P. J. MARPERGERS Koͤnigl. Pohln. und Chur-Saͤchsischen Hof- und Commerci en-Raths, wie auch Mit- glieds der Koͤnigl. Preusischen Socie taͤt der Wissenschafften Beschreibung Des Hutmacher- Handwercks, Und alles dessen Was so wohl moraliter als politicè und historicè von denen Huͤten, deren Zuberei- tung und vielerhand Sorten, Sonderlich aber Von der Hutmacher Jhren Statutis, Handwercks-Gebraͤuchen und Rech- ten zu wissen ist. ALTENBURG , Druck und Verlag Johann Ludwig Richters , 1719 . Vorrede. M An wuͤrde der vorge- nommenen Beschrei- bung der Wolle, und der dar aus verfertig- ten Manufactur en kein volles Genuͤgen thun, wann man eine so hoͤchst noth- wendige und nuͤtzliche Manufactur als die Huͤte seyn, mit Stillschwei- gen vorbey gehen wolte. Wir moͤgen es aber wohl eine Manufa- ctur nennen, weil der muͤhseelige Hutmacher in Knetung oder Wal- ckung des Filtzes rechtschaffen seine Faͤuste und Armen daran strecken A 2 muß, Vorrede. muß, biß er einen tuͤchtigen Filtz zu- wege bringen kan; wie solches in dem Capitel, (da wir eigentlich von der Hutmacher Jhrer Arbeit und Handgriffen gehandelt,) mit mehrern erscheinen wird. Eine gute Manufactur ist es hingegen auch in regard der Herren Kauff- leute, als welche mit ihren Engli- schen Castor- und Frantzoͤsischen Codebecker- Huͤten noch immeꝛhin bey uns in Teutschland guten Pro- fit machen werden, so lange wir, un- sere, an Guͤte der Stoffage, wie auch der Arbeit jenen gleich kom- mende, ja noch offtmahls uͤbertref- fen, die Huͤte nicht wuͤrdig halten, auff unsere Teutsch-Frantzoͤsische Koͤpffe zu setzen, worzu wir uns iedoch wohl mit der Zeit moͤchten beqvemen muͤssen, wann eine hohe Landes-Obrigkeit anfangen solte, solche auslaͤndische Huͤte mit hohen Zoll, Vorrede. Zoll, und zwar um so viel mehr zu belasten, als selbige, quod bene no- tandum meist vor baar Geld muͤssen eingekauffet, und von unsern Land- Waaꝛen nichts dagegen kan abgese- tzet werden. Vor allen ist es zu be- klagen, weñ man einen arbeitsamen Mann sehen muß Mangel leiden, welches aber bey vielen Hutma- chern geschiehet, dahero man billich oberzehltes, wie auch andere ihre Gravamina so viel als moͤglich zu ihrem bessern Fortkommen aus dem Wegraͤumen solte; es moͤchte aber solches zu hoffen seyn, wann wir bes- sere Zeiten bekommen, und der ge- meine Mann durch Anwachsung der Commerci en sich wieder in Stand setzen wird, daß er sich eben nicht so lang, wie ietzt geschiehet, mit einem Hut behelffen doͤrffte, sondern dessen zum wenigsten jaͤhrlich einen Neuen kauffen kan; denen Hutma- A 3 chern Vorrede. chern aber moͤchte man auff ihrer Seits recommendir en, daß wann sie gute Kundschafft haben wolten, sie auch tuͤchtige und vor allen wohl schwartzgefaͤrbte Huͤte machen, und mit liederlichen Wegschleudern ihrer Huͤte sich einer dem andern den Marckt nicht verderben solten. Ver- Verzeichniß derer Capitel. Verzeichniß der in diesem Tractat enthaltenen Capitel. Cap . I. Von denen Huͤten insgemein, deroselben Ursprung/ Gebrauch und Nutzen/ auch was Jhrer Form/ wie auch der Materien wegen/ aus welchen solche verfertiget werden/ zu bemercken sey; item was vor Handlung mit denen Huͤten hin und wieder getrieben wer- de. Cap . II. Was man so wohl Moraliter als Politicè und Histoticè der Huͤte und Jhres Rechts wegen zu beobachten habe/ da dann insonderheit