedenen Ver- haͤltnissen, in die die gleichguͤltigen Quanta mit einander treten; denn die Beziehung, welche solche qualitativ be- stimmten Quanta des Ganzen im Verhaͤltnisse haben, ist die specifische Verschiedenheit dieses Ganzen. Diese Sei- ten des Verhaͤltnisses sind Factoren , die, an sich das- Z selbe Erstes Buch . III. Abschnitt . selbe Ganze, durch ihre bestimmte quantitative Veraͤnde- rung das Ganze bestimmen, nicht nach seiner Indifferenz, sondern nach seiner Bestimmtheit ; denn eben diese machen sie aus. Diese Bestimmtheit der Factoren besteht nun in dem verschiedenen Verhaͤltnisse ihrer Quantorum. Aber sie sind wesentlich zugleich qualitativ gegen einander be- stimmt; ihre quantitative Verschiedenheit ist nicht ein Auseinanderfallen derselben, sondern ist in Einer Ein- heit. Das eine hat also eine Groͤße nur insofern die an- dere Seite sie nicht hat; so viel der einen abgeht, geht der andern zu. Darum nun aber, weil ihre Quan- titativitaͤt schlechthin von dieser qualitati- ven Natur ist, so reicht jede nur so weit, als die andere . Insofern sie als Quanta verschie- den und ein bestimmtes Verhaͤltniß ausmachen sollten, ginge die eine uͤber die andere hinaus, und haͤtte in ih- rem Mehr ein Seyn, welches die andre nicht haͤtte. Aber in ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur insofern die andere ist. — Sie sind daher im Gleichgewicht, daß um so viel die eine sich vermehrte oder verminderte, die andere gleichfalls zu- oder abnaͤhme, und in demselben Verhaͤltnisse zu- oder abnaͤhme. Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es also zu keinem quantitativen Unterschiede kommen. — Aber die quantitative Bestimmung kann als die erste, also eines unmittelbar als groͤßer gegen das andere an- genommen werden. So geht es aber uͤber sich selbst hin- aus; denn in seiner Bestimmung ist es dem andern gleich; als dem andern ungleich, geht es uͤber sich hinaus und enthaͤlt das andre. Mehr als das andre hat es nur vom andern; aber diesem bleibt nichts uͤbrig, denn um der qualitativen Bestimmung willen, die der quantitative Unterschied hat, ist das, was das Eine uͤber das An- dere hinaus waͤre, nur diß Andere selbst . Es Das Maaß . Es ist nur das Eine und Andere; insofern das Eine ei- nen Zuwachs erlitte, so ist dieser Zuwachs nur das Andre. Insofern also von der quantitativen Vorstellung aus das Gleichgewicht gestoͤrt, und eine Factor groͤßer ge- nommen wird, so wird er so das uͤberwiegende, daß der andere mit beschleunigter Geschwindigkeit abnimmt, und von dem ersten uͤberwaͤltigt wird, so daß dieser sich zum einzigen Selbststaͤndigen macht, aber damit nicht mehr ein specifisches, sondern das Ganze ist. Insofern also am Ganzen, dessen Factoren die Sei- ten des umgekehrten Verhaͤltnisses seyn sollen, eine Be- stimmtheit vorhanden ist, und eine Veraͤnderung vorgeht, so geht sie nur an ihm selbst, nicht an den Factoren vor, die keine Bestimmtheit gegen einander haben. Ferner ist es, insofern solche Factoren, — ob zwar, wie sich ge- zeigt, uͤberfluͤssigerweise, — als Bestimmungen des Ganzen angenommen werden, vollkommen gleichguͤltig, welchen man sich veraͤndern laͤßt, oder der Andre ver- aͤndert sich eben so; es ist nur eines uͤberhaupt, das Ganze, das sich veraͤndert; der Unterschied der Factoren ist bedeutungslos. Aber auch das Ganze veraͤndert sich nicht; denn dieses Ganze, die an sich seyende Indifferenz, ist uͤber- haupt nicht mehr qualitativ oder quantitativ bestimmt; es ist nicht Summe oder Quantum, noch sonst eine qua- litative Bestimmtheit. Die Bestimmtheit ist nicht mehr erste Negation , sondern absolute Negativitaͤt. Die Indifferenz ist an sich nur diß, gegen Qualitaͤt und Quantum gleichguͤltig zu seyn. Die Bestimmtheit aber, die sie noch als ansichseyende hatte, und die in dem Unterschied ihrer Factoren bestand, hat sich dadurch vol- lends aufgehoben, daß sie sich als die in sich zuruͤckgehen- de zeigte; diese Factoren sind dadurch nicht nur an sich dasselbe, sondern in ihrem bestimmten Anders- Z 2 seyn ; Erstes Buch . III. Abschnitt . seyn ; es ist ihre