Teutsches Corpus juris Oder Verfassung derer/ des Heil. Roͤm. Reich s Teutscher Nation Kaͤyserl. Buͤrgerl. Peinlichen/ Lehn/ Geistlichen/ See/ Land- und Kriegs-Rechten; Mit Einer deutlichen Anweisung/ wie in denen Gerichten von denen Richtern/ Advocaten und Partheyen nach denenselben ordentlich und gruͤndlich zu procedir en/ Wobey zugleich Einige Chur-Fürstl. Braunschw. Luͤneb. und Fuͤrstl. Heßische Landes- CONSTITUTIONES enthalten/ Allen Rechts-Verstaͤndigen zu sonderbarem Nutzen verfasset Von Heinrich Anthon Geisen/ Fuͤrstl. Heßischen Amts-Schultheiß. HANNOVER/ Bey Nicolaus Foͤrstern/ 1703 . Eingangs-Vorrede. G Leichwie Gottesfurcht und Ge- rechtigkeit die zwey fuͤrnehm- sten Stuͤtzen und Haupt-Posten/ mit welchen Land und Reiche in ihrem bestaͤndigen Flor und Wohlstand befestiget und erhalten werden/ dar- um auch GOTT der Allmaͤchtige/ durch An- zuͤndung des klaren Lichts seines heiligen Worts und Evangelii/ welches offenbahr in der gan- tzen werthen Christenheit hell leuchtet und schei- net/ zur Bestaͤrckung einer wahren und rechten Religion/ so da besteht in recht sinn- und vernuͤnff- tiger Andacht/ grosse Anleitung zur Froͤmmig- keit verliehen und gegeben; Also ist demnach in )( 2 allen allen Reich- und Landen hoch vonnoͤthen/ Recht und Gerechtigkeit zu handhaben/ und solche Ge- setze zu bestellen und zu verordnen/ dadurch die Gerechtigkeit fuͤr allem gewaltsamen Eingriff beschirmet werden moͤge; da sonst/ wann ein ie- der also rechtlich gesinnet waͤre/ sich am Seinigen begnuͤgen zu lassen/ das ihm mit Recht zukaͤme/ und seines Nechsten Schaden nicht suchte/ son- dern ihm solches Recht zufuͤgte/ als er wolte/ daß ihm selbst wiederfuͤhre/ so waͤren keine Gesetze noͤ- thig/ welche aber dazu bestellt werden/ daß alle recht friedsam Gesinnete ihres Rechts genies- sen/ und denen Ungerechten nach Gesetzes ermeld- ter Straffe/ iemand Unrecht zu thun/ verwehret werden koͤnne; Welches dann stets von uhralten Zeiten hero alle Kaͤyser/ Koͤnige/ Chur- und Fuͤr- sten/ auch andere hohe Landes-Obrigkeiten gruͤnd- lich zu erwegen wohl bedacht/ und dienliche Gesetze verordnet haben; Ob nun zwar fuͤr Alters die meisten Rechts-Gewohnheiten mehrentheils in deren Unterthanen Gedaͤchtniß bestanden/ hat man deñoch allgemachsam dergleichen Satzungen in in ein weitlaͤufftiges Gesetz-Buch/ Corpus Ju- ris genannt/ schrifftlich verfassen lassen/ darnach man sich richten und alle Streitigkeiten geurthei- let werden solten; wann aber/ deren Materie an verschiedenen Orten auffzusuchen/ denen Rich- tern viel Muͤhe und Beschwerlichkeit verursacht/ als bedarff es niemand so wunderseltzam beduͤn- cken/ daß ein bey Friedens-Zeiten sonst muͤßiger Soldat/ iedoch nach wie vorhin der Musen Freund/ sich unterstehen wollen/ nach vielen Aus- suchungen ein schier vollkommenen Gesetz-Buͤcher und Rechten Auszug zu versamlen/ und in muͤg- lichster Ordnungs Verbesserung einzufuͤhren/ wie hieraus nachfolgender Gestalt mit mehrern wei- ter und umstaͤndlicher zu ersehen; Derohalben nun/ wann solche vieljaͤhrige Arbeit von der Hoch- Loͤblichen Juristischen Facult aͤt Hessischer Hoch- Fuͤrstlichen Universit aͤt uͤbersehen/ approbi rt und tuͤchtig erkannt/ auch von Kaͤyserlicher Ma- jestaͤt und Durchlaͤuchtigen Gnaͤdigen Landes- Fuͤrsten zum Druck privilegi rt; so wolle ein ieder Hochgeneigter Leser des Urhebers wohlge- mein- meinten Zweck ihm selbst zu Nutz und iederman zur Lust/ Seinen allerseits Gnaͤdigsten Landes- Herren aber zu Lob/ und GOTT dem Allerhoͤch- sten allein zur Ehre/ ungetadelt annehmen und halten/ dabey unvergessen zu seyn/ daß in dieser Welt/ gar eigentlich zu sagen/ nichts mehr neues zu finden/ das nicht schon zuvor gesehen wor- den. Der Hochgeneigte Leser lebe wohl. Das Das erste Buch/ Vom unparteyischen Richter. Caput I. Vom Recht und Rechts-Personen/ auch Gesetz- geber und dessen Gehorsam. J Ura Regalia, oder Ober-Herrschafft und Re- genten hohe und besondere sich selbst vorbehal- tene oder auch deren Unterthanen mitgetheilete geringere Vorrechte und Rechts-Freyheiten/ sind nach ieder Landes-Art und Orts Gewohn- heiten billig zu unterscheiden/ als Meer- und Wasser- oder See-Recht und dessen Ufer/ auch Schiff- und Fisch-reicher Fluͤsse/ Stroͤhme und Holtz-Floß-Gerechtigkeit: Item, Lehn/ Fi- scherey/ Tonnen und Bachen auszusetzen/ zur Seegelungs-Nach- richt/ also auch Wind und Roß-Muͤhlen/ deren Grund-Seulen auff Herrschafftlichen Boden anhangend befestiget/ zu vergoͤnnen und er- auben; Hieher gehoͤren alle und iede Schiff-Zwanck- und Wasser- Muͤhlen/ die an Bruͤcken/ Pfaͤhlen und im Wasser/ durch Recht An- cker auszuwerffen/ fest gemachet werden: Item Strandt-Recht am Ufer/ Bruͤcken und Schiff-Zoll; dem naͤchst alle Wild-Bahnen/ Jagt von hohen rothen und schwartzen Wildpret/ Eichel-Mast/ Wald- und ander Forstwerck/ so dem Eigenthums-Grund-Herrn gebuͤhret/ wie auch Wolffs-Jagt/ Vogel und Schnabelweyde/ da vornehm- lich bey zu rechnen wilder Obst-Fruͤchte/ Jagt-Stallung zu bauen/ Zweighauungs-Recht; Item, bey Festungen/ Artillerie, Geschuͤtz/ Mu- nition, Proviant; die vornehmste Gewalt der hohen Obrigkeit ist/ Macht Gesetze zu geben/ Freyheiten auszutheilen/ Verbrechens Straf- fe nachzulassen/ und sonst verbotenen Ehestand/ iedoch nicht gegen GOttes Wort oder Gesetzes Befehl/ zu gestatten; Item, Erlaub- A niß I. Buch/ Cap. I. niß und Erstattungs-Recht wegen unmuͤndigen Alters Schwach- heit/ hohe Wuͤrde und Ehren-Aemter auszuspendiren/ hohe und freyer Kuͤnste Schulen anzurichten/ Jahr-Messen und Maͤrckte An- stellung zu vergoͤnstigen; Religions-Vorsorge zu haben/ Kirchen und Gottesdienst Gebrauch verordnen und deren Ubung zu verbessern/ widrig gesinnete zu verjagen/ daß GOttes Wort nach wahrem Ver- stand geprediget/ und/ zu GOttes Lob/ Friede und Einigkeit ohne Aer- gerniß erhalten werden; ja geist- und weltliche Versamlungen/ Land- und Reichs-Tage anzustellen/ Ober-Mittel- und Nieder-Gerichtbar- keit/ Priester Amt und Beruff mitzutheilen; deßgleichen Krieg und Friedens-Recht/ Verbuͤndniß zu machen/ Zeug- und Waffen-Haͤu- ser/ Muͤntz-Gerechtigkeit/ auch Tribut en anzukuͤndigen; Endlich Ge- leits gerechtsame Gewalt/ auff Heer-Reichs und Land-Strassen/ durch dazu besoldete Einspaͤnniger und Geleits-Reuter/ Reisende und Kauffleute mit lebendig bewaͤhrter Hand durch zu begleiten/ und vor feindlichen Angriffs-Gefahr Sicherung zu verschaffen/ dagegen die Reisende fuͤr Geld ein Geleits-Zeichen ausloͤsen; Item Nothwerck/ Fuhren und Frohndienste/ erledigte Guͤter einzunehmen/ den Wah- ren Zoll auffzulegen/ ordinari Posten zu halten/ Saltzsiedereyen und Bergwercke zu bauen/ derer Zehenden und Silber-Kauff/ item Erd- und Landes-Schatz/ Schloͤsser und Pallaͤste in Land-Staͤdten zu haben. Regierungs Macht. Richter/ in ei- gener Sache verboten. §. 1. Nach Kaͤyser-Koͤnig-Chur- und Fuͤrstlichen Gesetzen/ gehoͤ- ret alles Recht/ Regierung und Macht dem Landes Ober-Herrn zu/ und ist unbillig/ daß jemand in seiner eigenen Sache Richter werde. L. 1. ff. de constit. Princ. L. 1. §. 7. C. de vet. jur. enucl. L. 10. ff. de jurisdict. L. 17. Richters Frey- heit und Will- kuͤhr in Ver- brechen und andern Faͤllen. Gesetzes Voll- ziehungs Huͤlf- fe. ff. de judic. §. 2. So moͤgen nun Richtere nach heutigem gewoͤhnlichen Recht/ in allen groß und aͤrgerlichen Verbrechen/ dadurch etwa die gemeine Ruhe verstoͤret wird/ und auff alles/ was vom Gesetz verboten/ oder ge- gen dasselbige mißhandelt/ wohl erforschen/ weilen die Gesetze der Vollenziehungs-Huͤlffe nicht beraubet/ sondern vielmehr/ allwo keine Sachen Er- kaͤntniß-Recht. Straffe ausgedruͤckt/ des Richters freyem Willen heimzustellen/ je- doch allezeit mit vorhergehender rechtmaͤssigen Erkenntniß der Sa- chen. Lib. 3. Tit. 5. Cod. Processes Un- geschicklichkeit Einwurff zu vermeiden. L. ea quidem, C. de Accusat. arg. L. 6. ff. de Accusat. c. 21. X. de accusat. §. 3. Ein Richter muß nicht seiner Willkuͤhr/ sondern Gewohnheit und allgemeinen Gesetzen folgen/ die allen gleichmaͤssig in acht zu neh- men Vom Recht/ Rechts-Personen und Gesetzgebern. men obliegen sollen/ damit nicht Einwurff eines ungeschickter Art abge- handelten Processes geschehen koͤnne. Arg. L. 6. C. de accusat. L. 3. C. de Legibus. arg. L. Libellorum, §. 1. ff. de accusat. Richters Pflicht. Proceß- Fuͤh- rungs Rechts- Art. §. 4 Derohalben er/ aus Christlicher Liebe und Zuneigung mit vernuͤnfftig und Gesetz-maͤßigem Gemuͤth/ ohne Leichtsinnigkeit/ Haß/ Beleidigung oder Ubereilung/ den Proceß rechtlich fuͤhren soll/ mit Nachforschung des Haupt-Verbrechen/ als ohne dessen Gewißheit Ursach zur Haupt-Ver- brechen Nach- forschungs- Weise. man zu keiner schaͤrffern oder peinlichen Frage gelangen kan/ sintemah- len zur Haupt-Nachfrage genung ist das allgemeine Geruͤcht/ zur son- derbaren Erforschung aber gehoͤret bessere Lasters Gewißheit/ noch groͤs- sere Anzeigen zur Folter/ die allergroͤsseste Nachricht der Warheit zu Folter und peinliche An- zeigung. des Schuldigen Verdammung/ und zwar nach Unterscheid derer Tha- ten/ die unfehlbare Nachspur hinterlassen oder nicht/ da man in diesen Nachspur und Geruͤchte giebt Aꝛgwohn. Kindes unbe- wusten Todes- Art Nachfrage Recht. letzten Verbrechen nur durch Argwohn und Muthmassung den Grund zu erforschen vermag/ gleichwie bey andern geheimen Ubelthaten; Als so man zweiffelt/ ob eine That aus Betrug und Boßheit/ oder durch andern Zufall/ vollbracht sey/ da nemlich einer erstochen/ aber unbe- kandt/ ob es von ihm selbst/ oder von andern geschehen; deßgleichen/ ein Kind todt gefunden/ aber unbewust/ ob es gewaltsam oder natuͤrlichen Jm Brunn er- saͤufften Men- schen Erkundi- gungs-Art. Moͤrdlich er- stochnẽ Men- schens Nachfor- schungs Weise. Gifft Hinrich- tungs Umstaͤn- de zu erwegen. Todes verstorben; Item einer im Brunnen ersaͤufft/ aber zweiffel- hafft/ ob er sich selbst muthwillig hinein gestuͤrtzet oder von ungefaͤhr hinein gefallen/ oder von andern dergestalt umbracht worden; also auch so fern jemand durch Gifft hingerichtet/ soll man die Umstaͤnde er- wegen/ ob der elende Mensch sich selbst oder von andern unwissend im Trunck vergeben durch wahrhafft-aͤusser- oder innerlich Gifft. Can. 4. c. 3. q. 7. Can. 61. c. 11. q. 3. L. 5. ff. de calumniat. Es. 8. v. 7. L. 1. C. de Ex- ecu t . Rei judic. c. 77. c. 11. q. 3. L. 1. §. 24. L. 5. §. 2. ff. ad SCt. Syllan. L. 23. §. fin. ff. ad L. Aquil. L. 66. §. pen. ff. de furt. L. 6. princ. v. cæterum, ff. ad L. Corn. de fals. L. 29. princ. vers. verum, ff. de jure fisci. L. 1. §. fin. ff. de quæst. Caput II. Vom gehoͤrigen Gericht/ Kriegs-Befestigung/ Inquisitions- Proceß gehoͤ- riger Richter. Schwerdt- Rechts gehoͤ- rig Gericht. Geld-Busse uß Gefaͤngniß- Straffe Ge- richt. Gegen-Klag und Auszuͤgen. §. 1. B Ey Inquisition s Proceß, wofern er nicht soll nichtig seyn/ ist an- gehoͤriger Richter derjenige/ welcher das Schwerdt Recht oder ander Gericht/ darauff Geld-Busse/ Gefaͤngniß und Verweisungs- Straffe folget/ hegen mag/ und zwar des Beklagten Wohnungs/ A 2 nicht I. Buch/ Cap. II. Geburt- und Wohnungs- Orts Unter- scheid. Kriegs- und gelehrter Leu- te kein Unter- scheid/ wegen Gerichts- Stand. Remission de- rer Ubelthaͤter. Revers Ge- brauch/ wegen Remission. Remissions- Recht in Moꝛd und Diebstahl Verbrechen. Gerichts- Zwangs-Vor- recht. nicht aber Geburt und Ursprungs-Ort/ oder auch wo das Verbrechen geschehen/ welchen Gerichts-Stand in greulichen gemeinen Lastern auch Kriegs und gelehrte Leute erkennen muͤssen/ weilen Ubelthat aller Ehren-Freyheit beraubet/ oder/ wo das Verbrechen angefangen/ oder wo der Schuldige/ wenn er fluͤchtig und umschweiffend/ zu finden. So fern es aber ein oͤffentliches Aergerniß/ mag auch der/ so nicht herum- schweiffig ist/ wo er gefunden/ bestraffet werden/ und wird nicht ohn er- sucht remitti rt; sonst aber mag dessen Wohnungs Ortes Richter wohl nachforschen/ weilen die remission nicht Statt hat/ es waͤren dann Rich- ter unter einem Fuͤrsten oder Oberherrn/ oder also Mit-Nachbarn/ gegen revers verglichen; Jn peinlichen Gerichts-Sachen aber wegen Mordthat und Diebstahl kan niemand gezwungen seyn/ den Thaͤter abzufordern/ sondern bleibet wo er gegriffen. Tot. Tit. C. si à non compet. jud. arg. L. 3. ff. de jurisdict. L. 3. princ. ff. de re milit. L. 1. C. ubi Senator. L. 1. C. ubi de Crim. L. 13. \& L. 3. ff. de offic. judic. §. 2. Der Klaͤger soll dem Beklagten in seinem Gerichts-Zwang/ allwo er zu finden/ insgemein nachfolgen; ist also dieses eine sonderliche Rechts Freyheit/ die jederman gebuͤhret/ daß einer fuͤr seinem eigenem gehoͤrigen Gericht allein belanget und nirgend anders wohin gezogen werden moͤge/ darum auch/ wer nun dieser Wohlthat absagen will/ sich verpflichten muß/ an allen Orten fuͤr Recht zu stehen/ allwo er dessen ersuchet wird an Wohnung-Handel- oder Verbrechens Orten. L. juris ordin. C. de jurisd. omn. jud. C. cum sit generale Ext. de for. comp. C. si clericus, Ext. Eccl. L. 2. \& 4. C. de jurisd. omn. jud. C. 15. \& seq. C. 11. q. 1. Urtheils Krafft ausser Gebiet. Revers benach- barten Landes- Herrn wegen Remission. Remissions- Gewohnheit. §. 3. Wer da/ ausser seinem Gebiet/ einig Recht sprechen will/ dem leistet unstraffbar gar keine Folge jederman. L. 3. ff. de re milit. L. 20. ff. de jurisd. §. 4. So pflegen nun insgemein benachbarte Landes-Herrn gegen oder ohne verschriebene Versicherung/ daß es dem Remittirend en an seiner Gerichts-Hoheit/ unnachtheilig sey/ wegen Missethaͤter Zuruͤck- sendung sich also zu vereinigen/ daß sie Raͤuber und andere Ubelthaͤter/ die unter einem gesessen/ unter dem andern aber gefangen/ nicht vor ent- halten/ sondern vielmehr einander zukommen lassen wollen/ damit Execution- Recht ertappe- ter Ubelthaͤter. Remissions- Unkosten wer stehet. wider solche allermassen mit rechtlicher Execution verfahren werde; wenn sonst der Beklagte/ nach gegebenem Urtheil/ entflohen und an- derswo ertappet wuͤrde/ so ist remission billig. Und zwar muß eines Ubelthaͤters Zuruͤcksendung auff des Begehrenden Unkosten gesche- hen/ wann nemlich die That als veruͤbet bekandt/ auch kein gering/ son- dern groß und aͤrgerliches Laster ist/ und dieser Richter weiß/ daß jener/ daruͤber zu sprechen/ rechtlich befuget ist. §. 5. Wann Vom gehoͤrigen Gerichte. §. 5. Wann aber jemand in diesem Gebiet das Verbrechen an- Ubelthaten Anfang und Vollendung Straffe. Richters Vor- zugs-Recht. gefangen und einen verwundet/ im andern aber es durch Mordthat vol- lendet; oder hier eine Jungfrau gewaltsam entfuhret/ und anderswo genothzuͤchtiget; oder in einer Provintz falsche Brieffe verfasset/ und anderwaͤrts gebraucht/ oder wer irgendswo gebunden/ und am andern Orte beraubet waͤre/ in solchen und dergleichen Faͤllen sind beyderseits angehoͤrige Richter/ allwo die That angehoben und vollbracht worden/ Peinl. Halsge- richts Geld- Straffe Recht. und gilt dessen zuvorkommender Spruch fuͤr dem andern; Jedoch be- kuͤmmern sich Richter nicht viel/ um solche streitige peinliche Halsge- richts-Sachen einander fuͤrzukommen/ ohne wo sich Geld-Straf- fe ereignet. C. ult. X. de for. compet. L. un. C. de Rapt. Virg. L. 1. C. ubi de Crim. verb. com- missa vel inchoata L. 51. § 2. ff. ad L. Aquil. §. 6. Wann auch einer an diesem Ort eine Unthat befiehlet/ der Ubelthat-Be- fehlhaber und Geber Recht. Todtschlag aber anderswo erfolget/ so mag der Befehlgeber hier wohl verurtheilet/ oder aus Beweißmangel anderwaͤrts auch belanget/ der Befehlshaber irgendswo loßgesprochen werden. L. 17. §. pen. ff. de adult. §. 7. Wann es nun zwar ein angehoͤriger Richter ist/ den Schul- Ubelthaͤter Recht auff frembdem Gebiete. Proceß- Ge- rechtigkeit we- gen Ubeltha- ten. digen aber nicht in seinem/ sondern auff fremdem Gebiet durch seine Diener gefangen/ und des Orts Richter den Ubelthaͤter wieder fordert/ so darff jener keinen Proceß fuͤhren; Wofern aber dieser wegen ver- schwaͤchten Gerechtigkeit nicht klaget/ noch den Gefangenen begehret/ soll ihn jener nicht loß lassen/ sondern uͤber dessen Verbrechen erkennen. §. 8. Wann auch einem Verbrechens-Gnade/ an des Ver- Ubelthaͤter Be- gnadigungs- Recht. brechen Gerichts-Ort/ wiederfahren/ so kan von andern Richtern nicht gegen ihn gerichtlich gehandelt werden/ derselbe sey dann einem Proceß- Ver- bot auffs neue vorzunehmen. Zuvorkommen- den Richter- Freyheit. andern Landes-Herrn untergeben/ so kan ihn eines fremden Herrn oder Richters Begnadigung an seinem Amt nicht verhindern; So fern aber der Schuldige loßgesprochen oder verdammt/ alsdenn gilt des zuvorkommenden Urtheil/ und darff kein neuer Proceß fuͤrgenommen seyn/ es waͤre dann Verdacht- oder Betrugs Argwohn bey vorigen gewesen/ wer also von Richtern nachzuforschen vorkoͤmmt/ schliesset den andern aus. §. 9. Wann aber von zween Richtern einer schrifftlich geladen/ Zween Rich- ters Vorzugs- Unterscheid. und der andere den Missethaͤter ergriffen/ so hat dieser Letztere den Vorzug/ es haͤtte sich denn Beklagter mit Fleiß in dessen Haͤnde erge- ben/ des andern Gericht durch Ungehorsam zu verachten/ alsdann auff A 3 Klage I. Buch/ Cap. II. Beklagten Ur- theil zu aut- worten oder nicht. Klage und darwieder eingewandt’-fuͤrgeschuͤtzte Auszuͤge/ und ferner rechtliches Einbringen wird zu Recht erkannt/ daß Beklagter auff die gegen ihn angestellete und erhobene Klage fuͤr andern Gericht sich Ordentlichen Richters Ge- richts-Zwang. Unkosten Be- zahlungs- Recht. einzulassen nicht schuldig/ sondern von diesem Gerichts-Zwang zu ent- binden und loßzuzehlen/ Klaͤger aber mit seiner Ansprache fuͤr dessen ordentlichen Richter zu verweisen; oder auch/ daß Beklagter seines Vorwendens ungeachtet/ auff die wider ihn angefochtene Klage zu sprechen/ fuͤr diesen Gericht still zu stehen/ und mit Kriegs-rechtlichen Befestigung zu antworten/ und daß er es ietzo nicht gethan/ die Unkosten auff richterliche Ermaͤßigung zu erstatten/ schuldig sey. Wohnungs- Gerichts Ort- Recht. §. 10. Wohnungs-Gerichts-Ort sind untergeben alle Belehnte/ die auff dem Lande oder in Staͤdten haͤußlich sitzen/ oder Feuer und Rauch darinnen halten/ oder durch persoͤnliches Anwesen/ auch da sie den best- und meisten Theil ihrer Haab und Guͤter haben/ ob sie Gesaͤngniß- Geisselung und Geld-Bussen Straff-Recht. Injuri en und Ehren Sachen Gericht. Peinlichen Klage Zu- faͤlle. schon das gewoͤhnliche Buͤrger-Recht annoch nicht fuͤr sich erlanget haͤtten; Sonst gehoͤren allezeit zum peinlichen Richter Hals-Straffe und Geisselung/ nicht aber Verweisung/ Gefaͤngniß und Geld-Bus- sen; So kan man auch beym Unterrichter wegen Diebstahl/ Injuri en oder Ehren-Schaͤndungen/ Gotteslaͤsterung/ falsch schweren und vermaledeyen/ Sabbaths-Entheiligung/ aͤrgerlichen Gesellschafften/ und Versammlungen/ verbothenen Wucher und anderen Betrugs/ auch Hurerey halber/ peinlich anklagen. Edel-Leute Freyheit/ we- gen Gerichts- Stand. §. 11. Wann ein Edelmann/ der in Landes-Herrn Dienst und stets am Hofe lebet/ in einer Stadt eine Ubelthat begehet/ so mag die Stadt-Obrigkeit in solcher Sache nicht nachforschen/ viel weniger die That bestraffen/ sondern es gehoͤret Erkaͤntniß und Straffe dem Fuͤrsten zu massen; wofern eine Person einigen Gerichts-Standes be- freyet/ geniesset auch solche Freyheit dessen familie; Jedoch/ wenn der Edelmann nicht in derselbigen Stadt/ allwo der Fuͤrst seine Geschaͤffte treibet oder sich auffhaͤlt/ sondern an einem andern Ort seiner eigenen Verrichtung halber sich befindet/ oder so fern er ausser dessen Dienst nicht bey Hofe lebet/ es sey gleich in der Residenze oder einer andern Stadt/ allwo er die Missethat veruͤbet/ und selbige Stadt-Obrigkeit Obrigkeiten Recht mit Edel-Leuten. Ober- und peinlichen Gerichte Recht hat/ alsdann hat er sich/ durch sein Verbrechen/ deren Gerichtshaltung unterworffen/ wann sie ihn nemlich an Verbrechens-Ort gefangen nehmen koͤnnen; entfliehet er aber/ ob schon er auff seinen Guͤtern wohnet/ moͤgen sie ihn nicht citi- ren/ sondern die Sache gehoͤret zum Fuͤrsten oder Landes-Herrn. Also ist es Vom gehoͤrigen Gerichte. ist es auch mit Soldaten und geistlichen Personen/ sintemahl ein Be- Soldaten und Geistl. Recht. freyeter/ der Ubels thut/ an unbefreyeten Orten/ nach deren Gewohn- heit Rechten/ billig daselbst zu straffen; sonst aber nach gemeinen aller Orten gewoͤhnlichen Rechten soll wider grobe Laster keine adeliche oder andere einige Befreyung etwas gelten oder schaffen/ sondern deß- falls werden alle und iede/ wie sie mit Nahmen heissen/ keine ausbeschei- Adelichen Vorrecht und Freyheit Ver- lust. den/ gaͤntzlich auffgehoben/ massen gemeinen Volcks Bestes das hoͤch- ste Gesetz seyn muß/ auch keiner/ der sich mordens/ strauch-reitens/ rau- bens und gewaltsamen stehlens befleissiget/ einer Ritter-maͤssigen oder Freyheit-faͤhigen Person/ werth seyn kan. Arg. L. un. C. si quacunque præditus potestate. Auth. qua provincia, C. ubi de Crim. L. 3. ff. de re milit. L. 1. C. ubi Senator. §. 12. Jn peinlichen Hals-Gerichts-Thaten auff hohen Schu- len gehoͤret deren Erkaͤntniß/ nach der Sachen Umstand und Beschaf- fenheit/ dem Fuͤrsten der Academie oder Bischoff zu; sonst aber ist be- kandt/ daß Student en und hohen Schul Personen/ in buͤrgerlichen Sa- Student en Freyheit. chen/ von Kaͤyser Friderich Barbarossa, diese Freyheit haben/ daß sie nirgends/ als fuͤr ihrem Magistro und Rectori, beklaget werden sollen; jedoch kan dieser Rechts-Wohlthat auch abgesaget werden. Auth. Habita, C. ne fil. pro patre. §. 13. Weltlichen Standes Leute koͤnnen von geistlichen Richtern/ Geist- und weltlichen Per- sonen Rechts- Stand. Verzicht Rech- tens Einlieffe- rung. ausser in Kirchen und geistlichen Sachen/ nicht belanget noch geurthei- let werden/ gleichwie in pein- und buͤrgerlichen Sachen geistliche Per- sonen Freyheit haben/ fuͤr keiner weltlichen Obrigkeit fuͤr Recht zu ste- hen/ es waͤre denn ihres Rechtens Verzeihung schrifftlich eingelieffert worden/ oder das Verbrechen waͤre so grob/ daß sie ihrer Amts-Wuͤr- Consistorial- Gerichts-Sa- chen. den zu entsetzen/ alsdann gehoͤren sie fuͤr das Consistorium, so wohl als andere leichte Vrsehen/ und geist- oder buͤrgerliche Sachen; wann sie aber in grossen Schand-Lastern an Ort des Verbrechens auff der Ergriffenen Thaͤter Recht. That ergriffen/ gehoͤren sie fuͤr des Orts weltlichen Richter. C. cum non ab homine C. at si clerici. C. clerici, c. qualiter, X. de judic. C. si diligenti, C. 1. C. si quis C. cum contingat, \& C. significasti. Ext. de for. comp. §. 14. Wann auch einer peinlichen Gerichts Gerechtigkeit hat/ nicht aber eben auff selbige Person wegen ihrer Freyheit und der Gefangene weiß/ daß es nicht sein gehoͤriger Richter/ jedoch ihm ant- wortet/ versetzet er sein Recht/ er sey dann vom Obern daran verhin- Rechts Verse- tzuug in Ge- richts-Stand. dert/ oder solche Versetzung waͤre einem privilegirt en Orden schimpff- lich; wann nun geistliche Personen auch in buͤrgerlichen Sachen etwas von einer That anders woher mehr/ als von des beklagten oder beleidig- ten I. Buch/ Cap. II. Beicht-Be- kaͤntniß Zeu- gen-Sage. Beicht-Be- kaͤntniß Recht des Verstor- benen. ten Theils Beicht-Bekaͤntniß wissen/ moͤgen sie/ ihre Zeugensage ab- zustatten/ durch ihre geistliche Obrigkeit wohl angehalten werden. §. 15. Wann sonst ein Geistlicher/ wegen Beichtstuhls-Bekaͤnt- niß/ des Entleibten oder Verstorbenen zu seines Gewissens Erleichte- rung/ in Gottes oder Priesters Hause geschehen/ zu offenbahren belangt wird/ absonderlich in Blut-Gerichts Sachen/ darauff Blut-Straf- Missethaͤter Blut ist ein Opffer Gottes. fe erfolget/ waͤre es eine Pharisaͤische Heucheley/ ihm Zeugniß zu ver- bieten/ eben als wenn der Gerechtigkeit Verwaltung etwas suͤndliches an sich haͤtte/ vielmehr kan ja GOtt dem HErrn kein angenehmer Opffer als des Missethaͤters Blut geopffert werden/ welches bey Ev- angelischen und Protestant en mehr als Catholischen geuͤbet wird. Hurerey und Ehebruchs- Sachen Hurerey/ Ehe- bruch und Nothzuͤchti- gungs-Sachen Recht. §. 16. Schlechte Hurerey und Ehebruchs-Sachen mag man auch beym Untergericht nachzuforschen begehren/ weilen deren Straffe heut zu Tage willkuͤhrlich zu denen Erb- und Nieder-Gerichten gehoͤ- rig/ da sie aber Umstaͤnde wegen mit Verweisung und dergleichen Straffen zu belegen/ werden sie billich zum Obergericht hingezogen; Also gehoͤret Nothzuͤchtigungs-Verbrechen zum peinlichen Recht; Jst auch sonst in Ehe-Sachen der Beklagte schuldig fuͤr frembden geistli- chen Richtern zu antworten. C. causa matrimonii, Ext. de consang. \& affin. C. 16. X. de offic \& potest. jud. Ubelthat Straffe an frembden Ort. Injuri en Ge- richts-Ort. §. 17. Wer nun Frevel oder Ubelthat unter frembder Herrschafft begehet/ kan sich auff seine Obrigkeit nicht beruffen/ sondern muß an sel- bigem Ort zu Recht stehen. So soll auch in Ehrenschaͤndung und Schmaͤh-Klagen der Ehren-Schaͤnder/ dem Gerichte des Geschmaͤ- heten zu folgen/ schuldig seyn. L. 38 ff. de judic. C. sane, C. licet, X. de for. compet. L. diffamari C. de ingen. manumitt. L. 1. c. ubi de crimin. Liegenden Guts Gericht. §. 18. Wann der Beklagte unter eines fremden Richters Gebiet liegende Guͤter hat/ muß er daselbst/ allwo sie gelegen/ gerichtlich zu ant- worten sich gar nicht entziehen/ wenn er auch schon eine geistliche Person waͤre/ weiln der Streit allhier nicht die Person/ sondern die Sache an- gehet fuͤr weltlichem Gericht. L. 16. C. de præd. min. L. fin. C. de præscript. long. temp. C. 5. X. de for. comp. L. 2. 3. \& fin. C. ubi in rem act. Exerc. Auth. Clericus C. de Episcop. §. omni- Contract en- Gericht. um inst. de act. §. 19. Contract- Haͤndel geben auch gehoͤrigen Gerichts-Stand/ es wuͤrde dann dagegen fuͤrgewandt die Ausflucht oder Begebs-Recht/ wegen nicht also gemachten Handels-Vergleich/ daß die Sache nicht also gethan und beschaffen/ wie abgeredt/ ja anders geschrieben/ als gesagt/ Vom gehoͤrigen Gericht. gesagt/ und also im Gegentheil; damit kan mancher auffgerichteter Urkunden Vernichtungs- Recht. Handel vernichtet/ auch wohl Urkunden umgestossen werden/ weilen man der Warheit mehr als schrifftlichen Schein in Rechten Statt ge- ben soll/ damit man nun dafuͤr sicher seye/ soll man diesem Vortheil aus- druͤcklichen absagen lassen. L. 19. §. 1. ff. de jud. L. 20. \& 36. §. ult. Item L. 45. ff. Eod. §. 20. Wann der Beklagte fuͤr frembden Richter den Krieg be- festiget/ so hat er schon bewilliget/ seine Sache allda auszufuͤhren/ es Kriegs-Befe- stigungs- Recht. Einladung uñ Stillstandes- Frist. sey geist- oder weltlich Gericht/ weilen durch Beklagten Erscheinung der Ladung Fehler auffgehoben/ darum auch einer/ der gegenwaͤrtig ist/ und alsobald antworten will/ einzuladen unnoͤthig; jedoch kan man ihn zur Antwort nicht zwingen ohne gegebenen Stillstand/ dazwischen sich zu ruͤsten/ also gilt diese Ermahnung/ an statt Einladung; So wird Geꝛichts-Ver- jaͤhrungs-Zeit. Beklagten Versicherung. auch Gerichts-Hegungs-Recht durch Gewohnheit und 10. 20. 30. biß 40. jaͤhrigen Brauchs-Verjaͤhrung erlangt; erste kurtze Frist unter ge- genwaͤrtigen/ letztere bey Abwesenden. L. 5. ff. de jurisdict. L. 19. ff. de judic. L. 1. ff. Eod. L. fin. C. de præscr. long. temp. L. 1. §. 1. ff. de Feriis. §. 21. Wann eines beweglichen Guts halber Streit vorfaͤlt/ muß Beweglichen Streit-Guts Recht. Beklagter Versicherung geben/ solches nicht zu veraͤusern/ noch zu verschwenden/ sondern gehoͤrig auszuhaͤndigen/ oder beym Gerichts- Amt in Verwahrung niederzulegen. L. 16. in fin. ff. de offic. præs. §. 3. \&. 4. instit. de satisd. L. 17. C. de procurat. §. 22. Gegen-Klage wuͤrcket/ daß/ wofern der Vorklaͤger seine Vorklage nicht qvittir en/ noch dem Nachklaͤger antworten will/ ihm Verhoͤr zu weigern/ ohne in Wahl-Beylage-Unterhalt-Raub- Vollmacht-Ehe-Lehn- und geistlichen Sachen. So muß auch Gegen- klage des Vorklaͤgers Sache anhaͤngig seyn/ und daraus herfliessen/ oder dieselbe auff einige Weise betreffen/ und zwar fuͤr Beklagten Gericht geschehen/ also daß Nachklaͤger seinen Beweiß stuͤndlich in zweyfachen Schrifften bey Handen habe/ daß beyde Processe zugleich Gegen-Klage Recht. zum End-Urtheil gereichen moͤgen/ solche gilt aber nicht fuͤr Commissa- ri en Schieds- und Appellations- Richter/ ohne in Bey-Urtheil/ wie auch nicht in peinlichen oder andern privilegirt en Sachen. L. pen. ff. de compens. arg. L. 4. C. de pact. Auth. qui semel, C. quom. \& quand. jud. L. 24. C. de Sentent. interlocut. c. 1. \& 2. X. de mut. pet. c. 6. X. de arbitr. C. pastoralis, X. de offic. ordin. C. ut dilectus, X. de appellat. L. 5. ff. de publ. judic. L. 1. \& 19. C. de accusat. arg. L. fin. C. de ordin. judic. B §. 23. Jn I. Buch/ Cap. II. §. 23. Jn peinlichen Sachen mag einer/ wo er mißhandelt/ gestraf- fet werden/ er gehoͤre auch zu Hause wo er wolle; Nicht aber mag ein Ubelthaͤter allzeit gezuͤchtiget werden/ allwo er angetroffen/ sondern wird bißweilen an seinen gehoͤrigen Gerichts-Ort zuruͤck gesandt/ wann aber des Orts/ wo der Thaͤter ergriffen/ ein Klaͤger verhanden/ so mag daselbst die Obrigkeit den Verbrecher von Amts wegen straf- fen. Wer nun peinlich anklagt/ muß seine Klage auszufuͤhren/ oder Beklagten fuͤr Schimpff und Schaden zu antworten Versicherung thun; Eydliche Versicherung aber hat allhier nicht Statt/ ohne daß Klaͤger wegen Armuth sonst nicht buͤrgen mag/ so muß auch in diesen Sachen gantz hell und klarer Beweiß oder eigene Bekaͤntniß seyn/ sonst soll darinn niemand richten. Wo aber eine Sache zweiffelhafft/ soll man allezeit das Mittlere thun und verstehen/ weiln es besser den Schuldigen zu befreyen/ als Unschuldigen zu straffen. Nov. 134. c. 5. C. 24. Ecce, q. 3. C. si quid. dist. 86. C. si peccaverit, 2. q. 1. L. 13. ff. de offic. præs. L. 4. §. 1. ff. ad L. jul. pec. L. item, §. si quis, ff. de injur. L. si cui, in pr. ff. de accusat. L. qui crimen, in pr. C. qui accus. non pot. L. 1. 4. \& fin. ff. de custod. reor. L. 16. C. de pœn. L. ult. C. de probat C. sciant, 2. q. 8. C. Epiphan. 5. q. 6. L. singul. C. de accus. L. cum reis, C. de pœn. L. addictos, C. de appell. L. 32. \& 42. ff. de min. c. at si, Ext. de judic. L. perinde, ff. ad L. Aquil. L. 2. C. quor. appell. non. L. 22. C. ad L. Corn. de fals. L. 1. C. ubi de crim. Verbrechen Gericht. §. 24. Ausflucht einig Gericht zu vermeiden muß man vor Kriegs- Befestigung einwenden als wegen nicht angehoͤrigen Gerichts/ oder welcher Richter allbereit zuvor kommen/ wenn Beklagter mehr als ein Gerichte hat/ oder in Schmaͤh-Klagen/ allwo Klaͤger die Wahl hat/ den Schuldigen zu belangen nach Belieben wo er will/ wie auch durch Injuri en Ge- richts Wahl- Recht. Supplique zum Fuͤrsten/ oder der Auszug/ wegen irgends wo schon an- gehaͤngt- und noch waͤhrenden Rechts-Streit/ oder eines verdaͤchtigen und ungeschickten Richters Verwerffung/ welcher Auszug auch her- Auszugs Ver- jaͤhrung und Proceß-Nich- tigkeit. nach frey steht vorzubringen/ wenn des Verdachts Ursachen erhellet oder zu erst bekandt worden/ alsdann mag der Richter ohne offenbahre Nichtigkeit im Proceß nicht fortfahren/ sonst mag keinem Auszug einige Verjaͤhrung entgegen gesetzt werden. L. pen. \& ult. C. de Except. L. 5. pr. ff. de judic. L. 7. 30. \& 72. ff. Eod. L. sin. C. ubi in rem act. c. 13. 17. \& 19. X. de foro compet. L. 1. C. quando lib. princ. Clem. fin. ut lite pend. L. 16. \& fin. C. de judic. c. 25. X. de offic. deleg. L. 32. §. 14. ff. de arbitr. c. 4. X. de Except. L. 8. C. quom. \& quand. jud. L. pure, §. fin. ff. de dot. Exces t. Zeugen Ver- hoͤr-Gerichts Stand. §. 25. Zeugen Verhoͤr giebt auch gehoͤrigen Gerichts-Ort/ weiln der Widerpart/ gegen welchen die Zeugen gefuͤhret werden/ dazu be- ruffen Vom gehoͤrigen Gerichte. ruffen seyn muß/ ob er etwas dagegen einzuwenden/ anders waͤre das Verhoͤr nichtig/ ohne bey Inquisition s-Faͤllen und wofern Gefahr beym Verzug/ als wegen Schaden an entferneten Orten geschehen/ oder wegen langwieriger Abwesenheit/ oder Todes Zufall/ oder auch ausbuͤndig glaubhaffter Zeuge zu verhoͤren/ oder es geschehe mit Par- Zeugen Vor- recht/ der aus- buͤndig glaub- hafft. they Bewilligung/ so muͤssen dennoch der Zeugen Nahmen Gegentheil ebenmaͤßig kund gemacht werden. L. si quando, C. de Test. L. 1. C. de naufrag. §. 26. Wann Beklagter abwesend sich nicht einfinden will/ mag Beklagten ab wesenden Recht. er binnen 30. Tagen dreymahl oder ein fuͤr alle mahl mit dieser Bedro- hung geladen werden/ daß auff sein Ausbleiben nichts destoweniger ergehen soll was recht ist/ und so fern der Citirt- und Beklagte ebenmaͤs- sig wie der Klaͤger erscheinet/ soll er am ersten Termin deutlich kurtz und verstaͤndig/ klar und unterschiedlich/ ob und worinn die That anders als vom Klaͤger vorbracht/ und wie es sich eigentlich verhalte/ specificir en/ und auff jeden Punct nach allen seinen Umstaͤnden Antwort anzeigen/ Thats-Pun- cten richtige Antwort. wie auch/ was er dabey fuͤr nahmentliche Auszuͤge einzuwenden haben moͤchte/ alles auff einmahl bey Rechte Verlust-Straffe einzubringen. Tot. Tit. ff. \& C. de requir. reis. Caput III. Wann und wo Gericht zu halten/ und was allda wegen Feyertag und Ausfluͤchte zu handeln. §. 1. Z U heiligen Feyertagen/ zur Erndten/ Jahrmaͤrckten und Wein- Gerichts Fey- ertage Recht. lese/ auch Fuͤrsten zu Ehren/ item, wegen Pest-Seuche/ Auff- ruhr und Feindes-Noth-Zeiten/ ausgenommen guͤtlichen Vergleich der Partheyen/ darff man nicht zu Recht stehen/ wann man nicht sol- cher Freyheit/ wie gewoͤhnlich/ sich schrifftlich verziehen; jedoch mag man GOttes heiligen/ als auch andern aus obliegender Noth gebote- nen Feyertagen nicht sich begeben/ sondern solche entschuldigen den Feyertage Proceß nichtig. nicht erscheinenden/ ja die Rechts-Handlung ist gantz null und nichtig/ auch fuͤr einem Schieds-Richter/ es sey gleich mit Partheyen Bewilli- gung oder streitige Gerichts-Hegung. Tit. ff. \& C. de Fer. L. 2. \& ult. C. Eod. L. 36. ff. de arbitr. §. 2. Wer nun auff einen Feyertag zu erscheinen geladen/ ist fol- gendes Tages sich einzufinden gehalten; So mag auch an heiligen Feyertagen keine Citation jemand eingelieffert seyn; Erndte-Feyer- B 2 Zeiten I. Buch/ Cap. III. Zeiten gehen nur Acker- und Bauers-Leute an/ gelehrte Leute und ho- Erndt- und Jahrmaͤrckte Feyer-Zeiten. her Schul-Personen aber nicht/ jedoch koͤnnen sie dafuͤr als auch unge- horsam nicht verurtheilet werden; Jahrmaͤrckte Feyertage gehoͤren auch Gewerb und Handels wegen Kauffer und Verkauffern/ es waͤ- re denn daselbst Contract gemacht/ oder jemand als verbannet dessen unwuͤrdig/ oder sonst wegen der Flucht verdaͤchtig. C. cum dilecti, X. de dol. \& contum. L. ult. C. de Dil. \& Fer. arg. à contrario sensu, L. 1. C. de agric. \& Cens. L. 1. §. fin. \& L. 4. ff. de Fer. L. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. \& L. ult. C. Eod. L. un. C. de nund. L. 26. §. si feriæ, ff. Ex quib. caus. maj. Caleuder Ge- brauch/ wie zu deobachten. §. 3. Wann aber die Calender hierinn veraͤnderlich gelten/ beyder Zeiten/ oder am meisten des gehoͤrigen Gerichts-Orts Tage/ allwo aber Procuratores bestellet sind/ die moͤgen/ wofern Gericht an solchem irr- dischen Feyertag gehalten wird/ wohl sich allda einfinden und gericht- Appellation Freyheit. lich handeln; Appellation aber mag an allen Feyertagen wohl anhaͤn- gig gemacht werden/ weilen solcher Frist keinen Verzug leiden will/ oder der Rechts-Stand geht verlohren. Auszuͤge Recht die zerstoͤrlich. §. 4. Zerstoͤrliche Auszuͤge soll man alsbald der Kriegs-Befesti- gung anhaͤngen/ deren Beweiß aber geschicht hernacher; So moͤgen auch etliche vorhero sich klagloß zu machen eingewendet werden/ als daß die Sache schon geurtheilet/ verglichen oder durch Eyd geendiget; ja einige kan man nach dem Urtheil nuͤtzlich gebrauchen/ als die/ so hernach entstanden oder das Gericht vernichtet/ wie in Ehe-Sachen wegen Blut-Verwandschafft/ oder wofern sie dem Urtheil nicht wie- dersprechen/ dennoch dessen Vollendung maͤßigen/ als frembden nicht angehoͤrigen Gerichts-Stand/ Klagen Abtretung und nicht bezahleten Werths halber/ oder welche anzeigen/ daß die Verpflichtung noch nicht angefangen oder rechtlich verschwunden/ wie Ausflucht geschehener Bezahlung/ Vergeltung-Beylage/ List/ Falschheit/ Verjahren und nicht erfuͤlleten Handlung wegen/ oder wann das Urtheil durch Erstat- tung gehoben/ oder durch Appellation auffgehalten wird/ oder auch/ so fern die Person und Auszug selbst sonderlich dazu privilegir et/ als Schuld von Weib und Kindern gemacht; oder so man stuͤndlich er- weisen kan/ daß Klaͤgern nichts an der Sache gelegen/ sondern unge- Eines dritten Rechts Ein- wurffs Krafft. Verlaͤngung- Auszugs Recht. buͤhr und freventlich klaget/ welchen Falls eines dritten Rechts Ein- wurff wohl gelten mag/ oder wegen gleichen Grads und naͤhern Erb- folgers-Recht; Wann nun der Auszug in der Verlaͤugnung bestehet/ so muß der Beweiß dem Klaͤger und nicht Beklagten obliegen; Also auch wann Beklagter zwar die Verheissung gestehet/ aber mit Beding auff Von der Zeit und dem Orte der Gerichten. auff gewisse Art und Weise geschehen zu seyn vorgiebt/ muß Klaͤger das Gegentheil gruͤndlich darthun. L. 2. C. sent. rescind. non poss. L. 8. \& 9. C. de Except. L. 2. §. ult. \& L. seq. Eod. L. 2. C. de pedan. jud L 9. C. de præscr. long. temp. L. 1. C. de re judic. L. 11. §. 4. ff. de Except. rei judic. L. 1. C. de jur. \& fact. ignor. L. 11. ff. ad SCt. Maced. C. 1. X. de lit. cont. L. ult. C. de Rei vind. L. 6. C. de serv. fugit. L. 13. §. 8. ff. de act. Emt. arg. L. 14. C. de non numer. pecun. L. 213. ff. de V. S. Gloss. in L. siquidem, verb. sed contra, C. de Except. §. 5. Uber zweyte Schrifft soll man nicht leicht fuͤr Gericht verstat- Schrifften Vielheit ver- boten. ten/ vielmehr diejenigen/ so freveln Auszug machen/ mit Geld-Straffe belegen; ja allwo Streits-Verzoͤgerungs Verdacht verhanden/ werden alle unverschaͤmt- und boßhaffte Ausfluͤchte verworffen/ sonst aber sol- len solche schrifftliche Behelffe zwiefach eingelieffert werden/ daß man deren Copie ohne Verzug mittheilen koͤnne; So mag auch strengen Rechts/ nicht aber Billigkeit halber/ ein Fuͤrst jemand eine Sache zu schlichten befehlen/ ohne Ausflucht zu beobachten/ daß nemlich Be- klagten die vorher eingewandte und die Sache selbst mehr beruͤhrende Auszuͤge/ auch Kriegs-Befestigung zerstoͤrlich zu gebrauchen/ auch moͤ- gen vorbehalten werden; inzwischen aber/ vorgeschuͤtzten Vergleichs- Ausflucht ungeachtet/ ist er den Krieg rechtlich zu befestigen schuldig/ welches im Bey-Urtheil vom Richter ausgedruͤckt und verworffen seyn soll; So mag einer auch an solchen Ort beklaget werden/ allwo er Rechnung ablegen soll. Arg. Clem. sæpe de V. S. c. 13. X. de offic. jud. deleg. L. 2. C. de ord. cognit. L. ult. C. de ord. jud. L. 6. §. fin. ff. de compensat. L. fin. C. ubi de ratiocin. §. 6. Niemand kan seines gleichen oder hoͤhern Leuten ohne deren Willen Urtheil und Recht sprechen/ wann auch die Sache einen drit- ten Mann angienge/ daß zwischen streitigen Partheyen einiger Falsch- heit-Verdacht obhanden/ oder derselbe einem Theil wegen sein eigen Interesse beystehen muͤste/ so kan er waͤhrend oder nach geendigten Krieg Urtheils Vollziehung zu hindern zwischen kommen und sein Recht Zwischen kom- menden dritten Recht. vertreten/ als wegen einer streitigen Sache Vermaͤchtniß/ oder wo- fern der Fiscal auff buͤrgerliche Sachen wegen Straffe anspricht/ oder wann jemand eine Erbschafft im Testament bekommen/ die schon ein ander hat also gewonnen/ muß sie dem ersten verbleiben/ welcher dem andern Buͤrgschafft leisten soll; So ferne aber irgend einseitiger Betrug zu vermuthen/ mag man dem zwischen kommenden Klaͤger den Eyd der Boßheit aufflegen/ und dieses gilt in allen/ auch geistlichen B 3 Sa- I. Buch/ Cap. III. Sachen; Unmuͤndige aber/ Unsinnige/ Taube und Stumme moͤgen nicht Klaͤger seyn. L. 3. §. fin. \& L. 4. ff. de recept. qui arbitr. L. 14. ff. de jurisdict. Nov. 112. §. 1. Auth. nunc si hæres, C. de Litigiosis. L. 29. ff. de inoffic. Testam. L. pen. ff. de pet. hæ- red. C. 15. X. de offic. jud. deleg. Tot. Tit. ff. de postul. Tot. Tit. C. qui legit. pers. L. 40. \& 124. §. 1. ff. de R. J. §. 7. Also in Raubs-Klage/ wann der Beraubte Erstattung be- gehret/ Beklagter aber das Eigenthum erweisen will/ wird Erstattung Mitgissts Vor- recht. so lang auffgehalten/ biß des zwischen-kommenden Recht eroͤrtert; Oder wann fuͤr Mannes Schulden in Heyraths-Guͤtern das Urtheil vollenzogen wuͤrde/ mag die Frau rechtlich sich entgegen setzen und zwi- schen treten/ so soll Mitgifft wieder gegeben werden/ wo der Mann wohnet und nicht allwo sie versprochen. L. bona fide, §. 1. ff. Depositi. L. 15. §. 4. ff. de re judic. L. 29. C. de jur. dot. L. 65. ff. de judic. Appellation- Vorrecht. §. 8. Desgleichen mag jemand in Appellations- Fall zwischen kommen/ ob schon die Partheyen mit ihrem Urtheil vergnuͤget seyn/ und Klaͤgern oder Beklagten eigenen Nutzes halber auszuschliessen und binnen zehen Tagen eingefuͤhrte Appellation fest anzuhaͤngen und sel- bige vor sich zu verfolgen/ dabey aber muß ein solcher dritter Mann sei- ne Beschwerungs-Ursachen gebuͤhrend anfuͤhren/ weilen auch der Sa- chen unvermeidliche Anhangs-Verwandschafft angehoͤrig Gericht macht. L. 4. \& 5. §. 2. ff. de Appellat. L. 3. \& 10. C. de judic. L. 3. C. de ordin. jud. §. 9. Wann sonst des zwischenkommenden Klaͤgers Vorhaben von grosser Wichtigkeit/ der Erste aber seine Sache geschwinder be- schliessen will/ mag jener das Gericht nicht auffhalten/ sondern es wird das Urtheil gegen der Sache Versicherung vollendet; Wann auch einer Verbrechens halber eingezogen und wieder ihn procedir et/ er aber rechtlich ausfuͤhren wolte/ daß ihm Unrecht geschehen/ mag er Erstat- tung suchen. L. 57. ff. de Rei Vind. §. 10. Wann Beklagter an vielen Orten Wohnungs-Recht hat/ mag Klaͤger erwehlen/ wo er ihn gerichtlich belangen will; Ein zwi- Zwischen kom- menden Klaͤ- gers Recht. schenkommender Klaͤger aber muß auch den Streit daselbst antreten/ in welchem Stande er ihn gefunden/ dahero er keine neue Zeugen-Sage vorfuͤhren kan/ bevorab wenn er vom Zeugen-Verhoͤr gewust und selbi- ges eroͤffnen lassen/ wegen einigen Betrugs Argwohn. L. 2. §. 3. \& L. 4. ff. de eo quod cert. loc. pet. C. ult. X. ult. lit. pend. §. 11. Also Von der Zeit und dem Orte der Gerichten. §. 11. Also schadet auch vorigen Streits Wissenschafft einem Schuldners Recht wegen Pfands-Ver- thaͤdigung Cre- ditoris. Schuldner/ der seines Wissens den Creditor das Pfand verfechten laͤsset/ wofern dieser untenlieget; sonst aber wo der Richter Boßheit vermuthet/ mag er den zwischenkommenden Klaͤger wohl abweisen/ jedoch seiner Ansprache nichts benommen/ und mag ein Schuldner an Ort und Enden/ allwo Bezahlung versprochen/ so fern er daselbst ge- funden wird/ beklaget werden. L. 63. ff. de re judic. L. 23. ff de obl. \& Act. L. 100. in fin. ff. solut. §. 12. Nach Kriegs-Befestigung wird auch der Procurator Streits Veꝛpflichtungs Recht mit Be- ding. Herr/ daß hernach keine Luͤgen mag wiederruffen werden/ wer nun in buͤrgerlichen Sachen also den Krieg befestiget/ daß er zwar die Schuld aber mit Beding gestehet/ alsdenn muß Klaͤger beweisen/ daß Beklag- ter schlecht sich verpflichtet; in peinlichen Sachen aber wer Mordthat bekennet/ und dabey sagt/ daß es zur Nothwehr geschehen/ muß als Beklagter dieses gruͤndlich darthun. L. 22. C. de Procurat. L. 26. §. 5. ff. de noxal. act. §. 13. So waͤre auch Proceß zu verkuͤrtzen gar dienlich/ daß Kriegs-Befestigung auffs Richters Anordnung der Beklagte selbsten Proceß Ver- kuͤꝛtzungs-Mit- tel. und nicht die Procurator n auch nicht schrifft-sondern muͤndlich zu ver- richten angehalten wuͤrden/ welches hernach aus dessen Mund zur Fe- der im Gerichts-Buch eingefuͤhret seyn soll/ alsdenn wird alle Zeit- und Jaͤhrliche Klage dadurch verewiget ohne Klagen wegen Betrug. Item, Straff-Buß-Klagen werden damit auff Erben versetzt/ und Verjahrungs-Frist wie durch Ladung unterbrochen. Arg. L. ult. C. de Procur. L. ult. in fin. C. de fidej. tut. L. ult de præscript. 30. ann. L. fin. C. de dolo. L. 139. \& 164. ff. de R. J. L. 26. C. de Rei Vind. L. 2. C. de an- nal. Except. Caput IV. Von Citation oder Gerichts-Einladung/ Item, von Dilation oder Auffschubs-Frist und Un- gehorsam. §. 1. W Er zum Gericht geladen mit einiger Freyheit begabt/ ist solches Gerichts La- dungs-Wuͤr- ckung. anzufuͤhren und zu erscheinen pflichtig; Gerichts-Ladung ver- hindert die sonst gehaͤssige wegen Besitzers Nachlaͤßigkeit eingefuͤhrte 30. jaͤhrige Verjaͤhrung. L. 2. ff. si quis in jus vocat. L. 5. ff. de judic. L. 3. §. quæ ergo, \& L 7. princ. ff. de præscr. 30. ann. §. 2. Ge- I. Buch/ Cap. IV. §. 2. Gerichts-Ladung geschiehet entweder durch Boten oder schrifftlich/ wann Beklagter unter anderm Gericht stehet/ mit dessen Richters Huͤlffe wegen Contracts, Verbrechen und wo das streitig Gut gelegen/ welches kan beschlagen werden/ auff daß Klaͤger nicht zu des- sen Besitz eingefuͤhret oder durch oͤffentliches Edict, wann Beklagter Citation bey Zeugniß und Confrontati- on s-Fall. herumschweiffend an keinem gewissen Ort zu finden; frembden Rich- ters Gerichts huͤlffliche Ladung geschicht auch wegen Zeugniß abzustat- ten/ oder in Confrontations- Fall mit Beklagten einer Ubelthat halben. Ein Fluͤchtiger/ der nach Jahr und Tag erscheinet/ bekommt sein Gut wieder/ darum von solchen Guͤtern keiner Obrigkeit etwas zu nehmen und zu ihrem Nutzen anzuwenden eꝛlaubt seyn soll/ es kan auch uͤber Ver- weisungs Straffe keinem Abwesenden mehr zuerkannt werden. Clem. 1. §. volumus, de foro compet. C. 1. §. contrahentes, de for. comp. in 6. Clem. 1. de judic. Clem. 2. de Pastoralis, de sent. \& re judic. L. 1. \& 2. C. de re- quir. reis. L. 5. ff. de pœnis. L. 5. §. 13. ff. de rebus eorum. c. 19. X. de appell. L. 8. C. quom. \& quand. L. 10. §. 16. quæ in fraud. credit. L. 47. ff. de re judic. §. 3. Derjenige/ welchen die Klage angehet/ und alle die dadurch koͤnnen beleidiget werden/ muͤssen citir et seyn/ und diese Citation wird ins Gesicht vermeldet oder zur Wohnung eingebracht; wann deren Be- klagten mehr sind/ soll jedern eine Copie uͤberlassen werden/ und wofern Gerichts-La- dungs Art und Bericht. die Haußgenossen solche nicht annehmen wollen/ mag der Bote sie de- ren Thuͤr-Posten oder Fluͤgeln anbefestigen/ und etlichen Nachbarn es bekandt machen/ welche Art der Haupt-Ladung muß eingeschrieben seyn/ auch im Gerichts- Protocoll auff gethanen Bericht anzufuͤhren/ welche Boten Nachricht nothwendig geschehen muß/ auch soll es ver- siegelt werden/ ob sie ihm oder andern uͤberlieffert/ was der Geladene geantwortet/ solchem Bericht dann billig Glauben beyzustellen/ weilen zu vermuthen/ daß ein beeydigter Gerichts-Diener alles richterlichen Befehl gemaͤß verrichtet habe/ in peinlichen Sachen aber wird der Beklagte thaͤtlich wie ein Fluͤchtiger ergriffen. L. 39. ff. de Adopt. L. 13. §. 1. ff. de Excusat. tut. Gerichts-Bo- ten Pflicht und Gerechtig- keit. §. 4. Von solchen Cantzley Hoff- oder Gerichts-Knechten/ Stadt- Dienern/ Pedell en/ geschwornen Frohn-Boten ist zu wissen/ daß solche Gerichts-Boten-Laͤuffer sollen alle Einladungen und Proceß- Handlungen verkuͤndigen/ exequir en und davon Bericht abstatten/ auch/ im Fall eine Parthey nicht erscheinen wuͤrde/ wieder von neuen auff sein selbst Kosten ohne Parthey Nachtheil zu thun angehalten werden/ vermittelst beydes gegen gewisse Besoldung/ wann sie aber untreu und nachlaͤßig/ werden sie mit Gefaͤngniß-Thurn/ ihres Amts Entsetzung und in an- Von der gerichtlichen Citation und Dilation. in andere Wege ernstlich abgestrafft; wer aber solchen sich widersetzet/ ihnen Gewalt und Unrecht zufuͤget/ da ihnen jemanden von Amts we- gen zu fahen gebuͤhret/ verbricht gegen die Obrigkeit selbsten/ und mag im Fall der Nothwehr gar getoͤdtet werden/ da sie nur in ihren Schran- cken bleiben/ nicht gewinnsuͤchtig/ noch arglistig jemanden beschaͤdigen Rechts Wie- dersetzlichkeit Straffe. mit Unfug/ sonst waͤren sie gleich andern Ubelthaͤtern zu straffen; die hartnaͤckichte Wiederstreber aber/ wann sie daruͤber verwundet/ ha- ben es ihnen selbst beyzumessen/ und werden dazu willkuͤhrlich noch ge- zuͤchtiget. L. 33. §. 5. C. de Episc. L. 13. §. 2. C. de judic. L. 12. C. de prox. sacr. scrin. Nov. 82. §. his qui lites. L. 9. C. de cohortat. L. 1. \& seq. C. de lucr. Advoc. Tit. C. de fruct. \& lit. expens. P. H. O. art. 150. C. 11. §. notarium, in verb. officium, de re- script. in 6. c 97. caus. 11. q. 3. arg. L. 1. §. 3. ff. de injur. arg. L 4. C. de his qui ad Eccles. conf. L. 29. §. fin. ff. ad L. Aquil. L. 3. §. 1. ff. quod met. caus. arg. L. 32. ff. de injur. Tot. Tit. C. de Apparit. §. 5. Wann Beklagter ein Mieths-Mann oder sonst jemand in eines andern Nahmen im Besitz waͤre/ mag er bey der gerichtlichen Einladung/ es seye beweg- oder unbeweglichen Guts halber/ sich ent- schuldigen und seinen rechten Besitzer oder Eigener benennen/ welche Benennung der Richter alsbald dem Benannten kund thun soll; So Rechten Eige- ner oder Besi - tzers Benen- nungs Recht. fern er aber solches fuͤr Kriegs Befestigung nicht thut und vorher ande- re nichtige Ausflucht gesucht/ kan er ohne bewiesenen Jrrthum sich mit solcher Benennung hernach nicht behelffen; wie auch kein Lehnmann Pfand oder Nutzungs-Einhaber/ ohne im Streit wegen Eigenthum. L. 2. C. ubi in rem act. C. fin. §. fin. X. ut lit. non contest. L. 13. §. 13. ff. de petit. hæred. §. 6. So wohl bey Niedern Obrigkeit als Obern Botmaͤßigkei- Citation- Jnn halt der streiti- gen Sache. ten/ wie auch fuͤr Dorffs-Richter und Schoͤppen muß ins besondere einer Citation oder gerichtlichen Ladung die Sache/ so streitig/ einver- leibet werden/ wofern sie nicht fuͤr unbescheiden und betruͤglich soll ge- halten seyn/ es waͤre dann/ daß der Beklagte wohl bewehret und geruͤ- Dilation- Rechts Wuͤr- ckung. stet kommen koͤnne/ daß keine vergebliche Dilation vorzuschuͤtzen/ son- dern der Proceß muͤglichst zu verkuͤrtzen/ massen sonst Auffschubsmittel nur in dem Punct/ daruͤber es verstattet/ zu Nutz kommt/ es haͤtte denn einer dem Beweiß abgesagt/ oder waͤre Ungleichheit erschienen/ oder gar einiger Zeugen Verdacht verhanden/ weilen waͤhrender Dilation vom Richter keine Neuerung vorzunehmen; Sonst wird angehoͤrigen Gerichts freventliche Entziehung mit Gelde oder Sachen Verlust ge- straffet. L. 3. C. de Dilat. L. 5. §. 1. C. de jurisd. omn. jud. C §. 7. Wann I. Buch/ Cap. IV. Falschen Ur- hebers Benen- nungs Straffe. §. 7. Wann jemand seinen rechten Eigenthums-Herrn nicht be- nennet/ sondern einen falschen Urheber anzeiget/ verliehret er sein Be- sitz-Recht/ sonsten wird er vor seine Person klagloß gestellet/ Gerichts- Termin aber verlaufft von Zeit der Einladung Anschlags. L. ult. ff. de Rei Vind. Urheber Be- klagten und Klaͤger-Besitz- Streits Recht. §. 8. Weilen auch die Beklagte bißweilen einen abwesenden Ei- gener des streitigen Gutes zu nennen pflegen/ oder einen maͤchtigern Be- sitzer angeben/ als in dessen Nahmen sie es gebrauchen/ kan man ihnen zur Sicherheit den Eyd der Boßheit aufftragen/ so stehets auch Klaͤ- gern frey/ Beklagten zu uͤberweisen/ daß er es in seinen eigenen und nicht eines andern Nahmen besitzet/ alsdann wird er des Guts entsetzet und Klaͤger zum Besitz eingewiesen; jedoch mit Vorbehalt des Eigen- thumers Recht ohne Nachtheil des Abwesenden. Wenn nun der Au- tor benannt/ auch es ihm kund gethan/ und dennoch nicht erscheinet/ wird der Krieg fuͤr befestiget gehalten/ die Verjaͤhrung zu unterbrechen und zu verhindern. L. fin. ff. de Rei Vind. Creditoris Recht/ wegen Schuldners Guͤter Arrest. Hoher Bedien- ten und Raͤthe Gericht. §. 9. Wann Creditor Schuldners bewegliche Guͤter arresti rt und gegen ihn oder dritten Besitzer Klage anstellet/ so mag deren keiner sagen/ daß der Ort des Arrest s ihr gehoͤrig Gericht nicht sey; Ober und Unterrichter aber/ auch Raͤthe uñ hohe Bediente wegen ihrer und Cam- mer-Guͤter/ warten Rechts-Verfolg fuͤrm Ober-Hoff-Gericht. §. 10. Gegen Auffschubs-Auszug und Einwurff ist das beste Mit- tel einen endlichen Termin zu setzen/ an welchem sie alle vorzubringen/ Dilation Ver- hinderungs- Mittel. wann nun solcher verflossen/ wird Beklagter nicht mehr gehoͤret/ er beschwoͤre denn/ daß es ihm hernach erst kundbar worden/ so ist Be- klagter fuͤr seiner Exception- Eroͤrterung in der Haupt-Sache sich einzulassen nicht verbunden. Urphede Recht einer geringen fluͤchtigen Per- son. C. 4. Ext. de Except. C. 14. X. de offic. jud. deleg. §. 11. Ein Fluͤchtling oder geringe Standes-Person/ die Urphede nach Landes-Verweisung leisten soll/ muß dazu ernstlich eingeladen seyn/ weilen viel daran gelegen/ daß sie gegenwaͤrtig sey und zu dem Ge- loͤbniß angehalten werde/ massen sie dadurch/ wofern sie hernach wie- Richters Vor- sichtigkeit mit gefaͤnglichen Hafft eines verdaͤchtigen Ubelthaͤters. der kommet/ zu groͤssern Straffen sich anstrengend verbindet. §. 12. Wann in peinlichen Faͤllen also schwache Anzeigungen zu fin- den/ daß/ von gefaͤnglicher Hafft den Anfang zu machen/ dem Richter annoch ungewiß erscheinet/ mag er dißfalls Beklagten durch Gerichts- Diener muͤndlich zu sich beruffen und citir en lassen/ von der Ubelthat befragen Von der gerichtlichen Citation und Dilation. befragen und dessen Antwort fleißig anzeichnen/ wofern er nun nicht erscheinen will/ oder seine Rede veraͤndert und zweiffelhafft vorbringt/ und sich dadurch verdaͤchtig macht/ mehr als zuvorn/ so kan er zum Kercker hingebracht werden/ vermag sich auch nicht zu entschuldigen Citi rungs Ur- sache/ wann un- noͤthig zu mel- den. wegen seines Ausbleibens/ daß ihm keine Citi rungs-Ursache vermel- det/ weilen es hierinn unnoͤthig/ ein jeder aber seinen Oberherrn gehor- same Folge zu leisten pflichtig/ oder es werden solche/ ohne erhebliche Ursache/ halsstarrige Rechts-Veraͤchter zu erscheinen gezwungen. §. 13. Wann peinlich Beklagter zur Antwort Dilation oder Auff- Dilation wann zu gestatten. schubs-Frist begehret/ stehet es in Richters Willkuͤhr/ in dessen eigenen Geschichten/ oder wann die That frisch oder alt/ ob Beklagter selbige bald vergessen moͤgen oder nicht/ solches wohl zu erwegen; So soll man Meineyd soll man verhuͤten. ihn auch eydlich zu antworten nicht anstrengen/ dann so offt irgend Meineyd zu befahren/ soll man niemanden Eyd anbiethen/ wer es aber jedennoch thut/ ist mehr als ein Todtschlaͤger. c. 5. caus. 22. q. 5. §. 14. Nachdem auch offtmahls sich zutraͤgt/ daß diejenigen/ so in diesem Amt- und Gericht verbrochen/ fluͤchtig werden/ oder gar aus den Banden entwuͤrcken/ und bey andern Unterthanen wieder zur Hafft ge- Obrigkeiten Revers wegen Remission der Ubelthaͤter. bracht sind/ als sollen auff gethanes Ansuchen und auff einen Revers oder Gegen-Bekaͤntniß/ bittweise/ wegen Freund-nachbarlichen guten Willens/ alle Gerichtshabere dieselbigen Ubelthaͤter zu solchem Ge- richts-Amts/ darinn Verbrechen geschehen/ auff deren Unkosten ohne Weigerung zur gebuͤhrlichen Rechtfertigung wiederum abfolgen las- sen/ welches allen und jeden an ihren Gerechtigkeiten unnachtheilig seyn soll/ daselbst denn andern zum Exempel solche Missethaͤter nach gemei- nen Land-laͤufftigen Rechten sollen gestrafft und mit ihnen verfahren werden. §. 15. Wann Klaͤger einmahl einen Gerichts-Ort erwehlet/ muß er dabey bleiben/ es sey Wohnungs-Ort/ oder wo die Sache gelegen/ Citation Huͤlff- Richters Pflicht. so muß auch Klaͤger eydlich erhalten/ daß er dritte oder vierdte Auff- schubs-Frist aus keinem Betrug/ Arglist oder Gefaͤhrde/ noch boßhafft zur Sachen Verschleiffung/ sondern allein zu seiner Kundschafft Vol- lendung gesucht/ wann dann ersuchter Huͤlff-Richter Beklagten nicht laden will/ mag ihn dieser laden/ als waͤre er in seinem Gericht-Zwang gesessen. L. 30. ff. de judic. L. 10. \& seq. ff. de R. V. §. 16. Dilation und Rechten Auffschub in buͤrgerlichen Sachen soll man nur auff einmahl gestatten/ ohne so jemand durch unversehenen C 2 Fall I. Buch/ Cap. IV. Fall und ohne Schuld verhindert/ daß er seine Pflicht nicht thun kan/ als Gesundheit/ Ungewitter/ Feindes Gewalt/ Abwesenheit dessen/ der die Brieffe zur Beylage verwahret gehabt/ oder Nachfolgers Unwis- senheit und Advocat en rechtliche Abwesenheit/ so mag zum andern und dritten mahl Dilation, jedoch nicht ohne der Sachen richterliche Er- kaͤntniß/ da er seinen Gerichts-Stuhl Platz besitzet/ gegeben werden. L. ult. ff. de Dilat. L. 1. \& 4. C. Eod. L 2. §. 3. ff. si quis caut. L. 7. ff. de Edendo. L. 36. ff. de judic. L. 7. ff. de Fer. L. 41. ff. ad L. Jul. de adult. Dilation Ter- min wie viel zu goͤnnen. §. 17. Jn peinlichen Sachen werden drey Auffschubs- Termin e vergoͤnnet dem Beklagten/ und Klaͤgern nur zwey/ ausgenommen in oͤffentlichem Fried-Bruchs-Laster/ dessen Proceß kurtz und summa risch abzuhandeln/ deßgleichen in Ehebruchs-Sachen/ worinn Verbrechens Groͤsse das Gegentheil erfordert/ es waͤre denn Zeit noͤthig/ die Perso- nen herbey zu schaffen/ ja wenn Beweißthum ausser Schuld mangelt/ wird vierdte Frist gegeben/ so fern nur der Begehrende beschweret/ daß es ohne Boßheit geschehen; wo aber Falschheit dabey/ wird die Par- they zu Unkosten verdammet/ auch ihr so wohl als Advocat en willkuͤhr- liche groͤssere Bestraffung aufferleget. Nov. 90. c. 4. \& c. pen. X. de Test. Dilation Fꝛey- heit. §. 18. Dilation s-Zeit kan nicht gelten/ als verflossen gerechnet zu werden/ wofern der Beweiß durch Gegentheil verhindert oder beym Commissario steht/ oder etwan einigen Zufalls wegen der Oberherr zu Klaͤgers Pflicht und Beklagten Recht. berathen/ wann sich aber Klaͤger sonst in Anfuͤhrung seines verstatteten Beweißthums versaͤumet/ ist Beklagter von der Klage frey zusprechen. L. 26. §. 4. in fin. ff. ex quib. caus. major. L. 2. \& ult. C. h. tit. §. 19. Wann die Sache also weitlaͤufftig und wichtig/ daß Beklag- Termins Ver- zoͤgerung. ter so bald nicht antworten kan/ mag ihm wohl Termins -Verzoͤgerung gestattet seyn/ widrigen Falls kan auch fernere Verhoͤrs Verweige- rung statt finden; wofern er aber ungehorsam/ muthwillig/ aus Arglist nicht erscheinet/ auff endliche vom gehoͤrigen Richter beschehene kund Ausbleibens Ehehaffte Ur- sachen. gemachte Einladung ohne Ehehaffte Ursachen/ als Kranckheit/ Reise/ Orts Unsicherheit/ hoͤhern Verbot/ Gefaͤngniß/ Gewaͤssers-Ergies- sung/ Kriegs-Erregung/ rechtlichen Furcht/ Kindes-Noth/ Schwan- gerheit und dergleichen/ wird gestꝛafft mit Geld-Busse/ zum Richter/ leib- lichen Gefaͤngniß/ Pfaͤndung/ Guͤter Besitz-Einnahm/ zu deren Veꝛwah- rung und seiner Sicherheit ohne Fruchtfeniessung/ so dem Hrn. gehoͤrig/ dafern er sich stellet und Kosten bezahlet/ sonst aber werden sie Klaͤgern eigen- Von der gerichtlichen Citation und Dilation. eigenthuͤmlich zuerkant/ nach Streits Werth/ eydlich ist auch Rechtens- Wohlthat zu appellir en beraubet. L. 2. §. 1. ff. si quis in jus vocat. Princ. Tit. ff. si quis jus dicent. L. 8. C. quom. \& quando jud. L. 5. §. 10. ff. de agnoscend. liber. L. 9. C. de bon. auth. jud. poss. Auth. Ei qui jurat, C. eod. Nov. 34. c. 4. c. fin. §. in aliis X. ut lit. non cont. L. 9. §. 6. ff. de reb. auth. jud. L. 5. §. 21. ut in poss. legat. Auth. qui semel, C. quom. \& quando judex. L. 73. §. ult. ff. de appellat. L. 23. §. ult. ff. de judic. §. 20. Klaͤgers Ungehorsam wird gestrafft/ daß der Beklagte Klaͤgers Unge- horsam Straffe klagloß gestellet/ Unkosten erstattet und Versicherung gethan werde/ Gerichts-Stand zu halten; nach Kriegs-Befestigung bey Klaͤgers Aus- bleiben mag auff beschehenes Ruffen Beklagter Beweißthums-Buͤrde auff sich nehmen/ seine Verlaͤugnung begruͤnden/ darauff loßgesprochen seyn/ und bezahlet Klaͤger beschworne Unkosten; Nach Geistlichem und Cammer-Recht erfolgt auch offt auff Ungehorsam und obrigkeitliche Verachtung die Straffe des Banns oder Acht wegen Fried-Bruchs/ welches Recht niemand verleihen kan/ ausser dem Landes-Herrn. L 53. ff. de re judic. L. 13. §. 2. C. de judic. C. 3. X. de dol. \& contum. Gloss. fin. C. 1. de dol. \& cont. in 6. L. 19. ff. de probat. C. 1. 3. \& fin. X. ut lit. non cont. L. 7. ff. de in integr. restit. L. 7. §. ult. ff. de suspect. tut. §. 21. Wann aber Klaͤgern nichts daran gelegen/ noch dessen Recht durch Beklagten Ungehorsam veraͤrgert/ sondern die Sache in unverletztem Stande geblieben/ oder er selbst nicht erschienen/ oder der Richter beschaͤfftiget gewesen/ oder daß Beklagter gemeinen Nutzes halber in oͤffentlichen Amts-Geschaͤfften abwesend begriffen oder Ge- richts-Tag durch Advocat en und Procurator en Verzug oder Saͤum- niß gehindert/ uñ die Parthey nicht so gar geschwinde einen andern dazu Beklagten Un- gehorsams Entschuldi- gungen. geschickten bey der Hand hat haben moͤgen; So ist billig/ daß solcher Auszug helffe/ weilen keine Schuld dabey zu ermessen/ darum so wohl Beklagter als Buͤrge loß zu sprechen/ massen hierbey wohl zu mercken/ daß niemand/ so lange er keinen tuͤchtigen Advocat en haben mag/ wegen Ungehorsam verurtheilet werden kan. L. 2. \& 8. ff. si quis Caut. in jud. Gloss. in c. 4. X. de dol. \& contum. L. 1. 9. \& 10. Ex quib. cauf. major. L. 60. ff. de re judic. L. 2. §. si quis L. 4. princ. \& §. fin. L 6. ff. si quis caut. in jud. C. 1. X. ut lit. non contest. ad verb. Advocati, ubi gloss. ---- L. 4. C. de postul. c. prout. X. de dol. \& contum. §. 22. Denen Partheyen aber/ die nicht ungehorsam/ sondern gut- willig auch an weltlichen Rechts Feyertage zeitlich fuͤr Gericht erschei- nen/ mag man fuͤglich Recht sprechen; so gelten auch keine Feyertage in Wercken der Barmhertzigkeit/ oder in Dingen/ die keinen Verzug leiden/ als Mordthaͤters Nachspur/ oder die zu verrichten nuͤtzlich und C 3 noͤthig/ I. Buch/ Cap. V. F eyertage worinn nicht gelten. noͤthig/ oder auffzuhalten schaͤdlich/ als Kriegs-Zucht/ Gefaͤngniß und Wachten/ die verordnet sind zu selbiger Feyertage Beschirmung/ oder noͤthigen Waaren Zufuhr/ deren man nicht entrathen mag. L. 1. in. fin. ff. de Fer. L. 6. ff. \& L. 8. C. Eod. L. 2. 3. \& pen. ff. Eod. L. 5. 9 10. \& pen. C. Eod. Caput V. Von Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. §. 1. Rechts Spruch im Zweiffel. J M Zweiffel beyder Partheyen Recht soll man fuͤr Beklagten er- kennen/ und ihn loßsprechen. C. cum sint, de R. J. in 6. L. 167. ff. de R. J. §. 2. Richter sollen in allen Sachen nicht allein vor der Kriegs- Befestigung/ sondern auch in allen Gerichts-Theilen durch alle dien- liche Mittel und schiedliche Erinnerungs-Wege/ denen Partheyen/ auff ihr Erscheinen/ die Guͤte vorzuschlagen/ und sie von einander zu se- Guͤtlichen Vergleichs Recht. tzen sich befleißigen durch guͤtliche Verhoͤr/ um dadurch alle weitlaͤuff- tige Kosten und zwiespaltige Rechtfertigung bestens zu verhuͤten. Ja/ wo Aergerniß zu fuͤrchten/ moͤgen sie zur Einigkeit und Vertrag zwin- gen/ weilen jederman/ Streit zu vermeiden/ daran gelegen; Haußge- nossen aber und Bluts-Verwandten/ die unter sich Streit haben/ sollen Haußgenossen Streit-Recht. billig unter ihren vier Waͤnden besonders sich zu vergleichen trachten. L. inter plures, ff. de re judic. C. finem litibus, Ext. de dol. \& cont. L. 21. in fin. ff. de reb. cred. L. congruentibus C. de patr. potest. §. 3. Wann Beklagter saget/ daß ihm der Richter verdaͤchtig/ so Verdaͤchtigen Richters Pflicht. kan er in der Sache nicht erkennen/ oder muß ihm zum wenigsten einen oͤffentlichen Schreiber beygeben lassen ohne dem Gerichts-Schrei- ber/ nemlich auff Begehren/ welches er nicht weigern mag/ ohne ver- kehrten Zuneigung oder Feindschafft Argwohn. §. 4. Wann ein Richter durch ungerechten Ausspruch den Streit auff sich selbsten hinziehet/ wird er in so weit/ als dem Oberrichter gut- duͤncket/ und so viel er vermag/ verurtheilet; wofern er aber mit List un- recht handelt/ muß er alles wieder ersetzen. So auch ein Richter/ Geld oder Geschencks Verheissung angenommen zu haben/ uͤberwunden/ muß er in Geld-Sachen dreyfach was er empfangen/ und zwiefach dessen/ was ihm verheissen/ an die Obrigkeit bezahlen/ und hat seines Amts- Partheylichen Richters Straffe. Wuͤrde verbrochen; in peinlichen Sachen aber werden seine Guͤter eingezogen/ und er selbst ins Elend verjaget; So fern auch die Par- they-Richters Unpflicht nicht erwiesen/ dieser aber beschworen/ daß er nichts Von des Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. nichts empfangen/ soll derselbe/ so die Bestechung angefuͤhret/ der Obrig- keit geschaͤtzten Streits Werth bezahlen in buͤrgerlichen Sachen/ in peinlichen aber werden deren Guͤter eingezogen/ welche Klage gegen den Richter solchen Falls auff deren Partheyen Interesse Verlust rechtlich anzustellen. L. ult. ff. de Extraordin. cognit. Princ. Inst. de Oblig. ex quasi del. L. 15. princ. ff. de jud. L. 12. C. de Dignit. Auth. novo jure, C. de pœn. judic. Nov. 124. c. 2. §. 5. Ein Richter soll auch vom Begehren der Armen sich nicht entziehen/ noch der Wittwen Augen betruͤben/ Beraubten von Freve- Richters Amt mit armen Wittwen und Waͤysen. lers Hand zu erretten; Denn also sagt GOtt der HErr: Lernet gutes thun/ trachtet nach Recht/ helfft den Verdruͤckten/ schafft den Waͤy- sen Recht/ und helfft der Wittwen Sachen. Es. 1. v. 17. Jer. 5. v. 28. Item c. 22. v. 3. §. 6. So mag auch kein Richter einem Ubelthaͤter die gesetzte Straffe nachlassen/ massen Begnadigung allein dem Landes-Herrn zukoͤmmt/ derowegen ein solcher dadurch Ehr-loß wird/ auch selbiger Straffe unterworffen/ die der Schuldige haͤtte leiden muͤssen/ weilen Begnadigungs Recht wem ge- buͤhret. Straff-Verfolg Gesetz und Oberherrn freyer Macht vorbehalten/ des- sen rechtlichen Zwang/ ohn erhebliche Ursach/ kein Urtheil-Sprecher ausserordentlich lindern kan. L. 8. §. ult. C. ad L. Jul. de vi publ. L. fin. in fin. C. ne sanct. bapt. iter. L. 1. §. 4. ad SCt. Turpill. L. 1. ff. de const. princ. §. 7. Richter sollen dahin sehen/ daß alle Proceß-Sachen im pein- Proceß wie lang waͤhren soll. lichen Streit/ vom Tage der Kriegs-Befestigung anzufangen geachtet/ binnen zwey; buͤrgerliche Sachen aber innerhalb drey Jahren geendi- get werden. Jn Obrigkeits und Schatzungs-Sachen hat man sechs Monat Zeit/ in geistlichen Sachen aber nur zwey Monate/ und schadet in Appellations- Faͤllen keinem Theil des Richters Verzug/ vielmehr mag er sich uͤber ihn beklagen/ wann er in Ansehung einiger Macht oder Schwachheit abwesend/ oder andrer Ursachen halber mit vielen Geschaͤfften beladen/ oder wegen vielen vergeblich ertheilten Auffschubs-Frist/ ihm sein Recht verzoͤgert/ kan er wieder Auffrichtung begehren zum Huͤlffs-Mittel/ auch zur Obrigkeit Verwaltung/ Befoͤr- Restitution s- Mittel wann noͤthig. derungs-Brieffe von hoͤherer Obrigkeit auswuͤrcken/ welche alsofort ohne ferneres Ansuchen man uͤbergeben mag/ alsdann muß der Richter allen Schaden ersetzen/ deßgleichen mag eine Parthey ihren Advocat en Advocat en Straffe. Unkosten Er- stattung. fuͤr das Interesse seiner Nachlaͤssigkeit halber ansuchen. Jm Fall aber Beklagter wegen seines Auszugs unterliegt/ wird er in desselben Puncts Unkosten verdammt/ wie dann alle Dilation s Ausfluͤchte vor Kriegs- Befe- I. Buch/ Cap. V. Befestigung einzubringen/ hernach werden sie nicht angenommen/ so mag auch eine Sache ohne Appellation vom Oberrichter beruffen seyn. L. ult. C. ut intra cert. temp. crim. quæst. L. Properandum, C. de judic. L. ult. C. de jure fisci. Nov. 83. L. 13. C. de Mand. L. pen. C. de sumt. \& lit. Expens. L. ita de- mum, ubi gloss. C. de procur. L. 58. ff. de judic. Ober und Un- ter-Richters Amts-Pflicht. §. 8. Ober und Unter-Richter/ als Stiffts-Amt-Leute/ Befehls- haber/ Land-Voͤgte/ oder Provintz-Vorsteher und Præsident en Pflicht ist: die Landschafft bey gutem Friede und Ruhe zu erhalten/ von boß- hafften Leuten zu befreyen und zu reinigen/ keine verbotene Erpressung und Zwang zu leiden/ die Armen fuͤr Schmaͤhung und Uberlast zu be- schuͤtzen/ fuͤr seinen eigenen Laͤsterern die Ohren zu verstopffen/ einem jedern zulaͤßiges Gewerbe zu verstatten/ schaͤdlichen Handel aber nie- manden zu vergoͤnnen/ sich selbst bey derer Unterthanen Zutritt/ weder gar zu rauch und hart oder schwuͤrig/ noch durch unziemliche Gemein- schafft veraͤchtlich zu machen/ noch einigen Gemuͤths-Fehler im Ge- sicht zu entdecken/ sondern seiner Wuͤrde Ansehen mit Vernunfft zu mehren/ gegen die Boͤsen weder sich zu erzuͤrnen/ noch durch derer Schmaͤh-Voͤgel bitten und flehen zu Mitleiden bewegen lassen/ noch Geschenck anzunehmen/ es waͤren dann geringe Eß- oder Trinck-Wah- ren/ die er innerhalb den naͤchsten Tagen verzehren koͤnne; Endlich/ daß er seines Gebiets Graͤntzen nicht uͤbergehen und in eigenen Sachen gar selten und sparsamlich urtheile/ absonderlich auch zwischen Herrn und Unterthanen/ Verwandten/ Wittwen und Muͤndling angehenden Sachen/ allezeit erstlich die Guͤte versuchen/ und fuͤr allen Dingen zwi- schen Partheyen billigen Vergleich vornehmen/ und sie beyderseits darzu auff einen gewissen Termin vorladen. Jn Entstehung dessen Rechts Huͤlffe wann noͤthig. aber/ da guͤtliche Mittel nichts verfangen wollen/ soll niemand Rechts huͤlffloß gelassen/ sondern jederman gehorsam zu antworten schuldig seyn. L. 13. L. congruit. ff. de offic. præs prov. L. illicitas, §. 4 h. t. Auth de mandat. princ. L. un. C. Eod. L. observandum, \& L. 12. ff. hoc. tit. C. 1. X. de mutuis petit. c. 15. verb. causam, X. de Simon. C. fin. X. de transact. C. 5. X. de offic. ordin. Richters Ur- theils Beschaf- senheit. §. 9. Commissari en sollen ebenfalls muͤglichen Fleiß anwenden/ die Partheyen guͤtl. zu vergleichen/ sonst aber sollen die Richter allezeit nach Rechts Gesetzen und Orts Gewohnheit ein gewisses in Geld und an- dern Sachen/ Klag und Act en gemaͤß foͤrmliches Urtheil ausgeben/ oder sie werden willkuͤhrlich mit Streits Schaͤtzungs Unkosten bestrafft und ehrloß gehalten/ wann sie mit Arglist sich versehen und etwa besto- chen sind/ darum ein solch gegen das Recht abgefastes Urtheil von selb- sten Von des Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. sten Rechts wegen nichtig ist/ massen insgemein allen Richtern und Beamten/ die oͤffentlichen Bestallungs-Lohn haben/ jederzeit Gab- oder Geschenck anzunehmen verboten. C. 19. X. de Testibus. L. 32. \& 37. ff. de LL. arg. L. 3. §. 4. vers. hoc. ita, ff. quod vi aut clam. L. fin. ff. de const. princ. L. 12. C. de Pact. §. 32. instit. de act. Tot. Tit. ff. \& C. de sent. quæ sine appell. L. 17. ff. Commun. divid. L. fin. C. de fideic. libert. L. 15. §. 1. ff. de judic. L. fin. C. de pœn. judic. qui male. L. 19. ff. de Appellat. L. 25. \& 32. ff. de re judic. §. 10. Ein Richter mag von allgemeinem Wahn und Meynung/ Richters Ge- wissens Recht. wann Jrrthum dabey zu erkennen/ wohl abgehen; so soll er auch gegen selbst eigen besseres Gewissen/ da er in seinem Gemuͤth ein Ding anders sicher weiß/ nicht urtheilen/ wofern er nicht zur Hoͤllen begehret. Derowe- gen/ so einer aus deren Act en Beweiß gegen Richters wissen unschul- dig zu verdammen/ soll er sich viel lieber des Gerichts enthalten/ und die Sache an den Oberherrn berichten. L. 1. §. 6. C. de vet. jur. enucl. C. 1. X. de constit. c. 8. vers. adeo, Dist. 18. Exod. 23. v. 7. Levit. 19. v. 15. C. 1. de sent. \& re judic. in 6. Clem. 1. §. verum de hæret. L. 79. §. 1. ff. de judic. L. 3. §. 1. ff. de Test. L. 4. ff. de eo, quod certo loco. L. 8. \& 14. C. de judic. §. 11. Deßgleichen muß ein Unterrichter in ausgedruckten Rechts- Richters Ge- lindigkeit Recht. Faͤllen nicht gelinder verfahren/ als das Gesetz mit sich bringet/ in ausge- lassenen Faͤllen aber kan er nach Billigkeit deren Gesetze Mangel er- fuͤllen; Endlich soll er im Zweiffel nicht fuͤr seinen Freund urtheilen/ sondern die Sache vergleichen/ oder dem Fuͤrsten berichten; ja es kan ein Richters Amt im Zweiffel. Richter/ der eines Dinges aus den Act en gewiß/ ob schon Partheyen sich nicht darauff bezogen/ derer Advocat en Fehler verbessern/ und erkann- ten Mangel Amts halber erfuͤllen/ Beweiß- oder Entschuldigungs- Eyd gebieten. Auth. hodie C. Eod. L. 12 §. 1. ff. qui \& à quib. man. Novell. 82. c. 10. L. 1. \& fin. §. 1. C. de LL. L. 1. C. de relat. c. 31. vers. ut igitur, X. de sent. Excomm. L. 1. ff. de J. \& J. L. 12. \& 18. ff. de LL. L. 14. § 13. ff. de relig. L. 90. ff. de R. J. L. 84. §. fin. ff. de Legat. 1. L. un. C. ut quæ desunt advoc. part. jud. suppl. §. 12. Richtere und Obrigkeiten sollen nicht natuͤrlich taub oder Richters Qva- lit aͤt. harthoͤrig/ noch stets unsinnig oder minder jaͤhrig seyn/ ein Blinder aber in solchen Faͤllen/ darinn Richters Ansehen nicht erfordert wird/ oder wer uͤber achtzehen Jahr alt/ wird von solchem Amt nicht vertrieben; jedoch ein vom Rath schaͤndlich Entsetzter oder Gesetz und Rechts-Uner- fahrner/ er habe denn gelehrte Beysitzer/ und jener sey in seinen Stand wieder eingesetzet/ oder der Verurtheilung Zeit verflossen/ mag nicht dazu gelassen werden/ es waͤre denn die Sache also beschaffen/ daß er D deren I. Buch/ Cap. V. deren Erfahrung kundig/ als ein Soldat in Krieges-ein Bauersmann in Ackerbau- oder ein Kauff und Handwercks-Mann in solchen zur Kunst und Handlung gehoͤrigen Streits-Sachen. L. 12. §. 2. \& L. 6. ff. de judic. L. 57. ff. de re judic. L. 1. §. secund. loc. ff. de Nov. 82. postul. L. 2. ff. de Senat. L. 8. ff. de postul. L. 3. C. ex quib. caus. inf. irrog. L. 14. in verb. legum, C. de judic. L. 13. C. de sent. \& interloc. L. 17. C. de judic. L. ult. \& pen. C. de jurisd. omn. jud. L. ult. C. de re milit. L. 32. §. 4. ff. de recept. qui arbitr. L. 23. C. de Testam. L. 2. \& 32. ff. de R. J. §. 13. Priestern und geistlichen Personen ist in weltlichen Dingen zu richten verboten; also moͤgen unehrliche und verarmete Leute auch nicht darzu kommen/ sie waͤren dann auffrichtig und redlichen Wan- dels geflissen/ damit sie nicht jemand zu rauben und zu befehden Ge- legenheit nehmen moͤgen/ ohne daß sie vom Fuͤrsten wissentlich dazu verordnet seyn/ deßgleichen nach geistlichem Recht Ketzer und Verban- nete/ endlich Leib-eigene Knechte und Weiber sollen nicht Richter seyn. C. 11. X. de Excess. præl. L. 33. C. de Episc. \& Cler. L. pen. in princ. ff. de vacat. mun. Tot. Tit. X. ne cler. vel mon. L. 6. in pr. ff. de mun. \& hon. L. 5. in pr. ff. de re milit. L. 8. ff. de suspect. tut. L. 11. §. 1. C. de advoc. divers. L. 1. 2. C. de Dignit. C. 1. caus. 3. q. 7. c. 13 §. credentes, X. de hæret. c. 24. X. de sent. \& re judic. Richter-Amts Verwaltung. §. 14. Ein jeder Richter soll mit gleich durchgehender Gerechtig- keit Verwaltung sich dermassen redlich/ auffrichtig/ fleißig und un- partheyisch erweisen/ daß ers gegen GOtt/ sein selbst eigenes Gewissen/ dem Landes-Herrn und dessen Ober-Befehlshabern/ deren Auffsicht halber verantworten/ und im gegentheiligen Fall zu andern Verord- nungen keine Ursach geben moͤge. §. 15. Ein Richter kan als verdaͤchtig gehalten seyn/ wann er in seiner eigenen Sache will Richter seyn/ oder so er einem Theil mit Blut-Freund- und Schwaͤgerschafft verwand oder zugethan ist; es waͤre dann ein treu- und glaubfester ansehnlicher Mann/ der solchen Verdachts unfaͤhig; oder so er mit einem Theil grosse Gemeinschafft gehalten/ oder wann der Richter mit jemands anders einen gleichmaͤs- sigen Streit-Handel haͤtte/ oder waͤre in selbiger Sache Fuͤrsprecher Verdaͤchtigen Richters Ver- werffung. gewesen; item, so er eines Theils gewisser Feind waͤre/ oder wann der Richter einer Parthey Feinds Unterthan/ Lehns-Mann oder Stadt- halter ist. Wann nun solchen Verdachts Ursache erwiesen/ wird die Sache zum Oberrichter heimgefordert/ und darff der verworffene Richter nichts weiter darinn vornehmen/ oder es waͤre nichtig; wo- fern Von des Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit fern aber der Argwohn nicht bewiesen/ mag die Parthey mit Schmaͤh- Klage belanget werden. L. 10. \& 17. ff. de jurisdict. L. 17. ff. de judic. L. un. C. ne quis in sua. L. ult. §. pen. vers. sciant, C. ubi Senat. c. 36. X. de appell. c. 2. X. ut lite non contest. c. 25. vers. \& ipse fam. X. de offic. \& pot. jud. c. 18. X. de judic. L. 9. ff. de liber. caus. c. 4. X. ut lit. non contest. c. 61. X. de appell. §. 16. Jn Summa/ ein Richter soll seyn ein frommer Mann/ ein Richterlichen Amts Tugend. guter Christ/ eines gottsfuͤrchtigen Lebens und Wandels/ unparthey- isch/ nicht furchtsam/ gehaͤßig/ noch geitzig/ von rechtmaͤßigem Ernst/ nicht grausam und schrecklich/ noch von eiteler Guͤtigkeit allzugelinde und schaͤdlich/ daß er nicht etwas zu harte und strenge noch gar zu nach- laͤßiges schaffen moͤge/ dann gleichwie Barmhertzigkeit zu GOtt er- hebet/ also stuͤrtzet Tyranney zur Hoͤllen/ darum soll er redlich/ war- hafftig/ gottesfuͤrchtig und dem Geitz feind seyn/ GOtt bitten mit Sa- lomon: Gieb/ HErr/ deinem Knecht ein verstaͤndig Hertz zu richten/ Gutes und Boͤses zu unterscheiden. C. quatuor, c. 11. q. 3. L. Respiciendum. ff. de pœn. 1. Reg. III, 9. §. 17. Ja/ ein Christlicher Richter soll eines frommen Vaters Amt verrichten/ der Gottlosigkeit also steuren/ daß er in schweren Suͤnden- Faͤllen keine uͤbermaͤßige Begierde zur Rache veruͤbe/ sondern die La- ster-Wunden nur zu heilen willig sey; er muß nicht vor Liebe weich/ noch vor Strengigkeit verbittert seyn/ nicht ohne Masse von Eyffer wuͤtend/ an Gottseligkeit nicht sparsam. Dann/ wann Richtere in Richters Pflicht Be- schaffenheit. Verdammung ruhmsuͤchtig und blutduͤrstig/ werden sie Moͤrder/ ob schon sie einen Schuldigen verurtheilen/ darum ein Richter soll seyn klug und gelehrt/ dann allwo grosse Gefahr/ da ist auch grosse Klugheit von noͤthen/ massen eines Richters grobe Unwissenheit insgemein ist des Unschuldigen Truͤbsal/ dahero es kein Unerfahrner noch gemeiner Bauersmann seyn muß. §. 18. Richter sollen bedencken/ daß der Weißheit Geist in keine Richters Got- tesfurcht. suͤndhaffte Seele komme/ noch wohne in Laster-vollem Leibe; vornehm- lich in peinlichen Sachen muͤssen sie wohl erwegen/ was Josaphat Koͤ- nig in Juda sagte: Sehet zu was ihr thut/ dann ihr haltet das Ge- 2. Chron. XIX, 6. \& seqq. richt nicht fuͤr Menschen/ sondern fuͤr GOtt/ welcher Jehova mit im Gericht/ dessen Furcht euch beherrsche. Dann die Furcht des HErrn ist der Weißheit Anfang/ und bey dem GOtt ist kein Unrecht/ noch Ansehen der Person/ noch Annehmung einigen Geschencks. §. 19. Derowegen sollen nun Richter und Beysitzer/ ein jeder/ ehe Richters und Beysitzers Eyd. und bevor er auffgenommen wird/ ihres Eydes sich stets erinnern/ den D 2 sie also I. Buch/ Cap. V. sie also zu GOtt schweren muͤssen/ daß sie nemlich zu Recht getreu und fleißig daruͤber seyn/ nach hoͤchstem Verstaͤndniß/ nach Reichs gemei- nen Abschieds-Rechten/ auch bewilligt- und auffgerichtetem Frieden gemaͤß/ in Religion und andern Sachen/ nach Land uͤblichen ehrbaren Ordnungen/ derer Fuͤrstenthuͤmer und Herrschafften gerichtlichen Gewohnheiten/ die ihnen vorgebracht wuͤrden/ dem Hohen und Nie- dern gleichmaͤßig schlichten/ sprechen/ thun und handeln wollen/ auch kein Ding in der Welt/ solches zu unterlassen/ sich bewegen lassen/ viel- weniger von denen Partheyen einer Sache halber/ die im Gericht haͤn- get oder hangen wuͤrde/ weder aus Liebe/ um Neid/ Freundschafft oder einerley Nutzens willen/ insonderheit keine Gabe oder Geschenck wis- sentlich gewaͤrtig seyn/ noch durch sich selbst oder andere/ wie es Men- schen Sinn erdencken moͤchte/ zu nehmen oder nehmen lassen/ noch kei- ner Parthey/ sonderlich im Gericht/ Anhang oder Zufall im Urtheil zu machen und suchen; ja allenthalben sich in deren Unterthanen und sonst fuͤrkommenden Sachen keinem Theil zu rathen/ schreiben und warnen/ geflissen enthalten/ niemanden vor oder nach Urtheil Rathschlaͤge er- oͤffnen/ keine Sache aus boͤser Meynung auffhalten oder verziehen/ endlich ausserhalb Fiscali schen/ so er darzu geordnet/ deren Sachen/ darinn ihm von Rechts wegen zu urtheilen nicht geziemet/ und die er ohne das abzutreten schuldig/ keine annehmen noch darinn Rath geben/ auch bey reiner Lehr und Christ-Evangelischem Bekaͤntniß bestaͤndig und ohne falsch verharren/ oder so er und andere Gerichts Verwand- te sich abwenden wolten/ solches zu offenbaren/ an welchen Eyds-Pun- cten keine andere Buͤndniß-Pflicht sie verhindern soll/ alles ohne Ge- faͤhrde. §. 20. Ein Richter soll nimmer nach Beyspiel- oder Exempeln/ sondern denen Gesetzen gemaͤß richten/ darum auch Richters willkuͤhr- Richterlichen Urtheils will- kuͤhrliche Wahlstraffe. liche Wahlstraffe mag nicht uͤber Staupenschlagen und Landes-Ver- weisung sich erstrecken/ es waͤre denn ein solch greuliches Laster/ wel- ches boͤser Nachfolge halber/ nicht anders/ als mit Tode/ andern zum Abscheu gebuͤsset werden muͤste/ als in groben Falschheits Verbrechen und andern schaͤndlichen unbenannten Faͤllen. L. 13. C. de sentent. \& interloc. omn. judic. L. 18. ff. de offic. præs. P. H. O. art. 105. \& 112. Missethat Straffe. §. 21. Wann iemand nach allgemeinen beschriebenen Rechten das Leben durch eine Mißhandlung verwuͤrcket hat/ soll man nach gu- ter Gewohnheit/ oder Rechts verstaͤndigen Richters Anordnung/ der Ubel- Von des Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. Ubelthaten Aergerniß und Gelegenheit ermessen/ Toͤdtungs Art und Weise zu erkennen; Jn Faͤllen aber/ darinn keinerley Todes-Straf- fe gesetzt/ sondern die Rechte am Leib oder Gliedern peinliche Straffe Leibes fuͤr Le- bens-Straffe wann guͤltig. zulassen/ daß die Gestraffte beym Leben bleiben/ solche mag man nach Landes-Art und Gebraͤuchen/ auch richterlichen Willkuͤhr aus Liebe der Gerechtigkeit zu gemeinen Nutzes Besten verhaͤngen/ und niemand wider rechtliche Gewohnheit zum Tode verurtheilen/ noch Ehr-Leib- Straff Veraͤn- derungs Recht. und Lebens-Straffe vermehren/ ja wenn Beklagter die in Rechten verordnete Straffe nicht auszustehen vermag/ kan solche vom Richter fuͤglich veraͤndert werden. P. H. O. art. 104. \& 138. L. 1. C. quæ sit longa consvetudo. L. 8. §. 2. C. ad L. jud. de vi publ. L. 12. §. 4. ff. de accusat. §. 22. Bey Straff-Linderungs Faͤllen ist genung/ daß ein Richter Straff Linde- rungs Ursa- chen. im Urtheil insgemein also ausdruͤcklich meldet/ vorkommenden Um- staͤnden bey so gestalten Sachen/ oder deßfalls/ nach Gelegenheit aus erheblich-bewegenden Ursachen/ welche seyn koͤnnen Liebe/ Vielheit der Kinder/ minder jaͤhrig oder hohes Alter/ wahre Reue/ Buß und Bekehrung/ gutwillige Bekaͤntniß/ Unsinn- oder Traurigkeit/ Trun- cken- oder Unwissenheit/ Vielheit der Thaͤter/ oder deren grosse Kunst und Ehestand/ worinn allezeit die Billigkeit strengem Recht vorgehet/ jedoch/ daß Ubelthaten nicht gar ungestrafft bleiben/ sondern die Straf- fe dem Recht und Verbrechen gemaͤß seye; Sonst mag ein Richter/ als Gesetzes Diener/ nicht leicht aus dessen Graͤntzen schreiten. §. 1. instit de orig jur. §. 23. Weilen auch alle Verbrechen durch Umstaͤnde veraͤndert/ Verbrechen Umstaͤnde Recht. entweder gehaͤssiger oder mehr zu entschuldigen sind/ und dann aller- ley Beschaffenheit in Rechts-Gesetzen zu begreiffen unmuͤglich/ so dennoch nicht stets zu verachten/ als kan ein Christlich gewissenhaffter Richter wohl kluͤglich darinn verfahren/ und nach geringsten Umstaͤn- den Straffe maͤßigen; Jn groben und schweren Verbrechen aber gebuͤhret dem Richter nicht Gelindigkeit/ sondern Schaͤrffe zu gebrau- Richters Ge- lindigkeit Straffe. chen/ und niemahlen witziger zu seyn als das Recht/ sonst doͤrffte ihm gleiche Straffe wiederfahren/ so Thaͤter verdienet/ oder wuͤrde auch nach andern Zwangs-Mitteln Ehrloß. C. sicut, in princ. X. de homicid. L. Grachus, C. ad L. Jul. de adult. L. 4. ff. de præscr. verb. L. 12. \& seqq. ff. de LL. L. 11. in princ. L. 16. ff. \& L. Sancimus, C. de pœn. L. 28. §. 15. ff. Eod. C. ut clericorum, X. de vit. \& honest. Cler. Nov. 82. c. 10. L. 1. §. 1. ff. ad SCt. Turpill. L. 14. C. de pœn. L. 8. §. 2. ff. ad L. Jul. de vi publ. D 3 §. 24. Rich- I. Buch/ Cap. V. Richters Ho- heit Zwang Recht. §. 24. Richters Hoheit zu handhaben und Gehorsam zu erzwin- gen/ ist mancherley Art und Weise/ als Arrest und Auspfaͤndung des Ungehorsamen/ Gefaͤngniß/ Verhoͤrs Verweigerung/ Gerechtigkeits Abschlag/ Besitz-Einnahm und gerichtlicher Beschlag dessen Guͤter oder Abnutzungs Fruͤchte/ der Sachen Abnahme biß zum Gehorsam/ desgleichen Schadens Zufuͤgung/ Verthaͤdigung oder Verbot durch Gerichts-Die- ner Pflicht. Kriegs-Leute und willkuͤhrliche Geld-Busse/ oder peinliche Straffe; Jedoch sollen bey diesem Zwang-Recht Stadt und Gerichts-Diener fuͤr sich selbst die ausgepfaͤndete Guͤter nicht fuͤr geringerern Werth betrieglich ausgeben. §. fin. instit. de satisdat. L. consentaneum, ubi gloss. ad verb. cogendum, C. quomod. \& quand. jud. L. 26. §. 4. ff. ex quib. caus. maj. L. 1. §. jubet, ff. de Collat. bon. c. 1. X. de probat. L. 2. ff. si quis in jus. L. 50. ff. de Evict. Urtheils Recht zwischen an- dern. §. 25. Ein vom Richter zwischen andern ertheilter Ausspruch kan andern nicht schaden/ die abwesend gewesen/ es waͤre dann ein Pfand- habender Glaͤubiger/ Ehemann oder Kaͤuffer/ welcher seinen Schuldner/ Schwaͤher oder Verkaͤuffer gerichtlich haͤtte handeln lassen/ oder dessen Recht vom Klaͤger herruͤhrig/ oder wann der Richter durch falsche Zeugniß und Brieffe betrogen/ alsdann wieder Auffrichtung Statt findet. L. 2. C. quibus res judic. non noc. L. 63. ff. de re judic. L 33. ff. Eod. Tot. Tit. C. si ex fals. instrum. §. 26. Ein Unterrichter muß es auch dabey beruhen lassen/ wann Klaͤger/ wie billig/ Beklagten vorhero ausser gerichtlich anspricht/ ehe denn er ihn fuͤr dem Richter belanget/ welches so viel wuͤrcket/ daß er Klaͤgers Pflicht Beklagten aus- ser gerichtlich zu belangen. saͤumig zu achten/ und jener desfalls alle Procurator en und Schrifften Unkosten wieder erlangen kan/ ob schon Beklagter eingeladen/ hernach die Bezahlung anbeut; wenn aber in Verschreibung ein gewisser Tag angesetzet/ bespricht derselbe an Klaͤgers Statt/ ist auch Klaͤger schul- dig seiner verneinenden Klage Grund zu erweisen. L. magnam, C. de stipul. L. Debitores. C. de pign. L. 13. princ. ff. de serv. urban. præd. L. 24. ff. quando dies leg. ced. L. 8. §. si quis caut. \& L. 23 24. \& 49. §. fin. ff. de verb. oblig. c. 5. X. de dol. \& cont. §. 27. Wann nun Klaͤger fuͤrm Richter sein Anbringen erwiesen/ der Beklagte aber nach erbetenen Still-Standes Frist seinen Aus- zug darzuthun ermangelt/ so wird er alsbald zu denen Unkosten erkant/ darum so wohl in Bey-als End-Urtheil solche zuerkant werden zu Unkosten Be- zahlungs- Pflicht. bezahlen/ ehe denn ferner Verhoͤr verstattet wird/ wegen Proceß-Ver- laͤngerung oder freveln Streit-Erhebung um deren Zaͤncker Boßheit zu bezaͤhmen/ dahero der Uberwinder die Unkosten einbringt/ der Rich- ter Von des Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. ter sie maͤssiget und der Uberwundene bezahlet/ nemlich nach beyder Partheyen Standes Betrachtung in ausser gerichtlichen Unkosten/ die gerichtliche Kosten aber muͤssen auff einen Heller bezahlet seyn. L. 21. C. de probat. L. 13. \& 15. §. 2. C. de judic. Auth. post jusjur. C. Eod. L. 79. ff. Eod. §. 28. Ein Richter muß sonderlich bey peinlichen Inquisition s-Faͤl- Richters Amt in peinlichen Sachen. len vor seine Person fuͤr allen Dingen goͤttliche Huͤlffe anflehen/ wei- len GOtt allein den Klugen Weißheit/ und den Weisen Verstand giebt/ auch geheim und verborgene Dinge offenbaret/ als der da weiß/ was im Dunckeln ist/ und Licht wohnet bey ihm; alsdann wird er gleich- wie in einem hellen Spiegel leicht ersehen/ was in der Sache zu beruͤh- ren/ zu thun und lassen/ den Proceß zu vollenden. Worinn sonst ferner das richterliche Amt und dessen unverweißliche Gebuͤhr bestehe/ soll sich ein jeder aus GOttes Wort/ beschriebenen Rechten und seinen dazu ge- leisteten Pflichten/ ohne weitlaͤufftige Erinnerung selbst bescheiden. §. 29. Jedoch sollen alle diejenigen Richter/ so verliehene Gerich- te besitzen/ mit Fleiß dahin sehen/ sich zu bearbeiten/ damit nicht leicht/ ohne Unterscheid/ die zwischen den Partheyen entstandene Jrrungen/ vornehmlich bey Schmaͤh-Klage Sachen im Rechts langwierigen Proceß gewiesen/ sondern so viel immer moͤglich zuvor versucht wer- Injuri en Pro- ceß Vergleichs Recht. de/ ob sie entweder auff billige masse in Guͤte zu vergleichen/ oder zum wenigsten mit beyder Bewilligung/ einen Schieds-Richter zu erweh- len/ eingezogen seyn moͤgen/ um vergebliche Zeit und Geld zu ersparen/ und unnoͤthige Weiterung zu verhuͤten/ auff daß also ein jeder zu seiner Befugniß desto eher gelangen koͤnne/ zumahlen/ wann die Sache von keiner Wichtigkeit/ oder zu Proceß-Kosten unvermoͤgende Personen be- trifft/ oder wofern den Richter die Rechtfertigung zu hemmen/ andere Umstaͤnde/ so viel an ihm ist/ bewegen moͤchten. Caput VI. Von Partheyen Klag-Beweiß/ Verthaͤdigung/ Bekaͤntniß/ Kundschafft/ Muthmassung und Eyd fuͤr Gericht. §. 1. B Eweiß und Kundschafft ist eine gewisse Anzeigung und Eroͤffnung Beweiß und Kundschafft Recht. eines unbekandten zweiffelhafften Dinges/ wann Beklagter ver- neinet. Wer nun klagen will/ soll gewissen Beweiß haben/ wo nicht/ so wird der Beklagte frey und ledig erkant/ ob schon er selber nichts dar- thut/ I. Buch/ Cap. VI. thut/ jedoch mag der Klaͤger/ wann er sein Recht nicht genung erwie- sen/ und einige Vermuthung fuͤr sich hat/ den Eyd zu thun anbieten/ oder dem Beklagten die Sache ins Gewissen verschieben. Der Eyd aber zu halben Beweises Erfuͤllung hat in peinlichen Handlungen/ deß- gleichen in Sachen/ die Ehr und Glimpff betreffen/ gar nicht Statt; ob aber/ wann oder wie sonst und welcher Parthey der Eyd auffzulegen/ ste- het in richterlichem Willkuͤhr/ welcher alle Umstaͤnde/ Verdacht und Ansehen/ auch Ehre/ Treu und Glauben/ von jeder Parthey wohl er- wegen und in Acht haben soll; Also kan und mag ein halber Beweiß mit Eyd erfuͤllet werden in allen Klag und Geld Sachen. L. 1. §. fin. \& gloss. ff. de dot. præleg. C. Evidentia, X de probat. L. qui accusare, C. de Edendo. L. ingenium, ff. de stat. hom. L. matrem, L. Actor. \& L. fin. C. de probat. C. fin. X. de jurejur. L. dolum, C. de dol. mal. L. 2. L. verius, L. ab ea parte. L. in Exceptionibus, ff. de probat. L. sive, C. Eod. C. is qui, X. de sponsal. L. in illa \& L. stipulatus, ff. de V. O. C. fin. X. de test. L. in bonæ fidei, h. t. L. generaliter, §. sed juramento, C. de reb. cred. \& jurejur. L. admonendi, ff. de jurejur. §. 2. Deßgleichen kan auch in beschwornen Guͤtern Register und beeydigten Handverleugnung Klaͤger von Beklagten begehren/ zu Eyd der Ge- fehrde Schalck und Boßheit. Vermeidung Buͤrgeschafften und Versicherungs-Streit/ alsbald Anfangs zu beschweren/ daß er nichts aus Gefehrde und boͤser Mey- nung noch zum Auffschub und Verlaͤngerung der Sachen/ sondern al- lein zur Nothdurfft vorbringen wolle/ ja daß sie eine gerechte Sache zu haben glauben/ derowegen keine Warheit verhehlen wollen/ sondern auff Gegentheils Geschicht-Erzehlung uͤmstaͤndlich zu antworten erboͤ- Advocat en Ey- des Zugehoͤr. tig; auch muͤssen Advocat en hinbeyfuͤgen/ so bald sie aus deren Be- weißthuͤmern/ oder sonst im Fortgang der Sachen befinden wuͤrden/ daß sie eine unrechte Sache haͤtten/ davon abgehen und sich deren gaͤntzlich entschlagen wollen/ deßfalls auch Procuratores in ihre und Principal en Seele schweren moͤgen/ auff sonderlichen Befehl/ welchen Eyd so wohl als andere dennoch besser waͤre/ daß die Partheyen selbst an Gerichts o- der Wohnungs-Ort leisten muͤsten/ weilen ein jeder mehr um seiner eige- nen Seelen Heil bekuͤmmert ist/ noch so leicht zum Eyd willig/ wann er selbst schweren soll/ auch der Richter davon abmahnen kan/ wofern er aus schwerendem Gesicht meineydigen Willen vermercket. L. 3. §. quæcunque L. 34. pr. \& §. 4. ff. de jurejur. L. 8. §. 5. ff. qui satisd. L. 14. ff. de nov. oper. nunc. L. pen. C. quemadm. Testam. aper. L. 20. C. de fide instru- ment. L. 15. ff. ad Exhib. c. 2. §. 1. X. de jur. calumn. L. 1. \& L. 2. §. 3. C. hoc tit. Urkunden Be- weiß. §. 3. Zu Klaͤgers Beweiß koͤnnen auch dienen Brieffe und In- strument- Urkunden/ welche sind uhralt oder neue Brieffschafften/ als Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. als uhrbare Koͤnig- oder Fuͤrstl. Saal- oder Lager-Buͤcher/ Stadt und Gerichts- Protocoll en oder aus denen Archiv en fuͤrgezogene Instrument en Verfaͤlschung Straffe. Schrifften/ die alle Erb-Zinß-Grund-Guͤter/ Aecker/ Wiesen/ Gaͤr- ten/ Weinberge/ Haͤuser und Graͤntzen/ wie und wo sie gelegen/ auch an wen sie anstossen/ bemercken und anzeigen; Wer nun dergleichen am Rande oder sonst verfaͤlschet/ wird mit Gefaͤngniß/ Staupen- schlag und Verweisung willkuͤhrlich nach Falschheit Art und zugefuͤ- geten Schadens Groͤsse gestrafft. L. fin. C. de probat. Auth. si quis vult. C. qui pot. in pign. L. 10. ff. de probat. L. 36. §. 1. ff. de pignor. act. §. 4. Alle Brieffe oder schrifftliche Urkunden/ welche Anfangs Brieff- oder schrifftlichen Urkunden Recht. fuͤr Gericht originaliter vorzufuͤhren/ und deren Copie hernach denen Act en beyzulegen/ moͤgen allezeit vor der Sache Beschluß uͤbergeben werden/ weilen man nicht dabey/ wie mit Zeugen Verhoͤr/ Arglist und Betrug zu befahren/ sonderlich wann sie zu vorigen Beweißthums Erklaͤrung oder nach der Sachen Beschluß erst erfunden werden/ daß nemlich die Parthey nichts davon gewust/ wo die Brieffe gewesen und wer sie gehabt/ oder ein dritter Mann habe sie verleugnet/ oder daß man sonst nicht habe dabey kommen moͤgen/ alsdann muß hierinn Vorzei- gers Eyd geglaubet werden/ am sichersten aber ist/ wegen solcher Ver- hinderung fruͤhzeitig zu protestir en. C. cum dilectus, X. de fide instrum. L. certi §. quoniam. ff. si cert. pet. L. amplio- rem, C. de Appellat. C. fraternitatis, Ext. de Test. L. 184. ff. de R. J. L. admo- nendi, ff. de jurejur. c. Pastoralis, X. de Except. L. census ff. de probat. Auth. adhæc, §. item, C. de fide instrum. L. fin. C. de re judic. §. 5. Solche oͤffentliche von Notari en gemachte Schrifften/ dar- Archiv en Zinß- und Steuer- Buͤcher Be- weiß-Krafft. inn die Sache begriffen/ oder alte Zinß- und Steuer-Buͤcher/ haben glaubwuͤrdigers Ansehen als Zeugen/ ja ewige Krafft/ ob gleich die- jenige/ so der That Erkaͤntniß gehabt/ verstorben; von gleichem Werth sind auch Archiv en/ Brieffe oder die/ so von einem Theil und drey Zeugen unterschrieben/ oder durch Partheyen eigenhaͤndig auffgese- tzet worden/ welche allezeit gegen den Vorzeiger am meisten guͤltig Exemplar und Copie Recht. seyn/ wofern nicht anders bedungen/ Exemplar aber oder Copie ist genung Beklagten zu unterrichten. L. 11. C. qui pot. in pign. L. 45. §. 6. ff. de jure fisci. L. 10. §. 2. ff. de Edendo. §. 6. Stadt- und Raths-Buͤcher beweisen zwar auch zwischen Stadt- und Raths-Buͤcher Beweiß Recht. Unterthanen/ nicht aber gegen sie fuͤr die Obrigkeit in Dienstbarkeit und andern Faͤllen/ weilen sie nach ihrem Winck geschrieben/ und nie- mand in eigener Sache Zeuge seyn kan/ es waͤre denn/ daß sie im E beyseyn I. Buch/ Cap. VI. Notari en und Zeugen Krafft. Privat Schriff- ten Beweiß. beyseyn Notari en und Zeugen/ auff Gehoͤr und Bekaͤntniß der Buͤr- ger/ verfasset worden. §. 7 Privat- Schrifften beweisen auch/ aber nicht voͤllig/ sie waͤren denn von Partheyen unterschrieben/ erkennet/ durch Zeu- gen oder Buchstaben Vergleich erwiesen und bestaͤrcket/ auch gericht- lich vorgezeiget/ daß nichts dagegen gesprochen/ und also etwan lange Zeit oder Abrede gemaͤß fuͤr kraͤfftig gehalten worden; weilen auch in Abschrifft leicht zu irren/ mag man zum Haupt-Brieff/ wann er muͤg- lich zu bekommen/ begierig seyn. L. 20. ff. de instrum. L. 2. ff. \& L. 7. C. hoc tit. c. 1. X. Eod. Original- und Haupt-Brieffs Krafft. §. 8. Es sey nun gleich ein oͤffentlich- oder besondern Brieffs In- strument, soll man das Original oder Haupt-Schrifft/ nicht aber Exemplar/ vorweisen/ weilen diese insgemein nichts wahr machen koͤn- nen/ es sey denn auff Geheiß des ordentlichen Richters/ der jenes ge- sehen und tuͤchtig erkant/ vom Gerichts-Schreiber ausgezogen/ und zwar aus rechtlichen Ursachen/ als wegen Brieffs-Alter zukuͤnfftigen Abwesenheit/ oder daß die Act en weit zu verschicken/ oder viel mehr andre Streit-Sachen darinn enthalten/ so laͤst der Richter ausschrei- Exemplar oder Copie wann guͤltig. ben/ was zur Sachen gehoͤrig/ oder derselbige Schreiber habe sie beyde geschrieben/ so wird Gegentheil nur Copie communicir et. Original- Brieffs Recht bey frembdem Gericht. §. 9. So kan auch Gegentheil/ wann ein Original von fernen Orten in andern Gebiet aus frembden Gerichts- Act en herzuholen von noͤthen/ auff des Producent en Unkosten/ solches zu erkennen/ dahin beruffen seyn. C. ult. X. de instrument. Exemplar oder Copie Begehr. §. 10. Wann jemand Exemplar oder Copie begehret/ und Gefahr beym Verzug/ bedarff man die Interessirte nicht dazu beruffen/ ge- schiehet es aber auff Richters Befehl/ ausser Verzugs Gefahr/ giebt es halben Beweiß/ und kan der Richter dem Theil/ so des Original- Brieffs Verlust einwendet/ wofern es eine ehrbare Person ist/ den Eyd auffbuͤrden/ oder mag aus des verstorbenen Schreibers Protocoll ei- ne Abschrifft genommen werden/ weilen man sich stets dahin verfuͤ- gen kan. L. 18. \& seq. Auth. C. de instrum. Originals Ver- lust-Jnnhalts- Beweiß. §. 11. So fern auch in Kriegs-Zeiten das Original verlohren/ muß solcher Raub/ Brandt und Verwuͤstung samt des Brieffes Jn- halt mit zween Zeugen erwiesen seyn; Wann aber Gegentheil das In- Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. Instrument zurissen oder entwendet/ so wird des andern Eyd wegen Jnnhalts Wort-Verstand geglaubet. L. 5. L. 21. §. 1. C. de instrum. §. 12. Wann etwa einer saget/ daß ihm die Handschrifft unbekandt/ Hand Veꝛlaͤng- nungs Beweiß. mag solche mit einem andern Brieff von selbiger Hand Unterschrifft verglichen seyn/ wofern es nicht anders zu erweisen/ oder wird auch billig durch Zeugen Verjaͤhrung bekant/ denen der verstorbenen Hand und Siegel wohl kundig und bewust gewesen/ und muß zwar Klaͤger dem Beklagten/ nicht aber dieser jenem alle Beweiß- Instrumenta vor- zeigen/ sie waͤren dann gemein oder Klaͤgers Schuld nicht/ daß ihm Beweiß fehlet. L. comparationes, cum Auth. seq. C. de instrum. Nov. 73. c. 7. §. fin. L. 4. \& 5. C. de Edendo. §. 13. So auch einer seine brieffliche Urkunden verhehlen oder Urkunden Verhehlungs Straffe. entziehen wolte/ wird er fuͤr bekant und ungehorsam gehalten/ ist also ferner Beweiß unnoͤthig/ dazu noch mag ein Richter draͤuen/ er wolte Copie Glauben geben/ wann der Wiederpart das Original verhielte; nach geschehener Vorbringung solcher Schrifften muß Gegentheil selbige ohne Eyd fuͤr bekant annehmen/ oder eydlich verlaͤugnen/ und so fern sie also erkant/ wird dennoch Beklagter mit seinem Vorwand Urkunden recht zu er- kennen. dagegen gehoͤret/ auch durch Zeugen zu bekraͤfftigen/ daß jener nicht schweren darff/ und wann sich ein Brieff auff den andern beziehet/ ist dieser auch vorzulegen. L. 20. in fin. C. de probar. L. 2. §. 1. ff. de jure fisci. L. 56. ff. de V. S. L. 15. §. 1. ff. de reb. auth. jud. possid. Auth. si quis, C. de Edendo. §. 14. Privat- schrifftliche Urkunden sind auch/ welche der Schuld- Privat Brieff- schafften Be- weiß. ner dem Glaͤubiger giebt/ solche nun beweisen vollkoͤmmlich gegen den Beklagten/ es sey dann/ er wolte ausnehmen/ er haͤtte sich nicht ver- schrieben/ wofern sich aber Zeugen finden/ die gesehen/ daß er nur un- terschrieben/ ist es voller Beweiß wider den Schuldner. L. Publia, §. fin. ff. Depos. gloss. in verb. facinus, §. si quis, Auth. de instrum. caut. Auth. si quis, C. qui pot. in pign. L. instrumenta, C. de probat. L. Lucius, ff. de fideicomm. libert. §. 15. Also auch wann die Sache zur Kauffmannschafft gehoͤrig/ Kauffmanns- Buch und Re- gister Beweiß. alle Haußschrifften/ Register und Kauffleute Buͤcher/ wann sie fuͤr ehrlich- und wohlgeachtete fleißige Maͤnner bekant/ ihre Rechnung eigenhaͤndig unterschrieben/ auch wofuͤr man schuldig gemeldet/ und alles was sie sonst eingenommen und ausgegeben/ darinn angezeichnet/ selbige wuͤrcken halben Beweiß/ daß Klaͤgern oder seinen Erben Er- E 2 fuͤl- I. Buch/ Cap. VI. Erfuͤllungs Eyd. Registrator s Pflicht. fuͤllungs-Eyd mag auffgetragen werden. Ja/ wann es keine grosse Summa/ und der Registrator eine glaubwuͤrdige Person waͤre/ der seine Buͤcher fleißig auffschlaͤgt/ ist es genung/ daß die Schuld-Rech- nung mit seiner Hand angeschrieben/ sonst halten sie nicht alle bewaͤhr- ten Treu und Glauben. L. 12. in princ. C. qui pot. in pign. L. 20. C. de admin. tut. L. 5. 6. 7. 18. ff. de pri- vil. cred. L. pen. in fin. h. t. L. 16. ff. de V. S. L. 7. §. fin. ff. depos. L. 25. ff. si cert. pet. Send-Schrei- ben Beweiß Recht. §. 16. Item, Send-Brieffe/ mit dessen/ der sie sendet/ Nahmen und Zunahmen unterschrieben/ darinn der Schuldner dem Glaͤubiger schreibend anzeiget/ was er ihm schuldig/ beweisen vollkoͤmmlich wi- der ihn. Solche Send-Schreiben aber/ die nicht der Schuldner/ sondern andere geschrieben/ jedoch mit dessen Pitschafft/ bevorab von ihm selbst besiegelt/ beweisen auch wider ihn/ dann das Siegel macht die Schrifft gewiß/ ist aber eines andern Nahme unterschrieben/ und Schuldners Siegel nur allein beygedruckt/ hat es keine Krafft; Ja/ Siegel und Pitschafft Krafft. wenn ein Send-Brieff ohne Pitschafft/ und der Schuldner die Schrifft verlaͤugnet/ mag man sie gegen eine andre von seiner Hand vergleichen/ wofern sie nun aͤhnlich/ beweiset sie. L. si qua, C. de Episc. \& Cler. L. in bonæ fidei, vers. sequitur, C. de rebus credit. L. admonendi, ff. de jurejur. L. ad testium, §. fi quis, ff. de Test. Document en Recht/ wie zu beobachten. §. 17. Sonderlich ist bey allen Document en in acht zu nehmen/ solche Auslegung zu machen/ daß der Handel guͤltig sey und nicht ver- derbe/ darum widerwaͤrtiger Beweiß vom Richter muͤglichst zu ver- suͤhnen/ auch gar im Zweiffel selbige zu minder-jaͤhrigen Alters Frey- heit und gottseligen Ursachen besten Nutzen guͤnstiger anzunehmen/ sie seyn nun gemacht durch Zeugen oder Notari en Hand/ oder mit oͤf- fentlichem Siegel besiegelt/ oder Privat- Schrifften durch obrigkeit- liche Macht bestaͤrcket und geoͤffnet/ oder aus oͤffentlichem Gerichts- Schranck hervor gesucht/ oder sonst fuͤr Gericht ausgefertiget/ wofern sie nur nicht verdorben oder verfaͤlscht/ jedoch moͤgen keine gelten zu eines dritten Mannes Nachtheil. C. 16. c. 32. gloss. X. de test. L. gesta, C. de re judic. c. scriptura, X. de fide instrum. L. in fraudem, §. quoties ff. de jur. fisci. Auth. adhæc, C. Eod. L. 1. 2. C. de his, qui in Eccles. L. omnium, C. de Testam. L. 31. C. de Donat. L. 24. ff. de fide instrum. L. 14. C. Eod. L. pen. C. de probat. L. 8. in princ. C. de fide in- strum. Document en Beweiß in peinlichen Sa- chen. §. 18. So kan auch durch brieffliche Document en ein peinliches Verbrechen erwiesen werden/ bevorab das etwa durch Schrifften gestifftet oder vollentzogen wird/ als Verrath und Falschheit/ oder durch Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. durch verschwornen Rache/ Absagungs- und andere gerichtliche Brieffe/ darinn des Beklagten Bekaͤntniß oder Verurtheilung ent- halten. Andere Ubelthaten aber/ die nicht in Schrifften begangen/ son- dern in wuͤrcklichen Thaten bestehen/ ob schon sie nicht schrifftlich/ moͤgen dennoch deren Anzeigen durch Brieffschafften erwiesen wer- den; als Ehebruch wird zwar nicht durch Liebes-Brieffe bewiesen/ Liebes-Brieffe Anzeig-Recht. jedoch geben solche Schreiben gegen deren Schreiber starcke Arg- wohns Muthmassung. L. fin. C. de probat. L. 22. ff. de fals. L. in Exercendis, C. de fide instrum. L. 2. C. quorum appell. non recip. L. 1. §. 1. ff. ad L. jul. Majest. L. fin. C. de re judic. §. 19. Also auch im Laster des Verraths oder beleidigten so Verrath und verletzten Ma- jestaͤt Anzeig- Verdacht. wohl goͤtt-als weltlichen Majestaͤten/ ob solche feindliche Brieffe/ Schloͤsser und Festungen Abrisse/ oder zauberischen Character en oder Buchstaben Buͤcher und andere Schrifften/ Werckzeuge oder ver- daͤchtige Dinge unter Beschuldigten Sachen zu finden/ welches in Falschheit ebenmaͤssig zu beobachten/ wie in Dieberey mit Dieterichs/ Hacken/ Schluͤssel und gestohlner Sachen Findung. §. 20. Deßgleichen bey Pasquill en/ Schand- oder Schmaͤh- Pasquill en und Muͤntz-Ver- brechen Anzei- gung. Schrifften oder falschen Muͤntz-Verbrechen Praͤgungs-Handwercks- zeugen. Nachdem nun aus allerley Ursachen eines greulichen Lasters Verdacht wider jemanden entstehet/ ist noͤthig/ daß der Richter ei- nes Fluͤchtigen oder Gefangenen Hauß und Logiament s verschlossne Thuͤren im Nothfall durch einen Schloͤsser aufforechen/ in Schreibers Wie wider Fluͤchtiger Sachen zu verfahren. und Zeugen Beyseyn alle Kaͤsten/ Laͤdlein und Schraͤncke eroͤffnen lasse/ zur Sachen verdaͤchtige Brieffe versiegele und gerichtlich ver- wahre. §. 21. Ja/ wenn sonst jemand eines Verbrechen halber gefangen genommen/ muß der Richter alsbald dessen Hauß durch Notari en und Notari en und Zeugen Pet- schafft Recht. Zeugen Pitschafft versiegeln/ hernach fleißig nach verdaͤchtigen Din- gen suchen/ alles genau verzeichnen/ und was man findet klaͤrlich be- mercken lassen/ auch unterschrieben zu nehmen/ damit Beklagter nicht verlaͤugnen koͤnne/ daß solches in seinem Hause gefunden. §. 22. Beweiß-Art durch die Parthey selbst/ ist die gerichtliche Bekaͤutniß Be- weiß Recht. Bekaͤntniß/ welche End-Urtheils Krafft hat/ darauff des Richters Befehl erfolget. Ausser gerichtliche aber ist dem Bekenner nicht ver- faͤnglich/ es waͤre denn solche von der andern Parthey fuͤr bekant ange- nommen/ oder auch mehr als einmahl geschehen/ sonst macht es keinen bestaͤndigen Glauben/ denn was ein Theil in des andern Abwesen- E 3 heit I. Buch/ Cap. VI. heit bekennet/ ist ihm unschaͤdlich/ giebt auch nur halben Beweiß/ eyd- lich zu bekraͤfftigen. L. un. C. de Confess. Gloss. in L. 1. in verb. apud judic. L ult ff. de interrog. act. L. 58. §. ult. ff. de ædilit. Edict. L. cum Scimus, C. de agric. \& cens. L. 40. ff. de pact. C. at si clerici, in princ. Ext. de judic. L. certum, §. si quis ff. de confess. Bekaͤntniß Recht fuͤr vielen. §. 23. Keine Bekaͤntniß soll aus Zwang oder Furcht geschehen/ sondern freywillig/ welche aber vor vielen Leuten gethan/ auch ausser- halb Recht/ ist bestaͤndig und glaubhafft; wann ein Theil gegenwaͤrtig/ mag ein ander an seine Statt Gegentheils Bekaͤntniß annehmen/ daß es ihm zu statten komme/ so fern ers gut heissen will/ wo aber die Rech- te vermuthen/ daß einer bekennet/ ist unnoͤthig daß der andre Theil dabey sey/ oder solches anziehe/ oder es waͤre etwas/ so den Bekenner nicht so hoch verbinde/ und nur halben Beweiß macht/ als einer/ der auff die Acht geladen und nicht erscheinet/ wird vor bekant vermuthet und gehalten. Can. 1. caus. 5. q. 6. P. H. O. art. 20. Gloss. L. ictus, §. fustium, ff de his qui not. infam. Tot. tit. ff. \& C. de neg. gest. L. si tutor, C. de interdict. Bekaͤntniß Recht aus Jrr- thum. §. 24. Bekaͤntniß aus Jrrthum der Sache gethan/ moͤgen wohl wiederruffen seyn/ ausgenommen/ so es mit langem Bedacht oder zweymahl oder einmahl eydlich/ oder in Brieffschafften bekant verfaßt geschehen/ oder zur Gerichtshandlung hinkommen/ so mag unter Jrr- thums-Schein kein Bekaͤntniß unkraͤfftig seyn/ darum es sicher ist/ daß der andre Theil solches also fort annehme und einschreiben lasse/ mit Bitte gerichtliche Huͤlffe hierauff zu verschaffen. L. Admonendi ff. de jurejur. L. non fatetur ff. de confess. Bekaͤntniß Recht suͤrm Richter. §. 25. Bekaͤntniß fuͤrm Richter/ der nicht wuͤrcklich zu Gericht sitzet/ hat nicht festen Glauben/ es waͤre dann selbige durch willkuͤhrlichen kurtzen Gerichts-Zwang zur Kriegs-Vorbereitung/ oder nach Gele- genheit der Sachen mit Eydes Erbietung bekant; wer aber bekennet Bezahlung empfangen zu haben/ ist allewege ihm schaͤdlich/ und wann einer davon abfallen will/ kan man ihm Betrug vorwerffen. L. 1. ff. de Confess. Gloss. L. non solum L. 2. §. liberationis, ff. de liber. leg. Bekaͤntniß wegen Jrthum Rechtens. §. 26. Bekaͤntniß aus angezeigtem Jrrthum Rechtens wird nicht leichtlich verworffen/ weilen ein jeder die Rechte selbst/ oder mit ander Leute Rath wissen soll/ es waͤre denn ein gar sonderlicher Vorfall/ der mehr als einen Wort-Verstand haͤtte/ oder von geistlichen Ordens- und Kriegs-Leuten herkaͤme/ alsdenn entschuldiget dieser Jrrthum. L. 1. ff. de confess. §. 27. Be- Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. §. 27. Bekaͤntniß frey und ohne Ursach geschehen/ fuͤhret halben Freywilligen Bekaͤntniß Recht. Beweiß an/ dergestalt/ daß man dem andern Theil den Eyd zu dessen Erfuͤllung mag aufflegen/ es sey denn uͤm fahrende Haab/ dabey all- zeit Ursach muß angefuͤhret werden. Bekaͤntniß durchs Wort: ich glaube/ ist so viel als es ist wahr/ ohne bey frembden Geschichten/ darinn es eben nicht allezeit schaͤdlich seyn kan; Wer nun Laster bekennet/ lei- det wegen eigener Bekaͤntniß weder Schaden noch Straffe/ ehe denn er dazu verurtheilet. Gloss. L. \& quia ff. de jurisd. omn. jud. L. confessus \& gloss. de custod. \& exhib. reor. Gloss. fin. C. ex literis, in verb. veritate Ext. de jurejur. §. 28. Zu Rechts Beschleunigung wird auch Gebrauch der Frag- Frage Pun- cten Articuln Recht. Articuln und Antwortungen verstattet/ jedoch nicht ohn Unterscheid/ sondern allein auff die aus der Klag-Schrifft gezogene Beweiß-Pun- cten/ daran der Sachen Wesen haͤnget/ und wie es die Nothdurfft er- fordert/ und zwar sollen sie/ so viel eines jeden eigene Geschichte be- trifft/ durch das Wort wahr oder nicht wahr beantwortet seyn. Ant- wort/ es sey glaͤublich/ gilt nur in frembden Thaten/ wie denn auch dem Richter auff einen und andern oder auch alle Puncten in jedem Ge- richts Theil die Antwort zu erfordern freyer Wille unbenommen. §. 29. Bekaͤntniß mit gewissen Beding geschehen/ kan theils an- Bekaͤntniß- Recht mit Be- ding. genommen/ theils verworffen werden/ wann nemlich die Bedingung eine Zeitlang hernach beygesetzt und vorher Gestaͤndniß schlecht hin gewesen/ oder gegen das Beding eine rechtliche Vermuthung streitet/ oder verschiedene Umstaͤnde betrifft/ daß Gegentheil dessen Falschheit Minderjaͤhri- gen Bekaͤntniß Recht. erweisen will/ alsdann mag der fuͤr bekant angenommenen Gestaͤnd- niß Execution erbeten werden/ wann aber auff minder-jaͤhrigen Be- kaͤntniß Verletzung erfolget/ wird Erstattung vergoͤnnet. C. cum venissent. Ext. de institut. L. 9. §. 4. ff. de jurejur. §. 30. Eines Mannes Bekaͤnntniß kan andern nicht schaden/ also schadet nicht Schuldners Gestaͤndniß andern Creditor en noch seinen Bekaͤntniß- Recht eines andern. eigenen Buͤrgen zu mehrern Verpflichtung/ wann er nemlich verar- met waͤre/ es waͤre dann einem selbst auch zugleich nuͤtzlich; also schadet dem Schuldner des Glaͤubigers Gestaͤndniß/ wegen geschehener Be- zahlung vom Buͤrgen. So ist auch eines Erben Bekaͤntniß andern Mit-Erben nicht nachtheilig/ noch eines Gesellen dem andern/ noch eines Mit-Schuldigen oder Mit-Beklagten denen andern/ ohne Ver- Procurator wann Streits- Herr wird. jaͤhrungs-Frist zu unterbrechen/ wie auch Procuratoris Gestaͤndniß vor Kriegs-Befestigung/ ehe denn er Streits-Herr worden/ nicht schaͤd- lich I. Buch/ Cap. VI. lich ist/ er habe denn freye Vollmacht/ noch deßgleichen Vormuͤnders Muͤndling/ er sey dann rechtlich dazu gezwungen/ oder eines Urhebers dem Nachfolger/ ohne in dessen vorhergegangenen Rechten; derowe- gen wird Bekaͤntniß ohne Vollmacht auszufuͤhren wiederfochten/ wann aber Bekaͤntniß Vergleichs halber/ Verleugnungs-Straffe zu meiden/ geschehen/ kan sie/ weilen kein Jrrthum dabey/ nicht umgestos- sen werden. L. 21. ff. de reb. Cred. L. 28. ff. de SCt. Vellej. L. 75. §. 5. ff. de V. O. L. fin. C. de duob. reis. L. 3. ff. pign. act. L. 58. ff. de procurat. L. 46. §. 5. ff. de admin. tut. L. 25. §. 1. ff. ad L. Aquil. L. 3. §. 1. ff. quod quisque juris. L. 4. ff. de confess. §. 31. Muthmassungen sind einige Rechtens und von Rechts we- gen/ andere von Menschen Gedancken. Wann nun deren viel zusam- men kommen/ machen sie vollen Beweiß/ gegen letztere ist gegentheili- ger Beweiß zugelassen/ gegen erstere aber nicht/ massen das Gesetz al- so vermag/ es waͤre denn Jrrthum erwiesen oder sonst offenbare Kund- schafft und Partheyen Gestaͤndniß oder Augenschein dagegen vorhan- den/ derowegen ein Vormund/ der gar gewiß weiß/ daß die zu Muͤnd- lings Guͤtern beygebrachte Sache sein eigen ist/ solche wohl behalten Erben Recht ohne inventa- rium zu ma- chen. mag/ und ist kein Erbe uͤber Erbschaffts Vermoͤgen zu bezahlen schul- dig/ ob schon er keine Verzeichniß/ jedoch ohne Betrug haͤtte machen lassen. Die letztere Vermuthung bestehet in gesunder Vernunfft/ dar- um sie auch Beweißthums Buͤrde zum Gegentheil uͤbertraͤgt oder ei- Muthmassun- gen rechtlicher Anzeig Beweiß nes Beweiß vollguͤltig machet und Erfuͤllungs-Eyd anzubieten verur- sacht/ welche wann sie fuͤr beyde Theile streiten/ muͤssen Richter erken- nen/ welche am guͤtig- und guͤltigsten/ am starck und maͤchtigsten/ mehr auff gemeinen als sonderlichem Recht beruhend/ wie denn sonderbare der allgemeinen/ oder eines andern sonderliche und natuͤrliche der zu- faͤlligen oder buͤrgerlichen vorzuziehen/ auch guͤnstiger fuͤr Besitzere und Beklagten. L. fin. C. arbitr. tut. c. 30. X. de sponsal. L. 12. ff. de probat. L. 16. C. Eod. L. ult. ff. quod met. caus. L. 5. ff. de probat. L. 7. ff. de restit. in integr. L. 21. §. fin. ff. de test. L. quoties, ff. de reb. dub. L. 14. C. de Testam. L. 19. C. de Episcop. Zweene Klaͤ- ger Vorzugs Recht. §. 32. Ein Verschwender vermag niemanden rechtlich anzukla- gen/ wann aber sonst zween andere ehrliche Maͤnner zugleich klagen/ so stehet es bey dem Richter/ welchen er zuerst verhoͤren will/ es sey dann/ daß einer von ihnen die erste Klage gethan zu haben bezeugen will; Wer auch einen andern verthaͤdigen will/ muß Buͤrgschafft thun/ dem Urtheil Gnuͤge zu verschaffen; sonst aber/ damit kein Un- schuldiger verdammt werde/ wofern ihm seine Beschuͤtzung geweigert waͤre/ Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. waͤre/ soll man niemanden/ und wann auch der Teuffel selbst sich fuͤr menschlichem Gericht belangen lassen moͤchte/ sein Verthaͤdigungs- Recht abschlagen. L. 1. ff. \& C. de cur. fur. L. 46. §. 2. ff. de procur. §. 33. Jn peinlichen Sachen ist des Beklagten Verthaͤdigung al- Verthaͤdi- gungs Vor- recht. so befreyet/ daß sie kein Fuͤrst/ Koͤnig oder Kaͤyser/ weniger Orts Recht und Gewohnheit/ verbieten mag/ weilen sie von natuͤrlichem Recht her- ruͤhret/ derowegen kein Richter etwan einige Unkosten hoͤher und mehr achten soll/ als das durch GOttes Blut theuer erkauffte Menschen Blut; So entschuldiget auch fuͤr himmlischem Richter keine Rechts Unwissenheit. Weilen nun oͤffentlich iederman daran gelegen/ die Unschuld zu beschirmen/ so mag wohl ein gantz frembder dazu gelassen werden/ es sey Beklagter an- oder abwesend. Clem. Pastoralis, prope fin. Ext de Sent. \& re judic. L. 8. §. 1. ff. ad L. aquil. L. 33. §. 2. ff. de procur. L. 1. §. ult. ff. de postul. L. 35. princ. ff. de procur. §. 34. Wann ein peinlich Angeklagter seinem Verthaͤdigungs- Verthaͤdi- gungs Absa- gung Reu. Recht darum absagt/ daß er sich schuldig bekennet/ und ihm kein Ent- schuldigungs-Mittel bewust/ solches hernach bereuet/ so mag man ihm dergleichen ungeachtet vor beschehener Absagung nicht verbieten/ sondern vielmehr ihm/ falls er Anfangs nichts erwiesen/ und hernach wieder Frischen Ver- hoͤr-Verstat- tungs Recht. neue Grund-Ursachen vorzubringen sich erklaͤret/ frisches Verhoͤr ge- statten/ weilen allhier von des Menschen Leben gehandelt wird. §. 35. Jedoch muß der Richter sich huͤten/ daß er keinen Beklag- ten dazu verfuͤhre/ und goͤttlichen Rache Straffe auff sich und die Richters Pflicht bey Verthaͤdigung des Beklagten. Seinigen kehre/ wofern er nur einigen Warheit- oder Beweißthums- Schein vorfuͤhret; Jst aber Beklagter arm/ muß das obrigkeitliche Ge- richt des Proceß Unkosten darlegen/ massen ein Richter Beklagten nicht verhindern/ sondern forthelffen soll/ nach Christi Spruch: Mit welcher Maaß ihr messet/ wird euch wieder gemessen werden. P. H. O. art. 47. c. 17. X. de accusat. §. 36. Und so es denn waͤre/ daß ein Gefangener seines Laͤugnens Kundschafft Recht wegen Bekaͤutniß aus Jrrsaalen. solche Ursachen vorwendete/ dadurch der Richter zu glauben beweget wuͤrde/ daß Beklagter sein Bekaͤntniß aus Jrrsaal gethan haͤtte/ als- denn mag der Richter ihm solchen Jrrthums Beweiß verstatten; so nemlich der Gefangene oder seine Freunde/ solcher Kundschafft Stellung wegen/ Zeugen darstellen wolten/ ja wenn niemand sich da- zu anerbeut/ die Unschuld zu verantworten/ ist solches der Richter selbst unerbeten und von Amts wegen zu thun schuldig/ viel weniger vor der Unschuld Ausfuͤhrung mit peinlicher Frage Beklagten anstrengen/ F son- I. Buch/ Cap. VI. sondern ihn dazu ermahnen; So dann in ietzt bemeldter Erfahrung keiner Unschuld Erfindung obhanden/ mag er gepeiniget werden. P. H. O. art. 47. \& 57. L. 3. C. de accusat. L. non tantum, ff. de appellat. L. 10. \& pen. §. 1. ff. de publ. jud. L. 19. ff. de pœn. §. 37. So nun etwan auch ein uͤberwundener Missethaͤter seinen Helffer und Gesellen/ der ihm in geuͤbt-erfundener That geholffen/ freywillig mit allen dazu gehoͤrigen Umstaͤnden im Gefaͤngniß besaget/ Ubelthaͤters Bekaͤntniß Recht wegen Mitgesellen. und bestaͤndig dabey verharret/ ist solches gegen Besagten einiger Arg- wohn/ wann dem Sager nemlich solche Person nicht nahmentlich fuͤr- gehalten und darauff sonderlich befraget worden/ sondern insge- mein/ wer ihm geholffen/ und er also jenen von ihm selbst ungemartert bedacht und genannt/ wie nicht weniger daß die beschuldigte Person so verdaͤchtig/ daß man sich der Ubelthat argwoͤhnisch zu ihr versehen moͤge/ welches aus der Missethat erkundigtem Umstand und Anzeige auch durch Auffsehen des besagten guten oder boͤsen Leumuth-Stand oder Gemeinschafft zu erachten/ alsdenn mag einer frey und billig zur Hafft eingezogen werden. So gebuͤhret sich auch einen solchen sagenden Ubelthaͤter eigentlich zu examinir en/ wie/ wo und wann ihm Besagter geholffen/ nach was Gestalt und Gelegenheit der Sachen er mit ihm Gesellschafft gehabt/ nach allen best-muͤglichst-nothduͤrfftigen War- heit Erfindungs Mitteln; deßgleichen ob er mit besagtem irgend in geheim- oder offenbaren Unwillen/ Feindschafft und Widerwaͤrtig- keit stehe; so waͤre nach dessen Erkundigung seiner Sache nicht zu glau- ben/ er zeige dann deßhalben andere glaubhafft- und redliche Ursa- chen Wahrzeichen an. Kundschafft Verhoͤr Recht. P. H. O. art. 31. §. 38. Vermoͤge gemeiner Rechte sollen in peinlichen Sachen/ ausser dessen Gerichts-Personen/ keine Commissari en zur Kundschafft- Verhoͤr gegeben werden/ wenn es aber von noͤthen/ muß die frembde Obrigkeit allen Fleiß thun/ und/ was sie nicht verstuͤnde/ bey andern Rechts-Gelehrten Raths erholen/ damit die Kundschafft den Rechten Cmmissari en Pflicht wegen Kundschafft. gemaͤß verhoͤret werde/ oder fuͤrstliche Commissari en moͤgen die Zeu- gen oͤffentlich citir en; Allwo aber keine dazu Rechts verstaͤndige Perso- nen sind/ dennoch an tuͤchtigen Kundschafft-Verhoͤrern viel gelegen/ auff daß nicht etwan durch dieselbe aus Unverstand einige Verkuͤrtzung Beweiß-Arti- euln Recht sie zu verschicken. geschehe/ so sollen deßfalls verzeichnete Beweiß-Articul durch den Richter/ jedoch ohne Partheyen Nachtheil und Kosten an des fremb- den Gerichts Obrigkeit verschicket/ auch dabey der Sachen Gelegen- heit Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. heit und Gestalt Bericht angezeiget werden/ welche denn andere Com- missari en auff des Kundschafft-fuͤhrenden Ansuchung verordnen/ und nach Nothdurfft Zwangs-Brieffe/ die Zeugen zur gebuͤhrenden Aus- sage zu bringen/ ertheilen soll/ welches so diese Obrigkeit verweigert/ kan es vom Oberrichter ernstlich aufferleget werden. §. 39. Allem Eydschwur soll jederzeit richterliche ernsthaffte Ver- Meineydigen dreyfaches Verbrechen. mahnung vorher gehen/ damit die Zeugen nicht falsch schweren und GOtt zur Rache fordern/ sintemahl ein Meineydiger unterworffen ist der Straffe GOttes/ den er verachtet; des Richters/ den er betrie- get; und dazu dem Unschuldigen/ den er beleidiget/ verpflichtet. So kan auch in Suͤnden-Faͤllen/ Gewissens-Sachen/ Ehe zu trennen/ peinli- Eyd wann Zeugen nicht nachzulassen. chen Klagen/ gemeinem Wesen zum Nachtheil oder in Seelen-Gefahr oder andern schaͤdlichen Haͤndeln der Eyd denen Zeugen von keiner Parthey nachgelassen werden. C. quisquis, caus. 11. q. 3. §. 40. Jm Eyd keine Geheimniß zu offenbaren/ ist sonderlich Eyd wegen Geheimniß. Warheits Unterdruͤckung zu befahren: So auch jemand schweret/ daß er Gegentheil nichts schuldig/ welches er dennoch hernach uͤberwie- sen wird; deßgleichen wer seinem Glaͤubiger in bestimter Zeit zu bezah- len schweret/ und es nicht thut/ derselbe mag zu wohlverdienter Straf- fe mit Ruthen gegeisselt oder mit Stoͤcken geschlagen werden/ dann nach Verwuͤrckung der That geben die Rechte verschiedene Urtheil und Straffen. C. 18. \& 45. X. de Testibus. L. si duo, §. fin. ff. de jurejur. c. 2. Ext. de his, quæ fiunt à majore parte. §. 41. Einen rechtmaͤßig gegruͤndeten gerichtlichen Eydschwur Eydschwur wie und wohln einzurichten. aber mag man wohl thun und leisten bey GOttes Nahmen allein/ Maͤnner nemlich mit auffgereckten zween vorder Fingern/ die Weiber aber mit angelegter rechten Hand zur lincken Brust/ fuͤrm Richter an oͤffentlichem Ort/ in dieser Form: So wahr mir GOtt helffe und sein heiliges Wort; verstehe dadurch Christi Person/ so das Wort ge- nannt wird/ Joh. 1. nicht aber das Wort des Evangelischen Buch- stabens/ weilen diese Ehre der Anruffung keinem allerheiligsten Men- schen Rath/ sondern GOtt allein zu geben gebuͤhret. Exod. XXIII. Jud. XI. Deut. VI. \& X. Josuæ XXIII. Matth. V. §. 42. Wer wissentlich fuͤr Richter und Gericht einen Meineyd Meineyd Straffe. schweret/ der soll in buͤrgerlichen Sachen/ die zeitlich Gut antreffen/ davon er inzwischen Nutzen bekommen/ zufoͤrderst das faͤlschlich abge- schworne Gut/ wofern ers vermag/ dem Verletzten mit allen Schadens F 2 Er- I. Buch/ Cap. VI. Ersetzung wieder zukehren/ darnach aller Ehr und Wuͤrden/ auch rechtlichen Wohlthaten entsetzet/ und ein verleumdeter ehrloser Mann seyn/ demnaͤchst werden ihm die zween Finger/ damit er geschworẽ hat/ abgehauen; wann aber jemanden durch falschen Eyd eine peinliche Straffe zugefuͤget/ ist der Meineydige gleicher Straffe untergeben/ als auch der/ so es angestellet. P. H. O. art. 107. c. 1. Ext. de crim. fals. C. periculose, Ext. de pœn. Eyd der Schalck- und Boßheit. §. 43. Eyd der Schalck- und Boßheit in Rechten ist gleichsam eine geistliche Folter/ darum zu Verhuͤtung Meineydes die streitende Par- theyen zu verwarnen/ fuͤr dessen Groͤsse ermahnen und bedrohen/ auch Zancks Gottlosigkeit halber hochnoͤthig/ daß er mit groͤsserm Ansehen fuͤr Gericht/ in Richters oder ein und andern Geistlichen/ oder dazu abgefertigten Commissari en Anwesenheit/ verrichtet werde/ wie denn ein solcher Eyd bißweilen/ nach der Sachen Nothwendigkeit/ bey ver- schiedenen Rechts Faͤllen wohl mag wiederholet werden/ damit man nicht/ des einmahl gethanen Schwurs etwan uneingedenck oder ver- gessen/ sein Gewissen verletzen moͤge. L. 2. princ. §. 2. §. 4. \& §. 5. C. de jurejur. propter calumn. L. 14. §. 1. C. de judic. L. ult. C. de quæst. Serv. Nov. 73. c. 7. L. 6. §. 2. ff. de Edend. §. 44. Wann dieser Eyd einer Gemeinde aufferlegt/ sollen ihn Gemeinde Eyd wer abstatten muß. die Aeltesten/ welche von der Sache Wissenschafft haben/ nicht aber ein Syndicus oder Fuͤrsprecher abstatten. Vormuͤnder aber und Vor- steher/ wie auch Geistliche/ wofern sie in Streit-Sachen begriffen/ sollen zugelassen/ auch wohl dazu gezwungen werden/ ja selbst Minder- jaͤhrige und Unmuͤndige/ wann sie Betrugs faͤhig/ wegen Alter/ oder nach Art und Natur einer Sache/ fuͤr Gerichte stehen moͤgen; sonst Vormuͤnder Pflicht wegen minderjaͤhri- gen Eyd. aber schweret Vormund/ oder des Muͤndlings Eyd wird auffgescho- ben. So muͤssen ihn auch Erben ablegen/ ob schon der Verstorbene ge- schworen/ jedoch sind Eltern/ Patron en und Oberherrn dessen befreyet/ wegen der Ehrerbietung/ so man ihnen schuldig. C. 1. §. fin. c. 5. \& fin. X. de jurejur. L. 16. \& 34. ff. hoc tit. 2. Feud. 33. Eyd befreyet nicht von Un- kosten. §. 45. Dieser geleistete Eyd befreyet dennoch nicht von deren Un- kosten Erstattung/ wann nun Beklagter oder auch Klaͤger diesen auff- getragenen Eyd nicht thun will/ wird jener fuͤr bekant gehalten/ dieser Sach verlustig/ jedoch durch vorhero daruͤber erklaͤrten Ausspruch; Eydes Ver- weigerung Straffe. wann auch der/ welcher gerichtlichen Eyd angetragen/ diesen Eyd ver- weigert/ so wird jener fuͤr geleistet erachtet/ und wer ihn in Ehren- Sachen nicht abschweren will/ wird als bekannt dadurch Ehr- loß. Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. loß. Jn Testament-Vermaͤchtniß hat weder Eyd noch Vergleich Statt. L. 59. ff. de judic. L. 2. §. 6. C. de jurejur. propter calumn. C. fin. §. fin. X. hoc tit. L. fin. C. de jurejur. arg. L. 2 §. 2. C. de jurejur. propter calumn. §. 46. Jst also gerichtlicher Eyd allen Hadders Ende/ gemaͤß dem Eydes Krafft. Vergleichs-Mittel/ darum ihn auch niemand ohne besondere Voll- macht der andern Parthey auffzutragen/ so wenig als er die Sache ohne Principal en Wissen und Willen zu vergleichen vermag/ ohne so Be- weiß ermangelt/ oder eine gar verzweiffelte Sache waͤre. L. 2. L. 26. §. fin. \& L. 35. §. 1. ff. de jurejur. L. 17. §. ult. \& L. 34. §. 1. ff. Eod. L. 63. ff. de procurat. §. 47. So mag nun eine Parthey der andern den Eyd wohl an- bieten/ ob sie schon noch nichts bewiesen/ auch vor der Kriegs-Befesti- Eydes Anbie- tungs Recht. gung oder nach angefangenem Beweiß/ ja nach dessen Termins Ver- fliessung/ und zwar so wohl in Klage wegen Beylage/ Betrug als Eh- ren Sachen und andern dergleichen Faͤllen/ jedoch nicht andrer Gestalt als von dem Theil begehret worden/ ohne in peinlichen und Halß- Sachen mag der Beklagte dem Klaͤger keinen Eyd antragen/ sonst muͤste er die Halß-Straffe leiden/ wann dieser geschworen/ dazu er sich selbsten zu verbinden nicht vermag. L. 9. \& L. 12. C. Item L. 34. ff. de jurejur. §. 48. Derjenige aber/ dem der Eyd angeboten/ hat in Rechten Eydes Ent- schlagung zwie- faches Mittel. zwiefaches Mittel/ dessen sich zu entschlagen/ als selbigen Eyd hinwie- der dem Gegentheil zu uͤbertragen/ es waͤre denn uͤber seine eigene/ dem andern unbekante Thaten/ oder habe ihn schon einmahl angenommen/ und wann er etwa sein Vorhaben viel lieber durch Brieffe oder Zeu- gen/ als eydlich dar zu thun gesonnen; wofern aber Klaͤger dasjenige/ was er sich aus Liebe zur Religion zu seines Gewissens Vertretung oh- ne Eyd zu beweisen angemasset/ nicht erwiesen/ soll er auffgetragenen Eyd leisten/ oder andern Theil wieder uͤbertragen/ welcher sich dessen hernach nicht weigern kan/ wann nemlich die Sache in des andern Ge- wissen und wohlbewuste Wissenschafft anheimgestellet wird. L. 5. §. ult. \& L. seq. ff. de jurejur. L. 34. §. 7. ff. Eod. L. 11. §. ult. \& L. seq. ff. rer. amot. L. 8. ff. de condit. instit. L. 37. \& 38. ff. h. t. §. 49. Wer nun einen gerichtlichen Eyd anbeut/ muß den Eyd Eydes Ver- weigerung Straffe. der Boßheit erst thun/ wofern nun Klaͤger sich hierinn weigert/ wird Beklagter loßgesprochen; weigert sich aber Beklagter/ bekommt der Klaͤger was er gebeten durch Richters Urtheil. Deßgleichen mag der Erbe mit Gegentheils Willen schweren/ wann Principal verstorben F 3 und I. Buch/ Cap. VI. Erbe wann schweren kan. und den Eyd weder angenommen noch ausgeschlagen hat/ weilen man hierinn eines jedern Glauben erwehlen kan/ und zwar muß auch diesen Eyd der Sachen Hauptmann in seiner eigenen Person selbst schweren. L. 5. §. 4. \& L. 34. §. 4. ff. de jurejur. L. 12. §. 2. C. hoc tit. L. 9. C. de reb. cred. c. 7. X. de pignor. L. 12. princ. ff. rer. amot. Eydes Recht zur Erfuͤllung. §. 50. Dem nechst pflegen die Richter den nothwendigen Erfuͤl- lungs-Eyd der Parthey auffzulegen in zweiffelhafften und Beweiß er- mangelnden Sachen/ als wann nur ein glaubwuͤꝛdiger hochansehnlicher Zeuge oder gar wichtige Muthmassungen verhanden/ und also nur halber Beweiß/ es habe Klaͤger oder Beklagter solches begehret oder Beklagten Vorrecht we- gen Eyd. nicht/ ist es ohne Verdacht/ so fern es nur dem verstattet/ welcher nach aͤusser- und leiblichem Sinn der Sachen beste Kundschafft haben kan/ wann sie gleich den halben Beweiß haben/ soll man eines Wuͤrde und Sitten des andern/ wo dieses auch gleich/ Beklagten vorziehen. L. 12. §. 4. C. de reb. Cred. L. 31. ff. de jurejur. c. ult. §. ult. X. hoc. tit. L. 3. C. de reb. cred. L. 188. ff. de R. J. Erfuͤllungs Eyd wenn nicht zu gestat- ten. §. 51. Wann aber der/ so sich auff diesen Eyd berufft/ auch mit dem geringsten Argwohn beladen/ oder kein gut Geruͤcht hat/ noch untad- lichen Wandel fuͤhret/ oder sonst keine Gesetz-maͤßige/ im Recht tuͤch- tige Person waͤre/ mag er nicht zu diesem Eyd gelassen werden/ ob schon er halben Theils Beweiß gethan/ als Wucherer/ Juden und solche Leute/ die man falsch zu schweren fuͤrchtet/ oder in hochwichtigen pein- lichen Sachen. L. ult. C. de probat. C. 1. §. illum, X. de restit. spol. Eydes Krafft zu Beweiß- Erfuͤllung. §. 52. Wann derowegen Klaͤger einen Eyd zu GOtt und auff sein heiliges Evangelium schweren wollen/ und moͤgen also eydlich er- halten/ daß sie die in Act en angezogene Summam Beklagtem geliehen/ massen ihnen das oblieget/ so soll solches gehoͤret seyn/ und haͤtten sie ih- re intention zur Noth erwiesen/ waͤre auch dieser solche nebst Interesse schuldig zu bezahlen; Thun sie es aber nicht/ so ergehet dennoch ferner in Neuer Urkun- den Rechts Freyheit. der Sache was recht ist/ wofern auch neue Urkunden vorgefunden/ so mag dieses Urtheil durch Wiederauffrichtung ergaͤntzet werden/ wann es binnen vier Jahren angesucht wird/ von derer gefundenen Docu- ment en Zeit an zu rechnen/ und muß Klaͤger allhier schweren/ daß er solches vorhero nicht gehabt/ noch ietzt dieselben erst habe machen lassen/ so gilt auch hier Appellation. C. Pastoralis, X. de Except, c. Præsentium, X. de Test. §. 53. Eyd Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. §. 53. Eyd der Warheit wegen beraubt- und gestohlenen Sachen Eyd der Waa- ren Schaͤtzung. Schaͤtzung hat Klaͤger Macht zu thun/ weilen es anders schwer zu be- weisen/ und zum Haß der Raͤuber und Diebe noͤthig/ welches auch guͤltig ist bey hinterlegt- und versiegelt-anbetrauten/ aber eroͤffnet- und auffgebrochen erstatteten Guͤtern/ es muß aber zugefuͤgeter Schade so groß seyn/ daß Eyd Statt findet auch bey Klaͤgers Erben. L. 9. C. unde vi. c. fin. X. quod met. caus. §. 54. Eyd der eigenen Zuneigungs Schaͤtzung mag Klaͤger ab- Eyd der eigent Zuneigungs Schaͤtzung. legen wegen Beklagten Ungehorsams/ der ihm sein entwendetes Gut nicht wiedergeben will/ da nemlich die Sachen fuͤr Gericht gebracht/ nach Klaͤgers Willen beschworner Weise gewuͤrdiret werden; damit aber Klaͤger die Maasse nicht uͤberschreite/ pfleget der Richter ihm et- was gewisses zu benennen oder seine Schaͤtzung zu maͤssigen/ alsdann die durch Maͤssigung geringerte Wuͤrdierung eydlich zu bekraͤfftigen; wann nun zu erweisen/ daß er uͤbermaͤssig geschaͤtzet/ oder Beklagter ohne Betrug Besitzes entsetzt/ kan der Richter den Spruch mildern/ oder Beklagten zu weilen gar loß zehlen. L. 5. §. 1. \& fin. ff. de juram. in tit. L. 4. §. 2. \& seq. Eod. Auth. post jusjurandum, C. de judic. Nov. 82. c. 10. §. 55. Wenn nemlich Klaͤger schweren wolte und moͤchte/ daß er lieber so viel Geldes verliehren/ als sein Gut entbehren wolle/ so soll er mit angedeuteter Schaͤtzung zugelassen seyn/ und darauff erfolgen was Summa mit In- teresse und Un- kosten wann zu bezahlen. recht ist/ so dann Klaͤger die eingegebene gemaͤssigte Posten in Summa eydlich erhalten und beschweren wuͤrde/ daß er dieselbe so hoch und nicht geringer achte/ so ist Beklagter so thane Summam nebst interesse und Unkosten zu bezahlen schuldig. §. 56. Eyd der Reinig-Befrey- oder Entschuldigung wird zuge- Eyd der Rei- nig-Befrey- oder Entschul- digung. lassen in Ehe-Schmaͤh-Klage Streit/ allwo man sich von Arglist be- freyen muß/ auch in peinlichen Sachen/ darinn man zur Leibes-Straf- fe noch Tortur nicht kommen kan/ jedoch nicht ohne Argwohns Ver- dacht/ sondern es muͤssen gegen Beklagten Anzeigungen vorhanden seyn/ oder Schmaͤhung und Unwissenheit angefuͤhret werden/ daß man anders die Warheit nicht erforschen koͤnnen/ weilen es wegen Mein- eyds Furcht ein gefaͤhrlicher Eyd/ der offt Beklagtem billiger nachzu- lassen; Bey grossen Betrugs Vermuthung aber kan der Richter ihn Amts wegen gebieten und zwar dem Ehrsamen/ der sonsten einen wohl beruͤchteten Wandel gefuͤhret/ und Laster halber am wenigsten verdaͤch- tig/ zu erst/ darum auch Beklagtem/ solchen Eyd zu leisten ein gewisser Tag I. Buch/ Cap. VI. Tag angesetzet wird; wuͤrde er sich aber dessen weigern/ oder etliche mahl geladen ausbleiben/ soll er fuͤr bekant verurtheilet und als uͤber- wunden gehalten werden; wann dann Beklagter schweret/ ist er gaͤntz- lich klagloß/ wolte er aber anders seine Unschuld beweisen/ stehet ihm auch frey. L. 6. §. 4. ff. de his qui not. inf. L. 18. C. Eod. c. 8. X. de purg. can. Auth. novo jure, C. de pœn. jud. C. Presbyter caus. 2. q. 5. C. 1. 5. 7. 10. \& fin. X. de purgat. §. 57. Demnechst/ weil denen Armen/ nicht weniger als denen Reichen/ ohne Ansehen der Person/ zu dem/ wessen sie befugt/ durch Armuth Vor- recht in Proceß. ordentliche/ auch nach Gelegenheit der Sachen summarische Pro- cesse verhelffen zu lassen billig ist/ so ist ihnen das Vortheil/ welches das Armuth in Rechten hat/ daß es in gewissen Faͤllen entweder vom Gegentheil oder vom Gericht mit Proceß-Verlag versehen werde/ nicht allein zu goͤnnen/ sondern sollen auch alle Beamten und Gerichts- Herrn solche Verordnung in Obacht nehmen/ damit niemand wegen Armuth an seinem Recht verkuͤrtzet werde. §. 58. Wann sich aber offt befindet/ daß zancksuͤchtige Leute in Armen Proceß wann zu ver- statten. boͤsen ungegruͤndeten Sachen solcher Wohlthat mißbrauchen/ und da sie vermercken/ daß ihnen Streits-Unkosten aus frembdem Beu- tel dargereichet werden/ nicht allein dem Verleger unnoͤthige Kosten/ sondern auch Gegentheil Geld-Verlust und Beschwerung zuziehen. So soll man die Armen Sachen nicht alsbald zum Proceß verweisen/ Obrigkeit wañ nicht zu belau- gen. sondern vorher summarische Erkaͤntniß erwegen/ ob und wie weit ihr vorgewandtes Recht vermuthlich wohl auszufuͤhren muͤglich; So lang nun Obrigkeiten hierinn und sonst ihr Amt thun/ mag man sie nicht gerichtlich verklagen. L. 48. ff. de judic. L. 32. ff. de injur. L. 2. ff. de in jus vocand. L. 10. ff. de accusat. Eyd der Ar- muth wann zu gestatten. §. 59. Wann sich nun befinden wuͤrde/ daß einer aus offenbarer Boßheit zu seinem Gegentheil sich noͤthiget/ soll er bey Obergerichten mit guͤtlicher Handlung nach Gelegenheit abgewiesen/ von andern Untergerichten aber muß der Sachen Beschaffenheit dem Landes- Herrn berichtet und Verordnung darinn erwartet werden; wiedrigen Falls soll man den Armen Proceß verstatten/ und das Eyd der Armuth nach eingenommener Erkundigung beschweren/ auch solches bey die Act en verzeichnen lassen/ damit hernach nicht daruͤber disput erreget werden duͤrffte. Eyd der Ar- muth Jnnhalt. §. 60. Wann nun Klaͤger den Eyd der Armen/ daß er nicht uͤber 50. fl. an gangbarer Muͤntze in Vermoͤgen habe/ ablegen und schweren/ wie Von gerichtlichem Beweiß und Kundschafft. wie auch/ wann ein Mann fuͤr Gericht zu schaffen haͤtte/ der Armuth halber seine Sache nicht vollfuͤhren kan/ seine Armuth erweiset und eydlich betheuret/ daß er nemlich so arm sey/ daß er an allen beweg- und unbeweglichen Guͤtern/ liegend oder fahrenden Haabe/ noch Schulden und Gerechtigkeiten/ so viel nicht vermoͤge/ nothduͤrfftige Brieffe und Advocat en Pflicht bey ar- men Sachen. Cantzley oder Gerichts-Gebuͤhr zu erlegen/ noch seinen Fuͤrsprecher zu belohnen/ daß er auch darum und diesen Eyd zu leisten seine Haabe und Guͤter gefaͤhrlicher Weise nicht veraͤussert/ noch andern uͤbergeben ha- be/ und so fern er seine Sachen mit Recht erhalten/ oder sonst zu bes- serm Vermoͤgen kommen wuͤrde/ daß er alsdann jedern nach seiner Ge- buͤhr Bezahlung entrichten wolle/ alles treulich und ohne Gefehrde; Alsdann waͤre deren Armen Advocat ihm in dieser Sache zu dienen umsonst und ohne Entgelt seine rechtliche Nothdurfft fuͤrzubringen/ GOtt zu Ehren/ und um der Gerechtigkeit willen schuldig/ massen er dazu besoldet/ billig gegeben und gerichtlich bey verordnet werden muß. Caput VII. Von Zeugen Verhoͤr/ Aussage und gericht- lichem Zeugniß. §. 1. W Ann Richter zwischen Klaͤger und Beklagten ohne Zeugen nicht Zeugen Ver- hoͤrs Reguln. schlichten kan/ so muß Gegentheil/ die Zeugen schweren zu hoͤren und zu sehen/ eingeladen werden/ und Zeugen muͤssen auch in buͤrger- und peinlichen Processen vorhero billig citir et werden/ ihre Zeugnisses Aus- sage mit Vorbedacht und nuͤchtern abzulegen/ so wohl als Beklagter Zeugen in Eyd zu nehmen ansehen und hoͤren muß/ auff daß alles ohne Betrug und auffrichtig hergehen/ auch keiner Person Jrrthum vorfal- len moͤge; wann er einen Zeugen/ der sein Feind waͤre/ als untuͤchtig etwa zu verwerffen gesonnen/ bevorab wann Beklagter ein unwissend einfaͤltiger Bauersmann oder des Lebens muͤde/ so soll man ihn am meisten verthaͤdigen helffen. C. 41. X. de Test. c. 2. X. de Test. P. H. O. art. 65. 71. \& 72. §. 2. Da denn fuͤrnehmlich insgemein alle Zeugen zu befragen/ Zeugen Ver- hoͤrs allgemei- ne Frag-Stuͤ- cke. ob sie etwas fuͤr ihr Zeugniß bekommen oder zu hoffen? Ob alle Mit- zeugen eines unberuͤchteten ehrlichen Nahmens/ oder einigen Missethat schuldig waͤren/ und was sonsten zur Warheit Erkundigung und des Beschuldigten Rettung diensam und noͤthig sey; Deßgleichen/ wie G Zeuge I. Buch/ Cap. VII. Zeuge heisse? Wie alt? Wes Standes? Ob er wisse/ wozu er hie- her beruffen? Ob er Beklagten Feind? Ob er mit dem Entleibeten oder Beleidigten verwandt? Wie er zum Zeugniß kommen? Darauff dann Zeuge seines Wissens gruͤndliche Ursachen anzeigen muß/ ent- weder von ihm selbst/ oder auff Richters Begehren/ als wenn einer mit jemanden gezancket/ darauff zur Mistgabel gegriffen/ und auff ihn loß- gegangen/ stuͤnde zu fragen: Ob der Wiederparth nicht beritten und bewaffnet gewesen? Ob er das Pferd nicht gewaltsam auff ihn umge- lencket? Ob dieser mit der Gabel auff jenen fortgegangen/ nicht nur selbige zur Gegenwehr fuͤrgehalten; Entgegen ihm selbst aber/ oder sich und sein eigen Schand-Laster anzuzeigen/ ist niemand rechtlich gehalten. L. 3. §. ult. L. 25. ff. de jure Fisci. Zeugen Recht von hoͤren sa- gen. §. 3. Wann aber Zeuge saget/ daß er etwas gehoͤrt habe/ soll man ihn fragen/ von wem? die alsdann auch zu beruffen und zu er- fragen/ oder die Ursach waͤre in Act en nieder zu schreiben/ warum sie nicht verhoͤret werden koͤnten/ ob sie todt oder abwesend/ dann ein Zeuge von hoͤren sagen giebt gar keinen Argwohn/ er habe dann seinen gewissen Urheber; Es soll auch nichts ausser Zeugen selbst eigenem wah- ren Wissen genugsam erachtet werden. So nun ein peinlich Gericht mit Personen besetzet ist/ die solche Kundschafft rechtmaͤssiger Weise zu verhoͤren geschickt und verstaͤndig/ soll der Richter mit zweyen dazu tuͤglichen samt dem Gerichts-Schreiber mit rechtem Fleiß eigentlich darauff mercken/ wie sich im Recht gebuͤhret/ ob der Zeuge in seiner Sage wanckelmuͤthig und unbestaͤndig erfunden werde; welche Um- staͤnde dann/ und wie er Zeugen in aͤusserlichen Gebaͤrden verspuͤret/ zu dem Handel angeschrieben seyn muͤssen; Jn Sinn-faͤhigen Sachen gilt nicht Antwort/ es sey glaͤublich. c. 3. \& 13. X. de præsumt. Zeugen Sage und Verant- wortungs Communica- tion Frist- Raum. §. 4. Derohalben man Beklagten des Processes Copie samt de- ren Zeugen Nahmen/ Verhoͤr und Aussage/ um seine Beschirmungs- Auszuͤge gegen dieselben vorzustellen/ communicir en soll/ und muß auf begehrenden Unkosten darauff ihm ferner eine rechtliche Verantwor- tungs Frist von 14. Tagen oder Monat-Zeit/ nachdem es der Sachen Wichtigkeit oder Zeugen Abwesenheit erfordert/ willkuͤhrlich vom Richter vergoͤnnet seyn/ solche aber nicht gar zu eng einzuraͤumen/ nemlich ohne Haß aus Liebes-Zunder hierinn zu verfahren. Beklagten Un- terredungs Freyheit. P. H. O. art. 47. c. 17. X. de accusat. §. 5. Nachdem nun Beklagtem die Gerichts- Act en und Zeugniß in Abschrifft ertheilet/ und er sich mit seinem Advocat en besprochen/ ist er ge- Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. er gehalten/ seine Entschuldigung zu melden/ auff daß der Richter dar- uͤber/ ob sie wohl erheblich oder nicht/ fuͤglich berathschlagen koͤnne/ Advocat en Arglist wie zu meiden. Zeugen Beste- chungs Arg- wohn wie zu verhuͤten. darum solche zwar/ jedoch ohne weitlaͤufftigen Umschweiff schrifftlich einzulieffern und Beweiß zu geben/ wiedrigen Falls mag ihm dieses verweigert seyn. Zu mehrern Sicherheit deren Advocat en Arglist zu mei- den soll Richter Beklagten sich mit ihnen und seinen Freunden zu un- terreden zwar gestatten/ jedoch in seiner/ Schreibers und Beysitzer Gegenwart; vornehmlich wenn das Verbrechen greulich/ und Be- klagter an Freunden und Guͤtern maͤchtig/ oder sonst falscher Zeugen Bestechung und anderer Argwohn zu befuͤrchten. P. H. O. art. 88. \& 151. §. 6. Wann auch Beklagter nur einen/ oder Haußgenossen und Haußgenoß ẽ/ Verwandten und Gegen- Zeugniß/ wie zu vergleichen. Verwandten/ als Zeugen angiebt/ soll er damit gehoͤret seyn/ massen oͤffters des einen Zeugniß mit deren zween Gegenzeugen ihm zu Nu- tzen wohl zu vergleichen/ daß ein Urtheil moͤge gelindert werden/ als zween Zeugen sagen/ daß jener von diesem getoͤdtet/ der dritte zeuget/ daß der Entleibete Streits Anfaͤnger gewesen. §. 7. Weilen in peinlichen Sachen/ auff deren Zeugen Beweiß Peinlichen Frage und Ur- theils Recht. und Aussage/ peinliche Frage und Urtheil auff Leib und Gut erfolget/ soll man daruͤber auffs fleißigste nachforschen/ darum ein Richter so wohl als Schreiber/ so Verhoͤr haͤlt/ in seinem Amt/ des Menschen Blut-Gericht betreffend/ wohl zusehen soll/ damit er nicht fuͤr GOtt in seinem gestrengen Gericht verdammt werde/ wofern er sich darinn nachlaͤßig erzeiget. L. 1. §. 1. L. 3. §. 5. L. 19 in fin. ff. de test. §. 8. Demnechst sollen alle geordnete Commissarii, nach beschehe- Commissari en Pflicht wegen Zeugen Ver- hoͤrs Form. ner Verhoͤr/ ihren Bericht uͤber die Zeugen Aussage mit oͤffentlichen Schreiber Zuthuung/ jedesmahl derogestalt abfassen/ daß nach jedem Beweiß-Articul aller und jeden Antwort in ihrer Ordnung mit denen Worten/ wie Zeugen geredet/ untergesetzt werde/ damit der Richter solche Zeugniß allemahl unter Augen haben/ und sonst nothwendig- vielfaͤltigen muͤhsamen Auffsuchens uͤberhoben seyn mag. Zeugen Ver- hoͤr Haltungs Anordnung. §. 9. Zeugen Verhoͤr kan also gehalten werden/ daß man bey de- nen aͤltesten Zeugen anfangen mag/ sie sollen aber alle/ und ein jeder fuͤr sich allein/ zwar auch bey nuͤchterm Muth/ oder ja maͤßig gefruͤh- stuͤcket/ verhoͤret werden/ an gesetzetem Tage/ auch im Nothfall bey Nacht/ oder an Feyertagen/ nach verrichtetem Gottesdienst. §. 10. Wer peinliche Frage halten will/ soll keine Zeugen inson- Peinlichẽ Fra- ge Rechts ob- servance. derheit von dieser oder jener Person als Thaͤter befragen/ ob es dieser G 2 oder I. Buch/ Cap. VII. oder jener nahmentlich gethan/ weilen dieses vielmehr eine schaͤdliche Anbringers Recht zum Zeugen Eyd. Unterrichtung; einer Sachen sonderbarer Anbringer aber mag wohl mit Zeugen Eyd beleget werden/ da denn ein Richter und Urtheils- Sprecher aus denen Umstaͤnden schlichten kan/ wie weit ihm zu trauen/ ohne daß es seine eigene Schmach beruͤhret/ und dabey Rachgier er- scheinen moͤchte. L. 1. §. 21. ff. de quæst. §. 11. Wann durch Zeugen Beweiß geschehen soll/ muͤssen alle Handlungen durch zween unstraͤffliche Zeugen bewiesen werden; ei- nes eintzigen Zeugen Aussage aber/ in welcher Sache es sey/ ja wenn es auch ein Fuͤrst oder Rathsherr waͤre/ wird nicht angenommen. C. quoniam, verb. test. X. de probat. c. in omni, c. licet universis, h. tit. L. ubi numerus. ff. de Testibus. L jurisjur. C. Eod. c. venient, c. cum à nobis, c. quoties, c. licet, §. quanquam, X. Eod. Zeuge wer nicht seyn mag §. 12. Unsinnige und aberwitzige Leute/ ohne zu Abwechselungs- Zeiten/ da sie ihrer Vernunfft maͤchtig sind/ moͤgen nicht Zeugen seyn/ so wenig als Unmuͤndige; keiner ehrbaren Weibes-Person soll man nach buͤrgerlichem Recht/ Geschlechts Schwachheit halber/ Treu und Glauben im Zeugniß versagen/ ob schon der Pabst dergleichen ver- worffen/ vielleicht desto besser seines Ordens Anhang zu versehen/ daß die Laster nicht so leicht zu erweisen stuͤnden. L. 15. §. 5. ff. de quæst. L. 20. §. 3 \& 4. ff. qui testam. fac. L. 18. ff. de test. can. 17. c. 33. q. 5. c. 10. X. de V. S. c. 4. X. de test. Zeuge so gut- willig oder un- geschworen verwerfflich. §. 13. Wer sich selbst gutwillig zum Zeugen angiebt/ und mit Recht nicht darzu gezwungen wird/ auch ohne Gegentheils Vorwis- sen abgehoͤret/ noch wer keinen Zeugen-Eyd gethan/ sondern erst zeu- get und aussaget/ hernach schweret/ dessen Zeugniß ist als ungeschwo- ren unglaubwuͤrdig/ es sey denn zur Warheit an Eydes Statt mit Handgeloͤbniß geschehen/ weilen er Ehrbarkeit halber aus Furcht der Schande das Gegentheil nicht schweren noch wieder anders aussagen Zeugniß Recht an Eydes statt. darff/ er schwere denn alsofort nach der Aussage; der aber vorher schweret/ wird Krafft Eydes angehalten/ die Warheit zu sagen. P. H. O. art. 67. L. post legatum, §. his vero, ff. de his quib. ut indign. L. 9. \& L. si quando C. de testibus. C. de testibus X. Eod. c. 39. \& 51. h. tit. Aertzt und Wund-Aertzte Zeugen Eyd. §. 14. Wann in pein- oder buͤrgerlichen Gerichts-Sachen deren Aertzt und Wund-Aertzte Zeugniß begehret/ so wird ihnen bey Anfang geleisteten Amts-Pflicht Eyde wohl geglaubet; Jn andern fuͤnff Sinn- faͤhigen Faͤllen aber glaubhaffte Warheit beyzubringen/ sind sie nach gemeinem Recht des Eydes nicht gar zu entschuldigen. L. hac Edictali, §. his illud, C. de secund. nupt. §. 15. Wann Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. §. 15. Wann Zeugen sich entschuldigen wollen/ einige Freyheit an- Adel. Stands Personen Zeugniß Frey- heit. zuziehen/ wegen rechtlichen Wohlthaten/ als vornehmen Standes oder unmittelbaren adelichen Wuͤrden/ darum sie/ Falls es erwiesen/ zur Aussage nicht moͤgen gezwungen werden/ so muß man zwar da- bey beruhen/ wofern aber anders keine Warheit sich findet/ muͤssen sie durch Commissari en von hoher Obrigkeit Amts wegen befragt werden; Schrifftlichen Zeugniß Wuͤr- ckung. schrifftliche Zeugen Antwort aber/ ohne bey Fuͤrst oder adelichen Treu und Glauben/ ist sonst der Unwarheit verdaͤchtig/ weilen dessen Ge- sicht unsichtbar und Richter abwesend. L. 15. de injur. c. 37. X. de test. c. Testes, caus. 3. q. 9. §. 16. Wann ein Zeuge nicht wohl beruͤchteten und ehrbaren Leben Zeugen Person Verwerffungs Einwurff/ wie zu beobachten. und Wandels halber bekandt/ laͤst man gethane protestation und Ein- wurff/ wegen der Person/ auff seinem Werth beruhen/ jedoch gegen Anwalts Nothdurfft/ wider solche so wohl als die Aussage unbenom- men; Jn zwischen vor gefuͤhrte Zeugen zulaͤßig biß nach Gezeugniß Erforschung etwas einzuwenden oder beyzubringen/ zu dem Ende auch wohl Klaͤger bey anderm Termin Commissari en zu ernennen bitten Commissari en wann zulaͤßig. mag; so aber in peinlichen Sachen Commissari en unzulaͤßig/ so muß man die peinliche Frag-Stuͤcke zum gehoͤrigen Zeugen-Gericht ver- schicken/ wann Beklagter das Vorbringen gelaͤugnet. Auth. apud Eloquentissimum, C. de fide instrum. §. 17. Einem Unterthanen/ der in so weit seiner Eydes Pflicht/ da- Unterthanen wann zeugen moͤgen. mit er seinem Herrn verwandt/ nicht loß gelassen oder entlediget/ noch sonderlich zur Sache beeydiget/ ist als Zeugen kein Glaube beyzumes- sen/ weilen das gantze Zeugen Wesen auff dem Eyde bestehet/ es wol- Zeugen wann Eydes zu ver- schonen. ten denn die Partheyen die Zeugen ausdruͤcklich mit Eyd verschonen/ welchen sie ihnen mit Bestand Rechtens nachlassen koͤnnen/ ausser in peinlichen Verbrechen/ dennoch ist zu befuͤrchten/ daß Zeugen alsdenn etwas allzukuͤhn ausreden moͤchten. L. 5. C. de Test. c. 38. X. Eod. Gloss. in L. jurisjurandi, C. de Test. L. 18. C. de fide instrum. §. 18. So ein Zeuge mit Geld-Gabe oder Geschenck bestochen/ Zeugen Recht die bestochen. oder solches zu geniessen hoffet/ gilt sein Zeugniß nicht/ ob er schon die Warheit sagen wuͤrde/ es sey denn nur Verdacht und Anzeige zu geben/ andern Zeugniß zu helffen. Gloss. in c. licet caus. Ext. de testibus. c. 8. Eod. L. Divus ff. de judic. §. 19. Wann jemand wissentlich gegen mich einen untuͤchtigen Untuͤchtiger Zeugen Recht. Zeugen fuͤhret/ mag ich denselben gegen ihn wider vorbringen/ er G 3 waͤre I. Buch/ Cap. VII. waͤre denn hernach erst unfaͤhig worden/ durch vorhero unbekandte Bestechung. L. si quis test. C. de test. L. 23. ff. Eod. Wiederwaͤrti- gen Zeugen Recht. §. 20. Wann Zeugen entweder ihnen selbst oder auch andern widerwaͤrtig seyn/ soll der Richter die Glaubhafften annehmen und die Verdaͤchtigen straffen/ wofern sie mit Arglist handeln/ darum auch Zeugen/ die von einem gethanen Handel keine eigentliche Zeit benen- nen/ nichts schaͤd- oder unschaͤdliches beweisen. L. fin. §. sed si ff. quando appellat. L. optima, C. de contrah. \& comm. L. ob car- men, ff. de test. gloss. c. in nostra Ext. Eod. c. dilectus, de temp. ordin. c. cum Johannes X. de fide instrum. Unbestaͤndi- gen Zeugen Sage-Recht. §. 21. Und welcher Zeuge unbestaͤndig/ allzugeschwind oder uͤber- maͤßig kuͤhn/ ausser Articuln umschweiffende Rede vorbringet/ mag seines Eydes/ der Warheit gleichlautend auszusagen/ wohl erinnert werden/ alsdann ihm Zeugniß vorzulesen/ ob er darinn etwas zu ver- aͤndern gesonnen/ mit beweißlichen Jrrthums Anzeigung; und so kan Zeugen Aus- sage Verfri- schung ohne Meineyd. es eine Zeitlang hernach geschehen/ sonst aber alsbald/ ehe denn er vom Richter abgehet/ oder mit der Parthey sich unterredet/ wie dann Mißverstands halber Zeugen noch einmahl koͤnnen gehoͤrt seyn/ jedoch ohne neuen Eydes Abstattung/ so fern dabey nichts neues zu erklaͤren. c. 29. X. de Test. c. 7. \& 53. X. Eod. Zeugen still- schweig Recht. §. 22. Nach geendigtem Verhoͤr wird denen Zeugen das Still- schweigen aufferlegt/ um kein ander falsch Zeugniß anzustifften/ so wird auch keine vierdte Zeugen-Sage verstattet/ es sey dann beschworen/ daß ja solche nicht betrieglich erlernet noch gebeten. Jedoch ist uͤber Ge- genbeweises Verwerffung niemand mit Gegen-Zeugniß anzuhoͤren/ ohne daß erstere Aussage noch nicht eroͤffnet. Auth. Atqui semel. C. de probat. c. 15. 36. \& pen. X. de test. c. 31. \& 49. Eod. Nov. 9. c. 4. \& 22. Nov. 70. c. 7. clem. 2. de testibus. L. 6. \& 8. C. Eod. Freund oder Feind und Haußgenossen Zeugniß Recht §. 23. Einer Parthey Freund oder Feind kan nicht zeugen in des- sen Sache/ wann es Haupt-Feindschafft ist/ so werden auch gemeinig- lich im Zeugniß verworffen Vater und Mutter/ Mann und Weib/ Sohn und Tochter/ Bruder und Schwester/ Knecht und Magd/ so des Herrn Brod essen. Ein Blutsverwandter Zeuge aber wird zu- gelassen/ wann Partheyen in gleichem Verwandschaffts Grad stehen/ weilen alsdann wegen Zuneigungs Gleichheit aller Verdacht hinfaͤllt; also auch/ was im Hause geschicht/ und nicht anders als durch Hauß- Gesinde kan bewiesen werden/ dabey sind solche Zeugen zugelassen/ als Diebstahl/ Ehebruch/ falschen Gebuhrt Ablegung/ Betrug und Nacht- Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. Nacht-Haͤndel/ worinn sonsten keine Warheit zu entdecken. L. testium, L. 9. in pr. ff. de test. c. accusatores, 3. q. 5. \& gloss. L. 2. \& L. parentes, C. de test. L. ult. C. de impub. \& al. substit. L. qui testamento, §. quacunq́; ff. de testam L. qui jurisdict. in princ. ff. de jurisdict. omn. jud. L. 1. §. 5. 16. 19. ff. de quæst. L. 8. §. 6. C. de repud. L. non solum §. 1. ff. de Ritu nupt. §. 24. Buͤrger oder Bauren in Sachen/ die ihre Gemeinde an- Unguͤltige Zeu- gen was sind. gehen; Meyer gegen seinen Zinßherrn/ noch fuͤr ihn; Vormuͤnder und Muͤndling gegen/ noch fuͤr ein ander; also auch Advocat en und Client en alle Mit-Beklagte sind unguͤltige Zeugen; junge Leute unter 14. Jah- ren in buͤrgerlichen Sachen/ in peinlichen aber unter 20. Jahren moͤ- gen nicht zeugen/ wie auch keine Blinde/ Taube und Stumme von Natur. Sonst aber pfleget Furcht/ Zeugen Vergessenheit oder Pest- Zeit und Orts Zeugen-Verhoͤr zu befoͤrdern. Arg. Auth. adhæc, C. de fide instrum. L. juncti, L. in testimonium, ff. de test. §. 25. Richter/ Juden und Ketzer/ welche vor/ nicht wider Chri- Juden und Ke- tzer Zeugniß- Recht. sten/ deßgleichen wer um Ehebruch und Falsches willen/ auch oͤffent- lichen Hurerey und Pasquill en halber verdammt/ oder sonst seiner Eh- ren entsetzet/ mag kein Zeugniß geben/ also auch der/ welcher um Un- ehrbarkeit willen des Raths-Standes und Wuͤrden beraubet und nicht wieder darein eingesetzt. C. si hæreticus 2. q. 7. L. quæsitum, L. scio, L. eos, L. qui falsa \& L. fin. ff. de Test. L. 2. c. de dignit. can. 17. caus. 6. q. 1. L. 2. ff. de Senat. L. 11. §. 7. ff. de interrog. act. §. 26. Zweiffelhaffter Zeuge ist/ der dunckele Reden fuͤhret/ ohne Zeugen Recht der zweiffel- hafft. Zeugniß auff Gehoͤr mit der Sprache nicht heraus will/ sondern seine Rede auff Schrauben setzet/ also gilt nicht ein Gesell fuͤr den andern/ ja kein Unterhaͤndler fuͤr seine Principalen zu Zeugen. L. eos qui, ff. de fals. L. 2. ff. de test. Nov. 90. c. 7. \& 8. §. 27. Untuͤchtige Zeugen werden zugelassen in greulichen Lastern/ Untuͤchtigen Zeugen Recht. oder die im Wald oder Einoͤde geschehen/ wie auch in peinlicher Ver- thaͤdigungs-Sache/ als verletzter Majestaͤt/ Verrath und Zauberey/ wann sie nur andern Glaubwuͤrdigern nicht gegen zeugen/ jedoch nicht Ehrlose Leute. L. 9. princ. ff. de quæst. §. 28. Unfaͤhige Zeugen wegen Bluts-Verwandschafft/ solche Zeugen Recht in Ehesachen. zu erweisen/ um Ehestand zu verhindern/ sind tuͤchtig/ also wird zuge- lassen Vater und Mutter/ Bruder und Verwandten in Ehe-Sachen/ oder eines Alter zu erweisen/ weil niemand gewisser davon zeugen kan. c. 3. X. qui accus. matrim. §. 29. Willige und verwerffliche Zeugen sind auch nicht/ die bey- Unverwerffli chen Zeugen Recht. derseits dazu gebeten/ verstattet und gegen ihre Gebrechen vorsetzlich nicht I. Buch/ Cap. VII. nicht protestir et worden. Parthey Unwissenheit aber sagt keines Zeu- gen Unfaͤhigkeit ab; Jns gemein/ allen Falls/ wo Suͤnde zu vermeiden und ohne Gewissens Verletzung dem Urtheil nicht mag Folge geleistet werden/ soll man alle Zeugen annehmen/ wie auch der Zeugen Anzahl Mangel zu erfuͤllen. Arg. L. 3. §. 2. ff. de test. Verdaͤchtigen Zeugen Recht. §. 30. Wann bey Gerichts-Zeugniß Beschreibungen Zeugen sich dadurch verdaͤchtig machen/ daß sie entweder aus Haß des Beklagten viel ohne Grund plaudern/ oder ihm zu Liebe viel zu seiner Entschuldi- gung vorbringen/ oder auch vor Kriegs Befestigung zu Richters Un- terweisung das Gegentheil daher sagen/ hernach aber alles wieder- ruffen/ so muß ein Richter fleißig nachstreben/ ob er sie fangen und auf Luͤgen betreten koͤnne/ durch Erforschung der Zeit/ Orts/ Kleidung und anderer Umstaͤnde/ wie zu sehen in heil. Schrifft-Historie von Su- sanna; solche Zeugen sind ohne allen Zweiffel vom Beklagten oder dessen Verwandten bestochen. Also wann Zeugen stammlen und un- gleiche Dinge reden/ jetzt bejahen/ jetzt laͤugnen/ oder sagen dabey ge- wesen zu seyn und doch nichts gesehen zu haben. Zeugen Ver- hoͤr oder Exa- men auffs neue/ wann gilt oder nicht. §. 31. Nach Zeugniß Eroͤffnung werden uͤber selbige/ oder denen widrigen Articuln keine neue Zeugen/ wegen Bestechungs Gefahr examinir et/ auch nicht beym Appellation s-Gericht; ja wann etwa fuͤr Eroͤffnung Verdacht vorhanden/ daß Gegentheil anders woher von Zeugniß Nachricht erhalten/ findet Eyd der Reinigung Statt/ ehe dann er neue Articuln oder Zeugen anfuͤhren kan/ wann ein Theil gegen die Zeugen sich Ausnahme vorbehalten/ moͤgen wohl einiger massen wiederwaͤrtige Zeugen/ Falschheit zu uͤberweisen/ gefuͤhret wer- den/ also auch allwo die augenscheinliche Besichtigung uͤberwindet. Proceß Wech- sel Schrifften Recht wegen Zeugniß. Nov. 90. c. 4. §. si verò producens. C. 19. X. de test. §. 32. Und demnach mehrentheils bey Richters ermessen stehet/ was und wie viel derer gehoͤrten Zeugen Sage zu glauben/ sollen hier- uͤber nicht viel uͤberfluͤssige Wechsel-Schrifften zu Proceß Verlaͤnge- rung einkommen/ sondern eine jede Parthey in einer Schrifft beschlies- sen auff die eroͤffnete Zeugniß/ also daß nemlich/ wann Beweisung ge- richtlich eingebracht/ der Antworter dagegen auff angesetzte Zeit seine Zeugen Zwang Recht/ die sich sperren. Einrede und Auszuͤge/ hernach aber Klaͤger seine Gegen- Replic vorbrin- gen/ und mit Vorbehalt richterlichen Erkaͤntniß schrifftlich und muͤnd- lich endigen sollen; ob sich auch etliche Zeugen sperren und wiedern/ in was Schein dasselbe geschehe/ mag man sie bey ziemlichen Rech- tens Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. tens Straffe dazu anhalten/ jedoch ist Vielheit derer Zeugen zu verwerffen. c. 49. X. de test. c. quoniam frequenter, X. ut lite non contest. c. 41. \& 43. item c. 37. \& 52. X. de test. L. 1. §. fin. ff. Eod. §. 33. Bey Vorstellung der Zeugen haben Commissari en Macht/ Commissari en Macht bey Zeugen Ver- hoͤr. allezeit das Gegentheil und Zeugen nach Groͤsse der Sachen bey 10. 20. oder 30. fl. Straffe fuͤr sich zu bescheiden/ und dafern sie ungehorsam ausbleiben/ bey zwiefacher Straffe zu citir en/ alsdann auch der hohen Obrigkeit den Ungehorsam vermelden/ daß die bedraͤuete und ver- wuͤrckte Straffe vom Fiscal eingefordert werden moͤge. §. 34. Darum auch Verhoͤrs Termin beyden Theilen fruͤhzeitig Sonderliche Fragstuͤcke bey Zeugen Ver- hoͤr. muß kund gethan werden/ alsdann man zu fragen pflegt/ wie alt der Zeuge sey? wo er zu Hause? wann er zuletzt das heilige Nachtmahl gebraucht? Ob er Klaͤgern mit Schwaͤger- oder Blut-Freundschafft verbunden? Ob er von Partheyen oder andern unterrichtet/ oder ihm etwas zu zeugen gegeben oder zugesagt/ und etwa sonst aus dieser Sa- chen Zeugniß Schaden zu fuͤrchten/ oder Gewinn zu hoffen? Ob er mit Zeugen wegen der Aussage besprochen? Ob er nicht viel lieber den an- dern Theil uͤberwunden sehe? Oder ob er auch etwa im Reichs-Bann begriffen? Ausser ordentlich Zeugen-Verhoͤr wird vor Kriegs-Befe- stigung Beklagtem/ nicht aber Klaͤgern vergoͤnnet/ er habe denn Zeu- gen hohes Alter/ Schwachheit oder langen Abwesens erwiesen. §. 35. So sollen auch alle Zeugen selbst schaͤndliche/ nicht zur Sa- Zeugen Frag- stuͤcke Beschaf- fenheit. chen gehoͤrige oder mißverstaͤndige und zweiffelhaffte/ verfaͤngliche Fragstuͤcke bey Straffe nach Ermessung gar nicht auffgesetzt/ viel weniger ein Zeuge daruͤber examinir et und angefraget werden/ Mein- Eyd zu meiden. Also muß kein Richter Zeugen unterweisen/ und/ zu ei- nes oder andern Theils Gunsten/ ihnen Zeugniß Worte zu Munde fuͤhren/ welches im Recht gefaͤhrlich/ fuͤr allen Dingen zu verhuͤten/ vielmehr ist stets zu erforschen nach der Aussage Ursachen/ durch leib- Richters Straffe in Zeugniß Ver- sehen. lichen dazu beqvemen Sinn anzudeuten/ massen ohne vernuͤnfftige Ur- sachen ist Zeugen Sage nichtig/ und wofern der Richter solches zu er- fragen nachlaͤst/ muß er Parthey Interesse ersetzen/ und von neuem examinir en. L. 3. C. de testibus. §. 36. Zeugen-Beweißthum einzuholen/ ob schon deßfalls die Zeit Zeugniß ein- zuholen ver- schiedene Fri- sten. muͤglichst mehr abzukuͤrtzen/ als zu verlaͤngern/ auch auffs laͤngste nach Gewohnheit nur 4. Monat zu verstatten/ vermag dennoch Rechtens Lauff/ wann Zeugen in einer Provintze vorzufuͤhren/ drey Monat/ aus H andern I. Buch/ Cap. VII. andern Provintzen sechs/ aus andern uͤber Meer gelegenen Land- schafften neun Monat/ eydlich zu verstatten/ daß der Auffenthalt ohngefehr geschehen; Ein uͤberwundener/ unehrlicher/ verbanne- ter Luͤgner und Meineydiger Zeuge aber ist verworffen. L. 1. C. de Fer. \& Dilat. L. 13. 15. 20. 21. ff. de test. L. si quis major. C. de transact. C. testimonium, c. ex parte, X. de testibus. L. Lucius, ff. de his, qui not. infam. Zeugeñ wann peinlich zu fragen. §. 37. Wann nun Zeugen durch Anzeigen beschweret/ und gegen ihre Aussage Luͤgen halber rechtlicher Argwohn streitet/ mag sie der Richter mit peinlicher Frage bedrohen/ oder wuͤrckliche Schreckung hinzufuͤgen/ und endlich gar der Peinigung untergeben/ weilen gemei- ner Nutz erfordert/ die Ubelthaͤter oder ihre Unschuld zu entdecken/ Wanckelhafftẽ Zeugen Recht. wann sie nemlich der That beygewohnet/ auff Luͤgen betroffen oder wanckelhafft/ und ausser Gericht anders gesprochen/ auch keine War- heit anders zu bekommen/ noch Veraͤnderungs Ursachen anzeigen koͤn- nen/ daruͤber sie bey der Folter zu examinir en. Arg. à contr. sens. ex L. 15. princ. ff. de quæst. L. 19. ff. de test. L. 18. §. 3. ff. de quæst. Neuen Zeugen Verhoͤrs Recht. §. 38. Allwo nun Bestechungs Verdacht vorhanden/ mag man scharff befragen/ wer sie dazu verfuͤhret und bestochen/ also auch uͤber neue Fragen/ wann neue Anzeigen vorgefunden/ so kan auch ein Rich- ter uͤber dieselbigen Fragstuͤcke wohl neue Zeugen verhoͤren/ massen er Betrugs Argwohns befreyet. Wann dann der Proceß so weit ge- fuͤhret/ daß es dienlich/ dem Beklagten die Warheit zu sagen/ und zu uͤberzeugen/ ihm das Zeugniß vorlesen zu lassen/ mag solches durch den Gerichts-Schreiber geschehen/ vorhero aber kan Beklagter noch befraget werden/ ob er gegen derer Zeugen Person etwas einzuwen- den/ und aus was Ursachen. C. 10. X. de fide instrum. Frage Punctẽ an Beklagten/ der Zeugen verdaͤchtig haͤlt. §. 39. Wofern er alsdann einen oder andern Zeugen zu verwerf- fen willens/ kan man ihn also zur Rede stellen und fragen: Ob und wie lang er Zeugen kenne? Wann und wie sie in Kundschafft kom- men? Ob sie als Cammerad en bey einer Compagnie nicht Freund- schafft gehalten? Ob er ihn auch fuͤr einen wahrhafften Mann halte? Ob er vermuthete/ daß ein Mensch deßwegen gar sein Heil und Selig- keit verschweren solte? Ob er nicht lieber selbst die Warheit sagen wolle? Ob er an benanntem Tage mit blossem Degen auff der Gassen gangen? die Zeugen waͤren schon abgehoͤret; Ob er ihn nicht fuͤr seinen Freund achte? Ob er ihm zu einer Haupt-Feindschafft Ursache gege- ben? Ob er auch erweisen koͤnne/ daß Zeuge ihm einige Feindselig- keit erzeiget? Ob er mit jemand mehr in Feindschafft lebte? §. 40. Wann Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. §. 40. Wann von Beklagtem auff keinerley Weise die Warheit Confrontati- on Recht und Nutzen. zu erpressen/ moͤgen die Zeugen vom Richter fuͤr ihm gegen einander ins Gesicht dargestellet werden/ daß sie in seiner Gegenwart ihre Aus- sage wiederholen/ fuͤr die Stirn unter Augen sagen und bekraͤfftigen moͤgen/ um gegentheilige Bekaͤntniß aus Beklagten Gesicht/ Angst/ Zittern und Gebaͤrden der Warheit zu uͤberfuͤhren/ massen er durch Zeugen Beyseyn/ die ihm alle Verbrechens Umstaͤnde erzehlen/ schwer- licher laͤugnen/ sondern zweiffelhaffte Antwort angeben moͤchte/ oder es koͤnten auch damit einigen Verhoͤrs Fehler verbessert/ und Beklag- ten Unschuld erwiesen werden/ weilen ihm frey stehet/ die Zeugen derer Umstaͤnde halber zu befragen und Falschheit zu uͤberwinden; Ja/ zu weilen mag also ein Fluͤchtiger Mitschuldige offenbaret/ und des Be- klagten Urtheils Straffe eine Zeitlang der Execution wegen verscho- ben werden. L. 27. §. 7. ff. de Adult. L. 29. ff. de pœnis. §. 41. Also kan auch Beklagter mit seinem Anklaͤger/ oder mehr und viele Beschuldigte unter sich/ oder Zeugen mit Zeugen/ gegen ein- ander gestellet und confrontir et werden/ wann sie zwiespaltig sind/ je- doch soll allemahl nur ein Zeuge dargestellet seyn/ Beklagten durch viel Geschrey nicht zu verwirren/ so ist confrontation hochnoͤthig nebst andern von gleicher Gestalt und Kleidung/ wann Zeuge etwan Beklag- ten an Person nicht eigentlich kennet. §. 42. Wann Zeugen ohne Eyd oder Frag-Stuͤcke verhoͤret/ Zeugen Ver- hoͤrs Recht oh- ne Eyd und Fragstuͤcke. mag man nach dem Schluß neues Examen begehren/ gleichwie Er- fuͤllungs-Eyd und Partheyen Bekaͤntniß auch nach Beschluß gesche- hen/ und jemand wegen seines Alters Erstattung gewinnen kan; Son- sten bestehet Zeugen Falschheit darinn/ wann einer wissend und betruͤg- lich falsch Zeugniß gerichtlich ableget/ der Warheit Gegentheil zeu- get/ oder selbige/ vom Richter befraget/ wider besseres Wissen ver- schweiget und aussaget/ daß er nichts wisse/ oder so jemand Zeugen be- stochen/ welcher auch zu bestraffen/ ob schon Zeuge solche Falschheit ab- geschlagen. Also wer falschen Zeugeschafft gebraucht/ deßgleichen wer falschen Zeugen wissentlich vorfuͤhret/ oder Gabe annimmt/ ob schon er die Warheit saget. Auth. atqui semel, C. de probat. c. 1. Ext. de crim. falsi. c. 84. caus. 11. q. 3. P. H. O. art. 23. \& 30. §. 43. Eine jede genugsame Anzeigung/ darauff man peinlich fra- Peinlichen Frage Beweiß Recht. gen mag/ soll mit zween guten tuͤchtigen unverwerfflichen Zeugen be- wiesen werden; So aber etwa der Missethat Haupt-Sache nur mit H 2 einem I. Buch/ Cap. VII. Zeugen Ent- schuldigung wegen Unge- horsam. einem rechtschaffenen Zeugen erweißlich/ solches ist eine halbe Bewei- sung/ welche genugsam redlichen Verdacht giebt/ gruͤndlich mehr zu befragen; wann sonsten Zeugen durch feindliche/ von Pest- und andern Seuchen angesteckte Oerter reisen muͤssen/ moͤgen sich dieselbe wegen Orts Unsicherheit fuͤr Ungehorsam entschuldigen. Zeugen Frage- Puncten bey Mordthaten. §. 44. Bey Mordthat-Faͤllen soll man alle der Sachen erweißli- cher massen kuͤndige Zeugen verhoͤren/ ob sie den Ermordeten von Ge- sichts Gestalt erkennen/ wer er sey? Ob sie wissen/ daß er von einem andern umgebracht/ und woher ihnen solches bekandt? Item, wer ihn getoͤdtet? Ob sie nicht auff jemand Argwohn haͤtten/ und welche ih- res Verdachts Ursachen seyn? Ob sie nicht wissen/ durch was fuͤr Mittel und Wege der Thaͤter auszuforschen? Ob ihnen nicht bewust/ daß zwi- schen dem Entleibeten und einem andern einige Feindschafft gewesen/ und was ihnen endlich anders von der Sache bekandt sey. Untuͤchtige verbotene Zeu- gen wann zu- gelassen. §. 45. Wann auch Lasters Grausamkeit und Beweißthums Schwuͤrigkeit zusammen kommen/ soll man auch sonst untuͤchtige oder verbotene Zeugen zulassen/ und stehet einem Knecht oder andern gar gering geachteten Standes-Person zu glauben/ ob schon nicht voͤllig genugsam Beweiß/ jedoch zur peinlichen Frage Anzeigen zu machen/ wann ihrer viele sind/ massen derer Zeugen Anzahl so wohl als Wuͤr- de/ Ansehen und Ubereinstimmung der Sachen/ Glauben bestaͤrcken/ bevorab in verborgenen und grausamen Ubelthaten die Warheit zu gemeinem Besten zu erfahren. L. 12. \& seq. ff. de quæst. Arg. L. 7. ff. ad L. jul. Majest. L. 7. \& L. 21. §. 2. L. 3. §. 2. ff. de Test. L. 8. §. servis, C. de repud. Zeugen wann gezwungen. §. 46. Weilen auch das Zeugen-Amt eine oͤffentliche Pflicht ist/ so moͤgen in grossen Verbrechen die sonst befreyete Personen/ allwo man anders keine Warheit haben kan/ beruffen/ und zum Zeugniß gezwun- gen werden; es sey denn/ daß sie sich von Rechts wegen davon entschul- digen moͤchten/ hierinn aber gilt kein Abschlag/ daß jemand etwas zu offenbaren sich eydlich verbunden/ welches die Warheit verhaͤlet/ also Eydliche Ver- pflichtung wann unguͤl- tig. frey zu brechen/ ohne dessen Entledigung/ massen der Eyd einer Falsch- heit und Ungerechtigkeit Band waͤre/ vielmehr soll man die Zeugen im Nothfall uͤber die Articuln vermittelst Eydes noch einsten verhoͤren/ und deren Aussage wiederholen lassen/ auch in peinlichem Streit gar keinem unbeeydigten Zeugen Glauben beymessen/ sondern muß iedes- mahl der Eyd vorhergehen/ und die Aussage nachfolgen. Arg. L. 19. C. de Testibus. L. 4. ff. Eod. c. 5. X. hoc tit. c. quisque c. 11. q. 3. c. 1. X. de crim. falsi. Clem. fin. de test. arg. à contrario. §. 47. De- Von gerichtlicher Aussage und Zeugen Verhoͤr. §. 47. Derowegen muͤssen alle und jede Zeugen also schweren/ daß Zeugen Eyds Jnnhalt und Wuͤrckung. sie uͤber vorgestellte Articuln und Fragstuͤcke und die gantze Sache/ was ihnen davon bekandt/ die Warheit sagen wollen/ und nicht bejahen/ was falsch ist/ weder um Preiß oder Geld Nutzen/ noch aus Liebe/ Haß und Furcht/ ja daß sie von Frag und Antwort vor deren Eroͤffnung nichts kundbar machen wollen/ dahero auch etliche gewissenhaffte Zeu- gen offtmahls von selbsten wiederkommen und aus Gewissens Zwang etwas erzehlen/ daruͤber sie nicht befraget worden. §. 48. So mag auch wohl Beklagter selbst zu seiner Verthaͤdi- Frage-Punctẽ Recht uͤber Zeugen Per- sonen/ Arti- culn oder Sa- chen Umstaͤn- de. gung uͤber die Nachforschungs Articuln und Zeugen Personen oder Sachen Umstaͤnden Beschaffenheit Frage-Puncten auffsetzen/ dar- uͤber die Zeugen billig zu verhoͤren/ massen ein jeder Richter nicht alle- zeit so geschickt oder auffrichtig/ sondern wohl gar nachlaͤßig/ in derglei- chen zu des Beklagten Unschuld zu gestatten oder verfertigen; wobey zu erinnern/ daß dennoch ein Richter/ Falls Beklagter arm oder Bey- standes beraubt/ von Amts wegen ohne Weitlaͤufftigkeit/ Gottes- furcht halben/ solche Frag-Stuͤcke zu verordnen/ pflichtig ist. §. 49. So moͤgen auch zu des Beklagten Unschuld Verthaͤdigung Zeugen Recht auff ewiges Gedaͤchtniß. Zeugen auff kuͤnfftig der Sachen ewiges Gedaͤchtniß gefuͤhret werden/ bevorab da er genugsam erhebliche Ursachen anzeigen kan/ als derer Zeugen hohes Alter/ gefaͤhrliche Kranckheit/ daß an ihrer Genesung zu zweiffeln/ oder Todes-Gefahr vorhanden/ oder an Pest-Ort und Zeugen Reise- und Zehr-Ko- sten. Zeit/ oder wegen der bevorstehenden langwierigen Reise/ oder da sie gar Lebenslang an weit entferneten Enden verbleiben wuͤrden; Reise und Zehr-Kosten aber/ auch Arbeit Versaͤumniß/ moͤgen Zeugen sich wohl bezahlen lassen. §. 50. Unbekandte Zeugen sollen auf Gegentheils Anfechtung nicht Unbekant be- lohnet und widerwaͤrti- gen Zeugen Recht. zugelassen seyn/ es wuͤrde dann durch Zeugen Vorfuͤhrer derer Dar- stellung stattlich fuͤrgebracht/ daß sie nemlich zur Verhoͤrs Zeit redlich und unverlaͤumbdet waͤren. Also sind auch belohnete Zeugen verwerff- lich/ massen kein Zeuge sein Zeugniß verkauffen soll/ sondern ein jeder muß der Warheit umsonst beystehen; ja tausend widerwaͤrtige Zeu- gen/ die ein ander mit ihrer Aussage nicht helffen/ sondern mit Ort/ Zeit und That Unterscheid widersprechen/ beweisen weniger als ein- tzeler Zeuge/ es gilt auch bey ihnen kein Eyd der Erfuͤllung zu thun. L. 3. §. 5. ff. de testibus. L. 3. §. 5. ff. de Carbon. Edict. c. 14. q. 5. L 125. ff. de R. J. §. 51. Nachdem auch noͤthig ist/ daß Zeugschafft/ darauff jemand zu peinlicher Straffe soll verurtheilet werden/ gar lauter und rechtfertig H 3 sey/ I. Buch/ Cap. VII. Beweiß Arti- culn Recht. sey/ so muß der Anklaͤger seine Beweiß-Articul ordentlich auffzeich- nen/ dem Richter schrifftlich uͤberantworten/ mit Vermeldung/ wie Compaß oder Huͤlffs-Brieffe Recht wegen Kundschafft. Zeugen heissen/ und wo sie wohnen/ daß gebuͤhrliche Kundschafft verhoͤ- ret werden koͤnne/ welchen Falls auch oͤffters Compaß oder Huͤlffs- Brieffe von noͤthen/ die Zeugen zum andern Gericht zu fordern/ oder von ihren Gebiets Richter verhoͤren zu lassen. P. H. O. art. 70. 73. \& 75. Kundschafft Eroͤffnungs Recht. §. 52. Zeugen Verhoͤrs-Kundschafft Eroͤffnung mag geschehen/ auff angesetzten Tag/ bey schrifftlich zugelassener Ein- und Schutz- Rede/ auch ohne Versamlung/ etwa frembden Commissari en oder zer- trenneten Gerichts-Schoͤppen/ Rechtens Verzug und Unkosten zu ver- huͤten/ jedoch muß zuvor beyden Partheyen gegen ertraͤgliche Bezah- lung die Abschrifft davon gegeben seyn/ daß sie/ nach gelegener Sache/ solche dem Sach-Verwalter und Gefangenen zu erkennen geben/ dar- um auch dessen Kriegs Beystand man zu ihm lassen soll/ damit ein je- der darauff seine Nothdurfft binnen geraumer ziemlichen Zeit in Schrifft- und Gegen-auch Behelffs- Brieffe Recht/ wie zu brau- chen. zwiefachen Schrifften fuͤrbringen moͤge/ davon eine bey denen Kund- schafft Verhoͤrern behalten/ die andere Gegentheil an nahmhafftem Tage eingehaͤndiget wird/ seine Gegenschrifft darauff zu thun; Hier- inn aber soll/ ohne merck- und fuͤrtreffliche Beweg-Ursachen/ nieman- dem uͤber zweyte Behelff-Schrifft zugelassen werden/ und zwar alle gedoppelt/ welches darnach hoher Obrigkeit einzusenden/ die alsdann foͤrdersamst dem Richter wegen Zeugen Verhoͤrs und fernern Recht- fertigung/ was darinn zu erkennen/ Rath mittheilet. Zeugen Fuͤh- rungs Kosten Recht. §. 53. Weilen auch niemandẽ sein Amt soll schaͤdlich seyn/ und der- jenige/ um des Willen ein Handel geschiehet/ die Unkosten bezahlen muß/ als ist billig/ daß ein Zeugenfuͤhrer die Zeugen bekoͤstige/ nemlich wann es ein gemeiner Mann und Tageloͤhner ist/ soll ihm seiner Hand- Arbeit und Tagelohnes Nutzen gut gethan werden/ davon er sonst le- ben muß/ auch Zehr- und Reise-Kosten/ was einem leichten reisigen Boten oder Fußgaͤnger/ nach Richters Erkaͤntniß und Landes Ge- wohnheit/ an Muͤntze zu bezahlen uͤblich/ nach Gelegenheit der Zeit und Orts Umstaͤnde; vornehmen Leuten aber und hoͤhern Standes Perso- nen/ denen zu Fuß zu reisen unanstaͤndig/ auch in Wirths-Haͤusern mit bessern Nahrungs-Kost-Mitteln zu verpflegen/ gebuͤhret ein meh- rers/ zu Fuhrlohn/ Wagen/ Heuer und Lebens Unterhaltung; Jedoch nach Richters Ermaͤssigung/ fuͤr jede Zeugen Person und nicht fuͤr des- sen Haußgenossen/ welche Unkosten aber zu verschiessen/ ehe dann einer seinen Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. seinen Fuß aus dem Hause zu setzen schuldig/ oder wuͤrcklich bey Ge- richt zu hinterlegen/ sonst keiner zu reisen gezwungen auff seine eigene Kosten/ die er hernach mit Muͤhe und Verlust gerichtlich wieder su- chen soll. L. 3. §. 4. ff. de Testibus. L. 11. C. Eod. L. 61. §. 5. ff. de furt. L. 11. §. 1. ff. ad Exhibend. Caput VIII. Von Gerichts-Schoͤppen oder Beysitzern/ Schrei- bern/ Advocat en/ Procurator n oder Fuͤrsprechern/ deren Vorfall/ Entschuldigung/ Vollmacht/ Geschick- oder Hoͤfflichkeit/ auch Schutz fuͤr Uberfall. §. 1. J N pein- oder buͤrgerlichen hochwichtigen Sachen an dem Ge- Gerichts-He- gung/ wie zu halten von Richter und Schoͤppen. richts-Tage/ so die gewoͤhnliche Tage-Zeit erscheinet/ mag man das loͤbliche Gericht/ mit darzu gebraͤuchlicher Glocke belaͤuten/ dar- auff sich Richter und Schoͤppen zum Gerichts-Ort und Stelle/ allwo man nach guter Gewohnheit das Gericht zu besitzen pfleget/ hinfuͤgen sollen/ daselbst der Richter seinen Stab oder blosses Schwerdt/ nach Land-uͤblichen eines jeden Orts Herkommen/ in Haͤnden haben/ und ehrsamlich biß ans Ende die Gerichts-Banck hegen und halten muß/ demnechst er befiehlet/ daß Partheyen oder Beklagte wohl verwah- ret/ durch den Gerichts-Knecht oder Nachrichter fuͤrs Gericht ge- bracht werden/ hier mag nun der Richter jeden Schoͤppen absondetlich fragen: Ob das endliche Gericht zu pein- oder buͤrgerlichen Haupt- Sachen-Handlungen wohl besetzt? Darauff deren jeder/ wofern nicht unter sieben oder acht vorhanden/ mit ja antworten soll; Und nach- Beysitzer als Mit-Richter Recht. dem solche Schoͤppen oder Beysitzer/ in diesen Faͤllen/ nicht als Zeu- gen/ sondern wie Mit-Richter handeln/ sollen sie derohalben vom Ge- richt und Urtheil nicht ausgeschlossen werden. P. H. O. art. 82. 84. \& 86. §. 2. Alle gerichtliche Beysitzer sollen eines ehrbaren Wesen/ Beysitzer Amts Pflicht und Beschaffen- heit. Lebens und Wandels/ aus recht-natuͤr- und ehrlichen Geburt/ auch also geschickt seyn/ daß deren einer in Richters Abwesenheit seine Stelle/ so er etwa aus ehehafften Ursachen verhindert/ jederzeit verwe- sen koͤnne/ darum sie/ ihrem Nahmen gemaͤß/ billig der Rechten ge- wuͤrdiget/ tapffer/ gelehrt/ erfahren/ tuͤchtig und verstaͤndige Perso- nen/ auch aus teutscher Nation gebohren/ deroselben Gebrauch und guten I. Buch/ Cap. VIII. guten Gewohnheiten wohl kundig/ und alle rechtlich vorgebrachte Sa- chen zu hinterbringen beqvem seyn sollen/ ja auch wo muͤglich solche zu bekommen/ ehe und bevor sie dazu genommen/ auff hohen Schulen fleißig gelesen/ und wenigstens 4. biß 5. Jahr lang in Rechten studir et/ Beysitzer Recht von Ritter-Bauer und Buͤrger- Stand. in gerichtlichen Haͤndeln gedienet; die andern aber/ so aus der Ritter- schafft/ oder sonst ansehnlichem Buͤrger und Bauer-Stande angenom- men/ ob schon sie der Rechten nicht gewuͤrdiget/ sollen sie doch gleich- maͤßig in gerichtlichen Sachen geuͤbet und belehrt/ auch wie andere ver- staͤndig und geschickt seyn/ und wo solche beruͤhrter massen nicht zu fin- den/ soll man aus nechst anstossenden Graͤntz-Orten andere beruffen. Beysitzer Be- lohnungs Recht. §. 3. So sollen nun Beysitzer von gemeinem Wesen belohnet seyn/ und wann durch Beysitzer Betrug oder Unverstand Unrecht gespro- chen/ ist es ihm selbst/ und nicht der Obrigkeit schaͤdlich; Beysitzer aber sind frey von Vormundschafften und allen gemeinen Aemtern/ auch nach geendigten Pflichten. L. 4. \& ult. ff. de offic. assess. L. 4. ff. de var. \& extraordin. cognit. L. 2. ff. quod quisq; jur. in al. L. 1. §. 3. ff. de serv. corrupt. L. 10. §. 6. \& L. 41. §. 2. ff. de Excusat. L. 12 §. 1. ff. de vacat. \& excus. mun. L. 1. \& 11. C. de assess. Beysitzer un- gebuͤhrliches Verhalten Straffe. §. 4. Wann der Richter vermercket/ daß ein angenom̃ener Bey- sitzer im Hinterbringen und Beystimmen nicht genung belehrt/ geuͤbt und erfahren oder auch in Urtheils Verfassungsich anders verhaͤlt uñ er- zeiget/ als seiner Pflicht Ordnung ihm aufferlegt/ oder sich/ ohne recht- maͤßig gegruͤndeten Ursachen/ oͤffentlich in seiner Stimme sonderbaren Meynung gefaͤhrlicher Weise offt und hartnaͤckicht befleißigen wuͤr- de/ denselben soll er nicht beym Gericht erdulten/ sondern davon abwei- sen und hinwegschaffen; jedoch vorhero/ in Gegenwart zweyer oder dreyer Assessor en/ ihn seines Unfleiß- und Wiederwillens halber ernst- lich verwarnen/ und wofern solches nicht helffen will/ alsdann seine Untuͤchtigkeit und Maͤngel allen eroͤffnen. Beysitzer Recht so ver- werfflich. §. 5. So auch ein Beysitzer einer Parthey mit Sip- und Schwaͤ- gerschafft oder sonst dero Gestalt verwandt waͤre/ daß er rechtlich ver- worffen seyn moͤchte/ oder in solchen Sachen einen Theil berathen und in andere Wege gedienet haͤtte/ soll er es dem Richter und uͤbrigen Beysitzern anzeigen/ und sich darauff der Sachen gantz entschlagen; Jm Zweiffel Rechtens soll man Urtheils Verfassung biß auff folgenden Urtheil verfas- sen Verschubs Recht. Tag verschieben/ selbiges nach reiffer Erwegung erst abzusprechen/ weilen Ubereilung der Gerechtigkeit Stieffmutter ist; Jn zwischen will denen Beysitzern Stillschweigen obliegen. C. 11. §. assessorem, de Rescript. in 6. Clem. Pastoralis, de sent. \& re judic. c. pen. caus. 2. q. 1. §. 6. Wann Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. §. 6. Wann der Richter selbst das Urtheil abfasset/ so muͤssen auch Beysitzer Stimmen Recht bey Ur- theils Verfas- sung. alle derer Beysitzer Stimmen dazu genommen werden/ weilen eines jeden Mitberuffenen Gegenwart und Rede die andern bißweilen auff seine Meynung hinziehen kan/ und man bey denen meisten dennoch fest stehet/ ob schon die Colleg en an Ehr und Wuͤrden ungleich seyn/ und zwar soll man an denen Juͤngern anfangen/ anders die neu angenom- mene ihre Stimmen und Meynungen nicht frey aussagen/ auch denen Aeltern nicht leicht widersprechen; Wann nun die Stim̃en gleich/ gel- Stim̃en Recht denen der Ge- richts-Herr beyfaͤlt. ten diejenige/ denen der Gerichts-Herr beyfaͤllet/ oder so fuͤr Beklagten streiten/ es waͤre denn der Sachen zu wieder/ so ist geringere Summa zu erwehlen/ ohne in Testament/ Morgengabe und Armen Sachen. L. 3. 8. 36. 38. \& 39. item L. 28. ff. de re judic. L. 17. §. 6. \& fin. ff. de arbitr. L. 4. C. quando prov. non est. C. ult. X. hoc tit. §. 7. Derohalben dann in kaͤyserlichen Rechten gesetzt und verord- Peinlichẽ Ge- richts Bestel- lungs Recht. net/ daß alle peinliche Gerichte mit Richtern zu urtheilen versehen/ und auch Gericht-Schreibern besetzt werden sollen/ so am besten tugend- sam/ wie man sie nach jedes Orts Gelegenheit zu bekommen vermag/ auch Edle und Gelehrte moͤgen dazu gebraucht werden/ zu dem allen ei- ne jede hohe Obrigkeit muͤglichsten Fleiß anwenden soll/ damit die pein- lichen Gerichte zum besten verordnet/ und niemand Unrecht geschehe/ alsdenn zu diesen grossen Sachen/ welche des Menschen Ehr/ Leben und Gut belangen/ tapffer und wohlbedachter Fleiß gehoͤret/ darum auch in solcher Uberfahrung niemand mit rechtmaͤßigem vortraͤglichem Grun- Nachlaͤßigkeit entschuldiget nicht in Rech- ten. Gerichts Be- sitzer Entschul- digungs Ursa- chen. de seine Nachlaͤßigkeit entschuldigen/ sondern billig gestrafft seyn muß/ welches allen peinlichen Gerichts Obrigkeiten ernstlich zu verwarnen. P. H. O. art. 1. \& 2. §. 8. Welche Personen nun von ihrer Guͤter wegen peinliche Ge- richte zu besitzen schuldig sind/ und dasselbe aus Schwachheit oder Ge- brechlichkeit ihres Leibes/ Vernunfft/ Jugend/ Alter oder andern Un- geschicklichkeit halber/ nicht verwalten moͤgen/ so offt es aus Noth ge- schicht/ sollen andere tuͤgliche Personen zu desselben Gerichts Besitzung an ihre Statt ordnen und bestellen/ jedoch mit Oberrichters Wissen und Zulassen/ nemlich in diesen ausbeschiedenen Zufaͤllen/ als wenn der Fuͤrst selbst andern Befehl darzu giebt/ oder der Richter abwesend/ Peinliche Ge- richtshaltung wann sich laͤst uͤbertragen. oder kranck und Bettlaͤgerig/ oder dazu unvermoͤgend ist/ es sey Jugend oder hohen Alters halben/ oder auch wahnsinnig; Jn geistlichen Rech- ten aber nicht also/ ohne daß der Fuͤrst oder Bischoff einen Statthal- ter dazu bestellet/ und bey Blut-Gericht/ welches sie andern wegen J Schwerdt- I. Buch/ Cap. VIII. Schwerdt-Rechts Mangel uͤberzulassen gezwungen; Also auch/ wenn ein Graff oder Freyherr und gesamt Adeliche solches Recht haben/ be- stellen sie dazu einen tuͤchtigen Gerichtshalter. L. fin. princ. C. ubi senat. vel clar. L. 1. pr. ff. de offic. Ejus, cui mandat. jurisdict. L. 60. ff. de re judic. C. in Archi. Episc. X. de Raptor. c. licet \& pen. X. de offic. vicar. c. cum Episcopus, X. de offic. ordin. c. fin. X. ne Cler. vel mon. Secul. neg. Jn peinlichem Halßgericht gilt keine Voll- macht. §. 9. Nach buͤrgerlichem Recht mag das peinliche Gericht nicht leicht andern anbefohlen noch uͤbertragen seyn/ weilen es sonderlich von Fuͤrsten oder Rechts-Gesetzen uͤbergeben; wofern es aber kein Halßgericht waͤre/ noch schwere Leibes-Straffe darauff erfolgete/ mag das Gericht einer andern faͤhigen Person zu Erkaͤntniß anbetrauet werden; Jn Blut-Sachen aber sollen die ordentlichen Richter/ vor- nehmlich adeliche/ dem Gericht selbst beywohnen/ auch ohne Nothfall keinen andern bevollmaͤchtigen. L. 1. ff de offic. ejus, cui mand. jurisd. L. 70. ff. de R. J. Gerichts- Schreiber Pflicht. §. 10. Ein jeder Gerichts-Schreiber soll in peinlichen Sachen/ bey seiner Pflicht/ alle Handlung/ die peinlicher Klag und Antwort halben geschicht/ gar eigent-unterschied- und ordentlich auffschreiben/ auch was Beklagter auff die Klage zur Antwort giebt/ da er ohne Mar- ter bespracht wird/ soll er allewege mit Jahr/ Tag und Stunde/ dar- auff eine jede Handlung geschicht/ und wer allezeit darbey gewesen/ ver- melden/ auch sich/ daß er solches gehoͤrt und beschrieben/ mit seinem Tauff- und Zunahmen selbst unterschreiben/ damit auff solche Form Zeugen Worte soll niemand veraͤndern. und gruͤndliche Beschreibung sicher und gar stattlich geurtheilet/ oder Falls man es bedarff/ nach aller Nothdurfft daraus gerathschlaget werden moͤge/ zu welchem allen er muͤglichen Fleiß thun/ und alles was gehandelt/ laut seiner Pflicht/ geheim zu halten/ verbunden seyn muß. Wer nun irgend der Zeugen Wort veraͤndert/ handelt teuffelisch/ be- gehet Falschheit/ ist nach Menschen-Blut Durst-begierig/ und schaͤnd- lichen Gewinn suͤchtig. P. H. O. art. 181. 182. 183. 185. 188. \& 189. §. 11. Der Gerichts-Schrieber soll auch beschreiben/ ob die Kla- ge von Amts wegen/ und nicht von sonderlichen Anklaͤgern/ zum Rich- ter hinkommen/ und was ferner in allen Stuͤcken nach der Ordnung gerichtlich verhandelt worden/ so soll ein solches Gerichts-Buch oder Gegenschrei- ber wann noͤ- thig. Protocoll allemahl nach Gerichts-Tages Endigung verschlossen und verwahret werden; Wann auch ein Schreiber verdaͤchtig/ mag Be- klagter ohn Argwohns Meldung einen Gegenschreiber begehren. §. 12. Ein Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. §. 12. Ein oͤffentlicher Schreiber in Lehn-Gerichts Sachen/ der Lehn-Schrei- ber/ Ingrossi- st en/ Copiist ẽ/ Secretari en und Act en-L e- ser Pflicht. wissentlich uͤber verbotene Lehns-Veraͤnderung Brieffe verfasset/ wird gestraffet mit seiner Ehr/ Hand und Amts-Verlust/ jedoch Umstaͤnden gemaͤß/ steht es in Richters Erkaͤntniß; wie auch Ingrossist en und Co- piist en sollen alle fuͤrfallende Gerichts-Sachen/ Recht und Gesetz maͤßig einfuͤhren/ also alle Gerichts- Secretari en und Act en-Leser. 2. Feud. 52. \& 55. c. 9. X. de fide instrum. Nov. 90. c. 4. §. 13. Obrigkeit und Gerichtshalter sollen nicht gestatten/ daß Gerichtshal- ters Pflicht wegen Proto- coll zu fuͤhren. ein und ander von ihren Dienern/ die nicht dazu bestellet sind/ ein und anders einzuzeichnen sich unterstehen moͤge; vielmehr sollen alle Ge- richts-Schreiber dem Oberrichter geloben und zu GOtt schweren/ in ihren Aemtern getreu zu seyn/ mit auffschreiben und verlesen/ auch alle ins Gericht fuͤrgebrachte Brieffe und Urkunden dabey sicher zu ver- wahren/ denen Partheyen oder niemand anders zu eroͤffnen/ was von Richter und Schoͤppen in den Sachen berathschlaget und gehandelt wird/ noch jemand derer Gerichts-Haͤndel Heimlichkeit lesen oder sehen lassen/ auch keine Copie von eingebrachten Schrifften ohne Ge- richts Urlaub und Erkaͤntniß ausgeben/ oder Partheyen wieder einan- der rathen und warnen/ kein Geschenck nehmen/ noch zu ihrem Nutzen nehmen lassen/ wie es Menschen Sinn erdencken mag/ sondern ihres Lohns zu begnuͤgen ohne alle Arglist und Gefehrde. §. 14. Also sollen sich alle Schreiber mit ingrossir en und copiir en Schreiber Eyd wegen Ge- richts Heim- lichkeiten. nach Verwalters Bescheid mit gantzem Fleiß treu halten/ darinn kei- ne Gefaͤhrde brauchen/ der Cantzley Heimlichkeit/ als abgefasten Ur- theile/ eingebrachter Kundschafft/ Protocoll en/ Gerichts-Schrifften und Handlungen/ niemanden eroͤffnen/ lesen/ hoͤren oder lesen lassen/ noch davon Copie ohne Verwalters Erlaubniß geben/ und darum kein Geschenck von jemand heischen oder nehmen wollen. §. 15. Deßgleichen diejenige/ so sich zu Gerichts-Verwaltern ge- Gerichts Ver- walter Eyd. brauchen lassen/ sollen bey ihrer Bestellung antreten/ so wohl als die zum Proceß erforderte Notarii im Beyseyn der Unterthanen/ woran sie nicht insgemein/ wie ob erwehnet/ ein fuͤr allemahl/ zum Gericht geschworen/ auch jedesmahl vereydet/ darnach wie und wann solches geschehen/ bald Anfangs zu den Act en verzeichnet werden. §. 16. Derowegen alle/ die mit Gerichten beliehen und solche ver- Lehn-Richter Pflicht wegen Gerichts Per- sonen und Buͤcher. uͤben/ sich ihrer gebuͤhrenden Schuldigkeit erinnern sollen/ nicht allein solche Gerichte mit ehrlichen/ auffrichtigen/ unbescholtenen/ untadel- hafften/ nach jedern Orts Gelegenheit/ qualificirt en und dazu sonder- J 2 lich I. Buch/ Cap. VIII. lich geschwornen Personen besetzen/ die im Beyseyn der Gerichts-Per- sonen denen Gerichts-Buͤchern alles einverleiben/ was nach der Sa- chen Gelegenheit noͤthig erachtet/ auch keinen Unverstaͤndigen dabey lassen/ daß nicht solche Buͤcher zu Unterthanen Beschwerden und de- ren Gerichts-Herrn Schimpff angefochten werden. Copist en/ Fuͤr- sprecher und fiscali schen Gerichts Be- dienten Amt. §. 17. Wie nun oͤffentliche Gerichts und andere Schreiber/ Copii- st en und Fuͤrsprecher/ also auch sollen von Rechts wegen aus richter- lichem Befehl solche Bedienten erwehlet werden/ die an Statt eines Fiscals dem Proceß beywohnen/ und als oͤffentliche Anbringer aus be- noͤthigten obliegenden Amts-Pflicht die Verbrechen anzeigen/ ferner gutwillig fuͤr Gericht erscheinen/ Zeugen/ Muthmassungen und andern Beweiß/ oder Rechtens nothduͤrfftigen Behuff herbey zu schaffen/ der Justice huͤlffliche Hand leisten. C. quoniam contra X. de probat. Tit. C. commun. Epistol. L. 6. ff. de custod. \& Exhib. reor. L. 6. §. 3. ff. ad SCt. Turpill. L. ult. §. 7. ff. de mun. \& hon. L. un. C. de Irenarch. §. 18. Wann dann nach dem Verhoͤr gemeine Bescheide zu be- greiffen/ ohne in geringern Sachen oder derer Geistlichen Streit fuͤr dem Bischoffen/ soll der Gerichts-Verwalter in Gegenwart des Rich- Urtheils Ver- kuͤndigungs- Weise. ters und derer Beysitzer/ was auff einen jeden Punct sein rathsam Be- dencken/ anzeigen/ folgendes die andere darauff kuͤrtzlich auch hoͤren/ und was entschlossen abfassen/ demnechst/ ehe dann es eroͤffnet/ einen jeden dazu sein Votum reden lassen/ und zwar soll alsdann vom Rich- ter oder dessen Schreiber/ beym ordentlichen Gerichts-Stuhl/ an Tag und Ort darzu bestimmt/ des Urtheils Verkuͤndigung geschehen. Nov. 17. c. 3. Nov. 28. c. 3. Auth. nisi breves, C. de Sent. ex brev. recit. Nov. 83. in præfat. L. 6. C. de Sent. L. 59. ff. de judic. Nov. 82. c. 3. L. 2. §. 31. ff. de orig. jur. L. 5. ff. quod vi aut clam. Notari en Eyd. §. 19. Ein Notarius auch muß schweren/ daß er in denen Sachen/ dazu er gefordert/ alles auffrichtig verzeichnen/ die von Partheyen ein- gegebene Urkunden treu-fleißig zu den Act en bringen/ ohne Stadt- Richters Vorbewust keine Abschrifft geben/ im rechtlichen versetzen und nachschreiben/ auch so wohl als Zeugen-Verhoͤr und gantzen Pro- ceß sich redlich erzeigen/ und Act en richtig halten/ inmassen einem ehr- lichen Notario eignet und gebuͤhret/ fuͤr Arglist und Schuld zu ant- worten. L. fin. C. de magistrat. convent. Rechts Wohl- thaten Ver- zicht Behelffs Auszug. §. 20. Dieser Ausflucht Behelffs-Recht: Daß eine allgemeine Verzicht einiger Freyheit nicht gelten soll/ wann nicht die besondere vor- Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. vorher gangen/ hilfft dazu/ daß man diejenigen Brieffe und Instrumen- ta, darinn nicht mit Nahmen ausdruͤcklich alle Wohlthaten/ denen man billig haͤtte absagen sollen/ specificir et sind/ wiederfechten kan/ als wann nur an deren Statt diese gemeine Clausul mit solchen Wor- ten gebrauchet worden: Jch verzeihe mich aller und jeden Wohltha- Allgemeinen und sonderli- chen Verzicht Recht. ten/ Freyheiten/ Ausfluͤchten und heilsamer Rechten Begnadigungen/ vom Pabst/ Kaͤyser/ Koͤnig/ Fuͤrst/ Staͤdten oder andern Obrigkeiten gegeben/ verliehen/ eingesetzt und gewoͤhnlich hergebracht/ die mir ietzt gebuͤhren/ oder auch hernach gebuͤhren moͤchten/ samt und sonderlich; darum ein jeder Notarius, Gerichts-Schreiber oder Beysitzer fleißig auffmercken soll/ welcher Freyheits Wohlthat nach gestalter Sachen sich zu begeben von noͤthen sey/ daß solche ausdruͤcklich und insonder- heit vermeldet werden/ dann wo deren eine vergessen/ die zur Sache gehoͤrig/ so kan man nach Recht diesen Behelff zum Vortheil ein- wenden. L. obligat. ff. de pign. L. cum Aquil. ff. de transact. §. 21. Demnechst soll jedern Theil/ Klaͤgern und Antwortern auf Fuͤrsprecher Amt fuͤr Ge- richt. sein Begehren/ ein Gerichts-Fuͤrsprecher erlaubet werden/ welche bey ihrem Eyde/ Gerechtigkeit und Warheit und rechtliche Satz-Ordnun- gen befoͤrdern/ auch nach richterlichen Pflicht-maͤßigem Befehl durch keinerley Gefaͤhrlichkeit/ solche mit Wissen und Willen verkehren noch verhindern; So nun ein Procurator fuͤrsaͤtz- und gefaͤhrlicher Weise seiner Parthey in buͤrger- und peinlichen Sachen zum Nachtheil/ und dem Widerpart zu gute handelte/ und solcher Ubelthat uͤberwunden wuͤrde/ ist zu bestraffen/ und zwar soll derselbe Gegentheilen zufoͤrderst seinen Schaden/ der Sachen halber/ nach allem Vermoͤgen wieder er- legen/ darzu an Pranger gestellet/ mit Ruthen gehauen/ Lands ver- boten/ und Mißhandlung gemaͤß gestrafft seyn. P. H. O. art. 88. \& 151. L. 7. §. 3. C. de Advoc. L. 9. §. 4. ff. de pœn. P. H. O. art. 115. L. 5. 7. \& 8. ff. de postul. L. 6. §. 1. \& 4. L. fin. C. Eod. L. 1. §. 13. ff. de offic. præsid. §. 22. Sein eigen oder seines guten Freundes Begehren gericht- Procuratorn Amt wem ver- boten. lich fuͤrbringen/ oder einem widersprechen/ ist ein oͤffentliches Amt/ dahero es Minderjaͤhrigen unter 17. Jahren und tauben Leuten/ so der Obrigkeit Befehl nicht hoͤren koͤnnen/ rechtlich verboten/ wie auch Blinden und Ehrlosen/ mit Schanden Befleckten. Wer nun Rechts wegen fuͤr Gericht nicht stehen mag/ und dennoch eine privilegir te Sache hat/ kan das richterliche Amt um Erlaubniß anflehen/ als in Besitz-Streit/ in geistlichen und Ehe-Sachen/ auch peinlichen oder J 3 Nah- I. Buch/ Cap. VIII. Nahrung- und Unterhalts-Klagen; Minderjaͤhrige darff man ohne Kriegs Beystand nicht verklagen/ Obrigkeit aber wegen Amts Ver- brechen mag man verklagen/ sonst ist Procurator s Ungehorsam auch dem Herrn schaͤdlich/ jedoch wann jener nichts hat zu bezahlen/ so wird diesem Erstattung vergoͤnnet. L. 1. in princ. ff. de postul. L. 1. §. initium, hoc tit. L. 1. §. secundo loco, ff. Eod. L. 57. ff. de judic. L. 18. C. unde vi. L. un. C. si de moment. possess. C. ult. X. de judic. c. 14. X. de restit. spol. L. 1. C. de aliment. pupill. L. 4. C. de auth. tut. L. 4. c. ad L Jul. Repet. L. 10. C. de procur. c. 3. §. si autem, c. 61. §. si porro, X. hoc tit. Advocat en uñ Zungen-Dre- scher Unter- scheid. §. 23. Rechtschaffene wohlgelahrte Advocat en/ nicht aber/ die ge- meinen Zungen-Drescher/ werden durch ihre Kunst und Wissenschafft edel gemacht/ indem sie zweiffelhaffte Sachen entscheiden/ oͤffentli- chen und sonderbaren verfallenen Nutzen mit ihrer Verthaͤdigung auffrichten/ so wohl als ob durch Krieg und Wunden/ mit Schwerdt/ Schild und Harnisch/ sie ihr Vaterland und Eltern befreyeten/ deren ermuͤdeten und arbeitsamen einfaͤltigen Leuten Hoffnung/ Leben und Nachkommen offt beschuͤtzen/ und also/ durch ihren hochruͤhmlichen Mund und Feder/ Wehr und Waffen/ fuͤr die unfugsam Beleidigte streiten/ und dem menschlichen Geschlecht nicht geringen Nutzen schaf- fen/ ja/ nach Kaͤyser Leonis und Anthemii Zeugniß/ fuͤr Reich und Lande fechten. L. Advocati, 4. C. de Advoc. divers. jud. L. 7. C. de postul. L. 2. §. ult. \& L. 4. §. 1. in fin. ff. de Excusat. Advocat en welche man erwehlen mag. §. 24. So mag nun ein jeder einen solchen Advocat en/ zu dem er das beste Vertrauen hat/ in seinen Sachen gebrauchen/ oder der Richter muß ihm auff seine Kosten/ bey Amts Entsetzung/ einen ge- richtlichen verordnen. Alle Gezaͤncke und Rechts-Streitigkeiten Vor- traͤge aber/ welche mehrentheils die Sachen nur zu verwirren und schwerer zu machen pflegen/ und selbsten dasjenige/ was nicht zur Sa- Receß und Vortraͤge Recht. chen dienlich/ mit einmischen/ sollen Advocat en bey Straffe nach Er- maͤßigung uͤbergehen/ jedoch einen oder mehr Rechts-Texte und be- waͤhrte Scribent en/ welche zur Sachen gehoͤrige Dinge geschrieben/ mag man wohl anfuͤhren/ wie auch der Salvation Schrifften Kern/ samt rechtlichen Berathschlagungen/ mit vorangesetzten Sachen Gestalt und zweiffelhafften Ursachen gleichsam an Berichts Statt/ daß jedoch selbige weder in Bericht noch Stimmen Abfassung/ Ziel oder Maaß geben/ noch/ so viel die That anbelanget/ einigerley Weise angemer- cket werden sollen/ sondern nur kuͤrtzlich auffzusetzen/ und auff Erfor- dern Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. dern ohn Entgeld ausgestellet/ und deren Copie zur Nachricht ver- wahret seyn muß. §. 25. Weiber moͤgen auch nicht fuͤr ihre Kinder ohn erhebliche Weiber ge- richtliche Vor- sprache verbo- ten. Ursach gerichtliche Vorsprache thun/ weilen es ein Mann- und buͤr- gerliches Amt/ das Weibern nicht gebuͤhret/ ja vielmehr schaͤndlich/ daß sie in derer Maͤnner Versamlung das Wort fuͤhren wollen. Die Obrigkeit aber soll fuͤr oͤffentlichen Sold gewisse Fuͤrsprecher bestellen/ welche als Patronen derer Armen und duͤrfftigen Sachen verthaͤdi- Advocat en uñ Procuratorn Pflicht und Verdacht. gen sollen/ und ist dieses ein Allmosen Gestalt/ sonst aber geht es uͤber des Begehrenden Unkosten; Procuratores und Advocat en sollen auch gelehrte und wohlerfahrne Leute seyn/ niemand bey Gerichts-Stan- des Verbot ihre Vorsprache weigern/ noch Gegentheil Patronen verhindern oder abspannen/ sonst waͤre ihre Sache verdaͤchtig/ und im Zweiffel gegen sie zu urtheilen. L. 31. §. quanquam. ff. de neg. gest. L. 2. ff. de R. J. L. 1. C. quando mul. tut. offic. L. 18. \& 54. ff. de procurat. L. 32. §. 1. de arbitr. 1. cor. 14. v. 34. C. filius, C. desiniunt, c. 17. q. ult. Gloss. in L. 1. §. ait prætor, ad verbum, habebunt, de postul. L. 1. §. in honorariis, ff. de var. \& Extraord. cognit. L. pen. C. de postul. §. 26. Alle Procuratores und Partheyen sollen gewarnet und er- Advocat en uñ Procurator n Unfugs Straf- fe. innert seyn/ daß alle/ die mit bey Urtheil verlustiget werden/ deßhalben und wegen vorgezogenen Rechts in Kosten und Schaden vertheilt und gesprochen werden sollen; wo aber solches aus freventlichen Auszuͤgen/ Versaͤumniß/ Schuld oder Unwissen der Procurator en scheinbar und klaͤrlich geschehen zu seyn befunden/ sollen dieselbe alle Kosten selbst/ ohne der Partheyen Nachtheil auszurichten schuldig gehalten seyn/ massen niemand sich etwas geluͤstẽ lassen muß/ daraus er wissen kan/ daß seine Schwachheit andern Leuten gefaͤhrlich seyn mag; So sollen auch Advocat en mit dem Proceß kuͤrtzlich und summarisch in Raub und ab- sonderlich Mord-Sachen hindurch gehen/ uñ ihnen darinn absonderlich aller Acten Unterricht- oder Anzuͤge-Weitlaͤufftigkeit zu vermeiden an- befohlen/ und deren Anlaß abgeschnitten werden/ wie solches alles aus- druͤcklich in heiligen Roͤmischen Reichs Verordnungen angewiesen/ und durch taͤglichen Gebrauch bestaͤtiget wird. §. 27. Jn peinlichen/ insonderheit Nachforschungs-Proceß/ wird Abwesendem Ubelthaͤter wird Fuͤrspre- cher geweigeꝛt. einem abwesenden beklagten Ubelthaͤter kein gerichtlicher Fuͤrspre- cher zugelassen/ auff daß er nicht durch solchen Luͤgen vorbringen lasse/ die er selbst zu sagen sich schaͤmete. So ist auch des Beschuldigten Gegen- wart/ die Warheit zu gewinnen/ noͤthig/ nemlich aus bleichem Gesicht/ Schre- I. Buch/ Cap. VIII. Schrecken/ Zittern/ Wanckelmuth und Reden Unbestand/ daraus be- gangenen Ubelthat Anzeigen zu ermessen/ und damit er sich inzwischen nicht der Straffe entziehe/ massen ein Abwesender uͤber Verweisung nicht mag verurtheilet werden/ jedoch wird er wegen der Straffe an seiner Person binnen Jahrs-Frist gehoͤret. Fuͤrsprecher in peinlichen Sa- chen mag nicht Buͤrge seyn. L. pen. §. 1. ff. de publ. judic. L. 10. §. pen. ff. de quæst. §. 28. So kan auch kein Fuͤrsprecher hierinn genugsamen Buͤr- gen stellen/ wie in Geld-Sachen sonsten wohl muͤglich/ es waͤre denn die That nur Verweisung oder geringern Geld-Bussen werth/ oder auch seiner Abwesenheit rechtliche Ursache anzufuͤhren/ oder sonst Ausfluͤchte einzuwenden/ das Gericht abzulehnen/ oder so Beklagter an- wesend den Krieg befestiget/ hernach abwesend waͤre/ oder in grossen Verbrechen/ da jemand ausbleibend in Bann gethan und verdammt Vaters Recht fuͤr den Sohn Fuͤrsprecher zu seyn. wird/ oder im Nothfall/ da Beklagter kranck oder gefangen; in diesem letzten Zufall mag ein Procurator ohne Vollmacht gestattet werden. Also auch ein Vater fuͤr seinem Sohn/ weilen es unbillig/ jemanden/ so lang die Sache noch zweiffelhafft/ und keine Unschuld gebuͤhrend er- wiesen/ zu verurtheilen oder loßzusprechen. Wann sonst etwa Beklagter Steck-Brieffe Krafft. fluͤchtig citir t nicht erscheinen will/ mag er bey allen Gerichten mit offe- nen Steck-Brieffen verfolget werden/ ihn gefangen zu nehmen/ wo er nur zu finden/ und ob zwar insgemein der Uberwundene und nicht der Uberwinder zu deren Unkosten Erstattung pflegt verdammt zu wer- den/ so moͤgen doch solche wohl einem peinlich Angeklagten/ er sey frey gesprochen oder zu Straffe erkannt/ aufferlegt werden. L. 1. ff. an per al. appell. L. 3. C. de accusat. L. 51. ad L. Aquil. L. 4. §. ult. ff. de Sicar. L. 21. C. de pœn. L. 33. §. 2. verb. ubicunq́; ff. de procur. L. 10. ff. de publ. jud. L. 6. ff. de appellat. §. hæc autem, instit. de pœn. term. litig. L. 79. princ. ff. de judic. L. 4. C. de fruct. \& Lit. Expens. P. H. O. art. 201. Advocat en Pflicht bey ge- richtlichen Vortraͤgen. §. 29. Advocat en sollen auch sich unnuͤtzen/ uͤberfluͤßigen/ unnoth- duͤrfftigen Worten in ihren Vertraͤgen enthalten/ keiner den andern schrifft- oder muͤndlich schimpffiren/ viel weniger Laͤsterung bey Straf- fe nach Gerichts-Ermaͤßigung/ sondern Erbarkeit gebrauchen/ alle Ehre befoͤrdern/ ohne hoͤnisch- und schmaͤhlichen Reden/ auffs schleu- nigste/ kurtz-muͤglichst der Sachen Nothdurfft mit gebuͤhrender Be- scheidenheit vor und einbringen; nemlich ohne stachlichte Anzuͤge/ so wohl gegen des Gerichts Personen/ als ihren Gegentheil und dessen Kriegs-Beystand/ und zwar bey 5. Rthlr. Straffe/ derer Client en Tauff- und Zunahmen auch vor ersten Satzes Anfang auszumelden. §. 30. Es Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. §. 30. Es sollen aber Richter selbsten in der Sache/ darinn sie ur- Richter wann nicht Advoca- t en seyn moͤ- gen. theilen muͤssen/ keines Advocat en Stelle betreten/ und sollen alle Ad- vocat en/ ehe sie zugelassen/ ihrer Lehr-Geschick-Redlichkeit/ rechter natuͤrlichen Geburt/ Wesens und Verhaltens halben/ ob und wo sie der Rechten gewuͤrdiget/ wohl examinir et und erkant werden; So fern aber einer angenommen/ hernach ungeschickt/ unfleißig oder sonst untuͤchtig befunden/ mag er jederzeit wieder beurlaubet und an seiner Advocat en Examen, Ver- ordnung und Urlaubs Recht Statt ein ander verordnet werden/ massen solche ungelehrt und leicht- fertige Leute offt manchen armen Mann verfuͤhren/ zu seiner Nah- rung Versaͤumniß in Schand und Schaden bringen/ darum keiner sich unterstehen soll/ einige Sachen guͤt- oder gerichtlich zu fuͤhren/ er habe dann im Rechten studir et/ und davon schrifftlich Zeugniß vorzu- weisen/ damit niemand durch deren Ungewißheit verletzt/ oder aus Unverstand/ Arglist und Betrug um Geld gebracht werde/ wiedrigen Falls sie angezeigt/ andern zum Abscheu/ sich dafuͤr zu huͤten/ gestrafft werden moͤgen/ weilen unbillig/ jemanden zu unnoͤthigem Zanck und Rechtfertigung zu rathen. L. 6. C. de postul. c. 58. de R. J. in 6. C. 1. ubi gloss. ad verb. Advocati, X. ut lit. non contest. §. 31. Ob auch eine Parthey in beschehenen Gerechtigkeits Unter- Advocat en Pflicht/ wann Partheyen hartnaͤckicht zum Streit. richt in Verstaͤndniß unbegruͤndet/ dem Rechten zu wieder/ sich anse- hen liesse/ in ihren Vornehmen nicht guͤtlich abhalten zu lassen/ soll er eydlich geloben/ fuͤr Gericht nicht weiter oder mehr zu reden und zu han- deln/ denn ihm befohlen und eingegeben wuͤrde/ auch darinn wissent- lichkeinerley falsche Gefaͤrde noch Unrecht zu brauchen/ und ob schon er Advocat ẽ Eyd gegen Client en wann unguͤl- tig. mit Eyd bekraͤfftiget/ die Sache biß ans Ende zu verfechten/ ist er den- noch nicht zu ungerechtem Streit deßfalls verbunden/ er haͤtte denn ei- nen guten Fug zu rechten/ gegen die Obrigkeit aber soll man gar nie- manden verstaͤrcken. L. 14. §. 1. C. de judic. §. 32. Welche nun zu procurir en und advocir en genugsam quali- Advocaten Pflicht/ Sa- chen anzuneh- men. ficir et/ sollen ermahnet seyn/ daß sie ja nicht alle Sachen ohn Unter- scheid annehmen/ sondern zuvor Gelegenheit erkundigen/ ob sich be- findet/ daß die Parthey/ so sie bedienen sollen/ eine ungerechte Sache habe/ selbige davon abweisen und keinen unbilligen Vorschub noch Anleitung geben/ sondern ungegruͤndeter Sachen sich gaͤntzlich ent- aͤussern/ und seines Nutzen halben nach eingenommenem Bericht nie- manden vergebliche Hoffnung machen/ vielmehr die Umstaͤnde ver- K nuͤnff- I. Buch/ Cap. VIII. nuͤnfftig zu Gemuͤth fuͤhren/ darauff verwarnen/ sich lieber weisen zu lassen/ als eitele Unkosten zu haben. Advocat en Pflicht und Vorsorge in Sachen Be- dienung. §. 33. Wann nun Advocat en befinden/ daß einigen Leuten ohne Rechtfertigung nicht geholffen werden moͤge/ sondern ihre Sachen also beschaffen/ daß sie darinn billig zu bedienen/ so sollen sie doch fuͤr allen Dingen muͤglichen Fleiß anwenden und versuchen/ ob der Sa- chen in Guͤte/ durch leid- und billige Mittel abzuhelffen/ nicht aber von suͤhnlichen Vergleichung abhalten/ sondern dazu mehr befoͤrdern als verhinden. Wann aber Versuhnung nicht zu erzwingen/ und zu recht- lichen Ausfuͤhrungs versetzen kommen/ so sollen sie aller vergeblichen Weitlaͤufftigkeit/ die Sache desto laͤnger zu verschleiffen/ vermeiden. Advocat en Belohnungs Recht. §. 34. Welcher Advocat etwas uͤber gesetzten Lohn und Sold em- pfangen/ soll es wieder zuruͤck geben/ wofern auch wegen dessen Erhoͤh- und Mehrung Jrrungen entstuͤnden/ sollen sie von Richter und Schoͤp- pen entschieden werden/ daß sie es dabey beruhen lassen sollen/ und keine weitere Gabe nehmen/ noch andere unziem- und ungebuͤhrliche Vorgedinge machen wollen/ und wo solches von ihnen uͤberschritten/ sollen dergleichen Vorworte unkraͤfftig seyn/ und niemand verpflich- ten/ dazu die Procuratores mit ihren Stands Entsetzung und sonsten der Uberfuͤhrung zu bestraffen/ was Partheyen aber gutwillig Advo- cat en geben/ dasselbe moͤgen sie sich mit Richters zugeschaͤtzten Beloh- nung vergnuͤgen lassen/ und daruͤber niemanden weiter beschweren. P. H. O. art. 108. §. 35. Alle gerichtlichen Fuͤrsprechern ruͤckstaͤndige Besoldungen sollen zwar bezahlet/ jedoch moͤgen Advocat en/ Procuratores und No- tari en/ die verdorbenen Personen zu Zeiten gedient und beygesprungen/ solcher Schulden halber eben nicht fuͤr allen andern Glaͤubigern aus- gesetzt oder vorgezogen werden/ sondern muͤssen/ so viel deren zu ent- richten/ sich als Handschrifft habende abfinden lassen/ weilen derglei- chen Belohnung zum Vorzugs Recht nicht hin zu rechnen. Tot. Tit. C. de advoc. divers. arg. L. 4. C. de petit. hæred. Soldaten Pflicht/ wegen Advocat en Amt. §. 36. Soldaten moͤgen keines Anwalds Stelle vertreten/ noch in frembder Sache/ auch mit Gegentheils Willen/ Fuͤrsprecher Amt auf sich nehmen/ damit sie dadurch ihre Schuldigkeit nicht versaͤumen/ noch von oͤffentlichen Wehr- und Krieges-Stands Pflicht durch Privat- Geschaͤffte abgeruffen und verhindert werden moͤgen/ es sey denn eige- ner oder Kriegs-Heer- und Regiments-Sachen halber/ oder es waͤre ein alter ausgedient und abgedanckter Knecht/ der seinen Mit-Gesellen oder Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. oder eigene Sachen verthaͤdigen wolte’/ und gegen seine Person bey Kriegs-Befestigung nichts eingewandt worden/ vielmehr steht Procu- It. Professorn. Hauptleute und Aertzte Pflicht. rator en Verrichtung Haupt-Leuten und andern Befehlhabern/ Pro- fessoren/ Aertzten und hoͤhern Standes Personen uͤbel und unwuͤrdig an/ weilen es ein gering und veraͤchtliches Amt ist/ ja keine Wuͤrde/ sondern Beschwerde/ welches auch ehrlose Leute bißweilen versehen koͤnnen. L. filiusfam. §. Veterani, ff. de procur. L. 7. \& 9. C. Eod. §. fin. instit. de Except. L. 2. §. 2. ff. de his, qui not. L. 8. §. 2. verb. nisi hoc tempore ff. \& L. 13. verb. si cum primum, C. de procurat. L. 2. in fin. C. de Dignit. L. si quis procurationem \& L. 16. L. 34. C. de Decur. §. 37. Stadts- Syndicus, Anwald und Gemeinden Vollmaͤchtiger Stadt- Syndi- ci Amts Pflicht und Bestal- lung. muß von Buͤrgermeistern und Raths-Herrn auch allen Stadts-Buͤr- gern erwehlet und bestellet werden/ weiln alle und jede/ die es angehet/ ihre Stim̃en beyzugeben auch dazu beruffen werden muͤssen/ da denn sie erscheinen oder nicht/ geschiehet was Recht ist; Jn kleinen Doͤrffer Ge- meinden sollen aller Bauren Nahmen unterschꝛieben seyn/ wer aber nicht schreiben kan/ der muß es gerichtl. vollentziehen lassen/ oder bey Notari en und Zeugen. Also auch/ wann etwas aus Gemeinde Sachen zu ver- aͤusern/ dazu ist ein jeder Anwald seine Person/ gleichwie zu allen und jeden Gerichts-Haͤndeln/ zu legitimir en schuldig/ jedoch mag ein Stadt- Syndicus ohne Betrug und Heucheley in zweiffelhafft und streitigen Sachen wohl Vergleich treffen. L. fin. C. de author. præst. c. 29. de R. J. in 6. L. 2. C. de Decur. Auth. si omnes C. si minor, ab hæreditate se ab in. L. fin. C. de vend. reb. civit L. 3. ff. \& L. 12. C. de transact. §. 38. Allwo nun etwan von wegen einer Stadt oder Gemeinde in Eyd fuͤr eine Gemeinde wer abstatten mag. gerichtlichen Haͤndeln ein Eyd solte geleistet werden/ und sonst kein Anwald vorhanden oder zugelassen waͤre/ so sollen drey oder vier der Aeltesten/ welche uͤm die Sachen am besten Wissenschafft haben moͤch- ten/ ihn ablegen; weilen auch niemand durch seine Thaten eines andern Recht verletzen mag/ als kan kein Vollmaͤchtiger/ ohne deren gesamten Raths-Herrn/ Buͤrger und Zunfft-Meister Berathschlag und Zuzie- hung/ Stadt-Schulden/ Wucher oder Renten-Zinß erlassen/ viel weniger Geld entlehnen und deren Einwohner oder Gemeinde Guͤter verschreiben/ es stuͤnde denn zu erweisen/ daß es in Stadts- oder Ge- meinde Nutzen wuͤrcklich angewandt/ darum alle deren Vollmachten eingeschlichene Mißbraͤuche zu vermeiden/ sollen sie von Principal- Syndicus wañ Eyd ablegen kan. Partheyen besiegelt und unterschrieben seyn. So muß dann ein Syndi- cus allgemeine und sonderbare Vollmacht vorweisen/ nach der Sachen K 2 Wich- I. Buch/ Cap. VIII. Wichtigkeit/ als wegen Eydes Abstattung; Buͤrgschafft aber zu leisten/ ist er doch nicht angehalten/ weilen allezeit die Gemeinde fuͤr genugsam vermoͤgend/ alles zu bezahlen/ erachtet wird. L. 39. ff de neg. gest. L. 74 ff. de R. J. L. 27. ff. de reb. cred. L. 3. §. 2. ff judicat. solvi. L. 6. §. 3. ff. quod cujusq; nimirum nom. L. 17. §. fin. \& L 34. §. Defensor. ff. de jurejur. L. 2. §. 3. C. de jurejur. propt. calumn. c. 6. X. Eod. c. fin. Eod. in 6. Sohns Recht gegen Vater und andere gerichtlich zu klagen. §. 39. Ein Sohn mag seinen Vater nicht gerichtlich anklagen/ ohne in selbst erworbenen Guͤtern Streitigkeiten/ ja ein Sohn/ der an- noch in Vaters Gewalt ist/ kan ohne dessen Willen gegen Frembde nicht zu Gericht gehen/ er sey dann Gesandschafft oder studir ens hal- ber abwesend/ oder wann ihm etwas gestohlen/ oder Schmaͤhung/ Schimpff und Schaden erlitten hat/ also auch Weiber moͤgen nicht fuͤr Gericht anklagen/ ohne ihre und der Jhrigen Schmaͤh-Klage zu verfolgen. L. 4. ff. de judic. L. 4. §. 1. ff. de castr. pecul. L. 18. §. 1. ff. de judic. L. 9. ff. de obl. \& act. L. fin. C. de bon. quæ liber. L. 4. 5. 8. \& 12. C. de his, qui accus. non poss. Bluts-Ver- wandtẽ Recht Fuͤrsprecher zu seyn. §. 40. Ein Vater mag seines Sohns/ und der Sohn seines Va- ters wegen/ wie auch alle andere Personen auff- und absteigender Li- nien/ deßgleichen seit halber/ oder Bluts-Verwandten biß im dritten Glied/ und der Mann wegen seines Eheweibes/ also auch im Gegen- theil ein Weib fuͤr ihren Mann/ absonderlich wenn er gefangen/ oder ein Schwaͤher vor seinen Eydam/ oder ein Tochter-Mann vor seinen Genehmhal- tung Versiche- rungs Recht. Schwaͤher/ werden zugestattet/ im Recht ohne Gewalt zu erscheinen/ und an Gevollmaͤchtigten Stelle gerichtlich zu handeln/ auch solche ge- buͤhrend zu vertreten/ dabey aber wuͤrckliche Genehmhaltungs Versi- cherung/ welche bey Buͤrgschafft durch Geldes Beylage am besten ge- than wird/ bereit seyn zu stellen. L. 35. in princ. ff. de procurat. L. 3. §. pen. ff. de liber. caus. §. 41. Keine Parthey mag ohne oder mit Fuͤrsprecher ausser Ge- richts-Zeit den Richter oder Beysitzer in ihren Haͤusern/ der Sache halber/ dem andern zu Nachtheil besprechen/ und vorgefassete Mey- nung beybringen/ bey hundert Gold-Guͤlden Straffe; Sonst lautet Kuͤrtzlichen Vollmacht Jnnhalt. in buͤrgerlichen Streit Gewalt und Vollmacht kuͤrtzlich also: Was mein Gevollmaͤchtigter der gantzen Sache in meinem Nahmen verrich- ten wird/ will ich als mein eigen vor genehm achten/ ihn und seine Subsistut en schadloß vertreten bey Verpfaͤndung aller Haab und Guͤ- ter/ in bester Form Rechtens/ mit benoͤthigten mehrern Gewalts Auff- tragung. L. un. §. fin. ff. ad L. Jul. de ambitu. §. 2. All- Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. §. 42. Allgemeinen Vollmachts Form kan also heissen: Urkun- Vollmachts allgemeine Form. de und bekenne hiermit und Krafft dieses/ demnach ich verschiedene zu Recht-anhaͤngige Sachen habe/ deren meiner andern Geschaͤfften und weiten Entlegenheit halben in eigener Person nicht abwarten kan/ als habe in allen und ieden ietzo gegenwaͤrt- und kuͤnfftig/ wie sie auch seyn und anhero von Wort zu Wort beschrieben werden koͤnten oder sol- ten/ denjenigen benannten zu meinen gevollmaͤchtigten Anwalden und Gewaltshabern bestellet und verordnet; Bestelle und verordne auch denselben in allerbester Form/ Maaß und Weise Rechtens/ wie solches nach Rechts Brauch Gewohnheit und Ordnung eines jeden Gerichts geschehen kan oder soll/ daß er/ wofern es noͤthig/ neuen Streit erheben/ Ladung auswuͤrcken/ Klage vor und anbringen/ Anfangs guͤtliche Handlung pflegen und erwarten/ in deren Entstehung aber seine Noth- Vollmachts nothwendiger Jnnhalt. durfft vom Munde in die Feder einfuͤhren/ wiederholen/ alle vor und nach Krieges Befestigung gebuͤhrende Auszuͤge/ Auffschub oder Zer- stoͤrung wegen einzugeben/ von Gegentheil Streits Anhang zu gesche- hen anhalten/ dessen Ungehorsam beschuldigen/ Eyd aufftragen/ und wieder anbieten/ Beweiß und Gegenbeweiß verfuͤhren/ schrifftliche Urkunden mit Vorbehalt auslieffern/ ausgehaͤndigte erkennen oder verlaͤugnen/ vollgefuͤhrte Zeugniß streitig machen/ in der Sache be- schliessen/ Bey- und End-Urtheil anhoͤren/ dawider Appellation ein- Affter- und Nachanwalds Bestallungs Vollmacht. wenden/ solche verfolgen und rechtfertigen/ Gerichts und andere Un- kosten liquidir en/ deren Ermaͤßigung bitten/ Execution ansuchen/ einen oder mehr Affter-Anwalde an seine Statt zu setzen/ diesen Gewalt gantz oder zum Theil auff sie verwenden/ solche nach Verordnung wie- derruffen/ Vollmacht wieder an sich zu nehmen/ und sonst bey allen Rechtfertigungen in meinem Nahmen und von meinetwegen/ an Klaͤ- ger oder Beklagten Stelle/ so wohl guͤt-als rechtliche/ jedes mahl alles zu thun und fuͤrnehmen/ was sich nach Sachen Gestalt gebuͤhret/ und ich selbst anwesend handeln moͤchte oder solte/ da auch ihm oder seinem Nachanwald mehrere Vollmacht/ als hier begriffen/ benoͤthiget/ will ich/ wie vollkommen es seyn soll/ ietzt als dann/ und dann als ietzt/ als waͤre es mit besondern Worten/ Puncten und Clausuln ausgedruͤckt/ hierbey geben/ mit Verpflichtung meiner Haab und Guͤter/ alles ge- nehm-fest- und unverbruͤchlich zu halten/ auch Schadloß zu vertreten. §. 43. So soll nun ein jeder Anwald seine richtig gestellte Voll- Anwalds Pflicht/ Voll- macht einzu- geben. macht alsbald in Proceß Eingang vorweisen/ zu denen Act en beyle- gen und am Rande bemercken; wann aber eine Vollmacht mangel- K 3 hafft/ I. Buch/ Cap. VIII. hafft und Anwald Genehmhaltungs Erbieten alsobald zu Werck rich- tet/ soll er gehoͤret seyn/ so da nemlich alsdann beklagter Anwald die zuerkannte Versicherung/ mit seiner Guͤter Verpfaͤndung/ fuͤr dem Gerichts-Schreiber/ wie herkommens/ angeloben wuͤrde; so haͤtte er solches zur Gnuͤge bestellet. Blanquet Voll- macht Recht. §. 44. Demnach auch die Anwalde offtmahls nur die bloß uͤber- schickten Blanquet an Statt der Vollmacht anfuͤhren wollen/ soll die- ses als eine gefaͤhrliche Sache/ sintemahlen dergleichen leichtlich von Grafen und Freyherrn Vollmacht mit Secretari- en Brauch. Act en en kommen/ und zu andern Sachen/ Erfahrung gemaͤß/ boͤßlich gebraucht werden kan/ bey Straffe abgeschafft und verboten seyn/ jedoch Grafen und Freyherren/ da sie sich nicht selbst unterzeichnen wol- len/ moͤgen ihre Secretari en oder andere ansehnliche Diener neben ih- rem Siegel unterschreiben lassen. L. 24. C. de procurat. Vollmacht Recht bey vie- len Sachen. 45. Wann auch einer mehr denn eine Sache haͤtte/ soll er nicht nur allgemeine Vollmacht einbringen/ sondern um mehrern Richtig- keit willen unterschiedene von sich geben/ damit zu jedern Sache eine besondere abgeleget werden moͤge/ oder es soll zum wenigsten der Ge- richts- Notarius auff Parthey Unkosten die Haupt-Vollmacht durch- sehen/ und jedern Sache eine uͤberhoͤrte Copie beylegen/ in dessen Ver- Vollmacht Fehl- und Maͤn gel wie zu er- klaͤren. bleibung die Parthey in Unkosten zu verurtheilen. Da nun eine Voll- macht-Gewalt- oder Anwaldschafft angefochten werden wolte/ sol- len deren Maͤngel/ daher man sie zu widerstreiten vermeynet/ sonder- lich angezeiget und ausgefuͤhret werden; wann aber in der Sache end- Vollmaͤchtigẽ Pflicht wegen Amts-Gebuͤh- ren. lich erkannt/ mag keiner mit hernachfolgenden Genehmhaltung nach- theilig gehoͤret werden/ auch diejenigen/ so Vollmacht auff sich nehmen/ sollen allewege darauff bedacht seyn/ die Gerichts oder Amts-Gebuͤh- ren von ihren Partheyen einzubringen/ oder sie muͤssen solche/ ehe sie zu- gelassen/ selbst entrichten. Gewalt und Vollmacht Recht auff Er- ben zu stellen. §. 46. So sollen auch alle Gewaͤlde gleich Anfangs auff derer Partheyen Erben mit gestellet werden/ damit auff ein und andern Parthey toͤdtlichem Hintritt nicht noͤthig sey/ die Erben/ den Streit von neuen wieder anzunehmen/ zu citir en; Sondern wann die Vollmacht einmahl vorgefuͤhret/ der Procurator alsdann die Sachen zum Be- schluß zu bringen vermag/ auch so wohl End-als Bey-Urtheil in des- sen Person abgefast und gesprochen werden/ dafern nemlich die Erben annoch nicht nahmhafft gemacht waͤren/ welches zu thun der Procurator binnen drey Monaten nach seines abgelebten Principalen Tod schuldig ist. §. 47. Wann Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. §. 47. Wann auch in eines Procuratorn Vollmacht Fehl oder Vollmachts Fehl oder Mangel Erse- tzungs Recht. Grund liegen- des Gut be- freyet von Buͤrgschafften. Mangel erscheinet/ muß er solchen ersetzen/ mit Versicherung benoͤthig- ter Genehmhaltung des Principaln/ wie auch sonst der Sachen Haupt- mann Buͤrgen setzen muß/ wenn er keine liegende Grund-Guͤter besitzet/ anders mag er von Buͤrgschafft Pflicht frey seyn/ ob schon solche Guͤter nicht eben in selbiger Provintz und Stadt/ noch unter selbigem Richter gelegen/ ja wohl anders wo wohnet. L. 7. §. 1. qui satisd. cog. §. 48. Nach Kriegs-Befestigung mag keine Gewalt oder Voll- Vollmacht wann nicht zu wiederruffen. macht/ ohne der Sachen Erkaͤntniß/ wiederruffen werden; weilen nun in peinlichen oder Schmaͤh-Klagen kein Anwald leichtlich zugelas- sen/ so muß ein jeder Beklagter auff anderwaͤrtige Einladung persoͤn- lich erscheinen/ und auff die gegen ihn erhobene Klage antworten/ nem- lich alles Vorwendens ungeachtet/ bey Straffe des Ungehorsams biß auff Ehehaffte Ursachen. Ein Vater aber wegen seines Sohns Ent- schuldigung ist zulaͤßig/ auch in der Haupt-Sache zu hoͤren/ und ihm zu gestatten/ daß er seine Unschuld wie Recht ausfuͤhren moͤge. L. 17. ff. \& L. 22. C. de procurat. §. 49. Ein Vollmaͤchtiger/ Befehl oder Gewaltshaber soll wohl Vollmachts Befehl nicht zu wider strei- ten. in acht nehmen/ seinen zugemessen-empfangenen Befehl nicht zu uͤber- schreiten/ dann wofern solches insgemein ist/ und weiter auff mehr Sa- chen gehet/ muß er alles zu seines Herrn Nutzen handeln/ dazu wer oh- ne und wider des Principalen ausdruͤcklichen Befehl zu viel oder we- nig thut/ muß ihn gaͤntzlich schadloß halten/ und wann einer ohn Ge- heiß Unkosten macht/ kan man den Herrn darum nicht beklagen; alles was sonst einer durch andere Leute thut/ ist gleich/ als wenn er es selbsten thaͤte/ es sey auch Besitzes Entsetzen/ toͤdten oder was er wolle. §. 1. 2. 3. 4. 5. instit. de mand. L. mandatum. L. si mandavero. L. 2. §. sicut, cum tri- bus seqq. L. Diligenter, \& L. si quis, ff. Eod. L. sed etsi, §. si ser vus, ff. de in- jur. L. quod jussu, ff. de R. J. c. qui per alium de R J. in 6. L. sed etsi, §. si jussu, ff. de injur. L. hoc jure, §. 1. ff. de R. J. L. 1. §. 12. ff. de vi \& vi arm. L. 2. §. restituas, ne quid in loco publ. §. 50. Jn erbaren zugelassenen Dingen/ nicht aber in schaͤndli- Vollmacht wann zu geben verboten. chen mag man jemanden Vollmacht geben/ denn wer dieses ausrichtet/ ist Straff-wuͤrdig; So soll auch niemand vom Zweck und End-Ursa- chen der Vollmacht abgehen/ sondern alle Mittel darzu gebrauchen/ aus unbetruͤglichem Rathschlag ist sonsten niemand verbunden/ massen ein jeder seinen besten Nutzen pruͤfen muß/ was aber einer ohne Befehl nicht gethan haͤtte/ dafuͤr ist der Befehl und Rathgeber billig verpflich- tet; I. Buch/ Cap. VIII. tet; Es wird aber Vollmacht durch Gegentheils Wiederwillen oder Vollmacht Auffkuͤndi- gungs Recht. dessen so wohl als Vollmaͤchtigen Tod auffgehoben/ wann aber die Sache unwissend angefangen und von denen Erben vollendet/ oder die Noth es anders erfordert/ so mag die Vollmacht nicht unterlassen werden; jedoch kan ein Gevollmaͤchtigter seine Pflicht/ jenem ohne Schaden/ zu rechter Zeit wohl auffkuͤndigen und absagen. L. 12. §. si adolescens, ff. mandat. L. 22. §. 6. ff. \& L. 12. C. Eod. L. 2. ff. de jurisdict. L. fin. ff. de offic. ejus. L. 47. ff. de R. J. L. 37. §. 1. Mand. c. nullus, Eod. tit. in 6. L. 2. in fin. \& L. 15. \& 26. \& L. 6. §. 4. in fin. ff. Mand. L. pen. C. de pact. L. Venditor. \& L judicium, ff. de jud. L 27. \& 22. cum seq. ff. Mand. Vorfalls Aus- zuͤge Recht. Freyes Geleit wann zu er- theilen. §. 51. Rechtlichen Vorfalls Entschuldigungs Auszuͤge/ einig Ge- richt abzulehnen/ sind auch/ wenn jemand seinen Urheber benennet/ oder so fern Klaͤger nachtheilig vom Gericht mag verwiesen werden/ also kuͤnfftig Urtheil zu meiden/ wie auch Ausflucht wegen begangenen Raubs/ wobey nur erst der Sachen Erstattung begehret wird/ wel- ches innerhalb 15. Tagen zu erweisen; Jtem/ Einwurff eines unsichern Orts/ als Pest-Zeit/ Feindschafft und Kercker Furcht halber/ da dann freyes Geleit zu ertheilen/ oder ein ander Gerichts-Ort zu erwehlen. Also auch wegen unerbaren Orts und gar zu engen Termins oder Rechts Feyertage Zeit/ deßgleichen der Vorwurff einer Rechts unfaͤhigen Per- son und falschen Procuratoris, oder sofern jemand mehr als Recht ist klagend begehret/ oder daß etwa der Contract nicht zur Gnuͤge erfuͤllet/ welches Klaͤger zuvor pflichtig/ und mag dieses selbst bey Urtheils- Exe- cution vorgeworffen seyn; Jtem Vorschuͤtzung von Buͤrgen oder drit- Execution Verhinde- rungs Mittel. ten Pfand-Besitzer/ wegen Theilung und Execution s-Ordnung der Schulden und Abstand der Ansprache/ daß also Beklagter von ange- strengter Klage fuͤr gewandten Auszugs wegen loß zu zehlen/ und Klaͤ- gers Suchen alsdann noch zur Zeit keine Statt finden kan. L. 2. C. ubi in rem act. L. 13. 16. 18. 21. ff. de Except. C. 1. de restit. spol. L. 21. §. un. ff. de arbitr. L. 24. C. de procurat. L. 13. §. 8. ff. de act. Emt. L. 20. §. 1. ff. de tut. \& rat. Richter Schmaͤhung Rach und Straffe. §. 52. Wann einem Richter nicht als einer Privat-Person/ son- dern in Ansehung seines Amts/ Schmaͤhung zugefuͤget worden/ so mag er selbsten in der Sache nachforschen/ so fern es ein oͤffentlich-kundbare Ehren-Schaͤndung/ jedoch daß die Straffe nicht seine eigene/ sondern des gemeinen Wesens Besten Nutzen betreffen soll/ und nicht nur zum Wiederruff oder gethaner Schmaͤhung Schaͤtzung zu gewinnen; wo- fern auch sonst jemand im Gericht fuͤr den Richter etwas verbricht/ mag der- Von Gerichts-Schoͤppen/ Schreibern und Advocat en. derselbe darauff erkennen/ es seyn Verleumder/ falsche Zeugen/ oder sol- che/ die falsche Brieffe gebrauchen. L. 1. C. de calumniat. L. nullum, C. de test. L. pen. C. de probat. §. 53. Wann Beklagter gegen Klaͤgern falschen Brieffs Instru- Falschẽ Brief- fe Gebrauch Erkaͤntniß Recht. ment en Gebrauch vorwendet/ oder ein ander Laster sonst dem Klaͤger/ Schuldigen oder Zeugen gerichtlich vorgeworffen wird/ auff Art und Weise einer Gegenklage/ so ist dem Richter zum Nachforschungs- Proceß der Weg gebahnet/ auch ehe und bevor die buͤrgerliche Klage beschlossen/ so fern er anders der angehoͤrige Richter ist; geschicht es aber Ausflucht oder Auszugs Gestalt nach/ so steht es dem Richter frey/ ob er solches Verbrechen zu erst/ oder mit der Haupt-Sache zugleich endi- gen will. L. pen. \& fin. C. de ordin. jud. Gerichts Be- dienten Frey- heit. §. 54. Sonst kan und mag auch Richtern/ Schoͤppen und allen andern Gerichts Bedienten ihren haͤußlichen Anwesen samt Hauß- haltungs Gesinde/ auch verlassenen Wittwen/ so lang sie sich nicht in des Orts Buͤrgerschafft verheyrathen oder begeben/ Ungelder/ Schatz- Gerichts Zwangs Frey- heit wer zu ge- niessen. Richterlichen Schmach Er- forschung Amts wegen. Zoll-Beschwerung und andern Gerichts-Zwangs Freyheit verstattet werden/ jedoch sollen sie keine Gastung oder Kauffmannschafft treiben noch gebrauchen. §. 55. Weilen auch oͤffentlich einer Obrigkeit kundbar angetha- ne aͤrgerliche Schmaͤhung gemeinen Wesens Ruhestand zerstoͤret/ und aber viele/ wegen der Unkosten oder engen Zeit Raum/ lieber Streit hassen/ und GOtt die Rache befehlen/ als mag der Richter Amts we- gen erforschen. Also verhaͤlt sichs/ wann armen und elenden Personen Schmach angelegt/ die Processe zu fuͤhren sich nicht erkuͤhnen duͤrffen. So soll man in peinlichen Sachen/ wo nicht genugsamer Beweiß/ den Peinlichen Sachen gelin- dern Straff- Recht. gelindern Weg gehen/ wann aber die Ubelthat offenbar/ bekandt und erwiesen/ soll sie gestrafft werden/ weilen eben darum die Obrigkeit das Schwerdt traͤgt/ welches ihr von GOtt darzu gegeben; jedoch hat kein hoher obrigkeitlicher Resolutions- Befehl ohne gerichtlich vorher gegangenes Verhoͤr und Urtheil vollstaͤndige Macht und Krafft zur endlichen Vollentziehung. L. 6. C. de pœn. L. 29. C. de appell. arg. L. 47. ff. de O. \& A. L. 22. C. ad L. Corn. de fals. L. in vulnere, ff. ad L. Aquil. L. licitatio, §. quod illicite, ff. de Publ. \& Vectigal. L. capital. §. famos. ff. de pœn. L. si operis. C. Eod. Rom. XIII. Deut. XIII. \& XVII. L Cap. IX. I. Buch/ Cap. IX. Caput IX. Von Arrest oder Beschlags-Banden und Gefaͤng- niß/ Buͤrgen/ Bey- und End-Urtheil auch Straff- Bussen-Vergleich. §. 1 Fluͤchtigen Ar- rest oder Be- schlag/ wann guͤltig. W Ann Beklagter Flucht halber und sonst wegen Untreu verdaͤch- tig/ mag gerichtlicher Beschlag durch eydliche Versicherung nicht auffgehoben werden/ wie denn auch Klaͤger in peinlichen Sachen nicht eydlich versichern kan/ sondern in Gefaͤngniß gehen oder Buͤr- gen stellen muß; so auch der Schuldner ein Verschwender/ oder des Verwundeten grosse Schwachheit dazu koͤmmt. Sonst aber auff blosse Klage und Ankuͤndigung des beleidigten Theils/ ohne andern Arg- wohn/ soll niemand leichtlich mit Arrest beleget werden/ ob schon Klaͤ- Arrest wann nicht gesche- hen soll. ger Versicherung anbeut/ massen zwar dadurch der Richter schadloß gehalten/ jedoch hat er sein Amt uͤbel verwaltet/ indem er ohne der Sachen Erkaͤntniß und ausser rechtlichen Ursachen jemand gefangen haͤlt/ und kan ihm nichts helffen/ ob er auch den unrechtmaͤßig Gefan- Buͤrgschafft mit gewissen Beding/ ist oh- ne Verdacht und Macht. gegen gegen Buͤrgschafft wieder loß laͤst/ unterm Schein/ als habe er bekennet/ daß ihm recht geschehen waͤre/ massen derjenige/ so mit ge- wissem Beding Buͤrgen stellet/ sich eben nicht also fort schuldig erklaͤ- ret; So ist auch Richters Anklage gegen solchen Buͤrgen sehr gebrech- lich/ weilen eine Verpflichtung wider Recht und schaͤndlichen Dinge gar ohnmaͤchtig und krafftloß. L. 10. §. 16. ff. quæ in fraud. C. redit. L. 12. §. 11. ff. Mand. Fried-Bruch Reichs Bann Straffe. §. 2. Gegen Abwesende/ die man zur Verhafftung nicht bringen kan/ wird rechtlich wegen Ungehorsam und Fried-Bruch mit dem Bann- oder Reichs Acht verfahren/ wo nun Klaͤger also zur Acht wie- der den Ungehorsamen procedir en will/ soll er denselben von neuen da- zu/ wie sich gebuͤhret/ nemlich zu sehen und hoͤren/ um solchen Ungehor- sam in die Acht und Oberacht sich erkennen zu lassen/ oder Ursachen da- Ungehorsams Bestraffungen wider fuͤr zu wenden/ einladen und citir en lassen/ und so er darauff abermahl ungehorsam ausbleiben wuͤrde/ alsdenn erst/ nach erkant und beschehenem Ruffen/ auch deren dreyen Gerichts-Tage Verscheinung/ hernach in die Acht erklaͤret werden; Auff den ungehorsamen Fall aber sollen sie alsbald ehrloß gemacht/ des Landes verbannet/ auch durch den Nachrichter in der Haupt-Stadt/ so dem Orte/ da der Raub oder That began- Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. begangen/ am naͤchsten gelegen/ in allen Haupt-Gassen dafuͤr ausge- ruffen werden. P. H. O. Art. 155. §. 3. Und soll wieder diejenigen/ so entkommen/ sonst aber bekandt Rechtliches Verfahren ge- gen entkom̃ene bekante Ubel- thaͤter. seyn/ also verfahren werden/ daß sie in vier Haupt-Staͤdten des Lan- des/ darinn Raub/ Nahm oder Mord veruͤbet/ oͤffentlich angeschla- gen und auff einen gewissen Tag/ mit eines gewissen Geleits Zuschrei- bung/ ihre Unschuld beyzubringen/ geladen werden; Diejenigen aber/ welche auff solche Ladung sich nicht einstellen/ oder der zuerkanten Rechtfertigung weigern/ sollen alsdann der That schuldig und uͤber- wunden gehalten seyn/ so werden auch deren Guͤter vom Oberherrn eingezogen/ jedoch dessen Weib und Kindern recht gewoͤhnliches Antheil vorzubehalten. Ubelthaͤter ein gezogenẽ oder verwuͤrckten Guͤter Recht. §. 4. Ja/ so ein Ubelthaͤter ausweicht/ soll der Richter zweyen oder drey des Fluͤchtigen Freunde erfordern/ und in derer Gegenwart/ samt zween Gerichts-Schoͤppen der Sachen unverdacht/ alle seine in sel- bigem Gericht gelegene Haab und Guͤter durch geschwornen Gerichts- Schreiber eigentlich beschreiben und auffzeichnen/ dem Thaͤter aber nichts davon folgen lassen. Welche Guͤter nun verdaͤchtig/ daß sie nicht moͤchten liegen bleiben/ sollen sie verkauffen/ und das daraus geloͤsete Kauff-Geld samt Vorzeichniß hinterlegen beym Gericht/ allda es Weib Fluͤchtigen Thaͤteꝛs Guͤter Verzeichniß- Recht. und Kindern oder nechsten Erben zum besten unverruͤckt zu behalten; wann aber die Freunde das Gut zu Handen nehmen/ und nothduͤrff- tigen Bestands Pflicht thun wollen/ solches in Hafft zu behalten/ und dem unvertragenen Fluͤchtigen biß zur Sachen Ausfuͤhrung nichts da- von folgen zu lassen/ auch von beruͤhrten Guͤtern dessen Weib und Kin- dern/ mit Wissen der Obrigkeit/ darzureichen; soll ihnen dasselbe ge- stattet werden. §. 5. Wann nun einer uͤber Jahr und Tag in Mordthat unverthaͤdiget Mord-Acht Recht. beharret/ wird er seines Ungehorsams halben in des Bann-Richters Gebiet fuͤr uͤberwunden gehalten/ daß ihn jederman greiffen und zur Execution mag lieffern/ da dann ein Verbanneter/ so er gefangen wird/ wegen seiner Flucht und Acht sich zu entschuldigen muß gehoͤret seyn/ Verbannete mag man nicht toͤdten. und mag er ungestrafft von jederman eben nicht getoͤdtet werden mit Recht wegen blossen Ungehorsams/ er sey denn voͤllig der That uͤber- wiesen/ weil sonsten auch wohl eines besondern Rachgier/ Eyffer und Fleiß muthwillig dabey von jederman vorgehen moͤchte. L 2 §. 6. So I. Buch/ Cap. IX. Gerichts Be- dienten Pflicht jemand gefan- gen zunehmen. §. 6. So soll nun ein Richter seinen Gerichts-Bedienten auch befehlen/ einen Beschuldigten bescheidentlich/ nicht aber auff verbote- ne Art und Weise anzugreiffen/ als jemanden lebendig oder todt zu lieffern/ es sey dann/ daß gemeinen Nutzens Wohlfahrt solches erfor- dert/ oder der Ubelthaͤter sich dero Gestalt widersetzte/ daß er ohne Acht- oder Banns Straf- fe-Bedeutung heist: Vogel- frey und Fried- loß seyn. Lebens-Gefahr nicht wohl anzugreiffen; Sonst heisset das Recht/ in die Acht oder Banns Straffe zu erklaͤren/ so viel/ daß einer deren allge- meinen Dinge Gebrauch und seiner Freyheit beraubet/ des heiligen Reichs Bahn und Strassen nicht betreten darff/ sondern Fried-loß und Vogel-frey gehalten werde. §. 7. Und sollen jederzeit hierinn nach Gelegenheit und Wichtig- keit der Sachen/ von dem fuͤrgesetzten Termin an zu rechnen/ wo nicht eher/ doch zum allerlaͤngsten innerhalb 7. Tagen gaͤntzlich zum Urtheil Richter und Advocat en beschliessen/ wann schon Partheyen sich anders Auff frischer That Ergreif- fungs-Recht. verglichen haͤtten; da nemlich auch jemand einen auff frischer That/ wenn er seinen Freund und Helffer haben mag/ ergreiffen und zur Verhafft bringen moͤchte. Sonsten/ wann Partheyen die Sache zur heilsamen Urtheils Erkaͤntniß beschlossen haben/ wird sie ja Amts we- gen dafuͤr angenommen und ferner erkant/ jedoch ist augenscheinlichen Besichtigungs Beweiß also privilegir et in Rechten/ daß sie auch nach Augenschein Besichtigungs Beweiß Vor- recht. der Sachen Beschluß begehret werden kan/ und Beklagter/ seines Ein- wendens ohnerachtet/ sich zu stellen schuldig/ hiernechst aber werden kei- ne neue Zeugen/ ohne die etwa abwesend gewesen/ noch andern Be- weises neue Urkunden/ ohne die unschuldig verborgen geblieben/ zuge- lassen; in Ehe-Sachen/ Kirchen/ Muͤndlings und peinlichem Streit kan demnach nimmer zu Verthaͤdigungs Nachtheil beschlossen werden. Fꝛeyen Geleits und Buͤrge- schafft Gerech- tigkeit. §. 8. Jn peinlichen Sachen/ wann der Angeklagte Flucht wegen verdaͤchtig/ kein freyes Geleit begehret/ muß er sich verbuͤrgen fuͤr Gericht zu stellen/ und so fern die Buͤrgen ihn nicht stellen/ muͤssen sie Geld-Straffe erlegen; Also/ wann peinlich Angeklagter nicht zu be- kommen/ noch gefangen zu nehmen muͤglich/ kan ihm als fluͤchtigem auff Begehren ein freyer Geleits-Brieff/ daß er zu jedern Gerichts-Tage sicher zu- und abreisen moͤge/ auch zum Rechten fuͤr unrechter Gewalt/ und nicht weiter biß etwas peinliches wider ihn erkannt/ vergleitet Geleits Brieff Freyheit. werde/ gestattet seyn/ ohne geleistete Versicherung/ entweder insge- mein auff 3. Tage nemlich hin und her zu reisen und gerichtlich zu han- deln/ oder insonderheit/ so lang der Proceß-waͤhret/ daß also eine jede Citation gleichsam freyes Geleit mit sich fuͤhret nach gethaner Buͤrg- schafft/ Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. schafft/ unter offenem Gerichts-Siegel oder Fuͤrstlichen Hand/ bey den Seinigen sich auffzuhalten/ mit Freunden und Verwandten wegen seiner Unschuld zu berathen. L. 3. ff. de custod. reor. P. H. O. art. 76. \& 156. §. 9. Wann aber Beklagter nicht abwesend/ sondern in Gefaͤng- Sicher Geleit wann zu ver- weigern. niß-Ketten und Banden/ soll man ihm kein sicher Geleit verschaffen/ damit er nicht fliehend das Gericht verspotten koͤnne/ weilen der Lei- bes-Straffe durch Buͤrgen nicht genung geschehen mag/ es waͤre denn ein gering Verbrechen/ oder Thaͤter schwerlich kranck und uͤbel im Ge- faͤngniß zu heilen/ oder ein Weib nahe zu gebaͤhren/ oder die Unschuld zu verspuͤhren. Arg. L. 2. C. de Exhib. reis. §. 10. Es wird aber frey Geleit verwuͤrcket/ wann Beklagter sei- Fꝛeyen Geleits Verwuͤrckung. nen Wiederparth beleidiget/ und in Ansehung dessen Sicherheit ver- schwaͤchet/ oder peinliches Urtheil gegen ihm gesprochen/ so mag er ap- pellir en/ jedoch im Gefaͤngniß verharren/ oder wann die gewiß fuͤrge- legt- und angesetzte Zeit/ als drey Monat/ oder sonst Umschweiff zu verhuͤten/ verflossen/ oder etwan Beklagter die That freywillig beken- net/ so waͤre er als verurtheilt billig gehalten; also auch/ wenn Be- klagter dem Geleits-Brieff nicht getrauet/ sondern dessen That Erzeh- lung schrifftlich eingeschickt/ so mag man ihm auch nicht Glauben halten. Arg. L. 41. C. de Transact. L. 56. ff. de re judic. §. 11. So mag nun Beklagter gegen genungsam beqveme Versi- Geleitliche Verhaltungs Gebuͤhr. cherung oder Buͤrgschafft sicher Geleit zu und abzuziehen wohl erlan- gen/ wofern er nemlich ohne Gewehr und verdaͤchtige Brieffe oder Sachen/ bey Tage auff Land-Straß Wegen geleitlich sicher zu ver- halten/ gesinnet/ und wann nun freyen Geleits halber/ nach Vermoͤ- gen und Beschaffenheit des Verbrechens/ Buͤrgschafft zu leisten/ wird insgemein eine gewisse Summa benennet oder Pfand angenommen/ Buͤrgen Frey- heit Frist zu goͤnnen. jedoch muß dem Buͤrgen etwas Zeit und geraume Frist vergoͤnnet/ nicht aber alsobald wegen nicht gestellten Beklagten/ dieselbe Straffe zu erlegen/ gezwungen seyn. L. ult. §. 3. ff. quod legat. L. 61. ff. de V. S. Nov. 17. c. 6. L. Sancimus, C. de fidejuss. §. 12. Wann auch Beklagter am letzten Termin ausbleibet/ und Buͤrgen Be- zahlung mag Thaͤtern von Straffe nicht befreyen. der Buͤrge die versprochene Summa bezahlet/ so kan dennoch jener Thaͤter/ nach Gelegenheit der Zeit in Bande geleget und das gefaͤllete Urtheil gegen ihn vollentzogen werden/ massen ein sicher Geleit nur gegeben wird zur Recht fuͤr unrechte Gewalt/ was nun aber einer mit Recht veruͤbet/ dadurch thut er niemanden Unrecht/ ja weilen nemlich L 3 die I. Buch/ Cap. IX. Buͤrgen Ver- heissung mag kein Haupt. Verbrechen betreffen. die Straffe nur des Buͤrgen Verheissung/ Schuld und Ungehorsam/ nicht aber das eigentliche Haupt-Verbrechen betrifft/ sonsten ein jeder leicht die Leibes-in Geld-Straffe verwandeln moͤchte. §. 13. Gegen den/ der allbereits rechtlich verurtheilet/ mag wohl Arrest, aber kein Inquisition s-Proceß angestellet werden/ er waͤre denn durch gehaͤßiges Ubersehen geringer/ als Billigkeit gemaͤß/ bestrafft worden vom andern Richter/ sonst moͤchte sich jemand der ordentlichen Straffe leichtlich entziehen/ oder er seye nur zur Kirchen-Busse ver- dammet/ so hebt geistliche die weltliche Straffe nicht auff/ oder wann Einmahl be- reits verur- theilt- oder Loßgesproche- nen Recht. einem Zeugen vorgeworffen/ daß er ein Ehebrecher/ so ist er untuͤchtig/ jedoch findet ordentliche Straffe hernach Statt/ welches auch zu ver- stehen von einem/ der schon loßgesprochen/ massen ein Verbrechen nicht zweymahl zu erforschen/ er waͤre denn nur vom Gerichts-Stand ohne Endurtheil befreyet/ oder weilen er nicht uͤberwiesen/ welches im Zweif- fel zu vermuthen. L. 6. ff. de sepulch. violato. L. 11. C. de accusat. L. 3. ff. de adult. L. 3. §. 1. ff. de prævaricat. C. 1. X. de Except. c. cum dilectus. §. fin. X. de ordin. cognit. L. pen. §. fin. ff. nautæ, caupones, stabul. \&c. L. 7. §. 2. ff. de accus. L. 9. C. Eod. L. 3. §. 1. ff. Eod. Unbeweglichẽ Guͤter Versi- cherungs Recht. §. 14. Wer im Streit-Gerichts-Gebiete unbewegliche Guͤter be- sitzet/ so viel als Beklagten Sache kan geschaͤtzet werden/ jedoch als eigener und nicht blosser Nutzhaber oder Glaͤubiger/ dessen Zusage und Versicherung wird geglaͤubet/ auch ist ein solcher Anklaͤger Banden und Gefaͤngniß befreyet/ so wohl als ein solcher groß- und reich beguͤ- terter Beklagter/ der sich mit Buͤrgen vom Gefaͤngniß entledigen kan/ oder die grosse Ehren-Aemter geniessen/ und also Flucht halber unver- Hoher Perso- nen Verwah- rungs Recht. dacht/ es waͤre dann das Verbrechen so groß/ daß weder Geschlecht/ Person/ Wuͤrde noch adelicher Stand solches verhindern mag/ jedoch muß man mit ihnen nach Standes Ehre wegen der Verwahrung et- was gelinder verfahren/ weilen es bey ihnen weniger Argwohn der Flucht/ wie auch Durchlauchtige Personen/ welche man im Nothfall durch Soldaten und Leibwachten in eigenen Hauß-Zimmern ver- wahren laͤst/ ohne in greulichen Mordthaten. L. 15. ff. qui satisd. cog. gloss. in verbo, compelli, §. sed hodie Instit. de satisd. L. 17. C. de Dignit. Verbrechen Beschaffenheit Ubelthaͤter zu verhafften. §. 15. So offt nun das Verbrechen also beschaffen/ daß es schwe- re Leibes oder Lebens-Straffe verdienet/ mag man zu Beklagten Ver- hafftung und Gefaͤngniß schreiten/ nicht aber wofern es nur Geld- Straffe oder Landes-Verweisung nach sich ziehet/ es sey denn wegen un- Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. ungewissen Ausgang der Sache die Straffe noch zweiffelhafft und willkuͤhrlich/ daß sie zu Leib und Leben oder schweren Geld-Bussen er- strecket werden moͤchte/ oder der Verwundete etwan noch nicht ausser Lebens Gefahr/ alsdann moͤgen Richter der Flucht des Beschuldigten mit Verhafft zuvor kommen/ auff daß nicht durch ihre Versaͤumniß- Schuld des Gerichtes Lauff zerstoͤrt und verspottet werde; Ein Flucht-verdaͤchtiger Beklagter aber/ auch in Geld-Buß faͤlligen La- stern/ der keinen Buͤrgen hat/ mag gefaͤnglich eingezogen werden/ und so fern er sich versteckt/ moͤgen ihn die Haͤscher ergreiffen/ auch in seinem Hause/ gleich denen/ die Armuth wegen Geld-Straffe meiden und am Leibe leiden. Tot. Tit. ff. de cust. reor. L. 1. ff. \& Auth. hodie Eod. L. 1. ff. an per alium causa appellat. §. 16. So dann jemand einer Ubelthat durch gemeinen Leumuth Leumuths Ver- dacht und An- zeigen Recht. beruͤchtiget/ oder andere genugsame verdaͤchtigen Argwohns Anzeigen vorhanden/ also/ und nicht widrigen Falls/ mag er durch die Obrigkeit von Amts wegen ergriffen/ angenommen und zur Gefaͤngniß gebracht werden. Auff daß dadurch niemanden an seinen Ehren Nachtheil ge- schehe/ gilt auch Gesetzes Freyheit/ wegen nicht Ausziehung des Be- klagten aus seinem Hause in keinen Verbrechen/ daß jedoch mit sol- chem Angriff etwa durch die Obrigkeit nicht allzugeschwind und gar unbedachtsam gehandelt werde/ welches sich nicht geziemet; welche Anzeigungen aber zur sonderbaren Nachforschung genuͤgen/ die moͤ- Verhafft und Nachfor- schungs guͤlti- ge Anzeigen. gen auch zur gefaͤnglichen Hafft guͤltig seyn/ weilen diese zu jener das Vorspiel und ersten Anfang zu machen pflegt. So gilt nun Anzeigung/ Flucht/ boͤser Leumuth/ Bedrohung/ Feindschafft/ eines Mannes Zeug- niß/ aussergerichtliche Bekaͤntniß und dergleichen. L. 1. §. ult. ff. de pœn. L. 2. \& 3. C. de Exhib. reor. L. 18. ff. de in jus vocando. P. H O. art. 218. §. 17. Wann nun jemand/ einer Ubelthat wegen beschreyet/ mit der Flucht sich berathet/ so mag er freylich ungehindert ergriffen und ge- fangen genommen werden/ zu dem Ende dann von jeder Obrigkeit die Bedienten mit offenen Steck-Brieffen an andern Orts Obrigkei- Steck-Brieffe Gebrauchs Recht. ten pflegen abgefertigt zu werden/ allenthalben damit zu ersuchen/ daß der fluͤchtige Thaͤter auff deren Zulassung/ allwo er nur zu finden/ moͤ- ge angegriffen werden/ worinn billig wegen der Anzeigen Richters Willkuͤhr nicht auszuschliessen/ welcher so wohl der Personen als Ver- Richters Will- kuͤhr wegen Anzeigen. brechen Umstaͤnde Beschaffenheit und alle Muthmassungen mit Be- scheidenheit besser und reifflich erwegen kan. §. 18. Wann I. Buch/ Cap. IX. Urphede Bruchs Straffe. §. 18. Wann ein Verwiesener aus Stadt- und Lands-Gebiet/ oder Gerichts Botmaͤßigkeit/ die geschworne Urphede/ nicht wieder da- hin zu kommen/ bricht mit Thaten und Sachen/ darum er ohne das sein Leben verwuͤrcket/ soll dieser Todes-Straffe Folge geschehen; so fern er aber den Tod nicht verdienet/ soll er als ein Meineydiger mit Hand- oder Finger-Abhauung gestrafft werden/ oder muß Lebenslang in Ban- den arbeiten. Wer nun gar nicht weichen noch Urphede leisten will/ Scharff-Rich- ters Eyd- schwur in Ge- fangenen See- le. mag im Gefaͤngniß auff Wasser und Brodt gezwungen/ oder durch die Haͤscher biß auff die Graͤntz-Scheidung hingefuͤhret werden/ und soll der Scharff-Richter in des Gefangenen Seele schweren; Wer sonst auff ewig Lands verwiesen/ und gegen Urphede wiederkommt/ soll mit Staupenschlag; wer aber nur zeitlich verjaget/ mit Zeiten Verlaͤnge- rung auff mehr Jahre bestraffet werden/ jedoch soll er allemahl neuen Eyd der Urphede abstatten. L. 4. ff. de pœn. Landes Ver- weisung Straf fe Unterscheid auff zeitlich uñ ewig/ zum an- dern/ dritten und vierdten mahl. §. 19. Wann nun jemand auff eine Zeitlang Landes verwiesen/ und zum andern mahl wiederkoͤmmt/ wird er mit Staupenschlag und ewigen Verweisung gestrafft. Wann er aber ewig verwiesen/ und zum andernmahl wiederkoͤmmt/ aus Arglist und Boßheit schuldigen Muth/ sollen ihm die Finger/ so er ausgereckt/ und des Scharff-Richters Schwerdt auffgelegt/ abgehauen werden; wann er aber zeitlich ver- wiesen/ zum dritten mahl wiederkoͤmmt/ hat er seine zween Finger ver- brochen/ und das vierdtemahl wird er mit dem Schwerdt gestrafft/ deßgleichen wiederfaͤhret demjenigen/ der ewig Landes verwiesen/ und zum dritten mahl meineydig wird. Gefangenen Recht wegen Fuͤrsprecher und Lebens- Mitteln. §. 20. Wann jemand auff eines andern Anklage zur Gefaͤngniß gelieffert/ und sich selbsten keine Gerichts-Fuͤrsprecher anschaffen kan aus seinen eigenen Mitteln/ so ist billig/ daß solches auf Gegentheils Kosten geschehe/ nach dessen Begehren er verhafftet worden/ welchem auch die Last oblieget/ beklagten Gefangenen zu ernehren/ wofern er nicht selbst bemittelt oder darzu vermoͤgend waͤre/ sich zu unterhalten/ Diebes Recht uñ Pflicht/ der aus Gefaͤng- niß loßkoͤmmt. Diebes Urphe- de Rechts Ge- wohnheit. und zwar soll ein Dieb/ wann er aus Gefaͤngniß loßzulassen/ gethane Zehrung an Essen und Trincken/ auch da er so viel hat/ denen Buͤt- teln die gewoͤhnliche Gebuͤhr fuͤr ihre Muͤhe und Fleiß zu entrichten/ auch Friedens halben einige Urphede in bester Form Rechtens abzu- legen schuldig seyn. Gloss. L. fin. ad verb. agnoscere, C. de Erog. milit. annon. L. un. C. pœn. fiscal. credit. L. 17. ff. de jure fisci. §. 21. Wer Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. §. 21. Wer beschworne Urphede frevent- und fuͤrsetzlich bricht/ Urphede Fried- Bruchs oder Bedraͤuungs Straffe. oder uͤber vorgeuͤbte/ nachgelassene oder gerichtete Missethat andern Ubel anzuthun mit Worten oder Schrifften/ jedoch ohne beschwerliche Umstaͤnde bedrohet/ oder aus genungsamen Ursachen einer solchen Per- son nicht zu glauben oder zu trauen waͤre/ sondern thaͤtlich gewaltsame Beschaͤdigung wider Recht und Billigkeit von ihr zu befuͤrchten/ so Caution Recht fuͤr zukuͤnffti- gen Schaden. Gefaͤngniß wann Statt findet. mag man zu Recht erfundene nothduͤrfftige genugsame Caution und Versicherung solchen kuͤnfftigen Schadens halber begehren/ da inzwi- schen/ biß zu dieser Sicherheit Leistung/ der boßhaffte Mensch im Ge- faͤngniß zu behalten/ jedoch nicht leichtfertig ohne mercklichem Verdacht bevorstehenden Unheils/ und soll Beklagter/ wofern er nicht sich selbst von eigenen Guͤtern/ noch der Anklaͤger ihn zu erhalten vermag/ mit Kost und Buͤttels Wart-Geld von der Obrigkeit versehen werden; so Kost- und Buͤt- tel Wart-Geld Recht. auch ermeldeter Gefangene unter frembden Gerichts-Gebiet einige Guͤter haͤtte/ davon seine Enthalt- und Verwahrungs-Kosten zum Theil oder alle geschehen koͤnnen/ dieselbige sollen/ ohne solcher Obrig- Gefangenen Guͤter Recht unter fremdem Gebiet. keit Verhinderung/ dazu gebraucht werden/ und hierbey werden tuͤch- tige Buͤrgen erfordert/ kan eydliche Versicherung also keine Statt finden. P. H. O. Art. 176. §. 22. Jn peinlichen viel weniger buͤrgerlichen Gerichts-Orten muß auch kein Mißbrauch der Gefaͤngniß gefunden werden/ daß nem- lich dieselbe nicht zu Verwahrung/ sondern mehr zu Peinigung der ein- gelegt Gefangenen/ unbilliger massen zugerichtet seynd. Vielmehr soll Gefaͤngniß nicht zur schweren Bestraffung/ sondern zu derer Gefange- nen Erhaltung gemacht seyn; dahero solche Obrigkeiten als Moͤrder zu erachten/ welche die armen Gefangene an unter Erd gegrabene Oer- Gefaͤngniß Orts Beschaf- fenheit. ter verschliessen/ daß sie weder Sonn noch Mond anschauen/ und zwar soll Orts Beschaffenheit nach Personen Unterscheid seyn/ als nicht schwartz/ finster/ sondern ertraͤglich/ hell- und gegen der Sonnen Licht uͤber; Wann aber etwa bey Nacht-Zeiten/ um mehrer Sicherheit willen/ jemand an einem dunckeln Ort zu verwahren/ soll man ihn je- doch nach der Sonnen Auffgang an Tages Licht faͤhigen Ort wieder hinfuͤhren lassen/ daß er durch Sonnen Anblick erqvicket werde. Dero- wegen absonderlich ein peinlicher Richter sich bey Zeiten um ein tuͤch- tig wohl verwahrtes Gefaͤngniß bemuͤhen soll/ daraus derer Gefan- genen Flucht nicht zu befuͤrchten/ sonst moͤgen sie mit eisernen Ketten Ketten und Banden Recht und Banden/ Hand- und Fuß-Schellen/ jedoch ohne Grausamkeit M und I. Buch/ Cap. IX. und Leibes Qvaal/ wann sie der That schier uͤberwunden/ wohl bele- get werden. P. H. O. art. 11. \& 218. L. 8. §. 9. ff. de pœn. L. 1. C. de custod. reor. Klaͤgers Fug mit Gefaͤngniß wegen Ubel- thaͤter. §. 23. So nun ein Klaͤger die Obrigkeit oder Richter anrufft/ und jemanden/ als einen Ubelthaͤter angebend/ zu strengen peinlichen Rech- ten in Gefaͤngniß zu legen begehret/ soll er die That/ samt deren redli- chen Argwohn und Verdacht/ so peinliche Straffe auff sich tragen/ an- sagen/ ohn angesehn/ ob er/ den Angeklagten auff sein Recht gefaͤng- Anklaͤger Recht sich selbst bey Be- klagten Gefan- genen fest setzẽ zu lassen. lich einzulegen/ oder sich bey ihm fest zu setzen bitten und anerbieten wuͤr- de/ ohne im Fall der Flucht/ alsdann muß Klaͤgers Angeben eigentlich auffgeschrieben und Beklagter zur ungefaͤhrlichen Gefaͤngniß eingelegt werden; die gefangene Person aber ist zu betrachten/ ob sie wegen Flucht verdaͤchtig/ alt/ jung/ starck/ oder auch schwach von Leibe/ ob sie mit- schuldige Gesellen habe/ welchen Falls man die Personen in gefaͤng- licher Behaltung von einander theilen muß/ ohne Geschlechts Unter- Gefangenen Recht sie von einander zu trennen. schied/ damit sie sich uͤber unwahrhaffte Aussage nicht vereinigen/ oder die Flucht zu nehmen/ noch wie sie ihre That beschoͤnen wollen/ unter- reden moͤgen/ sondern an verschiedenen Orten behalten seyn. Gefaͤngniß Oꝛt wann daruͤber zu klagen ver- goͤnnet. §. 24. Wer nun in einem greulichen Gefaͤngniß/ oder abscheuli- chen Banden enthalten wird/ mag sich bey dem Oberrichter beklagen/ und um Erleichterung bitten/ oder dessen Anverwandte moͤgen auch/ solches zu besehen/ Commissari en begehren/ welchen der Unterrichter/ Krancken und Verwundeten Freyheit. Gefangene wann Buͤrgen zu vertrauen. nach beschehener Commission Eroͤffnung/ des Orts Gelegenheit zu zeigen gehalten ist/ davon diese hernach Bericht abstatten. Darum/ so jemand an grosser Kranckheit niederlieget/ oder schwerlich verwundet ist/ soll man ihn nicht gefaͤnglich behalten/ sondern vielmehr Buͤrgen anvertrauen/ oder zu Hause bewachen lassen/ auff daß er daselbst desto besser geheilet werde; so fern aber ein Gefangener im Kercker verstir- Gefangenen Recht/ der im Kercker ver- stirbet. bet/ ist es harte Vermuthung gegen Richter und Waͤchter/ darauff weiter zu erforschen. So soll auch fuͤr Mann und Weibes Personen je- dern Geschlechts absonderliches Gefaͤngniß/ bevorab in grossen und schweren Verbrechen/ gehalten werden/ nemlich von Manns Gesell- schafft/ die Weiber unter Buͤrgschafft/ oder ehrlichen Verwahrung/ in ehrbarem Gemach oder richterlichem Zimmer. L. 3. 6. \& 12. C. de custod. reor. L. 8. §. 9. ff. de pœn. L. 35. ff. Eod. Zeitlichen und ewigen Ge- faͤngniß Straff Recht. §. 25. Straffe zum Tode und ewigem Gefaͤngniß werden gleich gehalten/ weilen dieses eine ewige Dienstbarkeit/ so billig keinem frey- gebohrnen Menschen auffzulegen/ darum in buͤrgerlichen Rechten sol- che Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. che Art verboten/ wie wohl dergleichen nach Geistlichem und Gewohn- heits Recht mit ewigem Kummer-Brod und Angst-Wasser/ Busse zu thun/ an Faͤlschnern zu straffen wohl zugelassen; wie auch/ wann ei- Kummer Brod und Angst- wasser Straffe erlaubet. nem dadurch das Leben geschenckt/ so ist solche Straffe etlichen Per- sonen eine Begnadigung/ wofern es nur nicht dem goͤttlichen Recht zu wieder/ als in Tod-Schlags-Straffen. So kan nun ein Verbrecher mit zeitlichem Gefaͤngniß auff gewisse Tage/ Monat und Jahre/ bele- get werden/ wobey wohl zu beobachten/ ob er etwa lange Zeit vor dem Langwieriges Gefaͤngniß lindert Straf- fe. Kriegs und andern Dienste Vorrecht. Urtheil gefangen gehalten worden/ solches thut viel darzu/ daß hernach ferner Gefaͤngniß nicht zu weit ausgesetzet werde/ sondern wird billig durch langwierige Gefaͤngniß die Straffe gelindert/ vornehmlich wenn es eine geschickte Person/ so durch Krieges- oder andere Dienste/ gegen dem gemeinen Besten/ dergleichen Fehltritt wieder ersetzen kan. L. 59. in fin. ff. de cond. \& demonstr. §. pen. instit. de jure Person. c. 27. in fin. Ext. de V. S. Arg. L. si diutino, ff. de pœn. §. 26. Kraͤhmer und Kauffleute haben diese Freyheit/ daß sie nie- Jahrmaͤrckte Freyheit we- gen verbote- nen Arrest oder Schuld- ners Gefaͤng- niß. mand zu Jahrmarckt-Zeiten unterm Schein einiger vorhin ausserhalb gemachten Schulden an Leib und Gut arrestir en/ noch gefaͤnglich ein- ziehen lassen mag/ damit sie an ihrem Gewerbe nicht verhindert/ son- dern die Waaren in groͤsserer Menge zugefuͤhret werden/ es sey denn beschworne oder an selbigem Jahrmarckt gemachte Schuld/ oder daß die Schuldner dieser rechtlichen Freyheit abgesaget haͤtten/ massen ein jeder des ihm zu gut verordneten Vorrechts sich freywillig verzei- hen und begeben kan. L. 2. ff. de jure immunit. L. quod semel, ff. de decret. ab ordin. fac. L. 25. ff. de ju- dic. L. pactum, ff. de pact. L. 29. C. Eod. L. 1. \& 2. ff. de nundin. L. unic. C. Eod. c. Roman. §. contrahentes, de for. comp. in 6. §. 27. Wann sonst irgendwo bey grossen Gerichts-Verwal- tung oder in Haupt-Staͤdten eine grosse Menge Gefangener sich be- findet/ soll der Haupt Gefangenen Waͤchter dem peinlichen Richter- Amt alle Monat von deren Nahmen/ Verbrechen/ Gefaͤngniß- Waͤchter Straffe/ so Ge- fangener ent- kommt. Alter und Ordnung/ ein richtiges Verzeichniß einlieffern/ damit der Richter keines Gefangenen vergesse/ sondern alle entweder bey Zeiten loßgesprochen oder verurtheilet/ noch mit langwierigen Gefangen- schafft zerplaget werden. So nun ein Gefangener durch Waͤchters Un- fleiß entkaͤme/ ist er nach gestalter Sachen willkuͤhrlich zu straffen; wann aber ein Huͤter der peinlichen Gefaͤngniß einem/ der peinliche Straffe verwuͤrcket/ aushilfft/ der hat solche an des ausgelassenen Ubelthaͤters Statt verdienet/ es waͤre denn/ daß ein Weib den Mann/ M 2 oder I. Buch/ Cap. IX. oder ein Sohn dem Vater/ mit verwechselten Kleidern/ ausgeholffen/ und in deren Stellen verblieben/ darinn gilt nicht ordentliche Straffe. L. ult. C. de custod. reor. P. H. O. art. 180. L. 4. C. de custod. reor. Urgicht Recht was seye. §. 28. Urgicht ist eines Beklagten ausserhalb Peinigung auff vor- gestellte Frage beschehene Bekaͤntniß/ massen er bey Tortur allein zu befragen/ ob er bekennen will/ und so er solches zu thun willens/ soll er Urphede wozu nicht hilfft. auff Peinigung Nachlassung von jedern Punct umstaͤndlich verhoͤret seyn; wann aber ein Richter jemanden wider Recht peiniget/ soll ihn keine geleistete Urphede beschuͤtzen/ daß der Gepeinigte nicht seines Ey- Unfugsam Ge- peinigten Kla- ge Recht. des Erlassung von hoher Obrigkeit bitten/ und wegen erlittenen Schmertzen/ Schmach und Schande/ auch Kosten halber mit Recht ansuchen koͤnne. Jedoch aller thaͤtlichen Handlungs Rachgier ausge- schlossen/ wie recht/ sonst wuͤrde er billig als ein Meineydiger gestrafft. P. H. O. Art. 17. \& 176. Urphede Be- deutung. §. 29. Urphede ist Buͤrgschafft oder eydliche Versicherung/ we- der selbst/ noch durch andere sich an Feinden/ noch Obrigkeit und Ge- richts-Bedienten/ Kerckers wegen/ es sey mit Recht oder Unrecht/ nicht zu raͤchen/ oder wann jemand in- oder ausserhalb Gericht wegen der Eydlichen Be- weiß und Ver- sicherungs Recht. vorhergehenden Draͤuungen/ auf Anhalten der Parthey oder Richters Geheiß/ nicht zu beleidigen Buͤrgen setzen muß/ dafern es eine rechtliche und keine eitele Furcht waͤre/ und mag Klaͤger so wohl die Draͤu- Worte eydlich zu erweisen/ als Beklagter zur geschwornen Versiche- rung/ wann er ein gut Geruͤchte hat/ zugelassen werden/ oder die Be- leidigung wird ihm unter Straffe verboten/ darinn der Verbrecher faͤllet. L. 4. C. de his, qui ad Eccles. Li egenden Guͤ- ter Buͤrgschafft Recht. §. 30. Wer im Streits Anfang liegende Guͤter hat/ ist zwar an- dern Buͤrgschafft befreyet/ wann er aber solche hernach verkaufft/ muß er anderwaͤrtige Versicherung thun; also auch/ wer von solchen Guͤtern/ so unbeweglich/ wuͤrcklich die jaͤhrlichen Einkuͤnffte geniesset/ oder selbi- ge zu gewinnen in der That zu klagen befugt/ wann nemlich der Streit mit einem dritten Mann vorgefallen/ nicht aber mit Guts Eigenern/ oder Buͤrgschafft wer dazu tuͤch- tig. der gewisse Erb-Gelder zu gewarten/ oder die streitige Sache besitzet/ oder eine oͤffentliche Krahm-Lade von vielen Waaren hat/ welche nicht so leicht zu erschoͤpffen. Sonst werden auch die mit Kindern streitende Eltern von solcher Buͤrgschafft/ beym Gericht sich zu stellen/ nicht ent- ledigt; jedoch ist genung/ wann sie ziemlich/ wann nur der Buͤrge kein Soldat/ oder Weib/ noch Minderjaͤhriger ist. L. 10. §. 1. ff. qui satisd. cog. L. 15. §. 4. C. Eod. L. 4. ff. Prætor. stipul. L. 14. C. de SS. Eccel. L. 2. §. 2. \& 4. ff. qui satisd. §. 31. Jn Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. §. 31. Jn allen zugelassenen Verpflichtungen/ ohne wegen Mit- Mitgifft Recht gifft/ moͤgen Buͤrgen genommen werden/ welche also Versicherung halber fuͤr einen andern verpflichtet/ daß so wohl von ihnen als Buͤrgen Erben rechtliche Ver- pflichtung. Principalen/ was versprochen/ zu halten/ auch nicht allein der Buͤrge/ sondern auch seine Erben um Buͤrgschafft besprochen werden moͤgen/ ob gleich deren in Verschreibung nicht gedacht/ darum unnoͤthig in Buͤrge- Brieffen einzusetzen/ wann ein Buͤrge abstuͤrbe/ der Schuldner einen andern stellen soll/ weilen der Buͤrgen Erben ohne das verhafftet seyn/ es wuͤrden denn vermuthlich keine Erben hinterlassen/ oder daß Ge- wohnheit entgegen oder anderwaͤrts verglichen waͤre. L. si sub imposs. ff. de fidejuss. §. in omnibus, instit. de fidejuss. L. 1. L. græce, §. 1. L. 16. §. 3. L. 56. L. cum ex. ff. Eod. Tot. tit. C. ne fidej. dot. Tot. tit. ff. C. \& instit. de fidejuss. §. fid. jussor. instit. de fidejuss. L. 4. §. fin. ff. Eod. L. 24. C. Eod. L. 8. C. Mand. L. si pactum, ff. de probat. §. 32. Wann ein Beklagter solche grosse Mißhandlung veruͤbet/ Bey Ubeltha- ten gelten kei- ne Buͤrgen. darauff Leib oder Lebens-Straffe erfolget/ soll er/ ob schon tuͤchtigen/ Buͤrgen nicht anvertraut/ sondern/ auff daß er die Straffe nicht ver- spotte/ in Gefaͤngniß gelegt werden/ weilen Buͤrgen ihrer Glieder nicht maͤchtig fuͤr sie zu leiden/ so muß ein Anklaͤger Verbrechens gewisse Jahr-Monat-Tag- und Stunde-Zeit/ auff Beklagten Begehren/ ge- richtlich anzeigen. L. de quibus cum seq. ff. de leg. L. 3. ff. de custod. \& Exhib. reor. L. 3. ff. de accus. c. fin. 2. q. 8. L. 13. ff. ad L. Aquil. §. 33. Weiber koͤnnen nicht Buͤrge werden/ dahero sie auch als Buͤrge wer nichtseyn mag. Buͤrgen nicht zu bezahlen schuldig/ es sey denn/ daß sie ihren Rechts- Wohlthaten gerichtlich abgesagt/ oder etwas dafuͤr genommen/ daß sie Buͤrge worden/ oder wann sie fuͤr einen Brautschatz gelobet haͤtten/ oder daß solch Geld und Gut/ dafuͤr sich die Frau verschrieben/ in ihren eige- Weiber wann Buͤrgen seyn moͤgen. nen Nutzen kommen sey; Wann auch eine Frau Kauffmanschafft treibet/ oder zu offenen Krahm-Laden und Marckt sitzet/ kan sie sich kraͤfftig verbinden/ und keinen Auszug gebrauchen/ damit die/ so auff guten Glauben mit ihr handeln/ nicht unbillig betrogen werden. L. Fœminæ, ff. de R. J. Auth. si qua mulier. L. 12. L. fin. ad Vellej. SCt. Cod. L. 3. \& 48. in princ. ff. de fidejuss. arg. c. cum contingat. c. ex Rescripto, 9. de jurejur. L. 8. §. 10. L. 31. L. fin. §. pen. ff. ad SCt. Vellej. L. 23. C. Eod. §. fin. instit. de fidejussor. L. si pater, C. de sponsal. L. 1. §. pen. ff. de Exercit. act. L. plene, L. 1. ff. pro soc. L. Eandem, ff. de duobus reis. §. 34. Wann der Buͤrge sich schlecht ohne Termins Vorschrifft Buͤrgen Zah- lungs Termin. verbunden/ wird er durch Zeit Verlaͤngerung nicht ledig; wann Cre- ditor aber dem Schuldner die Zahlungs Zeit/ darauff der Buͤrge gelo- M 3 bet/ I. Buch/ Cap. IX. bet/ ohne dessen Wissen weiter erstrecket/ so wird der Buͤrge erloͤset/ mit erster Zeit Endigung/ wofern er nicht etwas neues bewilliget. L. si cum Hermes, C. Locat. c. constitutus, X. de fidejuss. L. idem quæritur §. qui impleto ff. Locat. Buͤrgen Recht gegen Mit- buͤrgen. §. 35. Wann ein Buͤrge allein bezahlet/ sind die andern befreyet/ er soll sich aber vom Glaͤubiger die Verschreibung uͤbergeben lassen/ daß er seine Anforderung gegen einen der andern Buͤrgen wieder an- stellen kan/ welches auch der Glaͤubiger thun/ oder Bezahlung man- geln soll; so mag auch ein Buͤrge alles/ was ein Schuldner kan/ vorwen- den und begehren/ daß der rechte Haupt-Schuldner erst angefordert/ und dessen Guͤter angegriffen werden/ wann er nicht abwesend oder unvermoͤgend. §. 4. instit. de fidejuss. L. 76. \& 95. §. 1. ff. de solut. L. 17. 36. \& 39. ff. de fidejuss. L. 11. 14. \& 21. \& Auth. præsente C. c. 2. Ext. Eod. Novell. 4. c. 1. L. 19 ff. \& L. 11. C. de Except. L. 32. \& 49. ff. de fidejuss. Buͤrgen Recht fuͤr Schulden Antheils Be- zahlung. §. 36. Ob wohl Buͤrgschafften erdacht/ auff daß von Buͤrgen das uͤbrige erstattet werde/ was am Principalen abgehet/ sollen sie doch nicht mehr denn diese verpflichtet seyn; wann nun viele fuͤr eine Sum- ma gelobet und schuldig/ muß dennoch ein jeder allein sein Antheil/ und nicht die gantze Summa bezahlen/ es waͤre denn/ daß sie sich einer fuͤr alle/ und alle fuͤr einen verschrieben/ und also ihrer rechtlichen Wohl- that begeben/ oder daß die andern so arm waͤren/ daß sie ihr Theil nicht Buͤrgen Recht wegen Mit- Buͤrgen. bezahlen koͤnten/ oder in anderm Lande abwesend seyn/ in welchen beyden letzten Faͤllen die Mitbuͤrgen saͤmtlich fuͤr des nicht bezahlenden Theil/ ein jeder was ihn betraͤgt/ richtig bezahlen muß. L. si testam. §. quæsitum, ff. de fidej. Auth. hoc ita C. de duobus reis. L. 3. \& 10. §. 1. C. de fidejuss. §. si plures instit. Eod. L. 26. \& 27. §. 1. ff. Eod. L. si contendat. ff. de fidejuss. L. si quis C. de Episc. \& Cler. L. 18. 23. \& pen. C. de pact. Nov. 99. c. 1. L. Creditor C. Eod. L. 28. C. de fidejussor. Buͤrgen Recht wegen Schuld- ners Theilung. §. 37. Wann auch ein Creditor von einem Buͤrgen sein Antheil der Schuld nehme/ und dabey nicht protestir et/ daß er die Schuld da- durch nicht theilen wolte/ kan er von einem hernach die gantze Summa nicht einfordern/ weilen er sie selbsten hat getheilt. L. si stipulatus, ff. de usur. L. si quando ff. de LL. L. si fidejuss. L. si pro ea, 10. C. Mand. §. si quid instit. de fidejuss. Buͤrgen Recht der sich als Hauptschuld- ner veꝛbunden. §. 38. Wann ein Buͤrge sich als der Haupt-Schuldner verpflich- tet/ die Schuld fuͤr seine eigene auffnimmt/ so kan er besprochen wer- den/ ehe denn der Selbst-Schuldner ersucht worden/ sonst waͤre das An- geloͤbniß krafftloß; So koͤnnen auch Buͤrgen ihre Haupt-Schuldner nicht beklagen/ sie haben denn erst bezahlt/ oder es sey ihnen bereits im Recht Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. Recht zu bezahlen aufferlegt/ oder so fern der Selbst-Schuldner sein Gut unnuͤtz verschwendet. §. 39. Wann beklagter Buͤrge/ unberuffen seine Ausflucht fuͤr Ge- Buͤrgen recht- liche Beschaf- fenheit. richt einzubringen/ den Glaͤubiger einladet/ muß er solche beweisen; sonst sollen Buͤrgen auch/ anliegenden Gut vermoͤgend/ fuͤr Gericht unschwer zu belangen/ und sonst beqvem oder geschickte Leute seyn/ nicht unter frembden Gericht/ noch mit Freyheit begabt/ oder zaͤnckisch und der- gleichen; So koͤnnen Buͤrgen nicht denen Unmuͤndigen die Rechts Freyheit der Theilung vorwerffen/ ohne wegen Vormuͤnder Person und Sachen/ dafuͤr sie etwan Buͤrge worden. L. si contendat, ff. de Fidejussor. L. 6. \& 7. ff. de fidejuss. L. fin. ff. Rem pupill. salv. fore. §. 40. So haben nun Buͤrgen und Schuldner dreyerley Rechts- Buͤrgẽ Rechts Wohlthat we- gen Schulden Theilungs Freyheit. Freyheit und Wohlthaten/ als wann sich etliche zu Buͤrgen gesetzt samt und sonders fuͤr eine Schuld/ oder zusammen schuldbar gemacht/ je- doch nicht ein jeder fuͤr gantze Summa/ hernach aber einer allein fuͤr voll angesprochen wuͤrde/ mag derselbe begehren/ daß die Schuld un- ter ihn und seine Mit-Buͤrgen nach Anzahl getheilt/ und ein jeder nur zu seines Antheils Bezahlung verdammt werde/ so fern die Mit- Schuldner beyhanden und zahlbar sind; Wann aber dieser Wohl- that abgesagt/ mag Glaͤubiger einen tauglichen Buͤrgen als Schuld- ner/ welchen er will/ fuͤr voll ansprechen. §. si plures, instit. de fidejuss. L. si dubitet, §. ita demum, L. si plures, §. præterea, ff. Eod. Nov. 99. c. 1. L. 1. C. de duob. reis stipul. Auth. hoc ita C. Eod. Buͤrge wege n Schul Bezal Vorz §. 41. Also mag auch ein Buͤrge vorwenden/ daß der Haupt- Schuldner erst rechtlich ersucht und ernstlich angestrenget werde/ wo- fern er zur Stelle und zu bezahlen tuͤchtig; wann aber dieser Freyheit abgesagt/ steht es beym Glaͤubiger/ Buͤrgen oder Schuldner zu belan- gen. Auth. præsente, C. de fidejussor. Nov. 4. c. 1. §. 42. Deßgleichen wenn Buͤrge bezahlen soll und muß/ hat er B noch Macht vom Creditorn zu fordern/ daß er ihm sein Schuld-For- derungs-Recht an Principalen und seine Erben uͤbergebe/ Falls er dieses weigert/ ist Buͤrge frey von Bezahlung/ diese Abtretung muß vor oder bey Bezahlung geschehen/ oder ist nichtig. L. 17. \& 39. ff. \& L. cum alter, C. de Fidejuss. §. 43. Richters Urtheil soll des Klaͤgers rechtlichem Suchen muͤg- Richters Ur- theils Be- schaffenheit. lichst gleichfoͤrmig seyn/ auch mag er seines Ausspruchs Ursachen bey- fuͤgen/ um dadurch fernern Streits Gelegenheit wegzuraͤumen/ und wann I. Buch/ Cap. IX. wann Ursachen zweiffelhafft/ soll man die wahrhaffte nicht verber- gen/ und also keine Veraͤnderung fuͤrchten. L. 18. ff. comm. divid. arg. L. 13. §. illo, C. de judic. L. 19. §. ult. ad SCt. Vellej. L. ult. § 3. C. de furt. Ursachen des Urtheils war- um von Rich- ter zu beneñen. §. 44. Massen ja Partheyen und Advocat en/ wofern sie nicht gar von Erbar- und Einigkeit-Liebe entfernet/ dabey geruhen werden/ oder dafern sie appellir en/ jedoch alsdann nicht alle Puncten wieder- holen/ sondern nur solcher Ursachen wegen zancken und den Streit verringern moͤchten; So kan auch der Oberrichter besser und leichter des ersten Urtheils Stuͤtzen finden/ da er sonst im Zweiffel nicht wissen kan/ was darinn zu urtheilen/ und was jenen dazu bewogen/ ohne nach Act en Verlesung/ woraus solches offt schwerlich zu erachten. Urtheil muß seyn entweder zur Verdamm- oder Loßspre- chung. §. 45. Es muß aber jedes Urtheil also beschaffen seyn/ daß es mit klaren oder gleich lautenden Worten endliche Verdamniß oder Loß- sprechung in sich halte/ jedoch wann verschiedene Faͤlle in der Sache begriffen/ mag Beklagter wohl in einem verdammt/ im andern aber loßgezehlet werden; wann nun durch Uberwundenen List oder Schuld die gebetene Sache veraͤrgert oder verdorben/ wird er deroselben recht- liche Schaͤtzung zu bezahlen verurtheilet. L. 9. princ. ff. de condict. furt. L. 1. ff. de re judic. L. 1. §. 5. ff. quando appell. L. 5. §. 1. L. 59. pr. Eod. L. 37. ff. de Excus. tut. L. in hoc judicio, ff. famil. hercisc. L. 4. §. 3. ff. de Except. doli. L. 18. §. 1. ff. de dolo. Urtheil soll nicht unendlich sondern gewiß seyn. §. 46. Deßgleichen soll jeder Ausspruch gewiß seyn/ und sich auff vorgenannte Summa/ Zeit/ Ort/ Urkunden und Klagschrifft bezie- hen/ es waͤre denn eine Sache von Natur also gethan/ daß man dar- inn nichts gewisses zu erkennen vermag/ als im Erbfall/ Mitgifft und Vormundschafft/ oder derer Fruͤchte Genieß/ Unkosten und sonst/ wo- fern etwa dem Beklagten das Wahlrecht zustaͤndig; wiedrigen Falls Interesse wann der Uberwun- dene bezahlen muß. muß das Urtheil endlich/ unzweiffelhafft und ohne ungewisses Beding/ so bald muͤglich zu erfuͤllen/ abgefasset werden/ und wenn der Uberwun- dene nicht gethan/ was er gesollt haͤtte/ mag er zum Interesse verurthei- let werden. L. 15. ff. de re judic. L. 6. §. 1. \& L. 68. ff. de R. V. L. 2. C. de rescind. vend. §. cura- re, instit. de act. L. 7. ff. sin pars hæred. L. 3. pen. \& ult. C. de sent. quæ sine. L. 7. §. pen. ff. de contrah. Emt. L. 3. C. de fruct. \& Lit. impens. L. 10. §. fin. de jure dot. Urtheil mit Beding wie gelten mag. §. 48. So mag nun ein Urtheil also gesetzt werden/ mit Beding/ so fern Klaͤger seines Instruments Copie mit Original bekraͤfftiget/ oder Beklagter wird in Unkosten verurtheilet/ wann dieselben richtig liquidir et und erwiesen/ jedoch nach richterlicher Er m aͤßigung/ oder wuͤrde Von Arrest en/ Buͤrgen/ Urtheilen und Straffen. wuͤrde Klaͤger schweren/ item/ wuͤrde Hospital oder Kirche den Ver- gleichs-Auszug besser/ als in Acten geschehen/ erweisen/ so ergienge fer- ner was recht ist/ und kan/ was im Urtheil enthalten/ als Fruͤchte und Unkosten Erstattung/ an selbigem Tage/ da es gefaͤllet/ vollenzogen wer- den/ denn eben darum ist der richterliche Proceß erfunden/ daß ein jeder Rechtliche Nothdurfft wann fuͤr zu bringen. seine Nothdurfft vor dem Beschluß oder in der Appellation fuͤrbrin- gen soll/ damit die Jrrungen endlich einmahl mit Recht entschieden/ nicht ewig auff Fuͤrbehaͤltniß anstehen moͤgen. L. 42. ff. de Re judic. L. 35. §. 1. de R. V. §. 48. Sonst aber in etlichen Rechts zulaͤßigen Faͤllen wird der Interesse Lei- stung wann befreyet. Verurtheilte durch Leistung des Interesse befreyet/ als in Klage wegen gethanen Schadens/ oder so fern jemand zu einer That verdamm/ oder die Sache nicht mehr vorhanden/ oder der Streit beschworen; so sind auch etliche Faͤlle/ in welchen das Urtheil/ ob schon davon nicht appelli- r et/ nicht zur Vollenziehung erwaͤchst/ als fuͤr und gegen Ehestand- Sachen Suͤnde zu vermeiden oder da es gesprochen auff Rath eines Baumeisters/ Hebammen und Wund-Artztes/ wegen der Sachen Urtheil wann nicht zur Voll- ziehung er- waͤchst. Ungewißheit/ es waͤre denn ein Ertz-Kuͤnstler und Baumeister; Und insgemein alle nichtige Ausspruͤche/ als etwa eine unstaͤndige Schuld zu bezahlen; wo auch jemand innerhalb Menschen Gedencken zum Gericht befugt/ so ist er bestaͤndig dazu berechtiget. C. 14. X. de probit c. 2. X. de purgat. c 7. X. de re judic. Nov. 7. c. 3. §. scire autem. L. ult. C. de sent. ex brev. recit. L. 7. §. 1. ff. de compensat. §. 49. Keiner wegen soll man Geding und Vertrag wegen Ubel- Ubelthaten Vergleich ver- boten. that in deren Bestraffung erwegen/ ohne in Diebstahl/ allwo man des Bestohlnen Schaden wohl ansehen mag; derowegen/ ob sich gleich Moͤrder oder Raͤuber mit des Beraubten oder Ermordeten Freunden heimlich oder oͤffentlich vertruͤgen/ fichtet es dennoch die hohe Obrig- Obrigkeiten Recht wegen Privat-Ge- dinge. keit nichts an/ sondern bleibet ihr billich derselben Thaͤter Verfolgung vorbehalten/ wegen allgemeinen Wesens Nutzen/ als dessen Recht durch Privat- Bedinge nicht zum Nachtheil mag auffgehoben seyn/ ob sie sich schon selbst zum Schaden die Straffe nachlassen moͤgen; viel we- Straff-Linde- rung Vertrags halben verbo- boten. niger mag solchen Vergleichs halber die peinliche Straffe gelindert werden/ ob schon der Beleidigte vergnuͤgt/ sonst wuͤrden reiche Todt- schlaͤger die Hals-Straffe leicht vermeiden/ und nur arme Ubelthaͤ- ter solche ausstehen muͤssen/ welches ungerecht und unbarmhertzig. L. 18. C. de transact. crim. L. 38. ff. de pact. L. pen. C. Eod. §. 50. Ein Geding- und Vergleich/ so auff das Verleumdung- und Geding und Vergleichs Gerechtigkeit. Falschheit Laster hinziehlet/ wird wegen boßhafft begangener Ubelthat/ N es sey I. Buch/ Cap. IX. es sey mit Jrrthum/ aus Furcht/ Schrecken oder List erzwungen/ durch richterliches Amt so wohl wiederruffen und vernichtet/ als ein solches Geding/ darinn jemand uͤbermaͤßig mehr als die Helffte rechtmaͤßigen Werths oder Schaͤtzung verlustig gemacht zu seyn erweiset/ so wohl bey Minderjaͤhrigen/ als die vollen Alters uͤber fuͤnff und zwantzig Jahr sind. Tit. ff. de eo, quod met. caus. L. pen. C. Eod. L. 65. ff. de condict. indeb. L. 5. C. de dolo malo. Privat- Haͤn- del Vergleichs Recht. §. 51. Wer in Privat- Haͤndeln sich vergleichen will nach Kriegs- Befestigung/ scheinet das Laster zu gestehen/ dahero billig uͤberwun- den zum Urtheil/ es sey denn nicht fuͤr Geld/ sondern auff Bitte und guter Freunde Zwischen-Rede geschehen/ daß einer Rechts-streitigen Klage Erlassung gewonnen; wegen Laster und Ubelthaten/ darauff kei- Blut Gerichts Straff Ver- trag. ne Blut-Gericht-Straffe folget/ mag man gegen Rechts-Gesetze kein Geding und Vertrag machen/ weilen allhier Lebens-Gefahr auffhoͤ- ret/ dahero solcher Vergleich nicht wohl zu endigen/ sondern gewinnet das Ansehen/ als ob Beklagter Klaͤgern bestechen wolte/ so waͤre es auch dem Klaͤger schaͤndlich/ durch Anklage-Gefahr Geld zu erpressen. L. fin. ff. de prævaric. L. 4. ff. de jure fisci. Vertrags Recht/ so ge- zwungen. §. 52. Wann auch/ oͤffentlichen Ruhestands halben/ oder um et- wan ein groͤsser Ubel und Unheil zu vermeiden/ streitende Partheyen auf richterlichen Befehl sich zu vertragen gezwungen/ sind sie billig allen Hohn und Spott auch Arglist befreyet/ weilen solch Geheiß allzeit rechtmaͤßig zu vermuthen/ und Beklagten der Straffe wegen entschul- diget/ ja ihre Schuldigkeit beyderseits zu gehorsamen erfordert; Ein Straff Anbie- tungs Freyheit mit Protesti- rung. Erbe aber/ der frembden Lasters halben Geding und Vergleich macht/ ist dafuͤr nicht ehrloß/ weilen der Krieg nicht mit ihm befestiget/ deß- gleichen/ wann Beklagter die von Rechts wegen schuldige/ oder in der Klage enthaltene Straffe fuͤrm Urtheil anbeut/ mit Protesti rung nicht aus Lasters boͤsem Gewissen/ sondern Streits Beschwerden zu fliehen. L. 9. C. de contr. stipul. L. 1. §. 1. \& pen. C. de calumn. L. 1. ff. de confess. L. servo, §. cum prætor, ff. ad SCt. Trebell. L. fin. ff. ne quid in loc. publ. C. quisque 23. X. de R. J. L. 167. §. quod jussu, ff. de R. J. L. servus, ff. de infam. jur. Caput X. Von Nicht- oder guͤltigen Urtheils Appellation, Besitz-Einnahm oder Einfuͤhrung/ Execution und Vollenziehungs Auffschub oder Ver- nichtung. §. 1. Tag Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. §. 1. T Ag und Stunde des abgesprochenen Urtheils soll genau in Act en Appellations Fatal und end- lichen Termins Verlauff-Zeit. beschrieben seyn/ weiln die Frist zu appellir en von Augenblick zu Augenblick verlaufft innerhalb zehen Tagen/ von der Stunde des Ausspruchs/ biß zur selbigen des eilfften Tages/ nicht aber dem Un- wissenden. Nov. 23. c. 1. \& 2. Auth. Hodie, C. de appellat. §. 2. Wer nun in persoͤnlichen Klagen Rechts verlustig und nicht zu rechter Zeit appellir et/ ist zwar ohne Weigerung/ Vergnuͤgen zu Jn persoͤnlichẽ Klage Verlust bey Appellati- on Versaͤum- niß Auffschubs Frist. thun schuldig/ jedoch hat er von Rechts wegen noch vier Monat Zeit/ darinn er sich ohne weitere Anfechtung zur Bezahlung schicken mag/ ja wann schon der Richter ihm die Zeit geschmaͤhlert/ gilt es nichts; wer aber dieser rechtlichen Wohlthat abgesagt/ kan ohne fernern Auf- schub zur Bezahlung gezwungen werden. L. 4. §. si quis ff. de re judic. §. 3. Eine Parthey mag sich rechtlichen Freyheits Wohlthat zum Appellation Rechts Wohl- thaten Ver- zicht. hoͤhern Gericht/ als auch vom Schieds-Mann zur ordentlichen Obrig- keit hinzu beruffen/ wie sehr nuͤtzlich und billig es sonst ist/ gar woll ver- zeihen und begeben; bißweilen kan auch einer der Appellation binnen zehen Tagen/ von erlangter Nachricht und Wissenschafft anzurech- nen/ sich nur anhaͤngig erklaͤren/ welches guͤltig ist/ wofern es dem Richter/ von welchem appellir et/ bekandt. L. 1. §. 1. \& L. fin. ff. de appellat. L. 1. \& 3. §. 1. ff. de recept. arb. L. si societas, ff. pro soc. L. vir bonus, ff. judic. solv. L. 137. §. cum ita, ff. de V. O. §. 4. So muß man sich staffelweise zum hoͤhern Richter beruffen/ es waͤre denn anders verguͤnstigt worden/ als von Commissari en zu Appellation wie und wann zu verrichten. dem/ der sie verordnet/ und nicht zum Kammer- oder Hof-Gericht/ und zwar geschicht Appellation schrifft- oder muͤndlich von Zeit des Urtheils Wissenschafft binnen zehen Tagen/ welche Frist auch ver- laufft in bedinglichen Urtheilen vom Tage des Spruchs und nicht Be- dings Ausgang/ auch denen Armen wegen Unkosten Erforderung/ da- Appellation Recht fuͤr die Armen. her solche Armuth inzwischen anzumelden/ und kan der Richter dem Gerichts- Advocat en befehlen/ solche Parthey umsonst zu bedienen; Allwo aber die Beschwerunge bestaͤndig erfolget/ als im Gefaͤngniß/ persoͤnlichen Dienstbarkeit und Ehren-Urtheil/ nur die Schande abzu- wischen/ hat allezeit Appellations- Recht Statt/ wie auch wer zufaͤl- Appellation worinn stets veꝛgoͤnnet auch nach 10. Tagen liger Weise verhindert/ in Ehe-Sachen aber gilt Appellation auch nach zehen Tagen. Nov. 23. c. 3. \& 4. c. 9. 15. 30. \& 52. X. de appell. c. 27. §. pen. X. de offic. judic. deleg. c. 4. X. de foro compet. L. 1. ff. quis \& à quo appell. L. 1. §. 3. L. 21. ff. de appell. c. 66. X. hoc tit. N 2 §. 5. Sonst I. Buch/ Cap. X. Appellation Recht vom Bey- und End- Urtheil. §. 5. Sonst aber mag man frey/ so wohl von willkuͤhrlichen or- dentlichen Richters End- als Bey-Urtheil/ so fern es End-Urtheils Krafft hat/ oder einen unersetzlichen Schaden bringt/ sich zum hoͤhern Gericht beruffen/ als wenn der Sachen Entschluß daran haͤnget/ daß der Richter schweren heisset/ oder uͤber Ungehorsam erkennet/ oder Zeugen und andern Beweiß verwirfft/ oder Argwohn fuͤr unguͤltig haͤlt/ oder unmuͤglichen Beweiß erfordert/ oder der Andere vom Eyd der Verlaͤumdung befreyet/ oder Richters Verwerffung entschlagen wird/ oder allzu enger Termin angesetzt/ der Ort unsicher/ oder oͤffentlichen Appellation Recht auff ste- henden Fuß mit lebendiger Stimme. Verbots zerstoͤrliche Gerichts Einladung ohne gerechte Ursachen ge- schehen/ alsdann mag man ohne Schrifft stehenden Fusses mit le- bendiger Stimme sich zu hoͤhern Richtern beruffen/ darauff so bald oder kurtz hernach ein jeder seiner Beschwerden Ursachen auszuwuͤrcken schuldig. C. 51. \& 60. X. de appellat. L. 2. ff. de appell. recip. c. 10. \& 12. X. de appellat. c. 17. Beschwerden Mangel hebt den Stꝛeit auf. \& 59. X. \& Clem. Appellante, hoc tit. L. quod jussit, ff. de re judic. §. 6. Nach geistlichem Recht ist er den Richter zu fragen befugt/ ob ihm derer Beschwerden Wiederruff in der Sachen Beschluß schaͤd- lich seyn soll/ wo nicht/ wird fernern Streits Gelegenheit auffgehoben; allwo keine Beschwerden zu finden/ auch dem Richter frey steht/ das Appellation wann unguͤl- tig. Bey-Urtheil allezeit zu verbessern/ wann beyde Partheyen appellir en/ so wird die letztere nicht gehoͤret/ gegen Geistliche kan man auch nicht zum andern mahl sich auff hoͤhers Gericht beruffen. Appellant en Eydes Pflicht. §. 7. Bey Einfuͤhrung des Appellation s Processes/ wer dann appellir en will/ muß als Appellante sich zum Eyd erbieten/ welchen er auch zu leisten schuldig ist/ und muß er vorhero geloben und also schwe- ren/ daß er gaͤntzlich glaube und dafuͤr halte/ es sey ihm Appellir ens noth/ indem er seines neuen gethanen Vorbringens vorhin keine Wis- senschafft gehabt/ oder solches nicht damahlen bey erster Instanz ein- bringen koͤnnen/ noch fuͤr noͤthig und diensam erachtet/ daß er aber nunmehro dafuͤr halte/ solches alles zu seines Rechts Erhaltung noth- wendig und dienlich sey/ derowegen er solche Appellation nicht fre- ventlich/ noch zu Auffenthalt und der Sache Verlaͤngerung gethan/ folgends mag er solche beym Oberrichter anfuͤhren; die Zeit der Appel- lation Einfuͤhrung ist im Recht ungewiß/ und steht also in des Ober- Richters Willkuͤhr/ beym Cammer-Gericht aber sind es vier Monate. Appellant en Recht vorige Gerichts Act ẽ auszuloͤsen. Nov. 119. c. 4. Auth. si appellatione, C. de temp. appellat. §. 8. Wann nun der appellir ende Theil/ vor Verfliessung derer vom Tage beschehener Appellation nechst folgendẽ 30. Tage/ vom Unter- richter Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. richter die vorigen Act en begehret/ und selbige fertig waͤren/ soll er sie um die Gebuͤhr ausloͤsen/ oder zum wenigsten solchen seines Begeh- Fatal Termin erstẽ Gerichts Act en vorzu- legen. rens beglaubten Schein vorlegen/ der Richter aber selbst muß bald/ und unerwartet des Zwang-Schreibens vom hoͤhern/ dieselbe gegen ziem- lichen Belohnung Versicherung/ nach erster Muͤglichkeit/ auszulieffern/ nothwendig gebuͤhrende Anstalt machen; wofern aber von ihm hierinn einig vorsetzlicher Auffzug verspuͤhret wuͤrde/ hat er 20. Marck Gol- des verbrochen/ vielmehr soll er dabey zugleich seines Urtheils recht- Appellat en Recht wegen Appellant en Schrifften. liche Ursachen dem Obergericht verpitschirt einschicken/ unter 2. Marck Goldes Straffe; So kan auch der appellir te Theil sich nur auff vo- rige Act en beziehen/ und bedarff auf des Appellant en Schrifften nicht zu antworten. Tot. tit. ff. nihil pend. appell. L. ult. C. de Appellat. §. 9. Solche Appellation s Brieffe nun vom Richter an bestim- Appellation wer abzusagen scheinet. tem Tage zu empfangen/ wer sich nicht stellet oder erscheinet/ hat der Appellation gleichsam abgesagt; Richters Abschlags Handlung aber ist hier nichtig/ also daß der Appellir ende ohne dem fortfahren mag/ Appellation Brieffe Bitt- Versaͤumniß. weilen ihm der Richter sie ungebeten heraus zu geben schuldig/ jedoch kan ihm dieses nicht helffen in Appellations Versaͤumniß/ massen er sie haͤtte sollen bitten/ nemlich innerhalb 30. Tage vom Urtheil an zu rechnen. L. 1. C. de relat. L. fin. §. in refutatoriis, C. de appellat. L. un. ff. de libell. dimiss. Clem. 2. de appellat. L. 24. C. Eod. tit. §. 10. Es muß aber der Appellation s-Zettel keine Schmaͤhung Appellation Zettuls Be- schaffenheit. des Richters in sich haben/ und zeitig demselben/ davon man appelli- r et/ eingelieffert werden; So fern nun der Richter aus gewaltsamer Ty- ranney sich nicht finden lassen will/ oder abwesend waͤre/ soll man nach fleißigem Ansuchen solches durch Notari en und Zeugen verrichten/ und des Richters Straffe/ der Appellation Zettul nicht annehmen will/ ist 30. Marck Goldes. L. 1. §. ult. L. 7. \& 8. ff. de appellat. Nov. 119. cap. 4. L. 21. C. de appellat. §. 11. Wann auch die Appellation verworffen/ mag man von sol- Appellation Verwerffungs Recht. cher Verwerffung auffs neue appellir en/ und muß der Unter-dem Ober- Richter deren Ursachen entdecken/ auch der Parthey solchen Wider- legung-Schreibens Copie mittheilen/ inzwischen nichts verneuern noch vollenziehen. Unnuͤtze Appellation ist jedoch nicht zu gestatten/ ohne mit Rechts Ver- weigerungs Ansuchen. Bescheid/ so weit solche Rechtens; wegen Gerechtigkeit Verweigerung mag man gleichfals den hoͤhern Richter ersuchen und anflehen. Son- N 3 sten I. Buch/ Cap. X. Appellation Summa wie viel sey. sten ist Appellation rechtliche Summa zum Ober-Gericht drey hundert Guͤlden. L. 5. §. 1. ff. de appell. recip. L. pen. ff. Eod. L. fin. §. in refutatoriis. L. 19. C. de ap- pellat. Nov. 15. c. 3. in fin. Auth. statuimus, C. de Episcop. Appellation Gericht was dazu gehoͤrig. §. 12. Alles/ was vorhero haͤtte verrichtet werden koͤnnen/ solches wird beym Appellation s-Gericht nicht zugelassen/ und soll hinfuͤro zu Befoͤrderung des Processes das weitlaͤufftige articulir te Klagen ab- gestellet/ und ein jeder Appellant seine Beschwerden/ jedes mahl Pun- Appellant en Pflicht/ Be- schwerden zu melden. cten weise verfasset/ gleichfalls mit der Supplication zu uͤbergeben schuldig seyn/ auch darinn absonderlich vermelden/ worinn er sich be- schwert erachtet/ was er besser zu beweisen/ und von neuem vorzu- bringen gedencke/ davon zuletzt denen Appellat en so viel beglaubte Co- Appellation Verfolgungs Frist. pi en zu insinuir en/ als citir te vorhanden sind. Allwo nun keine Zeit an- gesetzet/ die Appellation zu verfolgen/ muß solches innerhalb Jahres Frist geschehen/ es waͤre denn von Partheyen laͤnger bewilliget/ oder der Richter von vielen Geschaͤfften verhindert/ oder der Appellir ende Urtheil wann zu vollziehen. verstorben; so haben die Erben noch 4. Monat Zeit uͤbrig; Nach Verfliessung zweyer Jahren aber wird das erste Urtheil vollenzogen. L. ult. §. ult. ff. \& L. 7. C. de appellat. L. per hanc, C. de temp. appellat. L. ita demum C. de procurat. L. fin. C. quando prov. non est necess. L. fin. §. 3. \& fin. C. de temp. appellat. Clem. quamdiu, de appellat. L. ult. C. si pend. appell. mors c. 5. X. de appellat. Appellant und Appellat en Recht wegen Ungehorsam. §. 13. Wann auch der Appellate ungehorsam erkannt/ mag der Appellante in der Haupt-Sache verfahren/ und biß zum endlichen Urtheil seine Gerechtigkeit fuͤrbringen/ Gegentheils ungehorsamen Ausbleibens unangesehen/ welches auch der Appellate uͤber ungezie- mende Versaͤumniß Appellant en/ wegen endlichen der Sachen Erkaͤnt- Appellation Recht so ver- lassen und ver- fallen. niß/ in seiner Abwesenheit begehren und Unkosten zu erstatten bitten mag/ wann aber Appellation vor der Einfuͤhrung/ als verlassen/ ver- fallen/ mag der Richter/ von welchem appellir t ist/ daruͤber erkennen. C. quamvis X. de appellat. Luͤgenhafft- und zancksuͤch- tiger Leute Straffe. §. 14. Zancksuͤchtiger Leute Boßheit zu steuren ist nuͤtz und noͤthig/ daß keiner/ der einmahl auff Luͤgen betroffen/ mit anderwaͤrtigem Ap- pellations- Vortheil sich mehr behelffen moͤge; dahero in Gerichten Genungthuung und Versicherung/ den Streit ans Ende zu verfolgen/ Caution we- gen Streits Unkosten. auch wegen Unkosten Erstattung/ Klaͤger leisten muß/ und wofern er frembd ist/ sich an gewissen Ort fuͤr Gericht zu stellen/ ja auch der Ge- genklage halber/ wann er verlaͤumderischen Krieg angehoben/ ob schon er den Eyd der Armuth abgeleget; Beklagter aber muß buͤrgen/ daß er biß Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. er biß zum Urtheil bey demselben Gericht verbleiben will/ oder es wird auch Pfand zugelassen/ weilen daran mehr Versicherung als an der Person zu haben. L. 22. §. fin. ff. noxal. act. L. 1. §. 15. ff. si quadrup. L. ult. ff. de R. V. Nov. 18. c. 8. \& 10. L. ult. §. 1. ff. de compensat. L. 22. §. 1. de re judic. §. fin. instit. ff. de fidei- comm. L. siquidem, C. de injur. §. 2. instit. de satisd. L. 25. ff. de R. J. §. 15. Von solchen Richtern aber/ die Freyheit/ von ihnen nicht zu Appellation von etlichen verboten. appellir en/ vom Fuͤrsten bekommen haben/ kan niemand sich beruffen/ sie waͤren denn gar verdaͤchtig/ oder das Urtheil gantz nichtig/ und dazu Wiedereinsetzung in vorigen Stand von noͤthen/ wegen allzu kundba- ren Beschwerden/ wie auch nicht von einem uͤbel informirt en Fuͤrsten zu Suppliquen Recht wegen Appellation. Injuri en Ap- pellation Ge- richt. ihm selbsten/ bessern Unterrichtung halber/ ohne mit dessen Willen durch Supplique erhalten; So moͤgen Injuri en-Sachen/ darinn allein auff Wiederruff und Geld-Buß geklaget wird/ fuͤr Appellation Gericht gerechtfertiget werden. L. 30. C. de appell. §. 16. Wann viele Mitgesellen vorhanden/ mag einer an Statt Appellation Recht derer Mitgesellen. aller rechtlich appellir en/ ja weilen die Appellation eben keine wuͤrckliche Gerichts-Handlung zu nennen/ mag sie von Minderjaͤhri- gen wohl angesucht/ auch durch Procuratorn ohne Vollmacht zur ersten Instance Verfolgung gebeten werden. Wann aber ein Unterrichter den Appellation Absagungs Schein. Appellant en in andern Sachen citirt/ und dieser ohne protestir en er- scheinet/ oder selbst etwas neues in der Sache anfaͤngt/ hat er der Appel- lation dadurch abgesagt/ er waͤre denn listig darzu verfuͤhret. L. 2. C. si unus ex pluribus. L. 10. §. 4. ff. de appellat. arg. L. 56. §. pen. ff. de furt. c. 42. \& 54. X de appellat. c. gratum, de offic. judic. deleg. §. 17. Ein Vormuͤnder kan und soll Appellations Recht fuͤr sich Vormuͤnder Recht wegen Appellation. Interessent en Appellation Fug. und seinen Muͤndling anstellen und verfolgen/ es waͤre denn verboten/ so mag auch ein ander wegen seines Interesse in seinem Nahmen von einer Sache appellir en/ so fern es in erweißlichen gewissen Hoffnung/ und von des Principalen Recht nicht abgesondert ist/ jedoch muß er sei- ne Beschwerden ausdruͤcken. L. 11. C. de admin. tut. L. 5. \& 27. ff. de appellat. L. 9. C. hoc tit. §. 18. Also kan ein Buͤrge appellir en/ wann der Principal verur- Appellation Recht fuͤr andere Leute. theilet; Ein Vater in Sohns/ und Sohn in Vaters Sache/ der Mann in Weibes und das Weib in Mannes-Rettungs-Streit; einer dem etwas vermacht ist/ wann der Erbe uͤberwunden/ ein Fuͤrst/ wann Unterthanen verdammt/ oder das Capitul von wegen eines Bischoffs/ item, der Glaͤubiger wegen des Pfand-Guts/ wofern der Schuldner ver I. Buch/ Cap. X. verurtheilet/ und der Verkaͤuffer seines verdammten Kaͤuffers halben/ oder ein Herr seiner eigenen Leute halber/ also der naͤchste Verwandte in Lehn-Gut-Streit-Sachen. L. 4. §. 3. \& 4. \& L. 5. ff. de appellat. L. 3. §. 2. ff. de liber. caus. Arg. c. 55. X. de appel- lat. L. sæpe, ff. de re judic. Nov. 112. c. 1. arg. L. 44. ff. de re judic. L. 1. §. 1. ff. à quibus appell. non licet. Appellation wann guͤltig oder nicht. §. 19. Jn Ehe-Sachen ist Appellation wohl zugelassen/ in pein- lichen aber/ oder kurtz-summarisch-augenblicklichen Besitz-Streit/ gilt keine Appellation, es waͤre denn der Beweiß schwer; in Eigenthums Execution s Verhinderung durch Appell. Klage und wo das Urtheil/ wegen Besitz-Recht/ ewige Wuͤrckung haͤtte/ so mag zur Execution s Verhinderung appellir et werden/ sonsten kan jedoch von der geurtheilten Sache Vollenziehung nicht appellir et wer- den/ ohne bey deren Ubertretung/ als wenn der Exequir er groͤssern Exequir ers Ubertetung verboten. Werths Pfand/ als die Schuld selbst ist/ ausnimmt/ oder auch seinen Befehls Graͤntze uͤbergeht/ und frembden Grundes Besitz einweiset. L. unic. C. si de moment. possess L. 5. princ. C. quor. appell. non recip. Nov. 123. c. 21. Appellation Recht/ so nach Einfuͤhrung verlassen. §. 20. Wann nun die Appellation nach der Einfuͤhrung verlassen/ muß der Oberrichter/ an welchen appellir t/ daruͤber sprechen/ und so fern der Appellante sich wegen Ungehorsams nicht entschuldigen kan/ wird er auch dieser Instanz Unkosten/ auff vorigen Richters Maͤßi- gung/ zu erstatten/ schuldig geurtheilet/ und Urtheils Vollentziehung Freveln Appel- lant en Straffe. zu selbigem Unterrichter verwiesen/ also daß wohl gesprochen/ und uͤbel davon appellir et/ jedoch zuweilen mit gewisser Erklaͤrung zu erken- nen. Eines freveln Appellant en Straffe kan sich/ nach der Sachen Be- schaffenheit/ biß 50. Marck Goldes erstrecken. L. ult. §. 4. C. de temp. appell. c. 70. §. ille denique X Eod. L. 6. §. 4. C. de appell. Appellation wegen Urtheils Nichtigkeit. §. 21. So kan auch binnen 10. Tagen Appellant en Fuͤrbringen nach wegen Urtheils Nichtigkeit von oberrichterlichen Amts wegen zu Recht erkannt werden/ daß in voriger Instanz nichtiglich gehandelt Obergerichts Erkaͤntniß we- gen richtigen Urtheils. und gesprochen/ also uͤberfluͤssig davon appellir et/ die Unkosten aber aus bewegenden Ursachen compensir et/ und dafern die Partheyen in der Haupt-Sache Spruch und Forderung nicht erlassen wollen/ soll es beym Obergericht geschehen und gehoͤret werden/ wann nemlich ein verworffener Richter fortfaͤhret in der Sache/ oder ein Theil seine Person zum Gerichts faͤhigen Stande nicht legitimir et/ oder Parthey nicht citir t. Urtheils Nich- tigkeit erst ein- zuwenden. L. 5. §. fin. ff. Except. doli. L. 41. ff. famil. hercisc. §. 22. Derowegen allezeit zu bitten/ vorhero uͤber die Nichtigkeit des Urtheils zu erkennen/ und wofern die nicht gegruͤndet befunden/ als- denn Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. denn und nicht eher/ auff die andere Klage der Ungerechtigkeit des vo- Supplications Mittel wann hilfft. rigen Spruchs zu urtheilen. Wann es nun eine oͤffentlich kundbare/ aus Act en erhellende/ alsbald erweißliche/ unwiederruffliche und gefaͤhrliche Nichtigkeit/ verhindert sie Execution; Nach dreyen gleich maͤßigen Urtheilen aber gilt dieser Vorwand nicht/ also hilfft auch Supplica- tions Mittel innerhalb 10. Tagen eingebracht/ anders wird das Ur- theil ohne genungsame Versicherung vollendet. Clem. 1. de sent \& re judic. L. 5. \& auth. seq. C. de prec. imper. offer. Auth. quæ supplicatio, C. Eod. §. 23. Endlich kan man auch bitten/ das Huͤlffsmittel nochmahligen Act en Revision Huͤlffsmittel/ wann zu be- gehren. Ubersehung der Act en/ welches binnen 4. Monat von abgesprochenem Urtheil zu begehren/ welches zwar die Execution nicht verweilet/ jedoch muß Gegentheil Buͤrgschafft leisten/ wegen Erstattung im Fall Ver- lusts/ wie auch Wieder-Einsetzung in vorigen Stand/ wegen Alters/ Restitution s- Mittel. Execution Auffschubs Recht. Betrug oder Abwesen/ so fern die wider das Urtheil eingewandte Be- schwerden nicht fuͤr unerheblich zu achten/ es muß aber die Sache nicht von geringer Summa/ auch Eyd dabey folgen/ hier wird Execution auffgeschoben/ wann auch Urtheils Vollziehung wegen Falschheit zu verschieben/ soll es der Unter-dem Oberrichter berichten. Nov. 119. c. 5. L. 1. ff. de offic. præs. prætor. L. 4. ff. \& L. 2. C. de appellat. c. 12. X. de re judic. c. pastoralis, §. præterea, X. de offic. judic. deleg. §. 24. Wann die Summa geringer als 300. Guͤlden/ oder sonst Appellation rechtliche Summa. nach jeden Orts Rechts uͤblichen Gewohnheiten/ die nemlich hierinn stets zu beobachten/ wann auch Urtheil wegen verlassener Appellations- Zeit gefaͤllet/ mag man nicht davon appellir en/ weilen ein Ungehorsa- mer solchen Rechts verluftig/ und erstes Urtheil zur Vollziehung er- wachsen/ daß also dem Uberwinder dieses ferner unschaͤdlich/ es sey denn/ Ungehoꝛsams Straffe ist Rechts Ver- lust. daß der ander Theil solches wichtigen Hinderungs Ursachen halber verlaͤugnet/ kan alsdann der Richter ihm in annoch streitiger Sache Appellation nicht weigern/ wofern aber die Appellation verlassen/ mag dennoch der Richter in der Sache nachforschen/ und gemeinen Nutzen Amts wegen jederzeit suchen/ weilen der Parthey Unfleiß Richters Amte unnachtheilig seyn muß. Clem. 6. de appell. L. 11. ff. de jurisdict. c. 45. X. de appell. §. 25. So mag man auch nicht appellir en von solcher Sachen Appellation worinn verbo- ten. Urtheil/ die keinen Verzug leiden/ und deren fruͤhzeitige Vollendung zu oͤffentlichem gemeinem Nutzen gehoͤrig/ als Soldaten Unterhalt/ ar- men Nahrung und Taglohn/ Obrigkeiten Pflicht-Schulden/ von Un- terthanen und sonst zu frommen Zwecks Erhaltung; Also auch/ wann O dem I. Buch/ Cap. X. dem Glaͤubiger Pfands Eusserung verstattet/ oder jemanden einige Straffe von Rechts wegen aufferleget/ wird keine Appellation ange- Appellation wann nicht anzunehmen. nommen/ es sey denn die That gelaͤugnet/ wie ebenmaͤßig von gar ge- ringen Sachen/ die nach wahrhafftem Ansehen weniger Nutzen schaf- fen/ als Unkosten betragen/ oder deren Beschwerden leicht zu ersetzen. L. ult. princ. \& §. 1. ff. de appell. recip. L. 4. \& ult. C. quor. appell. L. 244. ff. de V. S. L. 5. §. 2. ff. de jurejur. Appellation wann ferner unguͤltig. §. 26. Deßgleichen gilt keine Appellation, so fern das Urtheil aus gerichtlich geleistetem Eyds-Grunde verfasset/ oder die Parthey sol- ches Rechts sich begeben/ es waͤre denn eine neue Beschwerung/ deren vorhin nicht gedacht worden/ als geraume Zeit zur Bezahlung erbit- ten/ oder so jemand in der gantzen Sache/ nicht zu erscheinen/ noch zu ant- worten/ ungehorsam; ob schon er aber nicht schweren/ Urkunden ausge- ben/ noch Zeugen Verhoͤr und Urtheils Verfassung mit beyzuwohnen Willens/ so mag er jedoch wohl appellir en/ wie auch/ dafern etwa eine Person wegen Alter/ Geschlecht und Bauer-Stands zu entschuldigen/ ist Appellation ungeweigert/ wer aber bekannt oder zweymahln appel- lir et hat/ der wird ferner nicht zugelassen. L. 6. C. quor. appellat. non recip. L. 1. §. 3. ff. à quibus appell. non licet. L. 5. C. de re judic. L. un. C. liceat in ead. caus. §. 27 Falls nun Appellation foͤrmlich/ bestaͤndig und zu gebuͤhrender Appellation s rechtl. Form/ Materie An- nahm oder Verweisungs Recht. Rechtfertigung anerwachsen/ ist solches aus Act en zu befinden/ soll auch alles gerichtlich in Schrifften oder Klag Zuspruͤch-Auszuͤge und Erklaͤrung vom Munde in die Feder versetzet werden/ und was die Materie betrifft/ daß selbige nichtig und darinn fuͤr allen Dingen der Appellant mit seiner Verthaͤdigung zu hoͤren/ soll die Sache angenom- men/ eroͤrtert/ oder an vorigen Richter zuruͤck gewiesen seyn. §. 28. Wenn ein Urtheil zur Vollenziehung erwachsen/ so ist nichts Urtheils Voll- ziehung wann erschienen. mehr uͤbrig/ als daß solche geschehe/ entweder durch Besitz-Einnahm und Einfuͤhrung oder der zuerkanten Sachen Bezahlung/ oder derselben so wohl als anderer Guͤter Pfaͤndung. L. 26. ff. de pignor. act. Richters Amt von wegen Be- sitz-Einnahm und Einfuͤh- rung. §. 29. Besitz Einnahms-Einfuͤhrung geschicht durch angehoͤrigen Richter/ dadurch Uberwinder das gerichtliche Pfand erlangt/ so fern er wuͤrcklich zum Besitz eingebracht/ und nicht anders als durch blosse Einweisung/ welche das Pfand nicht auslieffert/ es stuͤnde denn nicht bey der Parthey/ oder waͤre Richters Unfleiß und Feinds Zeit halber daran verhindert worden/ und solcher Einfuͤhrung Zeichen ist ein Stuͤcklein Holtz aus der Thuͤr geschnitten. §. 30. Gegen Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. §. 30. Gegen zuerkanten Sachen Bezahlung aber gilt nichts/ als Urtheils Recht wegen erkann- ten Bezahlung dem Urtheil zu gehorsamen/ darum auch demjenigen/ so die Sache hat/ und dennoch nicht wiedergeben will/ dieselbe von ihm zu nehmen durch bewaffnete Hand/ aus des Richters Geheiß befugt seyn mag/ wer es anklaget; Jn persoͤnlichen Gerichts Sachen aber wird dem Verur- theilten 4. Monat Zeit gegeben/ ohne darinn/ wo gelehnt/ hinterlegt/ gekaufft oder verpfaͤndet Gut gesucht wird/ es waͤre denn allbereits verbracht/ daß zu dessen Schaͤtzung geklagt wuͤrde. §. \& si in rem, instit. de offic. judic. L. qui restituere, ff. de R. V. L. fin. C. de usur. rei judic. §. 31. So geschicht auch Execution auff Renthen und Haupt- Execution worinn ge- schehen soll. Summa/ nicht aber wegen Unkosten/ sie waͤren denn zuvor vom Rich- ter gemaͤßiget/ und nachdem die Pfaͤnde einen Monats lang in des Ex- ecutoris Verwahrung gewesen/ hernach wird Beklagter citirt/ und solche Guͤter durch erfahrne Leute geschaͤtzet/ und binnen 14. Tage ver- kaufft/ wann sie nicht geloͤset oder zur Bezahlung uͤbergeben. L. 8. ff. de Distract. pign. §. 32. Allwo nun keine Pfand-Verschreibung zu finden/ noch baar Beweglich Gut wann auszupfaͤn- den. Geld vorhanden/ soll man beweglich Gut annehmen/ welches auff ein halb Jahr/ einen Monat/ oder andere geraume Zeitlang/ nach Orts gewoͤhnlichem Recht/ im Gericht hinterlegt zu behalten/ wann es als- dann nicht ausgeloͤset wird/ mag es hernach oͤffentlich auctionir et werden. L. 31. \& 15. §. 3. ff. de re judic. §. 33. Wo sich aber kein Kaͤuffer einfindet/ wird es geschaͤtzet/ und Beweglichen Guts Schaͤ- tzungs Recht. Schuldners Guͤter Ver- zeichniß Pflicht. Execution Befoͤrderungs Mittel. dem Uberwinder an Bezahlung hingegeben/ und zwar soll man an de- nen Geringsten den Anfang machen; wofern hernach keine bewegliche Sachen mehr zur Stelle sind/ muß der Schuldner richtige Verzeichniß aller seiner Guͤter ausgeben/ und damit die Execution desto leichter zu verrichten/ ist der Schuldner rechtlich gehalten/ seiner Thuͤren/ Kasten und andern Behalts Schraͤncke/ darinn man solche bewegliche Sa- chen zu verwahren pflegt/ zu entdecken und deren Schloͤsser zu eroͤffnen. §. 34. Allwo demnechst bewegliche Guͤter mangeln oder solche Unbeweglich Gut was dazu gerechnet. vorhanden/ welche so leicht keinen Kauffmann finden moͤgen/ soll man zu unbeweglichen fortschreiten/ wobey jaͤhrliche Gefaͤlle/ Jagt-Recht und Bauren-Dienst gehoͤrig; So mag man um Schulden halber wohl auspfaͤnden/ jedoch nicht selbst/ sondern durch derer Obrigkeiten Huͤlffe/ und soll man alsdenn erstlich Geld nehmen allwo es verhan- O 2 den/ I. Buch/ Cap. X. den/ wo aber kein Geld zu finden/ soll man bewegliche Guͤter nehmen. Tot. tit. ff. \& C. de rei judic. Exec. L. 13. ff. quod metus caus. L. si quis, L. memi- nerint, C. unde vi. L. 12. §. fin. ff. de religios. L. 15. §. 11. cum seq. ff. de re judic. L. 2. § mutui, ff. si cert. pet. L. 1. ff. de contrah. Emt. arg. L. 2. C. de privil. dom. L. 15. §. 2. ff. de re judic. L. 15. §. 3. \& 8. ff. Eod. L. 5. C. de Exec. rei judic. Schuldners Schuldner Ex- ecution Recht. §. 35. Wann nun durch verhandene bewegliche Guͤter die Schuld nicht kan bezahlet werden/ soll man unbewegliche angreiffen/ wofern auch endlich diese nicht genugsam/ sollen des Schuldners ausstehende Schulden ergriffen werden/ welche Schuldner die Obrigkeit fuͤr sich fordern soll/ und wann sie die Schuld gestehen/ muͤssen sie dieselbige an ihres Glaͤubigers Creditorn, so Schulden halber ausgepfaͤndet worden/ hinweisen zu bezahlen. Schulden Ex- ecution Vor- zugs Recht. §. 36. So muß nun also meines Schuldners Schuldner exequi- ret werden/ wann nur die Schulden gestaͤndig sind; wann aber der Schuldner selbst/ vor unbeweglichen Guts Veraͤusserung/ Execution auff seine Schulden begehret/ ist er aus Billigkeit zu hoͤren/ wann selbi- ge gestaͤndig und leicht zu gewinnen. L. 15. §. 9. ff. de re judic. Unbeweglichẽ Guts Einnah- me Recht. §. 37. Bey unbeweglichen Guts Einnahme ist zu beobachten/ daß man solches erwehle/ welches dem Schuldner am wenigsten noͤthig oder schaͤdlich sey/ davon jedoch dem Glaͤubiger vergnuͤgsame Be- zahlung geschehen koͤnne/ weilen man auch einer geringen Schuld hal- Renthen und Zinß-Guͤter Freyheit. ben nicht Guͤter von groͤsserm Werth veraͤussern/ oder liegende Bau- ren oder Zinß-Guͤter/ davon gewisse Dienste geleistet/ ja Renten und Zinsen bezahlet werden/ nicht zertheilen noch verwuͤsten lassen muß. L. 5. §. 9. ff. de rebus eorum, qui sub tut. Acker und Bauren Guts Hauß oder Schifs Gereit- schafft Recht. Handwercks Zeug-Bett und Haußge- raͤthe Freyheit bey Pfaͤndun- gen. §. 38. Was zum Ackerbau/ derer Bauren oder Land-Einwoh- ner Arbeit noͤthig/ als Zieh-Roß/ Ochsen/ Pflug/ Wagen und sonst andere Hauß oder Schiffs-Geschirr/ soll man nicht annehmen/ noch auspfaͤnden/ wie auch keine nothwendige derer Handwercks Leute und Kuͤnstler Werckzeuge/ noch Betten und ander hochbenoͤthigtes Hauß- geraͤthe/ ohne bey vorfallendem Mangel anderer auch unbeweglichen Guͤter/ ja man soll gar Ackers-Leuten auff kuͤnfftige Fruͤchte/ nicht anders/ als auff gewoͤhnlichen Preiß und Erndte Schlag/ etwas leihen/ so ist auch nicht uͤber 5. Guͤlden Renthe von Hundert erlaubet. L. 7. Executores, cum l. seq. Auth. Agri cultores, C. quæ res pign. oblig. poss. arg. L. 6. ff. de pign. Nov. 32. 33. \& 34. §. 39. So Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. §. 39. So kan auch Execution verhindert werden durch Rechts Execution Verhinde- rungs Mittel. Wohlthat u. Freyheit/ den Schuldner nicht weiter zu belangen/ als wie viel er unschwer thun kan/ und dieses koͤmmt denen zu statten/ so durch Krieg und Ungluͤck verarmet sind; was nun in sonderlichen Faͤllen ent- schlossen/ soll nicht zur jeden Nachfolge hingezogen/ und ordentlich ge- halten seyn. L. 16. \& seqq. ff. de re judic. §. 40. Sonst aber in peinlichen Sachen ist Urtheils Execution Execution des Urtheils wann nicht zu ver- schicken. nach Eroͤffnung und hoͤhern Obrigkeit Bestaͤrckung nicht lange zu ver- schieben/ sondern eiligst zu vollenden/ auff daß Beklagter mit langwie- rigem Gefaͤngniß nicht geqvaͤlet/ und/ inzwischen die Straff-Rache ver- zogen/ etwan Gelegenheit suchte/ durch boͤse Kuͤnste/ solche zu meiden. L. 5. C. de custod. reor. L. 18. C. de pœnis. §. 41. Ob schon dem Cammer-Gericht sein starcker Lauff gelassen/ Cammer Ge- richts Lauff nicht zu hin- dern. Receß und Vortraͤge Recht. und ihm alle Stunde die Partheyen gebuͤhrenden Gehorsam leisten sollen/ so mag dennoch ein Oberrichter eine beym Untergericht anhan- gende Sache/ eigenes Gefallens/ oder auff Parthey Anhalten zu sich beruffen/ und darinn uetheilen. Vor Abfassung des Urtheils aber sollen alle gerichtliche Fuͤrtraͤge vorgenommen/ mit Fleiß erwogen/ und so dann darauff uͤblichen Rechts berathen werden/ ehe denn Execution geschehen mag. C. 96. X. de appellat. L. 58. ff. de judic. P. H. O. art. 92. §. 42. Und ist jederzeit zu mercken/ daß niemand auff einige blosse Anzeig-Ver- muthung und Verdachts Recht zur peinlichẽ Fra. ge uñ Straffe. Anzeig- und Vermuthung/ ohne Beweiß oder eigene Bekaͤntniß/ zu peinlicher Straffe/ sondern nur auff genungsamen Verdacht und Arg- wohns Wahrzeichen/ zur peinlichen Frage mag verurtheilet werden/ als so jemand auslauffend irgend wo mit entbloͤssetem Degen gesehen worden/ daselbst ein Todter gefunden/ kan es darum wohl ein ander/ oder auch selbiger/ aus Noth/ ohne Schuld/ gethan haben. P. H. O. Art. 22. L. 5 ff. \& L. 16. C. de pœn. L. 14. C. de accus. L. fin. C. de probat. L. 3. \& 6. ff. de Confess L. 25. in fin. ff. ad L. Aquil. §. 43. Urtheils Execution mag jedoch verschoben werden/ wann Urtheils Exe- cution Ver- schub. etwan gegen Beklagten noch ferner eines andern schweren Verbrechens Nachforschung anzustellen vorfiele/ biß solche geendiget/ damit kein Unschuldiger darinn verwickelt werde; deßgleichen wann irgend ein Auffruhr daruͤber zu besorgen/ wiewohl dennoch allhier bißweilen/ nach Fuͤrsten Strengheit wie zu mil- dern. Richters klugem Ermessen derer Auffruͤhrer Gemuͤther zu brechen/ fruͤhzeitigen Beschleunigung von noͤthen; oder wann der Fuͤrst ein uͤber- O 3 natuͤr- I. Buch/ Cap. X. natuͤrlich gestrenges Urtheil begehret/ soll man binnen 30. Tagen ein anders erbitten. Urtheils Exe- cution fernere Hinderungs Mittel. §. 44. Item, wofern derer Zeugen Falfchheit entdecket/ ob des Beklagten Unschuld erscheinen moͤchte/ oder wann der Verurtheilte zu- vor seinem Herrn Rechnung thun muͤste/ welches vom Herrn zu befoͤr- dern/ oder so fern noch mehr wegen derer Mitbeschuldigten und Ver- brechens Gesellen zu erforschen noͤthig. Falls man aber selbigen nicht habhafft werden mag/ so ist die Flucht und Verdammten Bekaͤntniß Anzeigung genung. L. 1. C. de bonis proscript. L. 20. C. de pœn. L. 29. ff. Eod. Verurtheilten Personen Kranckheit o- der Weibes Schwanger- heit Recht. §. 45. Oder wann die zur Leibes-nicht aber Lebens-Straffe ver- urtheite Person kranck waͤre/ damit nicht durch Leibes-Qvaal der Todes-Fall befoͤrdert werden moͤge/ oder so eine Weibes Person mit Leibes-Frucht schwanger/ soll man ihre Straffe verziehen/ daß die un- schuldige Geburt mit der schuldigen Mutter nicht vertilget werde/ noch durch andere Leibes-Straffen Schaden bekomme/ nemlich sechs Wochen nach Geburt-Zeiten Verlauff/ oder wann sonsten einiger Unschuld Grund zu mercken/ oder ein Richter an gerechtem Urtheil zweiffelte/ oder sonsten eine Billigkeits Ursache Auffschubs berathen moͤchte. L. 3. ff. de pœn. Draͤuungs halben Versi- cherung ist Ge- faͤngniß. §. 46. Wie auch/ so einer zur Geissel- oder Verweisung verurthei- let/ der Obrigkeit oder Stadt draͤuet/ so mag er im Gefaͤngniß behal- ten werden/ biß er deßfalls genungsame Versicherung geleistet; es muß aber eine rechtschaffene Furcht wegen Bedrohung seyn/ daß die Per- Friedbruchs Straffe wer gehalten. son verdaͤchtig waͤre/ darum auch offenen Friedbruchs Straffe gehal- ten/ wer mit Fuͤrsatz oder bewaͤhrter Hand gefaͤhr- und freventlich ei- nes andern Recht verschwaͤchet/ und hat jede Obrigkeit Rechtens Huͤlff-Mittel sich zu schuͤtzen/ und ihren Gehorsam zu erzwingen/ als Obrigkeiten rechtliche Zwangs Mit- tel. Pfaͤndung/ Personen Arrest und Gefaͤngniß/ wie auch Guͤter Be- schlag/ deren Besitz-Einfuͤhrung/ Geld-Bussen und anderer Straffen Aufflagen. P. H. O. Art. 176. Execution Zeit-Raum/ wann gar nicht zu vergoͤnnen. §. 47. Wann auch jemand einer Ubelthat wegen belanget/ oder die Sache zu leisten alsbald vermag/ und das Geld zur Hand hat/ oder Gefahr beym Verzug verhanden/ daß Nahrungs-Mittel begehret/ oder Alters Gunst und gemeiner Nutz Beschleunigung erfordert/ so wird einiger Zeit-Raum nicht verstattet/ jedoch soll verhero dem Schuld- Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. Schuldner Ankuͤndigung geschehen/ in einer benannten Zeit zu bezah- len/ oder Pfaͤndung-Dienste Verbot- und Einweisung gewaͤrtig zu seyn; alsdann bey Einnahme und Guts-Veraͤuserung soll man erst- lich zusehen/ ob der Uberwinder Pfand Verschreibung habe/ so mag in solchen Pfand-Guͤtern/ nach Belieben/ zufoͤrderst exequir et werden. L. 2. 15. \& 31. ff. de re judic. §. 48. Nachdem sich auch zu Zeiten Proceß und Urtheils Nichtig- Proceß Nich- tigkeit Ver- folg. keit/ an Untergerichten begangen/ befinden/ sollen dieselben/ welche der- gleichen von voriger Rechtfertigung vorzuwenden gesinnet/ solcher abgesprochenen Urtheile vermeynte Beschwerden und Ungerechtig- keiten mit einander zugleich also einbringen/ und bitten daruͤber zu er- kennen/ und ob die Nichtigkeit unbegruͤndet/ alsdenn auff die andere Klage recht zu sprechen/ damit zwiefaltiger Rechtfertigung Verzug Proceß wann Nichtigkeit halben nicht gar verworf- fen. ab geschnitten/ und Proceß-gefaͤhrliche Verlaͤngerung gemieden wer- de/ sondern so bald muͤglich/ in der Haupt-Sache zu erkennen/ Falls aber die angezogene Nichtigkeit der Parthey kein unwiederbringliches Unrecht zufuͤget/ soll der Proceß/ anderer Unfoͤrmlichkeit wegen/ nicht verworffen seyn. §. 49. Nichtigkeit des Urtheils Vorwand hebt dessen Vollen- Urtheils Nich- tigkeit Vor- wandt Recht. ziehung auff/ also auch untuͤchtigen Zeugen Verwerffung/ deßgleichen 20. jaͤhrige Verjaͤhrungs-Frist vernichtet aller Verbrechen Straffe ohne in Todtschlags Sachen/ massen das Erdreich allzeit vom Blut zu reinigen/ und zwar laufft keine Verjaͤhrung waͤhrender Thaͤters Flucht; also Betrug oder andern Verbrechen Auszug waͤhret ewig/ so faͤnget Verjaͤhrung an bey verborgenen Missethaten vom Tage/ da sie begangen/ und nicht/ da solche erst bekandt worden/ darum wenn Ver- Verjaͤhrungs- Frist Recht in Verbrechen. jaͤhrung aus denen Act en erhellet/ mag der Richter was Rechten ge- maͤß Amts wegen erfuͤllen/ und einen/ der sein Verbrechen bekannt/ Verjaͤhrungs-Frist aber nicht vorgeschuͤtzt/ dennoch frey und loßspre- chen. Arg. L. libellorum §. 1. ff. de accus. L. 15. §. fin. ff. de adult. L. 1. ff. si mens. fals. mod. dix. L. 12. C. de fals. L. 5. §. fin. de Except. doli. L. 3. §. 5. ff. quod quisq; juris. L. 11. §. 4. \& arg. L. 29. §. 5. ff. de adult. §. 50. So werden nun alle Verbrechen mit Todes-Fall abgebuͤs- Execution Verbrechen Straff-Bus- sen. set/ ausgenommen Ketzerey/ welches nicht zu verstehen von denen/ die des Religion Friedens geniessen/ welche man nicht bey Lebzeiten we- niger im Tode verfolget. Also das Laster beleidigten Majestaͤt und Ver- rath gegen einen Fuͤrsten verstirbt nicht/ wann der Todte dessen ge- nugsam uͤberwiesen; deßgleichen wenn einer/ wegen oͤffentlicher Ubel- that/ I. Buch/ Cap. X. that/ zu Guͤter Verlust Straffe verurtheilet/ wird solches nach des Be- klagten Tode zur Execution gebracht/ wofern davon nicht appellir et; Verbrechen Recht/ so mit Todesfall ge- buͤsset oder nicht. also/ wann das Urtheil Geld-Straffe anbelanget/ oder nach Gewohn- heit durch Folgerey dahin gezogen/ welches aber von Rechts wegen nicht zu geschehen pfleget in peinlichen/ wohl aber allzeit in buͤrgerlichen Klagen/ wie auch in gottlosem verbotenem Wucher-Laster. L. 4. C. de Apost. L. fin. ff. ad L. Pomp. L. 19. §. 1. ff. de fals. §. 1. instit. de perpet. \& temp. act. L. 3. pen. \& ult. C. si reus vel accus. mort. L. 1. princ. ff. de privat. delict. L. 4. §. 4. C. de ff. \& Manich. L. fin. C. ad L. Jul. Maj. L. 20. ff. de ac- cusat. L. un. C. ex del. def. L. 3. C. si pend. app. mors interv. Auth. bona damn. C. de bon. proscr. L. 58. ff. de O. \& A. L. 164. ff. de R. J. Nov. 12. c. 1. L. 2. de crim. Repet. L. fin. ff. ad L. Jul. pecul. c. 9. X. de usur. Erben Recht mit Proceß Verfolgung wegen Ver- storbenen Un- schuld. Todten Coͤꝛper wann zu be- straffen. Selbstmoͤrder Leichnam Straffe. Exempel- Straffe zum Abscheu. §. 51. Wann in peinl. Sachen der Erbe Proceß Verfolgung begeh- ret/ um des Verstorbenen Unschuld zu retten/ mag es auch geschehen in buͤrgerlichen ebenmaͤßig/ sonsten ist es bey Verbrechen nur in Geld- Straffen zu verstehen/ massen der todte Coͤrper nicht leicht zu straffen/ es haͤtte denn der Verstorbene selbst die That bekennet/ oder waͤre zur Gnuͤge uͤberwunden/ alsdann/ wann er Guͤter und Lebens verlustig erkannt/ und aus Furcht der Straffe sich selbsten umbracht haͤtte/ so ist kein Zweiffel/ daß Beklagten todter Leichnam nach der That Beschaf- fenheit verbrandt oder auffgehenckt werden moͤge; wann aber Be- klagter natuͤrlichen Todes verblichen/ ob schon er bekennet und uͤber- wiesen/ wird an dessen Leichnam nicht offt zum Abscheu Exempel der Straffe fuͤrgestellet/ ohne in greulichen Ubelthaten; wann auch nur Vermuthungen gegen ihn streiten/ waͤre er nicht zu verdammen. L. fin. C. de probat. Verstorbenen Gedaͤchtniß Freyheit we- gen obrigkeit- lichen Anspra- che. §. 52. Endlich ist zu mercken/ daß Obrigkeit eines Verstorbenen Gedaͤchtniß weder anklagen noch anders gegen ihn gerichtlich klagen mag/ ohne binnen 5. Jahren/ nach gemeinem Recht gilt auch Appella- tion, den Nachforschungs-Proceß zu hemmen und auffzuhalten/ also wann Beklagter den Richter verdaͤchtig haͤlt/ jedoch muß er Argwohns Ursachen zeigen und erweisen. L. 2. C. de Apost. L. 6. ff. de Appell. L. 29. \& seq. C. Eod. L. apertissimi C. de judic. c. 5. X. de Except. Execution wer verrichten muß. Geist-uñ welt- lichen Richter Arms Huͤlffe. §. 53. Jnsgemein wird Execution verrichtet vom Richter oder durch dessen Geheiß/ welcher das Urtheil abgesprochen/ auch bißweilen von abgeordneten Fuͤrstl Commissari en/ durch Gerichts-Diener/ und wo es von noͤthen/ mit andern Richters Huͤlffe/ wegen solcher unter frembden Gericht gelegenen-Grund Guͤter/ oder wann ein geistlicher Richter/ Von Urtheils Appellation, Execution und Vernichtung. Richter zu dessen Vollenziehung weltlichen Rechts Arms beduͤrfftig/ Urtheil sonich- tig zur Execu- tion. und also im Gegentheil/ so fern die weltliche Obrigkeit des geistlichen Arms Huͤlffe benoͤthiget; kein Richter aber soll gnaͤdiger verfahren/ als das Recht vermag/ weilen Urtheil gegen das Gesetz gefaͤllet von Rechts wegen nichtig zur Execution. C. 7. 26. \& 28. X. de offic. jud. deleg. L. 11. ff. de pœnis. L. 19. ff. de appellat. c. 1. X. de sent. \& re judic. §. 54. Es mag auch kein exequir ender Richter uͤber deren Ver- Execution Richter Amts Pflicht. urtheilten eingewandte Ausfluͤchte erkennen/ dadurch etwa das Ur- theil angefochten wuͤrde/ jedoch so fern sie die Haupt-Sache nicht be- ruͤhren/ sondern nur der Executions Ordnung betreffen/ oder einigen Vergeltung/ Lebens-Mittel/ nicht bezahlten Werths und Vertheilung halber/ oder einigen Befehls Wuͤrckung/ Klagen Abstand/ gottlosen Wucher/ Rechnungs Jrrthum und andere Nichtigkeit angehen/ mag er bey der Execution daruͤber urtheilen/ und soll ein Richter bewiesener Warheit gemaͤß/ und nicht nach Wissen oder Gewissen Urtheil spre- chen/ sondern viel lieber Gerichts sich enthalten. L. 6. \& pen. C. de Exec. rei jud. L. 15. §. in venditione \& §. 