eine ausfuͤhrliche Beschreibung/ (der Chur- und Fuͤrstli- chen/ wie auch der rothen Cardinaͤls- und anderer besonderer Huͤte/ item wie von einem auffgesteckten Hut der Schweitzer Jhre Freyheits- Vindicati- on zum Theil ihren Anfang genommen habe) gegeben wird. A 4 Cap . Verzeichniß derer Capitel. Cap . III. Vom Hutmachen an und vor sich selbst/ was vor Arbeit darzu erfordert wer- de/ biß ein Hut zum Gebrauch fertig ist/ wie er tuͤchtig schwartz zu faͤrben/ und deßfalls die Probe zu machen sey/ item wie starck die Anzahl der Hutma- cher in einem Lande oder Stadt seyn/ auch wie man dieses loͤbl. Handwerck wieder in Auffnehmen bringen koͤnne. Cap . IV. Von der Hutmacher Jhren Handwercks- Statutis, Gewonheiten und Rechten der Saͤchsischen Hutmacher/ Jnnungs- Articul/ und was etwan sonst noch von diesem loͤblichen Handwerck zu bemer- cken seyn moͤchte. Cap . V. Von denen Hauben/ Muͤtzen oder Bare- ten/ und denen so genannten Kaͤpplein- Machern/ insonderheit aber von denen Hut-Staffierern und ihrer Profession. Cap . VI. Anhang einiger Merckwuͤrdigkeiten/ die Huͤte/ Kappen und Barete betreffend. CAP. I. CAPVT. I. Von denen Huͤten insgemein/ deroselben Ursprung/ Gebrauch und Nutzen/ auch was ihrer Form, wie auch der Materien we- gen/ aus welchen solche verfertiget we r den/ zu bemercken sey/ und was vor Handlung damit getrieben werde. D Aß die Huͤte nicht gleich von Anfang der Welt her denen Leuten bekannt gewesen seyn, sondern dieselbe eben so wohl mit bloßen Haͤuptern, als baarfuß einhergegangen, solches laͤsset sich leichtlich aus der ersten Welt ihreꝛ Simplici taͤt, und daß die Handweꝛcks- Kuͤnste erst nach und nach bekannt, und in U- bung gebracht worden, abnehmen; jedoch stehet auch nicht zu zweiffeln, daß wie man etwan zu Anfangs Baum-Rinden, oder Stuͤcklein Holtz nach Art unser heutigen Capuciner unter die Fuß-Sohlen mit Bast oder Riemen gebunden, man auch also erstlich gruͤnes Laub, nach- mahls geflochtene Stroh-Kraͤntze, und endlich gar foͤrmliche mit einen Rand gemachte Stroh- A 5 Huͤ- Beschreibung Huͤte, (zur Abwendung der Sonnen-Hitze, da- mit deren Strahlen, welche ohne dem in denen Morgen-Laͤndern sehr penetrant seynd, dem Haupt nicht beschwerlich seyn moͤchten,) werde gebraucht haben, sonderlich die Schaͤffer, und Schaͤfferinnen, als welche den gantzen Tag, und auch des Nachts bey ihꝛen Heerden auff dem Feld liegen musten, und dannenhero die Hitze der Sonnen und das Stechen des Monds so viel als moͤglich abzuwenden hatten. Wie denn der from- me Ertz-Vater Jacob im 31. Capitel im 40. v. des Ersten Buchs Mosis klagte, daß er in seinen bey Laban ausgestandenen Dienst-Jahren/ des Tages vor Hitze, und des Nachts vor Frost ver- schmachtet, und kein Schlaff in seine Augen ge- kommen sey. Wobey ihn denn nicht selten der Regen und die Naͤsse werden incommodi ret ha- ben. Dahero dergleichen Schaͤfer und Acker- leute, um so viel mehr auff die Beschirmung ih- res Haupts haben bedacht seyn muͤssen; und wol- len wir eben nicht in Abrede seyn/ daß nicht et- wan auch ein ausgehoͤlter Kuͤrbiß, oder eine Art von Cocos- Nuͤssen, grossen Baum-Schwaͤm- men, item zusam̃gebundenẽ Baum-Rinden, nicht weniger die Schalen von Schild-Kroͤten und Straussen-Eyern, oder ein Stuͤck auffgedoͤrr- tes Leder ihnen darzu gedienet habe; ohne, daß sie noͤthig gehabt haͤtten, die