negative Beziehung , durch welche sie eins sind. Anmerkung . Diß Verhaͤltniß eines Ganzen, das seine Be- stimmtheit an dem Groͤßenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Factoren haben soll, wird zum Bey- spiel bey der elliptischen Bewegung der Himmelskoͤrper gebraucht. In dieser Bewegung beschleunigt sich ihre Geschwindigkeit, indem sie sich dem Perihelium, und sie vermindert sich, indem sie sich dem Aphelium naͤhern. Zur sogenannten Erklaͤrung dieses Phaͤnomens werden eine Centripetal - und Centrifugalkraft , als qualitative Momente der Bewegung in der krummen Li- nie angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in der Verschiedenheit der Richtung. In quantitativer Ruͤcksicht werden sie als ungleich und entgegengesetzt be- stimmt, daß wie die eine zu, die andere abnehmen soll, und umgekehrt, und zugleich daß auch das Verhaͤltniß derselben wieder umschlage, daß nachdem die Centripetal- kraft eine Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber abgenommen, ein Punkt eintrete, wo die Centripetal- kraft ab-, die Centrifugalkraft aber zunehme. Ich habe in einer fruͤhern Dissertation diesen Gegenstand beleuch- tet, und das Nichtige dieser Unterscheidung und der dar- auf gebauten Erklaͤrungen dargethan. Die naͤhere Be- trachtung zeigt leicht, daß uͤberhaupt in den Operatio- nen und Formeln, welche auf jene Unterscheidung gebaut werden, in der That nicht eine quantitative Verschieden- heit dieser Momente vorkommt, sondern vielmehr nur im- mer das Ganze , die Geschwindigkeit der Bewegung, das in Rede stehende ist; so daß, was sich als Groͤße der Wirkung des einen Factors ergibt, eben so sehr Groͤße des andern, so wie gleichfalls die Groͤße des Ganzen ist. Weil Das Maaß . Weil sie die qualitative Bestimmtheit gegen einander ha- ben, so sind sie schlechthin nicht aus einander zu bringen; jede hat nur Bedeutung in Ruͤcksicht auf die andere; in- sofern also eine einen Ueberschuß uͤber die andere haͤtte, insofern haͤtte sie keine Beziehung auf die andere und waͤre nicht vorhanden. — Bey der Annahme, daß die eine das einemahl groͤßer sey als die andere, wenn sie als groͤßere in Beziehung auf die kleinere stuͤnde, tritt das oben gesagte ein, daß sie absolut das Uebergewicht erhielte, und die andere verschwaͤnde. Es ist eine sehr einfache Betrachtung, daß wenn z. B. wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Koͤrpers, indem er sich dem Perihelium naͤhert, zunehmen, die Centrifugalkraft hingegen um eben so viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr vermag, ihn der erstern zu entreissen, und von sei- nem Centralkoͤrper wieder zu entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das Uebergewicht hat, so ist die an- dere uͤberwaͤltigt, und der Koͤrper wird mit beschleunig- ter Geschwindigkeit seinem Centralkoͤrper zugefuͤhrt. Wie umgekehrt wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Naͤhe des Apheliums die Oberhand hat, es eben so wi- dersprechend ist, daß sie nun im Aphelium selbst von der schwaͤchern uͤberwaͤltigt werden sollte. — Es erhellt, daß es eine fremde Kraft waͤre, welche diese Umkehrung bewirkte; diß heißt, daß die bald beschleunigte, bald re- tardirte Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus jenen Factoren erkannt werden koͤnne, welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen Unterschied zu er- klaͤren. Dasselbe Verhaͤltniß wurde spaͤter auf die Attractiv- und Repulsivkraft angewendet, um die verschiedene Dichtigkeit der Koͤrper zu begreifen; auch das umgekehrte Verhaͤltniß der Sensibilitaͤt und Irritabilitaͤt, hat dazu dienen sollen, um aus der Verschiedenheit dieser Factoren des Lebens die verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, der Erstes Buch . III. Abschnitt . der Gesundheit, wie auch die Verschiedenheit der Gat- tungen der Lebendigen zu begreifen. Aber die Verwir- rung, und der Galimathias, in welchen sich diß Erklaͤ- ren in dem unkritischen Gebrauche dieser Begriffsbestim- mungen verwickelte, hat zur Folge gehabt, daß dieser Formalismus bald wieder aufgegeben