4. ff. de re judic. L. 11. C. de SCt. Maced. L. licet, C. de procurat. §. 55. So geschicht nun Urtheils Vollendung gegen den Ver- Execution o- der Urtheils Vollendung gegen wen ge- schicht. Execution Wiederse- tzungs Recht wegen Inter- esse. Act en-maͤßi- ges Urtheil/ da- gegen Boßheit zu vermuthen. dammten selbst/ auch gegen dessen Guͤter und Erben/ oder gerichtlichen Buͤrgen/ welcher nach Urtheils Jnhalt zu bezahlen sich verpflichtet/ ge- gen Vormund und Fuͤrsprecher aber ergehet keine Execution, wie auch nicht gegen einen/ der im Gericht unbekandt/ es waͤre denn eines solchen dritten Manns Recht des Streitenden Gerechtigkeit anhaͤn- gig/ oder so es einer streitigen Sache Kaͤuffer angienge/ dahero auch ein Dritter zwischen kommen/ und sich der gegen Verurtheilten angestell- ten Execution wegen seines Interesse widersetzen kan/ so fern er es einiger massen kuͤrtzlich erweisen will/ sonst aber bey Boßheit Ver- muthung wird er nicht gehoͤret/ so fern es nemlich ein Recht und Act en- maͤßiges Urtheil. L. 44. ff. de re judic. L. 29. §. 1. in fine ff. de probat. L. 4. §. 1. ff. de re judic. L. 4. \& 14. ff. de Except. L. sæpe, ff. de re judic. L. 2. C. de Litigios. L. 57. ff. de R. V. c. 6. de restit. §. 56. Da sich nun jemand beklagen wuͤrde/ daß in peinlicher Lei- Unrechtmaͤßi- gen Urtheils Anklage. Proceß Nich- tigkeit Ersu- chen Recht. bes-Straffe belangenden Sachen er ungehoͤrt und unerfordert/ also nichtiger massen wider natuͤrlichen Vernunfft Billigkeit gegen ihm gehandelt und verurtheilet/ derohalben und fuͤrnemlich um Proceß- Nichtigkeit zu ersuchen genoͤthiget/ so fern alsdann beruͤhrten Ange- P klagten I. Buch/ Cap. XI. Rechtliche Huͤlffe wohin zu verweisen. klagten Handlung/ der Richter in Ausfuͤhrung der Sache/ nach besche- hener Ladung/ also ungerecht erfunden/ soll Beklagtem darauff rechtliche Huͤlffe mitgetheilet/ und die Haupt-Sache an ordentliche Obrigkeit/ rechtmaͤßig darinn zu erkennen/ foͤrmlich wieder hin gewiesen werden. Fiscals sum- mari sche Inqui- sition wer an- zusprechen be- fugt ist. §. 57. Auff daß nun Unterthanen spuͤhren moͤgen/ daß niemand ungebuͤhrlich mit Straffe zu belegen gemeynet/ Falls einer/ wes Stan- des er sey/ straffbar angegeben/ sich beduͤncken liesse/ daß ihm durch Fiscals summari sche Inquisition zu viel geschehen/ und sich also nicht ab- finden/ sondern seine Unschuld ausfuͤhren wolte/ soll ihm auff Begeh- ren ordentlicher Proceß/ und unpartheyliche der Sachen Erkaͤntniß/ Fiscals Pflicht in Verantwor- tungs Proceß. dergestalt wie rechtlich angestellet werden/ daß nemlich der Fiscal sei- ne Klage gerichtlich anbringen/ darauff Beklagter gehoͤret/ Beweiß und Gegenbeweiß gefuͤhret/ oder nothduͤrfftige Erkundigung auffge- nommen/ und endlich rechtmaͤßiger Ausspruch daruͤber ergehen und folgen soll. Caput XI. Von Augenschein und Graͤntz-Besichtigung/ Landmessern und Feldscheidung. §. 1. Provintz und Gebiets- Graͤntzen Recht. A ller Provintzen und Gebiets Graͤntzen sind insgemein ewig und unbeweglich/ als Fluͤsse/ Baͤche/ Huͤgel/ Berge/ Felsen/ Brun- nen und dergleichen/ wer solche diebisch veraͤndert/ wird jedoch ausser ordentlich gestrafft/ weilen sie eigentlich der Nachbarn Eigenthum nicht sind. Land-Gꝛaͤntzen Anzeig-Recht. §. 2. Land-Graͤntz-Wehr und Graben zeigen offt an/ wie weit eines Landes Herrn Gerechtigkeit ergeht/ welche durch unerdenckliche Gewohnheit/ oder eintzige vom Gegentheil erlittene Handlung oder Steuer-Samlung/ Befehl Verkuͤndigung/ Lehns Verstattung oder Erb-Nachfolge zu erweisen/ und diese lassen sich durch Wasserfluthen vermehren/ hieraus entsteht darnach Bruͤcken/ Hafen und Fisch- Wasser/ als Heringfangs Zollrecht/ samt Faͤhr-Gelds Pflicht/ wel- ches auffzubuͤrden/ vermehren/ oder gar zu mindern und davon befreyẽ/ beym Landes-Herrn allein steht. L. 3. §. 1. ff. de possess. c. 14. de privileg. L. 5. ff. de jurisd. C. un. quæ sint regal. L. 239. ff. de V. S. §. 20. instit. de rer. divis. §. 1. \& §. Riparum instit. \& L. 5. ff. de rer. divis. L. 14. ff. de injur. Nov. 56. L. 13. ff. comm. præd. §. 3. Zur Von Graͤntz-Besichtig. Landmessern u. Feldscheidung. §. 3. Zur Graͤntzen Entscheidung ist augenscheinliche Besichti- Graͤntzen Ent- scheidung/ Au- genschein Be- sichtigungs Recht. gung des Richters noͤthig/ also verhaͤlt sichs auch mit Gebaͤuden/ wo- fern einer klagt/ der ander hab ihn uͤberbauet/ uͤberzaͤunet/ uͤberackert oder uͤbermaͤdet/ solches muß durch oͤffentliche Beschauung und or- dentliche Kundschafft eroͤrtert werden; wenn nun durch Brieffe und Siegel/ oder lebendige Urkunden/ die rechte Graͤntze bewiesen wird/ so bleibt es dabey. L. 8. §. 1. ff. fin. reg. C. cum causam Extr. de probat. L. cum aliquis, C. de jur. de- liber. L. 11. ff. fin. regund. Auth. quas actiones C. de SS. Eccles. §. quædam, in fin. instit. de action. §. 4. So aber solche Zeugen oder Brieffe nicht vorhanden/ muß Zeugen oder Brieff Anzei- gungs Recht. man nach andern Anzeigungen sich umsehen/ und soll hernach alles/ nach Befindung und Erkundigung/ gerichtet und geschlichtet/ oder im Zweiffel die Partheyen durch guͤtliche Wege vertragen seyn/ damit niemand verkuͤrtzet werde bey solchen nachbarlichen Jrrungen/ darum Allgemeinen Geschreyes Anzeigen. Augenschein in gewissen Faͤllen/ ebenfalls wie oͤffentlich oder gemeines Geschrey/ als auch starcke glaubwuͤrdige Vermuthungen/ klare An- zeigungen und Warheiten/ zum Beweiß gebracht werden. L. 2. 3. 4. §. si alter, ff. fin. regund. L. 1. §. inde quaritur, ff. de oper. nov. nunc. C. fin. Extr. de transact. L. quæ tutores §. 1. C. de administr. tut. §. 5. Und solcher augenscheinliche Besichtigungs-Beweiß kan Augenschein Besichtigungs Beweiß Vor- recht. wegen seiner Vortrefflichkeit nach Zeugniß Eroͤffnung und Erfahrung/ nach der Sachen Beschluß/ ja wohl gar nach allbereits geurtheiltem Streit/ gestattet werden/ weilen daraus Zeugen und Schrifften Falschheit/ so wohl als Richters Jrrthum erhellet/ auch solchem Be- weiß alle widrige Vermuthung weichen muß. L. admonendi, ff. de jurejur. arg. C. fraternitatis, circa medium, Ext. de frig. \& malef. L. 33. ff. de re judic. Tot. tit. C. si ex fals. instrum. L. 137. §. 2. ff. de verb. obl. c. pen. X. de probat. §. 6. Wann aber nicht aus blosser Geschichten Erscheinung/ son- Augenschein wann einzu- nehmen. dern auch mit Bauren Zeugniß einig Vorhaben zu erweisen steht/ so muß der Augenschein vor der Sachen Beschluß/ Bestechung und fal- schen Anstifftungs-Furcht halber/ eingenommen seyn/ wie ebenmaͤs- Augenscheins Recht nach End-Urtheil. Steinhauffen Anzeig-Recht. Fußtapffen Spuhr-Recht. sig nach der Sachen End-Urtheil keine Besichtigung zugelassen/ wann nicht aus derselben allein/ sondern mit denen daraus entstehenden Muthmassungen/ etwas zu begruͤnden vorfaͤllt; als einen Steinhauf- fen mag man wohl sehen/ daß er aber Graͤntzscheidung anzeiget/ muß man von Zeugen vernehmen und lernen; So auch aus Gleichheit der Spuhren kan man nur wissen/ daß sie jemandes Schue oder Fußtapf- fen aͤhnlich sind. P 2 §. 7. Wann I. Buch/ Cap. XI. §. 7. Wann nun in Graͤntzen oder Gebiets-Scheidung oder neuen Augenschein und Besichti- gungs Termin Art uñ Weise. Wercks Ankuͤndigung/ auch annoch nicht zugefuͤgeten Schadens Ver- sicherung und andern deßgleichen streitigen Sachen/ als jemandes Schwach- und Unvermoͤgenheit darzu thun/ oder so fern von nothwen- digen und nutzbaren Unkosten Frage entstanden/ auch Grentz- und Mahl-Stein Auffschrifften zu berichten/ oder von Wunden Be- schaffenheit/ Zeitigung der Geburt/ Schwanger- und Jungferschaff- Verschiedene Augenscheins Zufaͤlle. ten/ von derer in Staͤdten oder Doͤrffern liegenden Guͤtern Dienst- barkeit/ hartem Gefaͤngniß/ von Marck-Plaͤtzen/ was etwa darauff zu verkauffen gebracht wird/ von Mahl-Zeichen Beruͤhrung in Hexerey Commissari en Bestellung/ Partheyen Ci- ti rung uñ Zeu- gen Examen. Sachen/ oder wofern eines an Graͤntzen begangenen Mords wegen angehoͤrigen Gerichts Streit vorgefallen/ Augenschein und Besichti- gung einzuziehen/ und dazu gewisse Commissari en bestellt worden/ so sollen beyde Theile auff einen bestimmten Tag dazu beruffen werden/ samt denen Zeugen/ so man dabey examinir en muß. Augenschein oder Besichti- gungs Proceß/ wie vorzuneh- men. §. 8. Als wann von einem gewissen Baum Rede vorkoͤmmt/ ob er zur Graͤntze gehoͤrig/ so ist am besten/ nach vorhero abgelegtem Eyd/ die Zeugen zur gegenwaͤrtigen Sache hinzufuͤhren/ und jedern abson- derlich davon zu verhoͤren/ um richtige Nachricht zu gewinnen/ als- Commissari en oder Richter Amt. Schreiber Eyd und Pflicht bey Augenschein Haͤndel. dann auch der/ welcher Beweiß fuͤhret/ streitigen Orts Graͤntze zu erst anweisen muß/ allwo aber Besitzer es verweigern wollen/ moͤgen Com- missari en oder Richter sie mit Straff-Bussen Befehl zwingen; End- lich und zuletzt muß alles/ was daselbst verhandelt wird/ durch dazu mitgenommene und beygefuͤhrte Schreiber/ die deßfalls schweren sol- len/ getreu und redlich angezeichnet werden. Partheyen Pflicht richti- gen Abriß bey Graͤntzschei- dungen einzu- lieffern. Buͤrgerlichen Schad- oder Straff-Buß- Klage Unter- scheid. Peinliche Straffe was zu nennen. §. 9. Wann sonst um Graͤntzen/ Weidgang/ Jagen und andere dergleichen Gerechtsamkeiten/ Augenschein zu nehmen von noͤthen thut/ so soll/ zu Richters bessern Unterrichtung/ jede Parthey insonder- heit einen richtigen Abriß einzulieffern schuldig seyn/ auff daß bey de- ren gegen einander Haltung leichtlich erscheinen moͤge/ worinn sie einig oder zwiespaltig/ und was dahero einem oder andern Theil zu be- weisen oblieget; wiewohl dabey auch sonst zu mercken ist der Unter- scheid zwischen einer buͤrgerlichen Schad-Klage/ dadurch der Parthey die Geld-Straffe nebst Erstattung verursachten Schadens und Un- kostens zuerkannt wird/ und zwischen einer buͤrgerlichen Straffe oder Buß-Klage/ dadurch der Obrigkeit/ die Geld-Busse zugeeignet/ heim- faͤllet/ sonst ist Leibes/ Lebens oder Ehren-Straffe peinlich zu nen- nen. §. 10. Land Von Graͤntz-Besichtig. Landmessern u. Feldscheidung. §. 10. Land oder Gesamt-Guͤter Theilung zu begehren/ gebuͤhret Land-Guͤter Theilungs Be- gehr wem zu- kommt. denen Eigenthums Herrn/ nicht aber ihren Meyern/ viel weniger de- nen/ die solche bittweise oder heimlich besitzen/ es waͤre denn ein Stuͤck verdorben/ oder nicht mehr allgemein/ uͤber dasjenige aber/ so dem Rich- ter vorgebracht wird/ erstrecket sich dessen Macht nicht/ sondern nur was streitig ist/ soll er theilen/ oder nach Landes Graͤntzen Abmessung einem jedern sein gemessen Theil bescheiden/ oder was sich nicht theilen laͤst/ Abwechselungs Gebrauch/ oder einem das Stuͤck/ dem andern dessen geschaͤtzten Werth zuurtheilen/ oder gleiches Recht dem Loß ver- Richters Amt bey Landguͤter Theilung. trauen/ ja allen Schaden und Vortheil zu vergleichen suchen/ wie auch aller Gesellen Thaten/ List oder Schuld und muthwillige Versaͤum- niß bestens zu versuͤhnen. L. 6. in princ. L. 11. ff. commun. divid. L. 4. §. hoc judicium. L. 7. §. 5. ff. Eod. L. 34. §. 1. C. de donat. L. fin. C. comm. de Legat. L. 20. ff. comm. divid. L. 9. §. fin. \& L. 3. §. 2. ff. Eod. §. 11. Frieden zu erhalten und Waffen-Streit unter Nachbarn Graͤntz- und Feldscheidñgs Gerechtigkeit. zu verhuͤten/ ist Graͤntz-Recht bestellt/ daß Feld und Aecker ihre Maaß/ Ziel und Scheidung haben/ dahero viel daran gelegen/ auch in Gottes Gesetz verboten/ solche nicht zu verruͤcken noch veraͤndern; Wann nun ein Landmesser/ durch Betrugs Arglist/ faͤlschlich besche- hene Ankuͤndigung/ falsche Messung anzeiget/ ausgiebt und vorwendet/ Richterliche Amts Huͤlffe wegen unge- rechten Land- messung. muß er alles Interesse bezahlen. Wofern er aber unerfahren oder saͤu- mig verfaͤhret/ ist er zwar sicher/ und wird die Schuld dem zugerech- net/ der ihn dabey gefuͤhret/ jedoch mag man richterliche Amts- Huͤlffe begehren/ und klagend ansuchen/ daß derer Messer und Schaͤ- tzer/ die aus ihrer Kunst-Erfahrenheit gesprochen/ Urtheil-Meß- und Landmessungs Vernichtung und Wieder- ruff. Schaͤtzung/ nach erwiesenem Unverstand/ noch fuͤr richterlichen Erkaͤnt- niß Ausspruch moͤge vernichtet/ zuruͤck gezogen und wiederruffen werden/ damit niemand dadurch bevortheilet seyn moͤge. Deut. XIX, 14. Deut. XXVII, 17 L 1. in fine, L. 2. \& 5. ff. si mens. fals. mod. dix. §. 12. Bey Graͤntz- und Feldscheidungen soll man beobachten/ ob Graͤntzschei- dungs Obser- vance. Mahlsteine/ Graben/ alte Creutze an Baͤumen geschnitten/ alte La- chen und Wassers-Stroͤhme/ und dergleichen zu finden/ welche eine Graͤntzen An- zeigen was seyn. Graͤntze anzeigen moͤchten; auch ist dabey zu gedencken/ wer an solchen Streitigkeiten/ Plaͤtze/ Aecker/ Wiesen/ Holtzung/ Jagt und Fische- reyen/ im Gebrauch habe oder besitze/ und wie lange es also gewesen/ deßgleichen ob Pfaͤndung/ Einreden oder andere Verhinderung ge- schehen/ und wer obrigkeitlich Gericht daselbst habe? Ob sich Faͤlle von Todtschlaͤgen oder Verwundeten allda zugetragen/ und wohin P 3 gericht- I. Buch/ Cap. XI. gerichtlich eingezogen worden/ allwo billig der Richter vorzuziehen/ der zuvor kommen. L. in finalibus \& L. eos, ff. fin. regund. Gloss. in L. sicut. 8. §. sed si, in verb. possess. in fin. ff. si serv. vind. L. 7. post gloss. ibid. L. cum in diversis, ff. de relig. \& sumt. fun. L. Senatus. ff. de accusat L. pen. ff. naut. caup. stabul. L. 4. instit. de action. §. de act. instir. fin. regund. Graͤntzschei- dung Veraͤn- derung Straf- fe. §. 13. Wer nun boͤß und gefaͤhrlicher Weise eine Untermarckung/ Abraͤumung/ Mahlbaum oder Marckstein verruckt/ abthut/ hinweg hauet und veraͤndert/ soll darum nach Personen Gelegenheit/ auch Groͤsse/ Gestalt und Gefaͤhrlichkeit der Sachen/ am Leibe peinlich ge- strafft werden/ es waͤre denn ohne Arglist/ aus Jrrthum und Unwis- senheit/ ungefaͤhr/ keine Gewalt noch Unrecht zu veruͤben/ gesehehen. Also/ wer solche Graͤntzen und Marckzeichen ausreißt/ umackert/ ver- kehrt/ ausgraͤbet und versetzet zu seinem Vortheil/ oder Streit zu er- wecken/ und das Recht zu verdunckeln. L. 1. \& 2. ff. de term. mot. L. 4. C. fin. regund. P. H. O. Art. 114. Besitz-Eigener Pflicht bey Landmessung/ Guͤter zu mel- den. §. 14. Bey Landmessungen soll ein jeder Besitz-Eigener/ und wer durch Arglist Besitz-Recht verlohren/ seine angehoͤrige Guͤter ange- ben und ausweisen in selbigem Stande/ wie sie gewesen/ als das Ge- richt angefangen. Sonst aber wird niemand gezwungen angehalten/ seines Vermoͤgens Ursachen anzumelden/ seine Gluͤcks-Gaben zu ent- Haab und Guͤ- ter Reichthum wer nicht schul dig anzudeutẽ. decken/ und sein Haab und Reichthum ungern bekandt zu machen. So muß nun allen Falls ein jeder Richter Betrugs Einwurff/ eydlichen Vertrag/ oder gerichtlichen Spruchs halber/ urtheilen und erkennen/ den Besitzer zu befreyen oder verdammen/ wegen Erstattung aller genosse- nen Fruͤchte und geschaͤtzt-verlohrnen Nutzungen/ wie denn auch Klaͤ- Beklagten Un- gehorsams Ur- theil/ nach be- schwornen Schaͤtzung des Klaͤgers. gers Kosten/ an streithaͤngigen Rechts-Ort die Sache vorzufuͤhren/ noͤ- thig/ sie waͤre denn veraͤndert angestellt/ durch List mit Fleiß anders wohin gebracht/ so kan Beklagter ungehorsam nach Klaͤgers beschwor- nen Schaͤtzung gerichtlich verurtheilet werden. L. 9. §. 4. ff. ad Exhibend. L. fin. C. de alim. præst. pupill. L. 10. 11. 12. §. 2. ff ad Exhibend. Landmesser Grad Raums Gerechtigkeit. §. 15. Zwischen Feldscheidungs Graͤntz-Aeckern soll man billig ei- nen Landmesser Grad/ das ist fuͤnff Fuß Raum/ lassen/ da man ohne des andern Schaden und Ungemach gehen/ ackern/ Pflug wenden und umkehren kan/ welcher Platz heut zu Tage in 30. Jahren sich ein- nehmen und verjaͤhren laͤst. Solche Graͤntzen aber werden durch Zaͤune oder Steine unterschieden/ oder sonst nachdencklich bemercket/ dannen- hero/ wann dergleichen veraͤndert oder verwirret/ vom Gegentheil be- truͤglich Von Graͤntz-Besichtig. Landmessern u. Feldscheidung. truͤglich umgeackert/ oder durch Gewaͤsser Ergiessung und Zeit Alter verwuͤstet/ daß einige Streitigkeiten erhoben/ so werden erfahrne Allgemeinen Flusses oder besondern Ba- ches Strom- Unterscheid. Landmesser befehlichet/ die eine gewisse Richtschnur und Gleichheit darinn treffen und abmessen muͤssen/ welches auch wegen Breite und Laͤnge derer Gaͤrten und Wiesen zu geschehen pflegt/ oder wann etwa ein allgemeiner Fluß oder oͤffentliche Land Strasse dazwischen kommt; so fern es aber eines besondern Baches Strohm waͤre/ dessen Zwi- schen-Fluß/ als Ackers Antheil/ ist Graͤntze genung zu achten. L. pen. \& fin. ff. fin. regund. L. 3. ff. de term. mot. L. quinque pedum, \& L. ult. C. Eod. L. 4. in princ. \& §. fin. L. 5. L. 6. \& 8. Item, L. 4. §. 9. ff. fin. regund. §. 16. Wann nun jemand die Graͤntzscheidung boßhafft verschwaͤ- Richterliche Amts-Huͤlffe bey Graͤntz- scheidung. chet/ die Alten verlaͤugnet/ und andere fuͤrschreibet/ so mag man begeh- ren/ daß die alten Graͤntzen durch richterliche Amts-Huͤlffe wieder er- stattet/ oder/ wofern sie nicht mehr zu erkennen/ neue moͤgen eingesetzt seyn/ dabey man Fruͤchte/ Schaden und Unkosten Ersetzung nach Krieges Befestigung anfordern mag/ und zwar ist Beweiß von beyden Neuer Graͤntzẽ Einsetzung Schaden und Unkosten Er- setzung. Besitzer Recht im Zweiffel. Theilen einzuhohlen/ welches auch ein Pfandhabender Glaͤubiger/ Mey- er oder Zinß-Mann begehren kan/ und im Zweiffel mag man fuͤr den Besitzer urtheilen/ biß Gegentheil Eigenthum oder Graͤntzen erweiset/ durch alte Urkunden/ Mahlsteine/ Zaͤune/ Graben/ Baͤume oder vori- gen Zinsen Abtrag/ item, allgemeines Geruͤchte/ alten Besitzer Zeug- niß und rechtliche Vermuthungen. L. 3. C. fin. regund. c. in pari, de R. J. in 6. C. ex literis, X. de probat. §. 17. Wann aber einige Graͤntzen unfugsam zu vertheilen/ soll der Graͤntzschei- dung Recht so uͤbel zutheilen. Richter/ die alten gar dunckele Zwietrachten hinweg zu nehmen/ nach Recht und Billigkeit neue Graͤntzen durch andere Laͤndereyen auff be- qvemste Art und Weise auffzurichten/ sich befleißigen/ derogestalt/ daß derjenige/ dessen Grunde ein Stuͤck Erde zuerkannt worden/ durch Graͤntzen Abmessung/ auff frembden Aeckern/ dafuͤr ein gewisses Geld Geschwornen Landmesser Abfertigung vom Richter. dem andern/ dessen Feld aberkannt/ zu geben verurtheilet werde; welches nun rechtmaͤßig zu bewerckstelligen/ erfordert Richters Pflicht/ solche streitige Graͤntz-Oerter augenscheinlich zu besichtigen/ oder geschworne Landmesser dahin abzufertigen/ wofern er/ mit andern Geschaͤfften bela- den/ nicht kommen koͤnte/ die alsdann/ in Gegenwart oder halsstarri- gen Abwesenheit derer streitigen Partheyen/ die Sache untersuchen/ Graͤntzen Streits Eroͤr- terung. durch richterliche Messung Graͤntzen Maaß und Ziel setzen/ und mit solcher Erklaͤrung die Streit-Frage eroͤrtern sollen. L. 2. 3. 4. §. 5. ff. fin. regund. L. 8. ff. \& L. 3. \& 4. C. Eod. L. 44. ff. de recept. arbitr. §. 18. Wer I. Buch/ Cap. XI. Eigenen Ge- walts Straffe in frembden Grundes Ge- brauch. Acker-Raͤuber Straffe. §. 18. Wer nach angebrachter Klage richterlichen Ausspruch nicht erwartet/ sondern ein Stuͤck frembden Grundes aus eigener Macht zu gebrauchen sich erkuͤhnet/ derselbe verlieret nicht nur was er gebeten/ sondern auch noch so viel durch Messung dazu/ als er dem an- dern abzunehmen sich unterstanden/ so fern er nemlich wie ein Acker- Raͤuber gerichtlich uͤberwunden. Wer nun die einmahl gesetzte Graͤn- tzen und Feldscheidung ausserhalb seinen Acker versetzt/ muß vor jedern fuͤnfftzig Gold-Guͤlden Straffe erlegen wegen Betrugs; Ja nach Personen Stand und Thaͤters Gemuͤth/ mag wohl gar peinliche Lei- bes-Straffe/ als Verweisung/ Staupenschlaͤge und Zuchthauses er- folgen. L. 2. \& fin. ff. de term. mot. Todtschlags Recht an Graͤn tzen begangen. §. 19. Wann eine Ubelthat absonderlich Todtschlag an Graͤntzen begangen/ und man eigentlich nicht weiß/ allwo die That veruͤbet/ ist richterliche Erkaͤntniß beyden im Zweiffel angehoͤrig/ steht auch deren freyem Willen und rechtlicher Meynung zu uͤberlassen/ welcher nach derer Umstaͤnden Anzeig- und Vermuthung/ so bey der That vorge- fallen/ vornehmlich aus blutigen Erscheinungen und andern des Er- Anzeige Ge- richts wo das Haupt gelegẽ. toͤdteten mehr als Thaͤters zu ermessen/ darinn endlich urtheilen soll/ und ist deßfalls wenige Gewißheit von dem Ort/ allda das Haupt ge- legen/ abzunehmen; weiln sich mancherley herum werffende Bewe- gungen derer Sterbenden alsdann zu begeben pflegen. Richteꝛs Nach- laͤßigkeit in peinlichen Sa- chen zu tadeln. §. 20. So ist nun billig hierinn zu bestraffen vieler Richter hoͤchster Unfleiß und Nachlaͤßigkeit/ massen sie durch peinl. Gerichts-Versaͤum- niß/ es sey wegen ihren Vorzugs rechtlichen Streit/ oder sonst andern Ursachen halber/ GOttes schweren Zorn reitzen/ dafuͤr sie ihm/ als hoͤchstem Richter/ dort oben werden Rechenschafft geben muͤssen/ indem sie dadurch inzwischen die Gerechtigkeit uͤbel verwalten/ und goͤttlichen Gerechtigkeit uͤdeln Verwal- tung Straffe. Zorns Rache uͤber sich haͤuffen/ wenn also offtmahlen leicht geschehen kan/ daß lange Zeit hernach der Unschuldige verurtheilet/ und die Schuldigen ihrer wohl verdienten Straffe unzeitig entzogen werden; wann sie nemlich/ so offt ihnen eines mit Waffen oder Gifft ertoͤdte- Falsch beruͤch- teten Unschuld wie zu retten. ten Menschens Geruͤchte in ihren Ohren erschallet/ des todten Coͤrpers Besichtigung und Thaͤters Nachspuhr nicht anstellen/ aus geitziger darauff gehenden Unkosten Erspahrung/ vielmehr sollen sie aͤusserst sich bemuͤhen/ also der That Gewißheit heraus zu bringen/ auch wohl eines dazu faͤlschlich bey gemeinem Mann beruͤchtigten und verdaͤchti- gen Menschens Unschuld genungsam zu erfahren/ dabey denn kein Verzug Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. Verzug zu machen/ wann fuͤrnehmlich in warmen hitzigen Sommer- Unterrebung mit Krancken Artzt. Tagen Gefahr obhanden/ wie denn rathsam/ daß ein Richter zu wei- len mit des Krancken Artzt/ der ihn geheilet/ insgeheim rede/ oder mit denen/ die ihn besucht haben/ um die Anzeigungen zu bemercken. §. 21. Wann nun die Klage an Leib oder zu Haupt und Haar ge- Leibzeichen Recht in Mordfaͤllen. het/ daß der Richter dasselbe hoch-noth-peinliche Halsgericht zu hegen und Leib-Zeichen fuͤrbringen zu lassen befugt ist/ so mag Klaͤger ordent- lich zum Gericht an und abtreten/ gemeinen Nutzen und oͤffentliche Rache/ oder oͤffentliche Leibes und Geld-Straffe/ hoͤhern Obrigkeit zum besten/ anstellen und verfolgen/ wann Beklagter schuldig/ mag er nicht anders/ dann um Gnade bitten. P. H. O. Art. 90. §. 10. instit. de injur. L. 3. §. 7. L. 6. \& L. fin. ff. de sepulch. viol. L. 4. C. Eod. §. 22. Sonst soll man einem Beschwert- und Angefochtenen nicht Toll- und sinn- loser Leute Recht. mehr Leid anthun/ darum/ so fern ein Unvernuͤnfftiger und Sinnlo- ser einen entleibet/ Feuer anstecket/ oder andern Schaden thut/ soll er nach Recht nicht gestrafft werden/ weilen er vorhin schon genug be- schweret/ man soll aber solche Leute also verwahren/ daß sie gar keinen Schaden thun koͤnnen. L. 13. §. 1. L. Dives. ff. de offic. præs. L. tum dementis C. de Episc. Aud. L. 1. §. 1. L. 12. ff. ad L. Corn. de Sicar. C. aliquos, 15. q. 1. C. at si §. fin. de judic. Caput XII. Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. §. 2. L Ehn zu beschreiben/ ist solches eine frey-will-gut- und wohlthaͤtige Lehn-Guͤter Rechts Be- schreibung. Verleihung eines Guts/ oder dessen gleichguͤltigen Gerechtigkeit/ mit Vorbehalt rechten Eigenthums und Vergoͤnnung nuͤtzlichen Ge- brauchs/ samt angehaͤngter nuͤtzlicher Treu und Pflicht/ auch des Lehn- Lehn-Guͤter Rechts Abthei- lungs Unter- scheid. manns erbaren Dienst Erzeigung/ da gegen solches Lehn/ auff alle Mann- und weibliche Erben/ nach Beding in absteigender Linie hin- geht und bleibet. §. 2. Regal- Lehn nennt man die Hertzog und Fuͤrstenthuͤmer/ Regal- Lehn. Persoͤnl. Lehn. Marck- und Graffschafften/ Item, die so ewig und erblich persoͤnlich Lehn ist/ daß mit Lehnsmanns Person abstirbt/ und nicht anerbet/ oder jemanden von neuem geliehen/ daß es nicht zu denen Seit-Erben/ noch auff die Vettern/ ob schon eines Geschlecht/ Nahmen und Wapens/ oder nechste Blut- und Stamm-Freunde/ die in gesamter Lehnschafft O nicht I. Buch/ Cap. XII. Gnaden Lehn. nicht mit gesessen/ sondern denen Lehns-Herrn anheim fallen kan/ also auch Gnaden-Lehn wegen Verdienst ertheilet. Adel-Lehn. Buͤrger oder Bauren Lehn ohne Obrig- keits Gewalt. Geist- und weltlich Lehn. Mann- und Weiber- oder Kunckel-Lehn. Alt-vaͤterlich Stamm-Lehn. §. 3. Geadelt Lehn ist/ welches den Besitzer Edel macht/ oder dessen/ der Edel gewesen/ Adel anzeiget/ genannt Ritter-Guͤter. Ungeadelt Lehn ist geringschaͤtzig/ ohne Adel oder Obrigkeits Gewalt/ Buͤrgern oder Bauren verliehen/ genannt Buͤrger oder Bauer Lehn. §. 4. Geist- und weltlich Lehn/ das von geist- oder weltlichen Personen geliehen oder empfangen wird. Maͤnn- oder weiblich Lehn/ das auff solchen Nahmen und Stamm/ jedoch diese mit Be- ding/ gewidmet/ genannt Kunckel-Lehn. §. 5. Stamm-Alt-Vaͤterlich Lehn ist von auffsteigender Linie/ nemlich von Eltern oder Vaͤtern gehoͤrig anfallend erblich; Neu-Lehn/ so durch den Besitzer erst erlangt/ und in des belehnten Per- Neu Lehn. son Anfang gewinnet/ also nicht angeerbt/ sondern erworben/ er- kaufft/ oder an sich gebracht/ ob schon es Verkaͤuffers vaͤterlich Lehn Lehn-Herrn Schutz. Neu Lehn was ist. war. Item, es ist Neu-Lehn/ wenn einer sein Erb- und Eigengut zu Lehn macht/ wegen Lehn-Herrn Schutz gegen Wiedersacher. Neu Lehn heist auch/ so einer verwuͤrcket und wieder damit belehnet worden/ ob schon es zuvor Alt-vaͤterlich war. Jrrlehns Recht. Scepter und Fahnen-Lehn. Frey-Erb- Zinß-Pfand Lehn. §. 6. Jrr-Lehn eines ungewissen Dinges/ wann es erledigt und aus gebetenen unverledigten Lehn-Gedings verschriebenen Anwartung/ es sey geistlich/ Scepter oder weltlich Fahn-Lehn/ Frey-Erb-Pfand und Zinß- oder wiederkaͤufflich Oeffnungs-Lehn/ mag man wuͤrcklich zum Besitz einnehmen/ wann es niemand inn hat/ noch der Lehn-Herr sich widersetzet/ aus eigener Macht und Gewalt/ jedoch ohne Auffruhr. Arg. L. 2. C. de acquir. possess. L. 5 ff. Eod. Lehn Empfang oder Verfalls Recht. §. 7. Lehn-Gedings Empfahung soll nach Lehnmanns Tod/ nicht aber fuͤr dem Fall/ innerhalb Jahr und Tag zu rechnen/ da die Lehns-Erben des Todes Falls gewahr worden/ gesucht/ und kan zu mehrern Vorsorge durch neue Brieffe bestaͤtiget werden/ sonst ist Lehn verfallen/ es waͤren denn Ehehaffte Verhinderungs Ursachen zwischen der Sache Verwandten Personen vorhanden gewesen/ als Todes Fall/ Krieg/ sterbliche Seuchen/ schwere Feindschafft/ Ge- faͤngniß oder andere Gefahr/ oder so der Lehnmann/ jedoch ohne kund- bare grobe Unwissenheit/ nicht gewust/ daß sein Gut Lehn war. C. 1. in fin. 2. F. 3. §. Filia, 1. F. 8. §. hæc autem, 1. F. 1. c. 1. in pr. 1. F. 8. c. 1. §. \& quia vidimus 1. F. 1. c. 1. §. novum, 2. F. 32. c. 1. 2. F. 12. \& 14. §. moribus 2. F. 26. c. un. \& 1. 1. Feud. 9. 3. \& 5. c. 1. in pr. 2. F. 24. C. un. in pr. 2. F. 40. c. imperialem, §. præterea, 2. F. 55. c. 1. \& fin. 2. F. 52. c. imperialis, in fin. 2. Feud. 52. c. un. 1. Feud. 22. §. 8. Jtem/ Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. §. 8. Jtem/ so die Lehnschafft von zween oder mehr Herren strei- Lehn Recht so streitig. Lehn-Em- pfangs protest ohne præjudiz. tig/ dennoch soll er protestir en/ daß der Mangel nicht bey ihm stehe/ also auch/ wann ein Lehn-Herr im Gebrauch oder Besitz ist/ mag der Lehn- mann wohl von ihm empfangen/ mit der Protestir ung/ andern an ihrer Gerechtigkeit nichts zu præjudicir en. Gloss. in C. imputari de R. J. in 6. L. 2. §. fin. ff. si quis caution. L. qui in alterius ff. de R. J. c. Vasallus, 2. F. 26. c. si vero Ext. de jure Patron. L. si prælusorio, in fin. ff. de appellat. §. 9. Lehn-Gedinge/ von weltlichen Herrn gegeben/ muͤssen die Lehn-Geding Recht. Lehns-Erben halten/ von geistlichen aber nicht/ es waͤre denn der Fall bey des Bischoffs und Prælat en Zeit geschehen/ sonst muͤssen neue Ge- dinge erlangt werden/ es habe denn das Capitul solche bewilliget; Lehn Lehn-Pflicht Eyd in Prin- cipalen Seel. mag man auch durch Vollmaͤchtigen empfangen/ Lehns-Pflicht Eyd mag man auch mit sonderlichem Befehl in des Principalen Seele schweren. L. fin. arg. C. de pet. hæred. L. ordinata, ff. de liber caus. L. prætor ait, in princ. ff. de damn. infect. c. 1. 2. Feud. 38. 2. Feud. 3. §. 1. verb. personam \& verb. potest. 2. Feud. 58. §. sciendum. C. nullam, fin. de jur. calumn. in 6. c. 4. verb. pro- curator de procur. in 6. §. 10. Lehn der Unmuͤndigen soll durch ihre Vormuͤnder empfan- Lehn-Recht de- rer Unmuͤndi- gen. Lehn-Pflicht wegen An- spruchs Ge- wehrschafft. gen/ die Lehn-Pflicht und Eyd aber biß zu deren Muͤndigen Jahren zu leisten/ verschoben werden/ alsdann haben sie Macht/ das Lehn-Gut nach Nutzen und Willen zu gebrauchen/ und muß ihnen der Lehnherr Einsetzung ertheilen/ auch/ wie sonst einem Lehn-Mann/ wegen Lehn Anspruchs Vertretung und Gewehrschafft thun. C. 2. de test. in 6. C. 1. §. si minori, 2. F. 26. c. 1. §. 1. 2. F. 8. c. 1. §. fin. 2. F. 6. §. 11. Wann der Lehnmann Lehn zu empfangen angesucht hat/ Lehn-Em- pfang Ansu- chung Recht. dreymahl in rechter Zeit/ und der Lehnherr ihn in Jahr und Tag nicht belehnen will/ auch diese Gerechtigkeits Verweigerung durch brieff- liche Urkunden von Notari en und Zeugen bewiesen wird/ darff er dar- nach nicht mehr Lehns Empfahung suchen/ noch Lehn-Dienste thun/ Lehnherrn Ei- genthums Verlust. sondern hat Lehns-Recht Verlust Einwurff frey/ und verliehrt der Lehns-Herr sein Eigenthum. Gloss. in C. 1. §. fin. 2. Feud. 3. §. Domino, 2. F. 26. L. 50. ff. de probat. arg. L. judi- cibus, C. de appell. L. 4. ff. de pignor. L. 4. de fide instrum. c. 1. in fin. de form. fidel. L. cum proponas, C. de pact. Gloss. in C. fin. per quos fiat investit. §. 12. So mag auch der Lehnmann deßfalls den Lehnherrn fuͤr Lehnmanns Recht Lehn- herrn zu ver- klagen. anderm Lehngericht beklagen und Erkaͤntniß bitten/ Jtem/ so ihm ein Gut insgemein mit seiner Zugehoͤr verlehnet/ mag er im Zweiffel vom Lehnherrn begehren/ die Lehn-Stuͤcke/ und deren rechte Feldmarcke/ Q 2 und I. Buch/ Cap. XII. und Anstoͤsser anzuzeigen/ wann auch ein Lehn-Gut an zween verlehnt/ so hat der den Vorzug/ dem es eingeantwortet/ ohngeachtet der ande- re aͤltere Verschreibung haͤtte; sonst hat der Aeltere im Geschlecht Stamm-Hau- ses Besitz- Recht. Stamm-Hauses Besitz-Recht/ welches eine persoͤnliche Freyheit/ so mit ihr abstirbet. C. un. §. si inter, 2. Feud. 39. §. fin. 2. Feud. 55. c. 1. §. aliud quoq; 2. Feud. 55. Arg. L. quoties, C. de Rei Vindic. §. 6. instir. de J. N. G. \& C. L. 1. §. 2. ff. de const. princ. L. 7. ff. de recept. L. 12. \& 13. ff. sol. matr. Lehnfaͤhige Sachen was sind. Lehnfaͤhige Guͤter was seyn moͤgen. §. 13. Lehnfaͤhige Sachen sind unbewegliche Guͤter/ jaͤhrliche Renten und Zinsen/ Geld aus der Cammer oder andern Orten/ wel- ches letztere aber mit des Lehnherrn Tode sich endiget. Jtem/ es moͤgen zu Lehn gethan werden Gericht und Rechte/ Zoͤlle/ Ungelder/ Jagten/ Fischerey und alles/ was an Statt unbeweglicher Guͤter zu rechnen; Jtem/ fallende Zehenden/ wann selbige zuvor in Layen Hand gewesen/ oder bey Menschen Gedencken durch die Gerechtigkeit nicht gefordert worden/ anders nicht. C. 1. §. sciendum 2. Feud. 1. C. un. de Feudi cognit. C. cum Apostolica, Extr. de iis quæ fiunt à prælat. Lehnmanns Eydes Pflicht. §. 14. Der Lehnmann muß seinem Lehnherrn zu Lehnpflicht ge- loben und schweren/ daß er ihm wolle getreu und hold seyn/ so viel an ihm ist/ seinen Nutzen foͤrdern/ Schaden und Nachtheil verwehren/ und sich allewege gegen ihm/ wie einem rechtschaffenen Lehnmann ge- Lehnmann wo- zu nicht pflich- tig. buͤhret/ verhalten/ also daß er nimmer in einen dem Lehnherrn wi- drigen Rath willig seyn/ auch dergleichen wo ers erfuͤhre/ anzeigen wolle/ ja mit dessen Feinden keine Gemeinschafft haben/ noch schaͤd- liche Verbuͤndniß machen/ sondern wider jederman ihm helffen Land und Leute zu beschuͤtzen/ in rechtmaͤßigem Kriege dienen/ auch ausser Landes auff des Herrn Unkosten folgen/ es sey denn anders vor be- dungen/ dennoch nicht wider GOttes Wort/ noch gegen seinen Va- ter und Vaterland. Tot. Tit. 2. F. 5. 6. \& C. un. 7. C. un. §. præterea, 2. Feud. 24. C. 1. 2. Feud 57. Arg. L. liberi, vers. si tamen mater, C. de inoff. Testam. C. un. 2. Feud. 23. C. un. §. licet, 2. Feud. 26. §. firmiter, 2. F. 55. C. un. in princ. 2. F. 28. C. 1. quibus mod. feud. amitt. C. un. 2. Feud. 107. C. quæ contra mores, Dist. 8. Stamm Lehns Gerechtigkeit. §. 15. Stamm-Lehn mag kein Lehnmann ohne seines Lehnherrn und derer Lehns-Erben Bewilligung verpfaͤnden/ verkauffen/ noch sonst veraͤndern/ sondern es kan solches der Sohn/ ob schon veraͤussert/ wieder einfordern/ so fern er nur Kauff-Geld oder Pfand-Schilling wieder abstattet; Bruder aber oder Vetter/ als Lehn-Erbe/ mag es ohne Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. es ohne solche Erstattung/ weilen das Gut sein eigen/ wiederruf- fen. C. 1. §. similiter, 2. F. 34. C. imperialem, vers. habito, 2. F. 55. C. imperialis, §. hortatu, 2. F. 52. C. alienatio, in princ. 2. Feud. 39. C. 1. §. hoc quoq; 1. Feud. 8. C. 1. §. sed etiam, 2. Feud. 3. c. 1. §. porro, 2. F. 9. 2. Feud. 23. in fin. c. 1. §. è contrario, 2. Feud. 8. L. apud Celsum, §. de authoris, ff. de doli Ex- cept. L. sin. ff. quibus ex caus. in poss. eat. §. 16. Wann auch weitere Verwandten die Veraͤnderung be- Lehn-Guts Eusser- und Veraͤnderung verboten. willigen/ schadet es dem naͤhern eben so wenig/ als den weitern/ wo- fern der nechste bewilliget/ und fuͤr des Lehn Angefall stirbet/ so gar auch ist Veraͤusserung der Lehn-Guͤter verboten/ daß sie niemand weder um GOttes Willen zum Brandschatz noch in Contract en oder Testa- menten/ denen Erben oder Lehnherrn zum Nachtheil/ ja in aͤusserster Noth nicht veraͤndern mag. §. Titius §. Feudum 2. F. 26. c. 1. agnatis, 2. F. 39. L. sæpe ff. de re judie. Tot. tit. C. res inter alios acta. L. non debet. ff. de R. J. L. id quod nostrum ff. Eod. L. ult. ff. de pact. §. 17. Des Lehn-Guts Frucht und Nutzung aber mag ein Lehn- Brautschatz Vorrecht. mann seiner Tochter zum Braut-Schatz oder Schwester und andern/ so lang er lebet/ hingeben/ doch allerdings des Lehnherrn Gerechtigkeit ohne Schaden/ so mag auch Bruder oder Vetter/ bey des Veraͤnderers Bluts-Freun- de Einstand Recht. Leben/ fuͤr das von andern dafuͤr ausgegebene Geld das Lehn nehmen/ weilen in Lehn-Stuͤcken Bluts-Freunde Einstand Recht haben/ wel- chem der Verkaͤuffer Statt zu geben schuldig. C. 1. §. donare, 2. F. 9. C. 1. in princ. 2. F. 52. L. 4. de L. Fab. de plag. L. 4. ff. de collat. bonor. L. 3. §. 5. de minor. L. 14. ff. ad L. Falcid. C. 1. verb. attenuantes, 2. Feud. 55. §. præterea 2. F. 56. C. 11. 1. Feud. 30. L. 1. C. si pign. dat. L. 2. in fin. C. de rescind. Vend. L. qui Romæ, §. cohæreces pen. \& ult. ff. de V. O. §. 18. Man mag auch wohl seine eigenthuͤmliche Erb-Guͤter mit Erb uñ Eigen- thums Guͤter moͤgen auch zur Lehn ge- macht seyn. Lehn Schutz u. Schirm Ver- wandtschafft Gerechtigkeit. allem erkaufften Vermoͤgen/ Schutz und Schirm/ Verwandtschafft Gerechtigkeit halber zu Lehn machen/ es kan aber kein Lehn andern fuͤr Schuld vom Richter uͤbergeben werden/ dennoch mag er die Glaͤubi- ger an die Nutzung hinweisen/ und muß Lehnmann mit rechtem Werth oder gleichguͤltigen Guͤtern gewehret/ vergnuͤget seyn; So kan auch Lehn/ wie Geschenck/ wegen hernach erziehleten Kinder wiederruf- fen werden. L. si unquam, 8. C. de revoc. don. §. 19. Der Lehnherr kan/ ohne von aͤusserster Noth gezwungen/ Lehnmanns Recht Lehn- Herrn zu aͤn- dern. den Lehnmann wider seinen Willen nicht veraͤndern/ auch mag er ihm keinen andern Herrn vermachen/ wohl aber die woͤchent- oder Q 3 jaͤhr- I. Buch/ Cap. XII. jaͤhrliche Lehn-Dienste/ unveraͤndert der Lehns-Gerechtigkeit/ so kan kein Fuͤrst eine Stadt des Fuͤrstenthums ohne gemeinen Bewil- Fuͤrsten Ohn- macht Staͤdte zu veraͤussern. ligung der Buͤrgerschafft verkauffen/ wie hingegen kein Lehnmann Macht hat/ dem Lehn-Gut/ zu des Lehnherrn Schaden/ ohne Bewilli- gung einige Dienstbarkeit auffzulegen oder zu gestatten. C. 1. §. Ex Eadem, 2. F. 34. C. 1. §. præterea, in fin. 2. Feud. 55. C. un. 2. Feud. 6. arg. tot. tit. ff. de novat. \& deleg. C. in generali, tit. fi de feud. controv. fuer. C. 1. §. rei, cum tribus verb. seqq. 2. Feud. 8. C. 1. §. quid ergo, 2. F. 8. C. 1. §. si vero, 1. Feud. 13. Lehn-Recht wegen Kauff- oder Pfand- Geld. §. 20. Wann das Lehn dem Herrn heimfaͤllt/ ist der Lehnherr dem Lehnmann Kauff oder Pfand-Geld zu erstatten nicht schuldig/ es sey dann bewilliget/ auch mit Vorbehalt/ daß solche Bewilligung seinem Recht unschaͤdlich/ unverfaͤnglich und unnachtheilig sey/ ohne auff ge- wisse Pfand Zeit. L. apud Celsum, §. quæsitum, ff. de dol. mal. \& met. exeq. L. quoties, C. de fidei commiss. L. 4. \& 8. §. 15. ff. quib. mod. pign. vel hypoth. solv. Testaments Vortheil vom Vater. §. 21. Ein Vater kan wohl in neuen/ nicht aber uhr-alt-groß- oder vaͤterlichem Stamm-Lehn/ einem Sohn fuͤr dem andern durch sein Testament einigen Vortheil thun; Lehn faͤllt vom Vater auff den Sohn/ nicht aber vom Sohn auff den Vater. 1. Feud. 8. \& 14. C. 1. 2. F. 39. §. 1. 2. Feud. 11. C. si capitanei, 1. Feud. 14. C. un. in princ. 2. F. 48. \& 50. Manns Lehns Recht. §. 22. Belehnungen und Lehns Verneuerungen/ um Lehnsinnige Folge zu thun/ geschehen gemeiniglich einem vor sich und seine maͤnn- Lehnfaͤhigen Personen Recht. liche Leibes-Lehn-Erben/ bevorab ist deren Benennung allezeit allein von Manns Erben/ nicht aber von Toͤchtern/ Schwestern und andern Weibes-Bildern/ welche nicht Lehns-faͤhig sind/ zu verstehen/ es stuͤnde denn in der Verschreibung maͤnn- und weiblich Geschlecht be- lehnet; Also/ wann kein Manns-Erbe mehr vorhanden/ oder daß Toͤchter Recht vom Lehn- Stamm. Weibes-Personen mit Mannes- oder Mannes wie Weibes Leute er- erben/ so folgen Toͤchter auch im Lehn/ wo kein Sohn nachgelassen/ sonsten werden sie ausgeschlossen; Alsdann aber treten sie uͤber lang oder kurtz ins Lehn/ jedoch wann sie von dessen Stamm/ der das Lehn erlanget hat/ herkommen/ und erbet letzten Falls die Tochter so wohl als der Sohn. C. 1. 2. Feud. 50. §. si clientibus, 1. F. 13. §. profecto, 2. F. 34. §. Filiæ, 1. F. 8. \& 24. C. un. 2. Feud. 7. L. quoties, C. de suis \& leg. liber. C. forum, de V. S. L. fin. C. de spons. §. hoc autem, 1. F. 1. §. quin etiam \& fin. 1. Feud. 6. §. si duo, in fin. 1. Feud. 14. §. hujus, 2. Feud. 23. C. un. in fin. 2. F. 18. 2. Feud. 11. in princ. c. 1. in princ. 2. Feud. 17. 30. verb. non enim 2. Feud. 17. c. si cui, §. item, 2. Feud. 104. §. 23. Wann Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. §. 23. Wann nun so viel Baarschafften oder an Erb-Guͤter nicht Toͤchter Recht vom Lehn-Gut auszustatten. Roß Dienste Freyheit im Lehn. vorhanden/ daß Toͤchtern und Schwestern nach ihrem Stande moͤgen ausgestattet werden/ so muß der Lehn-Erbe vom Lehn nach Gelegen- heit dazu geben/ sonsten aber giebt Lehn nichts/ es sey denn ohne Schwaͤchung der Roß-Dienste. L. Pomponius, ff. fam. hercisc. L. dedit, ff. de collat. bon. L. si quis, §. sed \& filius, ff. de liber. agnoscend. §. 24. Wann nun nach dieser Weiber Lehn-Muthung/ Muth- Weiber Lehn- Muthungs Recht. Schwangern Frauen Lehn- Recht. Toͤchter Kin- der gehoͤren nicht zum Wei- ber Lehn. Tochter und Sohn Lehns Erben Unter- scheid. Sohnschliesset aus der Muter Schwester Tochter. Sohn u. nicht Tochter erbet den Vater Bruder. Ehemann und Weibes ver- schiedenẽ Kin- der Lehn-Ge- dings Recht. Kunckel Lehn Ehegattẽ Erb- theils Recht. Zettul/ und feste Gelds-Lehn Waar oder Hand-Lehn entrichtet/ einmahl eine Weibes Person im Lehn zugelassen/ darff sie es hernach gebohrnen Manns Erben nicht wieder abtreten/ es haͤtte denn der Verstorbene seine Frau schwanger hinterlassen/ und selbige einen Sohn gebohren; durch Toͤchter als Lehns Erben werden keine Toͤch- ter Kinder verstanden/ weilen sie aus frembdem Geschlecht herkom̃en. 2. Feud. 17. \& 51. §. similiter. §. 25. Wann ein Lehnmann zwey Toͤchter hat/ deren erste einen Sohn/ die andere eine Tochter bekoͤmmt/ und obige belehnete Toch- ter als Mutter verstorben/ so folget im Lehn derselbe Sohn seiner Mutter/ schliest auch aus die Tochter von der Mutter Schwester. Wann auch ein Lehnmann zween Soͤhne nachlaͤßt/ deren einem ein Sohn/ dem andern eine Tochter gebohren wird/ so erbet der Sohn seinen Vater Bruder und die Tochter wird nicht zugelassen. 1. Feud. 8. §. Filia. 2. Feud. 51. §. similiter, verb. è contra si filius. §. 26. Wann Ehemann und Weib zu einem benanntẽ oder unbe- nannten Lehn-Geding erkohren/ nach sich verlassen einen Sohn von einer andern Frauen und eine Tochter von zugleich belehnten Eltern/ so schliesset der Sohn die Tochter im Vater-gleichwie diese ihn im Mutter-Theil aus; So aber beyde Sohn und Tochter aus einer Ehe/ erbet der Sohn allein; wann Tochter allein uͤbrig im Kunckel Lehn/ erbet sie Mutter Theil. Vaters Theil aber gehoͤret dem Herrn zu/ wie auch eines verstorbenen Ehegatten Theil/ der keinen Erben verlassen/ ob schon in folgender Ehe Kinder gebohren. 2. Feud. 104. verb. in cæteris, masculus \& in fin. §. 27. Weiber erben kein Lehn/ das ihnen ausdruͤcklich zum Mann Mann Lehns Gerechtigkeit. Lehn ertheilet und auffgetragen worden. Neu erlangtes Lehn faͤllt nur auf Sohn und Sohns Soͤhne/ nicht aber auff Bruder Vettern und andere Schwert-Magen/ es sey dann im Lehn gesetzt versehen. Wann Neuen Lehns Erbrecht. keine Soͤhne vorhanden/ faͤllt das Lehn auff die Bruͤder/ hernach der Bruͤder Soͤhne und naͤchste Vettern. 1. Feud. 8. I. Buch/ Cap. XII. 1. Feud. 8. §. fin. §. Filia, vers. in alia, 1. Feud. 14. C. si duo, \& 1. 2. Feud. 12. C. 1. in princ. 1. Feud. 20. C. un. vers. his vero, 2. Feud. 11. C. 1. §. cum vero, 1. F. 1. Bruͤder Recht von einem Va- ter. §. 28. Bruͤder von einem Vater/ und solche Halb-Bruͤder erben im Lehn mit vollen Bruͤdern einer auff den andern/ weilen im Lehn- Recht Blut-Freundschafft ohne Verwandniß angesehen wird. Bruͤ- der aber allein von der Mutter koͤnnen Lehn auff ein ander nicht erben/ Wapen Schild und Nahmen Recht. denn sie sind keine Stamm-Freunde/ von einem Wapen/ Schild und Nahmen. C. 1. §. his vero, de grad. success. C. 1. §. hoc quoq́; de success. feud. C. 1. de nov. be- nef. invest. C. 1. §. ult. de feud. C. un. de his qui feud. dar. poss. Zween Bruͤder Lehn Recht/ de- ren einer ohne Erben verstir- bet. §. 29. Wann zween Bruͤder mit einem Lehn belehnet/ und einer ohne Sohn stirbt/ wird sein Theil dem Lehnherrn entledigt/ und faͤllt nicht auff seinen Bruder/ es sey denn im Lehn-Brieffe bedungen/ oder sie haben das Lehn in gesam̃ter Hand und Mitbelehnschafft/ oder beyde selbiges aus eigenem Gut mit des Lehnherrn Wissen gekaufft/ oder im Krieg abverdienet gehabt. C. 1. §. sin autem. 1. Feud. 1. C. un. 1. Feud. 20. Bruͤder und Bruͤder Soͤh- ne Erbrecht in Haͤupter oder auff Staͤmme. §. 30. Bruͤder und verstorbenen Bruders Soͤhne erben das Lehn auff Staͤmmen/ ein Bruder nimmt so viel als alle Bruders Soͤhne; Bruder Kinder aber allein nachgelassen/ erben auff Haͤupter/ so viel Soͤhne/ so viel Theile/ ein jeder nimmt eins/ nemlich eines verstorbe- nen Bruders Sohn und des andern verstorbenen Bruders zehen Soͤh- ne theilen in eilff Theile/ also auch wird ein Lehn/ das auff weitere Vettern faͤllt/ in Haͤupter und nicht in Staͤmme getheilt. Auth. in Successione C. de suis \& legit. Auth. cessante, C. de legit. hæred. Auth. ut fratrum filii, 9. L. fin. Eod. §. hoc etiam, instit. de legit. agnat. succ. L. pen. C. de legit. hæred. Auth. de hæred. ab intest. §. si igitur, vers. sed \& ipsis, \& §. si vero, neq́; §. cæterum cum §. §. seqq. Instit. de legit. agnat. Success. Stam̃-Freun- de Erbnahme Recht. §. 31. Nach Bruͤder und Bruͤders Kindern faͤllt das Lehn auff die naͤchste Bluts-Freunde/ dann der letzte Stamm-Freund ist des ersten Erwerbers Erbnehme/ wann aber kein solcher vorhanden/ der vom Stamm herruͤhret/ oder mit dem Verstorbenen in gesamter Lehn ge- sessen/ faͤllt es dem Lehnherrn wieder heim; wann aber Enterbung aus Testamẽts An- spruch wegen Enterbung. gerechten Ursachen geschehen/ so jedoch nicht erwiesen/ mag der Erbe das Testament anklagen/ ausgenommen eines Soldaten Vermaͤchtniß in seinem Eigenthum kan niemand anfechten. C. 1. 2. Feud. 50. C. 1. ad fin. de success. feud. C. 1. §. 1. de feud. §. fin. instit. de Usufr. L. 3. §. fin. ff. quibus mod. ususfr. amitt. L. 6. §. fin. ff. \& L. 8. §. 3. L. fin. C. de Testam. §. 32. Ein Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. §. 32. Ein ungebohren/ also unmuͤglich undanckbares Kind/ mag Ungebohrnen Kindes Recht. nicht weder in Lehn-noch anderem Gut enterbet werden/ sonsten giebt Erbschafft Nachfolge in des Verstorbenen vollstaͤndige Gerechtsamkei- ten. Stumme/ Taube/ Blinde und Kruͤppel von Natur/ moͤgen Lehn nicht erben/ weilen sie keine Lehn-Dienste thun koͤnnen/ jedoch soll man ihnen nach Lehns-Gute beduͤrfftigen Unterhalt leisten. L. 33. §. 1. C. de in offic. Testam. L. 2. C. de posth. hæred. L. 1. ff. de hæred. vel act. vend. C. un. 2. F. 36. §. mutus, 1. Feud. 6. §. 33. Wann Lehngut durch Lehnmanns Tod verfallen/ gehoͤren Lehn-Recht/ so Todes wegen verfallen. Nutzungs Fruͤchte wem gebuͤhren. alle genossene Nutzbarkeits Fruͤchte denen Leibes-Erben zu/ annoch stehende Fruͤchte aber so wohl natuͤrlich gewachsene/ als durch Muͤhe und Arbeit verursachete/ gebuͤhren dem Herrn oder Lehnsfolger/ wann der Lehnmann fuͤr den Mertz oder nach August-Monat verstorben; wo- fern aber der Todes-Fall geschehẽ nach dem ersten Mertz biß zum August Monat/ oder zwischen ersten Mertz und ersten Herbst-Monat/ fallen sie Weinlese Fruͤchte Recht. denen Erben heim. Wie auch spaͤter Weinlese Fruͤchte denen Erben zukommen/ ob schon der Lehnmann nach dem August im Herbst-Mo- nat gestorben. 2. Feud. 8. §. his consequenter. §. 34. Falls nun der Lehnherr oder Verwandten Fruͤchte erheben/ Lehnherr und Verwandten Pflicht und Unkosten. Zinß u. Zehen- den wem gehoͤ- ren. Bau und Bes- serungs Recht. sollen sie dennoch Erben die Unkosten erstatten/ welche nach der Zeit solcher Erstattung zu rechnen. Buͤrgerliche Fruͤchte auch/ als Zinß und Zehenden/ wann deren Zahlungs Tag bey Lehnmanns Leben ver- flossen/ gehoͤren denen Leibes-Erben/ sonst aber ihnen uñ dem Herrn oder Lehnfolger. Gebaͤu und Besserung auff Lehn-Guͤtern bleibt beym Lehn/ es falle auff den Lehnherrn oder Stamm/ ob gleich andere Erbschafft auff Bluts-Verwandten faͤllt. Arg. 2. Feud. 28. § fi vasallus. Arg. L. 7. ff. sol. matrim. L. 26. ff. de Usufr. §. si Va- sallus, 2. Feud. 28. Soͤhne ver- muthlichẽ oder folgenden Ehe Erb-Recht. §. 35. Soͤhne durch folgende Ehe geehelichet/ wie auch von einer Braut/ die wegen Todes-Fall nicht priesterlich eingeweihet/ oder aus verbotenem Ehestand/ von Jrrthum angefangen/ erzeuget und geboh- ren/ moͤgen so wohl Lehn als andere Erb-Guͤter antreten und erben. §. fin. instit. de nupt. C. tanta \& c. ex tenore, Ext. qui filii sint legit. C. per tuas, 12. Eod. §. nec non eos, instit. de hæred. quæ ab intest. Auth. quibus mod. nat. effic. legit. L. bonorum in fin. ff. rem ratam. L. qui contra C. de incest. nupt. Lehn Empfãgs Frist-Verlust Recht. Lehns Aeusser- oder Veraͤnde- rung veꝛboten. §. 36. Wer Lehn in Jahr und Tag nach dem Todes-Fall nicht empfangen/ und dennoch recht besitzet/ ist dessen verlustig. Wer Lehn ohne des Lehnherrn Willen und deren Lehns-Erben Wissen/ nach geschehener Uberantwortung/ gantz oder ein Theil aͤussert oder ver- R aͤndert/ I. Buch/ Cap. XII. aͤndert/ verwuͤrcket auch dasselbe gantz/ oder verlieret einen Theil/ und ist es unkraͤfftig/ es sey denn/ er habe nicht gewust/ daß es Lehn waͤre/ so steht er nur fuͤr Interesse Gewinn und Schadens dem Kaͤuffer. In pr. 2. Feud. 24. \& 40. Tot. Tit. 2. Feud. 52. \& 55. L. traditionibus, C. de pact. L. ab Emptione, Eod. C. 1. in princ. 2. Feud. 38. L. Sancimus, C. de pœn. §. si Va- sallus, 2. Feud. 26. C. 1. §. Callidis, 2. Feud. 55. C. 1. §. si quis vero, 2. Feud. 52. Lehns-Pfand und Verkauff verboten. Lehn Verlusts Recht. §. 37. Wer Lehn verkauffet oder verpfaͤndet/ hat es verlohren/ wofern er es nicht fuͤr Anklage wieder in seine Gewalt gebracht/ oder mit Vorbehalt des Lehnsherrn und Lehnserben Recht ohne Betrug/ Gefahr und Schadens/ irgend eines festen Stamm-Hauses gethan. 2. Feud. 44. L. id quod nostrum, ff. de R. J. L. si qui poss. ff. de vi \& viarm. L. nihil tam naturale \& L. quicquid ff. de R. J. Lehn Veꝛsaͤum- niß Recht. §. 38. Lehn durch nicht Empfahung versaͤumet/ faͤllt dem Herrn zu; durch Veraͤusserung verlustig Lehn aber/ so neu/ gehoͤrt dem Herꝛn. Alt-vaͤterliches kommt denen naͤchsten Freunden zu/ des Veraͤnderers Soͤhne ausgeschlossen/ es sey denn/ daß sie Vaters Erbschafft nicht haben wolten. 2. Feud. 55. verb. præterea si quis. §. denique 3. in fin. 2. F. 37. C. 1. 2. Feud. 26. §. fin. 1. F. Lehns Ver- wuͤrckung. Lehn-Brieffe Versehungs Recht. Lehnherr und Lehntraͤger Recht. 21. \& 2. Feud. 39. Nov. 48. princ. c. 1. 2. Feud. 30. \& 45. C. 1. §. cum vero 1. Feud. 1. §. 39. Lehn wird durch Missethat verwuͤrcket am Herrn/ dem es alsdenn heimfaͤllt/ es waͤre denn in Lehn-Brieffs Belehnungen aus- druͤcklich dagegen versehen/ daß es von einem auff den andern verfal- len solte. Als wenn der Lehn-Traͤger ein gemeiner Lehn-Rechts Fried- brecher/ seinem Herrn feind wird/ oder mit dessen Feinden Freund- schafft und schaͤdliche Verbuͤndniß macht/ so fern aber der Lehnherr ihm Gewalt thut/ mag er sich wehren. C. 1. §. si Vasallus. 2. Feud. 26. 2. Feud. 37. §. fin. 2. Feud. 24. C. un. 1. Feud. 5. c. un. §. 2. 2. Feud. 9. C. un. 2. Feud. 57. C. un. 2. Feud. 32. Gloss. in c. 1. §. 1. quibus mod. feud. amitt. c. 1. §. fin. 2. feud. 25. L. ut vim ff. de just. \& jur. Lehnmanns Untreu Straf- fe. §. 40. Jtem/ wenn er des Lehn-Herrn Frauen Unzucht anmu- thet/ oder dessen Tochter/ Enckelin/ Schwester/ oder Sohns Frau bey ihm im Hause beschlaͤfft/ oder mit seiner nahen Anverwandten sich vermischet/ es waͤre dann unwissend geschehen zu seyn/ eydlich bekraͤfftiget. 1. Feud. 5. verb. item si fidelis 2. Feud. 24. §. 2. verb. rursus, c. un. 2. Feud. 56. Lehn-Verlusts feꝛneres Recht. §. 41. Jtem/ wann der Lehnmann seinen Herrn aus Gefaͤngniß nicht erloͤsen will/ ihn schmaͤhet/ oder als Gerichts-Herr/ ihm kein Recht gestatten will; Jtem/ wer in peinlichen/ ausser verletzten Ma- jestaͤt und Verraͤtherey Sachen/ seinen Lehn-Herrn peinlich mit Schmaͤh-Klagen beleget/ ohne daß ihn der Lehn-Herr selbst belan- get/ Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. get/ oder auch solchen Falls wider ihn Zeugniß giebt/ hat das Lehn verlohren. §. atrox, instit. de injur. c. un. §. præterea 2. Feud. 24. c. un. §. porro, \& §. illud, §. item 2. Feud. 24. c. 1. §. item si delator 2. Feud. 24. C. un. gloss. in verb. salva reverentla, 2. Feud. 22. un. verb. quomodo, 2. Feud. 23. §. similiter pœn. 2. Feud. 33. §. 42. Jtem/ wer seinem Lehnherrn das Lehn wissentlich verleug- Lehn Rechts Verlust Ursa- chen. net/ und nicht gestaͤndig ist/ oder gebuͤhrende Dienste verweigert. Jt. wenn ein Vater seinen Sohn nicht stellet/ oder von sich thut/ der ge- gen den Herrn groͤblich gehandelt; also auch/ wann der Lehnmann sei- nes Herrn Bruder/ Bruders Sohn/ sein Weib/ Kinder und nahe Freunde oder Schwaͤger umgebracht hat. C. 1. §. Vasallus, 3. 2. Feud. 26. C. 1. §. fin. 2. Feud. 34. verb. sed non est alia 2. Feud. 24. Tot. tit. ff. de condict. caus. Tit. C. de donat. quæ sub mod. C. 1. 2. Feud. 55. 1. Feud. 5. 2. F. 7. \& 28. in fin. verb. item si fratrem, 2. Feud. 24. §. deniq́; verb. si vero, 2. Feud. 37. §. 43. Jtem/ wann er seines Lehnherrn Heimlichkeit vorsetzlich/ ihm zum Schaden/ offenbaret/ oder auch wer seine Lehn-Guͤter miß- brauchet/ fruchtbar und ander Gehoͤltze verwuͤstet und Dienst-Leute uͤber Gebuͤhr beschweret/ ist deren verlustig. 2. Feud. 6. 1. Feud. 17. C. 1. 2. F. 6. \& 7. C. ad apostolicæ, de re judic. in 6. §. quicun- que 2. F. 27. \& 8. verb. meliorem, Auth. qui rem, C. de SS. Eccles. §. 44. Endlich aus allen Ursachen/ dadurch der Lehnmann sein Treu u. Glau- ben zwischen Lehnherrn und Lehnmann. Lehn verliehret/ verwuͤrcket auch der Lehn-Herr sein Eigenthums Recht/ weilen beyde gleichen Rechts geachtet/ auch Treu und Glau- ben zwischen ihnen umwechselt/ und der Lehnherr soll bey seiner Ge- rechtigkeit Verlust den Lehnmann gegen jederman zu schuͤtzen/ gefaͤhr- Lehn Schirm und Schutz- Recht. licher Weise/ nicht unterlassen/ es sey denn das Lehn auffgesagt/ oder loßgekuͤndiget/ und binnen Jahr fuͤr Werth nicht wiederruffen. §. Domino, 2. Feud. 26. c. un. 2. Feud. 47. c. 1. in fin. 2. Feud. 6. 2. Feud. 26. §. Titius. 2. Feud. 3. §. 9. pen. §. 45. Wann aber ein alt Lehn durch andere Ubelthaten/ so nicht Lehn Recht Verlust alt oder neu. Selbst Mord in Lehn-Faͤllen. wider des Lehnherrn Person/ verwuͤrcket/ faͤllt es an die Bluts-Ver- wandten/ biß zum 4ten Grad/ und naͤhere werden ausgeschlossen; Neu Lehn aber faͤllt zum Herrn; Wann sich der Lehnmann selbst um- bracht/ faͤllt das Lehn denen Bluts-Verwandten heim. §. fin. 2. Feud. 24. c. 1. in princ. 2. Feud. 37. c. 1. 2. Feud. 31. c. un. §. si Vasallus cul- pam, 2. Feud. 26. §. 46. Ein Lehnmann mag sein Lehn einem andern ebenbuͤrtigen Affter Lehns Gerechtigkeit. wohl zum Affter-Lehn geben; Wann Lehn verwuͤrcket/ muß es doch R 2 zuvor I. Buch/ Cap. XII. Lehn Rechts Urtheil. zuvor dem Lehnmann gerichtlich zuerkannt werden/ ehe dann es der Lehnherr zu sich nehmen kan/ auch muß er bey seinem Leben darum sprechen/ hernach kan es sonst der Erbe nicht thun/ es waͤre dann dem Lehnherrn die Verwuͤrckung unwissend/ oder in der That gestrengen Rechts verlohren gewesen/ oder haͤtte nicht fuͤglich klagen koͤnnen/ als auch wann der Lehnmann vor der Anklage stirbt/ kan dessen Sohn her- nach nicht darum beklaget werden. §. 1. 2. Feud. 3. \& 26. §. beneficium, 2. F. 34. §. fimiliter, 2. Feud. 55. 1. Feud. 21. L. 176. ff. de R. J. Gloss. in C. un. §. porro, 2. Feud. 24. §. non autem, instit. de per- pet. \& temp. act. L. 1. in princ. ff. de priv. del. §. fin. Eod. §. omnis autem, inst. de noxal. act. L. qui dicitur. ff. de furt. L. Defuncto ff. de publ. judic. Lehnmanns Untuͤchtigkeit. §. 47. Das Lehn/ so durch Lehnmanns Untuͤchtigkeit ledig ist/ als wenn derselbe blind/ taub/ stumm oder lahm wird/ faͤlt dessen Erben zu/ es sey alt oder neu. Wer zween gegen einander streitige Lehn- Lehn-Schuldẽ Recht. herrn hat/ soll dem ersten wieder den andern helffen. Lehn-Schuld darff keiner bezahlen/ wer nicht selbst des Lehnmanns Erbe ist/ und waͤren die Schulden zur nuͤtzlichen Lehns-Besserung angewandt. C. 1. §. fin. 2. Feud. 24. 2. Feud. 28. §. contra omnes in fin. §. satis bene, 2. Feud. 52. c. 1. 2. Feud. 45. Witthums Recht oder Lehn Gedings Leibzucht Recht. §. 48. Jtem/ Witthum zu nuͤtzlichem Gebrauch eines Gutes oder Leib-Geding und Leib-Zucht/ durch gewisse jaͤhrliche Gefaͤlle/ dagegen Versicherung und Fund-Zettul zu halten/ auch Steuer von der Witt- wen auszugeben erfordert wird/ so laͤst sich diese Leib-Zucht an keinem Gut von niemand verjahren/ jedoch ist bey deren Bezahlung noͤthig Mitgifft wann einzubringen. zu erweisen/ daß Mitgifft eingebracht und zum Lehn angewandt/ wel- ches nicht wohl nach Mannes Tode mit der Rente geschehen kan/ mas- sen wenn die Frau bey Mannes Lebzeiten die Mitgifft nicht einge- bracht/ sondern erst nach dessen Tode einbringen will/ samt der Zinß und Rente und die Leibzucht zu begehren/ solches ist vielmehr zu Recht Mitgifft Ehe- stands Buͤrde Erleichterung. unguͤltig/ weilen alsdann Ehestands Buͤrde verloschen/ daß keine Mitgifft/ als deren Zweck und End-Ursach/ den Wehe-Stand zu er- leichtern ist/ mehr Statt finden kan. L. 3. §. 1. vers. atq́; habent, cum Auth in donatione, C. de secund. nupt. L. 25. de usurpat. \& usucap. C. sine possess. de R. J. in 6. Lehn-Verjaͤh- rungs Recht. §. 49. Wann der Lehnmann mit gutem Glauben das Lehn ver- laͤugnet/ und dessen Dienst-Pflicht versagt/ dabey der Lehnherr 30. Jahr lang geruhig gewesen/ ist der Besitz verjaͤhret. Wann des verstorbenen Lehnmanns Erbe das Lehn fuͤr ein Erbgut unwissend annimmt und 30. Jahr besitzet/ wird des Lehnherrn allzuspaͤte Klage als Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. als verjaͤhret verworffen. Wann auch ein Lehnmann das Lehn wissend Lehn Rechts Verlust. des ersten Herrn von einem andern empfaͤngt/ erkennet/ und ihm Dien- ste leistet/ welches der erste Herr 30. Jahr lang geruhig erduldet/ ist er Lehns-Recht verlustig. Arg. L. 4. 7. 8. §. 2. C. de præscript. 30. vel 40. ann. §. 50. Wann Lehnmanns Erbe mit gutem Glauben das Lehn Lehn Veraͤnde- rungs Recht durch Kauff. wie Erbgut verkaufft/ hat Verjaͤhrung Statt beym Kaͤuffer/ wann er aber das Lehn verbotener Weise veraͤndert/ und der andere nur mit gutem Glauben und freyem Gewissen es so lange Zeit geruhig besitzet/ verjaͤhrets nicht; Wann nun ohne verbotene Veraͤnderung jemand Besitz Recht mit oder ohne gutẽ Glauben. eines andern rechtlichen Besitz erlanget/ und 30. Jahr lang vollfuͤhret/ gewinnet er/ und verliehret der andere das Lehn. §. 51. Ob schon in etlichen Lehn-Veraͤnderungs-Faͤllen Verjaͤhrung Interesse Lehn- Kaͤuffer und Verkaͤuffer Recht. nicht Satt findet/ so mag jedoch der Kaͤuffer den Verkaͤuffer wegẽ Kauff- geld und Interesse beklagen/ Anklage aber uͤber Lehnmanns Verbre- chen verjahret/ wann nicht geschiehet vom Lehn-Herrn binnen 30. Jah- ren; wann auch ein Unterthan oder Lehnsmann gefangen geleget oder Lehn-Verbre- chen Anklage Verjaͤhrung. in Verhafft gezogen/ und also ihm thaͤtliche Schmach zugefuͤget wird/ daß dessen Ober- und Landes-Herr seiner Dienste nicht gebrauchen kan/ und ihm dadurch seine Botmaͤßigkeit zerstoͤret wird/ so mag er deßfalls Rache suchen und uͤben. C. 1. § si quis per 30. annos, de præscr. Domini contra Vasallum \& è contra. L. 2. §. fin. ff. si quis caut. L. item apud Labeonem §. quod adjicitur, ff. de injur. §. 52. Wann ein Lehnmann gerichtlich offenbar citir et/ und dennoch Lehn-Gerichts Recht. ausbleibt ungehorsam/ wird der Lehnherr zum Besitz eingewiesen; stellt er sich aber ein binnen Jahres Frist/ wird ihm solcher Besitz verlohr- nen Lehn-Guts wider eingeraͤumet/ welches also hingegen vom Herrn auch zu halten. 2. Feud. 22. L. 2. ff. quib. ex caus. in poss. eat. L. 8. §. pen. de præscr. 30. ann. C. 3. \& 5. X. ut lit. non cont. §. 53. Jn Streit-Sachen zwischen Lehnherrn und Lehnmann/ Lehn-Streits gehoͤrige Rich- ter. auch Lehnguͤter halber/ sollen andere Lehnmaͤnner richten; zwischen zween Lehnmaͤnnern aber ist der Lehnherr Richter/ auch wo Streit und Lehn ist/ ob es alt oder neu sey/ daselbst wird vermuthet/ daß es ein alt-vaͤterlich Lehn sey/ wofern nicht besonders gegruͤndete Anzeigun- gen darwieder vorhanden. 1. Feud. 22. §. sancimus 2. Feud. 16. pr. 2. Feud. 39. §. si inter. 2. F. 55. §. insuper. L. 6. ff. de jurisd. omn. jud. L. un. ne quis in sua. C. 1. §. fin. 2. F. 11. C. 1. princ. 2. F. 26. §. insuper, vers. præterea, 2. F. 55. R 3 §. 54. So I. Buch/ Cap. XII. Lehn Richter wer seyn soll. §. 54. So der Lehnherr den Lehnmann um Lehn-Guͤter bespricht/ soll er nach gethaner Anzeige so viel Lehnmaͤnner zu Richtern benen- nen/ als der Lehnmann von seiner Seite bekommen kan; fuͤr des Lehn- herrn benannten Richtern allein aber/ ist der Lehnmann zu antworten nicht schuldig. So fern auch etwan diese Leute Rechtens unerfahren/ moͤgen sie sich durch gelehrte Maͤnner belehren lassen/ also wird es auch mit gleichem Zusatz der Lehn-Leute gehalten/ wofern der Lehnmann beklagen will/ dennoch steht es jeder Parthey zu appellir en frey. 2. Feud. 16. vers. si vero. L. 47. ff. de judic. L. 4. C. de sent. ex brev. recit. L. 1. C. ne quis in sua caus. Gloss. in C. 1. 2. Feud. 16. C. 1. 2. Feud. 20. C. 1. §. si inter 2. Feud. 39. C. 1. §. fin. 1. Feud. 22. L. imperatores, ff. de pact. C. 1. in fin. 2. Feud. 22. Oberrichter Amt in Lehn- Streit. Lehn-Leute Eyd wie weit zu erlassen. §. 55. Wann der Lehnherr keine Richter benennen will/ kan der Lehnmann beym Oberrichter Recht suchen/ daß er dazu angehalten werde; Die zu Richtern beruffene Lehnleute aber sollen vom Lehn- herrn/ so weit als zur Sache noͤthig/ ihres Eydes erlassen/ in der strei- tigen Sache aber von neuem beeydiget werden/ und wann sie uneinig/ gelten der meisten Stimmen. L. 27. §. 3. ff. de Recept. Schmaͤh-Kla- ge wieder Lehn- herrn verboten §. 56. Der Lehnmann soll jedoch wider seinen Lehnherrn keine Schmaͤh-Klage anstrengen/ noch uͤber gewaltsame Entsetzung gericht- lich handeln/ sondern buͤrgerlich gegen dessen unfugsamen That Klage fuͤrbringen; Sonst gehoͤret Streit zwischen Lehnmann und Fremb- den nicht fuͤr den Lehnherrn noch Lehnmaͤnnern/ sondern fuͤr des Be- klagten Richter; streitige Guͤter werden auch fuͤr Erb oder Zinß- Guͤter gehalten/ biß daß erwiesen/ es Lehn-Guͤter seyn. Mit-Belehn- schafft Klage Recht. Handschrifft soll man erken- nen oder ver- laͤugnen. 2. Feud. 33. vers. similiter. 2. Feud. 22. vers. si vero. 2. Feud. 6. vers. honestum. C. un. 1. Feud. 10. c. 1. §. præterea, in fin. 2. Feud. 55. 2. Feud. 26. §. inter filiam. §. 57. Wann auch ein Klaͤger die angegebene Mitbelehnschafft/ wie recht und billich/ bescheinigen kan/ so ist Beklagter auff die wider ihn erhobene Klage sich einzulassen und zu verfahren schuldig/ auch im Fall einer vorgefuͤhrten Handschrifft/ selbige fuͤr guͤltig zu erkennen/ oder eydlich zu verleugnen/ pflichtig gehalten. Beweiß im Lehn-Streit. Eyd im Lehn- Streit. Chur-Fuͤrsten- thuͤmer und Graffschafften Lehn-Sachen Stꝛeit Richter. §. 58. Wann ein Klaͤger sonst im Lehn-Streit nicht beweiset/ wird dennoch Beklagter nicht loßgesprochen/ sondern er muß schweren/ ja bißweilen wird ein Besitzer in Lehn-Gerichts Streit-Gut zum Eyd gelassen/ wenn nemlich Vermuthung fuͤr ihn verhanden ist. C. quoties, X. de purg. canon. C. sciendum, de cons. rect. feud. §. 59. So auch etwan irgendswo Sachen vorfielen/ die Fuͤrsten- thuͤmer und Graffschafften belangend/ so vom heil. Reich zu Lehn her- ruͤhren/ Von Religion und geistlicher Sachen Ubung. ruͤhren/ und einem Theil endlich gantz abgesprochen werden solten/ solche sind Kaͤyserlichen Majestaͤt und Roͤmischen Koͤniges Erkaͤntniß Fahn-Lehn Recht bey teut- scher Nation. vorbehalten/ samt derer Chur- und Fuͤrsten Fahnlehn-Streitigkeiten Vergleichniß/ jedoch daß sie nimmer ausserhalb dem Reich der teut- schen Nation entzogen werden. §. 60. Wann endlich in geistlichen Kirchen oder Pfarr-Lehn ein Jus Patronatus vom Kirchen- Bau. Lehnmann das Lehn-Gut durch neuen Kirchen-Bau verbessert/ so gehoͤret nach geendigtem Lehnrecht dem Lehnherrn das Jus Patronatus zu/ inzwischen mag jener mit dieses Vorwissen Prediger beruffen/ und ist eines eintzigen Handels Ubung genugsam das Recht zu erhal- ten/ wofern gethaner Vorschlag nicht verworffen/ sondern wuͤrckli- che Einsetzung geschehen. Clem. fin. de jure Patron. Das andere Buch/ Vom gewissenhafften Bischoff. Caput I. Von Religion und geistlicher Sachen Ubung. §. 1. D Er Roͤmische Kaͤyser muß unweigerlich denen Reichs-Hoff- Religions U- bung Freyheit an kaͤyserlichen Hof-Lager. Agent en/ Resi- dent en und Sol- licitant en Recht. Præceptorn uñ Prediger Hal- tungs Recht. Raͤthen/ ingleichen derer Churfuͤrsten und Staͤnde Resident en/ Agent en/ Sollicitant en und andern Anwesenden/ gesamt Raͤ- then und Dienern/ auch deren Weibern/ Wittwen/ Kindern und Ge- sinde/ das Exercitium ihrer Religion an kaͤyserlichem Hofflager ver- statten/ und daß sie zur Information ihrer Kinder Præceptores, wie auch/ zu predigen und Administri rung der heiligen Sacramenten und was dem Gottesdienst weiter anhaͤngig/ einen oder zween Priester halten moͤgen/ ja daß ihnen zu solchen Amts-Verrichtungen/ so wohl Copulation en als Begraͤbnissen/ ein beqvem- und ehrlicher Ort ange- Copulation uñ Begraͤbniß Freyheit. Abzugs Ent- gelds Freyheit. Paß-Brieffe Recht. wiesen werde; und dafern unter ob beruͤhrten Personen einige vom kaͤyserlichen Hofe sich anderswohin begeben wollen/ dieselbe keines Weges auffgehalten/ sondern frey/ sicher und ungehindert/ ohne Ab- zugs Entgeld/ oder Haab und Guͤter Vorenthalt fortgelassen und auff Begehren zu dem Ende gehoͤrige Paß-Brieffe ertheilet werden sollen. §. 2. Sonsten II. Buch/ Cap. I. §. 2. Sonsten ist auch beliebt worden/ daß diejenige Catholische Catholischen der Augspurgi- schen Confessi- on Verwand- ten Freyheit. Unterthanen/ so der Augspurgischen Confession zugethan oder ver- wandt/ und nach Friedens Publication kein oͤffentlich oder Privat Re- ligions Exercitium gehabt/ auch hinfort kuͤnfftig keine andere als des Landesherrn Religion zu uͤben und fuͤhren sollen geduldet werden/ mit freyen Gewissen in ihren Haͤusern/ ausser Inquisition und Turbi- rung ihrer Devotion abzuwarten. Treu uñ Glau- ben/ Christen Kenzeichen Ke- tzern zu halten. Historie von Bund-bruͤchi- gen Koͤnige Uladislao. Tuͤrckischen Kaͤysers Amu- rathis Gebet. §. 3. Ein wahres Kennzeichen der Christlichen Religion ist in- sonderheit Treu und Glauben/ welche man auch Ketzern halten soll; Ja/ wann kein Glaube in der gantzen Welt zu finden/ soll er beym Kaͤy- ser unbefleckt bleiben/ sagte Carolus V. Derohalben der Tuͤrckische Kaͤyser Amurathes gegen den bundbruͤchigen Koͤnig Uladislaum also ausgeschryen hat: JEsu CHriste! siehe/ das ist der Bund/ welchen deine Christen in deinem Nahmen geschworen/ mit mir dennoch gebro- chen/ und also durch ihren Meineyd dich ihren GOtt verlaͤugnet/ dar- um so du GOtt bist/ wie jene sagen/ so wollest du diese mir und deinem heiligen Nahmen angethane Schmach raͤchen; darauff Uladislaus elendig verjaget worden. Heuchlerischen Christenthums Ursachen. Juden/ Heidẽ/ Tuͤrcken und Tartarn Froͤm- migkeit Vor- zug. Falsch Glaͤubi- gen Richters Vorrecht gegẽ Christen. §. 4. Bey Christlichen Religions Brauch waͤre ferner einem Christen hochnoͤthig zu betrachten/ was eigentlich bey uns unter andern die rechte Ursache des heuchlerischen/ schalen/ todten und faulen Chri- stenthums sey/ nemlich daß die meisten gute Evangelische Christen seyn wollen/ und dennoch in Fleisches-Lust und Uppigkeit/ Si- cherheit und Unbußfertigkeit wider Glauben und Gewissen dahin le- ben/ welche die Erb-Suͤnde noch nicht recht erkannt haben/ daß also wohl Juden und Heyden/ oder Tuͤrcken und Tartern gegen solche Christen fromm zu erachten; Ebener massen duͤrffen wir leider unsers Lebens und Wandels halber fuͤr denen Falschglaͤubigen keinen Vor- zugs-Ruhm zu suchen gedencken/ sondern es ist beym groͤsten Hauffen mehr ruchloß und epicurisches Wesen/ als bey andern zu finden/ aber Trotz dem/ der es sagen will. Ca- Vom Jure Patronatus in Kirchen-Sachen. Caput II. Vom Jure Patronatus, oder Kirchen Pfarr-Satz Lehn und Priester Amt Beruff/ Bestellungs Vorschlag oder Præsenti rungs Gerechtigkeit/ wer predigen und wie dazu eingeweihet seyn mag. §. 1. W Ann nun ein welt-vielmehr aber geistlich Amt zu vergeben/ soll Aemter Aus- theilungs Pflicht. man am meisten auff Gottesfurcht und wahres Christenthum sehen/ also daß billig ein frommer Mann einem Gelehrten und mit vielen Gaben Begabten oͤffters vorzuziehen waͤre/ massen durch Christ- lichen Wandel bißweilen mehr Zuhoͤrer zu gewinnen/ als mit praͤch- tig und ansehnlichen Lehre/ dann wohl reden und uͤbel leben heist sich selbst verdammen/ und wie kan derjenige/ so sich selbst nicht zwingen und seiner Seele wahrnehmen will/ andere zu regieren und zu versor- gen wissen/ massen billig ein Priester soll der Heerde Beyspiel seyn Priester soll der Heerde Beyspiel seyn. im Wandel/ Liebe/ Geist/ Glauben/ Keuschheit/ auch von allen Leu- ten ein gut Zeugniß haben. Nov. 123. c. 1. \& 13. ad Titum c. I. v. 6. seq. 1. Timoth. III, 2. \& seqq. Item, c. IV. v. 7. \& 12. §. 2. Der Pabst/ als Petri Stadthalter und Nachfolger/ hat Pabstes falschẽ Vorzugs Schein. nicht mehr Recht noch Macht uͤber weltliche Herren und Kirchen/ als Petrus an Hoheit und Oberhand gehabt; Nun ist aber bekandt/ daß dieser vor andern Aposteln keinen Vorzug/ sondern gleiche Gewalt bekommen/ und was sie gethan/ ist insgemein als von Bruͤdern gesche- hen/ denen saͤmtlich befohlen das Evangelium zu predigen/ auch ha- ben sie alle Gebot und Befehl ausgehen lassen/ wie auch das Wort/ du bist Petrus/ auff diesen Felsen/ gleichsam zur gantzen Kirchen; und dieses: Was du auff Erden binden wirst/ zu allen Aposteln gesaget und gerichtet war. Act. VIII. XV. XVI. Gal. II. Matth. XX. \& ult. §. 3. Geistliche Leute sollen dem Volck Heiligkeits Beyspiel ab- Geistlichen Heiligkeits Beyspiel. Priester Wahl- Recht. geben/ ihre Schaafe weiden mit GOttes Wort und der heil. Sacra- menten Brauch; Solche Priester nun zu erwehlen/ stunde vor Zeiten bey der gantzen Gemeinde; mit der Zeit Nachfolge aber ist das gemei- ne Volck von dieser Wahl ausgeschlossen/ und wird ein Erwehlt- oder Beruffener vom Consistorio examinir et und gut geheissen. Eigentlich Consistorii Examen. aber gehoͤret zur Einweihungs Bestaͤtigung des Fuͤrsten und Ober-Lan- S des- II. Buch/ Cap. II. des-Herrn Macht und Einwilligung/ also/ daß nunmehro dieses Recht/ einen zum Prediger vorzuschlagen/ keinem auch frembder Religion zu- gethanem Fuͤrsten verweigert wird. Præsentation Gerechtigkeit. §. 4. Kirchen-Amts Beruffes Bestellung/ Pfarr-Satz-Lehn oder das Vorschlagungs Recht gehoͤret zwar auch denen Patronen zu/ so die Kirche gestifftet/ oder deren Diener besolden/ jedoch mit Ober- herrn rechtlichem Vorbehalt/ die erwehlte Person gut zu thun oder Jus Patronat9. zu verwerffen; Dahero Jus Patronatus ein geistlich Recht ist/ ohne welt- lichen Gerichts Anhang/ welches jedennoch so wohl welt-als geistli- Jus Patronatus wie weit sich nicht erstreckt. chen Personen zukommen kan; Es erstreckt sich aber nicht auff Kir- chen Bischoͤffe und Auffseher zu beruffen zu andern Kirchen/ welches Recht nemlich allein obern Gewalts halben dem Landes-Herrn zu- koͤmmt/ deßgleichen gehet es zuweilen nicht weiter/ als auff Haupt- und Mutter/ ohne derer Neben-Kirchen Ansehen. L. 47. C. de Episc. \& Cler. Nov. 123. c. 1. \& 18. Nov. 127. c. 2. C. un. de Capell. Kirchen Auff- seher Recht in Staͤdten. §. 5. Denen Kirchen Auffsehern in Staͤdten ist nicht zu gestatten/ sich uͤber den Rath als ihre Patronen/ und jedern Orts ordentliche Obrigkeit zu erheben/ oder Juris Patronatus ungebuͤhrend anzumassen; Patron en und Collator en Recht. allwo aber Patroni und Collatores, welche die Prediger zu beruffen und zu præsentir en/ auch selbige wieder zu beurlauben/ hergebracht haben/ soll es dabey nachmahls gelassen werden/ massen bekandt/ daß wider Obern Schutz und Schirm gilt keine Unter-Obrigkeit. Beruffs Rechts Besitz/ wie zu erwei- sen. Præsenti rungs Verjaͤhrung. Glaͤubigers Recht in Guͤ- ter Besitz. Juris Patrena- tus Muthmas- sungen Buch- staben und Wapen Be- weiß. §. 6. Jm Zweiffel hat derjenige solchen Rechts Besitz/ der am letzten die juͤngste Beruffungs Verhandlung geuͤbet/ ob schon ein an- der viele dergleichen vorher begangen/ auch wird solches so wohl von geist-als weltlichen Patronen durch 30. oder 40. jaͤhrige Verjaͤhrung erlangt/ gewonnen und erworben/ auch mag jener binnen halben Jah- res Frist zum Beruff præsentir en; Also wann ein Glaͤubiger in Guͤ- ter Besitz eingewiesen/ hat er gleichfalls solchen Rechts Ubung/ weiln es denen Grund-Guͤtern anhaͤngig ist. So wird auch das Jus Patrona- tus durch Muthmassungen/ als alten in Stein gegrabenen Buchsta- ben/ Wapen und Kirchthuͤren/ offt erwiesen/ so wohl als auff andere Art und Weise/ durch Gerechtigkeit und Anordnungs Haͤndel Ubun- gen Priester einzusetzen. C. 27. X. de jur. Patron. L. 47. C. de Episc. \& Cler. Nov. 123. c. 1. 30. \& 18. Nov. 127. c. 2. Priester Ein- setzung Han- dels Ubung. §. 7. Wann nun Priester vom Bischoff zu einer Kirche eingesetzt ohne Patroni Vorwissen/ solcher Handel ist nichtig/ wofern es eine Kirche/ Vom Jure Patronatus in Kirchen Sachen. Kirche/ die Juri Patronatus unterworffen/ welches durch Stifftung oder Grundes Anweisung zum Kirchen-Bau der Stiffter und Urhe- ber sich erwerben kan/ ob schon er ihm solches nicht vorbehalten/ es Stiffter Mit- genossen Recht waͤren denn Mitgenossen zu der Kirchen Recht/ so wird ausdruͤcklicher Vorbehalt erfordert; Dahero gewiß ist/ daß Kirchen Grundlegungs Erbauung das Jus Patronatus nicht anders mit sich bringet/ als mit Consistorii Recht. Ober-Bischoffs Einwilligung/ oder Consistorii Verstattung. Nov. 123. c. 30. \& 33. caus. 16. q. 7. L. 98. §. 8. ff. de solut. C. cura, \& c. 25. X. de jure Patron. C. nemo 9. de consecr. Dist. 1. Nov. 131. cap. 7. §. 8. Also aber im Gegentheil erlanget einer das Recht/ der die Juris Patrona- tus Erwer- bungs Recht. Jus Patronatus wann zweene haben zugleich. Kirche zu erst gebauet/ oder/ da sie verfallen/ wieder auffrichtet/ oder dieselbe mit genugsamen Renthen und jaͤhrlichen Zinß-Gefaͤllen ver- siehet und begabet. Darum/ wann einer bauet/ der andere beschencket eine Kirche/ so haben die beyde das Recht zusammen/ wird auch dessen Besitz gleichsam nur durch eine erfolgete Handlung/ wie auch durch uͤ- berlassene Freyheit vom Landesherrn erworben; Blosse Kirchen Ver- Kirchen Bau und Besse- rungs Recht. besserung aber pfleget das Jus Patronatus weder zu schwaͤchen noch zu mehren. L. 21. ff. quib. mod. ususfr. amitt. C. 19. \& 25. X. de jure Patron. §. 9. Allwo nun viel Mit-Patronen selbigen Rechts Genossen sind/ Mit-Patronẽ Vielheit Be- ruffs Recht. Consistorii Entschei- dungs Pflicht. Patronen Un- enigkeit wie zu schlichten wegen Stim- men. Oberherrn Verordnungs Recht. sollen sie mit Beruffungs Pflicht umwechseln/ oder Wahl und Looß gebrauchen/ oder ins gesamt die Beruffs-Brieffe ausstatten lassen; So offt nun viele Patronen wegen Beruffung uneinig/ nicht uͤberein- stimmen koͤnnen/ wird die Sache vom Consistorio entschieden/ oder Superintendent en Stimme und des Orts Obrigkeit Beyseyn in des Fuͤrsten Nahmen dazu gefordert/ oder nach uͤblicher Gewohnheit wird der vorgezogen/ so von meisten Stimmen vorgeschlagen; Falls nun Patroni unter sich so gar uneins/ daß keiner derer Vorgeschla- genen ohne Aergerniß mag angenommen werden/ so kan der Ober- Herr sich zwischen mengen/ und einen verordnen. C. 6 \& 7. X. de jur. Patron. C. 14. de præbend. \& dignit. in 6. §. 10. Wer nun eine Person zu einem geist- oder auch weltlichen Amts Beruff Vorschlags Pflicht. Consistorial- Examinis Verwerff- und Verschonung. Amt vorschlagen will/ muß dahin sehen/ daß dieselbe geschickt dazu sey/ sonst mag sie der Ober-Bischoff oder das Consistorium, wofern sie in ihrem Examine nicht bestehen kan/ verwerffen; wann sie aber von ei- ner gantzen Universitaͤt oder hohen Schul uñ allgemeiner freyer Kuͤnste Gesellschafft vorgestellt wird/ pfleget man sie mit Verhoͤr zu verscho- nen. C. quicunque C. Decernimus, caus. 16. q. 7. S 2 §. 11. Jus II. Buch/ Cap. II. Juris Patrona- tus Ubungs Recht. Exceptance wie verboten. Pfarr Dienst wie und wann zu besetzen o- der nicht. §. 11. Jus Patronatus kan nicht/ ohne bey ledigem Kirchen- und Schul-Amt/ geuͤbet werden/ darum bey noch lebend und anwesenden Priester kein ander zu erwehlen noch Anwartung auszugeben/ viel weniger in der That ein ander zu bestellen/ es sey denn im Nothfall/ daß der lebende Pfarrherr nicht mehr seinem Amt genuͤge thun kan/ so mag es mit Hoffnung der Nachfolge geschehen/ oder Falls ein ander dazu kaͤme/ er dennoch zu einem andern Kirchen-Amt solle befoͤrdert oder mit Lebens-Mitteln Besoldung versehen werden/ der Prediger selbst aber hat kein Recht/ ihm einen andern nach zu verordnen. Patronen schrifftlichen Vorschlags Recht. Mit-Patronẽ Freyheit. §. 12. Der Patronus mag wohl durch Schreiben vorstellen/ die beruffene Person aber muß sich selbst an gehoͤrigem Ort einfinden; deßgleichen mag ausser Zweiffel ein Patron seinen Sohn zum Priester- Amt vorschlagen/ sich selbst aber kan man nicht præsentir en/ ohne es geschehe von Mit-Patronen; So hat auch Patronus die Ehre der Oberhand Vorgangs und oͤffentlichen Kirchen-Gebets. C. dilecto, X. de præbend. Pfarr-Satz- Lehn Præsenti- rung Zeit- Raum. Ort Gewohn- heits Brauch Recht. Consistorii Erinnerungs Pflicht und Macht Pfarr- Dienste zu be- setzen. §. 13. Præsentir- und Beruffung Zeit-Raum ist zu geschehen be- stimmt/ wann es ein weltlicher Patron/ innerhalb 4. Monat/ einem geistlichen Patron aber auff 6. Monat von Zeit ledigen Beruffs Wis- senschafft anzurechnen; jedoch noch jedern Orts sonderlichem Gewohn- heits Brauch wird dieses eben nicht angesehen/ sondern wann nach verflossenen halben Gnaden-Jahrs Frist/ darinn des verstorbenen Priesters Wittwe und Erben Frucht-Nutzungs Gebrauch verstat- tet/ kein Nachfolger erwehlet ist/ so wird der Patron vom Consistorio erinnert/ binnen gewissen endlichen als 14. taͤgigen Termin einen vorzuschlagen/ mit angehaͤngter Verwarnung/ daß in dessen Verblei- bung die Pfarre Amts wegen vor diß mahl/ und sonsten dem Patron an seinem Jure Patronatus unbeschadet/ ersetzt werden solle. C. decernimus, 32. de jur. Patron. Patronen Streit wie zu schlichten. Zween gleich geschickten Præsenti rungs Recht. §. 14. Wann Streit unter Patronen wegen Beruffs Recht/ so wird inzwischen vom Bischoff jemand verordnet/ biß solcher geendiget/ und sollen die Ober-Herrn dahin sehen/ daß kein Amt uͤber sechs Monat ledig bleibe. Wann ein weltlicher Patron zween gleich ge- schickte nach einander vorgeschlagen/ wird es ordentlicher Wahl heimgestelt/ von einer geistlichen Person aber gehet vor derjenige/ so zu erst kommen nach der Zeit. C. cum propter, C. cum te decet, X. de jure patron. C. si autem, \& C. quod au- tem. \& C. consultationibus. X. Eod. §. 15. Wann Vom Jure Patronatus in Kirchen-Sachen. §. 15. Wann der Bischoff einen Vorgeschlagenen nicht will zu- Vorgeschlage- nen Personen Vorzugs Recht. Bischofs Boß- heit und Arg- list Straffe. Præsentirt en Person Recht. lassen/ daß inzwischen ein ander vorgeschlagen/ der den Besitz vom Pa- tron erlangt hat/ so geht dieser dem ersten fuͤr. Wann aber ein Bi- schoff den vom Patron zu erst præsentirt en boßhafft vorbey gehet/ und den andern einsetzet/ muß er den ersten/ dafern er geschickt ist/ mit einem andern Amt versorgen. Wer nun einmahl eingesetzt/ auff dessen Vor- schlag/ der damahlen das Recht dazu gehabt/ od schon es ihm hernach streitig gemacht und abgewonnen waͤre/ derselbe bleibet dennoch in des vorgeschlagenen Amts Beruffung Besitz-Recht. C. Pastoralis 29. X. de jure patr. C. quicunque \& C. quoniam. de jure patron. §. 16. Weilen auch zwischen Priester und Kirch-Kindern gleich- Priester und Kirch-Kinder Recht. sam ein Ehestands Recht zu finden/ als soll deren beyderseits Wille frey ohne arglistige Kuͤnste erzwungen seyn; wie nicht weniger mit derer Capellanen Wahl. Der Patronus aber/ so selbst einen Prediger Bannes Fluch Straffe. oder Mithelffer einsetzet/ wird mit Banns Fluch gestrafft; Wann nun ein Patronus abwesend/ oder rechtlich verhindert/ ob schon er weiß/ daß ein Beruff ledig ist/ so schadet ihm jedennoch angesetzten Frist von Abwesenden Patroni Recht. 4. oder 6. Monat Versaͤumniß im geringsten nichts an seinem Recht/ wofern er nur nicht die Pfarr-Dienste feil haͤlt/ und an meist biethen- den verkaufft. C. 14. X. de sponsal. L. 3. ff. ex quib. caus. major. c. 4. c. 26. \& C. relatum, X. de jure Patron. c. 25. in fin. h. tit. Arg. L. 53. §. 2. ff. de re judic. c. 5. X. de rer. permut. c. 9. X. de transact. §. 17. So ist nun Gifft/ Gabe/ Geschenck oder Geld fuͤr geist- oder Gabe u. Geld- Geschencke fuͤr Ehren Aemter verboten. weltlichen Obrigkeits Aemter zu nehmen oder andere Ehren-Bestal- lungen zu verkauffen/ aller Ungerechtigkeit und Boßheit Anfang und Ende/ ja allwo Ehren-Dienste und Aemter zu Kauff sind/ daselbst ist kein Wunder/ daß auch hernach Pflicht und Rechtens Verwaltung feil gehalten werde/ welches sonst mit Ehren-Verlust und hundert Guͤlden Straffe zu ruͤgen. Derowegen soll man billig jederzeit solche mit Unrecht angebotene Geld-Gaben nicht annehmen oder gar schimpf- lich zuruͤck geben. L. 31. C. de Episcop. \& Cler. Nov. 8. ut judic. sine quoquo suffrag. C. 1. \& 21. X. de simonia. C. nulla, de conc. prob. Act. VIII. v. 20. Nov. 113. c. 3. L. unic. ff. \& C. ad L. Jul. de ambitu. L. 3. 4. L. 5. 6. 7. in pr. \& fin. ff. ad L Jul. repetund. §. 18. Deßgleichen soll man auff keiner geistlichen Wohlthat Ge- Expectance u. Anwartungs Gnadẽ Brieffe suͤndhafften Wunsch Ur- sach. nuß/ Recht/ noch auff andern Beruffs Aemter einige Gnaden An- wartung ertheilen/ weilen solches eines andern Todes suͤndhafftbegie- rigen Wunsch gegen rechtliches Verbot einfuͤhret und verursachet/ S 3 darum II. Buch/ Cap. II. Fuͤrsten Frey- heit in Amts Bestellungen. darum auch sonst alle zum Betrug Rechtens gegen einen/ der von Rechts wegen billiger zu beruffen/ ausgegebene Expectanz- Brieffe recht- lich nicht bestaͤndig sind/ jedoch kan ein Fuͤrst einen vorhero Benann- ten wuͤrcklich zum Amt bestellen. Art und Weise Priester zu be- ruffen. Prob-Predigt Recht. §. 19. Die Art und Weise Priester zu beruffen/ bestehet auch dar- inn/ daß der Beruffene von Lehr und Leben gut Zeugniß habe/ auch der Patron oder sonst ein ander/ bey welchem das Wahlrecht stehet/ wegen dessen Beschaffenheit rathschlagen und ihn auff der Cantzel/ um zu sehen und zu hoͤren/ dem Volck darstelle/ seine Prob- oder Beweiß-Predigt zu thun; So mag wohl einer mit dem Beding erkohren seyn/ wann er Priester Witt- wen u. Toͤchter Vorrecht. eines verstorbenen Priesters Wittwe oder Tochter zum Weibe nim̃t/ weilen man auf dem Lande der Priester Weib u. Kindern kaum anders rathen kan/ wofern sonst der Wille frey und die Person zum Lehren geschickt waͤre/ und solte billig keiner zum Prediger erwehlet werden/ er habe denn zuvor der Schulen-Arbeit vorgestanden. C. 14. X. de jure Patron. Wittwen und Waͤysen Wohl thats Recht/ ohne Zwang/ Mißbrauch. §. 20. Wann aber eine Wittwe zu alt/ daß sie der Gestalt Bluͤ- te verlohren/ so ists kein Zwangs-Recht-Mittel solche zu heyrathen/ vielweniger soll dieser Gebrauch sich erstrecken zu des Patrons Toch- ter/ Magd/ Neh-Spinn- oder Waͤscherin/ dann es nur Wittwen und Waͤysen zu gute vergoͤnnet; Sonst wird keiner verordnet/ der nicht zu Danckbarkeit oder Erkaͤnt- niß Gabe Re- vers verboten. einem gewissen Kirchen-Amt beruffen/ so ist auch eine Danckbarkeits oder Erkaͤntniß-Gabe Beruffs wegen zwar rechtlich zugelassen/ jedoch soll kein Patronus deßfalls unzulaͤßigen Revers oder geschriebene Verpflichtung fordern. Prob-Predigt Handlungs Recht. §. 21. Die Handlung der Probe-Predigt ist nichtig und zu wieder- hohlen/ wofern ein Patron den Beruffenen ohne des Superintenden- t en Bewilligung zugelassen/ welcher solche Macht vom Consistorio er- langt hat/ und ist dieser Predigt Zweck/ des Kirchen-Amts und Pfarr- Pfarr-Kinder Stim̃en Recht. Kinder Stimmen einzusammlen/ oder nach des Beruffenen Lehr und Lebens-Sitten zu forschen/ darum auch dessen Nahmen und Geburt einen Monat oder 8. Tage Zeit vorhero von der Cantzel abzukuͤndigen/ Gemeinde Be- willigungs Stim̃en Ein- sammlungs Recht. daß sie sich befragen moͤgen/ alsdann wird vom Superintendent en oder Patrono nicht eben Mann fuͤr Mann/ sondern insgemein die Fuͤrnehm- sten des Volcks gefragt/ es ist auch stillschweigende Bewilligung genug/ und darff man kahle frevele Ursachen nicht ansehen/ ja diese Predigt ist nimmer zu unterlassen/ der Gemeinde Willen einzuhohlen/ und wann Vom Jure Patronatus in Kirchen-Sachen. wann dieselbe versaͤumt ist/ wird der Beruffene zur Verordnung nicht gelassen/ er sey dann selbst vom Volck geruffen. 1. Tim. III. 10. ad Tit. I, 7. L. 31. \& 42. C. de Episc. \& Cler. Nov. 123. \& 137. cap. 1. §. 22. Jus Patronatus, oder Kirchen und Pfarr-Lehn/ das einer Kirchen Lehns Erbrecht. vom Landes Herrn bekommen/ mag auch fortgehen auff maͤnn- und weibliche Erben/ also/ daß eines Patroni Erben fuͤr eine Person gehal- ten werden/ absonderlich aber wird es nicht verschenckt/ es waͤre denn Juris Patrona- tus Kauff-Ga- be und Tausch Recht. von gesammt Gut ausgenommen/ oder es kaͤme an geistlichen Herrn; So ist auch die Gerechtigkeit/ bey Kirchen Priester zu beruffen/ zu verkauffen rechtlich verboten/ weilen etwas vom goͤttlichen Recht dar- unter vermischt/ welches fuͤr Geld nicht zu gewinnen/ es wuͤrden denn etliche diesem Recht beygethane gesammt liegende Guͤter veraͤussert; Gabe aber und Geschenck oder Tausch dieser Gerechtigkeit wird zuge- lassen. C. 1. X. de jure Patron. C. fin. X. de concess. præbend. C. ex literis, C. de jure, C. cum seculum, X. de jure patron. C. 113. C. 1. q. 1. C. 36. Dist. 63. C. ex insi- nuat. Eod. C. nemini, 36. q. 7. §. 23. So gehet nun Jus Patronatus mit gesammten Guͤter Ver- Juris Patrona- tus Verkauff Recht. kauffung auch uͤber zum Kaͤuffer/ gleichwie andere geheiligte Sa- chen/ und also kan es einem langwierigen Verpachter zur festen Heure uͤberlassen werden/ massen es sich heut zu Tage fuͤr gewissen Preiß schaͤtzen laͤsset/ so kan es auch von hoher Obrigkeit eingezogen werden; Ja/ ein Mann kan dessen Frucht Nuͤtzung/ so einem Mitgiffts Grund- Gut anhaͤngig/ recht und wohl geniessen/ jedoch kan es nimmer an die Glaͤubiger heimfallen/ ob schon ein Schuldner von seinen Guͤtern ab- geht/ sondern es bleibet bey diesem/ wegen der Beruffung Jrrthum zu vermeiden/ weilen er seine Guͤter einzuloͤsen rechtlich stets befugt; des- gleichen soll man keinem Glaͤubiger noch Pfands Jnhaber Juris Patro- Creditorn und Pfands Ein- haber Recht. natus Besitzungs Recht zuerkennen/ ob schon sie aller Guͤter Gerecht- und Herrlich- auch Nutzbarkeiten sich haͤtten verschreiben lassen/ ja gar eines Priesters Einsetzungs Handel veruͤbet/ so fern jedoch dieses wie- dersprochen. L. 24. ff. de contrah. Emt. L. 62. ff. de acquir. R. D. L. 1. C. de jur. Emphyt. L. 20. C. de jure dot. L. 3. C. de pign. act. C. ex literis X. de jure patron. C cum Bartholus 18. X. de fent. \& re judic. §. 24. Sonst aber wird Jus Patronatus bey ausgestellten Obliga- Juris Patrona- tus Obligati- on auch Zinß und Capital Rechnungs Gerechtigkeit. tion nicht mit uͤbertragen/ sondern es muͤssen alle Pfandhaber die jaͤhrli- che Nutzungen in Rechnung zu bringen/ von ihren Zinsen und hernach- mahlen vom Capital abzurechnen gehalten seyn/ woraus zu schliessen/ daß II. Buch/ Cap. II. daß ihnen nur angetragen dasjenige/ so zur Berechnung gebracht wer- den kan; und soll diese Rechnung in Gegenwart des Patroni dem Bi- schoff geschehen/ damit sie beyderseits wohl zusehen/ daß der Kirchen Uberschuß behalten bleibe. Præsentirt en Einfuͤhrungs Recht. §. 25. Falls nun einem rechtlich Beruffnen keine Streitigkeiten zu machen vorfallen/ soll man ihn dem Consistorio darstellen/ welches mit fernerm Verhoͤr und Einfuͤhrung zu verfahren; inzwischen wann Priester Witt- wen Pflicht. ein Amt ledig/ wird dessen Verwaltung denen benachbarten Dorff- Priestern/ oder in Staͤdten Capellanen befohlen/ welchen die Wittwe billig eine Verehrung thun soll/ und dahero pflegen sie offt solche Prie- ster zum Essen zu noͤthigen/ absonderlich wann sie den Gottes-Dienst das letzte mahl verwalten. C. 5. c. nulla, X. de concess. prob. C. un. §. verum, de jur. patr. in 6. Juris Patrona- tus Wuͤrckun- gen. §. 26. Juris Patronatus Wuͤrckung ist Kirchẽ Rechts Beschuͤtzung/ Ge- baͤues Vorsorge/ den Patron schuldige Ehrerbietung/ nicht aber Kirchen- Guts Verwalt- und Anordnung/ sondern nur Kirchen-Rechnung Auff- nahme/ zugleich mit Kirchen Auffsehern; und haben also Patroni von diesem Recht keine andere Nutzbarkeit zu gewarten/ als daß sie samt ihren Soͤhnen/ wofern sie in Armuth gerathen/ jedoch maͤßig/ ohne Person Ansehen/ nach richterlichem Erkaͤntniß/ muͤssen unterhalten werden/ welchen Nutzen aber man niemanden abtreten mag. C. 15. de Elect. in 6. Patronen Pflicht bey Kirchen- Rechnung. §. 27. Dannenhero weilen dem Patrono daran gelegen/ daß Kir- chen-Gefaͤlle erhalten werden/ soll er bey Rechnungs Ablegung sich finden/ der Kirchen vorstehen zur aͤusserlichen Erhaltung/ und Sorge tragen/ daß ihre Guͤter nicht verschwendet/ sondern deren Diener ver- pflegt werden/ daß sie nicht Hunger leiden und ihr Amt mit Seuffzen thun moͤgen. Patronen Recht wegen Betrug. §. 28. Wann sonst etwas zu eines Patrons Betrug geschehen/ oder zu dessen rechtlichen Antheils Verringerung arglistig Todes halben oder nicht veraͤussert/ solches wird allerdings wiederruffen/ dann gleichwie Vermaͤchtniß erst nach aller Schulden Abzug zu be- zahlen/ also auch verhaͤlt sichs mit allen rechtlichem Erbtheil und was man Patronen schuldig; Dahero gegen guten oder boͤsen Glaubniß Besitzer die Wiedererstattungs Klage samt Fruͤchten und Unkosten gar wohl Statt findet. L. 1. §. dolum, §. si libertus, §. si pluribus. §. quamvis, §. ult. cum 11. seqq. ff. si quid in fraud. patr. L. 1. §. pen. ff. ad SCt. Trebell. L. fin. §. licentia. C. de jure de- liber. L. si patronus, ff. de donat. L. Papin. §. si quid, ff. de inoffic. Test. §. 29. So Vom Jure Patronatus in Kirchen-Sachen. §. 29. So mag aber ein Patronus dieses Rechts Ubung fuͤr Patron en Rechts Ver- lust Ursachen. ein oder allemahl beraubt seyn/ wann er einen Unwuͤrdigen vorschlaͤ- get/ oder die rechte Zeit zu beruffen vorbey gehen laͤst; oder er ver- lieret sein Recht gar/ wann er eine Kirche nicht in guter Bau-Ver- besserung halten will; oder Kirchen Einkommen hinweg nimmt/ oder durch Urtheil/ oder Kirchen-Diener und geistlicher Personen Mordthat/ oder unerdenckliche Verjaͤhrung/ aller Guͤter Einziehung/ Abkuͤndi- gung/ grossen betruͤglichen Mißbrauch/ und mit verwilligten Kirchen- Vereinigung nach Sachen Erkaͤntniß. C. 22. \& 27. X. de jure Patron. C. 12. X. de pœnis. C. 11. X. de præscript. §. 30. Wer sonst einer geistlichen Person wuͤrckliche Schmach Geistlicher Personen Schmach- Rache. anleget/ Handthat an ihnen veruͤbet/ und sie mit Schlaͤgen tractir et/ in der Kirchen oder auff Kirchhoͤfen/ indem sie Gottes-Dienst verrich- ten/ dadurch solch heiliges Werck zerstoͤret wird/ der hat die gantze Kirche geschaͤndet/ so wohl als das heilige Predigt-Amt beschimpffet/ Obrigkeiten und Bischoffs Recht. daher nicht allein der Bischoff solche Priester-Schmaͤhungen zu raͤchen befugt/ sondern es mag auch die Obrigkeit Amts halben darnach for- schen/ und solch Laster bestraffen/ als waͤre es gegen GOtt selbst zur Verachtung begangen/ jedoch muß man hier nur streng und schwe- re Straffe ersinnen/ wofern augenscheinliche Arglist dabey zu vermer- Predigten Wiederspre- cher Straffe. cken/ daß es boßhafftig geschehen/ alsdann erfolget billig darauff des Kirchen-Banns oder auch oͤffentliche Lebens-Straffe; deren Straffe aber/ welche Predigern bey oͤffentlicher Predigt widersprechen/ er- streckt sich willkuͤhrlich biß auff zeitliche Landes-Verweisung. L. 10. C. de Episc. \& Cler. Auth. sed novo jure Eod. C. si quis svadente, c. 17. q. 4. Nov. 123. c. 31. L. 4. C. de injur. §. 31. Das Recht/ Predigten zu gestatten oder verbieten/ wozu Predigten wer nicht anord- nen noch ver- bieten kan. auch offt die unverordnete geistliche Personen gelassen werden/ stehet nicht bey Kirchen-Patronen/ wann schon jemand dazu geschickt ist/ aus- genom̃en an hochheiligen Feyertagen und bey Leich-Begaͤngnissen; so steht auch nicht in Pfarrers Willkuͤhr/ Predigten von neuen anzustellen/ zu unterlassen oder zu verlaͤngern. 1. Cor. XIV. v. 31. 34. §. 32. Geistlich studirend en Jugend Ubung im Predigen ist zwar Studenten wann pꝛedigen moͤgen. vergoͤnnet auch auff oͤffentlicher Cantzel bey Gemeinde Versamlun- gen/ jedoch soll es nicht ohne rechtmaͤßige Ursach zugelassen seyn vom ordentlichen Priester/ sondern zur ausserordentlichen Zeit/ nicht oͤff- ters/ noch ohne Probst oder Bischoffs und Kirchen-Auffseher Willen geschehen/ sonst moͤchte es dem Pfarrer zur Faulheit gerechnet werden/ T wann II. Buch/ Cap. III. wann er solches an Sonn- und Fest-Tagen ohne Noth gestatten wol- Streitigkeiten wer nicht mag abhandeln. te/ dafuͤr er GOtt dermahleins wird Rechenschafft thun muͤssen; Zu dem wird es zuweilen solchen Studenten erlaubet/ die gerne Streitig- keiten abhandeln wollen/ deren Zweck sie selbst nicht verstehen/ unter- dessen aber das Gegentheil nur schmaͤhen und laͤstern/ dadurch sie mehr Aergerniß als Erbauung geben/ und die Zuhoͤrer verwirren. Priester Ein- weyh- und Ein- weisungs Ver- ordnung. §. 33. Die Art und Weise zu verordnen geschiehet durch Einweyh- und Hand-Aufflegung mit Gebet und Segen/ dadurch ihm die Macht zu lehren und zu verwalten von der Kirchen verliehen und gegeben wird/ auch bezahlt die Kirche darzu benoͤthigte Unkosten/ bey ihrer Unvermoͤ- genheit aber muß die Gemeinde zur Huͤlffe beysteuren. Darauff folget ferner ordentl. Amts Einweisung/ nach geleistetem Eyde gebuͤhren- der Huld und Treue/ welcher Handlung der Superintendens und Pa- tronus oder Erbherr samt des Orts Amtmann gehoͤrig beywohnen sollen/ an dazu vorhin gesetztem Tage/ im Beyseyn etlicher Priester als Zeugen/ mit ernstlicher Erinnerung des Pfarrers und Pfarr-Kinder Pflichten/ deßfalls fuͤr sie zu GOtt gebeten wird/ weilen die Kirche Christi Braut ist. Act. XIII, 2. \& 14. 2. Cor. VIII, 19. Act. VI, 6. 1. Cor. III, 10. C. 22. Dist. 70. 1. Tim. IV, 14. 2. Tim. I, 6 L. 3. §. 4. C. de SS. Trinit. caus. 1. q. 2. Can. cum cleric. Dist. 81. C. un. X. de instit. C. transmissum, C. quod sicut, in 6. X. de Elect. C. 1. dist. 23. Matth. IX, 15. 2. Cor. XI, 2. Caput III. Vom Priester-Amt mit Kirchen- und Gottes- dienst/ Predigen/ heiliger Sacramenten Ausspendung/ stillen Beichte und Jugend Unterweisung/ auch Kirchen-Gebeten. §. 1. Prediger Amt auff der Can- tzel. A lle Prediger sollen dem Volck von der Cantzel wohl zusprechen und erklaͤren/ welcher massen GOtt der Allmaͤchtige offt der Menschen Suͤnde mit derer Feinden Schwerdt schwerlich gestrafft/ und sie darum zur Lebens Besserung ermahnen/ daß sie zu solcher verschul- deten Straffe Abwendung und dabey um gnaͤdigen Sieg wider Got- tes unsers Heylandes Christi argen Feind emsig und demuͤthig bitten sollen/ in welchem allein unser Heil und ewige Wohlfahrt beruhet. §. 2. So Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. §. 2. So sollen sie auch alle Sonntage das Volck fleißig warnen/ Vermahnung von Gotteslaͤ- sterung/ Flu- chen uñ schwe- ren. daß sie die Gotteslaͤsterung bey Christi Nahmen/ heiligen Marter/ Wunden/ Krafft/ Macht und dergleichen freventliche Fluch- und Schwuͤre gaͤntzlich vermeiden und sich deren enthalten/ auch GOtt bitten/ daß er solch groß Ubel von Christlicher Gemeinde gnaͤdig ab- wenden wolle. §. 3. Ja/ sie sollen in gottseligem Eyffer das Jhrige thun/ sich nichts Priester sollen hertzhaffte Maͤnner seyn im Predigen. abschrecken lassen/ von einem Tage zum andern nicht zaudern/ noch gar verzweiffeln/ viel weniger dencken/ die Unordnung ist allzu tieff eingewurtzelt/ es stecken viel grosse Leute darunter/ es wird gewaltige Widersprache abgeben/ darum lieber nicht angefangen/ als mit Schanden abgelassen/ sondern sollen wie Eßra GOtt vertrauen/ zulaͤßi- ge dennoch scharffe Mittel/ nach Art der Kranckheit/ gebrauchen/ die boͤsen Gewissen vom Anfang erschrecken/ und sie in der Boßheit nicht wieder zu kraͤfften kommen lassen/ vielmehr ihnen eine kurtze Frist an- setzen/ daß sie neue schlimme Haͤndel auszusinnen/ oder Auffstand zu machen nicht Zeit haben moͤgen. Fuͤrnehmlich sollen Prediger in ihren Predigten vermeiden und unterlassen/ was zu Bewegung des gemei- Priester sollen nichts melden zum Auffstand gegen Obrig- keit. nen Mannes wider die Obrigkeit Ursach geben moͤchte/ auff ein je- des Schaaf sollen sie absonderliche Auffsicht haben/ fuͤr GOtt lieber wuͤnschen der geringste Hirte/ als der beruͤhmteste Lehrer zu seyn; Ja ein rechtschaffener Priester soll es fuͤr das allergewisseste halten/ daß/ so lang er noch ein einig Mittel uͤbrig hat/ dadurch des Jrrenden und Gefallenen Seele kan und mag gesuchet werden/ er fuͤr GOtt mit seinen Gerichten nimmer entschuldiget seyn kan/ er nehme denn das- selbige auffs aͤusserste zur Hand/ und versuche damit sein Bestes/ also daß an ihm mit gutem Wissen und Willen nichts ermangele. §. 4. Alle auff der Cantzel disputir suchtige Priester sind oͤffters Disputir- Sucht gehaͤs- sig. selbst Leute ohne Geist und Glauben/ mit fleischlicher Weißheit/ ob wohl aus der Schrifft/ erfuͤllet/ allerdings aber von GOtt nicht ge- lehret/ dann auch alle Wissenschafft/ die wir aus eigenen natuͤrlichen Kraͤfften und blossen menschlichem Fleiß/ ohne des Heil. Geistes Licht/ aus der heil. Schrifft fassen/ ist eine fleischliche Weißheit; oder wir muͤssen sagen/ daß die Vernunfft der goͤttlichen Weißheit faͤhig sey. Was ist denn von solchen zu hoffen? also bringt man frembd Feuer in des HErrn Heiligthum/ das ist eine frembde Absicht/ nicht auf GOt- tes sondern eigene Ehre/ daruͤber denn solche Opffer GOtt nicht ge- fallen/ seinen Fluch herzu ziehen/ und mit solchem Wort-Gezaͤncke T 2 gar II. Buch/ Cap. III. gar nichts ausgerichtet wird; weilen mehrentheils dessen Behauptung/ was man einmahl fest gesetzet/ nur seyn muß der Ruhm eines subtilen Wiedersacher Bekehrungs Verhinderung Verstandes oder Scharffsinnigkeit und Gegeners Uberwindung/ sie moͤge geschehen/ wie sie wolle/ oder vielmehr eine Regul/ nach welcher man gehet/ als Erhalt- und Untersuchung der Warheit/ dadurch als- dann etwan der Widersacher dero Gestalt geaͤrgert wird/ daß/ ob er wohl nicht zu antworten vermag/ dennoch die erkannte Art/ womit man gegen ihn verfahren/ die gefuͤhrte fleischliche Gemuͤths-Zuneigungẽ/ ein- genommene Scheltwort und dergleichen Dinge/ so nach menschlicher Schwachheit schmecken/ ihn an einer sonst gehofften Bekehrung ver- hindern; solte man auch vieles disputir en erforschen/ so wuͤrde man bald diesen bald jenen Mangel finden/ welches auch die Ursach/ daß man nicht erhaͤlt/ was etwan zu verlangen/ und dahero den meisten solches hernach gar verhast wird/ daß sie fernern Streit lieber meiden/ als mißbrauchen wollen. Lehr-Wahl der Heyden wie zu beant- worten. §. 5. Was kan ein Christ doch den Heyden antworten/ wann sie kommen und sagen/ wir wolten gerne Christen werden/ wissen aber nicht/ wem wir sollen beyfallen/ weilen unter euch so viel Streit/ Auff- ruhr/ Gezaͤnck und Widerwaͤrtigkeit/ welche Lehre der andern vorzu- ziehen und zu erwehlen; Ein jeder sagt/ wir folgen der Warheit/ wem nun zu glaͤuben/ ist uns unbewust/ massen die Schrifft/ deren wir un- wissend/ ein jeder zum Schutz vorwendet; darauff nun denen Heyden zur Antwort dienen kan/ weilen die Schrifft/ und nicht die Vernunfft/ Christẽ Richt- schnur was ist. Gewissens Fragen Recht. der Christen Richtschnur/ als ist leicht zu urtheilen/ wem ihr nachzu- folgen/ dann wer mit heiliger Schrifft nicht uͤbereinkoͤmmt/ ist kein Christ zu nennen; solche aber ist in heiliger schlechten Einfalt ohne Warheit-Verfaͤlschung in allen Gewissens-Fragen/ so fern sie zur Seeligkeit noͤthig/ wohl zu verstehen. Ertz-Hirten Christi Exem- pel. §. 6. Alle Prediger/ die wahre Hirten und nicht Miedlinge seyn wollen/ muͤssen nach dem Exempel des Ertzhirtens Christi ihre Schaͤf- leln alle mit Nahmen kennen und ruffen koͤnnen; alle ihrer Gemeinde einverleibte Buͤrger/ Bauren/ Weiber/ Kinder/ Lehrjungen/ Ge- Pfarrer allge- meine und son- derl. Pflicht. sellen/ Studenten/ Jungfrauen/ Maͤgde/ Knechte/ Soldaten/ Tag- loͤhner/ Bettler und alle Pfarr-Kinder insgemein/ muͤssen sie kennen/ auff sie alle und auff einen jeden insonderheit gute Auffsicht halten/ massen ein jeder Pfarrer wissen soll/ daß er so wohl auff eine jede Per- son seiner Gemeinde/ als auff die gantze Kirche von GOtt bestellet ist/ und derohalben ein Gefallener in seiner Pflege/ Auffsicht und Seelen- Sorge Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. Sorge nicht allein unter allgemeinem Hauffen/ sondern auch fuͤr sich ab- sonderlich gehoͤret/ derowegen er seinem Beruffs-Amt nimmermehr ge- nug thun kan/ wofern er nicht dieses einigen Seele insonderheit/ als der gantzen Kirchen und Gemeine zusammen/ getreulich wartet; dann es heisset/ habt Achtung auff die gantze Heerde. Aber leider die meisten geben kaum auff die halbe/ ja nicht auff den zehenden Theil Achtung/ wie sichs gebuͤhret/ sondern je groͤsser die Gemeine/ je groͤsser ist auch vieler Priester Unwissenheit/ die wenigsten kennen sie alsdann von Person/ geschweige nach ihrem Leben/ predigen ihnen also nur ins ge- mein dahin ohne Person Nachfrage/ da doch GOtt die gantze Heer- de und ein jedes Schaͤflein absonderlich mit seinem Blut theuer er- kaufft hat/ wer aber nun GOttes Zorn-Gericht zur ewigen Ver- Wer nicht zu GOttes Tisch zu lassen. dammniß entfliehen will/ und dagegen gern in GOttes Gnaden zur Seeligkeit begehret erhalten zu seyn/ der muß GOtt und einem jedern Beicht-Kinde von gantzem Hertzen getreu bleiben/ auch sich mehr um Schulen bekuͤmmern/ damit niemand zu GOttes Tisch gelassen werde/ er habe denn zuvor lesen/ schreiben und seinen Catechismum wohl geler- net; ja ein Prediger soll mit grossem Ernst allen Fleiß thun/ und ihm nicht leicht einbilden/ daß er sich hier oder damit fuͤr GOtt wohl ent- schuldigen koͤnne. Luc. XV. Joh. XX, 2. Act. XX, 28. §. 7. Ein Prediger soll auff der Cantzel nichts reden/ was nicht Historien und Fabeln auff Cantzeln ver- boten. zu Fortpflantzung GOttes Ehre gereichet/ er soll nicht suchen die Oh- ren zu juͤcken/ sondern Seelen fertig zu machen/ keine Eulenspiegel Possen/ historische Auffzuͤge/ oder andere nichtige Fabeln vorbringen/ die da mehr zum Lachen zwingen/ als zum Hertzen dringen/ massen GOttes Wort uͤberfluͤßige Materie zur Hand giebt/ nuͤtz und noͤthige hertzruͤhrende Dinge fuͤrzutragen/ so zur Seelen Heil erbaulich seyn; Nach geendigter Predigt/ moͤgen auch weltliche Dinge vom Predigt- stuhl verkuͤndiget seyn/ nicht aber untergemischter Weise/ es waͤre denn der Kirchen selbst daran gelegen. §. 8. Denen Predigern soll obliegen/ auff der Cantzel GOttes Weltliche Sa- chen wann und wie vom Pre- digstuhl zu verkuͤndigen. Wort rein zu predigen/ alle Privat-Haͤndel und Affect en davon zu lassen/ denn an Statt Christi sein eigen Wort zur oͤffentlichen Predigt zu reden/ ist unverantwortlich/ erbauet nichts/ ursachet Verbitterung/ erwecket bey schweren Erdruͤckungen Haß und Auffruhr; wann aber ein Priester an seinen Zuhoͤrern etwas in specie zu tadeln/ soll er vor- geschriebenen Ermahnungs-Mittel Stuffen gebrauchen und nicht sein eigen Richter seyn. T 3 §. 9. Sonst II. Buch/ Cap. III. Gottesdienst Pflichten wor- inn bestehen. §. 9. Sonst besteht aller Gottes-Dienst im Gebet/ Lobgesang/ Predigten des Worts GOttes und heil. Sacramenten Verwaltung/ auch Allmosen Ausspendung/ deßgleichen an Wercktage Bet-Stun- den/ Kinder-Lehren/ Danck-Festen/ Fast-Buß- und Bet-Tagen/ wie Mutter Spra- che bey Gottes dienst wie zu behalten. nicht weniger in Geluͤbden/ Eyden/ Haußkirchen/ jedoch alles in ver- staͤndlicher Mutter-Sprache; bey denen Paͤbstlichen hat man auch Braut- und Seelen-Messen/ samt denen Wallfahrten. Durch Auff- ruhr/ Getuͤmmel/ Unfug auff denen Kirchhoͤfen/ vor Predigt Endung ohne Noth aus der Kirchen lauffen/ plaudern und dergleichen wird Gottesdienst zerstoͤret; Dorff-Kirchmessen zu jedern Orts-Kirchen Stifftungs Gedaͤchtniß/ ohne Prassen und Schwelgen Mißbrauch/ sind nicht verboten; Gottes-Dienst Veraͤchter aber werden gestrafft Gottes Ver- aͤchter Straffe. mit Kirchen-Busse/ Gefaͤngniß/ Geldstraffe/ Geisseln/ Verweisung/ Pranger. Wer aber an Kirchen-Diener bey Amts-Ubung Hand legt/ verdient peinliche Zuͤchtigung. Act. XIII, 1. 2. 3. 1. Cor. IX, 13. Rom. XV, 27. 2. Cor. IX, 12. L. 10. C. de Episc. c. 1. X. de fer. §. 10. Ferner soll hier ein Pfarrer wissen/ daß ihm alle Seelen Pfarrern ab- sonderliche Pflicht mit al- ler und jeder Kirch-Kinder Seel-Sorge. der Gemeinde auff seine Seele und Gewissen anbefohlen/ nicht allein insgemein/ ihnen allerseits auff oͤffentlicher Cantzel das Wort GOt- tes rein und lauter/ vor zu tragen und die heiligen Sacramenta nach Christi Einsetzung zu verwalten/ sondern auch einen jeden absonder- lich mit Trost/ Lehr und Unterricht/ Vermahn- und Warnung zu ver- sehen/ und so viel immer Mensch und muͤglich zu versorgen/ seine Muͤ- he und Arbeit auff eines jedern Seel Sorge und Amts Pflege/ worin- nen es von noͤthen/ anzurichten/ nemlich nur nicht auff Buͤrger/ Bau- ren/ Ackerleute/ Kothsassen/ Dorffs-Huͤffner und Halbhuͤffner/ oder die eingepfarrte Herrn und Frauen/ wie sie in dieser und jener Gassen wohnen/ hausen und herbergen/ sondern auch ihre Kinder/ klein und groß/ Soͤhne und Toͤchter/ ihre Gesinde/ Knecht und Maͤgde/ denen allen saͤmtlich und jeden insonderheit soll und muß man geheim und oͤffentlich allen Rath GOttes von ihrer Seeligkeit in den Predigten ankuͤndigen und fuͤrstellen/ auch/ schuldigen Amts gebuͤhrender Pflicht nach/ erinnern und vermahnen/ daß Kinder und Gesinde zur wahren Gottesfurcht gehalten/ darinn geuͤbet/ am Glauben und Leben frucht- Priester Ver- antwortung und Versaͤum- niß Gefahr. barlich erbauet werden moͤgen. 2. Cor. XI. v. 28. §. 11. So nun hier ein Beicht-Vater etwas unterlaͤst/ das seiner Amts-Sorge zusteht/ wird er schuldig an des Kindes/ Knabens/ Maͤgd- leins/ Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. leins/ Jungfer/ Handwerck-Jungen oder Gesellen/ Acker-Knechts oder Dienst-Magd Versaͤumniß/ grundlosen baufaͤlligen Christen- thums und daher entstehenden Gefahr/ auch Leibes und der Seelen Verderben/ ja wann ein Priester nachlaͤßig/ Zeit und Beschwer sich verdriessen laͤst/ auff aller und jeder seines Kirchspiels Personen Seelen Achtung zu geben/ derselbe lebt als ein Verfluchter unter GOttes aller- greulichstem Zorn/ so lang er in solcher vorsetzlichen Untreu verbleibet. §. 12. Gewiß und fuͤrwahr/ die armen unseligen und verwarloseten Unseliger Men schen Wehkla- ge uͤber Prie- ster. Menschen werden am juͤngsten Tage erbaͤrmlich uͤber ihn wehklagen/ und mit erschrecklichem Ach ausruffen: Du bist unser Lehrer/ du bist uns zum Seel-Sorger gesetzt gewesen/ darum haben wir dir unsere Seelen vertrauet/ sind zu dem Ende zu dir kommen/ daß du uns wohl lehren und gute Achtung auff unsre Seligkeit haben soltest/ aber ach du hast unsre Seelen nicht gemeynet/ Weh und Zeter uͤber dich in alle Ewigkeit. Darum alle Prediger nach dem Apostolischen Exempel nicht allein insgemein oͤffentlich/ sondern auch wohl insonderheit einen je- Priester sollen nicht stumm seyn. den aus der Gemeine in ihren Haͤusern fuͤrzunehmen/ zu lehren und fragen/ zu berichten und unterweisen schuldig/ ja ausserhalb ordentlichen Gottesdienst nicht stumm seyn sollen. Act. XX. v. 20. §. 13. Anlangend der heiligen Tauffe Ceremonien/ mag man hier- Gebet an Statt der Tauff-Be- schwerung o- der Exorcismi. bey ersehen/ wie unmaßgeblich die Beschwerungs-Art durch andern Schrifft-maͤssigen Wort-Verstands Gebet/ dessen die Christliche Kirche ohne Gewissen-Sorge sicher gebrauchen koͤnte/ sanfftmuͤthig zu lindern waͤre/ als folgender Gestalt: Wir dancken dir lieber HErr GOtt himmlischer Vater/ daß du uns nicht allein deinen lie- ben Sohn/ unsern HErrn und Heyland JEsum CHristum/ der uns von allen Suͤnden/ vom Tode und von der Gewalt des Teuffels erloͤ- set hat/ in deinem heilig-geoffenbarten Wort zu erkennen gegeben/ sondern auch die heil. Tauffe/ die ein gewisses Zeichen und Siegel der Gerechtigkeit und ewigen Lebens ist/ fuͤr Alte und Junge eingesetzt hast; denn ob wohl auch derer Glaͤubigen Kindern des Bundes Verheissung geschehen ist/ so koͤnnen sie doch ohne die Tauffe nicht anders ordentli- cher Weise auff und angenommen werden zu deiner heiligen Gnade/ noch sich deren getroͤsten/ weilen sie alle von Natur/ gleichwie wir Kin- der des Zorns/ Fleisch vom Fleisch gebohren/ ausser Christo sind und mangeln des Ruhms/ den sie fuͤr GOtt haben sollen. Darum bitten wir dich/ du wollest das Kind zu Gnaden annehmen/ dasselbe durchs Was- ser- II. Buch/ Cap. III. serbad im Wort von Suͤnden reinigen und abwaschen/ auch in Chri- sto mit ihm dich vereinigen in Ewigkeit. HErr JEsu Christe/ du ewi- ger Sohn GOttes/ in dir allein steht unser Heil/ das ist dein Nahme/ du hast des Teuffels Werck zerstoͤret/ und durch deinen Tod ihm und der Suͤnden die Macht genom̃en/ zu verdammen und zu herrschen; wir bringen zu dir dieses in Suͤnden empfangen und gebohrne Kindlein/ welches der Satan ohne deine sonderbare Gnade im Suͤnden-Reich gefangen haͤlt; laß deiner heiligen Tauffe Krafft durchs Wort in ihm maͤchtig seyn/ daß der boͤse Feind und hoͤllische Geist hinfuͤro keinen Raum bey ihm finden/ sondern daß du in seinem Hertzen wohnest/ und es in dein Gnaden Reich versetzt werde. HErr GOtt Heiliger Geist/ ohne dich kan niemand JEsum einen HErrn nennen und zu ihm kom- men/ du allein machst uns angenehm fuͤr GOtt durchs Wort und Sacrament im Glauben/ diß Kind ist todt in Suͤnden/ und von Mut- ter-Leibe an unrein/ mache es lebendig zur neuen Creatur in Christo/ wasche und reinige es durch die heil. Tauffe/ welche nach deinem Nah- men heisset ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes/ laß es dir samt Vater und Sohn kuͤnfftig ein Tempel und heilige Wohnung seyn/ regiere und fuͤhre es auff ebener Bahn/ daß es nach GOttes Willen und Wohlgefallen thue und wandele/ recht glaͤu- ben/ Christlich leben/ selig sterben/ und also zu der Auserwehlten Ge- meinschafft gelangen moͤge/ Amen! Eltern Ver- mahnung we- gen Kinder Tauffe nicht zu versaͤumen. §. 14. Seyd nun billig ermahnet ihr Eltern/ daß ihr euren Kin- dern das hohe Gut der heil. Tauffe nicht muthwillig entziehet/ man eilet ja mit denen Schweinen zur Schwaͤmme/ wann sie unrein sind/ die Kindlein aber laͤst man offt biß zum vierdten Tag und druͤber im Suͤnden-Stand liegen/ entweder daß hernach der Pracht desto groͤs- ser werde/ oder weilen man eben nicht noͤthig erachtet/ damit zu eilen/ und also GOttes Befehl veraͤchtlich hindan setzet/ dahero manches Kind ohne Tauffe dahin faͤhret/ welche zwar niemand rechtlich ver- dammen kan/ massen der grundguͤtige GOtt nach seiner Erbarmung mit ihnen handeln wird/ was sind aber solche Eltern anders als Die- be/ die ihre Kinder des edlesten Schatzes berauben/ wann nun dieses Pracht und Gepraͤnge bey der Tauffe ver- boten. mit Vorsatz geschiehet und nicht bereuet wird/ so muß deren Gewissen sie kraͤncken in der letzten Todes-Stunde. Jederman eilet ja mit dem Aaß zum Grabe/ so eilet nun auch mit denen Kindern zur Tauffe/ wo- selbst das Suͤnden-Aaß begraben wird/ meidet nur alles Gepraͤnge/ das sonst die Welt treibet/ das heist die Tauffe nicht verstehen/ oder auch Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. auch verspotten/ wenn man die Kinder dem alamodischen Pracht zu der Stunde auffopffert/ da sie dem Teuffel und seinem Wesen entsa- gen solten/ vielmehr muͤste man dieselben mit Furcht und Andacht GOtt kniend und seuffzend zubringen; darnach/ wann das Kindlein in solcher eitelen Hoffarts-Tracht getaufft/ fallen die Leute zum Tisch offt ohne Gebet/ wie die Saͤu zu Traͤbern/ schuͤtten Kragen und Ma- gen voll/ da ist des armen Kindes bald vergessen/ welches jedoch am juͤngsten Tage denen Eltern grosse Verantwortung geben wird/ wann Tauff-Ver- saumniß Ge- fahr und Ver- antwortung. die jungen Kindlein diejenigen zur Hoͤllen weisen/ die sich lauter Him- mel traͤumen lassen; Ja was muß der grosse GOtt wohl fuͤr Greuel an solchen boͤsen Christen haben? der sich dennoch der armen Kinder nach seiner grossen Guͤte erbarmet/ und selbige um Christi willen zu Gnaden annim̃t/ daß sie nicht allezeit auffgeblasene schwulstige Hoch- muths-Geister werden. §. 15. Wie macht es aber der HErr Christus? Er leget die Haͤn- Christi Tauff- Ceremonien. de auff die Kindlein/ und betet uͤber sie/ ja er hertzet und segnete alle/ die man zu ihm brachte; GOtt aber sey uns gnaͤdig! wie mancher tritt zum Tauff-Stein/ legt in Kindes Nahmen sein Glaubens-Zeugniß ab/ und verstehet offt selbst nicht/ wessen er gefraget wird. Er saget zwar dabey: Jch glaͤube an GOtt Vater/ Sohn und Heil. Geist; hat aber keine Ubung noch Erfahrung des seligmachenden Glaubens/ son- dern dienet mehr dem Teuffel in seinen Wercken und Wesen/ als GOtt dem himmlischen Vater. §. 16. Diejenigen nun/ so in Bekaͤntniß der heil. Dreyeinigkeit Ketzer Tauffe verwerfflich. und Verdienst JEsu Christi nicht mit unserm Glauben uͤbereinkom- men/ haben auch keine rechte Tauffe/ darum derer Ketzer Kinder zur Bekehrung noch einmahl moͤgen getaufft werden/ sonst mag man der Tauff Wieder- hohlung ver- boten. heil. Tauffe Handlung/ wann sie Gebrauch- und rechtmaͤßig gesche- hen/ nicht wiederholen. Wer sich aber wissentlich/ aus Ketzerey und Aberglauben eine Kranckheit zu heilen/ oder Gewinst halben zweymahl tauffen laͤst/ ist scharffen Kirchen-Zucht unterworffen/ und welcher es thut/ wird seines Amts entsetzet. Dist. 4. c. 117. \& 118. de consecr. §. 17. Weilen dann eine rechtmaͤßige Tauffe nicht zu wiederho- Heil. Sacra- ments Miß- brauch Straf- fe. len/ ob schon sie ein Ketzer verrichtet haͤtte/ so werden billig wegen des heil. Sacraments Mißbrauch mit Staupenschlag und ewigen Lan- des-Verweisung gestrafft alle solche Landstreicher/ die ihre schon ein- mahl getauffte Kinder nur um Geld von neuen/ und viele Gevattern U zu er- II. Buch/ Cap. III. zu erlangẽ/ Tauff und Paten-Geschencks wegen zwey oder mehrmahls tauffen lassen/ massen sie dadurch grobe Falschheit und Gotteslaͤste- rung an verschiedenen Orten begehen. Dist. 4. c. 23. 24. 28. 29. \& 36. de consecrat. Tot. Tit. C. ne Sanct. bapt. iter. Zigeuner Kin- der Tauff ver- boten. Mißgeburt Recht zu tauf- fen. §. 18. Darum auch aller Zigeuner Kinder zu tauffen verboten werden/ es waͤre dann gewiß/ daß sie erst neulich frisch gebohren und annoch bey Geburts Ort gefunden werden/ jedoch muß ein Kind gantz und vollkommen lebendig nicht aber todt/ oder zum Theil gebohren seyn; Wann auch ungeheure Mißgeburt Menschen Gestalt hat/ mag sie wohl getaufft werden. Dist. 4. c. 30. 37. 64. \& 83. \& seqq. de consecrat. Noth-Tauffe recht. §. 19. Jm Nothfall und zur Noth-Tauffe/ wann ein Kind in To- des-Gefahr/ und kein Priester zeitig zur Hand zu bekommen/ so mag wohl nach Roͤmisch- und Lutherischer Kirchen-Ordnung/ das Werck der heil. Tauffe zu verrichten/ einer weltlichen Person/ als einem jedern Noth-Tauffe streitig. Christen/ Weibe/ Hebammen/ ja Kindes Vater erlaubet seyn/ welches zwar von viel hundert Jahren also uͤblich geschehen/ jedoch bey Refor- mirt en streitig/ sich selbst aber kan und mag niemand tauffen. Can. 19. \&. 21. de consecrat. Dist. 4. c. 30. q. 1. c. 7. Dist. 4. c. 34. \& 114. de consecr. Wer mag ge- taufft werden. §. 20. Alle diejenigen nun/ so zur Kirchen auff- und angenommen seyn wollen/ soll man tauffen/ sie seyn erwachsen/ daß sie reden koͤnnen/ oder nicht/ als Unmuͤndige/ Krancke/ Taube/ Stumme/ Besessene und Unsinnige; Es soll aber bey erwachsenen Leuten/ welche zwey Jahr lang zu unterrichten/ die Lehre vor der Tauffe hergehen/ daß sie zuvor im Christlichen Glauben unterwiesen/ die Ketzerey vergessen ler- nen. Juden aber pfleget man 8. Monat lang zu unterrichten/ ja deren Kinder/ wann sie in der Kirchen Gewalt kommen/ sollen von ihren ob schon bekehrten Eltern abgesondert/ und bey gebohrnen Christen unterwiesen werden; Endlich auch Heyden/ wann sie in letzten Zuͤgen begehren getaufft zu werden/ soll man es ihnen nicht versagen/ ob schon sie vorher nicht gelehret. C. majores, X de Baptism. Dist. 4. c. 94. de consecr. Matth. XXVIII. v. 19. Act. VIII. v. 37. Gevattern uñ Tauffzeugen Recht. §. 21. Nach Kirchen-Gebrauch werden zur Tauffe Gevattern und Zeugen ersuchet/ daß sie fuͤr das getauffte Kind beten und sorgen/ daß es in wahrem Glauben aufferzogen werde/ und zwar pflegt man etli- cher Orten einen/ zween oder mehr zu nehmen/ die auch wohl gar da- durch alsobald das Vormuͤnder-Amt auff sich zu nehmen genoͤthiget sind/ Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. sind/ nach geistlichem Recht aber soll man nur einen Haupt-Gevatter haben/ jedoch gilt hierinn Gewohnheit. Dist. 4. c. 100. \& 101. Deut. 19. v. 15. 2. Cor. 13. v. 1. Esai 8. v. 2. §. 22. Es sollen aber Gevattern from und ehrliche Leute seyn/ zu Gevattern uñ Zeugen Be- schaffenheit. denen man sich versehe/ daß sie die Sache mit Ernst und rechtem Glau- ben handeln/ Gottlose aber und Ketzer sollen vorhero ermahnet seyn/ Minderjaͤhrigen Stelle sollen Eltern und Vormuͤnder vertreten/ wer sich aber ohne rechtmaͤßige Ursachen dieser Pflicht weigert/ wird mit Geld-Busse oder Gefaͤngniß und oͤffentlichen Abbitte gestrafft; son- sten gehoͤret Tauff-Paten Geschenck oder Gevattern Gabe dem Kin- de zu/ und sind ihm Vaters Guͤter heimlich dafuͤr verpfaͤndet/ an etli- chen Orten ist dieses gemaͤßiget oder auch gaͤntzlich verboten. Dist. 4. de consecr. c. 7. 33 \& 138. L. 18 C. de jure deliber. L. 20. C. de admin. tut. L 6. § ult. C. de bon. quæ liber. §. 23. Ein bekandter gott- und ruchloser Mensch/ Wucherer/ Gevatter wer nicht seyn mag. Gotteslaͤsterer- oder oͤffentlicher Veraͤchter des heil. Nachtmahls soll unter andern Gevattern nicht zugelassen werden/ dahero dieser Ge- brauch loͤblich/ daß man dem Priester vor der heil. Tauffe derer Ge- vattern Nahmen schrifftlich anmeldet/ um daraus zu sehen/ ob er sie mit gutem Gewissen zu solchem heil. Werck verstatten koͤnne oder nicht/ damit er alsdann des Kindes Vater/ seinen Rathschluß zu aͤndern/ er- mahnen kan. §. 24. Wann auch einer Gasterey und Sauffgelaches halber zu Gevattern Pflicht wann man versagen kan. Gevattern gebeten zu seyn mercket/ mag er diese Pflicht wohl abschla- gen/ absonderlich da er weiß/ daß mehr Zeugen vorhanden/ sonst aber nicht/ weiln der Dienst mehr dem Kinde als Vater geschiehet/ darum auch einer wohl von seinem Feinde dazu erbeten seyn/ und mit andern Feinden zugleich Gevattern stehen mag/ da ihm deßwegen an seiner Schmaͤh-Klage nichts benommen ist/ der beleidigte bittende Vater aber begiebt sich Rechtens zum buͤrgerlichen Interesse. Can. 101. de consecr. Dist. 4. §. 25. Der innerliche Tauff-Zweck und Endursach ist Vergebung Tauffzweck ist Kirchen Buͤr- ger-Recht. der Suͤnden; der eusserliche aber ein Christlicher Nahme/ dadurch man in der Kirchen das Buͤrgerrecht und uͤbrigen Glieder Vereini- gung erwerben kan durch heil. Dreyeinigkeits Anruffung/ dahero ein Getauffter/ zum geistlichen Gericht gehoͤrig/ Christlichen Glauben zu beobachten kan gezwungen werden/ deßgleichen ist er verbunden unter Unglaͤubigen wider Christen nimmer zu kriegen. Eine sonderliche U 2 Wuͤr- II. Buch/ Cap. III. Wuͤrckung der Tauffe ist auch Nachlaß und buͤrgerlichen Straffe Linderung wegen etwa vorhin begangenen Ubelthat. 1. Cor. 12. v. 13. Ephes. 4. v. 4. Dist. 4. de consecr. c. 106. C. un. Clem. de consecr. Tauffe wo ge- schehen muß. §. 26. Jnsgemein und von Rechts wegen soll die Tauffe in der Kirchen geschehen/ ohne Nothfall/ daß nicht etwan ein Kind oder er- wachsener krancker Mensch ungetaufft dahin sterbe/ oder auch vorneh- mer und adelicher Leute Kinder moͤgen im Hause getaufft werden/ je- doch sollen allenthalben Kindel-Biere verboten seyn/ und muͤssen viel- mehr Priester und Kuͤster solche Gesellschafften vermeiden. Dist. 4. c. 54. \& 93. c. ægrotantes. Dist. 48. c. quoniam. Nov. 144. c. 2. Tod-Suͤnde Wuͤrckung. §. 27. Alle Menschen nun/ die nach der heil. Tauffe Tod-Suͤnde begehen/ wie dann wenige und vielleicht niemand hierinn unschuldig ist/ verliehren zwar die Heiligkeit/ nicht aber das Sacrament. So moͤ- gen auch im Nothfall auff Jnsuln/ in See- oder Schiffbruchs Ge- fahr Christen-Leute wohl eine andere ehrbare Person zur Ausspen- dung der heil. Sacramenten erwehlen/ ja es kan ein weltlicher Mann auch das Beichte-Recht uͤben/ und moͤgen sich alle Christen alsdann unter einander diesen heil. Brauch mittheilen/ niemand kan sich aber selbst absolvir en und loßzehlen. Can. 36. Dist. 4. de consecrat. Gal. ult. 1. Jac. V, 16. Dist. 1. de pœnit. c. 88. Dist. 6. c. 1. C. ult. X. de pœnit. Priester Recht zu Beichten u. communicir \&re;. §. 28. Darum/ wann ein Priester keinen Mithelffer und Amts- Gesellen hat/ soll ihn sein Nachbar mit Absolution und Beicht bedie- nen; viel weniger soll ein Pfarrer/ aus Haß gegen seinen Amts-Ge- huͤlffen/ noch sonsten ohne Nothfall/ abgelegenen Orts wegen ihm selbst Patronẽ Vor- recht wegen Beicht-Vater. das heil. Nachtmahl darreichen; Ein Patronus vieler Kirchen aber hat Rechts Freyheit/ bey welcher ihm gefaͤllig ist/ seinen Beicht-Vater zu erwehlen. Dist. 93. c. pervenit. Beicht-Kin- der Pflicht. §. 29. Allen bißher in Beichtstuͤhlen vorgegangenen Unordnungen und Versaͤumnissen desto besser fuͤrzukom̃en/ so sollen Kinder/ Maͤgde/ Jungen oder Handwercks-Gesellen/ ohne Unterscheid/ wann sie in einer Gemeine das erstemahl zur Beichte kommen wollen/ sie moͤgen frembd oder einheimische seyn/ sich bey den Beicht-Vaͤtern vorher an- geben und examinir en lassen/ deren Nahmen auch zu verzeichnen/ wie dann ein jeder mit seinem Haußgesinde und Kindern dieser noͤthi- gen Auffsicht halben bey derjenigen Kirche/ dahin sie gewidmet/ bleiben/ und von keinem Prediger aus einem andern Kirchspiel ohne special- Verordnung angenommen werden muß. §. 30. Fra- Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. §. 30. Fraget jemand/ woher es komme/ daß aus so vielen Beich- Buß und Be- kehrungs Mangel wor- inn bestehet. ten keine Busse und Besserung entstehe? der soll wissen/ weilen im Beichtstuhl alles geloͤset und nichts gebunden wird/ so findet man we- nig derer/ die in JEsu Christi Lehr- und Lebens-Schrancken einherge- hen wollen/ macht also das viele loͤsen viele lose Leute/ und uͤberall ein wildes loses Leben. Rechte Busse aber soll man durch friedfertiges Vielen absol- virens Frucht- losigkeit. GOtt wohlgefaͤlliges Leben und Wandel beweisen/ von aller Ruch- losigkeit und sichern Gewohnheit zu suͤndigen abstehen/ und eines wah- ren Christenthums rechten Ernst verspuͤren lassen/ wofern der Bann Wegen Bañs Straffe Suͤn- de zu meiden. nicht vorgenommen seyn soll; darum zu derer Unterrichtung/ wann es noͤthig/ auch Vor- und Nachmittages ein und andere Stunden moͤgen angewandt werden. §. 31. Derowegen Priester und Capellan insonderheit anzumah- Priester und Beicht-Kin- der Pflicht we- gen Absoluti- on und heil. Nachtmahls. nen/ ihre Beicht-Kinder ohn Unterschied im Beichtstuhle/ wann sie nicht vorhero wissen/ daß sie wohl unterrichtet/ zu erforschen/ ob sie so viel von Christlicher Lehre verstehen/ daß sie sich im Glauben/ Buß und gutem Vorsatz recht pruͤfen koͤnnen; wiedrigen Falls soll die Abso- lution und das heil. Abendmahl mit solchen Unwissenden dasselbige mahl auffgeschoben und sie erst zu Hause fleißig von Beicht-Vaͤtern unterwiesen werden/ biß sie/ was einem Einfaͤltigen zur Seligkeit noͤ- thig ist/ verstehen/ damit sie nicht unwuͤrdig und zu ihrem Gerichte wis- sentlich dazu verstattet werden/ vielmehr sollen sie folgends diesen Unterricht offt wiederholen/ und allen Beicht-Kindern treulich vor- halten/ zu was Ende sie zu diesem heil. Brauch begehren/ wie hochnoͤ- thig die wahre Busse sey/ und wie sie dazu gelangen moͤchten. §. 32. Auff daß nun das gemeine Volck/ Gesinde und Dienst- Beicht-Kin- der Examen Gerechtigkeit. boten/ Handwercks-Jungen/ Arbeiter und Tageloͤhner vor dem Beichtstuhl nicht so sehr uͤbel bestehen/ und so gar nichts von denen Haupt-Stuͤcken der heiligen Christlichen Lehre gefaßt/ moͤgen unwis- send erscheinen/ so sollen sie vorhero wohl examinir et werden/ damit ihnen die Priester nicht mit betruͤbtem Hertzen die Haͤnde aufflegen muͤs- sen/ und etwa Beysorge tragen/ es wuͤrden solche Leute gar schlechten Nutzen von der Niessung des heil. Abendmahls haben/ wann sie so gar wenig davon wissen/ und sich keines weges recht pruͤfen koͤn- nen/ wie Paulus von allen denen/ so das heil. Nachtmahl zu ihrer Se- ligkeit/ und nicht zum Gericht empfangen wollen/ erfordert. §. 33. Damit auch das Zudringen des Volcks an die Beichtstuͤh- Gedraͤnge zu Beichtstuͤhlen verboten. le nicht so sehr geschehe/ soll deßwegen von der Cantzel Ermahnung er- U 3 gehen/ II. Buch/ Cap. III. gehen/ und eine gewisse Straffe auff die Unbescheidenen/ denen Kasten zum besten/ angesetzet werden/ auch haben Diaconi Macht/ solche selbst abzuweisen/ krancke/ schwach und alte Personen aber vorzuziehen; so sollen sie zur Absolution nicht etliche zusammen sparen/ jedoch hingegen sich aller nachdencklichen Kuͤrtze befleißigen/ und sollen die Kirchen- Priester sollen Beicht-Kinder nicht ausfra- gen. Diener nicht vorwitziger Weise von ihren Beicht-Kindern fragen/ was ihnen nicht gebeichtet/ weilen die Beichte keine Nachforschung der geheimen verborgenen Suͤnden seyn soll/ vielweniger moͤgen sie allda ihre eigene Sachen vorbringen/ oder sich sonst mit denen Beicht- Kindern im Beichtstuhl uͤberwerffen/ ja Beicht-Geld soll man zu der Beicht-Geld wie verboten. Zeit/ um seine Andacht nicht zu hindern/ keinem Prediger geben/ her- nach aber mag einer freygebig seyn/ jedoch kan es niemand fordern/ es mag auch kein Priester Beichtstuhls Gefaͤlle verpachten/ weder mit/ noch ohne Pabstes Willen. C. sacerdos, Dist. 6 de pœnitent. Absolution uñ Beichte wann nicht genung. §. 34. Wann durch eine veruͤbte That die Kirche oder gemeines Wesen Schaden nimmt/ oder so/ wenn dieselbe ungestrafft bliebe/ GOtt wohl ein gantzes Land heimsuchen moͤchte/ als Meineyd; alsdann ist Beicht und Absolution nicht genung/ sondern es muß das boͤse Vorhaben unterlassen/ oder das begangene Ubel gestrafft seyn/ da- mit GOttes Rache abgewendet/ und gemeinen Wesens Untergang verhuͤtet werde/ darum auch die Ubelthat der Obrigkeit zu bekennen/ und buͤrgerlichen Straffe zu untergeben; Ein Priester kan jedoch als Priester Recht Beicht-Be- kaͤntniß zu ver- schweigen. Zeuge/ es waͤre denn ihm etwas nur vertraut/ aber nicht gebeichtet/ geheimes Beicht-Bekaͤntniß zu offenbaren/ auch selbst vom Pabst nicht gezwungen werden/ weilen er die Beichte verhoͤret an GOttes Statt/ und antwortet also ohne Luͤgen/ daß er nichts wisse/ wie ein Mensch/ Unpersoͤnliche Entdeckung wann gilt. massen nicht so wohl ihm als Christo Beichte geschehen/ ohne wann die boͤse That noch nicht geschehen/ und eines andern Lebens-Gefahr dabey/ so gilt unpersoͤnliche Entdeckung. C. dilect. s, X. de Excess. prælat. Dist. 6. c. 2. de pœnit. Distinct. 6. C. Sacerdos, de pœnit. Absolution wem wann uñ wie zu verwei- gern oder nicht. §. 35. So sollen auch die Priester mit der Absolution vernuͤnfftig und mit Bescheidenheit umgehen/ dann daß oͤffentlichen unbußferti- gen Suͤndern/ Gotteslaͤsterern/ Hurern/ Wucherern/ Trunckenbol- den und dergleichen/ die Absolution nach Befindung und vorhergehen- den treuhertzigen/ besondern und oͤffentlichen Warnung/ denen Un- bußfertigen selbst zum Besten/ und andern zum Abscheu gesperret und auffgehalten werde/ solches ist nicht unbillig/ jedoch muͤssen nicht allein die Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. die Verbrechen/ sondern auch die Unbußfertigkeit bekandt seyn; son- Consistorii Erkaͤntniß wozu noͤthig. sten aber ist keinem ohne erhebliche Ursachen und Consistorii Erkaͤnt- niß/ viel weniger aus sonderbarer Rach oder wiedrigen Zuneigung/ wie es offtmahls aus liederlichen Ursachen auff Doͤrffern geschiehet/ solche Absolution zu verweigern. Can Sacmmenta, 49. Dist. 1. c. 54. Dist. 2. de consecr. c. 21. 28. 36. 58. \& 64. Dist. 2. 1. Cor. 7. v. 5. arg. c. in Dominicis, 4. c. 9. q. 2. §. 36. Wann ein Ubelthaͤter/ zum Tode verdammt/ gar nicht beich- Unbußfeꝛtigen Ubelthaͤter uñ Boͤsewichts Straffe. ten noch sich bekehren will/ soll man die Straffe eine Zeit lang verzie- hen und sich bemuͤhen ihn zu bessern; wo alsdann keine Hoffnung/ wird Urtheil vollbracht/ ja wegen Gotteslaͤsterung und Unbußfertigkeit mag ein solcher Boͤsewicht haͤrter gestrafft werden. Wann aber der Misse- thaͤter sonst seinen Gesellen oder Helffern/ durch letzten Wiederruff/ zu gute handeln vermuthlich gedaͤchte/ soll ein Fleiß-verstaͤndiger Missethaͤter Bekaͤntniß Unterscheid. Richter selbst bedencken/ welche Umstaͤnde vorhin guͤtlich erzehlet wahr seyn; wann aber ein Suͤnder beichtet am letzten/ er habe zwar bekennet/ weitere Marter zu meiden/ wolte lieber sterben/ und GOtt seine Unschuld befehlen/ solches muß der Priester offenbaren dem Rich- ter/ um besser nachzuforschen. L. 19. ff. de pœnis. L. 23. pr. C. de nupt. §. 37. Allhier soll kein Beicht-Vater seine Freyheit mißbrauchen/ Beicht-Vaͤter Freyheit Miß- brauch verbo- ten. die armen Suͤnder in der Beichte zu unterweisen/ daß sie ihre einmahl mit Warheit gethane Aussage am letzten wiederruffen sollen/ sondern man muß vielmehr solchem Unheil fuͤrkommen/ weil niemanden gezie- met/ wider gemeinen Nutzen derer Ubelthaͤter Boßheit bedecken zu helffen/ die etwan unschuldigen Leuten zum Nachtheil kommen mag; So man nun jemanden mit endlicher peinlichen Rechtfertigung straf- Armen Suͤn- der Beicht und Communion Recht. fen muß/ soll es ihm drey Tage zuvor angesagt werden/ daß er seine Suͤnde zu rechter Zeit bedencken/ beklagen und beichten moͤge/ und so er das heil. Sacrament zu empfahen begehret/ soll man es ihm ohne Weigerung zu reichen schuldig seyn/ wie auch hernach ihm solche geist- liche Personen im Gefaͤngniß zu verordnen/ die ihn zu guten seligen Dingen vermahnen/ und vor oder beym Ausfuͤhren nicht viel zu trin- cken geben/ dadurch seine Vernunfft gemindert werde/ und derer Missethaͤter letzten Truncks Recht. Priester Vermahnungen sich biß ans Ende getroͤsten moͤge/ sintemahl bußfertigen Suͤndern GOtt taͤglich verzeihen will; Leichten Ablaß U- berredung aber reitzet zur Suͤnde. P. H. O. Art. 31. 79. \& 103. C. 13. X. de vita \& honest. §. 38. Wie II. Buch/ Cap. III. Das H. Abend mahl wie offt zu gebrauchen. §. 38. Wie offt nun eigentlich ein Christ das heil. Sacrament gebrauchen soll/ ist zwar in GOttes Wort nicht ausgedruͤckt/ wer aber weiter Vorsatz zu suͤndigen hat/ dem ist das H. Nachtmahl mehr schaͤdlich als nutzbar/ darum soll man in wahrer Busse jaͤhrlich drey oder 4. mahl zum wenigsten sich dessen gebrauchen/ wofern man Christ- lichen Nahmens wuͤrdig seyn will/ ob schon man zu Recht streitige Sachen haͤtte/ wann nur Personen Haß abgeleget/ wer sonst in Kir- chen-Zucht ungehorsam verstirbet/ ist ehrlichen Begraͤbniß unwuͤrdig. H. Nachtmals Mißbrauch verboten. §. 39. Niemand soll das heil. Nachtmahl mißbrauchen an Eydes Statt/ zur buͤrgerlichen Vergleichs Befestigung Treu und Glauben halben/ oder sich beschuldigten Lasters zu befreyen/ viel weniger zu boͤ- sen Zauber-Kuͤnsten/ ja wer aus schweren Anzeigen eines Laster schul- dig gewesen/ und sich durch Eyd oder Peinigung entschuldiget/ mag wohl absolviret werden/ er waͤre dann mit neuem Argwohn beladen/ alsdann ist er zur Bekaͤntniß zu ermahnen; wer aber dem Richter eine Ubelthat bekennet/ und selbige in der Beichte wiederrufft/ kan nicht loßgesprochen werden/ er habe es dann auch fuͤr Gericht wieder- ruffen. Krancken und Ubelthaͤter Recht wegen Absolution der Beichte. §. 40. Wann ein krancker grausamen Schwachheit halben Beich- te abzustatten unvermoͤgend/ soll er dennoch loßgesprochen werden; also auch wer Betrug/ Raub und Dieberey bekennet/ ob schon noch keine Wiedererstattung geschehen/ wofern sie nur zugesagt und annoch muͤglich zu leisten. Das heil. Nachtmahl aber soll man keinem bußfer- tigen Sterbenden/ ob schon er vorhin abtruͤnnig und verbannt gewe- sen/ versagen; frembden Pfarr-Kindern soll es aber kein Priester geben/ es waͤren dann Reisende Krancke/ die wohl befraget oder mit ihres Pfarrers Zeugniß versehen; derer sichtbaren Zeichen/ als Brod- und Wein/ Kosten muß die Kirche hergeben. Communican- ten Pflicht uñ Versehen Straffe. §. 41. So soll nun ein Christ mit Thraͤnen und Gebet Suͤnde mei- den/ auch GOttes Erbarmung wegen der Suͤnden Vergebung ver- trauen/ alsdann nuͤchtern hinzugehen/ jedoch Alten/ Krancken und Schwangeꝛn wird dieses nachgelassen; uͤber das sollẽ Eheleute mit bey- der Bewilligung ihrer ehel. Beyschlaffs Pflicht sich etliche Tage ent- halten/ wie auch ein jeder im Essen und Trincken sich maͤßigen soll/ dann wer aus Fraß- und Trunckenheit das heil. Brod und Wein ausspey- et/ soll 40. Tage Busse thun/ derowegen Communicant en sollen nuͤch- tern ohne vorigen Rausch Kopff-Beschwerung/ zuͤchtig und maͤßig in Kleidung/ mit gebuͤhrender Ordnung hinzugehen/ desselben Tags so wohl Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. so wohl als darnach aller Leichtsinnigkeit und uͤbermaͤßigen Truncks enthalten/ wer auch nach gehaltener Beichte zuruͤckt bleibt/ verdienet willkuͤhrliche Straffe; wofern aber jemand aus gerechten Ursachen daran verhindert/ mag wohl hernach ohne neue Beichte zugelassen werden. Dist. 4. C. omnis homo. Dist. 2. C. si per negligentiam. §. 42. Wer aber in Suͤnden verharret/ ohne Vorsatz vom boͤsen Vom heiligen Nachtmahls Gebrauch wer abzuweisen. Leben und Wandel abzustehen/ ob er schon sonst GOttes Wort gern hoͤren moͤchte/ wie Herodes/ einem solchen das heil. Abendmahl mit- zutheilen/ dazu kan kein Priester von weltlicher Obrigkeit gezwungen werden/ ohne der Sachen wahren Erkaͤntniß. So werden auch billig alle Ubelthaͤter/ welche der Kirchen oͤffentliches Aergerniß gegeben/ wann sie mit ihr nicht wieder versoͤhnet/ abgehalten/ ohne Nothfall in Todes oder Sterb-Zeiten. Wer aber die That verlaͤugnet/ ist mit ernstlicher Vermahnung auch waͤhrenden Streits nicht auszuschliessen/ ja Ta- schen- und Gauckel-Spieler/ die liederliche Spiel-Kunst treiben/ werden nach geistlichem Recht vom heil. Nachtmahls-Gebrauch ab- gewiesen. L. 4. C. si contra jus vel util. publ. Arg. L. 16. C. de pœnis. C. pro dilectione, 95. Dist. 2. de consecr. Can. quotidie, 13. Eod. §. 43. So soll nun unser Leben eine stets waͤhrende Busse seyn/ Wahren Ren und Busse Be- schaffenheit. dadurch man das begangene Ubel bereuet und nicht mehr thut/ gehei- me Verbrechen soll man insgeheim auch buͤssen/ derowegen finden sich bey wahrer Busse drey Stuͤcke/ als im Hertzen Zerknirschung/ im Munde Bekaͤntniß und im Werck des Glaubens Gnugthuung/ mas- sen niemand kan wahre Reue bezeugen/ der keine Vergebung hoffet/ und heisse Thraͤnen waschen grober Suͤnden Unflath rein ab. Oeffent- Geheimen und offenbaren Suͤnden Beicht Unter- scheid. liche Laster soll man durch oͤffentliche Bekaͤntniß versuͤhnen/ verborge- ne Suͤnden aber ist unnoͤthig dem Priester zu beichten/ wohl aber GOtt allein. Wann auch jemand fuͤr weltlichem Gericht allbereits seine Straffe ausgestanden/ muß er nichts desto weniger Abbitte thun der Kirchen und gemeinem Wesen/ zur gnuͤge das Ubel zu buͤssen und Aer- gerniß auffzuheben/ ohne bey Straffe der Verweisung ins Elend/ all- wo die Person den Ort raͤumet. Can. 39. Dist. 1. de Pœnit. C. 1. \& 6. Dist. 3. Can. 9. ibid. Can. 87. Dist. 1. c. 40. Dist. 1. de Pœnit. c. 50. Eod. Can. 8. Dist. 3. Can. 42. Eod. de pœnit. c. 28. Eod. c. 2. Dist. 1. c. 78. Eod. c. 38. \& ult. de pœnit. Dist. 1. §. 44. Damit auch die Leute auff den Doͤrffern von allem suͤnd- lichen Wesen desto besser abgehalten/ und im Christenthum mehr un- X terrich- II. Buch/ Cap. III. Sonntag Nachmittags Kinder-Lehr und Alten Exa- men. terrichtet werden/ so sollen die Prediger auff dem Lande/ zumahlen die/ so den Sonntag nur einmahl zu predigen haben/ ihre Zuhoͤrer Nach- mittags in die Kirche kommen lassen/ die jungen so wohl als alten Leu- te hoͤren und vernehmen/ was sie aus der Predigt behalten/ und wie sie sonst in ihrem Glauben gegruͤndet seyn/ darauff sie ihnen dann in allem nach Befinden noͤthigen Unterricht geben/ und Christliche Ver- mahnungen thun sollen. Gestalt dann auch ein jeder Christlicher Haußvater in seinem Hause dergleichen mit seinen Kindern und Ge- sinde fuͤrzunehmen/ selbige zum Gottesdienst und Christlichen Lebens Ubung mit guten Ermahnungs Beyspiel anzureitzen schuldig seyn soll/ dadurch dem hoͤchsten GOtt in die Ruthe zu fallen/ so ist kein Zweiffel/ daß er diejenigen/ so ihm im Geist und in der Warheit dienen/ als seine getreue Knechte wieder in Gnaden ansehen werde. Oeffentliche Verbrecher vom heiligen Nachtmahl auszuschlies- sen. §. 45. Ja weilen auch alle/ die mit oͤffentl. Aergerniß verbrochen/ so lang vom H. Nachtmahls Gebrauch ausgeschlossen werden/ biß sie oͤf- fentliche Busse u. Abbitte gethan/ ob schon ihnen zeitliche Straffe nach- gelassen/ es waͤre dann im Nothfall und schnellen Todes Gefahr hal- ben; so ist absonderlich zu erinnern/ daß alle in Glaubens Sachen un- erfahrne und muthwillige Verbrecher besser unterrichtet/ und also mit dem gemeinen Volck so wohl Jungen als Alten in der Kirchen die Lehre des Catechismi/ wie ob gedacht/ fleißig getrieben werde. 1. Tim. V, 22. Caus. 26. \& 14. q. 6. Ephes. IV, 28. Luc. XIX, 8. c. 9. \& fin. X. de pœn. Erwachsenen und unmuͤndi- gen Kinder Un- terscheid zum H. Nachtmal. §. 46. Dahero ferner die heran wachsende Kinder/ nach geschehe- ner genungsamen Unterrichtung/ zufoͤrderst vom Pfarrherr bey oͤffent- licher Predigt der Gemeine sollen dargestellet/ und hierauff zum heil. Abendmahl verstattet werden; unmuͤndige Kinder aber sind billig so lang davon abzuhalten/ biß sie zu ihren verstaͤndigen Jahren kommen/ welches in jedern Beicht-Vaters willkuͤhrlichem Urtheil stehet. Catechismi Lehr-Brauch mit Famili en wie und wo zu uͤben. §. 47. Und sollen zu solcher Anzahl gerechnet seyn Kinder im Hause von 6. Jahren und daruͤber/ alle Haußgenossen/ Mieth-Gesin- de/ Handels- oder Lehr-Jungen/ da denn aus jederm Hause der Vater/ Mutter oder Præceptor, so fern einer vorhanden/ sich jedes mahl/ zum wenigsten eine Person von denen/ an selbiger Kirchen Ort/ da solchen Famili en der Catechismus erklaͤret wird/ angeben soll/ um dabey zu seyn und anzuhoͤren/ wie das Gesinde/ Kinder oder Schuͤ- ler bestehen. Der Ort des Examinis soll seyn die Sacristey, Bibliothec oder Beichthauß/ darinn die Prediger als Examinatores sich einstellen muͤssen/ wohin alsdann eine Familie nach der andern durch den Kuͤ- ster Von den Pflichten eines Predigers in der Kirchen. ster mag eingefordert/ und sonderliches Examen mit ihnen gepflogen werden/ damit ja nicht eins fuͤr dem andern sich zu scheuen Ursach habe. §. 48. Zuletzt im examinir en wird sich ein Pfarrer aller Gelindig- Examinis Ge- lindigkeit wie beschaffen seyn soll. keit zu gebrauchen wissen/ und das Verhoͤr mit aller freundlichen Zu- sprache anstellen/ auch gegen Schwache/ Einfaͤltige und Unwissende sich vaͤterlich erzeigen/ uñ vors erste mahl mit ziemlicher Antwort zu frie- den seyn/ dabey aber alles/ was noͤthig ist/ ihnen weiter erklaͤren/ so weit sie es nicht recht verstehen oder nicht wohl fuͤrbringen koͤnnen. §. 49. Ja/ es saget D. Luther: Vater und Mutter sollen seyn in Eltern Pflicht mit Kindern und Gesinde in Haͤusern. ihren Haͤusern Pabst/ Doctor, Bischoff/ Kaͤyser/ Fuͤrsten und Herren/ darum soll ein Vater sein Kind wie ein Richter straffen/ wie ein Do- ctor lehren/ wie ein Bischoff oder Pfarrer ihm fuͤrpredigen/ wann er das thut/ so kan er fuͤr GOtt bestehen/ wo nicht/ wird er seinen Lohn von ihm zu seiner Zeit wohl bekommen/ massen Eltern/ Vater und Mutter koͤnnen an ihren Kindern das Himmelreich/ also wie auch hin- wiederum nicht leichter die Hoͤlle verdienen/ wann sie dieselben in ih- rem eigenem Hause zu lehren versaͤumen. §. 50. Damit nun ferner niemand/ weder Frembdlinge und Aus- Vorberei- tungs Pflicht zum heiligen Nachtmahl. laͤnder/ die sich irgendwo auffhalten/ noch Einheimische zu des HErrn Tisch komme und gelassen werde/ er sey denn zuvor tuͤchtig darzu er- kannt/ daß er verstehe und wisse/ was seiner Seligkeit Grund sey/ ja damit sich nicht offt befinden moͤge/ daß kaum der Hundert- ja Tau- sende nicht an wahre Busse/ hertz- und gruͤndliche Reue aller Gewis- sens Ruhe/ viel weniger an Zaͤhmen und Casteyen des Fleisches geden- cket/ sondern daß die Vorbereitung zum heil. Nachtmahl beym groͤ- Christliche Liebe und Ei- nigkeit wozu erfordert. sten Hauffen nur eine laͤsterliche Beichte/ Buß- und Gebets-Ubung seyn/ so soll endlich ein jeder wissen/ daß auch Christliche Liebe und Einigkeit zu solchen heil. Wercks Verrichtung absonderlich erfordert werde/ sonst waͤre es zum Zeugniß wider den Communicanten selbst/ und zwar soll ein jeder in seiner Pfarr-Kirche unter gewissen Beicht- Vaters Seel-Sorge bleiben/ weiln der Ertzhirte JEsus CHristus alle und jede Hirten fragen wird/ nicht allein wie sie gelebet/ sondern auch/ wie seine Schaafe und Laͤmmer von ihnen geweidet. §. 51. Ob nun zwar durch GOttes Gnade noch viele Menschen Antichristischẽ Jrrthums Er- rettung. aus denen Antichristischen Jrrthuͤmern vor ihrem Ende wieder bekeh- ret werden/ wann sie in ihrer Todes-Noth allein auff Christum und sein Verdienst sich verlassen/ so sollen nichts destoweniger wir Chri- sten fuͤr einander bitten/ daß GOtt wolle unsern Feinden/ Verfolgern X 2 und II. Buch/ Cap. III. Kirchen Gebet Mißbrauch wie verboten. und Laͤstern vergeben und sie bekehren/ derowegen auch bey allem Vorfall fuͤr gemeinen Wesens Wohlfahrt von hoher Obrigkeit Kirchen-Gebet vorgeschrieben wird/ welche Kirchen Vorbitte unstraff- bar niemand mißbrauchen soll. Kirchen Fuͤr- bitte soll keine Pracht-Cere- monie seyn. §. 52. So sind nun billig hart zu bestraffen etliche Leute/ welche also geartet sind/ daß sie das Kirchen-Gebet und Fuͤrbitte fuͤr eine Pracht-Ceremonie halten/ so bald ihnen das geringste vorstoͤst und wiederfaͤhret/ daß sie sich etwa am Finger geschnitten/ ein Bein ver- treten/ oder ihnen ein Zahn wehe thut/ oder auff ein paar Meilwe- ges nur uͤber Land zu reisen/ so muß also fort ein Zettul nach der Kir- chen geschickt werden/ daß ein Christliches Gebet zu begehren/ da wird mancher todt-kranck und sterbe-siech gemacht/ so man aber bey ihm zu Hause koͤmmt/ und will ihn aus Christlichem Mitleiden besuchen/ sitzet er wohl am Tische/ ist lustig und guter Dinge/ gebraucht nur das Spie- gelfechten/ die Gemeine zu aͤffen. Fuͤrbitt-Zet- tuls Miß- brauch der schwangern Frauen. §. 53. Deßgleichen lassen offt die stoltzen Frauen allzu zeitlich vor sich bitten/ als waͤren sie schwanger/ und wenn nun ein halb Jahr der Bitt-Zettul von der Cantzel abgelesen/ laͤufft es aus in lami, endlich verlieret sich die Hoffnung samt dem Zettul/ wann sich etwan ein zar- tes Fraͤulein bethoͤret mit Einbildungen/ da sie doch nie recht schwan- ger gewesen. Kindbetterin- nen Einfuͤh- rungs Ge- wohnheit zur Kirchen. §. 54. Hieher gehoͤret auch die Gewohnheit/ Kindbetterinnen zur Kirche einzuweihen/ dabey man oͤffentlich GOtt dancket fuͤr Mut- ter und Kindes Leben und Gesundheit/ und gleichsam von anwesender Mutter im Nahmen des Kindes bey der heil. Tauffe gethanen Ge- luͤbdes Wiederhohlung/ allwo sie gebraͤuchlich/ mag man sie behalten/ von neuen einzufuͤhren ist unnoͤthig/ nach geistlichem Recht ist eine Kindbetterin an gewisse Wochen nicht verbunden/ insgemein halten sie 5. biß 6. Wochen. C. un. X. de purificat. Caput Von der Priester Pflicht gegen Arme/ Krancke/ ꝛc. Caput IV. Vom Priester-Amt mit Vorsorge der Armen/ Allmosen/ Krancken/ Hospitahl und Haußbesuchungen/ auch wegen Verlobt- und Eheleuten/ samt Kirchen-Gewalt und Buß-Zucht/ endlich mit Leich-Predigt und Christen Geluͤbde Auffsicht. §. 1. E Jn Pfarrer soll seyn ein vortrefflich Grund-gelehrt rechtglaͤubi- Pfarrers Tu- gend Beschaf- fenheit. ger Mann/ von rechtmaͤßiger Geburt und Alter/ bey dem Leh- rer Unterweisung und grauen Haar Umgang/ seiner vorigen Jugend vollkommene Erziehung/ mit scharffsinnigem Gemuͤth verbessert; kein Geistlicher aber soll weltlich Gericht haben/ wegen seines Amts Na- tur/ massen ja Aarons Stab und Nimrods Schwerdt uͤbel mit ei- Aarons Stab und Nimrods Schwerdt Recht. ner Hand regieret werden/ und ist gar schaͤndlich/ daß Priester derer Welt Sachen sich kundig erzeigen/ darum sie auch denen Ubelthaͤtern/ die etwa zur Kirchen hinfliehen/ und dadurch von ordentlicher Straffe befreyet/ zur Geld-Busse zu gelangen vermeynen/ kein Freyheits Recht zu vergonnen befugt/ weiln solches denen Moͤrdern/ Nacht-Dieben und Kirchen-Raͤubern vorzuschuͤtzen nicht gehoͤret/ ja auch die Kirche von GOtt selbst verordnete Todes-Straffe nicht zu aͤndern vermag/ so wuͤrde nur damit zu vielem Verbrechen ein Weg gebahnet. Tit. ne Cler. vel mon. Secul. se immisc. C. 6. X. de immunit. Eccles. C. 1. \& fin. X. de homicid. §. 2. Hingegen soll billig ein Pfarrer nebst dem Seelen-auch ein Pfarrers Pflicht wegen Hauß-Armen. Hauß-Armen Register haben von elenden Wittwen und Waͤisen/ und dafern sie bey den Krancken in Haͤufern grosse Armuth/ Hunger oder ander Gebrechen an noͤthigen Dingen verspuͤren werden/ sollen sie dieselbe den Vorstehern des Kirchen-Kastens anzeigen/ daß solchen heimlich armen Leuten/ die ihre Nothdurfft aus Scheu niemanden klagen duͤrffen/ gerathen und geholffen werde; auch sollen sie die wohl- habenden Buͤrger und Buͤrgerinnen insonderheit ansprechen/ und Christlich vermahnen/ daß sie solchen armen Leuten die huͤlff- und wartloß sind/ mit Labungen/ Speisen/ Geld/ Leinen-Geraͤthe uñ andern behuͤlfflich seyn; Zu dem findet man viel redliche Leute/ die ihre Noth in solchem Anliegen lieber leiden/ als klagen/ derowegen die Reichen ih- nen zu helffen schuldig/ welches eben das Werck/ dabey man Christen X 3 erken- II. Buch/ Cap. IV. erkennet/ darum sie dazu von Priestern auff der Cantzel zu erinnern/ daß sie willig zur Armen Kasten geben/ so sollen auch die Pfarrer mit Fleiß darauff sehen/ daß solches nicht nach Gunst/ sondern eines jeden Kirchen Ein- kom̃en Eigen- nutz verboten. Nothdurfft gemaͤß ausgetheilet/ und mit Kirchen-Einkommen kein Eigennutz gesucht/ sondern zu Kirchen-Diener und Gebaͤu/ auch Ar- men Unterhalt und Befoͤrderung/ angewandt werde. Hauß-Armen Leute Recht. §. 3. Solche Haußarme Leute/ und diejenigen/ so anderer Leute milden Allmosen recht wohl beduͤrffen/ werden offt ihrer selbst eigenen Bloͤdigkeit halben auffgehalten und abgeschreckt/ daß sie sich scheuen die Gemeinde und sonst gottselige Leute um Huͤlff und Steuer zu bit- ten/ sie schweigen aber stille und fressen ihr Armuth/ damit sie beschwe- ret sind/ in sich/ lauffen auch nicht umher im Lande/ sondern leiden ihr Jammer und Elend mit Gedult/ und diese bloͤde und gedultige arme Leute/ welche offtmahls das Brod nicht zu essen haben/ soll man vor- nehmlich fuͤr andern unterhalten und ernehren. Allmosen wie man zu samm- len pfleget. §. 4. Sonst pfleget man Allmosen/ dadurch GOttes Worts Diener und nothduͤrfftige Mit-Bruͤder unterhalten werden/ einzu- samlen/ entweder von jedern insonderheit/ oder mit des Orts Gerichts- Herrn oͤffentlichem Vorbewust/ bißweilen auch fuͤr arme Heyden oder andern Glaubensgenossen/ an Geld/ Korn/ Wein/ Brod und der- gleichen/ von Hauß zu Hauß/ Mann fuͤr Mann/ durch Klingbeutel/ oder mit denen fuͤr Kirchen-Thuͤren ausgesetzten Schuͤsseln. Hieher gehoͤret auch derer Pfarr-Wittwen und Waͤisen Kasten Gerechtig- keit/ darinn zu ihrer Nothdurfft uñ Nahrung Christl. Allmosen-Steu- er gesamlet wird/ gleichwie sonst zu Kirchen/ Rathhaͤusern/ Bruͤcken/ Damm- und Mauren-Bau. Act. XI, 29. 1. Cor. ult. v. 3. Phil. ult. v. 15. 1. Tim. V, 16. Zehenden Ge- brauchs Nutzẽ wie anzuwen- den. §. 5. So werden auch wohl zu armen und elenden Personen Un- terhalt und Nahrung/ als zu Tempel-Bau/ Kirchen-Die- ner Auffenthalt und andern gottseligen Ursachen/ die Zehenden ge- braucht/ derowegen man dieselbe zu weltlichem Nutzen nicht anwenden soll/ massen sie derer armen Seelen Speise/ Steuer und Allmosen zu nennen/ welche nicht ohne Bischoffs sonderbarem Urlaub als nur von einer Kirchen zur andern moͤgen verlehnet/ noch an weltliche Leute ver- aͤussert und uͤbersetzt werden/ es sey durch Rechts Urtheil/ Gabe und Geschenck/ oder Vergleich/ Tausch und Verjaͤhrung/ es waͤre dann in geistlicher Personen Besitz. C. 15. 23. \& 26. X. de Decim. L. semel-de R. J. in 6. L. 23. C. de SS. Eccles. §. 6. Wer Von der Priester Pflicht gegen Arme/ Krancke/ ꝛc. §. 6. Wer nun Kirchen-Zehenden zu denen Armen gewidmet nicht Zehenden Be- zahlungs Pflicht. bezahlet/ ist so viel Todtschlaͤge schuldig/ als Armen von Hunger gestor- ben/ weilen er eine Sache/ von GOtt selbst denen Armen vermacht/ zu seinem Nutzen innbehaͤlt/ saget Augustinus. Und Hieronymus spricht: Es sey des Bischoffs Ruhm/ derer Armen Guͤter zu versorgen; des Priesters Schande aber/ eigenen Reichthums sich befleißigen. Das- jenige/ so denẽ hungerigen Armen auszutheilen/ vorenthalten/ oder ihnen etwas davon entziehen/ ist ein offenbares Laster und schaͤndliches Bu- ben-Stuͤck/ das aller Raͤuber Grausamkeit uͤbertrifft/ welcher Raub Kirchen Raub und Diebstahl was zu neñen. vor allen Dingen erstattet seyn muß/ und wird der Raͤuber fuͤr einen Armen-Moͤrder gehalten. Wer sich auch von andern Haab und Guͤ- tern Unterhalt zu schaffen vermag/ und dennoch/ was den Armen zuge- hoͤret/ annimmt/ der begehet gleichfalls Kirchen-Diebstahl. Can. 10. 16. q. 1. Can. gloria, 12. q. 2. C. 1. q. 1. c. ult. §. 7. Weilen aber hier nicht genung ist Armuth vorgeben/ son- Armuth wie zu erweisen/ steht in Richters Erkaͤntniß. dern gehoͤrig darzuthun noͤthig/ als kan sie vornehmlich durch offen- bar Obrigkeitliches oder anderer glaubwuͤrdiger Leute/ als Bluts- Verwandten und Nachbarn/ Zeugniß erwiesen werden/ massen Nach- barn dafuͤr gehalten werden/ daß sie ihres naͤhesten Nachbarn Thun und Lassen wohl wissen. Wer nun eigentlich fuͤr arm zu halten/ stehet in richterlichem Erkaͤntniß/ wann nemlich einer nichts fuͤr sich selbst/ noch beguͤterte und reiche Verwandten hat. §. 8. Wann der Kirchen oder denen Armen ein liegend Grund- Kirchen Ver- maͤchtniß Recht. Gut vermacht worden/ soll es nicht verkaufft noch veraͤussert werden/ es sey denn/ daß des Verstorbenen letzter Wille anders gar keine Wuͤr- ckung haben koͤnte/ oder dessen Zweck und Endursach ermangelte/ soll es dennoch zu gleichmaͤßigem gottseligem Nutzen angewandt werden. So haben auch Kirchen und Armen geheim- und oͤffentlichen Pfand- Rechts Vorzug in Schuldners Guͤtern/ so gar/ daß sie dessen Ehefrauen in ihre eingebrachten Guts Begehren vorgehen/ und das Pfand vom dritten Besitzer ohne Schuldners Anmuthung ausfordern koͤnnen. L. 16. ff. de usu leg. L. pen. de oper. publ. Auth. hoc fine, de Pignor. Nov. 112. c. 1. §. 3. §. 9. So sollen fuͤrnemlich Priester und geistliche Personen die Priester Pflicht Krancken zu besuchen. Krancken zum oͤfftern besuchen/ ihnen Trost zusprechen/ welches eine noͤthige Sachen Pflicht/ die so wohl dey Armen als Reichen und Ver- moͤgenden unter Magistrats Auffsicht geschehen soll/ dabey denn ihrer Schwachheiten Ursachen alle Krancken troͤstlich zu erinnern/ als daß der Gerechte und Gottfuͤrchtige durch wahre Busse im Glauben an Christi II. Buch/ Cap. IV. Christi Verdienst erwachse wie Hiob/ daß GOttes Ehr und Ruhm kundbar werde/ wie an jenem Blinden/ den Christus sehend gemacht/ daß sich niemand seiner Gaben erhebe/ endlich auff daß die Tugend vermehret werde/ massen offt Leibes-Kranckheit das Hertz und Ge- muͤth staͤrcket. C. 16. v. alia vero causa, X. de renunc. 2. Cor. XII. Priester Auff- sicht mit Ho- spit als Armen. §. 10. Ja/ es sollen Priester mit Fleiß Achtung geben/ wie die Ar- men in Hospitaͤlern mit Speise/ Tranck und andern Wartungen ver- sorget werden/ da sie den Mangel dem Rath/ denen gemeinen Kasten und Hospital Vorstehern/ auff Doͤrffern aber denen Junckern/ Schul- tzen/ Kirchen-Vaͤtern und gemeinen Bauren/ ihnen gebuͤhrende Huͤlf- fe und troͤstlichen Rath zu verschaffen/ anmelden sollen; so erfordert auch alle Wege derer Pfarrer Amts-Beruff/ daß sie in Hospitalen und Siechen-Haͤusern offtmahls predigen/ allda und sonst in Haͤusern die Krancken betruͤbt und bekuͤmmerten Christen in Staͤdt und Doͤrf- fern/ sonderlich aber in Pestilentz und Sterbens-Zeiten besuchen/ sie in der Beicht und sonst mit GOttes Wort troͤsten/ unterrichten/ staͤr- cken zur Christlichen Gedult und gnaͤdigen Erloͤsungs Hoffnung er- mahnen/ auch mit dem hochwuͤrdigen Sacrament versehen/ und sollen die Priester hierzu nicht allein auff derer geaͤngsteten Leute begehren/ sondern auch unberuffen/ vor sich selbst/ willig und unverdrossen denen Armen so wohl als Reichen dißfalls bereit seyn/ dann sonst wuͤrde GOtt der Allmaͤchtige wegen ihrer Laͤßigkeit das Blut von ihren Haͤnden fordern. Kirchen und Schul-Diener Pflicht mit Hauß-Besu- chungen. §. 11. Weilen auch nicht zu verantworten/ noch solcher Unord- nung zu zusehen/ daß das gemeine Volck/ absonderlich Dienstboten und Gesinde/ in grosser Unwissenheit mit hoͤchstem Schaden/ Gefahr und Verlust ihrer ewigen Seeligkeit stecken bleibe/ so gebuͤhret fuͤr nehmlich allen Kirchen- und Schul-Dienern/ jaͤhrliche Hauß-Besuchungen/ und zwar zur rechter Zeit vorzunehmen/ ob auch alle und jede ihres Glaubens Rechenschafft geben koͤnnen/ welcher Besuchung Anfang vor Ostern geschehen soll/ um desto zeitlicher vollendet zu werden. Hauß-Besu- chungs Pflicht Recht. §. 12. Bey Hauß-Besuchung nun sollen die Prediger sich verglei- chen und austheilen/ daß ein jeder an seinem Ort mit Zuthun eines Aeltesten solch Werck fuͤr die Hand nehmen koͤnne; so dann einer hals- starrig/ sich nicht weisen lassen will/ oder sonst der Gebuͤhr nicht zu verhalten befunden/ sollen beyde gesamter Hand solches dem Consi- storio anmelden/ und damit niemand sich der Visitation entschlage/ soll Von der Priester Pflicht bey Vereheligungen. soll ihnen jemand wegen der Obrigkeit Beystand leisten/ ehe dann aber solche angefangen wird/ muß an Statt Vorbereitung einem jeden Hause deren Ankunfft 8. Tage zuvor angezeiget werden/ daß sie gegen die Zeit daheim bleiben/ alsdann moͤgen diese GOttes und Kirchen- Diener nechst goͤttlichen Nahmens Anruffung dieselbe ohne derer Be- suchten Schaden und Unkosten verrichten/ auch alles meiden und flie- hen/ was die Besuchung verhindern/ oder bey unberuͤchteten gemeinen Leuten verdaͤchtig machen moͤchte. §. 13. Hernach bey solchem Beginnen das gantze Hauß/ Vater/ Religions U- bung und Ca- techismi Lehr bey Hauß-Be- suchung. Matter/ Kinder/ Knecht und Maͤgde/ jeden die 5. Haupt-Stuͤcke Christlicher Religion/ auch da es ihr Verstand und Gelegenheit leiden kan/ ferner im gantzen kleinen Catechismo mit seinem Gehuͤlffen ein- mahl fleißig unterrichten/ ihres Amts erinnern und ermahnen/ darauff etliche Articuln anstellen und fragen/ wie sich Mann und Frau gegen einander nach GOttes Wort und aller Erbarkeit verhalte; desgleichen Priester Auff- sicht mit El- tern/ Kindern und Gesinde. wie sich Eltern gegen ihre Kinder mit Vorsorge/ Liebe und Nahrung/ und diese gegen jene mit Ehre/ Treu und Gehorsam begehen; ferner wie Haußherr und Frau ihrem Gesinde/ und das Gesinde ihnen/ in Gottesfurcht begegnen/ auch anmercken/ wie sonst die Haußhaltung beschaffen sey. §. 14. Dafern nun beyderseits Haußherrn und Frauen/ oder an einem Theil Christlichen Zucht Mangel gespuͤhret werde/ soll demsel- ben aus GOttes Wort durch den Pfarrer und dessen Gehuͤlffen ab- gerathen/ da einer oder alle im Hause sich gottloß und muthwillig er- zeigen wuͤrden/ sollen sie oͤffentlich angebracht/ oder bey der hohen O- brigkeit vorher angeklagt werden/ zudem Ende dann die gantze Stadt in gewisse sonderbare Reihen/ nach denen Gassen/ welche zur Kirche ge- hoͤren/ nachdem man dafuͤr halten kan/ daß die zur Ubung angesetzte Zeit zureiche/ abgetheilet werden muß/ welche Reihen nun in ihrer Ordnung folgen/ wird ihnen auch/ zu welcher Zeit sie sich dahin finden sollen/ alle Sonntage vorher entweder vom Predigtstuhl angezeiget/ oder vom Kuͤster durch einen Zettul im Hause eigentlich angekuͤndiget. §. 15. Priesterliche Einsegnung macht bey Verloͤbniß die Ehehal- Priesterlichen Einsegnungs Recht. tung/ dahero solche nimmer auszulassen/ und wird heut zu Tage da- durch viel gesuͤndiget/ daß Priester/ ohne derer Eltern und Freunde Bewilligung/ herumschweiffende Braut-Leute zusammen weyhen/ da vielmehr hochnoͤthige oͤffentliche Abkuͤndigung nicht zu unterlassen/ damit die Eltern und diejenigen/ mit welchen sie etwa sich vorhin ver- Y sprochen/ II. Buch/ Cap. IV. sprochen/ zu rechter Zeit zwischen kommen und Copulation verhin- dern moͤgen/ welches alles mit andaͤchtigen singen und beten zu verrich- ten in Kirchen/ wozu diese Form gehoͤret: wann jemand darinn etwas Offentlichen Abkuͤndigungs Form. zu reden hat/ der thue es bey Zeiten/ oder schweige hernach stille. Sonst ist durch Braut-Gabe/ Hafftgeld/ als Verloͤbniß Pfand-Zeichen/ kuͤnfftige Ehe zu vermuthen. C. 3. X. de clandest. despons. C. 2. X. de Sponsal. C. fin. X. qui matrim. accus. poss. Abkuͤndigung wie nicht ge- schehen mag. §. 16. So ist auch nicht zu billigen/ daß eine Abkuͤndigung fuͤr drey zugleich geschehen/ und alsbald des andern Tages Einweyhung erfol- gen mag/ weilen obgemeldten Stillschweigens Bedrohung allhier um- sonst und vergeblich/ dabey keine gebuͤhrende Zeit zu wiedersprechen gelassen wird; Es waͤre denn gewiß/ daß keine Blut-Verwandschafft oder anderwaͤrtigen Verloͤbniß Hinderung dabey zu besorgen. Arg. L. 69. \& 72. ff. de judic. Ehegeloͤbniß Auffloͤsungs Recht. §. 17. Ehegeloͤbniß mag ohne Haupt-Feindschafft/ Haß/ Ubel- that/ ansteckende Seuche/ oder Braͤutigams Verweisung/ nicht leicht- lich auffgeloͤset werden; wann aber priesterliche Einweyhung wegen Braͤutigams Todes-Fall vielleicht nachgeblieben/ hinderts nicht/ daß darauff folgende Geburt eind rechtmaͤßiger Erbe sey. Sonst gehoͤrt das Recht zu copulir en einem jedern Priester in- und nicht aus- serhalb seinem Kirch-Spiel zu verrichten/ ohne was ungewisse Pfarr- Kinder anlangt/ jedoch sollen sie allerseits erst drey Sonntage nach ein- ander/ Frembden und Einwohnern zur Nachricht/ abgekuͤndiget seyn/ als an allen dreyen Orten/ da sie ietzt wohnen und gewohnet haben/ auch die Hochzeit halten. C. 12. X. qui filii sint legit. C. 27. X. de Spons. C. ult. X de cland. Sponsal. Fruͤhzeitigen Geburt Recht vor Copulati- on gezeuget. §. 18. Wann demnechst eine fruͤhzeitige Geburt an Tages Licht koͤmmt/ die vor priesterlicher Einweyhung empfangen und erziehlet ist/ so muͤssen geistliche Richter daruͤber erkennen/ daß sie durch folgenden Ehestand ehelich gemacht/ ob schon wegen zwischen kommenden Todes- fall solche unterlassen werden muͤssen/ allermassen dann ein Kind nach Mannes Tod und Beyschlaff am 301sten Tage im eilfften Monats Anfang gebohren/ ist ehelich zu halten/ wird auch von keinem andern gezeugt erklaͤret noch vermuthet. L. 14. ff. solut. matrim. Nov. 117. c. 1. 2. 8. \& 14. L. si unquam, Nov. 208. Kinder welche ehelich zu nen- nen. §. 19. Ein Kind auch von 7. Monat wird im Zweiffel allezeit fuͤr ehelich empfangene Geburt gehalten/ wann es am 181sten Tage nach der Hochzeit gebohren/ ob schon der Monat nur an einem Tage ange- fangen/ Von der Priester Pflicht bey Verehligungen. fangen/ weilen er insgemein zu 30. Tagen gerechnet wird/ derowegen nun ein Kind von 8. Monaten recht ehelich zu nennen. Sintemahln es im 7den wohl kan empfangen seyn/ so wird auch ein Kind von 8. Monaten mehr lebhafft und natuͤrlicher gehalten/ hingegen wenig lebend und unvollkommen ein Kind zu achten/ das im 5. und 6ten Mo- nat oder in der 20sten Woche gebohren/ jedoch ist ein solches ehelich/ es sey denn/ daß die Mutter mit jemanden schaͤndlich gelebet/ und bey Nacht verdaͤchtigen Zeiten ausserhalb Hauses geblieben. L. 12. ff. de statu hom. L. 101. ff. de R. J. §. 20. Beyschlaͤfferinnen zu halten ist zwar verboten/ Vermaͤhlung Beyschlaͤfferin nen verboten. aber zur lincken Hand ist unter Durchlauchtigen/ hochadelichen Per- sonen gebraͤuchlich/ in Ansehung derer Famili en Erhaltung/ damit nicht durch Kinder Uberhaͤuffung des Geschlechts Wuͤrde und Ver- moͤgen geschwaͤchet und verringert werde. Dist. 34. c. 6. Caus. 32. q. 2. C. 5. \& 6. Nov. 22. 117. 134. \& 140. c. 2. 17. 30. \& ult. de Sponsal. §. 21. Hochzeiten soll man nicht halten vom ersten Advent biß Hochzeiten wann zu hal- ten verboten. Weynachlen oder in Fasten-Zeiten/ noch an Sonn- und Fest-Tagen; ja daß auch der dritte Tag auffs Fest nicht einfalle/ es sey dann nach verrichtetem Gottesdienst und Catechismi Lehre/ und wird Copulation nemlich kniend verrichtet/ auff Frage und Erklaͤrungs Antwort/ also mit GOttes Segen: seyd fruchtbar und mehret euch! mit Unter- werffung weiblichen des Mannes Willen/ und daß sie ihm gehorsam seye/ dahero auch billig ein Mann das Weib zu zuͤchtigen Macht hat/ wie denn maͤßige Zuͤchtigung unverboten/ nur mit gefaͤnglichen Ver- wahr- und Bindung in seinem Hause/ oder dieselbe zu nuͤtzlichem Fasten zu zwingen. Caus. 33. q. 4. c. 8. \& seqq. Caus. 30. q. 5. c. 1. \& 3. Gen. I, 28. Gen. III, 16. Eph. VI. v. 12. Arg. L. un. C. de Emendat. propinqv. §. 22. Sonst aber soll Copulation in der Kirchen geschehen/ ohne Copulation wo geschiehet. im Nothfall auff Superintendent en Zulassen/ der es hernach dem Con- sistorio berichtet/ oder wann es jemanden vergoͤnnet und nachgelassen/ welches die Edelleute zu erlangen nicht von noͤthen haben. Wann aber Flucht halben Furcht vorhanden/ mag die Zusammensprechung im Consistorio, Rathhauß oder buͤrgerlichem Gericht geschehen/ sonst aber insgemein in der Braut Pfarr-Kirch-Spiel/ weilen sie vor der Heim- fuͤhrung zu des Mannes Hause hergehet. §. 23. Hurerey und Schwaͤngerung Streit-Sachen pflegen dem Hurerey und Schwaͤnge- rung Streit- Sachen Recht. Superintendent en/ Pfarrer und Orts Richtern befohlen und auffge- Y 2 tragen II. Buch/ Cap. IV. tragen zu werden/ daß sie GOttes Wort gemaͤß dem Ehestande zu gute handeln moͤgen/ oder auch Vergleich zu treffen suchen/ wegen Beschimpff- und Nahrung/ welches sie zur Genehmhaltung einsenden/ samt aufferlegten Kirchen-Buß/ Geisseln/ Gefaͤngniß oder Verwei- sungs-Straffe. Exod. XXII, 16. Deut. XXII, 28. Ehebruchs halben Kirchẽ Busse Recht. §. 24. Wann nach 5. Jahren Verlauff jemand Ehebruchs uͤberfuͤhret/ da er allemahl zu gegen gewesen/ ist er zwar aller Geld- und Leibes-Straff befreyet/ jedoch kan er sich der Kirchen-Busse nicht entbrechen/ sondern muß/ Aergerniß abzubitten/ nach hergebracht und beybehaltenen Gewohnheit solcher unterworffen seyn; Es sind aber Prediger nicht befugt/ deßhalben etwas an Gelde von ihm zu fordern/ sie koͤnten dann erweisen/ daß ihnen solches gebraͤuchlich zustuͤnde/ wel- chen Falls sie auch damit anzuhoͤren. Kirchen-Busse Vollentzie- hungs Gerech- tigkeit. §. 25. So wird nun oͤffentliche Kirchen-Busse denen aufferlegt/ derer Verbrechen die Kirche beleidiget haben/ so fern sie in derselben verbleiben/ wann sie aber verwiesen werden/ sind sie nicht dazu gehal- ten/ und mag die Execution deßfalls gegen Ungehorsame nicht ver- schoben seyn/ es sey denn/ daß sie sich erst mit der Kirchen versuͤhnen wollen/ davon sie Zeugniß mitbringen/ wann sie anderswo/ daselbst ihr Verbrechen auch bekandt/ auffgenommen seyn wollen/ daß sie all- da nicht wieder Kirchen-Zucht ausstehen moͤgen/ es waͤre dann je- mand ungehorsam wegen etwan eines neuen darzwischen kommenden Verbrechens. Bañes Straf- fe worinn be- stehet. §. 26. Also wird auch gegen unbußfertige halsstarrige Suͤnder des Bannes Fluch erklaͤret/ der in Tempels Verweiß- und Ausfuͤh- rung aller menschlichen Umgangs Gesellschafft bestehet/ und mag ein solcher/ ohne vorhergangene Reu und Busse/ der Sachen Erkaͤntniß und Consistorii Befehl/ nicht wieder angenommen werden/ es sey denn Gefahr beym Verzug/ daß der Verbannete schwach und toͤdtlich kranck/ so waͤre er billig zu versuͤhnen. Gal. V, 10. \& 12. Phil. III, 2. Joh. IX, 22. 2. Cor. V, 7. Joh. XII, 47. Joh. XVI. v. 2. 1. Cor. V. v. 12. Hurer geist- und weltliche Straffe wegen Beyschlaff. §. 27. Wann nun ein Hurer seine Beyschlaͤfferin zu solchem La- ster mit suͤssen Worten oder ohne Vertroͤstung der Ehe beredet/ soll der Thaͤter die geschwaͤchte Person zu nehmen schuldig seyn/ oder in Wei- gerung dessen mit geistlichen Kirchen-Zucht/ auch weltlichen Bussen/ vermoͤge der Rechten gestrafft werden; allwo dann der loͤbliche Ge- brauch Von der Priester Pflicht mit Kirchen-Bann. brauch ist/ daselbst werden auch Edelleute von Kirchen-Busse nicht be- freyet/ weilen sie der Kirchen Glieder sind/ ob schon man ihnen etwas nachzusehen pfleget/ jedoch mit der oͤffentlichen Vermahnung/ daß Unterthanen solcher verbotenen Unthat eben nicht nachfolgen sollen. Exod. XXII, 16. Deut. XXII, 28. C. 1. \& 2. X. de Adult. §. 28. Dem heil. Ehestand zu Ehren aber/ werden offt jungen Jungen Ehe- leute Vorrecht wegen Kirchen Zucht. Eheleuten/ wegen allzufruͤhzeitigen Beyschlaffs Versehen/ an oͤffent- lichem Kirchen Ort sich zu stellen/ nicht gezwungen/ viel weniger ihre Nahmen bey der Abbitte gedacht; wann sie aber zuvor ermahnet/ das Verbrechen schweigen/ und mit hochzeitlichem Ehren-Krantz bezieret an heil. Ort sich zusammen weyhen lassen/ und also denselben boß- Ehren-Krantz Mißbrauch Straffe. hafftig entheiligen/ sollen sie sich allda auch wieder einstellen/ und ausdruͤcklich abbitten/ daß solchen Falls oͤffentlichen Aergerniß halben keiner Straffe Linderung gelten mag. §. 29. Also kan auch Kaͤyser/ Koͤnigen/ Fuͤrsten und Herren/ der Kirchẽ Schluͤs- sel Amt mit hoher Obrig- keit. geringere von Absolution und heil. Nachtmahl/ so fern sie Glieder sind/ unter heil. Kirchen-Schluͤssel-Amt/ nicht aber der hoͤhere Bann und Ausschliessung von geist- und weltlichen Gesellschafft/ dazu ein buͤrgerlicher Zwang von noͤthen/ den man selbst von hoher Obrigkeit haben muß/ aufferlegt und angethan werden/ weilen die Huldigungs Pflicht zwischen ihnen und Unterthanen/ auch Nachfolge Recht/ die Kirche nicht auffheben kan. §. 30. So jemand in der Kirchen einen aͤrgerlichen Fall gethan/ Aergerlichen Falls Kirchen- Busse. soll er erstlich vom Priester der Gemeinde angekuͤndiget und zugleich begehret werden/ die gefallene Person in ihr Christliches Gebet ein- zuschliessen/ daß ihr GOtt die Augen auffthun/ und Gnade sich zu be- kehren geben wolle/ das Verbrechen aber noch der Verbrecher sollen mit Nahmen annoch nicht ausgedruͤcket werden; wann aber darauff die Person keine Busse thut/ so mag nach einiger Tage Verfliessung der Priester dergleichen Kirchen-Zucht Wiederholung thun/ und das Kirchen-Bañs Ordnungs Proceß. Verbrechen zugleich nahmhafftig machen/ den Verbrecher aber nochmahls verschweigen; wofern nun solche Person sich noch nicht er- zeiget/ wie sichs gebuͤhret/ alsdann kan so bald beydes die That und der Thaͤter mit Nahmen deutlich vermeldet/ auch der Verbrecher aus der Gemeine verstossen/ und fuͤr derselben Glied nicht mehr erkannt seyn/ biß daß er wegen des gegebenen Aergernisses/ im Fall es des Orts also hergebracht/ oͤffentliche Kirchen-Busse gethan/ oder in sol- Y 3 cher II. Buch/ Cap. IV. cher Gewohnheit Ermangelung/ der Gemeinde durch den Prediger den Fehler oͤffentlich abbitten lassen. Veꝛlobten Leu- te Kirchen- Buß-Zucht Recht. §. 31. Darum/ wann Mann und Weib sich mit einander verlo- bet/ und beyderfeits die Ehe versprochen haben/ sich aber/ ehe dann sie als Eheleute oͤffentlich in der Kirchen zusammen gegeben/ zusam- men gefunden/ und solche Unzucht getrieben/ daß es ruchtbar worden/ sollen sie/ dem herkommen nach/ auff etliche Tage mit Wasser und Brod im Gefaͤngniß sitzen/ und nach beschehener ehelichen Copula- tion ihre Mißhandlung/ als die den heil. Ehestand geschaͤndet/ vor GOttes Gemeinde das Aergerniß abbittend ersetzen/ auch uͤber der Obrigkeit Straffe mit Kirchen-Busse ernstlich beleget werden; jedoch sollen diese Leute zur nochmahligen Abbitte am andern Orte nicht an- gehalten seyn/ sondern wofern es Aergerniß gebe/ mag es nur oͤffent- lich vom Prediger gedacht und erwehnt werden/ daß sie sich mit der beleidigten Kirche geziemend versoͤhnet. GOttes Ver- aͤchter Kiꝛchen- Zucht. §. 32. Wegen der GOttes Veraͤchter gottlosen aͤrgerlichen Le- ben und Wandels sollen geist- und weltliche Obrigkeiten zusehen/ die Priester aber sonderlich solche von ihrem boͤsen Wesen ernstlich ab- mahnen/ uud ihnen eine gewisse Zeit ansetzen/ da sie ihr Leben befsern/ zur Kirchen und heil. Abendmahl sich einfinden sollen/ mit Draͤuungs Anhang/ welcher Buͤrger und Einwohner seines unziemlichen Wan- dels erinnert/ und dennoch keine Besserung verspuͤren laͤsset/ soll als- dann oͤffentlich von der Cantzel mit Nahmen genennet werden/ da- fern auch dieses wider Verhoffen nicht helffen moͤchte/ sondern je- Vom H. Sa- crament wenn jemand abzu- halten. mand mit goͤttlichen Worts und heil. Sacramenten Verachtung/ fast taͤglichen Vollsauffen/ Gezaͤnck und Schlaͤgerey/ als Ehegatten/ un- terschiedlich ermahnet/ ungehorsam verbleibet/ noch durch Schreck- oder guͤtliche Erinnerung sich nicht aus dem unbußfertigen Leben be- geben wollen/ sollen die Pfarrer solche nicht vor sich selbst/ vom Gebrauch des hochwuͤrdigen Sacrament des Altars abhalten/ noch ausschliessen/ sondern dieses vorhero zum Uberfluß an geistliches Con- sistorium gelangen lassen. Bannes Hin- derniß was seye. §. 33. Was hindert dann ietzt den Bann? Lutherus sagt: Nichts/ als daß niemand in diesem Stuͤck thut/ was einem Christen gebuͤh- ret und zustehet/ nemlich also: Du hast einen Nachbar/ dessen Leben und Wandel dir wohl bekandt/ deinem Pfarrer aber nicht ebenmaͤs- sig bewust/ massen er eines jeden Zustand absonderlich nicht allezeit genau wissen kan. Wann du nun siehest/ daß er durch unrechten Han- del Von der Priester Pflicht mit Kirchen-Bann. del oder Gewerbe reich wird/ Hurerey/ Unzucht oder Ehebruch treibt/ oder sein Gesinde unfleißig erziehet und nachlaͤßig regieret/ soltest du ihn Christ- und ernstlich ermahnen und verwarnen/ daß er seiner Seelen Seligkeit wahrnehmen und Aergerniß meiden wolle/ so hast du ein gut Werck gethan/ wann du ihn gewinnest. §. 34. Also gebuͤhret Predigern/ die gottlosen/ traͤgen/ faulen und un- Priester Pflicht gottlo- se Suͤnder zu ermahnen. achtsamen Leute/ so die Predigt muthwillig versaͤumen/ oder inzwischen ihrer Handthierungs-Arbeit warten/ oder sich etliche Jahr des heil. Nachtmahls Gebrauches aͤussern/ dergleichen die in Unzucht/ Hure- rey/ Ehebruch/ Spielen/ Sauffen/ Wucher/ Zauberey/ und der- gleichen Gotteslaͤsterung leben/ beruͤchtigt und verdaͤchtig sind/ von Suͤnden abzustehen/ treulich zu ermahnen/ mit angehefften War- nungen/ so einige im rohen Leben fortfahren/ und nicht zeitig zur Busse schreiten wuͤrden/ dieselben sollen zu Gevatterschafften/ Versamlun- gen und andern Christlichen Haͤndeln nicht zugelassen/ viel weniger nach dem Tode als Christen auff den Kirchhof zur Erde bestaͤtiget/ Schimpffliche Begraͤbniß wem gebuͤhret. sondern ohne einige Christliche verordnete Gesaͤnge als unvernuͤnffti- ge Thiere/ anders wohin/ wann sie ohne Reu und Busse versterben/ schimpfflich begraben werden. §. 35. Die Warheit ist ein feindseliges Ding/ wer die saget/ dem Verfallenen Chꝛistenthums Ursachen. wird man gram/ darum will ein jeder viel lieber seines Nachbarn Gunst und Freundschafft behalten/ insonderheit wann er reich und gewaltig ist/ als daß er wolte ihn erzuͤrnen/ oder zum Feinde machen/ wann dann der andere/ dritte und vierdte Nachbar dergleichen thut/ so faͤllt mit der ersten auch die andere und dritte Vermahnung in Brun- nen/ dadurch der Naͤchste auff den rechten Weg wieder haͤtte gebracht werden koͤnnen. Ja/ weilen wir schier alle dergleichen Laster unter- worffen/ und damit beschmitzt sind/ so geschicht es/ daß wir nicht thun/ was wir schuldig und pflichtig/ sondern uns befuͤrchten/ wann wir et- wan den Splitter und Staͤublein aus der Nachbarn Auge wegneh- men wolten/ man moͤchte uns sagen und fuͤrwerffen vom Balcken/ der in unserm Auge herfuͤr steckt. Daß also der Bann schier allenthal- Banns Unter- lassungs Ursa- chen. ben gefallen/ ist die rechte und fuͤrnehmste Ursach/ daß wenig und gar ein klein Haͤufflein von geringer Anzahl rechter Christen vorhanden/ denn so wir allzumahl/ wie es recht und billig seyn solte/ die Gottselig- keit und GOttes Wort von Hertzen lieb haͤtten/ so wuͤrden wir des HErrn Christi Befehl groͤsser und theuerer achten/ denn alle Guͤter dieses zeitlichen Lebens; wie denn diß Gebot: Den Bruder/ der da suͤndi- II. Buch/ Cap. IV. sundiget/ zu warnen und ermahnen/ gleich so noͤthig als das/ du solt nicht toͤdten oder stehlen; sintemahln hier/ wofern diese Vermahnung aus Furcht oder andern Ursachen unterlassen wird/ nicht des Naͤchsten Leib und Gut/ sondern seiner Seelen Seligkeit in Gefahr stehet. Vom heil. A- vendmahl wer abzuhalten. §. 36. Und so ein Pfarrer weiß/ daß die Suͤnde oͤffentlich Stadt- und Land ruͤchtig ist/ muß er solche Leute zum Sacrament des heil. Abendmahls nicht zulassen/ es sey dann/ daß sie zuvor Busse thun/ auffhoͤren zu suͤndigen mit wahrhafften Bekaͤntniß anzeigen/ und durch rechtschaffene Fruͤchte beweisen/ daß sie die Suͤnde verdam- men und derselben feind seyn/ so soll dennoch eine ernst und Christliche Vermahnung vorher gehen. Die Obrigkeit aber/ so in diesem Fall nicht thut/ was ihr Amt erfordert/ und die oͤffentlichen Aergernissen der Ge- buͤhr nicht straffet/ wie sie schuldig ist/ suͤndiget gar schwerlich; wo- Obrigkeiten Pflicht Ver- saͤumniß gros- se Verantwor- tung. fern sie auch uͤber das den Kirchen-Bann und Straffe hindert/ und nach Christi Befehl oder Einsetzung nicht gestatten noch ergehen las- sen will/ sondern vielmehr befoͤrdert und heget die Boßheit und Aer- gernissen/ alsdann wird sie aus GOttes Dienerin des leidigen Teuf- fels in der Hoͤllen leibeigener Knecht. Kirchen Disci- plin edler Schatz. §. 37. Welche aber rechte und warhaffte Evangelische Christen seyn/ GOttes Wort mit treuem Hertzen meynen/ auch darnach sich gedencken zu bessern/ und dadurch selig zu werden/ denen ist die Kirchen- Disciplin ein angenehm edler Schatz/ wuͤnschen und begehren nur von Hertzen/ daß sie ins Werck gesetzet werden moͤge. Jst also wenig dran gelegen/ ob viel andere/ ja der groͤste Hauffe sich dieser Zucht keines Weges unterwerffen wollen/ solche frevelhafft und unwillige Leute/ wann sie nicht anders wollen/ muß man mit betruͤbtem Gemuͤ- the dem Teuffel zum ewigen Hoͤllen-Brand uͤberschicken; uͤber das waͤre es sehr uͤbel gethan/ daß beydes geist- und weltliche Obrigkeit fuͤr ihren Augen sehen solten den schmertzlichen Untergang aller Zucht und Disciplin, dadurch Tugend und Erbarkeit erhalten und fortgepflantzet/ oͤffentlichen Suͤnd und Schanden aber Abbruch ge- schiehet/ auch GOttes Ehr und Willen errettet wird/ da sonst im Ge- gentheil bey dieser Zucht Mangel GOtt verunehret/ seine gebuͤhren- de Ehre nicht fortgesetzt/ sondern goͤttlicher Wille verdruͤcket ist. Leich-Predig- ten Mißbꝛauch verboten. §. 38. Leich-Predigten sind schwere Predigten/ weilen sie Hand und Beutel mit Geld und Silber beschweren/ aber ach leibliche Be- schwerden/ darum Leich-Predigten auch sind leichte Predigten/ wei- len sie bey vielen aus leichtem Sinn hergehen. Jst es nicht eine Leicht- sinnig- Von der Priester Pflicht bey Leich-Predigten. sinnigkeit/ daß einer an GOttes Statt ein Luͤgner und falscher Zeuge sey/ aus Finsterniß Licht/ aus Lastern Tugend macht/ und lobet/ was laͤsterlich ist/ ja den Teuffel auff GOttes Stuhl setzt/ der Todte muß geruͤhmet seyn/ und waͤre er gleich ein Auszug aller Laster in seinem Le- ben gewesen/ sein Geitz muß Sparsamkeit/ sein fleischlicher Zorn ein goͤttlicher Eyffer/ seine Unflaͤterey Kurtzweil heissen; er that unrecht/ so sagt mancher/ er hat unrecht gelitten; er fluchte/ so nennet man es beten. Allein/ was wird damit ausgerichtet? solcher Leute Leich-Pre- digten machen leichte lose Leute/ die sich wie Saͤue im Suͤnden Un- flath herum waͤltzen/ und darauff verlassen/ daß eine gute Leich-Pre- digt allen Koth abwischen werde/ dann wer wolte Boͤses meiden/ wann es auch nach dem Tode in Gutes verwandelt werden und Ruhm bringen kan. §. 39. Dahero einem treuer Diener JEsu die Leich-Predigten Leichen-Pre- digten wem gebuͤhren. am beschwerlichsten sind/ entweder sagt er die Warheit oder nicht/ jenes buͤrdet Feindschafft auff den Ruͤcken/ dieses aber Angst und Un- ruhe auffs Gewissen. Der Apostel Jacobus will/ der Arme soll in der Gemeinde nichts weniger gelten als der Reiche/ wer ruͤhmet aber den Armen nach seinem Tode? Man sagt/ er begehrets nicht/ weiln des Priesters Begierde nicht mit Geld zu saͤttigen/ kupffern Geld/ kupf- fern Seel-Messen/ unter Geistlichen sind viel Geitzlinge/ darum sind viel Luͤgen-Predigten; Leich-Predigten aber gebuͤhren nur denen/ die in Gedult und Barmhertzigkeit ein sonderbares Muster und Vor- bild gewesen/ daß man andere auff sie als Vorgaͤnger hinweise und ermuntere. §. 40. Die beste Glocke/ so man uns im Tode nachlaͤuten kan/ ist diese/ daß man von uns ruͤhme/ was dort der Hauptmann von Christo: fuͤrwahr/ dieser war ein frommer Mann und Gottes Sohn. An diesem Nachruhm/ mein Christ/ laß dich genuͤgen/ darum sollen die Priester in Leich-Predigten/ zur Warnung und treuhertzigen Buß- Rechten Leich- Predigt Nutzē. Vermahnung der Lebendigen/ an den Verstorbenen ihre bekandte grobe Fehler und Suͤnden-Faͤlle gebuͤhrlich ruͤgen/ und also kein Blat vors Maul nehmen/ so wuͤrden die Zuhoͤrer mehr gebauet/ er- schrecket/ gewitziget und verbessert/ sich fuͤr Suͤnden zu huͤten/ als wann sie im Tode allzu heuchlerisch gepriesen werden/ da offt boͤß gut/ und gut boͤse geheissen/ und ein Narr zu einem Fuͤrsten gemacht. §. 41. Gleichwie nun ein Priester nothwendig dahin sehen muß/ Pꝛiester Pflicht mit offenbaren Suͤndern. daß einer/ der anderswo gesuͤndiget/ wann es oͤffentlich kundbar/ auch Z bey der II. Buch/ Cap. IV. bey der Christlichen Gemeinde/ woselbst er sich untermengen will/ gehoͤrige Abbitte thun muͤsse/ auff daß er allenthalben versoͤhnt oh- ne Aergerniß leben koͤnne/ und so fern er nicht solches zu thun Wil- lens/ mag er dazu gezwungen seyn. Also gehoͤret Pfarrern auch diese Christen Ge- luͤbde Recht. Auffsicht/ daß ein Christ seine Geluͤbde unverbruͤchlich halten moͤge/ wann nemlich jemand/ um desto mehr Suͤnde zu fliehen/ den alten Menschen genauer zu zwingen/ seines Beruffs Pflichten fleißiger zu verrichten/ auch GOttes Ehre und der Menschen Heil zu befoͤrdern/ aus bescheidenem Geist und Gemuͤths-Neigungen/ ein sonderlich Ge- luͤbde thut/ und zwar freywillig/ ungezwungen/ ohne Furcht/ Schre- cken/ vermeynten Nothwendigkeit/ Aberglauben/ falschen Gottes- dienst/ einigen Verdienst oder Genungthuung halben/ noch das Werck mit dem in Gottes Wort geoffenbarten Willen streitig/ oder dem Menschen von GOtt verliehene Kraͤffte uͤbergehe/ oder Christlichen Freyheit entgegen/ noch denen schwachen Mitgliedern zum Aerger- niß gereichet/ oder gar mit goͤttlichen Nahmens freveln Mißbrauch vermehret und behafftet/ so ist es keine Suͤnde und bricht keiner seine Zusage damit/ wann er sie verbessert. L. 2. in fin. ff. de Pollicitat. ubi gloss. in verbo non obligatur. Geluͤbde Krafft. §. 42. Und zwar ist ein rechtmaͤßig Geluͤbde nach goͤtt- und welt- lichem Recht stets verbuͤndlich/ wird auch nicht eher als durch ange- setzten Zeit Verlauff und den Tod auffgehoben/ es sey denn der An- gelober noch minderjaͤhrig/ unter des Vatern oder Vormuͤnders Ge- walt/ daß er keinen freyen Willen habe/ so moͤgen diese dergleichen Geluͤbde wann unguͤltig oder nicht zu bre- chen. Versprechen auffheben und unkraͤfftig machen/ massen GOtt ein Hertzens-Kuͤndiger unsern innersten Gedancken beywohnet/ als ist suͤndlich solchen guten Vorsatz leichtlich ohne erhebliche Gewissens- Ursachen zu veraͤndern/ sonderlich was Gesetz-maͤßig von einem/ den GOtt aus Gefahr errettet/ zur Andacht/ Gottesfurcht und Danck- barkeit angelobet worden/ beym Fasten aber ist Nothfall zu unter- scheiden/ so entschuldiget. C. 7. X. de voto Dan. X, 2. Levit. XVI, 29. Caus. 20. q. 2. c. 2. Num. VI. Jerem. XXXV, 18. Act. XIIX, 18. Act. XXI, 24. 1. Cor. VII, 34. \& 37. L. 2. ff. de pol- licit. Dist. 30. c. si quis eorum. Caput Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. Caput V. Vom Priester-Amts Vorzug/ deren Lebens und Wandels Pflicht/ Verbrechen und Straff-Bussen/ auch Einkuͤnfften/ Freyheiten und Priester-Wittwen Gnaden-Jahr. §. 1. A Nlangend den Præcedenz- Streit/ ob nemlich ein Pastor uͤber Priester Rang und Præceden z Recht. den regierenden Buͤrgermeister gehen soll/ so hat derselbe billig zu bedencken/ wie sehr dem HErrn CHristo die weltliche Præcedenz zu wieder gewesen/ da es heisset: Wer unter euch der Vornehmste seyn will/ der soll euer Knecht seyn; und soll ein Priester sich befleißi- gen/ daß er sich durch gottseligen Wandel und wachsamen Vorsor- ge fuͤr die ihm anvertraute Heerde solche Liebe unterhalte/ daß die meisten im Rath ihn ehren und lieben/ so wird ferner erfolgen/ daß jederman nicht aus Schuldigkeit/ sondern aus Liebe und guter Freund- schafft/ ohne Nachfolge-Recht/ gerne zu weichen sich erklaͤren wird/ sonst aber Prediger nach gemeinem Recht nicht begruͤndet sind/ einen gewissen Rang zu prætendir en/ massen deßhalben keine Verordnung so wohl in goͤtt- als weltlichen Rechten vorhanden/ sondern ihnen nach gut Befinden von der Obrigkeit eine gewisse Stelle zu ordnen. C. 25. \& 26. X. de jure Patron. §. 2. Ja des heil. Predig-Amts hohe Wuͤrde betreffend/ so haben zwar Priester keinen Rang nach goͤttlichem Recht fuͤr weltlicher Priester sollen Obrigkeiten nicht vorge- hen. Obrigkeit zu begehren/ jedennoch bleibet ihnen solche Wuͤrde ausser Zweiffel unverruͤckt; daß aber dahero die Prediger ihrer Obrigkeit vorgehen sollen/ folget nicht/ als aus paͤbstlichen von Protestirend en laͤngst verworffenen Gruͤnden/ sonst muͤste auch ein jeder Dorff- Pfarr uͤber seinen Edlen Patronen Oberstelle haben/ dann ob zwar unser Erloͤser/ als des Predig-Amts Einsetzer/ die Priester so hoch ge- adelt/ daß er sie das Saltz der Welt/ ja gar GOttes Augaͤpffel ge- nannt/ hat er sie dennoch niemahln der Obrigkeit vorgezogen/ viel weniger ihnen den Vorzug auff dieser Welt eingewilliget/ sondern sol- chen Hochmuth an denen Pharisaͤern gestrafft/ und den Juͤngern an- ders befohlen. Marc. X, 35. 2. Sam. VIII, 16. \& 17. Matth. XXIII, 6. Luc. XXII, 25. Marc. X, 42. Marc. XI, 39. Z 2 §. 3. Weilen II. Buch/ Cap. V. Prediger Præ- ference und Rang Ord- nung. §. 3. Weilen auch Prediger nicht/ gleich denen Doctoribus und Licentiatis, zwischen Buͤrgermeistern und Caͤmmerern/ sondern diesen und dem Stadt-Richter nach/ den andern Rathsherrn aber vorge- setzt/ billig eingeruͤcket werden/ so haben sie ja keine hoͤhere præferen- ce zu gewarten/ ob ihnen bey Gelach und Hochzeiten ein Vorsitz ge- goͤnnet aus Hoͤfflichkeit/ oder oͤffentliche aͤrgerliche Zaͤnckereyen zu verhuͤten/ solches kan hierinn niemanden Vortheil oder Schaden zu- wenden und beybringen. §. 4. Priester und geistliche Personen verliehren ihre Freyheit Priesterlichen Tugend Lob. durch Ehrgeitz/ Leichtfertigkeit/ Meineyd/ Verraͤtherey/ Mord und andere Ubelthaten/ derowegen sollen die Priester an guten Sitten/ Erbarkeit und Beredsamkeit fuͤrtrefflich seyn/ ja unstraͤfflich/ wach- sam/ nuͤchtern/ maͤßig/ gastfrey/ kein Weinsaͤuffer/ Balger/ schaͤnd- lichen Gewinns begieriger/ frembd von Streit und Verachtung/ kein Geldgeitziger/ nicht hochmuͤthig/ vermessen und hoffaͤrtig/ nicht zorn- suͤchtig/ sondern aller guten Dinge geflissen/ heilig/ gerecht/ fromm/ keusch und fuͤr allen Dingen wohl gelehrt/ dann wie kan er anders das Ubel aus dem Mittel raͤumen/ mit welcher Freyheit mag er den Suͤnder verbessern und zuͤchtigen/ wann er in gleiche Verbrechen heim- faͤllet/ oder wañ er sich selbst Stillschweigend muß antwortẽ/ daß er eben dasselbige begangen/ was er an andern tadelt u. straffet/ sagt Hieronym. L. Magistros, C. de professor. \& Medic. C. ult. Dist. 25. 1. Tim. III. ad Tit. I. §. 5. Ein jeder soll seiner Heerde vorstehen/ und eines Priesters anbetrauete Pfarr-Kinder moͤgen auch nicht anders wohin GOttes Wort zu hoͤren sich begeben/ so soll man auch ohne Nothfall nicht anders wo als an gewoͤhnlichen Orten predigen lassen/ und die Prie- Waffen Brauch Prie- stern verboten ster sollen der Waffen Gebrauch vermeyden/ oder nachdem sie drey- mahl ermahnet/ mag die Obrigkeit ihnen solche abnehmen/ und nim- mer wiedergeben; darum moͤgen sie keine Buͤchse ausser Noth-Wehr zur Lust abschiessen. C. 4. caus. 9. q. 2. c. 11. \& 30. Dist. 1. de consecrat. c. 2. X. de vita \& honest. Cler. c. si quis, Dist. 36. Priester Wei- ber/ Kinder und Gesinde. §. 6. So gebuͤhret auch den Pfarrern/ ihre Weiber/ Kinder und Gesinde in aller Gottesfurcht auffzuziehen/ und dermassen bey erba- ren Sitten und Kleidungen zu erhalten/ daß sie darinn/ andern nach- Kleider Tracht Ordnung. zufolgen/ Christliche Anleitung geben/ da sie aber dieses nicht thun und hierinn saͤumig waͤren/ sollen sie ihres Amts entsetzt seyn/ in Er- weg- und Betrachtung/ daß die jemgen/ so die ihrigen uͤbel erziehen/ auch andere nicht wohl lehren und unterweisen koͤnnen. §. 7. Fer- Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. §. 7. Ferner sollen Prediger allen ungeziemenden Geitz unter- Pꝛtester Pflicht mit ihrem Lohn sich zu vergnuͤ- gen. brechen/ und mit ihrem Lohn/ ob schon etwas geringe/ zufrieden seyn/ GOtt um Huͤlffe und taͤglich Brod bitten/ der sie mit Weib und Kin- dern ausser Zweiffel gleich andern gottsfuͤrchtigen Kirchen-Dienern/ die sein Wort lauter und rein geprediget/ und ihren Beruff gewar- tet/ mit aller Lebens-Nothdurfft versehen wird/ sintemahln durch unmaͤßigen Guͤter Reichthum die Priester leichtlich verderben/ dero- wegen man denen Geistlichen/ ohne nothwendige Lebensmittel aus der Kirchen Vermoͤgen zu nehmen/ nicht zulassen soll/ dieweil niemand zu suͤndige n vermeynet/ so lang etwas erlaubet/ sondern eben darum nimmt sich ein jeder mehr Freyheiten/ nach gewoͤhnlicher Begierde der Menschen Hertzen. §. 8. Die Pfarrer sollen auch nicht Wucherer/ geitzige Kraͤhmer/ Priester Geitz/ Wucher und Handel verbo- ten. Handelsmann/ noch Bierschencken seyn/ weilen sie alsdann ihre Ge- dancken haben auff Guͤter zu vermehren/ und hernach ihres studir ens oder Predigens mit ernstem Fleiß nicht warten/ jedoch moͤgen sie es durch andere bestellen/ so fern es ein Stuͤck ihrer Besoldung waͤre; fer- ner sollen sie sich aller weltlichen Geschaͤffte enthalten/ noch gericht- lichen Personen Stelle vertreten/ es waͤre denn fuͤr die Kirche/ fuͤr arme Wittwen und Waͤisen und andere elende verlassene Leute/ je- doch muß sich dieses nicht zu weit erstrecken/ daß ein Priester etwan Protocoll halten moͤchte. L. 20. C. de his qui not. infam. C. fin. X. de vita Cler. Tot. tit. Decret. ne Cler. neg. sec. C. sicut, Eod. tit. C. 1. ne Cler. vel mon. Clem. 1. Eod. c. 2. \& 3. Dist. 61. §. 9. Es soll auch kein Priester ungebuͤhrende Aufflagen machen/ Priester Amts gebuͤhrende Pflichten. seines eigenen Verbrechen sich nicht beruͤhmen/ sich nicht in frembde Haͤndel einmischen/ mit Ubelthaͤtern nicht zuhalten/ oder unter De- cken spielen/ noch sich der Jagt befleissigen/ viel weniger jemanden mit Haͤnden oder Faͤusten schlagen oder sonst unmaͤßig und unordent- lich in seinem Amt verhalten/ oder seiner Freyheit mißbrauchen. Deß- gleichen/ wann er in weltlicher Kleidung unter Missethaͤtern gefun- den wird/ hat er sein Recht verlohren/ und mag von weltlichem Rich- ter gestrafft werden; so soll er auch seine Zunge zaͤhmen und Gebaͤr- den maͤßigen/ andere Frauen und Jungfrauen nicht kuͤssen/ nicht selb- sten Sabbath schaͤnden noch Feindschafft hegen oder Rache uͤben. Tot. tit. de Excess. prælat. Tot. tit. de Cler. Excommun. Tot. tit. X. de collus. Tot. Tit. X. de Cler. Venat. Tot. Tit. de Cler. percuss. Tot. Tit. X. de privileg. Z 3 §. 10. Ein II. Buch/ Cap. V. Pfarrer soll Trunck/ Spiel und Streit meiden. §. 10. Ein Pfarrer soll sich auch von Trunckenheit abhalten/ we- der jemanden zwingen noch sich zum Trunck auff Gesundheit oder gleiche masse noͤthigen lassen/ auch keine Wirthshaͤuser ohn auff Rei- sen besuchen/ und in Gesellschafft fuͤr unziemlichen Gebaͤrden Streit und disputir en huͤten/ wie auch auff Gastgeboten allem Gluͤcks-Kar- ten- und Wuͤrffel-Spiel absagen; in Spielen aber/ so die Vernunfft schaͤrffen/ oder Leibes-Gesundheit erhalten/ muß er sich maͤßigen/ Thea- tri sche Haͤndel aber/ als Comoͤdien/ soll er wegen aͤrgerlichen Zwi- schen- und Nachspielen meiden. C. 12. 14. \& pen. X. de vita \& hon. Cler. Can. 36. Dist. 5. de consecr. C. 2. \& seq. Dist. 44. C. 35. de consecr. Dist. 5. 2. Tim. II. v. 24. Weltlichẽ Ge- richts Stands wer befreyet. §. 11. Geistliche und derer Gesinde oder Dienstboten sind weltli- chen Gerichts Standes befreyet/ wofern sie nicht des Rechts sich ver- ziehen und begeben; wann sonst geistliche Personen buͤrgerlichen Ge- sellschafft Umgang nicht entfliehen moͤgen/ so wird ihnen dennoch in Kost und Kleidern Maͤßigkeit befohlen/ Schau- und anderer Spiele sich zu enthalten/ wie auch aller Prachten Eitelkeit und Tantzen/ samt andern Uppigkeiten; bey Frembdlingen/ so mit Zeugnißen und Schrifften versehen/ sollen sie hingegen Gastfrey sey/ in ihrem Hau- Priester Tu- gend uñ Laster Gebot und Verbot. se gute Zucht halten/ keine ketzerische Haußgenossen haben/ und ohne des Obern Wissen und Willen nicht uͤber drey Wochen ausserhalb ihren Wohnungen abwesend seyn/ wie auch ihrem Amt ohne gerech- te Ursachen der Kirchen zu wieder nicht absagen/ absonderlich zu Ver- folgungs Zeiten/ ohne mit Consistorii Bewilligung/ vielweniger in Pest-Seuch-Tagen davon fliehen/ es geschehe denn ohne Aergerniß/ mit Amts-Verlust Straffe. Endlich soll keiner ungebeten oder ohne Pfarꝛeꝛ Pflicht in Pest-Zeiten. Verlaub bey andern Pfarr-Kirchen das goͤtrliche Amt verrichten/ wer daruͤber betreten/ wird billig gestrafft/ ob schon die Handlung gelten mag. L. 31. \& 51. C. de Episcop. Tot. tit. X. de major. obed. 1. Tim. III, 8. 2 Tim. II, 4. L. 18. ff. de procur. L. 32. §. 4. ff. de recept. arbitr. L. 29. C. de pact. L. 23. C. de Testam. Dist. 88. c. 4. \& 6. Caus. 11. q. 1. c. 47. Tot. tit. X. ne Cler. sec. neg. 1. Tim. III. v. 2. 4. \& 12. Tot. tit. X. de renunciat. Pfarr-Dienst und geistlichen Guͤter Genuß wer nicht ha- ben mag. §. 12. Einen Pfarr-Dienst oder andern geistlicher Kirchen-Guͤ- rer Genuß Wohlthat mag niemand erlangen/ welcher mit einem Schandflecken bemercket/ oder dessen Ehr und Ansehen/ auch guter Nahme bey guten ehrlichen Leuten geschmaͤhlert und verachtet/ deß- gleichen wer einer Ubelthat wegen beschuldiget/ ob schon noch nicht verurtheilt/ oder welchem sein Amt und Beruff/ auch heil. Nacht- mahls Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. mahls Gebrauch verboten/ er habe denn Erlassungs Verlaub und Wiedereinsetzung in vorigen Stand bekommen. C. Venerabilem, de Elect. C. Laici, Dist. 33. c. ult. de furt. c. ult. de test. c. ult. de temp. ordin. c. omnipotens, de accusat. C. postulatis, de Cler. excomm. c. cum bona, \& C. ad aures, de ætate \& qualitate. C. cum dilectus, de con- suet. C. odit, 1. q. 1. C. inter c. nobis, 24. q. 3. de Simon. §. 13. Ebenmaͤßig ist dergleichen unfaͤhig/ wer Ketzerey oder Kir- chen-Spaltung schuldig/ Ehr- und Geld geitzig/ des Lasters beleidig- ter Majestaͤt/ Kirchen-Raubs/ Falschheit/ Meineydes und Todtschlags beschuldiget wird. Jtem/ Wucher und Geitz geziemet insonderheit Wucher Pfen- nig Priester Schande. keinem Priester; die erkratzt und erschundene Wucher-Pfennige aber thun etlichen so wohl im Kasten/ daß sie eher solten Christum/ Wort und Sacramenten fahren lassen/ als uͤbel gewonnen und erscharre- tes Gut an den gefaͤhrt und bevortheilten Nechsten wieder auszu- geben. Wehe darum aller Welt/ die also in Stricken der Ungerechtig- keit verknuͤpfft und verwickelt/ thue Busse O Mensch/ es ist hohe Zeit. L. si quenquam, C. de Episcop. C. cum Clerici de pact. C. felicis, de pœn. in 6. C. ad fals. de crim. fals. C. querela, de jurejur. C. accedens, de accusat. §. 14. Peinliche Hals-Leib- und Lebens-Straffe oder Blut- Gerichts Urtheile werden nicht vom Consistorio gefaͤllet/ gehoͤren auch nicht zum Kirchen oder geistlichen Gericht/ ohne zur Kirchen- Buß Straffe mag die Erkaͤntniß geschehen/ sondern solche werden zum weltlichen Richter verwiesen/ und dessen Amts-Huͤlffe/ wie oͤff- ters auch in buͤrgerlichen Sachen/ muß ersuchet werden. Hingegen Priesterlichen Gehorsams Straff-Recht. aber muͤssen geistliche Personen als Zeugen beym geistlichen Gericht ihre Aussage thun/ es waͤre denn das Verhoͤr einem weltlichen Rich- ter nach geleisteten Eydes Pflicht uͤbertragen; Dahero nun Predi- ger oder Geistliche geringern Standes/ leichten Verbrechen halber/ auff 14. Tage oder laͤnger mit priesterlichem Gehorsam an ehrlichen Orten und nicht in allgemeinen Gefaͤngniß zu belegen/ wo nicht derer Person dennoch ihres Amts Ansehen zu verschonen/ wann nemlich die That keiner Entsetzung werth ist/ hoͤhern Wuͤrden Ordens aber wird Geld-Busse zuerkannt. C. his à quibus, caus. 23. q. 8. L. 8. C. de Episcop. audient. L. 25. C. Eod. Caus. 14. q. 2. can. 2. C. ult. X. de purg. can. c. 51. X. de test. Nov. 123. c. 10. Matth. XIIX. v. 15. Clem. 2. §. 1. de stat. mon. c. 5. X. ne Cler. vel mon. c. 30. caus. 23. q. 8. L. 8. C. de Episcop. audient. c. 35. X. de sent. Excomm. c. 1. X. de dolo. §. 15. Amts Beraub und Absetzung aber verdienen billig von ho- Amts Berau- bung wer ver- dienet. her Obrigkeit alle verurtheilte Ketzer/ Mammelucken/ Verraͤther/ Teuffels- II. Buch/ Cap. V. Teuffels-Beschwerer und Rathfrager/ Todtschlaͤger/ Wucherer/ Meineydige/ Diebe und Ehebrecher; wann jedoch ein Priester eine Zeitlang vom Amt entsetzet/ soll man ihm inzwischen Nahrung und Lebens-Mittel nicht versagen/ so fern er anders nicht dazu rathen kan/ ob schon ihm Amts Verrichtungen verboten und Besoldungs Ge- nuß verweigert/ welches durch Urtheil und Recht zu geschehen pfleget. Amts Berau- bung Straff- Recht. §. 16. So wird nun ein geistlicher Mann durch Amts Erniedri- gung oder Verwaltungs Beraubung Straffe in solchen Stand ge- setzt/ daß weltliche Straffe ohne Kirchen Ehren-Amts Verletzung Pfarr-Man- tels Ablegung ist Amts Ver- lust Wahrzei- chen. uͤber ihn als gemeinen Mann ergehen moͤge/ und solches pfleget zu ge- schehen durch Ausliefferung des Pfarr-Mantels oder andern Kirch- Zeichen; jedoch waͤhrenden Rechts-Streit Handel/ fuͤr erstem Ge- richt/ bleibt der Beklagte in seinem Amt/ soll ihm auch kein ander nach- gesetzt werden/ es sey denn/ daß er ohne das entsetzt seyn muͤste. C. novimus X. de V. S. §. 17. Sonsten mag ein Prediger deßfalls seines Amts entsetzet seyn/ wann er schon eines Lasters noch nicht uͤberwunden/ sondern nur durch Anzeigen beschweret waͤre; auff daß er inzwischen mit sei- ner Amts-Verwaltung niemanden aͤrgerlich seye/ biß er nemlich sol- cher Beschuldigung sich entlediget/ da denn unter dessen denen be- nachbarten Priestern seiner Gemeinde Seelen-Sorge anzutragen/ dafuͤr ihnen aus des Amts Gefaͤllen einige Vergeltung u. Ergoͤtzlichkeit gebuͤhret/ sofern aber das Verbrechen sein Kirchen-Amt nicht be- ruͤhret/ soll er zuvor gehoͤret und darnach verurtheilet werden. Can. 5. in fin. caus. 15. q. 8. c. 10 X. de purg. can. Priester son- derlichen Ver- brechẽ Straffe. §. 18. Wann ein Prediger sich unterfienge/ die sonst uͤblich ver- ordnete accidenti en eigenmaͤchtig zu steigern/ einige Leute aus blosser Feindschafft vom Beichtstuhle abzuweisen/ und andere ohne Ursach in oͤffentlichen Predigten zu schimpffen/ ja auch gar geringen Ver- brechen halber aus Privat-Rache in oͤffentlichen Bann zu thun/ wel- ches dem priesterlichen Amt zuwieder und dadurch Aergerniß ange- richtet/ soll er solchen unverantwortlichen Verfahrens und angemas- seten freventlichen Neuerung wegen/ wofern er deßfalls zuvor ernst- lich angemahnet worden/ und dennoch weiter dergleichen Anzuͤglich- keiten gebraucht haͤtte/ auff gewisse Zeit von seinem Amt und zustehen- der Besoldung zu gebuͤhrender Straffe entsetzt werden/ auch nicht eher wieder dazu gelassen seyn/ biß er solches der Gemeinde abgebe- ten/ Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. ten/ und hinkuͤnfftig seines Amts Pflicht besser zu beobachten sich aner- boten. C. 11. X. de privil. \& Excess. C. etsi clerici, X. de judic. c. 20. X. de V. S. c. fin. X. de cohabit. Cler. C. quia periculosum, de sent. Excomm. in 6. §. 19. Es kan und mag jedoch sonst niemand/ dem einige Prie- Priester Ein- kuͤnffte Gerech- tigkeiten. ster Einkuͤnffte beyzubringen oblieget/ solche fuͤr sich behalten; wann aber Kirchen-Einkuͤnffte durch Krieg oder Flamme verzehret wuͤr- den/ so sollen die Pfarr- und Kirchen-Kinder durch ihre Steuer Ein- samlung zu Huͤlffe kommen/ welche sie mehr reich als arm macht; hin- gegen wann Pfarr-Kinder und derer Grund-Guͤter sich vermehren/ so moͤgen auch der Priester Einkuͤnffte gebessert werden; jedoch soll Kirch-Spiele nicht zu tren- nen. man dieselbe ohne genungsame Ursache nicht zertrennen und unter zweyen vertheilen/ wie auch keine verknuͤpffte Kirchen so leicht zu schei- den/ vielmehr mag man geringe Kirch-Spiele vereinigen; ja wann neue Wasser- und Wind-Muͤhlen erbauet/ und derer Zuhoͤrer An- zahl gemehret wird/ sollen sich geist- und weltlichen Obrigkeit Ein- kuͤnffte verbessern; allwo sie Brodt bekommen/ soll gewoͤhnliche Groͤsse/ Guͤte/ Zahl und Gewicht gelten. C. 1. X. ut Eccles. benef. sine deminut. conf. c. 8. X. de præbend. c. 33. X. Eod. §. 20. Wann eine Kirche arm und unvermoͤgend/ auch die Zu- Priester sollen nicht Mieth- linge seyn. hoͤrer nothduͤrfftig/ so waͤre es unverantwortlich/ daß ein reich und wohlhabender Kirchen-Diener die Besoldung genau anfordern und bey deren Bezahlung Mangel sein Amt versaͤumen wolte/ welches nur eines Miethlings Arbeit hiesse/ wann aber ein Priester auff dem Lande insonderheit nach erlangten Amts-Beruff freywillig/ unge- zwungen/ ohne Furcht des Dienstes Verlust zur Besolds Verrin- Priester Frey- heit geringern Sold zu bewil- ligen. gerung eingewilliget/ und sonst anders woher Lebens-Mittel hat/ so mag das Gedinge wohl bestehen/ weilen ein jeder seinem Nutzen ent- sagen kan/ jedoch ohne des Nachfolgers Schaden und Nachtheil/ als dessen Stand kein Vorweser veraͤrgern mag/ massen sein Recht von ihm nicht herruͤhret/ so kan derogestalt ein neu beruffener Priester/ auff Begehren des Patroni / durch einen Revers versprechen/ daß er Lebenslang uͤber bedungenen Soldes Bestellung nichts mehr for- dern wolle. L. pen. C. de pact. c. 7. X. de transact. §. 21. Wann nicht von jederm Acker/ sondern insgemein ohne Be- Priester Lohn von Aecker und Huffen. trachtung der Huffen eine gewisse Belohnung verordnet/ solche bleibt unveraͤndert/ das Grund-Gut moͤge sich gleich mehren oder mindern; A a also II. Buch/ Cap. V. also auch in den Staͤdten wegen Vergroͤß- oder Verringerung der Buͤr- ger Zahl/ wann auch ein Erb-Gut zwischen zweyen getheilet wird/ so muß ein jeder von seinem Antheil Pflicht/ Last u. Schulden abtragen. Priester Acci- denti en Recht. §. 22. Was sonst denen Pfarrern und Kirchen-Dienern an Ac- cidenti en zugeordnet/ oder sie sonst vor Alters gehabt/ davon soll ih- nen nichts entzogen/ sondern vielmehr/ so es fuͤglich geschehen kan/ verbessert werden; so sollen auch diejenigen/ so in Muͤhlen/ Schaͤfe- reyen/ Vieh-Hoͤfen/ Vorwercken/ oder an andern Orten ausserhalb Dorffs wohnen/ und keine Zehenden/ Pacht oder Zinse geben/ sich gleichwohl aber der Kirchen und Sacramenten gebrauchen/ dem Pfar- rer seinen vier Jahr-Zeiten Pfennig geben/ sich auch sonsten nach ei- nes jeden Vermoͤgen danckbarlich gegen ihm erzeigen. Priester Intra- d en oder Acci- denti en Erstei- gerung verbo- ten. §. 23. Wann Prediger sich fragen/ ob sie verordnete und nach Gebrauch der Kirchen verguͤnstigt und bestim̃te Accidenti en oder bey In- trad en ihres Gefallens ersteigern/ verhoͤhen und gleichsam ihren Pfarr- Kindern/ was und wie viel sie zum Auffboth/ Einsegnen/ Kind-Tauffen/ Leichgaͤngen geben sollen/ vorschreiben/ setzen und anheischen moͤgen/ sol- ches ist absonderlich zu ruͤgen und zu erinnern/ damit nicht ein oder ander hierunter sich mercklich versehe/ weil der leidige Geitz und Geldsucht manche Priester heut zu Tage so gar besessen/ daß sie mit dem guten Willen und Vermoͤgen ihrer Pfarr-Kinder nicht zu frieden seyn/ oder sich mit einer freyen einfaͤltigen Gabe und Verehrung ersaͤttigen und begnuͤgen lassen wollen. So sollen nun die Pfarrer wegen der Gebuͤhr fuͤr Kindtauffen/ eheliche Copulation und Leich-Predigten niemand uͤbersetzen/ sondern Verordnung gemaͤß sich gehorsam erachten/ und daran/ was sie von Alters gehoben/ oder ihnen bey Visitation zuge- Amts-Gebuͤh- ren wie nicht zu verringern. standen und verwilliget/ begnuͤgen lassen/ ja auch gar keine Leich-Pre- digten thun/ wann sie ihnen nicht vom Auffseher anbefohlen/ und der- selbe feine Gebuͤhr vorher empfangen/ welche Priester-Amts Gebuͤh- ren wohl jemand verbessern/ und mehr nach seiner Freygebigkeit ge- ben/ nicht aber Gesetz und Verordnungs Gewohnheit verringern oder gar weigern kan/ sonsten bestehen dieselbige Besoldungs Satzungen hernach in der Nothwendigkeit und bey keiner privat- Person Willkuͤhr. Beichtgeld uñ Trangebuͤhren Gerechtigkeit. §. 24. Das Beicht-Geld und Trau-Gebuͤhr/ allwo es fuͤr ein Besoldungs Antheil gehalten/ es werde gleich in der Kirchen gegeben/ oder ins Hauß geschicket/ man beichte zu gewoͤhnlichen Stunden oder ausser der Ordnung/ also was fuͤr Tauffen und derer Sechs-Woͤch- nerinnen Einleitung jedes Orts faͤllet/ soll woͤchentlich unter Priester und Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. und Cappellan en getheilet werden/ daß einer so viel als der andere da- von bekomme/ dabey denn auch ordentlich auff fuͤglichste Mittel zu gedencken/ wie die Arbeit im Beichtsitzen/ Unterrichtung der Beicht- Kinder und Krancken Besuchung/ so viel moͤglich/ gleich participir et sey. §. 25. Was aber fuͤr Leich-Predigten nach eines jeden gutem Leich-Predigt Gabe wem ge- hoͤrig. Willen gegeben wird/ verbleibet dem Pfarrer allein/ es gebuͤhret auch dem Cappellan keine zu thun/ ohne daß es ihm aus erheblichen Ursa- chen auffgetragen/ und alsdann bekommt er sein Theil von der Gabe/ wie denn etlichen Orts Gebrauch ist/ daß man fuͤr Leich-Predigt und Begleitung dem Priester und Saͤnger als Kirchen-Dienern eine klei- Leich-Tuͤcher Gabe Ge- brauch an Kir- chen-Diener. ne willkuͤhrliche Gabe zu verehren pfleget/ so in Leich-Tuͤchern beste- het/ davon zwar das schwartzfaͤrbige dem Pfarrer/ das weisse Lein- wand-Tuch aber dem Kuͤster gebuͤhret/ jedoch steht hierinn billig die Wahl beym Priester. §. 26. Wann nun bey entstandenem Kriegs-Wesen denen Pre- Kirchen-Die- ner Besol- dungs Ruͤck- stands Recht. digern und Schul- Colleg en an ihren ordentlichen Besoldungs und Wohlthaten Vermehrungen etwas ruͤckstaͤndig geblieben/ auff dessen Bezahlung sie dringen/ wie es ihnen vorhin unweigerlich abgestat- tet/ auch sie alles vermoͤge ihren Beruffs zu fordern wohl befugt/ den- noch aber solches nirgend anders woher als von reichlichen Einkuͤnff- ten der Geistlichen Lehn/ wie auch guthertziger Christen Stifftung herruͤhren und angenommen werden koͤnnen/ welche durch Kriegs Besoldungs Recht/ so duꝛch Kriegs Ver- derben in ste- cken gerathen. Verderben in stecken gerathen/ daß die Zahlung weder alsbald noch in kurtzer Zeit zu hoffen/ so erscheinet daher/ daß derer Kirchen oder Kasten Vorstehere zu voller wuͤrcklichen Abstattung nicht anzuhalten/ wohl aber muͤglichen Fleiß zu leisten/ solches auszutreiben und einzu- bringen/ auch alsdann ob angedeuteten Personen nebst der ordinari en Erben Anfor- derung wie zu befrtedigen. Besoldung auf Abschlag folgen zu lassen schuldig seyn; desgleichen wann der Kirchen-Kasten so viel hinterbliebene und ausstehende Zinsen hat/ derer verstorbenen Bedienten Erben Forderung zu befriedigen/ so sind die Vorstehere keine Capitalia oder liegende Gruͤnde anzugreif- fen/ zu verkauffen oder an Bezahlung hinzugeben/ befugt noch gehalten. §. 27. Priester aber sollen nicht mit gar so viel Acker-Bau ohne Pfarr-Kinder Dienst-Huͤlffe beschweret seyn/ darum auch die Pre- Priester Acker- baus Recht. diger moͤgen ihre Pfarr-Huffen auff Lebens-Zeit andern zum Ge- brauch uͤberlassen oder selbst beackern/ oder denen von Adel oder Bau- ren ihres Gefallens/ so hoch sie koͤnnen/ gegen einen Revers austhun/ daß sie dieselben/ wann es die Pfarrer begehren/ wieder abtreten wol- A a 2 len/ II. Buch/ Cap. V. len/ welchen Schein sie dem Consistorio alsdann einlieffern/ und durch Notari en registrir en lassen sollen/ sonst haben Priester ihre Pfarr- Laͤnder zu nutzen und zu gebrauchen/ darum sie solche wohl vermiethen Pfarr-Laͤnder Gebrauchs- Recht. koͤnnen/ jedoch nur auff 3. Jahr/ und diese Aecker zu pfluͤgen/ dazu sind gewisse Leute bestellt/ die es umsonst zu Frohn-Diensten verrich- ten muͤssen/ die uͤbrigen Pfarr-Kinder aber sind schuldig und gehalten/ alle zum Ackerbau noͤthige Huͤlffe und Hand-Arbeit fuͤr billigen Lohn/ der im geistlichen Gerichts-Urtheil steht/ zu leisten/ und mag man der- gleichen vorher an andere Leute nicht verdingen. Syr. XXXVIII, 26. L. 31. ff. de pignor. §. 1. instit. de usu \& habit. L. 38. ff. de usufr. L. 19. ff. Locat. C. præsenti, de offic. ord. jub. L. 12. §. 2. ff. de Usufr. C. am- bitios. Extravag. de reb. Eccles. Wuͤstẽ Bauer- Aecker Recht zum Priester Lohn. §. 28. Von wuͤsten Bauer-Aeckern/ davon ein Priester das Sei- nige nicht haben kan/ soll ihm so viel zu seinem Acker-Bau und Ge- nuß eingeraͤumet werden/ daß er so viel Scheffel/ als er zu fordern hat/ darauff ausstreuen koͤnne/ dann wann er die Saat und Unkosten ab- ziehet/ auch einigen Mißwachs/ der sich begeben kan/ uͤber sich nehmen muß/ wird er kaum das Seinige erlangen/ und wenig oder nichts uͤbrig haben koͤnnen. Priester Ein- kuͤnffte Ver- besserung Recht. §. 29. Priester Einkuͤnfft Gefaͤlle werden verbessert/ wann ihre Seelen-Sorge und Pfarr-Kinder Erdgut vermehret/ oder Amts- Arbeit durch Vereinigung oder sonst verdoppelt wird/ ja wann Jahr- Zeiten Theurung entsteht/ und ihre Kirch-Kinder nicht verarmet sind; Getraͤide Zinß muß zum Pfarr-Hauß gebracht und im Beyseyn des Dorff-Richters mit gestrichenem Maaß oder gehaͤufftem Schef- fel zugemessen werden/ also unausgesondert/ wie es gewachsen/ und wie er es wieder auszusaͤen gesonnen. Ferner bestehen Priester Besol- dungen in Bittfuhren/ Zehenden/ Korn/ Hafer/ Gersten/ Waͤitzen an Garben/ item Zinß von Brach-Aeckern/ so geruhet haben in selbi- gem Jahr/ ohne aller Unkosten Abzug/ so mit Geld-Buß oder Ge- faͤngniß moͤgen erzwungen seyn; Hieher gehoͤren Zinß-Brod auff gewisse Zeit von jedern Acker in solcher Guͤte und Groͤsse/ wie jeder Haußvater fuͤr sich und die Seinigen backen laͤsset/ also auch Huffen Groschen oder auch Communicant en Opffer-Pfennige von jeder Person/ die ihre 12. Jahr erreichet hat/ dreymahl jaͤhrlich/ so viel als an jedern Ort gebraͤuchlich/ welche der Schultze einmahnet. Tit. X. de censibus. Tot. tit. X. de decim. X primit. Caus. 16. q. 1. c. 21. \& 23. §. 30. Son- Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. §. 30. Sonsten aber mag nimmer derer Pfarrer Einkommen Pfarrer Ein- kommen durch Opffer oder vier Zeiten Pfeñigs Wei- gerung zu rin- gern veꝛboten. durch Weigerung des Opffer- oder vier Zeiten Pfenniges also merck- lich verringert werden/ daß sie nicht jaͤhrlich nach Proportion der Ae- cker gewisser Zehenden Forderung gruͤndlich behaupten/ und nach gemachter Ordnunge von Stiffts- oder Kirchen unterhabenden Guͤ- tern erheben moͤchten; Ohrbede/ Bete oder Liebe-Geld ist auch ein ausserordentliches Mittel/ welches wegen Vernunfft-maͤßigen ent- stehenden Ursachen ein Bischoff/ Probst oder Priester von unterge- benen Zuhoͤrern/ der Kirchen zu Nutzen und Armen zum Besten/ be- gehren kan. C. 6. §. prohibemus, X. de cens. Eccles. §. 31. Geistliche sollen keine persoͤnliche Dienste verrichten/ da- Geistlichen Personen und Guͤter Frey- heit. mit sie nicht an ihrem Amt und Beruff verhindert werden/ gleichwie auch sonst die Kirche und deren Guͤter aussergewoͤhnlichen Pflichten nicht unterworffen/ so wenig als persoͤnlichen/ welche durch Fleiß/ Muͤhe und Arbeit/ ohne Erbtheils Unkosten und Verringerung gelei- stet werden/ derohalben sie allein zu solcher Erdschatzung gehalten/ die denen Guͤtern auffgelegt gewesen/ ehe sie zu solchem geistlichen Eigen- thum kommen/ auch zu Kriegs-Zeiten/ wann solche Aufflagen mehr Gelehrte wañ nicht Zinß frey. denen Guͤtern als Person auffzubuͤrden/ so mag sie niemand befreyen von selbigen Zinsen/ es seyn Geistlich- oder Weltweise Hochgelehrte. L. Generaliter, C. de Episcop. \& Cler. Esdræ IV, 27. L. placet, C. de SS. Eccles. L. Sancimus, 22. C. Eod. L. 1. \& ult. de muner. Levit. XLVII, 22. c. 4. \& 7. X. de immun. Eccles. L. 1. C. de indict. L. Rescripto, de muner. \& honor. L. 2. de Censibus. L. professio, de muner. patrim. L. Imperatores de public. §. 32. Die Priester/ Kirchen und Schul-Diener moͤgen nicht mit Kirchen und Schuldiener Licent en oder Accise Frey- heit. buͤrgerlichen Steuren/ Unpflichten/ Licent en/ Accis en und dergleichen Ausgaben oder Aufflagen/ wie sie Nahmen haben/ fuͤrnehmlich an de- nen Orten/ da sie und ihre Vorfahren allemahl derselben frey gewe- sen/ beschweret und beladen werden/ ohne in ihren Privat -Erb-Vaͤ- ter- oder muͤtterlichen Erwerb-Guͤtern; An etlichen Orten haben auch Prediger/ Kirchen- und Schul-Diener/ der Soldaten Quartir und Einlag-Geld/ so wohl als Bier/ Brod/ Fleisch und andern Eß- oder Soldaten Quartier und Einlage Geld Freyheit. Trinck-Wahren/ die Helffte oder gantz frey von Accise und con- sumtion Aufflage-Buͤrden; jedoch wer eine zwiefache Pfarr-Vedie- nung hat/ mag darum nicht derer freygelassenen Bier-Fasse Zahl zur Gewinsucht verdoppeln und etliche Faͤsser verkauffen/ weilen es eine persoͤnliche Freyheit. L. 5. §. fin. ff. de Cens. L. 67. ff. de contr. Emt. A a 3 §. 33. Geist- II. Buch/ Cap. V. Geistl. Frey- heit von per- soͤnlichen Diensten. §. 33. Geistliche Personen sind auch befreyet von persoͤnlichen Beschwerden/ als Gerichts-Folge/ Jagt/ Wacht/ Zechhaltungs Hut oder Einqvartirung in der Pfarrwohnung/ wann sie aber vaͤter- liche Erbguͤter besitzen/ sind sie zwar an Person frey/ jedoch muͤssen sie einen andern in ihre Stelle beschicken/ ausgenommen bey unver- meidlichen instehenden Verwuͤstungs Nothfaͤllen/ oder sonder- und of- fenbaren Nutzen wegen/ als Wege und Bruͤcken zu verbessern/ dazu jederman pflichtig; Jtem/ Weib und Kinder zu Trost haben sie freye Geistlichen Baͤrger Recht. Macht/ Stadt Buͤrgerrecht/ Gewerb und Eigenthums-Guͤter zu ge- winnen/ welches sich deren Wittwen und Kinder nach ihrem Tode an dem Ort/ da sie das Amt gefuͤhret/ jedoch ohne Mißbrauch/ zu erfreuen haben. Auth. item nulla, L. 33. §. privil. L. Generaliter, L. Præsbyteros, C. de Episcop. Gloss. L. nec honore, C. Eod. L. placet. \& L. 11. C. de SS. Eccles. L. fin. C. de Excus. mun. c. non minus, c. adversus, X. de immun. Eccles. L. 2. C. de quibus mun. vel præst. L. 10. \& 21. C. de curs. publ. c. 2. X. de jure im- munit. L. ult. de quibus mun. nemo. L. absit, C. de priv. dom. L. 7. C. de SS. Eccles. Geistlichen Brau-Gerech- tigkeits Frey- heit. §. 34. Ferner haben Geistliche Braugerechtigkeits Freyheit/ ih- ren Tisch-Trunck frey von Tranck-Steuer zu brauen/ so viel ihnen fuͤr sich und ihre Haußgenossen von noͤthen/ welches Recht sie selb- sten uͤben/ oder andern fuͤr ein Gewisses abstehen koͤnnen/ nach dessen vom Consistorio vergoͤnneten Groͤsse/ deßgleichen gebuͤhret Kirchen- Kirchen und Schul-Diener Leibgedings Recht. und Schul-Dienern/ die sich wohl verdient gemacht/ wegen abgemat- teten Alters/ Kranck- und Schwachheit einigen Leibgedings Verse- hung auff Lebens lang/ nach Consistorii Erkaͤntniß/ welches dennoch die Helffte der gantzen Besoldung nicht uͤberschreiten soll/ und wann Kirchen-Einkuͤnffte dazu nicht vermoͤgend/ muͤssen die Pfarr-Kinder dazu hergeben/ wobey auch Unterscheid zu machen zwischen Kirchen und Schul-Dienern/ ja es wird diese Wohlthat nach Amts-Pflicht und Kirchen Anzahl verdoppelt/ auff Doͤrffern und Flecken haben sie auch Wasser und Weyde samt andern gemeinen Einwohner Rechten frey zu geniessen. Erblosen Pꝛie- ster Recht. §. 35. Wann Priester ohne Erben sterben/ so erbet der Bi- schoff oder andere hohe geistliche Obrigkeiten; so sind auch ferner Geistlicher Peꝛsonen Vor- mundschafft Freyheit. geistliche Personen von Rechts wegen aller Vormundschafft/ aus- genommen Wittwen und Waͤisen Verthaͤdigungs Pflichten/ befreyet/ uñ haben auch keine Entschuldigung noͤthig/ damit sie alles andere eitele Wesen verlassen/ und des allmaͤchtigen GOttes Dienst anhaͤngen; deß- Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. deßgleichen wann eine geistliche Person etwas schuldig und den hal- ben Theil bezahlet/ waͤre sie zwar den Uberrest zur Helffte zu bezah- len hernach auch verpflichtet/ sie moͤchte sich denn dawieder behelffen mit rechtlicher Wohlthat/ dadurch ihr nachgelassen/ nicht weiter Ge- richts-Huͤlffe wider sie ergehen zu lassen/ denn so fern sie nicht duͤrffte Geistlichen Vorrecht we- gen Schulder Bezahlung. Noth leiden. Sonst mag ein geistlicher wegen Schulden beklagter Mann nicht verhafftet noch gefangen geleget werden/ sondern ist Flucht halber von verborgenem Gut zu bezahlen gehalten/ und kan eydlich versichern; Es moͤgen auch Geistliche keine Gerichts-Buͤr- gen seyn/ ohne im Fall der Noth und Gottseligkeit halben. L. un. C. de bon. Cler. \& mon. Arg. L. 13. §. item Julianus, ff. locati. C. 1. X. ne Cler. Sec. neg. L. 52. C. de Episcop. \& Cler. Dist. 88. c. fin. C. Odoardus 3. X. de solut. Nov. 123. c. 6. §. 36. Jn gerichtlichen Processen haben Geistliche diesen Vor- Geistlichen Vorzug in Proceß und Schmaͤh-Kla- gen. zug/ daß mit ihnen bey Schmaͤh-Klagen fuͤr allen Dingen guͤtlicher Vergleich sorgfaͤltigst zu versuchen/ auch boßhafftig Gemuͤthe zu schelten nicht vermuthet wird/ ja durch gutwillige Erklaͤrung koͤnnen sie die Klage zum Wiederruff vermeiden/ also kan auch durch Kir- chen-Diener Versetzung das Endurtheil zwischen Priester und Pa- tronen oder Pfarr und Kirch-Kindern gar enthoben und vergessen werden. §. 37. Ein halb oder gantzes Gnaden-Jahr ist auch einer priester- Priester Wite- wen Gnaden Jahr. lichen Wittwen und Kinder Freyheit Genuß/ was nun von verstor- benen Priesters verdienten Lohn jedern Orts Gewohnheit fuͤr Ge- brauch haͤlt/ solchem muß man zu Folge leben; wann die Zeit bey nahe verflossen/ wird die Besoldung fuͤr voͤllig verdient geachtet/ und alle verdiente Geld-Bestallung gehoͤret der Wittwen und denen Erben zu/ wie auch die genossene und eingesamlete Fruͤchte nach Zeit-Verflies- sungs Gelegenheit; die vom Abgestorbenen selbst gesaͤete Fruͤchte wer- den zur Erndten-Zeit also getheilet/ daß sie mit Ackerbaus Unkosten Erndte Fruͤch- te Theilung. zum Abschlag kommen moͤgen; Von der uͤbrigen Besoldung aber be- kommt die Wittwe nichts/ wofern sie des Mannes Erbschafft aus- schlaͤgt/ und ihre eingebrachte Morgengabe wieder begehret/ sondern dieselbe gehoͤret denen andern Erben zu/ welche davon des Priesters Schulden bezahlen muͤssen/ auch des Inventarii durch seine Schuld verdorbenen Sachen Mangel damit zu ersetzen schuldig sind. L. 4. ff. de offic. assessor. L. 15. §. 1. C. de advoc. divers. §. 38. So II. Buch/ Cap. V. Pfarr Acci- denti en Gna- den Jahrs Ge- rechtigkeit. §. 38. So sollen nun aller und jeden Pfarrern in Staͤdten und Doͤrffern hinterlassene Wittwen und Kinder/ nach ihrer Herren und Vaͤter Absterben/ ein gantzes Jahr uͤber von Sterbfalls Zeit einzuneh- men/ das volle Einkommen der Pfarrer mit allen Accidenti en zum Gnaden-Jahr haben/ behalten/ geniessen und von jederman ungehin- dert brauchen. Jn solchen Gnaden Jahrs Zeit aber sollen die Wittwen schuldig seyn/ das Kirchen-Amt entweder durch benachbarte Predi- ger/ oder sonst auff ihren Kosten also bestellen zu lassen/ damit ja an gottseeligen Pflichten nichts versaͤumet/ noch die Patroni sich daruͤber zu beschweren haben moͤgen. Geistlicher Personẽ habi- liti rung durch ihrer Confir- mation Ein- hohlung. §. 39. Alle diejenige nun/ so dieser Begnadigung sich zu erfreuen haben wollen/ so wohl die Auffsehere und deren Capellanen/ als Dorff-Priestere sollen ihre Personen durch Einhol- und Erlangung ihrer Confirmation aus dem Consistorio, zuvorn habilitir en/ und die Land-Priester sollen sich bey ihrem Leben in ihrem Dienst unverweiß- lich und fleißig verhalten/ die Versamlung auffzuschreiben/ gehoͤrig besuchen/ auch die Wochen-Predigten umgangsweise unweigerlich bestellen helffen/ dazu sie sich des Abends vorher angeben sollen/ oder es wird wider die Ungehorsamen/ so ohn erhebliche Ursachen aus- bleiben/ mit gebuͤhrender Straffe verfahren. Gnadẽ-Jahrs Freyheꝛt. §. 40. Auff eines Pfarrern sich zutragenden Todes-Fall wird denen hinterlassenen Wittwen und Kindern darum ein gantzes Gna- den-Jahr an etlichen Orten gewilliget/ weilen sie sonst wenig Erb- liches zu gewarten/ auch dabey offt gar nichts erwerben/ zuweilen noch vom Jhrigen ziemlich wegen gering-faͤhigen Einkommens zusetzen muͤssen; wann nun das Gnaden-Jahr verflossen/ oder keine Wittwe noch Kinder vorhanden/ werden des Priesters Einkommen unter de- nen getheilet/ welche nach Consistorii Befehl den Kirchen-Dienst verrichten/ Beicht-Pfennige aber und Leich-Predigt Gelder gehoͤren zwar auch Wittwen und Kindern zu/ jedoch pflegen einige diese aus Geitz zu behalten ohne Recht; allwo aber die Gnaden-Zeit nur ein halb Jahr waͤhret/ daselbst bekommen des Predigers Erben ohn Unter- schied die Helffte von allen jaͤhrlichen Einkuͤnfften und Gefaͤllen so wohl vom Haupt-als Neben-Kirch-Spiel. Gnadẽ-Jahrs Freyheit in Pfarr-Haͤuser Nutzung. §. 41. Gnaden-Jahrs Freyheit betrifft alle und jede Einkuͤnff- te/ so wohl in Haupt- als Neben-Kirchen/ nach gemachten Theilung/ so haben auch des Verstorbenen Erben des Pfarr-Hauses Nutzung/ ob schon sie ein eigenes haͤtten/ samt ersten halben Jahrs Accidenti en/ das Von derer Prediger Wuͤrde/ Wandel u. Einkuͤnfften. das andere halbe Jahr gehoͤret zum Nachfolger/ deren Fruͤchte Thei- lung wird von Todes-Falls Tage gerechnet/ also/ daß ein oder 2. Mo- Priester Todes Faͤlle wie zu rechnen. nat nicht zu achten; als wann ein Priester um S. Bartholomæi stirbt/ wird dafuͤr gehalten/ ob waͤre er um S. Michaelis Tag zu Gnaden- Jahr Anfangs Zeit verstorben/ hingegen sieht man 8. oder 14. Tage nach dieser Zeit auch nicht an/ sondern gilt eben so viel/ als waͤre einer vorhin um Michaelis Tag gestorben. Geld-Besoldungs Einkuͤnffte koͤnnen zu allen Zeiten/ wie sie fallen/ wohl getheilet werden. §. 42. Wann ein Priester sonst nach eingesamleten Herbst-Fruͤch- Priester Ster b Falls Recht nach Erndte Zeit. te Erndte Zeit verstirbet/ soll er dem Nachfolger die Winter-Saat/ oder dazu benoͤthigte Unkosten hinterlassen/ und behalten seine Erben alle genossene Fruͤchte fuͤr sich allein/ wann auch ein abgehender Pfar- rer oder des Verstorbenen Erben eingeerndte Fruͤchte/ Heu/ Stroh/ Mist/ Fuͤtterung/ Vieh oder leblose Ackerbaus Werckzeuge verkauffen wollen/ so ist der Amts-Nachfolger billig einem Frembdling vorzuzie- hen/ nach Naͤher-Kauffs Recht/ so fern er ebenmaͤßigen Werths- Preiß zu geben gesonnen. §. 43. Eines gantzen Jahrs Fruͤchte von Michaelis Tag an sel- bigen Jahrs/ wann der Todes-Fall geschehen/ biß zu folgenden Jahrs Michaelis Tag/ werden zusammen gerechnet/ daß die Helffte zur Witt- wen und Kinder/ der andere halbe Theil dem Nachfolger hinfaͤllet; Zinß und Zehenden aber/ ob sie schon nach Michaelis Tag auff Mar- tini oder Weynachten faͤllig/ werden jedoch dafuͤr gehalten/ daß sie auff vorigen Michaelis Termin verfallen/ die aber auff May Tag zu fordern/ werden auff zukuͤnfftigen Michels Tag hingebracht. §. 44. Wann der Fall auff bevorstehende Erndte sich begiebt/ Priester Sterb Falls Recht auff bevorste- hende Erndte. gehoͤret solche zur halben Jahrs verdienten Besoldung/ und folgenden Jahrs zukuͤnfftige Erndte zum Gnaden-Jahr/ und darinn vom Nach- solger angewandte Unkosten sollen der Wittwen und Kinder nach billigem Antheil zugerechnet und abgezogen werden. §. 45. Gnaden-Jahrs rechtliche Wohlthat koͤmmt Wittwen Gnadẽ-Jahrs Recht wem ge- buͤhret oder nicht. und Kindern/ Enckeln/ Freygelassenen und ausgesteuerten/ erst und andern Ehe/ ohn Unterschied zu/ ja einer Wittwen/ ob sie schon ih- re eingebrachte Guͤter wieder fordert/ massen es ein sonderliches Recht ist. So behaͤlt nun die Wittwe/ nach Orts Gewohnheit/ das dritte/ vierdte oder halbe Theil/ und Kinder die andere Helffte/ oder sie theilet mit Kindern auff Haͤupter/ es waͤren denn mehr als drey Kinder vorhanden. Andere des Verstorbenen auffsteigende Seiten- B b oder II. Buch/ Cap. V. Testaments Erben Unfaͤ- higkeit. oder Testaments-Erben sind diesen Rechts unfaͤhig/ so wohl als ein noch lebender anders wohin beforderter Priester. Allwo nun keine Wittwe noch Kinder sich finden/ ist das Consistorium befugt/ diese Einkuͤnffte zu andern gottseligem Brauch anzuwenden/ oder dem Nach- folger zu vergoͤnnen/ und moͤgen davon keine Schulden bezahlet/ noch Schulden halben Arrest oder Beschlag darauff geleget werden/ sie waͤren denn absonderlich zu dem Ende bestimmt gewesen bey vor- fallenden Wittwen und Kinder Mangel; dahero/ wann ein Priester Priester oder Geistlichen Te- stament wann unguͤltig. oder geistlicher Vater solche Gnaden-Jahrs Gefaͤlle durch Geding auffsagt/ oder im Testament vermacht/ sind Wittwen und Kinder Ehemanns oder Vaters That zu leisten nicht gehalten/ weilen er uͤber eine ihm nicht angehoͤrige Sache Verordnung gemacht/ mas- sen diese Freyheit nicht ihm/ sondern Wittwen und Kindern ver- liehen. L. 11. C. de prox. Sacr. Scrin. Pꝛiesteꝛ Pflicht in Pest-Seu- che Zeiten. §. 46. Wann aber an dem Ort/ allwo ein Pfarrer gestorben/ eine Pest-Seuche waͤre/ so moͤgen dennoch die benachbarten Priester da- selbst ohne Gefahr/ nemlich ausser Stadt oder Dorff/ in reiner Lufft entwas entfernet vom Volck/ nach Beobachtung des Windes/ mit erhabener Stimme GOttes Wort lehren/ und die H. Sacraments eingeweyhete Zeichen auff einen Tisch darstellen/ von dannen die Leute in seiner Gegenwart selbige unter sich austheilen moͤgen; durch welches Mittel dann deren anvertraute Gemeine anzustecken ver- huͤtet wird/ es sey dann/ daß ein Patronus solches verbieten/ und das Volck ihn es zu unterlassen bethe. Pfarr-Witt- wen uñ Erben Recht ohne Abzug oder Schoßgelder. §. 47. Wann nun ein Pfarrer stirbt/ und der Orten seine eige- ne fahrende Haabe oder Erbschafft verlaͤsset/ so sollen dessen Weib und Kinder/ wann sie von dannen ziehen/ denen Gerichten/ darinn der Pfarrer verstorben/ davon einigen Schoß oder Abzug-Geld zu geben nicht schuldig seyn/ sondern diese ihnen dasselbe ohne Beschwe- rung frey folgen lassen; wofern es aber andere Freunde nehmen/ geben sie gebraͤuchlichen Ab- schoß. Caput Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. Caput VI. Von Kirchen und Pfarr-Haͤuser Gebaͤu Auff- sicht/ Kirchen Einnahm und Ausgabe/ auch Schulen-Ge- faͤlle/ Zehenden Vermaͤchtniß/ geistlichen Guͤter Ver- aͤusserung/ Kirch-Hoͤfe/ Stuͤhle und Begraͤb- niß Unterhaltung. §. 1. W As derer Kirchen nothwendigen Bau anlangt/ allwo Gewohn- Kirchen Baus Auffsicht und Gerechtigkeit. heits Recht ermangelt/ muͤssen die noͤthige Kosten zu Wieder- auffrichtung der Kirchen-Gebaͤu von der Kirchen Einkuͤnfften erlegt werden/ als welche zu Bischoͤffen/ Geistlichen und Armen Unterhalt/ auch Kirchen-Bau allein billig anzuwenden/ wann aber der Kirchen- Gefaͤlle dazu nicht genungsam anreichen koͤnten/ soll der Mangel von denen Kirch- und Pfarr-Kindern erstattet werden/ ob schon sie unter andern herrschafftlichen Obrigkeit wohnen/ weilen dieses GOtt zu Ehren angewendet wird/ welche Buͤrde nach Gelegenheit der Familie Vermoͤgen und Grund-Guͤter auszutheilen/ also/ daß auff dem Lande jedern Huffen Acker Landes zur gewissen Summa ein Guͤlden zum Kirchen-Bau aufferlegt werde. C. Quatuor autem, 27. C. 12. q. 2. C. Decernimus, C. 10. q. 1. C. Priscis, c. unio, c. 10. q. 3. §. 2. Und zu dieser Kirchen-Baus Beschwerde gehoͤren nicht al- lein die zur Haupt- und Mutter-Kirche noͤthige Bau-Kosten zu erlegen/ daselbstige/ sondern auch auf denen Bey- und Neben-Kirch-Spielen ge- Adelichẽ Lehn- Guͤter Un- freyheit. sessene Einwohner/ wann sie nemlich von Alters hero dazu verpflich- tet gewesen/ ob schon sie ihre eigene Kirche in Bau und Besserung zu halten schuldig sind/ wie denn hiervon keine Adeliche noch Lehn-Guͤ- ter moͤgen ausgenommen werden/ als deren Besitzere alle deren Geist- Neben Kirch- Spiels Buͤr- ger und Bau- ren Pflicht. lichen Huͤlffe oder Handreichung beduͤrffen und gebrauchen/ also sind auch diese Neben-Kirch-Spiels Buͤrger oder Bauren/ das Pfarrhauß insgesamt bey gutem Stand zu erhalten und zu verbessern/ rechtlich ver- pflichtet. C. quoniam X. de jure Patron. C. cum Apostolica, de his, quæ fiunt à Prælatis Eccles. §. 3. Solcher Kirchen Baufaͤlligkeit Erkaͤntniß aber gehoͤret so Kirchen Bau- faͤlligkeit Er- kaͤntniß we m gebuͤhret. wohl dem Bischoff als Landesherrn/ ja auch Patrono zu/ wofern er sein Recht unverletzt behalten will. Eine neue Gebaͤus-Form soll man nicht leicht zu machen gestatten/ ohne den Bischoff desfalls B b 2 erst II. Buch/ Cap. VI. erst zu verwarnen; wann nun Patroni sich der wuͤsten Bauer-Guͤter auff ein mehrers/ als ihre darauff gesuchte Pacht-Dienste austragen/ annehmen und geniessen thaͤten/ so muͤssen sie auch deßfalls denen an- dern Dorffs Bauren bey Pfarr-Hauses und Kirchen Wiedererbau- ung/ nach Antheils Vermoͤgen/ zu Huͤlffe kommen/ damit solchen Baus Auffrichtung desto mehr und besser moͤge befoͤrdert und be- schleuniget werden. C. 29. X. hoc tit. arg. c. cum in cunctis §. fin. X. de Elect. Collator en uñ Raͤthe Pflicht auch Gemeinẽ Zulage. §. 4. Es sollen die Collatores auch Raͤthe in Staͤdten und Fle- cken/ mit der Gemeine Huͤlffe und Zulage/ die Pfarren und Capella- n eyen/ dafern in Gemeinen Kasten so viel nicht vorhanden/ bauen und in baulichen Wuͤrden erhalten; in Doͤrffern aber soll es nach Gewohn- heit also damit gehalten werden/ wann des uͤblichen Gebrauchs Recht solches vermag/ daß ein Pfarrer/ welcher die Pfarre wohl gebauet/ mit allen zugehoͤrigen Gebaͤu und Zaͤunen nothduͤrfftig zugerichtet be- ziehet/ dieselbe auch soll mit Dach/ Fenstern/ Kachel-Ofen/ Thuͤren/ Schloͤssern/ Baͤncken/ und allen andern Eingebaͤuden wesentlich erhal- ten/ darauff dann Schultzen und Gemeine Vorstehere/ wann die jaͤhr- liche Kirchen-Rechnung geschiehet/ fleißig sehen/ und den Pfarrer sei- ner angelobten Pflicht halben verwarnen sollen. Gerichtsherꝛn und gemeinen Bauerschafft Pflicht. §. 5. Es follen auch die Collatores, Schultzen/ Gerichts- auch Dorff-Herren und gantzen Bauerschafft Gemeine/ der Haupt-Pfar- ren und Filial, das Holtz/ Steine/ Kalck/ Leimen/ Rohr/ Stroh/ und andere Nothdurfft/ davon man bauen soll/ saͤmtlich dazu bey- schaffen und zufuͤhren alles/ was zur voͤlligen Ausfertigung des Pfarr- Hauses noͤthig/ und zwar unverlaͤngt/ allezeit vor dem Fruͤhling/ dadurch die Wohnung in guten Stand zu bringen/ Gehege und Zaͤune um Pfarrhauß- Gebuͤu Erhal- tungs Pflicht Recht. die Pfarre und Pfarr-Gaͤrten zu machen/ auch Brunnen zu repari- r en/ wozu die Ackers-Leute und Kothsassen Hand-Arbeit thun/ auch Zimmer- und Bau-Leute Bezahlung abstatten muͤssen/ daß also die Pfarren/ ohne des Pfarres Kosten/ mit allen Gemaͤchern/ Kammern/ Boden/ Thuͤren und Fenstern zugerichtet/ bestacket/ verkleibet und gedecket werden/ wie auch die Eingebaͤu/ als Kachel-Ofen/ Baͤncke und andere Nothdurfft zu machen und zu erhalten; wann nun an Haupt-Gebaͤuen Schaden zu vermuthen/ soll ers anzeigen/ damit die erbauete Pfarre in Esse und unverwuͤstet bleiben moͤge. §. 6. Weilen auch ausser der Pfarr-Wohnung/ Scheuren/ Vieh- und Pferde-Staͤlle noͤthig/ so mag wohl ein Priester/ solche Ge- baͤue Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. baͤue vom Seinigen anzurichten/ Vorschub thun/ welches ihm hernach Bau-Mate- rialien und Ding-Zettul Kosten Recht. wieder zu erstatten/ und damit hierinn wegen des Quanti kein Streit vorfallen moͤge/ soll er alle mahl den Werth derer Materialien/ so er zum Bau erkauffen muß/ so wohl als die mit Arbeits-Leuten auffgerich- tete Ding-Zettul/ von der Kirchen Vorstehern unterschreiben lassen/ deßgleichen was zu seiner Einfuͤhrung drauff gangen/ wird ihm gut gethan. §. 7. Pfarrhaͤuser sollen nahe bey der Kirchen seyn/ deren Vor- Pfarrhaͤuser Vorsorge Ge- buͤhr. sorge zur Kirchen gehoͤret/ mit Zuziehung Patronen Rath und Pfarr- Kinder Bewilligung wegen Bau-Steuer Pflicht/ dazu auch die Neben- Kirchen verbunden/ welche bey sich sonst keine Pfarr-Wohnung ha- ben/ und sollen die Pfarrer deren sich als geliehen und nicht wie eigen gebrauchen/ darum sie dann solche nicht vermiethen/ noch zu Hochzeiten ohne Consistorii Willen verstatten moͤgen/ hingegen sollen sie diesel- ben mit jaͤhrlichem Bau und Besserung/ wie einem fleißigen Hauß- Vater gebuͤhret/ unter Dach und Fach halten/ und diese Haͤuser ge- niessen gleiche Freyheit mit Kirchen; allwo es nemlich die Gewohn- heit mit sich bringt/ daß ein Priester das Pfarrhauß im Stande/ wie ers empfangen/ halten muß/ und er solches an zugehoͤrigen Gebaͤuen Dachs oder andern Stuͤcke halben Schaden nehmen liesse/ soll er oder seine Erben auff dessen Absterben dasselbe allein wieder auffrich- ten und erbauen lassen/ desgleichen soll er mit Garten und Wein- bergen auch Ackerbaus Verpflegung zu thun schuldig gehalten seyn. §. 1. instit. de Usu \& habit. C. 1. X. de Eccles. ædif. Tot. tit. X. de relig. domib. §. 8. Alles/ was dem angehenden Pfarrer bey dem Pfarrhause Pfarrhauses Geraͤthe In- ventarium. gelieffert wird/ es sey gleich vor Alters dazu beym Inventario vorge- funden/ oder nachmahls verordnet/ das soll auch dabey gelassen/ und durch Kirchen- oder Kasten-Vorstehern in Staͤdten und Doͤrffern in eine klare Verzeichniß gebracht werden/ die sie alsdann in fleißiger Verwahrung wohl wahrnehmen sollen/ auff daß solche von denen abziehenden Pfarrern/ oder des Verstorbenen Erben und Freund- schafft nicht verruͤcket oder geringert werde/ sondern die neuen Pfarrer im Anzug und Anrichtung ihrer Haußhaltung also vollkoͤmmlich fin- den moͤgen. Dafern aber deren Kirchen-Vaͤter und Vorsteher Unfleis- ses halben hierinn etwas versaͤumet oder hinweg kommen waͤre/ sollen sie dessen Mangel zu erfuͤllen und zu erstatten iederzeit schuldig gehalten seyn/ weilen sie deßfalls alle Unordnung durch ihre Auffsicht gebuͤhrend haͤtten verhuͤten koͤnnen. B b 3 §. 9. Wei- II. Buch/ Cap. VI. Visitator en/ Consistorial- Bedienten uñ Patron en Pflicht wegen Inventari en. §. 9. Weilen nun noͤthig/ daß Kirchen und Pfarren mit Inven- tari en versehen/ damit nicht denen neu anziehenden armen Pfarrern fast schwer nnd unmuͤglich ohne Auffnehmen sich zu erhalten/ dero- wegen sollen die Visitatores und Consistorial- Bediente mit der Pa- tronen Rath und Gutduͤncken bey einer jeden Pfarre/ nach ihres Ein- kommens Gelegenheit/ woselbst nicht allbereit eins vorhanden/ ein Verzeichniß zu machen und zu ordnen/ sich nicht saͤumig finden lassen/ der Kirchen Bestes zu beobachten/ wobey zu wissen/ daß zu genossenen Fruͤchten gehoͤret Stroh- und Viehes Fuͤtterung/ Mist-Bereitung/ Duͤngen/ Saamen/ welches denen Erben zufaͤllt/ jedoch daß die Pfar- re nicht gar veroͤdet und ausgeschoͤpffet werde/ damit der neue Prie- ster hernachmahlen gar nichts finde/ darinn ihm doch naͤhern Kauffs Recht gebuͤhret. Kirchen Ein- nahm Ver- mehrungs Recht. §. 10. Derowegen nun/ der Kirchen Einnahme zu vermehren/ sollen Prediger ihre Zuhoͤrer von der Cantzel vermahnen/ daß sie bey Sterb-Faͤllen der Kirchen Vermaͤchtniß eingedenck seyn moͤchten/ da- mit ihre Diener zu leben haben koͤnnen/ und ist also gottloß solche Ge- faͤlle zu mindern/ gleichwie in Mitgiffts Sachen; wann dann je- mand aus Christlichem Hertzen und Gemuͤthe etwas denen Kirchen zu gottseligen Ursachen vermachen wuͤrde/ sollen so wohl die Obrigkeit als andere verordnete Testaments Vollenzieher/ jedoch nach vorher abgezogenen Schulden/ daruͤber halten/ wann nemlich der Vermaͤcht- niß Siegel/ Band und Schrifft nach seinem Abschiede unverletzt ge- funden/ und so eigentlich solchen letzten Willens Meynung umstaͤndlich beschlossen/ alsdann waͤre sie nicht unkraͤfftig. L. 2. \& 4. ff. de pact. dotal. L. 2. ff. de jure dot. Tit. X. ut Eccles. benef. sine dimin. arg. L. 11. §. 1. ff. de Leg. 3. C. relatum, X. de testam. L. 44. \& 55. ff. de con- dit. \& demonstrat. Letzten Willen Vermaͤchtniß Recht. §. 11. Ja darum/ wann einer aus menschlicher Froͤmmigkeits Freyheit zu GOttes Ehre/ der Kirchen und Armen Nutzen/ seinen letzten Willen mit eigener Hand geschrieben und unterschrieben/ dar- inn er sein meistes Vermoͤgen zu gottseligen Ursachen vermachet/ das- jenige aber/ was nach solchem Abzug uͤbrig bleibet/ dem rechtmaͤßigen Erben zugetheilet/ wofern er alles/ was in der Disposition enthalten/ leisten wird/ solches errichtete Testament und Verlassenschafft ist zu Recht bestaͤndig/ ob schon der Augenschein dessen nicht erfolgte Vollen- ziehung deutlich ausweiset/ indem der Testator seines jedoch dabey nicht befindlichen beygedruͤckten Pittschiers gedencket/ auch von kei- nem darinn erwehnten Zeugen unterzeichnet noch bekraͤfftiget worden; wann Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. wann auch einem Bischoff/ Probst oder Priester/ etwas von einem Bischoff/ Probst und Priester Ver- maͤchtniß Recht. Frembdling/ nicht ihm Anverwandten/ vermacht ist/ wird dessen Nach- folger und Kirche verstanden. L. 15. C. de testam. milit. L. 21. C. de testam. c. 83. de R. J. in 6. Nov. 107. c. 1. arg. L. 27. C. de inoffic. testam. L. 8. §. 14. ff. Eod. L. 38. ff. de fidei commiss. libert. L. 20. §. 1. ff. de ann. leg. L. 56. ff. de legat. 2. L. 16. ff. de usufr. Leg. §. 12. So mag nun ein Vermaͤchtniß in folgenden Worten be- Testaments Jnhalt. stehen: Dieses ist meine ernste freye und wohlbedachte Meynung/ Be- lieben und Willen/ wie ich ihn hieselbst verzeichnet/ und welchen ich in allen Stuͤcken mit bester Form/ als es zu Recht an kraͤfft- und bestaͤn- digsten geschehen kan/ ungeachtet es ihm an einiger uͤblich nothwendi- Testatoris Clausuln und Puncten So- lennit aͤt zu ob- servir en. gen Solennit aͤt ermangeln solte/ rund aus gantz und vollkommen nach allen Punct- und Clausuln auff meinen erfolgten Todes- und Abschieds-Fall/ ohne das geringste Deuten veraͤndern/ kluͤgeln/ Wie- derrede und Einspruch will gehalten haben. Verflucht sey/ wer diesen meinen letzten Willen nach meinem Tode hindert/ aͤndert/ Streit- und zweiffelhafftig macht/ und so derselbe unter denen/ welche diese meine Todes halben gethane Verehrung zu geniessen haben/ mit be- grieffen waͤre/ soll er deßwegen/ daß er meinem klaren Willen nicht gehorsamlich nachleben/ noch sich gefallen lassen will/ gantz und gar immer und allemahl davon ausgeschlossen seyn; wobey Jahr und Tag ausdruͤcklich zu melden. L. 75. ff. de Legat. 3. L. 44. in fin. ff. de man. testam. L. 3. \& 8. C. de instit. \& substit. L. fin. C. de Donat. quæ sub mod. L. 2. ff. Mandat. arg. L. 12. ff. de reb. dub. L. 17. C. de testam. L. 65 ff. de V. O. L. 33. ff. de hæred. instit. L. 19. ff. de Le- gat. 1. L. 34. §. fin. ff. de Solut. L. 77. §. ult. ff. de Leg. 3. L. 21. princ. ff. Eod. L. 22. C. de fideicomm. §. 13. Kirchen und Gemeinde Vorstehern Untreu zu begegnen/ Kirchen und Gemeine Gel- der Recht. wann ihnen Gelder zu gemeinem Nutzen anvertrauet sind/ sollen sie jaͤhrlich Amts wegen vom Uberschuß/ und was sie angewandt haben/ richtige Einnahm und Ausgabe Rechnung thun; wofern sie nun et- was zu Schaden kommen lassen/ sollen sie dasselbe zwey oder dreyfach ersetzen/ auch ihnen nichts zur Entschuldigung dienen/ vielmehr wann die Umstaͤnde Dieberey oder Falschheit vergroͤssern/ so mag ihnen auch die Straffe vermehret werden/ massen solche Kirchen und ge- meine Gelder zum bestimmten Gebrauch redlich anzuwenden. Tit. ad L. Jul. de Residuis. L. 9. §. Labeo, L. 2. \& 4. §. sed \&; L. Excellentia, C. de Letztẽ Willens Vermaͤchtniß Recht zu Kir- chen und gott- selgẽUraachen. erogat. milit. annon. §. 14. Sonsten ist letzten Willen Vermaͤchtniß biß zum Tode ver- aͤnderlich/ soll auch allerdings kein Betrug dabey vorgehen/ solchen nach II. Buch/ Cap. VI. nach eines andern Meynung einzurichten. So kan und mag gleichfalls einer frembden Sache Vermaͤchtniß nicht guͤltig bestehen/ der Erbe muͤste sie dann kauffen/ oder deren Schaͤtzung bezahlen; wann aber der Verstorbene nicht gewust/ daß es frembdes Gut gewesen/ welches zu vermuthen/ so bedarff man den geschaͤtzten Werth nicht entgelten/ es sey dann zur Kirchen oder gottseligen Ursachen vermacht/ dahin er Kirche hat ei- serne Haͤnde. ohne dem haͤtte gedencken muͤssen/ und hat die Kirche ewig waͤhrende eiserne Haͤnde/ daraus nimmer etwas wieder zu bekommen. L. 4. ff. de adim. \& transfer. leg. L. fin. C. fi quis aliq. test. prohib. L. 68. ff. de hæ- red. instit. L. 14. §. 2. ff. de Legat. L. 13. C. de SS. Eccles. Vermaͤchtniß Recht zu gott- seligen Ursa- chen. §. 15. Was nun zu gottseligen Ursachen vermacht wird/ soll fuͤr dem Pfarrer und zween oder dreyen Zeugen geschehen/ und wann et- wa nur ein Zettul vorkommt/ muͤssen sie bezeugen/ daß sie gegenwaͤr- tig in der That gesehen haben/ wie solcher vom Verstorbenen eigen- haͤndig verfasset und geschrieben/ wann alsdann eine gottselige Ursach auffhoͤret/ wird es zur andern angewandt/ und mag man zur Kirchen oder gottseligen Ursachen alle seine Guͤter vermachen/ ja solche Gabe Pfarrer wann etwas aus Te- stament erlan- gen moͤgen. bedarff keine schrifftliche Insinuation oder gerichtliche Bestaͤrckung/ ein Pfarrer aber kan nichts aus Testament erlangen/ es sey denn bey fuͤnff Zeugen hinterlassen/ und Erben ohne Testament muͤssen schad- loß gehalten seyn/ auch bey gottseligem Vermaͤchtniß. C. cum esses X. de Testam. arg. c. ex tenore, X. de for. compet. C. nuper X. de d onat. inter vir. \& uxor. L. 21. C. de SS. Eccles. L. 24. princ. C. Eod. L. 27. ff. si cert. pet. Kirchen Guts Kaͤuffer Recht. §. 16. Wann eine Kirche Geld ausgeliehen bekommen/ so muß derselben Glaͤubiger beweisen/ daß es zur Kirchen Nutzen angewandt/ welches ein Kirchen-Guts Kaͤuffer gleichfalls thun soll/ und kan die Kirchen-Guts Verpfaͤndung Recht. Kirche nicht geschehenen Zahlung Auszug sich stets bedienen/ so laͤst sich auch Kirchen-Gut nicht hart verpfaͤnden/ jedoch unbewegli- ches mag wohl einem Glaͤubiger zum Unterpfands Gebrauch ausge- than werden/ also aber/ daß die Frucht-Nutzung erst auff Capital/ hernach zur Renthe als drey fuͤrs Hundert angeschlagen werde/ wo- fern Creditor solches weigert/ soll es mit derer meisten Geistlichen Willen durch schrifftliche Gerichts-Haͤndel zwantzig Tage lang oͤffent- lich ausgeboten/ und dem meist-biethenden verkaufft werden/ den Glaͤubiger fuͤr allen Dingen damit zu befriedigen/ und Kaͤuffer zu ver- Kirchen-Guts Schaͤtzung uñ Glaͤubigers Pflicht. sichern/ allwo aber kein Kaͤuffer zu finden/ soll die Sache genau ge- schaͤtzet/ und der zehende Theil uͤber die Schaͤtzung zugelegt/ dem Glaͤu- biger an Bezahlung gegeben werden/ wobey ihm dennoch keine Wahl Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. Wahl zu lassen/ sondern muß er nach Billigkeit eine ziemliche Sa- che annehmen. C. 1. \& 5. X. de reb. Eccles. non alien. Auth. hoc jus porrectum, C. de SS. Eccles. Nov. 120. c. 6. Nov. 123. c. 6. §. 17. So viel nun Capitalia belangt/ soll hier wieder keine Ver- Kirchen Zinß und Capital Recht. jaͤhrung/ wegen der bey waͤhrenden Kriegs- oder Pest-Zeiten unter- lassenen Anforderung der Zinsen oder Capitals weder angezogen wer- den noch wuͤrcklich gelten/ wie denn Geistlichen Rechts Freyheit Kirchen Sa- chen Verjaͤh- rungs Rechts. nimmer verjaͤhren kan/ sonst aber gilt bey der Kirchen in beweglichen Sachen dreyjaͤhriges Verjaͤhrungs Erwerb- und Verlust Recht/ auch unbeweglichen Guts Recht verjaͤhret binnen 40/ bey Roͤmischen Kirchen aber hundert Jahren; wann auch geistliche Mund-Guͤter aus wuͤsten Bauer-Huffen vor 70. biß 80. Jahren angerichtet waͤ- ren/ so haͤngen dennoch solche Buͤrden/ als Zehenden und Schatzun- gen/ denen Grundstuͤcken nicht dero Gestalt an/ daß sie zur Kirchen ver- setzet/ so gar eingewurtzelt/ keines Weges/ sondern unlaͤugbar im Ge- gentheil nicht zu bezahlen verjahret werden koͤnnen. L. 2. C. de annal. Except. c. 32. X. de Decim. Auth. quis act. C. de SS. Eccles. c. 13. \& 14. X. de præscript. c. nuper 34. X. de decim. c. 7. X. de præscript. §. 18. Zehenden vom Grund-Gut werden der Kirchen bezahlet/ da- Grund-Guͤter Zehenden Recht. bey es gelegen ist/ persoͤnliche aber/ allwo sie die heil. Sacramente gebrauchen/ wie denn ein ander Pfarrer etliche Zehenden mit 40. jaͤh- riger Verjaͤhrung wohl erwerben kan/ als Jagt/ Fischerey und Vieh- Zehenden; welcher Pfarrer auch zu der Zeit/ da der Fleisch-Zehende ge- Jagt/ Fisch e- rey/ Vieh und Frucht Zehen- den. geben wird/ Pfarrer ist/ der soll denselben allein haben und behalten; ja wer alle die Fruͤchte genossen/ und vermoͤgende Erben nachgelassen/ bezahlet billiger die Zehenden als der neue Besitzer/ wann sie aber schwer zu bekommen/ bezahlet dieser/ weilen das Verpfaͤndungs Recht von dem Vorweser auff ihn gefolget; hierzu gehoͤren auch alle der Kir- Kauff-Waren Opffer Recht. chen und Priestern willig gethane Opffer von Kauff-Waaren; Son- sten werden Grund-Zehenden von Rechts wegen ohne Unterschied ent- richtet/ und zwar von Fuͤrsten/ Kirchen/ Geistlichen/ Muͤnchen/ ade- lichen Lehn-Guͤtern/ auch Juden/ welche Guͤter-nicht aber Personen- Zehenden geben muͤssen. C. 10. \& 20. X. c. 18. Eod. Decim. c. 1. de præscript. c. 57. caus. 16. q. 1. c. 8. \& 16. X. h. tit. c. 67. caus. 16. q. 1. c. cum inter, X. de V. S. L. fin. C. de domest. \& protect. Gen. XIV, 20. Gen. XXVIII, 22. L. 50. in fin. ff. de Legat. 1. c. 6. X. de præscript. arg. L. un. ff. de condict. ex lege. L. 2. \& 3. C. sine cens. \& reliquis. C c §. 19. Allwo II. Buch/ Cap. VI. Frucht-Ge- waͤchs Zehen- den Recht. §. 19. Allwo nun es gebraͤuchlich/ gibt man Zehenden von allerley Fruͤchten/ als Flachs/ Hanff/ Weitzen/ Rocken/ Gersten/ Habern/ Erbsen/ Linsen/ Bohnen/ Halm- und allen Huͤlsen-Fruͤchten/ als Hirsen/ Buchweitzen und dergleichen/ so nach Unterscheid erhoben und gereichet wird/ genannt groß oder klein Zehenden/ wie von Gar- ten und Baum-Gewaͤchs/ als Kohl-Kraͤutern/ Ruͤben/ Obst/ Wein/ Oehl/ Nuͤssen/ Mandeln/ Castanien/ Oliven/ Maulbeer-Blaͤtter/ Zu- cker/ Bienen und Honig-Fruͤchten/ Milch/ Wolle/ und entwoͤhne- ten Vieh-Kopffs/ so der Mutter nicht bedarff/ Jtem Blut oder leben- Holtz Zehen- den Recht wor- inn bestehen mag. diger Zehenden/ als Caninichen/ Spanferckeln/ junge Kuͤchlein von Huͤner/ Tauben/ Gaͤnse/ Enten und ander Feder-Vieh/ auch Vo- gel-Weyde/ desgleichen Holtz/ Heu und Stroh-Gewaͤchs; so pfleget man anderswo Holtz unter Stadt oder Dorffs Einwohnern zu thei- len/ davon die Priester ihren zehenden Theil bekommen/ oder es wird ihnen eine gewisse Anzahl Fuder Holtz zur ewigen Bestallung vermacht/ anderswo haben sie einigen Wald-Gehoͤltzes Abnutzungs- Frucht Genuß-Recht nach Nothdurfft zu hauen/ nichts aber zu verkauffen. Zehenden Recht fuͤr Zinß uñ Schatzung. §. 20. Zehenden Recht gebuͤhret denen Geistlichen also nach goͤtt- und menschlichen Gesetzen/ und haben darinnen weltliche Herren nichts zu verordnen/ ja Zehenden gehen fuͤr Zinß und Schatzungen/ auch soll man sie bezahlen ohne aller auch Bau-Unkosten Abzug/ je- doch in persoͤnlichen Dingen moͤgen hochnoͤthige Unkosten abgekuͤrtzet seyn/ und zwar entrichtet solche der Eigener oder Meyer und Zinß- mann von dem allen/ das sie geniessen/ ja die Grund-Herrn kan man Muͤhlen und Fisch-Teiche Zehenden. zwingen/ das Erd-Gut folchen zu vertrauen/ so die Zehenden bezahlen koͤnnen; desgleichen mag man von Muͤhlen und Fisch-Teichen auch wohl billig Zehenden fordern/ und wann man nicht weiß/ wo sie ent- stehen/ ist Vermuthung fuͤr das Kirch-Spiel oder die Pfarre. C. 1. 17. 25. 31. \& 33. X. de decim. \& prim. c. 21. 22. 24. 26. 28. X. de Decim. c. 3. 4. 8. 9. 11. 27. \& 29. X. Eod c. 15. \& ult. X. de Decim. Zehen den wer geben muß. §. 21. So muͤssen nun Zehenden auch wohl Muͤnche und Geist- liche geben/ wofern sie mit keinen Vorrechten begabet/ welche den- noch genau zu verstehen/ also daß ein Geding und Vereinigung we- gen Zehenden durch eine Freyheit ins kuͤnfftige nicht mag auffgeho- ben werden/ und daß man sie von gemietheten liegenden Guͤtern geben muß/ ja ein Vorrecht uͤber Zehenden von Arbeit erstreckt sich nicht auff Erd-Gut/ das einem andern zu bauen uͤbergeben/ sondern ver- faͤllt Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. faͤllt selbsten/ so bald es anfaͤngt schaͤdlich zu seyn/ jedoch so begreifft es neuen Bruchs Aecker in sich/ welche sonsten unter Zehenden Verjaͤh- Zehende Recht wie zu min- dern und meh- ren. rung nicht mit enthalten sind/ weilen das Zehende Recht allgemein ist/ sich mehren uñ mindern laͤßt/ also mag es billig/ gleichwie es durch Acker- Bau Versaͤumniß geringer/ einem Pfarrer solchen Schadens hal- ben durch neuen Bruchs Wachsthum wieder ergaͤntzet werden. C. 16. X. de Decim. C. 8. de relig. domib. C. quid per novale, X. de V. S. L. 1. §. si quis, ff. de itin. \& act. priv. c. 17. \& 19. X. de decim. §. 22. So viel Neu-Bruch oder ausgeraͤuteten Acker Zehenden Neuẽ Bruchs Zehenden Recht. belanget/ soll in denen Doͤrffern/ da die Pfarrer ihres Amts abwar- ten/ ihnen in Entstehung ihres Meß-Korns Zehenden und Paͤchte/ so viel Aecker/ als zu deren ordentlichen Einkuͤnfften Erfuͤllung von noͤ- then/ eine Zeit lang/ biß die Hoͤfe hinwiederum bestaͤndig befetzt/ ange- wiesen seyn/ und wegen der gantz wuͤste stehenden Doͤrffern/ da sie ihr Amt/ jedoch ohne Schuld und Versaͤumniß/ nicht bestellen/ also ihnen nichts hiervon beyzumessen/ allda soll man ihnen/ aus Billigkeit etwas an Statt ihres Abgangs ausfallenden Soldes/ einzuwilligen sich nicht weigern; die Anweisung aber soll von der Obrigkeit/ wel- cher sonst dieser Steuer-Zinß Zehenden angehoͤrig/ geschehen/ und Obrigkeiten Pflicht wegen Zehenden An- weisung. moͤgen die Pfarrer sich keines Neu-Bruchs oder wuͤsten noch an- dern Landes/ nach ihren Lohns-Mangel Proportion, ohne ge- richtlichen Macht Ansehen/ anmassen; bey Menschen Gedencken uner- sinnliche Verjaͤhrung aber gereichet zur Freyheit/ und worinn die geist- lichen Zehenden frey erkannt/ ist zu verstehen auff derer geist- nicht aber weltlichen Erb- oder Erwerb-Guͤtern/ welches auch frembde Kir- chen Grund-Guͤter angehet. C. 21. de V. S. L. 30. §. 1. ff. Eod. Tot. tit. C. de omni agro deserto. C. super quibus- dam, §. præterea de V. S. c. 2. X. de Decim. §. 23. Ob auch jemand ein gantzes Dorff mit allem Zugehoͤr ge- Gemietheten Dorffs Recht wegen dessen Beschwerden. miethet/ und sich dennoch zu keinen darauff hafftenden Beschwerden verbuͤndlich gemacht/ sondern ausdruͤcklich vorbehalten haͤtte/ ausser- halb Miethe niemanden etwas zu entrichten/ dahero denn weder Pfar- rer noch Kuͤster gegen ihn Mahnung anstellen oder Anspruch nehmen koͤnten/ vielmehr dieselbe beym Herrn Vermiether/ der sich das Kir- chen-Lehn zum Voraus bedungen/ verbleiben muͤsten meynet/ so ist jedoch der Mieths-Mann dem Priester und Kuͤster das ihrige wegen Grund-Guts rechtlich gegruͤndete nach erwogenem Vergleich abzu- tragen/ dem Vermiether aber von Ponsion- Geld abzuziehen gehal- ten und befugt. C c 2 §. 24. Kir- II. Buch/ Cap. VI. Kiꝛchen Zehen- den Verpach- tungs Recht. §. 24. Kirchen-Zehenden kan man wohl verpachten/ ist auch nicht verboten solche zu verheuren/ aber nicht auff lange Zeit/ sondern nur auff 3. Jahr/ und zwar mit Bischoffs Bewilligung/ es sey denn da- bey bedungen/ die Zinß-Heure zu vermehren/ oder die Mieths-Leute muͤssen umwechseln und sich veraͤndern/ damit wegen Erb-Zinß-Gut- Recht kein Streit entstehen moͤge/ es koͤnnen aber Zehenden nicht wohl verpfaͤndet werden. Extravagans, ambitiose. de rebus Eccles. non alien. Clem. 1. Eod. C. 15. \& ult. X. de Decim. L. 24. princ. C. de SS. Eccles. Gabe und Ge- schenck Zehen- den Recht. §. 25. Wer aus weltlichen Personen Geschenck alte Zehenden erhebet/ kan nicht die an selbigem Ort neu entstandene geniessen; Ze- henden baren Geldes sollen in gangbahrer Muͤntze geliefert und ab- getragen werden; wann auch von Regali en/ Peinlichkeiten/ oder buͤrgerlichen Gerichts-Hegungen Zehenden fallen muͤssen/ so mag Regali en Ze- henden Recht. man erst gemaͤßigte Besoldung abkuͤrtzen; jedoch Gold/ Silber/ Ertz/ Kupffer/ Zinn/ Sallpeter/ Gips/ Stein-Kohlen und dergleichen/ ge- hoͤret allein ohne Zehenden Pflicht der Landes-Herrschafft zu/ als un- ter die Ober- Regali en allezeit mit gerechnet. C. 2. §. nec pro eo, de Decim. in 6. c. 2. de decim. in Clem. c. un. §. fiet, Extravag. Comm. de decim. C. un. §. de iis, Extrav. Eod. c. 27. X. de decim. Frucht-Zehen- den Gerechtig- keit. §. 26. Frucht-Zehenden sollen geschehen auff Aeckern/ und wer- den bezahlet in Garben/ worinn dem Bauren nicht die Wahl zu ge- ben/ auff welchem Acker er die Zahlung anstellen wolle/ sondern es ste- het dieses dem Pfarrer frey/ der herbey zu ruffen/ ehe dann etwas vom Lande gefuͤhret; wann aber die Korn-Fruͤchte ausgedroschen und geschlagen/ werden sie nicht in gehaͤufftem/ sondern gestriechenem Scheffel bezahlet/ irgendwo in Schultzen und Schoͤpffen Beyseyn/ Scheffel-Maß Recht mit Ze- henden. Betrug zu entheben und Streit zu meiden/ auch zum Kirchen oder Pfarrhauß auff Zehenden Gebers Unkosten solche hinzufuͤhren/ es sey denn jemand durch undenckliche Verjaͤhrung auff allerley Fruͤch- te mit Gewohnheits Abgang befreyet/ oder die Saat durch Krieg ver- dorben. Pfarꝛeꝛ Pflicht und Recht Ze- henden einzu- nehmen. §. 27. Vermoͤge Zehenden Recht/ wie solches jedern Orts braͤuch- lich/ kan deren Einnehmer dem Eigener verbiethen/ so sollen auch die- jenigen/ welche dem Pfarrern den Korn-Zehenden zu geben schuldig seyn/ nichts an Korn oder Getraͤide Fruͤchten/ von Hufen oder Ae- ckern zu samlen/ und ohne sein Wissen/ biß der Zehende entrichtet/ ein- zufuͤhren gehalten seyn/ sie haben denn ihnen vorhero nach Gewohn- heit/ Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. heit/ den Zehenden oder dreyßigste Mandel/ umzuzehlen angeboten/ darauff auch kein Pfarrherr verziehen/ sondern alsbald dazu bereit seyn soll/ und mag er nach Belieben an Ort und Ende des Stuͤcks/ da- selbst der Zehende gefallen/ anfangen zu zehlen/ welcher ihm unverwei- gerlich folgen muß/ kau auch nicht ohne eigene Bewilligung deßhalben auff ein sonderlich Stuͤck/ da vielleicht das Korn nicht so gut ist/ hin- gewiesen werden/ dahero ein neuer Guts-Besitzer solche noch unbe- zahlte Zehenden zu lieffern schuldig/ und mag er hernach seinen Scha- den beschehener Zahlung halber von seinem Urheber wieder begehren und erhohlen. C. 22. X. de decim. c. Decimæ, Caus. 16. q. 1. C. fin. X. de consvet. L. 4. C. de præ- script. 30. ann. L. 3. de divers. temp. præscript. L. un. ff. de condict. ex lege. c. 8. X. de decim. \& primit. L. 41. ff. de act. Eod. §. 28. Allen Geistlichen Mund oder privilegirt en adelichen Lehn- Geistl. Mund- oder privile- girt en Adel. Guͤter Recht. Guͤtern mag man zwar keine solche deren jaͤhrlichen Zehenden Dienstbarkeit auffbuͤrden und zu derselben Abfuͤhrung die Nachfol- gere verpflichten/ auch kan ein Bischoff ohne Convents Schluß hierinn niemand nachtheilig seyn/ wohl aber kan man sothane Zehenden auff einen/ so unterm Stifft gehoͤrig/ versetzen/ und zur gewissen Stiffts- Zehenden Ver- setzung zum Pfarrer Unter- halt. Kirchen verlegen/ einem Pfarrer daraus Unterhalt zu verschaffen/ wann nun ein Pfarrer eine Zeit lang unstreitig im Besitz gewesen/ soll er billig weiter zu solches Zehenden Erhebung mit Recht zugelassen werden. C. 10. X. de decim. c. 4. X. de donat. §. 29. Vom Zehenden sind ausgenommen alle Hospitals-Glie- Zehenden wer befreyet. der/ item Muͤnche/ von neuen mit Haͤnden oder auff eigenen Ko- sten zum Bau gebrachten Garten/ oder von neuen Bruchs ausge- bautem Acker/ dessen Gedaͤchtniß erloschen und dennoch Erdreich zu nennen/ ob schon es etliche Jahr lang geruhet/ und hernach ein aus- gehauner Wald/ der zu Land und Wiesen Viehes Nahrung halben gemacht; desgleichen weltliche Leute/ so mit undenckbaren Zeiten Verjaͤhrung versehen/ Aussaͤtzige und hoͤchst Nothduͤrfftige/ biß sie sich verbessern/ Jtem/ die wegen Krieg/ Hitze oder Kaͤlte Mißwachs em- pfunden/ oder sich daruͤber verglichen; also Fuͤrsten von Gold/ Silber und Ertz-Gruben. C. quid per novale, X. de V. S. L. 30. §. 2. ff. Eod. L. 3. §. ult. de term. mot. C. 2. \& 31. de decim. in 6. c. fin. Ext. de rer. permut. c. 5. \& 10. cum seq. X. de decim. L. 3. §. 17. de acquir. vel amitt. C. 8. X. de transact. C. 1. de præscript. in 6. C c 3 §. 30. Kirchen II. Buch/ Cap. VI. Kirchen- Schuldner Recht. §. 30. Kirchen-Schuldner wird aus allen Haͤndeln nach minder- jaͤhrigen Beyspiel wegen Zahlung Versaͤumniß/ ohne einiges Men- schen oder Tags Ansprach Verzugs halben/ schaͤdlich gehalten/ weilen die beleidigte Kirche allerdings Muͤndlingen Recht hat/ auch darff keine Kirche Zoll und Accise bezahlen/ und kan nichts ihr beschwerli- Fund-Zettul Wohlthat. ches erwerben/ ja ohne Fund-Zettuls rechtliche Wohlthat mag sie wegen Erbschafft Antretung uͤber deren Vermoͤgen nicht gehalten wer- den/ so steht ihr auch frey/ einen mangelhafften Contract zu halten oder nicht. C. 1. X. de in integr. reft. Arg. L. 22. C. de SS. Eccles. L. 3. in quibus caus. rest. in in- tegr. Arg. L. Respublica, C. quib. ex caus. maj. c. 3. X. de Restit. Arg. L. 32. pr. \& L. 46. §. 4. C. de Episc. \& Cler. Auth. sicut alienatio, C. Eod. Arg. L. 8. §. 6 ff. de transact. L. 13 §. 27. \& 28. ff. de transact. Emt. c. 14. X. de fid. in- strum. Kirchen Ein- kuͤnffte Schul- den vorzuzie- hen. §. 31. So sollen der Kirchen Einkuͤnffte/ die aus alten Vermaͤcht- niß und Stifftungen herruͤhren/ und auff den Haͤusern oder andern liegenden Gruͤnden hafften/ als wuͤrckliche Guͤter Beschwerden/ allen andern weniger befreyeten Schulden vorgezogen werden. Jn uͤbri- gen Posten/ so Handschrifft Schulden sind/ und aus geliehenem Gut herruͤhren/ koͤnnen zwar die Kirchen keines Vorzug-Rechts sich an- massen/ sondern muͤssen mit andern gleichen Rechts Glaͤubigern zur Theilung gehen/ dafern aber ein Patronus die Schuld gemacht/ soll denen Kirchen nicht weniger in dessen Guͤtern als Muͤndlingen in Vor- muͤnder und gemeinen Wesen in Verwalters Guͤtern/ und zwar von der Zeit/ da solcher Schuldner der Kirchen Patron geworden/ Vorzugs Freyheit zustehen. Patron en Pfarrhauses Veraͤusserung verboten. §. 32. Wann ein Patron ohne grosse Noth und Nutzbarkeit das Pfarrhauß veraͤussert/ kan und soll ers wiederruffen/ es waͤre denn so gar alt und baufaͤllig/ daß es der Kirchen beschwerlich wieder auffzu- richten/ so gehoͤret nun zu solcher Veraͤusserung des Capituls, Bischoffs und Patroni gesamte schrifftliche Bewilligung/ also verhaͤlt sichs mit Kirchen-Ein- kuͤnffte Recto- ri zu uͤberlas- sen. der Kirchen liegenden Grund-Guͤtern/ und soll kein Patron der Kirchen Einkuͤnffte verringern/ noch sich selbst zueignen/ sondern sie vollstaͤn- dig erhalten und dem Rectori uͤberlassen/ auch dem Bischoff/ so fern er noch etwas wegen der vorgeschlagenen Person weiß/ anzeigen. Arg. c. 6. X. de rebus Eccles. non alien. c. 20. c. 12. q. 2. arg. L. fin. C. de bon. civ. vend. L Legatum civitati, ff. de Usufr. legat. C. messana, C. Sacrosancta Geistl. Guͤter Veraͤusserung wann zugelas- sen. de Elect. C. nobis, de jure Patron. C. per nostras Eod. tit. §. 33. Geistlicher Guͤter Veraͤusserung wird zugelassen wegen Schulden Beschwerung/ wann solche aus deren Abnutzung nicht ver- gnuͤget Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. gnuͤget werden/ gleichwie aus dergleichen Ursachen Minderjaͤhrigen Guͤter unter Vormundschafft koͤnnen veraͤndert werden/ oder wann es eine gar wenig nutzbare Sache waͤre/ dadurch eine viel nuͤtzlichere und mehr fruchtbare zu gewinnen; oder daß es ein beweglich Gut/ welches man schwer zu erhalten vermag. Ja/ so offt es der Kirchen Nutz und Nothdurfft erfordert/ so moͤgen auch der Kirchen heil. Ge- faͤsse/ andere Sachen und Zehenden/ ja bißweilen gar eine gantze Kir- che veraͤndert werden/ wann nemlich die Gelder zum Unterhalt der Armen/ vielleicht in grosser Theurung und Hungers-Noth/ oder wo- fern es noͤthig Gefangene zu erloͤsen/ noch solch Geld anders woher zu bekom̃en/ dann wann Armen/ gefangenen und elenden Leuten zu Ge- fallen der Kirchen Guͤter moͤgen ausgespendet werden/ warum solten nicht auch/ solcher Elend zu vermeiden/ gantze Kirchen angewendet und verzehret seyn duͤrffen. Auth. hoc jus L. 1. de rebus eorum, qui sub tutel. C. ut super, de rebus Eccles. non alien. Can. fugitiv. 12. q. 2. L. Lex quæ, C. de administr. tut. Can. 2. Caus. 10. q. 2. C. sine Except. 12. q. 2. C. dudum, de rebus Eccles. non alien. in 6. L. Sancimus, \& Auth. seq. C. de SS. Eccles. C. pastoralis, de donat. tot. tit. de his quæ fiunt à prælat. Clem. si una, de rebus Eccles. non alien. C. aurum, C. sacrorum, 12. q. 2. §. 34. Kirchen-Stuͤhle sind entweder Amts-Stuͤhle/ so keiner Kirchen-Stuͤ- le Gerechtig- keit. Veraͤnderung unterworffen/ oder erblich fuͤr einen gewissen Ehren- Pfennig/ von Vor-Eltern fuͤr sich und die Jhrigen erbauet/ die gegen- waͤrtigen Erben angewiesen werden/ und bey deren Mangel hat die Kirche Macht daruͤber zu verordnen; deßgleichen sind Erb-Stuͤhle/ welche gewissen Haͤusern gegen jaͤhrliche Rente zugeschrieben und ge- machten Beding gemaͤß veraͤndert werden moͤgen/ oder auch gemei- ne jedoch abgesonderte Mann- und Weiber-Stuͤhle/ so der Kirchen eigen sind/ und einem jedern absonderlich fuͤr ein gewiß Geld zu brau- chen uͤberlassen werden/ dahero die Besitzer solche nicht veraͤussern koͤn- nen/ sondern ihr Recht verliehret sich durch den Tod oder Pfarr und Kirch-spiel Veraͤnderung. §. 35. So gehoͤren dann zum unbeweglichen Kirchen-Gut derglei- Kirchen-St uͤ le Recht Er- kaͤntniß wem gehoͤrig. chen Stuͤhle/ deren Erkaͤntniß dem Bischoff/ Gebrauchs Nutzung aber denen zustehet/ die mit der Kirchen deßwegen einen Handel- schluß getroffen/ oder Beding gemacht haben/ dahero sie zwar auff ihre Lebens-Zeit ein Recht dazu bekommen/ welches sie dennoch auff andere Leute nicht versetzen koͤnnen/ weder mit- oder ohne Testaments Vermaͤchtniß zu beerben; nichts destoweniger haben die andern An- und Bluts- II. Buch/ Cap. VI. Bluts-Verwandten innerhalb gewissen monatlichen Zeit-Raum das erster Vorzugs-Recht/ auch mag man wohl einen andern seinen Kir- Kirchẽ-Stuͤh- le Recht zu verkauffen. chen-Stuhl/ ohne Gewinnst-Hoffnung/ auff gewisse Zeit uͤberlassen/ oder auch Lebens lang auff gewisse Art verkauffen und verjaͤhren/ daß also niemand leicht aus seinem Besitz zu verjagen/ ja man soll billig in Kirchen jederman ohn Unterscheid und Person Ansehen/ auch denen Scharffrichtern einen beqvemen Platz/ GOtt zu dienen/ vergoͤnnen. §. 1. instit. de usu \& habit. Jacobi 2. v. 2. \& 3. L. 11. \& 3. §. 4. C. de petit. hæred. Kichenstuͤhle Streit wer schlichten soll. §. 36. Wer sich nun um einen Kirch-Stuhl anmeldet/ den soll der Kasten-Vorsteher zum Superintendent en hinweisen/ welcher seine Vorschlags-Meynung den regierenden Buͤrgermeister wissend laͤßt/ wann alsdann ein Streit um naͤhern Kauff oder Einloͤsung waͤre/ soll man es durch dessen Bescheid vereinbaren/ allwo aber sonst kein er- hebliches Bedencken vorhanden/ soll der Superintendens dem Kasten- Vorsteher einen Zettul schicken/ der das Geld fuͤr den Stuhl empfan- gen und berechnen muß/ sich aber gar keiner Erkaͤntniß oder Ausspruchs darinn anzubiethen oder anzumassen befugt seyn kan. Kirch-Hoͤfe Schutz-Recht und Freyheit. §. 37. Weilen auch die Kirchhoͤfe derer Verstorbenen von Chri- sto selig gemachten Christen/ die am juͤnsten Tage wieder aufferwe- cket werden sollen/ Schlaff-Haͤuser seyn/ so sollen sie allewege rein und zierlich gehalten werden/ welches in Staͤdten dem Rath/ auff Doͤrf- fern aber Schultzen und Gemeinen/ mit Ernst zu versehen/ aufferlegt/ daß sie dieselbigen mit Mauren/ Plancken oder andern guten Zaͤunen/ auch Schrancken und Thuͤren allenthalben wohl und fleißig also ver- wahren/ daß keine Kuͤhe/ Schweine/ oder ander Vieh darauff kom- men kan; so soll man auch nirgends gestatten/ daß daruͤber gefahren oder Mist noch ander Unflath dahin geschuͤttet werde. Gottes-Aeckeꝛ und Graͤber Recht. §. 38. Graͤber auffzurichten und Todten zu begraben/ nemlich auf Kirchhoͤfen und Gottes-Aeckern/ weilen Verstorbene dem Saamen verglichen werden/ dazu auch im Nothfall privat Leute eines Ackers Gebrauch verkauffen muͤssen/ und zwar ausserhalb Stadt/ Dorff oder Flecken/ nach derer Ertz-Vaͤter Exempel/ ist Christ-loͤblich/ je- Schwangeren Frauen Be- graͤbniß/ und begrabenen Leiber Recht. doch soll man keine schwangere todte Frau beerdigen/ ehe dann ihre Geburts-Frucht ausgeschnitten/ damit man nicht eines Lebenden Hoffnung zugleich ausrotte und umbringe/ ja einen einmahl begra- benen Leib auch Verbrechen halber auszuerdigen ist verboten/ er waͤ- re denn Kirchen-Befehl zu wieder zur Erden bestaͤtiget. L. 1. §. 1. vers. interdictum. L. 3. ff. de mort. infer. \& sepulchr. L. 13. C. de liber. caus. Dan. XII, 2. 1. Reg. XVI, 28. 1. Cor. XV, 35. Joh. XII, 24. Gen. XXIX, 20. \& cap. XXXV. Von Kirchen- und Pfarr-Gebaͤuden auch Einkuͤnfften. \& cap. XXXV, 19. Matth. XXVII. Joh. XXIV, 23. L. 3. ff. de sepulchr. viol. Nov. Leon. 53. L. 12. C. de Relig. §. 39. Allwo nun die Leich-Begaͤngniß gehalten wird/ daselbst Leichnam Durchfuhr wie zugestattẽ. pflegen auch die Leichnam begraben zu werden/ es sey denn wegen Re- ligion Unterscheid deren Verstorbenen Durchfuͤhrung zu vergoͤnnen/ so mag sich wohl einer in andern Kirch-Spiel/ jedoch ohne Verach- tung/ sein Begraͤbniß erwehlen/ und soll man Begraͤbniß Ort und Lager-Stelle billig bezahlen. Einen rechtlich beerdigten Leib aber soll Todten Coͤr- per Ruhestatt wann zu ver- stoͤren. niemand verunruhigen/ ausgraben noch versetzen/ wegen der Geister Ehrbiethung/ ja es ist unmenschlich/ die annoch nicht gaͤntzlich ver- moderte Leiber wegen der Leichen Vielheit aus ihrer Ruhestatt zu bewegen und verstoͤren/ wozu des Vorstehers/ Patroni und deren Kirchen-Auffseher Bewilligung gehoͤret/ wann nemlich deren gehaͤuff- Famili en Be- gꝛaͤbniß Recht. ten todten Coͤrper Menge solche noͤthig erheischet/ dannenhero sol- chen Falls einer jeden Familie ein gewisser Begraͤbniß Ort mag an- gewiesen seyn/ so waͤre auch nicht undienlich/ ausserhalb Staͤdt und Doͤrffern einen beqvemen und geraumen Platz zu erwehlen/ daß keine Pest-Seuche zu befuͤrchten. C. 1. 3. 4. 10. X. de sepulchr. L. 7. de reb. \& sumt. fun. L. 8. \& 39. de relig. \& sumt. fun. §. hoc autem, auth. ut def. seu corp. eorum. L. cum sit injustum ff. de sepulch. viol. §. 40. Fuͤr Begraͤbniß Stellen innerhalb Kirchen mag wohl ein Ehren-Pfennig nach Personen Zustand angenommen werden/ welchen zu anderwaͤrtigen Kirchen-Nutzen anzuwenden billig; wer nun Grabschrifften/ Leichensteine/ Fahnen und anderes Zeichen ohne des Verstorbenen Geschlechts Erben Bewilligung wegnimmt/ mag durch Schmaͤh-Klage belanget werden. Arg. L. si statua, ff. de injur. §. 41. Erb und Famili en-Begraͤbniß Recht aber bleibet bestaͤn- dig beym rechten Erben/ wird auch nimmer versetzt durch Vermaͤcht- niß an Frembdlingen/ wohl aber zum Geschlechts Verwandten/ so werden nun dazu billig keine Frembde gelassen/ und denen/ die ins Ge- schlecht gehoͤren/ sind sie nicht verweigert/ ob schon sie keine nechste Er- ben waͤren/ also daß solche Begraͤbniß Gerechtigkeit von einem Ge- schlechts Verwandten zum andern mag vereussert werden/ so kan auch einer in sein Begraͤbniß einen frembden Leichnam annehmen/ wann es keiner gewissen Familie gehoͤrig/ sonst waͤre deren Wille erfordert. L. 5. ff. de Relig. \& sumt. fun. L. 13. C. Eod. L. 14. C. de Legat. L. 42. §. restituta, ff. ad SCt. Trebell. D d §. 42. Graͤ- II. Buch/ Cap. VI. Graͤber Schaͤnd- und Schmaͤhung verboten. §. 42. Graͤber und verstorbener Leute Lager oder Ruhe-Stellen Schaͤnd- und Schmaͤhung geschiehet auch von denen/ die todten Leich- nam berauben/ Leiber und Knochen heraus ziehen/ welche ernstlich mit Hals-Straffe zu belegen/ als auch diejenigen/ so auffgehenckte/ Justificir ten Leiber Berau- bung Straffe. geraͤdert oder gespießte Leiber entbloͤssen/ oder gar hinwegnehmen; so ist auch keine geringere Suͤnde/ bey Sterbe-Zeiten halb todte Leute ertoͤdten/ oder die ihm anvertraute Krancken und Sterbende verlas- sen/ daß sie von Hunger/ Durst oder andern Zufall schleuniger ster- ben; Sonst mag kein todten Coͤrper arrestir et/ noch Schulden halben Begraͤbniß auffgehalten oder verboten werden. L. 3. §. 7. L. fin. ff. de sepulch. viol. L. 4. C. Eod. §. hoc autem, Auth. ut def. seu corp. eorum. Begraͤbniß und Krancken Artzney Kosten von Apothe- cken Bezah- lungs Recht. §. 43. Damit nun keine Leiber unbegraben liegen bleiben/ noch jemand vom frembden Mitteln zu begraben noͤthig/ auch dieser gleich- sam mit dem Todten zu handeln scheinet/ so ist Rechts uͤblich/ daß/ wer jemanden zur Erden bestatten laͤst/ dessen Guͤter nicht zureichen moͤgen/ die angewandte Begraͤbniß Unkosten fuͤr allen Schulden billig wieder begehren/ und von dem Todten Erbtheil/ Erbnehmern oder Guts Be- sitzern/ so dem Verstorbenen angehoͤrig/ erlangen mag/ jedoch nach obrigkeitlichen der Zeit Ursachen/ guten Glaubens und billig geschaͤtz- ten Maͤßigung/ daß nicht mehr gerechnet als verwendet sey/ ja ein jeder muß beweisen/ daß er es nicht um Gottesfurcht Willen/ sondern in Hoffnung wieder zu bekommen/ hergethan habe; und dieses ist auch zu verstehen von gemachten Schulden und Kosten auff denen Apothe- cken und fuͤr Artz-Lohn/ wegen des Verstorbenen Kranckheit/ welche aus der Erbschafft Religion Gunst halben voraus koͤnnen genommen und behalten werden. L. 1. 12. §. fin. §. ait prætor. L. 14. §. etsi, §. idem, §. hæc, §. funeris, §. sed, § Labeo, cum seqq. §. pen. L. 8. si quis, §. fin. ff. de relig. \& sumt. L. 37. ff. \& L. 3. C. Eod. L. 1. §. de impens. ff. ad L. falcid. L. 2. de privil. Credit. L. fin. §. in com- put. C. de jure deliber. Kirch-Hof Begraͤbniß Raum wer unwuͤrdig. §. 44. Endlich ist zu wissen/ daß ausserhalb Kirchhofs Raum an unehrlichen Orten begraben werden alle Ketzer/ deren Religion im Roͤmischen Reich verworffen/ verbannete Gotteslaͤsterer/ die unver- soͤhnet gestorben/ offenbare Wucherer und Selbst-Moͤrder. C. 13. §. credentes, X. de hæret. c. 2. X. de maled. c. 12. \& fin. X. de Sepult. c. 5. X. de raptor, c. 3. X. de usur. Clem. 1. de Sepult. Caput Von Kirch-Rechnungen auch Kuͤster u. Schuldienern. Caput VII. Vom Bischoff/ Probst/ Capellan und Kirchen- Auffseher Amt/ wegen Kirchen-Rechnungs-Besuchung/ Kirchen-Gebrauch und Straff-Gericht/ auch Kuͤster und Schuldiener Beruffs-Pflicht. §. 1. B Jschoͤffe moͤgen die ihnen von Kaͤysern/ Koͤnigen und Fuͤrsten Bischoffs Ge- rechtigkeit. zugegebene Guͤter und Herrschafften wohl besitzen; kein Bi- schoff soll ein Huren-Sohn oder sonst unrechtmaͤßig von unehelicher Geburt seyn/ weilen solche in aller Leute Wahn und Meynung ver- achtet/ dahero sie nicht unbillig gleichsam befleckt zu halten/ ob schon sie eben nicht unter Ehrlose zu rechnen/ er sey denn ehelich oder gericht- lich erklaͤret/ unbefleckt angenommen. Arg. C. si gens. Dist. 56. C. de fil. presbyt. C. cum in cunctis, \& C. cum innotuit, de Elect. Sapient. 3. Tit. C. ex quibus caus. irrog. infam. §. 2. Eine bischoͤffliche Kirche hat unter sich Kirch-Spiel und Kirch-Spiele Abtheilung. Kirch-Gaͤnge/ deren zwey biß drey von einem Priester verwaltet wer- den/ dahero sie durch ewige Vereinigung verbunden/ und eine die Haupt- oder Mutter und -Ober- die andere Nieder-Stifft- oder Filial- Kirche genannt wird/ davon jedoch billig die eingepfarrte Gemeinden unterschieden/ dabey weder ein eigener Pfarrer noch Pfarr- und Kirch oder Gottes-Hauß vorhanden/ sondern der Gottes-Dienst bey an- dern Kirchen veruͤbet/ und die Diener in andern Pfarr-Haͤusern woh- nen muͤssen/ allwo nun eines/ nemlich Priester Wohnung/ ermangelt/ ein GOttes-Hauß aber zu finden/ darinn von Mutter-Kirch-Predi- ger geprediget wird/ solches heist ein Filial oder Neben-Kirche. Tot. Tit. X. de parœciis. C. \& temporis, caus. 16. q. 1. C. quia monast. X. de relig. dom. C. sicut, Extra, de Excess. prælat. c. 3. X. de Ecces. ædif. Tit. C. de Episc. audient. §. 3. Jn Teutschland gibts ebenfalls Superintendent en Auffsicht/ Consistorium hat Bischoff- liche Ober- Herrlichkeit. dennoch so/ daß Bischoͤffliche Ober-Herrlichkeit beym Consistorio ste- het; und ist in jeder Landschafft ein Probst/ bey dem die Macht ist Prie- ster zu ordnen/ visitir en und beruffen zu allgemeinen Landes Versam- lung/ Kirchen-Nutzen zu beobachten/ da nemlich bey Kirchen- Visitation oder Besuchung ein jedes Hauß und Familie zur angesetzten Zeit sich in der Kirchen einstellen muß/ daselbst an einem Ort im gewissen Stuhl zusammen zu halten/ damit ein jedes bey den Seinigen sey/ wann sie D d 2 vom II. Buch/ Cap. VII. vom Kuͤster an den Ort/ allwo das Examen gehalten wird/ gefordert werden/ was alsdann Kram-Diener und Handwercks-Gesellen an- langt/ soll ein jeder Kauffmann und Meister dahin sehen/ dieselbe durch gute Worte anzustrengen/ daß sie sich zu gewisser Zeit Christli- chen Erbarkeit halben freywillig dazu ein finden moͤgen. Kirchen Be- suchungen or- dentlicher Proceß. §. 4. Ja/ wann Kirchen-Besuchungen vorgehen sollen/ so muͤssen alle/ die unter solchem Gebiet stehen/ an benannten Ort auff gewissen Tag eingeladen werden/ benebst desselben Orts Richtern oder Beamten/ und denen andern frembden Gebiets wird es kund gethan durch ein Ausschreiben an alle Befehlshabere und Superintendent en/ ob sie et- was in Kirchen-Sachen vorzubringen/ daß sie es auch andern geist- und weltlichen Obrigkeiten und Patronen zu erscheinen anzeigen durch offene Schreiben oder vom Predig-Stuhl/ an alle Pfarrern/ Eltesten/ Kuͤster und Schulmeister/ von deren Fleiß/ Sitten/ Lehr/ Leben und Wandel/ so wohl als deren Kirch-Kinder Verhalten/ Nachfrage ge- schehen muß/ und wofern alsdann etwas Streit oder Verbrechen vorfaͤllt/ solche Gesetz- und rechtmaͤßig zu verbessern/ mit ordentlichen Buß und Vermahnungs Stuffen/ es waͤren dann solche Prediger U- bertretungen von weltlicher Obrigkeit zu straffen/ so werden sie de- roselben heimgestellet und an das Consistorium berichtet. §. 5. Allwo nun die Kirchen- Visitationes allbereits auff deren Lands-Staͤnde Anhalten verordnet/ sollen sie mit sonderbarem Nu- tzen und Auffnehmen der Kirchen/ ohne weitere Beschwerden derer Besuchten/ ausser Lebens-Mittel Darreichung/ ohne solchen Rechts Verjaͤhrung auff Consistorii Befehl mit vornehmer Raͤthe/ Theolo- g en/ vom Adel und Stadts Magistrat en Zuziehung in jeden Bezircks Kreyße angeordnet und verrichtet werden/ auch soll selbige nicht allein auff Kirchen/ Schulen/ Hospitalen und andere geistliche Vermachun- gen/ sondern auch auff Priester/ Lehr/ Leben und Wandel fleißig er- forschen/ daß die zum Amt Untuͤchtige abgesetzt werden/ ja sie sollen nicht das Jhrige/ sondern was Christi eigen ist/ suchen/ auch keine praͤchtige Mahlzeiten/ vielmehr danckbar annehmen/ was ihnen erbar gereichet/ und aͤrgerliches Leben verhuͤten. Kirchen Visita- torn Pflicht/ keine Zeit zu versaͤumen Un- kosten zu mei- den. C. 16. X. de offic. ordin. C. 6. \& 17. X. de Cens. Eccles. C. super quibusdam §. fin. X. de V. S. c. 11. X. de præscript. §. 6. Darum soll Kirchen- Visitation an dem Ort/ wo die Kirche gelegen/ geschehen/ wozu der Patronus im Nothfall auch das Seini- ge beytragen soll/ nnd muͤssen endlich die Visitatores ihren Zugs Pflicht auffs Von Kirch-Rechnungen auch Kuͤster und Schuldienern. auffs eilfertigste beschleunigen/ auff daß sie mit ihren Unkosten die Un- terthanen nicht beschweren/ sondern mit Fleiß ihrem Amt obliegen/ auch ja sich huͤten/ daß sie nicht durch andere zur Visitation nicht gehoͤ- rige Geschaͤffte und Verrichtungen ihre Zeit versaͤumen/ und der Kir- chen zum Schaden oder Unkosten dieselbe unnuͤtzlich zubringen und schaͤndlich verderben. §. 7. Visitation -Unkosten sollen maͤßig seyn/ an etlichen Orten be- Visitation Un- kosten Recht. stehen sie nur in Eß und Trinck Waaren/ anderswo in baarem Gel- de/ nach Kirchen Orts und Visitirend en Personen Gelegenheit/ daß wenig Ungemach daraus entstehen moͤge/ und zwar aus Kirchen Guͤ- ter-Schatz und Einkuͤnfften zu geben/ daß gemeine Pfarr-Kinder ohne Noth unbeschweret sind/ als welche ihren Pfarrer Ehre und dessen Vermahnungen Gehorsam/ auch seiner Person Nahrungs-Besoldung mit Recht schuldig sind. Wann aber auff sie alle eine Steuer-Einsam- lung geleget wird/ so soll darinn gute Maß und Anordnung gehalten Steuer Ein- sammlungs Recht. seyn/ daß es zum Theil auff Personen/ zum Theil auff Guͤter gerichtet seye/ damit es solchen Steuer halben keine gewisse Nachfolge oder Gewohnheits Recht gebe/ noch auch die Beguͤterte zu hart gestrafft werden. Rubr. X. de cens. Exact. \& procurat. c. 3. de cens. in 6. §. 8. Desgleichen gehoͤret zu denen Restaur- Zinsen oder Bau- Restaur- Zinß und Bau-Ko- sten Recht. Kosten des Patroni und Pfarr-Kinder Bewilligung/ weilen sie zur Noth Huͤlffe leisten und beytragen muͤssen/ sonst geht diese Last uͤber den Kirchen-Kasten; Zur Hand Arbeit oder Dienst benoͤthigten Pflicht aber gehoͤren so wohl Adeliche als Haͤußler/ wie auch andern Gebieths/ nicht aber andern Kirchen/ Pfarr-Kinder/ ob schon sie daselbst Erd- Gut besitzen/ und anderswo ihre Wohnung haben. Caus. 10. q. 1. C. decernimus, \& q. 3. c. priscis, C. unio. §. 9. Ferner wegen Kost und Zehrung der Superintendent en und Kirchen Rech- nungs Kosten woher zu neh- men. Adjunct en bey ihren Visitation en/ damit die Kirchen nicht dadurch be- schweret/ auch ihnen nichts weiter aufferleget/ dann vorhin geschehen/ sondern dißfalls hiebevor mehrmahlen unnuͤtz- und uͤberfluͤßig bey jaͤhrlichen Versammlungen/ da die Pfarrer auff Kirchen Unkosten abgefertiget/ deßgleichen bey Kirchen Abrechnungen auffgewandte Kosten eingezogen seyn moͤgen/ so sollen bey jeden Orts Besuchungs Verrichtung einige gewisse Gelder aus dem Kirchen-Kasten herge- nommen und bezahlet werden. Arg. c. 24. X. de cens. Eccles. D d 3 §. 10. Wel- II. Buch/ Cap. VII. §. 10. Welche auff bestimmten Tag angestellte Kirchen-Rech- nung nun also zu halten/ daß der Visitator ihr beywohnen/ auch fleis- sig auffsehen und Achtung haben soll/ daß der Kirchen Einkommen nicht eigennuͤtziger Weise oder sonst unnuͤtzlich umgebracht werde/ wo- bey sie doch ohne neue Kirchen-Beschwer sollen gespeiset/ auch darauff gesehen werden/ daß alle uͤbrige Unkosten zu meyden/ derowegen die Zehrung allein entweder fuͤr seine Person und dessen Diener/ so mit ihm ist in der Herberge/ bezahlet/ oder ohne der Kirchen Schaden zur Mahlzeit Unkosten angeschlagen und hernach nichts weiter denen Kirch-Pflegern in ihren Kirch-Rechnungen passir et werden soll. Visitation Commissari en Pflicht. §. 11. Welches dann also jederzeit anzustellen/ wann ein Visita- tator unvermeidlichen Noth und wichtigen Geschaͤffte halben seines Amts wegen in Stadt und Dorff erfordert oder dahin geschickt wird/ um damit aller Unkosten Fuhr und Zehrung/ so viel muͤglich/ einzuzie- hen/ so soll ein jeder zur Visitation verordneter Commissarius nur mit ei- nem Diener erscheinen/ auch das Dorff oder Stadt/ so die Besuchung begehret und angekuͤndiget/ selbige insgesamt auff zwey Kutschen abho- len/ wann nun dieses an einem Ort geschehen/ sollen von nechstsolgendem Ort nach Anzeige Pferde geschicket seyn/ die ohne gegebenes Futter und Mahl koͤnnen zuruͤck gelassen werden. Kost- und Trancks Recht bey Visitation. §. 12. Nichts minder soll auch bey Kost und Tranck aller Uber- fluß vermieden bleiben/ und zu solchen Behuff niemand mehr als die Visitarorn nebst ihren eintzeln Dienern/ wie auch die Kirchen Vorste- here bey waͤhrenden Rechnungs Ubersehung/ jede Mahlzeit nur mit 5. oder 6. Gericht Essen und einem Trunck guten Biers versehen werden. Gemetne Auff- lage Recht we- gen Visitation. §. 13. Wann aber irgendwo der Kirchen Einkommen solche Spei- se-Kosten Anfangs nicht ertragen moͤgen/ so soll im Beyseyn derer Erb- und Gerichts-Herrn auch des Raths in Staͤdten eine ertraͤgliche An- lage gemacht/ eingebracht und die zu Nothdurfft benoͤthigte Unter- haltungs Kosten davon genommen werden/ wobey dennoch jeden Orts Einwohner zu versichern/ so bald durch GOttes Guͤte und Seegen der Kirchen-Gefaͤlle dahin verbessert/ daß solche Nothwendigkeit da- von zu nehmen muͤglich/ sie deren Kosten benommen/ und ferner damit nicht beleget werden sollen. Bischoffs Straff-Arten Gebrauch Auffsicht. §. 14. Jm Gebrauch der Straff-Arten hat es der Superintendens dahin zu richten/ damit gehoͤrige Vorsichtigkeit geschehe/ daß wofern die Prediger etwas vermercken in Staͤdt und Vorstaͤdten/ daß sie auf den Cantzeln mit sondernbaren Umstaͤnden zu eiffern gedaͤchten/ sie sich versam- Von Kirch-Rechnungen auch Kuͤster u. Schuldienern. versamlen/ den Grund u. Beschaffenheit wohl erwegen/ und so dann mit Vorbewust des Superintendent en bedachtsam darinn verfahren/ be- vorab wo der hohen oder niedrigen Obrigkeit Amt anzuziehen/ fuͤr noͤthig befunden/ damit vorhero/ ehe denn man mit gemeinen Mannes Aergerniß die Obrigkeit beschuldige/ an gebuͤhrenden Orten erforschet werde/ worauff ein und anders beruhet/ ob auch vielleicht schon gezie- mende Anstalt dabey angetroffen/ wie denn weltliche Regierung dem Predig-Amt dermassen Hand zu bieten/ auch Rath und Gerichte da- hin zu halten gefast seyn muß/ daß es nicht leicht eines andern Mittels bedarff. §. 15. Nachdem auch leider das greuliche Fluchen und Schwe- Fluchen und Schweren Ruͤ- gung Straff Recht. ren also uͤber Hand genommen/ daß es auch die jungen Kinder auff den Gassen/ ehe sie kaum noch recht beten oder lesen gelernet/ meisterlich auszuschuͤtten wissen/ solches aber nicht allein goͤtt- und weltlichen Ge- setzen/ Rechten/ Landes Policey und Ordnungen zu wieder ist/ sondern auch insgemein noch dazu groß Aergerniß giebt/ dadurch GOttes hartschlagende Zorn-Ruthe taͤglich/ ferner Land und Leute heimzu- suchen gereitzet und empfunden wird/ als sollen die Obrigkeiten Predi- ger und Beamten in Staͤdten/ Flecken und Doͤrffern solchem unchrist- lichen Wesen nicht nachsehen/ sondern so wohl fuͤr sich selbst als durch die ihrigen fleißige Auffsicht haben/ daß ein jeder seine Kinder und Pranger und Halseisen Zucht Straffe. Gesinde zur Gottesfurcht halte/ und dafern jemand einen aͤrgerlichen Wunsch oder Fluch von sich hoͤren lassen wuͤrde/ er sey Jung oder Alt/ so soll derselbe ohne Person Ansehn nach Befinden eine/ zwo oder mehr Stunden an oͤffentlichem Pranger zu stehen schuldig seyn/ oder fuͤr jede Stunde einen Thaler zu Straffe erlegen/ derohalben Halseisen/ all- wo keine vorhanden/ jedern Orts billig auffzurichten. §. 16. Wann ein Pfarrer Alters Leibes Schwachheit oder andern Fehls halben seinem Amt laͤnger vorzustehen unvermoͤgend wird/ so mag er dasselbe abtreten/ sonst aber ohne Ursach niemand zu Gefallen weichen; Jn Versetzungen nun deren Capellanen in Staͤdten/ soll man auch Maaß und Abwechselung halten/ wann nemlich einer aus einer Stadt genommen/ und auff eine Pfarre gesetzt worden/ alsdann soll bey vorfallender fernern Veraͤnderung aus einer andern Stadt gleichfalls einer versetzt werden/ damit also die Beschwerung und Un- kosten in Abhohlung/ Vorschlag/ Einweyhung und Bestaͤtigung de- nen Staͤdten zu gleichen Theilen obliegen/ uud so viel moͤglich Gleich- heit gehalten werden moͤge. §. 17. Ober- II. Buch/ Cap. VII. Capellanen Amts-Pflicht. §. 17. Ober-Pfarrers Mit-Diener und Capellans-Amt bestehet darinn/ daß er bey Gottesdienst Verrichtungen Huͤlff und Beystand leiste/ er soll auch seines Nahmens und Ursprungs gedencken/ daß er nicht allein der Kirchen/ sondern auch Priesters Mit-Diener seye/ de- rowegen seinen Vorgesetzten verehren/ ihm gehorchen und im Zweiffel weichen muß/ darum auch/ ob schon ein Patronus einen Capellan er- wehlen mag/ soll jedoch nebst dem Rath der Pfarrer darzu beystim̃en/ weilen ein solcher Mithelffer ihm nicht ohn Ursach auffzudringen/ es sey in Staͤdten oder auff dem Lande/ bey Probsteyen oder andern Kirch- Spielen/ wozu vornehmlich ein Bischoff gutes Einsehen halten muß. C. 1. de Cler. ægro, in 6. Caus. 7. q. 1. c. 17. C. 1. pen. \& ult. X. de offic. Archi-Pres- byter. Dist. 93. c. 17. c. 23. \& 24. Capellanen Vorschla- gungs Recht. §. 18. Bey Capellans Vorschlagung gilt Superintendent en Rath/ welcher ihn allein mit Patroni Bewilligungs Urtheil vorstellen kan/ es sey der Patron geist- oder weltlichen Standes/ selbst persoͤnlich an- oder durch Brieffe abwesend/ also wird der Anfang gemacht/ wuͤrckli- che Einstellung zu erlangen/ demnechst muß die vorgeschlagene Per- son gegenwaͤrtig seyn/ um sich sehen und verhoͤren zu lassen/ auch den Eyd abzustatten/ sie waͤre denn dem Obern allbereits wegen guten Glauben auch erbaren Lebens und Wandels bekandt/ alsdann mag das Amt wohl einem Abwesenden uͤbertragen werden/ ja wann er andern Verhinderung/ als Krieges und Kranckheit/ halben sich zu stel- len abgehalten/ so mag dem Superintendent en das Examen befohlen/ Eydes Ablegung aber wohl verschoben werden. C. 5. X. de jure Patron. C. 6. X. de his, quæ fiunt à prælat. C. fin. X. de J. P. c. 24. X. de præb. c. 17. Eod. in 6. Capellans Recht bey Pfarre Ver- aͤnderung. §. 19. Wann nun ein Priester oder Capellan fuͤr Jahres Ver- lauff anderwaͤrts beruffen/ die Pfarre veraͤndern muß/ so gebuͤhret ihm vom Einschnitt des Rockens des lauffenden Jahres die Helffte/ als ein Verdientes/ dahero er auch bey Abbringung des Korns die Helffte der Unkosten uͤber sich nehmen und ertragen wird/ und mag er sein ihm alsdann zukommendes Antheil wohl hinweg fuͤhren lassen/ jedoch daß er das Stroh/ welches jedesmahl bey der Pfarre bleiben muß/ wieder zuruͤck lieffere/ oder sich sonst darum vergleiche/ und nach Billigkeit oder Zeit Gelegenheit die Fruͤchte gleich theile. §. 20. Anlangend der Kirchen Gebraͤuche bey Gottesdienst Ubung/ so haben zwar die meisten die aus dem Pabstthum entsprossene Cere- monien behalten/ als daß an etlichen Orten durch die gar zu viel La- teinischen Jnstrumental- und Figural-Gesaͤnge die Einfaͤltigen ver- wir- Von Kirch-Rechnungen auch Kuͤster u. Schuldienern. wirret werden/ ist auch billig zu beklagendie in Gotteshaͤusern eingefuͤhr- Organisten uñ andere unzie m- liche Music verboten. te Comœdiant en- Music, und zwar solte man hier fuͤr allen Dingen de- nen Organisten verbieten/ daß sie keine neu-erdichtete und zur Lust ge- machte Liedlein oder leichtfertige Melodien anstimmen; derowegen dann solcher Kirchen-Music wie auch heil. Lobgesaͤnge stimmbare Art und Melodie von hoher Obrigkeit vorgeschrieben wird; so muͤssen we- Gesaͤnge Me- lodie Verord- nung. gen Landes oͤffentlichen Trauer Orgeln stillgehalten/ und moͤgen Altaͤre mit einem Trauer-Kleide Schmertzen halben umgeben und be- deckt werden. Act. XIII, 2. Jer. XXIX, 7. 1. Maccab. XII, 1. 1. Tim. II, 1. Ephes. V, 19. 2. Paral. V, 13. §. 21. Allwo unter denen Gelehrten etwa zweiffelhaffte Articuln Zweiffelhafftẽ Rechtens Ent- scheidung. einfielen/ welche ohne vieler Leute Zusammenkunfft nicht entschieden werden koͤnnen/ oder aber sonst die Noth erforderte/ daß wichtigen Sachen halber alle Geistliche beschieden werden muͤsten/ so sollen die Herrn Visitatores auff Landes-Herrn Bedencken/ mit deren Consi- storial en und allgemeinen Ober- Superintendent en Rath eine Ver- sammlung ausschreiben und halten/ was nun in geistlichen Consisto- riis solchen Falls befohlen ist/ machet eine Gewissens Verbindlichkeit/ derogestalt/ daß der Richter eben so wenig als Partheyen davon ab- schreiten koͤnnen. §. 22. Das Recht aber/ ein Consistorium oder geistlich Gericht zu Consistorfal- Convent Schlusses Krafft. verordnen/ hat ein jeder Landes-Fuͤrst und Reichs-Stand aus Ober- herrschafftlichen Gebiets Herrlichkeit Gewalt/ darinn so wohl geist- als weltliche/ goͤtt- und weltlichen Rechts kuͤndige Raͤthe und Beysitzer/ Kirchen-Sachen abzuhandeln/ seyn sollen/ und gehoͤren also fuͤrs geistliche Gericht alle Sachen/ die aus goͤttlichem Kirchen-Recht zu ent- scheiden/ wie auch alle Kirchen-Guͤter und Personen angehende Strei- tigkeiten/ unbilligen Wuchers Sachen/ Eydes Erlassung/ Zauber- Haͤndel/ armer Wittwen und Waͤisen Proceß/ ihren Rechts/ nicht aber Thaten halben/ endlich der Bann und Christliche Buß-Zucht. Tit. C. de Episcop. audient. §. 23. Wer sich Patronen Recht zu erfreuen hat/ mag auch die Patronen Recht Schul- diener zu er- wehlen. ihm zugehoͤrige Schul-Diener erwehlen/ und fuͤr Frembdlinge oder Auslaͤndische mit besserm Fug geschickte Buͤrger und Einwohner Kin- der nehmen/ die Vater-Landes Sachen und Gemuͤther kundig/ auch mehr Liebes-Zuneigung samt Treu und Glauben haben/ damit Lands Unterthanen desto mehr zu guten freyen Kuͤsten angereitzet und auff- E e gemuntert II. Buch/ Cap. VII. gemuntert werden/ jedoch sind sonderliche Gaben und Geschicklichkeit stets vorzuziehen. L. 11. C. de Episc. \& Cler. C. significasti X. de jure Patron. Obrigkeiten Pflicht wegen Schulen. §. 24. Ja/ eine jede Obrigkeit kan und mag auff GOttes Befehl von Recht und ihres eigenen Gewalt halben in ihren Staͤdt und Lan- den Schulen auffrichten/ ja Amts und Gewissens wegen ist sie gehal- ten und schuldig solche zu eroͤffnen/ auch die Lehr- und Schul-Meister mit ehrlichen Besoldungen versehen/ und ihnen von oͤffentlichen Be- schwerden Freyheit gestatten/ die Lehr- und Lernende verthaͤdigen/ auch deren Schulmeister Macht und Ansehen/ als ohne welche alles uͤbrige verfallen muß/ erhalten helffen/ und dieses koͤnnen sie ohne stets Kirchen Auff- seher Recht Schul-Diener zu beruffen. nagenden Gewissens Wurm nicht verabsaͤumen/ darum alle wohl- bestalte Schulen nicht nur geist-sondern auch weltliche Personen zu Auffsehern haben sollen/ und diese Auffseher in Staͤdten aber koͤnnen allein keine genugsame Stimme Schuldiener zu beruffen haben/ ohne deren geist- und weltlichen Obrigkeit Beystimmung/ es waͤre denn ei- ne andere bestaͤndige und Rechts kraͤfftige Gegengewohnheit/ daß diese oder jene Parthey zu solcher Beruffung nicht gezogen werden duͤrffte/ sicher zu behaupten. Schul-Diener Pflicht gegen Kirchen-Auff- seher. §. 25. Kirchen- und Schulen-Auffseher sollen/ allwo der Gebrauch ist/ allemahl ihre Reisen dem regierenden Buͤrgermeister anmelden; wann auch denen Schuldienern von Kirchen-Auffsehern und Aelte- sten eingeredet wird/ sollen sie daruͤber nicht calumniir en und laͤstern/ noch sich an weltliche Personen/ die ein wenig Macht haben/ anhaͤngen/ die Priester ihre Zechliedlein seyn lassen/ oder von deren Amt/ dazu sie jedoch selbst begehret haͤtten/ schimpfflich und hoͤnisch reden/ dann dadurch der wahren Christlichen Religion nur Aergerniß/ der Jugend Verderben und bey nahe der Schulen Untergang zu Wege gebracht wird; darum auch billig das Kirchen-Regiment zu beobachten/ daß die Schulmeister in ihrer Schul-Ordnung nichts fuͤr ihren eigenen Kirchen Regi- ments Obacht mit Schulen. Kopff thun/ sondern nach deren Schulen Auffsehern Rath Beliebung sich richten/ als die allein auff gemeine Erbauung hinsehen/ daß sie also von ihren Obern wegen ihres Verhaltens sich Christlich einre- den lassen/ die gewuͤnschte Besserung von Hertzen zu ergreiffen/ des Teuffels Zerstoͤrung/ die er dem Christlichen Nahmen durch Uneinig- keit und Trennung beyzufuͤgen gedencket/ nach hoͤchstem Vermoͤgen in Anruffung GOttes zu verwehren. §. 26. Wann Von Kirch-Rechnungen auch Kuͤster u. Schuldienern. §. 26. Wann bey vorgefallener Vacanz ein Schuldiener bestellet/ Schul-Diener Recht Fꝛeyheit wegen Amts Entsetzung. der seinem Amt treulich vorstehet/ folgends aber Beschwerden wieder ihn eingebracht/ mag er jedoch als ein ehrlicher Mann nicht alsofort zu seiner Beschimpffung vor der Sachen Ausfuͤhrung seines Amts ent- setzt werden/ absonderlich da kein Schade noch Aergerniß dabey zu besor- gen/ vielmehr soll man seiner Dimission halber erst genugsame Ursa- chen angefuͤhret wissen/ darauff seinen Beruff vorher auffkuͤndigen/ inzwischen aber ihn seine Arbeit biß zu Sachen Austrag und auff an- gesetzt-bedungne Zeit verrichten lassen/ auch gar nicht daran verhin- dern/ wie nicht weniger das voͤllige Salarium ihm entrichten. Arg. L. 13. \& 14. ff. Locat. §. 27. Schulmeister und Kuͤster auff Flecken und Doͤrffern pfle- Schulmeister und Kuͤster Gemeinde Wahlrecht. gen von der Gemeinde mit Amts Obrigkeitlichen Befehlichshaber und des Orts Pfarrers Bewilligung erwehlet zu werden/ da sie ohne Schreiben beruffen/ vom Superintendent en vorgeschlagen/ und Falls der Erbherr und Priester nicht uͤbereinkommen/ gibt das Consistorium der Person halber den Ausschlag/ uͤberschickt hernach selbige die Pro- be zu thun/ und beym Superintendent en das Examen auszustehen/ so sollen sich auch diese Diener gegen iederman freundlich/ bescheiden und demuͤthig/ gegen Obrigkeit und Hoͤhere gehorsam und ehrerbietig bezeigen/ allen Eiffer/ Zwietracht/ Auffruhr/ Verstellung und Aer- gerniß zu meiden; desgleichen ist ihnen verboten/ in weltliche Haͤndel und Geschaͤffte sich einzumischen/ jedoch moͤgen Kuͤster und Gloͤckner ihre Handwercke/ die sie gelernet/ wohl frey uͤben. §. 28. Eigentlich ist Kuͤsters Amts-Pflicht Kirchen-Guͤter und Kuͤster Amt. Schluͤssel zu verwahren/ Allmosen von Mann zu Mann mit dem Kling- Beutel einzusamlen/ dergleichen thun auch die Kastner/ Kasten-Voͤgte/ Kirchwehrer und Vorsteher/ also alle Auffseher im Hospital/ Pilgrim- Waͤysen- und Findel-Haͤusern/ darinn man reisende Frembdlinge be- herberget und hinleget/ verlassene Kinder erziehet zu derer Clenden Nutzen; so wird auch Buͤrgschafft und Versicherung vom Kuͤster be- gehret/ wegen deren zu seiner Verwahrung anbetrauten Kirchen- Kuͤster Eyder Pflicht. Zierath Sachen/ es sey denn dessen Treu und Redlichkeit uͤberall be- kandt/ jedoch muß er Gottesfurcht halben einen nach seinem Verstand gemaͤßigten Eyd abschweren. L. 32. 33. 35. c. de Episc. Nov. 123. c. 23. E e 2 Caput II. Buch/ Cap. VIII. Caput VIII. Von Professor en/ hohen Schulen/ Buͤchern und Calendern/ auch heiligen Reichs Austraͤge- Recht. §. 1. Professor en u. Geistlichẽ Ge- richts Stand. P Rofessores und alle geistliche Personẽ gehoͤren fuͤr geistliches Gericht/ ohne da sie Klaͤgers Stelle vertreten/ als bey Creditor en Zusam- menkunfft/ dabey Geistliche als Kirchen-Haußhalter unter weltlichen Personen zugleich vom weltlichen Richter citir et werden/ wann aber solche Versammlung gegen Kirchen und Geistliche entstehet/ so bleibet die Sache fuͤr geistlichem Recht; also in wuͤrcklichen buͤrgerlichen und Pfarrers erblichen Guͤter Sachen/ oder so deren Weiber und Ge- schlecht oder Haußgenossen anhaͤngig seyn/ gewinnen Geistliche/ als ge- Geistlichen Haußgenossen Recht. meinen Wesens Buͤrger und Glieder/ das ordentliche Gericht/ jedoch muß der weltliche Richter/ Amts Ehren halber/ den Geistlichen vermit- telst des Obern Huͤlffe fuͤr Gericht laden; deßgleichen in groben pein- lichen Verbrechen haben sie ihr privilegirt es Gericht verlohren/ je- doch mit Appellations Freyheit/ ob schon sie ihres Amts entsetzt; so gehoͤret nun in peinlichen Sachen die Erkaͤntniß der That und des Studenten Ubelthat Be- straffung Recht. Ubelthaͤters Bestraffung/ wofern es ein Student/ zum Landes-Herrn/ wird auch das Recht sonst niemanden eingeraͤumet/ es waͤre denn ein absonderlich Gnaden- Privilegium und Freyheit. Auth. Clericus, C. de Episcop. C. 1. de privileg. in 6. Professor en Erblose Guͤ- ter wem zu- sallen. §. 2. Derer verstorbenen Professor en und anderer Geistlichen erblose Guͤter/ wozu sich keine rechtmaͤßige Erben finden/ gehoͤren zur hohen Schulen und dem Bischoff/ unbewegliche erledigte Sachen aber verfallen zu des Orts hohen Obrigkeit/ jedoch alles nach Landes Recht uͤblichen Gewohnheit. Auth. habita. Untversitaͤt Verbrechen Straffe. §. 3. Eine gantze Universitaͤt oder Gemeinde begehet Verbrechen/ wann sie ihre Untergebene als Ubelthaͤter nicht bestrafft/ wer aber et- was gegen Universitaͤt Gesetze mißhandelt/ ist zwar einer Ubelthat/ nicht aber alsbald Meineydes Suͤnde schuldig/ er habe es denn eydlich zugesagt. Universitaͤt wann etwas verbrochen. C. 5. de sent. Excomm. in 6. L. 41. C. de transact. §. 4. Eine gantze Universitaͤt wird ferner verbrochen und gesuͤn- diget zu haben geschaͤtzet/ wann das gantze Volck auff vorhergehende Zusam- Von Professor en/ Academi en/ Buͤchern u. Calendern. Zusammenruffung aus einmuͤthiger oder derer meisten Bewilligung uͤbels thut; wann aber bey andern Gemeinden Buͤrgermeister und Rath etwas begehen/ so wird dadurch die Gemeinde nicht beschwe- Gesellschafft Guͤter wem zufallen. ret/ weilen diese nicht dazu bestellt sind. Damit nun das Urtheil die Un- schuldigen nicht beruͤhre/ so pfleget man keine gantze Gemeinde oder Gesellschafft zu verbannen; wann sonst verbotene Gesellschafften auff- gehoben/ werden ihre Guͤter unter die Gesellen vertheilet/ und sind nicht verfallen. L. 3. ff. de Colleg. §. 5. Eine gantze Universitaͤt oder hohe Schule mag auff keiner- Universitaͤt gehoͤriges Ge- richt. ley Weise/ weder in persoͤnlichen noch Guͤter Streit fuͤr einem Cam- mer-Gericht/ sondern fuͤr dem Landesherrn oder dessen geheimden Rath als Statthalter belangt werden; was nun der Universitaͤt Glie- der ausser dem hohen Schul-Gericht belanget/ dieselbe sollen auch nirgends als daselbst/ wie gemeldet/ in persoͤnlichen und vermischten/ wie auch innerhalb der Universitaͤt gelegenen Guͤter/ streitigen Sa- chen unmittelbar beklaget werden; so viel aber die wuͤrckliche und aus- Universitaͤts Glieder Recht serhalb Universitaͤt gelegenen Guͤter Streitigkeiten betrifft/ solchen Falls sollen die Glieder der Universitaͤt zu dem Gericht/ darunter die Guͤter gelegen/ gehoͤren; Appellation von der Universitaͤt geht zum Landes-Herrn. §. 6. Damit durch unordentliche Druckerey keine Schand- Schand-Ge- maͤhlde und Schmaͤh- Schrifften Druckerey verboten. Gemaͤhlde oder Schmaͤh-Schrifften ausgebreitet werden/ sind aller Orten gewisse Auffseher verordnet/ die alle Schrifften/ so gedruckt werden sollen/ bey allen freyen Kunst Facult aͤten durchsehen und dar- uͤber erkennen sollen/ ohne deren Unterschrifft und Gutheissen denen Buchdruckern nichts zu drucken freystehet/ bey Straffe aller und je- den Exemplaren/ auch fernern Druck-Freyheit Verlust/ und andern willkuͤhrlichen Geld-Bussen. §. 7. Derowegen man Anfangs durch fruchtbarliche Visitation Buchdꝛuckeꝛey Visitation Recht. muͤglichsten Fleiß anwenden soll/ daß die sonst in grosser Menge alle Jahrmessen herfuͤrkommende hoch verbotene Famos -Schrifften gaͤntz- lich abgeschafft/ ins kuͤnfftige auch kein Buch gedruckt/ oder im heil. Roͤmischen Reich verkaufft werde/ das nicht zuvor von ordentlicher Obrigkeit/ darunter die Buchdrucker feßhafftig/ censir et/ zugelassen/ und der Author ingleichen verwilliget seye; Derohalben werden Buchdrucker des Orts Obrigkeit durch sonderlichen Eyd verpflichtet/ E e 3 daß II. Buch/ Cap. VIII. daß alle gedruckte Sachen des Authoris / Druckers und Orts Nah- men/ samt Auffsehers Urtheil/ in sich halten sollen. Druckerey gu- ten Anstalt Recht. §. 8. Damit nun wegen Druckerey-Sachen gute Anstalt um so viel leichter ruͤhmlich zu Werck gerichtet werden moͤge/ so soll bey jeder Materie der Urheber/ Ort und Drucker/ ohn Arglist/ Betrug und Falschheit/ gesetzt und vermeldet werden/ auch ein jeder Dru- cker/ Buchfuͤhrer und Haͤndler gehalten seyn/ ehe und bevor er sein Buͤcher Cata- logi Register Recht. Kram-Gewoͤlbe und Buchladen eroͤffnet/ oder einiges Buch veraͤus- sert/ einen Catalogum oder Buͤcher-Register vorzuweisen/ daneben glaubhafft anzeigen/ wie und welcher Gestalt ihm/ solche Buͤcher zu druͤcken und kauffsweise feil zu halten/ erlaubet worden. Buchfuͤhrer und Buchbin- der Pflicht uñ Versehen Straffe. §. 9. Was aber Buchbinder und Buchhaͤndler anlanget/ die solche Schmaͤh-Schrifften auff oͤffentlichen Maͤrckten von andern oder selbst denen Buchdruckern kauffen und wieder verkauffen/ sind aller Straffe befreyet/ sintemahln darinn keine Arglist zu vermuthen/ und die Buchbinder alle Schrifften zu uͤberlesen eben nicht schuldig/ dazu dergleichen vor gemelder Massen alle erst muͤssen gut geheissen werden/ ehe sie zum Druck kommen moͤgen/ darum sie nur Gewinst ohne Betrug zu suchen gehalten werden/ wann sie jedoch wissentlich damit handeln/ koͤnnen sie von gebuͤhrender Straffe nicht entschuldi- get seyn. Gerichts Protocoll- Schrancks Gerechtigkeit. §. 10. Alle Universitaͤten/ so wohl als andere Staͤdte und Ge- meinden/ haben das Recht/ Steuer-Register/ Saal- und Stadt- Buͤcher Kasten/ oder Gerichts- Act en und Protocoll -Schranck zu halten/ oͤffentliche Brieffe und Urkunden darinn zu verwahren. L. 9. §. 1. C. de defens. civ. L. 2. C. de magistr. municip. Pabst Grego- rii Frevel- Muth. §. 11. Pabst Gregorius XIII. wird billig dafuͤr gehalten/ daß er seiner Macht Graͤntzen uͤberschritten/ indem er den neu gemachten Ca- lender denen Fuͤrsten von Augspurgischer Confession hat auffdrin- gen wollen/ bey welchen er jedoch verworffen/ und durch Cammer- Verordnungen geschlossen und befohlen/ daß/ um allerley Schwuͤrig- Calender alt- und neuen Styli Ge- bꝛauchs Recht. keiten und Verwirrungen in Klag-Bittschrifften/ Urkunden und Ap- pellations -Brieffen zu vermeiden/ deren Formali en nach alten Calen- der sollen gerechtfertiget werden/ derohalben zu verwundern/ daß ei- nige Reformirte des Pabstes geschworne Feinde dennoch des neuen Styii sich gebrauchen moͤgen/ welches aber nunmehro von allen Ev- angelischen bewilliget. §. 12. End- Von Professor en/ Academi en/ Buͤchern und Calendern. §. 12. Endlich ist zu mercken/ daß die heil. Reichs Staͤnde ha- Austraͤgen Recht der H. Reichs Staͤn- de. ben ihr sonderbares Recht/ deren gerichtliche Austraͤge und Verglei- chungen alle zwischen ihnen entstehende Jrrungen durch gewillkuͤhr- te Schieds-Richter abzuhandeln und beyzulegen/ welcher Gerichts- Gang nach ordentlichen Rechten sehr streng und genau zu beobachten/ ausgenommen geist- und weltlichen Fried-bruͤchige/ Besitz-streitige/ Arrest/ Pfand-Eydes Ubertrag/ Execution und Nachtheil oder Præ- judiz -Sachen; und diese Materie gehoͤret zum oͤffentlichen Stadt- Recht/ wovon in nechstfolgendem Buch weitlaͤufftiger zu melden vorfaͤllt. L. ult. C. de pact. convent. L. 32. §. 15. 17. in fin. ff. recept. arbitr. L. 13. ff. de offic. ejus, cui mand. Das dritte Buch/ Vomklugen Staat- und Welt-Han- delsmann. Caput I. Von Ober-Landesherrn oͤffentlichen und allge- meinen Rechten/ auch Befehlshabern und anderer Bedienten Amts-Pflichten. §. 1. O B schon Religions Einigkeit/ als das Band der Liebe und Religions Ei- nigkeit ohne Zwang zu su- chen. Christlichen Gesellschafft Grund/ von allen Menschen in einem Gebiet zu wuͤnschen/ und mit Ruder und Seegeln darnach zu arbeiten billig/ so ist dennoch Religions Unterscheid/ als die da ohne grossen Schaden und gemeinen Wesens Abbruch/ samt vielem Blut- vergiessen/ schwerlich auszurotten/ ja besser zu erdulden als zu verder- ben/ damit nach Christi Ausspruch/ bey deren Ubung Wahr- und Religions Un- terscheid wie zu erdulden. Falschheit/ Glaube und Ketzerey gegen einander gesetzt/ destomehr er- hellen und fuͤrleuchten moͤgen/ und zwar laͤst sich der Glaube/ als ein gutwillig Gewissens- und kein Zwang- oder Nothwerck/ weder durch Schwerdt/ Feuer/ noch Elend erzwingen; So heist es auch/ GOtt nach III. Buch/ Cap. I. nach der Himmels-Krone gegriffen/ uͤber die Gewissen herrschen wol- len; derowegen keine hohe Landes-Obrigkeit jemanden/ der sonst friedsam lebet/ aus dem Lande jagen/ oder zur Messe gewaltsam trei- ben und anhalten soll/ damit nicht Christen aͤrger als Juden gehal- ten werden/ die man ja nicht gar vertreibet; sonsten gehoͤret Religions Vorsorge billig dem Fuͤrsten/ der in Kirchen-Sachen als Ober-Bi- schoff zu verordnen/ und GOtt dafuͤr Rechenschafft geben muß. Joh. IIX. Es. XLIX. Deut. XVII. v. 19. Es. XLIV. v. 28. L. 3. C. de Trinit. Nov. 46. \& 133. L. ult. C. de Fer. Tit. C. de stat. \& imag. §. 2. Jn allgemeinen oͤffentlichen Rechten bringt des kaͤyserlichen Cammer-Richters und Beysitzer Eyd sonsten mit sich/ nach redlichen ehrbaren Lands-Ordnungen/ Statut en und Gewohnheiten derer Fuͤr- stenthuͤmer/ Herrschafften und Gerichte zu urtheilen; gemeine Buͤr- ger Staͤdte aber koͤnnen solche Gesetze ohne des Obern Zulassung nicht verordnen. Hingegen kan und mag ein Reichs-Stand dergleichen Orts gewoͤhnliche Rechte an und abschaffen/ so offt es gemeinen We- sens Nothdurfft und Nutzen erfordert. L. omnes populi, ff. de J. \& J. L. 6. de Evict. L. 34. ff. de R. J. L. 22. ff. de Legat. L. 5. de decret. ab ordin. fac. L. 10. L. ædificia L. 156. \& L. 85. ff. de V. S. §. 3. Damit nun nicht Kaͤyser-Chur- und Fuͤrstenthuͤmer oder Koͤnigreiche und Laͤnder durch Theilung geschwaͤchet/ und sonsten maͤchtige Haͤuser geschmaͤhlert werden moͤchten/ dadurch in schaͤndliche Armuth zu gerathen/ so ist besser/ daß ein Land kraͤfftig unter eines als vieler Herren Joch regieret werde/ dahero auch das weibliche Ge- schlecht nach empfangener Mitgifft ihrem sonst gebuͤhrenden Recht ab- Fuͤrstlichen Weibes-Per- onen Recht. zusagen gehalten/ daß sie damit vergnuͤgt/ keinen weitern Zutritt zu vaͤterlichen Guͤtern haben sollen; und denen Kindern/ so aus Neben- Heyrath mit denen zur lincken Hand wegen Standes Ungleichheit verwandten Personen gezeuget sind/ pflegt der Vater ein gewisses zu verordnen/ und denen uͤbrigen Geschlechts-Kindern wird Auffenthalt nach Wuͤrdigkeit vermacht/ oder ein Theil Landes verstattet/ nicht mit freyer Gewalt und Regierungs Macht/ sondern also/ daß/ wann die abgetheilte Herren ohne maͤnnliche Erben versterben/ solches wieder zum Regiment verfallen seye; derer vornehmste Lebens-Mittel sind Cammer-Guͤter/ welche kein Bruder vom Seinigen zu bestellen ge- zwungen seyn mag. C. majoribus, de præb. \& dignit. Gloss. in c. licet, X. de vot. \& vot. redemt. c. 2. de pact. in 6. C. 1. de fil. ex matrim. ad morganat. arg. L. cum unus §. fin. ff. de aliment. §. 4. Cam- Von Ober-Landesherꝛn Rechten u. Bedienten Pflichten. §. 4. Cammer-Gut aber besteht in Schatzung/ Steuer/ Zoll Cammer-Gut worinn beste- hen/ uñ wie es beschaffen seyn soll. und Gefaͤllen/ wann nun solches geschmaͤhlert/ so muͤssen Unterthanen denen abgetheilten Herren Huͤlffe leisten/ daß deren Unterhalt nicht zu kostbar oder gering falle/ dann dieses giebt Anlaß zu boͤsen Gedan- ckey/ jenes beschweret die Cammer-Guͤter/ welche sonst sich nicht be- schaͤdigen/ verpfaͤnden/ noch gar veraͤussern lassen; sondern es ist deren Veraͤusserung unkraͤfftig/ ob sie gleich eydlich geschehen durch Ver- kauff oder Verpfaͤndung/ vielweniger Geschencks weise/ also daß es durch langen Besitz-Verjaͤhrung unguͤltig/ massen es zu gemeinen Wesens Nachtheil gereichet; Dahero auch kein Koͤnig- oder Fuͤrst aus seiner Unterthanen Veraͤusserung Gewinn zu suchen Macht hat/ noch ohne derer Landes-Staͤnde Bewilligung und Gutduͤncken/ aus wichtig erheblichen Ursachen/ das Cammer-Gut zu veraͤndern/ weilen solche Koͤnig- und Fuͤrstliche Landes Erbguͤter nicht des Koͤnigs oder Fuͤrsten eigen sind/ sondern gehoͤren der Cron und Stamm-Hause zu/ derer Recht sie nur verwalten. C. 33. Ext. de jure jur. C. abbate sane, de sent. \& re judic. in 6. L. 2. C. de jure Rei- publ. L. fin. C. de vend. reb. civit. §. 5. Erb-Verbruͤderungs Recht wird eydlich mit Kaͤysers Be- Erbverbruͤde- rungs Gerech- tigkeit. kraͤfftigung auffgerichtet/ daß/ wann etwa ein Stamm ausstirbet/ des Gebiets Herrschafft nicht zum heil. Reich/ sondern auff lebenden Bunds-Verwandten versetzt werde/ welches Geding zu keinem ver- botenen Zweck/ Todes Hoffnung/ einzufuͤhren/ und dadurch letzten Willens freye Willkuͤhr zu benehmen geschicht/ sondern vielmehr zu deren Unterthanen Verthaͤdigung/ als welchen daran am meisten ge- legen/ daß sie nicht unter frembder Herren Joch gerathen/ wie auch zu deren Durchlaͤuchtigen Haͤuser Famili en Erhaltung und Fuͤrstlichen Einigkeit Erweckung. Also verhaͤlt sichs auch schier mit dem Recht der Ganerbschafft/ so zwischen Durchlaucht- und Adelichen Famili en gestifftet wird/ sich und ihr Vermoͤgen gegen Feindes Gewalt und Uberfall zu schuͤtzen/ auch einander auff den verloschenen oder Sterb- fall eines Geschlechts zu erben. L. invitus, de fidei commiss. libert. Arg. L. fin. C. de pact. §. 6. Allwo nun keine maͤnnliche Erben sind/ daselbst werden Mann- und weiblichen Er- ben Unter- scheid. Weiber und weiblichen Geschlechts Anverwandten vom Regiment nach buͤrgerlichem Recht ausgeschlossen; Nach etlicher Landschafften Gewohnheit aber werden sie zugelassen/ als wann im Weiber-Lehn oder Regierungs-Stand eine Tochter vorhanden/ samt des Verstor- F f benen III. Buch/ Cap. I. benen Bruder/ so wird jene vorgezogen/ sonst aber insgemein gilt das Recht der Erstengeburt bey derer Landesherren oͤffentlichem Erbrecht. L. 3. ff. de muner. \& honor. L. 12. §. pen. de judic. c. 1. §. fin. de Success. feud. L. 3. C. de bon. C. duo fratres, Feud. 2. C. imperialem, §. præterea, de prohib. Feud. alien. Ersten Geburt Recht. §. 7. Und zwar ist der Erstgebohrne der Erste in Geburts-Ord- nung/ schadet ihm auch nichts/ ob er vor oder nach erlangter Vaters Wuͤrde gebohren sey/ sondern er ist Erbnachfolger nicht von Koͤnigs oder Landesherrn/ vielmehr Gesetz und Rechts wegen/ darum auch das Recht der Erstengeburt vom Vater nicht kan veraͤndert noch ab- gekuͤrtzet werden/ massen es in goͤtt- und weltlichen Rechten wohl be- gruͤndet ist. L. 2. §. 1. ff. de Decur. L 9. §. parentes ff. de pœn. L. neque Dorotheam, C. de Decur. L. 5. ff. de Senator. L. 11. C. de Dignit. in fin. vers. cum autem. Deut. XXI. v. 15. c. 1. de Success. Feud. §. 8. Es soll aber der Erstgebohrne weltlichen Standes seyn/ bey guter Vernunfft/ und wofern er von Natur thoͤricht/ einfaͤltig/ taub oder stumm/ so wird er abgetheilt/ oder wann ihm solches her- nach ankommen/ wird ihm ein Beystand und Vorsteher gegeben/ der das Regiment verwaltet/ jedoch soll er aus rechtmaͤßigem Ehebette erziehlet/ nicht ehelich erklaͤret oder an Kindes Statt angenom̃en seyn. C. cum me t um, de Elect. C. 1. de primogen. q. 23. Erstgebohr- nen Repræsen- tation Recht. §. 9. Der Erstgebohrne kan und mag auch sein Recht verkauffen/ und zwar solches stillschweigend oder ausdruͤcklich/ ohne derer andern Soͤhne und Kindern Nachtheil/ abtreten; dennoch aber hat allhier das Repræsentation oder Person Darstellungs-Recht/ aus gegenseiti- ger Geschlechts-Linie nicht Statt/ sondern wann der Erstgebohrne ohne Kinder verstirbet/ alsdann ist nicht der zweytgebohrne Sohn/ vielmehr aber der drittgebohrne/ rechtmaͤßiger Erbfolger. Also auch/ wann von unterschiedener Linie selbigen Stamms zweyer Bruͤder Kinder vorhanden/ so ist des juͤngern Bruders Sohn/ in Alters Anse- hen aͤlter/ dem juͤngern Sohn vom aͤltern Bruder vorzuziehen/ wei- len das jenige/ so noch in Hoffnung/ vom Aeltern und Erstgebohrnen nicht fuͤglich kan versetzt werden/ ja des Erstgebohrnen Verstorbenen Enckel geht in Erbfolge dem Vetter-Vater Bruder fuͤr. L. 7. C. de jure deliber. L. 47. ff. de vulg. \& pupill. substit. Nov. 18. c. 1. c. 46. de R. J. in 6. Erb- und Vor- mundschafft Recht bey Fuͤr- sten Kindern. §. 10. Weilen auch Erb- und Vormundschafft alle zeit genau verbunden/ so kan diese eines unmuͤndigen Fuͤrsten Kindes nechsten Bluts-Verwandten nicht geweigert noch benommen werden/ ob schon sie an- Von Ober-Landesherren Rechten u. Bedientē Pflichten. sie andern im Testament vermacht waͤre/ denn obgleich sonst ein jeder seines Eigenthums Herr und Meister ist in Privat- Sachen/ so hat den- noch ein Fuͤrst nur das anvertraute Regiment und nicht solchen Herr- schaffts Recht/ dadurch ihm etwas zu veraͤussern/ sondern allein zu re- gieren gestattet/ massen wer Vormundschafft halben verordnet/ schei- net auch etwas wegen Fuͤrstenthums Herrschafft zu bestellen; wann nun also ein Frembder zum Vormund angesetzt/ so kan der Unmuͤndi- ge leicht durch betruͤgliche Nachstellungen seiner Guͤter verlustig ge- macht/ und der angebohrnen Wuͤrde beraubet werden. L. 42. ff. de oper. libert. L. 38. ff. de pact. L. 21. C. Mandati. L. 120. verbo legis ff. de V. S. §. 11. Alle Geding und Vertraͤge von kuͤnfftiger Erbschafft eines Erb-Vertraͤge Recht. dritten/ der es nicht weiß noch bewilliget/ sind verboten/ ausgenom̃en unter Durchlaͤuchtigen Personen/ als Fuͤrsten/ Grafen/ Freyherren und Adelichen/ vornehmlich bey Derer Ehren bestaͤrcket/ weilen bey solchen das Erbverbruͤderungs Recht Statt findet; so kan nun durch eydlichen Vergleich kuͤnfftigem Erbrecht abgesagt werden von denen abgefundenen Herren/ zur Liebe des Erstgebohrnen/ auch nach Gewohn- heit bey Ehren versprechen. Wann aber eine Princeßin etwa nach em- Prinzeßintz Heimsteuer Recht und Freyheit. pfangenen 1000. fl. Heimsteuer also verheissen/ daß sie vom uͤbrigen vaͤterlichen Erbgut nichts begehren will/ und dennoch nach dessen Tod die Mitgifft zur gemeinen Erbtheilung bringt/ wird sie zugelassen/ wei- len der Eyd dabey ermangelt; also verhaͤlt sichs auch/ wann ihr von denen Interessent en/ oder nach Landschafft Gewohnheit solcher Eyd nachgelassen waͤre. §. fin. instit. per quas pers. cuiq́; acquir. C. 33. Extr. de jurejurand. C. abbate sane, de sent. \& re judic. in 6. §. 12. So soll nun ein Kaͤyser-Koͤnig- oder Fuͤrstlicher Regent dem Regenten Be- schaffenheit. Geschlecht nach ein Mann seyn und kein Weib/ so von Natur wan- ckelmuͤthig/ zum Regiment unfaͤhig und ungeschickt; bey einem Regen- ten aber wird erfordert Klugheit/ Großmuͤthigkeit/ in widerwaͤrti- gen Dingen Bestaͤndigkeit/ in wichtigen Sachen hoher Verstand/ auch Ernsthafftigkeit/ in Muͤhe und Arbeit Gedult/ und dergleichen Tugenden/ so vom weiblichen Geschlecht entfernet sind/ welche insge- mein vielmehr Geitz/ unnuͤtzem Geschwaͤtz und andern unzehlbaren Schwachheiten unterworffen/ jedoch kan zuweilen die Natur eine Weibes-Person fleißig/ der Fleiß gelehrt/ die Aufferziehung fromm/ und die Erfahrenheit klug machen. F f 2 L. 2. de III. Buch/ Cap. I. L. 2. de R. J. L. 12. ff. de judic. L. 1. § 5. ff. de postul. L. ult. C. de recept. arbitr. L. 1. \& 2. §. 1. \& 2. ad SCt. Vellej L. 8. C. L. 3. \& 9. ff. de LL. L. 1. quando mul. tut. offic. fung. 1. Timoth. II. Gen. III. Landesherrn Pflicht uñ Ei- genschafft. §. 13. Ein weltlicher Regent und Landesherr soll keine auslaͤndi- sche Raͤthe nehmen/ weilen sie des Landes unkuͤndig; Selbst aber von Geburt muß er zum wenigsten ein Graf oder Freyherr/ und zwar Teutschen Gebluͤts seyn/ daß er Vaterlandes Gebrauch desto besser wissen/ und natuͤrliche Liebe dazu haben moͤge; ja er soll fromm und gottsfuͤrchtig seyn/ streng und gerecht/ jedoch freundlich und leutselig/ dadurch er GOtt nachfolget/ gelinde und kein Tyrann/ auch gar nicht eiteln Ruhms begierig/ sondern gnaͤdig/ tapffer/ ziemlich gelehrt/ et- licher Sprachen kundig/ an Sitten erbar/ vom Gemuͤth bescheiden/ tugendsam und der Billigkeit Liebhaber; nach seinem Stande nicht ein geist-fondern weltlicher Herr/ von Alter mittelmaͤßig/ dann ob schon sonst eines alten Mannes Schatten des juͤngern Schwerdt vor- zuziehen/ fo erfuͤllet dennoch bey Durchlaͤuchtigen Personen gelehrte Aufferziehung und mit scharffsinnigen Gemuͤthern taͤglicher Umgang deren Jugend Schwachheit/ daß sie deren tugendsames Leben vor Jahren alt machet/ und aller Einfalt beraubet. L. ult. C. de donat. int. vir. \& uxor. C. cum ad verum, Dist. 96. L. præcipiunt, ff. de ædilit. Edict. C. Paulus, 2. quæst. 7. L. 1. §. 2. L. 6. §. 1. ff. ad municip. L. 4. §. 5. de re judic. L. 8. §. 8. ff. de transact. Alliance und Verbuͤndniß Recht. §. 14. Ferner gehoͤret Kaͤyser/ Koͤnigen und Fuͤrsten zu oͤffentli- chen Gesellschafft Verbuͤndniß-Recht/ wegen Krieg/ Religion-Ge- werb- oder Erbfolge/ Erb-Vereinigung genannt/ auch Nachbarschafft und Graͤntzen halben/ fuͤr allgemeinem Nutzen auffzurichten/ nicht aber auff ungebuͤhrenden Zweck und Endursach anzustellen/ nemlich sich unter einander nicht zu beleidigen/ sondern zu verthaͤdigen und destomehr allen Vortheil mitzutheilen/ den Feind nicht auffzunehmen erdulden/ vielweniger Gunst oder Freygeleit zu gestatten/ noch ihnen Waffen uͤberfuͤhren zulassen; So gilt auch ein Bund/ fuͤr Geld Kriegs-Voͤlcker zu Huͤlff uͤbersenden; Buͤndniß aber hoͤret auff/ mit gemeinen Wesens Veraͤnderung/ wann Bundgenossen schaͤdlich/ eyd- bruͤchig/ oder Zeit und Beding verfallen. L. 1. §. conventicula ff. de Colleg. illic. L. 2. C. quæ res export. non lic. L. 5. ff. quod cum eo, qui in alien. L 14. 15. \& 68 ff. pro soc. C. frangenti \& frustra, de R. J. in 6. L. 37. de contrah. Empt. Buͤndniß mit wem zu ma- chen. §. 15. Ja/ wann es der gemeine Nutzen und die aͤusserste Noth er- fordert/ mag ein Christ derer Unglaͤubigen Huͤlffe gegen Christen be- gehren/ wie Achas des Koͤniges zu Assyrien/ Paulus des Hauptmanns/ darum Von Ober-Landesherrn Rechten u. Bedientẽ Pflichten. darum auch Kaͤyser Justinianus vor zeiten einen Bund mit denen Per- sern gemacht/ und Abraham denen gottlosen Sodomitern mit Krieg geholffen; jedoch ist besser mit Aber- oder Unglaͤubigen keinen Bund zu machen/ damit nicht Laster und Tugend/ Gottesfurcht und Aerger- niß vermischt/ und dadurch leicht die Glaͤubigen aus Schwachheit und menschlichen Gebrechen mit derer Bunds-Verwandten Unglau- ben besudelt werden/ welches sonderlich Franciscus I. Koͤnig in Franckreich in Todes-Noth aus Gewissens-Angst also beklaget: Ach/ ach/ ich bin verlohren/ daß ich des Christlichen Nahmens Fein- des Bundgenosse seyn wollen. 2. Reg. XVI. 1. Reg. XXVII. Act. XXII. XXIII. L. 2. C. de offic. præf. prætor. Exod. XXII. in fine. §. 16. Vornehmlich uͤber alles koͤmmt Kaͤyser/ Koͤnigen und Fuͤr- Landes-Herrn Wort soll be- staͤndig seyn. sten am meisten bey/ das Wort zu beobachten/ GOtt hat einmahl ge- sprochen: Jtem/ was geschrieben ist/ das sey geschrieben/ dahero ein Fuͤrst ja billig eine Feder und eine Zunge haben/ auch wie ein Eckstein und Himmels-Stern fest und unbeweglich stehen/ noch auff eines Cantzlers Winck dasjenige/ so er einmahl verstattet/ wiederruffen soll/ es sey dann zu allgemeinem Nutzen; derowegen sollen im Zweiffel alle fuͤr eine gewisse Summa Geldes/ oder auch sonderlichen Verdienst halben/ ausgegebene Vorrechte und Freyheiten unwiederrufflich seyn/ massen es billig und geziemend/ daß eines Fuͤrsten Wohlthat bestaͤndig verbleibe/ und gar wieder rechtlich gehandelt/ des Abends eine Gut- that wiederruffen/ so des Morgens verliehen. L. fin. ff. de constit. Princ. Gloss. in L. si pater §. fin. in verbo irrevoc. ff. de Donat. L. eum mil. ff. de dol. L. 27. \& 34. §. 1. de Donat. L. qui se patris, C. unde liberi. §. 