Veranlassung zu denen Huͤten, oder des Haupts Bedeckung, erst- lich von einem mit eineꝛ Haube odeꝛ Helm gebohr- nen Kinde, (wie einige in denen Gedancken ste- hen) des Hutmacher-Handwercks. hen) zu nehmen, sondern obgleich das Umwin- den des Haupts vornehmlich bey dem Frauenzim- mer ihrer langen Haare wegen, nachmahls auch bey denen Maͤnnern, mit einer Binde, (von wel- cher noch die sogenannte Turbands oder Tul- bande bey denen Tuͤrcken und Persianern, auch andern Mahometani schen Voͤlckern herkom- men) eine der ersten Hauptbedeckungs-Arten mit gewesen; so ist doch vermuthlich, daß obge- dachter Sonnen-Stralen, wie auch des Regens halber man zugleich auch Huͤte mit breiten Rand werde gemachet haben, und zwar entweder aus Stroh, oder von geflochtenen subti len Weiden, (dergleichen etwan die Korbmacher gebrauchen) oder auch aus breiten Blaͤttern und Kraͤutern. Und wer wolte zweiffeln, daß man nicht auch nach Art der America ner, von Vogel-Federn eine zierliche Haupt-Decke werde geflochten ha- ben. Denn daß Thubalkain, der erste Meister in Ertz- und Eisen-Werck schon die duͤnnen Ble- che, wie man solche heutiges Tags auff denen Eisen-Haͤmmern zu schlagen pfleget, solte erfun- den und zubereitet haben, daß man daraus solte haben Huͤte machen koͤnnen/ solches stehet nicht wohl zu glaͤuben. Noch weniger werden sie sich starcker geschmiedeter eiserner Casquet s oder Sturm-Hauben, bedienet haben, weil diese nur zum Krieg wieder den Hieb und das Abstuͤrtzen der Steine von denen bestuͤrmeten Stadt-Mau- ren gewiedmet, und lange nach der Suͤndfluth in Griechenland erst erfunden worden; uͤberdem auch Beschreibung auch dem zarten Frauenzimmer viel zu schwer und beschwerlich wuͤrden gewesen seyn. Ferner, so ist auch nicht wohl glaublich, daß man bloß mit Thier-Haͤuten den Kopff und gantzen Leib bede- cket habe, weil solches mehr martiali schen Leu- ten, (welche gern ihren Feinden nach Art der al- ten Teutschen, in dem Krieg und Schlachten da- durch erschrecklich vorkommen, und selbigen ei- ne Furcht durch das bloße Anschauen einjagen wollen) zukommet, als daß die vor der Suͤnd- fluth schon etwas civilisir te und galanisir ende Welt (Wie dieses letztere aus dem 2. v. des 6. Capit. des Ersten Buchs Mosis einiger maßen abzunehmen) sich deren solte bedienet haben. Deme sey aber wie ihm wolle, so lesen wir doch in heiliger Schrifft, daß im 2. B. Mosis am 28. Cap. v. 4. und 40. der Huͤte und Haupt-Bede- ckung gedacht werde, da GOtt zu dem Hohen Priester Aaron sagte: das sind aber die Kleider die sie machen sollen; das Schildlein, Leibrock, Seiden-Rock, Engen-Rock, Hut und Guͤrtel. Jm 40. Vers wird der Hauben gedacht/ welche herrlich und schoͤn denen Soͤhnen Aarons solten gemachet werden; im 29. Cap. v. 6. muste dem Aaron ein Hut auff sein Haupt gesetzt, und die heilige Krone an den Hut angemachet werden. Ob solche nun (wie etwan ein kostbares Kleinod noch heutiges Tages an hoher Potentaten und Fuͤr- sten ihre Huͤte, sonderlich an solennen Fest-Ta- gen angehefftet wird, dergleichen wir an des Groß-Hertzogs von Florentz seinem kostbaren Dia- des Hutmacher-Handwercks. Diamant, den er bey gewissen Solenni taͤten vorn an dem Hut traͤget, sehen) nur allein vorn an den Hohen-Priesterlichen Hut angehefftet und eingefasset, oder um den Kopff des Huts herum geleget gewesen; wie