worden zu seyn scheint, da hingegen in der Wissenschaft besonders der physikalischen Astronomie derselbe in seiner ganzen Aus- dehnung fortgefuͤhrt wird. — In Ansehung der absoluten Indifferenz , des Grundbegriffs der Spinozistischen Substanz , kann noch erinnert werden, daß dieser Begriff die letzte Bestimmung des Seyns ist, ehe es zum Wesen wird, daß er aber das Wesen selbst nicht erreicht. Die absolu- te Indifferenz enthaͤlt die absolute Einheit der spe- cifisch Selbststaͤndigen in ihrer hoͤchsten Bestimmung, als des Denkens und des Seyns, und darin uͤberhaupt aller andern Modificationen dieser Attribute. Allein damit ist nur das ansichseyende nicht das fuͤrsichseyende Absolute gedacht. Oder es ist die aͤussere Refle- xion , welche dabey stehen bleibt, daß die specifisch Selbststaͤndigen an sich oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß ihr Unterschied nur ein gleichguͤl- tiger, kein Unterschied an sich ist. Was hier noch fehlt, besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die aͤussere Reflexion des denkenden Subjects sey , sondern daß sie selbst erkannt werde, und zwar als die eigene Bestimmung und Bewegung der Selbststaͤndigen, ihren Unterschied aufzuheben, und nicht bloß an sich eins, son- dern in ihrem qualitativen Unterschiede eins zu seyn, wo- durch dann der Begriff des Wesens , nicht das Negative ausser ihm, zu haben, sondern an ihm selbst die absolute Negativitaͤt, Gleichguͤltigkeit gegen sich selbst eben so sehr als seines Andersseyns gegen sich, zu seyn. C. Her- Das Maaß . C. Hervorgehen des Wesens . Die absolute Indifferenz bestand darin, daß sie das specifisch Selbststaͤndige sey, welches sich durch seine Negation mit sich selbst vermittle, und durch diese ge- reinigt das absolut Selbststaͤndige sey. So ist sie die Indifferenz, die das specifische Selbststaͤndige und dessen Negation voraussetzt , und dadurch als das an- sichseyende bestimmt ist. Vors erste ist ihr diese Bestimmtheit we- fentlich; zuruͤckkommend aus jenen Momenten ist die In- differenz als die Bestimmung oder als das Ansich- seyn, von ihnen, als von seiner Beschaffenheit oder seinem Seyn-fuͤr-Anderes, unterschieden. Zweytens aber hat sich diese Bestimmtheit naͤher als das umgekehrte Verhaͤltniß von Factoren ergeben. Indem sie nemlich wesentlich an dem absolut Selbststaͤn- digen ist, ist jene specifische Selbststaͤndigkeit und deren Negation nur in ihrer Beziehung auf dasselbe zu betrachten; oder vielmehr sind sie nur Momente dieser ihrer Einheit . Drittens in dieser Bestimmung, Factoren der Bestimmtheit des Wesens zu seyn, hat sich ihre unvoll- kommene Einheit, ihr umgekehrtes Verhaͤltniß aufge- hoben. Oder die Bestimmtheit der absoluten In- differenz, hat sich gezeigt, die negative Bezie- hung auf sich selbst zu seyn. Die Bestimmtheit ist der Unterschied und die gegenseitige Negation der Facto- ren; aber die Negation ist nicht mehr die Negation eines Unmittelbaren, so daß sie selbst nur eine unmittel- bare und bestimmt durch ein anderes waͤre, sondern die Erstes Buch . III. Abschnitt . die Negation des andern ist Negation der eignen specifi- schen Selbststaͤndigkeit gegen das andere; die negative Beziehung auf das andere, welche als solche ein Be- stimmtseyn oder Uebergehen ist, ist vielmehr Aufheben der eigenen Bestimmtheit, das Uebergehen in sich selbst; Ne- gation des Negativen. Die Bestimmtheit der ansichseyenden In- differenz ist hiemit die Unendlichkeit ihrer Selbst- staͤndigkeit, die absolute Negativitaͤt . Es ist also nicht die specifische Selbststaͤndigkeit, welche sich durch ihre Negation mit sich selbst vermittelt, sondern es ist die absolute Selbststaͤndigkeit, die nur diß ist, durch ihre, ihr gleiche, Negativitaͤt, sich mit zu vermit- teln. — Hierin ist zwar eine erste absolute Selbststaͤn- digkeit ausgesprochen gegen die andere , welche ist als mit sich vermittelte. Insofern ist jene die unmittelbare oder nur ansichseyende ; insofern das Specifische , eine bestimmte uͤberhaupt. Aber das Resultat ist eben diß, erstens daß die ansichseyende Selbststaͤndigkeit, die