17. Darum Philippi, Landgrafens zu Hessen/ Reichs-Thaler Fuͤrsten und adelichen Per- sonen Worte Krafft. Muͤntze auffgepraͤgte Worte wohl zu beobachten: Besser Land und Leute verlohren/ als einen falschen Eyd geschworen; daß nemlich nach eines Durchlaͤuchtigen/ Hoch- und Wohlgebohrnen Adelwort und Cavalliers Parole billig ein jeder seiner Worte Sclave seyn soll/ und nicht sagen mag: Versprechen ist Edelmaͤnnisch/ halten steht baͤue- risch. Ja Treu und Glauben zu halten ist jederman schuldig/ allermeist aber Fuͤrsten und Adeliche Personen/ derer Worte an Eydes Statt gelten muͤssen/ und allerdings kraͤfftig seyn/ auch Ketzern Versprechen zu halten/ um ihnen dadurch wahren Religions Grund beyzubringen/ keine Gelegenheit zu benehmen/ massen es allzeit besser ist verschiedenen Religions Grund was seye. Glaubensgenossen einige Ubung zu vergoͤnnen/ als sie mit ihren und F f 3 gemei- III. Buch/ Cap. I. gemeinen Wesens Schaden gar auszustossen/ bevorab da sie friedsam leben/ und niemand zu verfuͤhren suchen. L. 1. princ. de const. pecun. L. 1. princ. ff. de pact. L. 12. C. de act. Emt. C. juram. 22. q. 5. C. ad aures, 3. de his, quæ vi metusve causa. C. 2. X. de fidejuss. L. 26. C. de donat. int. vir. \& uxor. L. 31. ff. de LL. Ober- Rega- li en Benen- nung. §. 18. Unter Oberherrschafftlichen Gebiets Recht werden ferner begriffen Erbhuldigung/ Auswahl/ Verbot/ Folge/ Mandaten Eroͤffnung/ Unterthanen Recours, Appellation, Erforderung zu Land- Tagen/ Confiscations- Straff-Gelder/ Begnadigung der Ubelthaͤter/ Geleit/ Aemter Ersetzung/ Policey und Statut en Verbesserung/ Stadt- Dorff-Waͤisen-Spital- und Pflege-Rechnung/ Contribution, Maß und Pfaͤndung; deßgleichen gehoͤret zu oͤffentlichen Rechten Lehn- schafft an Rasen/ Waͤnden/ Ziegel- und Stroh-Daͤcher Gerechtig- keit/ Schatzung/ Creyß-Verfassung/ Jagt-Frohn-Folg- und Harts- haffern; Jtem/ Aus- und Abzugs-Geld/ Stifft-Sassen/ Frohn- Dienste/ Marckt-Last-Schiff- und Burg-Gerechtigkeit/ Banns Be- fehl und Einweisung/ Schoͤpffen Bestellung/ Grafen Gedings Be- zeugung und peinlichen Gerichte Ubung/ Weyd- und Saltz-Junckern oder Saltz-Graͤven/ die einen oder mehr Kothen oder Pfanne haben/ nach Lehn-Rechts Brauch und dergleichen. Metal und Erdgewaͤchse gehoͤret denen Landes-Herrn zu. §. 19. Sonderlich aber finden sich zwoͤlfferley Arten Metall oder Erd-Gewaͤchse/ als Gold/ Silber/ Ertz/ Meßing/ Kupffer/ Zinn/ Bley/ Eisen/ Qvecksilber/ weiß Marmol unterirrdisch Saltz und Mennige/ jedoch moͤgen andere Einkuͤnffte und Zoll von Saltz- Brunnen oder Gruben auch wohl verpacht und verzinset werden/ ja sie haben ihre eigene Richter/ Alabarchæ, oder Ober-Saltz-Graͤven genannt/ wie zu finden in Sooden bey Allendorff. Muͤhlen Baurecht. §. 20. So werden auch unter Herrschafftliche Vorrechte oder Re- gali en gerechnet allerley Muͤhlen/ welche niemanden ohne Fuͤrstliche Zulassung zu erbauen freystehen; deren Fluͤsse Gebrauch aber kan der Fuͤrst/ ohne bey hoͤchstem Nothfall allgemeinen Nutzens wegen/ Privat-Leuten nicht verbieten/ noch sie daran verhindern; und mag jemand ohne Fuͤrstliche Verguͤnstigung an offenbar allgemeinem Fluß eine Muͤhle erbauen/ massen des Flusses Gebrauch oͤffentlich und all- gemein ist/ jedoch so fern dieselbe Erbauung nicht geschiehet aus Eif- sersucht zu dessen Ungemach/ der allbereits eine Muͤhle hat/ am Ober- oder Untertheil des Flusses oder Bachs. L. 2. ff. de flum. L. unic. in princ. §. 2. ff. ne quid in flum. publ. L. 13. ff. comm. præd. L. 11. ff. de Evict. L. 1. in pr. ff. de flum. L. si manifesti C. de Servit. L. 2. ff. de via publ. C. possessiones 16. q. 1. L. 1. §. 3. C. de Servit. C. abbate, §. 2. de V. S. §. 21. Land- Von Ober-Landesherꝛn Rechten u. Bedienten Pflichten. §. 21. Land-Huldigungs Dienst-Pflicht ist deren Unterthanen Huldigungs Recht. Treu und Gehorsams Versicherung bey Regierungs Antritt/ von al- len und jeden zu leisten/ dagegen der Landesherr Schutz und Schirm zu verheissen pfleget. Jhr saͤmtliche Adel- und Unadeliche/ Hohe und Niedrige/ Erbhuldigung Eyds Formu- lar. Reich und Arme/ des gantzen Reich- oder Landes Erb-Ange- bohrne/ oder darinn wohnhafft Gesessene/ ob schon von Geburt sonst ausserhalb-so wohl als innlaͤndische Hintersassen und Unterthanen/ auch Frembdlinge/ die hohen obrigkeitlichen Schutz begehren/ Chri- sten oder Juden/ sollet geloben und schweren/ daß ihr wollet dem Aller- oder Durchlaͤuchtigen und Groß- oder Maͤchtigen Kaͤyser- oder Koͤ- nig-Chur- oder Fuͤrsten und andern Reichs Stande/ Tit. insonder- heit aber als Vormund und Gewalthabern des gantzen Hessen-Lan- des/ dem Durchl. Herrn Herrn Carl oder Friedrich mit Nahmen/ Landgraf zu Hessen-Cassel/ Fuͤrsten zu Hirschfeld/ Grafen zu Catzen- Elenbogen/ Dietz/ Ziegenhain/ Nidda und Schauenburg/ und nach deren Ableben ihren ehelichen maͤnnlichen Leibes-Lehn-Erben; und in Mangel oder Abgang Deroselben/ dem Fuͤrsten des Hauses Hessen- Darmstaͤdtischen Linie/ und ihren ehelichen maͤnnlichen Leibes-Lehns- Erben; und im Fall der gantze maͤnnliche Stamm derer Fuͤrsten zu Hessen Todes abgangen und verstorben waͤre/ denen Chur- und Fuͤrsten zu Sachsen/ in Krafft der Erb-Verbruͤderung/ auf angezeigte Faͤlle wie vorstehet/ hold/ getreu/ gewaͤrtig und gehorsam seyn/ Jhro Hochfuͤrstlichen Durchl. Gnaden und deroselben Erben/ Frommen/ Ehr und Nutzen foͤrdern/ Schaden aber warnen und wenden nach eurem besten Vermoͤgen/ auch nicht in Rath/ vielweniger bey That seyn/ allda wider und gegen ermeldte Landes Erb- und Eigenthums- Herren berathschlagt oder gehandelt wird/ sondern alles dasjenige thun/ leisten/ halten und lassen/ was getreuen Unterthanen gegen ih- re hohe Landes-Obrigkeit von GOttes/ auch Gewohnheit und Rechts wegen zu thun schuldig seyn/ alles gantz getreulich und ohne Gefehrde; was nemlich uns ietzo vorgehalten und auffgelesen worden/ auch wir gar wohl verstanden haben/ das geloben und schweren wir/ stets/ fest und unverbruͤchlich zu halten/ so wahr uns GOtt helffe/ durch JE- sum Christum unsern HErrn und Heyland/ oder sein heil. Wort/ am Berge Sinai verkuͤndiget fuͤr denen Juden. Juden-Eyds Formul. Jch N. N. schwere dem allmaͤchtigen lebendigen GOtt/ der Him- me l und Erden erschaffen hat/ und Mosi erschienen im feurigen Busch/ und III. Buch/ Cap. I. und bey den zehn Geboten/ die Mosi am Berge Sinai gegeben sind/ daß mein Ausspruch recht und wahr/ daß ich wahre Kundschafft wol- le sagen/ daß es wahr sey/ was ich sagen und antworten will/ und ob ich solcher Sachen halben ungerecht und mein eydig wuͤrde/ so muͤste ich verjaget werden unter die Voͤlcker/ und wohnen im Lande meiner Feinde/ und muͤste mich das Erdreich verschlingen/ als Dathan/ Co- rah und Abiram/ und der Aussatz ankommen als Naeman den Sy- rer/ und muͤsse meine Haußwohnung verlassen/ und kommen uͤber mich alle meine und meiner Vor-Eltern Suͤnde/ und alle Fluͤche/ die im Gesetz Mosis und der Propheten geschrieben sind/ und bleiben uͤber mich in Ewigkeit/ und gebe mich GOtt in Verfluchung zu einem Schand-Zeichen allen seinem Volck/ und daß ich mich von diesem Eydschwur nimmermehr absolvir en oder ledig sprechen lassen wolle/ ohne Gefaͤhrde und Argelist. Joh. II, 17. 2. Sam. V, 3. Wasser-Fluͤsse Recht. §. 22. Stroͤm-See- und Fluͤsse Recht/ die sonst nach allgemeinem Gebrauch des gemeinen Volcks eigen sind/ gehoͤret auch dem Koͤnige oder Fuͤrsten zu/ der dabey gelegenen Landes Gerechtigkeit hat/ wor- unter auch Jnsuln und alle in fuͤrstlichem Gebiet durch adelichen Grund fliessende Wasser begriffen. L. 2. ff. \& §. 1. instit. de rer. divis. L. 30. in fin. ff. de acquir. rer. dom. L. 2. ff. de flu- min. L. Littora ff. ne quid in loco publ. L. Unic. C. de Clasl. Nov. 56. Zoll Gerech- tigkeit. §. 23. Wer dannenhero Bruͤcken- oder Wasser-Zoll verfaͤhret/ soll ihn nach Saͤchsischem Recht vierfaͤltig entgelten; Nach Roͤmi- schem Recht aber bestehet Zoll im achten Theil/ heut zu Tage/ jedoch nach Orts Gewohnheit/ veraͤnderlich; wer nun gebuͤhrenden Zoll entrichtet/ den soll man fuͤr Schaden behuͤten/ oder ihm Schaden ent- gelten/ er muß aber unter Verfalls Straffe alles anzeigen und ver- melden/ welche Verfalls-Klage stirbet in fuͤnff Jahren; was aber ein- mahl verfallen ist/ hoͤret auff des Verbrechers eigen zu seyn/ der auch unwissend Verfalls-Straffe nicht befreyet/ sondern wann Knechte suͤndigen/ mag der Herr/ nicht aber dessen Erben beklaget seyn/ was auch einer angegeben/ u. mit Zoͤllners Willen noch nicht bezahlet/ dessen Guͤter koͤnnen nicht verfallen; wer sonst vor Zeiten mit denen bey sich habenden Sachen keinen Gewerb-Handel trieb/ war Zoll frey. C. 19. X. de Censibus. Tot. Tit. C. de immunit. non conced. L un. C. de his qui à princ. voc. L. 1. §. 20. de quæst. Nov. 161. c. 2. L. interdum, §. 3. ff. de vecti- gal. L. neque, L. universi, L. ex præstatione, L. omnibus, C. Eod. L. com- missa, L. Eodem §. 2. L. 4. §. fin. L. fin. §. pen. L. interdum, §. 5. 11. \& 12. L. 9. §. 5. L. Cæsar. ff. de publican. §. 24. Zoll- Von Ober-Landesherrn Rechten u. Bedientẽ Pflichten. §. 24. Zoll frey aber sind alle geistliche Reichs-Staͤnde Grafen/ Zollfrey wer ist? Freyherren/ Edelleute und Studenten/ Raͤthe und ihr Gesinde/ jedoch sollen sie die eingefuͤhrte Sachen beym Zoͤllner bekennen/ oder diese moͤgen solche Guͤter und Waaren/ davon der Zoll entfuͤhret ist/ ein- ziehen und behalten/ biß die Ubertreter sich deßhalben vertragen und abgefunden haben; wann aber Reisende Zoll bezahlet/ nicht vom We- ge abgewichen und dennoch beraubet sind/ soll deren Land-Strassen Eigenthums-Herr Schaden erstatten/ oder Gewerbe halben die We- ge sicher und rein halten. L. 10. ff. de publ. \& vectigal. Auth. Habita, C. ne fil. pro patre. L. fin. §. 3. \& §. Divi L. 9. \& 14. ff. de publican. L. 1. C. de Vectigal. L. 13. ff. de offic. præs. \& pro- cons. L. 4 C. de privileg. §. 25. Repressali en oder Pfaͤndungs Fehden/ rechtliche Verhem- Repressali en Recht. und Auffhaltungen/ dadurch einer fuͤr den andern gedruͤckt/ oder eines fuͤr des andern Guͤter angegriffen/ und etwa zugefuͤgten Unrechts Rache halben ohne Beleidigers Schaden beschweret werden/ sind zwar goͤttlichen Rechten zu wieder/ so wohl als natuͤr-geist- und buͤr- ger ichen/ welche saͤmtlich nicht gestatten/ daß der Unschuldige fuͤr den Schuldigen leiden/ noch jemand fuͤr eines andern Verbrechen buͤssen soll/ weder ein Sohn fuͤr seinen Vater/ mit dem er fuͤr eine Person/ noch das Weib fuͤr den Mann/ da sie doch fuͤr ein Fleisch zu achten; Nichts destoweniger geschiehet solchen Arrests Beschlag aus gar ge- braͤuchlichen undenckbaren Gewohnheiten/ die oͤffters wegen einer Privat-Person Nutzen grosse Krieges-Last zu Landes Schaden er- reget; derowegen billig ein Fuͤrst dergleichen zu gestatten/ in Anse- hung allgemeinen oͤffentlichen Friedens der Privat-Sachen vorzu- ziehen/ sich gar schwuͤrig erzeigen soll/ zu Franckreichs loͤblichen Nach- folge/ allwo solche Pfaͤndung gaͤntzlich abgeschaffet. C. 1. de injur. c. Dominus noster 23. q. 2. Jerem. 31. v. 30. L. 11. 74. \& 155. ff. de R. J. C. un. de injur. in 6. L. 22. C. de pœn. §. 3. inst. de J. \& J. c. invocamus Ext. de Treuga \& pace. L. nulla C. de Exec. \& Exact. Nov. 12. \& 134. L. fin. C. de impub. \& al. substit. L. cum Scimus, C. de agricol. C. debitum Ext. de bigam. C. admonere 33. q. 2. L. ita vulneratus. §. muta ff. ad L. Aquil. arg. L. nam salutem ff. de off. præf. vigil. L. un. C. ut nulli ex Vicuncis. §. 26. Jn Teutschland werden hiervon ausgenommen und be- Repressali en wer befreyet. freyet alle abgeordnete Commissarii und Fuͤrstliche Abgesandten/ Stu- denten/ Geistliche/ Weiber/ todte Leichnam/ Reisende zu Marckt und Jahrmessen/ wie auch alle/ die man nicht fuͤr Gericht ziehen und fordern kan/ als Obrigkeiten/ Verschwender/ Kinder/ Unsinnige und der- G g gleichen/ III. Buch/ Cap. I. gleichen/ also die Schiffer/ so durch Sturm irgendswo angetrieben/ und Christliche Pilgrimm oder Wanders-Leute Religion halben abgeben. L. sanctum, §. 1. ff. de rer. div. ult. L. ff. de Legat. Auth. habita, C. ne filius pro pa- tre. C. un. de injur \& damn. in 6. Auth. si hodie C. de advocat. div. jud. L. fin. C. de sepulchr. viol. L. un. C. de nundin. L. 2. 3. 22. ff. de in jus voc. Auth navigia, C. de furt. Auth. omnes, C. commun. de suc ess. Abgesandten Recht und Ge- leits Freyheit. §. 27. Zum oͤffentlichen Landesherrn Schutz-Recht gehoͤret auch insonderheit derer Abgesandten Freyheit/ die mit Creditiv- Brieffen wohl versehen seyn muͤssen/ welche/ wann sie zum Feinde gehen/ mag man sie zwar auffhalten/ biß daß sie erweisen/ um frembder Ursa- chen halben dahin gesandt zu seyn/ alsdann aber man sie passir en lassen muß/ wie auch sonsten ihren Freyheits Gerechtigkeit gemaͤß ihnen sicher Geleit an- und abzuziehen vergoͤnnen/ und sie gar nicht weder mit Worten oder Wercken beleidigen/ so lange sie sich in ihren Schran- cken halten/ es seyen gleich geist- oder weltliche/ ordent- oder ausseror- dentliche Gesandten. Gesandten Vorrecht. §. 28. So werden nun Gesandten Personen heilig gehalten/ daß/ wer sie beleidiget/ hat das allgemeine Voͤlcker-Recht gebrochen/ und haben sie insgemein die Freyheit/ daß sie waͤhrenden Verrichtungen vorhero gemachten Schulden halben nicht moͤgen belanget werden/ und wer eine Gesandschafft uͤber See verwaltet hat/ ist zwey Jahr lang von andern persoͤnlichen Diensten entschuldiget/ und wann er unter Wegs bey seinem Amt verstirbet/ beduͤrffen die Erben ihm gege- dene Reise-Kosten nicht erstatten/ ja wann ihnen etwas/ ob schon in Ansehung der Gesandschafft/ geschencket ist/ erwerben und behalten sie dasselbe fuͤr sich/ und nicht fuͤr ihre Principalen/ auch koͤnnen sie nicht ehrloß/ noch gemeinen Wesens Schuldner werden. L. 4. 7. \& 8. de Legat. L. 10. 11. 12. L. 4. §. legati, L. fin. L. 2. §. his qui, hoc tit. L. ult. §. 1. ff. de muner. arg. L. 4. in fin. C. de commerc. Gesandten Amts Pflicht. §. 29. Es ist aber Gesandten Amt eine persoͤnliche Pflicht/ dazu ein jeder kan gezwungen werden/ er sey denn vom Fuͤrsten oder Rechts wegen mit Freyheit begabt/ als ein Anklaͤger mag zu des Beklagten Freund oder Haußgenossen nicht verschickt werden/ also ein Vater dreyer lebendigen Kinder ist Gesandschafft Buͤrde entlediget; sonst soll ein Abgesandter weder in frembde Haͤndel sich einmischen/ noch ei- gene Geschaͤffte inzwischen abhandeln/ es waͤre dann/ daß sie ihm zur Schmach und Schande gereichen moͤchten/ oder nicht hinderlich seyen noch Verzug leiden koͤnten/ als Unmuͤndigen Sachen/ auch kan und mag er an seine Statt ohne seinen Sohn niemanden dazu bevollmaͤch- tigen/ Von Ober-Landesherrn Rechten u. Bedienten Pflichten. tigen/ er thaͤte es denn umsonst/ und haͤtte die Gesandschafft auff eige- Agent en und Resident en Recht. nen/ nicht aber gemeinen Wesens Unkosten angenommen/ alsdann nach abgestattetem Bericht dessen Amt auffhoͤret; Agent en und Re- sident en haben jedoch nicht Gesandten Freyheit. Tot. Tit. de vacat. mun. L. 4 §. 3. ff. de Legat. L. 8. 10. \& 11. Eod. L. 1. \& 3. C. de Le- gat. c. 5. de offic. Legat. L. 2. \& 3. L. 8. de judic. §. 30. Das oͤffentliche Staats-Recht/ durch Herolden Krieg an- Kriegs Ver- kuͤndigungs Recht wem ge- hoͤret. zukuͤndigen/ gehoͤret keinem Pabste zu/ als welche mit Thraͤnen und Gebet fechten/ ihren Wiedersacher mit dem allerbesten Mittel der Ge- dult uͤberwinden sollen; sondern ein rechtmaͤßiger Krieg erfordert/ daß ein Fuͤrst niemand untergeben sey/ oder es geschehe mit derer Staͤnde Bewilligung aus gerechten Ursachen; als wegen Religion/ denen unterdruͤckten Bundsgenossen zu helffen/ oder verweigerten Nahrungs Mitteln und Durchzugs halben/ jedoch mit Versicherung/ alles zu be- za hlen/ ohne Schaden zu thun; Jtem/ wegen geraubt- oder verdorbe- nen Guͤter abgeschlagenen Erstattung/ also verweigerten Gerechtig- keit und zugefuͤgten Schmach/ oder auch Gesandten Beschimpffung hal- ben/ deßgleichen wegen Landes Verwuͤstungs Ursachen. C. non pilæ, C. si quis. 23 quæst. 8. C. convenior. Eod. Caus. 23. q. 2. c. 1. 2. 3. \& 7. Jos. IX. X. L. Servus, ff. de Serv. Export. c. 6. §. 1. de homicid. Jud. IIX. L. 17. ff. de vi \& vi arm. C. 12. de Restit. Jud. XX, 9. Jud. XI, 12. §. 31. Gleichfalls gebuͤhret dem Landesherrn das Recht/ reit- und Posthaltungs Recht. fahrende Posten oder oͤffentliche Botenlaͤuffer anzuordnen/ und sol- chen Ober- und Unter-Postmeister fuͤrzustellen/ welche Posten beobach- ten sollen/ daß sie nicht ausserhalb Land-Strassen weichen/ noch mit Pruͤgeln sondern Peitschen ihre Pferde forttreiben/ und weilen dieses zu allgemeinem und sonderbarem Nutzen gereichet/ so ist auch billig/ daß zu deren Erhaltungs Ausgabe ein jeder/ so Brieffe verschicket oder be- koͤmmt/ geschaͤtztes Post-Geld bezahlen muͤsse. Tot. tit. de curs. publ. angar. L. 1. \& fin. C. de Fabricens. §. 32. Dahero in Reichs-Satzungen loͤblicher massen verord- Reichs Sa- tzung wegen Brieff-Post- Geld. net/ daß die Posthaltere und Bediente derjenigen Chur-Fuͤrsten und Staͤnden/ in welchen Landen/ Gebiet und Staͤdten sie ihre Post-Aem- ter uͤben und wohnen/ verpflichtet seyn/ und durch dieselbe dem uhral- ten Herkommen und Boten Gebrauch einiger Eintrag und Verhin- derung nicht zugefuͤgt/ sondern dißfalls alle und jede Staͤnde bey ihren vorlaͤngst begabten Freyheiten/ wie auch frey besitzlichen Gebrauch- Rechten/ Privilegi en und deßwegen zum Theil vorgegangenen sonder- baren Geding- und Vertraͤgen unzerstoͤrt gelassen/ respective restitui- G g 2 ret/ III. Buch/ Cap. I. ret/ weniger nicht Chur-Fuͤrsten und Staͤnden/ und dero sonderlich auff Reichs- Convent en habende Gesandschafften/ mit dem Brieff- Postgeld nicht beschweret noch uͤbernommen/ sondern gebuͤhrendem Taxt gemaͤß hierinn jederzeit gute Anordnung beobachtet und vollen- zogen werden moͤge. Steuer Ein- sammlungs Recht. §. 33. Jtem/ es gehoͤret zum allgemeinen oͤffentlichen Staats-Recht die Steuer-Einsammlung/ welche zwar sehr gefaͤhrlich/ weilen da- durch oͤffters Auffruhr erwecket wird/ wann Buͤrger und Einwoh- ner mit solchen beschwerlichen Aufflagen geqvaͤlet werden/ dahero man billig deßfalls diejenigen/ so an Landschafft Graͤntzen/ oder bey einem andern benachbarten Volck wohnen/ leichter als die/ so mitten im Lande ihren Sitz haben/ tractir en soll/ massen diese von ihren Obrigkeiten besser moͤgen gezwungen seyn. Reichs Tuͤr- cken und Prin- ceßinn Steuer Recht. §. 34. Von Reichs und Tuͤrcken-Steuer ist gar niemand befrey- et/ weilen sie zu oͤffentlichem Nutzen fuͤr Christlichen Glauben und Re- ligion bezahlet wird; So ist nach heutigem Gebrauch die Princeßin- Steuer erfunden/ wobey ein Landesherr wohl zu erwegen/ daß Steuern Auffbuͤrdung nur nach Nothdurfft/ und nicht unmaͤßig nach Wollust geschehe; sonderliche Land-Steuer aber mag wohl vom Ober-Landesherrn allgemeinen oder offenbaren Nutz und Nothwen- digkeit halben/ wann er an seiner Rechnung Mangel leidet/ ange- kuͤndiget werden/ welchen Falls auch die reichen Landsassen/ Geld zu lehnen/ vom Fuͤrsten angestrenget werden koͤnnen; jedoch zu eines Fuͤrsten eigenem Nutzen/ oder neuen Kriegs Leute Anwerbung/ noch zu eines gefangenen Herrn Erloͤsung/ darinn er sich durch eigene Schuld gestuͤrtzet/ noch zu uͤber Meers Hinschiffung/ oder neuen Ge- biets und Wuͤrden Erlangung und dergleichen zu steuren/ sind sie rechtlich nicht gehalten; Sonst aber koͤnnen alle Saͤum- und Hals- starrige durch Auspfaͤndung/ Fruͤchte Beschlag/ Kriegs-Leute Ver- wahrung oder oͤffentliche Auction derer Guͤter/ welche dafuͤr heimlich verpfaͤndet sind/ gezwungen werden. L. 2. C. de mun. patrim. L. 1. C. de Exact. tribut. L. hi qui C. de conven. fisc. debitor. L. nemo carcerem, C. de Exact. tribut. L. 1. ubi gloss. in quibus Caus. piga. vel hypoth. L. 1. C. de indict. L. 2. C. de Exact. \& translat. C. pervenit, Ext. de immun. Eccles. L. 6. C. de Exact. trib. \& præd. §. 35. Ordentliche Steuer ist die jaͤhrliche oder Monats Scha- tzung/ davon niemand/ ob schon sonst privilegi rt/ ausgenommen wird/ sondern von jederman ewig waͤhrend bestaͤndig zu entrichten; Ausser- Von Ober-Landesherꝛn Rechten u. Bedienten Pflichten. Ausserordentliche Steuer aber ist/ die gemeinen Wesens Nothdurfft aufferlegt wird: als Soldaten zu unterhalten/ Serviß/ Standqvar- tier und Hospitations Geld/ oder zu Bruͤcken/ Mauren und Wege Bau und Besserung/ darinn alle Freyheit gleichfalls auffgehoben/ ja Geist- und Weltliche geschaͤtzt werden/ jedoch nach Personen Zeit und Ge- wohnheit Ermessung. L. ad instructiones, C de SS. Eccles. L. 3. C. de quibus mun. vel præstat. nem. licet se excus. L. 7. C. de Excus. mun. L. 7. C. de SS. Eccles. L. un. C. de his, qui à princ. vac. impet. Matth. XVII. v. 6. L 12. C. de vac. mun. §. 36. Hiervon werden bey Fuͤrstl. Durchzug freygelassen alle Ausserordent- lichen Steuer wer befreyet. vornehme Leute/ Kammer-Herren/ Professor en und freyen Kuͤnste Vorsteher; Rechts- und Artzney-Lehrer/ auch Hof-Aertzte; Jtem/ Rechts streitigen Sachen Patronen und Fuͤrsprecher/ beruͤhmte Red- ner/ Beamten und Schuldiener/ Kirchen/ Kloͤster und dergleichen alte Stifftungen; Lehns-Leute/ die ihren Frohndienst leisten/ Kunst- reiche Mahler/ Kraͤmer-Waaren/ Arbeiter und Hofs-bediente Handwercker. L. 2. C. de præpos. Sacr. cubic. L. 1. C. de Decret. Decur. L. 1. in fin. C. de Excus. artif. L. 6. C. de Profess. \& Medic. L. 6. \& 13. in fin. de advoc. div. jud. L. ult. §. ult. de mun. \& hon. L. 1. §. ult. L. præterea, §. matrimonium, ff. Eod. Clem. 1. §. præfat. L. 2. 4. 8. \& 10. C. de Metat. \& Epid. §. 37. Wann aber bey Staͤdt und Vestungen Belaͤgerung gros- Steuer Vor- rechte/ wann unguͤltig. se Gefahr obhanden/ so kan weder Gesetz/ noch Kaͤyser/ Koͤnig oder Fuͤrst/ dem dritten Mann durch Vorrechte Gestattung nachtheilig seyn/ es wuͤrde dann aus der Schatz-Kammer ersetzet/ sondern die Steuer ergehet nach Erbguts Schaͤtzung und verbindet solche Erb- pflicht alle und jede auch Weibes-Leute/ daß also hier Vorrechte schweigen muͤssen; Deßgleichen ist die Pflicht der Gaͤste Bewirthung erblichen Guͤter gemaͤß zu beobachten/ daß bey allen Befreyungen derogestalt zu handeln/ damit nicht die uͤbrigen beschweret werden/ sondern derjenige/ so die Freyheit giebt/ felbst den Abzug leide/ mas- sen solches nach Erbguts Besitz-Masse und derer Einkuͤnffte Groͤsse/ daselbst/ wo die Sachen gelegen/ anzusagen und einzurichten. L. 2. ff. \& L. 9. C. de mun. L 3. \& 4. C. de privil. dom. Aug. L. 3. 5. 7. \& 10. C. de mun. patrim. L. 2. de veteran. L. 2. C. de immun. nem. conced. L. 3. §. 14. ff. \& L. 3. C. de mun. L. 12. \& 3. C. de annon. Nov. 163. Nov. 17. c. 8. L. 4. §. 2. L. 5. ff. de Cens. §. 38. Buͤrger und Bauren muͤssen alle Kopff-Schatzung-Steu- Kopff Scha- tzung Recht. er ausgeben/ welche von Kopff-Geld oder Grund-Gut/ nach Perso- nen Mann-Zahl/ und von jeder Huffen Acker Landes einzufordern/ G g 3 wie III. Buch/ Cap. I. wie auch von Leib-eigenen Zinß-Knechten oder Dienst-Gesinde/ als Aecker/ Wiesen und Erbguͤter Werckzeug/ bezahlet werden; bey al- Steuer Ursa- chen wie zu melden. len Steuer-Einsammlungen aber soll billig dem gemeinen Volck die Ursach angezeiget werden/ daß man kundbar sehen moͤge/ ob sie getecht oder nicht/ als Kriegs-Noth-Schutzwehr-Laͤger und Kaͤyserl. Kam- mer/ oder hohen Schulen Unterhaltung. L. 3. \& fin. ff. de Cens. L. cum autem L. immunitat. L. cum satis, L. quemadm. C. de agricol. \& Cens. L. 1. §. 2. ff. de mun. C. pervenit de Censibus. L. 1. \& 2. C. de indiction. Persoͤnlichen Dienste wer befreyet. §. 39. So wird auch bißweilen gegen persoͤnlichen Dienste Pflichten Abtrag eine Steuer aufferlegt/ davon werden Geschlechts/ Alter und Wuͤrde halben/ oder in Kranckheiten und Kinder Ansehn/ entschuldiget/ alte wohlverdiente Lands-Knechte/ Weibs Personen/ Maͤnner von 70. Jahren/ Kauff-Handels- und Schiff-Leute/ oder die groͤssere Amts-Bedienungen verwalten; Jtem/ die Vaͤter/ so fuͤnff Kinder haben; Soldaten und freyer Kuͤnste Professor en/ Lahme/ Blinde/ und die/ so mit dem Podagra behafftet/ weilen sie ihren eigenen Sachen nicht vorstehen koͤnnen. L. à mun. de vac. mun. L. pen. \& fin. C. de his, qui non impl. stip. L. 3. §. corporal. de mun. L. 3. de jure immun. L. 5. §. 3. \& 6. L. 6. Eod. L. 3. §. 6. \& 12. L. 3. §. 10. L. 4. ff. de mun. L. 10. §. 2. ff. de vacat. mun. L. 6. \& fin. C. de profess. L. 12. \& 16. C. de Excus. mun. L. 1. 2. \& pen. C. qui morbo. C. 1. in fin. Clem. de magistr. §. 40. Dienstfuhren und Frohn-Dienst-Pflichten geschehen ausser Ordnung/ wann Kriegs-Zug vorhanden/ alsdann auch Kirchen nicht frey seyn/ weilen deren Waffen Zufuhr und dergleichen eiligst zu verrichten/ derowegen niemand Sattel und Zaum-fertige Pferde/ Schiffgereitfchafft oder Wagen und Geschirr/ samt zugehoͤrigem Vor- span/ weigern kan; jedoch sind Unterthanen solche Dienste ausser- halb ihres Herrn Gebiet nicht schuldig/ sondern muͤssen unter vielen Herrn getheilt werden/ und wann derer Herren einer nur buͤrgerliche/ der andere peinliche Gerechtigkeit hat/ leistet man sie diesem/ und koͤn- nen/ dergleichen andern zu thun/ nicht uͤbertragen werden; ja im An- zug gegen Feinde mag man frembde Schiffe/ Wagen und Pferde behalten und gebrauchen/ ersetzt auch nur uͤbermaͤßigen Schaden. L. 11. \& ult. C. de SS. Eccles. L. 11. de vac. mun. L. 21. C. de curs. publ. L. 2. C. de quibus mun. vel præstat. L ult. vers. quoties, C. de Fabricens. L. 21. de oper. libert. arg. L. 239. §. 8. ff. de V. S. L. 1. C. de manumiss. L. si non, §. libertus ff. de condict. indeb. Frohndienste wer befreyet. §. 41. So geschehen nun Frohn-Dienst-Pflichten von Personen Erb- und andern Guͤter wegen/ als Wege Verbesserung/ Grund- Scha- Von Ober-Landesherꝛn Rechten u. Bedienten Pflichten. Schatzung/ Stuͤck-Pferde/ Steuer- und Kopff- oder Einwohner- Zinß/ taͤgliche Hand-Arbeit/ Hofe-Dienste; von solchen Beschwer- den nun soll niemand sich loßkauffen/ jedoch sind deren befreyet alle Minderjaͤhrige unter 25. und alte Leute uͤber 55. aber in persoͤnlichen Diensten/ uͤber 70. biß 75. Jahren/ welches Alter Ehrwuͤrdig und Ru- he beduͤrfftig; also etliche wegen ihrer dem gemeinen Nutzen erwiese- nen Gutthaten/ oder wie obgemeldt/ eigenen 5. und mehr Kinder Zahl halben/ auch deren/ die fuͤr Gemeine Bestes verstorben; andere sind entschuldiget ihrer Kranck- und Schwachheit/ Armuth/ geringen Standes/ oder oͤffentlichen Ehren-Amts und Wuͤrde halben/ als derer freyen Kuͤnste Lehrer und Professores, Korn-Haͤndler/ Kauffleute/ Schiffmaͤnner/ Zuͤnffte/ Soldaten/ vornehme Bedienten/ Aertzte und gerichtliche Fuͤrsprecher/ diese aber muͤssen dennoch ordentliche Erbguͤter-Dienste abtragen/ und solche Freyheiten kommen nicht zu denen Erben/ es waͤre denn ausdruͤcklich in denen Privilegi en ausbe- scheiden. L. 1. §. patrimonialia. L. fin. §. patrimoniorum, L. 3. §. Exactio. L. 13. §. munus ff. de muner. L. 1. in princ. Eod. tit. L. pen. §. pen. Eod. tit. L. 10. \& L. 2. §. 1. Eod. tit. L. 3. C. qui ætat. se excus. L. 3. \& 5. de jure immunit. L. 3. §. 1. \& §. cum ad municip. L. 2. §. qui ff. de mun. L. 2. §. quum ita. L. fin. L. 4. §. 1. \& 2. L. 13. §. plebei, L. 9. L. 8. §. fin. hoc tit. L. fin. C. de Decur. L. 1. C. quemadm. Civ. mun. ind. L. fin. §. fin. ad Municip. L. 5. §. negotiatores ff. de muner. §. 42. Sold/ Steuer und Schatzungen sind auch Frucht-Be- Sold-Steuer und Zollrechts Unterscheid. schwerden/ zu gemeinen Wesens Wohlfahrt/ Friedens-Zierde und Kriegs-Huͤlffe; Zoll aber/ dessen oberwehnt/ wird entrichtet wegen oͤffentlichen Land-Straß- und Wege Gebrauch/ von dem/ was ein- und ausgefuͤhret wird/ damit solche ein jeder Landesherr denen Reisen- den sicher und bey ebener Bahn erhalten koͤnne; wann nun derselbe nicht bezahlet wird/ sind die Sachen der Obrigkeit anheim verfallen. Wann aber Zoll-Bediente/ jemanden durch Schrecken mehr abzwin- gen/ oder Waaren berauben/ sind sie willkuͤhrlich zu bestraffen; und diese Klage geht von Erben/ entgegen Thaͤters Erben. L. 7. ff. de Usufr. L. 13. ff. de impens. in res dotal. L. 21. ff. de donat. int. vir. L. 13. ff. de offic. præs. L. commissa, L. fin. §. si quis ff. L. 1. 4. in princ. L. 13. \& 9. \& Gloss. in L. 1. C. de. publ. \& vectigal. §. 43. Zuletzt ist bekandt/ daß Untreu in Amtsverwaltungen also Beamten Pflicht und Untreu Straf- fe. gestrafft wird: Wer nemlich eines Landesherrn/ Fuͤrsten oder Ge- meinde Verwalter und Vorsteher/ Zoͤllner/ Schoͤsser/ Rentmeister oder Amtmann ist/ und von dem anvertrauten Gut oder Geld etwas entfcem- III. Buch/ Cap. II. entfrembdet/ unterschlaͤgt/ veruntrauet/ und in seinen eigenen Nutzen anwendet/ oder weniger anschreibet und berechnet/ denn er empfangen/ derselbe hat damit sein Leben verwuͤrcket/ jedoch wird er bißweilen mit Amt-Leute moͤgen ihren Sold inhalten zeitlicher Verweisung/ Gefaͤngniß oder Pruͤgel und Geisselung ab- gestrafft/ wofern es aber 100. fl. Werth uͤbergeht/ muß er mit Galgen und Strick von Rechts wegen bezahlen; seine Besoldung aber und vermachte Bestallung mag er ohne Dieberey Schuld inn-behalten. L. un. C. de crim. pecul. L. 1. ff. ad L. Jul. pecul. Amts Bedie- nung wer faͤ- hig. §. 44. Zu einer oͤffentlichen Amts-Verwaltung koͤnnen auch unwillige Leute rechtlich gezwungen werden/ und wer sich ohn erheb- liche Ursachen davon entziehet/ verhehlet oder wegert/ wird Ehrloß gehalten; Wofern nun in der Nachbarschafft dazu ein Geschickter zu finden/ so wird billig ein Ehrloser von oͤffentlichen Ehren-Standes Wuͤrden ausgeschlossen/ massen solche dessen/ gleich andern erbaren Leuten/ nicht faͤhig noch theilhafft seyn moͤgen. L. 16. ff. de mun. \& hon. L. 9. de vacat. mun. L. 31. C. de Decur. L. 2. C. de Dignit. Princ. instit. qui test. tut. dar. Caput II. Von Stadt-Buͤrgern/ Zunfft-Gelachen oder Handwercker-Guͤlden/ Fuhrleuten/ Jahrmaͤrckten/ auch verbotenen Kram-Waaren/ Maaß und Gewicht. §. 1. Buͤrger Eyds Gerechtigkeit. E Jne Stadt besteht nicht in Wall und Mauren/ sondern freyge- bohrnen Menschen/ welche der Ehestand Kunstreich zu gemeinen Wesens Wohlfahrt unsterblich machet. Gewoͤhnlichen Buͤrger Eyd muͤssen nun so wohl Jnn- als Auslaͤnder/ Frembdlinge oder Ein- heimische/ abschweren/ damit sie gegen Auffahrt oder Buͤrger Anzug- Geld ihr Buͤrger-Recht gewinnen/ und Schutz-Verwandte Einwoh- Pfahl-Buͤrger was seyn. ner/ nicht aber falsche oder Pfahl-Buͤrger zu nennen/ welche noch un- ter frembdem Stadt-Recht stehen/ und des allgemeinen gebuͤhrenden Jochs sich entziehen/ darum eine jede Stadts Obrigkeit samt dem Rath Macht hat/ ohne Gebiets Oberherrn Befehl/ Buͤrger anzuneh- men; Wer nun von andern Orten herkoͤmmt/ und anderswo Buͤr- ger seyn will/ muß von der Obrigkeit/ darunter er gelebet hat/ von sei- nem redlichen Wandel ein tuͤchtig Zeugniß mitbringen/ auch Buͤrgen stellen/ Von Buͤrgern/ Handwerckern und Jahrmaͤrckten. stellen/ daß er Mannrecht habe/ das ist/ daß er ehelich und rechtmaͤßig Mann Rechts Zeugniß. gebohren/ und niemandes leibeigen seyn. §. 2. Wer nun zehn Jahr lang in einer Stadt gewohnet/ wird Buͤrgerrechts Einloͤsungs Pflicht. glaubhafft dafuͤr gehalten/ Wohnung und Buͤrgerrecht daselbst zu haben/ weilen nemlich etlicher Orten gebraͤuchlich/ auch Recht und Billigkeit gemaͤß/ daß einer aus der Stadt vertrieben werde/ der sich Jahr und Tag darinn auffgehalten/ und doch das Buͤrgerrecht nicht eingeloͤset hat/ massen buͤrgerliche Beschwerden allen und ieden gleiche Buͤrde seyn sollen; ob auch schon die Hansee-Freystaͤdte einen Ober- Herrn erkennen/ geniessen sie dennoch uͤbrigens unter dessen Schutz- Hansee Frey- Staͤdte Recht. Recht ihre volle Freyheit. L. 2. ff. de jure immunit. §. 3. Handwercker Gelache koͤnnen von dreyen gestifftet und Zunfft-Gilden Recht. von einem erhalten werden/ auch haben sie ihre Zunfft-Meister; wann nun bey Zunfft-Gesellschafften das Haupt verdaͤchtig/ so kan man das gantze Gelach verwerffen/ sonst aber bey deren Zuͤnffte Beruff- und Versammlungen/ wofern etwas abzuhandeln/ wird gute Ordnung gehalten/ die Stimmen nach ihren Sitz zu erforschen/ und nach denen meisten zu beschliessen; wann sie aber gleich sind/ behaͤlt man den gelin- dern Ausspruch/ und wo sie zu gleichen Theilen unterschiedlich sind/ so ist die wuͤrdigste Parthey/ und welchen Stimmen das Haupt zufaͤllt/ am kraͤfft- und guͤltigsten zu halten. Tot. tit. C. de defens. Nov. 15. civit. L. 16. C. de judic. c. 3. q. 5. de Except. L. 1. ff. de alb. scrib. L. 6. §. priv. ff. Decur. L quod major, ff. ad municip. L. 38. \& L. Pomponius, ff. de re judic. §. 4. Alle sonderbare Gesellschafft und Zusammenkuͤnffte sind Gesellschafft und Gelaͤche Freyheit. gehaͤß- und verdaͤchtig/ auch zuweilen kostbar/ dahero die Freß- und Sauff-Gastereyen oͤffentlichen Zuchtmaͤßigung beduͤrfftig und billig verboten sind/ ausgenommen solche/ die vom Recht oder Landesherrn zu gemeinem Nutzen bestellet/ verstattet und zugelassen/ als Kraͤmer/ Becker und andern Handwercks-Gelache/ deren Huͤlffe/ Muͤhe und Arbeit die Stadt-Gemeinde benoͤthiget/ und solche in einer Gemein- de gut gethane Gelache waͤhren ewig/ so lange noch eine Person uͤbrig/ ob schon einige zuweilen sich verliehren/ und andere in deren Stelle angenommen werden/ darum sie auch ihre allgemeine Rechte/ Gesetze/ Freyheiten/ gemeine Kasten/ Gelder und Vollmaͤchtigen haben; Und so lang einer nicht wegen eines Verbrechens geurtheilet/ noch dessen Handwercks- Gilde wer da- von zu versto s- sen. Verjaͤhrung halben mag angesprochen werden/ ist er fuͤr unehrlich nicht zu achten/ kan ihm auch von seiner Handwercks-Gilde/ Nahrung H h zu ent- III. Buch/ Cap. II. zu enthalten/ nicht angemuthet/ noch verboten werden/ solches zu treiben. L. 76. ff. de judic. L. 1. \& 2. L. 7. §. 2. de colleg. licit. L. 15. C. de Episcop. \& Cler Tot. tit. ff. de colleg. illicit. Goldschmiede Pflicht Recht. §. 5. Goldschmiede sollen aus jedern Marck nicht weniger als drey und ein halb Sechstel feines Silber schmieden/ und alles ge- schmiedete eydlich anbiethen/ auch ihr und des Orts Zeichen auffdruͤ- cken; Wann sonst ein Werckmeister etwas auszuputzen annimmt/ und aus Unerfahrenheit verdirbt/ muß er den Werth dafuͤr bezahlen; Handwercker Pflicht. also auch ein Hirte/ Schneider/ Kleider-Sauberer und dergleichen/ stehen alle fuͤr die Schuld/ Unfleiß/ Versaͤumniß und Unwissenheit/ weilen sie schuldig zu halten/ was sie zugesagt/ und kan der Gutsherr begehren/ die Arbeit durch ehrliche Meister und Handwercks-Leute besichtigen zu lassen. L. 2. C. de ponderat. L. si quis fundum, §. Celsus ff. Locat. conduct. L. 9. §. 4. \& sqq. ff. Eod. L. 13. §. 6. L. 25. §. fin. L. opus, L. seq. L. si in pr. L. si merces, §. con- ductor. ff. Locat. conduct. Fuhrleute Recht. §. 6. Wann ein Fuhrmann mit einem Wagen umwirfft/ und je- manden unversehens toͤdtete/ sollen derohalben dessen Wagen/ Pfer- de und Guͤter nicht alsobald zur Obrigkeit verfallen seyn/ weilen der Guts-Herr des Fuhrmanns Schuld zu buͤssen nicht gehalten ist; also ist auch niemand einem Fuhrmann/ dessen Wagen geheuret oder be- dungen/ dafuͤr etwas schuldig gehalten/ daß er seinen Wagen zer- bricht/ oder Pferde verdirbt/ aus eigener Schuld und Versaͤumniß. P. H. O. Art. 218. Jahrmaͤrckte Recht. §. 7. Kram-Waaren Jahrmarckt Recht zu vergeben/ gebuͤhret allein dem Kaͤyser/ und zwar ist solches unverhoͤrt denen benachbarten Staͤdten nicht leicht mirzutheilen/ steht auch niemanden frey/ auff ei- ne oder zwo Meilwegs von dannen zur selbigen Zeit Kram- und Kauff- Handel anzustellen/ dadurch einer Stadt Schaden oder Hinderniß zu verursachen. Gleichwie nun ohne des obersten Fuͤrsten Zulassung keine Marckt wann und wie zuver- setzen. Jahrmesse noch Marckt rechtlich angestellet wird/ also moͤgen auch die mit Freyheit begabt- und angeordnete/ ohne dessen Erlaubniß/ nicht anders wohin versetzt werden/ ja nicht vom Kaͤyser selbst/ ohne aus dringender Noth/ wegen Pest-Zeit und andern gefaͤhrlichen Ur- sachen/ jedoch so/ daß sie durch diese Versetzung dem ersten Ort nicht gaͤntzlich benommen/ sondern nur so lang entfernet seyn/ biß sich die Jahrmessen Freyheit. Lufft gereiniget/ oder des Orts Fehler auffgehoͤret/ weil niemanden sein einmahl erlangtes Recht ohne gerechte Ursachen mag geraubet werden/ Von Buͤrgern/ Handwerckern und Jahrmaͤrckten. werden/ auch nicht aus vollkommener obrigkeitlichen Macht; zu dem/ wann Jahrmessen mit derer Reichs-Staͤnde zugefuͤgtem Rath ein- mahl verliehen/ und eydlich bestaͤrcket/ haben sie bestaͤndigen Handels unwiederruffliche Natur/ also daß sie weder ein Fuͤrst noch dessen Nachfolger zu wiederruffen vermag; sonderliche Kram-Laden und Wochen-Maͤrckte aber geniessen keiner Freyheit/ und sind diese letzte- re Fuͤrstlichen Urlaubs ohnbenoͤthiget/ sondern koͤnnen von jedern Orts Obrigkeit angesetzt werden. L. 1. ff. L. un. C. de nundin. \& mercat. C. translato, X. de Constit. arg. L. 13. §. si constat. ff. commun. præd. L. pen. \& fin. ff. de natal. restit. c. 16 \& 17. de R. J. in 6. L. 1. ff. de pact. L. 2. ff. de jure immunit. L. quod semel, ff. de decret. ab ordin. fac. L. 25. ff. de judic. L. pactum ff. de pact. L. 29. C. Eod. §. 8. So wird nun Marcktrecht allein vom Landesherrn erlangt/ Maͤrckte Ver- recht. wer es aber zehn Jahr lang nicht gebraucht/ hat es verlohren. Son- sten soll niemand an Jahrmaͤrckten/ die Kraͤmern und Kauff-Leuten zu Gefallen angestellt/ dahin auch Acker- und Bauers-Leute sich Han- dels wegen versammlen/ unter Privat-Schulden Vorwand belan- get werden/ noch Beschwerung/ viel weniger Arrests Beschlag leiden/ und wer daselbst sich etwas mit Handlung verbindet/ derselbe gewin- net auch allda seinen angehoͤrigen Gerichts-Ort/ und sollen billig Kraͤmer und Kauffleute Verheissungen/ bey Treu und Glauben/ wie an Eydes Statt gelten; jedoch soll niemand etwas zu kauffen Macht haben/ ehe denn es auff oͤffentlichen Marckt gebracht worden/ dann Vorkauff rechtlich verboten bey 20. Goldguͤlden Straffe/ welchen Vorkauffs Handel oder Gesellschafft bestehet darinn/ Eß und Trinck- Waaren zur Theurung zu erhoͤhen/ Schiffart und Landzufuhren zu hemmen. L. 1. \& 2. ff. de nund. L. unic. C. Eod. C. Romam, §. contrahentes, de for. compet. in 6. Tot. tit. si mens. fals. mod. L un. C. de monopol. L. 2. \& fin. §. fin. ff. ad L. Jul. de annona. L. annona ff. de Extr. Crimin. L. solet, §. liberal. ff. de servit. §. 9. Bey Jahrmaͤrckten pflegt auch insgemein ein guͤtlicher Unterhaͤndleꝛs Pflicht und Recht. Unterhaͤndler zu denen Contract en/ Verpflichtungen und andern Ge- schaͤfften/ darinn eines guten ehrlichen Mannes Entscheidung von noͤthen/ erfordert zu werden/ der nach Billigkeit zur Sachen Erklaͤ- rung daruͤber zu erkennen/ kan aber nicht wieder belanget werden/ weilen er nur Betrugs und groben Schuld wegen zu antworten gehal- ten ist/ auch mag er nicht Zeuge seyn. §. 1. inst. de Emt. \& vend. L. 76. ff. pro socio. L. fin. C. de contrah. Emt. Auth. si vero, de C. judic. L. 1. ff. de Recept. L. omnibus, C. de. Testibus. H h 2 §. 10. Jedoch III. Buch/ Cap. II. Kram-Laden wann nicht zu eroͤffnen. §. 10. Jedoch sollen in Staͤdten und Flecken am Sonntage keine Kram-Buden geoͤffnet/ noch Jahrmaͤrckte/ wie sonst gewoͤhnlich/ gehal- ten/ sondern dieselben auff folgenden Montag oder andere Wercktage verlegt werden/ woruͤber die Magistrat en an solchen Oertern halten/ und wegen deren fuͤglichen Verlegung/ dafern es nicht geschehen/ ansu- chen/ und von hoher Obrigkeit gehoͤrige Verordnung gewarten sollen; die aber muthwillig hierwieder handeln/ moͤgen mit harter willkuͤhr- lichen Straffe scharff angesehen seyn. Wer nun sonst etwas feil haͤlt/ absonderlich Lebens Nahrung/ Eß- und Trinck-Waaren/ kan solche so wohl dem Jn- als Auslaͤndischen fuͤr gleich billigen Preiß zu ver- kauffen gezwungen werden/ auch soll man Kauffleute und reisende Kraͤmer mit uͤbermaͤßigem Zoll nicht beschweren. Verbotenen Waaren Ge- rechtigkeit. §. 11. Weil man denen Feinden nicht soll Wein/ Getraͤide/ Gewehr oder Harnisch zu verkauffen zufuͤhren/ bey Leib- und Guts- Verlust/ so moͤgen alle Waaren/ auch von Freunden denen Feinden zugesandt/ auffgenommen und verfallen seyn/ massen dem Feinde alle Zufuhr und Lebens-Mittel abzuschneiden vergoͤnnet/ und sind billig die in Verdacht/ so dergleichen hinschicken. L. pen. \& fin. C. quæ res vendi non possunt. L. 1. \& 2. C. quæ res exportari non debent. L. quia, C. de navicular. L. cum proponas, C. de naut. fœn. Ellen-Maaß und gantzen Tuͤcher Han- dels Kauff- manns Recht. §. 12. Gleichfalls ist bey Ehr- und Waaren-Verlust Straffe verboten/ mit Ellen im Ausschnitt ungenetzt und ungeschoren zu ver- kauffen; die gantzen Tuͤcher aber sollen ungereckt oder ungestreckt/ jedoch genetzt verkaufft werden; So soll man auch Betrug zu meiden keine grosse Vordaͤcher auswarts fuͤr die Kramladen/ dem Kaͤuffer dadurch das Gesicht zu verdunckeln/ machen zu lassen gestatten/ sondern vielmehr dergleichen verhuͤten; und auff daß niemand fuͤr angesetzten rechten Werth gering und weniger bekomme/ als er haben soll/ dadurch er betrogen werde/ so muß ein jeder recht Gewicht und Maaß haben/ dahero Maaß/ Wag und Ellen/ ob sie gerecht/ von gewisser Obrig- keit sollen besucht/ und unrechte Gefaͤsse zerbrochen werden. L. 6. princ. ff. de Extraord. Crim. Kauffmann- schafft Betrug Straffe. §. 13. Wer nun bey naß- und trockenen Waaren Kauffmanschafft mit Gewicht und Maaß betruͤglich umgehet/ wird nach Gelegenheit der Uberfuͤhrung mit zwiefachen Guts und Werths Erstattung oder Gefaͤngniß/ auch Stadt und Landes Verweisung/ samt aller Guͤter Verlust/ ja bißweilen gar peinlich an Leib und Leben gestrafft. L. 2. §. 32. ff. de O. J. L. hodie qui, §. si venditor, ff. ad L. Corn. de fals. L. anno- nam, §. fin. ff. de Extr. crim. P. H. O. Art. 113. §. 14. Jtem/ Von Buͤrgern/ Handwerckern und Jahrmaͤrckten. §. 14. Jtem/ wer Gewuͤrtz/ als Pfeffer/ Zucker/ Zinnameth/ oder Gewuͤrtz-Kraͤ- mers und Wirthshalter Arglist Straf- fe. Saffran/ durch frembde Species faͤrbet/ mit unnuͤtzen Sachen ver- mischet/ oder Eß- und Trinck-Waaren verderbet/ Getraͤide zur Theu- rung bringt/ hinterhaͤlt und nicht fuͤr billigen Preiß wieder verkaufft/ oder Fruͤchte vermenget/ solche gehoͤren auch zu dieser Auffsicht/ so wohl als die Wirthshalter/ Wein- und Bierschencken/ welche guten Wein mit schlechtem Wasser oder ungesundern Wein/ oder Bier also mit geringerm Getraͤncke veraͤrgern/ oder mit Kraut/ das den Kopff beschweret/ zubereiten. §. 15. Dergleichen Betruͤger sind Becker/ welche bey wohlfei- Becker und Metzger Be- trug. len Zeiten das Brod nicht tuͤchtig und wichtig genung backen/ das sie auch bey Theurung zu thun schuldig. Jtem/ Metzger oder Schlaͤch- ter/ die alte Kuͤhe fuͤr jung Rindfleisch verkauffen/ oder oͤffters das Fleisch mit ihrem stinckenden Athem auffblasen/ daß es im Anschauen schoͤn und kostbar scheinen moͤge. §. 16. Also alle Kraͤmer/ Weber und Tuchmacher/ die ihrem Kraͤmer/ We- ber und Tuch- macher Falsch- heit. Tuch falsche Siegel anhaͤngen/ oder untuͤchtige Farbe fuͤr gute ver- kauffen/ oder sonst mit Betrug handeln/ ihres Handwercks und Ge- werbes/ Stadt uͤblichen Rechts Satzungen gerade zu wieder/ verdie- nen als Faͤlschner ihrer Boßheit Straffe. L. 32. ff. ad L. Corn. de fals. Caput III. Von Erb-Zinß/ Meyer-Erwerb und Eigenthums Grund-Guͤtern/ deren Frucht-Nutzung/ anhangenden Ge- rechtsam- und Bau-Dienstbarkeit/ auch Jagt und Fischereyen. §. 1. E Rbzinß-Gut ist/ das einer als Zinßmann vom Zinßherrn fuͤr jaͤhr- Erbzinß-Guͤ- ter Recht. lichen Zinß hat/ den er ausgiebet/ in welcher Erb-Bestaͤndniß natuͤrlichen Besitzes eines unbeweglichen Guts am Zinß wegen Miß- wachs nichts nachgelassen wird; So mag auch der Grund-Herr Nothdurfft halben das Gut nicht wiederfordern; Wann auch der Zinßmann seine Besserung einem andern verkaufft und auffgetragen haͤtte/ muß derselbe Kaͤuffer den Zinß-Rest bezahlen/ denn das Gut gehet mit seinen Buͤrden; wann aber der Bauer in Zinß- und Drenst- H h 3 leistung III. Buch/ Cap. III. Richter in Zinß-Gut Streit-Sachẽ wer sey? leistung saͤumig/ daß solches in 3. und bey Kirchen-Guͤtern binnen 2. Jahren nicht entrichtet/ so geht er des Guts verlustig; Sonst mag es nicht ohne Zinß-Herrn Bewilligung verkaufft/ verpfaͤndet/ noch veraͤusert werden; und in Streit-Sachen zwischen Grundherrn und Zinßmann ist Richter/ unter dessen Gericht das Gut gelegen. Tot. tit. \& L. fin. L. 2. C. de jure Emphyteus. §. adeo instit. de Locat. \& conduct. C. poruit Extr. de Locat. \& conduct. L. 1. §. si conveniat, ff. Depos. L. juris gentium, 7. §. quin imo, ff. de pact. arg. L. quemadmodum 7. C. de agricol. Nov. 7. \& Auth. qui rem, C. de SS. Eccles. §. 2. Bett-Brieffe Guͤter Recht zu Nutzungs Gebrauch soll man/ allwo es uͤblich/ alle fuͤnff Jahr erneuern; wer dem Baumann Miß- gewaͤchs halber ein Jahr etwas nachlaͤst/ kan folgende fruchtbare Jahre die gantze Zinse des nachgelassenen Jahrs nicht fordern/ wann es der Guts-Herr mit Willen erlassen. Sonst mag ein Juncker um alles/ was auff seinem als Guts-Herrn Felde geschiehet/ wie auch um Zinß und Dienste/ seinen Meyer/ unersucht das Gerichte/ wohl selbst pfaͤnden; Und wer jemand Acker oder Grund um jaͤhrlichen Zinß uͤber- laͤst/ demselben als Grundherrn sind dessen Fruͤchte fuͤr solchen Zinß stillschweigend verpfaͤndet. Textus \& gless. in L. si uno, in princ. in verbo \& cit. locat. ff. Locat. L. 8. C. Eod. L. 1. ff. de condict. indeb. L. 2. \& 9. ff. in quib. caus. pign. L. 4. ff. de pact. L. 5. C. Locat. §. item serviana, instit. de act. L. in prædiis rusticis, ff. in quib. caus. pign. vel hypoth. tac. §. 3. Erbzinß-Guͤter/ so geistlich/ sind zeitlich; weltliche aber moͤ- gen nicht abgesagt werden/ sondern gehen von Erben auf Erben; wann sie aber zu verkauffen/ werden sie ernstlich dem Zinßherrn/ der Wieder- ruffs Recht hat/ angeboten/ wofern derselbe sie nicht kauffen noch da- zu willigen will/ mag jedoch der Zinßmann die Guͤter nach 2. Mo- nat Verlauff einem andern verkauffen/ welchen der Erbherr anneh- men/ und von ihm gewoͤhnlichen Zinß und gebuͤhrende Pflicht/ auch etwa nach Recht den 50sten Theil/ von Guts Werth gewarten muß/ observir et dieses der Zinßmann nicht/ hat er sein Recht verlohren; So kan auch ein Meyer oder Zinßmann des Hofs oder Zinßguts Eigenthum wider seinen Herrn nimmer verjaͤhren. L. 1. ff. si ag. vectig. §. 1. L. si qui, C. de fund. patrim. L. etiam, ff. solut. matrim. L. 1. C. de metall. L. fin. vers. sin autem duorum, \& vers. si autem novum, \& L. 3. C. de jur. Emphyt. L. 2. C. de præscr. 30. vel 40. ann. Beꝛjaͤhꝛung in Zinßguͤter Ei- genthum ist unguͤltig. §. 4. Zum Grunde gehoͤret alles/ was darauff erbauet/ bepflan- tzet und gesaͤet wird; Wer nun solche Guͤter in eines andern Nahmen besitzet/ ob schon er keinen Zinß bezahlet/ kan ebenfalls nicht das Erb- oder Von Grundguͤtern und anhangenden Gerechtsamkeiten. oder Eigenthums Recht/ wohl aber die Zinß-Freyheit verjaͤhren; so kan auch der Zinß-Herr den Zinß stillschweigend oder ausdruͤcklich nachlassen/ sonst aber soll insgemein der Zinßmann dem Zinßherrn seinen Zinß in sein Hauß lieffern/ wofern sie in einem Gericht mit ein- ander wohnhafft leben. L. 7. cum in solo, de acquir. rer. dom. §. 5. Erbzinß-Guͤter Recht/ welches auff ewig vermiethet wird/ also/ daß der Meyer zu seinem eigenen Nutzen und Schaden/ auf Gut- oder Mißgewaͤchs/ das Land ackern/ besaͤen und verbessern muß/ gegen jaͤhrlichen Zinß aller Fruͤchte Nutzbarkeit zu geniessen und gebrauchen/ endiget sich durch ersten Zinßmanns erblosen toͤdtlichen Abgang/ oder so kein Zinß in rechter Zeit entrichtet worden/ oder durch etwan ohne Eigeners Wissen geschehene Veraͤusserung/ oder wofern der Meyer gemachten Vergleich zu halten nicht willens/ oder dem Eigenthums- Herrn betruͤglich sein Recht zu verkehren geflissen/ oder durch vorge- schuͤtzte Verjaͤhrung/ wann er dem Eigener sein Eigenthums Recht verlaͤugnet/ und keinen Erb-Zinß zur Erkaͤntniß bezahlen will. L. Litibus, C. de agric. \& cens. L. 2. \& fin. C. de agr. \& cens. c. potuit, Extr. de locat. §. cætetum, § si vero, Auth . de a lien. Emphyt. C. Vasallus, §. fin. fi de feud. controvert. L. 2. \& 7. §. fin. C. de præscr. 30. ann. L 6. ff. de fide instrum. L. 3. §. pen. L. 19. §. 1. ff. de acquir. possess. L. 72. C. de agr. \& cens. L. item illa ff. de const. pecun. C. significante, de pign. §. 6. So mag nun Heure oder Meyerey geschehen auff gewisse Meyer oder Miethe-Zinß worinn be- stehet. Zeit oder Lebens lang/ und besteht Heuer-Lohn oder Mieth-Zinß entweder in Geld und Geldes Werth/ oder gewissen Frucht-Theilen Anzahl/ als wann der Meyer vielleicht die Helffte oder dritten Theil verspricht/ und versteht sich bey Land-Bauren-Gut wenigstens die Heure auff ein Jahr/ wofern keine gewisse Zeit angesetzt/ um die Jahrs-Fruͤchte zur Erndte-Zeit zu geniessen; Jn Stadt-Gut aber so lange/ biß einer von beyden auffkuͤndiget/ darinn jedoch Zeit zu maͤßigen/ daß jener nicht so schnell raͤumen muß. L si olei, C. locat. \& conduct. L. si pasoenda, C. de pact. L. 13. §. fin. ff. Locati. L. 17. §. sicut, ff. commodati. §. 7. Jnsgemein aber sind zweyerley Arten Bauren-Guͤter/ als Bauren und Land-Sassen Unterscheid. Huͤffner und Haͤußler/ Koͤth- oder Gaͤrtner/ sonst Haußwirthe genant/ die etwa Gaͤrten aus den Huffen erkaufft/ und Haͤußlein darauff ge- bauet/ davon sie Haͤusel und Huͤtten Groschen-Zinß/ samt priester- lichen Amts-Gebuͤhren/ entrichten; Wann aber die Kinder verhey- rathet noch in Eltern Gesellschafft leben/ oder gemeinen Nahrung sitzen/ sind sie nicht dazu pflichtig gehalten. §. 8. Wann III. Buch/ Cap. III. Meyer-Guts Recht/ das unbrauchbar. §. 8. Wann nun ein Heuer-Meyer oder Miethe-Gut durch Mangel unbrauchbar/ oder gar zum Untergang vernichtet worden/ oder dessen Gebrauch von andern gehemmet und verhindert ist/ oder wegen unfruchtbaren Jahre Mißwachs/ kan und mag einem Meyer wohl etwas an gewoͤhnlichem Zinß nachgelassen werden. Eigenthums Erwerb Recht §. 9. Eigenthums Recht wird erlangt auch durch Geburt/ als wessen der Leib eigen/ dessen ist auch die Frucht allein; also durch feind- liche Gefangenschafft/ Kriegs-Raub und Beute/ wie nicht weniger durch Fleiß und Kunstreiche Arbeit aus eines frembden Gut mit gu- tem Glauben verfertiget/ wann es zur vorigen Gestalt nicht wieder kan gebracht werden/ weilen die wesentliche Form eines Dings koͤst- licher ist als die Materie/ daraus es gemacht/ wer aber weiß/ daß es eine frembde Sache ist/ verlieret Gut und Arbeit/ massen niemand aus Arglist-Verbrechen Gewinn zu hoffen haben soll; deßgleichen durch Gestalten und Sachen Vermischung/ wann die Veraͤnderung mit beyder Eigener Willen geschehen/ so bekommt ein jeder Theil da- von/ wo nicht/ gehoͤrets dem zu/ der es vermenget hat/ und befriediget den andern/ so fern es unwissend mit gutem Glauben geschehen. L. 7. C. de rei vindic. L. 5. §. 3. ff. Eod. L. postlimin. in princ. \& tot. tit. ff. de captiv. L. 9. §. si quis, ad Exhibend. C. quod in dubiis, de consecr Eccles. L. 10 §. si quis, ad Exhib. L. 5. §. fi quis, L. 2. ff. de eo, per quem fact. L. 7. §. voluntas, ff. de acquir. rer. dom. L. idem Pomponius, §. 1. ff. de rei vindic. Andern Guͤter Besitz Beweiß- thum. §. 10. Wer nun klagend sein Eigenthum anfordert/ mag inzwi- schen vom Besitzer wegen Guts Erhaltung Buͤrgschafft oder Ver- sicherung begehren; welche so dieser verweigert/ wird Klaͤgern der Besitz eingeraͤumet Sonst aber mag man andern Guͤter Besitz er- weisen durch Fruͤchte Genuß/ Renten/ Zinß und Steuer Bezahlung/ mit Nachbarn Wissenschafft/ Vermiethẽn/ Saͤen/ Pflantzen/ Ver- siegeln und Beschliessung eines Dings/ oder wann jemand die Schluͤs- sel zu sich nimmt; und pflegt insgemein fuͤr Gericht der Besitzer von Beweißthums Buͤrde enthoben zu werden/ biß Gegentheil erwiesen; von Eigenthums-Guͤtern aber soll niemand/ wes Standes er auch sey/ angesetzten Zoll und Schatzung/ ohne welche allgemeiner Nutze nicht kan verthaͤdiget werden/ zu entrichten sich entziehen/ fuͤrnemlich/ wann dergleichen nur etwa auff eine Zeitlang/ nach erheischenden Kriegs Gefahr und Noth/ angeordnet waͤren/ ausgenommen Kirchen- Schulden und deren Bedienten/ wann sie kein Gewerbe brauchen. L. 1. C. uti possidet. L. 13. 17. 20. 33. 39. \& 62. ff. de Rei vind. L. 17. \& 22. C. Eod. L. Litibus, C. de agr. \& cens. L. quædam in fin. de rei vindic. L. clavibus, de con- trah. Emt. L. 1. de quæst. L. nullus, C. de Decur. §. 11. Frucht- Von Grundguͤtern und anhangenden Gerechtsamkeiten. §. 11. Frucht-Nutzungs Recht ist/ da man eines andern Gut auf Frucht-Nu- tzungs Ge- brauch Recht. Lebens lang zum Gebrauch erhaͤlt und geniesset/ samt allen Zinsen und Rent-Gefaͤllen/ auch was durch menschlichen Fleiß zu gewin- nen/ als nutzbare Gerechtigkeit zu graben/ hauen und weyden/ jedoch guten Haußhalters Pflicht gemaͤß/ daß der Eigener seines Eigenthums unversehrt gesichert sey/ und mag solches durch Verjaͤhrung erworben werden/ ob schon es nicht bestaͤndig gebraucht/ massen dergleichen auch durch blossen Willen und Gemuͤths Meynung im Besitz gehal- ten wird/ also wann zween oder mehr ein Ding zusammen brauchen und einer davon abgehet/ dessen Theil dem andern zuwaͤchset; Es verliehrt sich aber dieses Recht durch zeitlichen Tod/ Stadt- und Landes Verweisung/ Guts Veraͤnderung oder Vernichtung oder dessen Versaͤumniß und Mißbrauch. L. 1. 7. 9. 15. Item 28. 41. \& 65. ff. de Usufruct. L. 18. §. 2. ff. de damn. infect. §. 3. instit. de Usufr. §. 1. \& tot. tit. de Usufruct. legat. L. fin. verb. Ususfr. C. de præscr. long. temp. L. 3. §. saltus, §. in amittenda, L. 25. §. fin. L. 6. §. 1. de acquir. poss. L. 34. in princ. de Legat. L. 16. in fin. C. de Usufr. §. item finitur, instit. Eod. L. 5. §. 2. ff. Eod. L. 66. ff. de jur. dot. L. fin. C. de servit. L. 10. quem- admodum serv. amitt. §. 12. Gebrauch- und Wohnungs-Recht ohne Frucht-Nutzung Gebrauch und Wohnungs Recht. ist/ da man wohl eine Sache zur Nothdurfft gebrauchen/ aber deren Nutzbarkeit nicht auffheben noch geniessen mag; als wann jemanden ein Hauß zum Gebrauch vermacht ist/ mag er darinn mit Weib und Kindern wohnen/ auch einen Miethsmann zu sich einnehmen/ abson- derlich aber zu vermiethen oder verkauffen/ ist verboten; Also/ wem ein Stuͤck Land/ Acker/ Garten oder Wiesen-Grund vermacht ist/ der mag darauff gehen/ auch natuͤrliche Fruͤchte/ als Aepffel/ Birn/ Blumen/ Holtz und Heu zur taͤglichen Nahrung gebrauchen; was aber auff des Herrn Unkosten durch Fleiß zu Wege gebracht/ als Korn/ Wein und dergleichen/ mag er nicht geniessen/ noch den Grundherrn zu ackern und besaͤen verhindern/ viel weniger seine Sichel in fremb- de Erndte schicken/ jedoch soll der Eigener auch nicht durch Guts Ver- besserung den Gebrauch zerstoͤren/ noch dieser es mißbrauchen/ wozu beyde vom Richter durch Buͤrgschafft/ Pfand oder eydliche Versiche- rung moͤgen angestrengt werden. L. 1. ff. commod. L. 1. 2. 3. 4 \& seqq. ff. de usu \& hab. L. pen. in fin. L. fin. ff. Eod. L 4. ubi gloss. C. de usufr. Auth. generaliter C. de Episcop. §. 13. Alle Einwohner muͤssen ihrer Haußgenossen Unthaten ver- Einwohner Pflicht wegen Haußgenossen. antworten/ es sey mit Ausgiessen/ Werffen und dergleichen/ zur oͤffent- J i lichen III. Buch/ Cap. III. lichen Strassen/ weilen sie im Verdacht/ muthwillig boͤser Leute Dien- ste gebraucht zu haben; auch allwo man des Nachts zu gehen pfleget; Ein Gast aber/ der nur kurtze Zeit sich irgendwo auffhaͤlt/ ist nichts schuldig dafuͤr/ sondern der Wirth selbsten/ ob nun ihrer viel zu heuer oder eigen in einem Gemach waͤren/ daraus der Schade geschehen/ ist ein jeder voͤlligen Ansprache untergeben/ und so fern einer bezahlet hat/ sind sie alle frey/ jedoch muͤssen sie demselben den Schaden gut thun helffen. L. un. ff. furt. ad naut. Tit. ff. de his qui dejec. §. pen. instit. de obl. ex quasi del. L. 1. C. de condict. furt. L. fin. §. si plures, ff. naut. caup. Guͤter Gerech- tigkeit. §. 14. Allwo nun irgend an Guͤtern eine Gerechtigkeit/ als Weyde/ Holtzhauen/ Trifft/ Wege und dergleichen verjaͤhren soll/ ist noͤthig/ daß Gegentheil wisse und leide/ daß man sich solches bedie- net/ so wird es verjaͤhret/ wann ers erduldet; Also wann einer seinem Nachbarn zulaͤst/ ungewoͤhnlicher Weise seines Hauses Gestalt hoͤher zu erheben/ so hat dieser Recht dazu; Jm Gegentheil/ so jemand dem Nachbarn gegen natuͤrliche Freyheit die Nothwendigkeit uͤber vorge- schriebene Hoͤhe sein Hauß nicht zu erhoͤhen auffbuͤrdet/ ist es eine Dienstbarkeit/ jedennoch sind hiervon die Sommer-Laub-Huͤtten oder Lust-Haͤuser ausgenommen/ welche keinem Gebaͤu zu vergleichen. L. 2. C. de servit. L. 1. \& 12. ff. de servit. urban. præd. §. 2. instit. de action. Dienstbare Gerechtsam- keiten. §. 15. Deßgleichen ist fuͤr eine Dienstbarkeit zu achten/ wann der Nachbar Fenster/ dadurch des Himmels Licht geschoͤpffet wird/ annehmen und erdulden muß/ welche sonst niemand ohne sonderbare Gerechtsamkeit in des Nachbarn oder Gemeine Wand einzusetzen befugt ist/ noch dem andern verbiethen kan/ daß er gegen solche Fen- ster anbauen oder das Licht verstopffen/ oder dunckel und finster ma- chen moͤge/ oder daß etwa der Nachbar nicht berechtiget sey/ hoͤher zu bauen/ um jemanden das Tages-Licht zu verhindern/ oder andere Verdunckelungs Mittel beyzubringen/ entweder irgend wohin einen Baum zu setzen/ das Licht zu verfinstern/ oder einem Ort/ der sonst wohl Sonnenschein benoͤthiget/ Schatten zu machen; Jtem/ eines Nachbarn Aus- und Auffsehen gen Himmel auch von niedrigen Or- ten nicht zu verhindern/ noch etwas abscheuliches in die sonst frey und angenehme Aussicht hinzuwerffen. L. 3. 15. 16. 17. \& L. 40. ff. de servit. præd. urb. L. fin. §. fin. quod vi aut clam. L. 20. §. pen. ff. de servit. Dachtrauff uñ Regenwasser Reñen Recht. §. 16. Ferner das Dachtrauff oder steten Regen-Wasser Ren- nen Recht/ ist auch eine Dienstbarkeit/ solches auff des Nachbarn Dach Von Grundguͤtern und anhangenden Gerechtsamkeiten. Dach und Hof-Platz oder Grund zu und abfuͤhren/ oder auch vielleicht eines Garten oder Wiesen zu waͤssern/ daß es dahin abfallen/ oder durch Roͤhren geleitet werde/ welche Rennen man wohl hoͤher auffuͤh- ren/ nicht aber niedriger herab lassen mag/ weilen durch jenes/ indem also das Wasser hoͤher faͤllt/ und zuweilen nicht gerade auff den dienstbaren Ort hinkommt/ die Last geringer/ durch dieses aber schwe- rer gemacht wird/ wann es auff frembden Grund zu fallen anfaͤngt; so kan solche Buͤrde auch nicht auff einen andern ungewoͤhnlichen Ort versetzt/ noch des Nachbarn Zustand veraͤrgert/ wohl aber ver- bessert werden. §. 17. Zimmer und Bauholtz oder Balcken mag niemand ohne Bauholtz und Balckẽ Recht. Bewilligung oder Dienstrecht in des Nachbarn Wand oder von ei- nem Hauß und Gebaͤu auffs andere zu ruhen befestigen. Jtem/ Haußaͤrcker und Vordaͤcher uͤber eines andern Platz zu erbauen/ durch jene bessere Auffsicht auff die Gassen zu haben/ und durch diese sein Hauß vom Ungemach des Regens zu befreyen/ wie auch nicht weniger die sonst schaͤdliche Dachtrauffe von denen Waͤnden abzuhalten/ ist auch eine Dienstbarkeit. Tot. tit. ff. de rign. injunct. L. 7. ff. ad Exhibend. L. 62. ff. de V. S. L. 241. §. 1. ff. Eod. L. pen. C. de ædif. priv. Tot. tit. ff. de damn. inf. Suggrund. \& protect. §. 18. Eine wahre Dienstbarkeit ist auch zu nennen/ wann man Ofen oder Schornstein Dienstrecht. durch seinen Ofen oder Schornstein/ der zu ewigen Feuer-Heerds Haltung gemacht worden/ eines andern Rauch auslassen muß; also auch Steine zu hauen auff frembdem Grunde/ ob schon es nicht im- mer geschiehet/ wird durch Gewohnheits Recht erlangt/ gleichwie man Rechtsheegung verjaͤhren kan; Jtem/ Steine zu schneiden/ Vieh-Weyde und Traͤncke Recht. Kreide zu hauen/ Kalck zu brennen/ Sand zu graben/ und deßwegen Gebaͤu auffzurichten/ erfordert dienstbare Gewohnheit/ so wohl als das Recht Vieh zur Weyde und Traͤncke zu treiben; deßgleichen durch Nachbarn See zu schiffen/ welches offt nur gewissen Perso- nen vergoͤnnet/ und nicht an Erben koͤmmt/ derowegen es billig in schrifftlichen Urkunden zu gedencken/ aus was Ursachen die Nutzbar- keit herruͤhret. L. 8. §. 5 ff. si serv. vind. L. 1. in fin. L. 3. in pr. L. 4. \& 6. de aquæduct. L. 5. \& 39. §. 3. de Legat. L. pen. \& fin. C. de servit. §. 19. Ferner ist es auch Dienstbarkeit/ wann einmahl ein Bal- Balcken Recht in frembder Wand. cke an des Nachbarn Hauß fest gemacht/ ob schon hernach wieder abgenommen/ so bleibt dennoch das Recht dazu/ so lange das Loch in der Wand ist; wann aber jener das Loch verstopfft und Dienstrecht J i 2 ver- III. Buch/ Cap. III. verweigert oder verbieten will/ dieser auch dazu stillschweiget/ so kan es durch Freyheit Verjaͤhrung auffhoͤren; Jngleichen wenn des Nachbarn Seule oder Wand eines andern Hauses Last tragen muß/ oder so fern jemanden verboten/ an einem Ort etwas hinzulegen/ da- von des andern Gut Schaden nehmen koͤnte; oder Kuͤchen Rennen Spuͤhl-Loch und Goß-Rennstein/ dahin auch das Regenwasser zu- fliesset/ uͤber seinen Grund ergehen lassen muͤssen. L. 1. 2. \& pen. C. de servit. L. 13. §. si constat, ff. comm. præd. L. viros, C. de di- vers. offic. L. 28. \& 33. ff. de servit. L. 17. §. 1. ff. si serv. vind. Bau-Recht wie zu beo- bachten. §. 20. Sonst mag ein jeder auff das Seinige/ und so hoch als ihm gefaͤllig/ jedoch seinem Nechsten nicht zu nahe/ absonderlich ein heim- lich Gemach oder andern unflaͤtigen Ort/ alles andere aber bauen was er will; So gehoͤret auch heimlichen Gemachs oder Kuͤchen Unflats Rennen Reinigung zu allgemeinem Nutzen/ ob schon der Aus- gang nach oͤffentlicher Strassen hingeht/ dennoch soll es ohne des Nachbarn Schaden geschehen/ und ist dabey unreinen Gestancks hal- ben/ um die Lufft nicht zu verderben/ Behutsamkeit noͤthig/ mit Mist oder Koth aber soll man niemand uͤberschuͤtten/ noch gemeine Seen und Rennen besudeln. L. cum principalis, ff. de R. J. L. 24. §. fin. \& L. 26. de damn. infect. L. 8. \& seq. C. de serv. \& aq. arg. L. 1. §. sed \&, ff. de Cloac. L. 24. de serv. urb. præd. L. cujus, L. cum eo, ff. Eod. L. 38. de petit. hæred. L. 1. §. quia, §. idem Labeo, L. 2. hoc tit. de Cloac. purg. L. 1. §. 1. de Extraord. crim. Wuͤsten Pla- tzes Recht. §. 21. Wann jemanden ein wuͤster Pflatz zu bebauen verheuret ist/ demselben scheinet auch dessen nach Belieben zu gebrauchen und Genuß Herrschafft vergoͤnnet zu seyn/ welches auch zu verstehen von einem neuen Acker/ der vorhin wuͤste/ ungebauet und ohngepfluͤget lie- gend verlassen worden; wer aber auff anderm Grunde bauet oder pflantzet/ verliehret das Gebaͤu und Pflantzen/ als welche dem Grun- de folgen; Wer nun ein Hauß bauet oder Mauer auffrichtet und neben seines Nachbarn Hauß anfuͤhret/ daß die Dachtrauffe zwischen Beyden in der Mitte hinfaͤllt/ soll die Wasser-Renne oder Gruͤblein setzen/ das Wasser abzufuͤhren/ damit des Nachbarn Wand oder Mauer kein Schade geschehen moͤge. L. 1. ff. de Superfic. C. 1. c. quid per novale in Decret. L. Sylva, §. novalis, de V. S. L. 7. ex diverso, \& L. 12. de acquir. rer. L. 17. L. in rem, §. fin. ff. L. 2. C. de rei vind. L. 8. C. de ædif. priv. §. 30. \& §. sed cum, §. 31. §. si tamen, inst. de acquir. rer. L. 7. §. fin. L. 9. in pr. L. sed si, §. arbore ff. de acquir. rer. §. si Titius inst. de rer. divis. L. Fistulas, si serv. vind. §. 22. Wer Von Grundguͤteꝛn und anhangenden Gerechtsamkeiten. §. 22. Wer wissentlich eines andern Bauholtz oder andere Ma- terie zu seinem Bau gebraucht/ soll es zwiefach bezahlen/ und alsdann behalten/ damit das Gebaͤu nicht verschaͤndet werde/ und der Stadt Ansehen dadurch verringert sey; sonst mag auch in Staͤdten nie- mand in sein Hauß Backofen bauen/ da zuvor keiner gewesen/ in- sonderheit weil Schade daraus zu besorgen. L. 162. 168. de V. S. L. 2. \& 3. C. de ædif. priv. L. fin. L. 2. §. si quid ff. ne quid in loco publ. arg. L. quidam ff. de serv. urb. præd. arg. L. 1. ff. de postul. L. 2. ff. de condict. ob caus. L. 27. §. si furnum, ff. ad L. aquil. §. 23. Keiner soll dem andern zu nahe bauen/ sondern allezeit Bau-Rechtes fernere Beo- bachtung. zwischen den Gebaͤuen eine Dachtrauffe lassen/ damit niemand da- durch des andern Hauß verderbe; darum/ wer eine Mauer oder Wand an seines Nachbarn Grund auffbauen will/ soll einen Werck- Schuh breit/ wer aber ein Hauß bauet 2. Schue Erdreich dazwischen still liegen lassen/ jedoch verbleibet der ihm vorhin zugehoͤrig gewese- ne Grund sein eigen/ nur ist genug/ daß sein Nachbar ohne Schaden gehalten/ er selbst auch keinen Gewinn habe. L. 14. ff. de serv. urb. præd. arg. L. ex asse ad Trebell. L. fin. ff. fin. regund. L. 1. in princ. §. opus novum, §. hoc autem. §. in operis, §. nunciatio, §. potest, §. 10. ff. de operis novi nunciat. §. 24. Wann auch noch kein Schade geschehen/ sondern etwa Zukuͤnfftigen Schaden Ge rechtigkeit. hinkuͤnfftig aus eines Nachbarn baufaͤlligem Hauß oder Dach zu be- fuͤrchten/ und jemand daruͤber ohne Boßheit klaget/ so muß der Hauß- Herr oder dessen Besitzer Schaden halben Buͤrgen stellen/ oder Klaͤgern wird erst zu beweg-hernach in unbewegliche Guͤter/ endlich in Schulden Besitz eingewiesen/ solche Pfandsweise zu bezahlen/ dabey der Richter die Schuldner zusammen rufft und ihnen verbeut/ daß sie dem Glaͤubiger nicht bezahlen/ biß er Klaͤgern zu Rede und Antwort koͤmmt. L. 242. §. inter ff. de V. S. L. si verò, §. prætor. de his qui dejec. L. 4. §. 1. L. 5. 7. 15. §. 4. \& L. 18. ff. de damn. infect. C. quoniam, §. fin. ff. ut lit. non contest. §. 25. Wann Nachbarn etwa aus Geitz/ Frevel oder Jrrthum Neuen Baus Verhaltungs Recht. angereitzet/ durch neuen Bau ihren Nachbarn Schaden oder Ab- bruch thun/ soll es ihnen damit fortzufahren so lange verboten wer- den/ biß daß solchen Baus Gerechtigkeit gewiß und unstreitig gemacht/ oder deßfalls genungsame Versicherung geleistet; und zwar muß sol- ches durch eine oͤffentliche Person mit Obrigkeitlichen Macht Ansehn geschehen/ oder durch taͤg- und muͤndliche Auffkuͤndigungs Wieder- sprache in eigenem oder andern Nahmen auch wieder Unwillige und J i 3 gegen III. Buch/ Cap. III. gegen Abwesende/ um sonder- oder offenbares Recht zu erhalten und zu beschuͤtzen/ auch Schaden abzuwenden/ sonsten muͤste das angefan- gene Werck niedergerissen werden. Schaͤdlichen Gebaͤues Ab- schaffungs Recht. §. 26. Wer nun ein ungebuͤhrend oder schaͤdlich Gebaͤu wieder Billigkeit und altes Herkommen vornimt/ demselben mag es durch Gerichts-Frohnen/ oder von selbst eigener Person der Obrigkeit oder angehenden Leuten angekuͤndiget werden/ sich dessen zu enthalten/ weilen es unleidlich/ und zwar muß solches geschehen an dem Ort/ wo das Gebaͤue wuͤrcklich in der Arbeit begriffen/ nach welcher beschehe- nen Ankuͤndigung der andere des Baues sich enthalten soll/ biß ihm zuerkant/ daß er Recht/ Fug und Macht dazu habe; So mag man auch wohl einen Stein oder Holtz vom Gebaͤu abwerffen/ und also mit der That seine Wiedersprechung des neuen Gebaͤus anzeigen; wann aber jener Versicherung thut/ solches nach Erkaͤntniß/ daß er kein Recht zum bauen habe/ wieder hinweg zu thun/ mag er darauff fortfahren; wofern alsdann dessen Unfug erkant wird/ muß er das Gebaͤu wieder abschaffen/ und verliehret Baukosten. L. 20. §. 1. ff. quod vi aut clam. L. 1. §. 7. ff. Eod. L. de pupillo, §. si is cui \& §. memi- nisse L. 21. §. 4. ff. de nov. oper. nunc. L. 8. §. 4. L. 20. §. 1. \& 3. L 1. in pr. L. 11. ff. Eod. L. 15. L. 20. §. 9. ff. h. t. L. 21. §. si quis, ff. Eod. L. 6. §. 1. ff. si serv. vindic. Dienstbarkei- ten Bau und Besserungs Recht. §. 27. Bey allen vorgemeldt- und obangezogenen Guͤter Dienst- barkeiten gehoͤret Bau- und Besserung demselben zu/ der sie gebraucht/ derowegen er dazu uͤber frembden Grund den naͤhesten Weg/ den er kommen kan/ zu gehen befugt ist. So ist auch Rechtens/ daß ein Mitge- sell allein einem gesamten Grund-Gut keine Dienstbarkeit auffbuͤr- den noch erwerben kan/ wann aber alle in der Gesellschafft zu ver- schiedenen Zeiten dergleichen thun/ so werden aus letzter Handlung die vorigen bestaͤrcket. Sonsten ist endlich zu wissen/ daß alles Recht der Dienstbarkeit verlohren geht durch wiederwaͤrtige verstattete Hand- Dienstbare Gerechtigkeit wann verloh- ren. lungen/ so den rechten Gebrauch verhindern/ oder durch Untergang der Sache/ wie auch durch 10. und 20. jaͤhrigen Brauchs Nachlas- sung unter An- und Abwesenden/ so nicht durch Nothfall daran verhin- dert/ oder durch oberwehnte gedoppelte Zeit/ wann es nur im Sommer oder Winter oder jaͤhr- und monatlich Abwechselungs Weise zu ge- brauchen/ oder mit stillen Beding nachbarlichen Freundschafft er- beten/ das etwa verweigert. L. 34. in fin. cum L. seq. ff. de serv. præd. rust. L. fin. quemadm. serv. amitt. L. 6. §. Etiam. L. 11. ff. Eod. §. 28. Nie- Von Grundguͤtern und anhangenden Geꝛechtsamkeiten. §. 28. Niemand soll freveln Streit erheben/ oder einen durch Jagt/ Fische- rey und Wald- Recht. Arrest verhindern/ daß er nicht auff seinem eigenen oder allgemeinen oͤffentlichen Grunde gehen/ fahren/ Vieh treiben/ jagen oder fischen moͤge/ jedoch sollen so wohl Eigenthums-Herren als auch Lehnmaͤn- ner/ nur ziemlicher massen Holtz hauen/ und ob schon eigenes Wald- Gehoͤltze unverhindert des Forstherrn nicht mehr auswuͤten/ als so fern es etwa darinn angelegter Wildfuhr unnachtheilig seyn kan/ und was der Wald erleiden mag/ daß er in seinem wesentlichen Thun und Wachsthum ohnabgaͤngig. §. 29. So ist nun bekandt/ daß Jagt-Recht eine herrschafftliche Jagt-Recht ist herrschafft- liche Freyheit. Freyheit und Vorrecht sey/ das niemanden frey steht/ absonderlich mit groben Wildpraͤt/ er sey denn rechtlich damit belehnet. Ja/ weilen die geringe Art das Fischen/ also ist vielmehr Jagen Privat-Leuten ver- boten/ es waͤre dann jemanden nur der Genuß vergoͤnnet/ und Fischer Einkuͤnffte dem Landesherrn vorbehalten. Zum Forst-Recht gehoͤret auch Mast der Eicheln/ Buch-Eckern und andern Wald-Fruͤchte/ ob jemand das Holtz zu hauen frey stehet oder nicht. L. si quando, C. de Test. L. un. C. de Venat. Ferar. §. 30. Jagt und Wildbahn oder Wildbann ist unterschieden von Hag- und Wald-Gerechtigkeit oder Forst-Recht/ solches zeigen an de- Wild-Bahn und allerley Jagt-Unter- scheid. ren verschiedene Amtsbedienungen/ als Forst- und Jaͤger-Meister/ da jener Baum- und Wald-Behauung verbiethet und die Verbrecher straffen laͤst/ dieser aber alle zur Jagt benoͤthigte Dinge anstellet/ die Unterthanen zu der Jagt Zehrung und Jaͤger Frohn-Diensten zwin- get/ auch Jagt- und Hundshafern einzumahnen pfleget; Und zwar so giebt es grosse Wolff-Luchs- und wilde Schwein Jagten/ grob-roth- und schwartz Wildpraͤt/ oder klein Wald- und Weydwerck/ item/ Vogel und Schnabel Weydfang/ welches in einem Feld-Lager wohl verstattet wird. §. 31. Ein ander Jagt-Recht ist/ den Wald mit verhauenem Ge- hoͤltze umgeben/ und Zweigen oder Baͤumen Aeste zu beschneiden/ oder Koppel-Jagt Recht. mit Buͤchsen und Hunden zu jagen; anderswo moͤgen auch Fuͤrsten und Landesherrn in ihren Gebieten mit denen zur Jagt belehneten Ade- lichen gleichfalls auff ihren Guͤtern jagen oder nicht/ anderswo haben sie unter einander Koppel-Jagten/ kein Bauer aber soll Garn/ Netz- oder Stricke und andere Jagt-Werckzeuge ausspannen/ ohne der Obrigkeit Willen/ es sey dann zu schaͤdlichen Thieren; andere weltli- che Personen/ nicht aber geistliche moͤgen/ jagen/ fischen ist dennoch die- III. Buch/ Cap. III. diesen erlaubet/ weilen nemlich Esau der Jaͤger auch ein grober Suͤn- der war. C. qui Venatoribus, C. Esau, Dist. 58. C. 1. \& 2. de Cleric. Venat. L. Usufructuari- um, C. de Usufr. Jagt-Lob- und Jaͤger Recht. §. 32. Auff frembden gemeinen Grundgut mag man bißweilen wohl jagen/ deßgleichen aber nicht fischen; hingegen ist Fischerey nicht aber Jagt geistlichen Personen zugelassen: Sonst dienet der rechte Ge- brauch der wilden Thier Jagt/ so in Waͤldern mit Geschrey und Hunden geschiehet/ zur nothwendiger Nahr- und Kleidung; der Miß- brauch aber/ wann jemand sich also dem Jagen ergiebt/ daß er seines Beruffs noͤthige Geschaͤffte daruͤber versaͤumet/ ist billig hoch zu ta- deln/ vielmehr jedoch sind Jaͤger/ als Kunstreiche Werckzeuge zur taͤglichen Nahr- und Kleidung/ derohalben mit Freyheiten zu begaben/ und allerley schweren Frohn-Dienste zu entledigen/ noch weniger auch zu schelten solche/ die sich von dieser Kunst ernehren/ und keinen andern Gewinn zu treiben wissen/ oder etwas anders gelernet haben. L. 13. §. fin. in fin. de injur. c. 1. \& 2. de cler. venat. c. 1. ne cler. vel monach. c. 1. \& 2. dist. 34. c. an putatis, dist. 86. L. 7. C. de Excus. mun. L. ult. in verb. vena- tores, ff. de jur. immunit. Gloss. in C. qui Venatoribus dist. 86. L. 13. §. ult. in verb. piscar. \& aucup. ff. de injur. L. 16. ff. de servit. rust. præd. c. 1. vers. si quis rusticus, \& vers. nemo retia, in Us. Feud. Jagt Recht gebuͤhret Fuͤr- sten und Her- ren allein. §. 33. Ob nun schon sonst der Lufft Gebrauch uͤberall gemein ist/ so thut dennoch kein Fuͤrst oder Landesherr damit seinen Unterthanen Gewalt und Unrecht/ daß er ihnen die Jagt durch oͤffentlichen Befehl verbeut/ weilen ein jeder nach Eigenthums Recht einen Frembdling von Ab- und Zugang seines Grundes verweisen kan/ und zwar ist ge- nung bekandt/ daß Koͤnige/ Fuͤrsten und Herrn vermoͤge Oberherr- schafftlicher Gerechtigkeit/ Gehoͤltze/ Forst-Waͤld- und Felder als gemeine oͤffentliche Oerter/ gleich denen uͤbrigen allgemeinen Rechten/ dero gestalt an sich gezogen/ daß es in ihrer freyen Macht steht/ einig Dienstbarkeit-Recht an offenbar gemeinem Ort zu verstatten und zu benehmen/ oder auch dessen Gebrauch Privat-Personen zu wehren/ wel- chen Rechts sie sich Gesetzmaͤßig/ so wohl als von langer Gewohnheit her/ absonderlich Bauren und Ackers-Leute davon abzuhalten/ mit grossem Fug bedienet haben/ und ist solches auch billig/ ja allgemeinen Wesens Ruhestand zu Gute/ also Rechts uͤblich aus nachfolgenden mehrern Ursachen. L. Littora ff. ne quid in loco publ. L. 9. ff. ad L. Rhod. L. 2. C. de quadr. præsc. L. 14. §. publico, de serv. L. 2. §. merito, \& tot. tit. ff. ne quid in loco publ. L. 3. in verb. nisi imperator vetet, ff. de flumin. L. item veniunt, §. in privatorum, ff. de petit. hæred. L. 1. \& 2. C. de privileg. Fisci. §. 34. So Von Grundguͤtern und anhangenden Gerechtsamkeiten. §. 34. So erfordert nun weiter/ daß hohe Landes-Obrigkeiten Landesherren Recht die Jagten einzu- schraͤncken. die Jagt-Gerechtigkeiten einschraͤncken/ deren hoͤchst billige Vorsor- ge/ gesamt- und sonderlichen wilden Thiere Geschlechts-Art zu erhal- ten/ weilen durch GOttes Vorsehung weniger wild als zahmes Vieh auff Erden zu finden/ auff daß nicht durch deren Vielheit menschli- chen Lebens Gesellschafft und Ackerbau Schaden leiden und beunru- higet seyn moͤchte/ zu dem Ende dann auch fast aller Orten Wildbahn und Thier-Garten angestifftet sich befinden/ in welchen das Wild zu heegen/ sonst etwan in einer Landschafft die gantze Art ausgerottet wuͤrde/ wofern das Jagen jederman erlaubet waͤre; und selbst die allgemeine Jagt-Verguͤnstigung wuͤrde einen grossen Verhin- derungs Abruff vom Bauer-Leben und Wandel/ auch Ackerbaues Fortpflantzung verursachen/ davon jedoch die Bauren abzuziehen offenbar schaͤdlich waͤre. Auth. agricultores, C. quæ res pign. L. 2. ff. de Feriis. §. 35. Weilen auch groͤssern wilden Thiere Jagt ohne Geschoß Jagt-Recht wegen Zanck und Streit verboten. und Waffen nicht wohl zu uͤben/ deren taͤglicher Gebrauch aber aus vielen Ursachen voraus Bauer- und Ackers-Leuten/ die zur Jagt sehr beqvem/ mehrentheils in Waͤld- und Feldern wohnen/ recht und loͤblich verboten; So ist uͤber das oͤffentlich daran gelegen/ daß nicht allen und jeden Menschen das Jagt-Recht gemein sey/ Fried und Ruhe zu erhalten/ dann gleichwie andern Sachen Gemeinschafft Zwietracht erreget/ also wuͤrde es vielem Gezaͤnck/ Streit und Kampff/ ja gar Mord und Todtschlaͤgen Anlaß und Gelegenheit geben/ wann jederman ohne Unterscheid zu jagen vergoͤnnet waͤre/ sintemahlen Bruͤder und Anverwandte zuweilen uͤber diese Gerechtigkeit sich gantz hefftig zancken/ was wuͤrde dann erst geschehen/ wofern allen Leuten auch gemeinen Bauren dieser Rechts-Brauch frey stuͤnde. Tot. tit. in auth. ut armor. usus. L. 79. §. omnia, ff. de Legat. §. 9. instit. de rer. di- vis. L. 5. §. 1. ff. de acquir. rer. dom. L. 1. ff. de usucap. L. æquissimum, ff. de Usufr. §. 36. Endlich/ wann unter vielen Jagenden das Wild nicht dem Wild das ver- wundet/ wem es gehoͤrig. Verfolger/ der es verwundet/ sondern demjenigen/ der es zu erst auff- nimmt und bekoͤmmt/ zustaͤndig gehoͤret/ so erhellet leicht/ wie sich man- cherley Leute balgen und schlagen wuͤrden; ja wann man allgemeinen Ruhestandes halben privat Leuten auch wohl gar das Jhrige nehmen kan/ so mag man vielmehr deswegen dergleichen Personen an gemei- nem Ort etwas zu thun verbiethen; derowegen nun solchen Rechts undenckliche Verjaͤhrung und vielen hundert Jahren Erduldung be- K k nimmt III. Buch/ Cap. III. nimmt denen Unterthanen das Recht darnach zu fragen/ und befestiget im Gegentheil derer Fuͤrsten und Herren Recht/ gleichwie eine sonder- bare Freyheit. L. 1. \& 2. L. 11. C. de servit. \& aquæd. L. 3. §. ductus aquæ ff. de aq. quotid. \& æstiv. C. super quibusdam, §. præterea, ff. de V. S. Jagt-Recht auff sonder ba- ren und fremb- den Grunde. §. 37. Wann sonsten Fuͤrsten und Herren auff sonderbarem Grundgut einem andern sein darauff habendes Jagt-Recht/ so er durch Freyheit steten Gebrauchs Einnahme/ oder andern rechtmaͤßi- gen Nahmens Besitz erworben/ verbiethen und berauben wollen/ ist es zu Recht unguͤltig/ es haͤtten dann Privat-Personen dabey beruhet/ daß solches Recht dadurch verjaͤhret waͤre/ und also mag man auff frembdem Grunde/ wofern es dessen Eigener nicht verwehret/ Jagt- Recht gebrauchen/ ja gar gegen diese Verwehrung kan es durch lang- wierigen Zeit-Gebrauch verjaͤhret werden. L. 2. C. de precibus imper. offer. L. 2. \& ult. C. si contra jus vel utilit. C. unic. in verb. redit. quæ sint neg. in us. Feudi. L. 2. \& 11. ff. de serv. \& aq. L. 1. C. de venat. Fer. Wilden Thiere Unterscheid so frey zu jagen. §. 38. Solcher wilden Thiere Jagt nun/ die wegen schaͤdlichen Grausamkeit offenbar nuͤtzlich und noͤthig zu ertoͤdten/ als Baͤren/ Woͤlffe und dergleichen/ ist allen erlaubt; ander Wild aber/ so zur Fuͤrstlichen Ergetzungs-Lust und gemeinen Speise Vorrath dienen/ ist zu jagen verboten; auch auff Privat-Personen eigenen Guͤtern/ wann der Herr/ gewoͤhnlich an seinem Recht verhindert/ dessen Besitz ver- kehret/ und er dabey beruhet/ daß sein Vermoͤgen verjaͤhret. L. Præses, C. de servit. L. 29. in princ. \& §. 1. ff. ad L. Aquil. Vogelfangs Recht. §. 39. Vogelfangen ist Privat-Personen eben nicht allezeit so hart als jagen verboten/ weilen es ohne Gewehr mit geringerm Auff- ruhr und Haussen geschiehet/ ob schon es vom Landes Oberherrn zu- gleich auff gewisse Zeiten kan verwehret seyn/ damit nicht gewisse Ar- Frembden Grundes Ge- rechtigkeit. ten von Voͤgeln gar verwuͤstet werden; auff frembdem Grunde kan und mag jedoch niemand Garn ausspannen/ Stricke und Fallen le- gen oder Gruben machen/ sondern es pflegen alle Jagten zu geschehen mit Jagt-Wald-Horn und anderm Geschrey/ oder stillschweigend mit Hunden/ Netzen/ Gruben/ Waffen und Geschoß/ ohne jemandes sonderbarem Schaden und Ungemach oder Abbruch/ nicht zu dem En- de/ das gantze Geschlecht zu verderben/ noch mit oͤffentlichen oder noth- wendigen Amts-Geschaͤfften Versaͤumniß und Unterhaltung/ son- dern zu Muͤh- und Arbeit Versuͤß- und Speisen Veraͤnderung. §. nemo Von Grundguͤtern und anhangenden Gerechtsamkeiten. §. nemo retia, de pace ten. L. 17. §. 1. si serv. vindic. L. 28. ff. ad L. Aquil. L. quosdam, C. de metall. L. 2. §. merito, cum seqq. ff. ne quid in loc. publ. L. Venatores, C. de Excus. mun. L. 18. ff. de in jus voc. §. 40. Sonst soll man einem Eigenthums-Herrn/ der etwas auff Eigeners Recht fuͤr Ge- walt. seinem Grunde verwehret/ keine Gewalt anthun/ massen das eigen- thuͤmliche Herrschaffts-Recht seine sicherste Zuflucht ist; Fuͤrsten und Herren jedoch koͤnnen und moͤgen gegen solche Leute/ die wider Ver- bot jagen mit willkuͤhrlicher Straffe/ die sich auch zum Tode erstre- cken mag/ rechtlich verfahren/ weilen solche Thaͤter nicht nur Diebe- rey schuldig/ sondern auch etlicher massen Fuͤrstliche Hoheit/ indem sie ihren Befehl verachten/ schaͤndlich schmaͤhlern und verletzen. L. potestatis, ff. de V. S. L. 15. ff. ad Exhibendum. L. 9. § Alphonsus de damn. inf. L. 5. §. de arbore, de rei vindic. L. 2. §. plane de acquir. rer. dom. L. Divus, de serv. rust. præd. L. 15. ff. de injur. §. in Summa inst. Eod. C. ex literis, de Constit. §. 41. Fischerey auff eigenen und allgemeinen nicht aber frembden Fischerey Recht. Grunde/ ist gleichfalls frey vergoͤnnet/ weilen die Fische zum besondern Wasser auch gehoͤren/ darinn enthalten/ gebohren werden/ leben und wachsen/ also fuͤr dessen Fruͤchte zu halten/ und dahero Gewaͤssers Ei- gener und Besitzern zukommen; Wann auch einer etwa zum Fischen eine sonst kleine Huͤtte/ oder Wohnung am Ufer eines allgemeinen Flusses erbauet/ und dasselbe vielleicht umgefallen/ oder er zu fischen unterlassen/ und die Fisch-Netze eingenommen/ so mag er keinen andern Fischerey Huͤt- ten Recht. abhalten oder verhindern/ sondern wer zuerst dahin koͤmmt/ der fischt zu erst/ es habe denn jener von langer Zeit oder undencklichen Jahren hero solches Recht zu verbieten und selbst zu fischen geuͤbet und betrieben. L. funes, ubi gloss ad verb. pisces, ff. de act. Emt. L. fructus ff. de rei vind. L. 10. §. aucup. L. 69. de Usufr. L. 3. §. item de acquir. possess L. 48. ff. de acquir. rer. dom. Tot. Tit. de Flum. L. 7. de divers. temp. præscript. Caput IV. Von Privilegirt en/ Frey-Gebohrnen/ Leibeigenen Personen/ auch Herren und Dienst-losen Leuten oder Lediggaͤngern. §. 1. D Er Adel entsteht aus Waffen und freyen Kuͤnsten/ dahero in buͤr- Adeliche Pri- vilegi en. gerlichen Dingen ein Gelehrter/ in Kriegs-Sachen aber der Sol- dat den Vorzug haben muß; Ritter werden geadelt. Adeliche allge- meine Freyheiten sind: Wapen mit offenem Helm zu fuͤhren/ zu Ehren- K k 2 Aem- III. Buch/ Cap. IV. Aemtern vorgezogen werden/ derer oͤffentlichen Beschwerden und Dienst-Pflichten befreyet seyn; daß sie im Verbrechen peinlichen Fuͤrsprecher haben moͤgen; daß ihnen mehr Warheits Treu und Glauben beyzumessen; daß sie ohne groͤsten Argwohn in schweresten Ubelthaten nicht zu peinigen/ wie auch in gelindern und ehrlichern Gefaͤngniß zu halten/ ausgenommen bey verletzten Majestaͤt Verbre- chen; Endlich in Schulden Bezahlung soll man ihnen nicht mehr an- muthen/ als sie fuͤglich thun koͤnnen/ und so viel uͤbrig behalten/ als sie zum ehrlichen Auffenthalt benoͤthiget. L. 1. C. de offic. vicar. L. 14. §. de honor. ff. de mun. \& honor. L. Præcipimus. L. Se- natorum, L. quoniam, C. de Dignit. L. ult. C. de injur. L. 6. in pr. §. 1. ff. ad L. Jul. pecul. L. 15. ff. de jurejur. L. nullus, C. ad L. Jul. majest. L. 6. \& 18. ff. de re judic. Adelichen Un- terscheid. §. 2. Das ehelich- und freygebohrne Kind behaͤlt seines Vaters Heerschild; darum sind Edelleute eigentlich Stifft- und Ritter-maͤßig Gebohrne/ die zum Schild und Helm berechtiget/ auff derer Ritter Ehren-Banck sitzen moͤgen; gemachten Adels Freyheit aber gilt nicht ausser dessen Landesherrn Gebieth/ es geschehe denn aus Hoͤffligkeit/ daß ein Fuͤrst oder Koͤnig des andern Hoheit und Majestaͤt dadurch zu Adel wer nicht seyn kan. verehren gesonnen; welches auch zu verjahen billig von denen/ die ei- nen edlen Vater haben und unedle Mutter/ weilen nicht diese/ sondern jener beadelt/ ja selbsten die Frau wird Edel durch den Mann; Wer aber nicht einen Edlen Vater/ sondern nur Edle Mutter hat/ der ist dar- um kein Edelmann/ weilen er aus ungleichem Gebluͤte gebohren/ und keine von Adel ihrem Mann/ der Unedel ist/ den Adel mittheilen kan. So behaͤlt auch eine adeliche Wittwe ihres Mannes Ebenbild/ so lan- ge sie unverheyrathet/ und wofern sie zuvorn einen unedlen Mann ge- habt/ hernach aber wieder einen Edlen zur Ehe nimmt/ so gewinnet sie damit ihren vorigen verlohrnen Adelstand. C. ult. Ext. de convers. in fid. L. 19. ff. de statu hom. L. 8. ff. de Senat. L. 13. C. de dignit. L. 10. C. de nupt. L. fin. C. de bon. quæ lib. Edelleute Recht so ver- armet. §. 3. Patricii sind Adel-Geschlechter unter denen/ die buͤrgerliche ehrbare Geschlechter nachfolgen; Edelleute/ die ihre Sachen und Guͤ- ter verlohren/ also verarmet sind/ muͤssen in buͤrgerlichen Rechten eyd- lich geloben/ ob schon sie mit guten Sitten geziehret und begabet/ dero- wegen zwar Armuth keine Schande ist/ nicht veraͤchtlich noch verdaͤch- tig macht/ jedennoch kan sie eine Ursach und Werckzeug oder Veran- lassung zu vielem Boͤsen geben/ sintemahlen ein Armer Gewinns hal- ben Von Freygebohrnen/ Leibeigenẽn und Muͤßiggaͤngern. ben leicht etwas zulaͤst/ das er sonst nimmer thun wuͤrde/ hingegen ist eines Reichen Zeugniß im Recht glaubhaffter. §. ult. instit. de suspect. tut. \& curat. L. 3. ff. de Testibus. §. 4. Alle Grafen/ Herren und Junckern/ so bey Hofe angenom- Adelichen und andern Treu- geloͤbniß und Eyd. men werden/ sollen dem Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten oder dessen Hof- Marschallen/ oder dem/ der solche Stelle vertritt an des Fuͤrsten Statt/ bey ihren Graͤf- und adelichen Ehren ein Handgeluͤbde oder Treuge- loͤbniß thun; sonst aber soll ein jeder um mehr und bessern Versiche- rung Willen mit einem coͤrperlichen Eyde zu GOtt dem allmaͤchtigen schweren/ und nach Heßischer Hof-Ordnung also eydlich belegt wer- den/ daß er dem Landesherrn treu/ hold/ gehorsam und gewaͤrtig/ auch in seinen Diensten treu-fleißig und verschwiegen seyn wolle; Wer nun aus rechtmaͤßigen Ursachen den Eyd verlaͤst/ oder ja kein gewisses Vorhaben noch wissentliche Falschheit im schweren begeht/ wird nicht Meineydig. Princ. instit. de tut. vel cur. Nov. 8. c. 7. L. sancimus, C. ad L. Jul. Repet. §. 5. Wann auch jemand/ er sey Edel oder Unedel/ wegen gebro- Untreu was nicht sey und ihre Straffe. chener Treu beklaget wird/ ist er dafuͤr Ehrloß/ muß auch in Streit- Sachen alle Unkosten bezahlen/ derjenige aber ist nicht Untreu zu schel- ten der ohne Arglist/ Betrug und Nachtheil des dritten aus gerechten Ursachen nicht Glauben haͤlt; so soll man schaͤnd- und von Natur un- moͤgliche Dinge nicht zusagen/ wie auch alle Treu und Glauben Zusa- ge/ bey uͤbermaͤßig grossen Vernunfft- und Sinnlosen Trunckenheit geschehen/ niemand verbuͤndlich macht/ weilen solche einer Tollheit Art ist/ dabey keine Einwilligung anzutreffen; Fuͤr allen Dingen aber sollen sich insonderheit Edelleute aller wahren Tugend und Tapf- ferkeit befleißigen/ und gar keiner Untugend noch schaͤndlichen Lastern/ vielweniger Dieberey anhangen/ oder man soll solche Edle Diebe mit hoͤhern Galgen beehren/ nach Daͤnischen Koͤnigs Canuti Urtheil. L. 135. ff. de R. J. L. 28. §. illud, de pact. C. unusquisq́; 22. q. 4. c. sanè, 15. q. 1. §. 6. Adeliche so wohl als andere Freygebohrne und ehrliche Leu- Treu und Glauben wie zu halten. te muͤssen unter eigenen Hand und Pittschafft redlich Ehr-Treu und Glauben halten/ kein Mensch aber ist seiner Glieder noch Lebens Herr/ darum auch niemand dergleichen versprechen oder verwetten kan/ wei- len eines freygebohrnen Menschen Leib unschaͤtzbar ist/ jedoch ist in Rechten 50. Goldguͤlden Straffe angesetzt nach Richters ermessen/ samt Heil und Artzt-Lohn/ auch Arbeit Versaͤumniß/ nebst Schmer- tzen und etwan ungestalten Narben Schaͤtzung/ nach billigem Gutduͤn- K k 3 cken III. Buch/ Cap. IV. cken und Umstaͤnde Beschaffenheit/ die bey allen Beschaͤdigungen wohl zu beobachten/ die Sache schwerer oder leichter zu machen. C. si non licet, 23. q. 5. L. 13. ff. ad L. aquil. L. 1. §. 5. ff. de injur. Freygebohre- nen Weibes- Personen Recht. §. 7. Eine freygebohrne Weibs-Person/ von ehrlichen Lebens Ort und Wandel/ soll niemand zu unehrlichem Beyschlaff gebrauchen/ sondern sie entweder zum Weibe annehmen/ oder Hurerey und Un- zucht Straffe leiden; Jrrthum aber in Personen Stand mag Ehe- stand vernichten/ als so jemand eine Magd fuͤr eine Freye geheyra- thet/ weilen die aus dienstbarem Leibe gebohrne Frucht auch leibeigen wird/ ob schon vom freyem Vater erziehlet. L. 3. in fin. ff. de concubin. L. 24. ff. de ritu nupt. gloss. in L. 1. verb. stuprum de concub. Tit. Extr. de cohabit. Cler. L. 7. \& 9. C. de rei vind. Vaters und Patronen Recht gegen Freygelasse- nen auch Soͤh- ne Recht. §. 8. Daß nun ein Sohn und Freygelassener des Vatern und Pa- tronen Person allezeit heilig und in Ehren halten soll/ gruͤndet sich in natuͤrlichem Recht/ weilen der eine das natuͤrliche/ und der andere das buͤrgerliche Freyheits Leben von solchem erlangt hat/ ja diese moͤgen nicht von jenen ohn Urlaub zu Recht gefordert werden/ auch so fern ein freygelassener Knecht Undanckbarkeit uͤberwiesen/ mag er zur Dienst- barkeit wieder hingezogen werden/ welches mehrentheils Soldaten und Bauren angehen kan/ gehorsame Folge zu leisten/ und willkuͤhrli- chen Straffe zu entfliehen. L. 4. \& antepen. ff. de obseq. par. \& patr. præst. Tot. tit. C. de libert. \& eor. liber. Auth. ut liberti, Eod. L. 2. C. de in jus voc. L. Generaliter \& L. 3. cum seq. ff. Eod. tit. Bey Leibeigen- schafft muß die Braut dem Braͤutigam nachfolgen. §. 9. Wann eine freye Person auff eines Gutsherrn Eigen- thums Erbgrunde heyrathet/ so mag das getroffene Ehegeluͤbde durch priesterliche Copulation zu vollenziehen nicht gehindert/ sondern da- mit nach Recht billig verfahren werden/ es kan auch der Braͤutigam nicht angehalten seyn/ sich in deren Erbguts Grundherrn Gerichte zu setzen/ und seiner Braut zu folgen/ sondern ist sie vielmehr dazu schul- digst verpflichtet/ nachdem aber die Braut eine Leibeigene gewesen/ um deren Verheyrathung der Leibeigenschafft Herr billig wissen muß/ derowegen der Vater dafuͤr leidliches Vergnuͤgen thun soll/ wann es deren Leibeigenen Lehnsfolgere bey wuͤrcklichen Lehns Antretung be- gehren. Leibeigen- thums Recht wegen dazu gebohrnen Kinder. §. 10. Allwo es aber Gewohnheits Recht mitbringt/ daß eine freye Person/ die auff eines Gutsherrn Eigenthums Erbe sich verehe- lichet/ alsdann ohne sonderbare gerichtliche oder fuͤr Notari en und Zeugen ergangene ihrer Freyheits Absagung/ wuͤrck- und thaͤtlich sich damit Von Freygebohrnen/ Leibeigenen und Muͤßiggaͤngern. damit in dessen Leibeigenthum/ dem das Erbe oder Kothen gehoͤrig/ begeben zu haben geachtet werde/ so soll dennoch das erstgebohrne Kind an statt der freyen Mutter und gegen Abforderung eines Guts- herrlichen Scheins frey/ die uͤbrigen aber/ ob schon Zwillinge geboh- ren werden/ leibeigen seyn; falls aber nur ein Kind gezeuget/ oder die andere Leibeigene abstuͤrben/ und das Freye hinwiederum die elterlichen Guͤter beziehen und annehmen wolte/ muß es sich ins Eigenthum begeben. §. 11. Niemand soll Schulden wegen leibeigen seyn/ wer nun je- Schulden ma- chen nicht dienstbar. manden derohalben dienstbar machen wolte/ wird also gestrafft/ daß er seine Schulden verwuͤrcket/ des Schuldners Eltern doppelt so viel wiedergeben/ und dazu noch wohl am Leibe nach Gestalt der Sachen Straffe gewarten muß; wann sich aber jemand in Verhafft einige Arbeit auszufertigen verpflichtet/ als Mahlen/ Schreiben/ Seiden Stickwerck und dergleichen/ also kan man sich dieser Wohlthat begeben. L. ob æs alienum, C. de O. \& A. §. 12. Wer irgendwo gemachtem Beding gemaͤß einen Leibei- Leibeigenen Kauff- und Freylassungs Recht. genen kaufft/ und gegen Vertrag nicht frey laͤst/ so erlangt dennoch der Knecht seine Freyheit von Rechts und Gewohnheits wegen/ wei- len man derer Leute arglistigen Boßheit nicht zu viel nachsehen soll/ ja auch einen verbanneten Bruder soll man nicht toͤdten/ wie die Ban- dit en in Jtalien/ weilen die natuͤrlichen Rechte von buͤrgerlichen nicht auffgehoben werden. L. 3. de serv. Export. Tot. Tit. C. si mancip. ita fuer. alien. ut man. L, 5. de jure Patron L. 38. ff. de Rei vend. L. jura sang. ff. de R. J. §. 13. Wer sonst mit oder ohne Gewalt jemandes Kinder oder Menschen- Diebstahl leibeigen zu machen. Gesinde/ um zu verkauffen und leibeigen zu machen/ abstiehlet/ gefan- gen haͤlt oder entfuͤhret/ damit Kauffhandel oder Kupplerey treibet/ Jungen und Maͤgdgen verfuͤhret und zu Fall bringet/ der begehet Men- schen Diebstahl/ gegen GOttes Gesetz und weltliches Recht/ dahero die Diebe selbst und alle/ so dazu geholffen/ mit Geld/ Leib und Lebens- Straffe/ auch durch Schwerdt hinzurichten. L. pen. §. ult. L. 3. ff. \& L. fin. C. ad L. Fab. de plag. Deut. 24, 1. \& 7. Exod. 21, 16. §. 14. Dienst-Knechte und Leibeigene werden in Rechten fuͤr Leibeigenen Dienst-Knech- te auch Unter- thanen Recht. Todte gehalten/ koͤnnen sich also ohne ihrer Herren Wissen und Wil- len zu ihrem Nutzen in keinen Handel einlassen; dahero auch bey Un- terthanen/ die von einem Ort zum andern ziehen wollen/ fuͤr treu ge- leisteten Schutz Nachsteuer oder Abzugs-Geld zu bezahlen/ das Recht entstan- III. Buch/ Cap. IV. Nachsteuer Abzugs Recht. entstanden; Und dahin gehoͤret Churpfaltzisches Wildfangs Recht/ wornach alle Bastarten und andere frembde Personen/ Maͤnner und Frauen/ so keinen nachfolgenden Herrn haben/ niemand ausgenom- men/ als Wildfaͤnge/ inwendig ihren Fuͤrstenthumen und Landen auch deren beyliegenden Stifftern/ Herrschafften/ Staͤdten/ Flecken und Gebieten/ in Staͤdten oder auff dem Lande gebohren oder darinn wohnhafft werden/ leibeigen ihnen angehoͤrig sind/ und dieselben/ wann sie ohne maͤnnliche Leibes-Erben oder ohne Testament mit Tode ab- gangen/ deßgleichen anderer/ so keine Erben haͤtten/ verlassene Haab und Guͤter/ wo sie gelegen/ als Landes-Fuͤrsten Erben. L. quod attinet, ff. de R. J. §. item inutilis instit. de inutil. stipul. Herrn losen Knechte Un- freyheit. §. 15. So Reisige oder Fußknechte/ wie auch Dienst und Herrn- loses Gesindlein/ gewoͤhnlich in Wirthshaͤusern bey denen Wirthen liegen und zehren/ und dennoch nicht solche ihre redliche Dienste/ Gil- den oder Handthierungs Gewerbe anzuzeigen wuͤsten/ die sie haben/ und vermittelst deren sie dergleichen Zehrung thun und treiben koͤnnen/ dieselbige sind zu vielen boͤsen Sachen verdaͤchtig/ haben auch genung- samen Argwohn allermeist zur Rauberey wider sich/ derowegen sie auch/ absonderlich nach allgemeinen Reichs Land-Friedens Jnhalt/ als lose Buben nicht zu leiden/ sondern um ihre Mißhaͤndel gar wohl eingenommen/ scharff und haͤrtlich befraget/ auch nach Befinden mit Ernst gestrafft werden sollen und moͤgen. P. H O. Art. 39. \& 40. Umlaͤuffer und Muͤßiggaͤnger Recht. §. 16. Darum auch solche Herrn lose Knechte/ die keine liegende Guͤter haben/ noch so viel an Haab- und Vermoͤgen/ daß sie von jaͤhr- lichen Rent- und Zinß-Gefaͤllen leben koͤnnen/ oder von ihren Schuld- nern Nutzbarkeit Fruͤchte geniessen/ oder sonst erbaren Handel/ Kunst und Wandel treiben/ samt allen Bettlern und Muͤßiggaͤngern/ nicht sollen gelitten werden/ weilen dergleichen Umlaͤuffer nicht allein Pri- vat-Personen schaͤdlich/ sondern auch gemeinem Nutzen hindersam/ Wege und Landstrassen unsicher machen/ hernach in Staͤdt- und Doͤrffern/ Buͤrger und Einwohner von Thuͤr zu Thuͤren in allen Haͤusern gar ungestuͤm um Brod oder Geld anheischen/ und also lie- ber von andern/ als eigenem Schweiß oder Fleiß ihren Auffenthalt und Nahrung suchen wollen. Landstreicher uñ Faullentzer Unsicherheit. §. 17. Darunter auch billig mit gehoͤren/ die in der Welt herum schweiffende Zigeuner/ starcke gesunde und verdaͤchtige Bettler/ durch- fahrende Landstreicher/ worauff auch rechtlich eine jede Obrigkeit fleis- siges Von Freygebohrnen/ Leibeigenen und Muͤßiggaͤngern. siges Einsehen haben soll/ wie gleichfalls uͤber die/ so mit Raͤubern viel umgehen/ oder sie beherbergen/ welche alle jederman/ den sie be- draͤuen oder anfallen/ wohl ertoͤdten mag; Ja/ die Obrigkeit muß sol- che Faullentzer greiffen/ zum Dienst oder Arbeit zwingen und anhal- ten/ denen schwachen und krancken Armen aber soll man glaub- wuͤrdige Zeugniß ihrer Armuth mittheilen und oͤffentlich Allmosen ge- ben; dergleichen unnuͤtze lose Leute sind auch alle Soldaten Weglaͤuf- fer/ gartende Knechte/ Handwercks-Bursche/ verlauffene Stu- denten/ ohne Noth loß und ledig gehende junge Gesellen. §. 18. Hieher gehoͤren die falschen Bettler/ welche Kranckheiten und Wunden/ auch zufaͤlliges Ungluͤck/ als Brand/ Raub und Ver- Falschen und starcken Bett- ler Straffe. wuͤstung/ luͤgenhafft vorwenden/ zu dem Ende mit Brieff und Siegel versehen/ die sie mißbrauchen/ diese alle/ so man sie Falschheit uͤber- winden kan/ werden mit groͤstem Fug Rechtens/ als oͤffentliche Be- truͤger ausgestrichen und Landes verwiesen; Und zwar billig soll man grosse und starcke Bettler/ auch lose Muͤßiggaͤnger in einer Gemeinde gar nicht erdulden/ weilen ihr Wandel nicht geringes Ansehen und Gestalt eines geheimen Diebstahls anzeiget/ dadurch dann also der uͤbermaͤßige Gassen-Bettel abgeschafft wird/ welcher ohne obrigkeit- liche Zulassung nicht zu gestatten/ bevorab denen/ die ihrer eigenen Schulden halben in solchen Zustand gerathen/ oder das Jhrige ver- schwendet/ diese sind eben grossen Mitleidens und Erbarmung nicht Armen soll man helffen. wuͤrdig; jedoch/ wenn Christen auch geziemet/ grossen Suͤndern und aͤrgsten Feinden Gutes zu thun/ so soll man ja diese armselige Leute dennoch nicht aller menschlichen Huͤlffe berauben/ und ihr gehaͤufftes Elend vergroͤssern. L. un. C. de mend. val. \& Auth. de quæstor. Caput V. Von Juden und Tatern oder Ziegeunern/ auch Land-Strassen und Wegen. §. 1 Z Um ewigen Zeugniß der Juͤdischen Zerstreuung mag man der Ju- Juden Recht sie zu erdulden. den Sitten leiden/ jedoch sollen sie von Christen unterschiedene Kleidung tragen; So kan auch hohe Obrigkeit/ dem Christenthum zu Ehren/ getaufft und recht bekehrten Juden begangenen Verbrechens Straffe wohl schencken/ um andere unglaͤubige Mißgoͤnner und sonst L l Chri- III. Buch/ Cap. V. Christen Gehaͤßige/ durch Leutseligkeit zu gewinnen/ dahero sie nicht leicht aus einem Gebiet zu vertreiben/ wann sie einmahl zum Schutz Juden Schutz- Brieffe Recht. und Geleit angenommen/ deswegen sie ihre Schutz-Brieffe gehoͤrig einloͤsen/ und gebuͤhrend Schutz-Geld erlegen muͤssen. C. etsi Judæos, C. nonnullis, de Jud. L. Judæos \& L. ult. §. 1. C. de Jud. \& Cœlicol. Tot. Tit. de Jud. \& Sarac. Nov. 146. c. 15. X. de Jud. Dist. 4. gloss. in c. sine pœnit. de consecr. §. 2. Ob nun zwar Juden derer Christen Blut-Jgel zu nennen/ indem sie ihre Guͤter und Vermoͤgen durch Wucher aussaugen/ ja viel von ihren Gotteslaͤsterungen bekandt/ daß sie nemlich uͤber Chri- sti Nahmen dreymahl ausspeyen/ sprechende: Sein Nahme werde vertilget. Die Mutter Mariam nennen sie Hariam, das ist Unflath/ Koth oder Misthauffen; Das heil. Roͤmische Reich nennen sie das Juden Untu- gend. Edomitische/ und die Christen begruͤssen sie: Sched Wilkom! das ist: Der Teuffel hohle dich! Dennoch solchem ungeachtet/ wofern sie friedsam und Gesetz-maͤßig leben/ Christum in ihren Schulen nicht verlaͤstern/ noch zur Christlichen Religion Verachtung spoͤttische Ce- remonien und Gebraͤuche anstellen/ sonder Wucher und Aergerniß/ soll man sie als Knechte der Straffe dulden; Eitele aberglaͤubische Gebraͤuche aber sollen sie abschaffen/ ja billig derer Wohnungen von Christen abgesondert verbleiben. C. ad abolend. Extr. de hæret. C. quod autem, 32. q. 1. C. si quis viduam, Dist. 1. C. 13. X. \& L. 8. C. de Jud. Juden Recht mit erkaufften Diebes Sa- chen. §. 3. Ein Jude ist auch schuldig/ alle gestohlene erkauffte Sa- chen dem Eigener ohne Preiß Entgeld zu erstatten/ und dazu noch will- kuͤhrlicher Straffe unterworffen/ wann er uͤberwiesen wird/ daß ers gewust/ massen Juden aller Orten/ da sie leben/ denen gewoͤhnlichen Rechten untergeben sind; dennoch moͤgen Juden wohl Collegia ha- ben/ auch ihre Synagog en/ wann sie baufaͤllig/ wieder erbauen/ ob schon sie sonst allen Leuten veraͤchtlich gehalten werden; Christliche Dienstboten/ Gesinde/ Knecht und Maͤgde sollen sie aber nicht halten. §. 4. Juden sind zwar Besitzer und Eigenthums-Herrn ihrer Juden Recht wegen Besitz und Eigen- thum. Guͤter/ jedoch haben sie etlicher Orten nur bewegliche Sachen/ und moͤgen auff unbeweglich Gut kein Geld ausleihen/ ja keine Pfand- oder Handschrifft ohne bey ordentlicher Orts Obrigkeit verfertigen lassen; So werden sie auch nur zu Beschwerd- und Buͤrd-nicht aber Ehr- und Wuͤrd-Aemtern zugelassen/ dahero kein Jude in freyen Kuͤnsten ohne bey der Medicin Doctor seyn kan; Buͤrgerlichen Obrig- keit Dienst-Pflichtgenossen aber moͤgen sie seyn/ die unter oͤffentlichem Schutz- Von Juden/ Ziegeunern und Land-Strassen. Schutz-Recht begriffen/ fuͤr Gewalt Sicherheit und Unrechts Er- Juden sichern Schutz-Frey- heit. stattung geniessen/ Geleit- und Guͤter Abstands Freyheit gebrauchen/ wie auch sonst aller gemeinen Lands-Rechts uͤblichen Wohlthaten/ gemeinen Wesens sonderlichen Vorrechten aber sich nicht zu erfreuen haben. C. ex literis, X. de convers. infid. §. 5. Ziegeuner und Tatern/ die Hauffen weise von einem Ort Tatern Durch- zug verboten. zum andern reisen und keinen gewissen Sitz haben/ sondern sich von Betteley und Diebstahl ernehren/ und also dem schaͤndlichen Muͤßig- gang ergeben sind/ sollen im gemeinen Wesen nicht erduldet werden/ viel weniger ist ihnen nach allgemeinen kaͤyserlichen Rechten und Po- lilcey-Ordnungen durch deren Chur- und Fuͤrstenthuͤmer Herrschafft- liche Gebiete einiger Durchzug noch freyes Geleit zu verstatten. §. 6. Was nun Wege und Strassen anlangt/ sollen solche je- derzeit in gutem Bau und Besserung gehalten seyn/ jedoch soll man Landstraff en und Wege Bau-Recht. an alten Pforten/ Mauren und Land-Strassen ohne Befehl der Obrigkeit nichts veraͤndern lassen; Sonst aber mag ein jeder ohne Landesherrn Wissen/ auff seinen Kosten/ zu gemeinen Wesens Nu- tzen/ so fern es ohne Eyffer und Auffruhr zu erwecken geschicht/ wohl ein neues unschaͤdliches Werck anrichten; Und zwar soll ein Fußsteig zwey Fuß breit/ ein Fahrweg vier Fuß auff ebenem Felde/ bey krum- men Wegen acht Fuß/ ein Landstrassen Weg aber acht Fuß in der Flaͤche/ und sechzehen in die Kruͤmme seyn; Eines schlechten Fuß- Pfad oder Bauren Fahrwegs Gebrauch/ Beqvemlichkeit halben die Erndte-Fruͤchte einzufuͤhren/ wird demjenigen/ der ihn allbereits Erndte Wegs Recht. 30. Tage lang sich zu Nutzen gemacht/ nicht verwehret/ biß daß voll- kommene richterliche Erkaͤntniß wegen Besitzes Recht ergangen und zu Ende gebracht. L. 235. ff. de V. S. L. 3. 23. pen. \& fin. ff. de oper. publ. Tot. tit. de Itin. actuq́; priv. L. 7. 8. 12. 13. ff. de servit. §. 7. Oeffentlicher Landstrassen Brauch steht allen Menschen frey/ und gehoͤret deren Schutz- und Eigenthums-Recht Landesherrn zu; weilen dann aber an vielen Orten in der Welt solche Landstras- sen Wege dermassen enge sind/ daß die einander gerade entgegen fah- rende Wagen nicht fortgehen moͤgen/ es sey dann/ daß deren einer oder andere zuruͤck weichen/ oder ausserhalb dem Wege abbeugen muͤsse/ so ist zu wissen/ daß ein leer- und ledig oder leicht beladener Wagen einem schwer belaͤstigten/ wie auch ein Karn oder kleiner Fahrzeug dem groͤssern/ ein Fuhrwagen mit Leuten alleine besetzt ei- L l 2 nem III. Buch/ Cap. V. nem schweren Frachtwagen/ und einer/ so aus Stadt oder Dorff faͤh- ret/ dem hineinfahrenden/ ein Fußgaͤnger dem Reuter/ Reitende de- nen zu Wagen Reisenden ausweichen/ und wann Fuhrleute uͤber eine Bruͤcke durch engen Paß oder Fahrwegs-Hoͤhle fahren muͤssen/ soll derjenige den andern/ so am ersten geruffen oder ein Zeichen gegeben/ erwarten/ oder dafern es zu spaͤte/ daß einer deren/ die sich begegnen/ sein Wagen-Geschirr ruͤckwarts zu ziehen gehalten ist/ alsdann hat der das beste Vorzugs-Recht im Wege zu bleiben/ welcher ihn am er- sten zum Gebrauch betreten/ ja nach wohl gestalten Sachen sollen diejenigen/ so dem Ort/ von dannen sie herkommen/ am nechsten sind/ denen/ die vom ihrigen mehr und weiter entfernet/ also laͤnger verrei- set/ Platz machen/ welches von Fuhrleuten derogestalt insgemein zu beobachten/ daß alle die/ so uͤber diese Masse und Gebrauch schreiten/ den hinaus entstehenden Schaden und Unkosten billig zu ersetzen schul- dig erklaͤret werden moͤgen. Wege Dienst- barkeit Recht so bittweise geschiehet. §. 8. Was sonst einem Bitt-weise gutwillig ohne Gerechtigkeit gestattet wird/ als uͤber eines andern Grund gehen/ fahren/ reiten oder treiben/ Dachtrauffe auff sein Dach/ oder in seinem Hofe ha- ben/ oder Rennen zu kehren/ oder Balcken in seine Wand mauren zu lassen/ kan man nicht laͤnger behalten/ als dem Vergoͤnner gefaͤlt/ darum wer solche erbetene Dienstbarkeit hat/ soll selbige ungefaͤhr- lich brauchen/ und wieder abtreten/ wann es begehret wird/ wofern aber er oder seine Erben solches nicht thun/ muͤssen sie allen Schaden und Interesse bezahlen. L. 1. 2. 3. 4. 5. 6. L. quæsitum, §. quod à Titio, \& §. cum quoq́;, cum §. seq. \& fin. L. cum precario ff. de prec. Caput VI. Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. §. 1. E Hestand ist/ wann zwo ledige Christliche unversprochene Perso- nen/ Mann und Weib/ sich zusammen ordentlich verheyrathen/ und einander die Ehe zusagen/ es sey mit welchen Worten es wolle/ ja es kan auch uͤber Feld durch schreiben und zuentbiethen so wohl als gegenwaͤrtig geschehen/ und zwar Rechts Nothwendigkeit/ nicht aber Ehrbarkeit halber/ auch ohne derer Eltern und Freunde Rath und Willen. L. nuptias, Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. L. nuptias, de R. J. L. 2. ff. de Rit. nupt. L. in copul. C. de nupt. C. apud, C. tua, Exc. de spons. C. fin. de procur. in 6. L. gonerali, ff. de R. N. L. 4. \& fin. ff. de Spons. c. 27 q. 2. c. fin. gloss. 32. q. 2. c. cum locum, \& C. veniens, Ext. E. §. 2. Also mag sich eine Waͤisin nach ihrem eigenen Willen ver- Waͤisen Hey- raths Recht. heyrathen/ weilen Vormuͤnders Amt nur in Guͤter Verwaltung be- steht; jedoch erfordert solche Verwaltung Vormunds Bewilligung/ massen er ihr Heyraths-Gut geben und Hochzeits-Kosten darlegen soll; Wann nun zwo Eltern-lose Personen sich in Ehegeloͤbniß ein- lassen/ soll es im Beyseyn der nechsten Freunde und andern ehrlichen Leuten/ nicht aber im Winckel geschehen/ und zwar freywillig ohne Furcht und Zwang/ und moͤgen sich also einen Trauring oder Liebes- Pfandzeichen geben. C. cum causa de raptor. c. per tuas, de condit. appos. can. non omnis, can. 32. q. 2. C. 30. q. 5. c. 2. de nupt. q. 2. L. sciendum, ff. de R. N. L. non tantum, ff. de tut. \& cur. L. quæro, cum seq. ff. de jure dot. c. gemma, 29. X. de spons. §. 3. Darum pflegen bey Ehegeloͤbniß Braut und Braͤutigam Trauzeichen Recht. einander guͤldene Ringe/ Ketten und guͤldene oder silberne Pfennig und Muͤntz-Schau-Stuͤcke zur Handgifft der Treue zu geben/ auff kuͤnfftige Ehehaltung/ entweder durch Boten/ Brieffe oder Voll- maͤchtigen/ stillschweigend zu dem Ende zu behalten/ dahero dann Ehestand des menschlichen Geschlechts Pfropff-Schule ist/ und soll billig nach Roͤmischem Recht/ bey Ehren-Aemtern/ ein Ehemann dem Ehelosen vorgezogen werden. L. 4. C. de sponsal. L. 9. 14. \& pen. ff. Eod. L. si pœnam, ff. de V. O. L. 4. 6. 7. 11. 12. 13. ff. de sponsal. c. 25. X. Eod. c. fin. de spons. impub. c. ex literis \& pen. X. Eod. L. 9. C. de Decur. §. 4. Eltern kan man auch zwingen/ ihre Kinder ehelich auszu- statten/ und wann ein Vater seine Tochter binnen 25. Jahren nicht verehelichet/ so fern er kan/ und sie hernach in Unzucht uͤbertritt/ mag er ihr Nahrung und Erbtheil nicht entziehen; wofern sie es aber vor 25. Jahren thut/ so kan ihr der Vater wohl den Braut-Schatz wei- gern/ das Erbtheil aber darff er ihr nicht abschneiden/ ohne erweißli- chen Standes/ Sitten und Religion Ursachen; Wann aber ein Va- ter seiner Tochter einen ungleicher Sitten maͤßigen und ihrer Person unwuͤrdigen Ehegatten erwehlet/ so stehets ihr in freyem Willen/ dar- ein zu willigen oder zu verweigern. L. 19. ff. de Rit. nupt. L. fin. C. de dot. prom. L. si filiam, Auth. sed si C. de inoffic. Test. Novell. 115. c. 3. §. 11. L. 3. \& 5. §. fin. C. de Spons. C. aliter, c. 30. q. 5. c. 13. c. 32. q. 4. L. 3. ff. ex quib. caus. maj. L. 11. §. fi quis, vers. cæterum, ff. de adult. L l 3 §. 5. Es III. Buch/ Cap. VI. Ehestandes voͤlligen Be- weiß Recht. §. 5. Es mag aber Ehestand voͤllig erwiesen seyn durch untade- liche ohnverdaͤchtige Zeugen/ die deßfalls oͤffentliche Handlungen ge- sehen/ und Verloͤbniß Worte gehoͤret/ oder zu Hauß und Kirchen erfolg- te Heimhohlung bekraͤfftigen. So wird auch Ehehaltung bewiesen durch Ehegatten ordentlich beqvemen Nennung/ und 6. biß 10. jaͤhri- gen Beywohnung/ aus Nachbarn glaubhaffter Wissenschafft/ oͤffent- lichem Geruͤchte oder daruͤber verfertigten briefflichen Urkunden/ deß- gleichen aus Vermuthungen wegen Personen Gleichheit/ ehelichen Genehmhalt- und Zuneigung/ da demjenigen/ der das Gegentheil sa- get/ der Beweiß oblieget; also aus Beyschlaff und fleischlichen Ver- bindung/ welche allen Zweiffel und Gegenbeweiß hinweg nimmt/ uͤber das durch Ehegemahlen Erkaͤnt- und Bekaͤntniß/ oder wann sie auff Unzucht ergriffen/ um Straffe zu meiden/ eheliche Liebe und Treu zur Entschuldigung vorwenden; Endlich durch nothwendigen gericht- lichen Eydschwur fuͤr den Ehestand/ bey mehr als halben Beweiß/ bey schwachem Zeugniß aber bißweilen Reinigungs Eyd. Gloss. in L. 1. de vent in possess. c. 11. de præsumt. c. 22. \& 47. de test. L. si vicinis, C. de nupt. §. quia verò, auth. ut lic. mat. \& av. §. illud, §. quoniam, auth. quib. mod. nat. c. juvenis, c. ad id quod, de spons. L. 15. \& 24. de condit. \& demonstrat. L. 10. \& sqq. C. de nat. lib. C. per tuas, de condit. appos. C. significavit, de eo qui dux. in c. 34. X. de jurejur. Ehegeloͤbniß so unguͤltig. §. 6. Ehegeloͤbniß in uͤbermaͤßiger Trunckenheit vollenzogen ist unguͤltig/ also auch zwischen Unmuͤndigen/ es waͤren dann solche bey- derseits uͤber 7. Jahr alt/ zur kuͤnfftigen Ehe Hoffnung/ alsdann wird Bedings-Erfuͤllung auff beqvemen Handels Zeit gezogen; Wann aber Vater/ Mutter/ Bruder oder Freund/ einer andern Person Tochter/ Sohn/ Bruder/ Schwester oder Freunde/ zur Ehe zusagen/ solches verbindet nicht/ wofern der Person selbst eigener Wille nicht dazu koͤmmt/ ob gleich bey der Abrede Straffe angesetzt waͤre/ weilen die Ehe frey und ungezwungen seyn muß/ darum Eltern und Freunde hierinn vorsichtig seyn sollen/ daß sie unbefragt und wider Willen ih- rer Kinder und Freunde niemand zur Ehe zusagen/ dann wann sie her- nach nicht folgen wollen/ muß der Verheisser/ ohne die Straffe zu be- zahlen/ alle vom andern gemachte Unkosten/ als Verloͤbniß-Bier/ Hochzeit schlachten und dergleichen/ erstatten. C. 22. q. 4. \& gloss. C. sane, C. inebriaverunt 15. q. 1. Nov. 100. c. 2. c. 4. \& seqq. X. de despons. impub. L. 9. §. 1. L. 11. ff. qui pot. in pign. L. 6. 11. \& 13. de spons. L. 1. 20. 21. \& 28. ff. de Rit. nupt. L. 12. \& 14. C. Eod. C. un. §. fin. de despons. impub. c. cum locum, \& C. requisivit, de spons L. Titia, ff. de V. O. C. gemma, Ext. de spons. L. 71. §. 1. de condit. \& demonstr. §. 1. instit. de patr. potest. §. 7. Ge- Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. §. 7. Geheime Verloͤbnisse sind eigentlich die/ so ohne Eltern und Geheimen Verloͤbniß Recht. Herrn Willen geschehen/ oder ohne Zeugen beschlossen/ welche in Ge- wissens Gericht wohl verbinden/ in buͤrgerlichem Recht aber nicht/ es waͤre dann die Sache durch fleischliche Vermischung allbereits ver- dorben/ daß bey einem Theil Betrug vorhanden/ etwa einem Ge- schlecht einen Schandflecken anzuhaͤngen/ oder deren schrifft- und muͤndliche Verwilligung genungsam bekandt/ welche aus folgenden Worten zur Gnuͤge erwiesen seyn kan: Als daß sie sich einander die Ehe biß auff priesterliche Copulation hiermit gegenwaͤrtig/ klar und deutlich versprochen haben wollen; also im gleichen ist es kraͤfftig/ wann jemand mit seiner Beyschlaͤfferin oder Nachtfraͤulein aus Galgen Stꝛaf- fe Befreyung. Furcht gegen Todes-Gefahr in Schiffbruchs Noth oder Hoͤllen Angst Straffe sich zur Ehe verspricht; Jtem/ wer einem Maͤgdgen die Ehe zusagt/ die ihn vom Galgen loß bittet/ muß es halten. §. 8. Wann aber ein Maͤgdgen einem Freywerber auff die Hey- raths Anmuthung dunckel und zweiffelhafft antwortet/ ist es auch Ehestand so nichtig. fragens werth? Solche Worte verpflichten nicht/ es sey dann der an- wesende Vater zu frieden/ so waͤre genung/ daß die Tochter nicht wie- dersprochen; Sonsten wird kuͤnfftigen Ehe-Geloͤbniß durch erfolgten Aussatz auffgehoben/ und mag man geheime Verloͤbnisse vom kuͤnff- tigen Ehestand durch Reue umstossen/ weilen sie an sich selbsten nich- tig sind/ dazu wann ein Theil durch schmaͤhen und laͤstern den Anfang zu einigem Haß- und Feindschafft macht; oder wegen begangenen Kinder-Mords und andern Ubelthaten Bezuͤchtigung ihrer Person Gefaͤngniß beschehen/ und darauff die Flucht oder Entweichung er- folgt/ bey solcher Bewandniß und aus diesen angefuͤhrten Ursachen ist ein Verloͤbniß unguͤltig/ also daß die Verlobte von einander loßzu- zehlen/ und die unschuldige Person sich ohne Proceß und Vorbewust des Consistorii nach anderwaͤrtiger Gelegenheit in Heyraths Wege einlassen/ Gegentheil aber an solcher Verehelichung gar nicht hinder- lich seyn mag. L. 7. §. 12. ff. de spons. C fin. X. de conjug. lepros. §. 9. So moͤgen sich nun zur Ehe nehmen zwey ledige Mann- Wer sich hey- rathen mag oder nicht. und Weibes-Personen/ jedoch ausgenommen Eltern und Kinder/ Bruͤder und Schwester/ wie auch Vater und Mutter Bruͤder und Schwester/ samt Bruder und Schwester Kinder/ deßgleichen ver- storbenen Bruders Weib oder Schwester Mann/ oder dessen Bey- schlaͤfferin; Diese aber: als zweyer Bruͤder und Schwester Kinder/ und III. Buch/ Cap. VI. und Schwester Kindes Kinder sind einander zu heyrathen zugelassen/ jedoch mit hoher Obrigkeit Verguͤnstigung. L. 1. ff. de his qui not. infam. §. Ego non, instit. de nupt. L. nuptiæ \& fin. L. ado- ptivus, §. serviles, L. Libertinus, §. 17. §. 2. L 39. ff. de R. N. L. nemini, C. de nupt. L. 35. §. 1. de V. O. Lev. 18. §. inter eas, §. 5. \& 6. fratris, instit. de nupt. L. fratris \& L. 8. cum seq. C. de incest. \& inutil. Blutfreund- schafft Ehehal- tungs Verbot. §. 10. Jnsgemein soll niemand in der Seit-Linien der Blut- Freundschafft/ als/ ander Geschwister Kinder/ oder auch Schwaͤ- gerschafft im dritten und wenigern Glied/ gleich- oder ungleicher Li- nien sich verheyrathen; was aber in GOttes Wort nicht befindlich verboten ist/ in solchen Heyraths-Faͤllen mag die hohe Landes Obrig- keit wohl zulaͤßiger Weise/ bey gewisser Geldstraffe/ dispensir en; So mag nun ein Mann seiner verstorbenen Frauen Schwester Tochter Kind wohl ehelichen/ weilen hier Blutsgemeinschafft weit entfernet/ sonst muͤste es auch Bruͤder Kindern verboten seyn; Unter halb- und vollbuͤrtigen Geschwistern ist Ehestand ohn Unterscheid unzulaͤßig; Dritt Geschwister Kinder Heyrath ist eigentlich keine Blut-Schande/ sondern nur unordentliche Vermischung/ derowegen in geistlichen Rechten verboten/ und wird solchen Gefaͤngniß Straffe/ hernach Lan- des-Verweisung/ innerhalb selbigen Kirch-Spiel und Landschafft sich nicht ehelich copulir en zulassen/ aufferlegt. Levit. 18. v, 6. 12. \& 13. §. 1. instit. de nupt. caus. 35. q. 3. c. 20. \& pen. X. de consang. \& affin. Frauẽ Schwe- ster Tochter Heyrath ver- boten. §. 11. Seines Eheweibes Schwester Tochter mag gleichfalls nie- mand zur Ehe nehmen/ und Straffe dessen/ der seiner Braut nechste Bluts-Verwandtin beschlaͤfft/ ist/ daß das Geloͤbniß von kuͤnfftiger Ehe zertrennet/ und ihnen auch mit andern Ehehaltung verboten wird; also/ wer die Mutter erkannt/ mag die Tochter nicht nehmen; deßglei- chen mag Landesherrn Verguͤnstigung in verbotenen Ehestands Glie- dern/ gegen GOttes Befehl/ in denen hierbey angemerckten Capi- teln sich nicht erstrecken. Weilen auch die Heyden durchs Gesetz der Natur dazu verpflichtet gewesen/ ist also solchen verbotenen Bey- schlaffs Wiederhohlung eine stets waͤhrende Tod-Suͤnde zu nennen. C. 2. \& 8. X. de eo, qui cogn. c. 13. X. de Rest. Spol. Levit. 18. \& 20. v. 27. \& 29. C. fin. X. de transact. L. 38. §. 2. ff. ad L. Jul. de adult. C. qui omnipot. 11. q. 3. §. 12. Es soll auch niemand ein Weib zu ihrer Schwester zu sei- nem Weibe nehmen/ und also diese aͤnstigen/ indem er jener Scham auffdeckt/ die er uͤber diese genommen hat; jederman aber mag wohl seiner verstorbenen Frauen Stieffmutter oder seiner Halbschwester Tochter Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. Tochter ehelichen/ jedoch beydes ohne muthwillige Aergerniß mit ho- her Obrigkeitlichen Dispensi rung; Und welcher Heyraths Grad in goͤttlichem Natur- und Sitten-Gesetz von GOtt selbst ausdruͤcklich verboten/ denselben mag weder Kaͤyser/ Pabst/ Koͤnig/ Chur-noch ander Fuͤrst aͤndern oder auffheben. Arg. §. 1. instit. de J. N. G. \& C. Exod. II, 1. Exod. VI, 20. Judic. I, 12. c. 13. X. de rest. spol. c. 20. X. de Elect. c. 4. vers. licet, X. de concess. præb. C. pen. X. de consang. c. 8. Eod. \& affin. c. si quando, X. Eod. Nov. 74. in princ. C. cum teneamur, X. de præb. L. si de interpret. cum seqq. ff. de LL. C. cum dilectus X. de consvet. L. 4. §. 6. \& 7. ff. de grad. affin. Levit. XIIX. §. 13. Alles aber/ was GOtt einmahl gebilliget und nicht veraͤn- Halbschwester Tochter Hey- rath unverbo- ten. dert/ weder im alten noch neuen Testament/ solches ist nicht boͤse noch unrecht/ als Schwester und Bruͤder Heyrath/ wodurch erst das mensch- liche Geschlecht fortgepflantzet/ welches so es Suͤnde gewesen waͤre/ haͤtte der allmaͤchtige GOtt bald viel tausend Menschen dazu erschaf- fen koͤnnen/ daß also auch wohl darunter Menschen Satzungen seyn/ oder muͤste falsch folgen/ daß durch Blutschande die Menschen An- fangs gemehret/ zu dem werden in neben angefuͤhrtem Capitel nicht Glieder/ sondern Personen gezehlet; so viel mehr nun ist es im an- dern Grad wegen einer Halbschwester Tochter zulaͤßig. Es. X, 1. \& seqq. arg. §. ult. inst. de leg. agn. C. ex insinuat. X. de appellat. c. cum infertur, X. de maj. obed. c. cum inhibitio, X. de clandest. despons. §. 14. Dispensations Ursachen wegen verbotenen Ehestand koͤn- Dispensations Ursachen. nen seyn/ wann beyde Personen von Adel/ denen noch eher als gemei- nem Poͤbel solche pflegt ertheilet zu werden/ und sich etwa einander so hefftig lieben/ daß kein Mittel/ sie zu trennen/ vorhanden uͤbrig/ ja wann ihnen die Ehe nicht zugelassen/ sie lieber entschlossen/ ausserhalb Ehe zu leben/ dabey aber zu besorgen/ daß beyde Verliebte in Melan- choley gerathen/ oder Brunst leiden muͤssen; sind also zufoͤrderst solche Personen zu vermahnen/ von ihrem Fuͤrnehmen abzustehen/ und da es nicht fruchten will/ auch nicht um Geld/ Ehre/ Gut/ Nutzen oder Vortheil/ Standes wegen oder Eltern zu gefallen geschehen/ so soll man Mißmuth verhuͤten/ auch/ Gewissens Gefahr zu meiden/ solche lieber aus Brunst erretten/ als das von gemeinen Leuten angenom- mene Aergerniß hochachten/ um durch den dazu verordneten Ehestand Zweyer Bruͤ- der uñ Schwe- ster und deren Kinder Ehe- haltungs Recht. die Gemuͤther zu befriedigen/ wann anders kein natuͤr- oder goͤttliches Recht es verhindert; Also nun moͤgen zween Bruͤder zwo Schwe- stern wohl heyrathen/ jedoch ist ihren Kindern die Ehe verboten/ wie M m auch III. Buch/ Cap. VI. auch eines Mannes Tochter mit dessen verstorbenen Frauen Stieff- Mutter hernach gezeugten Sohn sich nicht ehelichen kan/ weilen hier das Blut-Band zusammen kommt. Ehehaltungs Recht wegen Gevatter- schafft. §. 15. Ferner wird Ehehaltung nach alten nicht aber heutigen Rechten/ nicht allein wegen Schwaͤger-sondern auch Gevatter- schafft verhindert/ als der Getauffte oder dessen Vater und Mut- ter/ und die/ so ihn aus der Tauffe gehoben; Jtem/ der Taͤuffer oder dessen Kind/ und der Getauffte oder dessen Vater und Mutter moͤgen einander nicht ehelichen; zweyer Gevattern Kinder aber moͤgen sich wohl heyrathen und ehelichen. Joh. XV, 17. Jud. I, 13. L. 19. C. de nupt. §. duorum inst. Eod. L. est receptum, ff. de jurisdict. C. cum cessante, Ext. de appellat. C. non debet, Ext. de consang. L. 197. ff. de R. J. L. si quis alumnum, C. de nupt. C. super Eod. Ext. de cognat. Spir. §. 16. Also soll auch keiner sein adoptirt - und an Kindes Statt angenommenes Kind ihm selbsten/ seinem Sohn oder Tochter/ anders denn die Rechte zulassen/ verehelichen/ bey schwerer Straffe/ massen auch bey solcher Ehe natuͤrlichen Rechts Scham und Zucht wohl gilt und Ehren halben anzusehen noͤthig; Sonst aber geheime Ehehal- tung/ wann sie vollenzogen/ mag hernach nicht wieder auffgehoben noch darinn erziehlete Kinder fuͤr unrechtmaͤßig gehalten werden. C. un. X. de cognat. leg. §. fin. inst. de adopt. §. 1. \& 2. inst. de nupt. L. 14. §. 2. ff. de R. N. C. fin. 28. q. 1. c. 30. §. quod objicitur, C. quod nobis, de clandest. desponfat. Ehegeloͤbniß Verbot gegen Eltern und Freunde Wil- len. §. 17. Weilen auch aus heimlichen Verloͤbnissen viel Hadder/ Zanck und Unwillens herfleust/ und gefaͤhrliche Meineyde/ daß je biß- weilen sie einander nichts gestehen/ verursacht werden/ so sollen der- gleichen Verlobungen gaͤntzlich verboten seyn/ dahero solche Ehe/ die ohne redlichen Leute Beyseyn/ und derer Eltern/ Bluts-Freunde und Vormuͤnder Vorwissen/ unter deren Gehorsam und Gewalt sie noch stehen/ vollzogen werden/ obgleich kraͤfftig erwiesen/ fuͤr unbuͤndig zu erkennen; ja Chegesellschafft Verloͤbniß/ ohne der Eltern Bewilli- gung/ zu deren Nachtheil und Schaden/ gegen die Erbarkeit/ auch bey Adelichen Ehren Versprechen geschehen/ mag nicht durch Eyd kraͤfft- und guͤltig gemacht werden/ sie waͤren denn ausser frembden Unsinnigen Liebe Ehever- sprechen nicht allzeit zu stoͤren Gewalt ihrer eigenen Person maͤchtig. Princ. instit. de nupt. c. 15. X. de præsumt. Nov. 74. c. 4. §. 18. Wann jedoch die sonst unsinnige Liebe nicht gar allen Ver- stand Gebrauch berauben kan/ indem vornehmlich Berathschlagen dabey Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. dabey vorgehet/ wie man sich der beliebten Sache bemaͤchtigen und derselben geniessen moͤge/ als ist solche Verheissung bey Teuffel hohlen/ Eydbruchs Gefahr. Seel verpfaͤnden/ Blut-Verschreibungen/ dadurch von denen Ver- liebten aus ungestuͤmen Liebes-Erregungen/ mit allerheiligsten Be- theurungen/ greulichen fluchen und schweren/ denen verblendeten Buhlerinnen die eheliche Treu offt vermessentlich zugesagt wird/ nicht allerdings zu verschwaͤchen/ weilen auch besser ist/ etwas gar nicht beginnen/ als gethane Dinge mit Schanden wiederruffen/ uͤber das bey Eydes-Bruch und Verschwaͤchung des ewigen Heils und seli- gen Wohlfahrts Verlust/ groß zu besorgen/ absonderlich da des Han- dels Betrug zu des Nechsten unwiederbringlichem Schaden gereichet. §. 19. Wann einer ausser Freundschafft eine Schwester betreugt Zweyeꝛ Schwe stern und Ehe- brecher Hey- rath veꝛboten. mit Beyschlaff/ und die andere zur Ehe nimmt/ verdienet harte Straf- fe; kein Ehebrecher auch mag diejenige/ mit welcher er gehuret hat/ nach geendigter erster Ehe heyrathen/ absonderlich wann des kuͤnff- tigen Ehestandes zur Ehebruchs Zeit gedacht worden; viel weniger mag solches zugestattet werden/ wann die leichtfertigen Leute/ dem un- schuldigen Ehegatten nach seinem Leben zu trachten/ sich boßhafft un- terstanden. Fuͤr einen Ehebrecher aber ist zu halten/ wer nach dreyfa- chen/ mit dreyer Maͤnner Glauben befestigtem Schreiben/ mit einer Ehesrauen sich zu unterreden/ nicht auffhoͤret. C. 2. caus. 31. q. 1. L. 13. de his quæ ut indign. Nov. 134. c. 12. c. 2. \& 6. X. de eo qui dux. §. 1. inst. de patr. pot. §. affinit. inst. de nupt. L. 2. \& fin. C. de incest. L. 7. C. de Judæ. Gen. II. L. Eum qui C. de adult. Nov. 117. c. 15. §. 20. Wann sonst eine rechtliche Eheverloͤbniß getroffen zu seyn Ehehaltung was dazu ge- hoͤrig. nicht erwiesen/ oder auch bewiesen/ jedoch daß dessen Eltern nie dar- ein gewilliget noch einwilligen wollen/ so ist es fuͤr unguͤltig und ohn- kraͤfftig zu halten; Umfassen aber/ Kuͤssen und Beyschlaffs Un- ternehmung ist nicht genung zur Ehe/ sondern wer unter Eheverspre- Schwaͤnge- rung Straffe. chen eine Jungfer schwaͤngert/ und darnach eine andere ehelichet/ je- ne aber nicht befriediget/ soll bey der ersten bleiben/ und wird die an- dere Ehe/ ob schon vollenzogen/ wieder auffgehaben. C. ult. X. de spons. C. quæris, de consecr. Dist. 4. c. 8. X. de despons. impub. C. 10. X. Eod. arg. c. 31. X. de Sponsal. §. 21. Wann einer zweyen die Ehe zusaget/ so ist die erstere kraͤff- Zwiefachen Ehegeloͤbniß Recht. tiger als die andere/ er haͤtte denn die andere beschlaffen/ daß sie oh- ne Schande nicht zuruͤck gehen mag; Wer sonsten nicht Glauben haͤlt/ dem ist man dergleichen wieder zu halten nicht schuldig/ ob schon es eydlich zugesagt/ ohne jedoch im Ehestande/ ob gleich ein Ehegatte M m 2 Treu III. Buch/ Cap. VI. Treu und Glauben bricht/ soll es der andere darum nicht thun; wann nun etwa Abrede/ Eheversprechung und Mahl-Schatz geschehen/ und ein Theil solchem binnen 2. Jahren mit ehelichem Beyliegen nicht nachkoͤmmt/ mag sich der andere Theil wohl beheyrathen/ es waͤre dann der Abwesende aus ehehafften unvermeidlichen Ursachen dar- an verhindert/ wann sie aber in einer andern Landschafft/ sollen 3. Jahr-Zeiten gelten. C. 1. de Spons. duor. C. is qui fidem, C. de illis. C. per tuas, Ext. de Spons. C. per- venit, Ext. de jurejur. c. frustra de R. J. in 6. arg. quod Deo, 33. q. 5. c. un. 32. q. 8. c. 2. de clandest. despons. L. 2. C. de Sponsal. c. 5. X. hoc tit. L. pen. ff. Eod. L. 21. C. de pact. L. 2. C. de Repud. Verreiseten Ehemaͤnner Recht. §. 22. Wer nun ein Weib hat/ und dem Kriege oder seinen Ge- schaͤfften nachziehet/ so lange aussen bleibet/ daß die Frau meynet/ er sey gestorben/ und sie wieder befreyet/ hernach aber der erste Mann koͤmmt/ muß sie den andern verlassen/ und dem erstern beywohnen; Wann sonsten jemand/ eine Ehe binnen gewisser Zeit zu vollenziehen/ Geld-Straffe aufferlegt/ so wird im wiedrigen Fall der willige Theil von der Verlobung entbunden/ der Saͤumige aber muß Straffe ge- ben/ verursachte Unkosten nach Liquidir- und Maͤßigung ersetzen/ auch so lange jener lebet/ sich nicht verloben/ dem auch Ehestandes Freyheit und Schmaͤh-Klage Recht vorbehalten. C. dominus, de secund. nupt. C. per bellicam, 34. q. 2. L. miles, §. mulier, in verb. nuptiis secundis, ff. ad L. Jul. de adult. §. 23. Eine Wittwe zu heyrathen/ ist einiger massen laͤcherlich/ und vieler Menschen Spott und Hohn unterworffen/ eine alte Grube zu reinigen; sonst behaͤlt jedoch eine Wittwe nach Recht ihres verstor- benen Mannes Wuͤrde/ Geschlecht- und Wohnungs-Gerechtigkeiten. Wer nun eine Wittwe oder Jungfer fuͤr fromm oder reich annimmt/ welches sie nicht ist/ kan er sich darum von ihr nicht scheiden lassen/ son- dern ist seine Schuld/ daß er betrogen. Gloss. L. Rem non novam, C. de judic. L. filii, §. vidua ad municip. L. fin. C. de privileg c. 29. q. 1. in fin. c. 25. Ext. de jurejur. L. alioqui, §. 1. ff. de contrab. Emt. L. fin. C. de Repud. L. 19. \& L. nuptias ff. d. R. J. Geschwaͤnger- ten Ehehal- tungs Recht. §. 24. Wer dann also eine von andern geschwaͤcht und geschaͤn- dete Person zur Ehe nimmt/ oder unwissend mit einer Geschwaͤnger- ten sich verlobet und Hochzeit macht/ muß dennoch hernach gethane Zusage halten/ und mag/ wiewohl ungern/ vollzogene Heyrath ge- nehm zu halten/ gezwungen werden/ damit nicht geheime Verbrechen entbloͤsset/ und geruhige Ehehaltungen zerstoͤret werden; ja bißweilen wuͤrde Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. wuͤrde unschuldigen Personen/ von leichtfertigen ihrer Person uͤber- druͤßig und ersaͤttigten Ehemaͤnnern/ durch derogestalt anerdichtete Laster grosse Gefahr verursachet/ und wann dieser verlohrnen Scham halben die Braut den Braͤutigam nicht verwerffen kan/ warum solte dann nicht der Mann dem Weibe eben dasselbe Recht ver- Warum eine Geschwaͤnger- te nicht zu ver- stossen. goͤnnen/ das er ihm billig zu geniessen erachtet; deßgleichen was ein- mahl wohl gemacht/ kan nicht andern Ausgangs wegen zuruͤck gezo- gen werden/ viel weniger mag in solchem Weiber-Kauff des man- gelhafften Guts Zuruͤckliefferung Statt finden/ massen dieser Fehler der Sachen Gebrauch ferner nicht verhindert. L. 26. ff. de adult. To. tit. quod quisq́; juris. L. 3. \& 5. si cert. pet. L. sancimus, C. de administ. tut. Tit. ff. de ædilit. Edict. L. 11. §. si quis, ff. de act. Emt. L. Ele- ganter, ff. de dolo malo. L. 5. ubi gloss. C. de rescind. vend. C. 12. 14. \& 17. de Spons. §. 25. So sind auch die Gemuͤths-Fehler nicht geringer als Leibes- Gebrechen und Maͤngel zu halten/ und jedoch/ wer ein unnuͤtzes/ gott- loß/ ketzerisches/ unglaͤubig oder verschwenderisches Weib/ oder die sonst eine unbekante Gemuͤths-Kranckheit gehabt/ geehelichet/ mag solche nach dieser Befindung nicht verstossen/ derowegen auch dieser vorgemelde Leibes-Mangel die Ehe nicht scheidet/ und zwar ist der Jungferschafft Beding unzulaͤßig und schaͤndlich zu achten/ ja es ist darunter nur ein zufaͤlliger Betrug vorhanden/ der den Handel nicht umstossen kan/ ob schon zuweilen ein trauriger Ausgang erfolget/ wann ein Mann mit einer also befleckten/ die ihm offt aͤrger als Hund und Schlangen gehaͤßig/ zu leben und beyzuwohnen gezwungen wird/ bevorab da sich im Gegentheil Beyspiele finden/ daß dergleichen Ehe- stand wohl gerathen/ und wegen deren aus Liebe zugedeckten Verbre- chen offt mit GOttes reichem Segen uͤberschuͤttet werden. §. 26. Wann aber solchen beschwerlichen Ausgangs Furcht hal- Ehe-Creutz ge- dultig zu er- tragen. ben Ehebande auffgeloͤset wuͤrden/ muͤste man oͤffters Ehescheidung vornehmen/ und koͤnte nimmer jemand ungern/ Versprechen zu erfuͤl- len/ angehalten oder zugestrenget werden/ vielmehr soll man in diesem muͤhseligen kurtzen Laster Lebens-Lauff von GOtt aufferlegtes Creutz gedultig tragen/ allen etwa wiedrig fallenden Ausgang ihm befehlen/ um Segen bitten/ massen kein zwischen kommendes Elend noch Straffe die Ehe trennen kan. L. 5. de bon. damn. §. deportatio, Auth. de nupt. §. 27. So jemand in unmuͤndigen Jahren geheyrathet/ hernach Unmuͤndigen Heyraths Freyheit mit andern Ehe. die Frau ihn verlassend sich hinweg begeben/ daß er geglaubet/ sie waͤre M m 3 todt/ III. Buch/ Cap. VI. todt/ davon er auch durch Brieffe versichert/ darauff seine andere Frau/ jedoch mit gutem Vorwissen ihrer Eltern/ bey familiar en Um- gang/ da sie selbst ihre Sachen aus dem Thor geschafft/ an einen an- dern Ort zur Trauung gefuͤhret/ daruͤber er eine geraume Zeit gefaͤng- lich gehalten/ auch das Verbrechen darum zweiffelhafft/ weilen nicht erwiesen/ daß die vorige Frau zu der Zeit gelebet/ solches waͤre ja bil- lig mit Geldbusse zu vermitteln. Heyraths zu- faͤllige Ursachẽ wie zu entschei- den. §. 28. Wann aber Eltern nicht in Abrede seyn koͤnnen/ daß sie jemanden ihre Tochter ehelich versprochen/ beyderseits Braut-Leute auch ihre Bewilligung darein gegeben/ nachmahls sich mit einander beschenckt/ als Braut und Braͤutigam verhalten/ und bey dem Ver- loͤbniß halben angesteltem Gelach von anwesenden Freunden Gluͤck- wuͤnschung angenommen/ also dabey denen Rechten gemaͤß gar nichts ermangelt/ ob schon vorgewandt wuͤrde/ daß die Heyrath mit dem Be- ding geschlossen/ wann der Braͤutigam seine Braut Ehr-gebuͤhr- und Ehelich halten/ auch gegen ihre Eltern sich geziemend betragen wol- te/ dem aber am Verloͤbniß-Tage vielfaͤltig zu wieder gelebet/ die Braut schimpfflich gehalten/ das Geschenck zuruͤck gegeben/ und end- lich der Braͤutigam sie gar von sich gestossen und zum Teuffel gehen heissen/ ja wann auch die Braut sagen moͤchte/ daß sie nimmer eheli- che Liebe gegen den Braͤutigam gehabt/ sondern nur ihren Eltern zu gefallen in die Verlobung gewilliget/ zumahlen jedoch keine Zwangs- Mittel gebraucht/ auch keine Beschimpffung erwiesen/ viel weniger sothane Wortwechselungen erheblich/ buͤndige Verlobung zu trennen; Jrrthum loͤset keine Ehe auff. als auch solcher Jrrthum/ da eine Braut einen boͤsen Braͤutigam be- koͤmmt/ welchen sie fuͤr fromm gehalten/ zur Auffloͤsunge gelten kan/ massen sie und ihre Eltern sich seines Leben und Wandels besser er- kundigen koͤnnen. §. 29. Es waͤre denn solchen Falls fernere Verweigerung be- staͤndig geschehen/ daß nach allen Umstaͤnden vielen und schweren Be- theurungen keine Versuͤhnlichkeit zu hoffen/ sondern eine gar unfried- liche/ ungluͤckselige/ zu vielen Aergernissen Anlaß gebende Ehe dar- aus abzunehmen/ sonst muß billig die Heyrath vollenzogen seyn/ da- mit nicht andere dergleichen verbotene Mittel/ von solchen rechtmaͤßigen Verloͤbnissen aus geringen Ursachen sich loß zu machen/ ersinnen koͤñen. L. 99. ff. de condit. \& demonstr. L. 12. ff. de spons. L. 22. ff. de R N. L. 9. C. quod met. caus. L. 32. §. 12. ff. de donat. int. vir. L. 27. ff. de pact. dotal. c. un. caus. 29. q. 1. L. fin. C. de probat. L. 13. §. 6. C. de judic. L. 10. C. de injur. §. 30. Wann Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. §. 30. Wann einer um des andern Tochter ehelich anwerben und Ehegeloͤbniß Zufall da der Braͤutigam verstorben. dabey vermelden lassen/ daß er von seinem Vater 1000. Rthlr. bey der Ausstattung zu gewarten/ auch selbsten durch unterschiedene Reisen 800. Rthlr. erworben haͤtte/ darauff ihm die Person in beyderseits Eltern und Anverwandten Beyseyn versprochen/ und sich unterein- ander beschenckt/ der Braͤutigam zwar dazumahl nur einen Ring von 10. Rthlr. Werth ausgegeben/ jedoch zugesagt ein ander/ noch nicht verfertigtes Geschenck/ wozu er sich nachmahlen unterschiedlich erbo- then/ der Braut zu offerir en/ daruͤber aber in Kranckheit gefallen/ und als ihn die Braut besucht/ sie dreymahl in Schwaͤger und Bruͤder Anwesenheit also angeredt: Mein Kind/ trauret und betruͤbet euch nicht/ alles Meinige soll euer seyn/ darauff endlich gestorben; So ist ein solches Maͤgdgen den empfangenen Trauring nicht nur zu be- halten/ sondern auch das verheissene Geschenck/ welches ein Richter nach Billigkeit und Braͤutigams Beschaffenheit verordnen soll/ nebst de- nen vom Braͤutigam selbst erworbenen 800. Rthlr. zu fordern/ wohl befugt und berechtiget/ weilen solche unbedungene Verloͤbnisse eben- Verloͤbniß Krafft wie vollenzogene Ehe. maͤßige verbindliche Krafft haben/ als eine wuͤrcklich vollenzogene Ehe/ daß es also eine Gabe unter Lebendigen durch den Tod bekraͤff- tiget/ vom Sterbenden eben nicht Todes halben geschehen; was aber die vermachte 1000. Rthlr. betrifft/ solche kan die Braut nicht begeh- ren/ weilen der Braͤutigam deren noch niemahlen Herr gewesen/ auch der Vater ohne Vollenziehung der Ehe sie auszugeben nicht verbun- den/ also daruͤber nicht zu disponir en. L. 16. C. de donat. ante nupt. §. 2. instit. de donat. L. 35. §. sin autem, C. Eod. L. 13. §. 1. ff. de donat. int. vir. \& uxor. Nov. 162. c. 1. L. 42. §. fin. ff. de mort. caus. donat. L. 3. C. de Sponsal. §. 31. Wann ein Paar junge Leute sich dahin verbunden/ daß sie Junger Ehe- losen Leute Verloͤbniß Zu- sage wann un- kraͤfftig. einander ehelichen wollen/ auch ihre bestaͤndige Zuneigungen durch Brieffe betheuret/ und ihren Einwilligungs Handel gar schrifftlich verfasset/ ja zu solchen Vorhabens Vollziehung/ sich anderswo trauen zu lassen/ auff den Weg gemacht/ daran aber verhindert/ so fort Sup- plicando um diesen Heyrath Schutz gebeten/ jedoch die Braut an- noch minderjaͤhrig ihre gewisse Vormuͤnder hat/ welche/ dieser Hey- rath halben ihren Consens zu ertheilen nicht ersuchet/ viel weniger bey der Versprechunge Zeugen gewesen/ dahero ist sie heimlich und unguͤltig/ massen sie dazu noch verbotene Trauung an frembden Orten vorzunehmen gesonnen/ da sie etwa vorher mit einem andern oͤffent- liche III. Buch/ Cap. VI. liche Verloͤbniß gehalten/ davon sie nicht wieder befreyet gewesen; kan also hierwieder nicht helffen/ daß sie sich eydlich verpflichtet/ sondern wann der Eyd vom vermeynten Braͤutigam vorgeschrieben/ also un- foͤrmlich/ viel weniger mit gebuͤhrenden Erwegung aus Zeit Mangel unterschrieben; so ist den Gesetzen zu wieder aus Ubereilung und weibli- chen Geschlechts Schwachheit geschehene Verbindung ohne Krafft und nichtig/ wann sie den Fehler bereuet und ihren Wiederwillen erklaͤret. §. 32. Wann der zur Eheverbindung allerdings noͤthige Consens Eheverbin- dung was da- zu noͤthig. der Braut-Leute durch uͤberschickte Brieffe/ darinn die Liebe zu ver- stehen gegeben/ auch durch Geschenck/ als Ring und Schnupff-Tuchs Verwechselung/ daß solche Liebe ehelich gemeynet/ bekraͤfftiget und erwiesen/ vorhanden ist/ und zwar aus freyem Willen/ ohne listige Uberredung/ von denen dazu gebrauchten Personen geschehen/ noch die Braut wegen ihrer Jugend dazu verleitet worden/ auch kein Be- trug durch Kupplerinnen dabey vorgefallen/ etwa solche vorgeschriebe- Beyschlaff ob genung zur Ehe. ne Brieffe nachzuschreiben/ sondern ihn gutwillig ihren Braͤutigam genannt/ und in dem Sinn kuͤnfftiger Ehehaltung das Geschenck an- genommen und behalten/ so kan daraus nichts anders als eine Rechts bestaͤndige Eheverloͤbniß erzwungen werden/ wann sie aber Muͤtter- oder Großmuͤtterliche Einwilligung vorbedungen/ gehoͤret solche auch darzu/ ehe die Verloͤbniß guͤltig; wann sonst Beyschlaff die Ver- loͤbniß vorhergegangen/ ist er nicht genung/ den Ehestand zu befestigen. C. 5. X. de condit. appos. C. 25. X. de sponsal. C. 1. de constit. in 6. c. 23. \& 29. X. de Sponsal. L. 7. ff. de dol. mal. arg. L. 13. C. de probat. Ehegeloͤbniß Auffloͤsungs Recht wegen Braͤutigams Reue. §. 33. Wann einer beym andern seine Tochter zu ehelichen an- gehalten/ dieser auch darinn verwilliget/ und zur Verloͤbniß Zeit an- gesetzt/ der Braͤutigam aber an selbigem Tage aus Ursachen/ daß ihm die Ehesteuer nicht genung/ zuruͤck getreten und davon gezogen/ her- nach wieder gekommen/ sich anders besonnen/ jenen durch seiner Freun- de Bewerbung abermahl zur Heyrath Einwilligung bewegen lassen/ darauff anderwaͤrtige Verloͤbniß so weit vollenzogen/ daß sie mit ein- ander Geschencke verwechselt/ der Braͤutigam dennoch wieder ver- reiset und uͤber ein Jahr weg gewesen/ auch des freundlichen Erin- nerns ungeachtet zu Vollenziehung der Ehe sich nicht wieder einfin- den wollen/ sondern vielmehr die Ehestifftung zerschnitten/ zuruͤck ge- sandt und vermelden lassen/ daß er des andern Schwieger-Sohn nim- mer werden/ dazu alle Freundschafft getrennet wissen wolte/ alsdann wird billig das Maͤgdgen frey gesprochen/ sich anders zu verheyrathen/ weilen Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. weilen dieser Treulose sein falsches Gemuͤth zweymahl bezeuget/ die Braut ohne Ursach verlassen/ damit nun keine ungluͤckliche Ehe zu verursachen/ so mag sie von ihrem freventlichen Desertore geschieden seyn/ das Braut-Geschencke aber/ so er wieder gefordert/ kan sie zuruͤck behalten/ auch mit Recht wieder begehren/ was sie dem Braͤutigam gegeben/ weilen derselbe allein in Schuld ist. L. 15. C. de donat. ant. nupt. §. 34. Religion Streitigkeit zu meiden/ sollen alle und jede Men- Ehegatten sol- len muͤglichst gleich an Re- ligion seyn. schen ermahnet seyn/ daß sie nicht unzeitig aus tollen Liebes-Eyffer ei- nen gottlosen dazu von ihrer Religion befrembdeten Ehegatten erweh- len/ sondern einen solchen/ der ihnen gleich an Alter/ Wuͤrde/ Gottes- furcht und Religions Ubung/ damit sie einmuͤthig einen GOtt vereh- ren/ geist- und weltliche Dinge mit einer unzertheilten Gemeinschafft geniessen koͤnnen/ alsdann wird ihr Gewissen weniger genaget/ und das Gemuͤth freyer seyn/ auch in gleichseitigen Liebe bruͤnstiger/ ja GOTTES Seegen wird ihnen mehr zugethan/ ihre Kinder- Zucht fruchtsamer/ und endlich ewigen Heils Besitz Hoffnung ge- wisser seyn/ als dieselbe sonst gefaͤhrlich- und zweiffelhafftiger waͤre/ wann Eheleute unter sich in Glauben und Religion Sachen streit- und uneinig leben muͤssen. §. 35. Wann aber nun Eheleuten von unterschiedener Religion Eheleute Ge- ding wegen Kinder Reli- gion. zusammen kommen/ die jedoch im Grunde der Seligkeit uͤbereinstim- men/ so moͤgen sie gar wohl ein Gedinge und Vertrag machen/ daß die Soͤhne des Vaters/ und Toͤchter der Mutter Religion folgen sollen; wofern aber ein ketzerischer Glaube dabey ist/ soll niemand seine Kin- der in Seligkeits Gefahr setzen/ und dabey sein Gewissen verletzen; Jedennoch Ehestand mit Unchristen oder Unglaͤubigen vollenzogen/ Unglaͤubigen Ehestands Recht. mag nicht leicht zertrennet werden/ wann sie auch beyde Unglaͤubig und einer ein Christ wuͤrde/ es sey dann mit Obrigkeitlichem Rath und Gutduͤncken. C. 2. X. de matrim. contr. interdict. Nov. 7. 8. C. 3. 1. Cor. VII. §. 36. Wann auch gleich zwischen solchen/ des Alters und andern Alten/ kran- cken/ gebrechli- chen Personen Heyraths Ge- rechtigkeit. gebrechlichen Beschaffenheit halben/ gar ungleichen Personen/ recht- maͤßig Ehegeloͤbniß und folgends bestaͤndige Ehehaltung unverboten/ soll man dennoch aller Kranck- und Schwachheiten Umstaͤnde wohl erwegen/ und selbige nechst Vorstellung allen Ungemachs bestmuͤglichst wiederrathen; wofern aber alte/ schwache/ krancke/ unvermoͤgende auch sprachlose Leute/ zumahlen das Alter den Ehestand nicht schaͤndet/ N n und III. Buch/ Cap. VI. und mit dergleichen billig Mitleiden zu haben/ um bessern Unterhalt ihrer Person Schwachheit sich wieder versorgen koͤnnen und wollen/ muß man es ihnen nicht verwehren/ noch hindern/ daß solche Leute in ihrem beschwerlichen Zustande auff gebuͤhrende Art und Weise ih- res Creutzes Linderung suchen/ wann sonst beyder Bewilligung in Ge- genwart genungsamen Beystandes und vernehmlichem Jawort oder Wincken zu verstehen gegeben worden/ jedoch muͤssen deßfalls deren Partheyen Handlungen erweisen/ daß sie nicht gar unsinnig/ kindisch oder unverstaͤndig seyn/ sondern hierinn wohlbedaͤchtig verfahren/ sich einen bestaͤndigen Gehuͤlffen zu verschaffen/ ihre Nahrung fortzusetzen/ Handel und Haußhaltung vorzustehen/ Sorge und Muͤhe zu beneh- men/ auch im Alter sich verpflegen zu lassen/ alsdann mag niemand aus Furcht noch Bloͤdigkeit anderes Sinnes werden. Ehestandes mancherley Zweck/ Nutzen und Absehen. §. 37. Weilen nun bey diesem wichtigen Ehestands Werck oͤff- ters allerhand schwere Versuchungen/ oder Gewissens Betruͤbun- gen vorfallen koͤnnen/ so soll niemand mit GOttes Ordnung spielen/ und sich bald in ungleiche Heyrath einlassen/ bald wieder aus Eigen- nutzen davon abgehen wollen/ sondern wann beyderseits ihres Ge- brechens Wissenschafft gehabt/ darauff Verloͤbniß und eheliche Co- pulation fortgangen/ und der Ehestand so wohl zu menschlichen Ge- schlechts Fortpflantzung eingesetzt/ als Mann und Weib einander zu Gehuͤlffen zugesellet/ auch nirgends verboten/ daß Manns-Personen/ die nicht mehr Kinder zeugen koͤnnen/ nicht freyen/ oder ein Weib zur Ehe nehmen moͤgen/ dafern es ohne Betrug geschiehet/ und das Weib dessen vorher verstaͤndiget ist/ daß sie nur zu Pfleg-Nahr- und War- tungs-Gehuͤlffin ersucht worden/ so ist die Ehe vollstaͤndig. Maũes Krafft die lange waͤhret. §. 38. Ja/ bey vielen und zwar alten Manns-Personen ist keine solche Unvermoͤgenheit zu finden/ die das eheliche Pflicht-Werck/ son- dern die Ehefrucht und Wuͤrckung allein verhindert/ massen die Na- tur-Kuͤndiger lehren/ daß sonst bey einem Mann von 60. Jahren und druͤber die wahre gesunde Krafft Kinder zu zeugen verwelcket/ dahe- ro nichts destoweniger ein geistlich Gericht solche mit allem Fleiß und gutem Bedacht abgehandelte Verloͤbniß wieder beyder Personen Willen keines Weges fuͤglich trennen/ noch ihnen priesterliche Copu- lation versagen kan. L. pen. C. de nupt. Ehescheidungs Ursach ist Ehe- bruch. §. 39. So sind aber nur zwey Dinge/ darum die Ehe kan ge- schieden werden/ als erstlich; Ehebruch/ deßfalls dann Eheleute durch Obrig- Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. Obrigkeit zu entscheiden/ wann sie nicht wieder beysammen schlaffen/ und also einander vergeben/ und solches gilt auch von Braut und Braͤutigam/ wann sie sich nicht recht halten; wofern aber beyde Mann und Weib die Ehe brechen/ so kan keines die Scheidung bitten/ son- dern es werden die Unthaten gegen einander auffgehoben/ jedoch mag in zwiefachem Ehebruch solches den Schuldigen von ordentlicher Straffe nicht befreyen/ weilen es unbillig/ eine rechtliche dem Unschul- digen verliehene Wohlthat einem Ehebrecher zugestatten. Matth. V. \& XIX. C. præcepit, 32. q. 5. C. dixit, 32. cum seq. q. 1. C. significasti, C. ex literis Ext. de divort. L. 8 §. si qua C. de repud. C. quemadm. de jurejur. L. viro, ff. solut. matrim. C. pen. \& fin. Ext. de adult. L. 13. §. judex, ff. ad L. Jul. de adult. C. requisivisti, X. de Sponsal. L. 7. ff. de publ. Jud. c. 22. in med. X. de Spons. §. 40. So kan auch ein Weib wegen der vom Manne mit an- Sodomiterey Unzucht schei- det Ehe. dern begangenen Sodomiterey Suͤnden Unzucht/ nicht alleine vom Tisch und Bette/ sondern also gar entschieden werden/ daß sie un- schuldig wieder heyrathen mag/ so fern sie ihm nicht verzeihen will/ noch sich keusch enthalten kan/ wiewohl es ja besser ist/ sie zu uͤberre- den sich zu versuͤhnen/ um sie bey einander zu behalten; wann aber das unschuldige Theil nicht will/ mag es in GOttes Nahmen sein Recht gebrauchen/ welches zu verstehen/ wann dieses schamlose kaum nen- nens wuͤrdige Laster aus Nothzwang mit gewaltsamer List ohne Vor- satz wider Willen geschehen und nicht wiederhohlet. 1. Corinth. VI. Levit. XIIX. Nov. 77. c. 1. can. 7. caus. 32. q. 7. Levit. XIIX. §. 41. Wann nun zwey um Ehebruchs willen geschieden/ mag Verlassung scheidet Ehe. der Unschuldige/ nicht aber der Schuldige wieder freyen; Das an- dere/ so die Ehe scheidet/ ist boßhaffte Verlassung; welches insgemein herruͤhret von natuͤrlicher oder zufaͤlliger Unvermoͤgenheit/ dabey je- ne/ alsbald sie bekandt/ das Band auffloͤset/ diese aber mit Unter- scheid/ weilen es kein rechtlicher Wille/ da der Unvermoͤgende be- treugt/ der Vermoͤgende aber irret; Wann nun ein Weib unwis- send einen alten Mann genommen/ der seines hohen Alters und ein- gefallenen Kranckheit wegen zum ehelichen Werck untuͤchtig/ so mag ihr anderwaͤrts zu heyrathen gestattet seyn. L. consensu, §. virum, \& §. sin vero, C. de repud. C. hi vero 32. q. 7. c. super eo, de hæret. in 6. C. 1. in fin. Ext. de fug. \& malef. §. si vero ab initio, in auth. de nupt. §. 42. Wann dann eine verlassene Person die Ehe bricht/ soll Verlassenen Ehegatten Recht. man erkundigen/ wer zur Verlassung Ursach gegeben? Wie lange die verlassende Personen hinweg gewesen? Ob sie insgemein fuͤr todt N n 2 gehal- III. Buch/ Cap. VI. gehalten worden/ dann sonst jemand muthwillig zur Verlassung Ur- sach geben koͤnte/ um desto freyer zu suͤndigen/ derowegen die rechte Straffe nicht so leicht nachzulassen. Zufaͤlligen Un- vermoͤgenheit Recht wegen Ehescheidung. §. 43. Wann nun ein Paar junge Leute ehelich versprochen/ bey- de mit einander getrauet und Hochzeit gehalten/ auch eine Zeit lang friedlich sich beygewohnet/ hernach aber unter ihnen Wiederwaͤrtig- keit daher entstehet/ daß der Mann durch unversehenen Ungluͤcks-Fall an seinem heimlichen Ort dergleichen Schaden bekommen/ daß er hinfuͤhro dem Weibe die eheliche Pflicht nicht leisten kan/ mag dennoch desfalls ein Ehegatte vom andern nicht abgesetzt noch Ehescheidung fuͤr- genommen werden/ sondern sollen sich getreu seyn/ und goͤttlicher Schickung in Gedult unterworffen bleiben. Einfalt und natuͤrlichen Unvermoͤgen- heit Recht. §. 44. Wann sonst ein bleich- und unbaͤrtiger Mann natuͤrlichen Unvermoͤgenheit sich bewust/ und dennoch vergeßlich in Ehestand ge- treten/ soll er willkuͤhrlich gestrafft/ auch der Klaͤgerin erlittenen Scha- den und Unkosten auff gerichtlich vorhergehende Maͤssigung zu erle- gen schuldig seyn; Solte aber ein Unvermoͤgender aus Einfalt mey- nen/ es waͤre mit und in der Ehe nichts anders/ denn daß sich zwo Per- sonen mit einander ernehren muͤsten/ haͤtte auch vor dem ehelichen Beylager von keiner andern Pflicht gewust/ muß er solches auff sein Gewissen eydlich sagen/ und so mag das Weib frey und leedig von ihm seyn. Unvermoͤgen- heit Recht vor oder nach dem Beylager er- kannt. §. 45. Wann GOtt ohne diesen Mangel keine Kinder giebt/ soll man Gedult haben/ wofern aber folcher Fehl von boͤsen Leuten/ soll man GOtt um Besserung bitten/ und so fern die Kranckheit oder Aus- satz nach dem Beylager erfolget/ werden sie nicht geschieden; also wann Unvermoͤgenheit im Beyliegen nach etliche mahl veruͤbtem Beyschlaff erkannt/ loͤset sie Ehestand nicht auff/ wann sie aber vorhero be- funden/ giebt es dem Weibe Freyheit/ einen andern Mann zu nehmen. C. si uxor, 32. q. 5. C. tantum cum seq. 32. q. 7. C. si per sortiarios, 33. q. 2. c. hi qui, 32. q. 7. c. 1. \& 2. de conjug. lepr. L. si cum dotem, §. si maritus, ff. sol matr. C. admonere, 33. q. 2. C. quod autem, c. 27. q. 2. Unvermoͤgen- heit Erkundi- gungs Recht. §. 46. Sonst aber mag man sich in solchen Unvermoͤgenheits Faͤllen erkundigen/ ob Beklagter jemahls mit Weibern zu thun gehabt/ oder beruͤchtet gewesen/ daß er selbige verhast/ dazu von ehrlichen ver- staͤndigen Maͤnnern besichtiget/ und augenscheinlich zum Weibe un- tuͤchtig befunden/ auch ihme zu helffen unmuͤglich erkannt/ massen er von erster Mannes Krafft Zeit seines Lebens weder im Alter noch Jugend Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. Jugend zu Maͤgdgen einige Zuneigung gehabt/ sondern ungern mit ihnen umgangen/ derowegen er sich Klaͤgerinne/ nur zum kochen und Haußwesens Arbeit zu versorgen/ vertrauen lassen/ daß er also Ver- loͤbniß/ Hochzeit und andere Unkosten bezahlen/ dafuͤr Hauß und Hof samt bereitesten Guͤtern verpfaͤnden/ und zugebrachtes leinen Bett- und Haußrath wieder ausgeben muß. §. 47. Also bey Weibes Personen/ welche man durch alte ehrli- Zum Bey- schlaff unbe- qvemen Wei- ber Besichti- gung. che gottsfuͤrchtig- und redlich-erfahrne Matronen/ die in Kindes-Noͤ- then gebraucht/ oder geschworne Kinder-Frauen/ Wehe-Muͤtter und Mitnachbarinnen besehen laͤsset/ ob sie also beschaffen/ daß der Mann kein eheliches Werck mit ihr vollbringen/ auch ihren Gebrech- und Un- geschicktheit nicht geholffen seyn mag. §. 48. So ist auch hierbey wohl zu bedencken/ wie es durch Got- Gottes Ver- haͤngniß bey Unvermoͤgen- heit. tes zulaͤßigen Willen und Verhaͤngniß geschiehet/ welcher dazu gewisse Ursachen hat/ daß auch denen/ die GOtt lieben/ muß alles zum besten dienen/ darum diese heimgesuchte Leute der Rein- und Heiligkeit sich befleissigen/ aller Unzucht Gelegenheit muͤßig gehen/ auch ungeziemen- den Wort und Geberden sich enthalten sollen/ massen die Suͤnde flie- hen/ heisset die Ursache zu suͤndigen meyden/ und weilen GOtt das Hertz ansiehet/ muͤssen auch die Gedancken rein seyn. Rom. VIII, 28. Syr. XXX, 21. §. 49. Wer nun zur ehelichen Pflicht untuͤchtig/ muß nicht wider Verschnittene sollen nicht wider GOtt murren. GOtt murren/ noch beseuffzen/ daß ihm seine Mannschafft geschwaͤ- chet oder benommen/ dadurch er seine fleischliche Lust nicht vollbringen moͤge/ welches gar suͤndlich und Lustsuͤchtig waͤre/ dann ein Verschnit- tener nicht soll sagen: Siehe/ ich bin ein duͤrrer Baum/ massen GOtt zu solchem spricht: Wer meinen Sabbath haͤlt/ und erwehlet was mir gefaͤllt/ auch meinen Bund feste fasset/ dem will ich in meinem Hause und Mauren einen eigenen bessern Ort und Nahmen geben/ der nicht vergeht/ als Soͤhnen und Toͤchtern. Esai LVI, 3. 4. \& 5. §. 50. Wiewohl dann Ehebruch Ehescheidungs Ursach ist/ soll Ehescheidung wie vorzuneh- men. dennoch keiner sich selbst eigenen Gewalt noch Gefallens von seinem Ehegemahl abscheiden/ sondern die Sache ist fuͤr das Consistorium zu verweisen/ allda sie vorbescheiden/ nach Nothdurfft gehoͤret/ und zur Wiederversoͤhnung erst mit Fleiß gehandelt/ der Unschuldige aber die Schuldige wieder Willen anzunehmen nicht gezwungen/ sondern was recht ist erkant/ auch nach goͤttlicher Schrifft Jnhalt sich wieder N n 3 zu ver- III. Buch/ Cap. VI. zu verehlichen/ der unschuldigen Person zugelassen werden soll/ darum auch in diesen Faͤllen/ wer von aller Straffe befreyet seyn will/ ordent- liche Zeit abwarten/ und niemand aus eigener Macht sich verheyra- then/ sondern des Consistorii Ausspruch und Entscheidung oder Er- laubniß zuvor begehren soll. Ander Ehe- stand wann uñ wie lange ver- boten. §. 51. Ehestand zum andern mahl wird allen Wittwern und Wittwen so lange verboten/ biß sie mit ihren Kindern gute Richtig- keit gemacht haben; Wann nun der Ehemann gestorben/ oder Ehe- stand durch Ehebruch auffgehoben/ und die Wittwe oder geschiedene Ehefrau innerhalb dem Trauer-Jahr sich wieder verheyrathet/ bege- het dieselbe/ so wohl als der sich mit ihr einlaͤst/ eine Schande; Eltern aber/ die es bewilligen/ sind Ehrloß/ weilen es Christ-uͤblicher Ge- brauch/ den Ehemann eine gewisse Zeit zu betrauren/ damit nicht Ge- Trauer-Jahr von Wittwen zu halten. bluͤts Zerstoͤr- und Geschlechts Verwirrung entstehen moͤge/ wofern ein Weib alsofort zur andern Ehe eilet/ daß man nicht wissen koͤnne/ ob der verstorbene Mann der rechte Kindes Vater sey; Nach paͤbstli- chem Recht aber mag ein Weib binnen Trauer-Jahrs Zeit unstraff- bar sich wieder verehelichen. L. 25. C. de infam. jur. Unrechtmaͤßi- ger Scheide- Brieff. §. 52. Wann sonst von einer unrechtmaͤßigen, Ehescheidung/ wel- che der Ehemann aus blossen Unlust begehret/ weilen das Weib bey ihm keine Gnade gefunden/ geredet wird/ und das Weib einen andern ge- heyrathet/ so mag nach dessen Tode dem Ersten dieselbe wieder zu neh- men nicht zugelassen seyn/ massen er durch unrechtmaͤßigen Scheide- Brieff sein Weib gleichsam prostituir et/ und zur anderwaͤrtigen Ver- heyrathung veranlasset; Falls aber/ wie billig/ die Ehescheidung ge- richtlich und rechtmaͤßig wegen begangenen Ehebruchs erfolget/ so steht es dem Ehemann frey/ die ihm dadurch zugefuͤgte Schmach zu erlassen. Deut. XXIV, 1. \& seq. Ehescheidung wann auffzu- heben. §. 53. Wann nun vorermeldeter Gestalt eines Mannes gewese- ne Ehefrau sich anderwaͤrts noch nicht verehelichet/ jedoch Zeit waͤh- renden Ehescheidung mit einem ledigen Kerl von neuem fleischliche Vermischung geuͤbet/ solches aber fuͤr eine schlechte Hurerey zu hal- ten/ indem sie nach erkannten Scheidung frey gewesen/ so wird billig ein solcher Mann zu Verhuͤtung Aergerniß und andern boͤsen Nach- folge/ die wohl hierbey zu besorgen/ mit Ernst angemahnet/ wofern er aber nochmahlen das von ihm geschiedene Eheweib wieder anzu- nehmen willig und eyfferig ersuchet/ mag ihm solches verstattet und vo- rige Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. rige Ehescheidung durch andern gerichtlichen Ausspruch wieder auff- gehoben werden. §. 54. Wann jemand/ nachdem zwischen ihm und einer andern Zwischen Ver- lobten Ehe- bruchs Recht. allbereits oͤffentliche Verloͤbniß gehalten/ sich mit einer andern Magd fleischlich vermischet/ und also hierdurch wahrhafften Ehebruch bege- het/ welchen ihm seine verlobte Braut zu verzeihen und wegen gebro- chenen Treu und Glauben ferner beyzuwohnen sich nicht bewegen lassen will/ so mag gaͤntzliche Ehescheidung vorgenommen/ und jener/ im Fall sie ohne Gewissens Verletzung ausser Ehe zu leben nicht vermag/ sich anderwaͤrts gebuͤhrlich zu verheyrathen/ gestattet seyn. §. 55. Wann auch jemand mit einer Person sich ehelich verlobet/ Ehscheidungs Recht wegen Schwaͤnge- rung. und hernach gehoͤret/ daß sie mit andern zugehalten/ auch ihren Eltern solches vorgehalten/ welche aber ein Wiedriges hochbetheuret/ und selbsten/ daß sie noch eine reine Jungfer waͤre/ mit vielen Verfluchun- gen bekraͤfftiget/ nach vollendeter Hochzeit aber sich endlich befunden/ ja sie selber zugestanden und bekannt/ von wem sie geschwaͤngert/ so ist er/ Falls er der Person das Verbrechen nicht vergeben/ und ihr ferner ehelich beywohnen wolte/ beym Consistorio die Ehescheidung zu su- chen wohl befugt/ und nachdem solche erkannt/ mag die Geschiedene wegen grossen Betrugs und vielen Verfluchens auff etliche Jahre Stadt oder Gerichts verwiesen seyn/ oder sie waͤre eine gewisse Geld- Busse zu erlegen schuldig/ und wofern sie selbst so viel Mittel nicht haͤt- te/ ist ihr Vater wegen so theurer Versicherung solche Straffe nebst den Unkosten vor sie zuzahlen verbunden; Den beschuldigten Buh- ler betreffend/ weilen er durch der Geschwaͤngerten Aussage/ als auch eigenem Gestaͤndniß nach/ bey ihr aus und eingangen/ sehr mit Ver- dacht beschweret/ soll er vermittelst Eydes sich entschuldigen/ daß er sie nicht fleischlich erkant. §. 56. Wann aber diese/ nachdem sie vom Ersten geschieden/ mit Schwaͤnge- rung ist stille Ehegeloͤbniß. diesem letzten die Heyrath suchet/ so steht es in seinem Gewissen/ ob er sich mit ihr vermischet oder nicht; Falls es geschehen/ kan er dennoch sie zu ehelichen nicht gezwungen werden/ denn ob gleich aus Schwaͤn- gerung stillschweigende Ehe-Geloͤbniß zu verstehen/ hat sie doch sich solchen Rechts verlustig gemacht durch oͤffentliche Trauung mit einem andern/ den sie betruͤglich dazu verfuͤhret/ indem sie sich fest vermes- sen/ daß sie noch Jungfer sey/ welcher Betrug gehaͤßig/ darum sie auch wider Willen ihm nicht auffzudringen/ vielweniger zu uͤberre- den/ unverheyrathet zu bleiben. §. 57. Ferner III. Buch/ Cap. VI. Bey Eheschei- dungs Fall weꝛ Huren-Kind ernehret. §. 57. Ferner/ bey Ehescheidungs-Fall wegen Ehebruch unter ver- lobten Personen/ obschon der Mann solchen groben Schmach halben zur Versoͤhnung sich bequemen liesse/ mag er dennoch/ das Huren- Kind zu unterhalten und zu ernehren/ nicht gezwungen seyn/ sondern es gehoͤret diese Pflicht dem Buhler zu; wofern aber keine Verzeihung er- folget/ muͤssen der Weibes Person alle eingebrachte Mitgiffts-Guͤther wieder gelieffert werden/ und hat deren Verlust Straffe hier keine Statt/ die sonst guͤltig ist wegen begangenen Ehebruchs/ weilen dieselbe in diesem Fall nicht waͤhrenden Ehestandes/ sondern annoch ausser- halb gesuͤndiget hat. L. 8. §. 3. C. de Repud. Nov. 117. C. 8. Ehescheidung auff Tisch und Bette. §. 58. Wan sich befindet/ daß Mann und Weib einander mit Gifft oder sonst nach ihrem Leben gestanden/ auch solches erwiesen/ o- der genugsame Anzeigen und Vermuthungen vorhanden/ soll die ver- daͤchtige Person von weltlicher Obrigkeit/ darunter sie gesessen/ ge- strafft werden. Daferne nun Ehescheidung auff Tisch und Bette we- gen urveraͤnderlichen mit Lebens-Gefahr verknuͤpfften Tyranney geschiehet/ und der Mann nicht genugsamen Buͤrgen stellet/ muß er alle Unkosten und dem geschiedenen Weibe Nahrung darreichen/ oder ihr Guth/ so ferne es zu Lebens-Mitteln genung ist/ zuruͤck-erstatten. Nov. 117 c. 14. c. 1. X. ut lite non contest. C. 13. X. de rest. Spol. Ehscheidungs Recht wegen Eheweibs Un- treu. §. 59. Wann auch ein Eheweib aus ihres Mannes Hause eini- ge Sachen wegnaͤhme/ die moͤgen Nahmen haben wie sie wollen/ soll sie dieselbe ins Hauß wieder einlieffern/ hernach dem Mann abbitten/ daß sie ihn groͤblich beleidiget/ und genungsame Buͤrgen stellen oder Versicherung leisten/ daß sie ihn inskuͤnfftige als ihren Ehemann lieben/ und allen gebuͤhrenden Respect erweisen/ ingleichen seine Kinder mit gebuͤhrendem Glimpff erziehen/ hingegen sich aller Gewaltthat wider sein Hauß enthalten wolle/ alsdann muß sie der Mann wieder anneh- men/ und wie seine Ehefrau halten; Falls sie aber sich dessen weigert/ moͤgen sie auff Tisch und Bette geschieden werden/ auch ist sie nicht desto minder alle weggenommene Sachen zu erstatten/ und daß sie ein mehrers/ als wieder herbey gebracht/ nicht entwandt/ noch wegtragen lassen/ eydlich zu betheuren schuldig. §. 60. Wann sie aber nach solcher Erstattung gebuͤhrend erwei- sen wuͤrde/ daß etwa darunter einige frembde Sachen befindlich/ so muß billig der Mann die ihm nicht zustaͤndige Sachen dem Eigener heraus geben/ ja wenn Ehescheidung auff Tisch und Bette geschehen/ muß Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. muß der Mann von ihren eingebracht- und erstatteten Mitgiffts Guͤ- tern/ so viel sie zum Unterhalt noͤthig bedarff/ nach richterlicher Er- maͤßigung herzugeben verbunden seyn; Und kan sich dieser Fall offt Stieff-Muͤt- ter Untreu. leicht bey Stieff-Muͤttern begeben/ daß sie die Stieff-Kinder dero- gestalt mit Schlaͤgen erbaͤrmlich tractir en/ daß sie wohl gar zuweilen ihre Gesundheit dabey auffsetzen muͤssen/ darnach sie auch Untreu im Hause veruͤben/ und uͤber das mehrentheils mit stetigem Zancken und Streiten den Mann uͤber alle masse beschweren/ beleidigen und fast Lebens-Gefahr mit sich fuͤhrende Worte boßhafftig vernehmen lassen; Es soll aber kein Ehemann hierzu Ursach geben/ oder seine krancke Ehemaͤnner sonderbare Pflicht. Frau/ absonderlich in Kindes-Noͤthen und Pest-Zeiten ohne Huͤlffe verlassen. L. 13. ff. quod metus caus. C. Redintegranda, C. 3. q. 1. §. 61. Wann jemand ein Werck der Barmhertzigkeit uͤbet/ eine Ehe-Sachen Entscheidung gehoͤret fuͤr Consistorium . Hure vom schaͤndlichen Leben abzuziehen und zu ehelichen/ so wird Hurerey Straffe erlassen; Wann aber eine Weibs-Person sonst keine uͤbele Nachrede hat/ sondern sich jederzeit wohl verhalten/ auch in ihrer Bekaͤntniß bestaͤndig bleibet/ soll man dem Buhler beweglich zureden/ die Warheit zu bekennen; Falls er aber die fleischliche Ver- mischung nicht gestehen wolte/ muß er mit Zuziehung eines Predigers/ der ihm sein Gewissen schaͤrffen moͤge/ eydlich sich befreyen/ daß er mit solcher Person niemahlen Unzucht getrieben/ wofern er aber dessen sich weigert/ in der Sachen den Reinigungs-Eyd abzuschweren/ oder das Verbrechen gestuͤnde/ und die Weibs-Person Eheversprechung vor- schuͤtzte/ dazu jener sich nicht verstehen will/ wird der Ehe-Sachen Entscheidung an das Consistorium verwiesen/ und bleibet verwuͤrck- ten Straff Erkaͤntniß ausgestellet. §. 62. Ob zwar sonst in wichtigen peinlichen Sachen/ zumahlen Ehebruchs Klage erfor- dert zu weilen Reinigungs Eyd. wann einige erhebliche Anzeigen wider einen Beklagten vorhanden/ wegen Meineydes Furcht/ nicht leicht eydliche Entschuldigung zu er- wehlen/ dennoch aber in Ehebruch/ dessen Verbrechen Gewißheit man nicht haben kan/ wenn des Lasters Gesellin fluͤchtig/ nicht fuͤg- lich zur Hafft gebracht werden mag/ auch keine mehrere Vermuthun- gen sich hervor gethan/ und Beklagter sonst ein solch Leben gefuͤhret/ daß man eben so leicht keines Meineydes bey ihm sich zu befahren/ als- dann waͤre Er nach scharffer Verwarnung zugemutheten Ehebruchs halben vermittelst Eydes sich zu purgir en schuldig/ uñ darnach mit ver- ursachten Unkosten Erstattung von angestelter Ansprache zu entledigen. O o §. 63. Wenn III. Buch/ Cap. VI. Ehebruchs In- quisition wañ nicht gesche- hen mag. §. 63. Wenn ein Weib wegen unterschiedlich begangenen Ehe- bruchs mit dem Schwerdt gerichtet/ vorher aber unter andern/ die mit ihr Ehe gebrochen/ eine gewisse Person zuletzt auch der Ubelthat bezuͤchtiget/ welche sich des Lasters unschuldig weiß/ so mag deßhalben mit Recht wider solche keine Nachfrage angestellet seyn/ ob schon die Laster-Gesellin bey der Bekaͤntniß biß ans Ende bestaͤndig ver- harret/ wofern nicht gebuͤhrenden Verdachts Argwohn und andere Umstaͤnde dabey befindlich/ dazu noch da die Bekaͤntniß von einer be- sudelten Ehrlosen Person gegen einen vornehmen Adelichen hochbe- ruͤhmten Bedienten etwa gutwillig/ ohne Richters Befragen/ geschehen. Gefangen- schafft wann Ehe trennet. §. 64. Weilen so wohl denen neuen Kaͤyserl. als Geistl. Rechten gemaͤß/ die Ehe wegen Gefangenschafft nicht getrennet werden kan/ der freye Ehegatte auch/ ehe und bevor er gruͤndliche Gewißheit ha- be/ daß der Gefangene mit Tode abgangen/ sich anderwaͤrts zu ver- ehelichen nicht befugt/ sondern vielmehr in der Einsamkeit biß an sein Ende zu verbleiben/ und dieses/ wie sonst waͤhrenden Ehestandes ein anstossendes Ubel/ wordurch das Ehegemahl so wohl zur ehelichen Beywohnung/ als eines Mitgehuͤlffen Pflicht/ gantz untuͤchtig wird/ in Christlicher Gedult zu ertragen schuldig/ so mag niemanden fuͤr erlangten Todes-Falls gewisser Nachricht wieder zu heyrathen frey stehen/ damit nicht durch Weiber Untreu Gebluͤts-Verwandtschafft vermischet werde; Und ist allhier unnoͤthig zu erweisen/ daß ein Weib dem neuen Buhler beygelegen/ und er wuͤrcklich die Decke mit ihr be- schlagen/ sondern es mag die blosse priesterliche Copulation in der- gleichen Faͤllen zur Ehehaltungs Anzeige wohl genung seyn. Nov. 22. C. 7. L. 11. §. 1. de his, qui not. infam. Caput VII. Von Unmuͤndigen und Minderjaͤhrigen/ auch deren Ober- und Unter-Vormuͤndern. §. 1. B Ey Unmuͤndigen wird allezeit eine unbedachtsame Unwissen- heit/ gleichwie insgemein bey Weibern Geitz/ Furcht und Schwachheit/ vermuthet/ sonst aber bey andern wird gemuthmasset/ daß ein jeder sey gut/ geschickt/ unschuldig/ auffrichtig/ gerecht und fleißig in seinem Amts-Beruff/ biß das Gegentheil erwiesen; so kan nun ein Muͤndling seinen Zustand wohl verbessern/ nicht aber ihm schad- Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. schaͤdliche Handlungen treiben/ dahero er auch keine Erbschafft antre- ten mag/ weilen sie nicht allezeit nuͤtzlich ist/ ob schon Gewinn dabey erscheinet. L. si quis patremfam. ad Maced. L. 1. \& tot. tit. de minor. L. 2. ad SCt. Vellej. L. 4. C. de nupt. C. dudum, de præsumt. L. absentem, ff. de pœn. §. 1. instit. de auth. tut. L. Obligari, §. neque instit. Eod. §. 2. Minderjaͤhrige Personen koͤnnen wegen ihrer Wiederauffrich- tungs Freyheit im Recht so wenig/ als ein Richter in einer Sache/ noch ein aus der Stadt oder vom Rathhause verwiesener/ Rechts-Fuͤr- sprecher seyn/ jedoch moͤgen diese mit gutem Rath und Schrifften Partheyen dienen; So koͤnnen auch unmuͤndige junge Personen ohne Vormuͤnder Bewilligung nichts veraͤusern/ gleicher Weise mag kein Vormuͤnder oder Curator seines Muͤndlings Guͤter/ fuͤr seine oder eigene Schuld/ ohne dessen sonderbahren Nutzen/ verpfaͤnden. L. 6. C de postul. L. 8. ff. Eod. L. 1. §. 1. L. 2. \& seqq. ff. de R. J. L. 1. §. 1. ff. quæ res pign. obl. L. curator adultæ; L. si in rem suam, C. Eod. §. 3. Ein Muͤndling mag sein Gut von jedern Besitzer ohne Preiß Erstattung wieder fodern/ ja alle Muͤndlingsguͤter/ so zu er- Muͤndlings Guͤter Recht. halten muͤglich/ sollen nicht verkaufft werden/ ohne Schulden damit zu bezahlen/ oder in Nothzeiten und Minderjaͤhrigen Nahrungs Mangel/ auch soll niemand Obrigkeiten/ solches zu befehlen/ betruͤglich verleiten/ darum wann Erben verstorbenen Vormuͤnders des Muͤndlings Guͤter besitzen/ oder dessen Sachen als angefangen wohl ausgefuͤhret/ seynd sie dafuͤr zu antworten pflichtig. L. 4. \& 10. de præd. min. §. 4. Jn deren Unmuͤndigen Streitsachen mag auch wie sonst Schied-Rich- ters Urtheils Krafft. willkuͤhrlichen Streitrichters Urtheil/ so bey angesetzter Straffe anzu- nehmen versprochen/ ob schon es durch 10. taͤgiges Stillschweigen einmahl gut geheissen scheinet/ dennoch/ wofern uͤbermaͤßig und au- genscheinliche Verletzung erhellet/ nach 10. Tage Verlauff mit Arg- list Vorwurff und Ausflucht vernichtet und dessen Vollziehung ver- hindert werden; welcher Rechts Wohlthat gegen solche Unbilligkeit niemand Eydlich absagen kan/ massen bey allen Verletzungen Betrug zu vermuthen; Betruͤglich aber und etwan Gerichts-Stand zu ver- Veraͤusse- rungs Betrug verboten. aͤndern/ oder Klagerechts Anspruch schwerer und aͤrger zu machen/ soll keine Guts Veraͤuserung gestattet werden/ wer jedoch sein Recht ge- braucht/ der handelt ohne Betrug und List. Tot. tit. C. ut lite pend. \& Ext. Eod. L. 55. ff. de R. J. L. 23. §. 1. ff. Eod. L. 1. ff. de Legat. L. 8. ff. de contrah. Emt. L. pen. C. Eod. L. 2. C. de rescind. vend. L. 36. ff. de Verb. oblig. L. 32. §. cum quidam ff. arbitr. compr. O o 2 §. 5. Gleich III. Buch/ Cap. VII. Weiber sind im Rechtgleich denen Unmuͤn- digen. §. 5. Gleich denen Unmuͤndigen seynd auch Weibs-Personen in gemeinen Kaͤyserlichen Rechten/ aus erheblichen Ursachen/ also verse- hen/ daß sie aus Mangel guten bedachtsamen Raths nicht betruͤg- lich uͤbereilet werden; daß nemlich Witwen und Jungfrauen/ ohne alters Unterscheid/ in allen rechtlichen Process en/ sie seyn an Klaͤgers oder Beklagten statt/ ohne Kriegs-Vormuͤnder nichts bestaͤndiges han- deln moͤgen. Minderjaͤhri- gen liegenden Guͤter Recht. §. 6. Deren Minderjaͤhrigen liegende Guͤter sollen ohn er- hebliche Ursachen durch niemand als die Vormuͤnder verkaufft wer- den/ sonderlich aber wegen Schulden/ jedoch mit Willen und Beschluß der Obrigkeit/ sonsten ist der contract nichtig; So kan auch gegen unverthaͤdigte Muͤndlinge keine Urtheils Einweisung noch Vollzie- hung geschehen/ solche Guͤter nemlich zu verkauffen/ wohl aber zu Glaͤubigers Versicherung/ weiln es unbillig/ daß Creditor, der nicht mit Muͤndlingen/ sondern dessen Eltern gehandelt/ dessen vollstaͤndiges Alter erwarten soll/ wenn anders die Schuld gewiß ist/ jedoch sollen erst seine Vormuͤnder und Verwandten citi rt werden/ auch ist ihm aus denen Guͤtern Nahrung zu reichen. L. 3. \& 4. c. de præd. \& al. reb. min. L. 22. in pr. C. de admin. tut. L. 1. in pr. §. 1. \& 2. ff. de reb. eor. qui sub. tut. C. qui ad agend. de procur. in 6. L. non licet, ff. de contrah. Emt. L. 3. pr. ff. quib. ex caus. in poss. L. 5. §. 1. Eod. L. ult. ff. de reb. auth. jud. poss. L. 26. §. 4. ff. de cond. indeb. L. 4. \& tot. tit. c. de fide instrum. L. 1. de in diem addict. Minderjaͤhri- gen Restituti- ons Recht. §. 7. Wann Minderjaͤhrige aus Thorheit/ Einfalt oder Unver- stand/ durch Gegentheils List/ in ihrer Jugend/ um Gut oder Recht betrogen waͤren/ ist ihnen Wiedereinsetzung in vorigen Stande zu gu- te geordnet; Deßgleichen moͤgen sich damit behelffen diejenigen/ so uͤber 25. Jahr sind/ ihres Schaden und Rechtens wieder zu erholen/ wofern sie das mercklich/ aus Betrug geschehen zu seyn/ darthun; wel- ches dann mancherley Ursachen halber sich zutragen kan/ ist auch die- ses verzeyhlich/ so ferne sie dessen erinnert/ und dieses pflegen insgemein die Contrahent en auszuschliessen; Wer nun Restitution und Auffrich- tung bitten will/ muß beweisen/ daß er zur Contract Zeit sey Minder- jaͤhrig gewesen/ daß er darin hoͤchlich verletzt/ und aus Einfalt oder Un- verstand verfuͤhret worden/ so moͤgen auch solches des beschwerten Theils Erben begehren. L. 1. in pr. L. minoribus, tot. tit. ff. de minor. L. 2. C. de his, qui ven. æt. Auth. Sa- c ra menta puber. C si adversus vendit. L. fin. ff. ex quib. caus. maj. L. 24. §. 1. ff. de minor. L. 7. in princ. ff. Eod. L. 4. 6. \& 18. ff. de in integr. restit. §. 8. Vor- Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. §. 8. Vormuͤndere sind nun/ entweder die im Testament Un- Vormunds Unterscheid. muͤndigen Kindern verordnet/ oder die nechsten Freunde und Bluts- Verwandten/ oder so von Obrigkeit zu Vormuͤndern gegeben sind: Und zwar haben Testaments-Vormuͤndere fuͤr andern den Vor- zug die Vormundschafft anzunehmen/ wo aber keine solche vorhan- den/ daselbst werden die nechsten Freunde erfodert/ unter welchen ist der Kinder Mutter/ wenn Vater stirbet/ welche als nechste Vormuͤn- derinn denen andern vorgezogen wird; Sonst aber ausser deren Kin- der Mutter oder Großmutter koͤnnen Weiber nicht Vormuͤnder seyn/ es waͤren denn Fuͤrst- und Adeliche/ oder reich beguͤterte Matronen; Wann aber deren unmuͤndigen Kinder Mutter nicht vorhanden/ oder aus gewissen Ursachen sich deren Vormundschafft nicht anneh- men will/ gehoͤret sie den nechsten Freunden zu; Jn dieser Freunde Ermanglung/ oder wofern sie aus erheblichen Ursachen sich verwei- gern/ oder ihnen nicht zu vertrauen waͤre/ so soll die Obrigkeit/ dar- unter der Unmuͤndige steht/ ihnen Vormuͤnder ansetzen und verord- nen. §. permissum, instit. de-tutel. tot. tit. inst. de legit. agn. De Attilien. tut. \& ff. de tut. \& curat. dat. L. 52. C. de Episc. \& Cler. tit. qui testam. tut. dar. poss. tit. ff. de legit. tutor. L. 12. tabb. L. 1. in pr. ff. Eod. C. tit. qui tut. vel curat. L. 11. in pr. ff. Test. tut. Auth. matri \& aviæ. C. quand. mul. tut. off. fung. L. fin. in pr. C. de cur. fur. instit. in pr. de fatisd. tut. L. leg. quam, C. de pact. conv. Novell. 118. c. 5. princ. L. pen. C. in quib caus. pign. L. omnem, C. ad SCt. Tertull. instit. de legit. par. tut. L. 1. ff. de legit. tutor. L. 37. de R. J. princ. \& §. sed hoc, instit. de Attill. tut. L. 2. 3. 6. \& 15. de tut. \& cur. L. 5. C. qui tut. \& cur. dar. §. omnium. inst. de act. §. 9. Sonsten kan niemand Vormundschafft anzunehmen sich weigern/ ohne aus nachfolgenden Entschuldigungen; als/ wer selbst 5. Kinder haͤtte/ darunter des Sohns Kind in seines verstorbenen Va- ters Stelle mit zu rechnen; Also wer zuvor drey Vormundschafften hat/ kan mit der vierdten nicht beladen werden/ so fern er vorige nicht freywillig begehret; Wer auch von der Obrigkeit/ oder gemeinen Nutzens wegen/ ausserhalb Landes verschickt worden denen kan in kei- nem Jahre hernach wider Willen einige Vormundschafft aufferlegt werden. L. fin. in pr. de admin. tut. L. 1. ff. \& pr. inst. de Excusat. tut. L. vacuatis L. nullus, C. de Decur. L. 1. C. qui num. lib. se excus. §. item tria instit. de Excus. tut. L. 3. ff. Eod. tit. L. un. C. qui num. tut. L. 21. in fin. ff. de tut. dat. §. item qui Reipubl. inst. de excus. tut. L. 10. in princ. ff. Eod. Tot. tit. C. si tut. vel cur. Reipubl. caus. abier. O o 3 §. 10. Wer III. Buch/ Cap. VII. §. 10. Wer Armuth halber nicht zu verwerffen/ sondern unbe- wegliche Guͤter besitzet/ darff weder schweren noch Buͤrgschafft lei- sten; Wer aber wegen Armuth nicht so viel hat als der Muͤndling/ dessen Vormuͤnder er seyn soll/ mag sich wohl entschuldigen; Wer auch mit dem Muͤndling Jrrung und Zwietracht/ oder wegen etlichen ansehnlichen Guͤter grossen Streits Rechtfertigung hat; Jtem/ wer uͤber 70. Jahr alt ist/ hat rechtliche Entschuldigung vorzuwenden. L. sciendum pr. ff. qui satisd. cog. §. 6. instit. de Excus. tut. L. paupertas, L. post suscept. §. 1. ff. Eod. Arg. L. 10. C. de accus. §. 3. inst. de Success. lib. L. 6. §. 17. de Excus. tut. §. 9. \& 11. instit. Eod. §. item major, instit. \& L. 2. ff. Eod. L. 3. C. qui ætat. se excus. Vormuͤnder wer nicht seyn kan. §. 11. Ein Soldat kan und mag nicht/ ob schon mit Lust und gu- tem Willen/ zur Vormundschafft seines naͤhesten Bluts-Verwandten/ der nicht in Kriegs-Diensten steht/ oder dessen Kinder/ benannt we- niger zugelassen werden; Also auch alle Taube/ Stumme/ Unsin- nige und andere/ die selbst Vorsorge beduͤrffen; So mag auch ein Schuldner nicht seines Glaͤubigers/ noch ein Glaͤubiger seines Schuld- ners Vormund seyn/ er waͤre denn im Testament dazu verordnet/ oder es seyen Personen/ zwischen denen Verwandschafft und Zunei- gung halben allen Argwohns Verdacht auffgehoben; deßgleichen wer des Muͤndlings Mit-Erbe oder Gesell ist/ oder Guͤter Gemein- schafft mit ihm hat/ oder nicht selbigem Gericht unterthan/ oder dessen Stieff-Vater oder seine Mutter geheyrathet. L. 4. C. qui dari tutor. L. 1. §. fin. L. pen. ff. de tut. §. item major inst. de Excus. tut. §. fin. inst. de fid. tut. L. 2. cum auth. seq. L fin. \& auth adhæc in fin. C. quand. mul. tut. off. fung. L 67. §. de uno, ff. de Rit. nupt. §. fin. auth. de restit. §. si autem, auth. de nupt. L. 27. §. cum autem, de test. tut. L. 1. verb. vitricum, C. ubi pupill. Educ. §. 12. Die/ so gemeine Aemter haben/ als Kammer-Schreiber/ Raͤthe/ Rentmeister/ Zoͤllner und andere/ so derer Fuͤrsten Guͤter verwalten; item/ Pfarrer und Schulmeister sind Vormundschafften befreyet; alle rechtmaͤßige Entschuldigungen aber sollen binnen 50. Tagen von Zeit der Wissenschafft fuͤr gehoͤrigem Richter-Stuhl angebracht werden/ und ist dieser Rechts-Streit wegen Gunst der Un- muͤndigen also befreyet/ daß er binnen 5. Monat zu endigen/ da sonst alle andere Proceß-Streit-Klag-Haͤndel nach buͤrgerlichem Recht binnen 30. Jahr zum laͤngsten sich endigen sollen. L. 6. §. est autem, L. 30. \& 41. de Excusat. L. 11. §. ex facto, ff. de minor. L. fin. C. de assessor. L. 52. C. de Episc. \& Cler. C. 16. q. 1. L. 8. §. 1. de Vacat. \& excus. mun. L. 38. ff. \& L. 6. \& L. fin. C. de excus. tut. L. Properandum, C. de Jud. L. 35. ff. de action. L. 3. 4. 5. ff. de præscr. 30. ann. §. 13. Wann Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. §. 13. Wann die Mutter nicht im Wittwen-Stande bleibet/ son- dern zur andern Ehe greifft/ ist ihre Vormundschafft aus/ und sie in solchem Fall schuldig/ fuͤr ihre unmuͤndige Kinder von der Obrigkeit Vormuͤnder zu bitten; Darum mag auch kein Wittwer ein ander Weib nehmen ohne seiner Kinder und gewesenen Weibes Freunde Wittwer und Wittwen Recht wegen Vormund- schafft. Vorwissen/ mit welchen er zuvor billig theilen soll/ ehe dann er zur an- dern Ehe greiffen kan; also muß ingleichen eine Wittfrau thun/ ja wenn eine Mutter zur andern Ehe treten oder schreiten will/ und denen Kindern nicht genugsame Rechnung geleistet/ ist nicht allein ihr Gut/ sondern auch Stieffvaters Haab/ wegen Vormundschafft/ stillschweigend eingesetzt und denen Kindern verpfaͤndet; So verliehrt auch die Mutter ihre Vormundschafft/ wann sie unzuͤchtig Leben fuͤhret. Nov. 94. c. 2. vers. 5. propterea. Auth. Sacramentum, C. quoad mul. tut. off. fung. Auth. matri, cum seq. Auth. C. Eod. L. matris, L. cum jure L. nepotibus, C Eod. Auth. ut sine prohibit. mat. debit L. 2. §. 1. ff. qui per tut. Novell. 22. c. 20. Gloss. unic. circa fin. in C. ex parte Ext. de appel. L. 6. C. in quib. caus. pign. tac. contrah. L. 2. \& fin. C. quando mul. tut. offic. fung. §. 14. Wann auch Ehescheidung geschehen/ dazu der Mann Ur- Kinder-Zucht Recht auff Vater oder Mutter Ko- sten. sache gegeben/ so bleiben die Kinder auff Vaters Kosten bey der Mut- ter/ unter ihrer Vormundschafft und Auffsichts Erziehung/ so lange sie nicht zur andern Ehe geht; wofern aber die Mutter solche Tren- nung verursacht/ und dieselbe reich und wohl beguͤtert/ so mag der Vater die Kinder auff Mutter Kosten bey sich behalten/ so ferne er anders dazu nicht ungeschickt zu erachten/ welchen Falls der Richter hierinn Schiedsmann seyn soll/ bey dem sonst die Kinder in aller gott- seligen Erbarkeit/ Zucht und Vermahnung muͤssen erzogen werden. Nov. 117. C. 7. L. 1. C. ubi pupillus educari debet. §. 15. Vormuͤndere/ Fiscal- Bediente und Lehnmaͤnner/ denen an- Guͤter Ver- aͤusserung Verbot. vertrauten Guͤter Veraͤusserung verboten/ also ein Vater/ der seiner Kinder Gut verwaltet/ wie auch Kirchen/ Stadt oder Gemeinde Vor- stehere/ moͤgen kein unbeweglich Gut ohne des Oberherrn oder deren meisten Buͤrger Bewilligung durch Vertrag veraͤndern/ schencken/ noch ein staͤndig Recht nachlassen/ es sey denn ihnen absonderliche Vollmacht gegeben. L. 1. \& 4. C. de præd. min. L. 1. de offic. procons. cæs. C. 1. §. si vasallus, si de fend. defumct. L. pupillorum, §. si pater de reb. eor. L. fin. C. de vend. reb. civit. L. 12. \& 14. de novat. L. pactum, C. de pact. §. 16. Weilen nun auch niemand in seinem Amt ohne Verstattung Vormuͤnder Recht wegen Muͤndlings Guͤter. der Obern etwas Beweg- oder Unbewegliches selbst oder durch andere kauffen III. Buch/ Cap. VII. kauffen mag/ sondern er verliehret Gut und Kauff-Geld zugleich; als ist billig Rechtens/ daß ein Vormund seines Pflege-Kindes Gut nicht kauffen koͤnne/ es geschehe denn oͤffentlich bey gutem Glauben/ mit Willen der Neben-Vormuͤnder; sonst aber mag wohl ein Vormuͤn- der dem andern von seiner Vormundschafft Guͤter leihen/ auch einer seines Pflege-Kindes Vieh/ gegen ziemliches Geld dafuͤr/ welches er zu Kindes mehrern Nutzen anlegen soll/ ihm selbst behalten. L. 17. §. fin. cum L. seqq. \& L. 34. §. 1. de jurejur. L. 55. de procurat. L. si in Emtione, §. ult. ff. de contrah. Emt. L. 1. ff. de author. præst. L. tutores. L. pupillus, §. sane, L. non Existimo ff. de administ. tut. L. tutor rerum, ff. de admin. \& peric. tut. L. 7. C. de transact. L. 58. ff. de procurat. L. 12. de cur. fur. §. 17. Alle diejenigen Sachen/ die ohne Schaden und Verderben wohl moͤgen behalten werden/ als Gold- und Silber-Geschirr/ Edel- gestein oder Kleinodien/ eben so wenig als liegend Gut eines Pflege- Kindes/ soll ohne der Obrigkeit Erkaͤntniß/ von keinem Vormuͤnder/ ob er schon Muͤndlings Vetter waͤre/ verkaufft werden/ denn solcher Contract ist nichtig/ es seyen dann sonderbare Ursachen dagegen/ daß es geschehen moͤge; Jedoch Kleider/ Getraͤide/ Wein und andere Fruͤchte moͤgen mit der Mutter oder Bluts-Verwandten Willen verkaufft werden/ so wohl als auch das uͤberfluͤßige Vieh. L. 2. \& 3. C. de præd. \& alien. reb. minor. sine decret. non alien. L. Lex quæ, §. 1. \& pen. \& fin. C. de admin. tur. L. sancimus, §. fin. L. 2. C. Eod. Gloss. in L. 2. C. de his quib. ut indign. in verb. pupulli. L. bonorum, C. qui admitt. Vormuͤnder Amts Pflicht. §. 18. Alle Vormuͤndere nun sollen Eyd schweren/ daß sie nach ihrem besten Verstande denen Unmuͤndigen getreulich vorstehen/ ihnen Nutzen schaffen und Schaden abwenden/ auch sie gebuͤhrend beschuͤtzen wollen/ und ob zwar sonst wohl zu Recht nachgelassen/ wann mehr Vormuͤnder vorhanden/ daß ein jeder allein zur Gnuͤge gericht- lich handeln und antworten moͤge/ dennoch aber sich offt befindet/ daß Vormuͤnder Pflichtgericht- lichzuhandeln. soches hernach bey Urtheils Vollenziehung etwan Zanck und Weit- laͤufftigkeit verursacht/ so sollen hinfuͤro die Vormuͤndere ihre Muͤnd- linge fuͤr Gericht saͤmtlich vertreten/ ja wann sie jemand anders Voll- macht aufftragen wollen/ in- oder auserhalb Gericht zu klagen/ sollen sie ebenfals einen gesamter Hand verordnen; Es waͤre dann etwa mit Arrests Belegung oder sonst Gefahr beym Verzug/ welchen Falls auch einem alleine Muͤndlings Nothdurfft zu bedencken erlaubt ist/ jedoch daß sich hernach die andern Mitvormuͤndere im Proces gebuͤhr- lichen Rechtsstandes faͤhig und theilhafftig machen sollen. L. ult. §. pen. C. de admin. tut. Nov. 72. c. ult. Auth. quod nunc, C. de cur. fur. L. 27. C. de Episc. aud. L. 5. §. 5. C. de cur, fur. §. 19. Wann Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. §. 19. Wenn aber ein oder ander derer verordneten Vormuͤn- Verreiseten Vormuͤnder Recht. der ausserhalb Landes verreiset ist/ oder ihnen andere erhebliche Ur- sachen vorfallen/ darum irgend einem allein der Sachen Ausuͤbung zugestatten/ dasselbige soll in Richters willkuͤhrlichen Bescheidenheit stehen/ und darauff billig erkant werden/ es waͤre denn deren Ver- waltung rechtlich getheilt; Wem nun Vormundschafft auffgetra- gen/ und sich davon entschuldigen will oder kan/ muß solches/ wie vor- erwehnet/ binnen 50. Tagen vor der Obrigkeit thun/ nach deren Ver- lauff es nicht zugelassen ist; Wer aber eine Vormundschafft hat/ kan vor deren Endigung wegen obberuͤhrten Ursachen sich davon nicht enthalten/ jedoch mag er sich von einer neuen wohl entschuldi- gen. L. fin. vers. Sed hæc Omnia, C. de auth. præst. §. qui autem, instit. de Excus. tut. L. Scire §. 1. L. quinquaginta L. 17. §. 5. ff. Eod. L. tutor, C. de admin. tut. L. 11. C. de Excus. tut. L. 11. § ex facto, ff. de minor. L. fin. §. 1. pen. \& fin. C. arbitr. tut. §. 20. So sollen dann Vormuͤndere auch in 3. Monaten Zeit Vormuͤnder Recht wegen Inventarii. von allen fahrend und liegenden Guͤtern/ Schulden und Gegen- schulden/ nichts ausgenommen/ ein Inventarium oder Fundzettul machen/ und zwar solches in Notarien und Zeugen oder jemandes Gegenwart von der Obrigkeit wegen/ dann ohne solchen Zettul kan der Vormuͤnder keiner Verwaltung sich annehmen/ noch etwas bestaͤndig handeln/ ja er mag gar verdaͤchtig gehalten werden; Nach geendigter Vormundschafft aber muͤssen die Vormuͤnder ihrer Verwaltungen Rechenschafft thun/ und alsdann ihren Muͤndlingen/ was vorhanden/ zustellen/ auch ihnen alles erstatten/ was aus deren Vormuͤnder Versaͤumniß oder durch Muthwillen zu Schaden kommen; unversehenes Ungluͤck aber und zufaͤlligen Schaden sollen die Vormuͤndere nicht stehen/ wann sie daran unschuldig befunden. L. 24. C. de admin. tut. L. 27. in princ. C. de Episcop. aud. L. fin. §. 5. C. de cur. fur. L. 7. in pr. de admin. tut. L. tutor, §. tutores, ff. de suspect. tut. §. fin. instit. de Attil. tut. L. 1. §. 3. L. 4. \& L. 9. §. 4. L. cum tutor in fin. ff. de tut. \& rat. distrah. L. tutorem, C. arbitr. tut. L. 82. in fin. de condit. \& demonst. L. 7. §. 2. de admin. \& per. L. si res, ff. \& C. de peric. tut. L. si sine \& L. tuto- ribus C. Eod. L. 1. in pr. de tut. \& rat. distrah. §. 21. Keine Testaments noch andere Vormuͤnder sollen ohne vor- Vormuͤnder Buͤrgschafft und Pflicht we- gen Muͤnd- lings Heyrath. hergehende obrigkeitliche Bekraͤfftigung Eyd und Buͤrgschafft deren Unmuͤndigen Guͤter Verwaltung antreten/ nach geendigter Vor- mundschafft aber sollen sie auch richtige Rechnung ablegen; Wer auch bey waͤhrender Vormundschafft seinen Muͤndling sich selbst/ oder sei- P p nem III. Buch/ Cap. VII. nem Sohn verheyrathet/ ist Ehrloß/ deßgleichen wer sich zu seiner Frauen Guͤter Verwaltung schaͤdlich eindringet; ferner/ so mag ein Muͤndling keinen gerichtlichen Fuͤrsprecher ohne Vormuͤnders Wis- sen und Willen annehmen oder bestellen. L. 4. \& 17. C. de Excus. tut. L. 62. §. 2. ff. de R. N. L. 11. C. de procur. §. 22. Ein Minderjaͤhriger/ der keinen Beystand noch Vorsteher hat/ mag sich ausserhalb Gerichts einen solchen wohl zur Vorsprache und Huͤlffe nehmen; Wer nun uͤber 14. Jahr alt ist/ hat zwar freyen Willen/ Vormuͤnder zu haben oder nicht/ wenn er aber gerichtlich klagen will oder beklaget wird/ soll er einen Curatorem zum rechtli- chen Krieges-Beystand bitten; Wenn aber Vormuͤndere der Un- muͤndigen wegen muthwillige Rechtfertigung vornehmen/ sollen sie selbsten alle Unkosten ertragen. In princ. instit. de curat. Pr. instit. quib. mod. tut. fin. L. 3. C. quand. tut. esse des. §. 2. instit. de curat. L. 2. qui legit. pers. stand. L. acta §. fin. ff. de re judic. L. si præses, C. quomod. \& quand. L. 1. C. qui pet. tutor. L. 6. C. de admin. tut. L. 9. §. 6. ff. Eod. L. 78. §. 2. de Legat. §. 23. Wenn ein Minderjaͤhriger zu seinem Schaden und Nach- theil auch mit Vormuͤnders Wissen etwas handelt/ ist es unguͤltig/ und hat nach 25. Jahren noch 4. Jahr Zeit uͤbrig/ sich zu beklagen/ und Ergaͤntzung oder Auffrichtungs Huͤlffs-Mittel auszubitten. So mag auch dergleichen Erstattung ein Vater fuͤr sein Kind begehren/ ob schon dasselbe nicht will; wofern aber der Minderjaͤhrige von 14. Jahren den Contract mit Eyd bestaͤtiget/ muß er ihn halten/ es waͤre denn der Eyd mit Furcht und Schrecken ihm abgewonnen/ welches er beweisen/ und also Ergaͤntzung begehren kan. L. 1. \& tot. tit. ff. de min. L. si curatorem, L. si minorem, C. de in integr. restit. L. fin. C. de temp. in integr. L. 29. §. 1. ff. de minor. L. 2. \& tot. tit. C. si tutor vel curat. interv. L. Patri pro filio, ff. de in integr. restit. L. 1. \& Auth. Sacra- menta puberum, C. si advers. vend. L. si alterius, §. si tamen, C. si min. se maj. dix. Verjaͤhrungs Recht gegen Minderjaͤhri- ge. §. 24. Wider Minderjaͤhrige kan Verjaͤhrung von 10. oder 20. Jahren nicht lauffen/ sondern stehet still/ biß er muͤndig wird; von 30. oder 40. Jahren aber laͤufft wieder ihn/ wann er nach der Geburt 12. biß 14. Jahr alt ist; Soͤhne/ die 25. Jahr alt sind/ moͤgen Verbre- chen halben und sonsten/ ohne wegen Geluͤbde und Entlehnung ausser Vaters Bewilligung/ wohl gerichtlich belanget werden; in deren vom Vater herruͤhrenden Guͤter Streit aber/ davon dem Vater die Nutz- barkeit gebuͤhret/ ist billig/ den Vater fuͤr Gericht anzusuchen; So mag Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. mag man Abwesende/ Krancke/ Reisende und Gesandten nicht alle- zeit anklagen. L. 48. de acquir. rer. dom. L. 3. C. quib. non objic. long. L. 3. C. de Auth. præst. L. 38. \& 45. ff. de minor. Tot. Tit. ff. \& C. ad SCt. Maced. L. 2. §. 1. ff. de pol- licit. L. 57. ff. de judic. L. 39. ff. de obl. \& act. L. ult. C. de bon. quæ liber. L. 12. ff. de accusat. L. 60. ff. de re judic. L. 2. ff. de in jus voc. L. 2. §. 3. L. 24. §. 2. ff. de judic. §. 25. Eines nach Vaters Tod gebohrnen Kindes Vormuͤnder Kindes Vor- muͤnder Recht nach Vaters Tod gebohren. oder Vorsteher/ samt deren Erben/ sind von Rechts wegen ohne Voll- machts Beding/ dessen Guͤter zu verwalten/ gezwungen/ jedoch haben sie nuͤtzlichen Ansprache Klag-Recht und Freyheit wegen angewand- ten Unkosten/ damit ihnen ihr Amt nicht schaͤdlich seye. L. 1. \& 17. C. de hæred. L. quicquid, C. arbitr. tut. L. 1. 2. \& 24. ff. de neg. gest. L. 5. §. gessisse, de admin. tut. §. 26. Wiedereinsetz-Erstatt- und Auffrichtungs Recht eines Restitutions- Recht wann auffhoͤret. Minderjaͤhrigen unter 25. Jahren hoͤret auff/ wenn mit ihm auff sol- che Zeit/ da er Vollmuͤndig wird/ gehandelt ist/ daß es nemlich als- dann erst vollguͤltig bestehen soll/ es waͤre denn also vom Gegentheil arg- und hinterlistig angestellet/ so mag er sich wegen Unfugs bekla- gen/ wofern er die Veraͤusserung nicht fuͤr genehm gehalten/ und zwar/ wie obgedacht/ binnen 4. Jahren/ von rechtmaͤßigen Alters Ein- gang zu rechnen/ auch letzten Stund- und Augenblicks Erfuͤllung zu beobachten. L. 3. §. si quis, de minorenn. L. fin. ff. \& C. de temp. in integr. Tot. tit. C. si maj. fact. §. 27. Jn Verbrechen auch mag deren Minderjaͤhrigen Abbitte Minderjaͤhri- gen Verbre- chen Recht. oder Wiedereinsetzung nicht statt finden/ massen Rechts Ubertreter Rechtens Wohlthaten auch unwuͤrdig/ jedoch ist bey solchen die Straffe wegen Alters Erbarmung und Mitleiden wohl zu lindern/ so kan man ihnen gleichfalls darinn zu Huͤlffe kommen/ woselbst man sie oͤffentlich betrogen erfindet/ daß sie durch Leichtsinnigkeit verfuͤhret/ was sie gehabt verlohren/ oder etwan in Haͤnden habenden Genuß verfallen lassen/ oder sich unnuͤtzen Geschaͤfften und schaͤdlichen Strei- tigkeiten eingemischet/ dadurch sie nach Erkaͤntniß wichtiger massen verletzt worden/ hierbey aber muͤssen alle Frucht-Nutzungen/ Renten und Unkosten bezahlet werden/ damit nicht der Unmuͤndige aus frem- dem Schaden Nutzen bekomme. L. 9. \& 37. ff. de Rest. min. L. 108. ff. de R. J. L. 6. 7. 34. §. 1. \& 44. L. sciendum, ff. de Rest. in integr. L. 24. §. pen. L. 27. § 1. L. 39. \& L. 40. §§. fin. ff. de Rest. min. §. 28. Ober- und Unter-Vormuͤndern/ so wohl Mutter als Va- Vormuͤnder Ehrerbie- tungs Recht. ter/ wie auch elterlichen Anverwandten/ gebuͤhret gleicher Gehorsam P p 2 und III. Buch/ Cap. VII. und Ehrerbietung nach goͤtt- und weltlichen Rechten/ darum solche gleichwie Vater und Großvater durch ihren Widerwillen einen Ehe- stand anfaͤnglich/ nicht aber nach gehaltenem Beyschlaff/ verhindern koͤnnen/ weilen alsdann die Sache nicht mehr im gesunden Wohlstan- de/ sondern derer Eltern Macht und Gewalt allbereits geschwaͤchet/ ja es waͤre der Weibes-Person grosse Schande und Unrecht angethan/ wann sie durch solche Ehescheidung den Mann samt ihrer Jungfer- schafft verliehren muͤste/ dahero billig/ daß durch Beyschlaff aller Feh- ler und Beding auffgehoben und gereiniget wird. C. fin. 28. q. 1. C. pen. de rapt. C. 27. q. 1. L. 2. de J. \& J. L. 1. \& 2. de obseq. à lib. præst. L. 2. \& 8. C. de in jus voc. L. 31. ff. de Donat. c. de illis, c. attestationes, de desp. impub. C. super, de eo, qui cog. uxor. cons. Gloss. in C. veniens ad nos, X. de Sponsal. L. 22 de adult. §. 29. Hoͤhere Stands Personen/ als denen man gleich streben kan/ sollen nicht Vormund seyn; Ein rechtlich verordneter Vormund aber kan des Muͤndlings Guͤtern nicht anders vorstehen/ als wann ihm die Verwaltung durch Obrigkeitlichen Befehl anvertrauet/ nach dem er/ wie vor beruͤhret/ richtigen Fund-Zettul abgefasset/ und Buͤrg- Vormuͤnder Pflicht. schafft auff eydliche Versicherung geleistet/ dessen Sachen mit gutem Glauben zu vertreten/ unter aller seiner Haab und Guͤter Verpfaͤn- dung/ so ist er auch wegen Arglist groß- und kleinen Schuld-Ver- saͤmniß gehalten/ daß er ja solche Dinge/ so keinen Verzug leiden/ und Zeit halben schaͤdlich seyn moͤgen/ nicht versaͤume/ davon er allerdings gefuͤhrten Vormundschafft wegen Rechnung zu thun schuldig ist. L. fin. §. pen. C. de admin. tut. L. de Creationibus, C. de Episc. aud. L. fin. §. in provincia, C. de cur. fur. L. 7. C. arbitr. tut. L. fin. C. de tut. qui satis non ded. L. 5. §. usq́; adeo, \& L. 28. ff. de administ. tut. L. 4. C. de legit. tut. L. 7. § si tutor, ff. pro Emto. Geschlechts Vormuͤnder Recht. §. 30. Wann ein Vater ohne Testament verstorben/ so wird denen nechsten maͤnnlichen Geschlechts Anverwandten/ als Patronen/ Vettern oder aͤltesten Bruͤdern/ die Vormundschafft zu verwalten auffgetragen/ biß die Kinder vollmuͤndig/ weilen die Erbnachfolgere auch die Guͤter beschuͤtzen moͤgen/ daß sie nicht zu Grunde gehen; Bey allen im Testament verordneten Vormuͤndern aber hoͤret Betrugs Argwohn auf wegen Urtheil und Gutduͤncken des verstorbenen Vateꝛs/ weicher seinen Kindern am besten vorzustehen gewolt haben/ vermu- thet wird/ dahero auch ein leibeigener Knecht mit seiner Freyheit zu- gleich im Testament/ nicht aber von Obrigkeit zum Vormuͤnder kan gesetzt werden. §. ex his- Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. §. ex his, in Auth. de hæred. ab intest. L. 31. §. pen. de negot. gest. L. omnem. C. ad Tertull. L. 1. 2. ff. de petit. hæred. L. fin. in princ. C. de cur. fur. L. in serv li, \& L. fin. C. qui dari tut. §. 1. instit. qui test. tut. dar. §. 31. Wann viele Vormuͤnder vorhanden/ soll Obrigkeit Sor- ge tragen/ daß einer allein Vormunds Pflicht uͤbe/ und die Sachen Obrigkeit Pflicht bey vielen Vor- muͤndern. nicht unter viele zerstreuet werden/ dann was vielen gemein ist/ pflegt offt niemand zu versorgen/ dahero viel besser einer zu erwehlen/ der Obrigkeiten am tuͤchtigsten zu seyn scheinet; Wann sie aber dem Er- wehlten nicht Treu und Glauben zumessen/ noch eines andern er- folglichen Gefahr stehn/ sondern lieber insgesamt verwalten wollen/ oder die Vormundschafft in gewisse Graͤntzen und Theilung zu un- terscheiden begehren/ sollen sie billig darinn gehoͤret werden. L. 2. \& tot. tit. C. de divid. tut. L. 3. \& 4. ff. de admin. \& peric. tut. L. 7. ff. Eod. L. tutores, C. \& L. 3. § pen. ff. de suspect. tut. L fin. §. fin. C. arbitr. tut. L. or- phanotrophis, C. d: Episcop. \& Cler. L. 239. ff. de, V. S. §. 32. Rechts Wohlthat der Theilung gebuͤhret derowegen vielen Vormuͤndern/ die eine ungetheilte Vormundschafft saͤmtlich verwaltet/ woferne sie nur alle zu bezahlen vermoͤgend/ oder genug- same Buͤrgen haben/ dadurch sie nemlich begehren/ daß einem jedern nach persoͤnlichem Antheil Anforderung auferlegt/ und die Verpflich- tung also unter ihnen getheilet werde/ jedoch kom̃t etwan eines Vor- muͤnders Armuth und Unvermoͤgenheit nicht dem Waͤysen/ sondern Mitbuͤrgen zu Gefahr und Schaden. L. 1. §. nunc tractemus, ff. de tut. \& rat. distr. L. 1. \& 2. C. de divid. tut. L. 51. in princ. de fidejuss. §. si plures, instit. Eod. L. fidejussor, C. Eod. L. fin. C. de const. pecun. L 5. §. gessisse, ff. de admin. tut. §. 33. Rechts Wohlthat der Ordnung hat statt/ wenn einer Ver- Vormuͤnder Rechts Wohl- thaten. waltung gefuͤhret/ der andere nicht/ noch zu fuͤhren befohlen/ daß nem- lich des gewesenen Verwalters Guͤter und Buͤrgen zu erst an- gesucht werden/ darnach die andern/ so weit dieses vorigen Unvermoͤ- gen befunden/ zu bezahlen gehalten seyen: Ferner Rechts-Wohlthat/ Klag- und Anspruch abzustehen/ gehoͤret dem Vormuͤnder/ so fuͤr Mit- gesellen die gantze Summa bezahlen muß/ daß ihm der Muͤndling sein Klage-Recht gegen den Mitvormuͤnder uͤberlassen moͤge/ so ferne er sein Gluͤck verbesserte/ oder es mag auch der/ so bezahlet hat/ ohne sol- chen Klag-Abstands Begehren seinen Mitgesellen wegen uͤbel verwal- teten Geschaͤffte recht- und nuͤtzlicher Massen belangen. L. 1. §. planè, ff. de tut. \& rat. distr. L. 30. ff. de negot. gest. §. 34. Wann nun ein Vormuͤnder Arglist-vermuthung befreyet Vormuͤnder Amts-Pflicht. seyn will/ soll er saͤmtlichen Muͤndlings Guͤter Inventarium im Beyseyn P p 3 Nota- III. Buch/ Cap. VII. Notarien und Zeugen verfertigen/ und nicht allein nach der Zeit alles erworbene darinn einschreiben/ sondern er ist auch zu gerichtlich ge- schaͤtzt- und beschwornem Interesse gehalten/ oder mag als verdaͤchtig abgewiesen und entsetzt werden; Deßgleichen soll er den Muͤndling aus Vermoͤgens Fruͤchten/ nach Richters Ermessen/ oder eigenem Ge- wissenhafften Gutduͤncken/ so ferne es besser ist/ vaͤterlichen Erbtheils Geheimniß zu verschweigen/ nehren und erhalten/ jedoch so/ daß nicht alle Einkuͤnffte erschoͤpfft werden/ sondern noch etwas uͤbrig verblei- be; Einen duͤrfftigen aber ist er vom Seinigen zu ernehren nicht schul- dig/ und zwar mag der Waͤyse vornemlich sich auffhalten und erzie- hen lassen bey der Mutter/ so lange sie keinen schaͤdlichen Stieff-Va- ter heyrathet/ oder auch bey andern mehr geschickten/ ohne boͤsen Verdacht nach Obrigkeiten Vorsorge. L. 3. §. tutor, de admin. tut. L. ult. de alim. præst. §. 35. Ja ein Vormuͤnder soll/ gleichwie ein guter und fleißi- Vormuͤnder Amt mit Muͤndlings Vermoͤgen. ger Hauß-Vater/ des Unmuͤndigen Erbschafft beschirmen/ vermeh- ren/ auch Schulden halber gute Auffsicht fuͤhren/ und dessen Geldes Uberschuß auff Renthe oder liegenden Guͤter Erkauffung austhun und anwenden/ laͤsset ers aber gar muͤßig liegen/ muß er selbst Wu- cher bezahlen/ darum es gegen allen Ungluͤcks-Unrecht- oder Verlust am sichersten/ daß Muͤndlings Vermoͤgen in Ertz-Grund-Gut bestehe. §. 36. Endlich sind alle Vormuͤnder insgesamt/ und ein jeder absonderlich fuͤr allen Schaden gaͤntzlich verpflichtet/ und wann diese nicht genungsam/ spricht man Buͤrgen an/ hernach die Obrigkeit/ daß sie nicht bessere Versicherung angeschafft/ zuletzt die Ehren-Amts Ober-Vormuͤndere/ als Verwaltungen Huͤter und Auffseher/ wel- che man beschuldigen mag/ warum sie einen uͤbel haußhaltenden Vormuͤnder nicht verdaͤchtig gemacht und angeklagt/ Zufaͤlle aber leisten sie nicht. L. 10. \& 33. de admin. tut. L. 7. §. si post, ff. Eod. Tot. tit. C. arbitr. tut. L. 39. §. 11. L. 55. de admin. tut. L. si res, L. tutoribus, C. de peric. tut. §. 37. Wann nun Vormuͤndere eines minderjaͤhrigen Guͤter verringern/ ist dieser gar schadloß/ und muß jener ihm alles in gutem Stande auslieffern und ersetzen/ darum sich ohne Vormuͤnders Ansehn und Bewilligung kein Unmuͤndiger verpflichten/ noch dafuͤr angesucht werden mag/ vielmehr aber kan er abgedrungene wieder- fordern/ ohne so fern er sich mit fremdem Schaden bereichert/ und zwar aus Von Minderjaͤhrigen und Vormuͤndern. aus Rechtens Verguͤnstigung/ damit solch schwach- und unvorsichti- ges Alter nicht leicht betrogen seye/ darum auch Vormuͤnders Arglist dem Unmuͤndigen weder Schaden noch Gewinn bringt. L. 41. de condict. indeb. L. 10. \& 59. de action. L. 1. §. 11. ff. Depositi. Tot. tit. Rem pupill. salv. fore. Tot. tit. C. de admin. tut. Tot. tit. C. si tut. vel. cur. §. 38. Eine Wittwe ist auch einer unmuͤndigen Person gleich zu achten/ und kan im Recht heissen/ wann der Ehemann in Reichs Acht gethan/ oder zur ewigen Dienstbarkeit auff Gaben zum Rudern verdam̃t/ oder sonst einen unnuͤtzen Mann zum Vorsteher hat; dero- Weibes Per- sonen Recht wegen Kriegs- Vormund- schafft. wegen eines jedern Orts Gerichts-Halter/ ungeachtet solches gleich von keiner Parthey gesucht wuͤrde/ einer jeden unbevormuͤndeten Weibes Person zu ihrer Klag- und Antwort/ Amts halben einen kriegischen Vormund geben und zuordnen soll/ wie denn auch Ehe- Maͤnner/ wenn sie ihrer Weiber halben klagen oder sie vertreten/ ihre Person durch Vollmacht oder Genehmhaltungs Versicherung/ deßfalls Rechtstandes faͤhig machen sollen/ uñ ist darum denen Weibes Personen dasjenige/ was sie ohne deren ehelichen und andern verord- neten Vormuͤndern/ in- und auserhalb Gericht/ schliessen und han- deln/ oder womit sie sich gegen jemanden verpflichten/ unschaͤdlich und unnachtheilig; jedoch moͤgen Ehe-Weiber/ Wittwen und Jung- frauen/ die ihre muͤndige Jahre erreicht haben/ vor sich selbst von ihren beweg- und unbeweglichen Haab und Guͤtern wohl Testa- ments weise/ ohne Vormuͤnder/ kraͤfft- und bestaͤndig etwas ver- machen/ und denen Rechten gemaͤß verordnen. C. 2. §. sed neque, gloss. in verb. inutilem, de transl. Episcop. L. fin. ff. de offic. ejus, cui mand. Gloss. in L. fin. in verb. Orbitatis. C. ad L. Flav. de plag. L. 242. §. Viduam ff. de V. S. §. 39. Ein verdaͤchtiger Vormuͤnder ist/ der betruͤglich ohne gu- Vormuͤnder wann verdaͤch- tig. ten Glauben mit Vormundschafft handelt/ wie ein Ehrloser/ oder mit dem Pflegekind/ oder dessen Eltern Feindschafft angefangen; Oder so er gebuͤhrende Nahrung verweigert/ oder keinen Fund Zet- tul/ wohl aber grosse Unkosten machet/ oder des Minderjaͤhrigen Guͤ- ter ohne gerechte Ursachen leichtsinnig veraͤussert. Derohalben wird in Vormuͤnders Einahm- und Ausgabe Rechnung dessen Eyd/ ohne bey ziemlicher Ausgabe Unkosten/ nicht geglaubet/ und was zufaͤllig verlohren/ deßfalls muß er wegen Nachlaͤßigkeit sich Eydlich ent- schuldigen. §. 3. instit. de suspect. tut. L. 3. §. nunc. videanus, ff. Eod. §. 40. Ver- III. Buch/ Cap. VII. Vormuͤnder Verdachts Ur- sachen. §. 40. Verdaͤchtig kan sich auch ein Vormuͤnder seiner Sitten halben machen/ als wegen Faul- und Grobheit/ Einfalt- oder Nach- laͤß- und Ungeschicklichkeit/ wenn er seinem Mitgesellen Verwaltungs Rechnung nicht mittheilen oder bekandt machen will/ oder auff besche- henes Ermahnen gar nichts verwaltet/ oder uͤbel mit Leuten um- gehet; item/ wenn er/ sich zu entschuldigen eingeladen/ nicht erschei- net; und ob zwar ein Armer Argwohns frey ist/ mag ihm doch aus Ursachen wohl ein Mitvorsteher zu Huͤlff und Beystand gegeben werden/ wie auch wenn Vormuͤnder des Muͤndlings naher Anver- wandter ist/ mag ein Richter zufaͤlliger Nachforschungs Weise Verdachts halben erkundigen. L. 1. in princ. \& §. officio, L. 9 §. absurdum. \& §. ult. cum LL. seqq. de tut. \& rat. distr. L. admonendi de jurejur. arg. L. fin. C. de fide instrum. §. 41. Hingegen/ damit Vormuͤndere desto eher und gutwilli- ger etwas vom ihrigen fuͤr Muͤndlinge anwenden moͤgen/ so sind die- se jenen verpflichtet/ daß sie ihre Unkosten wieder bekommen/ wofern es nur mit gutem Glauben und Amts wegen geschehen/ obschon ein wiedriger Ausgang erfolget; Darum sie auch alles/ was sie in der That Unmuͤndigen Geschaͤffte halber verabsaͤumt/ und nicht koͤnnen gewinnen/ gar wohl anrechnen moͤgen/ weilen sie gegen ihren Nutzen Vormuͤnder Rechnungs Pflicht. jenen Vortheil zu machen nicht schuldig/ wenn aber ein Vormuͤnder boßhafften Streit erwecket/ und ungerechte Kosten verursacht/ indem mehr Schaden als Genuß dabey zu erwarten/ soll man es nicht zur Rech- nung annehmen; andere Verwalter aber muͤssen ihre Rechnung jaͤhr- lich ablegen/ und werden fuͤr untreue Handlunge zum Diebe/ solches zwiefach zu bezahlen. L. 1. in princ. L. 3. in pr. \& §. 1. cum seqq. L. fin. ff. \& L. 28. 6. 11. C. de admin. tut. Gloss. in L. 7. C. arbitr. tut. L. videamus, § sed nec tutorem, ff. de in lit. jur. L. 46. §. Sempronii, de admin. tut. Clem. 2. §. 1. de rel. dom. L. 16. \& 33. ff. de furt. Caput VIII. Von Contract en/ Geloͤbnissen und Verpflichtun- gen/ auch Bruͤder-Gemein- und andern Gesellschafften. §. 1. A LLe Contract en/ Verpflichtungen/ Geding und Vertraͤge/ so nicht wider GOtt/ das Recht und gute Sitten streiten/ sie seyen gleich in Schrifften und fuͤr Gericht geschehen oder nicht/ ist man schul- dig Von Contract en/ Geloͤb niß und Gesellschafften. dig zu halten/ weilen ein jeder nach Belieben mit seinem Gut handeln mag/ ausgenommen Narren und Unsinnige/ Verschwender/ Kinder und Minderjaͤhrige/ ohne deren Vormuͤnder Bewilligung. L. 1. in pr. ff. de pact. L. 1. ff. de const. pec. L. 3. ff. de reb. cred. L. 5. 6. ff. \& C. de O. \& A. L. 20. C. detransact. L. non dubium, C. de LL. c. fin. Extr. de pact L. 7. ff. L. 6. \& L. pacta C. Eod. L. sive apud acta, C. de transact. L. in re madata, C. de mand. L. nemo, C. de judic. L. 2. ff. si à pari quis man. L. 14. C. de contrah. Emt. §. furiosus \& §. pupillus instit. de inut. stip. L. 1. \& 40. ff. de R. J. §. fu- riosum ff. de O. \& A. tot. tit. C. de cur. fur. \& prodig. L. 7. §. 1. \& seqq. ff. ex quib. caus. in poss. L. pupillus \& 8. ff. de acquir. hæred. L. 1. §. impub. C. de fals. mon. pr. instit. de auth tut. L. 1. \& 9. ff. Eod. L. 1. \& 7. §. 1. ff. de re- scind. vend. L. 13. \& 24. ff. de act. Emt. L. 7. §. 3. \& 16. ff. de pact. L. 6. §. rei turpis, L. si mandavero, §. qui ædem sacram, ff. mand. L. 35. §. 2. ff. de contr. Emt. §. illud quoq́; inst. mand. L. 26. \& 27. ff. de V. O. §. 2. Sonst aber schaͤndlich-verbotene Vergleiche soll man nicht halten/ ob schon sie eydlich beschworen/ dann solcher Eyd bindet nicht fuͤr GOtt; Wucher Geloͤbnisse aber mit Eyd verbunden/ auff Treu und Glauben verschrieben/ kan man bezahlen/ und mit Recht wieder fordern alle uͤbermaͤßige Ausgaben/ denn wer geschworne Vertraͤge nicht haͤlt/ verliehret deren Nutz und Recht; wie auch in streitigen Sachen soll kein Vertrag umgestossen/ noch Krieg wieder erweckt werden/ ob gleich hernach ein mehrers fuͤrkaͤme/ als vorhin bekannt/ auch erwiesen/ daß ein Theil mehr Recht gehabt/ als ihme wiederfah- ren/ dennoch mag man um sein Interesse wohl klagen/ bevorab wenn etwan eine Parthey Brieffe/ Siegel und Kundschafft dem Gegen- theil entfrembdet/ oder betruͤglich hinterhalten/ so mag der Beleidigte innerhalb 2. nechsten Jahren solches ahnden. §. 3. So kan nun niemand/ auch bey Adelichem Versprechen/ zu Duellen Ge- loͤbniß unguͤl- tig. denen bey Lebens-Straffe verbotenen Duellen sich rechtlich ver- pflichten/ ob schon sie beyderseits geloben moͤchten/ ein ander das Le- ben zu verschonen/ weilen man eben die Wunden zu gebuͤhrender mas- se nicht austheilen und geben kan/ wenn dann gegen arglistiges Vor- haben aus unversehener Schuld einer den andern ermordet/ so wird dennoch bey solchen verbotenen Dingen Arglist und Boßheit ver- muthet/ erfolget auch alsdann billig auff beschehenen Todtschlag die ordentliche Lebens-Straffe. L. 5. C. de injur. §. 4. Zu schaͤndlichen Geloͤbniß und Verheissungen gehoͤren auch Spiel-Geloͤb- nisse verboten. die/ so bey verbotenen grossen Gluͤcks-Spielen geschehen/ weilen solche vielen traurigen Zufaͤllen/ Zanck/ Wunden und Todtschlag Ursach zu Q q geben III. Buch/ Cap. VIII. geben pflegen/ dahero man das dabey Verlohrene Unbezahlete nicht einmahl rechtlich fordern kan/ insonderheit von Geistlichen; So mag auch kein Mitspieler/ wenn er einem andern Geld geliehen/ und es ihm selbsten wieder abgewonnen/ solches bey oder nach dem Spiel nochmahlen begehren/ es sey denn/ daß der/ so das Geld verlohren/ sol- ches zu bezahlen/ eydlich oder bey ehrlichen Adel-Worten Treu und Glauben im Spiel verheissen/ alsdann werden Mittel zur Einmah- nung gestattet/ weilen ein solcher das Ansehn hat/ seinem Recht abge- sagt/ und das Verlohrne geschenckt zu haben. §. 23. instit. de inutil. stipul. Tot. tit. ff. \& C. de aleat. \& al. lus. Auth. interdicimus, C. de Episc. \& cler. L. fin. C. de alcat. Schaͤdlichen Spiels Ver- bot. §. 5. Weilen nun Karten-Bret- und Wuͤrffel-Spiel ein schaͤnd- und schaͤdlich Verschwendungs Werckzeug/ dadurch die meisten aus unbedachtsamer Verwegenheit zur Armuth gebracht werden/ dahero sie alsdann GOtt fluchen und laͤstern/ auch wohl groͤssere Unthaten zu begehen beginnen/ als ist billig zu gemeinen Wesens Besten und Wohlfahrt/ das Seinige durch Spiel zu mißbrauchen/ auch um Geld zu spielen/ oder Spiels halben eine Wette oder Geluͤbde zu thun/ in streng- und loͤblichen Rechten verboten/ und wo einer dem andern im Spiel auff borgen abgewinnet/ soll es nicht bezahlet werden/ viel mehr mag einer/ was er verlohren und bezahlet/ wieder fordern; So ist auch ein Verkaͤuffer das im Spiel verkauffte Gut zu gewaͤhren nicht verbunden; Wer aber bey Straffe zu spielen absaget/ und den- noch spielet/ ist solche zu bezahlen gehalten/ darum soll man oͤffentliche Spiel-Haͤuser zu pluͤndern frey geben/ deßgleichen wer einem andern zum Spiel genoͤthiget/ soll mit Gefaͤngniß Straffe beleget werden; Um Eß-Waaren aber mag einer Familie Gesellschafft wohl spielen zur Lust/ also Ballschlagen/ Kegelspiel und dergleichen Ubung ist er- laubet. L. fin. in princ. \& in fin. C. de relig. \& sumt. fun. \& aleæ lusu. L. item mala, ff. ad L. Aquil. L. non ambigitur. ff. de Leg. L. fin. ff. de aleator. L. 121. ff. de V. obl. L. 1. §. ult. ff. de Aleat. §. sed etiam inst. de his qui sui. §. 6. Ein Vertrag aus Furcht und Gefahr L eibens Lebens und Vertrag Recht aus rechtmaͤs- siger Furcht. Gesundheit bewilliget ist unbuͤndig/ wann die Gewalt bewiesen/ sol- che aber ist nicht zu vermuthen/ wofern einer Parthey Freunde dabey gewesen/ alsdann er auch durch Protest nicht mag wiederruffen wer- den; Es muß aber solche Furcht und Schrecken seyn/ die einen stand- hafften Mann bewegen kan/ als Todes-Bande/ Unzucht/ verbotenen sonderbaren und oͤffentlichen unrecht oder gewaltsamen Gefaͤngnisses/ nicht Von Contract en/ Geloͤbniß und Gesellschafften. nicht aber eine schuldige Ehrerbietungs Furcht und Angst Einbildung fuͤr Obrigkeitlichen Wuͤrde/ Macht und Gewalt/ noch Anklag/ Un- ehr oder Draͤu-Worte Schrecken/ ohne von solchen ausgegossen/ die sie zu vollenziehen pflegen/ mag jemandes Fehler in Verpflichtung oder sonst entschuldigen/ derowegen eine rechtschaffene Furcht aus der Sachen Umstaͤnde und Personen Beschaffenheit zu ermessen/ ob selbige guͤltig/ daran aber ist nichts gelegen/ ob jemand etwas an sei- ner eigenen oder Eheweibes und Kinder Person/ als seinen Leibes und Gemuͤths-Theilen/ zu fuͤrchten oder befahren hat. C. non est obligat. de R. J. in 6. C. 1. \& 6. Ext. de jurejur. C. si verum, \& C. quando X. Eod. L. 16. \& 29. C. de transact. L 4. C. de re judic. L. optimam, C. de dolo. L. nihil, de Reg. Jur. Tot. tit. C. de priv. carc. L. 32. ff. de injur. L. pen. \& fin. C. Eod. L. 6. \& 8. 9. \& 10. C. quod metus caus. L. 4. 7. 8. \& pen. ff. Eod. §. 7. Alle andere Arglist aber/ boͤse Tuͤcke/ Falschheit/ betruͤg- Arglist uñ Be- trug Verbot und Klage- Recht. liche und geheime Nachstellungen/ jemanden schaͤnd- und schaͤdlich zu hintergehen/ sind rechtlich verboten/ und deren zugefuͤgter Schade billig zu ersetzen/ und zwar ist Klage wegen Betrug schwer und ge- haͤßig/ darum sie mit 2. Jahren Verlauff geendiget wird; Betrugs Ausflucht aber ist ewig/ so lange niemand klaget; damit jedennoch nicht alle Contract- Haͤndel frevelhafft auffgehoben werden moͤgen/ ist in Gewerb- und Kauffmannschafft menschlichen Fleisses hurtiger Be- trug einiger massen von Natur und Gewohnheit halben verstattet. L. 5. \& 6. C. de Except. L. un. §. 1. de annal. Except. L. fin. C. de dolo. L. 16. §. pen. ff. de minor. §. 8. Arglist aber und Betrug oder boͤse Tuͤcke ist mancherley/ Arglist uñ Be- trugs Unter- scheid. nach Art einer sprencklichten Eydexen/ die ihre bund gefaͤrbete Haut/ alsbald sie dieselbe ableget/ aus Neid und Mißgunst dem Menschen etwan Nutz zu seyn/ selber auffrisset und verzehret; also ein jeder Mensch/ der anders redet und anders gedencket/ seinen Nechsten boß- hafft zu hintergehen/ ist diesem gifftigen Wurm nicht ungleich/ da- hero ein jedes unbenanntes Laster/ welches in betruͤglicher Nachstel- lung bestehet/ mit allgemeinen Arglist und Betrugs Titul zu benen- nen; als: wenn jemand ein anderwaͤrts schon verpflichtetes Ding verhohlener Weise einem andern versetzt/ tauscht/ aͤussert/ oder gar in Bezahlung giebt/ wer aber eine Sache an Zweene verkaufft/ be- gehet Falschheit; Und sonst ein Ding an zweene verpfaͤnden/ daß letzter Glaͤubiger betrogen werde/ ist Betrug/ welches jedoch nicht gilt/ wenn das Pfand beyden genuͤget. L. 3. §. 1. ff. de stellionatu. L. ult. C. Eod. L. 16. §. 1. L. 36. §. 1. ff. de pignor. act. L. 21. ff. ad L. Cornel. de fals. Q q 2 §. 9. Deß- III. Buch/ Cap. VIII. Mancherley Betrugs Art. §. 9. Deßgleichen wer Ertz fuͤr Gold verpfaͤndet/ so es uͤberguͤl- det/ oder wer frembdes Gut einem unwissenden Glaͤubiger uͤbergiebt/ oder gute Waaren unterschlaͤgt/ nemlich andere vorweiset/ hernach von geringern Guͤte auslieffert/ verdorbene Sachen verkaufft/ oder unnuͤtze Dinge untermischet/ oder Saffran und trockene Specereyen an feuchten Ort hinlegt/ das Gewicht zu vermehren; Jtem/ wer Hinterlist und Anstifftung auff eines andern Tod verdecket/ oder wer Theurung in Fruͤchten ersteigert/ und jedoch mit dem Kaͤuffer um ge- wissen Erlaß bedungen/ oder wer sich reich anstellet/ desto groͤssere Schulden zu machen/ oder traurige Zeitung/ als Feindes Ankunfft ausbringt/ um desto geringern Preiß zu kauffen/ oder auch Gegen- theils Beweiß unfugsam entziehet. L. 1. \& 2. C. de crim. stellion. L. 3. §. sed \& si quis, ff. Eod. L. 15. §. 2. ff. de pignor. L. 2. C. si res alien. pign. L. pen. ff. de vi bon. rapt. L. 65. ff. de furt. Arglist uñ Be- trug macht Ehrloß. §. 10. Schulden Bezahlung vernichtet Betrugs Anklage/ andere ordentliche Ubelthaten Straffe aber wird nicht mit Reu auffgeho- ben/ so macht auch allen Arglist und Betrugs Laster ehrloß; wer aber ein versetztes Gut verpfaͤnden will/ und dem Glaͤubiger vorher ankuͤn- diget/ daß es einem andern verpflichtet/ ist Betrugs Argwohn befrey- et/ wie auch/ wenn Gegentheil Arglist und Verbrechen theilhafftig/ also wer aus blosser Unwissenheit fuͤndiget/ begehet keine boͤse Tuͤcke; So pfleget man zwar Ausflucht und Behelffs-Recht wegen Arglist und Betrug gewoͤhnlicher massen schrifft-urkundlich abzusagen/ weilen es in viel und mancherley Wege vorfallen kan/ jedoch muß diese Verzeihung ohne Gefaͤhrde geschehen/ sonst mag sie wieder- ruffen werden/ daß sie keinem Theil weder hilfft noch schadet. L. 13. §. 8. ff. de his qui not. in fam. L. 1. in princ. \& §. 1. ff. de dolo malo. Unwissenheit wannentschul- diget oder nicht. §. 11. Unwissenheit Vermuthung dienet an Beweiß Statt/ biß ein wiedriges erwiesen/ jedoch seiner eigenen Gewinst halber veruͤbten Handlungen Unwissenheit ist nicht zu muthmassen/ viel weniger ent- schuldiget sie/ es sey denn Schaden zu vermeiden/ als aus Unbeson- nenheit oder grossen Jrrthum die unpflichtig bezahlete Schulden wie- der fordern/ ist rechtlich erlaubet; Frembd- und andern Thaten Un- wissenheit aber ist jederman unschaͤdlich/ erweiß- und sehr betruͤglich/ darum entschuldiget sie/ ohne in verbotenen Dingen/ die alle Buͤrger und Nachbarn wissen sollen/ und einer aus groben Unfleiß nicht weiß/ er sey denn abwesend oder kranck gewesen/ daß er ohne angemassete Schuld unwissend ist/ worinn dennoch Minderjaͤhrigen/ Weibern/ Solda- Von Contract en/ Geloͤbniß und Gesellschafften. Soldaten und Bauren zu verzeihen/ das Recht nicht zu wissen/ oder in unbekandten Zweiffel Rechtens; oder von uhralten und sehr ver- worrenen Handlungen/ voraus bey Verbrechen Faͤllen/ da man biß- weilen andern Thaten Unwissenheit eydlich darthun soll; Ja goͤtt- und natuͤrlichen Rechts Unwissenheit entschuldiget gar nicht/ weltli- chen Rechts jedoch etwas in Schaden und Sachen Verlust-Klagen/ nicht aber bey Ubelthaten aus Schuld begangen/ dabey sie doch von Arglist Straffe befreyet. L. 7. §. 1. ff. de accus. L. 21. de probat. L. 22. \& 32. in princ. de jur. \& fact. ignor. L. 44. ff. de acquir. possess. L. 38. §. nonnunquam, ff. de adult. Gloss. in L. un. §. ult. si quis jus dic. L. 7. 8. pen. \& fin. de jur. \& fact. ignor. §. 12. Darum man in Geding- und Vertraͤgen zweiffelhaffte Zweiffelha ft Gedinge meide n Meynung verhuͤten soll/ damit bey vorfallendem Streit solche nicht moͤgen wider den/ so sie geredt/ verstanden werden/ alsdann es eines jedern eigene Schuld/ daß er nicht verstaͤndlichere Worte gebraucht; die Vergleiche nun desto kraͤfftiger zu machen/ soll man gewisse Straf- fe beysetzen/ mit Anhang/ ob gleich ein Theil/ so sie verwuͤrcket/ solche bezahlen wolle/ dennoch der Contract soll vollenzogen werden. L. interpositas, C. de transact. L. transactionem, L. quamvis, L. si major, L. si profundo, Eod. L. pacto, L. fidem, ff. Eod. L. cum proponas, L. promissis, L. ubi pactum, C. Eod. L. Veteribus, ff. de contrah. Emt. L. quicquid in princ. ff. de V. O. c. 1. Ext. de R. J. §. 13. Was zween mit einander handeln/ verbindet allein diesel- ben und deren Erben/ und kan dasselbe/ was mit beyder Willen ver- tragen/ andern nichs nutzen noch schaden/ auch nicht mit eines/ son- dern beyder Theile Willen wieder auffgehoben werden/ und von zween uͤber einer Sache wider einander lauffenden Vertraͤgen gilt der letzte; Wer aber hernach seine Handschrifft verlaͤugnet/ oder Handschrifft Verlaͤugnung Straffe sagt/ daß er das Geld nicht empfangen habe/ darauff der Brieff lau- tet/ soll er solches/ nachdem er uͤberwiesen/ doppelt bezahlen/ und wird dafuͤr unehrlich oder zum Unmann. L. 41. C. de transact. L. si diversa, L. 9. §. 1. L. 17. Eod. L. 58. \& L. 1. §. 2. ff. de pact. L. Emtio, C. de rescind. vend. L. 49. 58. \& 80. ff de solut. L. 12. §. fin. L. 34. §. 6. Eod. L. 27. §. 2. ff. L. 12. C. de pact. Auth. contra qui propriam C. de non num. pec. §. 14. Wenn im Nahmen und von wegen eines andern etwas gehandelt/ mag derselbe solches hernach wohl billigen/ bewilligen und bestaͤtigen; Ein Anwalt aber mag sich seinem Herrn zu Nachtheil in keinen Vergleich einlassen/ ohne sonderlichen Befehl/ weilen er ausser dem/ was solcher zugiebt/ weiter nicht streiten darff/ gleichwie ohne Q q 3 redliche III. Buch/ Cap. VIII. redliche Ursachen rechtes Erkaͤntniß/ Schluß und Bewilligung des Vormuͤnders/ eines Unmuͤndigen Handlung nichtig und unguͤltig. L. 6. §. 2. ff. de alim. leg. L. 6. § 9. L. 24. ff. de neg. gest. L. 42. §. 1. de acquir. poss. L. si un. C. si in communi L. si unu s , L. sed si cum, ff. de pact. L. si pactum ff. de probat. L. diligenter, ff. mand. L. cum à matre, C. de rei vind. L. ven- ditrici, C. de reb. alien. non. L. si procuratori, ff. de condict. caus. §. 15. Bruͤder Gesellschafft Recht bey gutem Glauben in erba- ren Haͤndeln eingewilliget/ mit dem Geding/ daß alle Sachen/ Muͤhe und Arbeit/ Schaden und Gewinst unter sich gleich zu theilen/ ist all- gemein oder absonderlich/ durch Brieffe und Boten/ schrifft- oder muͤndlich/ auff eine gewisse Zeit oder Lebens lang/ abzufassen und ein- zurichten noͤthig/ wobey denn eines jedern Antheil ausdruͤcklich zu mel- den; wie denn auch einer nur ein-der andere zwey Theile an Scha- den und Gewin/ oder gar keinen Verlust/ hingegen etwas Verdienst wegen seiner Muͤhe und Hand-Arbeit/ gemachtem Vergleich gemaͤß/ gewaͤrtig seyn kan/ worinnen auf allen Nothfall der Richter Schieds- mann seyn/ und Gesellschafft-Recht vertheilen mag. §. 20. instit. de rer. divis. L. 63. \& 70. ff. pro Socio, L. 5. \& 29. hoc tit. §. illud, instit. Eod. L. 137. §. cum ita, de V. obl. L. 13. de V. S. L. 6. \& 30. ff. pro Socio. §. 1. in fine instit. Eod L. 7. cum seqq. ff. Eod. §. 16. Allwo nun in einer Sache Vortheil/ in der andern aber Verlust eingebracht/ muß solches verglichen/ und der Uberschuß fuͤr Gewinst gehalten werden; Allein aber Schaden und gar keinen Nu- tzen haben sollen/ solches ist eine unnuͤtze Gesellschafft/ massen ihr be- stes Band ist aller und jedern Nutzbarkeiten Gemeinschafft/ jedoch gehoͤret dazu kein Erbtheil/ das einem oder andern waͤhrenden freund- Geselschafften Trennungs Recht. bruͤderlichen Gesellschafft/ heim- oder zugefallen seyn koͤnte/ und sol- che Gesellschafft wird getrennet durch Person oder Sachen Unter- gang/ aus Gesellen veraͤnderten Willen/ oder wann einer seine Guͤ- ter denen Glaͤubigern abgetreten/ massen deren Erben Person Wahl hier nicht vermuthet wird. L. 35. 65. §. morte, comm. divid. L. 4. in verb. Egestate ff. Eod. §. item, instit. Eod. L. 36. \& 64. de verb. obl. §. 17. Wenn einige Gesellen ein jeder absonderlich fuͤr sich zu Gesellschafft Auffloͤsungs Recht. handeln anfangen/ auch nicht betruͤglich auffkuͤndigen/ noch der Ge- sellschafft an Auffloͤß- und Erneuerung gelegen/ indem es zur rechten Zeit ohne Schuld/ Arglist und Versaͤumniß begehret wird/ so moͤgen der Gemeinschafft Guͤter wohl getheilet/ Vertrags Gedinge gehalten/ Frucht und Wucher Nutzen/ samt den Unkosten gesucht werden/ welches Von Contract en/ Geloͤbniß und Gesellschafften. welches auch von Erben zwischen und gegen Gesellen Erben guͤltig und in Rechten bestaͤndig/ geschehen soll und kan/ absonderlich in Zoll und andern oͤffentlichen Handels Gesellschafften/ wegen wichtiger Ge- schaͤffte grossen Anliegen. L. 38. 48. 52. §. 13. ff. pro socio. L. 21. §. 2. ff. de negot. gest. L. qui hæredes, C. de hæred. tut. §. 18. Jn Kirchen geheiligt oder gemeinen Wesens oͤffentlichen Gesellschafft worinn unguͤl- tig. Sachen/ die ausser Gewerb und Handel menschlicher Gesellschafft befreyet sind/ also/ wenn eines Gesellen Guͤter Preiß gemacht/ und der Obrigkeit verfallen/ gilt ferner keine Gemeinschafft noch Kauff-Hau- dell zu treiben/ es waͤre denn unwissend geschehen/ so mag Kaͤuffer kla- gen; weilen auch niemand ungern in gemeiner Gesellschaͤfft zu blei- ben gezwungen/ so mag ein jeder solche mit Theilung zu trennen kla- gen/ ob schon dagegen ein Geding beschlossen waͤre/ wobey aller durch List und Schuld zugefuͤgter Schade oder unterlassene Pflicht zu ersetzen. §. penult. instit. L. 6. 26. \& 70. L. 4. \& 5. ff. de contrah. Emt. L. 14. §. pen. ff. comm. divid. L. fin. C. Eod. tit. L. 3. 8. §. 1. L. 20. ff Eod. §. 19. Ja/ weilen die/ so in Gemeinschafft sitzen/ obgleich Bruͤder/ Gemeinschafft soll ohne Zwang seyn. solten eins sind/ dahero ist keiner schuldig noch gezwungen/ in Gesell- schafft zu kommen oder sitzen/ wird auch niemand ungern darinn zu bleiben gehalten/ sondern es steht jederman frey/ gemeinen Guts Theilung zu fordern/ so gar daß ein Geding/ nimmer Theilung zu ma- chen/ unkraͤfftig ist/ jedoch muͤssen es leibliche Guͤter seyn/ Schulden aber und Dienstbarkeiten koͤnnen nicht stets fuͤglich getheilet wer- den/ obschon bißweilen Gerechtigkeiten Brauch nach Zeiten Wech- sel sich theilen laͤst. L. 77. §. 20. de Legat. 2. L. 26. de serv. urb. præd. L. fin. ff. L. 1. \& 2. C. comm. divid. L. in hoc, §. si conveniat, ff. Eod. Tit. ff. \& C. famil. hercise. L. si non sortem, §. indebitum, ff. de condict. indeb. L. ult. L. ea quæ, C. fam. hercisc. L. per hoc, inst. de re incorp. L. arborem, §. si per eundem ff. Eod. §. 20. Wenn es nun ein unzertheilbar Gut waͤre/ das einigen gemein/ soll einer dem andern fuͤr das seine Erstattung thun; Oder es kan der Richter solcher Parthey/ die vorhin den mehrern Theil an einem Gut hat/ das uͤbrige wohl zusprechen; Oder es mag von ihnen um die Wahl geloset werden; Und kan solcher gemeinen Theilungs Anforderung in hundert Jahren nicht verjahret oder versaͤumet wer- den; III. Buch/ Cap. IX. den; Fuͤrstenthuͤmer aber/ Graf- und Herrschafften soll man nicht theilen/ es sey dann also Orts Gewonheit. §. 20. instit. de action. §. si familiæ, instit. de offic. judic. Gloss. in L. 2. in verbo insortitum, C. quando \& quibus quart. pars deb. L. sancimus, §. ne autem, C. de donat. L. de quib. in fin. cum seq. ff. de LL. Caput IX. Von Erbschafft und Theilung. §. 1. V Aeterliches Erbtheil sind alle waͤhrenden Ehestandes erworbene Guͤter/ weilen sie nach allgemeinen Rechten nicht beyden gemein sondern dem Ehemann gehoͤren und verbleiben/ massen sie durch des- Erbschafft Recht. sen Fleiß erlangt geglaͤubet werden/ biß das Gegentheil gebuͤhrend erwiesen; So kan nun Erbschafft von abwesenden allein im Gemuͤth/ also in der That auch nach 30. Jahren Verlauff/ begehret werden; wer sie aber einmahl angenommen/ mag sie hernach nimmer wieder ver- werffen/ und moͤgen sich dennoch die Glaͤubiger binnen 9. Tage nach Tods Fall angeben/ und den Antritt binnen Jahr oder alsbald er- suchen. L. 51. ff. de Donat. inter vir. \& uxor. L. 6. C. Eod. L. 50. ff. Fam. hercisc. L. 4. \& ult. C. de repud hæred. Erbtheilungs Gleichheit Recht. §. 2: Offenbahren Gleichheit Billigkeit ist allerdings bey Erb- schafft-Theilung zwischen Kindern unter Bruͤder und Schwestern wohl zu halten und zu beobachten/ weilen solche die wahre Mutter der Eintraͤchtigkeit zu nennen/ ausgenommen in Lehn- und Kriegs-Guͤter Erbtheil/ darinn des Erstgebohrnen Recht fuͤr guͤltig anzusehen; Es kan aber Erbschafften oder andern gemeinen Guͤter Theilungs An- forderunge in 10. oder 20. Jahren nicht verjahret werden; Einer lie- gend-verlassenen Erbschafft aber mag man auch einen Vorsteher geben/ in fremde Guͤter kan jedoch niemand einen Erben einsetzen/ so kan man sich auch mit keinem vertragen/ daß er sein Erbe seyn soll/ wei- len solches in Rechten verboten/ ja nichtig/ obschon mit Eyd bestaͤti- get. L. pen. in fin. C. comm. divid. L. ut liberi, L. illud, §. ult. de Collat. L. inter filios. C. fam. Ercisc. Nov. 22. §. illud quoque L. cum oportet, C. de bon. quæ liber. L. 3. C. de offic. fil. mil. in bell. c. imperialem, §. præterea de prohib. Feud. alien. L. unus in dividuum, L. hæreditatem, C. in quib. caus. cessat long. temp. præscr. Tit. ff. de curat. bonor. L. nemo, 55. ff. de R. J. L. 5. C. de pact. conv. L. pactum, C. de pact. L. 63. ff. de V. obl. §. 3. Also Von Erbschafft und Theilung. §. 3. Also wegen Erbschafft-Streit/ so von Testamenten herruͤh- ret/ mag man gar kein Geding oder Vergleich machen/ weilen es gott- loß und verfaͤnglich/ indem viele mit wenigem/ das gegenwaͤrtig/ ver- Geding wegen Erbschafft verboten. gnuͤgt/ grosse Verlassenschafften/ die mit anderer Schweiß Muͤhe und Arbeit auch unverhofft ankommen/ leichtsinig ausschlagen wollen/ deßgleichen wird dadurch letzten Willens Ausgang/ welchen niemand verhindern soll/ arglistig verspottet und umgestossen/ so gilt auch nicht Vergleich wegen vermachten zukuͤnfftigen Nahrung-Lebens-Mit- teln. L. 5. \& 8. in princ. ff. de transact. L. 1. C. de SS. Eccles. L. 3. de Testam. L. de alimentis, C. de transact. §. 4. Wer Erb-Gut nehmen will/ muß auch Schulden bezahlen/ und derer Erben Vertraͤge unter sich selbst schaden den Glaͤubigern nicht/ darum/ wann einige/ die gesamte Schuld zu bezahlen/ unter sich selbsten theilen/ oder einem allein aufflegen/ der hernach nicht bezahlen koͤnte/ muͤssen die andern nichts desto weniger dazu antworten/ auch sollen alle Schulden vorhero bezahlet werden/ ehe denn etwas/ das im Testament verordnet und vermacht/ zu uͤbergeben mag angefordert seyn; ja alle Schulden sollen/ ohne gerichtlichen Spruch/ fuͤr gewissen Erbschafft-Theil unter Erben insgesamt angenommen und verthei- let werden. L. 8. de acquir. vel omitt. hæred. L. 35 §. unde. L. 31. ff. de hæred. inst. L. fin. §. licentia, C. de jure deliber. L. 1. C. si cert. pet. §. fin. inst. de. L. Falcid. §. 5. instit. de obl. quæ ex quasi contr. L. 2. §. ex his, ff. de V. O. L. id quod nostrum, ff. de R. J L. 26. C. de pact. L. 3. ff. famil. hercisc. L. 15. \& 27. §. 4. vers. ante de pact. L. 6. C. ad. L. Falcid. L. fin. §. \& si præfatum, vers. sin vero Creditores, C. de jure del ber. §. 5 Wann eine Erbschafft auff mehr denn auff zweene faͤllt/ so wird dieselbe/ mit ihrer aller Willen/ in so viel Theile/ als Personen/ getheilet/ und heꝛnach daruͤber das Loß geworffen; Faͤllt sie aber nur auff zweene Soͤhne/ so theilet der Aelteste die Guͤter in zwey Theile/ und der Juͤngste hat die Wahl/ oder sie werden auch vom Richter gethei- let und entschieden; Wie man denn im Nothfall/ Streit zu meiden/ derer Erbschafft-Guͤter Theilung von richterlichen Amtshuͤlffe begeh- ren mag/ und zwar geschiehet alles denen Abwesenden/ die nicht zur Theilung beruffen/ ohne Nachtheil. L. fin. in pr. C. comm. de Legat. fin. \& L. ad officium \& L. si mater C. comm. divid. §. si famil. cum seq. inst. de offic. jud. C. 1. de paroch. \& paroch §. 4. instit. de offic. jud. L. 5. ff. famil. hercisc. L. 14. ff. de judic. L. 1, 2, 3, 26, \& 44, §. si cohæredes ff. fam. hercisc. L. 51. §. fin. ff. Eod. R r §. 6. Wann III. Buch/ Cap. IX. §. 6 Wann der Erbschafft-Besitzer verlaͤugnet/ daß Klaͤger ein Mit-Erbe sey/ so vermag er ihn billig durch diesen Vorwurff aus- schliessen/ wofern es der Erbschafft ohne Schaden und Nachtheil seyn kan; Boͤse Gifft-Artzneyen und verbotene Buͤcher mag ein Gifft Artzney und verbote- nen Buͤcher Erb-Recht. Richter alsbald verderben/ und vom Erbgut auswerffen; Jtem ge- stohlene und durch andere Ubelthaten erworbene Sachen/ die man rechtlich nicht besitzen kan/ sollen alle erstattet werden/ und gehoͤren nicht zur Erbschafft; Alle aber von vergangener Zeit hero genossene Fruͤchte/ deßgleichen alles/ was durch Mit-Erben List oder Schuld verlohren oder verdorben/ wird dazu gebuͤhrend gerechnet. L. 16. §. sed etsi, L. 25. 45. \& pen. ff. famil. hercisc. L. hæredes in princ. ff. Eod. L. 6. C. Eod. L. pacto successorum, C de pact. L. 2. C. de hæredit. act. §. 7. Jn und bey Erbschafft-Theilung ist nun das Loß zugelas- Loß Miß- brauch ver- boten. sen/ wann nemlich eine Sache anders nicht kan verglichen werden/ muß man die Wahl dem Loß uͤberlassen/ nicht aber ohne Unterscheid zu solchem Mittel fliehen/ massen GOtt zu versuchen ist verboten/ auch soll es kein Aberglaubens Werck seyn/ noch durch Fuͤrwitz und eigen- sinnige Lust mißbraucht werden/ weilen das Loß Goͤttlichen Willen zwar anzeiget/ jedoch ist dessen Mißbrauch nicht Wercks sondern Personen Schuld. L. 3. C. commun. de Legat. L. 14. ff. de judic. C. 1. \& 2. de sortileg. C. sortes, \& C. 26. q. 5. C. fors, C. 26. q. 2. Richter Amt bey Theilung. §. 8 Zur allgemeinen Erbschafft-Theilung gehoͤret alles/ was ein Mit-Erbe nach dem Todes-Fall auff Erbtheils Erhaltung nach Nothdurfft ohne Wollust verwendet/ deßgleichen Vermaͤchtniß/ und was der Verstorbene dem Erben schuldig gewesen/ so soll nun hierinn ein Richter Amts wegen Sorge tragen/ daß nichts ungetheilt verblei- be; was aber nicht fuͤglich zu theilen/ soll er entweder auff Abwechs- lungs Zeiten/ oder nach zugelassener Feilschung und Werths-Ver- gleichung einem die Sache/ dem andern den Preiß zuerkennen/ oder die Wahl lassen/ wie Abraham der aͤltere seinem Vetter Loth ge- than. L. 27. de. neg. gest. L. fin. C. de fidei comm. L. 18. Comm. divid. L. 16. ff. famil. her- cisc. L. 22. §. 1. ff. Eod. L. 3. Comm. de Legat. Genes. 13. §. 9. Falls nun eine Parthie der Theilung sich entziehet u weigert/ soll Obrigkeit nichts desto weniger theilen/ dem Gegenwaͤrtigen sein Antheil zusprechen/ und des Abwesenden gerichtlich verwahren/ ja im Zweiffel ist am sichersten/ die Sache dem Loß zu befehlen/ es waͤ- re denn durch Gewohnheits Recht einem die Macht zu vertheilen/ dem Von Erbschafft und Theilung. dem andern der Guͤter Wahl zu geben/ eingefuͤhret; Wann auch bey Theilung unpflichtige Schulden bezahlet/ hat Wiederforderung kei- ne Statt/ es sey denn wegen wohl bekandten Unrechts mit vermeyn- ten jedoch falschen Erben geschehen/ oder ein Theil uͤber die Helffte rechtmaͤßigen Antheils verkuͤrtzet/ alsdann muß billig solche ungleiche Theilung zur Gleichheit gezogen werden. L. 36 ff. Famil. hercisc. L. cum quis, C. de jur. \& fact. ignor. L. 29. de Usucap. L. 38. in fin. ff. fam. hercisc. L. 77. §. hæredit. de legat. L. 3. \& 7. C. com. utr. jud. L. 14. \& 24. C. fam. Ercisc. L. 20. §. si pater, ff. Eod. §. 10. Wann unter vielen Erbtheilung vorfaͤllt/ sollen alle Par- Erbtheilungs Recht unter vielen. theyen zu eben demselben Richter/ der allbereits von der Sachen ver- staͤndiget/ und genugsam unterwiesen/ sich versamlen an den Ort/ da- selbst alle streitige Guͤter gegenwaͤrtig zu finden/ weilen eine zusam- men gehoͤrig verbundene Sache nicht kan oder mag zertrennet wer- den/ als nemlich so fern hernach allgemeine Graͤntz-scheidungs Ab- theilung-Streit erwachsen moͤchte. L. 1. \& 2. ff. de quibus reb. ad eund. jud. eatur. L. nulli, C. de judic. L. 1. ff. quod. met. caus. L. 39. §. in refutatoriis C. de appellat. §. 11. Wann einer jemandes Erbe wuͤrde/ der ihm unwissend seine eigene Sache dem Glaͤubiger verpfaͤndet gehabt/ so mag dem Er- Erben Pflicht in seinen eige- nen veꝛpfaͤnde- ten Sachen. ben kein Betrug vorgeworffen/ viel weniger Pfand-Recht verfolget werden/ weilen jener sich nichts verpflichtet/ und die Verpflichtung durch darauff folgende Erbschafft nicht guͤltig wird/ so ist jedoch billig/ daß der Erbe des Verstorbenen Thaten gut heisse/ und seinen Verpflich- tungen gemaͤß lebe. L. 41 ff. de pign. act. L. 14. C. de Rei vind. §. 12. Weilen es auch schaͤdlich ist/ daß eines Verstorbenen an- gefangene Geschaͤffte verabsaͤumt gelassen werden/ als sollen Erben/ Verstorbenen Geschaͤffte nicht zu ver- saͤumen. welche dessen Stelle vertreten/ sich der Erbschafft annehmen/ Schul- den und andere Last-Beschwerden zwar auch gutwillig tragen/ ob- schon sie noch unmuͤndig oder minderjaͤhrig waͤren; Derowegen ein Erbe des Verstorbenen unrechtmaͤßig ausgegebene Gelder wiederfor- dern/ und schaͤndlichen Gewinn zuruͤck begehren kan/ ob gleich des andern Ubelthat durch zeitlichen Tod verloschen; Es moͤgen auch viele Klaͤger und Beklagte/ nicht aber viele wegen Erbschafft-Theilung zu Recht streitende Erben einen Fuͤrsprecher bestellen/ damit nicht ih- nen untereinander viel und mancherley Sachen vermischt ab- und zuerkannt werden. L. 42. §. pen. ff. de procur. L. 15. de usucap. L. 22. de. fidejuss. L. 21. ff. de neg. gest. L. 4. \&. 5. ff. Eod. R r 2 §. 13. Wann III. Buch/ Cap. IX. Erbrechts Be- trugs Erstat- tung. §. 13. Wann nicht uͤber ungewissen Rechts-Streit/ sondern zweiffelhafften Sterbfals Ausgang etwas verglichen/ kan darinn keine Erstattung seyn/ weilen keine Verletzung vorhanden/ wofern ein widriger Fall sich begeben/ jedoch ist billig und Rechtsmaͤßig zu urtheilen/ so fern jemand im gewissen Erbrecht uͤber die Helffte mehr betrogen/ als er sonst haͤtte bekommen koͤnnen/ daß Wiedereinsetzung in vorigen Stand zu verleihen. L. 11. C. de fideicommiss. L. si quis ff. de V. obl. Ehrlose sind Erbrechts un- faͤhig. §. 14. Wann ein Ehrloser zum Erben eingesetzt/ mag das Ver- maͤchtniß von denen vorbey gegangnen Bruͤdern durch Klage umgestos- sen/ und die Ehrlose Person verworffen werden; ja solche sind Testa- ments unfaͤhig/ weilen sie gaͤntzlich Treu- und Glaubloß zu achten/ auch eines Menschen Schande/ obschon eine zeitlang unterlassen/ deñoch unsterblich/ wofern ihm nicht vom Landes-Herrn die Ehre wieder ge- schenckt/ sintemahlen/ was sonst einmahl geschehen/ nicht wieder zu aͤndern/ noch einem Richter/ den Verbrechen anklebenden Schand- flecken ohne bey willkuͤhrlicher Straffe hinweg zu nehmen/ moͤg- lich. L. 15. cum. LL. seqq. de infam. jur. L. 27. in verb. levis macula, C de inoffic. testam. gloss. in L. 1. C. de Summa Trin. L. ob crimen, de testibus L. 42. in pr. de rit. nupt. L. fin. C. de general. abol. L. 1. 3. 4. \& fin. C. de sent. pass. rest. L. in bello, §. facta, de capt. \& postlim. L. 15. ff. ad municipal. L. 63. ff. de furt. §. 15. Wann jemand zum Erben in- und ein ander ihm nach- Ungewissen Erbfalls Ver- maͤchtniß Recht. gesetzt/ Falls er ohne Kinder stuͤrbe/ oder wofern derogestalt der Er- be einem andern etwas zu geben gebeten wuͤrde/ so waͤre derselbe schul- dig/ nach dem Todes-Fall solchen letzten Willen auszurichten/ weilen aber Kinder-Ziehlungs Fall zweiffelhafftig/ so mag das Beding dem ersten Erben geschencket werden/ koͤnnen sich also die andern derglei- chen ungewissen Erbfalls und Vermaͤchtniß Gerechtigkeit Ansprache begeben. Erbschafft wer unwuͤrdig. §. 16. Was auch etwan unfaͤhigen Personen zugeschrieben/ bleibt denen Erben/ wann es aber betruͤglich geschehen/ ist es der Obrigkeit verfallen; also ist Erbtheils unwuͤrdig/ wer den Verstorbenen getoͤd- tet/ oder dessen Tod durch Schuld oder Nachlaͤßigkeit verursachet/ oder seinen Mordthaͤter binnen vorgesetzten Zeit mit gebuͤhrender Rache nicht rechtlich verfolget/ oder dessen Testament Falsch- und Boßheit beschuldiget/ es sey denn/ daß er solch Unrecht beweisen koͤnne/ oder ihn schweren Verbrechens bezuͤchtiget/ oder die Erb- schafft Von Erbschafft und Theilung. schaffr beraubet/ oder wegen eines noch Lebenden Erb-Guts ruchloses Beding und Vertrag gemacht. L. 1. \& fin. C. de jure fisci. L. 3. C. ad L. Falcid. L. Papinianus, §. meminisse, ff. de inoff. testam. L. 39. §. fin. de donat. L. 15. ad L. Corn. de Sicar. L. 27. C. de fidei comm L. scimus, §. ills, C. de jure deliber. L. 8. §. 4. ff. de inoff. test. L. 3. 5. 15. 16 17. 20. \& 24. ff. de his, quæ ut indign. §. 17. So koͤnnen nun Elternihre Kinder/ und Kinder/ die nicht Erblosen Kin- der oder Ent- Erbungs Recht. wieder Kinder haben/ moͤgen auch ohne Ursach ihre Eltern nicht ent- erben/ sondern es muͤssen die Kinder ihren Eltern dritten Theil der Erbschafft/ und Eltern ihren Kindern auch zum wenigsten ihr gebuͤh- rendes Erbtheil/ als vier oder wenigern an der Zahl den dritten/ viel und mehrern Kindern aber den halben Theil uͤberlassen und geben; Es kan und mag jedoch ein Kind erbloß gemacht werden/ wenn es seine Eltern groͤblich schmaͤhet/ schlaͤgt oder Gewalt an sie legt/ oder durch Verraͤtherey und mit der That nach ihrem Leben steht; oder bey sei- ner Stieffmutter und Vaters Beyschlaͤfferin schlaͤfft; oder seine Eltern peinlich verklagt/ oder so eine Tochter ehrliche Heyrath aus- schlaͤgt und unzuͤchtig lebet; oder seine Eltern Testament zu machen verhindert; oder die gefangenen Eltern zu erledigen keinen Fleiß thaͤ- te; oder solche in Noth und Armuth huͤlffloß verliesse/ oder so ein Kind einen ketzerischen Glauben annehme; und dieses Enterbungs Recht kan auch in geziemender Art zwischen Bruͤder und Schwestern verstanden werden. C. 1. Distinct 1. L. nam etsi, ff. de inoff. test. Auth. non licet, C de liber. præst. Nov. 115. c. 4. \& §. aliud quoq́; L. si quis C. de inoff. test. Auth. ex causa, C. de liber. præst. Princ. \& §. sed hæc, inst. de Exher. lib. L. filio, ff. de injust. rapt. L. lege C. de legit. lib. L. scripto, ff. unde lib. L. 1. §. jus naturale, ff. de J. \& J. §. 1. inst. de J. N. G. \& C. Novell. 18. c. 13. Nov. 1. L. plerumq́; ff. de in jus voc. Nov. 115. c. 13. §. hæc autem. L. cum filium C. de inoff. testam. C. 1. vers. licet de testam. in 6. §. 18. Wer gegen des Vatern Stillschweigen/ nicht aber offen- baren Willen/ sich verheyrathet/ mag darum nicht enterbet seyn; Kinder aber aus Blut-Schande gezeuget/ sind rechtlicher Weise erb- loß; also aus vor benannten hieher gehoͤrigen Ursachen moͤgen El- tern/ so wider ihre Kinder handeln/ gleichfalls enterbet werden. Auth. non licet, C de liber. præt. §. fin. in auth. quib. mod. nat. effic. Nov. 115. c 4. L. isti autem, ff. quod metus caus. §. 19. Wenn man nun zur Erbschafft schreiten soll/ und Kinder alleine da sind/ theilen sie das Erbe in Haͤupter/ so viel Kinder/ so viel Theile/ so viel Mund so viel Pfund/ wofern aber Kinder und R r 3 Ver- III. Buch/ Cap. IX. Verstorbenen Kindes Kinder/ oder Enckel vorhanden/ so wird die Erb- schafft in Staͤmme getheilet/ also daß alle Verstorbenen Kindes Kin- der nur ein Theil nehmen/ wie ihr Vater oder Mutter gethan haͤtte; Also auch/ wo keine Kinder/ sondern nur des Verstorbenen Kindes Kin- der sind/ wird das Erbe in Staͤmme u. nicht in Haͤupter getheilet. So fern aber keine Kinder noch Kindes Kinder vorhanden/ so erben in auffsteigender Linie Vater oder Mutter/ Groß-Vater und Groß- Mutter. Nov. 118. c. 3. L. inter filios, c. fam. hercisc. L. 12. §. hac, de suis \& leg. L. 3. C. de legit. hæred. §. 1. \& 6. instit. h. tit. L. fin. C. de impub. \& al. §. si vero instit. de inut. stipul. §. sui autem, inst. de hæred. qual. L. scripto, §. ult. ff. si tab. testam. §. cum filius, inst. de hæred. qui ab int. §. item si quis, inst. tit. 8. Nov. 127. in præfat. \& c. 1. L. 4. §. 2. ff. de in jus voc. §. fœminæ inst. de adopt. L. nam etsi, ff. de inoff. test. §. 20. Allwo Vater und Mutter vorhanden/ wird Großvater und Großmutter ausgeschlossen; wo aber neben Vater und Mutter volle Bruͤder und Schwester nachgelassen/ erben selbige in Haͤupter nach Personen Anzahl; wann auch einer stirbet/ und laͤst Vater oder Mutter alleine/ und einen Großvater oder Großmutter/ so erben/ die noch am Leben sind. Novell. 118. c. 2. vers. si verò, Auth. Defuncto, vers. sed si C. ad SCt. Trebell. Nov. 118. §. si igitur, §. fin. Gloss. instit. de success. cognat. §. 21. Wenn nun keine Kinder noch Eltern/ das ist/ weder in Seit-Erben Recht. auff-noch absteigender Linie Erben vorhanden/ so sind die Seit- Erben am naͤchsten/ als Bruͤder und Schwester/ und andere/ ein jeder nach dem er dem Verstorbenen verwandt ist; derogestalt/ daß Bruͤ- der und Schwester von voller Geburt und beyden Banden zugleich er- ben und ausschliessen Bruͤder oder Bruͤders Kinder von einem Band/ das ist/ die nicht vom Vater und Mutter/ sondern allein vom Vater oder Mutter her seyn. Auth. Cessante, C. de legit. hæred. Auth. itaq́; C. comm. de success. L. 13. in fin. C. de legit. hæred. Nov. 118. c. 3. Nov. 84. per tot. §. 22. Vollen Bruders oder Schwester Kinder erben mit Va- ter oder Mutter Bruͤdern und Schwestern in Staͤmme/ also/ daß vie- le Kinder nicht mehr nehmen als ihres Vaters oder Mutter Theil; halbe Bruͤder und Schwester erben nicht mit vollen Bruͤdern und Schwestern/ gleichfalls wie volle Bruͤder und Schwester Kinder vor halben Bruͤdern und Schwestern erben; Nach-Enckeln erben auch fuͤr Vater und Bruͤdern. L. 10. Von Erbschafft und Theilung. L. 10. §. 6 ff. de grad. §. hoc etiam, inst. de legit. success. agnat. Nov. 118. c. 2. vers. sed \& ipsis. Auth. post fratres, L. à prim. C. de legit. hæred. Auth. de hæred. ab intest. §. 23. Wenn keine Bruͤder oder Schwestern vorhanden/ so er- Erben Stuffen wie folgen ein- ander. ben deren verstorbenen Bruͤder und Schwester Kinder in so viel Theile als Haͤupter; Verstorbenen Bruders Soͤhne oder Toͤchter erben fuͤr des Vaters Bruͤder und Schwestern; allwo nun Bruͤder und Schwestern und deren Kinder keine gelassen/ so erben die nechsten Bluts-Verwandten/ und wie viel in einem Grad sind/ die neh- men Erbe zugleich/ nach Anzahl der Personen/ es seyen mann- oder weiblichen Geschlechts. §. 24. Wenn Bruͤder und Bruͤders Kinder/ welche sonst ohne letzten Willen Vermaͤchtniß allein Vaters Theil durch Stamms Nachfolge nehmen/ zugleich mit dem Bruder als Testaments-Erben eingesetzt/ so erben sie nicht auff Stamm/ sondern Haͤupter/ es haͤtte denn der Vater deren Soͤhne samt Enckeln wohl gedacht/ so versteht sich/ daß sie natuͤrlicher Ordnung gemaͤß nach vaͤterlichen Zuneigung zur Erbschafft gehen sollen. Auth. post fratres, C. de legit. hæred. Auth. de hæred. ab intest. instit. de leg. agn. success. L. 13. in pr. ff. de hæred. instit. L. humanitatis, C. de impub. \& al. substit. §. 25. Wegen gantzer und halber Geburt ist allhier kein Unter- scheid/ als wenn einer stirbt und halben Bruders Sohns-Sohn/ nebst vollen Bruders Sohns-Sohn hinterlaͤst/ so werden beyde zugelassen; So gilt auch wegen Schwaͤgerschafft keine Erbschafft; Und mag man wegen Nahrung und Auffenthalt/ so man dem Verstorbenen ge- geben/ ihn nicht erben. Auth. de hæred. ab intest. Venient. §. si autem, vers. hujusmodi. Auth. post fra- tres. L. assinitatis. C. de Comm. success. L. nutritoribus, C. Eod. §. 26. Wo keine Freunde im zehenden Grad auch keine Hauß- Frau vorhanden/ so faͤllt die Erbschafft an die Obrigkeit; deßgleichen wenn ein Unehelicher stirbet/ und keine Kinder noch Mutter/ Bruder oder Schwester von einer Mutter/ oder solcher Kinder/ oder andere Anverwandte Seit-Erben nachlaͤst/ so faͤllt die Erbschafft zur Obrig- keit; Derer Missethaͤter Guͤter aber/ massen nicht die/ sondern ihre Besitzer gesuͤndiget haben/ verfallen nach ihrem Tode an dritten Glieds Erben in auff- und absteigender Linie/ wenn sie kein Testament oder letzten Willens Vermaͤchtniß auffgesetzt. L. ult. C. de petit. bon. subl. L. 3. ff. de his quæ in test. L. bonorum, L. non possunt, ff. de jure fisci. L. 1. in pr. ff. de success. Edict. L. 1. \& 4. C. de bon. vac. §. fin. inst. de success. cognat. L. Vacantia, C. de bon. Vac. Nov. 134. c. ult. §. 27. Wer III. Buch/ Cap. IX. Schwangern Weibs Frucht Recht. §. 27. Wer sein Weib schwanger nachlaͤst/ der ist nicht ohne Kin- der mit Tode abgangen/ weilen die/ so in Mutter-Leibe seyn/ ihres Nutzen halber/ ob schon das Geschlecht noch ungewiß/ fuͤr gebohren gehalten/ inzwischen ihnen auch biß zur Zeit ihrer Geburt alle Rechte gaͤntzlich vorbehalten werden/ wofern sie aber gar nicht/ oder todtge- bohren wuͤrden oder verstuͤrben/ ehe sie vollkommen gebohren/ und aus Mutter-Leibe herfuͤr kommen/ haͤlt man sie/ als waͤren/ sie nimmer lebendig gewesen. L. si quis prægnantem ff. de R. J. L. qui in utero, L. 26. ff. de stat. hom. L. 129. \& 231. ff. de V. S. L. 30. §. 1. de acquir. hæred. L. 3. si pars hæred. pet. L. ult. ff. de collat. bon. gloss. ad verb. legibus, in C. 1. §. hoc autem, de his qui feud. Luͤgenhafften Weibs Straf- fe. §. 28 Wann ein Weib nach Mannes Tode sich schwanger an- giebt/ soll sie es ohngefaͤhr 30. Tage vor der Geburt Zeit denen/ die es angehet/ verkuͤndigen lassen/ daß sie hersenden die Leibes-Frucht zu bewahren; Wofern sie aber boͤß und faͤlschlich handelt/ auch luͤgen- hafft und betruͤglich solches anmeldet/ ja gar darum sich in Guͤter ein- weisen laͤst/ ist sie Ehrloß und straffbar/ muß auch denen gesamten Er- ben allen muthwillig verursachten Auffenthalt Schaden und Unkosten billig erstatten. L. 1. §. 4. de ventr. inspic. L. 1. §. 1. \& §. competit, Cum seq. Eod. tit. L. 15. \& 19. ff. de his qui not. infam. §. 29. Alle nun jetzt gebohrne und noch in Mutter-Leibe seyen- Kinder Nah- rungs Recht. de Kinder muͤssen ernehret/ und darum in Vaͤterlichen Erbguͤter Be- sitz eingewiesen seyn/ es koͤnne denn der angegebene Vater/ welches die Hochzeit anzeigen kan/ augenscheinlich darthun/ daß die Frucht von ihm gar nicht entsprossen sey; Und zwar entstehen diese Nahr- und Erhaltungs Last-Beschwerden aus natuͤrlichem Recht auch Ge- bluͤths-Liebe/ so niemand auffheben kan; dahero/ wer sich dessen wei- gert und entziehet/ soll dazu durch richtlichen Amts Huͤlffe gezwungen werden/ es sey dann/ daß/ der es begehret/ durch seinen eigenen Fleiß Muͤhe und Arbeit sich ernehren kan/ massen denen Faulen und Nach- laͤßigen die Rechte nicht zu Huͤlffe kommen/ oder auch bey rechtlichen Enterbungs-Faͤllen; Zur Nahrung aber gehoͤren alle Lebens noth- duͤrfftige Mittel. L. 6. ff. de his qui sui vel al. jur. L. 5. ff. L. pen. \& fin. C. de alend. \& agnoscend. li- ber. L. 43. ff. de V. S. L. fin. de alim. leg. tot tit. C. ne fil. pro patr. L. nec filium, ubi gloss. C de patr. potest. L. 16. ff. ex quibus caus. maj. L. 24. ff. quæ in fraud. Credit. §. 30. Wei- Von Erbschafft und Theilung. §. 30. Weilen auch einer auff seinem Tod-Bette ihm eine Weibes- Ehelichen Trauungs Recht auff Tod-Betten. Person verehelichen lassen mag/ so werden dadurch die vorhin mit ihr gezeugete Kinder ehelich und erbfaͤhig gemacht/ irret es auch gar nicht/ wann gleich solcher Ehe halber kein Heyraths-Brieff auffgerich- tet/ sondern es ist ihrer beyder Wille nach Geist- und weltlichen Rechten genugsam dazu. L. 2. ff. de jur. dot. L. sed est quæsitum, ff. de lib. \& posth. hæred. inst. L. 11. L. cum quis, \& L. seq. C. de natur. lib. L. qui. in hoc, L. 1. Solut. matrim. §. ali- quando inst. de nupt. L. Imperialis, §. imo Auth. maximis. C. de nupt. L. neque sine, C. de natur. lib. §. 31. Ein Weib/ so gestorben bey der Geburts-Arbeit/ da ihr Kindes Ge- burt Recht so vier Waͤnde bescheyen. das Kind lebendig ausgeschnitten/ ob es schon so bald wieder todt/ wofern es nur einigen Schall oder lautbare Stimme von sich hoͤren lassen/ und die vier Waͤnde beschryen/ wird dafuͤr gehalten/ daß sie einen Sohn oder Tochter zum Erben bekowen/ ja auch/ wenn nur die Mutter lebet/ obschon das Kind keine Stim̃e hoͤren laͤst; wenn aber ein Kind gar todt gebohrẽ zur Welt/ kan es kein Testament zubrechen oder umstossen. L. 141. ff. de V. S. L. 54. ff. de hæred. instit. L. 7. C. de petit. hæred. L. 129. ff. de V. S. L 2. cum L. seq. C. de posth. hæred. §. 32. So kan nun eine Frau/ wie gemeldet/ ihres Ehemannes Erbe nicht seyn/ es sey dann kein Blutsverwandter Freund biß im ze- Ehefrauen Erb-Recht. henden Grad vorhanden/ darum auch Ehestifftungen auffgerichtet werden/ damit eine Frau wissen moͤge/ was sie nach ihres Mannes Tod haben soll/ welchen man nachkommen muß/ so kan auch der Mann seine Hauß-Frau bey Lebenszeiten im Testament versehen/ und ihr geben/ was sie nach seinem Tod haben soll/ weilen billig ein jeder sein Weib bedencken muß/ fintemahl Mann und Weib sind ein Leib/ auch man sich ihrer wohl erbarmen mag wegen schweren Kin- der-Geburt/ dabey sie grosse Gefahr ausstehen/ und wird alsdann die Frau der Obrigkeit vorgezogen. §. fin. instit. de success. cognat. Auth. in success. C. de suis, L. fin. C. unde legit. L. 1. C. unde vir \& ux. L. fin. C. de legit. hær. Auth. præterea C. unde vir. L. si socer, §. Lucius, C. de pact. conv. L. 33. ff. solut. matrim. L. quæ dotis, Eod. L. uxor. §. 1. L. 41. in pr. ff. de Legat. L. uxori, ff. de Usufr. L. ult. C. si quis aliquem tect. prohib. Auth. de Exhib. reis, §. ult. C. si pater, de Ephes. V. testam. C. ex literis, de convers. infid. L. 2. §. 1. C. qui pot. in pign. §. 33. Wann sonst nach Mannes Tode mehr als zwey oder drey Kinder vorhanden/ so bekoͤmmt das Weib nur Kindes Theil/ dero- halben/ wofern wenig hinterlassen/ behaͤlt sie besser das Jhrige/ als daß sie ihre Guͤter zur Theilung bringt/ und hernach dritten Theils Ge- S s nuͤge III. Buch/ Cap. IX. nuͤge dennoch nicht haben mag/ das vierdte als rechtliches Erb-An- theil aber bleibt ihr gewiß. Auth. præterea, C. unde vir. Auth. in success. C. de suis \& legit. §. 34. Wann eine Stieffmutter bey derer Stieff-Kinder Va- Stieffmutter Ehebruchs Straffe in Erb-Recht. ters Lebzeiten Ehebruch getrieben/ und der Vater/ so bald er Nachricht davon erhalten/ sie aus seinem Hause zu schaffen/ und nach Rechtens Verordnung wider sie zu verfahren gerichtlich angehal- ten/ auch darauff den Proceß angestellet/ der Vater aber vor dessen Endigung Todes verfahren/ auch darnach zwischen Kinder und Stieff-Mutter Streit erwaͤchset/ ob ihr bey so gestalten Sachen das Wahl-Recht/ nemlich entweder ihr eingebrachtes Gut wieder zu for- dern/ oder auch gewoͤhnlich gesetztes Antheil aus der gemeinen Erb- schafft zu nehmen frey stehe? oder ob sie sich nicht vielmehr durch be- gangenen Ehebruch allen Anspruchs unfaͤhig gemacht? So ist zu wissen/ daß/ wenn ein Vater bey Lebzeiten wegen eingebrachten Mit- giffts Beraubung nicht geklaget/ der Mutter Sitten Zwang denen Erben zu klagen zwar nicht gebuͤhret/ ja der Mann endlich das Weib/ die Mitgifft zu erlangen/ anklagen muß/ jedoch die Erben mit Ausflucht begangenen Ehebruchs gegen Stieff-mutter Vorhaben sich rechtlich schuͤtzen/ und ihres Rechts verlustig machen koͤnnen/ dahero dann sol- Mitgifft und Ehegeldes Ab- zugs Recht. che Kinder so wohl eingebrachte Mitgifft und gewoͤhnliches Erb-An- theil/ als auch von andern ausser Mitgiffts Guͤtern/ so viel als das drit- te Theil ihres Ehegeldes ist/ an sich zu behalten/ wohl befugt seyn/ weilen solchen Auszugs Recht in buͤrgerlichem Recht ewig waͤhrend. L. 15. §. 1. ff. solut. matrim. Nov. 117. c. 8. §. 2. arg. L. 47. ff. de obl. \& act. arg. L 3. §. 5. ff. quod quisq́; jur. arg. princ. instit. de perpet. \& temp. act. L. 5. §. fin. ff. de Except. dol. mal. §. 35. Wann auch ein oder mehr Kinder ausgestattet waͤren/ und mit denen Unausgestatteten zu gleichem Erbtheil gehen wollen/ so steht Erben Em- pfangs Bey- bringungs Recht. ihnen frey/ ihr eigen vorhin zur Aussteuer empfangenes Gut zur Erbschafft wieder beyzubringen/ oder in gleiche Vertheilung einzu- mischen/ und Mitgifft zum vierdten Theil anzurechnen/ es waͤre denn solches durch Vaters Testament verboten und auffgehoben/ oder sie muͤssen sonst/ was sie empfangen/ an ihrer Gebuͤhr abkuͤrtzen lassen/ massen insonderheit unter Adelichen das Weib nach empfangener Mitgifft von elterlicher Erbschafft ausgeschlossen wird; ja wer nicht beybringen noch buͤrgen will/ dem ist Erbschafft zu weigern. L. 1. \& Von Erbschafft und Theilung. L. 1. \& tit. de Collat. L. ut liberis, L. illud, L. si soror, L. filia \& L. 19. C. Eod. L. 17. \& pen. C. de Collation. L. 29. C. de inoffic. testam. L. filius, C. Eod. L. filiæ, C. famil. hercisc. Auth. præterea, C. unde vir. Auth. de trient. \& semiss. §. illud. L. 1. §. 8, ff. de collat. §. 36. Weilen auch ein Vater seine Kinder zu nehren und erziehen Kinder was bey Erbschafft rechnẽ moͤgen. gezwungen ist/ so sollen Studierungs-Kosten/ welche er Soͤhnen etli- cher Massen schuldig/ wie auch Kleider/ Buͤcher/ Waffen/ Pferde/ Doctorir- und Reise-Gelder/ item Toͤchter Zierrath vom Vater bekommen/ samt Hochzeit-Kosten billig nicht gerechnet noch beyge- bracht werden. Die Morgengabe aber/ so ein Vater aus Noth sei- ner Tochter nach Vermoͤgen geben muß/ ist ihr nicht geschencket/ son- dern wird ihr zugerechnet; Alle Geschencke und Gaben aber/ so von Eltern und Verwandten Braut und Braͤutigam am Hochzeit-Tage verehret/ gehoͤren diesem oder jener zu/ nachdem ihnen der Geber mit Blutfreundschafft zugethan; Fremder Leute Gaben aber sind ihnen beyden gemein; Gaben auch/ so niemand verarmen noch bereichern/ als alle Schmucks Zierde/ Begraͤbniß/ Allmosen/ nothwendigen Hauß-Graͤth und dergleichen/ sind unverboten. L. 17. C. de donat. int. Vir. \& ux. L. Pomponius. ff. famil. hercise. L. 51. ff. Auth. qui locum, C. Eod. Auth. Ex testamento C. Eod. Auth. Unde si, C. de inoff. testam. §. 37. Wer stirbet und keine eheliche sondern uneheliche vor der Unehelichen Erbschafft. Ehe erziehlete Kinder nach sich laͤst/ dieselbigen erben den sechsten Theil der Erbschafft/ und die nechsten Freunde nehmen die andern fuͤnff Theile/ es waͤre dann ein Testament gemacht/ darinn er denen Unehlichen Kindern alles Erbgut geben mag/ jedoch daß denen Eltern/ wo sie vorhanden/ ihr rechtlich drittes Theil gelassen seyn muß; Wel- chen Falls aber sonst zwischen Personen die Ehe zugelassen/ solchen Falls muß auch deren Kinder Legitimation statt haben/ daß sie/ obschon vor- her gezeuget/ dennoch ehelich zu halten/ und gleiches Loß bekommen. Novell. 89. c. 12. §. 4. Auth. licet, C. de natur. liber. Novell, 18. c. 5. Nov. 89. §. discretis vers. si vero filios L. humanitatis, C. de natur. lib. §. ult. instit. de nupt. C. 6. X. de Eo qui dux. in matrim. §. 38. Ein Unehelicher faͤllet seine Erbschafft auff seine Kinder wie die Ehelichen/ hat er aber keine Kinder/ so faͤllet das Erbe auff Mutter/ Bruͤder und Schwester/ von einer Mutter nemlich/ nicht vom Vater; so faͤllet auch das Erbtheil auff Bruͤder und Schwester Kin- der/ deren Vater und Mutter mit ihm von einer Mutter gebohren. Und zwar ist ein Huren-Kind nach buͤrgerlichem Recht faͤhig dem ge- meinen Wesen vorzustehen/ wo es die Nothdurfft und Mangel der Leu- S s 2 te III. Buch/ Cap. IX. te erheischet; sonsten aber/ wo es ehelich oder gerichtlich erklaͤret/ ist ein solch natuͤrlich Kind denen rechtmaͤßigen ehelichen Kindern allerdings gleich geachtet. Novell. 89. c. 13. §. vulgo quæsitos, instit. de success. cognat. L. hac parte, L. si spu- rius ff. nude cognat. L. 2. 4. 8. \& gloss. ff. Eod. Nov. 74. \& Novell. 22. §. pen. \& 4. inst. de success. cogn. L. generaliter, L. spurius, ff. de Decur. C. per vene- rabilem, qui fil. sumt. legit. Tit. quibus mod. natural. effic. sui. Zehendẽ Pfen- nigs Ausgabe- Recht. §. 39. Ferner geschicht von eines Verstorbenen Erbschafft/ der auslaͤndische Erben nachlaͤst/ zehenden Pfennigs Ausgabe/ als wenn ein Unterthan aus eines Fuͤrstenthums Stadt oder Dorff von einem Gericht ins andere sich beglebt/ und wuͤrcklich das Erbgut uͤberfuͤhret/ muß er gewoͤhnlichen Zehenden entrichten. Wer nun freywillig aus Verbrechen oder Schulden halben aus dem Lande zieht/ muß zehen- Nachsteuer wann zu be- zahlen. den Pfennig Auszugs Geld so wohl als ein ausziehender Erbe bezah- len; und zwar/ wer Erbgut ausfuͤhret/ giebt solche Nachsteuer von be- weglichen Guͤtern daselbst/ wo der Verstorbene gewohnet hat/ von unbeweglichen aber allwo dieselbe gelegen sind/ und Falls dieser keine Wohnung gehabt allda/ wo er gestorben/ ob schon dessen fahrende Haabe unter eines andern Gebiet waͤren/ jedoch wird nichts bezah- let vor der Erbschafft Theilung/ oder wuͤrcklichen Ausfuͤhrung/ noch auch im Tausch Zufall/ wenn der Erbnehme am frembden Ort woh- net/ und das Erbe vertauscht oder uͤbertraͤgt. Arg. L. 36. §. 1. ff. de judic. L. 7. §. 1. ff. qui satisd. cog. §. 40. Wobey ferner zu beobachten/ daß/ wer viel oder mehr hat/ Zehendẽ Pfen- nig wovon man geben soll. auch viel oder mehr zahlen muͤsse/ dahero billig Schaͤtzer zu erwehlen/ die aller und jeden Guͤter geschwornes Register nach geleistetem Eyde an- fordern koͤnnen/ daraus deren Guͤter Mehr- und Minderung Ab- und Zunahme zu erfahren; So muß auch dieser zehende Pfennig von ei- ner Gemeinde und von allen Guͤtern gefordert/ ja von Nahrungs Vermaͤchtniß/ ohne was etwan der Schuldner dem Glaͤubiger jaͤhr- lich zur Vergeltung vermacht haͤtte/ und von der dem Eheweibe ver- machten Mitgifft gegeben werdẽ; jedoch wird von einer Erbschafft/ die einem Studenten zu seiner Studi en Vollziehung hinterlassen/ nicht die gantze Summa abgezogen/ wie auch von keinem Vermaͤchtniß zur Kirchen. Also sind von dieser Ausgabe befreyet und ausgenommen Priester und Kirchen-Diener/ Professor en und uͤbrige Universitaͤts Glieder/ deren Wittwen und Kinder/ deßgleichen alle/ die auszuziehen gezwungen seyn/ es waͤre denn/ daß einer Gemeinde Schatz-Kammer wie Von Erbschafft und Theilung. wie solches Erfahrung bezeuget/ dadurch wachsen oder abnehmen/ sich veraͤrgern oder bessern koͤnte. L. 89. de hæred. instit. L. 12. in princ. ff. de cond. furt. §. 41. Wer eine Erbschafft verkaufft/ ist nicht gehalten/ alle und Erbschafft Verkauff- Recht. jede Sachen insonderheit zu gewaͤhren/ sondern ist genung/ daß er solche Gewaͤhr verschaffe und leiste/ die er wie ein Erbe bekommen/ wei- len ers nicht als Eigener verkaufft/ und kan also der Erbschafft Kaͤuffer nicht mehr oder weniger Recht haben/ als der zukuͤnfftige Er- be gehabt haͤtte/ derowegen ihm auch als Erben Statthalter Gefahr und Schaden zugehoͤret/ und muß Verkaͤuffer ihm alle rechtliche Klag- Anspruͤche abtreten; Die Glaͤubiger aber/ und denen etwas vermacht ist/ behalten ihr Recht gegen Erben/ und mag der Kaͤuffer ungern und wider Willen nicht belanget werden/ weilen er selbst keinen Handel getroffen/ der andere aber seine Verpflichtungen auff niemand verse- tzen kan; So wird auch einer verkaufften Erbschafft Groͤsse von Zeit des Kauff-Handels angesehen; Deßgleichen kan man Erbschulden gegen Schuldners Willen verkauffen/ so wohl als Rechts Klagen/ dieselben damit zu gewinnen/ nicht aber nach Kriegs Befestigung Ge- richts-Stand zu aͤndern. L. 1. C. de Evict. L. 2. in princ. §. 1. \& 3. ff. de hæred. vend. L. Emtor, C. Eod. L. 25. cum seq. C. de pact. L. nominis, C. de hæred. vend. L. 1. C. de novat. \& de- leg. Tot. tit. C. de litig. \& ff. de alien. jud. mut. caus. §. 42. Damit auch deren Glaͤubiger Klage-Recht nicht allzu lan- Jaͤhrigen Be- denckzeit oder Inventarii Recht wegen Erbschafft Antretung. ge verschoben/ noch durch uͤbereilete Berathschlagung/ deren Gefaͤhrte spaͤte Reue zu seyn pfleget/ jemand aus Frevel eine Erbschafft zu sei- nem Schaden antreten moͤge/ bey deren hernach uͤberhaͤufft-ausbre- chenden Schulden/ als hat ein jeder von Rechts wegen ein gantzes Jahr Berathschlagungs Frist und Zeitraum/ das Erbe anzutreten oder nicht; wann er aber binnen 30. Tagen von Erbtheils Annehmung Inventarium auffsetzet/ auff solchen Fall hat der Erbe Rechts Wohl- that und Freyheit wegen jaͤhrigen Bedenckzeit unnoͤthig/ ist auch uͤber Erbschafft Vermoͤgen niemand verbunden/ sondern behaͤlt sein Recht gegen Verstorbenen unverletzt/ jedoch moͤgen kostbare und verderbliche Sachen binnen vorigen Bedenckzeit von Obrigkeit verkaufft werden. L. cum in antiquioribus C. de jure deliber. gloss. in auth. sed cum testator, C. ad L. Falcid. L. fin. §. in computatione C. Eod. L. si sciens, ff. de contrah. Emt. §. 43. Ob nun schon der Erbe Fundzettuls oder Inventarii Wohl- that im Rechten hat/ dahero er uͤber Erbschafft Vermoͤgen zu bezah- len nicht gehalten/ ist dennoch deren saͤmtlichen Creditor en gerichtliche S s 3 Ein- III. Buch/ Cap. IX. Einladung dazu nuͤtzlich/ daß sie mit ihm handeln koͤnnen/ etwas von der Schuld nachzulassen/ und gewisse Ordnung wegen Zahlungs Ter- Creditor en Versamlungs Nutzen bey Erbfall. min einzutheilen/ ehe die Guͤter abgesondert werden; wann nun Creditores eingeladen/ moͤgen sie den Schuldner nicht mehr beunru- higen/ sondern gehoͤren alle zum Glaͤubiger Versamlungs Gericht. L. 7. §. ult. \& L. seq. ff. de Pact. Erbschafft Verzicht Recht. §. 44. Wann einer sich seiner rechtmaͤßigen Erbschafft begeben und verzeihen will/ muß solches/ wofern es bestaͤndig seyn soll/ eydlich geschehen/ sonsten ist es unkraͤfftig; dahero/ wofern eine Tochter/ die ausgesteuret/ ihres vaͤter- und muͤtterlichen sich begeben/ dadurch aber uͤbermaͤßig verletzet worden waͤre/ kan sie wegen solchen Verzeihung um Wiedereinsetzung in vorigen Stand und Eydes Erlassung bitten/ weilen der Eyd nicht seyn muß ein Band der Unbilligkeit/ sondern fuͤr allen Dingen drey Gefaͤrthen haben muß: als Warheit/ Verstand und Gerechtigkeit. L. 2. de pact. in 6. C. quamvis, de pact. L. 15. \& fin. C. de pact. c. non est, de R. J. in 6. Auth. Sacramenta puberum, C. si adversus vend. L. pactum, C. de Col- lat. L. pactum, C. de pact. arg. pr. inst. de auth. tut. L. fin. §. pen. ff. ad SCt. Vellej. C. quando de jurejur. C. inter cætera, 2. q. 4. C. etsi Christus, §. Ja- cobus de jurejur. C. veritatis, Eod. §. 45. Wann nun eine Tochter/ so eydlichen Verzicht gethan/ vor dem Vater verstuͤrbe/ und liesse Kinder nach/ koͤnnen selbige gleichwohl/ ungehindert ihrer Mutter Verzicht/ zu ihres Großvaters Erbe kom- men; Also auch Verzicht auff vaͤter- oder muͤtterlich Erbe kan an bruͤder- und schwesterlichen Erbfaͤllen nichts hindern/ darum wann solche vaͤter- oder muͤtterliche Guͤter auff zweene Bruͤder fielen/ und der eine Bruder hernach ohne Kinder stirbet/ so waͤren die ausgestat- teten Schwestern so wohl Erben als der Bruder/ ob schon Verzicht geschehen/ weilen es alsdenn nicht vaͤter- oder muͤtter/ sondern bruͤder- liche Erbschafft heist. L. 94. de acquir. hær. L. 1. §. sed si ff. de collat. dot. L. sed etsi, §. filio, ff. de vulg. \& pupill. substit. L. 1. §. veteres, gloss. in verb. per unum, ff. de acquir. possess. L. tres fratres, ff. de pact. Gloss. in verbo posse; L. Emtor, §. Lucius ff. Eod. tit. Toͤchter Erb- Recht wegen Heyraths Gut. §. 46. Wann auch einer Tochter Heyraths-Gut vom Ehemann verthan/ die Bruͤder aber wollen/ daß sie solch Gut beybringe/ welches sie nicht thun kan/ sondern nur uͤber ihren Mann klaget/ soll sie es sich selbst beymessen/ daß sie es nicht zu rechter Zeit gethan/ wird also vom vaͤterlichen Erbe abgewiesen; wofern sie aber so nahe unter vaͤterlichen Gewalt gewesen und solches angezeigt/ der Vater jedennoch sie zu be- schuͤtzen Von Erbschafft und Theilung. beschuͤtzen versaͤumet/ soll sie der Erbschafft geniessen/ als haͤtte sie die Morgengabe wieder eingeschossen/ und gehet alles Recht wider den Vater/ weilen er die Mitgifft vom Ehemann nicht wieder gefordert. L. ubi \& L. in rebus, C. de jure dot. §. 47. So dann ein Erbe aus Leichtfertigkeit oder Unverstand Erben Untren Straffe. etwas stiehlet/ oder von der Erbschafft hinweg nimmt/ verbirget/ oder solches durch andere anstifftet/ soll er zwiefache Erstattung thun/ und wieder herlegen/ was er an dergleichen Guͤtern als nechster Erbnahme entwendet/ ist auch ehrloß; Obrigkeiten aber sollen hierinn Amts we- gen nicht forschen noch straffen. Also/ wann solche Faͤlle zwischen Mann und Weib sich begeben/ daß ein Theil das andere deßhalben anklagen wuͤrde/ sollen Richter und Urtheilere mit aller Umstaͤnde Ent- deckung nach Rechts kuͤndiger Leute Rath und Gutduͤncken sich hierinn mit rechtlicher Straffe verhalten. P. H. O. Art. 165. L. scimus, §. licentia in fin. C. de jure deliber. L. 12. C. de in- fam. jur. L. 1. 2. 3. 4. 5. ff. Expilat. hæred. \& tit. C. de crim. Expil. L. 71. §. 6. ff. de acquir. vel amitt. hæred. Tit. ff. de act. rer. amot. Caput X. Von Testament oder Vermaͤchtniß/ Mitgifft und Morgengabe/ Leibzucht auch andern Geschencken. §. 1. A Lwo ein Testament zu finden/ darff man nicht nach anderm Erb- recht fragen; wer aber ohne Testament verstirbet/ dessen Gut faͤllt auff seine Erben absteigender Linie/ auff Kinder- und Kindes-Kin- der; wann nun eine Wittwe in Ehemanns Wohnung zuruͤck bleibet/ ist sie schuldig/ alle der Erbschafft beweißlich zugehoͤrige Sachen aus zu geben/ wesfals die Erben sie gebuͤhrend rechtlicher Massen wohl bekla- gen moͤgen. Novell. 118. c. 1. L. quamdiu ff. de R. J. Lantequam C. de comm. success. Auth. in successione, C. de suis. L. liberorum, ff de V. S. §. quibus, instit. de hæred. quæ ab intest. L. nam etsi ff. de inoff. testam. §. 2. Ein Testament nimmt erst seine Krafft nach Testi rers Tod/ weilen ein jeder solches/ so offt er will/ veraͤndern mag/ ob schon er es nicht zu thun abgeredt haͤtte/ solt auch vor gruͤndlich empfangnen Todesfalls Bericht dasselbe nicht eroͤffnet noch offenbaret werden/ wie viel Antheil ein jeder darinn zu haben vermeynet/ der die Eroͤffnung begehret/ son- sten III. Buch/ Cap. X. sten gilt gleich/ was fuͤr Worte da stehen: Er soll Erbe seyn; oder/ ich ge- be ihm ein Theil oder Guts Helffte; Wenn auch ein Testator nicht will/ daß die Zeugen wissen sollẽ/ was er verordnet/ ist es unnoͤthig; So moͤgen in gottseligen Testamentẽ auch Weiber als Zeugen zugelassen werden. L. 2. §. si dubitet. ff. quemadm. testam. aper. L. un. §. cum igitur, C. de caduc. toll. L. nec nos, C. de postlim. L. 3. C. quemadm. testam. aper. L. 2. §. inspectio, \& seq. ff. Eod. L. 22. in princ. de Legat. Novell. 7. C. 2. in princ. L. 4. ff. de adim. vel transfer. legat. L. 21. C. de testam. §. 3. cum seq. instit. Eod. C. 11. in fin. X. de Testam. §. 3 Ein Vater mag wohl eine Testaments Verodnung zwi- schen seinen Kindern machen/ dazu er keinen Zeugen bedarff/ sondern ist genung/ daß er es selbst geschrieben und versiegelt/ massen Vaters ein- genhaͤndiger Zettul die Kinder im Testament verbindet/ was er aber also fremden Personen verordnet/ ist unkraͤfftig. Auth. quod sine, C. de testibus Novell. 107. C. 1. L. inter omnes, C. famil. Auth. si modo, C. Eod. L. 25. \& 29. ff. de Testam. §. 4. Ein bestaͤndig und zierlich Testament muß ein jeder selbst Testaments Zierde. oder durch sein Angeben von andern schreiben lassen/ nemlich bey sie- ben dazu absonderlich erforderten Zeugen Anwesenheit/ deren keiner ermangeln muß/ und soll eines blinden Testament acht Zeugen haben/ allwo kein Notarius zu finden; Ja solche Zeugen muͤssen so wohl als der/ so das Testament macht/ wofern er aber selbst nicht kan/ seinetwe- gen ein ander als achter Zeuge/ alle das Testament eigenhaͤndig unter- schreiben und versiegeln mit eigenem oder fremdem Pittschafft/ wo ers bekennet/ und zwar muß alles an einem Tage und auff eine Zeit gesche- hen/ daß sie keine andere Sachen dazwischen verrichten/ sondern so lang bey einander bleiben/ biß sie es allerseits vollendet/ auch im Schreiben anzeigen/ wessen Testament sie unterzeichnet; Wer nun etwa ein Testament machet/ viel vorher gesagt/ auch weiter mehr sagen wolte/ und daruͤber verstummte/ stillschwiege und stuͤrbe/ ist auch das/ so er zu- vor gesagt/ unguͤltig. L. 21. C. de Testam. in pr. L 29. cum auth. seq. C. Eod. L. si. unus. C. Eod. §. sed cum instit. Eod. L. hæredes, §. in Testamento ff. Eod. L. si non \& Auth. rogati, C. Eod. L. fin. C. de sideicomm. L. pen. ff. \& L. fin. C. qui testam. fac. poss. L. ad testium, §. si quis ff. de testam. \& §. si ab ipso, ff. Eod. §. possunt, vers. Sed \&, instit. Eod. L. 28. C. L. 21. §. fin. ff. Eod L. 22. §. si quis, ff. de Testa- ment. L. cum antiquitas, §. cum autem, C. L. Servus, ff. Eod. §. signum ff. qui testam. fac. L. 12. in princ. C. de testam. L. si is qui. L. 20. §. 6. ff. qui test. fac. poss. §. 5. So der Mann das Eheweib durch gute Worte dahin bringt/ daß er von ihr zum Erben eingesetzt/ ist solches keine Gewalt/ ohne Von Testamenten/ Morgengabe und Leibgedinge. ohne daß es dergleichen ungestuͤme und hefftig anhaltende Schmei- chel-Worte/ so an statt Bedrohungen seyn moͤgen/ gewesen waͤren; Sonst koͤnnen Weiber in weltlichen Testamenten nicht Zeugen seyn/ und muß ein Vermaͤchtniß allerdings bestaͤndig und vollguͤltig bleiben/ ausser Klag-Recht wegen dritten Theils vorbehalten. L. ult. C. si quis aliquem testar. prohib. L. ult. ff. Eod. C. 1. Ext. de offic. \& potest. jud. L 2. ff. de R. J. L. 20. §. mulier. ff. qui test. fac. poss. §. Testes, instit. de Testam. L. 34. \& 35. §. fin. C. de testam. §. 6. Wann nun einer ein Testament machen/ und seinen letzten Testaments Gerechtigkeit. Willen nicht bekandt wissen wolte/ so ist genung/ daß Zeugen etwa von ungefaͤhr dazu kommen/ und also gebraucht worden/ daß eben nicht noͤthig beym Schreiben zu seyn/ sondern sie nur unterschreiben/ versie- geln und wuͤrcklich anhoͤren/ daß der Jnhalt seine Meynung sey. Auth. de imperf. testam. L. 1. ff. de hæred. instit. §. ante \& §. sed cum paulatim, cum seqq. instit. de Legat. §. 7. Ein gerichtliches Testament mag auch genennet werden/ das Gerichtlichen Testaments Recht. außerhalb Gerichts-Ort von einem Krancken/ der seine Obrigkeit und oͤffentlichen Gerichts-Schreiber ins Hauß beruffen und gebeten/ solchen letzten Willen im Gerichts-Buch einzufuͤhren/ abgefasset und gemacht worden/ welches obschon absonderlich verfertiget/ doch gericht- lich eingebracht vollguͤltig/ weilen insgemein die schwachen Leute/ so nicht mehr fuͤr Gericht erscheinen koͤnnen/ derogestalt ihre Meynung erklaͤren/ dahero eine jede Obrigkeit billig Vorsorge haben soll/ daß so wohl sie selbst als dazu benoͤthigte Zeugen jederzeit zur Stelle gegen- waͤrtig seyn moͤgen. L. 22. \& 14. ff. de Testibus. L. 2. L. Consulta, \& L. Testam. C. Eod. §. præterea instit. quibus mod. patr. pot. solv. §. 8. Und zwar soll ein letzter Wille wie ein Gesetz gehalten seyn/ wofern es nicht wider rechtlich gegen Ordnung den Kindern ihr Ge- buͤhr/ der Frauen ihre Leibzucht oder billiges Erb-Antheil entzogen; Te- Testament wer nicht machen kan. stament aber kan nicht machen/ wer in fremder Gewalt stehet/ oder auch seine Guͤter nicht frey verwalten mag: als Soͤhne/ Knechte/ Ge- fangne/ Geissell/ Unsinnige/ Minderjaͤhrige/ Verurtheilte und Ketzer; ja wenn ein Zeuge etwan verwerfflich/ ist Testament auch unguͤltig/ es waͤre denn mit Clausuln Vorbehalt versehen. So mag nun Zeuge seyn Ehemann und Weib/ Meyer/ Diener/ Vater/ Bruder/ nicht aber Eꝛbe/ Taub/ Stumm/ Verschwender. Tit. ff. C. \& inst. qui test. fac. poss. L. 58. ff. de Legat. L. si unus, C. de Testam. L. 5. \& 9. C. de Test. T t §. 9. Ein III. Buch/ Cap. X. Voll- oder Halb-Bruͤder Recht im Te- stament. §. 9. Ein Bruder vom Vater allein/ nicht aber von der Mutter/ ist nicht schuldig seinem Halbbruder oder Schwester im Testament etwas zu geben/ sondern mag andere zu Erben verordnen/ jedoch ehrliche Leute/ sonst wird das Testament vernichtet; Wer sonst ein Testa- ment verbirget oder gefaͤhrlich vorenthaͤlt/ faͤllt in Falschheits Laster. L. fratres 27. C. de. inoff. testam §. non autem, verf. Soror autem, inst. Eod. L. Eum qui celavit, C. ad L. Corn. de fals. Soldaten Fꝛeyheit Testa- ment zu ma- chen. §. 10. Ein Soldat in seinem Zug oder Feld-Schlacht begrif- fen/ mag jemanden zum theil als Erbe einsetzen/ zum theil auch vergessen/ da ihm dennoch das uͤbrige Antheil zuwaͤchst/ sonst aber hat niemand solchen Rechts Freyheit/ jedoch sollen auch Soldaten an andern Orten in ihren Haͤusern/ Wohnungen oder Winter-Qvartieren/ da sie Zeit und Gelegenheit haben/ sich ordentlichen Rechts-Lauffs bedienen; Sonst aber Kriegs-Leute und Rittermaͤßigen Maͤnner letzte Verordnung und Willen/ auff Scheide/ Schild oder Schwerdt/ im Staub oder Sande gemacht/ item alle deren unvollkommene schrifftliche Testamente/ sollen jeder- zeit vollkommene Gewalt und Macht haben/ auch kraͤfft- und guͤltig gehalten werden; So muß gleichfals in andern Begebenheiten recht- lichen Vermaͤchtnissen erst Genuͤge geschehen/ so gar/ daß auch Ubelthaͤ- tern/ die Hauptverbrechen begangen/ wohl vor/ nicht aber nach abge- sprochenem Urtheil frey steht/ etwas vom ihrigen wegzugeben/ und To- des wegen zu verschencken. L. quoties C. de hæred. instit. L. 6. §. 1. L. miles, ff. Eod. L. 7. ff. de R. J. §. 1. instit. de Testam. L. milites, C. \& L. miles, si testam. ff. de Testam. milit. L. fin. §. et- si, C. de jure deliber. L. 15. ff. de donat. Auth. bona, C. de bon. damn, §. de- portati, Auth. de nupt. Testament wann nichtig verfaͤllt. §. 11. Wer auch nach seines Vatern Tod gebohrẽ/ oder nach gemach- tem Testament zum Erben erkant/ wird nicht mit vorbedachtem Rath/ sondern aus Vergessenheit uͤbergangen vermuthet/ und bleibet also der rechte Erbe/ ja es verfaͤllt das Testament von Rechts wegen/ weilen es nicht wahrscheinlich zu halten/ daß jemand seinen Kindern/ welche die Natur zum Erbrecht fordert/ einen Fremden habe vorziehen wollen/ sie waͤren dann recht ausdruͤcklich enterbet. §. aliud quoque in auth. ut cum. de appell. cog. L. si filium, C. de inoffic. testam. §. 12. Ob nun zwar durch Kinder Geburt ein Testament vernich- tet/ dieselbe aber vor dem Vater wieder sterben/ so gewinnet dasselbe seine vorige Wuͤrckungs Krafft/ es sey denn wissent- und vorsetzlich vom Urheber ausgelescht/ durchstrichen/ verkratzt oder zerrissen; eini- gen Von Testamenten/ Morgengabe und Leibgedinge. gen Schrifft Vertilgung aber/ so ohne Geheiß angefangen/ und den- noch zu lesen wohl muͤglich/ ist gar nichtig. L. 2. §. 1. vers. 1. quemad. test. aper. §. alio, inst. quib. mod. test. inf. §. 8. instit. de hæ- red. quæ ab intest. Auth. ex caus. C. de liber. præter. auth. hoc amplius, de sideicomm. gloss. in § posthumi, Instit. de Exhæred. L. 22. C de solut. L 1. 2. 3. 4. de his quæ in test. del. §. 13. Ein Testament zu eroͤffnen/ einzusehen und abzuschreiben Testamenten Eroͤffnungs Recht. gehoͤret der Obrigkeit zu/ welche die Zeugen zusammen kommen lassen/ und ihre Siegel erkennen oder zu verlaͤugnen anstrengen muß binnen 3. oder 5. Tage nach Todes-Fall; Wer nun gar das Vermaͤchtniß laͤugnet/ wird es auszugeben gezwungen; Wann aber einer abwe- send oder Versiegelung zu bekennen weigert/ so wird das Testament nichts destoweniger erbrochen/ weilen es offenbahr nuͤtzlich/ daß eines Menschen letzteꝛ Wille Urtheil und Meynung gebuͤhꝛenden Ausgang ge- winne/ auch alle dahero entstehende Streitigkeiten ohne Jnnhalts An- sehn und Erkaͤntniß nicht koͤnnen eroͤrtert werden/ es sey dann der Ver- storbene von Geschlechts Erben getoͤdtet/ so muͤssen vor Testaments Eroͤffnung die Schuldigen abgestrafft werden/ wer nun wissend dage- gen thut/ hat die Erbschafft verbrochen. L. 6. ff. de transact. L. 1. 2. §. fin. L. 3. 4. 5. 6. \& 7. ff. quemadm. testam. aper. L. Testam. C. de Testam. L. 30. C. de Donat. L. 1. in princ. L. 3. §. 11. \& L. 5. §. 1. L. 9. 15. \& 19. ff. ad SCt. Syllan. \& Claudian. §. 14. Eines Eigeners Eigengut mag ihm schlecht ohne Beding Vermaͤchtniß Recht. nicht zu nutzen vermacht werden/ jedoch kan der Mann seiner Ehe- frauen ihre Mitgifft/ daruͤber sie zwar allbereits Eigenthums Recht hat/ voraus zuschreiben/ weilen sie dieselbe alsdann nach Testament- Rechts Freyheit also fort/ sonst aber erst nach Jahres Frist ansuchen und fordern kan/ ja sie mag solche von Erben dißfalls voͤllig erheischen/ und geht ihr ohne Kindes Theil nichts davon ab/ ist auch kein Geding dagegen schaͤdlich/ so gar/ daß ihr das Vermaͤchtniß muß gegeben wer- den/ obschon keiner Mitgifft ausdruͤcklich gedacht worden/ da sonst der Schuldner nur so weit/ als er fuͤglich thun kan/ zu bezahlen gehal- ten ist. §. sed si rem, instit. de Legat. §. sed si uxori, inst. Eod. L. un. §. Exactio, C. de rei uxor. act. §. si quis debitori, vers. è contrario, instit. de Legat. L. cum dote, ff. ad L. Falcid. L. 2. idem quæritur. §. idem Julianus, ff. de dote præleg. L. 6. \& 8. ff. Eod. §. 15. Wann sonst jemanden Wein vermacht/ so gehoͤren auch die Allerley Art Vermaͤchtniß. Fasse dazu/ ausgenommen solche/ die nicht aus Keller/ Ort und Lager- Stelle zu bewegen/ sondern zu stetem Gebrauch daselbst verwahret T t 2 werden; III. Buch/ Cap. X. werden; Unter Gold und Silber/ gemacht oder nicht/ verstehet sich kein Geld; Schmuck-Zierath und Kleider Vermaͤchtniß ist verschie- den; vermachten Speise Vorrath/ so nicht muͤglich zu erhalten/ muß an Gelde bezahlet und gut gethan werden/ weilen des Verstorbenen letzter Wille nicht saͤumig auffzuhalten. L. 3. 6. 9. 14. ff. de vin. Legat. L. 19. \& 30. ff. de aur. \& arg. leg. L. fin. comm. præd. Nahrung Vermaͤchtniß Recht. §. 16. Unter Nahrung und Lebens-Mittel Vermaͤchtniß ist taͤg- liche Kost/ Kleider und Wohnung begriffen/ ohne welche der Leib nicht zu erhalten; Zucht-Lohn aber gehoͤret nicht dazu; wann nun hierzu ein gewiß Geld vermacht/ muß man es geben/ wo nicht/ soll man ge- woͤhnliche Nothdurfft aus Liebe nach Vermoͤgen ermessen; ja wann solches von einem gewissen Grundgut zu erlegen hinterlassen/ ist das- selbe gleichsam verpflichtet/ und muß ein jeder Besitzer diese Schulden abtragen/ so lange er lebet/ dem es zugeeignet; letzter Wille aber ver- pflichtet niemanden vor Todes Fall. L. 43. \& 233. ff. de V. S. L. 2. \& Lucius. L. cum unus §. fin. L. pen. in princ. L. Mela, L. Stichus §. Titia, L. Cajo, §. fin. de cib. \& alim. leg. L. 22. ff. de Legat. Vater Testa- ments Recht. §. 17. Es mag auch ein Vater im Testament einem Kinde vor dem andern Vortheil thun/ und voraus mehr geben als dem andern/ ohne der Kinder Bewilligung; also mag wohl ein jeder von seinem Gut Frembden etwas verordnen/ jedoch/ daß denen Kindern ihr gebuͤhr und pflichtiger Erbtheil nicht verkuͤrtzet sey/ unter welchem der Vater seinen Kindern nichts kan entziehen lassen/ was aber uͤber das ist/ mag er weggeben; So ist nun eigentlich zu wissen/ daß Kinder gebuͤhrlich Erbtheil sey: Wer vier oder weniger Kinder hat/ muß ihnen dritten Theil lassen; wer aber mehr denn vier Kinder hat/ muß ihnen seiner Guͤter Helffte lassen. L. 8. C. de inoffic. testam. L. 10. C. fam. hercisc. L. 6. C. de inoff. testam. Nov. 18. c. 1. L. cum ratio, ff. de bon. damn. §. primum itaq́; Auth. de hæred. \& Falcid. L. 30. C. de inoff. testam. §. fin. instit. Eod. Auth. novissima, \& L. quoniam C. de inoffic. Testam. §. 18. Wer nun eine Gabe thut/ und keine Kinder hat/ hernach aber Kinder bekaͤme/ mag solche wiederruffen/ es sey denn/ daß der Ge- ber sich dessen verziehen; Sonst mag ein jeder vernuͤnfftiger Mensch bey Jahren wohl ein Testament machen/ und darinn seine Guͤter/ wem er will/ auch vermachen/ es hat auch ein Testament solche Freyheit/ daß der darinn beschwerte Theil nicht weiter als zu rechtlichen Erbschafft dritten Theils Erfuͤllung klagen mag/ welche Klage in 5. Jahren nicht verleschet/ ob schon das Testament gut geheissen. L. si un- Von Testamenten/ Morgengabe und Leibgedinge. L si unquam, C. de revoc. donat. L. pen. C. de pact. L. 43. de vulg. \& pupill. substit. L. 1. C. de SS. Eccles. §. soror, inst. de Testam. Auth. noviss. C. de Testam. L. 6. §. pen. L. 8. §. 6. \& 15. L. 21. 27. 29. 30. 34. 35. §. fin. \& L. 36 C. Eod. §. 19. Jn milden Sachen sind Testamente zugelassen/ die fuͤr des Orts Kirch-Herrn und zween Zeugen auffgerichtet; Jn jederm Testa- Testamenten Vorrechte. ment muß ein Gewisser/ auch steht es jederman frey/ so viel er nur will/ sonderlich aber wo Kinder sind/ dieselbige zu Erben eingesetzt werden/ sonst wird das Testament angefochten/ und wann ein Testa- ment unkraͤfftig/ bezahlen die Erben nicht/ was darinn vermacht/ wo- fern es aber nur deßwegen unguͤltig/ daß etwan ein Kind uͤbergangen/ oder ohn Ursach enterbet/ sollen doch Vermaͤchtnisse gegeben werden. C. cum relatum, de Testam. §. ante hæredis instit. de legat. L. 3. vers. Calpurnius, ff. de his, quæ in testam. debent. L. quod per manus, ff. de jure Codicill. L. 1. C. de SS. Eccl. §. \& unum. instit. de hæred. instit. L. 1. ff. de injust. rupt. test. L. inter cætera ff. de liber. \& posth. princ. instit. de Exhæred. liber. maximum, C. de liber. præter. Auth. ex caus. C. Eod. §. 20. Wem nun etwas im Testament vermacht/ darff man da- Vermaͤchtniß Bezahlungs Recht. von keine Schuld bezahlen/ es muß aber der Erbe zu Schulden antwor- ten/ es waͤre denn so viel vergeben/ daß der Erbe uͤber die Schulden den vierdten Theil der Erbschafft nicht haben koͤnte/ so muß ein jeder/ dem etwas vermacht/ so viel nachlassen/ daß der Erbe solchen bekommen moͤge; wann aber so viel Schulden zu bezahlen sind/ daß die Guͤter al- lein drauff lauffen koͤnnen/ so hat kein Vermaͤchtniß/ Geheiß noch Erbtheil statt/ sondern die Schulden gehenvor zu entrichten. Wann son- sten der Erbe gottselige Vermaͤchtniß nicht bezahlen will/ verfaͤllt die Erbschafft/ zur Straffe solchen Unfugs/ der Herrschafft. L. 7. ff. de bon. damn. L. 17. §. 1. ff. de testam. mil. L. 23. in pr. de acquir. possess. L 5. §. 2. de obl. \& act. §. hæres, instit. de oblig. quæ ex quasi contr. nasc. L. fin. §. cum igitur, C. de jure deliber. Tot. tit. ff. \& princ. instit. de L. Falcid. L. succes- sores, C. ad Leg. Falcid. arg. auth. habita, C. ne fil. pro patr. Auth. hoc amplius, C. de fideicomm. §. 21. Was man Todes wegen vermacht/ soll man wenigstens Todes wegen zur Pestzeit oder muͤndli- chen Testa- ments Recht. vor fuͤnff Zeugen thun/ zur Pest-Zeit aber sind zwey genung/ auch mag jemand seinen letzten Willen wohl muͤndlich bestellen/ welches jedoch zur Gedaͤchtniß durch einen Notarium unter Beyseyn sieben Zeu- gen/ fuͤr denen der Jnhalt/ ehe sie von einander gehen/ zu verlesen/ ge- schrieben und dabey vermeldet werden muß/ daß es ein muͤnd- und nicht schrifftliches Testament sey/ wo sich aber kein Notarius findet/ mag Testator 7. oder auff einem Dorffe 5. erbare Maͤnner zu sich beruffen/ ihnen als Zeugen seinen letzten Willen muͤndlich anzeigen/ wann es T t 3 nicht III. Buch/ Cap. X. nicht zu Pappier gebracht wird/ welches ein ungeschrieben muͤndlich Testament ist/ jedoch muß hernach jeder Zeuge von der Obrigkeit al- ler Umstaͤnde wegen examinir et seyn. L. fin. C. de Donat. mort. L. fin. in fin. C. de codicill. L. 8. C. de Testam. L. 1. ff. de damn. inf. Deut. XIX. v. 15. arg. ff. L. 15. ff. de don. mort. caus. L. hæredes ff. L. 21. §. 1. vers. per nuncupativum, L. in testamentis, C. Eod. §. fin. instit. Eod. Auth. hoc inter, §. per nuncupat. in verb. sine Script. L. fin. C. de Testament. Vermaͤchtniß Nichtigkeit. §. 22. Ein Vermaͤchtniß/ so unnuͤtz/ vergeblich und unguͤltig waͤre/ wann der Testator zur Zeit des verfertigten Testaments gestorben/ sol- ches kan wegen tuͤchtigen Anfangs Mangel hernach nimmer zu guͤltigen Kraͤfften gelangen/ weilen dessen Ursprungs Zeit absonderlich wohl zu beobachten; Vermaͤchtniß faͤllt hinweg wegen Haupt-Feindschafft/ so zwischen Geber und Nehmer entstanden/ oder wann dieser etwa fuͤr jenem verstirbet/ oder/ so es einem andern freywillig ohne Nothzwang vom Geber geschencket. §. in Extraneis, instit. de hæred. qual. L. 30. ff. de R. J. L. Cedere diem, de V. S. L. un. §. cum \& triplici C. de caduc. toll. L. 18. \& 22. ff. de Legat. Vermaͤchtniß wer entbehren muß. §. 23. Derjenige/ dem etwas im Testament vermacht worden/ muß die vorgeschriebene Art und bedungene Weise erfuͤllen/ oder das Vermaͤchtniß entbehren/ weilen sie dessen Endursach gewesen/ jedoch wofern es nicht bey ihm steht/ eine Genuͤge zu thun/ ist er zu entschuldi- gen/ kan aber inzwischen auch nichts begehren. L. 1. \& 2. C. de his quæ sub mod. L. 40. gloss. ad verb. derelictis C. de Episc. \& Cler. Erben Abzugs Recht. L. 44. §. ult. ff. de condit. \& demonstr. §. 24. Das vierdte Theil der Erbschafft soll beym Erben bleiben/ und wird billig allen Falls vom Geschenck und Vermaͤchtniß/ Todes halben geschehen/ abgezogen/ und koͤnnen solchen Rechts Freyheit ein oder mehr Erben und Erbnehmer gebrauchen/ ohne bey gottseligen Gaben und des Verstorbenen Abzugs Verbot; die Guͤter aber soll man also betrachten/ wie sie zur Sterbezeit gewesen/ und vorhero alle Schulden/ Mitgifft/ Leichbegaͤng- und Begraͤbniß-Kosten/ Erben Ge- buͤhr/ auch Dienst-Gesinde Lohn abkuͤrtzen/ hernach die uͤbrigen Guͤter schaͤtzen/ von allem und jeden Vermaͤchtniß das vierdte Theil behalten. L. 18. ff. ad L. Falcid. L. 2. princ. L. 5. C. Eod. L. fin. C. de donat. caus. mort. C. Raynutius \& C. Raynaldus, ff. de Testam. L. 3. \& 5. C. Eod. L. 1. §. si quis, quor. bon. L. 5. §. concesso, ff. de donat. int. vir. L. 80. 87. 47. 73. \& 77. ff. ad L. Falcid. L. 3. 8. \& 10. C. Eod. \& Auth. sed cum Testator. §. quantitas \& §. sin autem Instit. Eod. §. 25. Wann aber der Erbe ohne Versicherungs Mittel einiges Vermaͤchtniß bezahlet/ scheinet er des Verstorbenen Urtheil gut geheis- sen Von Testamenten/ Morgengabe und Leibgedinge. sen zu haben/ und mag vorgemeldte Rechts-Wohlthat nicht mehr an- heischen; sonst muͤssen Erben/ wes Standes oder Vermoͤgens sie sind/ Bezahlung halben Buͤrgen stellen/ ausgenommen Obrigkeiten und Stadtwesen/ die allezeit bequem genug dazu geachtet werden; Wenn aber der Erbe keinen Vorstand machen wolte demjenigen/ dem da et- was im Testament bescheiden waͤre/ auff einen zukuͤnfftigen Fall/ so hat der/ dem die Bescheidung geschehen/ Macht zu begehren/ daß er in Besitzung der bescheidenen Guͤter moͤge eingewiesen werden/ dieselben zu bewahren. L. Error, ff. ad L. Falcid. L. 1. §. 1. si. legatarius, ff. Eod. §. si verò, in auth. de hæred. \& Falcid. L. hæres, ad SCt. Trebell. L. 1. in pr. \& §. si ad fiscum L. 6. §. 1. ff. ut le- gat. caus. cav. L. 1. §. 1. \& tot. tit. D. \& C. ut in poss. legat. vel fideicom. servand. caus. esse lic. §. 26. Denen im Testament mit Stillscheigen vorbeygangenen Obrigkeiten Amt wegen Kinder Erb- folge. Kindern/ ob sie schon solches vernichten koͤnnen/ und dennoch mit vaͤter- lichem Gericht erbar und bescheidner umgehen wollen/ mag Obrigkeit zu Huͤlffe kommen/ und sie mit der Erbfolge durch Besitz-Einnahme der Guͤter beruffen/ welches aber denen Enterbeten nicht zu gestatten/ damit nicht leichtlich ohn Ursach ein Testament Vermaͤchtniß um- Enterbeten Kinder Unfug. gestossen werde/ und dieses gilt auch bey muͤtterlichen Erben Ver- schweigung. L. 1. \& 4. §. ad testem ff. de bon. poss. cont. tab. L. 2. C. Eod. §. ult. instit. de exhib. liber. §. 27. Eines Schuldners eigen jedoch verpfaͤndetes Gut kan Schuldners verpfaͤndeten und vom Glaͤu biger veꝛmach- ten Guts Recht. ihm vom Glaͤubiger im Testament veꝛmacht und zugeschrieben werden/ welchen Falls ihm zwar das Pfand-Recht/ nicht aber die Schuld gar nachgelassen zu seyn scheinet/ es sey dann dessen Wille anders be- kandt/ die Schuld ausdruͤcklich genannt/ oder die Handschrifft zuruͤck vermacht/ und dem Erben zu klagen verboten/ alsdann ist der Schuld- ner mit Ausflucht gesichert/ kan auch den Erben rechtlich belangen/ daß er ihn durch Quittung befreye/ oder richterliches Amt anflehen/ ihn sol- cher Schuld halben frey/ leedig und loß zu sprechen/ und dem Erben ewi- ges Stillschweigen zu gebieten. L. 1. L. quod in rerum, §. 1. ff. de Legat. L. 2. \& 3. ff. de pact L. 3. §. nunc, de Effectu ff. de liberal. legat. §. 28. Obschon Eheleute fuͤr einander nicht moͤgen belanget wer- Mitgifft Guͤ- ter Recht. den/ so wird dennoch durch Ehehaltung der Mann des Weibes Mit- gifft-Guͤter Herr/ geniesset auch waͤhrenden Ehestandes fuͤr Ehebe- schwerden deren Fruͤchte Nutzen/ weilen das Weib auch Mithuͤlffe schul- III. Buch/ Cap. X. schuldig/ und ist der Mann des Weibes/ die er in seiner Macht und Ge- walt hat/ rechtlicher Beschuͤtzer und Guͤter Verwalter/ hingegen das Weib dessen Ehren-Standes/ Wuͤrde und Geschlechts/ Hauß-Woh- nung- und Gerichts Orts theilhafftig/ behaͤlt auch ihr sonderlich Eigen- thums Recht in Braut-Gabe oder Geschenck wegen Hochzeit/ samt Ehemannes allgemeinẽ Guͤter Verpfaͤndung/ ja ohne Nehr- und Wehr- oder Schutz-Recht gewinnet sie nach Mannes Tod von dessen Guͤter ein gewisses Antheil. Tot. tit. C. ne uxor pro marit. L. Dote, C. de Rei vend. L. in rebus \& 20. C. de jure dot. §. pen. instit. per quas pers. L. 1. §. fin. L. 2. ff. de injur. §. patitur, inst. Eod. L. 21. C. de procurat. L. 65. de judic. L. 19. de jurisdict. L. 13. C. de di- gnit. L. 8. \& seq. ff. de senat. L. fin. C. de nupt. L. fin. C. de privileg. Auth. sive, C. ad SCt. Vellej. Auth. præterea, C. unde vir \&. L. assiduis, C qui pot. in pign. L. 11. §. fin. L. 22. ff. solut. matrim. §. 29. Mitgifft und Morgen-Gabe ist dem Ehemann beque- mer an ungeschaͤtzten Dingen zu empfahen/ weilen solche nach geendig- tem Ehestande/ wie sie annoch in natuͤrlichem Wesen bestehen/ wieder zu geben billig/ und deren Gefahr oder zufaͤlligen Untergang der Mann zu leisten nicht schuldig; Bey geschaͤtzten verdorbenen Sachen aber/ die gleichsam verkaufft zuseyn scheinen/ muß allerdings deren Werth er- stattet werden; Jst auch nicht daran gelegen/ ob etwas gewisses oder nach ehrlichen Manns Willkuͤhr zur Mitgifft bedungen/ massen ein Vater gehalten/ seinem Vermoͤgen gemaͤß zu rechtlich bequemen Unter- halt nach Ehemannes Standes Wuͤrden seine Tochter mit Heyraths Gut zu versehen. L. 11. seqq. \& 43. ff. de jure dot. L. pignus. C. de pign. act. §. cum autem, inst. de Emt. L. 23. ff. de V. obl. L. ex conventione, C. de pact. L 5. \& pen. C. Eod. L. un. §. cum autem, C. de rei ux. act. L 6. \& seqq. sol. matrim. L. 23. §. generali- ter de R. J. Auth. res quæ. C. comm. de legat. L. 69. §. 4. ff. de jur. dot. gloss. fin. L 5. ff. sol. matrim. §. 30. So kan nun ein Ehemann unter geheimen Pfandrecht Morgen-Gabe von dem Versprecher begehren/ als dessen Guͤter ihm etwan auff unvermuthlich begebenden Fall gefaͤhrlichen Gewehrs hal- ben verpflichtet/ jedoch wird Ehestandes Recht wegen nicht erfuͤlleten Morgengabe und Mitgifft Guͤter Recht. Mitgiffts Beding gar nicht verringert/ weiln dieses von jenem/ und nicht jenes von diesem herruͤhret; Wann aber nach beschlossener Ehe die Brautgabe ohne Ursache beym Ehemann oder dessen Erben befindlich/ mag sie von Rechts wegen wieder gefodert werden; ja wenn der Mann verarmet/ wohl gar waͤhrenden Ehehaltung/ auff daß die Frau der Gefahr entgehen moͤge/ desfalls hernach vergeblich zu klagen/ sonst aber Von Testamenten/ Morgengabe und Leibgedinge. aber ausser Morgen-Gabe/ davon der Mann Genuß hat/ sind alle Guͤter der Frauen ihr Eigenthum. L. un. §. 1. vers. ab utraque C. de rei ux. act. gloss. L. 1. C. de jure dot. L. fin. C. de donat. ante nupt. L. 9. C. de rei vind. L. 21. §. 1. ff. ad municipal. Tot. tit. ff. solut. matr. §. fuerat, inst. de act. L. 29. C. de jure dot. §. 31. Wenn nach geendigtem Ehestand die Mitgifft samt Frucht- Mitgifft fer- neres Recht. Nutzen nach Ehescheidung Jahrs Verlauff Antheil begehret wird/ so muß auch aller durch Schuld/ List und Versaͤumniß zugefuͤgter Schade verbessert und erstattet werden vom Ehemann/ dessen Erben oder Vater/ wofern er die Gabe bekommen; Es mag aber der Ehe- mann den Braut-Schatz behalten/ wofern er Kinder mit ihr gezeuget/ oder wegen Ehebruch/ Verlassung und andern Ehescheidungs Ursa- chen oder gemachten Bedings halben; oder/ so er nicht bezahlen kan/ und hernach Noth leiden muͤste; oder/ daß das Gut ohne seine Schuld nach Ehefrauen Verzug verdorben. L. 240. ff. de V. S. L. un. §. videamus, §. accedit, §. ex hoc, C. de rei uxor. act. L. avia, C. de jur. dot. L. 2. 7. 11. 12. 15. 18. 31. pen. \& fin. ff. solut. matrim. L. Dos à patre, C. Eod. L. 38. \& 47. ff. Eod. L. 12. de pact. dotal. L. 173. ff. de R. J. L. 26. 48. \& 49, ff. sol. matrim. §. 32. Mitgiffts-Gut das unbeweglich soll alsobald/ beweglich Morgengabe, Erstattungs Recht. aber binnen Jahrs Frist/ zuruͤck gehaͤndiget werden/ inzwischen muͤssen des Mannes Erben das weib ernehren/ wofern sie anders nicht leben kan/ und mag es so lange im Hause bleiben bey seinem Unterpfande/ biß die Morgen-Gabe bezahlet samt letzten Jahrs Fruͤchte Theilung/ nach Gelegenheit der Zeiten/ jedoch moͤgen hievon alle nothwendig und nuͤtzlich/ nicht aber uͤberfluͤß- und wolluͤstig angewendete Unkosten ab- gezogen werden; Also kan der Mann allen ihm dienlichen Zierrath/ Falls es ohne Schaden muͤglich zu trennen/ hinweg nehmen oder muß ihm Gut gethan werden/ wofern es aber ihm unnuͤtzlich/ soll man der Men- schen Boßheit so viel nicht zulassen/ andern muthwillig zu schaden ohne ihren eigenen Vortheils Gewinn. L. un. §. Exactio \& §. autem, C. de rei ux. act. L. 7. §. ob donationes, ff. solut. ma- trim. L 39. ff. de petit. hæred. L. un §. taceat, C. de rei ux. act. L. 38 ff. de rei Vind. §. 33. Leib-Zucht oder Leibgedinge ist ein Theil Mannes Guͤter/ Leibgedings Recht. welches nach Beding oder Gewohnheit zur Mitgifft Gleich- und Si- cherheit dem Eheweibe nach Mañes Tode zu geniessen angewiesen wird/ wofern sie sich nicht durch Ehebruch/ unrechte Scheidung oder schaͤnd- liches Leben dessen unwuͤrdig macht/ auch nach Mannes Lebzeiten; de- rohalben gegen der Frauen eingebrachte Mitgifft/ die sie dar thun kan/ ist die rechte Leib-Zucht auch wohl an eigenem Haab- und Erbgut an- U u zustiff- III. Buch/ Cap. X. zustifften/ und hat die Frau zu erwehlen diese oder jene Forderung zu Hochzeit Ge- schencke Recht. thun/ hernach aber darff sie ihren Willkuͤhr nicht veraͤndern/ sondern ist eins zu behalten verbunden. Alle Geschencke aber vor der Hochzeit gegeben kan niemand vom Weibe oder dessen Erben mit Recht wie- der fordern. c. ex parte de for. comp. c. plerumque de don. int. vir. auth. permissa, C. de don. ante nupt. L. fin. cum auth. seq. C. Eod. Nov. 61. L. 10. in fin. ff. Eod. L. 9. §. dotis, ff. Eod. L. pen. C. de dot. promiss. Auth. æqualitas, C. de pact. conv. §. 34. Geschenck/ Gabe und Gifft ist alles/ was ohne Zwang und Noth/ unter Lebendigen aus Mildigkeit/ oder Todes halber von Voll- muͤndigen gutwillig gegeben wird/ daß man es erst bekommt/ wenn der Geber stirbet/ oder auch alsobald wegen Todes Gefahr/ bey welcher Gabe 5. Zeugen noͤthig/ es sey mit oder ohne Schreibẽ verrichtet/ so gilts ohne gerichtliche Verfassung/ ob gleich es uͤber 500. Guͤlden waͤren; Sonst aber ist ein solch Geschenck/ welches die Summa uͤbertrifft/ an Geld/ fahrender Haab oder liegendem Gut/ wenn es nicht gericht- lich/ unbestaͤndig und nicht kraͤfftig; Alle andere rechtschaffene Ge- schencke aber kan auch kein Obrigkeitlich Rescript s-Befehl auffhe- ben. L. donati, L. 1. §. 1. ff. donat. L. donari, ff. de R. J. Tot. tit. ff. \& C. de donat. mort. caus. §. aliæ \& §. mortis, inst. de donat. L. fin. cum Auth. annexa, C. si cert. pet. Auth. item a privatis, C. de donat. L. minoribus, C. de donat. ante nupt. L. incivile, C. de Rei vind. L. munus, ff. de V. S. L. non omnis in princ. ff. si cert. pet. §. 1. instit. de donat. §. 35. Geschenck und Gabe zwischen Eheleuten ist im Recht verboten/ auff daß sie gleichsam einander die Liebe nicht abkauffen noch sich selbst berauden moͤgen; Geschenck aber Todes halber zwischen Mann und Weib ist zugelassen/ weilen des Guts Eigenthum beym Geber bleibt/ biß die Ehe vom Tode getrennet; Wenn auch ein Sohn aus Geheiß oder mit Willen des Vaters etwas verschencket/ ist eben so viel/ als ob es der Vater selbst gethan. Ja/ alle Guͤter/ die ein Sohn ohne des Vaters Zuthun mit der Faust und Degen oder Kunst erworben/ mag er ohne des Vaters Bewilligung/ so wohl unter Le- bendigen als Todes wegen verschencken; Ein Geschencke auch vom Schwaͤher oder Schwieger dem Eydam oder Schnur geschehen/ kan nach geendeter Ehe von keiner Obrigkeit vernichtet oder abgethan werden. L. 1. 2. 3. ff. de donat. inter vir. \& ux. L. si cum uxori, §. fin. L. quia in hoc, \& L. sed interim, ff. Eod. L. si cum fillus, ff. de donat. L. filius famil. C. de bon. quæ liber. L. 9. C. de donat. ante nupt. L. meminerint C. unde vi. L. 4. C. de Emancip. liber. C. primum, 22. q. 2. §. 36. Ge- Von Kauff/ Verkauff und Tausch. §. 36. Geschencke/ so man vergiebt/ kan man/ ohne in etlichen Faͤl- Geschenck Wiederruffs Recht. len um Undanckbarkeit/ nicht wiederruffen/ als wann der Geber ge- schmaͤhet/ beschimpfft/ mit Gewalt geschlagen/ verwundet/ oder ihm an seinem Gut grossen Schaden zugefuͤgt/ oder nach seinem Leben ge- standen/ oder der die Gabe empfangen nicht haͤlt/ was dabey abgeredt und zugesagt/ oder den Geber/ wann er verarmet/ nicht unterhalten will/ er haͤtte denn in obigen Faͤllen Wiederruffs Verzicht gethan. L. 4. C. de revoc. donat. L. fin. C. de Usucap. pro Emt. L. 5. C. de O. \& Act. L. 17. §. sicut, ff. commod. pr. instit. de oblig. L. ult. ff. \& tot. tit. C. de revoc. do- nat. Nov. 22. c. 35. c. fin. Ext. Eod. §. sciendum, inst. de donat. L. fin. verb. voluerit, C. de revoc. donat. L. necare, ff. de lib. agnosc. Caput XI. Von Kauff/ Verkauff und Tausch. §. 1. E Jn jeder mag selbst oder durch andere im Recht handeln/ miethen/ vermiethen/ kauffen und verkauffen; So wird nun Kauff- und Verkauffs-Handel vollenzogen/ wann man des Kauff-Gelds einig/ des Guts Eigenthum aber erlangt der Kaͤuffer nicht ehe/ denn es ihm gelieffert und uͤbergeben; darum/ wenn zweene ein Gut kauffen/ wird der vorgezogen/ dem dasselbe uͤberantwortet/ ob schon der andere die aͤltesten Brieffe haͤtte/ sintemahlen der allezeit das beste Recht hat/ der Besitz bekommen; und wenn jemanden eine geschaͤtzte Sache zu ver- kauffen uͤbergeben/ so macht die Schaͤtzunge/ daß alle Gefahr den/ der es angenommen/ uͤbergehet/ so wohl als ob ein Ding verkaufft waͤre. L. ordinarii \& 15 \& L. 12. C. de R. V. Princ. \& §. cum autem, instit. de Emt. vendit. §. pretium, instit. Eod. L. in Emtionibus, L. 2. §. 1. L. 36. cum seq. \& 74. ff. de contr. Emt. L. 9. C. Eod. L. 20. C. de pact. L. 8. C. de act. Emt. L. 6. de di- vers. temp. præscr. L. 6. C. hæred. vel act. vend. L. si de eo, §. fin. de acquir. possess. §. 2. Wann ein Verkaͤuffer eines verkaufften Guts ewigen oder Verkaͤuffer Vorbehalts Recht. zeitlichen Wiederkauff vorbehaͤlt fuͤr sich und seine Erben/ ist es recht- lich bestaͤndig; Und was einer mit frembdem Geld kaufft/ dasselbe ge- hoͤret ihm zu/ und nicht dem das Geld gewesen/ jedoch hat er heimliches Pfand-Recht an solchem erkaufften Gut wegen Geldes Erstattung. L. 2. L. si à te, C. de pact. int. Emt. \& vend. L. 8. \& tot. tit. C. si quis alt. vel sibi. L. sed etsi, §. 1. ff. de petit. hæred. §. 3. So wird nun ein Hauff-Handel entweder mit oder ohne Kauff- und Reu-Kauffs Handels- Recht. Hand-Geld geschlossen/ und wer solches verliehren oder das Empfan- U u 2 gene III. Buch/ Cap. XI. gene zwiefach wiedergeben will/ wird ohne Straffe zum Reu-Kauff gelassen/ wann aber der Handel erfuͤllet/ wird das Hand-zum Kauff- Geld gerechnet; deßgleichen besteht Kauffmanns Recht etlicher Or- ten in Haafen und Stapel-Gerechtigkeit/ oder freyen Niederlage we- gen Korn und andern Schiffungen/ dadurch die Schiffe Wein und andere Waaren am Staffel-Marckt auff etliche Tage zu verkauffen/ vorzuweisen und derohalben still zu liegen/ vermoͤge solchen Vorrechts Freyheit/ von einem Ort oder Stadt wuͤrcklich gezwungen werden moͤgen. Hauß- und Erde-Guts Kauff-Recht. §. 4. Was dann einem verkaufften Gut anhaͤnget und zugehoͤrig/ wird/ nachdem es zur Kauff-Handels Zeit beschaffen gewesen/ fuͤr mit verkaufft geschaͤtzt/ also pflegt einem verkaufften Hause alles mit zu folgen/ was an Gebaͤus-Balcken und Dach oder Fach/ Grund und Boden oder Nagel fest enthalten/ also auch Erb-Zinß und Schatzungs Gefaͤlle/ ohne welche man kein liegendes Grund-Gut erkauffen kan; jedoch gehoͤren eben nicht alsbald dazu Fisch und Weydwerck/ Vieh/ Holtz/ Muͤhlen/ Taubenhaͤuser/ Vestungs Gebaͤu/ Herrschafft-Ge- biet/ Erd-Schatz/ noch was aus der Erden gerissen oder abgehauen; Also/ wann das Pferd verkaufft/ wird Sattel und Zaum nicht mit verkaufft gehalten. L. 69. 73. \& 77. ff. de act. Emt. L. 40. §. qui agrum \& §. fin. L. 47. cum seqq. ff. Eod Tot. tit. C. sine cens. vel rel. L. 66. L. 17. §. si rata, L. 7. \& L. 13. §. fin. cum seq. de act. Emt. Verkaufften Erd-Guͤter Recht. §. 5. Solte auch jemand seine Guͤter aller Beschwerden/ Dienst- barkeiten/ Steuren/ Zinsen/ Wachten und dergleichen Buͤrden oder Renten frey verkauffen/ kan solches dem Kaͤuffer nicht helffen/ son- dern muß davon alle kuͤnfftige und verfallene Lasten zahlen und abtra- gen/ weilen in diesem Fall nicht der Kaͤuffer/ sondern sein erkaufftes Gut angesprochen wird; So mag auch der Obrigkeitlichen Zugehoͤr durch der Contrahent en Geding nichts benommen werden/ derowegen wann solche Bezahlung nicht geschicht/ koͤnnen die Guͤter von Rechts wegen eingezogen werden/ jedoch mag der Kaͤuffer deßfalls um sein Interesse den Verkaͤuffer Vertrag gemaͤß beklagen. L. rei annon. L. omnes, Auth. sed \& peric. C. sine cens. vel rel. fund. Arg. L. Impe- ratores, ff. de publ. \& vectig. L. inter debitorem, ff. de pact. L. fin. C. si pro- pter publ. pens. L. Epistola, §. pactum, ff. de pact. L. fin. C. sine cens. vel re- liq. fund. comp. L. 80. ff. de Legat. 2. Kauff-Brieffs gerichtliche Einfuͤhrung. §. 6. Wann aber Klaͤger solchen Falls durch Kauff-Brieffs ge- richtliche Einfuͤhrung sein Anbringen erwiesen/ so ist Beklagter die vor- Von Kauff/ Verkauff und Tausch. vorgeschuͤtzte Verwirrungs und Falschheits Auszuͤge innerhalb gewis- sen Frist zu erweisen schuldig/ jedoch dem Klaͤger seine Gegennoth- durfft vorbehalten/ und kan der Richter/ insgeheim ohne Eroͤffnung zu behalten/ Beklagtem zugleich mit Klaͤgern Beweiß auffbuͤrden/ nem- lich zu Streits Verkuͤrtzung/ wann sie sich widersprechen/ oder in Graͤntz-Entscheidungen/ wie auch in Erb- und andern gemeinen Guͤ- ter Theilungen. L. 2. ff. de probat. §. 7. Es mag auch wohl einer ein Schloß/ Amt/ Dorff/ Stadt- Zehenden/ Acker/ Wiesen und andere liegende Guͤter/ erblich und wiederkaͤufflich handeln/ obs gleich mehr traͤgt/ als der Kauff Schilling verzinsen kan/ so hat er es dennoch mit Recht und gutem Gewissen an sich gebracht/ weilen es nicht geliehen/ sondern erkaufft; Jn gleicher Streitigkeit aber ist allezeit Verkaͤuffers Sache besser/ welcher das ver- kauffte Gut so lange Pfands weise inne behalten kan/ biß es ihm be- zahlet/ wie auch von Zeit Bezahlungs Verzoͤgerung ihm billiger Wu- cher-Zinß erschienen ist. Tot. tit. ff. \& C. de contrah. Emt. vend. L. 2. C. de pact. inter Emt. L. 75. de con- trah. Emt. L. 8. C. de rescind. vend. L. 5. C. de pact. int. Emt. \& vend. L. 32. §. in bonæ, de usur. L. 13. C. Eod. L. 11. §. redhibitionem, ff. de rescind. vend. §. 8. Nach buͤrgerlichem Recht erlanget niemand das Eigenthums Recht aus blossem Kauffhandel/ Gabe/ Geschenck und dergleichen/ ohne wuͤrckliche der Sachen Uberliefferung/ wovon der Kirchen Frey- heits Recht ausgenommen wird; Ja/ wann ein Fuͤrst auch Kirchen- Gut veraͤussert/ so ist dennoch der Kaͤuffer nicht alsobald sicher. Sonst ist der Verkaͤuffer schuldig/ dem Kaͤuffer das verkauffte Gut zu gewaͤh- ren/ und ihn zu vertreten/ wann er besprochen wird/ es sey denn/ daß er im Verkauffen die Gewaͤhr ausbedungen haͤtte. L. 50. \& pen. ff. de R. V. L. 20. C. de pact. L. 23. §. 1. C. de SS. Eccles. L. 64. ff. de furt. C. 8. caus. 16. q. 3. L. 1. C. de rescind. vend. L. 6. \& 8. C. de Evict. L. 60. ff. Eod. L. 11. §. fin. L. 16 de act. Emt. L venditor. ff. de judic. L. un. in fin. C. ubi in rem act. L. 1. §. si convenit, ff. Depos. §. 9. Also ists auch in Wechsel und Tausch-Recht/ daß einer dem andern Gewehr zu leisten pflichtig ist; wer aber aus eigener Ver- warlosung um das Gut koͤmmt/ oder wem die verkauffte Sache mit Gewalt oder durch unrecht Urtheil benommen/ wie auch in Gaben/ so aus eiteln freyem Willen ohn Ursachen oder vorhergehende Zusage geschehen/ ist der Geber und Verkaͤuffer die Gewaͤhr nicht schuldig. L. ad res, ff. de ædil. Edict L. Emtor, verb. injur. de Evict. L. 29. §. 1. L. 34. in pr. L. 63. §. fin. de Evict. L. 3. §. 6. ff. si cui plus quam per L. Falcid. L. fin. C. U u 3 de act. III. Buch/ Cap. XI. de act. Emt. L. 8. L. 51. L. si per impotentiam, L. Lucius, L. 18. §. fin. ff. de Evict. L. 2. C. Eod. §. 10. Durch oͤffentliche Auction wird unter vielen Kaͤuffern ei- Oeffentlichen Auction Recht nem Meistbiethenden nach 30. Tagen Verlauff die Sache zugesagt/ wann inzwischen kein ander besser Gedinge anerboten. So wird auch durch dieses Mittel beydes Creditor und Debitor wohl berathen; die- ser/ daß er sich nicht zu beklagen/ die Sache sey fuͤr allzugeringem Preiß verkaufft/ jener aber/ daß er Kaͤuffer bekommen und baar Geld ge- winnen moͤge/ so mag des Guts Schaͤtzung vorher gehen oder nachfol- gen/ um mancherley Betrug zu meiden. Ferner/ wann einer gewissen Preiß angeboten/ soll es nichts destoweniger mit solchem Gebot wei- ter feil ausgeruffen werden/ um zu wissen/ ob nicht jemand etwas zu- legen wolle/ wann nun kein ander noch besser Feilscher sich findet/ be- haͤlt es der erste; wann aber gar kein Kaͤuffer gefunden wird/ oder allzugeringer Preiß geboten ist/ muß der Richter Amts wegen schaͤtzen und Creditor das Gut annehmen oder gebrauchen/ biß er sich bezah- let gemacht hat. L. 4. \& tot. tit. C. de fide instrum L. de in diem addict. L. 3. C. de Exec. rei judic. L. 2. 3. \& 6. C. de fide \& jure hasta fisci. L. ult. §. ult. C. de jure domin. impetr. Auction Recht bey Creditoris Pfands Ver- kauffung. §. 11. Was nun einer bey oͤffentlicher Auction gekaufft/ dessel- ben Guts Gefahr/ Schaden und Gewinst gehoͤret binnen 30. Tage Frist/ ehe dann es ihm gelieffert/ dem Kaͤuffer als Eigenthumsherrn zu/ in welcher Zeit/ wofern das Geding durch Preiß Vermehrung/ leichter und fruͤhzeitiger Zahlung/ oder ander nuͤtzlicheres Erbiethen nicht verbessert/ behaͤlt es der erstere Kaͤuffer/ welchem auch frey steht/ den letztern mehrbiethenden durch mehrere Zugabe abzustechen und uͤberwinden/ darum auch Verkaͤuffer ihn warnen soll/ und muß also ein besserer Kaͤuffer in der That sich finden/ nicht aber faͤlschlich ange- geben werden/ der mehr und nicht nur eben so viel zu geben gesinnet; darum wann Creditor das Pfand durch oͤffentliche Auction, wie sichs gebuͤhret/ verkaufft/ so vermag weder Schuldner noch ander Glaͤu- biger solches durch nichtiges Wiedersprechen verhindern/ es sey dann/ daß er die Schuld bezahle/ jedoch soll Debitor gerichtlich dazu eingeladen werden/ es waͤre dann anders vereiniget/ oder das Gegentheil vorhe- ro bedungen worden. L. 2. 3. 4. §. fin. cum LL seq. L. 4. §. cum igitur, L. item, §. fin. cum duabus LL. seqq. ff. de act. Emt. L. Edicto, C. si adversus fisc. L. si fundum, de Rei vend. L. ordo. C. de Exec. rei judic. L. 4. C. de distract. pign. L. ult. C. de jure dot. L. 1. \& 2. C. Debit. vend. pign. §. 12. Wann Von Kauff/ Verkauff und Tausch. §. 12. Wann aber ein Dritter mit Eigenthums Recht das Pfand- Verkauffs Ge- waͤhr wann Creditor nicht leisten oder Eigenthums Recht gewin- nen kan. gut zu gewinnen Ansprache thut/ so ist Creditor, welcher es nicht auff sei- nen/ sondern des Schuldners Glauben veraͤussert und verkaufft/ der Gewaͤhr halben nicht gehalten; damit aber der Schuldner aus andern Schaden sich nicht bereichern moͤge/ kan man ihn des Werths belan- gen/ oder der Kaͤuffer mag begehren/ daß Creditor ihm sein Klagrecht uͤberlasse/ dadurch den Schuldner wegen Interesse anzusuchen/ daß er frembdes Gut gegen Treu und Glauben verpflichtet; wann nun das Pfand niemand kaufft/ so erlangt Creditor Eigenthums Recht daran/ weilen er es in Besitz haͤlt; Falls aber Schuldner das Pfand noch in hat/ und zu bezahlen saͤumig/ muß Creditor Besitz-Recht zu uͤberkom- men klagen/ und solches auch nicht mit Vergleich eigener Macht ein- nehmen/ sondern darum richterliche Amts-Huͤlffe anflehen. L. 12. §. 1. ff. de distract. pign. L. 50. \& 74. ff. de Evict. L. 13. C. Eod. L. 66. in princ. ff. Eod. L. fundus, §. Creditor. de pign. L. 5. C. ad L. Jul. de vi. L. Extat, quod met. caus. L. 3. C. de pign. L. pen. C. de pign. act. L. 55. de furt. L. 7. C. de judic. §. 13t Wenn es sonst im Kauffhandel eine gewisse Sache nach Maaß- und Groͤsse/ ist der kauff richtig/ so bald man Werths halbẽ ver- einiget; was aber im Gewicht/ Zahl und Maaß bestehet/ muß sich ein jeder erst wiegen/ zehlen und zumessen lassen/ vorher ehe solches gesche- hen/ steht alle Gefahr beym Verkaͤuffer/ und wofern dem Kaͤuffer we- gen Kauffpreiß nicht Glauben beygemessen/ muß er solchen bezahlen/ u. lieffert jener diesem das Gut aller Ansprache leer und leedig zu eigen- thuͤmlichem Besitz/ auf bedungene Zeit/ welche dẽ Handel so lange auff- haͤlt; Andern Gestalt aber scheinet es nicht/ daß ein Verkaͤuffer in Hoffnung gegenwaͤrtigen Zahlung sein Gut zu verliehren gesonnen/ weñ selbige ermangelt/ ja wenn er dieses Vertrauen nicht von sich mer- cken laͤsset/ sondern das gekauffte Gut schlecht hin ausgiebt/ so bewei- set er damit/ daß er borgen und creditir en will/ wo nicht Umstaͤnde an- ders lehren; So pflegt man auch wol also zu verkauffen/ wenn das Geld am gewissen Tage nicht bezahlet wuͤrde/ soll das Gut ungekaufft seyn/ es waͤre denn Kaͤuffer rechtlich verhindert/ auch hat Verkaͤuffer die Wahl/ den Preiß zu fordern oder Handgeld zu behalten/ und sein Gut wider zu nehmen. L. 3. L. ratas, C. de rescind. vend. L. contractus, C. de fide instr. L. 2. C. quando li- cet ab Emt L. de lege \& ult. de lege Commiss. L. 35. in his quæ pond. L. 34. §. pen. ff. de act. Emt. L. 1. ff. de peric. \& commod. L. ult. de condit. cauf. dat. L. 1. verb. nummos facere, de rer. permut. L. 2. 3. 8. 19. \& 55. de act. Emt. §. per traditionem, §. venditæ, instit. de rer. divis. L. 3. de pignor. act. L. pro- curato- III. Buch/ Cap. XI. curatoris, §. pen. ubi gloss. de tribut. act. L. 4. §. fin. ff. de lege commut. L. 2. 3. pen. L. 5. in princ. Eod. L. magnam, C. de contr. stipul. L. 25. in princ. de petit. hæred. Grund-Guͤter Verkauff. §. 14. Wer Grundguͤter verkaufft/ ist schuldig dem Kaͤuffer inson- derheit alle darauff liegende Beschwerden und Dienstbarkeiten an- zuzeigen/ sonst mag ihn derselbe wegen Betrug und gefaͤhrlichen Hand- lung beklagen; So wird auch das verkauffte Gut des Verkaͤuffers nicht anders/ als wenn der bedungne Preiß bezahlet/ oder fuͤr das Kauff- geld Buͤrgschafft geleistet/ oder der Verkaͤuffer dem Kaͤuffer den Kauff- schilling auff eine Zeitlang vertrauet; Derowegen ein Kaͤuffer nicht saͤumen soll/ wenn der Verkaͤuffer das Geld fordert/ sonst darff er sein Gut nicht verliehren/ sondern mag es wieder zu sich nehmen. L. quæro, ff. de act. Emt. L. 1. §. fin. Eod. tit. L. quæritur §. si venditor. ff. de ædilit. Edict. L. quod venditi, ff. de contrah. Emt. L. procuratores, §. pen. ff. tribut. L. 2. §. qui ait, ff. quor. legat, L. ut res Emtoris. ff. de contrah. Emt. Adelichen Erb und Bauren Guͤter Recht. §. 15. Es moͤgen aber alle von denen Adelichen an sich erkauffte Bauren-Guͤter deren Adlichen Erbguͤter Natur nicht an sich nehmen/ weilen solches viel Schwuͤrigkeiten erregen/ und gehaͤßige Ausnah- me/ oder Steuer- und Zinß-Freyheit/ andere zu ihrem Nachtheil und Schaden desto mehr zu beschweren/ zur boͤsen Nachfolge verursachen wuͤrde/ welches jedoch muͤglichst zu verhuͤten/ sonst ja die Edelleute in Krigs-Zeiten dergleichen Bauren-Guͤter fuͤr geringen Preyß in gros- ser Menge erkauffen koͤnten. L. 129. ff. de R. J. L. 2. C. sine cens. L. actores, C. de exact. tribut. §. 16 Unbewegliche Guͤter/ die eine Frau dem Mann zubringt/ kan der Mann auch mit der Frauen Bewilligung nicht verkauffen/ sie waͤren denn fuͤr eine gewisse Summa angeschlagen/ oder daß der Mann sonst so viel habe/ als das Gut werth ist; Auff daß nun die Weiber nicht so gefaͤhrlich um ihr Gut kommen/ haben die Rechte sie mit Freyheit begabet/ daß fuͤr solches alle und jede Mannes Guͤter der Frauen verpfaͤndet seyn/ also/ daß bey Theilungs Vorfall unter Cre- ditorn sie fuͤr allen den Vorzug habe/ ob gleich andere aͤlteres auch stillschweigend Pfand haͤtten/ jedoch moͤgen Weiber diesem Recht/ wenn sie errinnert/ verzeihen. L. 10. §. fin. ff. de jure dot. L. dotale \& 1. ff. de fund. dot. §. 1. instit. quibus alien. L. 75. in princ. de jur. dot. L. 21. §. 4. ff. ad munic. Auth. ut immob. ante nupt. don. L. 1. C. de ædilit. Edict. L. cum tibi pro dote, L. assiduis, §. 1. C. qui pot. in pign. L. fin. cum gloss. magna, Eod. §. fuerat, instit. de act. Weiber Vor- recht. §. 17. Ja/ damit die Frauen/ wegen ihrer Bloͤdigkeit und Einfalt/ nicht etwa listig mit guten Worten hintergangen und in schaͤdliche Ge- loͤbniß Von Kauff/ Verkauff und Tausch. loͤbniß oder Kauffhaͤndel verfuͤhret werden/ soll ihnen/ vermoͤge Rechts Freyheit/ wann sie fuͤr jemand/ obgleich ihre Ehemaͤnner/ sich verbinden/ solches allerdings unnachtheilig seyn; jedoch ist zu betrachten/ daß hier- mit ihre Arglistigkeit nicht gestaͤrcket werde/ derohalben in folgenden Faͤllen ihnen keine Rechts-Wohlthat helffen mag/ als wenn sich die Frauen ihres eigenen Nutzens halber/ nicht aber fuͤr fremde Personen verbinden/ oder Geld/ Gabe und Geschenck dafuͤr genommen haͤtten/ oder nach 2. Jahren Ausgang sich fuͤr dasselbige vorige ander waͤrts ver- pflichten/ oder wenn sie fuͤr Ehesteuer gelobet/ oder so fern es keine fremde sondern eigene Schuld waͤre/ die ihnen billig zu bezahlen ge- buͤhret/ oder wofern sie jemand zu betruͤgen gedencken; Darum wenn Weiber Recht Verzicht wann kraͤfftig. eine Weibes-Person fuͤr jemanden sich verpflichten will/ soll sie von Gerichts-Obrigkeitlichen Person ihrer weiblichen Gerechtigkeit er- innert werden/ ob sie sich wohlbedachtsam solcher Freyheit zu begeben willens/ welches denn eigentlich in Verschreibungs Urkunden einge- setzt seyn muß/ ist also hernach diesen Rechts Verzeihung kraͤfft- und bestaͤndig. Tot. tit. ff. \& C. ad SCt. Vellej. §. 18. Wann auch etwan einer Ehefrauen Schulden/ welche der Ehefrauen Grund-Guts Verkauffungs Recht. Mann vom seinigen zu entrichten nicht schuldig gehalten ist/ auff an- dere Weise als durch liegenden Grundguts Verkauffung nicht bezahlet werden koͤnnen/ so mag ein Richter nach pflichtmaͤßigem Erkaͤntniß mit Weibes Bewilligung Veraͤuserungs Macht und Gewalt ertheilen; und zwar erfordert dieses Rechts Gewohnheit wegen Geschlechts Schwachheit/ so deren Ehemaͤnner Uberred- und Bedrohungen leicht- lich unterworffen; Ausser Mitgiffts Guͤter aber/ sie seyen beweg- oder unbeweglich/ mag eine Fꝛau mit ihres Mañes Willen wohl veraͤussern/ jedoch daß deren Werth dem Manne zu gut komme/ und in seinen Nutzen verwendet werde; Ja/ weilen das weibliche Geschlecht von Natur genau und karg/ so ist zu vermuthẽ/ daß sie leichter zu Verpfaͤnd- als Veraͤusserung ihrer Guͤter bewilliget haben. L. assiduis, C. qui pot. in pign. Tot. tit. C. ne. ux. pro mar. Auth. sive, C. ad SCt. Vellej. Auth. si qua mulier, \& L. 22. C. Eod. tit. L. 16. ubi gloss. in verbo ra- ro, C. de don. ant. arg. L. 5. C. sicert. pet. L. 17. §. ult. gloss. ad SCt. Vellej. §. 19. Wenn sonst der Kaͤuffer die Bezahlung uͤber bestim̃te Zeit Verkaͤuffer Recht wegen Bezahlung. verzeucht/ und die Beschreibung nicht auff Leihen sondern auff Kauff und Verkauff gerichtet/ als darinn jaͤhrige Zinß und Guͤlden zugelassen/ soll dem Kauffman der austreibende Gewinn/ welchen er in der Klage X x anfuͤh- III. Buch/ Cap. XI. anfuͤhren und beweisen muß/ zuerkannt werden/ derohalben die Loß- kuͤndigung beym Kaͤuffer steht/ wie lange er Zinß ausgeben/ und recht- liche Loͤsung sich vorbehalten will oder soll. L. 3. in fin. ff. de Eo, quod cert. L. curabit, in verb. ratio, C. de act. Emt. L. socium in princ. ff. pro socio. L. si commissa, ff. rem rat. hab. L. atque natura, §. non tantum, ff. de negot. gest. L. quod si, §. qui mancipia, ff. de ædilit. Edict. L. si quis donaturus, ff. de Usufr. §. 