wir etwan noch heutigs Tags in alten Gemoͤhlden, Holtz-Schnitten und Kupffer-Stuͤcken, die Koͤnige und Potentaten, mit solchen Kronen um ihre hohe Huͤte, derglei- chen noch in einigen vornehmen Reichs-Staͤdten die Rathsherren tragen, abgemahlet finden, sol- ches lassen wir dahin gestellet seyn; genung, daß dadurch die Huͤte schon unter die mit Ehr beleg- ten Stuͤcke der menschlichen Kleidung gerechnet worden. Welches auch bey dem Hiob am 19. C. v. 14. bestaͤrcket wird, da dieser gedultige Creutz- Traͤger von sich ruͤhmet: Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog, wie einen Rock, und mein Recht war mein Fuͤrstlicher Hut, und bey dem Propheten Esaia am 62. Cap. im 3. v. wird ei- nes Koͤniglichen Huts in der Hand Gottes ge- dacht, dessen Verlust hernach um Missethat wil- len, bey dem Propheten Ezechiel im 21. Capitel am 26. v. von dem Herrn Herrn verkuͤndiget wird; Danielis am 3. im 21. v. stehet, daß die drey Gottes fuͤrchtigen Maͤnner Sadrach, Mc- sach und Abednego, in ihren Maͤnteln, Schu- hen, Huͤten und andern Kleidern gebunden, in den gluͤenden Ofen geworffen worden; Bey dem Propheten Zacharia am 3. Cap. im 5. v. wird der Hohe Priester Josua in einem reinen Hut, der ihme auff sein Haupt gesetzet worden, vorgestellet, und Beschreibung und wie wird nicht die Herrlichkeit des Hohen Priesters Aarons, welche unter andern auch an dem Hut seines Haupts erschienen, im 18. Cap. des Buchs der Weißheit im 24. v. so trefflich ab- gebildet? Der weise Haußlehrer Syrach thut im 45. Capit. im 14. v. seines Hauß- und Zucht- Buchs, des Guͤldenen Stirn-Blats an dem Hut Aaronis Meldung, in welchen die Heiligkeit so herrlich, koͤstlich, lieblich und schoͤn gegraben ge- wesen, daß man deßgleichen vor ihm nie gesehen. Woraus klaͤrlich abzunehmen, daß die Huͤte, o- der Haupt-Bedeckung von Uralten Zeiten her in Gebrauch gewesen sey, obgleich nicht bey allen Nationen, sintemahl wie wir bey dem Æliano lesen, die Egyptier allezeit mit bloßen Haupt von Jugend an biß in ihr hohes Alter gegangen/ und dahero, (weil sie sonderlich ihre Haͤupter fleißig bescheren lassen, so dicke Hirn-Schalen bekom- mer, daß man sie kaum mit Gewalt hat einschla- gen oder zerschmettern koͤnnen. Dahingegen nach Herodoti Zeugniß die Persianer, weil sie im- mer ihre Koͤpffe sorgfaͤltig bedeckt gehalten, so zarte und dinne Hirnschaͤdel gehabt, daß man sie auch mit einen kleinen Steinlein verletzen koͤn- nen. Noch heutigs Tags finden wir alte Eiß- graue, zum Theil auch Kahlkoͤpfige, nach demal- ten Schrot und Korn gemachte Maͤnner, welche viel gesunder und weniger den Fluͤssen, Podagra und andern Incommodit aͤten, als diejenigen un- terworffen seyn, welche sorgfaͤltig von Jugend auff Peruquen getragen, oder alle rauhe Win- de, Hutmacher-Handwercks. de, (damit sie von solchen nicht moͤchten angewe- het werden) vermieden haben. Aus denen Roͤ- mischen und Griechischen Statuis, oder Bildern beruͤhmter Leute, Helden und Regenten, laͤst sich auch abnehmen, daß solche Nationes viel mit bloßen Haͤuptern muͤssen gegangen seyn. Wie deñ sonst Julius Cæsar wegen seines Glatz-Kopfs nicht noͤthig gehabt haͤtte die hindern Haare des Hauptes hervor zu streichen, oder mit Verguͤn- stigung des Roͤmischen Volcks einen Lorber- Crantz um seine Schlaͤffe zu tragen: wann der Gebrauch der Huͤte damahls im