Indifferenz als solche, nicht absolut, sondern selbst be- stimmt ist, und daß sie diß wesentlich, aber daß ihre Be- stimmtheit, die Negation der Negation, also fuͤrsich- seyende Selbststaͤndigkeit ist, welche jene ansich- seyende Selbststaͤndigkeit, als aufgehobenes, als Mo- ment enthaͤlt. Es ist also die Selbststaͤndigkeit vorhan- den, die diß ist, in der vollstaͤndigen Negation ihrer selbst, nemlich in der Selbststaͤndigkeit des Andersseyns, das heißt des ersten Unmittelbaren, einfache Beziehung auf sich, also zugleich negative Beziehung auf sich zu seyn. Hiemit ist das Seyn absolut in sich zuruͤckgegan- gen; es hat seine Bestimmtheit, das einfache Unmit- telbare zu seyn, aufgehoben und sich erinnert. Das Seyn ist zuerst Qualitaͤt , die ihrer Be- stimmung nach das an sich bestimmte Seyn, seyende Bestimmtheit ist, dadurch daß es die Negation des Andern Das Maaß . Andern ist. Die Quantitaͤt ist ihrer Bestimmung nach, die gleichguͤltige Bestimmtheit, welche nicht Ne- gation eines andern, sondern dagegen gleichguͤltig und der das Andre aͤusserlich ist. Es hat sich zunaͤchst an ihnen, in ihrer Unmittelbarkeit, gezeigt, daß die Qua- litaͤt in die Quantitaͤt, diese aber in jene uͤbergeht. Ihre Einheit ist das Maaß ; wie sie vorhin jede fuͤr sich gesetzt war, so sind sie in diesem in die Bezie- hung getreten, zunaͤchst nach ihrer Bestimmtheit gegen einander, somit nur in relativer Einheit. Durch die Be- wegung des Maaßes aber wird das gesetzt , was sie, jede fuͤr sich betrachtet, zeigten an sich zu seyn, und es geht daraus ihre absolute Einheit hervor. Diese Einheit des Qualitativen und Quantitativen, zunaͤchst Gleichguͤltigkeit gegen das eine und gegen das andere, ist wesentlich nicht Indifferenz als gegen das eine und das andere , sondern Gleichguͤltigkeit gegen sich selbst , Zerfallen in sich. Dieß ist die Quantitativitaͤt der Indifferenz, aber eben so sehr ihre Qualitativitaͤt; als Indifferenz ist sie nemlich an sich seyende und unmittelbare Selbststaͤndigkeit; aber eben diß Ansichseyn oder die Unmittelbarkeit ist Be- stimmtheit ; also die Negation der Indifferenz, ein anderes Selbststaͤndiges. Die negative Beziehung bey- der Selbststaͤndigen auf einander macht ihre qualitative Bestimmtheit aus, worin also jene erste Unmittelbarkeit nur als Bestimmtheit gesetzt und damit aufgehoben ist; indem dieses Aufheben nicht nur Aufheben der Unmittel- barkeit, sondern derselben als Negation ist, so ist es Ne- gation der Negation; die Bestimmtheit, welche die Selbst- staͤndigkeit des Ganzen ist; die negative Indiffe- renz . Diese Einheit mit sich der Bestimmt- heit und der Gleichguͤltigkeit gegen sie ist die Wahrheit des Seyns . Sie ist das einfache Seyn, Erstes Buch . III. Abschnitt . Seyn, gleichguͤltige Unmittelbarkeit, als vermittelt mit sich durch seine Negation, durch seine Gleichguͤltigkeit ge- gen sich selbst; oder es ist die Vermittlung als reine Gleich- heit mit sich, als einfache Unmittelbarkeit, — das Seyn das nur diß ist, in seiner Negation mit sich zusammenge- gangen und hiemit reines Seyn zu seyn. Das Seyn als diß schlechthin erinnerte Seyn ist das Wesen . Die Wahrheit des Seyns ist so, unmit- telbares zu seyn als absolut aufgehobene Unmittelbar- keit. Es ist nur als negative Beziehung auf sich; so stoͤßt es sich ab von sich, diß Abstossen ist sein Nichtseyn, so ist es die erste Unmittelbarkeit, qualitatives Seyn. Aber diß Nichtseyn ist Gleichguͤltigkeit gegen sich, das Aufheben seiner, so ist es zunaͤchst quan- titatives Seyn; — diß ist schon an sich die Ruͤckkehr in sich; insofern nemlich jenes erste, als Nichtseyn bestimmt ist; aber es ist nur erst quantitatives Seyn, in- sofern jenes erste, unmittelbares Seyn ist. Das quantitative Seyn macht sich zum Maaß und als die- ses zur fuͤrsichseyenden Indifferenz; diese ist eben diß, das unmittelbare Seyn als ein Nichtseyn , und das Ansichseyn als Bestimmtheit , zu bestimmen. Das Seyn , indem es ist, das nicht zu seyn, was es ist, und das zu seyn, was es nicht ist; — als diese einfache Negativitaͤt seiner selbst , ist das Wesen .