20. Einen Kaͤuffer seiner Gewaͤhr zu versichern/ moͤgen alle/ denen dran gelegen/ mit Bedrohung nachmahligen ewigen Still- schweigens dazu gerichtlich geladen werden/ auch ist dem Verkaͤuffer den Krieg anzukuͤndigen noͤthig/ und zwar fruͤhzeitig/ wie in persoͤnli- chen Klagen/ um die Gewaͤhr durch seine Verthaͤdigung und Bey- stand vollkoͤmmlich zu leisten/ es haͤtte dann der Kaͤuffer mit Wissen ein fremd- oder beschwertes Gut erkaufft/ oder wenn Verkaͤuffer an- Kauff-Ge- wehrs Recht. fangs ausdruͤcklich protestir et/ keine Gewaͤhr zu stehen/ oder auch Er- ben sich also vereinbahret/ so waͤre diese Verkuͤndigung unnuͤtze/ und schadet Beklagter nur allein sich selbsten in allem/ was er dißfalls thut und vornim̃t; Wofern nun viele Erben oder Verkaͤuffer dazu gehoͤrig/ soll man sie alle des Streits benachrichtigen/ allwo nicht einer/ sondern alle Gewaͤhrs Interesse bezahlen muͤssen/ es waͤre denn unzertheilba- res Pfandguts Recht zu fordern. Auth. quâ in provincia C. ubi de crim. L. 8. 21. 24. ff. de Evict. L. 29. §. ult. ff. de E- vict. L. 21. \& 27. C. Eod. arg. L. 69. princ. ff. Eod. arg. L. 1. ff. de Edendo. L. 26. §. 1. \& L. 65. in fine ff. de Evict. §. 21. Also auch bey Erdguts oder unbeweglichen Pfandes Ver- Naͤheꝛn Kaufs Recht. kauff vom Glaͤubiger/ weilen dieser Gewaͤhr zu leisten nicht schuldig/ dahero am sichersten/ Creditores und Anverwandten wegen des naͤ- hern Kauffs- und Einstands-Recht zu beruffen/ wenn diese aber Un- gehorsam ausbleiben/ ist ihr Recht verlohren. Tot. Tit. C. Cred. Evict. pign. non deb. §. 22. Rechtshaͤngige Streit-Sachen mag niemand fuͤr geringen Werth an sich kauffen/ und hernach uͤber kauffmaͤßigen ersten Preiß beklagen/ mit Recht oder Unrecht Gewinn zu erpressen/ aus Zancksucht; Zukuͤnfftigen Fischfangs oder Fruͤchte Nutzen aber und dergleichen/ was man glaͤublich hoffet/ mag man verkauffen; jedoch Haͤuser/ Kauffmanns Gewerbe zu treiben/ dieselben abzubrechen/ mag niemand kauffen/ der Stadt Ansehen mit wuͤsten Baustaͤtten und Haußfaͤllen zu verunzieh- ren/ solche aber zu verbessern/ niederzureissen und wieder auff zu bauen/ ist vergoͤnnet. L. 22. cum Von Kauff/ Verkauff und Tausch. L. 22. cum LL. seqq. C. Mandat. L 8. 13. \& 52. ff. de act. Emt. L. 41. cum seqq. de Le- gat. L. 1. \& 2. C. de ædif priv. §. 23. Wer wissentlich frembd Gut kaufft/ wird dessen Eigen- Frembden Guts Kauff- Recht. thums-Herr nicht/ geschieht es aber durch Jrrthum/ gebraucht er zwar dasselbe/ jedoch ist der Verkaͤuffer dem Eigenthums-Herrn pflichtig; wann nun der Kauff vollenzogen/ gehoͤret des Guts Nutz- und Scha- den dem Kaͤuffer zu/ ob es gleich nicht uͤberantwortet/ es waͤre denn der Schade aus List oder Verwarlosung des Verkaͤuffers geschehen; wer auch sonst ein Gut an zween verkaufft/ oder wissentlich frembde Guͤter verpfaͤndet/ begehet Falschheit; deßgleichen vernichtet Jrr- thum allen Kauffhandels Recht/ und ist ein Unwissender unstraffbar/ jedoch giebt er das Gut wieder ohne Entgelt/ sucht aber seinen Regreß und Schadens Ersetzung vom Verkaͤuffer der frembden Sachen. L. qui fundum, § qui procurator, ff. pro Emt. §. cum autem inst. de Emt. L. 3. \& 8. ff. de peric. \& commod. Rei vend. L. 1. \& 3. Cod. Eod. §. unus, instit. de obl. ex cons. L. 35. §. si res, ff. de contrah. Emt. L. 36. ff. de act. Emt. L. 1. \& 2. ff. de crim. stell. \& crim. fals. per tot. L. 116. de Reg. Jur. §. 24. Wer sonst im Kauff nach allgemeiner Schaͤtzunge uͤber die Helffte betrogen und zu theuer gekaufft/ mag ihn jedoch durch Huͤlffe Kauf Betrugs Recht uͤber die Helffte. der Obrigkeit wiederruffen/ die etwan auch dem Verkaͤuffer den rech- ten billigen Werth des Guts zu erstatten aufferlegt/ und den Contract auffhebt/ welches ebenmaͤßig gilt im Tausch und Guͤter Verwechs- lung/ in Vertrag und Theilung/ da einer also verkuͤrtzet/ diese Klage aber hat nach sechs Monaten keine statt mehr; Und Klage/ wie viel wenigern Preiß man haͤtte kauffen koͤnnen/ endiget sich mit einem Jahr; darum/ wann auch Kaͤuffer erweiset/ daß das Gut annoch so viel werth/ als das Kauffgeld betraͤgt/ so wird der Kauff auffgehoben/ oder es muß der Kaͤuffer des Guts Werth erfuͤllen/ den es zur Han- dels Zeit gehabt/ und hat er also die Wahl/ eines von beyden zu thun. L. 2. 5. 6. \& 8. C. de rescind. vend. C. cum causa, Ext. de Emt. vend. L. 17. §. pen. ff. de minor. L. sciendum, §. ult. L. si tamen, ff. de ædilit. Edict. L. 3. §. divi fratres, vers. de præsenti, ff. de jure fisci. L. pretia, ff. ad L. Falc. L. 1. §. si hæ- res, ff. ad SCt. Trebell. §. 25. Ja/ dieser rechtlichen Freyheit Klage/ wie viel weniger/ hilfft/ Klage/ wie viel weniger/ Recht. deutlicher zu sagen/ denen auch/ die im Kauff betrogen/ daß die Waare nicht Kauffmanns Gut oder des verkaufften Werths gewesen/ daß der Kaͤuffer binnen Jahres Frist an den Verkaͤuffer begehren mag/ ihme das Geld/ so des Guts Werth uͤbertroffen/ wieder zu geben/ je- doch muß der Kaͤuffer den Mangel nicht gewust haben/ noch der Scha- den offenbar gewesen/ viel weniger hernach entstanden seyn/ wann X x 2 die- III. Buch/ Cap. XI. diese Wohlthat/ welcher man sich auch verzeihen kan/ gelten soll. L. ædiles \& tot. tit. ff. de ædilit. Edict. \& Redhibit. \& quanti min. L. Redhibere in prim. L. sciendum, in fin. cum leg. seq. ff. Eod. Kauffmanns- Waarẽ Man- gel Recht. §. 26. Wer aber etwas einkaufft/ unwissend/ daß es nicht von gebuͤhrendem Werth noch Kauffmanns-Gut waͤre/ der mag nach Recht vom Verkaͤuffer begehren/ das ausgezahlete Geld wieder zu geben/ und untuͤchtige Waare wieder zu nehmen/ solches aber muß innerhalb 6. Monaten Frist/ wie vorerwehnt/ geschehen/ und soll hier Rechtens Verzeihung ungefaͤhrlich seyn/ daß Verkaͤuffer den Man- gel oder Unwerth nicht gewust/ wann Reukauff gelten soll. L. 13. in princ. de rescind. vend. §. 27. Wer auch obgedachter Massen eine Sache vollstaͤndig Verkauffs- Recht an zweene. an zweene durch verschiedene Contracte verkaufft/ wird mit Straffe des Falschen beleget; Sonst mag einer alles kauffen und verkauffen/ was in Rechten nicht verboten/ es ist auch einem Verkaͤuffer zugelassen/ bey bessern Gedings Vorfall dem letztern Kauff zuzusagen/ es wolte dann der erste Kaͤuffer mehr geben als vorhin. L. qui duobus, ff. ad L. Corn. de fals. L. 34. §. omnium, ff. de contrah. Emt. L. li- cet, ff. de addict. in diem. L. 2. C. de rer. permut. Viehkauffs Recht. §. 28. Jm Vieh-Kauffs Handel/ welches leicht/ jemanden zu be- truͤgen/ verborgene Maͤngel haben kan/ soll man allen Fehl ersetzen; ja wegen Vieh Leibes-Fehler oder Kranckheits Mangel/ welchen Ver- kaͤuffer betruͤglich verschwiegen/ mag Kaͤuffer klagen/ das Vieh oder Thier wieder zu nehmen/ und dessen Werth wieder zu geben; wofern aber dessen Gebrechen noch nicht erscheinet/ sondern nur verdaͤchtig/ kan er sich dafuͤr buͤrgen lassen/ oder jener muß es wieder annehmen/ jedoch innerhalb 2. Monaten/ hingegen mag Verkaͤuffer uͤber das Vieh/ dessen Nutzen und Abgang/ samt dem durch Schuld verursachten Schaden/ den Kaͤuffer belangen; zufaͤlliges Ungluͤck aber geht den Kaͤuffer nichts an/ darum er auch wohl ein todtes Aaß erstatten mag. L. 28. 38. \& 47. ff. de ædilit. Edict. Redhibit. \& quanti min. L. 23. in princ. L. Redhi- bere, §. 1. L. 31. §. 17. L. 33. ff. Eod. L. 43. §. fin. \& L. 68. ff. de contrah. Emt. Pferde Kauffs Recht. §. 29. Pferde aber/ so rotzig/ haarschlecht oder schaͤbig/ stetig und staarblind/ sind nicht Kauffmanns-Gut noch Waaren/ sondern der Verkaͤuffer muß sie wieder nehmen/ wann sie der Kaͤuffer ihm in 6. Monaten wieder uͤberantwortet; jedoch sonst furchtsame scheue Thie- re/ die beißig oder hinten ausschlagen/ werden nicht zu denen mangel- hafften gezehlet/ denn es nur ein Gemuͤths-Fehler/ wofern aber der Verkaͤuffer solches wissentlich verhalten/ kan er geringern Preiß Von Kauff/ Verkauff und Tausch. Preiß halber belanget werden; Deßgleichen mit Schlachtvieh/ wann es kraͤncklicht oder ungesund befunden/ muß Verkaͤuffer nach oͤffent- lichen Schaͤtzers Ausspruch ein gewisses/ falls es aber an Fleisch gar gefaͤhr- und untauglich zu essen/ den gantzen Werth erstatten; Also auch mit Schweinen/ so etwa finnicht/ verhaͤlts sichs folgender Ge- stalt: Nach verschiedener Orte mancherley Gewohnheiten/ Sitten Schwein- Kauff-Recht so finnicht. und Gesetz-Brauch/ weilen von deren Gebrechen/ Fehl und Kranck- heits Mangel/ aus Zung und Gaumen Einsehen oder Mauls Eroͤff- nung wohl mag geurtheilet werden/ so wird dannenhero Verkaͤuffer befreyet/ wann er solches mit Fleiß einem dazu verstaͤndigen und be- stellten Handwercks-Meister/ den Gaumen zu besehen/ und etwan die Zunge zu verschneiden/ gesund hat ausgelieffert. L. ædiles, 38. \& 55. \& tot. tit. ff. de ædilit. Edict. L. 1. C. Eod. L. 1. ex Emto, §. ani- malium, ff. de act. Emt. L. ob quæ vitia, §. in summa, ff. de ædilit. Edict. §. 30. Wann nun Verkaͤuffer ein Ding oder Sache rechtmaͤßig ausgelieffert/ und Kaͤuffer mit Zahlung nachlaͤßig/ schlaͤgt billig jener an auff Interesse, was er an Gelde haben moͤgen/ samt angewandten Unkosten/ und wie viel theurer ers verkauffen koͤnnen/ falls er die Waaren hinweg zu nehmen befugt gewesen; Arglist und Betrug aber in Kauff-Handel von beyden wissentlich begangen/ als eine ge- stohlene oder mangelhaffte Sache kauffen und verkauffen/ vernichtet den gemachten Contract, und wann es von einem allein geschehen/ mag der betrogene Theil den Handel umstossen; jedoch kan man Schenckens halber ein Ding geringer verkauffen. L. licet \& fin. de peric. \& commod. L. 3. de in lit. jur. L. 13. §. præterea, §. per contra- rium, L. si fundus, L si Lapides, de rescind. vend. L. si dolo, L. Dolus, cum seq. C. de rescind. vend. L. 38. in princ. de act. Emt. §. 31. Also mag auch ein Kauff durch wiederkaͤufflichen Rechts Kauff Wieder- ruffs Recht. Beding auffgehoben werden/ welchen Falls der Kaͤuffer/ oder ein an- der Eigener die mit gutem Glauben genossene Fruͤchte nicht erstattet; Kauff Wiederruffs-Recht aber/ wegen Freund- und Verwand- oder Nachbarschafft laͤst sich in Jahr und Tag verjaͤhren; deßgleichen mag man bey Tausch-Handel/ auf gutem Glauben Versprechen zu erfuͤllen/ oder Interesse zu leisten/ begehren. L. 2. C. de pact. int. Emt. \& vend. C. 1. §. porro, qual. olim feud. pot. alien. L. 51. ff. folut. matrim. L. 17. §. 1. ff. de præsc. verb. L. 1. ff. L. 1. 2. 3. 4. 7. ult. \& tot. tit. C. de rerum permut. \& præscr. verb. §. 32. Gestohlen oder geraubet Gut soll niemand kauffen/ wer es Frembd und gestohlenen Guts Kauff- Recht. aber kaufft/ muß es ohne Kauffgelds Erstattung wiedergeben/ und so vom Diebstahls-Kaͤuffer begehret wird/ den Verkaͤuffer anzuzeigen/ X x 3 er aber III. Buch/ Cap. XI. er aber vorgiebt/ daß er ihn nicht kenne/ weilen er gewandert kom- men und hinweg gezogen/ welches man jedoch anders vermuthet/ soll er/ den Dieb nahmhafftig zu machen/ gehalten seyn; Frembdes Gut aber wird gar wohl verkaufft/ weilen es genung ist/ daß Verkaͤuffer es zu gewaͤhren schuldig/ dadurch dennoch dem Eigener an seinem Recht nichts abgehen kan ohne dessen Willen; Sein eigen Gut kan jeden- noch niemand kauffen/ es waͤre denn ein Besitz oder ander Recht da- bey/ das einem andern annoch zustaͤndig/ und sich kauffen liesse. L. 12. tabb. L. 34. §. 3. ff. de contrah. Emt. L. 1. 6. 7. ff. de Usucap. §. furtivæ, instit. Eod. L. 2. C. de furt. L. 23. \& L. 9. C. de rei vindic. L. 1. C. de præscr. 30. vel 40. ann. L. civile est, C. de furt. \& serv. corr. L. 28. 57. \& 34. §. pen. de Act. Emt. L. 6. C. de reb. alien. L. 28. de acquir. possess. L 34. §. item ff. de act. Emt. §. 33. Wann Verkaͤuffer keinen Verzug macht/ so gehoͤret des Verkaufften Guts Gefahr wem gehoͤrig. verkaufften Guts Gefahr und Nutzen dem Kaͤuffer zu/ jedoch muß je- ner biß zur Liefferung solche Verwahrung leisten/ die er bey frembd- geliehenen Sachen zu thun schuldig waͤre; Ungluͤcks Schaden und un- versehenen Zufall aber/ als Feuer und Diebstahl/ steht er nicht/ es sey denn etwas durch dessen Knechte Versaͤumniß und Nachlaͤßigkeit ge- schehen/ daß also der Herr in Schuld gehalten wuͤrde. L. 23. ff. de V. obl. L. 5. si cert. pet. L. 1. in princ. L. 2. in fin. L. 11. de rescind. vend. L. 34. §. alia, L. 35. § si res vendita, ff. de contrah. Emt. L. 4. 5. §. fin. \& L. 15. ff. de rescind. vendit. §. 34. Endlich/ wenn einer etwa Wein gekaufft und geschmaͤcket/ Weinkauff- Handels Recht Ge- schmacks we- gen. ist des Kaͤuffers Schade/ wofern er sauer wird/ es sey dann/ er habe ei- ne gewisse Maaß gekaufft/ und auff jedern Eimer gewissen Preiß be- dungen/ alsdann ist nur so viel gekaufft als zugemessen/ und stehet die Gefahr/ wie vor dem Schmecken/ also auch biß zur Messung/ nicht eben wegẽ Sauer- und Schim̃els Beschaffenheit/ welches nach Schme- ckung dem Kaͤuffer oblieget/ sondern wann etwa der Wein/ so noch nicht gemessen/ umkommen oder verderben solte; Wer aber ohne Geschmack und Maaß Unterscheid/ ziehet alle Gefahr vom Kaͤuffer auff sich selbsten; Wann nun zur Schmeckung ein Tag bestim̃t/ ge- hoͤret inzwischen die Gefahr zum Verkaͤuffer/ also wenn dieser weiß/ daß der Wein nicht waͤhren kan/ und dem Kaͤuffer ihn zu nehmen nicht ansaget; Wann aber Kaͤuffer nach Zeit Verfliessung wegzuholen saͤu- mig/ ist Verkaͤuffer frey/ mag auch Interesse fordern. L. in princ. \& L. 7. L. 8. ff. de rescind. vend. Cap. Von Besitz/ Verjaͤhrung und Pfandrecht. Caput XII. Von Besitz/ Aufflage/ Verjaͤhrung und Pfand-Recht. §. 1. B Esitzrecht ist viel bequemer/ als den Besitzer zu suchen/ weilen es dem Klaͤger alle Beweißthums Buͤrde auffleget; Und zwar ist natuͤrlich Besitz/ da einer ein Gut besitzet/ geniest und braucht: Buͤrg- licher Besitz aber ist/ da einer hat Besitz im Gemuͤth/ der ander im Gebrauch; soll also keiner den andern ausserhalb Rechtens in seinem Besitz betruͤben/ verhindern/ noch ihn dessen entsetzen/ sondern es mag sich ein jeder bey seinem wohl erlangten Besitz selbsten schuͤtzen/ und ob daruͤber einer/ so jemand Gewalt thaͤte/ an Leib und Leben Scha- den empfienge/ solches muͤste er haben/ wofern es jedoch nicht der ande- re aus Rachgierigkeit/ sondern zu seines Lebens oder Besitzes Schutz gethan/ massen sonst ein jeder nicht unbillig bey deren Guͤter Besitz so lange zu beschuͤtzen und zu lassen/ biß er durch Klaͤgern ordentlicher Weise mit Recht daraus entsetzet/ oder ein ander widriges ausge- fuͤhret worden. L. 24. ff de Rei vind. L. 38. §. 17. ff. de V. obl. L. 3. §. fin. ff. ad Exhibend. L. 1. §. 9. de vi \& vi arm. L. 10. C. de acquir. vel ret. L. 6. §. 1. L. 3. §. 13. ff. Eod. L. 2. §. 1. pro hæred. L. 1. ff. de acquir. vel omitt. L. 1. in pr. ff. uti possid. Tot. tit. ff. de Rei vind. L. officium, §. retinendæ, §. commodum \& §. hodie instit. de interdict. Tot. tit. C. ne quis in sua caus. L. 1. §. 27. de vi \& vi arm. L. 3. ff. de J. \& J. L. 4. ad L. Aquil. L. 2. \& 9. C. ad L. Cornel. L. 35. ff. de acquir. vel amitt. possess. §. 2. Jn allen Faͤllen/ darinn nicht allein um Besitz/ sondern auch Besitz und Ei- genthums Streit Recht. Eigenthum gestritten wird/ soll die Rechtfertigung Besitzes halber zu erst eroͤrtert werden/ alsdann mag der verlustigte Theil um Eigen- thum klagen; wann nun Klaͤger beweiset/ daß beklagtes Gut sein eigen/ muß es der Besitzer/ unter was Schein es seye/ abtreten/ giebt also blos- ser Besitz kein Eigenthum/ es sey denn von so viel Jahren gewaͤhret/ daß Eigenthums Ansprache verjaͤhret/ und Hauptsache also gefallen. Tot. tit. C. quando licet unicuiq́; L. 52. § Tabernarius, \& L. 45. §. 4. ad L. Aquil. ff. L. incerti, C. de interdict. L. fin. C. de Edict. div. Adr. toll. §. 3. Besitzer mit gutem Glauben/ gewinnet die genossene Fruͤch- Besitzer Recht mit gutem Glauben. te/ wann aber ein Ding betruͤglich veraͤrgert/ so muß Viehs Geburt alle gehoben- oder verzehrte/ und Fruͤchte/ die man noch haͤtte geniessen koͤnnen/ erstattet werden/ jedoch hat der Schuldige Macht/ noch vor dem Ausspruch Bezahlung anzubieten und Urtheil zu meiden; Wann nun III. Buch/ Cap. XII. nun ein dritter Besitzer fremder Gewalt halben belanget wird/ so ist es seine Schuld/ daß er eines andern Verbrechen eiffrig verthaͤdiget/ und durch solche Genehmhaltung sich dessen theilhafft macht/ als wenn er es selbst begangen haͤtte. C. graves, de restit. spol. §. si quis, instit. de rer. divis. L. 12. ff. quod metus caus. L. 1. C. de his quæ vi metusve L. 21. ff. de judic. L. 73. ff. de procur. §. fin. instit. de perpet. \& temp. act. L. 1. §. dejecisse, vers. cum autem ff. de vi \& vi arm. Unrechtmaͤßi- gen Besitzer Recht. §. 4 Ja ein Ding/ so durch Besitzers List oder Schuld umkom- men/ oder nach Kriegs Befestigung veraͤrgert/ so wohl als alle ge- nossen- und versaͤumete Fruͤchte/ nicht aber die verzehrte/ welche er vermuthlich guten Glaubens wegen gewinnet/ sollen erstattet werden; Ein unrechtmaͤßiger Besitzer aber muß boͤsen Glau- bens halben alle und jede Fruͤchte ohne Unterscheid ersetzen und wie- der geben/ nach Sachen und Personen Beschaffenheit/ und die vom Unkosten Ab- zugs Recht. unschuldigen auffrichtigen Kaͤuffer angewandte Unkosten moͤgen auch abgezogen werden/ die begehrte Sache aber muß klagender Eigener von Nahmen/ Gestalt/ Beschaffenheit und andern zufaͤlligen Eigenschaff- Eigners Recht begehrte Sa- che zu bezeich- nen. ten ausdruͤcklich bezeichnen/ und so muß dieselbe durch Richterliche Amtshuͤlffe eyligst erstattet werden/ es sey denn/ daß der Richter aus ziemlichen Ursachen Auffschub vergoͤnnet/ als wenn Beklagter selbst Eigeners Recht vorwendet/ oder sich auff 10. oder 20. jaͤhrigen Besi- tzes Verjaͤhrung berufft; Wer nun wieder zu geben gehorsame Folge nicht leistet/ demselben mag man die Sache durch kriegerischer Waf- fen Hand wegnehmen/ und Rechts Urtheil von richterlichen Amts we- gen vollenziehen lassen. L. 10. \& 45. ff. de usur. L. 48. §. 1. ff. de acquir. rer. dom. L. 136. ff. de R. J. L. 3. C. de condict. ex leg. L. 25. §. 4. ff. de ædilit. Edict. §. 1. instit. de offic jud. L. 15. ff. Versetzten Guts Besitz- Recht. de re judic. Tot. tit. ff. ne vis fiat. §. 1. instit. de act. §. 5. Wann ein Gut versetzt gewesen/ darff der Schuldner/ ob er wohl das Geld hinterlegt/ das versetzte Gut darnach selbst nicht wieder angreiffen/ und den Glaͤubiger dessen wieder entsetzen/ son- dern muß ihn fuͤr der Obrigkeit verklagen/ daß er ihm wegen hinter- legten Loͤsungs Geld sein Gut mit angewendetem Nutzen/ Schaden und Unkosten abtreten moͤge; Wer aber das eingeloͤsete Gut eige- ner Hand ergreifft/ und den Glaͤubiger gewaltsam entsetzt/ derselbe ver- liehret seine Gerechtigkeit/ obschon das Geld hinterlegt gewesen. Ehewether wann Auslage verhindern koͤnnen. L. 6. \& 7. C. unde vi L. 13. ff. quod met. caus. L. 6. \& 7. ff. \& L. 5. C. ad L. Jul. de vi publ. \& priv. L. 176. ff. de R. J. L. 14. C. de judic. L. dotis. C. sol. matrim. L. 1. §. 1. Si mul. ventr. nom. L. 10. C. de pign. act. L. si rem, §. fin. ff. Eod. §. 6. Wann bey waͤhrendem Ehestande des Mannes Creditor en Urtheils Vollziehung begehren, mag sich die Ehefrau dagegen setzen und fordern/ Von Besitz/ Verjaͤhrung und Pfandrecht. fordern/ daß ihr ein gewisses zu Lebens Nothdurfft ausgewiesen wer- de/ weilen der Mann verarmet/ und keine Ehestands Buͤrde ferner zu tragen vermag; wann aber das Weib fuͤr angefangenem Ehestande der Schuld halben verurtheilt/ und das Gut dem Glaͤubiger/ ehe denn es dem Mann zur Heimsteuer gegeben/ verpflichtet gewesen/ mag er billich darinn exequir en lassen; Also auch/ wenn die Frau alle Guͤter zur Mitgifft dem Manne beygebracht/ findet Execution Statt/ wei- len nach Schulden Abzug erst Guͤter vorhanden/ wofern aber nur eine gewisse Summa oder gewiß Grund-Gut zur Morgen-Gabe ange- rechnet/ so wird solches allein dazu verbunden. L. 29. C. de jur. dot. L. 57. ff. de R. V L. subsignatum, §. bona, ff. de V. S. §. 7. Also kan auch ein Vater wegen fruchtbahren Nutzungs Vaters Recht in Sohnes Muͤtterlichen. Recht in Sohnes Muͤtterlichen und andern eigenen Guͤtern der Exe- cution und Auslage sich wiedersetzen/ es waͤre denn die Schuld mit Vaters Bewilligung gemacht/ oder Gegentheil muͤste Buͤrgen stellen; Wann aber ein Creditor allein mit seinem Schuldner zu thun hat/ so bleibet ihm die freye Wahl/ welches Gut er zuerst will exequi ren lassen/ so fern er nemlich eine allgemeine und sonderbahre Pfand-Ver- schreibung vorzuweisen/ sonst aber ist unnoͤthig/ eine ins besonder ver- pfaͤndete Sache eben auszunehmen. Auth. hoc nisi, C. solut. Nov. 4. C. 3. §. 8. Wer mit gutem Glauben und Nahmen ein bewegliches Gut an sich gebracht/ auch solches drey Jahr geruhiglich besitzet/ be- Verjaͤhrungs Recht. haͤlt es/ weilen es verjaͤhret/ obschon einem andern/ als von dem ers be- kommen/ es zugehoͤrig gewesen/ es waͤre denn gestohlen oder geraubet Gut/ welches im Besitz nicht verjaͤhren kan/ sondern ohne Kauffgelds erstattung muß wieder gegeben werden. P a c. instit. \& L. un. C. de usucap. §. furtivæ, instit. Eod. L. 4. \& L. non solum, ff. Eod. L. sicut, C. de præscript. 30. vel 40. ann. L. 12. tabb. L. Attinia, L. Plautia \& L. Julia §. 1. inst. ex quib. caus. man. L. 1. §. ad hæc, C. de annal. Except. L. si mancipium, C. de R. V. §. 9. Wer auch ein unbeweglich Gut mit gutem Glauben er- kaufft/ oder durch andere Guͤte An- und Beykunfft erlangt/ verjahret es wider einen der innerhalb Landes durch 10./ ausser Landes aber 20. jaͤhrige Besitzung/ welche Zeit auch an einander kan und muß gerech- net werden/ als wann Vater und Sohn oder andere ihrentwegen ein Gut zusammen so lange besessen/ ist die Verjaͤhrung vollkommen. L. 2. C. de furt. L. ubi lex, L. possessio, \& L. id tempus, ff. de usurp. L. 2. \& tot. tit. C. de præscript. long. temp. §. diutina, instit. de usucap. L. de accessionibus ff. de divers. \& temp. præscript. Y y §. 10. Wer III. Buch/ Cap. XII. §. 10. Wer ein Gut 30. oder 40. Jahr unangefochten besitzet/ dem verjaͤhret es/ er sey dazu kommen wie er wolle/ bedarff es auch nicht einmahl anzuzeigen/ sondern ist genung/ daß ers so lange besessen; wenn auch jemand einen Acker 40. Jahr lang im Besitz gehabt/ kan er nicht weiter dann nur zur Darreichung des Zinses besprochen werden; Steuer/ Tribut und andere Aufflagen nemlich/ die man der Obrig- keit schuldig/ koͤnnen sich nicht verjaͤhren. L. ficut, 3. L. cum notissimi \& tot. tit. C. de præscript. 30. vel 40. ann. gloss. ibid. verb. militia, C. Eod. tit. L. competit. C. de præscript. long. temp. Verjaͤhrung so unguͤltig. §. 11. Wer auch ohne rechtlichen Titul ein Gut wider die Kir- che verjaͤhren will/ muß es 40. Jahr besitzen; Geliehenen Geldes aber oder andern Haab/ oder was einem zu verwahren gegeben/ oder sonst verschafft und verordneten Guts Forderungs Anklage/ wie auch Vormundschafft belangende Sachen/ und ohnmittelbar alle persoͤn- liche Zuspruͤche moͤgen gleichfalls durch 10. oder 20. Jahr nicht ver- jaͤhret werden/ weilen 1. Jahr boͤses Recht auch boͤß ist 100. Jahr. Auth. quas actiones, C. de SS. Eccles Nov. 131. C. 6. C. de quarta, C. ad aures, C. illud, Ext. de præscript. L. neq́; mutui, C. quibus non objic. long. temp. præscript. §. 12. Wann zween um ein Gut mit gleicher Klage sprechen/ so bleibet dabey/ der es im Besitz hat/ Verjaͤhrung aber in einem Gut mit boͤsem Glauben erlangt/ hat nicht Statt/ als wenn es wider Recht er- kaufft/ oder der Eigener widerspricht/ oder Verkaͤuffer mit List bewo- gen/ oder wissentlich von Unsinnigen/ Jungen unter 14. Jahren/ unrech- ten Vormuͤnder/ oder unbilligen Besitzer an sich gehandelt; jedoch nach buͤrgerlichem Recht gilt es in 30. oder 40. Jahren. L. 128. in pr. ff. de R. J. c. in pari, de R. J. in 6. L. fin. C. de Rei vindic. C. fin. Ext. de præscript. C. possessor de R. J. in 6. L. 1. ff. de usucap. §. 1. instit. Eod. tit. §. 13. Dreyjaͤhrige in Rechten beguͤnstigte Verjaͤhrung wird durch Urtheil auffgehoben und zerstoͤret/ zehnjaͤhrige aber durch Krie- Verjaͤhrung Auffrichtungs Frist. ges Befestigung unterbrochen/ wie auch alle andere Besitz Einnahm von Verjaͤhrungs Frist herruͤhrend/ kan vernichtet werden durch aus- ser gerichtliche mit Zeugen geschehene Wiedersprache und Abkuͤndi- gung; Restitution und Auffrichtungs Zeit aber gegen Verjaͤhrung ist 4. Jahr/ von der Zeit der Wissenschafft her; Und wer sonst im Kriege gemeinen Nutzens wegen/ oder andern ehehafften Ursachen hal- ber ausserhalb Landes oder gar feindlich gefangen/ gegen solche gilt keine 10. oder 20. jaͤhrige Zeit-Verjaͤhrung im Rechts-Faͤllen. L. 2. \& 10. C. de long. temp. præscript L. 2. §. fin. ff. pro Emt. L. 2. C. de annal. Ex- cept. L. 1. \& 2. L. si possessio, L. ab hostibus, cum L. fin. C. quib. non objic. long. temp. præscript. §. 14. Ver- Von Besitz/ Verjaͤhrung und Pfandrecht. §. 14. Verjaͤhrungs Zeit kan nicht guͤltig verfliessen oder lauffen Verjaͤhrungs Recht wann unkraͤfftig. gegen den/ welcher rechtlich zu klagen verhindert wird/ vornemlich wenn es ein Armer/ Rechts unerfahrner Bauers-Mann/ ja auch wenn die Klage einmahl fuͤr Gericht binnen waͤhrender Zeit angebracht durch einen andern/ dem sie etwa uͤbergeben/ welcher sie so lange versaͤumt/ biß sie wieder zum ersten durch Urtheil und Recht gelanget/ der vorhero je- gen solchen Unfleiß zu protestir en unbefugt/ selbiger dazu ihm/ als der damahls nicht Anspruchs Eigener/ unschaͤdlich/ so wird er billig dahin voͤllig wieder auffgerichtet/ daß die seines Orts unschuldig beschehene Verjaͤhrung unkraͤfftig/ da nemlich der Schuldner annoch deren Schulden gestaͤndig/ also solche Verjaͤhrung von Rechts wegen/ die Schuld zu vernichten/ ohnmaͤchtig/ wohl aber mag sie die Verpflich- tung einiger massen schwaͤchen/ und wird nichts destoweniger der saͤu- mige Schuldner/ nachdem er gemahnet/ Zinß und Unkosten zu bezah- len schuldig erklaͤret/ wann er sich auff gewisse Zeit dazu verbunden; jedoch/ weilen die Verpflichtung anzunehmen vom Richter auffgedun- gen/ und in seiner Person erneuert/ muß richterliche Amts-Huͤlfe desfalls ersuchet werden/ daß Bezahlung nach aller Voͤlcker Recht erfolgen moͤge/ und gegen natuͤrliche Gewohnheit mit boͤsem Glauben aus andern Schaden Gewinn zu haben unbillig/ auch nirgendswo uͤblich/ viel weniger einzufuͤhren. L. 1. ff. de divers. temp. L. ult. C. de præscript. 30. vel 40. ann. §. 15. Wer allein den Sitz oder Niessung der Guͤter hat und ge- braucht/ mag nicht die Guͤter/ wohl aber deren Abnutzung verpfaͤn- Pfand-Recht der Guͤter. den; Deßgleichen Haab und Guͤter/ die jemand mit andern gemein hat/ mag er ausserhalb seinem Antheil ohne der andern Verwilli- gung nicht verpfaͤnden; Also auch Haab und Guͤter/ die irrig sind in Rechtfertigung/ moͤgen nicht verkaufft noch verpfaͤndet werden. L. si is qui bona, §. ususfr. ff. de pignor. L. 3. §. post divisionem, ff. qui pot. in pign. L. 2. C. comm. divid. L. si quis §. si fundus ff. Eod. L. si consensit, §. fin. ff. quib. mod. pign. L. 1. §. quin imò, ff. si pars hæred. L. ult. C. de litigiosis. §. 16. Wer nun seine Guͤter in voller Gewaͤhr Besitz und Ver- Guͤter Ver- pfaͤndungs Recht. waltung hat/ mag solche wohl verpfaͤnden; wie dann auch einer Brieffschafften zu Pfand geben mag/ welches eben so viel/ als wann die darinn verzeichnete Guͤter verpfaͤndet waͤren; deßgleichen so ferne mir jemand schuldig/ dessen Nahmen und Schuld kan ich rechtlich versetzen. L. 11. §. fin. L. 18. §. fin. de pign. act. arg. rubr. \& L. sin. C. de rebus alien. non alien. L. 2. C. quæ res pign. oblig. poss. vel non \& qual. L. nomen quoq́; C. Eod. L. 1. §. quid ergo, ff. Eod. Y y 2 §. 17. Ein III. Buch/ Cap. XII. §. 17. Ein solch Geding/ wann Schulden auff benannte Zeit nicht bezahlet wuͤrden/ daß alsdann das Pfand des Glaͤubigers erb und ei- gen seyn soll/ ist im Recht verboten und unkraͤfftig; Es mag aber das Pfand von der Obrigkeit wuͤrdirt und geschaͤtzt/ hernach erst fuͤr solchen Werth dem Glaͤubiger uͤberantwortet werden. L. commissoriæ, L. fin. C. de pact. pign. C. significante, vers. cum igitur. Ext. de pign. L. 9. §. omnis, ff. de pign. act. L. 2. C. debit. vend. pign. imped. L. 1. pr. \& L. 6. ff. quib. mod. pign. L. pen. C. de pign. act. L. 2. \& tot. tit. C. si in caus. jud. pign. cap. §. 18. Ob schon die Rechte niemand in einer Sache zugleich das Pfand-Recht mit Eigenthum zugestatten pflegen/ so geschieht es den- noch mit Minderjaͤhrigen in denen durch ihr Geld erkaufften Sachen/ wie auch in solchen zur Brautgabe der Ehefrauen verpflichteten Guͤ- tern; Also hat die Kirche/ ob schon jemanden die gegenwaͤrt- und kuͤnff- tigen Guͤter ausdruͤcklich verpfaͤndet/ in denen nach dem Handel erwor- benen Sachen Pfandrechts Vorzug nach Obrigkeiten Rechts Bey- spiel und Exempel. L. 45. princ. ff. de R. J. L. 29. ff. de pign. act. L. 3. C. arbitr. tut. Nov. 61. c. 1. Auth. permissa, C. de donat. ante nupt. L. 28. ff. de jure fisci. Pfand-Ver- jaͤhrungs Ver- bot. §. 19. Wer ein Gut Pfandweise in Besitz hat/ mag dessen Ei- genthum nimmer verjaͤhren; wann nun etwa ein Pfand durch unver- sehene Faͤlle/ als Brand/ Raub/ Diebstahl und dergleichen umkommt/ ist der Glaͤubiger dafuͤr zu antworten nicht schuldig/ wofern er anders folchen Fleiß/ als zu seinem eigenen Gut/ gethan/ und das Pfand nicht verwarloset oder versaͤumt. L. quod si, §. si quid, in verb. in perpetuum, ff. de ædil. Ed. L. si creditor. L. quæ fortuitis. L. pignus, 9. C. de pign. act. §. fin. instit. quib. mod. re contrah. oblig. L. 56. §. inter. ff. Locat. §. 20. Wann ein Creditor zugleich einen allgemeinen und auch Pfand-Brieffe Recht. besondern Pfand-Brieff hat/ und hernach mit einem dritten Mitglaͤu- biger zu thun bekommt/ mag er zu erst sein besonderes Pfand ausneh- men lassen; Wann aber der letztere Glaͤubiger bereitwillig dem ersten anbeut zu bezahlen/ so wird er diesem vorgezogen/ also/ wann das Pfand dem andern Creditori mit Wissen und Willen des ersten uͤber- tragen/ und dieser in dessen Stelle zu treten dadurch berechtiget wird. L. 2. C. de pignor. c. 3. X. de jurejur. L. 21. C. \& L. pen. ff. de pact. L. 114. §. 11. de Le- gat. L. 19. cum seqq. ff. de pign. L. 11. §. fin. L. 3. §. pen. L. 12. §. 8. ff. Eod. L. si pignus, \& tit. de priv. Credit. concurr. Pfand-Gedin- ge Recht. §. 21. Wann dem Glaͤubiger durch Gedinge die Macht/ das Pfand zu veraͤussern/ benommen/ er es aber dem ungeachtet wider Eigeners Willen Von Besitz/ Verjaͤhrung und Pfandrecht. Willen verkaufft/ so begehet er Diebstahl/ es sey denn/ er habe den Schuldner gemahnet/ welcher seine Zusage nicht gehalten/ alsdann ist Creditor auch nicht schuldig/ dem Vertrag zu folgen/ sondern mag das Pfand nach dreymahliger Ankuͤndigung und zweyer Jahren Ver- lauff rechtlich veraͤndern und verkauffen; vor solcher Zeit aber/ und ehe dann es dreymahl ausgeboten/ mag es nicht verkaufft werden. L. 7. §. fin. de pign. distract. L. fin. C. de pact. int. Emt. L 3. C. de condit. ob caus. L. 135. §. ea lege ff. de verb. obl. Auth. hoc jus porrectum C. de SS. Eccles. §. 22. Wann auch im Gegentheil bedungen/ daß der Schuldner Creditor- und Debitoris Recht Pfand zu verkauffen. das verpfaͤndete Gut nicht verkauffen mag/ so ist der Kauff nichtig/ massen Creditori viel daran gelegen/ keinen andern haͤrtern Wider- part zu bekommen/ derowegen solch Geding kraͤfftig/ ob schon sonst/ jemanden sein Gut zu veraͤussern verbiethen wollen/ rechtlich unguͤltig; Ein Creditor aber mag sein Pfandrecht auch vor Bezahlungs Verzug wohl verkauffen und uͤbertragen/ jedoch das Pfand oder Schuldners Eigenthums Recht gar nicht/ als welches vom Kaͤuffer schwer zu wiederruffen. L. 1. 2. 3. C. si antiqui Credit. §. 23. Wucher Pfand/ daß Creditor die Frucht-Nutzung/ welche er sonst nicht gewinnen/ sondern zur Haupt-Summa rechnen muß/ Creditoris Pfand Ge- brauch Recht. oder sonst etwas fuͤr geliehenen Geldes Gebrauch uͤber das Capital ge- niessen moͤge/ ist in Rechten zugelassen; Darum/ wann Creditor ein beweg- oder unbewegliches Gut zur Bezahlung annehmen will/ und der Schuldner mit ihm Preises halber uͤbereinkoͤmmt/ oder auch jener mit Einweisungs-Recht vergnuͤgt ist/ solcher Sachen zu gebrauchen/ so lange/ biß die Schuld vom Genuß der Fruͤchte bezahlet sey/ hat man oͤffentlichen Auctions Gebrauch unvonnoͤthen; wie im Gegentheil kei- ne andere Bahn noch Mittel/ wofern es nicht zu verkauffen noch zu nu- tzen muͤglich/ als daß der Glaͤubiger solch vom Richter geschaͤtztes Gut annehmen und zu eigen behalten muß/ er wolle es dann nur so lange gebrauchen/ biß er die Haupt-Summa samt den Renthen aus denen Guͤtern erhoben haͤtte. L. 1. §. pacto, L. 11. §. 1. de pign. L. 17. C. de Usuris. L. 9. C. de pign. L. 1. C. de di- stract. pign. L. 33. ff. \& L. 1. 2. C. de pign. act. §. 24. Kein Muͤndling/ Sohn oder Knecht mag etwas ohne Vor- mund/ Vaters und Herrn Willen verpfaͤnden; wann aber sonst ein Schuldner verdaͤchtig/ oder nicht bezahlet/ mag Creditor sein Pfand verfolgen/ und Besitz Recht erlangen; Falls er nun ferner betruͤglichen Verzug machet/ muß man das Pfand verkauffen/ und von dessen Y y 3 Werth III. Buch/ Cap. XII. Werth den Glaͤubiger bezahlen/ jedoch ihn vorhero durch Zeugen 3. mahl warnen lassen/ und nach solcher Ankuͤndigung 2. Jahr/ wie oben gesagt/ warten/ ehe man es oͤffentlich verkaufft. L. 1. in princ. \& §. 1. ff. de pign. L. 4. 8. \& 9. ff. Eod. L. 4. ff. de pign. act. L. 59. §. cre- ditor. ff. mandati. §. contra, instit. quib. al. licet. L. fin. §. 1. L. 4. \& 9. C. de jur. dom. impetr. Tot. tit. C. si vend. pign. agat. §. 25. Fuͤr Heyraths Gut sind dem Weibe oder Braut alle des Geheimen Pfands Recht. Mannes so wohl als Braͤutigams Guͤter heimlich verpfaͤndet; Also hat auch Obrigkeit wegen ihrer Forderung/ als Steuer-Schatzung und dergleichen/ alle Guͤter zum heimlichen Unterpfand; deßgleichen ein Muͤndling in Vormuͤnders Erbgut auch wegen Nahrungs-Mittel/ und der Sohn wegen muͤtterlichen Erbschafft/ welche der Vater im Gebrauch hat/ in dessen Guͤtern; wem nun alle Guͤter insgemein ver- pfaͤndet/ und seine Schuld aus etlichen erlangen kan/ ein solcher ist nicht befugt/ dem andern Glaͤubiger sein sonderliches Pfand hinweg zu nehmen. L. assiduis, §. fin. C. qui pot. in pign. gloss. in L. pen. verb. teneri, C. de leg. tut. L. 2. C. in quib. caus. pign. tac. contrah. L. 20. C. de administr. tutor. L. ubi in princ. C. de jur. dot. L. si cum, §. sin autem, ff. sol. matrim. L. si quis prio- ris, C. de sec. nupt. L. 2. C. de pignor. §. 26. Frembdes Gut soll niemand verpfaͤnden/ wann aber zwee- ne ein Pfand zu theilen haͤtten/ welches nicht so viel werth/ als sie dar- auff geliehen/ soll der/ dem das Pfand zuerkant/ dem andern nicht die gantze Schuld/ sondern nur allein/ so weit es eigentlich werth ist/ bezah- len/ damit ein jeder etwas zum Antheil bekommen moͤge. Tot. tit. C. si res alien. L. 7. §. si duo, \& §. in certos, ff. comm. divid. Auth. qu o jure, C. de pign. Pfand worin verboten. §. 27. Ehesteuer/ Kleinodien/ der Frauen/ Kinder auch Man- nes taͤgliche Kleider sollen und moͤgen nicht/ und zwar jene obschon mit ihrer Verwilligung weder fuͤr Mannes noch beyder gemeine Schul- den verpfaͤndet werden; Andere Frauen Guͤter aber/ ausser Heyratsgut und Wiederlage/ moͤgen mit ihrem Willen fuͤr beyder gemeine Schuldẽ Pfandsweise verpflichtet werden; Dahero auch Weiber/ Minderjaͤh- rige/ Stadt-Obrigkeit und andere privilegir te Personen denen erstern Glaͤubigern/ so geheimes/ nicht aber denen die ausdruͤcklich offenbahres Unterpfand haben/ vorgezogen werden; Alle aber/ die zur Kranckheit und Leichbegaͤngniß Geld geliehen/ oder sonst etwas ereditir et haben/ krgend das Pfand zu unterhalten/ als das Hauß zu bauen und stuͤtzen/ haben am ersten Vorzug. L. 6. de Von Besitz/ Verjaͤhrung und Pfandrecht. L. 6. de pignor. L. 6. C. de alim. \& cibar. legat. L. fin. sub pr. C. de postlim. revers. §. 1. inst. quib. alien. licet. L. 4. C. ad SCt. Maced. L. hac lege decernimus C. de pact. convent. §. his consequens, in auth. deæqual. dot. L. fin. §. in Computatione, C. de jure deliber. L. 4. C. de petit. hæred. de relig. \& sumt. fun. L. 5. \& 6. ff. de pign. L. 8. \& 10. L. 9. 11. Eod. C. qui prior, de R. J. in 6. §. 28. Pfands Verpflichtung verschwindet durch Bezahlungs An- biethung/ oder Hinterlage/ oder Geding solche nicht zu fordern/ oder auch Obligations Erneuerung oder Pfands Buͤrgen Stellung/ es waͤre denn anders verglichen/ oder nur fuͤr gewiß Geld und nicht fuͤr die gantze Schuld genug gethan; Deßgleichen wann Creditor gutwillig das Pfand absteht/ oder dessen Veraͤusserung oder neuen Pfands Verschrei- bung einwilliget/ es sey denn also abgeredt/ daß ihm das Pfand frey bleibe/ oder Kauff-Preiß halber Genuͤge geschehe/ alsdann behaͤlt er sein Recht/ und muß seine Bewilligung aus Contracts deutlichen Worten oder Creditors eigenhaͤndiger Unterschrifft erhellen/ oder daß er Pfand Verschreibungs Handschrifft zuruͤck gegeben; Also auch durch Pfands Untergang/ nicht wofern es zum Theil/ sondern voͤllig verdorben/ als ob ein verpfaͤndetes Hauß verbrandt waͤre/ so bleibet nichts destoweniger der Platz/ und was kuͤnfftig darauff gebauet wird/ verbunden. L. 1. in princ. L. 5. §. 2. L. 6. §. 1. \& L. pen. quib. mod. pign. vel hypoth. solv. L. 19. C. de Usur. L. 9. C. de. solut. L. 18. ff. de novat. L. 11. de pign. act. L. 4. §. 1. L. 8. §. 4. §. illud. \& seq. L. 12. ff. quib. mod. pign. solv. L. fin. C. de reb. al. non al. L. 8. §. 10. L. Creditricem C. de remiss. pign. L. 21. de pign. act. L. 29. §. domus, L. fin. de pign. L. 16. §. si res, ff. Eod. L. 44. §. 1. de act. §. 29. Ferner wird ein Pfand geloͤset zu ausbedungener Zeit/ al- Pfand-Loͤ- sungs Recht. so auch wenn eines Fremdlings 30. und des Schuldners oder Erben 40. jaͤhriger Besitz mit gutem Glauben vorgeworffen wird/ als geht auch dieser Pfand-Klage Recht viel ab wegen Creditoris langwuͤriges Stillschweigen/ gleichwie mit Schuldner Person Veraͤnderung/ oder durch Eyd und Urtheil/ wenn nemlich gerichtlich erkant oder abgeschwo- ren/ daß die Schuld nichtig oder das Pfand-Recht geloͤset. L. 12. de divers. temp. præscr. L. 3. sicut, §. 1. C. de præscr. 30. vel 40. ann. L. 1. §. fin. L. 5. §. fin. L. 13. ff. quib. mod. pign. vel hypoth. solv. §. 30. Wann ein Pfand nach bezahlter Schuld wieder begehret Ferneres Pfand-Recht. wird/ soll es Creditor folgen lassen/ und darinn durch List und Schuld zugefuͤgten Schaden ersetzen; Wofern es aber wegen Schuldners Ver- saͤumniß verkaufft werden muͤssen/ foll er des Werths Uberschuß mit der Renthe dem Schuldner heraus geben/ inzwischen muß Debitor der Sachen Gefahr auff sich nehmen/ und Creditor hingegen versichern/ solche III. Buch/ Cap. XIII. solche nicht zu verschlimmern; So muß auch Schuldner diesen nicht mit fremdem oder untuͤchtigem Pfand betriegen/ Ertz fuͤr Silber oder Gold geben/ oder falschen Bezahlungs Hoffnung vorzeigen/ und das Pfand heraus locken/ noch boßhafftig damit handeln/ oder ihm Unko- sten verweigern/ sondern allerdings gebuͤhrend schadloß halten; Gleich- wie Creditor das Pfand lieffern muß/ wie ers Anfangs bekommen/ und selbiges gar nicht durch seine Schuld oder Nachlaͤßigkeit verder- ben lassen. L. 4. 15. \& 24. §. si vendiderit, in fine \& L. 42. ff. de pign. act. L. 30. L. fin. §. fin. ff. Eod. L. 4. \& 8. C. Eod. L. 1. in fin. L. 3. 8. 9. 16. §. 1. L. 22. §. pen. \& L. 25. 31. 32. 36. ff. de pign. act. Caput XIII. Von Miethe/ Lehn/ Anvertraut- oder Hinterlegt- und Fund-Gut. §. 1. M Jeths-Leute/ als frembde Besitzer/ koͤnnen das Gut nimmer ver- jaͤhren; wer nun ein Hauß miethet/ dessen ein gefuͤhrtes Gut ist dem Haußherrn fuͤr die Zinse stillschweigend verpfaͤndet/ gleichwie die Fruͤchte auff Land-Guͤtern/ was aber eingefuͤhrt und zuvor ver- pfaͤndet/ gehoͤret nicht darunter/ sondern der Glaͤubiger bleibt bey sei- ner Versicherung/ ob schon die Miethung eher zum Ende kommen; Wann auch einer nach verflossener Miethe-Zeit seinen Miethsmann im Hause bleiben laͤst/ wird es fuͤr fernere stille Miethe gehalten. L. 2. C. de præscr. 30. ann. L. 2. 4. 5. 6. \& 7. §. ult. ff. in quib. caus. pign. tac. contr. L. ult. C. Eod. L. 4. ff. de pact. L. 5. C. Locat. L. 32. de pign. L. 11. §. si colo- nus cum seq. ff. qui pot. in pign. L. 4. C. Eod. L. 9. §. 3. L. 13. in fine cum leg. seq. L. 15. §. 1. L. 25. §. 5. ff. Locat. conduct. Miethe Woh- nungs Recht. §. 2. Wann ein Miethsmann der Wohnung nicht mißbraucht und den Zinß bezahlet/ kan er nicht vertrieben werden/ es sey denn/ daß das Hauß bauens noͤthig/ und der Herr selbst bauen will/ wo es einge- fallen/ oder er habe ein Weib genommen/ daß er es selbst bedarff/ oder es seinem Sohn und Eltern zu bewohnen gegeben/ jedoch ist der Hauß- Herr deßfalls schuldig den Zinß nach Zeit Verfliessung anzunehmen; Kauff gehet fuͤr Miethe. Wann aber ein Hauß oder Gut gemiethet und hernach vom Herꝛn ver- kaufft wuͤrde/ ist der Kaͤuffer die Miethe zu halten nicht schuldig/ sondern mag den Miethsmann vertreiben/ es waͤre denn im Kauff bedungen/ sel- Von Mieth-Lehn-Anvertraut und Fund-Guͤtern. selbigen darinn bleiben zu lassen/ jedoch hat anders der Miethsmann/ seiner Forderung Anspruch wegen Interesse gegen den Hauß-Herrn. L. quæro, §. inter, ff. locat. gloss. in L. 3. verb. in solutum C. locat conduct. L. plenè ff. famil. her-cisc. L. nam etsi parentes, ff. de. inoff. testam. gloss. in Verb. corrigere L. 3. C. Locat. L. Emtorem, C. Eod. L. si mercedem, §. fin. ff. de act. Emt. §. 3. Wer auch ein Hauß oder ander Gut miethet/ und solches Miethsmann was fuͤr Scha- den geltet. durch Feuer oder andern unversehenẽ Zufall verdirbt/ so ist der Schade/ dem es angehoͤret/ wofern es aber aus Verwarlosung geschiehet oder zwischen dem Herrn und Miethsmann bedungen/ daß kein Heu in das gemiethete Hauß in der Stadt soll eingelegt werden/ und waͤre doch hernach durch solche That angezuͤndet/ so muß das verderbte Gut gel- ten/ der es gemiethet. L. 11. de peric. \& commod. rei. L. 30. §. fin. ff. locat. L. 2. §. si eo tempore, C. de admin. rer. ad civit. L. 20. C. Locat. L. qui domum, L. si vulneraveris, L. 25. §. qui columnam, ff. Eod. L. 11. §. fin. ff. Locat. §. 4. Wann ein Miethsmann in Miethe-Lohns Bezahlung saͤu- mig/ mag er dafuͤr verfolget und nach geendigter Miethe-Zeit ausge- trieben werden/ auch wofern es auff ein Jahr vermiethet/ kan Eige- ner nach dessen Verlauff den Zinß fordern/ ja auch dessen Wucher nach fernern Verzug begehren; So fern nun die Sache aus Arglist oder Schuld des Miethmanns schadhafft oder aͤrger worden/ oder gar durch verwarlosete Feuers-Brunst verdorben/ oder durch deren einge- fuͤhrten Leute Boßheit und Unachtsamkeit/ die etwas aus Haß oder Feindschafft vernichtet/ solche Schuld muß er buͤssen; wie auch/ so ei- ner das Miethe-Gut allzufruͤhzeitig verlassen/ und nicht wieder dem Eigener uͤberlieffert/ dadurch es Schaden bekommen. L. 54. §. inter, L 56. \& L. pen. ff. Locati. L. legem, \& L. circa, C. Eod. L. 42. ff. de V. obl. L. 30. §. pen. \& fin. ff. Locati. L. præses, C. Eod. L. 19. §. 1. L. 11. §. 1. \& fin. L. 9. §. 3. L. 25. §. 3. L. 13. §. 5. L. 43. L. 24. §. 3. L. 55. §. fin. L. 15. \& 27. ff. Locati. L. si quis, C. Eod. L. 9. §. imperator. L. Ex conducto, §. si vis, \& §. ubicunque ff. Eod. §. 5. Deßgleichen muß Eigener das Hauß in Bau- und Besse- Handwercks Leute Pflichte. rung halten/ oder am Miethe-Zinß nach Zeitraum/ darinn man es nicht gebrauchen koͤnnen/ abkuͤrtzen lassen/ und weiter allen Schaden gelten/ der aus gemietheten Guts Mangel entstanden/ wann man nemlich dessen Fehl leicht habe wissen koͤnnen/ als eines Faß Gebre- chen/ so dem Faßbinder unverborgen seyn muß/ und andern Hand- Tagelohns Recht. wercks-Leute Unwissenheit; Wer nun ein Werck gantz zu vollbrin- gen gemiethet/ oder sich verdungen hat/ kan nicht eher seinen Lohn fordern/ biß er seine Arbeit verfertiget/ es waͤre ihm dann Maaßweise oder Taglohn versprochen. Z z §. 6. Wer III. Buch/ Cap. XIII. Miethe-Roß oder Lehn- Pferds Recht. §. 6. Wer ein Pferd an gewissen Ort hin miethet/ und es weiter anders wohin reitet/ muß dessen Schaden gelten; wann es aber ohne des Reuters Schuld aͤrger wird/ ist er nichts dafuͤr pflichtig. Also ists auch mit dem/ der ein Pferd entlehnet/ wann es ohne seine Schuld ge- brechlich wird/ reitet ers aber an einen andern Ort/ oder giebt sonst Ursach zum Schaden/ muß er solchen entgelten; wann nun einem ein in Verwahrung gegebenes Roß ohne gefaͤhrliche Verwarlosung verdorben oder umgefallen/ wird ihm keine Schuld beygemessen/ weilen die Natur auch solches an dem Roß in seines Herrn Gewalt haͤtte wuͤrcken koͤnnen. Arg. L. 13. §. 2. ff. Locat. L. 25. §. 3. ff. Eod. L. 16. C. Eod. §. 7. instit. de oblig. quæ ex del. nasc. L. fin. ff. commodat. L. 6. in pr. C. de pign. act. L. 5. §. 8. ff. com- modat. L. 1. §. 4. ff. de O. \& act. L. 30. §. 3. ff. ad L. Aquil. L. de eo, quod tumultus, \& L. si plures, §. sive autem ff. Depos. Tot tit. de incend. ruin. naufr. Miethe-Lohns Recht. §. 7. Wann sonst ein gemietheter Mann stirbet/ ehe denn er sei- nen Lohn vollkoͤmmlich verdienet/ der ihm verheissen/ ist man seinen Erben nicht mehr zu geben schuldig/ dann er verdienet/ und ihm auff die Zeit/ da er verstirbet/ gebuͤhret. Arg. L. 15. §. 6. ff. Locat. L. 10. in fine ff. de ann. legat. Baufaͤlligen Miethe-Hauß Recht. §. 8. Was auch einer miethet/ mag er einem andern wohl wieder vermiethen; wer aber ohne rechtmaͤßige Ursachen vor der Zeit von der Miethe abgeht/ oder wissentlich ein baufaͤllig Hauß miethet/ muß als Miethsmann nichts destoweniger den gantzen Zinß und Miethe- geld abstatten/ und sich solches selbst beymessen/ auch mag der Hauß- herr alsdann den Einwohner nicht hindern/ wann er wegen Hauß- Einfalls Gefahr ausziehen will; ja/ dafern er auch in Zeit seiner Miethe zu nothduͤrfftigem Nutzen etwas gebauet und verbessert/ muͤs- sen ihm die Unkosten/ ob schon nichts davon beschieden/ vom Herrn erstattet/ oder am Zinß nachgelassen werden. L. 6. C. locat. L. cum antiquitas, C. de usufr. §. si cui, inst. de usu \& hab. L. Domi- nus ff. locat. conduct. L. si quis dominum, ff. Bod. L. qui bona, §. de illo, ff. de damn. infect. L. inquilino, ff. Eod. L. sed addes, §. si inquilinus. L. Habita- tores, §. ult. ff. Eod. L. Dominus, §. in conducto, ff. Locat. conduct. §. 9. Darum/ wann nun ein Gebaͤu- oder Hauß baufaͤllig/ also Baufaͤlligen Hauses Scha- den wer buͤsset. daß Schaden davon zu besorgen/ so mag der Nachbar/ dem Schaden vorzukommen/ folches ankuͤndigen/ wofern aber hernach dessen Bes- serung nicht geschiehet/ muß der Haußherr insgemein und nicht der Miethsmann solchen erfolgten Schaden erstatten/ auch kan man dar- auff gewisse Versicherung begehren/ und so fern ers nicht wieder zu erbauen Von Miethe-Lehn-anvertraut und Fund-Guͤtern. erbauen vermag/ soll ers verkauffen/ jedoch wann ers um gebuͤhrlichen Preiß nicht verkauffen koͤnte/ soll ihm die Gemeinde zu Wiederauff- richtung seines Hauses so viel als er bedarff herleihen. L. 4. §. 1. \& §. hoc autem, L. 7. \& tot. tit. de damn. infect. L. leges ad Syllan. L. 1. ff. ex quib. caus. serv. pro. §. 10. Wer etwas entlehnt/ ist zu Raub/ Brand und unversehn- Gelehnten Guts Recht. lichem Fall zu antworten nicht schuldig/ ohne daß es aus Verwahrlo- sung geschehen/ oder eines fleißigen Haußvaters Wachsamkeit dabey versaͤumt waͤre; Wer aber Geld oder dergleichen Sachen/ die durch Gebrauch zu verzehren/ entlehnet/ und selbige umkommen/ ist der Scha- de sein eigen/ weilen er des gelehnten Guts Eigener worden; Jn etli- chen Dingen aber/ so gelehnt/ giebt man eben so viel von selbiger Art als man empfangen. L. contractus, §. animalium, \& L. impossibilium, ff. de R. J. arg. L. 1. §. si magistra- tus, ff. de magistr. conven. L. 1. §. \& ille, ff. de O. \& A. L. 5. C. de pignor. act. §. item is, inst. quib. mod. re. L. 5. §. usq́; adeò, L. si ut certo, §. qui ve- ro, L. in rebus in pr. ff. commod. L. 2. §. 2. ff. de reb. cred. L. 1. §. 22. L. 7. §. fin. ff. Depos. §. 11. Wer dem/ so noch unter vaͤterlicher Gewalt ist/ leihet/ ver- Entlehnung wem und wie verboten. lieret was er geliehen/ es waͤre denn bewiesen/ daß es in seines oder Vaters Nutzen gewandt/ als zum Studiren/ Reisen/ Vaters Hand- thierung/ Nutz- und Handlungs Gewerbe/ nicht aber zum banquetir en/ Hoffart/ Uppigkeit und andern Laster-Sachen/ oder daß der Vater selbst dabey gewesen/ es gewust und nicht widersprochen/ oder aus dessen Befehl geschehen/ darum Soͤhne und Toͤchter/ fuͤrnehmlich aber Eltern/ derer Kinder ohne Vorwissen durch Geld Auffnehmen sich schuldbar gemacht/ auch solches nicht zu hohem Nutzen gebracht/ Krafft rechtlichen Wohlthat zu bezahlen weigern koͤnnen/ wann etwan das Geld von ihnen oder ihren Erben gefordert wuͤrde/ weilen diese Frey- heit denen zu wieder vergoͤnnet/ die ihres eigenen Nutzens und Wu- chers halben den Kindern heimlich Geld auffhaͤngen/ und koͤnnen zwar Eltern/ nicht aber Soͤhne diesem Recht bestaͤndig absagen. Tot. tit. ff. \& C. de SCt. Mac. L. 40. de condict. indeb. L. 7. §. 12. cum seq. \& L. 16. ff. ad SCt. Maced. L. 5. \& 7. §. 13. C. Eod. L. 4. \& 7. interdum, Eod. L. quid ergò, §. 1. de his qui not. inf. L. 3. \& 4. ff. de noxal. act. L. 1. §. ult. ff. naut. Caup. stab. §. 12. Was etwa bey Geistlichen ohne Kirchen Nutz hinterlegt/ solches bedarff diese gar nicht verantworten; wann aber sonst etwas Hinterlegten Guts Recht. bey einem zu treuen Haͤnden nieder gesetzt oder gelegt wird/ soll man getreulich dabey handeln/ wer es nun zu seinem Nutzen gebraucht/ be- Z z 2 gehet III. Buch/ Cap. XIII. gehet einen Diebstahl; jedoch darff man fuͤr hinterlegtes Gut/ so es verduͤrbe/ in unversehenem Fall/ als fuͤr Raub/ Diebstahl und anders nicht antworten/ sondern man steht allein fuͤr Betrug und unfleißige Verwahrung/ ohne es waͤre anders bedungen. C. fin. Extr. Depos. L. 29. L. 32. ff. Eod. c. 1. X. Eod. §. furtum instit. de obl. quæ ex del. L. 23. §. animalium, de R. J. §. præterea, instit. quib. mod. re. L. 1. in fine, \& L. 7. ff. Depos. L. si sine, L. quod Nerva. L. 1. §. sæpe evenit. ff. Eod. L. 1. §. si res deposita, ff. Eod. §. 13. Wer nun sein hinterlegtes Fahrniß durch Betrug aͤrger wieder bekommt/ kan den andern beklagen/ wie denn ein jeder um Wiedergebung eines hinterlegten Guts klagen mag/ ob schon er selbst es gestohlen oder geraubet haͤtte/ jedoch nicht gegen den Eigenthums- Herrn; ja wer ohne gewisse Zeit etwas zu behalten giebt/ mag solches wann er will wieder fordern; Es ist auch dieser Contract im Recht so hoch privilegir t/ daß ohne Kriegs Befestigung und ordentlichen Proceß kuͤrtzlich soll gesprochen und exequir et werden; wer aber solch Gut nicht laͤnger behalten will/ mag die Obrigkeit bitten/ von ihm zu nehmen/ und es anders wohin zu legen. L. 1. §. si prædo aut fur. L. qui rem suam. L. bona fides, §. ult. L. si in Asia, §. fin. ff. Depos. L. 2. \& L. si in quis, C. Eod. L. acceptum, C. de Usur. L. mora, ff. Eod. L. ei, §. si velit. L. proprie ff. Depos. Gerichtlichen Beylage Recht §. 14. Also verhaͤlt sichs auch/ wann etwan eine Rechts-streitige Sache bey jemanden hinterlegt wird/ daß sie nach geendigten Rechts Lauff dem Sach-Gewinner wieder gelieffert werde/ oder der Richter selbige annimmt; dannenhero so auch gestohlen oder Raub-Gut in ein Gericht bracht/ und der Ubelthaͤter nicht betreten oder verhafftet wird/ dasselbe soll der peinliche Richter zu getreuen Haͤnden anneh- men und verwahren. L. sequester. ff. de V. S. L. licet, Depos. L. 1. §. 34. \& seq. ff. Eod. §. 15. Wo nun jemand solcher Haade begehret/ und so viel Anzei- gung geben kan/ daß es ihm ohne Zweiffel entwendet/ soll ihm solche wieder geschafft werden/ jedoch nach geleisteten Buͤrgschafft oder Arrestir t ge- stohlenen Vie- hes Recht. eydlichen Versicherung/ so fern er der Sachen halben Rechts verlu- stig/ dem Gegentheil zugefuͤgten Schaden nach Gerichts Ermaͤßigung abzulegen/ welches auch der Antworter bey rechtlichen Guts Vertre- tung thun muß/ Falls er aber nicht eydlich betheuren kan/ daß er sol- che unrechten Herkommens unwissend an sich gebracht/ oder hierinn einiger Wissenschafft uͤberwiesen/ so soll ihm alle nothduͤrfftige etwan arrestirten Viehs Erhaltung samt ziemlichen Gerichts-Unkosten zu bezah- Von Mieth-Lehn-Anvertraut und Fund-Guͤtern. bezahlen aufferlegt werden; wofern er aber solches nicht gewust/ be- zahlet jeder Theil/ was ihm zuerkannt wird/ und bekommt der Guts- Herr ohne erstatteten Werths Preiß seine gestohlene Sachen wieder in Besitz/ wann er wieder giebt/ was auff die Fuͤtterung gangen. P. H. O. Art. 207. 208. L. 4. \& 23. C. de R. V. §. fin. instit. de oblig. quæ ex del. nasc. L. 1. pr. ff. de priv. del. L. 54. §. 3. ff. de furt. §. 16. So aber solch Gut ohne mercklichen Schaden biß zur be- stimten Rechtfertigungs Endung bey gerichtlicher Verwahrung nicht stehen bleiben koͤnte/ und ein Theil genugsame Versicherung thut/ das- selbe an denen Gerichts-Tagen wegen nothduͤrfftig anzufuͤhrenden Kundschafft wieder zu stellen/ auch was ihm derohalben die Hauptsa- che oder Schaden angehend auffgebuͤrdet/ ungeweigert zu thun/ und des- sen vor Rechtens Vollziehung geschehenen Aergerungs Abgang nach Erkaͤntniß zu erstatten/ demjenigen soll die Haabe um weniger Unko- sten willen ausgefolget werden; Wofern aber beyde Theile solche Caution darhun wollen/ so soll zufoͤrderst der Antworter damit zugelas- sen werden. P. H. O. art. 210. \& 213. L. 125. ff. de R. J. L. 6. ff. de Captiv. \& postlim. revers. L. 27. ff. L. 11. C. de. R. V. L. 12. §. 43. ff. de fundo instit. vel instrum- leg. §. 17. Wann nun Klaͤger des anspruͤchigen Guts Eigenthum Rechts streiti- ges Raubgut wem abzufol- gen. genugsam/ aber daß es ihm mit Raub oder Dieberey entkommen nicht beweisen/ dagegen der Antworter auch zur Gnuͤge nicht rechtlich dar- bringen kan/ daß die Rechts streittige Haabe mit gutem billichmaͤßigen Titul vom Klaͤger an ihn gerathen/ so soll das geraubt- oder gestohlene Gut auff Klaͤgers Eyd ihm abgefolget werden. §. 18. Ja/ wann der rechte Eigenthums-Herr ein hinterlegt ge- Hinterlegt ge- stohlenen Guts Forde- rung. stohlenes Gut wieder fordert/ soll es ihm gegen gerechtes Ansuchen niemand entziehen/ auch denen Erben und Nachfolgern/ jedern nach seinem Antheil/ soll man es nicht vorenthalten/ es sey dann ein unzer- theilbahres Ding/ so muß Klaͤger diesen fuͤr den Uberschuß aller Be- schwerden Ansprache loß und frey stellen/ oder die Sache waͤre billig Sicherheit wegen gerichtlich zu hinterlegen/ daß es niemanden fernere Gefahr bringen moͤge. §. 19. So gilt auch solche Klage gegen Muͤndlinge/ so weit sie da- von bereichert; gegen einen Sohn/ der ausserhalb Vaters Gewalt; und gegen den Vater/ wegen Sohnes Eigenthum; ja wider einen Herrn wegen seines Knechts/ und wider den Knecht selbst nach dessen Erlas- sung; endlich gegen Buͤrgen und Erben wegen Arglist des Ver- storbenen/ von allem nemlich/ was Auffruhr/ Brand/ Haußfall oder Z z 3 Schiff- III. Buch/ Cap. XIII. Schiffbruchs halben/ bey einem vermuthlichen Freund in hoͤchster Zwiefachen Bezahlungs Klage-Recht/ wegen hinter- legt verun- trauten Guts. Eyl und Noth wieder vorsetzlichen Willen/ ungefaͤhr und ohne Ver- zug in voller Gemuͤths-Verwirrung oder mit zerstoͤretem Sinn hin- terlegt wird/ welches dieser hernach hinterhaͤlt und verlaͤugnet/ solches mag auff zwiefache Bezahlung gesucht werden wegen grosser Untreu/ da jener keine freye Wahl gehabt/ einem geschicktern und fleißigern nachbarlichen Freunde sein Gut anzuvertrauen. L. 37. de minor. C. 1. de homicid. \& Ext. de deb. puer. L. 1. §. 11. ff. Depos. L. 1. §. 39. L. 21. \& L. 27. hoc tit. Tot. tit. C. an servus post man. Auth. præsente C. de fidejuss. L. 7. §. 1. Depos. L. 12. \& 49. de act. L. 152. §. fin. L. 157. §. fin. de R. J. §. 20. Wer nun mit hinterlegtem Gut untreu handelt/ wird da- Anvertrauten Guts Dieb- stahl Straffe. fuͤr Ehrloß geachtet; Hingegen mag ein jeder seine zur Sachen Ver- wahrung angewandte Unkosten rechtlich wieder begehren/ damit ihm seine Dienstwilligkeit unschadlich seye; ja/ wer mit eines andern Guͤ- tern/ die ihm in gutem Glauben zu verwahren und zu behalten gegeben sind/ muthwill- und gefaͤhrlicher Weise dem Glaͤubiger zu Schaden han- delt/ solche Missethat ist einem Diebstahl gleich zu straffen; Als so iemand eine kostbahre Sache nach erbrochenem Kasten entwendet/ und in eige- nem Nutzen gebraucht/ verdient Geisselung/ Verweisung oder Gefaͤng- niß-Straffe; Deßgleichen wenn ein Post-Bote/ Brieff-Traͤger oder Fuhrmann/ ihm zugezehlt- oder versiegelt anbetrautes Geld verzehret oder unterschlaͤgt/ wird er billich also gestrafft. L. 5. \& 23. L. in Asia, L. 10. C. Depos. L. 1. verb. depos. de his qui not. infam. L. 7. ff. quemadm. testam. aper. P. H. O. art. 170. §. 21. Wer etwas heimlich findet/ und nicht wieder giebet/ begehet Fund-Guts Recht. auch einen Diebstahl/ uñ wofern er davon frey seyn will/ muß ers oͤffent- lich ausruffen lassen/ daß eꝛs wieder geben wolle/ wañ etwan derselbe kaͤ- me/ dem es gehoͤrig/ so fern er wahre Anzeigung geben kan/ wo nicht mag ers behalten/ wenn er arm ist/ ein Reicher aber soll es den Armen aus- theilen. Wer nun verlohren Gut von Obrigkeit wegen/ oder in Kir- chen oͤffentlich abgekuͤndiget/ wissentlich verhaͤhlet/ und dem Eigener nicht wieder giebt/ ist billich mit gelinder Straffe zu belegen. L. falsus, §. alienam, ff. de furt. §. 22. Ja/ wann man etwas findet/ und nicht kund macht/ daß es Fund-Guts Verlaͤugnung Straffe. der rechte Herr wieder bekommen kan/ oder da ers erfaͤhret/ man es be- trieglich verlaͤugnen und nicht wiedergeben will/ wird mit zeitlicher und ewiger Landes-Verweisung gestrafft/ und muß das gefundene erstattet werden; sonst wird durch Findung einer Sache/ als eines Erd- oder Von Mieth-Lehn-Anvertraut und Fund-Guͤtern. oder andern Schatzes/ so da keinen eigenen Herrn hat/ rechtliches Ei- genthum erworben. §. 23. Wenn nun ein verborgener Erd-Schatz an allgemeinem oͤffentlichen Ort oder in Kirchen gefunden wird/ so gehoͤret dieser an Geist- und jener zur weltlichen Obrigkeit; Wann aber ein sol- cher durch Zauberey-Kunst erfunden ist/ verfaͤllt er gantz zur Obrigkeit/ gleichwie Bergwercke Zehenden/ massen auch privat- Leute derglei- chen Gruben besitzen moͤgen/ und ob zwar sonst niemand eines andern Hauß/ ohne des Herrn Willen/ eingehen mag/ so wird es jedoch Me- tall auszugraben zugelassen/ so fern nur solchem fremden Gebaͤu da- durch kein Schade zugefuͤget wird. §. Thesaurus, instit. de rer. divis. L. 3. 6. \& pen. C. de metallifod. L. cuncti, \& L. quosdam, C. Eod. L. si cujus, §. inde, ff. de usufr. L. venditor, §. si constat. ff. comm. præd. L. Fructus, L. Divortio, §. si vir, ff. sol. matrim. L. si ex lapidicinis, de jur. dot. L. 4. §. salinæ, ff. de cens. L. generali, § uxori ff. de Usufr. leg. L. 3. §. ult. L. seq. ff. de reb. cor. qui sub. tut. vel cur. L. 3. ff. de acquir. rer. dom. L. injuriar. ff. de injur. L. 26. ff. de damn. infect. Caput XIV. Von Schuld/ deren Wucher und Renthen. §. 1. W As man schuldig ist/ soll man bezahlen/ wann es auff eine nahm- haffte Zeit gesetzt/ soll es ungemahnt geschehen/ und wer Schul- den halber beklagt wird/ auch solche gesteht/ aber dabey sagt/ daß er ha- be bezahlet/ der muß es ausfuͤhren und wahr machen; Wann aber einem ein Theil der Schuld nachgelassen/ mit Beding/ das uͤbrige zu gewisser Zeit zu bezahlen/ oder hernach die gantze Schuld voͤllig zu er- statten/ wird auch dieselbe gantz von ihm gefordert/ wofern er uͤber bestimmten Tag laͤnger verzeucht. L. 20. C. de transact. L. 1. de pact. L. 12. C. de contrah. \& committ. stipul. L. 2. C. de jur Emphyt. C. 4. Ext. de locat. §. 15. instit. de action. L. 10. C. de pign. L. intra, ff. de pact. L. 1. C. de probat. L. in Except. ff. Eod. §. 2. Wer in 30. Jahren weder um Schuld noch Zinse gemah- net/ ist hernach sicher durch Verjaͤhrung/ obschon ein ander Brieff und Schuld Ver- jaͤhrungs Recht. Siegel uͤber die Schuld haͤtte. So moͤgen nun Schulden gegen Schulden/ die klahr gestaͤndig und bekaͤntlich sind/ gerechnet und abge- zogen/ unstaͤndige aber rechtlich abgewiesen werden; Wann auch der Schuldner an diesem oder jenen Ort nahmentlich zu bezahlen ver- III. Buch/ Cap. XIV. verheissen/ so hat der die freye Wahl/ dem es gelobet/ wo er Bezahlung haben und annehmen will. L. 3. \& 4. C. de præscr. 30. ann. L. 1. ff. de constit. pecun. L. 45. in fin. ff. de admin. tut. L. fin. C. de compensat. §. in bonæ fidei, instit. de act. L. 2. §. 3. vers. qua- re, ff. de eo, quod. certo loco. Wucher Recht. §. 3. Schuldner sollen zwar Zeitraum haben/ Geld zu gebrau- chen/ jedoch der Sachen Untergang befreyet den Schuldner nicht/ wei- len aber auch niemand mit seinem verdruͤßlichen Schaden andern zu leihen oder helffen schuldig/ als ist Vergeltungs oder Bezahlung Saͤumniß und Straff-Rente nicht verboten/ ja vielmehr gebuͤhrliche Rente/ Zinse/ Pacht und Zehenden/ was aus Abnutzung und Fruͤch- ten koͤmmt/ ist erlaubt/ als maͤßiger Wucher/ wann man einem Geld oder etwas anders lehnet/ da die Bezahlung saͤumig und unzeitlich ge- schicht/ mag man wohl auch nach geistlichem Recht/ von Zeit des Ver- zugs/ wegen ausbleibenden Gewinns und entstehenden Schadens/ 5. vom 100. nehmen/ 6. aber oder mehr ist unbillig; Wer nun unbilligen Wucher auff Wucher fordert/ soll an Ehren verletzt und geschmaͤhet seyn; Priestern und Geistlichen absonderlich ist kein Wucher zu treiben gestattet/ sondern werden dafuͤr ihres Amts entsetzet. L. 2. §. 1. \& fin. ff. de reb. cred. L. incendium, C. si cert. pet. 2. Corinth. VIII, 13. L. 17. §. si pupillo, ff. de usur. C. naviganti, Eod. C. plerique, q. 3. c. dilecti, Ext. de foro compet. C. pervenit. Ext. de fi dejuss. L. 2. \& 26. C. de usur. L. sed si, ff. quemad testam. aper. L. un. C. de sent. quæ pro eo. L. cum quidem, §. si pupillo, L. Julianus, §. ex vendito, ff. de act. Emt. L. 194. ff. de jurejur. L. improbum, C. ex quib. caus. infam. irrog. L. 2. C. de SS. Eccles. L. 2. \& 3. ff. de L. commiss. Wucherer Unfug. §. 4. So heist denn ein Wucherer/ der etwas uͤber die Haupt- Summa begehret/ oder geringer einkaufft/ daß er theurer ver- kaufft/ oder der seine Waaren um groͤssern als billigen Prreiß verhan- delt/ ob schon er wegen Bezahlung eine Zeitlang Auffschubs Fristraum gestattet/ massen der jenige ohne Waffen fechtet/ so Wucher fordert; ja ein dem Diebstahl sehr gleich und aͤhnlich/ Teuffels und mehr als juͤdisch- oder heydnisches Laster ist unmaͤßigen Gewinns Wucher/ der so wohl in GOttes Wort als weltlichen Rechten verboten/ nemlich auff alles/ was einer an Korn/ Wein/ Honig/ Oel und dergleichen mehr nimmt/ als er geliehen und ausgethan; oder wer sich fuͤr Geld/ Dienstgeld oder Kleidung/ dafuͤr er unverpflichtet seyn will/ verschrei- ben laͤst/ heist Wucher nehmen/ welches/ nicht aber geben/ Suͤnde ist wider GOtt/ das Recht und gute Sitten/ dahero allen Richtern be- fohlen/ solchen Contract en nicht zu helffen/ sondern Wucher wird ge- strafft Von Schuld/ deren Wucher und Renthen. strafft mit der Haupt-Summa vierdten Theils Verlust/ darum/ wer solchen zu geben sich verschrieben/ ist es zu halten nicht schuldig/ er ha- be es denn mit Eyd bey Treu und Glauben bestaͤtiget/ weilen man GOtt alle gethane Pflicht halten muß. Dist. 47. c. 4. caus. 14. q. 3. c. 3. caus. 14. q. 4. c. 9. \& fin. C. 10. \& 15. X. de Usur. Exod. XXII, 25. Lev. XXV, 35. Deut. XXIII, 19. Luc. VI, 35. Ps. XV, 5. Ezech. XVIII, 13. \& c. XXII, 12. Tot. tit. Ext. \& in 6. \& Clem. un. de usur. \& c. 14. q. 3. \& 4. L. 1. C. de summ. Trin. L. inter claras, §. suscipimus. Eod. Novell. 131. Gloss. in L. rogasti, §. si tibi ff. si cert. pet. C. si fœneraveris, 14. q. 3. gloss. in 6. verb. reddere, in verb. cogendi, c. si verum, C. quando, Ext. de jurejur. c. quam- vis in 6. de pact. C. ad aures, Ext. de his quæ vi metusve. C. querelam, ne prælat. Matth. V. §. 5. Derowegen nun ferner unchrist- und wucherliche oder ge- Wucher und Wucherer Straffe. wissenlose Contract- Haͤndel/ da einer mehr Zinsen/ als 5. oder 6. vom Hundert nimmt/ oder sich mehr Capital als er ausgeliehen verschreiben laͤst/ oder Zinß von Zinsen fordert/ oder Zinsen zum Capital schlaͤgt/ daß die Schuld Summa zwiefach anwaͤchset/ sind unguͤltig und ver- boten/ auch wie Diebstahl mit Landes-Verweisung oder Geldbusse an Wucherern zu bestraffen; ja wie gesagt/ verliehren sie dadurch Capitals 4. ten Theil/ dessen Helffte der Obrigkeit/ die andere Helffte der Partey zu geben/ item/ es werden solche Leute/ ehe sie sich bekeh- ret/ und Contracte auffgehoben/ fuͤr unwuͤrdig zum Tisch des Herrn zu lassen gerechnet/ und moͤgen nicht an ehrlichen Orten begraben werden. L. 2. \& 3. ff. de crim. stellion. L. improbum, C. ex quib. caus. infam. irrog. c. 3. X. de Usur. c. 2. \& 7. de usur. in 6. Arg. c. sacris, Ext. de sepult. §. 6. Nach Jnlager oder Umschlags und Wechsel-Recht/ wie Doppelte Rente wann zugelassen. zu Kiehl in Holstein/ um bey Handels-Gewerbe Treu und Glauben zu erhalten/ ist ein jeder zur doppelten Renthe gehalten/ der in Schul- den Bezahlung hartnaͤckicht oder saͤumig ist/ dahin auch der Koͤnig in Dennemarck selbst mag citiret werden/ und wer dasigem Arrest ent- weicht/ wird zu erst am Gelde/ hernach am Leibe gestrafft. §. 7. Was nun fuͤr gelehnt Gut in Gewicht/ Zahl und Maaß be- Gelehnt Geld wie zu bezah- len. stehet/ dessen Natur ist allerdings in selbigem Werth und Guͤte wie- der zu geben/ als Geld in gleichen Muͤntz-Stuͤcken/ von gleichem Werth/ es sey der Preiß vermehret oder geringert/ kan man also wi- der Willen eins fuͤrs andere nicht bezahlen; darum/ wann einer je- manden baar Geld geliehen/ und hernach dessen innerliche Guͤte der wesentlichen Materie veraͤndert ist/ so muß nach angesehenen Handels Zeit Bezahlung erstattet seyn/ so gut als einer das Geliehene genossen; A a a wann III. Buch/ Cap. XIV. wann aber die aͤusserliche Guͤte des Gelds werth oder Preiß abgeschla- gen/ so ist Billigkeit gemaͤß/ nach Zeit der Zahlung die Erstattung ein- zurichten/ daß jener nicht zu viel gebe/ oder dieser zu wenig bekomme. L. Paulus, ff. de solut. L. 105. ff. Eod. tit. §. 8. Der Creditor ist auch nicht schuldig/ seine Bezahlung an Creditor wozu nicht rechtlich gehalten. andern Waaren/ als mit Gelde/ wo es vorhanden/ zu nehmen/ sonst soll deren Werth vom Schuldner in gebuͤhrlicher Schatzung ange- nommen werden; Also kan man dem Glaͤubiger keine zerstuͤckt- oder eintzele Bezahlung auffdringen/ wann anders die Schuld richtig und klar ist/ dann solches keine vollkommene Bezahlung zu nennen/ wie denn billig keiner Handlung Betrug von denen Richtern ungestrafft bleiben/ sondern mit willkuͤhrlichen Geld-Bussen rechtlich soll be- leget werden. L. cum à quo \& Auth. hoc nisi debitor, L. manifesti, C. de solut. L. quidam, ff. si cert. pet. L. qui pign. ff. de pign. \& hypoth. L. Julianus, §. offerri, ff. de act. Emt. L. plane, ff. famil. hercisc. L. cum hi, §. causæ, ff. de transact. Tot. tit. ff. \& C. de stellionatu. §. 9. Wann man einem Hundert Guͤlden bezahlet/ und der an- dere die Handschrifft vorenthielte/ mag man sie durch rechtliche Kla- ge/ weilen er sie ohn Ursach bey sich behaͤlt/ zuruͤck fordern/ jedoch kan man diesem Recht wohl absagen; Wer auch bey seinem Recht wachsam/ und das Seinige bekommen/ mag etwas wieder zu geben nicht angemuthet seyn/ wer aber nach Schuldners allbereits ange- sponnenem betruͤglichem Rathschluß Handlung mit ihm getroffen/ der ist zu klagen ohnbefugt. Tot. tit. de condict. sine caus. L. 24. ff. quæ in fraud. L. ait prætor, 6. ff. de pri- vil. Cred. Erbguͤter Ab- sonderungs Recht wegen Schulden. §. 10. Weilen bey Schuld-Forderung unbillig/ daß Creditoris Zustand durch Erben That veraͤrgert werde/ als soll ein Richter wuͤrck- liche Absonderung derer Guͤter gestatten/ ehe dann des Verstorbenen und Erben Guͤter so gar vermischt/ daß sie nicht wohl moͤgen unter- schiedlich ausgesetzt seyn; was auch sonst auff Creditorn Betrug an- gesehen/ muß ersetzt werden/ es sey durch Gabe/ Kauff/ Pfand und dergleichen geschehen/ so fern man gewust/ daß der Schuldner zu be- Creditorn Vorrecht we- gen Betrug. zahlen ferner unvermoͤgend gewesen/ und den betruͤglichen Schuld- ner selbst mag man in Gefaͤngniß einziehen lassen. L. 25. C. de pact. L. 2. §. ex his, de V. O. L. 6. §. apud, ff. quæ in fraud. L. 1. §. ait er- go \& L. 2. \& §. 3. hoc tit. L. fin. §. fin. ff. \& L. 2. C. Eod. Banquerotiers Recht. §. 11. Schuldner/ so ihre Guͤter abtreten oder Creditorn fliehen/ sind dafuͤr eben von Rechts wegen nicht ehrloß zu achten; Banquero- tiers Von Schuld/ deren Wucher und Renthen. tiers aber/ die aus eigener Schuld ohne ungluͤckseligen Zufall ins Ver- derben gerathen/ sollen von keiner Obrigkeit geleitet noch beschuͤtzet werden/ vielweniger mit einigem moratorio begabt seyn/ oder es waͤ- ren solche unguͤltig/ wann jene kein Obrigkeitlich Zeugniß ihrer Un- Moratorii Recht. schuld vorzuweisen haben; Sonsten gilt moratorium wegen Schiff- bruch/ Feuers-Brunst und andern Zufaͤllen auff 5. Jahr/ einem leichtsinnigen Schuldner aber moͤgen die Glaͤubiger wohl einen Guͤter Vorsteher verordnen lassen. L. 11. C. de infam. jur. Nov. 32. 33. \& 34. L. quoties, C. de prec. imper. offer. Nov. 17. c. 5. 6. \& 7. Tit. ff. de cur. bon. dand. §. 12. So werden nun Schuldner/ die zufaͤlliger Weise ihre Guͤ- Anstand Bꝛief- fe Recht. ter verlohren/ durch Anstand-Brieffe eisern gemacht/ daß sie von de- rer ungestuͤmen Creditorn Anlauff und Mahnungen befreyet/ jedoch behalten die Renthen waͤhrenden Auffschub ihren Lauff/ massen ein Landesherr wohl andern Leute Recht verziehen/ nicht aber auffheben kan/ dennoch muß der Schuldner fuͤr solcher taͤglichen Plage Frey- heit mehrern Versicherung halben Eyd ablegen/ Pfand setzen/ oder Buͤrgen stellen; So kan eine Ehefrau fuͤr den Mann ohne formlichen Eyd nicht Buͤrgin werden/ daß er nemlich inzwischen nichts veraͤussern wolle/ wann er aber dieses Recht binnen Jahres Frist nicht ge- braucht/ ist er dessen verlustig; Falls auch dergleichen Befehl wie- der Recht und allgemeinen Nutzen oder arg- und hinterlistiger Weise Buͤrgschafft wann eydlich seyn muß. aus boßhafften Falschheit ohne Warheits Grund erlangt waͤren/ so gewinnen sie keine Wuͤrckung/ erstrecken sich auch nicht auff Buͤrgen Verpflichtungen/ weilen solche Huͤlffs-Mittel gerecht und vollkommen seyn sollen. L. fin. C. qui bon. ced. poss. L. 45. §. 10. ff. de jur. fisci C. plerumq; de Rescriptis Tot. tit. C. de prec. imper. offer. Tot. tit. si contra jus vel utilit. publ. c. 20. de Re- script. §. 4. instit. de Repl. L. 5. C. de his ad S S. Eccles. confug. Arg. L. 29. ff. qui \& à quibus manum. L. 28. C. de Testibus. §. 13. Ferner diejenige/ so sich in Schulden vertiefft/ und nicht wei- ter zu bezahlen haben/ moͤgen durch Rechts Freyheit von aller Haab Vertiefften Schuldner Freyheit. und Guͤtern ausweichen/ jedoch nicht derogestalt/ daß sie durch solche Raͤumung ihre Creditores gaͤntzlich vergnuͤgen koͤnnen/ und weitern Anspruchs frey waͤren/ sondern nur daß sie nicht in gefaͤngliche Hafft genommen werden/ vielmehr des Kerckers Noth und Gefahr zu ent- gehen/ auch so fern ihnen GOtt wieder auffhuͤlffe/ nicht mehr fuͤr voll/ ob schon sie so viel vermoͤchten/ noch ferner als sie fuͤglich thun moͤgen/ sollen belanget werden/ ja daß sie nicht wieder so viel bezahlen muͤssen/ A a a 2 armse- III. Buch/ Cap. XIV. armselige und nothduͤrfftige Betlers zu seyn/ sondern etwas zu Lebens Nahrung uͤbrig behalten; welche Rechts Wohlthat sich auch beson- dere Personen bedienen koͤnnen/ als Vater/ Mutter/ Ehemann we- gen Ehesteuer/ item/ Schwaͤher und Geschenck-Geber/ Oberherr und Patron/ so wohl als seine Haußfrau und Kinder/ wie auch Geistliche/ Schuldners Guͤter Ab- stands Recht. daß sie wegen Schuld nicht verbannet noch beschweret werden/ gegen Geluͤbde Zahlung zu lieffern/ wann GOtt Gluͤck verbessert; etlicher Orten aber wird dieser Abstand nicht gestattet/ sonsten ist dieses Recht unverzeyhlich. Tit. ff. de Cess. bon. L. aliam, §. eleganter, ff. solut. matrim. L. Patronus, ff. dere judic. L. ex diverso, ff. solut. matrim. L. un. §. cum autem, C. de rei uxor. act. L. nescimus, in fine, \& L. inter eos, §. fin. ff. de re judic. C. Odoardus, Extr. de solut. L. 173. ff. de R. J. Schuldner als Verschwender Straffe. §. 14. Jedennoch wegen gottlosen Untreu derer Schuldner/ die sich auff ihrer Guͤter Abtritt verlassen/ frevele Schulden machen/ und alles unnuͤtzlich verzehren/ so werden solche Verschwender in oͤffentliche Gefaͤngniß verschlossen/ verwiesen oder sonst gestrafft; Weiber aber/ ob schon sie ihr Gut nicht abtreten/ moͤgen nicht gefangen gelegt wer- den nach heutigen neuen buͤrgerlichem Recht/ sonst ist zum Auffbot der Guͤter genung/ wann des Schuldners Vorhaben und Willen durch Brieffe oder Boten kund gethan; So mag demnach/ Schul- den/ Vermaͤchtniß/ angethanen Schadens und schwangern Leibes hal- ber/ Besitz-Einnahm oder Einfuͤhrung geschehen/ es soll aber kein Cre- ditor befugt seyn/ aus eigener Macht des Schuldners/ Guͤter einzu- nehmen/ sondern es muß solches geschehen durch ordentlichen Rich- ters Huͤlffe/ in dessen Gebiet das Gut gelegen/ nach derer Schulden Beschaffenheit/ auff Glaͤubigers Begehren oder Debitoris Ungehor- Schuldners Guͤter Besitz- Einnahme. sam/ ja damit der Creditor wegen verborgenen Schuldner ungefaͤhr- det/ so werden die Guͤter in Besitz genommen/ und endlich verkaufft/ Betrug zu straffen. L. nemo, C. de Exact. tribut. Auth. sed hodie, C. de offic. divers. jud. Auth. hodie, C. de custod. reor. L. ult. ff. de cess. bon. L. 6. C. Eod. L. 13. de eo, quod met. caus. L. 12. §. pen. quib. ex caus. in bon. poss. eat. L. 4. §. hoc autem, ff. de damn. infect. Creditorn Ab- zugs Recht. §. 15. Wann Schuldners uͤbrige Guͤter nicht zureichen/ wird ei- nem jedern gemeinen Creditorn nach Summa Anzahl etwas abge- zogen/ und hat darinn keiner vor dem andern Vortheil/ ob schon des einen Schuld-Brieff aͤlter als des andern; Sonst haben alle Glaͤu- biger Vorzug und weitere Gerechtigkeit zu deren Schuldner Guͤter/ die Von Schuld/ deren Wucher und Renthen. die ihnen ausdruͤcklich verpfaͤndet seyn/ jedoch koͤnnen sie sich solch Vortheil begeben. L. procuratoris, §. si plures, cum l. seq. ff. de tribut. act. Tit. C. qui pot. in pign. §. 16. Wann viele Creditores vorhanden/ um ihre Schulden sprechen/ so haben den Vorzug die/ so Unterpfand haben/ und denen des Schuldners Guͤter versichert/ welche nemlich also die aͤlteste Ver- schreibung haben/ und nach denen Creditorn, so Unterpfand haben/ fol- gen die persoͤnliche Glaͤubiger/ welche blosse Schuld-Verschreibungen ohne Pfand haben; jedoch mag ein privilegirt er Creditor seine Vor- zugs Freyheit gegen andere gleichfalls privilegirt e nicht fuͤglich ge- brauchen/ sondern gehen zu gleichen Theilen. L. 2. 8. 9. \& L. potior. in princ. ff. qui pot. in pign. hab. Tot. tit. C. Eod. L. 3. ff. quod cum eo, qui in alien. L. 32. de reb. auth. jud. poss. L. 9. C. qui pot. in pign. L. fin. §. in computatione C. de jure deliber. §. 17. Wann aber einer fuͤr Schulden alle seine Guͤter insgemein verschrieben/ und auch ein eintzel Stuͤck insonderheit/ hernach aber ei- Allgemein- und sonderbaren Unterpfands Recht. nem andern ein sonderlich Stuͤck/ als Hauß/ Wiesen oder anders ausdruͤcklich aus seinen Guͤtern verpfaͤndet/ so kan der erste Creditor seines Unterpfandes insgemein zum Nachtheil des andern Glaͤubigers nicht gebrauchen/ sondern muß sich erst an sein sonderbares Unter- pfand halten/ und wann er davon seine vollkommene Bezahlung nicht erlangen kan/ mag er zum allgemeinen Pfand schreiten. L. quoties, 98. de R. J. c. qui prior, de R. J. in 6. L. 2. C. de pignor. §. 18. Unter allen Glaͤubigern/ die allein Bekaͤntniß der Schul- Gemeinen Nutz- und Obrigkeiten Vorrecht. den haben/ geht der gemeine Nutz und die Obrigkeit fuͤr/ darunter alle Staͤdte/ Doͤrffer und Gemeinden verstanden/ dahero dann alle dieselbe und deren Verwaltere/ so Geld geliehen/ vor allen blossen Handschrifft Glaͤubigern in solcher Guͤter Auslage befriediget wer- den sollen. L. pen ff. de privil. Cred. L. 22. §. respublica, ff. Eod. L. 3. C. qui pot. in pign. L. 2. \& L. Rempubl. C. de jur. reipubl. L. 17. ff. de V. S. L. simile, ff. ad municip. L. si fundum, C. qui pot. in pign. §. 19. Schuldforderung-Vorzugs-Recht haben auch alle Muͤnd- linge oder Minderjaͤhrige/ Weiber in Mitgiffts-Guͤtern/ deßgleichen wer hinterlegtes Gut begehret/ oder etwas zu Bau- und Verbesse- rung eines Hauses/ Schiff oder Guts geliehen/ also wer zu Schuld- ners Gesund- oder Kranckheit/ Begraͤb- und Leich-Begaͤngniß- oder an privilegirt e Creditorn Geld ausgethan/ oder sonst mit zwiefachen Rechts Freyheit versehen/ als wegen Beylage und Vormundschafft zugleich. A a a 3 L. interdum III. Buch/ Cap. XIV. L. interdum \& L. fin. qui pot in pign. L. 10. ff. de privil. Cred. L. pen. de relig. \& sumt. fun. L 6. C. de bon. auth. jud. poss. L. 11. ad verb. hypotheca, ff. de pact. L. non puto, de jure fisci. §. 20. Wann von entlehnetem Gelde Waaren gekaufft/ die noch Waaren Recht von gelehnten Gelde. vorhanden/ und zwar mit Nahmen ausdruͤcklich das Geld dazu ge- liehen/ also daß/ ob zwarn auff Geld und erkaufftes Eigenthums Recht erworben/ auch dahero der Glaͤubiger daran beym Schuldner keinen Vorzug einzuwenden/ so haͤlt man dennoch rechtlich dafuͤr/ daß solch erkaufftes Gut dem Creditorn gleichsam heimlich verpfaͤndet sey/ dar- rum man sich allhier des gemeinen Rechts Brauch/ erst in der Zeit erst im Recht/ nicht zumessen kan/ sondern es muß dieser Glaͤubiger billig an- dern persoͤnlichen Anforderungs Creditor en vorgezogen seyn/ deßwe- gen er auch die Waaren an sich halten mag. L. 2. §. appellata, ff. si cert. pet. L. quidnam, ff. de in rem verso. Auth. quo jure C. qui pot. in pign. gloss. ibid. ff. in verb. personalis, §. fin. L. quod quis, ff. de privil. in verb. navem. Gloss. L. privilegia, in verb. ex causa, ff. Eod. 1. quæ autem, §. sciendum, ff. quæ in fraud. Cred. L. pupillus, ff. Eod. L. 25. ff. si cert. pet. §. 21. Ja/ wann ein solcher Handschriffts Glaͤubiger/ der da weiß/ Handschriffts Glaͤubiger Vorrecht. daß sein Schuldner alle Creditorn nicht bezahlen kan/ schon Geld oder Waaren an Bezahlung genommen/ mag er darnach von andern Glaͤubigern/ die Zeit halber aͤlter als er/ um Herausgebung solcher er- hobenen Waaren oder auch Gelds nicht beklaget werden/ weilen es heist/ wer erste Bezahlung erlangt/ hat erstes Recht; also verhaͤlt sichs auch mit Geld/ das ausdruͤcklich zum Haußbau oder Besserung geliehen wegen Vorzug/ wann nemlich das Geld dazu angewandt/ ist das Hauß stillschweigend verpfaͤndet/ und hat Creditor Vortritt vor seine Schuld fuͤr andern. L. 1. ff. in quib. caus. pign. L. 52. §. 10. ff. pro socio. L. 8. §. 2. L. 24. §. 1. ff. de re auth. jud. poss. Tot. tit. ff. \& C. qui pot. in pign. L. interdum, ff. Eod. Lehn-Guts uñ Erbschulden Abzugs Vor- recht. §. 22. Jn Lehn-Guts Schulden haben die Creditores Vorzug fuͤr allen/ welche Geld dargethan zu Erhaltung Lehns-Ackerbau/ und Verhuͤtung dessen Gebaͤu Falls; hernach die/ welchen das Lehn mit des Herrn Vorbewust verpfaͤndet/ oder Beschlag und Execution auff das Gut erlangt haben; folgends deren Schwestern gebuͤhrende Ausstattung fuͤr deren Bruͤder selbst gemachten Schulden/ jedoch muß Vaters Schuld vorhero bezahlet seyn; Jtem Mittgiffts Erstattung fuͤr denen/ die keine aͤltere ausdruͤcklichere Verpfaͤndung haben; Und letzlich werden bezahlet alle andere Lehn-Schulden/ nach Zeiten Vor- recht; Wann nun etwas uͤbrig am Gelde/ alsdann moͤgen nach Ord- nung Erbschulden abgezogen seyn. §. 23. So Von Schulden/ deren Wucher und Renthen. §. 23. So jemand etwas bezahlet oder geleistet/ das er zu thun Unpflichtigen- Schulden Be- zahlungs Recht. nicht waͤre schuldig gewesen/ hat er rechtliche Wohlthat sich zu gebrau- chen/ sein ausgelegtes Geld wieder zu fordern/ so wohl als andern Sa- chen zu erhohlen/ wer aber will/ mag sich wohl dieses alles begeben; je- doch/ wann es schon contentiret, seine Endschafft erreichet/ oder etwas dagegen auszuantworten/ mag er Gegenforderung machen; Also ists auch/ wann jemand etwas ohne alle oder billige Ursach zu leisten oder bezahlen gelobet/ ist ers nicht zu halten schuldig. Tit. de condict. indebiti. Tit. de condict. sine caus. \& ob turp. caus. §. 24. Ferner ist auch/ fuͤr Recht und Gerichts-Streit zu kuͤrtzen/ dienlich zu halten/ daß/ so bald eine foͤrmliche Creditorn Versammlung Creditorn Versamlung- und Schulden Liquidir ungs- Recht. entstanden/ und eines vertiefften Schuldners Zustand zur ordentlichen Liquidir ung seiner Schulden gediehen/ der Zinß- und Renthen Lauff soll gehemmet werden/ nur daß die Liquidi rungs Processe denen Credi- torn zum Nachtheil und Schaden nicht vorsaͤtzlich von einem Jahr zum andern verzogen/ sondern auffs schleunigste zur gaͤntzlichen Rich- tigkeit Endschafft gebracht/ auch inmittelst denen Schuldnern die Ein- kuͤnffte an sich zu nehmen/ und in ihrem Nutzen zu wenden nicht gestat- tet/ sondern die tieff verschuldete aus den Guͤtern weggeschafft/ die saͤmtliche Nutzungen aber denen Glaͤubigern zu gute gerichtlich eingezogen/ fleißig behalten und verwahret/ oder denen Vorzugs Recht habenden auff Abschlag ihrer Zinsen und Capitalien abgefolget Renthen Ein kuͤnffte wann einzuziehen. werden; Jm uͤbrigen sollen so wohl aus als innerhalb diesem Versam̃- lungs Recht/ so viel deren Creditorn noch zur Austheilung nicht kom- men/ gegen Einheimische gleichwie auslaͤndische in nicht bezahletẽ Rent- gefaͤllen/ ausgenommen zu gottseliger Sachen wiederkaufflichen Contract- Haͤndeln und unabloͤßlichen Zinsen/ kein Wucher hoͤher/ als der Haupt-Summa gleich/ erkant werden. §. 25. So mag man auch geschehen lassen/ daß gegen auslaͤndi- Retorsion Recht bey Schulden. sche Glaͤubiger/ woselbst die Zinsen noch geringer/ als der Haupt-Sum- ma verglichen/ erkant/ oder denen erstern Creditorn nur allem die Ca- pitalia und die Zinsen nicht ehe/ biß auch die letztere der Haupt-Sum- ma wegen befriediget/ zugeurtheilet werden/ das Retorsion und Vergel- tungs Recht gehalten/ auch hinfuͤro in Zinsen/ es sey inn- oder ausserhalb Creditorn Versammlung/ deme nach gesprochen werden moͤge; Wo- fern nun einem Debitori zur selbigen Zeit oder auch ehe denn die Zin- sen dem Capi tal gleich werden/ die Loßkuͤndigung geschehen wuͤrde/ muß III. Buch/ Cap. XIV. muß er sich mit dem Glaͤubiger der neuen Versicherung halben/ etwa den Zahlungs Termin zu verlaͤngern/ vergleichen. §. 26. Wem einig Gut verpfaͤndet/ hat mehr Freyheits Vorzug Pfand gehet fuͤr persoͤnliche Klage. Schuld zu fodern als der nur eine persoͤnliche Klage anzustellen be- rechtiget ist; Wann nun Creditor zu Debitoris Guͤtern eingewiesen/ behaͤlt er selbige so lange/ biß der versteckte Schuldner sich stellet/ falls auch dieser deren Ackerbau versaͤumet/ muß jener es verrichten/ und die Fruͤchte einsammlen/ jedoch nicht zu seiner Nahrung oder Gewinst/ sondern zu verwahren oder verkauffen fuͤr billigen Werth/ den er nach Unkosten Abzug wohl behalten mag; Sonst hat auch Ehefrau Frey- heit ihren Braut-Schatz/ den sie eingebracht erwiesen/ fuͤr allen andern Persoͤnlichen Creditorn, die nicht ausdruͤckliche Verpfaͤndung haben/ zum Vorzug aus ihres Mannes Guͤtern zur Wiederlage zu bekom̃en. L. eos, C. qui pot. in pign. L. 3. §. ult. de acquir. poss. C. contingit, X. de dol. \& contum. tot tit. X. de eo qui mitt. in poss. L. 1. \& 2. C. de pign. act. L. 9. C de pignor. L. 2. C. de. pact. pign. L. 12. \& 29. C. de jur. dot. §. fuerat, instit. de act. L. 1. ff. solut. matrim. L. 2. ff. de probat. L. nimis, C. de test. L. assiduis §. fin. C. qui. pot. in pign. Schuldners Widersetzlich- keit Zwang- Recht. §. 27. Wann Debitor sich wiedersetzet/ soll man ihn durch Soldaten Huͤlffe den Glaͤubiger dabey zu lassen zwingen/ und damit diese das ihri- ge nicht zu lange entrathen/ noch Schuldners Guͤter ohne Nutzen ver- wahren muͤssen/ soll ein Richter nach erkantem Ungehorsam/ falls Debi- tor rechtlich citir t nicht erscheinet/ den Glaͤubiger durch anderwaͤrti- gen Befehl zum eigenthuͤmlichen Besitzer erklaͤren/ alsdann wird De- bitor ausgestossen/ und gewinnet Creditor die Fruchtnutzung/ auch ist jener darnach gar nicht zu hoͤren/ er bezahle dann die Schulden samt allen Unkosten. L. 1. \& si qui missum, ff. ne vis fiat. L. 4. §. in prædicto, L. si finita, §. si forte \& §. non autem, ff. de damn. infect. L. 53. §. contumax, ff. de re judic. C. quia, §. ult. ut lite non contest. L. si prius, C. de distract. pign. Auth. ei qui jurat, C. de bon. auth. jud. poss. Richter Pflicht zwischen Debi- tor und Cre- ditor en. §. 28. Ja/ auff daß viele Creditores nicht laͤnger betrogen seyn/ noch deren Besitz-Gemeinschafft Zwiespalt errege/ soll der Richter eine gewisse Zeit ansetzen/ binnen welcher Frist so Debitor nicht er- scheinet/ moͤgen sie die Guͤter verkauffen/ und den Werth gleich unter sich vertheilen; Wann aber nach ersten Besitz-Einnahms Befehl De- bitor also fort sich einfindet/ die Schuld nebst den Unkosten bezahlet/ soll ihm seiner Guͤter Besitz zugleich mit aller Fruͤchte Genuß wieder erstattet werden. L. 79. §. omnia de Legat. L. fin. C. de reb. auth. jud. possid. §. 29. El- Von Schulden/ deren Wucher und Renten. §. 29. Eltern und Kinder/ wiewohl sie in Armuth einander zu er- nehren schuldig/ sind sie doch nicht allezeit fuͤr einander Schulden zu bezahlen rechtlich gezwungen; Wann aber sonst zwischen Zweyen/ Schulden oder andern Rechenschafft halber/ einiger Jrrthum befun- den/ soll man neue Liquidi rungs Rechnung machen/ dann ob sie schon wie gewoͤhnlich einander qvittiret/ moͤgen sie sich dennoch um dasjeni- ge besprechen/ so etwa nicht fuͤrkommen waͤre/ wofern aber uͤber solche Schuld-Rechnungen allbereits gewisser Vertrag auffgerichtet/ oder Entscheidungs Urtheil ergangen/ mag man keine neue Rechenschafft/ Zwiespalt auff solche zu erwecken/ anfangen. L. si quis, §. parens, ff. de agnosc. \& alend. lib. L. 1. \& 2. C. Eod. L. Patris, C. ne filius pro patre. L. un. in fin. C. de error. Calcul. §. item in judicio, inst. de Except. tot. tit. ff. de Exec. rei judic. C. expositæ, Extr. de arbitr. L. 18. \& 19. C. de transact. L. 10. C. locat. L. 13. C. de contrah. \& comm. stipul. c. 1. vers. aliquando, C. Debitores, Ext. de jurejur. §. 30. Sonsten ist einer Schulden Obligation Verfaͤlschung dar- an zu vermuthen/ wann etwa an verdaͤchtigen Orten bey denen Verfaͤlschten Obligation Muthmas- sungs Recht. Hauptstuͤcken/ an der Summa/ beym Dato etwas ausgekratzt oder durchstrichen befunden wird/ es sey denn solcher Schrifft Veraͤnde- rung foͤrmlich am Rande oder Ende wohl gedacht; allwo aber einer Handschrifft oder briefflichen Urkunden eines Theils an ungebuͤhren- den Orten etwas zugesetzt oder ausgelescht/ ist solche gantz nichtig und fasch zu erachten/ es waͤre dann an irgend einem unverdaͤchtigen Ort oder in mittelmaͤßigen ziemlichen geringen Schuld-Summa/ als dar- inn nicht leicht auff jemanden/ Arglist und Betrug zu veruͤben/ verdacht/ und Argwohn fallen kan. C. 2. pen. \& fin. X. de crim. falsi. C. inter dilectos, \& C. ex literis. X. de fide instrum. §. 31. Ausflucht und Rechts Behelff wegen nicht ausgezahleten Geldes gebuͤhret dem/ der sagen kan/ er habe zwar fuͤr Schuld eine Handschrifft ausgegeben/ dennoch aber keinen Pfennig darauff em- pfangen/ welches innerhalb 2. Jahren und nicht ferner mag fuͤrgewen- det werden; wer nun dafuͤr sicher seyn will/ muß den Schuldner dazu halten/ daß er solchem Recht der Verschreibung verzeihe/ das dann zum wenigsten so viel hilfft/ daß dadurch die Buͤrde der Beweisung auff den Absagenden geschoben werde/ daß ihm wuͤrcklich keine Zah- lung geschehen/ da sonst der andere haͤtte beweisen muͤssen/ daß von ihm solches Geld in der That geliehen worden. §. 32. Also hingegen/ wann der Glaͤubiger/ durch Vertroͤstung sein Geld ihm zu bezahlen verleitet/ eine Qvittung von sich gegeben/ hernach B b b aber III. Buch/ Cap. XIV. aber nichts eingenommen/ mag er die Ausflucht nicht bezahleten Gel- des/ jedoch nicht laͤnger als binnen 30. Tagen fuͤrwenden/ auch kan man sich dieses Vortheils wohl thaͤtlich/ aber nicht rechtlich begeben. L. in contractibus §. super certis, C. de non num. pecun. §. 33. Wann nun einer Bekaͤntniß von sich gegeben/ daß er von sei- nem Schwaͤher die Heimsteuer empfangen/ in gewisser Hoffnung/ daß ihm solche wuͤrde bezahlet werden/ welches doch nicht geschehen/ hat er wegen nicht gezahleter Mitgifft/ folgender Gestalt vorzuwenden/ seine rechtliche Ausflucht/ nemlich in Jahres Frist/ wofern die Ehe nicht voͤl- lig 2. Jahr gewaͤhret/ so fern sie aber zwey Jahr uͤber/ und jedoch unter zehn gewaͤhret/ muß es innerhalb zwey Monaten geschehen/ und dieses ist unbegeblich/ wo es aber geschiehet/ wuͤrcket es so viel/ daß der Ab- sagende beweisen muß/ daß keine Zahlung erfolget/ da sonst jener haͤtte darthun muͤssen/ er habe die Mitgifft bezahlet. L. in dotibus, cum Auth. quod locum, C. de dot. Caut. \& non numer. §. 34. Wann einer Ehefrauen Schulden/ welche der Mann vom Seinigen zu entrichten/ nicht schuldig gehalten ist/ auff andere Weise als durch liegenden Grundguts Verkauffung nicht bezahlet werden koͤnnen/ so mag ein Richter nach pflichtmaͤßiger Erkaͤntniß mit Wei- bes Bewilligung Veraͤusserungs Macht und Gewalt ertheilen/ und zwar erfordert dieses Rechts Gewohnheit/ wegen Geschlechts Schwachheit/ so deren Ehemaͤnner Uberred- und Bedrohungen leicht- lich unterworffen; ausser Mitgiffts Guͤter aber/ sie seyen beweg- oder unbeweglich/ mag eine Frau mit ihres Mannes Willen wohl ver- aͤussern/ jedoch daß deren Werth dem Manne zu gut komme/ und in seinen Nutzen verwendet werde/ weilen auch das weibliche Geschlecht von Natur genaue und karg/ so ist zu vermuthen/ daß sie leichter zu Verpfaͤnd-als Veraͤusserung ihrer Guͤter bewilliget haben. L. assiduis C. qui pot. in pign. Tot. Tit. C. ne uxor pro mar. Auth. sive C. ad SCt. Vellej. Auth. si qua mulier \& L. 22. C. eod. tit. L. 16. ubi gloss. in verb. raro, C. de don. ant. Arg L. 5. C. si cert. pet. L. 17. §. ult. gloss. ad SC. Vellej. §. 35. Wer nun schuldig ist/ und bezahlen oder Renthe und Zinse entrichten will/ oder andere Guͤter einzuloͤsen gesinnet/ soll dem Glaͤu- biger zu rechter Zeit Loßkuͤndigung thun und Bezahlung zu thun an- biethen/ wann dann derselbe das Geld nicht annehmen will/ soll ers ihm lassen ansagen/ daß er es an Tag/ Stunde und Ort/ wie sichs ge- buͤhret/ bey der Obrigkeit gerichtlich hinterlegen wolle/ da er solches zu hoͤren und sehen erscheinen koͤnne/ alsdann es gezehlet/ in einem Beu- tel versiegelt und gelieffert wird/ sagend/ daß es zur Bezahlung und seines Von Schulden/ deren Wucher und Renthen. seines Guts Wiedereinloͤsung geschehen/ darnach dann der Schuld- ner keine weitere Renth- und Zinse geben darff. L. 8. §. 17. ff. de transact. L. 24. in fin. ff. ad municip. L. 4. C. de jur. fil. L. 10. L. 9. in pr. C. de usur. L. si moram, L. semel mora ff. solut. matrim. L. 19. C. de so- lut. \& liber. §. 36. Wann nun der Glaͤubiger vom Schuldner bezahlet/ soll er ihm den Schuld-Brieff und eine Qvittung dazu heraus geben/ weilen dieselbe bessern Beweiß bringet/ als blosse Zuruͤckliefferung des Schuld- Brieffs. L. pecuniæ solutæ professio, C. de solut. Caput XV. Von Muͤller/ Wasser und See-Recht. §. 1 U Nter herrschafftliche Vorrechte oder Regali en werden auch Muͤh- len gerechnet/ welche niemanden ohne Fuͤrsten Zulassung zu er- bauen frey stehen/ deren Fluͤsse Gebrauch aber kan der Fuͤrst/ ohne bey hoͤchstem Nothfall allgemeinen Nutzens wegen/ Privat-Leuten nicht verbiethen/ noch sie daran verhindern; so mag dann jemand ohne Fuͤrstl. Verguͤnstigung an offenbar allgemeinem Fluß eine Muͤhle er- bauen/ massen des Flusses Gebrauch oͤffentlich und allgemein ist/ jedoch so fern dieselbe Erbauung nicht geschieht zu dessen Ungemach aus Eif- fersucht der allbereits eine Muͤhle hat/ am Ober- oder Untertheil des Flusses oder Bachs; deßgleichen mag einer/ der uͤber Menschen Gedenckẽ irgendwo eine Muͤhle gehabt/ einen andern/ der am obern Flusses Theil eine neue auffbauen will/ nicht verhindern/ wofern nur das Wasser starck genung seyn/ und der aͤltern Muͤhlen Nutzen Abgang nicht ver- ursacht werden kan. L. 2. ff. de flum. L. unic. in princ. §. 2. ff. ne quid in flum. publ. L. 13. ff. comm. præd. L. 11. ff. de Evict. L. 1. in princ. ff. de flum. L. si manifesti, C. de servit. §. 2. Wann eines Dorffs Einwohner von sehr langer Zeit hero ihres Oberherrn Muͤhle gebraucht haben/ und etwa ein Nachbar eine neue auffrichtet/ moͤgen sie dennoch hin kuͤnfftig bey der ersten bestaͤn- dig zu mahlen nicht gezwungen/ noch ihnen zur andern zu gehen ver- wehret werden/ es waͤre denn eine herrschafftliche Zwang-Muͤhle/ da- hin die Leute aus dienstbaren Pflicht zu mahlen genoͤthiget/ und viele Jahr her Zwangs weise angestrengt worden. L. 2. ff. de via publ. C. possessiones 16. q. 1. L. 1. §. 3. C. de servit. C. abbate §. 2. de V. S. B b b 2 §. 3. Was- III. Buch/ Cap. XV. Wasser Lei- tungs Recht. §. 3. Wasser aus allgemeinem Fluß mag man durch Roͤhren oder Graben uͤber einem frembden Grund ohne von dessen Eigener erlang- ten Dienstbarkeit zu seinen Ackers Befeuchtung nicht hinleiten/ ab- sonderlich wann es oͤffentlichem Gebrauch schaͤdlich und von der Obrig- keit verboten; viel weniger wird es zugelassen/ wann der Fluß zur Seeglung und Schiff-Ge- brauchs Recht. Schiffahrt beqvem oder ein ander Wasser durch ihn dazu dienlich und wasserreich gemacht wird/ damit nicht Seglung und Ancker-Grunds Tieffe oder Schiffgebrauch verdorben/ oder beschwerlicher/ klein und ge- ringer gemacht/ noch gar vernichtet werden moͤge. L. 2. \& 17. de aquæductu. L. 10. §. fin. de aq. pluv. arc. L. 1. in princ. \& §. navigii, ff. de flumin. L. Labeo \& 20. §. fin. de aquæductu. L. 8. de aq. pluv. arc. L. ult. C. de Auth. præst. Gemeinẽ oder besondern Fluß- und Zieh- brunnen Recht §. 4. Jn besondern Brunnen oder Fluß-Wasser Abfuͤhrungs- Recht oder Verstattung soll man nicht nur deren/ allwo das Wasser entspringet/ sondern auch deren Bewilligung haben/ die es gebrauchen/ weilen dadurch ihr Recht geschwaͤcht und vermindert wird; So ist auch im zulaͤßigem Fall das Wasser nicht allenthalben/ sondern allein/ wo es noͤthig/ zu gewissen Grunds Brauch abzufuͤhren/ noch dadurch einem andern mitzutheilen/ es waͤre denn nahmentlich bedungen; also das Recht Wasser zu schoͤpffen aus gemeinem Fluß oder Ziehbrunnen gehoͤret insgemein zu eines Grundgut/ jedoch kan es auch persoͤnlich gehalten werden. L. 5. \& pen. de aquæduct. L. 1. §. 17. de aq. quotid. \& æstiv. L. 12. \& 23. de usu \& habit. L. 37. de serv. rust. præd. See-Recht/ Schiffer oder Schiffherrn zu verklagen. §. 5. Weilen nun einige Leute aus Furcht der Gefahr und Arbeit Verdruß andere nach ihnen zu verordnen pflegen/ mit denen man wohl in ihrem Nahmen Handel treffen kan/ als ist billig in See-Sachen/ Fracht und Fuhren halber/ mit einem Schiffer gemachten Gedings wegen/ Macht haben/ dessen Schiffguts Herrn/ welcher jenen dem Schiff vorgesetzt/ auch belangen moͤgen/ weilen ein jeder/ absonderlich der mit einem unbekandten Schiffer Vergleich macht/ des Schiffherrn Treu und Glauben am meisten gefolget/ jedoch ist dieser nicht weiter gehalten/ als so fern er jenen hat fuͤrgesetzt und bevollmaͤchtiget/ und das nemlich wegen Schiff- und Seefahrenden Leute Nutzen/ daß sie nie- mand leicht betruͤgen moͤge/ so sind sie alle saͤmtlich voͤllig verpflichtet/ einer fuͤr alle/ und alle fuͤr einen/ wofern deren Schiffsherrn viele zu- sammen gehoͤren/ damit sie nicht viele Widersacher zu verfolgen haben/ wann aber einer bezahlet/ sind sie alle befreyet; So hat auch Klaͤger die Wahl/ den Schiffer oder Schiffsherrn zu belangen/ und Sach- Ver- Von Muͤller/ Wasser und See-Recht. Verfolgungs Klage oder Ansprache wird stets allen Erben gegen Er- ben verstattet. L. 5. ff. de Exercit. act. L. 1. in princ. Eod. L. 29. ff. si cert. pet. L. 1. §. ideo, \& 7. L. ff. de Exerc. act. L. 1. §. magistrum, \& seqq. L. 1. §. fin. cum L. seqq. L. 1. §. pen. \& L. 4. §. fin ff. de Exerc. act. §. 6. Ein Schiffer ist/ dem des gantzen Schiffs Regierung vom Schiffs-Herrn anbefohlen/ entweder ein Schiff zu vermiethen/ oder Waaren zu kauffen und verkauffen/ oder Fracht und Fuhren zu bedin- gen/ Gewehr und Waffen zu hohlen; Ein Schiffs-Herr aber ist zu nennen/ welchem alle Gefaͤlle und Einkuͤnffte zukommen/ er sey gleich Eigenthumsherr/ oder habe es vom Eigener mit Annehmung aller Ge- fahr/ Schaden und Gewinst des gantzen Schiffs/ auff ewig oder eine Zeitlang fuͤr gewissen Lohn gemiethet; So pflegen auch Stiffts Be- fehlshaber und Stadtbeamten/ welchen allerley Lebens-Mittel und Stiffts Amt- leute Pflicht wegen Schiffer. Wasser Zufuhren Sorge oblieget/ denen Schiffsherrn/ damit ihrer mehr sich dazu finden moͤgen/ gegen alle Handels-Leute wegen ihrer Schiffer Verpflichtungen/ ausserordentliche Huͤlffe zu leisten/ wann et- wa solche nicht zu bezahlen vermoͤgen; Wofern aber jemand nicht mit dem Schiffer selbst/ sondern mit andern des Schiffs Leuten gehandelt/ so ist der Schiffsherr eines jedern Contracts halber nicht eben pflichtig/ Wort zu halten/ massen er solches nicht bewilliget/ oder zugelassen/ jedoch muß er deren aller und jeden/ so da schiffens halber im Schiff sind/ Verbrechen aus Schuld und Arglist begangen/ verantworten/ und ihm selber beymessen/ daß er so wenig geschickte und gar untuͤchtige Schiffs-Werckzeuge bestellet hat. L. 1. §. 1. \& 3. ff. de Exerc. act. L. 1. §. 7. L. fin. §. fin. Eod. L. 36. ff. Locati. L. 4. §. ult. \& L. si quis vina, §. si aversione, de peric. \& commod. rei vend. L. 35. §. in his, ff. de contrah. Emt L. 1. §. 8. de Exerc. act. L 1. in fin. ff. de instit. act. L. 6. §. 2. I. 7. \& L. fin. in fine ff naut. caup. §. 7. So haͤlt man fuͤr angenommen alle eingesetzte Sachen/ ob Schiffer/ Wir- the und Stall- meister Pflicht wegen Gaͤst und Reisenden Sachen. schon sie deren Verwahrung nicht eben ausdruͤcklich angewiesen/ weiln dieser in der That bezeuget/ daß er das Seinige des andern Treu und Glauben anvertrauet/ und jener stillschweigend bekennet/ daß er tuͤchtig und genungsam solche zu verwahren/ es waͤre denn vorher gesagt/ daß ein jeder Gast und Reisender seine Sachen selbst huͤten und in acht neh- men solle/ und jener Schiffer/ Wirth oder Stallmeister den Schaden gut zu thun nicht gesoñen/ welchen Beding auch diese fremde Wanders- Leute eingewilliget haͤtten; derowegen alle Schiffer/ Wirthe und Gast- halter/ auch Stallmeister/ denen Gewinst und Einkuͤnffte zugehoͤrig/ B b b 3 Ver- III. Buch/ Cap. XV. Verwahrung halben/ deren angenommenen Sachen zu antworten Schiffer Recht wegen Gesind und Reisenden Thaten. schuldig gehalten sind/ gleichwie Schneider und andere Handwercks- Leute Geding und Miethung wegen/ ob schon sie fuͤr ihre Kunst und Ar- beit belohnet werden; Was nun nicht gewaltsam oder unversehenen Zufalls/ sondern aus Schuld/ Faulheit und Versaͤumniß/ verwarlose- ten Feuersbrunst und Diebstahl geschehen/ solchen Verlust muß er gel- ten/ fuͤr sein und Gesinde Thaten; Reisenden und Gaͤste Schuld aber/ als deren Beschaffenheit ihm unbekandt/ buͤsset er nicht. L. 5. ff. naut. caup. Tot. tit. ff. de Exerc. act. L. 1. §. fin. \& L. fin. vers. item si prædi- xerint, ff. Eod. tit. §. 8. Was auch mit einem Factor gehandelt wird/ dafuͤr kan dessen Factor Han- dels Recht. Ober-Herr belanget werden/ er habe denn oͤffentlich abgeschrieben/ nichts mit ihm zu handeln/ noch aus vorgeschriebener Masse zu schreiten/ alsdann hat er Ausflucht gegen Klaͤger/ sonst ist er waͤhrender Voll- macht Zeit pflichtig gehalten/ biß dieselbe ausdruͤcklich wiederruffen/ und wird solche nicht mit des Herrn Tode geendiget/ sondern folget ver- mischten Gefahr und Nutzen halben/ auch auff unmuͤndige Erben/ ja wann die Sache nicht anders kan erhalten werden/ so mag des Factors Principal und Ober-Herr/ der ihn angesetzt hat/ gegen diejenigen/ so mit ihm gehandelt/ wuͤrcklich klagen/ wofern nemlich der Factor abwesend/ sich versteckt und verborgen haͤlt/ oder ohne Erben verstorben/ daß er seine Klage nicht abtreten noch uͤbergeben kan. L. 17. §. fin. ff. de instit. act. L. 26. in princ. ff. mandati. L. 17. §. 1. L. pen. §. Dominus ff. de instit. act. L. 1. in fin. \& L. 2. Eod. Schiffbruͤchi- gen Guts Recht. §. 9. So ein Schiffmann mit seinem Schiff verfuͤhret und Schiff- bruͤchig wuͤrde/ soll darum nicht alsofort der Obrigkeit mit Leib und Gut verfallen seyn/ massen es gar unbillig/ aus frembdem Elend Ge- winn suchen/ wann nemlich Schiffburchs Gut von diesen elenden Leu- ten nicht fuͤr verlassen oder hinweg geworffen zu halten/ eben so wenig als das/ so zu Schiffs Erleichterung/ Schiffbruchs Gefahr zu entgehen/ mag ausgeladen seyn/ unter Hoffnung/ solches hernach wieder beyzu- suchen/ dahero derjenige/ so es wegnimmt/ Dieberey begehet/ und wer Schiffbruchs Gut also verlohren unterdruͤcket oder verhehlet/ wird ge- strafft/ wie der/ so jemand zu toͤdten willens/ und Ubelthat schier vollen- zogen. Auth. navigia, C. de furt. L. 1. C. de naufr. P. H. O. Art. 218. L. 2. \& 8. ff. de L. Rhodia de jactu. L. 58. ff. de A. R. D. L. 21. §. 2. ff. de acquir. vel amit. poss. L. 7. ff. pro derel. §. 10. Dahero Strand-Guts-Grund-Ruhr Recht ist/ daß ein Schiff/ wann es bricht/ den Grund beruͤhret/ und also dem Grund-Herꝛn ver- Von Muͤller/ Wasser und See-Recht. verfallen geachtet/ womit es billig und rechtmaͤßig der Gestalt zu ver- Barge Geld Bezahlungs Recht. halten/ daß solche Schiffbruͤchige Guͤter frey gelassen und wider ge- geben werden/ nach dem gegen deren Verwahr- und Rettungs Muͤhe ein gewisser Lohn oder Bargegeld bezahlet worden. §. 11. Wann Schiffs Erleichterung halben einiger Waaren Auswerffung geschehen muß/ solcher Schade wird durch aller und Auswurff-Guͤ- ter Erstat- tungs Recht. jeden Zulage und Beysteuer ersetzet/ weilen es fuͤr sie alle ausgeworf- fen; derohalben gantz billig/ daß auch denen der Abgang und Verlust gemein sey/ die wegen anderer Leute verlohrnen Sachen so viel gewon- nen haben/ daß ihre eigenen Guͤter befreyet bleiben/ als nemlich: Wo- fern in einem Schiff viele Kauffleute mancherley Art Waaren zu- sammen gebracht/ und uͤber das noch viele reisende Leute in selbigen vorhanden/ dabey ein solch stuͤrmendes Ungewitter entstanden/ daß Waaren Auswurff erfolget/ so sollen alle insgesamt den Schaden stehen helffen/ auch diejenigen/ so dergleichen Waaren eingeleget/ davon das Schiff gar nicht belaͤstiget worden/ als Edelgesteine und Perlen/ massen ihnen allen an Schiffs-Rettung gelegen/ derowegen auch der Schiffs-Herr wegen behaltenen Schiff- und Guts zu seinem Antheil verpflichtet/ gleichwie er im Gegentheil Anforderung machen koͤnte/ so fern er etwas vom Seinigen auswerffen muͤssen; Welches man Averie Haverie oder Hafen-Steuer nennet/ darum/ daß jemand das Seinige zum sichern Port gebracht; Ja eines jedern kostbaren Klei- Kleider und Ringe auch Passagier s Buͤndlein Schaͤtzung Recht bey Auswurff. der und guͤldenen Ringe Schaͤtzung ist hierinn wohl guͤltig/ nicht aber Eß-Waaren/ so da Zehrung halben vorhanden gewesen/ welcher Nah- rung und Lebens-Mittel Gebrechen ein jeder gern mit dem/ was er noch uͤbrig hat/ nicht einem sondern allen zu gefallen/ und Behuffs-Noth- durfft insgemein zu ersetzen und bey zu bringen schuldig; So muͤssen Passagires und Reisende Leute/ ebenfalls ihr Antheil von ihren bey sich habenden Buͤndlein/ sie seyen groß oder klein/ beytragen und ent- richten. L. 1. ad L. Rhod. de jactu. L. 2. in princ. vers. æquiss. mun. ff. Eod. L. 5. in fin. ff. Eod. L. 2. §. 2. Eod. tit. §. 12. So moͤgen nun des verlohrnen Guts Eigener den Schif- Guͤter Preiß- Schaͤtzung bey Auswurff zu Schiff. fer belangen/ deren uͤbrigen Waaren so lange zu behalten/ biß sie ihr Theil zum Schaden hergegeben/ und wird hierbey gesehen auff Ver- lusts Erstattung/ nicht aber Gewinns Leistung/ daß etwa das verlohr- ne theurer haͤtte koͤnnen verkaufft werden; in den erhaltenen Guͤtern aber geschicht des Preises Schaͤtzung nicht nach dem Einkauff/ sondern wie III. Buch/ Cap. XV. wie theuer sie koͤnnen/ verkaufft werden nach gangbarem Werth/ da- mit deren Eigener nicht uͤbermaͤßig beschweret werden/ gleichwie es un- billig ist/ denen durch See-Wassers Uberspuͤhl- und Benetzung verdor- benen Guts Eigenthums-Herrn zu ihrem Schaden noch Zahlungs Last auffzubuͤrden/ als waͤren die Sachen unbeschaͤdiget verblieben; Und dieses zwar gilt/ wo Guts Auswerffung bey erhaltenem Schiff in Bezahlungs Anschlag zu rechnen vorfaͤllet; Wann aber vor- oder Reisenden Freyheit Aus- wurffs halben. bey waͤhrendem Auswurff Schiffbruch geschehen/ so behaͤlt ein jeder da- von fuͤr sich/ was er retten und bergen kan/ als auch bey Feuers-Brunst Zeiten wird nicht verlohrnen Schiffs und Waaren Schaden von der Gesellschafft Beylage ersetzet/ es wuͤrden denn solche Guͤter wieder her- aus gezogen; Sonsten sind die Reisende Auswurffs halben aller Be- schwerungs Pflicht frey/ gleichwie die Schuldner bey einer Sachen Gestalt Verderben und Untergang. L. 2. §. 4 vers. portio, ff. de L. Rhod. de jactu. L. 5. \& 7. ff. Eod. L. 4. §. fin. ff. Eod. L. 4. in princ. \& §. 1. ff. Eod. L. 23. ff. de verb. obl. Auswurff Sa- chen wem ge- hoͤren. §. 13. Schiffs Baukosten aber werden dißfalls nimmer angerech- net/ eben so wenig/ als wenn einem Schmidt Arbeit verdungen/ dabey er seinen Hammer zerbrochen; So bleiben auch alle ausgeworffene Sachen des Herrn eigen/ und gehoͤren dem nicht zu/ der sie auffhebt und annimmt/ weilen sie nicht fuͤr verlassene Guͤter zu halten/ dahero wann einige dergleichen an Tages Licht zu finden vorkommen/ soll man sie dem Herrn widergeben/ Auswurffs Bezahlung zu entledigen. L. navis 6. ff. ad L. Rhod. de jactu. L. 2. §. fin. in fin. vers. si res, L. 8. ff. Eod. See-Raͤuber und Freybeu- ter Straffe. §. 14. Allen Lands-Einwohnern ist zugelassen/ Meer- oder See- Raͤuber zu Wasser/ und Freybeuter zu Lande/ auff Rauberey und Pluͤnderungs Werck/ sonderlich wann sie mit Waffen anfallen und draͤuen/ zu toͤdten; Falls sie auch jemanden erschlagen/ sollen sie geraͤdert/ und wer sonst auslaͤufft zu rauben und pluͤndern/ den Leuten das Jh- rige mit Gewalt zu nehmen/ soll gehencket werden; und zwar allwo eine Mißhandlung begangen/ da sollen in selbiger Gegend die Misse- thaͤter ihnen zur wohlverdienten Straffe/ und andern zum abscheuli- chen Exempel/ gestrafft werden. L. 1. \& 2. C. quando licet unicuique sine jud. vend. L. 3. C. de Desertor. Caput Von Ober- und Untergerichten/ auch Landrechten. Caput XVI. Von gewissen Rechts Reguln/ auch Ober- und Un- ter-Gerichten/ samt Landrechts Unterscheid und Landes- Herrn Begnadigungs Recht. §. 1. N Jemand kan eines andern That zusagen/ oder es ist nichtig; so kan sich auch niemand zu unmuͤglichen Dingen verpflichten; Unmuͤg- Unmuͤglich was heist in Rechten. lich aber heist im Recht nicht allein/ das man natuͤrlicher Weise nicht thun kan/ als gen Himmel steigen/ Muͤhlsteine allein auffheben/ son- dern auch/ was wider GOtt/ Recht und gute Sitten laͤufft/ als toͤd- ten/ rauben/ und sonst etwas unehrliches thun wollen/ solches ist nie- mand zu halten schuldig/ wofern ers etwa zu leisten gelobet/ ja ist alles derogestalt von Rechts wegen unmuͤglich. L. 38. in pr. inter stipulantem, in pr. L. stipulationum, §. stipulatio, ff. de V. O. §. 3. \& § post. mortem, inst. de inutil. stipul. §. si impossibilis, inst. Eod. L. si quis ff. ad SC. Syllan. L. 1. §. 11. L. 31. ff. de O. \& A. L. 185. ff. de R. J. C. nemo potest, Eod. in 6. verb. nemo, circa finem, L. pacta quæ, C. de pact. §. 2. Wer in einer Sache irret/ und nicht verstehet/ was er handelt/ bewilliget auch nicht darein; Wer schweiget/ vollwortet/ so fern es ihm zu gute kommt/ wofern es aber ihm zum Nachtheil gereichet/ heist es: Wer schweiget/ williget nicht. Gloss. in C. qui tacet de R. J. in 6. L. non fatetur, ff. de confess. err. L. non id circo, ff. de J. \& F. ignor. L. de ætate, §. qui justo, ff. de interrog. act. L. 116. §. fin. de R. J. L. si per error. ff. de jurisdict. §. 3. Wer Ursach giebt zum Schaden/ wird geachtet/ als haͤtte er selbst geschadet; was aber niemanden zu Schaden gereicht/ und einer damit seinen Nutzen schaffen kan/ solches mag man ihm wohl zulassen/ jedoch soll allezeit der gemeine Nutz dem sonderbarẽ vorgezogen werden. L. 2. in pr. ff. de judic. L. 1. ff. de pact. C. 2. de accusat. in 6. L. 8. §. invitus, de procur. L. 30. §. 3. ff. ad L. Aquil. L. 15. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 2. §. 1. de aq. plur. arc. L. rescripta, C. de prec. imper. offer. §. 4. Was nun vielen angehet/ soll auch von allen bewilliget seyn/ wie denn in gemeinen Sachen keiner wider seines Gesellen Willen etwas thun kan/ ja dessen Wille/ der etwas verbeut/ gehet dem andern fuͤr; sonst aber in gemeinen Rath beschleust der mehrern Stimmen Theil. Wann auch einer etwas in meinem Nahmen thut/ ohne mein Wissen/ kan ich es dennoch genehm halten/ und ist gleich/ als haͤtte ichs ihm befohlen; also wird einer gehalten/ selbst empfahen zu haben/ was auff sein Geheiß andern gegeben wird. C c c Auth. III. Buch/ Cap. XVI. Auth. res quæ, C. comm. de legat. L. fin. C. de auth. præst. L. 8. §. fin. de aq. pluv. arc. L. 19. ff. ad municip. L. majorem ff. de pact. L. 27. §. 1. de Serv. urb. præd. L. 28. ff. comm. divid. L. 60. vers. sed etsi, ff. de R. J. C. Ratihabit. Eod. in 6. L. fin. C. ad SCt. Maced. L. quod jussu, ff. de R. J. Sohns Pflicht gegen Vater. §. 5. Derowegen was auff Befehl und Geheiß des Vaters ge- schehen/ dafuͤr ist derselbe pflichtig/ gleichwie fuͤr das/ so er gut geheissen oder genehm gehalten/ und soll ein Sohn seines Vatern Handlung nicht wiederfechten/ sondern solches muß ohn Unterscheid nachgelassen seyn/ weilen es an ihm selbst der natuͤrlichen Erbar- und Billigkeit/ nach der Ehrerbiethung und gehorsams Pflicht/ welche von den Kindern nach GOttes Gebot und Ordnung erfordert wird/ gar zu wider ist. L. 60. de R. J. C. ratihabit. Eod. in 6. Sohn und Va- ters Recht. §. 6. Ja/ wann ein Sohn von seinem wilden/ wuͤst- und ungerech- ten Vater in aͤusserste Noth gebracht wuͤrde/ soll er viel lieber selbst leiden/ und sich gar das Leben nehmen lassen/ als den verletzen oder um- bringen/ von dem er nechst GOtt das Leben empfangen/ dann ob wohl Vater oder Richter Ver- weiß Recht. der Vater gottloß/ so ist er dennoch sein Vater; Und zwar so macht vaͤter- oder richterlicher Verweiß und Ermahnungs Wort Straffe/ ob schon Schmaͤhung dabey waͤre/ nicht ehrloß/ weilen es Zuͤchtigung und nicht Verdammniß halben zu geschehen scheinet. L. 13. \& 17. L. interlocutionis, C. de infam. jur. §. 7. Ferner ist auch ein jeder schuldig/ fremde Guͤter und Sachen/ die in aͤusserster Gefahr schweben/ so fern er kan/ zu verthaͤdigen/ nach goͤtt- und weltlichem Recht/ massen wer etwas abhalten oder verhindern mag/ und solches nicht thut/ hat Schuld daran begangen/ darum auch alles/ was menschlicher Gesellschafft und Gottesfurcht oͤffentlich wie- derstrebet und kundbar wird/ soll kein Richter ungerochen bleiben lassen. L. 3. de J. \& J. L. 50. de R. J. L. 2. \& 3. ff. de nox. act. L. 22. C. de pœn. Joh. III, 4. Levit. XIX, 18. Matth. XXII, 39. Marc. XII, 33. Luc. XX, 27. C. sicut, X. de homicid. volunt. L. 6. §. 7. ff. de re milit. §. 8. Solche Sachen nun/ welche ordentlichen Gerichts-Lauff nicht Stand Rechts Krafft. abwarten koͤnnen/ sondernschleunigen Huͤlff- oder Straff-Mittel be- duͤrfftig/ moͤgen aufserhalb Gerichts-Stuhl und Ort/ allwo der Rich- ter steht oder geht/ uñ es die Noth erfordert/ gar wohl abgethan werden. L. 13. \& 15. de excus. tut. §. 2. instit. de libert. in verb. vel in transitu. §. 9. Zu denen Ober- oder Halß-Gerichten zwar gehoͤren folgen- Ober-Gericht was dazu ge- hoͤrig. de Faͤlle/ Ubelthaten und Mißhandlungen; Jtem/ was hohe Bruͤche sind/ welche Hals/ Hand und andere Straffen/ auch Verweisung an- treffen/ als nemlich Gotteslaͤsterung/ Ketzerey/ Rauberey/ Vergiff- tungen/ Kirchen-Raub/ Mord-Zetter-Geschrey/ da einer den andern mor- Von Ober- und Unter-Gerichten/ auch Landrechten. morden/ oder eine Weibes-Person nothzuͤchtigen wolte/ oder jemanden zu toͤdten/ etwas zu stehlen/ oder Guͤter-Besitz mit Gewalt einzuneh- men/ mit Gewehr herum gienge/ oder sein Gauß-Gesinde bewaffne- Hoher Bruͤche Erzehlung/ so zum Oberge- richt gehoͤren. te/ oder einen Menschen in zornigem Muth toͤdtlich verwundete/ solcher wuͤrde gleichwie ein Auffruhrs Urheber und Anstiffter/ am Leben ge- strafft/ deßaleichen Nothzuͤchtigung/ Blutschande/ unnatuͤrliche So- domitische Unkeuschheit/ Entfuͤhrung einer Wittwen oder Jungfrauen/ wann sich einer mit zweyen Personen verlobet/ Brand/ Wegelage- rung/ Haussuchung/ Dieberey uͤber fuͤnff Guͤlden betreffend; Jtem deren Straffe/ die zu diesen Ubelthaten Rath und Huͤlffe leisten/ Ver- raͤtherey/ Meineyd/ auch da einer einem sein maͤnnlich Glied/ oder einer Frauen ihre Bruͤste abschneidet und verderbet; Jtem/ wann einer et- was wider das Heil. Roͤmische Reich oder den Roͤmischen Kaͤyser und Koͤnig vornimmt; eines Todten Grab gewaltsam berauben und Coͤr- per auffheben/ auch einen Menschen wieder seinen Willen verkauffen und hinwegfuͤhren; Jtem/ Falschheit/ wann einer dem andern zu Schaden falsche Brieffe schreibet/ oder die rechte Schrifft auslescht/ und da einer falsches Zeugniß leistet/ falsche Muͤntze machet/ oder gute beschneidet; wann sich einer fuͤr einen Fuͤrsten/ Grafen/ Freyherrn/ Rittern/ oder andere Person ausgiebt/ andern zu schaden/ und solche nicht ist; Jtem/ da einer den Richter seines Nutzens halber/ mit Gaben bestechend/ verdirbet/ daß er thut/ was ihm nicht gebuͤhret; So einer ein Ding zween verkaufft oder versetzet/ das Getraͤyde theuer machet/ geheime Sachen einem andern zum Nachtheil offenbaret/ auch Zwie- tracht oder einen Aufflauff in einer Stadt anrichtet/ und die Gemein- de wider den Rath verhetzet/ Graͤntz-Steine aushauet und versetzet; falsche Maaß und Ellen braucht/ schmaͤhliche Schand-Brieffe erdich- tet/ oder sie findet und offenbaret; Einen Mißhaͤndler oder Ubelthaͤter behauset und herberget; Kaͤmpffer oder offenen Wunden Straffe; Jtem/ was erstlich Beulen sind/ darnach auffbrechen und Wunden werden; stossen/ treten oder werffen/ davon ein Mensch stirbet oder gelaͤhmet wird; oder Schlaͤge/ davon einer in Leibes-Gefahr koͤmmt; Jtem/ so einer in seinem Antlitz beschaͤdiget/ oder einem Faust und Fin- ger abgehauen wird; Haußfrieden brechen/ Thuͤren und Fenster fre- ventlicher weise aus oder einwerffen und schlagen/ in der Kirchen oder auff dem Rathhause ein Mordgeschrey machen/ oder daselbst jeman- den braun und blau schlagen/ oder was sonst zu Haut und Haar gehet/ oder Leib und Leben anlanget; Jemandes hohe und befreyete Perso- C c c 2 nen III. Buch/ Cap. XVI. nen eines Regiments schelten und schmaͤhen/ an befreyten Orten/ als auffm Schloß; Unsinnige Leute durch die Freunde oder aus rich- terlichem Amt verwahren zu lassen/ ausgezogene Schwerdter und Waffen/ damit jemand verwundet/ gelaͤhmt oder erwuͤrget; Schmaͤh- klagen und groͤssere Mißhaͤndel/ die peinlich angeklagt werden; Geld- bussen Abtrag belangende Sachen/ die von peinlichen Sachen herruͤh- ren/ mit Gerichts Zulassen/ oder verletzten Parths Bewilligung oder Mord und Laͤhmde/ die sich ohne Verwahrlosung zugetragen und buͤrglich werden/ sollen beym Ober-Gericht geruͤget und gestrafft wer- den. Geringere Bruͤche zum Untergericht. §. 10. Was nun kleinere Bruͤche und geringere Faͤlle sind/ als Haarrauffen/ Schlaͤge die nicht toͤdtlich sind/ noch Laͤhmde bringen/ daraus auch keine Wunde wird/ als braun und blau/ Nasen und Zahn bluten/ daß diese nicht wackeln/ Maulschellen/ auch andere Blut- ruͤnsten/ mit Naͤgeln gekratzt oder sonst verletzt/ mit schlechten Worten Luͤgen straffen/ ausserhalb hohen und befreyeten Personen und Oertern geschehen/ unzuͤchtig und muthwillig Geschrey/ Messerzuͤge/ wann nie- mand dadurch beschaͤdiget wird/ verbotene Wehr und Waffen tra- gen/ verbotene Waaren feil haben/ verbotene Spiel treiben/ auch geringen Werths Diebstahl; Jtem/ alle buͤrgerliche Sachen/ die nicht von peinlichen Faͤllen herfliessen/ als Schulden/ Guͤlden/ Schaͤden/ Pfaͤndung/ liegend/ stehend und fahrend/ beweg- oder unbeweglich/ viel oder wenig betreffenden Guͤter Streitigkeiten/ sollen alle in die Erb- Gerichte geruͤget/ durch dieselbige gestrafft und gebuͤhrend gerechtfer- tiget werden. Land-Rechts Unterscheid. §. 11. Land-Recht besteht in Nieder- oder Untergerichten/ und her- nach in Centgraͤven; oder peinlichen Fuͤrsten Hochgerichten gesamte Cent ist/ daselbst die vier Hohe- oder Haupt-Verbrechen/ als Nacht- mord/ bewiesener Diebstahl/ Nothzwang und Brand geruͤget wird; fliessende Wunden und andere kundbare Centfaͤlle aber/ so nicht auff fernern Nachforschung beruhen/ gehoͤren zu derer Vogtey-Herren richterlichem Ausspruch; Sonst haben einer Provintzen Befehlshaber und Kriegs-Obrister beyde buͤrger- und peinlichen Rechts Gewalt/ je- ner uͤber die Landschafft/ dieser uͤber die ihm untergebene Kriegs-Leute. L. 9. C. qui admitt. ad bon. L. 8. C. ad L. Fab. de plag. L. 2. C. de off. magist. milit. Oberherr- schafftlichen Gebiets Recht. §. 12. Unter oberherrschafftlichem Gebiets-Recht werden ferner begriffen Erbhuldigung/ Auswahl/ Verbot/ Folge/ Mandaten/ Er- oͤffnung/ Unterthanen Recours, Appellation, Erforderung zu Land- Tagen/ Von Ober- und Untergerichten/ auch Land-Rechten. Tagen/ Confiscations Straffgelder/ Begnadigung derer Ubelthaͤter/ (als wann bey Ehebruchs Fall der Mann dem Weibe verzeihen will/ und sie/ ferner zu behalten/ wieder annimmt/ so bleibet solchen Falls/ dem Heil. Ehestand zu Ehren/ dieselbe mit Staupenschlag und Landes- Verweisung verschonet/ und wird allein mit Gefaͤngniß oder auch da- selbst mit Ruthen ziemlich gezuͤchtiget/) Geleit/ Aemter Entsetzung/ Policey und Statuten Verbesserung; Stadt/ Dorff/ Waͤisen/ Spi- thal und Pflege Rechnung/ Contribution Maaß und Pfaͤndung; deß- gleichen nach Lehn-Rechts Brauch/ Lehnschafft an Rasen/ Waͤnden/ Ziegeln und Stroh-Daͤchern Gerechtigkeit; Ferner gehoͤret zu oͤffent- lichen Rechten Schatzung/ Craͤiß-Verfassung/ Jagt-Frohn-Felg- und Harts-Habern; Jtem/ Auszug-Geld/ Stifft-Sassen Frohndienste/ Marckt-Last-Schiff und Burggerechtigkeit/ Banns Befehl und Ein- weisung/ Schoͤppen Bestellung/ Grafen Gedings Bezeugung und peinlichen Gerichte Ubung; Weyd- und Saltz-Junckern oder Saltz- Graͤfen Recht/ die einen oder mehr Kothen oder Pfanne haben/ ꝛc. §. 13. Alle Grafen/ Herren und Junckern/ so bey Hofe angenom- men werden/ sollen dem Durchlauchtigsten Fuͤrsten/ dessen Hofmar- schall/ oder dem/ der solche Stelle vertritt/ an des Fuͤrsten Statt/ bey ihren Graͤf- und Adelichen Ehren/ ein Hand-Geluͤbde oder Treuge- loͤbniß thun; sonst aber soll ein jeder um mehrern und bessern Versiche- rung willen/ mit einem coͤrperlichen Eyd zu GOtt dem Allmaͤchtigen zu schweren belegt werden/ daß er dem Landes-Herrn treu/ hold/ ge- horsam und gewaͤrtig/ auch in seinen Diensten treufleißig und ver- schwiegen seyn wolle/ dagegen dann schwerlich Verbrechens Straffe Nachlassung zu hoffen; sintemahlen auch/ wer zu eines Fuͤrsten Bild- niß-Seule oder andern Freystatt hinfliehet in Verbrechen/ deren Straffe in GOttes Wort befohlen/ mag so wenig/ als auff eines Maͤgdgen Vorbitte/ dem Ehestand zu Ehren/ von ordentlicher Straf- fe des Todes befreyet seyn. Princ. instit. de tut. vel cur. Novell. 8. c. 7. L. Sancimus, C. ad L. Jul. repet. §. 14. Dahero sollen Koͤnige/ Fuͤrsten und Herrn/ die Blut-Bann Perdonni- rungs Recht deren Misse- thaͤter. und Hals-Gericht haben/ mit Perdonni rung derer Missethaͤter/ ihren Gewissens und eigenen Seligkeit halber/ ohne hochdringende Ursa- chen denen Verbrechern ihre Straffe zu erlassen/ nicht allemahl zu- willigen/ damit nicht aus Ubel aͤrger werde/ und sie als Richtere/ die andere nachfolgende Ubelthaten fuͤr GOtt selbst verantworten muͤssen; C c c 3 viel- III. Buch/ Cap. XVI. vielmehr sollen sie das hochloͤbliche Exempel Henrici IV, des Grossen Koͤnigs in Franckreich/ wohl bedencken/ welcher einsmahlen gebeten/ einem Ubelthaͤter die verwuͤrckete Lebens-Straffe nachzulassen/ und ihn zu begnadigen/ darauff großmuͤthig folgende Worte zur Antwort gegeben: Jch will nicht euch zu Liebe oder euret willen ein solch groß Verbrechen und grobes Laster auff mich laden/ davon ich dermahleins fuͤr GOtt dem Allmaͤchtigen schwere Rechenschafft wuͤrde thun muͤs- sen/ so thut ihm nun sein Recht. Perdons ge- rechte Ursa- chen. §. 15. Rechtmaͤßigen Perdons Ursachen nun koͤnnen und moͤgen seyn: Wann Missethaͤter albern und naͤrrisch/ oder unsinnig/ toll und rasend/ entweder zwischen Frist- oder gewissen Zeiten ihren Ver- stands Brauch haben/ bey welchen ausserhalb solchem Zeit-Raum die Gnade/ binnen der Frist aber Straffe statt findet/ jedoch gelindere/ wegen anklebenden Gemuͤths-Fehler/ weilen nemlich ein Toll- und Unsinniger des Willens mangelt/ die Thoren aber und Unweisen/ auch mit aͤussersten Sinnes Einfalt behafftet/ und Verstandes berau- bet sind; also entschuldiget Kindheit und hohes Alter/ weilen beyde nicht mehr Arglist faͤhig; Jtem/ zulaͤßige Nothwehr und hefftige Lie- be/ so da Raserey zu vergleichen. L. 47. de acquir. vel amitt. hæred. L. 14. ff. de offic. præs. L. 23. ff. de furt. L. 6. ff. ad L. Jul. pecul. §. 16. Deßgleichen/ wann einer sich selbst verklagt/ und eigen La- ster-Gebrechen bekennet/ oder gegen das gemeine Wesen und Lands- Herrn sich wohl verdient gemacht/ oder sonst vortrefflich an Tugen- Nacht- und Tꝛaum-Laͤuffer Recht. den waͤre; oder vor Bekaͤntniß mit langwierigem Gefaͤngniß ge- strafft; oder unversehene und uͤbermaͤßige Trunckenheit/ als auch zufaͤll-uͤber- und rechtmaͤßiger Zorn und Unwissenheit der That/ daß selbige an sich unrecht; Jtem/ Nacht- und Traum-Laͤuffer/ die im Schlaff wandeln/ suͤndigen/ verbrechen oder jemand umbringen moͤchten/ wann sie nicht wissen/ daß sie es zu thun pflegen/ sonst sollen sie dahin sorgen/ ihrer Schwachheit vorzukommen/ daß sie al- leine schlaffen/ die Kammer also verschliessen und sie besser verwahren/ daß sie nicht auskommen moͤgen/ einigen Schaden zu thun; alsdann sie nicht am Leben/ sondern nach hoher Obrigkeit Verordnung/ ge- strafft werden; Ferner/ was unfuͤrsetzlich aus gerechtem Amts-Eyffer/ nicht aber aus Haß oder ungebuͤhrlichen Affect en geschehen/ also fei- ner Ruhm vorhin wohlgefuͤhrten Wandels; Jn Verbrechen/ so nicht Capital/ entschuldiget auch grober Unverstand/ Vielheit unerzogener Kinder/ Von Ober- und Untergerichten/ auch Land-Rechten. Kinder/ und weiblichen Geschlechts Schwachheit; Endlich hoher Stands Personen Intercession und Vorbitte/ worunter zu rechnen/ wann Landes-Herrn Huldigungs Pflicht anzunehmen/ oder eines hohen Potentaten Braut praͤchtig eingefuͤhret wird/ und ein Ubel- thaͤter den Wagen angreifft oder Fußfall thut/ soll/ zur hohen Herr- schafft Respect, Perdon gehalten seyn/ jedoch ohne Mißbrauch. L. 2. §. 7. ff. de off. jud. L. accusatio, ff. de fals. L. 1. ff. \& C. de Sicar. L. 14. ff. de off. præs. L. 5. in pr. ff. de re milit. Arg. L. un. §. si plures, ff. de port. qual. damn. L. 38. §. 4. \& 7. ff. ad L. Jul. de adult. Das vierdte Buch/ Von Heßischer Lands-Ordnung Jnhalt. Vorrede. W Jr von GOttes Gnaden/ CARL, Landgraf zu Hessen/ Fuͤrst zu Hirschfeld/ Graf zu Catzen-Elnbogen/ Dietz/ Ziegen- haͤyn/ Nidda und Schauenburg; Entbieten allen und jeden un- sern Statthaltern/ Ober-Amtmannen/ Landvoigten/ denen von der Ritterschafft/ Amtleuten/ Rentmeistern/ Schultheissen/ Kell- nern/ Buͤrgermeistern/ Raͤthen/ Richtern/ Unterthanen und Eydes Verwandten/ Unsere Gnade/ und fuͤgen euch zu wissen: Nachdem wir uns erinnern/ daß uns von Fuͤrstl obliegenden und tragenden Hochfuͤrstlichẽ Lands-Ord- nung Befehl. Amts wegen/ vornehmlich gebuͤhren will/ neben der Ehre GOttes und Ausbreitung seines allein seeligmachenden Worts/ auch die heilsame Justice nach aͤusserstem Vermoͤgen zu befoͤrdern/ daß unse- re gemeine Unterthanen und sonst jedermaͤnniglich/ wer mit densel- ben etwas zu schaffen hat/ sich nicht allein eines gleichmaͤßigen Rech- tens zu gebrauchen und erfreuen haben/ sondern auch durch Ab- schneidung langwierigen Gezaͤnck und Hadders/ um so viel desto eher zu ihren befugten Rechten kommen moͤgen; Und wir aber seithero Landes-Regierung/ einige Unrichtigkeiten/ Fehl und Maͤn- gel/ in allerley Wercken gespuͤhret und befunden/ indem/ daß unse- re Unterthanen/ zu ihrem selbst mercklichem Nachtheil/ auch biß- weilen IV. Buch/ Cap. I. weilen und offtmahlen in geringschaͤtzigen Sachen/ in langwieri- gen Hadder erwachsen/ welche Jrrthuͤmer/ zum Theil aus Fahrlaͤs- sigkeit unserer Beamten/ daß sie in Verhoͤr und Entscheidung der Leute ihrem Amt nicht genung thun/ zum Theil aus Ungeschick- lichkeit derer Procurator en/ so die Leute zuweilen aus Unverstand/ zuweilen um Genuß willen gegen einander verwirren und in Weit- laͤufftigkeit fuͤhren/ zum Theil auch aus ungleichen/ unvernuͤnfftig- und widerwaͤrtigen Gewohnheiten und eingeschlichenen Miß- braͤuchen/ und also aus Mangel eines gewissen gleichmaͤßigen Rech- tens entspringen und herfliessen; So haben wir nicht unterlassen wollen/ allen solchen Maͤngeln und Gebrechen/ durch diese von un- sern Vorfahren/ gottseligen Gedaͤchtniß/ auffgerichtete Land-Ord- nung/ so viel muͤglich und zu der Zeit geschehen koͤnnen/ vorzubauen und mit ernstlichen Bekraͤfftigung zu begegnen; Wollen demnach dieselbige hiermit oͤffentlich publici rt/ und zum Druck gnaͤdig pri- vilegi rt/ auch dannenhero allen und jeden unsern Beamten an- Fuͤrstlicher Befehl wegen dieser Lands- Ordnung. gehoͤrigen und Unterthanen/ samt allen und jeden unsern und des Adels Gerichten/ und dazu verordneten Gerichts-Personen/ und sonsten ingemein allen denjenigen/ so sich deroselben Gerichte ge- brauchen werden/ aufferlegt und befohlen haben/ daß sie dieser unserer Lands-Ordnung durchaus gemaͤß leben/ und sich nach de- roselben in Erkaͤntniß und sonsten/ stracks zu gebuͤhrender Folge richten sollen; Darum wir auch alle und jede Gewohnheiten und Mißbraͤuche/ so etwa derselben Land-Ordnung in einigen Dingen entgegen seyn moͤchten/ hiermit wissentlich cassir et/ vernichtet/ bey und abgethan haben wollen/ also/ daß dieselbe hinfuͤhro nichts gel- ten/ sondern vielmehr alle vorfallende Sachen und Rechts-Faͤlle zufoͤrderst nach dieser Ordnung/ und in Mangel deren/ nach ge- meinen beschriebenen Kaͤyserlichen Rechten geschlichtet und entschieden werden sollen; treulich und ohne Gefehrde/ ꝛc. Caput Von Heßischen Proceß-Handlungen. Caput I. Vom Proceß/ welcher Gestalt die Sachen beydes zur Guͤte und Recht gesucht/ und verhandelt werden sollen. §. 1. A Nfaͤnglich nun/ weilen den Leuten/ und sonderlich dem gemeinen Guͤtlichẽ Ver- hoͤr und Ver- trags Recht. Mann viel nuͤtzlich- und vorstaͤndiger ist/ daß sie in ihren zusam- men habenden Jrrungen guͤtlich verglichen/ als durch weitlaͤufftig Recht und dessen Ausfuͤhrung/ Zeit- und Unkost-Laͤufften entschieden werden/ so ist billig und rechtmaͤßig/ daß die streitige Partheyen zu- foͤrderst guͤtlich verhoͤret/ und nach Moͤglichkeit vertragen werden sollen. §. 2. Derohalben so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß unsere Beamten Pflicht wegen guͤtlichen Ver- gleichs. Amts-Leute und Befehlshabere/ ein jeder in seinem befohlenen Amt/ auch Buͤrgermeister und Raͤthe in Staͤdten/ ingleichen die von der Ritterschafft in ihren zustehenden Gerichten/ ihre Partheyen zuvor guͤtlich vernehmen/ nothduͤrfftig gegen einander verhoͤren/ der Sa- chen Grund mit Fleiß erkundigen und ausforschen/ auch sich darauff nach aller Moͤglichkeit bemuͤhen sollen/ solche Partheyen auff erbare billige Mittel und Wege/ zu Verhuͤtung weitlaͤufftigen Unkostens und andern Unraths/ zu vertragen. §. 3. Jn welcher Unterhandlung von ermeldten unsern Beamten/ Amtleute Be- scheidenheit Pflicht. Gerichts-Junckern/ auch Buͤrgermeistern und Raͤthen/ eine solche Bescheidenheit gebraucht werden soll/ daß denen Partheyen wider Billigkeit nichts angemuthet/ noch sie mit herben unbescheidenen oder bedrohlichen Worten angefahren/ und dadurch zu einig ihren Rech- ten nachtheiliger Bewilligung gemuͤßiget/ sondern vielmehr ihres Fug- und Unfugs mit Glimpff unterrichtet/ zu erbar- und billigmaͤßi- ger Vergleichung beweget werden. §. 4. Und wofern ihnen/ unsern Beamten/ ein Rechts-Fall vor- kaͤme/ der in kaͤyserlichen Rechten etwas zweiffelhafftig waͤre/ dar- Beamten Pflicht bey zweiffelhafftem Rechts-Fall. inn sie sich nicht resolvir en koͤnten/ so sollen sie denselben umstaͤndlich zu unsern Cantzleyen an die verordnete Regierung gelangen lassen/ sich daselbst Recht und Bescheids erholen/ und darauff zwischen denen Partheyen weitere Handlung vornehmen. §. 5. Was sie nun also von Sachen guͤtlich vertragen/ daruͤber sollen sie allezeit denen Partheyen unter ihrem Handzeichen/ Secret- und D d d Pit- IV. Buch/ Cap. II. Receß und Ge- richts-Buͤcher Recht. Pittschieren/ schrifftlichen Schein und Urkund mittheilen/ auch in ih- re Stadt- Receß- oder Gerichts-Buͤcher/ davon hiernechst weitere Meldung geschehen soll/ allerhand etwan kuͤnfftigen Disputation und Unrichtigkeit vorzukommen/ solche einzeichnen lassen. Caput II. Von Supplication en. §. 1. W Jewohl wir uns/ tragenden Fuͤrstl. Amts halber/ schuldig er- kennen/ unsere Unterthanen/ sie seyen Edel oder Unedel/ arm Fuͤrsten Amts- Pflicht. oder reich/ in ihren anliegenden Noͤthen gnaͤdiglich zu hoͤren/ und ei- nem jedern nach Befindung zur Billig keit zu verhelffen/ als wir dann bißher treulichund gnaͤdig gethan haben/ auch hinfuͤhro/ geliebts GOtt/ nicht weniger zu thun geneiget seyn; So verspuͤren wir dennsch beym supplicir en nicht einen geringen Mißbrauch/ indem daß unsere Fuͤrst- liche Person/ die jedoch gleichwohl mit andern wichtigen Geschaͤfften genungsam zu thun haͤtte/ offtmahlen mit gar schlecht- und gering- Supplication ẽ Mißbrauch verboten. schaͤtzlgen Sachen bemuͤhet/ dazu gemeiniglich mit verschwiegener Warheit/ sintemahlen die Supplicant en mehrentheils zu ihrem Vor- theil mit Gegentheils nothduͤrfftigen Einrede Verhaltung zu suppli- cir en pflegen/ berichtet/ und dadurch bißweilen aus Mangel vollkom- menen Berichts zu ungleichen Befehlichen per sub- \& obreptionem inducir et werden. §. 2. Deme nun vorzukommen/ setzen/ ordnen und wollen wir/ Amt- Leute Pflicht gegen Unterthanen/ ehe sie suppli- cir en. daß unsere Unterthanen in Staͤdt- und Doͤrffern/ in ihren zusammen habenden Privat- Sachen/ unsere Fuͤrstliche Person/ oder auch unse- re Cantzleyen mit Supplication en nicht demnechst anlauffen/ sondern ein jeder zufoͤrderst seine Noth und Anliegen fuͤr unsern verordneten Amt-Leuten/ darunter der Beklagte gesessen ist/ oder/ so es in Staͤdten/ fuͤr Buͤrgermeister und Rath/ klagen und vorbringen/ darauff auch dieselben unsere Beamten samt Buͤrgermeister und Rath ein jeder an feinem Ort und vermoͤge seines Amts/ bey denen Eyd- und Pflichten/ damit sie uns verwandt/ schuldig seyn sollen/ dem klagenden Theil auff vorhergehende Verhoͤr der Sachen/ oder sonsten genungsame Erkundi- Sachen Vor- falls Recht/ darinn Beam- te nicht helffen koͤnnen. gung/ zu dem er befugt ist/ unverzuͤglich zu verhelffen. §. 3. Und im Fall die Sache also beschaffen waͤre/ daß unsere Beamten/ auch Buͤrgermeister und Rath darinnen nicht helffen koͤn- ten/ dahero der klagende Theil gemuͤßiget wuͤrde/ an Uns oder unsere Statt- Von Heßischen Supplication en. Statthalter und Raͤthe zu supplicir en/ so soll derselbe Supplicant sein Vorhaben unsern Beamten oder Buͤrgermeister und Rath zuvor anzeigen/ und von ihnen entweder seine Supplication, zum Zeugniß/ daß sie in der Geschichte also gewiß und warhafftig sey/ unterschreiben lassen/ oder sonst einen schrifftlichen Bericht/ darinn der Sachen Ge- legenheit/ und die Ursachen/ warum sie nicht haben helffen koͤnnen/ ver- Supplicant en und Beamten Pflicht wegen Neben Bericht meldet werden/ ausbringen/ und neben seiner Supplication uͤberlief- fern/ welche Subscription auch unsere Beamten oder Buͤrgermeister unweigerlich/ und des Supplicant en halber unauffgehalten/ bey Vermeidung unserer Ungnade zu thun/ oder dem Supplicant en einen schrifftlichen Neben-Bericht zu geben pflichtig und schuldig seyn sollen. §. 4. Wofern sie aber sich der Subscription oder Neben-Berichts Amts-Huͤlffe Veꝛweigerung Straffe und Supplicant en Freyheit. verweigerten/ oder sonst dem klagenden Theil auff sein erst- und zwey- tes Ansuchen die Huͤlffe gar versagten oder verzoͤgen/ so soll demsel- ben frey stehen/ uns oder unsern Statthaltern und Raͤthen dasselbe und sein Anliegen durch eine Supplication anzubringen/ darauff nicht allein gebuͤhrlicher Bescheid erfolgen/ sondern es sollen auch unsere Beamten/ samt Buͤrgermeister und Rath um ihrer Fahrlaͤßigkeit/ ver- weigert- oder verzogener Amts-Huͤlffe willen/ so fern sich die erfin- det/ unnachlaͤßig durch uns oder unsere Statthalter und Raͤthe ge- strafft werden. §. 5. Als auch/ da jemand uͤber unsere Beamten selbst zu klagen/ Unterthanen als Supplican- t en Vorrecht. oder dieselbige sonst einiger Partheylichkeit zu beschuldigen/ oder auch ausserhalb dessen etwas zu suchen haͤtte/ das in ihrer Macht und Ver- richtung nicht waͤre/ sondern allein bey uns stuͤnde/ der mag gleich- falls an uns oder unsere Statthalter und Raͤthe/ unsere Beamten un- ersucht/ supplicir en. §. 6. Damit nun unsere Unterthanen und bevorab die Einfaͤl- Beamten und Procurator en Pflicht wegen Supplicatio- nen. tigen dessen wissend/ und sich darnach zu richten haben moͤgen/ so sollen nicht allein unsere Beamten an gewoͤhnlichen Gerichten und sonsten/ sondern auch die Procuratores und diejenigen/ so ihnen die Sup- plicationes machen und schreiben/ hiervon dieselbe noth- duͤrfftig unterrichten. D d d 2 Caput IV. Buch/ Cap. III. Caput III. Von Land-uͤblichem Gerichts-Brauch in Heßi- schen Fuͤrstenthumen und Gebieten. §. 1. Heßischen Ge- richte Abthei- lung. J N unsern Fuͤrstenthuͤmern/ Landschafften und Gebieten sind biß hieher viererley Gerichte im Brauch gewesen/ die wir auch hin- fuͤhro also gehalten haben wollen/ zum ersten die Stadt-Land- und Zent-Gerichte in Staͤdt- und Doͤrffern; zum andern unser Hof-Ge- richt zu Marpurg; zum dritten unsere Fuͤrstliche Cantzley/ und zum vierdten unser allgemein Ober- Appellation oder Revision- Gericht zu Cassel. Stadt-Land- und Zent-Ge- richte. §. 2. An Stadt-Land- und Zent-Gerichten sollen Buͤrger und Bauren/ darunter ein jeder seßhafftig ist/ ihre erste Instan tz haben/ und muͤssen dieselben Gerichte derogestalt besetzt und bestellt werden/ wie biß- hero braͤulich gewesen/ nemlich in Staͤdten mit Buͤrgermeister und Beamten Pflicht mit Gerichts He- gung. Raths-Personen/ auffm Lande aber mit Land- und Zent-Schoͤppen/ unsere Beamten auch sollen jedes Orts solche Gerichte in unserm Nahmen/ und wie es herkommen ist/ hegen und halten/ ja darauff fleißig sehen/ daß es damit allenthalben unpartheyisch/ auffrichtig und ordentlich zugehe. §. 3. Und weilen dann an gottsfuͤrchtigen verstaͤndigen Schoͤp- pen viel gelegen ist/ so sollen unsere Beamten jedes Orts darauff mit Ernst bedacht seyn/ daß zu Besetzung der Gerichte solche Schoͤppen/ Schoͤppen Er- wehl- und Be- cydigung. die eines guten Verstandes/ auch erbaren Lebens/ Wesen und Wan- dels seyn/ ohn alle Gunst erwehlet/ und mit gebuͤhrlichen Eyden bela- den werden; daß sie nemlich in allen vorfallenden Sachen dieser un- sern Landes-Ordnung/ auch gemeinen braͤuch- und uͤblichen Rechten/ guten ehrlichen Landes-Gewohnheiten und sonst der Erbar- und Bil- ligkeit gemaͤß/ nach ihrem besten Verstand/ ohn alles Ansehn der Per- son urtheilen/ erkennen und sprechen/ keine Sachen gefaͤhrlich auff- ziehen/ noch denen Partheyen oder ihren Procurator en dasselbe ver- statten/ sondern sich also halten wollen/ wie sie es in ihrem Gewissen gegen GOtt und der Welt zu verantworten gedencken. §. 4. Nachdem auch an etlichen Orten beydes in Staͤdten und auffm Lande/ so wohl von unsern Beamten/ als etlichen vom Adel/ die dessen berechtiget/ die Gerichte gar langsam gehalten/ auch bißweilen die Unterthanen besondere Gerichte zu kauffen/ und also ihr Recht mit merckli- Von Heßischen Land-uͤblichem Gerichts-Brauch. mercklichen Unkosten und Beschwerden zu suchen genoͤthiget werden; so wollen wir dasselbe/ und sonderlich diesen unziemlichen Mißbrauch Gast-Gerichte abzuschaffen. der Kauff- oder Gast-Gerichte hiermit gaͤntzlich abgeschafft/ und so wohl unsern Unterthanen von Adel/ die eigene Gerichte haben/ als auch unsern Beamten aufferlegt/ eingebunden und befohlen haben: daß sie die gewoͤhnliche Gerichte fleißig/ vornehmlich aber in den Staͤdten nach Gelegenheit und Groͤsse derselben/ entweder alle Wochen oder Gerichte wie offt zu halten. je zu 14. Tagen und auffm Lande zu 4. Wochen einmahl halten/ und die Partheyen mit Abforderung einigen widerrechtlichen Unkostens gar nicht beschweren; Da es aber an etlichen Orten braͤuchlich/ die Gerichte oͤffters zu halten/ so lassen wir es bey demselben Brauch noch bewenden/ als den wir hierdurch nicht geaͤndert haben wollen. §. 5. Da sonsten die Gerichts-Junckern an Haltung ihrer Ge- richte einigen Mangel erscheinen lassen/ und dadurch die Leute an ih- Gerichts- Junckern Feh- ler Erstattung. ren Rechten auffgehalten worden/ so soll denselbigen Leuten frey ste- hen/ ihre Sache in unsern Cantzeleyen anhaͤngig zu machen/ da ihnen auch auff ihr Ansuchen/ nach Befindung dieses Auffenthalts/ gebuͤhr- licher Proceß erkant/ und zu Recht verholffen werden soll. §. 6. Dieweilen auch etliche vom Adel zu Besetzung ihrer Ge- Daß die Ge- richts-Herrn ihre Untertha- nen mit Ge- richts-Kosten nicht beschwe- ren sollen. richte unsere Unterthanen vermoͤgen/ darnach die Unkosten/ so auff solcher Gerichte Besetzung lauffen/ ihren armen Leuten auffdringen/ so wollen wir solche Beschwerung hiermit abgeschafft und verboten haben; Setzen und ordnen dahero/ daß hinfuͤhro ein jeder in unserm Lande/ der eigene Gerichte hat/ dieselben auff seinen eigenen Kosten/ er brauche gleich seine selbst eigene oder andere Schoͤppen dazu/ halten/ und deßhalben seinen Unterthanen mit nichten beschwerlich seyn soll/ dann weilen die Gerichts-Herrn Renthe/ Zinse/ Dienste/ Bussen/ und dergleichen Pflicht von ihren Leuten nehmen/ so ist auch billig/ daß sie dagegen die Justice zum besten bestellen/ und ihre arme Unter- thanen damit nicht beschweren. Caput IV. Vom Gerichts-Schreiber/ Gerichts-Buch/ auch Gerichts-Sachen und hinterlegten Geldes Ver- wahrung. §. 1. E Jn jedes Gericht soll seinen eigenen Gerichts-Schreiber haben/ Gerichtschrei- ber Pflicht. der uns und dem Gerichte mit Eyden und Pflichten verwandt seyn D d d 3 soll/ IV. Buch/ Cap. IV. soll/ in allen und jeden vorlauffenden Sachen beyder Partheyen Nothdurfft treulich nieder zu schreiben und protocollir en/ die Heim- lichkeit des Gerichts/ und sonderlich die verfassete Urtheile vor der Er- oͤffnung verschwiegen bey sich zu behalten/ auch die Gerichts- Act en weder gantz noch zum Theil nicht von sich zu geben/ es geschehe denn mit Richters Wissen und Willen. §. 2. Und weilen offtmahls in denen Actis, so von Untergerichten gen Hof gelangen/ nicht geringer Unfleiß und Mangel derer Gericht- Gerichtschrei- ber Amt. schreiber halben gespuͤret wird/ so sollen sie bey ihren Pflichten in ei- ner jeden gerichtlichen Sache Tag/ Antwort/ brieffliche Urkunden/ Zeugensage/ und was sonsten beyderseits vorbracht/ treulich registri- ren/ auch in die Protocolla einfuͤhren/ und auff die Product en allezeit Tag und Jahr schreiben/ da die Gerichte gehalten/ und was bey ei- nem jedern Gerichte und Termin gehandelt und vorbracht wird. End Urtheils und Appella- tion Recht. §. 3. Deßgleichen auff welchen Tag das End-Urtheil gefaͤllet und eroͤffnet/ ob auch davon also bald in stehenden Fußstapffen appel- lir et und der Appellation statt gegeben worden oder nicht/ damit die Partheyen in Vollfuͤhrung ihrer Appellation zu keinen unnoͤthigen Kosten der Formali en halben gefuͤhret werden; darauff denn insonder- heit der Richter jedes Orts/ daß solches also vom Gerichtsschreiber treulich geleistet werde/ mit Fleiß auffsehen soll; denn wo hierinn eini- Richter und Gerichtschrei- ber Nachlaͤßig- keit Straffe. ge Fahrlaͤßigkeit oder Versaͤumniß hinfuͤhro gespuͤhret wird/ so sollen beydes Richter und Gerichtsschreiber schuldig seyn/ denen Partheyen/ so hierdurch vernachtheiliget werden/ ihre Unkosten nach Ermaͤßigung unserer Statthalter und Raͤthe unweigerlich zu erstatten. §. 4. Es soll auch in jedem Gericht beydes in Staͤdten und Doͤrffern ein besonder Gerichts-Buch alle Jahr gemacht und gehal- ten werden/ darinn die Gerichtschreiber kuͤrtzlich annotir en und ver- Gerichts- buchs Gerech- tigkeit. zeichnen sollen/ was zu jederm Gericht vorlaͤufft und gehandelt wird; denn ob wohl die Gerichtschreiber uͤber eine jede gerichtliche Sache ihre besondere Protocolla halten/ und darinn/ was zu jederm Termin gehandelt wird/ auffschreiben muͤssen/ so sollen sie doch in das Ge- richts-Buch zum wenigsten die End-Urtheile/ wann und auff welche Zeit sie publicir et worden/ wie auch die Appellationes, ob und wann sie geschehen/ deßgleichẽ alle Contracte, als Erb-Kauff-Tausch-Pfand- schafften/ Wehrschafften/ Vertraͤge/ Eheberedungen/ Testamenta/ Ubergaben und dergleichen Vermaͤchtnisse; Jtem/ wann unmuͤndi- gen Kindern Vormuͤnder verordnet werden/ und was sonsten der Dinge Von Heßischen Gerichts-Personen und Buͤchern. Dinge mehr fuͤr Gericht vorlauffen und verhandelt werden/ einzeich- nen; und da auch gleich dessen etwas nicht eben vor Gericht/ sondern ausserhalb Gericht vor unsern Beamten allein vorbracht und abge- handelt wuͤrde/ so sollen sie es doch nicht destoweniger in das Gerichts- Buch schreiben lassen/ darnach man sich jederzeit bey vorfallenden Jrrungen zu richten habe. §. 5. Dieweil auch denen Partheyen mercklich daran gelegen ist/ daß ihre gerichtliche und andere Sachen/ Instrumenta, Zeugnissen/ Gerichts Hal- tungs Kasten Recht. brieffliche Urkunden/ und was dergleichen mehr fuͤr Gericht vorbracht wird/ zum best- und treulichsten verwahret/ damit nicht allein nichts davon verlohren werde/ sondern auch die Act en und andere derer Par- theyen und des Gerichts Heimlichkeiten nicht jederman unter Augen liegen; So sollen Richter und Schoͤppen eines jedern Gerichts vor- nehmlich darauff bedacht seyn/ daß sie einen wohl verschlossenen Ka- sten oder dergleichen verwahrlichen Ort zu solcher Dinge Behaltung haden/ und die Verwahrung dem Gerichtschreiber bey seinem Eyd und Pflichten mit allem Ernst aufflegen. §. 6. Als sich dann auch bißweilen zutraͤgt/ daß im Naͤher Kauff- Gerichtlichen Beylage Recht. Abloͤsungs und dergleichen Sachen/ etliche Gelder beym Gericht de- ponirt und hinterlegt werden; und damit nun solch Depositum zum best- und treulichsten/ wie sich gebuͤhret/ verwahret und nicht verruͤcket werde; So sollen Richter und Schoͤppen jedes Orts einen besondern wohl verwahrten Kasten/ zum wenigsten mit dreyen oder vier unter- schiedlichen Schloͤssern und Schluͤsseln/ die unter etliche der Gerichts- Personen nach Richters Ermaͤßigung auszutheilen/ hierzu haben/ und nicht verstatten/ daß eine eintzele Person/ es sey gleich Richter/ Gerichts- schreiber oder Schoͤppen/ das deponir te Geld zu sich allein in seine Pri- vat- Verwahrung nehme/ denn wofern das geschehe/ sollen gleich- wohl Richter und Schoͤppen/ bey denen das Geld hinterlegt war/ ins- gesamt es zu verantworten pflichtig und schuldig seyn. Caput V. Vom Proceß/ der an Stadt-Land- und Zent- Gerichten gehalten werden soll. §. 1. W Er den andern am Untergericht besprechen will/ der soll densel- ben zeitig vorher auff einen gewissen Tag fuͤr Gericht zu erschei- nen peremtorie citir en und vorgebieten lassen/ auff welchen ersten Ge- IV. Buch/ Cap. V. Gerichts-Tag der Klaͤger mit seiner Klage gefast/ der Beklagte aber zu erscheinen u. Klage anzuhoͤren schuldig seyn soll; dañ ob wohl bißhero an etlichen Gerichten der Mißbrauch gehalten/ daß Klaͤger den Beklagten Citation Unge- horsam und andern Unko- sten Straffe und Erstat- tungs Recht. zu dreyen unterschiedlichen Gerichten hat muͤssen vorfordern lassen/ und der Beklagte nicht eher als zum letzten Gericht sich zu stellen schuldig seyn wollen/ und jedoch solches ein ungebuͤhrend und klagendem Theil beydes schaͤd- und beschwerlicher Auffenthalt ist/ so wollen wir denselben Mißbrauch cassi rt/ abgeschafft und dagegen geordnet haben/ daß ein jeder Beklagter auff die erste peremtori Citation und Forderung/ als ob stehet/ zu erscheinen gehalten seyn soll; Jm Fall er nun das ohne rechtmaͤßige Ursach und Verhinderung unterliesse/ daß Klaͤger dahero gemuͤßiget wuͤrde/ ihn anderwaͤrts vorladen zu lassen/ so soll er zum nechsten Gericht durch den Richter angehalten werden/ daß er dem Klaͤger alsobald seine auff ersten Termin angewandten Gerichts- Kosten und was auff Verkuͤnd- und Ausbringung der zweyten Citation gangen ist/ ohne alle Verweigerung erstatte. Klaͤgers Pflicht im Streits Anfang. §. 2. Wann nun der Klaͤger seine Klage gerichtlich vorbringen will/ soll er zufoͤrderst bey seinem Eyd anzeigen und in das Gerichts- Buch oder Protocoll schreiben lassen/ wie hoch er seine Klage oder Haupt-Sache/ Injuri en/ Schaden oder dergleichen/ so einer ad Inter- esse klagen muͤste/ erachte und schaͤtze; So fern denn die Klage 20. Guͤlden oder darunter werth ist/ so soll dem Klaͤger frey stehen/ die Klage schrifft- oder muͤndlich vorzubringen/ jedoch wann sie muͤndlich geschiehet/ mag sie um Behaltens willen kurtz und verstaͤndlich auff- gezeichnet werden. Beklagten Antwort und Parthey- en Beweiß Recht. §. 3. Auff diese Klage soll der beklagte Theil so bald/ oder wann er daran aus rechtmaͤßigen Ursachen verhindert wuͤrde/ beym nech- sten Gericht ohn allen Verzug und Ausflucht antworten/ und seine Einrede/ was er etwan zu Hintertreibung der Klage haͤtte vorwenden und verzeichnen lassen/ darauff demnechst zur Beweisung/ was deren ein oder ander Theil hat/ geschritten/ und also de simplici \& plano, biß zum End-Urtheil procedir et werden soll. §. 4. Was aber Sachen uͤber 20. fl. werth seyn/ darinn soll man Foͤrmlichen Proceß Art. schrifftlich handeln/ auch einen foͤrmlichen jedoch kurtz und schleunigen Proceß halten; nemlich der Klaͤger soll am ersten Termin seine Klage doppelt vorbringen/ davon ein Exemplar beym Gericht zu behalten/ und das andere Beklagtem auszustellen. Haͤtte nun etwan Beklagter wider diese Klage declinatorias oder sonsten dilatorias Exceptiones vor- Von Heßischen Stadt-Land- und Zent-Gerichten. vorzuwenden/ die soll er so bald auff selbigen ersten Termin muͤndlich/ wie auch Klaͤger seine Gegenrede dawieder vorbringen/ und durch den Gerichtschreiber verzeichnen lassen/ daruͤber auch die Schoͤppen/ so fern es muͤglich/ an selbigem Gericht erkennen sollen/ ob solche vorge- schuͤtzte Exceptiones erheblich seyn oder nicht. §. 5. Wann denn solche declinatoriæ oder dilatoriæ Exceptiones abgeschnitten oder deren sonst keine vorgewendet wuͤrden/ so soll der Beklagten De- fension und Exception Recht. Beklagte zum nechsten Gericht innerhalb 4. oder 6. Wochen auffs laͤngste seine Krieges-Befestigung und richtige Antwort auff die Kla- ge/ samt seinen zu Hintertreib- oder auch endlichen Abschneidung der Kla- ge rechtmaͤßigen Defension en und Exception en/ was er deren vorzu- wenden hat/ auch zwiefach in Schrifften einlegen. §. 6. Darauff zum dritten Gericht der Klaͤger zur Beweisung seiner Klage/ was daran verneinet/ wie auch hierwieder Beklagter Klaͤger und Beklagten Be- weiß Recht. zur Gegenbeweisung seiner vorgewandten Exception en/ ob er wolle/ schreiten/ und ihre brieffliche Urkunden/ wann sie damit Beweiß thun wolten/ in originali samt gleichlautenden Copi en/ oder aber da sie Zeugen zu fuͤhren gedaͤchten/ dieselben nahmhafftig machen/ und worauf ein jeder zu verhoͤren sey/ designir en soll. §. 7. Dieselben Zeugen sollen dann auff des Producent en Artickul und des Gegentheils Fragestuͤcke/ zu deren Verfertigung ihme ziem- Zeugen Ber- hoͤr und Exa- minis Recht. liche Dilation nach Gelegenheit gegeben werden soll/ durch zwo hierzu taugliche Gerichts-Personen/ es sey gleich Richter oder Schoͤppen samt dem Gericht-Schreiber/ examinir et und sonderlich uͤber die Haupt-Puncter/ darauff der Sachen Zweck vornemlich hafftet und beruhet/ mit Fleiß verhoͤret/ um ihres Wissens Ursach umstaͤndlich be- fraget/ und ihre Aussage eigentlich auffgeschrieben werden. §. 8. Nach beschehener Zeugen-Verhoͤr sollen am nechstfolgen- Zeugensage Publication Recht. Salvation und Uꝛkunden Vor- bringungs Feist. den Gericht ihre Aussagen publicirt/ beyden Partheyen Abschrifft da- von zugestellt und aufferleget werden/ ihre Salvationes und Exceptiones, auch was ein jeder von briefflichen Urkunden oder andern endlich zu geniessen gedaͤchte/ innerhalb Monats-Frist oder sechs Wochen auffs laͤngste nach Groͤsse und Wichtigkeit der Sachen ein- und vorzu- bringen. §. 9. Wuͤrden dann schrifftliche Documenta und Urkunden bey Satz- und Ge- gen Satz auch Sachen Be- schluß Termin. demselben Satz producir et/ so soll auff solchen Fall dem Gegentheil ein schrifftlicher Gegensatz innerhalb Monats-Frist verstattet/ sonst aber und ausserhalb dessen kein schrifftlich Libellir en weiter zuge- E e e lassen IV. Buch/ Cap. VI. lassen werden/ sondern beyde Theile sollen gegen einander auff einen Termin ihre Nothdurfft muͤndlich jedoch kuͤrtzlich und ohne verdrieß- liche Wiederhohlung ihres vorigen Einbringens einwenden/ und damit in der Sachen zum Urtheil beschliessen. Caput VI. Von Procuratoribus an Untergerichten. §. 1. U Nsere Richtere und Schoͤppen sollen in einer jeden Stadt Gerichts Pro- curator en Pflicht und Eyd. und Amt zweene Procuratores, die Erbar- und Billigkeit lieb haben/ auch die Partheyen an denen Gerichten zur Nothdurfft ver- treten und verwarnen koͤnnen/ nicht aber daruͤber annehmen; Die sollen dem Richter an unserer Statt geloben und schweren/ daß sie denen Partheyen zu gute ihre Sachen mit Fleiß nach ihrem besten Verstaͤndniß fuͤrbringen und handeln/ auch darinn wissentlich keiner- ley falsch- oder unrecht-gefaͤhrlichen Auffschub/ Ausflucht und Ver- laͤngerung gebrauchen noch suchen/ der Partheyen Heimlichkeit ihnen zu Schaden nicht offenbaren/ auch mit denen Partheyen kein Geding de quotâ litis machen/ noch sie sonst unmaͤßig und zur Ungebuͤhr uͤber- nehmen/ sondern es damit nach Gelegenheit dieser Lands-Art gezie- Procurator en Lohn Taxt Recht. mend und verantwortlich machen/ und sonderlich mit dem/ so ihnen taxir et wird/ begnuͤget seyn/ auch sonst alles andere thun und lassen wol- len/ was auffrichtigen Procuratorn eignet und gebuͤhret. Procurator en Pflicht wegen ungerechter Sache. §. 2. Wo auch die Procuratores im Anfang/ wann sie von einer Parthey ihrer Sachen halber angelanget werden/ vermercken und be- finden wuͤrden/ daß dieselbe Parthey eine ungerechte und nicht verant- wortliche Sache haͤtte/ so sollen sie nicht zum Hadder und Zanck/ son- dern zu Friede rathen/ und die ungerechte Parthey/ von ihrem Vorha- ben abzustehen/ treulich vermahnen/ sich auch eine wissentlich ungerech- te Sache vor Gericht zu bringen und zu verthaͤdigen nicht unterstehen/ es werde ihnen dann vom Richter um sonderlicher Ursachen willen auff Partheyen Ebentheuer aufferlegt und befohlen. §. 3. Und weilen zu desto schleuniger und richtigen Abhelffung Procuratorn Schuldigkeit wegen Proceß Form. der Sachen fast hoch und viel daran gelegen/ daß Klage und Antwort samt andern der Partheyen Nothdurfft verstaͤndlich vorbracht und ein foͤrmlicher Proceß gehalten werde/ so sollen die Procuratores sich vornehmlich dessen befleißigen/ daß sie die Klagen als das Fundament der Von Heßischen Stadt-Land- und Zent-Gerichten. der Sachen/ deßgleichen auch Beklagten Antwort und Einrede foͤrm- verstaͤnd- und schließlich anstellen/ damit die Schoͤppen und ein jeder darob vernehmen koͤnne/ woher und aus was Grund die Forderung entspringe und herfliesse/ auch worauff des Beklagten Einrede und Schutz-Wehr haffte oder beruhe. §. 4. Jtem/ wann es zum Beweiß koͤmmt/ daß der zu fuͤhren ist/ sollen sie denselben zu rechter Zeit thun und vorbringen/ auch zusehen/ Procuratorn Pflicht mit Beweiß vor- bringen. daß sie darinn nichts versaͤumen/ noch etwas ihren Partheyen zu Nachtheil hinterhalten/ oder auffs letzte und zum Beschluß der Sa- chen sparen/ sintemahl am Beweiß beydes Gewinn und Verlust der Sachen hafftet. §. 5. Sie sollen sich auch des langwierig- und verdruͤßlichen dicti- Procuratorn Vortraͤge Recht. r ens zur Feder/ absonderlich des ungeschickt- und vielfaͤltigen Wieder- hohlens eines Dinges/ dadurch beydes die Gerichte und andere Sa- chen verlaͤngert und verhindert werden/ enthalten; sich aber vielmehr befleißigen/ daß sie nicht blosse Worte und ein leer-undienlich Ge- schwaͤtze/ sondern die Substanz, und was zur Haupt-Sachen beyder- seits von noͤthen ist/ kuͤrtzlich vorbringen. §. 6. Als auch die Procuratores im Anfang der Rechtfertigung Von Caution oder Versiche- rung. uͤber Caution und Vorstand/ so ein Theil vom andern fordert/ biß- weilen weitlaͤufftig zu disputir en pflegen/ auch dadurch die Haupt- Sache verlaͤngern und auffhalten/ so wollen wir dem zuvor kommen/ hiermit gesetzt und verordnet haben/ daß in keiner Sache/ da beydes Klaͤger und Beklagte unserer Ober-Botmaͤßigkeit unterworffen/ oder sonst unter uns beguͤtert seyn/ die Caution gefordert werden/ noch jemand dieselbige wider seinen Willen zu leisten schuldig seyn soll. §. 7. Wann aber ein ander Theil unsorer Botmaͤßigkeit nicht Ferneres Cau- tion Recht. unterworffen/ noch unter uns beguͤtert/ oder sonst eine ledige Person waͤre/ die keine gewisse bleibende Staͤtte unter uns haͤtte/ die soll auf Begehren zur ziemlichen Caution, judicio sisti \& judicatum solvi, ge- buͤhrend angehalten werden. Caput VII. Von Verfassung/ Appellation und Execution deren Unter-Gerichts Urtheile. §. 1. Schoͤppen Pflicht ber Ur- theils Verfas- sung. W Ann nun in einer Sachen beyderseits zum Urtheil beschlossen ist/ so sollen sich die Schoͤppen durch ihren Gerichtschreiber die gan- E e e 2 tzen IV. Buch/ Cap. VII. tzen Acta vorlesen lassen/ darauff/ und sonderlich auff dasjenige/ so ge- klagt/ beantwortet und beyderseits erwiesen ist/ fleißig Achtung geben/ und nach derselben ihre Urtheil richten und abfassen; denn ob gleich deren Schoͤppen ein oder ander sich beduͤncken liessen/ daß sie von der Sachen vor sich selbst etwas Wissenschafft und Bericht haͤtten/ und jedoch dasselbe ihr privat Wissen oder Nachricht mit demjenigen/ so in End- und Bey- Urtheils Ver- fassungs Recht Actis gerichtlich vorbracht und bewiesen ist/ nicht uͤbereinstimmt/ so sollen sie sich im Urtheil fassen mehr nach dem/ so Actis einverleibet und erwiesen ist/ als nach ihrem eigenen Wahn richten; Da sie sich aber beduͤncken liessen/ daß der Sachen Nothdurfft durch Unfleiß oder Un- geschicklichkeit der Procurator en nicht genungsam vorbracht waͤre/ so moͤgen sie durch Beyurtheil einem oder andern Theil dasselbe noch- mahlen zu thun aufferlegen/ und also die gebuͤhrende Mittel suchen/ daß die Warheit an Tag bracht/ und keine Parthey an ihrem Recht benachtheilet oder verabsaͤumet werde. §. 2. Wann auch die Schoͤppen des Urtheils sich selbst nicht ver- Urtheils halbẽ Acten Ver- schickungs Recht. einigen koͤnnen/ so moͤgen sie die Acta ihrem gewoͤhnlichen Ober- Hof/ oder da die Sache wichtig/ unserer Universitaͤt zu Marpurg/ oder sonst nach Gelegenheit einem beruͤhmten Schoͤppen-Stuhl/ auff deren Partheyen Begehren und Unkosten/ daruͤber zu sprechen/ hin- schicken/ und ob gleich dieselben verfasten Urtheile im Nahmen des Ober-Hofs/ Universitaͤt oder Schoͤppen-Stuhls publicir et und aus- gesprochen worden/ sollen sie doch deßwegen von verlustigtem Theil unangefochten bleiben/ und eben so kraͤfftig seyn/ als waͤren sie im Nah- men des Gerichts/ dafuͤr die Sache Rechts haͤngig gewesen/ abgespro- chen. §. 3. Von Urtheilen/ die an Untergerichten in Sachen/ so uͤber 20. Appellation und Revision Recht. Guͤlden nicht werth seyn/ ausgesprochen/ soll niemand zu appellir en Macht haben/ auch die Appellationes/ dafern sie gleich gefchehen/ vom Oberrichter nicht angenommen werden; da aber der verlustigte Theil/ dem das Urtheil zuwieder gefallen/ vermeynie/ daß er wider Recht und zur Ungebuͤhr beschweret waͤre/ so soll ihme vergoͤnnet und zuge- lassen seyn/ innerhalb zehn Tagen nach eroͤffnetem Urtheil in unsere Cantzleyen um Revision zu supplicir en/ auch so bald oder je auffs laͤngste in Monats Frist darnach seine gravamina, warum und aus was Ursachen er beschweret zu seyn vermeynet/ schrifftlich vorbringen/ darauff unsere Statthalter und Raͤthe des andern Theils Einrede und Nothdurfft auch in einer Schrifft binnen Monats-Feist darnach hoͤren/ Von Heßischen Untergerichts Urtheilen. hoͤren/ deßgleichen die Acta vom Untergericht erfordern/ auch/ da sie vermercken/ daß am Untergericht ein oder ander Theil ohne Voll- fuͤhrung nothduͤrfftigen Beweises verkuͤrtzet waͤre/ dieselben ex officio, ohne sonderbare Weitlaͤufftigkeit auffnehmen/ und daruͤber ohne wei- tern libellir ens Verstattung was recht und billig ist erkennen und spre- chen/ auch solch Erkaͤntniß so bald wuͤrcklich exequir en lassen sollen. §. 4. Was aber Sachen seyn/ deren Werth sich uͤber 20. Guͤl- den erstrecket/ darinn sollen die Appellationes, so fern sie sonst den Appellation Summa wie hoch zu ver- statten. Rechten gemaͤß seyn/ verstattet werden/ und entweder ordinarie an unser Hof-Gericht zu Marpurg/ oder/ so es den Appellant en um Ver- huͤtung Unkostens oder andern Ursachen willen gelegen waͤre/ in un- sere Fuͤrstliche Cantzeleyen ergehen. §. 5. Und dieweilen die Appellationes nicht zu Verlaͤngerung und Auffhalt der Sachen/ sondern allein zu dem Ende heilsamlich nachgegeben seyn/ damit der verlustigte Theil/ so etwan durch Fahr- laͤßigkeit/ Unfleiß oder Unverstand des Richters/ oder auch seines Pro- curator en an habenden Rechten vernachtheilet/ versaͤumt und beschwe- ret worden ist/ denselben Mangel durch dieses Mittel der Appellation ersetzen/ und sein Recht zu Tage bringen moͤge; So setzen/ ordnen und wollen wir/ daß ein jeder seine Appellation entweder so bald nach pu- blicirt em Urtheil vor sitzendem Gericht/ oder zum wenigsten hernach innerhalb zehn Tagen fuͤr Notari en und Zeugen/ oder so er keinen Appellation rechtliche Form. Notari en haben koͤnte/ vor dem Richter oder Gerichtschreiber in Ge- genwart zween beglaubten Maͤnner thun/ und daruͤber einen schrifft- lich beglaubten Schein und Urkund nehmen/ auch foͤrders denselben Schein dem Oberrichter innerhalb sechs Wochen und drey Tagen auffs laͤngste insinuir en/ und damit seine Appellation anhaͤngig ma- chen/ compulsoriales pro Edendis actis, Inhibitiones und andere Nothdurfft zur selbigen Zeit auffbringen/ auch daruͤber sein Appella- tion Libell, so bald es muͤglich/ uͤbergeben/ oder aber/ da er dann aus Mangel der Act en erster Instanz, oder andern ehehafften Ursachen halben nothwendig verhindert wuͤrde/ zum wenigsten dieselbe seine Verhinderung dem Oberrichter kuͤrtzlich zu seiner Entschuldigung ver- melden/ und um weitere Dilation zur Einbringung der Appellation Klage bitten/ die ihm auch der Ober-Richter hierauff nach gestalten Sachen und seinem Ermessen nachgeben/ und hierzu einen gewissen Termin præfigir en soll. E e e 3 §. 6. Wuͤrde IV. Buch/ Cap. VII. §. 6. Wuͤrde nun der Appellant diesem nicht also nachkommen/ Appellant en Nachlaͤßigkeit und Versaͤum- niß Straffe. sondern die zum appellir en u. foͤrders zu Insinuir ung der Appellation oder auch Producir ung seiner Appellation Klage bestimte Frist aus Muth- willen oder Fahrlaͤßigkeit verfliessen lassen/ so soll der Appellant Macht haben/ sich darwieder der Exception Desertionis zu behelffen/ darauff auch die Sache fuͤr desert erkant und gesprochen werden soll; Es waͤren dann solche erhebliche Ursachen vorhanden/ die den Appellan- t en billig seiner Person halben oder sonst im Rechten relevir en und entschuldigen moͤchten. §. 7. Damit auch der Unterrichter wisse/ was er sich der Exe- Execution Auffhalt oder Verlauffs Recht. cution halben/ entweder vor sich selbst oder auff des gewinnenden Theils Ansuchung zu verhalten/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß ein jeder Appellant, so fern er nicht alsbald vor Gericht sondern her- nacher fuͤr Notarien und Zeugen oder sonst vorgeschriebener massen appellirt hat/ von derselben seiner gethanen Appellation, oder so die Haupt-Sache unter 20. fl. werth/ von seinem vorhabenden Suppli- cir en dem Unterrichter oder seines Abwesens dem Gerichts- Schreiber/ der es auch ins Protocoll oder Gerichts-Buch verzeichnen soll/ schrifft- oder muͤndliche Anzeige innerhalb zehen Tagen nach eroͤffnetem Urtheil gewißlich thun/ deßgleichen binnen Monats Frist darnach/ so die Sache unter 20. fl. werth/ oder sechs Wochen und dreyen Tagen so ferne sie uͤber 20. fl. werth/ vom Oberrich- ter/ daß er die Sache daselbst durch Supplication oder Appellation anhaͤngig gemacht habe/ Inhibitiones oder zum wenigsten einen glaubhafften Schein gedachtem Unterrichter vorbringen/ darauff derselbe inzwischen mit der Execution inhalten/ und so lange still stehen soll/ biß ihm deßwegen vom Oberrichter Befehl zukoͤmmt. §. 8. Wofern aber der verlustigte Theil von solchen seinem vor- Urtheils Exe- cution Fort- gang. habenden Supplicir en oder Appellir ẽden Unterrichter binnen zehn Tagen nach eroͤffnetem Urtheil nicht vergewissern oder auch innerhalb Mo- nats Frist oder sechs Wochen und dreyen Tagen darnach/ so die Sache uͤber 20. fl. wehrt ist/ keine Inhibition noch andern beglaub- ten Schein vom Oberrichter/ daß die Sache daselbst anhaͤngig ge- macht waͤre/ vorlegen wuͤrde/ so soll der Unterrichter vor sich selbst/ oder auff anruffen des gewinnenden Theils/ des Untergerichts Ur- theil und Erkaͤntniß/ demnechst und ohn alles weiter hinter sich sehen wuͤrcklich zu exequir en schuldig seyn/ und mit solcher Execution laͤn- ger Vom Heßischen Hoffgericht und Fuͤrstl. Cantzleyen. ger nicht inhalten/ es werde ihm dann vom Ober-Richter um sonder- licher Ursachen willen ein anders schrifftlich befohlen. Caput VIII. Vom Hoffgericht und Fuͤrstlichen Cantzleyen/ was darinn vor rechtliche Sachen auffgenommen und ver- handelt werden moͤgen. §. 1. N Achdem vorhin verglichen ist von unsern Vorfahren/ daß zu Hoffgerichts Anordnung. Marpurg das Hoffgericht in gutem Stande/ wie es bey wey- land unsern vielgeliebten Vor-Eltern loͤblichen Gedaͤchtniß und Re- gierung gewesen/ auch auff uns kommen ist/ zu Befoͤrderung der heil- samen Justice zu lassen/ auch mit einem tauglichen Hoff-Richter von Adel/ sechs Beysitzern aus der Ritterschafft und Gelehrten/ dazu mit Secretari en und Schreibern/ jederzeit gebuͤhrlich zu besetzen/ auch dieselbe insgesamt nach ziemlichem Anschlag zu besolden/ inmassen biß hieher geschehen und noch geschiehet/ so wollen wir es bey derselben Ordnung hinfuͤhro gehalten wissen. §. 2. So sollen demnach an demselben unsern Hoffgericht zu er- Zum Hoffge- richt wer ge- hoͤrig. ster Instance gerichtlich angelangt und besprochen werden: Grafen/ Prælat en/ die von der Ritterschafft/ Stifft/ Hospithal/ Gottes-Ka- sten/ deßgleichen unsere Hoff-Raͤthe/ Prædicant en/ und diejenigen/ so mit Burgmanns Freyheit begabt oder versehen seyn/ es waͤre denn Sache/ daß um liegende Guͤter/ so ihrer Art nach denen Stadt- oder Liegenden Guͤ- ter Streit- Recht. Land-Gerichten unterworffen und dienstpflichtig waͤren/ gestritten wuͤrde/ darum solte man bey erster Instance vor ihren ordentlichen Gerichten/ darunter sie gelegen/ klagen. §. 3. Wuͤrde auch jemand von Buͤrgern oder Bauren um Guͤ- Fernere Sa- chen zum Hoff- Gericht. ter/ die unter mehr als einem Gericht/ jedoch gleichwohl aber alle Wege in unsern Fuͤrstenthuͤmern/ Landschafften u. Gebiethen gelegen waͤren/ angesprochen/ so soll derselbe/ propter continentiam causæ non dividen- dam, auch an unserm Hoffgericht in erster Instantz zu Recht zu ste- hen schuldig seyn; Deßgleichen sollen an demselben alle Appellation Sachen/ so von Stadt-Land- oder Zent-Gerichten daselbsthin er- wachsen/ gerechtfertiget werden. §. 4. Was aber den Proceß an unserm Hoffgericht belanget/ dieweil Hoffgerichts Proceß Ver- haltung. unsere gotiselige geliebte Voreitern vorlaͤngst eine Hoffgerichts-Ord- nung IV. Buch/ Cap. VIII. nung ausgehen lassen/ die auch bißhero an demselben Gericht in uͤbli- chem Brauch gehalten wird; So lassen wir es gerade dabey verblei- ben/ setzen/ ordnen und wollen auch/ daß unser Hoffgericht hinfuͤhro denselben Proceß/ wie biß anietzo geschehen/ behalten/ und sonderlich unser Hoff-Richter nicht allein vor sich selbsten dem Gericht und seinem Amt treulich ob seyn/ sondern auch darauff mit allem Fleiß Hoffgerichts Beysitzer Amt. sehen soll/ daß es daran allenthalben ordentlich/ auffrichtig und wohl zugehe; Ja/ daß die verordnete Beysitzer insgesamt und ein jeder in- sonderheit dem Gericht und daran schwebenden Sachen treulich war- ten und abhelffen/ allewege zu rechter gewissen Zeit und Stunde zu- sammen kommen/ sich keiner von dem andern absentir e/ in Verlesung der Act en/ referir en und Urtheil fassen gebuͤhrenden Fleiß gebrauchen/ und vornehmlich/ daß sie bey Verfassung derer definitiv- Urtheil alle bey einander seyn/ auch sich darinn dermassen auffrichtig und emsig verhalten/ daß es ihnen beydes fuͤr GOtt und der Welt unverweiß- lich seye. Hoffgerichts Secretari en Pflicht. §. 5. Also auch sollen Hoff-Richter und Urtheiler mit zusehen/ daß jederzeit ein fleiß- und tuͤchtiger Hoffgerichts Secretarius, daran denn viel gelegen/ beym Gerichte sey/ der seinem Amt mit ordentlichem pro- tocollir en/ registrir en und Verwahrung der Act en/ auch schleuniger Verfertigung der Proceß/ und was ihm weiter jederzeit befohlen wird/ mit emsigem treuen Fleiß abwarte/ darinn nichts versaͤume noch ver- lasse/ auch die Partheyen mit Schreibe-Geld vor Copi en/ Proceß und anders zur Ungebuͤhr nicht uͤbernehme/ sondern sich der alten gewoͤhn- lichen Tax gemaͤß halte/ und daruͤber niemand beschwere. Hoffgerichts Procurator en Recht. §. 6. Dieweil auch an geschickten Procurator en/ die der Erbar- und Billigkeit gewogen seyn/ nicht wenig gelegen/ so sollen Hoffrich- ter und Beysitzer nicht einen jeden/ sondern allein diejenigen/ deren Geschicktheit/ Erbar- und Auffrichtigkeit ihnen bekandt ist/ hierzu auff- nehmen/ und vermoͤge der Ordnung gebuͤhrlich beeydigen/ auch da- bey fleißig auffmerckens haben/ daß sie denen Partheyen auffrichtig Procurator en ferneꝛe Pflicht. und treulich dienen/ ihre Nothdurfft und sonderlich den Beweiß zu rechter Zeit vorbringen und darinn nichts versaͤumen/ ja daß sie auch die Partheyen nicht uͤbermaͤßigen und zur Ungebuͤhr uͤbernehmen/ sondern sich an einem ziemlichen und was ihnen nach Ermeß- und Befindung ihrer gehabten Muͤhe und Arbeit von unserm Hoffrich- ter und Beysitzer taxiret wird/ begnuͤgen lassen; deßgleichen im Pro- ceß keine gefaͤhrliche Ausflucht/ noch unziemliche der Sachen Verlaͤn- gerung Von Heßischen Hoffgericht und Fuͤrstl. Cantzleyen. gerung suchen oder gebrauchen/ sondern sich dessen/ wie auch sonst al- les weitlaͤufftig zur Hauptsachen und in- und unvortraͤglichen Ge- schwaͤtz und Vorbringens enthalten. §. 7. Wuͤrde aber dasselbe von einem oder andern Procuratorn uͤberschritten/ so sollen unsere Hoff-Richter und Beysitzere denselben Procurator en Unfug Straffe. Ubertreter nicht allein nach Gelegenheit der Uberfahrung mit wuͤrck- lichen Abforderung eines Orts- oder halben Guͤlden straffen/ sondern auch ihn endlich/ da ers zu viel macht/ oder sonst die Partheyen zur Nothdurfft nicht verwahren kan/ vom Gerichte gar abschaffen/ und einen andern tauglichern an seine Statt auffnehmen. §. 8. Nachdem hier oben gesagt ist/ daß von Urtheilen/ die an Stadt-Land- und Zent-Gerichten ausgesprochen/ entweder ordinarie Statthalter und Hoff-Raͤ- the Amts- Pflicht. an unser Hoffgericht/ oder so es dem Appellant en um groͤssern Unko- stens Verhuͤtung willen/ oder andern Ursachen halben gelegener/ in unsere Cantzleyen vor unsere verordnete Regierung appellir et werden mag/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß unsere Statthalter und verordnete Hoff-Raͤthe solche Appellation- Sachen/ die ihnen dieser unsern Ordnung und Rechten gemaͤß vorbracht worden/ annehmen und vor sich gebuͤhrender Weise rechtfertigen lassen/ auch endlich/ was recht und billig ist/ erkennen und sprechen sollen. §. 9. Deßgleichen so etliche Sachen in unsere Cantzeley erst zur Sachen Recht zur guͤtlichen Handlung. guͤtlichen Verhoͤr und Handlung erwachsen/ und uͤber allen angewand- ten Fleiß nicht vertragen werden moͤchten/ da dann dieselben Par- theyen beyderseits begehren/ oder sonst zu frieden waͤren/ daß um desto foͤrderlichen Abhelffung willen ihre Sachen zu ermeldten unsern Cantz- leyen zu Recht vorgenommen wuͤrden/ so soll und mag dasselbe auch also geschehen. §. 10. Jtem/ was sich in unsern Fuͤrstenthuͤmern/ Landschafften Zur Cantzley gehoͤrige Sa- chen. und Gebiethen von Ehe-Sachen zutraͤgt/ es geschehe gleich in unser selbst oder des Adels Botmaͤßigkeit/ deren soll keine an die Unterge- richte gezogen/ sondern allein in unsern Cantzleyen vor unsern dazu verordneten geist- und weltlichen Rechten gerechtfertiget und ent- schieden werden. §. 11. Ferner sollen in unsern Cantzleyen angenommen und ge- Fernere Cantz- ley Sachen Er- zehlung. rechtfertiget werden alle Land-Fried-bruͤchige Sachen und was denselben anhaͤnget/ da einer den andern mit der That vergewaltiget/ oder seines inhabenden Guts entsetzet/ oder auch eines Land-Fried- Bruchs aus redlichen Ursachen verdacht ist; Jtem Pfaͤndung-Sa- F f f chen IV. Buch/ Cap. VIII. chen/ und da sich zweene der Possession eines Guts oder Gerechtigkeit zugleich anmassen/ dahero Pfaͤndung und ander Unrath zu besorgen/ wie auch die Sachen L. diffamari, Arrestorum, novi operis nuncia- tionis, und andere dergleichen Mandat-Sachen/ wie nicht weniger die Summari en und Amts-Sachen/ als welche keines weitlaͤufftigen Rechtfertigens und Ausfuͤhrens beduͤrffen/ sondern à puncto proban- di angefangen werden; deßgleichen/ da an Untergerichten/ sie stehen gleich uns oder denen von Adel zu/ denen Leuten/ es sey durch nicht Haltung der Gerichte/ oder andern Ursachen halber/ das Recht ver- sagt/ oder uͤber unsere und unserer Regierung erlangte Vorschrifft und Erinnerung gefaͤhrlich verzogen/ oder sonst gegen ihnen Partheylich- keit gebraucht wird/ dieselben Sachen moͤgen unsere Statthaltere/ Cantzler und Hoff-Raͤthe auff eines oder andern Theils Ausuchen auff vorhergehende ziemliche Bescheinung/ daß deme also sey/ auch vor sich ziehen und annehmen. Caput IX. Vom Proceß in Heßischen Cantzleyen/ und wie sich die Procuratores allda verhalten sollen/ wie auch Gerichts- Secretari en Amt. §. 1. J N unsern Cantzleyen soll man hinkuͤnfftig in jeder Wochen aus- Cantzley Au- dienz- Tage Verordnung. serhalb gewoͤhnlichen Feri en/ zwo gerichtliche Audienz en in der ordentlichen Rath- oder Audienz- Stuben halten/ eine auff den Montag/ die andere auff den Mittwochen/ jedes mahl um 1. Uhr Nach- mittage/ und wann dieser Tage ein oder ander auff einen Festtag ein- fiehle/ daran sich gerichtlich zu handeln nicht gebuͤhret/ so soll die ge- richtliche Audienz auff nechsten Gerichts-Tag darnach seyn. §. 2. Dieser gerichtlichen Audienz sollen allemahl zum wenigsten Cantzley ge- richtlichen Au- dienz Verhal- tung. zween von den Raͤthen beywohnen/ præsidir en und Achtung darauff geben/ wie und was von denen Procuratoribus gehandelt wird/ auch Macht haben/ Citationes, Compulsoriales, Inhibitiones zu decernir en/ von des einen Theils Einbringen dem andern Copi en zu uͤberlassen/ und gewisse terminos ad procedendum zu præfigir en/ die sie auch so bald ins Tagebuch/ und die Procuratores in ihre Protocolla, die wir ihnen ins- gesamt und einem jeden insonderheit hinfuͤhro zu halten hiermit auff- erlegen/ verzeichnen sollen/ darnach man sich allerseits zu richten. §. 3. Jn Von Processen in Heßischen Cantzeleyen. §. 3. Jn diesen gerichtlichen Audienz en sollen die Procuratores nicht allein in Causis præfixis, das ist/ in solchen Sachen handeln/ Procurator en Pflicht bey Cantzley Au- dienz en. darinn ihnen gerade auff einen gewissen Termin zu handeln auffer- legt ist/ sondern was sie auch sonst in andern gerichtlichen Sachen vorzubringen/ zu sollicitir en und zu suchen haben/ es sey mit contuma- cir en oder in andere Wege/ das alles sollen sie gerichtlich in obberuͤhrt- oder ermeldten Audienz en thun/ und sich deßfalls extrajudicialiter zu supplicir en gaͤntzlich enthalten/ darauff auch die Raͤthe/ so dem Ge- richt beywohnen/ entweder vor sich selbst alsbald/ oder so die Sachen etwas wichtig/ mit Vorwissen und Gutachten des Statthalters und der andern Raͤthe/ Bescheid geben und die Nothdurfft verordnen sollen. §. 4. Jn allen gerichtlichen Sachẽ/ die Partheyen seyen gleich gegen- waͤrtig oder nicht/ sollen beyderseits Procuratores, ehe und bevor sie Procurator en Person Legi- timi rungs Recht. gerichtlich zu handeln zugelassen werden/ ihre Person legitimir en/ ent- weder mit Vorbringung einer genungsamen Vollmacht/ oder sich apud Acta, wie gebraͤuchlich ist/ constituir en lassen/ ad agendum \& substituendum, oder da deren keines geschieht/ de rato cavir en/ und ad proximum genungsame Vollmacht cum ratificatione retroacto- rum einbringen. Welcher Procurator nun dasselbe uͤberschreitet/ und in einiger Sache/ darinn seine Person nicht legitimi rt/ admitti rt wird/ der soll das erste mahl mit einem Orts-Guͤlden/ das andre mahl mit einem halben Guͤlden/ das dritte mahl aber mit einem Guͤlden/ und dem Gegentheil die solcher unterlassenen legitimation halben biß dahero verursachte Unkosten zu erstatten schuldig/ jedes mahl zur Straffe verfallen seyn. §. 5. Wann auch ein Procurator in einer Sache von seiner Par- Procurator en Gewalt und Vollmachts Recht. they eine gemeine Gewalt einbringet/ und sich dessen hernach auch in andern Sachen/ gebrauchen will/ soll er dessen signir te Copiam zu denen andern Sachen demnechst unverzuͤglich zu producir en/ und ad Acta zu bringen/ schuldig seyn/ auch nicht so lange warten/ biß ihm sol- ches von Amts wegen/ oder ad instantiam partis adversæ aufferlegt werde/ gleichfalls jedes mahl bey Straffe eines Orts-Guͤlden un- nachlaͤßig zu erlegen. §. 6. Es sollen auch die Procuratores ihre Partheyen nicht alle- mahl/ zu einem jeden gerichtlichen Termin selbst beym Gericht zu er- scheinen/ bemuͤhen/ bevorab/ wann sie keinen andern Nutzen dabey schaffen/ als daß sie nur daheim das ihre versaͤumen/ und in Besuchung F f f 2 des IV. Buch/ Cap. IX. des Gerichts unnoͤthige Kosten und Zehrung auffwenden/ sondern/ Procurator en und Parthey- en Pflicht Ter- min zu besu- chen. wann sie eine Sache zu bedienen angesprochen werden/ sich davon genungsam informir en/ und sonderlich Beweißthums halben gefast machen lassen/ damit sie derowegen die Partheyen vorzufordern nicht von noͤthen haben moͤgen/ sondern ihnen vielmehr rathen/ daß sie da- heim bleiben/ und ihrer Geschaͤffte warten/ biß die Procuratores ih- rer um Berichts willen absonderlich beduͤrffen/ und sie zu sich erfordern; Dann wo hernach einiger Procurator durch Mangel Berichts oder des Principalen Abwesenheit sich zu entschuldigen/ und also die Sache zu protrahir en/ unterstehen wuͤrde/ derselbe soll seiner Nachlaͤßigkeit und Verzugs halben nicht allein gestrafft werden/ sondern auch sei- nem Gegentheil wegen solcher Verzoͤgerung verursachte Unkosten zu erstatten schuldig seyn/ es waͤre dann/ daß er glaubliche Anzeige thun koͤnne/ daß ex adverso etwas neues vorkommen/ daruͤber er Bericht einzunehmen vorhero keine Ursach gehabt haͤtte. §. 7. Nachdem sich auch befindet/ daß Procuratores ihre Princi- Principalen und Consort en Benennungs Recht. palen und deren Consort en in deren Nahmen sie eine Klage uͤbergeben und Proceß bitten/ nicht alle/ sondern nur einen benennen/ auch zum oͤfftern die Maͤnner ihrer Weiber wegen Procuratores zu constituir en/ und zwar ohn aller habenden Gewalt/ sich anmassen/ dahero zwischen Procurato ren in puncto legitimationis je bißweilen viel Streits und allerhand Nichtigkeiten entstehen koͤnnen/ so sollen die Procuratores hiermit erinnert und ihnen befohlen seyn/ daß sie in solchen Faͤllen sich der Consort en/ wer nemlich dieselbe seyn/ und wie sie heissen/ erstlich Weiber Vor- recht wegen Vollmacht. wohl und eigentlich erkundigen/ sie alle Anfangs benennen/ auch sich von ihrer aller wegen gebuͤhrend legitimir en/ und dabey dieses in acht nehmen: dafern Weibs-Personen darunter sind/ daß dieselbe ent- weder selbst constituir en/ oder da die Maͤnner von ihrentwegen handeln wollen/ daß sie alsdann zufoͤrderst genungsame Vollmacht von ihren Weibern vorlegen und ad Acta bringen/ auch Krafft deren die Pro- curatores substituir en. §. 8. Weilen auch so wohl deren Urtheil Verfasser als Parthey- Klag- Libells rechtl. Form. en felbst Nothdurfft erfodert/ daß in einer jedern Sache das Factum, und sonderlich darauff Scopus Causæ beruhet/ eigentlich erlernet und umstaͤndlich vorbracht werde/ so sollen sich Procuratores dessen vornem- lich befleißigen/ daß sie von ihren Partheyen der Sachen Gelegenheit zu Grunde ausforschen/ und allen Bericht umstaͤndlich einnehmen/ vor allen Dingen nach dem Zweck sehen/ und ihre Klag- Libell, als das Von Processen in Heßischen Cantzeleyen. das Fundament der Sachen/ dermassen in verstaͤndliche erheb- und schluͤßliche Articul verfassen/ und demselben einen foͤrmlichen Bit- schluß anhaͤngen/ daß der Richter und ein jeder daraus den Grund der Forderung genugsam verstehen mag. §. 9. Ehe denn nun ein Klaglibell angenommen und Citation da- Procuratoris Pflicht wegen ungeschickten Klag- Libells. rauff erkant wird/ sollen die zum Gericht verordnete Raͤthe dasselbe Libell zufoͤrderst mit Fleiß vorlesen und darauff sehen/ ob auch die Artickul verstaͤndlich/ und zu der Petition, so dem Libell einverleibet ist/ schluͤßlich seyen/ dann wo sie daran Mangel befinden/ sollen sie kei- ne Citation erkennen/ sondern denselben zuvor durch den Procuratorn rectificir en und erstatten lassen/ und soll derselbe Procurator, dem sein gestaltes Libell als ungeschickt oder unschluͤßlich verworffen wird/ sei- ner Parthey ein anders umsonst und vergebens bey seinem geleisteten Procurator Eyd zuzustellen/ schuldig seyn. §. 10. Nachdem sich auch vielmahl zutraͤgt/ daß der Process vom Beweiß angefangen oder summariè procedir et/ und der Mangel da- bey verspuͤhret wird/ daß zu mehrmahlen keine schließliche Bitte bey denen Actis zu finden/ bißweilen aber loco summariæ petitionis Klage Beschaf- fenheit sum- mari sch oder Articuls weise eine schlechte gemeine Supplication ohne einige Intitulatur uͤbergeben/ dadurch dañ gleichfalls viel Unrichtigkeit verursachet wird/ so sollen die Procuratores hinfuͤhro die Klagen nicht summariè, sondern Artickuls- Weise eingeben/ und sich dessen bey hernach folgendem Process gebrau- chen. Darum/ wann die Sachen also gethan/ daß à probatione anzu- fangen und Articuli probatorii uͤbergeben werden muͤssen/ soll densel- ben eine schließliche Petition annectirt, und ohne diese die Articuli, so wenig als die Summari- Klage/ angenommen werden. §. 11. Wann das Libell einbracht/ und Citation darauff erkannt Anwalts Pflicht wegen Exception und Kriegs Befe- stigung. ist/ soll des Beklagten Anwalt/ in causis simplicis querelæ in Termino præfixo, seine litis contestationem, cum annexis responsionibus, also- bald vorbringen/ es waͤre denn Sache/ daß er sonst erheblich- und recht- maͤßige Exceptiones haͤtte/ warum er auff die Klage sich einzulassen nicht schuldig waͤre/ die sollen ihm vorzuschuͤtzen unbenom̃en seyn; Er soll aber mit zusehen/ daß er nicht frivolas, unerhebliche u. solche Exceptiones fuͤrbringe/ die allein zur Ausflucht und gefaͤhrlichen Verlaͤngerung gereichen/ dann wo er darinn schuldig befunden/ soll er jedesmahl mit einem Orts-Guͤlden gestrafft werden; ja bey Straffe eines Guͤl- den u. Verwerffung der Schrifft soll er seiner Exception eventualem Litis Contestationem \& Responsiones anhaͤngen/ auch soll dem Klaͤger F f f 3 frey IV. Buch/ Cap. IX. Klaͤgers Frey- heit Juratam responsionem zu fordern. frey stehen/ in Libello so bald entweder simplices Respensiones, oder auff vorhergehende juratam repetitionem articulorum juratas zu for- dern/ wuͤrde er aber dieses letztere unterlassen und nachgehends auff das Juramentum fallen/ soll er damit weiter nicht gehoͤret werden. Procurator en Freyheit we- gen Exception §. 12. Und damit gleichwohl der Procurator um solcher Straf- fe willen die Exceptiones, daran er etwan zweiffelt/ ob sie erheblich seyn moͤchten oder nicht/ vorzubringen nicht unterlasse/ so soll ihm frey ste- hen/ solche Exceptiones zu præmittir en/ doch daß er sobald in selbigem schrifftlichen Satz litis contestationem \& responsiones in eventum, so fern die Exceptiones nicht erheblich befunden wuͤrden/ mit anhaͤnge; ja damit die Hauptsache in puncto Exceptionum nicht zur unge- buͤhr auffgehalten werde/ so bald denn Klagender Anwalt auff die eingewandte Exceptiones seine Nothdurfft replicando oder conclu- dendo fuͤrbracht/ soll Beklagter darauff ohne fernere Handlung auch schliessen/ und da vielleicht gegen die eingewandten Exceptiones Gene- ralibus geschlossen wuͤrde/ oder dagegen keiner Special Handlung von noͤthen/ darauff gleich die Procuratores fleißig Acht geben sollen/ so soll der beklagte Theil in derselben Audien tz ohne fernere Dilation gleich- fals zu schliessen schuldig seyn/ oder da er solches nicht thaͤte/ die Sache von Amts wegen fuͤr beschlossen angenommen und daruͤber Bescheid gegeben werden. Responsiones wie beschaffen seyn sollen. §. 13. Die Responsiones sollen vermoͤge der Rechte mit Glau- ben wahr oder nicht wahr/ und nicht zweiffelhafft/ als mit den Wor- ten/ glaubet nicht wie gesetzt/ oder der Articul mag wahr seyn/ oder Credo quatenus probatur, oder der Articul ist impertinens, irrele- vans, facti alieni, negativus, animi latentis, relativus, implicativus, captiosus, und was dergleichen Ausfluͤchte mehr seyn/ geschehen/ und die lange verbotene Anhaͤnge gaͤntzlich und bey Straffe eines Orts- Beklagten De- fension Recht. Guͤlden unterlassen werden/ denn wo der Beklagte sich beduͤncken laͤs- set/ es sey das Factum vom Klaͤger nicht recht articulir et/ oder er sonst zu seiner Defension etwas vorzuwenden hat/ so vom Klaͤger un- terlassen/ soll er dasselbe in articulos defensionales, ob er will/ oder ge- stalten Sachen nach reprobatorios, verstaͤndlich bringen/ und solche so bald mit den Responsionibus uͤbergeben/ oder da er daran erheblichen Ursachen halber verhindert wuͤrde/ zum wenigsten/ in termino Respon- Appellant en Anwalt Defen- sion Pflicht. dendi, dilation zur Einbringung solcher defensional Articul bitten. §. 14. Wann es aber Causa appellationis waͤre/ so soll des Appel- lanten Anwalt auff die ausgegangene und reproducir te Ladung an darinn Von Processen in Heßischen Cantzeleyen. darinn angesetztem Termin nicht allein litem contestir en und antwor- ten/ sondern da er auch Defensionales oder Elisivos einzuwenden haͤtte/ dieselben zugleich in einem Termino mit und neben der Litis Contesta- tion uͤbergeben; Thut er aber das nicht/ und kommt hernach erst post festum mit seinen defensionalibus, soll er damit nicht gehoͤrt/ sondern nach Gelegenheit darum gestrafft werden/ auch seiner Par- they/ die er versaͤumet/ ihr interesse zu erstatten schuldig seyn. §. 15. Wann auch des Appellaten Sachwalter erhebliche Ex- Appellat en Sachwalters Exception und Defension Recht. ceptiones vor Krieges Befestigung einzuwenden haͤtte/ sollen ihm dieselbe weniger nicht als in causa simplicis querelæ vorzuschuͤtzen frey- stehen/ jedoch/ daß er neben denselben so bald litis contestationem, re- sponsiones und defensionales in eventum, in einer besondern Schrifft eingebe/ damit nach Erledigung der eingewandten Exception en diesel- be dem Appellant en entweder zur Gegenhandlung zugestellet/ oder aber/ dafern wider ihn erkant/ dem Appellat en restituir et werden. §. 16. Wann es nun zum Beweiß koͤmmt/ und ein oder beyde Zeugen Ver- hoͤr und Exa- minis Recht. Theile Zeugen fuͤhren wollen/ sollen sie keine neue Beweiß-Articuln einbringen/ sondern der Klaͤger und Appellant die Zeugen auff seine zuvor eingebrachte Klag-Articul/ und der Beklagte oder Appellat auf seine defensionales designir en; da aber von noͤthen thaͤte/ einen oder mehr Klag- oder Defensional Articul weiter zu erklaͤren/ so mag sol- ches per additionales geschehen/ doch daß diese bey einem jeden Arti- cul/ dahin sie gehoͤren/ designir et werden. Und weilen an fleißiger Exa- mination der Zeugen viel gelegen/ so sollen dieselben alle wege und in allen bey der Cantzley Rechts haͤngigen Sachen durch einen aus den Raͤthen und den Gerichts- Secretarium examinir et und verhoͤret wer- den/ denen man solches durch Bescheid aufferlegen moͤchte/ es waͤre dann/ daß es andern ehehafften Verhinderung halber nicht geschehen koͤnte/ auff diesen Fall soll das Examen andern jedoch tuͤchtigen Per- sonen auffgetragen werden. §. 17. Als auch/ da ein oder ander Theil mit briefflichen Urkun- Urkunden Ori- ginal und Co- pi en Recht. den gefast/ und damit sein Intent zu beweisen willens waͤre/ sollen die- selbe Urkunden in Originali benebst gleich lautenden Copi en in ge- buͤhrlicher Frist eingebracht/ die Originalia vom andern Theil reco- gnoscir t/ die recognition ad Acta registrir t/ auch die Copi en mit Ori- ginali en von Gerichts- Secretari en und einem aus den Raͤthen colla- tionir t und subscribir t/ und so dann die Originalia denen Partheyen wieder IV. Buch/ Cap. IX. wieder zugestellet/ jedoch dafern sich dabey einiger Mangel oder Ver- dacht befinden solte/ derselbe bey die Copi en notir et werden. §. 18. Wuͤrde nun ein Procurator in solchen Faͤllen/ da das fa- ctum, und sonderlich darauff Scopus Causæ hafftet/ negir t und nicht Procurator en Versaͤumniß Straffe. klar ist/ nur ein bloß Wortgeschwaͤtz hervorbringen/ und damit/ wie- wohl bißweilen geschehen/ zu Recht schliessen/ den Beweiß aber/ wel- chen er sonst wohl haben koͤnte/ in rechter Zeit zu vollfuͤhren unterlas- sen/ und damit seine Parthey versaͤumen/ der soll nach Gestalt der Sachen nicht allein gestrafft/ sondern auch seiner Parthey zu Erstat- tung verursachten Nachtheils und Schadens angehalten werden. §. 19. Wann der Beweiß vollfuͤhret ist/ soll derselbe von jederm Theil in einer Schrifft Salvando \& Excipiendo respective nach Noth- Replic, Cõclu- sion Schrifft und andern Saͤtze Noth- durfft; durfft ausgefuͤhrt/ disputir t/ und darinn alles/ was einem jedern zu sei- nem Intent dienlich und er zu geniessen gedencket/ vorgebracht werden; daruͤber soll ein jeder Theil noch eine Replic und endliche Conclusion schrifftlich einzubringen haben/ jedoch daß darinn nichts neues erre- get/ sondern das vorige kuͤrtzlich recapitulir t/ und/ damit zu Recht be- schlossen werde/ sollen auch dieser und obigen Ordnung zu wieder vom Gerichts- Secretario keine mehrere Schrifften auffgenommen/ son- dern die Sache zufoͤrderst denen Raͤthen vorgelegt und erkannt wer- den/ ob es waͤre/ daß um Wichtigkeit der Sachen oder andern erhebli- chen Ursachen willen mehrere schrifftliche Saͤtze vonnoͤthen thaͤten. Procurator en und Anwald- ten sonderliche Pflicht. §. 20. Ein jeder Procurator soll seine Producta doppelt einbrin- gen/ dieselben subscribir en/ auch darauff sehen/ daß sie rein/ correct und leserlich geschrieben seyn/ bey Straffe eines Orts-Guͤlden/ auch sich der langen Receß und dictir ens ad pennas enthalten/ sondern die Nothdurfft kurtz/ so viel muͤglich/ vorbringen. So soll auch ein jeder Pro- curator seinen præfixum terminum gewißlich respicir en/ darauff das- jenige/ so ihm aufferlegt ist/ oder seiner Parthey Nothdurfft erfordert/ handeln und vorbringen/ und darinn keiner mit dem andern colludi- r en/ also daß einer dem andern zu Gefallen einen oder mehr Termin ungehandelt verbleiben und voruͤber gehen lassen wolte/ dann wofern solches geschehe/ soll nicht allein derjenige/ so ohne redliche ehehaffte und erhebliche Ursachen auff bestimmten Termin nicht handeln wuͤrde/ Procurator en Pflicht wegen Termin wann sie verreisen. sondern auch sein Gegen-Anwalt/ der hierzu wissentlich connivir et haͤtte/ ein jeder/ so offt es geschiehet/ mit einem Orts-Guͤlden zur Straf- fe verfallen seyn/ welche durch unsere Statthalter und Raͤthe unnach- laͤßig eingebracht werden soll; Ja wann ein Procuraror zu verreisen haͤtte/ Von Processen in Heßischen Cantzeleyen. haͤtte/ und dadurch denen bestimmten Terminen beyzuwohnen verhin- dert wuͤrde/ so soll er doch dieselben per Substitutum nothwendig respi- cir en und versehen lassen/ auch in nechstfolgendem Gericht dasjenige/ so derselbe Substitutus gehandelt haͤtte/ nominatim apud Acta ratifici- r en/ damit deßhalben keine nullitæt oder Unrichtigkeit vorfalle. §. 21. Die Advocat en und Procuratores sollen denen Partheyen zu keiner unbegruͤndeten muthwilligen Rechtfertigung rathen/ noch sie dazu verhalsstarrigen/ sondern da sie aus der Information befinden/ Advocat en uñ Procurator en fernere Pflicht. daß sie in der Sache unbefugt/ sie alsdann davon abzustehen/ den unnuͤtzen Kosten zu sparen/ auch mit Absagung ihrer Dienste ver- mahnen/ dazu soll ein jeder Procurator bey gewoͤhnlicher Gerichts- Stunde im Gericht erscheinen/ auch biß zu Ende desselben in seiner Station und Ordnung stehen bleiben/ daß in seinen Product en allein der Haupt-Sachen Handlung getrieben werde/ darinn man sich nemlich alles calumnir en/ schmaͤhen/ laͤstern und unerheb- oder gefaͤhr- lichen excipir ens bey Straffe nach ermessen enthalten soll; dann wann sich eine also uͤbergebene Schrifft injuriös und schmaͤhehafft/ oder auch incorrect, unleserlich oder nicht subscribir t befunden/ soll sie nicht allein wieder zuruͤck gegeben und gar nicht angenommen werden/ son- dern auch die protestation nicht gelten/ daß er nudus Procurator und die Schrifft nicht animo injuriandi uͤbergeben thaͤte. §. 22. Deßgleichen sollen Procuratores sich der Erbar- und Be- Procurator en Erbarkeit Recht. scheidenheit vor Gericht so wohl als bey denen guͤtlichen Audienz en ge- brauchen/ uͤber die auffgerichtete Schrancken nicht gehen/ unziemli- cher Gebaͤrden/ anzuͤglichen Ehren ruͤhrigen und schimpfflichen Wor- te oder Haͤndel enthalten/ niemand weder muͤnd-noch schrifftlich mit Stichel-Worten antasten oder verkleinern/ sondern ihre Sachen ge- Procurator en Sitten Pflicht. buͤhrend mit dienlichen Reden vorbringen/ merita causæ in muͤndlichen Recess en nicht disputir en/ sondern was sie derentwegen einzuwenden haben/ schrifftlich melden/ auch unter gerichtlichen Audienz Zeit hin und her lauffen/ reden unter ihnen selbst/ oder mit andern Umstehen- den meiden/ allein auff die gerichtliche Handlung Achtung geben/ ja fleißig auffmercken. §. 23. Und nachdem die Procuratores sich je bißweilen damit ent- Principal en/ Advocat en uñ Procurator en Fleiß Recht. schuldigen/ daß sie von ihren Principalen und deren Advocat en mit nothduͤrfftigen Handlungs Erklaͤrung nicht versehen/ dahero noch fer- nere prorogation suchen/ oder auch mit blossen Worten nur de sua diligentia protestir en und sich der Sachen entschlagen wollen/ dadurch G g g der IV. Buch/ Cap. IX. der Proceß nicht wenig gehindert/ und der Gegentheil in vergebliche Unkosten gefuͤhret wird/ deßwegen sollen sie bey Zeiten sollicitir en und Anmahnung thun/ auch ihres Fleisses zum wenigsten einen Schein einlegen/ wie dann beydes Principalen und Advocat en hiermit gleich- falls erinnert seyn sollen/ daß sie denen Procurator en zeitigen Bericht zukommen lassen/ damit sie auff bestimmten Termin wohl gefast er- scheinen/ und also der Proceß schleunig befoͤrdeꝛt werden moͤge; wo nicht/ daß etwa einiger Mangel daran vorfallen wuͤrde/ sollen sie dem Ge- gentheil vor allen Dingen expensas zu refundir en schuldig seyn. Procurator en Pflicht wegen Armen Par- theyen. §. 24. So sollen auch Procuratores nicht allein einem jeden/ es gel- te gleich gegen wen es wolle/ ohne alle Verweigerung um gebuͤhrende Belohnung/ sondern auch armen Partheyen/ die es kuͤndlichen Ar- muths halber nicht zu erlegen haben/ umsonst und vergebens zu dienen schuldig seyn/ und keiner sich dessen ohne rechtmaͤßige Ursachen wei- gern bey Straffe eines Guͤldens/ damit das ansuchen/ einem ex officio solches auffzulegen/ verbleiben moͤge. Advocat en uñ Proc u rator en Belohnungs Recht. §. 25. Dieweil auch bißweilen Klage vorkoͤmmt/ daß die Par- theyen unmaͤßig uͤbernommen/ und von Advocat en auch Procurator en beschweret werden/ solches aber vor GOtt und der Welt unrecht ist/ so soll ein jeder hiermit verwarnet seyn/ daß ers also mache/ damit ers in seinem Gewissen und sonst verantworten koͤnne/ sonderlich aber sollen die Procuratores von einem jeden gerichtlichen substantial termino, so fern es auch die Partheyen zu verlegen und Armuths halben daran nicht verhindert werden/ mehr nicht als einen Orts-Guͤlden auffs meiste nehmen/ und daruͤber die Partheyen ferner oder weiter nicht beschweren/ es waͤre denn Sache/ daß ihnen von wegen gestalter Pro- duct en/ darinn sie sonderbare Muͤhe gehabt/ ein mehrers von Billig- keit wegen gebuͤhrete/ so sollen dieselben Producta, nach Befindung ihres Fleisses u. Arbeit/ ihnen durch Statthalter u. Raͤthe jederzeit auff ihr selbst oder deren Partheyen Ansuchen taxir et werden/ damit sie auch vergnuͤget seyn sollen. Procurator en Straffe so Taxt uͤber- schreiten. §. 26. Nemlich von einer Supplication zu stellen/ sollen sie mehr nicht denn einen Orts-Guͤlden; so dann einer guͤtlichen Verhoͤr zu die- nen und auffzuwarten/ einen halben Reichsthaler erfordern. Jm Fall nun unsere Statthalter und Raͤthe entweder aus Partheyen Anzeige oder sonst vor sich selbst befinden wuͤrden/ daß die Procuratores diesen Taxt uͤberschritten/ und die Partheyen mit mehrern uͤbernommen haͤt- ten/ darauff denn jederzeit/ wo Verdacht vorfaͤllt/ gebuͤhrliche Nach- forschung Von Processen in Hessischen Cantzeleyen. forschung bey den Partheyen geschehen soll/ alsdann muͤssen sie alles/ was sie uͤbern Taxt genommen/ denen Partheyen wieder erstatten/ und dazu nach Befindung in ziemliche Geld-Straffe gezogen werden. §. 27. Endlich sollen auch unsere Statthalter und Raͤthe in unsern Cantzley Pro- curator en An- zahl Recht. Cantzeleyen eine gewisse Anzahl tauglicher Procurator en/ so in gericht- lichen Sachen handeln/ und mit denen die Leute verwahret seyn/ nach Viel- und Gelegenheit Rechts haͤngiger Sachen auff und annehmen/ auch sie mit gebuͤhrendem Eyd und Pflichten auff Maaß und Form/ Raͤthe Recht Procurator en an- und abzu- setzen. wie ob steht/ hierzu beladen/ und Falls nach beschehener Annehmung sie gleich bey einem oder andern/ dieser unsern Ordnung zuwieder/ Fehl oder Mangel befunden/ den sollen sie nach ihrem Gutachten und Er- messen abzuschaffen/ auch einen andern besser qualificirt en an seine Statt zu verordnen haben. §. 28. Der Gerichts- Secretarius soll in allen gerichtlichen Sa- chen die Protocolla fleißig halten und verwahren/ auch alles/ was auff Gerichts- Se- cretari en Amt wegen Styli. einem jedern Termin gehandelt und einbracht wird/ kuͤrtzlich verzeich- nen/ die producta, wie sie auff einander gehen/ mit numeris notir en/ auch keinen Procurator en von Actis etwas zustellen/ es geschehe denn mit Vorwissen und Erlaubniß der Raͤthe; Und weilen ein Procurator von seiner Parthey/ sie sey gleich gegenwaͤrtig oder nicht/ sich zur Sa- chen Vorbringung durch genungsame Vollmacht oder sonst muͤndliche Constitution apud Acta legitimir en soll/ wie ob stehet/ so soll auch der Gerichts- Secretarius in Protocollis den Stylum halten/ daß er nicht der Partheyen Nahmen versetze/ oder auch deren gevollmaͤchtigten Procurator en Nahmen auslasse/ sondern alle wege den bestellten Pro- curator en oder Anwalt nahmentlich melde/ als nemlich: N. constituir- ter Anwalt/ N. als Klaͤgers dedit libellum Exceptionis; Jtem/ N. Procurator und Anwalt des Beklagten bringt vor/ sucht oder bittet diß oder das/ oder petiit \& obtinuit copiam \& terminum auff N. Tag/ und so fortan. §. 29. Ferner/ was dem Gerichts- Secretari en vor Proceß/ als Gerichts- Se- cretari en Pflicht. Citationes, Inhibitiones, Proclamata, Executoria und dergleichen zu ver- fertigen befohlen worden/ als auch compulsoriales, commissiones, oder sonst Compaß- Brieffe/ solche Befehl oder Bescheide soll er selbst mit Fleiß concipir en und stellen/ auch da sie revidir et/ ingrossir en und jedes mahl in die Protocolla schꝛeibẽ/ deßgleichẽ Copiam deꝛ ausgegange- Cantzley Bo- ten Verrich- tungs Pflicht. nen Processen bey Actis behalten/ und die verfertigte Processe anders nicht/ dañ durch einen besondern dazu beeydigten Cantzley-Boten/ jedes G g g 2 mahl IV. Buch/ Cap. IX. mahl auff der Parthey oder ihres vollmaͤchtigen Anwalts Begehren und Unkosten darlegen/ exequir en und verkuͤndigen lassen/ auch von demselben Boten allezeit bey Wiederkunfft Relation von seiner Ver- richtung anhoͤren/ und solche bey die Acta verzeichnen oder registrir en. §. 30. Es soll auch der Gerichts- Secretarius allezeit ein richtig Gerichts- Se- cretari en In- ventarii Recht. Inventarium uͤber alle Rechts haͤngige Sachen bey Handen haben/ darinn ordine verzeichnet seyn: Erstlich die Sachen/ darinn zu defini- tiv- und End-Urtheilen beschlossen; Zum andern die Sachen/ die auff Interlocutori en und Beyurtheilen beruhen; Zum dritten die Sachen/ so noch im Proceß sind/ damit er jederzeit auff Erfordern nicht allein richtigen Bescheid davon geben koͤnne/ sondern auch vor sich selbst/ wie er denn seines Amts halber in alle wege zu thun schuldig seyn soll/ bey Statthalter und Raͤthen/ von denen Sachen/ die auff Interlocu- tori en beruhen/ Anzeige/ Bericht und Erinnerung thun mag/ daß sie Sachen Recht ad Referendũ. foͤrderlich erlediget/ und zu weiterm Proceß auch endlichem Beschluß- und End-Urtheil befoͤrdert werden moͤgen. Darum soll er auch gut Auffsehens haben/ daß die Sachen/ so zu Bescheid gesetzt/ und sonder- lich die alten vor andern/ so viel muͤglich/ befoͤrdert und ad referendum uͤbergeben werden; und zwar soll er allemahl ins Protocoll oder In- ventarium denjenigen Rath/ der in Sachen/ die auffs Beyurtheil be- ruhen/ Referent gewesen/ mit Nahmen verzeichnen/ und nach besche- henem Beschluß in der Hauptsachen erinnern/ daß eben demselben Referent en zu Verfassung des End-Urtheils dieselben Acta gerade wieder untergeben und zugestellet werden. Woͤchentli- chen Audienz ẽ Recht. §. 31. Was nun in woͤchentlichen Audienz en von Procurator en gesucht und gebeten/ und darauff von denen dazu verordneten Raͤthen dem Gerichts- Secretari en zu verfertigen befohlen wird/ selbiges soll er um bessern Behalts willen in sein Manual notir en und unverzuͤglich verfertigen/ damit seinethalben die Partheyen nicht auffgehalten wer- den; Waͤre aber etwas von ermeldten zur Audience verordneten Raͤ- Gerichts Se- cretari en Er- innerungs Pflicht an Raͤ- the. then durch Bescheid geben/ so bald nicht expedir et/ sondern unerlediget verblieben/ so soll der Gerichts- Secretarius dasselbe nicht liegen lassen/ sondern hiervon alle Wochen Statthalter und Raͤthen Anzeige und Bericht thun/ durch solche seine Erinnerung anzuhalten/ daß daruͤber gebuͤhrender Befehl und Bescheid unverlaͤngt erfolgen moͤge. Receß Buͤcher Recht. §. 32. Endlich soll er auch ein besonder Receß- Buch halten/ und darinn alle End-Urtheile/ wann sie publicir et/ deßgleichen alle Vertraͤge/ die uͤber Rechts haͤngige Sachen mit Partheyen Wissen auff- Vom Heßischen Ober- Appellation Gericht. auffgerichtet worden; Jtem/ Verordnung und Bestaͤtigung gewis- ser Vormuͤnder/ wie auch eroͤffnete Amts Bescheide und dergleichen registrir en oder verzeichnen. Caput X. Vom Ober- Appellation oder Revision Gericht. §. 1. W Ann nun einer sich durch ein Urtheil/ von unsern Statthalter Appellation und Revision Recht. und Raͤthen abgesprochen/ beschweret zu seyn vermeynet/ und die Hauptsache uͤber hundert Gold-Guͤlden nicht werth ist/ so soll da- von weder Appellation noch Revision statt haben/ sondern allerdings beym Ausspruch bleiben/ und demnechst wie Herkommens exequir et werden; wiedrigen Falls aber mag er in continenti nach Urtheils Eroͤffnung vivâ voce, oder hernach binnen 10. Tagen schrifftlich co- ram Notario \& Testibus, oder durch Ubergebung einer Supplication an unsere Fuͤrstliche Person sich beruffen. §. 2. Nachdem nemlich hiebevor allezeit der Brauch gewesen/ Hoffgerichts Appellation zum Cammer- Gericht. daß die Appellationes vom Hoffgericht zu Marpurg entweder ordina- rie an das Kaͤyserliche Cammer-Gericht/ oder aber an weyland un- sern geliebten Vor-Eltern lobseliger Gedaͤchtniß Fuͤrstl. Person/ nach des Appellant en selbst eigener Wahl und Willkuͤhr ergehen und be- schehen moͤgen; und dann wir bey angehender unserer Fuͤrstlichen Re- gierung erfunden/ daß unserer Unterthanen so wohl Edel als Unedel hoͤchste Nothdurfft erfordert/ daß solcher Brauch nachmahls erhal- ten werde/ angesehen/ daß beydes um besorgenden Unkosten und lang- wuͤrigen Verzugs willen nicht einem jeden gelegen/ sich ans kaͤyserliche Cammer-Gericht zu begeben/ zu dem sich auch vermoͤge unsers haben- den kaͤyserlichen Privilegii, davon bald Meldung geschehen wird/ nicht gebuͤhret/ von uns und unsern Gerichten ans Cammer-Gericht in Sachen/ die uͤber 600. Goldguͤlden nicht antreffen/ zu appellir en; So haben wir ermeldten unsern Unterthanen zu guten Gnaden/ damit ein jeder so viel eher auch mit wenigern Unkosten zur Endschafft seines verhofften Rechtens kommen moͤge/ ein gemein Ober- Appellation Ober- Appella- tion oder Revi- sion Gerichts Bestellung. oder Revision- Gericht bestellet und verordnet/ daß solches jedes mahl mit neun gewissen Personen/ deren vier aus der Ritterschafft/ vier aus unsern gelehrten Raͤthen/ und der neunte ein Professor Juris aus G g g 3 unser IV. Buch/ Cap. X. unser Universitaͤt zu Marpurg seyn soll/ besetzt/ und eines jeden beson- dern Jahrs dreymahl zu gewissen Zeiten in Cassel gehalten werden soll/ nemlich das erste Gericht soll seyn und angehen auff Montag nach Reminiscere, das andere auff Montag nach Trinitatis, das drit- te auff den zweyten Montag nach Michaelis, und sollen unsere aller- seits dazu Deputirt e hiermit vergewissert seyn/ daß ein jeder sich dar- nach richte/ damit er ohn alles weiter beschreiben und erfordern zu ob- bestimmten dreyen Zeiten und allemahl des Sonntages zuvor gegen Abend gewiß und ohnfehlbar zu Cassel einkommen/ folgenden Tages dem Gericht ob seyn und biß zu Ende beywohnen moͤge. §. 3. Es sollen aber an diesem unsern Ober- Appellation oder Revision Gericht ordinarie angenommen und gerechtfertiget werden Sachen Recht davon man appellir ẽ mag. alle Appellation Sachen/ die vom Hoffgericht zu Marpurg dahin ge- langen/ und ob wir wohl denen Partheyen frey gestellt/ von demselben unsern Hoffgericht entweder an das kaͤyserliche Cammer-Gericht/ oder diß unser Ober- Appellation- Gericht zu appellir en/ so soll jedoch dieselbe der Partheyen Willkuͤhr anders nicht dann nach Ausweisung unseres Kaͤyserlichen Privilegii statt haben und verstanden werden/ als nemlich in Sachen/ deren Werth sich uͤber 600. Goldguͤlden er- streckt/ denn so fern eine Sache denselben Werth nicht erreichte/ da- von soll keine Appellation von unsern Gerichten ans kaͤyserl. Cam- mer-Gericht verstattet/ sondern alle solche Appellation Sachen an unserm Ober- Appellation oder Revision Gericht gerechtfertiget wer- den. §. 4. Jngleichen/ was wir selbsten/ oder an unser statt unsere Stadthalter und Raͤthe/ fuͤr Sachen aus unsern Cantzleyen/ an beruͤhrtes unser Ober- Appellation oder Revision- Gericht jedesmahl Cantzley Ap- pellation Sa- chen Recht. remittir en und verweisen werden/ dieselben sollen auch daselbst ange- nommen und gebuͤhrend eroͤrtert werden; Sonsten soll jedoch keine dergleichen Appellation oder vielmehr Revision angenommen/ noch deroselben deferir et/ vielweniger die gehoͤrige Processe erkannt wer- den/ es habe dann der appellir ende Theil eine gewisse Summa Gelds nach Stadthalter und Raͤthen Ermessen bey die Cantzley/ darinn die Urtheil gesprochen/ deponir et und baar erlegt/ welches Geld so lang daselbst verwahret gehalten werden soll/ biß in solcher Appellation- Sache gesprochen; wann dann fuͤr Appellant en geurtheilet wird/ soll ihm solches deponir te Geld wider abgefolget und erstattet werden. Jm widrigen Fall aber/ da der Appellant succum biren und voriges Urtheil Vom Heßischen Ober- Appellation Gericht. Urtheil confirmir et wuͤrde/ soll er solchen Geldes nicht allein verlustigt Geldes Bey- lage Recht wegen Appel- tion. und es dem Fisco heimgefallen/ sondern auch demjenigen/ was erkannt/ demnechst ohn allen weitern Verzug zu parir en und Folge zu thun schuldig/ oder schleunigen Execution gewaͤrtig seyn. §. 5. Und dieweil diß Ober- Appellation Gericht nur dreymahl Woͤchentli- chen Gerichts Audience Recht zu Cas- sel. im Jahr/ als ob stehet/ gehalten/ damit dann gleichwohl dazwischen und immittelst in denen vor solchen Gericht schwebenden Sachen procedir et/ und dieselben um so viel schleuniger zur Endschafft befor- dert werden moͤgen/ so soll in einer jeden Wochen hierinn des Frey- tags nachmittag um 1. Uhr eine gerichtliche Audien tz zu Cassell/ und einem jeden/ der an solchem Revision- Gericht zu schaffen hat/ frey gestellt werden/ seine selbst oder seiner Partheyen Nothdurfft auff selbige Zeit schrifftlich vorzubringen. §. 6. So sollen auch unsere zu diesem Ober- Appellation oder Revision Gericht Deputir te/ und bey unserm Hoff zu Cassell anwe- Sachen Recht die von Im- portance oder Præjudiz. sende Raͤthe solchen gerichtlichen Audien tzen beywohnen/ und Macht haben/ zwischen vorbestimmten dreyen Jahr-Zeiten/ abwesend de- rer andern Verordneten/ Appellationes anzunehmen/ darauff Citatio- nes, compulsoriales, inhibitiones und dergleichen proceß, jedoch alles in unserm Nahmen/ zu decernir en/ auch vor eines Theils einbringen/ dem andern Copie mitzutheilen/ gewisse terminos ad procedendum zu præfigir en/ und andere solche Dinge zu expedir en/ da aber etwas vorfiehle/ welches eine sonderliche Importance oder Præjudi tz auff sich haͤtte/ und daran gelegen waͤre/ dasselbe soll biß zu bestimmten dreyen Gerichts-Zeiten reservir t/ alsdann durch den Gerichts- Secreta- ri en denen saͤmmtlichen zum Gericht verordneten Richtern und Raͤ- then vorgetragen/ und durch sie verrichtet werden. §. 7. Uberdas soll ein jeder/ der an uns ob angedeuteter massen appellir et oder supplicir et/ seine Appellation innerhalb den nechsten sechs Monaten/ je dreyßig Tage vor einen Monat gerechnet/ von Zeit des ausgesprochenen Urtheils/ dadurch es sich beschwert zu seyn Appellation Frist gravami- na zu uͤberge- ben. vermeynet/ anzurechnen/ seine gravamina uͤbergeben/ darauff Citati- on auswuͤrcken/ und dieselbe wieder einbringen/ dann welcher binnen bestim̃ten zehen Tagen nicht appellir en oder supplicir en/ und die ihm abgeforderte Summa Geldes nicht deponir en oder auch seine gra- vamina in obgesetzter Frist nicht uͤbergeben/ darauff Process en aus und wieder einbringen/ und zwar alles in bestimmten sechs Monaten/ und in deren einem saͤumig seyn wird/ derselbe soll weiter nicht gehoͤ- ret/ IV. Buch/ Cap. X. ret sondern Statthalter/ und Raͤthe mit Execution deren von ih- nen abgesprochenen Urtheil/ ohn alle weitere remission, fortfahren und sich davon nichts abhalten lassen. §. 8. Ferner sollen auch unsere zu diesem Gericht Verordnete denen Partheyen/ so daran zu handeln/ oder ihren Procuratoribus nicht gestatten ohne sonderbahre hierzu bewegende Ursachen/ daß sie/ die Sachen von neuem zu disputir en/ und in weitlaͤufftige Verlaͤngerung zu ziehen/ sich unterstehen/ sondern wann die merita causæ in vorigen Neuen dispu- tir ens Ver- bot bey Appel lation Proceß. Act en zur Nothdurfft deducir et seyn/ soll es/ wann nicht ein anders und fernere Ausfuͤhrung erfordert/ dabey gelassen/ und allein durch den Appellant en seine Gravamina, aus was Grund-Ursachen er ver- meyne/ daß ihm unrecht geschehen sey/ wie auch hinwieder durch den Gegentheil seine Einrede in einer Schrifft vorbracht/ und damit zu rechtlichem Erkaͤntniß gesetzt werden/ darnach sich ein jeder bey Aus- fuͤhrung seiner Sachen in Appellations- Proceß/ und daß er dieselbe der Gebuͤhr instruir e/ auch nichts dabey verabsaͤume/ zu achten. §. 9. Dafern aber ein oder ander Theil etwas zu seinem Intent noͤthig oder ihnen dienlich/ es waͤre an Beweisung oder sonst weiter/ dann in vorigen Instanc en geschehen/ vorzubringen haͤtte/ das soll ihm Appellations beneficii Frey- heit. darum nicht benommen noch abgestrickt/ sondern hiermit beneficio Ap- pellationis zugelassen und frey gestellt seyn. Unser Wille und Meynung ist nun allein dahin gerichtet/ daß sich ein jeder vor undienlicher Weit- laͤufftigkeit und Verlaͤngerung huͤte/ auch bey seiner Nothdurfft Vor- bringung der Kuͤrtze nach aller Muͤglichkeit befleißige/ darauff dann unsere zu diesem Gericht Verordnete mit besonderm Fleiß alle wege sehen/ und bey des Processes Dirigi rung alle weitlaͤufftige Verlaͤn- gerungen abschneiden sollen. §. 10. Bey einem jedern Gericht sollen die Verordnete vom Ge- richts- Secretari en vernehmen/ was fuͤr beschlossene Sachen vorhan- den/ und dieselben Acta gleichmaͤßig unter sich zu verlesen austheilen/ Ober Appella- Gericht Depu tirt en Pflicht. darnach zum nechstfolgenden Gericht von einem jeden referirt, und darauff die Urtheile in gesamtem Rath gefasset werden sollen. Ob nun gleich ein oder zween auffs meiste aus denen neun Deputir ten etwan Leibes Schwachheit oder andern ehehafften Ursachen wegen/ beym Gericht zu erscheinen/ einmahl unversehens gehindert wuͤrden/ daß in Eil ihre Stelle nicht ersetzt werden koͤnte/ so sollen nichts desto- weniger die uͤbrigen sieben mit referir en/ Urtheil fassen und derselben Publication fortfahren/ es waͤren dann so gar wichtige Sachen vor- handen/ Von Heßischen Ober- Appellation Gericht. handen/ daß aller dazu Verordneten Gegenwart von noͤthen/ solche moͤgen biß zum nechstfolgenden Gericht gesparet und verschoben werden. §. 11. Die Partheyen sollen nirgends bey Gerichten uͤber ordent- lichen Cantzley Taxt uͤbernommen/ sondern es allerdings dabey gelas- sen/ auch gegen die jenige/ so Armuths halben es nicht zu erlegen haben/ gute Maasse und Bescheidenheit gehalten werden/ daß sie sich einiger Beschwerung nicht zu beklagen; damit nun ein jeder gewoͤhnliche Cantzley Taxt- Ordnung Ge- rechtigkeit. Taxt-Ordnung/ wie viel vor erlangte Proceß- Copi en und anders in unser Cantzley auszugeben/ wissen moͤge/ so soll hieꝛbey gemeldet weꝛden/ wie folget/ daß nemlich zu geben fuͤr eine Citation oder Ladung ein Ortsguͤlden. Fuͤr ein Proclama und vor Inhibition jedes ein Ortsguͤl- den. Fuͤr Compulsorial- und Compaß- Brieffe jedes ein Ortsguͤlden. Fuͤr Zeugen Verhoͤrs Commission/ einen halben Guͤlden. Vor ein Executorial einen halben Guͤlden. Pro Copiis attestationum, produ- ctorum und anders/ so aus der Cantzley genommen wird/ fuͤr ein jedes auff beyden Seiten/ und zwar auff jeder Seiten mit 20. Zeilen beschrie- benes Blatt ein Altsch. Vor einen Geleits-Brieff fuͤr Gewalt zum Recht einen Guͤlden. Vor ein missiv- oder Befehl/ der auff Supplic ausgehet/ vier Altsch. Fuͤr eine Tage-Satzung sechs Altsch. Urtheil Brieffe/ wie auch Receß oder Vertraͤge sollen jedes mahl nach Gelegen- heit der Partheyen/ Schwer- und Wichtigkeit der Sachen und dabey gehabten Muͤhe von unsern Raͤthen gebuͤhrend auff ein billiges taxir et werden. §. 12. Alle diese und dergleichen zur Cantzley Collectur gehoͤrige Gelder sollen durch den Secretarium, dem es anvertrauet/ bey seinem Cantzley Col- lectur Gelder Recht. Eyd und Pflichten treulich erheben/ und so bald der Tag angeschrieben und zu Register gebracht/ hernach berechnet und einem iedern seine Gebuͤhr gereichet und zugestellet/ auch allenthalben auffrichtig damit gehandelt werden/ daß man jederzeit auff Erfordern unverweißlichen Bescheid/ Rede und Antwort abgeben koͤnne. §. 13. Was nun an diesem Ober- Appellation oder Revision Ge- Ober- Appella- tion oder Re- vision Geꝛichts Freyheit. richt endlich erkannt und ausgesprochen wird/ dabey soll es ohne Verstattung einiger weitern Appellation unwiederrufflich gelassen/ und die Sache sey gleich unter oder uͤber 600. Gold-Guͤlden werth/ dem nechsten exequir et werden; Dann weilen in Sachen unter 600. Gold-Guͤlden werth von uns nicht appellir et werden kan/ in uͤbrigen Sachen aber/ die eines groͤssern Werths seyn/ wir einem jedern H h h die IV. Buch/ Cap. X. die Appellation von unserm Hoffgericht zu Marpurg entweder an das kaͤyserliche Cammer-Gericht oder an diß unser Ober- Appellation oder Revision- Gericht frey stellen/ und dann wider denjenigen/ der unser Re- vision- Gericht im appellir en vor dem Cammer-Gericht erwehlet haͤtte/ endlichen erkannt oder gesprochen wuͤrde/ so soll er sich auch billig an sol- chem Erkaͤntniß desselben Gerichts begnuͤgen lassen/ und ihm ferneres appellir en nicht verstattet werden. §. 14. Dafern aber an diesem Appellation- Gericht wider Ge- Appellation Freyheit zum Cammer-Ge- richt. gentheil/ der die Sache in nechst vorhergehender Instance an unserm Hoffgericht erhalten haͤtte/ endlich geurtheilet und gesprochen wuͤrde/ so soll demselben/ damit er sich einiger Beschwerung nicht zu beklagen/ unverweigert seyn/ nach Gestalt und Gelegenheit der Sachen/ so fern dieselbe uͤber 600. Goldguͤlden werth ist/ ans Cammer-Gericht/ ob er wolle/ zu appellir en. Kaͤyserlich Privilegium, daß von uns als Fuͤrsten zu Hessen in Sachen unter 600. Goldguͤlden werth nicht appellir et werden soll. W Jr Maximilian der andere von GOttes Gnaden erwehlter Roͤ- mischer Kaͤyser/ zu allen Zeiten Mehrer des Reichs/ in Germa- Kaͤyserlich Ap- pellations Pri- vilegium de- ren Fuͤrsten zu Hessen. nien/ zu Hungarn/ Boheim/ Dalmatien/ Croatien und Schlavonien Koͤnig/ Ertz-Hertzog zu Oesterreich/ Hertzog zu Burgundien/ Bra- band/ Steyer/ Kaͤrndten/ Crain/ Luͤtzenburg/ Wuͤrtenberg/ Ober- und Nieder-Schlesien/ Fuͤrst zu Schwaben/ Marggrafen des heil. Roͤ- mischen Reiehs/ zu Burgau/ Maͤhren/ Ober und Nieder-Laußnitz/ gefuͤrsteter Graf zu Habsburg/ Tyrol/ Pfiord/ Kyburg und Goͤrtz/ Landgraf in Elsaß/ Herr auff der Windischen Marck zu Pfortenau uñ Salnitz; bekennen oͤffentlich mit diesem Brieffe und thun kund aller- maͤnniglich; als uns die hochgebohrne Wilhelm/ Ludewig/ Philipp und George/ Gebruͤdere/ Land-Grafen zu Hessen/ Grafen zu Ca- tzen-Elnbogen/ Dietz/ Ziegenhain und Nidda/ unsere liebe Oheimen und Fuͤrsten/ unterthaͤniglichen vorbracht und zu erkennen gegeben; Wiewohl sie in ihren Fuͤrstenthumen/ Graffschafften/ Landen und Ge- biethen/ die Justice nicht allein in ihren Cantzleyen/ sondern auch daneben mit Verordnung nothwendiger Untergerichte jedern Orts und dann noch weiter zweyer andern/ nemlich einem Hof- und einem Ober- Appella- tion Gericht/ mit geschickt- und erfahrnen Leuten/ von Adel und Gelehr- ten/ mit ihren nicht geringen Unkosten/ zum Besten/ nach Nothdurfft/ der- Von Heßischen Ober- Appellation Gericht. dermassen bestellet/ daß ein jeder sich an denselben ihren sonderbaren Cantzleyen auch gemeinen Hoff- und Ober- Appellation Gerichten schleunigen unpartheylichen Rechtens wohl erhohlen moͤchte; so befin- den sie doch im Werck/ daß bißweilen etliche von deroselben Gerichten aus keiner Nothdurfft/ sondern allein aus gefaͤhrlichem Verzug/ Ver- laͤngerung und Ausflucht des Rechtens/ offtermahlen um kleine gerin- ge Sachen an unser Kaͤyserl. Cammer-Gericht im heil. Reich zu ap- Fuͤrsten von Hessen Appel- lations Privi- legium vom Kaͤyser. pellir en unterstuͤnden/ und also dasselbige Mittel der Appellation nicht wenig mißbrauchet wuͤrde/ daraus denn die Vollenziehung gerechter Urtheile verhindert/ auch ihre Unterthanen dadurch sich selbst und ihre Wiederpartheyen in mercklichen Schaden und Verderben fuͤhren/ und derohalben demuͤthig gebeten/ ihnen hierinn mit unserer kaͤyser- lichen Huͤlffe und Versehung gnaͤdig zu erscheinen; Daß wir dem- nach guͤtlich angesehen solch ihre demuͤthig-ziemliche Bitte/ auch die angenehmen/ getreuen und ersprießlichen Dienste/ so ihre Voreltern und sie weyland unsern Vorfahren/ Uns und dem heil. Reich zu Kriegs- und Friedens-Zeiten in mehr Wege gantz willfaͤhrig und unverdrießlich er- zeiget und bewiesen haben/ auch hinfuͤhro nicht weniger zu thun sich un- terthaͤnig erbiethen/ und wohl thun moͤgen und sollen/ insonderheit da- bey auch betrachtet den Nachtheil und Verderben/ so denen Par- theyen durch so langwuͤrige und verzuͤgliche Rechtfertigungen zustehet/ indem daß offtmahlen auff solche Appellation mehr Unkosten/ dann die Hauptsachen werth seyn/ aufflauffen/ und darum mit wohlbedachtem Muth/ gutem Rath und rechtem Wissen/ obgemeldten unsern Oheimen und Fuͤrsten/ Landgrafen zu Hessen/ Gebruͤdern/ diese besondere Gna- de gethan und Freyheit gegeben; Thun und geben ihnen die auch von Roͤmischer kaͤyserlicher Macht Vollkommenheit hiermit wissentlich in Krafft dieses Brieffs/ also/ daß nun hinfuͤhro in ewige Zeit aus von gedachter Landgrafen zu Hessen Landsassen/ Dienern/ Unterthanen und Verwandten/ Hoch- und Niedern Stands-Personen/ niemanden hierinn ausgenommen/ von keinen Bey- oder End-Urtheil-Erkaͤntnissen oder Decret en/ so an obgeregten ihren Hoff-Cantzley- und Ober- Ap- pellation- Gerichten ausgesprochen und eroͤffnet werden/ in Sachen/ da die Klage und Haupt-Ursach nicht uͤber 600. Guͤlden Reinischen Gold oder darunter werth waͤre/ weder an unser/ oder unserer Nach- kommen am Reich/ Kaͤyser- oder Koͤniglichen Hof- oder Cammer-Ge- richt nicht appellir t/ supplici rt noch reducir et werden solle noch moͤge in keinerley Weise/ sondern dieselben Urtheil/ Erkaͤntniß und Decret H h h 2 gantz IV. Buch/ Cap. X. gantz kraͤfft und maͤchtig seyn/ steth und fest bleiben/ und darauff an ge- nañter unserer lieben Oheimen und Fuͤrsten derer Landgrafen zu Hes- sen Hoff-Cantzley oder Appellation Gerichten vollenfuͤhret/ proce- di rt und exequi rt werden solle/ wie sich gebuͤhret/ und ob daruͤber von Kaͤyserl. Frey- heit wegen Ap- pellation Sum- ma von 600. Goldguͤlden. einem oder mehr von einigem Uꝛtheil/ so nicht uͤber 600. Goldguͤlden/ wie ob stehet/ betreffe/ appellir et/ supplicir et oder reducir et/ welcher Ge- stalt oder von wem es geschehe/ und derselben Appellation, Supplica- tion oder Reduction eine oder mehr von unsern oder unserer Nach- kommen im Reiche/ Kaͤyser oder Koͤniglichen Hoff- oder Cammer-Ge- richt/ aus Unwissenheit oder Vergessenheit angenommen wuͤrden; So setzen/ ordnen und wollen wir doch/ daß solches obermeldten unserer Begnadigung und Freyschrifft unnachtheilig und unabbruͤchlich/ auch dieselbe Appellation, Reduction oder Supplication, und was darauff gehandelt oder vorgenommen wuͤrde/ gantz krafftloß/ untauglich und nichtig seye/ wie wir dann alles und jedes von obbestimmter unsern kaͤyserlichen Macht Vollkommenheit und Rechten wissen/ ietzo als denn/ und denn als ietzo/ fuͤr untauglich erkennen/ erklaͤren/ auffheben/ cassir en und vernichten/ in aller besten Maaß und Form/ als wir das thun moͤgen; und die obgenannten Landgrafen zu Hessen/ ihre Erben und Nachkommen/ sich beruͤhrter unserer Freyheit und Begnadigung zu gebrauchen Macht und Gewalt haben moͤgen/ und sollen solche Ur- theile/ die also beruͤhrte Summa derer 600. Goldguͤlden/ oder darunter/ wie ob lautet/ betreffen/ zu vollenziehen/ und ferner/ wie sich rechtlichen Ordnung und loͤblichem Landsgebrauch nach gebuͤhret zu handeln/ zu vollenfuͤhren von allermaͤnniglich unverhindert seyn; Da auch gleich die Haupt-Sache uͤber 600. Goldguͤlden waͤre/ so soll doch einem jeden Appellant en zuvor/ und ehe seiner Appellation deferir et/ aufferleget werden/ und er schuldig seyn/ einen Eyd vor Gefaͤhrde abzustatten/ und zu schweren/ daß er nemlich glaubet eine gerechte Sache zu haben und nicht appelli rt noch provoci rt/ in Gemuͤth und Meynung/ die Sache da- durch aufzuhalten/ oder seinen Gegentheil umzutreiben und auszumat- ten/ sondern in Hoffnung und Zuversicht besser Recht zu erlangen/ dar- neben auch solcher Appellant schuldig seyn/ Caution und Sicherung Kaͤyserl. Vor- rechts Jn- halt an Land- grafen zu Hes- sen. zu thun/ wann er der Appellation faͤllig erkant wird/ dem Appellat en seine auffgewandte Expens und Unkosten zu restituir en/ und gebiethen darauff allen und jeden Chur-Fuͤrsten/ Fuͤrsten/ Geist- und weltlichen Prælat en/ Grafen/ Freyherrn/ Rittern und Knechten/ Land-Haupt- Leuten/ Landvoͤgten/ Hauptleuten/ Vitzthumen/ Voͤgten/ Pflegern/ Ver- Vom Heßischen Ober- Appellation Gericht. Verwesern/ Amtleuten/ Schultheissen/ Buͤrgermeistern/ Richtern/ Raͤ- then/ Buͤrgern uñ Gemeinden/ und sonderlich allen Hof-Richtern/ Land- Richtern/ Frey-Grafen/ Stuhl-Herren/ Frey-Schoͤppen/ Zent- Richtern/ Westphaͤlischen und andern Richtern und Urtheilsprechern/ auch sonst allen andern unsern und Reichs-Unterthanen und Getreuen/ was Wuͤrden/ Stand oder Wesens sie seyen/ ernst- und festiglich mit diesem Brieff/ und wollen/ daß sie die obgedachten Landgrafen zu Hes- sen/ ihre Erben und Nachkommen an dieser unser kaͤyserlichen Gna- de und Freyheit/ damit wir sie/ wie vor stehet/ begabet und versehen ha- ben/ nicht hindern noch irren/ sondern sie gaͤntzlich dabey bleiben/ deren geruhiglich gebrauchen und geniessen lassen/ und hierwieder nicht thun/ noch dasselbe jemands andern zu thun verstatten/ in keine Weise und Wege/ als lieb einem jedern seye/ unser und des Reichs schwere Un- gnade und Straffe/ dazu eine pœn nemlich funffzig Marck Loͤthigen Goldes/ zu vermeiden/ die ein jeder/ so offt er freventlich hierwieder thaͤ- te/ Uns halb in unser und des Reichs Cammer/ den andern halben Theil Privilegii an- gehängte Straffe. ob ernannten Landgrafen zu Hessen/ ihren Erben und Nachkommen un- nachlaͤßig zu bezahlen verfallen seyn solle; mit Urkund dieses Brieffs besiegelt mit unserm kaͤyserlichen anhangenden Jnsiegel/ der gegeben ist in unser Stadt Wien am 4 ten Tage Monats Aprilis nach Chri- sti unsers lieben Herrn und Seligmachers Geburt in funffzehen Hun- dert und drey und siebentzigsten/ unserer Reiche des Roͤmischen im eilfften/ des Hungarischen im zehenden/ und des Boͤhemischen im fuͤnff und zwantzigsten Jahre. Vice ac nomine Reverendissimi Dn. Danielis, Archi-Cancella- rii Moguntini, V. Johannes Baptista Weber. Maximilian. Ad mandatum sacræ Cæsa reæ Majestatis proprium An. Erstenberg. Caput XI. Vom Rothweylischen Gerichte. A Ls sich auch biß dahero je bißweilen zugetragen/ daß etliche Aus- Rothweylischẽ Gerichts Be- freyung Heßi- schen Unter- thanen. laͤndische unsere Untersassen mit Rothweylischem Gericht vorge- nommen/ und sie daselbst in Beschwerung zu bringen unterstanden/ und aber unsere loͤbliche Vor-Eltern Fuͤrsten zu Hessen und Wir vor Uns und unsere Unterthanen wider solch Rothweylisch Gericht H h h 3 inson- IV. Buch/ Cap. XI. insonderheit vom Roͤmischen Kaͤyser und Koͤnigen statlich privile- gir t und befreyet gewesen und noch seyn; Damit dann jederman des- sen wissend/ und hinfuͤhro Uns wie auch unsere Untersassen mit Roth- weylischem Gericht unbeschweret lasse/ sondern vielmehr sich in Ver- folgung seines Rechtens unserer ordentlichen Gerichte/ da niemand gebuͤhrende Huͤlffe versaget werden soll/ gebrauchen moͤge; So ha- ben wir vor eine Nothdurfft erachtet/ angeregte unsere Kaͤyserli- che Befreyung wider solch Rothweylisch Gericht alhier auch wortli- chen zu inserir en. Wir Maximilian der andere/ von GOttes Gnaden/ Er- wehlter Roͤmischer Kaͤyser/ zu allen Zeiten Mehrer des Reichs/ in Ger- manien/ zu Hungarn/ Boheimb/ Dalmatien ꝛc. bekennen oͤffentlich Kaͤyserl. Frey- heit deren Fuͤr- sten zu Hessen fuͤr frembden Gericht. mit diesem Brieff/ und thun kund allermaͤnniglich/ daß uns die hoch- gebohrne/ Wilhelm/ Ludewig/ Philipp der juͤngere und George/ Ge- bruͤdere/ Landgrafen zu Hessen/ Grafen zu Catzen-Elnbogen/ Dietz/ Ziegenhain und Nidda/ unsere liebe Oheimen und Fuͤrsten/ einen besie- gelten Pergament-Brieff/ darinnen weyland der Allerdurchlaͤuchtigste Fuͤrst/ Herr Maximilian, Roͤmischer Kaͤyser/ unser lieber Uhrahn- Herr/ hochloͤblicher Gedaͤchtniß/ als ihro Kaͤyserl. Maj. noch in Koͤ- niglichen Wuͤrden gewesen/ ihre Liebe Ahn-Herrn fuͤr fremden und auslaͤndischen Gericht mildiglich befreyet und versehen/ unterthaͤnig vorbringen lassen/ welcher von Wort zu Wort hiernach geschrieben stehet und also lautet: Wir Maximilian, von GOttes Gnaden Roͤmischer Koͤnig/ zu al- len Zeiten Mehrer des Reichs/ zu Hungarn/ Dalmatien/ Croati en/ Ertz-Hertzog zu Osterreich/ Hertzog zu Burgund/ Lothringen/ Bra- band/ Steyer/ Kaͤrndten/ Crain/ Luͤneburg/ Luͤtzenburg und zu Gel- dern/ Graf zu Flandern/ Habsburg/ Tyrol/ Pfiort/ Kyborg/ Artheis/ des Heil. Roͤm. Reichs Pfaltz-Graf und zu Burgau/ Landgraf in Elsaß/ Herr zu Frießland/ auff der Windischen Marck/ zu Pforte- nau/ Salnitz und Mecheln; bekennen oͤffentlich mit diesem Brieff/ und thun kund allermaͤnniglich; Daß uns der Hochgebohrne Wilhelm der mitlere/ Landgraf zu Hessen/ Graf zu Ziegenhaͤin und Nidda/ unser lieber Oheim und Fuͤrst/ hat fuͤrbringen lassen/ folgen- der Gestalt: Wiewohl er einem jeden/ der zu Jhm und den Seinen Spruch und Forderung zu haben vermeyne/ gebuͤhrlichen Rechts zu ver- helffen/ niemahlen zuwider gewesen/ und noch nicht seye/ wuͤrden doch daruͤber er und die Seinen zu Zeiten ohn alle Ursachen muthwillig fuͤr West- Vom Rothweilischen Gericht. Westphaͤlisch und andere fremde Gerichte/ dahin sie nach gemeinen Rechten nicht gehoͤren/ geladen und fuͤrgeheischen/ auch daselbst wi- der sie gerichtet/ und zu unbilligem Schaden gebracht/ das ihme fer- ner zu gedulden unleidlich sey/ und uns darauff demuͤthig angeruffen und gebeten/ ihn und die Seinen in solchem gnaͤdiglich zu versehen; Dessen haben Wir/ angesehen solchen seiner demuͤthig- und ziemlichen Bitte/ auch die angenehme getreue und nuͤtzlichen Dienste/ so er uns und dem Heil. Reich offt willig gethan/ auch hinfuͤhro wohl thun mag und soll; Und darum mit wohl bedachtem Muth/ gutem Rath und rechtem Wissen/ demselben Landgrafen Wilhelm dem mitlern und seinen Erben/ diese besondere Gnade und Freyheit gethan und gegeben. Thun und geben ihnen die auch von Roͤmischer Koͤniglichen Macht und Vollkommenheit wissentlich/ in Krafft dieses Brieffs/ also daß nun fuͤrbaßhin er und seine Erben/ noch ihre Raͤthe/ Die- ner/ Hintersassen und Unterthanen/ Mann und Frauen/ noch ihre Hessen Land- grafen Ansu- chen und kaͤy- serliche Will- fahrung. Haab und Guͤter/ gemein noch sonderlich/ von jemand/ wer der oder die/ oder um was Sachen es waͤre/ an unser und des Reichs Hoff- gericht zu Rothweyl/ noch kein Westphaͤlisch Gericht/ noch ander fremdes/ wie es genennet/ oder wo es gelegen/ keines ausgenommen/ dahin sie nach gemeinen beschriebenen Rechten nicht gehoͤren/ auch nicht fuͤrgenommen/ geladen/ geheischen/ noch daselbst beklaget/ noch etwas wider sie/ ihr Leib/ Haab oder Guͤter gerichtet/ erachtet/ ge- urtheilet oder procedir et werden solle/ in keine Weise/ sondern wer zu ihnen insgemein oder insonderheit/ oder ihren Haab und Guͤtern/ Spruch oder Forderung zu haben vermeynet/ wer der oder um was Sachen es waͤre/ daß dieselben Klaͤger das Recht/ darum nemlich ge- gen genannten Landgrafen Wilhelm und seine Erben/ vor uns oder unsern Nachkommen am Reich/ Roͤmischen Kaͤyser- und Koͤnigen/ und gegen ihre Raͤthe/ Diener/ Hintersassen und Unterthanen/ Mann und Frauen/ vor demselben Landgrafen Wilhelm und seinen Erben/ oder in denen Gerichten/ darinn solche beklagte Personen gesessen H e ßischẽ Land- grafen und de- ren gehoͤrig Gericht. oder ordentlich gehoͤrig seyn/ und nirgend anderswo suchen oder fuͤr- nehmen/ dahin sie auch ein jeder Richter auff der genannten Land- grafen Wilhelm oder seiner Erben Abforderung zu Recht weisen soll/ es waͤre denn/ daß denen Klaͤgern/ auff ihr Anruffen und Begehren/ das Recht an gemeldten Enden versaget oder gefaͤhrlich verzogen/ das kundbahr gemacht wuͤrde/ der oder dieselben moͤgen alsdann das Recht suchen und nehmen an Enden und Gerichten/ da sichs ge- buͤhret; IV. Buch/ Cap. XI. buͤhret; Wo aber die gemeldten Landgrafen/ Wilhelm der mitlere/ seine Erben/ ihre Raͤthe/ Diener/ Hintersassen und Unterthanen/ Mann und Frauen/ gemein und sonderlich/ daruͤber durch jemand an unser und des Reichs Hoffgericht zu Rothweyl/ oder einig West- phaͤlisch/ oder andere fremde Gerichte/ fuͤrgenommen/ geheischen/ ge- laden/ daselbst beklaget/ oder wider sie/ ihre Haab oder Guͤter gerich- tet/ erachtet/ geurtheilet oder procedir et wuͤrde/ in was Schein es ge- schehe/ wollen wir/ daß alles und jedes gantz krafftloß/ zu nichte/ untaug- lich seyn und genannten Landgrafen oder seinen Erben an diesen un- sern Koͤniglichen Freyheiten/ noch auch denen fuͤrgeladenen Personen an ihren Leibern/ Haab- und Guͤtern/ gantz keinen Schaden bringen soll und moͤge auff keine Weise/ das wir auch alles und jedes/ jetzt als dann/ und dann als jetzo/ gaͤntzlich auffheben/ abthun und ver- Gerichts Frey- heit deren Hes- sichen Lands- Untersassen. nichten/ von obbestimmter Roͤmischen Koͤniglichen Macht-Vollkom- menheit/ wissentlich in Krafft dieses Brieffs/ jedoch uns und dem Reich an unser Obrigkeit unvorgreiff- und ohnschaͤdlich/ und gebie- then darauff allen und jeglichen unsern und des Heil. Reichs Chur- fuͤrsten/ Fuͤrsten/ Geist- und Weltlichen Prælat en/ Grafen/ Freyherren Rittern/ Knechten/ Hauptleuten/ Vitzthumen/ Voͤgten/ Pflegern/ Verwesern/ Amtleuten/ Buͤrgern und Gemeinden/ auch sonst al- len andern unsern und des Reichs Unterthanen und Getreuen/ in was Wuͤrden/ Stand- oder Wesen sie sind/ ernst- und festiglich mit die- sem Brieff/ und wollen/ daß sie genannten Landgrafen und seinen Erben an vorgemeldten Gnaden und Freyheiten nicht irren noch ver- hindern/ sondern Sie/ ihre Raͤthe/ Diener/ Hintersassen und Unter- thanen/ Mann und Frauen/ deren geruhiglich gebrauchen/ geniessen und gaͤntzlich dabey bleiben lassen/ und hierwieder nicht anlangen/ fuͤr- nehmen/ dringen/ bekuͤmmern noch beschweren/ noch das jemand an- ders zu thun gestatten/ in keine Weise/ als lieb einem jeglichen sey unser und des Reichs Ungnade und Straffe/ dazu eine Pœn nemlich funff- zig Marck loͤthigen Goldes zu vermeiden/ die ein jeder/ so offt er fre- Kaͤyserlichen Privilegii an- gehaͤngte Straffe. ventlich hierwieder thaͤte/ Uns halb in unser und des Reichs Cammer/ und den andern halben Theil ob genannten Landgrafen zu Hessen und seinen Erben/ wie vorgemeldt/ unablaͤßlich zu bezahlen verfallen seyn soll; Mit Urkund dieses Brieffs besiegelt mit unserm Koͤniglichen an- hangendem Jnsiegel/ gegeben in unser und des heil. Reichs Stadt Worms/ am 4ten Tage Monats Julii nach Christi Geburt vier- zehen Vom Rothweylischen Gericht. zehen hundert und im fuͤnff und neuntzigsten unserer Reiche/ des Roͤ- mischen im zehenden/ und Hungarischen im sechsten Jahr. Und uns darauf gehorsamlich angeruffen und gebeten/ daß wir ihren Liebden u. deroselben Erben u. Nachkom̃en/ obbemeldten weyl. unsers lieben Herrn und Uhranherrn Kaͤyser Maximilians Freyheits-Brieff in allen seinen Worten/ Puncten und Clausuln/ Articuln/ Jnnhalt/ Meynungen und Begreiffungen/ inmassen der von uns auch hierbe- vor weyland dem auch Hochgebohrnen Philipp Landgrafen zu Hessen/ ihrem Vater/ erneuret/ confirmir t und bestaͤtiget worden/ zu verneuern/ confirmir en und bestaͤtigen/ gnaͤdig geruhen; Des haben wir/ angesehn solch gedachter unser lieben Oheim und Fuͤrsten/ Landgrafen zu Hessen/ Gebruͤdere/ unterthaͤnig ziemliche Bitte/ auch die angenehmen/ ge- treue und nuͤtzliche Dienste/ so ihrer Liebden Altvaͤter/ weyland unsern loͤblichen Vorfahren am Reich/ Roͤmischen Kaͤysern und Koͤnigen/ auch uns und dem heil. Reich offt willig gethan und ihre Liebden hinfuͤhro wohl thun moͤgen und sollen/ und darum mit wohlbedachtem Muth/ gutem Rath und rechten Wissen/ obbemeldten unsern lieben Oheimen und Fuͤrsten Landgraffen zu Hessen/ deren Erben und Nachkommen/ obeingeleibten Freyheits-Brieff als regierender Roͤmischer Kaͤyser gnaͤdiglich erneuert/ confirmir t und bestaͤtiget; Erneuern/ confirmir en und bestaͤtigen ihnen den auch aus Roͤmischer kaͤyserlichen Macht Vollkommenheit/ hiermit wissentlich in Krafft dieses Brieffs/ was wir ihnen/ von Recht und Billigkeit wegen/ daran zu bestaͤtigen und confir- mir enhaben/ auch confirmir en und bestaͤtigen sollen/ moͤgen und mey- nen; Setzen und wollen/ daß hochgedachten Kaͤysers Maximiliani Frey- heits-Brieff in allen seinen Worten/ Puncten/ Clausuln/ Articuln/ Jnnhalt/ Meynung und Begreiffungen kraͤfft- und maͤchtig seyn/ steth/ Kaͤyserlichen Privilegii Con- firmation. fest und unverbruͤchlich gehalten/ und mehr gedachte unsere liebe Ohei- men und Fuͤrsten/ Landgrafen zu Hessen/ ihrer Liebden Erben und Nachkommen/ auch dero Raͤthe/ Diener/ Hintersassen und Unter- thanen sich dessen wuͤrcklich erfreuen/ gebrauchen und geniessen sollen und moͤgen/ von allermaͤnniglich unverhindert/ und gebiethen darauff allen und jeden Chur-Fuͤrsten/ Fuͤrsten/ geist- und weltlichen Prælat en/ Grafen/ Freyherrn/ Rittern/ Knechten/ Hauptleuten/ Landvoͤgten/ Vietzthumen/ Voͤgten/ Pflegern/ Verwesern/ Amtleuten/ Schuld- heissen/ Buͤrgermeistern/ Hoffrichtern/ Landrichtern/ Richtern/ Frey- Schoͤppen/ Stuhlherrn/ Schoͤppen/ Urtheilsprechern/ Raͤthen/ Buͤr- gern und Gemeinden/ auch sonst allen andern unsern und des Reichs J i i Unter- IV. Buch/ Cap. XII. Unterthanen und Getreuen/ wes Wuͤrden/ Stands oder Wesens sie sind/ ernst- und festiglich mit diesem Brieff/ und wollen/ daß sie ge- dachte Landgrafen zu Hessen/ ihre Erben und Nachkommen/ samt der- selben Raͤthen/ Dienern/ Hintersassen und Unterthanen/ an obge- schriebener weyland unsers lieben Herrn und Uhranherrn/ Kaͤysers Maximiliani hochmilder Gedaͤchtniß/ Freyheit/ auch dieser unser Kaͤy- serlichen Erneuerung und Confirmation nicht hindern noch irren/ son- dern sie deren ruhiglich gebrauchen/ geniessen und gaͤntzlich dabey blei- ben lassen/ und hierwieder nicht thun/ noch jemand anders zu thun gestatten/ in keine Weise/ als lieb einem jeden sey unser und des Reichs schwere Ungnade und Straffe/ dazu die pœn in vorbegriffenem Kaͤy- ser Maximilians Brieff bestimmt/ zu vermeiden/ das meynen wir ernstlich durch Urkund dieses Brieffs/ besiegelt mit unserm kaͤyserlichen anhangenden Jnsiegel. Gegeben in unser Stadt Wien/ den 20ten Tag Monats Januarii nach Christi unsers lieben Herrn Geburt funffzehn hundert und im neun und sechzigsten/ unserer Reiche des Roͤ- mischen im siebenden/ des Hungarischen im sechsten/ und Bohemischen im zwantzigsten Jahr. MAXIMILIAN. Vice \& nomine Reverendissimi Dn. Dn. Archi-Cancellarii Moguntini. Ad mandatum sacræ Cæsareæ Majestatis proprium P. Bernburger. Caput XII. Von Testamenten und letzten Willens Ver- ordnungen. §. 1. Testamenten Verordnung. W Jewohl in gemeinen Kaͤyserl. Rechten genungsam versehen ist/ welcher Gestalt ein jeder/ so sein verstaͤndiges Alter erreichet/ auch bey guter Vernunfft und Sinnen ist/ von seinem Gut/ dessen er maͤchtig ist/ kraͤfft- und bestaͤndiger Weise testiren moͤge/ wir auch ei- nem jeden/ sich derohalben in gemeinen Rechten beschriebener Formen zu gebrauchen/ billig frey stellen/ jedoch weil es deren zu Recht erfor- derten Solennitæt en und Zierlichkeiten halber/ bevorab vom gemeinen Mann leichtlich zu versehen/ zu dem auch ein Testator nicht allezeit an jeden Ort einen tauglich/ geschickt- und wohlerfahrnen Notarium, der ihm Von Heßischen Testamenten und letzten Willen. ihm in Verfertigung seines Testaments deren rechtlichen Solenni- tæt en und andern substantiali en halber genungsam zu verwahren wis- se/ haben kan; damit dann unsere Unterthanen dahero in Auffricht- und Vollenziehung ihres letzten Willens nicht verkuͤrtzet werden; So se- tzen/ ordnen und wollen wir/ daß einem jeden in unsern Fuͤrstenthuͤ- mern/ zugehoͤrigen Graffschafften und obrigkeitlichen Gebiethen frey und bevor stehen soll/ sich in Verfertigung seines Testaments und letzten Willens auch nachfolgender einfaͤltigen Form zu gebrauchen. Vor allen Dingen aber soll ein Testator zuvor wohl in acht nehmen und bey sich betrachten; Erstlich/ ob er auch aller deren Guͤter davon er zu Testator soll seiner Guͤter maͤchtig seyn. testiren gedencket/ maͤchtig sey/ denn da dieselben Guͤter/ alle oder zum theil vorhin durch Testamenta, Substitutiones, Eheberedungen oder dergleichen rechtmaͤßige Disposition en/ Vermaͤchtnisse oder Contra- ct en/ der Restitution unterworffen und also gethan waͤren/ daß sie auff den Fall des Jnhabers oder Besitzers toͤdtlichen Abgang wieder zu- ruͤck/ oder sonst an einen gewissen Ort fallen und kommen solten/ so gebuͤhret sich nicht/ davon weiter vorigen Vermaͤchtnissen zu wieder zu disponir en/ und damit kuͤnfftigen Hadder und Zanck anzustifften. §. 2. Vors andere soll ein Testator zusehen/ daß er seiner eheleib- Testator soll seine recht- maͤßige Erben nicht vergessen lichen Kinder/ oder dafern die verstorben/ seiner Kinds Kinder in ab- steigender Linie/ oder in deren aller Mangel/ seiner Eltern/ als Vater und Mutter/ oder so fern die verstorben/ seiner Ober-Eltern in auff- steigender Linie/ ob sie noch im Leben waͤren/ im Testament nicht ver- gesse/ dann weilen diese Personen zum allerwenigsten in ihrer ange- buͤhrenden legitima, davon hiernach weiter Bericht geschehen wird/ zu Erben ausdruͤcklich eingesetzt/ oder um genungsamer Ursachen Willen/ wofern sie anders vorhanden/ enterbet werden muͤssen/ so wuͤrde in Verbleibung deren eines oder andern das Testament ohnkraͤfftig und von Unwuͤrden seyn; Also auch ob gleich der Testator zur Zeit Zukuͤnfftigen Kinder Testa- ments Recht. seines Testaments keine Leides-Erben haͤtte/ jedoch ihme derselben kuͤnfftig/ es sey gleich vor oder nach seinem Absterben/ gebohren wer- den moͤchten/ so gebuͤhret sich derselben im Testament auch zu geden- cken und ihrenthalben Verordnung zu thun/ sonst wuͤrde das Testa- ment um deren hernach gebohrnen Kinder willen zu nichte werden. §. 3. Zum dritten/ weilen die Einsetz- und Benennung eines oder Testatoris Pflicht mit Erben Einsetz- und Benen- nung. mehr Erben ein wesentlich Stuͤck eines Testaments ist/ da dann schon der Testator weder Kinder noch Kinds Kinder/ Eltern noch Ober-El- tern hat/ und derowegen bedacht waͤre/ seine Guͤter unter seine Freun- J i i 2 de oder IV. Buch/ Cap. XI. de oder sonst auszutheilen oder zu verschaffen/ so soll er gleichwohl je- mand zu seinen Erben im Testament benennen und einsetzen/ auch in alle Wege seine Disposition und Verordnung also anstellen/ daß die- selbe aus freyem Willen mit gutem Vorbedacht und nicht aus Drang oder Zwang erfolge/ und dadurch zu kuͤnfftigem Hadder und Zanck kei- ne billige Ursach gegeben werde. §. 4. Nach Betrachtung dieser ietzt erzehlten Stuͤcken/ mag der- jenige/ so testir en will/ bey sich selbst privatim mit gutem zeitigen Vor- Testatoris Verhaltung bey letzten Willen Ver- maͤchtniß. bedacht verzeichnen lassen/ wer sein Erbe seyn/ was und wie vieler denen Erben einem oder mehr verschaffen/ ob und was er einem his dem andern da legir en/ und wie ers mit seinen Guͤtern und Nachlaß/ auch sonst allenthalben nach seinem Tode gehalten haben wolle/ als- dann nach seiner guten Gelegenheit zu sich in seine Behausung/ oder sonst an einem gewissen Ort erfordern und bitten einen Notarium, oder in Mangel dessen den gemeinen Stadt- oder Gerichtschreiber/ und neben demselben etliche beglaubte/ unberuͤchtigte/ und so viel diß Testament betrifft/ unverdaͤchtige Manns-Personen als Zeugen/ deren zum wenigsten fuͤnffe und nicht darunter seyn sollen/ vor denselben soll Testaments Zeugen Viel- heit Recht. der Testator anzeigen/ daß er in Betrachtung menschlicher Sterblich- keit bedacht waͤre/ sein Testament und letzten Willen zu machen und zu vollenziehen/ wie ers nach seinem toͤdtlichen Abgang mit seinen hin- terlassenen Guͤtern/ deren er allerdings maͤchtig waͤre/ unter seinen Kindern/ oder in Mangel deren/ seinen Freunden/ kuͤnfftigem Hadder und Zanck vorzukommen/ gehalten haben wolle/ darum er dann sie/ als Notari en oder Schreiber/ samt Zeugen dazu erfordert und gebeten. §. 5. Demnechst soll er seinen Zettul herfuͤr langen/ denselben Testatoris Be- gehren an No- tari en und Zeugen. oͤffentlich selbst lesen/ oder durch Notarium und Schreiber ablesen las- sen/ darauff vermelden/ daß solches sein letzt- und endlicher Wille seyn solle/ den er aus guter Vorbetrachtung/ ohne jemandes hinterlistige Beredung oder Drangsahl/ also verzeichnet/ den er auch/ auff den Fall er ihn bey seinem Leben nicht cassi ren oder veraͤndern wuͤrde/ nach sei- nem Tode vollenzogen/ steiff und fest gehalten haben wolle/ und hier- auff beschließlich an Notari en/ Stadt- oder Gerichtschreiber/ mit Uber- reichung des abgelesenen Zettuls/ Amts halben begehren/ daß er sol- chen erklaͤrten letzten Willen in eine offene beglaubte Form alsobald bringen/ auch die erforderte Zeugen/ der Warheit zu Steuer/ dessen also jederzeit eingedenck und bekandt seyn wolten. §. 6. Hier- Von Heßischen Testamenten und letzten Willen. §. 6. Hierauff soll der Notarius, Stadt oder Gerichtschreiber/ diese ungefaͤhrliche Antwort geben/ daß er nebst erbethenen Zeugen Testatoris letzten Willen angehoͤret haͤtte/ erkennet sich auch Amts hal- ben schuldig/ denselben in eine offene beglaubte Form zu bringen/ er wolle sich aber versehen und hiermit treulich erinnert haben/ es wer- de je der Testator nicht allein seiner Guͤter Gelegenheit/ ob er auch da- von zu testir en allenthalben maͤchtig/ oder die sonst vorhin durch ande- Notari ẽ Stadt oder Gericht- schreiber Amts Pflicht bey Te- stamenten. re Disposition en oder Contracto allbereits verhafftet seyn/ fleißig be- dacht/ sondern auch unter seinen Kindern/ die er schon hat/ oder noch verhoffen moͤchte/ oder in Mangel deren unter seinen Eltern oder Ober- Eltern/ niemand uͤberschritten noch vergessẽn/ oder/ da weder Kinder noch Eltern vorhanden/ seine Verordnung mit solchem Vorbedacht aus freyem ungedrungenen Willen also gemacht haben/ daß deßhal- ben nach seinem Abgang kein Hadder noch Zanck entstehe/ daruͤber dann Notarius oder Schreiber Testatoris Erklaͤrung in Zeugen Ge- genwart begehren soll. §. 7. Wann nun Testator hierauff sich richtig erklaͤren/ auch der Schreiber oder Notarius sonst in abgelesener und uͤberreichten Ver- zeichniß/ circa hæredis institutionem, daß etwa die unterlassen waͤre/ keinen Mangel befinden/ oder ob gleich ein solcher vorhanden/ derselbe so bald vom Testatore auff diese Notari en oder Schreibers Erinnerung geaͤndeꝛt wuͤꝛde/ so soll der Schꝛeiber oder Notarius diesen erklaͤrtẽ letzten Willen von Stund an in Gegenwart Testatoris und erforderten Zeu- gen/ ehe dieselben von einander gehen/ in eine richtige Form bringen/ ungefaͤhrlich mit einem solchen oder dergleichen kurtzen Eingang und Beschluß: Zu wissen/ daß auff heute N. Tag und N. Jahr/ in der Testaments rechtliche Form. Stadt oder Dorff/ N. der Mann oder die Frau/ mit Nahmen N. mich den Notarium, Stadt- oder Gerichtschreiber/ samt hierunter benannten fuͤnff Zeugen/ zu sich in seine Behausung oder N. Ort er- fordern und beruffen lassen/ und als wir alle erschienen/ hat er vor uns und in unser aller Gegenwart mit seinem selbst eigenen Munde bey gu- ter Vernunfft u. Siñen/ wie wir das aus seinen Reden und Gebehrden nicht andeꝛs vermerckẽ koͤñen/ angezeiget/ daß eꝛ in Betrachtungmensch- licher Schwachheit u. Sterbligkeit bedacht und entschlossen sey/ sein Testament oder letzten Willen/ aus freyem ungedrungenen Gemuͤthe vor seinem Abschied und bey guter Vernunfft zu machen und verord- nen/ wie es nach ihm mit seinem zeitlichen Nachlaß und Guͤtern/ deren er allenthalben maͤchtig sey/ gehalten werden solle/ mit Bitte/ daß ich J i i 3 der IV. Buch/ Cap. XII. der Schreiber oder Notarius denselben seinen letzten Willen in eine offene beglaubte Form bringen/ auch wir die hernach benante Zeugen dessen also jederzeit eingedenck seyn/ und davon/ wo es noͤthig/ Zeugniß geben wollen. §. 8. Und ist demnach Testatoris letzter Wille/ wie er mir/ dem Testatoris Veꝛ- maͤchtniß Zet- tul Recht. Notario oder Schreiber in Gegenwart der Zeugen/ dessen einen Zet- tul oder Verzeichniß zugestellt/ also lautende: Hierauff soll nun der- selbe Zettul und Testatoris Disposition inserir et werden/ haͤtte aber Testator keinen Zettul oder Verzeichniß seines letzten Willens ge- macht/ sondern zeigte demselben seinen letzten Willen nur muͤndlich an/ so soll der Notarius oder Schreiber solchen Willen aus Testatoris Munde einen Articul nach dem andern verstaͤndlich auffzeichnen/ und Testatoris letz- ten Willens muͤndliche An- zeigung. an statt des Zettuls diese Form inserir en; Nach geendigter Disposi- tion aber soll der Notarius oder Schreiber einen solchen ungefaͤhrli- chen Beschluß dem Testament anhaͤngen. §. 9. Daß nun vorbenannter Testator seinen letzten Willen vor mir/ dem Notario oder Schreiber/ und denen hernach benanten Zeugen dermassen/ wie unterschiedlich vorstehet/ ausdruͤcklich erklaͤret und ange- Notari en oder Schreibers Anhang zu Testaments Beschluß. zeiget/ den er auch nach seinem Tode/ so fern er ihn bey seinem Leben nicht aͤndern werde/ steiff/ fest und unverbruͤchlich/ wo nicht in Krafft eines zierlichen Testaments/ jedoch zum wenigsten in Krafft eines Codicills oder jeden letzten Willens/ wie der vermoͤge gemeinen und uͤblichen Land-Rechtens auch Gewohnheit am kraͤfftigsten seyn kan oder mag/ gehalten und vollenzogen haben wolle; daruͤber er auch mich den No- tarium oder Schreiber/ nebenst erforderten Zeugen insonderheit requi- rir et hat/ so hab ich demnach auff solche Requisition und der Warheit zu steuer solche Verordnung in diese offene Form gebracht und mit meinen eigenen Haͤnden geschrieben/ so geschehen im Jahr und Tag/ auch an Ort und Enden/ als ob stehet. §. 10. Und diß Testament soll der Notarius oder Schreiber/ ehe und bevor es subscribir et und gesiegelt wird/ dem Testatori in Gegen- Testaments Unterschrei- bung Recht. wart der Zeugen/ verstaͤnd- und oͤffentlich vorlesen/ und ihn bey ei- nem jeden Articul befragen/ ob das also sein letzter Will und Mey- nung sey? sagt nun Testator ja/ und er selbst schreiben kan/ so soll er hierauff ungefaͤhr auff diese Weise subscribir en: Jch N. bekenne mit Testatoris Recht so nicht schreiben kan. dieser meiner eigenen Handschrifft/ daß alles und jedes/ wie in diesem Testament unterschiedlich begriffen ist/ mein letzt- und endlicher Wil- le sey; Und so mag darneben Testator um mehrern Sicher- und Ge- wiß- Von Heßischen Testamenten und letzten Willen. wißheit willen/ auch unter alle beschriebene Blaͤtter des gantzen Te- staments seinen Nahmen subscribir en/ kan er aber selbst nicht schreiben/ so soll der Notarius oder Schreiber dessen im Testament gedencken und vor ihn subscribir en. §. 11. Folgends sollen die erforderte Zeugen einer nach dem andern subcribir en/ ohngefaͤhr auff diese Weise: Jch N. bekenne mit dieser meiner Handschrifft/ daß ich neben andern hierinn benan- ten Zeugen bey Erklaͤhr- und Verfertigung dieses letzten Willens/ wie oben alles unterschiedlich vermeldet/ gegenwaͤrtig gewesen/ uͤber und Zeugen Unter- schrifft Ver- haltung. angehoͤret/ auch dazu insonderheit als ein Zeuge nebst andern erfor- dert bin; Da aber ein oder mehr Zeugen selbst nicht schreiben koͤnten/ soll der Notarius oder Schreiber solches melden/ und er selbst oder der andern Zeugen einer vor den oder die auff ihre Bitte sub- scribir en. Und damit gleichwohl deshalbẽ keine Unrichtigkeit entstehe/ so sollen Notarii und Schreiber/ die zu Verfertigung der Testamente erfodert werden/ allewege beym Testatore Erinnerung thun/ daß man solche gleichwohl unverdaͤchtige Zeugen bey die Testamenta beruffe/ die alle oder ein jeder mehrentheils selbst schreiben koͤnnen. §. 12. Nach vollendeter Subscription soll alsobald zur Versiege- lung des Testaments geschritten werden/ und der Notarius oder Testament Blaͤtter Ver- siegelungs Recht. Schreiber alle Testaments Blaͤtter in der Mitte mit einer Schnur also durchziehen und fassen/ auch an solche durchzogne Schnur die Siegel dermassen anhaͤngen oder auff drucken/ daß ohne Verletzung derselben Schnur und Siegel keine Blaͤtter weiter ab- oder zuge- than werden koͤnnen; Die Versiegelung aber soll vom Testatore selbst/ desgleichen vom Notario oder Schreiber/ und denen dazu er- forderten Zeugen/ einem jedern insonderheit geschehen/ so fern nem- lich ein jeder mit einem Siegel-Ring oder Pittschier gefast ist; Da Zeugen Recht Testament zu versiegeln. aber hieran Mangel befunden/ und der Testator selbst/ oder auch die gebetene Zeugen nicht alle zu sieglen gefast waͤren/ so soll der Te- stator einen aus denen Beamten oder dem Rath zu sich bitten/ und ihn vor sich siegeln lassen/ neben demselben auch der Notarius oder Schreiber siegeln/ und die Siegel an der Schnur/ damit das Testa- ment durchzogen ist/ hangen oder auffdrucken/ auch/ warum der Testator selbst und die Zeugen nicht gesiegelt haben/ zu Ende des Te- staments/ mit seiner Handschrifft melden; alsdann soll solch Testa- Testaments Verwahr- oder Hinteꝛlegungs Recht. ment/ gleichsehr auch fuͤr kraͤfft- und buͤndig erachtet und gehal- ten werden/ und mag Testator diß sein Testament bey sich in seiner selbst IV. Buch/ Cap. XIII. selbst Verwahrung behalten/ oder sonst nach seinem Beduͤncken bey einem Rath/ Gericht/ oder ehrlichen Mann zu treuen Haͤn- den hinterlegen. §. 13. Dieweil auch oben vermeldet/ daß ein solch Testament in Gegenwart Testatoris und Zeugen/ ehe sie von einander gehen/ ge- Testament Verfeꝛtigungs Recht. schrieben und allenthalben vollzogen werde solle; wofern sich nun das- selbe zu lang verweilen wolte/ und der Testator, Notarius oder Zeu- ge der endlichen Verfertigung nicht abwarten koͤnten/ so soll und mag es Testator durch Notarium oder Schreiber zuvor allerdings in eine solche Form/ wie obstehet/ bringen und rein schreiben lassen/ und alsdann/ den Notarium oder Schreiber samt denen Zeugen auff einen gewissen Tag zur endlichen Vollnziehung zusammen fordern/ damit es um so viel schleuniger zur Endschafft gebracht werde. Caput XIII. Von andern auch geheimen/ Krancken/ zur Pest- Zeit/ Eltern und Kinder Testamenten Form und deren Legitima. §. 1. Eine andere Testaments- Form. E S mag auch einer vor einem gantzen Rath/ Schoͤppen-Stuhl/ oder Gericht gehen oder auch ausserhalb Gericht/ etliche gewis- se Raths-Personen oder Gericht-Schoͤppen/ jedoch daß deren unter fuͤnffe nicht seyen/ samt dem Stadt- oder Gericht-Schreiber zusam- men ruffen und bitten lassen/ und vor denselben seinen letzen Willen schrifftlich/ so fern er ihn zuvor selbst auffgezeichnet/ oder durch einen andern auffzeichnen lassen/ oder in Mangel dessen muͤndlich erklaͤ- ren und anzeigen/ auch darauff schließlich bitten/ daß solcher sein er- Testaments Recht in Ge- richts-Buͤcher zu schreiben. klaͤhrter letzter Wille/ alsobald ins gemeine Stadt- oder Gerichts-Buch eingeschrieben/ und ihm davon eine gleichlautende Copey zur Urkund unter Stadt- oder Gerichts Jnsiegel zugestellt werde/ so soll dieß vor ein kraͤfft- und buͤndig Testament/ ob gleich sonst keine fernere Zeu- gen dazu erfodert/ gehalten und erachtet werden. §. 2. Dennoch sollen gleichwohl diesem Testatori die vorhin Testaments Solennitaͤten Erinnerung. bey erster Form gesetzte Erinnerungen/ ob er auch deren Guͤter/ da- von er testir t/ allerdings maͤchtig/ und diese Verordnung freywillig/ ohne jemandes Drang oder Zwang thue/ und was weiter von præter- ition der Erben in ab- oder auffsteigender Linie droben vermeldet ist/ durch Von der Heßischen Testamenten Form. durch den Gerichts-Schultheissen/ Buͤrgermeistern/ oder in deren Ab- wesenheit der Schoͤppen einem zu Gemuͤthe gefuͤhret/ deßgleichen vom Stadt- oder Gericht-Schreiber Tag und Jahr/ auch die Personen/ fuͤr denen diese Testaments oder letzten Willens Erklaͤrung geschehen ist/ mit ihren Tauff- und Zunahmen in Stadt- oder Gerichts-Buch eigentlich annotir et und eingeschrieben werden. §. 3. Wann ein Testator seinen letzten Willen nicht gern offen- Geheimen Te- staments Form. baren/ sondern viel lieber denselben vor Notarien und Schreiber auch Zeugen geheim halten wolte/ so mag er denselben seinen letzten Wil- len selbst mit eigenen Haͤnden verzeichnen und versiegeln/ alsdann No- tarium oder Schreiber samt fuͤnff Zeugen zusammen fordern/ und vor ihnen oͤffentlich anzeigen/ daß er seinen letzten Willen aus sonder- licher Vorbetrachtung mit selbst eigenen Haͤnden geschrieben und da zugegen haͤtte/ auch darauff Notarium oder Schreiber requirir en/ ihm uͤber denselben seinen letzten verzeichneten Willen/ den er also dem Notario oder Schreiber zustellen soll/ eine beglaubte Urkunde zu verfertigen. §. 4. Hierauff soll der Notarius oder Schreiber die Erinnerun- Testaments Urkunden we- gen Solenni- t aͤten. gen/ wie hier oben vermeldet/ mit sonderbarem Ernst dem Testatori zu Gemuͤth fuͤhren und verstaͤndlich vorhalten/ auch so fern er deßfalls kei- nen Mangel befindet/ die vom Testatore uͤberreichte Verzeichniß zu Ende auff einem besondern Blat selbsten subscribir en und durch die Zeugen subscribir en lassen/ ohngefaͤhr auff diese Form: Jch N. be- kenne mit dieser meiner Handschrifft/ daß N. in meiner und andern Zeugen Gegenwart oͤffentlich ausgesagt und bekant hat/ daß diß sein endlicher Wille/ wie er ihn selbst geschrieben und verzeichnet habe/ seyn soll/ daruͤber er mich insonderheit zum Zeugen beruffen/ und soll dem- Testament Verwahrungs Recht. nach Notarius oder Schreiber die begehrte Urkunde ohngefaͤhr mit einem solchen Eingang und Beschluß/ als ob gemeldt/ auff ein besonder Pappier oder Pergament verfertigen/ derselben oben ermeldte Testa- toris Verzeichniß oder letzten Willen einschliessen/ folgends mit einer Rings umher gezogenen Schnur/ oder sonst verwahrlich zusiegeln/ und auswendig Testatoris Nahmen darauff schreiben/ daß dessen Testament oder letzter Wille darinn verschlossen sey. §. 5. So jemand mit Leibes Schwachheit uͤbereilet wird/ und in Wie kraucke Personen/ so mit Schwach- heit uͤbereilet/ Testament machen moͤgen der Eil weder Notarium, Stadt- oder Gericht-Schreiber/ noch Rath- oder Gerichts-Personen haben kan/ wie es gemeiniglich auff Doͤrf- fern pflegt herzugehen/ der mag sich zu seinen Pfarrer und neben demsel- K k k ben IV. Buch/ Cap. XIII. ben zum wenigsten vier seiner Nachbarn/ die eines guten unberuͤchte- ten Leumuths seyn/ erfordern/ und fuͤr denen seinen letzten Willen er- klaͤren; Befindet dann der Pfarrherr nebst erbetenen Zeugen/ daß Testator, ob er gleich schwach vom Leibe/ jedoch bey gutem Verstand/ Sinnen und Vernunfft ist/ auch seinen letzten Willen aus keinem Zwang noch ungebuͤhrender Verreitzung/ sondern freywillig und mit verstaͤndlichen Worten erklaͤret/ so soll er denselben so bald mit Ver- meldung dieser Umstaͤnde/ auch des Jahr und Tages/ aus des Kran- cken Munde auffzeichnen/ und solch Verzeichniß/ so bald sie zu Ende gebracht/ dem Testatori in Gegenwart der erbetenen Zeugen verstaͤnd- lich vorlesen/ auch bey einem jedern Articul insonderheit fragen/ ob solches also sein letzter Wille und Meynung sey? Krancken Te- stament wie zu verwahren. §. 6. Saget dann Testator ja; so soll der Pfarrer das von ihm aus Testatoris Munde geschriebene Verzeichniß/ allerhand Verdacht zu meiden/ nicht bey sich in seiner Verwahrung behalten/ sondern es dem Testatori selbst/ oder mit dessen Vorwissen und Willen einem aus de- nen erbetenen Zeugen/ oder sonst jemanden/ der unverdaͤchtig sey/ zur Verwahrung zustellen/ und die erforderte Zeugen ansprechen und er- Pfarꝛer Pflicht bey Krancken Testament. innern/ daß sie solchen Testatoris letzten Willen in acht nehmen und in guter Gedaͤchtniß behalten wollen/ damit sie neben ihm dem Pfar- rer jederzeit davon Zeugniß geben koͤnnen; Hat aber der Pfarrer Zeit/ eine Abschrifft von solchem Verzeichniß zu machen/ und will sol- che Copie vor sich behalten/ das soll ihm frey stehen/ und gereicht es zu mehrern der Sachen Richtigkeit. §. 7. Zu Pestilentz und ansteckenden Seuchen Zeit werden die- jenigen/ so damit behafft/ oder sonst die Seuche im Hause haben/ gemei- Wie zur Pesti- lentz Zeit Te- stamenta ge- macht werden. niglich von Gesunden gescheuet/ und koͤnnen dahero die Gelegenheit nicht haben/ vor Notari en/ Schreibern und einer solchen Anzahl Zeugen/ als hier oben gemeldet/ zu testir en/ damit sie aber darum in Ver- fertigung ihres letzten Willens nicht verkuͤrtzet werden/ so soll densel- ben/ die entweder allbereits mit Pestilentz behafftet seyn/ oder sie son- sten im Hause haben/ frey stehen/ ihren letzten Willen fuͤr einem Pfar- rer/ und neben demselben dreyen/ oder zum wenigsten zweyen glaub- hafften/ unpartheyischen Manns-Personen/ als hierzu insonderheit erbetenen Zeugen/ zuordnen und erklaͤren/ welche Verordnung auch/ so fern sonst der Testir er bey gutem Verstande ist/ und freywillig ohne jemandes ungestuͤmes Anhalten oder Bedraͤngniß testir et/ darauff denn Von der Heßischen Testamenten Form. denn der Pfarrherr ein sonderlich Auffmercken zu haben schuldig/ fuͤr kraͤfftig gehalten und erkennet werden soll. §. 8. Dieweil aber offt einer an endlicher Verfertig- und Voll- Erinnerung wegen Kranck- heit zeitlich zu testir en. ziehung seines letzten Willens dadurch verhindert wird/ daß er solches auffs aͤusserste/ und biß er von Kranckheit uͤbereilet wird/ verzeucht; als- dann er entweder von wegen obliegenden Leibes-Schmertzen seine Nothdurfft nicht genungsam bedencken/ oder auch sonst des Abscheues halber die Gelegenheit mit Notari en/ Schreibern und Zeugen nicht haben kan/ daher denn allerhand Hadder und Zanck entstehet; So wollen wir unsere Unterthanen insgemein gnaͤdig erinnert und ver- mahnet haben/ daß sie/ sonderlich aber die jenige/ denen an Auffrich- tung ihrer Testamenten etwas gelegen ist/ dahin bedacht seyn/ damit Unterthanen Pflicht zu te- stir en. sie ihren letzten Willen bey gesundem Leibe und guter Vernunfft voll- ziehen oder beschliessen/ und eben nicht auffs letzt- und aͤusserste warten. §. 9. Die Eltern/ so eheleibliche Kinder/ oder ihrer zuvor verstor- benen Kindes Kinder in absteigender Linie haben/ sie seyn maͤnn- oder weiblichen Geschlechts/ koͤnnen nicht anders kraͤfftig testir en/ sie setzen Eltern und Kinder Testa- menten Recht. denn dieselben ihre Kinder oder derer abgestorbenen Kinds Kinder/ so hinterlassen/ samt und sonders zu Erben wieder ein/ oder enterben sie um genungsamer rechtmaͤßigen Ursachen willen/ und werden dißfalls eines abgestorbenen Kindes nachgelassene Kinder/ deren seyen gleich viel oder wenig/ an statt ihres abgestorbenen Vaters oder Mutter/ die sie repræsentir en/ fuͤr eine Person gerechnet. §. 10. Wiewohl nun unter gemeinen Leuten die Ungleichheit/ wann einem fuͤr dem andern etwas mehr oder weniger/ bevorab um Eltern Pflicht Gleichheit zwischen Kin- dern zu halten. ein nahmhafftes/ verlassen wird/ allerhand Unwillens verursachet; hingegen die Gleichheit unter Geschwistern bruͤderliche Einigkeit er- haͤlt/ darum auch die Eltern sich gegen ihren Kindern/ vornehmlich die sich alles kindlichen Gehorsams verhalten/ hinwieder der Gleichheit/ so viel muͤglich/ zu befleißigen nicht unterlassen werden; jedennoch wei- len oͤffters Eltern durch allerhand Ursachen zur Ungleichheit bewogen werden koͤnnen/ daß sie einem Kinde diß/ dem andern das von ihren Guͤtern/ und also einem eine groͤssere/ dem andern eine geringere Por- tion verschaffen/ darinn denn die Rechte/ wie auch wir denen Eltern ihr Bedencken und Gutachten billig frey stellen; wofern dann ein Va- ter oder Mutter eine solche Ungleichheit unter ihren Kindern vorzu- Eltern Pflicht wegen Kinder legitima. nehmen bedacht waͤre/ so soll einem jeden Kinde insonderheit weniger nicht/ denn seine angehoͤrige Legitima, und zwar dieselbe nicht anders/ K k k 2 denn IV. Buch/ Cap. XIII. denn honorabili institutionis titulo, das ist/ daß solch Kind in dersel- ben seiner legitima zu erben ausdruͤcklich eingesetzt verlassen werde. §. 11. Die legitima aber wird nach Verordnung gemeiner Rech- te/ im Fall/ da ein/ zwey/ drey/ oder auffs meiste vier Kinder vorhan- Kinder Legiti- ma worinn be- stehet. den/ vom dritten Theil aller des Verstorbenen hinterlassenen Guͤter/ da aber fuͤnff/ sechs oder mehr Kinder sind/ vom halben Theil aller Verlassenschafft verstanden. Derowegen/ da ein Vater uͤberall zwoͤlff hundert Guͤlden und vier Kinder verlaͤst/ so traͤgt aller Kinder legiti- ma zusammen vier hundert Guͤlden/ und thut eines jeden Kindes legi- tima ein hundert Guͤlden; sind aber der Kinder sechs/ traͤgt die gantze legitima sechs Hundert/ und also abermahl eines jeden Kindes beson- dere legitima ein hundert Guͤlden; Also auch hinwiederum/ da der Testator keine Kinder noch Kindes Kinder in absteigender Linie/ son- dern seine Eltern/ als Vater oder Mutter/ oder in Mangel deren sei- Eltern u. Vor- Eltern Legiti- ma worinn be- stehet. ne Ober-Eltern/ als Großvater oder Großmutter im Leben haͤtte/ so muͤssen dieselben Eltern/ als Vater und Mutter/ oder da ihrer eines verstorben/ das uͤberbleibende allein; so aber weder Vater noch Mut- ter vorhanden/ alsdann die Ober-Eltern/ nemlich Großvater und Großmutter/ was deren im Leben/ sie seyen gleich von vaͤter- oder muͤt- terlichen Linie/ zum wenigsten in ihrer gebuͤhrenden Legitima zu Er- ben benannt und eingesetzt werden/ und zwar wird diese der Eltern Legitima vom dritten Theil aller Verlassenschafft verstanden. §. 12. Da aber die Eltern ihre Kinder/ oder Kinder ihre Eltern/ in ihren Testamenten zu Erben/ zum wenigsten in legitima, wie vor- Unmilden Te- staments An- klage wann Eltern/ Kin- der/ Bruͤder und Geschwi- ster gebuͤhret. stehet/ nicht einsetzen/ sondern gar uͤberschritten/ oder auch ohne genug- same Ursach enterbeten/ so koͤnnen dieselbe præterirt e oder unverschuldet enterbete Kinder und Eltern solche Testamenta/ per querelam inoffi- ciosi, als unmild impugnir en/ und also dem unmilden Testatori ab in- testato succedir en; Sonst aber und ausserhalb Eltern und Kindern haben sich die in Zwerch-Linien/ als Bruͤder und Schwester/ vielweni- ger die noch weiter Verwandte dieser querelæ inofficiosi Testamenti nicht zu behelffen/ sintemahlen Geschwister nicht schuldig seyn/ wider ihren Willen einander zu Erben einzusetzen/ es waͤre denn Sache/ daß sie ihre Guͤter unehrlichen/ schaͤndlichen und uͤbelberuͤchtigten leichtfer- tigen Personen vermachten/ auff welchen Fall die ausgeschlossene Ge- schwister ihrer verstorbenen Bruͤder und Schwester Testament auch als inofficiosa wiederfechten und zu nichte machen koͤnnen. §. 13. Ob Von der Heßischen Testamenten Form. §. 13. Ob nun gleich Eltern ihre Kinder/ oder Kinder ihre Eltern in ietzt ermeldten Faͤllen in einem gewissen Stuͤck Guts oder Summa Legitimæ Er- fuͤllungs Klag- Recht. Guͤlden an statt ihrer gebuͤhrenden Legitima zu Erben eingesetzt haͤt- ten/ und doch dasselbe Stuͤck Guts seinem billigem Werth nach/ oder auch die benannte Summa Guͤlden sich so hoch nicht erstreckte/ als Legitima anlieffe/ so kan darum ein solch Testament nicht impugni rt noch wiederfochten werden/ sondern es soll und mag derjenige/ dem sei- ne Legitima vollkoͤmmlich vermacht ist/ ad supplementum handeln/ und also die Erfuͤllung derselben seiner Legitimæ von seinen Miterben oder gemeiner Erbschafft fordern/ davon auch dieser Mangel in alle Wege erstattet werden soll/ es waͤre denn/ daß die Kinder vorhin aus ihrer Eltern Guͤter zur Aussteuer oder sonst gelehnten Weise/ wie auch hinwieder die Eltern von ihren Kindern etwas bekommen haͤtten/ wel- ches vermoͤge gemeiner Rechte in legitimam computi rt/ und zu Erfuͤl- lung derselben gerechnet wuͤrde. §. 14. Wann ein Vater in seinem Testament seine Kinder zu Erben einsetzt/ und derselben einem/ auff den Fall es ohne Leibes-Er- Jn Substitu- tions Fall/ ob der Mutter durch Vaters Testament Le- gitima benom- men werden moͤge. ben versterben wuͤrde/ das andere seiner Geschwister/ oder auch jemand frembdes mit ausdruͤcklichen oder stillschweigenden Ausschliessung de- ro noch lebenden Mutter oder Elter-Mutter substituir et; Ob dann wohl in solchem Fall etliche der Meynung seyn/ es soll der Mutter aus ihres verstorbenen Kindes vom Vater ererbten Portion die Legitima, das ist/ der dritte Theil/ gebuͤhren/ und durch angeregte des Vaters Substitution nicht koͤnnen benommen werden; jedoch weilen dißfalls die gemeinen Rechte ein anders ordnen/ auch ein Vater sein eigen Gut durch eine Substitution oder sonst seines Gefallens zu verschaffen bil- lig maͤchtig seyn soll; So statuir en/ setzen und wollen wir/ daß in die- sem Fall die Mutter/ oder in Mangel deren die Altmutter keine legiti- mam, des Vaters Disposition zu wieder/ aus denen vom Vater her- ruͤhrenden und dem verstorbenen Kinde auffererbten Guͤtern zu for- dern haben soll. §. 15. Wann aber des Verstorbenen Kind aus seiner ihme vom Vater auffererbten Portion mit der Zeit etwas vor sich ersparet oder sonst anderswo erworben oder ererbet/ und dann hier von dem Kinde Fernern Legi- timæ Recht in Substitution Faͤllen. nach erlangtem vollkommenen Alter/ seines Gefallens/ unerachtet der vaͤterlichen Substitution, zu testir en frey und bevorstehet/ so bleibet in denselben Guͤtern der Mutter und andern in auffsteigender Linie ihre natuͤrlich gebuͤhrende Gerechtigkeit billig/ und soll diese unsere Satzung K k k 3 auch IV. Buch/ Cap. XIII. auch in Casu converso, wann nemlich die Mutter vom Jhrigen testi- ret/ und den Vater per Substitutionem ausschleust/ statt haben und verstanden werden. §. 16. Also wann ein Vater seinem unmuͤndigen Kinde/ das er in seiner Gewalt hat/ pupillariter substituir et/ ob dann wohl solche pupilla- Mutter Legi- timæ Gerech- tigkeit. ris substitutio intra pubertatis tempora sich nicht allein auff die vaͤter- liche/ sondern zugleich auch auff alle andere demselben Kinde sonst an- derswoher zugefallene Guͤter erstreckt; so setzen/ ordnen und wollen wir doch/ daß in diesem Fall der Mutter oder Altmutter die Legitima allein in vaͤterlichen Guͤtern benommen/ sonst aber in uͤbrigen dem ver- storbenen Kinde ausserhalb seines Vaters Testament anders woher zugefallenen Guͤtern solche legitima in alle Wege bleiben/ und hier- nach an allen unsern Land-Hof- und Ober- Appellation -Gerichten/ unerachtet obgleich etliche Rechts Lehrer einer andern Meynung seyn/ erkannt und geurtheilet werden soll. Caput XIV. Von Ursachen der Enterbung auch verur- theilten Ubelthaͤter Testament. §. 1. W Jewohl die Ursachen der Enterbung in gemeinen Kaͤyserlichen Rechten genungsam vermeldet sind/ jedoch damit unsere Unter- thanen/ bevorab die Einfaͤltigen/ zu ihrer Nachrichtung deren auch Wissenschafft haben moͤgen; so wollen wir ihnen dieselben hiermit kuͤrtzlich erklaͤren/ und moͤgen demnach Eltern ihre Kinder um nach- folgender Ursachen willen enterben: Erstlich/ wann Kinder ihren Vater/ Mutter/ Altvater oder Altmutter vorsaͤtzlich schlagen und fre- Rechtmaͤßige Enterbungs Ursachen. ventlich Hand an sie legen. Zum andern/ wann Kinder ihren Eltern schwere unehrliche Schmach zugemessen/ u. also an ihren Ehren verletzt haͤtten. Drittens/ ob Kinder ihre Eltern/ ausser in crimine læsæ majesta- tis aut contra Rempublicam, um Leib und Leben peinlich beklagten/ oder sie sonst unziemlich antruͤgen/ und dadurch in mercklichen Schaden und Nachtheil braͤchten. Vierdtens/ wann Kinder mit Zauberey und Hexenwerck umgiengen/ und dessen uͤberwiesen wuͤrden. Zum fuͤnfften/ wann Kinder ihrer Eltern einem nach Leib und Leben stuͤn- den/ und dieselben mit Gifft oder sonst auff andere Weise umzubrin- gen sich unterstuͤnden. Sechstens/ ob etwa ein Sohn sich zu seiner Stieff- Von Kinder Enterbungs Ursachen in Hessen. Stieffmutter/ oder die Tochter zu ihrem Stieffvater gelegt/ und mit demselben unehrliche Wercke getrieben haͤtte. Zum siebenden/ ob sich begebe/ daß die Eltern gefangen/ oder von wegen Geld-Schulden oder andern Sachen halber/ da ihnen mit Geld und Gut geholffen werden moͤchte/ in Hafften kommen/ und ein Sohn/ so er darum ange- langt/ auch des Vermoͤgens waͤre/ dieselben seine Eltern nicht aus- buͤrgen wolte/ noch sich zum aͤussersten beflisse/ daß sie der Gefaͤngniß erledigt werden moͤchten; jedoch was ein Sohn auff diese Weise zu Erledigung seiner Eltern auffborgen und auswenden wuͤrde/ zu dessen Wiedererstattung sollen die Eltern verpflichtet seyn. Achtens/ wenn Rechtliche Enterbungs Ursachen. Kinder ohne billige Ursachen ihre Eltern an Auffrichtung ihrer fuͤrha- benden rechtmaͤßigen Testament und letzten Willens boͤßlich zu verhin- dern/ und ihnen solches zu verwehren/ fuͤrsetz- und beharrlich sich unter- stuͤnden/ denn darum moͤgen sie nicht allein enterbet werden/ sondern sie machen sich auch selbst der Erbschafft zu ihrem Antheil unwuͤrd- und unfaͤhig. Zum neundten/ wann ein Kind sich wider seiner Eltern Willen in ein leichtfertig-unehrlich- und uͤppiges Leben und Wesen begebe/ als da sind Huren und Frauen Wirthe oder Wirth in/ Nach- richter/ Gauckeler/ Spitzbuben und dergleichen/ es waͤre denn/ daß die Eltern selbst in gleichem Leben gewesen. Zehendens/ wenn eine Toch- ter oder Kinds Kind ihren Eltern/ die sie ehrlich verheyrathen und nach ihrem Vermoͤgen aussteuren wollen/ nicht gehorchen/ sondern sich in ein uͤppig unehrlich Leben begebe; Wann aber die Eltern ihre Toͤch- ter 25. Jahr erreichen liessen und huͤlffen ihnen nicht zu Ehren/ daß sie daruͤber zu Fall kaͤmen/ oder sich selbst ohne der Eltern Willen ver- lobten/ solche koͤnten deßhalben nicht enterbet werden. Zum eilfften/ wann die Eltern sinnloß wuͤrden/ und die Kinder sich ihrer mit gebuͤh- render Pflege/ Wartung und Huͤlffe nicht annehmen/ so moͤgen sie nicht allein/ wann die Eltern wieder zur Vernunfft kommen/ deßhal- ben enterbet werden/ sondern machen sich auch ohne das mit solcher ihrer beharrlichen Undanckbarkeit der Erbschafft unwuͤrdig/ die sol- chen Falls billig deme oder denen allein zuwaͤchst/ die sich der Eltern mit aller nothwendigen Pflege und Wartung in solchem beschwerli- chen Unfall angenommen haben. Also moͤgen auch die Eltern/ wann sie gleich nicht sinnloß wuͤrden/ sondern sonst in Armuth und Kranck- heit geriethen und grossen Mangel litten/ hernachmahls aber wieder zu Vermoͤgen kaͤmen/ ihre Kinder/ die sich derselben ihrer Eltern nach er- langter Wissenschafft mitleidig nicht angenommen haͤtten/ enterben. Zwoͤlff- IV. Buch/ Cap. XIV. Zwoͤlfftens/ wann Kinder sich gegen ihrer Eltern Willen zur Wieder- tauff oder sonst zu einem verdammten unchristlichen Glauben und Ke- tzerey/ daher sie auch Lebens-Straffe oder ewige Landes-Verweisung zu gewarten/ denen bewaͤrthen vier Haupt- Conciliis zu wieder/ bege- ben/ und darinn uͤber alle treue Erinner- und Vermahnung vorsetzlich verharreten/ denn dieselben Kinder moͤgen nicht allein enterbet wer- den/ sondern seynd auch vor sich selbsten aller Erbschafft unfaͤhig. Kinder Ubel- thaten Aus- suͤhnungs Recht. §. 2. Dieser vorerzehlten Ursachen eine oder mehr/ oder auch andere groͤssere/ und zum wenigsten nicht geringere/ da sie vor Gericht bewiesen werden koͤnnen/ sind vermoͤge der Rechte zu Enterbung der Kinder genugsam/ es waͤre denn Sache/ daß ein solch ungehorsam und unartig Kind bey Leben seiner Eltern/ oder vor Testaments Auffrichtung/ seine Missethat erkant/ dafuͤr Reue und Leyd getra- gen/ und sich zur Besserung geschickt/ oder aber/ so die Eltern sonst ihre ungehorsame Kinder zur Aussuͤhnung kommen lassen/ und wi- der zu Gnaden auffgenommen haͤtten/ dann auff solchen Fall koͤnnen die Kinder um zuvor begangener Missethat nicht enterbet werden. Kinder Recht ihre Eltern zu enterben. §. 3. Da auch hinwider die Eltern sich an ihren Kindern zur ungebuͤhr vergriffen/ als nemlich sie peinlich beklagten/ oder ihnen sonst nach Leib und Leben trachteten/ sich ihrer/ da sie gefangen wuͤrden/ oder sonst in beschwerliche Kranckheit/ Armuth und Elend geriethen/ nicht mitleydentlich annehmen/ der Vater sich mit des Sohns Weib oder die Mutter mit der Tochter Mann unehelich vermischte/ der Vater die Mutter/ oder die Mutter den Vater mit Gifft oder in andere Wege umzubringẽ sich unterstuͤnde/ oder in eine Gotteslaͤsterliche Leib- und Lebens Straffe auff sich tragende Ketzerey beharrlich geriethe/ so moͤgen die Kinder um deroselben hier oben weiter erklaͤrten Ursa- chen willen/ so fern sie auch beweißlich seyn/ ihre Eltern gleichfals enterben/ wie solches in gemeinen Kaͤyserlichen Rechten/ eigentlich ferner geordnet/ und darum allhier weitlaͤufftiger zu wiederholen un- noͤthig ist. §. 4. Ob sonst ein Ubelthaͤter/ der zum Tode verurtheilt wird/ Ubelthaͤter Te- staments Recht. kraͤfftig testir en moͤge/ davon setzen/ ordnen und wollen wir/ daß ein sol- cher/ der um seiner Mißhandlung willen endlich zum Tode/ gleichwohl ohne seiner Guͤter Confiscation, verdammt wird/ dieser unserer Ord- nung gemaͤß auch testir en mag/ es sey gleich vor oder nach der Con- demnation; Und soll sein Testament oder letzter Wille aus Verord- nung vor buͤndig erachtet und gehalten werden/ wann aber dessel- ben Von Ubergaben und ehelichen Erbgeding in Hessen. ben Missethaͤters Diener mit Recht confiscir et wuͤrden/ so kan der- selben Confiscation zu Nachtheil einige Testaments Verordnung nicht statt haben. Caput XV. Von Ubergaben auff Todesfall geschehen/ auch Testi rung- und Erbgeding oder Beredungen von Eheleuten/ item Testamenten Ohnmacht. §. 1. D Jeweil auch diese also genannte Donationes causa mortis inter ultimas Voluntates zu rechnen/ so kan und mag ein jeder/ der im Recht zu testir en Macht hat/ nach seinem selbst Beduͤncken und Wohlgefallen/ entweder vom allem seinen Gut/ oder einem Theil desselben/ eine solche Donation oder Ubergabe auff den Todes-Fall Gabe Todes wegen Be- schaffenheit. thun/ und soll dieselbe entweder vor einem Notario, Stadt- oder Gericht- Schreiber/ und fuͤnff oder zum wenigsten vier beglaubten Zeugen/ oder auch vor einem sitzenden Gericht und Schoͤppen-Stuhl/ wel- ches das sicherste/ oder etlichen dazu erforderten Gerichts-Personen/ doch daß deren unter 4. oder 5. nicht seyen/ inmassen eben von Testa- menten gesagt ist/ beschehen/ und durch die dazu beruffene Notari en/ Stadt- oder Gerichts-Schreiber mit des Tages/ Jahr und aller Um- staͤnde Vermeldung eigentlich ver instrumentir et/ oder/ da sie vor Ge- richt beschieht/ ins Stadt- oder Gerichts-Buch geschrieben werden. §. 2. Es soll aber in Auffrichtung einer solchen Donation nicht allein Donator, so die Ubergabe thut/ sondern auch Donatarius, dem die Ubergabe geschieht/ selbst persoͤnlich/ oder jemand anders von seinet wegen zu gegen seyn/ solche acceptir en und annehmen/ auch sollen die Notari en und Beamteu Pflicht bey Donation Faͤllen. dazu beruffene Notarii, Stadt- oder Gericht-Schreiber/ oder auch/ da sie vor Gericht beschieht/ die Beamten/ als Renthmeister/ Schultheis- sen oder Buͤrgermeister/ vom Donatore die Ursachen/ die ihn zu sol- cher Ubergabe/ bevorab aller oder des groͤssern Theils seiner Guͤter/ bewogen/ eigentlich erforschen und deßwegen mit Fleiß erinnern; ob auch Donator desjenigen/ davon er Ubergabe thun will/ allerdings maͤchtig seye/ und solches Geschenck aus freyem unbedraͤngtem Gemuͤth herfliesse/ ob sie denen Kindern und Kinds Kindern/ da deren vorhan- den/ oder in Mangel derer den Eltern und Ober-Eltern zu Nachtheil/ sonderlich aber zu Schmaͤhlerung ihrer Legitimæ, oder auch zu Betrug L l l deren IV. Buch/ Cap. XV. deren Glaͤubiger/ oder sonst jemand anders zur ungebuͤhr und vor- setzlichen Verkuͤrtzung vorgenommen werde/ damit hiernechst daraus kein Hadder noch Zanck erwachse. §. 3. Weiter soll auch diß insonderheit in acht genommen und ei- Gabe Unter- scheid Todes- falls wegen oder unter Le- bendigen. gentlich erfraget werden/ ob Donatoris Wille/ Gemuͤth und Mey- nung sey/ die Ubergabe allein auff Todes-Fall zu thun/ und also mortis causa zu donir en/ oder ob das Geschenck demnechst in Krafft gehen/ oder sonst unwiederrufflich seyn soll/ denn so des Todes-Falls nicht ausdruͤcklich gedacht/ oder auch gedacht und doch hierzu gesetzt wuͤrde/ daß der Donator solche Donation stet/ fest und unwiederruff- lich halten wolte/ so waͤre es pro donatione inter vivos, und fuͤr ei- ne solche Ubergabe/ die unter Lebendigen geschieht/ auch nicht revoci rt werden mag/ zu halten/ und muͤste dieselbe Donation, da sie sich uͤber 500. fl. erstreckte/ und in der Ubermasse auch kraͤfftig seyn solte/ vor Gericht geschehen und gebuͤhrend insinuir et werden. §. 4. Sonst aber bedarff eine Ubergabe/ so auff Todes Fall ge- Ubergabe Insi- nuation wann noͤthig. schiehet/ ob sie sich gleich uͤber 500. fl. erstreckte/ keiner Insinuation, und weilen sie erst durch Donatoris Absterben bekraͤfftiget wird/ so kan sie nicht allein beydes ausdruͤcklich und stillschweigend revocir t werden/ als nemlich/ so der Donator das jenige/ davon er die Ubergabe gethan haͤtte/ hernachmahls veraͤusserte/ oder einem andern in seinem Testa- ment verschaffte/ oder auch eheliche Kinder/ die er zuvor nicht gehabt/ uͤberkaͤme/ oder da sich zwischen Donatore und Donatario grosse Feind- schafft zutruͤge/ sondern es verlescht auch diese Donatio bißweilen vor sich selbst/ nemlich solchen Falls/ wann Donator zur Ubergabe Zeit in beschwerlicher Leibes-Kranckheit/ in Kriegs oder andern dergleichen Donation wann und war- nm auffhoͤren kan. Lebens-Gefahr waͤre/ daher er sich des Todes besorgete/ und gleich- wohl von solcher Kranckheit wieder genesete/ oder sonst aus vorstehen- der Lebens-Gefahr entkaͤme/ denn weilen die Ubergabe gerade um sol- cher vorgestandenen Lebens-Gefahr willen geschehen/ und dann so fern solche Ursach auffhoͤret/ so hoͤret auch zugleich die Donation auff/ und hat keine weitere Krafft. Notari en und Schreiber Pflicht bey Donation Verfertigung. §. 5. Darum sollen Notarii und Schreiber/ die zu Verfertigung dergleichen Donation erfordert werden/ hierinn vorsichtig seyn/ daß sie vor allen Dingen ausdruͤcklich erlernen und darnach melden: Erst- lich/ daß Donatoris Wille/ Gemuͤth und Meynung nicht anders sey/ denn causa mortis, und auff Todesfall zu donir en. Zum andern/ daß sie auch weiter exprimir en/ ob donator zur donation Zeit in beschwer- licher Von Ubergaben und ehelichen Erbgeding in Hessen. licher Leibes-Kranckheit/ oder andern Lebens-Gefahr/ daher er sich Todes besorget habe/ gestanden sey/ oder ob er gesund gewesen/ und allein in Betrachtung kuͤnfftiger Sterblichkeit/ deren alle Menschen unterworffen seyn/ donir t habe; denn ob gleich derselbe Donator her- nach schwach wuͤrde und wieder genesete/ so verleschet darum durch sol- che Genesung die Donation nicht vor sich selbsten/ wie im ersten Fall/ sin- temahl die Ursache allgemeiner Sterblichkeit noch immerzu vorhanden. §. 6. Wiewohl auch die gemeinen Rechte vermoͤgen/ daß in sol- Vierdtẽ Theils Abzug Recht bey Geschen- cken. chem Fall/ wann einer alle sein Gut auff Todes-Fall einem andern uͤbergiebt/ der nechste Erbe ab intestato den vierdten Theil ex be- neficio legis Falcidiæ abziehen und behalten moͤge; So setzen/ ordnen und wollen wir doch/ aus sonderlichen dazu bewegenden Ursachen/ daß solche donationes, so fern sie sonst rechtmaͤßig und ohnverdaͤchtig auff- gerichtet/ ohne alle Deduction und Abziehen kraͤfftig seyn und bleiben/ Falcidiæ Ab- zugs Verbot. und in unsern Landen Falcidia darinn nicht statt haben/ dagegen auch Donatarius alle auff solchen Guͤtern verschriebene/ oder sonst vom Do- natore herruͤhrende Schulden und Beschwerungen allein tragen soll. §. 7. Wann aber donationes omnium bonorum denen Eltern Eltern oder Kiader Legiti- mæ Abzug von Gabt. oder Kindern/ als denen ihre legitima von Rechts wegen gebuͤhret/ zu Nachtheil deroselben geschehen waͤre/ so moͤgen solche vernachtheilte Eltern oder Kinder/ nach dem Exempel inofficiosi testamenti, davon oben gesagt ist/ dißfalls de inofficiosa donatione, nicht unbillig queru- lir en/ und ihre gebuͤhrende legitimam dadurch erlangen. §. 8. Wann auch donator nicht sein gantzes Gut auff Todesfall uͤbergeben/ sondern etwas davon seines Gefallens zu testir en sich vor- Donatoris Vorbehalt wem zuwaͤch set. behalten/ und er gleichwohl nachgehends ohne weitere Verordnung ab- stuͤrbe/ so soll solch Reservat Donatario anders nicht accrescir en und zuwachsen/ dann da er ohne das Donatoris nechster Erbe ab intestato waͤre; haͤtte aber Donator ausserhalb Donatario sonst einen oder mehr naͤhern Erben ab intestato, dem oder denen soll solch Reservat, so ferne keine Schulden vorhanden/ zu deren Abzahlung es angewendet wer- den muͤste/ zukommen und anfallen. Von Eheleu- ten so mit ein- ander zugleich testir en. §. 9. Es traͤgt sich auch offt zu/ daß Eheleute zugleich mit einan- der in einer Schrifft testir en/ und ihre zusammen habende Guͤter ihren beyderseits Freunden/ oder sonst nach ihrem Gefallen mit einander verschaffen/ und wann darnach deroselben Eheleute eines verstirbet/ so will sich das letzt Lebende unterstehen/ entweder um seines wieder Verheyrathens/ oder sonst andern Ursachen willen/ das vorige Testa- L l l 2 ment IV. Buch/ Cap. XV. ment zu wiederruffen und zu aͤndern/ daruͤber sich allerhand Hadder und Zanck zutraͤgt/ damit denn derselbe so viel muͤglich abgeschnitten/ und unsere Unterthanen wissen moͤgen/ wornach sie sich dißfalls zu rich- ten/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß ein solch zweyer Eheleute gesammt Testament/ so fern es sonst dieser Ordnung gemaͤß/ auffge- richtet/ und aus freyem unbedraͤngtem Willen hergeflossen/ durch Ab- sterben des ersten Ehegemahls/ in dessen Guͤter oder seiner angebuͤh- renden Quoten, seinen in selbigem Testament zu Erben eingesetzten oder sonst bedachten Freunden und Anverwandten zu gute bekraͤfftiget seyn/ und vollenzogen werden/ und des letztlebenden Ehegemahls Wieder- ruff oder Veraͤnderung weiter nicht/ dann allein in seinem angehoͤ- gen Antheil/ und seinen in solchem Testament zu Erben eingesetzten oder sonst bedachten Bluts-Verwandten oder andern Freunden zu Nach- theil/ statt haben soll. Chegatten Disposition Streit wegen ihrer Guͤter. §. 10. Dieweil sich aber auch ob dem/ was fuͤr Guͤter diesem oder jenem Ehegemahl zugestanden seyn oder nicht/ Streit und Zanck zu- tragen mag/ so soll/ demselben vorzukommen auff die gesammte Te- staments Disposition eigentliche Achtung gegeben werden/ dann wann ein jedes Ehegemahl seine Guͤter insonderheit benannt/ als nemlich der Mann diß und jenes seinen Freunden/ und hingegen das Weib auch gewisse Stuͤcke ihren Freunden verschafft/ so soll des erst abgestorbe- nen Ehegemahls Disposition in allen von ihm benannten und ver- schafften Guͤtern exequir et/ und des letztlebenden Wiederruff weiter nicht denn auffs uͤbrige verstanden werden. §. 11. Wann aber Eheleute von ihren beyderseits in stehender Ehleute dispo- nirten Guͤter Recht wegen Freunde und Verwandten. Ehe mit einander inngehabten Guͤtern nicht separatim, wie ietzo ge- meldt/ sondern conjunctim disponi rt/ als nemlich/ daß alle ihre Guͤter nach ihrer beyder Absterben auff ihre nechste/ oder andere benannte Freunde zu gleichen Theilen vererben und fallen sollen/ alsdann soll des erst abgestorbenen Ehegemahls angehoͤrigen oder benanten Freun- den durchaus die Helffte aller Guͤter angefallen seyn/ und dem letzt- lebenden seinen Willen in der uͤbrigen Helffte und ferner nicht/ unerach- tet woher gleich die Guͤter kommen/ zu veraͤndern frey und bevor stehen. Heyraths Brieffe und Eheberedun- gen Recht. §. 12. Nachdem auch in unsern Fuͤrstenthuͤmern/ Landen und Gebieten/ so wohl als im gantzen Reich Teutscher Nation braͤuchlich ist/ daß die Eltern/ wann sie ihre Kinder ehelich verheyrathen/ oder in Mangel deren die neuen Eheleute selbst/ mit Rath und Zuthun ihrer Von Ubergaben und ehelichen Erbgeding in Hessen. ihrer Vormuͤnder oder andern Freunde/ von beyden Theilen Hey- raths-Brieffe oder eheliche Beredungen mit einander auffrichten/ und darinnen Versehung thun/ wie es ihres Zubringens und andern ihrer in stehender Ehe angefallenen oder erworbenen Guͤter halben auff kuͤnfftige Faͤlle/ da deren Eheleute eines fuͤr dem andern mit oder ohne Leibes Erben verstirbet/ gehalten werden/ und was davon auff Kinder/ nechste Freunde/ oder letztlebendes Ehegemahl/ erblich oder Leibzucht weise kommen und fallen soll. Ob denn wohl diese Verglei- chungen der gemeinen Rechts Regul nach/ daß Erbschafften durch Pacta und Geding nicht zu vergeben seyn/ vor disputir lich und zweiffelhaff- tig angesehen werden moͤchten; so setzen/ ordnen und wollen wir doch/ Ehe- Pact en oder Gedinge Rechts Krafft. daß dessen unerachtet/ dem allgemeinen Brauch nach/ solche Ehebe- redungen/ wofern sie sonst erbarlich mit Rath/ Zuthun und in Gegen- wart beyderseits nechst angewandten Freunde/ oder andern Bieder- Leute/ deren unter 4. oder 5. nicht seyn sollen; auch so deren Eheleute eines zuvor aus erster Ehe Kinder haͤtte/ ohne derselben Vernachthei- lung auffgerichtet/ weniger nicht/ denn Testamenta oder andern letz- ten Willens Vermaͤchtnisse/ zu Recht buͤndig/ kraͤfft- und bestaͤndig/ und die darinn verschaffte Guͤter/ laut derselben/ verfallen seyn sollen. §. 13. Da aber deren Eheleute eines und das andere beneben der Eheberedung auch ein Testament oder letzten Willen auffzurich- ten gemeynet waͤre/ solches soll einem jeden/ dafern es nur dem andern Fenere Ehebe- redungen Ge- rechtigkeit. Ehegemahl nicht zu Nachtheil und Wiederbenehmung desjenigen/ so ihm in der Eheberedung einmahl zu gute verordnet ist/ vorgenommen wird/ frey und bevor stehen/ denn da gleich deren Eheleute eines seinen Geschwistern oder andern Freunden auff Todesfall etwas von seinen Guͤtern in der Eheberedung ausgedinget haͤtte/ so soll doch demsel- ben Ehegemahl deßfalls ein anders/ nach seinem Willen/ Bedencken und Wohlgefallen/ seiner Geschwister und Freunde halben unverhin- dert/ durch Testament oder andere rechtmaͤßige Mittel zu verordnen/ wie auch sonst von denen in der Eheberedung nicht vermeldten noch be- griffenen Guͤtern zu testir en/ unbenommen seyn. §. 14. Wann erstlich an Testatoris Person Mangel erscheinet/ Jn welchen Faͤllen auffge- richtete Testa- menta vor un- buͤnd- und krafftloß zu achten. daß derselbe entweder seine mundbare Jahre zur Testaments Zeit noch nicht gehabt/ oder deßmahlen bey guter Vernunfft und Verstand nicht gewesen/ oder da er gleich sein verstaͤndiges Alter und Vernunfft gehabt/ und dem Rechten und dieser Ordnung gemaͤß nicht testirt hat/ als nem ich/ wann er vor sich selbst etwas auffgeschrieben/ verzeichnet/ L l l 3 besie- IV. Buch/ Cap. XV. besiegelt/ und doch keine oder nicht genugsame Zeugen/ bevorab da kei- ne Noth von wegen Sterbens-Laͤufften vorhanden/ zu Vollziehung sei- nes letzten Willens erfordert/ darunter gleichwohl dispositionibus in- ter liberos \& ad pias causas an ihrer in Rechten bedungenen Freyheit nichts derogir t seyn soll/ oder da er schon die aͤusserliche Form und So- lennitæt en gehalten/ gleichwohl aber keinen Erben instituir t noch nahmhafft gemacht/ oder aber etliche seiner eheleiblichen und ehelichen Kinder oder Kinds Kinder/ so die Kinder zuvor verstorben/ uͤberschrit- ten und nicht ausdruͤcklich zu Erben eingesetzt/ oder hieroben ermeldeten Ursachen willen enterbet haͤtte; Deßgleichen/ so Testator allenthal- Testamenta wann ohn- maͤchtig zu achten. ben foͤrmlich und rechtmaͤßig testi rt/ und ihm hernach mehr eheliche Kinder entweder nach seinem Tod oder auch bey seinem Leben geboh- ren wuͤrden/ deren im Testament nicht gedacht/ es waͤre denn/ daß solche nach auffgerichtetem Testament gebohrne Kinder bey Vaters Leben und vor demselben verstuͤrben; Jtem/ so die eingesatzte Erben vor Testatore mit Tod abgehen/ oder aber Testator selbst sein Testa- ment mit Abreissung der Siegel oder sonst kundbar cassir t/ oder auch un cassir et laͤst/ und doch ein ander rechtmaͤßiges auffrichtet/ denn weilen niemand zweyerley Testamenta hinterlassen kan/ so gilt das letzte al- lein/ und hat das erste keine weitere Krafft; So aber Testaror ein an- der Testament zu machen angefangen/ und dennoch durch Todes Uber- eilung oder andern Verhinderung halber dasselbe nicht vollendet haͤt- te/ so bleibt das erste in seinen Kraͤfften. §. 15. So auch ein Testator crimen læsæ majestatis und ein solch Ubelthaͤter Recht zu testi- r en. Laster begehet/ dadurch er zugleich Leib und Gut verwuͤrcket/ so hat sein Testament keine weitere Krafft; was aber andere Ubelthaͤter/ die allein das Leben und nicht das Gut verwuͤrcken/ anbelanget/ weil die- selbe vermoͤge dieser unsern Lands-Ordnung auch nach beschehener Condemnation kraͤfftig testir en moͤgen/ so bleiben ihre rechtmaͤßig auffgerichtete Testamenta/ unerachtet erfolgten condemnation, bey ihren Kraͤfften. Caput XVI. Von Erbschafft Gefaͤllen/ da kein Testament vorhanden in absteigender Linie/ auch daß Heyrath-Gut und Mit- gifft conferir et werde. §. 1. W Ann Eltern ab intestato versterben/ das ist/ ohne Auffrichtung eines rechtmaͤßig und bestaͤndigen Testaments oder letzten Wil- lens/ Von Erbschafft Gefaͤllen in Hessen. lens/ und nach sich etliche Kinder verlassen/ Soͤhne oder Toͤchter/ aus einer Ehe erzeuget/ oder ihrer zuvor verstorbenen Kindes Kinder/ oder Erbrecht nach Haͤupter oder Staͤmmen. so die auch verstorben waͤren/ derselben Kinder Kinder in absteigender Linie/ so erben dieselben Kinder und der Abgestorbenen Kindes Kinder zugleich mit einander/ alle vaͤter- und muͤtterliche Erbguͤter/ sie seyn liegend oder fahrend/ nichts dann nur Lehn- und solche Guͤter ausge- nommen/ deren Weibes-Bilder nicht faͤhig seyn/ davon hierunten insonderheit gesaget werden soll/ und schliessen alle andere Verwand- ten in auffsteigender und Seit- oder Zwerch-Linie aus/ doch treten dißfalls eines abgestorbenen Kindes Kinder ihrer seyen viel oder we- nig/ jure repræsentationis an ihrer verstorbenen Eltern statt/ und erben alle zusammen so viel/ als ihr zuvor verstorbener Vater oder Mutter haͤtte erben moͤgen/ nemlich ein Stamm-Theil/ und ob schon der Verstorbene weder Soͤhne noch Toͤchter/ sondern allein seiner zu- vor abgestorbenen Kinder oder Kinds Kinder in ungleicher Anzahl verliesse/ so erben sie doch nicht in die Haͤupter/ sondern nach Staͤm- men. §. 2. Da auch unter solchen Kindern oder Kinds Kindern etliche erwachsen/ etliche aber noch minderjaͤhrig waͤren/ so sollen unsere Be- Minderjaͤhri- gen Voꝛmunds Recht bey Erb- theilungen. amten samt Buͤrgermeister und Rath/ auch eines jedern Orts Ge- richts-Junckern solchen Minderjaͤhrigen vor allen Dingen/ ehe und bevor zu einiger Erbtheilung geschritten werde/ tuͤchtige Vormuͤnder verordnen und gebuͤhrend bestaͤtigen/ welche ihrer Pflege-Kinder Per- sonen und Guͤter zum best- und treulichsten/ wie getreuen Vormuͤn- dern gebuͤhret/ versorgen. §. 3. Und damit in denen Erbtheilungen unter gleichen Geschwi- stern nach aller Moͤglichkeit/ wie billig/ Gleichheit gehalten werde/ so Unmuͤndigen Geschwister Gleichheit Recht zum Voraus bey Erbtheilung. daß/ wann die erwachsene Kinder/ mit derer Eltern sonderbaren Un- kosten zu ehrlichen Handthierungen und solchen Gewerben/ davon sie ihre Nahrung nunmehro selbst erlangen moͤchten/ aufferzogen/ oder auch von denen Eltern ausgesteuret/ mit Heyraths-Gut und Mitgifft/ dazu mit hochzeitlichen Kleidungen und Geschmuck versehen/ auch deß- halben auff sie allerhand Hochzeitlicher Unkosten auffgewendet waͤ- ren; alsdann soll solches alles in acht genommen/ und gegen dieselbe de- nen Minderjaͤhrigen noch unerzogenen Kindern von gemeiner Erb- schafft ein ziemlicher Voraus/ nach Gelegenheit und deren erwachse- nen Geschwister/ auch Unmuͤndigen Vormuͤnder und nechsten Freun- de/ oder in Mangel deren/ unserer Beamten samt Buͤrgermeister und IV. Buch/ Cap. XVI. und Raths oder Gerichts-Junckern billigen Ermaͤßigung verordnet werden/ damit sie dadurch zu ihrer Aufferziehung/ gleich denen Er- wachsenen/ etwas Ergoͤtzlichkeit haben/ und nicht eben ein jeder dem- nechst sein Erbtheil angreiffen duͤrffe. §. 4. Darum sollen die ausgesteurete Kinder/ oder/ so dieselben Heyrathsteuer Einschiessung und Collation Recht. nach empfangener Aussteuer bey Leben der Eltern verstorben/ ihre Kindes Kinder vor allen Dingen/ und ehe sie zu einiger Theilung ge- lassen/ ihre von denen Eltern empfangene Aussteuer oder Wiederle- gung in gemeiner Theilung einschiessen/ und darauff mit denen un- ausgesteureten zu gleicher Theilung schreiten. §. 5. So aber denen Kindern einem oder mehrern ein liegend Gut Liegendẽ Guts Recht zur Aussteuer. von den Eltern erb- und eigenthuͤmlich mitgegeben waͤre/ so steht dem- selben Kinde frey/ solch Gut vor sich zu behalten/ und nicht eben in ge- meine Theilung kommen zu lassen/ jedoch daß gleichwohl dagegen denen andern unausgesteureten Kindern einem jeden ein gleichmaͤßi- ges Gut/ oder dessen Werth von gemeiner Crbschafft vorhin zugestel- let/ und also die Geschwistere vor der Erbtheilung in alle Wege mit einander verglichen werden. §. 6. Wann aber der ausgesteureten Kinder eines mit seiner empfan- Kinder Mit- gifft wann ein- zuschiessen oder nicht. genen Aussteuer/ es sey Heyraths-Geld oder Wiederlegung/ content und zufrieden seyn und weiter nichts erben wolte/ so ist auch dasselbe Kind zu conferir en oder einzuschiessen nicht schuldig/ es waͤre denn ge- gen solcher Aussteuer die uͤbrige Erbschafft so geringe/ daß davon die unausgesteureten Kinder ihre gebuͤhrende Legitimam nicht erlangen koͤnten/ auff welchen Fall/ die Ausgesteuerte von der Ubermaß ihrer em- pfangenen Aussteuer denen andern Kindern ihre Legitimam zu erfuͤl- len/ schuldig seyn sollen. Caput XVII. Von Geschwistern gleichmaͤßiger Theilung/ Juͤng- sten Wahlrecht zum elterlichen Wohnhauß/ zweyer oder mehrern Ehe Kinder Nachlaß/ auch vaͤter- und muͤt- terlichen Guͤter Recht. §. 1. Geschwister Theilung- Wahl- und Loß-Recht. W As die Theilung anbelanget/ wie die unter Geschwistern besche- hen soll/ lassen wir es dabey bleiben; daß entweder das Ael- teste die Theile mache und das Juͤngste wehle/ oder daß die Kinder saͤmtlich die Theile setzen/ oder durch andere Unpartheyische/ wofern sie des- Von Erbtheilungen in Heßischen Landen. sie dessen selbst nicht einig werden koͤnnen/ setzen lassen/ und darnach die Lose darum werffen. §. 2. Und nachdem gemeiniglich in unsern Fuͤrstenthumen/ Lan- den und Gebieten der Brauch ist/ daß unter Geschwistern der Juͤngste Juͤngsten Wahl-Recht zum elteꝛlichen Wohnhause. zu seiner Eltern hinterlassenem Wohnhause die Wahl hat/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß es demselben Brauch nach allent- halben in unserm Fuͤrstenthum und Gebiet unter Buͤrger und Bau- ren also gehalten/ und dem Juͤngsten unter Geschwistern die Wahl ermeldten elterlichen Wohnhauses/ so fern die Eltern deßhalben bey ihrem Leben kein anders verordnet/ freygestellet werden/ jedoch sich ein solches allein auff dieselbe Person/ und nicht nach dessen Absterben auff seine Kinder/ erstrecken soll. §. 3. So fern aber das Kind noch gar unmuͤndig waͤre/ und in et- Vormuͤnder Gewalt wegen unmuͤndigen Kindes Wahl zum elterlichen Wohnhauß. lichen Jahren das Hauß selbst zu bewohnen nicht vermoͤchte/ daher denn die Vormuͤndere ermessen/ daß es ihm zutraͤg und nuͤtzlicher/ an- dere nutzbare Guͤter anzunehmen/ und sich des Wohnhauses Wahl/ davon immittelst kein oder je geringer Nutz zu gewarten/ zu begeben/ so soll dasselbe denen Vormuͤndern/ jedoch daß es ohne Hinterlist/ und sonderlich mit Vorwissen/ Decret und Beliebung der Obrigkeit jeden Orts geschehe/ frey und bevor stehen/ auch dieselben Kinder alsdann nach geendigter Vormundschafft deßhalben keine Klage noch Forde- rung gegen die Vormuͤndere oder sonst anzustellen haben. §. 4. Es ist auch an vielen Orten in unsern Landen und Gebie- Kinder aus verschiedener Ehe Erb-Ver- theilungs Recht in Vaͤ- ter- und Muͤt- terlichen. ten der Brauch mit der Zeit eingeschlichen/ daß die Kinder erster Ehe alle in derselben Ehe zusammen gebrachte/ angefallene/ oder sonst er- rungen- und erworbene Guͤter allein; hergegen die Kinder zweyter Ehe die Baar- und Pfandschafften/ auch andere Fahrniß/ samt denen in derselben zweyten Ehe eroberten Guͤtern/ auch allein erben und hin- nehmen. Dieweilen aber hierdurch bißweilen der ersten/ bißweilen der zweyten Ehe Kinder/ nachdem in ein oder andern Ehe viel oder we- nig/ liegend- oder bewegliche Guͤter vorhanden/ mercklich beschweret und vernachtheilet werden; so wollen wir solche vortheilhafft- und ungleichmaͤßige Gewohnheit/ hiermit wissend vernichtet und abgethan haben. Setzen demnach und ordnen/ da hinfuͤhro aus unterschiedlichen und mehr als einer Ehe Kinder vorhanden/ daß alsdann alle von einem Vater/ in zweyter/ erst oder dritten Ehe erziehlete Kinder desselben ihres eheleiblichen Vaters; wie auch hinwiederum einer Mutter Kin- der/ ob sie schon aus erster/ zweyt- oder dritten Ehe gebohren/ derosel- M m m ben IV. Buch/ Cap. XVIII. ben ihrer eheleiblichen Mutter Haab und Guͤter zu gleichen Antheilen und Rechten erben sollen/ unerachtet/ ob die Guͤter Erb- oder Pfand/ liegend oder fahrend/ in erst- oder letzten Ehe angefallen und erlangt seyn/ darauff auch in allen zutragenden Faͤllen an unsern Land-Hof- und Ober- Appellation- Gerichten geurtheilet und gesprochen wer- den soll. §. 5. Was der Mann von seinen Eltern in donationem propter Vaͤterlich Gut was zu neñen. nuptias bekommt/ oder sonst seinem Weibe zubringt/ von seinen El- tern/ oder anderswoher ererbet/ oder mit seines Leib- und Lebens Wagniß ehrlich erobert/ und etwan mit seiner Kunst und Geschicklich- keit ohne des Weibes Zuthun erwirbet/ welches die Rechtsgelehrten bona Castrensia vel quasi nennen/ oder ihm in der Eheberedung aus der Frauen Guͤtern/ da er derselben Tod erlebet/ vermacht ist/ oder sonst vermoͤge Rechtens/ guter Gewohnheit/ und Krafft dieser Ord- nung gebuͤhret/ solches alles soll fuͤr vaͤterlich Gut geachtet und gehal- ten werden. §. 6. Also hingegen/ was das Weib ihrem Ehemann zu rechtem Muͤtterl. Gut was zu achten. Heyraths-Gut zubringt/ von ihren Eltern/ oder anders woher ererbet/ ihr gegeben/ geschenckt oder in Eheberedungs Geding aus Mannes Guͤtern erblich vermacht wird/ oder ihr sonst vermoͤge Rechtens guter Gewohnheit und Krafft dieser Ordnung gebuͤhret/ solches alles soll fuͤr muͤtterlich Gut gerechnet werden. §. 7. Was aber Mann und Weib mit saͤmtlichem Zuthun/ Fleiß/ Eheleute Er- werb-Guͤter Erbrecht. Muͤhe und Arbeit in stehender Ehe/ beydes an liegend und fahrenden Guͤtern erwerben und vor sich bringen/ mit deren Vertheil- und Abson- derung soll es nach Absterben des einen Ehegemahls/ sonderlich da sich das Letztlebende in zweyte Ehe begeben will/ gehalten werden/ wie hernach eigentlich erklaͤret wird. Caput XVIII. Von Letztlebenden Ehegemahls Verhalten gegen gemeine Kinder mit Guͤter Vertheilung fuͤr andern Ehestands Anfang. §. 1. W Jewohl in einem solchen Fall/ da unter zweyen Eheleuten eines verstorben und Kinder hinterlassen/ das Letztlebende biß dahero/ vermoͤge in diesen Landen eingerissenen Mißbrauchs/ gemeiniglich alle Baar- und Pfandschafften samt beweglichen Guͤtern allein eigen- thuͤm- Von Ehegatten Pflicht vor andern Ehestand. thuͤmlich hingenommen/ in die zweyte Ehe bracht/ und sie denen Kin- dern erster Ehe/ ob gleich in zweyter Ehe keine Kinder geziehlet wor- Unvernuͤnffti- ger Mißbꝛauch Rechtens cas- sirt. den/ entwendet hat; jedoch weilen solches ein boͤser Brauch/ der allen Rechten und Vernunfft zu wieder/ dadurch die Kinder offtmahls mercklich vernachtheilet/ auch bißweilen ihrer natuͤrlichen Legitimæ beraubet werden/ so wollen wir solche unvernuͤnfftige Gewohnheit in unsern Fuͤrstenthumen und Landen/ Herrschafften und Gebieten durchaus cassir et/ vernichtet und abgethan haben. §. 2. Setzen demnach/ ordnen und wollen/ daß eine jede Mutter Muͤtter u. Be- amten Pflicht Vormuͤnder zu setzen. nach Absterben ihres Ehemanns innerhalb 2. Monaten gewiß und ohnfehlbar ihren Kindern tuͤchtige Vormuͤnder bey der Obrigkeit bit- ten und verordnen lassen soll; Und im Fall die Mutter hieran einigen Verzug erscheinen liesse/ so sollen unsere Beamten/ samt Buͤrger- meister und Rath jeden Orts/ wie auch ingleichen die von Adel in ih- ren Gerichten schuldig seyn/ vor sich selbst ex officio und von Amts wegen denselben Kindern unverzuͤglich Vormuͤnder zu ordnen. §. 3. Diese Vormuͤnder sollen/ so bald sie gebuͤhrend bestaͤtiget seyn/ mit der Kinder Mutter ein glaubwuͤrdig Inventarium uͤber alle Vormuͤnder Pflicht wegen Jnventarii. hinterlassene Guͤter auffrichten/ und darinn den Unterscheid halten/ daß sie alles/ so vom verstorbenen Vater herkommt/ es sey liegend/ fahrend/ Baar- oder Pfandschafft/ nichts ausgenommen/ besonders; deßgleichen alles/ so von der Mutter herkoͤmmt/ auch besonders; und Vaͤter- und muͤtterlichen auch erworb- nen Guͤter und Schulden Verzeichniß Recht. zum dritten/ was in stehender ehe von beyden Eheleuten mit saͤmtlichem Zuthun/ Muͤhe und Arbeit erobert/ ersparet/ errungen und erworben ist/ gleichfalls besonders verzeichnen; darneben auch zum letzten die Schulden/ ob und was deren vorhanden/ und woher sie ruͤhren/ eigent- lich annotir en/ in dem allem die Mutter bey ihren weiblichen Ehren alles/ so von Baarschafft und andern vorhanden/ getreulich anzeigen und ihren Kindern zu Nachtheil nichts verhalten soll. §. 4. Jm Fall nun in stehender Ehe etwas vom vaͤter- oder muͤt- Vaͤter- oder muͤtterlichen verkaufften Guts Recht. terlichen Gut verkaufft/ und das Kauffgeld an ein ander Pfand oder Erbgut gewendet waͤre/ so soll das erkauffte Gut nicht fuͤr erworben geachtet/ sondern an statt des verkaufften Guts surrogir t und gleich demselben gehalten werden. §. 5. Alldieweil nun die Mutter ihren Wittwenstand nicht ver- Mutter als Wittwen Recht in Guͤ- ter Verwal- tung. ruͤcket/ sich erbar und wohl haͤlt/ soll sie/ so fern kein anders in der Ehe- beredung oder sonst rechtmaͤßig verordnet ist/ mit und neben ihren Kindern/ in allen hinterlassenen Guͤtern unverdrungen sitzen bleiben/ M m m 2 die- IV. Buch/ Cap. XVIII. dieselben zu ihrem selbst und ihrer Kinder Unterhalt und erbaren Auff- erziehung zum Besten nutzen/ messen und gebrauchen/ die Schulden/ ob deren vorhanden/ abstatten/ und vor sich selbst/ auch mit Huͤlffe und Rath der geordneten Vormuͤnder/ ihren Kindern zu gute also hauß- halten/ wie das einer getreuen Mutter wohl anstehet. Andern Ehe Recht wegen Abtheilung mit ersten Kin- dern. §. 6. Wann sie aber bedacht ist/ sich endlich in die andere Ehe zu begeben/ so soll sie dasselbe nicht ehe Macht haben/ noch zum Christli- chen Kirchgang verstattet werden/ sie habe sich dann zufoͤrderst mit ihren Kindern und deren geordneten Vormuͤndern richtig abgetheilet/ welche Abtheilung also vorgenommen werden soll: Die Mutter nemlich soll ihr zugebrachtes Heyraths-Gut und alles andere/ was von ihrentwegen da ist/ es sey liegend oder fahrend/ mit seinen auff solchen Guͤtern stehenden Beschwerungen erblich hinnehmen; Da- gegen alles und jedes/ so von des verstorbenen Vaters wegen vor- handen ist/ und nach hier oben gesetzten Verordnung billig fuͤr vaͤter- lich Gut gehalten wird/ soll den Kindern erblich angefallen seyn und bleiben. Novell. ut Exactio instant. dot. Constit. 91. §. 7. Die uͤbrigen Guͤter aber/ so in stehender Ehe von beyden Mutter und Kinder Theil in erworbenem Gut. Eheleuten mit saͤmtlichem Zuthun erobert/ errungen und erworben/ sie seyn liegend oder fahrend/ nichts ausgenommen/ sollen Mutter und Kinder mit einander theilen/ derogestalt/ da der Kinder eines oder zwey sind/ daß die Mutter die Helffte und die Kinder zusammen die andere Helffte; so der Kinder drey/ vier/ fuͤnff oder sechs sind/ die Mutter ein dritten Theil/ und die Kinder zusammen zwey dritt Theil; Wann aber der Kinder uͤber sechse/ alsdann die Mutter ein vierdten Theil/ und die Kinder allesamt drey vierdten Theil/ erblich hinneh- men und behalten/ und dagegen die in stehender Ehe gemachte Samt- Schulden pro rata solcher Antheil mit einander bezahlen; Ja/ was in erster Ehe acquiri rt/ solches gehoͤret halb dem Vater/ und die ande- re Helffte erster Ehe Kindern; Was aber in der andern Ehe erwor- ben/ gebuͤhret halb der Mutter/ und halb dem Vater; und zu des Va- ters Erworbenem gehoͤren alle Kinder/ auch die Mutter zu ihrem Kin- des Theil. Mutter und Kinder Recht wegen andern Ehemanns zu theilen. §. 8. Und mag demnach die Mutter alles/ so erstlich von ihrent- wegen vorhanden/ und ihr weiter von den erworbenen Guͤtern/ wie ietzt gemeldet/ erblich zugetheilet wird/ neben der Leibzucht und nießlichem Brauch an ihrer Kinder Guͤtern mit Maasse/ wie nachfolgen wird/ ihrem Von Ehegatten Pflicht vor andern Ehestand. ihrem kuͤnfftigen Ehemann in die andere Ehe zubringen/ jedoch mit diesem ausdruͤcklichen Unterschew/ daß auff den Fall ihres toͤdtlichen Abgangs und nach geendeter Leibzucht die Kinder erster Ehe an allen diesen muͤtterlichen Guͤtern/ mit und neben denen in der andern Ehe erzeugten Kindern zu gleichen Antheilen ab intestato succedir en/ und also/ da schon die Mutter durch Testament oder in der Eheberedung ein anders verordnet/ zum wenigsten ihre angebuͤhrende legitimam, die ihnen durch die Mutter mit nichten soll koͤnnen noch moͤgen benom- men werden/ zu gewarten haben. §. 9. Traͤgt sich aber der Fall also zu/ daß am ersten das Weib Vaters Pflicht wegen Jnven- tarii Verferti- gung. verstirbt/ und der Mann neben ihren mit einander erzeugten Kindern am letzten im Leben bleibet/ und ob dann wohl derselbige Vater seiner Kinder legitimus Tutor von Rechts wegen ist/ so soll er gleichwohl in- nerhalb Monats Frist seiner Kinder nechste angewandte Freunde von der Mutter wegen/ oder in Mangel deren sonsten zwo Raths/ Gerichts oder andere beglaubte Personen zu sich nehmen; oder/ da er solches ver- zoͤge/ von ermeldten nechsten Freunden oder unsern Beamten und Ge- richts-Junckern deßwegen erinnert und angehalten werden/ in ihrer Gegenwart ein glaubwuͤrdig Inventarium uͤber alle vaͤter- und muͤt- terliche/ auch erworbene beweg- und unbewegliche Guͤter und Schul- den/ gerade nach der Ordnung/ wie oben vermeldet/ auffzurichten/ de- ren eines bey sich behalten/ und das andere derer Kinder nechsten Freunden zustellen/ oder beym Rath und Gericht deponir en und hin- terlegen. §. 10. Wann sich nun der Vater endlich auch in die andere Ehe begeben will/ so soll er gleichfalls mit seinen Kindern zuvor abtheilen/ und an denen in stehender Ehe mit saͤmtlichem Zuthun errungen und Vaters und Kinder Recht wegen andern Ehe Guͤter zu theilen. eroberten Guͤtern/ sie seyn liegend oder fahrend/ die Helffte durchaus von deßwegen/ daß in Erwerbung der Guͤter der Mann die meiste Muͤ- he haben muß/ samt allem/ was von seinetwegen allein da ist/ erblichen hinnehmen/ und das uͤbrige denen Kindern erblich bleiben/ und sollen gleichfalls dieselben Kinder an solchem vaͤterlichen Gut mit und neben den Kindern/ so in der andern Ehe erzeuget werden moͤchten/ gleichen Antheils ab intestato, oder da schon der Vater ein anders verordnete/ zum wenigsten ihrer legitimæ, wie oben ermeldt/ und hinwiederum die Eltern an ihrer Kinder zugetheilten portion en ebenmaͤßig gebuͤh- renden Anfalls zu gewarten haben/ inmassen hernach weiter soll er- klaͤret werden; Und zwar soll diese Ordnung mit Vormuͤndern/ In- M m m 3 venti- IV. Buch/ Cap. XVIII. venti rung und abzutheilen/ nicht allein nach geendeter ersten Ehe/ son- Dritten und vierdten Ehe Gerechtigkeit. dern auch in dem Fall statt haben/ und deroselben stracks nach gegan- gen werden/ so in folgender zweyten/ dritt- und vierdten Ehe deren Eheleute eines verstuͤrbe und Kinder hinterliesse. §. 11. Traͤgt sich auch der Fall also zu/ daß Mann und Weib in erster Ehe Kinder erziehlen/ und nach Vaters Absterben die Mutter Letztlebenden Ehemanns zweyter Ehe auch allerseits Kinder Erb- recht. sich mit ihren Kindern allenthalben/ wie nechst geordnet/ vertheilet/ folgends zur zweyten Ehe schreitet/ darinnen auch Kinder ziehlet/ und mit demselben ihrem zweyten Ehemann liegend und fahrende Guͤter erwirbet/ endlich aber vor ihm mit Tode abgehet/ so soll die Helffte solcher Guͤter dem letztlebenden Ehemann erblich bleiben/ und die an- dere Helffte den andern Kindern erst- und zweyter Ehe von ihrer verstorbenen Mutter wegen zu gleichen Antheilen auch erblich/ jedoch dem Stieffvater die Leibzucht daran sein Lebenlang vorbehalten/ ange- fallen seyn. §. 12. Wofern aber der zweyte Ehemann am ersten verstuͤrbe/ Mutter Thei- lungs Recht mit erst- und andern Ehe Kindern. und das Weib als gemeine Mutter ihrer in erst- und zweyten Ehe er- zeugten Kinder am letzten im Leben bleibet/ so soll sich dieselbe Mutter derer in zweyter Ehe erworbenen Guͤter halben mit ihren letzten Kin- dern/ nach dem derselben viel oder wenig sind/ nach der Masse/ wie im nechst vorhergehenden siebenden Satz unterschiedlich geordnet ist/ ver- theilen; als zum Exempel: Jn erster Ehe sind vor 300. fl. errungen und erworbene Guͤter vorhanden/ da nun in derselben ersten Ehe ein oder zwey Kinder erziehlet/ und der Vater am ersten verstirbet/ so erben die zwey Kinder zusammen an den erworbenen Guͤtern die Helffte/ nemlich 150. fl. und die Mutter die andere Helffte; Seynd aber der Kinder drey/ vier/ fuͤnff oder sechs/ so nehmen sie zusammen zwey dritt- theil/ nemlich 200. fl. und die Mutter ein Dritt-theil; und sind der Kinder uͤber sechs/ nehmen sie alle zusammen drey vierdten Theil/ nem- lich 225. fl. und die Mutter einen vierdten Theil/ thut 75. fl. §. 13. Wann sich nun die Mutter in die zweyte Ehe begiebt/ und Exempel zwey- ter Ehe Kin- der und Mut- ter Theilung. werden in derselben Guͤter vor 600. fl. mit saͤmtlichem Zuthun erwor- ben/ auch solche Mutter ihres zweyten Ehemanns Tod erlebet/ und mit ihm ein oder zwey Kinder erzeuget hat/ so nehmen dieselben Kinder zweyter Ehe an denen darinn erworbenen 600. fl. die Helffte/ und die Mutter den andern halben Theil/ als 300. fl. Seynd aber der Kinder aus zweyter Ehe drey/ vier/ fuͤnff oder sechs/ so nehmen sie zusammen zwey Drittheil/ thun 400. fl. und die Mutter ein Drittheil/ als 200. Guͤl- Von Ehegatten Pflicht vor andern Ehe. Guͤlden; und seynd der Kinder zweyter Ehe uͤber sechs/ nehmen sie zu- sammen drey vierdten Theil/ nemlich 450. fl. und die Mutter ein vierd- ten Theil als 150. fl. §. 14. Was nun der Mutter solcher Gestalt nach Anzahl ihrer Kinder in erst- und zweyter Ehe von erworbenen Guͤtern zugetheilet wird/ solches alles/ wie auch sonst andere ihre ererbt- und angefallene Mutte cht Guͤter in drit- te Ehe zu brin- gen. Guͤter/ hat sie foͤrderst in die dritt- oder weitere Ehe zu bringen/ und daran stehen alle ihre eheleibliche Kinder/ ob sie gleich aus unterschied- lichen Ehen gezeuget seyn/ zugleichen Rechten. Wofern aber aus er- ster Ehe alleine Kinder und keine aus zweyter Ehe vorhanden seyn/ so soll denselben Kindern erster Ehe an denen in zweyter Ehe mit saͤmt- lichem Zuthun erobert-errungen und erworbenen Guͤtern von ihres in Erster Ehe Kinder Recht an zweyter Ehe erworbe- nem Gut. zweyter Ehe verstorbenen eheleiblichen Vaters oder Mutter wegen die Helffte/ jedoch dem letztlebenden Stieff-Vater oder Mutter die Leib- zucht daran sein Leben lang vorbehalten/ durchaus eigenthuͤmlich an- gefallen seyn/ und die andere Helffte dem letzlebenden Stieffvater oder Mutter erblich bleiben. Caput XIX. Von Eltern Leibzucht an Kinder Guͤtern/ auch Kinder Erbtheils Versicherung und Leibgedings Ende oder Verwuͤrckung. §. 1. W Ofern Eheleute in ihrer mit einander auffgerichteten Ehebere- Eheleute Leib- zucht Recht. dung sich verglichen/ oder sonst durch ein rechtmaͤßig Testament und Disposition Verordnung gethan haben/ wie es der Leibzucht hal- ben an ihren Guͤtern zwischen dem letztlebenden Ehegemahl und Kin- dern gehalten werden soll/ so wird derselben Verordnung/ wie recht ist/ allenthalben billig gelebt und nachgegangen; im Fall aber hiervon keine sonderbare Verordnung vorhanden ist/ so soll nach geendeter ersten Ehe das letztlebende Ehegemahl/ es sey Vater oder Mutter/ es bleibe auch im Wittwen Stande oder schreite Christlicher Ordnung nach zur andern Ehe/ an allem/ so seinen Kindern erblich angefallen Eltern Pflicht gegen Kinder wegen Leib- zucht. oder zugetheilet ist/ die Leibzucht sein Lebenlang haben und behalten; dagegen aber nicht allein die Kinder erbar aufferziehen/ versorgen/ zu Ehren bringen/ und nach Gelegenheit der Guͤter aussteuren/ deroge- stalt/ daß einem jedern Kinde zum wenigsten die Helffte seiner zuvor ange- IV. Buch/ Cap. XIX. angefallen und gebuͤhrenden Portion mitgegeben und zugestellet wer- de/ sondern auch die Guͤter in gutem Bau und Wesen erhalten/ nichts davon veraͤndern/ beschweren noch vereussern/ auch alle beyde Ge- schoß/ Zinß und andere Pflicht/ damit sie der Obrigkeit und andern etwa verhafftet seyn/ ohne der Kinder Zuthun/ tragen und ausrichten. §. 2. Damit auch den Kindern ihre angefallen und zugetheilte Kinder Nutzen wie zu beo- bachten. Baarschafft und andere bewegliche Stuͤcke/ die vergaͤnglich seyn/ oder durch taͤglichen Brauch gantz oder zum Theil abgenutzt und verzehret werden moͤgen/ als Wein/ Frucht/ Vieh/ Haußrath/ Kleider und der- gleichen/ durch ietzt erzehlte denen Eltern daran verordnete Leibzucht nicht verruͤckt/ noch sie darum bracht werden/ so soll das baare Geld/ und was mit Nutzen der Kinder aus Frucht und andern zu Geld zu machen ist/ ihnen zu gute an gewissen Ort angelegt/ und die Abnutzung den Eltern zur Leibzucht gefolget/ das uͤbrige aber/ was an Haußrath und andern den Kindern zustaͤndig/ nicht zu Gelde gemacht/ sondern die Eltern in ihren Brauch Krafft der Leibzucht nehmen/ alles eigent- lich in ob gemeldtes Inventarium bracht/ und an ziemliches Geld nach billigem Werth angeschlagen/ auch den Kindern nach geendeter Leib- zucht in gleicher Guͤte wiederum zugestellt/ oder der Mangel und Ab- gang ob ermeldtem Anschlag nach erstattet werden. §. 3. Wann aber der Kinder angefallene und zuvertheilte Guͤter Jaͤhrlichen Leibzucht Ab- nutzung Uber- schuß Recht. so ansehn- und stattlich/ daß nicht allein das letztlebende Ehegemahl sich selbst und seine Kinder von den jaͤhrlichen Nutzungen derselben und seiner selbst zugetheilten Guͤter/ nach Erforderung seines Standes nothduͤrfftig unterhalten/ sondern auch durch gute Haußhaltung und Vorsichtigkeit was nahmhafftes daran erobern und vor sich bringen koͤnte/ so soll gleichwohl dasselbe residuum und Uberschuß an jaͤhrlichen Leibzucht Nutzungen nicht eben dem kuͤnfftigen Stieff-Vater oder Mutter zugewendet/ und den Kindern erster Ehe/ von deren Guͤtern es herreicht/ entzogen werden/ sondern vielmehr darinn von Eltern selbst auch Vormuͤndern und nechsten Freunden/ oder in Mangel dessen von unsern Beamten/ samt Buͤrgermeister und Rath jeden Orts von Amts wegen ein solch billig und gleichmaͤßiges Einsehen geschehen/ daß der Uberschuß an jaͤhrlichen Abnutzungen nach Gelegenheit und erba- ren Ermaͤßigung denen ersten Kindern mit zum guten gereiche/ auch Kinder Unter- pfand Recht an Eltern Guͤ- ter. ihre angefallen u. zugetheilte Portiones davon ziemlich gebessert werden. §. 4. Anfaͤnglich zwar sollen nach heilsamer Verordnung gemei- ner Rechte alle der Eltern und Leibzuͤchter eigene Guͤter beydes gegen- waͤrt- Von Leibzucht und Leibgedingen im Heßischen. waͤrt- und zukuͤnfftige/ den Kindern und Eigenthums Erben/ vor ihre angefallene Erbtheile/ so die Eltern zur Leibzucht unter Handen haben/ tacite hypothecir et und unterpfaͤndet seyn/ derogestalt/ daß die Kin- der nach geendeter Leibzucht/ so ihnen ihre Guͤter immittelst verringert oder in einigem Weg beschweret waͤren/ und nicht vollkoͤmmlich resti- tuir et wuͤrden/ derselben ihrer Eltern ihnen verhafftete Guͤter auch auff den Fall/ da sie schon in zweyt- oder dritte Hand veraͤussert waͤren/ als ihr wahres Unterpfand einzuklagen/ und sich alles ihren Nachtheils und Schaden zur Genuͤge daran zu erholen haben/ dazu ihnen auch durch unsere Beamten in zutragenden Faͤllen jederzeit schleunig und ohne einige Umfuͤhrung oder Auffenthalt verholffen werden soll. §. 