Gebrauch ge- wesen waͤre; weil er sonst mit solchen leichtlich seine Glatze, die Jhme als ein Zeichen eines gros- sen Ehebrechers ausgeleget wurde, mit dem Hut haͤtte bedecken und als Dictator, und endlich gar Kaͤyser, sich solchen vor andern abzuziehen, dispensir en koͤnnen; also wird auch des Agatho- clis Koͤnigs in Sicilien Bildniß, weil Er eben- falls einen kahlen Kopff gehabt, mit einem Crantz von Myrthen-Blaͤttern vorgestellet. Jedoch moͤ- gen darum doch auch die Huͤte, nicht ausser Ge- brauch, und die mode der entbloͤßten Haͤupter (wie heutigs Tags das Hut unter dem Arm Tra- gen) nur bey vornehmen Leuten in Solennit aͤ- ten, und sonderlich in Triumphis und oͤffentli- chen Einzuͤgen uͤblich gewesen seyn; da man im uͤbrigen bey anderer Gelegenheit sich derselben nuͤtzlich bedienet. Denn also schreibet Lipsius in Tract. de Amphi-Theatris, daß auch bey de- nen Roͤmern, in denen Schau-Spielen, auff der Beschreibung der Reise und im Kriege, (da bekannter maßen, die Helme und Sturm-Hauben bey ihnen einge- fuͤhret gewesen,) ingleichen in Regen und Wit- terungen, wie auch bey alten und leidtragenden Leuten, das Haupt damit zu bedecken uͤblich ge- wesen. Kaͤyser Augustus hatte, wie Suetonius berichtet, das Haupt stets mit einem Hut bede- cket. So muß ja auch Tarquinius einen Hut getragen haben, weil ihme solchen in seiner Reise nach Rom, ein Adler sanfft vom Kopff herunter genommen, selbigen ein wenig in die Hoͤhe er- hoben, und hierauff wieder ohne Schaden auff- gesetzet. Worauff seine, in der Wahrsager- Kunst erfahrne Gemahlin Tanaquil geprophe- zeyet, daß er zu Rom, wo sie beyde hingedaͤch- ten, ein grosser Mann werden wuͤrde. Wie denn auch in der That geschehen, indem nach des Koͤ- nigs Anci Martii Tod, dieser Tarquinius zur Roͤmischen Koͤnigs-Wuͤrde erhoben worden; welche er doch nicht lang genossen, weil er bald hernach von des bemelten Ancii Soͤhnen, als ein Usurpator Jhres Vaters Reichs, mit dem Beil hingerichtet wordẽ. Von dem Kaͤyser Nero- ne schreibet Suetonius, daß Er taͤglich des A- bends seinen Hut auffgesetzet, solchen (damit Er unerkenntlich seyn moͤchte) tieff in die Augen ge- zogen, und damit die Wirths- und Hur-Haͤuser durchgelauffen sey. Bey denen Griechen, wer- den Mercurius, Ulysses und Hippocrates mit Huͤten bedecket vorgestellet. Daß auch die Huͤte bey denen Parthern, Scythen, Garamanten, Moh- des Hutmacher-Handwercks. Mohren und Sinesern vor langer Zeit in Ge- brauch gewesen seyn; solches ist bey Anshelmo Solerio weitlaͤufftig zu lesen. Es ist aber die Form, Quali taͤt, Benennung und Bedeutung der Huͤte mancherley; der Form nach seynd etliche hohe und spitzige, etliche platte und niedrige, breit und schmal, stuͤlpige, run- de oder eckigte, gefaltene oder glatte, nachdem es nehmlich eines Orths der Gebrauch und Her- kommens, oder die mode ist, zuweilen auch das Spruͤchwort, daß einem jeden Narren seine Kappe gefalle, dabey eintrifft. Nachdem, was hernach die Hut-Staffirer darzu thun, seynd solche Huͤte entweder mit Seiden oder Silber eingefaste, mit Flor oder Sammet uͤberzogene, auffgekrempte, gefuͤtterte Huͤte, und was der- gleichen mehr. Der Quali taͤt nach, sind etliche grobe oder feine, Sommer oder Winter, Reise, Regen- und Strappaza - Huͤte/ deren etliche Wasser hal- ten, und wie die Codebecker und Doͤbler Huͤ- te thun, nicht leieht durchgenetzet werden koͤnnen. Sie seynd auch starck geleimte, oder weich und schlappe, die man, ohne daß sie brechen, zusam̃en- wickeln, und einige ihrer Geschmeidigkeit wegen gar in Schubsack stecken kan. Jhre Benennung nehmen sie entweder von dem Lande oder Stadt, wo sie gemachet werden, als daß man sagt: ein Englischer, Frantzoͤsischer, Codebecker, Berliner, Dreßdner oder Doͤb- lischer, (das ist in der Saͤchsischen Stadt Doͤ- B beln, Beschreibung beln, welche sonderlich wie das Tuch, also auch des Hutmachens wegen beruͤhmt ist) gemachter Hut. Sie heissen auch von der Personen ihren Alter, Kinder oder Jungens und erwachsener Leute oder Maͤnner Huͤte. Nach ihrer Quali- taͤt aber Bauren Huͤte, das ist grobfiltzigte, und denn schon etwas feinere, vor Buͤrger und hoͤ- here Standes-Personen. Wiewohl sich man- cher Landmann darunter auch nichts nehmenlaͤst sondern offt einen so guten und feinen Hut, als ein Stadt- oder Buͤrgersmann traͤgt, weil er sol- chen eben so wohl, und zuweilen noch besser als dieser bezahlen kan; sonderlich, da nunmehro die feinsten Huͤte so gut in Teutschland als in Franck- reich und Engelland, und auch weit wohlfeiler ge- machet werden, dadurch zum wenigsten vor Teutschland Jaͤhrlich eine halbe Million Reichs- thaler erspart wird. Welche sonst vor dergleichen Huͤte nach Engeland und Franckreich gesand werden muͤssẽ. Ja es wuͤrde der Nutzen noch groͤs- ser seyn, und sich in manches Herrn Land etliche 100. Mann Soldaten davon unterhalten lassen, weñ man auff die noch biß dato eingehende frem- de Huͤte einen Reichs-Thl. pr. Stuͤck Accis leg- te, damit zum wenigsten der Teutsche Frantzoß, welchem nichts gut duͤncket, als was aus der Frembde koͤmmt, und fein theuer ist, ja welcher sich mehrmahls darinnen uͤber seinen eigenen Landes-Herrn, (der selber kein Bedencken traͤgt, von seines Landes Manufactu ren einen Hut auff dem Kopff zu tragen) erheben und vor solchen et- was des Hutmacher-Handwercks. was voraus haben will, seine Luͤsternheit, unge- gruͤndetes Vor-Urtheil, Hochmuth, und weni- ge Liebe zu seinen Vaterlande, oder doch zum we- nigsten zu dem Lande, von dessen Landes-Herrn er sein Brod haben muß, theuer buͤssen und bezah- len muͤste. Ferner, so heissen auch die Huͤte nach dem Ge- brauch und Digni taͤtẽ der Personen, Churfuͤrstl. Cardinals und Bischoͤffliche, Praelaten. Do- ctors- Rathsherren- Soldaten- und Sturm- Huͤte ꝛc. Jn Schertzhafften Verstand aber Hahnrey- Huͤte und Narren-Kappen ꝛc. Von welchen al- len in folgenden Capitel mit mehrern wird gehan- delt werden. Die Bedeutung der Huͤte betreffend, so wolten die Alten sonderliche Kennzeichen der er- langten Digni taͤten und Wuͤrden durch solche zu bemercken geben; als wenn bey denen alten Roͤ- mern jemand aus der Knecht- und Leib-Eigen- schafft in die Freyheit kam, so wurde er in den Tempel der Goͤttin Feroniæ, mit einem Hut be- schencket. Als auch der Tyrann Nero an eben dem Tag, an welchen er zuvor Octavium getoͤ- det hatte, gestorben, lieff das Roͤmische Volck, zum Zeichen ihrer durch des Tyrannen Tod nun wieder erlangten Freyheit, mit Huͤten auf den Koͤpffen in der Stadt herum. Nicht weniger die- nen auch die Huͤte, wenn wir zum Zeichen der Reverenz, die wir gegen einen andern haben, den Hut ehrerbietig vor ihn abnehmen. Sie dienen B 2 aber Beschreibung