5. Wofern auch eine Mutter ihrer eheleiblichen Kinder aner- Stieffvaters Guͤter Pfand- recht deren Stieff Kinder. storbene vaͤterliche Guͤter von wegen daran habender Leibzucht in zweyt- oder dritte Ehe einbraͤchte/ und dadurch der Stieffvater die Verwaltung an solchen seiner Stieff-Kinder Guͤter einbekaͤme/ so sol- len desselben Stieffvaters eigene Guͤter gegenwaͤrt- und kuͤnfftige/ gleichfalls auch Krafft dieser unsern Lands-Ordnung/ seinen Stieff- Kindern vor ihre Guͤter tacite hypothecir et und verhafftet seyn/ daran sie sich ebener massen/ wie vorstehet/ nach geendeter Leibzucht alles Mangels/ Nachtheils und Schadens zu erholen haben sollen. §. 6. Truͤge sichs aber zu/ daß Eltern weder zu ihrer Kinder Auff- Kinder Recht wann Vater oder Mutter verschwende- risch. erziehung/ noch auch derselben Guͤter Verwaltung tauglich/ als nem- lich/ wann das letztlebende Ehegemahl gleich vom Anfang oder hernach nicht wohl hausete/ die Guͤter uͤbel zubraͤchte/ mißbrauchte/ geringerte/ beschwerete/ nicht in Bau und Wesen erhielte/ oder sonst eines leicht- fertigen/ unerbaren/ ungeschickten Lebens/ Wesen und Wandels waͤ- re/ oder aber die letztlebende Mutter sich in die andere Ehe an einen Ver- schwender/ verthuenden und ungerathenen Mann begebe/ der vielleicht das Seine allbereit zubracht/ und also die Kinder/ um erzehlter Ursachen willen/ so wohl Versaͤumniß an guter Aufferziehung und gebuͤhrlichen Zucht zu gewarten/ als ihrer Guͤter halben/ bevorab so dieselben be- weglich und nicht alle an liegenden Gruͤnden waͤren/ allerhand Gefahr zu besorgen haͤtten; so sollen in diesem Fall unsere Beamten samt Buͤrgerweister und Rath jedes Orts/ nicht allein auff deren Kinder Kinder Guͤter halben Eltern Pflicht mit Buͤrgschafft und Versiche- rung. selbst/ ihrer Vormuͤnder oder nechsten Freunde Ansuchen/ sondern auch vor sich selbst von Amts wegen schuldig seyn/ ein solch ernst- und fleißi- ges Einsehn zu thun/ daß die Kinder entweder nach Gestalt und Gele- genheit der Sachen Umstaͤnde fuͤr solchen besorglichen Beschwerden N n n mit IV. Buch/ Cap. XIX. mit genugsamer Buͤrgschafft gesichert/ oder so dieselbe nicht nothduͤrff- tig geschehen koͤnte/ oder sonst denen Sachen/ um bevorstehenden au- genscheinlichen Gefahr willen/ mit solcher Buͤrgschafft nicht geholffen waͤre/ alsdann beydes die Kinder und ihre Guͤter zugleich/ oder die Guͤ- ter allein/ wie es Gelegenheit und Nothdurfft erheischen wird/ aus deren Eltern oder Stieff-Vaters Administration und Verwaltung demnechst abgenommen/ und ihren verordneten Vormuͤndern unter- geben und befohlen werden/ sie und dieselben ihre Guͤter zum best- und treulichsten zu erziehen und verwalten/ und so fern von denen Eltern beydes Kinder und Guͤter um ihres gottloß-verteuffelt-unerbaren Le- bens und Wandels willen abgenommen/ so soll ihnen von solchen ih- rer Kinder Guͤtern zur Leibzucht weiters nichts gereichet/ sondern das- selbe denen Kindern zu ihrer Aufferziehung und Besten angewendet werden. Eltern wann ihre Leibzucht nicht zu ver- weigern. §. 7. Wann aber denen Eltern ihres Lebens halben keine Un- zucht noch Unerbarkeit zugemessen werden kan/ sondern sie sonst we- gen Unverstandes oder Fahrlaͤßigkeit zu der Administration ihrer Kin- der Guͤter nicht dienlich seyn/ so sollen ihnen gleichwohl/ ob schon die Guͤter aus ihrer Verwaltung genommen/ die Leibzucht Nutzungen zu ihrem selbst und der Kinder Unterhalt abgefolget/ und sie dessen gebuͤh- rend versichert werden. §. 8. Es soll aber der Ususfructus oder Leibzucht/ so denen Eltern an ihrer eheleiblichen Kinder angefallenen und zuvertheilten Guͤtern durch diese unsere Lands-Ordnung ausbedungen ist/ sich nicht weiter/ dann auff des Usufructuarii oder Leibzuͤchters Lebens Laͤnge/ erstrecken und mit desselben Tode endigen; darum/ so unter zweyen Eheleuten der Leibzucht Ver- wuͤrckungs Recht. Mann erst verstuͤrbe/ das Weib nach beschehener Abtheilung mit ih- ren Kindern/ als ob stehet/ sich in die andere Ehe begebe/ ihrem zweyten Ehemann nicht allein ihr eigen Gut/ sondern auch die Leibzucht an ihrer Kinder Antheilen zubraͤchte/ und endlich vor ihm verstuͤrbe/ so soll der- selbs zweyt- und letztlebende Ehemann sich der zugebrachten Leibzucht an seiner Stieff-Kinder Guͤtern nicht laͤnger zu erfreuen haben/ son- dern binnen Monats Frist nach seines Weibes Absterben davon ab- zutreten schuldig seyn/ wie auch solche Guͤter seinen Stieff-Kindern ohne Einrede mit allen darauff stehenden und dahero reichenden Nu- tzungen wuͤrcklich einzuraͤumen/ und soll der Stieff-Vater an solchen Nutzungen/ die erst nach geendeter Leibzucht betagen und erscheinen/ auch ohne Stieff-Vaters Muͤhe und Arbeit gefallen/ als ledige Erb- und Von Leibzucht und Leibgedingen im Heßischen. und wiederkaͤuffliche Frucht und Geld-Renthen/ Baum-Fruͤchte/ Wiesenwachs und dergleichen/ nach verlauffener Zeit nichts zu for- dern haben. §. 9. Von Ackerbau Guͤtern aber/ die mit sonderbarer Muͤhe/ Ackerbau Guͤ- ter Fruͤchte Nutzung Recht Arbeit und Unkosten in stehender Ehe ausgestellt/ besaamet und erbau- et sind/ sollen die darauff stehende und zur Zeit der Leibzuͤchterin Ab- sterben nicht abgenommene Fruͤchte/ was deren nach Grund-Zinses Abzahlung uͤbrig/ gerade halb dem Stieff-Vater/ und die andere Helffte/ denen Eigenthums Erben mit den Guͤtern folgen/ und demsel- ben sonst weder Ackerlohn/ Saamen/ Mistrecht/ noch andere derglei- chen Besserung nicht zugerechnet werden. §. 10. Was aber der abgestorbenen Mutter eigene Guͤter belan- Mutter eige- nen Guͤter Recht wegen Leibzucht. get/ von ihrer Seiten herruͤhren/ auch ihr in voriger Ehe in gehalte- ner Theilung mit ihren Kindern/ nach hieroben gesetzter Ordnung/ erb- lich zugetheilet seyn/ daran soll der Stieffvater/ so fern die Mutter vor ihrem Abgang durch Testament oder sonst kein anders verordnet/ die Leibzucht sein Leben lang haben und behalten/ auch nach seinem Ab- sterben diß muͤtterliche Gut auff deroselben zuvor verstorbenen Mut- ter eheleibliche Kinder/ sie seyen aus erster/ andern oder dritten Ehe/ ab intestato zugleich erben und fallen. §. 11. Und ob wohl in diesem Fall der Stieffvater von dieser ihme an denen muͤtterlichen Guͤtern bedungenen Leibzucht seinen Stieff-Kin- dern/ als denen nunmehro ihr vaͤterlich Gut pleno jure angefallen ist/ Stieff-Vaters Pflicht gegen Stieff-Kinder aus muͤtterli- chem Gut. einigen Unterhalt nicht schuldig; jedoch da dasjenige/ so denen Stieff- Kindern nach Absterben ihrer Mutter pleno jure angefallen/ dermas- sen gering waͤre/ daß sie davon nicht erhalten noch ausgesteuret wer- den moͤchten/ dagegen aber die muͤtterliche Guͤter/ daran dem Stieff- Vater die Leibzucht zustehet/ also gethan/ daß ihnen daraus ziemlich zu helffen waͤre/ so soll der Stieffvater zu seiner Stieff-Kinder noth- duͤrfftigen Unterhaltung und Aussteuer aus solchen muͤtterlichen Guͤ- tern nach derselben Gelegenheit und Vermoͤgen ein ziemliches/ auff bey- derseits Freunde oder der Obrigkeit billiges Ermessen zuzuschiessen schuldig seyn/ welches in kuͤnfftiger Erbtheilung denselben Kindern an ihrem gebuͤhrenden Antheil wieder abzuziehen. §. 12. Was auch biß anhero der Eltern und Kinder halben aus Dritt- oder vierdten Ehe Recht. erst- und andern Ehe disponir t ist/ solches alles soll ebenmaͤßig von der dritten/ vierdt- und weitern Ehe/ deßgleichen ohne Unterscheid der Faͤl- N n n 2 le/ es IV. Buch/ Cap. XX. le/ es sterbe gleich der Mann vorm Weibe/ oder das Weib vor dem Mann/ verstanden werden. §. 13. Ferner/ so das Weib nach Absterben ihres Mannes entwe- der im Wittwen-Stand ein leichtfertig hurisch Leben fuͤhrete/ oder Leibzucht Ver- lust Ursachen. da sie von selbigem ihrem abgestorbenen Mann schwanger waͤre/ und/ ehe sie des Kindes genesen/ zur zweyten Ehe schritte/ oder auch in zwey- ter Ehe einen Ehebruch begienge/ oder sich sonst auff Zauberey und an- dere dergleichen Laster/ die Lebens-Straffe auff sich haben/ kundbar be- gebe/ so soll sie damit so wohl gegen ihre Kinder/ als in deren Mangel gegen andern Eigenthums Erben/ an allen von ihrem verstorbenen Ehemann herruͤhrenden Guͤtern die Leibzucht/ wann ihr gleich diesel- be durch Eheberedung/ Testament oder einigen andern letzten Willen zuvor vermacht waͤre/ verwuͤrcket/ und sich deren verlustig machen/ auch die Eigenthums Erben guten Fug und Macht haben/ alle ihnen zu- gehoͤrige eigenthuͤmliche Haab und Guͤter in ihren selbst eigenen Brauch einzufordern und anzunehmen/ darauff auch unsere Beam- ten und Gerichte erkennen/ und die Kinder/ so sie noch minderjaͤhrig/ mit tuͤchtigen Vormuͤndern und Pflegern versehen sollen. §. 14. Also auch/ dafern ein Ehegemahl dem andern nach Leib und Ehegatten Boßheit Straffe. Leben stuͤnde/ einander boͤßlich deserir ten und verliessen/ oder sonst ei- nes am andern bruͤchig wuͤrde/ und sich bey ihren Lebzeiten nicht mit einander reconciliir ten/ so soll das schuldige Theil vom andern un- schuldigen Ehegemahl nach ihren gemeinen Kindern nichts uͤberall weder zum Eigenthum noch zur Leibzucht zu gewarten haben. Caput XX. Von Erbrecht zwischen Eheleuten/ so ohne Kinder versterben/ und wie weit Eigenthum oder Leibzucht durch Vermaͤchtniß zu benehmen. §. 1. Mann und Weib ohne Kinder wie sich Erben. W Jewohl nach Verordnung gemeiner Kaͤyser-Rechte Mann und Weib/ wann sie gar keine Kinder verlassen/ nichts uͤberall von einander erben moͤgen/ es waͤre denn Sache/ daß das erst abge- storbene Ehegemahl keine Bluts-Verwandten/ oder das letzt lebende sonst von grosser Armuth wegen nichts zu leben haͤtte/ jedoch weiln es deßfals in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebiethen anders her- kommen/ auch Erbar- und Billigkeit gemaͤß ist/ daß ein Ehegemahl vom Von Erbrecht ohne Kinder gestorbener Eheleuten. vom andern in Ansehung ihres eheleib- und unauffloͤßlichen Bandes/ und dahero entstandenen Gemeinschafft in Muͤhe und Arbeit/ Lieb und Leyd/ auff den Todesfall etwas zu gewarten und zu erben habe/ gleichwohl aber deßfalls in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebie- then biß anhero ungleiche und eines Theils fast beschwerliche Ge- wohnheiten und Mißbraͤuche eingerissen/ als nemlich/ daß an etlichen Orten ein Ehegemahl das andere durchaus in allen Guͤtern ohne Alten Hessen Rechts Ge- wohnheit Miß- brauch. einigen Unterscheid und Ruͤckfall geerbet/ und alle des erst Verstorbe- nen nechste Bluts Freunde als Geschwistere/ Eltern und andere/ al- lerdings davon ausgeschlossen; an etlichen Orten aber allein die alten stamm- und hinterfaͤllige Guͤter auff des erst abgestorbenen Ehege- mahls nechste Freunde/ jedoch nicht ehe/ als nach letztlebenden Egehe- mahls Absterben/ und also nach Endung seiner daran gehabten Leib- zucht zuruͤck gefallen. §. 2. Jn welchem vorgemeldten Fall sich gleichwohl auch uͤber dem/ welche Guͤter vor alte stamm- und hinterfaͤllige Guͤter eigentlich zu halten/ allerhand Zanck und Haders zugetragen/ damit nun hinfuͤro Ohne Kinder verstorbener Ehegatte was auff den noch Lebenden ver- erbt. in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebieten hierinn ein durchaus- gehend gleichmaͤßig Recht gehalten/ und alle beschwerliche Mißbraͤu- che/ Hadder und Gezaͤnck nach aller Moͤglichkeit abgeschnitten wer- den; So setzen/ ordnen und wollen wir/ daß/ wofern unter zweyen Eheleuten eines nach gehaltenem Kirchgang und bezogener Ehe ohne hinterlassene Kinder verstirbet/ und seines uͤberbleibenden Ehegemahls halben zuvor weder durch Eheberedung/ Testament noch dergleichen rechtmaͤßiges Geschaͤffte/ Pact oder Geding nichts verordnet hat/ was dasselbe Letztlebende von seinen des erst Abgestorbenen Guͤtern zum Eigenthum oder Leibzucht zu gewarten/ so sollen alle und jede des erst verstorbenen Ehegemahls Stamm- und andere liegende Guͤter/ und die dafuͤr laut dieser Ordnung geachtet/ so dasselbe vor der Vereheli- chung gehabt/ oder ihm in waͤhrender Ehe durch Erbschafft oder sonst angefallen seyn/ gantz- und die in stehender Ehe mit beyderseits Muͤ- he/ Arbeit und fleißiger Haußhaltung eroberte liegende Guͤter/ und so dafuͤr geachtet/ alsbald zur Helffte seinen nechsten gesipten Bluts- Freunden nach Vortheil und Naheit des Grads erb- und eigenthuͤm- lich anheim fallen/ jedoch/ daß dem letztlebenden Ehegemahl der Usus- fructus und nießlicher Brauch an allen diesen Guͤtern sein Leben lang verbleibe/ dagegen es auch hinwiederum-solche Guͤter in wesentlichem Bau und Besserung ohn alle Verwuͤstung Beschwer- und Veraͤusse- N n n 3 rung IV. Buch/ Cap. XX. rung zu erhalten/ dazu alle Beede/ Zinse/ Geschoß/ Dienst und andere darauff stehende Pflicht ohne Zuthun der Eigenthums Erben zu leisten und tragen/ pflichtig seyn sollen. Liegend und fahrend en Guͤ- ter Erbrecht zum letztleben- den Ehege- mahl. §. 3. Alle uͤbrige Guͤter aber/ als nemlich vom letztlebenden Ehe- gemahl herruͤhrende/ samt der andern Helffte derer in stehender Ehe mit gesamter Muͤhe eroberten liegenden Guͤter/ deßgleichen alle fahrende Haab/ und was beweglich ist/ soll dem Letztlebenden/ jedoch daß aus der fahrenden Haabe/ und so die nicht zureicht/ auch aus denen eroberten Guͤtern die Schulden zuvor bezahlet werden/ erblich verblei- ben; Es waͤre denn Sache/ daß beyde Eheleute bey ihrem Leben eine Pfandschafft abgeloͤset/ oder sie sonst ein liegend Gut verkaufft/ und solch Geld nach des einen Ehegemahls Absterben noch unangelegt vor- handen waͤre/ denn dasselbe ohnangewandte Geld/ wie auch ingleichen dasjenige/ daran es forthin waͤhrender Ehe gewendet/ soll nicht andern fahrenden Haab oder eroberten Guͤtern gleich geachtet/ sondern viel- mehr nach Art und Eigenschafft der Pfandschafft/ oder des Guts/ da- von es herreicht/ vererbet werden. Eheleute Mey- erhoͤfe und Ackerbaus Guͤ- ter Erbrecht. §. 4. Also auch/ da Eheleute einen oder mehr Meyerhoͤfe oder dergleichen Ackerbau selbsten ausstellen/ und zu dessen nothwendigen Erbauung allerhand Vieh/ von Pferden/ Kuͤhen und Schaafen/ und was dazu weiters gehoͤret/ hielten/ so soll dasselbe Viehe nach Abster- ben des einen Ehegemahls nicht eben/ gleich andern beweglichen Guͤ- tern/ dem Letztlebenden allein erblich bleiben/ sondern auch nach Art und Eigenschafft des Hoffs oder Guts/ zu dessen nothwendigen Erbauung es destini ret und verordnet ist/ vererbet werden/ und was denn des erst absterbenden Ehegemahls nechsten Freunden zum Eigenthum ein- mahl aufferstorben/ solches alles soll denselben/ auch ihren nechsten Er- ben nach ihnen/ im Fall sie gleich vor dem Letztlebenden verstuͤrben/ und also die Endung der Leibzucht an solchen Guͤtern nicht erlebeten/ verblei- ben/ und auff dieselben transmittir et werden. Ob und wie weit letztleben- dem Ehege- mahl durch Vermaͤchtniß von der Leib- zucht des Ver- storbenen et- was entzogen werde. §. 5. Wiewohl wir in nechst vorhergehendem unterschiedlich er- klaͤret/ was ein Ehegemahl vom andern ab intestato und auff den Fall/ da kein Pact oder Vermaͤchtniß vorhanden/ beydes Eigenthum und Leibzucht weise zu gewarten; so wollen wir doch darum derselben Ehe- leute keinem Testamenti factionem und freye Willkuͤhr/ seinen letzten Willen auffzurichten/ benommen haben. Soll demnach einem jeden Ehegemahl frey und bevorstehen/ seines Willens und Gefallens/ von allen und jeden seinen selbst eigenen und der Helffte deren in stehender Ehe Von Erbrecht ohne Kinder gestorbener Eheleuten. Ehe mit gesamter Muͤhe und Arbeit eroberten Guͤter zu testir en/ je- doch mit solcher Masse und Bescheidenheit/ daß erstlich demjenigen/ so in zuvor auffgerichteter Heyraths-Verschreibung allerseits dem letzt- lebenden Ehegemahl zu gute abgeredt und ausbedungen ist/ nicht zu wider testir et/ und vors andere dem Letztlebenden an ob ermeldter Helff- te dero in stehender Ehe mit gesamtem Fleiß und Muͤhe eroberten/ wie auch ingleichen zum wenigsten am halben Theil derer Guͤter/ die dem erst absterbenden und testir enden Ehegemahl allein zustehen/ die Leib- zucht in alle Wege/ so fern in der Eheberedung kein anders abgeredt ist/ gelassen werde. §. 6. Was aber die Guͤter anlangt/ so der Mann allein mit sei- ner Kunst/ Geschicklichkeit und Wagniß ohn alles Zuthun des Wei- Erworbenen Guͤter Erb- und Eigen- thums Recht. bes erwirbet/ und die Rechte bona castrensia vel quasi nennen/ ob es wohl mit denselben/ auff den Fall keine Kinder vorhanden/ und der Mann am ersten verstirbet/ gleich andern in stehender Ehe mit saͤmt- lichem Zuthun erworbenen Guͤtern gehalten werden soll/ nemlich/ daß dem letztlebenden Weibe die Helffte/ und die andere Helffte des ver- storbenen Mannes nechsten Freunden alles zum Eigenthum/ jedoch dem Weibe die Leibzucht ihr Lebenlang vorbehalten/ anheimfalle/ so Weiber Leib- zucht Freyheit. soll gleichwohl dem Manne frey und bevor stehen/ seines Willens und Gefallens von diesen seinen bonis castrensibus vel quasi zu testir en/ und die gantz oder zum Theil zu vermachen/ wohin er will/ daß allein dem Weibe sein Lebenlang zum wenigsten an der Helffte dieser Guͤter die Leibzucht/ und wofern es sonst geringen Vermoͤgens/ auch der vierdte Theil der Guͤter erb- und eigenthuͤmlich gelassen werde. §. 7. So aber das Weib am ersten und vor dem Manne ver- Mannes Er- werb-Guͤter Vorrecht. stuͤrbe/ so soll sie von diesen dem Manne allein zugehoͤrigen bonis castrensibus vel quasi nichts weder zu testir en/ noch auff ihre Freunde ab intestato zu vererben haben/ sondern solche Guͤter/ wie sie vom Manne allein erworben/ also sollen sie auch bey ihm allein ple- no jure bleiben/ und ferner auff die Seinen ver- erbet werden. Caput IV. Buch/ Cap. XXI. Caput XXI. Vom Inventario und Caution wegen hinterfaͤlligen Guͤter nach Ehegemahls Absterben/ Schalden Bezahlung/ Eheleute Succession auch ohne Eigenthum und Leibzucht/ und welche Guͤter beweg- oder unbeweglich zu halten. §. 1. D Jeweilen biß dahero klaͤhrlich verordnet ist/ was nach Absterben Inventarii Verfeꝛtigungs Frist. des ersten Ehegemahls seinen nechsten Freunden ab intestato erblich anfallen/ gleichwohl aber an demselben allen das letztlebende die Leibzucht sein Lebenlang behalten soll/ damit dann ermeldte des erst verstorbenen Ehegemahls nechste Freunde und Erben ihres An- falls um so viel gewisser und sicherer seyen/ auch deßwegen alle kuͤnff- tige Gezaͤncke nach Muͤglichkeit abgeschnitten und verhindert wer- den; so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß so bald nach ersten Ehege- mahls Absterben/ oder auffs laͤngste binnen Monats Frist darnach/ durch desselben nechste Freunde und Erben und das Letztlebende unter sich selbst/ oder/ wofern sie dessen nicht einig werden koͤnten/ mit Zu- thun unserer Beamten samt Buͤrgemeister und Rath- oder Gerichts- Herrn jeden Orts/ ein glaubwuͤrdig Inventarium gezwiefachet/ eines Inventarii und Erb-Verzeich- niß Recht. vor die Erben/ und das andere vor das letztlebende Ehegemahl/ auff- gerichtet und darinnen alle und jede Guͤter/ was des erst verstorbenen Ehegemahls Freunden und Erben nach dieser unser Ordnung zum Eigenthum auffgestorben/ mit ihren Qualitæt en und Gelegenheiten eigentlich annotiret und verzeichnet werden/ darunter dann das Letztle- bende gefehrlich nichts unterschlagen noch verschweigen/ sondern alles getreulich/ bey Verlust daran bedungener Leibzucht/ offenbahren und anzeigen soll. Letztlebenden Ehegatten Caution Jn- halt. §. 2. Dafern auch des erst abgestorbenen Ehegemahls Freunde und Erben mit diesem verfertigten Inventario nicht begnuͤget waͤren/ sondern noch daruͤber um redlicher Ursachen willen einer besondern Caution und Versicherung vom Letztlebenden uͤber solche hinterfaͤllige Guͤter begehrten/ so soll ihnen das Letztlebende solche Caution in Schrifften dieses Jnnhalts/ daß es an den hinterfaͤlligen und in Specie benannten Guͤtern nichts versetzen/ verpfaͤnden/ vereussern noch be- schweren/ sondern sich deren nach Leibzucht Recht gebrauchen/ die darauff stehende Pflicht/ als Geschoß/ Zinse/ Bethe/ Dienststeuer/ immit- Von Verstorbener nachgelassenen Guͤter. immittelst entrichten/ auch sie in gutem wesentlichen Bau und Besse- rung halten wollen/ alles bey Verpfaͤndung seiner selbst eigenen Guͤ- ter/ unter Raths oder Gerichts Jnsiegel zu bestellen und hinauszu- geben/ schuldig seyn. §. 3. Jm Fall auch unter solchen hinterfaͤlligen Guͤtern etwas Leibzucht Ver- lust Recht. von Pfandschafften waͤre/ so immittelst waͤhrender Leibzucht abgeloͤst/ soll der erlegte Pfandschilling mit Wissen und Willen der Eigen- thums Erben unverzuͤglich wider angelegt werden/ und wann nun dieser Caution zuwieder gelebet oder gehandelt wuͤrde/ oder/ dafern auch gleich keine Caution geschehen/ der Leibzuͤchter sich seiner Leib- zucht mit Veraͤuserung/ Beschwer und Verwuͤstung der Guͤter miß- brauchte/ so soll er nicht allein nach Gerichts Ermessung der Leibzucht verlustiget seyn/ sondern auch die Eigenthums Erben sich an allen seinen Guͤtern ihres Schadens und Nachtheils voͤllig zu erhohlen haben. §. 4. Wofern unter zweyen Eheleuten eines oder das andere vor ihrer Verehelichung Schulden gemacht/ dazu soll dasselbe und des- Eheleute Schulden Zahlungs Recht. sen Erben allein verhafftet seyn; Seynd aber in stehender Ehe Schul- den gemacht/ und haben beyde Eheleute uͤber ihr zusammen gebrach- tes was weiters erworben/ so sollen davon die Schulden vor eini- ger Theilung abgezahlet werden/ und wann sich das erworbene so weit nicht erstrecket/ sondern die Schulden die erworbene Guͤter uͤber- treffen/ und dann etwan deren Eheleute eines zu seiner selbst eigenen Gelegenheit hinter dem andern her heimlich etwas auffgeborget/ so soll auch dasselbe allein ohne des andern Zuthun dafuͤr verpflichtet seyn. §. 5. Da sie aber ingesamt und zugleich miteinander/ oder der Mann alleine/ jedoch zu gemeiner Nothdurfft/ als etwan zu ihrer Gesamt Schul den Zahlung und Weiber Verzicht Frey- heit. Kraͤmerey und Handthierung/ auffrichtige und wissentliche Schul- den gemacht/ und die erworbenen Guͤter zu Abstattung derselben nicht genugsam/ so sollen des Weibes eigene/ so wohl als Mannes beson- dere Guͤter/ hierzu verhafftet seyn/ und das Weib hierinn keinen an- dern Bortheil zu gebrauchen haben/ denn da sie ihres Mannes Tod erlebte/ und nach dessen Absterben innerhalb Monats Frist/ oder auffs laͤngste sechs Wochen/ ausserhalb ihres eingebrachten Heyrath- Guts und zu ihrem Leibe gehoͤrender Kleider und Geschmucks/ sonst auff alles uͤbrige/ es sey liegend/ fahrend/ beweg- oder unbeweglich/ wie es Nahmen haben mag/ vor Gericht Verzicht thun wuͤrde/ dann O o o auff IV. Buch/ Cap. XXI. auff solchen Fall soll sie ihr zugebrachte Heyraths-Gut frey und un- beschwert hinzunehmen/ und sonst mit einigen gemeinen Schulden weiter nichts zu thun haben; jedoch daß sie hierunter mit heimlicher Unterschlagung und Beybringung dieses oder jenes keinen Betrug oder List den Glaͤubigern zu Nachtheil gebrauche/ auch solches auff deren Glaͤubiger Begehren bey leiblichem Eyde vor Gericht er- halte. §. 6. Daß hieroben verordnet ist/ was ein Ehegemahl nach des Eheleute auch Braut und Braͤutigams unterschieden Recht. andern Absterben/ beydes Eigenthum- und Leibzucht weise zu gewar- ten/ solches soll nicht von Braut und Braͤutigam/ so einander die Ehe versprochen/ und ihrer eins vor gehaltenem Kirchgang verstirbet/ son- dern allein von denenen Eheleuten verstanden werden/ die ihren Christlichen Kirchgang gehalten/ und einander mit Leistung schuldi- ger Liebe und Treue biß in ihr Absterben ehelich beygewohnet haben. §. 7. Ob auch derselben Eheleute eines das andere/ im Fall da Eheleute Ver- maͤchtniß Fꝛey- heit. keine Kinder vorhanden/ mit einem mehrern/ denn oben vermeldet/ vom Seinigen freundlich bedencken wolte/ so soll ihm dasselbe unbenom- men seyn/ sondern/ durch Testament und andern letzten Willen auch auffrichtige Eheberedungen zu verordnen/ frey und bevorstehen. §. 8. So aber derselben Eheleute eines um begangenen kundba- Repudii und boßhafften de- sertion Straf- Recht. ren Ehebruchs willen vom andern repudiir et und nicht wieder ver- suͤhnet wuͤrde/ oder auch sonst aus muthwilligen und ohne redliche Ursachen abtrete/ sein Ehegemahl boͤßlich deserir te/ und biß zu dessen Absterben in solcher Desertion verharrete/ so soll das schuldige Theil nicht allein desjenigen/ so ihm sonst vermoͤge der Ehestifftung oder Krafft dieser Lands-Ordnung/ aus des Verstorbenen Guͤtern beydes Eigenthums und Leibzucht Weise gebuͤhret haͤtte/ gaͤntzlich beraubet seyn/ sondern auch sein selbst zubrachtes Heyraths-Gut oder Gegengeld verwuͤrcket/ und nicht wieder zu fordern Macht haben/ es haͤtte denn das erst abgestorbene Ehegemahl bey seinem Leben dem Letztlebenden und Verbrechenden verziehen/ oder ihm nach geschehener Verbrechung im Testament oder letzten Willen etwas vermacht. Ehegemahls Enterbungs Ursachen Ge- rechtigkeit. §. 9. Also auch/ da ein Ehegemahl gegen dem andern eine solche Ursach begienge/ die vermoͤge dieser Ordnung zwischen Eltern und Kindern zur Enterbung genungsam waͤre/ so soll dem Unschuldigen frey stehen/ in seinem Testament oder letzten Willen dem Schuldigen alles dasjenige/ so es sonst Krafft dieser Ordnung zum Eigenthum oder Leibzucht Weise zu gewarten gehabt/ zu benehmen/ jedoch daß sol- chr Von Verstorbener nachgelassenen Guͤtern. cher Benehmung Ursache ausdruͤcklich im Testament vermeldet/ und dafern sie nicht so gar kundbar waͤre/ von andern eingesetzten Erben erwiesen werde. §. 10. Jm Fall aber ein Ehegemahl das andere bey ihrer beyder Erben Macht oder auch Ua- fug des Ver- storbenen Kla- ge zu vollfuͤh- ren. Leben weder Ehebruchs noch andern Unthaten beschuldiget haͤtte/ und ob denn gleich solche Beschuldigung aus Unwissenheit verblieben waͤ- re/ so sollen dennoch desselben Eigenthums Erben nicht Macht haben/ deßwegen zu ihrem Vortheil und des Letztlebenden Ausschliessung Kla- ge zu fuͤhren; wofern aber das erst Abgestorbene die Klage angefangen/ auch derselben biß in sein Absterben angehangen haͤtte/ und daruͤber verstorben waͤre/ moͤgen die Eigenthums Erben/ ob sie wollen/ solche Klage prosequir en und ausfuͤhren. §. 11. Sonsten sollen hinfuͤhro in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebieten vor unbewegliche und liegende Guͤter erachtet und gehal- Welche Gñter fuͤr unbeweg- lich zu halten. ten werden/ nicht nur alles/ was von Natur unbeweglich ist/ als Hauß/ Hof/ Acker/ Wiesen und dergleichen/ sondern auch alle wachsende Fruͤchte/ so lang sie noch auff dem Felde stehen und nicht abgenommen sind/ als Korn auff Halmen/ Trauben an Stoͤcken/ Aepffel und Birn auff Baͤumen/ und so fortan; deßgleichen alles/ was im Hauß und Hof Erd und Nagel fest ist/ item/ Bestaͤndnisse und Meyer- schafften eines Guts/ sie seyen gleich zu Erbe unwiederrufflich/ oder auf eine gewisse Anzahl Jahre wiederrufflich gerichtet/ wie auch auff dem- selben Erbzinß- oder Meyer-Gut stehende und noch nicht angelegte Besserungen; Jtem/ Lehnschafften mit ihren gebuͤhrenden Nutzun- gen/ samt allem Erbziuß und Zehenden/ deßgleichen abloͤßliche Pfand- schafften/ sie seyen gleich auff ein liegend Gut oder nur auff eine blosse Capital Summa Geldes gestellt/ mit ihren davon verschriebenen und noch nicht betagten Frucht- oder Geld-Zinsen. §. 12. Alles aber/ was von Natur beweglich ist/ als Barschafft/ Beweglich Gut/ was da- fuͤr zu halten. Silber-Geschirr/ Kleinodien/ Haußgeraͤth/ Wein/ Bier/ Frucht auff dem Boden/ auch ausstehende Geldschulden/ und allbereits be- tagte Frucht oder Geld-Zinsen und dergleichen/ soll fuͤr beweglich und fahrende Haab erachtet und gehalten werden/ also hiermit alle vorige widrige Satzungen/ Gebraͤuch- und Gewohnheiten aus hoch- bewegenden Ursachen wissentlich cassir et und auff- gehoben. O o o 2 Caput IV. Buch/ Cap. XXII. Caput XXII. Von Einkindschafften und ausserhalb Ehe erzeugten Kinder Succession. §. 1. W Jewohl in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebiethen sich bißweilen zugetragen/ daß nach Absterben eines Ehegemahls Kinder aus erst uñ andern Ehe Einkind- schafft Recht. das Letztlebende/ wann es zur andern Ehe geschritten/ mit seinem zweyten Ehegemahl ein Pact oder Gedinge der Einkindschafft zu dem Ende auffgerichtet/ daß die in erster Ehe allbereit erzeugte Kinder/ und die ferner aus zweyter Ehe erzeuget werden moͤchten/ durchaus in al- len beydes aus erst- und zweyter Ehe herruͤhrenden vaͤter- und muͤtter- lichen Guͤtern/ ohne allen Unterscheid zugleich/ als ob sie gleiche Ge- schwister von beyden Banden waͤren/ succedir en und erben sollen/ solch Pact auch bey obangeregter boͤsen Gewohnheit/ da das letztlebende Ehegemahl alle bewegliche Guͤter vor denen ersten Kindern erblich hin- genommen/ und in die zweyte Ehe gebracht hat/ wohl seinen besondern Nutzen gehabt/ und hiermit denen durch solche Gewohnheit vernach- theilten Kindern einiger massen wieder zur Gleichheit geholffen; jedoch weilen dieselbe boͤse Gewohnheit nunmehr durch diese unsere Lands- Ordnung cassir t/ und dagegen der Kinder erst und andern Ehe halber/ was sie von ihren Eltern zur Erbschafft zu gewarten haben sollen/ klar und richtige Versehung geschehen ist; derowegen diß Pact der Einkind- schafft nunmehro entweder uͤberfluͤßig/ oder gegen die ersten oder an- dere Kinder unbillig seyn wuͤrde/ aus welcher Ungleichheit/ Neid/ Ab- gunst/ Verbitterung und allerhand Wiederwaͤrtigkeit zwischen Ge- schwistern zu befahren/ neben dem es auch nicht allein deren zuvor ab- Einkindschaff- ten Geding Cassirungs Ursachen. gestorbenen Eltern Voto und Verlangen/ indem sie ihre Guͤter nie- mand anders denn ihren eheleiblichen Kindern goͤnnen/ sondern auch gemeinen Rechten zu wieder/ sintemahl hierdurch denen ersten Kindern dasjenige/ so ihnen allbereits von ihren zuvor abgestorbenen Vaters oder Mutter wegen erb- und eigenthuͤmlich angefallen ist/ eines Theils alienir et/ und andern/ die zu solchen Guͤtern allerdings frembd sind/ zuge- wendet wuͤrde/ zudem auch dem zweyten Ehegemahl hierdurch so wohl in dieser waͤhrenden Ehe/ als da es nach GOttes Schickung zur dritt- oder vierdten Ehe schreiten wuͤrde/ die freye Willkuͤhr vom Sei- nigen zu testir en/ oder sonst zu disponi ren fast benommen/ zu geschwei- gen der Gefahr/ so diese Einkindschafften um zukuͤnfftiger ungewissen Faͤlle Von Einkindschafften und ausser Ehe Gezeugten. Faͤlle willen/ die nicht wohl prævidir et werden koͤnnen/ auff sich haben; so setzen/ ordnen und wollen wir demnach/ daß alle solche Pacta und Gedinge der Einkindschafften in unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebiethen aus ermeldten und andern bewegenden Ursachen hinfuͤhro unterlassen werden/ und von keinen Wuͤrden noch Kraͤfften seyn sollen/ sondern alles/ was denen Kindern erster Ehe an demjenigen/ so ihnen von ihres zuvor abgestorbenen Vaters oder Mutter wegen/ vermoͤge dieser unser Lands-Ordnung/ einmahl erb- und eigenthuͤmlich angefal- Erster Ehe Kinder Vor- recht. len und gewiß ist/ solches soll ihnen unverruͤckt bey einander gelassen/ und davon nichts uͤberall weder durch das letztlebende Ehegemahl/ als den Leibzuͤchter/ noch Vormuͤnder/ Freunde oder Verwandten durch Einkindschafften oder dergleichen Gedinge um einiges verhoffenden kuͤnfftigen jedoch ungewissen Nutzens willen benommen noch entwen- det werden. Kan aber daruͤber denselben Kindern erster Ehe aus ihres kuͤnfftigen Stieffvaters oder Stieffmutter Guͤtern/ durch auffrichtige Eheberedungen oder dergleichen zulaͤßige pacta, etwas weiters zuge- handelt werden/ das stellen wir billig einem jedern frey/ und soll deß- falls durch diese unsere Constitution niemand nichts benommen seyn. §. 2. Wann zwo ledige Personen/ die gleichwohl also gethan/ daß sie weder von Gebluͤts noch andern Ursachen wegen eine Ehe mit ein- Unehelichen Kinder Erb- recht. ander zu besitzen nicht verhindert werden/ ausserhalb Ehe Kinder zeu- gen/ folgends aber einander oͤffentlich zur Ehe nehmen/ so werden da- durch die zuvor erzeugte Kinder geehelichet/ also/ daß sie gleich andern im Ehestand erzeugten Kindern ihren Eltern/ Ober-Eltern und an- dern succedir en; wofern aber diese zwo ledige Personen einander nicht zur Ehe nehmen/ und dahero die erzeugte Kinder ungeehelicht verblei- ben/ ob denn wohl dieselben uneheliche Kinder ihrer eheleiblichen Mut- ter und Ober-Eltern von muͤtterlicher Linie/ so fern keine eheliche Kin- der vorhanden/ gleichsehr succedir en/ so koͤnnen sie doch von ihrem Va- ter und Ober-Eltern von vaͤterlicher Linie her ab intestato nichts erben/ sondern muͤssen mit demjenigen/ so ihnen zu ihrem Unterhalt vermacht und gegoͤnnt wird/ zufrieden seyn. §. 3. Was aber solche Kinder betrifft/ die aus verdammten Ver- Kinder Erb- recht aus Blut schande oder verbotenem Ehestand. mischung und Geburt herkommen/ als aus kundbarem Ehebruch oder da Vater und Mutter von wegen naͤhern Sipschafft und Blutschande keine rechtmaͤßige Ehe mit einander besitzen moͤgen/ weilen dieselben im Recht gantz verhast seyn/ so haben sie so wenig von ihrer Mutter O o o 3 als IV. Buch/ Cap. XXIII. als Vaters Erbschafft etwas zu gewarten/ es waͤre ihnen dann zu ih- rer blossen Leibes-Nothdurfft und Aufferziehung/ durch Geschaͤffte oder sonst aus Barmhertzigkeit etwas gegeben; welche uneheliche Kinder nun ihren Eltern nicht succedir en; von denen haben auch die Eltern hinwieder nichts zu gewarten/ von welchen Eltern aber und andern Freunden uneheliche Kinder Erbschafft nehmen/ denselben Kindern moͤgen die Eltern hinwieder ebenmaͤßig succedir en. Caput XXIII. Von Erbschafften in auff- und absteigender und Zwerch-Linie/ auch wie die Gradus zu rechnen oder zu zehlen. §. 1. Wie Eltern verstorbenen Kindern und Kinds Kindeꝛn succedir en. W Ann ein Sohn oder Tochter stirbt/ und weder Ehegemahl noch Kinder verlaͤst in absteigender Linie/ auch keine Geschwister noch derselben Kinder/ sondern allein seine Eltern und Obereltern alle oder zum Theil/ und dann der verstorbene Sohn oder Tochter ausser- halb seiner Eltern oder Ober-Eltern anders woher etwas von Guͤtern erfreyet/ ererbet/ oder sonst erworben/ so erben erstlich dieselben Guͤter des verstorbenen Kindes eheleiblicher Vater und Mutter/ dafern sie noch beyde im Leben sind/ zugleich/ oder ihrer eines/ so das andere ge- storben/ allein/ und schliessen alle Ober-Eltern davon aus; Da aber beyde Vater und Mutter zuvor verstorben/ und Ober-Eltern noch im Leben sind/ so erben die Ober-Eltern vaͤterlicher Linie die Helffte/ und Ober-Eltern muͤtterlicher Linie die andere Helffte/ unerachtet/ ob gleich auff einer Seiten nur eine/ und auff der andern zwo Perso- nen im Leben sind/ und schliest dißfalls alle Wege der Naͤhere im Grad den Weitern aus. §. 2. So aber das verstorbene Kind von seinem Vater oder Erbrecht der Kinder Guͤter von vaͤter- oder muͤtterlichen. Ober-Eltern von vaͤterlicher Linie her/ etwas von Guͤtern durch Mitgifft/ Erbschafft oder sonst rechtmaͤßig an sich bracht haͤtte/ die- selben werden allein auff die Eltern oder Obereltern der vaͤterlichen Linie/ daher sie kommen seyn/ verfaͤllet; und die Eltern oder Oberel- tern muͤtterlicher Linie/ ob sie schon mit Eltern der vaͤterlichen Linie in gleichem Grad seyn/ davon ausgeschlossen/ \& è contra; Sonst aber/ so die Eltern und Obereltern beydes vaͤter- und muͤtterlichen Linie in un- gleichem Grad waͤren/ so succedir en die nechsten im Grad allein/ un- erachtet/ Wie die Gradus der Verwandschafften zu zehlen. erachtet/ obgleich die Guͤter nicht von ihrer/ sondern der andern aus- geschlossenen Linie herruͤhren. §. 3. Wann ein Sohn oder Tochter ohne Leibes Erben verstix- Wie Eltern ihren Kindern mit und neben deren Geschwi- stern oder Ge- schwister Kin- dern succedi- ren. bet/ und neben seinen Eltern oder Obereltern auch eheleibliche Ge- schwister von voller Geburt nachlaͤst/ so succedir en des Verstorbe- nen Geschwister von voller Geburt zugleich mit Vater und Mutter/ so sie beyde noch leben/ oder ihrer einem allein/ so das andere verstor- ben/ nach Personen Anzahl in Capita, und erben Vater und Mutter ein jedes Geschwister/ unerachtet/ daß dißfalls die Geschwister eines Grads weiter sind. §. 4. Als auch derselben Geschwister von voller Geburt eines oder alle zuvor verstorben/ und nach sich Kinder verlassen haͤtten/ so erben dieselben Kinder abermahls/ unerachtet daß sie im dritten Grad sind/ mit des Verstorbenen Vater und Mutter zugleich/ doch nicht in Capita sondern in Stirpes, nemlich so viel als ihre verstorbene Vater oder Mut- ter/ da der oder die noch im Leben gewesen/ geerbet haͤtte/ doch soll sich diese Gerechtigkeit allein auff der abgestorbenen Geschwister Kinder/ und weiter nicht auff ihre Kinds Kinder/ und also ad nepotes erstrecken. §. 5. Ebenmaͤßig wird es auch gehalten/ so der Verstorbene we- der Vater noch Mutter/ sondern allein Obereltern als Großvater Gꝛoß- und Uhr- Altvat- oder Mutter Erb- recht mit Ge- schwister und deren Kinder. und Großmutter/ oder in Mangel deren Uhraltvater und Mutter nach sich verlassen/ denn dieselben Obereltern/ was deren im naͤhern und gleichen Grad sind/ succedir en gleichfalls mit des Verstorbenen Ge- schwistern von voller Geburt in Capita, und wird dißfalls nicht in Acht genommen/ ob schon beydes Großvater und Mutter von vaͤterli- cher Linie zugleich/ und von Mutter Seiten allein Großvater oder Großmutter vorhanden/ \& è converso; denn weilen sie mit des Ver- storbenen Geschwistern von voller Geburt concurrir en/ so succedir en sie alle zugleich in Capita; sonst aber/ da kein Geschwister oder Geschwi- ster Kinder vorhanden/ erben die Obereltern nach Staͤmmen/ nem- lich jede Linie die Helffte/ wie nechst vorhin gemeldet. §. 6. Was nun dieselben Geschwister von voller Geburt oder de- rer Abgestorbenen Kinder solcher Gestalt mit ihren Eltern oder Ober- Leibzucht wor- inn unguͤltig. Eltern erben/ an denselben Portion en sollen sich die Eltern keiner Leib- zucht anmassen/ sondern sich mit ihrem selbst ererbten Antheil begnuͤgen lassen. §. 7. Was auch die Eltern oder Obereltern deßfalls von ihrem Kinde mit und neben des Verstorbenen rechten Geschwistern von voller Geburt IV. Buch/ Cap. XXIII. Halbgeschwi- stern Erbrecht. Geburt ererben/ das faͤllt kuͤnfftig nach ihren der Eltern Absterben/ und da sie das ererbte Gut zu ihrer Leibes Nothdurfft nicht angegriffen haͤtten/ allein auff die Kinder/ mit denen sie das Erbe zuvor getheilet/ und nicht auff derselben halb aus einer andern Ehe erzeugte Geschwi- ster; wann aber der erst Verstorbene neben seinen Eltern oder Ober- Eltern keine Geschwister von voller Geburt verliesse/ noch derselben Kinder/ sondern allein ein Halbgeschwister/ so erben die Eltern und Ober-Eltern nach Grads Vortheil/ als ob stehet/ allein/ und schliessen ihres verstorbenen Kindes Halbgeschwister allerdings aus. §. 8. So jemand verstirbet/ und weder Kinder noch Kinds Kinder Erbschafft in Zweꝛch-Linien. in absteigender/ auch keine Eltern noch Ober-Eltern in auffsteigender Li- nie verlaͤst/ so werden allen andern Verwandten im Erbe vorgezogen erstlich des Verstorbenen eheleibliche Geschwister von voller Geburt/ und derselben Kinder/ welche dißfalls aus sonderbarer Begnadigung gemeiner Rechte/ jure repræsentationis, an ihrer verstorbenen Eltern statt treten/ mit ihren Vettern und Baasen zugleich in stirpes und nach Staͤmmen succedir en/ schliessen auch des Verstorbenen Halbgeschwi- ster- und deren Kinder allerdings aus. L. 1. §. fin. ff. si pars hær. pet. Nov. 118. c. 3. §. 9. Wann aber der Verstorbene keine rechte Geschwister von Voller Geburt Geschwister Kinder Erb- recht. voller Geburt/ sondern derselben Kinder verlaͤst/ so succedir en solche Kinder/ nach weyland Kaͤyser Carls und des Heil. Reichs Constitu- tion, in capita und nicht in stirpes, schliessen auch nicht allein des ver- storbenen Vaters oder Mutter eheleibliche Geschwister/ die gleichfalls mit ihnen im dritten Grad sind/ sondern auch des Verstorbenen Halb- geschwister/ unerachtet dieselbe eines Grads naͤher sind/ vom Erbe aus. §. 10. Zum andern/ wann keine Geschwister von voller Geburt/ Halbgeschwi- stern Vorrecht zum Erbe. auch derselben Kinder nicht vorhanden seyn/ alsdann habẽn die Halb- Geschwister und deren Kinder fuͤr allen andern Verwandten/ auch vor des Verstorbenen Vaters oder Mutter vollbuͤrtigen Geschwistern/ zur hinterlassenen Erbschafft den nechsten Zutritt/ und succedir en nach Unterschied deren Faͤlle in capita oder stirpes, allermassen wie von rechten und vollbuͤrtigen Geschwistern ietzo unterschiedlich vermeldet ist. Nov. 118. c. 3. Auth. post fratres autem, C. de legit. hæred. Guͤter Unter- scheid bey Erb- faͤllen. §. 11. Nur allein ist hierbey dieser Unterscheid zu mercken/ da der Verstorbene zugleich eine Halbgeschwister vom Vater allein/ und eine Halbgeschwister von der Mutter allein verlaͤst/ so erbet die vom Vater und derselben Kinder alle Haab u. Guͤter/ so vom Vater oder Obereltern vaͤter- Wie die Gradus der Verwandschafften zu zehlen. vaͤterlichen Linie herruͤhren/ und hergegen die Halbgeschwister von der Mutter oder deren Kinder alle Haab und Guͤter/ so von der Mutter oder Obereltern muͤtterlichen Linie herkommen/ alleine; Jn denen uͤbri- gen von der Zwerchlinie angefallenen oder sonst eroberten Guͤtern succe- dir en dieselben Halbgeschwister/ sie seyn vom Vater oder Mutter alleine Geschwister/ zugleich/ wie auch derselben Kinder/ auf Masse als ob stehet. §. 12. Ebenmaͤßiger Unterscheid/ woher die Guͤter kommen/ ist auch in solchem Fall in acht zu nehmen/ so der Verstorbene keine naͤhere Er- Vollbuͤrtigen Geschwistern Erbrechts Un- terscheid. ben verlaͤst/ denn beydes seines abgestorbenen Vaters und Mutter oder Großvaters und Großmutter eheleibliche Geschwister von voller Ge- burt/ denn die vollbuͤrtige Geschwister vom Vater oder andern Ober- Eltern vaͤterlicher Linie erben das Gut alleine/ so vom Vater oder Ober- Eltern vaterlichen Linie herruͤhret/ und nehmen dagegen die vollbuͤrti- ge Geschwister von der Mutter oder andern Ober-Eltern muͤtterlichen Linie das Gut allein hin/ so von der Mutter und Obereltern muͤtterli- chen Linie herkoͤmmt/ im uͤbrigen stehen sie zu gleichen Rechten. §. 13. Truͤge sichs auch zu/ daß einer verstuͤrbe/ und nach sich ver- Enckel oder Kinds Kinder Erbrecht. liesse seinen Halb-Bruder oder Schwester/ und seines zuvor verstor- benen vollbuͤrtigen Bruders oder Schwester Enckeln und Kinds Kin- der/ und ob denn wohl das jus repræsentationis sich auff diese nepo- tes und Kinds Kinder vermoͤge der Rechte nicht erstrecket/ jedoch die- weilen sie sich des doppelten Bandes/ damit ihr Altvater dem Verstor- benen zugethan/ nicht unbillig zu erfreuen; so setzen/ ordnen und wol- len wir/ aus sonderbaren Uns hierzu bewegenden Ursachen/ daß in Jus repræsen- tationis wie sich bey Erben in Haͤupter oder Staͤmme erstreckt. unsern Fuͤrstenthumen/ Landen und Gebieten hinfuͤhro in solchem Fall des Abgestorbenen vollbuͤrtigen Geschwistern Enckel und Kinds Kinder mit des Verstorbenen Halbgeschwistern/ oder/ so die nicht mehr im Le- ben/ ihren Kindern dergestalt zugelassen werden sollen/ daß sie im ersten Fall/ nemlich mit des Verstorbenen Halbgeschwistern/ anders nicht denn in stirpes, im andern Fall aber/ nemlich mit des Abgestorbenen Halbgeschwister Kindern/ in Capita succedir en und erben. §. 14. Darum auch in casu converso, nemlich/ so des vollbuͤrti- Halbgeschwi- stern Gradus Gleichheit Recht. gen Bruders Enckel oder Kindes Kind verstuͤrbe/ und nach sich keinen naͤhern Freund verliesse/ denn seines Altvaters vollbuͤrtige und Halb- Geschwister/ sollen diese Halbgeschwister hinwiederum sich der Gleich- heit des Gradus zu erfreuen haben/ und derowegen mit vollbuͤrtigen Geschwistern in solchem Fall den abgestorbenen Nepot en oder Kindes Kind in capita zugleich erben. P p p §. 15. Son- IV. Buch/ Cap. XXIII. Vollbuͤrtigen nnd Halbge- schwistern Erbrecht. §. 15. Sonsten/ da sich der Fall also begebe/ daß einer versturbe/ und nach sich seines zuvor abgestorbenen Vaters oder Mutter vollbuͤr- tige und Halbgeschwister verliesse/ so wollen wir/ daß/ gleichwie in casu converso, dieses Verstorbene/ da es seines Vaters vollbuͤrtigen Bruders Tod erlebete/ demselben allein fuͤr denen Halbgeschwistern succedir et haͤtte/ also auch hinwiederum die vollbuͤrtige Geschwister an der Erbschafft ihres Verstorbenen vollbuͤrtigen Geschwisters Kin- de sich ebenmaͤßigen Vortheils und Vorzugs vor ihren Halbgeschwi- stern zu gebrauchen und zu erfreuen haben sollen. §. 16. So aber einer verstuͤrbe/ und nach sich verliesse seiner bey- Vollbuͤrtigen und Halbge- schwistern En- ckel Erbrecht. derseits vollbuͤrtigen und Halbgeschwistern Nepotes oder Kinds Kin- der/ und ob dann wohl dieselben allenthalben in gleichem Grad seyn/ jedoch weilen die Enckel von vollbuͤrtigen Geschwistern den Vortheil des doppelten Bandes von ihres Großvaters oder Großmutter wegen vor den andern Kinds Kindern von Halbgeschwistern haben/ so sollen sie auch in der Erbschafft denselben vorgezogen werden. §. 17. Und weilen wir dann aus sonderlichen uns dazu bewegen- den Ursachen zugelassen und verordnet/ daß des Verstorbenen vollbuͤr- Vollbuͤrtigen nnd Halbge- schwisteꝛn Aus- schliessungs Recht bey Erb- schafften. tigen Geschwister Nepotes oder Kinds Kinder mit des Verstorbenen Halbgeschwistern in stirpes oder deren Kindern in capita zu Erben zugelassen werden sollen; wofern dann einer beneben dieser seiner vollbuͤrtigen Geschwister Nepot en oder Kinds Kindern auch seines Vaters oder Mutter vollbuͤrtige Geschwister hinterliesse/ so sollen in solchem Fall/ aus ebenmaͤßigen uns dazu bewegenden Ursachen/ der vollbuͤrtigen Geschwister Nepotes oder Kinds Kinder/ unerachtet/ ob sich gleich dißfalls das Jus repræsentationis nach Verordnung gemei- ner Rechte auff sie nicht erstrecket/ und des verstorbenen Vaters oder Mutter vollbuͤrtigen/ oder in Mangel deren denen Halbgeschwistern zugleich/ und in stirpes succedir en; da aber neben diesen Personen der Verstorbene auch Halbgeschwister/ oder deren Kinder verliesse/ weil dann dieselben des verstorbenen Vaters oder Mutter Geschwister ausschliessen/ so kaͤme dieselbe Ausschliessung auch obermeldten des Verstorbenen vollbuͤrtigen Geschwister Nepot en oder Kinds Kindern zum Besten. Nechst Ver- wandten Suc- cesfion Recht. §. 18. Sonsten und ausserhalb angezogener Faͤlle soll weder Jus repræsentationis, noch doppelten Bandes Vortheil/ noch auch Unter- scheid/ von welcher Seiten die Guͤter herruͤhren/ weiter nicht gelten/ in acht genommen noch extendir et/ sondern/ dessen allen unangesehen/ nach Wie die Gradus der Verwandschafften zu zehlen. nach Grads Vortheil ausgetheilet/ und die nechst Verwandten im Grad alle Wege denen remotioribus und weitern Verwandten præ- ferir et und vorgezogen werden/ also/ daß solche nechste Verwandten/ so viel deren in gleichem Grad mit einander befunden werden/ ohn allen Vortheil oder Vorzug/ in capita oder Haͤupter und nach Personen Anzahl succedir en. §. 19. Derowegen/ so einer verstuͤrbe/ und keine naͤhere Freunde verliesse/ als seines Vaters vollbuͤrtigen Bruders Kinder/ und dessel- Vaters voll- buͤrtigen und Halb Bruders Kinder Erb- recht. ben seines Vaters Halb-Bruders Kinder/ so erben diese beyderseits Kinder/ dieweil sie in gleichem Grad sind/ mit einander in capita, und haben sich dißfalls die einen Kinder/ deren Vater des Verstorbenen Vaters vollbuͤrtiger Bruder gewesen/ keines Vorzugs zu gebrauchen; Hinwieder/ so dieser Verstorbene nach sich verliesse seines Vaters Halbbruder/ und desselben seines Vaters vollbuͤrtigen Bruders Kin- der/ so succedir et der halbe Bruder von wegen Grads Vortheil allein/ und schliest des vollbuͤrtigen Bruders Kinder aus/ sintemahlen sich die in gegenwaͤrtigem Fall des Juris repræsentationis nicht zu erfreuen; und soll es also auch gehalten werden in andern Faͤllen/ da sich die Grad der Verwandniß weiter zuruͤck erstrecken. §. 20. Damit aber gemeine Leute einen klugen und einfaͤltigen Unterricht/ wie die Gradus der Blutverwandniß eigentlich zu suchen Wie die Gra- dus zu rechnen und zehlen. und zehlen seyn/ haben/ und sich dahero selbst ihres Fug- oder Unfugs in Erbschafft Sachen desto leichter bescheiden moͤgen/ so ist zu wissen/ daß alle wege der gemeine Stamm/ davon beyde der Verstorbene und die Person/ so erben will/ herkommen/ gesucht/ und alsdann vom Ver- storbenen auffwarts/ biß auff derselben gemeinen Stamm/ und von demselben gemeinen Stamm wieder herab biß auff die Person/ so er- ben will/ gezehlet und gerechnet werden muß; so viel Personen nun Erbstamm uñ Personen An- zahl Recht zum Grad. in dieser Abzehlung/ jedoch daß beydes die Person/ so zu erben vermey- net/ und des Verstorbenen Person mitgerechnet seyn/ an der Zahl be- funden/ davon soll allemahl nur eine abgelegt werden/ und so viel der Uberbleibenden an der Zahl/ so viel sind auch der Grad/ als zum Exempel: §. 21. Einer verstirbt/ und laͤst nach sich auff seiner Seiten seines Exempel der Erb und Ver- wandtschafft Gradus zu zeh- len. Großvaters Bruders Sohn/ und auff der andern Seiten seiner Mut- ter Schwester Uhrenckel oder Kinds Kinds Kind; so wilt du nun wis- sen/ wie nahe diese beyde Personen/ des Großvaters Bruders Sohn und der Mutter Schwester Uhrenckel/ dem Verstorbenen verwandt P p p 2 seyn/ IV. Buch/ Cap. XXIII. seyn/ so fahe an am Verstorbenen/ und zehle denselben vor die erste/ sei- nen Vater vor die zweyte/ den Großvater vor die dritte/ den Uhralt- vater/ welches der gemeine Stamm ist/ vor die vierdte/ dessen Sohn/ welcher des Großvaters Bruder ist/ vor die fuͤnffte/ und desselben Großvaters Bruders Sohn/ davon die Frage ist/ vor die sechste Per- son/ von dieser Zahl aber lege eine Person beyseits/ bleiben fuͤnffe uͤbrig/ also sind demnach der Verstorbene und seines Großvaters Bru- ders Sohn einander im fuͤnfften Grad verwandt. Uhrenckel Erb- rechts Exem- pel. §. 22. Was aber die Uhrenckel anlangt/ fahe gleichfalls an am Verstorbenen/ zaͤhle den vor die erste/ seine Mutter vor die andere/ seine Großmutter/ welche der gemeine Stamm ist/ vor die dritte/ der- selben Tochter/ welche des Verstorbenen Mutter Schwester ist/ vor die vierdte/ deren Sohn oder Tochter vor die fuͤnffte/ die Enckelin vor die sechste/ und des Kindes Kinds Kind/ davon die Frage ist/ vor die siebende Person/ von dieser Zahl thue eine Person weg/ bleiben sechs uͤbrig/ erfindet sich demnach/ daß der Verstorbene und seiner Mutter Schwester Uhrenckel einander im sechsten Grad verwandt seyn/ daraus erscheinet/ daß des Großvaters Bruders Sohn/ weil er im fuͤnfften und naͤhern Grad ist/ vor dieser Uhrenckelin im Erbe den Vorzug ha- be/ und also ist in andern Faͤllen ebenmaͤßige Rechnung zu machen. Caput XXIV. Von Ritter-Lehn und dessen Succession, denen ehe- lich legitimirt en Soͤhnen/ auch adelichen Stamm-Haͤusern und Guͤtern/ die kein Lehn seyn; samt adelichen Toͤch- ter Aussteuer und Wittwen Leibzucht Recht. §. 1. Lehn-Guͤter Recht. N Achdem wir Unsern Vasall en und Lehnleuten ihre von uns und unsern Fuͤrstenthuͤmern/ auch zugehoͤrigen Graf- und Herr- schafften herruͤhrende Lehn/ anders nicht/ dann mit Zustellung beson- dern Investitur en und Lehn-Brieffen/ jedesmahl/ so offt sich die Faͤlle zutragen/ leihen/ wie auch solches bey unsern loͤblichen Voreltern eben- Mann Lehns Recht. maͤßig gehalten und sonst braͤuchlich ist/ so wird die Folge und Succession eines jeden Lehns billig nach Jnhalt der Investitur en regulir et; darum/ so einem ein Gut vor sich und seine Mann-Leibs-Lehns-Erben aus- druͤcklich zu Mann-Lehn/ oder auch insgemein vor sich und seine Lehns- Erben Von Ritter-Lehn und adelichen Stamm-Guͤtern. Erben zu Lehn oder Rechten Lehn geliehen worden/ so succedir en dar- inn des verstorbenen Lehnmanns Soͤhne/ und derselben Kinds Kinder maͤnnlichen Geschlechts allein/ und seynd die Toͤchter eines solchen Lehns nicht faͤhig/ es vermoͤge dann die Investitur dasselbige. §. 2. Wann aber der verstorbene Lehnmann keine Soͤhne noch Kinds Kinder in absteigender Linie maͤnnlichen Geschlechts nachlaͤst/ Vater und Alt- Vaters Lehn- Recht. ob dann gleich sein Vater/ Altvater oder andere Ober-Eltern im Leben waͤren/ succedir en dennoch dieselben anderer Gestalt nicht/ dann ex pacto, daß es nemlich also im Lehn-Brieff ausbedungen sey/ es waͤre denn Sache/ daß ein Lehnmann das Lehngut gantz oder zum Theil sei- nem Sohn etwa in Verheyrathung desselben/ oder sonst zu seinem Un- terhalt/ zu niessen und gebrauchen unter Haͤnden gethan haͤtte/ denn so derselbe Sohn bey Vaters Leben ohne Leibes Lehns-Erben verstuͤrbe/ so nehme der Vater billig sein selbst eigen dem Sohn eingethanes Lehngut wieder zu sich. §. 3. So viel aber Bruͤder/ Bruͤder Kinder und alle von der Lehns Reguli- rung nach Erb- guͤter Succes- sion. Zwerch-Linie herruͤhrende Agnat en betrifft/ wann dieselben von dem- jenigen/ der das Lehn am ersten acquirir t und erlangt hat/ als gemei- nem Stamm herkommen/ und in der samt Belehnung nach Investitu- ren Ausweisung befunden/ so werden sie alle/ jedoch nach Grads Vortheil/ zur Lehns Succession zugelassen/ und wird solche Succession im Lehn nach gemeiner Erbguͤter Succession regulir t/ es waͤren denn die Staͤmme und Agnat en unter sich selbst eines andern Vergleichs einig/ darum so ein Lehnmann ohne Leibes Lehns-Erben verstirbet/ und nach sich verlaͤst seinen Bruder und verstorbenen Bruders Sohn/ alsdann succedir en des Bruders Soͤhne Jure repræsentationis zu- gleich mit ihren Vettern in stirpes; da aber kein Bruder/ sondern allein Bruͤder Kinder im Leben seyn/ dieselben succedir en nach wey- land Kaͤyser Carls Constitution in capita, und ist hierbey sonderlich zu mercken/ daß diß falls der obgemeldte Unterscheid zwischen Halbge- Stamm und Nahmens Bruͤder Erb- recht in Lehn von einem Vater. bruͤdern und voller Geburt/ auch ihren beyderseits Soͤhnen/ keine statt hat/ denn alle von einem Vater herruͤhrende Gebruͤder/ wie auch der- selben Soͤhne/ ob sie schon unterschiedliche Muͤtter gehabt/ succedir en in feudo paterno zugleich/ und werden die vollbuͤrtige Bruͤder und derselben Soͤhne/ denen Halbgebruͤdern und ihren Soͤhnen/ so fern sie allein von einem Vater herkommen/ und also eines Stamms und Nahmens seyn/ gar nicht præferir et. P p p 3 §. 4. Son- IV. Buch/ Cap. XXIV. Lehns Folge Recht wann Agnat en da- von ausge- schlossen. §. 4. Sonsten/ da der Agnat en einer oder mehr von dem jenigen/ der erst das Lehn vor sich und seine Lehns-Crben acquiri rt und erlangt hat/ nicht herkommen/ oder auch herkaͤmen/ und doch mit dem letzt verstorbenen Vasall en in der samt Belehnung nicht blieben waͤren/ noch derselben gebuͤhrende Folge wie recht gethan haͤtten/ so wuͤrden dieselben Agnat en nicht allein im ersten Fall/ da sie ihr Herkommen vom ersten Acquirent en nicht deducir en koͤnnen/ sondern auch im an- dern Fall/ von wegen unterlassenen versaͤumten und nicht wie sichs ge- buͤhret gesuchten Samtbelehnung/ von der Succession und Lehnsfolge ausgeschlossen und das Lehn dem Eigenthums-Herrn eroͤffnet/ wie solches biß anhero in unsern Fuͤrstenthumen/ Gebiethen/ Graf- und Herrschafften gebraͤuchlich und uͤblich gewesen. §. 5. Wiewohl/ nach Besage gemeiner Rechte/ die ausserhalb der Ehelich legiti- mirt en Soͤh- nen Succession im Lehn ver- boten. Ehe erzeugte/ und durch hernach gefolgte Ehe legitimir te Kinder/ de- nen andern in der Ehe erzeugten durchaus gleich geachtet/ und mit denselben zu gleichmaͤßiger Succession und Erbschafft allenthalben gelassen werden; so wollen wir doch/ so viel insonderheit alle und jede unsere adeliche Ritter-Lehn antrifft/ die unsere loͤbliche Vorfahren Fuͤrsten zu Hessen/ und wir biß anhero unserer Ritterschafft geliehen haben/ und denselben von der Ritterschafft hin kuͤnfftig verleihen moͤchten/ aus sonderbaren uns hierzu bewegenden Ursachen mit vor- gehabtem stattlichen Rath/ statuir t/ gesetzt und verordnet haben/ statui- r en/ setzen und ordnen hiermit wissentlich/ daß in allen und jeden unse- rer loͤblichen Vorfahren/ Fuͤrsten zu Hessen/ und unsern denen von der Ritterschafft/ uͤber Ritterlehn gegebenen Investitur en und Lehnbrief- fen/ die darinn gewoͤhnlich gesetzte Worte/ Lehns-Erben oder Mann- Leibes Lehns-Erben/ und dergleichen/ anders nicht/ denn von solchen Kindern/ die im Ehestand ehelich erzeuget und gebohren seyn/ verstan- den/ auch dasselbe nun hinfuͤhro in unsern Cantzleyen/ so offt ein Rit- Ritterlehn wer unfaͤhig. terlehn empfangen wird/ zum Uberfluß allen und jeden/ uͤber Wieder- empfahung solcher Ritterlehn verfertigten Lehn-Brieffen ausdruͤck- lich inserir et und einverleibet werden soll/ nemlich daß wir den und den vor sich und seine ehelich gebohrne Lehns-Erben belehnet haben; Und sollen demnach Krafft dieser unserer Constitution deren von Uns und unsern Fuͤrstenthumen/ Graf- und Herrschafften herruͤhrenden Adelichen Ritterlehn/ allein die ehelich erzeugte/ und nicht ausser- halb der Ehe auff die Welt gebohrne Kinder/ ob sie gleich per subse- quens matrimonium geehelichet wuͤrden/ faͤhig seyn; Sonst aber und ausser- Von Ritterlehn und adelichen Stamm-Guͤtern. ausserhalb solcher adelichen Ritterlehn/ lassen wir diese durch gefolg- Gemeinen Lehns Folge Recht. te Ehe legitimir te Kinder/ andern gemeinen Lehn und Erbschafften/ gemeinen Rechten Sage gemaͤß/ faͤhig/ und andern in der Ehe erzeug- ten ehelichen Kindern durchaus gleich seyn und bleiben/ inmassen wir auch solches vorhin also geordnet haben. §. 6. Nachdem auch in unsern Fuͤrstenthumen und Gebieten et- liche Geschlechter von Adel ihre besondere Stamm-Haͤuser und Guͤ- Adel. Stamm- Haͤuser und Guͤter Recht/ so kein Lehn seyn. ter/ so von niemand lehnruͤhrig seyn/ haben; wofern dann dieselben Geschlechter durch zuvor unter sich auffgerichtete Burgfrieden oder Erbvertraͤge solcher ihrer Stammhaͤuser und Guͤter halben Verse- hung gethan haͤtten/ oder durch Auffrichtung dergleichen Erbvertraͤ- ge kuͤnfftig Versehung thun wuͤrden/ daß dieselben beym Stamm blei- ben/ und auff die Toͤchter/ alldieweilen jemand von selbigem Stamm maͤñlichen Geschlechts uͤbrig/ nicht vererbet/ die Toͤchter aber mit ertraͤg- lichen und nach Gelegenheit der Guͤter billigmaͤßigen Summa Geldes abgelegt werden sollen; so wollen wir deßfalls solche Erbvertraͤge denen adelichen Staͤmmen und Geschlechtern zu gute und ihrer Erhal- tung/ aus habender Lands-Fuͤrstlichen Macht und Obrigkeit Recht/ Burgfrieden Geding- und Erbvertraͤge Recht. hiermit wissentlich ratificir et und bekraͤfftiget haben/ also und derge- stalt/ daß die Toͤchter solcher ihrer Eltern und Voreltern/ auffrichtigen Erbvertraͤgen/ Burgfrieden/ Pact en und Gedingen zu wieder/ zu kei- ner Erbforderung an solchen Stammhaͤusern und Guͤtern/ weiter als nur allein zu ihrem daran vermachten und angebuͤhrenden Gelde zu- gelassen noch verstattet werden sollen. §. 7. Und wann gleich dißfalls bey einem oder mehrern adelichen Geschlechtern/ weder Erbvertraͤge/ Burgfrieden/ noch dergleichen Pa- Toͤchtern ist Stamm-Guͤ- ter Erbe ver- boten. cta und Gedinge der Stamm-Guͤter halben nicht vorhanden/ jedoch da es gleichwohl bey denselben Geschlechtern zuvor also gehalten und herkommen/ daß ihre Stammhaͤuser und Guͤter alle wege beym Stamm verblieben/ und durch weibliche Succesfiones niemahlen ver- theilet/ zerruͤttet/ noch in frembde Geschlechter gebracht waͤren; so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß es hinfuͤhro auch also gehalten/ und die Toͤchter/ alldieweilen Manns-Personen von selbigem Stamm/ daher die Guͤter ruͤhren/ im Leben seyn/ zu solcher Stamm-Guͤter Suc- cession nicht zugelassen werden/ sondern schuldig seyn sollen/ sich mit einem ertraͤg- und billigem Gelde/ wie das in zuvor auffgerichtetem Burgfrieden oder Vertraͤgen bestimmt/ oder sonst vermoͤge kundbaren Brauchs und Gewohnheit herkommens ist/ vor ihre Erbgerechtigkeit ablegen zu lassen. §. 8. Wo- IV. Buch/ Cap. XXIV. §. 8. Wofern aber die Agnat en und Toͤchter der Ablegung/ wie Agnat en und Tochter Able- gungs Recht. hoch sie geschehen soll/ unter sich selbst nicht friedlich werden koͤnten/ auch kein Burgfrieden/ Erbvertraͤge/ noch dergleichen Vermaͤchtniß vorhanden/ darnach sich dißfalls zu richten/ so soll je ein Guͤlde jaͤhr- licher gewissen Nutzungen mit 20. Guͤlden/ und die Gebaͤue nach bil- liger æstimation und Wuͤrdigung abgelegt und bezahlet werden/ darum die adelichen Geschlechter/ so ferne sie diese unsere Satzung zu hoch daͤuchte/ sich bey Zeiten und vor zutragenden Faͤllen eines andern deß- falls durch bestaͤndige Erbvertraͤge/ oder sonst rechtmaͤßig mit einan- Jusretentio- nis an Stamm Guͤtern. der vergleichen moͤgen; Es soll aber denen Toͤchtern immittelst/ und ehe ihnen die voͤllige Ablegung geschiehet/ oder sie sonst zur Gnuͤge und Nothdurfft versichert werden/ unbenommen seyn/ die Stammguͤter in Haͤnden zu behalten/ und sich des Juris retentionis so lange daran zu gebrauchen/ biß sie voͤllig bezahlet oder genungsam gesichert seyn. §. 9. Wann einer von der Ritterschafft verstirbet/ und seine Lehnsfolger Pflicht von Lehns Nutzung Wittwen Leib- zucht uñ Toͤch- ter Aussteuer zu ersetzen. Wittwe oder auch unberathene Toͤchter nach sich verlaͤst/ und dann an liegend oder fahrenden Erbguͤtern nach Schulden Abzahlung so viel nicht uͤbrig ist/ davon die Wittwe beleibzuͤchtiget/ auch die Toͤch- ter unterhalten und ausgesteuret werden moͤchten/ so sollen die nechsten Lehnsfolgere aus denen vom verstorbenen Lehnmann herruͤhrenden Lehnguͤtern/ nach Gelegenheit davon jaͤhrlich fallender Lehns-Nutzung solchen Mangel zu ersetzen/ und Wittwen/ ob gleich der verstorbene Lehnmann bey seinem Leben deßfalls nichts verordnet/ noch sie die Lehnsfolgere bewilliget haͤtten/ ziemlich zu beleibzuͤchtigen/ auch die Toͤchter zu unterhalten/ und endlich nach billigen derer nechsten Freunde/ oder/ in Mangel derer/ unser als Land- und Lehns-Fuͤrsten Ermessen/ auszusteuren schuldig seyn/ doch sollen in dem allen die Lehns- folger uͤber ihr Vermoͤgen/ und ferner dann die Lehns-Nutzung kund- bar erreichen/ nicht gravir t noch beschweret werden. Caput XXV. Von Ritterschafft Land-Erben Gebuͤhr/ Schul- den Bezahlung/ auch Zinß- und dienstbaren Guͤter Succession. §. 1. Land-Erben Gebuͤhr Recht. W Ann einer von der Ritterschafft ohne Mann Leibes Lehn-Er- ben verstirbet/ und ausserhalb seiner Ritter-Lehn oder alten Stammguͤter verlaͤsset sonst andere mehr Erbguͤter/ auch Baar- und Pfand- Von Ritterschafft und anderer Guͤter Suceession. Pfandschafften/ Silbergeschirr/ Hauß- und ander Vorrath/ aller- ley Vieh/ Frucht auff dem Boden/ ausstehende Schulden/ betagte Zinse/ und was dergleichen mehr ist/ so zum Erbe gehoͤret/ dessen allen Lehn-Guͤter Bau- und Ves- serung Recht. sind die nechsten Land-Erben/ so fern sie durch auffgerichtete Testamen- ta/ Erbvertraͤge/ Burgfrieden/ oder auch beschehene rechtmaͤßige Ver- zicht/ davon nicht ausgeschlossen/ vor denen Lehnsfolgern faͤhig; Jn- gleichen da der verstorbene Lehnmann auff Lehngut nuͤtzliche Gebaͤude gesetzt/ oder andere kundbare Besserung daran gewendet haͤtte/ solches sind die Lehnfolger denen Lands-Erben nach billigen Ermaͤßigung zu bezahlen/ wie auch/ ihnen ihr gebuͤhrend Antheil von denen auff dem Lehn noch stehenden Nutzungen folgen zu lassen/ schuldig. §. 2. Und ob wohl die gemeine Lehnrechte dißfalls einen solchen Unterscheid/ nemlich ob der Lehnmann zwischen ersten Martii und ersten Land-Erben Recht von ausgestellten oder besaͤeten Lehn-Guͤtern. Tag Augusti, oder nach derselben Zeit verstuͤrbe/ machen/ und wollen/ daß im ersten Fall die Lehns-Nutzungen desselben Jahrs denen Lands- Erben/ im andern Fall aber denen Lehnsfolgern zukommen sollen; je- doch weil in diesen Landen die jaͤhrliche Nutzung fast zum groͤssern und mehrern Theil erst nach dem ersten Augusti gefallen und einbracht werden/ derowegen nicht unbillig obermeldte Distinction gemeiner Lehn-Rechte nach dieser Landes-Art Gelegenheit zu veraͤndern/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß es in unsern Fuͤrstenthumen und Gebieten hinfuͤhro also gehalten werden soll/ nemlich da ein Lehnmann ein Bau- oder Acker-Gut verlaͤst/ und dasselbe vor seinem Absterben gantz oder zum theil ausgestellt und besaͤet haͤtte/ so sollen die Land- Erben allein/ ohne Verhinderung der Lehnsfolger/ dieselben ausge- stellte Fruͤchte einzuerndten haben/ es sterbe gleich der Lehnmann nach beschehener Ausstellung des Ackers uͤber kurtz oder lang; Was aber Weinberge/ Wiesen/ Baumfruͤchte/ Garten-Gewaͤchse und derglei- Lehnsfolger Recht von Weinbergen/ Wiesen und Garten Fruͤch- ten. chen belanget/ dieselben Nutzungen sollen gleichfalls denen Landerben alle folgen/ so fern allein der Lehnmann den Martium erlebet/ sonsten aber/ so der Lehnmann vor dem ersten Martio stirbet/ sollen die Nutzun- gen desselben Jahres von obermeldten Stuͤcken denen Lehnsfolgern alleine verbleiben. §. 3. So viel jaͤhrliche Renthen/ Zehenden/ Zinß und dergleichen Land-Erben und Lehnsfol- ger Recht an Zinßgefaͤllen. ledige Gefaͤlle betrifft/ die sollen/ so fern sie bey Lehnmanns Leben/ oder innerhalb dem dreyßigsten nach seinem Absterben als faͤllig betagen/ denen Land-Erben auch gantz folgen; betagen sie aber nicht bey Lehn- manns Leben/ oder binnen vorgemeldter Zeit nach seinem Tode/ so soll Q q q denen IV. Buch/ Cap. XXV. denen Land-Erben ihr Gebuͤhr pro rata temporis daran folgen/ und das uͤbrige denen Lehnsfolgern bleiben; als zum Exempel: Ein Lehn- mann hat auff Michaelis an Erb-Zinsen hundert Malter Frucht zu for- dern/ stirbet derselbe nun auff Michaelis/ oder auch einen Monat zuvor/ so gehoͤren die 100. Malter Zinß denen Land-Erben; stirbt er aber ein halb Jahr vor Michaelis/ so gebuͤhren diese Michaelis Gefaͤlle halb denen Land-Erben/ und die andere Helffte denen Lehnsfolgern; also auch/ da der Lehnmannn ein viertel Jahrs nach Michaelis verstuͤrbe/ so gebuͤhren denen Land-Erben nicht allein die auff Michaelis betagte 100. Malter/ sondern auch an denen Gefaͤllen des folgenden Jahrs/ weilen der Lehnmann nach Michaelis Tag ein viertel Jahr gelebet/ der vierdte Theil/ nemlich 25. Malter. §. 4. Hierentgegen aber sollen auch die Land-Erben/ so fern sie Agnatẽ Pflicht wegen Lehn- manns Schul- den zu bezah- len. sich dieser Erbschafft unternehmen/ des verstorbenen Lehnmanns Schulden allein abtragen/ und die Agnat en oder Lehnsfolger/ so keine Erben sind/ nichts damit zu thun haben/ es waͤren denn mit ihrem Wis- sen und Willen Schulden ins Lehn verschrieben/ oder sonst zu Befrey- oder Besserung des Lehns kundbar angewendet/ denn dieselben Schul- den sollen die Agnat en und Lehnsfolger allein zu tragen schuldig seyn; Dafern auch die nechste Land-Erben sich des verstorbenen Lehnmanns Erbschafft um der Schulden willen entschluͤgen/ so sollen gleichwohl die Agnat en und Lehnsfolger zu Bezahlung der Schulden/ was deren ohn ihre Verwilligung/ auch nicht zu Nutz und Besserung des Lehns gemacht/ denen Glaͤubigern und Creditorn ferner und weiter nicht verhafftet seyn/ dann allein von ietzt gemeldten zur Erbschafft und denen Land-Erben gehoͤriger Stuͤcke wegen/ so weit und ferne sich die Lehns- folger deren unterzogen haͤtten. §. 5. So viel aber des verstorbenen Lehnmanns Soͤhne belan- Lehnmanns Soͤhne Pflicht wegen Lehn und Erbe zu- gleich. get/ weilen die gemeinen Lehn-Rechte derenthalben verordnen/ daß sie die Lehn allein nicht annehmen/ und sich ihres Vaters Erbschafft entschlagen koͤnnen/ sondern eines mit dem andern behalten/ oder bey- des Lehn und Erbe zugleich begeben muͤssen/ so lassen wir es auch da- bey bleiben und bewenden/ derowegen des verstorbenen Lehnmanns Soͤhne zu Bezahlung ihres Vaters Schulden/ ob sie gleich ins Lehn verschrieben/ billig verhafftet. Zinß-uñ dienst- baren Guͤter Succession Recht. §. 6. Nachdem in unsern Landen gemeiniglich alle Guͤter/ so die Bauren unter Haͤnden haben/ Zinß- und Dienstbar seyn/ gleichwohl aber dieselben Guͤter ihren Unterscheid haben/ indem/ daß eines ein Erb- Von Ritterschafften und anderer Guͤter Succession. Erbzinß-Gut und also gethan ist/ daß der Jnhaber/ alldieweil er sei- nen Zinß und andere Pflicht/ davon guͤtlich ausrichtet/ dessen nicht ent- setzt werden kan/ etliche aber auff eine gewisse Anzahl Jahre vermey- ert werden/ oder auch ohne das also beschaffen seyn/ daß denen Guts- Herren frey stehet/ dieselben/ wann sie wollen/ gegen Erlegung der Bes- serung wieder zu sich zu nehmen/ und dann die Erfahrung giebt/ daß sich nach Eltern Absterben unter Kindern und Geschwistern dieser Guͤter halben allerley Zanck zutraͤgt/ indem/ daß entweder die Ge- schwister solche zinß- und dienstbare Guͤter denen Guͤtern zu sonder- barem Nachtheil und Beschwerung getheilet/ oder je eines vor dem an- dern in desselben Guts Beziehung den Vorzug haben/ und keines dem andern weichen will/ bißweilen auch die Guͤter aus Gunst/ oder um besondern Genusses und Vortheils willen/ unter Geschwistern etwa Zinß-Guͤter Besitzer und Jnhaber Frey- heit wegen de- ren Disposi- tion. einem allein favorisir en/ und sich ihres Rechtens den andern Geschwi- stern zur Beschwerung mißbrauchen/ damit dann hierinn allenthal- ben eine billige und uns denen Landes-Fuͤrsten/ auch andern Guts- Herrn/ so wohl als denen Zinß-Leuten und ihren Kindern/ ertraͤgliche Masse gehalten werden mag/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß einem jeden Jnhaber und Besitzer eines Erbzinses und dienstbaren Gutes frey stehen soll/ bey seinem Leben zu disponir en/ verordnen und zu schaffen/ welches unter seinen Kindern allein das Gut nach seinem Absterben gantz beziehen und besitzen/ und die andern Geschwister da- von gebuͤhrend und Land-laͤufftiger Weise ablegen soll/ bey welcher Verordnung auch wir es und andere Guts-Herren/ alldieweil der Zinß/ Dienst und andere darauff stehende Pflicht guͤtlich entrichtet wird/ bleiben lassen wollen und sollen; Da auch der Jnhaber gleich hiervon nichts bey seinem Leben ausdruͤcklich verordnet/ haͤtte aber sei- ner Kinder eines bey sich auffs Gut verheyrathet/ so soll dasselbe auch nach Vaters Absterben vor den andern Geschwistern/ jedoch daß den- selben gebuͤhrende Ablegung geschehe/ den Vorzug haben. §. 7. Wann aber die Eltern solch Gut/ welches sie unvertheilt inne gehabt und besessen/ unter ihre Kinder vertheilen wollen/ also/ daß Zinß- und dienstbaren Guͤter Thei- lungs Verbot. deren Kinder eines ein Stuͤck/ das andere ein anders davon einbekom- men/ weil solches uns denen Lands-Fuͤrsten und Guts-Herrn/ unserer daran habenden Erbzinß/ Dienst und anderer Pflichten halben/ die sich nicht alle wege mit Nutz theilen lassen/ nicht wenig beschwerlich und ungelegen/ so soll dasselbe anders nicht Krafft noch Macht haben/ es geschehe denn mit unsern und anderer Gutsherren Wissen und Wil- Q q q 2 len; IV. Buch/ Cap. XXV. len; darum/ so der Besitzer und Jnhaber deßhalben bey seinem Leben nichts verordnet/ so soll seinen Kindern nach ihme/ oder deren Vor- muͤndern/ so sie noch minderjaͤhrig/ frey stehen/ sich unter einander selbst dergestalt zu vergleichen/ daß der Kinder eines das Gut behalte/ und die andern gebuͤhrend ablege; wollen sie aber das Gut vertheilen/ so soll es anders nicht geschehen/ dann mit unserer oder anderer Guts- Herren zuvor daruͤber erlangten Bewilligung/ wie ob stehet. Kinder und Minderjaͤhri- gen Vormuͤn- der Recht um Zinß-Guͤter zu losen. §. 8. Wann aber die Kinder oder deren Vormuͤnder hierinn selbst nicht friedlich werden/ und keines dem andern weichen noch sich ab- legen lassen will/ so sollen die Kinder ihre Besserung und nutzbare Ge- rechtigkeit am selbigem Gut zufoͤrderst auff ein gewiß Geld selbst anse- tzen/ oder durch andere setzen lassen/ und darnach ums Gut/ welches dasselbe behalten moͤge/ und die andern Geschwister ablegen solle/ auff- richtig losen/ welchem denn das Loß zufaͤllt/ das soll am Gut den Vor- zug haben; Es sollen aber dißfall deren minderjaͤhrigen Kinder Vor- muͤnder verwarnet seyn/ daß sie nicht eher wegen ihrer Pflege-Kinder mit zum Loß gehen/ sie getrauen sich denn das Gut/ da es ihnen im Loß zufallen wuͤrde/ immittelst biß ihre Pflege-Kinder erwachsen/ der- massen zu bestellen/ daß an Entrichtung gebuͤhrenden Zinß/ Dienst und andern darauff stehender Pflicht kein Mangel erscheine/ damit man in Verbleibung solcher Pflicht nicht gemuͤßiget werde/ sich endlichen Schadens am Gut zu erhohlen/ und daraus denen Kindern Nach- theil zuwachse. §. 9. So viel nun Meyer-Guͤter betrifft/ die auff eine gewisse Anzahl Jahre verliehen werden/ da sollen denen Meyers Erben die Meyer-Guͤter Recht und Theilungs Verbot. bewilligte Meyerschafft Jahre/ ob schon der Meyer sie nicht erlebete/ gleichwohl gehalten werden/ und sie hinwieder des verstorbenen Mey- ers Zusage und Verpflichtung zu leisten schuldig seyn/ und soll dißfalls der Meyer vor seinem Absterben unter seinen Kindern und Erben auch eines oder mehr nach Gelegenheit des Meyer-Guts zu benennen ha- ben/ welche nach seinem Absterben in die Meyerey treten/ und dieselbe biß zum Ausgang der bewilligten Jahre insgesamt und ohne einige Meyer-Guts Theilung verwalten; wann aber der verstorbene Meyer hiervon nichts verordnet/ und seine Kinder sich auch unter einander deßwegen selbst nicht guͤtlich vergleichen koͤnten/ so sollen sie ebenmaͤßig/ wie ob gemeldt/ durchs Loß sich entscheiden/ jedoch daß in alle Wege dem Gutsherrn dasjenige/ so der Leihe- oder Meyer-Zettul mitbringt/ oder sonst versprochen ist/ gutwillig geleistet werde/ und daran kein Mangel sey. §. 10. Wann Von Kauffen und Verkauffen/ auch naͤhern Kauffrecht. §. 10. Wann aber die bewilligten Jahre der Meyerschafft zu En- de gelauffen/ oder auch das Gut ohne das also gethan ist/ daß der Guts- Herr dasselbe gegen Erlegung der Besserung zu sich zu nehmen maͤch- tig ist/ und dann unter des verstorbenen Meyers Erben/ um eines solchen Guts-Herrn Freyheit in Meyers Wahl Meyerguts Beziehung sich Jrrungen zutruͤgen/ so soll dem Guts- Herrn frey stehen/ einen unter denen Erben/ der ihm gefaͤllig und zu erwehlen gelegen/ vor einen Meyer auffzunehmen/ und denen andern Geschwistern ihr Antheil der Besserung/ was ihnen davon gebuͤhren moͤchte/ zu erlegen. Caput XXVI. Vom Kauffen und Verkauffen auch naͤhern Kauffs-Recht. §. 1. N Achdem Kauffen und Verkauffen unter allen Contract en am meisten im Brauch ist/ welcher Contract auch durch Kaͤuffer Kauff- und Verkauffs Recht. und Verkaͤuffers Vereinigung/ wie sich dieselbe jederzeit nach ihrer freyen Willkuͤhr des Kauffs halber mit einander vergleichen und zu frieden werden/ seine richtige Maasse bekoͤmmt/ gleichwohl aber je bißweilen aus dem/ daß entweder an Verkaͤuffers Person/ oder auch verkaufften Guts halben Mangel befunden/ allerley Betrug und Hinterlist gebraucht/ zu Zeiten auch aus Unbedachtsam- und Leicht- fertigkeit zum Kauff geschritten wird/ und offtmahlen des naͤhern Kauffs halben allerhand Zanck und Hadder entstehet/ damit dann unsere Unterthanen deßfalls einen kurtzen Bericht haben moͤgen/ wessen sie sich vornehmlich im Kauff- und Verkauff/ zu muͤglicher Verhuͤtung Hadder und Zancks/ zu verhalten/ so soll anfaͤnglich ein jeder Kaͤuffer des Verkaͤuffers Person und Guts Gelegenheit/ darum der Kauff ge- schicht/ in acht nehmen. §. 2. Ob nemlich der Verkaͤuffer desselben Guts maͤchtig/ und Verkaͤuffer uñ Guts Beschaf- fenheit. sonst seiner Person halben also gethan sey/ daß er kraͤfftig contrahir en moͤge/ dann so der Verkaͤuffer sinnloß/ oder ihme seines Verschwen- dens halben seiner Guͤter Verwaltung von der Obrigkeit verboten/ oder er sein vollkommen Alter noch nicht erreicht/ sondern in seiner Vormuͤnder Gewalt/ oder ohne das unter 25. Jahren/ oder da gleich derselben Defecte keiner vorhanden/ das Gut aber/ so verkaufft werden sollen/ nicht wohl gewonnen/ sondern geraubet oder gestohlen/ oder Q q q 3 auch IV. Buch/ Cap. XXVI. auch dem Verkaͤuffer vollkoͤmmlich nicht zustaͤndig waͤre/ als da der Mann dem Weibe ohne ihren Willen/ Vater oder Mutter ihren Kindern/ oder Vormuͤnder ihren Pupill en das ihre vor sich selbsten Kaͤuffers Ge- fahr worinn bestehet. ohne Decret und Zulassung der Obrigkeit verkaufften/ in solchen und dergleichen Faͤllen hat der Kaͤuffer allerhand Gefahr zu bestehen/ sin- temahl mit Sinnlosen/ Pupill en und denen/ so ihrer Guͤter Verwaltung verboten ist/ nichts bestaͤndiges contrahir et werden mag/ und koͤnnen diejenige/ so unter 25. Jahren sind/ nicht allein/ was sie selbst verkaufft/ per restitutionem in integrum wieder erlangen/ sondern auch/ was ihre Vormuͤnder und Curatores ausserhalb ehehafften Noͤthen ohne Decret und Zulassung der Obrigkeit von liegenden Guͤtern alienir et/ unverhindert wieder einfordern/ und sind das Kauffgeld anderer Ge- stalt zu erstatten nicht schuldig/ dann was dessen in ihren Nutzen kund- bar gewendet. L. 11. C. de contrahend. Empt. L. 15. cui bonis, ff. de verb. oblig. L. in civilem, C. de furt. L. 2. \& 4. C. de rebus alien. non alien. L. mater, C. de R. V. L. lex quæ tutores, C. de admin. tutor. L. utere, \& L. si prædium, C. de præd. min. L. Tutor in fine, ff. de minor. §. 3. Also hat auch ein jeder sein geraubt oder gestohlen Gut von Raub- oder ge- stohlenẽ Guts Kauff-Recht. demjenigen/ dabey ers erstlich findet/ unerachtet/ obs derselbe gleich vom Raͤuber oder Diebe selbst/ oder sonst einem andern in gutem Glauben erkaufft haͤtte/ einzufordern/ ist auch deßwegen einig Kauff- geld wieder zu geben nicht schuldig. L. si mancipium, C. de rei vindic. L. in civilem, C. de furt. Kauffrecht we- gen Gewalt oder Betrug. §. 4. Jngleichen/ so ein Kauff durch beweißlichen Gewalt oder boͤsen Betrug zu Wege gebracht/ oder auch ausserhalb Gewalt oder Betrug eine solche Vervortheilung im Kauff befunden wuͤrde/ die sich uͤber den halben Theil billigen Werths erstreckt/ so ist der/ welcher durch Gewalt oder Betrug zum Kauff induci rt und gebracht/ densel- ben zu halten nicht schuldig/ und kan im letzten Fall der Verkaͤuffer/ so uͤber den halben Theil des billigen Werths vervortheilet ist/ entweder sein verkaufft Gut gegen Darlegung empfangenen Kauffgeldes wie- der erlangen/ oder es muß ihm der Kaͤuffer/ so er das erkauffte Gut lie- ber zu behalten gedencket/ den Mangel des billigen Werths/ wie der zur Kauffs Zeit nach gemeiner Wuͤrdirung und verkaufften Guts Gelegenheit jaͤhrlichen Nutzbarkeit gewesen/ erstatten/ ob gleich sonst kein boͤser Betrug deßfalls beym Kaͤuffer erfunden wuͤrde. L. 1. §. si dolo, C. de rescind. vend. L. 11. C. de rescind. vend. §. 5. Wie Von Kauffen und Verkauffen/ auch naͤhern Kauffrecht. §. 5. Wie wir auch hinwieder und im Gegenfall setzen/ ordnen Kaͤuffer und Verkaͤuffer Recht/ so uͤber die Helffte be- trogen. und wollen/ daß ein jeder Kaͤuffer/ der ein Gut/ so seinem rechten billigen Werth nach nicht mehr als zwantzig Guͤlden werth/ uͤber 40. Guͤlden erkaufft haͤtte/ und also um noch so viel/ als sich der billige Werth er- streckt/ vervortheilet waͤre/ ebenmaͤßig entweder sein ausgelegt Kauff- geld gantz/ gegen Verlassung des erkaufften Guts/ oder/ so es ihm ge- faͤlliger/ die Ubermaß des zu viel und uͤber billigen Werth bezahlten Kauffgeldes wieder zu erlangen/ Fug oder Recht haben soll. Contra gloss. in L. 11. C. de rescind. vend. §. 6. Ein jeder auffrichtiger Kauff aber erlangt seine Vollkom- Auffrichtigen Kauff-Ver- schreibungs Recht. menheit durch beyder Contrahent en Consens und Verwilligung/ wann Kaͤuffer und Verkaͤuffer des verkaufften Guts oder Waaren halben und eines gewissen Kauffgeldes dafuͤr mit einander einig seyn/ ob gleich uͤber solchen Kauff entweder gar uͤberall keine Verschreibung/ oder ja nicht so bald auffgerichtet/ sondern erst uͤber etliche Zeit hernach ver- fertiget wird/ es waͤre denn in der Handlung ausdruͤcklich also abge- redt und vorbehalten/ daß der Kauff nicht eher soll kraͤfftig seyn/ es haͤtten denn Kaͤuffer und Verkaͤuffer sich zuvor einer gewissen Kauff-Verschreibung verglichen/ denn in solchem Fall ist von noͤthen/ daß zuvor eine Notul der Kauff-Verschreibung begriffen/ und beyden Partheyen zu besehen/ um sich ihres Willens mit ab- oder zusetzen daruͤber zu erklaͤren/ vorgehalten werde; so bald nun das geschehen/ und die Contrahent en der Notul wegen mit einander einig/ ist der Kauff kraͤfftig/ ob sich es schon darnach mit ingrossir en und versiegeln derselben verglichenen Notuln etwas verzoͤge. L. contractus, C. de fide instr. §. 7. Wann nun ein auffrichtiger Kauff/ auff solche Weise wie vor stehet/ entweder durch Contrahent en Consens, oder im letzten Fall Kaufshaltung wann nicht zu weigern. nach verglichener Notul der Verschreibung/ seine Krafft erlangt/ so ist der Verkaͤuffer das verkauffte Gut oder Waare zu lieffern/ und der Kaͤuffer das Kauffgeld so bald/ oder auff Zeit und Ziel wie es im Kauff abgeredt ist/ zu bezahlen schuldig/ und kan kein Theil ohne des andern Verwilligung sich dessen verweigern/ oder vom Kauff ab- weichen. §. 8. So waͤchst auch alsbald nach beschlossenem Kauff beydes Verkaufften Guts Schadẽ und Gefahr Recht zu ste- hen. Nutzen und Gefahr des in Specie verkaufften Guts oder Waare dem Kaͤuffer anheim/ ob es gleich noch nicht tradir t oder uͤberlieffert/ son- dern annoch in Haͤnden des Verkaͤuffers waͤre; darum/ so nach beschlos- senem IV. Buch/ Cap. XXVI. senem Kauff ein Pferd oder ander verkaufftes Thier beym Verkaͤuf- fer/ jedoch ohne sein Verursachen oder Verwarlosen/ stuͤrbe/ verduͤr- be oder gestohlen wuͤrde/ ein Faß Wein oder Bier auslieffe/ ein Hauß einfiehle oder abbrennete/ in solchen und dergleichen Faͤllen ist Kaͤuffer allein den Schaden zu tragen schuldig/ und Verkaͤuffer nicht weiter verpflichtet/ dann nur verkaufftes Gut und Waare/ weilen es in seiner Gewalt ist/ gleich seinen selbst eigenen Guͤtern/ treulich und auffrichtig zu bewahren/ es waͤre denn Sache/ daß es zur Kauff- Zeit anders abgeredt/ und der Verkaͤuffer alle Gefahr biß zur Tradi- tion und Liefferung selbst auff sich genommen/ oder sonst die Uberant- wortung vorsetzlich verzogen haͤtte; Ob aber schon Verkaͤuffer die Verkaufften Waaren Aus- liefferungs Recht. Liefferung verzogen/ und hernach dasselbe zu thun sich erboten/ und der Kaͤuffer alsdann das erkauffte Gut ohne genungsame Ursache an- zunehmen sich verweigerte/ und erst nach dieser des Kaͤuffers Verwei- gerung dem Gut oder Waare Schaden zustuͤnde/ so ist Verkaͤuffer Schadens halben ohne Sorge/ und gebuͤhret Kaͤuffern denselben al- lein zu tragen. L. quod sæpe, §. si res, ff. de contrah. Emt. L. 1. ff. de peric. \& commod. L. illud sciendum, ff. Eod. Waaren Kauf- recht in Zahl/ Gewicht/ Maaß oder Geschmack be- stehend. §. 9. Wann aber eine solche Waare insgemein gekaufft wuͤrde/ die zuvor ausgesondert/ gezaͤhlet/ gewogen/ geschmaͤckt oder gemessen werden muͤste/ als nemlich aus einer gantzen Heerde etliche Stuͤcke/ aus einem gantzen Hauffen Getraͤide einige Anzahl Malter/ aus ei- nem Keller voll Wein oder Bier etliche Ohm oder Fuder/ aus einem Hauffen Metall/ als Kupffer/ Eisen/ Bley/ Silber und dergleichen/ Zentner/ Pfunde oder Marcken/ und so fortan/ in solchem Fall ist die Gefahr der verkaufften Waare nicht so bald nach beschlossenem Kauff des Kaͤuffers/ sondern erst nach beschehener Aussonderung/ Abzaͤh- lung/ Messung und Darwaͤgung/ oder so es Getraͤncke/ wann es ge- schmaͤckt und ein gewiß Faß gezeigt/ oder sonst in ein ander Gefaͤß ein- gemessen ist. L. quod sæpe, §. in iis, ff. de contrah. Emt. Kauffgedings Recht wegen Bezahlung gewisser Zeit. §. 10. Wann auch etwas mit solchem Geding verkaufft wuͤrde/ da die Bezahlung in einer benannten Zeit nicht geschehe/ daß der Kauff nichts seyn solte/ und der Kaͤuffer ausserhalb redlichen Ursachen/ die Zahlung in bestimmter Frist nicht thaͤte/ so stehet in Verkaͤuffers Willkuͤhr/ entweder das verkauffte Gut/ oder/ so er lieber will/ das Kauffgeld/ zu fordern/ und welches er unter denen beyden am ersten for- dert/ Von Kauffen und Verkauffen auch naͤhern Kauffrecht. dert/ dabey muß er bleiben/ auch ist der Kaͤuffer dasselbe hinaus zu geben schuldig; Ob aber sonst Verkaͤuffer nach verflossenem Termin etwas vom Kauffgelde in Bezahlung annehme/ alsdann muß er den Kauff halten/ und hat nichts weiters/ dann des nachstaͤndigen Kauffgeldes Rest/ einzufodern. L. fin. ff. de Leg. Commiß. §. 11. Es ist auch ein jeder Verkaͤuffer und dessen Erben/ des ver- Kauff Ge- wehrs- Recht. kaufften Guts oder Waaren halben/ seinen Kaͤuffer und dessen Er- ben/ zu gewaͤhren/ und gegen aller/ ausserhalb Kaͤuffers Verursachen/ herruͤhrenden Ansprache/ zu vertreten und schadloß zu halten schuldig/ ob es gleich im Kauff ausdruͤcklich nicht abgeredt waͤre/ iedoch soll der Kaͤuffer/ wenn er des verkaufften Guts oder Waaren halben ange- sprochen und zu recht angelanget wird/ solches seinem Veꝛkaͤuffer zeitlich denunciir en und zu wissen machen/ damit ihm derselbe in Guts Vertre- tung Beystand zu leisten/ und seine Nothdurfft in Rechten vorzuwen- den habe/ dann wo der Kaͤuffer solches unterliesse/ und die Sache im Recht auszufuͤhren/ seines Verkaͤuffers unerfordert/ sich allein unter- wuͤnde/ auch daruͤber des Guts verlustiget wuͤrde/ und nicht appel- lir te/ oder auch die Appellation deserir te/ so truͤge er billich den Schaden allein. L. in vendendo, ff. de contrah. Emt. L. si rem, §. fin. ff. de Evict. L. Herennius, ff. de Eviction. §. 12. Wollen demnach unsere Unterthanen/ insgemein hiermit Kauff- und Veckauff- Haͤndel/ wie zu treiben. gnaͤdiglich/ und bey Vermeidung unserer ernsten Straffe/ verwarnet haben/ daß sie im Kauffen und Verkauffen auffrichtig handeln/ einer dem andern zu Nachtheil die auff dem verkaufften Gut stehende Be- schwerden/ es seyn Erbzinß/ Dienste/ Schulden oder andere dergleichen Maͤngel/ vorsaͤtzlich nicht verschweigen/ gerecht Gewicht/ Ehle und Maaß brauchen/ alles boͤsen Betrugs sich gegen einander enthalten/ auch nicht unbesonnener Weise und beym Trunck/ wie es offt ge- schieht/ und hernach das Reuen folget/ sondern mit gutem Vorbedacht mit einander contrahir en/ und vorhin bedencken/ was ein ieder ver- spricht und zusaget/ daß er auch dasselbe zu halten schuldig und pflich- tig seye. §. 13. Und weiln offtmahls daraus/ daß Erbkauff uͤber liegende Grundguͤter Erb-Kauff schrifftlich zu verfassen. Gruͤnde und Guͤter mit blossen Worten abgeredt/ und nicht schrifftlich verfasset worden/ unter dem gemeinen Mann allerhand Gezaͤnck und und Hadder entstehet/ in dem die Contrahent en unter einander des R r r Kauffs/ IV. Buch/ Cap. XXVI. Kauffs/ oder dabey geschehenen sonderbaren Abreden und Geding- Faͤllen/ oder nach ihrem Absterben die Erben davon nichts wissen wol- len/ so sollen unsere Beamten an denen Gerichten und sonst unsere Un- terthanen mit Fleiß vermahnen/ daß/ so bald nach beschlossenem Kauff/ beydes Kaͤuffer und Verkaͤuffer/ vor sie/ unsere Beamten/ oder in Staͤdten vor Buͤrgemeister und Rath gehen/ und ihren getroffenen Kauff/ wie derselbe eigentlich gelautet/ mit allen seinen Pacten/ Geding und Umstaͤnden ins Gerichts-Buch/ davon im ersten Theil dieser unsrer Lands-Ordnung Meldung geschehen ist/ einschreiben/ auch ihnen daruͤber gebuͤhrende Wehrs-Briefe verfertigen lassen/ und solches ih- Beamten Pflicht mit Wehrschafft. nen selbst oder ihren Erben zu Nachtheil nicht verziehen/ wie wir auch unsern Beamten/ deßgleichen Buͤrgermeisteꝛn und Raͤthen in Staͤdten/ mit gnaͤdigem Ernst aufferlegt haben wollen/ daß sie so bald/ und in bey- der Contrahent en Gegenwart/ die getroffene Kaͤuffe/ um gleichen und bessern Behalts Willen/ ins Gerichts-Buch/ mit Vermeldung Jahr und Tages/ darauf sie beschlossen/ einzeichnen lassen uñ demselben nach/ die Wehrs-Brieffe/ der Abrede allenthalben gemaͤß und foͤrmlich/ daß die Leute damit verwahret seyen/ stellen/ auch sie in die Laͤnge zu ihrem Nachtheil und Schaden damit nicht auffhalten/ noch verwahrlosen/ sondern auffs schleunigste befoͤrdern. §. 14. Nachdem wir befinden/ daß sich des naͤhern Kauffs halben/ unerachtet weiland unsers geliebten Herrn Vaters Vorfahren lobse- liger Gedaͤchtniß/ deßwegen in Vorjahren publicir ten Ordnung/ viel Mißverstandes/ Gezaͤnck und Streit zugetragen/ damit man auch dem- selben zukuͤnfftig so viel muͤglich vorkommen/ und der Naͤher-Kauff/ weil er gemeinen beschriebenen Rechten etwas zuwider/ nicht auff ein iedes Gut oder Sipschafft/ sie sey so fern als sie wolle/ extendi rt werde/ Naͤhern Kauffs-Recht in unbewegli- chen Guͤtern. sondern seine gebuͤhrende Maß haben moͤge; So setzen/ ordnen und wollen wir/ daß Naͤherkauff nicht in beweglichen/ sondern allein in lie- gend- oder unbeweglichen Erb-Guͤtern/ und die denselben gleich geach- tet/ dazu in solchen Guͤtern/ die von der Freundschafft her an den Ver- kaͤuffer durch Erbschafft/ Ubergabe/ Heyrath/ Kauff oder/ in andere Wege gelanget seyn/ und nicht die er erst von einem Blut-Fremden an sich erkaufft oder sonst gebracht haͤtte/ alsdann statt haben soll/ wann solche Guͤter erblich/ oder auff Wiederkauffs-Recht verkaufft/ und nicht/ wenn sie vertauscht/ vermeyert/ zu Lehn verliehen oder verschen- cket seyn. §. 15. Deß- Von Kauffen und Verkauffen/ auch naͤhern Kauffrecht. §. 15. Deßgleichen sollen nicht alle und jede Bluts-Verwandten/ Bluts-Ver- wandten naͤ- hern Kauffs und verbote- nen Ehe Grads Recht. sondern erstlich Kinder und Kinds Kinder in absteigender Linie/ doch anders nicht dann bey Leben der Eltern/ sintemahlen sie nach ihrem Absterben derselben Handlung als Erben zu halten schuldig seyn; zum andern die Eltern und Ober-Eltern in auffsteigender Linie/ und drit- tens in der Zwerch-Linie allein diejenigen/ so von wegen naher Blut- Berwandniß/ vermoͤge dieser Lands-Ordnung/ einander zur Ehe nicht nehmen duͤrffen/ als nemlich biß auff den dritten Grad der gleichen Li- nie einschließlich/ und ferner nicht/ zum Abtrieb oder naͤher Kauff nach Grads Vortheil verstattet werden sollen. §. 16. Dieser Abtrieb aber soll innerhalb sechs Wochen und dreyen Sprech-Zeit Frist zum naͤ- hern Kauff. Tagen/ von Zeit des getroffenen und beschlossenen Kauffs/ und nicht von zuvor beschehenen Proclamation oder Feilbiethung zu rechnen/ vor- genommen und ins Werck gerichtet werden/ derogestalt/ daß derjenige/ so des naͤhern Kauffs befugt/ innerhalb bestimmter Frist in den Kauff einspreche/ sich vor naͤhern Kaͤuffer dargebe/ und dem Kaͤuffer sein ausgelegt Kauffgeld samt ziemlichem Weinkauff und dergleichen Un- kosten/ ob und was dessen kundbar darauff gangen waͤre/ anbiethe/ auch so ers gutwillig annehmen will/ auszahle/ oder in Verweigerung dessen hinter das Gericht oder bey Buͤrgermeister und Rath deponir e und hinterlege. §. 17. So dann unsere Beamten samt Buͤrgermeister und Rath Beamten Pflicht bey naͤ- hern Kauffs Einsprache. in Staͤdten befinden/ daß der angegebene Naͤherkaͤuffer des begehrten Naͤherkauffs/ vermoͤge dieser unsern Constitution kundbar befugt/ so sollen sie ihme zum verkaufften Gut gegen Bezahlung des ausgelegten Kauffgelds und ziemlichen Unkostens/ oder so die Bezahlung auff Zeit und Ziel versprochen/ gegen ebenmaͤßiges Versprechen und genugsame Versicherung schleunig verhelffen/ und den Kaͤuffer zu Wiederem- pfahung seines ausgelegten Geldes vermahnen. §. 18. Wann aber der Naͤherkaͤuffer zu Zeit des getroffenen Kauffs Naͤhern Kaufe Sprech-Zeit wann laͤnger zu rechnen. abwesend waͤre/ oder auch gegenwaͤrtig/ und der Kauff so heimlich zu- gangen/ daß er in etlicher Zeit davon nichts erfahren haͤtte/ auch diesel- be seine Unwissenheit/ wann von noͤthen/ mit dem leiblichen Eyd be- theuren koͤnte/ so sollen die zum naͤhern Kauff bestimmte sechs Wochen und drey Tage in diesem Fall dem angegebenen Naͤherkaͤuffer von der Zeit/ da er erst des beschehenen Kauffs Wissenschafft empfangen/ ange- rechnet werden. R r r 2 §. 19. Ob IV. Buch/ Cap. XXVI. §. 19. Ob auch gleich der Naͤherkaͤuffer/ wann er des geschehenen Ferner Naͤheꝛn Kauffs Ge- rechtigkeit. Kauffs gewissen Bericht empfaͤhet/ so bald nicht die Summa des Kauffgeldes/ und dasselbe demnechst oder erst auff gewisse Zeit und Ziel erlegt werden solte/ erfahren kan/ so soll er doch innerhalb bestimmten sechs Wochen Zeit seinen Fleiß erzeigen/ und beydes den Verkaͤuffer und Kaͤuffer der Kauff Summa halben/ wie hoch die sey/ und wann sie bezahlet werden soll/ entweder selbst oder durch Beschickungs Leute ansprechen/ oder/ da sie Ausflucht suchten/ vor unsere Beamten oder Buͤrgermeister und Rath deßwegen vorfordern lassen/ fuͤr denen dann beydes Verkaͤuffer und Kaͤuffer bey ihrem Eyd/ bevorab da man sich bey ihnen einiger Collusion, Argwohn oder Verdachts vermuthete/ das rechte pretium oder Kauff-Summa/ und mit was Bedingen sonst der Kauff beschlossen sey/ auszusagen/ und darinn nichts gefaͤhrlich zu verhalten schuldig seyn sollen/ damit hierauff der Naͤherkaͤuffer bey sich zu schliessen und zu ermessen habe/ ob er sich des Naͤherkauffs gebrau- chen wolle oder nicht; und soll dem Naͤherkaͤuffer die Zeit/ da er den Kaͤuffer und Verkaͤuffer/ die Kauff-Summa und andere Umstaͤnde von ihnen zu erfahren/ durch sich oder andere ansprechen/ oder fuͤr die Obrigkeit fordern lassẽ wird/ oder auch/ so er abwesend/ oder andern der- gleichen ehehafften Ursachen halbẽ ohne seine Schuld daran verhindert wuͤrde/ in die obgemeldt-bestimmte Frist nicht mit eingerechnet werden. §. 20. Sonsten aber/ so der Naͤherkaͤuffer dieselbe Zeit der sechs Naͤher Kaͤuf- fers Straffe so die Sprechzeit versaͤumt. Wochen und dreyen Tage wissentlich verfliessen laͤst/ und sich um den Naͤherkauff nicht annimt/ auch/ so er gleich die Summa oder mit was Gedinge der Kauff geschlossen waͤre/ nicht wuͤste/ solches alles immit- telst zu erfahren keinen Fleiß verwende/ der soll hernach zum naͤhern Kauff keinen weitern Zugang haben/ es waͤre denn Sache/ daß er von wegen Minderjaͤhrigkeit/ Abwesenheit oder kundbaren Leibes-Gebre- chen/ vermoͤge der Rechte billig fuͤr entschuldiget zu halten. §. 21. So auch deren Naͤherkaͤuffer mehr als einer/ und alle glei- Gleichẽ Grads mehrern Naͤ- her-Kaͤuffer Vorzugs Recht. chen Grads/ und das Gut derselben einem verkaufft waͤre/ sollen die andern solchen ersten Kaͤuffer abzutreiben nicht Macht haben/ wann aber das Gut einem Frembden verkaufft waͤre/ und deren Naͤher- kaͤuffer keiner dem andern weichen/ sondern ein jeder sich des naͤhern Kauffs gebrauchen will/ so ferne dann das verkauffte Gut sich beqvem- lich theilen laͤst/ sollen sie alle zugelassen werden/ oder in Mangel des- sen/ welches bey Ermessung des ordentlichen Richters stehen soll/ das Loß darum werffen/ welcher das Gut alleine behaͤlt. §. 22. Seynd Von Kauffen und Verkauffen/ auch naͤhern Kauffrecht. §. 22. Seynd aber die Naͤherkaͤuffer ungleichen Grads/ und ei- Mehrern Naͤ- her-Kaͤuffer ungleichen Grads Recht. ner vor dem andern zum Naͤherkauff berechtiget/ wofern dann der nechste sich des naͤhern Kauffs begebe/ oder die bestimmte Sprechzeit wissentlich verfliessen liesse/ alsdann soll der zweyte den Zutritt zum naͤhern Kauff haben/ und demselben die sechs Wochen und drey Tage von der Zeit/ da der erste entweder abgestanden/ oder die bestimmte Frist wissentlich verfliessen lassen/ angerechnet werden. §. 23. So nun jemand am verkaufften Gut Erbzinß oder Lehn haͤtte/ derselbe wird billig im naͤhern Kauff/ so fern er sichs gebrauchen Naͤherkaͤuffers Beschaffenheit Pflicht. will/ allen Bluts-Verwandten vorgezogen/ und ob er sichs gleich nicht gebrauchen wolte/ der angegebene Naͤherkaͤuffer aber also gethan/ daß er seiner Unvermuͤglichkeit/ Verschwenden/ oder dergleichen erheblichen Ursachen halber/ dem Guts-Herrn vor ein Zinß- oder Lehnmann nicht annehmlich/ so soll derselbe in solchem Fall wider des Guts-Herrn Willen zum naͤhern Kauff auch nicht zugelassen werden. §. 24. Jtem/ unter Blutsverwandten sollen diejenigen/ so sich ausserhalb Landes mit ihrer haͤußlichen Wohnung begeben/ deßglei- Naͤhern Kaufs Zugang wem verboten. chen die in Unpflichten erziehlet sind/ auch alle die/ so mit ihrer Miß- handlung Staupenschlaͤge/ Geisselung/ Landsverweisung/ Stellung an Pranger/ Folter/ und dergleichen Straffen verwuͤrcket/ oder sich sonst also gehalten/ daß sie billig fuͤr unehrlich zu achten/ zum naͤhern Kauff keinen Zugang haben; und dafern auch dem Naͤherkaͤuffer im Anfang das Gut angeboten/ und er sich erklaͤret haͤtte/ daß er nicht kauffen wolte/ oder auch/ so er stillschweigends bey der Kauffhandlung oder Weinkauff gewesen/ und des naͤhern Kauffs nicht gedacht haͤtte/ der soll zum naͤhern Kauff ferner nicht verstattet werden. §. 25. So aber der naͤher Kaͤuffer sich mit dem Verkaͤuffer in Handlung eingelassen/ und doch des Kauffs/ weil sie sich der Summa Naͤhern Kaufs Recht wann verlohren. nicht vergleichen koͤnnen/ mit einander nicht zu frieden waͤren/ daruͤber das Gut einem Frembden verkaufft/ so soll darum derselbe naͤher Kaͤuf- fer sein naͤhern Kauffs Recht/ so fern er sich dessen sonst nicht ausdruͤck- lich verziehen/ nicht verlohren haben/ sondern nachmahls in obbestim- ter Frist nach beschlossenem Kauff zum Abtritt verstattet werden. §. 26. Es sind auch andere mehr Ursachen ausserhalb Blut- Naͤhern Kaufs fernere gerech- te Ursachen. verwandniß/ so naͤhern Kauff geben/ als nemlich Pfandschafft/ Ge- mein- und Nachbarschafft und dergleichen/ denn wer eines verkauff- ten Guts halben mit Verkaͤuffern in unvertheilter Gemeinschafft sitzet/ oder desselben Guts Gegenwechsel/ oder auch ein ander nechst R r r 3 daran IV. Buch/ Cap. XXVI. daran graͤntz- und stossend Gut hat/ oder so ihm dasselbe hypotheci- r et und zum Unterpfand eingethan oder verschrieben ist/ der wird billig einem frembden Kaͤuffer vorgezogen. L. 1. ff. de privil. Cred. §. 27. Wie aber der Kaͤuffer und Verkaͤuffer keinen vorsetzlichen List oder Be- trug bey Naͤ- her Kauff ver- boten. boͤsen Betrug/ List noch Gefaͤhrde demjenigen/ so der Naͤherkauff ge- buͤhret/ zu Nachtheil gebrauchen sollen/ als auch soll der Naͤherkaͤuffer sich dessen ebenmaͤßig enthalten/ und den Abtritt zu seiner selbst eigenen Nothdurfft oder Gebrauch/ und sonst niemanden zum Vortheil/ zu thun begehren oder Macht haben/ welches er auch/ auff den Fall deßwegen einiger Verdacht vorhanden/ mit leiblichem Eyde zu betheuren schuldig/ und im Mangel dessen zum Naͤher-Kauff nicht zugelassen werden soll. §. 28. Es soll auch der Naͤherkaͤuffer nicht allein gerade dieselbe Naͤber Kaͤuf- fers Pflicht Kauffs Geding nnd Pacta zu halten. Summa/ die der fremde Kaͤuffer entweder so bald oder auff Zeit und Ziel zu geben auffrichtig versprochen/ in ebenmaͤßiger Frist erlegen/ sondern auch alle andere darneben abgeredte Pacta und Gedinge zu halten sehuldig seyn/ und sonderlich so mehr als einerley Stuͤck Guts zugleich mit einander verkaufft/ und solche verkauffte Stuͤcke nicht ein jedes auff sein besonder Pretium gesetzt/ sondern vor sie alle zugleich ei- ne saͤmtliche Kauff-Summa benannt waͤre/ so soll doch der Naͤher- Kaͤuffer/ wofern sonst hierunter keine Gefaͤhrde gebraucht/ eines mit dem andern behalten/ und wieder Kaͤuffers Willen nicht eben in einem Stuͤck allein den Abtrieb vorzunehmen Macht haben. Caput XXVII. Von Ausleihen/ Entlehnen und Borgen/ auch andern beweglichen Dingen/ die gezaͤhlet/ gewogen/ ge- messen werden oder nicht. §. 1. S O einer dem andern eine Summa oder Anzahl Geldes/ Getraͤy- Leihet und Entlehners Pflicht. de/ Wein/ und dergleichen Gedinge/ die man zu zaͤhlen/ wiegen oder messen pflegt/ abborget/ so werden solche abgeborgete Dinge des Entlehners eigen/ und wird derselbe verpflichtet/ seinem Leiher oder Glaͤubiger das vorgestreckte Geld/ Getraͤyde/ oder was es sonst gewe- sen/ auch in dem Fall/ da ers gleich ohne alle seine Schuld/ durch unver- sehenen Zufall/ als Brand/ Raub/ Nahm/ Diebstahl/ oder in ande- re Wege verlustiget worden waͤre/ mit ebenmaͤßiger Gattung/ von Sub- Von Borgen und Ausleyhen/ auch Maaß und Gewicht. Substanz und Guͤte zu bestimmtem Termin/ oder/ so keine gewisse Zeit benannt/ sonsten zu gebuͤhrender Zeit und Stelle zu bezahlen. L incendium, C. si cert. pet. §. 2. Haͤlt nun der Entlehner oder Schuldner keinen Glauben/ Glaͤubigers Gewinn und Schuldners Schaden Recht. und thut die Bezahlung nicht zu rechter Zeit/ es steige denn oder falle der Werth des entlehneten Guts/ nach dem bestimmten Zahlungs Ziel/ so waͤchst dem Glaͤubiger der Gewinn/ und dem Schuldner al- ler Nachtheil und Schaden anheim; derowegen/ so einer dem andern eine Anzahl Korn/ Wein oder anders derogestalt leihet/ daß ers auff eine nahmhaffte Zeit wieder geben soll/ und der Entlehner giebt es zu bestimmter Frist/ oder so kein gewisser Termin benannt/ zu der Zeit/ da er vom Glaͤubiger gemahnet wird/ nicht wieder/ der Werth aber des Geliehenen schlaͤgt je laͤnger je mehr ab/ so ist der Schuldner nicht al- lein das entlehnte Gut in gleicher Anzahl und Guͤte wieder zu geben/ sondern auch daneben/ was es zur Zeit der Bezahlung gering und we- niger gilt/ denn es zur Zeit des bestimmt- und nicht gehaltenen Zah- lung-Ziels bey offenem Marckt gegolten hat/ am Geld zu erstatten schuldig. L. vinum ff. si cert. pet. §. 3. Also auch/ wann eine Summa Geldes an besonderen ge- Gangbaren Muͤntze oder deren Werth Bezahlungs Recht. wisser Muͤntze derogestalt geliehen wuͤrde/ daß die Wiederbezahlung mit derselben Muͤntze in gewisser Zeit geschehen solle/ der Schuldner aber die Zahlung zu rechter Zeit nicht thaͤte/ und dieselbe Muͤntze nach dem Zahlungs Ziel abschluͤge und weniger gilt/ so gebuͤhret dem Schuldner nicht allein denselben Abgang neben der Muͤntze/ sondern auch ein ziemlich Interesse, daß er die Bezahlung zur rechter Zeit nicht gethan/ seinen Glaͤubiger zu vergnuͤgen; wann auch die geliehene Muͤntze an Korn und Schrot/ und also juxta bonitatem intrinsecam, geringert oder gar vergienge/ so soll der Schuldner die Bezahlung in der Muͤntze thun/ die zur Contract Zeit gangbar gewesen/ oder da sie nicht mehr guͤltig/ alsdenn derselben billigen Werth erlegen/ welchen auch der Glaͤubiger solchen Falls anzunehmen schuldig seyn soll. L. Paulus respondit, ff. de Solution. §. 4. Als auch etliche alte Verschreibungen auff Reinische Guͤl- Reinifche Guͤl- den wie zu ver- stehen. den gerichtet/ dahero denn bißweilen in Zweiffel gezogen/ ob sie von Gold oder Muͤntze zu verstehen seyn; so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß obermeldte Worte: Reinische Guͤlden/ sie stehen gleich in Verschreibungen vor sich alleine/ oder seyn die Worte: Franckfur- ter IV. Buch/ Cap. XXVII. ter Wehrung/ dabey gesetzt/ von Muͤntze und nicht von Golde zu ver- stehen/ und der Schuldner einen Reinischen Guͤlden nicht hoͤher als mit funffzehn Patzen oder 27. alb. zu bezahlen schuldig seyn soll; Da aber denen Verschreibungen andere mehr Zusaͤtze einverleibet waͤren/ als/ Reinische Guͤlden Churfuͤrstl. Schlags/ Stuͤcke Goldes; Jtem/ gut von Golde oder vollwichtige/ oder schweren Gewichtes/ oder auch simpliciter gute Reinische Guͤlden/ so sollen sie von Golde/ auch in dem Fall/ da gleich die Worte/ Franckfurther Wehrung/ dabey gesetzt waͤ- ren/ und nicht von Muͤntze verstanden werden. Umsonst gelie- henen Guts Recht. §. 5. Wann jemand einem andern etwas bewegliches/ so man nicht zu zehlen/ wiegen noch messen pfleget/ zu einem gewissen Brauch aus Freundschafft umsonst und vergebens leihet/ so behaͤlt der Leiher nichts destoweniger an geliehenem Gut beydes Besitz und Eigenthum; Und ob wohl dißfalls das Leihen dem Entlehner vornehmlich allein zu gute geschieht/ so ist doch der Leiher schuldig/ nicht allein die Gebrechen und Maͤngel der geliehenen Dinge/ was ihme deren bewust/ dem Ent- lehner treulich zu entdecken/ und zu dessen Nachtheil oder Schaden darinn nichts zu verbergen/ sondern es gebuͤhret ihm auch/ das jenige/ so er einmahl zu einem gewissen Brauch verliehen/ zur Unzeit und ehe derselbe Brauch zu Ende gebracht ist/ nicht wieder zu fordern/ dann sonsten ist er dem Entlehner/ allen dahero zugestandenen Schaden zu gelten/ schuldig. L. rei \& L. nemo, ff. commod. L. si ut certo loco, §. commodatum, ff. Eod. L. in commodato, §. ficut, L. sequent. §. item qui sciens ff. Eod. §. 6. Hingegen gebuͤhret dem Entlehner dasjenige/ so ihm geliehen/ Entlehners Pflicht. zu nichts anders/ denn dazu es geliehen/ zu gebrauchen/ und da beneben in Verwahrung desselben einen solchen Fleiß anzuwenden/ den ein jeder fleißiger Haußvater seinem selbst eigenen Gut anzuwenden pfle- get/ wann er das thut/ und sonst das Entlehnte durch unversehenen Fall oder ohne alle seine Schuld schadhafft wuͤrde/ verduͤrbe/ oder auch gar umkaͤme/ so ist er dafuͤr einige Erstattung zu thun nicht schul- dig; da ihm aber der Verwahrung oder auch Brauchs halben einige Schuld zugemessen werden kan/ als nemlich/ daß er das entlehnete Gut mit solchem Fleiß nicht wie das Seine/ und ein fleißiger Hauß- vater zu thun pfleget/ verwahret/ oder auff eine andere Weise/ Ge- stalt und Maasse/ denn es ihm geliehen waͤre/ gebraucht/ oder auch zu bestimmter und sonst gebuͤhrender Zeit nicht wieder geben/ sondern uͤber die Zeit bey sich behalten/ oder sonst im Anfang alle Gefahr wil- lig Von Verleihen und Miethen um gewiß Geld. lig auf sich genommen haͤtte/ in solchen Faͤllen ist der Entlehner allen Schaden zu geben und tragen schuldig. L. Eum quí rem in princ. ff. commod. L. in reb. commod. ff. Eod. L. si ut certo, §. quod vero ff. Eod. \& L. fin. L. si ut certo, §. quod vero in fine, \& §. sed in- terdum, ff. Commod. C. unico ex. Commod. Caput XXVIII. Von Loci rn oder Verleihen/ Dingen und Mie- then/ so fuͤr ein gewiß Geld geschiehet. §. 1. D Jese Art Leihen/ Dingen und Miethens/ zu Latein Locatio \& Leihen/ Din- gen und Mie- then Recht. Conductio, da der Eigenthums-Herr oder Verleiher/ Locator, dem aber etwas verliehen und das Geld oder Lohn vor die Leihe aus- giebt/ Conductor genannt wird/ ist fast weitlaͤufftig/ und erstreckt sich nicht allein auff beweg- und unbewegliche Guͤter und Gerechtigkeiten/ sondern auch auff allerley Werck und Arbeit/ so einer vom andern um ein gewisses Lohn oder Geld dinget oder miethet/ denn also kan ei- ner sein Pferd/ Kuͤhe/ Heerde Schaafe/ Hauß/ Hoff/ Acker/ Wiesen und Garten/ deßgleichen ein Usufructuarius oder Leibzuͤchter seine Leibzucht/ ein Werckmeister/ Kuͤnstler/ Fuhrmann/ Schiffer/ in Sum- ma, ein ieder Arbeiter seiner Kunst Arbeit/ einem andern loci ren und verleihen/ und was die Contrahent en sich des Gedings halben verglei- chen/ auch einer dem andern verspricht und zusagt/ solches sind sie treu- lich/ ohne Betrug und Argelist/ zu leisten schuldig. §. 2. Traͤgt sich nun ein unversehener Fall zu/ daran weder Loca- tor noch Conductor einige Schuld hat/ und durch solchen Fall dem Conductori der Brauch des gedungenen Guts entzogen wird/ als nem- lich/ da etwan ein vermiethet Hauß in Zeit waͤhrender Leihe und Mie- the darnieder faͤllt oder gar abbrennt/ oder ein vermeyerter Acker durch Wasserfluth abgerissen und hinweggefuͤhret wird/ oder sonst von einem dritten mit Recht evinci rt und gewonnen/ oder ein gedingtes Pferd stirbet/ in solchen und dergleichen Faͤllen ist der Conductor wei- ter nicht denn die versprochene pension, pro rata temporis, nach verlauf- fener Zeit zu bezahlen schuldig/ und so er die gantze voͤllige pension vor- hin bezahlet haͤtte/ so kan er die Ubermasse vom Locatore wieder for- Leiher und Mi e thsmañs Pflicht gegen einander. dern; So aber beym Locatori einige Schuld/ als Betrug/ Unfleiß/ Un- erfahrenheit/ Ungeschickt- und Unvorsichtigkeit oder dergleichen befun- S s s den/ IV. Buch/ Cap. XXVIII. den/ dadurch dem Conductori der Gebrauch des jenigen/ so er gedinget oder gemiethet/ benommen wuͤrde/ so hat er nicht allein die versproche- ne Pension oder Lohn inne zu behalten/ sondern auch sich alles Unko- stens und dahero zugestandenen Nachtheils oder Schadens beym Lo- catori zu erholen. L. si quis domum in fine, L. sed addes, § si quis cum in annum, ff. Locat. L. ex conducto, §. 1. L. si fundus, ff. Eod. §. 3. Als zum Exempel/ einer vermeyert nemlich dem andern eine oder mehr Huffen Landes auf eine gewisse Anzahl Jahre/ darauff macht sich der Conductor oder Meyer mit Wagen/ Pferden/ Gesin- de/ Vieh und andern Gereitschafft gefast/ in Meynung das gemeyerte Gut die versprochene Anzahl Jahre zu gebrauchen; der Locator aber oder Verleiher das verliehene Gut gantz oder zum Theil vorent- haͤlt dem Meyer/ oder die beste Aecker daraus zeucht/ oder sonsten dem Meyer am Brauch desselben Guts verhindert oder geschehen laͤst/ daß er durch andere/ deren doch der Locator wohl maͤchtig/ und sie davon abhalten koͤnte/ verhindert wird/ oder den Meyer vor der Zeit verstoͤsset/ oder immittelst das Gut verkaufft/ und gegen den Kaͤuffer die verspro- chene Meyerschafft nicht ausdingt/ derowegen der Meyer vom Kaͤuf- fer verdrungen wird/ oder vermeyert das Gut vor sein eigen/ da doch das Gut eines andern/ oder er Locator nur ein Usufructuarius dessel- ben ist/ dahero durch sein Absterben vor Ausgang der versprochenen Jahre das verliehene Gut dem Eigenthumsherrn wieder anheim waͤchst; Jtem/ so ein Boͤtticher einem andern zu Wein oder Bier/ wurmstichige/ verschimmlete und dergleichen untuͤchtige Fasse/ es ge- schehe gleich mit Vorsatz oder aus Unachtsamkeit/ verleihet/ darinn das Getraͤnck auslieffe oder verduͤrbe; oder ein Kunst-Werckmeister/ der ein Werck oder Arbeit unter gewissem Geding zu machen sich unter- nommen haͤtte/ verderbete das gedingte Werck durch sein selbst oder seiner Knechte Unfleiß/ Fahrlaͤß- oder Ungeschicklichkeit; Jtem/ ein Fuhrmann wuͤrffe durch sein selbst oder seines Knechts Unfleiß oder Unachtsamkeit den Wagen mit gedingtem Wein um/ daß derselbe aus- lieffe/ in allen diesen und dergleichen Faͤllen/ da dem Locatori einige Schuld imputir et und zugemessen werden kan/ hat sich bey ihme der Conductor seines erlittenen Schadens/ Kostens und Interesse zu erho- len. L. si uno anno, §. ubicunq́; in fine \& d. L. si fundus. L. si in lege, §. colonus ff. Eod. L. Emtorem, C. locat. L. si merces, §. 1. ff. Eod. L. si unus, §. ubicunq́ue L. si quis domum, §. hic subjungi, ff. Eod. L. sed addes, §. si quis dolia, L. item Von Verleihen und Miethen um gewiß Geld. item quæritur, §. si gemma, L. si merces, §. qui columnam, L. fin. ff. Eod. L. si quis fundum, §. celsus, ff. Locat. §. 4. Hingegen/ so auff Seiten Conductoris, nemlich bey dem/ der Lohn oder Pension auszugeben verspricht/ Schuld oder Mangel be- Conductoris Versehen oder Schuld Straf- fe. funden wuͤrde/ als daß er das gemeyerte Gut oder gemiethete Hauß vor bedungener Zeit ohne redliche Ursache auffsagte und verliesse/ oder auch einen bedingten Fuhrmann mit solcher Waare beluͤde/ die ausser- halb Landes zu fuͤhren verboten waͤre/ daruͤber dem Fuhrmann durch die Obrigkeit die Waare abgelegt und zuruͤck zu fahren angewiesen wuͤrde/ in solchen und andern ebenmaͤßigen Faͤllen ist der Conductor nicht allein voͤllige Pension oder Lohn zu behalten/ sondern auch dar- uͤber den Schaden/ ob dessen durch sein Verursachen der Locator ge- litten haͤtte/ zu gelten schuldig. L. si in lege, §. si domus, L. Dominus §. qui contra, L. colonus, §. navem, ff. Eod. §. 5. Ob nun wohl billig ist/ daß der Conductor zur Unzeit nicht verdrungen noch ausgewiesen werde/ jedoch so ein vermiethet Hauß in waͤhrender Miethe einen solchen Schaden nehme/ daß es von hoher Noth wegen gantz oder zum theil niedergelegt und gebauet werden muͤste/ oder dem Eigenthumsherrn ein solch unversehener Fall vorsties- se/ daß er zu seiner selbstigen Nothdurfft des vermietheten Hauses gar nicht entrathen koͤnte/ oder der das Hauß etwan auff 5. oder mehr Jahr gemiethet haͤtte/ und in zweyen Jahren die Pension nicht bezah- lete/ oder sich sonst ungebuͤhrlich hielte/ mit Hauses Verwuͤstung oder unehrlichen Leute Unterschleiffung/ so steht dem Eigenthumsherrn frey/ auch vor der Zeit die Miethe auffzusagen. L. æde, C. Locat. L. quæro, §. inter, L. cum Dn. ff. Eod. L. non aliter, ff. de Usu \& habit. §. 6. Wie dann hinwiederum Conductor dasselbe auch um gleich- maͤßiger Ursachen willen thun kan/ als da der Locator das Miethe- Conductoris Recht Miethe auffzusagen. Hauß mit Thuͤren/ Ofen/ Fenstern und sonst zur beqvemlichen Woh- nung anzurichten verzoͤge/ oder mit Einschlagen der Waͤnde und der- gleichen unzeitigem bauen dem Einwohner verdruͤßlich waͤre/ oder daß etwan dem Hause durch deren Nachbarn Bauen das Licht benommen wuͤrde/ oder man sich am selbigen Ort einer Belagerung und Uber- zugs gewißlich zu besorgen haͤtte. L. si merces, §. si vicino, ff. Eod. L. habitatores, §. fin. ff. Eod. §. 7. So auch die bestimmte Zeit der Location zu Ende gelauffen waͤre/ ist der Gutsherr nicht schuldig/ sein Gut demselben Conductori anderweit zu verleihen/ sondern mag es ohne dessen Einsage einem an- S s s 2 dern IV. Buch/ Cap. XXVIII. dern nach seinem selbst Willen und Gefallen verleihen/ im Fall ers aber nicht thaͤte/ und liesse den ersten Conductorem nach geendeter Location, Geheim- oder stillschwei- gend Gedings- Recht. stillschweigends/ ohn einig ferners Gedinge/ beym Gut bleiben/ und es dann ein Meyer- oder nutzbar Gut ist/ so wird die vorhergehende Leihe durch diesen tacitum consensum auff ein Jahr prorogi rt und erstreckt/ darum auch einer dem andern gerade zu denselben Gedingen/ die in vor- hergehender Leihe abgeredt worden/ verpflichtet ist; wann es aber ein Wohnhauß/ so lange dann nach geendeter Miethe dasselbe ferner ohne weiter Geding bewohnet und nicht auffgesagt wird/ ist der Ein- wohner die zuvor versprochene pension nach verlauffener Zeit zu be- zahlen schuldig/ dafuͤr auch sein Haußgeraͤthe/ was er dessen im gemie- theten Hause hat/ tacitè verhafftet und unterpfandet ist. L. si cui, C. locat. L. item quæritur, §. qui impleto, ff. Eod. L. legem, C. Eod. D. L. legem \& L. certi juris, C. Eod. Kauff- und Miethe-Zeit Recht. §. 8. So auch der Eigenthums-Herr sein Hauß oder ander Gut/ das er auff eine Anzahl Jahre verliehen haͤtte/ immittelst einem dritten erblich verkauffte/ und gegen demselben Kaͤuffer der geschehenen Leihe nicht gedaͤchte/ noch derenthalben etwas ausbedingte; Und ob dann wohl dieser Kaͤuffer auch vor geendeter Location sein Gut zu sich neh- men mag/ welches ihme der Conductor, aus Krafft seiner vom Ver- kaͤuffer habenden Leihe/ nicht vorenthalten kan/ so stehet dennoch dem- selben Conductori frey/ sich seines erlittenen Schadens und Interesse beym Locatore zu erholen/ darum da derselbe dieser Ansprache geuͤbri- get seyn will/ soll er gegen den Kaͤuffer allewege die versprochene Loca- tion- Zeit ausdingen und vorbehalten. L. Emtorem, C. Locat. L. si merces, §. 1. ff. Eod. §. 9. So aber Conductor seine Besserung hoͤher anschluͤge/ denn lhm Locator gestaͤndig/ und sie sich darum unter einander selbst nicht vergleichen koͤnten/ so sollen unsere Beamten/ durch etliche hierzu inson- Conductoris Besserung Au- genschein- Recht. derheit verordnet und beleidigte Feld-Nachbarn/ solche Besserungen in Augenschein nehmen/ besichtigen und schaͤtzen lassen/ in welche Schaͤ- tzung gleichwohl weiter nichts/ dann was augenscheinlich ist und gezei- get werden kan/ gebracht/ auch dasselbe in dem Werth/ wie es zur Ab- stand-Zeit vor Augen befunden wird/ und nicht hoͤher geschaͤtzt wer- den soll. §. 10. Wenn auch Conductor vom gemietheten Gut/ nach geen- deter Location, voͤllig abzeucht/ oder sonst um seines Verschuldens Willen vor der Zeit verstossen wird/ was er dann auff Wiederma- chung Von Verleihen und Miethen um gewiß Geld. chung der vorhin zerbrochenen Thuͤren/ Ofen/ Fenster und anders/ fuͤr nothwendige Unkosten angewendet/ oder am Gute gebessert/ oder der Obrigkeit an Geschoß und Steuer gegeben haͤtte/ solches mag er an versprochener Pension abkuͤrtzen. In princ. Legis, ex conducto, L. Dominus §. 1. L. Colonus in princ. ff. locat. §. 11. Es stehet auch einem ieden frey/ der ein Gut auf gewisse Zeit bedungen oder gemiethet hat/ immittelst dasselbe einem andern/ so Conductoris Freyheit wie- der zu vermie- then. theuer er kan/ foͤrders zu verleihen/ welches der Eigenthums-Herr nicht vermeigern kan/ es waͤre dann anders abgeredt/ und so fern vor ge- endeter Location der Locator oder Conductor, oder auch sie alle beyde/ mit Tode abgiengen/ sind ihre Erben/ nicht allein die Zeit versprochener Location, und was dabey weiter abgeredt ist/ einander zu halten/ son- dern auch Nachtheil und Schaden/ so aus des einen Theils verschul- deten Ursachen dem andern begegnet waͤre/ zu erstatten schuldig. L. nemo, C. eod. L. si tibi, L. qui insulam, in princ. ff. Eod. L. Viam Veritatis, C. Eod. L. cùm Conductorem C. Eod. Caput XXIX. Von Erbzinß-Guͤter erblichen Verleihung/ auch anderer gemeinen Zinß-Guͤter Eigenschafft und Unter- scheid/ wofuͤr ein Zinß-Gut in Dubio præsumi rt. §. 1. N Achdem auch liegende Guͤter nicht allein auff gewisse Zeit/ oder auch ohne Bestimmung einer gewissen Zeit/ iedoch mit solcher Masse/ daß der Locator dieselben nach seiner Gelegenheit wieder zu sich zu nehmen habe/ davon im nechst vorhergehenden Titul Meldung ge- schehen ist/ loci rt/ sondern auch bißweilen in Emphyteusin um einen ge- wissen staͤndigen Erbzinß/ erblich und unwiederruffltch/ verliehen wer- den/ dabeneben auch sonst noch eine andere Art Zinß-Guͤter/ bona cen- sitica genannt/ zu finden/ welche aber alle ihre besondere Eigenschaff- Erbzinß-Guͤ- ter Eigen- schafften. ten haben; so ist vonnoͤthen/ auch hievon Bericht zu thun/ und demnach anfaͤnglich zu wissen/ daß bona Emphyteutica, das ist solche Guͤter/ die um einen staͤndigen Erb Zinß/ es falle gleich derselbe an Geld/ allerley Fruͤchte/ Federvieh und dergleichen/ verliehen werden/ diese Art haben/ daß der Leiher oder Lehnherr an solchen zu Erbe verliehenen Guͤtern directus Dominus, das ist Erb-Grund oder Eigenthums-Herr bleibet/ S s s 3 der IV. Buch/ Cap. XXIX. der Emphyteuta aber/ nemlich Erbzinß- oder Lehnmann/ bekommt das utile dominium, oder die erbliche Nutzbarkeit des Guts. Leihbrieff und Revers, auch Erbzinßmañs Pflicht Recht. §. 2. Ob nun wohl ein ieder Gut-Erb- oder Eigenthums-Herr sich anfangs/ in erblicher Verleihung seines Erbguts/ sonderbaren Pacten/ Geding- und Abreden mit dem Erbzinßmann/ weß sich einer gegen den andern zu verhalten/ billich zu vergleichen/ daruͤber dem Erbzinßmann ein Leih-Brief zu geben/ und dagegen ein Revers von selbigem hinwie- der zu empfangen hat/ darnach sie beyderseits und ihre Erben sich ieder- zeit zu richten/ so hat doch solcher Contractus Emphyteuticus vor sich selbst diese Eigenschafft/ daß dadurch der Erbzinßmann verpflichtet wird/ das zu Erbe empfangene Leib-Gut mit seinen Anwendungen in guten auffrichtigem wesentlichen Bau und Besserung zu behalten/ nicht zu veraͤrgern/ noch in Abfall kommen zu lassen/ auch ohne des Erb- herrn Bewilligung nicht zu verleihen/ vielweniger etwas daraus zu veraͤussern/ noch mit Zinsen/ oder in andere Wege/ dem Erbherrn zu Nachtheil zu beschweren/ seinen versprochenen Erbzinß iedes Jahrs guͤt- lich auszurichten/ und das Leyh-Gut/ so offt sich die Faͤlle zutragen/ ge- buͤhrend zu empfahen. Erben Pflicht/ wegen Erb- leihe Geding und Besse- rung. §. 3. Dagegen er und seine Erben nach ihme/ alldieweil sie ihren Zinß guͤtlich ausrichten und sich sonst gebuͤhrlich halten/ nicht verdrun- gen/ noch ihnen der Zinß versteigert/ vielweniger andere und beschwer- lichere Pacta, dann darauff die erste und urspruͤngliche Erbleyhe gerich- tet ist/ auffgedrungen werden koͤnnen/ dazu moͤgen sie ihre erbliche Nutz- barkeit oder Erb-Verbesserung/ so hoch und theuer sie vermoͤgen/ iedoch mit Masse/ wie hernach folgen wird/ verkauffen. §. 4. So viel nun die Succession in Erbzinß-Guͤtern/ und auf was Erbzinß-Guͤ- ter Successi- on- Recht. fuͤr Erben sich dieselben erstreckt/ belangen thut/ so will darinnen vor- nehmlich auf den Jnhalt des Leih-Briefs gesehen seyn/ denn da der- selbige ausdruͤcklich allein auff maͤnnliche Leibes-Erben gerichtet/ so wuͤrde demselben billich nachgegangen; stuͤnde er aber insgemein auff Leibes-Erben/ so waͤren beydes Soͤhne und Toͤchter zugleich des Guts faͤhig/ da er auch eben nicht auff Leibes-Erben/ sondern auf Erben ins- gemein gerichtet/ als nemlich/ daß einer vor sich und seine rechte Erben mit Erbzinß-Gut beliehen wuͤrde; Ob dann gleich derselbe keine Kin- der/ weder Soͤhne noch Toͤchter hat/ so succedi ren dennoch seine naͤhe- sten Erben. §. 5. Und im Fall kein Leihbrieff vorhanden waͤre/ der dißfals der Succession halben den Weg wiese/ so soll dieselbe in Dubio nicht auff Leibes- Von Verleihen und Miethen um gewiß Geld. Leibes-Erben allein restringi rt/ sondern von Erben insgemein verstan- Erbherrn- Recht/ mit Lethbriefen. den werden/ und mag der Erbherr ihme selbst imputi ren/ daß er in erblicher Verleihung seines Guts keinen Leihbrief verfertiget/ und dar- inn diesen Dingen ihre richtige Masse gegeben hat. §. 6. Gleichwie nun der Erbherr seinen Erbzinßmann/ alldieweil Erbherrn und Erbzinßmañs Pflicht gegen einander. er den Erbzinß guͤtlich giebt und sich recht haͤlt/ nicht verdringen mag/ als hat auch hingegen der Erbzinßmann die einmahl angenommene Erb- Leih oder Eŕb-Bestaͤndniß seines Gefallens und ohne genugsame Ur- sachen/ nicht Macht auffzusagen. Dann ob ihm schon durch Hagel- schlag/ Ungewilter/ Mißwachs/ Heerzuͤge/ Brand und dergleichen Un- faͤlle/ ein schlechter Schade am Gut zustuͤnde/ iedoch weil derselbe hin- kuͤnfftig mit seinem Fleiß und durch GOttes Segen wieder herbey zu bringen/ auch der Nutzen in fruchtbaren Jahren ihm allein zukommt/ so ist der Erbzinßmann denselben Schaden zu tragen schuldig; Es ge- buͤhret aber auch dem Erbherrn mit dem Erbzinßmann/ von wegen ob- ermeldt- und dergleichen zugestandenen Unfaͤllen/ Mitleiden zu haben/ u. nicht eben den vollen Zinß in unfruchtbaren Jahren/ uͤber des Erbzinß- manns Vermoͤgen/ zu fordern/ sondern daran nach Gelegenheit etwas nachzulassen/ und denselben Nachlaß in folgenden Jahren bezahlt anzunehmen. L. si merces, §. Vis major, ff. Locat. L. fin. in fine. C. de jure Emphyt. L. Licet C. Locat. L. si uno anno, in princ. ff. Eod. §. 7. Wann aber der Grund des verliehenen Guts gantz oder Erbzinßman- nes Freyheit vom Zinß. mehrentheils durch unversehenen Unfall zu scheitern gienge/ und einen solchen Schaden naͤhme/ der nicht wieder herbey zu bringen/ so koͤnte der Erbzinßmann zu Bezahlung des versprochenen Erbzinses/ der auff dem Gut nicht mehr zu erwerben/ uͤber sein Vermoͤgen nicht angelan- get werden. L. 1. C. de jure Emphyt. §. 8. Was dann die erbliche Nutzbarkeit oder Erb-Besserung Erbzinßman- nes erblichen Nutzbarkeit- Recht. betrifft/ die mag der Erbzinßmann nach seiner Gelegenheit so hoch und theuer verkauffen als er kan/ doch daß er sie zuvor dem Erbherrn an- biete/ denn weiln das utile dominium, durch diesen Contract, wie obste- het/ auff den Erb-Zinßmann transferi rt wird/ so hat in solchem Fall der Erbherr nicht Macht/ dem Erbzinßmann solche seine Erb-Besserung taxiren/ wuͤrdiren und schaͤtzen zu lassen/ inmassen er solches in einer temporal- und wiederrufflichen Location zu thun hat/ sondern dafern etwan der Erbherr solche seines Erb-Zinßmanns Besserung oder Ge- rechtig- IV. Buch/ Cap. XXIX. rechtigkeit zu behalten gedencket/ so gebuͤhret ihm/ sich dessen innerhalb zweyen Monaten/ nach beschehenem Anbieten/ zu erklaͤren/ und so viel als ein ander thaͤte/ dafuͤr zu geben/ es waͤre dann im Leihbrief anders abgeredt und ausgedinget. L. fin. C. de jure Emphyteut. Erbherren Pflicht gegen neuen Eꝛbzinß- mann. §. 9. Jm Fall er aber innerhalb bestimmten zweyen Monaten nach beschehenem Anbiethen die Besserung zu kauffen unterliesse/ so mag der Erbzinßmann alsdann dieselbe verkauffen/ wann er kan/ welches auch der Erbherr nicht zu verweigern hat/ sondern ist schuldig den Kaͤuffer/ so fern er den Erbzinß zu bezahlen vermag/ und sonsten nichts erhebliches gegen seine Person vorgewendet werden kan/ fuͤr einen Erbzinßmann anzunehmen/ und ihn allermassen wie den ersten Erbzinßmann gegen Erlegung eines ziemlichen und gebraͤuchli- chen/ nicht aber uͤbermaͤßig und ungewoͤhnlichen Leihgeldes zu beleihen. Leihgelds funff tzigsten Pfen- nigs Gerech- tigkeit. §. 10. Wann nun zwischen Leihherrn und Erbzinßmann anfaͤng- lich in erblicher Verleihung des Guts ein gewiß Leihgeld/ das auff den Fall der Veraͤusserung dem Erbherrn gegeben werden soll/ ausgedin- get oder sonst durch einen rechtmaͤßigen Brauch herbracht/ wie dann an etlichen Orten der zehende/ an etlichen der zwantzigste Pfennig/ biß- weilen auch noch ein geringers von verkaufften Erbzinß-Guͤtern zu Leihgeld gegeben werden pfleget/ so lassen wir es auch dabey bewen- den; wann aber des Leih-Gelds halben nichts gewisses in erster Lei- hung bedungen/ noch sonst kundbar und rechtmaͤßig herbracht/ so setzen ordnen und wollen wir/ daß es deßfalls nach gemeinen kaͤyserlichen Rechten gehalten/ und mehr nicht als der funfftzigste Pfennig des Werths/ dafuͤr das Erbzinß-Gut verkaufft ist/ dem Erbherrn zu Leih- Geld einmahl gegeben/ und darauff vom selbigen der neue Lehn- oder Erbzinßmann beliehen werden soll/ und falls zwischen Kaͤuffer und Verkaͤuffer nicht ausbedungen noch abgeredt waͤre/ welcher unter ih- nen das Leihgeld ausrichten solte/ sollen sie es beyde zugleich erlegen. §. 11. Es soll aber solch Leihgeld allein in dem Fall/ da der Erbzinß- Recognition Leihgelds Recht fuͤr Leih- Brieffs Er- neuerung. mann seine Erbbesserung einem Frembden verkaufft/ gegeben werden/ sonsten aber/ so der Erbzinßmann bey lebendigem Leibe einem seiner Kinder das Erbzinß-Gut uͤberliesse/ oder nach seinem Absterben die Kinder und Erben sich unter einander vermuthscharten/ und einem al- lein unter ihnen das Gut vor ein gewiß Geld aufftruͤgen/ hat der Erb- herr nicht eben den zehenden/ zwantzig- oder funfftzigsten Pfennig/ gleich als wann das Gut erblich verkaufft waͤre zu fordern/ sondern weilen in sol- Von Zinß- und Erbzinß-Guͤter Verleihungen. in solchen Faͤllen gleichwohl der neuangehende Erbzinßmann das Gut zu empfangen und seinen Erbherrn zu recognoscir en schuldig/ laͤst sich billig der Erbherr mit einem ertraͤglich geringern Leihgeld fuͤr Leih- Brieffs Erneuerung begnuͤgen. §. 12. So hat auch dieser Contract ferner die sonderliche Art und Erbzinß Guts Verlust Recht. Eigenschafft/ daß der Erbzinßmann/ auff den Fall er in Bezahlung des versprochenen Erbzinses saͤumig erscheinet/ und denselben von dreyen Jahren/ unerachtet ob er gleich immittelst nie darum gemah- net waͤre/ zusammen wachsen/ oder sonst das Erbzinß Gut in kundba- ren Abfall/ Verderb- und Verwuͤstung muthwillig gerathen laͤst/ sich selbst seiner Erbleih- und aller Besserung verlustig macht/ jedoch soll der Erbherr alsdann nicht vor sich selbst/ und eigenes Vornehmens den Erbzinßmann austreiben/ sondern cum causæ cognitione, und auff vorhergehende Erkaͤntniß der Obrigkeit/ dann es moͤchte etwan der Erbzinßmann zu seiner Entschuldigung erhebliche Ursachen vorzu- wenden haben/ als daß er seinem Gutsherrn den Zinß gantz oder zum wenigsten Theil angeboten und hinterlegt/ oder daß der Gutsherr her- nach den ruͤckstaͤndigen Zinß ohn alle Bedingung angenommen haͤtte/ oder koͤnte auch vielleicht noch ungewiß seyn/ ob das Gut/ davon der dreyjaͤhrige Zinß auffgewachsen/ ein Emphyteusis oder sonst ein gemein Zinßgut waͤre/ davon nechstfolgender massen Bericht geschehen soll. L. 9. C. de jure Emphyt. §. 13. Ausserhalb denen nechst vorhin gemeldten Erbzinßguͤtern sind sonst noch andere Guͤter/ die auch einen jaͤhrlich-staͤndigen Erb- Schlechten Zinß-Guͤter Gerechtigkeit. zinß an Geld/ Frucht/ Feder-Vieh oder andern von sich geben/ sind aber darum keine bona Emphyteutica, und ist zwischen diesen und vorigen Erbzins-Guͤtern ein grosser Unterscheid; dann an dem Erbzinßgut oder Emphyteusi hat der Erbherr das directum und der Erbzinßmann das utile dominium, darum auch dißfalls ein schlechter Zinßmann dasselbe sein Gut/ des Zinßherrn unersucht/ wann und wem er will/ verkauffen mag/ und ist nicht schuldig/ dasselbe dem Zinßherrn/ wie in Emphyteusi, zuvor anzubiethen; Und ob auch ein schlechter Zinßmann den Zinß von dreyen Jahren auffwachsen liesse/ so kan er darum nicht wie in Emphyteusi privir et werden/ sondern der Zinßher hat ihn um weiters nicht/ dann nur den auffgewachsenen Zinß und den auff Einforderung solchen Zinses angewandten Unkosten anzulangen. Schlechten Zinßguͤter Em- pfaͤngniß Recht. §. 14. Ferner/ so ein Erbzinß-Gut Emphyteusis veraͤussert wird/ gebuͤhret dem Erbherrn zur Lehnwahr nach Gelegenheit des Herkom- T t t mens IV. Buch/ Cap. XXIX. mens bißweilen der zehende/ bißweilen der zwantzig-dreyßig- oder ver- moͤge gemeiner Kaͤyser Rechte der funfftzigste Pfennig des Kauffgel- des/ ein Erbzinßherr aber von einem verkaufften schlechten Zinßgut hat solche Lehnwahr nicht zu fordern; und ob wohl bißweilen auch schlechte Zinßguͤter durch die neu ankom̃ende Zinß-Leute etwan irgends- wo mit einem schoͤnen Brodt und Maaß Wein/ wie gemeiniglich bey den Geistlichen im Brauch gewesen/ oder sonst mit einem andern braͤuchlichen Leihgeld empfangen werden/ so wird doch durch solche blosse Empfaͤngniß/ wofern sonst keine andere Urkunden vorhanden/ nicht bewiesen/ daß solche empfangene Guͤter bona Emphyteutica seyn und derselben Eigenschafft haben. Zinßguͤter Un- terscheid im Zweiffel. §. 15. So sich nun zwischen Zinßherrn und Zinßmann ein Streit zutruͤge/ daß der Zinßherr den Zinßmann um auffgewachsenen drey- jaͤhrigen Zinses willen des Guts privir en wolte/ und daher gezweif- felt wuͤrde/ ob das Gut/ darum die privation vorgenommen werden wolte/ pro Emphyteusi und fuͤr ein Erbzinß oder pro bonis Censiticis und fuͤr ein schlecht Zinßgut zu halten; da setzen/ ordnen und wollen wir/ daß in solchem Zweiffel/ wann kein Leih-Brieff noch andere Be- weisung fuͤrhanden/ die streitigen Guͤter pro Censiticis und fuͤr schlech- te Zinßguͤter zu halten/ und demnach der Besitzer oder Zinßmann/ ob er gleich den Zinß in drey Jahren nicht bezahlet/ nicht zu privir en/ son- dern vielmehr zur Bezahlung desselben hinterstaͤndigen Zinses/ auch beweißlichen Kosten und Schadens zu verdammen sey/ auch mag dar- neben solchem wiederspenstigen Zinßmann und boͤsem Bezahler/ um sei- Streitigen Zinßguͤter Er- oͤrterungs Recht. nes muthwilligen Auffenthalts willen/ eine gebuͤhrende pœn nach Er- messung aufferlegt werden; Also auch/ so um ein Zinßgut sich ein sol- cher Streit erhuͤbe/ daß der Zinßherr dasselbe fuͤr ein Loß oder Meyer- gut angebe/ und es derowegen gegen Erlegung kundbaren Besserung zu sich zu nehmen/ und den Zinßmann zu entsetzen haben wolte/ der Zinß- mann aber und Jnhaber des Guts ein solches nicht gestuͤnde/ sondern vorwendete/ daß er und seine Vorfahren solch Gut um einen gleichfoͤr- migen Zinß viertzig Jahr lang und daruͤber inne gehabt; wofern sich dann ein solches erfuͤnde/ und der Zinßherr dargegen nicht beweisen koͤnte/ daß er oder seine Vorfahren dem Zinßmann dasselbe Gut An- fangs auff eine gewisse Zeit vermeyert/ oder ums Theil ausgethan/ oder immittelst den Zinß veraͤndert haͤtte/ so setzen/ ordnen und wollen wir/ daß dißfalls in dubio fuͤr den Zinßmann und Besitzer des Guts gesprochen werden soll. §. 16. Wo- Von Zinß- und Erbzinß-Guͤter Verleihungen. §. 16. Wofern aber der Zinßherr beweisen koͤnte/ daß er oder sei- ne Vorfahren dem Zinßmann anfaͤnglich das streitige Zinßgut auff Verjaͤhrunge Recht bey Zinßguͤtern. eine gewisse Zeit verliehen haͤtte/ ob dann gleich der Zinßmann nach Endung derselben Zeit nachgehends um denselben Zinß beym Gut viertzig Jahr gelassen/ so soll doch alsdann die Verjaͤhrung wider den Gutsherrn nicht statt haben/ es waͤre denn Sache/ daß solch Gut vom ersten Zinßmann/ dem es anfaͤnglich loci rt worden/ durch einen recht- maͤßigen Titul an einen dritten gelangt waͤre/ der von solcher Loca- tion nichts gewust/ und nicht anders gemeynet haͤtte/ das Gut waͤre des ersten Zinßmanns eigen gewesen/ derselbe koͤnte sich der Præscription und Verjaͤhrung gegen den Zinßherrn billig behelffen. §. 17. Und weilen dann dahero/ daß Zinßherrn und Zinßmann ih- re in anfaͤnglicher Verleihung eines Guts gemachte Pacten/ Abred- Uber Leihen briefflicher Ur- kunden Ver- sussungs Recht und Gedinge einander offt entfallen/ daß auch dieselben durch Ablauff der Zeit und Absterben der Leute in Vergessenheit gerathen/ und es darnach an Beweisung mangelt/ sich viel Zancks zutraͤgt/ so wollen wir unsere Unterthanen gnaͤdiglich verwarnet haben/ daß sie in Ver- leihung ihrer Guͤter nicht unterlassen/ brieffliche Urkunden uͤber ihre Leihen/ welcher Gestalt/ mit was fuͤr Pacten und Gedingen dieselben geschehen seyn/ auffzurichten/ darnach nicht allein sie selbst und ihre Nachkommen sich jederzeit zu richten/ sondern auch in vorfallenden Mißverstaͤnden von unsern Beamten uñ Gerichten zu entscheiden seyn. Caput XXX. Von Hinterlegen zu treuen Haͤnden/ Seque- stration und Unterpfaͤnden. §. 1. E S traͤgt sich auch bißweilen zu/ daß einer sein Geld oder derglei- chen beweglich Gut einem andern eine Zeit lang zu verwahren zu- Depositi oder Beylage Gnts Recht. stellt und zu treuen Haͤnden hinterlegt/ wer nun ein solch Depositum aus Freundschafft/ umsonst und vergebens allein auff Deponent en Bitte annim̃t/ der wird dadurch verpflichtet/ dasselbe gleich seinem ei- genen Gut treulich zu verwahren/ nimmt er aber vor die Verwah- rung einigen Lohn/ so gebuͤhret ihm einen solchen Fleiß anzuwenden/ den auch der allerfleißigste Hauß-Vater in Verwahrung seines Guts anzuwenden pfleget/ dann wofern durch seinen Unfleiß Hinterlegten Guts Schadẽ wer buͤsset. oder Verwarlosung das Depositum Schaden nehme oder um- kaͤme/ so ist er denselben Schaden zu gelten/ und das hinter- T t t 2 legte IV. Buch/ Cap. XXX. legte Gut demjenigen/ so es hinterlegt/ auff sein Erfordern/ so gut ers empfangen/ ohne alle Einrede zu restituir en schuldig/ und ob er gleich beym Deponent en und Hinterleger Schulden ausstehen haͤtte/ oder das hinterlegte Gut sein des Hinterlegers nicht eigen waͤre/ sondern einem andern zustuͤnde/ so kan er doch solcher Ursachen halben die re- stitution nicht auffhalten/ noch dagegen weder Compensationis noch Dominii Exceptionem vorschuͤtzen/ sintemahlen auch einem Raͤuber/ was er zu treuen Haͤnden hinterlegt/ billig restituir et wird. L. fin. C. de Compensat. C. fin. Ext. Depos. L. pen. C. Eod. L. bona fides, L. 1. §. si prædo, ff. Eod. §. 2. So kan auch derjenige/ bey dem etwas zu treuen Haͤnden Deponirt en Guͤter Ge- brauch verbo- ten. hinterlegt wird/ sich des hinterlegten Guts wider des Hinterlegers oder Deponent en Willen zu seiner eigenen Nothdurfft nicht gebrau- chen; geschehe es aber/ und das Depositum dadurch geringert/ oder/ da es an Gelde waͤre/ nicht so bald auff des Hinterlegers Erfordern wieder gegeben wuͤrde/ so gebuͤhret dem Beschuldigten von Rechts wegen den dahero verursachten Schaden/ was dessen beweißlich/ samt dem Inter- esse zu erstatten. L. si sacculum, ff. Eod. L. die, §. fin. ff. Eod. §. 3. Wann sich auch eine unversehene Gefahr zutruͤge/ daß ei- Depositi Recht in Gefahr. ner etwa in einem Aufflauff/ in Feuer- und Wassers Noth begriffen wuͤrde/ und in solcher zustehenden Noth und Gefahr einem andern et- was zu treuen Haͤnden zu verwahren zustellte/ derjenige aber/ dem es zu- gestellt waͤre/ verlaͤugnets/ als ob ers nicht empfangen haͤtte/ in solchen Faͤllen ist derselbe/ so fern ers uͤberwiesen werden kan/ nicht allein das Depositum zu restituir en/ sondern darneben noch eines so viel als das Depositum werth ist/ um seiner unziemlichen Luͤgen willen/ zu bezahlen schuldig. L. 1. §. 1. \& §. merito ff. Depos. Hinterlegten Guts verschie- dene Arten. §. 4. Sonsten ist noch eine andere Art/ etwas zu treuen Haͤnden zu hinterlegen/ als nemlich/ wann ein Schuldner seinem Glaͤubiger Bezahlung anbeut/ und derselbe sie anzunehmen verweigert; Jtem/ so einer sein verpfaͤndet Gut wieder zu loͤsen begehret/ der Jnhaber aber der Loͤsung nicht Statt geben will; oder so ein liegend Gut erblich verkaufft/ daran ein ander den Naͤherkauff hat/ und dem Kaͤuffer sein ausgelegt Kauffgeld anbeut/ der es aber anzunehmen sich zu wieder- leget; dann in solchen und dergleichen Faͤllen mag das angebotene Geld auff einen nahmhafften Tag/ der zuvor dem Gegentheil hierzu denunciir et und verkuͤndiget werden soll/ entweder fuͤr Gericht/ oder sonst Von Depositis, Sequestration und Unterpfanden. sonst vor Buͤrgermeister und Rath dargezehlet/ verpittschirt und zu treuen Haͤnden hintersetzt/ auch daruͤber gebuͤhrende Uhrkunden ge- nommen werden/ dadurch wird der Schuldner/ so fern sonst das Hin- terlegen zu gebuͤhrender Zeit und Stelle geschicht/ der Schulden Inter- Hinterlage Recht bey Schulden/ Pfand und Naͤherkauff. esse und aller Gefahr/ wie auch ingleichen die dafuͤr gesetzte Buͤrgen und verschriebene Unterpfande gaͤntzlich liberir et und entlediget; Jtem der Pfands Jnhaber/ so der Loͤsung/ auch der Kaͤuffer eines Guts/ so dem Naͤherkauff statt zu geben sich verweigern/ sind schuldig/ Falls sie der Sachen im Recht verlustiget werden/ nicht allein vom Unterpfand oder erkaufften Gut abzutreten/ sondern auch alle von Zeit an besche- hener Hinterlegung davon herruͤhrende Nutzungen zugleich mit zu er- statten. L. acceptam, C. de usur. L. obsignatione, C. de Solution. §. 5. Die Sequestration ist auch eine besondere Art des Hinter- legens zu treuen Haͤnden/ und geschieht allein im Fall/ wann ihrer zween oder mehr sich um ein Gut/ es sey beweg- oder unbeweglich/ zancken/ Willkuͤhrlichẽ Sequestration Recht. dann dieselben moͤgen solch streitig Gut einem dritten/ den sie hierzu vermoͤgen/ zu verwahren zustellen/ biß so lange sie sich in Recht oder Guͤte darum entscheiden; wem nun ein solch streitig Gut zu bewahren und verwalten zugestellt wird/ der wird genannt ein Sequester, und wird durch solche willkuͤhrliche Sequestration gemeiniglich denen Par- theyen des sequestrir ten Guts Posseßion benommen/ es waͤre denn anders abgeredt. §. 6. Ob nun wohl ausserhalb dieser willkuͤhrlichen Sequestration, so die Partheyen unter sich selbst willig eingehen/ sonsten nicht leicht- lich wider Partheyen Willen etwas sequestrir t werden kan/ sinte- mahl einem andern sein Besitz ohne vorhergehende Erkaͤntniß nicht benommen werden soll/ so koͤnnen sich doch bißweilen solche ehehaffte Richterlichen Sequestration Recht. Ursachen zutragen/ dadurch ein ordentlicher Richter beweget werden mag/ auch wider Partheyen Willen eine Sequestration vorzuneh- men/ als nemlich so ihrer zween oder mehr sich zugleich unterstuͤnden eines Guts vacir ende oder erledigte Possession zu ergreiffen/ oder sich sonst der Possession halben irreten/ also daß ein jeder vor dem andern nicht weichen wolte/ daraus Schlaͤgerey und ander Unrath zu besor- gen; Jtem/ so einer eines beweglichen Guts halben von einem andern angesprochen wuͤrde/ und der Beklagte waͤre eine verdaͤchtige und zu Recht nicht genugsam gesessene Person/ dessen Abzug zu besorgen/ in T t t 3 solchen IV. Buch/ Cap. XXX. solchen uñ andern mehr dergleichen Faͤllen mag ein ordentlicher Richter/ vermoͤge der Rechten/ die Sequestration wohl an die Hand nehmen. L. unic. C. de prohib. sequest. L. æquissimum, ff. de Usufruct. L. si fidejussor. §. fin. ff. qui satisd. cog. §. 7. Jn Rechten sind mehr als einerley Art Unterpfande/ dann etliche werden durch ausdruͤcklichen Vergleich und Abhandlung der contrahiren den Partheyen/ und eines Theils durch die Rechte selbst ohne alle der Partheyen Handlung verordnet/ so man tacitas hypothe- cas nennet/ als dem Weibe sind vor ihr zugebrachtes Heyrathgut ih- res Ehemanns/ und Pflege-Kindern ihrer Vormuͤnder Guͤter der Ver- waltung halben; item/ einem Verkaͤuffer sein verkaufftes Gut vor die Bezahlung des versprochenen Kauffgeldes tacite verhafftet/ und so fortan. Etliche Unterpfande aber werden bißweilen ohne der Par- theyen oder auch ohne rechten Verordnung durch die Obrigkeit ge- reicht/ als nemlich da ein Glaͤubiger aus seines Schuldners Guͤtern/ um verweigerten Bezahlung willen/ von Amts wegen ein Pfand zu Unterpfande Unterscheid und Recht. Handen gestellt/ oder derselbe sonst in Schuldners Guͤter/ unerachtet ob sie ihm gleich nicht verpfaͤndet seyn/ durch richterlichen Bescheid eingewiesen wird; Und weilen dann alle solche Unterpfande zu meh- rern Sicherheit der Glaͤubiger/ damit ein jeder das Seinige/ so ihm von Rechts wegen eignet und gebuͤhret/ desto eher erlange/ dienlich seyn/ so ist von noͤthen/ hiervon auch kurtzen Bericht zu thun. Tot. tit. ff. \& C. in quib. caus. pign. tac. contrah. L. assiduis, C. qui pot. in pign. L. 20. C. de admin. tutor. L. 22. ff. de hæredit. ut action. vend. L. 26. ff. de pign. act. L. 1. C. si in caus. judicat. §. 8. So viel demnach die erste obermeldte Art der Unterpfande anlangt/ die durch vorhergehende ausdruͤckliche der Partheyen Handel und Vergleichung contrahi rt werden/ ist zu wissen/ daß um einer ieden vorhergehenden kraͤfftigen Obligation willen/ zu mehrern Sicherheit derselben/ ein Pfand eingesetzt oder verschrieben werden mag; Und kan also einer nicht allein in specie diß oder jenes Stuͤck aus seinen Guͤ- tern/ die er erblich zu verkauffen Macht hat/ es sey liegend/ fahrend/ be- weg- oder unbeweglich/ sondern auch insgemein alle seine Guͤter/ so wohl die er itzo hat/ als die er hernach bekommen moͤchte/ kraͤfftiglich hy- potheci ren und verunterpfaͤnden/ bey welcher gemeinen Verpfaͤndung aller Guͤter nichts ausgenommen wird/ denn allein dasjenige/ so einer vermuthlich in specie nicht verpfaͤnden wuͤrde/ als Kleider und Hauß- geraͤth/ so zum taͤglichen Brauch nicht zu entrathen. L. 11. ff. Von Depositis, Sequestration und Unterpfanden. L. 11 ff. quæ res pupill. oblig. L. fin. ff. de pignor. L. 9. ff Eod. L. 1. §. Eam rem, ff. quæ res pign. obl. non poss. L. 1. in princ. ff. de pignor. L. 6. \& 7. ff. Eod. L. 1. ff. quæ res pign. §. 9. So auch insgemein ein Krahm oder Heerde Viehes zum Unterpfand verschrieben/ und hernach aus dem Krahm etwas hinweg waͤre/ oder aus der Heerde etliche Stuͤcke Viehes entkaͤhmen/ oder auch Kram/ Heerde Vieh uñ Bau- staͤtte Pfand- Recht. die Heerde gantz verduͤrbe/ iedoch aber anderwerts her alles ersetzt wuͤr- de/ solches alles ist/ unter Glaͤubigers Pfandrechten mit begriffen. Jtem/ so eine Baustaͤtte oder lediger Platz verunterpfaͤndet/ und nach- gehends durch den Schuldner ein Bau darauf gesetzet wuͤrde/ so erstre- cket sich des Glaͤubigers Pfandrecht auch auf solchen Bau; iedoch/ wo- fern andere zu diesem Bau Geld geliehen/ dieselben haͤtten sich ihrer Schulden zufoͤrderst daran zu erholen. L. 13. in princ. \& L. 34. ff. de pign. L. 21. ff. de pign. act. §. 10. Also auch/ da ein Schuldner seinem Glaͤubiger ein nutzbar Gut/ daran ein dritter die Leibzucht haͤtte/ zum Unterpfand verschriebe/ und hernach/ durch Absterben des Leibzuͤchtigers/ der Ususfructus dem Schuldner als Eigenthums-Herrn wieder anheim wuͤchse/ oder das Nutzbaren Guͤter und Schulden Pfandrecht. Unterpfand per alluvionem ergroͤssert oder sonst gebessert wuͤrde/ sol- ches alles/ samt denen darauff wachsenden Fruͤchten/ was deren beym Schuldner gefunden werden/ kommt dem Glaͤubiger gleichfals zum besten/ und wann ein Schuldner andere Schuldleute haͤtte/ und deren einen/ oder sonst etwa eine Verschreibung seinem Glaͤubiger verunter- pfaͤndete/ so hat derselbe Glaͤubiger sich an dem verpfaͤndeten Schuld- mann oder dem Gut/ daruͤber die Pfandverschreibung haͤlt/ zu er- holen. L. 8. §. si nuda ff. de pign. act. L. 3. C. in quibus caus pign. L. 1. §. cum prædium, ff. de pign. L. 9. \& 11. C. quæ res pign. §. 11. Wem nun ein Unterpfand zu Versicherung seiner Schul- den verschrieben/ obs ihm gleich nicht wuͤrcklich tradi rt noch einge- raͤumt/ auch etwa durch den Schuldner einem andern verpfaͤndet/ erb- lich veraͤussert oder sonst veraͤndert wuͤrde/ als nemlich/ daß ein verpfaͤn- detes Hauß gar abgebrochen und neu gebauet/ eine Scheure zum Wohnhauß/ ein Acker zur Wiesen/ Garten oder Weinberg gemacht/ so bleibet nichts destoweniger dem Glaͤubiger sein Pfandrecht/ und hat er solch Unterpfand/ falls ihm der Schuldner keinen Glauben haͤlt/ nicht allein von selbigem Schuldner/ sondern auch sonst von einem ie- den Besitzer/ bey dem es gefunden wird/ einzuklagen/ und durch Huͤlffe des ordentlichen Richters/ aber nicht mit selbst Gewalt/ ob ihm schon das- IV. Buch/ Cap. XXX. dasselbe also zu thun verschrieben/ zu Handen zu bringen/ und wann ers erlangt/ mag er sich solchen Pfandes/ mit selbst Einnehmung der Nu- tzungen oder Guts Verleihung/ zum besten gebrauchen/ iedoch daß die Abnutzungen erstlich nach Abkuͤrtzung der jaͤhrlichen Zinse/ Interesse, Unterpfands Bemaͤchti- gung und Ab- schlage Rech- nung. Kosten und Schaden/ was dessen dem Glaͤubiger rechtmaͤssig gebuͤhret/ unerachtet/ ob gleich das Unterpfand nicht dafuͤr ausdruͤcklich/ sondern allein fuͤr die Haupt- Summa insgemein verschrieben waͤre/ und da sich die Nutzungen hoͤher erstrecken/ dieselbe Ubermasse auff Abschlag der Haupt- Summa gerechnet werde. L. 18. §. si fundus ff de pign. act. L. 16. §. si res, ff. de pignor. Item L. 16. §. in vindica- tione, ff. Eod. L. 10. in fine, C. de pign. act. L. 11. C. de jure pign. L. 2. C. de pign. act. L. 11. C. de Usur. L. 8. §. fin. ff. de pign. act. §. 12. Ob auch der Schuldner seinem Glaͤubiger der Schulden/ Pfand wegen Schulden wie lange zu behal- ten. dafuͤr das Unterpfand verschrieben/ gantzlich abfertigte/ und dadurch das Unterpfand erledigte/ iedoch so er ihme sonst weiter mit andern kundbaren Schulden/ dafuͤr kein Unterpfand verschrieben/ verhafftet waͤre/ so mag der Glaͤubiger das erledigte Unterpfand fuͤr die uͤbrigen Schulden auch so lange in Haͤnden behalten/ biß er deren gleichfals be- zahlet werde. L. uni, §. at si in possessione, C. Si ob Chirogr pecun. §. 13. Da auch dem Glaͤubiger damit/ daß ihme vor seine ausste- Glaͤubigers Recht wegen Bezahlung. hende und betagte Schulden das verschriebene Unterpfand zu niessen und nutzen eingeraͤumt/ nicht geholffen waͤre/ sondern seines betagten Geldes begehrte/ der Schuldner aber dasselbe nicht erlegen koͤnte noch wolte/ so sollen unsere Beamten/ oder Buͤrgemeister u. Rath/ auf Glaͤu- bigers Ersuchen und Begehren/ dem Schuldner einen gewissen und nach Gelegenheit der Schulden ziemlich geraumen Termin benennen/ in welcher Frist er dem Glaͤubiger bezahle/ oder sonsten guten Willen mit ihm mache; Geschicht aber das nicht/ alsdann dem Glaͤubiger statten/ sein Unterpfand oͤffentlich feyl zu biethen/ dasselbe auffs beste/ wie er kan/ erblich zu verkauffen/ und von selbigem Kauffgeld seine Be- Beamten Pflicht beym Pfand Ver- kauff. zahlung zu erlangen. Wann dann der Schuldner selbst beym Ver- kauffen seyn will/ und mit zusehen/ daß es allenthalben auffrichtig zuge- he/ solches stehet ihm frey; will er aber nicht dabey seyn/ so sollen unsere Beamten/ oder Buͤrgemeister und Rath dem Glaͤubiger iemand zu- ordnen/ und darauff sehen/ damit keine Untreu/ List und Betrug dem Schuldner zu Nachtheil gebraucht/ sondern das verpfaͤndete Gut auffs theuerste verkaufft/ und was nach Glaͤubigers Abzahlung am Kauff- Von Depositis, Sequestration und Unterpfanden. Kauffgeld uͤbrig/ dieselbe Ubermasse dem Schuldner zugestellet werde/ damit er auch zu frieden seyn/ und den einmahl getroffenen Kauff/ ob er gleich darnach das Geld wieder erlegen wolte/ nicht zu hinterziehen oder umzustossen Macht haben soll/ es ereignete sich dann ein sonderlicher Betrug im Handel/ oder waͤre Hinterlist dabey; als daß etwa der Glaͤubiger ihin selbst zu gute mit einer dazu suborni rten Person einen Schein-Kauff gemacht/ oder das Pfandgut aus Gunst zu wohlfeyl geben/ oder es einem andern desselben Schuldners Glaͤubigern oder Buͤrgen verkaufft/ oder Verkaͤuffer ihm selbst oder dem Schuldner die Wiederloͤsung vorbehalten hat/ oder sonst dem Schuldner seine Minderjaͤhrigkeit/ Abwesenheit oder andere dergleichen ehehaffte Ur- sachen/ darum er vermoͤge der Rechte billich in integrum zu restitui ren/ zu statten kommen moͤchten. L. 4. \& 9. C. de distract. pign. L. pen. ff. de pign. act. L. 3. §. fin. C. de jure do- min impetr. L. 11. C. si antiq. Cred. L. 10. C. de distr. pign. L. 3. C. Si Vend. pign. ag. L. fin. §. fin. ff. de distract. pign. L. 7. in princ. \& §. il- lud, ff. eod. L. 13. in princ. ff. de pign. act. §. 14. Wiewohl auch ein ieder/ der fuͤr auffrichtig und redlich ge- halten werden will/ sich huͤten soll/ daß er kein fremd/ oder solch Gut/ Frembd- oder verpfaͤndetes Gut soll man nicht verpfaͤn- den. dessen er nicht maͤchtig ist/ seinen Glaubiger damit zu vervortheilen/ zum Unterpfand verschreibe/ noch etwas von seinem/ dessen er zwar maͤchtig ist/ doch allbereit vorhin andern verschrieben/ hinfuͤro auch/ ohne Wis- sen und Willen des ersten Glaubigers/ verpfaͤnde/ es waͤre dann dasselbe Unterpfand fuͤr beyde Schulden gnugsam/ iedoch weiln zu zeiten befunden/ daß einerley Gut zweyen oder mehr Glaͤubigern ver- pfaͤndet/ so hat in solchem Fall nicht zwar derjenige/ welcher sein Geld Pfand Vor- zugs Recht. am ersten ausgeliehen/ sondern allein der/ dem die Unterpfaͤndung am ersten geschehen ist/ am Unterpfande den Vorzug/ und liegt nichts daran/ ob gleich dem ersten die Guͤter in gemein/ und dem andern ein gewiß Stuͤcke daraus insonderheit verpfaͤndet/ oder auch dem letzten das Unterpfand wuͤrcklich tradi rt und eingeraͤumet waͤre/ es sey denn Sache/ daß der Letzte uͤber sein Pfand von Uns oder unsern Beamten auch Buͤrgermeister und Rath eine auffrichtige Verschreibung/ der Erste aber einen schlechten blossen Zettul/ oder privat- oder auch wohl gar keine schrifftliche Urkunden habe/ oder so der letzte Glaͤubiger mit seinem Geld das Unterpfand vom ersten Glaͤubiger erlediget oder auch erhalten/ oder gebessert haͤtte; als da ein verpfaͤndet Hauß eingefal- Pfandrecht an zweyen ver- schrieben. len/ oder verbrannt/ und mit des letzten Glaͤubigers Geld wieder er- bauet waͤre; Sonsten so ein Unterpfand auff eine Zeit zweyen Glaͤu- U u u bigern IV. Buch/ Cap. XXX. bigern unterschiedlich verschrieben wird/ und man nicht wissen kan/ wem es am ersten verschrieben sey/ wofern denn dieselben beyde Glaͤu- biger solch Unterpfand zugleich einklagen/ so stehen sie mit einander zu gleichen Rechten; Sofern es aber ihrer einer allein entweder gegen seinen Schuldners oder einen dritten Besitzer gantz einklagt/ welches ein jeder vor sich allein zu thun hat/ und also das Pfand in seinem Be- sitz erlangt/ der hat von solches erlangten Besitzes wegen gegen dem andern Glaͤubiger/ der mit seiner Klage hernach koͤmmt/ unerachtet ob gleich beyde Verschreibungen auff eine Zeit datir t seyn/ den Vorzug. L. 15. §. fin. ff. de pign. \& hypoth. L. 11. ff. qui pot. in pign. L. 12. §. si primus, ff. qui pot. in pign. L. 2. ff. qui pot. in pign. L. 6. C. Eod. L. 12. §. fin. ff. Eod. L. 11. C. Eod. L. 12. §. à Titio, ff. Eod. L. 10. ff. de pign. \& hypoth. §. 15. Welcher Glaͤubiger nun der erste/ oder auch andern ietzt Letzten Glaͤu- bigers Recht/ vom ersten das Pfand auszu- gewinnen. ermeldten Ursachen wegen am Pfande den Vorzug hat/ demselben mag seine Schuld und Ausstand der andere nechstfolgende Glaͤubiger/ dem gleichfalls dasselbe Unterpfand verschrieben ist/ vollkommen bezah- len/ und dadurch das Pfand zu seines Pfandrechtens Bekraͤfftigung in seine Haͤnde bringen/ welche Bezahlung auch der erste anzunehmen/ und hingegen das Pfand mit seinen Rechten zu uͤberlassen schuldig ist. Glaͤubigers Pflicht Pfand zu erstatten. §. 16. Gleichwie nun der Glaͤubiger sich an seinem Unterpfande/ Hauptgeld/ Interesse, Kosten und Schaden zu erholen hat obgemeld- ter massen; also ist er auch/ Falls er dessen allen vollkoͤmmlich und zur Gnuͤge durch den Schuldner befriediget/ demselben das zu seinen Haͤn- den empfangene Unterpfand/ so gut als ers bekommen hat/ ohnweiger- lich zu restituir en/ oder den daran durch seine Schuld verursacht- und zugefuͤgten Schaden zu gelten schuldig; waͤre aber das Unterpfand beym Glaͤubiger ohne seine Schuld und Verursachen verdorben oder auch gar umkommen/ so gebuͤhret es dem Schuldner/ weilen bey ihm des Pfands Eigenthum bleibet/ solchen Schaden ohne des Glaͤubi- gers Zuthun alleine zu tragen/ und hat der Glaͤubiger nichts destowe- niger seine Schulden vollkommen vom Schuldner einzufordern. L. 5. 6. 7. \& 8. C. de act. pign. §. fin. instit. quib. mod. contrah. oblig. Befehl wegen Brauen und Backen/ auch Verordnung Bier Fuͤrstl. Heßi- schen Regie- rungs Befehl an alle Beam- ten. und Brod zu taxiren/ samt Gewicht und Maaß Auffsicht. D Emnach/ wie maͤnniglich bekandt/ durch Gottes sonderbare Gna- de und Guͤte im hiesigen Fuͤrstenthum Hessen und angraͤntzenden Nachbarschafften/ die Back- und Brau-Fruͤchte in sehr wohlfeilem Kauff- Von Brau- und Back-Ordnungen in Hessen. Kauff-Preiß biß dahero/ wie noch/ eine geraume Zeit gewesen; Ob dann wohl Beamten/ samt Buͤrgemeister und Rath in Staͤdten/ Aemtern und Vogteyen/ vor sich selbst hierbey zeitiges Auff- und Ein- sehen zu haben/ und iedes Orts Beckern und Brauern ihr Brodt und Bier/ solcher Wohlfeile nach/ und damit deren ein iedweder seines Orts/ nicht aber nur etliche eigennuͤtzige/ zu geniessen haben moͤgen/ her- unter und in billichem Werth zu setzen/ obgelegen und gebuͤhret haͤtte/ zumahlen/ da ihnen nicht unwissend seyn koͤnnen/ welcher gestalt allhier in der Residentz-Stadt und Vestung/ unerachtet darinn alles in viel hoͤ- herm Werth als auf dem Lande/ damit vorlaͤngst der Anfang gemacht/ nicht allein Brodt und Wecke in leidlicherm Taxt/ sondern auch das Bier/ nach seiner Art und Guͤte/ auff 6/8/ biß 10. Heller gesetzt worden; Demnach wir aber iedoch vernehmen/ daß dessen ungeachtet/ fast an allen Orten auff dem Lande/ in Staͤdten/ Aemtern und Vogteyen/ biß diese Stunde/ Brodt und Bier in dem dabevorigen Werth/ als die Back- und Brau-Fruͤchte fast noch so hoch eingekaufft werden muͤs- sen/ zu feilem Kauff seyn/ und dieses/ dem Verlaut nach/ guten Theils herruͤhren soll/ daß die Beamten/ auch einige aus Buͤrgemeister und Raths Mitteln/ selbst das Bier brauen und verkauffen/ auch den Frucht-Handel am staͤrcksten vor andern treiben/ um ihrem eigenen Nutzen dadurch keinen Abbruch zu thun/ auff einiges Einsetzen hierbey Ernster Be- fehl an Beam- ten/ wegen Aufsicht mit Gewicht/ Brodt- und Bier-Schaͤ- tzung. desto weniger bedacht seyn moͤgen/ ein solches aber zumahlen unverant- wortlich/ und ferner nicht also zu erdulden stehet; Also befehlen wir auch hiermit/ daß ihr stracks nach Empfahung dieses unsers Aus- schreibens/ dem itzigen Einkauff nach/ so wohl die Gewichte denen Be- ckern an Brodt und Wecken erhoͤhet/ als auch denen Brauern das Bier/ von 6/8/ biß auff 10. Heller/ seinem befundenen Werth nach/ her- unter setzet/ und daruͤber mit obrigkeitlichem Ernst haltet/ auch alle da- gegen Handlende gebuͤhrlich bestraffet/ und euch selbst hierbey/ da ihr vor eure Person hierinn uͤbertreten zu haben befunden werden soltet/ vor Bestraffung vorsehet und huͤtet; das versehen wir uns also/ und sind euch guͤnstig geneiget/ Datum Cassell/ den 26. Julii, An. 1654. Fuͤrstliche Hessische Regierung daselbst. U u u 2 Copia IV. Buch/ Cap. XXX. Copia Hoch-Fuͤrstl. regierender Landgrafen Befehl und Ver- ordnung wegen allerhand Frevel und Muthwillen. Landes vaͤter- lichen Vorsor- ge Edict. N Ach dem Uns/ von GOttes Gnaden/ Wilhelm/ Landgrafen zu Hessen/ seithero unserer Regierung vielfaͤltige Klagen vorkom- men/ welcher gestalt wieder die von weiland Unsern in GOtt ruhenden Vorfahren vor Alters zu mehrmahln ausgelassene u. publici rte scharf- fe Edicta und Verbote/ in denen nicht allein an hiesiger Festung u. Stadt Cassel/ sondern auch im gantzen Lande/ Staͤdten/ Dorffschafften und Aemtern gelegenen Garten/ Aeckern und Wiesen grosser verderblicher Schaden geschieht und zugefuͤget wird/ indem nicht allein die Zaͤune und Hecken niedergerissen/ Zaunpfaͤhle/ Plancken/ Hopffenstangen und das duͤrre Gehoͤltze hinweggetragen und verbrennet/ die lebendige Hecken auff- und abgehauen/ die Garten-Thuͤren und Pfosten wegge- stohlen/ die Schloͤsser/ Haspen/ Handhaben/ Einwuͤrffe/ Riegel und der- gleichen/ mit Gewalt abgeschlagen und genommen/ sondern auch die jungen gepfropfften Baͤume entweder gantz ausgehacket und gestohlen/ oder sonst darnieder gelegt/ das Garten-Gewaͤchse auff den Baͤumen so wohl als Laͤndern entwendet/ das Gras und Fruͤchte abgemaͤhet und entraubet/ oder mit dem Vieh abgeaͤtzet/ oder doch muthwillig zertre- ten/ und uͤber das in den Gaͤrten allerhand befindlicher Muthwillen ver- Gaꝛten/ Aecker und Wiesen Freyheit. uͤbet werden/ so wollen wir dagegen erwehnte ausgegangene Edicta al- les ihres Jnhalts hiemit erneuert/ gesetzt und verordnet haben; Setzen/ ordnen und wollen auch nochmahls/ daß alle unsere Unterthanen/ sie seyn Buͤrger oder Bauern/ deren Weiber/ Kinder/ Jungen und Gesin- de/ oder wer sie wollen/ auch die Durchreisende/ sich aller beklagten Be- schaͤdigung in Gaͤrten/ Wiesen und andern/ aͤussern und enthalten sol- len/ mit der Vergewisserung/ da einer oder mehr hieruͤber betreten/ oder dessen uͤberfuͤhret werden solte/ daß der oder dieselbe nicht allein mit Geld und Gefaͤngniß unnachlaͤßig gestrafft/ sondern auch in den Schand-Korb gesetzt/ und in das Wasser geworffen/ auch nach dem die Uberfahrung groß und etwa iterir et werden moͤchte/ der Stadt/ Amt oder Landes verwiesen werden soll/ und weil wir vernehmen/ daß vornehmlich die Einwohner der Dorffschafften und dessen Amts/ wann sie des Abends wohl bezecht und die Thore verschlossen/ theils aus lauterm Frevel und Muthwillen/ nur zu dem Ende/ damit sie zei- gen moͤgen/ welcher die schaͤrffeste Barten habe/ theils auch darum/ daß Von Heßischen Land-Ordnungen wegen Frevel. daß sie durch die Gaͤrten/ Aecker und Wiesen offene Wege haben moͤ- gen/ die Zaͤune und Hecken auffhauen/ auch die Baͤume beschaͤdigen/ Zäune/ Baͤu- me und Hecken Verwuͤstung Straffe. und wann sie noch jung/ gar darnieder hauen/ so wollen wir/ da hier- uͤber einer oder mehr betreten/ oder dessen uͤberwiesen werden solten/ daß der oder dieselben demnechst zu hafften gebracht/ und deren nicht eher erlassen werden/ er habe denn nicht allein den zugefuͤgten Scha- den dem Beschaͤdigten erstattet/ sondern/ nach Gelegenheit der Uber- fahrung/ darum genugsam mit Geld oder gefaͤnglichen Enthaltung gebuͤsset/ gestalt denn auch niemand/ er sey wer er wolle/ sich solcher neu gemachten Luͤcken und Wege durch die Gaͤrten gebrauchen soll/ bey Straffe 3. fl. deren der eine demjenigen/ welchem der Garte zustehet/ ge- reichet/ die uͤbrigen aber Uns und gemeiner Stadt berechnet werden Pfoͤrtner Pflicht wegen Plancken ab- brechen und einbringen Verbot. sollen/ und wann derjenige/ dem der Garten zustehet/ den oder diejeni- ge/ so ihm durch ihren Garten gangen/ in denen Thorwachten anhal- ten lassen/ biß es unsern Beamten daselbst/ wann nemlich die Thaͤ- ter aus dem Amt oder frembd/ oder Buͤrgermeistern und Rath/ wann es von Buͤrgern sind/ angezeiget werde; alsdann sollen sie dergleichen Verbrechere/ oberwehnte Straffe zu erlegen/ anhalten. Und demnach im Winter die Zaͤune an den Gaͤrten von vielen zu dem Ende auffge- rissen/ oder Plancken und Weyden heimgetragen werden/ ihren Brand und Feuer davon zu machen/ als soll gleicher Gestalt solches bey ob ge- setzter Straffe hiermit verboten/ und derohalben dem Pfoͤrtner an de- nen Thoren befohlen seyn/ daß sie nichts von Zaunpfaͤhlen oder andern dergleichen Sachen/ so von Garten oder deren Zaͤunen/ an denen Tho- ren passir en lassen/ sondern anhalten/ und die Thaͤter/ es sey denn/ daß jemand von Buͤrgern oder Einwohnern aus seinem eigenen Garten et- wan dergleichen Dinge herein trage lasse/ denen Beamten/ Schult- heissen oder Buͤrgermeister und Rath anzeigen/ damit sie gebuͤhrender massen angesehen werden moͤgen. Nach dem uns auch vorkoͤmmt/ daß die Schaͤffer in- und ausserhalb Staͤdten/ Flecken und Dorffschafften/ sich geluͤsten lassen sollen/ im Schaͤfer Uber- muth Verbot/ wegen Huͤten und Weyden. Herbst- und Fruͤhling-Zeit die Zaͤune und Hecken an Gaͤrten und Wiesen zu eroͤffnen/ und mit ihren Heerden durch und durch zu huͤten/ mit vermeyntem Vorgeben/ als ob sich solches um solche Zeit gebuͤhre/ und sie es zu thun schuldig waͤren/ dadurch dann nicht allein die Hecken und Baͤume verwuͤstet/ sondern auch das Winterfeld/ Getreyde und andere Gewaͤchse/ so uͤber Winter stehen bleiben sollen/ verderbet wer- den/ so wollen wir hiermit allen Schaͤfern/ sie stehen zu/ wem sie wollen/ U u u 3 gebo- IV. Buch/ Cap. XXX. geboten und befohlen haben/ sich solcher Verhauung derer Zaͤune und Hecken/ so dann des Huͤten und Weydens in den Gaͤrten allerdings zu aller und jeder Zeit/ in denen Wiesen aber vom letzten Tag Martii biß auff den ersten Novembris gaͤntzlich zu enthalten und abzumassen/ Fluhrschuͤtzen Pflicht. mit der ernsten Verwarnung/ da einer oder ander betreten und uͤber- wiesen wird/ so diesem unsern Gebot zu wieder gehandelt/ daß der Schaͤfer so wohl/ als derjenige/ dem die Schaafe zugestanden/ wofern derselbe Wissenschafft darum gehabt/ und/ solches bewilliget zu haben/ beygebracht werden solte/ jeder mit 10. fl. Straffe verfallen seyn soll; So sollen auch diejenigen/ welche ihr Vieh nach geendigter gemeinen Stadthude nur in ihre Gaͤrten und Wiesen treiben/ dasselbe wohl huͤten lassen/ damit es nicht durchbreche und denen Nachbarn am Jh- rigen Schaden zufuͤge/ und sollen jedoch diejenige/ so des Viehes huͤten/ hiermit gewarnet seyn/ wann sie wegen der Kaͤlte Feuer machen/ und sich dabey erwaͤrmen wollen/ daß sie sich an deren Leute Zaͤunen/ He- cken oder Gehoͤltze nicht vergreiffen/ noch das Vieh andern zu Schaden gehen lassen/ damit sie sich ob angedeuteter Straffe nicht theilhafftig machen; Und damit unsere Edicta in schuldiger Obacht gehalten wer- den moͤgen/ so sollen die bestelte Fluhrschuͤtzen/ deren dann vor jederm Fluhrschuͤtzen Pfaͤndung Wiedersetzung Straffe. Thor ein tuͤchtiger bestellet werden soll/ ihren anbefohlenen Dienst fleißig abwarten/ Abends und Morgens nach Beschließ- und vor Er- oͤffnung der Thore sich im Felde finden lassen/ auff die Beschaͤdiger/ Schaͤfer und Garten-Diebe/ sonderlich auff die Grase-Maͤgde/ so in die Felder/ Wiesen und Gaͤrten lauffen/ auch sonsten die Gaͤrten und sonderlich des Sonntags oder andere Feyertage unter den Predigten visitir en/ und die Fuͤtterung vor das Vieh darinnen suchen/ fleißig Ach- tung geben/ bey ihren Eyden und Pflichten dieselben/ sie seyen wer sie wollen/ auch in offenen Saatfeldern/ da sie denen Fruͤchten Schaden zufuͤgen/ pfaͤnden/ und darauff anzuzeigen schuldig seyn/ damit sie ver- moͤge dieses unsern Edicts abgestrafft werden/ solte aber jemand so vermessen seyn/ und sich einem Flurschuͤtzen im Pfaͤnden wiedersetzen/ so soll der Fluhrschuͤtze schuldig seyn/ solche Wiedersetzung demnechst am gehoͤrigen Orten anzuzeigen/ darauff dieselben Personen in Haff- Eigenthums- Herrn Garten Verwahr- und Wege Verbes- serungs Pflicht ten gezogen/ und nicht allein wegen der Wiedersetzung/ sondern auch wegen Verbrechen im Garten/ Wiesen oder Feld/ zu gehoͤriger unnach- laͤßigen Straffe gezogen werden sollen; Uber diß sollen die Eigen- thums-Herrn der Gaͤrten und Wiesen/ dieselben Sommer und Win- ter Zeit fleißig zuhalten/ ins kuͤnfftige lebendige Hecken anlegen und er- ziehen/ Von Frage-Stuͤcken der Commissari en. ziehen/ damit der Holtz-Ordnung nach unsere Waͤlder hinfuͤhro moͤ- gen verschonet werden/ auch will von noͤthen seyn/ daß diejenigen/ so ihre Gaͤrten an den allgemeinen Land-Strassen liegen haben/ die Wege erheben und ausbauen/ daß der Wandersmann und Durch- reisende sich deren gebrauchen koͤnnen; Und damit sich niemand eini- ger Unwissenheit dieses unsern erneuerten Edict s ins kuͤnfftige zu be- klagen haben moͤge/ so wollen wir/ daß selbiges vorm Rathhause oder andern gewoͤhnlichen Ort/ von denen Beamten/ Schultheissen/ Buͤr- germeister und Rath/ unterm Glockenschlag den Einwohnern und Buͤrgern daselbst jeden Orts angezeigt/ und dann auch auff Doͤrffern im Amt angeschlagen/ und dabeneben nach gethaner Predigt auffm Kirchhofe alle Jahre zweymahl/ zu Fruͤhling- und Herbst-Zeiten/ oͤf- fentlich abgelesen/ oder an Gerichts-Tagen verkuͤndiget/ und von jedes Orts Ober- und Unter-Beamten samt Buͤrgermeister und Rath dar- uͤber mit rechtem Ernst gehalten werde/ das vermeynen wir ernstlich/ und wird sich ein jeder vor Schaden zu huͤten wissen. Gegeben in unser Stadt und Vestung Cassel/ den 21. April Anno 1654. Wilhelm L. (L. S.) Etliche sonderbare Policey und weltlichen Regiment be- ruͤhrende Frage-Stuͤcke/ so Commissarii zu beobachten. §. 1. W Je iedes Orts die Justitia von allen und ieden Richtern/ Ober- und Unter-Beamten/ auch Buͤrgemeister und Rath/ admi- nistr irt/ und ob der Rath-Stuhl von denen Schoͤpffen auch fleissig be- sucht werde? 2. Wie es mit denen Stadt-Rechnungen und Ausgaben gehal- ten werde/ ob dieselbe auch jaͤhrlich der Gebuͤhr abgelegt/ ob Guͤlden und Zuͤnffte auch darzu erfordert/ und etwa unnoͤthige Dinge mit ein- gefuͤhret werden? 3. Ob der Rath und Gemeinde unter sich einig/ oder ein Theil uͤber das andere sich zu beschweren habe? 4. Ob das Corpus Senatorium unter sich einig/ oder/ ob und war- um Zwietracht unter denselben sey? 5. Ob die Jura Territorialia und Episcopalia Hochherrlich-Geist- und weltlichen Gebiets Gerechtigkeiten/ der Gebuͤhr gewaͤhret und ver- treten werden? 6. Ob IV. Buch/ Cap. XXX. 6. Ob ieden Orts Land-Graͤntzen jaͤhrlich bezogen und besichtiget worden/ auch etwa Mangel und Gebrechen dabey vorgefallen? 7. Ob auch die Gerichts-Tage und Gerichte allewege zu gebuͤh- render Zeit gehalten werden/ und in wessen Beyseyn? 8. Ob auch die Protocolla und Gerichts-Buͤcher fleissig gehalten? Und muͤssen dieselben vorgezeigt werden. 9. Ob auch die Unterthanen bey denen Gerichten in weitlaͤufftige Process en und unnoͤthige Kosten/ mit vielen Schrifft-Wechselungen/ gefuͤhret werden? 10. Ob auch richtige Saalbuͤcher gehalten/ und darinn Jhr. Hoch- Fuͤrstl. Herrlich- und Gerechtigkeiten/ auch Renthen/ Zinß- und Gefaͤlle richtig verzeichnet/ und ob solche vorhanden/ von denen Beamten fleissig gelesen/ und jederzeit wie noͤthig/ rectificirt und verneuert/ auch deren Exercitien- Buͤcher fleissig gehalten werden? 11. Wie sich Richtere/ Beamten und Landknechte gegen die Un- terthanen verhalten/ ob sie dieselben auch wider die ausgelassene Acci- dentali en-Ordnung mit uͤbermaͤssigem Gebuͤhr abnehmen/ Gifft und Gaben/ item Aufflegung Dienst und Frohn/ oder dergleichen zu ihrem Nutzen beschweren. 12. Wie viel sie von einer Citation, Zeugen-Verhoͤr/ Protocol s- Copey/ Amts-Bescheid/ Versiegelung der Waͤhrschafften oder sonsten Executio ns-Sachen/ oder auch/ wenn sie einen hinsetzen und wieder er- lassen/ zur Gebuͤhr nehmen? 13. Ob sie auch um Geschenck und Freundschafft willen durch die Finger sehen/ und die Verbrechere leichter als sie verdienet/ straffen/ und dadurch der Herrschafft das ihrige unterschlagen? 14. Ob auch deren Beamten und andern Richter Weiber und Kinder Geschencke nehmen? 15. Ob die Arbeits-Leute/ wann in Herrn-Sachen gebauet wird/ auch ihre richtige Bezahlung bekommen/ oder von Beamten damit auffgehalten werden? 16. Ob die Beamten/ unterm Schein der Fuͤrstlichen Herrschafft/ ein und anders an sich bringen? 17. Ob sie die Unterthanen bedrohen/ wenn diese bey der Herr- schafft oder Cantzley klagen wollen? 18. Wie theuer die Unterthanen denen Beamten Gaͤnse/ Huͤner und Hahne bezahlen muͤssen? 19. Ob Von Frage-Stuͤcken der Commissari en. 19. Ob auch die Unterthanen beym Ein- und Ausmessen der Frucht von Beamten oder deren Dienern uͤbersetzt und vervortheilt werden. 20. Wem dasjenige zu gute komme/ was abgestrichen wird/ oder vom Scheffel abfaͤllt. 21. Ob nicht die Unterthanen zuweilen/ wann die Frucht schlecht/ 2. vor 1. lieffern muͤssen/ und wer und weme? 22. Ob und wie viel einer und ander von erborgter Herrschafftli- chen Frucht einige Jahr hero Auffmaß gegeben? 23. Ob die Beamten auch die Herrn-Frucht/ wenn sie theuer ist/ verkauffen/ und hernach die Herrschafft/ wenn die Frucht wohlfeyl/ mit Frucht wieder bezahlen? 24. Ob auch von Beamten die dicti rte Geldstraffen richtig berech- net/ oder deren einige unterschlagen werden? 25. Wie viel Straff-Gelder denen Beamten innerhalb 4. Jah- ren gelieffert worden? 26. Wie sich Unterthanen gegen Beamte verhalten/ ob sie sich auch allen Gehorsams befleissigen und ihre Schuldigkeit erweisen? 27. Ob auch in Verrichtung der Amt-Sachen die Beamten ei- ner den andern ausschliesse/ und dieselben zu verrichten sich allein unterstehe? 28. Ob auch der Beamten einer ohne des andern Vorwissen und Beyseyn sich unterstehe/ die Busse allein zu thaͤdigen/ und damit zu sei- nem Vortheil gebaͤhre? 29. Ob auch die Beamten von denen Bußfaͤlligen Thaͤdings- Gelder nehmen/ und wie viel? 30. Wie viel Thaͤdings-Gelder denen Beamten innerhalb 4. Jahren gegeben worden? 31. Wie es mit Pfaͤndungen ergehe/ ob auch die Unterthanen mit Pfandgeld uͤbernommen werden/ und von weme? 32. Wie sich Beamten und Foͤrster in Fuͤrstlichen Jagt- und Wald-Sachen verhalten/ ob sie damit allenthalben treulich umgehen/ oder auch etwan die armen Leute mit Abnehmung Geschenck und Ga- ben/ item Aufflegunge Dienst und Frohn/ oder was dergleichen mehr seyn moͤchte/ beschweren? 33. Ob sie auch ihre Exercitien Buͤcher fleissig halten? 34. Ob sie auch bey denen Forstschluͤssen von bußfaͤlligen Unter- thanen Thaͤdings-Geld nehmen/ und wie viel? X x x 35. Ob IV. Buch/ Cap. XXX. 35. Ob und wessen auch jemand sonst in einem und andern so wohl uͤber Ober-als Unterbeamten/ wie auch andere/ so ihnen vorgesetzt seyn/ oder wer sie auch sind/ und worinnen sie sich zu beschweren haben/ daß sie solches klaͤrlich heraus sagen und nichts verhehlen/ massen ihnen derohalben die Hand wohl geboten und Schutz gehalten werden soll? 36. Ob ein oder ander Pfarrherr/ Beamter und Fuͤrstl. Bediente/ er habe Nahmen wie er wolle/ in einem boͤsen Ruff oder Geschrey Unthaten halber sey/ wer derselbe sey/ und welcher Laster oder Un- thaten er beschuldiget werde? 37. Ob auch der Zoll aller Enden gewaͤhret/ und von denen von Adel/ Beamten und jederman der gehoͤrige Zoll/ von Wolle/ Vieh/ Leinen/ Garn und andern/ so verfuͤhret wird/ richtig gegeben/ nichts unterschlagen/ noch wider Herkommens von Zoͤllnern eigenen Gefal- lens ersteigert werde? 38. Weilen auch bißher die Accis en ein geringes gethan/ woher solcher Abgang kommen/ ob nicht die von Adel/ Beamten/ Pfarrherrn und andere/ so offt ihnen beliebet/ gebrauet/ das Bier verkaufft/ und keine Accise davon entrichtet; Jtem/ ob sie nicht auch Wein/ sonder- lich bey vorhabenden Hochzeiten/ Kind-Tauffen und andern Gaste- reyen eingeleget/ und ohne einiger Accis- Erlegung denselben verzapf- fet/ wie lange solches geschehen/ und wie viel des verzapfften Weins und Biers gewesen? 39. Ob auch Zunfft-Handwercker sich ihrer Privilegi en mißbrau- chen? 40. Ob auch wucherliche und sonderbar verbotene Contracte an diesem oder jenem Ort verspuͤhret/ und die Unterthanen mit uͤbermaͤs- sigen Zinß uͤbernommen werden/ und von wem? 41. Ob und von welchen auch Monopolia getrieben/ und dadurch Theurung verursachet werde? 42. Ob und durch wen/ item/ durch was fuͤr Mittel dem gemei- nen Nutzen uͤbel vorgestanden und Schaden zugefuͤgt werde? 43. Ob auch Segensprecher und Chrystallenseher vorhanden/ bey welchen die Leute so wohl in-als ausserhalb Landes sich Raths er- hohlen/ auch wer und wo? 44. Ob auch wucherliche ungebuͤhrende Wechsel im Lande vor- gehen/ sonderlich der kleinen Muͤntze halber/ und wer sich deren miß- brauche? 45. Ob Von Frage-Stuͤcken der Commissari en. 45. Ob auch die beflissene Feld und Garten Diebe/ woruͤber al- lenthalben im Lande viel Klagen einkommen von Beamten/ wie auch Buͤrgermeistern und Rath in Staͤdten/ nach Verdienst abgestrafft werden? 46. Jn allen Staͤdt- und Aemtern sollen sie sich erkundigen/ was fuͤr Juden darinn wohnen/ wie lange sie da gewesen/ wer es ihnen er- laubet/ ob sie Schutz-Brieffe vorzulegen haben/ und wie starck eines jeden Haußhaltung sey? Jtem/ was und wie viel Silbergeld sie alle Jahr geben/ ob es auch jaͤhrlich richtig abgestattet worden? 47. Weilen auch in unterschiedenen Aemtern u. Orten gewisse Frey- Pferde und Herrn-Wagen gehalten werden muͤssen/ wer sie zu halten schuldig/ wozu sie gebraucht werden/ und wer sie bißher gebraucht? 48. Ob auch die im Lande ausgelassene Fuͤrstl. Ordnungen obser- vi rt/ und denselben nachgelebt/ oder dawider Handlende gehoͤrig be- strafft werden? Worauff ein pflichtmaͤßiger Bericht erfordert wird. Verzeichniß Deren Gerichthaltung im Amt Beylstein zu Abterode/ deren achte/ wie nachfolgend zu sehen/ gehalten werden; als: Erstes hohe Gericht am Montag/ acht Tage nach Heil. drey Koͤnigen. Beylsteinischẽ Geꝛichts-Tage Benennung. Das Nachgericht vierzehn Tage hernach. Das andere Hohe-Gericht/ am Montag/ vierzehen Tage nach Ostern. Das Nachgericht vierzehen Tage darnach. Das dritte Hohe-Gericht/ der Kornfriede/ am Montag/ 14. Tage nach Pfingsten. Das Nachgericht vierzehn Tage hernach. Das vierdte hohe Gericht/ am Montag/ 14. Tage nach Michalis Tag. Das Nachgericht vierzehen Tage darnach. NB. Zu Germeroda wird jaͤhrlich nur ein Gericht nach Michaelis den Montag/ auff letzt beschehens Abteroͤder Hohegericht/ auff dem Kloster/ in Gegenwart des Vogts/ vom Richter zu Abte- rode besessen. Proceß bey Gerichts-Hegung. Richter spricht: Jhr Schoͤppen/ ich frage euch des Rechten/ obs Zeit sey/ daß ich meinem gnaͤdigsten Herrn sein Gericht hege? Schoͤppen Antwort: Die Schoͤppen erkennen/ wann es die Herren wollen/ so ist es Zeit. X x x 2 Richter IV. Buch/ Cap. XXX. Richter sagt: Jhr Schoͤppen/ ich frage euch ferner des Rechten/ wie ich soll fortfahren/ daß ich Recht thue/ und Unrecht lasse? Schoͤppen sprechen: Nach des Landes Sitten und deren altem Recht. Richter: So hege ich nun denen Durchlaͤuchtigen Fuͤrsten und Herrn Beylsteinischẽ Gerichts He- gungs Proceß Ceremonien. Herrn Wilhelm und Carln Gebruͤdern/ Landgrafen zu Hessen/ Fuͤrsten zu Hirschfeld/ Grafen zu Catzen-Elnbogen/ Dietz/ Zie- genhain/ Nidda und Schauenburg/ meinen gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herren/ ihr Gericht/ Befehl/ Macht und Gewalt/ so beyder- seits Durchl. uͤber das Gericht haben; so soll auch niemand zu- oder abtreten/ oder reden/ er thue es dann mit Erlaubniß des Richters/ oder gebrauche sich eines angedingten Procurator n. Richter ferner: Jhr Schoͤppen/ ich frage euch des Rechten/ ob ich meinen gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ Jhro Durchl. Gericht gehegt habe/ daß es Krafft und Macht hat? Schoͤppen sagen: Jhr habt gehegt nach dem alten Herbringen und Recht/ so erkennen wir Schoͤppen/ daß Jhro Durchl. Gericht also geheget sey/ daß es Krafft und Macht habe. Richter spricht: So dancke ich GOtt und dem Rechten; und weiter: Jhr Schultheissen/ ich will euch alle/ und einem jeden insonder- heit seiner Eyd und Pflicht/ damit er Jhro Durchl. verwandt/ erinnert und ermahnet haben/ daß ihr alle dasjenige/ so ruͤgbar in jederm Dorff/ Holtz und Felde geschehen/ Jhro Durchl. zur Ruͤge bringt/ und nichts verschweiget/ als lieb euch deroselben Gnad und Ungnade sey. Von Rechts Ubungen im Gericht Beylstein. Hiernach rufft der Richter folgenden Amts angehoͤrigen Gerichts- Gericht Beyl- steins Dorff- schafften. Doͤrffern/ darunter dann die Adelichen oder Juncker-Maͤnner/ so der Cent Beylste in beschleust/ mit begriffen/ als Niedernhona/ Obernhona/ Niedewitzhausen/ Eltmañshausen/ Hettenroda/ Wassenhausen/ Boͤr- nershausen/ Vierbach/ Brausdorff/ Germerode/ Nieder-Rodebach/ Vockeroda/ Catterbach/ Franckenhain/ Dudenroda/ Borna/ Ei- chenberg/ Oberndorff/ Franckershausen/ Huͤtzeroda/ Welffteroda/ Weillingeroda/ Weydenhausen/ Kupfferbach/ Abteroda. Der Schoͤppe sagt alsdann nach Urtheilen Ausrede: Jhr Landmann/ wer allhier in Busse verurtheilt/ denselben er- kennet auch der Schoͤppe/ und zwar einem jeden zu seiner Antwort/ kan ers wohl verantworten/ mag ers wohl geniessen/ wo nicht/ mag er sich Von Beylsteinischen Gerichts Gewohnheits-Ordnungen. er sich wegen unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn mit denen Beam- ten abtragen. Richter spricht: So gebe ich/ von wegen meines gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn die Ruͤge auff/ und kan ein jeder seine Ruͤge alsdenn beantworten und ver- treten/ soll er gehoͤret werden. Folgende Doͤrffer gehoͤren ans Gericht zu Germerode. Alberode/ Bernsdorff/ Rudelshausen/ Obern-Rodebach/ Wolff- teroda/ Cammerbach/ Orfferoda/ die Freyheit Germeroda. Gericht Beylsteins Constitution und Verordnung/ so dem Volcke/ sich darnach zu richten und achten/ einmahl des Jahrs zum Korn-Frieden Gericht/ oͤffentlich abgelesen und verkuͤndi- get wird. 1. W O eine Land-Strasse ist/ daselbst soll der Weg so weit seyn/ daß Beylsteinischẽ Gewohnhei- ten Satz-Ord- nung. ein Mann auff seinen Beinen zween grosse volle Schritte aus- strecken mag/ und waͤre es denn Sache/ daß man es umackern wuͤrde/ und einer darauff fuͤhre/ soll derselbe damit nichts verbrechen. 2. Wo ein Fuhrmann uͤber Land fuͤhre/ und seine Pferde muͤde wuͤrden/ mag er beym Wege her eine Sangen schneiden und den Pfer- den zum Munde halten/ und so er nicht still haͤlt/ soll er damit nichts verbrechen. 3. Wo eine Viehtrifft aus einem Dorffe gehet/ die soll man an- derthalben Acker lang befriedigen/ daß der Hirte sein Vieh frey trei- ben mag. 4. Wo ein Duͤnge-Weg ist im Gericht Beylstein/ da soll dersel- be so weit seyn/ daß der Fuhrmann neben seinen Pferden gehen kan/ wann das nicht waͤre/ und der Fuhrmann in die Frucht gehen muͤste/ soll er damit nichts verbrochen haben. 5. Wo ein gemeine Stuͤck vor einem Dorff ins Geheege gelegt wuͤrde/ und ein Fuhrmann daruͤber fuͤhre/ mag er an einem Ort darauff spannen/ und die Pferde essen lassen/ wenn auch derselbe nicht einen Tag oder Nacht darauff bleibt/ und gar verderbet/ soll er nichts verbrochen haben; die Schaͤffer aber sollen nicht darauff huͤten. 6. Wer eine Wiesen aus einem Feld Acker machen will/ soll die- selbe drey Jahr lang befriedigen; wenn aber drey Jahr um sind/ soll man ihm dieselbe gleich andern Wiesen heegen. X x x 3 7. Wer IV. Buch/ Cap. XXX. 7. Wer einen Hof oder Garten aus einem Feldacker machen will/ der soll seines Landes anderthalb Fuß liegen lassen/ auff daß der andere/ so dabey ein Stuͤck hat/ das seine anreichen und erlangen moͤge; Allwo auch zweene bey einander Hoͤfe haben/ soll ein ieder das seine bezaͤunen/ und der Hecken Band auff das seinige kehren. 8. Wo einer Land oder Wiesen hat/ auff die Gemeine stossend/ soll ers befriedigen/ und deren Hecken Band auch auff das seinige keh- ren; wenn er aber dasselbe so bald nicht befriedigen koͤnte/ soll man ihm nicht darum mit Frevel Schaden thun. 9. Wo ein Mann des Nachts auff der Weyde huͤtete und ent- schlieffe; inzwischen seine Pferde zu Schaden giengen/ soll man ihm zu gute halten/ so fern er nicht ein boͤse Geruͤchte hat. 10. Wer Gaͤnse in seinem Schaden findet/ der mag sie todtschla- gen/ die Zaunstecken auffspalten/ die Haͤlse darinn stecken oder auffhen- cken/ und die Schnabel heraus kehren. 11. Wer Wiesen hat bey Muͤhlen Graben/ mag sich des Wassers gebrauchen von Walpurgis an biß auff Jacobi/ vom Sonnabend zur Vesper biß Sonntags um selbige Zeit/ und alsdann dasselbe wiederum einschlagen/ und auff einen Acker drey Ausfluͤsse machen/ auff daß dem andern und letzten auch etwas werden mag/ und soll der Muͤller auff beyden Seiten des Grabens anderthalb Fuß haben/ den Schlamm darauff auszuwerffen. 12. Wer Hoͤfe beym Felde oder daran stossend hat/ soll dieselbe zumachen/ daß seinem Nachbarn kein Schade geschehe. 13. Wo im Gericht Beylstein die Herren Fischwasser haben und fischen wollen/ soll man ihnen anderthalben Fuß breit vergoͤnnen/ auff Wiesen und Land am Wasser herzugehen. 14. Wo ein schiffreich Wasser ist/ und einem durch sein Gut bricht/ mag derselbe nachfolgen/ wann er einen Pflug und Pferd darauf umkehren kan. 15. Wann ein Mann am Gerichte/ mit unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn Gericht und Recht uͤberwunden wird/ und nicht bezahlen will/ soll man dem Landknecht fuͤnff alb. geben/ ihn zu pfaͤnden. 16. Wer einen Wagen gehenden Dienst verbleibet/ den mag der Landknecht um einen alb. pfaͤnden/ und soll er gleichwohl seinen Dienst thun; was aber gnaͤdigstem Fuͤrsten und Herrn fuͤr Schaden daraus entstuͤnde/ soll ihm zugekehret werden. Wer auch einen ge- henden Dienst verbleibet/ den mag der Landknecht um sechs Heller pfaͤnden. 17. Es Von Beylsteinischen Gerichts Gewohnheits-Ordnungen. 17. Es sollen auch Unterthanen/ vermoͤge ihres Eyds und Pflich- ten/ damit sie unserm gnaͤdigsten Fursten und Herrn zugethan und ver- wandt sind/ nachfolgende Articuln und Puncten in die Ruge bringen/ absonderlich aber/ auff daß man alles halte/ sollen die Schultheissen/ Vormuͤndere und Eltesten auff den Doͤrffern darauff gute Achtung haben/ und die Ubertreter zur Ruge bringen/ daß sie geruͤget werden. Als: 18. Die Gotteslaͤsterer/ Vollsaͤuffer/ Unglaͤubige/ Wiedertaͤuffer/ Wucherer/ und die jenigen/ so GOttes Wort nicht hoͤren/ ihre Kinder und Gesinde nicht darzu halten/ auch die heiligen Sacramenta nicht ge- brauchen. 19. Alle Hurer und Ehebrecher/ und die/ so in Unpflichten erfunden werden. Alle Spieler und die zusehen/ oder solches in ihren Haͤusern leyden/ so bey 5. fl. verboten. Jtem Zaͤuberer/ Milch-Diebe/ Crystal- len-Seher und Wahrsager sollen geruͤget/ und nach laut eines iedern Uberfahrung gestrafft werden. 20. Die jenigen/ so Hochzeit halten/ und vor der Predigt denen ge- ladenen Gaͤsten Suppen geben/ sollen als Braut und Braͤutigam/ un- sern gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn zur Straffe geben 5. fl. die aber/ so Kirchmeß halten/ sollen von einer ieden Person zu Straffe geben 1. lb. 21. Die jenigen/ so des Sonntags Taͤntze halten/ und andere leichtfertige Uppigkeiten/ nach Heydnischer Weise/ zur Fastnacht/ Walpurgis/ Pfingsten/ Johannis Tag und andere Zeiten mehr/ durchs Jahr uͤben/ sollen nach Gestalt geuͤbter Leichtfertigkeit ernstlich gestrafft werden; wenn aber Hochzeiten sind/ mag man ziemlich tan- tzen/ doch daß solches nicht unter Predigten oder Catechismi Lehren/ sondern sonst ehrlicher Weise geschehe/ und soll das Herumwerffen und Abstossen am Tantze/ auch sonst alle unzuͤchtige Gebaͤrden und Worte gaͤntzlich verboten seyn/ bey Straffe 3. fl. 22. Dafern einer im Gericht Beylstein vor oder nach der Predigt/ ohne der Obrigkeit Erlaubniß und hoͤchsten Nothdurfft Erforderung fahren thut/ dadurch dann nicht allein dem vierdten Gebot GOttes zu wieder gelebet/ und der Feyertag entheiliget/ sondern auch andere Leu- te hierdurch geaͤrgert/ von GOttes Wort abgehalten/ und durch solch Gerumpel am Gehoͤr GOttes Wort verhindert/ soll geruͤget und um 2. fl. gestrafft werden. 23. Wer unter Predigten auffm Kirchhofe steht/ und unnuͤtze Ge- schwaͤtze treibet/ soll geruͤget und nach Uberfahrung gestrafft werden; deßglei- IV. Buch/ Cap. XXX. deßgleichen wer seinen Pfarrer mit unnuͤtzen Worten angreifft/ auch ihm oder Gottes-Kasten und der Gemeinde ihre Zinse nicht giebt/ ist zu ruͤgen. Also soll man auch Kirchhoͤfe rein und beschlossen halten/ und so viel muͤglich kein Vieh darauff gehen lassen. 24. Ferner zu ruͤgen diejenigen/ so uͤber Verbot Vieh und Frucht ausserhalb Landes verkauffen. 25. Zu ruͤgen auch diejenigen/ so ohne Verlaub Hasen schiessen/ oder sonst umbringen lassen. 26. Die Tauben sollen im Lentzen/ Sommer und Herbst zur Saat und Lein-Zeit vier Wochen eingehalten werden/ bey Straffe 5. fl. Es soll auch keiner Schlaͤge halten/ und dem andern die Tauben abfangen/ bey Straffe 5. fl. 27. Die Holtz-Ordnung soll man halten/ und sollen diejenigen/ so die Ordnung uͤberschritten/ oder sonst in unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ oder auch deren Doͤrffer Gemeinen gehegten Gehoͤltzen/ sie seyn zum Saltzwerck verordnet oder nicht/ mit Abhau- und Ver- derbung der Sommerladen/ oder mit ihrem Vieh Schaden thun/ vom Ober-Foͤrster und Beamten/ auff Anzeige deren Foͤrster/ gestrafft werden. 28. Es soll keiner einen Bau/ er sey alt oder neu/ ohne Renth- meisters Vorwissen abbrechen und aus dem Amt verkauffen/ bey Straffe 10. fl. derogestalt soll auch keiner ohne Renthmeisters Vor- wissen ein neu Wohnhauß oder Scheure bauen/ bey Straffe 5. fl. 29. Wer auff Doͤrffern Brantewein schencket/ und solchen nicht zu Erkwege/ Allendorff/ Waldcappel oder Abterode und andern En- den/ da unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn das Ungeld entrichtet wird/ kauffet und abhohlet/ soll vom Schultheissen geruͤget und jedes- mahl um 5. fl. gestrafft werden. 30. Wann Dorffschafften die Landstrassen oder andere Noth- wege und Stege nicht in Bau- und Besserung halten/ sollen sie jeder- zeit auff Anzeige und Erfahrung um zehn Pfund gestrafft werden. 31. Ein jeder soll sich mit Gewehr/ darauff er angesetzt/ geruͤst hal- ten/ bey Leibes-Straffe. 32. Es sollen auch im Gericht Beylstein keine Spinnstuben ge- halten werden/ bey Straffe 5. fl. 33. Frembde verdaͤchtige Personen/ sie seyn zu Roß oder Fuß/ und die etwa Todtschlag oder Dieberey begangen haͤtten/ soll man nicht behausen oder herbergen/ auch ihnen keine Huͤlffe und Vorschub thun/ einem Von Beylsteinischẽ Gerichts Gewohnheits-Ordnungen. einem Dorff bey 40. einer eintzeln Person bey 10. fl. Straffe/ oder nach Sachen Erheblichkeit Leibes-Straffe zu gewarten/ und soll in diesem Fall Mann vor Mann nachfolgen/ um in Hafften zu bringen. 34. Wann Aufflauff bey Hochzeiten/ Kindbetten/ oder andern Gelachen entstuͤnde/ oder ein Nachbar in seinem Hause uͤberwaͤltiget/ oder einer auff den Tod gestochen/ geschlagen oder geworffen wuͤrde/ sollen die andern Nachbarn/ sie seyen gleich den Thaͤtern mit Freund- oder Verwandschafft zugethan oder nicht/ hinzu lauffen/ die Ubelthaͤ- ter greiffen/ und der Obrigkeit lieffern/ bey Straffe 20. fl. 35. Diejenigen Gesellen/ so sich voll und toll des Nachts auff den Gassen finden lassen/ jauchtzen/ schreyen oder kreischen/ Fenster ausschlagen oder werffen/ auch sonst mit Steinen oder andern Sachen heimlich werffen/ oder einen Tumult machen/ und man nicht wissen will/ aber doch wohl weiß und kennet/ wer die Thaͤter sind/ sollen die Nachbarn/ so da herum wohnen und die Thaͤter kennen/ auch wissen/ aber nicht anzeigen wollen/ unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn mit 20. fl. unnachlaͤßiger Straffe verfallen seyn/ auch die in Erfahrung gebrachte Thaͤter nach Uberfahrung nicht allein mit Gelde/ sondern auch mit Gefaͤngniß gestrafft werden; zu dem sollen auch solche Ge- sellen/ so des Nachts auff der Gassen angetroffen werden/ hierneben wissen/ ob sie schon obberuͤhrten Unthaten einer oder andern unschul- dig seyn wollen/ und nicht eben auff wahrer That ertappet werden/ daß sie nicht allein fuͤr suspect und verdaͤchtig/ sondern vielmehr fuͤr solche Thaͤter geachtet und gehalten/ auch der Uberfuͤhrung nach/ wie vor stehet/ gestrafft werden sollen/ es sey dann/ daß sie einen andern Thaͤter darthun und ausmachen. 36. Diejenigen/ so ihr Feuer nicht verwahren/ sollen geruͤget und nach Uberfuͤhrung gestrafft werden. 37. Wer auch Flachs im Backofen oder Stuben doͤrren/ und bey Licht dreschen oder Futter schneiden/ und sonst am Flachs arbeiten wuͤr- de/ soll jedesmahl um 5. fl. gestrafft werden. 38. So etwan ein Feuer auff- oder auskaͤme/ es sey bey Tag oder Nacht/ sollen die nechsten Doͤrffer ihre Leitern und andere Ruͤstun- gen zum Feuer eilends herbey bringen/ auch sollen alle Doͤrffer ihre Leiter-Haͤuser bauen/ und nach Dorffs Groͤsse 5. oder 6. Leitern be- schlossen halten/ auff unverhofften Nothfall gewiß zu brauchen/ bey Straffe 10. fl. Y y y 39. Es IV. Buch/ Cap. XXX. 39. Es soll kein Dorff im Gericht Beylstein einen Frembden ohne Vorwissen der Obrigkeit auffnehmen/ jederm Dorff bey Straffe 10. fl. und einer eintzeln Person 5. fl. 40. Wann man wegen der Obrigkeit/ und sonderlich in Erndte und Jagtzeiten/ auch zur Holtzfloͤsse/ die Glocken laͤutet/ daß die Nachbarn zusammen kommen sollen/ als sollen die Maͤnner selbst/ so ferne sie ein- heimisch/ und nicht die Kinder oder Weiber/ kommen; wer dann nicht so bald kommt/ soll geruͤget und in 3. lb. unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ und denen Nachbarn in 3. lb. Busse gewiesen werden; es soll auch denen Schultheissen hiermit ernstlich/ jederm bey Straffe 3. lb. geboten seyn/ auff die Verbrecher gute Achtung zu haben und selbige zu ruͤgen. 41. So eine Dorffschafft einem Schultheissen oder die Vormuͤn- der/ auch andere Nachbarn eine Ruͤge verschweigen/ und nicht einbrin- gen/ sollen die Verbrecher dasselbe unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn verbuͤssen mit 10. fl. und soll keine Ruͤge mehr zum andern Gerichte auffgezogen/ sondern/ was ruchtbar/ so bald geruͤget werden/ bey Straffe 5. fl. 42. Alle/ so in Busse erkant/ sollen von einem Gerichts-Tage biß zum andern mit dem Renthmeister Abtrag machen/ und die Bussen am andern Gerichts-Tage so bald allhier zu Abterode erlegen/ oder mit dem Narren-Kasten 8. Tage dazu gestrafft werden. 43. So auch eines Dienst-Gesinde/ Knechte/ Maͤgde oder Jun- gen/ unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn bußfaͤllig wuͤrden/ oder sonst Schaden thaͤten/ sollen ihre Herren und Frauen/ bey denen sie die- nen und das Brod haben/ schuldig seyn/ ihre Kleider und Lohn nicht folgen zu lassen/ sie haben denn zuvor unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn vor die Busse/ und dem Richter vor die Wehre Gnuͤge gethan. 44. Es sollen auch die Procuratores, so an unsers gnaͤdigsten Fuͤr- sten und Herrn Gericht allhier handeln und procurir en wollen/ mehr nicht als drey Saͤtze schrifftlich/ nach laut Hochfuͤrstl. Ordnung und dieselbe auffs kuͤrtzeste/ auch was noͤthig zur Sachen vor und einbrin- gen/ und soll der Klaͤger dem Beklagten den letzten Satz goͤnnen/ bey Straffe 1. Pf. 45. Jn allen Doͤrffern/ und sonderlich in denen/ so an hohen Ge- hegen und Wild-Fluhren gelegen/ sollen den Hunden zwerch uͤber ste- tig Knittel angehaͤngt seyn/ daß sie in Gehegen keinen Schaden thun koͤnnen/ jederm bey Straffe 5. fl. 46. Die- Von Beylsteinischẽ Gerichts Gewohnheits-Ordnungen. 46. Diejenigen/ so unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn nicht zu Dienste gehen/ oder sonst ihre Gebuͤhr verrichten/ auch eine Zeit hier und dort im Lande umher lauffen/ und nicht gewisse Haußgesessene Leu- te sind/ soll man in denen Doͤrffern nicht dulden/ auch keinen Dorff- brauch geben. 47. Es sollen auch alle/ die sich in andern Aemtern schwaͤngern las- sen/ mit nichten auffgenommen/ gehauset oder beherberget werden; son- dern wann sich solche Leute unterschleiffen wollen/ soll es der Obrigkeit angezeiget werden/ bey 5. fl. Straffe. 48. Wer auch im Gericht Beylstein gemeine Huren hausen/ her- bergen/ oder sich damit in Unpflichten finden lassen wird/ soll/ nach Uberfahrung/ hart/ als mit 5. fl./ gestrafft werden. 49. Es sollen auch hinfuͤro die Dorffschafften keinen Schultheissen/ ohne Vorwissen des Renthmeisters/ und Centgrafen oder Amt- Schultheissen/ an und abzusetzen haben/ bey Straffe 10. fl. 50. Wann Guͤter verkaufft werden/ sollen auff 100. fl. mehr nicht als 2. fl. zu Weinkauff gegeben und verzehret werden/ auch der naͤher Gelder dem ersten Kaͤuffer weiter nicht zu erlegen schuldig seyn. 51. Wann Zeugen gefuͤhret/ auch durch Beamten erfordert/ und mit einem leiblichen Eyde beladen werden/ soll Zeugen-Fuͤhrer ieder Person 4. alb. und nicht mehr des Tages/ fuͤr Kost und Versaͤum- niß/ zu erlegen/ auch hinfuͤro die Mahlzeit zu bestellen/ nicht schuldig seyn/ sondern es moͤgen sich die Zeugen ihre Kost und Tranck gegen 4 alb. selbst verschaffen. 52. Endlich/ nachdem sich fast ein ieder in Kauff- und Verkauffen/ item Kinder Rechnung und andern Sachen/ darinn dem Gerichts- Schreiber zu schreiben gebuͤhret/ unterstehet zu schreiben/ dadurch dem- selben/ so hierzu bestellet/ seine Accidentiali en entzogen/ auch die Parteyen offtmals hintergangen und betrogen werden; So wird hier- mit denen Pfarrern/ Schuldienern/ Schultheissen und allen andern insgemein angekuͤndiget und verboten/ daß sie sich solchen Privat- und Winckel-Schreibens hinfuͤro enthalten/ und einen ieden seines Be- ruffs warten lassen/ mit der Verwarnung/ wo sie daruͤber thun werden/ daß solche Schreiben nicht allein ohnkraͤfft- und unguͤltig/ sondern auch unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn in die Straffe/ nemlich 5. fl. ge- fallen seyn/ und an Jhro Fuͤrstl. Durchl. Gerichte geruͤget werden sol- len/ welches ieden Orts Schultheissen in acht zu nehmen/ und die Ver- brecher anzuzeigen und zu ruͤgen haben. Vermoͤge Gerichts-Ordnung Y y y 2 soll IV. Buch/ Cap. XXX. soll ein Gericht-Schreiber/ wann er so lange ausbleibt biß zur Einlaͤutung des Gerichts/ und sich zur gewoͤhnlichen rechten Zeit nicht einstellt/ um ein halb Viertel Wein/ denen Herren Schoͤppen zum be- sten/ gestrafft werden. Jtem. Ein Gerichts-Schoͤppe/ welcher ohne rechtmaͤssige Ursa- che und Erlaubniß des Richters zum Gerichte nicht erscheinet/ muß dem Schoͤppenstuhl ein halb Viertel Wein erlegen. Gleicher Gestalt/ ein Gerichts- Procurator, wann derselbe ohne Entschuldigung einen Tag aussenbleibt/ muß denen Schoͤppen mit ei- nem halben Viertel Wein sich einstellen. Ein Schultheiß aber/ wann er am Gericht ungehorsam verblei- bet/ und zur rechten Zeit nicht erscheinet/ ist denen Schoͤppen mit einem Maß Wein verfallen/ welches der Richter einem iedern/ zu erlegen/ an- zubefehlen. Cent-Beylsteins Beschreibung: wie dessen Bezirck verreinet und versteinet/ von Stein zu Steinen/ als folget: 1. Zu Haussen am Meißner/ an Hꝛn. Emmerichs Wiesselstein/ hebt sich unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn zu Hessen Rheinfels Zent an. 2. Von Hn. Emmerichs Wiesselstein/ an des Meißners Hoͤle/ Ober Ludebach dem Kahlen Rein. 3. Von Meißners Hoͤle an den Schiefferstein. 4. Vom Schiefferstein an den Schweinbul. 5. Vom Schweinbul an den Moͤnchberg/ zum Rietgrunde. 6. Vom Moͤnchberger Rietgrunde an das Muͤnchefeld. 7. Von Muͤnchefeld an den Cholsbach uͤber Vacha. 8. Vom Cholsbach hin uͤber die Werra an die Horn. 9. Von der Horn an den Schambach unter Grebendorff. 10. Von Schambach/ wieder her uͤber die Werra/ an den Dieb- bach. 11. Von Diebbach an den Hanstrauch. 12. Vom Hanstrauch an den Hainbrunn unter Reichen-Sachsen. 13. Vom Hainbrunnen an die Wehre. 14. Von der Wehre heran/ beneben Reichen-Sachsen biß an den Cruͤmbach und Crimberg. 15. Von Crimberg biß an den Segelberg. 16. Vom Von Beylsteinischẽ Gerichts Gewohnheits-Ordnungen. 16. Vom Segelberge an den trieffenden Stein. 17. Vom trieffenden Stein in Niedern Rodebach auff der Schlagwiesen. 18. Von der Schlagwiesen biß auff den Beerberg. 19. Vom Beerberge die Fahrt nach der wuͤsten Kirchen/ und wie- derum an Hrn. Emmerichs obermeldten Wiesselstein. So weit und breit ist unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn Cent gehoͤrig an den Berg zu Beylstein/ ob nun darinn ein Todtschlag/ Beylsteinischẽ Gerichts pein- liches Recht. oder sonsten Criminal -Sache geschaͤhe/ und alsdann das Haupt her- einwerts faͤllet/ oder das factum darinn geschiehet/ so haben unsere gnaͤ- digste Fuͤrsten und Herren daruͤber zu richten und zu straffen. Wofern aber das Haupt hinaus faͤllt/ oder die That auswerts geschehen/ alsdann lassen Jhro Fuͤrstl Durchl. damit gewehren/ die es angehet. Wann auch iemand hieruͤber Gerechtigkeit haͤtte/ wird ihm solche hiermit nicht abgeschlagen. Ruͤge Bericht an die Schoͤppen im Gericht Beylstein/ wie die Bussen unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn zu erkennen. Wann einer jemanden einen Dieb/ unehrlichen Mann/ oder Verraͤther und Moͤrder schilt; oder sagt: Er habe einen bey seinem Weibe Gerichts Bus- sen Schoͤppen Erkaͤntniß. gefunden/ und ihm damit seine Ehre abschneidet; Jtem/ wer einem an seinem Lande ein oder zwey Furchen/ oder so viel Schue abpfluͤget/ oder auch dem andern sein Pflugrecht und Rade-Lauff/ so er an seinem Garten hat liegen lassen/ abhacket oder umackert; Jtem/ wer gnaͤdigstem Fuͤrsten und Herrn zinß- und dienstbare Guͤter heimlicher Weise entwendet/ verschweiget/ Zinse unterdruͤcket und nicht entrichtet; wird erkant an Herrn Gnade 10. fl. oder mit Gefaͤngniß. Wer einen fuͤr ein Schelmen schilt/ wird erkant zu 3. Pfund. Wann einer jemanden einen verlogenen Mann schilt/ 3. Pf. Wer einen luͤgen heisset. 1. Pf. Braun und blau schlagen/ jeder Schlag 1. Pf. Wann einer dem andern den Teuffel flucht 3. Pf. Wer jemanden s. v. einen Fotzen-Hut schilt 3. Pf. Wer jemanden einen Unflath oder Hund schilt 1. Pf. Y y y 3 Wann IV. Buch/ Cap. XXX. Wann einer eine Wehr ruͤckt/ es seyen Barten oder andere/ dieselben gehoͤren dem Richter/ und wird erkant in 20. Pfennige. Wann einer jemanden Wund schlaͤgt oder sticht/ so manche Wun- de/ so manche 3. Pfund. Wer in der Kirchen unter der Predigt von Ober-Stuͤhlen unter die Leute wirfft/ oder sonst Muthwillen treibt 3. Pf. Wer gemeine Wege einnimmt/ verhauet oder zumacht/ daß solches in der Warheit befunden wird/ so manch Nachbar/ so man- che 2. Pf. Und der Schultheiß/ daß er solches verschwiegen 2. Pf. Hierauff folgen nun Eyd-Formuln unterschiedener Gerichts-Bedienten. Von Beylsteinischen Gericht-Schreibers Eyd. Jch N. N. gelobe und schwere hiermit zu GOtt meinem himmli- Gerichtschrei- ber Eyds Jn- halt. schen Vater/ daß ich unsern gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ und dem Gerichte Beylstein getreu/ huld und gehorsam seyn will/ ihren From- men/ Ehr und Nutzen fordern/ auch Schaden warnen/ dem Amt mit schreiben/ lesen und andern/ wie von Alters herkommen/ dienen/ mit der Gebuͤhr nicht uͤbernehmen/ und einen jeden bey seiner Gerechtig- keit bleiben lassen/ wie sich das eignet und gebuͤhret/ und nach meinem besten Verstaͤndniß vor zu seyn/ die Gerichts-Handlungen/ Urtheile/ Contracte und was fuͤr mir gehandelt oder bewilliget wird/ eigentlich auffzeichnen/ und darinn ohne Wissen und Geheiß deren Beamten und Partheyen/ nichts an Substanz der Sachen veraͤndern/ sondern dieselbe nach gewoͤhnlich- und rechtmaͤßigem Stylo formir en und ver- fertigen/ die geheime Sachen/ so ich im Gericht reden hoͤre/ oder von besondern Personen vernehme/ niemanden eroͤffnen/ anzeigen/ auch dafuͤr warnen/ die Gerichts und andere Brieffe/ Urtheile und Schriff- ten/ so fuͤr Gericht und Recht eingelegt werden/ ohn Erlaubniß nie- mand uͤbergeben/ auch denen Gerichts-Vormuͤndern ihre Register mit allem Fleiß wahren/ deßgleichen der Gemeinde zu Abterode ihre Wein-Register gebuͤhrend stellen; Jtem/ deren unmuͤndigen Kinder und dergleichen Register gehoͤrig verfertigen/ daß sie keinen Schaden leiden/ und sonst alles andere thun und lassen/ was einem getreuen/ auffrichtigen Gericht-Schreiber eignet und gebuͤhret/ darinn nicht ansehen Freund- oder Feindschafft/ noch Geschencke darum nehmen/ in keine Von Beylsteinischen Gerichts Eyds-Formuln. in keine Weise oder Wege wie solches immer erdacht werden moͤchte/ alles treulich und ohne Gefaͤhrde/ als mir GOtt und sein Heil. Wort helffe/ in JEsu Christo/ Amen. Der Procurator en Eyd. Jch gelobe und schwere hiermit zu GOtt und seinem Heil. Wort/ meinem gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ und an Statt hochgedachten Jhro Hochfuͤrstl Durchl Beamten und Richtern/ samt allen Schoͤp- pen und Beysitzern des Gerichts Beylstein/ gewaͤrtig und gehorsam zu Beylsteinischẽ Gerichts Pro- curator en Eyd. seyn/ ihre Ordnung/ Geschaͤffte und Gebote zu halten/ die Partheyen und Sachen/ so ich annehme oder mir befohlen werden/ mit gantzen und rechten Treuen meynen/ ihrer Gerechtigkeit nach bestem Fleiß vor- stehen/ rechten und handeln/ darinn wissentlich keine falsch/ unrecht oder gefaͤhrliche Erlaͤngerung gebrauchen/ noch zu suchen unterweisen/ mit denen Partheyen auff keinerley Weise Vorwort oder Gedinge/ um einen Theil wenig oder viel an der Sache zu machen/ haben oder ge- warten/ die heimlichen Rath und Behelff meiner Parthey zu Scha- den niemand eroͤffnen/ das Gericht/ die Gerichts-Herrn und Perso- nen allezeit ehren und fordern/ auch vor ihnen ehrbarlich Rechts ge- brauchen/ alle Laͤsterung bey Straff und Gerichts-Ermaͤßigung vermeiden/ die Partheyen mit unziemlicher Besoldung nicht beschwe- ren/ sondern an deme/ wie jederzeit durch Richter und Schoͤppen ge- ordnet/ oder sonst insgemein gebraͤuchlich/ mich genuͤgen lassen/ der Sachen auch/ die ich einmahl angenommen/ oder so mir befohlen wor- den/ mich ohne redliche Ursachen und Richters Erlaubniß nicht ent- schlagen/ sondern des Rechtens biß zu Ende auswarten/ und sonst al- les andere zu halten thun und lassen/ was einem rechtschaffenen Pro- curatori wohl anstehet/ alles treulich und ohne Gefaͤhrde/ so wahr als mit GOtt helffe und sein Heil. Wort in JEsu Christo/ Amen. Gerichts-Vormuͤnder Eyds Erklaͤrung. Jhr N. N. nachdem ihr durch die Herrn Beamten und Schoͤppen dem gantzen gemeinen Gericht Beylstein zu Vormuͤndern erkohren Beylsteinischẽ Gerichts Vor- muͤnder Pflicht und gewehlet/ auch ietzo in Gegenwart des gantzen Schoͤppen-Stuhls und Umstand des Volcks dazu bestaͤtiget werden sollet/ als muͤsset ihr einen leiblichen Eyd zu GOtt und seinem Heil. Wort schweren/ daß ihr wollet dem gantzen Gericht treulich vorstehen/ desselben Be- stes werben/ Schaden warnen/ und was sich sonst in eurem Amt aus- zurichten IV. Buch/ Cap. XXX. zurichten gebuͤhret/ auffrichtig und getreulich verrichten/ auch alle Gelder/ so ihr einnehmen und ausgeben werdet/ getreulich zu Register bringen/ und davon klare auffrichtige Rechnung thun/ und hierinn euern eigenen Nutzen nicht suchen/ sondern alle dasjenige thun und handeln/ was erbaren/ auffrichtigen und frommen Gerichts-Vor- muͤndern eignet und gebuͤhret; Nach Verlesung des Eydes sollen sie mit Hand gegebenen Treuen angeloben/ daß sie allen diesen Puncten redlich nachkommen wollen/ und also Eyd schweren: Beylsteinischen Gerichts Vormuͤnder Eyd. Alles und jedes/ was uns ietzo vorgelesen worden ist/ demselben wol- len wir in allen Puncten und Articuln treulich und fleißig nachkommen/ so wahr als uns GOtt helffe und sein Heil. Wort/ in JEsu CHristo Amen! Schoͤppen Eyd. Jch N. gelobe und schwere zu GOtt und seinem Heil. Wort/ daß ich denen Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn Herrn Wilhelm und Beylsteinischẽ Gerichts Schoͤppen Eyds Jnhalt. Carln/ Landgrafen zu Hessen/ Reinfels/ Grafen zu Catzen-Elnbo- gen/ Dietz/ Ziegenhain/ Nidda und Schaumburg/ unsern gnaͤdig- sten Fuͤrsten und Herrn/ ingleichen deren Beamten und Dienern/ auch diesem Gerichts Zwang getreu und gewaͤrtig seyn will/ Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. deren Beamten und gemeinen Nutzen/ Frommen/ Wuͤrden und Ehren betrachten/ rathen und fordern helffen/ Schaden warnen und wenden/ als viel mein Verstand erlangt und vermag/ auch mensch- und muͤglich/ ja wenn und wie offt ich neben andern Beysitzern von wegen hochgedachten meinen gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ deßgleichen deroselben Beamten und gemeinen Gerichts we- gen erfordert/ gehorsamlich erscheinen/ ohne ehehaffte Noth oder rechtlichen Urlaub nicht aussenbleiben/ sondern allein solches der Ober- Hand oder Richters Urlaub unterstellen/ und um alles/ was ich neben andern Beysitzern im Gericht um Rath gefragt und vorgetragen werde es belange Leib/ Leben/ Ehre oder Guͤter/ nichts und niemand ausge- nommen/ gleich dem Armen als dem Reichen/ dem Reichen als Ar- men/ Freund als Feind/ und Feind als Freund/ darinn keine Person ansehen/ fuͤrchten oder lieben/ anders denn das Recht vermag/ getreu- lich rathen/ gerecht urtheilen/ erstlich nach goͤttlichen und dann des Heil. Roͤmischen Reichs/ der Heßischen Lands-Ordnung und gemei- nen beschriebenen Rechten/ auch etlichen erbaren und redlichen dieses Gerichts Von Beylsteinischen Gerichts Eyds-Formuln. Gerichts Gewohnheiten/ nach meinem besten Verstand/ darinn nie- manden ansehen noch verschonen/ weder Freund-noch Feindschafft/ weder um Gifft und Gabe noch Geschenck/ dazu was im Gericht und Rath beschlossen/ gerathschlaget und geurtheilet wird/ dasselbe ohne rechtliche Eroͤffnung niemand entdecken/ warnen oder troͤsten/ sondern solches alles absonderlich ins geheim halten und verschweigen/ Fried und Recht nach Vermoͤgen helffen stifften/ erhalten/ vollenziehen/ handhaben/ und insgemein alles andere/ so getreuen/ erbaren und from- men Beysitzern und Urtheilern von Gewohnheit und Rechts wegen gebuͤhret/ zu handeln und halten; Darauff recket er drey Finger auff mit erhabener rechten Hand/ es wird ihm auch alsdann ferner vorge- halten/ daß er dem Richter nachsagen muß/ wie hernach folget: Was mir ietzo mit Worten vorgelesen und fuͤrgehalten worden/ das habe ich wohl vernommen und verstanden/ gelobe und schwere demnach dar- auff mit ausgestreckt und erhobenen Fingern/ daß ich also demselben getreulich/ wie mir ist vorgetragen worden/ nachsetzen will/ so wahr mir GOtt helffe und sein Heil. Wort/ in JEsu Christo/ Amen. Amt-Graͤntz-Schultheissen Eyd. Jch N. gelobe und schwere hiermit zu GOtt und seinem H. Wort/ daß ich Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. deroselben Beamten und Dienern/ Hierbey Jhro Durchl. Titul zu wiederho- len. auch diesem Gerichts-Zwang getreu und gewaͤrtig seyn will/ Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. Hoheit an Graͤntzen/ Holtz und Felde/ gemeinen Wasser und Weyde/ Folge und Steuer/ gemeinen Nutzen/ Fried und Frommen treulich fordern/ Schaden/ Ungluͤck und Zwietracht helffen warnen und wenden/ als viel mein Verstand und Vernunfft vermag/ mir auch mensch- und muͤglich ist/ in allen Fuͤrstl. Sachen/ es sey mit Nachjage/ und belange Dieberey/ Raub oder Todtschlag/ wie das Nahmen haben mag/ zu Tag und Nacht treulich nachsetzen und folgen/ auch sonsten insgemein allem/ was mir von Ober- und Unter-Beamten anbelangt und gefordert wird/ jederzeit treulich aus- richten will/ so viel und hoch mein Verstand vermag/ hochgedachten meinen gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn an Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. Beylsteini- schen Gerichts Gꝛaͤntz Schult- heissen Eyd. hohen Obrigkeits Recht/ es sey im Dorff/ Holtz und Felde/ Gemein- den/ Trifft/ Huth und Weyde/ nichts verruͤcken oder verwenden las- sen; Deroselben armen Unterthanen einem jeden/ was er befugt/ un- angesehen einiger Person/ am Gerichte ruͤgen und vortragen/ niemand seine Ruͤge unterdruͤcken/ oder dem andern schmuͤcken/ sondern jederm/ Z z z was IV. Buch/ Cap. XXX. was er von Rechts wegen befugt/ vorbringen und ergehen lassen/ was Rechtens/ deßgleichen was mir befohlen/ und auff Erfordern jederm Recht zu helffen/ was ihme von GOttes und Rechts wegen gebuͤhret/ so wahr mir GOtt helffe und sein heilig Wort/ in JEsu Christo/ Amen. Hierauff wird dem gantzen Volck folgendes vorgehalten. Umstehenden Volcks An- sprache. Jhr Umstehende/ und sonderlich Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. Un- terthanen/ auch alle/ so deroselben unserer gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herꝛn Erb- und Zinß-Guͤter haben/ denen die Person als zum Schultheissen von wegen Jhro Durchl. angeordnet/ wollen betrachten/ was er fuͤr einen grossen und schweren Eyd und Seelen-Pfand seinet und eurent- wegen thun muͤssen/ so ihme aufferlegt worden/ daß sie ihme demnach in allen billigen Sachen treulich und willig Gehorsam leisten/ aller Beylsteinischẽ Unterthanen Verwarnung. Folge nachsetzen und auffrichtig gehorchen wollen/ so lieb ihnen unserer gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herren Gnade sey/ auch denen/ die ihn nicht eh- ren noch billigen Gehorsam leisten wollen/ viel weniger respectir en/ dafuͤr ihn mein gnaͤdigster Fuͤrst und Herr gesetzt und gehalten haben will/ bey Verlust ihrer Guͤter/ daß sie als Ungehorsame ihrer Straf- fe gewaͤrtig seyn muͤssen/ darnach sich ein jeder Ehrliebender zu richten haben/ und zu halten wissen wird. Kinder Vormuͤnder Eyd. Jhr sollet schweren einen Eyd zu GOtt dem Allmaͤchtigen/ daß ihr Kinder Vor- muͤnder Eyd. deren Kinder/ welchen ihr ietzt zu Vormuͤndern bestellet/ Person und Guͤtern treulich vorstehen/ versehen/ bewahren/ in- und ausser- halb Rechtens beschirmen und vertreten/ was ihnen nuͤtzlich ist/ besten Fleisses vollbringen/ was schaͤdlich/ unterlassen/ auch uͤber die Guͤter ein ordentlich rechtmaͤßig Inventarium auffrichten lassen/ dieselben in euern eigenen Nutzen nicht gebrauchen/ auch ohn Erlaubniß der Obrig- keit von deren liegendem Gut/ und was dafuͤr geachtet/ nichts veraͤus- sern/ verkauffen/ versetzen noch beschweren/ sondern zu gebuͤhrenden Zeiten daruͤber und um alle eure Verwaltung erbare Rechenschafft thun/ auch wann die Kinder zu ihrem rechten Alter kommen/ ihnen die- selben Guͤter wieder zustellen und lieffern/ ja sonst insgemein alles thun/ handeln und lassen sollet/ was einem getreuen Vormuͤnder von Rechts wegen zu handeln thun und lassen/ eignet und gebuͤhret/ bey Verpfaͤn- dung aller euer Haab und Guͤter/ alles treulich und ohne Gefaͤhrde. Folgends Von Beylsteinischen Gerichts Eyds-Formuln. Folgends muͤssen sie mit auffgereckt- und erhabenen Fingern nachsprechen: Was mir ietzo ist vorgehalten worden/ und ich wohl verstanden habe/ demselben will ich in allen Puncten nachleben/ so wahr mir GOtt helffe und sein heilig Wort/ in JEsu Christo/ Amen. Urtheil so zu mercken. Wann nun erster Ehe Kindern Vormuͤnder geordnet/ soll derglei- chen letzter Ehe Kindern auch wiederfahren/ darnach soll ein jeder Erst- und an- den Ehe Kin- der Recht. Stamm seiner Mutter Guͤter zuvor abnehmen/ und alsdann die/ von des Vaters wegen uͤberbleibende Erbguͤter und fahrende Haabe in Haͤupter gleich theilen. Urtheil/ im Gericht Beylstein uͤblich. Wann zwey Eheleute oder zwo eheliche Personen ohne Geschaͤffte und Bedinge zusammen kommen/ und deren eine vor der andern ohne erzeugte Leibes-Erben abgehet uñ verstirbet/ so ist dieses Oꝛts herbracht/ und wird fuͤr Recht erkant/ daß die letztbleibende ihr Leben lang den Usumfructum oder Leibzucht an allen Guͤtern zu geniessen/ und nach Absterben der letzten Person fallen die alten Stamm- und Erb-Guͤter jederm alten Stamm-Erben wieder heim/ was sie aber zusammen er- kaufft/ errungen und erworben/ damit beerben sie einander/ und blei- bet die letztlebende Person mit ihren Erben zu solchen Guͤtern berechti- get; Jngleichen verhaͤlt sichs mit der Mitgifft. Wann auch Ge- schwistern von einem Bande in erster Ehe erzeuget/ ihrer Halbschwe- ster Nachlaß vor der Eltermutter erben wollen/ ist dennoch billig/ daß diese ihrer Tochter Kindes/ vor dessen Halbgeschwistern/ naͤhere Erbin sey. Fluhr-Schuͤtzen-Eyd. Jch N. gelobe und schwere zu GOtt/ meinem himmlischen Va- Fluhr-Schuͤ- tzen Eyd im Gericht Beyl- stein. ter/ daß ich will denen N. ihr Gehoͤltz und Feld mit allem fleissigen Ernst verwahren/ besichtigen und zusehen/ daß ihnen an ihrem Gehoͤltze/ item in ihrer Fluhr an Frucht/ Wiesen und Zaͤunen/ oder in Garten kein Schade geschehe/ und dafern ich einen im Gehoͤltze/ in verbotener Frucht/ in Gaͤrten/ an Zaͤunen oder sonst schaͤdlichen Orten/ Schaden zu thun befinden wuͤrde/ er sey reich oder arm/ pfaͤnden und anschneiden/ auch niemand durch die Finger sehen will/ er sey wer er wolle/ so wahr als mir GOtt helffe/ und sein heilig Wort in JEsu Christo/ Amen. Z z z 2 Gerichts IV. Buch/ Cap. XXX. Gerichts-Knechts Eyds Erinnerung. Jhr N. solt schweren zu GOtt dem Allmaͤchtigen einen Eyd/ nach- Gerichts- Knechts Eyds Jnhalt. dem ihr zum Gerichts-Knecht und Amts-Diener auffgenommen und bestellet/ daß ihr zufoͤrderst allen und ieden herrschafftlichen Sachen/ auch Gerichts- und Amts-Geschaͤfften/ dazu man euch gebrauchen wird/ gutwillig dienen/ der Herrschafft/ Amts und Gerichts Bestes/ und was euch sonst anbefohlen/ bestem Verstand nach pruͤfen und treulich verrichten/ niemand etwas mit Uurecht oder Gewalt ohne Befehl ab- nehmen/ ohne Erlaubniß nicht ausser Dorff und Amt gehen/ alles/ was sich nicht zu eroͤffnen gebuͤhret/ in geheim und verschwiegen halten/ wie ihr euch dann mit Fleiß dahin bestreben sollet/ dieses Amts Gerecht- samkeiten/ und was darinn zu thun oblieget/ zu erlernen/ auch im uͤbri- gen/ wenn Amts- und herrschafftliche Geschaͤffte es zulassen/ in Beam- ten Hauß- und andern Verrichtungen treufleissig an Hand zu gehen/ wie das einem ehrlichen Amts-Diener und Gerichts-Knecht eignet und gebuͤhret; dagegen euch auch aller Schutz versprochen/ auf welches erinnern er/ treulich zu dienen/ angeloben/ und wuͤrcklich also schweren muß: So wahr mir GOtt helffe und sein heilig Wort/ in JEsu Chri- sto/ Amen. Gerichts-Vollmacht Exemplar. Wir zu Ende benahmte saͤmtliche Gerichts-Schoͤppen und Beylsteinischẽ Gerichts Voll- macht Bey- spiel. Vormuͤndere urkunden hiermit und thun bekennen/ daß wir vor uns und unsere Gerichts-Untersassen/ zu Vollfuͤhrung unserer habenden Rechtfertigungs-Sachen entgegen und wider N. N. zu unserm/ und nach unserm Tode unserer Nachfolgern/ ungezweiffelten Redner und Anwalt/ krafft dieses/ den Edlen/ Ehrenvest- und Wohlgelahrten Herrn N. N. und Falls derselbe etwa fruͤhzeitig mit Tode abgienge/ gleichfals den Edlen N. N. als dessen substituir ten Anwalt/ consti- tui ret/ bestellt und benennet haben/ also und dergestalt/ daß wir zufoͤr- derst alles und iedes/ was durch sie und andere Anwaͤlde oder sonst von unsertwegen gehandelt worden/ ratifici ren/ und daß darauff ermeldter Herr/ wie auch auff dessen toͤdtlichen Hintritt vorerwehnter Herr in casum mortis substituir ter Anwald/ in dieser Sachen/ so wohl bey guͤt- lichem Verhoͤren/ als in allen Instan tzen activè und passivè, bey unserm Leben/ und nach dem Tode/ in unser Nachkommenen Nahmen erschei- nen/ allerley Process aus- und wieder einbringen/ fori declinatorias und andere Exceptiones uͤbergeben/ libelli ren/ reconveni ren/ litem con- testi ren/ articuli ren/ respondi ren/ juramentum veritatis, malitiæ, ca- lumniæ, Von Beylsteinischen Gerichts Eyds-Formuln. lumniæ, dandorum, respondendorum, in litem affectionis, æstimationis, purgationis, in supplementum probationis, expensarum, damnorum \& interesse, quartæ dilationis, ejusdemque prorogationis, auch einen ieden andern ziemlichen in Rechten und mit Urtheil aufferlegten Eyd/ etiamsi litis decisorium fuerit, in unser und respectivè Gerichts-Unter- sassen Seele erstatten/ auch vom Gegentheil begehren/ allerley Beweiß fuͤhren/ derentwegen alle Nothdurfft verhandeln/ dieselbige tuir en/ wi- der gegentheiligen Beweiß auch sonsten excipi ren/ und respectivè re- plici ren/ duplici ren/ triplici ren/ sigilla \& manus recognosci ren oder dif- siti ren/ in contumaciam procedi ren/ dieselbe purgi ren/ zu Bey- und End-Urtheil beschliessen/ die zu eroͤffnen bitten/ anhoͤren/ annehmen/ dawider auch sonst restitutionem in integrum, da es noͤthig/ begehren/ appelli ren/ querelam nullitatis gebrauchen und ausfuͤhren/ expensas, damna \& interesse designi ren/ zu taxi ren bitten/ dieselbe/ auch was in der Hauptsachen erkannt und taxi rt/ erheben/ empfangen/ dafuͤr quitti ren/ auch in Executione von unsertwegen/ oder in Gerichts-Untersassen Nahmen/ activè vel passivè, biß zur gaͤntzlichen Eroͤrterung des Puncti Executionis, alle Nothdurfft uͤbergeben und verhandeln/ einen oder mehr Nach- und Affter-Anwaͤlde/ so offt ihm beliebig/ substitui ren/ re- voci ren- und sonst alles andere thun und lassen solle/ das wir/ oder nach unserm Tode unsere Nachkommen/ selbst zugegen iederzeit handeln/ thun und lassen solten/ koͤnten oder moͤchten/ und da ermeldter unser con- stitui rt oder substituir ter Anwalt eines weitern Gewalts/ dann hierinn begriffen/ beduͤrfftig waͤre oder seyn wuͤrde/ denselben wollen wir in un- serm und unser Nachfolger Nahmen ihnen hiermit am aller kraͤfft- und bestaͤndigsten/ wie das vermoͤge deren Rechten und de stylo wohl- gedachten Gerichts geschehen soll kan oder mag/ auch gegeben haben; Was denn nun obgemeldter Herr unser Anwalt/ und nach seinem To- de der substitui rte Herr/ also wie vorsteht/ handeln/ thun und lassen werden/ das versprechen wir vor uns und unsere Nachkommen/ auch Gerichts-Untersassen stets/ fest und unverbruͤchlich zu halten/ auch sie beyde Anwaͤlde/ und ihre substituir te Affter-Anwaͤlde/ in unser und un- ser Nachfolger Nahmen/ aller Buͤrden der Rechten/ præsertim satis- dationum de judicio sisti \& judicatum solvi, zu entheben/ und allerdings schadloß zu halten/ bey habhaffter Verpfaͤndung unser itziger und unser nachlassender Haab und Guͤter/ so viel hierzu vonnoͤthen/ ohne Gefaͤhr- de/ dessen zu wahrer Urkund haben wir Endes Benannte dieses eigen- haͤndig unterschrieben/ und durch unsern Centgraͤven oder Amts- Z z z 3 Schult- IV. Buch/ Cap. XXX. Schultheissen/ mit beygedrucktem Amts-Siegel ratifici ren lassen/ so ge- schehen an Ort und Ende/ Jahr und Tage Zeiten. Gericht Beylsteins Wuͤstungen/ so an benannte Doͤrffer gehoͤren/ und wohin sie uͤbernaͤchtige Dienste thun/ Beylsteinischẽ Gerichts Wuͤ- stungen. Als: Vierbach zu Reichen-Sachsen Brausdorff zu Wipperode an das Gerichte. Catterbach und Kopfferbach an Abterode. Eichenberg an Cammer- bach. Oberndorff an Franckershausen. Rudelshausen ist zu Cap- pell. Hetteroda an Eltmannshausen. Bornershausen an Obern- Hona. Born an Orfferode. Wassenhausen an Niedewitzhau- sen. Welffterode an Vockerode. Niedern Rodebach an Ober- Rodebach. Nieder-Honischen Ackerbau zugehoͤrige Doͤrffer. Niederhoni- schen Acker- baus Dienste. Als: Niedern-Hona/ Obern-Hona/ Eltmannshausen/ Nauts- hausen; Diese muͤssen den Ackerbau/ wie sichs gehoͤret/ ausstellen und besamen/ auch Mist daselbst hinaus fuͤhren. Jtem/ alle Fruͤchte binden/ schneiden und einfuͤhren/ wie ingleichen Hafer und Graß- Mah. Hierzu muß Vierbach Wuͤstung in jeder Feld/ theils vor Esch- wege gelegen/ 7½. Acker pfluͤgen. Obige Dorffschafften muͤssen auch die Wiesen/ so hinterm Leich- berge gelegen/ und in die Schaͤfferey Niedern-Hona gehoͤrig/ iedes Jahr/ eins ums ander/ das Graß mehen und einbringen/ welches die Gerichts-Vormuͤnder verlohnen. WollenschaarDienste. An die Schaͤferey zur Wollen-Schaar geben an Mannschafft: Abterode - 4. Franckershausen 6. Obern-Hona 3. Duderode - 2. Franckenhain. 4. Vockerode - 5. Weydenhausen 3. Eltmannshausen 2. Mann. Huͤtzerode - 2. Mann. Wellingerode 2. Mann. Mann. Centgraͤfen Bestallung. Von dieser Wollen-Schaar hat der Centgraͤve oder Amts- Schultheiß/ wegen seiner Dienst-Bestellung/ jaͤhrlich ein Fließ Wollen. Jtem von Dorffschafften das Kaͤse-Geld auf ieden Trifft Ham- mel 10. alb. Strols- Von Beylsteinischen Gerichts Aecker-Diensten. Strolshaͤusischen Ackerbau zugehoͤrige Doͤrffer. Als Abterode/ Wellingerode/ Weydenhausen. Diese muͤssen den Strolshaͤusi- schen Acker- baus Dienste. Acker/ wie sichs gebuͤhret/ dreymahl pfluͤgen/ und zur Saat be- stellen; Hetteroda Wuͤstung thut zu diesem Ackerbau das Egen; Die Nautshaͤuser aber verrichten das Saͤen. Jtem/ obgesetzte Doͤrffer muͤssen Disteln/ Korn und Frucht schneiden/ auch einfuͤhren. Hieran helffen Frucht schneiden Vockerode/ Germerode/ Brausdorff Wuͤstunge. Jtem daselbst im Graß und Hafer hauen/ helffen diese itzt benannte und Abterode/ Wel- lingerode/ Weydenhausen/ welche alle auch Heu und Hafer ein- fuͤhren/ ingleichen den Mist/ aus der Rentherey Eschwege/ wie auch Eltmannshausen Mist zu fuͤhren schuldig ist. Jtzt vorbemeldte Dorffschafften bekommen vom Kornschnitt und andern Fruͤchten aus der Fuͤrstlichen Rentherey Brodt und Bier; welche aber den Hafer hauen/ bekommen aus Fuͤrstlicher Schaͤfferey Niedern Hona einen guten Hammel/ davon der Centgraͤve oder Amts- Schultheiß zu Abterode eine Hinter Keule und das Fell bekommt. Pflug-Guͤlden Verzeichniß/ wornach die uͤbernaͤchtige Dienste geheissen werden. Niedern Hona - 11½. fl. Obern Hona - 6. fl. Eltmannshausen - 5⅛. fl. Weydenhausen. - 6. fl. Wellingerode/ Abterode/ Germerode/ Vockerode/ jedes 4. fl. An diesen gehen ab des Vogts 2. Huffen. Wolffterode 2. fl. Franckershausen 4. fl. Franckenhain 2½. fl. Duderode 2. fl. Cammerbach 3. fl. Orfferode 4. fl. Huͤtzerode 2½. fl. Wuͤstungen Hetterode - 2. fl. Wassenhausen ⅓. fl. Boͤrnershausen 1. fl. Vierbach 1½. fl. Brausdorff 3. fl. Nieder-Rodebach 1½. fl. Born 2. fl. Welffterode ⅓. fl Kupfferbach - 1. fl. Klosterdoͤrffer; Bernsdorff 1½. fl. Alberode. 1. fl. Ober-Rodebach 1½. fl. Am Hofe zu Welffterode muͤssen am Ackerbau und sonst dienen. Als: Franckershausen/ Franckenhain/ Cammerbach/ Orfferode/ Huͤ- Hofe-Dienste nach Welffte- rode. tzerode; Diese muͤssen den Ackerbau/ wie sichs gebuͤhret/ drey- mahl mit pfluͤgen zur Saat bestellen/ ingleichen die Fruͤchte ein- fuͤhren und den Mist ausbringen. Dude- IV. Buch/ Cap. XXX. Duderode muß zum voͤlligen Ackerbau das Egen verrichten und Mist laden. Das Korn und andere Fruͤchte muͤssen schneiden/ item Disteln/ Weiden abhauen und einfuͤhren/ neben andern gebuͤhrenden Hand-Diensten/ als Franckershausen/ Franckenhain/ Dude- rode/ Huͤtzerode. So muͤssen auch besagte Doͤrffer/ neben Korn und andern Fruͤchten/ den Hafer hauen und auffsamlen/ ausser Orfferode und Cam- merbach verrichten solche Dienste nach Germerode. Fruchtbinden muͤssen die Koͤthhofer zu Abterode und Franckers- hausen thun. Folgende Doͤrffer im Gericht Beylstein muͤssen das Graß auff der Baustaͤtte mehen/ machen und einbringen. Als: Duderode/ Cammerbach/ Orfferode; Huͤtzeroda aber muß neben der Baustaͤtte die lange Wiesen mehen/ machen und ein- bringen. Franckershausen Franckenhain diese muͤssen auch/ beneben der Baustaͤtte die Teich-Wiesen zu Wolffterode mehen/ machen und einbringen. Abterode und Wellingerode muͤssen die Scheide-Wiesen mehen und machen; die Muͤnchhoͤfer aber solches Heu einfuͤhren. Das Graß auff dem Meißner muͤssen mehen/ machen und einbringen/ als Germerode/ Vockerode/ Wolffterode/ Franckershausen/ Franckenhain/ Duderode/ Cammerbach/ Orfferode/ Huͤtzerode/ Abterode/ Weidenhausen/ Wellingerode/ Brausdorff/ so viel ieder Dorff Trifft-Hammel giebt/ so viel muß iedes Meher herthun; dagegen bekommen sie aus Fuͤrstlicher Rentherey Eschwege ein Faß Bier von 4. Zober/ eine Seite Speck/ andert- halben Malter Korn zu Brodt/ 2. Haͤmmel von der Schaͤfferey Niedern Hona/ oder Welffterode die Morgen-Suppe mit Butter. An den Wehrbau zu Eschwege muͤssen Baͤume/ Steine/ Wehrwellen und anders fahren/ auch Hand- und Gehe-Dienste verrichten/ Als: Niedern Hona/ Obern Hona/ Eltmannshausen/ Weyden- hausen/ Wellingerode/ Abterode/ Germerode/ Vockerode/ Wolffte- Von Beylsteinischen Gerichts Frohn-Diensten. Wolffterode/ Franckershausen/ Franckenhain/ Duderode/ Dienste zum Wehrbau. Cammerbach/ Orfferoda und Huͤtzeroda; So muͤssen auch alle diese Doͤrffer an das Fuͤrstl. Hauß Eschwege alle Fahr- und Gehe- Dienste/ item alles/ was man sie im Garten heisset/ thun und verrichten. Jtem/ am Fuͤrstl. Hauß Eschwege muͤssen Fuͤrsten Wellen auch Amt- manns Bestallungs Wellen fahren/ als/ Niedernhona/ Obern- hona/ Eltmannshausen/ Weydenhausen/ Wellingerode/ Abte- rode/ Germerode/ Vockerode/ Wolffterode/ Franckershau- sen/ Franckenhain/ Duderode/ Cammerbach/ Orfferode/ Huͤtzerode; Jngleichen die Wuͤstungen Born/ Welffterode/ Hetterode/ Bornershausen/ Vierbach/ Wassenhausen/ Braus- dorff/ Nieder-Rodebach; Die Germeroͤder Closter-Doͤrffer und Wuͤstungen/ als Bernsdorff/ Alberode/ Obern Rodebach thun an das Fuͤrstl. Hauß Eschwege nichts/ sondern ans Closter. Wein-Ohm Gebuͤhr zu Abterode im Gericht Beylstein. Wann Rechnung gehalten wird in jederm Qvartal/ gebuͤhret dem Wein-Ohm- und Eichge- buͤhr Recht. Richter ein Faß/ und von jederm Faß/ so geohmet wird/ es sey klein oder groß/ ein Maaß Wein/ und dem Gerichtschreiber ein halb Maaß/ item die Acciser beneben den Weinmeistern bekommen auch von jederm Faß 2½ Maaß/ zum Eichgebuͤhr; hieruͤber muß der Wirth in der Schencke jedes Qvartal drey Orthsthaler erlegen/ welches er darnach/ wann etwas von Essen und Trincken auffgetragen wird/ davon ab- ziehen mag; So muͤssen auch deren Weinmeister Weiber/ welche zum Convivio mit geladen werden/ jede einen guten Kuchen backen und mitbringen; und solches ist also gebraͤuchlich befunden von Anno 1634. notir et durch Johann Mosebach Gericht-Schreibern. Brau-Ordnung zu Abterode im Gericht Beylstein. 1. Nachdem die Gemeinde daselbst des Bierbrauens berechtiget/ ist erstlich geordnet/ weilen die Pfannen und Brau-Zeug von Tag zu Brau- Guͤlden und Pfannen Gelds Gerech- tigkeit. Tage baufaͤllig werden/ daß ein jeder/ welcher sich in Gesellschafft zu brauen geben und brauen will/ zuvorn aber/ wie vor Alters geordnet/ seinen Brau-Guͤlden noch nicht entrichtet/ nunmehro einen harten Rthlr. zum Pfannen-Geld geben soll. A a a a 2. Deß- IV. Buch/ Cap. XXX. 2. Deßgleichen soll ein jeder Brauer fuͤr jedem Gebrau einen har- ten Rthlr. geben/ und denen verordneten Braumeistern zu berechnen/ ohnsaͤumig lieffern. 3. Und damit keiner fuͤr dem andern/ wie bißhero geschehen/ einfallen Brau-Loß Recht. oder einander hinderlich seyn/ sondern alles ordentlich zugehen/ und aller Zwiespalt verhuͤtet werden moͤge/ so sollen diejenigen/ welche sich des Brauens befleißigen/ mit einander losen/ und solches auff einen Sonntag nach gehaltener Predigt vor der Kirchen denen Nachbarn oͤffentlich ankuͤndigen lassen/ daß sich ein jeder darnach zu richten wisse. Loß-Finantze- rey verboten. 4. Es soll aber mit den Loͤsern keine Finantzerey und Kauffschlag getrieben werden/ sondern ein jeder soll sein Loß/ so er bekommt/ entwe- der selbst brauen oder fallen lassen; jedoch soll keinem verboten seyn/ so ihme sein Loß etwa gar ungelegen seyn wuͤrde/ mit einem andern zu tauschen und umzusetzen/ so ferne kein Betrug darinnen steckt/ bey welchem aber in acht zu nehmen/ daß solches so bald nach der Losung geschehen muͤsse/ damit sich ein jeder schreiben lassen koͤnne. 5. Da aber Amts-Diener waͤren/ so einen oder mehr frey Gebraue haͤtten/ soll ihnen hierdurch nichts benommen seyn/ sondern vor/ in und nach dem Losen/ ihres Gefallens zu brauen/ gutẽ Fug und Macht haben/ doch daß sie sich zuvorn anzeigen/ damit sich die andern darnach zu richten. 6. Wer auch etwan verhindert wuͤrde/ oder sonst nicht fortkommen kan/ daß er sein Loß muͤste fallen lassen/ der soll solches dem Brau- meister acht Tage zuvor anzeigen. 7. Da auch der Abgang des Biers nicht so groß/ so soll keiner den Bier-Brauer Ordnung wie zu halten. andern uͤbereilen/ sondern dahin gesehen werden/ daß man die Ge- braͤu nicht uͤber einen Hauffen jage/ und hernach andere Zeiten nichts habe/ oder Mangel leiden muͤsse/ auch daß der arme Mann/ welcher nicht so wohl als der Vermoͤgende fortkommen kan/ nicht zuruͤck ge- setzt werden moͤge; dabey denn auch diese Ordnung gehalten werden soll/ daß einer nach dem andern/ wie sie gebrauet/ ihr Bier in gemeine Schencke einlegen/ und keiner vor dem andern einfallen solle/ der erste habe dann sein Bier gantz verkaufft. Bier Mangel wie zu ersetzen. 8. Da aber der Abgang des Biers groß/ soll ein jeder Brauer ver- bunden seyn/ zum geringsten zwey Faß Bier von einem Gebrau in gemeinen Keller einzulegen/ und da grosser Mangel Biers halben vor- fallen wuͤrde/ mag der Jnhaber des Zapffens mehr einlegen/ soll auch fuͤr andern den Vorzug haben/ das uͤbrige mag ein jeder seines Ge- fallens Von Beylsteinischen Gerichts Brau-Ordnung. fallens ausser der Gemeine an gantzen Stuͤcken verkauffen/ aber kei- nes mit Kannen ausmessen/ und welcher dawieder handelt/ soll mit ernster Straffe beleget werden/ und der Wirth befugt seyn/ darauff fleißige Auffsicht zu haben/ und denen/ welche diesem zu wieder han- deln/ auff der Strasse das Bier abzunehmen. 9. Ferner soll ein jeder Brauer/ wann er sein Maltz hat/ und zum Maltz Beschaf- fenheit. Brauen geschickt ist/ sich bey denen verordneten Brau- oder Pfann- meister angeben/ sein Maltz durch dieselben besichtigen und messen lassen/ und da er kein tuͤchtig Maltz haͤtte/ moͤgen sie ihm solches unter- sagen und nicht zulassen/ er schaffe denn etwas anders/ so tuͤchtig und zulaͤßig. 10. Zu einem Gebraue aber soll man haben siebenzehn Malter gu- Maltz- und Hopffẽ Brauch Gerechtigkeit. ten tuͤchtigen Maltzes/ halb Andachts Gersten/ halb Dinckel/ oder so er keinen Dinckel haͤtte/ sondern eitel Gersten/ soll man an statt eines Malter Dinckels drey Leymes Gersten Maltz passir en lassen/ Hopffen mag ein jeder nach Guͤtigkeit sehen/ weiln er nicht alle gleich/ damit er dessen genung auffschuͤtte. 11. Auff solches Maltz mag man 58. Zobber und nicht mehr brauen lassen/ da dann ein jeder dahin zu sehen/ daß ers also mache/ daß ers Vielheit deren Zobber zum Brauen. an den Mann bringen kan/ im Fall aber solches nicht geschicht/ soll die Gemeinde Macht haben/ solches auff geringern Werth zu ersetzen. 12. Was das Covent anlangt/ soll es folgender massen gehalten werden/ als nemlich/ von der ersten Pfanne soll der Brauer mehr nicht dann zwoͤlff Eymer/ die Braumeister jeder sechs/ wie auch drey Helf- Covents Ver- kauff-Oꝛdnung fers-Knechte und der Bierfuͤhrer/ jeder sechs Eymer haben/ und ihnen dieselben durch die Braumeister zumessen lassen/ im uͤbrigen soll die andere Pfanne gleichaus vermessen werden/ der Brauer aber mag zusehen/ das Geld auffnehmen/ und den Eymer fuͤr einen dreyer/ biß zu fernerer Verordnung/ geben. 13. Was die Treber anlangt/ so bißhero die Metze um zween Dreyer verkaufft worden/ mag es nochmahls biß zu fernerer Verordnung da- Treber Gerech- tigkeit. bey gelassen werden/ da aber der Brauer solches zu seinem Vieh selbst von noͤthen haͤtte/ soll er dieselbe zu verkauffen nicht gezwungen werden. 14. Endlich/ wann der Brauer sein Bier und andere Sachen aus dem Brauhauß gebracht/ soll er die Pfannen und das Braugezeug Brauer Pflicht wegen Brau- hauß. sauber/ rein/ beneben dem Schluͤssel zum Brauhauß den Braumei- stern liefen/ welche dañ darauff mit sonderbarem Fleiß zusehen/ und was straffbar ist anzeigen und zu Register bringen sollen. A a a a 2 15. Ge- IV. Buch/ Cap. XXX. Brauordnung Ubertreter Straffe. 15. Gegen solche Muͤhe sollen einem jeden seine sechs Eymer Co- vent und sechs Metzen Treber von jederm Gebrau gefolget werden; und damit diese Brau-Ordnung in allen ihren Puncten und Clausuln steiff/ fest und unverbruͤchlich gehalten werden moͤge/ so wird hiermit geordnet/ daß derjenige/ so in einem oder andern derselben boßhafftig zu wider handeln wuͤrde/ jedesmahl/ so offt es geschehen/ zween harte Rthlr. die Helffte gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ und die andere Helffte dem Brauhause zum Besten/ zu unnachlaͤßiger Straffe erle- gen/ und denen Braumeistern zu berechnen ohnsaͤumig zustellen solle. Brau-Ord- nungs Wie- dersetzungs- Straffe. 16. Da sich aber ein oder ander solchem wiedersetzen/ die Straffe nicht achten/ und das Verbrechen so groß seyn wuͤrde/ soll derselbe un- serm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn am Gerichte um 5. fl. unnach- laͤßiger Straffe geruͤget werden/ und gleichwohl mit der Gemeine Abtrag machen. Brau- oder Pfannenmei- ster Straffe. 17. Da auch die Brau- oder Pfannenmeister/ so hierzu geordnet/ daß sie gute Auffsicht haben sollen/ einem oder andern durch die Finger sehen/ und sein Verbrechen nicht anzeigen oder straffen werden/ sol- len sie mit der verordneten Straffe angesehen und beleget werden. 18. Schließlich ist geordnet/ so offt die Brauer durch die Braumei- Braugesell- schafft Recht wegen frischen Pfannen-Gel- des. ster auffgeboten und zusammen gefordert werden/ und ein oder ander etwan ausbleibet/ soll er schuldig seyn/ solches mit 3½ alb. zu verbuͤs- sen/ und da er sich dieser Straffe wiedersetzen wuͤrde/ soll er sich da- durch der Braugesellschafft verlustig gemacht haben/ auch schuldig seyn/ dafern er wieder brauen will/ solche auffs neue zu kauffen/ und wiederum einen Rthlr. Pfannen-Geld zu erlegen/ es waͤre denn/ daß er nicht einheimisch gewesen/ oder sich sonst mit der Warheit Bestand zu entschuldigen wuͤste; welches observi rt von An. 1629. also noti rt/ von Henrich Pfeffer/ damahligem Gerichtschreiber. 19. So viel das gemeine Zapffen- oder Weinschencken-Geld an- Weinmeiste- rey Recht. langet/ daruͤber sich die Gemeinde beschweret/ daß sehr wenig insge- mein vorhanden/ und damit kein Nutzen geschafft wird/ ist befohlen/ daß solches in Vorrath geschafft/ und deßwegen die Einwohner in Hafft gelegt werden sollen/ da es zu exequir en noͤthig; Die Wein- meisterey aber betreffend/ soll deren einer hinfuͤhro jaͤhrlich auff Tri- nm Regum, wegen unserer gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ durch hiesi- ge Beamten/ der andere durch die gantze Gemeinde erwehlet/ und sonderlich dazu beeydiget werden. 20. So Von Beylsteinischen Gerichts Brau-Ordnung. 20. So soll nun mit dem Bierbrauen die Ordnung/ wegen Losen Weinmeister Pflicht auch Weinkauffs Gerechtigkeit. und Straffe belangend/ in ihrer Krafft bleiben/ iedoch daß jaͤhrlich auff trium Regum vier ehrliebende Maͤnner aus der Gemeinde erwehlet/ und denen beyden Weinmeistern zugeordnet werden/ welche eines ieg- lichen/ so da brauet/ er sey auch wer er wolle/ sein Bier schmecken und versuchen sollen/ auch nach seiner Beschaffenheit Befindung/ das- selbe in dem Werth/ darauff es gebrauet/ lassen/ oder nach seinen Wuͤr- den geringer setzen/ und wenn etwa Weinkaͤuffe in der Schencke vor- fallen/ sollen sie unten in der grossen Stuben oͤffentlich getruncken wer- den/ und iederm/ der zur Gemeinde Abterode gehoͤrig/ frey stehen/ den- selben mit zu geniessen. 21. Betreffend die Wein- und Biermasse/ so taͤglich beym Zapfen Wein- und Bier-Masse Recht. gebraucht werden/ sollen von Messing gemacht/ und zu Eschwege ge- eichet seyn/ wie ingleichen die Brantwein-Masse/ worauff die Wein- meister sehen sollen/ daß denen Leuten damit gemessen werde. 22. Endlich/ die gemeine Erbzinß von Baustaͤtten und der Fleisch- huͤtten belangend/ sollen von der Zeit an/ als dieselbe hinter- und ruͤck- staͤndig verblieben/ durch Gemeinde Dorffs Vormuͤnder/ eingemah- net/ uñ der Gemeine zu gute berechnet werden. Actum \& signatum Abte- rode/ den 2. Martii, Anno 1641. durch Heinrich Muldner/ Renthmei- meister; Andreas Becker/ Centgraͤve; Christoff Frohne/ Landknecht; Christoph Coblentz/ Gericht-Schreiber. Fleischhauen und Verkauffens Ordnung im Amt Beylstein. 1. Die Fleischhauer sollen/ an iedem Ort/ kein gebrechlich Vieh kauffen/ vielweniger schlachten es sey dann zuvor durch verordnete Schaͤtzer besichtiget/ fuͤr gut und tuͤchtig gnugsam erkant/ bey Straff- Busse eines Pfunds Hessischer Waͤhrung/ so halb gemeinem Flecken zu ihrer Scharn und Gebaͤu Unterhaltung gebuͤhret. 2. Das geschlachtete Fleisch soll also gantz zu offenem Scharn ge- bracht/ und nicht auffgehauen werden/ es sey dann iedes nach seinem Werth angesetzt/ und nach Gelegenheit der Zeit bey Straffe eines Pfundes Hessischer Waͤhrung geschaͤtzet/ welche Busse halb unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ die andere Helffte zum gemeinen Fle- cken verfallen/ wie obgemeldt. A a a a 3 3. Dar- IV. Buch/ Cap. XXX. Schlaͤchter Recht Fleisch zu verkauffen. 3. Darum soll kein Metzger das Fleisch im Hause verhauen/ aus- waͤgen oder verkauffen/ sondern unter offenem Scharn. Wer nun dawider handelt/ soll/ so manch Pfund er verwogen/ so manch Pfund Geldes/ Hessischer Waͤhrung/ zu Busse geben/ halb unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ und die andere Helffte wie obgemeldt. 4. So sollen auch die Fleischhauer einem ieden/ er sey arm oder reich/ Fleisch verkauffen/ ein halb Pfund/ ein gantz Pfund/ 2. oder 3. Pfund/ wie viel daß ein ieder begehret/ und hierinn kein Ansehen der Person gehalten werden/ bey Busse eines Pfundes/ halb unserm gnaͤ- digsten Fuͤrsten und Herrn/ die andere Helffte wie obgedacht. 5. Es soll auch kein Fleisch verkaufft werden/ es liege denn auf Bre- tern oder auff einem leinen Tuch/ damit ein ieder verwahret sey; wer aber dieses anders haͤlt und befunden wird/ soll es verbuͤssen mit einem Pfund Hessischer Waͤhrung/ halb unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn/ die andere Helffte zur Gemeinde. Metzger und Fleischhauer Ordnung. 6. So soll auch kein gebrechlich oder untuͤchtig Gehenge oder Ein- geweyde verkaufft werden/ es sey dann rein Fleisch und gut; es soll auch niemand genoͤthiget werden/ die Eingeweyde mit dem Fleisch zu kauf- fen/ sondern solches soll zu eines iedern Gefallen stehen/ ob er eines mit dem Fleisch kauffen will oder nicht/ auch bey einem Pfund Geldes Hes- sischer Waͤhrung/ halb zur Herrschafft/ halb der Gemeinde. 7. Die Fleischhauer sollen auch unter ihnen einig seyn/ daß sie die Gemeinden iederzeit mit Fleisch nach Nothdurfft versorgen/ und daß sie nicht alle zugleich kein Fleisch haͤtten; an weme nun/ so offt es geschicht/ der Mangel erfunden/ soll es mit einem Pfund Hessischer Waͤhrung verbuͤssen. Deßgleichen sollen sie das gesetzte Fleisch in seinem Werth und nicht hoͤher verkauffen/ oder eines unter das andere stecken/ und in gleichem Werth verkauffen/ sondern iedes allein/ wie es gesetzt/ widriger Gestalt buͤsset ein solcher auch ein Pfund Hessischer Waͤhrung. 8. Wann ein Fleischhauer mit Frevel-Worten/ oder sonst unllilli- cher Weise/ sich denen verordneten Schaͤtzern widersetzen/ oder einlas- sen wuͤrde/ der soll es mit 3. Pfunden verbuͤssen/ halb zur Gemeinde/ halb unserm gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn. Heßischen Tax-Policey- und Muͤhlen-Ordnung Auszug. Backen und Brodkauffs Ordnung. 1. Von GOttes Gnaden/ Wir Carl/ Landgraf zu Hessen/ Fuͤrst zu Hirschfeld ꝛc. setzen/ ordnen und wollen/ daß die Becker allent- halben Von Heßischen Tax/ Policey und Muͤhlen-Ordnung. halben in unserm Fuͤrstenthum und Landen sich unserer Policey-Ord- nung gemaͤß verhalten/ gut/ schoͤn/ rein und gar Brod und Wecke von gutem Rocken und Weitzen/ mit keinem Gersten oder andern Mehl vermenget/ zu feilem Kauff verbacken/ und dabey des Gewichts halben/ wie auch theuer- oder wohlfeilen Preiß Gebrauch wegen/ dem Frucht Einkauff gemaͤß/ nach jeden Orts Beamten Verordnung sich richten sollen/ bey andern Geld auch des unrecht befundenen Gebaͤcks Verlust und Abnahme Straffe. 2. Dieweil man aus Ungewißheit des Kauffs allen und jeden Staͤdten keinen gewissen Satz des Fleisch-Kauffs machen kan/ sollen jedern Orts Schaͤtz-Meister geordnet werden/ welche dazu beeydiget seyn/ daß sie von Metzgern den Einkauff ihres gekaufften Viehes/ das sie schlachten und verkauffen wollen/ erforschen/ (die ihnen auch den- selben bey ihrem Gewissen getreulich zu offenbaren schuldig/ oder ihres Viehes/ da sie unrecht befunden/ verlustig seyn sollen) und das Pfund Fleisch nach billigem Werth/ jedesmahl wuͤrdigen und schaͤtzen/ auch solches auff ein Taͤflein verzeichnet vor die Fleisch-Baͤncke oder an Fleisch-Marckts Ort haͤngen lassen/ und sonst fleißige Auffmerckung haben sollen/ damit im Gewicht kein Vortheil gesucht noch gebraucht/ sondern dasselbe zum wenigsten alle 4. Wochen einmahl probi rt wer- de/ wie sie sich denn alles eigennuͤtzigen Vortheils/ Unterschleiff und Partheylichkeit bey Vermeidung unnachlaͤßiger Straffe gaͤntzlich ent- halten sollen. Als zur Probe: Wann ein auslaͤndischer feister Ochse gekaufft fuͤr 20. Rthlr. und daruͤber sollen sie das Pfund Fleisch auff 16. Heller und Ochsen/ Rind- und Kalbfleisch Schaͤtzung. nicht daruͤber schaͤtzen. Caldaunen samt dem Rothen kein Fett daraus genommen/ das vierdte Theil 8. alb. Kopff mit Maul und Gehirn 8. alb. Lunge/ Hertz und Leber 8. alb. Zunge nach ihrer Guͤte 6. 7. biß 8. alb. vier Fuͤsse 4. alb. Was aber von inlaͤndischem Rindvieh oder Kuͤhen gekaufft unter 20. Rthlr. mag nach Guͤtigkeit das Pfund 12. à 15. Hell. auch Caldaa- nen und anders etwas geringer gesetzt und geschaͤtzt werden. Kalbfleisch vom besten/ wann es 40. Pfund und daruͤber wieget/ das Pfund 9 Heller/ wann es nun unter 40. Pfund wieget/ auff 8. Heller oder darunter; Kopff 3. à 2½ alb. Solte aber ein Kalb ohne das Ein- geraͤde unter 25. lb. wiegen/ soll es der Obrigkeit verfallen seyn/ und de- nen Armen in Siechen- und Gotteshaͤusern gegeben werden. Ham- IV. Buch/ Cap. XXX. Hammelfleisch soll vor 8. biß 12. Heller nach seiner Guͤtigkeit taxi rt und nicht daruͤber geschaͤtzt werden/ es soll aber Lunge/ Leber und Hertz nicht mit gewogen/ sondern absonderlich verkaufft werden/ als Hammels-Kopff 1. alb. Jngeraͤde 1½ alb. Lunge/ Leber und Hertz 1½ alb. vier Fuͤsse 4. Heller. Von guten fetten Hauß-Hammel mag man das lb. setzen auff 16. biß 18. Heller. Schaaf-Fleisch von 6. biß 8. Heller. Schweinfleisch vom besten 1. lb. 2. alb. das andere geringer. Eine Brathwurst 2. alb. eine rothe oder weisse Wurst 2. alb. oder 18. Heller. Saͤu-Kopff und Fuͤsse/ nach Gewicht 2. lb. fuͤr 1. lb. dem Fleisch gleich; Hochruͤcken das lb. 2. Heller geringer als das Fleisch. Eine Magen-Wurst 3. alb. 6. Heller. Hirnwurst 4. alb. 6. Heller. Und damit die Fleischhauer ohne Schaden/ sollen Unterthanen ein Kalb oder Ham̃el-Stuͤck nicht hoͤher als 1. Guͤlden 10. alb. geben/ es waͤre denn ein feister Hauß-Hamel/ der ein mehrers werth sey. Ein gut Lamm sollen sie verkauffen fuͤr 13. alb. und nicht daruͤber. Eine junge Ziege und ein Spanferckel/ jedes fuͤr 10. alb. Eine Gans um Pfingsten 5. alb. um Michaelis fuͤr 8. alb. Eine Ente 4. alb. ein Welsch-Hahn oder Huhn nach Guͤte 16. alb. oder 1. fl. nicht daruͤber. Einen Capaun oder Caphan nach Guͤte von 8. biß 12. alb. Ein Huhn 3. alb. ein Hahn 2. alb. ein Paar junge Hanen 3. alb. Ein Paar Tauben 2½ alb. ein Klop Sprien von 10. fuͤr 2. alb. Eine Steige Eyer von Ostern biß Johannis 3. alb. foͤrders hinaus aber 4. auffs hoͤchste 5. alb. ein Klop Sperling von 10. fuͤr 1. alb. 3. Ein Pfund lebendiger Hecht soll man nich theurer denn fuͤr 3. alb. geben. Fischwercks Preiß. Barben/ Aal/ Brathfisch oder Barsch 1. Pf. fuͤr 1. alb. 6. Heller. Ein Pfund Karpen fuͤr 2. alb. ein Schock Krebse fuͤr 6. alb. Ein Maaß Grundeln vor 10. oder nach Gelegenheit 12. alb. Andere kleine Fische/ auch Blecken/ 1. Pfund fuͤr 8. Heller. 4. Die Hoͤcker sollen gute frische und tuͤchtige Waaren feil haben/ und in nachfolgenden Taxt und Werth auswiegen und verkauffen: Wann das Faß Butter mit Unkosten gilt 14. thlr. kostet das lb. 2. alb. 2. Heller. Wann Von Heßischen Land-Tax-Ordnung. Wann der Centner geschmoltzene Butter mit Unkosten kommt auff Hoͤcker um Hoͤcker-Waa- ren Recht. 7. Rthlr. soll das lb. verkaufft werden fuͤr 2. alb. 4. Heller. Wann Hollaͤndische Kaͤse 100. lb. 2. Rthlr. kosten/ soll das lb. 8. Hel- ler gelten. Hundert lb. Friesisch oder gruͤn Kaͤse 3. Rthlr. thut zu verkauffen 1. lb. 4. Heller. Wann die Tonne Brandhaͤring mit Unkosten 5. oder 6. Rthlr. gilt/ soll man einen Haͤring fuͤr 2. Heller. Circkelhaͤring aber/ wann die Tonne 4. Rthlr. kostet/ 3. Heller geben. Wann ein Wisch Buͤckling fuͤr 1. Rthlr. kommt/ soll man das Paar 2. à 3. Heller geben. Wann 100. lb. Stockfisch 3. Rthlr. kosten/ waͤre das lb. zu verkauffen fuͤr 14. Heller. Platteissen oder Schollen/ die Zahl fuͤr 3. Rthlr. kostet das Paar von grosser Gattung 1. alb. 9. Heller. Mittelgattung 1. alb. 2. Heller. Kleinesten 6. Heller. Von Duͤrren-Berger Lachse 3. lb. fuͤr 1. thlr. soll man geben fuͤr 1. lb. 11. alb. 8. Heller. Schoͤnhauer Lachs 2. lb. fuͤr 1. thlr. soll man das lb. verkauffen fuͤr 18. alb. Bremer Lachs 1. lb. fuͤr 1. thlr. soll es wieder gelten 36. alb. Labertan/ Cabliau/ Schell- und Reinfisch/ wann die Tonne mit Unkosten auff 4. Rthlr. koͤmmt/ soll man das lb. wieder verkauf- fen fuͤr 6. Heller. Gesaltzen Hechte/ die Tonne auff 6. Rthlr. gilt das lb. wieder 1. alb. 4. Heller. Wann das Faͤßlein Bricken 1. Rthlr. kostet/ soll 1. Paar wieder gel- ten 5. Heller. Ein Centner Unschlitt und Lichter 5. Rthlr. soll das lb. kosten 1. alb. 8. Heller. Thran und Saalfett/ die Tonne à 7. Rthlr. soll das Maaß gelten 3. alb. 8. Helier. Wagenschmeer/ die Tonne auff 3. Rthlr. verkaufft man das Pfund fuͤr 4. Heller. Wann Honig die Tonne 6. Rthlr. kommt/ soll das Pfund wieder kosten 9. Heller. Speck/ ein Centner 6. Rthlr. soll man das Pfund wieder verkauffen fuͤr 2. alb. Baum-Oehl 5. Pfund fuͤr 1. Rthlr. soll man geben fuͤr 1. lb. 7. alb. B b b b Lein- IV. Buch/ Cap. XXX. Lein- und Ruͤb-Oehl wird verkaufft/ nach dem die Frucht theuer ist/ das Maaß 6. à 10. alb. Ein Pfund Land-Stroh-Butter 2. alb. Mey-Butter 2½ alb. Ein Schock Hand-Kaͤse von Kuͤhmilch 5. alb. ein Pfund Schaaf oder Ziegen-Kaͤse 2. alb. Ein Maaß sauer Milch 2. alb. ein Pfund Honig/ Wachs 6. 8. biß 10. alb. nach Jahrs Zeiten. 5. Dieweilen das Obst- und Garten Gewaͤchs/ als Ruͤben/ Kraut/ gelbe Wurtzeln/ Zwiebeln und andere Fruͤchte nicht allemahl an allen Orten gleich wohl gerathen/ sollen sie allemahl geschaͤtzt/ und dem ar- men Mann nicht vertheuret werden; Ein Fuder Heu/ nachdem es klein oder groß ist/ fuͤr 2. biß 4. fl. Eine Steyge Stroh fuͤr 1. fl. eintzeln Schoͤttling aber 16. Heller. 6. Nachdem auch Brau-Frucht und Hopffen Kauff unstaͤndig/ stei- get und faͤllet/ wie sie wohl oder uͤbel gerathen/ so ist billig/ daß nach Bier uñ Wein Kauffs Recht. Gerst- und Hopffen Einkauff das im Lande gebrauete Bier allent- halben geschaͤtzt werde; Frembden Bier/ wie auch Rhein- oder Fraͤn- ckischen Weins halben/ soll man wegen des billigen Werths gute Auff- sicht haben/ daß solche von niemand eigenen Gefallens zu theuer gege- ben werden; Auf suͤsse frembde Weine auch mag der siebende Pfen- nig zum Gewinn angeschlagen passir et werden. 7. Einer Klaffter Holtz-Maß bestehet in sechs Schue lang/ weit uñ hoch; Eine halbe Klaffter aber sechs Schue lang und weit/ auch drey Schue Holtz und Koh- len Kauff auch Messer/ Haͤuer und Fuhꝛlohns Recht. hoch. An etlichen Orten ist jedoch eine Klaffter nur fuͤnff Schue hoch und weit/ aber sechs Schue lang/ und sollen auff jede Klaffter 2. fl. ge- setzt werden; wann etwas am Holtz fehlet/ soll man am Klafftermaaß so viel Kerb- oder Kimmen schneiden und abtheilen/ als die Klaffter an alb. kostet/ daß fuͤr jeder Kerb oder Theil 1. alb. abgerechnet; was aber an der Laͤnge mangelt/ soll fuͤr jeden Schue auff jedes Kerb 2. Heller/ und fuͤr einen halben Schue 1. Heller dem Verkaͤuffer abgezogen wer- den. Holtz- und Steinkohlen sollen auch gemessen/ und fuͤr ein Rumpf Holtzkohlen 16. alb. fuͤr ein Maaß Steinkohlen aber 6. alb. gegeben werden. Messerlohn fuͤr ein Fuder Holtz/ es sey das Halb-Klaffter- Maaß halb oder gantz voll 6. Heller/ der Kaͤuffer soll auch das Zeichen zu loͤsen 1. Heller geben. Ein Rumpff Holtzkohlen zu messen 3. Hel- ler. Ein Maaß Steinkohlen 1. Heller. Eine Klaffter Holtz von sechs Schue Von Heßischen Land-Tax-Ordnung. Schue zu hauen 6. alb. von fuͤnff Schue 5. alb. Fuhrlohn mehr oder weniger als 1. fl. nachdem es nahe oder ferne. 8. Denen Kraͤmern/ Gewandschneidern und Haͤndlern/ soll jederzeit zweymahl im Jahre ihre Waare nach dem Einkauff gesetzt/ den sie eydlich anzeigen muͤssen/ und ihnen der achte Heller/ alb. oder Guͤlden zum Vortheil passir et werden; wer nun von ihnen uͤberschnellet zu seyn vermeynet/ muß sich deßwegen bey der Obrigkeit angeben/ welche ihr Amt thun wird. 9. Apothecker/ Saamen- und Wuͤrtz-Kraͤmer sollen ihrer Tax-Ord- Apothecker/ Saamen und Wuͤrtzkraͤmer Recht. nung gemaͤß leben/ bey 20. fl. Straffe; wann aber Frembde mit sol- chen Waaren kaͤmen/ und sie wohlfeiler geben koͤnten/ soll es ihnen er- laubt seyn/ jedoch daß es Kauffmanns Gut sey/ und keine Falschheit mit unterlauffe/ worauff die Obrigkeit zu sehen pflichtig. 10. Buͤchfuͤhrern und Buchhaͤndlern werden ordentlichem Tax nach/ Buch-Fuͤhrer/ Haͤndler und Drucker Recht. den sie anzuzeigen schuldig/ zum Gewinn und Vortheil 4. alb. gegoͤn- net/ was aber im Lande gedruckt wird/ sollen sie geringer geben. Buchdrucker sollen von einem Bogen/ wann 100. Exemplaria ge- lieffert/ mehr nicht denn einen Thaler nehmen/ worunter aber grosse opera nicht gemeynet/ sondern mit denen Autorn absonderlich gehan- delt werden kan. Buchbindern soll man von grossem Format in folio in Brettern 1. fl. Buchbinder Lohn Tax- Ordnung. von mittlern Gattung 16. alb. von gemeinem folio oder median quar- to 12. alb. von gemeinem quarto 10. alb. von median octavo 8. alb. und so weiter geringer in Pappen oder Pergamen/ jedoch/ daß alles wohl plani rt/ geschlagen und gehefftet werde. Tax des Papiers. Ein Buch Franckfurter Papier 3. alb. Kauffunger das beste fuͤr 2. alb. Ein Reiß sind 20. Buͤcher/ jedes Buch 25. Bogen/ ein Ballen Pa- Pappierma- cher und Lum- pensamler Tax-Ordnung. pier haͤlt 10. Reiß. Papiermacher im Lande sollen 1. Reiß vom besten Schreib-Papier vor 1. fl. 6. alb. geben. Gemein Papier fuͤr 24. alb. gut median 2. Rthlr. Regal-Papier 3. thlr. Maculatur Papier 7. alb. gemein Druckpapier den Balien fuͤr 3. Rthl. Ein Centner Lumpẽ soll hoͤher nicht als 12. biß 13. alb. verkaufft werden. B b b b 2 11. Da- IV. Buch/ Cap. XXX. 11. Wirthe und Gastgeber Recht. Damit auch Wirthe und Gasthalter den Wandersmann mit Zeh- rung nicht uͤbermaͤßig beschweren/ so ordnen wir/ daß denen Gaͤsten vier guͤte Gerichte und ziemlich Orts gemoͤhnliches Bier auffs hoͤchste fuͤr 6. alb. soll auffgesetzt und angerechnet werden; einem Boten/ Knecht oder Diener aber fuͤr 3. alb. weniger Kostgeld. Rauchfutter und Stallmiethe sollen auff 1. Pferd auffs hoͤchste 2. alb. passir en. Holtz/ Licht und La- ger wird nicht gerechnet/ ohne auff besondere Stuben und Gemaͤcher; So sollen auch in Wein-Kellern und Bier-Haͤusern im Sommer nach neun/ im Winter nach acht Uhren/ denen Gaͤsten kein Wein oder Bier weiter dargereichet werden/ sondern ein jeder nach Hause zu gehen schuldig seyn/ wiedrigen Falls moͤgen und sollen es die Wirthe denen Beamten anzeigen/ daß die Gaͤste abgeschafft und zur Busse anders wohin gebracht werden; wann aber die Schencken hierinn durch die Finger sehen/ sollen sie nach Verbrechen in ziemliche Geld-Straffe verfallen seyn/ darum auch die Waͤchter solche verbotene Zechgelache der Obrigkeit melden sollen. Weilen auch in Staͤdten und auff dem Lande durch sehr viel Frucht- Frucht Bran- tewein-Bren- ner Verbot. Brandtewein brennen die Frucht unnuͤtzlich zubracht/ auch die Leute dahero sich zum Brantewein sauffen gewoͤhnen/ hernach beym Bier sitzen und ihre Arbeit versaͤumen/ so soll das Frucht-Brantewein bren- nen gaͤntzlich verboten seyn; wer nur dessen machen und in- oder ausser- halb Landes heim- oder oͤffentlich verkauffen wuͤrde/ soll neben Guts Verlust ansehnliche Geld-Straffe verbrechen. Dazu sollen in theu- ren Zeiten denen Frucht-Haͤndlern ihre Frucht-Boͤden visitir et/ und die Frucht um ein Billiges zu verlassen auffgethan werden/ daß die Lands-Unterthanen selbst auskommen/ auch denen Armen mit aus- helffen koͤnnen. Derowegen aller Frucht- und Vieh-Vorkauff ernst- lich verboten/ ja/ wann etwas auszufuͤhren/ sollen die Unterthanen Naͤherkauffs Recht daran behalten. 12. Goldschmiede Arbeit Preiß. Goldschmiede sollen von einem Loth Silber grosser Arbeit mehr nicht als 3½ alb. und von kleiner Arbeit 4. alb. von zehen Ducaten/ Cronen oder Goldguͤlden/ einen zu Lohn nehmen; fuͤr durchbrochene Arbeit/ das Loth 5. alb. 13. Kannengiesser/ wann man ihm das Zinn zustellt/ soll nach Arbeit Zinn- und Kan- nengiesser Recht. Groͤsse zu Macherlohn 1. 2. 3. biß 4. alb. haben/ vor ein Pfund Zinn aber/ das Leipziger Probe haͤlt/ gibt man ihm 7. biß 8. alb. 14. Eisen- Von Heßischen Gerichts Tax-Ordnung. 14. biß 45. Eisenwerck- und Messer-Schmiede/ Schloͤsser/ Sporer/ Rothgies- ser und Kupfferschlaͤger/ Kuͤrschner/ Huthmacher/ Lein- und Wollen- Handwercks- Leute Arbeits Lohn-Recht. Weber/ Schwartz- und Blaufaͤrber/ Schuster und Lederkaͤuffer/ Loͤ- ber und Weißgaͤrber/ Sattler und Riemer/ Seckler/ Guͤrtler/ Sey- ler/ Schreiner/ Fenstermacher/ Drechßler und Boͤttiger/ Wagner/ Steinmetzen/ Kalckmaͤurer/ Steinsetzer/ Toͤpffer/ Steinbrecher/ Zimmerleute/ Diehlen-Schnitter/ Weißbaͤnder und Kleiber Arbeits- oder Tagelohn: Weilen dieser Handwercks-Leute Arbeit mancherley Art/ und nicht wohl zu taxir en/ so mag ein jeder/ nachdem er die Arbeit sauber und gut gemacht haben will/ mit dem Meister darum dingen und handeln/ welche sich auch allerseits mit ziemlichem Lohn begnuͤgen lassen sollen/ daß keine Klage daruͤber kommen und sie Bestraffung gewaͤrtig seyn moͤgen. 46. biß 65. zu Ende. Jtem Ackerlohn/ Mist/ Sand/ Leimen/ Steine/ Heu/ Kutscher und ander Fuhrlohn/ Fruchtschneider/ Drescher/ Strohschneider/ Tageloͤhner Gerechtigkeit. Stein- und Strohdecker/ Maͤher und Weinhaͤcker/ Feld/ Gaͤrten/ Aecker und Wiesen Arbeiter/ Fruchtbaͤnder/ Obstbrecher/ Waͤsche- rinn/ Holtzhauer/ Heimschlachter und Haußlohn-Becker/ Boten/ Dienstknecht und Maͤgde/ Ackerknecht und Pflugtreiber Jungen/ auch alle Arbeiter und Tageloͤhner insgemein/ diese sollen sich beschei- dentlich verhalten/ keinen ungebuͤhrenden Lohn fordern/ des Tages zur Kost 1. biß 2. alb. ohne Kost aber 5. biß 6. alb. fuͤr eine Meile wegs zu gehen 3. alb. 6. Heller/ ein Ofen voll Backlohn 4. alb. sonst von ei- ner Metze 4. Heller/ Knechte Lohn 11. à 12. thlr. Jungen Lohn 3. biß 5. thlr. Maͤgde Lohn groß und klein/ 3. biß 6. thlr. Schue und Leinwand. Tax-Ordnung/ dati rt Cassel den letzten Junii An. 1622. Fernern Policey-Ordnungs Auszug. Nachdem auch von Handwerckern insgemein geklagt wird/ daß Kraͤmer/ Haͤndler/ Landstreicher und Juden allerhand Metall/ Gold/ Silber/ Zinn/ Bley/ Kupffer/ Meßing und dergleichen hin und wie- der zusammen kauffen/ ausserhalb Landes zu verhandeln/ dadurch das Metall ersteigert/ Muͤntzwesen und Handthierung verhindert/ als soll niemand solches sich unterstehen/ er habe denn zuvor Gold/ Sil- ber oder Kupffer dem Muͤntz-Verwalter/ Zinn/ Bley oder Meßing B b b b 3 aber IV. Buch/ Cap. XXX. aber denen Gildemeistern angeboten/ und sollen Verbrecher nebst Metallen Confisci rung um hundert Guͤlden/ auch nach Gelegenheit an Leib oder Gut gestrafft werden. Noch Tagloͤhner Recht. Tagloͤhner/ welche bey der Kost zu arbeiten auffgenommen/ sollen Tagloͤhner Pflicht. mit der Speise/ so der Haußmann ihnen bey ihrem Lohn giebt/ zufrie- den seyn/ niemand vorschreiben/ noch besonder Tranckgeld zu Bier oder Brantewein abfordern/ sondern bey Stadt/ Amt und Lands- Verweisung Straffe/ mit gesetztem Lohn und Kost/ wie sie GOtt be- scheret/ vorlieb nehmen/ auch aller Reformi rung sich enthalten. Muͤhlen Ordnungs Auszug. Von einem Malter gehoͤret dem Muͤller eine Metze Korn und Muͤhlen Ord- nungs Recht. Kleyen/ uͤber diß gesetzte Mahl-Lohn soll niemand beschweret wer- den/ auch soll ein jeder das gerechte Maaß anmelden/ und nicht etliche Metzen daruͤber in Sack thun/ etwas von der Ubermaß zu unterschla- gen/ bey Getraͤydes Verwuͤrckung/ als Betrugs Straffe; Wer nun etwas zu mahlen begehret/ soll seine Frucht dem Muͤhlmeister lieffern/ welcher dahin sehen muß/ daß es rechtschaffen gemahlen und treulich wieder ausgereicht werde/ auch muß er bedacht seyn/ tuͤchtige Muͤl- ler-Knechte und Lehr-Jungen anzunehmen/ die Fahrlaͤßigen oder Un- getreuen abzuschaffen/ denn wofern denen Mahl-Gaͤsten ihr Gut ver- wechselt oder veruntrauet/ oder nicht tuͤchtig gemahlen wuͤrde/ soll der Muͤhl-Meister dazu antworten und allen Schaden zu entgelten schuldig seyn/ bey willkuͤhrlicher Straffe. Das Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffen. Das fünffte Buch/ Von Mißhandlungen oder Ubelthaten/ und deren Ober-Halß- und peinlichem Schwerdt- Richter. Caput I. Von irrigen Lehr/ Gotteslaͤsterung/ Hexerey/ Fluchen und Schweren/ auch Heyl Bruͤchen. §. 1. K Etzerey ist halsstarrige Verthaͤdigung einer irrigen verdamm- ten Lehre/ deren Bestraffung mancherley/ als/ Verjagung Ketzerey Straffe. ins Elend/ Guͤter Verlust/ Landes ewig oder zeitliche Verwei- sung/ auch Lebens-Straffe derer/ die solche lehren/ vornehmlich wann Gotteslaͤsterung dazu kommt; Ob nun schon dergleichen Ketzer geru- hig leben wollen/ soll man sie doch hart halten. Abfall aber vom gan- tzen Christlichen Glauben verdienet billig groͤssere Straffe als Ketze- rey/ welche auch den Ehestand/ so vollenzogen/ nicht auffloͤset. L. 8. C. de hæret. Nov. 115. c. 3. §. 14. Nov. 129. c. 1. Tot. tit. C. de Apostatis. L. 1. \& 3. C. Eod. c. si quis svadente, caus. 17. q. 4. c. 7. X. de divort. §. 2. Ferner diejenigen/ so einen ausdruͤcklichen Bund mit dem Teuffel gemacht haben/ und also GOttes Bund auffgesagt oder ge- Gotteslaͤsterer Straffe und Erzehlung. heim- und oͤffentlich verschworen/ auch wuͤrcklich mit dem Satan umgehen; als Traum- und Zeichen-Deuter/ Zauber-Kuͤnstler/ Wahr- sager/ und alle/ die solches lehren oder lernen/ Menschen und Thieren dadurch Schaden zufuͤgen/ oder auch ohne Geding teuffelische Kuͤnste und Zauber-Mittel jemanden zu Schaden gebrauchen/ und mit Hexe- rey weissagen/ oder aberglaͤubischer Ringe und Characteren sich be- dienen/ oder solche teuffelische Werckzeuge zu Rath fragen/ wann sie es betruͤglich und nicht aus Einfalt thun; deßgleichen wer diese Leute ersuchet/ diesen oder jenen zu qvaͤlen/ werden alle/ nach deren Umstaͤn- de Beschaffenheit/ willkuͤhrlich mit Feuer und Schwerdt vertilget und rechtlich gestrafft. L. 3. 5. 6. C. de Mathem. P. H. O. Art. 106. \& 109. Exod. XX. v. 6. item c. XXII. v. 18. Levit. XX. in fine. Deut. XVIII. L. 3. \& 5. C.. de malef. Menschlichen Kranckheiten Ursprungs Ur- sachen. §. 3. Kranckheit ruͤhret denn insgemein her von der Suͤnden/ ins besondere aber von der Unmaͤßigkeit/ denn gleichwie die maͤßige Er- saͤtti- V. Buch/ Cap. I. saͤttigung Leibes-Schwachheit verjaget/ also gebiehret Kranckheit und bringet Beschwerden der Speisen Uberfluß/ und was Hunger in we- nig Tagen zu thun vermag/ den Menschen wegzuraffen und des Jam- mer-Lebens zu befreyen/ solches macht auch der Vielfraß/ dieser ver- zehret gar durch Faͤulung und taͤglichen Schwachheits Ausmagerung den menschlichen Leib biß zum grausamen Tode. C. cum infirmitas, X. de pœnit. Dist. 5. c. 28. de consecrat. c. 15. caus. 26. quæst. ult. §. 4. Darum soll man nun bey Krancken derer Aertzte Huͤlffe/ Aertzte Huͤlffe GOttes Mit- tel. als von GOtt verordnetes Mittel/ nicht verachten/ sondern vernuͤnff- tig gebrauchen/ keines Weges aber zu Satans aberglaͤubischen Erfin- dungen hinfliehen/ massen solche des boͤsen Feindes hinterlistige Stri- cke sind/ das menschliche Geschlecht zu Fall zu bringen/ als die gegen GOtt und dessen Creaturen schmaͤhlich/ ja unter Zauberey und aber- glaͤubischen Heilungs-Mitteln ist schier kein ander Unterscheid/ als daß jene eine oͤffentliche/ diese aber heimliche Verbuͤndniß mit dem Teuf- fel heissen mag; als da sind Heil. Spruͤche goͤttlichen Worts/ Nah- men/ Majestaͤt und Eigenschafften/ oder S. Johannis Evangelii gottloser Mißbrauch; Jtem/ Buchstaben/ Bilder/ Zeichen und an- dere laͤcherliche Dinge zu gewisser Zeit/ Sternenlauff oder Himmels- Beschaffenheit gemaͤß/ jemanden etwas anhaͤngen/ anbinden zu tra- gen/ oder sonst schnoͤde Gebehrden treiben/ dadurch Krancken zu helf- fen; welches/ ob schon zu weilen die Erfahrung lehren und bestaͤrcken moͤchte/ hat es doch keinen Trost/ ohne Suͤnde zu geschehen/ denn gleichwie oͤffters durch Gottes Zulassung der Teuffel Kranckheit er- wecken mag/ also kan er auch nach GOttes Willen durch aberglaͤu- bische Dinge solche vertreiben und Schmertzen lindern. §. 5. Hierbey sollen sich nun pruͤfen und bessern diejenigen/ so entweder aus Unverstand oder Vorwitz/ oder aus Geitz und Filtzig- keit wohlerfahrner Aertzte Rath und Bedencken hindan setzen/ uͤr sich selbst nach ihrem naͤrrischen Duͤnckel/ oder bey alten Weibern/ Kruͤcken- Doctori sten/ Roß-Aertzten/ Zahnbrechern und unverschaͤmten Stoͤr- gern oder Marckschreyern/ und andern dergleichen unnuͤtzem Gesinde Artzney-Huͤiffe suchen/ vornehmen und gebrauchen; diese unvorsichti- Segnen und boͤten Straffe. ge Leute sollen wissen/ daß es eine unverantwortliche grosse Suͤnde/ GOttes Ordnung verachten und Satans Wege zu erwehlen. Hier- zu gehoͤren auch die/ so bezauberte Leute mit seegnen und boͤthen oder kranckes Vieh heilen/ es sey denn ohne Teuffels Anruffen/ gleich- wie Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffe. wie die/ so jemand thaͤtlich zu schaden Rath suchen/ wiewohl es eben nicht vollbracht worden/ werden gestaͤupet und verwiesen. C. 2. Ext. de Sortileg. §. 6. So sind auch keine falsche Anbeter/ Abgoͤtter/ Zauberer/ Waffen-Beschwerer/ Wahrsager/ Zeichen-Deuter und andere Wahrsager/ Tagwehler uñ Waffen Be- schwerer zu dulden verbo- ten. Teuffels-Kuͤnstler/ in Christlicher Gemeinde zu erdulden/ wie auch Tagewehler/ die auff Vogelgeschrey achten oder die Todten fragen/ soll man nach GOttes Wort zu tode steinigen/ deßgleichen die durch Spiegel sehen/ Sieb drehen/ Bilder/ Siegel/ Baͤnder/ unbekandte Worte und Characteren/ worunter Heil. Dreyfaltigkeits Nahmen eingemischt/ den Teuffel fragen/ oder die solche Boͤsewichte bereden und erkauffen/ Schaden zu thun/ verdienen nach Unterscheid Feuer/ Schwerdt/ Staupen und Verweisung; jedennoch geht in dieser ar- gen Welt noch mancherley Aberglauben oͤffentlich und ungestrafft dahin/ als ohne Furcht auff S. Stephans Tag Pferden zur Ader lassen/ Wuͤnschruthen und dergleichen. Levit. XX, 6. \& 27. Deut. XVIII, 10. \& seqq. Exod. XXII, 18. 1. Sam. XXVIII, 7. L. nemo, L. multi, ubi gloss. de malef. \& math. c. 72. de R. J. in 6. Levit. XIX. v. 31. Item, c. 2. v. 6. \& 27. §. 7. Oeffters geschieht es auch/ daß ein Mensch mit dem boͤsen Feind sich verbindet und fleischlich vermischet/ seiner Huͤlffe gebraucht/ Reichthum zu erwerben/ oder Verblendungen uñ Affenspiel zu treiben/ sich zu belustigen/ ohne jemandẽ zu schaden/ oder die verdaͤchtige Mittel/ Gesundheit wieder zu erlangen/ und ander Ubel etwa abzuwenden/ ge- brauchen oder darreichen/ wobey Abfall und Abgoͤtterey Laster ver- Wahrsager Gebrauch Straffe. uͤbet; Die aber unmenschliche Liebe hegen und dem Teuffel beyliegen/ Elben oder so genante gute Holden erzeugen/ die als Mit-Esser-Wuͤr- me die Leiber qvaͤlen/ biß zum Verderben; ja die mit dem Teuffel Ge- spraͤch halten/ geheime Dinge zu offenbaren/ ob schon wegen Armuth/ welche von keiner Ubelthat entschuldigen mag; also diejenigen/ so sich bußfertig bekehren/ empfahen das Schwerdt; Und wer nun solche vor- erwehnte Zauberer und Wahrsager berathfraget zur Gesundheit/ und verbotene oder gestohlene Sachen wieder zu bekommen/ soll oͤffent- liche Kirchen-Bnsse thun/ mit Gefaͤngniß und Geld-Bussen; da sie aber jemand am Leben geschadet/ mit Schwerdt gestraffet seyn. §. 8. Gotteslaͤsterung wird am Leben/ oder mit etlicher Glieder Benehmung/ billig abgestrafft/ und ist also Gotteslaͤsterung alle Schmaͤh- und Schaͤndung/ Fluch oder That/ zu GOttes Ehren Ver- kleinerung/ oder schmaͤhlichen gotteslaͤsterlichen Verachtung/ dadurch C c c c Gottes V. Buch/ Cap. I. GOttes heiligen Ehrerbietungs Gedaͤchtniß geschmaͤlert/ oder offen- bares Aergerniß entstehet/ oder jemanden fluchen und schweren bey GOttes Blut/ Tod/ Wunden und Christi heil. Sacramenten/ oder so jemand Christi und deren Heiligen Bilder anspeyet/ zerbricht/ be- sudelt/ oder abwirfft und sonsten verunehret/ oder auff andere Weise schaͤndet; So auch einer GOtt zumisset/ das ihm unbeqvem und nicht zugehoͤret/ als Unweiß- oder Boßheit/ Ungerecht- oder Sterblichkeit/ Luͤgen oder Ohnmacht/ oder mit eiteln Worten GOtt abschneidet/ das ihm gebuͤhrend zustehet/ als seiner goͤttlichen Majestaͤt/ Allwissen- heit/ Allmacht oder Guͤtigkeit etwas entziehen/ und GOttes Fuͤrse- Gotteslaͤste- rung Straffe. hung in allen Dingen verlaͤugnen/ absonderlich bey menschlichen Hand- lungen und Geschaͤfften sagen wollen/ daß alles von ungefaͤhr GOtt unwissend ohne dessen Vorsorge geschehe/ und er nicht alles vorher wisse/ oder GOttes Wesen widrige Leibes Gliedmassen zuschreiben/ und dabey schweren/ die heilige Mutter GOttes/ Jungfrau Mariam schaͤnden und laͤstern/ die solches thun/ sollen durch Richter und Amt- leute Amts wegen gefangen gelegt/ und deren Verbrechen Umstaͤnde an hohe Obrigkeiten mit nothduͤrfftigem Unterricht gelangen/ damit solche Laͤsterer angenommen/ nach Personen Gelegenheit und Laͤste- rungs Gestalt an Leib/ Leben oder Gliedern abgestrafft werden. Arg. L. 7. §. 4. ff. ad L. Jul. majest. Nov. 77. e. 1. §. 1. §. 9. Ferner ist Gotteslaͤsterung/ so jemand gegen die allerheilig- Gotteslaͤste- rungen Arten Erzehlung. ste goͤttliche Majestaͤt abscheuliche Schmaͤhung durch seinen gottlosen Mund herausspeyet/ als wann auch einer sagt/ aus Gottes ruch- und gewissenlosen Verachtung/ er wolle diß oder jenes GOtt zum Trotz thun/ worauff Hals-Straffe und dazu gebrauchten Gliedes Abhau- ung von Rechts wegen erfolgen soll; So gehoͤret auch zur Gottes- laͤsterung Meineyd/ bey des Heylandes Sacramenten Verfluchung/ also auch bey dessen Wunden/ bey Donner/ Blitz/ Hagel/ ja bey des menschlichen Geschlechts Feinde dem boͤsen Geiste/ als bey Teuffel hohlen/ welche Suͤnden zwar gering und leicht geschaͤtzt werden/ GOtt aber fordert nicht allein Straffe von denen/ die solche Laster thun/ son- dern auch die sie zulassen/ noch allermassen verhindern; dazu sonder- lich Pfarrer und Seelsorger ermahnet seyn/ die Christliche Gemeinde alle Sonntage von solchen Gotteslaͤsterungen abzuhalten/ derowegen nun dergleichen Boßheit zum ersten mahl mit Gefaͤngniß/ darnach mit Geld-Busse/ zuletzt mit peinlicher Halsstraffe/ zu belegen. Levit. XXIV. Nov. 77. c. 1. §. 10. Wer Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffe. §. 10. Wer auch/ wie vorgesagt/ die Mutter Gottes schmaͤhet/ ver- Gotteslaͤsterer angehoͤriger Gerichts Ort. dienet Leibes oder Geldstraffe/ welches Geld zu derer armen Jung- frauen Heimsteuer nicht unbillig anzuwenden; Sonsten werden im Heil. Roͤmischen Reich geistliche Personen als Gottslaͤsterer vom geistlichen/ weltliche aber vom weltlichen Gerichts-Herrn ergriffen und gestrafft; an Reformirten Kirchen Orten aber werden solche/ ohn Unterscheid geist- oder weltlichen Standes/ vom weltlichen Richter angesprochen; also gehoͤren auch Juden nicht fuͤr geistliches Recht/ so fern nur das weltliche Gericht darinn nicht saͤumig oder nachlaͤßig be- funden. Nov. 77. §. 11. Bey der Straffe aber mag man Personen Alter/ Geschlecht Gotteslaͤste- rung Straff- Linderungs Ursachen. und andere Zufaͤlle wohl betrachten/ als wenn einer uͤbermaͤßig trun- cken/ oder zornig dazu beweget worden/ oder daß es einem so bald an dem Ort/ wo er gesuͤndiget/ bereuet und die Laͤsterung wiederruffen/ oder aus boͤser Gewohnheit solche Worte unbedachtsam ausgestossen/ oder so jemand nur einmahl dergleichen vorgebracht; auch pflegt man Gotteslaͤsterung Straffe zu lindern/ wegen Orts gewoͤhnlichen ver- kehrten Sitten/ allwo leyder solche Fehler offt und viel begangen/ oder im Schwange sind/ daß wegen Menge derer Ubelthaͤter etwas zu uͤber- sehen/ sonsten ist nach goͤttlichem Recht Steinigungs Straffe befoh- len/ nach geistlichem Recht aber gilt oͤffentliche Kirchen-Busse. Levit. XIV. C. 2. X. de maledic. §. 12. Zu dem Ende nun auch/ gotteslaͤsterliches Fluchen und Obrigkeiten Pflicht wegen Fluchen und Schweren. Schweren eifferig zu bestraffen/ und desto schleuniger Execution zu thun/ wird allen und jeden Obrigkeiten/ denen Unter- und Erbgerich- te verliehen/ bey denen Kirchhoͤfen/ Rathhaͤusern oder Schenckstaͤtten Pranger oder Hals-Eisen anzuschlagen/ und die Verbrecher daran zu stellen/ auch ohne vorhergehend rechtliches Erkaͤntniß gnaͤdigst erlau- bet und vom Landes-Herrn nachgelassen; jedoch/ daß solches nicht auf den Fall/ da einer nach Umstaͤnde Gelegenheit am Leben oder mit Staupenschlaͤgen und Landes-Verweisung zu straffen/ gezogen/ son- dern dasselbe alsdann denen/ welchen die Obergerichte zustaͤndig/ zu raͤchen und vollstrecken/ untergeben werde. §. 13. Es sollen auch billig alle Gerichts-Herrn und deren Be- Fluͤcher und Gotteslaͤste- rer sonderliche Straffe. amte erinnert seyn/ daß sie die Unterthanen mit verbotener uͤbermaͤßi- gen Geld-Busse keines weges wieder Gebuͤhr belegen moͤgen/ dabey sie noͤthigster massen zu unterrichten/ daß solche Unziemlichkeiten zu C c c c 2 ver- V. Buch/ Cap. I. vermeiden/ und bey Dicti rung der Geldstraffen besondere Masse in acht nehmen/ nemlich bey Fluchen und Schweren oder Gottes Nah- mens Laͤsterung Straffe ist viel besser Gefaͤngniß auff Wasser und Brod; oder des Thaͤters Zunge mit gluͤenden Eisen durchstechen/ her- nach nackend biß auffs Hembd ausgezogen und aus der Province ban- ninsir et/ oder vielmehr sollen alle Gottslaͤsterer am Leben oder Gliedern/ als der Zunge und Leffzen/ nach Groͤsse der Ubertretung peinl. gestrafft werden/ oder nach guͤtlicher Vermahnung mit Thurm und Gefaͤngniß/ wofern es aus uͤbermaͤßigem Zorn/ unbedachtsamen boͤsen Gewohn- heit oder Trunckenheit und nicht mit boßhafftem Vorsatz geschehen. Levit. XXIV. v. 14. 15. \& 16. Nov. 77. \& 82. c. 10. Gottslaͤste- rung Hoͤrer Straffe. §. 14. Wer nun Gotteslaͤsterung hoͤret/ und binnen 8. Tagen der Obrigkeit nicht anzeiget/ soll als Thaͤter und Mitverhaͤnger nach der Sachen Gelegenheit/ an Leib oder Gut hart gestrafft werden/ mas- sen auch die Tuͤrcken selbst/ ob sie schon von Christi Tod und Ver- dienst nichts halten/ dennoch die Gotteslaͤsterer ohne die Geldstraffe noch mit 50. Pruͤgel-Streiche/ ja wer Christum laͤstert/ eben so hart/ als wer Mahomet ihren Abgott schmaͤhet/ bestraffen und zuͤchtigen; Pabst Gregorius der neundte hielt aber das Gottslaͤstern eben nicht fuͤr grosse Suͤnde/ darum er verordnet/ wann ein Laͤye gotteslaͤster- liche Worte fuͤhret/ soll er 7. Sonntage nach einander barfuß mit ei- nem Strick am Halse/ so lange die Messe waͤhret/ vor der Kirchen- Thuͤr zur Busse stehen; diese Straffe aber gieng die Pfaffen nichts an/ ja auch die gebohrne Edelleute konten das erste mahl mit 25. das andere mahl mit 50. Ducaten Geldstraffe zum Kirchen-Bau abkom- men/ jedoch soll ein gerechter Richter nimmer gelinder verfahren/ als die Gesetze mitbringen. L. 12. §. 1. ff. qui à qu bus manum. L. 20. ff. de Leg. L. 1. §. 4. C. ad SCt. Turpill. C. statuimus Ext. de maledic. Gottslaͤsterer Straff-Pro- ceß. §. 15. Einen Gottslaͤsterer soll man dann billig in gefaͤngliche Hafft ziehen/ nachmahls die Zeugen/ so ihrer eydlichen Aussage nach die Gotteslaͤsterung gehoͤret/ mit Thaͤtern confrontir en/ wann sie nun bestaͤndig dabey bleiben/ jener aber auff bewegliches Zureden nichts ge- stehen will/ sondern vorwendet/ daß er sich wegen grossen Truncken- heit solcher gotteslaͤsterlichen Reden nicht erinnern koͤnte/ so ist er dem Scharffrichter zu untergeben/ der ihn vermittelst maͤßigen Peinigung befragen soll; Falls er dann die abscheulichen Worte gestuͤnde/ soll man ihm dritten Tages nach der Peinigung ausserhalb Qvaal-Ort/ die Bekaͤntniß zu bekraͤfftigen/ vorhalten/ wann er dann standhafft die Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffe. die Ubelthat bekennet/ soll er enthauptet; wuͤrde er sich aber/ wie vor erwehnet/ purgir en/ so ist ihm zwar/ wegen so thaner Trunckenheit/ ordentliche Lebens-Straffe zu erlassen/ jedoch muß er andern zum Beyspiel/ ewig das Land zu raͤumen/ verwiesen werden. §. 16. Jedoch soll sonst auff deren Anzeigung/ die aus Zauberey oder solchen andern Kuͤnsten wahrzusagen sich anmassen und unter- Chrystallen- Seher und Wahrsager Straff-Recht. stehen/ niemand zur Gefaͤngniß oder peinlichen Frage angenommen/ sondern es muͤssen dieselben Wahrsager und Anklaͤger darum will- kuͤhrlich andern zum Beyspiel abgestrafft werden/ als luͤgenhaffte Chrystallen-Seher/ und alle/ die solche wegen Diebstahl und andern Peinliche Fra- ge wann nicht zugestatten. Dingen Rath-fragen; So aber ein Richter auff solch falsches Ange- ben weiter verfuͤhre/ soll er dem gemarterten allen Kosten/ Schmertzen/ Schimpff und Schaden zu erstatten schuldig seyn. L. 4. C. de Malef. \& Mathem. P. H. O. Art. 21. L. 15. §. 13. ff. de injur. §. 17. Diejenige nun/ so Zauberey und Hexen-Kuͤnste lehren oder Zauberer Art und Eigen- schafft. lernen/ thun ihre Sachen insgeheim/ wollen auch nicht dafuͤr angese- hen seyn/ daß sie es wissen/ vielmehr stellen sie sich gottesfuͤrchtig/ und fuͤhren unter solchem Schein das lasterhaffte Leben/ dabey sie den Bund der Heil. Tauffe verschweren/ auch alle Wohlthaten und ewi- gen Heils Gnaden Mittel verwerffen/ dem Teuffel Treue angeloben/ und sich mit Leib und Seel durch gewisse Ceremonien ihm ergeben/ oder die aberglaͤubischen Anmerckungen und dergleichen unvernuͤnfftige Wercke anhaͤngen/ Fruͤchte bezaubern/ Menschen und Vieh ertoͤd- ten/ obige und letztere Unholden oder Zauberer soll man lebendig ver- brennen. L. 3. C. de malef. L. Capitalium, ff. de pœn. §. 18. Gegen welche nun rechtliche Vermuthungs Anzeigen sind; Zauberey An- zeigen u. Frag- Stuͤcke. so jemand bedrohet/ einen wuͤrcklich dem Teuffel zur Peinigung uͤber- geben wollen/ oder so jemand mit Hexen umgehet/ oder dazu verdaͤch- tige Gebehrden mißbraucht; Dahero zu fragen: Ob sie diese oder jene gewisse Person nicht kenne? Was zwischen ihnen an Tag und Ort fuͤr Worte vorgefallen? Was sie damit willens gewesen? Ob sie nicht eine gewisse Person zu bezaubern gemeynet? ob sie nicht auch solches thun koͤnne? Ob sie mit der Person umgangen/ und aus was fuͤr Ursachen? Ob sie mit dem Satan einen Bund gemacht? Ob sie nicht sonderliche Worte dazu gebraucht/ und worinn selbige bestehen? Ob sie nicht mit andern solchen Gesindes Gemeinschafft gepflogen? Ob sie nicht von einer gewissen Person etwas Poͤffeley gelernet? Ob sie nicht gewust/ C c c c 3 daß V. Buch/ Cap. I. daß selbige Zauberey wegen verdaͤchtig oder beschuldiget wuͤrde? Ob sie nicht gesagt/ sie haͤtte von jener gelernt ein Stuͤcklein/ daß man noch eins so viel Butter als sonst machen koͤnne? Ob nicht der Nachbarin Bier etliche mahl umgeschlagen und in Buͤtten sauer worden? Wer ihr solches berichtet/ ob sie nicht an dem Tage bey ihr gewesen? Ob sie nicht gesagt/ sie wuͤste Mittel dagegen/ und was sie darunter meynete? Ob sie nicht mit andern auff dem Felde von diesem Brauen geredet? Was fuͤr Ursache sie zu solchen Reden gehabt? Ob sie von jener nicht bestrafft/ daß sie sich des Schadens gefreuet? Wie sie denn sagen moͤ- ge/ sie habe es beklagt? Ob sie mit niemanden in Feindschafft gelebet? Ob sie niemanden gedrohet? Ob sie nicht selbst Schuld darann haͤtte? Ob sie auch vermeynte/ daß solches von boͤsen Leuten herkaͤme? Ob sie nicht wegen ihres Bierbrauens gefraget? Ob sie nicht gesagt/ sie haͤtte es wohl vorher gedacht/ daß es jener mit Brauen also gehen wuͤrde? Und ist hierbey zu vermahnen/ richtig mit ja oder nein zu antworten/ daß sie es eydlich gestehe oder verlaͤugne; insgemein aber ist zu betrachten/ ob das Verbrechen schwer oder geringe? bekandt oder geheim? offt oder selten begangen? leicht zu erweisen oder nicht? P. H. O. Art. 44. §. 19. Hexerey Anzeigen sind ferner: Jemand das Zaubern Hexerey An- zeigen. lehren wollen/ insonderheit Draͤuung/ darauff wundersame unge- woͤhnliche Wuͤrckung erfolget; ja wann bey einem zauberische Buͤ- cher/ Werckzeuge/ Gifft und andere aberglaͤubische Dinge gefunden werden; darum ein solcher wohl mag gefraget werden/ wie er dazu komme? Womit/ wie und wenn solches geschehen? Mit was fuͤr Wor- ten/ Gebehrden oder Wercken? Ob und wo sie irgend etwas begraben oder verwahret; welches dann nachzusuchen/ und mag ein deßfalls verdaͤchtiges Weib auch wohl ihre Haußwohnung zu aͤndern genoͤthi- get werden; weiter kan man forschen/ ob sie auch gegen mehr und was fuͤr Personen solches gebraucht/ und was fuͤr Schaden damit gesche- hen? Also geben auch endlich Verdacht unempfindliche Leibes Mahl- zeichen und Brandmerckungen/ deren heutiges Tages grosser Miß- brauch vorgeht. P. H. O. Art. 52. Zauberey Sa- chen Act en Recht. §. 20. Endlich in Zauberey-Sachen/ allwo oͤffters die Anzeigen nicht genung sind zur Peinigung/ auch Reinigungs Eyd gefaͤhrlich/ soll man Beklagten zwar der Hafft erlassen/ jedoch die gerichtlichen Acta wohl verwahren/ und auff dessen Leben und Wandel gute Achtung geben/ Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffe. geben/ ob vielleicht mit der Zeit sich bessere Anzeigungen anzufuͤhren hervor thun moͤchten/ die zu einiger Peinlichkeit anreichen koͤnten/ so werden die vorigen denen neuen Peinigung halben zugethan. P. H. O. Art. 97. §. 21. Wann auch Hexen und Zauberer peinliche Frage gedultig leiden/ verlachen/ und wohl gar als in einem Bette suͤsse dabey schlaf- Hexen und Zauberer pein- lichen Frage Recht. fen/ solches entstehet aus natuͤrlichen Ursachen so wohl als Teuffels Kuͤnsten/ welcher ihnen durch Schlafftraͤncke und dergleichen diesen Schlaff erwecket/ auch verursacht/ daß sie stillschweigen/ entweder weilen sie gar keinen Schmertzen fuͤhlen/ oder ja fuͤhlen und doch nicht reden koͤnnen/ oder auch weder fuͤhlen noch reden moͤgen/ oder da sie wohl koͤnnen/ jedoch starck sind/ die Qvaal zu tragen mit hartnaͤckigem Sinn/ welche Verstockung vom Teuffel durch natuͤrliche Kraͤffte em- pfindloß zu machen herruͤhret/ der ihnen zuweilen das angehaͤngte Gewicht oder ihren Leib selbst zur ertraͤglichen Schmertz-Linderung auffhebet/ auch die Stricke/ damit sie gebunden und ausgestrecket/ et- Hexen Unem- pfindlichkeit Ursachen. was auffloͤset; bißweilen auch vermag er dasjenige ab- und anders wohin zu wenden/ das dem Leibe zugefuͤgt scheinet/ oder nimmt dessen Macht hinweg/ oder legt etwas hart- und unsichtbares dazwischen/ oder giebt dem Suͤnder andere Leibes-Geschaͤffte in Gedancken mit verschlossenem Mund und Kaͤhlen/ oder laͤst sie zauberische Werck- zeuge und Buchstaben an geheimen Leibes-Orten verwahren/ seinem Beding gemaͤß/ dahero auch Feuer- und Wasser-Probe fuͤr unguͤltig zu achten; Und dagegen nun hilfft kein aberglaͤubisches Weyhwasser/ noch ein Hencker-Suͤpplein; ist auch falsch/ daß Hexen nicht soltẽ weinen oder Thraͤnen vergiessen koͤnnen/ so mag sie keine Messe bewegen/ vielmehr soll man solche unempfindliche Hexen fleißig ermahnen/ des Teuffels Hexen Bekeh- rungs Mittel. Bund abzusagen/ und sie bey der Peinigung durch mancherley Reden/ ihre zauberische Woͤrter und Buchstaben heimlich daher zu sprechen/ auffs beste zu verwirren trachten/ ja derowegen soll man sie durch Prie- ster vom Teuffel abwendig zu machen suchen/ GOtt die Ehre zu geben und bekennen/ darnach gaͤntzlich entkleiden lassen/ daß nicht eine Boß- heit in alten Kleidern zuruͤck sey; folgends alle Haupt- und gantzen Leibes-Haar abscheren/ daß kein Pergament oder Zettul an geheimen Orten stecken koͤnne; Ferner/ daß sie keine Salbe zu Handen behalten/ auch der gantze Leib rein abgewaschen sey; weiter ist stets wachen ein gutes Zwangmittel/ deßgleichen soll man ihnen Mund/ Ohren und Nasen-Loͤcher von gleichen Geschlechts Leuten/ so wohl als geheime Leibes- V. Buch/ Cap. I. Leibes-Oberter besichtigen lassen/ ob sie etwan einen Schnitt und Brandmerck- oder Kennzeichen an sich haben/ das muß man wegraͤu- men; Endlich auch nicht gestatten/ ihnen im Gefaͤngniß etwas von aussen beyzubringen/ das sie essen moͤgen. Zauberer Straffe vor oder nach Pro- ceß. §. 22. Wann sich nun ein Zauberer/ der jemand am Leben gescha- det/ vor Proceß und Hafft zu GOtt bekehret/ erlangt er Schwerdt- Straffe; hat er aber Vieh oder anderm Gut geschadet/ muß er solches erstatten/ und wird nach rechtschaffener Busse von andern Straffe verschonet; geschieht es aber nach der Anklage/ so ist es zu spaͤt/ und bleibet bey ordentlicher Straffe des Feuers. Die Persianer selbst/ als der Zauberey Erfinder und Urheber/ zermalmen denen Zauberern gantz den Kopff an grossen Steinen/ weilen auch diese wissen/ daß die- ses Laster GOtt ein Greuel ist. Sonntags Entheili- gungs Verbot. §. 23. Ein Christ kan auch nicht ohne sonderbares Leidwesen an- sehen/ welcher gestalt des HErrn Tag auff vielfaͤltige Art und Wei- se entheiliget wird/ und es fast dahin koͤmmt/ daß aus dem Sonntag ein Suͤnden-Tag werde/ dadurch man GOttes Zorn uͤber Land und Leute anreitzet/ derowegen solchem Unheil zu steuren/ GOttes Befehl zu Folge/ jede hohe Obrigkeit/ anvertraut und tragenden Amts wegen/ zu verordnen befugt ist/ weilen nun der Sonntag allein dazu gewid- met/ daß ein jeder Christ daran das Wort GOttes des Allerhoͤchsten lesen/ hoͤren und erwegen/ auch denselben mit beten/ singen und Ubung der Christlichen Liebe gegen den Nechsten/ und sonderlich der Armuth zu dienen/ feyren und zubringen solle/ als gebuͤhret allen Unterthanen/ dem Gottesdienst mit Ernst obzuliegen/ dagegen alle Uppigkeit/ gros- ser Banqveten Anstellung/ und dergleichen mancherley suͤndliche Fuͤr- nehmen/ die ihre Andacht hindern moͤgen/ zu vermeiden/ darum auch alle Hochzeiten an Sonntagen anzustellen und zu halten verboten/ wel- ches die Prediger unnachlaͤßig erinnern und anweisen muͤssen. Sonntags Kurtzweil Verbot. §. 24. Und zwar soll man den gantzen Tag von allen Wercken feyren/ auch Scheibenschiessen/ Fechten/ Ballspielen und andere Kurtzweil unterlassen/ die von heiligen Gedancken abhalten moͤgen; Ergoͤtzliche Spiel- und Ubungen ohne Suͤnde sind zugelassen/ gottes- laͤster- und aͤrgerliche naͤrrische Dinge aber gar keines weges vergoͤn- net oder erlaubet; ja allen Menschen waͤre nuͤtz- und noͤthig/ zu einer Christlichen Vollkommenheit Zweck fleißig zu gelangen/ Gehorsam- Armuth- und Enthaltungs Geluͤbde zu halten/ daß sie ihrem eigenen Willen absagen/ sich selbst verlaͤugnen/ und GOttes Gebot folgen moͤchten/ Von Ketzerey/ Gotteslaͤsterung auch Hexen Straffe. moͤchten/ zeitliche Guͤter also besessen/ als haͤtten sie solche nicht/ bereit um Christi willen alles zu verlieren/ aller fleischlichen Wollust sich be- geben/ und Keuschheit bewahren. Rom. XII, 2. 1. Joh. II, 16. 1. Cor. VII, 25. §. 25. Alle am Gottesdienst hinderliche Wercke/ auch Pfluͤgen Liebe und Nothwercke Vorrecht. und Erndten/ jedoch/ ohne zur Noth und Liebe des Nechsten/ zu Acker- bau und Erndte Zeit/ da man bey andern Tagen fuͤr Ungewitter nicht arbeiten kan/ damit nicht die etwa durch himmlische Vorsehung ver- goͤnnete beqveme Zeit umkomme und verabsaͤumet werde/ sind verbo- ten/ absonderlich wegen Gottesdiensts Versaͤumung/ darum unter waͤhrendem Gottesdienst alle gerichtliche Haͤndel und Handwercks Ar- beit ruhen und stille liegen sollen/ es waͤre denn im Nothfall/ daß Gefahr beym Verzug obhanden/ als wann vielleicht/ wie vor erwehnet/ bey Erndte-Zeiten das hell und gute Wetter seltzam ist/ und irgend am Sonntage gewuͤnschter massen klar einfiele/ so mag wohl von Obrig- keit und Pfarrern/ nach geendigtem Gottesdienst/ deren Fruͤchte Heim- fuͤhrung verstattet werden/ gleichwie sonst das noͤthige Reisen/ gehen/ reiten und fahren zugelassen wird. Exod. XXXIV, 21. L. omnes 3. C. de Fer. Hebr. X. v. 15. §. 26. An Sonn-Fest- und heiligen Tagen soll man keinen Jahr- marckt anordnen noch halten lassen/ vielweniger Comœdi en und Tra- gœdi en/ Trauer oder Freuden-Spiel/ anzustellen gestatten/ zudem/ Sauff-Gela- chen und Ga- stereyen Ver- bot. weilen die Entheiligung des Sabbaths so gar gemein worden/ daß fast zu keiner Zeit mehr Reisen/ Fahren oder Handthieren getrieben/ in- gleichen Freß- und Sauff-Zuͤnffte/ Gastereyen/ Spiel-Gelache und allerley Uppigkeiten/ als an Heil. Fest-Feyer- und Sonntagen ange- stellet/ ja mehrentheils alles dahin versparet/ nichts mehr vor Suͤnde geachtet/ alle Vermahnungen von den Cantzeln gantz in den Wind ge- schlagen/ und fast groͤsser Gespoͤtte daraus getrieben wird/ als daß ei- nige Verbesserung zu hoffen/ so sollen billig an Sonn-Fest- und Heil. Tagen alle Schencken/ Bier und Weinhaͤuser geschlossen behalten bleiben/ daß also den gantzen Tag uͤber keine Gaͤste gesetzt/ noch Bran- tewein uͤber die Gassen ausgeschencket werde/ jedoch kan reisenden Leuten und denen Einwohnern die Nothdurfft/ was sie ins Hauß hoh- len lassen/ abgefolget werden; So soll auch niemand an diesen Ta- gen sich anders/ als nach verrichtetem GOttesdienst und allen gehalte- nen Predigten/ Lust-Reisen zu thun/ oder aus dem Thore spatziren zu gehen/ geluͤsten lassen. Nov. 46. \& 133. L. 3. C. de Trinit. L. ult. C. de Fer. Tit. C. de stat. \& imag. D d d d §. 27. So V. Buch/ Cap. I. Obrigkeiten Auffsicht we- gen Sabbaths Entheiligungs Verbot. §. 27. So sollen auch unter-obrigkeitliche Bedienten in Staͤdten so wohl als auff dem Lande/ in dieser Amts-pflichtigen Auffsicht ihres eigenen Nutzen halber/ da sie selbst Wein und Bier-Schencken halten moͤgen/ nicht nachlaͤßig seyn/ damit deren Buͤrger und Bauren Voͤl- lerey nicht ihr Gewinn sey/ viel weniger muͤssen sie durch die Finger sehen/ noch Entheiligung des Sabbaths/ wegen deren Wein und Bier- haͤuser Mißbrauch/ unterm Vorwand/ daß etwan Wein- und Bier- Wirthe also ihre Last desto besser abtragen koͤnnen/ oder wegen gemei- nen Bestes/ ob moͤchten dadurch oͤffentliche Buͤrden und Beschwerden verhindert werden/ verstatten/ um goͤttlichen Rache und dessen feuri- gen Grimms Straffe nicht zu vermehren/ sondern zu erloͤschen; So nun jemand hierwieder handeln wuͤrde/ soll der Wirth samt den Gaͤ- sten auffgehoben/ in Hafft gebracht/ und zur ordentlichen Obrigkeit ge- lieffert werden zur Straffe/ woruͤber auch Kriegs-Bediente Wache zu halten schuldig seyn. §. 28. Zumahlen/ wann Trunckenheit aller Laster Ursprung ist/ Kaͤysers Cleri Gebot von Baͤdern. und solche die Obrigkeit zulaͤst/ moͤchte sie auch andere Ubelthaten unge- strafft lassen hingehen/ jedoch koͤnten hohe Obrigkeiten diesem Ubel wohl steuren/ wie jener Kaͤyser Clerus denen von Mann- und Weibes- Personen vermischten Baͤdern durch einiges Gebot von Lebens- Straffe verwehret; Sonst aber findet bey Trunckenheit willkuͤhrliche Straffe statt/ darum auch sonderlich/ weilen aus dem Zutrincken Trunckenheit/ aus dieser Gotteslaͤsterung/ Todtschlaͤge und sonst viel andere Laster entstehen/ also daß die Zutrincker und Vollsaͤuffer sich gar leicht in Ehren/ Seel/ Vernunfft/ Leib- und Guts Gefahr bege- ben/ so sollen in allen Landen hohe und niedere/ geist- und weltliche Trunckenheit Vorwand unguͤltig. Obrigkeiten bey ihnen selbst und ihren Unterthanen/ solches unter ho- hen mercklichen Straffe verbieten und abstellen/ auch ihren Pfarrern und Predigern befehlen/ alle Sonntage dem Volck anzukuͤndigen/ daß sie sich unmaͤßigen Zutrinckens enthalten/ nebst deren aus Truncken- heit herruͤhrenden Laster Erzehlungen/ deßfalls ihnen Obrigkeit Ver- zeichniß lieffern mag/ dabey denn niemand mit ordentlicher Straffe zu uͤbersehen; auff daß die Provintz unbefleckt sey/ ist auch hierinn un- zeitiges Mitleiden und Erbarmen wegen Trunckenheit Vorwand hoͤchst schaͤdlich/ massen durch solch mehr als viehisches Laster/ welches aller andern Untugenden Mutter zu nennen/ auch im Reich- und Lan- den alles verknuͤpfften Elends Ursache/ und deren bißher unstraffbar ge- lassenes Ubel/ GOttes gerechten Zorn und Rach-Eyffer entzuͤndet. Caput Von Verraͤther und Auffruͤhrer Straffe. Caput II. Vom Laster beleidigter Majestaͤt/ Verrath/ Auff- ruhr gegen Fuͤrstlichen Hoheit; item/ von Eltern und Kin- dern/ Haußherrn und Frauen Versehen/ auch Weib- Kind- oder Gesindes Verfuͤhrung. §. 1. E Jner soll zwar des andern Missethat nicht entgelten/ darum traͤgt auch der Sohn des Vaters Missethat nicht/ ohn allein im Laster Jn Vaterlan- des Verrath- Sachen Soͤh- ne und Toͤchter Erbrecht. beleidigter Majestaͤt/ darinn muß er zugleich mit buͤssen/ welches sich jedoch zur Leibes-Straffe nicht erstrecket/ sondern er wird von aller Erbschafft/ auch frembden Testamenten ausgeschlossen/ also/ daß ihn des Vaters Schande immer begleitet/ allezeit arm und duͤrfftig seyn muß/ ja zu keinem geist-noch weltlichen/ vielweniger Krieges-Stan- de zugelassen werde/ dahero ihm als einem Elenden das Leben be- schwerlich und Tod troͤstlich; Also auch in Vaterlandes Verraͤtherey Sachen/ weilen es billig/ daß Soͤhne/ in welchen vaͤterlichen Lasters Erb-Beyspiel zu fuͤrchten/ auch vaͤterlichen Straffe theilhafftig seyn/ auff daß durch solche Straff-Art des Vaters Missethat desto mehr geraͤchet werde/ ob schon die Soͤhne nichts verbrochen/ sondern fremb- der Ubelthat wegen verdaͤchtig/ darum auch aus grosser vaͤterlichen Liebe und Zuneigung rechtlich dafuͤr zu halten/ daß ein Vater seiner Kinder Straffe und Beschwerden halber/ die ihn oͤffters mehr qvaͤlen als eigene/ sich abschrecken/ und/ dem gemeinen Nutzen getreu bleibend/ zu Ehr- und Tugend werde anreitzen lassen; sintemahlen Soͤhne von solchem Vater kein Testament machen/ und Toͤchter nur ihres muͤtter- lichen Erbguts vierdten Theil bekommen koͤnnen. L. Sancimus, C. de pœn. §. omnis, inst. de nox. act. L. quod dicitur, ff. de furt. L. 1. §. fin. ff. de priv. del. L. crim. ff. de pœn. L. supra, §. apud, ff. de aq. \& aq. pluv. Ezech. XIIX, 20. Tot. tit. C. ne fil. pro patr. L. 5. §. filii, C. ad L. Jul. majest. L 10. in fin. C. de bon. proscr. L. quisquis, C. ad L. Jul. majest. L. Spurii, ff. de Decur. L. Legem, C. de natur. lib. C. nasci, 56. distinct. L. isti quidem, ff. quod met. caus. §. 2. Ja/ wann solches Laster aus feindlichem Muth gegen allge- meinen Wesens Ruhestand und Sicherheit begangen/ oder gegen ei- Auffruhr Straffe. nes Fuͤrsten Raͤthe/ aus gegenwaͤrtigen Standes Haß/ so wird Rath und Beginnen hierinn gestrafft/ wofern der Handel nahe zu Ende ge- bracht; Wann es aber zum Auffruhr und Gefahr gegen eines Fuͤrsten D d d d 2 Per- V. Buch/ Cap. I. Person/ Wuͤrde und Ansehn durch fluchen und schaͤnden oder hart ruffen/ als Schlag/ Tod und dergleichen gerichtet/ so steht die Straffe in dessen freyen Willkuͤhr; sonst ist ordentliche Straffe das Schwerdt/ Viertheilung und Guͤter Einziehung/ oder zeitlich und ewige Landes- Verweisung/ nachdem das Zungen-Verbrechen groß ist/ was nemlich mit Arglist/ boͤsem Vorsatz und Betrug geschiehet/ ist Verrath gleich. Clem. Past. de sent. \& re judic. L. 1. 2. \& 5. ff. de crim. Majest. L. data opera, C. qui accus. non poss. L. 6. \& 7. §. 3. de crim. maj. P. H. O. Art. 218. L. 24. 28. \& 40. ff. de pœn. L. 1. in fin. ff. ad L. Jul. maj. §. 3. So kan nun das Laster beleidigter Majestaͤt in Wort und Affterreden gegen hoher Obrigkeit Ver- bot. Thaten bestehen/ massen seiner hohen Regiments Obrigkeit niemand uͤbel nachreden soll/ dann wer sich nicht scheuet/ seines Hertzens Gedan- cken mit Affterreden zu offenbaren/ darff nach Gelegenheit wohl ein mehrers wider seine Oberherrn vorzunehmen sich unterstehen/ zudem ist es mehr weibisch als tapffer/ boͤse Laͤsterung und schaͤndliche Reden gegen seine Vorgesetzte auszustossen. L. aut facta, in verbis, aut dicta aut convitia ff. de pœn. §. 4. Wer dann geuͤbten Feindseligkeit halben/ gegen gemeinen Vestung Uber- gabe Straffe. Wesens oder Fuͤrsten und Landesherrn Wohlfahrt/ als ein Verraͤther uͤberwunden/ dessen Guͤter sind auch nach seinem Tode verfallen/ und wird billig sein Gedaͤchtniß gar ausgerottet/ mag auch jederman ihn verklagen/ denen sonst der Rechtsstand verboten; deßgleichen wer oh- ne Ursachen einen ihm anbefohlenen Ort zu verwahren nachlaͤst/ oder dem Feinde auffgiebt und uͤberlieffert/ begehet das Laster beleidigten Majestaͤt und verdienet Lebens-Straffe. §. publica, \& §. 2. instit. de publ. jud. L. quisquis, \& L. pen. in fin. C. ad L. Jul. maj. L. ult. c. de Leg. L. 1. de constit. Princip. L. 3. ff. ad L. Jul. majest. Neuen Zoll Verbot. §. 5. Also auch/ wer neuen Zolls Aufflagen erpresset oder alte ver- mehret/ und Leuten dabey Gewalt anthut/ oder Hauß und Hof stuͤr- met/ wird zuweilen mit Handverlust gestrafft; Jtem/ wer je- manden aus richterlichen Obrigkeits Macht-Furcht befehdet/ oder Feinds-Brieffe schreibet/ oder mit Gewalt-schrecken Geld abpresset/ oder etwas zu kauffen/ verkauffen/ abzustehen/ unwillige Ehe zu vollen- ziehen zwinget/ uͤber seinen angesetzten Sold etwas Befehlsweise be- gehret/ muß solches vierfach wieder erstatten/ und wird ohne das wie ein Faͤlschner oder Verraͤther gestrafft. L. 3. cum seqq. \& L. pen. ff. ad L. Jul. de vi publ. L. pen. C. de his, quæ vi me- tusve. Tot. tit. C. de còntr. jud. L. quod evitandi, C. de condit. ob. turpem. §. 6. Jm Von Verraͤther und Auffruͤhrer Straffe. §. 6. Jm Fall der Noth moͤgen alle Buͤrger und Bauren/ gemei- nem Wesen zum Besten/ und Landes-Herrn Ehr oder Wohlfahrt zu befoͤrdern/ zum Kriegs-Stande gezwungen werden/ so gar auch/ daß/ Kriegsdienste Vorrecht. wer alsdann auff oͤffentlichen Befehl nicht erscheinet/ als ein Verraͤ- ther der Freyheit zum Sclaven mag gemacht seyn/ und wer seinen Sohn heimlich davon entziehet/ wird grossen Theils seiner Guͤter ver- lustiget/ und ins Elend verjaget; Hiervon aber sind ausgenommen alle leibeigene Knechte/ Ubelthaͤter/ Ehrlose und Sch uldige/ die unter Kriegswesen Vorwand Gegentheilen die Sache schwer zu machen gedencken/ deßgleichen die Alters und andern Freyheit halben sich da- von entschuldigen koͤnnen. L. 4. §. qui filium \& §. qui post, L. 8. \& 11. L. proditores, ff. de re milit. Tot. tit. C. qui milit. non poss. \& ff. de vacat. \& excommun. \& de jure immunit. Tit. C. qui ætate se excus. §. 7. Wer auch Landesherrn oder Vaterlandes Verrath weiß/ ist schuldig/ solche abscheuliche Laster zu entdecken/ deßgleichen insge- Verraths Recht zu ent- decken. mein/ wann etwan durch solche unterlassene Offenbarung das gemei- ne Wesen oder sonst eine unschuldige privat Person umkommen oder Schaden leiden muͤste/ soll man es nicht verschweigen/ darum eben so wohl Lebens-Straffe beygesetzt auff den/ der solchen Lasters bewust/ obschon nicht dazu gerathen; sintemahlen auch hier das blosse Wissen schaͤdlich und straffbar/ wann jemand nicht durch Warnung oder An- kuͤndigung eine Gefahr hat abwenden wollen. L. 6. C. de Crim. Maj. L. 5. §. ult. \& pen. Eod. §. 8. Wann eine Privat-Person wider Recht sich obrigkeitlichen Gewalts anmasset/ aus eigener Macht Galgen auffzurichten/ jeman- Salveguarde und Schutz- Brieffe Recht. den gefaͤnglich zu halten/ oder ohne Vorwissen und Zulassen zu peini- gen/ so begehet sie verletzten Majestaͤt Laster/ jedoch ist es gelinder zu straffen; Also auch/ wer Salvaguarde oder Schutz-Brieffe verletzet/ dieselben aber kan niemand brechen/ der nicht weiß/ daß sie vorhanden/ oder wann solche mit Beding erhalten/ das zur Beleidigungs Zeit noch nicht erfuͤllet/ oder auch/ wann deren Krafft erloschen/ durch Be- fehl wiederruffen/ und mit Verbot auffgehoben/ oder wegen natuͤr- und buͤrgerlichen Tod dessen/ der sie ertheilet/ oder wann jemand von sei- nem Oberherrn mit Gefaͤngniß und Todes Draͤuung gezwungen/ aus rechtmaͤßiger Furcht wegen instehender Lebens-Gefahr/ auch ein unbillig. Geheiß gethan/ so ist der Herr und nicht der Diener zu bestraf- fen; deßgleichen wann jemand selbige aus Unsinnigkeit/ uͤbermaͤßiger jedoch zufaͤlliger Trunckenheit/ Kindheit und Minderjaͤhrigkeit oder D d d d 3 baͤu- V. Buch/ Cap. I. baͤurischen groben Unverstand geschwaͤchet/ oder auch Unversehens und wider Willen es gethan/ oder so es dem Verletzer geschenckt und die Straffe verjaͤhret. L. 3. in fine, ff. ad L. Jul. Majest. L. 1. C. de priv. carcer. gloss. in verb. nec puniri C. de custod. reor. L. illud, §. si tamen, ff. de tribut. act. Arg. L. Trais. ff. de fide libert. L. legata, ff. de condit. \& demonst. L. Divus, ff. de offic. præs. L. 1. §. impub. ff. ad Syllan. L. si quis, §. 1. ff. de jurisd. ordin. L. si quis, L. juris, §. si paciscar, C. de pact. §. 9. Wer nun im Laster beleidigter Majestaͤt und Verraͤtherey Selbstmoͤrder Erbschafft wo- hin faͤllet. oder sonst durch Ubelthat Leib und Gut verwuͤrcket hat/ auch aus Furcht und Sorge seiner Missethat Straffe sich ums Leben bringet/ dessen Guͤter fallen an die Obrigkeit/ und wenn er schon ein Testament ge- macht/ hat es doch keine Krafft; wer aber aus Unsinnigkeit/ Haupt- Kranckheit oder Zweiffelmuth solches thut/ faͤllt seine Erbschafft auff nechste Erben. L. 1. princ. \& §. 1. ff. de jur. fisci. L. 3. §. 4. ff. de bon. eor. qui sibi. L. 5. C. ad L. Jul. Majest. §. interdum, verb. per contrarium, inst. de hæred. quæ ab int. L. 6. C. de incest. nupt. L. 2. qui testam. fac. poss. P. H. O. Art. 135. §. 10. Auffruͤhrer Straffe ist in Ansehung deren Ursachen nach Auffruͤhrer Straffe. Art und Weise der That Beschaffenheit und verursachten Schaden willkuͤhrlich zu benennen/ entweder das Schwerdt/ wann es ein grosser Aufflauff/ oder Geisseln mit ewiger Landes-Verweisung/ wobey zu vergleichen alle/ die jemanden zu beleidigen aus ihren Haͤusern her- vorkommen und sich versamlen/ deßgleichen wer jemanden befehdet/ oder oͤffentliche Feindschafft ankuͤndigen laͤsset/ oder aus Furcht und Bedrohung obrigkeitlicher Macht jemanden Geld abzwingen/ oder sonsten etwas einem wider Willen abpressen/ oder Feindes Brand- zeichen auffstecken/ und Freundschafft Absagungs-Brieffe zuschicken/ welches ernstlich verboten/ dazu dann einiger Waffen Schrecken ge- nung ist/ wann jemandes Begierde Schaden zu thun sich ereignet/ daß einer selbst in eigener Sache gewaltthaͤtiger Richter seyn will/ und sich hoͤren laͤst/ dieses oder jenes zu gedencken/ eiffern und raͤchen/ dero- wegen offt solche Boͤsewichte entweichen und sich an gefaͤhrliche Orte zu solchen Leuten gesellen/ da sie wider Recht und Billigkeit/ Huͤlffe/ Landzwinger Gewalt Stꝛaf- fe. Rath/ Beystand/ Fuͤrschub und Enthalt zur Beschaͤdigung finden/ dar- um auch solchen Nothfalls halben/ Gewalt mit Gewalt zu vertreiben/ das Recht der Natur frey erlaubet hat; welche boͤse Landzwinger/ davon man wegen ihrer Leichtfertigkeit Gefahr zu erwarten/ dahero mit dem Schwerdt zu verfolgen sind/ gleich denen/ die in einem Lande oder Von Verraͤther und Auffruͤhrer Straffe. oder Gebiet fuͤrsetzlichen Auffruhr erwecken/ verstohlener Weise un- zulaͤßige Volcks Versamlungen anstifften/ oder sonst boͤser Thaten im Werck sich unternehmen/ zu widerstreben/ als wann einem Exe- cutions Mittel rechtlich zu treiben von hoher Obrigkeit anbefohlen/ unangesehen/ daß sie noch nichts wiedriges bewerckstelliget; wer aber aus Furcht fuͤr jemandes Gewalt an unverdaͤchtige Orte sich entzie- het/ hat damit nichts verbrochen. P. H. O. Art. 127. 128. \& 129. L. 15. C. de Episc. \& Cler. L. 4. C. ad L. Jul. repet. L. un. C. si quac. præd. pot. L. 11. C. de his, quæ vi metusve. L. 3. C. de cond. ob turp. L. 3. §. 5. ff. de vi \& vi arm. L. 1. C. ad L. Corn. de Sicar. L. 14. ff. Eod. L. 16. §. 1. ff. de re milit. L. 2. §. 27. ff. de vi \& viarm. L. 4. princ. ad L. Aquil. §. 11. Auffruhr ist sonst gemeinen Poͤfels Aufflauff gegen gemei- Auffruͤhr- und Redelsfuͤhrer Straffe. ne Ruhe angestifftet/ wann nun solches wieder einen Fuͤrsten oder hohen Stand gerichtet/ ist es Verraͤtherey; wofern es aber gegen Obrigkeit oder Fuͤrstliche Bedienten aus sonderlichem Haß geschiehet/ ist es kein Verrath zu achten/ und wird das gemeine Volck mit Geld- Straffe belegt/ auch mit ihrer Freyheiten Beraubung/ wann nemlich die gantze Gemeine dazu gewilliget und es mit vorbedachtem Rath gut geheissen/ sonst moͤgen die Unschuldigen/ bey denen keine Schuld zu fin- den/ gar nicht gestrafft werden/ auch der sich freventlich untermischet/ ist eben kein Auffruͤhrer/ darum nur die Urheber zu bestraffen/ und hier gilt harte Straffe/ als Strick/ Flamme und Schwerdt/ auch Viertheilen/ deßgleichen Verweisung derer Redelsfuͤhrer/ der ver- fuͤhrten Menge aber soll man verschonen/ so ist auch Straffe zu maͤßi- gen/ wann Bediente durch uͤbele Regierung Ursach gegeben. P. H. O. Art. 127. L 38. §. authores, ff. de pœnis. L. 1. \& 2. C. de Seditiosis. §. 12. Verraͤtherey Anzeigung ist/ wann jemand ausser Gewohn- heit irgendwo gesehen worden/ und doch vorhin gesagt/ daß er Furcht und Abscheu dafuͤr habe/ massen bißweilen andern eine ungewoͤhnliche eitele Furcht einjagen/ oder sich also fuͤr jemanden unsicher stellen/ boͤser Rathschlaͤge Anfang und Ursprung seyn kan/ wer nun solchen Lasters beschuldiget/ soll und kan gefragt werden: Wer ihn dazu be- stellet/ und was er darum empfangen? auch wo/ wie und wenn solches geschehen/ und was ihn dazu verursacht habe? P. H. O. Art. 42. 49. 85. §. 13. Verraͤther eines Fuͤrsten/ Landes oder Stadt/ soll/ wofern Verraͤtherey Straffe. es Manns Personen/ geviertheilt/ Weibs-Leute aber im Sack er- traͤncket werden; die Straffe auch Umstaͤnde halben etwa zu vergroͤs- sern/ V. Buch/ Cap. II. sern/ werden sie geschleiffet und mit gluͤenden Zangen zerrissen; wann sie aber zu mindern/ werden sie erst enthauptet/ hernach der Leib gevier- theilet. Also/ wie ob erwehnt/ verhaͤlt sichs auch mit der Straffe/ so jemand seinen eigenen Herrn/ nahen Bluts-Verwandten und Bett- genossen Freund/ verrathen haͤtte/ welcher Gestalt es grossen Schaden oder Aergerniß verursacht/ nach Richters Ermessen; Ja Eheleute unchristlichen Uneinigkeit vorsaͤtzliches Verharren wird mit 4. Wo- chen Gefaͤngniß oder Landes-Verweisung gestrafft/ groͤsseres Unheil dadurch zu verhuͤten. P. H. O. Art. 124. L. 6. ff. ad L. Jul. pecul. L. 38. §. 2. ff. de adult. §. 14. Wer sonst einem Verraͤther/ Spion und andern Missethaͤ- Missethaͤter Hehler Straf- fe. thaͤter wissentlich ohne Antrieb natuͤrlichen Freundschafft verbirget/ hat Lebens-Straffe verdienet/ und ist solches auch in buͤrgerlichen Rechten an sich selbst eine Ehrlose That/ massen der Hehler so gut als der Stehler; So koͤnnen auch Weiber Ubelthat wegen in Bann gethan/ das ist/ aller weiblichen Freyheit beraubet werden; jedoch ist Ubelthaͤter Verkundschafftung jederman Straff frey. Weilen man sich auch weniger vor Gifft als einem Degen huͤten kan/ ist es eine verraͤtherische That/ die Mord- und Todtschlag gleichmaͤßige Straf- fe verdienet. L. 1. C. de his qui Latron. L. 9. C. ad L. Jul. de vi. L. 7. ff. de publ. jud. L. metum, §. animadvertendum ff. quod met. caus. L. 1. C. de malef. L. 3. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 5. C. de summa Trinit. L. 9. C. de his quib. ut indign. §. 15. Wann nun ein Weib dem Mann Gifft-Artzney beyge- Vater-Moͤr- der Straffe. bracht hat/ ob schon er nicht daran gestorben/ soll sie dennoch enthau- ptet/ und alle/ die von der That wissen/ Landes verwiesen/ die Mit- helffer und Rathgeber aber der Thaͤterin gleich gestrafft seyn; Also/ Vater-Moͤrder soll man durch Sack im Wasser/ mit Hund/ welschen Hahn/ Otter und Affen oder Katzen/ Himmels/ Erde/ Sonn und Lufft berauben. Wann aber sonst ein Weib Ehebruch begehet und Hun- gers-Noth vorwendet/ wird sie nicht gehoͤret; jedoch/ wann ein Weib ihren Mann/ oder ein Ehegatte den andern bestiehlet/ wird es dem Ehestand zu Ehren uͤbersehen; also/ wann auch Kinder denen Eltern etwas hinweg tragen/ so mag der Thaͤter allein um Entwendung/ nicht aber Erbarkeit halben um Diebstahl beklagt werden. L. 7. ff. \& L. fin. C. de Sicar. L. 43. §. 5. ff. de R. N. L. 2. ff. ad L. Rhod. de jactu. c. querelam, Ext. de jurejur. L. 2. ff. de nupt. L. 1. \& 2. ff. \& tot. tit. C. rer. amot. L. si quis, §. 1. L. 36. §. 1. L. 16. L. fin. §. fin. ff. de furt. §. hi, qui inst. de obl. quæ ex del. nasc. §. 16. So Von Verraͤther und Auffruͤhrer Straffe. §. 16. So jemand sein Eheweib oder Kinder boͤsen Gewinns und schaͤndlichen Genusses halber/ wie es Nahmen haben kan/ williglich/ durch schmeichelhaffte Worte und Uberredungen oder schandbare ge- Huren Wirth- schafft Verbot. heime Zulassung/ zu unehrlichen/ unkeuschen und schamlosen Wercken gebrauchen laͤst/ der ist Ehrloß/ und soll/ vermoͤge gemeiner Rechten/ am Leben oder Umstaͤnden gemaͤß/ als Diebe und Moͤrder der Keusch- heit/ mit peinlichen willkuͤhrlichen Straffe ernstlich angesehen werden; Es muß aber solche Huren-Wirthschafft zum Gebrauch Zweck voll- fuͤhret seyn; und wann ein Vater zu solchen Huren-Wirthschafften oder auch geheimen Verloͤbnissen wissentlich stillschweiget noch wie- derspricht/ wird dafuͤr gehalten/ daß er gewilliget. P. H. O. Art. 122. L. 29 §. 4. ff. ad L. Jul. de adult. L. 4. §. 2. ff. de his, qui not. in- fam. L. 37. §. 1. ff. de minor. Nov. 14. vers. præconizamus. L. 7. §. 1. ff. de Spons. L. 5. C. de nupt. §. 17. Nachdem auch offtermahlen unverstaͤndige Weibs-Bil- Kupplerin Straffe. der/ unschuldige Maͤgdlein und sonst ehrliche unverlaͤumbdete Perso- nen durch einige boßhaffte Mann- und Weibes-Leute betruͤglicher Weise/ damit ihnen ihre Frau- oder Jungfraͤuliche Ehre entnommen werde/ zu suͤndlichen Wercken des Fleisches hingezogen werden/ sol- che gottlose Kuppler- und Kupplerinnen/ auch diejenigen/ so wissent ge- faͤhrlicher Weise ihre Haͤuser dazu leihen/ oder darinn zu beschehen ge- statten/ sollen nach Mißhandlungs Gelegenheit gestrafft werden ent- weder mit Landes-Verweisung/ Stellung an Pranger und Halßeisen/ Ohren Abschneidung/ oder mit Ruthen Aushauung und dergleichen; Und solche Straffe haben auch Haußherren verdienet/ die ihre eigene Dienst-Maͤgde durch Schmeicheley oder Gabe dazu verfuͤhret haben. P. H. O. Art. 123. L. 6. §. 1. ff. ad L. Jul. de adult. L. 8. ff. Eod. L. 12. C. de Episc. aud. §. 18. Deßgleichen/ wer eines andern Sohn oder Knecht auff- Gesinde Ver- leitungs Ver- bot. nimmt/ verdirbet und aͤrger macht/ wird peinlich beklagt/ darum soll niemand eines andern Knecht/ Diener oder Jungen/ ohne schrifftlichen Schein ehrlichen Erlassung/ auffnehmen/ vielweniger abspenstig ma- chen; ein anders aber waͤre es/ solches aus Leutseligkeit/ Mitleiden oder andern gerechten Ursachen zu thun/ wann etwa einem Knecht von sei- nem Herrn der Abschied oder Paß-Brieff geweigert wuͤrde/ und was alsdann keinen Herrn hat/ gehoͤret dem zu/ der es annimmt; Sonsten mag auch unter gebuͤhrlichen Straffe kein Dienstbote seine Herr- schafft verlassen/ ehe das Jahr oder rechte Zeit um ist/ und der Schuͤrtz- oder Fahrtag erschienen. L. 5. \& L. ut non tantum, ff. de serv. corrupt. L. 5. ff. de Extraord. Crim. L. 3. ff. de acquir. rer. dom. E e e e Caput V. Buch/ Cap. III. Caput III. Vom Friedbruch/ Wunden/ Vergifftung/ Mord- und Todtschlag. §. 1. W Er seine Wehr- und Waffen anders als in zugelassenen Din- Friedbrecher Straffe. gen mißbraucht/ wird fuͤr einen oͤffentlichen Friedbrecher gehal- ten/ und dem Verbrecher des gebotenen Friedes soll die rechte Hand abgehauen/ Landes verwiesen oder am Halse gestrafft werden; Also wer bey Todtschlag mit verletzen und wunden geholffen/ daß offen- bar erhellet/ wie sie alle den Vorsatz zu toͤdten gehabt/ indem oͤffters ein jeder mit wiederhohleten Schlaͤgen auff den Ermordeten gewuͤtet und toͤdtliche Wunden ihm zugefuͤgt/ welches nach Art der Waffen/ That Beschaffenheit und Wunden Vielheit erscheinet; wann es aber schlechter Dinge ungewiß/ wer der rechte Thaͤter sey/ auch unmuͤglich/ daß alle insgemein und jeder insonderheit einen ertoͤdtet/ so ist besser/ gelinde zu straffen. L. 1. ff. ad L. Jul. de vi publ. Tot. tit. C. ut armor. usus. L. 11. §. 2. \& 4. ff. ad L. aquil. L. 5. ff. de pœnis. Peinlichen Frage genug- same Anzeiger. §. 2. Wann auch genugsame Anzeigung vorhanden/ so mag man die Verdaͤchtigen peinlich fragen/ als wann einer Streits Urheber oder sonst ein beruͤchtigter Zaͤncker/ oder mit ungewoͤhnlichem Vorsatz gewaffnet an solchen Ort hingangen/ allwo darnach Schlaͤgerey ent- standen/ oder so jemand wegen empfangener Schmaͤhung/ Wunden oder Schlaͤge dem Entleibeten feind gewesen/ oder auch alsbald nach veruͤbtem Mord noch vor angestelter Nachfrage sich zur Flucht begiebt; deßgleichen wann einer aus vielen das Licht ausgeloͤscht/ oder eines Degen mit Blut besudelt/ er koͤnne denn erweisen/ daß er ihn lange fuͤr der That abgelegt oder verlohren/ oder es waͤre einer fuͤr allen mehr verdaͤchtig. §. 3. Eines Argwohns einige Anzeigung aber ist zur peinlichen Peinlichen Frage Arg- wohns Anzei- ge. Frage nicht genung allein/ es waͤren denn etliche verdaͤchtige Stuͤcke bey einander auff jemand erfunden/ die dazu erheblich zu ermessen wegen deren Ursachen Wichtigkeit/ und ob nicht Gegenvermuthung/ die ver- dachte Person von der Missethat zu entschuldigen/ vorhanden/ als daß ihm der Degen entzogen/ oder selbst ihn lange vorher verlehnet/ ver- schencket/ vertautscht/ verkaufft oder hinweggeworffen; so nun des Argwohns Ursachen groͤsser als der Entschuldigung/ soll peinliche Fra- ge ge- Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. ge gebraucht werden/ widrigen Falls nicht; so aber einer bey der That Ubung etwas verliehret/ hinter sich liegen oder fallen laͤst/ das man hernach erkundiget/ daß es vor dem Verlust sein gewesen/ so waͤre pein- lich zu fragen/ wofern nicht dagegen tuͤchtige Entschuldigungen fuͤr- zuwenden/ die ihn befreyen moͤgen; Jedoch giebt eines versuͤhneten Feindes Bekaͤntniß gegen peinlich Angeklagten keine gewisse Ver- dachts Anzeigung/ weilen allhier annoch des alten Hasses Argwohn zu vermuthen/ und dahero bevorstehenden Gemuͤths Rachgier uͤbrig zu fuͤrchten/ daß alte Freundschafft nimmer vollkommen zu hoffen/ viel- mehr nach Gelegenheit Schaden zu erwarten. P. H. O. Art. 27. 28. 29. L. 19. ff. de pœnis. L. 47. ff. de obl. \& act. L. 125. ff. de R. J. §. 4. Allgemeinen Verdachts Anzeigungen bey allen Missethaten sind: Ob eine Person also verwegen und leichtfertig von boͤsen Leu- Ubelthaten Verdachts Anzeigen. muth und Geruͤchte sey/ daß solcher Argwohn auff sie fallen/ und man sich der Missethat zu ihr versehen moͤge? Oder ob sie dergleichen vor- mahls geuͤbet/ unternommen oder bezuͤchtiget worden sey? Dennoch soll dieser Leumuth nicht von Feinden oder losen Buben/ sondern auff- richtig- und unpartheyischen Leuten herkommen; Jtem/ ob die ver- dachte Person an denen That halber gefaͤhrlichen Orten gefunden oder betreten? Ob jemand in der That oder auff dem Wege dazu oder da- von begriffen/ gesehen worden/ und Falls ein Thaͤter nicht erkant waͤ- re/ soll man auffmercken/ ob die verdachte Person solche Gestalt/ Klei- der/ Waffen/ Pferd/ oder anders etwas bey sich gehabt/ als am Thaͤ- ter gesehen? Ob auch jemand bey solchen Leuten/ die dergleichen Mis- sethaten zu veruͤben pflegen/ Wohnung/ Gemein- oder Gesellschafft ge- habt? Ob in Beschaͤdigungs Faͤllen einer aus Neid/ Feindschafft/ vorhergehenden Draͤuung oder einigen Nutzgewartung zur Ubelthat Verwundeten Bezuͤchtigung. Ursach haͤtte nehmen koͤnnen? Jtem/ Thaͤters Fußtapffen in Schnee oder Sand; Ob auch etwa ein Verletzt- und Beschaͤdigter aus etli- chen Ursachen einen selbst der Missethat beschuldiget/ darauff stirbet oder bey seinem Eyd betheuret. P. H. O. Art. 25. L. 6. C. ad L. Jul. repet. §. 5. Todtschlags Argwohn wird vergroͤssert/ wann der Thaͤter am verdaͤchtigen Ort im Walde/ da wenig Leute hinkommen/ auff je- mand lauret/ oder auff oͤffentlicher Strasse anfaͤllet/ und zwar mit toͤdtlichen Waffen/ oder einen am Kopff verwundet/ und bey der Kaͤh- le anfasset/ wie auch/ wann zwischen Verwandten der That halben E e e e 2 keine V. Buch/ Cap. III. keine Reu und Leid erfolget/ nach welchen Vermuthungen entweder peinliche Frage anzustellen/ oder nach Personen Beschaffenheit Rei- nigungs Eyd zu verstatten; So auch einer geschlagen wird/ und uͤber Verwundeten Gefaͤhr Tage Recht. eine Zeit lang hernach stirbet/ daß man zweiffelt/ ob er an Streich- und Wunden gestorben waͤre oder nicht? so moͤgen beyde Theile deßfalls dienliche Beweisungs Kundschafft anfuͤhren/ nemlich Sachverstaͤn- digen Wund-Aertzte und andern Personen Zeugniß brauchen/ die da wissen/ wie sich der Verstorbene nach den Schlaͤgen gehalten/ ob er lange darnach und zwar nach der Leute Wahn uͤber die Gefaͤhr Tage gelebt/ welche Wunden und Auffwuͤrffe vor Begraͤbniß zu besichtigen/ und sollen Beklagten Freunde/ wegen dessen Unterhalt/ Aetzung/ Fut- Peinlich Be- klagten Freun- de Pflicht. ter und Mahl im Gefaͤngniß Versicherung leisten/ wie nicht weniger wegen Klaͤgers Kosten und Schaden/ wann nemlich des Beklagten Entschuldigungs Ausfuͤhrung nach Richters Urtheil uͤbel und unrecht gegruͤndet erfunden. L. 1. \& 5. C. ad L. Corn. de Sicar. P. H. O. Art. 147. 149. \& 153. L. 1. §. 3. ff. de var. Extr. cognit. §. 6. So auch einer mit dem andern um groß Gut/ das seiner Haabe/ Vermoͤgen und Nahrung mehrer Theil antrifft/ rechtet/ wird Großẽ Rechts Streit Feind- schafft Ver- dacht. er fuͤr seines Wiedertheils Mißgoͤnner und grossen Feind geachtet; darum/ so jener heimlich ermordet/ ist wider diesen Vermuthung/ daß er den Mord gethan/ und wo sonst die Person ihres Wesens verdaͤch- tig/ mag man sie gefangen nehmen/ ja wohl hierauff peinlich fragen/ wofern jemand nicht derohalben redliche Entschuldigung haͤtte/ und solchen Verdacht gebuͤhrend abkehnen koͤnte; also sind Todtschlags sonderliche Anzeigen/ wann jemand mit blutigen Waffen oder Kleidern gesehen worden; wann einer etwas von des Erschlagenen Gut gehabt; und/ wie gemeldt/ des Verwundeten eydliche oder mit Tod bekraͤfftigte Todtschlags sonderliche Anzeige. Bekaͤnntniß oder Beklagten Gestaͤndniß/ der aber Entschuldigung vor- wendet; Jtem/ wann des Streits vornehmster Urheber und Anfaͤn- ger mit verdaͤchtigen Wehr- und Werckzeugen irgendwo gesehen wor- den; so wird auch Todtschlaͤgers Gemuͤthe aus Waffen-Zeug und Ort vermuthet/ an und mit welchem einer geschlagen. P. H. O. Art. 25. 26. \& 33. C. 18. X. de homicid. L. 1. §. divus, de Sicar. §. 7. Wer nun einen andern nicht ohne Schuld/ Gefaͤhrde und Todtschlags Straffe. Arglist/ sondern vorsaͤtzlich todtschlaͤgt/ soll enthauptet werden/ wie auch alle/ die aus Fuͤrsatz und boͤsen Willen Schuld und Ursach dazu geben/ daß ein Mensch sein Leben verliehret/ sind in gleicher Straffe; wer Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. wer aber Todtschlags That bekennet/ und jedoch dagegen rechte Noth- wehr darthut/ soll ungestrafft bleiben/ darff auch des Entleibeten Freunden keinen Abtrag dafuͤr thun/ sintemahl Gewalt mit Gewalt abzutreiben nicht verboten; und zwar ist eines Menschen Verlust- Schaden nach allgemeinem Urtheil zu schaͤtzen/ wegen seiner Kunst oder Handwercks Arbeit/ wegen Alter und Gesundheit/ wie lang er noch haͤtte leben koͤnnen/ was also seiner Wittwen und Kindern ab- gangen? Ungestalten Narben aber oder Qvaal und Schmertzen hal- ben/ die der Beschaͤdigte erlitten und behalten/ mag man bey dieser Schaͤtzung nicht gedencken/ ausgenom̃en bey unverheyratheten Maͤgd- Narben Schaͤ- tzung bey Maͤgdlein. lein/ wofern etwa deren Gesichts Gestalt geschaͤndet/ daß sie derowe- gen einer groͤssern Mitgifft benoͤthiget/ waͤre es nach Gewohnheit zu beobachten. C. cum homo, in princ. C. si homicidium, C. non est, 23. q. 3. C. ult. vers. à veri- dicis, 13. q. 2. L. 3. §. 1. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 1. \& pen. ff. Eod. L. 2. 3. 4. \& 8. C. Eod. L. 3. C. de Episc. aud. C. 1. X. \& C. de homicid. in 6. Gen. IX. Num. XXXVIII, 22. Deut. XIX, 4. \& 5. L. pœna, qui alias, ff. ad L. Pompeji de parricid. §. item lex, inst. de publ. jud. L. ita vulneratus, ff. ad L. aquil. L. 4. in princ. cum L. seq. L. 45. §. qui cum, ff. Eod. L. 1. §. vim vi, ff. de vi \& vi. L. Sancimus, C. de pœn. L. data opera, C. qui accus. poss. L. ult. ff. de his qui effuder. L. 3. \& ult. ff. si quadr. pauper. §. 8. So nun ein Artzt aus Unfleiß oder Kunst Unerfahrenheit und dennoch ohne Fuͤrsatz jemanden mit seiner Artzney ertoͤdtet/ auch Aertzt- und Wundaͤrtzte Mord Straffe. gelehrt und verstaͤndige Leute befinden/ daß er solche verwegen/ leicht- fertig/ ungegruͤndet und unzulaͤßiger Weise/ wie ihm nicht geziemet haͤtte/ zu mißbrauchen sich unterstanden/ und dadurch zu eines andern Tode Ursach gegeben/ der soll nach Sachen Gestalt und Gelegenheit bestrafft werden; und soll man dißfalls allermeist Achtung geben auff solche Freveler/ die sich Artzney unternehmen und ohne Grund gelernet/ weilen sich niemand etwas soll anmassen/ darinn er weiß/ daß seine Schwachheit andern gefaͤhrlich ist; wann aber ein Artzt oder Wund- Artzt dergleichen Toͤdtung mit Wissen und Willen gethan/ alsdann ist er gleichwie ein fuͤrsetzlicher Moͤrder zu straffen/ wer aber seine Kunst versteht/ deren Graͤntze nicht uͤbergeht/ fleißig und behutsam den Kran- Bruchschnei- der und Qvack- salber Artzney Verbot. cken fuͤr wiederwaͤrtigen Dingen warnet/ ist an dessen Tod unschul- dig; darum auch wegen Artzney Sachen/ Weiber/ Bruchschneider/ Qvacksalber/ Juden/ Landstreicher und andere Stoͤrger sollen verbo- ten seyn. P. H. O. Art. 134. L. 33. ff. ad L. aquil. L. 6. §. 