aber auch zu Bezeugung der Hoheit und ober- herrlichen Gerechtigkeit, wie hernach in dem fol- genden Capitel mit Exemplis wiꝛd bewiesen wer- den. An etlichen Orten wird auff oͤffentlichen Marck-Plaͤtzen ein Hut auff eine Stange geste- cket, zum Zeichen, daß nunmehro jedermann erlaubt sey frey zu kauffen und zu handeln; so bald aber solcher Hut wieder abgenommen wird, so muͤssen sich die Verkaͤuffer und Frembden des Kauffens enthalten, und solches allein denen Buͤrgern uͤberlassen. Ein Hut ist auch zuwei- len auff Bauren-Kirmessen der Gewinn oder das Præmium deßjenigen, der im Wettrennen, oder Mayen-Baum besteigen sich vor andern signalisir et. Von einem Grobiano, der den Hut nicht gern abziehet, sagt man: Er habe Sperlin- ge oder andere Voͤgel darunter, und sorge, daß wenn er den Hut abzoͤge, solche außfluͤgen moͤch- ten. Wie mancher vermeinter Philosophus, oder besser auff Teutsch zu sagẽ, Schulfuchs in seinem breiten unauffgesiuͤlpten hohen Spitz-Hut eine Philosophi sche Gravi taͤt suche, solches ist bekant. Von denen Weibern, die uͤber ihre Maͤnner das Regiment affectir en, sagt man, sie haben den Hut, id est, sie maßen sich dessen, nehmlich des Hauß-Regiments an, welches ihnen nicht ge- buͤhret; zuweilen aber doch vernuͤnfftiger in ih- ren, als des Mannes Haͤnden, (wenn er solches gleich behalten haͤtte) gefuͤhret wird. Die Materiam betreffend, aus welcher die Huͤte und die zu denenselbigen gerechuete Barete, Muͤ- des Hutmacher-Handwercks. Muͤtzen, Hauben und Kaͤplein verfertiget wer- den, so mag man wohl ehmahls nach Athenæi Bericht, zottigte Huͤte und Hauben aus Schaaf- Fellen zubereitet haben, welche Vegetius Pan- nonicos nennet. Die Roͤmer machten auch wohl aus zerfetzten Reise-Maͤnteln ihre Huͤte; wie aus Papinio und Martiali, Pierius erzehlet, wiewohl wir dergleichen Occasions- Huͤte, mehr denen Soldaten, als Buͤrgers-Leuten selbiger Zeit zuschreiben wollen. Von denen Gara- mantis erzehlet Lucianus, daß solche Straus- sen-Eyer entzwey geschnitten, und selbige statt eines Huts getragen. A. 1518. soll man nach Zeileri Bericht in Schwaben am ersten ange- fangen haben, Huͤte oder Barete aus steiffer ge- leimter Leinwand gemacht, und mit Sammet, Seiden-Zeug oder Tuch uͤberzogen, zu tragen. Heutigs Tags braucht man mehrentheils Wol- le und Haar, wie denn von diesen Letztern das lateinische Wort Pileus, von Pilis (entweder, weil damahls schon die Huͤte aus Haaren gema- chet worden, oder dieselben zu bedecken dienten) herkommet, die Stroh-Huͤte, deren sich bey uns einiges Frauen-Volck bedienet, lassen wir an ihren Ort gestellet seyn. Sturm-Huͤte und Casqueten werden aus Ei- sen und Leder gemachet. Jn dem dritten Buch Mosis am 16. Cap. im 4. v. wird eines Leinen, oder von Leinwand gemachten Huts gedacht, als eines Stuͤcks der heiligen Kleider, welche Aa- ron anhaben muste, wenn er in das imvendige B 3 Hei- Beschreibung Heiligthum hineingehen solte. Diese aus Lein- wand gemachte weisse Kleider wurden die Ver- soͤhn-Kleider genannt, von welchen Maymoni- des im 18. Cap. des Buchs Halacha Cele Ham- mikdasch, aus dem Talmudi schen Tractat Massachta Joma genannt, spricht: Der Klei- der Laban waren vier, die der Hohe Priester auf den Fest-Tag, wann er das Amt verrichtete, an hatte; es waren weisse Kleider allein aus Lein- wand verfertiget, nehmlich ein