7. ff. de offic. præs. L. 8. princ. \& §. 1. ff. ad L. aquil. L. 7. §. 8. \& L. 31. ff. Eod. E e e e 3 §. 9. Art V. Buch/ Cap. III. Todtschlags Arten Unter- scheid. §. 9. Art des Todtschlags ist sonst arglist-schuldhafft-unverse- hen oder nothwendig; Betruͤg- und fuͤrsetzlich- oder vorbedachter muthwilliger Todtschlag ist/ der boͤß und freventlich mit Rath und Willen geschiehet/ als einen mit Vorsatz also fort gar todtschlagen/ oder jedoch mit oder ohne Gewehr toͤdtlich verwunden/ es seyen die Waffen moͤrdlich oder nicht/ als Axt/ Beyl/ Messer/ Hacken/ Rohr/ Keule/ Stuͤckholtz/ Pfahl/ Dreschflegel/ grosser Stock und Stein/ nicht aber mit kleinen Spatzier-Stecken/ kleinen Steinen/ Schnee- ballen und dergleichen; Ohne Gewehr/ wann nur das Fuͤrhaben da gewesen/ als einen ins Wasser stossen zu ersaͤuffen/ mit Fuͤssen treten daß er stirbet/ oder sonst so viel mit Faͤusten am Kopffe/ an Schlaff/ Liebes-Traͤncke Mordthat Straffe. Brust und Seiten schlagen; Und hieher gehoͤret Todtschlag/ der aus Zorn geschieht/ ohn erhebliche Ursach und Nothwehr; Ferner/ so man einer Weibes-Person Liebes-Tranck eingiebet/ daß sie davon stirbet/ diese alle werden mit dem Schwerdt gestrafft. L. 7. §. occisum, ff. ad L. Aquil. L. si servus, §. si mulier. L. scientiam, §. qui cum ff. Eod. L. 1. §. divus ff. ad L. Corn. de Sicar. L. eum qui, C. Eod. L. necare, ff. de liber. agnosc. Arg. L. 1. C. de Emend. Serv. Gen. IV. \& IX. Matth. XXVI. 7. Num. XXXV, 21. L. si quis. §. qui abort. ff. de pœn. Arg. L. nihil, ff. ad L. Corn. de Sicar. §. 10. Da man nun unzulaͤßige Dinge an unziemlichen Orten Boßhafften uñ fuͤrsetzlichen Todtschlags Arten. thaͤte/ als auff der Strassen ein Rohr oder Buͤchse unter die Leute ab- schiessen/ oder jemanden bey Tag oder Nacht in die Fenster schlagen und ertoͤdten; also ein Todtschlag auff eines andern Geheiß/ auch ohne Gewinns Hoffnung vollbracht/ ist boßhafftig/ derowegen beyde des Todes schuldig/ es waͤre denn jener bey seinem Befehl nicht geblieben/ sondern haͤtte solchen uͤberschritten; So ist es auch fuͤrsetzlich/ wann Schiedmanns Ertoͤdtung Straffe. einer im Gezaͤncke/ wo mehr Personen/ den einen gemeynet/ und aus Jrrthum einen andern oder den Schiedsmann getroffen/ weilen hier- inn der Thaͤter mit Arglist begriffen/ darum wann jemand einen zwi- schen kommenden Schiedsmann toͤdtet/ ist er nicht gar zu entschuldigen/ er waͤre denn also in seiner Nothwehre von demselben verhindert/ daß er seiner Person ohne einige Lebens-Gefahr nicht verschonen moͤgen. L. quoniam, C. ad L. Jul. de vi publ. L. 11. §. fin. ff. de pœn. L. un. C. quando lic. unicuiq; L. 1. C. unde vi. L. 1. §. in bestiis, si quadrup. pauper. Zuͤchtigung Maasse Uber- schritt Straffe. §. 11. Wann aber der Mord nicht boßhafft/ fuͤrsetzlich aus Ge- muͤth und Meynung zu toͤdten geschehen/ als Zuͤchtigung Masse an Weib und Kindern uͤberschritten/ da man sie mit toͤdtlichem Gewehr so hefftig pruͤgelt/ schlaͤgt oder zum Tode verwundet/ wird gelinde mit Schwerdt Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. Schwerdt gestrafft/ deßgleichen/ wer die Seinigen in dazu angereitzt- und verursachtem Zorn erschlaͤgt/ oder auff frembden geziehlet/ diesel- ben trifft/ wie auch Minderjaͤhrige unter 16. Jahren/ Leute von me- lancholi scher disposition, Albern/ Wahnwitz- und Unsinnig oder Ver- ruͤckte zur Zeit des Paroxismi, deßgleichen bey grosser ungefaͤhrlichen Trunckenheit/ werden mit Schwerdt gerichtet. Arg. L. si adult. §. imper. ff. ad L. Jul. de adult. L. Grachus, ff. Eod. L. qui cum §. libertus, Eod. L. fere in omnibus, ff. de R. J. L. aut facta, §. personam ff. de pœn. §. 12. Ein harter Todtschlag ist/ da einer Gewinns wegen sich miethen/ erkauffen oder bitten laͤst/ einen andern zu toͤdten/ wobey Harten ver- dungenẽ Todt- schlags Strafe Wunden/ Schlaͤge und Verletzung/ ob schon der Geschlagene nicht gestorben/ an beyden Verbrechern mit Schwerdt zu straffen/ und de- ren Coͤrper/ andern zum Abscheu/ auffs Rad zu flechten/ wer aber sei- ne Blutsverwandten also hinrichten laͤst/ unterwirfft sich Vatermord Blutsfreunde Mordstraffe. Straffe; wann dann auch Mords Fuͤrnehmen/ so zur nechsten That/ als Anfall und Verwundung/ Geld oder Guts Abnahme/ und nicht zur gaͤntzlichen Wuͤrckung gereicht/ dennoch mit grossen Umstaͤnden be- schweret/ wird es/ wie Land-Friedbruch/ mit Schwerdt oder Rad ge- strafft. L. non ideò, vers. \& si dicas C. de accusat. §. 13. Wann Thaͤter mehr als einen umgebracht/ tyrannisiret oder mehr Hauptverbrechen geuͤbet/ ist die Straffe zu erhaͤrtern mit Mordthãter Veꝛduppelung Straffe. Schleiffung zur Gerichts-Statt/ Zangengriffen/ oder von unten biß oben aus mit Rad zu stossen/ darauff geflochten/ so viel Knuͤttel als Mordthaten einer begangen/ dabey auffhencken lassen/ nebst einem Taͤflein/ darauff die Ubelthaten/ andern zum abscheulichen Gedaͤcht- niß/ angemercket sind. §. 14. Schuldhaffter Todtschlag ist/ allwo zwar kein Fuͤrsatz/ je- doch der Thaͤter nicht ohne Schuld und Straffe/ als verbotene Dinge/ Maͤurer Un. vorsichtigkeit. wie vor beruͤhret/ an ungebuͤhrlichen Orten zu thun/ auff der Gassen mit Steinen werffen/ oder sonst einen mit Pferd uͤberrennen/ oder so fern jemand bey unverbotenen Dingen nicht Fleiß angewandt/ es zu verhuͤten/ als wann Maͤurer an offener Strassen arbeiten/ Ziegelstei- ne ohne Geschrey vom Hause abwuͤrffen/ oder sonsten grosse. Stel- lungen und Winden nicht fest auffgehenckt/ daß sie fielen und jemand toͤdteten/ solches wird nach Sachen Beschaffenheit mit Geldbussen/ Gefaͤngniß/ Staupenschlag und Landes-Verweisung gestrafft. L. 31. §. pen. L. 45. §. pen. ff. ad L. Aquil. §. item si putator, instit. Eod. C. dilectus, c. exhibita c. 22. Extr. de homicid. L. 1. §. hæc actio, ff. si mens. fals. dix. L. quæsitum, §. eum quoque, L. quod Nerva, ff. de precar. §. 15. Wann V. Buch/ Cap. III. Vielheit der Wunden und Thaͤter Recht. §. 15. Wann ein Schiedsmann/ der ein gut und rechtlich zugelas- senes Werck fuͤr hat/ daruͤber einen entleibet/ ist aller Straffe frey; wann nun sonst einer von Vielheit und nicht von Toͤdtligkeit derselben Wunden/ so ihm viele zugefuͤgt/ stirbet/ werden die Thaͤter willkuͤhrlich gestrafft/ wofern sich aber viele vereiniget haben/ einen zu toͤdten/ muͤssen sie auch alle sterben; ja wann viele in Zechgelach- oder Gesellschafft gewesen/ und der Thaͤter nicht zu finden/ sollen sie willkuͤhrlich gestrafft werden; so fern aber der Getoͤdtete unter vielen Wunden eine toͤdtliche haͤtte/ und man wissen koͤnte/ wer sie gethan/ derselbe muß allein am Leben/ die andern willkuͤhrlich gestrafft seyn; und wann er viel toͤdtli- che Wunden hat/ soll man alle Thaͤter zeitlich oder ewig Landes ver- Toll- u. Kranck- sinnigen Thaͤ- ter Recht. weisen. Wer auch nach begangener Missethat toll und unsinnig wird/ ist zwar damit genungsam gestrafft/ jedoch soll man erkundigen/ ob es eine warhaffte und nicht nur angenommene Tollheit sey/ also auch wegen Krancksinnigen/ natuͤrlich Stumm/ oder andern Gebrechlichen/ soll man es der Obrigkeit heimstellen/ und bey derselben sich Rechtens erhohlen. L. 1. §. quæri, ff. ad SCt. Turpill. L. 1. §. divus ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 13. §. 1. ff. de offic. præsc. L. 12. \& 14. ff. ad L. Corn. de Sicar. Bey Thaͤter Vielheit wann Folter statt findet. §. 16. Ferner/ wann viele einen toͤdten/ die alle des Sinnes gewe- sen ihn umzubringen/ so kan man mit ihnen zur Folter schreiten/ um den rechtschuldigen Thaͤter/ so die toͤdtliche Wunde gegeben/ zu erfah- ren/ und denen andern andere Leibes-Straffe anzusetzen/ wann sie sich aber nicht verglichen/ und nur eine Wunde/ oder nicht so viel als Personen bey der Schlaͤgerey gewesen/ auch einer unterm Hauffen/ der einen boͤsen Nahmen und Geruͤcht hat/ daß er zuvor andere mehr verwundet/ oder sonst boͤse Stuͤcke begangen/ und es ungewiß/ wer die Wunde gethan/ mag man diesen/ die Warheit zu erkundigen/ wohl foltern lassen. Toͤdtlichen Wunden Recht. §. 17. Deßgleichen/ wofern einer dabey des Entleibeten Feind gewesen/ faͤllt der Argwohn auff ihn/ und mag gepeiniget werden; ja wann auch unterschiedene toͤdtliche Wunden den Tod verursacht/ und man nicht weiß/ wer die erste gegeben/ oder der vornehmste Todtschlaͤ- ger sey/ so ist besser im Zweiffel den Schuldigen loß lassen als Unschul- digen verdammen; ja wann bißweilen Wunden toͤdtlich und der Ver- wundete dennoch lange krancken kan/ oder keine Aertzte leiden noch zu sich kommen lassen will/ oder nach empfangener Wunde unordentlich lebet/ und des Artztes Rath nicht folget/ daruͤber etwa ein Fieber zuge- schla- Von Friedbruͤcher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. schlagen/ so wird jedoch vermuthet/ daß die Wunde solches verursacht/ und er daran gestorben/ und kan also bey selbstigen Wunden toͤdtlichen Beschaffenheit des Verwundeten Versaͤumniß und Ungedult/ den Thaͤter zu verschonen/ und von gewoͤhnlicher Straffe zu entledigen/ nicht helffen. L. 5. ff. de pœn. Arg. L hæc stipulatio, §. divus, ff. ut lege non cav. L. nihil inter- est, ff. ad L. Corn. de Sicar. L. un. in fine, C. de Emend. Serv. L. 51. in princ. ff. ad L. Aquil. L. 3. \& seq. ff. de just. \& jur. L. 2. ff. de arbitr. jud. §. 18. Wann nun jemand schwerlich verwundet/ um zu wissen/ ob eine Wunde toͤdtlich/ soll man Wundaͤrtzten/ als jedern Meister in Wundaͤrtzten wie zuglauben. seiner Kunst/ bevorab wann sie genungsame Ursachen vorbringen/ glauben/ falls sie aber nicht uͤbereinstimmen/ wird Toͤdtlichkeit ver- muthet; dabey jedoch Verwundung Beschaffenheit zu erforschen/ ob die Kranckheit natuͤrlich oder mit Zauberey angethan? Ob der Todte an Wunden gestorben/ und wie sich der Verwundete verhalten/ wie lange er Bettlaͤgerig/ ob er wohl verpfleget/ vom Wirth oder Ein- wohner/ oder ob er von andern Zufall verstorben/ ob er alsofort oder Verwundung Beschaffenheit Erforschung. etliche Stunden und Tage hernach verschieden? Ob die Wunde ge- stochen oder gehauen/ und mit was fuͤr Waffen sie gemacht/ ob sie da- mit uͤberein kommen oder nicht? deßgleichen/ ob sie toͤdtlich am Kopff/ davon das Hirn entflossen/ oder am Leibe und Eingeweide/ davon Wunden Auff- schnitt und Tieffe Besich- tigung. der Mist entgangen; dahero/ deren eigentliche Tieffe zu erfahren/ im Zweiffel und Nothfall/ Wunden-Auffschnitt und Besichtigung dien- lich/ wofern es Orts und Zeiten Gelegenheit zulaͤsset/ daß es nicht et- wan in gar hitzigen Sommer/ oder weit von der Stadt entlegen. L. 1. in princ. ff. de ventr. inspic. §. 19. Wann nun/ wie vorgemeldt/ dabey zu beobachten vorfallen kan/ wie sich der Verwundete waͤhrender Kranckheit verhalten? Ob Gefaͤhr-Tage Zahl- und Ver- wundeten Ver- haltungs Pflicht. er deren Aertzte Rath gefolget/ sich der Maͤßigkeit beflißen/ Wund- Traͤncke zu sich eingenommen/ oder solchen Befehl verabsaͤumet/ der Wunden Verband-Tuͤcher abgerissen und uͤbel verhalten/ daß er durch andern Zufall gestorben/ aus Faulheit nemlich und Versaͤum- niß/ oder Unverstand und Abwesenheit deren Aertzte/ Apothecker und Feldscheer/ weilen ein toͤdtlich Verwundeter schwerlich 40. Tage zu uͤberleben vermag/ nach welchen er an Wunden verstorben/ nicht geglaubet wird/ als ist des entleibeten todten Coͤrpers Besichtigung hochnoͤthig/ dabey die vornehmsten Stuͤcke sind: Auffschnitt der Wunden/ um zu sehen/ was eigentlich verletzt und verderbet; darnach der Wunden genaue Betrachtung/ ob sie an gefaͤhrlichen Leibes-Ort/ F f f f darauff V. Buch/ Cap. III. darauff gewiß der Tod folgen muͤssen/ geschehen? Ferner/ derer Waf- Waffen Bey- fuͤgungs Recht zur Wunden. fen Beyfuͤgung zur Wunden/ ob der Degen oder das Messer an Brei- te und Laͤnge mit derselben uͤbereinkomme; Endlich der Wunden Toͤdtlichkeit Bekraͤfftigung/ samt deren Beschaffenheit von Aertzt- und Wund-Aertzten beygesetzte Verjahungs Ursachen. P. H. O. Art. 148. Todten Coͤrper wann wieder auszugraben. §. 20. Wann aber eines entleibeten Coͤrpers Besichtigung unter- lassen/ oder zur Gnuͤge nicht gebuͤhrend beschehen/ und also begraben/ daß man nicht weiß/ ob die Wunden toͤdtlich gewesen und ordentliche Straffe statt finden moͤge/ so kan er wieder ausgegraben/ und von Wund-Aertzten in Augenschein genommen werden/ es seyen ihrer viel oder wenig/ nachdem sie zu bekommen/ so fern nur etwa der Leib nicht zu lange schon in der Erden gelegen/ daß die verfaulte Wunden nicht wohl mehr anzuschauen/ noch zu erkennen; Bey eines Entleibeten Be- sichtigung aber vor Begraͤbniß/ damit solcher unterschiedenen Ver- wundung wegen gebuͤhrlichen Erkaͤntniß Maͤßigung kein Mangel vorhanden sey/ soll der Richter/ samt zween Schoͤppen/ Gerichtschrei- ber und einem oder mehr Wundaͤrtzten/ die man haben kan/ auch wohl dazu beeydiget/ den todten Coͤrper an allen seinen empfangenen Wun- den/ Schlaͤgen und Auffwuͤrffen/ wie sie erfunden/ fleißig verzeichnen und befehen lassen. Arglist- und muthwilligen Todtschlags Straffe. §. 21. Alle muthwillige Todtschlaͤge nun/ als wer jemanden mit Vorbedacht/ ob schon schlecht mit der Faust/ ums Leben bringet/ wes Standes auch der Erschlagene gewesen/ oder wer einen andern mey- net/ einen andern aber trifft und ermordet/ wobey dennoch der Vor- satz obhanden/ und bey Ubelthaten Arglist zu vermuthen. Der Muth- will und Arglist sonst aber/ in buͤrgerlichen Sachen zu erweisen/ sind nach goͤttlichem Gesetz verboten/ und werden nach kaͤyserlichem Recht mit Schwerdt zum Tode/ die aber nicht vorsetzlich geschehen/ am Leibe mit Bann- oder Geldbusse und sonst nach Personen und Sachen Ge- legenheit also rechtlich gestrafft/ daß man auch solche Todtschlaͤger Mißgeburt oder Ungeheu- er Todtschlags Recht. vom Altar hinwegreissen mag/ weilen das Land/ darinn Blut vergos- sen/ nicht anders denn durch des Vergiessers Blut wieder kan gereini- get werden/ darum man ihnen nicht durch die Finger sehen und ver- kehrte Barmhertzigkeit uͤben soll/ massen ihnen allerdings keine Frey- heit helffen noch zu gute kommen mag; Ja wer auch eine Mißgeburt oder ungeheures Wunder-Geschoͤpffe/ das mehr einem Menschen als Thier gleich und aͤhnlich siehet/ ohne gemachten Angstschrecken muth- willig Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. willig ertoͤdtet/ ist wegen begangener Arglist mit ordentlicher Straf- fe zu belegen. L. 7. §. 1. ff. ad L. Aquil. L. 1. §. 2. \& 3. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 32. ff. de R. J. L. perspiciendum, ff. de pœn. L. 5. §. fin. ff. Eod. L. 6. C. de dolo. L. 41. ff. ad L. Falcid. Exod. XX, 13. c. XXI, 14. Deut. XV, 23. c. XIX, 11. Num. XXXV, 16. \& 33. Gen. IX, 6. Matth. XXVI, 25. Apoc. XIII, 10. Nov. XVII. \& cap. I. Ext. de homicid. L. 3. C. de Episc. aud. L. 3. ff. de just. \& jur. L. 14. ff. de statu hom. §. 22. So ist es auch nicht erlaubt/ einen zu toͤdten/ um seine Guͤ- ter zu beschuͤtzen/ es sey denn/ daß Leib und Lebens-Gefahr dabey stuͤnde/ Nacht diebe Recht. als wann man eines einbrechenden Nachtdiebes nicht verschonen koͤn- te/ da man zuvor um Huͤlffe geruffen/ wofern es in Staͤdten; auffm Lande aber/ allwo gar keine Huͤlffe zu hoffen/ mag man ihn todtschla- gen/ ohne daß etwa am eingebrochenen Ort solche Guͤter/ die nicht viel werth/ zur Stelle gewesen/ oder man haͤtte ihn ohngefaͤhr greiffen koͤn- nen/ und doch lieber todt geschlagen/ so ist es Lebens-Straffe; Wer aber ohne Unterscheid in eines andern Hause einen jedern Ehebrecher oder sein Eheweib toͤdtet/ wird ausserordentlich gestrafft und Landes verwiesen. L. 3. \& 4. C. \& L. 9. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 1. C. unde vi. L. 54. §. 2. ff. de furt. L. 1. \& 2. C. quando lic. unicuique C. 2. \& C. suscepimus, Ext. de homicid. volunt. L. 22. §. 2. \& fin. L. 24. \& L. 38. §. 8. ff. ad L. Jul. de adult. L. 4. §. 1. \& L. 5. in pr. ff. ad L. Aquil. Exod. XXII, 2. §. 23. So jemand etwa in einem Rumor und Aufflauff entleibet/ Vielheit der Thaͤter Recht bey Rumor und Aufflauff. wobey viel Leute gewesen und zugeschlagen/ man aber nicht wissen kan/ aus welcher Verwundung der Verstorbene umkommen/ so soll fleißig Thaͤters Erkundigung vorgenommen/ und dafern wieder einen genug- same Anzeigungen zur scharffen Frage vorhanden/ selbigem die Tor- tur zugesprochen werden; allwo man aber gar nicht wissen mag/ wer unter ihnen der Thaͤter sey/ soll man keinen mit der Folter belegen/ noch am Leben straffen/ auch wegen des Hauffen oder Menge selbsten/ son- dern werden alle mit Geld/ Verweisung/ Gefaͤngniß oder sonst an- dern Leibes-Straffe angesehen. L. 1. §. 1. ff. de quæst. gloss. L. item Mela, §. sed etsi, ff. ad L. Aquil. L. 5. ff. de pœn. §. 24. Wann aber irgendwo ein Frembdling erschlagen/ oder ein unbekandter Leichnam todt gefunden/ soll Obrigkeit durch Aertzte/ Feld- Frembden Leichnams Findungs ver- halten. scheer/ Gerichtschreiber und Zeugen/ dessen Geschlecht/ Leibes Groͤsse/ Haaren Farbe/ Barts Gestalt/ vermuthliches Alter aus beweißlich aͤusserlichem Ansehn/ samt der Kleidung fleißig anzeichnen lassen/ wie auch wohl zu mercken der Ort/ wo der Todten-Coͤrper angetroffen/ oder dessen Blutung verspuͤret/ und wie die Wunde allerdings be- F f f f 2 schaffen/ IV. Buch/ Cap. III. schaffen/ zu dem Ende/ wann vielleicht nach der Begraͤbniß ein Ge- ruͤchte wegen Todtschlag entstuͤnde/ daß man aus denen Umstaͤnden sicher wissen moͤge/ ob es derselbe sey/ der hier oder da getoͤdtet/ wenn jedoch sonst niemand den Leichnam kennet/ mag er eine Zeit lang in der Kirchen oder andern oͤffentlichen Ort behalten werden/ biß etwas gewisses von seinem Nahmen und Heymath/ oder Mords Urheber zu erfragen muͤglich/ ja offt muß der Leib wieder ausgegraben seyn/ so in Kinder-Mords Faͤllen zu geschehen pfleget. §. 25. Todtschlaͤge/ so in oͤffentlichen Rumorn und Schlaͤgereyen Todtschlags fernere Unter- schiedliche An- merckungen. geschehen/ deren Thaͤter unbekandt/ genugsame Anzeigung ist/ wann des Entleibeten widerwaͤrtiger Feind dabey gewesen/ sein Messer oder Degen genommen/ auff ihn gehauen/ gestochen/ oder mit gefaͤhrlichen Streichen zugeschlagen und sein Gewehr blutig gesehen/ auch sonst ein Zaͤncker waͤre/ sintemahlen zwar Arglist nicht ist/ allwo gar kein Vorsatz zu verwunden oder jemand hefftig zu schlagen/ jedennoch die- ses ein vorsetzlicher Todtschlag auch zu nennen/ allwo der Thaͤter nur gesinnet/ jemanden hart zu schlagen oder verwunden mit solchen Waf- fen/ dadurch einer mag getoͤdtet werden/ darum ein durch grosse oder geringe Schuld begangener Todtschlag nach mancherley Umstaͤnden/ Gifft Mord- thaten Straf- fe. als wegen That Wiederhohlung und Personen Beschaffenheit/ die etwa das Gifft zubereitet/ uͤbergeben und verkaufft haben/ mit Geis- seln/ Hand abhauen/ zeitlichen und ewigen Verweisung oder Gefaͤng- niß und Arbeit Straffe/ nach Schadens Groͤsse zu belegen. P. H. O. Art. 34. Aertzte/ Apo- thecker und Feldscheer Rath. §. 26. Wer nun jemanden durch Gifft an Leib oder Leben beschaͤ- diget/ wird gleich einem Moͤrder mit dem Rad gestrafft und ertoͤdtet/ wann es eine Manns-Person; ein Weibs-Bild aber laͤst man er- traͤncken oder sonst zum Tode hinrichten. Jedoch andern zum Schrecken und Furcht/ werden solche Thaͤter vor Todes Straffe geschleifft oder ihnen am Leibe etliche Griffe mit gluͤenden Zangen gegeben/ viel oder wenig/ nach Personen und Toͤdtungs Ermessung/ wobey dann deren Aertzte/ Apothecker und Feldscheer Rath noͤthig/ ob allda geschwinde Veraͤnderungs Zufaͤlle vorhanden/ welche aͤusserlich eingetrunckenes Gifft anzeigen/ als schnellen Eckel/ Magen-Schmertzen/ Zittern/ Hertzklopffen/ Ohnmacht/ Erbrechen/ kalten Schweiß/ blauen Naͤ- gel Farbe/ Leibes-Geschwulst; wie auch sonderlich bey allen ungewissen peinlichen Faͤllen zu beobachten/ ob jemand seinen vollen Verstand gehabt? Ob einer Gifft oder Waffen gebraucht? Ob er in geistlichen Ver- Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. Versuchungen gelebt/ oder ungefaͤhr zum Brunnen hineingefallen? Ob er sich alsobald nach der Mahlzeit uͤbel befunden? Ob es inwen- Gifft Mord- that Anzeigen. dig angebohrnes von boͤsen Feuchtigkeiten erhitztes/ oder von aussen zugebrachtes kaltes Gifft gewesen? Ob Naͤgel und Leffzen nach dem Tode sich schwartz gefaͤrbet/ und die Haare ausfallen? oder ob sonst rechtlicher Argwohn da sey/ als boͤse Geruͤchte/ Giffts Erkauffung/ Erbschaffts Hoffnung und Ehebruch; oder andere Kennzeichen am Leibe gefunden? P. H. O. Art. 37. \& 130. §. 27. Wann mehr als eine Person mit Gifft getoͤdtet/ soll Thaͤ- Mordthaten Mithelffer Be- fehl und Rath- geber Straffe. ter vor Entleibung mit etlichen gluͤenden Zangen gerissen werden/ und wer jemanden mit Rath und That beysteht/ einen andern umzubrin- gen/ da jener es sonst ohne Huͤlffe nicht gethan haͤtte/ soll am Leben mit Rad gestrafft werden/ so mag man auch gegen einer That Mithelffer/ Befehl- und Rathgeber erforschen in solchen Verbrechen/ darinn das Beginnen und Geheiß ohn erfolgten Ausgang und Vollbringen straff- wuͤrdig/ absonderlich dafern man von solchen Interessent en mehr Nachricht und gewisse Warheit der Sachen erkundigen kan/ oder wann die Ubelthat zwar gewiß/ Thaͤters Person aber noch ungewiß/ darum in Vergifftungs Mordthaten bey Besichtigung der todten Lei- ber zu entkleiden/ zu eroͤffnen und besehen; ob sie auch anderswo ver- letzet und dabey gifftige Materie beygebracht vorzufinden? Wie sol- Gifft Mords Besichtigung und Nachfor- schung. che zu nennen? Ob jemand davon sterben koͤnnen? Ob und wann oder wer es gekaufft? deßgleichen/ wer Artzney und Nahrung dargereicht? Ob der Verstorbene oͤffters speyen muͤssen? dann hierinn nicht genung sind solche Zeugen/ die Giffts Beybringung gesehen und Todes Erfol- gung bemercket zu haben/ vorgeben/ weilen man nicht wissen kan/ ob es Gifft alleine/ und keine innerliche leiblichen Schwachheits Wuͤr- ckung mit gewesen? Ob jemand vorhinn Giffts Erkauff- und Zube- reitung verlaͤugnet? Bey welchen abscheulichen Lasters Nachfor- Gifft Mord- thaten Erfor- schungs Fra- gen. schung ein Richter sorgfaͤltig seyn muß/ um sein Gewissen zu befreyen/ dann wofern er dergleichen arglistig zu bemaͤnteln suchet/ mag er des ewigen Richters Verdammniß nicht entgehen/ jedoch soll hiervon kein Zeuge/ wie in allen peinlichen Sachen/ ehe denn Beklagter ver- hoͤret ist/ befraget werden. L. 15. ff. ad L. Corn. de Sicar. §. 28. Von heimlichen Vergeben ist genugsame Anzeigung/ so Geheimẽ Gifft Mordthat An- zeigen. ein deßfalls Verdaͤchtiger laͤugnet/ und dennoch uͤberwiesen wird/ daß F f f f 3 er Gifft V. Buch/ Cap. III. er Gifft gekaufft/ damit umgangen/ mit dem Vergiffteten uneinig ge- wesen/ oder sonst von seinem Tode Nutzen/ Vortheil/ Erbschafft oder Amts Vorzug und Nachfolge erwartet/ oder es waͤre eine leichtferti- ge Person/ zu der man sich der That versehen moͤchte/ es sey dann/ daß er mit glaublichem Schein anzeigen koͤnne/ er habe solches Gifft zu an- dern unstraͤfflichen Sachen gebraucht oder brauchen wollen/ massen die Ungebuͤhr verboten/ darum bey Vergifftungs Todes-Faͤllen Apo- thecker und Wundaͤrtzte nicht ungestrafft bleiben sollen/ wann sie un- Apothecker uñ Wundaͤrtzte Pflicht und Straffe. bekandten Personen Gifft darreichen/ oder Geburt vertreibende Artz- neyen und Liebes-Traͤncke/ ohne der Sachen Erforschung und deren Aertzte Rathgeben/ verkauffen/ und wer solche jemanden zu trincken giebet/ daß ein Mensch umkommt/ soll am Leben gestrafft werden/ ja es sind billig solche Leute/ die mit Gifft handthieren/ von jedern Orts Obrigkeit in Geluͤbde und Eyd zu nehmen/ daß sie niemanden ohne ihr Vorwissen und Urlaub Gifft verkauffen oder zustellen sollen. P. H. O. Art. 37. L. 35. §. 2. ff. de contrah. Emt. L. 38. §. 5. ff. de pœnis. §. 29. So offt aber einer/ der jemand Gifft uͤberreichet/ weder zu Gifft Mord ohne Vorsatz. schaden noch toͤdten im Gemuͤth willens gewesen/ sondern solches ge- than Liebe zu erregen/ oder Kranckheit zu vertreiben/ und der Tod aus der eingetrunckenen Artzney unvermuthlich darauff erfolget/ so waͤre ordentliche Straffe billig zu lindern; wie auch/ so jemand dadurch aber- witz- und unsinnig wuͤrde/ welche Vergifftungs Mordthat nach buͤr- gerlichem Recht mit Halsstraffe zu raͤchen; Wer aber Vieh/ so man Vieh/ Mehl/ Wasser und Weyde Ver- gifftung Stꝛaf- fe. isset/ als Rinder/ Kaͤlber/ Ziegen/ Schaafe und Schweine mit Gifft toͤdtet/ oder Weyde/ Wasser/ Brunnen/ Bier und Mehl zum Brod- backen vergifftet/ ob schon kein Schade gewuͤrcket/ weilen es vielen zu- gleich zum Verderben zugerichtet/ wird alsdenn von Rechts wegen mit Feuer Straffe vertilget/ ja diß Verbrechen ist aͤrger als Waffen- Mord und also verraͤtherisch/ zwischen Eltern und Kindern gilt hierinn Rads Straffe; So mag man bey Vergifftungs Mordthaten fragen/ was ihn dazu beweget/ ja/ womit und wie er das Gifft gebraucht oder zu gebrauchen vorgehabt/ und wo ers bekommen? Wie auch/ wer ihm dazu gerathen oder geholffen habe? §. 5. Instit. de publ. jud. L. 28. §. 9. L. 38. §. 5. ff. de pœn. L. 1. §. 1. L. 3. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 1. \& 5. C. de malef. \& math. L. 236. ff. de V. S. P. H. O. Art. Vater/ Mut- ter/ Bruder oder Kinder Moͤꝛder Stꝛaf- fe. 48. 49. \& 50. §. 30. Eigener Kinder Moͤrder soll man lebendig begraben/ oder im Sack ertraͤncken/ deßgleichen wer seinen Vater oder Mutter oder Groß-Eltern ermordet/ wird auch also gestrafft/ wann es aus boͤsem Vor- Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. Vorsatz geschehen/ und soll man bey so gestalten Sachen fuͤr allen Dingen den Vater-Mutter-Bruder oder Kinder-Moͤrder befragen/ wohin er den Coͤrper geworffen oder vergraben? Daselbst er dann seiner eigenen Bekaͤntniß nach mag hingefuͤhret werden/ daß er ihn eigentlich anzeige/ allwo derselbe auffs fleißigste durchzusuchen und aus dem Erdreich auffzunehmen/ die Billigkeit erlaubet; wann sich dann auch zu weilen begiebt/ daß aus einem schier verfauleten Leichnam Leichnams Blut-Qvellen Baarrecht ge- nant. Blut qvillet/ ist zwar dessen Ursach GOtt allein bekandt/ jedennoch aber fuͤr keine genugsame Anzeige zur fernern Nachfrage zu erachten/ es seyn dann mehr verdaͤchtige Muthmassungen vorgefallen; ja es mag der Beschuldigte gar wohl ohne Aberglauben zum Todten beygebracht werden/ um die Wunde zu beruͤhren/ nur damit ein Richter sehen moͤge/ mit welchen Gebehrden Beklagter zutritt/ mit Erblassung oder Zittern/ daraus vielleicht neue Anzeigung seiner Unschuld oder Ver- brechens zu ermessen/ daß Tortur Statt finden mag/ welches genant das Baarrecht. L. un. princ. C. de his, qui par. vel liber. occid. §. alia deinde, instit. de publ. judic. P. H. O. Art. 131. §. 31. Jaͤher Zorn entschuldiget wenig in Todtschlags Sachen/ Zorn Entschul- digung in Tod- schlag. jedoch so jemand aus uͤberfallender Zorn-Hitze und vorhergehender Verursachung einen entleibet/ mag er verschonet und nicht am Leben gestrafft seyn/ als wann der Entleibete den Thaͤter mit boͤsen Schmaͤh- worten zum Zorn und Handthat bewegt/ so moͤchte er mit ewiger Ver- weisung begnadiget werden/ weilen es schwer ist billigen Schmertzen zu verdrucken/ und man mit solchen/ gleichwie mit unsinnigen und tol- len Leuten/ Mitleiden haben muß. C. si quis iratus, 20. q. 3. L. si adulterium, § imperatores, ff. ad L. Jul. de adult. L. omnes C. de cur. L. Jul. §. fin. ff. Repet. L. 12. ff. ad L. Corn. de Sicar. Clem. un. de homic. vol. L. ult. §. sane si per furor. ff. ad L. Pomp. de parricid. §. 32. So jemand einem Missethaͤter zur Ubelthat Veruͤbung Ubelthaten Straffe nach Umstaͤnden. wissent-gefaͤhrlicher Weise einigerley Huͤlffe/ Beystand oder Befoͤr- derung thut/ wie es auch Nahmen haben mag/ der soll nach Befindung und Erkaͤntniß am Leib oder Leben gestrafft seyn; So auch/ wann je- mand mit scheinbaren Wercken/ die zu einer Missethat Vollbringung dienlich/ sich einer Ubelthat unterstehet/ und daran wider seinen Wil- len verhindert wird/ solcher boͤser Vorsatz ist peinlich und hart zu be- straffen/ nemlich nach Sachen Gestalt/ Umstaͤnde/ Gelegenheit und deren Faͤlle Beschaffenheit an Leib oder Leben; wann aber eine Ubel- that von jemand aus Mangel der Sinne/ Jugend oder andern Ge- brech- V. Buch/ Cap. III. brechlichkeit halben begangen/ solches wird nach Rechts verstaͤndigen Rathfindung abgestrafft. P. H. O. Art. 177. 178. L. 53. \& 54. §. 4. ff. de furt. L. 2. §. 4. ff. mandat. L. 1. §. 3. ff. de Serv. corrupt. L. 2. §. 3. ff. de jure Codicill. L. 124. §. 1. ff. de R. J. L. 9. §. 2. ff. de minor. §. 33. Moͤrder nun bey erkaufften Todtschlags Faͤllen werden Moͤrder Straffe. zu Zeiten geraͤdert/ oder ihnen erst der Kopff abgeschlagen/ hernach der Leib auffs Rad gelegt/ auch wohl geviertheilt/ Hand/ Haupt und Schenckel an Pfaͤhle vernagelt; Ja wer jemanden Mord zu veruͤben Mordgeding Straffe. bedinget/ oder fuͤr gewissen Preiß seine Arbeit dazu thut/ ist Rads Straffe wuͤrdig; Wer aber auff jemanden am verborgenen Orten lauret und ihn unversehens uͤberfaͤllet/ oder ohne vorhergehenden Streit und Feindschafft unter Freundschafft Vorwand/ indem er sich freundlich anstellet/ einen Reise-Gefaͤhrten abgiebt/ oder bey Gesell- schafft sonderbaren Versamlungen und Gastgeboten/ da er nichts Spiessung Straffe. widriges fuͤrchtet/ schaͤndlich und verraͤtherisch ermordet/ verdienet gleichmaͤßige Straffe; Also wer in Pest-Zeiten die Krancken in Haͤu- sern toͤdtet und ihre Guͤter raubet/ soll gespiesset seyn; werden auch zu weilen erst enthauptet/ hernach der Leib auffs Rad geleget/ auch wann die That bey nahe/ ob schon nicht gar vollendet. L. Capitalium, §. grassatores, ff. de pœn. L. 7. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 1. C. Eod. C. 18. §. nos in præmisso, X. de homicid. L. 27. §. 15. ff. de pœn. L. 14. C. qui accus. non poss. §. 34. Derowegen ein jeder Moͤrder und Todtschlaͤger/ welcher Moͤrder und Todtschlaͤger unterschiedene Straffe an ho- hen uñ andern Personen ver- uͤbet. deßhalben keine rechtmaͤßige Entschuldigung anfuͤhren kan/ hat das Leben verwuͤrcket/ jedoch soll Unterscheid der Straffe seyn/ daß nach Gewohnheit ein fuͤrsetzlicher Moͤrder mit dem Rade/ der aber einen Todtschlag aus jaͤhem Zorn und nicht muthwillig begehet/ mit Schwerdt-Straffe vom Leben zum Tode gebracht werden soll; dazu gehoͤret auch/ so jemand nur zu verwunden gedacht/ und der Tod dar- auff erfolget/ wann aber ein Verwundeter von einem andern getoͤdtet/ wird der erste Thaͤter gelinder abgestrafft/ als Verweisung ins Elend/ zu Galeren; So mag man auch in muthwilligem Todtschlag an hohen fuͤrtrefflichen Personen/ Thaͤters eigenen Herrn/ zwischen Eheleuten und nahen Blutsfreunden geschehen/ Leibes-Straffe mit Zangen reissen vermehren/ und den Ubelthaͤter zum Schrecken ausschleiffen lassen. P. H. O. Art. 137. L. 51. ff. ad L. Aquil. c. 41. caus. 23. q. 1. §. 35. Wann Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. §. 35. Wann nun jemand Mordthat bekennet/ soll er gefragt wer- Mordthat Frage-Pun- cten. den: Mit welchen Waffen die That geschehen? Wer/ wen/ wo/ mit welcher Huͤlffe/ warum/ wie und wann? Wo auch jemand zu Ver- brechens Zeit gewesen? aus was Ursachen er das gethan/ auff welchen Tag und Stunde/ an welchem Ort und Ende? Ob jemand und wer ihm dazu geholffen? Wo er den Todten hingethan oder begraben? Wie und was er dem Todten fuͤr Schlaͤge oder Wunden gegeben/ ge- Frag-Stuͤck auf Diebe und Raͤuber. hauen oder sonst umbracht habe? Was der Ermordete von Geld oder andern Sachen bey ihm gehabt/ und was er ihm abgenommen? auch wo er solchen Raubs Nahm hingethan/ verkaufft/ vergeben/ ohne worden und verborgen habe? Welche Fragen theils sich auch in vie- len Stuͤcken auff Raͤuber und Diebe ziehen lassen; Also bey Kinder- mord mag man eine Weibs-Person nach fleischlicher Vermischung Beylage Zeit von Kindes Bewegung und Beschaffenheit befragen/ Kindermords Frag-Puncten deßgleichen von der Ursach/ warum sie es nicht entdecket? Ob sie sich die Geburt abzutreiben nicht bemuͤhet? Wie sie sich vor der Ge- burt etliche Tage her gehalten? Was sie gethan/ und womit sie das Kind umgebracht/ mit des Orts Umstaͤnden? §. 36. Nach Gelegenheit der Sachen und Person/ im Fall Be- klagter die angezogene Ubelthat verneinet/ und mancher aus Einfalt Obrigkeiten Pflicht wegen Gerichts Un- kosten. oder Schrecken/ ob er gleich unschuldig/ nichts vorzuschlagen und aus- zufuͤhren weiß/ so ist solche Erinnerung noͤthig ihm fuͤrzuhalten: Ob er zu seiner Entschuldigung anzeigen und erweisen koͤnte/ daß er auff Zeit beschehener Missethat anderswo an Ort und Enden bey Leuten gewesen? daraus zu verstehen/ daß er die verdachte Ubelthat nicht gethan habe/ so mag er auff seinen Unkosten der Unschuld Ursachen beybringen/ wofern er aber wegen Armuth die Kosten zu ertragen nicht vermag/ soll des Gerichts Obrigkeit zu Rechtens Huͤlffe solche beyle- gen und im Recht fortfahren/ uͤbel zu steuren und niemand zu uͤbereilen/ ja wann nun Beklagter sagt/ er wisse gar nichts von der That/ er sey Bey That Verlaͤugnung Frag-Stuͤcke. damahls zu Hause gewesen oder habe im Bette geschlaffen/ so mag man ihn weiter fragen: Ob er diese Person nicht kenne/ oder bey ihr ge- wesen? Ob er ihr nicht begegnet/ oder sie gegruͤsset? Wie lange er Freund- und Bekandschafft mit ihr gepflogen? Ob und wo sie sich ver- zuͤrnet? Ob sie nicht eine Sache fuͤr Gericht gehabt? Wozu dann Brieffe von geschwornem Verrath/ Falschheit/ verstohlener Liebe oder Zauberey-Kuͤnsten und Mitbeklagten Darstellung/ viel helffen kan. P. H. O. Art. 46. \& 47. G g g g §. 37. So V. Buch/ Cap. III. §. 37. So nun etliche Personen aus fuͤrgesetztem Muth und ver- Thaͤter und Wunden Viel- heit Recht. einigtem Willen/ jemanden boßhafft zu ermorden/ einander Huͤlff und Beystand thun/ solche Thaͤter haben alle das Leben verwuͤrcket; jedoch/ wann einige ohngefaͤhr und unversehens oder ungeschickt zum Streit in Gefecht und Schlaͤgerey zusammen gerathen/ einander helffen/ daß jemand erschlagen wuͤrde/ und man eigentlich weiß/ von welchen Thaͤters Hand die Entleibung geschehen ist/ derselbe soll mit dem Schwerdt gerichtet werden; wofern auch der Entleibete durch mehr als einen/ so man wuͤste/ gefaͤhr- und toͤdtlicher Weise geschlagen/ geworffen/ oder verwundet worden/ und man nicht beweisen koͤnte/ von wessen That insonderheit er gestorben/ so waͤren die Beschaͤdiger alle mit dem Tode/ die Helffer/ Ursacher und Beystaͤnder aber/ welche den Entleibeten nicht toͤdtlich verletzet/ Umstaͤnden gemaͤß/ unterschied- lich zu bestraffen. §. 38. Kindermord aber geschieht nicht allein/ wann eine lebendi- Kindermords verschiedene Arten. ge Frucht/ die zur Helffte und Bewegung gelanget/ sondern auch so bald nach der Empfaͤngniß/ ob schon noch unzeitig/ in Mutterleibe durch starcke Artzney getoͤdtet und abgetrieben wird/ welches nach deren Aertzte Urtheil zu entscheiden; Deßgleichen sind Halßstraffe wuͤrdig solche Weiber/ die durch Leibes-Zwangs Bedruͤckung und andere aͤus- serliche Mittel unzeitige Geburt verursachen/ oder die ihren Kindern in der Geburt gebuͤhrende Huͤlffe nicht leisten/ oder sie hernach muth- willig im Koth und Unflath ersticken und verderben lassen/ oder gar in heimliches Gemach hinwerffen/ oder fruͤhzeitige Geburt/ so Menschen Gestalt hat/ ertoͤdten/ es waͤre denn jemand melancholisch/ oder bey selbstigen That spaͤte Reu entstanden/ daß jedoch das Kind umkom- men oder aus Geheiß/ Schrecken/ Angst und Furcht derer Eltern/ da sie uͤbereilet/ Huͤlff und Rathloß gewesen/ so moͤchte ein Landes-Herr ihre Straffe lindern; ja wer sonst seinen Kindern Nahrungs-Mittel verweigert/ begehet Mordthat. L. 1. ff. ad L. Pompeji. L. 4. ff. de agnoscend. \& alend. P. H. O. Art. 133. Nov. 153. c. 1. in fine. Exod. XXI. v. 22. §. 39. Bey Vatermord ist auch das Vorhaben zur nechsten Hand- Eltern und Verwandten Mordstraffe. lung vollenzogen/ die Halsstraffe zu raͤdern und schleiffen; Ferner ist zu wissen/ wie oben erwehnt/ daß von Vater-Mutter-Bruder-Bluts- Verwandten/ natuͤrlichen Kindern/ Enckel/ Uhr-Alt- und Groß- oder Stieff-Eltern Mordthaten/ erstere im Sack mit gifftigen Schlangen/ Hund/ Affen/ Hahn oder Katzen/ Ottern und dergleichen/ im nechsten Wasser Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. Wasser zu ertraͤncken/ die letztere aber mit Schwerdt zu toͤdten; also verhaͤlt sichs auch mit Braut-Leuten die einander toͤdten/ es waͤre denn der Person Jrrthum/ daß die Sack-Straffe in Schwerdt verkehret. L. un. C. de his, qui parentes vel liberos. §. 40. Wer einer schwangern Frauen zu dem Ende Ursach giebt/ sie stoͤsset und hart schlaͤget/ daß sie eine Mißgeburt thun soll/ auch sel- Schwangern Weiber Be- schaͤdigung Straffe. bige oder die Frucht bey ihr hernach stirbet und mit Tode abgehet/ soll mit dem Schwerdt gerichtet werden/ wann aber das Kind noch nicht lebendig gewesen/ oder jemand ohne solchen boͤsen Vorsatz ein Weib geschlagen/ wird er nach Willkuͤhr ausserordentlich gestrafft/ wobey deren zugefuͤgten Schlaͤge/ Personen Ursachen und andern Umstaͤnde Beschaffenheit Muthmassungen wohl und reifflich zu erwegen. Arg. L. 38. §. 5. \& L. 39. ff. de pœn. P. H. O. Art. 33. L. 8. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 4. ff de Extraord. Crim. Exod. XXI. v. 22. §. 41. Wer auch aus boßhafftem Fuͤrsatz durch Essen oder Trin- Mann- und Weibes Un- fruchtbarkeit Ursacher Straffe. cken/ Mann oder Weib unfruchtbar machet/ soll vom Leben zum Tode durch Schwerdt gebracht werden; deßgleichen so ein Weib solches an ihr selbst thaͤte/ daß sie ein Kind in ihrem als Mutter Leibe/ so noch soll gebohren werden/ ermordet/ und ihm das Lebens-Licht mißgoͤnnet/ es waͤre denn von ohngefaͤhr geschehen/ daß ihr der Artzney Staͤrcke unbekandt gewesen; Also/ wer unter waͤhrender Eheleute Einsegnung Manns Krafft Abnahme durch Nestel- knuͤpffen/ Schloß ver- schliessen. einem Mann durch Teuffels-Kunst/ als Nestel knuͤpffen und Schloß verschliessen/ Weiber Aberglauben/ eheliche Pflicht zu thun die Krafft benimmt/ wobey der boͤse Feind seine Hand mit im Spiel hat/ und gleichwie der Gerechte seines Glaubens lebet/ also muß der Ungerechte seines Glaubens sterben/ der mit gewissen heimlichen Worten solchen boͤsen Stuͤcken vertrauet. P. H. O. Art. 133. L. 5. C. ad L. Corn. de Sicar. C. 5. X. de homicid. §. 42. So man nun ferner eine Dirne/ die fuͤr eine Jungfrau gehet/ Dirnen Ver- dacht wegen Kindermord Inquisitions Art. im Argwohn hat/ daß sie heimlich ein Kind gebohren und ertoͤdtet habe/ soll man sonderlich erkundigen? Ob sie mit einem ungewoͤhnlich groͤs- sern Leibe gesehen worden/ und ihr selbiger hernach kleiner waͤre/ sie auch bleich im Gesichte und schwach an Kraͤfften gewesen/ wo nun sol- ches und dergleichen erfunden/ auch dieselbe Dirne eine solche Person ist/ dazu man sich der verdachten That versehen mag/ soll sie durch verstaͤndige Frauen/ so fern es zur weitern Erfahrung dienlich und noͤthig/ an heimlichen Staͤtten besichtiget/ uͤber das noch von der be- eydigten Hebamme deren Bruͤste betastet und gefuͤhlet werden/ ob G g g g 2 etwa V. Buch/ Cap. III. etwa vollkommene Milch haͤuffig daraus zu erdruͤcken und melcken muͤglich? Welches alles ein gewissenhafft verstaͤndiger Richter fleißig aus Gestalt ihres Leibes zu erfahren sich bemuͤhen soll/ ob schon es ir- gend eine geehrte Standes Person waͤre/ massen der hoͤchste Richter/ so keine Person ansiehet/ davon Rechnung anfordern wird; Als wann ein Kind getoͤdtet/ ins Meer geworffen/ und etwa um selbige Zeit solche Weibes-Person/ die verdaͤchtigen schweren Leibes gewesen/ beym Wasser in der Nacht/ daselbst etwas hinein zu werffen/ gesehen wor- den/ ist solches genugsame Vermuthungs-Ursache/ die Person zu ver- hafften/ ehe dann sie fluͤchtig wird; massen es leichter/ jemanden wie- der loß zu lassen/ als freye Leute einzuziehen/ und soll hierinn keine Obrigkeit sich nachlaͤßig erzeigen. P. H. O. Art. 35. \& 36. §. 43. Wann auch eine Weibes-Person bekennet/ daß sie zwar Schwangern Weibs Person Frag-Puncten wegen Kinder- mord. ein Kind aber todt gebohren/ dazu gar alleine gewesen/ und selbigem kei- ne Gewalt angethan/ ist es zwar genugsame Anzeige zur Folter/ wei- len aber auch solche Aussage wahr seyn kan/ derohalben soll ein Rich- ter nach Umstaͤnden erforschen/ zu welcher Zeit ihr Buhler bey ihr ge- legen? sintemahlen aus der Zeit der beklagten Person Unschuld eini- ger massen erhellen kan/ als wann erscheinet/ daß es keine vollkomme- ne Zeit zur lebendigen Frucht gewesen/ sondern unzeitig abgangen/ und auff solche Antwort mag dieser auch befraget werden: Ob Tage und Wochen uͤbereinkommen? Ob er davon/ daß sie schwanger/ Wissenschafft gehabt? Ob die Frucht/ an welchem Ort und zu welcher Stunde sie todt oder lebendig zur Welt kommen? Warum sie solche hinweg gebracht? Obs ihr jemand gerathen? Ob sie nicht in der Nacht eines lebendigen Kindes genesen? Ob sie nicht dasselbige ertoͤd- tet? Wer sie geschwaͤngert/ wann/ wo/ und wie offt er bey ihr gelegen? Ob die Frucht in Mutterleibe gelebet? Ob sie nicht den Coͤrper ins Wasser geworffen? Ob nicht davon die gemeine Rede also ergehe? Buhlers und Geschwaͤnger- ten Straffe wegen Kinder- Mordes. §. 44. Wann jemand eine Weibs-Person geschwaͤngert/ welche das Kind umgebracht/ er aber nicht unterlassen diesen betruͤbten Aus- gang zu hindern/ sondern/ so viel an ihm/ bedacht gewesen sie zu befra- gen und vermahnen/ daß sie dem Kinde nicht Gewalt zufuͤgen solte/ auch solches einem Weibe zu ernehren hinzugeben willens/ sie vertroͤ- stet/ so waͤre dessen Straffe zu vermehren unbillig; Falls er ihr aber dazu gerathen/ auch etwa das Kind begraben/ waͤren sie beyde recht- maͤßig am Leben zu straffen/ weilen sie saͤmtlich dazu eingewilliget und thaͤtlich geholffen haben. §. 45. Eine Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. §. 45. Eine Kindermoͤrderin mag man auch also befragen: Wo Sonderliche Frag-Articul wegen Kinder- mords. sie sich bißher auffgehalten? Ob sie kranck gewesen? Wie sie denn so bleich aussehe? Was sie des Orts verrichtet? Ob sie auch des Nachts das Vieh gewartet? Wo sie in benant-vergangener Nacht gewesen/ und wann sie auffgestanden? Was das fuͤr eine Kuh gewesen/ die in der Nacht geworffen/ davon sie die Affter Geburt/ ihrer Rede nach/ ausgetragen? Warum sie es bey Nacht gethan/ und nicht/ des Tages zu erwarten/ anderwaͤrts hingelegt? Ob sie nicht in jenem wuͤsten Kel- ler gewesen? Wie sie denn das laͤugnen koͤnne/ da sie doch bey Mond- schein gesehen worden? Ob sie nicht folgenden gantzen Tag zu Bette gelegen? Wovon ihre Schuͤrtze blutig gewesen? Warum sie gelogen/ daß sie nicht kranck oder des Viehes gewartet/ da sie doch nicht aus dem Bette kommen/ auch dieselbe Nacht die genant schwartz-bundte Kuh nicht geworffen? Sie solte sich recht bedencken/ ob sie nirgend anderswo als im Stalle beym Vieh/ und nicht etwa auch beym Was- ser gewesen? Was sie allda gemacht habe? Ob sie nicht etwas da- hin getragen? Ob sie auch sonst also die Nachbuͤrde hinweg zu schaf- fen gepfleget? Ob nicht die Frau vielmehr offt wegen ihrer Faulheit deßfalls gescholten? Ob sie mit solchen Luͤgen ihre Sache nicht ver- riethe/ daß sie schuldig. §. 46. Nach Heil. Roͤmischen Reichs Abschied ist niemand schul- Trunckenheit Entschuldi- gungs Recht. dig/ einem jeden zugetrunckenen Maasse Bescheid zu thun; so ent- schuldiget auch Trunckenheit niemand von ordentlichen Todtschlags Straffe/ weilen ein Trunckener Todtschlaͤger zwiefach suͤndiget/ als wegen Trunckenheit und Todtschlag/ jedoch ist Unterscheid zu machen zwischen mittel- und uͤbermaͤßiger Trunckenheit/ weilen diese/ nicht aber jene die Straffe zu mildern pfleget; darum insgemein von Trun- ckenheit zu wissen: Ob einer aus unvermuthlicher oder steter ange- wehnten Voͤllerey gesuͤndiget/ so entschuldiget erster Fall so weit/ daß die ordentliche Straffe zu lindern/ andern Falls aber soll man sehen/ ob die Missethat durch Reue kan wieder gut gemacht werden oder nicht? Wofern jenes/ mag man auch lindern/ ist es aber unersetzlich/ so hoͤ- ret dennoch in gelinden Verbrechen ordentliche Straffe auff; Wie- wohl dabey zu mercken/ ob es nicht ein halber oder kleiner Rausch/ Trunckenheit mercklicher Unterscheid. sondern der Thaͤter uͤbermaͤßig voll/ gantz ohne Sinn/ Witz und Verstand; Jtem/ daß es keine angemaste oder verstellte Trunckenheit gewesen; wie auch/ daß einer etwa sich nicht zu dem Ende/ solches La- ster zu begehen/ vollgesoffen/ um sich zu entschuldigen. G g g g 3 Anno V. Buch/ Cap. III. Anno 1577. Cap. 2. L. Respiciendum, §. delinq. ff. de pœn. C. un. de commod. C. 2. de Depos. L. qui occidit, §. hoc quoq́; ff. ad L. Aquil. L. si servus, §. si fornicarius \& §. si ex plaustro, ff. Eod. L. quoniam, C. ad L. Jul. de vi publ. C. cum inter de Except. C. unum, C. criminis Dist. 25. L. data ope- ra, C. qui accus. non poss. §. 47. Allgemeine Frag-Stuͤcke in verschiedenen absonderlich Todtschlags-Faͤllen sind: Wie Beklagter heisse? Wer seine Eltern gewesen? Was deren und seine Handthierung? Wo sie gewohnet/ und wovon sie sich ernehret? Wo er sich bißher auffgehalten? Wie alt er sey? Ob er im Ehestand lebe/ oder nicht? Wie er dieser Orten herkommen? Ob er wisse/ warum er fuͤr Gericht gefordert/ oder aus was Ursachen er zur Hafft gebracht? Ob Beklagter den Entleibeten kenne? Ob er oͤffters/ und welcher Gestalt mit ihm umgangen? Wie Allgemeine Frag-Puncten in Mord auch andern Faͤllen. lange solches geschehen? Ob er sich nicht vor diesem mit ihm erzuͤrnet/ und warum? Ob er nicht dahero einen Haß wider Entleibeten ge- tragen? Ob er sich nicht verlauten lassen/ er wolle es ihm nachtragen/ es stuͤnde kurtz oder lang an? Ob er nicht mit ihm an gewissen Ort zur Kind-Tauffe oder andern Versammlung gewesen? Ob er nicht da- mahlen dieser Sachen gedacht/ und mit welchen losen Worten? Wie er den Tag mit ihm zusammen kommen/ und wer dabey gewesen? Was der Entleibete fuͤr Gewehr gehabt? Ob er leichtlich haͤtte zu ihm kommen moͤgen? Womit er den Entleibeten geschossen? Ob er auch auff ihn geziehlet? Warum er mit der Buͤchse ausgangen/ und ob ers allezeit zu thun pflegte? Wie viel Kugeln er hinein geladen/ und was fuͤr Worte er dabey gebraucht? Ob er nicht gesagt/ er wolte sie laden wider einen boͤsen Nachbarn und tollen Hund? Ob er nicht jemanden gefragt: Ob der Entleibete zum Dorff oder Thor hinaus geritten? Ob nicht daraus erscheine/ daß er ihn boͤßlich umgebracht? Ob er verlaͤugnen koͤnne/ daß er dem Entleibeten gedraͤuet/ das jedoch viel Leute gehoͤret? Wie er sagen koͤnne/ daß er angefallen/ da zwischen ihnen eine Grube gewesen? Er solle sich bedencken/ so er uͤberwiesen/ wuͤrde er seine Sache schlimmer machen. Wo der Entleibete mit blos- sem Degen gestanden/ auff diß oder jenseit des Grabens? Und muß der Richter allhier selbst des Orts Beschaffenheit erkundi- gen? Ob sich nicht befunden/ daß der Entleibete mit mehr als einer Kugel geschossen? Ob er nicht mit dem Vorsatz/ sich an dem Entleibe- ten zu raͤchen/ hinaus gangen waͤre? Jtem/ anfaͤnglich stuͤnde zu fra- gen: Ob er mit verdaͤchtigen Leuten umgangen? derowegen des Orts Obrigkeit durch Schreiben zu belangen/ wie er gelebt/ daraus etwa Von Friedbrecher/ Vergiffter und Todtschlaͤger Straffe. etwa neue Anzeigen zu erfahren/ ob er nicht mit jemanden Haͤndel gehabt/ welcher hernach zu Tode kommen? Ob er ihm irgend Vieh ausgepfaͤndet/ und wer dabey gewesen? Ob er nicht jemanden kenne/ mit dem er solcher Pfaͤndung halben geredet/ und mit wem? P. H. O. Art. 48. \& seqq. Art. Caput VI. Von Duell- oder Blut-Zwey-Kampff/ zufaͤllig- unversehener That/ Selbst-Mord und Nothwehr. §. 1. B Lut-Kaͤmpffe um Leib oder Leben sind in Rechten verboten/ wer jedoch einen andern bey offenen Fecht-Schulen oder zugelasse- Duellen Ver- bot. nen Zweykaͤmpffen in Tournier- und Ritter-Spielen ohngefaͤhr er- schlaͤgt/ ersticht oder umbringet/ kan als ein Todtschlaͤger nicht gestrafft werden/ massen Ringens Ausgang nicht in Verthaͤdigungs Staͤrcke/ sondern in Gluͤckes Hand bestehet; Ja/ ob schon ein Fuͤrst in seinem Gebiet bey Lebens-Straffe das Duell verboten/ und bey Fuͤrstlichen Ehren bekraͤfftiget/ so mag er dennoch solchen Duellanten/ da keiner den andern getoͤdtet/ aus gerechter Umstaͤnde Ursachen/ die Straffe ohne Meineyds Furcht/ weilen er keinen foͤrmlichen Eyd gethan/ wohl lindern/ und beyderseits begnadigen/ damit nicht das hoͤchste Recht Landesherrn Begnadi- gungs Frey- heit. ins hoͤchste Unrecht verkehret/ und ein Landesherr zur Hoͤllen erbaue/ wann er nicht thut/ was ihm sein Gewissen berathen moͤchte/ sinte- mahlen im Zweiffel allezeit der gelindere Weg zu treffen/ dann die Rechte mehr loßzusprechen als zu verdammen geneigt seyn. L. un. C. de gladiat. c. 1. Ext. de torneam. L. qua actione, §. si quis in colluct. L. si ex plagis, §. fin. ff. ad L. Aquil. L. 3. ff. de Just. \& jur. §. 5. instit. \& L. 31. ff. ad L. Aquil. L. 56. ff. de R. J. Arg. L. 47. ff. de O. \& Act. §. 2. Todtschlag aber fuͤr der Faust begangen/ verdienet eben- maͤßig ordentliche Straffe/ es sey gleich der Ausforderer oder Aus- Duellen Mord Straffe. geforderte/ massen es gegen goͤtt- und weltliche Gesetze/ auch in ver- botenen Dingen allezeit Arglist vermuthlich/ und soll ein jeder wissen/ daß Streits Ausgang nicht in Menschen Hand und Willkuͤhr stehet/ sondern der Zweykampff ja vornehmlich erst auff Verwundung/ fol- gends Ertoͤdtung angerichtet ist/ dessen blutiger Ausgang leichtlich zu erachten/ derowegen unzulaͤßig/ ob er schon alsbald bey Streits An- fang aus Zorn-Hitze angefangen/ da einer durch oͤfftere gegentheilige Schmaͤhungen also verbittert seyn koͤnte/ daß er sich nicht laͤnger zu ent- halten V. Buch/ Cap. IV. halten vermoͤchte/ es waͤre denn kein Mittel oder Weg solche Schmaͤ- hungen zu vermeiden/ oder durch Laͤsterung jemand also angereitzet/ daß er beweißliche Gewalt zu fuͤrchten/ etwa im Gemach um zu kom- men/ wofern er nicht anbinden wuͤrde. §. 2. instit. de L. aquil. L. quoniam multa, C. ad L. Jul. de vi publ. Duellen Stꝛaf- fe/ ob gleich ohne Mords Vorsatz. §. 3. Sonsten aber sind gar keine Befehdungen gestattet; wer nun andere zum Balgen ausfordert oder damit draͤuet/ obgleich wei- ter nichts erfolget/ mag so bald fuͤr Gericht gestellt werden/ damit er daselbst dem Beleydigten mit blossem Haupt Abtrag thun und will- kuͤhrlich gestrafft seye/ dafern auch deßfalls jemand keine Intention gehabt/ den Entleibeten zu toͤdten/ sondern nur zu hauen/ schlagen oder verwunden/ und dennoch der Tod erfolget/ soll nichts destowe- niger mit Leib und Lebens-Straffe belegt werden/ er sey hohen oder niedern Standes/ ja wann eine geistliche Person duelli ret/ hat sie sich ebenfalls dadurch aller zeitlichen Wohlfahrt verlustig gemacht. C. 1. tot. tit. de Cler. pugn. L. 53. ff. de V. S. §. 4. Wer sich nun auff irgend einerley Art beleidiget befindet/ Ausforderung Straffe. und sein Gegenpart selbst oder durch andere ausfordert/ ist seines Diensts verlustig/ buͤsset auch/ daruͤber geordnete Silber-Muͤntze zur gewissen Landuͤblichen Geld-Straffe/ samt ein oder mehr jaͤhrigen Gefaͤngniß; also werden auch Second en und Anwerber/ so den Appell- Zettul hingebracht/ ob gleich das Gefechte nicht zur Wuͤrckung gelangt/ so wohl als der/ so auff die Ausforderung erscheinet/ straffbar belegt/ Duellanten Guͤter Ver- falls Straffe. hingegen kan ein jeder ohne seiner Ehren Verletzung ausbleiben. Bey- der Duellanten beweg- und unbewegliche Lehn- und Erbguͤter auch sind verfallen/ Frau und Kinder aber sollen ihren Unterhalt daraus haben/ und der Frauen ihr Eingebrachtes gelassen werden/ wofern sie nicht selbst Anlaß und Verreitzung dazu gegeben/ oder Eltern ihre Kinder nicht muͤglichst abgehalten; der Moͤrder aber/ so den Wider- sacher entleibet/ oder wann sie beyde bleiben/ und von Adel/ sollen mit Bildniß Straf Execution Recht. Schwerdt gerichtet/ auff dem Richtplatz begraben/ unedlen Coͤrper aber an Galgen gehencket werden/ ja wann es in frembdem Gebiet geschehen und sich nicht stellen/ soll Execution an ihrem Bildniß vom Hencker bey dem Pranger vollenzogen werden. Selbst-Rache Straffe. §. 5. Ja/ wer sich selbst zu raͤchen unterstehet/ und sein Gegen- theil durch Boten/ Cartell oder sonst auszufordern/ ob schon kein Duell erfolget/ soll ewig aller Chargen entsetzt seyn/ weilen er hohen Obrigkeits Respect geschwaͤchet/ hat er aber keine Bedienung/ soll er mit Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern und Nothwehren. mit ansehnlicher Geld-Busse von seinen Einkuͤnfften/ halben theils dem Fisco, theils zum nechsten Hospithal/ auch etlicher Jahre Gefaͤng- niß oder Vestungs Arbeit/ nach Landes Brauch gestrafft seyn. §. 6. Wer auch wissentlich Ausforderungs Brieffe uͤberbringt/ Cartells Briefe Uberbringer und Duells Begleiter auch Zuseher Stꝛa- fe. oder Partheyen an Duells Ort begleitet/ als Dienst-Boten/ Gesin- de und Haußgenossen sollen zum ersten mahl ausgestrichen/ ihnen Galgen und Rad auffgebrandt/ zum andern mahl ewig auff Galeren oder Vestungs Arbeit condemnir t/ die Zuschauer aber/ so deßhalben sich dahin begeben/ sollen/ als Mitschuldige eines so abscheulichen La- sters/ ihrer Aemter/ Wuͤrden und Lebens-Mitteln entsetzt/ und/ wofern sie ohne Dienste/ der vierdte Theil ihrer Guͤter zu Nutz denen Hospi- talen confiscir t und eingezogen werden/ indem sie dabey stehen und nicht muͤglichst verhindern/ wie sie dazu durch goͤtt- und menschliche Gesetze verpflichtet; so soll auch keinen die etwa gesuchte Gelegen- Rencontre auch ausser Landes an Graͤntzen ent- schuldiget nicht von Rachgier. heit zu rencontre, oder ausserhalb Landes an Graͤntzen den Streit zu vollfuͤhren/ der Straffe befreyen/ weilen solche Verbrecher groͤsser und mehr straffbar/ als welche die erste Hitzbewegung und Beleidi- gungs Neuligkeit nicht entschuldigen kan/ da sie Zeit genung gehabt/ ihre Rachgier zu maͤßigen/ der Rache zu enthalten/ und sich bey de- nen Ehren-Richtern gehoͤrig anzumelden. §. 7. Wer nun Second en mit sich einwickelt/ welches nur aus Duellanten Straffe wegen Second en. Kunstreicher Zagheit herkoͤmmt/ da der/ so seine Schwachheit weiß/ seine Sicherheit auff eines andern Tapffer- und Geschicklichkeit setzet/ also weibisch handelt/ soll/ ob schon keiner ermordet/ mit Tode ge- strafft/ und seine so wohl als Second en Guͤter eingezogen/ diese aber Unedel und Amts unfaͤhig gemacht/ ihre Wapen ausgelescht/ vom Hencker oͤffentlich zerbrochen/ und bey ihren Nachkommen nicht wie- der gebraucht werden/ unter gewissen Anzahl jaͤhrigen Einkommens Geld-Bussen/ die Helffte zum nechsten Hospital/ den andern halben Theil nach Richters Belieben anzuwenden/ weilen ein jeder vielmehr Second en schwere Straf- fe. aus Christl. Liebe durch Vergleichung Freundschafft erhalten und be- foͤrdern/ als sich in rachgierigen Empfindungen deren Beleidigungen/ die ihn nichts angehen/ durch solche verbotene der wahren hertzhafften Tapfferkeit entfernete Wege der Rache einmischen soll. §. 8. Alle Civil - und Militair -Bediente sollen derowegen bey Amts Duell-Schlaͤ- gerey halben Beamten Pflicht. Entsetz- und Sold-Benehmungs Straffe/ so bald sie in ihrem Be- zirck von einem Geschlaͤge etwas hoͤren/ sich nach dem Ort hin bege- ben/ die Schuldigen zu arrestir en im nechsten Gefaͤngniß/ dafuͤr ihnen H h h h alle V. Buch/ Cap. IV. alle Gerichts-Unkosten von des Verbrechers bereitesten Guͤtern sollen bezahlet werden/ welche allen Geldstraffen vorzuziehen/ und kan Duells Verbrechen weder mit Tode noch durch 20. biß 30. und mehr jaͤhrige Verjaͤhrung ausgelescht/ oder dessen Proceß verhindert wer- den/ ja wann es uͤberwiesen/ so ruͤhret es alle vor- und nach began- gene Laster wieder auff; Wer auch etwa Duellanten Entweichung Duells Unter- haͤndler auch Schwerdfeger Straffe. befoͤrdern/ oder wissentlich sie auffnehmen und beherbergen wuͤrde/ soll Thaͤtern gleich/ so wohl als alle Second en/ Unterhaͤndler und Mit- tels-Personen/ wie ebenmaͤßig die Schwerdtfeger/ so ihnen Degen vermiethen/ mit Leib und Lebens-Straffe angesehen und beleget werden. §. 9. Zufaͤllig unversehener Todtschlag ist/ der gantz ohne Vorsatz Zufaͤlligen Todtschlags Exempel. und ohne Schuld/ nebst allen muͤglichen Fleisses Anwendung/ Scha- den zu verhuͤten/ geschehen/ als da man im Gehoͤltze einen Baum ge- faͤllet/ etliche mahl laut geruffen/ und dennoch jemanden ertoͤdtet/ oder einen auff der Rennbahne uͤberrennet/ oder mit Lantzen werffen be- schaͤdiget/ oder hinterm Hause bauet und Steine abwirfft/ diese sind aller Straffe frey; also/ wann andere Faͤlle dazwischen kommen/ als einen mit flacher/ leer- und offener Hand und nicht mit geschlosse- ner vollen Faust eine Ohrfeige geben/ daß er unvermuthlich an Ka- chelofen/ spitziges Holtz oder Stein und zur harten Erden sich etwas zerstossen/ daran er sterben muͤssen/ so waͤre der Thaͤter nur am schla- gen und nicht am Tode schuldig/ dahero gelinder mit Geld-Busse/ Lands-Verweisung/ oder sonst willkuͤhrlich zu bestraffen. §. 10. Ja zufaͤlliger Todtschlag/ dabey gar keine des Thaͤters Schuld vorgefallen/ ist gaͤntzlich unstraffbar; so nemlich jemand ein Beyspiel un- versehenẽ und ohngefaͤhrli- chen Todt- schlags. ziemlich unverboten Werck an Ort und Enden/ da solches zu uͤben ge- stattet/ verrichtet/ dadurch gantz ungefaͤhrlichen Geschichtweise wi- der Thaͤters Willen einer entleibet wuͤrde/ derselbe ist in viele Wege/ die nicht alle zu benennen muͤglich/ entschuldiget/ als wann ein Bar- bier in gewoͤhnlicher Stuben Bart scheret/ und von andern also ge- stossen oder angeworffen wird/ daß er jemanden die Gurgel ungern ab- schneidet; Oder/ so ein Schuͤtze an gewoͤhnlichem Platz stehet oder sitzet/ und zur gebraͤuchlichen Zielstatt schiesset/ daselbst ihm einer un- term Schuß laufft/ oder seine Buͤchse und Faustrohr oder Armbrust/ Gewehr/ ehe denn er recht anschlaͤgt/ loß gehet/ und also ungefaͤhr je- manden toͤdtet/ solche Thaͤter sind entschuldiget; wann sie sich aber unterstuͤnden/ an der Gassen/ oder sonst/ allwo Leute Wanderung zu vermu- Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern und Nothwehren. vermuthen/ unfuͤrsichtig zu halten/ sind sie weder Schuld noch Straffe gar befreyet/ dennoch soll ein Richter bey dergleichen Entleibungen mehr Barmhertzigkeit haben/ die ohne Vorsatz/ ausser Muthwillen/ von ungefaͤhr/ durch unvorsichtige Wollust und Ubermuth/ als die aus Arglist und Boßheit geschehen/ selbige zu straffen. §. 11. Wann auch einer Baͤume behauet/ und durch Aeste Ab- werffung einen andern toͤdtet/ daß er vorhero geruffen und den vor- beygehenden gewarnet/ derselbe aber sich nicht behutsam erzeigen will/ Exempel zu- faͤlligen Todt- schlags. so ist es ein ungefaͤhrlich-zufaͤlliger Todtschlag; wofern er aber vor- hin nicht geruffen/ deren Zweige Fall zu vermeiden/ alsdann hat er grosse Schuld versehen/ weilen er seinen schuldigen Fleiß dabey nicht angewendet; ja/ wer mit geladenen Buͤchsen schertzet/ jedoch unwis- send einen erschiesset/ wird mit zeitlicher Verweisung gestrafft. P. H. O. Art. 148. §. 12. Todtschlag/ so unversehens wider Willen und gar ohne Schuld geschehen/ ist dennoch von GOtt verhast/ und Straffe des Kindes Erdruͤ- ckung Mord Straffe. Elendes/ zeitliche Verjagung dabey gegruͤndet/ welche statt findet/ wann einer aus Geilheit/ Schertz- und spielweise zu jemandes Tode Ursach gegeben/ wofern aber Schuld mit unterlaͤufft/ erfolget nach Groͤsse der Umstaͤnde die Straffe/ gleichwie der Ignatius Taurinus fuͤnff Jahr lang deßwegen Landes verwiesen; Also bekommt auch der gelindere Straffe/ so aus Nachlaͤßigkeit derer Seinigen Tod verur- sacht/ als ein Kind bey sich im Bette todt druͤcken/ oder mit Ruthen so viel hauen/ daß es hernach stuͤrbe/ solches wird mit Gefaͤngniß/ Kirchen- Weibes Ge- burt Unfleiß Straffe. und Geldbusse/ auch zeitlichen Lands-Verweisung gestrafft; deß- gleichen/ Vater-Mutter-Bruder und Freunde Mord/ ohne Gewehr aus unverstaͤndigen Unvorsichtigkeit begangen/ mit ewigen Verwei- sung; oder wann ein Weib die Geburt verhielte/ um keine Huͤlffe rief- fe/ daß das Kind umkaͤme/ wird noch gelinder/ nemlich mit Staupen- schlag/ gestrafft. Exod. XXI, 13. Num. XXXV, 11. Deut. XIX, 2. \& 3. L. 4. §. 1. \& L. 7. ff. ad L. Corn. de Sicar. L 5. ff. de R. J. C. fin. Ext. de his qui fil. occid. §. 13. Selbst eigener Kinder-Mord ist endlich auch zu nennen/ wann ein Kind an einsamen Ort hingelegt verlassen wird/ darauff er- Kindes Hinle- gung Mord Straffe. folget Lebens-Straffe; geschieht es aber an Ort und Enden/ da Leute hin und her gehen/ werden die Huren nur ausgestrichen/ es waͤre dann in Staͤdt- und Vorstaͤdten/ auff Kirchhoͤfen oder Gassen/ bey Winter und Nachtzeiten gethan/ daß das Kind erfrohren/ ehe denn ihm geholf- fen/ oder fuͤr einer Stadt Thor/ daß es von Woͤlffen oder Schwei- H h h h 2 nen IV. Buch/ Cap. IV. nen gefressen/ ehe die Pforten geoͤffnet worden. Derer hingelegt-ver- Fuͤndlinge Nahrungs Pflicht. lassenen und etwa gefundenen Kinder Sorgfalt aber zur Nahr- und Erziehung gehoͤret des Orts Ober-gerichtlichem Amt zu; jedoch koͤn- nen auch solche Fuͤndlinge wohl eheliche Kinder seyn/ von Eltern we- gen Armuth verlassen/ die man im Zweiffel noch wohl einmahl mag zur Tauffe lassen. P. H. O. Art. 132. Arg. L. 38. §. 5. ff. de pœn. L. fin. C. de infant. expos. Selbst-Moͤr- der Straffe wegen Ubel- that. §. 14. Selbst-Moͤrder soll man gemeiniglich durch die Stadt schleiffen/ und an besondern Galgen hencken lassen/ absonderlich und mehren Theils/ wann sich einer wegen Missethat in Verhafft entleibet/ dadurch er dem Richter vorgreifft/ daß er ihn nicht verdammen kan; dahero/ wer sich im Gefaͤngniß wegen uͤberwundenen Ubelthat/ ehe das End-Urtheil zur Vollenziehung gelanget/ selbst ermordet/ der mag nach Verbrechens Groͤsse zur Stadt oder Dorff/ wie gemeldt/ hinaus gezogen/ beym Galgen oder an unehrlichem Ort zur Erden bestattet/ oder nach Land-Rechts Gewohnheit dessen Coͤrper auffgehenckt/ ge- raͤdert oder verbrandt werden. Selbstmoͤrder Straff Ver- schonungs Recht. §. 15. Wer sich aber selbst aus Mangel der Sinnen/ Raserey/ Melancholey/ Gemuͤths Schwachheit und geistlichen Unvermoͤgenheit ohne vorbedachten gesunden Vernunfft Rath/ in grosser Kranckheit ums Leben bringt/ faͤllet sein Gut auff nechste Erben/ mag auch dessen Leichnam nichts unbilliges zugefuͤgt werden/ sondern ein solcher Mensch/ weilen er/ gesuͤndiget zu haben/ nicht dafuͤr gehalten wird/ ist vielmehr Mitleidens werth/ und soll man ihm keine ehrliche Begraͤb- niß weigern/ jedoch moͤgen die gebraͤuliche Ceremonien wohl etwas ge- Begraͤbniß Unterscheid. maͤßiget seyn; wie denn sonsten Begraͤbniß ist ehr- oder unehrlich/ kost- bar und herrlich/ oder schlecht und wegen Unkosten zu spahren ohne Ceremonien/ nach Menschen Ordnung oder auff Esels Art; jene an unbaren Ort/ auff Kirchhoͤfen abgesonderten oder ausserhalb Christen Erde; diese letzte/ so schmaͤhlich/ an schaͤndlichen Orten/ geschieht vom Scharffrichter/ der jemandes Aaß unter Ubelthaͤter oder Vieh ver- scharret. L. 12. C. de accusat. Auth. bona, C. de bon. proscr. L. 45. §. 2. ff. de jure fisci. L. 1. \& 2. C. de bon. eor. qui mort. sibi consciv. §. 16. Hingegen sind nicht unschuldig diejenigen Selbst-Moͤrder/ Selbstmoͤrder mancherley Straffe. die sich aus boͤsen Lasters Gewissen/ einiger Straffe Furcht/ Lebens Uberdruß/ Schmertzen Ungedult/ Verzweiffelung/ Trunckenheit/ Liebe/ gemachter Schulden Scham/ Armuth und andern Ursachen/ mit Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern uud Nothwehren. mit Vorsatz den Tod anthun/ welchen ehrliche Begraͤbniß ver- saget wird/ und pflegt ihr Aaß vom Hencker aus dem Fenster auff die Erde hinabgeworffen oder zur Haußschwelle hinaus ge- schleifft und an ehrlosen Ort unterm Galgen/ oder auff dem Schind- Leich/ wohin das todte Vieh geschleppet wird/ begraben zu werden/ welches eine Hunds-Begraͤbniß zu nennen/ andern zum Beyspiel/ von solcher Grausamkeit abzuschrecken. §. 17. Nothwehr wird in Rechten genannt/ wann einer mit toͤdt- lichen Waffen jemanden uͤberlaͤufft/ anficht oder schlaͤgt/ und der Nothwehre Recht. Benoͤthigte ohne Gefahr und Verletzung seines Leibes/ Lebens/ Ehr und gutem Leumuth fuͤglich nicht entweichen kan/ sondern nothwen- dig gezwungen/ zu Beschuͤtzung seiner selbst/ seiner Guͤter oder Freun- de/ zur Wehr zu greiffen/ also einen stoßt/ verwundet oder Todtschlag begehet/ ist darum nichts schuldig/ dann niemand darff den ersten Streich/ oder biß er zuvorn vom Benoͤthiger verwundet/ abwarten/ jedoch muß man nicht Masse uͤberschreiten/ einer unschuldigen Ver- thaͤdigung/ welche untadeliche Schutzwehr bestehet in Beobachtung guter Art/ Zeit und Ursach/ daß nemlich zwischen Beschirm- und Be- leidigung gleiche Art und Weise gehalten werde/ auch selbige Noth- wehre/ die zugelassen/ alsbald eben zur Zeit der Gefahr und Uberfalls waͤhrenden Streits und Schlaͤgerey Vollfuͤhrung geschehe/ daß keine frembde Haͤndel sich damit vermengen/ und zwar nur aus Beschuͤ- tzungs Ursache und gar nicht Rache halber/ sondern also Gewalt mit Gewehr oder Faͤusten abzuvertreiben/ wann aber Wiedersacher in Faͤusten staͤrcker/ mag der Angefallene dagegen sich mit Waffen weh- ren/ weilen Gewehrs Gleichheit nur insgemein/ nicht insonderheit er- fordert wird/ ist auch genung/ wann Todes Gefahr vorhanden/ es sey von Waffen/ Stock oder Faust/ mag man sich frey schuͤtzen/ massen ohne Rache/ aus Noth sein Leib und Leben alsbald mit eines andern Tod zu retten/ ist freylich jederman zugelassen. L. 1. C. unde vi. L. ut vim, ff. de J. \& J. glossa in his legibus. L. si ex plagis, §. taber- narius, ff. ad L. Aquil. L. scientiam, §. qui cum aliter, ff. Eod. tit. L. ita- que ff. de furt. §. 18. Nothwehr rechtmaͤßige Ursach ist unrechtmaͤßige Beleidi- gung/ dabey man nicht schuldig/ durch ersten Schlags abwarten/ zur Nothwehr Ur- sachen sind nicht Draͤu- ungen. Gegenwehr sich untuͤchtig machen zu lassen/ massen/ wann Benoͤthiger hart drohet/ zugleich Wehr ergreifft/ den Arm auffhebt mit Stock zu schlagen/ oder einen grossen Stein/ Leuchter/ grossen Krug/ Bret oder toͤdtliche Waffen zur Hand nimmt/ Degen zuckt/ Messer ent- H h h h 3 bloͤst/ V. Buch/ Cap. IV. bloͤst/ herzulaufft/ daselbst ist Furcht und Schrecken der That gleich/ und mag ein jeder sich seiner Haut erwehren; Blosse Draͤuungen aber und Schlaͤge ohne Gewehr befreyen nicht von ordentlichen Todt- schlags Straffe. So ist es auch keine Nothwehre/ wann man im Eyffer einen andern und nicht den Benoͤthiger trifft/ und fuͤrsetzlich er- mordet; Da man aber wider Willen den Unschuldigen mit Strei- chen/ Stechen/ Wuͤrffen oder Schuͤssen bey Nothwehr/ in Meynung den Benoͤthiger zu treffen/ entleibet/ ist es unstraffbar/ jedoch mag sich Streits Urheber oder Balgens Stiffter und Anfaͤnger mit keiner Nothwehr entschuldigen/ ob wohl er unangesehen in grober Schuld ausserordentlich zu straffen/ wann man Thaͤtern nicht weiß/ derowe- gen Auffruhrs Anheber keine abgezwungene Verthaͤdigung anziehen mag/ sondern ist mit Schwerdt zu straffen/ wann jemand von andern daruͤber getoͤdtet/ vielmehr wann er es selbst gethan; So geschieht nun abgenoͤthigter unumgaͤnglicher Todtschlag durch rechte Nothwehr/ so in goͤtt- und welt- auch natuͤrlichen Rechten gegruͤndet/ und von keiner Obrigkeit kan auffgehoben werden/ ja wer sich alsdann nicht wehret/ Streits Urhe- ber unumgaͤng lichen Todt- schlags Recht/ gegen Draͤu- enden Gewalt. wann es die Noth erheischet/ mit Ertoͤdtung seines Benoͤthigers/ der suͤndiget an GOtt/ gegen sich selbst und gemeinen Wesen Bestes/ und ist zu bestraffen/ gleichwie einer/ der sich selbst ums Leben bringet; Wer nun einen Draͤuenden und Waffen zeigenden/ der sich Gewalt zu thun bereitet und herzunahet/ ertoͤdtet/ ist ordentlichen Straffe befreyet; wann es aber ungewiß/ daß er Gewalt thut/ und jener sie leicht abtrei- ben oder sich Gefahr entziehen kan/ nicht also. Exod. XXI, 13. Exod. XXII, 2. Deut. XIX, 9. Gen. XIV, 14. L. 1. §. cum arietes, ff. si quadr. pauper. fec. dic. L. 1. §. vim vi, L. 3. ff. de just. \& jur. L. 3. §. 5. ff. de vi \& vi arm. L. quid est, §. qui armati ff. Eod. L. 5. princ. verb. ferro petent. ff. ad L. Aquil. L. is qui, L. 1. verb. minatur, ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 6. C. ad L. Jul. de vi publ. L. 4. §. 1. \& L. 15. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 8. C. ad L. Jul. de adult. Nothwehr Maaß Exem- pel. §. 19. Dafern man nun gelinder sich retten/ und ohne Benoͤthi- gers Entleibung wehren kan/ so findet die ordentliche Todtschlags Straffe statt/ als wann einer/ von Unbewehrten angefallen/ nicht ver- letzt/ sich mit Degen oder Messer raͤchen wolte; oder/ wann einer oh- ne Schlaͤge nur mit Worten vexiret/ keinen Schertz verstuͤnde/ sich mit toͤdtlichem Gewehr verthaͤdigte; oder wann Benoͤthiger selbst weichet/ und keine Gefahr da ist/ daß er wieder kommt. Wann aber ei- ner/ in Meynung mich zu toͤdten/ mit entbloͤssetem Degen oder Pistohl in der Hand auff mich loß kommt/ ich aber auch mit Pistohl oder Flin- the Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern und Nothwehren. the versehen/ so mag ihm wohl auff eine Ecke den Paß verlegen/ mich nicht zu erreichen; Hingegen/ wann einer dem andern auffs Maul Pistohlen und Degen Gefahr Schutzrecht. schlaͤgt/ daruͤber sie in Handgemenge gerathen/ jedoch der Streit von Freunden unschaͤdlich beygelegt/ und jener mit entbloͤstem Degen ins Gemach wieder kommt/ alsbald aber von andern ergriffen wird/ daß keine Gefahr bey ihm zu fuͤrchten/ und dieser ihn dennoch ermordet/ ist Lebens Straffe/ weilen dieser sein Gewehr wohl haͤtte moͤgen unge- zuͤckt behalten. C. 35. de Sent. Excomm. L. 3. §. 4. ff. de vi \& vi arm. L. 2. C. ad L. Corn. de Sicar. L. 45. §. 4. ff. Eod. L. 27. ff. de manum. test. L. 7. §. bellissime, ff. quod vi aut clam. L. 1. C. quando liceat unicuiq́; L. 13. ff. quod met. caus. L. pen. de vi privat. L. non est singulis, ff. de R. J. §. 20. Wer also durch Schertz- oder Schmaͤhworte ausgefor- dert/ mit Pruͤgel/ Stock/ Stein oder Faͤusten geschlagen wird/ und den Nothwehr Masse Uber- schritt Verbot. Ausforderer umbringet/ selbiger uͤberschreitet rechte Masse der Noth- wehr/ dahero auch willkuͤhrlich zu bestraffen/ und wer nach etlichen Tagen sich raͤchet/ verdienet ordentliche Straffe/ ja wer nach abge- thanem Streit seinen vorigen Feind eine Zeitlang nach gestillter Schlaͤgerey umbringet/ ist mehr Rach- als Beschirmung begierig/ und soll er das Recht suchen/ es habe ihm denn der Widersacher noch ein- mahl gewaffnet begegnet/ willens ihn anzufallen/ so mag er ihn aufs Messer oder Degen in Scheiden oder Stoͤcken Ver- letzung Strafe. neue mit Gewalt von sich abhalten/ auch gar toͤdten/ wofern er sich nicht anders befreyen kan; Wer sonst jemanden mit Messer oder De- gen in Scheiden und Stoͤcken/ oder andern Gestalt blutig schlaͤgt/ soll die Hand/ nach buͤrgerlichem Recht/ verliehren/ es waͤre denn/ daß er sich seines Lebens erwehren muͤste. L. 23. 24. \& 32. ff. ad L. Jul. de adult. L. 41. ff. de V. S. L. 6. §. 6. ff. de re milit. §. 21. Von ordentlicher Straffe werden befreyet und mit ewiger Landesverweisung/ Staupenschlag/ Handabhauen oder anderwaͤrts Ordentlichen Todtschlags Straffe/ wer befreyet oder nicht. angesehen diejenigen/ so mit Stock/ Stein/ Ohrfeigen oder Faust- schlaͤgen von einem Staͤrckern benoͤthiget/ also zu besorgen/ in Leib oder Lebens Gefahr zu gerathen; wann man uͤberwaͤltiget/ oder da man dem weichenden Noͤthiger/ aus Furcht/ er moͤchte wider kehren und aͤrger machen/ nachlaͤufft; oder da einer fuͤr seiner Haußthuͤr stuͤnde/ und angefallen wuͤrde/ da er wohl einfliehen und sich verschliessen koͤn- te/ oder da ein vornehmer ehrlicher Mann mit ehrruͤhrigen Schmaͤh- worten angegriffen/ weilen sich solche etlicher massen/ mit was Gewehr sie auch einen verwunden oder toͤdten/ defendir en muͤssen; wann es aber ein- oder etliche Stunden oder Tage hernach geschieht/ so ist es boͤse V. Buch/ Cap. IV. boͤse Rachgier/ und gilt ordentliche Straffe/ wie vorbesagt/ jedoch wann es nur eine viertel oder halbe Stunde/ nachdem sie von einander ge- bracht/ geschehen/ da der uͤbermaͤßige Zorn nicht voͤllig vorbey gangen/ und der Benoͤthigte den Noͤthiger wieder anfaͤllt und entleibet/ wird dieser Exceß mit Staupenschlag oder ewigen Verweisung gestrafft. §. 22. Wann nun einer den andern mit blossem Degen verfolget/ dieser aber sich in sein Hauß begeben und die Thuͤre verriegelt/ welche Nothwehr was nicht ist. jener auffzubrechen strebet/ und dieser ihn mit einer Buͤchsen erschiesset/ da er noch nicht wieder in Lebens-Noth war/ ein solcher verdient or- dentlichen Todtschlags Straffe; Wer aber eine rechte Nothwehr zu seines oder andern Gutes/ Leibes und Lebens Rettung thut/ und den Benoͤthiger entleibet/ ist darum niemand nichts schuldig; Sonst aber muß einer/ nach Landes Gewohnheit/ Suͤhn- und Wehrgeld ausgeben/ und also mag ein jeder sein Leib und Leben ohne alle Strafe durch recht- maͤßige Gegenwehr retten/ bedarff auch nicht zu warten/ biß er vor- hero geschlagen/ so fern er nur mit toͤdtlichem Wehr und Waffen uͤber- fallen/ als Degen/ Buͤchse/ Spieß/ Messer/ Stein oder grosser Pruͤ- gel/ und schadet nichts/ ob Gegentheil uͤbermaͤßig truncken oder unsin- nig/ also ohne Arglist gewesen/ sintemahlen nichts destoweniger Lebens- gefahr bey dem andern vorhanden hat seyn koͤnnen. P. H. O. Art. 139. 140. L. 2. \& 3. C. ad L. Corn. de Sicar. L. 45. §. 4. ff. ad L. aquil. L. 5. 7. \& 11. in princ. ff. Eod. L. 41. \& 233. §. 2. ff. de V. S. L. 54. §. 2. ff. de furt. L. 9. \& 11. §. 1. ff. de vi publ. §. 23. Nothwehr Masse bestehet darinn/ daß der Uberfall oder Nothwehr Masse worinn besteht. Beschaͤdigung also beschaffen/ daß daraus Lebensgefahr entstehen kan/ welche der Angefallene nicht anders abwenden mag/ als durch des Uberfallenden Ertoͤdtung/ alsdann muß Gegenwehr dennoch nicht staͤrcker seyn als Feindes Anfall; nemlich Gewalt/ so ohne Gewehr be- schehen/ mag nicht durch Waffen vertrieben werden/ darum ein Uber- fall von leichter Gefahr kan auff alle Weise/ jedoch Gegentheils Le- ben zu schonen/ abgewehret seyn/ weilen der Feind insgemein mit Vorsatz wohlgeruͤstet ankoͤmmt/ der andere aber unbereitet und un- geschickt durch unvermuthlichen Schrecken entsetzt/ mit Zorn und Grimm entzuͤndet/ hat kaum seinen vollen Verstand/ daß er wissen koͤnne/ was ihm zu thun gebuͤhret/ als kan ihm viel weniger recht- liche Masse fuͤrgeschrieben seyn/ es waͤre denn kein ander als toͤdtli- Auff Maul- schellen gehoͤ- ret kein Dolch. ches Gewehr dem Angefallenen zur Hand/ damit er sich gegen einen Staͤrckern wehren koͤnne; sonst aber gehoͤret auff eine Maulschelle nicht also fort ein Dolch/ jedoch kan niemand die Schlaͤge also maͤßi- gen/ Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern und Nothwehren. sigen/ als mit einer Waag in Haͤnden; wañ nun ja zu Zeiten Entlei- bungen geschehen/ daß dennoch die Thaͤter/ aus gewissen erheblichen Ursachen/ von Buͤrger- oder Peinlicher Straffe entschuldiget wuͤrden/ sollen Richtere wohl zusehen/ daß niemand beschwehret oder verkuͤrtzet werde/ maßen genau zu beobachten der That Ursachen/ Umstaͤnde/ und mit welchem Vorhaben selbige veruͤbet/ weilen bey Verbrechen allein Vorsatz und Willen/ nicht aber Ausgang anzusehen. L. 203. ff. \& c. 86. de R. J. in 6. L. 39. ff. de furt. L. 53. princ. ff. eod. L. 14. ff. ad L. Corn. de Sicar. §. 24. Noth-Wehre Maße wird uͤberschritten/ wenn einer Noth-Wehre Maße/ wann uͤberschritten. durch Weichen oder Entfliehen Lebens-Gefahr vermeiden kan/ und dennoch den Uberfallenden lieber toͤdten als die Flucht ergreiffen will/ wofern ihm sonst die Flucht nicht schaͤnd- und schaͤd- oder gefaͤhrlich; sonst ist es besser bey Zeiten fuͤrzukommen/ als hernach die Wunden heilen zu lassen/ suchen; wer nun einen andern mit blossen Degen an- kommen siehet/ mag sich dessen best-moͤglichst bemeistern/ oder ihn gar toͤdten/ so fern der andere mit feindlichem Muth auff ihn loß gehet/ daß dieser seines Lebens Verlust/ aus gerechten Ursachen/ zu fuͤrchten habe; wiedrigen Falls/ es sey gleich eine Adel-Kriegs- oder hohe Ehren- Standes-Person/ oder nicht/ wer ausser Gefahr ist/ etwan seinen Feind zur Erden geworffen oder verwundet hat/ und nichts mehr von ihm zu befuͤrchten/ der mag ihn auch nicht ermorden. L. 5. C. in quibus caus. in integr. L. 1. C. quando lic. unicuique sine Jud. §. 25. Wann sich jemand/ nach That Erfindung/ gethaner Noth-Wehre Beweiß/ we m gebuͤhret. Noth-Wehre beruͤhmet/ oder solche Entschuldigung zu gebrauchen willens/ die ihm der Verklaͤger nicht gestaͤndig ist/ so legt das Recht dem Thaͤter auff/ selbige/ nemlich unrechtmaͤßige An- und Ausforderung/ Uberfall/ gemachten Schrecken und feindliche Unternehmung/ auch Lebens-Gefahr/ genugsam zu erweisen; wofern er sie dann nicht be- weiset/ wird er schuldig gehalten/ er sey dann vom Verwundeten in letzten Todes-Zuͤgen entschuldiget und frey bekannt. P. H. O. art. 141. \& 142. §. 26. So nun erste/ Benoͤthigers toͤdtliche Ansechtung/ ge- gruͤndet/ dagegen aber gesaget wird/ daß der Todtschlaͤger darum keine rechte Noth-Wehre gethan/ weiln der Entleibete rechtmaͤßige Benoͤ- thigungs-Ursachen fuͤrzuwenden gehabt/ als: einen bey seinem Ehe- Weibe/ oder Tochter/ in unkeuschen Wercken finden/ oder sonst bey straffbahren Ubelthaten/ und im Recht zulaͤßigen toͤdtlichen Handlun- J i i i gen/ V. Buch/ Cap. IV. gen/ Zwang oder Gefaͤngniß/ derowegen auch mit nothduͤrfftigen Waf- fen zu bedrohen/ oder Amts wegen vorzunehmen. Jtem/ so einer des Entleibeten maͤchtig gewesen/ oder aller Benoͤthigung entlediget/ dem Entwichenen freywillig ungenoͤthigter Dinge gefolget/ und ihn in der Nachfolge erst erschlagen haͤtte/ oder wer sonst fuͤglich weichen koͤnnen/ Noth-Wehr- Ablehnungs- Ursachẽ Kund- schafts-Recht. dennoch den andern boßhafft ertoͤdtet; dergleichen Fuͤrgeben muß An- klaͤger beweisen/ wofern Beklagten die vorgeschuͤtzte Nothwehre nichts helffen soll/ wo nicht/ so wird dieser billich gehoͤret/ der seine Entschul- digung ausfuͤndig gemacht hat/ jedoch soll es beyden Theilen/ ihre Kund- schafft zu bestellen/ zugelassen seyn/ und wenn jemand/ erster Benoͤthi- gung halben/ rechtliche Ursachen zur Noth-Wehr gehabt/ in der That aber alle dazu gehoͤrige Umstaͤnde nicht in acht genommen/ so ist genau zu ermessen noͤthig/ wie groß oder wenig Ursachen der Thaͤter gehabt/ daß ferner darinnen die Straffe an Leib oder Leben/ zur Buß oder Besserung/ mit Unterschied schwer oder gelinder zu erkennen; und Sachen und Guͤther Ver- thaͤdigungs- Recht der Zeit halben. zwar einer Sachen Verthaͤdigung geschicht stuͤndlich/ wenn jemand zu der Zeit/ da er solchen gewaltsam eingenommenen Besitzes Nach- richt bekommen/ Widerstand thut/ wie viel Zeit nun dazu noͤthig/ ist in Rechten ungewiß/ weilen eine Gewalt eher und leichter/ die andere aber schwehrer/ auch offt nicht ohne geruffene Huͤlffe vertrieben wird/ ist also Zeit-Urtheil Richters Willkuͤhr uͤberlassen. C. olim, de restit. spol. C. significasti, de homicid. L. quod meo, §. fin. ff. de acquir. poss. L. 3. §. cum igitur ff. de vi \& vi arm. Noth-Wehre Vorwand- Recht bey Mord/ so nie- mand gesehen. §. 27. So auch jemand einen entleibet/ daß es niemand gesehen hat/ und der Thaͤter will Nothwehre fuͤrwenden gebraucht zu haben/ die ihm Klaͤger nicht gestaͤndig/ in solchen Faͤllen ist jeder Person gut- und boͤser Stand/ des geschehenen Todschlags Ort und Stelle/ auch was ein jeder fuͤr Wehr und Wunden gehabt/ und wie sie sich beyder- seits vor und nach der That gehalten/ oder welcher Parthey aus vorge- henden Geschichten mehr Glauben/ Beweg-Ursachen/ Nutz und Vor- theil allda zu benoͤthigen oder erschlagen gehabt/ wohl anzusehen/ dar- aus ein verstaͤndiger Richter ermessen kan/ ob der Noth-Wehre Ver- muthungen statt haben moͤgen/ deren Beweiß dem Thaͤter oblieget/ dennoch dem Klaͤger redlichen Gegen-Beweiß unabgeschnitten; und Benoͤthigten Freyheit wegẽ unschuldiger Ermordung. wofern einer in recht bewiesener Noth-Wehre/ wider seinen Willen/ da er den Noͤthiger meynet/ einen andern Unschuldigen/ mit Hauen/ Stechen/ Streichen/ Schiessen oder Werffen getroffen und entleibet haͤtte/ derselbe ist von peinlicher Straffe befreyet. P. H. O. Art. 143. 144. \& 145. §. 28. Von Duellanten/ Selbstmoͤrdern und Nothwehren. §. 28. Ja/ ob auch etwa einer ein Weib erschluͤge/ und sich ge- Noth-Wehre Recht gegen ein Weib ver- uͤbet. thaner Nothwehre beruͤhmte/ in solchem Fall ist beyder Theile/ Mann und Weibes Gelegenheit/ auch deren gehabte Waffen und That zu betrachten; denn ob zwar ein Weib nicht leicht einen Mann zu einer genugsam entschuldigten Nothwehre verursachen mag/ so ist jedoch moͤglich/ daß ein grausam Weib einen weichen Mann vergewaltigen kan; Deßgleichen ist gegen einen Zaͤncker allezeit mehr Argwohn/ als Zaͤncker Arg- wohn u. noth- wendigen Tod- schlags-Recht. gegen einen fromm- und friedsamen Mann. So ist nun ein nothwen- dig-abgenoͤthigter Todtschlag/ den jemand/ sein und der Seinigen Le- ben und Keuschheit zu beschuͤtzen/ begehet/ unstraffbar. P. H. O. art. dict. §. 29. Nothwehre Uberschritt ist auch/ wenn der Angefallene Guͤter-Ver- thaͤdigungs- Recht/ auch wegen Nacht- Diebe. ietzt ausser Gefahr/ und doch fliehenden Feind verfolget/ oder von an- dern Ergriffenen toͤdtet/ oder so er annoch in Gewalts Abwendung beschaͤfftiget/ in Ursach Maß und Zeit uͤbergeht/ so verdienet jenes/ als Rachgierde/ ordentliche Todtschlags-Straffe; in grossem sonderbah- ren schmertzlichen Zufall aber hat ausserordentliche Straffe statt. Wer auch in seiner Guͤter Verthaͤdigung/ ausserhalb Lebens-Ge- fahr/ den Uberfallenden toͤdtet/ mag nicht ungestrafft bleiben; weilen bey zugelassener Beschirmung die Macht zu toͤdten nicht vergoͤnnet/ Menschenblut auch gar zu kostbar/ uñ einer solchen Raubs Gewalt bes- ser gerichtliche Huͤlffe entgegen zu setzen/ welches eines Christlichen Richters Gewissens-Freyheit gemaͤß/ und am sichersten nach Goͤtt- und Weltlichem Recht zu urtheilen. Jedennoch ist Rechtens/ wer bey Nacht einen Dieb in seinem Hause findet/ mag ihn/ ohn alle Straffe/ umbringen/ wofern er seiner anders nicht verschonen kan; bey Tage aber mag er ihn nicht entleiben/ es sey denn/ daß er sich mit gewaffneter Hand zu wehren unterstuͤnde. P. H. O. art. 146. \& 150. L. 38. §. 8. ff. de adult. L. 1. §. ult. de Sicar. L. si pignus, §. furem ff. de furt. L. fur. noct. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 4. §. 1. ff. ad L. Aquil. C. si perfodiens, Ext. de homicid. §. 30. So moͤgen auch Eltern einen gewaltsamen Entfuͤhrer/ Eltern-Recht Entfuͤhrer zu toͤdten. welchen sie auff frischer That ertappen/ frey ertoͤdten/ und hat ein sol- cher/ Unzucht zu verhuͤten/ keines Orts Freyheit zu geniessen/ sondern mag/ ohn Auffruhr/ wohl aus Kirchen hinweg genommen werden/ es habe denn ein Weib den Mann schrifftlich darzu geladen. Wer auch Ehmañs Recht den Ehebreche r zu toͤdten. einen bey seinem Weibe im Ehebruch ergreiffet/ den mag er toͤdten/ so wohl als desselben Weibes Vater/ weiln ein solcher Schmertz gar J i i i 2 schwehr V. Buch/ Cap. V. schwehr zu verdauen; es muß aber stehenden Fusses alsbald im bren- nenden Eyffer geschehen/ nachdem sonst erster Zorn gestillet/ gehoͤret die Sache fuͤr dem Richter/ und soll ein jeder Zeugen ruffen/ die den E- hebrecher mit der Ehebrecherin bey solchen Verdachts Anzeigungen in selbigem Zimmer gesehen/ daraus begangener Ehebruch unfehlbar zu ermessen. Allhier ist aber nicht genug zum Beweiß/ daß man sie mit je- manden auff dem Bette liegend sehe/ da jedoch sonst der groͤste Arg- wohn einer Ubelthat von eines Menschen Handlungs-Geschaͤfft- und Verrichtungen herkommt/ als wann ein Paar nackend und bloß ge- funden/ faͤllt ja gewiß Hurerey-Verdacht auff sie/ daß solche mit leicht- fertigem Muth und unzuͤchtigem Sinn vollendet. L. 54. C. de Episc. \& Cler. L. 22. §. 4. ff. ad L. Jul. de adult. L 38. §. 8. ff. eod. L. 23. §. 4. \& L. 24. ff. eod. C. literas, X. de præsumt. C. 1. eod. L. 1. C. de Sicar. L. si non convicii, C. de in jur. Caput V. Von Leichtfertigkeit/ Ehebruch/ Blut-Schande/ Entfuͤhrung/ Nothzucht/ auch Hurerey und an- derer Unkeuschheit. §. 1. Ubelthaten Verjaͤhrungs- Recht. N Jemand kan/ nach 20. Jahren Verlauff/ wegen Ubelthat pein- lich beklagt werden; ausgenommen Nothzuͤchtigung/ Ehebruch mit Blut-Schande verknuͤpfft/ Religions-Abfall/ Vater-Mord/ fal- schen Geburt Darlegung/ werden durch 20. Jahr nicht verjahret; schlechte Blut-Schande aber/ Hurerey und Ehebruch/ verjahren in- nerhalb 5. Jahren/ es waͤre denn Beklagter fluͤchtig. L. 29. §. 5. 6. 7. \& fin. ff. ad L. Jul. de adult. L. 11. §. 4. ff. \& L. 5. C. eod. L. 12. C. ad L. Corn. de Fals. Ledigen Perso- nen Unzuchts- Straffe. §. 2. Wann eine ledige Manns-Person Unzucht begehet mit einer Jungfrauen oder Witwen/ wird also gestrafft: Er muß sie hey- rathen oder wohl begaben. Diejenigen aber/ so mit verstorbenen Weibes-Personen zu thun haben/ ob sie schon noch nicht begraben/ vielmehr wann sie zur Erden bestaͤtiget/ und zu solchem Fuͤrnehmen wie- der auffgegraben werden/ sollen dieser unmenschlichen Mißhandlung wegen am Leben/ nemlich durchs Schwerdt/ gestrafft werden. §. item lex Julia, instit. de publ. Jud. L. 5. §. pen. ff. de Extraord. cognit. Exod. 12. arg. L. Rei sepulchrorum ff. de sepulchr. viol. §. 3. Von Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. §. 3. Wer eines andern verlobte Braut schwaͤchet/ hat Stau- Veꝛlobten Braut Schwaͤchung Straffe. pen-Schlag und Verweisung Straffe/ nach Personen Beschaffen- heit/ verwuͤrcket; Wann sonst eine geschwaͤchte Person gestehen/ oder durch ihren vertrauten Mann dargethan wuͤrde/ daß sie sich von einem andern fleischlich erkennen lassen/ oder vor der Zeit schwanger gewesen/ oder solches sich genugsam ereignete/ soll Erkundigung geschehen/ ob der Mann das Weib/ nach der That gewissen Erfahrung/ beruͤhret/ als- dann ist das Verbrechen an sich selbst ausgesuͤhnet/ wo nicht/ soll die Frau den Mann um Verzeihung bitten/ mit Anerbietung/ sich hinfuͤ- ro gehorsam und ehrlich zu verhalten; wann aber der Mann durch Guͤte sich nicht erweichen liesse/ oder die Person/ nach dem Verloͤbniß/ wieder Unzucht mit dem Thaͤter getrieben/ soll der Mann/ nach gesuch- ter Scheidung/ ledig gesprochen/ und ihm andere Ehe zugelassen/ auch diese/ wie eine Hure/ gestraffet werden. L. 13. §. 3. ff. ad L. Jul. de adult. §. 4. Zwiefache Ehe ist fast groͤssere Suͤnde als Ehebruch/ ver- Zwiefacher Ehe ausseror- dentliche Straffe. dienet also auch Todes-Straffe durchs Schwerdt/ wenn es mit be- truͤglichem Wissen und Willen bey des ersten Ehegesellen Lebens-Zeit geschehen/ und mit Beyschlaff/ ohne Verlassungs-Ursachen/ vollendet/ es sey um Ehr oder Reichthum; wann nun solcher Gestalt eine Frau mit dem andern Mann Kinder gezeuget/ sind dieselben zwar ehelich/ muß sie auch der Vater mit sich nehmen/ und bey ihm selbst behalten/ derowegen dieses Laster billich Ehebruchs-Straffe verdienet; ob schon im Kaͤyserlichen gemeinen Buͤrger-Recht nur solche Ubelthaͤter Ehrloß und weiter unstraffbar gehalten seyn. Wer aber aus beweißlichem Jrthum oder Unwissenheit solches thut/ welches aus vor gefuͤhrtem Le- bens-Wandel und langwuͤrigem Abwesen zu muthmassen/ ist von or- dentlicher Straffe zu entschuldigen; deßgleichen/ wann die fleischliche Vermischung noch nicht vollbracht/ ob schon Priesterliche Einweyhung verrichtet/ also/ wenn eine ledige Person unwissend mit einer ehelichen sich verlobet/ und vor Priesters Verknuͤpffung beylieget/ oder wegen Verlassungs Ursachen sich begeben/ oder jemand von Ehegatten Tod durch Brieffe und allgemeines Geruͤchte verstaͤndiget waͤre. P. H. O. art. 121. C. perlatum, Ext. qui filii sint legitimi. Matth. 19. vers. 9. Mar- ci 10. vers. 11. L. 2. C. de incest. \& inut. nupt. L. 18. C. ad L. Jul. de adult. §. 5. Wann nun Ehebruch mit einer verlobten Braut began- Ehebruchs Straffe mit Verlobten. gen/ findet Geisselung oder Hals-Straffe statt/ so mag auch eines Un- schuldigen Vorbitte Gegentheilen oder Laster-Gesellen/ Straffe hal- J i i i 3 ben/ V. Buch/ Cap. V. ben/ nicht zu Nutze kommen. Wann auch ein Weib sich oͤffentlich/ nach Huren Art/ zum Gebrauch hingegeben/ die doch in der Ehe behal- ten/ und nicht eigenen Gewalts vorhero abgesondert worden/ wird sie mit dem ersten Ehebrecher ordentlich gestrafft/ die andern aber will- kuͤhrlich; So wird auch Ehebruchs ordentliche Straffe bey Verlob- ten nachgelassen/ so wohl als andere Leibes-Straffe/ wofern der un- schuldige Theil fuͤr den Ehebrecher bittet/ alsdann aber muß der Un- schuldige dem Schuldigen/ so ins Elend verwiesen/ zur Ehe nachfolgen. Also verhaͤlt sichs auch mit geheimer Erlaß- und Begnadigung eines Ehebruchs or- dentl. Straffe/ wañ auffhoͤret. Gemahls/ wenn er die Braut oder Ehe-Frau behalten/ und nach er- fahrnem Ehebruch wieder bey ihr schlaffen will; ja es wird auch Ver- brechen Nachlassung vermuthet/ daß leibliche Straffe eben nicht statt findet/ wann nach der unschuldigen Person Tode der Ehebruch erst kundbar wuͤrde. L. 17. §. 6. ff. de adult. L. 22. C. eod. Deut. 22. v. 22. \& 24. Levit. 18, 20. Matth. 5, 27. Joh. 8, 5. Christen/ Ju- den/ Perser/ Tuͤrcken und Moscowiter Brauch/ we- gen Ehebruch. §. 6. Jm Paͤbstlichen Recht ist der Ehebruch gering geachtet/ und nehmen insgemein die Christl. Obrigkeiten geringe Geld-Buße fuͤr der Ehebrecher Leben. Die Juden haben diesen Gebrauch: Weñ ein Weib im Ehebruch ergriffen/ muß sie 40. Tage eine halbe Stun- de taͤglich/ des Winters biß an den Nabel nackend im kalten Wasser/ des Sommers auff einem Ameisen-Nest sitzen/ ein gantzes Jahr ohne Hembd gehen/ und darzu Nachts ausserhalb dem Hause vor der Thuͤr schlaffen. Die Perser lassen denen Ehebrechern ihre Geburts-Glie- der abschneiden/ die Weiber aber stuͤrtzen sie von hohen Thuͤrmen/ daß jene der Kurtzweil Werckzeug verliehren/ und diese den geschminckten Huren-Hals zerbrechen. Die Tuͤrcken lassen ihre Weiber verschlies- sen/ oder ohne Verhuͤllung nimmer sehen; Hingegen halten die Mo- scowiter einen eigenen Weiber-Marckt/ darauff sie stehen und einen Tuͤrckiß-Ring im Munde haben muͤssen/ damit anzudeuten/ daß ihr Ehren-Guͤrtel feil sey. C. 4. §. de adult. Ext. de Judic. Ehebruchs or- dentl. Straffe und deren Lin- derung Recht. §. 7. Wann nun ein Ehe-Mann mit eines andern Ehe-Weib die Ehe bricht/ soll ihm das Haupt abgehauen werden/ maßen dadurch zwey Ehe-Bette verschwaͤchet sind. Wann aber ein Ehe-Mann mit einer ledigen Person die Ehe bricht/ mag man ihn verweisen/ oder mit Geld straffen; so fern nemlich Eheleute einander/ wegen vollbrachten Ehebruchs/ peinlich beklagen und uͤberwinden moͤgen/ weil blosser Wil- le und Von Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. le und Vorhaben fuͤr menschlichem Gericht hierinnen unschaͤdlich/ so mag auch ein Ehegatte dem andern/ der Unschuldige dem Schuldigen/ verzeihen/ vor ihn bitten und ihm wieder beywohnen/ alsdann wird dem Ehestande zu Ehren die ordentliche Straffe veraͤndert/ daß sol- chen Falls etwa das Weib/ so der Mann ihr verzeihen will/ und sie fer- ner zu behalten wieder annimmt/ mit Staupenschlag und Landes-Ver- weisung verschonet/ und allein mit Gefaͤngniß/ oder auch daselbst mit Ruthen ziemlich gezuͤchtiget werde. §. item Lex, instit. de publ. Judic. L. transigere, C. de transact. L. castitati, L. quamvis, C. ad L. Jul. de adult. Auth. sed hodiè, C. eod. Deut. 22. Lev. 20. L. inter stuprum, ff. de V. S. P. H. O. art. 120. §. 8. Wann auch ein lediger junger Gesell oder Wittwer mit Ehebruchs dreyfachen Un- teꝛscheids drit- te Art. einer Ehe-Frauen ungebuͤhrend umgehet/ ist es eintzeler Ehebruch/ und mag so wohl der Ehe-Mañ/ als dessen nechste Geschlechts-Verwand- ten/ wegen des Schimpffs aus billigem Schmertzen solches anklagen/ entweder Buͤrgerlich/ zur Ehescheidung/ Mitgifft und Geschencke zu gewinnen/ auch nach Consistorii Erlaubniß der unschuldigen Parthey die andere Ehe zu gestatten/ wofern sie ausser Ehestande nicht leben kan/ oder peinlich zur verdienten Rach und Straffe/ es waͤre dann durch Geld-Straffe der Kack geloͤset. L. 1. ff. de publ. Judic. L. 225. ff. de V. S. L. 6. §. 1. L. 34. §. 1. L. 13. §. 2. ff. ad L. Jul. de adult. §. 9. Ehebruchs Anzeigen sind: offtermahliger Umgang an Ehebꝛuchs An- zeigen auch Straff-Linde- rungs-Ursa- chen. geheimen Orten/ Liebes-Brieffe und dergleichen/ wird eigentlich/ an Verheyratheten oder Braut-verlobten/ begangen/ und am Halse ge- strafft/ oder ausgestrichen und ewig ins Elend verjagt/ bey doppelten Ehebruchs-Fall/ dadurch beyderseits Ehe-Bette geschwaͤchet wird. Ehebruchs ordentliche Straffe wird/ nach eigener Bekaͤntniß/ durch oͤffentliche Kirchen-Buße und Abbitte gelindert; oder wofern er noch nicht recht vollbracht/ oder bey einer Person ein solch Hinderniß vorhan- den/ daß zur Ehescheidung genug waͤre; oder wann ein Ehegatte den andern aus Boßheit neidet; oder wann einer nicht weiß/ daß die Per- son verehlichet; oder so Scheidung von Tisch und Bette vorher gan- gen; oder so einer durch boͤse Kuͤnste/ mit Schmeichelung/ oder durch uͤbermaͤßige/ nicht zu dem Ende verschaffte Trunckenheit/ solches ge- than; oder ein ehelich Weib in Huren-Kleidern antreffen/ und also beschlaffen/ verdienet ausserordentliche Straffe. L. pen. \& 12. §. 3. L 23. in princ. \& L. 43. ff. de adult. L. 30. ff. \& L. 7. C. eod. Nov. 134. C. 10. §. 10. V. Buch/ Cap. V. §. 10. Blut-Schande in auff- und absteigender Linie zwischen Bluts-Verwandten begangen/ wird am Leben gestrafft/ weilen es groͤssere Suͤnde als Ehebruch; zwischen Beschwaͤgerten aber werden die Thaͤter/ in auff- und absteigender Linie/ ausgestrichen/ oder auch Landes verwiesen/ als unter Bruͤdern und Schwestern/ deren Kinder/ Vettern und Baasen und deren Kinder/ welches Laster/ wegen An- sprache/ nur in 20. Jahren verjahret/ und gleichfalls auff natuͤrliche Kinder zu beziehen/ ausgenommen Saͤugammen und Tauff-Pathen. So nun einer Unkeuschheit mit seiner Stiefftochter/ mit seines Sohns Eheweibe/ oder mit seiner Stieffmutter treibet/ solche unordentliche verbotene Vermischung wird in Heyrath- und Erbgangs-Sachen wohl beobachtet. Arg. Levit. 20. vers. 15. L. 28. §. 2. ff. de adult. L. 39. §. 5. ff. ad L. Jul. de adult. Auth. incestus, C. de incest. nupt. P. H. O. art 117. L. 26. C. de nupt. L. fin. ff. de R. N. L. 5. ff. de quæstion. L. 38. §. 1. ff. ad L. Jul. de adult. §. 11. Entfuͤhrungs-Straffe verdienet ein jeder/ welcher eine zwar mannbare/ jedoch ihm unverheyrathete/ oder auch noch unzeitige und verlobte Braut/ Ehefrau/ Wittwe oder Nonne hinweg fuͤhret/ oder auch seine eigene zukuͤnfftige Braut wider Willen/ und kan ja Entfuͤhrungs-Laster so wohl von Mann-als Weibs-Personen/ ob schon ohne Gewalt/ veruͤbet werden; wer nun iemand entfuͤhret/ hat keine angehoͤrige Gerichts-Freyheit vorzuwenden/ sondern mag an Orten/ allwo er zu finden/ gefangen gelegt werden/ und ist gewaltsamen Entfuͤhrung auch offenen Friedbruchs Straffe/ das Schwerdt oder Reichs Acht; So dann einer jemands Eheweib oder unverleumbdete Jungfrau/ wider Ehemanns oder Vaters Willen/ unangesehen die Jungfrau oder Eheweib darein gewilliget/ unehrlicher Weise entfuͤh- ret/ soll Thaͤter/ nach Satzung der Rechten/ peinlich gestrafft werden. P. H. O. art. 118. C. 36. q. 1. c. fin. X. de raptor. Nov. 134. C. 10. L. 10. ff. L. 1. C. de Sponsal. L. 2. §. 1. C. de his qui Ven. ætat. impetr. §. item L. Jul. inst. de publ. Jud. C. de Raptoribus 35 q. 1. L. 5. §. 2. ff. ad L. Jul. de vi publ. L. un. C. de rapt. virg. L. 1. §. 3. ff. de serv. corrupt. L. 3. §. 5. ff. de lib. hom. exhib. Gewaltsamen Entfuͤhrung Straffe. §. 12. Wann nemlich einer Gewalt dabey veruͤbet/ oder durch hinterlistige Kuͤnste oder betruͤgliche Uberredungen eine Weibes-Per- son verfuͤhret/ die noch unter ihrer Eltern oder Vormuͤnder Macht ste- het/ es waͤre dann ihr freyer Wille vor der That erweißlich gewesen/ daß sie aus grosser Liebe mit gefolget/ nicht geweinet/ geschryen/ noch um Huͤlffe geruffen/ da sie von einem zum andern unbekandten Ort ent- Von Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. entfuͤhret worden/ es sey denn eine Hure/ die ihr Leben nicht verbessert/ oder die Entfuͤhrte nicht geschaͤndet/ sondern ehrlich gehalten/ sonst waͤ- ren des Thaͤters Guͤter an die Verwandten und Obrigkeit verfallen. Nov. 143 \& 159. §. 13. So lange nun die gewaltsam entfuͤhrte Weibes-Person Ehehaltung/ wegen Entfuͤh- rung/ Verbot. in des Entfuͤhrers Macht/ nicht ausser Furcht/ am freyen Ort befind- lich/ mag zwischen ihnen keine rechtmaͤßige Ehe bestehen; wann sie aber von ihm befreyet und abgesondert/ ihn zum Ehemann zu haben bewil- liget/ mag er sie zum Weibe annehmen; nichts desto weniger aber/ ob er sie schon geehlichet/ soll er sie/ nach richterlicher Willkuͤhr/ geziemend begaben/ bleibet auch auff ihm und allen denen/ die Rath/ Huͤlffe und Banns Straf- fe Recht des Entfuͤhrers. Vorschub zur That geleistet/ rechtlichen Banns Straffe/ daß sie stets Ehr-loß/ aller Wuͤrden unfaͤhig/ ihres geist- und weltlichen Standes entsetzt seyn/ weilen die Ehe nur peinliche Hals- und Lebens-nicht aber Banns-Straffe auffzuheben vermag/ und zwar durch Landes-Herrn Begnadigungs-Freyheit/ so fern der entfuͤhrten Person Eltern zu sol- chem Ehestand willigen. C. 1. 2. \& fin. X. de Raptor. §. 14. Wann auch ein loser Bube ein Maͤgdlein oder Witt- Ehestands Zu- lassung bey Nothzuͤchti- gung. we/ seinen Willen zu pflegen/ zwingen/ mit Gewalt noͤthigen und schwaͤchen oder heimlich entfuͤhren wuͤrde/ der soll ohne einige von ihm beschehene Anbietung der Ehe/ vermoͤge Rechtens/ ernstlich gestraffet werden/ und ist die geschwaͤchte Person nach ihrer Gelegenheit von dessen Guͤtern auszusteuren/ jedoch wann die Geschaͤndete den Thaͤter zur Ehe begehret/ und vor ihn bittet/ waͤre er/ zu Gefallen des Ehestan- des/ mit gelinder Straffe zu belegen/ und ihr zum Ehemann zu vergoͤn- nen/ weil sie anders aller Ehe Hoffnung beraubet/ also zwiefach gequaͤ- let wuͤrde; nach geistl. Recht mag der Entfuͤhrer die Entfuͤhrte wegen nachfolgender Bewilligung heyrathen. C. ult. \& pen. Ext. de Raptor. §. 15. Wann nun eine Weibes-Person Nothzuͤchtigung vor- Nothzuͤchti- gung Straffe. wenden und gestehen wuͤrde/ so ist der Thaͤter deßhalben mit dem Schwerdt vom Leben zum Tode zu bringen/ wofern sie aber ihn zur Ehe nehmen wolte/ so waͤre zwar die Lebens-Straffe zu erlassen/ den- noch aber auff gewisse Zeit des Gerichts-Orts zu verweisen/ falls sie dann gar nicht die Nothzuͤchtigung gestuͤnde/ soll er jedoch/ wegen der an ihr veruͤbten oͤffentlichen Strassen-Gewalt/ ewig Landes verwie- sen werden/ nemlich mit harten Staupen-Schlag/ wenn er ihr auff K k k k dem V. Buch/ Cap. V. dem Feldwege nach Hause nachgefolget/ Unzucht angemuthet/ und et- wa auff Verweigerung seinen Degen gebloͤßet/ sie um den Leib ge- fasset/ zur Erden geworffen/ auffgedeckt und die Unzucht vollbracht. C. ult. X. de Raptor. §. 16. Gewaltsamen Unzucht oder Nothzuͤchtigungs Straffe ist sonst das Schwerdt/ ob schon ein Weib aus Todes-Furcht darein gewilliget; So nun jemand einer unverleumbdeten Ehefrauen/ Wit- wen oder Jungfer/ mit Gewalt und wider ihren Willen/ die Frau- oder Jungfraͤuliche Ehre nehme/ selbiger Ubelthaͤter hat das Leben ver- wuͤrcket/ und soll auff deren Benoͤthigten Anklage gleich einem Raͤuber hingerichtet werden; wer sich aber solcher Mißhandlung fre- ventlich unterstuͤnde/ und die Weibes-Person sich seiner erwehrete/ oder sonst errettet wuͤrde/ soll nach Gestalt und Gelegenheit der Per- sonen gestrafft werden. Nothzwanck und gewaltsa- men Unzucht/ Klage Recht. §. 17. Wann nemlich das Weib die Nachbarn und Hauß- genossen um Huͤlffe angeruffen/ aber nicht gehoͤret wuͤrde/ ob schon sie mit Hand/ Fuß und Mund widerstrebet/ so wird zugefuͤgter Noth- zwang und Gewalt gezuͤchtiget/ ob schon es eine gemeine unerbare Per- son waͤre; jedoch wird auch einer erbaren unberuͤchteten Person nicht alsbald hierinnen geglaubet/ weñ sie etwan saget/ es waͤre im Walde/ Graben oder auff weitem Felde geschehen/ wofern sie nicht alsbald hernach beym Richter uͤber diese Nothzuͤchtigung klaget/ vielmehr ist wegen langwuͤrigen Stillschweigens/ gegen solche nicht geringer Ver- dacht/ daß sie in die Unzucht gewilliget/ es wuͤrde dann gemachtes Ge- schrey erwiesen. L. 5. §. 2. ff. ad L. Jul. de vi publ. L. 1. §. 2. ff. de Extr. Crim. Jungfern Krantz-Recht. §. 18. Welche Weibes-Person nun Gewalt erlitten/ suͤndiget nicht/ verdienet also keine Straffe/ viel weniger hat sie davon einigen Schandflecken/ sondern es bleibet ihre Ehre ungeschwaͤchet/ dennoch mag sie keine Krone noch Jungfern-Krantz tragen/ sondern muß einen Schleyer gebrauchen/ und mit einer Haube einher gehen/ weilen sie ih- res Leibes Jungferschafft verlohren/ ob schon ihres Gemuͤths Keusch- heit unverletzt behalten/ welche Leibes-Schamhafftigkeit/ einmahl ver- lohren/ nimmer wieder zu erlangen. L. 13. §. 7. ff. ad L. Jul. de adult. L. 29. §. ult. ff. eod. L. 20. e. eod. C. 18. C. 22. q. 5. C. itane, C. pudicitia, 32. q. 5. Deut. XXII, 23. 24. 25. \& 26. Gewalts. ge- schw. Person Voꝛbitte Recht §. 19. Wann auch ein Weib hernachmahln bekennen wolte/ es waͤre solches mit ihrem Willen veruͤbet/ mag diese Bekaͤnntniß den Schand- Vou Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. Schandthaͤter nicht befreyen von der ordentlichen Straffe/ wofern sonst die Gewalt offenbar/ ruͤchtig und bekandt/ ja der geschwaͤchten Person Vorbitte ist vergeblich/ es wolte denn der Ehren-Schaͤnder sie heyrathen/ so waͤre er willkuͤhrlich zu bestraffen. §. 20. Wer eine unzeitige unmannbare Jungfrau nothzuͤchti- Unmannbaren oder unzeitigẽ Jungfrauen Nothzuͤchti- gung Straffe. get/ hat wegen ihrer Todes-Gefahr gleiche Straffe verwuͤrcket/ wo- fern das Verbrechen vollendet; wo aber nicht/ hat ausserordentliche Geissel- oder Verweisung Straffe statt/ oder auch Gefaͤngniß/ bey welcher Sachen Erkaͤntniß verstaͤndiger Hebammen und ehrlicher Weiber eydlichem Bericht allein zu glauben. §. 21. Wann einer eine Weibes-Person mit Gewalt zu sei- Nothzuͤchti- gung Bekaͤndt- niß-Recht. nem Willen gebracht/ und mit ihr Unzucht vollfuͤhret/ welches aus veruͤbter Gewaltthat zu schliessen/ da niemand kommen/ der sie von ein- ander gebracht haͤtte/ so ist hierinnen beyder Theile Bekaͤnntniß noͤthig/ darum ihnen beyderseits beweglich zuzureden/ daß sie GOtt zu Ehren die reine Warheit bekennen moͤgen/ ob die Nothzuͤchtigung geschehen/ dabey ihr vorzustellen/ wie das Bekaͤntniß an ihren ehrlichen Nah- men unschaͤdlich sey/ indem sie mit Gewalt darzu gezwungen; falls aber sie nicht bekennen will/ kan man sie bedrohen/ zur Warheits-Er- kundigung schaͤrffere Mittel wider sie zu gebrauchen/ da sie sich etwa/ wegen eines Unterhaͤndlers/ verdaͤchtig gemacht/ dahero sich selbst kei- ne Ungelegenheit zu verursachen. §. 22. Schlechter Hurerey Straffe/ ist nur willkuͤhrliche Lei- Hurerey Straffe. bes-Gefaͤngniß-Verweisung- oder Geld-Straffe/ vermoͤge der Rech- ten/ wann der Schaͤnder die Geschaͤndete nicht will ehelichen; wann nun bey Hurerey keine Eheversprechung vorgangen/ welches aus sol- chen Worten/ daß ein Buhler sagt: er wolle der Sachen schon Rath schaffen/ nicht zu erweisen/ so kan er die Beyschlaͤfferin zu ehelichen nicht gezwungen werden; und wofern eine Hure selbst Anleitung dazu ge- geben/ zum Buhler auff Stube oder Kammer hinkommen/ ist er auch Kindes Ver- pfleg- uñ Nah- rungs-Recht. von aller Geld-Gabe zu entbinden/ jedoch so fern sie ein lebendiges Kind zur Welt bringt/ muß er ohne schuldige Geld-Buße/ wegen des- sen Verpfleg- und Erziehung/ Versicherung stellen. §. 23. Wann nun ein Hurer gestehet und bekennet/ daß er ei- ne Weibes-Person zum oͤfftern fleischlich erkannt/ so ist deßfalls wider ihn die Vermuthung/ daß er des Kindes Vater sey; ob er nun gleich zu erweisen sich getrauet/ daß auch andere Buhler bey ihr gewesen/ ist er dennoch unterdessen/ biß er zu Recht bestaͤndig erwiesen/ daß er zu die- sem Kinde nicht Vater sey/ die Nahrung und Lebens-Mittel herzuge- K k k k 2 ben V. Buch/ Cap. V. ben schuldig; Und weilen solche Ernaͤhrungs-Sache keinen Verzug leidet/ so ist auch bey so gestalten Dingen Appellation nicht zulaͤßig/ son- dern genug 4. Wochen Frist zur vermeynten Ausflucht Beweiß einzu- raͤumen; jedoch indessen Kindes Nahrung zu entrichten/ ist Thaͤters Pflicht/ ja unangesehen die Weibes-Person selbst beguͤtert/ dennoch Groß-Vaters Pflicht wegen Huꝛen-Kindes Nahrung. Thaͤter/ oder in dessen Abwesen/ Vater als Groß-Vater/ das Kind mit nothwendigem Unterhalt zu versorgen schuldig/ oder falls er solche nicht darreicht/ unfehlbar Guͤter Besitz-Einnahm gewaͤrtig seyn soll/ der angestellten Ehe-Klage auch angewandten Unkosten ohne Nach- theil. Arg. L. 7. ff. de agnosc. liber. L. 27. §. 3. ff. de inoff. testam. L. 10. ff. de his, qui sui vel al. jur. Huꝛen Proceß- Verlauff wegẽ Ehe-Klage uñ Kindes Nah- rung. §. 24. Straff-Erlassung in Hurerey-Sachen steht beym Fuͤr- sten oder Consistorio, welches dieselbe abhandelt nach vergeblich ge- suchtem freundlichem Vertrag/ also daß der Schaͤnder/ falls er nicht be- guͤtert/ so lang im Gefaͤngniß zu behalten/ biß er sich gerichtlich einzu- stellen und Urtheil Genuͤgen zu thun Versicherung gethan; der Ge- schaͤndeten aber wird versprochenen Ehe Beweißthum aufferlegt/ und wofern ers laͤugnet/ kan sie ihm den Eyd nicht anbieten/ jedoch mag sie sich mit ihm vergleichen; Wann nun eheliche Zusage erwiesen/ wird der Schuldige zur Ehehaltung gezwungen/ und die Frucht ehelich er- klaͤhret/ so gar/ daß das Kind aus ehrlichen Handwercks-Gilden/ auch gegen unguͤltig Gewohnheits-Recht/ nicht kan verstossen werden. Wann aber nichts erwiesen/ wird er zwar vom Ehestand loßgespro- chen/ jedoch verurtheilet nach Standes Ehr und Wuͤrde sie zu bega- ben/ deßgleichen das Kind zu ernaͤhren/ ob schon dieselbe mit andern auch verdaͤchtig umzugehen gewesen/ wann nur jener gesteht die Un- zucht/ ob gleich nicht die Schwaͤngerung; Es muß aber die Geschwaͤn- gerte von Mitbuhlern sich eydlich entschuldigen/ oder sie ist auch selbst zu Kindes Nahrung gehalten/ weilen der Vater ungewiß/ kan auch keine Gabe begehren/ dafuͤr sie sonst in Abwesenden Guͤter einzuwei- sen/ ja nach Vertrag kan sie wegen verlohrner Keuschheit und Jung- ferschafft Anforderung machen/ vom Vater oder Mutter Vater/ oder beyder Eltern Groß-Vater/ wann Thaͤter nichts vermag/ und wo die- se nicht vorhanden/ ist der Ober-Gerichts-Herr zu naͤhren schuldig. Jungfeꝛn kꝛanz Vorrecht. §. 25. Wann aber von geschwaͤngerten Braut-Personen et- wa Gewalt angefuͤhret/ muß solche bewiesen seyn/ entweder durch Zeu- gen/ so das Schreyen gehoͤret/ oder daß sie sich alsbald bey Gericht be- kla- Von Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. klaget/ darinnen jedoch der Richter nicht leichtglaͤubig/ sondern genau erforschen muß: Ob sie nicht mit andern verdaͤchtig und wie sie gelebet? alsdann ist die unschuldig gewaltsam Geschwaͤchte aller Straffe be- freyet/ jedoch soll sie zum Unterscheid anderer ehrlicher Maͤdgen/ oͤffent- licher Erbarkeit halben/ keinen Jungfern-Krantz tragen/ es sey denn vom Consistorio ausdruͤcklich verstattet. Caus. 27. q. 2. C. desponsatas. §. 26. Huren Lohn mag keine Weibes-Person wegen leicht- Hurerey Ver- bot in Armut. fertiger Beywohnung mit Recht fordern/ weilen sie nicht befugt/ ihre Glieder zum schaͤndlichem Gebrauch andern zu bequemen; was aber die heimlichen Huren wuͤrcklich empfangen/ solchen Lohn moͤgen sie mit freyem Gewissen behalten. Und dieses Laster/ wofern es nur ein- mahl zur Wuͤrckung vollzogen/ ist ordentlicher Straffe wuͤrdig/ ent- schuldiget auch allhier keine Armuth solchen schaͤndlichen Wandel/ mas- sen in Hungersnoth Hurerey und Unzucht verboten. L. 3. \& 4. pr. ff. de cond. ob turp. caus. L. 5. C. eod. L. generaliter ff. de V. O. L. 13. ff. ad L. Aquil. L. cum de indebito, §. fin. ff. de prob. Nov. 14. Arg. L. 1. §. 2. ff. de Extr. Crim. L. 43. §. 5. ff. de R. N. L. 2. §. circa, ff. de Except. doli. §. 27. Verloͤbniß mit Huren soll man nicht leicht gestatten/ so Huren Unfrey- heit wegen E- hestands Be- gehren. mag auch keine Hure/ dem Ehestand zur Schande/ einen Missethaͤter loßbitten; ja wann eine ledige Person eine verurtheilte zur Ehe begeh- ret/ kan es dieser nicht helffen vom Tode zu erretten/ sonst wuͤrde sol- cher Hoffnung wegen viel Anlaß zu suͤndigen gegeben. So mag auch Ubelthaͤter wodurch vom Tode nicht zu erretten. kein Ausreissender durch Schergen Unvorsichtigkeit/ noch sonst ein U- belthaͤter damit befreyet seyn/ wann etwa bey Execution das Haupt in einem Streich nicht abgehauen/ oder der Strick gebrochen/ daß er le- bendig bliebe/ maßen er sein Recht nicht ausgestanden/ und das Ur- theil nicht zur Gnuͤge vollnzogen/ auch mit Recht und Gerechtigkeit kein Gespoͤtte zu treiben/ und Justice nimmer leicht zu hemmen/ biß der Suͤnder seines zuerkannten Straff-Urtheils-Recht gantz und vollkom- men/ nach dessen foͤrmlichen Jnhalts Clausulen/ erfuͤllet; darum soll man einen Ubelthaͤter der Obrigkeit nicht entziehen/ sondern vielmehr lieffern helffen/ wann man/ zur Ubelthat gerathen oder geholffen zu ha- ben/ nicht in Verdacht fallen will/ als von Diebs-Auffenthaltern zu vermuthen ist. Tit. ff. de Receptator. Tit. C. his qui latr. occult. C. 9. X. de in jur. \& damn. dat. §. 28. Wer einer Nonnen als GOtt gewidmeten Keuschheits- Nonnen Schwaͤnge- rung Straffe. Person ihre Ehre nimmt und sie beschwaͤngert/ hat ein grobes zwiefa- chen Straff wuͤrdiges Laster begangen; Deßgleichen/ wann ein Mañ K k k k 3 aus V. Buch/ Cap. V. aus Mißtrauen gegen Gottes Allmacht/ Weißheit und Vorsehung/ sich etwa nicht mit Kindern zu uͤberhaͤuffen/ dem Weibe gebuͤhrenden Pflicht-Freundschafft versagt/ oder Saamen verderbet; Und ist des Onans Laster eine Suͤnde der Weichlinge/ greulicher als Blutschan- de und Ehebruch/ weilen dieser verzweiffelte Bube sich zum Weibe ge- leget/ sie beschlaffen/ und da es zum Saamen kommen/ hat er denselben auff die Erde geschuͤttet/ damit sie nicht schwanger wuͤrde/ da man ja zu der Zeit billich der von GOtt zur Geburt geschaffenen Ordnung der Natur folgen solte; darum es warlich eine schaͤndliche Suͤnde ist/ den Saamen locken/ das Weib damit neyden/ und sie doch bald im selbi- gen Augenblick dessen berauben; nemlich er ist von boͤser Abgunst ent- brandt gewesen/ darum er nicht gezwungen diese unleidliche Dienstbar- keit hat tragen wollen/ seinem Bruder Nachkommen zu erwecken/ de- rohalben die boͤse That billich an ihm mit Tode gestrafft worden. Psalm. CXXVII, 4. 1. Cor. VII, 3. Genes. XXXVIII. 1. Cor. VI, 9. Alp-Gespenst oder Teuffels Beyschlaff Straffe. §. 29. Also/ wer von GOtt abgefallen/ mit dem Teuffel um- gehet/ unnatuͤrliche und unmenschliche Unzucht treibet/ oder verdamm- liche Gemeinschafft haͤlt mit dem boͤsen Geist und Menschen-Feinde/ welcher dem Wesen nach aus eigner Krafft/ zwar unvermittelst menschlicher Natur/ nicht Kinder zeugen kan/ so mag er dennoch wie ein ober- oder unterliegendes Alp-Gespenst im tieffen Traum-Schlaff einer verstorbenen Person coͤrperliche Gestalt annehmen/ und nach Beyschlaͤffers Willen sich bequemen/ den Saamen verwahren/ den er gleich einer losen Vettel von einem betrogenen Menschen bekommen/ einem Weibesbilde/ die er beschlaͤfft/ zur Mutter einbringen sie zu schwaͤngern/ welches ihm wegen seiner geistlichen Geschwindigkeit/ und uͤber das/ was leiblich ist/ vollstaͤndig habenden Gewalt/ durch Got- tes Zulassung/ gar leicht zu thun/ auch todten Coͤrpers Gestanck mit wohlriechenden Sachen Geruch maͤßigen kan/ wer nun wissendlich hier einwilliget in Teuffels Beyschlaff/ verdienet billich Feuers-Straffe; die so genannte Wechselbaͤlge aber als eine lebendige Geburt herfuͤr zu bringen/ kan Satan nicht. Mann- und Knabenschaͤn- der Straffe. §. 30. Nach buͤrgerlichem Recht ist Mann- und Knabenschaͤn- der Straffe das Schwerdt/ sind auch solche Leute Ehr-loß/ moͤgen nicht Fuͤrsprecher noch Zeugen im Gericht abgeben/ so wohl die es thun/ als die es leiden an ihrem Leibe/ nemlich gut- und muthwillig/ frey und un- gezwungen/ ohne gewaltsame Furcht/ Schrecken und andern Ubels Befahrung/ da sie aber zu solcher Ubung genothzuͤchtiget/ und durch mensch- Von Hurerey/ Blutschande und Nothzucht. menschliche Kraͤffte sich nicht auszuringen vermoͤchten/ waͤren sie gelin- den Straffe untergeben/ und mag ein solcher den Noͤthiger wohl um- Unzucht Noͤ- thiger mag man umbrin- gen. bringen/ wofern er sich anders nicht erwehren kan; die boßhafften Fre- veler aber sind ihrer Guͤter verlustig/ moͤgen also kein Testament ma- chen/ und Kaͤyser Justinianus hat ihnen mit grossem Recht ihr maͤnn- liches Glied ausschneiden lassen; Ja geist- und weltliche Leute sind zu Maͤñl. Glieds Beraubungs Recht. verbannen aus der Glaͤubigen Gemeinde/ Ehr/ Amt und Ordens verlustig; auch ist zu mercken/ daß jener Spanische Statthalter in Jndien/ Nahmens Valboa/ diese Boͤsewichte und stumme Suͤnder der verdammlichen Sodomiterey/ denen Hunden und andern boͤsen oder wilden Thieren zu zerreissen loͤblicher maßen vorgeworffen; und soll billich ein jeder Fuͤrst und Landes-Herr/ zu gemeinen Wesens Wohlfahrt/ sich befleißigen/ so wohl auff deren boͤsen Buben/ als im Walde der wilden Schweine/ Jagt. L. 1. §. 6. ff. de Postul. L. 3. §. 5. in fin. ff. de test. L. 8. §. 2. ff. quod. met. caus. §. 4. instit. de publ. Jud. Gloss. in Cap. cum secundum, verb. naturæ contrari- as de hæretic. in 6. C. 4. X. de Excess. Prælat. Decret. Gregor. L. 5. T. 31. Levit. XX, 13. 15. C. 15. q. 1. Caus. 32. q. 7. C. 12. 13. 14. \& 15. §. 31. Maßen jedwedern thierischen Menschen in geistlich-Ro- manisch-Catholischen Rechten zur Lehr und Schande geschrieben/ wer in solcher Geilheit/ so gegen die Natur ist (von deßwegen Gottes Zorn uͤber die Kinder des Unglaubens vormahls kom̃en ist/ und fuͤnff Staͤd- te mit Feuer verzehret hat/) gesuͤndiget zu haben in der That ergriffen worden/ soll/ wofern er ein Geistlicher/ aus seinem Stande verworffen/ oder Buße zu thun ins Closter verstossen werden; wenn es aber ein weltlicher Mann ist/ soll er dem Bann unterworffen und von der Glaͤu- bigen Gesellschafft gaͤntzlich entfernet werden. Dann ja der H. Loth seiner Toͤchter Scham mißbrauchet/ welche Unreinigkeit/ ob schon auch lasterhafft billich zu nennen/ war es dennoch ein geringeres Ubel nach Geheiß der Natur zusammen gehen/ als gegen die Natur zu mißhan- deln; Es zog nemlich der Loth fuͤr seines Hauses Erbarkeit die gute Bewirthungs-Gunst/ welche auch bey grausamen Heyden und ver- wildeten Voͤlckern pflegt ungeschwaͤcht behalten zu werden. Solche Greuel aber/ die wider Natur lauffen/ sind jederzeit und allenthalben abscheulich zu tadeln und zu straffen/ welcherley deren Sodomiter Un- that gewesen/ welche nemlich/ wofern sie alle Voͤlcker thaͤten/ muͤsten sie auch alle nach Goͤttlichen Gesetzen mit solchen Lasters Schuldbarkeit straffbar geachtet werden; dann Gottes Allmacht die Menschen also nicht V. Buch/ Cap. V. nicht geschaffen/ daß sie auff solche gottlose Art einander gebrauchen sollen/ sintemahl selbstige Gesellschafft/ die wir mit GOtt haben sollen/ dadurch geschwaͤchet wird/ indem der Natur Gemeinschafft/ deren Ur- heber GOtt ist/ mit viehischer Begierden Verkehrung geschaͤndet und beflecket wird/ zumahlen der natuͤrliche Gebrauch/ wie er im Ehestande erlaubet/ also ist er im Ehebruch verboten/ entgegen oder wider die Na- tur aber ist er allezeit unerlaubet/ und sonder Zweiffel schaͤndlicher auch mehr suͤndlich/ weilen dieser Mißbrauch der Heil. Apostel so wohl an maͤnn- als weiblichen Personen bestrafft/ und klar zu verstehen hat ge- ben wollen/ daß sie viel verdammlicher lebeten/ als wann sie in natuͤr- lichem Gebrauch durch Hurerey und Ehebruch suͤndigten/ dadurch Gottes Reich dem Menschen verschlossen/ und der Suͤnder von GOtt getrennet wird/ als durch das allergroͤsseste Laster/ weilen durch Flei- sches Unreinigkeit GOttes Tempel verunehret und CHristi Glieder weggenommen/ in Huren-ja Teuffels-Glieder verwandelt werden/ welche nemlich ohn allen Unterscheid auch der Natur unauffhoͤrlich ihrer geilen und unersaͤttlichen Unzucht dienen/ welche ein Christ nicht einmahl stumm- und unvernuͤnfftigen oder wilden Thieren verglei- chen kan/ maßen auch diese bloßer dings ihren ordentlichen Lauff der Natur folgen/ und was noch mehr ist/ wann sie empfangen haben oder befruchtet sind/ lassen sie sich nach ihrer Art maͤnnlichem Geschlecht nicht ferner beruͤhren. Sodomiterey Unterschied und Straffe. §. 32. Mit Haͤnden geuͤbten Unzucht Straffe ist Verweisung und Geisselung. Sodomiterey-Suͤnden Straffe mit unvernuͤnffti- gen Thieren ist das Feuer; bey verkehrten Geschlechts Mißbrauch aber das Schwerdt/ in diesen abscheulichen Lastern: So nemlich ein Mensch mit einem Vieh/ Mann mit Mann/ Weib mit Weib Un- keuschheit treiben/ haben sie das Leben verwuͤrcket/ nach Gewonheit mit Feuer und Schwerdt/ da dann im ersten Fall das Vieh lebendig mit zu verbrennen/ dessen Verbrechen Anzeigen sind: Wann jemand bey einer Kuh/ Mutterpferd/ Eselin oder anderem Thier/ mit auffgeloͤ- seten Hosen/ erhobenem Hembd und andern Vorbereitungen/ die sol- ches zu begehen gewoͤhnlich/ betreten wird/ das Verbrechen schier vol- lenzogen ist/ wann es denn beynahe vollbracht/ gilt Schwerdt-Straffe/ wofern aber nicht/ so hat Staupenschlag- und Verweisungs-Straffe statt. Genes. 19. P. H. O. 116. Nov. 77. Levit. 18, 22. 23. L. 31. C. ad L. Jul. de adult. L. 1. §. 2. ff. de Extr. Crim. Rom. 1, 27. 1. Cor. 6, 9. Levit. 20, 13. CAP. Von Strassen-Kirchen-Raub und Diebstahl. Caput VI. Von Gewaltthat/ Strassen- auch Kirchen- Raub und Diebstahl. §. 1. W Ann eine Ubelthat auff oͤffentlichen Heer-Reich- und Land- Ubelthateu Gericht wenn gehoͤrig. Strassen begangen/ daruͤber hat der Landes-Herr Gericht/ dem die Regalia zukommen; geschicht es aber in Stadt- oder Dorff- Strassen/ kommt das Gericht zu dem/ der Strassen-Recht hat/ und werden solche Moͤrder und Strassen-Raͤuber geraͤdert/ so wohl als ih- re Mithelffer und Rathgeber. §. fin. inst. de J. N. G. \& C. C. un. quæ sint Regal. 2. Feud. 26. P. H. O. art. 130. §. 2. Oeffentliche Gewaltthat wird begangen/ wenn einer je- Gewalts Un- terscheid und Straffe. mand mit gewapneter Hand aus seinem Hause oder Grunde vertrei- bet/ seine Leute und Diener darzu leihet/ oder einen Menschen gefaͤhr- licher weise belagert oder einsperret; dann ob gleich jemand eines Guts Gerechtigkeit zu haben vermeynet/ soll er doch sein eigen Richter nicht seyn/ sich dessen eigenen Gewalts zu unterfangen/ wofern ers aber thut/ so wird nicht die Eigenthums-sondern gewaltigen Entsetzungs-Klage erst eroͤrtert; Oder wer einen durch Pein und Streiche/ sich etwas zu verpflichten mit Gewalt andringet und zwinget; Oder so ein Rich- ter sein Amt mißbraucht/ wider einer Parthey rechtmaͤßige Appella- tion, schwehre Gefaͤngniß oder peinliche Frage vornimmt; Deßglei- chen wer Gericht und Recht mit Gewalt gefaͤhrlich verhindert/ oder ohne hoher Obrigkeit Verlaub neue Zoͤlle auffrichtet; Alle diese sind offene Gewaltthaͤter/ und mit ewiger Verweisung zu straffen. L. in eadem, cum duabus seqq. L. Julia \& L. qui dolo malo ff. ad L. Jul. de vi publ. L. si quis ad se, C. eod. §. item lex, instit. de publ. Jud. §. 3. Also ist oͤffentliche Gewalt/ welche gegen Recht von oͤffent- Oeffentlichen und sonderba- ren Gewalts Recht. lichen Personen oder an solchen veruͤbet wird/ deren Straffe ist Geisse- lung/ Verweisung/ Hand-Abhauung/ und bißweilen Schwerdt; so kan auch aller Gewalt und Zwang/ vermoͤge Rechts Ausflucht/ zer- stoͤhret und gebrochen werden/ als dafern jemand etwas zu thun ge- noͤthiget sich verpflichtet/ er solches wohl verweigern mag/ jedoch kan ein jeder sich dieses Rechts begeben. Sonderbahren Gewalt/ ohne Waffen/ Straffe ist willkuͤhrlich. L l l l L. apud V. Buch/ Cap. VI. L. apud Celsum, §. metus, ff. de dol. \& met. Except. L. pen. ff. \& L. 6. C. de vi publ. L. 1. ff. de privata. Gewaltsamen Guͤter Entse- tzung Straffe. §. 4. Wer nun einen andern mit Gewalt seines Guts entse- tzet/ verliehret sein Recht und Gerechtigkeit/ so er daran gehabt; wann er aber kein Recht darzu gehabt/ muß er so viel geben/ als das Gut werth ist; und wer entsetzt ist/ dem soll fuͤr allen Dingen von auffgeho- bener Nutzung und erlittenem Schaden Erstattung wiederfahren/ ob schon der andere alsbald beweisen wolte/ daß ihm das Gut eigenthuͤm- lich zustuͤnde/ es wuͤrde denn alsobald dargethan/ daß der Entsetzte kein Recht zum Gut haͤtte/ und also wegen Eigenthums-Streit dar- nieder liegen muͤste/ und mag solche Klage/ wegen gewaltsamen Ent- setzung/ so wohl wider den Entsetzer als dessen Erben angestellt/ und Erstattung gebeten werden; dennoch sind sie um keine weitere Able- gung verpflichtet/ als so viel nur in ihre Gewalt oder Genuß kommen. Sonst mag man auch selbst einen Raͤuber aus eigener Macht und Ge- walt nicht berauben/ es waͤre dann gemeinen Wesens Nutzen/ oder ein solcher auff frischer That und waͤhrender Flucht ertappet. Also/ veruͤbtes Unrecht oder Gewalt auff Rathhaͤusern/ Marcktplaͤtzen/ in Kirchen und Gotteshause/ ist schwerer zu raͤchen und verantworten/ als wann es anderswo gethan. L. fi quis in tantum, C. unde vi. C. sæpè, C.literis, C. grave, C. conquerente, Ext. de Rest. Spol. L. 1. §. \& generaliter, ff. de vi \& vi arm. L. 7. C. ad L. Jul. de vi publ. L. 14. C. de agric. \& cenf. arg. C. 19. de usur. C. accedens Ext. ut lite, non contest. L. naturaliter §. nihil, ff. de acquir. poss. C. ad deci- mas, de Restit. Spol. L. 1. §. fin. L. 3. §. fin. L. 9. de vi \& vi atm. L. 2. C. un- de vi. L. si de possessione, \& L. 1. §. 1. L. idem est, §. 1. \& 2. L in interdicto, unde vi. L. si plures, ff. de vi \& viarm. C. in literis, de Rest. Spol. C. con- sultat. de jur. patr. L. 8. C. de pœn. Gewalts Draͤuungen Buͤrgeschafft Recht. §. 5. Wann auch jemand draͤuet/ eines andern Hirten zu ver- jagen/ das Feld zu verwuͤsten/ Fruͤchte abzureissen/ und seines geruhi- gen Besitzes Recht zu stoͤhren/ ja er auch ein solcher Mann ist/ bey dem wohl zu fuͤrchten/ daß er seine Drohung vollziehen werde/ dahero die- ser weder getrost seinen Acker bestellen/ noch Meyer und Hirten darzu bekommen kan/ so muß jener/ nebst Schaden- und Unkosten-Erstat- tung/ fuͤr die vergangenen/ gegenwaͤrt- und zukuͤnfftigen Gewalts Draͤuungen genugsame Buͤrgen stellen/ oder Versicherung leisten. C. querelam, 24. de Elect. L. qui pendentem, §. fin. ff. de act. Emt. Stꝛassenꝛaubs Straffe. §. 6. Strassen-Raͤuber/ so die Wandersleute ohne Mord- Vorhaben mit gewapneter Hand angreiffen und gewaltsam berau- ben/ Von Strassen-Kirchen-Raub und Diebstahl. ben/ denen soll der Kopff abgenommen/ und auff einen Pfahl ange- nagelt/ oder moͤgen auch auff Galeeren oder Zucht-Haͤuser verdammt werden; auch soll niemand solche Unthaten verschweigen/ ja wann irgendswo einer getoͤdtet/ soll man den Todschlag zum wenigsten der Obrigkeit andeuten/ das Land zu versuͤhnen/ und damit kein Unschul- diger verfolget werde/ welche Unkosten uͤber die Erbschafft ergehen/ wo- fern sie es zu tragen vermag. So kan es auch solche Raͤuber nicht ent- schuldigen/ wann sie sagen/ daß sie niemand beraubet/ sondern nur mit Draͤuungen die Guͤter abgezwungen/ oder daß der geraubten Sachen viel oder wenig; Oder das Gut haͤtte dem Beraubten nicht zugehoͤ- ret/ und dieses zwar zur Strassen Sicherheit/ es waͤre denn gutwillig/ ohne Schaden/ der Raub erstattet/ daß ein Fuͤrst die Straffe lindert. Nov. 70. L. Capitalium, §. grassatores, ff. de pœn. L. 28. §. 10. \& 15. ff. eod. §. ex ma- leficiis inst. de action. Nov 134. cap. fin. §. 7. Kirchen-Raͤuber/ so darinnen einbrechen/ daraus rauben Kirchenraubs Straffe. und stehlen/ werden auch mit dem Rade gerichtet/ bißweilen mit gelin- dern Straffen/ wie ander Diebstahl/ mit Strick und Galgen. Wer nun guͤldene oder silberne Gefaͤsse aus Kirchen entwendet/ oder Pflug/ Pflug-Muͤhlẽ- und Kirchen- Fried Recht. Muͤhlen/ Kirchen oder Kirchhoͤfe beraubet/ oder den Armen-Kasten auffbricht/ oder arglistig auffsperret/ hernach bestiehlet/ oder nur sichs unterstehet/ ob er schon nichts davon bringt/ ist an Leib und Leben zu straffen. Ja/ Diebstahl begehen an geweyheten Dingen oder heili- gen Ort- oder Staͤtten/ ist schwehrer als andere Diebereyen/ und ge- schicht auff dreyerley Weise: als/ etwas Heiliges an geweyht- oder Kirchen-Dieb- stahl Unter- schied und Straffe. ungeweyheten Orthe/ und eine ungeweyhete Sache an heiliger Stelle hinweg nehmen. Wer nun das heilige Sacrament des Altars be- stiehlet/ soll mit Feuer verbrandt werden; wer aber sonst etwas Ge- weyhetes mit oder ohne Heiligthum/ Kelch oder Schuͤsseln/ an gehei- ligten oder ungeheiligten Orten entwendet/ oder stehlens halber in Kir- chen oder eingeweyheten Sacristeyen einbricht/ und mit gefaͤhrlichen Brech-Zeugen auffsperret/ oder wer den Allmosen-Stock auffbricht/ das gesammlete daraus arglistig hinweg nimmt/ oder solches wuͤrck- lich zu thun sich unterstanden; diese alle sind nach der Sachen Um- staͤnde/ wie gemeldt/ an Leib und Leben zu bestraffen. Wer auch bey Tage von geringen geweyheten Dingen/ als Wachs-Leuchter/ Altar- Tuͤcher/ darzu ohne Brechen und Einsteigen/ oder weltliche in Kirchen gefluͤchtete Guͤter ohne Gewalt stiehlet/ bey solchen Kirchen-Raͤubern soll weniger Barmhertzigkeit als andern Diebstahl erwiesen werden; L l l l 2 jedoch V. Buch/ Cap. VI. jedoch sollen auch in allen an geweyheten Dingen und Staͤtten began- genen Diebereyen/ Personen Thorheit/ Jugend oder Hungers-Noth/ wofern derselben eines mit gutem Grunde angezeiget wuͤrde/ angese- hen/ und darinnen deren Umstaͤnde Unterscheid fuͤrgenommen/ auch wegen der Straffe fuͤrsichtig gehandelt werden; und zwar moͤgen E- delleute/ begangenen Kirchen-Raubs halben/ mit dem Schwerdt ge- strafft/ andere aber wohl gar von unten auff an Beinen und Armen geradbrecht seyn/ ehe denn ihnen das Hertz angestossen/ wann nemlich die That wiederholet. L. sacrilegii ff. ad L. Jul. pecul. L. 13. ff. de offic. præsid. P. H. O. art. 126. \& 171. P. H. O. art. 172. 173. 174. \& 175. L. 6. princ. ff. ad L. Jul. pecul. Missethaͤter Coͤrper Be- graͤbniß oder Anatomie Recht. §. 8. Derer Raͤuber/ Diebe/ Moͤrder und andern abgestraff- ten Ubelthaͤter todte Coͤrper soll man/ nach Goͤttlichem Geheiß/ begra- ben lassen; jedoch werden nach Gewohnheit etliche auffgehenckt- und auffs Rad gelegte Leiber/ zum abscheulichen Anschauen/ unbegraben gelassen. Es waͤre aber besser/ wie grausam ein Laster sey/ der Menschheit nicht zu vergessen/ weilen Galgen und Rad an sich selbsten schrecken. Solche Coͤrper aber denen Aertzt- und Wund-Aertzten/ gemeinen Nutzens wegen/ zur Anatomie und Zergliederung uͤberlassen/ fteht nach Geschlecht/ Stand und Wuͤrden Umstaͤnden in Ober-Rich- ters Willkuͤhr. Deut. 21, 23. C. 30. C. 13. quæst. 2. Galgen- oder Richt-Statt Bau-Recht. §. 9. Bey neuen Galgen- oder Richt-Statt-Erbau- und Auff- richtung/ sollen alle Zimmer- und Mauer-Leute/ so in einem peinlichen Gericht wohnen/ seßhafft oder deren Handwercke ums Lohn gebrau- chen/ durch den Gerichts-Knecht auff nahmhafften Tag/ vierzehen Tage zuvor/ erfordert werden; welche nun einheimisch betreten/ oder nicht uͤber drey Meilweges abwesend arbeiten/ sollen am bestimmten Ort/ Zeit und Tage erscheinen/ und keiner ohne Leibes-Noth/ die auff Widersprechen eydlich zu betheuren/ bey zehen Guͤlden Straffe aus- bleiben/ alsdann aus deren gesammten Zahl der Richter/ so viel zur Arbeit noͤthig/ erwehlet/ nemlich durch aller Handanlegung/ oder ein Loß/ fuͤr gewoͤhnlichen Tage-Lohn vom Gerichts-Herrn zu bezahlen/ deßwegen auch niemand verachtet/ geschmaͤhet oder verkleinert seyn soll/ bey Straffe eines Marck Goldes/ so offt es geschicht/ die Helffte der Obrigkeit/ und den andern Theil dem Jnjurirten/ das ihm mit Recht zu verschaffen. Gewaltsamen Diebstahl Art. P. H. O. art. 212. \& 217. §. 10. Wann nun irgendswo ein grosser Diebstahl geschehen/ und Von Straffen-Kirchen-Raub und Diebstahl. und die Sachen dem Guts-Herrn erstattet werden koͤnnen/ soll man es der Obrigkeit anzeigen/ und zwar geschicht gewaltsamer Dieb- stahl mit Abbrechen/ Einreissen/ Haͤuser Einbruch/ Anlegung der Ley- tern/ oder wann der Dieb Waffen bey sich traͤgt/ jemand zu schaden oder widersetzen/ welches mehr gefaͤhrlich bey Nacht als am Tage/ de- rowegen auch mehr und hoch straffbar. L. 9. ff. ad L. Corn. de Siear. §. 11. Vieh-Raͤuber sind/ die aus Weyden/ Trifft- und Feld- Vieh-Raͤuber Straffe. Heerden Schaafe und Rinder entfuͤhren; Fuͤr eine Heerde werden gehalten zehn Schaafe/ fuͤnff Schweine/ Pferd und Rind-Vieh ein Stuͤck/ so weggetrieben; wer aber verirrete Schaafe oder an wuͤsten Orten verlassene Pferde nimmt/ wird dafuͤr zum Diebe; Wer auch zahmes Vieh nicht im Walde von der Heerde/ sondern im Stall wegstiehlet/ wird haͤrter/ ja wenn sie bewaffnet kommen/ mit dem Schwerdt gestrafft/ und wenn diese Thaͤter von etwas ehrsamer Ge- burt herkommen/ werden sie auff zeitliche Arbeit verwiesen/ oder ihres Standes entsetzet; Jnsgemein wird ein Vieh-Dieb genennet/ der Vieh aus der Weyde entfuͤhret/ wer es aber aus dem Stall oder sonst stiehlet/ ist ein gemeiner Dieb zu achten/ und wer aus denen un- ter Gehorsam stehenden Landen derer Unterthanen Vieh entfuͤhret/ soll wie ein Dieb gestraffet seyn. Vieh-Diebstahl aber begehet/ der zehen Schaafe/ vier oder fuͤnff Schweine/ ein Pferd oder Kuh stiehlet/ und stiehlet einer weniger/ ist es ein schlechter Dieb/ er thaͤte es denn offt. So werden nun Vieh-Diebe bißweilen mit Zucht-Haͤusern/ Soldaten aber/ die dieses Laster begehen/ haͤrter als andere/ sonst mit dem Galgen gestrafft. Huͤner/ Endten/ Gaͤnse/ Pfauen und derglei- chen Hauß-Viehs Diebstahl/ wird nach dessen Groͤsse/ mit Ansehung der That Umstaͤnde und Personen Beschaffenheit/ willkuͤhrlich bestrafft. L. 1. §. 1. L. fin. L. 2. L. 1. in princ. \& §. 2. \& §. 3. ff. de abigeis. L. 3. §. fin. ff. eod. Lib. 47. tit. 14. ff. \& Lib. 9 tit. 37. C. de abig. L. 3. in princ. \& §. 2. ff. de abi- geis. L. 16. §. 7. ff. de pœn. L. 13. §. 14. ff. de re milit. §. 12. Raub und Diebstahls Anzeigen sind/ wann geraubt- Raub- u. Die- berey Anzeigẽ. oder gestohlenes Gut/ ohne rechtliche Nahmens-Ursachen/ bey einer verdaͤchtigen Person in Besitz gefunden wird; oder/ wenn jemand von selbigen entwendeten Geldes gleichen Gestalt Muͤntze ausgege- ben/ oder etwas unter Rock oder Mantel zu tragen gesehen ist/ vornem- lich wenn einer zuvor arm/ nun aber ohn erweißliche Ursach geschwin- de reich worden/ und viel Ausgaben gethan; wie auch aus uͤberfluͤßi- gem Wohlleben und Wirthshaͤuser Besuchung/ oder stetigem Muͤßig- L l l l 3 gang V. Buch/ Cap. VI. gang und Mord-raͤuberischen Gesellen Gemeinschafft oder Beher- bergung; Oder/ so einer falsche Hacken oder Dieterich- und Diebs- Schluͤssel/ oder andere verbotene Brech-Werckzeuge gebraucht/ oder bey Nacht ohne erweißlicher Nothdurfft auszugehen verspuͤhret wor- den/ voraus mit einem Buͤndlein unter Kleidern/ oder aus angesetzten Leitern und sonst andern des Beklagten daselbst vorgefundenen Sa- chen; oder so ein versiegelter Kasten oder Felleysen erbrochen/ und un- versiegelt zuruͤck gelieffert wuͤrde; oder so jemand an begangenen Diebstahls Orten und Enden mit dergleichen Sperrzeugen gesehen worden; oder so irgendswo ein mercklicher grosser Diebstahl gesche- hen/ und die verdachte Person nicht anzeigen kan/ wo ihr argwoͤhnisches Haab und Gut herkommen/ wann nemlich jemand mehr zur Wollust als Nothdurfft verschwendet. P. H. O. art. 39. 40. \& 43. L. 5. C. de furt. L. 10. C. arbitr. tut. Haußgenossen Diebstahl Straffe. §. 13. Raub und Dieberey von Haußgenossen oder Gesinde/ Knechten/ Maͤgden/ Dienern/ Tagloͤhnern und dergleichen/ began- gen/ soll zwar insgemein ohn Unterscheid zu machen wie anderer Dieb- stahl/ absonderlich aber in solchen ihrer Auffsicht anvertrauten Guͤ- tern/ je mehr ihnen Treu und Glauben beygemessen/ je haͤrter bestraf- fet werden; Maßen es groͤssere Dieberey ist/ wann einer seinen Herrn/ in dessen Hauß er wohnet/ bestiehlet/ jedoch nach Personen Be- schaffenheit und Diebstahls Groͤsse; als/ wofern ein Hauß-Dieb oder verraͤtherischer Haußgenosse 5. Guͤlden werth zu unterschiedlichen Diebshelffer Straffe. Zeiten gestohlen/ mag man ihn das erste mahl/ samt dem Diebshelffer/ am Leben straffen. L. si libertus, L. si servi in princ. ff. de furt. §. hi qui, inst. de oblig. quæ ex del. nasc. L. 11. §. 1. ff. de pœn. L. 52. ff. de furt. L. apud antiquos, C. eod. Rauberey Straffe. §. 14. Ein Raͤuber ist aͤrger als ein Dieb zu halten/ darum ein solcher alsbald Ehr-loß gemacht wird/ es sey die That groß oder klein/ muß auch den Schaden je dreyfach wieder ersetzen; Also/ alle und jede Rauberey ist hart oder gelinde zu bestraffen/ nach Ursachen/ Per- sonen/ Ort/ Zeiten/ Beschaffenheit/ Groͤsse und Ausgangs Umstaͤn- den/ so die Sache begleiten. Sonst ist billich/ daß ein oͤffentlicher Raub oder Diebstahl mehr oder haͤrter/ als der heimlich begangen/ gestrafft werde/ wegen Verbrechen Beyspiels Abscheu/ maßen der je- nige/ so offenbar raubet und stiehlet/ groͤssere Unverschaͤmtheit auch gewaltthaͤtigen Verdachts Ansehen gewinnet/ indem er sich nicht scheuet fuͤr anderer Leute vermuthlichen Gegenwehr/ solch grobes La- ster frey zu begehen; darum auff gewaltsame Raͤuber und grosse Die- Von Strassen-Kirchen-Raub und Diebstahl. Dieberey Hals- und Lebens-Straffe verordnet/ weilen sie die mensch- liche Gesellschafft so wohl als Moͤrder und Ehebrecher beleidigen; viel und offt begangene kleine Dieberey aber kan man zu grosser Straf- fe nicht zusammen rechnen/ wofern nicht andere Umstaͤnde dabey sehr beschwerlich. L. 4. §. ult. ff. de dol. mal. L. 7. de his, qui not. infam. L. 2. §. qui re deposita ff. vi bonor. rapt. L. 11. 14. 49. 53. §. qui alien. \& L. 85 ff. de furt. L. 16. §. fin. L. 28. § 7. ff. de pœn. §. 15. Menschen-Raub und Diebstahl begehet auch/ wer wis- send und vorsaͤtzlich einem freyen Menschen wider dessen Willen kaufft/ verkaufft/ heelet und gebunden haͤlt/ oder einen fremden Knecht be- truͤglich und arglistig entfuͤhret/ verbirget oder vorenthaͤlt/ welches nach strengem Recht mit Schwerdt zu bestraffen; Wer aber einen irren- den oder fluͤchtigen Knecht mit dessen Willen verkaufft/ ist mit Geld- Straffe zu belegen. L. 1. 2. 3. 4. 5. 6. ff. \& L. 1. 4. 5. 6. 7. 9. 10. 15. C. ad L. Fab. de plagiar. §. 16. Jn Rauberey-Faͤllen soll man diese Mittel gebrauchen/ Rauberey/ Verꝛath/ Auff- ruhr/ Bꝛandt/ Mord- und Diebstahls- Vorfall und Nachjage Pro- cess. daß an allen umliegenden Ort- und Enden/ da der Angriff geschehen/ von denen Cantzeln abgekuͤndiget werde/ daß denjenigen/ so diese heim- liche Raͤuber beglaubter Weise entdecken und anzeigen/ ein gewiß Geld aus denen Renthereyen/ nach Raubs Gelegenheit/ zu mindern oder vermehren/ unfehlbar gereichet werde/ welches die Herrschafft/ damit es ihr nicht beschwehrlich/ aus Raͤubers Guͤtern wieder zu erho- len Macht hat; die aber solche verheelen/ werden mit Bestraffung/ auch wohl gar des Banns/ ernstlich bedraͤuet. Wann man auch da- bey der Nachjagt beduͤrfftig/ wegen Verzugs-Gefahr/ oder auff Be- gehren/ da sie fluͤchtig/ sollen alle und jede/ die Gerichte halben einige Versehung zu thun schuldig/ auff erste Anzeige/ so ihnen durch Glo- cken-Schlag oder Gelaͤute-Zeichen/ durch Beraubt- oder Beschaͤdig- te selbsten/ oder von oͤffentlichen Strassen-Bereutern/ Hoff-Fiscaln und andern glaublich geschehen/ pflichtig verbunden seyn/ alsbald zu verordnen/ daß denen Raͤubern in so starcker Anzahl/ als man sich ih- rer zu bemaͤchtigen benoͤthiget/ nachgejaget werde; Also auch bey Ver- raͤtherey/ Auffruhr/ Brandstifftungs-Bedrohung/ und grossen Dieb- stahls-Vorfall/ soll es an alle umliegende Flecken und Oerter geschrie- ben werden/ gleichfalls denen Ubelthaͤtern nachzueilen. So bedarff man sich hierinnen an keine Land-Graͤntzen zu kehren/ maßen allerseits Rich- tere/ bey Dienst und Ehrenstandes Verlust/ Huͤlffe zu leisten schuldig. §. 17. Gewaltsamer Einbruch heist nicht: ohne Gewehr in Einbꝛuch/ was nicht zu neñen. Scheuer und Stall oder ein strohern Dach durchbrechen/ oder ein stei- nernes V. Buch/ Cap. VI. nernes so weit abdecken/ ohne Gewalt hindurch zu kriechen/ dahero nicht am Leben/ sondern mit Staupen und Verweisung die Straffe zu lindern. Wer sonst die Leute im Felde/ Staͤdt- und Doͤrffern/ bey Tag oder Nacht gewaltthaͤtig uͤberfaͤllt und beraubet/ soll das abge- nommene Gut erstatten/ darnach enthauptet/ dessen Kopff am Pfahl gesteckt/ wofern er aber zugleich ermordet oder verwundet/ mit dem Rad vom Leben zum Tode gerichtet werden. Mitwisser Pflicht Raͤu- ber zu nennen. §. 18. Nach geistl Recht/ wañ Raub oder Dieberey von grossem Werth/ oder an Kirchen/ Armen und elenden Leuten/ die Feuersbrunst oder Schiffbruch erlitten/ oder sonst Mitleidens wuͤrdig/ begangen und veruͤbet wird/ so mag das Consistorium denen Mitwissern oͤffentlich auffbuͤrden/ den Schuldigen nahmhafft zu machen/ bey Straffe des Banns/ ja sie muͤssen Schaden erstatten/ und werden noch darzu ge- strafft/ wofern sie bewusten Diebstahl oder Rauberey nicht entdecket/ auch darzu gezwungen/ ob schon sonsten nach buͤrgerlichem Recht nie- mand den Schuldigen zu benennen gehalten ist. Extravag. commun. de furt. C. pen. de furt. L. 48. §. 1. ff. de furt. Raͤuber und Diebs-Helffer Verdacht. §. 19. Von denen/ die Raͤubern und Dieben helffen/ ist genugsa- mer Verdacht; so einer wissend-gefaͤhrlicher Weise von geraubt- oder gestohlenem Gut Theil oder Beute annimmt/ oder dergleichen heimlich verbirget/ vertreibet oder verkaufft/ auch die Thaͤter beherberget/ oder ihnen sonst Foͤrderungs-Rath und Beystand thut/ oder in ihren Tha- ten unziemliche Gemeinschafft haͤtte/ oder so einer die entlauffen- und loßgebrochene Gefangene/ die ihm anzeigen/ allwo sie gelegen gewesen/ geheim haͤlt; oder so jemand/ dem man aus gewissen Ursachen nicht viel guts betrauet/ auff deren Thaͤter Seiten partheylich ist; oder auch/ wer ohne des Gefangenen Obrigkeit Vorwissen Befreyung halber Ver- trag und einigen Werths Bedinge macht/ oder Geld annim̃t/ und fuͤr solche Thaͤter Buͤrge wuͤrde/ diese alle samt und sonders sind gewisse Dinge und redliche Wahrzeichen deren Missethaten Mithelffer/ dero- wegen man sie weiter peinlich befragen kan. Wer aber solche Leute un- wissend oder gezwungen/ oder als An- und Blutsverwandte auffnim̃t/ der ist von Arglist/ Betrug und Boßheit frey/ so mag man ihm auch in etwas/ die Seinigen zu berathen und zu verthaͤdigen/ zu gut halten; je- doch soll er nicht gar entschuldiget/ noch ernsthafft/ oder gaͤntzlich zu hart/ sondern nach Vermoͤgen und Verbrechen Art/ mit Geld-Bußen abge- strafft werden. P. H. O. Art. 40. \& 43. §. 20. Von Strassen- auch Kirchen-Raub und Diebstahl. §. 20. Diebe soll man an den Galgen hencken/ um geringen Dieb- Diebe Straffe. stahls willen aber sollen sie mit Ruthen gestrichen/ oder sonst gelinder abgestrafft werden; wer auch jemanden sein Gut stiehlet/ ob gleich er es ihm hernach durch folgende Reue wiedergiebt/ ist er nichts destoweni- ger ein Dieb/ auch Verbrechen halber nicht unschuldig/ und so fern er- funden wuͤrde/ daß jemand der geraubten Guͤter bey sich habe/ oder die- selben verkaufft uͤbergeben/ oder in anderer Gestalt verdaͤchtlicher Wei- se damit gehandelt/ und seinen Verkaͤuffer oder Wehrsmann nicht anzeigen wolte oder koͤnte/ der hat solchen Raubs oder Nahm halben Dieberey An- zeigen Recht. eine redliche Anzeige wider sich/ weilen er nicht ausfuͤndig macht/ daß er solche Guͤter mit gutem Glauben an sich gebracht/ noch gewust hat/ daß sie geraubet waͤren. §. si quis quinque, 2. F. 27. c. 2. Ext. de his, quæ fiunt à maj. part. cap. L. qui ea mente, ff. de furt. arg. L. fin. ff. ad L. Corn. de Sicar. P. H. O. Art. 38. 39. 40. 43. 157. 158. §. 21. Darum in Diebstahls peinlicher Frage zu forschen/ was er Zum erst- und andern mahl Diebstahl/ so nicht gewalt- sam noch schaͤdlich oder von vielen be- gangẽ/ Strafe fuͤr Anzeigung und Nachricht gehabt? Was fuͤr Werckzeuge er ge- braucht? Wo sie seyn/ und an welchem Ort/ auch zu welcher Zeit er sie gefunden? Wo er es verborgen? Ob er auch in seiner Sage bestaͤn- dig verharren wolte? Massen die Umstaͤnde einer Sache Verbre- chens Straffe offt mehren/ offt lindern/ jedoch wann es das erste mahl und nicht gewaltsam oder gar schaͤdlich/ daß das Gut kan erstattet wer- den/ sollen Richtere vorsichtig seyn; wann auch Diebstahl von vielen begangen/ soll keiner gehencket werden/ er waͤre denn so groß/ daß un- ter ihnen nach verglichener Theilung eines jedern Antheil gestohlenen Guts fuͤnff Guͤlden Werth uͤbertreffe; so aber Dieberey zum an- dern mahl wiederhohlet/ noch beyde fuͤnff Guͤlden uͤbergehen/ gilt Pranger/ Geisseln und ewige Verweisung Straffe. P. H. O. Art. 159 160 \& 161. §. 22. Wer nun unter fuͤnff Guͤlden/ ohne gewaltsamen Einbruch/ Diebstahl mit oder ohne Ein- bruch unter- schiedene Straffe. Diebstahl begehet/ wird in zwiefache Bezahlung verurtheilet/ oder zum Gefaͤngniß/ und so er auff der That ergriffen/ mag er an Pranger gestellt/ mit Ruthen gestrichen und verwiesen werden/ wann aber Dieberey gewaltsam/ daß einer Thuͤr und Kasten auffgebrochen/ oder mit Wehr und Waffen Leiter angelegt/ geschehen/ wird sie mit Strick bestrafft/ und diese Umstaͤnde beschweren Diebstahl/ so er fuͤnff Unga- rischen Guͤlden werth/ mag er also gestrafft seyn. §. 24. So einer zum ersten mahl unter fuͤnff Guͤlden werth ge- Diebstahls fernern Straff Unterscheid. stohlen/ und der Dieb mit solchem Diebstahl/ ehe denn er damit in sei- M m m m ne Ge- V. Buch/ Cap. VI. ne Gewahrsam kommen/ nicht beschryen/ beruͤchtiget oder betreten worden/ noch zur Dieberey gestiegen oder eingebrochen/ ist es eine ge- ring- oder heimliche That/ welche/ so nachmahls erfahren/ alsdann muß der Richter den Dieb/ er sey mit oder ohne gestohlene Sachen ein- kommen/ wofern er anders es vermag/ solche dem Beschaͤdigten zwie- fach zu bezahlen/ anhalten/ wann er aber keine Geld-Busse vermag/ soll Geld-Bussen Recht. er eine Zeitlang im Kercker liegen/ und Falls er ja nicht mehr zu Wege bringen kan/ soll er wenigstens einfachen Werth dem Beleidigten wie- der geben oder vergleichen/ womit dieser/ nicht aber mit dem Uberschuß/ der Obrigkeitlichen Geld-Busse vorgehen mag. P. H. O. Art. 157. L. 17. ff. de jure fisei. L. unic. C. pœnis fisc. Cred. Diebstahl zum andern oder dritten mahl beschryen und betreten oder nicht. §. 24. So jemand zum andern mahl/ dennoch ausser Brechen und ohne Einsteigen/ gestohlen hat/ und solche beyde Diebstaͤhle auff gegruͤn- deten Warheit Erfahrung nicht fuͤnff Guͤlden oder mehr werth waͤren/ beschweret eine Dieberey die andere/ daß der Thaͤter an Pranger ge- stellt/ Landes verboten/ oder in solchen Orts Bezirck/ darinn er ver- wuͤrcket/ ewig zu bleiben verstrickt werden moͤge/ nach Richters Gefal- len/ kan auch dem Diebe nicht fuͤrtraͤglich seyn/ ob er betreten und be- schryen oder nicht; Wer aber zum dritten mahl gestohlen und mit gu- tem Grunde uͤberfuͤhret worden/ der ist ein beruͤchtet-verlaͤumbdeter Dieb/ auch einem Gewaltthaͤter gleich zu achten/ darum soll er mit dem Strange vom Leben zum Tode hingerichtet werden/ dann wer zu zweyen oder offtermahlen gesuͤndiget/ wird haͤrter gestrafft/ als der ein- mahl Ubels gethan/ massen boͤser That Verdoppelung wuͤrcket/ daß sonsten leichte in Tod-Suͤnden verwandelt werden/ und wird hierinn nicht Diebstahls Groͤsse/ sondern die schaͤndliche Wiederhohlung zur Straffe angesehen. P. H. O. Art. 161. 162. L. 3. §. 2. ff. de abig. Ersten Dieb- stahls Recht. §. 25. Sonst soll der erste Diebstahl/ ob schon ein grosses betraͤgt/ es sey dann mit gewaffneter Hand durch Einbrechen und Steigen bey Tag oder Nacht/ absonderlich in Kirchen/ Rathhaͤusern oder andern gemeinen Orten geschehen/ mit Verbannung und nicht am Leben/ wann aber der Diebstahl offt wiederhohlet/ mit Ruthen streichen/ Staupenschlag auff oͤffentlicher Buͤhne/ mit Brandmahlzeichen/ Oh- ren abschneiden/ gestrafft werden/ weilen so dann hierinn eine Gewohn- heit eingerissen/ daß keine Besserung zu hoffen/ und mag also Gesetzes Wissen des Menschen Gewissen uͤberwinden/ ja wann zum andern oder dritten mahl grosser Diebstahl begangen/ wird eine Manns-Per- son Von Strassen-auch Kirchen-Raub und Diebstahl. son mit dem Strick gestrafft/ ein Weib aber im Wasser ersaͤuffet. Gloss. in Auth. sed novo jure, in verbo castigabitur C. de serv. fugitiv. Arg. L. 6. §. pen. ff. de jure Patron. C. cessante, de R. J. L. 42. ff. de pœn. L. 11. §. 1. ff. Eod §. 6. inst. de publ. jud. L. 6. in pr. ff. de offic. præs. P. H. O. art. 158. 159. 160. §. 26. Oeffentlicher Diebstahl ist/ der kundbar worden/ ehe der Oeffentlichen grossen und geheimen Die- berey Unter- scheid. Dieb an seinen bestimmten Ort kommen/ daß er dabey ergriffen/ oder von Leuten nachgeruffen und verfolget/ er sey gleich vom Guts Eigener oder Frembden ertappet/ auch nach begangener That an selbigem Ort oder anderswo mit gestohlenen Sachen gesehen/ und ihn zu erfassen nachgelauffen worden/ also verhaͤlt sich es mit heimlichem Diebstahl im Gegentheil; Und fuͤr grosse Dieberey ist zu halten/ wer uͤber fuͤnff Ungarische Goldguͤlden/ verstehe so viel Geld/ als dessen Werth zu rechnen/ oder fuͤnff Ducaten/ das ist 10. thlr. werth gestohlen; darum auch zu erforschen: Ob und wie/ item wann und wo die That veruͤbet oder geschehen? Und muß der Guts-Herr beschweren/ wie viel ihm entwandt/ auch wie hoch solches zu schaͤtzen? Ob er die Sachen alle oder zum Theil hat wieder bekommen? und ob er/ solche wieder zu erlangen/ Unkosten habe machen muͤssen? Wann nun die gestohlenen Sachen dem Guts-Herrn wieder gegeben/ oder derselbe wegen Schadens Ver- gleichung vergnuͤget/ so wird die Straffe gelindert/ ob es auch fuͤr der Gefaͤngniß durch entstandene Reue vom Diebe geschehen sey. L. 12. \& 14. C. de furt. L. 39. \& 53. ff. Eod. L. 14. ff. de cond. indeb. L. 206. ff. de R. J. L. 3. princ. \& §. 1. L. 7. §. 1. \& 2. L. 35. ff. de furt. §. 3. instit. de obl. quæ ex del. L. 4. 5. 8. ff. de furt. L. 7. ff. de Extraord. Crim. L. 1. §. 33. L. 14. ff. ad SCt. Syllan. L. 7. C. de pœn. §. 27. Wann jemand seinem Nechsten etwas heimlich geraubet Heimlichen Dieberey Recht und Straffe. oder entwendet hat/ verstehet es sich leichtlich/ daß er im Gewissen nicht Ruhe haben koͤnne/ er gebe denn das Entwendete demjenigen wieder/ dem es zugehoͤret/ da nun der Diebstahl heiml. so rathen Theologi billig/ es soll auch der Dieb durch fuͤgliche Mittel das gestohlene heimlich er- statten; darum alle Gauckeler/ Spitzbuben/ Taschenspieler/ Beutel- schneider/ als heimliche Diebe/ ausserordentliche Straffe verdienen. L. Saccularii, ff. de Extr. Crim. §. 28. Ein wiederhohleter Diebstahl wird genañt/ der zu verschie- Wiederhohle- ten und Hauß- Diebstahls Recht. denen Zeiten begangen/ nicht aber/ ob jemand verschiedene Sachen auff einmahl aus vielen Kaͤsten gestohlen/ sondern was an mancherley Orten heute/ morgen/ uͤbermorgen oder nach etlichen Stunden an sel- bigem Tage und uͤber einen Monat gestohlen; Haußdiebstahl ist/ der von Haußgenossen oder anverwandten Personen geschieht und schwe- M m m m 2 rer V. Buch/ Cap. VI. rer zu straffen/ wann er aber gering ist/ mit Gefaͤngniß auff Wasser und Brodt; so wird auch kein Dieb wegen der Straffe von derer ge- stohlenen Sachen Erstattung erlediget/ jedoch mag er sich mit dem Guts-Herrn vergleichen/ wie er kan. Gestohlenen Sachen Schaͤ- tzungs Recht. §. 29. Allwo auch solche gestohlene Sachen umkommen/ verder- ben oder aͤrger werden/ dennoch wird der Schuldige nicht befreyet/ wei- len ein Dieb oder Raͤuber in der Sachen Erstattung/ welche er gar nicht haͤtte wegnehmen sollen/ allezeit Auffenthalts Verzug zu machen/ verstanden wird/ und verdirbt also die Sache auff des Verziehenden Gefahr/ dahero deren Schaͤtzungs Anforderung nimmer auffhoͤren kan/ ob schon der Eigener selbige zeitiger haͤtte begehren koͤnnen/ son- dern es mag solche auff die Zeit des besten Wohlstandes angeschlagen werden/ massen der Eigenthums-Herr dergleichen haͤtte weiter genies- sen moͤgen/ wofern es ihm wieder gelieffert waͤre/ ja ein Klaͤger mag alles Interesse Viehes-Geburt und Frucht-Nutzung/ samt Gewinst/ den er vom gestohlenen Gut inzwischen haͤtte einziehen koͤnnen/ vom Diebes Ver- zugs Entschul- digung unguͤl- tig. Beklagten erheischen/ und muͤssen Erben selbst/ was ihnen davon zu- kommen/ erstatten; wann sonst ein Ding nach dem Verzug aͤrger wor- den/ muß die Schaͤtzung nur auff Zeit Auffenthalt gezogen werden/ allwo aber Tag und Ort bestimmt gewesen/ geht es dahin/ wofern nichts bedungen/ siehet man auff Gerichts Anfangs Zeiten/ und weilen es auch durch einen andern haͤtte bezahlet oder wieder gegeben werden koͤnnen/ so mag keinen Verzugs Entschuldigung statt finden/ ob sey je- mand nothwendig davon abgehalten worden/ etwa durch andere Ge- schaͤffte/ sondern haͤlt man dafuͤr/ daß einer mit Fleiß und Vorsatz an solchen Ort nicht habe wiederkommen wollen. L. 3. 8. 16. \& fin. ff. de condict. furt. L. 26. ff. de dolo malo. L. 11. ff. de re judic. L 22 ff. si cert. pet. L. 3. §. in hac, ff. commodati. L. 137. §. cum ita, ff. de V. obl. L. pen. ff. de condict. triticiaria. Raub-Guts Gewehr un- guͤltig. §. 30. An gestohlener Haab oder Raub-Gut kan oder mag durch laͤnge der Zeit kein Gewehr ersessen werden/ wofern aber der Anklaͤger gebuͤhrenden Beweiß nicht vollfuͤhren kan/ alsdann sollen die Antwor- ter ledig erkannt werden/ und Beklagtes Gut ihnen wieder folgen/ je- doch mit Kosten und Schaden ziemlich gemaͤßigter Erlegung; Wer nun wissend und betruͤglich gestohlne Sachen kaufft und verkaufft/ des- sen Guͤter werden rechtlich confisci rt/ der Thaͤter mit ewigen Landes Verweisung oder wohl gar dem Diebe gleich mit dem Strang gestꝛafft; Jtem/ wer es wissentlich in Bezahlung giebt oder annimmt/ massen solches Kauffhandels Schein vorzeiget; also derjenige/ so gestohlene Sachen Von Strassen auch Kirchen-Raub und Diebstahl. Sachen verhehlen/ ob schon er selbst sie nicht genommen/ wird dafuͤr zum Diebe/ und ist jedermann schaͤdlich/ wenn Diebstahl begangen/ da- zu rathen oder Huͤlffe leisten. P. H. O. Art. 209. L. 11. C. de acquir. \& ret. poss. §. 2. inftit. de usucap. L. 6. ff. de bon. rapt. L. 2. in fine, L. 5. C. de furt. L. 32. ff. ad L. aquil. L. litis, ff. pro Emt. L. 7. §. actionem, C. de revoc. don. L. ult. ex quib. caus. in possess. §. 31. Wer nun ein Ding wegnimmt/ in Meynung/ daß es sein Dieb wer nicht seye. eigen/ und nicht weiß/ daß es frembd Gut ist/ oder mit des Eigeners Wissen/ oder zum wenigsten glaubet/ daß es dessen Wille sey/ derjenige handelt ohne Arglist und Betrug/ begehet also keine Dieberey; Wer aber nicht um Gewinst/ sondern aus Geilheit/ Schertz/ Muthwillens und Schmaͤhens halber etwas entwendet/ ist eben kein Dieb zu nen- nen; also/ ob auch ein Beschaͤdigter die ihm unstreitig zustaͤndige durch Raub- oder Diebstahl entwandte Haabe ungenoͤthigten Zwangs mit gutem von Thaͤter wieder erlanget und zu Wege gebracht/ soll er dar- rum niemanden etwas schuldig gehalten oder verbunden seyn/ noch in Klagen stehe frey ohne Zwang. diesen oder andern dergleichen Faͤllen wider Willen zu klagen ange- strenget werden/ jedoch soll die Obrigkeit nichts destoweniger den Thaͤ- ter nach Personen Gelegenheit und Ubertretungs Ursachen Amts we- gen peinlich rechtfertigen. §. 1. \& 7. instit. de oblig. quæ ex del. nasc. L. 1. §. 3. L. 46. §. 8. L. 25. L. 52. §. 19. L. 48. §. 1. ff. de furt. L. 14. C. Eod. §. 7. inftit. de Usucap. P. H. O. Art. 214. L. 18. C. de transact. L. 13 C. de furt. L. 21. C. mandat. L. 18. ff. de Test. L. 13. ff. de offic. præs. §. 32. Ein wieder erstatteter Diebstahl ist auch zu nennen/ der an Diebstals Er- stattung Recht Gerichts-Orten verwahret behalten/ was man aber weder halb noch gantz/ ja gar nicht dessen geschaͤtzten Werth wieder geben kan/ heist nicht wiedersetzet/ ob schon der Dieb nichts genossen/ als wann einem ein gestohlener Geld-Beutel mit Gewalt genommen/ befreyet ihn nicht/ massen hier nicht von Diebs Gewinst/ sondern wegen des Ei- geners Schaden und Verlust zu fragen; So fern nun/ wie vor gemeldt/ Diebes Straf- fe der beschryẽ oder betreten. ein Dieb mit erstem Diebstahl unter fuͤnff Guͤlden werth/ ehe und be- vor er zu Hause oder an seine Gewahrsam kommt/ betreten/ oder ihm ein nachtheilig Geschrey gemacht wird/ und dennoch nicht eingebrochen oder gestiegen/ waͤre es auch ein oͤffentlicher Diebstahl/ massen der Auffruhr und That Beruͤchtigung ihn beschweret/ also daß der Dieb an Pranger gestellt/ mit Ruthen ausgehauen und Landes verboten werde/ vor allen Dingen aber muß dem Beschaͤdigten das Gut oder dessen Werth nach Diebes Vermoͤgen wieder gelieffert werden; wo- M m m m 3 fern V. Buch/ Cap. VI. fern aber Person Ansehen also beschaffen/ daß Besserung dabey zu ver- hoffen/ mag der Dieb buͤrgerlich also gestrafft seyn/ mit Diebstahls vierfaͤltigen Bezahlung und aller angewandten Unkosten Erlegung. §. fin. instit. de obl. quæ ex del. L. 54. §. 3. ff. de furt. L. 22. §. 1. ff. Eod. Diebes Ein- bruch Straffe. §. 33. So aber einer bey Tag oder Nacht in jemandes Hauß oder Behaltung einbricht/ ersteiget oder mit Waffen jemand durch Wider- stand zu verletzen/ zu stehlen eingehet/ es sey gleich zu erst- oder mehr- mahlen/ groß- oder kleine Dieberey/ ertappet und beruͤchtiget oder nicht/ so ist es doch ein geflissen und gefaͤhrlicher Diebstahl/ mit Verletz- und Vergewaltigung zu besorgen/ derowegen es seyen Scheuren/ Staͤlle/ Gezelt oder Bauerhuͤtten/ von Leimen Wand erbrochen/ ausgestossen/ Thuͤr und Fenster eingeschlagen/ nach Personen Gelegenheit und Richters Ermaͤßigung/ mit Nasen und Ohren Abschneidung/ Brand- mahl oder ob gemeldten Todes Straffe zu belegen; So auch der erste Diebstahl groß und fuͤnff Guͤlden oder daruͤber werth/ jedoch keine vor erwehnte Umstaͤnde dabey zu finden/ solchen Falls wird dessen Werths Stands Per- sonen Recht. Groͤsse/ Personen Stand und Schadens Beschaffenheit gemaͤß/ der Dieb an Leib oder Leben verurtheilet/ weilen auch insgemein geringe Leute schwerer/ als hoͤhere Stands Personen/ zu bestraffen. L. 12. ff. de Effractor. L. 3. §. 2. ff. de offic. præf. vigil. L. 6. ff. de bon. damn. L. 11. §. 1. ff. de dolo malo. L. 16. §. 3. \& L. 20. ff. de pœn. Jungen Diebe Straff-Recht. §. 34. So ein Dieb oder Diebin ihres Alters unter 14. Jahren/ die sollen ohne sonderbare Ursache nicht mit Lebens/ sondern Leibes- Straffe/ gerichtet werden/ wofern sie jedoch nahe bey 14. Jahren alt/ auch der Diebstahl groß/ oder ob bestimmtes Alter durch Boßheit er- fuͤllet waͤre/ und mehr denn einerley Beschwerungs Umstand dabey zu finden/ muͤssen solche junge Diebe an Gut/ Leib oder Leben/ nach groͤst- und meisten Beschwerung/ zur Straffe gezogen seyn; So sind auch billig Frucht-Bienen-Holtz- und Fisch-Diebe nach erfundenem Rath und Gutduͤncken der Rechts-Verstaͤndigen zu straffen/ zur buͤrgerli- chen Sicherheit alle Guͤter gegen gottlose Diebe/ andern zum Schre- cken und Abscheu/ zu erhalten. L. 37. §. 1. ff. de minor. P. H. O. Art. 163. 164. 166. 167. \& seqq. Nov. 111. præf. L. 11. princ. L. 16. §. fin. ff. de pœn. Feld und Gar- ten/ Obst- Fruͤchte und Eßwaren Die- berey Straffe. §. 35. Wer dann bey naͤchtlicher Weile jemanden seine Fruͤchte oder auff dem Felde habende Nutzung/ wie solche Nahmen haben mag/ gefaͤhr- und heimlicher Weise enttraͤgt/ verfuͤhret oder hinwegnimmt/ oder an selbigen groß-mercksamen Schaden thaͤte/ der ist fuͤr einen Dieb zu bestraffen/ wofern aber jemand bey Tage Eß-Fruͤchte ent- wendet/ Von Strassen- auch Kirchen-Raub und Diebstahl. wendet/ ohne zugefuͤgten Schaden/ derselbe soll nach Person- und Sa- chen Gelegenheit/ auch jedern Orts gewoͤhnlichen Gesetzen Herkommen/ abgestrafft werden; also/ wer durch rechte Hungers-Noth/ die er/ sein Weib oder Kinder leiden/ etwas von Eßwaaren zu stehlen geursacht wird/ und der Diebstahl gering und unstraͤfflich/ soll Klaͤgern gethaner Klage halben nichts schuldig seyn/ waͤre es aber ein grosser Diebstahl/ so ist der Thaͤter willkuͤhrlich zu bestraffen/ als wegen Aepffel/ Birn/ Wein-Trauben und andern Obst- oder Garten-Fruͤchte/ welche un- zeitig niemand verwuͤsten/ wann sie reiff/ jederman satt essen/ nichts aber davon tragen mag; Korn-Fruͤchte und Heu- oder gemaͤheten Graß Diebe werden haͤrter gestrafft. §. 36. So auch einer dem andern sein gehauen Holtz heimlich hin- Holtz Dieb- stahl und Baum Be- schelungs Straffe. weg fuͤhret/ oder gehegliches verbotener Weise verhauet/ oder zur unge- woͤhnlichen Zeit an Feyertagen und bey Nacht diebisch entwendet/ soll gleich einem Diebe/ nach Gestalt der Sachen/ auch jedern Land Orts Gewohnheit/ hart bestrafft seyn/ und verstehet sich auch unter Baͤu- men der Weinstock/ welchen niemand mit Beyl abhauen/ oder durch eine Saͤge verderben/ mit ein- und andern Hieb vernichten/ mit Kreiß- und Creutzschnitten bescheelen soll/ daß sie duͤrre werden/ viel weniger gar ausrotten/ rupffen oder reissen/ bey Diebstahls gewoͤhnlichen Straffe/ ja wohl Staupenschlag und ewigen Landes-Verweisung/ wann aber der Schade gar zu groß/ und uͤber fuͤnff Goldguͤlden werth ist/ wird er an etlichen Orten mit dem Strang bezahlt. §. 37. Ja wer diebisch und verstohlener Weise/ unwissend des Eige- Weinstoͤck- und Berge auch Garteu und Waldge- hoͤltze Recht. ners/ die That heimlich zu verhehlen/ Baͤume verhauet/ beschnitzet/ ab- stutzet/ Zweig und Aeste verstuͤm̃elt/ umschelet und verderbet/ muß getha- nen Schaden zwiefach erstatten/ wofern er aber Gewinn dabey suchet/ das Holtz bey Nacht zu entfuͤhren/ wird er mit Strick belohnet/ bey Tage hat er Geisselung und Lands-Verweisung verdienet; deßgleichen ist ein Meyer straffwuͤrdig/ der solchen Schaden veruͤbet/ jedoch willkuͤhr- lich; wer aber Weinberge verwuͤstet und Weinstoͤcke abhauet/ soll wie ein Moͤrder gestrafft seyn; Wer sonst Garten und Wald-Gehoͤltze vernichtet/ Staͤmme ausreisset und schaͤndet/ mag buͤrgerlich wegen zugefuͤgter Schmach und gethanen Schadens Ersetzung halben recht- lich verklagt und angehalten werden. L. facienda, §. furtim, L. furtim, ff. arbor. furt. cæs. L. fin. de Extr. Crim. L. qui nomine de fals. L. Licitatio al. locatio §. quitillicite, ff. de public. §. 38. Wer V. Buch/ Cap. VI. Honig und Bienen Dieb- stahl Straffe. §. 38. Wer zahme Bienen/ die zu- und abzufliegen gewohnet/ hin- wegnimmt/ deren Stoͤcke und Honig verschuͤttet/ zubricht und stiehlet/ oder heimlich beschneidet/ wird mit Geisselung/ Gefaͤngniß oder Ver- weisung/ nimmer mit Galgen und Strick belohnet/ es waͤren denn sonst mehr ein oder zwey Diebstaͤhle ihm erwiesen und rechtlich uͤberfuͤhret. Fisch- und Wild-Diebe Straffe. §. 39. Wann Fisch-Diebstahl aus stehenden Seen oder Fisch- teichen/ Weyhern und Behaͤltnissen/ die unter jemand Herrschafft und Eigenthum gehoͤren/ begangen/ wird es wie Dieberey gewoͤhnlich bestrafft an Leib oder Gut/ nach Gelegenheit der Person und Sachen Gestalt am Leben/ wofern es aber aus sonderbarem Fluß geschehen/ darinn die Fische ihre natuͤrliche Freyheit geniessen/ hat willkuͤhrliche Straffe statt/ welches auch derogestalt von Wild-Dieben zu verjahen. P. H. O. Art. 169. L. 3. §. 4. ff. de acquir. vel amitt. L. 1. §. 15. ff. si is qui test. lib. esse. L. 8. §. 1. ff. famil. herc. Schuld Ver- geltungs Die- berey Recht und Straffe. §. 40. Wann sonst jemand einer gewiß- und staͤndigen Schuld verglichenen Werth/ der ihm nicht aus Danckbarkeit/ sondern Gerech- tigkeit halben gebuͤhret/ entwendet/ dafern er anders nicht fuͤglich an- fordern moͤgen/ entweder/ daß ihm der Schuldner zu groß und maͤchtig oder ein groͤsser Ubel daraus zu entstehen besorget/ als die Sache an sich wuͤrdig ist/ in- oder ausserhalb Gericht zu suchen/ ja so fern es andern ohne Schaden und das genommene Gut die Schuld nicht uͤbertrifft/ solches ist ein unstraffbarer Diebstahl/ jedoch wann ein solcher kurtz- weil und vorwitziger Dieb ergriffen wird/ und die Schuld nicht gestaͤn- dig machen oder zur Genuͤge erweisen kan/ moͤchte er/ dieser Vergel- tungs Dieberey halben/ ordentlicher Straffe schwerlich entfliehen. Diebstahls Recht in Hun- gers Noth. §. 41. Wann aber einer in eusserster Hungers-Noth etwas weg- nimmt ohne Gewinsucht/ ob schon wieder Eigeners Willen/ so ist es eben nicht Dieberey zu nennen/ wofern er anders nicht zu Lebens-Mitteln sich rathen kan/ weder durch Arbeiten noch Betteln/ sondern Hungers sterben oder stehlen muͤste; Falls er nun andern Leute Huͤlffe begehret/ solche aber Allmosen geweigert/ die Obrigkeit auch nicht helffen will/ alsdann mag ein jeder bedraͤngter armseliger Mann/ aus Noth/ so viel er zur Natur Auffenthalt bedarff/ von einem solchen wohlhabenden unbarmhertzigen Geitzhals ohne Gewalt entwenden/ weilen er seiner Guͤter schaͤndlich mißbraucht/ und denen Armen ihr Theil entziehet/ ja/ ein solcher Kargfiltz eben so grob suͤndiget/ indem er Nothduͤrfftigem etwas von seinem Uberfluß versagt/ als wann er einem Wohlhabenden etwas nimmt; massen dafern einer der Armuth nichts geben will/ ist er jedoch Von Strassen-auch Kirchen-Raub und Diebstahl. jedoch schuldig mit leihen zu helffen/ und Falls der Arme zu bessern Gluͤckstande gelanget/ muß er des entlehnt- oder geraubten Guts Werth bezahlen/ weilen ers nur gebraucht. C. sicur, Dist. 47. §. 42. Endlich bey Nachspuhr einer durch Diebstahl verlohrnen Haussuchung und Hauß- herrn Vor- recht wegen Diebstahl. Sache pflegt Haussuchung zu geschehen/ in eines und andern verdaͤch- tigen/ auch gesamten Einwohner Haͤusern; wann aber jemand/ bey dem geraubt- oder gestohlene Sachen sich finden/ sonst ein gut Geruͤchte hat/ und sagt: Er habe das Gut auff dem Marckt oder in offenbaren Kram- laden gekaufft/ muß er solches beweisen/ oder/ wofern zwar die Sachen in jemandes Hause/ nicht aber in seinem Zimmer/ Kaͤst- oder Laͤdlein/ darinn er als Haußherr das Seinige zu verwahren pfleget/ und zwar unter seinem Schloß/ gefunden werden/ soll man ihn nicht peinlich fra- gen/ weilen das Gesinde/ Diener und Knechte oder Maͤgde dergleichen von Raͤubern odern Hehlern wohl moͤgen bekommen/ und in des Herrn Hauß gebracht haben/ daß dahero der Haußherr nicht alsbald/ wegen Raub und Dieberey/ in Verdacht zu nehmen. Caput VII. Von Falschheit/ Mordbrand und Viehes Schaden/ Wunden oder Todtschlag. §. 1. F Alschheit Laster wird begangen mit Willen/ so jemand ein Ding Falschheit La- ster Arten. an Zweene verkaufft/ es waͤre dann/ daß Verkaͤuffer den ver- sprochenen Werth zu rechter Zeit vom Kaͤuffer nicht haͤtte erlangen moͤgen/ so steht ihm frey/ die Sache ohne Straffe andern zu verkauffen; Mit Worten/ wann ein Richter durch Geld bestochen/ ein wider- rechtliches Urtheil faͤllet/ oder auch Geschencke nimmt/ ob schon in einer gerechten Sache/ weilen auch aller Bestechung Schein zu vermeiden; Mit Schrifften/ so jemand falsche Brieffe auffsetzet/ aus dem Mun- de zur Feder bringen laͤst oder reine schreibet/ Act en/ Register/ Rech- nungen/ Sendschreiben oder Handschrifften verderbet/ zerkratzet/ auff- bricht/ auslescht/ faͤlschlich unterschreibet oder besiegelt/ oder arglistig eines andern Hand im schreiben nachahmet und dergleichen thut/ daß die Warheit nicht erscheinen mag. L. 21. ff. ad L. Corn. de fals. L. 1. princ. §. 2. 3. \& ult. ff. Eod. L. 2. §. 2. ff. de cond. ob turp. caus. L. 2. \& 16. §. 2. L. 23. \& 25. ff. ad L. Corn. de fals. L. 13. §. 1. ff. \& L. 8. \& 22. C. Eod. L. 6. §. 2. ff. de Extr. Crim. L. 10. C. de ingen. manum. N n n n §. 2. Fer- V. Buch/ Cap. VII. Falschheit La- ster wie mehr begangen wird. §. 2. Ferner wird Falschheit begangen durch Mißbrauch/ wann jemand die von andern falsch gemachte Brieffe betruͤglich gebraucht/ oder falsches Gewicht/ Ellen/ Maaß und Pfund haͤlt; oder falschen Ehren Titul/ Tauff und Zunahmen andern zum Nachtheil sich zueig- net/ wegen Lehn oder Erbschafft Hoffnung/ und etwan eines Geschlechts Recht und Freyheit zu geniessen; Jtem/ wer sich fuͤr einen Grafen/ Freyherrn/ Priester/ Notari en und Studenten ausgiebt/ frembd- und perfaͤlschtes Pittschafft fuͤhret; im Zweiffel und Vermuthungen/ wo- fern diese Personen ohnverdaͤchtig seyn wollen/ sollen sie sich Eydlich be- freyen. Endlich mit der That/ wer falsche silbern- oder guͤldene Muͤntze macht/ verderbet/ faͤrbet/ betruͤglich zu eigenem Gewinn selbst und durch andere Mitgesellen ausgiebet/ welches alles genau muß be- wiesen seyn. L. 8. 9. \& 19. ff. ad L. Corn. de fals. L. 27. ff. \& L. 23. 24. 25. C. de probat. Falscher Schrifften Versiegel- und Bewahrungs Proceß. §. 3. Allwo nun Schrifften Verfaͤlschung angeklaget/ und jeman- des Hauß etwa verpittschiret/ soll man alle vorgefundene Brieffschaff- ten in ein Paqvet gewickelt/ in Gegenwart Notari en und Zeugen ver- siegelt/ bewahren/ und bey des Beklagten Anwesenheit wieder eroͤffnen lassen/ damit er die befundene That nicht verlaͤugnen koͤnne/ vielwe- niger sagen/ daß es nicht von ihm/ sondern von andern ihm zu Nach- theil geschehen/ welches des Richters Notari en und Zeugen Versie- gelung wiederlegt. Muͤntz-Faͤl- scher Straffe. §. 4. Wer falsche Muͤntze macht/ begehet das Laster beleidigter Majestaͤt/ und soll verbrandt werden; wer aber die Muͤntze nur bescha- bet/ wird willkuͤhrlich bestrafft; und zwar wird falsche Muͤntze ge- macht/ wann einer betruͤglicher Weise eines andern Herrn/ Fuͤrsten oder Reichs-Standes Zeichen darauff schlaͤgt/ oder unrechtes Metall dem Gold und Silber zusetzt/ oder aus gantz falschen andern/ nemlich zinn- oder bleyern Materie/ vermischt und zuschmeltzet/ oder so jemand der Muͤntze ihre rechte Schwere benimmt/ solche Muͤntzfaͤlscher oder die dergleichen auffwechseln/ an sich bringen und zum Nachtheil ihres Nechsten wiederum boßhafft und gefaͤhrlich ausgeben/ sollen nach Ge- wohnheit und rechten Satzung mit Feuer vom Leben zum Tode ge- bracht werden/ und die ihre Haͤuser wissentlich dazu leihen/ sollen die- selben damit verwuͤrcket haben. Muͤntz-Ver- faͤlschung Straffe. L. 1. 2. C. de fals. mon. P. H. O. Art. 111. §. 5. Wer auch ohne habende Freyheit muͤntzet/ oder irgend an- dere Muͤntze umpraͤget/ oder wieder in Tiegel bringt/ und geringere Muͤntze Von Falschheit/ Mordbrand und Viehes Schaden Muͤntze daraus schlaͤget/ soll gefaͤnglich eingelegt/ nach Rath und Gut- duͤncken/ auch der Sachen Gestalt/ an Leib oder Gut gestrafft werden; So soll nun jederman/ bey Feuer-Straffe/ sich aller alt- und neuen gu- ten Muͤntze betruͤg- und vortheilichen Verfaͤlsch- und Handlung ent- halten/: und wegen Reichs-Geld-Muͤntze/ wofern solches mit der Oberherꝛschafft Wissen und Willen geschehen/ soll dieselbe ihre Muͤntz- Freyheit verlohren haben; ja wer dazu Arbeit und Huͤlffe leistet/ und dabey Wache haͤlt/ oder Feuer-Blaßbalg anzieht und Verbrechens bewust ist/ solches aber nicht anmeldet/ hat ordentliche Straffe verdie- net/ ausgenommen Wittwen und Minderjaͤhrige; wo aber der Vor- muͤnder nahe ist/ soll er wissen/ was der Muͤndling verrichtet/ und hat Straffe seiner Guͤter zur Obrigkeit verbrochen; bey falschen Zeugen aber ist wegen Verbrechens Groͤsse Vergeltungs Recht Straffe/ und sonst verdienet Falschheit das Geisseln/ oͤffentlichen Arbeit Verweisung/ Handabhauen oder willkuͤhrliche Geld-Straffe. Novell. 52. \& L. 1. C. de vet. numis potest. L. 37. §. 1. ff. de minor. P. H. O. Art. 68. §. 6. Welche nun ferner der Muͤntze ihre rechte auch uͤberwichtige Schrot- und Korn maͤßigen Muͤntze Recht. Schrot- und Korn-maͤßige Schwere/ schaͤndlichen Gewinns halber/ be- nehmen/ und dadurch das Geld zu rechtmaͤßigem Gewicht bringen wol- len/ verstimmlen den Werth/ welchen der rechte Muͤntzherr darauff anlegen lassen/ derowegen sie nicht weniger als andere Muͤntz-Verfaͤl- scher ordentlich zu straffen/ weilen man mit Muͤntze allerdings redlich umgehen soll/ und so fern der Angeber das Verbrechen erwiesen/ be- koͤmmt er der Geld-Straffe dritten Theil/ auch wer Verbrechens Gesellen verraͤth/ ist unstraffbar. L. 5. §. fin. C. ad L. Jul. majest. §. 7. Wer eine falsche Geburt hinterlegt/ oder arglistiger Weise Falschen Ge- burt Hinter- legung Straf- fe. eine Person fuͤr die andere nachtheilig zum Erben einsetzt/ begehet Falschheit und verdienet deren Straffe/ welche ist Staupenschlag/ Guͤter Verlust/ Landes Verweisung oder Hals-Straffe/ nachdem die Boßheit groß und der Schade unersetzlich. L. 30. §. 1. ff. ad L. Corn. de fals. L. 1. C. Eod. §. 8. Wer wissent-gefaͤhrlicher Weise/ falschen Tauff- und Zunah- Falschen Nah- mens Zueig- nung Straffe. men gebraucht/ oder sich faͤlschlich einen Doctor oder von Adel nennet/ ist Straffe des Falschen untergeben; wer aber seinen Nahmen ohne Betrug aus grosser Furcht Leib- und Lebens Gefahr verwandelt/ hat keine Straffe verwuͤrcket/ ist vielmehr unverboten in Rechten/ also auch ohne Schaden im Schertz. L. falsi nominis, ff. ad L. Corn. de fals. L. 1. C. de mutat. nom. L. facta, §. si in damn. ff. ad SCt. Trebell. N n n n 2 §. 9. Wer V. Buch/ Cap. VII. Falschen Brief Straffe. §. 9. Wer auch falsche Siegel/ Brieffe/ Urkunden/ Register/ Rent- und Zinß-Buͤcher macht/ wird an Leib/ Leben/ Ehr und Gut/ nachdem die Verfaͤlschung viel oder wenig/ boßhafft oder schaͤdlich geschieht/ nach Rechts-Verstaͤndigen Rath gestrafft/ also wer frembde Brieffe er- bricht/ lieset und unterschlaͤget; Ja/ wann ein Siegel auff ledig-rein- und weiß Pappier oder Pergament gedruͤckt/ daß darauff geschrieben werden moͤge/ solches Blanqvet ist nicht ohne Argwohn des Falschen/ gilt auch wenig/ wo es nicht vom Herrn des Siegels angenommen und fuͤr guͤltig erkant. L. 1. 2. 3. 4. 6. L. Cornelia §. pœna legis. L. Divus, L. falsi pœna, L. quid sit falsum, L. eos qui inter se. L. lege Cornel. Testam. ff. ad L. Corn. de fals. L 20. C. Eod. P. H. O. Art. 112. C. de solut. \& innoc. c. 2. Ext. de fide instr. Obrigkeit Be- fehl Recht. §. 10. Endlich/ wer oͤffentliche Gebote/ stets waͤhrende und allge- meine angeschlagene Befehl zerreist/ oder gefaͤhrlicher Weise hinweg thut/ leidet Straffe des Falschen/ die sich auff 500. fl. erstrecket/ wann aber der Obrigkeit Geheiß zeitlich/ ist die Straffe willkuͤhrlich; deß- gleichen/ wer boͤß- und gefaͤhrlicher Weise Maaß/ Wage und Spece- rey/ oder andere Kauffmanns-Waaren verfaͤlschet/ und fuͤr gut aus- giebt oder gebraucht/ soll/ nach Uberfuͤhrungs Gestalt/ nachdem die Falschheit offt und vielmahl begangen/ auch Boßheit und Schadens Gelegenheit groß/ mit Ruthen ausgehauen/ Landes verwiesen oder am Leben gestrafft werden. L. Hodie qui Edicta ff. ad L. Corn. de fals. L. si quis, ff. de jurisd. omn. judic. P. H. O. Art. 113. Mordbrenner Straffe und Frage-Pun- cten. §. 11. Mordbrenner/ wann sie es arglistig gethan/ soll man leben- dig verbrennen/ und solcher betruͤglichen Feuers-Brunst Anzeigen sind: Feurige Pfeile/ Pechfackeln/ und anderer dazu bestimmten Materien Zubereitung; wann jemand am nechsten Ort mit Pulver oder andern Feuer-Werckzeugen gesehen worden/ und zwar daselbst/ wo das Feuer entstanden/ ein wenig zuvor/ deßfalls er keine Ursache erweisen kan/ darum/ wer solches begangen/ mag gefraget werden: aus was Ursa- chen und zu welcher Zeit er solches gethan? Wer ihm dazu geholffen? Mit was fuͤr Feuer-Werck er den Brand gestifftet? es sey gleich an Scheuren/ Haͤusern oder andern Gebaͤuen/ deßgleichen von wem/ wie oder wo er ein solch Feuer-Werckzeug dazu bekommen und zu Wege gebracht habe? L. 28. §. 12. ff. de pœn. P. H. O. Art. 41. 51. \& 125. §. 12. So mag auch einer/ um oͤffentliches Aergerniß zu verhuͤten/ in dessen Hause zum andern mahl Feuers-Brunst entstanden/ dabey keine Von Falschheit/ Mordbrand und Viehes Schaden. keine List noch Schuld zu erweisen/ seine Wohnung zu veraͤndern/ ge- Brand Draͤn- ungs Urphede Recht. heissen werden; wann aber einer erweißlich gedraͤuet hat/ sein eigen oder eines andern Hauß anzustecken/ mag er gemeinen Sicherheit wegen/ die Nachbarn und Einwohner fuͤr Schaden zu befreyen/ so lange biß er Uhrphede Versicherung geleistet/ in ewig waͤhrendem Gefaͤngniß be- halten werden; bißweilen sollen sie erst mit Schwerdt gerichtet/ hernach der Leib verbrennet werden/ da sie nemlich boßhafft irgendwo ein Feu- er angezuͤndet/ ob schon es ohne Mord und Raubs Vorhaben gesche- hen auch aus grober Unachtsam- und Nachlaͤßigkeit. §. 13. Wann nun eine Feuers-Brunst aus leichter Schuld entste- Feuer verwar- losen Straffe. het/ daß einer in Feuer-Halt- und Verwahrung keines fleißigen Hauß-Vaters Vorsorge anwendet/ oder an sturmwindigen Tagen Feuer anzuͤndet/ welches jedoch haͤtte auffgeschoben seyn moͤgen/ und solches nicht wohl beobachtet oder Gelegenheit zum Schaden giebet/ und seine Pflicht unterlaͤsset/ ist mit ausserordentlicher Straffe zu be- legen. L. 9. \& 11. ff. de incend ruin. L. 11. ff. de peric. \& commod. rei vend. L. 32. ff. Depos. L. 39. §. 3. ff. ad L. Aquil. L. 28. §. 12. ff. de pœn. L. 18. ff. commod. §. 14. Wann aber jemand muthwillig Feuer anlegt/ und der Ort Muthwilligen Brenner auch Minderjaͤhri- gen Verbre- cher Straffe. schon angefangen zu brennen/ daß Stadt oder Dorff Schaden zu be- fahren gehabt/ so wird der Brenner verbrennet/ er sey Edel oder Un- edel/ reich oder arm und geringen Standes/ mann- oder auch weib- lichen Geschlechts/ der die That veruͤbet/ und wann er gleich bey seinem eigenen Hause angefangen/ es seyen Vorwercke/ Staͤlle/ Huͤtten oder Zelte/ auch nur von Tuch gemacht/ ja ob schon etwa der Thaͤter durch vorhergehende Beleidigung zu Zorn gereitzet; Minderjaͤhrigen Ver- brechern aber wird dißfalls das Haupt zu erst abgeschlagen/ hernach der Leib ins Feuer geworffen/ weilen Verstandes Schwachheit/ Straffe Linderung billig erfordert; Ein Brand aber in der Stadt ist jederzeit hoͤher zu achten als auff dem Lande. §. 15. Wer aber zu rauben und morden dabey gesinnet ist/ mag Breñer Straf- fe/ so rauben und morden zugleich. zuvor geschleifft und mit gluͤenden Zangen angegriffen werden/ es ha- be denn ihn der That gereuet/ und Anzuͤndungs Materie zeitig abge- than/ oder waͤre merckliche Einfalt untergelauffen/ so koͤnte jemand mit Gefaͤngniß oder Geld-Straffe Bussen nach gethanen Schadens und Interesse Ersetzung belegt werden/ welches eydlich zu betheuren. §. 16. Wann jemand bey Feuers-Brunst-Haußfall- oder auch Schiffbruchs Gelegenheit/ etwas hinweg nimmt oder entwendet/ N n n n 3 Scha- V. Buch/ Cap. VII. Schaden thut/ oder ein Ding zu verwahren genommen behaͤlt/ ist samt seinen Erben/ die es uͤberkommen/ solches vierfaͤltig zu bezahlen schul- dig; Wer aber zu Feuer-Schaden oder Schiffbruch Ursach gegeben/ hat Lebens-Straffe verwuͤrcket/ und mag in selbigem Feuer zu ver- brennen oder in See zu ersaͤuffen hingeworffen werden; Wer nun aus grober Schuld und Versaͤumniß dergleichen verursachet/ verdienet Lands-Verweisung/ oder nachbarlichen Schadens Ersetzung/ und muͤssen hierinn Einwohner sich allen Verdachts befreyen/ auch ihre Unschuld erweisen. L. 1. §. ex incendio, cum §§. \& LL. seqq. L. 3. §. 3. L. 4. §. fin. L. 18. ff. de incend. Auth. navigia, C. de furt. L. 38. §. incendiarii ff. de pœn. L. pen. L. qui ædes, ff. de incend. ruin. naufrag. Exod. XXII, 6. L. si quis ad L. Corn. de Sicar. L. 7. ff. de pact. L. 11. ff. de princ. \& comm. rei vend. L. 3. de offic. præfect. vigil. Vieh- oder Thiere Scha- den Bußrecht. §. 17. So auch jemand ein schaͤdliches Thier haͤtte/ das einen Menschen entleibet/ oder sich dermassen erzeiget/ und sonst von Art und Eigenschafft ist/ dadurch zu besorgen waͤre/ daß es den Leuten an Leib oder Leben Schaden thun moͤchte/ dessen soll sich sein Herr entledigen/ oder allen davon entstehenden Schaden nach Gelegenheit der Sachen entgelten/ und so viel desto mehr darum gestrafft werden/ wann er zu- vor von Obrigkeiten gewarnet worden/ solches Thier abzuschaffen/ oder genau zu verwahren/ welche zur Entschuldigung angefuͤhrte Ursa- chen/ dafern sie diensam und erheblich/ alsdann auf Richters Zulassung Viehes Eige- ner Entschul- digungs Recht ein jeder beweisen muß/ als so fern es waͤre ohne des Herrn Schuld oder aus seiner Unwissenheit geschehen/ daß er das Thier fuͤr zahm ge- halten/ oder wohl eingeschlossen und ihm ungefaͤhr ausgebrochen/ so ist er von Straffe zu befreyen; Sonst mag man wohl ein Thier oder zah- mes Vieh/ das einem sein Heu/ Graß oder Frucht verwuͤstet oder gar abgeweydet/ so lange pfaͤnden/ schuͤtzen und behalten/ biß der Schaden und Unkosten bezahlet oder erstattet. P. H. O. Art. 136. 151. L. 1. ff. de Except. Beißigẽ Hun- des Recht. §. 18. Wann nun jemand einen beißigen Hund/ der ihn verfolget/ mit einem Stein wirfft/ und den dabey fuͤruͤbergehenden von ohngefaͤhr wider Willen toͤdtet/ ist frey von Todes Straffe; also/ wer ein muth- willig Pferd/ dessen Fehler ihm unbekandt/ nicht zwingen kan/ daß es einen Menschen untertritt/ diese bezahlen nur Artzt-Lohn/ Schaden und Versaͤumniß-Unkosten. Wer aber ein schaͤdlich wildes Thier oder boͤsen Hund an oͤffentlicher Strasse gebunden oder loßgehend haͤlt/ soll/ damit niemanden auff freyer Strassen oder Landwegen Gewalt ge- schehe/ Von Falschheit/ Mordbrand und Viehes Schaden. schehe/ allen gethanen Schaden bezahlen/ wann nemlich der Besitzer Strassen und Wege Recht. des Thieres Art wissen kan/ und es uͤber Verwarnung nicht abge- schafft hat. Exod. XXI, 13. \& 19. Josua, XX, 3. Num. XV. \& XXXV, 22. Deut. XIX, 5. C. fin. de his qui fil. occid. Clem. 1. de homicid. L. 40. cum LL. seqq. ff. de ædilit. Edict. §. 19. Ja/ wann ein zwey- oder vierfuͤßiges Thier Schaden thut/ Thieres Scha- den Busse so vielen angehoͤ- rig. aus Geilheit/ wildem wuͤten/ oder sonst gegen dessen Art allgemeinen Natur/ ohne jemandes Schuld oder Anreitzen/ so mag man den Eigen- thums-Herrn gerichtlich belangen/ daß er das Thier zu Schadens Entgeltung heraus gebe/ oder den Schaden bezahle/ als wann ein Pferd jemanden geschlagen/ oder einer vom Ochsen gestossen/ oder von Hun- den gebissen waͤre/ wofern nun das Thier vielen Eigenern zustaͤndig/ sind sie alle den Schaden voͤllig zu buͤssen gehalten/ und zwar ein jeder allein/ ob schon es einem andern zu gehoͤrigem Brauch gewesen/ wie der Schade geschehen ist. L. 1. §. 1. \& L. pen. ff. si quadrupes. inftit. in princ. Eod. §. §0. Wann es auch angebohrner wilder Muth verursachet/ als Wilden Thiere Schaden Buß Recht. bey Loͤwen/ Baͤren und dergleichen/ welche/ so bald sie deren Menschen Gewahrsam entkommen/ auch deren Zwang und Herrschafft entgan- gen/ oder/ da sie etwas nachlaͤßig verwahret/ jemanden Schaden zuge- fuͤget/ so wird der Herr beklagt/ wofern es aber aus jemandes Schuld geschehen/ so mag man den belangen/ der das Thier angereitzet hat; oder so einer ein angefesseltes Thier boßhafftig loßgelassen/ ist er in Schuld/ daß er nicht muͤglichst solches vorbedacht/ und buͤsset das Ge- sinde alle erwiesene Schalckheit/ welches auch gilt/ wegen aller erschla- genen oder verletzten Thier und Voͤgeln von andern Hunden oder wilden Thieren. L. 40. cum LL. seqq. ff. de ædilit. Edict. L. 1. §. quod si \& §. 1, verb. instigatu, L. 31. \& L. 1. §. 6. vers. si commune, ff. si quadrupes. §. 21. Wann jemand einem andern von gleicher Gattung Maul- Spannpferde oder Manlesel Gattungs Verderben Erstattung. Eseln oder Span-Pferden eines toͤdtet/ so wird nicht allein dessen Werth/ sondern auch selbigen Jahres Nutzen Abgang/ und wie viel die andern an Preiß verringert/ die noch uͤbrig sind/ ja alles/ was man des Schadens halber entrathen muͤssen/ oder auszugeben gezwungen wor- den/ nach allgemeinen Schaͤtzung angerechnet/ und solchen Verlusts Erstattung begehret. L. 21. cum duabus seqq. ff. ad C. Aquil. §. illud, instit. Eod. L. 23. §. in Summa \& L. 33. ff. Eod. L. 1. \& 5. §. 1. ff. Eod. L. 45. \& 52. ff. Eod. Caput V. Buch/ Cap. VIII. Caput VIII. Von Ehren-Sachen/ Injuri en/ Paßqvillen und Schmaͤhungen/ Retorsion, auch peinlichen Frage/ Tortur oder Folter. §. 1. Injuri en Buͤr- ger- und pein- lichen Klage Recht. W Er oͤffentlich einen andern mit Wort- oder Wercken Ehren- ruͤhrig angreifft/ schilt/ laͤstert und schmaͤhet/ der soll bey buͤrger- lich angestellter Klage gerichtliche Erklaͤrung thun/ und ohne seiner Ehren Verletzung zum Abtrag bewerckstelligen/ auch die von Klaͤgern geschaͤtzte Injuri en auff richterliche Ermaͤßigung erlegen/ und zugleich mit Entgeltung der Unkosten und erlittenen Schadens bezahlen/ oder bey peinlich angefuͤhrten Klage muß er sein Maul zum Luͤgner machen/ oͤffentlichen Wiederruff thun/ und also andern zum Exempel Ehrloß seyn/ auch als ein Ehren-Dieb/ Verlaͤumder und Schaͤnder der Obrigkeit gebuͤhrlichen Straffe unterworffen seyn/ und also mag Obrigkeit Kirchen und Schuldiener Personen Schmach raͤchen. Arg. L. Hodiè, ff. de pœn. Injuri en Un- terscheid. §. 2. Alle Schertzthaten und Reden/ auch was in Hitze des Zorns geschieht oder geredt ist/ soll nicht ehe kraͤfftig seyn/ es erscheine denn aus dessen Beharrlichkeit/ daß es seines Gemuͤths Meynung gewesen; sonst aber geschieht Schmaͤhung mit Wort-Schrifft- oder Thaten/ grob oder gelinde/ nach Personen Zeit und Orts Umstaͤnden/ als von verstaͤndigen Leuten mit Vorsatz und boͤsem Muth/ nicht aber von Un- sinnigen und Minderjaͤhrigen/ noch Schlaffenden/ welche ohne Arglist nicht suͤndigen/ ein Trunckener aber ist nicht allerdings entschuldiget/ Trunckenen Reu vergeb- lich. weilen seine Schuld allen Unfall vorher geht/ vornemlich die thaͤt- oder wuͤrcklichen Injuri en/ massen eines Trunckenen Reue keine thaͤtliche Schmach/ als Schlaͤge und Wunden/ auffheben/ noch aͤndern kan/ je- doch in leichten Scheltworten ist ein solcher zu entschuldigen/ welchen es nuͤchtern nach ausgeschlaffenem Rausch gereuet; Nicht allein aber ist Schmaͤh-Klage schuldig der Thaͤter/ sondern auch der/ so jemanden dazu uͤberredet/ Geheiß und Befehl/ oder Anleitungs Ursachen giebt/ also daß so viel Schmaͤhungen als Personen zu nennen/ wann solche an vielen Orten/ oder an einem Orte viele Schmachreden geschehen/ die nicht auff einen Zweck hin ziehlen/ und zwar leidet jemand Schimpff entweder selbst oder durch andere/ als an Kindern und Be- dienten/ oder an Eheweibe und Schnur begangen/ weilen Sohns Spott Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. Spott des Vaters Schande/ und einem Geschlechts Glied angethane Schmaͤhklage Verlust Recht. Beschimpffung vermag wohl die gantze famille zu kraͤncken/ zumah- len alle solche Beleidigungen durch Handthat jemandes Leibe/ gleich- wie Hohn und Spott eines Geschlechts Wuͤrde und Ehre zu verder- ben geschehen/ dennoch verfaͤllt Schmaͤh-Worte Klage mit eines Jahrs Verlauff. L. 16. §. qualitas, ff. de pœn. L. si non convicii, de injur. L. 1. §. 1. L. 8. h. tit. §. atrox instit. Eod. L. 24. §. vitium, ff. de damn. inf. L. 6. §. per vinum, ff de re milit. L. un. C. si quis imper. maled. L. 11. §. pen. ff. de pœn. C. sane, 16. q. 1. L. 48. ff. de R. J. L. 11. in princ. \& §. 1. gloss. ad verbum. idemq́; ait, de injur. L. si plures, 34. ff. Eod. L. 12. de his, qui not. infam. L. item is, §. convitium, de injur. §. fin. inst. de nox. act. L. 8. in fin. de eo, quod met. caus. §. patitur, instit. de injur. L. 1. in fine, hoc tit. §. 3. Derjenige aber ist fuͤr keinen Streits-Urheber zu nennen Streits-Urhe- ber wer nicht. noch zu halten/ welcher nicht mehr thut/ als er von Rechts wegen thun mag/ als: wann einer jemanden/ der in ehrbarer Gesellschafft unflaͤtige Worte fuͤrbringt/ Bescheidenheit erinnert/ oder das Seinigé wieder fordert/ oder denen/ die in seinem Hause und sonst sich einander schelten/ oder mit andern Gelegenheit zu zancken suchen/ ankuͤndiget oder ansa- gen laͤst/ daß sie sich hinweg packen sollen; Sonsten aber sind Ehren- Verlust Ursachen alle betruͤg- und arglistige Ubelthaten/ so boßhafft zu des Nechsten Schaden gerichtet/ als Meineyd/ Warheit Verfaͤl- schung/ thoͤrichte Gauckeler Kuͤnste/ Huren-Wirthschafft/ Dieberey/ Schmaͤhungen und dergleichen. L. 23. 24. \& 32. ff. ad L. Jul. de adult. L. 1. ff. de dolo malo. L. Sancimus, C. de pœn. Auth. ut Scenic. mulier. L. palam, §. fin. de R. N. L. 36. ff. de action. L. si non, C. de injur. §. 4. Injuri en nun mit Worten sind: wann man einen gegenwaͤr- Wort Schmaͤ- hungen Klage Recht. tig oder abwesend Ehrenruͤhrig und schimpfflich nachredet/ mit gerin- gen oder hochnachtheiligen Worten; in jenen hat Christliche Abbitte und Erklaͤrung/ auch willkuͤhrliche Geld-Straffe und leidliche Gefaͤng- niß gute statt/ absonderlich wann es aus unbesonnenem Zorn und hitzi- gen Gemuͤths-Bewegungen/ ohne boßhaffte Zuneigung und muthwil- ligem Vorsatz geschehen/ wiedrigen Falls aber in hart- und groben Schmaͤhungen mit vorsetzlicher Boßheit/ gilt oͤffentlicher Wiederruff/ hernach Staupenschlag/ zeit- und ewige Landesverweisung/ nach In- juri en und injuriirt en Personen Beschaffenheit/ mit ausdruͤcklichem des Geschmaͤheten Ehr- und guten Nahmens Vorbehalt/ jedoch muß der Richter hierinn nach angesteltẽ buͤrger- oder peinlichen Klage verfahren. L. quod Senatus ff. de injur. L. 7. §. si dicatur, ff. Eod. L. 15. §. 27. vers. hæc autem, L. item apud, §. 1. ff. de injur. §. sed \& lex, instit. Eod. O o o o §. 5. Fer- V. Buch/ Cap. VIII. Thaͤtlichen In- juri en Klage Recht. §. 5. Ferner Injuri en/ die mit der That geschehen/ sind auch kleine- re/ als Haarrauffen/ Maulschellen/ Zahn und Nasebluten/ alle Schlaͤ- ge/ so nicht toͤdtlich noch lahm oder wund machen/ als braun und blau/ auch Blutruntzeln mit Naͤgeln gekratzt/ oder sonst jemanden beym maͤnnlichem Glied hart antasten; deßgleichen mit Gebehrden/ einem andern zu Spott die Zunge ausstrecken/ Augen verkehren/ Gesicht und Mund verstellen/ Hand auffheben/ zu schlagen draͤuen/ ob schon es nicht geschicht; hier muß Klaͤger bey buͤrgerlichen Klage seine Injuri en schaͤtzen/ und solche oder geringere Straffe bitten/ bey der peinlichen Klage aber strafft der Richter nach Umstaͤnden. Hohe oder grobe thaͤt- liche Injuri en sind: Alle offene Kaͤmpffer oder beinschroͤtige Wunden/ Laͤhmung/ Beulen/ so auffbrechen/ Schandmahle/ Augen/ Ohren/ Na- sen und andere Gesichts Verletzung/ von schlagen/ treten/ stossen/ werf- fen/ hauen/ stechen oder schiessen; ja bey hohen That- Injuri en buͤr- gerlichen Klage muß dem Klaͤger Schmertzen/ Artzt-Lohn und Ver- saͤumniß/ das er gehabt und noch haben mag/ erstattet werden/ und wird Beklagter mit zeitlicher Landesverweisung/ Gefaͤngniß oder Geld- Busse/ nach Wunden und Verwundeten Beschaffenheit gestrafft/ und wann er Armuth halben nicht bezahlen kan/ muß er/ da sonst nur auff 1. alsdann 2. Jahr/ verwiesen seyn; bey peinlichen Klage aber wird er mit Leibes-Straffe und ewigen Landesverweisung angesehen/ darff auch sonst nichts bezahlen. Exod. XXI, 19. L. 13. in pr. ff. ad L. Aquil. L. 2. in pr. L. 21. in princ. L. 23. in pr. §. 2. \& seqq. L. 16. \& 83. ff. de oper. liber. L. si quis, §. 3. ff. de jurisd. L. 1. in fine, ff. de pœn. Injuri en ferne- re Beschrei- bung. §. 6. Wer auch einen andern schlaͤgt/ oder mit erhobener Hand Pruͤgel und Schwerdt bedrohet/ mit Gewalt in sein Hauß gehet/ Brieffe auffbricht/ wieder siegelt und verhehlet/ oder Schelt- und ver- aͤchtliche Schmaͤhworte uͤber einen ausgeust/ als mit Ehren- Respect zu melden/ Hundsvott/ Schelm/ Gauckeler/ Huren-Kind/ Luͤgner/ Ver- laͤumder und dergleichen/ ob schon er/ mit Gunst oder Verlaub zu reden/ dabey sagt/ er waͤre dann/ seine Ehre zu retten/ dazu angereitzet worden; oder wer jemand verlacht/ hoͤhnet und bespottet/ er sey gleich eines La- sters mit Watheit beschuldiget oder nicht/ deßgleichen wer einen fuͤr Lahm/ blind oder Bettler ausrufft/ ob schon es sich also verhaͤlt/ soll es doch niemanden Schimpff- und spottweise/ wohl aber schertzhafft oder einen zu verb e ssern vorgeworffen werden/ welchen kurtzweiligen Muth zu erweisen noͤthig/ sonsten ist allezeit gegen Injuriant en wiedri- ge Ver- Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. ge Vermuthung; darum er vorige angemerckte Straffe verdienet. L. 1. §. omnem, L. 5. \& 9. ff. de injur. L. inter. ff. de adult. L. 13. §. 1. L. 20. de injur. §. pen. in auth. de his qui ingred. de appellat. L. 15. §. 1. de injur. L. 1. in fin. de obseq. præst. L. 21. de acquir. hæred. L. 2. C. de offic. rer. prov. L. igitur, de liber. caus. Gloss. in L. un. in fin. ff. si quis jus dicenti non obtemper. §. 7. Jedoch soll Ehren-Schaͤnd- und Schmaͤhung halben kein Injuri en Pro- ceß Unfug. Proceß erkannt werden/ es habe denn zuvor Klaͤger durch Schrifft- oder andere glaubliche Urkunden und Anzeigung berichtet und gebuͤhrenden Schein dargelegt/ daß er derogestalt wuͤrck- und thaͤtlich injuriir et wor- den/ oder der Verlaͤumder habe Schmaͤhungs Ursachen beygebracht/ so wird er zu fernern Klage angestrenget/ weilen verlaͤumden heist/ jemanden stillschweigend zum Gericht einladen; Sonsten mag ein je- Unehren Ver- meidungs Mittel. der durch vorsichtige Mittel Unehre vermeiden/ als wann er in Ehren- Sachen sich durch einen Fuͤrsprecher verthaͤdiget/ oder Geldbusse und Schmaͤhung geschaͤtzte Straffe fuͤr dem End-Urtheil anbiethet und zu zahlen bereit ist/ welches auch von einem dritten Mann ohne Geheiß beschehen kan/ so wird er aus frembdem Thun nicht fuͤr bekant gehalten/ und muß die von frembden Glaͤubiger geschehene Bezahlung jedoch angenommen seyn/ wiedrigen Falls kan solche beym Gericht hinterlegt werden/ so findet Ehren-Verlust keine statt. L. Diffamari, 5. C. de ingen. manum. L. fin. C. de injur. L. ult. C. de probat. L. 73. de procurat. L. 39. de negot. gest. L. solutionem, ff. de solut. §. fin. inftit. de perpet. \& temp. act. L. 19. C. de usur. L. 9. C. de solut. §. 8. Wann auch ein Richter von ordentlicher Straffe abgehet/ Ehren Erhal- tungs Mittel. und dem Schuldigen eine schwerere als gesetzmaͤßige Straffe auffer- legt/ dadurch er ihn haͤrter angreifft und plaget/ so scheinet er billig Ehren-Verletzungs Erkaͤntniß zu uͤbergehen und Beklagten damit ver- schonet zu haben/ deßgleichen wann er dem Beklagten aus gerechten Ursachen ausdruͤcklich die Ehren-Erklaͤrung vorbehaͤlt; oder auch/ wofern der Verurtheilte vom Spruch zum Oberrichter sich berufft/ und bey solchen Mittels waͤhrenden Zeit seinen Fleiß thut/ daß etwa Ehren Sachen Vorrecht. das andere Urtheil nicht erfolgen/ sondern der Streit verglichen/ oder sonsten durch Abtrag und Bezahlung auffgehoben seyn moͤge/ massen ein Unter- oder Schieds-Richter in Ehren-Sachen/ die Haupt-Ver- brechen gleich zu achten/ fuͤr sich allein den Ausspruch zu vollenziehen nicht vermag. L. 10. §. in personis, ff. de pœn. L. furti, L. quid ergò, §. pen. ff. \& L. 3. 4. C. Eod. C. sicut, de sent. \& re jud. L. 14. de bon. lib. L. 41. C. de transact. L. 37. §. Julianus, de recept. arbitr. L. 13. ff. ad L. Aquil. O o o o 2 §. 9. Wann V. Buch/ Cap. VIII. Ehren Schaͤn- der Wieder- ruffs Verwei- gerung Strafe §. 9. Wann sonst der Ehren-Schaͤnder gegenwaͤrtig/ zum Wie- derruff condemni rt/ sich verweigert/ soll er mit Geld-Straffe oder Ge- faͤngniß dazu angehalten/ und ihm ein ander Termin gesetzt werden/ wofern er alsdenn Gehorsam nicht leistet/ soll man ihm haͤrtere Gefaͤng- niß anthun/ mit Wasser und Brod speisen/ auch noch einen andern Termin vorstellen/ mit der Verwarnung/ daß es hernach der Buͤttel in seinem Nahmen verrichten/ und er des Landes zeitlich und ewig verwiesen werden soll/ welches auch in seinem Anwesen/ so fern er Halsstarr- und trotzig beharret/ dabey dann derselbe/ den er mit gifftigem An- oder Ab- wesenden Eh- ren-Diebs Ur- theils Proceß. Maul geschaͤndet/ zur Stelle sey/ geschehen muß; wann aber der Eh- ren-Dieb abwesend/ soll er bey Straffe citir t seyn/ bleibt er aussen/ soll man seiner in Hafft maͤchtig zu werden trachten/ wo das nicht muͤglich/ soll das Urtheil an Gerichts-Verbrechen und Wohnungs Orten/ all- wo er sich auffzuhalten pfleget/ angeschlagen und dadurch der Ge- schmaͤhete seiner Ehren ergaͤntzet/ jener aber verwiesen und Ehrloß seyn; Falls er aber etwa Paßqvill oder Cartell mit Schmaͤhungen ge- sendet/ mag solches vom Nachrichter unter Justice Ort verbrandt werden. Ehꝛloß/ gering und verachtete Leute wer zu achten. §. 10. Fuͤr eine gering- und verachtete Person ist ferner jemand zu halten/ wegen geringen Standes und Herkommens/ als ohne Buͤr- ger und Stadt Wohnungs Recht/ Hauffen weise von Ort zu Ort her- umschweiffende Land-Bettler und Lediggaͤnger/ wegen ihres Amts Verrichtungen/ als Gauckeler/ Taschen-Spieler/ Seiltaͤntzer/ Co- moͤdianten und andere/ so fuͤr denen Leuten Schertz treiben oder Gelds halben Possen machen/ wegen begangenen Verbrechen/ als Faͤlschner/ Meineydige/ Paßqvillen halben verurtheilte oder sonst ehrlose Leute; Endlich wegen unehrbaren Leben und Wandels/ als Huren-Wirthe/ diese alle sind von Rechts wegen verachtete Leute; also auch in Staͤdt- und Doͤrffern von unterstem Poͤfel erziehlete/ als deren Haͤscher/ Stadt-Diener/ Hencker oder Scharff-Richter Kinder; oder die schaͤndliche Lebens-Art fuͤhren/ als Schweinschneider/ Lohgaͤrber und Fellbereiter/ wiewohl diese letztere eigentlich nicht fuͤr Ehrloß/ sondern nur nach erbarer Leute Wahn fuͤr die gerinsten Stands-Personen zu achten. Injuri en Erlas- sungs Recht. §. 11. Schmaͤhung aber und Scheltworte werden geheim- und stillschweigend/ so wohl als oͤffentlich erlassen/ durch freundliche Be- gruͤssung/ Kuß/ Gespraͤch/ Spielen/ Umgang/ Gebehrden/ Gast- gebot/ Handschlag und dergleichen Versoͤhnungs-Zeichen/ welche ein besaͤnff- Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. besaͤnfftigtes Gemuͤth und Sinnes Veraͤnderung anzeigen und erklaͤ- ren/ wann es nemlich aus freyem Willen und nicht Ehren oder Gesell- Beleidigung Beschaffenheit und Injuri en Auffruͤcken Straffe. schafft wegen geschehen/ jedoch bleibet der Obrigkeit ihre Straffe alle- zeit frey; und Falls ein Beleidigter die Schmaͤhung sich angenommen/ jedennoch solches gerichtlich anzuzeigen saͤumig ist/ hat er gleichfalls Straffe verdienet; Es soll aber eigentlich keine Beleidigung/ wie sie auch seye/ des Beleidigten Ehre zu kraͤncken/ ob schon im Gegentheil den Beleidiger criminal zu machen/ genugsam seyn; und wer da ei- nem Beleidigten an- oder abwesend Injuri en auffruͤcket/ soll eben so straffbar seyn/ als haͤtte er sie selbst gethan. §. 1. instit. de perpet. \& temp. act. L. si cum, §. 1. ff. si quis caut. L. 2. §. Emancipatus ff. de collat. bon. L. 17. §. quædam, ff. de pact. §. fin. instit. Eod. §. 12. Wer auch sonsten trachten wuͤrde/ eines andern Wohlfahrt/ Gluͤck und redliches Auffkommen zu hindern/ und dessen Leumuth oder ehrlichem Nahmen einen Schandfleck anzuhaͤngen/ der soll dem Be- leidigten oͤffentliche Abbitte und Wiederruff thun/ zum andern mahl aber ohne dem mit Gefaͤngniß-Straffe beleget werden/ weilen ein heim- licher falscher Verlaͤumbder einem ehrlichen Mann viel schaͤdlich- und nachtheiliger seyn kan/ als ein offenbarer Feind/ indem jemand/ der Verlaͤumbder und Fuchs- schwaͤntzer Straffe. hinterruͤcks verfuchsschwaͤntzet/ gelaͤstert und affterredet wird/ dadurch leichtlich bey Hohen und Niedrigen derogestalt kan angebracht wer- den/ daß er nicht allein an seinem Wohlstand hoͤchlich gefaͤhrdet/ son- dern auch bey guten Leuten in uͤbeln Wahn verfallen kan/ welches er vielleicht nimmer ohne grosse Beschwerden uͤberwinden und ergaͤntzen mag; bevorab/ weilen die Einbildung die meisten Ehren- Maximen be- festiget/ als soll der Beleidiger die Beleidigung/ so ohn Ursach gesche- hen/ und nicht durch hefftige Antwort/ Retorsion oder Revange wie- derleget/ dafern sie in Schimpff-Worten besteht/ als: verzagter/ Narr/ Verraͤther und dergleichen/ mit willkuͤhrlich-unnachlaͤßiger Gefaͤng- niß buͤssen/ hernach sich erklaͤren/ daß er falsch/ unzeitig und ungebuͤhr- lich gehandelt/ und deßhalben um Verzeihung bitten; Wer aber sonst einen Luͤgen gestrafft/ mit der Hand oder Stock zu schlagẽ gedraͤuet/ soll eine Zeitlang gefangen sitzen/ und Abbitte thun mit nachdruͤcklichen vom Richter dazu auffgesetzten Worten; Sonsten soll man auch we- gen Injuri en nicht leicht Entschuldigung annehmen/ vielweniger Trun- ckenheit halber/ es waͤre denn kein Trunckenbold/ der ungefaͤhr uͤber- Trunckenheit kahle Ent- schuldigung. maͤßigen Truncks uͤbereilet/ in Zanck gerathen/ und also die Haͤnde nicht gehalten/ indem er von seinen Sinnen nichts gewust/ ist allhier O o o o 3 aber V. Buch/ Cap. VIII. aber nicht genung/ daß einer taumelt/ und nach verschlaffenem Rausch aller Dinge Vergessenheit vorwendet/ bevorab wo einiger Haß vor- her gangen/ und noch etwas Vernunfft gebraucht haͤtte. Retorsion Ge- brauch und Verjaͤhrungs Recht. §. 13. Alles/ was in Rechten vom Schelten gesagt/ gilt auch von Wiederschelten und retorquir en/ wobey niemand zu Rettung seiner Ehre die Maasse uͤbergehen/ sondern in schier muͤglichst gleichen Worten und anzuͤglichen Redens-Arten verbleiben/ nicht aber aͤrgere Schmaͤhungen zu gebrauchen befugt ist/ es geschehe denn etwas aus gerechtem Zorn und unschuldigen Beschimpffungs Eyffer/ so hart zu ver- schmertzen; ob nun zwar Retorsion sonst uͤberall an und vor sich selbst ein rechtlich zugelassenes Mittel gegen Ehrenschaͤndungen zu wiederse- tzen/ soll man jedoch der Nothwehre gebuͤhrende Maasse nicht uͤber- schreiten/ auch ist sie gegen Eltern/ Oberherrn und Patronen ernstlich verboten/ darum so hoͤret auch Schmaͤhklage auff/ wofern einer dem Injuriant en die Schmaͤhungen muͤnd- oder schrifftlich/ so bald er solche gehoͤret und erfahren/ und zwar auff frischer That oder stehenden Fusses waͤhrenden Zancks/ durch gleichmaͤßige Scheltworte/ als: das ist erlogen/ oder wer es sagt/ der leugt es wie ein Schelm oder Dieb/ retorquir et und in seinen Busen zuruͤck schiebet; Retorsion aber gilt nicht mehr/ sondern faͤllt samt Injuri en hinweg durch Verjaͤhrung/ nemlich bey geringen binnen Jahrs/ bey groben Beschimpffungen aber nach 30. Jahren Verlauff. §. 14. Pasquill en und Schmaͤh-Schrifften aber moͤgen durch Gegenschrifften nicht geraͤchet/ sondern gerichtlich beklaget werden/ da denn der Beleidiger dem Verletzten nothduͤrfftige Entschuldigungs Abbitte und Erklaͤrung thun soll/ daß er ihn an seinen Ehren damit nicht geschmaͤhet haben wolle/ auch dergleichen hinfuͤhro zu vermeiden sich verpflichtet/ und soll ein solcher Uberfahrer dawider von niemanden beschuͤtzet oder gehandhabet werden; Sonsten mag man sich fuͤr an- gefangenem Gericht wegen privat-Injuri en wohl mit einem vertragen/ der ja buͤrger- oder peinliche Klage anstellen moͤchte/ wer aber nach angehobenem Rechts-Streit Ehrenruͤhrigen Sachen halber Geding machen will/ wird dafuͤr gehalten bekennet zu haben. P. H. O. Art. 216. L. 7. C. de fals. L. pen. C. de transact. L. 7. 8. 14. de his qui not. infam. L. 15. Rem rat. hab. L. 13. C. de furt. L. interdum, §. si tutor, ff. Eod. L. si tibi, §. quædam \& L. si unus, §. Depositi, de pact. gloss. pen. L. 4. de interr. act. L. 1. §. 1. ff. de fals. L, ubi in fine C. Eod. §. 15. Wer Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. §. 15. Wer nun Paßquill- oder Schmaͤh-Schrifften heimlich macht oder ausbreitet/ das ist/ Rath/ Huͤlffe und That dazu giebt/ die- selbe anschlaͤgt/ jemanden ins Hauß wirfft/ oder auff der Gassen fal- len laͤst/ soll so wohl als der Principal daran schuldig seyn/ und ob schon des Geschmaͤheten Unthat wahr/ dennoch ein solcher Schrifft Urhe- ber/ damit/ worinn er den unschuldig Gelaͤsterten bringen wollen/ ge- strafft/ und mit Pruͤgeln/ Verweisung oder Gefaͤngniß/ nach Verbre- chens Beschaffenheit/ angesehen werden; wer auch solches Paßquill ge- funden/ soll niemand den Jnhalt auslegen/ sondern es verbrennen/ sonst macht er sich der That theilhafftig; wer aber erst mit Schmaͤ- hung ausgefordert und beleidiget worden/ oder Paßquillen vor Eroͤff- Pasquill en Straffe und Ursprung. nung zerreisset/ oder das Angeschlagene aus Reue annimmt/ oder schrifftlich wiederrufft/ oder nur fuͤr sich abgeschrieben/ verdienet Stra- fe Linderung; also/ wer auff eine unerbare Person geschmaͤhet/ als Huren oder auch das Laster beweisen will; Sonsten hat Paßqvill den Nahmen von einem Roͤmer spoͤttischen Schneider/ der in seinem Hand- werck beruͤhmt/ jederman auff seiner Werckstatt gespottet/ Pasquinus genannt. L. Late, ff. de V. S. L. item, §. ait prætor. ff. de injur. L. 28. ff. de pœn. L. non solum, §. 1. \& §. si mandato, instit. \& ff. de injur. L. un. C. de famos. libell. c. 1. caus. 5. q. 1. L. 2. ff. de publ. judic. §. 16. Ja wer einen Schmaͤhbrieff ausbreitet/ und seinen Tauff- und Zunahmen nicht unterschreibet/ jemanden dadurch unschuldig wi- der rechtlicher Weise eines Lasters zu bezuͤchtigen/ deßfalls er/ wofern es wahr befunden/ an Ehr/ Leib und Leben zu bestraffen/ soll der boß- haffte Laͤsterer/ nach Ubelthaten Erfindung auch Rechten Verordnung/ mit solcher Straffe/ darinn er den Geschmaͤheten durch seine luͤgenhaff- te Laͤsterschrifft hat bringen wollen/ belegt werden/ und ob gleich die zu- gemessene That sich also verhielte/ soll dennoch der Schmach Ausruf- fer/ vermoͤge Richters Ermessung/ gezuͤchtiget seyn; deßgleichen sind auch spoͤttische Lieder und Gedichte/ ob schon darinn der Geschmaͤ- hete nicht benennt/ sondern aus Wort-Verstandes Jnhalt zu bemer- Spoͤttischen Lieder/ Hoͤꝛner und Scham- glieds Zeichen Straffe. cken/ und es habe deren Urheber seinen Nahmen beygesetzt oder nicht/ oder auch eines andern oder gar erdichteten Nahmen gebraucht/ das Recht zu spotten/ deren gefundenen Paßqvillen Ausbreitung ist auch zu bestraffen/ also ist Verweisungs Straffe wuͤrdig/ wer jemand zur Schande maͤnnliches Scham-Glied oder Hoͤrner an Thuͤr und Thor anhefftet und anschreibet. P. H. O. Art. 110. L. 5. §. 9. ff. de injur. §. 27. Pein- V. Buch/ Cap. VIII. Peinlichen Frage Recht. §. 17. Peinliche Frage ist eine Warheits Erkundigung durch peinlichen dem Leibe schmertzlichen Angriff/ welche durch schlechte Be- drohung bey einem Ubelthaͤter angefangen/ nicht aber darinn/ wie die Klaͤger wollen/ sondern nach Maͤßigkeit verfahren/ ja niemand ohne genungsame Anzeig- und Vermuthung/ wie auch vorhergehend recht- lich zuerkanntes Urtheil aufferlegt werden soll. L. apud, §. quæst. verb. nuda, ff. de injur. L. 1. ff. ad SCt. Syllan. L. de minore, §. tormenta ff. de quæst. L. 1. §. 1. L. unius, §. in ea ff. de eausa quæst. L. ma- ritus, L. cognition. L. milites, C. de quæst. Folter Mittel gefaͤhrlich. §. 18. So soll auch peinliche Frage/ die Warheit zu erforschen/ nur ein letzteres Huͤlffs-Mittel seyn/ wann kein ander Beweißthum zu erwerben/ massen es eine gebrech- und gefaͤhrliche Sache/ die in Warheit betruͤglich/ weilen etliche so hart und gedultig/ daß sie ohn- geachtet aller Qvaal und Schmertzen keines Weges die Warheit sa- gen/ andere aber so gar ungedultig/ daß sie lieber alles daher luͤgen/ als die geringste Peinigung ausstehen wollen/ darum sie offt mancher- ley Art bekennen/ nicht allein auff sich selbst/ sondern auch viele andere mit bedrohen/ oder nach ausgestandener Marter der Straffe entzie- hen; derohalben ist warlich die Folter ein grausames/ denen menschli- chen Leibern sehr schaͤdlich und zuweilen gar toͤdtliches Frage-Mittel/ auch nichts unmenschlicher/ als die nach GOttes Ebenbild erschaffe- ne Menschen derogestalt zerreissen und zufleischen/ daß sie mehr be- kandt als gethan/ und daruͤber unschuldig gestrafft werden. L. 9. princ. ff. de quæst. L. 1. §. 23. ff. Eod. Peinlichen Frage Grund- Ursachẽ Recht. §. 19. Darum/ so einer ohne genungsame Anzeigen gepeiniget wuͤr- de/ ist dessen Bekaͤntniß/ ob schon beharrlich/ dennoch unguͤltig/ so muß nun ein wichtiger Argwohn zur That dabey seyn/ als etwa sich fuͤr einen Mithelffer gebrauchen lassen/ welche Umstaͤnde/ Warzeichen und Verdachts argwoͤhnische Muthmassungen/ alle saͤmtlich zum we- nigsten mit zween guten tuͤchtigen unverwerfflichen Zeugen zu erwei- sen stehen/ vornemlich/ wann die Person gute Vermuthungen/ die sie von der Missethat entschuldigen moͤgen/ fuͤr sich habe/ derowegen nach Erkaͤntniß zur Folter/ muß solches Beklagtem etliche Tage zuvor an- gekuͤndiget werden/ ob er vielleicht inzwischen appellir en oder seine Unschuld anzufuͤhren gedencket/ ist also nicht genung ausser gerichtliche Bekaͤntniß oder Vergleich/ so kan auch Beklagten Sache an Verbre- chens Ort verlohren zu finden seyn; So muß nun das Verbrechen ge- wiß/ Beklagter erst verhoͤrt/ und wegen seiner Entschuldigung/ ja auch unter oder nach der Peinigung zugelassen seyn/ wann es nemlich eine Hals- Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. Hals-Gerichts Ubelthat/ wofern aber geringere Straffe zu vermu- then/ mag man Beklagten auch mit Peinigung nicht erschrecken. P. H. O. Art. 20. 23. 28. \& 30. §. 20. Derowegen in allen peinlichen Faͤllen niemand weder Verthaͤdi- gungs Proceß Recht. peinlich gefragt noch dazu verurtheilet werden mag/ es habe denn zu- vor der Richter seine Verthaͤdigungs Ursachen gehoͤret/ welche er zu jederzeit in jedern Gerichts-Handel/ auch nach Beschluß und Urtheil einer Sache/ vornehmen kan/ so fern es etwan vorher gar nicht oder un- rechtmaͤßig geschehen/ allermeist aber ist es noͤthig/ gewoͤhnlicher mas- sen in Proceß Ansehung/ nachdem die Zeugen abgehoͤret sind/ zu ver- richten/ ehe denn der Angeklagte der peinlichen Frage mag unterworf- fen seyn; welcher Richter nun verkehrt darinn handelt/ und eher pei- nigen laͤst/ als Entschuldigung gestattet/ der ist Beklagtem verbundẽ und wird billig vom Ober-Richter zu gebuͤhrender Straffe hingezogen/ ja wann Beklagter vor der Peinigung gebeten/ ihn zur Verantwortung zu lassen/ und dennoch erst peinlich gefragt waͤre/ ist der gantze Pro- ceß null und nichtig/ hat auch dabey geschehene Bekaͤntniß zu Beklag- tens Nachtheil gar keine Wuͤrckung. L. 18. §. 9. ff. de quæst. L. 1. §. 27. ff. Eod. Clem. Pastor. de sent. \& re judic. P. H. O. Art. 61. §. 21. Wann nun die verdaͤchtige Person die Anzeigen nicht ab- Marter Draͤu- ungs Zurede Recht. gelehnet/ noch sich vom Argwohn befreyet/ soll ihm die Folter durch Beyurtheil zuerkant werden/ darinn dann alle Muthmassungs Ursa- chen anzufuͤhren/ und wofern man hernach von Amtswegen oder auff Klaͤgers Ansuchen den Gefangenen peinlich fragen will/ soll zuvor demselben in Gegenwart des Richters zweyer Schoͤppen und Gericht- schreibers mit nachdruͤcklichen Worten fleißige Zurede geschehen/ die nach Gelegenheit der Personen und Sachen zu weitern Erfahrung der Ubelthat allerbest dienen moͤgen/ ja mit Marter Draͤuung besprachet werden/ ob er die beschuldigte Missethat bekennen will oder nicht? und was ihm solcher wegen bewust sey? auch alles/ so er bekennet oder laͤugnet/ muß genau auffgeschrieben werden/ und wann Beklag- ter unnuͤtzlich appellir et/ kan es der Richter abschlagen. P. H. O. Art. 29. 37. \& 46. L. 2. ff. de appell. recip. §. 22. Wann dann etwa peinliche Frage zu thun waͤre/ soll kein Tortur Grad und Folter Stuffen Recht Richter davon abgehen/ und den Ubelthaͤter unter Scharffrichters P p p p oder V. Buch/ Cap. VIII. oder Waͤchter Haͤnde verlassen/ wofern er GOttes Zorn-Hand ent- fliehen will/ dann wer nicht Barmhertzigkeit thut/ der soll unbarmher- tzig verdammt werden; Bey der Tortur selbst nun finden sich diese Grad oder Stuffen/ als wann ihm der Nachrichter mit allen peinli- chen Instrument en vorgestellt wird/ jedoch ihn nicht angreiffen darff; Jtem/ Beklagten auszukleiden/ mit Stricken zu binden/ in die Hoͤhe zu heben/ eine kleine hernach etwas geraume Zeit/ jedoch erst ohne und darauff mit schuͤtteln/ endlich mit eifernen Banden und Gewichten/ daß der Gefangene maͤßiger Weise durch den Angstmann anzugreif- fen/ wann Daumstoͤcke angelegt und mit Schnuͤren Anfang zu ma- chen/ hernach vermittelst der Peinlichkeit/ zuletzt mit ziemlicher Schaͤrffe/ jedoch menschlich/ nur nicht auff ungewoͤhnliche Art/ son- Tortur Mar- ter Art. dern nach jedern peinlichen Gerichts Brauch die Haͤnde ruͤckwarts gebunden/ auff eine Leiter ausgestreckt/ die Glieder zerrissen und aus einander gezogen/ nebst Feuer/ Schweffel und andern vielerley Marter oder Peinigungs Angstmitteln/ als mit Ruthen fuͤr die Jugend und Tortur Recht nach ihrer Endigung. starcken Geisseln oder Wachen fuͤr die Alten/ dazu dann insgemein Vormittags Fruͤhstunden Zeit am beqvemesten/ da der Magen ledig und hungerig/ auch von der Qvaal nicht Schaden bekommen kan/ nicht aber soll dieses an heiligen Feyertagen verrichtet werden. Epist. Jacobi II. L. pen. C. de Feriis. §. 23. Uber eine Stunde soll man keinen leicht peinlich martern oder scharff befragen/ auch Eßig/ Rosen oder ander Krafft-Wasser fuͤr Ohnmacht anzusprengen/ bey der Hand haben; und wann Tor- tur geendiget/ muͤssen die Glieder wieder eingesetzt werden/ stirbt aber einer in- oder nach der Marter/ soll der Richter zum Coͤrper Zeugen Peinlichen Nachfrage Recht. hinfuͤhren nebst einem Artzt/ und fragen: Ob er aus uͤbermaͤßiger Pei- nigung oder von anderm Zufall gestorben? Ob ihm das Genick ge- brochen vom Hencker oder dem Teuffel/ welches hernach der gemeine Mann zu sagen pflegt/ derowegen man fleißige Nachforschung an- stellen soll. L. 7. ff. de quæst. §. 24. Wann auch peinliche Frage geschehen/ soll Beklagter/ sei- ne Bekaͤntniß zu bestaͤrcken/ ausser Peinigungs Ort in- oder ausserhalb Gefaͤngniß/ und nicht im Gesicht peinlicher Werckzeuge und zwar nach Tag und Nacht Verlauff uͤber den andern/ nicht aber mehr als an dritten Tag zur Nachfrage verweilet werden/ auff daß er kei- ne Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. ne Zeit und Gelegenheit/ seine Bekaͤntniß zu wiederruffen/ dadurch ge- Bekaͤntniß Wiederruff neuen Peini- gungs Ursach. winnen moͤge/ und also muß Bekaͤntniß durch Draͤuung und Schre- cken gutwillig bestaͤrcket werden/ massen solche Bedrohung von denen herkommen/ die sie wohl haͤtten zu Werck richten koͤnnen/ so aber der Gefangene die vorhin bekannte Missethat laͤugnet/ und dennoch der Argwohn gegen ihn fuͤr Augen stuͤnde/ soll man ihn ferner hinfuͤhren und mit peinlicher Frage gegen ihn handeln/ es waͤren dann erheb- liche Ursachen der Veraͤnderung fuͤrhanden/ sonst waͤre dieser Wie- derruff Anzeigung faͤhig zur neuen Peinigung; Und wer dann Bande/ Gefaͤngniß/ Geissel oder Peinigung unschuldig erlitten/ ist darum nicht ehrloß/ weilen nicht die Qvaal/ sondern rechtmaͤßige Ursache der Eh- ren beraubet. P. H. O. Art. 56. 57. L. 10. §. 5. ff. de quæst. L. 22. ff. \& L. 14. C. de infam. jur. §. 25. Wann er aber keinen Jrthum/ sondern nur/ von Marter Zweyt- und dritten Peini- gungs Recht. Grausamkeit gezwungen/ bekennet zu haben anfuͤhret/ soll hierinn ein Richter behutsam gehen/ vorsichtig handeln/ viel lieber alle Umstaͤn- de derer Act en wieder durchsehen und beym Ober-Richter Raths er- hohlen/ dabey der Person Zustand/ Marter Laͤnge und Groͤsse/ wohl zu betrachten/ auch deren Anzeigungen sichere Warheit nochmahlen zu ergruͤnden/ wann er nun bey zweyter Peinigung Verbrechen beken- net/ hernach aber wiederrufft/ mag er zum dritten mahl/ uͤber dieses gar nicht mehr gefoltert/ sondern loßgesprochen seyn/ jedoch soll zweyt- und dritte Peinigung nicht laͤnger noch schwerer/ sondern etwas kuͤrtz- und leichter seyn. P. H. O. Art. 58. §. 26. Deßgleichen/ wer mitten unter waͤhrender Angst etwas Peinliche Fra- ge wann zu wiederhohlen oder nicht. von einer Ubelthat bekennet/ so bald hernach aber bey einiger Linde- rung wiederspricht/ auch keine Anzeigen mehr dazu kommen/ mag nicht weiter gemartert werden; so aber jemand zum ersten mahl gar nichts bekennet/ und jedoch neue staͤrckere Vermuthung vorhanden/ mag die peinliche Frage mit guter Vernunfft wiederhohlet werden; Letzlich bey aller solchen Execution muß zwar ein Richter behertzt/ nicht aber grausam handeln/ damit ihn seine Thaten nicht zum Hencker ver- wandeln. §. 27. Auff eines andern Ubelthaͤters Bekaͤntniß/ der da sagt/ daß ihm einer zur Missethat geholffen/ soll man keinen peinlich verhoͤ- P p p p 2 ren/ V. Buch/ Cap. VIII. ren/ wofern nicht andere Vermuthungen mehr gegen ihn waͤren/ und die That also beschaffen/ daß der Bekenner nothduͤrfftig Huͤlffe ge- brauchen muͤssen; wer auch einmahl gepeiniget/ soll nicht zum an- dern mahl also gefragt werden/ es waͤre denn/ daß einer hernach fuͤr Gericht oder sonst wieder verlaͤugnet/ was er zuvor im Verhoͤr be- kannt/ auch neue Anzeigungen vorhanden/ die man vorher nicht ge- wust; wer aber fuͤr Gerichte hernachmahls wieder laͤugnet/ soll ferner eingefuͤhret und schaͤrffer befragt werden; wo endlich sonst jemand Haupt- und Hals-Sachen halber uͤberwiesen/ daselbst ist Peinigung gar unnoͤthig. L. fin. C. de quæst. L. repeti, L. unius, §. reus \& sequaces, ff. Eod. Gloss. in L. 2. C. de custod. reor. L. 1. §. item ff. de SCt. Syllan. L. 1. §. 27. \& §. si quis, in verbo perseverantem ff. de quæst. c. 17. de accusat. c. 1. \& tot. tit. Ext. de Confess. L. 25. ff. ad L. Aquil. L. 4. vers. item, C. de reb. cred. Unbekandten Missethat Be- kaͤntniß Recht zur Peinigung §. 28. Wer nun eine unbekandte Missethat bekennet/ vielleicht aus Angst/ denselben muß man so bald nicht richten/ sondern des Orts erst hinschicken/ um sich zu erkundigen/ wann sich alsdann be- findet/ daß es unwahr/ soll man ihm weiter vorhalten/ und verneh- men/ warum er sich selbsten belogen. Darum/ wer in Marter be- kennet/ dem soll es nach 24. Stunden wieder erinnert werden/ dabey man auch Leute samt einem Gericht-Schreiber nehmen soll/ die Aussage auffzuzeichnen/ deßgleichen/ wann er fuͤr Gericht gebracht/ soll man ihm seine Bekaͤntniß abermahl vorlesen/ und so fern er als- denn der bekannten That annoch gestaͤndig/ ihm zuerkennen/ wieder- fahren zu lassen/ was recht ist. Tortur wer befreyet. §. 29. Von Tortur Fragen sind insgemein befreyet alle/ die in hohen Aemtern sitzen/ als Land-Richter/ Rittermaͤßige Kriegs-Leute/ hochgelahrte Maͤnner/ Fuͤrst und Koͤnigliche Amts-Bediente oder Stadt-Regenten/ ausgenommen im Laster beleydigt- oder ver- letzten Majestaͤt/ Vaterlandes Verraͤtherey und andere grobe Ver- brechen/ als Mord- und Todtschlag/ Sodomiterey/ Ehebruch/ Blutschande/ Rauberey/ Falschheit und Uberlauffen/ bey welchen greulichen Lastern alle Privilegi en und Freyheiten von peinlicher Frage und sonsten auffhoͤren und ihr Ende nehmen/ weilen alsdann alle Wuͤrden mit Schanden verdunckelt. Arg. Von Pasquill en und Retorsion auch peinlichen Frage. Arg. L. pars literarum ff. de judic. L. milites, L. Decut. C. de quæst. L. nullus. C. de Crim. Majest. L. 21. C. de fals. L. Proditores, ff. de re milit §. 30. Sonsten aber sind etliche Personen/ wie gemeldt/ ohne Privilegirt en Personen Fol- ter Recht. in groben Missethaten/ von peinlicher Frage befreyet/ so lange sie ih- ren Standes Ehr und Wuͤrde nicht beschmitzen/ als Kriegs-Haupt- maͤnner und andere Officiers oder Bediente/ auch gemeine Soldaten/ weilen sie einerley Gefahr und Arbeit in gemeinen Wesens Ver- thaͤdigung ausstehen/ auch diese zum oͤfftern durch Schuld derer Obern boͤß und verkehrt leben/ wann nur anders vorhin wohlge- fuͤhrten Wandels halben sie gutes Zeugniß haben/ daß sie gute ehrliche Freyheits-wuͤrdige Leute gewesen/ also auch Gelehrt- und Edel-Leute/ geistliche Personen und Studenten; So sind auch in gewissen Faͤllen wanckelmuͤthige Zeugen und Falschheit Lasters Beschuldigte hier ausgenommen/ derowegen/ allwo Tortur von noͤ- Folter wer be- freyet. then gegen privilegirte Personen/ soll es nach angenommener Ge- wohnheit mit des Landes-Herrn Bewilligung geschehen. L. 8. \& 16. C. de quæst. L. 8. \& 10. C. de dignit. L. 8. C. de Episc. \& Cler. L. 5. §. 6. ff. de re mil. Arg. L. 7. \& 10. in princ. ff. de quæst. §. 31. So wird auch Peinigung verboten/ Leibes Schwach- heit halber/ im hohen Alter bey alten abgelebten Leuten/ die auff der Alten/ Jungẽ/ Schwangern und Saͤugen- den Recht. Gruben hergehen/ auch in jungen Jahren bey Minderjaͤhrigen un- ter vierzehen Jahren/ welche man zwar nicht peinigen/ wohl aber bedrohen/ auch wo noͤthig/ so man die Wahrheit anders nicht ha- ben kan/ mit Ruthen streichen mag; also/ bey schwangern und Tauben/ Stummen/ Thoͤrichten uñ Krancken Recht. saͤugenden Weibern/ welche auch von Tortur frey biß viertzig Ta- ge nach Entledigung der Geburt/ und so/ daß dem Kinde oder Saͤugling an seiner Nahrung kein Abbruch geschehe/ und nichts davon abgehe/ weilen der Mutter Elend der Frucht unschaͤdlich seyn soll/ darum solches auff gelegene Zeit zu erspahren; Jtem/ taube und stumme und von Natur thoͤrichte und melancholische Leute/ weilen man der Wahrheit gewisse Umstaͤnde nicht haben kan/ also diejenigen/ so die fallende Sucht haben; deßgleichen so Beklagter gefaͤhrliche Wunden oder andere Schaͤden an seinem Leibe haͤtte/ soll peinliche Frage dermassen gegen ihn vorgenommen seyn/ daß er daran auffs wenigste verletzt werde. P p p p 3 L. 3. V. Buch/ Cap. VIII. L. 3. §. ignoscit, ff. ad Syll. L. 1. §. impub. ff. L. Eod. L. prægnantes, ff. de pœn. Arg L 10. C. qui testam. fall. poss. P. H. O. Art. 59. Soldaten Freyheit. §. 32. Sonst aber auch ferner von Kriegs-Leute Freyheit zu wissen/ weilen durch Peinigung nicht nur derer Soldaten ehr- liches Ansehn/ sondern auch ihre Glieder/ wann sie unter Scharff- Richters Haͤnden gewesen/ geschwaͤchet und untuͤchtig gemacht wer- den/ daß sie hernach keine Dienste leisten moͤgen/ ja auch bißwei- Folter/ wann nicht rathsam. len die Wahrheit weder durch die/ so die Pein ausstehen koͤnnen/ noch solche/ die mit Pein uͤberwunden/ an Tag gebracht wird/ ja viele lieber den Tod als Pein ausstehen wollen/ dahero Unwahrheit bekennen/ so ist die Folter nicht allezeit gar rathsam zu gebrauchen/ wovon so wohl als andern Kriegs-Materien im sechsten Buch ein mehrers zu melden. L. 1. §. 24. ff. ad SCt. Syllan. L. 3. §. 1. in sine, ff. de re milit. L. 8. C. de quæst. L. 3. C. de Veter. Anhang/ Vom peinlichen Gerichts-Proceß Form. §. 1. Peinlichen Halsgerichts Ordnung Ge- brauch Recht. D As hoch-noth-peinliche Hals-Gericht zu hegen/ und peinliche Straffe auffzulegen/ sollen nach altem Gebrauch und Her- kommen Teutscher Nation solche Gerichte mit gelehrt- und Rechts erfahrnen Leuten besetzt seyn/ damit niemahlen wider Recht und gesunde Vernunfft gehandelt werde/ auch weder die Unschuldigen gepeiniget und getoͤdtet/ noch die Schuldigen durch unordent-ge- faͤhr- und verlaͤngerliche Handlung gemeinen Nutzen zum Nachtheil gefristet/ weg geholffen und erlediget seyn/ zu dem Ende durch Rechts verstaͤndigen Maͤnner vortrefflichen Fleiß/ ein kurtzer Begriff sol- chen Rechts abgefasset worden/ CAROLI V. Peinliche Hals- Gerichts-Ordnung genannt: Nach dessen gemeinen Rechten Bil- ligkeit und loͤblich hergebrachtem Brauch gemaͤß aller peinlichen Sachen Rechtfertigung in deren Groͤß- und Gefaͤhrlichkeit Be- trach- Von peinlichen Gerichts-Proceß. trachtung recht und Christlich/ GOTTes Gnaden Lohn zu empfan- gen/ sollen ausgefuͤhret werden. §. 2. Zu mehrern Versicherung rechtlichen Processes Ubung/ Peinl. Richter und Schoͤppen Pflicht. sollen Richter und Schoͤppen/ in allen peinlichen Gerichts-Haͤndeln/ peinlichen Hals-Gerichts Ordnung zur Hand haben/ und gegen- waͤrtig nach deren Satzungen thun/ ja auch denen Partheyen auff Begehren/ gegen leidlichen Lohn/ daraus etwan zu ihren Sachen be- noͤthigten Articuln Abschrifft zum Unterricht geben/ damit sie durch Unwissenheit derselben nicht verkuͤrtzt noch gefaͤhrdet seyn/ sondern sich darnach zu halten wissen moͤgen. Welcher Richter nun hierwie- der urtheilet/ ist billig zu bestraffen/ da hingegen derjenige/ so dersel- ben Ordnung gemaͤß Recht spricht/ ein frey und unverletztes Gewis- sen behalten kan; Nachdem nun der arme Suͤnder vor dem pein- lichen Hals-Gericht frey und ungebunden oͤffentlich bekandt/ ist er er als Beklagter der begangenen Missethat halben nach Anweisung der Rechte zu straffen. L. 1. §. 3. ff. ad L. Corn. de fals. §. 3. So bald nun der Beklagte zur Gefaͤngniß angenommen/ Anklaͤgers Hafft und Caution Recht. soll Anklaͤger oder dessen Gewaltshaber auch in leiblicher Hafft verwahret werden/ biß er genungsame Versicherung gethan/ wo- fern er nemlich solche peinliche Rechtfertigung zu Recht nicht aus- fuͤhren und verfolgen/ oder wenigstens genungsame Anzeig- und rechtliche Vermuthungen/ in der vom Richter ziemlich angesetzten Zeit beweisen wuͤrde/ alsdann allen darauff ergangenen Kosten/ auch Beklagten der zugefuͤgten Schmach und Schadens halber Ab- trag thun wolle/ nach rechtlicher buͤrgerlichen Erkaͤntniß/ und zwar nach Beklagten Gefallen/ bey diesem peinlichen oder Klaͤgers eige- nem Richter deßfalls zu belangen/ wie auch ohne rechtlichen Pro- cesses Zierlichkeit gegen Klaͤgern zu handeln/ und das Urtheil ohne Appellation Ansuchen Ver- bot. ferneres Appellation Ansuchen zu vollenziehen/ jedoch daß dadurch kein buͤrgerlicher Gerichts-Zwangs ausser diesen Faͤllen dem pein- lichen Gerichte zuwachsen soll. P. H. O. Art. 12. §. 4. Nach V. Buch/ Cap. VIII. Anklaͤgers fer- nere Pflicht. §. 4. Nach geschehener Anklaͤgers Versicherung und Be- klagten Verhafftung/ soll dennoch Klaͤger vom Richter nicht ab- scheiden/ er habe ihm dann ein Wohnungs Hauß an ungefaͤhrlich beqvem- und sichern Ort nahmhafft gemacht/ dahin alle nothduͤrff- tig-gerichtliche Verkuͤndigungen geschickt werden moͤgen/ und muß derselbe Klaͤger von jeder Meil wegs nach gemeinen Lands-Art Ge- wohnheit einen ziemlichen Boten-Lohn ausgeben und zahlen/ auch soll der Gericht-Schreiber solchen benannten Ort bey Gerichts Act en niederschreiben. P. H. O. Art. 41. 17. 61. 63. L. 11. §. 1. ff. ad Exhib. Peinlicher Proceß wor- inn zu verstat- ten. §. 5. Zuwissen aber/ daß allein in bekandt- und offenbahren aͤrgerlichen grossen Verbrechen/ fuͤrnehmlich in Verheerung/ Fried- bruch und gemachten Auffruhrs oder andern dergleichen frevelhafft- und straffwuͤrdigen Faͤllen/ dadurch gemeinen Wesens Ruhestand beleidiget/ peinlicher Proceß angeordnet/ und darauff rechtliches Erkaͤntniß erhohlet; dagegen/ wann eine Privat-Person gegen die andere/ in Schmaͤhungs Sachen oder wegen andern geringen Be- schuldigungen/ die ja sonderlich auff mehrern Ausfuͤhrung beruhen/ zu erforschen gebeten/ solches abgeschlagen und zur ordentlichen Aus- uͤbung hingewiesen werden soll/ es waͤre denn einer in Ansehung seines Amts gescholten/ wann aber beleidigter Theil voraus ordent- lichen Proceß erwehlet/ und die Sache selbst Rechts anhaͤngig ge- macht/ soll dennoch dieses Mittel nicht Macht haben/ ob schon sonst deren Verbrechen halber haͤtte erforschet werden moͤgen; So soll man auch wider ehrliche unbeschuldete Leute/ ohne vorherge- henden genungsamen Verdachts Anzeigen/ wann sonderlich ein Klaͤger vorhanden/ welcher selbst seine Anklage uͤbergeben und den Proceß ordentlicher Weise fortfuͤhren will/ nicht alsobald mit Nach- forschung verfahren/ sondern zuvor von That Verbrechen fleißige Anzeig-Arti- culn Recht ge- gen Beklagten. Erkundigung einziehen/ und darauff/ wann rechtliche Vermuthun- gen wider Beschuldigten vorhanden/ solches alles in Articuln ver- fasset dem Beklagten im Beyseyn derer Gerichts-Personen fuͤrge- halten/ seine Aussage mit Fleiß auffgezeichnet/ und dafern er et- was daran verneinen wuͤrde/ vermittelst Eydes/ Zeugen abgehoͤret/ und also ferner rechtliches Erkaͤntniß erwartet werden soll. §. 6. So Von peinlichem Gerichts-Proceß. §. 6. So nun der Beklagte auff eingebracht- und genugsam Peinlichen Ge- richts-Kosten Abtꝛag-Recht/ wann Beklag- ter nicht uͤber- wunden. erfundenen Argwohn/ durch peinliche Frage gemartert/ dennoch aber mit eigener Bekaͤntniß oder angeklagten Missethat Beweisung nicht uͤberwunden wird/ so haben Richter und Anklaͤger/ obgemeldten ordent- lichen im Recht zulaͤßigen Mittels halben/ keine Straffe verwuͤrcket/ maßen boͤsen Verdachts Anzeigunge der geschehenen Frage Entschul- digungs Ursachen gegeben/ weilen man sich/ nach Sage der Rechten/ nicht allein vor Ubelthaten Vollbringung/ sondern auch fuͤr allem boͤ- sen Schein und Ubels Gestalt/ oder boͤsem Leumuth huͤten soll/ wer nun das nicht thut/ wird deßhalben seiner Beschwerden selbst Ursacher ge- halten/ und soll deßfalls Anklaͤger allen Kosten/ Beklagter ingleichen seinen Unterhalt entrichten/ auch die Obrigkeit uͤbrige Gerichts-Kosten fuͤr Nachrichter und andere Gerichts-Diener/ oder Gefaͤngniß halben/ selbsten abtragen. §. 7. So aber Beklagter nach genugsamer Beweisung nicht Peinl. Beklag- ten Recht/ er sey uͤberwiesen und habe be- kannt oder nicht. bekennen will/ soll ihm angezeiget werden/ daß er der Missethat uͤberwie- sen/ ob man dadurch sein Bekaͤntniß desto eher erlangen koͤnte/ und wo- fern er nachmahls daruͤber noch bestaͤndig verleugnete/ soll er nichts de- stoweniger/ der uͤberwiesenen Missethat nach/ ohne einige peinliche Fra- ge verurtheilet werden; Wann aber Beklagter nicht genugsam uͤber- wiesen/ und doch rechtliche Vermuthungen gegen ihn streiten/ als we- gen Schuld/ Aberglauben oder boͤser Gesellschafft/ so mag er mit aus- serordentlicher willkuͤhrlicher Straffe angesehen seyn in geringerm Verbrechen/ oder gar gepeiniget werden/ oder es mag ihm etwa der Reinigungs-Eyd anbefohlen seyn. P. H. O. art. 69. §. 8. So nun Bekaͤntniß aus oder ohne Marter geschehen/ als- Beklagtẽ Aus- sage und Be- kaͤntniß Er- kundigung Recht. dann soll der Richter an Ort und Ende hinschicken/ nach denen Um- staͤnden/ die der Gefragte der bekannten Missethat wegen erzehlet/ so viel zur Gewißheit dienlich/ fleißigst erkundigen/ ob es sich also War- heit gemaͤß verhaͤlt/ wann nun angezeigte Maße also erfunden/ und daraus zu mercken daß ers gethan/ weilen kein Unschuldiger solches wissen kan/ alsdann ist es ungezweiffelter Weise bestaͤndig zu glauben/ und nach Gestalt der Sachen peinliche Straffe darauff zu urtheilen; jedoch soll man das jenige/ was in der Tortur bekannt/ nicht fuͤr gewiß halten/ sondern nur obenhin auffschreiben lassen/ biß es etliche Tage nach vergangenem Schmertzen dem Gefangenen wieder fuͤrgehalten/ und darauff hin und wieder nachgeforschet worden/ wann er alsdann Q q q q end- V. Buch/ Cap. VIII. endlich dabey beruhet/ und sonst die That an ihr selbst sich also befindet/ so ist es warhafftig; Erfindet sich aber bey Erkundigung/ daß die be- kannte Umstaͤnde nicht wahr/ soll man Beklagtem die Unwarheit fuͤr- halten/ und ihn mit Ernst darum straffen/ auch mag man ihn alsdann mit peinlicher Frage zum andern mahl angreiffen/ damit er die rechte Warheit anzeige/ maßen zu Zeiten einige Schuldige mit Fleiß unwahr berichten/ und vermeynen dadurch sich unschuldig zu machen/ so die Er- kundigung hernach nicht wahr befunden/ worbey der Richter seinen Amts-Eyffer und Vernunfft brauchen muß. Flucht Anzeige wann guͤltig o- der nicht/ zur Peinigung. §. 9. Daß nun die Flucht sonsten zur Peinigung genugsame Anzeigung gebe/ wird erfordert: daß der Fluͤchtige sey in boͤsem Ge- ruͤchte/ und gottlosen Wandel fuͤhre/ daß er durch ungebahnete und ungewoͤhnliche Wege entwichen/ daß er vor Anklag- und Nachfor- schung/ nicht nur aus Furcht der Gefaͤngniß und andern Plagen/ ent- flohen/ oder/ so er gerichtlich citirt/ sich nicht wieder stellet/ sondern un- gehorsam ausbleibet und verbannen laͤsset/ oder so einer aus dem Ker- cker gebrochen u. entgangen durch Verrath; wann aber die Thuͤr sonst eroͤffnet/ daß einer wieder zu kommen willens gewesen/ oder seiner Ent- fernung andere wichtige Ursachen haͤtte/ auch vorhin niemahls uͤbel von ihm geurtheilt/ sondern ein wohlgeart- und gut-beruͤchteter Mann ist/ gilt es nicht. Vollguͤltigen Beweiß-Recht §. 10. Wann nun Beklagter/ durch Anzeigen beschweret/ nicht bekennen will/ soll man jedoch nicht also fort zur Folter eylen/ weilen es ein schwacher Beweiß und gefaͤhrliche Sache/ sondern andere Kund- schafft zu uͤberwinden suchen/ ehe dann man verurtheilet/ maßen uͤber- zeuget so gut/ als bekannt/ es muß aber solcher Beweiß klar und voͤllig seyn durch Zeugen und Rechtens Vermuthung/ jedoch ist geschwohr- ner Notarien Zeugen Verhoͤr wegen Verbrechen nicht vollguͤltig und kraͤfftig genug zum Beweiß/ es waͤre denn Verraͤtherey dadurch ent- decket/ alsdenn gelten auch Send-Schreiben/ sonst aber ist Beklag- ter vielmehr zu befreyen als zu straffen/ oder auch Reinigungs-Eyd/ wegen Meineyds Furcht/ behutsam zu verstatten; So nemlich eine Missethat zum wenigsten mit zweyen oder dreyen guten glaubhafften Zeugen/ die von eigener Siñen wahrem Wissen sagen/ bewiesen wuͤr- de/ soll darauff/ nach gestallter Verhandlung/ mit peinlichen Rechten vollfahren und geurtheilet werden. P. H. O. art. 67. L. 1. §. 23. ff. de quæst. L. 16. ff. de pœnis, L. fin. C. de probat. §. 11. Von peinlichem Gerichts-Proceß. §. 11. Ja sonst/ auff erfundene redliche Anzeigung/ einer Misse- Richters Pflicht wegen peinl. Straffe. that halben/ mag peinliche Frage fuͤrgenommen/ auch auff des Beklag- ten Bekaͤntniß moͤglichst fleißige Erkundigung geschehen/ ob in dersel- ben bekannten That solche Warheit befunden/ die kein Unschuldiger also haͤtte sagen und wissen koͤnnen/ alsdann ist ja solche Gestaͤndniß ungezweiffelt bestaͤndiger Weise zu glauben/ und gestalten Sachen nach darauff peinliche Straffe zu urtheilen; Wann nemlich jemand/ allgemeinen beschriebenen Rechten nach/ durch eine Mißhandlung das Leben verwuͤrcket/ soll man nach gewoͤhnlicher guten Ordnung eines Rechts verstaͤndigen Richters/ so deren Ubelthat Aergerniß und Gele- genheit ermessen kan/ derselben Proceß Art und Weise foͤrmlich hal- ten. Jn Faͤllen aber/ darinnen keine Todes-Straffe angesetzt/ son- dern nur rechtliche Leibes- oder Glieder-Straffe zugelassen/ daß die Gestrafften beym Leben bleiben/ die auch nach der Zeit und Landes Gelegenheit unbequem/ und dem Buchstaben gemaͤß/ etwa eines theils nicht wohl zu gebrauchen waͤren/ noch die Rechte einer jeden peinlichen Straffe gehoͤrige Maße anzeigen/ deren billige Erkaͤntniß wird Rich- terlicher Willkuͤhr/ zu Liebe der Gerechtigkeit/ und um gemeinen Nu- tzens willen/ anzuordnen heimgestellt; insonderheit aber ist zu mercken/ daß/ worinnen das Recht keinerley peinliche Straffe am Leben/ Ehre/ Leib oder Gliedern verhaͤnget/ auch kein Richter jemand darwider zum Tode oder sonst peinlich verurtheilen soll/ sondern/ dafern er solcher Rechten ungelehrt/ mag er Vernunfft-maͤßigen Unterrichtung pflegen/ und sich guten Raths erholen; Darum/ in allen peinlichen Verkla- gungs-Faͤllen/ allwo die Straffe nicht genugsam erklaͤret und verstaͤn- diget/ soll jedoch der Rechten Ordnung moͤglichst gemaͤß gehandelt/ und zu guter Folge geurtheilet werden/ ob schon nicht alle zufaͤllige Straffe und Erkaͤntniß moͤgen erdacht oder beschrieben seyn; dervwegen bey ungewoͤhnlichem Rechtens-Vorfall/ Raths zu bedienen/ dem Richter frey vergoͤnnet wird. P. H. O. art. 60. 149. It. art. 104. 105. §. 12. Wann dann in peinlichen Sachen grosser Fleiß gehoͤ- Peinl. Uꝛtheils Raths Erhoh- lungs-Recht. ret/ als welche zu Zeiten gar subtilen Unterschied haben/ so dem gemei- nen Mann/ der beym Gericht sitzet/ nicht verstaͤndig oder begreifflich genug gemacht werden koͤnnen/ sondern deren Ermaͤßigung in Rechts- verstaͤndiger Leute Vernunfft bestehet/ es sey gleich/ daß die Obrigkeit wider einen Mißhaͤndler/ auff peinlichen Anklaͤgers Handlung/ oder von Amts wegen verfaͤhret/ so sollen die Richter/ wofern ihnen Zweif- Q q q q 2 fel V. Buch/ Cap. VIII. fel zufiele/ in solchen sich begebenden Faͤllen/ bey der Obrigkeit/ und sonst an Orten/ da sie peinliches Gericht haben/ oder bey nechsten Hohen Schulen/ Staͤdten und Gemeinden/ bey Juristen-Facultaͤten/ oder ansehnlichen peinlichen Gerichts-Schoͤppen-Stuͤhlen/ daher sie mit wenigsten Kosten Unterricht zu erlangen vermeynen/ rechtlichen Ur- theils Belehrungs-Rath suchen und brauchen/ weilen/ aller Ver- brechen Art und Straffe ausdruͤcklich zu benennen und erklaͤren/ un- moͤglich ist/ welche Raths-Erholung bey Ober-Herrn und Fuͤrstlichen Raͤthen in GOttes Wort gegruͤndet; demnechst aber ihres Verfah- rens Gelegenheit/ und allen Verdachts Umstaͤnde/ eigentlich in Schrifften zu berichten schuldig seyn/ welcher Bericht jedoch auffs ei- ligste zu beschleunigen/ damit die Gefangenen nicht zu lange im Kercker geplaget/ noch mit gerechtem Urtheil uͤbermaͤßig verschonet werden/ darum auch die Umstaͤnde bestens zu beobachten/ ob Beklagter starck oder schwach/ gesund oder kranck. P. H. O. Art. 7. 91. 146. 147. 151. 160. 161. \& 219. Deut. 17. Vielen Mit- schuldigen Be- klagten Recht. §. 13. Wann auch viele mitschuldig beklagte Gesellen zur pein- lichen Frage verurtheilet/ so soll der Richter zusehen/ welcher unter ih- nen am meisten verdaͤchtig/ und bey demselben den Anfang machen/ und wofern sie gleichmaͤßigem Argwohn unterworffen/ bey dem/ der am furchtsamsten scheinet/ oder im zartesten Alter schwebet/ maßen bey sol- chem groͤssere Hoffnung/ die Warheit desto leichter und eher/ als bey andern heraus zu bringen/ und muß also waͤhrender Peinigung Be- klagter wegen geuͤbten Verbrechen/ ohne Umschweiff und beygebrachte Antwort/ gefraget seyn: Ob er die That gethan? an welchem Tag und Stunde/ und mit was fuͤr Werckzeugen? mit nothwendigen Um- staͤnden; Ob sie jemand geschadet? wem und wo? So nun der Ge- fragte angezogene Missethat bekennet/ wird solche Bekaͤntniß/ nach ei- gener Rede und Antwort/ samt dem Klag-Geschrey auffgeschrieben/ Peinl. Frage Proceß-Recht. und sollen ihn darnach die Verhoͤrer deßhalben noch einmahl gar un- terschiedlich mit allem Fleiß befragen; Und zwar sollen von demjeni- gen/ der eine Missethat bekannt hat/ solcher Umstaͤnde Wahrzeichen ge- fraget werden/ die kein Unschuldiger wissen und sagen kan/ derowegen man Beklagten um mehr andere/ oder dergleichen Art Ubelthaten/ auch befragen kan/ wenn er sonst uͤbel beruͤchtet gewesen/ und fernere Anzei- gen verhanden/ jedoch muß es ohne neue Marter geschehen/ oder nur mit maͤßiger Peinigung/ auff daß kein Unschuldiger darzu gelangen moͤge. §. 14. Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. L. 1. §. 2. \& L. 7 ff. de quæst. L. 18. princ. ff. eod. §. 14. Darum auch ferner von beyden Geschlechten die Wei- Peinl. Aussa- ge wañ guͤltig und warhafft. ber erst/ und von Vater und Sohn jener zuletzt zu befragen und exa- miniren; des Gefangenen Sage aber/ die er in der Marter selbsten thut/ soll nicht angenommen noch fuͤr wahr auffgeschrieben werden/ biß er dieselbe gethan und wiederholet/ nachdem er etwas von Peini- gung loßgelassen/ derowegen er zum wenigsten uͤber andern oder mehr Tage nach der Marter und Bekaͤntniß/ auff Richters Gutduͤncken/ in der Buͤttel-Stuben oder anderm Gemach/ fuͤr den Bann-Richter und zween Gerichts-Beysitzern vorgefuͤhret/ und das Bekaͤntniß durch den Gerichtsschreiber fuͤrgelesen/ alsdañ anderwaͤrts darauff gefragt: ob es wahr sey? und seine Antwort darauf auch aufgeschrieben werden soll/ welche gethane und eine Zeitlang hernach bestaͤrckte Bekaͤntniß fuͤr gutwillig und genugsam zu erachten. Sonst aber ist es unglaub- lich/ daß einer in voller Angst die Warheit zu sagen sich entsinnen kan; So mag auch einer wegen Mit-beschuldigten/ peinlich/ iedoch maͤßig/ ge- fraget seyn/ als wann es eine solche That/ dazu er etwa Gehuͤlffen noͤ- thig gehabt/ sonsten aber keines weges. Falls nun Beklagter die Marter verachtet/ so mag die Folter hoͤher gespañet seyn/ doch nur al- so/ daß der Leib zur Straffe oder Unschuld gesund moͤge erhalten werden. L. fin. ff. de accus. §. 15. Jnzwischen aber soll der Gepeinigte nach der Folter in Gepeinigten Ubelthaͤteꝛs si- chere Verwah- rung. einem sonderbahrem Gefaͤngniß behalten werden/ auff daß er von an- dern Gefangenen/ die Warheit zu wiederruffen/ nicht unterwiesen werde/ noch sich aus Furcht der Straffe des Lebens berauben moͤge/ darum ihm alle schaͤdliche Werckzeuge abzunehmen/ oder ein Gerichts- Diener bey zu verordnen; Sonst ist auch zu verhuͤten/ daß die Ver- wandten ihm keine Labsal zuschicken moͤgen/ maßen solche offt/ ihres Ge- schlechtes Schande zu vermeiden/ die Ubelthaͤter mit Gifft hinzurichten geflissen seyn. Von peinlichem Inquisition- und Nachfor- schungs-Proceß. §. 1. D Aß wegen Land-uͤblichen Rechts-Gesetzen Ubertreter/ Richterli- Richter Pflicht wegen Laster Nachfrage. chen Amts Inquisition- oder Nachforschungs-Proceß/ nicht nur Q q q q 3 zu- V. Buch/ Cap. VIII. zugelassen/ sondern gar befohlen/ erhellet so wohl aus goͤtt- und geistli- chen als welt- oder buͤrgerlichen Rechten/ maßen die Heilige Schrifft sagt: Wann du hoͤrest von irgend einer Stadt/ so soltu fleißig suchen/ forschen und fragen/ und so sich die Warheit findet/ daß gewiß also ist/ daß der Greuel unter euch geschehen ist/ solt du die Buͤrger mit der Schaͤrffe des Schwerdts schlagen/ oder zu todte steinigen lassen; So spricht auch das allgemeine weltliche Recht: Ein Richter soll das ge- meine Wesen reinigen von boͤsen Leuten/ also Kirchen-Raͤuber/ Diebe/ Moͤrder und andere Ubelthaͤter ausforschen und straffen. So mag sich kein Richter mit Unwissenheit entschuldigen/ wann Boͤsewichter die Frommen mit ihren Laster-Exempeln verderben; ja/ solche richter- liche Nachfrage derer Laster/ ist besser als Anklage/ weilen aus dieser ein unversoͤhnlicher Haß unter Buͤrgern entstehet; wer nun hierin- nen nachlaͤßig/ wird GOttes Rache nicht entfliehen/ es steht auch gar keinem Hirten zu/ wann etwan Woͤlffe die Schaafe fressen/ alsdann sagen wollen: Er wisse es nicht/ da ers doch wissen soll. Deut. XIII, 12. \& seqq. Deut. XVII, 4. 5. 6. Josua. VII. C. si audieris, 32. C. 23. q. 5. C. Evidentia, 9. C. qualiter, 17. C. cum oporteat, C. inquisitionis, C. qua- liter, 24. X. de accusat. \& inquisit. L. congruit 13. ff. de offic. præsid. L. 1. C. de custod. reor. L. 7. C. de accusat. C. quamvis, X. de R. J. Verbrechens Wiedeꝛholung Straffe. §. 2. Aller Verbrechen Wiederholung vermehret mit Macht die Straffe schwehrer/ weilen sich darbey der Vorsatz zu betruͤgen und uͤbels zu thun mehr aͤussert/ als wann jemand nur ein- oder zweymahl gesuͤndiget/ derowegen dann alle und jede Richtere/ die wegen der Ge- richts-Haltung als untergesetzte Obrigkeiten Befehlich haben/ an schleuniger Vollenziehung derer zuerkannten und vom Landes-Herrn nothduͤrfftig bestaͤrckten Urtheile/ mit nichten Rechts-Mittel/ so wenig als bey Nachforschungs-Processen/ ermangeln lassen sollen/ damit es wider sie selbsten keines andern Einsehens vonnoͤthen habe; maßen Erfahrung lehret/ daß/ so offt die Unter-Richtere einige oͤffentlich be- ruͤchtete Laster nicht gebuͤhrend erforschen/ gegen solche von Hoher O- brigkeit Fiscalen/ wegen uͤbel-verwalteter Justice/ ordentliche Proces- se angestellet werden/ und zwar von Rechts wegen/ weilen durch der- gleichen oͤffentliche Verbrechen des gemeinen Wesens Ruhe-Stand gekraͤncket/ und der buͤrgerlichen Gesellschafft liebliche Ubereinstim- mung verstoͤhret wird/ also auch dieselben oͤffentliche Zucht-Rache er- fordern; Welche Obrigkeit nun selbige Ubelthaten nicht bestraffet/ werden/ als deren Wort- und Thaten wohl bewust/ fuͤr Missethaten- Ver- Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. Verheeler geachtet/ auch/ wofern sie dermaßen kundbare Mißhand- lung mit gelindern oder gar keiner Straffe belegen/ sollen sie selbst leiden/ was sie andern stillschweigend nachgelassen; Sintemahlen Kirchen-Raͤuber/ Moͤrder und andere gottlose verruchte Leute zu straf- fen keine Blutvergiessung/ sondern ein Rechtlicher Gesetz-Dienst zu nennen/ und dafern ein Richter in solchen Greuels Erforschung faul und saͤumig befunden/ der soll wissen/ daß er sich besagter Unthaten da- durch fuͤr GOTT theilhafftig gemacht/ dessen Zorn-Eyffer durch fleißige Erkundigung in boßhafften Schand-Laster Ursachen hinge- gen gar nicht mag angereitzet werden. So mag und soll auch billig ein Richter in peinlichen nicht aber buͤrgerlichen Sachen/ wann An- klaͤger Beweiß ermangelt/ zur Warheit steuer/ Proceß verfolgen; Eyd-Schwur Verbot. Gegen Rechtlichen Argwohn soll man jedoch niemand/ in keinerley Gerichts-Haͤndeln/ einen Eyd abschwoͤhren lassen. L. 16. §. 10. ff. de pœn. L. locatio, §. quod illicitè ff. de Publicanis. L. ita Vulne- ratus, 51. §. fin. ff. ad L. aquil. L. fin. ff. pro suo. L. 2. ff. de J. \& F. ignor. L. 2. C. de Commerc. L. fin. C. ne Sanct. Baptis m . iteretur. L. 2. C. de in Jus Voc. C. 1. X. de postul. L. 5. si cert. pet. L. 1. C. de fals. mon. Can. ho- micidas, C. 23. quæst. 5. C. sicut inquit, 46. C. 2. quæst. 7. C. præsent. de testibus. L. admonendi, ff. de Jure jur. §. 3. Jedoch soll kein Richter ohne nothwendigen Amts-Trieb/ Inquisitions- Process Ursa- chen. unvorsichtig und leichtlich/ ausser allen Anlaß und Verdacht/ auch vor- hergehende Anzeigen/ solchen Nachforschungs-Proceß anstellen/ wei- len der Jnquisit/ gegen den er gerichtet wird/ dennoch bey erbaren Leu- ten etwas an Ehren dadurch verletzt geachtet/ er besorgete denn/ daß der Satan bey gewoͤhnlichen boͤsen Sitten sein Unkraut einsaͤen moͤchte; Und solchen Antriebs Ursachen sind: derer Verbrechen offenbare Kundschafft/ oder wann der Thaͤter in voller Laster-Ubung ergriffen/ oder auch vom Richter selbst gesehen Ubelthat zu begehen/ dann ob er schon nach Acten und Beweiß/ und also hierinnen nicht urtheilen kan/ mag er doch der Sache nachforschen; Derohalben/ nachdem das ge- meine Geschrey wider einen oder andern erschallet im Lande/ ist solches Beweiß genug/ denselben anzugreiffen/ und gefaͤnglich einzuziehen/ und zwar soll kein Richter gegen allgemeines Geschrey die Ohren verstopf- fen/ und derowegen einige Ubelthaten ungestrafft lassen hingehen/ daß sie nicht etwan auff schandloser That ergriffen/ sondern annoch viel- leicht schwehr zu erweisen/ es sey gleich Mord/ Hurerey oder Ehebruch/ sondern moͤgen von solchen offenbaren Lastern jedesmahl Knecht- und Maͤgde/ V. Buch/ Cap. VIII. Maͤgde/ die aus solchen verdaͤchtigen Haͤusern irgend ihrer Dienste er- lassen/ wohl befraget werden; Also auch auff des beleidigten Theils Anklage/ wann nemlich ein Verwundeter seinen Beschaͤdiger nahm- hafft gemacht/ oder einer erbaren glaubhafften und oͤffentlichen Amts- oder Standes-Person Anbringen/ und sonst andere erhebliche Ursa- chen/ dabey dann der Richter insgemein/ ohne jemandes gewisse Be- nennung/ freylich mit Fug und Recht nachforschen/ und zu solchen Ge- ruͤchts warhafften Erkundigung die Zeugen abhoͤren/ und des Verbre- Verbrechen Urheber Erfin- dungs Mittel. chens Urheber auszufinden/ Muͤhe und Fleiß anwenden soll. Gleicher weise verhaͤlt er sich bey einigen Verbrechen geschehener schrifft- oder muͤndlich mit Anbringer und Thaͤters Nahmen ausgedruckten An- kuͤndigung/ ob schon die Thats kuͤndige Zeugen auch vermeldet/ um zu erfahren/ ob die Person Ehren-vest und Glaub-wuͤrdig; bey welcher Ankuͤndigung noch dieses anzumercken: so fern es eine Ubelthat/ deren Erkaͤntniß Merckzeichen bestaͤndig verbleiben/ mag der Richter zuvor von des begangenen Verbrechen Gewißheit/ darnach von dessen Ur- heber erforschen; wofern es aber also beschaffen/ daß der That Kenn- That Kennzei- chen Anmer- ckungs-Recht. zeichen bald verschwinden/ muß man stuͤndlich den Thaͤter nachsuchen/ weilen anders die Warheit kaum zu offenbahren moͤglich; So mag ein Richter ebenmaͤßig gleichsam auff Zettuls Urheber Zeugen befra- gen/ und hernach ermessen: ob der Boßheit Eyd zu erfordern noͤthig/ wann etwa der Anbringer arm- und geringen Standes/ auch keine erweißliche Ursach erscheinet/ dann wo jemand etwas faͤlschlich aus freyem Willen ankuͤndiget/ wird er fuͤr Falschheit gestrafft/ und muß allen Schaden ersetzen. L. 6. §. fin. ad SCt. Turpill. Missethaͤters Bekaͤntniß- Recht. §. 4. Deßgleichen mag auch ein Richter weiter nachfragen und inquiri ren/ wegen eines Missethaͤters Bekaͤntniß/ der auff einen als Verbrechens Gesellen Aussage thut in solchen Thaten/ die ohne Ge- faͤhrden nicht wohl zu veruͤben/ wann nemlich der Angezeigte eine solche Person/ darauff Verdacht fallen kan/ und die Sache dem Augenschein oder eigentlichen Warheit aͤhnlich ist. Sonst aber bedarff er um der Frevelthaten mitschuldigen Genossen sich nicht gar zu sorgfaͤltig bemuͤ- hen zu erkundigen/ ohne in denen wegen boͤser Nachfolge gefaͤhrlichen Laster-Greueln. So auch einer genugsam uͤberwiesen/ daß er von ihm selbst Ruhms oder anderer weise ungenoͤthigter Dinge etwas be- kennet und gesagt hat/ mag der Richter nachforschen/ ja wohl gar zur Folter und peinlichen Frage schreiten/ es sey gleich die Bekaͤntniß/ aus- ser- Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. ser gerichtlich/ fuͤr angehoͤrigen oder fremden Richter/ als Privat-Per- sonen/ nicht bey denen Acten geschehen/ so fern aber darinnen Jrthum erwiesen/ verfaͤllt der Argwohn; Also ist man auch denen Boͤsewich- ten und Zauberern/ die von des Teuffels Affen-Spiel-Kuͤnsten oder ih- ren Tantz-Versammlungen viel plaudern/ und deßfalls einen mit be- schuldigen wollen/ nicht zu glauben schuldig/ maßen es der gesunden Vernunfft zuwider. L. fin. C. de accusat. P. H. O. Art. 32. §. 5. Ferner verursachet einen Richter auch nachzuforschen/ Draͤuungen was sie verur- sachen. wann etwa auff vorhergegangene Draͤuworte wuͤrckliche Beschaͤdi- gung erfolget/ ja es geben zuweilen Draͤuungen Anlaß zur scharffen Frage/ wie nicht weniger zum Beweiß des Raubens/ dieses soll genug seyn/ da bey jemand Geld oder Guͤter/ so geraubet/ befunden wuͤrden/ und er seinen Gewaͤhrs-Mann/ von dem er solches an sich bracht/ nicht anzeigen koͤnte oder wolte/ alsdann mag der Richter erforschen/ und wofern noch andere Anzeigungen darzu kommen/ gar peinlich befra- gen; in gleicher Maße wird ein Richter zu solchen Jnquisitions-Hand- lungen durch jemandes boͤsen Leben und Wandels Umgang/ angerei- tzet/ oder wann einer in der That die Flucht ergreifft/ oder auch zu de- ren Vorbereitung einige Anzeige giebet/ so mag man zu Banden und Gefaͤngniß/ auch wohl gar zur Tortur verfahren/ jedoch muß das Ver- brechen gewiß und andere Umstaͤnde dabey seyn/ es sey gleich eine sol- che Ubelthat/ daruͤber man sich von Rechts wegen vergleichen moͤge oder nicht; derowegen man sich der Flucht halben vorher informiren soll. Deßgleichen giebt groß- und schwehre Feindschafft/ oder Haß mit Beleidigten/ auch Verbrechens wegen gemachter Vertrag/ zwischen Beleidigten und zur That verdaͤchtigen Personen/ starcke Muthmassung zum Jnquisitions-Recht. L. 5. C. de furt. arg. L. 3. §. 2. ff. de administr. tut. L. 25. §. 6. ff. de ædil. Edict. §. 6. Demnechst muß ein Richter das Verhoͤr anfangen mit Richters Pflicht Ver- hoͤrs halben. Gottesfurcht/ der Warheit begierig/ ohne Gemuͤths-Zuneigung/ von Geitz/ Furcht und Personen Ansehen befreyet/ also/ daß weder Be- klagten Gewalt/ Hoheit/ Reichthum noch Armuth und Standes Ge- ringheit ihn abhalten oder uͤbereylen moͤge/ sondern er allezeit unver- aͤnderten Rechts Zweck und Gerechtigkeit Vorhaben behalte/ ohne Standes Wuͤrde/ Geding und Beschaffenheit Erwegung/ mit glei- chem Ernst und Richterlichen Amts-Gebaͤrden; jedoch mag er einem Edlen mehr Ehre beweisen/ aber sich nimmer zu gemein machen/ son- R r r r dern V. Buch/ Cap. VIII. dern nach Person Unterscheid/ hart und schrecklich/ oder gelinde und freundlich bezeigen; Darauff Jnquisiten nach gewissen Ar- ticuln verhoͤren und nothduͤrfftig befragen/ keinen Gefangenen aber der Missethat Umstaͤnde vorsagen/ sonsten er vielleicht/ seines Lebens muͤde und uͤberdruͤßig/ alles zu seinem Nachtheil bejahen moͤchte; wañ er nun alles verlaͤugnet/ mag ihm wohl ein und ander Umstand der Sa- chen vorgehalten seyn/ jedoch daß in keinem Articul mehr als ein Fra- Articuln und Fragestuͤcke Recht. gestuͤck enthalten/ einfaͤltigen Beklagten Verstrickung zu meiden; Wann nun ein Richter also fraget/ Ob Beklagter jemand verletzet/ und an welchem Ort des Leibes/ auch womit/ zu was Zeit und wo sol- ches geschehen? darauff die Antwort von selbsten ausgedruͤckt und hernach mit Zeugen Aussage uͤberein koͤmmt/ oder zuwider ist/ so geht der Richter in seinem Gewissen sicher/ oder kan den Beklagten aus ei- genen Worten/ besagter Warheit oder begangener Falschheit halber/ am bestaͤndigsten uͤberzeugen. L. 19. ff. de offic. præsid. L. 9. §. 2. ff. de offic. Pro Consul. Nov. 17. C. 5. §. ult. Richtern Un- straffbarkeit Verheissung verboten. §. 7. Es muß aber ein Richter sich fleißig huͤten/ daß er durch Unstraffbarkeit Verheissung keine Bekaͤntniß heraus locke/ sondern moͤglichst davon enthaltend rechtmaͤßigere Art und Weise gebrauche/ deren Verbrechen Warheit zu entdecken/ weilen solche Bekaͤntniß zum Urtheil nicht genung ist/ dann es entweder ein Ober-Richter/ der begnadigen kan/ und also muß die versprochene Straff-Freyheit gelei- stet werden/ wann es sonst guten Gewissens halber GOttes Wort nicht entgegen waͤre/ wie in Mordthaten. Oder ein Unter-Richter/ der keine Gnade gewaͤhren mag/ alsdann ist er ein eyteler Luͤgner/ der etwas zusagt/ das jedoch nicht in seiner Macht und Willkuͤhr zu halten frey steht; es sey dann ein geheimes Laster/ welches dennoch dem ge- meinen Wesen zu offenbahren nuͤtzlich/ als auffruͤhrische Verbuͤndniß/ angeheffte Draͤuungs- oder Untreu- und Verraͤtherey-Brieffe/ wel- che einer gantzen Stadt Furcht und Schrecken einjagen/ oder es waͤ- re das Verbrechen ausserordentlichem Zwang untergeben/ oder die Straff Linde- rungs Erlaub- niß. Person/ Umstands wegen/ Erbarmens werth/ so mag Straffe Linde- rung oder Verschonung gelobet und gehalten seyn. L. 5. §. ult. ff. de Crim. Majest. §. 8. Sonst aber mag ein Richter fuͤglich erbare Versicherung/ Richterl. Vor- sichtigkeit Exempel. nicht aber unnoͤthig- und verfaͤngliche Fragestuͤcke und Vorsichtigkeits- Mittel/ die Warheit zu erkundigen/ nicht nur zum Betrug/ sondern alle List zu verhuͤten/ gebrauchen/ auch in buͤrgerlichen Sachen/ wie Sa- Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. Salomon gethan/ und Claudius Kaͤyser zu Rom/ als eine Mutter von einem Juͤngling laͤngnete/ daß er ihr Sohn waͤre/ hat er ihr solchen zu ehelichen geboten/ darauff sie die Warheit bekannt; Also Carolus/ mit Zunahmen der Grosse/ da er gewiß war/ daß Vater oder Sohn/ die er beyde gefangen hielte/ einen Todtschlag begangen/ ungewiß aber/ welcher die That veruͤbet/ hat er sie beyde zu haͤngen befohlen/ biß der Vater endlich als rechter Thaͤter sich bekennet/ und seinen unschuldigen Sohn befreyet. Hierinnen aber ist grosse Behutsamkeit noͤthig/ wei- len etliche/ ihres Lebens muͤde/ Verbrechen ersinnen/ sich furchtsam an- stellen und sterben; darum Obrigkeit wohl sagen mag/ die Warheit Obrigkeiten Verhoͤrs Frey- heit. zu erzwingen: Es waͤre ihr schon bekandt aus gemeinem Geschrey/ allwo der Thaͤter gewesen/ was er begangen oder im Schilde fuͤhret/ die Zeugen wuͤrden ihn ohne dem zur Warheit Bekaͤntniß wohl an- fuͤhren/ daß es ihm hernach nicht wuͤrde lieb seyn; zu dem Ende dann auch wort- und thaͤtlicher Schrecken eines Richters gegen Beklagten erlaubet/ ob solte er gepeiniget werden; ja ein Richter kan sich mercken lassen/ als wuͤste er alles/ und waͤre ihm nichts verborgen/ jedoch mit Maͤßigung/ ohne Luͤgen-Schein/ Beklagten nemlich zu ermahnen/ GOtt die Ehre zu geben/ solche Missethat freywillig und umstaͤndlich zu bekennen/ so dennoch nicht verschwiegen bleiben kan/ und ob schon der Richter weiß/ daß Beklagter ein und anders leugnet/ soll er ihn doch voͤllig ausreden lassen/ auch so er alles warhafft und auffrichtig hergesagt/ mag er dennoch auffs neue examiniret werden/ auff daß sei- ne Aussage desto klar und deutlicher seyn/ und ja kein Unschuldiger aus verwirretem Bekaͤntniß verurtheilet werden moͤge; derowegen Um- staͤnde zu erfahren uͤblich/ aus Verbrechen Groͤsse/ Anzahl und Perso- Obrigkeiten Verhoͤrs An- merckungen. nen Beschaffenheit/ oder Zuneigungs Ansehen/ aus Gebaͤrden/ Ort/ Zeit/ Leibes-Gestalt und Bekleidung/ so soll auch bißweilen das Ver- hoͤr nicht auff einmahl abgethan seyn/ sondern ein und anders zu ver- schiedenen mahlen verschoben bleiben/ vornehmlich wann Beklagter arglistig- und verschmitzten Gemuͤths ist/ auch zu aller Antwort fertig/ darum er zu erst der That Verlauff vom Anfang zu Ende/ ohne zwi- schen Unterred-Brechung/ nach kurtzer Jnhalts-Ordnung erzehlen soll/ und mag er daruͤber/ was etwan ausgelassen oder dunckel erweh- net/ bessere Erklaͤhrung zu thun ernsthafftig befraget werden/ um nichts zu vergessen. L. 77. §. 31. de Leg. 2. L. 1. §. 2. de dolo malo. 1. Reg. III. C. afferte, X. de præ- sumt. R r r r 2 §. 9. V. Buch/ Cap. VIII. §. 9. Demnechst kan ein Richter aus solcher That Erzehlung kluge zur Sachen gehoͤrige Fragestuͤcke versammlen/ die entweder Falschheit/ unerweißliche Nichtigkeit/ oder Unmoͤglichkeit der Ant- wort/ einfuͤhren koͤnnen. Also kan man Beklagten fragen: wo er zween oder drey Tage vor oder nach begangener That Zeit gewesen? an welchem Ort und mit wem er gespeiset/ gespielet/ geschlaffen/ und was er folgenden Tages verrichtet? darauff er ohne Fuͤrsprecher/ viel- weniger in Schrifften zu antworten/ gehalten ist/ jedoch mag er eines erfahrnen Advocaten Raths pflegen; soll aber zuvor kuͤrtzlich auff die Articuln antworten/ und also den Krieg befestigen. Hernach kan er de- ren Anzeigungen Copie begehren/ sonst waͤre zu befuͤrchten/ daß er sich aus deren Communicirung informiren und listiglich anschicken moͤch- Beklagten Verlaͤugnens Uberzeugung. te/ ist ihm auch niemahln eine Antwort an seiner Verthaͤdigung nach- theilig oder schaͤdlich. Wann nun Beklagter zu laͤugnen bereitwil- lig/ mag er leicht Luͤgen uͤberzeuget werden/ so man dieselben/ die er be- nennet/ wegen besagten Umgangs Warheit vernehmen laͤsset/ welches im Beyseyn des Richters/ zween Schoͤpffen und oͤffentlichen Schrei- bers ihm fuͤrzuhalten/ auch mag dergleichen kein Adelicher Richter/ noch andere Obrigkeit/ aus Nachlaͤßigkeit oder Ubereylung/ durch ihre Schreiber oder Schulmeister verzeichnen lassen. L. 12. \& pen. §. 1 ff. de publ. Judic. L. unic. C. de litis contest. P. H. O. art. 46. Beklagten Antwort Zwang-Recht. §. 10. Wann aber ein peinlich Angeklagter gar nicht zu ant- worten willens/ soll es vom Schreiber angemercket/ und mag Beklag- ter in geringern Verbrechen durch Pfand- oder Geld-Straffe dazu ge- zwungen/ oder in groͤssern also bedrohet werden/ daß er/ als ungehor- sam nicht zu antworten/ fuͤr bekannt soll gehalten seyn/ ob schon sonst dieses in eigentlicher peinlichen Sache zur ordentlichen Hals-Straffe nicht genung waͤre/ sondern Beklagter bey Vermeldung andern schaͤrf- fern Verordnungen auff die Articul antworten solle/ worinnen jedoch keine zweiffelhaffte Worte statt finden moͤgen/ sondern er soll alles mit klaren vollstaͤndlichen Worten anzeigen/ oder dunckele Reden/ ehe denn er fortfaͤhret/ auch weiter erklaͤren/ auff daß dabey kein Betrug erdacht werden moͤge; Und wofern Beklagter die Warheit zu bekeñen ange- fangen/ soll der Richter gar keines weges aufhalten noch verziehen/ son- Richters Fleiß bey Bekaͤntniß dern ferner anhalten/ was moͤglich/ biß die Warheit frey ausgesagt/ auch nicht deßfalls ansehen Mittags- oder Abend-Mahlzeit/ vielwe- niger Schlaff und andere Hinderniß/ maßen offt erfunden/ daß also durch solche unterbrochene und zerstoͤhrete Bekaͤntniß/ nach geholten aͤr- Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. aͤrgern Rathspflegung/ die Warheit verschwiegen blieben/ ja wann etwa wahrscheinliche Anzeigungen vorhanden/ mag man mit Peini- gung draͤuen/ dadurch Beklagter auch endlich zur Warheit angehal- ten/ oder Ungehorsam fuͤr halsstarriges Stillschweigen und Verlaͤug- nung zu erachten/ welches er zu erweisen pflichtmaͤßig/ und so er nicht ohne Zweiffel und zweystimmige Reden das Verbrechen bekennen o- der verneinen will/ noch Tages Vergessenheit vermuthlich/ steht ihm nicht zu glauben; so fern nun Beklagter etwas antwortet/ das unwahr ist/ soll ihn der Richter fein sittsam solcher Luͤgen uͤberzeugen/ noch Be- Richters Pflicht bey Luͤgensage. klagten mit Worten oder Lachen/ weniger mit Verwunderung/ Kopff- schuͤtteln/ oder grausamen Gesichte irrig machen/ und seine Gemuͤths- Neigung zeigen/ dadurch er zur Veraͤnderung verfuͤhret werde. C. fin. de Confessis. §. 11. Wann auch Beklagter sich unsinnig anstellet/ soll man Beklagten Recht/ der sich unsinnig an- stellt. deren Aertzte Rath gebrauchen/ ob es in der That sich also verhaͤlt oder nicht? weilen kluge Leute nicht alles nach unsinniger Leute Art jeder- zeit verrichten/ darum deren Huͤter auff Wort und Wercke acht zu geben schuldig/ oder man mag sie peinigen/ sintemahl Schmertz nicht leicht Schertz vertraͤgt/ und Gebaͤrden grosse Anzeigen geben/ ob einer kuͤhn oder verzagt/ schamroth oder bleich und zitternd antwortet; So mag auch bißweilen das Verhoͤr wiederholet seyn/ in solchen des Be- klagten eigenen Thaten/ ob sich wohl Luͤgen spuͤhren lassen wolten/ da dann auff Bekaͤntniß/ ohne Marter geschehen/ der Richter an Ort und Ende mag hinschicken/ derer wahren Umstaͤnde Gewißheit zu er- fragen/ daraus zu mercken/ daß der Gefragte die Ubelthat begangen/ insonderheit dero Gestalt/ daß kein Fremder solcher Geschichte Nach- richt vermuthlich/ da er unschuldig/ wissen kan/ das zu erforschen. L. 10. §. 3. ff. de quæst. P. H. O. art. 54. L. 1. §. 24. ff. de SCt. Syllan. §. 12. Endlich ist wohl zu mercken/ daß Beklagten eigentliche Beklagten ei- gentl. Wort- Verstandes Recht. Worte zu beschreiben/ und keiner andern Worte Verstand einem an- zudichten/ noch durch unbillige Verdolmetschung zu verderben oder aͤn- dern/ vielmehr solchen Falls eines einfaͤltigen Bauren Meynung von ihm selbst deutlicher auszusagen gerichtlich anhalten/ auff daß dadurch niemanden Unrecht zugefuͤgt werde/ sondern wann Jrthum in Ant- wort oder Schreiben geschehen/ mag solches nach Verlesung gebessert seyn; Bey denen/ so der Sprache unkuͤndig/ muß ein Richter unermuͤ- deten Fleiß anwenden im Nachforschen/ so wohl als bey Stummen/ Stumm- und Tauben Zeug- niß-Recht. auff daß er durch Dollmetscher alles vergewissert sey; darum wann R r r r 3 ein V. Buch/ Cap. VIII. ein Stummer zu befragen/ soll man solchen gemeine Zeichen darzu brauchen/ und Leute darbey nehmen/ die dessen Bedeutung aus gemei- nem Umgang vernuͤnfftig anzeigen koͤnnen/ welches hernach stets aus Protocollen zu erweisen/ wann aber ein Tauber und Stummer schrei- ben kan/ mag er schrifftlich zeugen. Zur Peinbanck rechtliche An- zeig-Ursachen. §. 13. Ehe und bevor man nun zur Pein-Banck schreiten kan/ sollen sich gewisse und wahrscheinliche Anzeigen erfinden/ die bey kei- nem Unschuldigen seyn moͤgen/ als insgemein: Eines glaubhafften un- verwerfflichen Zeugen Sage/ von gewissen unmittelbaren Geschich- ten/ vorhero gefuͤhrter Lebens-Art/ und boͤses Geruͤchte so erweißlich/ dieser verdaͤchtigen Person halben/ vor dem Proceß/ wegen der Ubel- that und sonsten nicht von geringen Leuten her entstanden/ deßgleichen einer Beklagten zustaͤndigen Sachen Erfindung/ an Verbrechen Ort und Stelle/ oder Thaͤters Betretung/ welches in der That geschehen/ oder aus dessen Kleidung und Fußtapffen Nachspuhr wuͤrcklich zu er- kennen. Jtem/ ein gemachter Vergleich/ wegen eines Haupt-Ver- brechen Mitbeklagten Mit-Gesellen Benennung/ wann er insgemein deßfalls befraget/ und zwar peinlich/ mit allen Umstaͤnden/ daß keine Feindschafft unter ihnen zu vermuthen/ und Besagter verdaͤchtig/ auch der Angeber bestaͤndig bleibet/ worzu gehoͤrig/ wann einer bekennet und gar uͤberwunden/ als Befehlshaber den Urheber meldet; Also auch Umgang mit boͤsen Leuten/ die schon vorhin dergleichen Ubelthat be- gangen/ er habe denn andere erweißliche Ursachen/ oder mehr Arg- wohn zu huͤlffe kaͤme. Jtem/ Haupt-Feindschafft durch Beklagten Peinl. Frage worauff zu er- kennen. verursachet/ ob schon neulich versuͤhnet/ wie auch Genusses Hoffnung/ angefangene Flucht fuͤr Proceß Eingang/ Veraͤnderung und Luͤgen/ Wanckelmuth und Erzittern/ es waͤre denn von Natur ein furchtsa- mer Mensch/ oder daß ihm sonst etwas anders hilfft; Also/ wann je- mand befraget oder schrifftlich uͤberzeuget/ und darzu still schweiget/ oder wann jemand mit einem Verdaͤchtigen heimlich ins Ohr geredt/ und That erfolget/ oder so einer argwoͤhnisch gedraͤuet/ und Wuͤrckung folgends geschehen. P. H. O. art. 25. 27. 29. 30. 31. \& 32. L. 5. §. 6. ff. de re milit. L. ult. C. de accus. L. 16. §. 1. de quæst. L. 29. ff. de pœn. Richters Pflicht bey Be klagten laͤug- neu. §. 14. Wann nun Beklagter auff ordentlichem Rechts-Tag die vormahls bestaͤndiger Weise bekannte Missethat laͤugnet/ und der Richter aus solcher Bekaͤntniß in allerhand Umstaͤnden Erfahrung so viel befunden/ daß Beklagtens Laͤugnen allein zu Rechts Verhinde- rung Von peinlichem Jnquisitions-Proceß. rung fuͤrgenommen/ so soll er zween geordnete Schoͤppen/ die mit ihm des Beklagten Gestaͤndniß verlesen gehoͤret/ auff ihren Eyd fragen: Ob sie dessen abgelesene Urgicht gehoͤret haben? und so sie ja darzu sa- gen/ soll er allewege an Ort und Enden bey Rechts-Verstaͤndigen Raths pflegen/ alsdann die in Schrifften verfaßte endliche Urtheil/ im Beyseyn derer Partheyen/ durch geschwohrnen Gerichts-Schreiber Peinl. Endur- theils Vollen- ziehung. oͤffentlich verlesen lassen/ darnach Orts Gewohnheit gemaͤß seinen Stab zubrechen/ den Armen dem Nachrichter befehlen/ und bey sei- nem Eyd gebieten/ das gegebene Urtheil getreulich zu vollenziehen/ auch vom Gericht auffstehen/ und darob halten/ daß solches mit guter Si- cherheit und Gewahrsam verrichtet werde. §. 15. Wann nun der Suͤnder nach der Richtstatt gebracht/ Nachrichters Freyheit an Richtstatt. soll der Richter von Obrigkeitlichen Amts wegen oͤffentlich ausruffen und verkuͤndigen lassen/ bey Leibes und Guͤter Straffe/ dem Nach- Richter keine Hinderung zu thun/ auch/ ob es ihm mißlinge/ nicht Hand anzulegen; und wann dieser zuletzt fraget: Ob er recht gerichtet? antwortet jener: So du nach Urtheil und Recht gerichtet/ laß ichs da- bey bleiben. Es soll aber kein Scharffrichter noch Henckerknecht ei- nes Ubelthaͤters Kleider/ ohne der Obrigkeit Vorwissen/ fuͤr sich zu be- halten/ selbst erkuͤhnen/ sondern des gefangenen Verurtheilten halben/ nach des Richters Willen/ sich hierinnen verhalten/ und mit seinem Lohn genuͤgen lassen; Gleicher Weise gilt solche Gewonheit nicht/ Scharffrich- teꝛs Schweꝛdt- Rechts Veꝛbot bey Selbst- Mord. daß ein Nachrichter alles/ was er im Umschweiff beym todten Leich- nam stehend/ mit blossem Schwerdt anreichen/ oder oben/ unten/ vor/ hinter/ um und neben sich erlangen mag/ sich zueignen/ oder dessen Werths Zahlung begehren koͤnne/ wann sich einer selbst ums Leben gebracht/ weilen er ohne das fuͤr Stricks Abschneidung/ oder Selbst- Moͤrders Aas Ausfuͤhrung/ nicht geringen Lohn begehren und haben kan. Das Das Sechste Buch/ Vom Cavallier von Fortun, und etlichen Soldaten- oder Kriegs-Rechts-Reguln. Caput I. Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. §. 1. Kriegs-Leute Recht. C Avalliers von Fortun sind/ die Adeliche Chargen bedie- nen; Jm Kriege/ wer will Ungluͤck han/ der fang es mit den Teutschen an. Sonsten besteht eines Kriegsheers Regenten-Amt nicht allein in Anordnung/ sondern auch in Erhaltung guter Zucht und Disciplin. Weibern ist jedoch nicht vergoͤnnt Profeßion vom Kriege zu machen/ weilen sie wegen mensch- lichen Gesellschafft-Umgangs/ und dahero entstehenden Erfahrungs- Mangel/ kein festes Urtheil eines gesunden Verstandes zu haben er- achtet werden. L. 12. ff. de re mil. L. fin. C. de Jurisdict. L. 17. C. de Judic. L. 4. §. 5. \& L. ult. ff. de re mil. L. 2. \& 5. ff. de R. J. L. 1. §. 3. ff. de muner. \& honor. L. 12. §. 2. ff. de Judic. Soldaten Ge- horsam. §. 2. Was die Soldaten gegen ihre Ober-Herren begehen/ wird an ihnen haͤrter als andern gestrafft/ weilen sie von Landes-Her- ren Gelde leben/ darum billich Ungehorsam/ ohn alle Gnade/ darauff angesetzte Leib- und Lebens-Straffe verdienet/ maßen ein Soldat/ der seinen Ober-Herrn fuͤrchtet/ sich fuͤr seinem Feinde nicht entsetzet; Wer sonst etwas boͤses zulaͤst/ da ers verhuͤten kan/ wird fuͤr den gehal- ten/ der es gethan/ darum was Soldaten suͤndigen/ moͤchte man offt an gelinden Hauptleuten straffen. L. un. C. si quis imperat. mal. L. 7. §. 3. \& fin. ff. ad L. Jul. Majest. Gloss. in L. adi- gere, ff. de Jure Patron. Kriegs-Disci- plin Recht. §. 3. Weilen nun alle Kriegs-Disciplin im Gehorsam beste- het/ und darbey kein schaͤndlicher Laster als Ungehorsam/ so mehren- theils den Hals kostet/ so soll ein Soldat in Commando bey Lebens- Straffe gehorsam seyn/ und ist hierinnen ein von Natur sonst freyer Mensch Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. Mensch im Soldaten-Stand ein Knecht/ der fleißig hoͤren/ wenig re- den/ vielweniger Befehl examiniren soll. So wird von aller Ord- nung/ so einmahl an gebuͤhrlichen Ort hinterlassen oder verlesen/ jeder- man geglaubt Wissenschafft zu haben; derowegen ein Soldat/ wie gemeldt/ schuldig ist/ was ihm befohlen zu verrichten/ bey Lebens-Straf- fe. Dahero/ einen Soldaten vollkommen zu machen/ sind die zwey vornehmsten Haupt-Stuͤcke: Straffe der Ubertretung und Tugend Belohnung. L. 6. §. 2. ff. de re milit. L. 7. in princ. ff. eod. L. fin. C. de stat. \& imag. §. 4. Alle Kriegs-Gesetze koͤnnen auch unter die drey Haupt- Kriegs-Gese- tze Hauptpun- cten. Puncten der allgemeinen Rechte gezogen werden; als/ ein jeder Sol- dat soll erbar leben/ niemanden ohne Befehl beschaͤdigen/ und jeder- mans Recht verthaͤdigen helffen/ sonderlich aber seinem Haupt und Ober-Herrn Gehorsam leisten/ wiedrigen falls ein Kriegs-Heer ein Hauffen boͤser Buben mag genennet werden; Und gewißlich sind Soldaten Menschen/ die sich wegen steter Gefahr/ so sie taͤg-ja stuͤndlich von allen Elementen/ Wasser/ Land/ Lufft und Feuer zu gewarten ha- ben/ vor andern zur Gottesfurcht gewoͤhnen sollen. §. 5. Sonst machen insgemein dreyerley einen Soldaten re- Soldaten Re- bellion Ursa- chen. bellisch und zu dienen unwillig/ als: Keine gute Disciplin halten/ mas- sen sie schrecken/ wann sie nicht fuͤrchten/ deßgleichen die Soldaten muͤßig gehen lassen/ und ordentliche Besoldung vorenthalten/ ja dieses erwecket darzu noch Diebstahl/ Meuterey und allerley Unordnung; Es sollen aber Soldaten ihrer Officiers Arbeit/ so ohne grosse Muͤhe und Beschwerde geschicht/ unweigerlich leisten/ und ihnen mit keiner Un- hoͤflichkeit begegnen. Nov. 22. in fin. \& princ. Nov. 140. §. 6. Wer gegen seinem Obristen und Befehlshaber an sein Officiers und Soldaten Pflicht gegen einander. Gewehr greifft/ soll am Leben gestrafft werden; dennoch sollen auch alle Officiers ihre Soldaten vernuͤnfftig regieren und straffen/ Ver- brechen auch nach ihrem Ansehen maͤßig zuͤchtigen/ keine Ursache zur Widersetzlichkeit geben/ weilen man mit ungestuͤmmen Gebieten viel Unheil geben kan. So soll auch kein Soldat so kuͤhn seyn/ nichts von seinem Officier zu erdulten/ er soll wissen/ daß er Commando unter- worffen/ auch die Waffen nur wider den Feind fuͤhret/ seinen Haupt- mann soll er lieben als seinen Vater/ ehren als seine Obrigkeit/ und fuͤrchten als seinen Meister/ dann Liebe und Furcht muß zusammen ge- fuͤgt seyn/ diese kan nicht von jener auffgehoben/ noch jene von dieser S s s s ver- VI. Buch/ Cap. I. verdunckelt werden/ ja wer wohl gebieten will und soll/ der muß zuvor wohl gehorchen lernen. L. 13. §. 4. L. 6. §. 1. ff. de re mil. C. 1. X. de postul. Præl. Gloss. in L. 5. C. de pe- ric. tut. Soldaten Veꝛ- brechen Straff Recht. §. 7. Jnsgemein heist es zwar bey geringem Verbrechen: all- wo kein Klaͤger/ da ist kein Richter; wann aber starcke Vermuthun- gen vorhanden/ und das gemeine Geschrey von jemanden/ wegen einer begangenen Straff-wuͤrdigen Ubelthat da ist/ sollen alle Kriegs- und buͤrgerlichen Standes Richtere/ von sich selbst und Amts wegen/ ob schon niemand klaget/ die Thaͤter verfolgen/ greiffen und gebuͤhrend ab- straffen; so fern anders die Unthat erweißlich/ weilen der Richter zu- vor der Ubelthat gewiß seyn muß/ daß sie begangen/ ehe dann er Urtheil faͤllen kan. Wann nun ein Soldat wegen Ubelthat beschreyet/ und keine Nachricht oder Zeugen/ jedoch genugsame Anzeigungen vorhan- den sind/ daß nichts als Thaͤters Bekaͤntniß ermangelt/ auch dafern er Huͤlffe gehabt/ seine Mit-Gesellen nicht angeben will/ absonderlich in groben schwehren Verbrechen/ als: Verraͤtherey/ Mord/ Strassen- Raub und dergleichen; dadurch jederman seine Freyheit verliehret/ so mag man ihn wohl foltern. L. 2. C. de Exhib. vel rel. reis. Nov. 128. c. 21. P. H. O. art. 214. 215. Soldaten fol- tern recht. §. 8. Ja/ weilen auch die Gesetze keinen Straff-wuͤrdigen U- belthaͤter schuͤtzen/ so lassen sie wohl zu/ einen Soldaten zu foltern/ wann er aber unschuldig gefoltert/ wird er dadurch nicht Ehr-loß/ sondern ist billich/ zu mehrern Ehr-Erstattung/ die gebraͤuchliche Ceremonie/ die Fahne uͤber ihn zu schwengen; wer aber also unter Scharffrichters Haͤnde gewesen/ daß er einmahl zum Schelmen verurtheilet/ soll im La- ger oder Vestung nicht mehr gelitten werden/ er sey dann vom Landes- Herrn an vorigen Ehren ergaͤntzet. L. 22. ff. \& L. 14. C. de infam. jur. L. solet, 10. ff. de infam. jur. Dieberey in Hungersnoth wie zugelassen. §. 9. Alle Missethaten werden mehr an einem Soldaten als andern gestrafft/ ist auch einem Soldaten nichts uͤbel anstaͤndiger als Dieberey/ darum Belisarius einen hencken lassen/ daß er ein Huhn ge- stohlen; jedoch mag ein Soldat in Hungers-Noth seinen Hunger zu stillen/ nicht aber mehr als zur Nothdurfft/ fuͤr sich und die Seinigen/ an Speise-Waaren wohl zugreiffen; bestiehlet er aber einen/ den gleiche Noth druͤcket/ ist er gewoͤhnlich zu straffen. Ja/ alle oͤffentli- che und sonderbahre Gewalt/ aus eigener Macht/ durch Befehlshaber oder gemeine Soldaten/ an Hohen oder Privat-Personen/ und beson- dern Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. dern oder gemeinen Guͤtern/ allein oder durch Helffer/ mit oder ohne Waffen begangen/ wird mehrentheils am Leben gestrafft/ weilen Soldaten darum von Landschafften angenommen und bezahlet wer- den/ getreu zu seyn/ Gewalt zu schuͤtzen und wehren/ nicht aber anzu- thun. L. 14. ff. de pœn. L. 2. \& 3. §. 14. ff. de re milit. L. 6. \& 7. ff. ad L. Jul. de vi publ. §. 10. Der Soldaten Ubermuth kan man niemand zumessen/ Soldaten U- bermuth wem beyzumessen. als deren Officiers vielem Ubersehen; dann ja Soldaten vor Zeiten in Griechen-Land Huͤter genannt wurden/ weilen sie fuͤr des Landes Ein- wohner und Unterthanen/ Haab und Guͤter/ wider die Feinde/ mit Leib und Lebens-Gefahr/ wachen und streiten/ Buͤrgern und Bauern aber gar nichts abdringen sollen/ vielweniger seinem Wirth uͤbel be- gegnen/ noch sein Hauß-Gesinde schlagen/ stossen/ ihnen Glieder ver- rencken oder Blut vergiessen/ bey Leib und Lebens Straffe. L. 3. C. de Erogat. milit. annon. Tit. de metat. \& Epidem. Tit. de Salgam. hospit. non præst. §. 11. Alle zur Krieges-Zucht eigentlich gehoͤrige Verbrechen/ Kriegs Ver- brechen Erzeh- lung. werden ausserordentlich gestrafft/ als: sich auff Landes-Herrn Be- fehl zum Kriege nicht einstellen/ oder gegen Verbot sich anwerben las- sen/ oder einen verbotenen falschen Nahmen bey der Musterung sich zu- eignen/ nach erlangtem Urlaub ausbleiben/ seinen Posten verlassen/ hinweg- und uͤberlauffen/ dem Feinde Kundschafft geben/ das Kriegs- Heer und dessen Anschlaͤge verrathen/ dem Hertzog/ Hauptmann oder Statthalter nicht gehorchen/ Wehr und Waffen verliehren/ entwen- den/ veraͤussern; Proviant-Sorge nicht recht vorstehen/ Frieden zer- stoͤhren/ Wacht versehen und versaͤumen/ die Flucht in einer Schlacht zu erst ergreiffen/ und dergleichen von Soldaten begangene Ubelthaten/ als Laster der Faulheit/ Nachlaͤßigkeit und Ungehorsams/ werden nach ihrer Beschaffenheit mit Geld- oder Gefaͤngniß-Buße/ Amts Entsetz- oder Erniedrigung/ auch wohl mit schaͤndlichen Erlassung/ ja schweh- ren Leib- und Lebens-Straffe belegt und angesehen. Jn diesen Faͤl- len aber wird offt die Straffe gelindert/ wegen eines Soldaten Ju- gend/ und dessen Lehr-Jahren Anfang; Krieges-Standes Freyheit/ oder dafern sie aus Geilheit/ von Wein und Bier erhitzt/ ohne Boß- heit Ubels begehen; oder aus gottesfuͤrchtigen Mitleiden/ als wann ein Vater seinen Sohn zur Zucht dabey gelieffert/ versteht sich/ ihn mit Lebens-Straffe zu uͤbersehen/ jedoch soll man solches Recht nicht zur boͤsen Nachfolge gedeyhen und gereichen lassen. S s s s 2 L. 43. VI. Buch/ Cap. I. L. 43. ff. de testam. mil. L. 11. ff. de re milit. L. 2. 3. §. qui post, §. Emansor. §. qui Statiarii, §. is qui ad hostes. L. 6. §. Exploratores, L. 3. §. in bello, §. si præ- sides, §. miles, L. 13. §. irreverens, L. 14. ff. Eod. L. 3. §. qui aliena, §. si ad diem, L. 4. \& tot. tit. ff. de custod. reor. L. 6. §. 1. L. fin. L. 5. 7. \& seq. L. 3. §. si plures, L. 4. in fine. L. 6. §. per vinum, L. 4. §. qui filium, L. 5. §. qui in desertione, ff. de re milit. L. 13. §. fin. L. 3. C. de patr. potest. L. 1. \& tot. tit. inst. ff. \& C. de testam. milit. L. quæ contra, de LL. L. 5. ff. de constit. Princ. Degen-Ge- brauchs Recht und Entbloͤ- sungs-Veꝛbot. §. 12. Kein Offcier oder Soldat soll fuͤr seinem Obristen/ oder in Gegenwart seines Commandeurs/ zu einiger Verrichtung ohne sei- nen Degen erscheinen/ oder sich sehen lassen; wer aber sonst in Gegen- wart des Generals/ den Degen/ Schaden zu thun/ entbloͤset/ soll die Hand verlohren haben/ und wofern es geschieht/ unter fliegenden Fah- nen/ bey Zug-Ordnung/ oder zur Zeit/ da Kriegs-Recht im Feld-Lager oder Guarnison gehalten wuͤrde/ soll er arquebufirt werden; Wer auch gegen einen Fuͤrsten oder General Ehren-ruͤhrige Pasquillen macht/ und als Autor entdecket wird/ soll ohne Gnade das Leben ein- Commando Widersetzlich- keit Straffe. buͤssen; Wer sich aber deren Unter-Officiers Commando widersetzet/ selbige schmaͤhet oder mit der Faust zu schlagen bedrohet/ verliehret die Faust/ und wird also verwiesen und weg gejagt; geschichts aber im Fel- de vor dem Feind/ oder aber im festen mit der Wacht besetzten Lager/ wird es am Leben gestrafft. Verraͤtherey Anzeigen. §. 13. Verraths-Haͤndel sind zu ermessen/ aus geheimen/ un- gewoͤhn- und gefaͤhrlich-verdaͤchtigen Umgang/ mit Betrugs Arg- wohn/ da niemand ohne Genuß-Hoffnung diese Ubelthat begehet/ son- dern insgemein oder ja mehrentheils vom Geitz herkommt; welches Philippus/ Koͤnig in Macedonien/ mit seinem Ausspruch bezeuget/ wañ er vor Zeiten gesagt: Daß kein Vestungs-Ort unuͤberwindlich seye/ so fern man nur fuͤr einen mit Golde beladenen Esel Bahn oder Ein- gang finden koͤnte. So ist auch viel daran gelegen zu wissen/ ob einer mit Wissen und Willen/ bey Tag oder Nacht/ oder darzu gezwungen/ bey Kriegs- oder Friedens-Zeiten/ bey oͤffentlichem Marckt oder Ver- sammlungen solches gesponnen. Also soll auch keiner verraͤtherische Zeichen/ Schiessen und dergleichen vornehmen/ oder drein willigen/ bey Ehr-Leib- und Lebens-Straffe/ darum ist Feindes Farbe und Feldzeichen zu tragen verboten. L. 54. ff. de adm. \& peric. C. 20. distinct. 81. Spionen und Corꝛespondenz Verbot. §. 14. Ebenmaͤßig ist mit Feindes Parthey alle Correspondentz verboten/ wer nun solche Brieffe empfaͤngt oder uͤbertraͤgt/ ja wer wis- sent- Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. sentlich solche paßiren laͤst/ und nicht aufffaͤngt/ wenn er kan/ ist gleicher Straffe schuldig/ als wenn er sie selbst geschrieben haͤtte; darum man sich muͤnd- und schrifftlich/ durch Botschafften oder auff andere Weise/ fuͤr dergleichen Verraͤtherey/ so den Feinden gleich/ gemeiniglich am Leben zu straffen; Ja/ alle Correspondentz mit dem Feinde/ auch zwi- schen Vater und Sohn/ ist verboten/ gleichwie alle Spionen; darum alle Gefangene ihre Brieffe nicht selbst versiegeln moͤgen/ sonst werden sie Verraͤthern gleich gestrafft; Hingegen mag ein Commendant Com̃endanten Brieffe Eroͤff- nungs Recht. alle verdaͤchtige Brieffe ohne Tadel eroͤffnen. Belisarius ließ denen Uberlaͤuffern Nas- und Ohren abschneiden/ und sie also wiederum zu denen Feinden hinschicken. Kaͤyser Fridericus Ænobarbus ließ ihnen die Augen ausstechen und die Zunge abschneiden. L. 1. ff. ad L. Jul. Majest. L. 6. §. 4. L. 7. de re milit. L. 8. §. hostes, ff. de pœn. L. 38. §. 1. ff. eod. §. 15. Wann sonst eines Soldaten Verbrechen gering ist/ Soldaten Ver- brechen straf- fen/ der ge- schwohren hat oder nicht. der zwar kurtz gedienet/ so kan einer/ der nicht geschwohren/ ohne or- dentliches Kriegs-Recht/ gelinder bestrafft werden; wofern es aber ein groß- und schwehres Haupt-Verbrechen/ welchem in gemeinen Rechten eben so schwehre Straffe oblieget/ ob er schon nicht lange ge- dienet/ so kan ihn solche Ausflucht nicht beschuͤtzen/ er habe geschwohren oder nicht. Darum auch ein rechtschaffener Officier nicht allzu streng und hart/ noch gar zu gelinde und sanfft/ nicht zu sehr demuͤthig/ noch allzu hoch auffgeblasen seyn soll; dann gleichwie Hochmuth der Thorheit Mutter und Ursprung zu nennen/ also wird auch durch un- maͤßige Erniedrigung des Kriegs-Regiments Macht und Ansehen ge- waltsam unterbrochen und zerstoͤhret. §. 16. So mag nun ein Soldat seinen Feind im Kriege/ oder Uber- u. Weg- laͤuffer Recht. einen Uberlaͤuffer ohne Straffe/ gleichwie einen gewaffneten sich zur Wehre stellenden Dieb/ bey Tage/ wann Huͤlffe geruffen/ jedoch nicht aus sonderbahrem Haß/ zu todte schlagen. Wer sich aber eines Feld- fluͤchtigen/ Ausreisser oder Uberlaͤuffers bemaͤchtigen kan/ mag ihn nicht toͤdten; wer sonst ihn/ nicht aus sonderbahrem Haß/ sondern Gesetzes Antrieb und gemeinen Wohlfarths redlichen Vorhaben toͤdtet/ ist un- straffbar und Gewissen-rein. Daher auch ein Officier oder Soldat/ der nicht durch Pforten oder gewoͤhnliche Wege/ aus Lager/ Stadt oder Vestung gehet/ soll erhencket werden/ maßen/ wofern ihn der Feind nicht darzu zwinget/ solches allezeit fuͤr Verraͤtherey und Uberlauffen gehalten wird. Ja/ weilen Mauren und Stadt-Thore gleichsam S s s s 3 ge- VI. Buch/ Cap. I. geheiligte Dinge sind/ als wird billich deren Gewaltthaͤtern Hals- Straffe aufferlegt; So moͤgen auch/ ohne des Commandeurs Ver- bewust und sonderlichem Erlaubniß-Befehl/ auff dem Wall oder Ve- stungs-Posten keine fremde Leute geduldet werden. C. omnium, C. Excommunieatorum \& C. miles, Extr. de armat. secul. milit. L. 2. C. quando liceat unicuique. L. 3. §. 1. 7. \& 18. \& L. fin. ff. de re milit. L. si quis, C. de mandat. Princ. L. 2. ff. ad L. Jul. Majest. L. sanctum, L. sacra, L. fin. de rer. divis. Weglaͤuffer Straffe. §. 17. Kaͤyser Constantinus ließ allen Weglaͤuffern einen Fuß abnehmen/ solches fliehen ihnen ferner zu verwehren; also/ in fast glei- cher Verdammniß ist ein beurlaubt-verirreter Knecht/ der ohne Ursach herum schweifft/ die Zeit uͤbel zubringt/ und gar zu spaͤth zum Kriegs- Hauffen sich wieder einfindet; Ja/ wer auch solche Jrrgaͤnger und Weglaͤuffer verheelet/ ist Dieberey schuldig/ gleichwie gegen solche Verheeler 100. Guͤlden Straffe verordnet worden. Alle Deser- Uber- u. Weg- laͤuffer Ursachẽ wie bey Nach- foꝛschung wohl zu beobachten. teurs und Weglaͤuffer aber soll man darnach richten: Ob sie groß oder geringe Besoldung? Ob sie Befehlshaber oder Gemeine? Ob sie sich zuvor wohl gehalten? Ob sie alleine ausgerissen? oder mehr mit sich verfuͤhret? Ob sie junge oder neu angehende Soldaten/ die noch nicht lange gedienet? also das erste mahl ihnen wohl zu verzei- hen/ zum andern mahl nach Kriegs-Gebrauch zu bestraffen. Jtem zu beachten/ wie die Soldaten von ihren Officiers gehalten? und zwar in Friedens-Zeiten ist es nicht so hart als im Kriege zu straffen/ vom Faͤhnlein sich zu absenti ren. Sonsten ist das Ausreissen bey Lebens- Verlust verboten/ jedoch Verbrechen Ursach/ Gemuͤths und Person Beschaffenheit wohl zu beobachten: Ob Deserteur durch Gage Mangel/ aus Hunger/ Nackte und Bloͤße verursachet? Ob er zu die- nen gezwungen? Ob er versprochenes Werbe-Geld/ Quartier/ Charge oder Mondierung nicht bekommen? Ob es aus betruͤglichem Vorsatz oder anderm Zufall geschehen? Ob es ein Officier oder neu- geworbener unerfahrner Soldat? Ob er es offter- und mehrmahlen gethan? Ob er Gewehr und Mondierung mit sich genommen? Ob er zum Feinde oder sonst wohin gelauffen? Ob er zuvorn im Wandel gehorsam/ dienst-fleißig und wohl gelebt? Ob er von selbsten wieder- kommen oder nicht? L. 1. C. de serv. fugit. L. 1. §. fin. L. 4. cum seqq. L. 17. §. Erronem, ff. de ædilit. E- dict. L. 1. in princ. ff. de fugit. L. 3. 4. 5. ad L. flav de plag. L. quicunque \& tot. tit. C. de serv. fugitiv. Tit. ff. de re milit. L. 12. C. de Desertor. \& eo- rum Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. rum occultator. L. 5. in princ. \& § 1 ff. de re milit. L. 9. ff. eod. L. 1. C. de Scriptor. §. 18. Wer beym Uberlauffen zum Feinde erwischt wird/ soll Brand-Mahl Nas- und Oh- ren Abschnei- dung Straff Recht. am Leben gestrafft werden/ dahero man mit gutem Gewissen wohl ei- nem solchen Menschen Nasen und Ohren abschneiden/ oder ein Brandmahl im Gesicht brennen lassen kan; maßen die Straffe durch Ausstech- oder Reissung des Auges/ so wohl in goͤtt- als buͤrgerlichen Rechten gut geheissen und zugelassen/ und wird dadurch Gottes Eben- bild nicht geschaͤndet/ wornach der Mensch geschaffen/ als welches nach inwendigen Seelen-Beschaffenheiten/ nicht aber nach aͤusserlicher Lei- bes-Gestalt zu verstehen; jedoch ist besser eine andere eben so scharffe Straffe zu gebrauchen. Jn Franckreich wird denen Ober-Gerichts- Raͤthen/ wenn sie Geschenck genommen/ oder Geistlichen/ die mit Koͤ- nigs Jnsiegel irgend Falschheit begangen/ eine Lilien-Blume fuͤr die Stirn gebrandt; Jtem allda/ wie auch in Spanien und Engelland/ strafft man also hart und schwehr die Wildpraͤts-Diebe. Exod. 21, 26. L. 1. §. fin. ff. de fugitiv. L 67. §. 1. in fine, ff. de Usufr. Genes. I. L. 17. C. de pœn. Nov. just. 5. in princ. C. 3. de Crim. fals. L. 152. vers. in facie. ff. de V. S. §. 19. Wer auch sonst am ersten die Flucht nimmt/ und zwarn Fluͤchtigen Straffe wegen Fahne Veꝛthaͤ- digungs-Ver- saͤumniß. ehe die Seiten-Gewehr nicht mehr zu gebrauchen/ soll Ehr-loß seyn/ auch wohl zu Zeiten boͤsen Exempels halben/ gar am Leben gestraffet werden/ und hat ein Wacht-Hauptmann oder anderer Kriegs-Offi- cier die freye Macht/ einen solchen fluͤchtigen Ubelthaͤter/ so fern er auff der That ertappet/ wegen der Person geringen Standes/ nach strengem Recht alsbald mit Lebens-Straffe zu belegen/ maßen Fahne Verthaͤ- digungs Versaͤumniß/ so am Leben billich zu straffen/ alle Officiers und Gemeine angehet; und wer sein Faͤhnlein nicht beschirmet/ sei- Fahne Beschiꝛ- mungs-Recht. nen Obristen/ Hauptmann und andere Officiers verlaͤst/ also nur ein Wuͤterich in Worten/ ohne Thaten/ der das Hertz auff der Zungen fuͤhret/ mit lahm- und faulen Haͤnden begabet/ ist nicht werth eines Soldaten Nahmen zu tragen/ sondern wird billich am Leben gestrafft/ oder sonst unehrlich gemacht/ um keinen Herrn weiter zu betruͤgen. Sonsten war vor Zeiten der Roͤmer Fahnen Unterscheid/ den Farben gemaͤß/ also anzudeuten: Unschuld- und Friedens-Fahne weiß/ Krieg- Siegs- und Blut-Fahne roth/ Hoffnung gruͤne/ Verbuͤndniß Him̃el- blau/ Purpurfarbene aber Stillstand. L. pen. ff. de condit. caus. dat. L. 3. §. fin. L. 4. §. 8. \& 9. L. 6. §. 3. ff. de milit. L. 6. §. 8. \& 9. ff. eod. §. 19. VI. Buch/ Cap. I. Soldaten Selbst-Mord Vorhaben Straffe. §. 20. Jm Fall auch sich etwa ein Soldat/ der unverzagten Muths Bestaͤndigkeit mehr als andere Leute erweisen soll/ selbsten toͤdten will/ und an Verbrechens Vollbringung gehindert wird/ muß er jedoch haͤrter gestrafft seyn/ weilen es in solcher Person Ansehung ei- ne groͤssere Ubelthat/ wann einer mit seinem Beyspiel andere zur Ver- zweiffelung/ Todesfurcht und Verzagtheit verfuͤhret; Ja/ wann ein solcher Soldat auff Schildwacht mit Degen/ Rohr oder ander Ge- wehr/ sich selbst ermorden will/ und daran verhindert wird/ so mag er nach Vorhabens Umstaͤnden/ auch Zeit Beschaffenheit/ im Felde fuͤrm Feinde/ aus Verzweiffelung oder Leichtfertigkeit/ Unverstand/ Melan- choley/ Unsinnigkeit und Teuffels Betrug/ an Leib und Leben oder ge- linder gestraffet werden. L. 38. §. 12. ff. de pœn. L. 6. §. 7. ff. de re milit. Aller Amts- Bedienten Pflicht/ wegen Deserteurs. §. 21. Sonst sollen/ vorberuͤhrtes Uber- und Weglauffen zu hemmen/ alle Civil- und Criminal-Bediente an Graͤntzen und Pas- sagen/ Zoͤllnern bey Bruͤcken und Hafen/ ihres Orts allen Ausreissern auffpassen/ sie Hand-fest machen/ und gehoͤriger maßen uͤberlieffern/ unter Amts-Entsetzung und Guͤter-Confiscation Straffe/ dritten Theil Werths dem Anbringer. So soll auch kein Einwohner ei- nem Deserteur forthelffen/ bey hoher Geld-Straffe/ wofuͤr dem Rath und Gerichts-Herrn/ auch Schoͤppen und gemeinen Wesens Verwal- tere/ Bezahlung wegen stehen sollen/ ihres Schadens aber bey Delin- quenten sich erhohlen. Feldfluͤchtigen Soldaten Straffe. §. 22. Was ferner verzagten Fluͤchtigen Straffe anlangt/ ist uͤblichen Rechtens: Wann gantze Regimenter/ Esquadronen und Trouppen dem Feinde den Ruͤcken zukehren/ so werden die Officiers fuͤr meineydige Schelmen erklaͤret/ ihre Estandarten und Faͤhnlein zerrissen und zuschmettert/ daß solchen Regiments Gedaͤchtniß bey der Milice ausgerottet/ und die Ober-Officiers theils mit dem Schwerdt/ Unter-Officiers und Gemeinde der zehende/ nach dem Wuͤrffel-Loß/ im Felde und auff Land-Strassen an Baͤume gehenckt/ theils dahero ihren Degen durch den Scharffrichter zerbrochen; die Regiment- Stabs-Officiers aber/ bessern Nachforschung halben/ zum Urtheil verwahret. Alle uͤbrige gemeine Soldaten sollen ausser dem Lager/ dasselbe zu reinigen/ liegen bleiben/ biß sie durch anderwaͤrtige tapffere Thaten sich wieder nahmhafft bekandt gemacht/ und vorigen Schand- flecken auszuwischen ehrlichen Fleiß angewandt haben. §. 23. Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. §. 23. Zusammenrottirung ist auch eines von den groͤsten La- Rottir- u. Auf- ruhr-Versam̃- luugs Verbot. stern/ deren Redelsfuͤhrer vor andern am Leben zu bestraffen/ wie auch die jenigen ohn alle Gnade/ so fuͤr solche Missethaͤter bitten; insge- mein wird die Ubelthat mit dem Schwerdt gestrafft/ deren Thaͤter Guͤter confisciret/ heutiges Tages werden sie wohl gar geviertheilt oder gehenckt/ ja Meuterey ist offtmahln so schaͤdlich/ daß sie alsbald ohne Verzug zu straffen/ jedoch soll man forschen/ woher sie entstanden/ wann etwan Officiers daran schuldig/ soll die Straffe gegen Solda- ten gelindert werden/ derowegen im Kriege nichts schaͤdlicher als Muͤs- siggang. So soll man auch bey Entstehung einer Meuterey unter- scheiden: Ob es nur ein Geschrey/ Murmeln und Klagen uͤber Provi- ant/ Geld/ grossen Marsch/ und dergleichen/ oder auch schwehren Tu- mults Auffruhr sey. Ja/ wer in Schlaͤgerey und Gezaͤnck/ oder son- sten seine Nation oder Landesleute um Huͤlffe rufft/ dadurch Zusam̃en- rottirung verursacht wuͤrde/ soll gehenckt werden. L. 5. in princ. C. ad L. Jul Majest. L. 1. §. 1. L. 5. §. 2. ff. eod. L. 30. §. 2. ff. de pœn. L. 3. §. 4. ff. ad L. Corn. de Sicar. L. 3. §. 19. \& 20. L. ult. in fine, ff. de re milit. Tot. tit. C. de Sedit. L. 6. §. 9. C. de in just. rupt. irrit. L. 16. ff. de appellat. L. 11. C. de re milit. §. 24. Ein Officier oder Soldat/ der seinen Ober-Comman- Ober-Com̃an- deurs Respect. deur boßhafft und versetzlicher Weise an Ehren angreifft/ hat das Le- ben verwuͤrckt; wer aber also freventlich handelt/ daß er sich gar mit Handthat an ihn macht und vergreiffet/ derselbe hat seine Hand/ als Ungehorsams und Widersetzlichkeit Werckzeug/ verbrochen/ und samt dem Leben verlohren. Wer auch sonst mit Wort oder Wercken/ es sey dann mit Recht/ alten Haß auffruͤhret und raͤchet/ dadurch Tumult zu erwecken/ soll an Leib und Leben gestrafft werden. Ja/ Aergerniß Weiber und Kinder Schutz-Frey- heit. zu vermeiden/ soll auch niemand alten Weibsbildern/ Witwen/ Frau- en und Kindern Uberlast thun/ noch ihnen mit Schlagen und Stossen/ Draͤuen oder unehrbarem Betasten Schmach anlegen/ bey der ohne Rest und Paß/ oder Geld- und Abschieds-Verlust und Verjagungs Straffe. Also soll auch niemand bey Nacht und besetzter Wacht auf freyer Strasse tumultuiren/ oder in die Steine hauen/ bey Straffe des Gassenlauffens. L. 6. §. 2. ff. de re milit. §. 25. Wer seine Wacht oder andern ihm aufferlegten Dienst Wacht Verse- hen Straffe. versaͤumt/ soll des Todes sterben/ und wird solches mit Weglauffen verglichen/ weilen die Wacht des Lagers/ Stadt/ Vestung/ Meer- T t t t Ha- VI. Buch/ Cap. I. Hafen und andern Orts Leben ist/ daran ihre Wohlfahrt gelegen; wer nun ohne Erlaubniß von der Wacht gehet/ soll am Leben gestrafft werden/ maßen Soldaten an dem Ort/ dahin sie beschieden/ bleiben und davon nicht abweichen sollen/ weilen sich offt unvermuthlich solche Faͤl- le zutragen koͤnnen/ daß man ihrer bedarff/ dahero zu wissen noͤthig/ wo sie zu finden/ und darum vor Zeiten denen Beurlaubten ihre volle Be- zahlung gefolget. Wer nun die Schild-Wacht unabgeloͤst verlaͤst/ wird in Feindes Zeit am Leben gestrafft/ jedoch soll man zum ersten mahl denen neuen Soldaten ihre Kriegs-Fehler etwas uͤbersehen. Schild-Wacht Verlassung o- der Schlaff- Straffe. Und wer auff der Schild-Wacht schlaͤfft/ soll arquebusirt werden/ wann es aber nicht aus Achtloß- und Faulheit/ sondern gehabt- und zustossender Kranckheit/ oder daß er uͤber gewoͤhnliche Zeit stehen muͤs- sen/ geschehen/ oder Zeit und Ort nicht gefaͤhrlich/ soll man nicht zu ge- schwinde mit Menschen-Bluts Vergiessung verfahren. L. 3. §. 15. ff. de re milit. L. Desertor. §. 6. \& L. 10 in princ. ff. eod. L. 12. \& fin. ff. de cust. \& Exhib. reor. L. 11. \& 12. C. de re milit. L. 13. in fine, C. eod. L. 12. L. offic. §. 1. ff. eod. L. 16. C. de erog. milit. annon. L. 3. §. 3. \& 9. ff. de re mil. L. 6. §. 2. ff. eod. tit. Falschẽ Krank- heit Anmas- sung Straffe. §. 26. Wer sich einer Kranckheit annimmt/ daß es seinen Of- ficiers unbekandt/ ist in Feindes Zeiten mit Tode zu straffen/ weilen keiner ohne Vorwissen und Bewilligung des commandirenden Offi- ciers fuͤr einen andern die Wacht versehen soll. Wer auch bey der Wacht und sonst die Losung vergessen/ soll nach Erkaͤntniß an Ehr/ Leib und Leben gestrafft werden; es muͤssen aber alle insgesamt/ so lange/ biß der letzte Sergeant in der Versammlung die Losung wieder gegeben/ blossen Hauptes stehen; wer aber dem Feinde die Losung of- Trunckenheit Straffe. fenbahret/ oder sonst Merckzeichen giebt/ und Verrath erweiset/ hat sein Leben verwuͤrcket. Wer auch truncken auff die Wacht kommt/ oder also daselbst befunden wird/ es sey Officier oder Gemeiner/ soll mit Ge- faͤngniß in Eysen/ auch auff Wasser und Brodt gespeiset/ und wofern er in Voͤllerey beharret/ mit Gassen-Lauffen/ auff der Parade/ ge- schicht es aber der Vestung oder Posten zu Schaden/ unnachlaͤßig ar- quebusirt werden. Ja/ wer Voͤllerey und Trunckenheit halben Fein- des-Noth versaͤumet/ soll auch das Leben verwuͤrcket haben/ weilen Straffe und Vergeltung in rechter Zeit alle Staͤnde halten in guter Sicherheit. L. 6. §. 5. ff. de re milit. Schild-Wacht Freyheit. §. 27. Wer einer Schild-Wacht nicht antworten will/ oder selbige zu etwas ungeziemendes zu zwingen versuchet/ daß sie ihre Schal- Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. Schuldigkeit thut/ und einen solchen uͤbern Hauffen schiest oder sticht/ ist solche That unstraffbar; So soll auch niemand denen Wacht-pas- Wacht-paßi- renden Schutz- Recht. sirenden Leuten von Rechts wegen Holtz oder etwas anders/ vielweni- ger Trinckgeld abzwingen oder fordern/ bey Ehr-Leib- und Guts Ver- lust/ auch Standes-Erniedrigung Straffe/ nach Kriegs-Gerichts Er- kaͤntniß und Ermessen; wie dann dißfalls und sonsten/ so wohl vor Einwohner Klage Vor- Recht. als nach der Trouppen Abzug/ alle Beschwerungs-Klagen verhoͤret und gehoͤrig bestrafft werden sollen/ ob etwan die Einwohner in Ge- genwart derer Kriegs-Bedienten solche fuͤrzubringen sich scheuen moͤchten. §. 28. Wann nach erhaltenem Sieg zu pluͤndern nicht vergoͤn- Beuthe und Pluͤnderungs Recht. net/ sollen geschwohrne Beuthmeister verordnet werden; so muß auch kein Officier denen Soldaten ihre Beuthe abnehmen; vom Vieh oder gespaltenem Fuß gehoͤret die Helffte dem Kriegs-Heer-Regenten/ der Rest aber dem Kriegs-Volck; wann aber ein Soldat mit Ober- Commandeurs Befehl und Erlaubniß Pferde/ Vieh und andere Sa- chen/ zur Armee Verpflegung und Unterhalt/ deßgleichen verbotene contre bande Waaren rauben und wegnehmen mag/ ist solches ein be- gebend unstraͤflicher Fall. Wann nun jemand ein Hauß/ so ihm zur Beute oder Quartier angewiesen/ pluͤndert/ und hernach ein ander dar- innen einen verkrochenen Gefangenen findet/ soll er dennoch dem ersten/ wofern er aber insgemein gepluͤndert hat/ dem andern zugehoͤren/ mas- sen niemand etwas im Gemuͤth zum Besitz erlangen kan/ das er weder gesehen noch ergriffen/ so kan auch einen unbekandten verborgenen Schatz keiner sich zueignen; dahero billich kein Soldat einen Fremden mit sich ins Quartier nehmen mag/ und sollen die Officiers allen Uber- last im Marsch und Quartier verantworten. Ferner gehoͤret auch Reuter-Zeh- rung A n forde- derungs Ver- dot. zu Rauberey/ Freybeuthen oder Beuth-machen und Buschklopperey/ jemanden eine Reuter-Zehrung abzwingen/ fuͤr einen neuen einen alten Mantel/ oder fuͤr ein lahmes Pferd ein schoͤnes vertauschen wollen/ man gebe es wieder oder nicht/ sollen Verbrecher und Mit-Helffer mit dem Schwerdt getoͤdtet/ und andern zum Abscheu auf Galgen und Rad geflochten werden. L. 1. §. 1. ff. de acquir. possess. L. Neratius, L quemadmodum, ff. eod. §. 29. Deßgleichen/ um viele Beschwerden auff Marschen und Soldaten Hey- raths-Recht u. Huren Verloͤb- niß-Verbot. Zuͤgen/ so wohl als im Quartier/ Lager und Guarnison zu meiden/ sol- len die wenigsten Soldaten/ keiner aber ohne des Obristen oder Obrist- Lieutenants Consens/ sich guͤltiger maßen beheyrathen; allwo nun T t t t 2 Hey- VI. Buch/ Cap. I. Heyrathen von Hauptleuten rechtmaͤßig zugelassen/ sollen dennoch alle Beschenck- und Verehrungen/ denen Officiers an silbernen Bechern oder Loͤffeln zu geben/ gaͤntzlich abgeschaffet seyn; Verloͤbniß aber mit Huren soll man absonderlich Soldaten nicht leicht gestatten/ viel- mehr den Kerl so lang in Eysen setzen/ biß er zu andern Gedancken kommt/ wo nicht/ mag man ihn gar ohne Abschied hinweg jagen. Mordbrand Straffe. §. 30. Ein jeder Officier oder Soldat/ so muthwillig im Marsch oder sonsten Stadt- oder Land-Gebaͤu/ ohne Generalitaͤts Befehl/ an- zuͤnden laͤst oder selbsten thut/ soll den Schaden moͤglichst ersetzen/ und Feuer u. Lichts Verwaꝛlosung Straffe. lebendig wie Mordbrenner verbrandt werden. Dannenhero auch kein einquartierter Soldat mag mit Licht/ Lunten oder gluͤenden To- backs-Pfeiffen in Haͤuser und Staͤllen nach Belieben umgehen/ son- dern sich behutsam und gebuͤhrlich verhalten mit Feuer und Licht/ auch Leuchten gebrauchen/ oder ein jeder Wirth soll es der Obrigkeit an- zeigen. L. data opera, C. de his qui accus. non poss. C. si quis domum, Ext. de injur. \& damn. dat. Soldaten Ge- wehrs Obacht und Auffsicht. §. 31. Niemand soll/ bey Besoldung Geringerung und Ver- lust/ sein Gewehr mit Holtz-hauen und dergleichen verderben/ schwaͤ- chen/ mindern/ versetzen/ einem andern uͤbergeben noch verkauffen oder verspielen/ maßen ein solcher/ der sein Gewehr so gering achtet/ daß ihm das Spielen mehr angelegen/ keinen guten Soldaten abgeben kan; da man jedoch auch durch schoͤn und blinckend Gewehr den Feind im ersten Anblick offt mehr/ als durch schwartz- und rostigen Zeug/ erschre- cken kan/ darum ein Soldat solches allezeit rein und sauber halten muß/ damit es zum Gebrauch desto tuͤchtiger seyn/ und er auff Fertig- keit dessen sich getrost verlassen moͤge. So soll nun ein Officier fuͤr nichts mehr Sorge tragen/ als fuͤr das Gewehr/ weilen man wohl Pro- viant auch in Feindes Landen bekommen/ ohne Waffen aber nichts ausrichten kan. L. 14. §. 1. ff. de re. milit. L. 3. §. 13. ff. eod. L. 2. in fine, ff. de Captiv. \& postlim. Revers. Soldaten Ge- wehrs Pfand Verbot. §. 32. Marquetenter und andere Wirthe/ oder sonst niemand/ soll deren Soldaten Gewehr zu Pfande annehmen/ sintemahln Waf- fen derer Soldaten Glieder sind; deßgleichen soll niemand seinem Mit- Gesellen Proviant oder Gewehr hinweg nehmen/ dann solche boßhaff- te Diebe/ die ihren Cammeraden Victualien oder Waffen stehlen und entwenden/ sind allezeit Auffhenckens werth. Damit auch Officiers und Vom erfahrnen Land-Kriegs-mann. und gemeine Soldaten/ so wenig als sichs thun laͤst/ bey der Kleidung mit Unkosten beschweret werden/ so sollen die Obristen bey ihren Regi- mentern allen unnoͤthigen Pracht und Zierrath vermeiden/ weniger auch derenthalben denselben von ihrem Sold/ ohne das/ so dazu abzu- ziehen erlaubet/ abkuͤrtzen lassen; Und also sollen auch die Obristen de- nen Hauptleuten mit Erhalt- und Bezahlung einiger Schallmey- Pfeiffer uͤberlaͤstig zu fallen nicht befugt seyn/ es geschehe dann mit al- ler Hauptleute gesamter Genehmhalt- und Bewilligung. Gloss. in. L. nepos, ff. de V. S. L. 1. C. qui bon. Vend. poss. L. 5. §. 14. ff. de re milit. §. 33. Alle/ die sich gutwillig ohne Nothzwang/ da sie nicht ge- Kriegs Schutz- Freyheit Ver- lust Recht. fangen hinweg gefuͤhret/ dem Feinde uͤberwunden ergeben/ haben ihre Kriegs-Schutz-Freyheit beym vorigen Herrn verlohren/ und mag man im Zweiffel ihres vorhin gefuͤhrten Leben und Wandels sich er- kundigen/ der Warheit zu glauben: Ob sie nemlich fuͤr Kriegs-Ge- fangene oder gar fuͤr Uberlaͤuffer zu erachten. Ja/ wer gefangen wor- den/ und nicht wieder zu seiner Fahne begehret/ da er frey werden kan/ ist einem Uberlaͤuffer gleich zu achten/ der zum Feinde uͤberlaͤufft/ oder im Uberlauffen gefangen wird/ solche werden nicht als Soldaten/ son- dern als Feinde gehalten/ denen als Verraͤthern das Leben zu lassen unbillich ist/ weilen sie es vielen zu nehmen sich unterstehen/ darum man solche Gesellen allenthalben/ wo sie anzutreffen/ todtschlagen mag. L. non omnis, §. à Barbaris, ff. de re milit. L. 17. de capt. \& postlim. L. 3. §. 10. \& seq. L. 7. L. non omnes, §. 5. ff. de re milit. L. 19. §. 4. ff. de capt. \& post- lim. revers. Nov. 67. in fine. L. 3. §. ult. ff. ad L. Corn. de Sicar. §. 34. Vergeltungs-Recht hat statt gegen den/ der Glauben Kꝛiegs-Gefan- genen Recht. bricht/ als wann Soldaten auff Cavaliers Parole sich ergeben/ moͤ- gen sie ohne Schand-That nicht getoͤdtet werden; ein anders aber ist/ sich auff Discretion ergeben. Wann auch Gefangene auff Verspre- chen/ daß man andere dagegen loß lassen wolle/ oder gegen ein gewiß Loͤ- se-Geld/ nach Uberwinders Willkuͤhr/ oder Cartel-maͤßig zu erloͤsen bedungen/ soll man den gemachten Vergleich unverbruͤchlich halten/ und werden sie nach ihren Bedienungen/ nicht aber nach Adelichen Wuͤrden/ alsdann geschaͤtzt. Wer sonst gegen jemand zu dienen ver- schwohren/ und meineydig oder treubruͤchig ertappet/ dessen Leben stehet in Gefahr/ ob schon er betruͤglich gehandelt/ weder zu Fuß noch zu Pferde/ sondern auff einer Saͤnffte sich tragen und gebrauchen las- T t t t 3 sen/ VI. Buch/ Cap. I. sen/ weilen der Eyd nicht nach seinem Wahn/ sondern gegen GOTT gebrochen/ zu verstehen. Wann nun ein Gefangener die Treue ge- schwaͤchet/ dreymahl oͤffentlich geladen nicht erscheinet/ wird er Ehr loß erklaͤret/ und sein Nahme bißweilen offenbar an den Galgen ge- schlagen. L. 3. ff. de jurejur. Kꝛiegs-Gefan- genen Rantzi- on und Loͤse- Gelds Recht. §. 35. Rançon der Gefangenen soll mit Wissen und Willen des Generals geschehen/ bey Leib- und Lebens-Straffe; wann sich nun zutraͤgt/ daß man nach solchem Vergleich erfaͤhret/ daß einer wegen Standes Wuͤrden wohl mehr geben koͤnne/ so mag dennoch darum der Contract nicht fuͤglich umgestossen werden/ es sey denn Betrugs Ursache und Arglist-Gefaͤhrde darbey vorgangen und zwischen kom- men/ und sollen die vom Feinde erkaufft- und rantzionirte Knechte/ nach bezahltem Kauff-Gelde/ ihrem Herrn wieder zugestellt werden; Hernach sind die freyen Leute ihrem Erloͤser so lange verpfaͤndet/ biß sie das Loͤse-Geld bezahlen/ und wenn sie das nicht vermoͤgen/ sollen sie durch 5-jaͤhrige Dienste ihre Freyheit wieder gewinnen/ wofern nicht jemand solche Rantzion fuͤr einen gutwillig bey Adelichen Ehren ver- heissen/ oder es waͤren auch solche Kosten Geschencks-weise ange- wandt. L. \& eleganter, §. non solum ff. de dol. L. 12. §. si quis ff. \& L. 17. L. fin. C. de ca- ptiv. \& postlim. Vestungs Bau Recht. §. 36. Einem jeden ist zu seiner Verthaͤdigung erlaubt/ seinen Grund mit Wall- und Mauren Umgang zu umgeben/ auch Vestun- gen zu erbauen/ jedoch nicht auff Graͤntz-scheidungen/ aus ehrgeitzigen Eyffersucht/ einem andern zu Nachtheil. Sonst aber andere Kriegs- List und Raͤncke/ des Feindes hinterlistige Kuͤnste abzutreiben/ das Seinige zu beschuͤtzen und Schaden zu vermeiden/ wie auch einen an- dern vom Boͤsen abzuhalten/ und dessen Heyl zu befoͤrdern/ welche dem jenigen/ der betrogen scheinet/ Nutzen verschaffen/ oder auch dem Feinde Abbruch zu thun/ sind in Rechten zugelassen; jedoch soll man dahin sehen/ daß dergestalt die einmahl gegebene Treue nicht gebro- chen/ noch Kriegs-Gerechtigkeiten verschwaͤchet werden. L. per provincias, C. de ædif. priv. L. quicunque, C. de fund. Jnjurien und Gewalt-That Straffe unter Kriegsbedien- ten. §. 37. Alle Jnjurien mit Gebaͤrden oder Schimpff-Worten sollen durch schrifft- oder muͤndliche Abbitte/ auch wohl bey voͤlligem Gerichte der Jnjuriante sich auffs Maul schlagen muß/ nach deren Um- staͤnde Beschaffenheit/ mit Charge-Entsetzunge/ Geld-Buße/ Gefaͤng- niß/ Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. niß/ Landes-Verweisung/ oder Degens-Verbietung/ gestrafft wer- den. Wer nun einen andern unmittelbar unversehener weise/ mit ei- genem Vortheil uͤberfaͤllt und schlaͤgt/ soll gleichwie ein Gewalt-thaͤti- ger Freveler/ wann er den Beleidigten von fern angegriffen/ zu viel- jaͤhrigem Gefaͤngniß verdammt werden; wofern aber von einem oder mehr mit Stock von hinten der Anfall geschehen/ soll er nicht nur viele Jahr gefangen sitzen/ und dem Beleidigten vorhero kniend Abbitte thun/ sondern auch dergleichen Schlaͤge gewaͤrtig seyn/ und ihm dan- cken/ daß er sie ihm nicht wieder geben wollen/ ja sich schrifftlich erklaͤren/ daß er mit solcher Satisfaction/ falls er in seiner Stelle waͤre/ zu frie- den seyn wolte/ wie auch nicht loß kommen/ biß er um Vergeß- und Ver- zeihung gebeten. §. 38. Wer aber jemand mit Hand oder Pruͤgel draͤuet/ soll Thaͤtlichen Jn- jurien Straffe. Jahres-Frist gefangen sitzen/ hernach Abbitte thun und Geld-Buße erlegen. Bey thaͤtlichen Jnjurien/ als: Handschlaͤgen/ Ohrfeigen/ nach dem Kopff werffen/ ist zu unterscheiden: Ob es in Streits hitzigem Zorn-Eyffer/ auf Luͤgen-heissen/ oder sonst einigen Anlaß geschehen; so soll Jnjuriant/ nachdem es aus oder ohn Ursach geschehen/ etliche Jahr gefangen sitzen/ welche alsdann bestimmte Zeit/ ohne zulaͤßige Geld-Buße/ mit des Beleidigten Vorbitte/ nicht kan verringert wer- den/ und soll nach Richters Erkaͤntniß der Beleidiger vor Gefaͤngniß zu gleicher Jnjurien- oder Schlaͤge-Empfahung sich anerbieten/ auch schrifft- und muͤndlich sich erklaͤren/ daß er unverstaͤndig gehandelt/ mit Bitte es zu vergeben und vergessen; so fern es aber wuͤrcklich zu Peitsch oder Stock-Schlaͤgen auf stehendem Fuß kaͤme/ soll er desto laͤnger ge- fangen sitzen. Ja/ wer einen mit wuͤrcklichen Hand- oder andern Schlaͤgen beleidiget/ soll mit Gefaͤngniß- oder Geld-Straffe/ zum nech- sten Hospital/ ehe denn er loßzulassen/ zu bezahlen beleget werden/ auch mag man zuweilen den Beleidigten dahin halten/ daß er dem Beleidi- ger eben also begegne/ wann ers gleich nicht thun wolte/ so fern nem- lich Umstaͤnde so groß/ daß sie verdienet/ ihn zu dieser Extremitaͤt an- zutreiben. §. 39. Kein Unterer soll seinen Obern oder Befehlshaber aus- Duellanten Straffe. fordern/ bey vieljaͤhrigen Gefaͤngniß-Straffe/ Dienst und Soldes so lange beraubet/ so zum Hospital hinfaͤllt/ auch jaͤhrlichen Einkuͤnffte Geld- VI. Buch/ Cap. I. Geld-Buße/ und wer dieses Lasters schuldig/ soll mit Beschimpffung abgedanckt werden/ auch wer ihm hernach sich/ an seinem Nachfolger zu raͤchen/ selbsten oder durch andere mit Rencontre oder sonst dienen moͤchte/ soll samt dem Caßirten mehr Jahre gefangen sitzen/ und deren Einkuͤnffte Geld-Straffe bezahlen. Eben also werden gestrafft/ die da zum Ausfordern Seconden gebrauchen/ ob schon keine Schlaͤgerey erfolget. Darum/ wer einen andern zum schlagen ausfodert/ oder auch ausserhalb Landes in einer Province angefangene Haͤndel auszu- fechten gemeynet/ soll Lebens-Straffe nicht vermeiden. Wer aber jemand/ Zweykampf zu erwecken/ mit Hand/ Faust oder Stock schlaͤgt/ soll seiner Charge/ als dazu untuͤchtig/ verlustig erkannt/ nach Sachen Erfordern gesangen sitzen/ hernach ihm also vom Scharffrichter ge- drohet/ oder auff eine Zeitlang oder immer und ewig verjaget werden. Ja/ Stockschlaͤge und Pruͤgeln der gemeinen Soldaten zur Straffe/ auch zwischen Piquen/ mag man billich verbieten. Soldaten Ei- genthums und Lehn-Besitz- Recht. §. 40. Soldaten Eigenthum betreffend/ ist solches zu nennen/ das ihnen von Eltern/ Verwandten oder Ehe-Weibe/ waͤhrenden Kriegs-Standes geschencket/ oder was ein Sohn selbst im Kriege ver- dienet/ das er sonst ausserhalb nicht erworben haͤtte/ als wann er Kriegswesens halben zum Erben eingesetzet/ solchen Eigenthums Frey- heit ist/ daß es zum Vater nicht kommen mag/ wie andere Guͤter/ in vaͤ- terlichen Gewalts Ansehen/ sondern es kan der Sohn damit seines Ge- fallens schalten und walten/ unter Lebendigen oder Testaments-wei- se zu vermachen; ja/ ohne Testament ist der Vater kein Erbe dazu. Alexander Severus hat vor Zeiten den Gebrauch eingefuͤhret/ denen Soldaten etliche liegende Grund-Guͤter zum Lehn-Besitz zu unterge- ben/ fuͤr ihre Treu und Gehorsam zu geniessen/ damit sie durch solche Wolthat das gemeine Wesen zu vertheidigen/ desto mehr verbunden/ Soldaten Be- stallung Recht. und zur Tapfferkeit angereget wuͤrden. Und ob schon man nun nicht allezeit in wuͤrcklicher Kriegs-Arbeit begriffen/ noch jaͤhrige Bestallung gemahnet/ dargereicht und abgefordert/ dennoch aber nicht auffgekuͤn- diget worden/ und/ nach deren Kriegs-Ordnung Jnhalt/ jederzeit zu die- nen bereit gewesen/ so sollen billich alle hinterstellige Sold-Gelder/ von Zeit des Verzugs/ richtig erleget werden; sonderlich aber/ wo Krie- gesleute ihre Dienste zum Ende gebracht/ und gaͤntzlich ausgefuͤhret ha- ben/ sollen sie billich fuͤr andern Bedienten Vorzug behalten. L. 6. Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. L. 6. 11. \& 13. ff. de re milit. Tot. tit. inst. per quas personas L. fin. de inoffic. testam. L. 2. ad SCt. Macedon. §. si igitur, in auth. de hæred. ab intest. arg. L. 4. C. de petit. hær. arg. Tot. tit. C. de advoc. divers. §. 41. Wer sich nicht ohne Muthwillen bey zweyen Compagni- Falschen Mu- sterung Stra- fe. en/ seinen Herrn und Landschafft zu betruͤgen/ falsche Musterung gut zu thun bedingen laͤst/ begehet zwiefachen Soldes Dieberey/ wird auch mit Spitzruthen/ zuletzt nach wiederhohleter That am Leben gestrafft; die Haupt-Leute aber/ so die Soldaten im Beutel verber- gen/ sind dasselbe vierfach zu erstatten schuldig/ und werden ihres Amts entsetzt. So soll nun niemand bey der Musterung mit falschem Nahmen sich einschreiben lassen/ ein jeder aber wird von der Zeit an/ da er in die Muster- und Zahl-Rolle eingefuͤhret und seinen Eyd gethan/ Officier und Gemeinen Strafe wegen falschen Mu- sterung. fuͤr einen Soldaten genannt und erachtet; sonsten soll billig bey der Musterung kein Unterschleiff oder Betrug geschehen/ und kein Offi- cier einen Reuter oder Knecht bey jemand entleihen/ oder auff eine Zeitlang miethen/ auch solche niemand dazu uͤberlassen/ noch sich de- rogestalt bedingen und annehmen lassen/ wiedrigen Falls soll ein Ge- meiner mit Ruthen gestrichen und Landes verwiesen/ ein Officier aber als ein Meineydiger und Betruͤger verurtheilet werden. L. ult. §. 9. C. de offic. præfect. L. 13. in princ. ff. ad L. Corn. de fals. L. un. C. de mut. nom. §. 42. Die Commissari en sollen auch sich erkundigen/ ob die ge- Commissari en Pflicht mit Soldaten Leh- nung Auffsicht. meinen Soldaten/ so auff dem Lande oder sonst arbeiten/ alsdann ihre Belehnung bekommen/ und ihre Wachten denen/ die solche thun/ ver- lohnen; deßgleichen auff das Commiss- Brod/ massen diejenigen/ so das Brod zu leicht oder unsauber gemacht/ oder den Teig nicht gar Commiß Brod backen Recht. ausgebacken/ billig gar sehr zu bestraffen sind/ weilen sie ihres Nech- sten Gesundheit dadurch grossen Schaden und an Lebens-Mitteln Abbruch zufuͤgen/ ja damit der Soldat andere Victuali en fuͤr gutem Vorkauffs Verbot. Preiß haben koͤnne/ ist bey hoher Straffe zu verbieten der Vorkauff/ hinaus vor Qvartier oder Lager zu lauffen/ Proviant auffzukauffen und zum theuresten wieder auszuhoͤckern. §. 43. So soll auch ein jeder Hauptmann Achtung geben/ daß die Hauptleute Pflicht wegen Maꝛqvetenter Maaß und Gewicht Auff- sicht. Marqvetenter richtige Maaß und voͤlliges Gewicht haben/ auch die- selbige nicht so hoch treiben/ daß ihnen ein jeder monatlich 15. biß 20. und mehr Rthlr. geben muͤssen/ welche Unkosten sie hernach auff die Waaren schlagen/ dadurch die Soldaten grausam und elendig be- schweret werden. U u u u §. 44. Nach VI. Buch/ Cap. II. Annehm- und Abdanckungs Recht. §. 44. Nach GOttes Befehl selbst mag man einen jungen Ge- sellen von 20. Jahren und druͤber zum Kriege annehmen/ alsdann wann sie tuͤchtig geachtet/ um Sold zu dienen/ fuͤr das Vaterland zu streiten/ was sie gewinnen/ selber zu verwalten/ und den Eyd zu thun/ muͤssen sie auch darnach als Ubelthaͤter aller gewoͤhnlichen Straffe Lehnungs Ab- zug Recht we- gen Abschied. unterthan seyn. Wer nun Schande halben schimpfflich vom Kriegs- heer oder Regiment abgewiesen/ ist ehrloß/ wann das Urtheil vom Lan- desherrn bekraͤfftiget; gegẽ Abdanckung aber soll niemand sich auffsetzẽ/ oder etwas zu sagen haben/ bey Leibes und Ehren Verlust; wann man aber gegen Feind marchir et/ soll niemand von der Fahne abwesend seyn oder Abschied begehren moͤgen/ so soll auch ein Soldat/ der Ab- schied begehret oder bekoͤmmt/ Lehnungs Abzug nicht fordern/ sondern es wird derselbe zu Montirung dessen/ der an seine Stelle koͤmmt/ ange- wandt; wer nun vier Jahr lang gedienet/ soll bey Winter-Zeit seinem Capitain einen Monat vorher es ankuͤndigen/ wann er seinen Ab- schied begehren will/ wofern er das thut/ und es ihm vom Capitain ge- weigert/ soll er jedoch bey Vermeidung gewoͤhnlicher Straffe nicht weglauffen/ der Capitain aber mag cassir et oder sonst bestrafft werden nach Landes Gebrauch. Exod. XXX, 14. Num. I, 3. \& 26. L. 1. \& 2. ff. de infam. jur. L. 1. C. de commeatu. Soldaten Er- lassung Recht. §. 45. Erlaß- und Abdanckungen geschehen auch aus billigen Ur- sachen/ als wegen Mangel des Leibes oder Gemuͤths-Fehler/ oder auch gantz ehrlicher Weise/ da einer seine Zeit wohl ausgedienet/ und sol- chen alten Lands-Knechten pflegt jedern Orts Obrigkeit nicht unbillig einige persoͤnliche Dienst-Freyheit zu goͤnnen; mit Zoll/ Accise und Erb- guͤter Pflicht aber koͤnnen sie schwerlich verschonet werden. Wann sonsten Officiers oder Gemeine sterben/ soll ihr Geld oder bewegliche Verstorbenen Soldaten Eꝛb- guts und Gage oder Sold- Recht. Haabseligkeit/ wann sie vorhero rechtmaͤßig inventir t/ bey hohen Offi- ciers verwahret/ oder meist biethenden gerichtlich verkaufft/ und denen rechten Erben zugewandt werden; da nun ein Kriegs-Bedienter auch in Action oder sonsten todt bleibet/ haben dessen nachgelassene Erben wegen ruͤckstaͤndiger Gage Satisfaction zu fordern. L. 2. in fin. L. 4. \& 5. ff. de re milit. L. 1. \& 3. C. de Veter. L. 16. C. de Erogat. mil. L. 14. C. Eod. Caput Vom erfahrnen See-Kriegsmann. Caput II. Vom erfahrnen See-Kriegsmann. Allgemeine See-Kriegs Rechts Reguln. §. 1. A Dmiral, Vice-Admiral, Capitain-Lieutenant oder wer sonsten das Commando hat/ soll alle Morgen und Abend auff seinen Gottesdienst Pflicht zur See. Schiffen GOtt den Allmaͤchtigen um Gnade/ Segen/ Huͤlffe und Beystand anruffen lassen/ wozu sich dann ein jeder um bestimmte Zeit fertig halten soll/ bey gewisser Geld-Straffe zum ersten mahl/ hernach gedoppelt so viel/ und zum dritten mahl 8. Tage in Banden auf Was- ser und Brod zu setzen; wer sich nun unter GOttes Wort Verlesung oder beym Gebet mit Lachen/ Plaudern oder andern Muthwillen/ un- ehrbar gegen Gebuͤhr verhaͤlt/ soll fuͤr den Mastbaum gestellt und ge- peitschet werden/ uͤber das auch fuͤr die Armen und zum Profoß ver- brochen haben; So soll auch niemand den Nahmen GOttes vergeb- lich im Munde fuͤhren/ oder bey demselben unnuͤtzlich ohne rechtliche Nothdurfft schweren/ bey vorgemeldter Straffe. §. 2. Alle und jede sollen gehalten seyn/ dem Schiff- Directori Schiff- oder See-Kriegs Bedienten Ge- horsam und Profoß oder Gewaltiger Schutz. treulich zu dienen und gehorsamen/ allem nachzukommen/ was ihnen auffgetragen und anbefohlen werden mag/ auch allezeit willig und be- reit seyn/ auff allen Zuͤg- und Wachten/ Anschlaͤg und dergleichen/ wie sie auch Nahmen haben moͤgen/ nicht nachlaͤßig und verdrossen zu seyn/ vielweniger/ unter was Vorwand es seyn koͤnne/ ohne gebuͤhr- lichem Paßport aus Diensten zu scheiden/ alles ohne Gnade/ bey Lei- bes und Guͤter Straffe nach Verbrechens Beschaffenheit; So soll auch niemand sich unterstehen/ dem Gewaltiger/ seinen Dienern oder andern bestalten Profosen/ bey Verrichtung ihres Amts sich zu weh- ren oder Widerstand zu thun/ sie zu schlagen oder draͤuen/ sondern ih- nen im Nothfall auff Begehren zu Huͤlffe kommen/ die Missethaͤter zu fahen und zur Straffe zu ziehen/ bey Leibes Straffe. §. 3. Alle Lieutenants, Schiffer/ Steuer-Leute/ Officiers und Schiff- Com- mandeurs Re spect auch Di- rectoris freye- Macht. Bots-Gesellen/ sollen dem Admiral, Vice-Admiral, und ihrem auff jedern Schiff ordinir t- und angenommenen Capitain unterthaͤnig seyn/ denselben nicht verlassen noch ohne dessen Erlaubniß davon gehen; ja alle/ die sich in Dienste begeben/ sollen so lange dienen/ biß ihnen vom U u u u 2 Schiff- VI. Buch/ Cap. II. Schiff-Rath oder dessen Deputirt en/ aus Dienste zu gehen/ mit gehoͤ- rigem Abschied vergoͤnnet wird; also mag Schiff- Director, die Schif- fe seyn in See oder am Lande/ Volck abdancken/ alle oder theils von einem Schiff auffs andere stellen/ nachdem sie es noͤthig und gut finden/ deßhalben sich niemand sperren mag/ bey Sold Verlust oder nach Sachen Gestalt auch Leibes-Straffe. See-Bedientẽ Kost- und Mo- nats-Geld Recht. §. 4. Aller Capitain und Bots-Leute/ welche erst in Dienste ge- treten/ Monats und Kost-Gelder gehen an vier Tage/ ehe denn sie zu Seegel gehen/ ob sie gleich mehr Tage ans Land zu liegen kaͤmen nach der Musterung/ und Falls sie innerhalb zween Tage hernach zu See- gel giengen/ sollen sie doch vier Tage bey der Herrschafft zum besten Weglauffen und falschen Dienst anzeich nen Straffe. haben. Wer nun den Eyd abgelegt/ Handgeld empfangen/ oder sich anzeichnen lassen/ und ohne Abschied verlaufft/ soll/ wann er wieder ge- griffen/ am Leibe gestrafft und zum Schelmen gemacht werden; wer sich aber auff oder von mehr Schiffen und Capitaͤnen anzeichnen laͤst/ soll unten durchgezogen/ und als ein Schelm mit dem Booth ans Land ausgesetzt werden. Schiffs Kost und Victuali en Gerechtigkeit. §. 5. Alle/ die in Dienste genommen werden/ sollen uͤber ihren Sold mit gebuͤhrendem Mund-Kost- und Tranck von jedern Schiffs Capitain, allermassen auff Kriegs-Schiffen gebraͤuchlich/ versehen wer- den/ damit keiner Victuali en halben jemand Uberlast anthun moͤge/ bey Straffe 8. Tage geschlossen auf Wasser und Brod zu sitzen; Solte sich aber jemand an solcher Kost nicht begnuͤgen lassen moͤgen/ der soll es dem Admiral oder dessen Nachgesetzten gebuͤhrend zu verstehen ge- ben. Wer auch ohne Consens ans Land gehet/ soll/ wann er nach der Mahlzeit wieder zu Schiff kommt/ weder Speise noch Tranck zu for- Schiff-Leute Straffe/ die vom Schiff abgehen oder ausbleiben dern/ und uͤber das einen Guͤlden/ die eine Helffte vor die Armen/ die andere fuͤr den Profoß/ verbrochen haben; wer aber ohne ausdruͤckliche Erlaubniß nach besetzter Wacht zu Schiffe kommt/ soll uͤber willkuͤhr- liche Straffe 14. Tage in Eisen sitzen und wer des Abends gar nicht wieder zu Schiffe kehret/ sondern die gantze Nacht uͤber am Lande blei- bet/ soll ohne Gnade unten durchgezogen werden. Schif-Bedien ten Pflicht we- gen Amts Rechnungen. §. 6. Ein jeder soll fuͤr sein Amt und Verrichtung stehen und ant- worten/ nemlich Schiffer und Steuer-Leute fuͤr das/ was ihr Schiff angehet/ die Constabler aber fuͤr Geschuͤtz/ Kraut und Loth; Solte aber durch ihre Versaͤumniß oder Widerwillen einiger Schade ge- schehen/ Guͤter verlohren oder unnuͤtzlich verthan werden/ sollen sie selbiges gut thun und bezahlen nach Kriegs-Raths Taxt/ und soll ein je- Vom erfahrnen See-Kriegsmann. ein jeder/ dem da einigen Schiffs-Nothwendigkeiten Auffsicht und Verwahrung anvertrauet/ so bald er zu Hause kommt/ seinem Capi- Kriegs-Mate- rialien auch Kraut und Loth Gebrauch und Verwah- rungs Recht. tain gebuͤhrende Rechnung zu thun gehalten seyn von allem/ was er empfangen/ wo es geblieben und wie viel noch davon uͤbrig/ bey Stra- fe/ daß deren keiner/ ehe und bevor so thane Rechnung gelieffert/ etwas von seiner Besoldung empfangen mag/ und damit alles wohl ver- braucht werde/ soll weder Officier noch jemand anders dergleichen beruͤhren/ ohne mit des Capitains Vorwissen/ ja niemand soll sich un- terstehen/ deren Constablen/ Zimmerleute und andern Werckzeuge zu verlegen/ verwerffen oder entwenden/ auch soll sich kein Officier/ Constabler oder Boots-Gesell/ noch sonst jemand erkuͤhnen/ einig Pulver/ Kugeln und andere Kriegs-Materialien zu verbergen/ ver- kauffen oder an Land zu tragen/ es sey in Tonnen/ Hoͤrnern/ Kleidern oder sonst/ bey Vermeidung des Strangs. §. 7. Die Zimmerleute/ so sich in Kriegs-Schiff-Dienste bege- Schiffs Zim- merleute Con- stabel und Mastklimmer Pflicht. ben/ sollen gehalten seyn/ dieselben zu zimmern/ verbessern und alles daran/ so viel muͤglich/ dichte zu machen/ bey Straffe/ wann durch ihre Nachlaͤßigkeit das Schiff schadhafft/ oder am Lande etwas wuͤr- de gezimmert werden muͤssen/ das sie in See haͤtten bestellen koͤnnen/ daß solches alles an ihrem Sold abgekuͤrtzet/ und noch zur willkuͤhrlichen Straffe gezogen werden sollen/ und wann die Schiffe am Lande ge- zimmert werden muͤssen/ sollen sie nebst denen Land-Zimmer-Leuten auch mit arbeiten. Alle Constabels und Mastklimmers sollen gehalten seyn/ ihre Qvartier zu wachen und bey das Steuer zu gehen/ ins Both zu fallen/ das Seil- und Strickwerck/ die Schotten und Haͤlse Wehr zu nehmen und regieren/ bey Straffe dreymahl von der Ree zu fallen; gleichfalls/ wann der Qvartiermeister rufft: Fall/ fall/ um ins Both zu fallen/ soll der/ an dem es fehlet/ 14. Tage in Banden auff Wasser und Brod sitzen/ uͤber das noch zum Profoß verbrochen haben. §. 8. Niemand soll sich unterstehen/ nachdem die Wacht auffge- schlagen und besetzt ist/ einige frembde Sprache zu reden/ oder Feuer- Schiffs oder See-Wacht Recht und Versaͤumniß Straffe. zeichen zu gebrauchen/ noch einig Geschrey und Allarm zu machen/ es sey denn/ daß Unrecht vom Feinde vernommen werde/ bey Leibes- Straffe; so soll auch niemand nach der Zeit auffbleiben/ sondern sich alsbald nach seinem Logement verfuͤgen/ bey Straffe 4. Tage auff Wasser und Brod; So sollen auch die Qvartiermeister mit ihrem Qvartiers-Volck/ so wohl bey Tage und Nacht/ oben seyn und Wacht halten/ auch soll niemand von der Wacht zu gehen sich unternehmen/ U u u u 3 ehe VI. Buch/ Cap. II. ehe denn er abgeloͤset/ noch sich auff seiner Wacht schlaffend erfinden lassen/ alles bey Straffe dreymahl unter Kaͤhle hindurch gezogen und von allem Schiffs-Volck gepeitschet zu werden/ deßgleichen wird ge- strafft/ wer sein Qvartier oder Wacht verschlaͤfft oder gar versaͤumet. Redelsfuͤhrer Angebung/ Meuterey und Rottirung auch Brieffe wechseln Recht §. 9. Niemand soll einige Meuterey anstifften oder Rotten ma- chen/ es sey zu Lande oder Schiff/ aus was Ursachen es wolle/ bey Leib und Lebens-Straffe nach Sachen Erheischung/ und wer solche Zusammen-rottir- oder Versammlung innen/ oder mit einzustimmen angesprochen wuͤrde/ der muß es also fort dem Capitain oder Rath an- deuten. Wann auch einer von derselben Buͤndniß kommt/ sie zu entde- cken und ihre Raͤdelsfuͤhrer nahmhafft zu machen/ der soll aller Stra- fe frey/ und noch ein ehrliches zur Vergeltung zu geniessen haben; wer aber ausser Verbuͤndniß dahinter kommt/ und sie offenbaret/ soll viel ein mehrers zur Verehrung bekommen/ und zum ersten Amt/ dazu er tuͤchtig/ befoͤrdert werden; so soll sich niemand unterfangen/ Brieffe an- zunehmen/ abzugeben oder fortzusenden/ ohne in Gegenwart des Ca- pitains, der sie erst visitir en/ und denen Admiral en angeben soll/ bey Galgen Straffe Vermeidung. Schiffs Qvar- tiermeister uñ Provianthoh- lenden Boths- leute Pflicht. §. 10. Ferner sind die Schiffs-Qvartier-Meister auch schuldig herauff zu kommen/ wann das Volck gespeiset wird/ Achtung zu geben/ daß einem jedern seine Speise gebracht werde/ und nichts verlohren gehe/ sondern die uͤberschiessende Victuali en wieder zuruͤck genommen/ und in die Kellerey bestellet werden/ auch sollen sie nicht eher wider hin- unter gehen/ biß daß das Volck gessen habe/ bey Straffe dreymahl von der Ree zu fallen. Wann auch das Both mit Volck/ um Pro- viant einzuhohlen/ oder sonst abgeschicket wird/ soll sich niemand unter- stehen/ an Land oder sonst irgendwo zu bleiben/ sondern mit Ankunfft des Boths sich wieder einstellen/ bey Straffe 8. Tage in Banden auf Wasser und Brod zu sitzen/ bleibt er aber Nachts uͤber am Lande/ soll er dreymahl von der Ree fallen/ und von Schiffs-Volck gepeitschet werden. Trommelrecht unter Seegel zu gehen. §. 11. Wann die Trommel geruͤhret wird/ zu Seegel zu gehen/ soll sich maͤnniglich zu Schiff begeben/ um die Schiffe aus dem Haafen auff den Strohm zu bringen/ wer alsdann ohn erhebliche Ursachen und Capitains Erlaubniß ausbleibend befunden/ soll dreymahl von der Ree fallen/ und uͤber das allemahl fuͤr die Armen und den Profoß etwas gewisses verbrochen haben/ welcher davon gute Rechnung hal- ten Vom erfahrnen See-Kriegsmann. ten muß/ damit solche Geld-Bussen bey jeder Auszahlung abgezo- gen werden moͤgen; gleichfalls/ wann in Hafen oder auff Stroͤhmen einige Schiffs-Arbeit vorfaͤllt/ als Victuali en oder andere Noth- wendigkeiten einzuladen/ so haben diejenigen/ welche dazu verordnet sind/ solcher Ordre nachzukommen/ ihre Pflicht wohl zu beobachten/ bey selbiger ietzt vermeldeten Verbrecher unnachlaͤßigen Straffe. §. 12. Wann nun die Schiffe Seegelfertig/ soll ein jeder bey Zei- Seegelferti- gen Schiffs Versaͤumniß Straffe. ten zu Schiffe gehen/ wer sie aber/ ohne sich einzufinden/ laͤst abseegeln/ soll dreymahl unter Kaͤhle hindurch gezogen/ und wer am Lande blei- bet/ daß die Schiffe ohn ihn auslauffen/ der soll ohne Gnade mit dem Strang gestrafft werden/ es waͤre dann nicht zu aͤndern gewesen/ zu welchem Ende dann die Capitains befugt seyn/ dem Gewaltiger mit denen erst einlauffenden Schiffen hiervon Nachricht zu ertheilen/ da- mit solche moͤgen ergriffen und gedachter massen bestrafft werden. §. 13. Die Capitains, ihre Officiers, Matros en und Soldaten/ Officier und Matrosen Straffe wegen Zanck/ Stꝛeit/ Wuͤrffel und Karten Spiel. sollen unter sich keinen Zanck und Streit anfangen/ oder nach Um- staͤnde Gelegenheit und Admirals Belieben gestrafft werden/ und sintemahl aus Trunckenheit das meiste Unheil enstehet/ als waͤre bil- lig allen und jeden ausdruͤcklich zu verbieten/ sich truncken im Schiff nicht finden zu lassen/ und der Officier/ so sich deßfalls verlaͤufft/ soll vierzehen Tage/ Matrosen aber acht Tage in Banden gesetzt und hart bestrafft werden/ darum alle Gelegenheit zur Unsinnigkeit zu verhuͤten/ durch spielen/ soll niemand Wuͤrffel/ Karten und andere Teuscherey Werckzeuge zu Schiff bringen/ bey willkuͤhrlicher Strafe; So soll auch niemand Buͤrgern oder Haußleuten Gewalt anthun/ sie schlagen oder ihrer Guͤter berauben/ dey Leibes-Straffe. §. 14. Wer sich unternimmt/ den andern in boͤsem Muth mit der Schlaͤgerey und Verwun- den Straffe. zu Schiff. Faust/ Stock/ oder Stricken zu schlagen/ der soll dreymahl von der Ree fallen/ und von einem Qvartier Schiffs-Volck gepeitschet wer- den; wer auch seiner Cammeraden einen verwundet/ es sey zu Lan- de oder Wasser/ der soll dreymahl unten durchgezogen werden/ und die Unkosten samt dem Heil-Artzt Lohn bezahlen; Ja/ wer zu Schiff in boͤsem Muth auff jemand sein Messer zieht/ der soll mit dem Messer durch die Hand an den Mastbaum gestochen werden/ und so lange daran stehen bleiben/ biß er dasselbe hindurch zeucht; also/ wer unter oder nach gemachtem Frieden zu Schiff fechtet/ hat seine Hand/ damit er den Frieden gebrochen/ verwuͤrcket; wer aber einen andern ersticht oder erschlaͤgt/ der soll lebendig mit dem Todten/ Ruͤcken an Ruͤ- cken/ VI. Buch/ Cap. II. cken/ zusammen gebunden/ und uͤber Bord geworffen/ geschieht es aber zu Lande/ mit dem Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht werden. Feuer Scha- der Verwar- losung Strafe. §. 15. Niemand soll im Schiffe/ mit ein oder andern Licht umher zu lauffen/ sich unterwinden/ er sey denn dazu vom Capitain ordinir et/ bey willkuͤhrlicher Straffe; auch um sich desto besser vor Feuers Ge- fahr und Brandschaden zu Schiffe vorzusehen/ so ist niemand daselbst Feuer anzumachen befugt/ auch allen und jeden verboten/ mit Heu oder Kaff gefuͤlleten Bettsaͤcken/ Polster/ Kasten/ Harnisch/ Tonnen oder deßgleichen zu haben/ noch ohne des Capitains expressen Consens zum Schiff zu bringen/ bey eines Monat Solds Verlust; so soll auch nie- mand bey Abend mit Licht oder Lunten in die Cabel-Kammer zu ge- hen oder Toback zu trincken sich unterstehen/ ohne zwischen dem grossen Mast und der Facke oder sonst an verordneten Orten/ bey ietzt vermeld- ter Straffe. Schiffs Ver- wundeten Cu- riꝛungs Recht. §. 16. Wer bey Schiffs-Arbeit oder Gefechte verwundet oder ge- schossen wird/ soll auff Landes Unkosten curir et werden/ und uͤber das gleichwohl seinen vollen Sold empfangen/ und dafern jemand ein Gliedmaß verloͤhre oder gelaͤhmet wuͤrde/ soll er nach Schadens Be- schaffenheit belohnet werden; Alle nun/ die herrschafftlichen Sold em- pfangen/ sollen in Zeit der Noth mit ihrem angeordneten Gewehr er- scheinen/ und sich mit allem Fleiß unter ihrem Qvartier zur Wehre stellen/ bey Leibes-Straffe; ja wer alsdenn/ wenn es die Noth erfor- dert/ nicht fechten will/ soll ohne alle Gnade mit dem Tode gestrafft Constabel und Buͤchsenmei- ster Pflicht. werden. Es soll aber niemand sich erkuͤhnen/ einig Geschuͤtze zu loͤsen/ zu handthieren/ oder in die Pulver-Kammer zu kommen/ als der Con- stabel allein/ und die ihm zur Huͤlffe beygeordnete Buͤchsenmeister bey Monat Solds Verbuͤhrung/ auch Straffe dreymahl unten durchge- zogen zu werden. Gefangenen Strafe in Ei- sen. §. 17. Niemand mag sich unterstehen/ denen in Eisen sitzenden Ge- fangenen Speiß oder Tranck zu reichen/ bey eines Monat Solds Verlust/ und uͤber das acht Tage auff Wasser und Brod zu sitzen; so soll auch keiner Speiß oder Tranck aus der Kellerey mit Gewalt neh- men/ oder Rath und That dazu geben/ bey Straffe dreymahl unten durchgezogen und von allem Schiff-Volck gepeitschet zu werden. Die Schiffs-Koͤche sollen gehalten seyn/ das vom Fleisch abtrieffende Fett und Schmaltz/ so lang es Eßbrauchbar/ zu denen Suppen zu verwah- ren/ und/ was nicht tauglich/ zu Schiffs Unterhaltung anzuwenden/ auch nichts davon zu ihrem Nutzen zu unterschlagen/ bey willkuͤhrlicher Strafe; Von erfahrnen See-Kriegsmann. Straffe; deßgleichen soll niemand das Bier unnuͤtzlich vergiessen/ oder Victuali en uͤber Bord werffen/ an Land bringen oder verkauffen; Ja niemand muß sich unterstehen/ von der Speise Stelle/ daran er gehoͤret/ auffzustehen/ und an einen andern Tisch oder Speiß-Ort zu gehen/ Schiff-Keller und Boͤtteler Pflicht. daselbst Speise zu nehmen oder wegzustecken bey harter Straffe/ nach Capitains und seiner Raͤthe Belieben; also die Boͤtteler oder Schiffs- Keller sollen sich keiner uͤbrigen Brocken weder klein noch groß zu ihrem Profit bedienen/ sondern dieselbe fuͤr die Proviant-Meister verwah- ren/ bey willkuͤhrlichen Straffe Verbrechen. §. 18. Niemand weder Edel noch Unedel/ groß noch klein/ soll sich Weibes-Leute Verbot. unterstehen/ einige Frauens Personen zu Schiff zu bringen/ bey Ver- meidung gebuͤhrenden Straffe; Wer auch eines andern Geld oder Gut stiehlet/ soll dasselbe vierfach wieder geben/ und fuͤrs erste mahl Dieberey Strafe. willkuͤhrlichen Strafe schuldig seyn/ wann er aber zum andern mahl ertappet/ uͤber vorgemeldter Erstattung/ unten durchgezogen/ mit hun- dert Schlaͤgen gepeitschet/ und das drittemahl ohn alle Gnade am Le- ben gestrafft werden; niemand soll sich auch unterfangen/ von oder Frembden Schiffe An- griff Verbot. nach einigen alliirt/ oder doch neutral en Orten kommend- oder gehende frembde Schiffe anzugreiffen/ zu beschaͤdigen/ oder auff andere Art und Weise zu kraͤncken/ es sey denn mit Admirals oder Befehlshabers ausdruͤcklichem Willen bey Leibes-Strafe. §. 19. Wann nun einige Schiffe oder Preissen dem Feinde abge- Preiß-Schiffe oder Beute halben Ver- haltungs Be- fehl. nommen wuͤrden/ soll sich niemand erkuͤhnen/ Kasten/ Kuffer oder Packeten auffzubrechen/ noch Brieffe zu visitir en/ sondern es sollen dieselben der Flotten Admiral oder Vice- Befehlshaber zu Handen ge- lieffert seyn/ der solche alsofort sicher und treulich unvermindert an Schiffs- Director en und dessen Raͤthe/ um von ihnen frey oder Preiß er- klaͤret zu werden/ uͤbersenden soll; dafern auch ein oder mehr Capitain vom Admiral zur sichern Verwahrung etlichen auffgebrachten Guͤter beordert waͤren/ solche muͤssen sie auch einschicken/ ohne jemand an- ders dißfalls anzusprechen/ bey Straffe des Galgens; Es soll aber kein Capitain, oder wer es auch sey/ auff feindlichem Boden Beute oder Gefangenen halber austreten/ noch jemand sonsten/ wann die Schiffe eingelauffen/ ohne Admirals oder Capitains Erlaubniß/ an Land gehen bey Straffe 8. Tage in Banden auff Wasser und Brod. §. 20. Niemand soll sich erkuͤhnen zu einigen Kauffardey- oder an- Kauffarbey Schiffe Frey- heit. dern Schiffen ohne ausdruͤcklichen Befehl und Verordnung seines Ca- X x x x pitains VI. Buch/ Cap. II. pitains uͤberzugehen/ selbigen Gewalt anzuthun/ mit Schlagen/ Ver- wunden und andern Mißhandlungen/ oder etwas daraus zu entwen- den nach der Thaten Beschaffenheit gestrafft zu werden; wann auch Gefangene auffgebracht/ soll sich niemand unterstehen/ dieselbe zu haͤh- len oder verbergen/ sondern ohn einigen Vertrag vor den Admiral oder Ober-Befehlshaber bringen/ uͤber alles nach Gelegenheit verhoͤret und befraget zu werden/ wie auch deren keine rançonnir en lassen/ ohne Schiff- Directoris und Raͤthe Vorwissen bey Galgen Straffe. §. 21. Niemand lasse sich geluͤsten einig Gewehr zu versetzen/ ver- Gewehrs Brauch und Mißbrauch Recht. kauffen oder zu entfrembden/ bey Straffe uͤber desselben Werth/ dem Lande zum besten/ vors erste mahl einen Monat Sold zu verliehren/ und zum andern mahl ohne Paß oder Abschied ans Land ausgesetzt zu wer- den; so soll auch niemand ohne des Capitains oder Lieutenants/ wann jener abwesend/ Bewilligung/ mit Gewehr ans Land gehen/ bey Straffe/ vors erste von der Ree zu fallen/ und zum andern mahl uͤber das noch einen Monat Sold zu Landes Besten zu verbuͤhren. Toback und Brandeweins Verbot. §. 22. Niemand soll befugt seyn/ zu Schiffe Toback oder Brandte- wein zu Kauff zu bringen/ bey Waaren Verlust/ und uͤber das nach Gelegenheit gestrafft zu werden/ auch soll bey so thanem Verbrechen kein Unterschied seyn/ noch Ansehn der Personen gelten/ und bleibt solcher Bussen vierdter Theil dem Profoß/ der Rest aber dem Lande zum Besten. See-Kriegs Rechts Arti- culn Gehor- sams Pflicht. §. 23. Alle Capitains, Lieutenants, Edelleute/ Schiffer/ Officiers, Soldaten/ Matrosen und Boots-Gesellen/ auch andere/ die sich in Dienste zu Wasser begeben/ sollen verbunden seyn/ alle See-Kriegs- Rechts Articuln wohl und treulich zu halten/ derowegen darauff unter Schiffs Directors oder andern Commissari en Hand gebuͤhrenden Eyd zu thun pflichtig/ daß sie nemlich geloben und schweren/ redlich und ge- treu zu dienen/ dem Schiff- Directori und andern particulair Admi- ralen, Capitainen und Oberhaͤuptern/ die ihnen vorgestellt seyn oder wuͤrden/ nach Gebuͤhr sich zu halten und gehorsamen/ auch ihren Be- fehl pflichtmaͤßig zu respectir en/ so wahr ihnen GOtt helffen soll; ja ob schon sie bey deren Verlesung etwa nicht gegenwaͤrtig/ sondern her- nach sich einschreiben liessen/ sollen sie dennoch allen zu solchen Dien- sten gemachten oder hinkuͤnfftigen Verordnungen gemaͤß sich richten und reguliren. Eydes Von erfahrnen See-Kriegsmann. Eydes deutliche Erklaͤr- und Vermahnung. Ein jeder Mensch/ der einen Eyd schweren will/ soll drey Finger/ nem- lich: Daumen/ Zeig- und Mittel-Finger auffheben/ beym ersten als Daumen wird GOtt Vater/ beym Zeigefinger GOtt Sohn/ beym dritten GOtt Heiliger Geist verstanden/ die andere zween kleine Fin- ger beuget er nieder in die Hand/ der eine bedeut des Menschen edle Seele/ die in ihm verborgen lieget/ der fuͤnfft- und kleineste aber den Leib/ welcher gegen die Seele gering und klein zu achten/ bey der gantzen Hand wird ein einig-ewig-allmaͤchtiger GOtt und Schoͤpffer angezei- get/ der die Menschen und alle Creaturen im Himmel und auff Erden geschaffen hat; welcher Mensch nun also gottloß-verkehrt und sich selb- sten feind ist/ daß er einen falschen Eyd schweret/ oder den geschwornen Eyd nicht haͤlt/ derselbige suͤndiget folgender Gestalt: gleich als wolte er sagen: Wenn ich falsch schwere/ so straffe mich GOtt Vater/ Sohn und Heil. Geist/ daß Gottes des himmlischen Vaters Schoͤpffung/ da- durch er mich und alle Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen/ samt aller seiner vaͤterlichen Guͤte/ Gnad und Barmhertzigkeit mir nicht zu Nutze komme/ sondern ich wie ein muthwilliger Ubertreter und Hals- starriger Suͤnder ewiglich in der Hoͤlle gestrafft werde; Jtem/ welcher Mensch faͤlschlich schweret oder geschwornen Eyd bricht/ thut gleich als wolte er sagen: Wofern ich falsch schwere/ so sttraffe mich Gott Vater/ Sohn und H. Geist/ daß Gottes Sohns unsers HErrn JEsu Christi demuͤthige Menschwerdung/ dessen kostbar- und blutiger Schweiß/ auch unschuldige Marter und bittere Todes-Pein/ samt seinem heil. theuren Blut/ das fuͤr aller Menschen Suͤnde vergossen/ sein schmaͤhlicher Tod und rothe Wunden/ seine wunderbare Aufferstehung/ seine gewaltige/ Trost-reich- und herrliche Himmelfahrt/ und alles/ was unser eini- ger Mittler JEsus Christus seinen Auserwehlten erworben hat/ allzu- sammen an mir vergeblich seyn/ und dessen unschaͤtzbare Erloͤsung mir nicht zur Seligkeit helffen/ sondern der HErr Christus mir am juͤngsten Tage ein gestrenger Richter sey/ der mich meiner vielfaͤltigen Missethat und Ubertretungen Schuld halber mit seinem gerechten Urtheil zur ewi- gen Pein verdammen/ und in des hoͤllischen Nachrichters Gewalt da- selbst ewiglich gepeiniget zu werden uͤberantworten moͤge; deßgleichen wer falsch schweret/ oder auch seinen geschwornen Eyd nicht haͤlt/ thut gleich als wolte er sagen; So fern ich faͤlschlich schwere/ so straffe mich X x x x 2 GOtt VI. Buch/ Cap. II. GOtt Vater/ Sohn und H. Geist/ daß des H. Geistes Wohlthaten/ welcher denen heil. Aposteln gesendet und allen glaͤubigen Christen zum Trost ausgegangen/ mir nicht zu Huͤlffe kommen/ sondern ich von der Christl. Kirchen Gemeinschafft ausgeschlossen bleibe/ deren Gebet nicht theilhafftig werde/ noch dadurch etwas Gutes geniesse/ wie auch des H. Evangelii trostreiche Predigten mir nichts helffen/ auch meine Suͤnden mir nimmer vergeben werden/ und zur ewigen Herrlichkeit/ die allen glaͤubigen Christen zubereitet/ nicht aufferstehe/ sondern mit Leib und Seel in ewige Verdammniß verstossen sey; also auch/ welcher Mensch falsch schweret/ derselbe widerspricht/ verlaͤugnet und sagt ab GOtt Va- ter/ Sohn und H. Geist/ samt allen Heil. GOttes und auserwehlten guten Engeln/ ergiebt sich in Gewalt des Teuffels und aller hoͤllischen Gesellschafft/ daselbst ewiglich zu bleiben in Abgrund der Hoͤllen/ als daraus gar keine Erloͤsung zu hoffen in alle ewige Ewigkeits Zeiten zu brennen/ mit und bey solchen verdammten Geistern; Endlich/ welcher Mensch falsch schweret/ thut gleich/ als wolte er sagen: Wann ich faͤlsch- lich schwere/ alsdann sey auch verflucht alles/ was ich in dieser Welt ha- be und mir zueigene/ verflucht sey mein Erdreichs Grundgut/ Hauß und Hof/ Garten/ Aecker und Wiesen/ also daß ich hinfuͤhro nimmermehr einige Frucht oder Gewaͤchs davon geniesse/ oder Nutzen damit schaffe; verflucht sey mein Schaaf-Rind-Feder- und ander Vieh/ daß es nach dieser Zeit nimmer fuͤr mir gedeyen/ wachsen/ zunehmen/ sich mehren oder begluͤcken moͤge; ja verflucht sey ich selbst in allen Dingen/ die ich zu thun mir fuͤrnehme/ oder auch unter Haͤnden habe; O Menschen-Kind/ bedencke nur dieses gar wohl/ merck- und beobachte gantz fleißig/ welch ein greulich-hart- und gestrenges Urtheil du selbst uͤber dich giebest/ wo- fern du falsch schwerest; darum dann recht und billig ein fromm und Christliches Hertz wohl erschrecken und dafuͤr weinend von Thraͤnen spalten moͤchte; sintemahlen nemlich ein falscher Eydschwur so viel und mancherley Straffen auff sich haben kan/ indem sich ein Meineydi- ger Mensch dadurch selbsten von GOtt abwendet/ von allen zeitlichen und ewigen Wohlthaten des himmlischen Vaters ausschliesset/ und von gantzer allgemeinen Christ-seligen Gemeinschafft abscheidet/ ja ewig mit Leib und Seel verlohren und verdammt seyn will; derowe- gen sich ein jeder Christ fuͤr falschem Eyd/ auch leichtfertigem fluchen und schweren ernstlich huͤten und wohl bedachtsam fuͤrsehen mag/ so fern er seiner Seelen Seligkeit zeit- und ewige Wohlfahrt hertzlich lieb hat/ dazu Gebets-Formuln vor Soldaten. dazu uns alle helffen und solches vergoͤnnen wolle GOtt der Allmaͤch- tige/ durch JEsum Christum seinen lieben Sohn unsern HErrn in Krafft des Heil. Geistes Amen/ in JEsu Nahmen Amen. Weilen auch alles Heil und Wohlfahrt/ Gluͤck/ Segen oder Gedeyen von GOtt dem Al- lerhoͤchsten allein herruͤhret und erbeten werden muß/ als ist allermeist einem rechtschaffenen Christlichen Soldaten noͤthig/ derowegen billig anzumercken nachfolgende Gebets-Formuln. 1. O HErr allmaͤchtiger ewiger GOtt/ Vater unsers HErrn und Soldaten Morgen-Ge- bet. Heylandes JEsu Christi/ wir erkennen billig/ daß du selber uns diese vergangene Nacht gnaͤdiglich umlageꝛt/ und fuͤr uns gewachet hast/ daß wir abermahl gesund und unverletzt den lieben Tag erreichet ha- ben/ welches ist eine von deinen heiligen besondern Gut- und Wohltha- ten/ darum dancken wir dir von gantzem Hertzen/ und befehlen dir von neuem unser Leib uñ Seel in deiner starcken allmaͤchtigen Hand/ Schutz Schirm und Trost; Wir bitten dich ferner demuͤthiglich/ du wollest diesen heutigen gantzen Tag uͤber recht bey uns bleiben/ deine Gnade mittheilen/ in allen Treuen all dasjenige zu verrichten/ wozu wir ver- ordnet und beruffen sind; Bewahre uns durch deinen Heil. Geist/ daß wir ja nichts thun/ das dich erzuͤrnen/ und unsere Hertzen im Nothfall kleinmuͤthig machen koͤnne. O HErr/ gieb Gnade/ also zu leben/ daß wir alle Augenblick/ Christ- und selig sterben koͤnnen/ durch JEsum Christum/ deinen lieben Sohn/ der uns also zu beten gelehret hat: Un- ser Vater/ der du bist im Himmel/ ꝛc. 2. O HErr/ allmaͤchtiger ewiger GOtt/ Vater unsers HErrn und Soldaten. Abend-Gebet. Heylandes JEsu Christi/ wir deine Diener sind mehr dann alle andere Menschen allerley Gefahr und Zufaͤllen unterworffen/ ja kei- nen Augenblick sicher fuͤr dem Tod/ annoch aber ist uns ein Tag gefri- X x x x 3 stet/ VI. Buch/ Cap. II. stet/ unser Leib und Leben/ unsere Glieder und Gesundheit/ samt allem/ was uns lieb ist/ erhalten worden/ das alles allein von deiner Guͤte/ wel- che ohn Unterlaß uͤberschwenglich reich und groß ist/ herkommt/ darum sagen wir dir/ unserm getreuen und barmhertzigen GOtt/ von Hertzens- Grund Lob/ Preiß/ Ehr und Danck; wir bitten dich auch demuͤthiglich/ du wollest uns vaͤterlich verzeihen alles/ was wir heutigen Tages wider dich gesuͤndiget haben/ verleihe uns/ daß wir diese Nacht uͤber so wohl als am verwichenen Tage/ alles/ was unser Beruff und Befehl auswei- set und erfordert/ als Ehr- und Treu liebende Soldaten treufleißig ab- statten und verrichten; Befiehl aber auch/ O du getreuer Vater/ deinen heiligen Engeln und starcken Helden/ daß sie uns als ihre Bruͤder um- lagern/ und mehr fuͤr uns wachen/ als wir selbst koͤnnen oder vermoͤgen/ damit wir also durch deine grosse Krafft/ Allmacht und Guͤte/ mit Freu- den und Gesundheit den morgenden Tag wiederum erreichen/ alles durch JEsum Christum deinen lieben Sohn/ der uns also zu beten ge- lehret und zu erhoͤren verheissen hat: Vater unser ꝛc. 3. A Ch grosser/ starcker und huͤlffreicher GOtt/ der du durch deinen Gebet eines Hertzogs und Heerfuͤhrers oder Feld- Marschalen. Knecht Josua und deinen Diener David deinem Volck vormahls herrlichen Sieg gegeben/ und mit ihnen aus und eingangen bist/ sey auch mit mir und dem gantzen Heer/ wider deine und unsere Feinde/ HErr/ laß mich dieselben in deinem Nahmen angreiffen/ mit Hertz und Munde zu dir ruffen/ die Faust aber mit freudigem Muth gebrauchen/ gieb denen Feinden ein verzagtes Hertz/ daß es ihnen fuͤr uns entfalle/ laß deine H. Engel eine Wagenburg um uns machen/ erhalte uns durch deinen grossen Arm; verleihe auch/ ach lieber GOtt/ daß mir das Kriegsvolck gehorsam sey/ beschere mir ein durchdringendes Ansehn/ daß sie mich in Liebe und Gehorsam von Hertzẽ fuͤrchten/ und sich als Soͤhne fuͤr ihrem Vater gebuͤhrend scheuen/ gieb uns mit einander nach deinem Wohlge- fallen Sieg und Uberwindung/ alles zu deiner Ehre Christlich zu ge- brauchen; Hilff auch lieber Vater/ daß ich aller Boßheit und Grau- samkeit mit Ernst steure und wehre/ ein loͤblich Kriegs-Regiment halte/ damit ja nicht durch Gottlosigkeit Heil und Sieg verlohren gehe; richte du allweiser GOtt/ meine und meiner Officiers Anschlaͤge zum besten/ gieb Weißheit und freudige Großmuͤthigkeit denen Fein- den Gebets-Formuln vor Soldaten. den ritterlich zu begegnen/ O HErr GOtt Zebaoth/ du wollest sie durch deinen heiligen Engel verjagen/ daß sie fuͤr mir fliehen/ und ich die Oberhand behalte/ so will ich samt den Meinen dir dancken und dich preisen/ durch JEsum Christum deinen lieben Sohn unsern HErrn und Heyland/ Amen. Vater unser ꝛc. 4. O HERR/ du starcker lebendiger GOtt/ HErr der Heerschaaren/ der du heissest der rechte Kriegsmann/ hilff/ daß ich und andere Gebet eines Obristen oder andern Offi- ciers. deine Diener/ die wir uns zum Kriege gebrauchen lassen/ und von un- serm Schwerdt uns nehren muͤssen/ ja nicht vergessen/ zufoͤrderst und fuͤr allen Dingen Huͤlffe und Sieg/ von dir/ O GOtt/ zu bitten und zu erlangen/ laß uns unsere Feinde mit dem Gebet angreiffen/ mit der Faust darein schlagen und mit dem Hertzen zu dir schreyen/ denn mit dir koͤnnen wir Thaten thun/ mit dir koͤnnen wir Kriegs-Volck zer- schmeissen/ mit dir O GOtt koͤnnen wir uͤber die Mauren springen/ und unsere Feinde daͤmpffen. O HErr JEsu Christe/ HErr Ze- baoth/ meine Zuversicht und starcker Thurn/ fuͤr allen meinen Fein- den/ habe doch Achtung auff mich/ und stehe mir zur Rechten/ laß dei- nen guten Engel mich mit seinem Wehr beschuͤtzen/ daß mir kein Leid wiederfahre/ sey mit mir auff der Spitze/ damit ich nicht gefaͤllet und gefangen werde/ gieb aber unsern Feinden ein verzagt- und erschrocke- nes Hertz/ daß ihnen weh- und bange werde/ wann sie von unser An- kunfft hoͤren/ nimm ihnen den Muth/ daß ihr Hertz feige werde/ laß Furcht und Schrecken uͤber sie kommen/ sende deinen heiligen Engel fuͤr uns her/ daß die Feinde geblendet und erschrecket werden. O HERR HERR/ unsere starcke Huͤlffe/ zeuch nicht ab deine Hand von deinen Knechten/ sondern streite du GOTT wider unsere Bestreiter/ ergreiff den Schild und Waffen/ mache dich auff uns zu helffen/ zuͤcke den Spieß/ und schuͤtze uns wider unsere Verfol- ger/ behuͤte uns/ wie einen Augapffel. O Heiliger Geist/ du star- ster Beystand/ hilff uns/ nach geendetem Kriege/ frisch und mit Freuden wieder heim/ laß uns nach erlangtem Sieg nicht stoltz werden und uns dessen im Hertzen uͤberheben/ sondern alles deiner allmaͤchtigen Hand und wunderbaren kraͤfftigen Macht beymessen/ daß VI. Buch/ Cap. II. daß wir deine Ehre ruͤhmen und dir ewig dancken/ durch JEsum Christum unsern HErrn und Heyland Amen! Vater unser ꝛc. 5. Soldaten Ge- bet in einer Vestungs Be- lagerung. H ERR ewiger GOtt/ du Vater des Lebens/ ich bin allhier aus meiner Obrigkeit Befehl mit grosser Gefahr vor dieser Vestung/ solche einzunehmen/ umgeben/ da ich ja freylich meine Seele gleich- sam in Haͤnden tragen/ mein Leben in Sturm und Uberfall stuͤnd- und augenblicklich wagen muß/ daß es mir vom Feinde genommen und mein Leben zu Boden gelegt werden moͤchte; in solcher Gefahr nun trete ich zu dir/ und troͤste mich deines goͤttlichen Beystandes. O HErr JEsu/ bewahre mich wie einen Augapffel und beschuͤtze mich unterm Schatten deiner Fluͤgel/ dann ich befehle meine Seele in deine Haͤn- de/ du hast mich erloͤset/ HErr du getreuer GOtt! Ach HErr ewiger GOtt und Vater/ wenn es dein gnaͤdiger Wille ist/ so laß mich doch nicht in der Feinde Haͤnde gerathen/ noch toͤdtlich verwundet oder gar zum elenden Kruͤppel gemacht werden; stehe mir bey O GOtt Heili- ger Geist/ du werther Troͤster in Zeit der Noth/ reiß mich aus des To- des Kercker und erhalte mich; wann du aber ein anders mit mir ver- sehen hast/ daß ich etwa vor dieser Vestung mein Leben lassen soll/ so geschehe dann O GOtt dein guter Wille/ du kanst es jedoch nicht anders als gut mit mir meynen/ ja alles/ alles muß deinen Kindern/ die dich lieb haben/ zum besten dienen/ Tod und Leben/ so beschere nur ein seliges Ende/ daß ich ewig moͤge seyn vergnuͤgt; HERR JEsu/ dir leb ich/ dir sterb ich/ dein bin ich todt und lebendig; HERR JEsu/ dein bin ich/ wo du bist/ da will ich auch seyn/ weder Feind noch Tod soll uns scheiden/ Amen! 6. Soldaten Ge- Gebet vor ei- nem Angriff. O HERR allmaͤchtiger GOtt/ du unuͤberwindlicher Herrscher der Heerschaaren/ du bist es allein/ in dessen Macht steht zu ver- liehren und gewinnen/ es ist dir gleich durch wenig oder viel zu helffen/ weilen es nun O HErr/ deiner heiligen Weißheit gefallen/ daß wir heute diesen Tag angreiffen/ fechten und streiten sollen/ um so viel unschuldiger Leute Weib und Kinder/ die zum theil in der Wiegen/ theils annoch unter ihrer Muͤtter Hertzen liegen/ wider unbilligen Gewalt der Feinde zu erretten; wohlan/ so treten wir zu in deinem heil. Nahmen; O HErr/ sende in nsere Hertzen Maͤnner Krafft und Hertz- hafftigkeit/ daß wir recht unerschrocken unsere Feinde zu daͤmpffen/ die Augen Gebets-Formuln vor Soldaten. Augen auff- und die Haͤnde zuthun moͤgen; Laß uns doch unser Leben um deiner Ehre willen gering achten/ und gern in Gefahr wagen; Gib/ daß alle derer Obern Befehl anvertraute Knechte sich einander treu- lich lieben und meynen/ daß sie nicht gar muthwillig auff die Fleisch- Banck gelieffert werden/ sondern alle Befehlshabere bedencken/ daß wir alle Menschen sind/ um derer willen Christus gestorben/ und sol- cher Seelen von ihrer Hand zur Rechnung fordern wird; ja weilen niemand als ein Soldat allein/ sondern wie ein Christ selig werden kan/ so glauben wir von Hertzen/ du werdest uns zeitlich und ewig erloͤ- Soldaten Ge- bet/ vor Fein- des Angriff. sen. Und wofern es dir gefallen solte/ daß wir ietzt unsern Lebens-Lauff vollenden sollen/ ey wohlan/ so geschehe auch dißfalls dein heiliger und guter Wille. HErr JEsu Christe! du Sohn und Lamm GOttes/ empfahe doch unsere Seelen in deine Haͤnde/ und begleite sie durch dei- ne heilige Engel ins ewige Paradieß; laß unsere Leiber am juͤngsten Tage froͤlich herfuͤr gehen/ gib daß wir gefunden werden in der Zahl deiner getreuen Zeugen/ die um deines Nahmens willen ihr suͤndliches Blut willig vergossen. O GOtt heiliger Geist! stehe uns bey mit deinem Trost in unser letzten Angst und Todes-Noth! HErr GOtt allmaͤchtiger Vater/ dir leben/ dir sterben/ dir streiten wir/ sey uns gnaͤ- dig und hilff uns! durch deinen lieben Sohn unsern HErrn und Hey- land JEsum CHristum/ in dessen Nahmen und Krafft des heiligen Geistes wir ferner also beten und hertzlich seufftzen: Unser Vater/ der du bist im Himmel/ ꝛc. 7. A Ch lieber GOtt und HErr! ich lebe/ weiß aber nicht/ wie lange/ Taͤgliches Ge- bet/ fuͤr boͤsen schnellen Tod. ich muß sterben/ und weiß nicht wann/ du mein lieber himmli- scher Vater weist es allein; wohlan/ soll dieses Stuͤndlein/ dieser Tag oder Nacht der letzte Tag oder Nacht meines Leben seyn; HErr dein Wille geschehe/ der ist allein der beste/ nach demselben bin ich bereit/ in wahrem Glauben an Christum meinen Erloͤser zu leben und zu ster- ben. Allein/ lieber GOtt! gewaͤhre mich nur dieser Bitte/ daß ich nicht moͤge ploͤtzlich in meinen Suͤnden sterben und verderben; gib mir rechtschaffene Erkaͤntniß/ Reu und Leyd uͤber meine begangene Suͤn- de/ und stelle sie mir noch in diesem Leben unter Augen/ damit sie mir nicht etwa am juͤngsten Tage fuͤrgestellet/ und ich dadurch fuͤr Engeln und Menschen zu schanden werden moͤchte/ sondern verleihe mir so viel Zeit/ Raum und Gnade zur wahren Buße/ daß ich meine Ubertretung von Hertzen erkennen/ bekennen/ und derselben Vergebung und Trost Y y y y aus VI. Buch/ Cap. II. Gebet in un- verschuldeter Ehren-Noth. aus deinem seligmachenden Wort erlangen moͤge. Jndessen/ HErr GOtt himmlischer Vater! weist du ja auch/ wie hefftig mir ohn Un- terlaß und ohn Ursach von meinen Feinden und Laͤsterern zugesetzet wird/ je mehr ich mich durch deine Gnade fuͤr muthwilligen Suͤnden huͤte und fuͤrsehe/ je mehr sie darnach trachten/ daß sie mich in meiner Gottesfurcht irre machen/ und mir meinen ehrlichen Nahmen abschnei- den; sie schaͤrffen ihre Zunge wie ein Schwerdt/ sie zielen mit ihren gifftigen Worten wie mit Pfeilen/ sie erdichten Schalckheit und hal- tens heimlich/ und haben geschwinde Raͤncke. Aber/ O mein GOtt! du bist ein gerechter GOtt/ und ein GOtt der Warheit/ errette meine Seele von den Luͤgen-Maͤulern und falschen Zungen/ damit mein ehr- licher Nahme gerettet werde/ und sie mir nicht schaden koͤnnen; dafuͤr will ich dir dancken durch JEsum CHristum meinen HErrn und Heyland/ hier zeitlich und dort ewiglich. Ach barmhertziger Vater! verlaß mich nicht/ nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; mein Hertz und meiner Seelen Zuversicht ist dir/ o Hertzens-kuͤndiger/ wohl bekandt/ in derselben erhalte mich zum ewigen Leben/ laß mich sterben/ wenn du wilt/ nur verleihe mir ein sanfft-vernuͤnfft- und seliges Ende/ und nimm meine Seele in deine Haͤnde/ Amen! in JESU CHristi Nahmen/ Amen! Unser Vater/ ꝛc. 8. Taͤgliches Ge- bet fuͤr Officieꝛ und Gemeine. D As walte der Sieg- und Kriegs-Fuͤrst JEsus CHristus/ der helf- fe mir wider alle meine Feinde tapffer streiten und ritterlich uͤ- berwinden. GOtt Vater/ Sohn und Heiliger Geist erbarme dich mein! HErr/ komm mir zu huͤlffe/ bewahre mich in meinem gefaͤhrli- chen Stande fuͤr allerley schaͤdlichen Zufaͤllen/ die mich betruͤben moͤch- ten. HERR stehe mir bey in aller Noth/ verleihe mir Gnade und Staͤrcke/ daß ich mich nicht an dir versuͤndige mit Fressen und Sauf- fen/ Huren und Buben/ Fluchen und Schwehren/ Rauben und Steh- len/ Duelliren und schnoͤden Balgen/ noch irgends andere Boßheit veruͤbe/ dadurch mein Hertz zaghafftig werden koͤnne; beschehre mir/ ach lieber Vater! was ich an Leib und Seel bedarff/ errette mich HErr von allen meinen Feinden/ vertreibe meines Hertzen Sicherheit/ da- mit die ewige Noth und Nacht der Finsterniß mich nicht beruͤhre. HERR/ verschone meiner Suͤnden-Schuld/ erhalte mich in deiner Gnaden-Huld/ gedencke meiner in dieser Gnaden-Zeit/ behuͤte mei- nen Weg fuͤr Unwissenheit/ Ungedult und Verzweiffelung/ verjage aus meiner Huͤtten oder Zelt allen Uberfall/ Schrecken und Gespenst/ auch Gebets-Formuln vor Soldaten. auch Feuer- und Wassers-Noth/ samt allem Ubel Leibes und der See- len. Laß mich nicht zur Unzeit in Schlaff und Faulheit gerathen/ et- was an meiner Pflicht zu versaͤumen/ meine Ehr und Amt zu verlusti- gen. Mein Hertz laß wacker seyn zu dir/ wo der Mund nicht schreyen darff; beschirm- und bekleide mich in Hitze und Kaͤlte/ in Schnee/ Wind und Regen; salbe den Stein/ Holtz oder gruͤnen Rasen mei- nes Haupt-Kuͤssens mit Oel der Barmhertzigkeit/ verleihe mir ein fe- liges Ende/ dein H. Engel geleite mich! Amen. W Eil aller Menschen Macht fuͤr dir ist nichts geacht/ Soldaten Reim-Gebet. HErr Himmels und der Erden/ so kan uns Sieg nicht werden/ Wann wir nicht haben dich zur Huͤlffe festiglich; Drum laß uns nichts beginnen/ ohn dich/ mit eiteln Sinnen/ Hilff uns mit Rath und That/ wenn uns der Feind thut Schad/ Daß wir das Feld behalten/ wann du dein Guͤt laͤst walten. Jst uns bescheert der Tod/ so hilff uns aus der Noth/ Gib uns ein selig Ende/ den Geist nimm in dein Haͤnde; O grosser Krieges-GOtt! du heissest Zebaoth. Verleih doch einen Helden-Muth/ wenn uns der Feind anfallen thut; Auff daß er hab ein Hertz verzagt/ wie einer/ der schon ist verjagt; Steure allem Frevel-Muth/ loser Kaͤmpffer toller Wuth! HErr/ hilff du des Gerechten Sach! laß andre ruffen Weh und Ach! Verstoͤhre des Gottlosen Macht/ mach sie fuͤr aller Welt veracht/ Dir ist die Rache heimgestellt/ mach es O HErr! wie dirs gefaͤllt; Hilff uns aus diesem Jammerthal in deinen ewgen Freuden-Saal/ Zu preisen deine Guͤtigkeit/ von nun an biß in Ewigkeit. Hilff GOtt es uns gelingen/ das dreymahl Heilig singen. 1. Soldaten-Lied Jm Thon: Ach GOtt und HErꝛ/ ꝛc. G Leichwie ein Held Jm weiten Feld Dem Feind gantz unerschrocken Sich praͤsentirt/ Nicht retirirt/ Wenn er auff ihn will ruͤcken. 2. Also/ wer ist Ein rechter Christ/ Sich tapffer soll verhalten/ Daß er nicht weich Dem ersten Streich/ Der ihm den Kopff will spalten. Y y y y 2 3. Ein VI. Buch/ Cap. II. 3. Ein Christen Schwerdt Auff dieser Erd Jst JEsu CHristi Nahmen/ Mit dem er kan Frisch greiffen an Die Feinde allzusammen. 4. Und wanns auch waͤr Der Teuffel gar/ All Suͤnd/ all Angst und Nothe/ Gleichwohl er siegt/ Wann er schon kriegt Ein Wunde zu dem Tode. 5. Wer sich schon fuͤrcht/ Eh’ man ihn wuͤrgt/ Der ist schon halb geschlagen/ Wer aber sicht/ Frisch um sich sticht/ Der wird den Feind bald jagen. 6. Wilt du die Cron Der Ehren han/ So must du auch drum streiten/ Wer hie nicht streit/ Jn Ewigkeit Muß Schmertzen dafuͤr leiden. 7. Sieh doch nur an Deinen Hauptmann/ JEsum CHrist unsern HErren/ Wie Er fuͤr dich So ritterlich Gestritten hat in Ehren. 8. Wie Er sich hat Biß auff den Tod Fuͤr dich lassen verwunden; Dem solt du auch Jetzt folgen nach/ Daß du nicht stirbst in Suͤnden. 9. Bedenck auch wohl/ Daß dir doch soll Der Tod das Leben nehmen; Darum du dich Jetzt ritterlich Zu sterben nicht wirst schaͤmen. Soldaten son- derliches An- dachts-Gebet. 9. G Naͤdiger GOtt und Vater des Lichts/ dessen Guͤte und Barm- hertzigkeit taͤglich neu ist/ ich lobe dich mit dancken/ daß du mich biß Gebets-Formuln vor Soldaten. biß anhero vaͤterlich bewahret/ und alles Ungluͤck von mir abgewendet hast; an diesem Ort haͤtte ich nicht ohn deine Huͤlffe und Schutz fuͤr mancherley Unfall bestehen koͤnnen/ du aber hast mich auch aus der Ge- fahr und Finsterniß dieser Nacht errettet/ darum hebe ich meine Augen auff zu dir/ der du im Himmel sitzest/ und bitte dich demuͤthiglich/ du wollest meiner Seelen Licht und meinem Hertzen Freude geben/ zer- streue alle/ die mir zuwider sind/ laß mich diesen gantzen Tag gottselig und froͤlich zubringen/ laß deinen Sohn JEsum CHristum das ewige Licht in meinem Hertzen scheinen/ behuͤte mich fuͤr gottlosem Leben/ fuͤr Laͤsterung deines Nahmens/ fuͤr Unzucht und schwelgen/ fuͤr unnoͤthi- gen Duellen und Balgereyen/ fuͤr aller Ungerecht- und Leichtfertigkeit; gib/ daß ich mich an meinem Sold genuͤgen lasse/ und mich behelffe wie ich kan/ ehe ich die Hand an unschuldiger Leute Haab und Gut lege; behuͤte mich fuͤr Strassen-Raͤuber Gesellschafft/ fuͤr steter Truncken- heit und andern Wahnsinnigkeit/ bewahre mich fuͤr Hunger und Durst/ fuͤr schrecklichen Zufaͤllen; gib mir ein genuͤgsames Hertz/ daß ich zufrieden sey/ und nicht murre/ wenn du auff gruͤner Heyde und har- ter Erden Tisch und Lager bescherest/ wenn die harte Erde mein Unter- Jm Quaꝛtier/ sonderbare An- dacht. Bette/ und der blaue Himmel meine Oberdecke seyn muß; Lehre mich auch thun nach deinem Wohlgefallen/ dein guter Geist fuͤhre mich auf ebener Bahn; Laß mich begleiten das Heer deiner heiligen Engel/ der starcken Helden/ die deinen Befehl ausrichten/ befehle ihnen/ daß sie mich behuͤten auff allen meinen Wegen/ daß ich in keinen Unfall gera- the; sey mein Schutz und Schirm/ daß kein Ubel zu meiner Huͤtten oder Gezelt sich nahe; laß mich meiner mannigfaltigen/ sonderlich der Jugend Suͤnden/ nicht entgelten/ sondern halte deine gnaͤdige Hand uͤber mich/ daß/ wenn schon tausend fallen zu meiner Rechten/ und zehn tausend zu meiner Lincken/ es dennoch mich nicht treffe; Hilff/ daß ich alle mein Vorhaben und Wercke zu deines heiligen Nahmens Ehre/ und des Nechsten Nutz richte; Laß deine goͤttliche Furcht in meinen Augen und Hertzen seyn/ daß/ wann ich gehe oder stehe/ sitze oder liege und marschire/ esse oder trincke/ zu Bette gehe oder wieder auffstehe/ ich deiner nim̃er vergesse/ sondern immer gedencke/ daß du alles siehest/ hoͤrest und wissest/ was ich thue/ rede oder gedencke/ dann du pruͤfest Hertzen und Nieren/ bist auch nicht ferne von einem jeden unter uns/ in dir leben/ weben und find wir/ gib mir Krafft an Leib und Seel; laß meinen Tritt nicht gleiten/ sondern staͤrcke mich/ auff junge Loͤwen und Drachen zu treten; fuͤhre mich allezeit den rechten Weg/ daß ich mich Y y y y 3 nicht VI. Buch/ Cap. II. nicht fuͤrchte; gleichwie du mich bißhero gnaͤdig bewahret hast/ also weiche ferner nicht von mir/ so will ich mit dem tapffern und großmuͤ- thigen Helden Koͤnig David sagen: Der HErr ist mit mir/ darum ja fuͤrchte ich mich nicht/ was koͤnnen mir Menschen thun? Ob ich schon wandele im finstern Thal/ so fuͤrchte ich doch kein Ungluͤck/ deñ du HErr bist bey mir; mit dir kan ich Thaten thun/ und mit meinem GOTT uͤber die Mauren springen; ich erkenne in tieffester Demuth/ daß alle gute Gaben/ also auch die/ welche zu einem redlichen Soldaten erfor- dert werden/ kommen von oben herab/ von dir/ O Vater des Lichts/ darum/ so es dein heiliger goͤttlicher Wille ist/ so sey bey mir/ wie bey dem Gideon/ welchen du O grosser GOtt Zebaoth/ HErr der Heer- scharen/ mit einem solchen Helden-Muth ausgeruͤstet/ wann er mit we- nigem Volck wider seine Feinde zu Felde zoge/ rieff er mit großmuͤthiger Helden-Stim̃e: Hier ist Schwerdt des HErrn und Gideons. HErr/ der du bist vormahls gnaͤdig gewesen deinem Volck/ stehe auff und laß deine Feinde fuͤr dir zerstreuet werden/ und wann nach deinem Wohl- gefallen der Abend meines irrdischen Lebens herzu nahet/ und ich mein Blut/ das dein lieber Sohn mit seinem Blute theuer erkaufft hat/ un- ter Spiessen und Schwerdtern/ unter Knall der Pistohlen/ Mousque- ten und Carthaunen/ unter Trompeten- und Trommel-Schall ver- giessen soll/ so scheine in meinem Hertzen du ewiges Licht/ und gib mir die Gnade/ daß das letzte Wort/ welches dein lieber Sohn am Stamm des heiligen Creutzes geredt/ auch mein letztes Wort in dieser Welt seyn/ und ich auch sagen moͤge: Ach Vater! in deine Haͤnde befehl ich dir meinen Geist. Solte mir aber alle Sprache benommen werden/ so befehl ich dir hiermit ietzt und allezeit meine Seele in deine Haͤnde/ gib und verleihe mir/ daß ich dir leben/ dir sterben und dein seyn moͤge todt und lebendig. Endlich/ so bitte ich dich/ du wollest ja meinen letzten Seufftzer erhoͤren/ und denselben fuͤr eine weitlaͤufftige Erkaͤntniß und Bekaͤntniß aller meiner Suͤnden annehmen/ und mich geniessen lassen der Treue und Liebe deines Sohns/ welcher zu deiner Rechten sitzet/ fuͤr uns arme Suͤnder bittet/ und unser Vorsprecher ist/ in dessen Nahmen ich darauff zu meinem Beruff schreite. GOtt der Vater segne und be- huͤte mich! GOtt der Sohn erleuchte sein Antlitz uͤber mich/ und sey mir gnaͤdig! GOtt der Heilige Geist erhebe sein Angesicht auff mich/ und gebe mir seinen zeitlichen und ewigen Frieden/ Amen! Unser Va- ter/ ꝛc. 10. HErr Gebets-Formuln vor Soldaten. 10. H Err JEsu CHriste/ du gewaltiger Hertzog und Krieges-Fuͤrst/ Gebet zum Tressen. weilen der Sieg allein vom Himmel koͤmmt/ und durch grosse Menge nicht erlanget wird/ ja weilen du siehest und weissest/ was unsere Feinde wider uns beschlossen haben/ so schaffe uns Beystand in der Noth/ mache ihre Anschlaͤge zu nichte/ und gib ihnen ein verzagtes Hertz; mache sie irre und zerstreue sie durch deinen starcken Arm; schul- dige sie GOtt/ daß sie fallen von ihrem Fuͤrnehmen/ denn sie verlassen sich auff Roß und Wagen/ auff ihre Menge und grosse Macht/ wir a- ber verlassen uns auff dich/ und dencken an den Nahmen des HErrn/ der Himmel und Erden gemacht hat/ unsere Huͤlffe steht im Nahmen des HErrn unsers GOttes. O du starcker GOtt und HErr! du gewaltiger Kriegs-Held/ wende dich zu uns/ weiche nicht von uns/ und verlaß uns nicht/ gib uns Huͤlffe vom Himmel/ mache uns maͤchtiger denn unsre Feinde/ daß unser wenig ihrer viele jagen und fluͤchtig ma- chen; gib HErr/ daß wir nicht laß und muͤde werden/ was unsers Amt- und Eydes ist/ munter und wacker auszurichten/ daß wir gehen und thun/ was uns befohlen; gib/ daß wir uns weder Tag noch Nacht grau- en lassen/ sondern getrost seyn als Maͤnner/ und uns nicht fuͤrchten fuͤr viel hundert tausend/ die sich umher wider uns legen; laß unser keinem im Streit das Schwerdt oder Muth entfallen. Jst es etwan dein Wille/ daß wir ja sollen am Leibe verwundet werden/ so heile du als der beste Artzt Jsraelis unsere toͤdtliche Wunden/ und erhalte uns beym Le- ben. O frommer GOtt! bewahre uns fuͤr aller Suͤnde/ daß wir nie- mand Gewalt noch Unrecht thun/ sondern an unserm Sold uns begnuͤ- gen/ damit uns nicht unsre Feinde um solcher Suͤnde willen uͤberwaͤl- tigen/ schaͤndlich mit uns umgehen/ und wir den Sieg verliehren; gib daß wir uns dir Tag und Nacht befehlen. Hilff uns HERR unser GOtt/ denn du hast ja gesagt: Jch will euch in der Angst und Noth un- ter den Feinden zu Huͤlffe kommen; so gedencke HErr an dein Wort und Zusage/ kom̃ uns zu Huͤlffe/ wann es an ein Treffen geht! HErr unser GOtt/ bey dir steht zu helffen und fallen zu lassen/ hilff uns wider unsre Feinde/ daß sie nicht die Oberhand kriegen/ und sich freuen/ daß wir darnieder liegen/ noch sich ruͤhmen/ daß sie unser maͤchtig worden sind/ zertrenne ihre Ordnung/ und schlage sie fuͤr unsern Augen/ erzeige uns deine Gnade und hilff uns/ beweise deine wunderliche Guͤte/ du Heyland derer/ die dich erkennen/ verlaß uns nicht/ denn wir vertrauen dir/ auff daß dein Nahme verkuͤndiget werde in allen Landen. Mein HErr VI. Buch/ Cap. II. HErr JEsu! es gerathe zum Leben oder Tode/ so befehlich dir mein Leib und Seel/ laß uns nur getrost leben und selig sterben/ um deines Blutes und Todes willen/ Amen/ Amen! 11. Gebet wann das Treffen uͤ- hel gelungen. H ERR GOTT/ deß die Rache ist/ du hast deinem Volck ein Hartes erzeiget/ die Rechte der Widerwaͤrtigen erhoͤhet/ und uns um unser Suͤnde willen dem Feinde in die Haͤnde gegeben/ daß er greu- lich und unbarmhertzig unter uns gewuͤrget/ Uberhand bekommen und sich unser erfreuet; wir sind unsern Nachbarn eine Schmach worden/ ja Spott und Hohn denen/ die um uns sind. HErr JEsu CHrist! du hast mit deiner Hand vormahls die Heyden vertrieben und Voͤlcker verderbet/ dein Volck aber hast du eingesetzt und ausgebreitet; Troͤste uns GOTT unser Heyland/ laß ab von deiner Ungnade uͤber uns/ zuͤrne nicht so sehr/ gedencke nicht ewiglich unserer Suͤnden/ kehre dich wieder zu uns und sey deinen Knechten gnaͤdig/ wilt du denn ewig zuͤr- nen/ und deinen Zorn gehen lassen immer fuͤr und fuͤr/ wilt du uns denn nicht wieder erquicken/ daß sich dein Volck uͤber dir freuen moͤge. HErr GOtt heiliger Geist/ erzeige uns deine Gnade und hilff uns/ mache doch derer Feinde gewaltigen Hoffart ein Ende/ erfreue uns nun wieder/ nachdem wir so lange Ungluͤck erlitten/ so wollen wir dich ruͤh- men und preisen hier zeitlich/ dort ewiglich/ Amen! 12. Dancksagung wañ das Tref- fen wohl ab- gangen und der Sieg er- halten. W Jr dancken dir/ HErr allmaͤchtiger GOtt/ und freuen uns in dir unserm Heylande/ daß du unser Gebet zu dir so gnaͤdig erhoͤret/ und uns diesen Tag von unsern Feinden/ und von der Hand aller/ die uns hassen/ errettet hast; Dancket dem HErrn von gantzem Hertzen/ und erzehlet alle seine Wunder/ freuet euch und seyd froͤlich in ihm/ denn der HErr hat seinen heiligen Arm offenbahret/ unsere Feinde hat er hinter sich getrieben/ und sein Volck gewaltig erloͤset/ er hat uns wider unsre starcke Feinde Heyl und Seegen gegeben/ und von denen errettet/ die uns zu maͤchtig waren; Kindes-Kinder werden deine Wercke prei- sen/ und von deiner Gnade sagen; lobsinget/ lobsinget GOtt/ unserm Koͤnige/ freuet euch/ daß er sich so gnaͤdig erzeiget hat/ die Schwerdte des Feindes haben ein Ende/ ihre Macht ist dahin/ ihr Gedaͤchtniß ist samt ihnen umkommen/ sie sind gefallen und gestuͤrtzet fuͤr dir/ wir aber stehen auffgerichtet/ daraus mercken wir/ daß der HErr seinem Volck hilfft/ und erhoͤret uns im Himmel/ dann seine Rechte befreyet gewal- tig. Gelobet sey der HErr unser Hort/ der uns Sieg und Ruhe gege- ben hat/ Amen! Exer- Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Exercitia bey der Infanterie mit Gewehr- oder Flinten und Bajonetten zu gebrauchen. W Ann die Compagni en ordentlich rengir t und gestellet/ Reihen und Glieder accurat gesetzt und gerichtet/ die Unter- Officier s im foͤrdersten Glied auff den Fluͤgeln und hinter die Divisiones recht eingetheilet; die Mannschafft zu guter positur, und das Gewehr wohl zu tragen fein angewiesen/ die Glieder auff 4. Schritt und die Reihen in solcher distance stehen/ daß zum Nothfall ein Mann durch marchi- r en und Gewehr bey denen Casaquen beqvem gebraucht werden kan/ auch Still und gebt Achtung befohlen/ so muß alles gantz stille seyn/ daß nicht das gerinste Murmeln mehr gehoͤret werde/ sondern ein jeder seines Thun und Wesens gute observance halte/ und auff des commandir enden Officiers Commando genaue Acht gebe/ auch die Tambaurs gar keiner Spielruͤhrung sich unternehmen/ alsdann folgen die Handgriffe des Gewehrs zum exercir en bey oder ohne chargir en scharff und mit Ernst oder blind/ ohne Loth/ oder wohl gar ohne La- dung/ und werden dabey nachbemeldte Commando Woͤrter fuͤglich ge- braucht/ auch also commandir et: 1. Last euer Gewehr sincken. ) So laͤst nun der Soldat sein Ge- wehr drehend von der Schulter sincken/ die Kolbe gleich uͤber den Knoͤpffen/ so/ daß er das Schloß etwas sehen kan/ haͤlt gute Po- situr/ und die rechte Hand frey zum fertigen Griff gerade aus am Leibe hinunter haͤngen. 2. Mit der rechten Hand faßt euer Gewehr hinterm Hahn. ) Hierbey muß der Soldat beyde Elnbogen wohl vom Leibe hoch halten/ und im Beyfuͤgen der rechten Hand Zierde und Gleich- heit observir en. 3. Das Gewehr hoch. ) Nun bringt der Soldat sein Gewehr mit der rechten Hand und wohl ausgestreckten Armen gerade vor sich hoch/ ohne Bewegung der Fuͤsse/ so daß das Schloß auswendig von ihm abgewendet/ der Daumen am Gewehr gereckt/ der Schulter/ und die Pfanne dem Kinne gleich komme/ auch laͤst er also fort den rechten Arm und Elnbogen am Leibe haltend/ die Lincke frey zum Griffe herab haͤngen/ jedoch samt denen andern Camerad en zugleich/ mit einem starcken geschwinden tempo. Z z z z 4. Præ- VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ 4. Præsenti rt euer Gewehr. ) So fuͤget er die lincke Hand entgegen ans Gewehr/ nemlich einer Spannen lang uͤber der Rechten/ da- mit das Schloß zwischen beyden Haͤnden dem Gesichte gleich kom- me/ und drehet also den Lauff des Gewehrs mit beyden vollen Haͤnden nach sich zu/ so/ daß vorhin gereckter Daume am Ge- wehr unter gelassen anliege/ und haͤlt etwas/ tritt hernach mit rechtem Fuß in gute Positur zuruͤck/ und præsenti rt sein Gewehr wohl/ forne das Mundloch nicht zu niedrig/ noch hinten die Kol- be unter/ sondern oberhalb Knies/ also/ daß der lincke Elnbogen am Leibe/ das Gewehr zwischen lincker Hand Daumen und Zei- gerfinger loß einliegend/ der rechte Arm aber wohl krum gebogen/ die rechte Brust mit Drehung halben Oberleibs vorgewiesen werde/ und ferner die Kolbe/ vom Leibe abgehalten/ den Schen- ckel nicht beruͤhre/ insonderheit auch die Fuͤsse gerade und Fersen hinten gleich/ gegen einander uͤber stehen/ wie denn gleichfalls das lincke Knie etwas gebeuget seyn soll/ und solche Positur muß ei- ner allezeit halten mit præsentirt em Gewehr/ bey Rechts- oder Lincks um; Jtem bey Rechts oder Lincks umkehren/ wann es commandir et wird. 5. Macht euch fertig zum Schuß. ) Alsdann fasset der Soldat mit dem Daumen uͤbern Hahn/ giebt dem Gewehr einen kleinen Stoß in die Hoͤhe/ zieht ihn auff/ bleibt in seiner vorigen Positur/ den Daumen uͤbern Hahn und das Gewehr vorn wohl hoch hal- tend stehen/ mit beyden Fingern am Buͤgel. 6. Schlagt an. ) Hier bringt er sein Gewehr mit beyden ausge- streckten Armen vor sich in die Hoͤhe/ daß der Anschlag so hoch als das Leibgehaͤng kommt/ schlaͤget alsdann an/ und tritt mit dem rechten Fuß etwas wohl zuruͤck/ ohngefaͤhr einen Schritt in gute Positur/ beugt ein wenig das lincke Knie/ haͤlt auch den Leib et- was dem Gewehr entgegen/ und ziehlet recht auff einen halben Mann/ jedoch das Gewehr oben an das rechte Schulter-Blat in gerader Linie fest angesetzt. 7. Gebt Feuer. ) So wird nur einmahl hart abgedruckt/ und wann das Pulver abbrennt oder gar nicht anzuͤnden will/ so daß der Soldat keinen Knall seines Gewehrs verspuͤret/ soll er nicht zum andern mahl so bald die Pfanne schliessen/ Hahn auffziehn und wieder hinten nach loß druͤcken/ daß man eintzele Schuͤsse hoͤren muß/ sondern das Gewehr vom Schulter-Blat absetzen/ und das Mund- Von Soldaten Exercitis bey der Infanterie. Mundloch um Sicherheit willen wohl vor sich in die Hoͤhe brin- gen. 8. Setzt ab. ) Der Soldat bringet sein Gewehr mit beyden Haͤnden vor sich hoch/ vom Schulter-Blat ab/ daß der Lauff nach dem Gesichte/ und das Schloß Rechts auswarts gewendet/ auch die Pfanne dem Kinne gleich sey. 9. Zieht den Hahn in die Ruhe. ) Er bleibet noch in voriger Positur/ und fasset/ so bald dieses geschehen/ sein Gewehr wieder hinterm Hahn. 10. Blaset die Pfanne ab. ) Hier wendet er sich rechts/ blaͤset zugleich in solcher Wendung die Pfanne starck aus/ ohn einige Kopffs Be- wegung/ und bleibet in solcher Positur/ sein Gewehr mit beyden ausgestreckten Armen vor sich hoch haltend/ stehen/ so/ daß das Schloß vorwarts hinaus komme. 11. Thut Zuͤndkraut auff die Pfanne. ) Nun laͤst er sein Gewehr auff einmahl niedrig sincken/ gantz flach in gleicher balance in die lincke Hand fallen/ ergreifft mit der Rechten das Pulver-Horn/ oͤffnets mit den Zaͤhnen/ schuͤttet Zuͤnd-Pulver auff die Pfanne/ macht das Horn wieder zu/ laͤst es so dann zur Seiten loß fallen/ legt den Daumen auff die Pfanne/ und den laͤngsten oder Mittel- finger hintern Hahn. 12. Schliesset die Pfanne. ) Er zieht oder schlaͤgt mit dem Daumen die Pfanne zu/ greifft mit der rechten hinterm Hahn/ haͤlt ein we- nig an und bringt sein Gewehr hiernach in einem Huy mit beyden Haͤnden wieder vor sich hoch/ so gleich wie es vorhin bey Auffschuͤt- tung des Zuͤndkrauts nieder gelassen/ und in gerader Linie auch guter balance gehalten/ also muß es auch nun zugleich in einem tempo hoch gebracht werden/ jedoch wohl nach der rechten Sei- ten auff seinen Fluͤgel und Neben-Mann gesehen. 13. Lincks schwenckt euch zur Ladung. ) Jetzt drehet sich der Sol- dat auff dem lincken Fusse/ und setzt den rechten Fuß ge- rade voraus/ so daß die Absaͤtze an den Schuen gleiche Linie/ und also der Mann gute Positur mache/ laͤst im Drehen die rechte Hand hinterm Hahn ab/ und fasset also/ den Daumen auffwarts haltend/ sein Gewehr oben an/ bringt solches an die lincke Seite/ und haͤlt es mit beyden Haͤnden wohl vom Leibe/ und forne so hoch daß das Pulver wohl niederlauffen koͤnne/ und der rechte Arm der Schulter gleich sey. Z z z z 2 14. Fast VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ 14. Fast eure Patronen. ) Der Soldat ergreifft selbige/ und haͤlt sie vor sich neben dem Gewehr/ thut vorhero zur Zierde einen harten Schlag mit flacher Hand auff die Patron-Tasche. 15. Oeffnet sie mit den Zaͤhnen. ) Er beisset auff/ und haͤlt sie oben dem Lauff gleich/ biß auff eine Hand breit davon. 16. Thut sie in den Lauff. ) Wann das geschehen/ faßt er mit zween Fingern den Ladestock oben an. 17. Ziehet den Ladestock aus. ) Dieses geschieht in zween Zuͤgen/ dazwischen wohl mit zween Fingern auff den Ladestock geschlagen mit verwendeter Hand/ und streckt man den Arm vorwarts gleich der Schulter hoch aus/ und haͤlt den Ladestock laͤngst den Arm her auff der Hand zwischen Daumen und Fingern. 18. Haltet ihn hoch. ) Man haͤlt ihn mit der gantzen vollen Hand und ausgestrecktem Arm gleich vor sich hoch. 19. Fast ihn kurtz. ) Man setzt das dicke End uͤber das Leibgehaͤng an den Leib/ und haͤlt ihn in gleicher Linie mit dem Gewehr so kurtz/ daß man ihn beqvem ins Rohr bringen koͤnne/ welches Ver- kuͤrtzen mit einem Ansatz und folgendem Durchzug in der Hand mit gleichem tempo geschehen muß. 20. Steckt ihn in den Lauff. ) Solches muß auch mit 3. Griffen in guter Gleichheit geschehen/ daß es feine Zierlichkeit abgebe. 21. Stoßt eure Ladung nieder. ) Selbige wird dreymahl niederge- stossen/ etwas langsam in gleichen tempos, mit etwas hinten Aus- stossung des Gewehrs im Auffziehen des Ladestocks. 22. Zieht den Ladestock wieder aus. ) Man streckt den Arm vor- warts gleich der Schulter hoch aus/ und haͤlt den Ladestock laͤngst den Arm her/ jedoch wieder in zween Zuͤgen mit etwas hinten Ausstossung des Gewehrs/ und zwischen beyden Zuͤgen den Stock angeschlagen. 23. Haltet ihn hoch. ) Wie kurtz vorher angewiesen. 24. Faßt ihn kurtz. ) Wie vorhin geschehen/ nur daß der Ladestock mit dem schmahlen Ende ein wenig laͤnger gefast werde. 25. Bringt ihn an seinen Ort. ) Mit guter Façon gleichmaͤßig in drey Griffen um das Mundloch herum/ und greifft der Soldat so bald ohne Befehl sein Gewehr oben wieder an/ einen Daumen breit unterm Mundloch/ haͤlt es zu fernerm Commando fest/ so daß das Mundloch dabey etwas in die Hoͤhe gehoben werde. 26. Das Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. 26. Das Gewehr hoch. ) Es hebt der Soldat sein Gewehr in beyden Haͤnden mit Durchziehung der Lincken ans Schloß/ greifft mit der Rechten hinterm Hahn/ bringt es mit ausgestreckten Armen ge- rade vor sich hoch/ den Daumen angereckt/ laͤst die Lincke ab/ in gleich-starck-geschwindem Schlag zur Seiten fertig hangen/ den rechten Arm am Leibe haltend. 27. Schultert euer Gewehr. ) Der Soldat drehet das Gewehr mit der rechten Hand/ daß der Buͤgel nach dem Leibe koͤmmt/ fuͤget al- so die lincke Hand fest und hart mit einem starcken Schlag unten an die Kolbe/ daß man es laut und wohl hoͤren koͤnne/ und legt alsdann mit beyden Haͤnden das Gewehr langsam ohne Kopffs Regung auff die Schulter/ druͤcket den Buͤgel wohl an die Brust/ traͤgt das Gewehr wohl/ und hinten etwas hoch/ laͤst die rechte Hand davon ab mit starckem geschwinden tempo, und stehet so dann wohl auffgerichtet. 28. Ruhet auff eurem Gewehr. ) Es laͤst der Soldat sein Gewehr drehend von der Schulter sincken/ greifft mit der Rechten hin- tern Hahn/ und bringet solches mit wohl ausgestreckten Armen vor sich hoch/ gleich zwischen die Augen/ laͤst das Gewehr mit der rechten Hand sincken/ und fuͤget zuvor die lincke Hand uͤber das Schloß/ fasset mit der Rechten oben an den Lauff/ ein Paar Daumen breit unter das Mundloch/ und laͤst das Gewehr durch die lincke Hand mit der Kolbe auff die Erde sincken/ daß solches vor beyde Fuͤsse gerade dem Leibe zu stehen komme/ und das Schloß auswarts gewendet sey/ also daß man das volle Gesicht uͤber dem Gewehr habe/ und soll billig ein jeder nach seiner pro- portion seine Haͤnde entweder etwas hoͤher oder niedriger gehen lassen/ damit er in solche beqveme ungezwungene Positur zu ste- hen komme/ daß Haͤnde und Elnbogen mit der Schulter gleiche Linie machen/ wie es denn auch wohl stehet/ wann die Niederse- tzung des Gewehrs mit einem harten Stoß/ daß man es uͤber- laut hoͤren koͤnne/ geschiehet/ und zwar zugleich in einem tempo, daß vielmehr derowegen die Kolbe so lang etwas von der Erden bleibe/ biß sie allezeit nach der rechten Hand gesehen/ und deroge- stalt alles egal verrichten; Hierbey annoch zu observir en/ wann der Soldat auff dem Gewehr ruhen soll/ er allemahl um bessern Zierde willen es erstlich schultern/ und solches hernach von der Schulter ab verrichten muͤsse. Z z z z 3 29. Legt VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ 29. Legt euer Gewehr nieder. ) Der Soldat ziehet im Auffheben mit der rechten Hand das Gewehr drehend in der Lincken herum/ daß das Schloß innwarts nach dem Leibe kommt/ durch die lin- cke Hand in die Hoͤhe/ daß dieselbe am Gewehr herunter biß an das Schloß sincke/ und also das Gewehr fest halte/ faßt mit der Rechten hintern Hahn/ daß der Daume auff der einen Seite/ die vier andern Finger aber uͤber den Buͤgel kommen/ haͤlt das Gewehr mit ausgestreckten Armen wohl vom Leibe/ legt alsdann solches zwischen die Fuͤsse nieder/ daß das Schloß oben und der Buͤgel gleich den Fersen in gerader Linie zu liegen komme/ blei- ben hernach ein wenig gebuͤcket/ sehen nach der rechten Hand und stehen alle zugleich ohne Gewehr in einem tempo auff; die- net also hierzu insonderheit die gute Positur/ damit der Mann sein Gewehr beqvem niederlegen/ wieder auffheben und festen Stand behalten moͤge/ wie auch fuͤr allen Dingen wohl zu se- hen/ daß alles zugleich verrichtet werde/ das Gewehr gleichaus und die Schloͤsser in gerader Linie mit denen Fuͤssen zwischen die Beine zu liegen kommen. 30. Hebt euer Gewehr auff. ) Nachdem vorhero ein klein und glei- ches tempo gemacht/ gleichsam als wann man die leren Haͤnde von sich zeigen wolte/ fasset der Soldat mit beyden verwendeten Haͤnden/ sein Gewehr zwischen den Fuͤssen wieder an/ und zwarn oberhalb des Schlosses/ die lincke Hand oben und die Rechte unten/ drehet im Auffheben das Gewehr/ daß das Schloß auswendig kommt/ giebt ihm einen kleinen Stoß/ greifft so dann mit der Rechten das Gewehr oben wieder an/ und laͤst solches geschwind mit der Kolbe hart auff die Erde sincken durch die lin- cke Hand/ daß sie zur Rechten gefuͤget/ und stellet sich wie vorhin/ wann er auff dem Gewehr ruhen soll/ jedoch sollen sie wohl nach der rechten Hand allemahl im ersten Glied sehen/ die hintersten aber nach den foͤrdersten/ daß sie so wohl im Niederlegen als Auffheben des Gewehrs alles fein zugleich thun. 31. Schultert euer Gewehr. ) Hier zieht der Soldat mit der rechten Hand sein Gewehr wider durch die Lincke geꝛade in die Hoͤhe biß an das Schloß/ laͤst die Rechte oben loß/ und gꝛeifft mit selbiger hintern Hahn/ drehet alsdenn das Gewehr/ daß der Buͤgel nach dem Leib kom̃t/ fuͤgt die lincke Hand unter die Rechte hart an die Kolbe/ und legt also sein Gewehr mit deyden Haͤnden auff die Schulter/ ohne Bewe- Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Bewegung des Kopffs/ und laͤst die Rechte in einem geschwin- den tempo wieder davon ab. 32. Præsentir t euer Gewehr. ) Solches wird mit allen angehoͤrigen tempos, wie allbereit vorhin angewiesen/ verrichtet. 33. Verkehrt schultert euer Gewehr. ) Dieses geschieht in drey tem- pos, und greifft der Soldat mit der rechten Hand verkehrt in die Mitte des Gewehrs/ verkehrt selbiges mit beyden Haͤnden/ daß der Kolben oben/ das Mundloch unten/ und Schloß auswendig kom- me/ dabey denn die lincke Hand im Verkehren am Gewehr ge- drehet werden muß; und laͤst man die lincke Hand ferner oben vom Schloß am Gewehr herunter/ biß auff ein Paar Daumen breit/ am Mundloch/ mit Niedersetzung des Fusses in einem tempo, haͤlt also in beyden Haͤnden das Gewehr vor sich feste/ siehet nach der rechten Hand/ legt dasselbe in einem tempo auff die Schulter/ und laͤst die Rechte davon loß. 34. Præsenti rt euer Gewehr. ) Alsdann laͤst der Soldat sein Gewehr mit der lincken Hand/ wie ers gefast/ etwas sincken/ und fasset zu- gleich mit der Rechten solches ungefaͤhr in der Mitten/ hebt es mit beyden Haͤnden von der Schulter vor sich hoch/ laͤst die Lincke loß/ und fast mit derselbigen verkehrt das Gewehr unterm Schloß/ so daß der Kolbe im verkehren unten komme/ und das Schloß auswarts gewendet sey/ haͤlt so das Gewehr feste/ und indem die rechte Hand loßgelassen und hinterm Hahn gebracht werden soll/ muß das Gewehr mit der lincken Hand etwas gedrehet und der Fuß zuruͤck gebracht werden/ damit das Gewehr desto fuͤglicher præsentir et werden koͤnne; Sonsten verhaͤlt man sich in allem dabey/ wie schon vorher gezeiget/ und muß das Commando: Ver- kehrt Schultern/ allezeit geschehen von præsentir tem Gewehr. 35. Rechts und lincks um. ) Dieses kan vier mahl commandir t auch so wohl mit geschultert-als præsentirt em Gewehr exercir et wer- den/ und hebet der Soldat hierbey den rechten Fuß/ und drehet sich auff der lincken Hacke oder Fersen herum/ und zwar mit zier- licher Herbeybringung/ jedoch aber ohne Anschlagen des rechten an lincken Fuß. 36. Rechts und Lincks um kehrt euch; Lincks und Rechts her stellt euch. ) Solches geschieht mit geschultertem Gewehr in einem tempo, und drehet sich der Soldat auff der lincken Ferse so wohl Lincks als Rechts um; Mit præsentir tem Gewehr aber bringt der Soldat VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Soldat sein Gewehr mit kleinem Anstoß und wohlausgestrecktem rechten Arm etwas hoch/ haͤlt den lincken Arm fest am Leibe/ den- noch ohne grosses mouvement zwischen seines Vormanns Schulter/ fuͤgt auch allezeit im kehren und wenden den rechten Fuß etwas nahe zum lincken/ wann rechts oder lincks um com- mandir et/ wann aber/ rechts oder lincks um kehrt euch/ befohlen wird/ geschieht es in zweyen tempos, als: (1.) Rechts- oder Lincks umkehren sie sich gantz/ halten das Gewehr gerade vor sich/ und den rechten Fuß nahe dem lincken; (2.) treten sie mit dem rechten Fuß zuruͤck und præsentir en ihr Gewehr/ wie sie denn auch sich also lincks oder rechts herstellen. Vom Exercice mit Gewehr und Bajonetten Commando. 37. Bringt euer Gewehr zur lincken Seite. ) Solches geschicht von præsentirt em Gewehr ohne zur Erden Niedersetzung. 38. Faßt eure Bajonetten. ) Selbige muͤssen also getragen werden/ daß sie zum fertigen Griff haͤngen/ und man sie beqvem uͤber den lincken Arm/ womit das Leibgehaͤng fest anzuhalten/ er- greiffen koͤnne. 39. Zieht eure Bajonnetten aus. ) Wann das geschehen/ wird das Bajonnet gegen das Mundloch/ wie die Ladung gehalten/ und zwar die Flaͤche der Klinge gerade vorwarts/ mit wohl ausge- strecktem rechten Arm. 40. Bringt sie neben den Lauff. ) Muͤssen wohl und fest angesteckt werden/ daß sie nicht ausfahren und jemand beschaͤdigen koͤnnen. 41. Das Gewehr hoch. ) Das geschieht mit rechts um/ daß mit bey- den Haͤnden/ nemlich der Rechten unterm Mundloch/ und durch die Lincke biß an das Schloß/ das Gewehr gezogen/ und vor dem Leibe hoch wohl herum gebracht/ so dann zugleich im herum tre- ten die rechte Hand hintern Hahn/ und die Lincke geschwind loß gelassen. 42. Præsentir t euer Gewehr. ) Wie vorhin schon angewiesen/ also wohl zu observir en. 43. Legt euer Gewehr ein. ) Nemlich uͤber den lincken Arm auff der Hand/ zwischen Daumen und Zeigefinger/ so daß das Schloß oben/ und beyde Armen gleich hoch kommen. 44. Stost aus. ) Mit beyden wohl ausgestreckten und im zuruͤckziehen etwas krumm gebogenen Armen/ hierbey kan auch mit Einlegen rechts Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. rechts und lincks um/ item/ rechts und lincks um kehrt euch/ ex- ercir et werden; wobey in acht zu nehmen/ daß/ wann schon nicht auszustossen befohlen/ jedoch der lincke Arm nicht am Leibe muß fest angehalten werden/ sondern allemahl im kehren der rechte Arm an die Kolbe wohl ausgestossen/ das Gewehr vor sich hoch bringe/ und im zuruͤck treten fein hurtig wieder einlege. 45. Setzt die Kolbe euers Gewehrs am lincken Fuß. ) Solches geschieht von præsentirt en Gewehr mit Lincks umkehren/ vom Gewehr hoch aber nur mit halb lincks/ so daß der Kolbe in des lincken Fusses Hoͤhle zur Erden niedergesetzt werde. 46. Zieht eure Bajonnetten ab. ) Das Gewehr wird mit der lin- cken Hand fest gehalten/ oben bey des Bajonnets Gefaͤß/ woselbst die Feder mit den Fingern so hart angedruͤckt wird/ daß das Ba- jonnet mit der Rechten ausgezogen/ und in derselben hoch beym Gewehr behalten werde. 47. Bringt sie an ihren Ort. ) Das Gewehr wird in den rechten Arm gelegt/ mit der Lincken die Scheide ergriffen/ die Bajonnet- ten eingesteckt/ und so fort das Gewehr mit beyden Haͤnden/ der Rechten oben und Lincken in der Mitten/ angefaßt und durch die lincke Hand gezogen/ nicht aber von der Erden auffgehoben/ ehe dann ferner commandir et worden. 48. Das Gewehr hoch. ) Mit vorhin angewiesenen tempos wird also das Gewehr mit beyden Haͤnden erhoben/ darnach die rech- te Hand hinterm Hahn/ um selbigen/ wann wieder zu laden/ in Ruhe zu bringen/ und mit ausgestreckten Armen etwas vor sich hoch gehalten. 49. Præsentir et euer Gewehr. ) Solches ist schon vorhero zur Gnuͤge angewiesen worden. 50. Verkehrt schultert euer Gewehr. ) Jederzeit muß alles/ wie kurtz auch das Commando geschieht/ accurat mit zugehoͤrigen tempos observir et/ bestmuͤglichster massen egal verrichtet werden/ wie denn wohl zu behalten/ daß bey allen Kehr- und Wendungen im exercir en der lincke Fuß stehen bleiben muß. Beym Doublir en ist folgendes Commando. 1. Rechts oder Lincks/ vorwarts/ doublir t eure Glieder; March! ) Hier marchirt ohne Befehls Benennung das andere und letzte Glied/ jenes in das erste/ dieses in das dritte/ wann vorhero die A a a a a Reihen VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Reihen in gehoͤrige distance so weit geoͤffnet sind/ daß ein Mann ohne sein selbst und des stehenden Verhinderung fuͤglich durchge- hen und einmarchiren koͤnne/ auch die doublir ende Mannschafft bey denen stehenden beqvem sich kehren und wenden moͤgen. 2. Die gedoublirt haben/ her stellt euch; March! ) Solches geschieht mit lincks um/ wenn rechts zu doubliren commandir t; und mit Rechts um ohne Commando, wann lincks doublirt/ jedoch das Gewehr also zu tragen/ daß man kein Geklapper damit ma- che; wobey annoch zu observir en/ wann rechts doublir t mit Auff- hebung des lincken Fusses lincks um gemacht wird/ der rechte/ und wann lincks doublir t rechts um/ mit Hebung des rechten/ der lincke Fuß zum March vorgesetzt wird/ also jederzeit/ daß sie sich wohl hinter ihren Mann in gleiche Reihen ziehen/ mit rechts her- stellen/ den rechten Fuß hebend/ wann lincks doublir t; und lincks/ wann rechts/ mit Erhebung des Lincken. 3. Rechts oder Lincks hinterwarts duoblir t eure Glieder; March! ) Hier muß das erste und dritte Glied/ ohne Befehl/ rechts oder lincks um machen/ und jenes in das andere/ dieses aber in das letzte ein marchir en und von selbsten herstellen. 4. Die gedoublirt haben/ March! auff vorige Distance. ) Ohne Klap- pern des Gewehrs/ auch langsam und gleich/ auff vorigen Platz zu marchir en. 5. Mit halben Reihen Rechts oder Lincks vorwarts doublirt eure Glieder; March! ) Hier marschirt gerade das dritte und letzte Glied/ jenes durch das zweyte ins erste/ dieses aber ins an- dere rechts oder lincks neben seinem Vormann/ und richten sich wohl in stehenden Reihen und Gliedern. 6. Die gedoublirt haben/ her stellt euch; March! ) Nach vor an- gezeigter Manier mit Rechts oder Lincks um/ da denn der Mann/ so bald er rechts oder lincks um getreten/ waͤhrenden marchir en hinter seinem Vormann sich rechts oder lincks hinziehet/ damit Reihen und Glieder in wohl gerichteten distanc en bleiben koͤnnen. 7. Mit halben Reihen rechts oder lincks/ hinterwarts doublirt eure Glieder; March! ) Hier muß das erste und andere Gied rechts mit Auffhebung des lincken/ oder lincks um mit Hebung des rechten Fusses machen/ und soll dieses durch das dritte ins letzte/ jenes aber ins dritte einmarchiren/ und dabey den rechten oder lincken Fuß vorsetzen/ wie vorhin unterwiesen. 8. Die Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. 8. Die gedoublirt haben/ March! auff vorige Distance. ) Allhier ziehen sich die marchirende wieder gerade in gute distance vor ih- ren Mann. 9. Mit halben oder viertel Gliedern rechts oder lincks/ vor oder hintern Mann/ doublirt eure Reihen; March! ) Hier ma- chen diejenigen/ welche doubliren sollen/ nachdem es commandir t/ ohne langwuͤrige Eintheilung/ rechts oder lincks um/ marchiren gerade vor oder hintern Mann/ und muͤssen sich ohne Comman- do lincks oder rechts von selbsten derstellen. 10. Die gedoublirt haben/ March auff vorige Distance. ) Allhier mussen sich die marchir ende gleichfalls wieder gerade in gute di- stance ziehen. 11. Rechts oder Lincks doublirt eure Reihen; March! ) Hier muß ohne weitlaͤufftige Eintheilung/ wann rechts zu doublir en com- mandi rt/ der zweyte Mann im Gliede hinter den ersten/ der vierd- te hintern dritten/ und so fortan; wo aber lincks commandir t wird/ so bleiben die vorhin gegangen haben/ stehen/ und die vor- hin gestanden/ gehen also/ daß der erste vor den andern/ der dritte vor den vierdten kommt/ und so weiter/ richten sich auch in gerade Rethen/ und muͤssen sich ohne Commando lincks oder rechts her- stellen 12. Die gedoublirt haben/ March auff vorige Distance. ) Gleichwie sie zuvor beym doubliren rechts oder lincks um gemacht haben/ ehe und bevor sie marchir et/ also muͤssen sie nun auch wieder lincks um/ wann rechts/ und rechts um machen/ wann lincks doublirt wor- den/ auch von selbsten sich wieder rechts oder lincks herst e llen nach- dem sie an vorige Stelle marchir t/ nemlich/ wann rechts doublirt/ hinter; wann lincks/ vor den Mann. Von Marchir en und Schwengen. 1. Die Unter-Off i ciers sollen im March bey den Zuͤgen am ersten Glied auff der rechten Hand marchir en/ wann man aber mit der gantzen Fronte marchir t/ so bleiben sie forn im Gliede auff den Fluͤ- geln und hinten eingetheilt/ geben genaue Achtung/ daß die Com- pagnie oder Bataillon so/ wie sie gestellt/ fort marchir en/ und sich wieder zuruͤck ziehen koͤnne/ und ja nicht nach der Mitten sich zu enge in ein- ander drengen/ oder nach den Fluͤgeln zu weit aus einander zieben/ damit alle leicht hierdurch besorgliche Confusion bestens verhuͤtet A a a a a 2 werde/ VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ werde/ ja Reihen und Glieder in ihren Distanc en wohlgerichtet hal- ten und gleich lassen marchir en. 2. Wann die Compagni en ohne Spiel-Ruͤhrung zum Parade -Platz gefuͤhret werden/ sollen sie das Gewehr recht; davon aber/ verkehrt geschultert tragen. Wird aber das Spiel geruͤhret/ marchir en sie in rechter Zug-Ordnung auff und ab. 3. So bald nun die Compagni en auff marchir t/ werden die Rotten oder Reihen voll gemacht/ gute Distance gehalten/ und verfuͤgen sich die Tambours so lange mit nach den Fluͤgeln/ und theilen sich in ein glei- ches Glied/ kommen auch nicht in die Zuͤge und hinter die Fahnen/ biß ihnen sich dazu einzutheilen befohlen. 4. Die Unter-Officiers werden also vertheilet/ daß auff der recht- und lincken Seite bey jederm Glied ein/ hinter Bataillons jede division aber 2. zu stehen kommen; die noch uͤbrigen aber werden im foͤrder- sten Gliede zu Zuͤgen und Divisiones so breit eingetheilt/ daß zum wenigsten eine jede division in 4. Zuͤgen abmarchir en/ und an den Zuͤgen/ wo ein Ober-Officier marchir t/ auff beyden Seiten beym ersten Gliede 1. Unter-Officier seyn koͤnne. 5. Die Herren Ober-Officiers wissen sich alsdenn nach ihrem Rang in gehoͤrige Distance schon selbst zu rengir en/ damit die Bataillon zum March oder exercir en fertig stehe/ und kan man also mit Zuͤgen/ Di- vision en oder gantzen Bataillon marchir en und schwengen. 6. Wann die Handgriffe allein sollen exercir et werden/ so treten die Herren Ober-Officiers in gerader Linie so weit voraus/ daß das Gewehr ohne Verhinderung gebraucht werden kan/ daselbst sie sich umkehren und Achtung darauff mitgeben/ die Unter-Officiers aber bleiben so stehen/ wie sie eingetheilet/ geben auff alles gute Achtung/ und machen ihre Handgriffe in gehoͤrigen tempos mit; Solte aber en presence des Landes-Herrn oder sonst gleich Anfangs zum Ernst mit Feuer geben exercir et werden/ so treten die Herren Ober-Offi- ciers gar nahe ans erste Glied zuruͤck/ und knien beym Feuer geben mit nieder. 7. Wann nun mit gantzer Bataillon oder Division en zu marchir en be- fohlen wird/ treten die Glieder/ so bald das Wort March gesprochen/ mit dem lincken Fuß zugleich vor sich aus/ damit sie alle in einem mouvement marchir en koͤnnen/ dabey denn die Unter-Officiers im foͤrdersten Gliede mit gerader Linie gleich vor sich aus in gehoͤriger distance der Reihen marchir en sollen; die auff den Fluͤgeln von forn halten Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. halten gute Augenmasse/ daß die Bataillon gleichaus marchir e/ und sich nicht nach der Mitte in einander oder nach den Fluͤgeln aus ein- ander ziehe/ die an denen drey letzten Gliedern geben absonderlich Achtung/ daß sie mit den Gliedern allezeit in so geoͤffnet oder geschlos- senen Distanc en/ wie es commandir et worden/ fort marchir en/ und ja nicht ausser Commando naͤher an einander ruͤcken/ oder weiter von einander bleiben/ wie sie denn auff den Fluͤgeln solche distance wohl observir en sollen/ damit die Glieder aus der Mitten sich nach ihnen richten koͤnnen/ die hintersten Unter-Officiers treiben nach/ und sehen zu/ daß das letzte Glied in der Folge gleich und wohl mar- chir e/ da sich aber die Bataillon mit rechts oder lincks umkehren wie- der zuruͤck ziehen muͤste/ treten sie in das letzte/ auff daß gleich und wohl vor sich aus marchir et werde. 8. Wuͤrde aber in Zuͤgen abzumarchiren commandir t/ sollen die Un- ter-Officiers im foͤrdersten Gliede neben den Zuͤgen/ wie sie einge- theilet/ und die 4. am rechten Fluͤgel bey ihren Gliedern am ersten Zuge zugleich mit fort marchir en/ und im wieder Auffmarch gute Achtung geben/ daß die Glieder und Reihen in gehoͤrige Distancen wohl gerichtet stehen; derohalben/ so bald der erste Zug sich gestellet/ sollen sie die Glieder mit ihren Kurtzgewehren wohl richten; die aber hinter den Division en stehen/ theilen sich in zwey Theile/ und schlies- sen die erst- und andere Division; die uͤbrigen/ so am lincken Fluͤgel bey den Gliedern eingetheilet/ bleiben bey des letzten Zugs Abmarch stehen/ und schliessen darauff die Bataillon, so bald aber die Bataillon wieder auffmarchiret/ herstellen sie sich wieder auff denen Fluͤgeln bey ihren Gliedern/ die andern aber theilen sich/ wie zuvor/ wieder hinter die Divisiones, worinn sie sich dann allerdings nicht negligent er finden lassen sollen. Bey fleißiges marchir en gehoͤret zu uͤben das Schwengen mit geschlos- Vom Schwen- gen zu mercken senen Division und Bataillons, nicht aber mit geoͤffneten Gliedern/ als welche sich jederzeit ohne sonderliches Commando im Schwen- gen anschliessen/ darnach aber waͤhrenden March zu voriger Distan- ce sich langsam wieder oͤffnen sollen/ wobey denn stets wohl zu obser- vir en/ daß/ wann rechts zu schwengen commandir et/ der lincke Fluͤgel/ und wann lincks zu schwengen/ der rechte Fluͤgel marchir en muͤsse; so soll man auch die Mannschafft dazu gewoͤhnen/ nach der schwengen- den Seite zu sehen/ damit sie in gleicher Fronte und geraden Gliedern nach eingetheilter Distance wohl marchir en und schwengen moͤgen. A a a a a 3 Fol- VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Folget nun weiter/ wie ein Bataillon zum Off- und Defensi- ven Gefechte zu exercir en. Die Bataillon muß/ wie vor erwehnet/ eingetheilt und gestellt seyn/ so/ daß das Gewehr bequem handthieret werden koͤnne/ als- dann wird commandi rt/ zur Defension gegen Infanterie oder Ca- vallerie. 1. Vorwarts schliest eure Glieder/ biß auff einen Schritt von eu- rem Vormann ) Wann dieses in guter Ordnung geschehen/ wird ferner befohlen: 2. Macht euch fertig zum Schuß. ) So werden die Glieder von hinten an zum chargir en verordnet/ auch das gleiche Niederknien und Auffstehen mit Fleiß unterwiesen/ wann nun die zwey erste Glieder auff die Knie fallen sollen/ muͤssen sie es verrichten/ so bald sie nur hoͤren das Commando: 3. Das letzte Glied. ) Solches tritt indem etwas naͤher ans dritte/ und legen alle das Gewehr uͤber ihres Vormanns lincke Schul- ter. 4. Schlagt an. 5. Gebt Feuer. 6. Setzt ab. ) Jndem stehet das andere von selbsten auff. 7. Schlagt an. ) Rucket an das zweyte das dritte Glied. 8. Gebt Feuer. ) Uber lincke Sch u lter. 9. Setzt ab ) So stehet das erste Glied auff. 10 Schlagt an. ) Ruͤcket naͤher ans erste/ das andere Glied. 11. Gebt Feuer. ) Uber Vormanns lincke Schulter. 12. Setzt ab. ) Sie treten allemahl wieder zuruͤck in vorige distance. 13. Schlagt an. ) 14. Gebt Feuer. ) 15. Setzt ab ) Muͤssen alle wohl auff einen halben Mann/ das erste Glied anschlagen/ und das Glied/ so Feuer g e geben/ macht sich wieder fertig mit laden/ wann aber alles verschossen/ oder sonst im Nothfall/ bringen sie zum Einbrechen die Bajonnetten neben den Lauff. Chargir en mit drey Gliedern. Wann aber drey Glieder auff die Knie fallen/ und also auch mit den letzten Gliedern/ zu erst abgefeuert werden soll/ muͤssen die foͤrdersten/ und die darinn auch nahe davor stehende Ober- und Unter-Officiers/ auff das rechte Knie zugleich sich nieder lassen/ und das Gewehr un- ten Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. ten mit der Kolbe an der Erden/ und oben etwas uͤbergesencket Schuß- Bataillons De- fension. fertig und behutsam vor sich gehalten werden; So bald die letzten ge- feuret/ stehen die ersten geschwind auff/ samt denen Unter-Officiers/ die Ober-Officiers aber bleiben niedergekniet/ biß alle Glieder abge- feuret/ welche/ wie sie nach einander feuren/ auch so fort darauff wie- der laden muͤssen und das Gewehr schußfertig machen/ auff daß also mit continuir endem Feuer Glieder weise bey hurtigem Niederknien und Auffstehen die Bataillon bestens defendir et werden koͤnne; wann sich nun die Soldaten etwas verschossen/ und der Feind so nahe/ daß sie nicht zum laden wieder kommen koͤnnen/ bleiben sie stehen/ stecken ihre Bajonnetten ans Rohr/ und thun damit ihre aͤuserste Defension, wozu auch im Nothfall die Spanischen Reuter gar dienlich. Die Bataillon verhaͤlt sich in allem biß zum Schuß fertig/ so wie vor- Attaque auff Infanterie oder Cavalle- rie. hin erwehnt; allemahl/ wann March commandir et wird/ schlagen die Tambours auff den Fluͤgeln auch March/ die Glieder treten mit dem lincken Fuß zugleich aus/ und marchir en mit geschlossenen Gliedern ge- rade und langsam fort/ das Gewehr wird fast wie zum præsentir en gantz fertig und behutsam vor sich getragen; So offt nun halt! gesagt wird/ steht die Bataillon und halten die Tambours zugleich stille/ dar- auff wird das chargir en nach gut befinden von hinten an mit nieder- knien Glied-weise also verrichtet/ wie zuvor in Defensions Fall ange- zeiget; so bald die letzten Glieder abgefeuret/ laden sie ihr Gewehr wie- der/ und machen es schußfertig/ damit/ wann etwa der Feind auch von hinten kommen solte/ sie zur Defension beschossen seyn moͤgen/ wann man nun so nahe/ daß die Einbrechung resolvir et werden kan/ muͤssen sie die Bajonnetten neben dem Lauff bringen/ und so dann gesamter Hand mit starcken Lermenschlag dieselbe vornehmen; Solte aber sich zu reterir en befohlen werden/ geschicht es mit rechts oder lincks um- kehren/ darauff marchir t die Bataillon mit Tropschlag etliche Schrit- te/ so viel noͤthig/ zuruͤck/ und richten im Fortmarsch ihre Reihen und Glieder/ die foͤrdersten oder alsdann hintersten Glieder behalten ihre Bajonnetten am Rohr/ biß die Bataillon in Sicherheit; die letzten oder alsdann foͤrdersten Glieder aber/ welche sich annoch beschossen befinden/ ziehen ihre Bajonnetten ab vom Gewehr/ stecken sie in die Scheide/ und machen sich schußfertig/ auch in fernerm Fort-March schlagen die Tambours den March/ und wird/ nach dem es die Nothdurfft erfor- fordert/ etliche mahl halt! gemacht/ damit durch die beschossene Glieder die retiradę in guter Defension mit Feuergeben verrichtet werde; So bald VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ bald nun die Bataillon wieder auff ihren Platz und allda ist/ wo sie seyn soll/ herstellen sie sich/ oͤffnen ihre Glieder hinterwarts/ bringen die Ba- jonnetten wieder an ihren Ort zur Scheide/ und alsdann laden sie ihr Gewehr wieder/ machen sich fertig von neuen zu chargir en mit avanci- r en oder reterir en/ nachdem es rathsam und Orts Gelegenheit erfor- dert/ bist der Bataille Endschafft/ Gewinst oder Wahlplatzes Verlust/ Tages Scheidung und Generalissimi Ordre zur Gnuͤge vollenzogen. Exercices Commando Woͤrter Aus- zug. 1. Last euer Gewehr sincken. 2. Mit der rechten Hand fast euer Gewehr unterm Hahn. 3. Das Gewehr hoch. 4. Præsentir t euer Gewehr. 5. Macht euch fertig zum Schuß. 6. Schlagt an. 7. Gebt Feuer. 8. Setzt ab. 9. Zieht den Hahn in die Ruhe. 10. Blaset die Pfanne ab. 11. Thut Zuͤnd-Kraut auff die Pfanne. 12. Schliesset die Pfanne. 13. Lincks schwengt euch zur La- dung. 14. Faßt eure Patronen. 15. Oeffnet sie mit den Zaͤhnen. 16. Thut sie in den Lauff. 17. Ziehet den Ladestock aus. 18. Haltet ihn hoch. 19. Faßt ihn Kurtz. 20. Steckt ihn in den Lauff. 21. Stoßt eure Ladung nieder. 22. Zieht den Ladestock wider aus. 23. Haltet ihn hoch. 24. Faßt ihn kurtz. 25. Bringt ihn an seinen Ort. 26. Das Gewehr hoch. 27. Schultert euer Gewehr. 28. Rechts um vier mahl. 29. Lincks um vier mahl. 30. Rechts um kehrt euch. 31. Lincks her stellt euch. 32. Lincks um kehrt euch. 33. Rechts her stellt euch. 34. Das Gewehr hoch. 35. Præsentir t euer Gewehr. 36. Rechts um 4. mahl. 37. Lincks um 4. mahl. 38. Rechts um kehrt euch. 39. Lincks her stellt euch. 40. Lincks um kehrt euch. 41. Rechts her stellt euch. 42. Bringt euer Gewehr zur lin- cken Seite. 43. Faßt eure Bajonetten. 44. Zieht eure Bajonnetten aus. 45. Bringt sie neben den Lauff. 46. Das Gewehr hoch. 47. Præsentir t euer Gewehr. 48. Legt euer Gewehr ein. 49. Stoßt aus. 50. Rechts und lincks um/ jedes viermahl. 51. Rechts um kehrt euch. 52. Lincks her stellt euch. 53. Lincks um kehrt euch. 54. Rechts her stellt euch. 55. Das Gewehr hoch. 56. Bringt Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. 56. Bringt die Kolbe euers Ge- wehrs an lincken Fuß. 57. Zieht eure Bajonnetten ab. 58. Bringt sie an ihren Ort. 59. Das Gewehr hoch. 60. Das Gewehr geschultert. 61. Ruhet auff eurem Gewehr. 62. Legt euer Gewehr nieder. 63. Hebt euer Gewehr auff. 64. Ruhet auff euerm Gewehr. 65. Schultert euer Gewehr. 66. Das Gewehr hoch. 67. Præsentir t euer Gewehr. 68. Das Gewehr geschultert. 69. Præsentir t euer Gewehr. 70. Verkert schultert euer Gewehr. Das andere und letzte Glied gebt Achtung: Rechts vorwarts doublirt eure Glieder/ March. Vom doubli- r en Comman- do Woͤrter Auszug. Die gedoublirt haben/ lincks her stellt euch/ March auff vorige di- stance. Lincks vorwarts doublirt eure Glieder/ March. Die gedoublirt habẽ/ rechts her stellt euch/ March auf vorige distance. Das erste und dritte Glied gebt Achtung: Rechts hinterwarts doublirt eure Glieder/ March und her stellt euch/ nemlich ohne Commando lincks. Die gedoublirt haben/ March auff vorigen Platz. Lincks hinterwarts/ doublirt eure Glieder/ March und her stellt euch/ von sich selbst/ nemlich rechts. Die gedoublirt haben/ March auff vorigen Platz. Das dritte und letzte Glied gebt Achtung: Mit halben Reihen rechts vorwarts/ doublirt eure Glieder/ March. Die gedoublirt haben/ lincks her stellt euch/ March auf voꝛige distance. Mit halben Reihen lincks vorwarts doublirt eure Glieder March. Die gedoublirt haben/ rechts herstellt euch/ March auf vorige distance. Das erste und andere Glied gebt Achtung: Mit halben Reihen rechts hinterwarts doublirt eure Glieder/ March und her stellt euch/ nemlich lincks ohne Commando. Die gedoublirt haben March auff vorigen Platz. Mit halben Reihen lincks hinterwarts/ doublirt eure Glieder/ March und her stellt euch/ rechts nemlich von sich selbsten. Die gedoublirt haben/ March auff vorigen Platz. Hierbey rechts doublirende hinter/ lincks aber vor den Mann marchir en. Als: Mit halben Gliedern/ rechts doublirt eure Reihen/ March und her stellt euch ohne Befehl lincks. Die gedoublirt haben/ March auff vorige distance. B b b b b Mit VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Commande- mens beym doublir en. Mit halben Gliedern: Lincks doublirt eure Reihen/ March und her stellt euch/ ohne Befehl/ rechts. Die gedoublirt haben/ March auff vorige distance. Mit viertel Gliedern: Rechts doublirt eure Reihen/ March und her stellt euch/ ohne Befehl/ lincks. Die gedoublirt haben/ March auff vorige distance. Mit viertel Gliedern: Lincks doublirt eure Reihen/ March und her stellt euch/ nemlich rechts. Die gedoublirt haben/ March auff vorige distance. Wobey rechts Doublirende lincks/ und lincks doublirende rechts um machen im herstellen vom doubliren zum March auff vorigen Platz/ gleichwie diese vorhin lincks vor/ und jene rechts hintern Mann doublirt haben. Mit eintzeln Rotten. Rechts doublirt eure Reihen/ March und her stellt euch. Die gedoublirt haben/ March auff vorigen Platz. Diese marchir en mit rechts um hinter ihren Nebenmann/ der zweyte hintern ersten/ und vierdte hintern dritten und so fortan/ her stellen sich ohne Befehl lincks/ hernach machen sie wieder lincks um/ zum Ruͤckmarsch/ und herstellen sich alsdann Rechts. Lincks doublirt eure Reihen/ March und herstellt euch. Die gedoublirt haben/ March auff vorigen Platz. Diese nun/ welche gestanden haben/ gehen; und die zuvor giengen/ stehen still/ und machen also die Doublirende der erste vor dem andern/ der dritte vor dem vierdten u so weiter lincks um/ marchir en fuͤr ihren Nebenmann/ her stellen sich rechts/ hernach mit rechts um marchir en sie zuruͤck/ und herstellen sich lincks. Commando vom schliessen und oͤffnen der Reihen und Glieder. Vor- oder hinterwarts schliesset eure Glieder/ March. Verstehe biß auff einen Schritt vom Hinter- oder Vormann. Hinter- oder vorwarts oͤffnet eure Glieder/ March. nemlich in vori- ge distance. Rechts und lincks schliesset eure Reihen/ March. Verstehe von beyden Fluͤgeln nach der Mitte/ jedennoch so/ daß sie ihr Gewehr bequem und nothduͤrfftig ruͤhren koͤnnen. Rechts und lincks oͤffnet eure Reihen/ March. Nach den Fluͤgeln/ Commando vom Schwen- gen. nemlich aus der Mitte in vorige distance. Rechts oder lincks vorwarts schwenget euch/ March. Bey rechts marchir et der lincke Fluͤgel/ und der rechte bewegt sich nur etwas; bey lincks marchir t der Rechte/ und der Lincke ruͤhret Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. ruͤhret sich etwas; und im Schwengen schliessen sich die hinter- sten Glieder an das foͤrderste/ im marchir en aber oͤffnen sie sich hernach wieder allgemachsam zur vorigen distance. Rechts oder lincks hinterwarts schwenget euch/ March. Alsdann reterir et sich bey Rechts der rechte/ und bey Lincks der lincke Fluͤgel/ und stehet bey rechts der lincke/ bey lincks aber der rechte Fluͤgel still; jedoch so/ daß sie sich in gerade Linie wohl einrichten. Fernere Exer- cice Obser- vance. Still und gebt Achtung: Tragt euer Gewehr wohl/ haltet gute di- stance und gerade Positur/ richtet euch wohl in Reihen und Gliedern. Jtem/ alles fein hurtig und egalement zu verrichten/ darum auch die drey letzten Glieder jederzeit auffs erste/ welches alle tempos langsam machen muß/ hinsehen sollen; Jm ersten Glied aber sehen sie allemahl nach der rechten Hand biß zur Ladung/ so dann hernach zur lincken/ derowegen man allezeit zween tuͤchtige Maͤnner die Fluͤgel betreten lassen kan. Vorwarts schliest eure Glieder/ March. Præsentir t euer Gewehr. Commande Woͤrter vom chargir en zum Treffen mit Feuergeben und wieder la- den/ scharff oder blind. Das dritte Glied: Schlagt an/ gebt Feuer/ setzt ab. Also wie vorhin angezeigt/ und nun stehet auff das erste Glied. Chargir en mit eintzeln Glie- dern. Das andere Glied: Schlagt an/ gebt Feuer/ setzt ab! Wie schon offt angewiesen/ nach dem Wort: Feuer oder Faute Schuß; wann nemlich einer das Commando verfehlet und zu fruͤh Feuer giebt/ so waͤre vielleicht zur Salv en Zierrath offt besser/ daß solcher Fehler an statt Commando Worts/ B b b b b 2 mit VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ mit geschwindem Feuergeben insgesamt verfolget/ als hernach durch viel Zwischen-Rede/ Confusion mit eintzeln Schuͤssen zu verursachen/ das beste Mittel aber ist/ sich angewoͤhnen/ auffs fleißigste zu observir en das Commando Feuer. Das erste Glied: Schlagt an! Gebt Feuer! Setzt ab! So bald wieder geladen/ oder auch alle Bajonetten angesteckt; Præsentir t euer Gewehr! Legt ein! Avancir t zum Einbrechen! Stoßt aus! Bajonetten an ihren Ort! Rechts um kehrt euch! Lincks her stellt euch! Schlagt an: Gebt Feuer! Ein oder zwey Glie- der; Reterir t euch! waͤhrender Retirade wieder geladen: Schlagt an! Gebt Feuer! Alles in guter Ordnung. A’ l’homme, dout le ceur est toujours trop volage, Rien ne fait plutot, toute sorte d’Outrage, Que l’insensible Courage, Dans le jeun \& traître age. Commandemens beym Piquen Exercice. 1. Pique bey den Fuß. ) Man setzt sie nemlich also an den rechten Fuß/ daß der Dopp fest an den Absatz zu stehen kommt/ haͤlt die Hand dem Auge gleich/ und drehet solche wohl nach dem Gesichte/ den Daumen auffwarts dran gelegt. 2. Pique hoch. ) Mit der rechten Hand und ausgestrecktem Arm bringt man sie vor sich in die Hoͤhe/ und faßt sie alsdann gleich dem Leibgehaͤnge mit der Lincken/ laͤst die Rechte loß/ und fasset mit sel- biger unten an den Dopp/ legt die Pique an die Schulter/ und thut die Lincke davon ab. 3. Pique bey den Fuß. ) So faßt man mit der lincken Hand selbige gleich der Schulter wieder an/ bringt sie mit beyden ausgestreckten Armen gerade vor sich/ laͤsset die Rechte gehen/ und die Lincke biß an den Guͤrtel sincken/ greifft so dann mit der Rechten wieder oben an/ und setzet die Piqve neben dem Fuß/ wie vor gemeldet. 4. Rechts um vier mahl. ) Der Soldat drehet sich mit dem Leibe rechts um/ so/ daß er den lincken Fuß stehen laͤst/ den Rechten samt der Piqve auffhebt/ und also auff dem lincken Absatz herum kommt. 5. Lincks um vier mahl. ) Das geschicht eben wie rechts um/ so daß er den lincken Fuß stehen laͤst/ nur dabey zu observir en/ daß er durch Anlegung und Huͤlffe des rechten Elnbogen an die Pique den rechten Fuß Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Fuß wohl und fest im rechts oder lincks umkehren dabey behalte. 6. 7. 8. 9. Rechts und lincks um kehrt euch! Lincks und rechts her stelt euch! ) Solches alles geschieht in einem tempo, wie itztvermeldet. 10. Pique hoch. ) Dieses wird verrichtet/ wie oben angewiesen. 11. Vorwarts faͤllet eure Pique. ) Hier fasset man die Pique mit der lincken Hand/ gleich der Schulter an/ bringt sie vor sich hoch/ drehet also den rechten und lincken Fuß/ daß die Ferse des rechten Fusses zu- ruͤck gerade hinterm lincken stehe/ und faͤllet die Pique. 12. Rechts um 4. mahl. ) Nun wird die Pique mit beyden ausgestreck- ten Armen/ auch Herbeybringung des rechten Fusses gerade vor sich in die Hoͤhe gebracht/ indem man sich auch zugleich rechts um dre- het/ den rechten Fußwieder gerade hinter den Lincken bringt/ und die Pique faͤllet/ welche Faͤllung uñ rechten Fusses Niedersetzung zugleich geschehen muß. 13. Lincks um vier mahl. ) Eben also/ wie bey rechts um/ nur daß allhier der lincke Fuß lincks gedrehet/ und auff selbigem der Leib ge- wendet wird/ auch bringt man den rechten Fuß wieder herbey/ und faͤllet die Pique ferner mit Zuruͤcktretung desselben lincks. 14. 15. 16. 17. Rechts und lincks um kehrt euch! Lincks und rechts her stellt euch. ) Dieses geschieht in 2. tempos, erstlich/ umkehrt er sich gantz/ haͤlt die Pique gerade vor sich/ den rechten Fuß nahe an den lincken beybringend/ hernach tritt er mit dem rechten Fuß zu- ruͤck/ und faͤllet die Pique. 18. Pique hoch! ) Wie schon vorhin angewiesen. 19. Schultert die Piqve. ) Alsdann fasset er mit der lincken Hand dieselbe der Schulter gleich/ bringt sie mit beyden Armen vor sich/ drehet den Leib mit auffgehobenem rechten Fuß rechts um/ laͤsset in- dem die rechte Hand unten ab/ und greifft mit solcher Pique/ welche ihm allgemachsam zuruͤckwarts in die Hand faͤllt/ oben wieder an/ haͤlt sie mit beyden ausgestreckten Armen/ daß sich die Spitze hinter- warts neiget/ wendet sich lincks nach der Fronte/ bringt damit den rechten Fuß hervor/ laͤsset die lincke Hand ab/ und leget mit der Rechten die Pique auff die Schulter/ also/ daß der Elnbogen etwas gehoben und der Daumen unter die Piquen komme. 20. Pique hoch! ) Hier bringt der Soldat mit der rechten Hand und ausgestrecktem Arm die Pique von der Schulter/ fasset sie zwischen der rechten Hand und dem Dopp mit der lincken an/ tritt zugleich mit dem rechten Fuß zuruͤck/ haͤlt die Pique mit wohl ausgestreckten B b b b b 3 Arm VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Arm vom Leibe/ so daß die Pointe sich etwas hinterwarts neige/ stos- set demnechst mit der Rechten an die Pique/ daß sie gerade hoch kom̃t/ tritt folgends mit rechtem Fuß wieder neben den Lincken/ fasset mit der Rechten unten an den Dopp/ und bringt sie an die Schulter; der Piquen Faͤllung auff die Pforte geschieht von hoch/ das ein je- der leicht begreiffen kan. 21. Ruhet auff eurer Pique. ) Man fasset mit der lincken Hand die Pique der Schulter gleich/ bringt solche gerade vor sich/ laͤsset die Rechte loß/ fasset mit selbiger eine gute Elle lang uͤber die Lincke/ und laͤst die Piqve durch die lincke Hand schiessen/ daß der Dopp auff die Erde gerade zwischen beyde Fuͤsse zu stehen komme/ wobey die Lincke unter die Rechte gefuͤget wird/ jedoch muß die Rechte als Oberste/ nicht hoͤher als biß gegen das Kinn kommen/ damit man das Gesichte frey behalte. 22. Niederlegt eure Pique. ) Nun hebt man dieselbe mit beyden aus- gestreckten Armen etwas von der Erden/ buͤcket sich hernach/ und laͤst sie gerade mit dem Dopp hinten aus zwischen die Beine nieder/ daß die Haͤnde zwischen deren Fuͤsse Hoͤhle kommen. 23. Nehmet eure Pique auff. ) Nun faßt man selbige mit beyden Haͤnden eben da wieder an/ allwo man vorhin die Haͤnde gehabt/ als sie niedergelegt worden/ nimmt sie auff und setzet dieselbe gerade vor den Leib/ so daß der Doop nicht zu weit von den Fuͤssen koͤmmt/ und hebt die Elnbogen in die Hoͤhe. 24. Pique hoch ) Allhier ziehet der Soldat solche mit der rechten Hand durch die Lincke in die Hoͤhe/ so daß die Lincke ohngefehr halb biß an das unterste Ende der Pique sincke/ laͤsset die Rechte loß/ und greifft mit selbiger unten an den Dopp/ hernach bringt er sie an die Schulter. 25. Schleifft eure Pique verdeckt bey der Spitze. ) Welches bey Attaquen und Defensions Faͤllen zu gebrauchen/ woselbst die Piquen mehren theils hinten bleiben und zwey Glieder machen/ sonst aber bey Bataillon Formi rung machen sie das Cors allein; Beym exer- cir en tragen die Piqueniers ihre Piquen hoch/ biß daß commandir et wird: Mit der rechten Hand faßt euer Gewehr untern Hahn! als- dann faßt der Piquenier zugleich mit der lincken Hand die Pique obig der Schulter an/ schier gegen dem Gesichte; Bey Commando: Das Gewehr hoch/ bringt der Piquenier die Pique/ so wie dieselbe mit beyden Haͤnden gefaßt/ auch in einem tempo zugleich mit gerade vor sich. Beym Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Beym Præsentir en lassen die Piquenirs ihre Piquen etwas sincken/ greiffen mit der Rechten so weit an dieselben zur Mitten/ daß sie beym rechten Fuß bequem niedergelassen werden koͤnnen/ und zwar in einem tempo, nach eines jeden Proportion, daß der Daume dem Auge gleich komme/ hernach wird die lincke Hand in die Seite gesetzt. Wann aber zum Respect unterthaͤnigster massen gegen Jhro Hoch- Piquen Exer- cice beym Ge- wehr. Fuͤrstlichen Durchl. und dero Haͤuser Famili en die Fahnen gesencket werden/ muͤssen die Piqven hoch gehalten/ und dann zugleich deren Spitzen zur Erden gelassen/ die Rechte am Elnbogen hinten etwas in die Hoͤhe gehoben/ mit den Fahnen wieder auffgenommen/ vor sich erst/ darnach an die Schulter hoch gebracht werden/ wie auch beym chargir en/ da sie beym Anschlagen mit gefaͤllet werden. Wann son- sten das Gewehr præsentir t/ alsdann werden die Piquen vor sich hoch gehalten/ dabey sie im rechts und lincks umkehren jederzeit wohl hoch zu bringen/ damit sie nicht klappern/ so muß auch beym wenden alle- zeit der rechte Fuß zum lincken beygebracht werden. Wann/ ruhet auff euerm Gewehr/ befohlen/ so bringen die Pique- niers ihre Piquen mit beyden Haͤnden zugleich mit/ gerade vor die Fuͤsse/ halten selbige vor sich etwas von der Erden/ sehen nach der rech- ten Hand/ geben denen Mousquetairs Zeit/ daß sie zugleich in gerader Linie unten nicht zu nahe/ noch zu weit von dem Mann zu stehen kom- men/ in eine solche ungezwungene Positur/ daß Haͤnde und Ellenbogen mit der Schulter gerade Linie machen/ auch etwas hart zur Erden nie- dergesetzt werden. Wann befohlen/ niederlegt euer Gewehr/ so heben die Piquenirs Beym Gewehꝛ das Piquen Exercice. mit beyden Haͤnden die Piquen/ wie sie gefaßt/ von der Erden/ halten sie gerade vor sich/ und legen sie zwischen ihre Beine/ mit denen Musque- tirs zugleich nieder/ jedoch also vorsichtig wohl zuruͤck/ daß im nieder- buͤcken die Haͤnde recht zwischen die Fuͤsse/ der Piquen Untertheil hin- terwarts aus/ und das Obertheil stracks vor sich in gerader Linie/ damit der Vormann nicht beruͤhret/ geschlagen oder mit der Spitze getroffen werden koͤnne/ welches auch vielmehr bey Wiederauffhebung dersel- ben zu beobachten/ daß die Spitze vor erst uͤber den Vormann/ und ferner vorsichtiglich in die Hoͤhe gebracht werde/ wann sie vorher egal und gleiches tempo gleich als mit ledigen Haͤnden Vorzeigung gemacht; hernach wird auf Commando geschultert/ wann es zum March gelten soll/ sonst aber/ wie auch beym verkehrt schultern des Gewehrs/ werden die Piquen vor sich hoch gebracht/ und zuletzt an die Schulter/ in gleichen VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ in gleichen tempo angesetzt; beym Anschlagen des Gewehrs aber sol- len sie gefaͤllet/ und beym Feuergeben wohl damit ausgestossen werden. Defension ge- gen Cavallerie daß Piquen im Corpo bleiben und zur Noth Mousquetairs in dieselbe sich reterir en koͤn- nen. Wann die Bataillon zum chargir en fertig/ werden von denen aͤuser- sten Piqven im Corpo drey Rotten nach den Fluͤgeln abgetheilet/ wel- che nebst denen Unter-Officiers dieselbe besetzen und fuͤr dem Einbruch beschuͤtzen/ wofern nun der Musquetier sich etwa gantz verschossen und wegen der Reuterey Andraͤngung nicht wieder zum laden kommen koͤn- nen/ bringen sie ihre Bajonetten ans Rohr/ defendir en und ziehen sich nach dem Commando in die Piquen/ welche sich dazu gleich einem Qua- drat eintheilen muͤssen/ nemlich das zweyte Glied ziehet sich vorwarts/ nahe an das erste/ und das fuͤnffte zuruͤck nahe an das letzte/ eroͤffnen darnach alle vier ein wenig lincks und rechts ihre distanc en/ und die zwey hintersten reteriren sich so viel zugleich/ daß die Mousquetairs zwischen ihnen einmarchiren und Raum haben koͤnnen/ die zwey mittelsten Glieder machen aus der Mitten rechts und lincks um nach den Fluͤgeln/ doubliren sich in vier Rotten rechts und lincks/ marchiren mit halb ge- faͤlleten Piquen nach den Fluͤgeln so weit vor sich daß die Letzten mit den Ruͤcken der stehenden Glieder an den Fluͤgeln gleich kommen/ halten sich vor ihren Mann angeschlossen/ und empfangen die Mousquetairs/ welches die Herren Fendrichs/ weilen sie alsdann mit den Fahnen in der Mitte stehen muͤssen/ am besten ordiniren koͤnnen; die Mousquetairs Bataillon Quarre von Piqueniers uñ Musquetairs. von der rechten Hand bleiben denen Entgegenkommenden von der Lin- cken vor/ und die von der Lincken denen Rechten hintern Mann; die Unter-Officiers und Piqueniers von den Fluͤgeln/ folgen mit gefaͤlletem Kurtz-Gewehr und Piquen denen Mousquetairs ruͤcklings/ so/ daß sie sich allezeit wohl geschlossen an dieselbe halten/ mit denen bereits auf den Fluͤ- geln eingetheilten Piqueniers gleiche Glieder machen/ und nach Com- mando Faͤllen/ entweder rund um sich auff die Reuterey/ oder auch auff einen halben Mann/ jenes geschieht mit Pflantzung der Piquen/ gegen die Mittel-Hoͤhle des lincken Fusses und Anlegung des lincken Knies/ mit der lincken Hand die Pique fest haltend/ um mit der Rech- ten ihr Seiten-Gewehr zu gebrauchen/ darnach herstellen sie sich wie- der zuruͤck/ wie sie vor sich gegangen; die Herren Ober-Officiers ver- theilen sich dabey forn/ hinten und auff den Fluͤgeln mit in die Piquen/ wann aber die Luͤcken von denen Unter-Officiers besetzt und angefuͤllet werden sollen/ muͤssen sie die im ersten Glied aus der Mitten rechts und lincks nach den foͤrdersten Luͤcken vertheilen/ so/ daß in jede Luͤcke zehn Unter-Officiers in zwey Glieder zu stehen kommen. Wann Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Wann die Bataillon gerichtet/ werden die Piqveniers mit rechts um- Defension ge- gen Infanterie und Cavallerie dabey Piqven die zwey letztẽ Glieder ma- chen und die Fluͤgel auch bespickt wer- den. kehren hinterwarts aus denen Mousquetairs gezogen/ und mit lincks umkehren die Fronte wieder hergestellet/ darauff die zwey ersten Glie- der Piqven rechts/ und die zwey mittelsten lincks um machen/ daß also zugleich aus diesen lincks und rechts/ und denen hintersten gerade aus/ im Fortmarch zwey Glieder zu formiren/ welche wohl zu richten/ die hinter der Bataillon stehende Ober- und Unter-Officiers gute Achtung geben muͤssen; so bald die Piquen ausmarchirt/ machen die zwey letzten Glieder Mousquetairs rechts und lincks um nach der Mitten/ und wer- den durch die in denen Piquen gestandene Unter-Officiers neben den Mann in gleiche Reihen und Glieder auffgefuͤhret/ damit die Luͤcke angefuͤllet/ die Bataillon complet chargir en koͤnne; Gegen Cavallerie werden aus dem ersten Glied Piquen so viel an den Fluͤgeln abge- nommen/ daß dieselbe nebst denen Unter-Officiers damit bespicket wer- den koͤnnen/ auch muß dasselbe Glied Piquen aus der Mitten sich so viel oͤffnen/ daß es dem hintersten nach den Fluͤgeln gleich sich erstrecke; hier- bey nun koͤnnen die Piquen halb oder gantz verdeckt/ um desto leichter ohne deren Zerstossung durch zu marchir en/ behutsam getragen/ oder auch zur bessern Defension, wo nicht hinter sich im Nothfall/ jedoch vor sich zwischen den Gliedern im Durchmarch auff Reuterey oder Fußvolck gefaͤllet werden moͤge; wann aber zur Attaque soll eingebrochen seyn/ marchir en die Piqueniers durch/ und machen die ersten Glieder/ damit die Piquen so viel bessern Effect thun koͤnnen. Beym Reterir en bleiben sie so lange/ biß zum Troup geschlagen wird/ Piquen Atta- que und Ba- taillon Bre- chungs Ma- nier. die hintersten aber im fernern Fortmarsch marchiren wieder durch die Mousquetairs; Bey dieser Bataillon Brechung ziehen sich erst die Pi- quen von den Fluͤgeln wieder in ihr Glied/ daß ein jeder recht vor seinen Mann zu stehen komme/ darauff machen die eingemarchirte Musque- tairs und Piqueniers zugleich rechts umkehrt/ marchiren auff Befehl alle also wieder ab und zuruͤck/ wie sie zuvor auffmarchirt/ und herstellen sich zur Fronte/ auch werden die Piqueniers wieder in ihre Luͤcke gefuͤh- ret/ Reihen und Glieder in ihre distanc en gerichtet. Commando bey Mousquet en mit Lunten. Faßt eure Lunte. ) Der Mousquetair steht in Positur der Præsenti- rung/ haͤlt sein Gewehr forn wohl hoch/ mit der lincken Hand in gu- ter balance, ziehet die Lunte mit der rechten Hand aus den Fingern der Lincken/ streckt darauff den Arm seitwarts aus/ siehet zur Seite nach der Lunte. C c c c c Blaset VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ Blaset sie ab. ) Solches geschicht ein wenig hinter- oder seitwarts da- mit nicht unversehens durch die Funcken das Gewehr angezuͤndet werde/ und bleibet der Soldat in voriger Positur/ so gemeldet/ das Gewehr in der Lincken gerade vor sich haltend/ bringt also die Lunte mit der rechten Hand ohne geringste Kopff oder Leibs-Bewegung zu dem Munde/ blaͤset sie starck ab/ und steckt darauff den Arm mit der Lunte wieder von sich aus/ jedoch nun etwas mehr vorwarts. Passet sie auff! Versucht sie. ) Bey diesen zweyen Puncten muß der Mousquetair vorsichtig umzugehen wohl unterwiesen seyn/ da- mit die Pfanne nicht zu fruͤh geoͤffnet/ und das Gewehr loß gebrandt werde/ also muß er die Lunte auff den Hahn bringen/ selbige wohl messen/ einrichten und probiren/ daß sie wohl auff die Pfanne kom- men und gerade das Pulver erreichen koͤnne. Zween Finger auff die Pfanne. ) Nemlich die zwey foͤrdersten/ und muß das Gewehr alsdann nach dem Leibe gedrehet werden. Blaset die Lunte ab. ) Hier muß der Soldat in gerader Positur sein Gewehr mit beyden Haͤnden in die Hoͤhe zum Munde bringen/ ohne den Kopff simcken zu lassen/ also die Lunte hart abdlasen/ demnechst laͤst er das Gewehr an vorigen Ort wieder sincken. Oeffnet die Pfanne. ) So muß das Gewehr forne gesencket seyn/ und in gerader Linie vor sich ausgehalten werden/ die Ko l be nahe am rechten Knie in guter balance auff der lincken Hand/ damit kein Pulver von der Pfanne abfallen koͤnne. Schlagt an/ gebt Feuer. ) Nur einmahl mit der Lunte hart auff- gehauen/ und wofern es nicht loß brennt/ das Gewehr forn hoch und behutsam zu handthieren. Setzt ab. ) Wie vorhin bey Flinten-Gewehr angezeiget. Bringt die Lunte wieder an ihren Ort. ) Solche nimmt der Sol- dat vom Hahn wieder ab/ bringet sie zwischen die Finger zur lincken Hand/ und fasset so bald sein Gewehr wieder unter die Pfanne; Sonst kommt ferner alles mit Flinten uͤber eins/ ohne bey der La- dung. Oeffnet sie mit den Zaͤhnen. Pulver ins Rohr! Kugel aus dem Mund! Propff vom Huth. ) Welche drey letzten Commando- Woͤrter wegen vollkommenen Pa- tronen zur Ladung/ bey Flinthen gar unnoͤthig sind. Wann die Armee in voller Bataille rengirt/ sollen die Herren Generals Majors und Brigadirs bey ihren Brigaden sich einfinden/ und Jhrs Durchl. Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. Durchl. ohne Befehl nicht folgen. Alle Officiers/ die Piquen ha- Vom Respect gegen Jhro Hochfuͤrstl. Durchlaucht. ben/ sollen selbige en passant Jhro Durchl. mit der Spitze zur Er- de legend faͤllen und mit der lincken Hand das Haupt entbloͤssen/ welches auch die thun/ so Partisans gebrauchen/ womit sie eine Re- verence biß zur Erden gebuͤckt abstatten. Gleichfalls muͤssen die Fendrichs ihre Faͤhnlein sencken und so lange zur Erden halten/ wann ihro Durchl. zur Bataillon Fluͤgeln kommen/ biß sie vorbey paßirt. Die Unter-Officirs sollen nach Befehl mit oder ohne entbloͤsseten Haͤuptern/ und beym Fuß auffgerichteten Kurtz-Gewehr stehen. Die Soldatesca steht mit præsentirt em Gewehr/ wann Jhro Durchl. vorbey gehen/ wann selbige aber hinter Bataillons und nicht an der Fronte sind/ mit geschultertem Gewehr. Zum March traͤgt der Officier bey Naͤherung Jhro Durchl. die Pique/ und laͤst nach entbloͤßtem Haupt dieselbe von der Schulter ein wenig sincken. Wann der General-Feld-Marschall alleine koͤmmt zur Bataillon, so faͤllet zwar der Officier seine Pique auch/ herstellt sich aber also- bald wieder. Die Faͤhnlein aber werden vor niemanden als Jhro Durchl. nieder- gesencket; wie auch die Trommeln allein fuͤr Jhro Durchl. geruͤh- ret/ und March geschlagen wird/ fuͤr dem Feld-Marschall aber sol- len die Tambours nur mit etlichen Schlaͤgen ein Zeichen geben. Der Regiments Tambour muß sich bey Ausgabe der Losung einfinden/ wann nun Ordre zum March gegeben/ soll er die andern Tambours bey der Faͤhnlein Wacht zur bestimmten Zeit versamlen/ und Ver- gadderung schlagen lassen/ alsdann man Zelten abbrechen/ Wagen anspannen und sich zum March parat halten muß/ und wann Rasch geschlagen/ muß ein jeder zum Gewehr gehen/ der Major die Bataillon stellen/ und der Wagenmeister die Wagen heraus ruͤcken lassen/ darauff zur Betstunde geschlagen und kniend gebetet wird. Wann die Armee March fertig/ soll ein jeder General Major fuͤr seiner Brigade, und jeder Obrister fuͤr seinem Regiment sich stellen/ auch allein fuͤr Jhro Durchl. dem Feld-Marscharlln oder Armee Com- mandeurn die Pique zur Hand nehmen/ und Ordre gemaͤß abmar- chiren lassen/ allwo die Capitains mit ihren Piquen forn hoch und hinten niedrig fertig stehen sollen. C c c c c 2 Der VI. Buch/ Cap. II. Anhang/ March Ver- haltungs Or- dre Extract. Der General Lieutenant laͤst des Tages vor dem March durch Gene- ral Wagenmeister und Capitain des Guides, wo einige defilees vor- handen/ die Wege wohl visitir en/ daß sie muͤglichst verbreitet/ und die Bruͤcken repari rt werden/ auff daß nichts den March verhindere/ dazu jedes Regiment seine Zimmerleute hergeben muß. Allwo man Feld-Raum hat/ soll die Bataillon in drey divisiones fein marchir en/ bey defilées soll man mit verdoublirten Zuͤgen abmarchiren/ auch kei- ner dem andern vorgehen/ sondern ein jeder seine Rangs-Ordnung behalten. Wann die Bataillon ab marchir t/ die Faͤhnlein auffgewickelt und klei- ner March geschlagen/ koͤnnen sich die Officiers zu Pferde setzen/ und also hin und wieder vertheilen/ daß niemand durchgehen oder zuruͤck bleiben moͤge; Wann aber bey vollem March Jhro Durchl. kom- men/ so fliegen die Fahnen/ das Gewehr wird geschultert/ und ordent- lich March geschlagen. Durch einen Paß von Respect, sollen alle Officiers von Pferden ab- sitzen/ und die Bataillon selbst fuͤhren; Bey jeder Bataillon soll ein Tambour forn/ mitten und hinten schlagen; und die Officiers/ so die Bataillon schliessen/ sollen bey denen Ermuͤdeten einen Unter-Officier lassen/ selbige nach zu bringen; So bald die Bataillon auff marchir t/ sollen die geringere den hoͤhern Officiers von denen Compagni en rapport geben/ wie auch deßfalls der Major ein woͤchentliches Journal zu halten pfleget. Wann das Campement angewiesen/ versammlet sich das Regiment zum Auffmarch/ welches die Officiers selbst mit ihren Piquen auff- fuͤhren; Wann nun das Regiment auffmarchirt/ soll niemand das Gewehr ablegen/ noch aus dem Zug gehen/ biß die Wacht ausge- nommen und auffgezogen/ die Faͤhnlein verwahret/ Befehl angehoͤ- ret/ und jedern Compagnie ihr Ort angewiesen/ wobey die Lieute- nants bleiben und nicht zur Bagage gehen muͤssen/ biß die Compagnie campirt; Wann dann zur Noth Stroh oder Holtz einzuhohlen/ soll ein Lieutenant von der Bataillon mit einem Sergeant en und Cor- poral von jeder Compagnie mitgehen/ um zu verhindern/ daß keine Haͤuser spoliir t werden/ wofuͤr sie dann respondir en muͤssen. Wann es Zeit zur Wacht/ sollen die Tambours bey denen Faͤhnlein/ die man so lange fliegen laͤst/ biß die Wacht auffgefuͤhret/ fuͤrm Re- giment Vergadderung auf und nieder schlagen/ alsdann mit Troup- schlag Von Soldaten Exercitiis bey der Infanterie. schlag die Faͤhnlein an ihren Ort zu bringen; und soll die Wacht insgemein vierzehen Schritt fuͤr der Bataillon ausstehen/ auch Stuͤcke und Spitzwagen in gleicher Linie gepflantzet werden; Nach geendigtem March soll wieder zur Betstunde geschlagen wer- den. SOLI DEO GLORIA! Erstes Register uͤber dieses Teutsche Recht/ in welchem Die Summarien derer Buͤcher und Capitel entworffen. Das erste Buch/ Vom unpartheyischen Richter. Cap. I. Vom Recht und Rechts-Personen/ auch Gesetzgeber und des- sen Gehorsam. 1 Cap. II. Von gehoͤrigem Gericht/ Kriegs-Befestigung/ Gegenklag und Auszuͤgen. 3 Cap. III. Wann und wo Gericht zu halten/ und was allda wegen Fey- er-Tage und Ausfluͤchte zu handeln. 11 Cap. IV. Von Citation oder Gerichts-Einladung/ item/ Dilation oder Auffschubs-Frist und Ungehorsam. 15 Cap. V. Von Richters Pflicht und Eydes Beschaffenheit. 22 Cap. VI. Von Partheyen Klage/ Beweiß/ Verthaͤdigung/ Bekaͤnt- niß/ Kundschafft/ Muthmassung und Eyd fuͤr Gericht. 32 Cap. VII. Von Zeugen Verhoͤr/ Aussage u. gerichtlichem Zeugniß. 49 Cap. VIII. Von Gerichts-Schoͤppen oder Beysitzern/ Schreibern/ Notari en/ Advocat en/ Procurator en oder Fuͤrsprechern/ deren Vor- fall/ Entschuldigung/ Vollmacht/ Geschick- und Hoͤfflichkeit/ auch Schutz fuͤr Uberfall. 63 Cap. IX. Von Arrest oder Beschlag/ Banden und Gefaͤngniß/ Buͤr- gen/ Bey-und End-Urtheil/ auch Straff-Bussen Vergleich. 81 Cap. X. Von guͤlt- oder nichtigen Urtheils Appellation, Besitz Einnahm oder Einfuͤhrung/ Execution und Vollenziehungs Auffschub oder Vernichtung. 98 C c c c c 3 Cap. XI. Das erste Register/ Cap. XI. Von Augenschein oder Graͤntz-Besichtigung/ Landmessen und Feldscheidung. 114 Cap. XII. Von Ritter- und adelichen Lehn-Guͤter Recht. 121 Das andere Buch/ Vom gewissenhafften Bischoff. Cap. I. Von Religion und geistlichen Sachen Ubung. 125 Cap. II. Vom Jure Patronatus, Kirchen und Pfarr-Satz-Lehn- oder Priester-Amts-Beruff Bestellungs Vorschlag/ und Præsenti- rungs Gerechtigkeit/ wer predigen und wie dazu eingeweihet seyn mag. 141 Cap. III. Vom Priester-Amt mit Kirchen und Gottes-Dienst/ predi- gen/ heil. Sacramenten Ausspendung/ stillen Beichte/ Jugend Unterweisung/ auch Kirchen-Gebet. 146 Cap. IV. Vom Priester-Amt/ mit Vorsorge der Armen/ Allmosen/ Krancken/ Hospithal und Hauß-Besuchungen/ auch wegen Verlobt- und Eheleuten/ samt Kirchen-Gewalt und Bußzucht/ endlich mit Leich-Predigten und Christen Geluͤbde Auffsicht 165 Cap. V. Von Priester-Amts Vorzug/ deren Leben und Wandel Pflicht/ Verbrechen und Straff-Bussen/ auch Einkuͤnfft/ Frey- heiten und Priester Wittwen Gnaden-Jahr. 179 Cap. VI. Von Kirchen und Pfarr-Haͤuser Gebaͤu Auffsicht/ Kirchen Einnahm und Ausgabe/ auch Schulgefaͤllen/ Zehenden/ Ver- maͤchtniß/ geistlichen Guͤter Veraͤuserung/ Kirchhoͤfe/ Stuͤhle und Begraͤbniß Unterhaltung. 195 Cap. VII. Vom Bischoff/ Probst/ Capellan und Kirchen-Auffseher Amt wegen Kirchen-Rechnungs Besuchung/ Kirchen Gebrauch und Straff-Gericht/ auch Kuͤster und Schul-Diener Beruffs- Pflicht. 211 Cap. VIII. Von Professor en/ Hohen-Schulen/ Buͤchern und Calen- dern/ auch Heil. Reichs Austraͤgen Recht. 220 Das dritte Buch/ Vom klugen Staat- und Welt-Handelsmann. Cap. I. Von Ober-Landes-Herrn oͤffentlich- und allgemeinen Rech- ten/ Befehlshabern und andern Bedienten Amts-Pflicht. 223 Cap. II. Von Stadt-Buͤrgern/ Zunfft-Gelachen oder Handwercker Gilden/ Fuhrleuten Jahrmaͤrckten/ verbotenen Kramwaaren/ Maaß und Gewichten. 240 Cap. III. derer Buͤcher und Capitel. Cap. III. Von Erbzinß Meyer-Erwerb- und Eigenthums Grund- Guͤter/ deren Frucht-Nutzung/ anhangenden Gerechtsam- und Bau-Dienstbarkeit/ Jagt und Fischerey. 245 Cap. IV. Von Privilegirt en/ Freygebohrnen und Leib-eigenen Perso- nen/ auch Herren und Dienstlosen Leuten oder Loß- und Ledig- gaͤngern. 260 Cap. V. Von Juden und Tartern oder Zieg eun ern/ auch Land- Strassen und Wegen. 266 Cap. VI. Vom Ehestand und dessen Rechts Anhang. 269 Cap. VII. Von Unmuͤndigen und Minderjaͤhrigen/ auch deren Ober- und Unter-Vormuͤndern. 291 Cap. VIII. Von Contract en/ Geloͤbniß- und Verpflichtungen/ auch Bruͤder-Gemein- und andern Gesellschafften. 305 Cap. IX. Von Erbschafft und Theilung. 312 Cap. X Von Testament oder Vermaͤchtniß/ Mitgifft oder Morgen- gabe und Leibzucht/ auch andern Geschencken. 327 Cap. XI. Von Kauff/ Verkauff und Tausch. 339 Cap. XII. Von Besitz/ Auslage/ Verjaͤhrung und Pfand-Recht. 351 Cap. XIII. Von Miethe-Lehn-Anvertraut- oder Hinterlegt- und Fund-Gut. 359 Cap. XIV. Von Schuld/ deren Wucher und Renten. 367 Cap. XV. Von Muͤller und Wasser auch See-Recht. 379 Cap. XVI. Von gewissen Rechts Reguln/ auch Ober- und Unter- Gerichten/ samt Land-Rechts Unterscheid und Landesherrn Be- gnadigungs Recht. 385 Das vierdte Buch/ Von Heßischer Lands-Ordnung. Vorrede Jnhalt 391 Cap. I. Vom Proceß/ welcher Gestalt die Sachen beydes zur Guͤte und Recht gesucht und verhandelt werden sollen. 393 Cap. II. Von Supplication en. 394 Cap. III. Von Land-uͤblichem Gerichts-Brauch in Heßischen Fuͤr- stenthumen und Gebiethen. 396 Cap. IV. Vom Gericht-Schreiber/ Gerichts-Buch und Gerichts- Sachen/ auch hinterlegten Geldes Verwahrung. 398 Cap. V. Vom Proceß/ der an Stadt-Land- und Zent-Gerichten ge- halten werden soll. 399 Cap. VI. Von Procurator en an Unter-Gerichten. 402 Cap. VII. Erstes Register/ Cap. VII. Von Verfassung und Appellation deren Untergerichts- Urtheile. 404 Cap. VIII. Vom Hof-Gericht und Fuͤrstl. Cantzleyen/ was darinn fuͤr rechtliche Sachen auffgenommen und verhandelt werden moͤgen. 407 Cap. IX. Vom Proceß in Heßischen Cantzleyen und wes sich die Pro- curatores allda verhalten sollen/ wie auch Gerichts- Secretari en Amt. 410 Cap. X. Vom Ober- Appellation oder Revision- Gericht. 421 Cap. XI Vom Rothweylischen Gericht. 430 Cap. XII. Von Testamenten und letzten Willens Verordnungen. 434 Cap. XIII. Von andern/ auch geheimen Krancken zur Pest-Zeit/ El- tern und Kindern Testamenten Form und deren Legitima. 440 Cap. XIV. Von Ursachen der Ent-Erbung/ auch verurtheilten Ubel- thaͤter Testament. 446 Cap. XV. Von Ubergabe auff Todes-Fall geschehen/ auch Testi rung und Erbgeding/ oder Beredung von Eheleuten; Jtem/ Testa- menten Ohnmacht. 449 Cap. XVI. Von Erbschafft-Gefaͤllen/ da kein Testament vorhanden/ in absteigender Linie/ auch daß Heyrath-Gut und Mitgifft conservir et werde. 455 Cap. XVII. Von Geschwistern gleichmaͤßiger Theilung/ Juͤngsten Wahlrecht zum elterlichẽ Wohnhause/ zweyer oder mehrern Ehe Kinder Nachlaß/ auch vaͤter- und muͤtterlichen Guͤter Recht. 456 Cap. XVIII. Vom letztlebenden Ehegemahls Verhalten gegen gemei- ne Kinder mit Guͤter Vertheilung/ fuͤr andern Ehestands Anfang. 458 Cap. XIX Von Eltern Leibzucht an Kinder Guͤtern/ auch Kinder Erbtheils Versicherung und Leibgedings Ende oder Verwuͤr- ckung. 463 Cap. XX. Vom Erbrecht zwischen Eheleuten/ so ohne Kinder verster- ben/ und wie weit Eigenthum oder Leibzucht durch Vermaͤcht- niß zu benehmen. 469 Cap. XXI. Von Inventario und Caution wegen hinterfaͤlligen Guͤter nach Ehegemahls absterben/ Schulden Bezahlung/ Eheleute Succession, auch ohne Eigenthum und Leibzucht/ und welche Guͤ- ter beweg- oder unbeweglich zu halten. 472 Cap. XXII. derer Buͤcher und Capitel. Cap. XXII. Von Einkindschafften und ausserhalb Ehe erzeugten Kin- der Succession. 476 Cap. XXIII. Von Erbschafften in auff und absteigender und Zwerch- Linie/ auch wie die Gradus zu rechnen oder zu zehlen. 478 Cap. XXIV. Von Ritter-Lehn und dessen Succession derer ehelich le- gitimirt en Soͤhne/ auch adelichen Stamm-Haͤuser und Guͤtern/ die kein Lehn seyn/ samt adelichen Toͤchter Aussteuer und Witt- wen Leibzucht Recht. 484 Cap. XXV. Von Ritterschafft/ Land-Erben Gebuͤhr/ Schulden Zah- lung/ auch Zinß- und dienstbaren Guͤter Succession. 489 Cap. XXVI. Von Kauff- und Verkauff/ auch naͤhern Kauffs Recht. 493 Cap. XXVII. Von Ausleihen/ Entlehnen und Borgen/ auch andern beweglichen Dingen/ die gezehlt/ gewogen/ gemessen werden oder nicht. 502 Cap. XXVIII. Von Locir en oder Verleihen/ Dingen und Miethen/ so fuͤr ein gewiß Geld geschiehet. 505 Cap. XXIX. Von Erbzinß-Guͤter erblichen Verleihung/ auch andern gemeinen Zinß-Guͤter Eigenschafft und Unterscheid/ wofuͤr ein Zinßgut in dubio præsumir t wird. 509 Cap. XXX. Von Hinterlegen zu treuen Haͤnden/ Sequestration und Unterpfaͤnden. 515 Anhang: Von Rechts Ubung im Gericht Beylstein. 532 Von Heßischen Tax-Policey- und Muͤhlen-Ordnung. 559 Das fuͤnffte Buch/ Von Mißhandlung- und Ubelthaten/ auch deren Ober- Halß und peinlichem Schwerdt-Richter. Cap. I. Von irriger Lehr/ Gotteslaͤsterung/ Hexerey/ Fluchen und Schweren/ auch heiligen Bruͤchen. 567 Cap. II. Vom Laster beleidigten Majestaͤt/ Verrath/ Auffruhr oder Vergreiffung gegen Fuͤrstliche Hoheit; Jtem/ von Eltern und Kindern/ Haußherren und Frauen Versehen/ auch Weib-Kind- oder Gesindes Verfuͤhrung. 579 Cap. III. Von Friedbruch/ Wunden/ Vergifftung/ Mord und Todt- schlag. 586 Cap. IV. Von Duell- oder Blut-Zweykampff/ zufaͤllig unversehener That/ Selbstmord und Nothwehr. 607 Cap. V. Von Leichtfertigkeit/ Ehebruch/ Blutschande/ Entfuͤhrung/ Nothzucht/ auch Hurerey und andern Unkeuschheit. 619 D d d d d Cap. Anderes Register/ Cap. VI. Von Gewaltthat/ Strassen-auch Kirchen-Raub und Diebstahl. 633 Cap. VII. Von Falschheit/ Mordbrand und Viehes Schaden/ Wun- den oder Todtschlag. 649 Cap. VIII. Von Ehrensachen/ Injuri en/ Pasquill en und Schmaͤhun- gen/ Retorsion, auch peinlichen Frage/ Tortur oder Folter. 656 Anhang: Von peinlichen Gerichts Proceß-Form. 671 Von peinlichen Inquisition oder Nachforschungs-Proceß. 678 Das sechste Buch/ Vom Cavallier von Fortun, und etlichen Soldaten oder Kriegs- Rechts Reguln. Cap. I. Vom erfahrnen Land-Kriegsmann. 688 Cap. II. Vom erfahrnen See-Kriegsmann/ oder allgemeinen See- Kriegs-Rechts Reguln. 707 Anhang: Von Kriegs- Infanterie Exerciti en Gebrauch. 729 Anderes Register/ Jn welchem nach accurater Alphabetischer Ord- nung die vornehmsten Sachen dieses Buchs anzutreffen. Die erste Zahl bedeutet das Blat/ die andere/ vor welcher der Buchstab n. stehet/ den Paragraphum. A. Aarons Stab- und Nimrods Schwerdt- Recht 165 . n. 1 Abendmahl/ wie offt zu demselben ein Christ sich einfinden solle/ 160 . n. 38 . zu demselben wie man sich vorbereiten soll 163 . n. 50 . vor demselben soll man sich bußfertig pruͤfen 157 . n. 32 . wer nicht zu demselben gelassen werden solle 157 n. 31 16 . n. 42 . 162 . n. 45 . 149 . n. 1 . 174 . n. 32 . 176 . n. 36 . ob nothwendig nuͤchtern zu empfahen seye 160 . n 41 . wodurch gemißbraucht werde 160 . n 39 . ob ein Priester sich selbst reichen koͤnne 156 . n. 28 . wer darzu die Brod- und Wein-Ko- sten geben solle 160 . n. 40 Abergläubische Heylungs Mittel soll nie- mand gebrauchen 568 . n. 4 Abfall vom Christlichen Glauben ist haͤr- ter zu straffen als K e tzerey 567 . n. 1 Abgelebte Geistliche wie zu versorgen 190 . n. 34 Abgesandte/ was vor Wohlthaten zu ge- niessen haben 24 . n. 28 . haben sichere Geleits Freyheit 234 n. 27 . wie ihrer Pflicht gemaͤß sich auffsuͤhren sollen 235 . n 29 . vid. Gesandter. Abkuͤndigung derer Verlobten von den Cantzeln wie vor der Copulation ge- schehen solle 169 . n. 15 Absolution kan sich niemand selbst mitthei- len derer vornehmsten Sachen. len 156 . n. 27 . viele und allzuwillige ver- hindert wahre Busse 157 . n. 30 . wem ein Prediger versagen koͤnne 157 . n. 31 . 158 . n. 35 . 160 . n. 39 . hebt weltliche Stra- fe wegen Ubelthaten nicht auf 158 . n. 34 ist Krancken auch ohne muͤndlich abge- legte Beichte mitzutheilen 160 . n 40 Abwesende Beklagte wie fuͤr Gericht zu citir en 11 . n. 26 Abwesenden Ubelthaͤtern sind Fuͤrsprecher vor Gericht nicht zu verstatten 71 . n. 27 Abwesenden kan nur Verweisungs-Stra- fe zuerkant werden 6 . n. 2 . ob Abwe- senden ein Priester-Amt auffzutragen 216 . n. 19 Abzug-Geld duͤrffen priesterliche Erben und Wittwen nicht geben 194 . n. 47 . wer davon am Kaͤyserl. Hofe befreyet 135 . n. 1 . wenn Unterthanen geben muͤssen 264 . n. 14 Academie, deren Ober-Herrn koͤmmt die Erkaͤntniß peinlichen Halßgerichts zu 6 . n. 12 Accidenti en/ wegen deren Steigerung wie ein Priester zu straffen 184 . n. 18 . darff ein Priester nach eigenem Gefallen nicht erhoͤhen 186 . n. 23 . wie der Prie- ster und Capellan unter sich theilen sol- len 186 . n. 24 . dieselben geniessen auch Priester-Wittwen und Kinder im Gna- den-Jahr 192 . n. 38 Accise, davon sind Kirchen- und Schuldie- ner frey 789 . n. 32 . 206 . n. 30 Acht-Erklaͤrung wenn wider Ungehorsa- me auszuwuͤrcken 82 . n. 2 . was sie auff sich habe 84 . n. 6 Ackerbau/ damit sollen Priester nicht allzu sehr beladen werden 187 . n. 27 Ackerbau Geraͤthe kan nicht ausgepluͤndeꝛt werden 108 . n. 38 Acker-Guͤter Frucht-Nutzungs Recht wem zukomme bey Leibzuͤchterin Absterben 467 . n. 9 Ackerleute muͤssen bey Pfarrwohnung Er- bauung Hand-Dienste leisten 196 . n. 5 . sind zur Erndtezeit vom Gerichtsstand befreyet 12 . n. 2 . deren Erndteschlags und Renten Recht 108 . n. 38 Acker-Raͤuber wie zu straffen 120 . n. 18 Act en vorigen Gerichts wie von Appel- lant en auszuloͤsen und vorzulegen 101 . n. 55 . denen gemassem Urthel mag sich niemand wieder setzen 113 . n. 55 Acte n Auslieferung wenn vom Richter verzoͤgert wird/ ist straffbar 101 . n. 8 . Act en- Revision Huͤlffsmittel wenn zu be- gehren 105 . n. 23 Act en-Schreiber und Leser Amts-Pflicht 67 . n. 12 Act en-Verschickung wohin geschehen soll in den Heßischen Landen 404 . n. 2 Adeliche/ wie zu Zeugniß Abstattung ver- bunden 53 . n. 15 . haben Macht in ihren Gebieten Gerichtshalter zu bestellen 66 . n. 8 . wie in gefaͤnglicher Hafft zu ver- wahren 86 . n. 14 ob auch wegen Hure- rey mit Kirchen-Busse zu belegen 173 . n. 27 . koͤnnen an sich gekauffte Bauren- Guͤter nicht Steuer- und Zinß-frey ma- chen 344 . n. 15 . muͤssen an fuͤrstlichen Hoͤfen bey ihrer Auffnehmung Treuge- loͤbniß abstatten 261 . n. 4 . wie unter- schieden seyn 260 . n. 2 . unter diesel- ben wer nicht zu zehlen/ ibid . deren Worte sollen kraͤfftig seyn. 230 . n. 17 Adeliche Freyheit wird durch Ubelthaten verlohren 7 . n. 11 Adeliche Lehn-Guͤter muͤssen auch zu Kir- chen-Bau Steuer geben 195 . n. 2 Adeliche Privilegi en worinne bestehen 260 . n. 1 Adelichen Stam̃haͤuser und Guͤter Recht/ so kein Lehn seynd 487 . n. 6 Adeliche Weibs-Personen sind berechtiget Vormundschafft auff sich zu nehmen 293 . n. 8 Adel-Lehn was eigentlich sey 122 . n. 3 . Admiraln und Commandeur zur See wie sich zu verhalten 707 . n. 3 Adoptirt en Kinder Eheligungs Recht 274 . n. 6 Advent zeit sind Hochzeitẽ verboten 171 . n. 21 D d d d d 2 Advo- Anderes Register/ Advocat en moͤgen wegen Nachlaͤßigkeit in Processen belanget werden 23 . n. 7 sollen von ungerechten Sachen abzuste- hen schweren 32 . n. 2 wie in Armen-Processen sich zu verhal- ten 49 . n. 60 . \& 418 . n. 24 wenn mit Beklagten sich zu bereden ver- goͤnnt 51 . n. 5 rechtschaffene was fuͤr Nutzen stifften/ 70 . n. 23 was vor welche zu erwehlen 70 . n. 24 wie Recesse, Autores, und Salvation- Schrifften anfuͤhren sollen 70 . n. 24 Gewisse soll die Obrigkeit fuͤr die Ar- men bestellen 71 . n. 25 deren Requisita und Amts-Pflichten 71 . n. 25 . 74 . n. 33 deren Sachen Verzoͤgerung wie zu straffen 71 . n. 25 duͤrffen keinem abwesenden Ubelthaͤter zugelassen werden 71 . n. 27 wie gerichtliche Vortraͤge einrichten sollen 72 . n. 29 . sollen ihre Tuͤchtigkeit in einem Examine erweisen 73 . n. 30 . wie bey Hartnaͤckigkeit der Partheyen sich zu verhalten 73 . n. 31 . was fuͤr Sachen annehmen sollen 73 . n. 32 . wie sie zu be- lohnen/ und was sie vor ihre Schreiben zur Bezahlung zu fordern berechtiget 74 . n. 34 . 419 . n 25 . ob deren Anforde- rung andern Creditor en in Bezahlung vorzuziehen 74 . n. 35 wie ihre Schriff- ten ohne Schmaͤhung einrichten/ und sie sich vor Gericht auffuͤhren sollen 417 . n. 21 . seq Advocat en Amt/ was vor Personen sol- ches vor Gericht nicht verwalten koͤn- nen 71 . n. 25 . 74 . n 36 . ob ein Richter selbiges auff sich nehmen koͤnne 73 . n. 30 Affter-Anwalds Bestallungs Vollmacht 77 . n. 42 Affter-Lehns Gerechtigkeit 132 . n. 46 Affterreden gegeu hohe Obrigkeit ist hoͤch- lich verboten 580 . n. 3 Agent en und Resident en Freyheit am Kaͤyserlichen Hofe 135 . n. 1 ob Gesandten Freyheit haben 234 . n. 29 Agnaten und Toͤchter wie wegen Stamm- Guͤter Erbschafft abzulegen 488 . n. 8 . wie Lehnmanns Schulden zu bezahlen pflichtig 490 . n. 2 Alliance zu was Ende auffzurichten 228 . n. 14 . mit wem geschlossen werden solle 229 . n 15 Allmosen zu deren Darreichung sollen Priester ermahnen 165 . n. 2 auff deren Austheilung sollen Priester Acht haben 166 . n. 2 wie man zu sammlen pflege 166 . n. 4 wer darzu den Klingbeutel in Kirchen herum trage 219 . n 28 Alpgespenst oder Teufels Beyschlaff ob und wie geschehe/ auch wie zu straff e n 884 Altar soll bey Landes-Trauer uͤberzogen werden 217 . n. 20 Amt/ was bey dessen Austheilung zu beo- bachten 137 . n. 1 Amts Bedienung wer faͤhig sey oder nicht 240 . n. 43 Amts-Beruff Vorschlag zum Predig-Amt wie geschehen muͤsse 139 . n. 10 Amts Entsetzung oder Beraubung wenn Priester verdienet 184 . n. 15 seqq . wie gegen Schuldiener damit zu ver- fahren 219 . n. 2 Amts-Folger haben Naͤher-Kauff Recht in den Guͤtern 93 . n. 42 Amts-Gebuͤhren wer einzubringen sorgen solle 78 . n. 45 . von Kind-Tauffen/ Co- pulation und Leichen-Predigten sollen Prediger nicht steigern 186 . n. 23 Amts-Huͤlffe Verweigerung wie an Obrig- keit zu bestraffen 395 . n. 4 Amt-Leute/ wie wegen Verbrechen zu ver- wahren 86 . n. 14 moͤgen ihren Sold inbehalten 240 . n. 43 . wie Partheyen in Erbtheilungen ver- gleichen sollen 313 . n. 5 . wie in Vor- mundschafft sich zu verhalten haben 302 . n. 34 . seq . wie fluchen und schweren steuren und straffen sollen 215 . n. 15 . wie auf der Untergebenen Lebens-Besserung bedacht seyn sollen 212 . n. 4 . wie bey Verhoͤrungen Bescheidenheit brauchen und derer vornehmsten Sachen. und guͤtlichen Vergleich suchen sollen 393 . n. 2 . seq . Amurathis, Tuͤrckischen Kaͤysers Gebet wider den bundbruͤchigen Uladislaum 136 . n. 3 Anatomie derer justificirt en Ubelthaͤter Coͤrper von wem zu erlangen 637 . n 8 Angstwasser und Kummerbrod Straffe wenn erlaubet 91 . n. 3 Anklaͤger sollen auch zur Hafft genommen werden oder Caution stellen 671 . n. 3 was waͤhrender Klage ihm obliege 671 . n. 4 Anstand-Brieffe wegen Schulden wem und wie zu ertheilen 371 . n. 12 Anti-Christ/ um Errettung von demselben wie zu bitten noͤthig 163 . n. 51 Anwald/ dessen Statt wer vertreten koͤn- ne 74 . n. 36 wie zu bestellen uñ zu legitimir en 75 . n. 37 muß seine Vollmacht bey Proceß-An- fang erweisen 77 . n. 43 ob durch Blanquete Vollmacht dar- thun koͤnne 78 . n. 44 koͤnnen auch auff der Partheyen Erben gestellet werden 78 n. 46 sollen Vollmachts Befehl nicht uͤber- schreiten 79 n. 48 wie sich in Sachen Beschluß zu verhal- ten 414 . n. 12 was zu observir en bey Exception und Keiegs Befestigung 413 . n. 11 . wie Vergleichungen auffrichten koͤnnen 309 n. 14 Anwartungs Recht auff verschriebene Lehnguͤter 122 . n. 6 . it. vid. Expectance. Anzeige und Vermuthung ob genung zu Auflegung peinlicher Frage 109 . n. 24 . des Gerichts/ wo des Erschlagenen Haupt gelegen 120 n. 19 Anzeig-Articuln Recht gegen Beklagten 672 . n. 5 Apothecker/ nach deren Erkaͤntniß soll bey Gifftmord die Straffe gerichtet werden 596 . n. 26 . wie bey Vergifftungs Todes- faͤllen auch mit den Ubelthaͤtern koͤnnen gestrafft werden 598 . n. 28 Appellant en wie Eyd abstatten muͤssen 100 n. 7 . sind vorigen Gerichtes Act en auszu- loͤsen und vorzulegen verbunden 101 . n. 8 . worin sich durch Ungehorsam stuͤrtzen 102 . n. 13 . frevele wie zu straffen 104 . n. 20 . deren Anwalden was zu thun oblie- ge 415 . n. 14 deren Nachlaͤßigkeit und Versaͤumniß wie zu straffen 406 . n. 6 . deren Pflicht Beschwerden zu melden/ 102 . n. 12 Appellate wie des Appellant ens Schriff- ten beantworten solle 101 . n. 8 . dessen Sachwalters Exception und Defension Recht 415 . n. 15 . Appellation kan auch an Feyertagen ge- schehen 12 . n. 3 eines zwischenkommen- den Klägers Vorrecht 14 . n. 8 . dersel- ben fatale und endlichen Termins Ver- lauffzeit 99 . n. 1 . derselben Rechts Wohlthat kan man sich verzeihen 99 . n. 3 wie und worinne anzustellen 99 . n. 4 . 104 . n. 19 . 106 . n. 27 . in welchen Sachen annoch nach zehen Tagen vergoͤnnt 99 . n. 4 . ist auch vom End- und Bey-U r theil guͤltig 100 . n. 5 . wenn stehenden Fusses muͤndlich vergoͤnnt 100 . n. 5 . wenn nichtig und unkraͤfftig/ 100 . n. 6 . wer abzusagen scheine 101 . n. 9 . soll keine Schmaͤhung des Richters in sich halten 101 . n. 10 . kan kein Richter anzuneh- men sich weigern 101 . n. 10 . deren Ver- werssung Recht 101 . n. 11 . deren recht- liche Summa ibid . 105 . n. 24 . \& 405 . n. 4 . 421 . n. 1 . deren Verfolgungs Frist 101 . n. 12 . wenn verboten 102 . n. 14 . 105 . n. 25 . von welchen Richtern nicht vergoͤnnet sey 103 . n. 15 . kan einer an statt vieler anstellen 103 n. 16 . wie fuͤr andere Leute geschehen koͤnne 103 . n. 18 . kan zu Executions Verhinderung ange- stellt werden 104 . n. 19 . angestellte kan ohne Straffe niemand verlassen 104 . n. 20 . wegen Urtheils Nichtigkeit 104 . n. 21 . wenn anzunehmen verboten 105 . n. 25 . seq . 671 . n. 3 . deren Anhangs-Frey- heit fuͤr Gericht 404 . n. 3 . darinn scha- det des Richters Verzug nicht 23 . n. 7 . D d d d d 3 deren Anderes Register/ deren Form und Materie 106 . n. 27 . 405 . n. 5 . wenn an das Cammergericht gestellet werden koͤnne 426 . n. 2 . wie Ar- men zu vergoͤnnen 99 . n. 4 . derẽ Frist/ Be- schwerden einzubringen 423 . n. 7 . wie in Sachen von sechs hundert Guͤlden ein- zurichten 421 . n 2 . darinn soll alle Weit- laufftigkeit gemieden werden 424 . n 9 Appellations -Gericht/ was darinn abzu- handeln 102 . n. 12 . wenn vor selbiges In- juri en gebracht werden koͤnnen 103 . n. 15 Archive geben vor Gerichten kraͤfftigen Beweiß 33 . n. 5 Arglist und Betrug macht Kauff-Hand- lungen nichtig 349 . n. 30 . machet ehr- loß 308 n. 10 . wird auff mancherley Art begangen 307 . n. 8 . ist hoͤchlich verboten 307 . n. 7 . der Vormuͤnder ist Muͤndlin- gen unschaͤdlich. 303 . n. 37 Aergerlichen Falls Kirchen-Busse Recht/ 173 . n. 30 Argwohn ob genung zu Aufflegung pein- licher Frage 109 . n. 42 Aercker an Haͤusern ob zu bauen vergoͤnnt 251 . n. 17 Arme/ denen soll die Obrigkeit gewisse Patron en und Advocat en setzen 71 . n. 25 . denen angethane Schmach wie zu raͤ- chen 81 . n. 55 . deren Recht wegen Appel- lation 99 n. 4 . sind in Kirchen-Sachen den Reichen gleich zu achten 177 . n. 39 . haben Pfandrechts Vorzug in Schuld- ners Guͤtern 177 . n. 8 . ob ihrent wegen Kirchen-Guͤter zu veraͤusern 207 . n. 33 . denselben soll man beystehen und helffen 265 . n. 18 Armen-Proceß wenn zu verstatten 48 . n. 58 Armuth/ derselben Vorrecht in Processen 48 n 57 . wie zu erweisen 167 . n. 7 . wann entschuldiget von Vormundschafft 294 . n. 10 Armuths-Eyd wenn zugelassen 48 . n. 59 . dessen Jnnhalt 49 . n. 60 Artest wann Fluͤchtigen Beklagten auffzu- legen 82 . n. 1 . davon sind Kauffleute waͤhrender Jahrmarckte frey 91 . n 26 . 243 . n. 8 . kan wegen Schulden auf Prie- ster Wittwen G n aden Jahrs Einkuͤnff- te nicht gelegt werden 194 . n. 45 . ob auff Todten-Coͤrper zu legen 210 . n. 42 . gegen Verurtheilte 85 . n. 12 . aus was U r sa- chen vorzunehmen 87 . n. 16 Arrests Ort macht angehoͤrig Gericht 18 . n. 9 Arrestir t gestohlenẽ Viehes Recht 364 . n. 15 Articul und Fragestucke bey Ubelthaͤter Ausforschung wie einzurichten 684 . n. 9 . \& 682 . n. 6 Articulir te Klage ist in Appellation s-Ge- richten verboten 102 . n. 12 . Artzt/ wie dessen Zeugen-Eyd kraͤfftig 52 . n. 14 . ist straffbar/ wenn aus Unverstand an des Patienten Tode schuldig 589 . n. 8 Artz n ey-Huͤlff e wo man suchen solle 368 . n. 4 Artzney Kosten der Verstorbenen sind vor allen Schulden zu bezahlen 210 . n. 43 Aertzte moͤgen Advocat en und Anwalds Amt nicht vertreten 75 . n. 36 . nach deren Rath und Erkaͤntniß soll Gifftmord ge- strafft werden 596 . n. 26 . ohne deren Zu- lassung sollen Apothecker kein Gifft ver- kauffen 598 . n 28 Assessor en in Gerichten sollen in Rechten geuͤbet seyn 64 . n. 2 . wodurch verwerff- lich werden koͤnnen 64 . n. 5 . vid. Bey- sitzer. Attaque in Kriegen auff Infanterie oder Cavallerie 743 . mit Piquen und Batail- lons Brechungs Art. 753 Auction wenn bey Kirchen-Guͤtern Statt habe 200 n 16 . was bey derselb e n des Richters Pflicht sey 342 . n 10 deren Billigkeit wird erwiesen/ ibid . ob da- durch ein Creditor das Pfand veraͤusern koͤnne 342 . 11 . beweglicher Guͤter wenn vorzunehmen 107 . n. 32 Audienz Recht zum guͤtlichen Vertrag 393 . n. 1 . bey woͤchentlicher wie sich der Ge- richts- Secretarius zu verhalten habe 420 . n. 31 . wenn woͤchentlich zu Cassel gehalten werden 423 . n. 5 Auffruhr giebt Gerichts-Stillstand 11 . n. 1 deren derer vornehmsten Sachen. deren Redelsfuͤhrer wie zu straffen 579 n. 1 . 582 . n. 10 . verhindert Urtheils Exe- cution 109 . n. 43 . darzu sollen Priester durch Predigten wider die Obrigkeit nicht Anlaß geben. 147 . n. 3 Auffschub vid. Dilation. Augenschein gehoͤrt zu Entscheidung der Graͤntzen 115 . n. 3 . wenn einzunehmen 115 . n. 6 . Proceß wie vorzunehmen. 116 . n. 8 Augenscheinlichen Besichtigung Beweiß Vorrecht 84 . n. 7 . 115 . n. 5 . gilt auch nach End Urtheil. 115 . n. 6 Augspurgischen Confessions Verwandten Freyheit 136 . n Augustinus wie vor Arme gesprochẽ 67 n. 6 Ausbleibens der Beklagten vor Gericht ehehaffte Ursachen 20 . n. 19 Ausflucht/ ein Gericht zu vermeiden/ weñ einzuwenden 10 . n 24 wenn guͤltig we- gen Arglist und Betrug 308 . n. 10 we- gen nicht ausgezahlten Geldes wie lan- ge statt finde 378 . n. 32 . wegen nicht al- so gemachten Handels was fuͤr Recht gebe 8 . n. 18 . ist ohne bewiesenen Jrr- thum nichtig. 17 n. 5 Ausschreiben/ wie dadurch Kirchen- Visita - tiones sollẽ kund gethan werden. 312 . n. 4 Austraͤge Recht der Heil. Reichs Staͤnde 223 . n. 12 Autores oder Scribent en wie fern Advoca- t en in Schrifften anzufuͤhren haben 70 . n. 24 Autoris im Streit Besitz Recht wegen Krieges Befestigung und Verjaͤhrungs Zeiten. 18 . n. 8 Auswurff Guͤter Erstattungs Recht bey Schiffbruchs Zufall 383 n. 11 . \& seq . Sachen zu Schiff wem gehoͤren 385 . n. 13 Auszug oder Ausfluchts Verjaͤhrung ist nichtig 10 n. 24 Auszugs Recht/ so in Verlaͤugnung be- steht 12 . n. 4 Auszuͤge zerstoͤrliche wenn vorzubringen 12 n. 4 Auszug Gelder wer geben muͤsse 324 . n. 39 B. Baar-Recht was zu nennen 599 . n. 30 Bach-Stroͤme Gerechtigkeit in Graͤntz- scheidung 119 . n 15 Backen/ wie darauff in Heßischen Landen Achtung gegeben werde 522 Backofen wo zu bauẽ nicht veꝛgoͤñt 253 . n. 22 Back Ordnung im Gericht Beylste in 559 n. 1 Baͤder/ vermischer Geschlechter hat Clerus verboten 578 . n. 27 Balcken/ ob vergoͤnnt auff des Nachbars Wand zu befestigen 251 . n. 17 . \& n. 19 Bande und Ketten Recht der Gefangenen 89 . n. 22 Bandit en Recht in Itali en 263 n 12 Bann wird auch obrigkeitlichen Veraͤch- tern wegen Ungeborsam aufferlegt 20 . n. 20 . ist eine Straffe des Friedbruchs 82 . n. 2 . was auff sich habe und bedeute 84 n. 6 kan auch wegen uͤbel gebrauch- ten Juris Patronatus aufferlegt werden 141 . n. 16 . worinn dessen Straffe beste- he 172 . n. 26 warum tetzo nicht ge- braucht werde 174 . n. 33 . 175 . n. 35 . vor demselben hat man sich zu huͤten durch Vermeidung der Suͤnde 157 . n. 30 Bannisirte mag man nicht toͤdten noch rachgterig verfolgen 83 . n. 5 Bann-Processes Urtheil wenn erfolgen solle 84 . n. 7 Bann-Richters Gebiets Execution 83 . n. 5 Banqueroutier aus eigener Schuld/ sollen von Obrigkeit nicht geschuͤtzt werden 371 . n. 11 Barge-Geld Bezahlungs Recht bey Schiffbruch 363 . n. 10 Bat a illon quarré Form wie zu machen 752 . derselben off - und defensiv Gefechte Brauch 742 . Schandflucht Straffe 696 . n. 22 Bauen was dabey zu beobachten 252 . n. 20 . 253 . n. 23 . dabey soll dem Nachbarn kein Schaden geschehen 254 . n. 24 . \& seq . schaͤdliches ist zu verbindern 254 . n. 26 Bau und Besserungs Recht in Lehnguͤtern 129 n. 34 . in Dienstbarkeiten wem ge- buͤhre 254 . n. 27 . Bau- Anderes Register/ Bauern und Landsassen Unterscheid 247 . n. 7 . was zum Gehorsam anhalte 226 . n. 8 Bauerndienste werden zu unbeweglichen Guͤtern gerechnet 107 . n. 34 Bauer-Guͤter/ deren Geräthe kan nicht ausgepfaͤndet werden 108 . n. 38 . an Ade- liche verkaufft koͤnnen nicht Steuer und Zinß-frey werden 344 . n. 15 Bauren-Lehn was eigentlich sey 122 . n. 3 Bauers-Leute sind zur Erndtezeit von Ge- richts-Stand befreyet 12 . n. 2 . deren Erndteschlags und Renthen Recht 108 . n. 38 . koͤnnen in Ackerbaues Streit Richter seyn. 26 . n 12 Baufaͤlligen Hauses Schaden wer buͤsset 363 . n. 9 . Miethe Hauses Recht 362 . n. 8 Baugereitschafft von Pfarrgebaͤuden wer wegfuͤhren muͤsse 196 . n. 4 Bauholtz fremb des wer gebraucht/ soll doppelt bezahlt werden 253 . n. 5 . kan nie- mand ohne Zulassung auff frembder Wand legen 251 . n. 17 Baukosten zu Pfarr-Wohnungen wer er- statten muͤssen 213 n. 6 Baum-Beschehlung wie bestrafet werde 647 . n. 6 Baumanns Recht mit Zinß wegen Miß- wachs 245 . n. 1 Bau-Materialien und Dingzettul Kosten Recht. 197 . n. 6 Beamte duͤrffen keine Geschencke nehmen 25 . n. 9 . wie dem Fluchen und Schweren steuren sollen 215 . n. 15 . deren Untreu wie bestrafft werde 239 . n. 43 . Pflicht bey zweiffelhafftem Rechtsfall 393 . n 4 . wie sich gegen Unterthanen zu verhalten ha- ben/ ehe sie supplicir en 394 . n. 2 . Neben- Berichts Pflicht wegen Supplicant en 395 . n. 3 . wie Duell-Schlaͤgereyen steu- ren sollen 611 . n. 8 . wie in Auflegung der Geld-Straffen verfahren sollen 572 . n. 13 . deren Pflicht mit Wehrschafften 498 . n. 13 . wie bey Verkauff der Pfandschafften sich zu verhalten 520 . n. 13 . wie auff de- ren Edict en Observance dringen sollen 527 . was bey Gerichts-Hegung zu beobachten. 396 . n. 2 Becker betꝛuͤgliche wie zu bestꝛafen 245 n. 15 Bedt-Brieffe Guͤter Recht/ 246 . n. 2 Begnadigung wer Ubelthaͤtern ertheilen koͤnne 23 . n. 6 . 389 n. 14 . wenn und aus was Ursachen zuzulassen sey 390 . seq . Begnadigungs Recht der Ubelthaͤter 5 . n. 8 Begrabene ob wieder auszugraben 208 . n. 38 Begraͤbniß Freyheit am kaͤyserlichen Hofe 135 . n. 1 . eines ehrlichen wer unwuͤrdig 160 . n. 39 . 369 . n. 5 . schimpffliche wem gebuͤhre 175 . n. 34 . ob Schulden halben aufzuschieben und zu verbieten 210 . n. 42 darzu ausgeliehene Gelder sind vor al- len Schulden zu bezahlen 210 . n. 43 . wem auff Kirchhoͤfen nicht zu goͤnnen 210 . n. 44 wie unterschieden sey. 612 . n. 15 Begraͤbniß-Kosten werden von Erbschafft abgezogen 334 . n. 24 Begraͤbniß Stellen gantzer Famili en ge- niessen nur Erben und keine Frembde 209 . n. 41 Beichte ob sich auff heimliche Suͤnden er- strecke 161 . n. 44 . koͤnnen auch weltliche Personen hoͤren 156 . n. 27 . vor wem ein Priester abzulegen 156 . n. 28 . vor der- selben sollen sich Beicht-Kinder anmel- den 156 . n. 29 . derselben Recht wie weit sich erstrecke 158 . n. 33 . neue wenn nicht zu fordern 161 . n. 41 Beicht-Bekaͤntniß kan von geistlichem Ge- richt den weltlichen Personen aufferlegt werden 8 . n. 14 eines Verstorbenen kan ein Geistlicher wohl offenbaren 8 . n. 15 . wenn ein Priester verschweigen koͤnne. 158 . n. 34 Beicht-Entdeckung/ wenn unpersoͤhnliche Statt finde 158 . n 34 Beicht-Geld/ wie verboten oder nicht 158 . n. 33 . wie der Pastor und Capellan un- ter sich zu theilen 186 . n. 24 . wer bekom- me waͤhrenden Gnaden-Jahrs 192 . n. 40 Beicht Kinder/ wie ein Prediger auff alle und jede Achtung zu geben habe 149 . n. 6 . haben derer vornehmsten Sachen. haben sich bey den Pfarrern anzumel- den 156 . n. 29 . duͤrffen nicht ausser ihrem Kirchspiel beichten ibid . wie ein Predi- ger absolvir en solle 157 . n. 31 . sollen wohl examinir et werden 157 . n. 32 . sollen von Predigern nicht ausgefragt werden 158 n. 33 Beicht-Pfennig. vid. Beichtgeld. Beicht-Stuͤhle/ vor demselben soll kein Gedraͤnge gelitten seyn 157 . n. 33 . von denselben wenn aus Feindschafft jeman- den der Priester abweist/ wie zu strafen 184 . n. 18 Beicht-Vaͤter/ was vor welche die Patro- nen erwehlen koͤnnen 156 . n. 28 . sollen ihrer Freyheit nicht mißbrauchen 159 . n. 37 . sollen wegen Minderjaͤhriger Zulas- sung zum heil. Abendmahl erkennen. 162 . n. 47 Bekaͤntniß giebt in Gerichten Beweiß 37 . n. 27 . aus Jrrthum geschehen ob un- kraͤfftig 38 . n. 24 . muß fuͤrm Richter im Gericht geschehen 38 . n. 25 . freywilliges giebt halben Beweiß 39 . n. 27 . mit Be- ding oder von andern geschehen ob guͤl- tig 39 . n. 29 . seq . eines versuͤhneten Feindes ob Argwohns Anzeige zur Fol- ter gebe 587 . n. 3 . soll in Nothzuͤchti- gung von beyden Theilen geschehen 627 . n. 21 . deren Wiederruff ist neuen Peini- gung Ursach 667 n. 24 . eines Ubelthaͤ- ters wie zu unterscheiden 159 . n. 36 Bekehrung der Wiedersacher wodurch verhindert werde 148 . n. 4 . rechtschaffe- ne warum so seltsam 157 . n. 30 Beklagte sind nicht schuldig vor fremdem Gericht sich einzulassen 6 . n. 9 . muͤssen versichern/ bewegliche Guͤter nicht zu veraͤusern 9 . n. 21 . Abwesende wie fuͤr Gericht zu citir en 11 . n. 26 . 16 . n. 4 . wenn von der Klage frey zu sprechen 29 . n. 18 . was bey Ausbleiben vor Gericht entschuldige 20 . n. 19 . wenn Unkosten erstatten muͤssen 30 . n. 27 . wenn sich mit dem Advocat en bereden duͤrffen 51 . n. 5 . wie wegen vorgegebener Zeugen Ver- dacht zu befragen 58 . n. 39 . beguͤ- terte wie vom Gefaͤngniß frey 86 . n. 14 Bergwerck zu bauen gehoͤret zu den Juri- bus Regalibus 2 . n. 1 Beruffung der Prediger wem zukomme 138 . n. 6 . wie geschehen soll 142 . n. 19 Bescheide gerichtliche wie zu begreiffen 68 . n. 18 Beschwerden Mangel hebt den Streit auff 100 . n. 6 Besichtigung der Graͤntzen/ wenn vorzu- nehmen 115 . n. 3 . wie in verschiedenen Faͤllen anzustellen 116 . n. 7 . Maͤnner und Weiber wegen Tuͤchtigkeit zum Bey- schlaff. 284 . n. 46 Besichtigungs Proceß wie vorzunehmen in Graͤntzscheidungen 116 . n. 8 Besitz Recht mit oder ohne gutem Glau- ben 133 . n. 50 . wodurch erwiesen werde 248 . n. 10 . natuͤr- und buͤrgerlicher was seye 351 . n. 1 . anderer Guͤter Beweiß- thum Recht 248 . n. 10 Besitz und Eigenthums Streitrecht 351 . n. 2 Besitz-Eigener Pflicht bey Landmessung/ Guͤter zu melden 118 . n. 14 Besitz-Einnahme und Einfuͤhrung wie an- zustellen 107 . n. 28 . seq . wie wegen Schulden guͤltig sey 372 . n. 14 Besitz-Guͤter Fruͤchte Erstattungs Recht. 376 . n. 28 Besitzer oder Eigener/ wenn auf denselben die Klage der Miethsmann schieben koͤnne 7 . n. 5 . mit gutem Glauben was vor Recht haben 351 . n. 3 . deren Recht im Zweiffel 119 . n. 16 Besoldung von Kriegs-Zeiten ruͤckstaͤndig wenn Kirchen-Diener zu fodern befugt 187 n 25 Beth-Briefe muͤssen alle fuͤnff Jahr erneu- ert werden 246 . n. 2 Beth-Fuhren gehoͤren auch mit zu Pfar- rers Besoldung 188 . n. 29 Bethe und Liebe-Geld haben Geistliche Macht zu fordern 189 . n. 30 Bettgeraͤthe kan nicht ausgepfaͤndet wer- den. 108 . n. 38 E e e e e Bettler Anderes Register/ Bettler falsche und starcke wie zu straffen 265 . n 18 Betrug zu Glaͤubigers Nachtheil ist ver- boten 474 . n. 5 . dessen sollen Naͤher- kaͤuffer sich gaͤntzlich enthalten 502 . n. 27 Beute machen und Pluͤnderungs Recht im Kriege 699 . n. 28 Bewegliches Gut was zu nennen 475 . n. 12 Beweglichen Gutes/ so streitig/ Recht 9 . n. 21 . Pfaͤndung wenn zugelassen 107 . n 32 . Besitz wenn verjaͤhret werde 353 . n. 8 Beweiß liegt Klaͤgern in Streitsachen ob 31 . n. 1 . kan auch durch brieffliche Ur- kunden geschehen 32 . n. 3 . giebt auch ei- genes Bekaͤntniß 37 . n. 22 . wenn aus Muthmassungen entstehe 40 . n. 31 . in Lehn-Streit 234 . n. 58 . eydlicher wenn kraͤfftig 92 . n. 29 Beweißthums Mangel in Dilation 20 . n. 18 Beweiß-Articul wie zu verschicken 42 . n. 38 . wie Klaͤger einzuliefern beym Rich- ter 62 . n. 51 Beylage-Geld wie in Gerichten soll ver- wahret werden 399 . n. 6 . wenn der Ap- pellant dessen verlustiget wird 423 . n. 4 . bey Privat-Personen was fuͤr Recht mit sich fuͤhre 515 . n. 1 . gerichtlichen Bey- lage Recht 364 . n. 14 Beylsteinischen Amts gewoͤhnliche Rechts Ubung 551 Beyschlaff wenn nicht genungsam zur Ehe 280 . n. 32 . der Hurer wird mit geist- und weltlicher Strafe belegt 173 . n. 27 Beyschlaffs Recht wegẽ Ehestand 300 . n. 28 Beyschlaͤfferinnen zu halten ist verboten/ 171 . n. 20 Beysitzer/ derer Eydes Puncte 28 . n. 19 . sind als Mit-Richter vom Urtheil nicht auszuschliessen 63 . n. 1 . was zu einem r echtschaffenen erfordert werde 63 . n. 2 . derselben Belohnungen und Freyheiten 64 . n. 3 . eines ungebuͤhrliches Verhal- ten wie zu bestraffen 64 . n. 4 . verdäch- tiger ist verwerfflich 64 . n. 5 . deren Stimmen wie zu colligir en 65 . n. 6 Bienen u. Honig Diebstahl Strafe 648 n. 8 Bierschencken Betrug wie zu straffen 245 . n. 14 Bildniß Strafe Execution Recht 608 . n. 4 Bildseulen der Fuͤrsten ob Freyheit geben vor Ubelthaͤter 389 . n. 13 Bischoff soll in Bestellung der Priester oh- ne Boßheit und Arglist verfahren 141 . n. 15 . was demselben vermacht/ gehoͤret an die Kirche 199 . n. 11 . soll ehrliches Herkommens seyn 211 . n. 1 . wie die Be- straffungen in Predigten anstellen solle 214 . n. 14 . dessen Einsehen wird zu Ca- pellans Wahl erfodert 16 . n. 17 Bischoͤffliche Oberherrlichkeit hat das Consistorium 211 . n. 3 Blanket/ ob dadurch Vollmacht erweiß- lich sey 78 . n. 44 Blut der Missethaͤter ist ein Opffer Got- tes 8 . n. 15 Blut-Freunde wie Streitsachen unter sich vergleichen sollen 22 . n. 2 . wenn zeugen koͤnnen 54 . n. 23 . 55 . n. 28 . wie fuͤr ein- ander gerichtliche Fuͤrsprecher seyn koͤn- nen 76 . n. 40 . haben in Lehnstuͤcken Ein- stand Recht 125 . n. 17 . haben Vorzug bey Kirchstuͤhlen 208 . n. 35 . haben unter Fuͤrstlichen Kindern das Recht zur Vor- mundschafft 227 . n. 10 . an denselben be- gangener Todtschlag wie zu straffen 591 . n. 12 . haben Naͤher-Kauff Recht 499 . n. 15 . deren Succession Recht 482 . n. 18 . 319 . n. 21 Blut-Freundschafft/ darin ist Ehestand auffzurichten veꝛboten 272 . n. 10 . 499 . n. 15 Blutgerichts Straffen ob zu vergleichen 98 . n 52 Blutquellen eines todten Leichnams ob Anzeigen geben von begangenem Todt- schlag 599 . n. 30 Blutschande/ aus derselben erzielete Kin- der ob Erbschafft Recht haben 477 . n. 2 . wie bestrafft werde 624 . n. 10 Blutsverwandte. vid. Bluts-Freunde. Brand-Draͤuung/ dieser wegen muß Ur- phede Versicherung geleistet werden 653 n. 12 . Brand- derer vornehmsten Sachen. Brandmahl wird den Uberlaͤuffern zum Feinde ins Gesicht gebrennt 695 . n. 18 Brandtewein brennen Verbot 563 . n. 11 Brandtewein Schencken Recht 536 . n. 29 Brauen/ wie darauff in Heßischen Landen Acht gegeben werde 522 . n. 16 Brau-Gerechtigkeit wie fern Geistlichen frey stehe 190 . n. 34 Brau-Ordnung zu Abterode im Gericht Beylstein 553 Braut/ wenn ihr Leibzucht gebuͤhre 474 . n. 6 . muß bey Leibeigenschafft dem Braͤu- tigam folgen 262 . n. 9 . Geschwaͤngerte warum nicht zu verstossen 277 . n. 24 . wenn jemand schwaͤngert/ wie zu straf- fen 621 . n. 3 Braut-Messen im Pabstthum gebraͤuch- lich 150 . n. 9 Brautschatz kan von Frucht-Nutzung der Lehn-Guͤter ertheilet werden 125 . n. 17 . wenn der Vater den Toͤchtern verwei- gern koͤnne 269 . n. 4 . kan fuͤr andern Creditor en gefodert werden 376 . n. 26 Brenner/ so rauben und morden zugleich/ wie zu straffen 654 . n. 15 Brieffe/ dadurch kan Klaͤger seine Sache erweisen 32 . n. 3 . falsche wer gebraucht/ wie zu bestraffen 81 . n. 53 Breiff-Beweiß in Graͤntz-Sachen n. 4 Brieff Postgeld wie darinn gebuͤhrender Tax zu observir en 234 . n. 32 Brieff-Versiegelung Recht/ so verdaͤchtig/ 37 . n. 20 Brod und Wein Kosten wer beym heiligen Abendmahl gebe 160 . n. 40 . wie auf des- sen Gewicht Auffsicht zu haben 523 Brod-Zinß Gefaͤlle wie Pfarrern zu leisten 185 . n. 19 Bruͤche/ oder Verbrechen/ so zum Ober- oder Untergericht gehoͤren 387 Bruch-Schneider/ deren Artzney warum verboten 589 . n. 8 Bruͤcken Recht woher entstehe 114 . n. 2 Bruͤder von einem Vater wie in Lehn-Guͤ- tern erben 128 n 28 . Lehn-Recht/ weñ de- ren einer ohne Erben verstirbt 128 . n. 29 . mit Bruͤder Soͤhnen Erbrecht in Haͤu- pter oder Staͤmme 128 . n. 30 . voll oder halbbuͤrtige ob sich einander zu Erben zu setzen verbunden 330 . n. 9 zweene ob zwo Schwestern ehelichen koͤnnen 273 . n. 14 . deren Kinder wie mit Schwester Kindern erben 319 . n. 22 . seq . Bruͤder Gemein- oder Gesellschafft Recht 310 . n. 1 5 Bruͤderliche Ermahnung wie nothwendig sey 176 . n. 35 Brunnen in Pfarrwohnungen muß die Gemeine reparir en lassen 196 . n. 5 . dar- inn ersaͤuffter Menschen Erkundigungs Art 2 . n. 4 . deren Gebrauch Recht 380 . n. 4 Buͤcher confiscirt e sind von Erbschafft auszuwerffen 313 . n. 5 Buchbinder wenn bey Verkauffung einiger Schmaͤhschrifften von Straffe frey 222 . n. 9 . Lohns Tax-Ordnung 563 . n. 10 Buͤcher- Catalogus soll von Buchfuͤhrern uͤberliefert werden 222 . n. 8 Buch-Drucker wie zu straffen/ wenn ohne Censur drucken 221 . n. 6 . woruͤber Eyd abstatten muͤssen 221 . n. 7 . was fuͤr ei- nen Bogen zu drucken nehmen sollen 563 . n. 10 Bruchdruckereyen sollen fleißig visitir et werden 221 . n. 71 Buchfuͤhrer und Buchhaͤndler wenn ihr Kram-Gewoͤlbe auffmachen duͤrffen 222 n. 8 . wenn wegen Verkauffung einiger Schmaͤhschrifften nicht zu straffen 222 . n. 9 Buͤchsenmeister Pflicht im Kriege 712 . n. 16 Buhler muß von wegen gelaͤugneter Schwaͤngerung sich eydlich entschuldi- gen 287 . n. 56 . wie wegen Kindermord zu straffen 604 . n. 44 Buͤndniß zu was Ende Potentaten auffzu- richten haben 228 . n. 14 . wenn zu schlies- sen sey 229 . n. 15 Bundbruͤchigkeit wie GOtt an Koͤnig Ula- dislao gestrafft 136 . n. 6 Burg-Frieden Geding und Erbvertraͤge Recht 487 . n. 6 E e e e e 2 Buͤr- Anderes Register/ Buͤrgen koͤnnen in peinlichen Sachen Fuͤr- sprecher seyn 72 . n. 28 . denselben ist vor der anbestimmten Straffe Frist zu vergoͤnnen 85 . n. 11 . deren Bezahlung befreyet den Thaͤter von der Straffe nicht 85 . n. 12 . deren Verpflichtung bleibt auch bey den Erben bestaͤndig 93 . n. 31 . welche nicht seyn moͤgen 93 . n. 33 . deren Zahlungs Termin ist wohl zu be- obachten 93 . n. 34 . Recht gegen Mit- buͤrgen und Schuldner 94 . n. 35 . duͤrf- fen nichts mehr/ als ihr Antheil bezah- len 94 . n. 36 . Recht/ so sich als Haupt- schuldner verbunden 94 . n. 39 . deren rechtliche Beschaffenheit 95 . n. 40 . als unberuffenen Klaͤgers Recht ib . Rechts Wohlthat wegen Schulden Theilungs Freyheit 95 . n. 41 . moͤgen ihren Schuld- ner zur Zahlung anstrengen 95 . n. 42 . koͤnnen vom Creditor en sein Schuldfor- derungs Recht verlangen 95 . n. 43 . koͤñen vor ihre Principal en appellir en. 103 n. 18 Buͤrgeschafft/ davon befreyen grundlie- gende Guͤter 79 . n. 47 . 92 . n. 30 . mit ge- wissem Beding ist ohne Verdacht und ohnmaͤchtig 82 . n. 1 . dessen Gerechtig- keit 84 . n. 8 . gilt in keinem Haupt-Ver- brechen 86 . n. 12 . 93 . n. 32 . wenn we- gen Gefaͤngniß statt habe 90 . n. 24 . wie wegen Execution zu leisten 105 . n. 34 . wer solche zu leisten tuͤchtig 92 . n. 30 . 95 . n. 40 . davon sind Eltern im Streit mit ihren Kindern nicht befreyet ibid . wenn Weiber abstatten koͤnnen 93 . n. 33 . koͤnnen Geistliche nicht leisten 191 . n. 35 . Buͤrger/ deren Kinder wie Frembden bey Befoͤrderungen vorzuziehen 217 . n 23 . wie Mannrechts Zeugniß auffweisen muͤssen 241 . n. 1 . mit deren Anzahl Ver- mehrung vermehren sich auch der Pfar- rer Einkuͤnffte 186 . n. 21 . wie zu Neben- Kirchspiel Pfarr-Hauses Bau verbun- den 195 . n. 2 . muͤssen Eyd ablegen 240 . n. 1 Buͤrger-Lehn was eigentlich sey 122 . n 4 Buͤrgerlichen Schad und Buß-Klage Un- terscheid. 116 . n. 9 Buͤrgermeister Regierende/ ob vor dem den Rang der Pastor habe 179 . n. 2 Buͤrgerrecht koͤnnen auch Geistliche ge- winnen 190 . n. 33 . wie dazu Fremde ge- langen 240 . n. 1 . wenn eingeloͤset wer- den muͤsse 241 . n. 2 Busse der Beichtenden woher gemeiniglich unfruchtloß 157 . n. 30 . eines wahren Christens wie beschaffen 161 . n. 43 Buͤttel Wartgelder wer abstatten muͤsse 89 . n. 21 C. Calender Gebrauch in Gerichts Feyerta- gen 12 . n. 3 . des alt und neuen Styli wo gebraͤuchlich 223 . n. 11 Cameraden Untreu im Kriege wie zu straffen 701 . n. 32 Cammer-Gerichts Lauff nicht zu hindern 109 . n. 41 Cammer-Guͤter/ derselben wegen wo man Klage anstellen muͤsse 18 . n. 9 . der abge- theilten Herren an wen verfallen/ wenn keine Erben da sind 224 . n. 3 . worinn bestehen und wie beschaffen seyn sollen 225 . n. 4 . duͤrffen nicht veraͤndert wer- den ibid . Cammer-Richter und Beysitzer Eyd was auff sich habe 224 . n. 2 Cantzel/ was darauff der Priester Pflicht sey 146 . n. 1 . auf derselben ist die Dispu- tir -Sucht gehaͤßig 147 . n. 4 . auff dersel- ben sind Historien und Fabeln verbo- ten 149 . n. 7 . wie von derselben welt- liche Sachen zu verkuͤndigen ibid . von derselben sollen privat Haͤndel und Af- fect en entfernet seyn 149 . n 8 Cantzley- Audienz an welchen Tagen im Heßischen gehalten werde 410 . n. 1 . wie darinn gebuͤhrend zu verfah- ren 410 . n. 2 Cantzley-Boten Pflicht bey gerichtlichen Citation en 16 . n. 4 . wie von ihren Ver- richtungẽ Bericht zu erstatten 420 . n. 29 Cantzley-Ordnung wegen Taxe und Colle- ctur Gelder 425 . n. 11 Cantzley- Procurator en Zahl/ und wie ein- und abzusetzen 419 . n. 27 Cantz- derer vornehmsten Sachen. Cantzley Sachen Appellation Recht 422 . n. 4 derer Heimligkeiten sollen nieman- den eroͤffnet werden 67 . n. 14 Capitali en der Kirchen wenn nicht anzu- greiffen 187 . n. 26 . werden nicht verjaͤh- ret 201 . n. 17 Cappellan wie mit dem Pastore Verrich- tung und Genuß gleich theilen solle 187 . n. 24 . ob Leichen-Predigten thun duͤrf- fe 187 . n. 25 . wie von einem Ort zum an- dern zu befoͤrdern 215 . n. 16 . dessen Amts- Pflicht worinne bestehe 216 . n. 17 . wie zum Dienst vorgeschlagen werden solle 216 . n. 18 . wie sich zu verhalten bey Ver- aͤnderung der Pfarre 216 . n. 19 Cartell/ dadurch sich zum Duell ausfodern ist verboten 609 . n. 5 . deren Uberbrin- ger wie zu straffen 609 . n. 6 Casteyung und Zaͤhmung des Fleisches vor dem heil. Abendmahl noͤthig 163 . n. 50 Catalogi der Buͤcher. vid. Buͤcher Catalog 9 Catechißmus Examen wie und wo mit gantzen Famili en zu halten 162 . n. 47 . wie dabey Gelindigkeit zu brauchen 163 . n. 48 . wie bey Haußbesuchung zu trei- ben 169 . n. 13 Catechismus-Lehre wie zu beobachten 162 . n. 45 Catholischen der Augspurgischen Confes sions Verwandten Freyheit 136 . n. 2 Caution wie fuͤr kuͤnfftigen Schaden abzu- statten 89 . n. 21 . wegen Gegenklage und Streits Unkosten 102 . n. 14 . muß Be- klagter stellen wegen nicht Veraͤuserung seiner Guͤter 8 . n. 21 . wegen Handlungs Genehmhaltung wie bey Vollmacht zu stellen 76 . n. 40 . muß letztlebender Ehe- gatte wegen inhabendẽ Leib guts abstat- ten 472 . n. 2 . wenn nothwendig erfodert werde/ oder nicht 403 . n. 6 . seq . 86 n 14 wenn eydliche guͤltig sey 92 . n. 29 . wegen Draͤuung ist Gefaͤngniß 110 . n. 46 Censur ohne dieselbe soll nichts gedruckt werden 221 . n. 7 Centgraͤfen-Gerichts Unterscheid 388 . n 11 Ceremonien wie bey Gottesdiensten anzu- stellen 217 . n. 20 . in Kirchen Fuͤrbitten sollen ohne Pracht seyn 164 . n. 51 Churfuͤrsten Recht was sey 2 . n. 1 Churfuͤrstenthuͤmer Lehnsachen Streits- Richter 125 . n. 59 Christen/ deren Kennzeichen soll seyn/ Treu und Glauben auch Ketzern zu halten 136 . n. 3 . deren Richtschnur ist die heilige Schrifft 148 . n. 5 . sollen sich vor dem H. Abendmahl pruͤfen 157 . n. 32 . deren Leben soll stete Busse seyn 161 . n. 43 . ob Buͤndniß machen moͤgen wider Christen mit Unglaͤubigen 229 . n. 15 . wie zu Be- obachtung des Christlichẽ Glaubens zu zwingen 155 . n. 75 . wie sich bey Geluͤb- den zu verhalten 178 . n. 41 . deren Stiff- tungen Recht 187 . n. 26 Christenthum warum ietzo so heuchlerisch 136 . n. 4 . was darinn rechtschaffene Bus- se verhindere 157 . n. 30 . des verfallenen Ursachen 175 . n. 35 Christliche Liebe und Einigkeit wird vor- nehmlich beym H. Abendmahl erfodert 263 . n. 50 Christliche Versamlung wem zu verbieten 175 . n. 34 Christliche Vorbitte wie in Kirchen abzu- statten 163 . n. 51 Christi Schaafe und Laͤmmer wie zu wei- den 163 . n. 50 Chrystallen-Seher wie zu straffen 573 . n. 16 Citation vor Gericht soll an heil. Feyerta- gen nicht geschehen 11 . n. 2 . verhindert dreyßig jaͤhrige Verjaͤhrung 15 . n. 1 . auf was Art geschehen soll 16 . n. 2 . wider welche ergehen soll 16 . n. 3 . deren Art soll protocollir et werden 16 . n. 3 . soll den Jnnhalt der Streitsache haben 17 . n. 6 . derselben Uꝛsache wann nicht noͤthig zu melden 19 . n. 12 . deren Unkosten wer zu erstatten schuldig 400 . n. 1 . deren Wuͤr- ckung 16 . n. 1 Citation Huͤlff-Richters Pflicht 19 . n. 15 Client en deren Tauff- und Zunahmen wenn zu nennen 72 . n. 29 Collator en Recht bey Pfarrer Præsenti- E e e e e 3 rung Anderes Register/ rung 138 . n. 5 . sollen Kirchen und Pfar- rer Gebaͤude in baulichem Wesen erhal- ten 196 . n. 4 Commando Widersetzligkeit wie im Krie- ge gestrafft werde 692 . n. 12 Commendant ens Freyheit Brieffe zu eroͤff- nen 693 . n. 14 Commissari en und Schiedsrichter Pflicht in Gegenklagen 9 . n. 22 . sollen bey Par- theyen guͤtlichen Vergleich zu erhalten suchen 24 . n. 9 . was in Kundschafften Verhoͤr zu beobachten 42 . n. 38 . wie Zeu- gen Verhoͤr anzustellen 52 . n. 8 . wenn zu- laͤßig seyn 53 . n. 16 . derselben Macht bey Zeugen Verhoͤr 57 . n. 33 . sind zu augen- scheinlicher Besichtigung zu bestellen 116 . n. 7 . deren Zwangrecht bey Augen- schein 116 . n. 8 . auff wessen Unkosten bey Kirchen- Visitation erscheinen 214 n. 11 . deren Pflicht wegen Soldaten Beleh- nung und Commiss- Brod 705 . n. 41 . wenn wegen uͤblen Gefaͤngniß zu begeh- ren 90 . n. 23 Communicant en wie sich zu dem heiligen Abendmahl bereiten sollen 160 . n. 41 . deren Opffer-Pfennige gehoͤren Pfar- rern 188 . n. 29 Communication Recht derer Zeugen Aus- sage dem Beklagten 50 . n. 4 Compaß und Huͤlffs-Brieffe Recht wegen Kundschafft der Zeugen 62 . n. 51 Confirmation eines neuen Predigers wie einzuhohlen 137 . n. 3 . 192 . n 39 . des Kaͤy- serlichen Privilegii der Fuͤrsten von Hes- sen 433 Confrontation s-Fälle Recht 16 . n. 2 Confronti rung der Zeugen und Beklagten wenn anzustellen 59 . n. 40 Consistorial- Bedienten Pflicht wegen Pfarr-Hauses Geraͤths- Inventari en 198 . n. 9 Consistorial-Convent s Schluß ist kraͤfftig 217 . n. 21 Consistorial-Examen eines beruffenen Priesters 137 . n. 3 . wer damit zu verscho- nen 140 . n. 10 Consistorial -Gericht/ wenn dafuͤr weltli- che Personen stehen mussen 7 . n. 13 wer verordnen koͤnne 217 . n. 22 . was fuͤr Sachen darinn abzuhandeln. ibid . Consistorium muß bey Pfarrer Einsetzung seinen Consens den Patronis geben 139 . n. 7 . muß in Vielheit der Patron en we- gen Pfarrers Beruffung entscheiden 139 . n. 9 . soll erinnern/ Pfarrdienste zu ersetzen 140 . n. 13 . ohne dessen Erkaͤnt- niß wenn Absolution nicht zu verwei- gern 158 . n. 35 . kan keine peinliche Halß- und Lebens-Straffe zuurtheilen 183 n. 14 . hat bischoͤffliche Oberherrligkeit 211 . n. 3 . wer anordnen koͤnne 217 . n. 22 . giebt Entscheidung bey Schulmeister und Kuͤster Bestellung 219 . n. 27 . vor dem- selben muͤssen Ehesachen entschieden werden 289 . n. 61 Consort en wie in Klagen zu benennen 411 . n. 6 Constabel und Buͤchsenmeister Pflicht 712 . n. 8 Consumtions -Buͤrden sind Priester frey 189 . n. 32 Contracte vor welchem Gerichte abzuhan- deln 8 . n. 19 . darinn sollen alle zweiffel- haffte Meynungen verm i eden werden 309 . n. 12 . welche buͤndig und schuldig zu halten 305 . n. 1 . an Jahrmarckten gemacht/ heben Freyheit auff 12 . n. 2 Convent, ohne dessen Schluß gilt Bi- schoffs Ausspruch nicht 206 . n. 28 Copie schrifftlichen Behelffs soll zwiefach geliefert werden 13 . n. 5 . ist genug Be- klagten zu uͤberweisen 33 . n. 5 . wenn guͤl- tig sey 34 . n. 8 eines Wiederlegung- Schreibens des Appellant en Recht 101 . n. 11 . wie wegen Beschwerden von Ap- pellant en auszulieffern 101 . n. 12 . vom Protocoll wie zu eroͤffnen 67 . n. 13 Copiisten Amtspflicht in Gerichten 67 . n. 12 Copulation Freyheit am kaͤyserlichen Ho- fe 135 . n. 1 . soll vom Priester ohne vor- hergehender Abkuͤndigung nicht gesche- hen 169 . n. 15 . wie zu verrichten 171 n 21 wo ge- derer vornehmsten Sachen. wo geschehen solle 171 . n. 22 deren Amts- gebuͤhren sollen Priester nicht steigern 186 . n. 23 . wenn nicht zu versagen 282 . n. 38 Correspondence mit Feindes Parthey ist in Kriegen verboten 693 . n. 14 Creditores moͤgen Schuldner belangen/ wo sie Arrest der Guͤter ausgewuͤrckt 18 . n. 9 wenn ihnen freystehe/ Buͤrgen oder Schuldner zu belangen 95 . n. 42 . koͤnnen sich des Juris Patronatus nicht anmassen 143 . n. 23 . wie dem Schuld- ner was vermachen koͤnnen 335 . n. 27 . wie durch Auction Pfand zu verkauffen 342 . n. 11 . wenn Pfand verkauffen koͤnnen 357 . n. 22 . wie gegen betruͤgliche Schuldner verfahren koͤnnen 370 . n. 10 . wie sich ver- samlen und die Schulden liquidir en sol- len 375 . n. 24 . wie wegen ausgegebener Quittung auf Bezahlung zu dringen 378 . n. 32 welche bey grossen Schulden den Vorzug haben 373 . n. 16 . wie Be- zahlung suchen koͤnnen 520 . n. 13 . deren Vorzug in Pfand sachen 522 . n. 14 . wie Pfand erstatten muͤssen 522 . n. 16 . wenn ihnen der Gewinn zufalle 503 . n. 2 . deren Pflicht bey Kirchen-Guts Schaͤtzung 200 . n. 16 . deren Recht gegen Erben 325 . n. 41 . ob Bezahlung an Wahren zu nehmen gehalten 370 . n. 8 . wie das Pfand gebrauchen koͤnnen 357 . n. 23 . de- ren Pflicht in Pfandsachen 359 . n. 28 . seq . deren Versamlungs Nutzen bey Erbfall 326 . n. 43 . wenn Verkauffs Ge- wehr nicht leisten koͤnnen 343 . n. 12 . deren Wahlrecht in Schuldners Guͤtern 254 . n. 7 Curatores wenn fuͤr Minderjaͤhrige zu se- tzen 298 . n. 22 D. Dach-Trauffen-Rennen ob auff des Nach- barn Grund vergoͤnnt 251 . n. 16 Danckbarkeit und Erkaͤntniß Gabe Revers wegẽ Befoͤrderung ist verboten 142 . n. 20 Dancksagungs-Gebet derer Soldatẽ nach einem gluͤcklichen Treffen 728 . n. 11 Debitores, deren Pflicht in Pfandsachen 359 . n. 27 . seq . wie mit den Creditorn der Richter vergleichen solle 377 . n. 29 Defension Processes Recht 665 . n. 20 . wie man derselben absagen koͤnne 41 . n. 33 . wie Beklagter anzustellen 401 . n. 5 . 414 . n. 13 . im Kriege gegen Cavallerie und Fußvolck 752 Degen/ dessen Entbloͤssung/ Schaden zu thun/ wie zu straffen 692 . n. 12 . wie wi- der dessen Entbloͤssung man sich schuͤ- tzen solle 615 . n. 19 Deputirt en Pflicht wegen Ober- Appella- tion s Gericht 424 . n. 10 Deserteurs wie von Beamten und auf Zoll- Haͤusern anzuhalten 696 . n. 21 Desertion wie an Eheleuten zu straffen 474 . n. 8 Dieb/ wird aus dem Gericht/ wo er gegrif- fen/ nicht remittir t 4 . n. 1 . muß bey sei- ner Loßlassung die Gefaͤngniß Unkosten erstatten 88 . n. 20 . muß Urphede abstat- ten 88 . n. 20 . wer davor nicht zu halten 645 . n. 31 . dessen Verzugs Entschuldi- gung ist unguͤltig 644 . n. 29 . wie gebuͤh- rend zu straffen 641 . n. 20 . wie zu ver- klagen ohne Zwang 645 . n. 32 Dieberey wodurch zu uͤberweisen 37 . n. 19 . deren mancherley Anzeigen 641 . n. 20 . seqq . wie an Kirchen- und Gemeinde- Vorstehern zu bestraffen 199 . n. 13 Dieb- oder Raubguts Gewehrschafft ist unguͤltig 644 . n. 30 Diebs Helffer wie zu straffen 639 . n. 13 . wer dazu sich verdaͤchtig mache 641 . n. 19 Diebstahl wegen wo mag geklaget werden 6 . n. 10 . gewaltsamer wie zu bestraffen 637 . n. 10 . wie an Menschen begangẽ wer- de 263 . n. 13 . anvertrauten Guts ist straff- bar 366 . n. 20 . wie an Edelleuten zu be- straffen 261 . n. 5 . in Feuers-Bruͤnsten 654 . n. 16 Dienstbarkeit wie geartet und wenn recht 250 . n. 14 . seq . wem darinn Bau und Besserung gebuͤhre 254 . n. 27 . wenn in gesamtem Gut zu verstatten 254 . n. 27 . wodurch Anderes Register/ wodurch verlohren werde ibid . der Ze- hendẽ wem nicht auffzubuͤrden 205 . n. 28 . kan wegen Schulden nicht aufferlegt werden 263 . 10 . deren Recht wenn auff Bitte erlaubet 268 . n. 8 Dienstbaren Guͤter Succession Recht 941 . n. 6 . koͤnnen nicht vertheilet werden 491 n. 7 Dienst-Fuhren kan bey Kriegeszuͤgen nie- mand weigern 238 . n. 40 Dienst-Freyheit wie Geistlichen zukomme 189 . n. 31 . ist abgelebten Soldaten zu ertheilen 706 . n. 45 Dienst-Gesinde Verleitung wie zu strafen 585 . n. 18 . deren Lohn wird von Erb- schafften abgekuͤrtzet 334 . n. 24 Dienst-Knechte Leibeigene koͤnnen ohne ihrer Herren Wissen keinen Contract schliessen 263 . n. 14 Dienstloses Gesinde/ wie darauff die Obrigkeit sehen solle 264 . n. 15 Dienstrecht an Nachbarn Saͤule oder Wand 252 . n. 19 Dilation, dessen Wuͤrckung in Rechten 17 . n. 6 . wodurch in Processen zu verhin- dern 18 . n. 10 . wenn zu gestatten sey 19 . n. 13 . wie offt verstattet werden koͤnne 19 . n. 16 . wie lange vergoͤnnt bey Ap- pellation- Versaumniß 99 . n. 2 Dilations Ausfluͤchte wenn nicht ange- nommen werden 23 . n. 7 Dilations Freyheit wegen Beweiß Man- gel 20 . n. 18 Dirnen Verdacht wegen Kinder-Mords Inquisition 603 . n. 42 Dispensation wenn in Blutfreundschaffts Ehen guͤltig oder nicht 272 . n. 10 . seqq . Disposition Recht zinßbaren Guts Besi- tzer 491 . n. 6 Disputir en woher so gar fruchtloß 148 . n. 4 . ist bey Appellations Processen verboten 424 . n. 8 Disputir -Sucht ist auff Cantzeln in Pre- digten gehaͤßig 147 . n. 4 Document en Vorweisungs Recht wegen Partheyen 35 . n. 12 . bey deren Auffrich- tung/ was zu beobachten 36 . n. 17 . geben auch Beweiß in peinlichẽ Sachen 36 . n. 18 Donation Todes wegen wie geschehen solle 449 . n. 1 . Todesfalls wegen und unter Lebendigen wie unterschieden 450 . n. 3 . wenn noͤthig zu insinuir en und warum auffhoͤren koͤnne 450 . n. 4 . ob davon der vierdte Theil abzuziehen vor die nech- sten Erben 451 . n. 6 Donatoris Vorbehalt wem zuwaͤchset 451 . n. 8 Doͤrffer/ vom gemietheten wer Beschwer- den abstatte 203 . n. 23 . deren Gewohn- heit wegen Pfarrhaͤuser Gebaͤu 196 . n. 4 Dorff-Kirch-Messen wie zu halten 150 . n. 9 Dorff-Schultzen und Gerichts-Herren Pflicht wegen Pfarrgebaͤuden 196 . n. 4 Doublir en Commando Kriegs- Exercice 737 . seqq . Commando Woͤrter Auszug 745 . seqq . Draͤuung eines Verurtheilten wie zu stra- fen 110 . n. 46 . wenn Ursachen gebe zur scharffen Frage 681 . n. 5 . ob Ursach ge- ben zur Nothwehr 614 . wie dieser we- gen eydliche Versicherung zu leisten 92 . n. 29 . Friedbruchs wie zu straffen 89 . n. 21 Dreschen bey Licht verboten 537 . n. 37 Dritten Mannes Rechts Einwurffs Krafft 12 . n. 4 . Interesse, so zwischen koͤmmt 13 . n 6 Dritt-Geschwister Kinder Heyraths Recht 272 . n. 10 Dritten oder vierdten Ehe Kinder Erb- Recht 467 . n. 12 Druckerey/ wie darinn gute Anstalt zu machen 222 . n. 8 Duellanten Straff-Recht im Kriege 704 . n. 39 . werden mit Guͤter Verlust be- strafft 608 . n. 4 Duells Verbot und Mordstraffe 607 . n. 1 . seq . abgenoͤthigten Gegenwehr ist er- laubet 608 . n. 2 . Ausforderung Strafe 608 . n. 4 . Begleiter und Zuseher Stra- fe 609 . n. 6 . Seconden wie zu bestrafen 609 . n. 7 . Verbrechen verjahret nicht 610 n. 8 . Geloͤbniß ist unguͤltig 205 . n. 3 Duͤnge- derer vornehmsten Sachen. Duͤnge-Wege wie breit seyn sollen 533 . n. 4 Durchlauchtiger Personen Erziehung wodurch begluͤckt werde 228 . n. 14 E. Edelen Todten-Coͤrper wie wegen Duellen zu straffen 608 . n. 4 Edel-Gesteine Recht wegen Schiffs Ret- tung bey See-Sturm 383 . n. 11 Edelleute/ so am Hofe dienen/ wo wegen Ubeltbaten zu verklagen 6 . n. 11 . ver- armete muͤssen in buͤrgerlichen Rechten eydlich geloben 260 . n. 3 . an denselben wie Dieberey gestrafft werde 261 . n. 5 . wie begangenen Kirchen-Raubs wegen zu straffen 636 . n. 7 Edictal Citation zu Gericht wenn gesche- hen solle 16 . n. 2 Eheberedungs Recht von Erbfaͤllen 453 . n. 12 Ehebrecher koͤnnen einander nicht heyra- then 275 . n. 19 . wird als Zeuge verworf- fen 86 . n. 13 . ob auff frischer That zu toͤdten 619 n. 30 Ehebruch/ dessen Nachforschung wenn Ober- oder Untergerichten zukomme 8 . n. 16 . ob durch Liebes-Briefe erwiesen wer- de 37 . n. 18 . wenn mit Kirchen-Busse zu bestraffen 172 . n. 24 . wenn dieser wegen Inquisition nicht geschehen koͤnne 290 . n. 2 . dessen Klage wenn Reinigungs- Eyd fordere 289 . n. 62 . verursacht zwi- schen Verlobten gaͤntzliche Trennung 287 . n. 54 . giebt Ursach zu Ehescheidung 283 . n. 39 . wenn Dilation vergoͤn- net in Ehebruchs Sachen 20 . n. 17 Stra- fe Unterscheid bey mancherley Voͤlckern 622 . n. 6 . dessen Straff-Linderungs Ur- sachen 623 . n. 9 Ehe-Creutz ist gedultig zu tragen 277 . n. 26 Ehefrauen Erbrecht und Kindes Theil 321 . n. 32 . deren unbewegliche Guͤter kan der Mann vor sich nicht verkauffen 344 . n. 16 . 345 . n. 18 . deren Untreu verursacht Ehescheidung 288 . n. 59 Ehegatten Guͤter Disposition wegen Ver- wandten 452 . n. 10 . verlassenen Recht in Ehebruch 283 . n. 42 . sollen billig glei- cher Religion seyn 281 . n. 34 . seq . Boß- heit gegen einander wie zu straffen 468 . n. 14 . eines ohne Erben verstorbenen Theil wem in Lehnguͤtern zufalle 127 . n. 26 Ehegeloͤbniß wodurch auffgeloͤset werde 170 . n. 17 . ob auffzuloͤsen wegen Braͤu- tigams Reue 280 . n. 33 . Zufall/ da der Braͤutigam verstorben 279 . n. 30 . soll nicht ohne Eltern und Freunde Willen geschehen 274 . n. 17 . kan auffgeloͤset wer- den wegen unversoͤhnlicher Feindschafft 278 . n. 29 . 170 . n. 17 . wenn unguͤltig sey 270 . n. 6 Ehegemahl letztlebenden Leibzucht Recht 470 . n. 5 . wenn einander enterben koͤn- nen 474 . n. 9 Ehehaltung/ deren genugsame Anzeige 290 . n. 64 . was darzu gehoͤrig von Rechts wegen 275 . n. 20 . ist verboten in Blutfreund-auch Gevatterschafften 272 . n. 10 . verbotenen Grads Recht 745 . ist zwischen Entfuͤhrer und Entfuͤhrter ver- boten 625 . n. 13 . wegen Hurerey wenn nicht zu erzwingen 627 . n. 22 Eheklage Sachen/ wie lange darinn Ap- pellation vergoͤnnt 99 n. 4 . wie darinn die Zeugen zu probir en 56 . n. 30 Eheleute wie mit Kirchen-Busse wegen Hurerey zu belegen 173 . n. 28 . wie mit einander zugleich testir en koͤnnen 452 . n. 9 . wie Testament auffzurichten haben 329 . n. 5 . ohne Kinder wie von ein- ander erben 468 . n. 1 . 469 . n. 2 . deren Ackerbau-Guͤter Erbrecht 470 n. 3 wie Schulden bezahlen muͤssen 473 . n 4 . de- nen stehet Vermaͤchtniß Freyheit zu 474 . n. 7 . deren unchristliche Uneinig- keit wie bestrafft werde 584 . n. 13 . deren Untreu wie zu straffen 584 . n. 15 . haben unterschieden Recht mit Brautleuten wegen Leibzucht 474 . n. 6 Ehelichen Trauungs Recht auffm Tod- bette 321 . n. 30 F f f f f Ehe- Anderes Register/ Ehelich legitimirt er Soͤhne Succession im Lehn 486 . n. 5 Eheloser jungen Eheleute Verloͤbniß wenn unkraͤfftig 279 . n. 31 Ehemanns sonderbare Pflicht in Kindes- noͤthen und Pestzeiten 289 . n. 60 . Recht wenn verreiset gewesen 276 . n. 21 . Letzt- lebenden zweyter Ehe und allerseits Kinder Erbrecht 462 . n. 11 . Erwerbguͤ- ter bleiben den Kindern 472 . n. 7 . ob den Ehebrecher zu toͤdtẽ berechtiget 619 . n. 30 Ehemanns und Weibes verschiedener Kinder Lehngedings Recht 127 . n. 26 Ehe-Pacten oder Gedinge Rechts Krafft 453 . n. 12 Ehesachen/ darinn gilt Appellation nach zehn Tagen 99 . n. 4 . deren Entscheidung gehoͤrt fuͤrs Consistorium 289 . n. 61 Eheschaͤndung wie zu bestraffen 174 . n. 31 Ehescheidung auff Tisch und Bette wenn statt habe 288 . n. 57 . geschiehet wegen Schwaͤngerung 287 . n. 55 . wie vorzu- nehmen 285 . n. 50 . wenn wieder auffzu- heben 286 . n. 53 . ist wegen zufaͤlliger Unvermoͤgenheit unguͤltig 284 . n. 43 . dessen gruͤndliche Ursachen 283 . n. 39 . seq . eigenthätliche aus Boßheit wie zu be- straffen 474 . n. 8 Ehestand anderer wenn und wie lange ver- boten sey 286 . n. 51 . vollzogen mit Un- glaͤubigen ob zu trennen 281 . n. 35 . des- sen Nutzen/ Zweck und Absehen 282 . n. 37 . wie vollzogen werde 268 . n. 1 . nichtiger wie umzustossen 271 . n. 8 . dessen Recht in dritter und vierdter Ehe 462 . n. 10 . wie bey Nothzuͤchtigung oder Entfuͤh- rung zuzulassen 625 . n. 14 Ehesteuer der Frauen wie verpfaͤndet wer- den koͤnne 358 . n. 27 Eheverbindung/ was daꝛzu noͤthig sey 280 . n. 32 Eheversprechung unsinniger Liebe wie zu stoͤren 275 . n. 18 . deren Ansprache wenn auffgehoben 289 . n. 62 Ehe-Weib/ vid. Ehefrau. Ehlen-Maaß/ was dabey Kauffmanns Pflicht sey 244 . n. 12 Ehre/ deren Freyheiten beraubet Ubelthat 4 . n. 1 Ehren-Aemter sollen nicht durch Gaben erlangt werden 142 . n. 17 . wie in Anse- hung derselben gefaͤnglich zu verwahren die Verbrecher 86 . n. 14 Ehren-Diebs Urtheils Proceß an- oder abwesend 660 . n. 9 Ehren-Crantzes Mißbrauch wie an Hu- ren zu strafen 173 . n. 28 Ehren-Sachen/ darinn gilt Appellation nach zehen Tagen 99 . n. 4 . darinn kan ein Schieds-Richter den Ausspruch nicht vollziehen 559 . n. 8 Ehren-Schaͤnder wo verklaget werden moͤgen 6 . n. 10 . wenn Wiederruff ver- weigert/ wie zu straffen 560 . n. 9 Ehrlose koͤnnen nicht zeugen 55 . n. 27 . wer vor ehrloß zu achten 661 . n. 10 . sind Erbrechts unfaͤhig 316 . n. 14 Eigeners Recht/ sein Gut zu bezeichnen 352 . n. 4 . Recht fuͤr Gewalt 259 . n. 39 Eigenthum wodurch erlanget werde 248 . n. 9 . dessen Streit Recht 351 . n. 2 . wenn zugleich Pfandrecht haben kan 356 . n. 18 . wodurch erworben werde 248 . n. 9 . ent- steht auch aus Kauffhandel 341 . n. 8 . 343 . n. 13 Eigenthums-Herr/ wie die Gaͤrten ver- wahren und Wege bessern solle 527 Einbruch wenn bey Dieberey geschehen/ wie zu straffen 646 . n. 33 . was eigentlich zu nennen 640 . n. 17 Einfalt wegen natuͤrlichen Unvermoͤgen- heit Ehescheidungs Recht 284 . n. 44 Einigkeit in der Religion ist ohne Zwang zu suchen 223 . n. 1 Einkindschafft Recht verboten 476 . n. 1 . sq . Einkuͤnffte der Priester wie zu erhalten und zu vermehren 185 . n. 19 . 188 . n. 29 . duͤrffen durch Opfer und vier Zeiten Pfennige Weigerung nicht geringert werden 189 . n. 30 . wie die Pfarr-Kin- der darzu verbunden 213 . n. 7 Einladungs Frist zum Gericht 9 . n. 20 Ein- derer vornehmsten Sachen. Einnahme der Kirchen wie zu vermehren 198 . n. 10 . deren Execution Recht in Pfandgut 111 . n. 47 Einstand Recht haben Blutsfreunde in Lehn-Stuͤcken 125 . n. 17 Einweisung eines Priesters zum Amt wie geschehen solle 146 . n. 33 Einweyhung eines Priesters erfodert Fuͤrstliche Confirmation 137 . n. 3 Einwohner muͤssen ihrer Haußgenossen Unthaten gelten 250 . n. 13 . deren Klage uͤber Soldatẽ wie fuͤrzubringen 699 . n. 27 Elben oder Mittesser Aberglaubens Ta- del 569 . n. 7 Eltern/ deren Freyheit wegen Eydes Ab- stattung 44 . n. 44 . sind im Streit mit Kindern von Buͤrgen Stellung nicht frey 92 . n. 30 . sollen der Kinder Tauffe nicht auffschieben 152 . n. 14 . sollen mit Gottesfurcht gute Exempel geben 162 . n. 44 . wie ihre Kinder im Christenthum unterrichten sollen 163 . n. 49 . deren Le- gitima worinn besteht 444 . n. 11 . deren Gemeinschafft Recht mit Kindern 247 . n. 7 . koͤnnen gezwungen werden/ ihre Kinder zu verehligen 269 . n. 4 . wie von Kindern erben 318 . n. 19 . wie sich ge- gen Kinder zu verhalten 377 . n. 29 . wie zwischen Kindern in Testamenten Ver- fassung Gleichheit zu halten 443 . n. 9 . wie verstorbenen Kindern succedir en 478 . n. 1 . wie von Gaben den vierdten Theil abziehen koͤnnen 451 . n. 7 . deren Pflicht gegen Kinder wegen Leibzucht 464 . n. 1 . wie Kinder Guͤter halben Buͤrgeschafft zu leisten schuldig 466 . n. 6 . deren Untreu wie zu straffen 584 . n 15 . deren Mord Strafe 602 . n. 36 . ob Ge- waltsahme Entfuͤhrer ihrer Kinder toͤd- ten moͤgen 619 . n. 30 Elterlichẽ Wohnhauses Wahlrecht 457 . n. 2 Enckel/ Uhr- und Nach-Enckel Erbrecht 484 . n. 22 . 481 . n. 13 . 318 . n. 21 . seq . End-Urtheil/ wie von demselben zu appel- lir en 398 . n. 3 Ent-Erbung im Testament wenn ange- fochten werden koͤnne 128 . n. 31 . deren rechtmaͤßige Ursachen 316 . n. 17 . 446 . n. 1 Enterbter und im Testament vorbey ge- gangener Kinder Recht 335 . n. 26 Entfuͤhrer der Kinder ob Eltern toͤdten moͤgen 619 . n. 30 Entfuͤhrung gewaltsame wie zu bestrafen 624 . n. 12 Entlehner/ dessen Pflicht 504 . n. 6 Entlehneten Guts Werth wie zu bezahlen 503 . n. 2 Entschuldigungen wegen Vormundschafft welche guͤltig 295 . n. 11 . seq . 297 . n. 19 Entsetzung der Guͤter mit Gewalt wie zu bestraffen 634 . n. 4 Epicurischen Lebens und Wandels Ruch- losigkeit 136 . n. 4 Erb- und Verwandschafft Gradus wie zu zehlen 484 . n. 21 Erben sind nicht verbunden/ uͤber Erb- schaffts Vermoͤgen zu zahlen 40 . n. 31 . wenn an Verstorbenen statt schweren koͤnnen 46 . n. 49 . eines Buͤrgen sind auch wegen Buͤrgschafft verpflichtet 93 . n. 31 . koͤnnen Geding machen wegen fremden Lasters 98 . n. 53 . koͤnnen Pro- ceß-Verfolgung begehren wegen Ver- storbenen Unschuld 112 . n. 50 . der Prie- ster wie wegen ruͤckstaͤndigen Besolds Anforderung zu befriedigen 187 . n. 26 . sind bey Testament schadloß zu halten 200 . n. 15 . maͤnn- und weiblicher Unter- scheid 225 . n. 6 . wie berechtiget des Verstorbenen Klage zu vollfuͤhren 475 . n. 10 . verstorbener Pfarrer muͤssen gehoͤriges Gerathe bey der Pfarr-Woh- nung lassen 197 . n. 8 wie zu Bezahlung der Schulden mit verbunden 313 . n. 4 . wie sich bey ihren eigenen verpfandeten Sachen zu verhalten 315 . n. 11 . von gantz und halber Geburt wie unterschieden 319 . n. 25 . wie das Empfangene beybrin- gen muͤssen 323 . n. 35 . wie wegen Untreu zu bestraffen 327 . n. 47 Erb- und Famili en Begraͤbniß kan kein Fremder geniessen ohne Zulaß 209 n. 41 F f f f f 2 Erb- Anderes Register/ Erbfall eines ungewissen Vermaͤchtniß Recht 316 . n. 15 Erbfaͤlligen Guͤter Unterscheid 481 . n. 11 Erbgelder gewissen Erwartungs Recht 92 . n. 30 Erbguͤter moͤgen auch zu Lehn gemacht seyn 125 . n. 18 . der Geistlichen ob von obrigkeitlichen Auflagen frey 189 . n. 22 . 203 . n. 22 . welche nicht moͤgen getheilet werden 491 . n. 7 . wie wegen Schulden abzusondern 370 n. 10 Erbherren und Erbzinßmanns Pflicht ge- gen einander 511 . n. 6 . wie gegen neuen Zinßmann sich zu verhalten 512 . n. 9 deren Recht mit Leihbriefen 511 . n. 5 Eꝛbhuldigungs Eyd wie abzustattẽ 231 . n. 21 Erbleyh-Geding und Besserungs Recht 510 . n. 3 Erblos unter zweyen oder mehr Erben wie zu brauchen 313 . n. 5 . seq . dessen Wahlrecht und Mißbrauch 314 . n. 7 . Erblose Priester auff wen ihr Gut nach Absterben verfaͤllen 190 . n. 35 . deren Einkommen im Gnadenjahr wem zu- falle 192 . n. 40 Erbrecht deren Halbgeschwister und vol- ler Geburt 480 . n. 7 . \& 9 . deren Groß- und Vor-Eltern mit Geschwistern und deren Kinder 479 . n. 5 . vaͤter- oder muͤt- terlichen Kinder Guͤter 478 . n. 2 . derer unehelichen und aus verbotener Ehe Kinder 477 . n. 2 . seq . nach Haͤupter oder Staͤmmen 455 . n. 1 dessen Betrugs Erstattungs Pflicht 316 . n. 13 Erbschafft Recht bey Fuͤrsten Kindern 226 . n. 10 . deren Stamm und Personen An- zahl Grad Recht 483 . n. 20 . deren Recht in Zwerchlinien 480 . n. 8 . wer deren un- wuͤrdig 316 . n. 16 . darinn ist Geding und Vergleich verboten 313 . n. 3 . wie gleich zu vertheilen sey 312 . n. 10 . wenn zur Obrigkeit verfaͤllt 320 . n. 26 . wie ver- kaufft werden koͤnne 325 . n. 41 . wie man sich derselben begebe und verzeihe 326 . n. 44 . deren vierdten Theil Abzug wenn statt finde 334 . n. 24 . Erbschulden wie bezahlet werden 374 . n. 22 Erbtheilung/ dabey sollen Minderjaͤhrigen Vormuͤnder gesetzt werden 455 . n. 2 . wie unter vielen geschehe 315 . n. 10 . deren Grad und Stuffen Recht 318 . n. 19 . 319 . n. 23 Erb-Untergericht/ was dabey zu ruͤgen 388 . n. 11 Erb-Verbruͤderung wie auffgerichtet wer- den koͤnne 225 . n. 5 . seq . Erbvertraͤge sind guͤltig unter Fuͤrstlichen Personen 227 . n. 11 Erbverzeichniß und Inventarium wie ein- zurichten 472 . n. 1 Erbzinß-Guͤter was seyn und was vor Recht haben 245 . n. 1 . koͤnnen dem Zinßmann nicht genommen werden 246 . n. 3 . wie darinn Verjaͤhrung statt habe 246 . n. 4 . wie deren Recht sich en- dige 247 . n. 5 . deren rechtliche Eigen- schafft 510 . n. 1 . wie verlohren werden koͤnnen 513 . n. 12 Ercker und Vordaͤcher an Haͤusern wie zu erbauen vergoͤnnt 251 . n. 17 Erdguts Kauff und Verkauff Recht 340 . n. 3 . 344 . 14 Erdgewaͤchse oder Metall gehoͤret denen Landesherren zu 230 n. 19 Erdschatz/ eines gefundenen Recht 366 . n. 22 . seq . Erndte giebt Gerichts Stillstand 11 . n. 1 Erndte-Fruͤchte wie Priester-Wittwen geniessen 191 . n. 37 . wie zu theilen bey Priesters Sterbfall 192 . n. 43 . seq . ob an Sonntaͤgen einzufuͤhren 577 . n. 25 Erndteschlag und Renthen Recht der Bauren und Ackersleute 108 . n. 38 Erndte-Weges Gerechtigkeit 267 . n. 6 Ersaͤuffter Menschen im Brunnen Todes Art Nachforschung 3 . n. 4 Erster Ehe Kinder ob aus Stieff-Eltern Guͤtern erben 477 . n. 2 Erstgebohrner wenn zum Regiment zu las- sen 226 . n. 8 . wer demselben nach seinem Absterben nachfolg e 226 . n. 9 Erst- derer vornehmsten Sachen. Erstgeburt Recht ist in goͤtt- und weltlichen Gesetzen wohl gegruͤndet 226 . n. 7 Erstochener Menschen Thaͤter wie zu er- forschen 3 . n. 4 Erwachsene wenn zu tauffen 154 . n. 20 . wie zum H. Nachtmahl zu lassen 162 . n. 46 Erwerbguͤter Recht zwischen Eheleuten 458 . n. 7 Erworbenen Guͤter Erb- und Eigenthums Recht 471 . n. 6 Ertz-Hirtens Christi Exempel worinn Prediger nachfolgen sollen 48 . n. 6 Eß Waaren Geschenck ob ein Richter von Client en annehmen koͤnne 24 . n. 8 . deren Dieberey wie zu straffen 647 n. 35 Examen beruffener Priester gehoͤret vors Consistorium 137 . n. 3 . welche damit zu verschonen und welches zu verwerf- fen 139 . n. 10 . des Catechißmi wie ein Priester austellen solle 163 . n. 48 . der Zeugen auff neue Articul wenn guͤltig 56 . n. 31 . der Zeugen ohne Eyd und Fra- gestuͤcke 59 . n. 42 . 401 . n. 7 Exception, derselben kan keine Verjaͤh- rung entgegen gesetzt werden 10 . n. 24 . frevelhaffte ist vor Gericht nicht zu stat- ten 13 . n. 5 . wie Beklagten zukomme 401 . n. 5 Execution, zu derselben sollen Ubelthaͤter remittir et werden 4 . n. 4 . wodurch ver- hindert werde 80 . n. 51 . 104 . n. 19 . 105 . n. 22 . 109 . n. 39 wenn auffzuschieben 105 . n. 23 . gilt auff Hauptsumme/ nicht Un- kosten 107 . n. 7 . dessen Auffschub wenn nicht zu gestatten 109 . n. 40 . wenn dar- inn kein Zeit-Raum zu verstatten 110 . n. 47 . wird durch Urtheils Nichtigkeit Vorwand auffgehaben 111 . n. 49 . wenn nach Verurtheilten Tode statt habe 111 . n. 50 . wer verrichten muͤsse 112 . n. 53 . gegen wen anzustellen 113 . n. 55 . deren Auffhalt oder Verlauffs Recht 406 . n. 7 . deren Widersetzungs Recht wegen In teresse 3 . n. 55 . Befoͤrderung und Auffschubs Recht 105 . n. 23 . 107 . n. 33 . 109 . n. 39 Execution- Richters Amts-Pflicht 113 . n. 54 Executante n sollen Urtheil und Befehle nicht uͤbertreten 104 . n. 19 Exempel der Apostel worinn Prediger nachfolgen sollen 151 . n. 12 . sollen nicht die Richtschnur der richterlichen Aus- spruͤche seyn 28 . n. 20 Exempel-Strafe geschiehet zum Abscheu 112 . n. 51 Exemplar/ ist kraͤfftig in Gerichten Beklag- ten zu uͤberweisen 33 . n. 5 . wenn guͤltig sey 34 . n. 8 Exequirer, vid. Executante. Exerciti en bey Kriegs- Infanterie mit Flin- ten und Bajonnetten 729 . Commando Woͤrter Auszug 744 . mit Mousquet en und Lunten 753 . seqq . Exorcismus bey der Tauffe/ wie an dessen statt ein Gebet zu ordnen 151 . n. 13 Expectance soll kein Patronus auff Kir- chen-Dienste geben 140 . n. 11 . daruͤber Gnaden-Briefe ertheilen/ giebt Ur- sach zu suͤndhafften Wuͤnschen 142 . n. 18 . deren Recht im Lehn 122 . n. 6 Eyd wenn nicht angeboten werden solle 19 . n. 13 . wann damit Klaͤger seine Beschul- digung beweisen koͤnne 32 . n. 1 . wenn ein Richter verstatten moͤge 32 . n. 1 . der Gefaͤhrde/ Schalck- und Boßheit wem obliegt 34 . n. 2 . ob kraͤfftig/ wenn auff eines andern Seele abgestattet 34 . n. 2 . vor demselben soll richterliche Vermah- nung hergehen 43 . n. 39 . 44 . n. 43 wenn Zeugen nicht nachzulassen sey 43 . n. 39 . wenn nicht erfuͤllet wird/ wie zu strafen 43 . n. 40 . soll in geistlicher Personen Anwesenheit abgelegt werden 44 . n. 43 . wer fuͤr eine gantze Gemeine abstatten koͤnne 44 . n. 44 dessen Verweigerung wie zu straffen 44 . n. 45 . \& 45 . n. 49 . dessen Krafft 45 . n. 46 . wenn angeboten werden mag 45 . n. 47 . wie man sich ent- schlagen koͤnne 45 . n. 48 . wenn Erben an Verstorbener statt ablegen koͤnnen 46 . n. 49 . wenn nicht zu gestatten sey 46 . n. 50 . seq . dadurch kan Klaͤger ge- F f f f f 3 raubter Anderes Register/ raubter Sachen Werth beweisen 47 . n. 54 . seq . der Reinig-Befrey- und Ent- schuldigung wenn statt finde 47 . n. 56 . der Armuth in Proceßẽ wenn zuzulassen 48 . n. 59 . wer fuͤr eine Gemeinde ab- statten moͤge 75 . n. 38 . wie weit Lehns- Leuten im Streit zu erlassen 134 . n. 55 . dessen deutliche Erklaͤrung 715 . dessen Ablegung wenn zu verschieben 216 . n. 18 . wenn nicht verbindet fuͤr GOtt 305 . n. 2 . wenn billig zu erlassen in Erbrecht 326 . n. 44 . dessen Pflicht Erlassung wenn noͤthig gegen Obern bey Unterthanen 52 . n. 17 . der Boßheit wenn noͤthig Klaͤgern oder Beklagtem auffzule- gen 13 . n. 6 . 18 . n. 8 . in Restitu- tion und Appellations- Faͤllen 32 . n. 2 . falscher wie zu bestraffen 44 . n. 42 Eyd eines Appellant en 100 . n. 7 . der Ad- vocat en gegen Client en wenn unguͤltig 73 . n. 31 . eines Richters oder Obrigkeit 27 . n. 19 . eines Zeugen wie einzurichten 61 . n. 47 Eydam wie fuͤr seinen Schwaͤher gericht- licher Fuͤrsprecher seyn koͤnne 76 . n. 40 Eydbruch/ wie gefaͤhrlich seye 275 . n. 18 Eydliche Verpflichtung wenn unguͤltig 60 . n. 46 . Beweiß und Versicherung wenn zugelassen 92 . n. 29 . Erbvergleiche zwi- schen welchen Personen guͤltig 227 . n. 10 . Verzicht Recht in Erbschafft 326 . n. 44 Eydschwur wie ein und wohin zu richten 43 . n. 41 . wenn in Gerichts-Haͤndeln gaͤntzlich verboten 678 . n. 8 . in Princi- pal en Seele ob guͤltig 32 . n. 2 . 123 . n. 9 F. Fabeln Vortrag ist auf Cantzeln verboten 149 . n. 7 Factor, dessen Handelung wenn den Prin- cipal verbindlich mache 382 . n. 8 Fahnen-Beschirmungs Recht im Kriege 695 . n. 19 Fahnen-Lehn Recht bey teutscher Nation 135 . n. 59 Fahnen-Schwengungs Nutzen u. Brauch 690 . n. 8 Fahren am Sonntage verboten 535 . n. 22 Faͤhr-Geld uͤber Wasser wer auffzubuͤrden vermoͤgend sey 114 . n. 2 Falcidiæ Abzugs Verbot bey Geschencken 451 . n. 6 Falscher Brieffe Gebrauch wie zu bestraf- fen 81 . n. 53 . 652 . n. 9 Falscher Eyd wie zu bestraffen 44 . n. 42 Falscher Geburt Hinterlegungs Straffe 617 . n. 5 Falschen Kranckheit Anmassungs Strafe im Kriege 698 . n. 26 Falschen Nahmens Zueignungs Straffe 621 . n. 8 Falscher Schrifften Versiegelung und Be- wahrungs Proceß 650 . n. 3 Falschglaͤubigen Ruhm gegen Christen 136 . n. 4 Falschheit Laster auff wie mancherley Ar- ten begangen werde 649 . n. 1 . seq . Famili en adelicher Freyheit wegen Ge- richtsstand 6 . n. 11 . Erbbegraͤbniß Recht 209 . n. 41 Famos Schrifften Druck verboten 221 . n. 7 Faͤsser Bier soll ein Pfarr nicht mehr Ac- cise frey haben/ als er selber braucht 189 . n. 32 Fasten vor dem heil. Abendmahl wie noͤ- thig sey 160 . n. 41 Fasten-Zeit sollen keine Hochzeiten gehal- ten werden 171 . n. 21 Feinde ob Zeugniß abstatten koͤnnen 54 . n. 23 . ob oͤffentlichen Lebensmittel Zufuhr zu gestatten 244 . n. 11 Feinde-Einbruch giebt Gerichtsstillstand 11 . n. 1 Feldfluͤchtige Soldaten in Schlachten wie zu bestraffen 696 . n. 22 Feld-Fruͤchte Diebstahl wie zu bestraffen 646 . n. 35 Feld-Marschalls Krieges Gebet 718 . n. 3 Feld-Marck Anstoͤsser Recht 123 . n. 12 Feldzeichen des Feindes in Kriegen warum zu tragen verboten 692 . n. 13 Feuer- derer vornehmsten Sachen. Feuer-Schaden Verwarlosungs Strafe 653 . n. 13 . 700 . n. 30 . 712 . n. 15 Feuers-Brunst/ in derselben begangener Diebstahl wie zu straffen 654 . n. 16 Feuer und Schwerdt Strafe wem auffzu- erlegen 567 . n 2 Feuer-Probe ist zu Uberfuͤhrung der Hexe- rey unguͤltig 575 . n. 21 Feyertage geben Gerichts Stillstand 11 . n. 1 . an denselben soll keine Citation ge- schehen 11 . n. 2 . worinn zu beobachten nicht noͤthig 21 . n. 21 Filial und Mutter-Kirchen Unterscheid 211 . n. 2 Findelhaͤuser Recht 219 . n. 28 Fiscals in Gerichten vornehmste Amts- Pflichten 68 . n. 17 . summarische Inqui- sition wer anzusprechen befugt 114 . n. 57 Pflicht in Verantwortungs Proceß ib . Ansprache Recht wegen Strafe 13 . n. 6 Fiscal- Bediente duͤrffen anvertraute Guͤ- ter nicht veräusern 295 . n. 15 Fischdiebe wie gestrafft werden 648 . n. 39 Fischerey wie davon Pfarrer einen Zehen- den erwerben koͤnnen 201 . n. 18 . wenn und wo vergoͤnnet 259 . n. 41 Fischer-Huͤtten Gerechtigkeit 259 . n. 41 Flachs-Arbeit und doͤrren Recht 537 . n. 37 Fleischer. vid. Metzger. Fleisches Zaͤhm- und Casteyung vor dem heil. Abendmahl 163 . n. 50 Flucher und Gotteslaͤsterer sonderbare Strafe 572 . n. 13 Fluchen was fuͤr grosse Suͤnde sey und wie demselben zu steuren 215 . n. 15 . davon sollen Prediger fleißig abmahnen 147 n. 2 . wie demselben die Obrigkeit weh- ren solle 571 . n. 12 Flucht giebt Ursach zur Inquisition 681 n. 5 . Anzeige wenn guͤltig sey zur Peini- gung 674 . n. 9 Fluchtverdaͤchtige moͤgen auch wegen Geldstraffe gefangen gesetzt werden 87 . n. 15 Fluͤchtigen Recht/ so nach Jahr und Tag wieder koͤmmt 16 . n. 3 . desselben Sa- chen sind zu versiegeln 37 . n. 20 . wie mit Steckbrieffen zu verfolgen 72 . n. 28 weñ mit Arrest zu belegen 82 . n. 1 . dessen Guͤter wie zu verzeichnen 83 n. 4 . Stra- fe im Kriege wegen Fahnen Vertheidi- gungs Versaͤumniß 695 . n. 19 Fluͤchtlinge wie Urphede leisten muͤssen 18 . n. 11 . Fluhrschuͤtzen Pflicht und Pfaͤndungs Wiedersetzligkeit Straffe 526 Fluͤsse und Bachstroͤhme Gerechtigkeit 119 . n. 14 . deren Gebrauch ist privat -Leuten zu vergoͤnnen 230 . n. 20 . aus denselben wie Roͤhren und Graben-Wasser zu lei- ten 380 . n. 3 Folter/ wenn vorgenommen duͤrffe werden 3 . n. 4 . ist zu Erforschung der Warheit manchmahl gefaͤhrlich 664 . n. 18 . deren Grad und Stuffen wie in Acht zu neh- men 666 . n. 22 warum davon die Sol- daten befreyet 669 . n. 32 Forst-Recht wem zugestaͤndig/ und was darzu gehoͤre 255 . n. 29 Fragestuͤcken und Puncte wie einzurichten bey Zeugen-Verhoͤr 57 . n. 34 . seq . an Beklagten/ wenn er die Zeugen ver- daͤchtig haͤlt 58 . n. 39 . an Zeugen bey Mordthaten 60 . n. 44 . wie einzurich- ten/ stehet in Richters Willkuͤhr 39 . n. 28 . uͤber Zeugen Personen/ Articuln oder Sachen Umstaͤnde 61 . n. 48 . auff Diebe und Rauber 601 . n. 35 . sonder- liche wegen Kindermord 605 . n. 45 . all- gemeine in Mordfaͤllen 606 . n. 47 Franciscus I. Koͤnig in Franckreich/ hat auffm Todbette sein Buͤndniß mit Un- glaͤubigen beklaget 229 . n. 15 Frauen Schwester Tochter Heyrath ist verboten 272 . n. 11 . Stieffmutter oder Halbschwester Tochter soll niemand heyrathen 273 . n. 12 Fremdes Feuer ist GOtt ein ungefaͤlliges Opffer 147 . n. 4 Frembder Grund/ auff demselben ist zu ja- gen verboten 258 . n. 39 Fremdes Gut ob andern in Testamenten ver- Anderes Register/ vermacht werden koͤnne 200 . n. 15 . des- sen Kauffrecht 347 . n. 23 . soll niemand verpfänden 358 . n. 26 Fremde Sachen wie jeder in Gefahr zu vertheidigen verbunden 386 . n. 7 Fremde Schiffe wie fern auff der See an- zugreiffen verboten 713 . n. 18 Freunde ob Zeugniß abstatten moͤgen 54 . n. 23 Freybeuter wie zu straffen 385 . n. 14 Freygebohrnen Menschen Leibes Schaͤ- tzung 262 . n. 6 . Weibes-Personen Recht 262 . n. 2 Freyherren haben Macht in ihren Gebie- ten Gerichtshalter zu setzen 66 . n. 8 . de- ren Secretari en Unterschrifft wenn guͤl- tig 78 . n. 44 Freystaͤdte Recht wegen Ubelthaten 389 . n. 13 Freywerber Recht wegen duncklen Ant- wort 271 . n. 8 Friderici Barbarossæ Kaͤysers Privilegium vor Studirende wegen Gerichtsstand 7 . n. 12 Friedbrecher wer dafuͤr gehalten werde 110 . n. 46 . wie zu straffen 586 . n. 1 Friedbruch wird mit dem Reichs-Bann gestrafft 82 . n. 2 Friedloß und Vogel frey was ist 84 . n. 6 Frohnboten Gerechtigkeit und Pflichten 16 . n. 4 Frohndienste kan bey Kriegs Zuͤgen nie- mand weigern 238 . n. 40 . wer davon befreyet 239 . n. 41 Froͤmmigkeit giebt den besten Ruhm nach dem Tode 177 . n. 40 Fruͤchte/ was darzu gehoͤre in Ansehung der Pfarr-Einkuͤnffte 198 . n. 9 . sind nicht ausser Landes zu verkauffen 536 . n. 24 Frucht-Gewaͤchs wie davon der Zehende zu entrichten 201 . n. 19 Frucht-Nutzung der Lehnguͤter kan zum Brautschatz mit gegeben werden 125 . n. 17 . worinn eigentlich bestehe 249 . n. 11 Fruͤchte-Theilungs Recht bey Capellans Pfarr-Veraͤnderung 216 . n. 19 Frucht-Zehenden wie durch Verjaͤhrung koͤnne erworben werden 201 . n. 18 . wie und wo abzustatten 204 . n. 26 Fuchsschwaͤntzer wie zu straffen 661 . n. 12 Fuhr-Leute/ ob gethanen und gelittenen Schaden zu ersetzen und zu fodern be- rechtiget 242 . n. 6 . deren Untreu wie zu straffen 365 . n. 20 . wie denselben Sangen zu schneiden erlaubet 533 . n. 1 Fundguts Abkuͤndigungs Recht und Ver- laͤugnungs Strafe 366 . n. 21 . seq . Fuͤndling/ deꝛen Nahꝛungs Pflicht wem zu- stehe 612 . n. 13 Fund-Zettuln Rechts Wohlthat 206 . n. 30 . 325 . n. 43 Fuͤrbitt-Zettul in Kirchen wie Schwan- gere mißbrauchen 164 . n. 53 Furcht Beschaffenheit in Rechten 307 . n. 6 Fuͤrsprecher/ deren Amt fuͤr Gericht 69 . n. 21 . duͤrffen abwesenden Ubelthaͤtern fuͤr Gericht nicht zugelassen werden 71 . n. 27 . koͤnnen in peinlichen Sachen nicht Buͤrge seyn 72 n. 28 . wie Blutsverwand- ten fuͤr einander seyn koͤnnen 76 . n. 40 . sind peinlich Beklagten nicht zuzulassen 79 . n. 48 . deren Recht zwischen Erben 315 . n. 12 . wer nicht seyn mag 291 . n. 3 Fuͤrsten deren Strengheit ist durch Bitte zu mildern 109 . n. 43 . koͤnnen vor sich keine Staͤdte veraͤusern 126 . n. 19 . de- ren Freyheit in Bestellung geistlicher Aemter 142 . n. 18 . deren Worte sollen nicht ohne Krafft seyn 229 . n. 17 . deren Bildsaͤulen Recht fuͤr Ubelthaͤter 389 . n. 13 . deren Amts-Pflicht 394 . n. 1 . haben Jagt-Gerechtigkeit 256 . n. 33 . haben Macht/ Jagten zu verbieten 259 . n. 40 . deren Respect bey Kriegs Armeen 755 . deren Zusage Pflicht 389 . n. 13 . deren Macht in ihren Landen 2 . n. 1 . deren Gericht uͤber adeliche Missethaͤter 5 . n. 11 . wie Zeugniß ablegen 53 . n. 15 . wie vom Gefaͤngniß befreyet 86 . n. 14 Fuͤrsten zu Hessen Appellations Privilegi- um vom Kaͤyser 426 seqq . deren Befrey- ung von fremdem Gerichte 430 Fuͤrsten- derer vornehmsten Sachen. Fuͤrstenthuͤmer wenn zu theilen verboten oder zugelassen 311 . n. 20 . 224 n. 3 Fuͤrstliche Personen wie gefaͤnglich ver- wahrt werden moͤgen 86 . n. 14 . Weibes Personen wie ihrem Recht absagen muͤssen 224 . n. 3 Fuͤrstlicher Kinder Erb- und Vormund- schafft Recht 226 . n. 9 Fußtapffen Spuhr koͤnnen den Ubelthäter nicht beweisen 115 . n. 6 Futterschneiden bey Licht verboten 537 . n. 37 G. Gabe und Geschenck ist Richtern und Be- amten anzunehmen verboten 25 . n. 9 . sollen vor keine Ehren-Aemter ange- nommen werden 142 . n. 17 . wenn darzu schrifftliche Insinuation nicht noͤthig 200 . n. 15 . deren Recht zwischen Ehe- Leuten 338 . n. 34 . wie widerruffen wer- den koͤnne wegen Kinder 332 . n. 18 . Ge- schenck-Zehendens Recht 204 . n. 25 Galgen-Strafe Befreyungs Recht 271 . n. 7 . wie erbauet und auffgerichtet werde 637 . n. 8 Gan-Erbschafft wie zu stifften und aufzu- richten 225 . n. 5 Gaͤnse-Schaden Gerechtigkeit 533 . n. 10 Garten Schutzfreyheit 647 . n. 37 . dadurch soll niemand offene Wege machen 524 Garten-Fruͤchte Diebstahl wie zu straffen 647 . n. 35 Gassen-Bettler wie abzuschaffen 265 . n. 18 Gastgerichte wie verboten 397 . n. 4 Gastung wer nicht treiben duͤrffe 81 . n. 54 Gebet an statt des Tauff- Exorcismi zu brauchen 151 . n. 13 . um Sieg wider Chri- sti Feinde 146 . n. 1 Gebete vor Soldaten und Kriegs-Leute in allerhand Faͤllen 717 . seqq . Gebiets-Graͤntzen darff niemand veraͤn- dern 114 . n. 1 Geburts- und Wohnungs Orts Gerichts Unterscheid 4 . n 1 Geding und Vertraͤge wenn nichtig oder kraͤfftig 98 . n. 51 . seqq . Beweiß in Ver- heissung 12 . n. 4 Gefangene wie mit Fuͤrsprechern und Le- bens-Mitteln zu versehen 88 . n 20 . sollẽ von eigenen Guͤtern unter fremdem Ge- biet unterhalten werden 89 . n. 21 . sollen von einander getrennet werden 89 n. 23 . seq . im Kercker verstorben giebt harte Vermuthung wider den Richter 90 . n. 24 . wenn entkommen/ wird der Waͤch- ter gestrafft 91 . n. 27 . ob um deren wil- len die Kirchen-Guͤter zu veraͤusern 207 . n. 33 . deren Nahmen/ Verbrechen/ und Alter wie in monatlichem Verzeichniß zu liefern 91 . n. 27 Gefangenen Lehnmanns Recht wegen Lehnherrn 133 . n. 52 Gefangen-Nehmung der Ubelthaͤter wie geschehen muͤsse 84 . n. 6 Gefangenschafft wenn Ehe treñet 290 . n. 64 Gefaͤngniß langwieriges lindert Straffe 91 . n. 25 . mag Kauffleuten bey Jahr- maͤrckten nicht aufferlegt werden 91 . n. 26 gehoͤret nicht zum peinlichen Richter 6 . n. 10 . ist vor der Caution wegẽ kuͤnfftigen Schadens nicht zu erlassen 89 . n. 21 . des- sen Mißbrauch ist verboten 89 . n. 22 . an welchem Orte seyn solle 89 . n. 22 . wenn zu lindern sey 90 . n. 24 . ewiges wenn auffzulegen 91 . n 25 Gegẽbeweiß-Briefe wie zu brauchẽ 62 . n. 52 Gegenklage wie beschafen seyn muͤsse 9 . n. 22 Gegenschreiber wenn in Gerichten zu be- stellen noͤthig 66 . n. 11 Gegenzeugniß wie zu vergleichen 51 . n. 6 . 54 . n. 22 Geisselung gehoͤrt zum peinlichen Gericht 6 n. 10 Geistliche haben in Ubelthaten keine Frey- heit 7 . n. 11 sind nicht gezwungen wegen Verbrechen fuͤr weltlicher Obrigkeit zu stehen 7 . n. 13 . koͤnnen in weltlichen Sachen nicht Richter seyn 26 . n. 13 . sol- len dem gemeinen Mann gute Exempel geben 137 . n. 3 . deren angethane Schmach wie zu raͤchen 145 . n. 29 . sind weltlichen Gerichts-Standes befreyet 182 . n. 11 . deren Schande ist Geitz und G g g g g Geld- Anderes Register/ Geldsucht 86 . n. 23 . wie persoͤnlicher und Guͤter Diensten befreyet 189 . n. 31 . \& 190 . n. 33 . haben Macht/ das Buͤr- gerrecht zu gewinnen 190 . n. 33 . duͤrffen vor ihr Hauß Bier brauen 190 . n. 34 . abgelebten gebuͤhret Leibgeding 190 . n. 34 . sind von Buͤrg- und Vormundschaff- ten befreyet 190 . n. 35 . deren Freyheit in Schulden und Processen 191 . n. 35 . sq . wie sich zu ihrem Amt habilitir en sollen 192 . n. 39 . koͤnnen Gnaden-Jahrs Ge- faͤlle im Testament nicht vermachen 194 . n. 45 . sind von Entrichtung des Zehen den nicht frey 202 . n. 21 . Guͤter wenn veraͤusert werden koͤnnen 207 . n. 33 . de- ren Mundguͤter Recht wegen verwuͤste- ter Bauer-Hufen 201 . n. 17 . vor welches Gericht gehoͤren 220 . n. 1 . deren Hauß- genossen Recht ibid . haben Appella- tion Freyheit in peinlichẽ Sachen ibid . wenn nicht Zinß-frey seyn 189 . n. 31 Geistlich Lehn was sey 122 . n. 3 Geistliche Richter wenn weltl. Personen belangen koͤnnen 7 . n. 13 . wie durch welt- liche Amts-Huͤlffe zu verstaͤrcken 153 . n. 53 Gelach- und Gesellschafften Freyheit 241 . n. 4 Geldbesoldungs Einkuͤnffte bey Pfarrer Tode zu theilen 193 . n. 41 Geldbestallungs Recht nach Priesters To- de 191 . n. 36 Geld-Busse gehoͤret nicht zum peinlichen Gericht 6 . n. 10 Geldstraffen von Beamten zu berechnen 529 . n. 24 Geldsucht ist der Geistlichen Schande 186 . n. 23 Geld-Zehenden wie einzurichten 204 . n. 25 Gelehrte sind in Verbrechen von Gerichts- Stande nicht befreyet 4 . n. 1 . wenn nicht Zinß frey sind 189 . n. 31 Geleit dessen Gerechtigkeit 84 . n. 8 . siche- res wenn zu verweigern 85 . n. 8 Geleits-Brieffe wenn zu verstatten 84 . n. 8 Geleits-Freyheit wenn zu ertheilen 80 . n. 51 wodurch verschertzt werde 85 . n. 10 . wie man sich dabey gebuͤhrend zu verhalten 85 . 11 Geleits-Verschwaͤchungs Ursachen 85 . n. 10 Geluͤbde sollen Christen unverbruͤchlich halten 178 n. 41 . wie beschaffen seyn sollen ibid . wenn unguͤltig oder zu bre- chen seyn 178 . n. 42 Gemeine Zulage Recht bey Kirchenbau 196 . n. 4 . wie derselben Buͤrgermeister und Raths Versehen beyzumessen 221 . n. 4 . deren Aufflage Recht wegen Visi- tation Kosten 214 . n. 13 Gemeinde Eyd wer abstatten soll 44 . n. 44 Gemeinden/ wie bey Pfarrer Beruffung deren Stimmen einzusamlen 142 n. 21 Gemeinde Gelder sind fleißig zu berechnen 199 . n. 13 Gemeinschafft Guͤter Recht 221 . n. 4 . soll ohne Zwang seyn 311 . n. 19 Gemeinschafft-Trennung wodurch entste- he 310 . n. 16 Gerechtigkeit/ derselben uͤbele Verwal- tung wie zu straffen 120 . n. 20 Gericht wenn und wo zu halten 11 . n. 1 . seq . vor weltlichem wer nicht stehen duͤrffe 182 . n. 10 . wie dem Predig-Amt die Hand bieten solle 215 . n. 14 Gerichts-Bediente was fuͤr Freyheit ge- niessen 81 n. 54 Gerichts-Besitzer wenn andere in ihren Gerichten sitzen lassen moͤgen 65 . n. 8 Gerichts Beysitzer/ vid. Beysitzer. Gerichts Boten und Diener wie Beklagte citir en sollen 16 . n. 4 . derselben Pflicht bey Zwang-Mitteln 30 . n. 24 . wie Be- klagte gefangen zu nehmen 84 . n. 6 Gerichts Buchs Gerechtigkeit 398 . n. 4 Gerichts-Heg- oder Haltung wie von Richter und Schoͤppen anzustellen 63 . n. 1 . wie offt geschehen solle 397 . n. 4 Gerichtshalter von welchen moͤgen bestellt werden 66 . n. 8 . wie das Protocoll zu fuͤhren 67 . n. 13 Gerichts-Juncker Fehler Erstattung 397 . n. 5 Gerichts derer vornehmsten Sachen. Gerichts- oder Stadt-Knechte wie Cita- tion verrichten sollen 16 . n. 4 Gerichts- Protocoll wie zu verwahren 222 . n. 10 . 399 . n. 5 Gerichts-Schreiber/ deren vornehm- ste Amts-Pflichten 66 . n. 10 . 398 . n. 1 . seq . muͤssen Eyd ablegen wegen Gerichts Heimligkeiten nicht zu offen- baren 67 . n. 13 Gerichts-Stillstand wenn statt habe 11 . n. 1 Gerichts-Verjaͤhrungs Zeit 9 . n. 20 Gerichts-Verwalter sollen beeydiget wer- den 67 . n. 15 Gerichts-Zwang ist Beklagtem auffzulegẽ/ wo zu finden ist 4 . n. 2 . wer davon be- freyet sey 81 . n. 54 Geruͤcht oder Geschrey giebt Argwohn in Verbrechen 3 . n. 4 . verursacht gefaͤng- liche Hafft 87 . n. 17 . Anzeigen Recht desselben 115 . n. 4 Gesandten/ deren Vorrechte und Frey- heit 234 . n. 28 Gesandschafft/ wer zu derselben Verwal- tung nicht koͤnne gezwungen werden 234 . n. 29 Gesaͤnge/ derer Melodien sollen nicht leichtfertig seyn 217 . n. 20 Geschenck/ vid. Gabe. Gesetze/ nach denen muß ein Richter in sei- nen Rechtsspruͤchen sich richten 2 . n. 4 Gesinde der Gerichts-Bedienten wovon befreyet 81 . n. 54 Getreyde Zinß/ wie und wo Pfarrern zu liefern 188 . n. 29 Getreyde wer vermenget und steigert wie zu straffen 245 . n. 14 . nicht ausser Lan- des zu verkauffen 536 . n. 24 Gevattern/ deren Pflicht gegen die Taͤuff- linge 154 . n. 21 . vor deren Gabe sind dem Kinde des Vaters Guͤter verpfaͤn- det 155 . n. 22 . deren Nahmen dem Prie- ster einzuschicken 155 . n. 23 Gevatterschafft kan niemand ausschlagen 155 . n. 22 . wer darzu zu erwehlen sey ibid . wer dazu nicht gelassen werde 155 . n. 23 . wenn man absagen koͤnne 155 . n. 24 Gewalts Strafe auf fremdem Grunde 120 . n. 18 . Unterschied und Straff-Recht 634 . n. 3 Gewehr-Leistungs Recht in Kauff Handel 341 . n. 9 Gewicht der Verkaͤuffer soll von Obrigkeit fleißig besucht werden 244 . n. 12 Gewissens Fragen wie aus heil. Schrifft zu entscheiden 148 . n. 5 Gewissen soll der Richter in Urtheilen wohl beobachten 25 . n. 10 . wie ein Prie- ster rein behalten koͤnne 147 . n. 3 Gifft-Artzney wie von Erbschafft auszu- werffen 314 . n. 6 Gifft-Hinrichtungs Umstaͤnde wie zu er- wegen 3 . n. 4 Gifft-Mordthat Anzeige/ Nachforschung und Strafe 595 . n. 26 . 598 . n. 28 Glauben und Treue soll man auch Ketzern halten 136 . n. 3 Gläubiger ob bey Guͤter Besitz auch das Jus Patronatus in Geistlichen bekomme 138 . n. 6 Glaubens-Bekaͤntniß ist bey der Tauffe abzustatten 153 . n. 15 Glaubens Ubung ist bey Christen seltsam 153 . n. 15 Glaubhaffter Zeugen Vorrecht 11 . n. 25 Glocken-Laͤutungs Recht zur Gerichts- Hegung 63 . n. 1 Gnaden-Jahr ist verstorbener Priester Kindern und Wittwen zu goͤnnen 191 . n. 37 . seq . in demselben wer Kirchen- Amt bestellen muͤsse 192 . n. 38 . warum Priester-Wittwen zugestatten 192 . n. 40 . darinn hat die Wittwe auch noch Pfarrwohnungs Nutzen 192 . n. 41 des- sen Einkuͤnffte wer bekomme 194 . n. 45 Gnaden-Lehn was eigentlich sey 121 . n. 2 Goldschmiede wie sich verhalten sollen 242 n. 5 . derer Arbeit Taxordnung 564 . n. 12 Gottes-Aecker und Graber wo anzurich- ten 208 . n. 38 Gottesdienst Pflichten worinn bestehen 150 . n. 9 . was fuͤr Ceremonien dabey zu gebrauchen 217 . n. 20 . wie zur See G g g g g 2 auff Anderes Register/ auff Schiffen anzuordnen 707 . n. 1 Gotteslaͤsterer sollen auf Kirchhoͤfen nicht begraben werden 210 . n. 44 . wie ernst- lich zu bestraffen 572 . n. 13 . 570 . n. 8 . sqq . Gotteslaͤsterung wo verklagt werden moͤ- ge 6 . n. 10 . wie begangen werde 370 . n. 9 . wie davon abzumahnen 147 . n. 2 Gottes Tisches Gebrauch wer unwuͤrdig 149 . n. 6 Gottes-Veraͤchter mit Kirchen-Buß zu belegen 174 . n. 32 GOttes Verhaͤngniß Unvermoͤgenheit halben 285 . n. 48 GOttes Worts Veraͤchter wie zu straffen 150 . n. 9 . \& 174 . n. 32 Gottseligẽ Ursachẽ Vermaͤchtniß 200 n. 14 Graͤber wo auffzurichten 208 . n. 38 . deren Schaͤnd- und Schmaͤhung verboten 210 . n. 42 Grab-Zeichen Entwendungs Strafe 209 . n. 40 Grad der Erbschafft wie zu zehlen 483 . n. 20 . seq Grafen haben Macht Gerichtshalter zu setzen 66 . n. 8 . moͤgen durch ihre Secre- tari en kraͤfftig unterschreiben lassen 78 . n. 44 Graffchafften wenn zu theilen verboten oder zugelassen 311 . n. 20 . wer darinn Lehnstreits Richter 135 . n. 59 Graͤntzen der Provintzen darff niemand aͤndern 114 . n. 1 . zeichnen derer Landes- Herren Gerechtigkeiten ab 114 . n. 2 . de- ren Anzeigen was sey 117 . n. 12 . neuer Einsetzung Schaden und Unkosten wer ersetze 119 . n. 16 Graͤntz Aender- und Versetzung wie zu be- straffen 114 . n. 1 . 118 . n. 13 . 120 . n. 18 Graͤntz-Scheidung/ darzu gehoͤrt augen- scheinliche Besichtigung 115 . n. 3 . deren Nutzen und Gerechtigkeit 117 . n. 11 . was dabey vornehmlich zu observir en 117 . n. 12 . wenn nicht fuͤglich zu theilen 119 . n. 17 . deren Abriß wer liefern muß 116 . n. 9 Gregorii Pabsts Ubermuth wegen seines Calenders 222 . n. 11 Grundguͤter befreyen von Buͤrgschafft 79 . n. 47 . 91 . n. 30 . geben gehoͤrig Ge- richt/ wo gelegen 8 . n. 18 . 407 . n. 2 . wie bey Buͤrgeschafften verkaufft werden koͤnnen 92 . n. 30 . derer Zehenden Recht an Kirchen 201 . n. 18 Grund-Herrn muͤssen vor richtige Abtra- gung der Zehenden sorgen 202 . n. 20 Guͤter geistliche wenn zu veraͤusern 207 . n. 33 H. Haab und Guͤter Reichthum ist niemand anzumelden schuldig 118 . n. 14 Hafen Steuer Gerechtigkeit 383 . n. 11 Halbgeschwister wenn erben 480 . n. 10 . de- ren Gradus Gleichheit Recht 481 n. 14 . seq . wenn von Erbschafften ausgeschlos- sen werden 482 . n. 17 Halbschwester Toͤchter zu heyrathen ob verboten 273 . n. 13 Halß-Eysen und Pranger Strafe wem auffzulegen 215 . n. 15 . 571 . n. 12 Hals-Strafe gehoͤret zum peinlichen Ge- richt 6 . n. 10 Hand- und Hof-Dienst-Arbeit wer leisten muͤsse 213 . n. 8 Handschrifft soll man erkennen oder ver- laͤugnen 134 . n. 57 Handschrifft-Glaͤubiger Vorrecht wegen Schulden 374 . n. 21 Handschrifft Verlaͤugnung wie zu uͤber- weisen 35 . n. 12 . wie zu bestraffen 309 . n. 13 Handschrifft Vorenthaltungs Recht 370 . n. 9 Handwercker Gelache und Gastereyen wie zugelassen 241 . n. 4 Handwercks-Gilden wie zu halten 241 . n. 3 . wer davon zu verstossen 241 . n. 4 Handwercks-Gesellen sollen sich bey Kir- chen Visitation vom Examine nicht aus- schliessen 211 . n. 3 Handwercks Leute worinn Richter-Amt verwalten koͤnnen 36 . n. 12 . muͤssen vor den Schaden stehen ihrer Arbeit 242 . n. 5 . 361 . n. 5 . wie fuͤr gedungene und ge- miethete derer vornehmsten Sachen. miethete Sachen stehen muͤssen 381 . n. 7 Handwercks-Zeug kan nicht ausgepfaͤndet werden 108 . n. 38 Hansee-Freystaͤdte haben Schutz-Recht von einem Oberherrn 241 . n. 2 Hasen schiessen ist straffbar 536 . n. 25 Haß-Rache verboten 697 . n. 24 Haͤscher Recht jemanden im Hause zu greifen 87 . n. 15 Haupt eines an Graͤntzen Erschlagenen wo gelegen/ giebt Anzeigen des Ge- richts 120 . n. 19 Haupt- oder Original -Brieffe wie kraͤfftig seyn 34 . n. 8 Haupt- oder Mutter-Kirche/ zu deren Bau wer Kosten geben muͤsse 195 . n. 2 Haupt-Leute moͤgen kein Advocat en Amt vertreten 75 . n. 36 Haupt-Verbrechen Nachforschungs Art 3 . n. 4 Hauß vermiethetes wer in Bau und Bes- serung halten muͤsse 361 . n. 5 . gekaufftes ob man abbrechen koͤnne und wuͤste lie- gen lassen 347 . n. 22 Hauß-Aercker und Vordaͤcher wie dem Nachbarn nicht zu Schaden zu bauen 251 . n. 17 Hauß-Armen wie Priester zu versorgen trachten sollen 165 . n. 2 . sind vor andern zu versorgen 166 . n. 3 Haußbesuchungen wie Kirchen und Schul- diener anstellen sollen 168 . n. 11 . wie da- bey die Catechißmi Lehren zu treiben 169 . n. 13 Hauß-Einfalls Gelegenheit Diebstahl Strafe 654 . n. 16 Hauß-Fried und Freyheit in Verbrechen unguͤltig 87 . n. 17 Haußgenossen wie unter sich entstandenen Streit vergleichen sollen 22 . n. 2 . deren Zeugniß ob gelte 52 . n. 6 54 . n. 23 . wie deren Unthaten die Einwohner entgel- ten 2 50 . n. 13 . wie an denselben Dieb- stahl zu straffen 639 . n. 13 . 643 . n. 28 Haußgeraͤthe kan nicht ausgepfaͤndet wer- den 108 . n. 38 Hauß- Logiament Zimmer Verwahrungs Recht in hoher Personen Verbrechen 86 . n. 14 Hauß- und Erdauts Kauffrecht 340 . n. 4 Haußsuchung wenn wegen Diebstahl vor- zunehmen 649 . n. 42 Haußvaͤter wie ihre Kinder und Gesinde im Christenthum zu erbauen 162 . n. 44 Haußwirth muß vor der Gaͤste Schaden stehen 250 . n. 13 Haut und Haar Klage Recht 121 . n. 21 Heb-Ammen wenn die Kinder taufen koͤn- nen 154 . n. 19 Heeringsfangs Zoll-Recht woher entstehe 115 . n. 12 Heerde Christi wie zu beobachten 149 . n. 6 Heerfuͤhrer/ vid. Hertzog. Hencker-Knechte ob der Ubelthaͤter Klei- der behalten moͤgen 687 . n. 15 Heimlichen Pfands Recht 358 . n. 25 Heimsteuer Empfang Bekaͤntniß Recht 378 . n. 33 Herrnloses Gesinde/ wie darauf die Obrig- keit soll Achtung geben 264 . n. 15 Herrnlose Knechte sollen nicht gelitten werden ibid . Hertzog und Heerfuͤhrers Kriegs-Gebet 718 . n. 3 Heßische Tax-Policey und Muͤhlen-Ord- nung 558 . seqq . Heßischen Gerichte Abtheilung 396 . n. 1 Heßischen Landgrafen und Unterthanen Freyheit 431 . seqq . Heuchlerischen Christenthums Ursache 136 . n. 4 Hexen/ deren Verdacht und Anzeigen zur peinlichen Frage 575 . n. 19 . deren Un- empfindligkeit Ursachen und Bekeh- rungs Mittel 575 . n. 21 . wie bey der Fol- ter zu tractir en ibid . wie zu bestraffen 576 . n. 22 Heyden Vorzug wegen der Christen Heu- cheley 136 . n. 4 . deren Lehrwahl wie zu beantworten 148 . n. 5 . wenn zu tauffen seyn 154 n. 20 Heyrath ohne des Vaters Willẽ ob Enter- G g g g g 3 bungs Anderes Register/ bungs Ursach 317 . n. 18 . zweyer Schwe- stern ist verboten 275 . n. 18 . deren Ent- scheidung zufaͤllige Ursachen 278 . n. 28 . wie zwischen alten/ krancken und ge- brechlichen Personen zugelassen 281 . n. 36 Heyraths-Brieff und Gedinge Recht 452 . n. 12 Heyraths-Gut der Toͤchter wenn in Erb- schafft abgezogen werde 326 . n. 46 Heyraths-Steuer soll vor der Theilung zum Erbe gebracht werden 456 . n. 4 Heyrathen wer einander mag oder nicht 271 . n. 9 . wie Soldaten vergoͤnnet 700 . n. 29 Hieronymus wie vor Arme gesprochen 167 . n. 6 . dessen Ausspruch von aͤrgerlichen Priestern 180 . n. 4 Hinterlage Recht bey Schulden/ Pfand und Naͤherkauff 516 . n. 4 Hinterlegtes Gut/ wie davor zu stehen we- gen Diebstahl oder Raub 363 . n. 12 . seqq . wie angefodert werden moͤge 365 . n. 18 . dessen verschiedene Arten 515 . n. 1 . seqq . dessen Schaden wer buͤsset ibid . Hirten Verjagungs Verbot 685 . n. 5 Historien Vortrag ist auff Cantzeln verbo- ten 149 . n. 7 Hochzeiten wenn zu halten verboten 171 . n. 21 . darzu darff kein Pfarrer seine Wohnung verstatten 197 . n. 7 Hochzeit-Geschencke Recht 338 . Hochzeit-Suppen geben vor der Predigt ist straffbar 534 . n. 20 Hoffart pflantzen etliche Eltern den Kin- dern durch unnoͤthige Gepraͤnge bey der Tauffe ein 153 . n. 14 Hoffgerichts Anordnung und gehoͤriger Proceß 407 . n. 1 . seqq . Beysitzer/ Se- cretari en und Procurator en Pflicht 408 . n. 4 . seqq . Appellation zum Cammer- Gericht 421 . n. 2 Hoher Schulen peinlicher Ober-Richter wer sey 6 . n. 12 Holtz-Diebstahl wie zu bestraffen 647 . n. 36 Holtzfloͤß ist eine oberherrschafftliche Ge- rechtigkeit 1 . n. 1 Holtz-Zehenden worinn bestehen solle 202 . n. 19 Honig Diebstahls Strafe 648 . n. 8 Hospitahls Arme/ auff deren Versorgung haben Priester zu sehen 168 . n. 10 . deren zufaͤlliger Nutzen von Duells Straff- Bussen 609 . n. 6 Hospitahls Glieder sind von Zehenden zu geben frey 219 . n. 29 Hospitahl-Haͤuser Recht 219 . n. 28 Hufen/ nach deren Anzahl sollen Pfarr- Kinder zu Kirchenbau Steuren geben 195 . n. 1 Hufen-Groschen gehoͤren zu der Pfarrer Besoldung 188 . n. 29 Huldigung/ dessen Pflicht kan die Kirche nicht auffheben 173 . n. 39 . wie von Unter- thanen dem Landes-Herrn abzustatten 231 . n. 21 Huͤlffsbrieffe sind bey Zeugen Kundschafft noͤthig 62 . n. 51 Hunde Recht bey Wildfluhren 338 . n. 45 . eines beißigen Hundes Recht 654 . n. 18 Hungers-Noth/ wie darinn Diebstahl zu- gelassen 690 . n. 9 . 648 . n. 41 Huren/ damit sollen keine Soldaten Ver- loͤbniß halten 700 . n. 29 . ob ihnen ver- goͤnnt Ubelthaͤter vom Tode loß zu bit- ten 629 . n. 27 . wenn Ehestand nicht er- zwingen und Kindes Verpflegung nicht erhalten moͤgen 627 . n. 22 Huren-Kind/ wenn Buhler demselbẽ Nah- rung verschaffen muͤssen 627 . n. 23 . ob mit ehelichen zugleich Erbschafft neh- me 478 . n. 3 . ob Ehren-Aemter beklei- den koͤnne 323 . n. 28 . von wem ernehret werde bey Ehescheidung 288 . n. 57 Huren-Lohn ob eine Weibs-Person wegen Schwaͤngerung fodern koͤnne 629 . n. 26 Huren-Wirthschafft wie gestrafft werde 539 . n. 48 . \& 585 . n. 16 Hurer sind wegen Beyschlaffs geist- und weltlicher Strafe unterworffen 173 . n. 27 Hurerey/ wegen derselben wo geklaget werden moͤge 6 . n. 10 . wenn von dem Obergericht zu straffen 8 . n. 16 . Streit- sachen derer vornehmsten Sachen. sachen vor wem abzuhandeln 171 . n. 23 . deren Straffe ob Armuth wegen auffge- hoben werde 629 . n. 26 . wie ordentlich zu straffen 627 . n. 22 Huͤther/ die Gefangenen loßhelffen/ wie zu straffen 91 . n. 27 J. Jagen auff eigenem Grunde kan niemand verboten werden 255 . n. 28 . wie maͤßig soll getrieben werden 256 . n. 32 Jagt/ wie davon an Kirchen der Zehende koͤnne erworben werden 201 . n. 18 . koͤm̃t keinem Geistlichen zu 256 . n. 32 . wie der Landes-Herr einzuschraͤncken Macht habe 257 . n. 34 Jagt-Recht wird zu unbeweglichen Guͤ- tern gerechnet 107 . n. 34 . gebuͤhret Fuͤr- sten und Herren allein 256 . n. 33 Jahr-Fruͤchte bey Absterben der Priester wie zu theilen 193 . n. 42 Jahr-Maͤrckte wer und wo anzulegen be- rechtiget 242 . n. 7 . ob versetzet werden moͤgen ibid . sollen an Sonntaͤgen nicht gehalten werden 244 . n. 10 . geben Frey- heit zu Gerichtstand 11 . n. 1 . befreyen Kauffleute von Arrest 91 . n. 26 . 243 . n. 8 Jahr-Messen was vor Freyheiten haben 243 . n. 7 Jahr-Zeiten Pfennige gehoͤren den Prie- stern 186 . n. 22 Jaͤhrigen Bedenckzeit Inventarii Recht mit Erbschafft Antretung 325 . n. 42 Jaͤhrliche Gefaͤlle werden zu unbewegli- chen Guͤtern gerechnet 107 . n. 34 Infanterie Kriegs Exerciti en mit Flinten und Bajonnetten 729 . seqq Ingrossist en Amts-Pflicht bey Cantzleyen 67 . n. 12 Injuri en werden abgehandelt vor dem Ge- richt des Geschmaͤheten 8 . n. 17 . wenn vor Appellations Gericht zu handeln 103 . n. 15 . an Geistlichen ausgeuͤbt wie zu straffen 145 . n. 30 . thaͤtliche unter Krieges-Leuten wie zu strafen 703 . n. 37 . seq . deren Auffruͤckung von andern wie bestrafft werde 661 . n. 11 . wodurch er- lassen werden 661 . n. 11 . wie auff man- cherley Art angethan werden 658 . n. 5 . sq . Injuri en Appellations Gericht 103 . n. 15 Injuri en-Gerichts Wahl-Recht 10 n. 24 Injuri en-Proceß vor welchem Gericht an- zustellen sey 6 . n. 11 . soll nicht unbilli- ger Weise verlaͤngert werden 31 . n. 29 . wenn anzufangen vergoͤnnet 559 . n. 7 Jnlager/ Umschlag und Wechsel-Recht im Holsteinischen 369 . n. 6 Inquisition summari sche des Fiscals wer anzusprechen befugt 114 . n. 57 . verhin- dert Urtheils Execution 110 . n. 44 . wie darinn Zeugen zu verhoͤren 11 . n. 25 . wenn wegen Ehebruch nicht anzustellen 290 . n. 63 Inquisitions- Proceß wer darinn angehoͤri- ger Richter sey 3 . n. 1 . kan wider Verur- theilete nicht angestellt werden 86 . n. 13 . ist in goͤtt- und weltlichen Rechten wider Laster befohlen 677 . n. 1 . was darzu ver- ursache 679 . n. 3 . wie darinn sich der Richter zu verhalten habe 31 . n. 28 . wie wegen Injuri en der Richter anzustellen vermoͤge 80 . n. 52 Instrument Brieffe geben Beweiß in Ge- richts-Sachen 32 . n. 3 . derselben Ver- faͤlschung wie zu straffen 33 . n. 3 Interesse wenn der Uberwundene zahlen muͤsse 96 . n. 47 . deren Leistung wenn Verurtheilte befreye 97 . n. 49 . in Lehn- recht 133 . n. 51 . eines zwischen kommen- den Klaͤgers 13 . n. 6 . Verlust derer Par- theyen 23 . n. 4 . Anschlag im Kauffhan- del 349 n. 31 Interessent en wenn befugt zu appellir en 103 . n. 17 . wie einzuladen vom Kaͤuffer wegen Gewehrs Leistung 346 . n. 20 Intrad en oder Accidenti en duͤrffen Prie- ster nicht steigern 186 . n. 23 Inventarium des Geraͤthes eines Pfarr- Hauses wie einzurichten 197 . n. 7 . seqq . wie Vormuͤnder wegen ihrer Muͤndlin- gen Erbschafft auffzurichten 297 . n. 20 Inventarii Mangel Ersetzung in Pfarr- Hauses Geraͤthe wenn noͤthig 191 . n 37 Ver- Anderes Register/ Verfertigungs Frist und Recht 472 . n. 1 Jrr-Lehn was eigentlich sey 122 . n. 6 Jrrthum in Kauffhandel macht den Kauff nichtig 347 . n. 28 . wenn Ehe auffloͤset oder nicht 278 . n. 28 . \& 262 . n. 6 . Rech- tens wer mag vorwenden 38 . n. 26 . wie ein Richter im Urthelsprechen verwerf- fen koͤnne 25 . n. 10 Juden ob Zeugniß geben koͤnnen 55 . n. 24 . wenn man tauffen koͤnne 154 . n. 20 . wie Ehebruch bestraffen 622 . n. 6 . deren Eyds Formul Jnhalt 232 . wie und war- um zu dulden seyn unter den Christen 265 . n. 1 . uͤbertreffen viele Christen an Froͤmmigkeit 136 . n. 4 . muͤssen Schutz- Brieffe einloͤsen 266 . n. 1 . sollen von Christen abgesondert wohnen 266 . n. 2 . ob Schulen bauen und Christliches Ge- sinde halten moͤgen 266 . n. 3 . was fuͤr Aemter bedienen moͤgen 266 . n. 4 Jugend Erziehung Nutzen bey Durch- laͤuchtigen Personen 728 . n. 13 Junge Leute sind von Folter befreyet 670 . n. 31 . Diebe wie zu straffen 646 . n. 34 . Eheleute wie wegen Hurerey mit Kir- chen-Busse zu belegen 173 . n. 28 . \& 174 . n. 31 Jungfern mit Gewalt Geschwaͤngerte ob Craͤntze tragen duͤrffen 626 . n. 18 . 629 . n. 25 . deren Nothzuͤchtigung wie zu straffen 627 . n. 21 Jura Regalia was eigentlich sind 1 . n. 1 Jus Patronatus vom Kirchenbau und des- sen Ubung 135 . n. 60 . wie weit sich er- strecke 135 . n. 4 . aus was Muthmassun- gen koͤnne bewiesen werden 138 . n. 6 . wo- durch erworben werde auch unter zwey- en zugleich 139 . n. 8 . kan nur bey verle- digten Aemtern geuͤbet werden 140 . n. 11 ob geerbet/ verkaufft/ verschenckt und vertauschet werden koͤnne 143 . n. 22 . wie auff andere koͤnne gebracht werden 143 . n. 23 . haben keine Creditorn noch Pfands Jnhaber 143 . n. 23 . dessen Wuͤr- ckungen und Rechte 144 . n. 26 . wie des- sen Patron en geniessen ibid . Jus Repræsentationis wie sich bey Erben in Haͤupter oder Staͤmm erstreckt 481 . n. 13 Jus Retentionis a Stamm-Gutern wie lange Toͤchter haben 488 . n. 8 Justice deren uͤbele Verwaltung wie zu straffen 120 . n. 20 . wie derselben huͤlff- liche Hand zu leisten 68 . n. 1 7 Justificirt e/ derer Leiber Beraubung wie zu bestraffen 210 . n. 42 K. Kalck brennen wie auff fremdem Gut zu- zulassen 251 . n. 18 Kauff geh e t fuͤr Leihe- oder Miethe-Recht 508 . n. 8 . wenn und wodurch vollzogen werde 339 . n. 1 . seqq . wodurch Vollkom- menheit erlange 495 . n. 6 . wie gebuͤh- rend geschehen solle 493 . wenn richtig sey in Gewicht-Zoll- und Maaß-Wah- ren 342 . n. 13 wie durch Betrug auffge- hoben werde 247 . n. 28 . gestohlener Guͤ- ter ist Kaͤuffern schaͤdlich 349 . n. 32 Kauffardey-Schiffe Freyheit zur See 713 . n. 20 Kaͤuffer/ deren Recht in Lehn-Guͤtern 133 . n. 51 . deren Gefahr worinn bestehet 494 . n. 2 . wornach sich im kauffen zu richten 493 . n. 1 . wenn Gefahr stehen im Weinhandel 350 . n. 34 Kauff-Brieffs gerichtlichen Einfuͤhrungs Beweiß 340 . n. 6 Kauff-Geding wie nichtig werde durch Nichtzahlung des Geldes zu gewisser Zeit 496 . n. 10 . wie Näherkaͤuffer zu halten schuldig sey 502 . n. 28 Kauff-Gewehr wie zu leisten der Verkaͤuf- fer schuldig 497 . n. 11 Kauffshaltung wenn nicht zu erzwingen 495 . n. 8 Kauffhandel wie rechtlich zu treiben 497 . n. 12 Kauffleute Register wenn kraͤfftig fuͤr Ge- richt zum Beweiß 35 . n. 15 . sind waͤhren- den Jahrmaͤrckte vom Arrest frey 91 . n. 26 . worinn Richter seyn moͤgen 36 . n. 12 . wie ihre Diener zum Catechißmus Exa- men anhalten sollen 212 . n. 3 . wie im Ehlen- derer vornehmsten Sachen. Ehlen-Maaß und gantzen Tuͤcher Han- del sich zu verhalten haben 244 . n. 12 . de- ren Niederlage Gerechtigkeit 340 . n. 3 Kauffmannschafft Betrug wie zu straffen 244 . n. 13 Kauffschilling Verzinsungs Recht 341 . n. 7 Kauff-Verschreibungs Recht 495 . n. 6 Kauff-Waaren Opffer Recht 200 . n. 18 . verdorbene und mangelhaffte wenn Kaͤuffer wiederbringen koͤnne 348 . n. 25 Kauff-Wiederruff wie anzustellen 349 . n. 31 . 340 . n. 3 Kaͤysers Amurathis Gebet 136 . n. 3 . Cleri Gebot von Baͤdern 578 . n. 28 . Barba- rossæ Privilegium vor Studenten 7 . n. 12 Kaͤyserrliches Appellation-Privilegium der Heßischen Fuͤrsten 426 . seqq . Kaͤyserliche Freyheit derer Fuͤrsten von Hessen vor fremden Gericht 430 . seqq . Kaͤyserliche Gesetze wegen Ober-Landes- Herrn Regierung 2 . n. 1 Kaͤyserlichen Hoflagers Religions Ubung Freyheit 135 . n. 1 Kennzeichen der Christen was seyn 136 . n. 3 Ketzer koͤnnen Richter Amt nicht verwal- ten 26 . n. 13 . ob Zeugniß geben koͤnnen 55 . n. 26 . denselben soll man auch Treu und Glauben halten 136 . n. 3 . derselben Tauffe ist vergeblich 153 . n. 16 . sollen auf Kirchhoͤfen nicht begraben werden 210 . n. 44 Ketzerey was sey/ und wie bestrafft werde 567 . n. 1 Kindbetterin wie zur Kirchen zu fuͤhren 164 . n. 54 Kinder derselben Vielheit giebt Straffen Linderungs Ursachen 29 . n. 22 . ungebohr- ne koͤnnen nicht enterbet werden 129 . n. 32 . ohne Tauffe verstorbene/ ob zu ver- dammen 152 . n. 14 . welche ehelich zu nennen 170 . n. 19 . zu deren Verpfleg- und Nahrung wie Eltern verbunden 320 . n. 29 . nach Vaters Tode gebohrner Kinder Vormuͤnder Recht 299 . n. 25 fruͤhzeitige vor Copulation gezeugte wie ehelich werden 170 . n. 18 . wie deren Enterbung auffgehaben werde 448 . n. 2 wie ihren Eltern die Erbschafft koͤnnen entziehen 317 . n. 17 . 448 . n. 3 . deren Legitima worinn bestehe 444 . n. 11 . zu- kuͤnfftiger Testaments Recht 435 . n. 2 . welche zum heil. Nachtmahl zu lassen 162 . n. 46 . verheyratheter und annoch in Eltern Gemeinschafft lebender Recht 247 . n. 6 . unehlichen Erbrecht 323 . n. 37 . was bey Erbschafft rechnen moͤgen oder nicht 323 . n. 36 . Erbtheilung Recht aus verschiedener Ehe 457 . n. 4 . \& 460 . n. 6 . aus erster Ehe Recht an zweyter Ehe Guͤtern 463 . n. 14 . deren Nutzen wie zu beobachten 464 n. 2 . Recht gegen ver- schwenderische Eltern 465 . n. 6 Kindes Geburt Recht/ so vier Waͤnde be- schriehen 321 . n. 31 Kinder-Erdruͤckung und Hinweglegung verdienet Mord-Straffe 611 . n. 12 . seq . Kinder-Lehre und Examen soll des Sonn- tags Nachmittage gehalten werden 161 . n. 44 Kinder-Mords Frage-Puncten 601 . n. 35 . dessen verschiedene Arten 602 . n. 38 Kinder-Tauffe/ derer Amtsgebuͤhren sol- len Priester nicht steigern 186 . n. 25 Kinderzucht auf wessen Kosten geschehe nach gefolgter Ehescheidung 295 . n. 14 Kirche hat eiserne Haͤnde 200 . n. 14 . deren Recht bey Geld Ausleihungen 200 . n 16 hat Muͤndlings Freyheit 206 . n. 30 . ob Ubelthaͤtern wider Gefangennehmung rechtlich schuͤtzen solle 165 . n. 1 Kirchen-Amt von wem waͤhrenden Gna- den Jahrs zu bestellen 192 . n. 38 Kirchen-Auffseher in Staͤdten Recht 138 . n. 15 haben Macht Schuldiener zu be- ruffen 218 . n. 24 . wem ihre Reisen an- zumelden 218 . n. 27 Kirchenbann/ was fuͤr Oꝛdnung bey dessel- selben Auflegung zu halten 173 . n. 30 . warum ietzo Verbrechern nicht auffer- legt werde 174 . n. 33 Kirchen Bau und Besserung kan das Jus Patronatus weder schwaͤchen noch ver- H h h h h mehren Anderes Register/ mehren 139 . n. 8 . wovon zu unterhalten/ und woher die Kosten zu nehmen 195 . n. 1 Kirchen Baufaͤlligkeit/ wem daruͤber zu er- kennen gebuͤhre 195 . n. 3 Kirchen Besuchung/ vid. Kirchen- Vi- sitation. Kirchen-Buͤrger-Recht wird durch die Tauffe erlangt 155 . n. 25 Kirchen-Busse wird durch weltliche Stra- fe nicht auffgehoben 161 . n. 44 . befreyet auch nicht von weltlicher Strafe 86 . n. 13 . wenn wegen Ehebruch auffzulegen 172 . n. 24 . wie wider Kirchen Beleidi- ger zu vollziehen 172 . n. 25 . ob Adeliche damit zu belegen 173 . n. 27 . wie an jun- gen Eheleuten gelindert werde 173 . n. 28 . wie wegen gegebenen Aergerniß auffzu- legen 173 . n. 30 . wie von Verlobten aus- zuuͤben 174 . n. 31 . soll wider GOttes Verächter vollzogen werden 174 . n. 32 . Kirchen-Capitalien/ deren Zinsen verjaͤh- ren nicht 201 . n. 17 Kirchen- Creditor muß die Anwendung sei- nes Geldes zum Kirchen-Nutz erweisen 200 . n. 16 Kirchen-Diebstahl/ vid. Kirchen-Raub. Kirchen-Diener/ auff deren Versorgung haben Patronen Acht zu geben 144 . n. 27 wie Haußbesuchungen anstellen sollen 168 . n. 11 . wie die bey Kriegs Zeiten ruͤck- staͤndige Besoldung zu fordern befugt 187 . n. 26 . sind Accise und Licent en frey 189 . n. 32 . abgelebte wie zu versorgen 190 . n. 34 . deren Versetzung hebet End- Urtheil zwischen Priester und Patro- nen auff 191 . n. 36 Kirchen- Disciplin ist Frommen ein edler Schatz 176 . n. 37 . wie nothwendig sie sey ibid . Kirchen-Einkuͤnffte sind nicht zu Eigen- nutz anzuwenden 166 . n. 2 . wie andern Schulden vorzuziehen 206 . n. 31 . kan kein Patronus verringern 206 . n. 32 . wie davon Visitations -Unkosten zu entrich- ten 213 . n. 7 Kirchen-Einnahm wie zu vermehren 198 . n. 10 . soll mit der Ausgabe berechnet werden 199 . n. 13 Kirchen-Freyheits Ort bahnet den Weg zu Ubelthaten 165 . n. 1 Kirchen-Fuͤrbitte soll ohne Pracht gesche- hen 164 . n. 52 Kirchen-Gebaͤu wie in neue Form zu brin- gen vergoͤnnt 195 . n. 3 Kirchen-Gebet soll nicht mißbraucht wer- den 164 . n. 51 Kirchen-Gelder haben Vorsteher fleißig zu berechnen 199 . n. 13 Kirchen-Gottesdienst/ was dabey vor Ce- remonien zu gebrauchen 217 . n. 20 Kirchen-Gut/ wie bey desselben Erkauf- fung man sich zu verhalten 200 . n. 16 . wie verpfaͤndet werden moͤge ibid . wie viel an Renthen davon zu geben ibid . wenn darinn Verjaͤhrung statt finde 201 . n. 17 . dessen Veraͤusserung vom Fuͤr- sten ob guͤltig sey 344 . n. 8 Kirch-Hoͤfe sind wohl zu verwahren und nicht zu verunehren 208 . n. 37 . darzu kan im Nothfall privat- Leute Acker ge- macht werden 208 . n. 38 . wer auff den- selben nicht zu begraben 210 . n. 44 Kirch-Kinder/ denselben soll kein Pfarrer wider Willen auffgedrungen werden 141 . n. 15 . vor aller und jeden Seele wie Pfarrer Sorge tragen sollen 250 . n. 10 Kirchen-Lehn wie auff Erben falle 143 n. 22 Kirch-Messen wie auf Doͤrffern zu halten 150 . n. 9 Kirchen-Pfand Rechts Vorzug in Schuld- ners Guͤtern 197 . n. 8 Kirchen-Pfleger/ vid. Kirchen-Vorsteher. Kirchen-Raub und Diebstahl was zu nen- nen 167 . n. 6 . wie unterschieden/ und wie zu straffen 636 . n. 7 Kirchen-Rechnung/ wornach darbey die Patronen zu sehen haben 144 n. 27 . wo- her dazu die Kosten zu nehmen 213 . n. 9 Kirchen-Regiments Obacht mit Schulen 218 . n. 25 Kirchen-Sachen/ darinn sind Arme den Reichen gleich zu achten 177 . n. 39 . wenn darinn derer vornehmsten Sachen. darinn Verjaͤhrung statt finde 201 . n. 17 . deren Verthaͤdigungs Recht 84 . n. 7 Kirchen-Schatz/ vid. Kirchen-Einkuͤnffte. Kirchen-Schluͤssel wie wider hohe Obrig- keit zu gebrauchen 173 . n. 29 Kirchen-Schuldner sollen in Bezahlung nicht saͤumig seyn 206 . n. 30 Kirch-Spiele sind nicht zu trennen 185 . n. 19 . wie eingetheilet werden 211 . n. 2 Kirchenstuͤhle wie der Kirchen nach Besi- tzers Tode heimfallen 207 . n. 34 . wer zu brauchen berechtiget 207 . n. 35 . darzu haben im Kauff Blutsverwandten Vorzug ibid . den daruͤber entstandenen Streit wer schlichten solle 208 . n. 36 Kirchen-Vaͤter/ vid. Kirchen-Vorsteher. Kirchen-Vermaͤchtniß was vor Recht ge- be 167 . n. 7 Kirchen- Visitation wie anzustellen 211 . n. 3 . seqq . wie dazu einzuladen 212 . n. 4 . soll zu Vermeidung grosser Unkosten auffs fleißigste geschehen 213 . n. 6 . deren Un- kosten wer bezahlen muͤsse 213 . n. 7 . wie darzu die Commissari en zu erscheinen 214 . n. 11 . dabey soll in Kost und Tranck Uberfluß gemieden werden 214 . n. 12 Kirchen- Visitatores, deren Pflicht wegen Inventari en 198 . n. 9 . woher Kost und Zehrung haben sollen 213 . n. 9 Kirchen-Vorsteher wie des Pfarr-Hauses Geraͤthe wohl in Acht zu nehmen 197 . n. 8 . deren Untreu mit Kirchen-Geldern wie zu straffen 199 . n. 13 . wie Rechnung zu halten uͤber Ausgaben bey Visitatio- n en 214 . n. 10 Kirchen-Zehenden ob verpachtet werden moͤgen 204 . n. 24 . duͤrffen nicht ver- pfaͤndet werden ibid . Kirchen-Zinß von Capitalien mag nicht verjaͤhret werden 201 . n. 17 Kirchen Zucht/ vid. Kirchen- Disciplin. Klage Recht zu Leib/ Haut und Haar 121 . n. 21 . wie nicht summarisch/ son- dern Articuls Weise einzugeben 413 . n. 10 . wie gegen Schiffer rechtlich anzu- stellen 380 . n. 5 . wie unterschieden in Schaden und Straff-Bussen 116 . n. 9 . wegen Mitbelehnschafft wie guͤltig 134 . n. 57 Klage-Recht/ wie viel weniger Preiß im Kauff 347 . n. 25 Klaͤger wer nicht seyn koͤnne 14 . n. 6 . eines zwischenkommenden Wahlrecht 14 . n. 10 . verliehret die Sache in Versaͤumung des Beweises 20 . n. 18 . mag Beklagten auch aussergerichtlich belangen 30 . n. 26 . wie Beweiß darthun koͤnne 31 n. 1 . unter zweyen wer vorzuziehen 40 . n. 32 . reich- beguͤterte wenn von Gefaͤngnissen frey 86 . n. 14 . wie auf des Ubelthaͤters Ge- faͤngniß dringen koͤnne 89 . n. 23 . dessen Pflicht bey Streits Anfang 400 . n. 2 . wie Antwort fodern koͤnne 414 . n. 11 . ob mit Zeugen-Eyd zu belegen 52 . n. 10 Klaͤgers Ungehorsam Straffe 20 . n. 20 . Klag-Libell/ dessen rechtliche Form 412 . n. 8 . wegen dessen Ungeschickligkeit was dem Procuratori zustehe 413 . n. 9 Kleider/ deren Verwechselung giebt Arg- wohn wegen entkommenen Gefangenen 91 . n. 27 . verstorbener Frauen wie der Mann zuruͤck nehmen koͤnne 337 . n. 32 . koͤnnen fuͤr Schulden nicht verpfaͤndet werden 358 . n. 27 . wie zu schaͤtzen bey Auswurff wegen Schiffbruch 384 . n. 12 . Kleider-Tracht/ wie darinne der Priester Weiber und Kinder sich zu verhalten 180 . n. 6 Kleidung weltliche/ wie darinn ein Prie- ster zu tractir en 181 . n. 9 Kleinodien der Frauen moͤgen nicht ver- pfaͤn det werden 358 . n. 27 Klingbeutel zu Allmosen wer in Kirchen herum zu tragen 219 . n. 28 Koͤnige/ was als Landes-Herren ihnen vor Macht zustehe 2 Kopf-Schatzungs-Steuer wer und wo- von zu geben 237 . n. 38 Koppel-Jagten Recht 256 . n. 31 Kosten bey Visitation der Kirchen woher zu nehmen 213 . n. 9 . wie dabey Uberfluß zu meiden 214 . n. 10 H h h h h 2 Koth- Anderes Register/ Koth-Sassen was eigentlich seyn 247 . n. 7 Kraͤmer und Kauffleute sind bey Jahr- maͤrckten vom Arrest frey 91 . n. 26 . de- ren Betrug wie zu strafen 245 . n. 14 . vid. Kauf-Leute. Kramdiener sollen sich bey Kirchen- Visi- tation vom Examine nicht ausschliessen 211 . n. 3 Kram-Laden sollen an Sonntaͤgen nicht geoͤffnet werden 244 . n. 10 . deren Recht wegen Buͤrgeschafft 92 . n. 30 . \& n. 33 Krancke werden vom Gefaͤngniß befreyet 90 . n. 24 . soll bey grosser Schwachheit ein Priester auch ohne muͤndliche Beich- te absolvir en 160 . n. 40 . wie Priester besuchen sollen 167 . n. 9 . soll man nicht ohne Huͤlffe liegen lassen 210 . n. 42 . wie Testament machen moͤgen 442 . n. 5 . de- ren Aertzte wie von Richter befraget sollen werden 121 . n. 20 sollen vor an- dern zum Beichtstuhl gelassen werden 156 . n. 33 . deren Artzney Bezahlungs Recht 210 . n. 43 Kranckheit verhindert Execution der ge- setzten Leibes-Strafe 110 . n. 44 wie darinn Priester troͤsten sollen 167 . n. 9 . biß zu derselben sollen Testamente zu machen nicht auffgeschoben werden 442 . n. 8 . deren Ursprung und Ursachen 567 . n. 3 . wider dieselbe bey wem Huͤlffe zu suchen 568 . n. 4 . seqq . Kreide hauen wie auff fremb dem Grunde vergoͤnnt 251 . n. 18 Krieg wer durch Herolde ankuͤndigen las- sen koͤnne 235 . n. 30 . ob darinn Kirchen- Capitalia verjaͤhren 201 . n. 17 Kriegs-Bediente geschickte sind von Ge- faͤngniß wegen Verbrechen frey 91 . n. 25 Kriegs-Befestigung giebt gehoͤrigen Ge- richts-Stand 9 . n. 20 . von wem gesche- hen solle 13 . n. 5 . \& 15 . n. 12 . seq . Kriegs Beystand wie Minderjaͤhrigen zu bestellen 298 . n. 22 Kriegs-Dienste/ darzu geschickte wie mit Lebens-Strafe zu verschonen 91 . n. 25 Kriegs-Gefangene wie zu loͤsen und zu rantzioniren 702 . n. 35 . deren Treubruchs Strafe 702 . n. 34 Kriegs-Gesetze Haupt-Puncte worinn be- stehen 689 . n. 4 Kriegs-Leute sind in Verbrechen von Ge- richtsstand nicht befreyet 4 . n. 1 . deren Disciplin Recht 688 . n. 1 . seqq . Kriegs-Materialien Gebrauchs und Ver- wahrungs Recht zur See 709 . n. 6 Kriegs-Verkuͤndigung wem zustehe und warum geschehen koͤnne 235 . n. 30 Kriegs-Vormundschafft Recht nach Va- ters Tode gebohrner Kinder 299 . n. 29 derer Weibes-Personen 303 . n. 38 Kruͤcken- Doctorist en Artzney verboten 568 . n. 5 Kuͤchen-Rennstein ob auff fremden Boden zu richten 252 . n. 19 Kummerbrod und Angstwasser Strafe mit Gefangenen 91 . n. 25 Kundschafft Recht wegen Bekaͤntniß aus Jrrthum 41 . n. 36 Verhoͤr wie anzustel- len 42 . n. 38 . wie zu eroͤffnen 62 . n. 52 . der Graͤntzen wie zu eroͤrtern 115 . n. 3 Kunckel-Lehn was eigentlich seye 122 . n. 4 . ist Ehegatten Erbtheils Recht 127 . n. 26 Kupplerey wie zu straffen 585 . n. 17 Kuͤster bekoͤmmt das weisse Leichen-Tuch bey Geschencken 187 . n. 25 . von wem er- wehlt und bestellt werde 219 . n. 27 . dessen Amts-Pflicht und Verhalten ibid . \& 28 wie Caution und Eyd abzustatten we- gen Treue ibid . Kutsch-Pferde Gattung Verderben wie zu erstatten 655 . n. 21 L. Landes-Erben Gebuͤhr von besaͤeten Lehn- Guͤtern 489 . n. 12 wie zu Abtragung des Lehnmanns Schulden verbunden 490 . n. 40 Landes-Fuͤrsten Vorsorge Befehls- Edict wegen Frevel und Muthwillen 524 . sqq . Landgerichte im Heßischen wie angeordnet seyn und gehalten werden 396 . n. 2 Landgrafen zu Hessen Kaͤyserliches Privi- legium fuͤr fremden Gericht 431 . seqq . wenn derer vornehmsten Sachen. wenn von denselben nicht zu appellir en 428 . seqq . Landgraͤntzen wodurch zu beweisen 114 n. 2 Land-Guͤter Theilungs Begehr wem zu- koͤmmt 117 . n. 10 Landesherren wie sich aufffuͤhren und ver- halten sollen 228 . n. 13 deren Worte sol- len bestaͤndig seyn 229 . n. 16 . Recht we- gen Adelichen Missethaͤter 6 . n. 11 . wie Jagten einzuschraͤncken verbunden 257 . n. 34 . wie Duell-Verbrecher von Stra- fe begnadigen koͤnnen 607 . n. 1 Land-Huldigungs Pflicht was sey/ und wie abzustatten 231 . n. 11 Land-Messer Grad-Raums Gerechtigkeit und deren Richtschnur Gleichheit 118 . n. 15 . sollen Geschworne seyn vom Richter 119 . n. 17 Land-Messung ungerechte ist nichtig und wiederrufflich 117 . n. 11 . dabey muͤssen Besitz-Eigener ihre Guͤter melden 118 . n. 14 Landes Oberrichter wegen Begnadigung 389 . n. 12 Landes-Ordnung wie darnach in oͤffentli- chen Rechten sich zu richten 224 . n. 2 . wem zu machen verboten 224 . n. 2 . Fuͤrst- lich Heßische 391 . seqq . Landrecht wie unterschieden sey 388 . n. 11 Landsassen wie von Bauren unterschieden 247 . n. 7 Landsteuer sonderbare wenn ein Landes- herr auffzulegen berechtiget 236 . n. 34 Landstrassen wie breit seyn sollen 533 . n. 1 . wie in Bau und Besserung zu halten 267 . n. 6 . wie von Landesherrn sicher zu halten 233 . n. 24 Landstreicher/ wie darauff die Obrigkeit soll Acht haben 265 . n. 17 . Boßheit wie zu straffen 113 . n. 17 Laͤnder-Theilung wie bey hohen Potenta- ten zu vermeiden 224 . n. 2 Landes Trauer wie bey dem Gottesdienst zu halten 217 . n. 20 Landes-Verweisungs Strafe ist unter- schiedlich 88 . n. 19 Landes-Untersassen Gerichts-Freyheit im Heßischen 432 Land-Voͤgte/ derselben vornehmste Amts- Pflichten 24 . n. 8 Land-Zwinger Gewalt Strafe 583 . n. 10 Laster beleidigter Majestaͤt Recht 579 . n. 1 . Widerhohlung vermehret Stꝛafe 678 . n. 2 Laͤsterung Chꝛisti wie Tuͤrckẽ bestrafen 572 14 Leben und Wandels Ruchlosigkeit unter Christen 136 . n. 4 Lebens-Mittel an Sonntaͤgen verkauffen/ ob vergoͤnnt 244 . n. 10 Lebens-Strafe wenn in Leibes-Strafe zu veraͤndern 29 . n. 21 Lediggaͤnger wie von der Obrigkeit zur Ar- beit zu zwingen 265 . n. 17 Legitima der Eltern und Kinder worinn bestehe 444 . n. 11 . um deren Erfuͤllung wie zu klagen vergoͤnnt 445 . n. 13 . deren Erbantheils Recht in Substitutions- Faͤllen 445 . n. 15 Lehn wie unterschiedlich sey 122 . n. 4 . seqq . kan auf Anwartung verschrieben wer- den 122 . n. 6 . wenn verfallen sey 122 . n. 7 . koͤnnen Unmuͤndige durch Vormuͤnder empfangen 123 . n. 10 . dessen Kauff- und Pfand-Geld wenn zu erstatten 126 . n. 20 faͤllt nicht vom Sohn auff den Vater 126 . n. 20 . dessen Nutzungs Fruͤchte wem bey Lehnmanns Tode zugehoͤren 129 . n. 33 wenn nach Lehnmanns Tode nicht in Empfang genommen/ wird verlustig 129 . n. 36 . kan nicht verpfaͤndet noch ver- kaufft werden 130 . n. 37 . wird durch Missethat verwuͤrckt 130 . n. 39 . auf wen falle bey Selbstmord 131 . n. 40 . wer sel- biges nicht erben mag 128 . n. 31 . wenn darinn Erben aus der Zwerch-Linie succedir en 485 . n. 3 Lehn-Brieffe Gedings Recht 129 . n. 29 . Verschertzungs Gerechtigkeit 130 . n. 39 Lehn-Empfang wenn statt habe 122 . n. 6 . wenn geschehen solle mit Protest ohne Præjudiz 123 . n. 8 . dessen Ansuchungs Recht 123 . n. 11 . wenn versaͤumet wird/ folgt Lehns Verlust 129 . n. 36 H h h h h 3 Lehn- Anderes Register/ Lehnfaͤhige Sachen und Guͤter was seyn 124 . n. 13 . Personen welche seyn oder nicht 126 . n. 22 Lehnsfolge Recht/ wenn Agnat en davon ausgeschlossen 486 . n. 4 . Recht in ei- nem Lehngut 487 . n. 5 Lehnsfolger Pflicht von Lehns Nutzung/ Wittwen Leibzucht und Toͤchter Aus- steuer 488 . n. 9 . Recht an Zinßgefaͤllen 489 . n. 2 Lehn-Gedings Recht 123 . n. 9 . zwischen Eheleuten 132 . n. 48 Lehn-Geld wie zu bezahlen 369 . n. 7 Lehn-Gericht wie Ungehorsam bestraffe 133 . n. 52 Lehn-Guͤter was eigentlich seyn 121 . n. 1 . wie eingetheilet werden 121 . n. 2 . moͤgen nicht veraͤussert oder veraͤndert werden 124 . n. 16 . 129 . n. 36 . 295 . n. 15 . deren Fruchtnutzung kan zum Brautschatz er- theilet werden 125 . n. 17 . welche Credi- tores wegen Schulden darinn Vorzug haben 374 . n. 22 . deren Bau und Besse- rung Recht 489 n. 1 . wenn darinn Suc- cession statt habe 484 . n. 1 . verbinden zu Beschuͤtzung des Lehnherrn 131 . n. 44 Lehn-Herr ist von Lehn-Jnhabern zu schuͤ- tzen 122 . n. 5 . muß der Guͤter Gewehr- schafft leisten und sie vertreten 123 . n. 10 . 133 . n. 51 . wenn Eigenthum verliehret 123 . n. 11 . wenn vom Lehnmann zu verkla- gen 124 . n. 12 . wenn selbigen der Lehnmañ veraͤndern koͤnne 125 . n. 19 . muß nach Lehnmanns Tode dessen Erben die Un- kosten erstatten 129 . n. 34 . wenn den Lehntraͤgern die Guͤter nehmen kan 130 . n. 39 . wie gegen gefangenen Lehnmann sich zu verhalten 133 . n. 51 . wider densel- selben ist Schmaͤhklage verboten 134 . n. 65 Lehn-Kaͤuffer wie den Verkaͤuffer anzukla- gen vermoͤge 133 . n. 55 Lehns-Leute wie weit in Streitigkeiten Eydes zu erlassen 134 . n. 55 Lehnmann wenn Lehnherrn koͤnne verkla- gen 124 . n. 12 . muß eydlich Dienstpflich- te geloben 124 . n. 14 . wozu nicht pflich- tig sey ibid . wenn den Lehnherrn ver- aͤndern koͤnne 126 . n. 19 . kan seinem Gu- te keine Dienstbarkeit auflegen 126 . n. 19 dessen Untreu Strafe 130 . n. 40 . wenn untuͤchtig werde 132 . n. 47 . dessen Soͤh- ne wie verbunden zu Lehns und Erbes Annehmung zugleich 490 . n. 5 . dessen Schulden ob Agnat en zu bezahlen schuldig 490 . n. 4 Lehn-Pferdes Recht 362 . n. 6 Lehn-Richter/ mit was fuͤr Personen seine Gerichte zu besetzen habe 67 . n. 16 . wer seyn solle 134 . n 54 Lehnsachen Richter in Chur-Fuͤrstenthuͤ- mern und Graffschafften 135 . n. 7 Lehn-Schreibers Verbrechen wie zu straf- fen 67 . n. 12 Lehn-Schulden wer zu zahlen verbunden sey 132 . n. 47 Lehnstreits gehoͤriger Richter 133 . n. 53 . Beweiß und Eyd 134 n. 58 Lehntraͤger/ wenn ihm die Lehnguͤter koͤn- nen genommen werden 130 . n. 39 Lehn-Veraͤnderung ist Lehn-Leuten verbo- ten 130 . n. 36 . wie durch Kauff geschehe 13 3 . n. 50 Lehn-Verbrechens Anklage wenn verjaͤhre 133 . n. 51 Lehn-Verjaͤhrung wenn statt habe 132 . n. 49 Lehn-Verkaͤuffer wie wegen Kauffgeld und Interesse anzuklagen 133 . n. 51 Lehn-Verlust wenn entstehe 130 . n. 36 . 38 . \& 40 . seqq . Lehn-Versaͤumniß/ bey derselben wem das Gut zufalle 130 . n. 38 Lehnung einiger Sachen wenn und wie verboten sey 363 . n. 11 . der Soldaten/ wie darauff Commissarii Auffsicht ha- ben sollen 705 . n. 42 . ob Soldaten bey erlangtem Abschied zu fodern berechti- get 706 . n. 44 Lehr-Wahl der Heyden wie zu beantwor- ten 148 . n. 5 Leib-fuͤr Lebens-Strafe wenn guͤltig 29 n. 21 . wenn in Geldstrafe zu verwandeln 86 n. 12 . Leib- derer vornehmsten Sachen. Leibeigene Knechte koͤnnen Richter-Amt nicht verwalten 26 . n. 13 . deren Kauff und Freylassungs Recht 263 . n. 12 . koͤn- nen vor sich nichts schliessen ohn des Herrn Wissen 263 . n. 14 Leib-Eigenthums Recht derer darzu ge- bohrnen Kinder 263 . n. 10 Leibgeding Recht zwischen Eheleuten 132 . n. 48 . 337 . n. 33 . 463 n. 1 . wenn Kirchen und Schuldiener zu verordnen 190 . n. 34 Leibwacht der Soldaten wem gebuͤhre 86 . n. 14 Leib-Zeichen Recht in Mordfaͤllen 121 . n. 21 Leibzucht worinn unguͤltig 479 . n. 6 . wo- durch deren man sich verlustig mache 466 . n. 8 . 468 . n. 13 . 473 . n. 3 . wie durch Testament benommen werden koͤnne 470 . n. 5 . dessen jaͤhrlichen Abnutzungs Uberschuß Recht 464 . n. 3 . der Kinder wenn Eltern nicht zu verweigern 466 . n. 7 Leichbegaͤngniß-Kosten wie von Erbschafft abzuziehen 334 . n. 24 Leichnam todte sind von Repressali en be- freyet 233 . n. 26 . derselben Durchfuhr wie zu gestatten 209 . n. 39 Leich-Predigten/ vor derer Mißbrauch hat man sich wohl zu huͤten 176 . n. 38 . wenn Prediger abstatten koͤnnen 177 . n. 39 . rechtschaffene was vor Nutzen geben 177 . n. 40 . derer Amtsgebuͤhren sollen Priester nicht steigern 186 . n. 23 . wenn der Capellan verrichten koͤnne 187 . n. 25 . wer davon waͤhrenden Gnadenjahrs das Geld bekomme 192 . n. 40 Leich-Tuͤcher Gabe wem unter den Kir- chen-Dienern zukomme 187 . n. 25 Leiher und Entlehner oder Miethmanns Pflichten gegen einander 502 . n. 1 . 505 . n. 2 Leih-Brieff und Revers es Recht wegen Erbzinß-Gut 510 . n. 2 . vor dessen Er- neuerung was vor Recognition -Gelder abzustatten 512 . n. 11 Leihguts Recht umsonst geschehen 504 . n. 5 Letzten Willens Vermaͤchtniß Krafft an Kirchen 198 . n. 11 . Unguͤltigkeit uͤber fremde Guͤter 200 . n. 14 Leumuths Verdacht und Anzeigen Recht 87 . n. 16 Licent und Accise wer befreyet 189 . n. 2 Liebes Briefe ob Ehebꝛuch erweisen 37 . n. 18 Liebe-Geld haben Geistliche Macht zu fo- dern 189 . n. 30 Liebes-Traͤncke Mord-Straffe 590 . n. 9 Liegende Guͤter geben auch angehoͤrigen Gerichts Ort 8 . n. 18 . 407 . n. 7 . der Kirchen wenn nicht zu veraͤusern 187 . n. 26 . deren Erbkauff ist schrifftlich zu ver- fassen 497 . n. 13 . deren Erbrecht zum letztlebenden Ehegemahl 470 . n. 3 . zur Aussteuer mitgegebene ob in Erbthei- lungen zu bringen 456 . n. 5 Linderung der Strafen wenn statt finde 29 . n. 22 Liquidi rung der Schulden wie von Credi- tor en geschehen solle 375 . n. 24 Logiaments Visiti rung eines Gefangenen 37 . n. 20 Lohn/ mit dem gesetzten wie sich Priester genuͤgen sollen lassen 181 . n. 7 . wie Prie- ster auch von der Buͤrger Zahl und Erd- gut bekommen 186 . n. 21 Lohnmangels proportion Recht 203 . n. 22 Loß- und Lediggaͤnger wie die Obrigkeit soll zur Arbeit zwingen 265 . n. 17 Loͤse-Geld Recht derer Kriegsgefangenen 702 . n. 35 Losungs Wort Vergessenheit oder Offen- barungs Strafe im Kriege 698 . n. 26 Loß-Kuͤndigungs Recht derer Schulden 376 . n. 25 Luͤgen wenn nicht mag wiederruffen wer- den 15 . n. 12 Luͤgenhaffter Leute Strafe 102 . n. 14 Lumpensamler Tax-Ordnung 563 . n. 10 M. Mahlzeiten Recht der Kirchen- Visitator en 213 . n. 9 Majestaͤten Verletzungen woraus zu er- weisen 37 n. 19 Mann wie seiner Frauen Fuͤrsprecher im Ge- Anderes Register/ im Gericht seyn koͤnne 76 . n. 40 . Mann- und Knaben-Schaͤnder Strafe 631 . n 30 Manner wie Eydschwuͤre ablegen sollen 43 . n. 41 . deren Krafft wie lange zu waͤh- ren pflege 282 . n 38 . deren Besichtigung wegen Unvermoͤgenheit 284 . n. 46 Mann-Lehns Gerechtigkeit was sey 122 . n. 4 . 126 n. 21 . 484 . n. 1 . wenn Weiber nicht erben 127 . n. 27 Maͤnnlichen Glieds Beraubungs Strafe 631 . n. 30 . Kraͤffte Benehmung durch Nestel knuͤpffen wie zu strafen 603 . n. 41 Mannrechts Zeugniß muͤssen Buͤrger ha- ben 241 . n. 1 March-Verhaltungs Ordre im Kriege 756 Marchir en und Schwengen Exerciti en Braͤuche im Kriege 739 Mariæ, Mutter GOttes/ Schmaͤhung wie zu straffen 571 . n. 10 Marckschreyer Artzney verboten 568 . n. 4 Maͤrckte wenn und wie zu versetzen 242 n. 7 Marqvetenter/ auf deren Maaß und Ge- wicht wie Acht zu geben 705 . n. 43 Maaß der Verkaͤuffer soll von Obrigkeit fleißig besucht werden 244 . n. 12 . dessen Verfaͤlschung wie zu straffen 652 . n. 10 Maul-Esel Gattung Verderbens Strafe 656 . n. 31 Maulschellen ob mit einem Dolche koͤnnen gerochen werden 616 . n. 23 Maͤurer Unvorsichtigkeit Strafe 591 . n. 14 Meineyd wie zu verhuͤten 19 . n. 13 . 44 . n. 43 . wie zu bestraffen sey 43 . n. 42 . ist eine geistliche Folter 44 . n. 43 . was eigentlich zu nennen 220 . n. 3 . 261 . n. 4 . wie in Kriegsdiensten zu bestraffen 702 . n. 34 Meineydige begehen dreyfache Suͤnde 43 . n. 39 Menschen Diebstahl wie begangen werde 263 . n. 13 Menschenraub und Diebstahl wer begehe und wie zu straffen 639 n. 15 . 263 . n. 13 Messer/ wer damit einen verletzet wie zu straffen 615 . n. 20 Metall gehoͤret denen Landes-Herren zu 230 . n. 19 Metzger Betrug wie zu straffen 245 . n. 15 . Ordnung im Gericht Beylstein 557 sqq . Meyer Fruͤchte sind stillschweigend fuͤr den Pachtzinß verpfaͤndet 246 . n. 2 Meyer-Guͤter/ von unbrauchbaren ist Zinß nachzulassen 248 . n. 8 . sollen nicht getheilet werden 492 . n. 9 Meyer-Hoͤfe Guͤter Erbrecht zwischen Eheleuten 471 . n. 4 Meyer oder Miethe-Zinß worinn bestehe 247 . n 6 Meyers Wahl steht in Guts-Herrn Frey- heit 493 . n. 10 Mieth-Geding wenn stillschweigend guͤl- tig 508 . n. 17 wie rechtlich auffzurichten 505 . n. 1 . Recht mit Handwercksleuten 382 . n. 7 Mieths-Herrn Recht wegen Kirchen-Lehn 203 . n. 23 Mieths-Leute Recht der Wohnung halben 508 . n. 9 . 360 . n. 2 Miethsmann wie Zehenden und Kirchen- Besoldungen zu entrichten schuldig 203 . n. 23 . was fuͤr Schaden gelte 361 . n. 3 . dessen und Verbrechers Strafe 507 . n 5 . Pflicht gegen den Lether 505 . n. 52 Miethezeit wie auffzukuͤndigen 508 . n. 8 Miethezinß worinn bestehe 247 . n. 6 Minderjaͤhrige koͤnnen Richter-Amt nicht verwalten 25 . n. 12 . 291 . n. 1 . seq . derselben Bekaͤntniß ist unkraͤfftig 39 . n. 29 . ob fuͤr Gericht schweren koͤnnen 44 . n. 44 . wie denselben bey Erbthei- lungen Vormuͤnder zu setzen 458 n. 2 . wie in Verbrechen zu strafen 299 . n. 27 . 653 . n. 14 . wie wegen geschlossener Hand- lungen Wiederauffrichtungen ausbit- ten koͤnnen 298 . n. 23 . wie in Processen Kriegs Beystaͤnde anzunehmen 298 . n. 2 . ob und wie deren liegende Guͤter zu ver- kauffen 292 . n. 6 . deren Appellation und Restitution Recht 292 . n. 7 . 98 . n. 51 . 103 . n. 16 . wie Lehn in Empfang nehmen koͤnnen 123 n. 10 Minderjaͤhrigkeit giebt Strafen Linde- rungs Ursachen 29 . n. 22 Miß- derer vornehmsten Sachen. Mißbrauch Rechtens soll niemand ver- stattet werden 459 n. 1 . 469 n. 1 Missethaten wenn am Leben zu straffen 28 . n. 21 . Erkaͤntniß Gericht wem gehoͤrig 633 . n. 1 . ob und wie verjaͤhren koͤnnen 620 . n. 1 . deren Verdachts Anzeigen 587 . n. 4 . sollen nach Umstaͤnden gestrafft werden 607 . n. 32 Missethaͤter Blut ist ein Opffer GOttes 8 . n. 15 . deren Bekaͤntniß wie zu beobach- ten 159 . n. 36 . sollen vor Rechtfertigung nicht mit starcken Trincken uͤberladen werden 159 . n. 37 . wie mit deren Guͤtern zu verfahren 83 . n. 4 . ob ihnen Buͤrgen zuzulassen 95 . n. 43 . deren Kleider wem gehoͤrig 687 . n. 15 . wodurch vom Tode nicht moͤgen befreyet werden 629 . n. 27 . deren Coͤrper sind zu begraben 637 . n. 8 . deren Bekaͤntniß auff Mithelffer ob tuͤchtig zur Peinigung 668 . n. 27 . deren Guͤter an wen verfallen 320 . n. 26 . wie gebuͤhrend zu bestraffen 385 . n. 14 . derer justificirt en Coͤrper Beraubung wie zu bestraffen 210 . n. 42 . ob Testamente ma- chen koͤnnen 448 . n. 4 . 454 . n. 15 . deren Hehler wie zu bestraffen 584 . n. 14 Mißgeburt wenn zu tauffen vergoͤnnt 154 . n. 18 wenn nicht vergoͤnnt todt zu schla- gen 594 . n. 11 Mißgewaͤchs Abzugs Recht 188 . n 28 . die- ser wegen wird in Erbzinßguͤtern nichts nachgelassen 245 . n. 1 Mitbeklagten Bekaͤntniß ist andern nicht nachtheilig 39 . n. 30 . wie zu peinigen 676 . n. 13 Mitbelehnschafft Klage-Recht 134 . n. 57 Mitbuͤrgen sind zu Bezahlung ihres An- theils gehalten 94 . n. 36 Mit-Esser Wuͤrme sind Aberglaubens Strafe 569 . n. 7 Mitgifft kan fuͤr Mannes Schulden nicht hafften 14 . n. 7 . Recht wegen Buͤrg- schafft 93 . n. 31 wenn einzubringen 132 . n 48 . Ehestands Buͤrde Erleichterung ibid . wie von Erbschafften abzuziehen 334 . n. 24 . wenn in Erbschafften nicht beyzubringen noͤthig 326 . n. 46 . 456 . n. 6 . deren Wiederfoderungs Recht 322 n. 24 Mitgifft-Guͤter derer Frauen wie der Mann geniesse 336 . n. 28 . wenn nicht moͤgen veraͤusert werden 345 . n. 18 Mit-Patronen Vielheit bey Prediger Be- ruffung Recht 139 . n. 9 . deren Freyheit 140 . n. 12 Mitschuldigen Bekaͤntniß ist andern nicht nachtheilig 39 . n. 30 Mitwisser Pflicht Raͤuber zu nennen 641 . n. 18 Monti rung der Soldaten soll ohne Pracht geschehen 701 . n. 32 Moratorii oder Anstands Brieffe Recht wegen Schulden 371 . n. Moͤrder/ ob aus andern Gerichten zu re- mittir en 4 . n. 1 Mord-Acht oder Banns Gerechtigkeit 83 . n. 5 Mordbrenner wie gebuͤhrend zu straffen 700 . n. 30 . 652 . n. 11 Mord-Freyheit eines Benoͤthigten 618 . n. 27 Mordgeding oder erkaufften Todtschlags Strafe 600 . n. 33 Moͤrdlich ertoͤdteten Nachforschungs Art 3 . n. 4 Mordsachen/ darinn soll summarischer Proceß angestellet werden 31 . n. 26 Mordstraffen wie nach begangener That einzurichten 600 . n. 34 Mordthaten/ wie wegen derselben die Zeugen zu fragen 60 . n. 44 . deren Ver- doppelungs Strafe 591 . n. 13 . deren Mithelffer/ Befehl und Rathgeber wie zu straffen 657 . n. 27 Morgengabe vor welchem Gericht mag wiedergefodert werden 14 . n. 7 . deren Erstattungs Recht 337 . n. 32 Morgen-Gebet eines Soldaten 717 . n. 1 Moscoviter wie Ehebruch straffen 622 n. 6 Mousqueten und Lunten Kriegs Exerci- ti en 753 Muͤhlen sind auch Zehenden zu geben ver- bunden 202 . n. 20 . ob Privat-Leute er- J i i i i bauen Anderes Register/ bauen duͤrffen 230 . n. 20 . deren Berau- bung wie zu straffen 635 . n. 7 Muͤhlen-Ordnung in Heßischẽ Landen 566 Muͤhlen-Wasser Gerechtigkeiten 679 n. 1 . seqq . Muͤnche sind von Entrichtung des Zehen- den nicht frey 202 . n. 21 . wovon Zehen- den zu geben nicht verbunden 219 . n. 29 Muͤndlinge/ vor deren Nahr- und Unter- haltung wie Vormuͤnder zu sorgen 303 . n. 34 . deren Guͤter wie nicht zu veräu- sern 296 . n. 16 . wie vor deren Guͤter die Vormuͤnder zu stehen verbunden 291 . n. 3 wie dieselben die Vormuͤnder nicht hey- rathen koͤnnen 297 . n. 21 . deren Defension Recht 84 . n. 7 Muͤntze Werth wie bey Geld-Leihungen zu beobachten 369 . n. 7 . wie in gangbarer Bezahlung zu verrichten 503 . n. 3 Muͤntz-Verbrechen wodurch erwiesen wer- de 37 . n. 20 Muͤntz-Verfaͤlscher Strafe 650 . n. 4 Muͤntz-Zehenden wie zu entrichtẽ 204 . n. 25 Music wie beschaffen seyn solle bey Gottes- diensten 217 . n. 20 Muͤssiggaͤnger und Faullentzer wie zu stra- fen 265 . n. 17 Musterung der Soldaten wie darinn be- gangene Falschheit zu strafen 705 . n. 41 Muthmassungen wenn vor Gericht Be- weiß geben 40 . n. 31 Mutter wenn ihrer Kinder Vormund seyn koͤnne 295 n. 13 . ob derselben durch Te- stament die Legitima genommen wer- den koͤnne 445 . n. 14 . in deren Guͤter wie der Stief-Vater die Leibzucht habe 467 . n. 10 . wie ihren Kindern Vormuͤnder setzen lassen solle 459 . n. 2 . wie derselben die Verwaltung der Guͤ- ter zu uͤberlassen 459 . n. 5 . derer Theil in erworbenen Guͤtern 460 . n. 7 . wie mit den Kindern theilen solle wegen an- dern Ehestandes 461 . n. 8 . deren Pflicht Guͤter in dritte Ehe zu bringen 463 . n. 14 Mutter- und Filial -Kirchen Unterscheid 211 . n. 2 Muttersprache wie bey Gottesdiensten zu behalten 150 . n. 9 N. Nachbarn Saͤule und Wanddienst Recht 252 . n. 19 Nachfolger in Pfarr-Guͤtern Pfand-Recht 201 . n. 18 Nachforschung wie ein Richter in Haupt- Verbrechen anstellen muͤsse 3 . n. 4 . der- selben guͤltige Anzeigen 87 . n. 16 Nachjage-Proceß wie wider fluͤchtige Ubelthaͤter anzustellen 640 . n. 16 Nachlaͤßigkeit entschuldiget nicht in Ge- richten 65 . n. 8 Nachrichter-Amt bey Gerichts-Hegung 63 . n. 1 Nachruhm eines Verstorbenen welcher der beste 177 . n 40 Nachspuhr und Geruͤcht giebt Argwohn 3 . n. 4 Nachsteuer und Abzugs-Geld wenn zu ent- richten 324 . n. 39 . woher seinen Ursprung habe 263 . n. 14 Nachtdiebe ob und wie zu erschlagen ver- goͤnnt 595 . n. 22 Nachtfraͤulein oder Alpgespenst/ ob Ver- loͤbniß damit guͤltig 271 . n. 7 Nachtmahl/ vid. Abendmahl. Nacht- und Traum-Laͤuffer wie wegen Ver- brechen und Mord zu straffen 390 . n. 16 Naͤher-Kauff haben neue Pfarrer an den Pfarr-Einkommen und Geraͤthen 198 . n. 9 . stehet Blutsverwandten an Kirch- Stuͤhlen zu 208 . n. 35 . seq . dessen Recht wer verlustig sey 3 4 6 . n. 21 . 501 . n. 24 . wornach darinn man sich zu richten ha- be 493 . n. 1 . wie darauff Beamten Acht zu geben 499 . n. 17 . wenn darum soll ge- sprochen werden 499 . n. 18 . gilt allein in unbeweglichen Guͤtern 498 . n. 14 Nahrung der Muͤndling wie Vormuͤndern obliege 303 . n. 34 . dem Verstorbenen ge- geben macht keine Erbschafft 319 . n. 25 . Vermaͤchtniß was unter sich begreife 332 . n. 16 Narben und Wunden Schaͤtzung bey be- schaͤdigten Maͤgdlein 589 . n. 7 Nation derer vornehmsten Sachen. Nation der Teutschen Recht wegen Fahn- Lehn 135 . n. 59 Neben-Heyraths Kinder Recht bey hohen Personen 224 . n. 3 Nestelknuͤpffen bey Hochzeiten wie zu stra- fen 603 . n. 41 Neuen Baues Gerechtigkeiten 253 . n. 25 Neuen Besitzer Recht eines Guts 205 . n. 27 Neuen Bruch-Ackers Zehenden Recht 203 . n. 22 Neue Lehn was eigentlich seyn 122 . n. 5 . koͤn- nen auf Kinder/ nicht Anverwandte fal- len 127 . n. 27 Neue Muͤhlen wer erbauen lassen koͤnne 230 . n. 20 . 679 . n. 1 Neuen Wercks oder Gebaͤues Wieder- sprache Recht zum abwerffen 254 . n. 26 Niederlage/ Kauffmanns Recht 340 . n. 3 Nimrods Schwerdt Recht 165 . n. 1 Nonnen Schwaͤngerung Strafe 629 . n. 28 Notari en/ derselben Krafft 34 . n. 6 . wie bey Annehmung ihrer Sachen Eyd abstat- ten muͤssen 68 . n. 19 . ob Vorzug in Be- zahlung vor andern Glaͤubigern haben 74 . n. 35 . wie Haupt-Vollmachten und Copien einzurichten 78 . n. 45 . derselben Pflicht in Donations- Faͤllen 451 . n. 5 . wie Testamente beschliessen sollen 438 . n. 9 . was bey Testamenten zu verrichten haben 437 . n. 6 . wie appellir en koͤnnen 101 . n. 10 Noth-Tauffe koͤnnen auch weltliche Perso- nen verrichten 154 . n. 19 . ist bey Refor- mirt en streitig ibid . Noth-Wehre rechtliche Maasse/ Ursachen Ablehnung und Uberschritt 613 . n. 17 . 618 . n. 27 . deren Beweiß wem obliege 15 . n. 12 . derer Stadt- oder Gerichts- Diener 16 . n. 4 Nothwercke koͤnnen auch an Feyertagen Gerichts anhaͤngig gemacht werden 21 . n. 22 . wie an Sonntaͤgen vergoͤnnt 577 . n. 25 Noth-Zuͤchtigung gehoͤret vor das peinli- che Gericht 8 . n. 16 . wie gebuͤhrend zu bestraffen 625 . n. 15 Nutzungs-Fruͤchte wem gebuͤhren von Lehn-Guͤtern nach Lehnmanns Tode 129 . n. 33 O. Ober- Commandeur s Respect im Kriege 697 . n. 24 Ober-Gericht/ dem soll wegen Nichtigkeit eines Urtheils Erkaͤntniß auffgetragen werden 104 . n. 21 Ober-Herrn Verordnungs Recht wegen Streit des Juris Patronatus 139 . n. 9 . de- ren Regierungs Macht 2 . n. 1 Oberherrschafftliche Vorrechte was seyn 1 . seq . Ober-Hofgericht/ wer dafuͤr stehen muͤsse 18 . n. 9 Ober-Landes-Herren Vorbehalt Recht wegen des Juris Patronatus 138 . n. 4 Ober- Regali en sind von allen Zehenden frey 204 . n. 25 was darzu gehoͤre 230 . n 18 Oberrichter/ desselben Gerichtsstand 18 . n. 9 . was fuͤrnehmlich bey seinem Amt ihm obliege 24 . n. 8 . wenn in Lehnstreit zu suchen 134 . n. 55 Obligation, deren Verfaͤlschung wie zu straffen 377 n 30 Obrigkeit/ deren Macht wegen Edelleute Verbrechen 5 . n. 11 . wie fluͤchtiger Ubel- thaͤter Guͤter zu ihrem Nutzen nicht an- wenden koͤnne 16 . n. 2 . deren Widersetz- lichkeit Strafe 16 . n. 4 . pfleget Revers bey Remission der Ubelthaͤter abzustat- ten 19 . n. 14 . wenn nicht zu belangen 48 . n. 58 . wider dieselbe ob Unterthanen zeugen koͤnnen 53 . n. 17 . verlieret ihr Recht nicht in Ubelthaten durch privat Gedinge 97 . n. 50 . deren rechtl. Zwangs- Mittel 110 . n. 46 . Schutz und Schirm Recht 138 . n. 5 . hat gꝛosse Verantwortung bey Versaͤumung ihrer Pflicht 176 . n. 36 . derselben sollen Priester nicht vorgehen 179 . n. 2 . wie mit Straff-Predigten zu verschonen 214 n. 14 . wie Schulen zu er- oͤffnen und Schuldiener zu bestellen ver- bunden sey 218 . n. 24 . soll alle Druck- Materien censir en 221 . n. 7 . wie auff der J i i i i 2 Kauff- Anderes Register/ Kauffleute Maaß und Gewicht zu ach- ten 244 . n. 12 . wie denen im Testament ausgeschlossenen Kindern beystehen sol- len 335 . n. 26 . deren Befehls Verletzer wie zu straffen 652 . n. 9 . was vor Recht haben wegen Geldbussen 642 . n. 23 . was deren Pflicht bey vielen Vormuͤndern 301 . n. 31 . wie den Priestern den Zehen- den anweisen solle 203 . n. 22 . wie dem Muͤßiggang steuren solle 265 . n. 17 . deren Pflicht bey Erben und Eheleuten 327 . n. 47 . derselben Nutz gehet allen Credito- ribus in Schulden fuͤr 373 . n. 18 . wenn Gerichts-Unkosten Beklagten Ubelthaͤ- tern vorzuschiessen 601 . n. 36 . wie dem Predig-Amt huͤlfliche Hand leisten solle 215 . n. 14 . soll ihrer Gewalt nicht miß- brauchen 580 . n. 5 Obristen oder Officiers Kriegs-Gebet 719 . n. 4 Obst-D i ebstahl aus Gaͤrten wie zu strafen 647 . n. 35 Ofen muß auch zur Dienstbarkeit andern vergoͤnnt werden 251 . n. 18 Officirer im Kriege wie sich gebuͤhrend auffzufuͤhren 693 . n. 15 Ohr-Bede/ Beth oder Liebe-Geld haben Geistliche Macht zu fodern 189 . n. 30 Onans/ Suͤnde und Laster Strafe 629 . n. 28 Opffer-Pfennige der Communicant en ge- hoͤren Pfarrern 188 . n. 29 Organisten sollen keine aͤrgerliche Lieder spielen bey dem Gottesdienst 217 . n. 20 Original- Brieffe geben in Gerichten voͤlli- gen Beweiß 34 . n. 8 . seq. deren Verlust wie zu erweisen 34 . n. 11 . wie nach den- selben die Copeyen zu richten 415 . n. 17 Orts Gewohnheits Brauch Recht bey Prediger Præsenti rung 140 . n. 13 P. Pabst ob das Haupt der Kirchen und der weltlichen Regenten 137 . n. 2 . ob durch Herolde Krieg ankuͤndigeu lassen koͤnne 135 . n. 30 Papiermacher Tax-Ordnung 563 . n. 10 Partheyen/ deren Unfleiß hindert keines Richters Fleiß 105 . n. 24 . sollen zu Be- sichtigungen citir t werden 116 . n. 7 . wie bey Graͤntzscheidungen richtigen Abriß einzuliefern 116 . n. 8 . wie Termine zu be- suchen verpflichtet 412 . n. 6 . wie Beweiß abzustatten 401 . n. 6 . wie von neuen zu citir en 16 . n. 3 . gutwillig erscheinenden Recht 21 . n. 22 . deren Strafe/ wenn den Verdacht des Richters nicht erweisen kan 27 . n. 15 Passagier zu Schiffe Buͤndlein Schaͤtzung bey Auswurff 383 . n. 11 Paß-Briefe Recht 135 . n. 1 Pasquill en/ deren Anzeige Verdacht 37 . n. 20 . soll niemand zu drucken sich unter- stehen 221 . n. 6 . wie deren Urheber zu bestraffen 663 . n. 14 Pastor ob den Rang uͤber regierende Buͤr- germeister habe 179 . n. 1 Paten/ vid. Gevattern. Paten-Geschenck dafuͤr sind des Vaters Guͤter verpfaͤndet 155 . n. 22 Patronatus Jus, vid. Jus. Patronen/ deren Freyheit wegen Eydes Abstattung 44 . n. 44 . Recht bey Pfar- rer Præsenti rung 138 . n. 5 . deren Unei- nigkeit wegen Stim̃en wie zu schlichten 139 . n. 9 . 140 . n. 14 . schrifftlichen Vor- schlags auch Vorgangs Recht 140 . n. 12 . Recht so abwesend 141 . n. 16 . was vor Nutzen haben von Kirchen 144 . n. 26 . deren Pflicht bey Kirch-Rechnungen 144 . n. 27 . wie Betrug raͤchen moͤge 144 . n. 28 . wenn sich ihres Rechts verlustig machen 145 . n. 29 . wen zum Beichtva- ter erwehlen sollen 156 . n. 28 . wie zu Kir- chen und Pfarr-Gebaͤuden etwas zu ge- ben schuldig 195 . n. 3 in deren Guͤtern was die Kirche wegen Schulden vor Recht habe 206 . n. 31 . haben nicht Macht Pfarrhaͤuser zu veraͤusern 206 . n. 32 . ha- ben Recht Schuldiener zu erwehlen 217 . n. 23 . deren Recht gegen Freygelassene 262 . n. 8 Pedell en oder Gerichts-Boten wie Be- klagte citir en sollen 16 . n. 4 Pein- derer vornehmsten Sachen. Peinbanck/ deren rechtl. Ursachen 686 . n. 13 Peinigung unschuldig auffgelegte giebt Klage-Recht 92 . n. 28 Peinliche Aussage wenn guͤltig und wahr- hafft 677 . n. 14 Peinliche Frage folgt aus Zeugen Aussage 51 . n. 7 . wie anzustellen 52 . n. 10 . 676 . n. 13 . vor derselben sollen zweyer Zeugen Aussage hergehen 59 . n. 43 . ob darzu aus Anzeig-Vermuthung und Verdacht zu verurtheilen 109 . n. 42 . deren genug- same Anzeigen 587 . n. 2 . wenn rechtlich vorzunehmen 664 . n. 18 . wenn mag wie- derholet werden 668 . n. 26 Peinlich Beklagten sind Fuͤrsprecher ver- boten 79 . n. 48 . wie gefangen zu setzen 16 . n. 3 . deren Freunden was zukomme zu verrichten 588 . n. 5 . deren Aussage und Bekaͤntniß wie nachzuforschen 673 . n. 8 . wie der Ubelthat zu uͤberzeugen 674 . n. 10 . 685 . n. 10 . 686 . n. 13 Peinlich Gericht wie gebuͤhrend zu bestel- len 65 . n. 7 . dessen Processes Form 671 . n. 1 . dessen Kosten wer abtragen muͤsse 673 . n. 6 Peinliche Gerichtshaltung wenn sich uͤber- tragen laͤßt 65 . n. 8 Peinlich Halß- und Blut-Gericht kan kei- nem Gevollmaͤchtigten uͤbergeben wer- den 66 . n. 9 . wem solche zugehoͤren 3 . n. 5 . wie darinn rechtlich soll procedir t wer- den 671 . n. 1 . Peinliche Inquisition wegen Ubelthaten ob rechtlich zugelassen 678 . n. 1 Peinliche Klage was verursache 5 . n. 10 Peinliche Nachfrage Recht wegen Bekaͤnt- niß Gewißheit 666 . n. 24 Peinlicher Proceß wie lange waͤhren soll 23 . n. 7 . wie darinn Zeugen zu verhoͤren 52 . n. 7 . worinn zu verstatten 672 . n. 5 Peinliche Rechtfertigung wie vorzuneh- men 159 . n. 37 Peinliche Richter was fuͤr Strafen auff- zulegen haben 6 . n. 10 . wie behutsam sich in Urtheil zu verhalten 51 . n. 7 . wie Verhoͤr anzustellen 681 . n. 7 . wenn Strafe lindern koͤnnen 682 . n. 7 Peinliche Strafe wenn zu lindern 81 . n. 55 . was zu nennen 116 . n. 9 . kan von geistli- chem Consistorio nicht zuerkant werden 183 n. 13 . wenn und wie der Richter zu- erkennen solle 675 . n. 11 Peinliche Ubelthaͤter wie sicher zu verwah- ren 677 . n. 15 . wie zu verfolgeu 678 . n. 2 Peinlicher Verbrechen Gericht und Be- weißthum 10 . n. 23 Peinlichen Urthels Raths-Erhohlungs Recht 676 . n. 12 Perdons der Ubelthaͤter gerechte Ursache 390 . n. 14 . seq. Persianer wie Ehebruch bestraffen 622 . n. 6 wie mit Zauberern procedir en 576 . n. 22 Persoͤnliche Dienste duͤrffen Geistliche nicht leisten 189 . n. 31 . \& 190 . n. 33 . wer davon befreyet 238 . n. 39 Persoͤnlicher Gerichts-Sachen Urthels Frist 107 . n. 30 Persoͤnlich Lehn was eigentlich sey 121 . n. 2 Pestzeiten geben Gerichts Stillstand 11 . n. 1 . wie darinn Pfarrer sich zu verhal- ten 182 . n. 12 . 194 . n. 46 . wie darinn Vermächtnisse und Testamente aufszu- richten 333 . n. 21 Pfahlbuͤrger was zu nennen 240 . n. 1 Pfand giebt Versicherung wegen Streits Unkosten vom Beklagten 102 . n. 14 . durch Execution abgenommenes wenn zu ver- kauffen 107 . n. 31 . dessen Recht/ wenn an zweene verschrieben 522 . n. 14 . dieser wegen haben Armen und Kirchen Vor- zug 167 . n. 8 . wenn einzuloͤsen 359 . n. 29 . gehet fuͤr persoͤnliche Klage 576 . n. 26 . worinn verboten oder verschwindet 358 . n. 27 . mag nicht verjaͤhret werden 356 . n. 19 . nutzbarer Guͤter und Schul- den Recht 519 . n. 10 Pfandgeding uñ Briefe Recht 356 . n. 20 . sq. Pfandguͤter Verschreibung Vorzug bey Einnahm- Execution 111 . n. 47 . koͤnnen nicht wieder verpfaͤndet weꝛden 521 . n. 14 . deren Besitz-Recht 352 . n. 5 . deren Scha- den wer tragen solle 522 . n. 16 J i i i i 3 Pfand Anderes Register/ Pfand-Nutzungs Jnnhaber Recht im Streit wegen Eigenthum 17 . n. 5 Pfaͤndungs Fehden oder Repressali en was seyn und deren Gerechtigkeit 233 . n. 25 Pfarrer wie auff einen jeden seiner Pfarr- Kinder Acht zu haben 148 . n. 6 . muͤssen auch vor der Armen Seelen sorgen 150 . n. 10 . was fuͤr Qvalitaͤten und Tugen- den an sich haben sollen 165 . n. 1 . 182 . n. 1 . wie vor Hauß-Arme sorgen sollen 165 . n. 2 . soll Trunck/ Spiel und Streit mei- den 182 . n. 10 . wie weltlichen Gerichts Standes befreyet 182 . n. 11 . wie sich in Pestzeiten zu verhalten 182 . n. 12 . 194 . n. 46 . vom Amt suspendirt e sollen Lebens- Unterhalt bekommen 184 . n. 15 . dessen sonderliche Verbrechen wie zu straffen 184 . n. 18 . sollen nicht Miethlinge seyn 185 . n. 20 . wie an Patronen Reverse zu geben wegen Besoldungen ibid. sollen mit Ackerbau nicht allzuviel beschweret werden 187 . n. 27 . wie wegen wuͤsten Bauer-Aecker zu befriedigen 188 . n. 28 . deren Einkuͤnffte wenn verbessert wer- den 188 . n. 29 . was fuͤr Freyheit genies- sen 189 . n. 31 . seq. wenn ohne Erben ver- stirbt/ auf wen sein Gut verfaͤlle 190 . n. 35 . deren Todesfaͤlle wie zu rechnen 193 . n. 41 . kan Gnadenjahrs Einkuͤnffte im Testament nicht vermachen 194 . n. 45 deren Erben duͤrffen keine Abzugs Gel- der geben 194 . n. 47 . wie die Pfarrwoh- nung in acht zu nehmen 197 . n. 7 . wie des Pfarr-Hauses Geraͤthe wieder zu erstatten 197 . n. 8 . was demselben ver- macht/ gehoͤret an die Kirche 199 . n. 11 . wenn etwas aus Testamenten veꝛlangen koͤnne 200 . n. 15 . wie Zehenden einneh- men solle 205 . n. 27 . wenn sein Amt ab- treten koͤnne 215 . n. 16 . sollen fleißig vor Gotteslaͤsterung warnen 570 . n. 9 . de- ren Pflicht bey Krancken Testamenten 442 . n. 6 Pfarr-Dienst wie bey annoch lebenden Predigern zu besetzen 140 . n. 11 . wer dar- zu nicht zu lassen sey 182 . n. 12 . seq. wer dessen zu berauben und zu entsetzen 184 . n. 15 Pfarr-Hauß wie auff Doͤrffern zu erhalten 196 . n. 4 . kan der Priester nicht vermie- then 197 . n. 7 . dessen Geraͤthe soll inven- tir t werden 197 . n. 8 . duͤrffen die Patro- nen nicht veraͤusern 206 . n. 32 Pfarr-Hufen/ damit hat ein Priester zu verfahren nach Gefallen 187 . n. 27 Pfarr-Kinder/ warum denselben Probe- Predigt zu verlangen gestattet 142 . n. 20 soll ein Prediger so wohl insgemein alle als auch insonderheit einen jeden ken- nen 148 . n. 6 . Fremde soll ein Prediger nicht absolvir en 168 . n. 8 . sind verbun- den Beysteuer zu geben vor abgelebte Kirchen und Schuldiener 190 . n. 34 . sind verbunden zu Kirchenbau etwas zu ge- ben 195 . n. 1 Pfarr-Mantels Ablegung ist Amts Ver- lusts Wahrzeichen 184 . n. 16 Pfarr-Satz-Lehn Præsenti rungs Zeitraum 140 . n. 13 Pfarr-Wittwen und Waͤysen Allmosen Recht 166 . n. 4 Pferde Futter und Fuhrkosten Recht bey Visitation en 214 . n. 11 . Kauff wenn nich- tig wird und ruͤckgaͤngig 349 . n. 29 . Ader- lassen auff S. Stephans Tag ist Aber- glauben 569 . n. 6 Pflug Kehr- und Wendungs Recht 118 . n. 15 Pfoͤrtner Pflicht wegen Garten-Plancken abbrechen 525 . seq. Pharisaͤische Heucheley was zu nennen 7 . n. 15 Pillgrimm sind frey von Repressali en 233 . n. 27 . Haͤuser Recht 219 . n. 28 Piquen Exercices Commandements 748 . beym Gewehr 751 Pittschafft und Siegel geben kraͤfftigen Beweiß 36 . n. 16 Post-Boten Recht wegen anvertrauten Geldes 366 . n. 20 Post-Geld/ wie darinn gehoͤriger Tax zu beobachten 235 . n. 32 Post- derer vornehmsten Sachen. Posthaltungs Recht gehoͤret dem Landes- Herrn 235 . n. 31 Pracht und Gepraͤnge soll man bey Kin- der-Tauffen nicht treiben 152 . n. 14 . ist bey Kirch-Fuͤrbitten verboten 164 . n. 52 Præcedenz ob Priester vor Obrigkeiten haben 179 . n. 1 . seq. Præceptores wer am Kaͤyserlichen Hofe halten duͤrffe 135 . n. 1 Præjudiz Hinderniß bey Lehn-Empfang 123 . n. 8 Præsenti rung eines Pfarrers wem zukom- me 138 . n. 4 . wodurch verjaͤhret werde 138 . n. 6 . zweyer gleich geschickter Per- sonen Recht 140 . n. 14 Præsentirt er Personen Vorzug Recht 141 . n. 15 . wenn einzufuͤhren seyn 144 . n. 25 Præsident en/ derselben vornehmste Amts- Pflichten 24 . n. 8 Pranger und Halß-Eysen-Strafe soll wi- der Flucher gebraucht werden 215 . n. 15 Prediger wer am kaͤyserlichen Hofe halten duͤrffe 135 . n. 1 . derer Pflicht auff der Cantzel 146 . n. 1 . wie Straff-Predigten einzurichten 214 . n. 14 . wie dem Fluchen und Schweren steuren soll 215 . n. 15 Predigten Widersprecher wie zu straffen 145 . n. 30 . wer nicht anordnen noch ver- bieten koͤnne 145 . n. 31 . wenn Studenten verrichtẽ moͤgen 145 . n. 32 . darinn sollman sich alles Disputir ens enthalten 147 . n. 4 Predigtstuhl/ vid Cantzel. Predigt-Amt/ wie demselben das weltliche Gerichte Hand zu bieten habe 215 n. 14 Preiß-Schiffe Recht Beute halben 713 . n. 19 Priester koͤnnen in weltlichen Sachen nicht Richter seyn 26 n. 13 . sollen Heerde Bey- spiel seyn 137 . n. 1 . wer erwehlen moͤge 137 . n. 3 wer beruffen koͤnne 138 . n. 6 . ob vom Bischoff ohne Patroni wissen einzu- setzen 139 . n. 7 . was vor Personen dazu vorgeschlagen werden sollen 139 . n. 10 . sollen mit Kirchkinder Willen eingesetzet werden 141 . n. 15 . wie zu beruffen 142 . n. 19 . wenn und wie offt Studenten moͤgen predigẽ lassen 145 . n. 32 . wie eingeweyhet und zum Amt eingewiesen werden 146 . n. 33 . sollen im predigen hertzhaffte Maͤnner seyn 147 . n. 3 . sollen keinen Auffstand gegen die Obrigkeit erregen ibid. wie ihr Gewissen zu bewahren ibid. wie auff alle und jede Pfarr- Kinder Achtung zu geben haben 148 . n. 6 wie Verbrechen in specie auff Cantzeln zu straffen 149 . n. 8 . deren Verant- wortung und Versaͤumniß Gefahr 151 . n. 11 . uͤber nachlaͤßige wie die Verdam̃- ten wehklagen 151 . n. 12 . wie beichten und communicir en sollen 156 . n. 28 . wie die Beicht-Kinder absolvir en sollen 157 . n. 31 . sollen Beicht-Kinder nicht aus- forschen 158 . n. 33 . wenn Beicht-Be- kaͤntniß verschweigen sollen 158 . n. 34 . sollen fremde Pfarr-Kinder ohne Ursach nicht absolvir en 160 . n. 40 . wie Krancke besuchen sollen 167 n. 9 . sollen Acht ge- ben auff die Versorgung der Hospitahl- Armen 168 . n. 10 . wie Haußbesuchun- gen anzustellen 169 . n. 13 . wie bey Co- pulation verlobter Personen sich zu ver- halten 170 . n. 15 sollen gottlose Suͤnder vermahnen 175 . n. 34 . wie in Abstattung der Leich-Predigten ihre Pflicht zu be- obachten 177 . n. 39 . wie mit offenbaren Suͤndern zu verfahren 178 . n. 41 . was vor Tugenden sich vornehmlich zu be- fleißigen 180 . n. 4 . denselben ist Waffen Brauch verboten 180 . n. 5 . derer Wei- ber/ Kinder und Gesinde wie sich auff- zufuͤhren 180 . n. 6 . sollen mit ihrem Lohn sich begnuͤgen lassen 181 n. 7 . denselben ist Geitz/ Wucher und Handel verboten 181 . n. 8 . in weltlicher Kleidung wie zu tractir en 181 . n. 9 . welche mit Gefaͤng- niß zu bestraffen 183 . n. 14 . wenn ihrer Dienste beraubet und entsetzet werden 183 . n. 14 . seqq. vid. \& Pfarrer/ item Geistliche. Priesteramts gebuͤhrende Pflichten 181 . n. 9 Priester Einkuͤnffte/ vid. Einkuͤnffte. Priester-Rang ob vor Buͤrgermeister sey 179 . n. 1 . vor Obrigkeiten ist aus goͤtt- lichen Anderes Register/ lichen Rechten unerweißlich 179 . n. 2 . bey Hochzeiten ist ohne Præjudiz 180 . n. 3 Priester-Einsegnungs Recht 169 . n. 15 Priester-Toͤchter wenn den Candidatis Mi- nisterii anzubieten 142 . n. 19 Priester-Wittwen wenn den Candidatis Ministerii anzubieten 142 . n. 19 . wie ge- gen die/ so ihres verstorbenen Mannes Stelle vertreten/ sich zu verhalten 144 . n. 25 . sollen von Allmosen unterhalten werden 166 . n. 4 . haben ein gantz oder halb Gnaden-Jahr Freyheit 191 . n. 37 . sollen vor Bestellung des Kirchen-Amts waͤhrenden Gnaden-Jahrs sorgen 192 . n. 38 . sind nicht verbunden Abzugs Gel- der zu geben 194 . n. 47 . Principal en Recht zu Schiffe 382 . n. 8 . wie dieselben nebst Consort en von Procura- toribus zu nennen 412 . n. 7 Principal/ in dessen Seele wenn vergoͤnnt sey zu schweren 32 . n. 3 Printzessin Heimsteuer ob zur gemeinen Erbtheilung wieder zu bringen 227 . n. 11 . wie denen Unterthanen abzutragen aufferlegt werden solle 236 . n. 34 . Privat Affect en sind auff Cantzeln verbo- ten 149 . n. 8 Privat Geding nim̃t der Obrigkeit Macht nicht uͤber Ubelthaͤter 97 . n. 50 Privat- Guͤter der Geistlichen sind von Li- cent en nicht befreyet 189 . n. 32 Privat- Haͤndel wenn und wie guͤltig zu ver- gleichen 98 . n. 52 Privat- Personen koͤnnen Amts-Gebuͤhren nicht steigern 186 . n. 23 Privat- Schrifften wenn kraͤfftig sind vor Gerichten zum Beweiß 34 . n. 7 . 35 . n. 14 Privilegium Kaͤyserliches wegen Unguͤltig- keit der Appellation von den Fuͤrsten zu Hessen 426 . seqq. Privilegirt em Ordẽ was schimpflich 7 . n. 14 Probe-Predigt sollen beruffene Prediger ablegen 142 . n. 19 . wenn nichtig und zu wiederholen 142 . n. 21 Proceß wie vom Richter gefuͤhret werden solle 3 . n. 4 . ist wieder Begnadigte aufs neue nicht vorzunehmen 5 . n. 8 . durch was Mittel zu verkuͤrtzen 15 . n. 13 . sollen an Feyertagen eingestellt werden 11 . n. 1 . seq . wie lange waͤhren solle 23 . n. 7 . soll in Raub und Mordsachen summarisch seyn 71 . n. 26 . wodurch befoͤrdert wer- de 102 . n. 12 . ein rechtlicher wie foͤrmlich zu fuͤhren 400 . n. 4 . der Unmuͤndigen wie beschleuniget werden sollen 294 . n. 12 Processes Endigungs Recht in Gegenkla- ge 9 . n. 22 Nichtigkeit Verfolg 111 . n. 48 . 113 . n. 56 . Verlaͤngerung ist straffbar 30 . n. 27 . seqq. Ungeschickligkeit Vorwurff wie zu meiden 2 . n. 4 Proceß-Ordnung des Kirchenbanns 173 . n. 30 . der Kirchen-Besuchung 212 . n. 4 . Proceß-Wechsel-Schrifften Recht wegen Zeugen-Verhoͤr 56 . n. 32 Procurator en ob in ihres Principals Seele schweren koͤnnen 32 . n. 3 . welche nicht seyn moͤgen 69 . n. 22 . soll Obrigkeit fuͤr Arme bestellen und besolden 71 . n. 25 . de- ren requisita und Amts-Pflicht 71 . n. 25 . deren Unfug durch exception en gestifftet wie zu straffen 71 . n. 26 . 409 . n. 7 . wenn ohne Vollmacht moͤgen gestattet werden 72 . n. 28 . wenn Erben benennen sollen 78 . n. 46 . wie Appellationes anzustellen 103 . n. 16 . ob wegen Lohns-Forderung andern Glaͤubigern vorzuziehen 74 n. 35 . sollen sich in ungerechte Sachen nicht mischen 402 . n. 2 . deren Pflicht wegen ungeschickten Klaglibels 413 . n. 9 . Recht an irrdischen Feyertagen 12 . n. 3 . Recht nach Kriegs Befestigung 15 . n. 13 . deren Bekaͤntniß wenn unguͤltig 39 . n. 30 Boß- und Falschheit wie zu bestraffen 69 . n. 21 . deren Gewalt und Vollmacht Recht 411 . n. 5 . seq. Recht beym Hofgericht 410 . n. 6 . deren Falsch- und Boßheit Strafe 416 . n. 18 . 69 . n. 21 . deren Eyd und Amt vor Gericht 69 . n. 21 . Gestaͤndniß wenn schaͤdlich 39 . n. 29 . Freyheit wegen Ex- ception 414 . n. 12 Professores moͤgen kein Advocat en Amt vertreten 75 . n. 36 . vor welchem Gericht moͤgen derer vornehmsten Sachen. moͤgen belangt werden 220 . n. 1 . erblose auff wen ihre Guͤter verfaͤllen 220 . n. 2 Profos und Gewaltiger soll wider Draͤu- ungen und Unrecht geschuͤtzt werden 707 . n. 2 Protest wegen Straffen Anbietung 98 . n. 53 . Recht bey Lehn-Empfang 123 . n. 8 Protocolle geben Beweiß in Gerichts Haͤndeln 33 . n. 3 . wie vom Gerichtshal- ter zu fuͤhren 67 . n. 13 . deren Copie soll niemand eroͤffnet werden 67 . n. 14 Provintz/ deren Graͤntzen darff niemand aͤndern 114 . n. 1 . deren Graͤntzen soll ein Richter nicht uͤberschreiten 24 . n. 8 Pruͤgel und Stockschlaͤge Straffe ob Sol- daten auffzuerlegen 704 . n. 39 R. Rachgier-Eyfer gegen Verbannete ist ver- boten 83 . n. 5 Rang-Ordnung derer Priester 179 n. 1 Rantzion derer Kriegs-Gefangenen wie geschehen solle 702 . n. 35 Raͤthe und hohe Bediente wo fuͤr Gericht stehen muͤssen 18 . n. 9 . auslaͤndische sol- len Landesherren nicht annehmen 228 . n. 13 . haben Macht Procurator en an und abzusetzen 419 . n. 27 Raths-Buͤcher/ vid. Stadt-Buͤcher. Rathschlag/ wie weit man dafuͤr pflichtig 79 . n. 50 Rauberey/ deren Anzeigen 638 . n. 12 . wie zu straffen 637 . n. 11 Raub-Guͤter oder gestohlene Sachen wie in Gerichten beygelegt zu verwahren 364 . n. 14 . wenn man abfolgen lassen solle 365 . n. 17 . wie von Kaͤuffern ohne Entgeld wieder zu fodern 494 . n. 2 Raubs-Klage/ wenn darinn Erstattung zu gewaͤhren 14 . n. 7 Raub- und Mord-Sachen summarischer Proceß 72 . n. 26 . Receß und Vortraͤge wie fern anzufuͤhren den Advocat en vergoͤnnet 70 . n. 24 deren Anfuͤhrung wenn geschehen soll 109 . n. 41 Receß und Gerichts-Buͤcher Recht 394 . n. 5 . 421 . n. 32 Rechnung/ vertragene und entschiedene macht alle Einwendung nichtig 377 . n. 30 Rechnungs Ablegung giebt gehoͤrigen Ge- richts Ort 13 . n. 5 Recht/ wegen dessen Verweigerung wo anzusuchen 101 . n. 11 . zweifelhafftes wie zu entscheiden 217 . n. 21 Rechts-Behelff wegen nicht ausgezahlten Geldes 378 . n. 32 Rechts Einwurff eines dritten wenn kraͤff- tig 12 . n. 4 Rechts-Handlung an Feyertagen ist ver- boten 11 . n. 1 Rechtshaͤngiger Streitsachen Kauffrecht 346 . n. 20 Rechts-Hegungs Verjaͤhrungs Zeit 9 . n. 20 . Rechts-Huͤlffe wenn noͤthig 24 . n. 8 . wo- hin zu verweisen 114 . n. 56 Rechts-Nothdurfft wenn fuͤrzubringen 97 . n. 48 Rechts-Schluͤssel sonderliche sollen ohne Nachfolge seyn 109 . n. 39 Rechts Streit soll niemand am Gebrauch heil. Nachtmahls hindern 160 . n. 38 Rechts-Versetzung in Gerichtsstand 7 . n. 14 Rechts-Widersetzligkeit wie zu straffen 17 . n. 4 Rechtfertigungs Verweigerung wie zu straffen 83 . n. 3 Rechtlicher Wohlthaten Verzichts Be- helff 68 . n. 20 Recognition Gelds Recht fuͤr Leihbrieffs Erneuerung 512 . n. 11 Rector der Kirchen/ wie demselben die Einkuͤnffte zu verlassen 206 . n. 2 Rectoris Macht auf Universitaͤten 6 . n. 12 Reformirt e sind Pabstes Feinde 222 . n. 11 Regalia Jura was sind 1 . n. 1 . \& 230 . n. 18 Regalien/ wie davon Zehenden zu entrich- ten 204 . n. 25 . Regal-Lehn was eigentlich sey 121 . n. 2 Regenten/ deren Beschaffenheit und Qua- litæt en 227 . n. 12 . was fuͤr Tugenden sich K k k k k befleis- Anderes Register/ befleißigen sollen 228 . n. 13 . deren Rechts Freyheit 1 . n. 1 Regen-Wasser-Rennen ob auff des Nach- bars Grund zu vergoͤnnen 251 . n. 16 Regierungs Macht wem zukoͤmmt 2 . n. 1 Register der Kauffleute wenn kraͤfftig zum Beweiß fuͤr Gericht 35 . n. 15 Reiche sind in Kirchensachen den Armen gleich zu achten 177 . n. 39 Reichs-Acht und Bann wem auffzuerlegen 82 . n. 2 Reichs-Satzungen wegen Briefe Postgeld 235 . n. 32 Reichs-Steuer Recht 236 . n. 34 Reinigungs Eyd wegen Ehebruchs Klage 289 . n. 62 Reise-Kosten vor Zeugen wer geben muͤsse 62 . n. 53 Reisenden soll ein Pfarrer die Absolution nicht versagen 160 . n. 40 . deren Frey- heit wegẽ Schiffguts Auswurff 384 . n. 12 Religion/ deren Ubungs Freyheit am kaͤy- serlichen Hoflager 135 . n. 1 . Ubung wenn nicht frey ohne Turbirung 136 . n. 2 . wer vor dieselbe sorgen solle 224 . n. 1 . unglei- cher Religion Eheleute wie gefaͤhrlich leben 281 . n. 34 . seq. Religions Einigkeit ist ohne Zwang-Mit- tel zu suchen 223 . n. 1 . Unterscheid wie zu erdulden ibid. Ubung wie zu vergoͤn- nen 229 . n. 17 Remission der Ubelthaͤter wenn und wie statt habe 4 . n. 1 . seqq. Remission-Revers unter benachbarten Landes-Herren gebraͤuchlich 4 . n. 4 Remissions Unkosten wer geben muͤsse ibid. Rencontre oder Duell/ wie erlaubet und verboten 608 . n. 2 . an Graͤntzen begau- gen wie zu straffen 609 . n. 5 Renthen wie viel von Kirchen-Guͤtern zu nehmen 200 . n. 16 . deren Einkuͤnffte wenn einzuziehen 375 . n. 24 Renthen und Zinßguͤter koͤnnen wegen Schulden nicht eingenommen werden 108 . n. 37 Replic und Schluß-Schrifften weñ noͤthig 416 . n. 19 . Repressali en wie ein Fuͤrst verstatten koͤn- ne 233 . n. 25 . wer davon befreyet 233 . n. 26 Resident en Freyheiten am kaͤyserlichen Hofe 135 . n. 1 . haben nicht Gesandten Freyheit 235 . n. 29 Residenz- Staͤdte geben keine Freyheiten wegen Ubelthaten 5 . n. 11 Resolutions- Befehl einer Obrigkeit wenn zur Vollziehung kraͤfftig 81 . n. 55 Responsiones auff Exceptiones in Gerich- ten wie beschaffen seyn sollen 414 . n. 13 Restaur Baukosten/ dazu gehoͤret der Pa- tronen u. Pfarr-Kinder Consens 213 . n. 8 Restitutions- Mittel koͤnnen vom Richter in Sachen Verzoͤgerung prætendir et werden 23 . n. 7 . wenn bey Appellatio- n en noͤthig 105 . n. 23 . dessen Recht wenn auff hoͤret 299 . n. 26 Retorsion Recht bey Schulden 376 . n. 25 . Gebrauch und Verjaͤhrungs Recht 662 . n. 13 Reue eines wahren Christen wie beschaf- fen seyn solle 161 . n. 48 Revers ist gebraͤuchlich bey Remission der Ubelthaͤter 19 . n. 14 . pflegen benachbar- te Landes-Herren zu extradir en 4 . n. 4 . soll wegen Befoͤrderung Danckbarkeit zu weisen nicht gegeben werden 142 . n. 20 . Recht wegen Erbzinß-Gut 510 . n. 2 Revision oder Ober- Appellation Gerichts Bestellung 422 . dessen Freyheit 426 . n. 13 Reu-Kauff wann guͤltig in Handlungen 348 . n. 26 . 340 . n. 3 . wie lange statt fin- de 347 . n. 24 Reuter-Zehrungs Anforderung verboten 699 . n. 28 Reyhnischer Guͤlden Wehrung wie zu ver- stehen 504 . n. 4 Richter wie bey Verbrechen verfahren sol- len 2 . n. 3 . wornach in ihren Urtheilen sich zu richten 2 . n. 4 . 28 . n. 20 . muß mit gefaͤnglicher Hafft verdaͤchtiger Ubel- thaͤter behutsam gehen 18 . n. 12 . sollen zwischen allen Streitenden guͤtlichen Vergleich suchen 22 . n. 2 . verdaͤchtiger wird verworffen 26 . n. 15 . wie sich wider Ver- derer vornehmsten Sachen. Verdacht schuͤtzen solle 22 . n. 3 . wenn verdächtig werden koͤnne 26 . n. 15 . be- stochener und partheylicher wie zu stra- fen 22 . n. 4 . wie sich gegen Arme/ Witt- wen und Waͤysen zu verhalten 23 . n. 5 . kan Ubelthaͤtern gesetzte Strafe nicht erlassen 23 . n. 6 . soll Streit-Sachen nicht verzoͤgern lassen 23 . n. 7 . wie ihre Urtheile abfassen sollen 24 . n. 9 . demsel- ben ist Geschenck anzunehmen verboten 25 . n. 9 . soll niemand in eigner Sache seyn 2 . n. 2 . wer in Inquisitions- Pro- cessen seyn koͤnne 3 . n. 1 . wenn zwey in einer Sache/ wer vorzuziehen 5 . n. 5 . sqq. wie sein Gewissen zu beobachten habe 25 . n. 10 . wie in der Sachen Zweifel zu verfahren 25 . n. 11 . wenn Gelindigkeit in Urtheilen ausuͤben koͤnne 25 . n. 11 . 29 . n. 22 . was fuͤr Qvalitaͤten und Tu- genden an sich haben muͤsse 25 . n. 12 . sqq. muͤssen in unterhandenen Sachen er- fahren seyn 26 . n. 12 . muͤssen gegen Be- klagte Vater Liebe tragen/ nicht Blut- duͤrstig seyn 27 . n. 17 . sollen vornehm- lich nach Gottesfurcht streben 27 . n. 18 . was fuͤr einen Eyd ablegen muͤssen 27 . n. 19 . wie ihre Hoheit Hand zu haben und gehorsam zu erzwingen 30 . n. 24 . wie bey Gerichtshegung sich zu verhal- ten 63 . n. 1 . wenn Advocat en-Amt nicht verwalten moͤgen 73 . n. 30 . was fuͤr Freyheiten geniessen 87 . n. 54 . wenn ih- res Urtheils Ursachen beyzufuͤgen ha- ben 96 . n. 45 . wenn Beyurtheile zu ver- bessern Macht haben 100 . n. 6 . koͤnnen Appellation- Zettul anzunehmen sich nicht weigern 101 . n. 10 . von welchen nicht zu appellir en 103 . n. 15 . wie Besitz- Einnahme und Einfuͤhrung anzustellen 106 . n. 29 . deren Gewissens Freyheit in Urtheilen 113 . n. 54 . deren Amts- huͤlffe wegen ungerechten Landmessung 117 . n. 11 . wer in Lehnstreit sey 133 . n. 53 . wer sey in Zinß-Guͤter Streit 246 . n. 1 . wie die Act en den Appellant en auszu- liefern 101 . n. 8 . wie Schmach erforschen und raͤchen moͤgen 81 . n. 55 . dessen Pflicht wegen Gerichtsbuͤcher und Personen 67 . n. 16 . wie auff Erbschafften Acht zu geben 314 . n. 16 . worauff bey Pfand- Verkauff zu sehen 357 . n. 23 Richter geistliche wenn weltliche Personen belangen koͤnnen 7 . n. 13 Richters Freyheit/ der in Urtheil zuvor kommt 5 . n. 8 Richters Gelindigkeit wenn straffbar 29 . n. 23 Richters Nachlaͤßigkeit wie zu straffen 101 . n. 8 . 398 . n. 3 . in peinlichen Sachen wie schaͤdlich 120 . n. 20 Richters Versehen in Zeugen-Verhoͤr wie gestrafft werde 57 . n. 35 Richter-Amt wer verwalten koͤnne oder nicht 25 . n. 12 . seqq. woraus zu erlernen 31 . n. 28 . seqq. dessen Schmaͤhung wie zu straffen 80 . n. 52 . bey Land-Guͤter Theilung 117 . n. 10 Ritter-Guͤter was genennt werden 122 . n. 3 Ritter-Lehn/ wer dessen unfaͤhig 486 . n. 5 Roßdienste Freyheit im Lehn 127 . n. 23 Rothweylisches Gericht/ wie davon die Heßischen Unterthanen befreyet 430 . sq. Rottirung und Meuterey unter Soldaten wie zu bestraffen 697 . n. 23 . deren Redels- fuͤhrer Entdeckung wie zu belohnen 710 . n. 9 Ruthen und Geisselungs Strafe ist Mein- eydigen auffzulegen 43 . n. 40 S. Saamen Verderbens Unkeuschheit Laster 630 . n. 28 Saat Unkosten Abzugs Recht 188 . n. 28 Sabbath/ vid. Sonntag. Sache in eigner soll niemand Richter seyn 2 . n. 2 Sachen und Guͤter Verthaͤdigungs Recht 618 . n. 26 . 619 . n. 29 . von welchen zu ap- pellir en vergoͤnnt 422 . n. 3 . deren Recht zur guͤtlichen Handlung 409 . n. 9 . in welchen Beamte nicht helffen koͤnnen 394 . n. 3 . welche zur Cantzley gehoͤrig 411 . n. 10 . welche im Consistorio zu schlichten 217 . n. 22 . K k k k k 2 Sa- Anderes Register/ Sachen Erkaͤntniß soll allezeit vor richter- lichem Schluß hergehen 2 . n. 3 Sachwalters eines Appellant ens Excepti- on und Defension Recht 415 . n. 15 Sacrament/ vid. Abendmahl. Salarium wenn Schuldienern nicht zu ent- ziehen 219 . n. 26 Saltzsiedereyen gehoͤren zu den Juribus Regalibus 2 . n. 1 Salvagvarde und Schutzbrieffe Recht 581 . n. 8 Salvation Schrifften anzufuͤhren wie fern Advocat en vergoͤnnt 70 . n. 24 . wenn und wie lange eingebracht werden koͤn- nen 401 . n. 8 Sand wie auff fremdem Gut zu graben vergoͤnnt 251 . n. 18 Satz und Gegensatz auch Sachen Beschluß Termin 401 . n. 9 Sauff-Gelache wie an Sonntaͤgen verbo- ten 577 . n. 26 Saͤugende sind von der Folter wegen Ubel- thaten frey 670 . n. 31 Scepter und Fahn-Lehn Recht 122 . n. 6 Schaden zukuͤnfftiger wie zu verhuͤten 253 . n. 24 . Schaͤdliches Gebaͤu wie zu verhindern 254 . n. 25 Schaͤfer Ubermuth Verbot/ Weyde hal- ben 525 . Verbrechens Strafe 526 Schalmey-Pfeiffer Unterhaltungs Recht im Kriege 701 . n. 32 Schamglieder zur Schmach an die Thuͤr mahlen wie zu straffen 563 . n. 16 Schand-Laster/ das niemand anzeigen darff 50 . n. 2 Schand-Gemaͤhlde zu drucken ist verbo- ten 221 . n. 6 Scharffrichter was demselben bey Selbst- mord zustehe 687 . n. 15 Scharffrichters Eydschwur in Gefange- nen Seele 88 . n. 18 . Schwerdtstraffe wer verdienet 88 . n. 19 . Freyheit an der Richtstatt 687 . n. 15 Schaͤtzung wenn verjaͤhret werden koͤnne 201 . n. 17 . derselben Eydes Krafft 47 . n. 54 . der Guͤter wegen Schiffbruch bey Auswurff 384 . n. 12 . gestohlener Sachen Recht 644 . n. 29 Schaͤtzung-Steuer Ursachen wie zu melden 238 . n. 38 Scheffel mit gestrichenem wird der Fꝛucht- Zehende gegeben 204 . n. 26 Scheide-Brieffs Recht/ so unrechtmaͤßig 286 . n. 52 Schiedmañs Ertoͤdtungs Strafe 590 . n. 10 Schiedrichters Urtheils Krafft 292 . n. 4 Schiffer/ derer Geraͤthe und Instrumente koͤnnen nicht ausgepfaͤndet werden 108 . n. 38 . wie vom Schiff-Herrn unterschie- den 381 . n. 6 . wie vor das Schiffgut ste- hen muͤssen 381 . n. 7 Schiffs-Arbeit Ordre wie nachzuleben 710 n. 11 Schiff-Bedienten Pflicht wegen Amts- Rechnungen 708 . n. 6 Schiffbruͤchigen Guts Recht 382 . n. 9 Schiff-Bruchs Gelegenheit Diebstahl Straffe 654 . n. 16 Schiff- Commandeurs und Directeurs Re- spect und Macht 707 . n. 3 Schiffs-Constabeler Pflicht 709 . n. 7 Schiff-Gefangenen darff niemand Speiß oder Tranck reichen 712 . n. 17 Schiff-Gewehrs Brauch und Mißbrauch Recht 714 . n. 21 Schiff-Herr wenn wegen Schiffguts mag verklagt werden 380 . n. 5 . seq. wie wegen derer Schiffs-Leute Verbrechen zu be- langen 381 . n. 6 Schiff-Koͤche/ Kellner und Boͤtteler Pflicht 713 . n. 17 Schiff-Leute Straffe/ wenn vom Schiff ab- gehen 708 . n. 5 . deren Pflicht zu fechten 712 . n. 16 Schiff-Matrosen und Officier wie zu stra- fen wegen Zanck aus Spielen 711 . n. 13 Schiff-Qvartiermeister wie auff das Pro- viant Achtung zu geben 710 . n. 10 Schiffs-Verwundeten Heilungs Recht 712 . n. 16 Schiff- Victuali en wie zu verwahre 708 . n. 5 . deren derer vornehmsten Sachen. n. 5 . deren Verschwendung wie zu stra- fen 713 . n. 17 Schiff-Zimmerleute und Mast-Klimmers Pflicht 709 n. 7 Schild und Wappen Recht in Lehnguͤtern 128 . n. 29 . Schildwacht Verlaß- oder Verschlaffung wie zu strafen 698 . n. 25 . was fuͤr Recht und Freyheit habe 699 . n. 27 Schimpffliche Begraͤbniß wem gebuͤhre 175 . n. 34 Schlacht-Vieh/ dessen Maͤngel wie im Kauffhandel zu melden 349 . n. 29 Schloͤsser und Thuͤren wenn Schuldener eroͤff n en muͤssen 107 . n. 33 Schloß verschliessen bey Trauungen wie zu straffen 603 . n. 41 Schmaͤhklage ist wider Lehnherrn verbo- ten 134 . n. 56 . wie anzustellen 657 . n. 4 . wie nicht in langwierige Processe zu ver- weisen 31 . n. 29 Schmaͤhschrifften/ vid. Pasquillen. Schmaͤhung eines Richters wie zu strafen 80 . n. 52 . derer Armen wie zu raͤchen 81 . n. 55 . geistlicher Personen wie zu ahnden 145 . n. 30 Schoͤppen sind vom Urtheil im Gericht nicht auszuschliessen 63 . n. 1 . was fuͤr Freyheiten geniessen 81 . n. 54 . deren Wahl und Beeydigungs Recht 396 . n. 3 . Pflicht bey Urtheil Verfassung 404 . n. 1 Schornstein ob zur Dienstbarkeit Frem- den zu vergoͤnnen 251 . n. 18 Schreiber in Gerichten duͤrffen Heimlich- keiten nicht offenbaren 67 . n. 14 . deren Eyd bey Augenschein Faͤllen 116 . n. 8 Schrifft die heilige ist der Christen Richt- schnur 148 . n. 5 Schrifften Vielheit ist fuͤr Gerichten ver- boten 13 . n. 5 Schꝛifften/ Gegenschrifften/ auch Behelffs- Brieffe Recht wie zu beobachten 62 . n. 52 Schrot- und Kornmaͤßigen Muͤntze Recht 651 . n. 4 Schnlden Retorsion- Vergelt-Zahl- und Loßkuͤndigungs Recht 376 . n. 25 . 378 . n. 34 . deren Obligation Verfaͤlschungs Strafe 377 . n. 30 . darinn durch Rech- nung begangener Jrrthum wie zu ver- gleichen 377 . n. 29 . wie mit Gegenschul- den abzurechnen 367 . n. 2 . wenn in den- selben die Kirchen-Einkuͤnffte vorzuzie- hen 206 . n. 31 . ob dieser wegen Todten- Coͤrper zu verarrestiren 210 . n. 42 . zu deren Bezahlung geschehener Diebstahl ob straffbar 648 . n. 40 . wie wegen der- selben geistliche Personen zu verklagen 191 . n. 35 . machen niemand dienstbar 263 n. 11 . des Lehnmanns ob die Agnaten als Erben abzutragen verbunden 490 . n. 3 . ob und wie Eheleute vor einander zu zahlen pflichtig seyn 473 . n. 4 . deren Unterpfands Recht 519 . n. 10 . seq. ob Schulden-Geding Pfandes Verfalls- wegen zu machen 356 . n. 17 . wie Credi- tores liquidir en muͤssen 375 . n. 24 . un- pflichtiger Schulden Bezahlung ob wie- der zu fodern 375 . n. 23 . in deren Anfor- derung wer Vorzug habe 373 . n. 19 . de- ren Zahl- und Verjaͤhrungs Recht 367 . n. 1 . seq . Schulden Arrest ist unguͤltig auff Priester Wittwen Gnadenjahrs Einkuͤnffte 194 . n. 45 Schuldner wo verklagt werden koͤnnen 15 . n. 11 . muͤssen vor Gericht stehen/ wo sie verarrestiret 18 . n. 9 . wenn Verzeichniß ihrer Guͤter abstatten muͤssen 107 . n. 33 . deren Schuldner wenn anzugreiffen 108 . n. 35 . vertieffte was fuͤr Freyheit ha- ben 371 . n. 13 . gottlose und verschwende- rische wie zu straffen 372 . n. 14 . deren Guͤ- Besitz-Einnahme Recht ibid. deren Ge- staͤndniß wenn nachtheilig 39 n. 30 . wenn vom Arrest befreyet 91 . n. 26 . wie auszu- pfaͤnden 107 . n. 34 dessen verpfaͤndetes Gut wie ihm vom Creditorn koͤnne ver macht werden 335 . n. 27 . wiedersetzliche wie zu zwingen 376 . n. 26 Schulen wie Obrigkeiten anzurichten ver- K k k k k 3 bunden Anderes Register/ bunden 218 . n. 24 . sollen auch weltliche Personen zu Auffsehern haben ibid. Schul- und Kirchen-Diener wie Hauß-Be- suchungen anzustellen haben 168 . n. 11 sind Accise und Licent en frey 189 . n. 32 . abgelebte und schwache wie zu versor- gen 190 . n. 34 . haben auch Patronen Macht zu erwehlen 217 . n. 23 . wie denen Macht und Ansehen die Obrigkeit zu verschaffen pflichtig sey 218 . n. 24 . wer beruffen koͤnne ibid. wie sich gegen Kir- chen Auffseher zu verhalten 218 . n. 25 . wie wider sie mit Amts-Entsetzung zu verfahren 218 . n. 26 Schulmeister auff Doͤrffern muß von der Gemeinde erwehlet werden 219 . n. 27 . deren Amts-Pflicht und Verhalten ibid. Schutz-Freyheit sichere ob Juden zu ver- statten 266 . n. 4 Schutz-Recht wie der Lehn-Herr dem Lehn- mann schuldig 131 . n. 44 Schwaͤgerschafft Recht im Lehn 302 . n. 25 . Schwaͤher wie seines Eydams gerichtli- cher Fuͤrsprecher seyn koͤnne 76 . n. 40 Schwangere sollen nicht zur Strafe gezogẽ werden 110 . n. 45 . deren Lehnrecht 127 . n. 24 . wenn gestorben/ sollen sie auffge- schnitten werden 208 . n. 38 . derselben Beschaͤdigung wie zu straffen 603 . n. 40 . wie zu befragen vor Gericht wegen Kin- dermord 604 . n. 43 . sind von der Fol- ter wegen Ubelthaten frey 670 . n. 31 . wie zu Guͤter Besitz-Einnahme berech- tiget 372 . n. 14 . deren Kirchen Fuͤrbitt- Zettuln Mißbrauch 164 . n. 53 . nach Mannes Tode wie sich zu verhalten 320 . n. 27 . seq. Schwaͤngerten Ehehaltungs Recht/ wenn sie nicht zu verstossen 276 . n. 24 Schwaͤngerung Streit-Sachen vor wem abzuhandeln 171 . n. 23 verlobter Personen wie zu bestraffen 621 . n. 3 ist stille Ehegeloͤbniß 287 . n. 56 wie zur Ehehaltung verbinde 275 . n. 20 Schweine Verkauffs Recht/ so finnicht 349 n. 29 Schwerdt-Recht gehoͤrig Gericht 3 . n. 1 Schwerd-Feger Strafe bey Duelsachen 610 . n. 8 Schwerd-Magen Recht in Lehn 127 . n. 27 Schweren/ dem leichtfertigen wie zu steu- ren 215 . n. 15 Schwester und Bruͤder Erb-Theilung/ Wahl und Loß-Recht 456 . n. 1 . seqq. See-Bedienten Gehorsams Pflicht 707 . n. 2 deren Kost- und Monat Gelder Recht 708 . n. 4 See-Kriegs Rechts Articul Gehorsam 714 . n. 23 See-Raͤuber und Freybeuter Straffe 385 . n. 14 See-Recht/ Schiffer oder Schiffsherrn zu verklagen 381 . n. 6 Seelsorge Pflicht der Pfarrer 150 . n. 10 Seel-Messen im Pabstthum gebraͤuchlich 150 . n. 9 Segelfertigen Schiffs Versaͤumniß Stra- fe 711 . n. 12 Segelung und Schiffgebrauch See Recht 380 . n. 4 Segnen und boͤten der Krancken wie zu strafen 568 . n. 5 Secretari en/ deren Amts-Pflicht mit denen Act en 67 . n. 12 derer Grafen und Freyherren wie kraͤff- tig unterschreiben koͤnnen 78 . n. 44 Pflicht beym Hoffgericht 408 . n. 5 Amt wegen Styli 419 . n. 28 wie Inventarium zu machen verbunden 420 . n. 30 Erinnerungs Pflicht an Raͤthe 420 . n. 31 Secundant en Strafe bey Duellen 609 . n. 7 Seit-Erben Gerechtigkeit 318 . n. 21 Selbst-Mord in Lehnfaͤllen 131 . n. 45 Selbst-Moͤrder in Gefaͤngnissen Leichnam wie zu straffen 112 . n. 51 . 612 . n. 14 sollen auff Kirchhoͤfen nicht begraben werden 210 . n. 44 wie an Soldaten zu bestrafen 676 . n. 20 deren Erbschafft wohin verfaͤllt 582 . n. 9 Selbst- derer vornehmsten Sachen. Selbst-Rache wie zu straffen 608 . n. 5 Sendschreiben wenn wider Schuldner be- weisen 36 . n. 16 Sequestration was sey und wie geschehe 517 . n. 5 Siegel und Pittschafft ist kraͤfftig zum Be- weiß fuͤr Gerichten 36 . n. 16 Sinnfaͤhige Sachen wie von Zeugen zu be- antworten 50 . n. 3 Sinnlose sind wegen Verbrechung nicht zu straffen 121 . n. 22 Sodomiterey Unzucht wie unterschieden sey und deren Straffe 633 . n. 32 scheidet die Ehe 283 . n. 40 Sohn/ wenn dessen Fuͤrsprecher der Vater seyn koͤnne 72 . n. 28 ob seinen Vater oder andere gerichtlich anklagen koͤnne 76 . n. 39 . 262 . n. 8 schliesset der Mutter Schwester Toch- ter aus in Erbschafft 727 . n. 25 erbet allein vons Vaters Bruder ohne der Tochter ibid. dessen Vorzug in Vater Theil 127 . n. 26 vermuthlich folgender Ehe ob erbe 129 . n. 35 wenn wegen Verbrechen moͤgen gericht- lich belanget werden 299 . n. 24 warum den Vater zu ehren verbunden 262 . n. 8 wie etwas verschencken koͤnne 338 . n. 35 wie sich gegen den Vater zu verhalten habe 386 . n. 5 wie vaͤterliche Verraͤtherey entgelten koͤnne 579 . n. 1 Soldsteuer und Zollrechts Unterscheid 239 . n. 42 Sold wie den Soldaten im Kriege zu rei- chen 705 . n. 40 . seqq. Soldaten haben an unbefreyeten Orten in Ubelthaten keine Freyheit 7 . n. 11 moͤgen kein Advocat en Amt vertreten 75 . n. 36 von deren Einquartirung sind Priester frey 189 n. 32 deren Gebete in unterschiedenen Faͤllen in Quartiren und zu Felde 517 . seqq. wie an den selben Trunckenheit bestrafft werde 698 . n. 26 wie ihnen gebuͤhrender Sold zu reichen 705 . n. 40 . seq. mit Kriegs Gefangenen wie umzugehen 701 . n. 34 deren Gewehr wie Officier besichtigen sollen 700 . n. 31 wie Krieges Schutz-Freyheit verliehren 701 . n. 33 wer deren Nahmen unwuͤrdig 695 . n. 19 wie Kriegs-List und Raͤncke gebrauchen moͤgen 702 . n. 36 deren Eigenthum und Lehn-Besitzes Recht 704 . n. 40 deren Erbgut und ruͤckstaͤndigen Sold wer bekomme 706 . n. 45 deren Annehm-Erlassung und Abdan- ckungs Recht 706 . n. 44 duͤrffen ihr Gewehr nicht verpfaͤnden 700 . n. 32 wie wegen Verbrechen zu straffen 693 . n. 15 wie ihren Officiern Respect und Gehor- sam schuldig 688 . n. 2 . seqq. wie von den Officirern gehalten werden sollen 689 . n. 6 wie sich in Quartieren gegen die Wirthe zu verhalten 691 . n. 10 gefolterte ob unter der Compagnie zu dulden 689 . n. 1 deren Straffe in Verbrechen wenn ge- lindert werde 691 . n. 11 wenn und warum von der Folter be- freyet 669 . n. 30 . 32 wie Testamente machen koͤnnen 380 . n. 10 koͤnnen in Krieges Sachen Richter seyn 26 . n. 12 Freygelassene wie wegen Undanckbar- keit zu bestraffen 262 . n. 8 Sollicitant en Freyheit am Kaͤyserlichen Hofe 135 . n. 1 Sommerhitzige Tage Recht bey Verwun- dung 121 . n. 20 Sonntag/ des Nachmittags sollen Kinder- lehren gehalten werden 161 . n. 44 wie Anderes Register/ wie recht geheiliget werde 576 . n. 23 wie an demselben Liebes- und Noth- wercke zu verrichten 577 . n. 24 Sonntags-Entheiligung vor welchem Ge- richt gestrafft werde 6 . n. 10 wodurch geschehe 576 . n. 23 . \& 24 Span-Pferde Gattungs Verderben wie zu erstatten 655 . n. 21 Spatzieren und Lust-Reisen sind an Sonn- tagen verboten 577 . n. 26 Speise-Waaren/ deren gewaltsame Ab- nahm wie zu straffen 712 . n. 17 Spielen wie auff Schiffen zu bestraffen 711 . n. 13 warum ernstlich zu verbieten 306 . n. 5 sollen vornehmlich Priester meiden 182 . n. 10 Spiessung-Straffe wem auffzulegen 600 . n. 33 Spinn-Stuben verboten 536 . n. 32 Spoͤttischen Lieder Anhefftung an Thuͤren wie zu straffen 663 . n. 16 Sprechzeit Frist zum Naͤherkauff wenn zu verlaͤngern 499 . n. 16 . sqq. Stab oder Schwerdts Gebrauch bey Ge- richtshegung 63 . n. 1 Staͤdte kan kein Fuͤrst vor sich veraͤndern 126 . n. 19 wie deren Auffnahme befoͤrdert werde 240 . n. 1 Stadt-Belagerung/ darinn ist niemand von Steuren frey 237 . n. 37 Stadt-Buͤcher und Protocolle geben Be- weiß in Gerichts-Sachen 33 . n. 3 beweisen zwischen Unterthanen/ nicht gegen sie fuͤr Obrigkeit 33 . n. 6 Stadt-Gerichte wie von Land und Zent- Gerichten unterschieden 396 . n. 2 Stadt-Guͤter und Zehenden ob duͤrffen verkaufft werden 341 . n. 7 Stadthalter/ deren Amts-Pflichten 409 . n. 8 Stadt-Knechte/ vid. Gerichts-Knechte. Stadt-Thor/ Wall und Mauren Recht 693 . n. 16 Staffelgerechtigkeit der Schiffe 340 . n. 3 Stallmeister Pflicht wegen Reisender und Gaͤste Sachen 381 . n. 7 Stamm- und Nahmens-Bruͤder Lehn Erb- recht 485 . n. 3 Stamm-Freunde Erbnahm Recht in Lehn- Guͤtern 128 . n. 31 Stamm-Guͤter Recht/ so kein Lehn sind 487 . n. 6 ob Toͤchter erben koͤnnen 487 . n. 7 Stamm-Hauses Besitz-Recht was sey 124 . n. 12 Stamm-Lehn/ so alt oder neu 122 . n. 5 dessen Gerechtigkeiten 124 . n. 15 Stand-Rechts Krafft 386 . n. 8 Stands-Personen wie von Vormund- schafften befreyet 300 . n. 29 wie in Verbrechen zu straffen 646 . n. 33 Steck-Briefe wer damit zu verfolgen 72 . n. 28 wenn zu gebrauchen 87 . n. 17 Steine wie auff frembdem Grunde zu bre- chen vergoͤnnt 251 . n. 18 Steinhauffen wenn Graͤntzscheidung an- zeige 115 . n. 6 Steuer/ deren Ursachen wenn zu melden 238 . n. 38 wie denen Unterthanen auffzulegen 236 . n. 34 ordentliche und ausserordentliche wie unterschieden 236 . n. 35 Steuer Freyheit wer geniesse 237 . n. 36 wenn niemanden zu vergoͤnnen 237 . n. 37 Steuer- und Zinß-Buͤcher geben in Ge- richten kraͤfftigen Beweiß 33 . n. 5 Steuer-Einsamlung wie wegen Kirchen- Visitation s Unkosten anzustellen 213 . n. 7 gebuͤhret dem Ober-Landes-Herrn 236 . n. 33 Sterbfalls Recht der Priester nach Erndte Zeit 193 . n. 42 Stieff-Kinder haben Pfand-Recht an des Stieff-Vaters Guͤter 465 . n. 5 Stieff-Muͤtter wie denen Kindern selten treu 289 . n. 60 deren Ehebruchs Strafe in Erbrecht 322 . n. 34 . Stieff- derer vornehmsten Sachen. Stieff-Vater/ dessen Guͤter wie stillschwei- gend den Kindern verpfaͤndet wer- den 295 . n. 13 wie den Stieff-Kindern aus muͤtterli- chem Gut was zu geben verbunden 467 . n. 11 Stiffters einer Kirchen Mitgenossen Recht 139 . n. 7 Stifftungen der Christen Recht 187 . n. 26 Stiffts-Amt-Leute/ was ihnen obliege 24 . n. 8 deren Pflicht wegen Schiffer 381 . n. 6 Stillstands Frist vor Gericht 9 . n. 20 Zeiten in Gerichten 11 . n. 1 Stimmen wie in Gerichten bey Urtheilen zu colligir en und wie gelten 65 . n. 6 wie bey Pfarrer Beruffung von Ge- meinden einzusamlen 142 . n. 21 Straff-Predigten wie ein Pfarrer einzu- richten 214 . n. 14 Straffe wird auch an frembden Orten Verbrechern auffgelegt 8 . n. 17 wenn ein Richter veraͤndern und lin- dern moͤge 29 . n. 22 wird auch wegen langwierigen Gefaͤng- nisses gelindert 91 . n. 25 kan wegen heimlichen Vertrags nicht gelindert werden 97 . n. 05 wie sich dazu ein Beklagter anbieten koͤnne 98 . n. 53 wenn Todten-Coͤrper aufszulegen 112 . n. 57 peinliche was zu nennen 116 . n. 9 ob wegen der Tauffe zu lindern 155 . n. 25 Obrigkeitliche wird durch Priesterliche Absolution nicht gehoben 158 . n. 34 weltliche befreyet nicht von Kirchen- Busse 161 . n. 44 Strassen-Raub wie gebuͤhrend zu strafen 635 . n. 6 Strassen-Raͤuber Entschuldigung wenn unguͤltig 635 . n. 5 Streit soll nicht unnoͤthig verzoͤgert wer- den 13 . n. 5 wie Pfarrer meiden sollen 182 . n. 10 Streit-Gut so beweglich/ dessen Recht 9 . n. 21 Streits-Urheber Recht gegen Gewalt 614 . n. 18 wer nicht ist 657 . n. 3 Streitigkeiten in Glaubens-Sachen wer auff Cantzeln nicht abhandeln sol- le 146 . n. 32 Stroͤm und Fluͤsse Gerechtigkeit wem zu- stehe 231 . n. 22 Studenten wo verklaget werden muͤssen auff Academi en 7 . n. 12 wenn ihnen zu predigen vergoͤnnt sey 145 . n. 32 sollen sich der Abhandlung aller Strei- tigkeiten enthalten 146 . n. 32 von wem bestrafft werden moͤgen 220 . n. 1 Stumme koͤnnen nicht Klaͤger seyn 14 . n. 6 sind von peinlicher Folter befreyet 669 . n. 31 ob und wie Zeugniß ablegen koͤnnen 685 . n. 12 Summa wenn mit Unkosten und Interesse zu bezahlen 47 . n. 55 Suͤnde/ was darzu verleiten koͤnne 159 . n. 37 geheim und offenbare wie zu beichten 161 . n. 43 Suͤnder/ auff den Tod sitzend/ wenn zu beichten und zu communicir en 159 . n. 37 mit offenbahren wie Priester verfah- ren sollen 178 . n. 41 wie von Priestern zu ermahnen 175 . n. 34 Suͤndhaffte Wuͤndsche was verursache 141 . n. 18 Supplique, deren Recht wegen Appella- tion 103 . n. 15 Supplication wenn nach Urtheilen einzu- geben 105 . n. 22 deren Mißbrauch wie zu vermeiden 394 . n. 1 L l l l l Suppli- Anderes Register/ Supplicanten wie sich zu verhalten und wessen berechtiget 395 . n. 3 . seqq. Syndicus kan keinen Eyd vor gantze Ge- meinen abstatten 44 . n. 44 wie von einer Gemeinde zu bestellen 75 . n. 37 muß allgemeine und besondere Voll- macht erweisen 75 . n. 38 T. Taback darff zu Schiff niemand zu Kauff bringen 714 . n. 22 Tagelohn wenn mag gefodert werden 361 . n. 5 Tageloͤhner Pflicht und Gerechtigkeit 565 . n. 46 . seqq. Tagewehler sind in Christlichen Gemein- den nicht zu dulden 569 . n. 6 Tantzen mit unzuͤchtigen Geberden ist ver- boten 534 . n. 21 Tatern/ vid. Ziegeuner. Taube koͤnnen nicht Klaͤger seyn 14 . n. 14 koͤnnen Richter-Amt nicht verwalten 25 . n. 12 sind von peinlicher Folter frey 669 n. 31 ob und wie Zeugniß ablegen koͤnnen 685 . n. 12 Tauben/ deren Gerechtigkeit 536 . n. 26 Tauffe der Kinder sollen Eltern nicht auf- schieben 152 . n. 14 wie bey derselben durch der Eltern Un- art den Kindern Hoffart eingepflan- tzet werde 153 . n. 14 der Ketzer ist unkraͤfftig 153 . n. 16 wenn nicht zu wiederholen ibid. deren Mißbrauch wie zu straffen 153 . n. 17 warum Ziegeuner Kindern nicht zu er- theilen 154 . n. 18 wenn Mißgeburten nicht zu versagen ibid. wenn weltliche Personen verrichten koͤnnen 154 . n. 19 wie Erwachsenen/ auch Juden und Hey- den zu ertheilen 154 . n. 20 deren Endzweck ist Kirchen Buͤrger- Recht 155 . n. 25 ob die gebuͤhrende Strafe Verbrechern lindere ibid. wo geschehen soll 156 . n. 26 Tauff-Ceremonien sollen ohne Pracht und Gepraͤnge geschehen 152 . n. 14 was vor welche Christus gebraucht 153 . n. 15 Tauff-Beschwerung oder Exorcismus, wie an dessen statt ein Gebet zu ordnen 151 . n. 13 Tauff-Geschenck Recht 155 . n. 22 Tauff-Zeugen/ vid. Gevattern. Tax-Ordnung wegen Postgeld 235 . n. 32 derer Handwercker und Kuͤnstler im Heßischen 558 . seqq. Teuffel ob die Wechselbaͤlge zeuge 630 . n. 29 That auf frischer Ergreiffungs Recht 84 . n. 7 Verlaͤugnungs Fragestuͤcke 601 . n. 36 Kennzeichen Anmerckungs Recht 680 . n. 13 Ertappungs Recht 84 . n. 7 Puncte muß Beklagter richtig beant- worten 11 . n. 26 Thaͤter eines Fluͤchtigen Guͤter wie zu ver- zeichnen 83 . n. 4 wird durch Bezahlung seines Buͤrgen von der Strafe nicht befreyet 85 . n. 12 Vielheit Straff-Recht 595 . n. 32 . 592 . n. 15 wie peinlich zu befragen 586 . n. 3 . seqq. dessen Nachspur Recht 120 . n. 20 Theilungs Recht in Gemein- oder Ge- sellschafft-auch Erbschaffts-Guͤtern 312 . n. 1 . seqq. Thier oder Viehes Schaden muß Eigener buͤssen 654 . n. 17 . Termin wie von klagenden Partheyen zu besuchen 412 . n. 6 wie wegen Satz- und Gegensatz auch Sachen Beschluß zu beniemen 401 . n. 9 sind derer vornehmsten Sachen. sind an Feyertagen nichtig 11 . n. 1 . seq. wie offt zu Dilation en zu goͤnnen 20 . n. 17 wie zu guͤtlichem Vergleich anzustellen 24 . n. 8 zum Zeugen Verhoͤr wie kund zu thun 57 . n. 34 Recht des Buͤrgen Bezahlung 93 . n. 34 Termins Verzoͤgerung wenn Beklagten zu verstatten 20 . n. 19 Testament darinn gilt kein Eyd 45 . n. 45 kan kein Priester uͤber Gnaden-Jahrs Einkuͤnffte auffrichten 194 . n. 45 wenn kraͤfftig sey auch ohne Zeugen und Pitschier 198 . n. 11 kan uͤber fremde Sachen nicht gemacht werden 200 . n. 14 wenn aus demselben Pfarrer etwas er- langen moͤgen 200 . n. 15 wenn seine Krafft erlange 327 . n. 1 wie damit ein Vater sich zu verhalten gegen Kinder 332 . n. 16 wenn darinn der Vater einem Kinde koͤnne Vortheilthun 126 . n. 21 wie viel Zeugen darzu zu beruffen 436 . n. 4 wie rechtlich abzufassen und einzurich- ten 437 . n. 7 von wem und woruͤber gemacht werden koͤnne 434 . n. 1 mit welchen Solennitæ ten auffzurichten 199 . n. 12 . 328 . n. 4 . 440 . n. 1 ein gerichtliches was zu nennen 329 . n. 7 wenn nichtig oder verfaͤllt 330 . n. 11 . 453 . n. 14 muͤndliche wenn kraͤfft- und guͤltig 333 . n. 21 wie von Notari en zu unterschreiben 438 . n. 10 wie in Gerichts-Buͤcher zu schreiben 440 . n. 1 wie krancke Personen machen koͤnnen 442 . n. 5 wie zu Pest-Zeiten auffzurichten 442 . n. 7 Testaments Vortheil vom Vater in Lehn 126 . n. 21 Anfechtung wegen Enterbung 128 . n. 33 Erbschafft Recht an zweyen vermacht 13 . n. 6 Erben koͤnnen Priester Gnaden-Jahrs Einkuͤnffte nicht geniessen 194 . n. 45 Eroͤffnungs Recht 331 . n. 13 Blaͤtter wie versiegelt werden sollen 439 . n. 12 Verfertigung/ Verwahr und Hinterle- gungs Recht 439 . n. 12 . seq. 441 . n. 4 eines geheimen rechtliche Form 441 . n. 3 unmilden Anklage wenn verstattet 444 . n. 12 . vid. etiam Vermaͤchtniß. Testator hat alle solenne Clauseln und Puncte zu observir en 199 . n 12 an dessen Statt/ wenn er nicht schreiben kan/ wer unterzuschreiben vermoͤge 439 . n. 10 muß seiner Guͤter maͤchtig seyn 435 . n. 1 sollen rechtmaͤßige Erben nicht verges- sen 435 . n. 2 wie Erben einsetzen und benennen muͤsse 436 . n. 3 Testatoris Vermaͤchtniß Zettul Recht 438 . n. 8 Begehren an Notari en und Zeugen 436 . n. 5 Teuffels Beyschlaff Strafe 630 n. 29 Teutscher Nation Fahn-Lehn Recht 135 . n. 59 Toͤchter wenn Lehn-Guͤter erben koͤnnen 127 . n. 22 wenn von Lehn-Guͤtern auszustatten 126 . n. 13 deren Kinder gehoͤren nicht zum Wei- ber-Lehn 127 . n. 24 worinn denselben die Soͤhne bey Erb- lehnschafften vorgehen 127 . n. 25 Vorzug in Mutter Theil 127 . n. 26 wenn Stamm-Guͤter nicht erben koͤn- nen 487 . n. 7 wie von Lehn-Guͤtern auszusteuren 488 . n. 9 L l l l l 2 deren Anderes Register/ deren Erbrecht wegen Heyraths-Gut 326 . n. 46 wenn wegen Unzucht vom Vater nicht moͤgen enterbet werden 269 . n. 4 Todes wegen Vermaͤchtniß Recht 333 . n. 20 . seq. Todes-Faͤlle/ welche Verbrechen dadurch verbuͤsset werden 112 . n. 50 Tod-Suͤnde ob dadurch der Tauf-Bund aufgehoben werde 156 . n. 27 Todte/ deren angefangene Geschaͤffte wie fortzusetzen 315 . n. 12 Todten-Coͤrper wenn zu bestrafen 112 . n. 51 ob wegen Schulden zu verarrestiren 210 . n. 42 deren Ausgrab- und Besichtigung 594 . n. 20 . 209 . n. 39 . 120 . n. 20 unbekandte und frembde wie zu erkun- digen 595 . n. 24 Todten Viehes Aaß wenn im Kauff wieder zu geben 346 . n. 29 Toͤdtliche Wunden wie bey Todtschlag zu besichtigen 592 . n. 17 Todtschlag abgenoͤthigter ob und wie zu strafen 618 . n. 27 . 614 . n. 18 zufaͤlliger was sey 610 . n. 9 . seq. hoher Personen wie zu raͤchen 600 . n. 34 vorsetzlich und boßhaffter wie zu bestra- fen 588 . n. 7 . 590 . n. 10 . 594 . n. 21 auf wie mancherley Art begangen wer- de 589 . n. 8 . seq. verdungener wie zu ahnden 591 . n. 11 Todtschlags Recht an Graͤntzen begangen 120 . n. 19 ordentlicher Strafe wer befreyet 615 . n. 21 unterschiedene Anzeigen 596 . n. 25 . 588 . n. 6 Tollsinnige ob wegen Verbrechen zu stra- fen 121 . n. 22 . 592 . n. 12 Tortur/ wie darinn Grad- und Stuffen- weise zu verfahren 666 . n. 22 was nach deren Endigung zu beobach- ten 667 . n. 23 . seq. wer davon befreyet 668 . n. 29 wie privilegirt en Personen auffzulegen 668 . n. 30 vid. Folter. Traumlaͤuffer wie sich des Nachts fuͤr Schaden verwahren sollen 390 . n. 16 Trauer-Jahr wie Wittwen zu halten ver- bunden 286 . n. 51 Trauzeichen wie zur Ehe verbinden 269 . n. 3 Treschen bey Licht verboten 537 . n. 37 Treu und Glauben ist auch den Ketzern zu halten 136 . n. 3 wie Adelichen Personen wohl anstehe 261 . n. 6 . wie in Eheverloͤbnissen und unter Ehe- leuten noͤthig sey 275 . n. 21 Trommel Recht unter Segel zu gehen 710 . n. 11 Trunckenheit wie Priester meiden sollen 182 . n. 10 giebt Strafen Linderungs Ursachen 29 . n. 22 auf Schildwachten wie an Soldaten zu strafen 698 . n. 28 wie wegen ausgestossener Injuri en ent- schuldige 656 . n. 2 . 662 . n. 12 wie derselben von der Obrigkeit zu steu- ren 578 . n. 28 wie darinn Unterscheid zu machen 605 . n. 46 Tuchmacher Betrug wie zu strafen 245 . n. 16 Tumult bey Nacht wie zu strafen 697 . n. 24 Tuͤrcken wie Ehebruch bestrafen 622 . n. 6 sind oͤffters froͤm̃er als Christen 136 . n. 4 wie Christi Laͤsterung bestrafen 572 . n. 13 Tuͤrcken Steuer Recht 236 . n. 34 Tuͤrckischen Kaͤysers Amurathis Gebet 136 . n. 3 U. Vater wenn des Sohns Fuͤrsprecher in Gerichten seyn koͤnne 72 . n. 28 . 76 . n. 40 . 79 . n. 48 kan von einem Sohn gerichtlich nicht angeklagt werden 76 . n. 39 kan auch ohne Zeugen Testamente zwi- schen seinen Kindern machen 327 . n. 3 ob einem derer vornehmsten Sachen. ob einem Kinde vor dem andern koͤnne etwas zuvor vermachen 332 . n. 17 wie vom Ehemann Mitgifft wieder zu fodern berechtiget 327 . n. 46 warum derselbe gebuͤhrend von den Kindern zu ehren 262 . n. 8 wie demselben Kinder Gehorsam schul- dig 386 . n. 5 dessen Recht in Sohnes muͤtterlichen Guͤtern 253 . n. 7 dessen erworbene Guͤter und Schulden wie zu verzeichnen 459 . n. 3 dessen verkaufften und erkaufften Guts Recht 459 . n. 4 wie zu Verfertigung eines Inventarii verbunden 461 . n. 8 wie mit Kindern wegen anderer Ehe Guͤter zu theilen habe 461 . n. 10 Vater- und Altvaters Lehnrecht 485 . n. 2 Vaterlands Verraͤther Kinder ob erben koͤnnen 579 . n. 1 Vaͤterlicher Verweiß auch mit Schmaͤ- hung macht nicht ehrloß 886 . n. 6 Guͤter Erbtheilung 457 . n. 4 Vater-Moͤrder wie gebuͤhꝛend zu bestrafen 584 . n. 15 . 598 . n. 30 Ubelthat wird auch an auslaͤndischen Ver- brechern gestrafft 8 . n. 17 dabey gelten keine Buͤrgen 93 . n. 32 darinn gilt kein Vergleich 97 n. 50 dem Priester entdeckte wenn der Obrig- keit zu offenbaren 158 . n. 34 Anfang und Vollendungs Strafe 5 . n. 5 Befehlhaber u. Rathgeber Strafe 5 . n. 6 Geschrey giebt Verhafftungs Ursachen 87 . n. 17 Ubelthaͤter wenn aus einem Gericht ins andere remittir et werden koͤnnen 4 . n. 1 . seqq. denen kan kein Richter gesetzte Strafe erlassen 23 . n. 6 derer Bekaͤntniß wegen Mitgesellen wie anzunehmen 42 . n. 37 gegen entkommene bekandte wie recht- lich zu verfahren 83 . n. 3 Recht auf frembdem Gebiet 5 . n. 7 wenn abwesend/ wird ihnen kein Advo- cat zugelassen 71 . n. 27 Unbußfertige wenn zu strafen 159 . n. 36 Vielheit Straff-Recht 586 . n. 1 Begnadigungs Recht 5 . n. 8 ob Testamente machen koͤnnen 454 . n. 15 wenn ihnẽ zu testir en frey stehe 330 . n. 10 Uberfall und Raub wie zu strafen 640 . n. 17 Uber- oder Weglaͤuffer im Kriege wie zu strafen 694 . n. 17 was von ordentlicher Strafe entschul- digen koͤnne ibid. Uberwundene in Rechten wenn Interesse zahlen muͤssen 96 . n. 47 Veraͤuserung der Guͤter mit Betrug ist nichtig 292 . n. 4 wem nicht frey stehe und zugelassen sey 295 . n. 15 Verbrechen weꝛden nach Umstaͤnden schaͤꝛf- fer oder gelinder bestrafft 29 . n. 23 wie beschaffen seyn solle/ wenn Ubelthaͤ- ter zu verhafften 86 . n. 15 deren Umstaͤnde sind wohl zu betrachten 87 . n. 17 welche mit Todesfall verbuͤsset werden 112 . n. 50 Nachfrage hindert Execution 109 . n. 43 deren Urheber wie zu erforschen 680 n. 3 Verbrecher haben Macht/ ihre Sachen auszufuͤhren 14 . n. 9 Verdacht und Vermuthung ob genung zur peinlichen Frage 109 . n. 42 Verdammter Menschen Wehklage uͤber Priester 151 . n. 12 Verdienten Lohns Gerechtigkeit 191 . n. 37 Verfaͤlschung derer brieflichen Urkunden wie zu straffen 33 . n. 3 Vergeltungs Recht mit Kriegsgefange- nen 701 . n. 34 wegen Schulden 379 . n. 35 Vergleich guͤtlicher wie zwischen streiten- den Partheyen an zustellen 22 . n. 2 hat nicht statt in Ubelthaten 97 . n. 50 Verhaffts und Nachforschungs guͤltige Anzeigen 87 . n. 16 . Ver- Anderes Register/ Verhaͤngniß GOttes wegen Unvermoͤgen- heit der Eheleute 284 . n. 45 Verhoͤrung der Zeugen wo und wie anzu- stellen 10 . n. 25 wie in peinlichen Klage-Sachen gesche- hen solle 41 . n. 34 wie verweigert werden koͤnne 19 . n. 19 Verjaͤhrung wenn in Gerichts-Hegungs Ort statt habe 9 . n. 20 ist in allen Exception en nichtig 10 . n. 20 wird durch Gerichts- Citation verhin- dert 15 . n. 1 in Lehnverbrechens Anklage 133 . n. 51 wodurch unterbrochen werde 15 . n. 13 gegen Minderjaͤhrige wie verlauffe 298 . n. 24 wenn guͤltig in Guͤter Besitz 353 . n. 8 wie in Zinßguͤtern erhalten werde 246 . n. 4 bey Landmessen Ackerraum 118 . n. 15 wenn gantzliche Freyheit gebe 203 . n. 22 \& 204 . n. 26 der Zehendn und Schaͤtzung 201 . n. 17 sq. wodurch auffgehoben werde 354 . n. 13 wenn unkraͤfftig 355 . n. 14 der Schulden woher entstehe 367 n. 2 Verjaͤhrungs Frist Recht in Verbrechen 111 . n. 49 Recht der Jagt-Freyheit 258 . n. 36 Verkaͤuffer wie Wiederkauff vorbehal- ten koͤnne 339 . n. 2 muß dem Kaͤuffer das Gut gewaͤhren 341 . n. 8 wie Bezahlung vom Kaͤuffer zu fodern berechtiget 345 . n. 19 muß des Guts eigenthuͤmlicher und ab soluter Herr seyn 493 . n. 2 Verkauff zukuͤnfftiger Sachen und Guͤter ob rechtlich 346 . n. 22 ob an zween geschehen koͤnne 348 . n. 27 Verkaufften Guͤter Recht 340 . n. 5 Gefahr wem oblieget 350 . n. 33 . 496 . n. 8 deren Auslieferungs Recht ibid. Verlassung des Ehegattens wenn Ehe scheidet 283 . n. 41 Verlaͤumder wie zu straffen 661 . n. 12 Verloͤbniß wenn unguͤltig sey 271 . n. 8 geheime ob zu trennen und zu hinter- treiben 274 . n. 16 . 271 . n. 7 hat eben die Krafft wie vollzogene Ehe 279 . n. 30 Verlobte wie der Kirchen-Busse wegen Hurerey unterworffen 374 . n. 31 wie saͤumige in Vollenziehung der Ehe zu strafen 276 . n. 22 deren Ehebruchs Straffrecht 287 . n. 54 Vermaͤchtniß oder Testament/ wenn auch ohne Zeugen und Pittschier kraͤfftig 198 . n. 11 mit was vor Worten abzufassen 199 . n. 12 erstreckt sich nicht auf frembde Guͤter 200 . n. 14 zu gottseligen Ursachen wie kraͤfftig sey 200 . n. 15 ob davon Schulden zu bezahlen 333 . n. 19 wenn nichtig sey und unkraͤfftig 334 . n. 22 . seq. wie erst nach Schulden Abzug zu be- zahlen 144 n. 28 wie uͤber eigene Guͤter geschehen koͤnne 331 . n. 14 Recht wegen ungewissen Erbfalls 316 . n. 15 Vermaͤhlungs Recht zur lincken Hand 171 . n. 20 . 224 . n. 3 Vermahnungen von Gotteslaͤsterung/ Fluchen und Schweren 147 . n. 2 Verpflichtungs Recht/ so mit Beding ge- schehen 15 . n. 12 Verraͤtherey wie zu erweisen 37 . n. 19 Wissenschafft und Verschwiegenheit Strafe 581 . n. 7 wie bestrafft werde an Thaͤtern 583 . n. 13 deren Anzeigen und Ursachen 692 . n. 13 Verschnittene sollen nicht wider GOtt murren 285 . n. 49 Verschwender duͤrffen niemand rechtlich anklagen 40 . n. 32 wie gestrafft werden moͤgen 372 . n 14 Ver- derer vornehmsten Sachen. Verstorbenenen Gedaͤchtniß Freyheit we- gen obrigkeitlicher Anklage 112 . n. 52 Verthaͤdigung ist in Rechten freygelassen 40 . n. 32 ist auch peinlich Beklagten zu vergoͤn- nen 41 . n. 33 einmahl abgesagte ob hernach zu ver- statten 41 . n. 34 darzu muß Obrigkeit den Armen Unko- sten darbieten 41 . n. 35 dessen Nachtheil wie zu verhindern 84 . n. 7 frembder Sachen wem obliege 386 . n. 7 Vertrag lindert bey Ubelthaten die Stra- fe nicht 97 . n. 50 wie dazu von Obrigkeit mag gezwun- gen werden 98 . n. 53 \& 22 . n. 2 aus Furcht geschehen ob kraͤfftig sey 306 . n. 6 wie und wenn man zu halten schuldig sey 304 . n. 1 Verweisung gehoͤret nicht zum peinlichen Gericht 6 . n. 10 zeitliche ist bey Urphede Bruch in ewige zu verwandeln 88 . n. 19 Verwundete sind vom Gefaͤngniß zu be- freyen 90 . n. 24 wenn gestorben/ wie an Thaͤtern zu strafen 588 . n. 5 Verurtheilte in einer Sache wie nicht wie- der darinn zu belangen 86 . n. 13 warum nicht koͤnnen zur Execution ge- zogen werden 110 . n. 45 Verzicht Rechtens allgemeinen Behelffs Auszug 68 . n. 20 Rechtens wie einzuliefern 7 . n. 13 allgemeine und sonderliche wie gesche- hen soll 69 . n. 20 wie in Appellations Wohlthaten ge- schehe 99 . n. 3 Verzoͤgerung nnnoͤthige ist in Streit-Sa- chen nicht zu gestatten 13 . n. 5 Vestung wo und wie zu bauen erlaubet 702 . n. 36 deren Ubergabe an Feinden wenn straff- bar 581 . n. 4 Vieh/ dessen gethaner Schaden wie zu buͤssen 655 . n. 19 Vieh-Kauff Handel wie darinn Maͤngel zu ersetzen 348 . n. 28 Vieh-Raub und Diebstahl Anzeigen und Strafe 637 . n. 11 . seq. Vieh-Weide und Traͤncke Recht erfordert Gewohnheit 251 . n. 18 Visitation der Kirchen wie anzustellen 211 . n. 3 woher darzu die Unkosten zu nehmen 213 . n. 7 wie sich dabey die Commissarii zu ver- halten 214 . n. 11 Visitatores, deren Pflicht wegen Pfarr- Hauses Geraͤthe Inventarium 198 . n. 9 deren Kost und Zehrungen in Herber- gen 213 . n. 9 wie Kirchen keine unnoͤthige Kosten verursachen sollen 212 . n. 6 Uladislaus Koͤnig stuͤrtzet sich durch Fried- bruch ins Elend 136 . n. 3 Umlaͤuffern und Mißiggaͤngern wie von der Obrigkeit zu steuren 264 . n. 16 Umschlag und Wechsels Recht im Holstei- nischen 369 . n. 6 Umstaͤnde/ nach denselben kan Verbre- chens Strafe gelindert werden 29 . n. 23 Unbekandter Missethat auff der Folter Bekaͤntniß Recht 659 . n. 28 Unbewegliche Guͤter geben voͤllige Ver- sicherung 86 . n. 14 was darzu gerechnet werde 107 . n. 33 wenn Schulden wegen anzugreiffen 108 . n. 35 bey deren Einnahme was zu beobach- ten 108 . n. 37 Undanckbarkeit wie zu strafen 262 n. 8 Uneheliche Kinder ob und wenn erben koͤnnen 477 . n. 2 Unehren Vermeidungs Mittel 559 . n. 7 Un- Anderes Register/ Unehrliche koͤnnen Richter-Amt nicht ver- walten 26 . n. 13 Unfruchtbarkeit Maͤnner und Weiber Ur- sacher Strafe 603 . n. 41 Ungebohrne Kinder koͤnnen nicht enterbet werden 129 . n. 32 Ungehorsam derer gerichtlich Citirt en wie zu straffen 20 . n. 19 des Klaͤgers wie bestrafft werde 21 . n. 20 wenn mit Reichs-Acht zu bestraffen 82 . n. 2 deren Straffe ist Rechts Verlust 105 . n. 26 Beklagter wenn gerichtlich verurtheilet werde 118 . n. 14 der Procurator en wenn schaͤdlich 70 . n. 22 der Priester wie zu bestraffen 192 . n. 39 Ungehorsames Ausbleiben gerichtlich Ci- tirt er wenn nicht entschuldige 19 . n. 12 wie gebuͤhrend zu straffen 400 . n. 1 Unglaͤubige/ ob mit denselben Christen wider Christen Buͤndniß machen koͤnnen 229 . n. 15 Universitaͤt wird strafffaͤllig/ wenn un- tergebene Verbrecher nicht strafft 220 . n. 3 verbricht/ wenn auf deren Anstifftung Ubels geschicht 221 . n. 4 vor welchem Gericht zu verklagen 221 . n. 5 deren Glieder gehoͤrẽ vors hohe Schul- Gericht ibid. Unkosten wer in peinlichen Klagen zu ge- den verbunden 20 . n. 17 wenn Beklagte erstatten muͤssen 4 . n. 9 . 23 . n. 7 . 30 . n. 27 . 72 . n. 28 von deren Erstattung befreyet kein Eyd 44 . n. 45 wer deren Erstattung bitten mag 102 . n. 13 muß der Appellante auch bey anderer Instanz geben 104 . n. 20 wie zu vergleichen 104 . n. 21 wenn derer wegen Execution gelte 107 . n. 31 welche koͤnnen abgezogen werden 337 . n. 32 . 352 . n. 4 . von Anwalden verursacht/ wie von Principal en zu fodern 79 . n. 49 wie wegen ungehorsamen Ausblei- bens und gerichtlichen Verantwor- tung auffzulegen 399 . n. 1 woher bey Kirchen Visitation en zu neh- men 213 . n. 7 Unmann wer dafuͤr zu halten 309 . n. 13 Unmuͤglich was im Rechten heisse 385 . n. 1 Unmuͤndige koͤnnen nicht Klaͤger seyn 14 . n. 6 sollen nicht zum heiligen Nachtmahl gelassen werden 162 . n. 46 wenn in Erbschafften vor erwachsenem Geschwister etwas zum Voraus nehmen 485 . n. 3 deren Heyraths Freyheit mit anderer Ehe 277 . n. 27 was vor Freyheiten in Rechten ge- niessen 290 . n. 1 wie Restitutions Rechts ihrer Guͤter theilhafftig 299 . n. 27 Unschuld eines Verstorbenen wie zu retten 112 . n. 50 falschberuͤchteter wie zu erweisen 120 . n. 20 Unseliger Menschen Wehklage uͤber Prie- ster 151 . n. 12 Unsinnigkeit giebt Strafen Linderungs Ursachen 29 . n. 22 Unsinnige koͤnnen nicht Klaͤger seyn 84 . n. 6 koͤnnen Richter-Amt nicht verwalten 25 . n. 12 sollen wegen Verbrechen nicht gestrafft werden 121 . n. 22 Unterhaͤndlers Pflicht und Recht bey Jahrmaͤrckten 243 . n. 9 Unter- der vornehmsten Sachen. Unterpfand/ wie von Schuldnern zu des Creditoris Nachtheil nicht veraͤusert werde 519 . n. 11 dessen Unterscheid und Rechte 518 . n. 8 wie Kinder an Eltern Guͤter haben 465 . n. 4 eines allgemeinen und sonderbaren Recht 373 . n. 17 Unterthanen/ wenn wider die Obrigkeit zeugen koͤnnen 53 . n. 17 wie sich uͤber Beamte beklagen koͤnnen 395 . n. 5 . in Hessen/ wie von fremdem Gericht be- freyet 430 wie zu testi ren verbunden 443 . n. 8 woher Abzugs-Gelder geben muͤssen 263 . n. 14 . denen mitgetheilte Vorrechte/ was sind 1 . n. 1 Untreu/ welches sey oder nicht 261 . n. 5 in Erbschafften von Erben begangen/ wie zu straffen 327 . n. 47 anveꝛtꝛauten Guts/ wie zu ahndẽ 365 . n. 20 Unvermoͤgenheit zufaͤllige ob Eheschei- dungs Ursach 284 . n. 43 natuͤrliche/ wenn einer nicht erkannt/ was vor Recht gebe 284 . n. 44 wie dieserwegen Maͤnner und Weiber zu besichtigen 284 . n. 46 . seq. Unwissenheit giebt Straffen Linderungs- Ursachen 29 . n. 22 Recht im Kauff-Handel 347 . n. 23 wenn entschuldiget oder nicht 308 . n. 11 Unzucht mit ledigen Personen oder Ver- storbenen/ wie zu straffen 621 . n. 2 Klage-Recht mit Nothzwang geschehen 926 . n. 17 gewaltsamer Noͤthiger ob man zu toͤdten berechtiget 631 . n. 30 Vogelfang Gerechtigkeit/ ob privat- Perso- nen zukomme 258 . n. 39 Vogelfrey und frriedloß was sey 84 . n. 6 Voll- und halbbuͤrtigen Geschwister Erb- Recht 481 . n. 11 . \& n. 15 Vollmacht Recht der Vormuͤnder 296 . n. 18 wenn aufgekuͤndiget werden mag 79 . n. 50 wenn Bluts-Verwandte auff sich neh- men koͤnnen 76 . n. 40 wie in buͤrgerlichem Streit auffzutragen 76 . n. 41 einer allgemeinen Foꝛm/ wie einzurichten 77 . n. 42 wie ein Anwalt erweisen muͤsse 77 . n. 43 ob durch Blanqvet dargethan werden koͤnne 78 . n. 44 bey vielen Sachen/ wie beschaffen seyn muͤsse 78 . n. 45 deren Fehler und Maͤngel/ wie zu erklaͤ- ren 78 . n. 45 ob auch auff Erben zu stellen 78 . n. 46 deren Mangel/ wie zu ersetzen 79 . n. 47 wann nicht mag widerruffen werden 79 n. 48 Vollmaͤchtiger einer Gemeine/ wie zu be- stellen 75 . n. 37 wie weit seine Gewalt sich erstrecke 75 n. 38 ist zu Abstattung der Amtsgebuͤhren ver- bunden 78 . n. 46 soll seinen Befehl nicht uͤberschreiten 79 . n. 49 wenn nicht mag bestellt werden 79 . n. 50 Vordaͤcher und Ercker an Kramladen ver- boten 244 . n. 12 wie einer an sein Hauß bauen duͤrffe 251 . n. 17 Vorfalls rechtlichen Entschuldigungs Aus- zuͤge 80 . n. 51 Vorkauff ist hoͤchlich verboten 243 . n. 8 . \& 705 . n. 42 Vormuͤnder/ wie gebuͤhrend zu verehren 300 . n. 28 unter vielen soll einer Ober- Inspection haben 301 . n. 31 wenn und wodurch sich verdaͤchtlich ma- chen 303 . n. 39 wie Rechnung abzulegen verbunden 304 . n. 41 koͤnnen an ihrer Minderjaͤhrigen statt schweren 44 . n. 44 deren Zeugniß ist unkraͤfftig 55 . n. 24 sollen vor ihre Minderjaͤhrige Appella- M m m m m tion Anderes Register/ tion anstellen 103 . n. 17 Gewalt wegen unmuͤndigen Kindes 457 . n. 3 wie bey noͤthigen Reisen sich zu verhal- ten 297 . n. 19 wie gerichtlich handeln moͤgen 296 . n. 18 wie der Muͤndlingen Guͤter nicht ver- aͤusern koͤnnen 295 . n. 15 welche nicht seyn moͤgen 294 . n. 10 deren Rechts-Wohlthat 302 . n. 33 wie Muͤndlings Guͤter zu vermehren trachten sollen 303 . n. 35 deren Bekaͤnntniß ist Muͤndlingen un- schaͤdlich 39 . n. 31 wie unterschieden seyn 293 . n. 8 wie Buͤrgschafft zu setzen/ und ob Muͤnd- linge heyrathen koͤnnen 298 n. 21 wie uͤber Muͤndlings Guͤter Inventari- um auffrichten sollen 459 . n. 3 Vormundschafft/ davon sind Geistliche be- freyet 190 . n. 35 uͤber Fuͤrsten-Kinder gehoͤret nechsten Bluts-Freunden 227 . n. 10 wer nicht auff sich zu nehmen gehalten sey 293 . n. 9 . seqq. wenn Bluts-Freunden auffzutragen 226 . n. 10 Theilung Rechts-Wohlthaten 301 . n. 32 Uhrgicht/ was eigentlich sey 92 . n. 28 Urheber/ eines falschen Benennung/ wie zu straffen 18 . n. 7 wie Schaden zu stehen verbunden 205 . n. 27 dessen Bekaͤntniß ist Nachfolgern schaͤd- lich 39 . n. 30 Urkunden/ wenn moͤgen vernichtet werden 9 . n. 19 kan Klaͤger zur Sachen Beweißthum ge- brauchen 32 . n. 3 derselben Verfaͤlschung/ wie zu straffen 33 . n. 3 derselben Verhehlung ist straffbar 35 . n. 13 neuer Rechts-Freyheit 46 . n. 53 . 84 . n. 7 deren Vorbringungs Frist-Raum 401 . n. 8 Original und Copien Recht 415 . n. 17 Recht wegen Testaments- Solenni taͤten 441 . n. 4 Verfassung zu Leihe-Briefen 515 . n. 17 Urphede/ wie Fluͤchtlinge leisten muͤssen 18 . n. 11 Bruch/ wie zu bestraffen 88 . n. 18 . 89 . n. 21 wie zu dessen Leistung zu zwingen ibid. wenn nichtig und zu erlassen 92 . n. 28 was eigentlich sey/ und worinn bestehe 92 . n. 29 Recht mit Dieben 88 . n. 20 Urtheil ausser Gebiet gesprochen ist un- kraͤfftig 4 . n. 3 wem man nicht sprechen koͤnne 13 . n. 6 wie vom Richter abzufassen 24 . n. 9 wie im Zweiffel beschaffen seyn solle 22 . n. 1 dessen Vollenziehung/ wodurch gehindert werde 14 . n. 7 wenn bey Bestraffungen in des Richters Willkuͤhr 28 . n. 20 vom Richter zwischen andern gesprochen wenn kraͤfftig 30 . n. 25 dessen Verfassung ist bey Zweifel zu ver- schieben 64 . n. 5 wie verkuͤndiget werden solle 68 . n. 18 dessen Ursachen/ wenn vom Richter bey- zufuͤgen 96 . n. 45 muß seyn entweder zur Verdamm- oder Loßsprechung 96 . n. 46 soll nicht unendlich/ sondern gewiß seyn 96 . n. 47 mit Beding/ wenn gelten mag 97 . n. 48 wenn zu vollenziehen oder nicht 97 . n. 49 102 . n. 12 . 106 . n. 28 wird durch uͤbele Appellation an der Vollziehung nicht gehindert 104 . n. 20 dessen Nichtigkeit/ wenn einzuwenden 104 . n. 21 wegen verlassener Appellation behaͤlt seine Krafft 105 . n. 24 wegen zuerkannter Bezahlung hindert nichts 106 . n. 30 dessen Execution, wenn nicht zu verschie- ben 406 . n. 7 . seq. 109 . n. 39 . seqq. wird der vornehmsten Sachen. wird durch dessen Nichtigkeit Vorwand auffgehaben 111 . n. 49 wenn nach Verurtheilten Tod zu vollen- ziehen 111 . n. 50 wer vollziehen muͤsse 112 . n. 53 gegen wen zu vollziehen 113 . n. 55 unrechtmaͤßiges giebt Recht zu Anklagen 113 . n. 56 wie rechtlich abzufassen 404 . n. 1 wenn der Richter verbessern koͤnne 100 . n. 6 wie davon zu appelli ren vergoͤnnt 398 . n. 3 W. Waaren verbotene werden weggenommen 244 . n. 11 . vor geliehenes Geld erkaufft haben Pfandrecht 374 . n. 20 . mangelhaffte und verdorbene/ wenn wieder anzunehmen 348 . n. 24 . Zufuhr/ wenn an Feyertagen zu verstatten 21 . n. 22 . in Gewicht/ Zahl und Maasse Kauffrecht 496 . n. 9 Wachten koͤnnen auch an Feyertagen bestel- let werden 22 . n. 22 Versaͤumniß/ wie zur See bestrafft wer- de 709 . n. 8 . Verlaß- und Verschlaf- fung/ was verdiene 698 . n. 25 . ob durch- paßirenden was abfodern moͤgen 699 . n. 17 Waͤchter/ so Gefangenen entrinnen lassen/ wie zu straffen 91 . n. 27 Waffen/ deren Brauch ist Priestern verbo- ten 180 . n. 5 . Beyfuͤgungs-Recht zu des Beschaͤdigten Wunden 594 . n. 19 . Beschwerer sollen nicht geduldet wer- den 569 . n. 6 Wahl-Recht des juͤngsten Kindes zum el- terlichen Wohnhause 457 . n. 3 Wahrsager sind nicht zu dulden 569 . n. 6 . Gebrauch/ wie zu straffen 569 . n. 7 Wahrzeichen Priester-Amts Verlust 184 . n. 16 . Waldgehoͤltze Rechts-Freyheit 647 . n. 37 . wie dessen Lehnleute sich gebrauchen koͤn- nen 255 . n. 28 Wall/ Mauren und Stadt-Thore Gerech- tigkeit 693 . n. 16 Wappen/ Schild und Nahmen Recht in Lehn-Guͤtern 128 . n. 29 Wasser/ dessen Rechten haben auch Geistli- che zu geniessen 190 . n. 34 . deren Ver- gifftung/ wie zu straffen 598 . n. 29 Wasser-Fluͤsse Gerechtigkeit 232 . n. 22 Wasser-Muͤhlen/ davon haben Prediger auch Gefaͤlle zu heben 185 . n. 19 Wasser-Probe ist zu Erkaͤnntniß der Hexe- rey unguͤltig 575 . n. 21 Waͤysinn Verheyrathungs-Recht 269 . n. 2 Weber und Tuchmacher Falschheit wie zu straffen 245 . n. 16 Wechsel und Tausch Umschlags-Recht 341 . n. 9 . 369 . n. 6 Wechselbaͤlge ob vom Satan gezeuget wer- den 630 . n. 29 Weglaͤuffer im Kriege/ wer zu toͤdten be- rechtiget 693 . n. 16 . wie gebuͤhrend zu straffen 694 . n. 17 . zur See was ver- dienen 708 . n. 4 Wege und Strassen Breite und Bau-Recht 267 . n. 6 . Dienstbarkeit Recht/ wenn Bittweise geschehen 267 . n. 7 Wehklage deꝛ Unseligẽ uͤber Pꝛiester 151 . n. 11 Wehrschafften wie wegen Kauff-Handel die Beamte leisten sollen 498 . n. 13 Weiber koͤnnen Richter-Amt nicht verwal- ten 26 . n. 13 . wie Eydschwuͤre able- gen sollen 43 . n. 41 . moͤgen wohl als Zeugen zugelassen werden 52 . n. 12 . koͤn- nen keine gerichtliche Fuͤrsprecher seyn 71 . n. 25 . wenn gerichtliche Anklage ihnen erlaubet 76 . n. 39 . wenn des Mannes Gevollmaͤchtigte seyn koͤnnen 76 . n. 40 . wenn Buͤrgschafft leisten koͤnnen 93 . n. 33 . Schwangere sollen nicht zur Straffe gezogen werden 110 . n. 45 . von denselben/ wenn Maͤnner Vollmacht haben muͤssen 412 . n. 7 . wie sich Urthels Vollziehung wegen Schul- den widersetzen koͤnnen 352 . n. 6 . wenn Vormundschafften annehmen koͤnnen 293 . n. 8 . koͤnnen ohne Krieges-Vor- muͤndern nichts gerichtlich handeln 292 . n. 5 . 303 . n. 38 . zum Beyschlaff un- M m m m m 2 tuͤchtige Anderes Register/ tuͤchtige wie zu besichtigen 285 . n. 47 . wenn ihrer Freyheit verlustig werden 345 . n. 17 . Leibzucht-Freyheit 471 . n. 6 Verzicht-Freyheit 473 . n. 5 . ob ge- gen dieselbe Nothwehre zu brauchen 619 . n. 28 . wie wegen Verwahrlosung bey Kindes-Geburt zu straffen 611 . n. 12 . wie im Kriege Schutz-Freyheit genies- sen 697 . n. 23 . wie nicht zu Schiffe zu bringen 713 . n. 18 Weiber-Lehn was sey 122 . n. 4 . dessen Muthungs-Recht 127 . n. 24 . darzu gehoͤren keine Toͤchter-Kinder ibid. Weibes-Personen aus Fuͤrstlichem Stam̃ wenn dem Erbe absagen muͤssen 224 . n. 3 . Weide Freyheit haben auch Pfarrer zu ge- niessen 190 . n. 34 Wein und Brodts Kosten/ wer beym heil. Abendmahl gebe 160 . n. 40 Weinberge Beschaͤdigung wie zu straffen 647 . n. 37 . deren Fruͤchte wem heim- fallen bey Lehn-Manns Tode 489 . n. 2 Weinkauff-Handel wenn geschlossen/ wem der Schaden zufalle 350 . n. 34 Weinschencken/ betruͤgliche/ wie zu straffen 245 . n. 14 Weinlese giebt Freyheit von Gerichtsstand 11 . n. 1 . wem nach Lehn-Manns Tode gehoͤre 129 . n. 33 Weltliche Kleidung/ wie darinn ein Prie- ster zu tracti ren 181 . n. 9 Weltliche Personen wenn Kinder tauffen koͤnnen 154 . n. 19 . wo gerichtlich zu belangen 7 . n. 13 . haben Recht zu ja- gen 255 . n. 31 Weltlichen Gerichtsstandes wer befreyet 182 . n. 11 Weltlich Lehn/ was eigentlich sey 122 . n. 4 Weltlichen Regiments Policey Frage- Stuͤcke 528 . seqq. Weltliche Sachen/ wenn und wie von Can- tzeln abzukuͤndigen 149 . n. 7 Weltliche Straffe befreyet nicht von Kir- chen-Busse 161 . n. 43 Wette auf Leib und Leben verboten 261 . n. 6 Wiederlegungs-Schreiben Copie des Ap- pellan ten ist Parteyen zu communici- ren 101 . n. 11 Wiedersacher Bekehrung/ wodurch verhin- dert werde 148 . n. 4 Widersetzlichkeit in Gerichten wie zu straf- fen 17 . n. 4 Wiesen wie nicht zu beschaͤdigen 524 . seqq. Wilden Thiere Schaden wer buͤsse 455 . n. 20 . im Jagen verwundete/ wem ge- hoͤren 257 . n. 36 . welche zu jagen ver- goͤnnet sey 258 . n. 38 Wildbahn und Jagten Unterschied 255 . n. 30 Wild-Diebe wie zu straffen 646 . n. 34 Willkuͤhr des Richters in Urtheilen wie weit sich erstrecke 2 . n. 2 . 28 . n. 20 . Willkuͤhrlichen Schiedrichters Urtheils Krafft 292 . n. 4 Wind-Muͤhlen/ davon gehoͤren auch dem Priester Gefaͤlle 185 . n. 19 Wirthe/ betruͤgliche/ wie zu straffen 245 . n. 14 wie vor reisender Gaͤste Sachen ste- hen muͤssen 381 . n. 7 Witthums Gerechtigkeit 132 . n. 48 Wittwen/ wie sich gegen selbe Richter zu verhalten haben 23 . n. 5 der Gerichts Bedienten/ was fuͤr Frey- heiten geniessen 81 . n. 54 wenn Morgengabe fodern/ wessen be- rechtiget 191 . n. 37 . 193 . n. 45 wie mit Kindern theilen sollen ibid. ob Abzugs-Geld geben sollen 194 . n. 47 deren Heyraths-Recht 276 n. 457 wie Trauer-Jahre zu halten verbunden 286 . n. 51 ob Vormuͤnder seyn koͤnnen 294 . n. 13 wie von Lehn-Guͤtern Leib-Zucht erlan- gen 488 . n. 9 der Priester/ vid. Priester-Wittwen. Wittwer/ wie sich wieder verheyrathen koͤnnen 295 . n. 13 Wohlfarth gemeinen Wesens/ wodurch be- foͤrdert werde 241 . n. 1 Woh- der vornehmsten Sachen. Wohnung ohne Fruchtnutzung/ was sey 249 . n. 12 Wohnungs-Gerichts-Ort/ wer unterge- ben 6 . n. 10 Wohnungs-Ort vom Geburts-Ort unter- schieden 4 . n. 1 Wortschmaͤhung Klage-Recht 657 . n. 4 Wucher sollen Priester nicht treiben 183 n. 13 ob Creditores nehmen koͤnnen 357 . n. 23 Geloͤbniß/ wie zu halten 305 . n. 2 wie hoch man nehmen koͤnne vom ausge- liehenen Gelde 367 . n. 3 Unfug/ wie zu straffen 367 . n. 4 soll die Haupt-Summe nicht uͤbergehen 375 . n. 24 verbotenen wegen wo zu klagen sey 6 . n. 11 Wucherer offenbare sollen nicht auff Kirch- hoͤfe begraben werden 20 . n. 44 Wunden Auffschnitt/ Zahl/ Tieffe und Ge- fahr-Tage 593 . n. 18 . seq. wenn von Gefaͤngniß befreyen 90 . n. 24 . 87 . n. 15 Wund-Aertzte/ deren Zeugen-Eyd/ wenn kraͤfftig 52 . n. 14 wie denen bey Beschaͤdigungen zu glau- ben 593 . n. 18 Wuͤnschel-Ruthe Aberglauben verboten 569 . n. 6 Wuͤrtz-Kraͤhmer Betrug wie zu straffen 245 . n. 14 Wuͤste Bauer-Aecker Recht zum Priester- Lohn 188 . n. 28 . 201 . n. 17 . \& 203 . n. 22 wer sich gebrauchen koͤnne 252 . n. 21 Wuͤsten Platzes Recht zu banen 252 . n. 21 Z. Zahlung Beweiß-Buͤrde/ wem obliege 377 . n. 32 rechtmaͤßige Beschaffenheit 370 . n. 8 . seq. Termins-Recht eines Buͤrgen 93 . n. 34 Zaͤncker/ denselben soll keine Appellation verstattet werden 102 . n. 14 geben in Todtschlag Argwohn von sich 619 . n. 8 Zauber-Tantz und Versammlungen sind nur des Teuffels-Aeffungen 681 . n. 4 Zauberer Art und Eigenschafften 573 . n. 17 deren Anzeigen und peinliche Frage- stuͤcke 573 . n. 10 wie zu straffen 576 . n. 22 . vid. Hexen. Zaͤune und Hecken soll die Gemeine um Dorff-Pfarrer Häuser machen lassen 196 . n. 5 deren Verwuͤstung/ wie zu straffen 524 . seqq. Zehende von Lehn-Guͤtern/ wem nach Lehn- Manns Tode gehoͤre 129 . n. 34 wie gebuͤhrend anzuwenden 166 . n. 5 wie nicht zu veraͤusern ibid. mit deren Bezahlung soll man nicht saͤu- mig seyn 167 . n. 6 sind ein Stuͤck der Pfarrer Besoldung 188 . n. 29 wem zukomme nach Priesters-Absterben 193 . n. 43 ob verjahret werden koͤnne 201 . n. 17 von Grund-Guͤtern/ wem zu zahlen 201 . n. 18 von welchen Feld- und Garten-Gewaͤch- sen wie zu entrichten 201 . n. 19 wie von Holtz den Pfarrern gebuͤhre ibid. muͤssen eher gegeben werden als Zinß und Schatzungen 202 . n. 20 soll auch von Muͤhlen und Fischteichen gegeben werden 202 . n. 20 von wem entrichtet werden muͤssen 202 . n. 21 wenn vermindert oder vermehret wer- den 203 . n. 21 wie davon die Geistlichen befreyet 203 . n. 22 muß von der Obrigkeit angewiesen wer- den 203 . n. 22 wie von Muͤntze und in baarem Gelde zu heben sey 204 . n. 25 M m m m m 3 wenn Anderes Register/ wem nicht auffzubuͤrden 205 . n. 28 wer davon befreyet 219 . n. 29 Zehenden Pfennigs Abzugs-Geld/ wer ge- ben muͤsse 324 . n. 39 Zent-Stadt- und Land-Gerichten Unter- schied 396 . n. 2 Zeuge kan niemand in eigener Sache seyn 33 . n. 6 wenn zu keinem Eyd zu lassen sey 43 n. 39 wie befragt werden solle 49 . n. 2 von hoͤren sagen/ ob etwas beweise 50 . n. 3 dessen Gebaͤrden und Wanckelmuth ist wohl zu beobachten 50 . n. 3 einer kan nichts beweisen 52 . n. 11 wer nicht seyn koͤnne 52 . n. 12 gutwilliger und ungeschworner ist ver- werfflich 52 . n. 13 uͤbel beruͤchteten Verwerffung/ wie zu beobachten 53 . n. 16 wenn mit Eyde zu verschonen 53 . n. 17 . bestochener ist nicht guͤltig 53 . n. 18 unbeständiger/ wie kraͤfftig 54 . n. 21 demselben warum Stillschweigen auff- zulegen 54 . n. 22 zweifelhaffter/ ob guͤltig 55 . n. 26 untuͤchtiger/ in welchen Sachen zuzulas- sen 55 . n. 27 . 60 . n. 45 verdaͤchtiger ist verwerfflich 56 . n. 30 wenn glaubhafft bestochen 56 . n. 30 wanckelhafftiger ist peinlich zu befragen 58 . n. 37 wie zu examini ren 415 . n. 15 wer bey Testamenten seyn mag 329 n. 8 Zeugen/ denselben sind Zeugniß-Worte nicht vorzusagen 57 . n. 35 wenn peinlich zu fragen 58 . n. 37 wenn mit Beklagtem zu confronti ren 59 . n. 40 deren Falschheit worinn bestehe 59 . n. 42 deren Ungehorsam im Ausbleiben was entschuldige? 60 . n. 43 wie bey Mordthaten zu befragen 60 . n. 44 wenn moͤgen gezwungen werden 60 . n. 46 wenn auff ewiges Gedaͤchtniß zu fuͤhren 61 . n. 49 moͤgen Reise- und Zehr-Kosten fordern 61 . n. 49 unbekandte/ belohnt und widerwaͤrtige beweisen nichts 61 . n. 50 derselben Kosten/ wer und wie viel zah- len muͤsse 62 . n. 53 derselben Worte sollen nicht veraͤndert werden 66 . n. 10 deren Examen bey Augenscheins-Faͤllen 116 . n. 7 wie Testamente zu unterschreiben und zu versiegeln 439 . n. 11 . seq. Zeugen Aussage soll Beklagtem communi- ci ret werden 50 . n. 4 . 58 . n. 38 mag wieder erneuert werden/ iedoch oh- ne Eyd 54 . n. 21 Zeugen Bestechungs-Argwohn/ wie zu ver- huͤten 51 . n. 5 Zeugen-Eyd/ wie einzurichten 61 . n. 46 Zeugen Verhoͤr giebt gehoͤrigen Gerichts- Stand 10 . n. 25 wie gebuͤhrend anzustellen 49 . n. 1 . 50 n. 8 . 401 . n. 6 . 415 . n. 15 . in was Ordnung geschehen solle 51 . n. 9 wenn von neuen anzustellen 56 . n. 31 wie dabey die Fragstuͤcke einzurichten 57 . n. 34 Zeugen Vorrecht/ so glaubhafft 11 . n. 25 Zeugniß widriges/ wie zu vergleichen 51 . n. 6 . 54 . n. 20 von einem abgestattet/ beweiset nichts 52 . n. 11 koͤnnen auch Weiber abstatten 52 . n. 12 wie fern Wund-Aertzte geben koͤnnen 52 . n. 14 wie Adeliche Personen abstatten muͤssen 53 . n. 15 schrifftliches ist unkraͤfftig 53 . n. 15 wenn Unterthanen wider Obrigkeit ab- legen koͤnnen 53 . n. 17 der Freunde/ Hausgenossen/ oder Fein- den/ ob kraͤfftig 54 . n. 23 welche Personen nicht abstatten moͤgen 55 . n. 24 widerwaͤrtiges wenn guͤltig 56 . n. 31 ob man darzu einen zwingen koͤñe 56 . n. 32 zu dessen der vornehmsten Sachen. zu dessen Einhohlung/ wie lange Frist zu goͤnnen 57 . n. 36 Zigeuner oder Tartarn/ deren Kinder war um nicht zu tauffen 154 . n. 18 denselben ist kein Durchzug zu verstatten 267 . n. 4 Ziehbrunnen/ aus demselben Wasser schoͤpf- fen/ wem zustehe 380 . n. 4 Zimmerleute/ wie zu Galgen-Erbauung muͤssen huͤlffliche Hand leisten 637 . n. 9 Zins/ wem nach Lehn-Manns Tode von Lehn-Guͤtern gehoͤre 129 . n. 34 wenn davon Gelehrte nicht befreyet 189 . n. 31 wem zugehoͤre nach Priesters Absterben 193 . n. 43 muß dem Lehn-Herrn ins Hauß geliefert werden 247 . n. 4 wie wegen Pfand abzurechnen 144 . n. 24 Zins-Brodte/ wie dem Pfarrer zu liefern 188 . n. 29 Zins-Buͤcher geben in Gerichten kraͤfftigen Beweiß 33 . n. 5 Zins-Guͤter koͤnnen wegen Schulden nicht eingenommen werden 108 . n. 37 deren Eigenthum mag nicht verjaͤhren 246 . n. 4 deren Streitsachen welcher Richter ent- scheide 246 . n. 1 wie zu verkauffen 246 . n. 3 deren Succession- Recht 491 . n. 6 Jnnhaber und Besitzer Freyheit/ wegen deren Disposition ibid. duͤrffen nicht getheilet werden 491 . n. 7 Empfaͤngniß und Unterscheid im Zweifel 514 . n. 14 Streit-Eroͤrter- und Verjaͤhrung 514 . n. 15 . seq. Zoll/ wer davon befreyet 81 . n. 54 . 233 . n. 24 davon kan allein ein Landes-Herr ie- mand befreyen 114 . n. 2 darff die Kirche nicht entrichten 209 . n. 30 wie zu entrichten/ und wie dessen Entzie- her zu bestraffen 232 . n. 23 wie von Sold-Steuern unterschieden 239 . n. 42 Erneuer- und Steigerung/ wie verboten 580 . n. 5 Zoͤllner sind zu entschuldigen von Vor- mundschafften 294 . n. 12 Zorn/ wie bey Todtschlag entschuldige 599 . n. 31 Zuͤchtigung Maaße Uberschritt Straffe 590 . n. 11 Zufaͤllige unversehene Todtschlag/ wie ge- schehe/ und ob zu straffen 610 . n. 9 Zuͤnffte oder Handwercks-Jnnungen/ wie zu halten 241 . n. 3 Zunge und Gaumen Anschau- und Beschnei- dung-Recht im Schweine-Kauff 349 . n. 29 Zwang/ rechtlichen wer nicht lindern koͤnne 23 . n. 6 Recht Christlich getauffter Eheleute 156 . n. 25 in Schuldners Widersetzligkeit 37 . n. 27 Zwang-Briefe der Obrigkeit zum Zeugen- Verhoͤr 43 . n. 38 Zwang-Mittel eines Richters/ ihm zu ge- horsamen 30 . n. 24 der Obrigkeit/ worinn bestehe 110 . n. 46 Zwang-Muͤhlen-Gerechtigkeit 379 . n. 1 Zwang-Schreiben/ Acten auszuliefern 101 . n. 8 Zweiffelhafften Rechts Entscheidung/ wem zustehe 217 . n. 21 Zwerch-Linien Erb-Recht 480 . n. 8 Zweyter Ehe Kinder- und Mutter-Thei- lung 362 . n. 13 Zwiefachen Ehegeloͤbniß-Recht 275 . n. 21 Ehe Straff-Recht 621 . n. 4 Rente/ wenn zugelassen 369 . n. 6 Bezahlungs Klage-Recht/ hinterlegt- und anvertrauten Guts halben 365 . n. 19 ENDE. Anhang/ Darinn nnterschiedene Chur- und Fürstl. Braunschweig- Luͤneburgische Landes- Constitutiones und Verordnungen sich befinden. Summarien Derer hierinnen enthaltenen Landes- Constitution en. I. Forst-Ordnung. II. Constitution wegen der Land-Gerichten. III. Constitution der Mastung. IV. Muͤntz- Edict. V. Constitutio wegen Mißwachs. VI. Constitutio wegen Besichtigung der Feld-Fruͤchte. VII. De Juramento Calumniæ. VIII. Constitutio Subhastationis Bonorum. IX. Constitutio Concursus Creditorum. X. Item renovatio Const. Conc. Cred. XI. Constitutio de Successione Conjugum. XII. Edict vom Jagen und Schiessen. XIII Constitutio wegen Veraͤusserung gemeiner Staͤdte und Dorffschafft Guͤter. XIV. Constitutio wegen Laͤnderey- und Wiesen-Verpfaͤndung. XV. Constitutio Juris Retractus subhasti rter Haͤuser. XVI. Verordnung und Reglement wegen Einrichtung der Aemter und Gilden. XVII. Edict wegen des Feld-Huͤner-Schiessens. XIIX. Erweiterung des vorigen Edicts vom Feld-Huͤner-Schiessen. XIX. Edict vom Korn-Handel. XX. Edict wegen des Wege-Geldes zu Haller Springe. XXI Verordnung wegen der Kessel-Traͤger. XXII. Constitutio von Koppel-Jagten. XXIII. Constitutio von Baum- Plantag en. XXIV. Wiederholung der vorigen Constitution von Baum- Plantag en. XXV. Verordnung der Floͤße des Brenn-Holtzes auff dem Lein- Strohme. XXVI. Haspel-Ordnung im Amt Stoltzenau. XXVII. Haspel-Ordnung des gantzen Landes. XXIIX. Edict wegen der Lehns-Sinnung. XXIX. Edict von Tauben-Schiessen. XXX. Edict von Fasanen. XXXI. Constitutio von Immunit aͤten und Freyheiten. XXXII. Edict von Krahmern und Hausirern ausserhalb Jahrmarckts- Zeiten. XXXIII. Erlaͤuterung des vorigen Edicts von Krahmern und Hausirern. a 2 XXXIV. I. Landes- Constitution XXXIV. Saltz- Edict. XXXV. Constitution, wie es wegen der Ehe-Verloͤbnisse gehalten wer- den soll. XXXVI. Verordnung/ wie es der Dispensation halber in gewissen Gradibus gehalten werden soll. XXXVII. Constitutio, wie sich Patroni mit Verleyhung der Pfarren zu ver- halten haben. XXXVIII. Verordnung von Privat-Copulationen und stiller Beysetzung der Todten. XXXIX. Constitutio vom Roß-Handel. XL. Verbot wegen Nicht-Verkauffung der Pferde vor dem Jahr- Marckte. XLI. Constitutio von Untreu berechneter Diener. XLII Verordnung von der Juden Schutz und Geleitung. XLIII. Edict von Ziegeunern. XLIV. Edict von Zuschlag der Felder und Wiesen. XLV. Privilegium der Leinewands-Legge der Stadt Hameln. XLVI. Constitutio von dem Hamelischen Wochen-Marckte. XLVII. Verordnung von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ Goͤttin- gen und Northeim. I. Forst-Ordnung/ welche des Durch- lauchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Johann Friederichs/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ Fuͤrstl. Durchl. in Dero Fuͤrstenthum Braunschweig- Luͤneburg-Calenbergischen Theils/ A. 1678. publici ren lassen. Caput I. Von Bestellung der Forst-Bedienten/ und Graͤntzen derer Forsten. 1. A Nfaͤnglich ordnen und wollen Wir/ daß alle und jede Forst-Bediente/ als: Ober-Foͤrstere/ Forst-Schreibere/ reitend- und gehende Foͤrstere/ Holtz Knechte/ und wer sonst in den Forsten Unsernthalben etwas zu verrichten und zu gebieten hat/ niemand vom Ersten biß zum Letzten davon ausbescheiden/ in Unsern Eyden und Pflichten stehen/ und sel- bige fuͤr Unser Fuͤrstl. Cammer/ nach wie vor/ und wie es Herkom- mens/ von Forsten. mens/ ablegen; auch von solchen Forst-Bedienten/ ohne Unser Vor- wissen und Verordnung/ niemand angenommen/ abgeschaffet noch bestraffet werden solle. Und damit Wir desto gewisser seyn/ so soll bey Unser Fuͤrstlichen Cammer eine absonderliche von Unserm Ober- Forst- und Jaͤgermeister mit unterschriebene Lista/ aller und jeder Forst-Bedienten/ worinn dero Nahmen und Zunahmen/ auch der Ort des Forsts/ worauff sie bestellet/ deutlich enthalten/ eingelieffert und verwahrlich beygeleget werden. 2. Ferner soll Unser Ober-Forst- und Jaͤgermeister eine rich- tige und gruͤndliche Beschreibung aller und jeder Forsten in Unsern Fuͤrstenthuͤmern Braunschweig-Luͤneburg-Calenberg- und Goͤttin- gischen Theils/ so wohl fuͤr sich haben/ als auch selbige in Unsere Fuͤrstl. Cammer einlieffern. Solte sich dañ befinden/ daß etwan solche Be- schreibung uͤber einen und andern Ort von Handen kommen/ oder noch nicht verfertiget waͤre/ so soll solche auffs neue und foͤrderlichste wieder gemachet/ und ebenmaͤßig in Verwahrung gegeben werden. 3. Alle Unsere Waͤlder und Forsten sollen in ihren Graͤntzen/ so wohl gegen die Auslaͤndische/ als auch im Lande gegen die Hoͤltzun- gen/ welche Unsern Kloͤstern/ Land-Staͤnden oder Unterthanen ange- hoͤrig/ dann ferner ein Ort Unserer eigenen Forste gegen den andern/ nach ihrer Abtheilung/ mit kaͤntlichen Zeichen und Merckmahlen ge- zeichnet und unterschieden seyn. 4. Weilen auch an etlichen Orten durch Mahl-Baͤume die Graͤntzen gemercket seyn/ solches aber ein abstehendes und vergaͤngli- ches Werck ist/ so soll Unser Ober-Forst- und Jaͤgermeister/ nebst de- nen Beamten und Forst-Bedienten/ im Beyseyn der Angraͤntzenden/ neben solchen Mahl-Baͤumen/ so viel moͤglich/ sichtigliche Mahl-Stei- ne setzen lassen; wie es dann auch innerhalb Landes/ da Unsere Ge- hoͤltze an andere Holtzungen stossen/ also gehalten werden soll. 5. Es sollen auch Unsere Ober-Forst- und Jaͤgermeister/ Be- amte und Forst-Bediente/ wo nicht alle/ jedoch ums andere oder drit- te Jahr/ zwischen Fastnacht und Johannis Baptistaͤ/ die Graͤntzen der Hoͤltzer beziehen/ die alten und jungen Einwohner derer daran ge- legenen Dorffschafften/ um kuͤnfftiger Wissenschafft willen/ zu sich nehmen/ die alten Mahl-Steine und Graͤntz-Baͤume mit Fleiß be- sichtigen/ und/ was daran unkaͤntlich/ verneuern; wo an d ere Nach- baren mit Uns araͤntzen/ solche Graͤntz Nachbaren darzu bescheiden/ da etwan die Mahl-Baͤume niedergefallen/ oder die Graͤntz-Steine a 3 aus- I. Landes- Constitution ausgerissen und weggekommen waͤren/ andere neue Steine setzen/ und wie die Graͤntze jedesmahl dabey befunden/ welchen Tag dieselbe zu beziehen angefangen/ wenn man nun mit solcher Beziehung fertig worden/ auch wie viel Mahl Baͤume und Steine zwischen einem je- den Graͤntz-Nachbarn stehen/ und was sonsten jedesmahl dabey vor- gelauffen/ mit Fleiß verzeichnen/ und von obigem allen ausfuͤhrliche Relation zu Unser Fuͤrstl. Cammer ungesaͤumt einschicken. 6. Wuͤrden auch an einem oder andern Orte die Fisch- und andere Wasser die Wald-Graͤntzen scheiden; auch truͤge sichs zu/ daß/ bey Ausfließ- und Ergiessung der grossen Wasser/ Uns an Unse- rem Lande oder Graͤntzen Schade oder Abbruch geschehe; so sollen die Ober-Forst- oder Jaͤgermeister/ Beamte und Forst-Bediente fleißige Auffsicht haben/ damit beyzeiten vorgebauet/ und dadurch das Wasser in seinem alten Gang und Strom behalten werde. 7. Wie denn auch die Graͤntz-Nachbarn/ welche Amts-Un- terthanen seyn/ wann Mahl-Baͤume umfallen/ oder Steine sich ver- liehren und ausgerissen wuͤrden/ solches denen Beamten und Foͤrstern anzuzeigen/ diese aber dergleichen Baͤume und Steine zu besichtigen/ an deren statt andere Baͤume zu zeichnen/ oder Steine hinwieder zu setzen/ schuldig seyn sollen; wuͤrde aber jemand solches uͤber 8. Tage nach seiner Wissenschafft verschweigen/ auch von den ausgeworffe- nen Mahl-Steinen/ oder umgeworffenen Mahl-Baͤumen keine Mel- dung thun/ derselbe soll/ dafern er dessen uͤberfuͤhret werden kan/ will- kuͤhrlich/ und im Fall er sich des umgefallenen Holtzes unterzogen/ be- fundenen Umstaͤnden nach/ in hoͤhere Straffe genommen werden. 8. Gleicher Gestalt sollen die Foͤrstere/ wann Mahl-Baͤume umfallen oder abgehauen worden/ solches bey Vermeidung ernster Bestraffung zufoͤrderst dem Ober-Forst- und Jaͤgermeister/ und demnechst denen Beamten binnen acht Tagen anzumelden schuldig und gehalten; neue Graͤntzen oder Steinungen aber fuͤr ihre Person/ ohne Beyseyn des Ober-Forst- und Jaͤgermeisters und der Beamten/ anzuordnen oder zu setzen/ keines Weges bemaͤchtiget seyn. 9. Da auch zwischen fremden Graͤntz-Nachbarn wegen der Graͤntzen Bedencken oder Jrrungen vorfielen/ sollen sie solches/ samt allen Umstaͤnden/ an Uns oder Unsere geheimbte Cantzley gelangen lassen/ und von dannen Bescheides darauff erwarten. 10. Wuͤrde aber jemand einen Scheid- oder bezeichneten Marck-Baum/ so die Graͤntzen und Maͤrckungen auff den Waͤldern und von Forsten. und Hoͤltzern anzeiget/ wissentlich verstumpffen und abhauen/ derselbe soll von Uns nach Erkaͤntniß der Rechte/ und/ wofern solch Umhauen Gefahr und Nachtheil nach sich ziehen wuͤrde/ nach Befinden am Lei- be gestraffet werden. Caput II. Von Heg- und Erhaltung derer Forsten/ auch Er- sparung des Holtzes in denen Herrschafftlichen Gehoͤltzen. 1. M Eiter ordnen und wollen Wir/ daß niemand Eichen/ Buͤchen/ Dannen/ oder andere frucht- oder unfruchtbare Baͤume kraͤyn- tzen/ noch die Borcken klopffen/ abschelen/ oder sonsten in andere We- ge versehren solle; bey unnachlaͤßiger Leibes-Straffe. 2. Gleicher Gestalt soll keiner Feuer in die Baͤume machen/ die- selbe dadurch hohl- und umbrennen oder verderben; bey Vermeidung ernstlicher Straffe. 3. Es soll auch keiner unter den Baͤumen Soden stechen/ Wa- sen/ Plaggen oder Heyde hauen und meyen/ damit dadurch denen Wurtzeln kein Schade geschehe/ sondern die Baͤume unversehrt blei- ben moͤgen. 4. Gleichmaͤßiger Ursachen halber/ und daß denen Baͤumen die Nahrung zum Wachsthum nicht entzogen werde/ soll der Acker denen Baͤumen nicht zu nahe/ sondern nach Gelegenheit in ziemlicher Weite/ und zwar zum wenigsten zehen Fuß rings herum/ davon ge- machet werden. 5. Als auch die Erfahrung mehr/ als gut ist/ bezeuget/ daß/ wann die Heyden angestecket werden/ das Feuer unausloͤschlich serpi ret und fortbricht/ und offtermahls gantze grosse Holtzungen/ zu unwiederbring- licher Landes-Verderblichkeit/ jaͤmmerlich in die Aschen geleget wer- den: So befehlen Wir und wollen/ daß niemand in denen Heyd- Aemtern/ er sey auch wer er wolle/ um keinerley Ursachen willen/ die Heyden anstecken und brennen soll/ er zeige es dann zufoderst denen Beamten und Foͤrstern des Orts an/ daß sie mit den Leuten darbey kommen/ und verhuͤten moͤgen/ daß solches Feuer nicht in die Hoͤltzer komme; bey Poen funfftzig Reichsthaler/ so offt darwider gehandelt wird. 6. Ob I. Landes- Constitution 6. Ob auch schon der Anstecker keine Ursach das Holtz abzu- brennen gehabt; so soll er dennoch darzu antworten/ und allen Scha- den erstatten/ auch mit einer hoͤhern Geld-Straffe/ als obstehet/ oder auch wohl nach Gelegenheit/ wegen seiner grossen Fahrlaͤßigkeit/ mit Verwirckung des Schadens und Verweisung des Landes/ Staupen- schlaͤgen oder Gefaͤngniß beleget werden. 7. Solte er aber/ bey Anzuͤndung der Heyden/ Vorsatz haben das Holtz abzubrennen/ und daraus der Schaden dermassen groß er- folgen/ daß er einem ziemlichen Diebstahl gleich zu achten/ so soll der Thaͤter/ nach Rath und Gutachten Unser zum peinlichen Gerichte Verordneten/ am Leben gestraffet werden. 8. Wann jemand das gefaͤllete Bau- oder Klaffter-Holtz fer- ner zertheilen und kuͤrtzer machen will/ der soll die Saͤge gebrauchen/ damit das Holtz desto weiter reichen/ und der Schade/ indem die Spaͤ- ne/ wann das Holtz mit der Axt geschroͤtet und gekuͤrtzet wird/ weg- springen/ und zu keinem Nutzen zu bringen/ verhuͤtet bleibe; das Reiff-Holtz auch in rechter gleicher Laͤnge desto besser gemachet wer- den moͤge. 9. Nachdem sich auch befindet/ daß ein grosser Betrug und Vor- theil gebrauchet wird/ so man Feuer- oder Kohl-Holtz uͤberhaupt oder Stamm-weise verkaufft; als soll solches ferner nicht verstattet oder gebrauchet/ sondern alles Feuer- oder Kohl-Holtz in Klafftern geschla- gen werden. 10. Und sollen alle und jede Unsere Beamten/ wie dann auch Buͤrgermeistere und Raͤthe in denen Staͤdten und Flecken/ unnach- laͤßige Achtung darauff geben/ daß/ wann neue Gebaͤude auffgerichtet werden/ die Grund-Hoͤltzer nicht in-noch auff die Erde/ sondern zum wenigsten eine halbe Elle uͤber der Erden/ und Steine oder anders dar- unter geleget werden/ damit sie destoweniger oder je langsamer verrot- ten koͤnnen. 11. Wie dann auch/ daß in Flecken und Doͤrffern kein Mist an die Gruͤnde/ sondern weit davon geleget werde/ damit zwischen den Gebaͤuden und dem Mist-Platz noch Raum sey/ und also die Gruͤnde und Staͤnder unverrottet bleiben. 12. Auff die muthwilligen Gefellen/ so die Heister abhauen/ aus- ziehen/ oder sonsten beschaͤdigen und verderben/ sollen unsere Beam- ten und Foͤrstere gleicher Gestalt fleißige Achtung geben/ die Thaͤter gefaͤnglich einziehen lassen/ und deßwegen mit Ernst bestraffen. 13. Wir von Forsten. 13. Wir befinden auch/ daß die Bauren/ wenn sie in die Kir- chen uͤber Feld gehen/ wie auch die Kuͤhe- und Schwein-Hirten/ Schaͤfer und andere/ wann sie mit Viehe zu Holtze treiben und huͤ- ten/ ein theils Barten und Axten in den Haͤnden haben/ und mancher aus Ubermuth die Heistere und andere Baͤume damit verletzet; Be- fehlen demnach/ daß die Bauren/ wenn sie in die Kirchen gehen/ und die Hirten/ keine Barten und Axten/ sondern Spiesse oder ander Ge- wehr/ womit junge Heister oder andere Baͤume nicht beschaͤdiget wer- den koͤnnen oder moͤgen/ bey sich tragen oder haben sollen; bey Ver- meidung ernstlicher Straffe. 14. Weil auch eine Zeithero dieser Mißbrauch bey den Fuhr- Leuten eingerissen/ daß die wenigsten/ so durch unser Land reisen/ in den gemeinen Heerstrassen bleiben/ sondern ihres Gefallens hie und dort eigene Wege suchen/ dadurch Uns auff Unsern Gehoͤltzen nicht gerin- ger Schade zugefuͤget wird: Als ist Unser ernster Befehl/ daß Unsere Beamte und Forst-Bediente/ solchem Schaden vorzukommen/ die Wege vergraben/ mit Schlag-Baͤumen verwahren lassen/ und fleis- sige Auffsicht halten/ daß/ da einer oder der ander diesem Unserm Ver- bot zuwider handeln wuͤrde/ denen Verbrechern ein Pferd ausgespan- net/ dasselbe an Unser Amt oder Vogtey gelieffert werde/ damit es von Unsern Beamten gestraffet werden koͤnne. 15. Damit sich auch einer oder der ander nicht zu entschulden/ so sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente Handweiser vor die ver- grabene Wege setzen lassen/ und denen nechst-gelegenen Kruͤgern und Herbergirern mit allem Ernste anbefehlen/ daß sie die Reisenden/ so bey ihnen einkehren/ verwarnen/ sich fuͤr Schaden zu huͤten/ oder da einer oder der ander vorwenden wuͤrde/ daß ihme von dem Wirth oder Kruͤger nichts gesagt/ soll derselbe gleicher Gestalt gebuͤhrlich gestrafft werden. 16. Nachdem sich auch befindet/ daß von den Einheimischen so wohl/ als den Auslaͤndischen solche Wege gesuchet und gefahren wer- den: Als sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente gleicher Gestalt wohl zusehen/ daß solches gaͤntzlich abgeschaffet/ und da einer oder an- der betreten wird/ die Forst-Bediente denselben in das Buß-Regi- ster schreiben/ und beym Amte anmelden/ damit er zu gebuͤhrender Straffe gezogen werde. b 17. Wann I. Landes- Constitution 17. Wann die Fuhrleute Klaffter-Zimmer- oder ander Holtz/ wasserley Nahmen es hat/ aus den Hoͤltzern fuͤhren/ so soll ihnen durchaus nicht verstattet werden/ wie sie dessen bißhero guten theils im Gebrauch gehabt/ Karn- und Wagen-Leiter-Baͤume/ auch allerhand Ruͤst- und Nutz-Holtz abzuhauen/ mit nacher Hause zu fuͤhren/ und entweder vor sich selbst zu gebrauchen/ oder Wagenern und andern Handwercks-Leuten in den Staͤdten zu verkauffen; und sollen die Forst-Bediente mit allem Fleiß deßwegen Auffsicht haben/ wo sie ei- nen betreten/ der sich eines solchen unterfienge/ denselben pfaͤnden/ und alsobald zur Straffe beym Amte anmelden. 18. Nachdemmahln auch gnugsam bekandt/ daß die Leute/ wel- che das Feuer-Holtz zu Herrn-Dienst hauen/ nach der Hoffstatt oder anders wohin fuͤhren/ zur Stelle ihres Gefallens gute grosse Fuder auffladen/ fuͤr erst aber damit auff ihre Hoͤfe fahren/ und daselbst die besten Klaffter abwerffen/ und nur etliche wenige Knuͤppel an gehoͤri- ge Orte bringen: Als sollen die Beamten ihnen solches jeden Orts bey Straffe verbieten/ und sie deßwegen an die Foͤrster verweisen/ da- mit ihnen dieselbe zeigen moͤgen/ wo sie hauen/ oder von bereits gehaue- nem und zu Klaffter gelegtem Holtze aufladen sollen. 19. Weiln auch die Feld-Zaͤune viel Holtz wegnehmen: So soll hinfuͤro/ wo keine gemeine Trifft hingehet/ kein Feld-Zaun mehr gemacht/ sondern vielmehr diejenigen/ so allbereit seyn/ nicht gebessert/ sondern in Abgang gebracht werden. 20. Und wer seine Aecker und Wiesen befriedigen will/ der soll einen Graben darum machen/ und denselben mit Weyden und andern ihme gefaͤlligen Holtze beflantzen/ ihme auch dergestalt mit seinen eige- nen gepflantzten Holtz und Strauch einen Zaun zu machen und zu hal- ten unverboten seyn/ jedoch die Unnothwendigkeit/ zu Ersparung des Holtzes/ ausgeschlossen. 21. Die Feld-Zaͤune sollen von eitelem Eichen-Holtze/ auch von eines eigenem Eichen-Holtze nicht gemachet/ oder die allbereit ge- machte verbessert/ sondern abgeschaffet werden/ oder in Verbleibung dessen Unsere Beamten bemaͤchtiget seyn/ solch Holtz wegzunehmen/ und zu Unserm Nutzen zu gebrauchen/ zu verkauffen/ und Uns zu be- rechnen; es waͤre dann/ daß daselbsten eine gemeine Trifft hergienge/ und ander unfruchtbares oder Unterholtz zu dem Zaune nicht zu be- kommen waͤre. 22. Der von Forsten. 22. Der Mißbrauch/ daß zu einer Hochzeit oder Gilde son- derliche Baͤume zu Baͤncken/ darauff die Leute sitzen moͤgen/ oder auch Feuer-Stuͤcke gefordert werden/ soll abgeschaffet seyn/ und in einem jeden Kirchspiel etzliche Baͤncke gemachet/ verwahret/ und bey den Hochzeiten und Gilden verliehen/ gebrauchet/ und jedesmahl an die darzu verordnete Oerter wieder gebracht und verwahret werden. 23. Ebener maßen sollen die Kirchmessen- und Fastel-Abends- Baͤume zu hauen verboten seyn. 24. Wir gebieten und wollen auch/ daß Unsere Beamten/ Voigte/ Gohegraͤven/ Foͤrstere oder andere Diener/ hinfuͤro zu Ab- wendung ungleichen Verdachts/ und des an etzlichen Orten eine Zeit- lang hero in viele Wege verspuͤhreten grossen Mißbrauchs/ sich so wenig des Windbracken/ Fall-als Pollholtzes anmassen/ sondern dasselbe insgesamt jedesmahl zu Unserer eigenen Nothdurfft gebrau- chen/ verkauffen/ und Uns berechnen/ gar nicht aber zum Verderben muthwillig liegen lassen sollen/ bey Verlust des Contravenienten Dienstes/ und Vermeidung ernstlicher Straffe. 25. Gleicher Gestalt bezeuget die taͤgliche Erfahrung/ daß die Stubenhitzer und auff andere Feuer bestellete Leute auff Unsern Aemtern/ wegen ihres eigenen Zugangs an Aschen/ eine grosse Men- ge Holtzes gar uͤberfluͤßig und unnoͤthig verbrennen; derentwegen Wir ihnen hinfuͤro solche Asche/ zu Abwendung des augenscheinli- chen Mißbrauchs/ nicht mehr paßiren/ sondern bey Unsern Aemtern selbsten verbrauchen oder verkauffen/ und ihnen den Stubenhitzern/ nach Gelegenheit/ etwas mehr zu ihrem Unterhalt reichen und geben lassen wollen. 26. Als auch die Holtzhauer und Zimmerleute sich unterste- hen/ jedesmahl wenn sie heimgehen/ ein Stuͤck Holtzes mit sich zu neh- men/ wodurch allerley Partirerey getrieben wird; So sollen solches Unsere Beamte und Foͤrstere hinfuͤro nicht verstatten/ sondern zu Un- serm Besten gebrauchen/ und die Verbrechere zu gebuͤhrender Straf- fe in das Holtz-Buß-Register bringen. 27. Die Beamte und Forstbediente sollen auch mit keinem Holtz/ Bretern/ Kohlen/ Reiff- oder Faden-Holtz/ und was demselben an- haͤngig/ handeln. 28. Die boͤsen Wege oder rechten Heer-Strassen sollen hin- fuͤro/ da man es immer haben kan/ mit Steinen/ und keinem Holtze b 2 ge- I. Landes- Constitution gebessert und uͤbersetzet werden; darzu dann billig die Eingesessene des Amts/ darinn der Ort belegen/ helffen/ auch die Durchreisende/ zu Er- leichterung der Unkosten/ nach Gelegenheit/ ein leidliches zum Weg- Gelde geben sollen. 29. Damit auch wir versichert seyn koͤnnen/ daß die Auffsicht in Unsern Forsten desto fleißiger geschehe; so sollen alle und jede Obe- re und andere Foͤrstere monatlich einen Pflicht-maͤßigen Bericht zu Unser Fuͤrstl. Cammer einsenden/ wie sie es/ ein jeder in seinem Bezirck und Forsten/ gefunden. 30. Es soll auch Unsern Beamten jedes Orts frey stehen/ daß sie fuͤr sich/ und ohne Zuthun der Forst-Bedienten/ die Forste ihres anvertrauten Amts besuchen/ und sollen selbige auch ihren Pflicht- maͤßigen Bericht alle Quartal davon absonderlich erstatten. 31. Weilen auch in diesem Unserm Fuͤrstenthum von Unserm loͤbl. Vorfahren absonderliche Holtzgerichte nuͤtzlich verordnet/ selbi- ge aber an theils Orten fast in 40. Jahren nicht gehalten sind: So soll Unser Ober-Forstmeister sich deren Bewandniß eigentlich und for- dersamst erkundigen/ und Uns davon unter fernern Verordnung sei- nen unterthaͤnigsten Bericht erstatten. Caput III. Von Hau- und Anweisung in de- nen Forsten. 1. E S soll in Unsern Forsten und Waͤldern kein Holtz/ als zu rech- ter Zeit/ nemlich/ das Bau-Holtz vom 1. Septembris biß den 1. Martii gefaͤllet werden; das Brennholtz aber im Martio und A- prili. Und damit es deßfalls desto richtiger zugehe/ so soll in allen und jeden obgesagten Unsern Waͤldern und Forsten/ (die bißhero ab- gesondert gewesene Soͤllingische Forsten/ samt und sonders/ mit ein- geschlossen/) keine Anweisung noch Faͤllung anders geschehen/ als auff Unsern absonderlichen gnaͤdigsten Befehl/ und Unserer Cammer schrifftliche Verordnung. Wann nun sothaner Befehl und Ver- ordnung erfolget/ so soll der Ober-Forstmeister denselben denen Ober- Foͤrstern und Forst-Schreibern kund thun/ selbige sich darauff mit den Beamten des Amts/ worunter der Forst/ wohin der Befehl lau- tet/ von Forsten. tet/ gelegen/ auff dem Amt-Hause zusam̃en thun/ ordentliches Forst- Amt halten/ und darinn uͤberlegen/ auch zu Protocoll bringen/ an wel- chem Orte das verordnete Holtz am bequemesten zu nehmen; und soll solches Forst-Amt altemahl auff den 15. Tag im Monat Septembr. Novembr Januar. und Februar. jeden Jahrs/ wofern kein Feyertag einfaͤllt/ gehalten werden. 2. An denen Orten/ da man Holtz an die Unterthanen oder Kaufleute zu verlassen hat/ sollen die jetzt-bemeldten Schreib- und Forst-Amts-Tage von der Cantzel/ oder sonst oͤffentlich/ kund gema- chet werden/ damit sich ein jeder darnach richten koͤnne. 3. Bey eines jeden Amtes Forsten soll eine absonderliche und kaͤntliche Mahl-Barte/ worauff die Jahr-Zahl gemercket/ verhan- den seyn/ und mit derselben alles/ so wohl eintzeln/ als Stamm-weise faͤllendes Holtz/ in der Amts- und Forst-Bedienten Gegenwart/ von den Foͤrstern bezeichnet werden; Dann ferners/ wann solch also an- gewiesenes und gezeichnetes Holtz abgehauen/ sollen abermahl bey- derseits Bediente nicht allein den abgehauenen Stamm/ sondern auch ein oder zwey nahe dabey stehende Baͤume mercken/ solches in ein richtig Tage-Buch oder Protocoll/ mit den eigentlichen Umstaͤnden der Zeit und des Orts einschreiben/ solches beyderseits unterschrei- ben/ und die Wald- oder Forst-Rechnung Pflicht-maͤßig darnach fuͤhren/ und die Copeyen der Protocollen dabey legen. Nach besche- hener solcher Verrichtung aber/ sollen die Wald-Eisen von denen Foͤrstern in einem Papier versiegelt/ von denen Beamten aber auff denen Aemtern verwahrlich hinwieder beygeleget/ auch alle Jahr/ um der Jahrzahl willen/ die alten Wald-Eisen zur Fuͤrstl. Cammer gelieffert/ und an deren statt andere und neue von dannen abgefordert und erwartet werden. 4. Alles Deputat-Holtz/ so wohl fuͤr die Beamte als Forst- Bediente/ soll nach Klaffter gehauen und richtig berechnet werden; Und damit selbige Ursache haben moͤgen/ mit dem Holtze desto spahr- samer umzugehen/ so soll ihnen der Werth nach der Anzahl ihres De- putat-Holtzes an Gelde gereichet/ und das jenige Holtz/ so sie davon noͤthig haben/ wiederum um solchen Preiß abgefolget werden; Nie- manden aber von denen Beamten soll das geringste von seinem De- putat-Holtze an andere zu verkauffen oder zu uͤberlassen/ in einige We- ge erlaubet seyn. b 3 5. Da- I. Landes- Constitution 5. Damit auch bey diesen also insgesamt beschehenden An- weisung- und Ausmaͤrckungen desto weniger Hinderung fuͤrfallen moͤ- ge/ so sollen so wohl die Beamte als Forst-Bediente dahin bedacht seyn/ daß sie auff angesetzete Zeit und Anweisungs Tage unfehlbar erscheinen; Da aber den einen oder andern Tag unvermuthliche Nothwendigkeiten vorfielen/ warum der eine oder ander nicht er- scheinen koͤnte/ so soll derselbe es dem andern zeitlich notifici ren/ und sie beyderseits/ so bald muͤglich/ einen andern Schreib-Tag anberahmen/ auch denselben wuͤrcklich halten. 6. Weil auch das unordentliche eintzele Hauen des Brenn- Holtzes/ so bald hie bald da geschiehet/ schaͤdlich/ und man nicht wissen kan/ wie darunter verfahren wird/ so soll solches gaͤntzlich abgeschaffet seyn; hergegen in Unsern Herrschafftlichen Forsten gewisse ordentli- che Schlaͤge gehalten/ in selbigen nach Gutbefinden der Forst-Ver- staͤndigen/ so viel Haͤge-Reiser/ als zum Anfluge noͤthig/ stehen blei- ben/ und solche Schlaͤge so lange gehaͤget werden/ biß sie wiederum mit Saamen beflogen/ und dem Viehe entwachsen seyn; gestalt denn nach solcher Zeit niemanden an seiner hergebrachten Trifft-Gerech- tigkeit einiger Nachtheil geschehen/ noch mit seiner Trifft gehindert werden soll. 7. Jn denen Forsten/ wo kein Grob- oder Ober-sondern nur allein Unter- oder Strauch-Holtz vorhanden/ und die Maͤrckung mit der Mahl-Barte nicht geschehen kan/ sollen nichts destoweniger or- dentliche Haue gehalten/ der jedesmahl zum Hau angewiesene Platz nach Ruthen-Zahl abgemessen/ und solches also deutlich in das deß- wegen haltende Protocoll eingetragen werden. 8. Sollen Unsere Beamte und Foͤrstere/ uͤber alles anwei- sende Holtz/ gleichlautende Register gegen einander fuͤhren; alles/ was zu Unsern eigenen Gebaͤuden/ oder anderer Behueff angewie- sen/ Unsern Bedienten zum Deputat gereichet/ zu Unserm Besten verkauffet/ oder sonsten von Uns aus Gnaden bewilliget wird/ unter gewisse absonderliche Rubriquen bringen/ und zu Verhuͤtung aller Confusion und Verdachts/ ein Jahr wie das andere/ (es sey dann/ daß bey ablegender Rechnung ein Mangel/ welcher zu verbessern stuͤnde/ wesfalls die Veraͤnderung/ nach beschehener Anleitung/ von denen Beamten/ Forst-Schreibern und Foͤrstern/ alsdann vorge- nommen werden soll/ sich eraͤugnete/) darunter behalten. Ferner sol von Forsten. sollen solche Register alle Jahr auff Trinitatis richtig geschlossen/ so wohl von denen Beamten Unserer Fuͤrstl. Cammer mit den Origi- nal-Befehlen unfehlbar justifici ret und beleget/ als auch die von de- nen Foͤrstern fuͤhrende Gegen-Register/ Unserm Ober-Forst- und Jaͤgermeister zur Unterzeichnung zugeschicket/ und gleicher Gestalt hernacher zu mehr besagter Unserer Fuͤrstlichen Cammer eingelieffert werden. 9. Wegen des bey Faͤll- und Anweisung bißhero uͤblichen Schreib-Geldes/ ist Unser gnaͤdigster Wille und ernster Befehl/ daß keiner/ weder von den Beamten noch Forst-Bedienten/ den gering- sten Heller an Schreib-Stamm-noch Fehm-Geld unmittelbar von denen Unterthanen auffnehmen soll; sondern es sollen solche Acci- denti en (worunter das bißherige von den Foͤrstern prætendi rte Poll- Holtz mit begriffen/ und keines weges davon ausbescheiden) in denen Forst-Registern richtig und ordentlich berechnet/ und was die zulaͤs- sige Accidenti en jedes Jahr betragen/ einem jeden/ dem es gebuͤhret/ nebst seiner Bestallung/ ohnfehlbar wiederum gereichet/ in den Forst- Registern zur Ausgabe passi ret/ oder auch denen Foͤrstern fuͤr das Poll- Holtz jaͤhrlich ein gewisses bezahlet werden. 10. Damit auch die Forst-Bediente/ welche von jetzt-benann- ten Accidenti en etwas zu geniessen haben/ zu der Zupflantzung desto mehr angetrieben werden/ so sollen ihnen besagte Accidenti en nicht ehender in Rechnung passi ren/ biß sie klaͤrlich darthun und erweisen/ daß sie/ an statt eines angewiesenen und gefaͤlleten Stamm harten Holtzes/ sechs derselben Art hinwieder zugepflantzet/ und auff das drit- te Blat gebracht haben. 11. Bey vorfallenden Pfaͤndungen sollen Unsere Ober-Forst- und Jaͤgermeister/ Beamte/ Ober- und Foͤrstere jederzeit des Ver- brechers Nahmen/ den Ort/ da er wohnet/ und wie hoch der Schade sich belaufft/ verzeichnen/ solches bey den Land-Gerichten vorbrin- gen/ und sonsten alle halbe Jahr an die Aemter lieffern/ damit das Verbrechen nach Befindung der Gebuͤhr bestraffet werden koͤnne; da dann das Pfand-Geld dem jenigen/ der den Thaͤter betreten/ es seyn Beamten Ober- oder Foͤrstere/ zuerkannt; wie auch denen je- nigen/ so die Pfaͤndung in den Hoͤltzern verrichten/ der dritte Theil der Holtz-Bruͤche/ so bey den Land-Gerichten erkannt werden/ zu einer Ergoͤtzlichkeit gereichet werden soll. 12. Da- I. Landes- Constitution 12. Damit auch ferner mit dem Klaffter- und Faden-Holtz im Hauen so wohl/ als dessen Legung/ der Gebuͤhr nach verfahren und umgangen werde/ so sollen Unsere Ober-Forstmeister/ O ber- und Foͤrstere samt und sonders/ mit allem Fleisse dahin sehen/ damit ein jedes Klaffter drey Ellen hoch/ und so viel in die Breite; eine jedere Klufft aber zwo Ellen lang gehauen/ und nicht zu der Holtzhauer Vor- theil/ sondern richtig und vollkoͤmmlich geleget werde. 13. Wann einiges Holtz aus dem Diester/ Soͤlling oder an- dern Forsten/ von was Gattung es auch sey/ soll verkaufft werden/ so soll darinn der fuͤr diesem bereits gemacheten und von Uns gnaͤ- digst approbi rten Tax-Ordnung/ an denen Orten/ da selbige einge- fuͤhret/ gefolget; an den andern Orten aber/ da sie nicht eingefuͤhret/ der Verkauff von den Beamten und Forst-Bedienten im rechten Werth und Preiß gesetzet/ und dann richtig berechnet werden; mas- sen es dann auch so wohl mit dem verkauffenden/ als zu Unserer Hoffstatt und Amt-Haͤusern fallendem Brenn-Holtze gleiche Mey- nung hat. 14. Das Holtz/ so jemanden zu Behueff seiner Gebaͤude/ und sonsten/ erlaubet oder gegeben wird/ soll er auch verbauen/ selbst ver- brauchen/ gar nicht aber verkauffen/ anders wohin verwenden/ viel- weniger liegen und verderben lassen. 15. Auch sollen die alten duͤrren und versohreten Baͤume/ so zu den Gebaͤuden irgends dienlich seyn/ zufoͤrderst und erst ausgewiesen/ und hergegen das fruchtbare Holtz/ so viel muͤglich/ zur Mast verscho- net werden. 16. An denen Oertern/ da man alt versohret/ an der Er- den liegendes/ zum Feuer dienliches Holtz zur Nothdurfft haben kan/ soll kein stehendes Holtz anzuweisen und zu faͤllen erlaubet seyn. 17. Wann jemand Bau-Holtz fordert/ sollen seine Gebaͤude vorhero mit Fleiß durch Unsere Beamte und Foͤrstere besichtiget/ und die Nothdurfft darauff ermessen werden; solte dann darauff die Anweisung erfolgen/ soll man dabey fleißiges Einsehen haben/ daß das alte Holtz/ welches darzu annoch dienlich/ mit verbauet/ mit dem neuen spahrsam umgangen/ und also aller Uberfluß/ unge- buͤhrender Vortheil und Unterschleiff vermieden und verhindert werde. 18. Jn von Forsten. 18. Jn Unsern Waͤldern/ da Unsere Praͤlaten/ Cloͤster/ Ade- liche Landsassen/ oder andere Unterthanen mit berechtiget sind/ wol- len Wir denenselben ihre wohlhergebrachte Gerechtigkeit nicht schmaͤ- lern noch benehmen; Es sollen sich aber selbige jedennoch das harte Holtz von den Beamten und Forst-Bedienten/ wie obbemeldet/ an- weisen lassen; Und damit diese Anweisung denen Jnteressenten desto weniger beschwerlich falle/ so soll solche von Unsern Bedienten auff die in dem ersten Artickel dieses dritten Capittels verordnete Schreib- Tage ohnnachlaͤßig/ und ohne einigen Entgeld geschehen/ und Unsere Beamte und Forst-Bediente bey Verlust ihrer Dienste nichts dafuͤr/ unter was Schein es auch seyn moͤge/ ob es ihnen gleich gutwillig of- feri ret und angeboten wuͤrde/ begehren und nehmen; es waͤre dann/ daß in denen mit obgedachten Jnteressenten auffgerichteten Recessen/ wegen des Trinckgeldes der Foͤrster/ gewisse Verordnung und Be- liebniß enthalten und zu finden. 19. Woferne die Haußleute eigene Hoͤltzungen haben/ so soll ih- nen aus derselben die Nothdurfft zwar ohne Entgeld/ jedoch mit sol- cher maße angewiesen werden/ damit auch denen Nachkommen ihr be- harrlicher Nutz verbleiben moͤge. 20. Unsere Ober-Forst- und Jaͤgermeister/ Beamten und Foͤrstere sollen vor allen Dingen dahin sehen und gedencken/ weilen ihnen der Waͤlde und Gehoͤltze Gelegenheit am besten bekandt/ sie auch taͤglich dieselbe bereiten und damit umgehen/ daß bey denen An- weisungen eine immerwaͤhrende bestaͤndige Holtzung/ und dem Lan- de eine beharrliche Feurung/ von Jahren zu Jahren/ ietziger und kuͤnfftiger Zeit/ Uns und denen Nachkommen bleiben und folgen/ und die Holtzungen uͤber den Ertrag nicht angegriffen werden moͤgen/ wie Wir sie dann diesesfalls ihrer Pflichte und Eyde hiemit ernstlich wol- len erinnert haben. Caput IV. Von dem Zupflantzen. 1. A Ls auch jaͤhrlich viel Holtz zu bauen/ brennen und anderer Noth- durfft/ niedergehauen wird und auffgehet/ und darzu viel ver- sohret/ und im Fall dargegen nichts zugepflantzet oder geheget wer- c den I. Landes- Constitution den solte/ die Nachkommen wenig oder wohl gar nichts finden/ und dahero ein unwiederbringlicher Schade entstehen wuͤrde; So ord- nen und wollen Wir/ daß vor allen Staͤdten/ Flecken und Doͤrffern/ da es immer die Gelegenheit erleiden will und kan/ Eichen/ Buͤchen- und Tannen-Kaͤmpe/ wo sie nicht allbereit angeordnet/ und im Stan- de seyn/ gepfluͤget und zugerichtet/ und zu nechst darauff folgender Mast-Zeit/ nicht weniger mit Eichen- und Buch-Eckern/ als Tan- nen-Aepffeln und Saamen besaͤet/ und dermassen befriediget werden sollen/ daß kein Viehe darein kommen moͤge/ damit die jungen Ei- chen/ Buͤchen und Tannen ungehindert und unverletzet auffwachsen/ und folgendes hin und wieder auff jeder Stadt/ Flecken und Dorff Feld-Marcken/ und in die gemeinen Hoͤltzungen versetzet/ und also die Hoͤltzungen/ wo sichs immer schicken und fuͤgen will/ gebessert werden moͤgen. 2. Es sollen aber die Heister aus denen gemeinen Hoͤltzungen nicht ausgerottet werden/ es sey dann/ daß sie so dicke stehen/ daß die Beamten und Forst-Bedienten befinden noͤthig und dienlich zu seyn/ daß etzliche auszurotten. Wann aber welche auszurotten/ sollen sie dabey ausdruͤcklich weisen/ wo/ und wie viel ausgerottet werden sollen. 3. Ferner sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente dahin se- hen/ daß an denen Orten/ da zugepflantzet werden soll/ die Gruben/ wo- rinn die jungen Heister zu setzen/ ein Jahr vorher auffgegraben/ und also die Erde von der Sonne und Lufft temperiret werde. 4. Wann auch bey Pflantzung der jungen Heister der Miß- brauch vorgehet/ daß die Unterthanen nicht in acht nehmen/ gut und traghafftig Holtz in einen wuͤrdigen und guten Boden zu pflantzen/ da- hero dann auch der Augenschein bezeuget/ daß die Heister zum vierd- ten Theil nicht zum Wachsthum kommen/ versohren/ und kein Nutz davon zu gewarten; so sollen Unsere Beamten und Forst-Bedienten alles Fleisses dahin sehen/ damit in solchem Punct recht verfahren/ und die Muͤhe nicht vergebens angewendet werde. 5. Jngleichen sollen Unsere Beamten und Forst-Bedienten insgemein hiermit ihrer Pflicht erinnert seyn/ daß sie alles das/ was sonsten mehr bey Pflantzung des Holtzes in acht zu nehmen/ ihnen treu- es Fleisses angelegen seyn lassen; bey Vermeidung Unser Ungnade und ernstlichen Straffe. 6. Wo von Forsten. 6. Wo auch allbereit Eichen Buͤchen- und Tannen-Kaͤmpe vorhanden/ und die Heister so groß waͤren/ daß man sie umsetzen kan/ so soll solches ohne einige Versaͤumniß zu erster bequemster Zeit und Gelegenheit geschehen/ und dieselbigen oder andere Kaͤmpe/ an Oer- tern da sichs also fuͤgen will/ von neuen zugerichtet und besaͤet werden/ dero Behuff dann Unsere Beamten in jedem Amte/ Goh- und Voig- tey/ einen bequemen ziemlichen grossen Ort aussehen/ und darzu apti- ren lassen sollen. 7. Weil auch das Brenn-Holtz/ sonderlich um Hannover/ mercklich abgehet/ so sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente in denen Aemtern Ricklingen/ Langenhagen/ Neustadt am Ruͤbenber- ge/ und wo es sich sonsten schicken will/ gewisse grosse Kaͤmpe in der Heyde/ und an morichten Oertern ins Gehaͤge bringen/ und selbige mit Ellern/ Bircken/ Fuͤhren und anderen Saamen besaͤen/ oder mit dergleichen Holtze bepflantzen/ und sich etzlicher Buͤrger und Bauren gewoͤhnl. unbedachtsames Einstreuen/ als wenn solch Zupflantzen der gemeinen Weide Schaden thaͤte/ daran keines weges hindern lassen. 8. Es soll niemanden in den jungen Gehaͤgen/ ehe solche in die Hoͤhe erwachsen/ mit Sicheln zu grasen oder Laub zu straͤuffeln/ ver- stattet/ sondern dergleichen Graͤsere und Straͤufflere gepfaͤndet und gestraffet werden. 9. Auch sollen Unsere Beamten und Forst-Bedienten/ nie- manden in die jungen Haͤge oder Schlaͤge/ weder mit Pferden/ Rind- Viehe/ Schafen/ Geisen/ noch anderm Viehe/ das Schaden thun mag/ treiben oder huͤten lassen; es sey dann das junge Gehoͤltze so viel gewachsen/ daß das Viehe keinen Schaden mehr thun/ oder die Gipffel erreichen kan. Wie dann auch denen Forst-Bedienten selbst/ ihr Viehe absonderlich darinn weiden zu lassen/ hiermit verbo- ten wird. 10. Da jemand Ellern- oder ander Schlag-Holtz hat/ soll demselben zugelassen seyn/ selbiges in ordentliche Gehau zu theilen/ und zu seinem Besten zu gebrauchen; damit nicht alles auff ein- mahl verwuͤstet/ sondern denen Nachkommen auch etwas beybehal- ten werde. 11. Der Amts Unterthanen und Gemeinen Hoͤltzere sollen in guter Haͤgung gehalten/ nicht verhauen/ weniger mit Grund und Bo- den unter sich zu theilen/ sondern vielmehr also gespahret werden/ da- c 2 mit I. Landes- Constitution mit auff die Nothfaͤlle/ wann etwan nach GOttes Verhaͤngniß Brand/ Wasser oder andere Schaͤden sich zutragen solten/ Huͤlffe und Ergoͤtzung aus denen Holtzungen zu erwarten und zu nehmen sey. 12. Weil auch ein theils Pfarrherren die Pfarr-Holtzungen unpfleglich gebrauchen und verwuͤsten/ so sollen dieselben hinfoͤrder ihr Feuer-Holtz auff Anweisung der Beamten und Forst-Bedienten eines jeden Orts also hauen/ daß die Gehoͤltze in guter Besserung bleiben/ daraus ohne Vorwissen nichts verkaufft/ sie auch von un- maͤßigem Gebrauch abgehalten werden/ damit es nicht auff einmahl durch einen verwuͤstet/ sondern denen Successoren auch etwas blei- ben moͤge. 13. Nachdem sich auch vielmahls begiebt/ daß der Benach- barten Schaͤfer und Hirten/ an Orten und Enden/ da es nicht Her- kommens/ uͤber die Graͤntzen huͤten/ und uͤber etliche Jahre hernach solches vor eine hergebrachte Gerechtigkeit angeben/ so sollen die Be- amten und Foͤrstere in deme auch fleißig Auffsicht haben/ und solche Hirten und Schaͤfer ungepfaͤndet nicht lassen; es soll aber solch Pfand ans Amt gelieffert/ und nicht ehender wieder gegeben werden/ biß die Schaͤfer oder der Hirte die Straffe erleget/ und sich daneben erklaͤret/ daß er nicht wieder kommen wolle/ wie dann solches/ und auch/ wann gleich das Pfand nicht wieder geloͤset wuͤrde/ jedesmahl in das Amts-Buch mit allen Umstaͤnden des Orts/ Personen und Zeit be- schrieben werden soll/ damit man sich kuͤnfftiger Zeit auff den Noth- Fall darnach zu richten haben moͤge; wie es denn auch ebener maßen mit denen Pfandungen und Straffen innerhalb Landes gehalten/ und im Fall von solchem Huͤten Schaden geschehen/ solcher gewroget/ und die Straffe erhoͤhet werden soll. 14. Und ob wohl die Verbrechere nicht auff frischer That be- treten und gepfaͤndet/ die Foͤrster aber dieselbe nichts desto weniger ausmachen und erfahren wuͤrden/ sonderlich wann sie in denen jun- gen Schlaͤgen gehuͤtet/ so sollen dennoch solche denen andern/ wel- che auff frischer That begriffen/ gleich/ und eben so wohl/ bestraffet werden. 15. Die Foͤrster sollen nicht alleine vor sich fleißige Auffsicht haben/ sondern auch denjenigen/ welche in den Hoͤltzern und Waͤl- dern arbeiten/ aufferlegen/ im Fall sie verdaͤchtige Leute vermercken wuͤr- von Forsten. wuͤrden/ daß sie solches den nechst-anwohnenden Forstknechten anzei- gen/ welche darauff die Verdaͤchtigen/ mit Huͤlffe des Amts/ oder auch nach Gelegenheit/ vor sich selbst einziehen/ sie verwahrlich ans Amt lieffern/ sich ihrer Verbrechung mit Fleiß erkundigen/ was sie in Erfahrung gebracht/ an Uns berichten/ und daruͤber von Uns Be- scheides erwarten sollen. 16. Es sollen sich auch Unsere Ober- und Unter-Foͤrstere nicht unterstehen/ so wenig Unsere Amts-Unterthanen/ als andere Leute zu schlagen/ oder zu beschaͤdigen/ sondern da sie Amts halber zu denselben erhebliche Ursachen haͤtten/ sie pfaͤnden/ die Ubertret- und Verbre- chung aber durch die Beamten/ gestalten Sachen nach/ bestraffen las- sen/ oder auch an Uns die Bewandniß berichten/ und alsdann Be- scheids gewaͤrtig seyn. 17. Dieweil sich oͤffters zutraͤget/ daß Verbrechere in Aemtern und Gerichten angetroffen werden/ darunter sie nicht gesessen/ gleich- wohl ungestraffet nicht bleiben koͤnnen noch sollen/ so soll jedwedes Amt und Gericht verbunden seyn/ demjenigen Amte oder Gerichte solche Frevelere und Verbrechere/ auff Begehren/ auszulieffern/ in welchem das Verbrechen vorgangen. 18. Unsere Beamte und Forst-Bediente sollen unter andern mit allem Fleiß beschaffen/ daß in denen Aemtern und Voigteyen/ wo Tannen-Holtz/ als welches der Gebaͤude halber gar nicht entrathen werden kan/ verhanden/ mit sonderm Fleiß und biß es dem Viehe ge- nugsam entwachsen/ gehaͤget/ mit Abhuͤten verschonet/ und uͤber das/ nach Gelegenheit/ die sandigen Oerter/ woran ohne dem der gemei- nen Hut und Weyde nichts abgehet/ mit dergleichen Tann-Holtze/ so viel muͤglich/ und sich ichts thun lassen will/ besaͤet und gepflantzet werden. 19. Es sollen die Forst-Bedienten weder vor sich/ noch an- dern gestatten/ neue Wald-Wiesen oder Aeckere zu machen/ und was allbereit gerohdet oder abgepfluͤget/ und noch nicht zinßbar ist/ dem Amte zu dem Ende anzeigen/ damit dergleichen Wiesen oder Land mit gewissen Zinsen beleget/ und der Gebuͤhr nach versteuret wer- den. 20. Als auch befindlich/ daß/ wo Wiesen und Aecker an die Hoͤltzer stossen/ dieselbe zur Ungebuͤhr erweitert werden/ sollen dem- nach die Besitzere richtige Anwend- und Scheidungen darzwischen zu c 3 ma- I. Landes- Constitution machen/ sie mit Mahlsteinen zu verzeichnen erinnert/ auch die Forst- Bediente darauff zu sehen gehalten seyn. 21. Weil auch sehr gemein/ daß die Unterthanen ihre/ in Un- sern Haupt-Hoͤltzern und grossen Bruͤchen habende Wiesen/ fast alle Jahr/ nach ihrem eigenen Gefallen/ zu erweitern pflegen/ indeme sie das darinnen stehende Holtz oder Busch nieder knicken/ und wann dasselbe versohret/ immer weiter hinein greiffen/ so sollen die Beam- ten/ nebst den Ober- und Foͤrstern den Augenschein einnehmen/ in den Amts-Buͤchern nachschlagen/ und zusehen/ wie einem jeden die Wie- sen gleich Anfangs vergoͤnnet worden/ samt was davon in die Amts- Register komme/ und solche Bewandniß/ zu weiterer Verordnung/ foͤrderlichst an Unsere Fuͤrstliche Cammer berichten/ wodurch jedoch die benoͤthigte Reinigung der Wiesen/ so weit sich einer jeden recht- maͤßiger Bezirck erstrecket/ nicht gemeynet noch verboten wird; dage- gen aber soll keinen Beamten/ Ober- und Foͤrstern erlaubet seyn/ ohne Special- Verordnung/ einige neue Wiesen-Plaͤtze weiter aus- und an- zuweisen. Caput V. Von der Mast. 1. E S soll einem jeden seine wohl- und rechtmaͤßig-hergebrachte Mast-Gerechtigkeit derogestalt gelassen werden/ daß er so viel Schweine in die Mast treibe/ als er dessen berechtiget/ und von Alters hergebracht. 2. Weil aber diejenigen/ so etwa ihre Deelzucht in die Mast zu treiben haben/ nicht allein ihre eigene Schweine eintreiben/ sondern auch fremde unter dem Schein ermeldter ihrer Deelzucht/ einneh- men/ und dadurch nicht allein diejenigen/ denen die Ubertrifft gehoͤret/ verkuͤrtzen/ sondern auch offtermahls mit solchen fremden Schwei- nen den Kogen und andere Kranckheiten unter die andern Schweine bringen/ und grossen Schaden verursachen; so soll solches hinfuͤro ver- bleiben/ bey Verlust ihrer zur Ungebuͤhr eingenommener Schweine/ und darzu dero in der Mast-Trifft habenden Gerechtigkeit. 3. Jedoch/ da sich befindet/ daß einer keine Deelzucht haͤtte/ und Schweine in die Mast zu treiben berechtiget waͤre/ dem soll unbe- nom- von Forsten. nommen seyn/ etliche Schweine/ wie an einem jeden Ort gebraͤuch- lich/ und fuͤr den Holtzungs-Gerichten gefunden wird/ zu kauffen/ und dieselbe/ an statt seiner eigenen Speck-Schweine/ nebst dem jungen Fasel/ in die Mast zu treiben. 4. Wann aber keine vollkommene Mast vorhanden/ und also unmoͤglich ist/ daß alle der Leute Deelzuchten feist werden koͤnnen/ gleichwohl eine grosse Suͤnde und Mißbrauch der Gabe GOttes seyn wolte/ die geringe Mast dermassen zu betreiben/ daß keine fette Schweine daraus zu gewarten; so sollen Unsere Beamte und Forst- Bediente/ auch die Aeltesten der interessi rten Leute mit Zuzieh- und Bewilligung ihrer Guts-Herren die Mast bey rechter bequemer Zeit besichtigen/ und sich vereinbahren/ wie viel Wir/ auch ein Voll-Hoͤf- fener/ Halb-Hoͤffener und Koͤter/ nach Gelegenheit der Mast Ertraͤg- lichkeit/ darinn zu treiben haben moͤge/ darnach sich dann ein jeder/ mit Vorbehalt seines Rechtens/ wann volle Mast ist/ bey Verlust der Schweine/ richten/ gleichwohl von Unsern Beamten und Forst-Be- dienten dabey durchaus kein Eigennutz/ ungeziemender Zugang/ oder Unterschleiff gesuchet werden soll/ bey Vermeidung ernstlicher Straffe. 5. An denen Oertern aber/ an welchen es allbereits auff ein gewisses gesetzet/ bleibet es/ wie solches zu voller-halber- oder Spreng- Mast Zeiten erseßlich hergebracht/ billig nochmahlen dabey; und da- mit die interessi rten Leute dessen um so viel destomehr vergewissert oder versichert seyn/ so sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente jedes Orts/ wann nur halbe oder Spreng-Mast ist/ ihre volle Anzahl nicht darein treiben/ sondern sich nicht weniger/ als andern Leuten zuerkannt/ an deme/ was ihnen gesetzet wird/ ersaͤttigen/ begnuͤgen/ auch nieman- den/ so in der Gemeine Holtzung nicht berechtiget/ einig Schwein dar- ein treiben lassen. 6. Und sollen Unsere Beamte und Forst-Bediente zu Abwen- dung alles Mißtrauens/ wann keine volle Mast ist/ sich uͤber die Zahl/ wie die anfaͤnglich gesetzet werden moͤchte/ der Ubertrifft fuͤr Uns nicht/ vielweniger fuͤr sich der Nach-Mast gebrauchen/ besondern unbehin- dert verstatten/ daß/ wann die Schweine aus der Mast genommen/ alsdann ein jeder/ so mit der Deelzucht darein berechtiget/ dieselben in die gemeine Holtzung treiben/ und also die Schweine die Ubermasse der Mast mit dem Munde theilen lassen. 7. Wie I. Landes- Constitution 7. Wie denn auch die Schweine/ so dergestalt/ wann keine volle Mast vorhanden/ fuͤr deren Eintreibung/ so bald die Scheer oder Saͤtzung geschehen/ gebrennet und gemaͤrcket/ auch an einem gewissen Tage/ dessen man sich allemahl zu vergleichen/ eingetrieben werden sollen. 8. Wann aber die Mastung immer fuͤr volle Mast zu halten/ so sollen die Leute nicht abgehalten werden/ ihre gantze Deelzucht/ je- doch mit vorgangener Brennung/ einzutreiben/ so weit sie dessen be- rechtiget; Es sollen auch alle Doͤrffer und Gemeinden ihre Schwei- ne vor einen/ zwey oder drey Hirten/ nach Gelegenheit und Groͤsse der Doͤrffer/ und Vielheit der Schweine/ treiben. 9. Und soll niemand das Eckern von den Baͤumen schuͤtteln oder schlagen/ oder es in gemeinen Holtzungen auflesen/ sondern ein jeder erwarten/ daß es fuͤr sich von den Baͤumen falle/ und auffgefres- sen werde. 10. Demnach auch bey Mast-Zeiten bey denen Hauß-Leu- ten dieser schaͤdliche Mißbrauch eingerissen/ daß ein jeder in denen Holtzungen/ da er zur Mast berechtiget ist/ seine Schweine durch einen absonderlichen Hirten/ an Orten/ da es ihm selbsten gefaͤllig ist/ allei- ne huͤten laͤsset/ wodurch die Holtzung also mehrentheils eingenom- men/ uͤbertrieben und rein gemachet wird/ daß das Wild in seiner Atzung sehr verschraͤncket/ wo nicht gar durch allerhand Griffe zuwei- len uͤber die Seite gebracht/ jedoch auffs wenigste verschuͤchtert/ und solcher Gestalt Unsere Wildbahn zu grunde gerichtet wird; So wol- len und gebieten Wir hiermit ernstlich/ und bey unnachlaͤßiger Straf- fe/ die Wir nach jedesmahliger Befindung zu schaͤrffen/ Uns aus- druͤcklich vorbehalten/ daß eine jede Bauerschafft/ oder mehr/ nach Gelegenheit der Oerter/ einen Gesamt-Hirten halten/ oder derjenige/ welcher je seines Hofes Abgelegenheit halber/ sich desselben nicht mit bedienen kan/ sondern durch eigenen Hirten seine Schweine huͤten las- sen muß/ solcher Gestalt bescheidentlich darunter verfahren soll/ daß dasselbe der Wildbahn ohne Schaden geschehen/ und er ausser besag- ter Unser Straffe bleiben moͤge. 11. Zu welchem Ende dann Unsere Beamte/ wann Schwei- ne zur Mast eingeschrieben/ gebrandt und gemahlet werden/ oder wie- der aus der Mast genommen/ ein- oder andern Orts die Mast in der Holtzung verkaufft/ und die Schweine fuͤr ein gewisses Geld bedun- gen von Forsten. gen werden/ Unsere Ober- und Foͤrstere iederzeit unnachlaͤßig mit zu- ziehen sollen/ damit sie dieselbige gleicher Gestalt/ nebst dem davon kommenden Fehm-Gelde/ in ihre Gegen-Register einzeichnen koͤnnen. 12. Die Schweine sollen auch aus der Mast in Unseren Hol- tzungen nicht wieder genommen werden/ es sey denn zufoͤrderst Un- serm Ober-Forstmeister/ und Amtleuten oder Voigten angezeiget/ und geschehe mit ihrem Vorwissen/ damit ein jeder das Seinige be- komme/ was ihme gehoͤret/ und nicht einer des andern Schweine ab- und wegtreiben lasse. 13. Gestalt dann solches abzuwenden und zu verhuͤten/ die Schweine zuvor beschrieben/ und wie viel deren ein jeder in die Mast treibet/ auffgezeichnet werden/ jedoch von denenjenigen/ so in die Mast gehoͤren/ durchaus kein Schreib-Geld genommen werden soll. 14. Die Fehm-Schweine sollen nicht alleine auffgeschrieben/ sondern auch gebrandt und gemahlet werden. 15. Und als sich auch an etlichen Orten die Leute unterstehen/ zu Herbst-Zeiten/ da keine Mast vorhanden/ ihre Schweine in die Holtzungen und Wildbahn/ ungeachtet sie mit der Schweine-Graͤ- serey darinn nicht berechtiget seyn/ zu treiben/ und alsdann sich einer Gerechtigkeit anzumassen/ dadurch die etwan auffgelauffene junge Heister aus der Erden gewuͤhlet und verderbet werden; so soll solches hiermit bey willkuͤhrlicher Straffe verboten/ jedoch denen jenigen/ so auch ausserhalb Mast-Zeiten mit ihren Schweinen in solcher Graͤse- rey berechtiget/ (wofern es nur mit der Bescheidenheit geschicht/ daß die etwan noch eintzeln haͤngende Eicheln/ woraus nach deren Abfall noch ein zum pflantzen dienlicher Heister entspriessen kan/ nicht gantz und gar abgeschlagen/ auffgefressen/ oder weggebracht wird) hierdurch nichts benommen seyn. 16. Weil auch zwischen denen Unterthanen und Forst-Be- dienten bißhero nicht wenig Streit wegen der Accidental Mastung/ so diese in den Waͤldern prætendi ren/ fuͤrgefallen; so sollen besagte Unsere Ober-Forstmeister auch uͤbrige Forst-Bediente schuldig seyn/ die Anzahl der Accidental- Schweine/ so sie nach Gelegenheit der vol- len oder geringen Mast prætendi ren/ innerhalb zwey Monaten/ nach Publicirung dieses/ heraus zu geben/ und Unsere gnaͤdigste und billige Decision daruͤber zu erwarten. d CA- I. Landes- Constitution Caput VI. Von den Trifften in den Waͤldern. 1. M Eil auch in Unsern Fuͤrstenthuͤmern in unterschiedlichen For- sten/ sonderlich auff dem Soͤlling gute und uͤberfluͤßige Weide vorh a nden; so soll Unser Ober-Forstmeister nebenst den Beamten und Forst-Bedienten sich zusammen thun und uͤberlegen/ ob nicht der- gleichen Weide/ der Wildbahn unschaͤdlich/ verpachtet/ oder Vieh vor Geld darein genommen/ und Unser Fuͤrstlichen Cammer be- rechnet werden koͤnne? auch ihren Bericht foͤrderlichst deßwegen einsenden. 2. Allen denjenigen/ so die Trifft-Gerechtigkeit in Unsern Waͤldern/ entweder durch Unserer Fuͤrstl. Vorfahren Concession, oder aus bestaͤndigem rechtlichem Herkommen zustehet/ soll dieselbe ungekraͤncket bleiben. Es sollen aber die zu solcher Trifft Berech- tigte/ bey dem Ober-Forstmeister jedes Orts/ wann ein Hirte abge- schaffet/ und ein ander dargegen angenommen/ denselben fuͤrstellen und vernehmen/ ob man Forst-Amts wegen mit ihme koͤnne zu frie- den seyn? 3. Die zu der Trifft obbesagter massen Berechtigte/ sollen hinfuͤro kein anders/ als ihr eigenes Vieh/ auch nicht mehr/ als sie auswintern koͤnnen/ in die Walder treiben/ bey Verlust dessen/ was sie also ungebuͤhrlicher Weise treiben werden; worauff so wohl die Beamte als Forst-Bediente fleißig acht zu geben. 4. Unsere Forst-Bediente samt und sonders sollen fleißige Acht haben/ daß den jungen Schlaͤgen in den Waͤldern durch die Trifft und Hude kein Schade geschehe/ damit der Zuwachs nicht ge- hindert werde; wann aber die jungen Schlaͤge dem Vieh entwach- seyn seynd/ soll die Trifft und Hude/ ohn Entgelt/ wiederum frey ge- lassen/ und nicht gehindert werden. 5. Damit auch denen zu der Hude Berechtigten wegen der Hu- de/ sonderlich am Diester/ durch die Zuschlaͤge nicht gar zu grosser Schade geschehe/ so sollen solche nicht an einem/ sondern an unter- schiedlichen Orten jaͤhrlich angeleget werden/ auff daß die Last desto mehr zertheilet/ und ertraͤglicher sey. 6. Ob von Forsten. 6. Ob auch zwar die Ziegen/ als eines denen Hoͤltzungen sehr schaͤdliches Viehe/ billig aus den Waͤldern abzuschaffen; dieweil aber dennoch die armen Leute/ so Unvermoͤgens halber keine Kuh hal- ten koͤnnen/ sich auch von solchem Viehe naͤhren/ und ihr Leben auff- halten; so sollen die jenigen/ so arm/ sich bey Unsern Beamten und Forst-Bedienten anmelden/ diese auch gehalten seyn/ die ange- bende Armuth wohl und genau zu examiniren/ und alsdann nach Be- findung/ solchen armen Leuten 2. biß 3. Ziegen zu halten/ erlauben/ und soll der Hirte die noͤthigen Boͤcke darzu halten. 7. Wañ die jungen Schlag-Hoͤltzer und Gehaͤge etwan 6. oder 7. Jahr gestanden/ und ziemlich auffgewachsen/ soll den Unterthanen ungeweigert seyn/ Graß dariñ zu schneiden/ ob solche Oerter schon noch nicht koͤnten betrieben werden. 8. Die jenigen/ so zur Hude in Unsern Waͤldern berechtiget/ und auch ihre eigene Hude und Weide haben/ sollen eine Woche um die andere/ oder wie es sonst die Gelegenheit und Groͤsse ihres Holtzes zulassen kan/ so wohl das Jhrige/ als Unsere/ nicht aber alleine dieses betreiben/ oder in ihre eigene Weide fremd Vieh nehmen/ und sich mit dem Jhrigen auff dem Unserigen alleine halten/ massen denn Un- sere Amtleute und Forst-Bediente diesen Punct mit sonderbahrem Fleisse zu beobachten/ und so sie Unrath vermercken/ an gehoͤrigen Ort Pflicht-maͤßig zu berichten haben. 9. Wann auch sonst etwas in Forst-Sachen uͤber dieses/ so bißhero gemeldet/ fuͤrgehen solte/ so sollen Unser Ober-Forst- und Jaͤ- germeister/ Ober- und Unter-Foͤrstere/ wie auch die Beamte insge- mein dahin bedacht seyn/ daß sie/ was zu Auffnahm- und Verbesse- rung der Waͤlder und Gehoͤltze/ und also zu Vermehrung Unserer Forst-Einkommen/ auch des Landes und der Nachkommen Nutzen gereichen mag/ fortsetzen und befoͤrdern; dargegen das Widrige an gehoͤrigen Ort/ zu noͤthiger Abschaffung/ berichten/ und soll solches nicht allein auff die Amts-sondern auch alle andere Gehoͤltze zu ver- stehen und gemeynet seyn. 10. Ferner ist Unser gnaͤdigster Wille und Befehl/ daß/ gleich wie Unsere Forst-Sachen/ je und allezeit an Unsere Fuͤrstl. Cammer verwiesen gewesen/ es also/ wie es bißhero damit gehalten worden/ auch ferners dabey verbleibe/ und hierinn nichts veraͤndert werden solle; nur allein/ daß das bißherige Soͤllingische absonderliche Forst- d 2 Amt II. Landes- Constitution Amt gaͤntzlich auffgehoben seyn/ und in denen Soͤllingischen Forsten eben also/ mit Zuziehung der Beamten/ auch sonsten verfahren wer- den solle/ wie in den uͤbrigen Forsten Unsers Fuͤrstenthums Calenberg bißhero geschehen ist. 11. Was aber die Unsern Stifftern und Kloͤstern unmittelbar zustehende Hoͤltzungen anbelanget/ wie derselben Auffsicht biß dahin Unserm zeitlichen Ober-Forst- und Jaͤgermeister mit anvertrauet ge- wesen/ also hat es auch ins kuͤnfftige dabey sein Bewenden; Und ist Unser ernstlicher Wille und Meynung/ daß uͤber das/ was wir deren Verwalt- und Erhaltung halber schon vorhin absonderlich in Gna- den verordnet/ auch alles das jenige darinn gethan und beobachtet werden soll/ was diese Unsere erneuerte General-Forst-Ordnung mit sich bringet/ und bey den Kloͤster-Forsten thunlich ist. Wie dañ die deß- falls erstattende Berichte Unser Forst- und Jaͤgermeister/ wie bißher/ zu Unser geheimen Cantzeley einschicken/ und daraus Unsere gnaͤdigste Verordnung gewaͤrtig seyn soll. 12. Was nun Unser Ober-Forstmeister/ auch Beamte und uͤbrige Forst-Bediente/ nach Jnhalt dieser Unserer Forst-Ordnung/ thun und verrichten werden/ dabey wollen Wir selbige gegen maͤnnig- lich Fuͤrstl. schuͤtzen und vertreten. Und soll diese Ordnung auff allen Unsern Aemtern in der Amts-Registratur beygeleget/ allen und jeden Forst-Bedienten/ um sich darnach zu achten/ zugestellet/ auch dann und wann denen Unterthanen bey den Land-Wald- und Forst-Ge- richten/ damit sich niemand mit deren Unwissenheit entschuldigen koͤn- ne/ fuͤrgelesen werden. Wir behalten Uns aber bevor/ dieselbe nach Gelegenheit der Zeit/ und der Waͤlder Zustand/ zu aͤndern/ zu mehren und zu bessern. Geben in Unser Residentz-Stadt Hannover/ den 8. Junii. An. 1678. II. Renovat. Constit. wegen der Land-Gerichten/ den 18. Maji, 1691. V On Gottes Gnaden/ Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Als Wir in Anno 1688. den 6. Martii einige Puncte heraus geben lassen/ welche zufoͤrderst von Unsern respectivè Drosten und Beamten bey denen haltenden Land-Gerichten beobachtet und genau untersuchet/ auch ein Examen darauff angestellet/ an Seiten der Beamten davon Rede und von Land-Gerichten. und Antwort gegeben/ und deßhalb Relation und Bericht abgestattet werden solle/ und Unser bestaͤndiger Wille und Meynung ist/ daß sol- ches alles wohl observi ret werde; So wiederholen Wir sothane Pun- cte/ welche folgender Gestalt lauten: * V On Gottes Gnaden/ Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Demnach Wir aus verschiedentlich vorgekommenen Faͤllen und andern erheblichen Ursachen/ fuͤr noͤthig befunden/ und in Gnaden resolvi ret/ daß hinfuͤro alljaͤhrlich/ bey denen/ dem Herkommen nach/ haltenden Land-Ge- richten mit allem Fleisse untersuchet werden solle: 1. Ob auch Unsere Unterthanen in Abstattung der so wohl or- dinair- als extraordinai ren Diensten uͤbernommen/ und uͤber das Her- kommen beschweret/ oder aber auch zu andern Diensten/ als zu Unser oder Unser Aemter Behuff gebrauchet werden/ Dann 2. Ob den Dienst-Leuten/ bey Verrichtung derer ihnen oblie- genden schuldigen Dienste/ die Proͤven/ nach dem Herkommen/ in der Guͤtigkeit/ daß es zu geniessen und nach dem uͤblichen Gewichte/ bekom- men/ massen zu solchem Ende/ die Probe allemahl vorzuzeigen/ um zu sehen/ ob darinn etwas zu aͤndern oder zu verordnen sey. 3. Weilen vor allen Dingen noͤthig/ darauff zu sehen/ und stri- ctè daruͤber zu halten/ daß die Amts-Haußhalts-Gebaͤude/ von denen Paͤchtern/ nach Jnhalt derer mit ihnen auffgerichteten Inventari en/ uͤ- ber das/ was jaͤhrlich auff Unsere Kosten hauptsaͤchlich daran gebauet und repari ret wird/ wie sichs gebuͤhret/ und ihnen vermoͤge Pacht- Con- tractus oblieget/ im Stande erhalten werden/ als soll der jedesmahlige Landgerichts- Commissarius dasselbe mit allem Fleisse examini ren/ und die befindende Maͤngel zu ersetzen/ den Paͤchtern ernstlich andeuten/ und zugleich Unser Fuͤrstl. Cammer/ zu deren fernern Verordnung/ darvon ausfuͤhrliche und genaue Nachricht ertheilen. 4. Befinden Wir auch einer Nothwendigkeit/ daß alles jenige/ was das Jahr uͤber gebauet/ oder beym Amte auff Unsere Kosten zu Vermehrung des Inventarii, angewendet worden/ in denen Amts- Rechnungen/ worinn die Kosten berechnet/ nachgesehen/ ob es den An- schlaͤgen und Rechnungen gemaͤß beschaffen/ examini ret/ und folgends denen Inventariis alle Jahr hinzu gethan werden/ damit Unsere Beam- te darzu zu antworten haben. d 3 5. Dem- II. Landes- Constitution 5. Demnach an Bebauung der wuͤsten Hoͤfe Uns und dem gan- tzen Lande sehr hoch gelegen/ maßen Wir dero Behuff bißher/ in Bey- steur/ Befreyung und Holtze ein Grosses gewilliget und angewendet/ dasselbe auch nach Befindung ferner zu thun/ in Gnaden gemeynet seyn; so soll bey denen Land-Gerichten/ aus den Registern/ von etzli- chen Jahren her/ wegen derer/ welchen Freyheit und Holtz gewilliget und paßiret/ ein Extract genommen/ und mit Fleiß nachgefraget wer- den/ welche deme zu folge gebauet/ wie weit der Bau vollfuͤhret/ und welche den Anfang noch nicht gemachet haben/ und davon an Unsere Fuͤrstl. Cammer/ mittelst Anfuͤhrung/ wie viel voriges Jahr wuͤste gewesen/ wie viel angebauet/ und annoch wuͤste verblieben/ an Unsere Fuͤrstl. Cammer ordentlich berichtet werden/ damit so wohl durchge- hends/ wegen Wiederanbauung der wuͤsten Hoͤfe/ zuverlaͤßige Anstalt gemachet/ als angemercket werden koͤnne/ ob die gegebenen Freyheiten und anderer Zuschub/ wohl angewendet/ oder durch wessen Schuld solches hinterblieben/ und folglich an dieselben der Regreß genom̃en werden moͤge. 6. Soll auch zugleich bey denen haltenden Land-Gerichten nach- gefraget/ auch da noͤthig/ der Augenschein eingenommen werden/ wie der Acker gebauet/ und ob derselbe gebuͤhrender massen/ in Geil und Gahr erhalten/ und insonderheit mit dem Bracksaͤen nach dem Pacht- Contracte verfahren werde/ um von dem Befinden Bericht zu er- statten. 7. Seynd nicht weniger die Teiche/ wann dergleichen vorhan- den/ zu besehen/ und wie dieselbe beschaffen/ auch ob und wie denensel- ben zu helffen/ falls sie zugeschlammet und bewachsen/ durch Anwen- dung einiger Dienste/ sonderlich deren/ die mit dem Dienst-Gelde zu- ruͤcke bleiben/ oder aber einiger Delinquenten/ die die Wrogen nicht bezahlen koͤnnen/ zu helffen Vorschlaͤge zu thun. 8. Was sonsten bey und in Unsern Aemtern zu Unserm Besten/ ohne jemandes Nachtheil/ zulaͤßiger Weise/ fuͤr Nutzen zu schaffen/ soll mit Unsern Beamten in loco uͤberleget/ da es erfordert wird/ der Kosten halber Anschlaͤge verfertiget/ und Unser Fuͤrstl. Cammer zum fernern Nachsiñen und abstattender unterthaͤnigster Relation, schrifft- licher Bericht uͤbergeben werden. 9. Damit nun in allem/ was obstehet/ Unsere fuͤhrende Intention und Wille gebuͤhrend erreichet werde; So befehlen Wir Unsern zeit- lichen von Land-Gerichten. lichen Cammer-Praͤsident/ Geheimden- und Cammer-Raͤthen/ und Lieben Getreuen samt und sonders/ hiermit gnaͤdigst und zuverlaͤßig/ und wollen/ daß Sie daruͤber mit Ernste steiff und feste halten/ die zu den Land-Gerichten Committi rende darauff instrui ren/ von denensel- ben umstaͤndlichen Bericht einnehmen/ und nach Befindung Uns da- von unterthaͤnigste Relation abstatten sollen. Geben unter Unserm Fuͤrstl. Hand-Zeichen und vorgedrucktem Daumen- Secret, in Unser Residentz-Stadt Hannover den 6. Martii, Anno 1688. hiermit nochmahlen und wollen/ daß Unsere Drost und Beamte denenselben/ so viel an ihnen ist/ mit getreuem Fleisse nachkommen/ bey denen haltenden Land-Gerichten ausfuͤhrlichen Bericht davon uͤber- geben/ der Land-Gerichts- Commissarius darauff in loco das Examen, auch Protocoll daruͤber halten/ und von dem Befinden umstaͤndliche Relation abstatten solle/ damit bey ereignenden Maͤngeln die Noth- durfft von Unser Fuͤrstl. Cammer verordnet werden koͤnne; Und wei- len Wir auch gemuͤßiget worden/ wegen Ausbesserung der Heer- Strassen und Wege in Unsern Landen/ eine gewisse Ordnung her- aus geben und publici ren zu lassen/ soll der Commissarius zu den Land- Gerichten mit Ernste nachfragen/ ob/ und welcher Gestalt derselben nachgelebet/ wann Mangel befunden wird/ die Oerter besehen/ woher dasselbe ruͤhre/ und wer daran schuldig/ erkundigen/ damit der Man- gel an sich selbst corrigi ret/ und die Widrige und Saͤumhaffte der Gebuͤhr nach koͤnnen bestraffet werden. Wann auch zu Unterhal- tung der Wege einige Unkosten solten erfodert werden/ welche Unsere Unterthanen zu uͤbernehmen schuldig waͤren/ hat der Land-Gerichts- Commissarius nach den Umstaͤnden zu urtheilen/ ob solches von den Unterthanen auffgebracht und gestanden/ oder aber/ wann solche Unkesten etwan zu groß/ ob und wie zu solchem Ende ein Vorschuß geschehen/ und derselbe nach gerade durch ein Weg-Geld wieder ab- gefuͤhret werden koͤnne/ allenfalls auch die Austheilung oder Anstalt darauff zu machen/ und ad ratificandum einzuschicken/ und von dem allen ordentliche Relation abzustatten. Geben in Unser Residentz Hannover den 18. Maji, 1691. Ernst Augustus. (L. S.) III. Con- III. Landes- Constitution III. Constitution wegen der Mastung/ den 18. Julii 1689. V On Gottes Gnaden/ Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Dem- nach GOTT der Allmaͤchtige dieses Jahr wiederum so wohl in Un- fern als andern Gehoͤltzen in Unsern Fuͤrstenthum und Landen einen Mast-Segen verspuͤhren laͤsset/ und Wir einer Nothdurfft befunden/ wie es mit Verhandel und Betreibung sothaner Mastung gehalten werden solle/ zu Verhuͤtung schaͤdlicher Mißbraͤuche/ eine gewisse Verfassung zu machen/ damit sich ein jeder darnach gebuͤhrend zu rich- ten habe; So verordnen Wir hiermit bestaͤndiglich und wollen/ daß so wohl vorjetzo als auch hinkuͤnfftig/ wann der Allerhoͤchste GOTT in Unsern Landen reichliche Mast bescheren wird/ 1. Keine Schweine/ es sey von weme es wolle/ biß zufoderst die Mastungen so wohl in Unsern als uͤbrigen Gehoͤltzungen in Unsern Landen verhandelt und betrieben seyn/ ausser Landes gebracht und verfuͤhret werden sollen/ und zwar dasselbe bey Straffe der Confisca- tion der Schweine/ und nach Befindung uͤber deme einer verdienten Geld-Busse; Wann aber in Unsern Gehoͤltzungen und Landen keine oder geringe Mast vorhanden/ alsdann wird einem jeden frey gestel- let/ seine Schweine anderwaͤrts/ so gut er kan/ zur Fehme treiben zu lassen/ und cessi ret das Verbot von selbsten. 2. Sollen Unsere Unterthanen so wohl in den kleinen Staͤdten als Doͤrffern/ welche keine eigene Mast-Hoͤltzer/ oder aber uͤber de- ren Genoß Schweine uͤbrig zu treiben haben/ und Unsere Gehoͤltzun- gen zu Bau- Nutz- und Brenn-Holtze mit geniessen/ bey Vermei- dung willkuͤhrlicher Bestraffung schuldig und gehalten seyn/ ihre Mast- Schweine nirgends anders wohin/ als in Unsere und zwar derjenigen Aemter Gehoͤltzungen zu bringen/ darinnen sie gesessen/ biß zufoderst selbige voͤllig betrieben seyn; Wobey dann ausdruͤcklich vorbehalten bleibet/ daß keinem Jnteressenten gestattet werden solle/ andere/ als seine eigene Schweine einzunehmen und zur Mast zu treiben/ und zwar dasselbe bey willkuͤhrlicher Straffe/ Gestalt zu solchem Ende bey ereignender Mast die Stoppel-Zehrung zu rechter Zeit vorzunehmen ist; Wann aber die Mastung in Unsern Gehoͤltzen verhandelt/ stehet einem jeden frey/ seine Schweine binnen Landes zu bringen/ wohin er wolle. 3. So wegen der Mastung. 3. So viel aber die grossen Staͤdte und Adeliche Gerichte/ und die darinn wohnende Unterthanen und Leute anlanget/ denenselben soll zwar frey bleiben/ ihre Schweine zu verfehmen und bringen zu lassen/ wohin es ihnen gefaͤllig/ jedoch aber mit dem ausdruͤcklichen Bedinge/ daß sie nach Jnhalt des ersten Articuls damit innerhalb Landes ver- bleiben. 4. Was die Besichtigung der Mast anlanget/ soll dieselbe zu rech- ter gebuͤhrender Zeit/ dem Herkom̃en und Verordnung nach/ durch die Beamte und Forst-Bediente/ mit Zuziehung der Interessent en und Achtsleute conjunctim geschehen/ die Hoͤltzer und verhandene Ma- stung wohl in Augenschein genommen/ und so viel mensch-moͤglich/ ob dieselbe fuͤr gantze/ halbe/ drittel oder viertel Mast zu schaͤtzen und zu ge- niessen/ nach Eyd und Pflichten uͤberschlagen/ und darauff der Schluß/ wie starck jeder Ort Holtzes inclusivè der zulaͤßigen Frey- und acciden tz- Schweine zu befehmen/ oder aber uͤberhaupt zu verhandeln sey/ gema- chet werden. 5. Wann dann dasselbe also observi ret und geschehen/ kan die Ver- handlung zur Hand genom̃en/ und das nach beschehener reiffer Uberle- gung fest gesetzte Quantum æstimationis zufoͤrderst denen Amts-Paͤch- tern/ dann denen Interessent en der Gehoͤltzungen/ und wer sonsten zu der Erhandelung Belieben tragen moͤchte/ eroͤffnet/ und bey einem an- zuͤndendem und brennendem Lichte eines jeden Bot erwartet werden/ Gestalt dann zwar der jenige/ der bey Ausgang des Lichtes das meiste geboten/ gegen gnugsame Caution zu der Handlung der nechste/ wann aber jedoch die Amts-Paͤchter zu gleichmaͤßigem sich erklaͤren/ seyn die- selbe ratione des fuͤhrenden schweren Haußhalts/ nach Jnhalt der Pacht-Contracte/ dabey in Consideration zu ziehen/ und ohn erhebliche Ursache nicht abzuweisen noch zuruͤcke zu setzen/ Unsern Forst-Bedien- ten aber sollen aus erheblichen und bewegenden Ursachen keine Mast- Pachtungen zugelassen seyn noch verstattet werden. 6. Behalten Wir dabey ausdruͤcklich bevor/ daß/ wann die Ver- handelung der Mastung jedes Orts also voͤllig und bestaͤndig gesche- hen/ die Dinge-Zettul gehoͤriger massen ad ratificandum vollenzogen/ und zu Unser Fuͤrstl. Cam̃er eingesandt/ an dem Locario keine Remissio- nes verstattet/ gegeben und passi ret werden sollen/ es waͤre dann/ daß sich nach der Handelung solche Ungluͤcksfaͤlle ereigneten/ daß der Con- ductor einen so grossen Schaden augenscheinlich zeigen und darthun e koͤnte/ III. Landes- Constitution wegen der Mastung. koͤnte/ der ihme unertraͤglich sey; Gestalt auff solchen Fall daruͤber von Unser Fuͤrstl. Cam̃er mit den Forst-Bedienten communici ret/ die Sa- che uͤberleget/ und denen befindenden Umstaͤnden nach darauff die Bil- lichkeit verfuͤget werden kan. 7. Als Wir auch wahrgenom̃en/ daß bey denen Mast-Verhand- lungen theils Unsre Forst-auch Amts-Bediente sich mehrer Frey- oder acciden tz-Schweine/ als die Bestall- und Bewilligung vermoͤgen/ sich anmassen/ und Wir dannenhero wohlbefugte Ursachen haͤtten/ es sol- cher wegen bey der in An. 1662. von Unsers freundlich-geliebten Bru- dern/ Herrn Hertzogen Georg Wilhelms zu Braunschweig-Luͤneburg Ld. gemachten gnaͤdigsten Verordnung/ und was Wir solchem nach in annis 1687. \& 1688. aus bewegenden Ursachen resolvi ret/ bewenden zu lassen/ So seyn Wir dennoch in Gnaden friedlich/ daß denen Forst- Bedienten in Ansehung des zu entrichtenden Licents diejenige Anzahl/ die von Unsern beyden Ober-Forst- und Jaͤgermeistern im verwiche- nen 1688sten Jahre eingesandt worden/ dermahlen/ wiewohl nach Pro- portion der befindlichen und erkennenden Mastung biß zu Unser an- derweiten Verordnung passi ren moͤgen; Es hat aber Unsere Fuͤrstl. Cammer so wohl/ als Unsere Ober-Forst- und Jaͤgermeistere/ auch Amts- und Forst-Bediente dahin zu sehen/ daß solche Zahl keines we- ges uͤberschritten werde. 8. Damit auch die Conductores der Mastung selbige nicht gar zu sehr uͤbertreiben/ und diejenige/ welche Schweine in die Mastung brin- gen/ dadurch verkuͤrtzet werden; so sollen Unsere Amts- und Forst- Bediente/ wann sie dergleichen verspuͤhren/ bemaͤchtiget seyn/ das Nachzehlen der Schweine nach Gutfinden verrichten zu lassen/ und davon an Unsere Fuͤrstl. Cam̃er zur ferneren Verordnung ohne Ver- zug Pflicht-maͤßig zu berichten. Wie nun alles jenige/ was obstehet/ Unser gnaͤdigster Wille und Meynung/ also wollen Wir auch daruͤber feste und mit Nachdruck ge- halten haben/ Gestalt sich dann ein jeder/ welcher dabey interessi ret ist/ unterthaͤnigst darnach zu achten. Urkundlich/ geben unter Unserm Fuͤrstl. Handzeichen und vorgedrucktem Daumen- Secrets in Unser Residentz-Stadt Hannover den 18. Julii, 1689. Ernst Augustus (L. S.) IV. Muͤntz- IV. Landes- Constitution von Muͤntzen. IV. Muͤntz- Edict vom 23. Febr. Anno 1691. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hier- mit maͤnniglich zu wissen: Ob wir zwar nebst uͤbrigen hohen Gliedern Unsers Fuͤrstl. Hauses an aller moͤglichsten Sorgfalt nichts erman- geln lassen/ denen nach und nach im̃er weiter eingerissenen Land- und Reichs-verderblichen Muͤntz- Confusion en so viel im̃er thunlich zu re- medi ren/ absonderlich aber Unsere und Unsers Hauses Muͤntzen im Lande- und hingegen die geringhaltige Sorten daraus-zu behalten/ so hat dennoch mit Unserem besonderem Mißvergnuͤgen solches den ver- langten Zweck allerdings nicht allein nicht erreichen moͤgen/ sondern es hat auch der taͤgliche Augenschein gegeben/ daß Unsere und Unsers Hauses Muͤntzen sich mehr und mehr/ und fast gaͤntzlich verlohren/ hin- gegen Unsere Lande mit allerhand schlimmen Muͤntzen/ aller dargegen ergangenen Verordnungen und gebrauchter Schaͤrffe unerachtet/ an- gefuͤllet worden/ welches dann/ zumahl numehro kein eintziger Reichs- Stand in so gutem Gehalt/ als auff Unsers Fuͤrstl. Hauses Muͤntz- Orten bißhero geschehen/ muͤntzen laͤsset/ noch mehr zu besorgen/ wo- ferne dagegen nicht in Zeiten diensame Veranstalt- und Verordnung ergehen solte. Wir setzen ordnen und wollen demnach I. Daß alle und jede in Unserm Fuͤrstl. Hause/ wie auch in Unse- rem Stifft Oßnabruͤck/ ingleichen die in Unsern Land-Staͤdten biß in An. 1689. inclusivè gepraͤgte doppelte Marckstuͤcke oder 24. Marien- Groschenstuͤcke/ von heutigem Tage der Publication dieses Edicts biß auff anderweite Verordnung in dem aͤusserlichem Werth mit Zween Mariengroschen; Die einfache Marckstuͤcke oder 12. Mariengro- schenstuͤcke aber/ mit Einem Mariengroschen erhoͤhet seyn/ und also vorgedachte biß An. 1689. inclusive gepraͤgte doppelte Marckstuͤcke 26. Mgr. Die einfache Marckstuͤcke von An. 1689 und vorhergehenden Jahren aber 13. Mgr. gelten sollen. Die in Unsers Fuͤrstl. Hauses Landen biß in An. 1688. inclusivè gepraͤgte 6. Mariengroschenstuͤcke sol- len nach vorgedachter Proportion Vier Pfennige hoͤher/ und also sechs Mgr. 4. Pfennige gelten. II. Jhrem aͤusserlichem Werthe nach sollen nachfolgende Sor- ten vor voll gelten: 1. Die in Unserem Fuͤrstl. Hause nach vorgedach- e 2 ter IV. Landes- Constitution von Muͤntzen. ter Jahrzahl gepraͤgte Vier und zwantzig-Zwoͤlff- und Sechs-Mgr. Stuͤcke. 2. Die Chur-Saͤchß. alte und neue- 3. Die Chur-Bran- denb. alte und neue- 4 Die Koͤn. Schweden-Bremische und Pom- mersche- 5. Die Stadt Goßlarische/ Magdeburgische/ Bremische/ Hamburgische/ Luͤbeckische/ Hildesheimische/ Emdische und Franck- furtische respectivè 24-12- und 6-Mgr. Stuͤcke. 6. Die Kaͤyserl. 15. Kreutzer oder 6. Mgr. ingleichen die Bischoͤffl. Hildesheimische 6. Mgr. bißherigen Gepraͤgs. III. Hingegen aber sollen die Mecklenb. Schwerinische/ Meck- lenb. Guͤstroische/ Bischoͤffl. Luͤbeckische/ Holsteinische/ alle Fuͤrstl. Saͤchsische/ Anhaltische/ Bischoͤffl. Curische/ Corveische/ Reussen- Plauische/ Graͤflich Schwartzburg-Witgen- und Hohnsteinische/ Graͤflich-Rantzoische/ wie auch alle andere unter denen im vorher- gehendem zweyten Articul expresse nicht mit benannte Sorten/ sie moͤ- gen Nahmen haben/ wie sie wollen/ wie in Unsern vorigen Edictis also auch hiermit und Krafft dieses nochmahls gaͤntzl. verruffen seyn/ und in Unsern Landen gar nicht passi ret werden. IV. An kleinen Sorten und Scheidemuͤntzen unter 6. Mgr. biß auff 1. Pfennig/ sollen keine andere als nur allein folgende passi ret wer- den: 1. Unsers Fuͤrstl. Hauses und dessen Landstaͤdte Muͤntzen/ nach dem Werth/ wie sie bißher gegolten/ und noch gelten. 2. Der Stadt Bremen/ und 3. Der Stadt Hildesheim bißher gepraͤgte Sorten. V. Die Capitalia sollen entweder in denen Sorten/ worinn die Ausleihung geschehen/ oder aber nach deren Werth und Gehalt/ wor- inn sie zur Zeit der Anleihung gewesen/ bezahlet/ und das nach dem in- nerlichen Werth der ausgeliehenen Gelder gebuͤhrende Auffgeld dar- auff gegeben werden. Wir befehlen demnach allen und jeden Obrigkeiten und Befehls- habern in Staͤdten und auff dem Lande/ und insgemein allen und jeden Unsern Angehoͤrigen und Unterthanen/ daß sie samt und sonders sich nach dieser Unser Verordnung gehorsamlich achten/ und respect. nach- druͤckliche Hand daruͤber halten/ so lieb einem jeden ist Unsere Ungnade und willkuͤhrliche ernste Bestraffung zu vermeiden. Zu desto besserer Nachricht und Kundmachung obiges allen soll dieses nicht allein von denen Cantzeln oͤffentl. verlesen/ sondern auch an gewoͤhnl. Orten affi- gi ret werden. Wornach sich also ein jeder zu achten. Geben in Un- ser Residentz-Stadt Hannover den 23. Febr. 1691. (L. S.) Ernst Augustus. V. Landes- Constitution wegen Mißwachs. V. Churfuͤrstl. Constitutio wegen Mißwachs/ den 18. April 1701. V On Gottes Gnaden/ Georg Ludewig/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ des H. Roͤm Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Nachdem- mahlen bey Uns unterschiedene mahl Klage einkom̃en/ welcher Gestalt die/ wegen sich ereignenden Mißwachses/ Hagelschlags/ Maͤusefraf- ses/ oder anderer Feld-Schaden von Unsern Unterthanen/ und denen Meyerleuten ausgebethene Besichtigungen ihrer Felder und Fruͤchte von denen meisten Beamten sehr negligi ret/ dieselbe wohl gar denen Unter-Voigten/ und dergleichen Achts-Leuten anvertrauet worden/ welche nicht ohne Verdacht einer Partheyligkeit gewesen/ daher bey solchen Besichtigungen viel Durchstechereyen bißher vorgangen/ und dieselbe zum oͤfftern zum Schaden der Guts-Herren/ zu Zeiten auch zum præjudicè der Meyerleute selbst ausgefallen; Dannenhero Wir auff besonders Anhalten Unserer Calenbergischen Staͤnde bewogen worden/ auff die Abstellunge solcher Unordnunge zu gedencken/ und zu dem Ende nachfolgende gnaͤdigste Verordnung publici ren zu lassen: Setzen/ ordnen und befehlen demnach Unsern Beamten hiermit ernstlich; daß dieselbe/ falls einige Unserer Unterthanen oder Meyer- leute eine Besichtigung ihrer Felder begehren/ entweder selbsten oder wenigstens die Amtsschreiber dabey sich einfinden/ denen Gutsherren vorhero in Zeiten davon Nachricht geben/ und ihnen frey stellen sollen/ ob sie selber bey der Besichtigung sich anfinden/ oder einen Bevoll- maͤchtigten dahin senden wollen; dañ sollen die jenigen/ welche die Be- sichtigung verlangen/ so bald sie dieselbe bey dem Amt gesuchet/ dem Schatz-Einnehmer des Quartiers davon Nachricht geben/ welcher so dañ mit denen Beamten wegen eines Termini communici ren/ und sich vergleichen/ alsdañ bey der Besichtigung sich persoͤnlich anfinden solle/ da dann der gegenwaͤrtige Beamte in Gegenwart des Gutsherrn oder dessen Gevollmaͤchtigten/ und des Schatz-Einnehmers die aus einem benachbarten Amte dazu beruffene Achtsleute nach vorgegangener ernstlichen Verwarnung des Meineydes expreßè beeydigen/ und als- dann nebst dem Schatz-Einnehmer/ welcher von dem Schatz- Collegio besonders dazu instrui ret weꝛden wird/ dahin sehen sollen/ daß die Achts- Leute nuͤchtern bleiben/ und nicht allein an die Oerter/ da etwan das schlechteste Korn stehet/ sondern das gantze Feld durchgehen/ und nach e 3 ihren VI. Constitution wegen Besichtigung der Fruͤchte. ihren abgestatteten Eyden/ dessen sie oͤffters zu erinnern/ die Æstimation aufrichtig verrichten muͤssen: Und da denen Beamtẽ/ Gutsherren oder Schatz-Eiñehmern nach ihrer Beurtheilung der Felder einiger Zweif- fel vorkaͤme/ ob haͤtten die Æstimatores einem oder andern Theil zu Vortheil die Æstimation eingerichtet; sollen die Beamte/ wo sie den Zehnden selber ziehen/ nachsehen und erwegen/ sonst aber die Zehnd- Herren und Zehndsam̃ler befragen/ wie viel Stiege aus denen æstimir- ten Feldern warhaftig geerndtet/ oder wie viel an gewoͤhnlichem Loca- rio dem Paͤchter erlassen sey/ und alsdañ nach denen in Unserm Cam- mer- Rescript vom 6. Sept. 1696. enthaltenen Reguln und gemachten Proportion den Schaden consideri ren/ und die Erlassung nach solchem Fundament einrichten/ und davon so wohl denen Gutsherren als Mey- ersleuten Nachricht geben; auch/ da zwischen denenselben Streit ent- stuͤnde/ und bey dem Amte uͤber dem entrichtenden Meyerzinß Klage er- hoben wuͤrde/ die Sache vorher verordneter massen zu entscheiden. Wornach sich maͤnniglich zu achten/ Unsere Beamte aber nochmahls ernstlich befehliget werden/ darnach ohne einiges Neben-Absehen bey Vermeidung Unserer Ungnade zu verfahren. Geben in Unserer Re- sidentz-Stadt Hannover den 18. April 1701. (L. S.) Georg Ludwig/ Churfuͤrst. VI. Churfl. Braunschw. Constitutio wegen Besichti- gung der Feld-Fruͤchte vom 24. Sept. 1701. V On Gottes Gnaden/ Georg Ludwig/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ des H. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Demnach Wir unter dem dato den 18. Aprilis dieses Jahrs eine gewisse Verord- nung publici ren lassen/ wie es in Unsern Landen mit Besichtigung Un- serer Unterthanen Felder und Fruͤchte/ wenn dieselbe sothane Besich- tigung wegen sich ereignenden Mißwachses oder andern Feld-Scha- den ausgebeten/ gehalten/ und wie so dann die Erlassung nach Un- serm Cammer- Rescript vom 6. Septembr. 1696. reguli ret werden soll; Sintdeß aber Uns unterthaͤnigst vorgetragen worden/ daß bißhero bey Unserer Cantzley/ wenn allda in dergleichen Faͤllen von den Mey- erleuten um Besichtigung/ wegen ihrer Guts-Herren Ansuchung ge- than/ und darauff die Besichtigung geschehen/ den Meyerleuten die Remission nach dem Æstimato des Schadens zuerkannt/ und es auch damit biß hieher jederzeit also gehalten worden. So VII. Constitutio de Juramento Calumniæ. So haben Wir obige Unsere Constitution vom 18. April. dahin zu erlaͤutern noͤthig befunden/ daß es in denen Faͤllen/ so bey unserer Cantz- ley wegen Mißwachs oder andern Feldschadens gegen ihre Gutsher- ren vorkom̃en/ was die Remission und deren Determini rung betrifft/ bey dem bißherigen Herkom̃en/ daß solche nicht nach angeregtem Unserm Cam̃er- Rescripto, vom 6. Sept. 1696. sondern nach dem Æstimato des Schadens erkannt werde/ gelassen und darnach gesprochen werden soll/ im uͤbrigen allen aber hat es bey Unserer Verordnung vom 18. A- pril. sein Bewenden; Wornach sich Unsere Vice- Cantzler und Raͤthe zu achten. Geben in Unser Residence Hannover am 24. Sept. 1701. (L. S.) Georg Ludwig/ Churfuͤrst. VII. Constitutio de Juramento Calumniæ, den 2. Dec. 1691. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen: Ob zwar in Unser Fuͤrstl. Cantzley-Ordnung Tit. 18. §. 2. unter andern verordnet/ daß/ wenn dem Advo- caten der litigi renden Parthey/ der Eyd vor Gefaͤhrde/ in Rechten Juramentum Ca- lumniæ genannt/ vom Gegentheil deferi ret wird/ der Advocate sothanen Eyd zu præ- sti ren schuldig sey/ weilen Wir aber sintdeß besunden/ daß solches vielfaͤltig mißbrauchet wird/ indem angeregter Eyd den Advocaten/ da es gar nicht noͤthig ist/ deferi ret wird/ bloß nur/ theils die Sache auffzuhalten/ theils seinem Gegentheil weh zu thun/ und die Sache schwehr zu machen; Als setzen/ ordnen und constitui ren Wir hiermit/ und wol- len/ daß in Unsers Vice- Cantzlers und Raͤthen Ermessen stehen soll/ ob der Advocat/ dem das Juramentum deferi ret wird/ solches abzustatten gehalten sey/ oder nicht/ die Par- theyen aber sich damit nicht auffzuhalten/ sondern die Sache ohne Verzug nichts desto weniger zu befoͤrdern schuldig seyn sollen. Wornach sich also die Partheyen und de- ren Advocaten zu achten; So geschehen und geben in Unser Residence Hannover am 2. Decembr. 1691. (L. S.) Ernst Augustus. VIII. Churfuͤrstl. Constitutio Subhastationis bonorum, den 5. Junii 1695. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤne- burg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Demnach Uns unterthaͤnigst vorgetragen worden/ was Gestalt bey Subhasti rung der Haͤuser in Unsern Landen bißher viele und allerhand Jrrungen und Inconvenienti en dahero ent- standen/ daß post terminum subhastationis und oͤffters wann die Kauff Gelder bereits ausgezahlet/ sich noch ein und andere des Debitoris Anverwandten oder Creditores als Retrahentes angefunden/ und dahero ferner nicht unbillig zu besorgen/ daß auch ins- kuͤnfftige dadurch die Kaͤuffere von der Licitation entweder gar abgeschrecket/ oder auch was VIII. und IX. Landes- Constitution. was sie eigentlich zu geben gemeynet/ solches nicht mit so freyem Gemuͤthe/ wie sonsten/ zu bieten verhindert werden moͤchten; Als haben Wir sothanen Inconvenienti en und Jrrungen durch eine Verordnung abzuhelffen/ und darunter etwas gewisses in Unsern Landen zu determini ren der Nothdurfft ermessen; Setzen derowegen/ ordnen und wol- len Krafft dieses/ daß/ wann hinfuͤro Haͤuser/ oder auch sonst andere Guͤter in Unsern Landen oͤffentlich subhasti ret werden/ als dañ diejenigen/ welche entweder ex jure agna- tionis oder Crediti das naͤhere Recht daran zu prætendi ren gemeynet/ in dem angesetz- ten Termino subhastationis sich mit angeben/ und wann das Bieten geschiehet/ in eben solchem termino, ob sie das Hauß oder Gut fuͤr den Both zu behalten gemeynet/ sich er- klaͤren/ und die Gebuͤhr præsti ren/ widrigen falls aber/ und wann solches von ihnen so gleich nicht geschiehet/ davon ausgeschlossen/ und des Juris retractus verlustig seyn sol- len; Gestalt Wir dann Unserm Vice Cantzler und Raͤthen/ Vice- Hoff-Richter und Hoffgerichts- Assessor en/ auch sonsten ingemein allen und jeden/ so in Unsern Landen Gerichte haben und halten/ in Gnaden ernstlich anbesehlen/ auff diese Unsere gnaͤdigste Constitution in judicando samt und sonders gehorsamlich zu sehen/ und sich darnach je- derzeit zu achten. Geben in Unser Residence Hannover den 5. Junii 1695. (L. S.) Ernst Augustus/ Churfuͤrst. IX. Constitutio Concursus Creditorum, den 31. Jan. 1682. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiemit allen und jeden Unsern Untertha- nen und Angehoͤrigen/ auch allen andern/ so in Unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen in Schuldsachen zu thun und zu klagen haben/ zu wissen; Als Wir wahrgenom̃en/ daß bey denen vor Unsern Gerichten angestelleten Concursibus Creditorum, und in sothanen Sachen publici rten Priori taͤt Urtheln/ wegen Bezahlung der von den schuldigen Capi- tali en annoch nachstaͤndigen Zinsen/ unterschiedlich gesprochen/ indem etzliche in sotha- nen Urtheilen Rechte gesetzet/ andere aber die Capitalia vorher absonderlich nach der Riege und Alter der Obligation en eingetheilet/ die Zinsen aber insgesamt erst nach den Capitali en/ jedoch in eben selbige Classem, wie vorhero den Hauptstuhl/ massen es also in einigen benachbarten Landen gehalten wird/ zu bezahlen gesetzet/ daß Wir dahe- ro solche Mißhelligkeit auffzuheben/ und darunter eine Conformi taͤt/ als wie Wir es der Billigkeit gemaͤß befinden/ zu stifften vor noͤthig befunden; Setzen/ ordnen und con- stitui ren demnach hiemit und in Krafft dieses aus Landesfuͤrstl. Hoheit/ Macht und Ge- walt/ daß bey denen Concursibus Creditorum, in puncto prioritatis, vorerst die Capi- talia, und bey ein jedes dreyjaͤhrige hinterstellige Zinse in eben die Classem, worinnen das Capital zuerkannt/ gesetzet/ die uͤbrige Zinsen aber/ nach allen Capitali en hinten an/ jedoch in eben solcher Ordnung/ wie die Capitalia vorhero stehen/ adjudici ret werden sollen. Gebieten und befehlen auch Unsern Vice- Cantzler/ Raͤthen/ Vice- Hoffrichter und Hoffgerichts-Assessoren/ Land-Drosten/ Beamten/ Gerichtshaltern/ denen Buͤrger- meister und Raͤthen in den Staͤdten/ und allen und jeden/ so in Unsern Landen Gerichte haben und halten/ hiermit in Gnaden ernstlich/ und wollen/ daß sie samt und sonders vor- gesetzter Unserer gnaͤdigsten Verordnung und Constitution jedesmahl gehorsamlich in judicando nachleben. Daran geschiehet Unser gnaͤdigster Wille und Meynung. Ge- ben in Unser Residence Hannover den 31. Januar. Anno 1682. Ernst Augustus. (L. S.) X. Constitutio Concursus Creditorum. den 13. Feb. 1688. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus, Bischof zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Demnach Wir durch Unsere am 31. Januarii 1682. in offenem Druck public irte Constitution die gemeinen Rechte/ welche in den Concursibus die Creditores potiores den Nachstehenden nicht alleine wegen der Ca- pitalien/ sondern auch wegen der Zinse præfer iren/ dahin gemildert/ daß bey den Concursibus Creditorum in puncto prioritatis vorerst die Capitalia, und bey ein iedes nur dreyjaͤhrige hinterstellige Zinsen ad- judic iret/ die uͤbrige Zinse aber/ nachdem alle Capitalia abgefuͤhret/ in eben solcher Ordnung gesetzet werden solten; nach der Zeit aber be- funden/ daß nichts desto weniger auch wegen solcher dreyjaͤhrigen Zinse annoch einige Haͤrtigkeit gegen die nachstehenden Creditores verblieben. So setzen und ordnen Wir hiermit/ und in Krafft dieses/ daß hier- naͤchst und von Zeit an dieser Unser promulg irten Constitution, bey de- nen Concursibus Creditorum in puncto Prioritatis, daruͤber publici- renden Urtheln und deren Execution durchgehends vorerst die Capita- lia absonderlich nach der rechtlichen Ordnung eingetheilet/ die Zinsen aber ingesamt erst nach den Capitali en/ iedoch in eben solche Classem, worinnen der Hauptstul stehet/ gesetzet/ und darnach in unsern Landen und Gerichten gesprochen werden soll; Gestalt Wir dann unsern Vice- Cantzler und Raͤthen/ Vice- Hof-Richter und Hofgerichts- Assessor en/ und insgemein allen und ieden/ so in unsern Landen Gerichte haben und halten/ hiermit in Gna- den ernstlich gebieten und befehlen/ daß sie hinfuͤro samt und sonders dieser unserer gnaͤdigsten Verordnung und Constitution iedesmah gehorsamlich in judicando nachleben/ und sich darnach achten. Daran geschiehet unser gnaͤdigster Wille und Meynung. Gegeben in unser Residence Hannover am 13. Februarii Armo 1688. Ernst Augustus. (L. S.) f XI. XI. Landes- Constitution, XI. Constitutio de Successione Conjugum. den 21. Decembr. 1694. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤmischen Reichs Churfuͤrst/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. ꝛc. Demnach Uns unterthaͤnigst vorgetragen worden/ daß bey un- sern Gerichten/ uͤber der Frage/ ob Eheleute einander ab intestato er- ben/ und der uͤberlebende Ehegatte/ wenn keine Kinder vorhanden/ des verstorbenen Anverwandte und Collaterales von der Succession aus- schliesse oder nicht/ zwischen denen Partheyen zum oͤfftern viel disput i- rens vorfalle/ indem der eine Theil sich des Falls auff die allgemeine beschriebene Kaͤyserl. Rechte/ der andere Theil aber auff angebende Gewohnheiten ein und andern Orts in Contrarium vielmahls zu be- ziehen pfleget/ und sich dann findet/ daß bey denen Gerichten nicht alle- mahl gleich und auff einerley Weise gesprochen/ sondern bald dieser bald jener Meynung in judicando beygepflichtet worden/ welches denn eine Anzeige/ daß desfalls keine bestaͤndige Gewohnheit hergebracht: Als haben wir zu Abschneidung der vielen bißhero entstandenen Streitigkeiten/ darunter etwas gewisses in unsern Landen zu deter- min iren/ und denen dabey offtmahl vorkommenden Zweifeln/ durch ei- ne Verordnung abzuhelffen/ der Nothdurfft ermessen. Setzen dero- wegen/ ordnen und wollen in Krafft dieses/ daß hinfuͤhro in dergleichen Faͤllen/ da ein Ehemann oder Ehefrau ohne Errichtung eines Testa- ments/ oder sonst andern letzten Willens verstirbet/ es solchen Falls bey der Disposition und Verordnung der allgemeinen beschriebenen Kaͤyserl. Rechte lediglich zu lassen/ und/ deme zu Folge/ der uͤberlebende Ehegatte/ sich des verstorbenen Erbschafft/ vor dessen Blutverwand- ten und nahen Angehoͤrigen ab intestato anzumassen nicht befugt sey. Dafern iedoch Eheleute einer dem andern entweder durch Ehepacten/ oder durch letzten Willens Verordnung etwas von dem Jhrigen zu hin- terlassen/ uñ zuzueigen gemeynet/ bleibet ihnen solches rechtlicher Wei- se zu thun unbenommen/ und sind wir dasselbe zu hindern keines We- ges gemeynet/ wie es denn auch bey demjenigen/ was die mehr angezo- gene allgemeine Rechte wegen der uͤberlebenden armen Ehegatten/ wenn die Verstorbene reich gewesen/ verordnen/ gleichfalls sein Ver- blei- de Successione Conjugum. bleiben hat. Gestalt wir denn unserm Vice- Cantzler und Raͤthen/ Vice- Hofrichter/ und Hofgericht- Assessor en/ auch sonsten in gemein allen und ieden/ so in unsern Laͤndern Gerichte haben und halten/ in Gnaden ernstlich anbefehlen/ auff diese unsere gnaͤdigste Constitution in judicando samt und sonders gehorsamlich zu sehen/ und sich darnach iederzeit zu achten. Gegeben in unserer Residenz Hannover den 21. Decembr. 1694. (L. S.) Ernst Augustus. XII. Edict von Jagen und Schiessen/ public. den 8. Augusti 1691. V On GOttes Gnaden/ Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤg/ Hertzog zu Braunschw. und Luͤneburg/ ꝛc. ꝛc. Nachdem Wir zwar hiebevor wegen des von unserer Milice, auch andern unsern Bedienten und Angehoͤrigen/ unternehmenden ungebuͤhrlichen Jagens und Schiessens gewisses Verbot und ernstli- che Verordnung/ wie solche allhier inser iret/ ergehen lassen; Von GOttes Gnaden/ Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oß- nabruͤg/ Hertzog zu Braunschw. und Luͤneburg ꝛc. fuͤgen hiermit zu wissen/ was gestalt wir eine Zeit her mit sonderbahrem ungnaͤdigen Mißfallen zu vernehmen gehabt/ daß/ unsern hiebevor ausgelassenen gnaͤdigsten Verordnungen zuwider/ verschiedene von unserer Milice, so wohl Officiers als Gemeine/ wie auch einige unserer Hof-Bedien- ten und Buͤrger in hiesiger unserer Residenz Stadt/ in unsern Unter- Landsassen/ und anderer Privat- Leute Gehoͤltzen/ Feldern und Gehaͤ- gen zu jagen und schiessen sich unterstanden/ wodurch die Wildbah- nen nicht wenig ruin irt/ und derentwegen vielfaͤltige Klagen gefuͤhret worden. Wann Wir nun dergleichen unzulaͤßigem hoͤchststraffba- rem Unternehmen und darob entstehenden schaͤdlichen Consequenti en keines weges nachzusehen/ sondern solches gantz und gar abzustellen/ gnaͤdigst gemeynet seyn. So befehlen Wir hiermit allen und ieden zu unserer Milice gehoͤrigen Leuten/ wie auch unsern Hof-Bedienten und Buͤrgern/ (unsere Generals-Personen iedoch ausgenommen/ als wel- chen wir zu ihrer Ergetzung auch sonst ein Feder- und anders kleines Wild ausser unsern Gehaͤgen zu fangen/ oder zu schiessen/ vorhin schon f 2 gnaͤdigst XII. Landes- Constitution gnaͤdigst verstattet) krafft dieses ernstlich/ und wollen/ daß sie von nun an in unsern Gehaͤgen und Wildbahn/ auch unserer Landsassen und anderer Privat- Leute Feldern und Gehoͤltzen/ dafern es nicht mit ihrer Bewilligung geschiehet/ bey Vermeidung unserer hoͤchsten Ungnade und scharffer unausbleiblicher Bestraffung/ sich alles Jagen/ Hetzen/ Kuͤhren/ Schiessen und Nachstellen des Wildes gaͤntzlich enthalten und aͤussern sollen; gestalt dann unsere Ober-Forst- und Jaͤger-Mei- stere/ wenn iemand dawider betreten werden solte/ demselben die Hun- de erschiessen/ Gewehr und Jagtzeug wegnehmen zu lassen/ auch da sonst nicht weniger die Beamten etwas/ so dieser unserer Verord- nung zuwider/ vornehmen solten/ solches ohngesaͤumt zu berichten/ un- sere hohe und niedere Officierer aber mit allem Ernst und Nachdruck dahin zu sehen haben/ daß diesem unserem Verbot gehorsamst nach- gelebet/ und dasselbe allerdings beobachtet werde. Wir lassen indes- sen nebst dem/ was wir unsern Generals-Personen obangefuͤhrter massen gnaͤdigst permitt iret/ ferner in Gnaden geschehen/ daß die Commandant en in den grossen Staͤdten/ welche die Jagt-Gerechtig- keit ohnstreitig hergebracht haben/ da es mit der Staͤdte gutem Willen und Belieben geschiehet/ in derselben District fuͤr ihre Person mit der Jagt sich divert iren moͤgen/ so aber keines weges auff die uͤbrige Offi- ciers aus den Guarnison en zu extendi ren/ als welche sich dessen aller- dings enthalten/ die Buͤrger aber/ welche mit Buͤchsen/ Flinten/ Hun- den/ oder sonst auff der Jagt und Nachstellung des Wildes ausser ih- ren Jagt-Graͤntzen betreten werden/ gebuͤhrend bestraffet/ und da der Stadt- Magistrat dergleichen Uberschreitungen der Jagt- Districtè zu verhuͤten keinen gebuͤhrenden Ernst anwenden wuͤrde/ alsdenn mit der Privation ihrer Jagt-Gerechtigkeit verfahren werden solle. So viel unsere Adeliche/ und andere Landsassen/ welche die Jagt- Gerechtigkeit haben/ betrifft/ sollen dieselben nicht schuldig seyn zu lei- den/ daß iemand von unserer Milice oder auch andere/ die dessen nicht berechtiget/ in ihren Jagt- District en mit Jagen/ Schiessen und der- gleichen ihnen Eintrag zu thun/ sich unternehme. Gestalt sie denen/ so darauff betreten werden moͤchten/ solches auff alle Weise zu verweh- ren/ auch benoͤthigten Falls die Jhrige zu solchem Ende auffbieten/ und dergleichen unbefugten Eingriff abzukehren/ Macht und Gewalt habẽ sollen. Und weilen bey obangefuͤhrter Bewandniß die zu unserer Mi- lice von Jagen und Schiessen. lice gehoͤrige/ ausser den Generals-Personen/ keiner Hunde vonnoͤthen/ noch dieselben zu gebrauchen haben; So wird denenselben hiemit ernstlich und nachdruͤcklich untersaget/ auch auff Reisen keine Hunde mit sich zu fuͤhren; gestalt unsere Beamte und Forstbediente befehli- get seyn/ aller Orten/ wo sie bey den Officirern so wohl als Gemeinen Jagthunde antreffen/ dieselbe ihnen wegzunehmen/ oder todt zu schies- sen/ auch da sie es in der Guͤte nicht bewerckstelligen koͤnten/ mittelst oͤffentlichen Glockenschlags und Auffbot der Unterthanen mit Gewalt sie darzu anzuhalten. Es sollen auch die von der Reuterey Officiers so wenig als Gemeine/ wenn sie aus ihren Qvartiren nach andern Doͤrffern zu Fuß gehen/ keine Carabiner/ Buͤchsen oder Flinten/ son- dern nur Degen tragen/ oder widrigenfalls gewaͤrtigen/ daß ihnen je- nes Gewehr abgenommen/ und sie uͤberdas noch gebuͤhrend bestraffet werden. Wornach sich also ein ieder zu achten/ und fuͤr Beschimpfung und Ungelegenheit zu huͤten. Zu dessen Uhrkund dieses Patent auff den Cantzeln/ auch vor denen Compagnien oͤffentlich abgelesen/ und sonsten behoͤriger Orten kund gemachet und affig iret worden. Gege- ben in unserer Residenz Stadt Hannover/ den 19. Mart. 1686. Dessen ungeachtet aber gantz mißfaͤllig vernommen/ daß sel- bigem der Gebuͤhr gar nicht gelebet worden. So haben wir dieselbe hiermit und in Krafft dieses erneuern und public iren lassen wollen; da- bey ernstlich und zuverlaͤßig begehrend und befehlend/ daß sich maͤnnig- lich darnach gehorsamst zu achten/ so lieb ihm ist Unsere Ungnade/ auch unausbleibliche wuͤrckliche Ahnd- und Bestraffung zu vermei- den. Zu dessen Urkund dieses Patent auff den Cantzeln auch vor de- nen Compagni en oͤffentlich abgelesen/ und sonsten behoͤriger Orten kund gemachet worden. Gegeben in Unserer Residentz-Stadt Han- nover/ den 8. Augusti, 1691. Ernst Augustus. (L. S.) f 3 XIII. XIII. Landes- Constitution wegen nicht Veraͤusserung XIII. Constitutio wegen nicht Veraͤusserung ge- meiner Staͤdte und Dorffschafften Guͤter/ den 19. Maji 1702. V On GOttes Gnaden Wir Georg Ludewig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit iedermaͤnniglich zu wissen/ demnach Uns unter- thaͤnigst vorgetragen worden/ was massen so wohl bey unsern grossen/ als kleinen Staͤdten/ auch einigen Dorffschafften in unserm Churfuͤr- stenthum und Landen der Mißbrauch eingerissen/ daß sie nach eigenem Gefallen Gelder erborget/ davor gemeiner Stadt und Dorffschafft Guͤter und Revenii en verpfaͤndet und versetzet/ ja wohl gar veraͤussert und verkauffet/ dadurch denn verursachet worden/ daß bey solcher Schulden Last theils unsere Staͤdte und Dorffschafften und derglei- chen Commun en grossen Schaden gelitten/ und solcher Gestalt herun- ter kommen seyn/ daß sie die gemeinen Landes-Buͤrden richtig abzu- fuͤhren nicht mehr im Stande/ noch was zu gemeiner Stadt und Dorffschafft und dergleichen Commun en Nothdurfft erfodert wird/ auffzubringen im Vermoͤgen haben; Wir aber solchem also laͤnger nicht nachzusehen/ sondern vielmehr sothanem verderblichem Wesen mit Ernst und Nachdruck zu begegnen gemeynet seyn. Als setzen/ ordnen und befehlen Wir/ von hoher Churfuͤrstlicher Macht und Obrigkeit wegen/ daß keine von unsern grossen und klei- nen Staͤdten/ oder deren Buͤrgermeister und Rath/ oder gemeine Buͤrgerschafft/ oder Dorffschafften und dergleichen Commun en/ ohne unsern Special-Consens und schrifftliche Bewilligung einige Gelder auffleihen/ und gemeiner Stadt oder Dorffschafft/ oder dergleichen Commun en Guͤter/ oder deren Einkommen/ versetzen/ verpfaͤnden/ oder in einige Wege veraͤussern sollen. Gestalt denn/ falls eine oder andere Stadt-Obrigkeit oder Gemeine hiewider handeln/ und gegen Verpfaͤndung einiger Stadt oder Dorffschafft/ oder dergleichen Commun en Guͤter Gelder auffnehmen wuͤrde/ die daruͤber ausgestel- lete Verschreibung und Verpfaͤndung gemeiner Stadt oder Dorff- schafft/ oder dergleichen Commun en Guͤter nicht gelten/ sondern so viel die Bezahlung aus ietzt gedachten Guͤtern anlanget/ null, und von gantz keinen Kraͤfften seyn soll. Es bleibet aber denen Creditor en ihr Regelt gemeiner Staͤdte und Dorffschafften Guͤter. Regelt gegen Buͤrgermeister/ Rath und Camerarii, oder wie diejenigen genant werden/ so gemeine Gelder unter Haͤnden haben/ oder Vorste- here/ so die Gelder angeliehen/ vorbehalten/ wie denn dieselbe nicht allei- ne solche angeliehene Gelder aus ihrem Beutel und Privat- Mitteln zu bezahlen schuldig seyn/ sondern noch darzu mit einer schweren Geld- Busse/ oder sonst nach Befinden/ gestraffet werden sollen. Als nun solches unser ernster Wille/ Meynung und Befehl/ so hat sich maͤn- niglich darnach zu achten. Urkundlich Unsers Churfuͤrstl. Handzeichen und untergelegten Churfuͤrstl. Cantzley-Jnsiegels. Gegeben in unserer Residenze Han- nover am 19. Maji, Anno 1702. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XIV. Constitutio wegen Laͤnderey und Wiesen- Verpfaͤndung/ den 8. Junii 1691. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen: Als Uns mißfaͤllig vorkommen/ was Gestalt theils unsere Unterthanen/ absonderlich aber die Mey- erleute/ ohne einigen unser Fuͤrstlichen Kammer/ unserer Beam- ten und uͤbriger Guts-Herren Consens, Vorwissen und Bewil- ligung die Laͤndereyen und Wiesen von den Hoͤfen versetzen/ verpfaͤn- den oder verkauffen/ und zwar dasselbe also gar/ daß bey etlichen Mey- erhoͤfen solcher Pertinenti en gar wenig uͤbrig blieben/ die Hauswirthe dem Faullentzen sich ergeben/ und kein Vieh mehr halten/ mithin die Aecker und Gebaͤude in Ruin und Abgang gerathen/ und folglich die Hoͤfe gar wuͤste werden/ dasselbe aber unser zur Conservation und Auffnahme unserer Fuͤrstenthum und Lande fuͤhrenden guten Inten- tion auch zu dem Ende ergangenen Edict en und Verordnungen/ in- dem Wir zu wider Besetz- und Anrichtung derer in vorigen Zeiten in Abgang gerathenen und verwuͤsteten Hoͤfe/ Freyheiten/ Immunit aͤten und andere Huͤlffs-Mittel reichlich ertheilen lassen/ gaͤntzlich entgegen/ und Wir dannenhero solchem Ubel in Zerreissung der Hoͤfe und deren Pertinenti en zu- und der Fahrlaͤßigkeit der Hauswirthe darinn nachzu- sehen keines weges gemeynet seyn; so lassen wir es wegen der gaͤntzli- chen Verkauff- und Vereusserungen bey demjenigen/ was in den Rech- ten XIV. Landes- Constitution wegen Laͤnderey- ten und unserer Vorfahren Landes- Constitution en desfalls schon ver- sehen/ allerdings bewenden; setzen und ordnen annebenst aus Landes- Fuͤrstl. Macht und Autorit aͤt hiermit/ und wollen/ daß (1) wann ie- mand verhanden/ der mit ordentlichem und gnugsamen Consens der- gleichen Pfaͤnd-Laͤnderey an sich gebracht/ demselben zwar sein Recht gelassen/ und die Laͤnderey oder Wiesenwahse/ ehe und bevor er seines Vorschusses halber Satisfaction und die Wiederbezahlung erhalten/ abzutreten nicht schuldig; es haben sich aber unsere Beamte insonder- heit/ wann die Hoͤfe durch dergleichen Verpfaͤndungen in merckliche Abnahme kommen/ zu bemuͤhen/ ob sie mit denenselben in Guͤte auff Termine handeln koͤnnen/ und dahin zu sehen/ daß dieselbe gehalten/ und die Creditor en befriediget/ und im Gefolge die Hoͤfe redintegr iret werden. 2. Wann aber dergleichen im Recht begruͤndeter Consens, weder von unserer Fuͤrstl. Cammer/ noch vom Amte vorhanden/ soll die Laͤn- derey denen Jnhabern so gleich verboten/ und dem Eigenthums-Herrn restitu iret/ und wieder bey die Hoͤfe geleget werden; wann aber iedoch die Umstaͤnde mit sich bringen wuͤrden/ daß dem Eigenthums-Herrn des Hofes/ oder dessen Vorfahren mit dem auff die Laͤnderey oder an- dere Pertinenti en wircklich gethanen Gelde in aͤusserster Noth ausge- holffen/ und der Hof dadurch in so weit im Stande erhalten/ soll die Billigkeit darunter gleichfalls observ iret/ und dahin gesehen werden/ ob den Creditor en ohne des Hofes Ruin einige Satisfaction wiederfah- ren und zu gute kommen koͤnne; wann aber der Hof bereits in die drit- te Hand kommen/ und die Schulden nicht den Besitzern oder deren Vorfahren in linea descendente oder Erblassern herruͤhren/ sollen die versetzte Stuͤcke ohne Erstattung wieder eingezogen werden. 3. Damit aber dergleichen Creditores sich um so viel weniger zu beschweren haben/ sollen dieselben von den inhabenden Pertinenti en die Erndte dieses Jahr noch zu geniessen haben/ so bald aber dasselbe gesche- hen/ die Laͤnderey/ und was es sonsten vor Stuͤcke seyn/ restitu iret wer- den. 4. Damit auch hinfuͤro dergleichen Unordnung und Veralieni- rung der Pertinenti en von den Hoͤfen und deren Ruin verhuͤtet bleibe/ ist unser gnaͤdigster Wille und Meynung/ daß ohne Vorwissen unserer Fuͤrstl. Cammer und deren erfolgende Bewilligung in keinen Versatz oder Verkauff der Pertinenti en von den Hoͤfen von den Beamten consen- und Wiesen-Verpfaͤndung. consenti ret werden solle; Annebenst hat es bey demjenigen sein ver- bleiben/ was wegen der Guts-Herren Consensus die Rechte und Lan- des- Constitutiones erfordern. 5. Und ob wir wohl wegen Bebau- und Besetzung der wuͤsten Guͤter absonderliche Verordnung bereits vorhin ergehen lassen; so befinden wir dennoch einer Nothdurfft noch dieses hinzu zu thun/ daß/ wenn einige Guts-Herren sich finden/ die wuͤste Guͤter haben/ oder aber andere Erben zu dergleichen verhanden seyn/ dieselben sich gebuͤh- rend bey unserer Fuͤrstl. Cammer oder denen Beamten anmelden/ binnen Jahres-Frist zu der Bebau- und Besetzung sich anschicken/ oder in Verbleibung dessen gewaͤrtig seyn sollen/ daß von unsern Be- amten Amts wegen Coloni auff die Hoͤfe gesetzet/ und denenselben auff der Beamten Bericht von unserer Fuͤrstl. Cammer so wohl an denen den Guts-Herren schuldigen Præstandis, als an denen Oneribus auff gewisse Zeit eine solche Remission gegeben werde/ als zu wieder Bebau- oder Einrichtung der Hoͤfe fuͤr noͤthig und diensam erachtet werden wird; allermassen wir unsern Land Droßden/ Beamten und uͤbrigen unsern Befehlshabern hiemit in Gnaden zuverlaͤßig anbe- fehlen/ dieser unser Verordnung in allen Puncten strictè nachzule- ben/ und mit geziemendem Ernste und Nachdruck daruͤber zu hal- ten; daferne aber uͤber obgedachte Umstaͤnde bey Untersuchung der verpfaͤndeten und verkaufften Stuͤcke ein Dubium sich hervor thun wuͤrde/ ist darvon gehoͤrigen Ortes zu berichten/ und sollen Unsere Unterthanen/ und wer sonsten mehr bey der Sache interessi ret/ sich darnach ri chten/ und darinn unterthaͤnigste gehorsame Folge lei- sten. Damit nun diese Unsere gnaͤdigste Verordnung iedermaͤnniglich kund werde/ und niemand mit der Unwissenheit sich zu entschuldigen habe/ ist hiermit Unser Befehl/ daß dieselbe von den Cantzeln oͤffentlich abgelesen werden solle. Uhrkundlich gegeben unter Unserm Fuͤrstl. Hand-Zeichen und vorgedrucktem Cammer-Secret in Unserer Resi- dence Hannover den 8. Junii 1691. Ernst Augustus. (L. S.) g XV. XV. Landes- Constitution XV. Churfl. Constitutio Juris Retractus subhast irter Haͤuser/ den 3. Januarii 1699. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Demnach Unsers in GOtt ruhenden Herrn Vaters Gnaden un- ter dem dato den 5. Junii 1695. eine gewisse Constitution und Verord- nung public iren lassen/ wie es in Unsern Landen mit dem Jure retra- ctus bey Subhast irung der Haͤuser gehalten werden solte/ Uns dennoch unterthaͤnigst vorgetragen/ was massen dadurch alle entstandene Jr- rungen noch nicht gaͤntzlich abgethan/ dahero Wir/ um allen weitern Inconvenienti en und Jrrungen gaͤntzlich abzuhelffen/ vorgemeldte Constitution zu wiederholen und zu erlaͤutern noͤthig befunden. Se- tzen derowegen und ordnen hiermit/ daß/ wenn hinfuͤro/ in Unsern Lan- den/ Haͤuser oder auch andere Guͤter oͤffentlich subhast iret/ und zu fei- lem Kauffe dargestellet werden/ alsdann diejenigen/ welche entweder ex jure agnationis, oder Crediti, das naͤhere Recht daran zu prætend i- ren gemeynet/ in dem angesetzten Termino Subhastationis sich nicht al- leine mit angeben/ sondern auch in eben solchem Termino, gleich andern Kaͤuffern/ mit bieten sollen/ dergestalt/ daß/ wenn sie die andere Kaͤuf- fer nicht uͤber- und selber das meiste bieten/ das naͤhere Recht ihnen nicht zu statten kom̃en soll/ ob sie gleich das jenige/ was ein ander Kaͤuffer zum hoͤchsten geboten/ nach ihm auch zu geben/ sich offer iren; gestalt Wir dann Unsern Vice Cantzler und Raͤthen/ Vi ce - Hof-Richter und Hof-Gerichts- Assessor en/ auch sonsten in gemein allen und ieden/ so in Unsern Landen Gerichte haben/ in Gnaden ernstlich anbefehlen/ auff diese Unsere wiederholte und erlaͤuterte Constitution in judicando samt und sonders gehorsamlich zu sehen/ und sich darnach iederzeit zu achten. Gegeben in unserer Residence Hannover am 3. Januarii 1699. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XVI. wegen Einrichtung der Aemter und Gilden. XVI. Verordnung und Reglement wegen Einrichtung deꝛ Aemter uñ Gilden/ auch Abschaffung deꝛ bey denen Kuͤnst- lern und Handwerckern eingerissenen schaͤdlichen Gewohn- heiten und Mißbraͤuche/ public irt im Jahr 1692. V On GOttes Gnaden/ Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit gnaͤdigst zu wissen. Als Wir Zeit waͤhrender Un- serer Regierung mit hoͤchstem Mißfallen wahrgenommen/ was gestal- ten die bey denen Zuͤnfften/ Aemtern und Gilden derer Kuͤnstler und Handwercker in Teutschland nach und nach eingerissene Mißbraͤuche/ Unordnungen und unvernuͤnfftige Gewohnheiten/ auch in Unseren Landen/ so wohl zu ihrer der Kuͤnstler und Handwercker selbst eigenen Beschwerunge/ als auch und fuͤrnehmlich zu des Policey-Wesens und des Commercii Nachtheil und Schaden/ auch sonsten zu Unser und Unserer Unterthanen und Angehoͤrigen hoͤchsten Ungelegenheit einge- schlichen und zur Observanz gebracht worden/ und ob Wir Uns gleich von Zeiten zu Zeiten die Hoffnung gemachet/ es wuͤrde eine allgemeine durchgehende Remed irung im gesamten Reich verfuͤget werden/ die- selbe aber allem Ansehen nach so bald nicht erfolgen duͤrffte/ Daß Wir Uns demnach mit denen uͤbrigen regierenden Herren Hertzogen Unsers Fuͤrstlichen Hauses hieruͤber zusammen gethan/ und/ wie wenigstens in dessen saͤmtlichen Fuͤrstenthuͤmern und Landen vor- erst die vornehmste Mißbraͤuche durch ein gemeinsames Reglement abgeschaffet/ und denen bißhero darob erwachsenden Ungelegenheiten vorgebauet werden moͤchte/ reifflich uͤberleget/ auch nunmehr der her- nachfolgenden Puncten/ wornach alle und iede in besagtes Unsers Fuͤrstlichen Hauses/ und also auch in diesen Unseren Fuͤrstenthuͤmern und Landen sich befindende Zunfften/ Aemter und Gilden auch ein ie- des Mitglied derselben hinfuͤro zu achten/ einmuͤthiglich vereinbaret haben. 1. Und soll demnach 1. ein Kuͤnstler oder Handwercker/ welcher sich an einem Ort in hiesigen Unsern Fuͤrstenthumen und Landen nie- derzulassen nnd Meister zu werden verlanget/ sich zufoderst bey dem Magistrat daselbst zur Reception in die Buͤrgerschafft anmelden/ und g 2 der XVI. Landes- Constitution wegen Einrichtung der dafuͤr zu entrichtenden Abgifften halber (worunter iedoch der Ho- hen Obrigkeit/ im Fall ein gar zu uͤbermaͤßiges gefordert werden solte/ die Moderation, oder auch nach Befinden/ gaͤntzliche Remission bevor bleibet) sich vergleichen/ das ver accord irte Quantum aber nicht eher/ biß es wegen seiner Einnehmung in das Amt oder Gilde keinen Zwei- fel mehr hat/ zu erlegen schuldig seyn/ und darauff den gewoͤhnlichen Buͤrger-Eyd abstatten. Ermeldter Magistrat aber so fort nach be- schehener solcher Anmeldung die Altmeister von der Gilde vor sich fo- dern und denenselben von solchem beschehenen Ansuchen Eroͤffnung/ auch wegen der in naͤchstfolgenden Articuln bedeuteter Præstandorum auch darauff zu verfuͤgenden wuͤrcklichen Reception in das Amt oder Gilde gehoͤrige Verordnung thun. 2. Gestalten dann/ der also in ein Amt oder Gilde auffgenom- men zu werden begehret/ fuͤr erst seinen Lehr-Brief (es waͤre dann/ daß er ausser Reichs an einem solchen Orte/ da keine Lehr-Briefe ertheilet werden/ gelernet/ zumahlen solchen Falls die Obrigkeit darunter zu dispensi ren/ und wann er nur die uͤbrige hernach gesetzte præstanda præst iret/ die Reception nichts da minder zu verfuͤgen Macht haben/ ein solcher Meister auch denen uͤbrigen in allen seine Kunst oder Hand- werck betreffenden Dingen gleich gehalten werden soll) produc iren/ dann auch ferner/ um zu erweisen/ daß er seine Kunst oder Handwerck wohl gelernet/ ein Meisterstuͤck verfertigen/ oder nach Beschaffenheit der Kunst sich dem Examini unterwerffensolle. Gleichwie aber dabey bißhero der Mißbrauch fuͤrgegangẽ/ daß ein solcher antretender Meister ein gar zu kostbares auch wol gantz unbrauchbares oder altfoͤrmisches Meisterstuͤck zu machen genoͤthiget/ auch bey dessen Besichtigung aller- hand Unkosten verursachet worden: Also soll iedes Orts Obrigkeit daruͤber halten/ daß dem recipiendo kein anders als ein solches Mei- sterstuͤck/ so zwar kunstmaͤßig doch nicht gar zu kost-sondern brauchbar sey/ und also von ihme ohne Schaden verkauffet werden koͤnne/ zu ma- chen auffgebuͤrdet/ solches hernach in præsenz einiger von der Obrig- keit dazu deput irenden Personen von denen Alt- und einigen andern der kuͤndigsten Meistere des Handwercks (von welchen iedoch fuͤr sol- che Muͤhe nichts gefordert/ oder/ unter was Prætext es auch seyn moͤge/ an Gelde oder sonst genommen werden soll) besichtiget/ und daruͤber ein unpartheyisches Bedencken gegeben werden. Jm Fall nun daran etwa der Aemter und Gilden. etwa solche Maͤngel wahrzunehmen/ daß der Verfertiger seine Kunst oder Handwerck noch nicht recht verstehe/ soll derselbe/ wie auch derje- nige/ so im Examine nicht gehoͤriger massen bestehen wird/ fuͤr dasmahl ab- und sothane Kunst oder Handwerck besser zu erlernen/ angewie- sen; sonsten aber/ einiger von denen Amts-Meistern offtermahls mit Fleiß und aus Mißgunst hervorgesuchten Kleinigkeiten halber/ ihme keine Hinderung gemacht/ sondern solches dem Arbitrio der Deput ir- ten vom Magistrat, auch/ da es nothwendig/ der Censur anderer unpar- theyischen Meister heimgestellet/ und da sich hierunter eine geflissent- liche Zunoͤthigung herv o r thun solte/ der Verfertiger/ dessen ungeach- tet/ zur Meisterschafft admitt iret werden. 3. Dafern auch einer/ so bereits anderwaͤrts Meister geworden zu seyn anzeigen wuͤrde/ sich in Unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen/ um seine Kunst oder Handwerck zu treiben/ setzen wolte/ soll derselbe alsdann ohne abermahliges Examen, oder Verfertigung eines ander- weiten Meisterstuͤcks/ ins Amt auffgenommen werden/ wann er von der Obrigkeit des Orts/ wo er sich biß dahin auffgehalten/ ein Attestat beybringen wird/ daß er von einem darzu privileg irten Amt und Gilde in einer Stadt/ wo dergleichen befindlich/ mittelst respectivè wohl ausgehaltenen Examinis und Verfertigung eines Meisterstuͤcks zum Meister gemachet und erklaͤret worden/ auch/ daß er seine Profession an dem Orte/ wo er sich besagter massen auffgehalten/ wohl und als ein verstaͤndiger Meister exerci ret. Sonsten aber soll keiner uͤberall/ der eines Amts oder Gilde als Meister genoͤßig zu werden verlanget/ so wenig Fremder als Einheimischer/ und ob er gleich eines Meisters Sohn waͤre/ von so thanem respectivè Examine und Verfertigung eines Meisterstuͤcks befreyet seyn/ es waͤre dann/ daß Wir/ ihn davon gnaͤdigst zu dispensi ren/ sonderbare Ursach finden wuͤrden. 4. So soll auch ein solcher Gesell/ dessen Kunst oder Handwerck eine mehrere Ubung und Experienz erfordert/ (dann von den geringe- ren Handwerckern/ welche das Jhrige an dem Ort/ wo sie gelernet/ eben so gut/ als in der Fremde fassen koͤnnen/ solches nicht zu begehren) zur Meisterschafft nicht zugelassen werden/ er habe dann auff solche sei- ne Kunst oder Handwerck/ und zwar nach deren Beschaffenheit/ zwey/ drey oder mehr Jahre gewandert/ und sich also darinn gehoͤrig perfe- ction iret. g 3 5. Weil XVI. Landes- Constitution wegen Einrichtung 5. Weil auch ein solcher Geselle/ ehe er ins Amt recip iret wor- den/ gewisse Jnnungs-Gelder in des Amts Lade erlegen muͤssen/ dar- unter aber nicht allein zu Zeiten ein nicht geringer Exceß vorgangen/ sondern auch sothane Gelder mehrentheils zur Ungebuͤhr angewandt worden/ soll solches gaͤntzlich abgeschaffet seyn. Da aber ein oder an- dern Orts hergebracht/ der Hohen Landes-Obrigkeit fuͤr die Recepti- on ins Amt etwas zu erlegen/ oder auch zu dem also genannten Amts- haltkorn ein Gewisses beyzutragen/ hat es dabey sein Verblei- ben. 6. Wer nun die in vorhergehenden Articuln specific irte præ- standa præst iret/ derselbe soll/ er sey gleich ein Fremder oder Einheimi- scher/ auch ohne zu attend iren/ ob er ausser oder innerhalb Reichs ge- lernet oder gearbeitet (zumahlen darunter kein Unterscheid zu machen/ oder dieser jenem vorzuziehen) ins Amt auffgenommen/ und ihm dessen Gewinnung weder directè noch per indirectum, zumahlen aber unter dem Prætext der also genannten geschlossenen Aemter (als welcher Un- terscheid hiermit/ es waͤre dann/ daß die Hohe Landes-Obrigkeit an ei- nem oder anderem Orte ein anders zu verordnen noͤthig und gut befin- den wuͤrde/ gaͤntzlich abgeschaffet seyn soll) bey willkuͤhrlicher Straffe schwer gemachet/ als er mit einigen Auffwartungen/ Herumschicken und Diensten/ ausser der Art. 11. bedeuteten Ansage/ bemuͤhet/ und in seiner Nahrung und Arbeit gehindert/ viel weniger aber ein Geselle darum/ daß er ausser Reichs gewandert und gearbeitet/ bey seiner Wiederkunfft/ ehe er zur Meisterschafft admitti ret wird/ vom Amte bestraffet werden/ sondern da irgendswo in Unseren Landen derglei- chen irraisonnables statutum mit eingeschlichen/ dasselbe gaͤntzlich cassi- ret und abgeschaffet seyn/ auch solch unziemliches Unternehmen von ieden Orts Obrigkeit mit ernstlicher Straffe angesehen werden; in- gleichen soll auch die bey einigen Gilden hergebrachte Observantz, daß keiner ins Amt zu recip iren/ er heyrathe dann eines Meisters Wittibe oder Tochter/ eines fuͤr alles auffgehoben und annull irt seyn. 7. Damit auch die also neu auffgenommene auch andere im Amte sich befindende nicht sonderlich bemittelte Meistere/ durch die biß- hero unter allerley Prætext en in die Amts-Lade zu erlegende Gel- der nicht incommod iret werden moͤgen/ sollen solche Anlagen gleich- falls abgeschaffet seyn. 8. Da- der Aemter und Gilden. 8. Dafern aber bey einem Amte oder Gilde solche unentbehrliche Ausgaben vorfallen solten/ daß dero Behuf/ eine Collecte anzule- gen/ die hohe Nothdurfft erfordern solte/ soll demselben zwar solches zugelassen seyn/ iedoch mit dem ausdruͤcklichen Bedinge/ daß solches maͤßig geschehe/ darunter die Billigkeit beobachtet/ und die Amts- und Gilde-Genossen mit dergleichen Anlagen nicht zu sehr/ noch einer vor dem andern beschweret werde; massen dann/ daferne hierunter ein Exceß vorgehen wuͤrde/ einem ieden Mitgliede/ sich desfalls bey des Orts Obrigkeit (die dann darunter gehoͤriges Einsehen zu thun hier- mit befehliget wird) zu beschweren frey stehen solle. 9. Soll auch denen Amts- und Gilde-Meistern uͤber dem erlau- bet seyn/ wann sie es noͤthig finden/ zu Unterhaltung der armen und krancken Meistere und Gesellen/ etwa alle Vierteljahre ein Gewisses in eine absonderlich darzu verordnete Lade zu legen/ und demjenigen/ so dergleichen Beyhuͤlffe bedarff/ davon die Nothdurfft zu reichen/ sol- ches aber hiernaͤchst/ wann er seine Gesundheit und so viel Mittel wie- der erlanget/ von ihm selbsten/ oder/ da er versterben solte/ seinen Er- ben/ wieder zu fordern; daferne iedoch solches von einigen ihres Un- vermoͤgens halber nicht wieder zu erhalten/ soll desfalls nicht in sie gedrungen/ sondern ihnen sothaner Vorschuß nachgelassen werden. 10. Die in dem Amte und Gilde sich befindende Meistere sol- len so wenig unter sich/ als mit andern Gilden/ ohne Vorwissen der Obrigkeit/ einige Zusammenkuͤnffte anstellen/ sondern da sie ge- meinsamer Angelegenheiten halber sich mit einander zu besprechen verlangen/ solches nebst der Ursache vorhero anmelden/ und nach Befinden des Magistrat s darauff sothane Zusammenkunfft und Un- terredung im Beyseyn einiger Deput irten aus Mittel des Raths an- gestellet/ itzt-erwehnten Deput irten aber davor nichts gegeben/ auch dabey alles Zehren/ Sauffen und unordentliches Wesen/ auch die so genannte Amtskostungen gaͤntzlich abgeschaffet/ diejenigen aber/ welche in ein- oder anderm hierwider zu handeln sich unterstehen/ mit unnachlaͤßiger Straffe angesehen werden. 11. Die Ansage zu solchen von der Obrigkeit angeordnecen Zu- sammenkuͤnfften/ odeꝛ wann sonsten in gemeinen Amts-Sachen etwas vorzubringen/ soll denen uͤbrigen Amts-Meistern/ wo es also herge- bracht/ XVI. Landes- Constitution wegen Einrichtung bracht/ oder auch/ da es auff fuͤglichere Weise nicht geschehen koͤnte/ der juͤngste Meister thun. 12. Es soll auch so wenig denen Meistern als Gesellen die Potest aͤt sich unter einander zu bestraffen/ und gleichsam eine Jurisdiction zu exerc iren/ ferner gestattet/ sondern/ wann dergleichen unter ihnen fuͤr- faͤllet/ es dem Magistrat zur Cognition angemeldet/ die Strafffaͤllige deßwegen angesehen/ und die auffkommende Straffgelder iedes Orts Obrigkeit geliefert werden. Daferne aber an einem oder anderem Orte hergebracht/ daß der Amts-Lade ein Theil von solchen Straff- Geldern gelassen wird/ hat es dabey ferner sein Verbleiben/ iedoch mit dem Bedinge/ daß alsdann solche Gelder zu Erhaltung der armen und krancken Meister und Gesellen auff die in dem 9. Artic. bedeutete Masse mit angewandt werden sollen. 13. Soll denen Aemtern und Gilden nicht gestattet werden/ von an- dern Briefe anzunehmen/ und dieselbe zu erbrechen und zu beantwor- ten/ oder auch an andere im Namen des Amts/ ohne Vorwissen der Obrigkeit/ zu schreiben; allermassen dann zu Verhuͤtung dessen das Amts-Siegel allemahl in der Obrigkeit Verwahrung seyn und blei- ben solle. 14. Da auch an ein oder mehr Orten zwischen denen Gilden und Handwercks Genossenen Streit entstuͤnde/ sollen die andere sich so wenig nomine des gantzen Collegii, als fuͤr sich in privato darinn mi- schen/ daruͤber ohne des Magistrat s Erfordern ihr Judicium oder Be- dencken ertheilen/ und dem einen Theil bey- oder abtreten/ sondern al- les auff iedes Orts ordentlicher Obrigkeit Entscheidung beruhen lassen. 15. Soll von denen Meistern wegen Tax irung der Arbeit/ oder daß ein anderer das Angefangene nicht verfertigen und ausmachen/ in specie die Barbirer und Wundaͤrtzte das von einem andern ange- legte Band nicht auffloͤsen/ oder die angefangene Cur auff Begehren des Beschaͤdigten uͤbernehmen und vollenden solle/ keine eigenmaͤchti- ge Complots bey Vermeidung einer schweren von der Obrigkeit zu di- cti renden Geld- oder Leibes-Straffe gemacht werden. 16. Wann ein Meister die ihm anvertrauete Arbeit nicht recht und dergestalt/ wie sichs gebuͤhret/ verfertiget/ und deßwegen bey dem Magistrat (zumahlen demselben/ und nicht/ wie bißhero uͤblich gewesen/ dem der Aemter und Gilden. dem Amte die Cognitio hieruͤber zustehen solle) Klage gefuͤhret wuͤrde/ sollen die kuͤndigste Meistere vorgefordert/ von denenselben die Arbeit in Augenschein genommen/ und wann sie solche untauglich befinden/ derjenige/ so sie verfertiget/ zu Erstattung des Schadens/ und dazu nach Befindung der Ungebuͤhr/ mit einer Geldstraffe angesehen/ auch wann dergleichen Klage mehr wider ihn gefuͤhret/ und er daran schul- dig befunden wuͤrde/ des Amts verlustig erklaͤret werden. 17. Wann ein Meister eine Arbeit annim̃t/ soll er dieselbe in der versprochenen Zeit fertig schaffen/ und niemand zur Ungebuͤhr damit auffhalten/ bey willkuͤhrlicher ernsthaffter Straffe/ so von ieden Orts Obrigkeit/ befindenden Umstaͤnden nach/ zu determin iren; hingegen aber solle einem Meister nicht allein noch einst so viel Gesellen/ als ih- nen bißhero nach ihren Statut en und Gewohnheiten erlaubet gewesen/ anzunehmen hiermit vergoͤnnet seyn/ sondern es solle auch auf den Fall/ da einem Meister dann und wann so haͤuffige Arbeit/ daß er derselben mit vorbedeuteter nunmehro verdoppelten Anzahl der Gesellen nicht vorkommen koͤnte/ fuͤrfallen/ und solches der Obrigkeit erweißlich dar- gethan wuͤrde/ von selbiger darunter dispensi ret/ und solchem Meister so viel Gesellen/ als er dazu noͤthig/ zu halten vergoͤnnet/ iedoch einem ieden die Contribution und andere von solcher Nahrung abzustattende Onera nach Proportion der Arbeit und haltenden Gesellen angesetzet werden. 18. Kein Meister soll dem andern seine Gesellen oder Jungen oh- ne dessen Willen abmieten/ oder auffsprechen/ vielweniger sonsten auff eine andere Weise abwendig machen/ oder machen lassen. 19. Wann ein Meister verstirbet/ und hinterlaͤsset eine Wittibe/ soll derselben die Werckstaͤtte mit einem tauglichen Gesellen zu besetzen/ und also die Nahrung zu treiben frey stehen/ sie auch deren denen uͤbri- gen Amts-Meistern zukommenden Rechten und Freyheiten zu genies- sen haben/ dagegen aber auch fuͤr alle Arbeit zu antworten gehalten seyn; iedoch bleibet ihr der Regreß gegen den Gesellen/ so die Arbeit aus Unfleiß oder Unverstand verderbet/ unbenommen/ gestalt ihr dann von dem Magistrat die Hand darunter nachdruͤcklich geboten werden solle. 20. Wann ein Knabe sich bey einem Meister/ um dessen Kunst oder Handwerck zu erlernen angiebet/ soll gedachter Meister Macht ha- ben/ denselben fuͤr sich und ohne Mitzuziehung der andern Amts-Mei- h stere XVI. Landes- Constitution wegen Einrichtung stere anzunehmen/ und mit solches Jungens Eltern/ Befreundten oder Vormuͤndern wegen der Condition en/ insonderheit der Termine, in welchen das Lehrgeld (weßwegen dann auch von der Obrigkeit ieden Orts ein Reglement zu machen/ und wie viel ein ieder Lehrjunge zu ge- ben/ ein Gewisses nach Beschaffenheit des Handwercks zu propor- tioni rendes Quantum zu determin iren seyn wird) entrichtet werden solle/ Handelung zu pflegen/ iedoch solle gedachter Meister solches dem Alt-Meister anzeigen/ und ihme den Jungen præsent iren/ damit er selbigen gegen Erlegung drey guter Groschen ins Amtbuch ein- schreibe. 21. Die Meister sollen solche Lehrjungen nicht allein mit allem Fleiß und gruͤndlich unterweisen/ sondern auch Christlich und ver- nuͤnfftig tract iren/ nicht aber mit unverdienten oder auch uͤbermaͤßi- gen Schlaͤgen und andern Sæviti en denenselben zusetzen/ und sie da- durch die Lehr-Jahre zu verlauffen noͤthigen/ noch auch solche Jungen mit uͤbermaͤßiger Haus- und Feld-Arbeit/ also daß sie dadurch an tuͤch- tiger Erlernung des Handwercks gehindert werden/ belegen/ weniger aber ihren Eheweibern und Gesellen dergleichen zu thun verstatten/ gestalten dann eines ieden Orts Obrigkeit/ wann dieserwegen Klage bey ihr gefuͤhret wird/ darunter gehoͤriges Einsehen zu thun/ und den schuldig befundenen Meister/ dessen Weib oder Gesellen ge- stalten Sachen nach/ daruͤber zu bestraffen/ auch/ da der Junge durch dergleichen etwan auszutreten genoͤthiget seyn solte/ den Meister/ ihn wieder anzunehmen/ und ins kuͤnfftige bescheidentlicher mit ihm zu ver- fahren/ auch sein Weib und Gesellen gleichfalls dahin zu halten/ an- zuweisen haben wird. 22. Wann aber ein Junge aus Muthwillen/ und ohne daß er durch hartes und ungebuͤhrliches Tractament dazu genoͤthiget worden/ vor Endigung der Lehr-Jahre entlauffen wuͤrde/ solle der Meister (wo- ferne er sich nicht aus gutem Willen dazu resolv iret) selbigen wieder- um anzunehmen nicht schuldig/ und der Junge so wohl seines bereits entrichteten/ als noch etwan schuldigen Lehr-Geldes verlustig/ und falls er sich zu einem andern Meister/ obgleich von selbigem Handwerck/ be- giebet/ die Lehr-Jahre wieder anzufangen und auszuhalten verbun- den seyn. 23. Wann ein Meister verstuͤrbe/ und hinterliesse einen Jungen/ so noch nicht ausgelernet/ soll der Magistrat auff beschehenes Ansuchen dahin der Aemter und Gilden. dahin sehen/ daß ihm von dem Amte ein Schein/ wie lange er geler- net/ gegeben/ und er darauff von einem andern Amts-Meister/ um bey demselben auszulernen/ angenommen/ ihm auch dieserwegen eine laͤn- gere Zeit/ als die gesetzten Jahre/ in der Lehre auszuhalten/ nicht auff- gebuͤrdet werden moͤge. 24. Und weil dann die Nothdurfft erfordert/ daß einige Kuͤnstler und Handwercker/ sonderlich diejenigen/ wobey der Schade/ welchen ein unverstaͤndiger Meister oder Geselle verursachet/ nicht auff sie selb- sten redund iret/ oder von ihnen erstattet werden kan/ sondern andere Leute oder das Publicum darunter leiden muͤssen/ mit mehrerem Fleisse und Exactitude erlernet werden/ so sollen die Barbierer/ Bader/ Goldschmiede/ Uhrmacher/ Sattler/ Maurer/ Zimmerleute/ Klein- und Buͤchsenschmiede/ und Tischer/ zum wenigsten 4. Jahre/ alle uͤbrige Handwercker aber 3. Jahr lernen. 25. Wann nun ein solcher Junge seine Lehr-Jahre ausgehalten/ soll er in Gegenwart der Amts-Meistere und Gesellen losgesprochen/ iedoch alle bißhero bey sein und andern Handwerckern dabey eingeris- sene unehrbare/ aͤrgerliche ja theils gottlose Formalit aͤten/ Actiones und Reden bey Vermeidung ernster Bestraffung gaͤntzlich eingestellet/ dann auch dem also losgesprochenem wegen Bewirth- und Beschen- ckung der Meister und Gesellen keine Unkosten gemachet werden; ge- stalten dann iedes Orts Obrigkeit bißfalls scharffe Auffsicht zu tragen/ auch so lange es noͤthig/ und biß solche Abusus voͤllig abgeschaffet/ ie- manden zu deput iren/ der solcher Lossprechung der Jungen/ iedoch oh- ne Entgelt/ beywohne. 26. Der einem solchen Losgesprochenem zu ertheilender Lehr- Brief solle demselben/ wann er nur das Schreibgeld bezahlet/ ohne Entgelt/ gegeben/ auch dem Magistrat vorhero vorgezeiget/ und mit dem Amts-Siegel/ als welches selbiger/ wie oben Art. 13. erwehnet/ in Ver- wahrung haben solle/ versiegelt werden. 27. Was dann die also losgesprochene auch von andern Orten herkommende Gesellen betrifft/ sollen sich dieselbe gegen ihre Meistere geziemender Bescheidenheit befleißigen/ auch ihre Arbeit mit gehoͤri- h 2 gem XVI. Landes- Constitution wegen Einrichtung gem Fleiß und Treue verfertigen; massen dann die dargegen bißhero eingerissene Mißbraͤuche und Unordnungen/ so viel immer moͤglich/ ab- geschaffet/ in specie aber denen Gesellen die also genannte Krugtaͤge/ freye Montags-Fastnachts- und andere dergleichen liederliche und nur zum leidigen Gesoͤff angesehene Gelage nach eigenem Belieben zu der Meistere Ungelegenheit/ und mit Versaͤumniß der unterhanden haben- den Arbeit/ anzusetzen/ und sich alsdann vom gantzen Handwerck auff einmal zu versammlen/ und diejenigen/ so sich dazu nicht einstellen wol- len/ zu bestraffen nicht gestattet/ sondern dargegen von der Obrigkeit zureichende Verordnung gemachet werden. Will aber ein Meister seinen Gesellen dann und wann einen gantzen oder halben Tag in der Woche zu ihrer eigenen Behuff oder Recreation erlauben/ bleibet ihm solches unverwehrt. Es soll ihm iedoch von denen Gesellen darunter nichts vorgeschrieben werden/ sondern eine bequeme Zeit/ da er ihrer am besten entrathen kan/ zu erwehlen allerdings frey und bevor bleiben. 28. Daferne ein Meister vermercken wuͤrde/ daß etwan einer seiner Gesellen/ wegen gemachter Schulden/ vorgegangener Ehe- verloͤbniß/ oder auch gar eines begangenen aber noch nicht kund gewor- denen Lasters/ Betrug/ Dieberey und dergleichen/ sich heimlich weg zu machen intend ire/ soll gedachter Meister/ so bald er von dergleichen Dingen Nachricht erlanget/ solches der Obrigkeit/ damit von dersel- ben darunter die Rechtliche Gebuͤhr verfuͤget werden koͤnne/ anmelden/ oder/ da er solches versaͤumen/ und/ daß er den Gesellen wissentlich echapp iren lassen oder sonsten mit ihme collud iret/ uͤberfuͤhret wuͤrde/ selbsten dafuͤr einstehen/ iedoch aber auch einem solchen Gesellen also- fort nachgetrachtet/ und nicht allein in dieses Fuͤrstlichen Hauses/ son- dern auch in andern Landen/ und Orten/ durch Steckbriefe und subsi- sidiales so lange auffgetrieben werden/ biß er nach Beschaffenheit der Sache/ entweder an dem Ort/ wo er also heimlich weggangen/ in Guͤte sich abgefunden und Richtigkeit gemachet/ oder auch/ wo er obbedeute- ter oder anderer Laster schuldig/ dafuͤr gebuͤhrend abgestraffet worden. 29. Als auch der unleidliche Mißbrauch eingerissen/ daß die Handwercks-Gesellen/ vermittelst eines unter sich haltenden Gerichts/ die Meistere vorstellen/ denselben gebieten/ und allerhand ungereimte Gesetze vorschreiben/ und in deren Verweigerung sie schelten/ straffen/ ja wol gar von ihnen auffstehen/ auch die Gesellen/ so nachgehends bey ihnen arbeiten/ aufftreiben/ und fuͤr unredlich halten: So sollen nicht allein der Aemter und Gilden. allein solche von denen Gesellen veruͤbende Insolenti en in Unsern Fuͤr- stenthum und Landen weiter nicht geduldet werden; 30. Sondern auch in genere so wohl von denen Meistern als Gesellen/ das bißher offt aus liederlichen Ursachen angemassete Schel- ten und Aufftreiben hiemit gaͤntzlich verboten/ und da die Meistere uͤber ein und andere Jhrer Mit-Amts-Meistere aller Gesellen/ oder auch die Gesellen uͤber die Meister sich zu beschweren/ derselbe darun- ter auff vorgedachte Weise ihre eigene Richter nicht; sondern deßwe- gen bey der ordentlichen Obrigkeit sich anzumelden/ und von selbiger recht- und billigmaͤßiger Verordnung zu erwarten schuldig seyn/ die Ubertreter aber mit scharffer/ und nach Befinden Leibes-Straffe be- leget werden. 31. Wie dann nicht weniger/ wann etwan ein oder anders/ deß- wegen ein Meister oder Geselle des Amts unwuͤrdig gehalten werden moͤchte/ vorgehen wuͤrde/ die uͤbrige sich desfalls im geringsten keine Cognition anmassen/ und denselben so fort fuͤr unredlich schelten/ und solches an andere Orte ausschreiben/ sondern selbiges iedes Orts Obrigkeit vortragen/ und deren Erkaͤntniß und Ausspruch daruͤber er- warten; diejenigen aber/ so deme zuwider handeln/ und einen von ih- nen also selbsten/ es sey auch/ aus was Ursachen es immer wolle/ unred- lich declar irten Meister oder Gesellen nicht im Amte dulden/ oder mit und bey demselben mehr arbeiten wollen/ dafuͤr ernstlich bestraffet/ und dem Beleidigten fuͤr die ihm zugefuͤgte Beschimpfung gehoͤrigen Ab- trag zu machen angehalten werden sollen. 32. Und wie nun schließlich alle die bißherige Amt- und Gilden- Briefe/ Articul/ Gebraͤuche und Gewohnheiten/ welche durch dieses neue Reglement nicht confirm iret und bestaͤttiget worden/ cassi ret und auffgehoben/ und denen Aemtern und Gilden/ dieselbe eigenmaͤchtig wieder einzufuͤhren/ oder auch fuͤr und unter sich allein dergleichen et- was (es waͤhre denn/ daß sie deßwegen bey der hohen Landes-Fuͤrstli- chen Obrigkeit sich gebuͤhrend angemeldet/ und deren Erlaubniß Ap- probation und Confirmation daruͤber erhalten) vom neuen anzurichten ernstlich verboten seyn/ mit dem Anhange/ daß sonsten nicht allein sol- ches alles fuͤr unkraͤfftig/ null und nichtig erklaͤret/ sondern auch dieje- nige Meister und Gesellen/ so hieran schuldig/ oder sich dessen theilhaff- tig gemachet/ von dem Amt und Gilde exclud iret/ auch nach Befin- dung der Sachen Umstaͤnde mit einer haͤrteren/ und wol gar mit einer h 3 Leibes- XVI. Landes- Constitution Leibes-Straffe beleget/ hingegen aber nach diesem neuen Reglement alle vorhin ertheilete Amt- und Gilde-Briefe geaͤndert und eingerich- tet/ und von Unserer Fuͤrstlichen Geheimden Raths-Stube denen Zuͤnfften und Gilden nach und nach gewisse Termini, in welchen sie die Jhrige dero Behuff einzusenden/ angesetzet/ immittelst aber und ohnerwartet sothaner Aender- und Ausfertigung der neuen Amts- Briefe diese Verordnung so fort nach deren Publication zur wuͤrckli- chen Observanz gebracht werden solle. Also befehlen Wir allen und ieden Unsern Landdrosten/ Drosten und Beamten/ auch Buͤrgermeistern und Rathmaͤnnern in Unseren Staͤdten/ daß sie nicht allein diese Unsere Verordnunge denen Aem- tern/ Gilden und Zuͤnfften kund machen/ und damit sie mit der Unwis- senheit um so weniger sich zu entschuldigen haben moͤgen/ einer ieden derselben davon ein Exemplar zustellen/ sondern auch alles Fleisses und ernstlich dahin sehen sollen/ damit diesem Reglement in allen seinen Ar- ticul n gebuͤhrender Masse gehorsamlich nachgelebet/ und diejenige/ so dawider zu handeln sich unterstehen solten/ zu gebuͤhrender Straffe gezogen/ und also Unsere hierunter fuͤhrende gnaͤdigste Intention auff alle Weise erreichet werden moͤge. Uhrkundlich haben Wir dieses mit eigenen Haͤnden unterschrie- ben/ und mit Unserem Fuͤrstl. Geheimden Cantzley-Siegel bedrucken lassen. So geschehen in Unserer Residenz Stadt Hannover/ den 26. Septembris 1692. Ernst Augustus. (L. S.) XVII. Churfuͤrstl. Edict wegen des Feldhuͤner-schies- sens/ den 16. Novemb. 1699. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglichen zu wissen: Demnach zu Unserem sonderbarem gnaͤdigsten Gefallen einige Unserer Adelichen Landsassen sich dahin gegen Uns unterthaͤnigst erklaͤret/ daß Sie auff gewisse mit ihnen verglichene Bedingung und Jahre alles Feld-Huͤhner-Schies- sens wegen des Feld-Huͤner-Schiessens. sens und Fangens/ damit Wir Uns dessen zu Unserm Plaisir desto ver- gnuͤglicher gebrauchen koͤnten/ in nachfolgendem District, so weit sie mit der Jagt sonst darinn berechtiget/ sich enthalten wolten; nemlich von dem Leine-Fluß an bey Wilckenburg biß auff Harckenbleck gera- de auff die Heer-Strasse nach der Pattenser-Muͤhlen/ an dem Muͤh- len-Teiche die Schille hinauff an das Nedder-Holtz/ vor dem Ned- der-Holtze endlang biß an die Bennecken-Wische/ von da uͤber das Feld vor Luͤersen her nach dem Wolffes-Berge/ den Weg auff dem Wenningeroͤder-Berge endlang biß nach Holtensen/ durch Holtensen auff das Kloster Wennigsen queer uͤber das Feld hinter Boͤnnigsen nach dem Gehrder Berge biß nach Ditterke/ allwo das Blumenowi- sche Gehege wieder angehet. Als ergehet hiermit Unser gnaͤdigster und zugleich ernster Befehl an alle und iede Unsere Landsassen/ Unterthanen und Angehoͤrige/ auch Fremde und Auslaͤnder/ wes Standes und Condition die seyn/ daß niemand/ er sey wer er wolle/ auff einigerley Weise/ oder unter eini- gerley Vorwand/ wie das Namen haben moͤchte/ in vorbedeutetem District Feld-Huͤhner schiessen oder fangen solle. Wuͤrde aber dennoch iemand diesem zuwider sich unterstehen/ in sothanem vor- specific irtem District Feld-Huͤhner zu schiessen/ oder zu fangen/ soll derselbe dafuͤr in eine Geld-Busse/ wann es eine vornehme Person ist/ von hundert Thalern/ eine mittelmaͤßige von funffzig Tha- lern/ und eine Geringe von dreyßig Thalern verfallen seyn/ wann aber eine geringe Person solche dreyßig Thaler nicht zu bezahlen haͤtte/ soll selbige mit einer harten Leibes-Straffe ohnnachbleiblich beleget werden. Wornach sich maͤnniglich zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten; Es wird auch denenjenigen/ so von Unserntwegen zu gebieten und zu verbieten haben/ und mit hin in specie Unsern Forst- und Jagt- Bedienten hiermit bey Vermeydung Unserer schweren Ungnade be- fohlen/ daß sie/ wie obigem gelebet werde/ fleißig acht zu geben/ und wann sie iemand/ der dem mit Feld-Huͤhner-schiessen oder fangen zu- wider gehandelt/ antreffen/ dasselbe zu gebuͤhrender Abstraffung gehoͤ- rigen Orts anzumelden. Damit dieses desto besser kund werde/ soll es gewoͤhnlicher Orten oͤffentlich angeschlagen/ auch von denen Cantzeln verlesen werden. Signatum in Unserer Residenz- Stadt Hannover/ den 16. Novemb. 1699. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. XVIII. XVIII. Landes- Constitution XVIII. Churfuͤrstl. Erweiterung des vorigen Edict s/ den 6. Martii, 1700. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglichen zu wissen; demnach wir ein Edict unterm 16. Novembr. 1699. public iren lassen/ mittelst dessen Wir bey nahmhaffter hoher Straffe das Feld-Huͤhner-Schiessen und Fan- gen verboten/ in einem gewissen darinn bezeichnetem District, welchen Uns einige Unserer Adelichen Landsassen/ die sonst allda zu jagen be- rechtiget seyn/ zu Unserem Plaisir Behuff des Feld-Huͤhner-Schies- sens und Fangens auff gewisse Masse und Jahre privativè und allein uͤbergelassen/ Wir aber zu Unserem groͤssestem Mißfallen vernehmen/ daß dem zuwider das Feld-Huͤhner-Schiessen und Fangen in solchem District continu iret werde/ und an einigen Orten in demselben Schlin- gen gefunden worden/ so denen Feld-Huͤhnern geleget gewesen/ wie dann auch mit Feld-Huͤhner-Schiessen und Fangen Unsere uͤbrige und eigene Jagt-Gehegen dem Vernehmen nach nicht verschonet wer- den; welchem Frevel Wir iedoch weiter nachzusehen keines Weges gemeynet seyn: Als erstrecken Wir hiermit vor angezogenes Unser E- dict vom 16. Nov 1699. auf alle und iede Unsere Jagt-Gehege/ wo die- selbe belegen/ und befehlen Unseren Unterthanen und Anhoͤrigen/ auch denen Fremden und Auslaͤndern/ wes Standes oder Condition sie seyn/ in Gnaden ernstlich und zuverlaͤßig/ daß sie alles Feld-Huͤhner- Schiessens und Fangens/ es geschehe auff was Weise/ oder unter was fuͤr einem Vorwand es immer wolle/ nicht allein in oberwehntem Di- strict, sondern auch in allen und ieden Unsern Jagt-Gehegen sich durch- aus und gaͤntzlich zu enthalten. Wir declar iren und wollen auch/ daß/ wer dieses Edict mit Feld- Huͤhner-Schiessen oder Fangen uͤbertritt/ fuͤr iedes schiessendes oder fangendes Feld-Huhn eine Geld-Busse von Ein hundert Thaler erle- gen/ und davon der fuͤnffte Theil dem Anmelder oder Denunciant en des Verbrechens zugewandt werden solle. Wer aber solche Geld- Busse nicht bezahlen kan/ der soll an deren statt mit harter Leibes- Straffe angesehen werden. Wann vom Feld-Huͤner schiessen. Wann auch iemand in obigem District oder sonst in unsern Ge- hegen denen Feld-Huͤnern Schlingen leget/ oder nach Feld-Huͤnern schiesset/ ob er schon keine Feld-Huͤner in solchen Schlingen gefangen oder durch sein Schiessen keine getroffen/ so soll doch solches Schlin- gen legen und Schiessen nach Feld-Huͤnern an statt wuͤrcklichen Feld- Huͤner-Fangens oder Schiessens gerechnet/ und fuͤr iede legende Schlinge/ oder fuͤr ieden Schuß nach Feld-Huͤnern Ein hundert Tha- ler von dem Thaͤter zur Straffe bezahlet/ wer aber dieses Geld nicht geben koͤnte/ an statt dessen/ wie obgedacht/ mit harter Leibes-Straffe beleget werden. Wir befehlen darauff allen und ieden/ so von Un- sert wegen zu gebieten/ und zu verbieten haben/ insonderheit auch Unsern Forst- und Jagt-Bedienten bey Unserer schweren Ungnade/ und bey Verlust ihrer Bedienung/ daß sie/ wie obigem gelebet werde/ auffs ge- naueste Acht zu geben/ und wann sie iemand/ der diesem Edict in einige Wege zuwider gehandelt/ antreffen/ dasselbe zu gebuͤhrender Abstraf- fung gehoͤrigen Orts anzuzeigen. Nach obstehendem allen hat sich maͤnniglich zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten. Zu desto besserer Kundmachung soll dieses gewoͤhnlicher Orten allenthalben oͤffentlich angeschlagen/ auch von denen Cantzeln verlesen werden. Signatum in Unser Residentz-Stadt Hannover den 6. Mart. 1700. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XIX. Churfuͤrstl. Edict vom Korn-Handel/ den 13. Febr. 1699. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des H. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen: Demnach zu denen Zeiten/ da das Korn/ wie itzo/ haͤuffig gesuchet wird/ selbiges von gewinnsuͤchtigen Leuten zu- sammen gekauffet und auffgeschuͤttet zu werden pfleget/ damit es noch hoͤher im Preise auffgetrieben/ und dann endlich/ wann es/ ihrem Gut- duͤncken nach/ theuer genug geworden/ mit uͤbermaͤßigem wucherli- chem Vortheil loßgeschlagen werden moͤge; Solches aber eine in allen Rechten verbotene ungerechte/ und also keines weges zu dulden- de Sache ist; Als setzen/ ordnen und wollen Wir hiermit/ wie folget: i I. Sol- XIX. Landes- Constitution vom Korn-Handel. I. Sollen uͤberall keine Korn-Vorkaͤuffere/ sie seyn fremd oder einheimisch/ in unsern Landen geduldet werden. II. Ob es zwar nie die Intention gehabt/ daß zwischen denen Fuͤrstlich Zellischen und Unsern Landen ein Kornzuschlag seyn solte/ und also selbige Lande beyderseits des Korn- Commercii halber unter einander offen seyn/ der Korn-Zuschlag zwischen Unsern Landen und dem Stifft Hildesheim von beyden Seiten auch wieder auffgehoben worden/ so solle doch solches zu keiner Korn-Vorkaͤufferey mißbrau- chet werden/ und niemand/ so wenig Unserer eigenen Landes-Untertha- nen und Angehoͤrigen/ als derer/ die in denen Fuͤrstlich-Zellischen Lan- den und in dem Stifft Hildesheim Korn aus Unsern Landen zu haben verlangen/ bemaͤchtiget seyn/ dessen mehr/ als ein ieder fuͤr sich und sei- ne eigene Consumtion noͤthig hat/ in unsern Landen zu verhandeln/ nicht aber selbiges/ um es in- oder ausserhalb unserer Lande wieder zu verhandeln/ fuͤr seine eigene Rechnung oder auff Commission fuͤr an- dere in Unsern Landen zusammen zu kauffen/ oder durch andere zusam- men kauffen zu lassen. III. Gleicher Gestalt solle auch mit dem Korn/ welches von Un- sern Unterthanen und Angehoͤrigen in denen Fuͤrstlich Zellischen Lan- den und dem Stifft Hildesheim gekauffet/ und in unsere Lande ge- bracht werden moͤchte/ keine Korn-Vorkaͤufferey getrieben/ zumahl a- ber selbiges nicht wieder anderwertshin aus unsern Landen gebracht werden. IV. Aus andern von denen Unserigen weiter entlegenen Lan- den aber bleibet einem ieden frey und bevor/ Korn fuͤr sich oder fuͤr an- dere kommen zu lassen/ und selbiges innerhalb- oder auch ausserhalb Landes/ wann und wie er will/ wiederum zu verhandeln. Die Ver- handlung ausserhalb Landes ist iedoch anders nicht zu gestatten/ als nachdem gnugsamer Beweißthum wird beygebracht seyn/ daß das Korn nicht aus Unsern Landen/ auch nicht aus den Fuͤrstlich-Zellischen Landen oder dem Stifft Hildesheim gekommen/ auch daß es zu der Zeit/ wie Unser Korn-Zuschlags- Edict publici ret worden/ in Unsern Landen noch nicht gewesen; Woruͤber so dann behuͤfige Paͤsse ertheilet werden sollen. V. Jm uͤbrigen allem bleibet es noch zur Zeit bey Unserem unterm 20. Sept. 1698. publici rtem Korn-Zuschlags- Edict. VI. Dafern iemand/ wer der auch sey/ dieser Unserer Verord- nung XX. Constit. vom Wege-Gelde zu Haller-Springe. nung wegen des Korn-Vorkauffs und obgesetzet deren Articul in einige Wege zuwider leben wuͤrde/ solle das Korn/ womit der ungebuͤhrliche Handel oder Vorkauff getrieben worden/ in Beschlag genommen werden/ und Unserer Churfuͤrstlichen Cammer heimgefallen seyn/ auch der Ubertreter noch dazu nach Beschaffenheit der Umstaͤnde scharff bestraffet werden. Wir gebieten demnach allen und ieden Unsern Befehlshabern und Magistraten in Staͤdten und auff dem Lande/ bey Verm e idung Unserer Ungnade/ hiemit ernstlich und zuverlaͤßig/ daß sie auf obiges gebuͤhrend Acht zu geben/ und mit Bestraffung der Ubertretere nach der Strenge ohn einiges Neben-Absehen zu verfahren. Zu desto bes- serer Kundmachung soll dieses oͤffentlich von denen Cantzeln abgele- sen/ und gewoͤhnlicher Orten allenthalben angeschlagen werden. Signatum in Unser Residentz-Stadt Hannover den 13. Febr. An- no 1699. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XX. Edict wegen des Wege-Geldes zu Haller Springe/ den 29. Sept. 1691. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen: Demnach durch Laͤnge der Zeit und continuirli che starcke Durchfuhre die Wege in- und vor Unserer Stadt Hallerspringe dergestalt Bodenloß uñ ausgefahren worden/ daß solche aus der Stadt und deren Einwohnern Mitteln in guten Stand wie- der zu setzen unmoͤglich ist/ und Wir dannenhero ihr vermittelst Anle- gung eines leidlichen Jnterims-Wege-Geldes darunter zu Huͤlffe zu kommen in Gnaden resolvi ret. Als setzen/ ordnen und wollen Wir/ Daß biß zu ander weiterer Unserer gnaͤdigsten Verordnung/ ie- doch in allem zufoͤrderst die Einwohner der Stadt selbst/ dann auch Unsere Bediente und die vom Adel ausgenommen/ gegeben und ent- richtet werden sollen 1. Von ieder durch besagte Stadt oder dieselbe vorbey passi- renden Kutschen und unbeladenen Wagen 6. Pf. i 2 2. Von XXI. Landes- Constitution wegen der Kessel-Traͤger. 2. Von iedem Fracht-Wagen 1. Margr. 4. Pf. 3. Von ieder Land-Karre 1. Mrgr. 4. Von ieder gemeinen Karre 4. 5. Von iedem durch- oder vorbey passi rendem Koppel- oder le- digem Pferde 2. 6. Von ieder durch- oder vorbey treibenden Kuh 2. 7. Von iedem durch- oder vorbey treibendem Schweine 1. 8. Von iedem hundert durch- oder vorbey treibender Haͤm- mel 2. Mrgr. Wornach sich ein ieder zu achten/ und sich dessen bey willkuͤhr- licher scharffer Straffe um so viel weniger zu entziehen/ weil es zu ge- meiner Commodi taͤt und Besten verwandt werden/ und nur auff we- nige Jahre continui ret werden soll. Hannover den 29. Sept. 1691. Ernst Augustus. (L. S) XXI. Verordnung wegen der Kessel-Traͤger/ den 6. Octobr. 1691. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen: Demnach Uns vorkommen/ was Ge- stalt/ denen hiebevor dieserwegen gemachten Landes-Fuͤrstlichen Ver- ordnungen zugegen/ die fremde Stoͤrer und Kessel-Traͤger sich haͤuffig wieder in unsere Lande einschleichen/ mit Kupffernen und allerhand ausgeputzten leichten Meßings-Waaren hausiren gehen/ die Unter- thanen nicht allein mit untauglicher Arbeit und falschem Gewicht ver- vortheilen/ sondern auch das alte an sich gute Kupffer und Meßing um einen liederlichen Preiß an sich bringen/ und an fremde Oerter ver- tragen/ dadurch aber so wohl denen eingesessenen Kupfferschmieden und Kupffer-Haͤndlern/ als Unsern Kupffer- und Meßings-Huͤtten-Haͤm- mern und Contrahen ten grosser Nachtheil und Schaden zugezogen wird; und also solchem Unwesen ferner nicht nachzusehen; So setzen/ ordnen und wollen Wir hiermit; Daß solche Stoͤrer/ und von aussen herein kom̃ende Kessel-Traͤ- ger in Unsern Landen weiter nicht geduldet/ noch ihnen oberregtes ver- botenes XXII. Landes- Constitution von Koppel-Jagten. botenes Gewerbe zu treiben verstattet werden solle. Wir versehen Uns aber auch zu Unsern eingesessenen Kupffer- schmieden und Haͤndlern/ und gebieten denenselben in Gnaden ernst- lich/ und bey willkuͤhrlicher scharffer Straffe/ daß sie kein ander Kupffer oder Meßing/ als was mit Unserm und mit Unserer Herren Vettern/ der regierenden Herren Hertzogen zu Wolffenbuͤttel Liebd. Liebd. Stempel gezeichnet/ verarbeiten/ davon tuͤchtige und untadelhaffte Arbeit verfertigen/ und um billigen Preiß verkauffen/ auch niemand damit uͤbersetzen sollen. Wornach sich also ein ieder zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten/ auch die Obrigkeiten und Befehlshabere ieden Orts daruͤber nach- druͤckliche Hand zu halten; die Kessel-Traͤger zu warnen/ sie auf nachmahlige Ubertretung mit ihren Waaren zu arresti ren/ und zu fer- nerer Verordnung davon zu berichten. Auch soll dieses zu mehrer Kundmachung gewoͤhnlicher Orten allenthalben affigi ret werden. Hannover den 6. Octobr. 1691. Ernst Augustus. (L. S.) XXII. Churfuͤrstl. Constitution von Koppel-Jagten/ den 31. Octobr. 1698. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des H Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit iedermaͤnniglich zu wissen/ was Massen Uns in Unterthaͤnigkeit vorgebracht/ wie daß einige Unserer von Adel auch anderer Landsassen die Koppel-Jagt/ womit sie etwa bey ihren Guͤtern und Hoͤfen berechtiget/ durch Leute/ so von ihnen dazu nicht eigentlich bestellet/ exerci ren lassen/ auch wohl Fremden in sothanen Koppel- Jagt- District en zu jagen und zu schiessen vergoͤnnen. Wann dann daher allerhand Inconvenientien entstehen/ mithin zu befuͤrchten/ daß an denen Oertern/ wo dergleichen geschiehet/ die Jagt endlich gantz und gar ruini ret werden duͤrffte/ und Wir dannenhero sothanem uͤbelem Gebrauch zu steuren in Gnaden bewogen worden; So gebieten Wirhiermit allen und ieden/ die bey ihren Guͤtern und Hoͤfen etwa mit der Koppel-Jagt berechtiget/ ernstlich/ und wollen/ daß sie bey i 3 Ver- XXIII. Constitution Vermeidung scharffes Einsehens sothane Koppel-Jagt hinkuͤnfftig nicht anders/ als entweder selbst/ oder durch ihre eigentlich dazu bestel- lete gebrodtete Diener gebrauchen/ keines weges aber Fremden darinn zu jagen oder zu schiessen zulassen. Gestalt Wir dann Unserm O- ber-Forst- und Jaͤaermeister/ nicht weniger Unsern Drosten/ Beam- ten/ auch uͤbrigen Forst-Jagt- und Amts Bedienten in Gnaden hier- mit anbefehlen/ mit Fleiß darauff Acht zu geben/ daß diesem Unserm gnaͤdigsten Willen gehorsame Folge geleistet werde. Und wofern ein oder ander demselben zuwider zu leben sich unterstehen solte/ solches gehoͤrigen Orts anzumelden/ damit wider den Ubertreter mit gebuͤh- render Straffe verfahren werden koͤnne. Damit nun diese Unsere gnaͤdigste Constitution zu maͤnnigliches Wissenschafft kommen moͤ- ge/ soll dieselbe von denen Cantzeln oͤffentlich abgelesen/ und an die Kirch-Thuͤren/ auch sonst an gewoͤhnlichen Oertern affigi ret und an- geschlagen werden. Wornach sich ein ieder zu achten/ und Wir seyn den Gehorsam in Gnaden zu erkennen geneigt. Gegeben in unser Churfuͤrstl. Residentz-Stadt Hannover den 31. Octobr. 1698. Ad Mandatum Serenissimi Electoris. XXIII. Churfuͤrstl. Constitutio von Baum- Plantagen, den 21. Maji 1695. V On GOttes Gnaden/ Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Demnach Wir zu Unserm sonderba- rem Mißfallen berichtet werden/ was Gestalt von muthwilligen boß- hafften Leuten/ so wohl vor Unserer Residentz-Stadt/ als sonst in Un- sern Landen/ die beydes zur publiqu en Zierd und Commodi taͤt ange- richtete Baum- Plantagen, wie auch die sonst von privatis in- oder an ihre Gaͤrten/ Aecker und Wiesen zu ihrem Nutzen und Gebrauch ge- pflantzete Obst-Linden-Weiden- und andere Baͤume/ ingleichen die zu Conservi rung der Forsten und Waͤlder gesetzete junge Eichbaͤume mittelst Ausreiß- oder Umhauung dererselben oͤffters sehr beschaͤdi- get/ und schaͤndlich ruini ret werden. Solchem Frevel und Boßheit aber billig mit Ernst und Nachdruck zu steuren; Als von Baum- Plantagen. Als setzen/ ordnen und wollen Wir hiermit/ daß/ wann iemand hinfuͤro weiter befunden wuͤrde/ der einen ihm nicht selbst zugehoͤrigen gepflantzten Baum/ von was Art derselbe seyn moͤchte/ entweder ver- mittelst dessen Ausreissung aus der Erden/ oder dessen Umhauung/ Um- fahrung/ oder auch sonst auf andere Weise vorsetzlich und aus Muth- willen beschaͤdiget und verdorben/ solcher Delinquent fuͤr einen ieden itztbesagter massen beschaͤdigten Baum mit einer Geld-Busse von zwantzig Reichsthaler/ welche dem Denuncian ten zu geben/ oder/ da zu deren Entrichtung keine Mittel bey ihm vorhanden waͤren/ mit Ge- faͤngniß unnachbleiblich bestraffet werden solle. Wornach sich maͤnniglich zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten/ Unsere so wohl Civil- als Militair- Befehlshabere und Beamte aber daruͤber gebuͤhrend zu halten. Daran verrichten dieselbe Unsern gnaͤdigsten und ernsten Willen und Meynung/ und wollen Wir es widrigen Fals an ihnen zu ahnden wissen. Zu besserer Kundmachung soll dieses von denen Cantzeln allent- halben oͤffentlich verlesen/ und gewoͤhnlicher Orten affigi ret werden. Signatum in unser Residentz-Stadt Hannover den 21. Maji 1695. Ad Mandatum Serenissimi Electoris. XXIV. Wiederholung der vorigen Constitution, den 7. April 1696. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Ob wir wohl gehoffet/ daß Unser gegen die muthwillige und freventliche Beschaͤdiger und Verderber der ent- weder zur gemeinen Zierde und Commodi taͤt/ oder zu der Privatorum Nutzen und Gebrauch gepflantzten/ oder auch zu Conservi rung der For- sten und Waͤlder gesetzten Baͤume/ von was Gattung selbige seyn moͤ- gen/ unterm 21. Maji des letzt abgewichenen 1695sten Jahres publici- retes ernstliches Edict, solcher Boßheit gebuͤhrender massen zu steuren/ wuͤrde gnug gewesen seyn; Dieweil Wir iedoch mit aͤuserstem Miß- fallen das Gegentheil/ und daß mit erregter Beschaͤdig- und Verder- bung der Baͤume noch nicht eingehalten werde/ vernehmen; Wir aber XXIV. Landes- Constitution aber solches hoͤchst-straffbares Beginnen mit allem rigor und Nach- druck geahndet wissen wollen; Als haben Wir der Nothdurfft er- messen/ vorangezogenes Unser Edict mittelst dieses zu wiederhohlen und zu erneuren/ Gestalt sich solches also/ wie folget/ allhier wortlich inseri ret findet. Von GOttes Gnaden Wir Ernst August/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Demnach Wir zu Unserm sonderba- rem Mißfallen berichtet werden/ was Gestalt von muthwilligen boß- hafften Leuten/ so wohl vor Unserer Residentz-Stadt/ als sonst in Un- sern Landen/ die beydes zur publiqu en Zierde und Commod i taͤt ange- richtete Baum- Plantagen, wie auch die sonst von Privatis in- oder an ihre Gaͤrten/ Aecker und Wiesen/ zu ihrem Nutzen und Gebrauch ge- pflantzete Obst-Linden-Weiden- und andere Baͤume/ ingleichen die zu Conservi rung der Forsten und Waͤlder gesetzete junge Eich-Baͤu- me mittelst Ausreiß- oder Umhauung dererselben oͤffters sehr be- schaͤdiget und schaͤndlich ruini ret werden. Solchem Frevel und Boß- heit aber billich mit Ernst und Nachdruck zu steuren; Als setzen/ ordnen und wollen Wir hiemit/ daß/ wann iemand hinfuͤro weiter befunden wuͤrde/ der einen ihm nicht selbst zugehoͤrigen gepflantzten Baum/ von was Art derselbe seyn moͤchte/ entweder mittelst dessen Ausreissung aus der Erden/ oder dessen Umhauung Um- fahrung/ oder auch sonst auff andere Weise vorsetzlich und aus Muth- willen beschaͤdiget und verdorben/ solcher Delinquent fuͤr einen ieden ietztbesagter Massen beschaͤdigten Baum mit einer Geld-Busse von zwantzig Reichsthalern/ welche dem Denuncian ten zu geben/ oder da zu deren Entrichtung keine Mittel bey ihm vorhanden waͤren/ mit Ge- faͤngniß unnachbleiblich gestraffet werden solle. Wornach sich maͤnniglich zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten/ Unsere so wohl Civil- als Militair- Befehlshaber und Beamte aber daruͤber gebuͤhrend zu halten. Daran verrichten dieselben Unsern gnaͤdigsten und ernsten Willen und Meynung/ und wollen Wir es/ wi- drigen Falls/ an ihnen zu ahnden wissen. Zu besserer Kundmachung soll dieses von denen Cantzeln al- lenthalben oͤffentlich verlesen/ und gewoͤhnlicher Orten affigi ret wer- den. von Baum- Plantagen. den. Signatum in Unserer Residentz-Stadt Hannover den 21. Maji 1695. Ernst Augustus/ Churfuͤrst. (L. S) Es sollen auch die freventliche Ubertreter dieses Edicts, an statt der darinn gesetzten Geld- oder Gefaͤngniß-Straffe/ dem Befinden nach/ an den Pranger gestellet/ oder auch wohl gar mit einer noch schwereren Leibes-Straffe beleget werden. Wir befehlen darauff allen und ieden Unsern so wohl Civil- als Militair- Befehlshabern und Beamten hiermit nochmahlen zuverlaͤßig/ und bey Vermeidung Unserer hoͤchsten Ungnade/ daß sie auff dergleichen boßhaffte Beschaͤ- diger und Verderber der Baͤume/ wie vor angefuͤhret/ genau inquiri- ren/ und wann sie selbige entdecket/ mit ihnen nach Verfuͤgung ob in- seri rten und dieses geschaͤrffeten Edicts unnachbleiblich verfahren/ zu nochmahliger Warnung und maͤnnigliches so besserer Wissenschafft soll dieses gewoͤhnlicher Orten allenthalben oͤffentlich affigi ret wer- den. Signatum Hannover den 7. Apr. 1696. Jm Nahmen und von wegen Unsers Herrn Vaters Gnaden Georg Ludwig/ Chur-Printz. (L. S.) XXV. Verordnung der Floͤsse des Brenn-Holtzes auff dem Lein-Strohm/ den 26. Julii 1689. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oß- nabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglichen in Gnaden zu wissen/ was Gestalt Wir Unserm Communion- Forstschreiber am Hartze und Lieben Getreuen/ Johann Heinrich Buschen/ laut des ihme sub dato des 12. Maji Anno 1680. ertheilten Privilegii gnaͤdigst concedi ret/ auff dem Lein-Strohm eine Brenn-Holtz-Floͤsse anzulegen/ und das oben un- weit der Leine erhandelndes Brenn-Holtz/ behuff Unser Hoffstatt/ und sonsten dem Publico zum besten/ und zu mesnagi rung der um- laͤngs belegenen schon ziemlich angegriffenen Holtzungen anhero her- unter floͤssen zu lassen. k Und XXV. Landes- Constitution Und werden demnach alle und iede unsere Unterthanen und An- gehoͤrige hiermit von uns in Gnaden befehliget/ andere und die Be- nachbarte aber gunst- und gnaͤdigst ersuchet/ solches Floͤßwerck nicht allein/ sonderlich an den Muͤhlen/ unauffgehalten passi ren zu lassen/ sondern auch dazu alle befordersame Huͤlffe und Vorschub zu erwei- sen; Jnsonderheit aber/ nachdemmahlen dabey wahrgenommen wor- den/ daß/ weil solch Holtz ungekoͤppelt in einzelnen Kluͤfften herunter gefloͤsset wird/ davon nicht allein bey waͤhrender Herunter-Floͤssung viel auffgefangen/ und heimlich verpartieret/ sondern auch/ nach geen- digtem Floßwercke/ das zu Grunde gegangene/ oder in den Buͤschen be- hangen gebliebene heraus gefischet/ und bey gantzen Klafftern zusam- men geleget/ und vor wohlgewonnenes Gut geachtet werden wollen; So werden hiermit alle und iede unsere Unterthanen und An- gehoͤrige/ auch sonsten iedermaͤnniglich ernstlich ermahnet/ daß sie bey Vermeidung scharffen Einsehens und Bestraffung/ und zwar vor ie- de Klufft Holtzes/ welche also unzulaͤßiger Weise/ und wider dieses Verbot auffgefischet und verpartieret zu seyn/ erwiesen werden wird/ eine Geld-Straffe von einem Ortsthaler/ oder in Mangel Geld-Mit- tel davor eintaͤgiger Gefaͤngniß bey blossem Wasser und Brodt/ auch nach Befindung/ da der excess gar zu groß seyn solte/ Bestraffung an Leib und Ehre/ sich alles Aufffangens und Verpartierens solches Floß-Holtzes/ wie auch aller Holtz-Dieberey/ auff was Art und Weise solches auch geschehen moͤchte/ so wohl bey waͤhrender Floͤsse/ als auch hernacher/ gaͤntzlich aͤusern und enthalten/ und wann von sol- chem Holtze ein- oder andern Orts was angelandet/ oder in Buͤschen hangen blieben/ oder auch aus dem Grunde sich wieder hervor thut/ solches respectivè fliessen lassen/ und vom Lande und aus den Buͤschen auf den Strohm abstossen/ oder aber/ da sie davon was ausziehen/ sol- ches zusammen legen/ und ermeldtem unserm Forstschreiber/ oder des- sen zu diesem Floß-Werck gebrauchenden Leuten anmelden/ und ge- gen dessen Verabfolgung von ihnen vor ihre Muͤhe eine billige Er- goͤtzlichkeit gewertigen. Wenigers nicht werden unsere Beamte/ auch Gerichts-Herren dero Oerter/ da dieses Floß-Werck herdurch kommen wird/ befehliget/ uͤber diese unsere Verordnung ohne conni- venz zu halten/ die Auswertigen aber ersuchet/ gegen solche Holtz-Die- berey gleichmaͤßige favor zu erweisen. Gestalt dann auch dem An- melder dergleichen Unterschleiffe/ nebst Verschweigung seines Nah- mens/ der Holtz-Floͤsse auff dem Lein-Strohm. mens/ die Halbscheid der verfallenden Straff gereichet/ zu maͤnnigli- ches Warnung aber dieses Verbot an allen an der Leine gelegenen Orten/ welche dieses Floß-Werck beruͤhret/ dieses Patent auff Be- gehren des Impetran ten von der Obrigkeit oͤffentlich angeschlagen/ auch allemahl gegen die Zeit/ wann das Floß-Werck angestellet wird/ von den Cantzeln verlesen werden soll. Das ist unser gnaͤdigster Wille und Meynung; Wornach sich ein ieder zu achten/ und vor Schaden und Ungelegenheit zu huͤten. Urkundlich haben Wir dieses eigenhaͤndig unterschrieben/ und mit unserm Fuͤrstl. Geheimden Cantzley-Siegel bedruͤcken lassen. Han- nover den 26. Julii 1689. Ad Mandatum Rev mi . Ser mi . XXVI. Churfuͤrstl. Haspel-Ordnung im Amt Stol- tzenau/ den 16. Dec. 1692. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Demnach Wir mit besonderm Miß- fallen vernommen/ was Gestalt in unserm Amte Stoltzenau einige Betrieglichkeit und Vervortheilung im Garn-Handel/ so wohl we- gen Unterschiedes und Unrichtigkeit der Haspele/ als auch in der Ge- bindzahl vorgehe/ Wir aber selbige ernstlich abgeschaffet wissen wollen; Als setzen/ ordnen und wollen Wir hiermit/ daß ein ieder/ der zu feilem Kauff spinnet oder spinnen laͤsset/ eines Haspels/ welcher eine in unserm Amte Stoltzenau uͤbliche Elle lang/ sich gebrauche/ auch auf iedes Stuͤcke Garn/ es sey grob/ mittelmaͤßig oder klein/ 20. Ge- bind/ und in iedem Gebinde 50. Faden/ also ein iedwedes Stuͤcke 1000. Faden haspele/ oder haspeln und einbinden lasse. Damit aber die Armuth/ und diejenigen/ so mit Spinnen ihre Nahrung suchen/ hierbey nicht verkuͤrtzet werden moͤgen/ so soll auch das nach abgesetzter Laͤnge/ nach Binden und Faden-Zahl verkauffen- de Garn/ der Billigkeit nach/ bezahlet werden. Befehlen darauff unserm Amtmann unsers Amts Stoltzenau/ und lieben Getreuen/ Conrad Hugo, in Gnaden ernstlich/ daß er uͤber k 2 diese XXVII. Landes- Constitution diese unserer Verordnung nachdruͤckliche Hand halte/ nach Ablauff 14. Tage von publici rung dieses unsers Edicts, auch nachgehends/ so offte es noͤthig/ und wenigstens alle viertel Jahre/ unverwarneter Sache/ die Haspele in denen Haͤusern besichtigen/ und welche die rech- te Laͤnge haben/ mit einem Brand-Zeichen bemercken/ die uͤbrigen aber so fort zerbrechen und verbrennen; ingleichen das Garn/ so nicht præcisè eine Elle lang/ oder nicht voll gezaͤhlet ist/ hin- weg nehmen lasse/ und die Verbrecher mit willkuͤhrlicher Straffe/ nach Ermessung der Umstaͤnde/ belege; Von welcher Straffe die Helffte der- oder diejenige/ welche den Unterschleiff anmelden/ die uͤ- brige Helffte aber uns heimfallen soll. Wir befehlen und gebieten auch allen und ieden Garn-Haͤnde- lern/ bey confisci rung des Garns und anderer willkuͤhrlicher ernster Straffe/ daß sie kein Garn/ so obgesetzte Laͤnge und Faden-Zahl nicht hat/ einkauffen/ vielweniger hinwieder an andere loßschlagen und ver- handeln/ hergegen aber auch die billigmaͤßige Bezahlung des vollge- zehlten und richtigen Garns nicht verweigern/ sondern auch ihres Orts solchen Handel durch gute und richtige Bezahlung befordern helffen. Da auch ein oder ander Kauff- und Handelsmañ/ er sey Fremd- oder Einheimischer/ mit unrichtigem Garn uͤbersetzt seyn/ und dieser- wegen Rechtliche Klage anstellen wuͤrde/ soll demselben iederzeit schleunige Justiz administri ret/ ihm zu dem Seinigen/ ohn Auffenthalt/ verholffen/ und der Ubertreter dieser Unser Ordnung/ welche Wir zu desto besserer Kundmach- und Observi rung/ von den Cantzeln oͤffent- lich abzulesen/ und gewoͤhnlicher Orten zu affigi ren hiermit befehlen/ mit vorangedeuteter ernster Bestraffung unnachlaͤßig angesehen wer- den. Wornach sich ein ieder zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten hat. Gegeben in unser Residentz-Stadt Hannover/ den 16. Decemb. Anno 1692. Ernst Augustus/ Churfuͤrst. XXVII. Haspel-Ordnung des gantzen Landes/ den 28. Jan. 1698. V On GOttes Gnaden Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Demnach von der Haspel-Ordnung. Demnach uns zu unserm besonders grossem Mißfallen vorge- kommen/ daß die Betrieglichkeit im Garn-Handel/ so wohl wegen des Unterschieds und der Unrichtigkeit der Haspeln/ als auch der Bind- und Faden-Zahl/ ungeachtet der verschiedentlich und noch zuletzt un- term 18. Nov. 1691. dagegen publici rter scharffer Edicte in unsern Fuͤr- stenthuͤmern und Landen annoch in vollem Schwange gehe/ Wir a- ber selbiges zum Verderb des hiesiger Orten viel importi renden Garn- Commercii streckendes Unwesen auf keine Weise ferner zu dul- den gemeynet; Als setzen und ordnen Wir hiermit nochmahlen/ und wollen ernstlich: 1. Daß ein ieder/ der zu feilem Kauff Garn spinnet oder spinnen laͤsset/ keines Haspels unter oder uͤber vierthalb Ellen sich zu gebrau- chen/ auch in iedes Stuͤck Garn/ es sey grob/ mittelmaͤßig oder klein/ ze- hen Bind/ und ein iedes Bind hundert Faden/ also in iedweder Stuͤck ein tausend Faden zu haspeln/ oder haspeln und einbinden zu lassen/ Gestalten dann von nun an ins kuͤnfftige alle und iede in unsern Fuͤr- stenthuͤmern und Landen verfertigende oder gebrauchende Haspele kuͤrtzer und laͤnger nicht/ als præcisè von vierdtehalb Ellen geduldet werden sollen. 2. Zu dem Ende sollen alle und iede Obrigkeiten und Befehls- habere in unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen ieder seines Orts zum er- sten mahl nach Ablauff von 14. Tagen nach Publici rung dieses/ auch nachgehends/ so offt es noͤthig/ und wenigstens alle viertel Jahre un- verwarnter Sache die Haspele in denen Haͤusern besichtigen/ und welche die rechte Laͤnge/ obiger Verordnung nach/ haben/ mit einem Brandzeichen bemercken/ die uͤbrigen aber so fort zerbrechen; inglei- chen das Garn/ welches nicht præcisè vierthalb Ellen lang seyn/ oder die volle Faden- oder Bind-Zahlen nicht zu haben sich befinden wird/ hinweg nehmen lassen/ und diejenige/ welchen solche unrichtige Haspele oder Garn zugehoͤren/ noch dazu mit willkuͤhrlicher scharffer Straffe nach Beschaffenheit der Umstaͤnde belegen/ von welchem hinwegneh- mendem Garn/ auch von der Straffe/ wann selbige an Gelde geschie- het/ die Helffte der- oder diejenige/ so die Unrichtigkeit anmelden/ die uͤbrige Helffte aber ieden Orts Obrigkeit/ welche dieselbe/ dem Herkom- men nach/ einzufordern berechtiget ist/ zu geniessen haben sollen. 3. Zu desto besserer Vorkommung aller Unrichtigkeit/ sollen auch die inlaͤndische Vorkaͤuffer/ oder so genannte Garn-Sammler/ k 3 von XXVII. Landes- Constitution von ieden Orts Obrigkeit/ worunter sie gesessen/ expresse dahin beei- diget werden/ daß sie kein anderes Garn/ als was dieser Verordnung gemaͤß beschaffen ist/ einkauffen/ die etwa befindende Unrichtigkeit aber ieden Orts Obrigkeit zu gebuͤhrender Bestraffung anzeigen wollen und sollen. Wuͤrden besagte Garn-Sammler betreten werden/ daß sie solchem ihrem Eyd zuwider dennoch unrichtiges Garn eingekauffet/ soll selbiges hinweg genommen werden/ und sie dazu eine Geldstraffe von 20. Thlr. zu erlegen schuldig seyn/ welches hinwegnehmendes Garn und Geld-Straffe so dann dergestalt/ wie im nechst vorhergehendem Artic. 2. gesetzet/ zu vertheilen. Es wird auch ebenfals denen in un- sere Lande etwa kommenden fremden Garn-Sammlern/ sie seyn von wannen sie wollen/ bey itzt-bedeuteter Straffe hiermit allerdings ver- boten/ ander Garn/ als welches dieser Unserer Verordnung gemaͤß be- schaffen/ in unseren Fuͤrstenthuͤmern und Landen einzukauffen. Wuͤr- den die einlaͤndische Garn-Sammler/ obigen ihrem Eyd zuwider/ die befindende Unrichtigkeit der Obrigkeit zur Bestraffung nicht anmel- den/ sollen sie auch dafuͤr willkuͤhrlich/ jedoch exemplariter, ihnen und andern zur Warnung/ gestraffet werden. 4. Solle auch keinem Kauffmann/ der mit Garn handelt/ er wohne in Staͤdten oder auf dem Lande/ er sey wer er wolle/ Einheimi- scher oder Fremder/ von nun an vergoͤnnet seyn/ in unsern Fuͤrstenthuͤ- mern und Landen ander Garn einzukauffen/ viel weniger wieder zu ver- handeln/ als welches dieser Verordnung gemaͤß beschaffen ist. Wuͤr- de iemand darwider thun/ solle nicht allein das eingekauffte unrichtige Garn verfallen seyn/ sondern auch der Ubertreter iedesmahl/ so offt er diesem zuwider handelt/ mit 20. Rthlr. Straffe beleget werden/ wel- ches wegnehmende Garn und Geld-Straffe so dann gleicher Gestalt/ wie oben Artic. 2. gesetzet/ zu vertheilen. 5. Haben die Obrigkeiten und Befehlshaber in Unsern Fuͤrsten- thuͤmern und Landen ihren Gerichts-Dienern und Voigten anzudeu- ten/ und nachdruͤcklich zu injungi ren/ daß sie bey Verlust ihrer Dien- ste/ und/ dem Befinden nach/ haͤrterer Straffe/ auf das Garn/ so ieden Orts gesponnen oder gesammlet und eingekauffet wird/ fleißig Acht geben/ damit es richtig seyn moͤge/ und im Fall sich Unrichtigkeit bey iemand hervor thaͤte/ er sey Spinner/ Einsammler oder Kauffmann/ Fremder oder Einheimischer/ selbige so fort der Obrigkeit zu gehoͤri- ger Bestraffung anmelden. Dafern aber besagte Gerichts-Die- ner von der Haspel-Ordnung. ner und Voigte dergleichen versaͤumen/ oder auch wissentlich verschwei- gen/ und mit denen Leuten durch die Finger sehen/ und die Unrichtig- keit des Garns hiernechst doch auskommen wuͤrde/ sollen nicht allein die Verbrechere/ sondern auch die Gerichts-Diener und Voigte/ de- nen es anzuzeigen gebuͤhret haͤtte/ exemplariter deßwegen bestraffet werden. 6. Falls auch iemand/ er sey fremd oder einheimisch/ mit un- richtigem Garn hintergangen seye/ und deßhalber Rechtliche Klage an- stellen wuͤrde/ solle ihm iederzeit schleunige Justiz administri ret/ zu dem Seinigen ohne Auffenthalt verholffen/ und der Beklagte/ wann er schuldig befunden wird/ dieser unser Verordnung gemaͤß/ unnach- bleiblich bestrafft werden. 7. Damit iedoch durch die oben verordnete Masse und Beschaf- fenheit des Garns die Armuth/ und die/ so sich von Spinnen nehren/ nicht verkuͤrtzet werden moͤgen/ so solle auch das nach obgesetzter Laͤnge/ auch Bind- und Faden-Zahl/ verkauffende Garn der Billigkeit nach bezahlet werden. 8. Wir gebieten und befehlen darauff allen und ieden Obrig- keiten und Befehlshabern in unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen hier- mit in Gnaden ernstlich und zuverlaͤßig/ daß sie/ ein ieder seines Orts und so weit er dazu berechtiget/ und an ihm ist/ uͤber alles dasjenige/ was obstehet/ nachdruͤckliche Hand zu halten/ so lieb ihm ist/ unsere Un- gnade und unnachbleibliche schwere Straffe zu vermeiden. 9. Zu maͤnnigliches desto besserer Wissenschafft soll dieses ge- woͤhnlicher Orten in unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen oͤffentlich an- geschlagen/ von denen Cantzeln verkuͤndiget/ auch auf dem Lande all- jaͤhrlich bey denen Land-Gerichten abgelesen werden. Signatum in Unser Residentz-Stadt Hannover den 28. Jan. 1698. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XXVIII. Churfuͤrstl. Edict wegen der Lehns-Sinnungen/ den 17. Maji 1699. D Es Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Georg Lud- wigen/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. XXVIII. Landes- Constitution von Lehns-Sinnungen. Roͤm. Reichs Churfuͤrsten/ unsers gnaͤdigsten Churfuͤrsten und Herrn/ ꝛc. Wir Sr. Churfuͤrstl. Durchl. verordnete Geheimde Raͤ- the/ Fuͤgen allen und ieden Sr. Churfuͤrstl. Durchl. Vasallen und Lehn-Leuten zu wissen/ ob sich wohl der bißherigen Observanz und de- nen Lehn-Rechten gemaͤß gebuͤhret haͤtte/ daß nach toͤdtlichem Hin- tritt des weiland Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn ER- NESTI AUGUSTI, Hertzogens zu Braunschweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤmischen Reichs Churfuͤrsten und Bischoffen zu Oßnabruͤck glorwuͤrdigsten Angedenckens ein ieder unter ihnen innerhalb Jahr uñ Tag seine von hoͤchstgedachter Sr. Churfuͤrstl. Durchl und dero Fuͤr- stenthuͤmern Calenberg und Grubenhagen recognosci rende Lehne un- terthaͤnigst gesonnen/ und wenigstens um Ausstellung der gewoͤhnli- chen Muthscheine gebuͤhrliche Ansuchung gethan haͤtte; So haben wir iedoch nicht ohne Befremdunge vernommen/ daß solches bey vie- len Vasallen und Lehn-Leuten biß dato nicht geschehen. Nachdem- mahlen aber solches denen Lehn-Rechten zuwieder/ und Wir demnach sothanem Saͤumsahl laͤnger nachzusehen nicht vermoͤgen/ sondern die Lehn-Sachen zu gebuͤhrender Richtigkeit zu bringen seyn; So befeh- len an statt Serenissimi unsers gnaͤdigsten Churfuͤrsten und Herrn Durchl. hiermit/ daß diejenige Vasallen und Lehn-Leute/ welche ihre Lehne biß noch nicht gemuthet/ innerhalb 6. Wochen von dato an zu rechnen/ mit ihrer Lehn-Sinnunge gebuͤhrend einkommen/ widrigen Falls sie mit Zahlunge gedoppelter Lehn-Wahre zur Straffe angese- hen/ auch dem Befinden nach gar ihrer Lehen privi ret und entsetzet werden sollen. Wornach sie sich zu achten/ und fuͤr Schaden und Ungelegenheit zu huͤten haben. Gegeben Hannover unter Sr. Chur- fuͤrstl. Durchl. Geheimden Cantzley- Secret den 17. Maji 1699. XXIX. Churfuͤrstl. Edict von Tauben-Schiessen/ den 19. Jun. 1699. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglich zu wissen. Demnach Wir miß- saͤllig vernommen/ was Gestalt hin und wieder in unsern Landen/ und XXIX. Landes- Constitution von Tauben-Schiessen. und insonderheit in der Gegend dieser Unserer Residentz-Stadt die zahme Tauben von muͤßigen unbesonnenen Leuten vielfaͤltig wegge- schossen werden/ solches aber/ denen Rechten nach/ straffbar/ und kei- nes weges zu dulden ist; Als setzen/ ordnen und wollen Wir hiermit/ daß/ wann iemand/ er sey wer er wolle/ sich weiter geluͤsten lassen wuͤrde/ ihm nicht-zugehoͤrige zahme Tauben zu schiessen/ derselbe fuͤr iedes schiessendes Stuͤck zween Thlr. Straffe erlegen/ oder/ wann er die nicht zu bezahlen haͤtte/ mit proportionir ter Gefaͤngniß-Straffe angesehen werden solle. Wir gebieten derowegen allen und ieden unsern Befehlshabern und Obrigkeiten in Staͤdten und auf dem Lan- de hiermit in Gnaden ernstlich/ daß sie hierauff fleißige genaue Acht geben/ und die Ubertreter zu obgesetzter Straffe gebuͤhrender mas- sen und unnachbleiblich ziehen. Wornach sich maͤnniglich zu ach- ten/ und fuͤr Schaden zu huͤten. Zu desto besserer Kundmachung soll dieses gewoͤhnlicher Orten allenthalben in Unsern Landen oͤffentlich affigi ret werden. Signatum in Unser Residentz-Stadt Hannover den 19. Junii 1699. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XXX. Churfuͤrstl. Edict von Fasanen/ den 8. Maji 1696. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglich zu wissen. Demnach Unsere Inten- tion ist/ zur Anzieh- und Beartigung der Fasanen in Unsern Landen/ selbige ins Wilde fliegen zu lassen/ Gestalten zu dem Ende deren be- reits ein Theil ins Feld gesetzet worden; Wir aber gar mißfaͤllig ver- nehmen/ daß die meisten davon sich dahero verlohren/ weil sie hin und wieder geschossen und auffgefangen/ oder sonst vertilget worden; Als wird hiermit maͤnniglich/ wer der auch sey/ er habe Jagt-Gerechtig- keit/ oder nicht/ in Gnaden ernstlich gewarnet/ sich dessen hinfuͤro al- lerdings zu enthalten/ und sich auff keine Weise weiter zu unterstehen/ Fasanen/ an was Orten in Unsern Landen selbige auch angetroffen l werden XXX. Landes- Constitution von Fasanen. werden moͤchten/ zu schiessen/ zu fangen/ oder ihnen sonst nachzustel- len/ und sie zu stoͤhren/ sondern sie in allem unbeschaͤdiget und unbeun- ruhiget zu lassen. Damit auch ein ieder sich desto genauer hierunter vorzusehen Ursach haben moͤge/ so wollen und verordnen Wir hiermit/ daß nicht allein diejenige/ so diesem Edict in einige obgedachter Wege zuwider handeln/ sondern auch die/ so Fasanen kauffen/ oder annehmen/ nach Befindung eines iedweden Standes und Wesens mit willkuͤhrlicher harter Bestraffung andern zum Exempel unfehlbar angesehen wer- den sollen. Wornach sich ein ieder zu achten/ und fuͤr Schaden zu huͤten. Zu so fuͤglicher Kundmachung ist dieses von denen Cantzeln oͤffentlich zu verkuͤndigen/ und sonst gewoͤhnlicher Orten anzuschla- gen. Signatum in Unser Residentz-Stadt Hannover den 8. Maji 1696. Ernst Augustus/ Churfuͤrst. XXXI. Constitutio von Immunit aͤten und Freyheiten/ de Dato 3. Decembr. 1685. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Nachdemahlen neue Immunit aͤt- Concessiones von uns vielfaͤltig nachgesuchet und gebeten worden/ solches aber nicht weniger denen Rechten/ wie auch denen im Fuͤrst- lichen Hause errichteten Vertraͤgen und Landes- Constitutio nen/ als der Billichkeit zuwider/ indem unsere Cammer- Intra den geschwaͤchet/ theils sonst dem Publico abgebrochen/ die gemeinen Landes-Buͤrden dadurch per indirectum auff andere gewaͤltzet/ und die Last der one- rum Publicorum denenselben/ so darunter bleiben/ immer schwerer ge- macht wird. Als haben Wir aus Landes-Vaͤterlicher Liebe und Sorgfalt der Nothdurfft ermessen/ zu verordnen und zu setzen/ daß Wir nicht allein selbst dergleichen Befreyungen und Exemtiones von solchen Guͤtern/ welche denen Cammer- und Amts-wie auch gemeinen Lan- des- Oneribus und Beschwerden unterworffen seyn/ niemanden/ er sey XXXI. Landes- Constitution von Immunit aͤten. sey wer er wolle/ es sey in dem itzt innhabenden oder nechstkuͤnfftigen anwartenden Fuͤrstenthuͤmern und Landen ertheilen wollen/ noch unsere Nachkommen sollen/ sondern daferne auch dergleichen Im- muni taͤten und Concessiones ausgebeten und loßgebracht werden solten/ die Successores und Nachfolger an der Regierung daran in keine Wege verbunden seyn/ sondern denenselben frey und bevor blei- ben solle/ dieselbe nach Gefallen und Gutbefinden hinwieder auffzuhe- ben und zu cassi ren. Urkundlich haben wir dieses als eine Sanctionem Pragmaticam und noch waͤhrende Satzung aus Landes-Herrlicher Macht unsern Landen und getreuen Unterthanen zum Besten also beschlossen/ ge- ordnet/ und durch oͤffentlichen Druck publici ren lassen. So gesche- hen und gegeben in Unser Residentz-Stadt Hannover den 3. Decembr. 1685. XXXII. Churfuͤrstl. Edict von Krahmern und Hausirern ausser Jahr-Marckts den 31. Octobr. 1701. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des H. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Demnach Uns unterthaͤnigst vorge- bracht/ daß nicht allein fremde Krahmer und Juden sich finden/ die zu gewissen Zeiten des Jahrs ausserhalb der Jahrmaͤrckte unsere Fuͤr- stenthuͤmer und Lande durchziehen/ und allerhand Krahm-Waaren von Haus zu Haus feil tragen/ sondern auch dergleichen wohl zuwei- len von denen von Uns vergeleiteten Juden geschiehet/ Wir aber solches sehr mißfaͤllig vernommen/ und es/ als wider gute Policey und Ordnung lauffend/ auch zum Nachtheil und Bedruck Unserer getreu- en Unterthanen/ die Kauff- und Handelschafft treiben/ gereichend/ ab- gestellet wissen wollen. Als setzen und ordnen Wir hiermit/ daß hinfuͤro niemanden/ er sey Fremd oder Einheimisch/ Christ oder Jude/ erlaubet seyn solle/ in Unsern Staͤdten/ wann nicht daselbst Jahrmarckt ist/ mit Krahm- Waaren/ noch auff dem platten Lande mit Tuch oder Stoffen/ sie l 2 moͤgen XXXII. Landes- Constitution moͤgen seyn Seiden/ Woͤllen/ oder von was Art sie wollen/ an eini- gem Orte/ wann nicht daselbst Jahrmarckt ist/ zu deren Feilbietung herum in die Haͤuser zu gehen; Wer aber nach Publici rung dieses Edicts darwider zum erstenmahl wissentlich handelt/ der soll das du- plum des Werths der Waaren/ die er auff einige oben verbotene Weise verkauffet/ zur Straffe erlegen. Wuͤrde iemand zum zwey- ten mahle in Ubertretung obigen Verbots sich finden lassen/ soll der- selbe das quadruplum des Werths der wider obiges Verbot ver- kauffeten Waaren erlegen/ auch nach solcher Proportion die Geld- Straffe immer weiter erhoͤhet werden/ wann iemand drey oder mehr- mahl obiges Verbot wird uͤbertreten haben. Wir nehmen von demselben allein aus die Mitglieder Unserer Reformirten Frantzoͤsischen Colonie in Unserer Stadt Hameln/ als welchen/ Krafft ihrer von Unsers in GOtt ruhenden Herrn Vaters Gnaden habenden/ und von Uns bestaͤtigten absonderlichen Privile- gi en/ erlaubet ist/ und biß zu unserer anderweiten Verordnung erlau- bet bleibet/ mit denen Waaren/ die zu Hameln von iemand/ der zu solcher Colonie gehoͤret/ gemachet und zubereitet worden/ sie seyn von was Art sie wollen/ keines Weges aber mit andern zu Hameln nicht fabricir ten Waaren/ in unsern Landen allerends in- und aus- serhalb der Jahr-Maͤrckte/ ins Groß und Stuͤckweise frey zu han- deln. Damit iedoch hierinn kein Unterschleiff vorgehen moͤge/ so soll derjenige/ der solche zu Hameln fabrici rete Waaren im Lande herum feil traͤget/ schuldig seyn/ einen Paß/ entweder von Unseren Geheimden Raͤthen/ oder zum wenigsten von Unserm Ober- Com- missario Meyer/ oder wem etwan hiernechst nach ihm die Auffsicht uͤ- ber mehrbesagte Unsere Colonie zu Hameln moͤchte auffgetragen werden/ vorzuzeigen/ mittelst dessen beglaubiget werde/ daß die feiltra- gende Waaren wuͤrcklich zu Hameln gemachet seyn; Wer aber einen solchen Paß nicht bey sich haͤtte/ und doch gegen obiges Verbot Krahm-Waaren ausserhalb der Jahr-Maͤrckte im Lande herum feil truͤge/ der soll/ ungeachtet er etwan einwenden moͤchte/ daß die Waa- ren zu Hameln gemachet seyn/ gleich andern Ubertretern dieses E- dicts/ auff obgesetzete Masse unnachbleiblich bestraffet werden. Wornach sich also maͤnniglich zu achten und fuͤr Schaden zu huͤten. Es ergehet darauff an alle und iede unsere hohe und nie- drige Befehlshabere und Magistra ten in Staͤdten und auff dem Lan- de/ von Kramern und Hausirern ausser Jahrmarckts. de/ Krafft dieses unser gnaͤdigster und zugleich ernster Befehl/ daß sie bey Vermeidung Unserer Ungnade uͤber obige unsere Verordnung mit gebuͤhrendem Nachdruck zu halten/ und deren Ubertreter mit der darinn gesetzten Straffe ohne einiges Neben-Absehen zu belegen. Zu behufiger Kundmachung soll dieses in Unsern gesamten Fuͤrstenthuͤ- mern und Landen allenthalben gewoͤhnlicher Orten oͤffentlich ange- schlagen werden. Signatum in unserer Residentz-Stadt Hannover den 31. Octobr. 1701. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XXXIII. Churfuͤrstl. Erlaͤuterung des vorigen Edict s/ den 6. Martii 1702. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des H. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen. Demnach von einigen unserer mit Kraͤhmerey sich ernehrenden Landes-Einwohnern/ und insonderheit von denen in Unsern Landen gesessenen Schutz-Juden angezeiget worden/ daß seithero Unser Edict vom 31. Octobris 1701. gegen das Hausiren mit Krahm-Waaren/ in denen hiesigen Landen publici- ret ist/ ihnen gar nicht weiter verstattet werden wolle/ auff dem platten Lande Handel und Wandel zu treiben/ da ihnen doch sol- ches allzeit erlaubet gewesen/ und sie es bestaͤndig hergebracht haͤtten: Und dann in Erwegung solcher Bewandniß billich gefunden worden/ daß sie dabey zu lassen und zu schuͤtzen. Als wird obangezogenes Edict hiermit dahin erlaͤutert/ daß es darbey/ so viel fremde auslaͤndische Krahmers und Juden/ auch in- laͤndische Juden/ die von Uns nicht vergeleitet seyn/ betrifft/ aller- dings sein Bewenden haben und behalten/ Unsern Landes-Einwoh- nern aber/ und mithin denen in Unseren Landen gesessenen von Uns vergleiteten Schutz-Juden/ wie bißher/ also ferner unbenommen seyn solle/ auff dem platten Lande/ und ausserhalb der Staͤdte/ allwo privilegi rte Krahmer-Gilden seyn/ ihre Nahrung mit Handel und Wandel/ wie sie koͤnnen/ geziemender Weise/ zu suchen/ und zu dem l 3 Ende XXXIII. Landes- Constitution von Hausirern. Ende auff dem platten Lande/ mit ihren etwa habenden Waaren/ und in specie mit Tuch und Stoffen/ auch ausserhalb der Jahr-Maͤrck- te/ hausiren zu gehen. Es haben aber die Magistraten und Beamten ieden Orts ge- naue und fleißige Acht zu geben/ daß kein Unterschleiff hierbey vor- gehen/ noch fremde Handels-Leute oder Juden/ denen solche gaͤntzliche Freyheit des Handels und Wandels im Lande nicht zustehet/ nicht mit durchschleichen moͤgen/ Gestalt dann vorbesagtes Handeln und Wandeln/ auch Hausiren auff dem platten Lande/ in specie mit Tuch und Stoffen (als worvon hier allein die Frage/ und mit an- dern Sachen auff dem platten Lande zu handeln und hausiren zu gehen/ durch mehrangezogenes Edict vom 31. Octobris 1701. auch Fremden nicht verboten ist) ausserhalb der ieden Ortes haltenden freyen Jahr-Maͤrckte niemanden verstattet werden/ und sich dessen niemand/ bey Vermeidung der in obangezogenem Edicte gesetzten Straffe/ anmassen solle/ wann er nicht zuvor der Obrigkeit des Orts/ wo er sich zum Handeln mit Tuch und Stoffen anfindet/ durch Vorzeigung eines glaubwuͤrdigen Attestats von der Obrigkeit des Orts/ allwo er gesessen ist/ oder auch/ an statt dessen/ wann er ein Jude ist/ seines Schutz-Briefes dargethan/ daß er ein in unsern Landen wohnender Handelsmann/ oder/ wann er ein Jude ist/ ein von Uns wuͤrcklich vergeleiteter Schutz-Jude/ und also zu obigem Han- deln und Wandeln mit Tuch oder Stoffen auff dem platten Lande be- rechtiget sey. Jedoch soll die Obrigkeit/ die solche Attestata giebt/ oder auch dero die Attestata, oder die Schutz-Briefe/ wie obgedacht/ vor- gezeiget werden/ bey Vermeidung unserer Ungnade und Straffe/ dafuͤr kein Geld oder Verehrung von denen Impetran ten oder Vor- zeigern nehmen/ viel weniger fordern. Wornach sich maͤnniglich zu achten. Zu besserer Kundmachung soll dieses gewoͤhnlicher Orten allent- halben oͤffentlich angeschlagen werden. Gegeben in Unserer Resi- dentz-Stadt Hannover den 6. Martii Anno 1702. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. (L. S.) XXXIV. XXXIV. Churfuͤrstliches Saltz- Edict, den 7. Febr. 1702. V On GOttes Gnaden Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ des Heiligen Roͤmischen Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Thun hiermit kund und zu wissen. Demnach Wir berichtet worden/ was massen eine Zeithero in unsern Landen allerhand frem- des Saltz/ von Bremen und andern Orten/ zu Vortheil und Inter- esse einiger Particulier- Personen/ dem Luͤneburgischen und andern unsern und unsers Hauses Saltz-Wercken aber zu grossem Præjudi tz und Schaden/ haͤuffig verhandelt und vertrieben/ so gar auch zu- weilen in Luͤneburgische Tonnen gepacket/ und fuͤr Luͤneburger Saltz ausgegeben und verkauffet worden; Wir aber solches weiter nach- zugeben nicht schuldig/ auch nicht gemeynet seyn/ zumahln da GOtt uns und unser Hauß selbst mit Saltz-Wercken nach Nothdurfft ge- segnet hat. Als befehlen Wir hiermit in Gnaden ernstlich/ und wollen/ daß kein fremdes Saltz/ welches in unsern und unsers Hauses Lan- den/ oder auch in dem unter unsers Hauses Administration stehen- den Saltz-Werck zu Saltz-Liebenhalle nicht gesotten ist/ wie das Na- men haben moͤchte/ es sey zu Schiffe/ oder auff Wagen/ Karren o- der sonst auff einige andere Weise/ in unsere Lande zum Verkauff in denenselben weiter gebracht werden/ sondern maͤnniglich in unseren Landen/ der Handelung mit solchem verbotenem fremden Saltze/ und des Gebrauchs desselben sich gaͤntzlich aͤusern und enthalten solle; mit der ausdruͤcklichen Verwarnung/ wofern ein oder anderer/ er sey wer er wolle/ diesem unserm Verbot entgegen handeln wuͤrde/ daß derselbe nicht allein des fremden Saltzes verlustig seyn/ sondern auch noch darbey unnachbleiblicher scharffer Straffe zu gewarten haben solle. Wir gebieten darauff allen und ieden unsern Befehlshabern in Staͤdten und auff dem Lande/ daß sie auff das verbotene fremde Saltz/ und dessen Haͤndler fleißig mercken/ und was sie dessen bey ie- manden/ der es in unsern Landen verkauffet haͤtte oder verkauffen wolte/ XXXV. Landes- Constitution wolte/ oder auch gekauffet haͤtte oder kauffen wolte/ antreffen wer- den/ anhalten/ darob gebuͤhrend berichten/ und unserer Verordnung darauff gewaͤrtig seyn/ auch dieses zu iedermaͤnnigliches Wissen- schafft gewoͤhnlicher Orten allenthalben oͤffentlich anschlagen lassen sollen. Gegeben in unser Residentz-Stadt Hannover den 7. Febru- arii/ Anno Eintausend Siebenhundert und Zwey. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. XXXV. Des Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Johann Friedrichen/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ Constitutio und Verordnung/ wie es in Sr. Durchl. Fuͤrstenthuͤmern und Landen der Ehe-Ver- loͤbnissen halber ins kuͤnfftige gehalten werden soll. Sub dato den 19. Decembris Anno 1672. V On GOttes Gnaden Wir Johann Friedrich/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit unsern Præla ten/ Grafen/ denen von der Ritter- schafft/ so dann unsern Land-Drosten/ Drosten/ Amtleuten/ Ge- richts-Herren/ Voigten/ Gohgraͤfen/ auch Buͤrgermeistern und Raͤ- then in unsern grossen und kleinen Staͤdten/ und insgemein allen und ieden unsern Angehoͤrigen und Unterthanen unser Fuͤrstenthuͤmer Braunschweig/ Luͤneburg/ Calenberg und Grubenhagen/ ne- benst Entbietung unsers wohlgemeynten Willens und Gnade/ hier- mit zu wissen. Ob wohl nicht weniger die Ehre und Wuͤrde des heiligen von GOTT dem Hoͤhesten selbst eingesetzten Ehestandes/ als die allgemeine Christliche Zucht und Erbarkeit erfordert/ auch zu Verhuͤtung allerhand Mißbrauchs von unsern in GOtt ruhenden Fuͤrstlichen Vorfahren/ in dero vorlaͤngst auffgerichteten Kirchen- Ordnung ausdruͤcklich und heilsamlich verordnet/ daß die eheliche Verloͤbnissen nicht heimlich zwischen denen einander zur Ehe begeh- renden Personen allein/ sondern oͤffentlich und in Gegenwart beglaub- ter von Ehe-Verloͤbnissen. ter Zeugen gestifftet und eingegangen werden sollen. So muͤssen Wir doch nicht ohne Besonderes Mißfallen vernehmen/ daß dem zuwider dergleichen heimliche Ehe-Geloͤbnissen in Unsern Fuͤrsten- thuͤmern und Landen biß anhero gar gemein und vielfaͤltig in Ubung und Brauch gewesen/ auch noch seyn/ dadurch dann nicht allein der Ehre und Wuͤrde des heiligen Ehestandes zu nahe getreten/ und ein solches wichtiges Geschaͤffte/ daran des Menschen zeitliche/ un- terweilen auch ewige Wohlfarth hanget/ andern geringen Sachen- welche unter denjenigen/ so mit einander zu thun haben/ allein ver- handelt/ und dahero allerhand Verdacht/ List und Betrug un- terworffen seyn/ gleich gemachet wird; Sondern auch vermittelst solcher heimlichen Ehe-Versprechnisse manche Weibes-Person um ihre Ehre gebracht/ unter denjenigen/ welche sich also heimlich mit einander verknuͤpffet/ schwere und verworrene Rechtfertigungen/ dabey offtmahls/ aus Mangel gnungsamen Beweißthums/ der schuldige Theil loßgesprochen/ der andere aber verkuͤrtzet wird/ ent- stehen/ zu falschen Eydschwuͤren Anlaß geben/ und sonsten ande- re vielfaͤltige schaͤdliche Wirckungen mehr aus solchen heimlichen Ehe-Verbindungen entspriessen. Wann Wir aber solchem schaͤd- lichem Mißbrauch/ Unordnung und Unwesen laͤnger den Lauff zu lassen nicht gemeynet/ sondern vielmehr ein gebuͤhrendes Einsehen dahin zu haben/ und dasselbe abzustellen/ tragend hohen Landes- Fuͤrstlichen Obrigkeit und Amts halber/ uns schuldig erachten. Hierum so setzen und ordnen Wir/ daß/ wann hinfuͤro Manns- und Frauens-Personen/ wes Standes/ Wuͤrden oder Wesens die seyn/ in Unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen einander zu heyra- then Vorhabens/ wann sie noch unter ihrer Eltern oder Vormuͤn- der Gewalt sind/ ohne deroselben Vorwissen und Willen sich in kei- ne Ehe-Verloͤbniß einlassen; diejenigen aber/ so nicht mehr unter der Eltern oder Vormuͤnder Gewalt sich befinden/ zu der Eheli- chen Versprechung entweder iedes Orts Obrigkeit/ oder zum we- nigsten zwo oder drey ehrliche Manns-Personen zu ziehen/ und in deren Gegenwart sothane Ehe-Verbindungen zu Wercke richten/ in dessen Verbleibung aber hinfuͤro keine Ehe-Verloͤbnissen/ so nach be- schehener offener Verkuͤndigung dieser Unserer Verordnung gestiff- tet werden/ wann gleich der Beyschlaff darauff erfolget/ oder auch m vorher XXXV. Landes- Constitution vorher gangen/ buͤndig/ sondern an beyden Theilen fuͤr nichtig und unkraͤfftig gehalten seyn sollen; Allermassen Wir dann Unsern zu Unserm Geistlichen Consistorio verordneten Præsiden ten und Raͤ- then hiermit in Gnaden ernstlich befehlen/ uͤber diesem Unserm Ge- setz und Ordnung dergestalt steiff und fest zu halten/ daß/ da vor ih- nen einige Manns- oder Frauens-Personen gegen einander auff die Ehe Klage anstellen/ sich aber/ daß das Eheliche Versprechen nur zwischen ihnen allein/ nicht aber vorberegter massen im Beyseyn der Obrigkeit/ oder wenigstens zweyer glaubwuͤrdiger Gezeugen ergan- gen/ befinden wuͤrde/ sie solche Klagen nicht annehmen/ noch den beklagten Theil zu Vollenziehung der Ehe anhalten/ sondern die streitende Parteyen/ so viel die Ehe betrifft/ gaͤntzlich von sich ab- weisen sollen. Damit nun diese Unsere Satzung und Ordnung zu maͤnnigliches Wissenschafft gebracht/ und sich keiner/ so darwider handelt/ mit der Unwissenheit zu entschuldigen haben moͤge; Als ist Unser gnaͤdigster Wille und Meynung/ daß mehr angeregtes die- ses Unser Gebot und Ordnung foͤrdersamst von allen Cantzeln in Unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen oͤffentlich abgelesen/ auch solche Verlesung alljaͤhrlich an dem Sonntage/ wann das Evange- lium von der Hochzeit zu Cana erklaͤret wird/ wiederhohlet werden solle. Darnach sich ein iedweder seines Orts zu richten. Gegeben in Unser Residentz-Stadt Hannover unter Unserm Consistorial-Se- cret, den 19. Decembris, Anno 1672. Ad Mandatum Serenissimi proprium. XXXVI. Des Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Johann Friedrichen/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ Constitutio und Verordnung/ wie es in Sr. Durchl. Fuͤrstenthuͤmern und Landen der Dispensa- tion halber/ in gewissen Gradibus ins kuͤnfftige gehalten werden soll. Sub dato den 7. Octobr. 1675. Von von der Dispensation in Verehligungen. V On GOttes Gnaden/ Wir Johann Friedrich/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen allen und ieden unsern Unterthanen und Angehoͤrigen hiermit zu wissen: Was Gestalt Wir eine Zeit hero verschiedent- lich in Unterthaͤnigkeit implori ret und angeruffen worden/ uͤber ei- nige im andern Grad ungleicher Linie der Schwaͤgerschafft/ vorha- bende Verehligung zu dispensi ren. Ob Wir nun zwar hierinnen aus beweglichen Ursachen/ und im Ansehen mit unterlauffender Umstaͤnde/ vor diesem/ auch noch neulichst ein und andermahl in Gnaden gewilliget und geschehen lassen/ daß solche Personen in angeregtem Grad der Schwaͤgerschafft sich ehlichen/ und ihre an- gefangene Ehe durch Priesterliche Copulation vollenziehen moͤgen; So tragen Wir doch nicht unbillich Bedencken/ hinfuͤro in solchen und dergleichen Faͤllen mehr zu dispensi ren/ und Heyrathen zu ver- statten/ sondern wollen zu Erhaltung mehrerer Zucht und Erbar- keit/ so wohl denen Personen/ die in des dritten Buchs Mosis 18. und 20. Capituln erzehlet werden/ als denen/ die in gleichen Gra- dibus sich befinden/ und in specie denen/ so im andern Grad unglei- cher Linie der Schwaͤgerschafft ein ander zugethan/ ins kuͤnfftige kei- ne Dispensation mehr wiederfahren lassen. Gestalt denn nach die- sem/ wenn von nun an einer seines Vatern/ oder seiner Mutter Brudern Frau/ oder seines Schwieger-Vatern/ oder seiner Schwie- ger-Mutter Schwester/ oder seiner vorigen Frauen Brudern oder Schwester-Tochter/ oder wenn eine ihres Vatern oder ihrer Mut- ter Schwester-Mann/ oder ihres Schwieger-Vatern/ oder ihrer Schwieger-Mutter Bruder/ oder ihres vorigen Mannes Bruder- oder Schwester-Sohn/ oder auch eine andere in dergleichen an oban- gezogenen Orten der Heiligen Schrifft verbotenen Gradibus, ent- weder nach der Blutfreund- und Schwaͤgerschafft verwandte Per- sonen/ von gantzer oder halber Geburt/ zu ehligen begehret/ und deßwegen bey unserm Consistorio sich supplicando angiebt/ der oder dieselbe/ ob gleich die fleischliche Vermischung geschehen seyn moͤch- te/ nicht gehoͤret/ auch zur Erlangung der Dispensation an Uns nicht remitti ret/ sondern mit dem unziemlichen Gesuch so fort ab- gewiesen/ und die muthwillige Verbrecher/ so auff beschehene Er- innerung von ihrem unrechtmaͤßigem Vornehmen abzustehen nicht ge- m 2 meynet/ XXXVII. Landes- Constitution meynet/ mit harter exemplari scher Straffe unverbittlich angesehen werden sollen. Darnach sich ein iedweder zu achten/ und vor Schaden zu huͤ- ten. Und damit diese Unsere Verordnung iedermaͤnniglichen zur noti tz kommen moͤge/ so soll dieselbe allenthalben in unsern Fuͤrsten- thuͤmern und Landen oͤffentlich von den Cantzeln gelesen/ und dar- auff an gewoͤhnlichen Orten affigi ret und angeschlagen werden. Ge- geben in unser Residentz-Stadt Hannover unter unserm Consistorial- Secret den 7. Octobris Anno 1675. Ad Mandatum Serenissimi. (L. S) XXXVII. Des Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Johann Friedrichen/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Constitutio und Verordnung/ wie sich Patroni mit Verleihung der Pfarren zu verhalten haben. Sub dato den 6. Maji Anno 1675. V On GOttes Gnaden Wir Johann Friederich/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Entbieten allen und ieden unsern Unterthanen/ auch auslaͤndi- schen Patronen/ so in unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen Pfar- ren zu verleihen haben/ nach eines ieden Standes-Erheischunge/ unsern geneigtesten Willen/ Gunst und Gnade zuvor/ und fuͤgen de- nenselben hiermit zu wissen: Ob wohl in GOttes Wort und den allgemeinen beschriebenen Rechten versehen/ auch Unsere in GOTT ruhende Vorfahren/ insonderheit Henrich Julius/ Bischoff zu Halberstadt/ und Her- tzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ in einer am 14. Junii Anno 1597. publicir ten Constitution ausdruͤcklich und heilsamlich verord- net/ daß die Pfarr-Dienste nicht um Geld/ Geschencke/ noch ei- niges andern Nutzes und Vortheil willen/ wie die Nahmen ha- ben/ von Verleihung der Pfarren. ben/ oder erdacht werden moͤchten/ sondern allein GOTT dem All- maͤchtigen zu Lob und Ehren/ auch Ausbreitung seines allerheilig- sten Nahmens und allein seligmachenden Wortes/ gratis verliehen und conferi ret werden solten/ auch dabenebenst dahin zu sehen/ daß zu solchem schweren und wichtigem Amte Gottesfuͤrchtige/ ehrba- re/ gelahrte und tuͤchtige Leute vorgeschlagen und verordnet werden moͤchten. So muͤssen Wir iedoch nicht ohne besonders Mißfallen ver- nehmen/ welcher Gestalt von etlichen Patronis schaͤndliche Simo- nie und Finantzerey mit den Pfarren und derselben Patrona ten ge- trieben/ grosse Summen Geldes zu Lehnwahr gefordert/ auch ge- nommen/ dieselbe dannoch beschoͤnet/ und honoraria sponte oblata getauffet werden/ einer dem andern mit Gelde ausstechen/ ja wohl gar die Patroni mit dieser ausdruͤcklichen Condition, daß præsen- tati diese oder jene ihnen von den Patronis vorgeschlagene Weibes- Person ehlichen wollen/ verleihen und ausstellen/ und also eine lau- tere in GOttes Wort und dem Rechte hochverbotene Simonia, nun- dinatio und quæstus mit den Pfarren exerci ret werde. Wann nun solches nicht allein widerrechtlich und zum hoͤchsten unbillich/ sondern auch dem Predig-Amt uͤberaus schimpfflich ist/ daß mit des- sen Bestellunge also liederlich umgegangen/ und dergleichen hoͤchst- straffbare Finantzerey getrieben werde; So wollen Wir die aus- laͤndische Patronos hiermit freundlich und gnaͤdig ersuchet und er- mahnet/ Unsern Unterthanen aber ernstlich/ und bey Vermeidung Unserer hoͤchsten Ungnade/ aufferleget haben/ daß sie sich solcher un- ziemenden und ihnen selbst schimpfflichen exactio nen und Schinde- reyen in und bey Verleihung ihrer in Unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen habenden Pfarren hinfuͤro aͤusern und enthalten. Da aber einige Patroni etwas an Lehn-Geld pro recognitione zu nehmen be- rechtiget/ und solches bestaͤndig hergebracht haͤtten/ koͤnnen Wir ge- schehen lassen/ daß ein solcher Patronus von einer guten und vermoͤg- samen Pfarre etwa 4. Thaler/ von einer mittelmaͤßigen 3. Thaler/ von einer geringen 2. Thaler nehme. Mit der Verwarnunge/ da hinfuͤro sich befinden wuͤrde/ daß ein Præsentatus ein mehres zu Lehn- Geld gegeben/ oder sonsten den Pfarr-Dienst zu erlangen sich ehe- lich versprechen muͤssen/ (welches dieselben vermittelst Coͤrperlichen m 3 Eydes XXXVIII. Landes- Constitution Eydes auszusagen angehalten werden sollen) daß er dann zu der er- ledigten Pfarre keines Weges gelassen/ sondern stracks abgewie- sen/ der Patronus seines Patronat s vor dasmahl verfallen seyn/ und die erledigte Pfarre/ mit Hindansetzung des Patroni von Unserm Consistorio bestellet werden solle; Darnach sich ein iedweder zu richten. Und damit diese Unsere Verordnung zu maͤnnigliches Wissen- schafft kommen moͤge/ so soll dieses Unser Edict allenthalben in Un- sern Fuͤrstenthuͤmern und Landen von denen Cantzeln abgelesen/ und darauff an gewoͤhnlichen Orten angeschlagen und affigi ret werden. Gegeben in unser Residentz-Stadt Hannover/ unter Unserm Consi- storial-Secret, den 6. Maii/ Anno 1675. Ad Mandatum Serenissimi proprium. XXXVIII. Des Durchlaͤuchtigsten Fuͤrsten und Herrn/ Herrn Johann Friederichen/ Hertzogen zu Braun- schweig und Luͤneburg/ Constitutio und Verordnung von den Privat-Copulatio nen/ und stiller Beysetzung der Todten. Sub dato den 15. April Anno 1675. V On GOttes Gnaden Wir Johann Friedrich/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen hiermit Unsern Præla ten/ Grafen/ denen von der Rit- terschafft/ so dann unsern Land-Drosten/ Drosten/ Amtleuten/ Gerichts-Herren/ Voigten/ Gohgraͤfen/ auch Buͤrgermeistern und Raͤthen in Unsern grossen und kleinen Staͤdten/ und insgemein allen und ieden unsern Angehoͤrigen und Unterthanen unserer Fuͤr- stenthuͤmer Braunschweig/ Luͤneburg/ Calenberg und Grubenha- gen/ nebst Entbietung unsers wohlgemeynten Willens und Gnade hiermit zu wissen. Nach- von Privat-Copulation en. Nachdemahl Unsere in GOTT ruhende Fuͤrstliche Vorfah- ren in dero vorlaͤngst auffgerichteten Kirchen-Ordnunge ausdruͤck- lich und heilsamlich verordnet/ daß diejenigen Personen/ welche in den Stand der heiligen Ehe zu treten begehren/ nicht allein zweene Sonn- oder Feyertage vor der Hochzeit von den Cantzeln auffgebo- ten/ sondern auch dieselbe darauff in der Kirchen oͤffentlich copuli ret und getrauet werden solten. Ob Wir nun wohl in gnaͤdiger Zuversicht gestanden/ es solte solcher heilsamen Verordnung/ der Schuldigkeit nach/ allenthalben gelebet seyn. So haben Wir doch in der That das Widerspiel befunden/ indem die oͤffentliche Proclamation nunmehr fuͤr ein un- noͤthiges und fast verkleinerliches Werck gehalten wird/ ja es ist mit der Hoffart/ leider! dahin gekommen/ daß fast ein iedweder dafuͤr haͤlt/ es gereiche ihm zu einem sonderbaren despecte, wenn er sich in der Kirche oͤffentlich abkuͤndigen/ und fuͤr GOttes Ange- sichte trauen lassen soll. Gestalt Wir dann mit unauffhoͤrlichen Ansuchungen um die Privat-Copulation, zu Unserm grossen Mißfal- len/ bißhero sind angelauffen und behelliget worden. Wann Wir aber solcher Unordnung laͤnger den Lauff zu lassen nicht gemeynet/ son- dern vielmehr ein gebuͤhrendes Einsehen dahin zu haben/ und dassel- be abzustellen/ tragend hohen Landes-Fuͤrstlichen Obrigkeit und Amts halben uns schuldig erachten; So ordnen/ setzen und wollen Wir hiermit gnaͤdigst/ daß/ so viel die von Adel betrifft/ es bey der in dem Gandersheimischen Land- Tages-Abscheide/ wegen deren Copulation und Fuͤrbitte enthaltenen Verordnung sein Verbleiben habe/ die uͤbrige verlobte Personen a- ber/ welche das vorhabende Christliche Ehe-Werck im Nahmen GOttes zu vollenziehen gedencken/ sollen nach vorher gegangener zweymahliger Proclamation auff der Cantzel/ und zwar auff ver- schiedene Sonn- oder Feyertage/ sich oͤffentlich in der Kirche und vor der Christlichen Gemeine/ nicht aber in Privat- Haͤusern copuli ren und trauen lassen; da aber irgend der Braͤutigam oder die Braut er- hebliche Ursachen haͤtten/ warum die Trauunge itztberuͤhrter mas- sen nicht in der Kirche geschehen koͤnte/ und dannenhero bey uns die Privat-Copulation unterthaͤnigst solte gesuchet werden/ wollen Wir zwar/ befindenden Umstaͤnden nach/ darinnen gehelen/ es ist aber unser XXXVIII. Landes- Constit. von Beysetzung der Todten. unser gnaͤdigster Wille und Meynunge/ daß diejenigen/ so die Privat- Copulation verlangen/ nach Befindung ihres Standes und Ver- moͤgens 18. 12. oder 6. Rthlr. so ad pios usus zu verwenden/ vor solche Dispensation unserm Consistorio unfehlbar auszahlen und ent- richten sollen. Nebst dem muͤssen Wir auch nicht ohne besonderes Miß- fallen vernehmen/ was Massen die heimliche und stille Beysetzung der Todten in unsern Fuͤrstenthuͤmern und Landen fast uͤberall ein- reissen und uͤberhand nehmen will. Als Wir aber hierunter keine Neuerung zu dulden gemeynet/ so setzen und befehlen Wir hiermit gnaͤdigst/ daß solche heimliche Beysetzung gaͤntzlich abge- stellet/ und an stalt derselben die sonst gewoͤhnlichen/ und in unserer Kirchen-Ordnunge Tit. von Begraͤbnissen/ vorgeschriebene Cere- moni en observi ret und beobachtet werden sollen. Da aber hierin- nen ein und der andere/ aus dringenden Ursachen/ gleichfals um gnaͤ- digste Dispensation bey uns anzuhalten moͤchte genoͤthiget werden/ soll zwar dieselbe/ gestalten Sachen und Umstaͤnden nach/ verstattet wer- den. Es sollen aber die Impetran ten eben dieselbe Taxam, welche oben auff die Privat-Copulation ist gesetzet worden/ nach Proportion Standes und Vermoͤgens/ zu Unserm Consistorio vorhero ein- liefern. Befehlen hierauff denen zu unserm Geistlichen Consistorio ver- ordneten Præsiden ten und Raͤthen hiermit in Gnaden und ernstlich/ uͤber diesem unserm Gesetze und Ordnung steiff und feste zu halten/ und diejenigen/ welche hierwider handeln werden/ mit unnachlaͤßiger ernster Straffe gebuͤhrlich anzusehen. Und damit diese unsere Verordnunge zu maͤnnigliches Wissen- schafft kommen moͤge/ so soll dieses unser Edict allenthalben in un- sern Fuͤrstenthuͤmern und Landen von den Cantzeln abgelesen/ und darauff an gewoͤhnlichen Orten oͤffentlich angeschlagen und affigi ret werden. Darnach sich ein iedweder seines Orts zu richten. Gegeben in unser Residentz-Stadt Hannover unter unserm Consistorial-Secret, den 15. April. Anno 1675. Ad mandatum Serenissimi proprium. XXXIX. XXXIX. Churfuͤrstl. Constitutio vom Roß-Handel/ den 30. April. 1697. V On GOttes Gnaden/ Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiemit zu wissen/ demnach in unsern Landen ein merckli- cher Pferde-Handel sich findet/ und bey solchem Handel wegen Redhi- bition und der Haupt-Maͤngel oͤffters Streit erreget/ und disputi ret worden/ ob die Pferde wegen der Hauptmaͤngel/ oder aber auch ande- rer Maͤngel halber/ den gemeinen Rechten nach/ zu wandeln/ und dann an dem/ daß die Pferde aus einem Lande ins andere gebracht/ und ver- kauffet werden/ also die Verkaͤuffere oͤffters nicht wissen koͤnnen/ was den Pferden schadet/ insonderheit auch die Pferde aus solchen Landen bringen/ wo allein die Wandelung wegen der Hauptmaͤngel zuerkannt wird/ sie also/ wann sie zu einem mehrern gehalten/ des Regressus hal- ber gefaͤhret werden wuͤrden/ unterdessen billig dahin zu sehen/ daß das Commercium zu befoͤrdern; so verordnen Wir zu solchem Ende hie- mit und in Krafft dieses/ daß wegen der Hauptmaͤngel/ als Rotzig/ Kollerisch/ und Hartschlaͤgig/ die Pferde gewandelt werden sollen; und weilen auch zu diesen dreyen Hauptmaͤngeln/ Gestohlen/ als der Vier- te/ der gemeinen Rede nach referi ret wird/ wiewol solches nicht ein na- tuͤrlich/ sondern ein Civil Mangel ist/ und es deßfalls ohne dem seine gewisse Masse in den gemeinen Rechten hat/ so lassen Wir es dennoch/ weilen es/ der gemeinen Rede nach/ dazu gerechnet wird/ dabey gleicher gestalt bewenden; Wann auch ferner ein Schade sich findet/ der den Gebrauch des Pferdes verhindert/ und zu der Redhibition, den gemei- nen Rechten nach/ qualific irt ist/ sothaner Schade auch schon bey Verkauffung des Pferdes gewesen/ und der Verkaͤuffer solchen ge- wust zu haben erweißlich gemacht werden kan/ so soll derselbe das Pferd zu wandeln schuldig seyn. Jngleichen wann ein Verkaͤuffer bey Verkauffung eines Pferdes/ vor allen Schaden gut zu seyn/ verspro- chen/ so sol auch solchenfalls derselbe das Pferd zu wandeln gehaltẽ seyn; Wornach sich ein ieder/ und absonderlich Unsere/ so wohl hohe als auch andere Gerichte/ also gehorsamst darnach zu achten. n Daran XL. Landes- Constitution wegen nicht Verkauffung Daran geschiehet unser gnaͤdigster Wille und Meynung; Gegeben in Unserer Residence Hannover am 30. April 1697. Ernst Augustus/ Churfuͤrst. (L. S.) XL. Churfuͤrstl. Verbot wegen nicht Verkauffung der Pferde vor dem Jahrmarckt/ den 13. April. 1701. V On GOttes Gnaden Wir Georg Ludewig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen; Nachdemahlen die Erfahrung bezeu- get/ daß/ denen nach und nach ergangen Verordnungen zuwider/ bey denen oͤffentlichen Pferde- und anderen Jahrmaͤrckten/ insonderheit allhier und zum Langenhagen/ der Kauff und Verkauff der Pferde nicht zu der gesetzten Marckt-Zeit/ auch nicht an denen darzu gewied- meten Orten/ sondern fast mehrentheils vorher/ und zwar in denen Wirths- und andern Privat Haͤusern/ wo die Pferde auffgestallet werden/ vorgenommen wird/ so daß zu der gewoͤhnlichen Marckt-Zeit die meisten Pferde schon verkaufft seyn/ und entweder gar nicht/ weil sie etzliche Tage vorher weggebracht werden/ oder doch nur zum Schein durch die also genannte Zingeln auffs Marckt gefuͤhret/ und denen daselbst sich anfindenden Kaͤufferen so hoch angeschlagen wer- den/ daß sie deren entweder gar nicht/ oder doch nicht ohne ungebuͤhrli- chen Gewinn des ersten Kaͤuffers/ oder des heimlichen Affter-Ver- kaͤuffers/ habhafft werden koͤnnen. Solches aber so wohl gegen den eigentlichen Zweck der oͤffentlichen Maͤrckte/ als auch zu Hinder- und Schmaͤlerung freyen Handels und Wandels gereichet/ und Wir dem- nach deßhalber naͤheres Einsehen und schaͤrffere Verordnung ergehen zu lassen/ der Nothdurfft ermessen. Als setzen/ ordnen und wollen Wir/ daß innerhalb denen naͤchst vorhergehenden acht Tagen vor denen oͤffentlichen Maͤrckten niemand sich unterstehe/ weder Zug- noch Reit-Pferde/ so wenig Stuͤck- als Zug- und Koppel-weise an iemanden/ er sey/ wes Standes/ Wuͤrden oder Wesens er wolle/ Fremder oder Einheimischer/ Christe oder Ju- de/ feil zu bieten/ vielweniger aber zu verkauffen/ oder zu kauffen/ son- dern damit/ biß der Marckt wuͤrcklich angehet/ zu warten/ bey Vermei- dung der Pferde vor dem Jahrmarckt. dung der Confiscation der Pferde/ auch/ dem Befinden nach/ schaͤrffe- rer Bestraffung. Gestalt dann/ dafern wider dieses Unser Verbot/ dergleichen heimlicher und unzulaͤßiger Vor-Verkauff geschehen sol- te/ der Contract an sich ipso jure null, nichtig und von Unkraͤfften seyn/ und bey denen uͤber den Pferde-Handel und Verkauff/ vor Unseren Hohen und Niedrigen Gerichten etwa vorkommenden Jrrungen und Streitigkeiten hinfuͤro auff diesen Umstand/ ob der Kauff und Ver- kauff in Jahrmarckt-Zeiten auff oͤffentlichem Marckt und sonsten/ die- sem offenen Edict gemaͤß/ oder aber heimlich und in vorgesetzter verbo- tener Frist geschehen sey? absonderlich zu reflect iren/ und deshalber genaue Erkundigung einzuziehen/ und wider die Ubertretere mit vor- beruͤhrter Confiscation der heimlich und zur Unzeit verkaufften Pferde/ und nach Beschaffenheit der Umstaͤnde/ mit anderer willkuͤhrlicher Straffe zu verfahren. Es werden daneben alle Wirthe/ und insgemein alle diejenigen/ welche Stallung haben/ und Pferde/ oder Pferde-Kaͤuffer herbergen/ nicht allein allhie und zum Langenhagen/ sondern auch in denen andern umliegenden Dorffschafften/ absonderlich ermahnet und verwarnet/ daß sie zu dergleichen heimlichen und verbotenem Vor-Verkauff nicht allein keinen Vorschub thun/ sondern auch selbigen/ so viel an ihnen ist/ verhindern/ die Pferde vor der gewoͤhnlichen Marckt-Zeit zum Feil- bieten nicht aus den Staͤllen oder Haͤusern lassen/ sondern es vielmehr verhindern/ und da nichts destoweniger ein oder ander sich dessen unter- stehen solte/ denselben der Obrigkeit anmelden/ bey einer willkuͤhrlichen scharffen Geld- auch/ dem Befinden nach/ Gefaͤngniß-Straffe. Es soll auch nicht allein das Kauffen und Verkauffen/ sondern auch so gar das Vorreiten der Pferde an denen vor denen Maͤrckten hergehen- den Sonn-Buß- und Fest-Tagen/ so wol nach- als vor geendigtem Gottesdienste abgeschaffet seyn und bleiben. Wir befehlen darauff allen und ieden Hohen und Niederen Ge- richten/ Obrigkeiten und Befehlshaberen in Staͤdten und auff dem Lande/ daß Sie uͤber diese Unsere gnaͤdigste Verordnung/ mit allem erfordernden Nachdruck der Gebuͤhr halten/ auch zu maͤnniglichs bes- serer Wissenschafft dieses Unser offenes Edict gehoͤriger Orten affig i- ren und kund machen lassen. Das meynen Wir ernstlich. Gegeben in Unserer Residentz- Stadt Hannover den 13. Aprilis 1071. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. n 2 XLI. XLI. Landes- Constitution XLI. Constitutio von Untreue berechneter Diener/ den 5. Januar. 1685. V On GO ttes Gnaden Wir Ernst Augustus, Bischof zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen maͤnniglich/ wes Standes und Wuͤrden derselbe auch seyn moͤge/ hiemit in Gnaden zu wissen: Ob sich wol gebuͤhrt/ auch ei- nem ieden beeydigten Diener/ dem von uns Geld-Sachen/ oder andere dergleichen Einkuͤnffte unter Haͤnden gegeben/ und davon Rechnung thun muß/ oblieget/ Uns in allem getreu und hold zu seyn/ die ihme an- vertraueten Gelder/ oder dergleichen Einkuͤnffte/ Unserer Fuͤrstlichen Cammer/ Kriegs- Cassa, oder wohin Wir es sonsten verordnet/ zu ge- hoͤriger Zeit vollenkoͤmmlich einzuliefern/ und richtige Rechnung zu thun/ auch sonst in allem uͤbrigen sein habendes Amt dermassen mit al- ler Treu und Fleiß zu verwalten/ und demselben vorzustehen/ wie er es vor GOtt und vor Uns/ auch in seinem Gewissen/ vermoͤge seines dar- uͤber gethanen Coͤrperlichen Eydes/ verantworten kan/ Wir auch in der gaͤntzlichen Hoffnung gestanden/ daß ein solches von keinem Unsereꝛ in Rechnung stehenden Dienern wuͤrde aus der Acht gelassen seyn; So haben Wir doch vor weniger Zeit das Widerspiel an Unserm be- stallten Caͤmmerer und Einnehmer der Schatz-Gelder in Unserm Bi- schoffthum Oßnabruͤck/ Paul-Andreas Jacobi, befunden/ indem sich nach dessen Tode herfuͤr gethan/ daß derselbe mit denen ihme anvertrauten Geldern also/ wie es seine abgestattete Pflicht und Eyde erfordert/ nicht umgegangen/ sondern dieselbe anderwaͤrts/ als wozu sie von Uns destin iret, und wohin er sie einliefern sollen/ verwendet/ und dadurch nach seinem Tode viele Tausend Reichsthaler/ wovon keine Ersetzung zu hoffen/ in seinen Rechnungen schuldig geblieben. Demnach Wir aber solchem laͤnger also zuzusehen/ und dasselbe ungestraffet hin passi ren zu lassen nicht gewillet/ sondern in Zeiten zurei- chende Vorsehung zu thun/ noͤthig befinden/ damit nicht dergleichen von andern mehr geschehe: Als setzen Wir in Krafft hoher Landes- Fuͤrstl. Macht und Obrigkeit hiemit/ ordnen und wollen/ daß/ da hier- naͤchsten einer Unserer in Rechnung stehenden Diener/ welchem mit Geld-Sachen/ oder andern Einkuͤnfften umzugehen/ und solche einzu- nehmen anvertrauet/ seiner geleisteten Pflicht und Eyde zuwider/ die Gelder oder andere gehobene Intrad en/ Uns/ Unserer Fuͤrstl. Cammer/ Kriegs- von Untreue berechneter Diener. Kriegs- Cassa, oder wohin Wir es sonsten verordnet/ und sich gebuͤh- ret/ nicht liefern/ oder zu demjenigen Gebrauch/ wozu sie gewidmet und verordnet/ nicht anwenden/ sondern dieselbe anderweit/ entweder zu seinem Nutzen und Gebrauch/ oder sonsten anderer Gestalt/ wohin wir es nicht verordnet/ verwenden/ also das gehobene nicht lieffern koͤn- ne/ und damit Uns oder Unsern Unterthanen/ oder angehoͤrigen Nach- theil und Schaden verursachen wuͤrde/ daß alsdann derselbe deßwe- en/ und weiln er wider Eyd/ und ihme anvertrautes Amt gehandelt/ da er noch lebet/ vor infam und unehrlich/ wie er ohne dem von Rechts wegen ist/ gehalten/ und mit denen in den gemeinen Rechten verordne- ten Pœn en nicht alleine beleget/ sondern auch nach Befinden/ wann es klar befunden/ daß er mit Betrug das Geld oder Einkuͤnffte entwendet oder untergeschlagen/ und die Summa sich zu Einhundert Reichsthaler oder hoͤher belauffet/ am Leben/ wann die Summa aber geringer/ am Leibe/ auff vorgangene rechtliche und ordentliche Cognition und Ver- urtheilung/ gestraffet/ oder da es erst nach seinem Absterben also kund und offenbar werden solte/ daß man versichert/ daß/ da er schon noch im Leben/ solches mit keinem Rechtsgrunde ableinen/ sondern die Lebens- Straffe/ vorgemeldter massen/ verwircket haben wuͤrde/ ad Honestam Sepulturam nicht verstattet werden soll. Gestalt dann solches Unser ernstlicher Wille und Meynung; wornach sich maͤnniglich zu achten. Urkundlich Unsers Fuͤrstlichen Handzeichens und untergelegten Fuͤrstl. Secrets. Gegeben in Unserer Residenz- Stadt Hannover am 5. Januarii, Anno 1685. Ernst Augustus. (L. S.) XLII. Constitutio von der Juden Vergleitung/ den 7. Febr. 87. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Demnach Wir unterthaͤnigst berichtet worden/ was gestalt von einigen Unseren Beamten/ wie auch Gerichts-Herren und Obrigkeiten in kleinen Staͤdten/ ohne vorher von Uns ertheileten Schutz- und Geleit-Brief verschiedene Juden auffgenommen/ und zu Treibung Handels und Wandels verstattet worden/ das Juden-Geleit aber/ als ein der ho- n 3 hen XLII. Landes- Constitution hen Landes-Fuͤrstl. Obrigkeit anhangendes Regale, Uns als Landes- Herrn in Unsern Fuͤrstenthuͤmen und Landen allein zustehet/ und so wenig Unseren Beamten als denen Obrigkeiten in Unseren Groß- und kleinen Staͤdten/ noch auch denen Adelichen Gerichten und Ge- richts-Herren/ vor sich einige Juden an- und auffzunehmen/ gar nicht gebuͤhret noch gestattet werden kan. Als befehlen Wir hiemit allen und ieden Unseren Beamten/ wie auch denen Adelichen Gerichten und Obrigkeiten in denen Staͤdten/ in Gnaden zuverlaͤßig/ und wollen/ daß sie denen Juden/ so keinen Schutz- Brief oder sonsten von Uns und unserentwegen keinen gnugsamen Vergleitungs-Schein vorzuweisen haben/ anzeigen/ innerhalb eines Monats mit ihrer Familie aus Unseren Landen sich wegzubegeben/ oder aber innerhalb solcher Frist/ behufigen Schutz-Brief oder Ver- gleitungs-Schein von Uns einzuschaffen und zu produc iren; gestalt dann widrigenfalls/ und da solche unvergleitete Juden deren keines thun/ sondern nach Ablauff solcher monatlichen Frist in Unseren Lan- den sich betreten lassen wuͤrden/ dieselben in Hafft zu nehmen/ und zu weiterern Verhaltungs-Befehl davon ungesaͤumt an Uns oder unsere Geheimde Raͤthe unterthaͤnigst und gebuͤhrend zu berichten. Das wollen Wir ernstlich/ und seyn allenfalls den ein- oder andern Orts etwa daran verspuͤrenden Mangel scharff zu ahnden und zu bestraffen gemeynet. Gegeben in Unserer Residenz- Stadt Hannover den 7. Febr. 1687. Ernst Augustus. (L. S.) XLIII. Churfl. Edict von Zigeunern/ den 28. Jan. ‒ 97. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ Bi- schoff zu Oßnabruͤck/ ꝛc. Fuͤgen hiermit zu wissen/ demnach Wir zu Unserm sonderbaren Mißfallen berichtet worden/ daß eine Zeithero vielfaͤltige raͤuberische Partheyen und Zigeuner/ denen deßfalls vorhin ergangenen und publi- c irten verschiedenen Edictis zuwider/ in Unserm Churfuͤrstenthum und Landen herum vag iren/ und Unsern Unterthanen mit ihrem Rauben und wegen der Zigeuner. und Stelen grossen Schaden zufuͤgen; So haben Wir/ aus Landesvaͤ- terl. Sorgfalt/ der Nothdurfft ermessen/ die ausgegangenen Edicta da- hin zu renov iren daß die also genañte Zigeuner/ deren Weiber/ Kinder und gantzer Anhang/ hinfuͤro und zu allen Zeiten in Unsern Landen nicht geduldet/ ihnen auch kein Durchzug oder Nachtlager verstattet wer- den soll; gestalt Wir dann ferner setzen und ordnen/ daß/ wenn hinfuͤ- ro iemand von Unsern Unterthanen/ absonderlich der gemeine Mann in den Staͤdten und auff dem Lande betroffen werden wird/ der einen Zigeuner oder Zigeunerin beherberget/ hauset oder heget/ derselbe iedes- mahl mit zehen Thaler/ oder/ da zu Erlegung sothaner Gelder keine Mittel bey ihm verhanden/ mit Gefaͤngniß unausbleiblich bestraffet werden soll. Befehlen demnach allen und ieden Obrigkeiten in den Staͤdten und auff dem Lande/ auch allen und ieden Gerichts-Einha- bern/ uͤber den Jnhalt dieses Unsern Edict s mit allem Ernst zu halten/ widrigenfalls aber scharffen Einsehens gewaͤrtig zu seyn; damit auch niemand mit der Unwissenheit sich entschuldigen koͤnne/ soll dieser Unser ernster Befehl und Verordnung von den Cantzeln allenthalben oͤffent- lich verlesen/ und gewoͤhnlicher Orten affigi ret werden. Gegeben in Unser Residence Hannover/ am 28. Januarii 1697. Ernst Augustus/ Churfuͤrst. XLIV. Churfuͤrstl. Edict von Zuschlag der Felder und Wiesen/ 21. Febr. 1701. V On GOttes Gnaden/ Wir Georg Ludwig/ Hertzog zu Braun- schweig und Luͤneburg/ des heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Fuͤgen hiermit maͤnniglichen zu wissen: Demnach Wir mit- telst Unsers/ unterm 30. Aprilis vorigen Jahres/ public irten Edict s gnaͤ- digst verordnet/ wie es nach der/ in Unsern Landen eingefuͤhrten/ Ca- lender-Besserung mit denen Feldern und Wiesen zu halten/ welche zu gewisser Jahrs-Zeit mit Schaaf- und andern Vieh betrieben und ge- huͤtet/ zu gewisser Zeit aber in Zuschlag geleget werden; nach der Hand aber sich hervor gethan/ daß solches Zuschlags halber gleichwol ein und andern Orts annoch Zweifel uͤbrig sey/ und Wir dannenhero obange- zogenes Unser Edict zu declar iren/ und zu erlaͤutern/ gnaͤdigst gut gefun- den; So thun Wir solches hiermit und krafft dieses dahin/ verordnen annebst und wollen/ daß alle und iede in Unsern Landen belegene Felder und XLV. Landes- Constitution und Wiesen/ welche zu gewisser Jahrs-Zeit mit Schafen und andern Vieh betrieben und gehuͤtet/ zu gewisser Zeit aber zugeschlagen wer- den/ auff eben denselben Tag/ an welchem vorhin nach dem so genann- ten alten Calender iedes Orts der Zuschlag geschehen/ es sey der erste Tag des Monats Maji/ der Pfingst-Tag/ oder aber ein anderer Tag/ hinkuͤnfftig nach dem so genannten verbesserten Calender zuzuschlagen/ dergestalt und also/ daß wenn der Tag/ an welchem vor dem nach dem so genannten alten Calender iedes Orts der Zuschlag geschehen/ zum Exempel/ der erste Tag des Monats Maji/ hinkuͤnfftig nach dem so ge- nannten verbesserten Calender einfallen wird/ so dann an solchem nach dem verbesserten Calender einfallenden ersten Tage des Monats Ma- ji der Zuschlag so wohl in diesem als folgenden Jahren bestaͤndig ange- leget/ und darunter auff den so genannten alten Calender keines weges weiter gesehen werden solle. Wornach sich ein ieder zu achten. Zu desto besserer Kundmachung soll dieses gewoͤhnlicher Orten allenthal- ben affig irt/ auch von den Cantzeln verlesen werden. Signatum in Un- ser Churfl. Residenz- Stadt Hannover/ den 21. Februarii 1701. Georg Ludwig/ Churfuͤrst. XLV. Privilegium der Linnen-Legge der Stadt Hameln/ den 23. Junii und 28. Sept. 1689. V On GOttes Gnaden Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßna- bruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen zu wis- sen: Demnach Wir den 28. Sept. 1688. unsere Stadt Hameln mit dem Privilegio einer Linnen-Legge begnadigt/ dieses folgenden Jnhalts: Von GOttes Guaden/ Wir Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ vor Uns/ Unsere Erben und Nachkommen an der Re- gierung/ uhrkunden hiemit und bekeunen/ daß Wir unsere Stadt Hameln/ zu deren Auffnahm/ und insonderheit zu Befoͤrderung des Linnen-Handels mit einer Legge privi- leg iret und begnadet haben. Thun dasselbe auch hiermit und krafft dieses dergestalt und also/ daß Schultheisse/ Buͤrgermeister und Rath/ eine Legebanck auff dem Rathhause oder an einen andern be- quemen Ort in der Stadt auordnen/ einen Lege-Meister und andere zum Linnen-messen/ zeichnen und packen benoͤthigte Leute bestellen und vereyden/ und alle dasjenige sonsten thun/ anordnen und zu Wercke richten moͤgen/ was Unsere hierbey ihnen zugestellete Leg- ge-Ordnung mit sich bringet/ und sonsten zu Befoͤrderung des Linnen-Handels gereichet/ und ietztbesagter Ordnung und Legge-Gerechtigkeit gemaͤß ist. Uhrkundlich unserer ei- genhaͤndigen Unterschrifft und angehaͤngten grossen Jnsiegels. So geschehen und ge- geben in Unser Residenz Stadt Hannover/ den 28. Sept. 1688. Ernst Augustus. (L. S.) Unsers wegen der Linnen-Legge der Stadt Hameln. V Nsers von GOttes Gnaden Ernest Augustt/ Bischoffen zu Oß- nabruͤck/ Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg/ Legge-Ord- nung vor Unsere Stadt Hameln. 1. Erstlich soll von Schultheissen/ Buͤrgermeister und Rath Un- ser Stadt Hameln/ eine Legge-Banck oder Legge-Tisch/ auff Masse und Weise/ wie an andern Orten/ wo dergleichen Linnen-Leggen seyn/ gebraͤuchlich ist/ verfertigen lassen/ woruͤber das Linnen zu ziehen/ und so wohl der Laͤnge als Breite/ nachzumessen. 2. Zu Messung des Linnen/ wie auch zur Erkennung/ was es vor Art Linnen sey/ und dessen Zeichnung/ sollen von Schultheissen/ Buͤr- germeister und Rath/ und deren Amts-Nachfolgern/ ein Leggemeister und Zwo andere darzu tuͤchtige und des Wercks verstaͤndige Leute be- stellet/ und in eydliche Pflichte genommen- auch nebst dem und 3. aus Mittel des Raths zwo Personen/ so sich auff das Linnen und den Linnen-Handel verstehen/ verordnet werden/ welche die Auffsicht zu haben/ auch wenn beym Messen/ oder vor was Art Linnen dieses oder jenes Stuͤck zu halten und zu passi ren/ und dergleichen Streit oder Zweifel vorfaͤllet/ solches zu ermeßigen und zu entscheiden/ es waͤre dañ/ 4. Daß die Sache so beschaffen/ daß dabey mehrere Untersuchung noͤthig/ welchen falls zwar dieselbe an die Justitz zu verweisen/ gleich- wol aber soll darinn ohne einige Weitlaͤufftigkeit und ordentlichen Proceß schleunigst verfahren werden. 5. Des Leggemeisters und der beyden uͤbrigen zu Meß- und Zeich- nung des Linnen bestellenden Leute Eyd soll darauff vornemlich gerich- tet seyn/ daß sie das Linnen recht messen/ wovor dasselbe zu halten und zu passi ren/ nach ihrem besten Wissen und Gewissen erkennen/ und die Zeichnung darnach unpartheyisch thun/ untaugliches Linnen aber/ oder das seine gehoͤrige Breite nicht hat/ gar nicht zeichnen/ im uͤbrigen die Leute zur Ungebuͤhr nicht aufhalten/ von niemandẽ ein mehrers als ver- ordnet ist/ weder fodern/ noch auch/ da es ihnen gleich gutwillig angebo- ten weꝛden solte/ nicht nehmen/ einen ieden nach deꝛ Ordnung/ wie er sich angiebet/ ohne Unterscheid/ er sey Buͤrger oder Bauer/ er bringe viel oder wenig zur Legge/ abfertigen/ und maͤnniglichen glimpfflich und wohl begegnen/ damit also die Leute so viel mehr bewogen werden/ ihr Linnen nach der Legge zu bringen. 6. Das Linnen und Drell/ so ausser Landes verfahren werden soll/ ist durch beeydigte Packer/ zu Verhuͤtung alles Unterschleiffs/ und o damit XLV. Landes- Constitution damit die Hamelsche Legge und von da kommendes Linnen in desto bes- seren Credit kommen moͤge/ einzuballen und zu packen. 7. Wegen des Sortiment s oder Art Linnen bleibet es zwar bey dem insgemein so genanntem Ober- und Unterbande. Wenn aber noch besser Linnen oder Drell als Oberband/ oder auch geringer als Un- terband zur Legge gebracht wird/ und nicht zu einem von beyden itztge- dachten Sort en gehoͤret/ so soll dasselbe gleichfalls angenommen/ gemes- sen und gezeichnet werden. 8. Es soll aber die Zeichnung folgender Gestalt geschehen: Wenn nemlich das Linnen oberbaͤndig ist/ soll dasselbe auff beyden Sei- ten mit einer Corde feste gebunden/ und die Zahl der Ellen nebst dem Stadt-Wapen vor der Corde oder Binde/ gesetzet werden; wenn es aber vor Unterband æstim iret wird/ ist die Zahl der Ellen und das Stadt-Wapen hinter der Corde zu setzen. Jst das Linnen aber besser als oberbaͤndig/ soll dasselbe an statt des Stadt-Wapens mit einem Pferde gezeichnet/ das gantz schlechte Linnen aber/ so nicht vor unter- baͤndisch/ im uͤbrigen aber der Breite halber und sonsten nicht gar un- tauglich zu halten/ nur in der Mitte gebunden/ und dabey die Ellen- Zahl/ nebst dem Stadt-Wapen gesetzet werden. 9. Wenn eine Partey Linnen oder Drell zur Legge gebracht wird/ soll von hundert Ellen Linnen mehr nicht als drey/ und vor hundert El- len Drell vier mgr. gegeben werden. Da aber nur ein oder zwey Stuͤ- cke gebracht werden/ ist von zwantzig Ellen Linnen sechs Pfennige und vom Drell sieben Pf. zu geben. 10. Von diesem Gelde sollen die Leggemeister und uͤbrige Bediente besoldet/ auch uͤbrige Leggekosten gestanden werden/ uñ fuͤhret davon deꝛ Leggemeister die Rechnung/ worauf dessen Eyd in specie mit zu richten. 11. Solte ein Uberschuß mit der Zeit davon zu erheben seyn/ soll selbiger denen Stadt-Caͤmmerey- Intrad en und dem Stadt- Credit- Wesen zum besten angewendet werden. 12. Damit auch dieser Linnen-Handel so viel besser von statten gehe/ so verordnen/ setzen und wollen Wir/ daß/ wenn ein Buͤrger Unser Stadt Hameln einem Leinweber in- oder ausserhalb der Stadt/ Geld auff Linnen oder Drell vorgeschossen/ oder Leinsamen auff Credit ge- geben/ der Creditor nicht allein respectivè den naͤher Kauff des Linnen oder Drells nach seinem rechten und billigen Werth/ so lange nemlich dasselbe einem andern Kaͤuffer nicht allbereit wircklich abgefolget und trad iret ist/ haben/ sondern ihm auch sonsten durch schleunige rechtliche Huͤlffe zu seinem Vorschuß wieder verholffen werden soll. 13. von dem Hamelischen Wochen-Marckte. 13. Wir behalten Uns daneben bevor/ diese Ordnung zu aͤndern/ zu vermehren und zu erlaͤutern. Signatum in Unser Residen tz-Stadt Hannover/ den 28. Septemb. 1688. Ernst Augustus. (L. S.) Daß Wir auff des Stadt-Raths daselbst unterthaͤnigstes Ansuchen gnaͤdigst resolv iret/ selbige durch oͤffentlichen Druck/ Verlesung von den Cantzeln und Affig irung dieses Patents an publiqu en Orten ieder- maͤnniglich kund machen zu lassen/ annebenst auch den 6. Artic. beruͤhr- ten Privilegii, zu Verhuͤtung alles gewaͤrtigen Unterschleiffs/ zu erlaͤu- tern und zu vermehren/ und zwar/ daß bey Straffe der Confiscation und andern willkuͤhrlichen Einsehens forthin in dem Hamelischen Quartier niemanden/ wer der auch sey/ Linnen/ in grosser oder kleiner Quantit aͤt/ ehe und bevor solches auff der Legge zu Hameln gezeichnet/ und von dem beeydigten Packer daselbst eingeballet worden/ ausser Landes zu senden/ und zu verhandeln verstattet seyn solle. Wir befehlen hierauff allen und ieden Unsern Bedienten/ Beam- ten/ Obrigkeiten in den Staͤdten/ Unterthanen und Eingesessenen im Hamelschen Quartier/ gnaͤdigst und ernstlich/ daß selbige ob diesem al- len festiglich halten und halten lassen/ so lieb denenselben ist obgedachte und andere noch vorbehaltene Straffe zu vermeiden. Gegeben in Unser Residenz Stadt Hannover/ den 23. Junii, 1689. XLVI. Constitutio von dem Hamelischen Wochen- Marckte/ im Apr. 1690. V On GOttes Gnaden Ernst Augustus/ Bischoff zu Oßnabruͤck/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ ꝛc. Fuͤgen zu wissen: Nachdemahln Wir nach angetretener Fuͤrstl. Regierunge Unsere fuͤr deren Uns von GOtt anvertraueten Landen und gesamter Untertha- nen Auffnahme und Wohlfahrt unablaͤßig tragende Landes-vaͤter- liche Sorgfalt unter andern mit dahin gerichtet/ wie Unsere/ durch wi- drige Zeiten bißhero in Abnahm gerathene Stadt Hameln wieder in guten Flor und Auffnahm zu bringen/ und dann deroselben mithin durch Stabil ir- und Auffrichtung einiger Manufactur en daselbst in et- was wieder auffzuhelffen/ das gerathenste und beste zu seyn erachtet. So haben Wir nicht allein denenjenigen/ welche sich alldort niederlas- sen/ und ihr Gewerbe treiben wollen/ gewisse Freyheiten zugesaget/ o 2 sondern XLVI. Landes- Constitution sondern auch zu deren besserer Subsisten tz/ zur Einfuͤhrung einer Wohl- feiligkeit an denen Consumtibili en und zu Vermehrung Handels und Wandels zum besten Unserer in- und um Unserer Stadt Hameln wohnenden Buͤrger/ Unterthanen und Angehoͤrigen einen freyen Wo- chen-Marckt daselbst zu stifften fuͤr gut befunden; Thun das auch in Krafft dieses Unsers offenen Patent s und Intimation dergestalt und al- so: Nemlich/ es soll nach Public ir- und Verkuͤndigung dieses Unsern Edict s alle Mittwochen und Soñabend in jeglicher Wochen/ zu Win- ters-Zeit um 8. zu Sommers-Zeit um 7. Uhr mit Aussteckung eines Marckt-Zeichens von dasigem Stadt-Rath/ ein offener freyer Wo- chen-Marckt auff dem Marckt-Platz alldort an allerhand Victuali en/ Commerci en und Waaren/ wie dieselbe hernach specific iret/ biß 11. Uhr zu Mittags also gehalten werden/ daß daselbst maͤnniglich/ zuforderst Unsere getreue Unterthanen/ so etwas um Geld zu verlassen/ und aus ihrer Haußhaltung entrathen koͤnnen/ an Getreydig/ es sey Weitzen/ Roggen/ Gersten/ Habern/ Mehl/ Saltz/ Erbsen/ Bohnen/ Hierse/ Buchweitzen/ Lein- und Hanff-Samen/ Hopffen/ Flachs/ Hanff/ Heu/ Stroh/ Holtz/ Torff/ item Butter/ Kaͤse/ Milch/ Schmaltz/ Oel/ Wachs/ Honig/ Eyer/ Huͤner/ Gaͤnse/ Enten/ Tauben/ Laͤmmer/ Ver- cken/ Haͤmel/ Schweine/ Kaͤlber/ Rinder/ Ochsen/ Kuͤhe und Pferde/ deßgleichen geraͤuchert und Peckelfleisch/ Speck/ Wuͤrste/ allerhand Garten-Gewaͤchse/ Sallat und Kohl-Kraͤuter/ Wurtzeln als Moͤh- ren/ Pastinacken/ Petersilien/ Ruͤben/ Rettich/ Zwiebeln/ Knoblauch/ Augurcken/ dann auch allerhand Baum-Fruͤchte an Kern- und Stein- Obste/ und dergleichen taͤgliche Speise/ an lebendigen gesaltzenen Fi- schen/ Hechten/ Karpffen/ Brassen/ Barben/ Aehlen/ Krebs/ und aller- ley Speise-Fischen/ Haͤring/ Lachs/ Schollen/ Stockfisch/ nichts ausge- nommen/ fuͤr ein billig leidliches Geld feil haben und verkauffen moͤgen/ und soll innerhalb gesetzter Zeit/ nemlich des Winters von 8. des Som- mers aber von 7. biß 11. Uhr einschließlich/ niemanden einiger Vorkauff/ noch auff die Doͤrffer zu lauffen/ und daselbst vorzukauffen/ oder auff die Waaren unter- und vor den Thoren/ ehe sie zu Marckte gebracht werden/ auffzufangen/ bey Straffe der Confiscation, auch wol nach Befindung schaͤrfferer Verordnung/ die Wir auch dem Stadt-Rath zu Hameln zur Execution, ohne einiges Ruͤcksehen/ hiemit verhaͤngen/ gestattet werden. So bald es aber 11. geschlagen/ alsdann soll Unsern Buͤrgern und Einwohnern Unserer Stadt Hameln ohne Unterscheid angeregter Vor- von dem Hamelischen Wochen-Marckte. Vorkauff eroͤffnet/ das vorbedeutete Hinauslauffen und Aufffangen der Marckt-Waaren vor den Thoren aber einen Weg wie den an- dern gaͤntzlich verboten/ und bey Vermeidung obbemeldter Confisca- tion und Abnahme derer also auff den Doͤrffern auff den Landstrassen auffgefangener Waaren/ hiermit gaͤntzlich verboten seyn und bleiben; inmassen dann insonderheit mehrgedachter Stadt-Rath durch die Un- tervoͤgte in den Thoren auff solche eigennuͤtzige Auslaͤuffer und Auff- fanger genau acht haben zu lassen. Auch soll denen Metzgern oder Schlaͤchtern alldort/ an Ochsen/ Rindern/ Kuͤhen/ Schweinen/ Kaͤlbern/ Haͤmeln/ Laͤmmern/ und der- gleichen geschlachteten Viehes/ wie auch denen Beckern/ Weitzen- und Roggen-Brodt/ auch Honigkuchen auff dem Marcktplatze auszustehen und zu verkauffen/ frey stehen; iedoch mit dieser ausdruͤcklichen Be- dingung/ daß die Schlaͤchter tuͤchtig und gesund Vieh abschlachten/ die Becker aber gut gar gebacken und vollwichtig Brodt feil haben sollen; Gestalt dann/ da hierunter einiger Mangel oder Betrug vorgehen sol- te/ der Verbrecher nach Befinden ernstlich zu bestraffen/ zu dem Ende auch iederzeit die Besichtigung durch gewisse darzu verordnete Perso- nen zu verrichten; vor allen aber hat gemeldter Stadt-Rath Unserer Stadt Hameln mit dahin zu sehen/ daß niemand/ sonderlich die Vor- kaͤuffer/ gar zu unbillig lucr iren/ der Kaͤuffer aber allzutheuer einkauffe/ sondern ein ieder bey seinem Handel bey gutem Gewissen bleiben/ und demnach einen zulaͤßigen Gewinn haben/ und behalten moͤge. So mag auch zu iederzeit und alle Tage/ auch ausser denen Wochen-Marckten/ Korn- und dergleichen Holtz/ wie auch Torff- und Stein-Kolen nacher Hameln gebracht/ und um ein leidentliches Geld verkauffet werden. Hingegen sollen alle diejenige/ so aus Unsern Aemtern/ Staͤdten/ Doͤrffern/ auch andern und fremden Orten diese wochentliche Marckt- taͤge mit ihren Waaren besuchen/ und damit ihre Nahrung treiben/ die Zeit uͤber/ so sie auff dem Marckt verharren/ und ihre Waaren feil ha- ben/ iedesmahl vor Uns/ oder durch die Unserige fuͤr Gewalt zu rechte verthaͤdigt/ und in Unsern Schutz und Schirm genommen werden. Uhrkundlich haben wir dieses Unser Edict und Intimation mit eigenen Haͤnden unterschrieben/ und Unser Geheimde Cantzeley-Siegel dar- unter zu drucken befohlen. So geschehen in Unserer Residentz-Stadt Hannover den April/ Anno 1690. (L. S.) Ernst Augustus. o 3 XLVII. XLVII. Landes- Constitution XLVII. Churfuͤrstliche Constitutio von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ Goͤttingen und Northeim/ den 15. Februar. 1702. V On Gottes Gnaden/ Georg Ludwig/ Hertzog zu Braunschweig und Luͤneburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrst/ ꝛc. Dem- nach wegen Bebauung der wuͤsten Stellen/ und Reparirung der bau- faͤlligen Haͤuser/ in Unserer Stadt Hameln/ von Unserm Hochseligst. Herrn Vater in Anno 1691. und in Anno 1696. gewisse Verordnun- gen gemachet/ und publici ret worden; der Verfolg aber gegeben/ daß insonderheit daruͤber Streit entstanden/ ob auch dieses oder jenes Hauß unter die Verfallene/ und nach Ablauff des in der Verordnung de Anno 1691. denen Eigenthuͤmern und Creditoren zu Bebauung der wuͤsten Stelle/ oder Reparirung des Hauses anberahmten Termini, dem Publico zustehende Haͤuser zu rechnen; Auch die Freyheit und Begnadigungen gar sehr mißbrauchet worden. So haben Wir nicht allein zur Erlaͤuterung solcher Verordnungen nachfolgende gnaͤ- digste Declaration zu publici ren gnaͤdigst gut gefunden/ sondern Wir haben auch den schlechten Zustand Unserer guten Staͤdte Goͤttingen und Northeim mitleidentl. zu Gemuͤth genom̃en/ und sind daher gnaͤ- digst bewogen worden/ solche Verordnungen/ nachdem einige Puncte entweder erlaͤutert und limiti ret seyn/ auff diese Unsere beyde Staͤdte Goͤttingen und Northeim Unsers Fuͤrstenthums Calenberg gleich- falls zu extendi ren. Setzen/ ordnen und wollen also: I. Daß Buͤrgermeister und Rath in denen vorbemeldeten dreyen Staͤdten vorerst eine richtige Specification derer verhandenen wuͤsten Stellen verfertigen; dann mit Sorgfalt durch zwey Deputirte aus ihrem Mittel Pflicht-maͤßig examini ren und untersuchen sollen/ wel- che Haͤuser zu denen gantz baufaͤlligen und dergestalt verfallenen Haͤu- sern/ daß sie nothwendig zu repari ren/ und andernfalls nicht bewoh- net werden koͤñen/ zu rechnen seyn/ davon sodañ auch eine richtige Spe- cification machen/ solche beyde Specificationes wenigstens vor Aus- gang des nechst-kuͤnfftigen Monats Aprilis an des Orts Rath-Hause/ und von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ ꝛc. und zweyen andern benachbarten Staͤdten oͤffentlich anschlagen/ und darbey einem jeden kund machen sollen/ daß vor allen die Eigenthuͤmer einer sollen Stelle oder Hauses/ und da deren keine vorhanden/ noch in dem anberahmten Termino sich meldeten/ die Creditores, welche Hy- pothek en oder sonst begruͤndetes Interesse an solchen Stellen und Haͤu- sern haben/ von dem dato des Anschlages/ und nechst darauff folgen- den Michaelis bey Buͤrgermeister und Rath sich melden/ und erklaͤ- ren sollen: ob jemand von ihnen solche Stelle wieder auffbauen/ und das Hauß in baulichen guten und wohnbaren Stand setzen wolle; widrigen falls er all seines Rechtens an solcher Stelle oder Hause ipso facto verlustig seyn/ und damit nicht weiter gehoͤret werden solle/ und soll hinwieder kein Einwenden/ es sey ex capite absentiæ, mino- rennitatis, oder wie die Nahmen haben moͤchten/ attendi ret werden; wann sich denn in solcher Zeit jemand meldet/ und zu dem Bau sich erklaͤhret/ soll derselbe den nechst darauff folgenden Winter zu solchem Bau oder Reparation sich wuͤrcklich anschicken/ und das Hauß gegen Michael 1703. in voͤlligen guten Stand setzen/ zu dem Ende ein sol- cher/ wann er sich bey Rath-Hause anmeldet/ und man begruͤndete Ursachen hat/ zu glauben/ daß er den versprochenen Bau nicht werde vollfuͤhren koͤnnen/ zulaͤngliche Caution stellen solle/ daß er seinem Ver- sprechen nachkommen/ und den Bau gegen die anberahmte Zeit zum Stande bringen wolle. II. Wuͤrde nun der Eigenthuͤmer solchen Bau oder Reparation selbst angreiffen/ kan man denselben von denen auff der Stelle oder Hause stehenden Capitali en und Zinsen ratione futuri zwar nicht libe- ri ren/ falls derselbe aber mit denen Credito ren in der Guͤte sich verglei- chen/ und die Capitalia auff ein gewisses behandeln kan/ stehet ihm sol- ches frey/ und wird Buͤrgermeister und Rath hierunter demselben beytreten/ denen Credito ren deßwegen diensame Remonstration thun/ und ihnen zureden/ daß sie mit dem verarmeten Proprietario auff bil- ligmaͤßige Weise sich vergleichen moͤgen. III. Wann aber ein Creditor oder ander Jnteressente zu dem Bau sich erklaͤhret/ soll demselben ein solch bauendes oder reparirendes Hauß und Stelle erb- und eigenthuͤmlich adjudici ret werden/ er auch zu XLVII. Landes- Constitution zu keinen privat- Schulden und Hypothecken zu antworten/ oder die- selbe zu bezahlen schuldig seyn/ sondern die Stelle und das Hauß da- von gantz befreyet bleiben/ jedoch denen uͤbrigen Privat-Creditor en ih- ren Regress und Anspruch gegen die Eigenthuͤmer/ und dessen andere Haab und Guͤter/ wo auch dieselbe anzutreffen/ vorbehaltlich; falls aber zwey Creditores sich melden/ und zu dem Bau in solcher Zeit sich erklaͤren solten/ ist demjenigen der Vorzug zu goͤnnen/ welcher vor die annoch verhandene Bau-Materialien etwas/ oder das meiste zu be- zahlen offeri ret; da sie aber beyde davor nichts geben wolten/ oder auff der Stelle keine Bau-Materialien vorhanden waͤren/ demjeni- gen/ welcher die aͤlteste Hypotheck hat/ das Hauß oder die Stelle zu uͤ- berlassen. IV. Jm Fall sich uͤbrigens weder Eigenthuͤmer/ Creditor noch an- derer Jnteressente in dem anberahmten Termino zum Bau angeben wuͤrde/ oder daß er den versprochenen Bau gegen Michaelis 1703. zum Stande bringen wolle/ zulaͤngliche Caution stellen koͤnte; sollen dieselbe alles ihres an der wuͤsten Stelle oder dem in obbemeldeter Spe- cification gantz baufaͤllig erklaͤretem Hause habenden Rechtens/ For- derung oder Anspruchs gaͤntzlich verlustig/ und diese Haͤuser dem Publi- co zu dessen Disposition heimgefallen seyn. Und so dann V. Einem jeden/ er sey einheimisch oder fremd/ frey stehen/ in deren Stelle zu treten/ und zum Anbau oder Reparation eines solchen Hau- ses sich zu erklaͤren/ da denn demjenigen/ der sich darzu verbindlich ma- chet/ eine solche wuͤste Stelle und baufaͤlliges Hauß gleichfalls erb- und eigenthuͤmlich zugeschlagen werden/ er auch zu keinen privat- Schulden und Hypothecken/ welche auff dem Hause oder der Stelle hafften/ zu antworten/ oder dieselbe zu bezahlen schuldig seyn soll/ sondern es bleibet eine solche Stelle und Hauß darvon gantz be- freyet. VI. Dann sollen nicht allein die auff denen in obenbemeldeten Spe- cification en enthaltenen wuͤsten Stellen und Haͤusern/ wann sie be- bauet und repari ret werden/ hafftende Restanten/ von Land- und Stadt-Schulden/ auch ruͤckstaͤndigen Zinsen gaͤntzlich erloschen seyn/ und von dem Hause abgeschrieben werden/ es mag der Neuanbau- ender von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ ꝛc. ender und Repari render ein Eigenthuͤmer/ Creditor oder ein Tertius seyn/ sondern es soll ein solcher auch der in folgenden Articul en enthal- tenen Freyheiten und Begnadigungen zu geniessen haben. VII. Wann aber Kirchen/ Hospitalia oder andere pia Corpora an einer solchen wuͤsten Stelle/ oder baufaͤlligem Hause Capitalia zu for- dern haben/ sollen dieselbe zwar gleichfalls schuldig seyn/ die ruͤckstaͤn- dige Zinsen biß zu dem wuͤrcklichen Anbau des Hauses/ und biß zu Ablauff derer deßwegen verordneten Frey-Jahre/ fallen zu lassen. Weil aber die Neuanbauende vermoͤge dieser Unserer gnaͤdigsten Verordnunge gar viel Freyheiten und Begnadigungen zu geniessen haben werden/ die pia Corpora auch gemeiniglich mit so geringer Einnahme versehen seyn/ daß sie kaum erhalten werden koͤnnen/ so zweiffeln Wir nicht/ es werde ein ieder selbst der Christlich-gesinne- ten und billigen Meynung seyn/ solche Capitalia auff dem Hause zu be- halten/ und nach Ablauff der Frey-Jahr die gewoͤhnliche Zinsen da- von richtig zu bezahlen: Wie Wir denn allenfalls hiermit in Gnaden verordnen/ daß dergleichen Capitalia in denen beyden Staͤdten Ha- meln und Northeim denen piis corporibus vorbehalten bleiben sol- len. Jn Unserer Stadt Goͤttingen aber haben Wir/ unterschiedener gantz extraordinair er Umstaͤnde halber/ dieserhalb besondere gnaͤdigste Verfuͤgunge gethan; Solten aber auch in denen uͤbrigen beyden Staͤdten Hameln und Northeim wuͤste Stellen und gantz baufaͤl- lige Haͤuser sich finden/ an welchen die pia corpora dermassen grosse Ca- pitalia zu fodern haͤtten/ daß die Neuanbauende dadurch abgeschrecket wuͤrdẽ/ den Anbau u. die Reparation derselben anzutretẽ/ hat Buͤrger- meister und Rath denen Vorstehern und Administrator en solcher pio- rum corporum vorzustellen/ daß ihnen selber zum hoͤchsten daran ge- legen sey/ daß solche Stellen und Haͤuser wiederum angebauet und repariret wuͤrden/ und ihnen zuzureden/ daß sie von denen auff solchen Stellen und Haͤusern hafftenden Capitali en ein erkleckliches fallen lassen/ und mit denen Neuanbauenden und Repari renden auff billich- maͤßige Weise daruͤber sich vergleichen sollen/ haben auch allenfalls/ wenn ein solcher Casus sich begiebet/ und da die Administratores sich nicht finden lassen wollen/ davon an Unsere Geheimde Raths Stube zu fernerer Verordnung zu berichten. Als auch p VIII. Sich XLVII. Landes- Constitution VIII. Sich oͤffters zutraͤgt/ daß jemand das Eigenthum an zweyen aneinander stossenden Haͤusern gehabt und den Garten/ Hoff-Platz/ oder sonst ein und andern Raum von dem einem Hause abgenom- men/ und dem andern zugeleget/ und nachher das eine oder das ande- re Hauß mit diesen Condition en an einen Tertium veraͤusert und ver- kauffet/ die Erben durch Erb- Recesse dergleichen Theilunge gema- chet haben/ oder auch/ daß iemand an seinen Nachbaren dergleichen Stuͤcke abgetreten/ und veralieniret hat/ nachher aber das also de- teriori rte Hauß zur wuͤsten Stelle geworden/ und solcherwegen der- gleichen wuͤste Stellen von niemanden verlanget/ noch bebauet werden wollen/ ein solches aber dem Publico gar præjudici rlich ist/ so soll hinkuͤnfftig nicht verstattet werden/ daß die Haͤuser per contra- ctus inter extraneos erblich zertrennet werden; Wann aber Erben dergleichen vornehmen wolten/ soll Buͤrgermeister und Rath ihm angelegen seyn lassen/ dergleichen erbliche Trennungen der Haͤuser durch bequeme Vergleichung/ so viel muͤglich/ zu verhuͤten; Viel we- niger soll hinfuͤro verstattet werden/ daß jemand einen Garten/ Hoff- Raum/ oder anderes Stuͤck von einem Hause ohne gegruͤndete Ur- sache und Consens der Obrigkeit verkauffe; Und sollen die jenige/ wel- che vor Publication dieser Ordnunge dergleichen ohne Consens der Obrigkeit an sich gebracht/ angemeldet/ davon gruͤndlicher Bericht er- stattet/ und Unsere Verordnung erwartet werden. Zum IX. Finden sich hin und wieder wuͤste Stellen/ auff welche die Be- nachbarte aus dieser oder jener Ursache servitutes reales prætendi ren/ als eine gemeinschafftliche Einfahrt zu ihrem Hause/ einen Wasser- gang/ servitutem, ne luminibus officiatur, und dergleichen/ und blei- ben deßwegen solche Stellen gleichfalls dem Publico zum Schaden unbebauet liegen; Damit nun auch solches Impedimentum wegge- nommen werde/ soll Buͤrgermeister und Rath/ als welchen ohndem oblieget/ mit allem Fleiß dahin zu sehen/ daß die wuͤsten Stellen und baufaͤllige Haͤuser hinwieder bebauet und repari ret werden/ diejenigen Leute/ welche dergleichen Servitutes prætendi ren/ daruͤber vernehmen/ und untersuchen/ ob sie deßwegen titulum oder einiges Recht erweisen koͤnnen/ welchenfalls Buͤrgermeister und Rath Fleiß anzuwenden/ daß sie den Eigenthuͤmer des Hauses und den Neuanbauenden auff ein von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ ꝛc. ein oder andere Weise vergleichen; dafern aber jemand dergleichen Servitutem waͤhrender Zeit/ daß die Stelle wuͤste gelegen/ clam und de facto an sich gebracht/ und usurpi ret haben solte/ hat Buͤrgermeister und Rath denselben nachdruͤcklich dazu anzuhalten/ daß er davon ab- stehe/ und den Neuanbauenden bey der libertate naturali seines Prædii zu schuͤtzen; Solte aber in beyden vorerzehlten Casibus Zweiffel uͤbrig seyn/ hat Buͤrgermeister und Rath davon an Unsere Justitz-Can- tzeley zu fernerer Verordnung zu berichten. X. Damit auch ein jeder desto mehr angefrischet werde/ sothane in denen offt bemeldeten Specification en benennete Stellen und Haͤuser zu bebauen und zu repari ren/ soll derselbe von Unsern Buͤrgern/ Un- terthanen/ und jedweden Fremden/ welcher eine wuͤste Stelle mit ei- nem tuͤchtigen Hause/ und wenigstens von zwey Stockwercken/ der- gestalt bebauet/ daß von der Baustaͤtte/ so weit dieselbe an der Gassen lieget/ nichts unbebauet liegen bleibe/ das Dach mit Steinen gedecket und mit Kalck fest eingeleget/ die Waͤnde wenigstens nach der Gasse mit Steinen ausgemauret/ ein guter Schornstein/ ohne/ daß hoͤltzer- ne Balcken uͤber dem Feuer-Loch liegen/ mit Maur-Steinen auffge- zogen/ und aus dem Dach ausgefuͤhret/ an denen Orten/ da Feuer ge- halten wird/ Brandt-Mauren angeleget/ die Gruͤnde wohl un- termauret/ und das Hauß in einen wohnbaren Stand gesetzet sey/ oder aber ein altes in der Specification bemeldtes Hauß repari ret/ und wenigstens Einhundert Thaler daran wendet/ von jedem 100. Thlr. der wuͤrcklich angewendeten Baukosten Funffzehen Thaler an bah- rem Gelde zu empfangen/ und uͤberdem Funffzehen Thlr. an der von seiner Consumtion und Geweibe abzufuͤhrenden Accise/ nach und nach zu geniessen haben solle. XI. Dann sollen diejenige/ welche wenigstens Zwey hundert Tha- ler an ein solches Hauß anwenden/ von der Einquartierung/ Raths- und Bau-Schoß/ und insgemein allen Beschwerden und N e ben- Anlagen/ wie die Nahmen haben moͤgen/ ausser den Consumtions- Licent, und was zu Kirchen und Schulen/ und deren Diener an per- sonal-Oneribus gegeben werden muß/ auff Fuͤnff Jahr gaͤntzlich be- freyet seyn; So ferne aber die Baukosten noch keine 200. Thaler/ i edennoch aber und wenigstens auff 100. Thaler sich belieffen/ ge- p 2 nies- XLVII. Landes- Constitution niessen dieselbe von allen solchen Oneribus nicht mehr als drey-jaͤhrige Freyheit; Dasjenige aber/ was jemand zu seiner Commodi taͤt/ oder zum Ornament des Hauses bauet und anwendet/ ist zu denen in die- sen Articulen enthaltenen Befrey- und Begnadigungen nicht mit zu ziehen. Und damit solche Befreyung von denen Oneribus publicis denen uͤbrigen Buͤrgern nicht præjudici re/ und das dadurch abgehen- de Quantum denenselben nicht zuwachse/ so erklaͤren Wir Uns hier- mit dahin/ daß Wir die gnaͤdigste Verfuͤgung thun wollen/ falls Buͤrgermeister und Rath alljaͤhrlich um Michaelis eine Pflicht-maͤs- sige Specification einsenden wird/ was von denen neuerbaueten Haͤu- sern an Proviant-Korn/ Princeßinnen/ Nassaw-Schaumburgischen und andern zu des Landes Nothdurfft etwan anzulegenden Neben- Geldern auffkommen muͤsse/ daß solches Quantum der Stadt an ih- rem Contingent vor dasmahl abgeschrieben werden solle. Und da- mit ein jeder auch wisse/ von welcher Zeit diese einem solchen Hause gnaͤdigst accordi rte Freyheit ihren Anfang nehmen solle/ so ordnen Wir hiermit/ daß/ so bald das Hauß in Dach und Fach gebracht und wohnbar gemachet ist/ ungeachtet dasselbe noch nicht wuͤrck- lich bewohnet werde/ die Frey-Jahre ihren Anfang nehmen sollen; Wann auch XII. Jemand ein Hauß/ welches in vorbemeldeten Specification en nicht befindlich/ zu repari ren noͤthig erachten solte/ hat er sich zufoͤr- derst bey Buͤrgermeister und Rath anzumelden/ welcher so dann das Hauß so fort durch unpartheyische Leute besichtigen/ und untersu- chen lassen solle: Ob das Hauß eine nothwendige Reparation beduͤrf- fe/ und ohne dieselbe nicht conservi ret werden koͤnne/ oder ob dieselbe nur zu mehrerer Bequemlichkeit und zum Ornament des Hauses an- gesehen sey? daruͤber Buͤrgermeister und Rath so dann ein Protocol- lum zu formi ren/ und demjenigen/ welcher die Reparation antreten will/ auszuantworten hat/ welches der Neuanbauende demnechst/ wenn die Reparation zu Ende gebracht/ denen Commissariis, welche zu Taxirunge der Haͤuser verordnet sind/ vorzuweisen/ und um die Taxa- tion anzusuchen hat/ welche dann auch fordersamst vorgenommen/ und das Taxations-Protocollum zu Unserer Geheimden Raths-Stu- be eingesandt/ und fernere Verordnung wegen der Begnadigung er- wartet werden soll. XIII. von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ ꝛc. XIII. Weil dieses alles nun vornehmlich von denen Wohn-Haͤusern zu verstehen ist/ es sich aber zutragen kan/ daß einer oder der andere eine neue Scheure oder Stallung zu bauen genoͤthiget wird. So verordnen Wir hiermit gnaͤdigst/ daß/ wenn eine gantz wuͤste Stelle angenommen/ und zugleich mit einem Wohn-Hause/ Scheuren und Stallungen neu bebauet wird/ solches alles in die Taxation gebracht/ und von allen die Befrey- und Begnadigungen genossen werden sol- len; Falls aber hinter einem wohnbaren Hause jemand eine neue Scheure und Stallung bauen oder repari ren wuͤrde/ soll derselbe zwar die Befreyung von der Consumtions-Accise nach vorhin bemeldeter Proportion zu geniessen/ keines weges aber die Funffzehen Thaler/ so denen Neu-anbauenden an baarem Gelde versprochen/ zu empfan- gen/ noch deßwegen von denen oneribus publicis Freyheit zu prætendi- ren haben. XIV. Da nun solche Befrey- und Begnadigung sich vornehmlich auff den eigentlichen Werth der angebaueten und repari rten Haͤu- ser gruͤndet/ und dann vor allen Dingen dahin zu sehen/ daß hierun- ter keine Unterschleiffe vorgehen; Als sollen die aus der Ritterschafft zum Licent verordnete Commissarii, nebst dem Ober- Commissario Meyern in Hameln/ Commissario Wieblitz in Goͤttingen/ und dem Commissario Herwieg in Northeim/ zwey von Buͤrgermeister und Rath darzu vorzuschlagende verstaͤndige und gewissenhaffte Buͤrger (welche bestaͤndig als Taxatores zu gebrauchen) mit einem Coͤrperli- chen Eyde belegen/ daß sie nach ihrem Christlichen Gewissen und be- stem Verstande/ auch unpartheyisch/ die also erbauete und repari rte Haͤuser in Anschlag bringen wollen/ durch dieselbe so dann in ihrer und eines Raths Deputi rten Gegenwart/ mit Zuziehunge eines Zimmer- und Mauermeisters/ auch Tischers/ Glasers und Kleinschmiedes/ welche gleichfalls deßwegen besonders zu beeydigen seyn/ die Taxe verrichten lassen; worbey aber die Taxatores zum oͤfftern ihrer abge- statteten Eyde zu erinnern seyn/ und dieselbe vornehmlich Acht zu ge- ben haben/ daß die auff der Bau-Staͤtte etwan befindlich gewesene/ oder sonst bey die Hand gebrachte alte Bau-Materialien nicht als neue angeschlagen/ wie auch die Hand-Arbeit/ als welche zum theil von ihnen selbst/ zum theil von ihrem Gesinde und Kindern verrichtet/ p 3 nur XLVII. Landes- Constitution nur zur Helffte taxi ret werden/ davon so dann ein Taxations-Protocol- lum zu formi ren/ und vor eines jeden Hauses Taxe zu noti ren ist/ ob dasselbe alle in §. X. bemerckte Requisita habe; und ist solches Proto- collum ferner unter der Comm ssariorum und der beeydigten Taxato- rum Hand/ nebst denen Specification en der wuͤsten Stellen/ auch gantz baufaͤllig erkannten Haͤuser/ und dem im § XII. gemeldetem Besich- tigungs- Protocollo, zu Unserer Geheimden Raths-Stube einzusen- den/ damit die Freyheit darnach reguli ret/ und das Geld denen Neu- anbauenden gereichet werden koͤnne; weil aber die beyde Taxatores, und die darzu gezogene Handwercker/ solche Arbeit umsonst zu verrich- ten nicht angehalten werden moͤgen/ sollen die Neu-anbauende ge- halten seyn/ von jedwedem 100. Thlr. der Bau-Kosten 18. Mgr. Ta- xations- Gebuͤhr zu erlegen/ welches denen Taxatoribus und denen dar- zu gebrauchten Handwercks-Leuten zu reichen/ und unter ihnen gleich zu vertheilen ist. XV. Da nun dem zu folge die Befreyung vom Licent bey wuͤrckli- cher Antretung des Baues den Anfang nimmt/ so muͤssen die Licent- Einnehmer einem jeden Neu-anbauenden ein absonderlich Buch ge- ben/ und darinnen nicht allein die frey-genossene Consumtibilia, und den Ertrag des davon gehoͤrigen Licents verzeichnen/ sondern auch dasselbe unter einem besondern Capite, von Consumtion der Neu-an- bauenden/ hinten in das Accis-Manual eintragen/ und wenn die Taxa- tion geschehen/ und ihnen nebst dem/ was deßwegen an Freyheit passi- ret werden soll/ zukommen/ muͤssen sie die Abrechnung/ was denen Neu-anbauenden an Freyheit zuerkannt/ was sie darauff in einem jeden Monat genossen/ und was ihnen dieserwegen annoch zu gut kommen muͤsse/ monatlich mit denen ordentlichen Licent-Extract en zu Unserer Geheimden Raths-Stuben einsenden/ und damit so lange continui ren/ biß die nach obigem Fundament ihnen zuerkannte Sum̃e erfuͤllet/ und abgethan. XVI. Buͤrgermeister und Rath sollen auch dahin sehen/ daß denen jenigen/ so bauen wollen/ die Bau-Materialien als Stein und Kalck/ aus ihren Ziegel- und Kalck-Ofen/ auch Holtz/ vor einen billigen Preiß gelassen/ und wann ihre Stadt-Holtzunge es immer leiden kan/ ihnen zwey von Wiederbebauung der Staͤdte Hameln/ ꝛc. zwey/ drey oder mehr Baͤume darzu verehret/ und ihr gutes Vorha- ben also dadurch befoͤrdert werde; Wie sie denn auch davor zu sorgen haben/ daß tuͤchtige Zimmer- und Mauer-Meister gebrauchet/ foͤrm- liche und tuͤchtige Haͤuser gebauet/ und diejenigen/ welche ihr Hand- werck nicht verstehen/ und die Leute durch Unwissenheit oder Unacht- samkeit in Schaden bringen/ mit Nachdruck dahin gehalten werden/ daß sie den begangenen Fehler ohne Entgeld corrigi ren/ und die Leute Schade-loß stellen muͤssen. XVII. Da auch ferner einige refugii rte Frantzosen/ und andere ausser Landes sich befinden solten/ welche Lust haͤtten in Unser Land/ und in- sonderheit nacher Goͤttingen/ Hameln und Northeim sich zu begeben/ und allda sich niederzulassen/ so soll denenselben/ wenn sie durch allbe- reits hier eingesessene Frantzosen/ oder andere Unsere Unterthanen zu- laͤngliche Caution stellen/ daß sie ein neu Hauß zu bauen/ oder ein altes zu repari ren anfangen/ und zur Perfection bringen/ auch sich durch ei- gene Mittel voͤllig etabili ren/ und in Nahrung setzen wollen/ zu Trans- porti rung ihrer Familie/ nachdem dieselbe groß oder klein ist/ 20. 30. biß 50. Thaler gereichet werden/ sie auch vorstehender Befrey- und Begnadigung in allen Puncten und Articulen zu geniessen haben. Urkundlich Unserer Chur-Fuͤrstlichen Unterschrifft und vorgedruck- ten Geheimden Cantzley-Secrets. Hannover den 15den Februarii, Anno 1702. (L. S.) Georg Ludwig/ Churfuͤrst. Regi- Register der vornehmsten Sachen Register Der vornehmsten Sachen in denen Landes- Constitution en enthalten. A. A Bschelen der Borcken von Baͤumen wie zu straffen 7 Accidenti en wie den Forst-Bedien- ten zu reichen 15 Accidental- Mast vor Schweine wie Forst-Bedienten zukomme 25 Acker wie weit von Waͤldern solle seyn 7 . 21 wie darum keine Zaͤune zu ma- chen vergoͤnnt 10 wie in Waͤldern zu machen verboten 21 wie darauff bey den Land-Ge- richten zu sehen 30 Adeliche/ wie denselben Holtz anzu- weisen 17 was fuͤr Freyheit geniessen we- gen der Mastung der Schweine 33 wie ihrer Jagt-Gerechtigkeit sich zu gebrauchen 44 . 69 Advocaten/ wenn den Eyd vor Ge- faͤhrde zu leisten schuldig 39 Aemter der Kuͤnstler/ vid. Gilden. Anverwandte/ vid. Freunde. Anweisungs-Tage zu Holtzfaͤllen wie nicht zu versaͤumen 14 soll rathsam geschehen 17 Asche von verbranntem Holtze auff Aemtern warum Stuben-Hitzern benommen 11 Auffbieten auff den Cantzeln der Verlobten wie offt geschehen sol- le 95 . seq . B. Bader-Jungen wie viel Jahr lernen sollen 59 Baͤncke zu Hochzeiten und Gilden sollen bey Kirchspielen verwahret werden 11 Barbirer ob das von andern auffge- legte Band auffzuloͤsen berechti- get 56 wie viel Jahre derer Jungen lernen sollen 59 Bau-Holtz wie zu faͤllen 8 wenn gehauen werden solle 12 wem anzuweisen vergoͤnnt 16 Baͤume in Forsten wie nicht zu be- schaͤdigen 7 wie weit davon die Aecker sol- len seyn 7 Baum-Plantagen wie nicht zu be- schaͤdigen 71 . seqq . Beschaͤdigung der Verbrecher in Hoͤltzern ist Foͤrsteꝛn verboten 21 Beschreibung der Forste wem zu- komme 5 Besichtigung der Feld-Fruͤchte wie bey Mißwachs geschehen solle 37 Beysetzung der Todten wie nicht zu verstatten 96 Bor- in den Landes- Constitution en. Borcken klopffen und abschelen von Baͤumen wie zu straffen 7 Brennholtz wenn zu hauen 12 wie ordentlich gehauen werden solle 14 wie und wo darzu Saamen zu saͤen 19 Floͤsse auff dem Lein-Strohm wie zu halten 73 . seq . Bretter-Handel wem verboten 11 Buͤchsen-Schmiede Lehrjungen wie lange Jahr lernen sollen 59 Buͤrger hat nicht Freyheit zu jagen 43 Buͤrgerschaft wie K uͤ nstler u. Hand- wercksmeister gewinnen sollen 52 C. Capitalia wie bey Concursibus Cre- ditorum zu bezahlen 40 Com̃endanten in den Staͤdten/ wie ihnen zu jagen erlaubt 44 Copulationes der jungen Eheleute warum oͤffentl. geschehen sollen 95 Creditores wie vorzuziehen bey Sub- hastation der Haͤuser 39 . 50 in deren Concursu wie Capita- lia und Zinsen zu bezahlen 40 D. Deelzucht-Schweine wer in die Mast zu treiben berechtiget 22 Deputat-Holtz wie damit zu ver- fahren 13 Dienste/ wie dabey die Unterthanen nicht zu uͤbernehmen 29 Dorffschafft-Guͤter wie nicht zu veraͤusern 46 E. Eckern von Baͤumen zu schlagen ist verboten 24 Eheleute ob von einander erben ab intestato 42 wie sich in der Kirche oͤffentlich sollen trauen lassen 95 Ehestand in welchen Gradibus ver- boten sey 90 . seq . Eheverloͤbniß wie nicht heimlich ge- schehen sollen 89 Eltern wie von Kindern in Hey- raths-Sachen zu Rathe zu zie- hen 89 Erben ab intestato ob Eheleute un- tereinander koͤnnen 42 Eyd der Gefaͤhrde wenn die Advoca- ten zu leisten schuldig 39 F. Fadenholtz wie lang gehauen weꝛden solle 16 Fahrwege unrechte wie zu verbie- ten 9 Fallholtzes wer sich nicht anzumas- sen 11 Faͤllung des Holtzes wie geschehen solle 8 Fasanen wer nicht schiessen duͤrffe 82 Fastelabends-Baͤume zu hauen ver- boten 11 Fastnachtsgelache den Handwercks- Gesellen nicht zugelassen 60 Feder-Vieh wer zu schiessen berech- tiget 43 Felder wenn vom Vieh nicht sollen betrieben werden 103 Feldfruͤchte/ vid. Fruͤchte. q Feld- Register der vornehmsten Sachen Feld Huͤner wo zu schiessen verbo- ten 63 Feldzaͤune wo und von welchen Hol- tze zu machen verboten 10 Floͤsse des Brennholtzes auff dem Leinstrohm wie zu halten 73 Fluͤsse an Wald-Graͤntzen wie zu be- obachten 6 Frantzoͤsischen Colonie in Hameln Gerechtigkeiten 84 Forste/ deren Beschreibung wer ein- zulieffern 5 deren Graͤntzen wie abzuzeich- nen 5 wie und wenn sollen bezogen werden 5 wie zu hegen und zu erhalten 7 Foͤrster wie umgefallene Graͤntzstei- ne anzuzeigen 7 wie sich des Pollholtzes nicht anzumassen 15 wie Trinckgelder zu nehmen be- fugt 17 wie niemand schlagen oder be- schaͤdigen sollen 21 Forst-Amte wenn zu halten 13 zu Soͤllingen auffgehoben 28 Forst-Bediente wie zu bestellen und zu dimitti ren 4 sollen nicht mit Holtz han- deln 11 wie zu der Zupflantzung des Holtzes verbunden 15 haben sich der Nachmast in den Hoͤltzern nicht anzumas- sen 23 Forstpfaͤndungen wie zu berichten 15 Forst-Register wie zu halten 14 Forst-Sachen wie und wo abzuhan- deln 27 Freunde wie Vorzug haben bey Sub. hasti rung der Haͤuser 39 . \& 50 Freyheiten warum nicht jeden zu er- theilen 82 Fruͤchte auf dem Felde wie bey Miß- wachs zu besichtigen 37 Fruchtbares Holtz wenn zu verscho- nen 16 Fuhrleute wie unrechte Wege mei- den sollen 9 sollen vor sich kein Nutz-Holtz abhauen 10 G. Garn-Handel wie dabey aller Be- trug zu meyden 75 . seqq . Gefaͤhrde-Eyd wenn Advocaten zu leisten schuldig 39 Gemeine Guͤter wie nicht zu veraͤu- sern 46 Generals-Personen im Kriege wie zu jagen berechtiget 43 Gesamt-Hirten wie vor die Schwei- ne in den Waͤldern zu setzen 24 Gesellen der Kuͤnstler und Hand- wercker ob nothwendig wandern muͤssen 53 ob nicht ausser Reichs wan- dern moͤgen 54 krancke wie zu unterhalten 55 ob sich unter einander bestraf- fen duͤrffen 56 wie viel ein Meister halten moͤge 57 wie sich gegen die Meister und in in den Landes- Constitution en. in ihrer Arbeit zu verhal- ten 59 Gilden der Kuͤnstler und Handwer- cker/ wie darinn die boͤsen Gewohnheiten abzuschaf- fen 51 wie und wer darinn auffzuneh- men 54 wie Zusammenkuͤnffte anzu- stellen und zu halten 55 wie Brieffe anzunehmen und zu beantworten befugt 56 Gilde-Baͤume zu hauen verboten 11 Glaͤubiger/ vid. Creditores. Goldschmiede-Jungen wie viel Jah- re lernen sollen 59 Goͤttingen/ wie darinn die wuͤsten Haͤuser wieder zu bebauen 110 seqq . Graͤntzen der Forsten wenn und wie sollen bezogen werden 5 Graͤntz-Baͤume Umhauung wie zu straffen 6 Graͤntz-Jrrungen wie zu entschei- den 6 Graͤserey in Gehaͤgen ist verboten 19 wenn in Waͤldern zugelassen 27 Grundhoͤltzer an Gebaͤuen wie hoch uͤber der Erden liegen sollen 8 Guͤter gantzer Gemeinen und Dorff- schafften wie nicht zu veraͤusern 46 H. Hallerspringisches Wege-Geld 67 Hameln/ wie daꝛinn die wuͤsten Haͤu- ser-Stellen zu bebauen 110 Hamelische Linnen-Legge-Ordnung 104 . seqq . Freyheit wegen eines Wochen- marckts 108 . seq . Handweiser wie an die Wege zu se- tzen 9 Handwercker-Zuͤnffte/ wie darinn die boͤsen Gewohnheiten abzu- schaffen 51 Hartschlaͤgig seyn/ ist ein Haupt- Mangel der Pferde 97 Haspelordnung im Amt Stoltzenau 75 . seq . Haͤuser-Kauff/ wie darinn die An- verwandte einen Vorzug haben 39 . seq . Hausiren/ wem und womit ausser Jahrmaͤrckten verboten 84 . 86 Haußleuten wie Holtz anzuweisen 17 Heer-Strassen wie nicht mit Holtz auszubessern 11 Heimliche Ehe-Verloͤbnisse wie ge- faͤhrlich und unguͤltig seyn 89 Copulation oder Trauung wie nicht zuzulassen 95 Beysetzung der Todten wie nicht vergoͤnnet sey 96 Heister-Kaͤmpe Anordnung 17 Pflantzung wie geschehen solle 18 Verletz- und Umhauung wie zu bestraffen 8 Herrendienst Holtz wie von Fuhr- Leuten zu lieffern 10 q 2 Heyde Register der vornehmsten Sachen Heyde hauen unter Baͤumen ist ver- boten 7 brennen und anstecken wie zu straffen 7 Hirten wie zu straffen wegen Vieh- huͤtungen an verbotenen Orten 20 wie viel vor die Mast-Schwei- ne in Hoͤltzern zu setzen 24 wie anzunehmen 26 Hochzeit-Baͤume zu hauen verboten 11 Hoͤfe wuͤste/ auff deren Wiederer- bauung wie zu dringen 30 . 49 wie davon keine Laͤnderey noch Wiesen zu versetzen 48 Holtz wie zu faͤllen und zu verkauf- fen 8 wie zu ersparen 10 zu welchen Zeiten gehauen wer- den solle 12 wie wieder zuzupflantzen 15 wie theuer zu verkauffen 16 fruchtbares wenn zu verscho- nen 16 Holtz-Gerichte wie anzuordnen 12 Holtzhandel wem verboten 11 Holtzhauer wie vor sich kein Holtz mit zu nehmen 11 Hunde wer auff Reisen nicht duͤrffe mit sich fuͤhren 45 Huͤtungen der Vieh-Hirten an ver- botenen Orten wie zu straffen 20 J. Jagen in den Feldern und Gehaͤgen wem nicht frey stehe 43 Jagt-Gerechtigkeiten wie Fremden nicht zuzulassen 69 Jahrmaͤrckte/ ausser denselben wem zu hausiren verboten 83 wie vor denselben keine Pferde zu verkauffen 98 Immuni taͤten wie nicht zu ertheilen 82 Juden/ wo ausser Jahrmaͤrckten nicht handeln duͤrffen 84 86 wer denselben Schutz-Freyheit ertheilen koͤnne 102 Junge/ vid. Lehrjunge. Junge Meister in Handwercken wo- mit nicht zu beschweren 54 was ihnen zukomme 56 K. Kesseltraͤger hausiren verboten 68 Kirchmeß-Baͤume zu hauen verbo- ten 11 Klaffter-Holtz wie zu faͤllen und zu verkauffen 8 wie lang seyn solle und wie zu legen 16 Klage wegen Ehe-Verloͤbniß wenn gerichtlich nicht anzunehmen 90 Kleinschmiede Jungen wie viel Jah- re lernen sollen 59 Kloͤster/ wie denselben ihr Holtz an- zuweisen 17 wie deren Forst-Sachen abzu- handeln 28 Kohlenhandel wem verboten 11 Koller ist ein Hauptmangel der Pfer- de und macht den Kauff nichtig 97 Kop- in den Landes- Constitution en. Koppel jagten wie Adeliche gebrau- chen sollen 69 Korn-Vorkaͤufferey und Ausfuhr ausser Lande wie verboten 66 Krahmer/ auslaͤndischen wie ausser Jahrmaͤrckten zu hausiren verbo- ten 86 Kraͤyntzen der Baͤume wie zu straf- fen 7 Kuͤnstler/ in deren Zuͤnfften wie boͤse Gewohnheiten abzuschaf- fen 51 wie Buͤrger werden muͤssen 52 wie zu examiniren ibid . Kupffer was vor welches zu verar- beiten 69 L. Laͤndereyen wie von Ackerhoͤfen nicht zu versetzen 47 Land-Gerichte wie gehalten werden sollen 28 . seqq . Laubstraͤuffen von Baͤumen ist in Gehaͤgen verboten 19 Lehns-Sinnungen wie zu beobach- ten nach Landesherrn Absterben 80 Lehr-Brieffe wie junge Handwercks- Meister vorzuweisen ver- bunden 52 wie ohne Entgeld heraus zu ge- ben 69 Lehrjungen wie Handwercksmeister und Kuͤnstler anzunehmen berechtiget 58 wie von den Meistern anzufuͤh- ren und zu halten ibid . weggelauffene ob wieder anzu- nehmen ibid . wie lange lernen sollen 59 wie loß zu sprechen ibid . Lein-Strohm/ wie d a rauff die Breñ- Holtz-Floͤsse zu beobachten 73 seqq . Linnen-Legge-Ordnung der Stadt Hameln 105 . seqq . Lista derer Forst-Bedienten wer zu machen verbunden 4 Locarium, wie daran denen Paͤch- tern bey Mißwachs der Fruͤchte etwas nachzulassen 38 M. Mahlbarten bey Holtzfaͤllungen Ge- brauch 13 Mahlsteine wie in den Forsten zu se- tzen 5 umgefallene wie wieder auffzu- richten 6 Marck-Baͤume Umhauung wie zu straffen 6 Mast in den Hoͤltzern wie zu betrei- ben 23 wem darinn Schweine zu trei- ben nicht verstattet werde 23 in fremde ausser Landes wenn die Schweine nicht zu ver- dingen 32 wie zu besichtigen und zu ver- handeln 33 Mast-Geꝛechtigkeit wie zu vergoͤñen 22 Maͤurer-Jungen wie lange lernen sollen 59 Meister in Handwercken kan nie- q 3 mand Register der vornehmsten Sachen mand werden/ er sey denn Buͤr- ger 52 . wie Lehrbrieffe darwei- sen sollen ibid . ob fuͤr die Auff- nehmung ins Handwerck Geld zu erlegen verbunden 54 . die juͤng- sten ob mit Auffwartungen zu be- legen 54 . ob Meister Wittwen oder Toͤchter heyrathen muͤssen ibid . Krancke wie zu unterhalten 55 . ob sich unter einander be- straffen duͤrffen 56 . wie vor den Schaden der anvertraueten Ar- beit stehen muͤssen 56 . wie viel Gesellen halten moͤgen 57 . wie Lehrjungen anzunehmen berech- tiget 58 . wie ihrer Gesellen Ver- brechen der Obrigkeit anzuzeigen 60 . wie von Gesellen nicht zu schelten und unehrlich zu erklaͤren 60 . seq . Meisterstuͤck in Handwercken wie ge- macht werden solle 52 . ob von fremden Orten kommenden Mei- stern wieder auffzulegen 53 . da- von soll niemand befreyet seyn ib . Meßing/ was vor welches von den Kupfferschmieden zu verarbeiten 69 Meyerleute wie von ihren Hoͤfen keine Laͤndereyen noch Wiesen zu versetzen befugt 47 Mißwachses wegen wie die Feld- fruͤchte zu besehen 37 Mist wie nicht an die Gebaͤude zu le- gen 8 freye Montage zu machen wie Hand- wercks-Gesellen nicht befugt 60 Muͤntz-Sorten welche erhoͤhet seyn sollen 35 . welche voll oder gar nicht gelten sollen ibid . Mutter Bruder-Frau ob zu heyra- then vergoͤnnt 91 N. Nachmast in den Hoͤltzern wem zu- komme 23 Naͤherkauffs Recht wer verlustig werde 50 Nebenholtz wie zu hauẽ verboten 10 Northeim/ wie darinn die wuͤsten Haͤuser-Stellen zu bebauen 110 Nutzholtz sollen Fuhrleute vor sich nicht abhauen 10 O. Ober-Forst- und Jaͤgermeister wor- nach zu sehen haben 4 Officierer wie sich des Jagens und Schiessens in Feldern und Ge- hoͤltzen zu enthalten 43 P. Paͤchter/ wie denselben am Locario bey Mißwachs etwas nachzulas- sen 38 Patroni der Kiꝛchen wie sich bey Ver- leihung der Pfarrdienste zu ver- halten 93 Pfaͤndungen in Hoͤltzern geschehen wie zu berichten 15 . wie wieder Hirten des Viehs vorzunehmen 20 Pfarrdienste wem sollen verliehen werden 93 Pfarꝛholtzungen wie nicht zu verwuͤ- sten 20 Pferde wie vor angehenden Jahr- Maͤrck- in den Landes- Constitution en. Maͤrckten nicht zu verkauffen 98 Pferde-Kauff durch was vor Maͤn- gel nichtig wird 97 Plaggen sollen nicht unter Baͤumen gehauen werden 7 Pollholtzes wer sich nicht anzumas- sen 11 . 15 Privat-Copulationes der jungen E- heleute/ wie zuzulassen oder nicht 95 Proclamation von den Cantzeln der Verlobten wie offt geschehen solle 95 Proͤven wie den Dienstleuten zu rei- chen 29 R. Rechnungen wie Beamte abzustat- ten 100 Register wie uͤber Forste zu halten 14 Reisen ob Handwercksgesellen noth- wendig muͤssen 53 Roß/ vid. Pferd. Rotzige Pferde machen den Kauff nichtig 97 S. Saltz fremdes wie nicht zu verkauf- fen 87 Sattler-Jungen wie viel Jahre ler- nen sollen 59 Sauffen wie bey Gilden Zusam̃en- kuͤnfften einzustellen 55 Schaͤfer wie wegen veꝛbotenen Trif- ten zu straffen 20 Schlagen duͤrffen die Foͤrster keine Verbrecher in Hoͤltzern 21 Schlingen legen vor Feldhuͤner wo verboten 65 Schreib-Gelder bey Holtz-Anwei- sungen wie zu berechnen 15 Schulden/ wer bey deren Bezah- lung den Vorzug habe 41 Schweine/ was vor welche in die Mast zu treiben 22 . wie viel in die Mast zu nehmen 23 . wie vor der Mastung zu brennen 24 . wie aus der Mast zu nehmen 25 . ob ausser der Mast in Hoͤltzern grasen zu lassen 25 . weñ in keine fremde Mast ausser Landes zu verdingẽ. 32 Schweinhiꝛten wie viel voꝛ die Mast- Schweine in Hoͤltzern zu setzen 24 Schwieger-Elteꝛn Schwester ob je- mand heyrathen duͤrffe 91 Siegel der Handwercks-Gilden soll bey der Obrigkeit verwahret wer- den 56 Simonie wie bey Bestellung der Pfarrdienste zu meiden 93 Soden-stechen unter Baͤumen ist verboten 7 Soͤllingisches Forst-Amt aufgeha- ben 28 Stoffenhandelung wer ausser Jahr- maͤrckten nicht treiben duͤrffe 84 Stoltzenauische Haspel-Ordn. 75 Strauchholtz wie abzumaͤrcken 14 Streit wie unter Handwercksgenos- sen zu schlichten 56 Stubenhitzer auff Aemtern warum die Asche nicht bekom̃en sollen 11 Subhastation der Haͤuser/ wie darinn Anverwandte vorzuziehen 39 . 50 T. Tannenholtz wie gesaͤet/ gepflantzet und gehaͤget werden solle 21 Tau- Register der vornehmsten Sachen in den Landes- ꝛc. Tauben zahme wie zu schiessen ver- boten 81 Teiche zugeschlam̃ete wie zu reinigen 30 Tischer-Jungen wie viel Jahre ler- nen sollen 59 Toͤchter der Meister ob Handwercks- Gesellen heyrathen muͤssen 54 Todte/ wie nicht heimlich beyzuse- tzen 96 Trauung der jungen Eheleute war- um nicht heiml. geschehen s o lle 95 Trifft-Gerechtigkeit in den Waͤldeꝛn wem zukomme 26 Tuch wer ausser den Jahrmaͤrckten zu verkauffen nicht berechtiget 84 V. Vaters Brudern Frau ob jemand heyrathen duͤrffe 91 Veraͤuserung gemeiner Staͤdte und Dorffschafft Guͤter verbotẽ 46 Veꝛloͤbniß ehliche waꝛum nicht heim- lich geschehen sollen 89 Viehhuͤtungen sind in Gehaͤge-Hoͤl- tzern verboten 19 . in Waͤldern zugelassen 26 Uhrmacher-Jungen wie viel Jahr lernen sollen 59 Untreu berechneter Amts-Bedien- ten wie zu straffen 100 . seq . Vorkauff des Korns wie nicht zuge- lassen 66 . wie an Wochenmaͤrck- ten nicht zu gestatten 107 . seq . Vormuͤnder wie in Heyraths-Sa- chen zu Rath zu ziehen 89 W. Waͤlder/ deren Graͤntzen wie abzu- zeichnen 5 . wie darinn Viehweyden zu- gelassen 26 Wald Aecker oder Wiesen wie zu machen ve r boten 21 Wandern ob und wie lange Handwercks- Gesellen muͤssen 53 . ob nicht ausser Reichs geschehen duͤrfse 54 Wasen hauen unter Baͤumen ist verboten 7 Wasserfluthen an Waldgraͤntzen wie vor- zubauen 6 Wege Ausbesserung soll nicht mit Holtz ge- schehen 11 Wegegeld wo und von wem zu geben 12 . zu Hallerspringe 67 Wegehandweiser warum zu setzen 9 Wiesen wie nicht vergoͤnnet in Waͤldern zu machen 21 . sollen nicht erweiteꝛt werden 22 . wie von Ackerhoͤfen nicht zu versetzen 47 . weñ von Vieh nicht sollen betrieben werden 103 Wild wem zu schiessen verboten 43 . seq . Windbracken Holtzes wer sich nicht anzu- massen 11 Witwen der Meister ob Handwercksgesel- len heyrathen muͤssen 54 . wie das Hand- werck treiben moͤgen 57 Wochenmarckt wie in Hameln zu halten 108 . seqq . Wundaͤrtzte ob das von andern angelegte Band nicht auffloͤsen moͤgen 56 Wuͤste Haͤuseꝛstellẽ wie in Staͤdten wieder zu bebauen 100 . seqq . Z. Zaͤune auffm Felde wo und von welchem Holtze zu machen verboten 10 Ziegen/ w ie denen Armen zu halten vergoͤn- net 27 Zigeunern wie kein Durchzug und Herber- ge zu gestatten 102 . seq . Zim̃erleute/ wie kein Holtz wegzuschleppẽ 11 deren Jungen wie lange lernen sollen 59 Zinsen von Capitalien wie bey Concursi- bus Creditorum zu bezahlen 40 Zuͤnffte/ vid. Handwercks-Zuͤnffte. Zusammenkuͤnffte der Gilden wie anzustel- len und zu halten 55 ENDE.