Rock und Unter- Hosen, ein Guͤrtel und eine Muͤtze; denn der Hohe Priester durffte niemahls mit unbedeckten Haupt den Gottes-Dienst abwarten. Jm uͤbri- gen war dieses weiße Kleid so gar und allein zum Heiligsten der Heiligen/ oder zum Allerheilig- sten des Tempels gewidmet, daß der Hohe Prie- ster, wenn er an demselben Versoͤhn-Tage, aus- serhalb des Allerheiligsten das Amt abwarten wolte, zuvor das Weiße ab, und das Guͤldene Kleid anlegen muste/ vid. Cunæus in Repub. Jud. lib. 2. Cap. 1. et 2. p. 163. \& seqq. Jm dritten Buch Esræ am 2. Capitel wird eines Seidnen Huts gedacht; heutigs Tags werden die meisten Huͤte von Wolle und Haaren ge- macht, davon aber ein mehrers in dem dritten Ca- pitel, da wir ex professo von dem Hutmacher- Handwerck ihren Instrumentis und Handgrif- fen handeln, wird geredet werden. Folget nunmehro von der Handlung, die mit Huͤten, Bareten und Muͤtzen in der Welt getrie- ben wird. Die Erste, nehmlich die Huͤte belan- gend, des Hutmacher-Handwercks. gend, so ist oben schon Anregung gethan, daß Teutschland biß hieher viel feine Haar- und Woll-Huͤte, sonderlich gantz und halbe Castor aus Engeland und Franckreich gezogen habe, welche aber nunmehro in Teutschland, sonder- lich seit der Zeit, da sich die reformir ten Fran- tzosen darinnen niedergelassen, so gut/ als in ob- besagten Reichen gemachet werden. Daß man also der frembden Huͤte gar nicht noͤthig haͤtte, o- der doch zum wenigsten dieselben zum Profit des Ærarii, und theils zum Einfluß in der Hutma- cher Jnnungs-Lade zum Fundo des Auffhelf- fens der armen Hutmacher, gar wohl mit hoher Accis belegen koͤnte. Allermeist, weil diese Waar ohne dem kein reales Handels-Stuͤck, sondern nur in Galanterie- Kraͤmer Haͤnden ist, die sie ausserhalb vor baar Geld einkauffen, und nichts von unsern Teutschen Land-Waaren dagegen absetzen, bey welchen man sich auch, ob man solche gleich verbieten solte, keiner Repressalien zubesorgen hat. Was die Wollen-Huͤte anbe- langt, deren uns Franckreich sonderlich von ih- ren Codebecker biß hieher eine grosse Qvantitaͤt zugeschickt, ist nunmehro fast keine Teutsche Provinz oder Stadt mehr, in welcher nicht so ein tuͤchtiger und Wasserhaltender Hut, als in Codebec solte gemachet werden. Wenn man uͤberdas in Teutschland die loͤbliche Frantzoͤsische Manier annehmen, und denen Hutmachern durch ein Reglement aufflegen solte, wie sie sich im faͤrben der Huͤte zu verhalten, daß solche nach B 4 der Beschreibung der in dem dꝛitten Capitel beschriebenen methode bestaͤndig schwartz bleiben moͤchten, so wuͤrden voͤllig die Beschwerden gehoben seyn; um wel- cher willen bißanhero die Frantzoͤsischen Huͤte de- nen Teutschen vorgezogen worden. Die sogenannten Hutstaffirers oder Baret- Kraͤmers belangend, ist ihr Stand und Profes- sion allerdings nuͤtzlich und noͤthig, weil sie die von denen Hutmachern verfertigten Huͤte voͤllig zu garnir en, und auch allerhand Sorten von Huͤten und Bareten, denen die solche fordern, vorzulegen wissen, wiewohl dabey denen Hut- machern das Garnir en oder Einfassen ihrer eige- nen gemachten Huͤte, wie auch das Hauben-Ein- setzen unbenommen bleibet. Jn Paris machen die Hutstaffirer oder Haubenmacher den fuͤnff- ten Stand der Kauffleute, und haben allerley Hauben und Kappen, sowohl viereckigte, als andere, wie auch Seidene, Wollene und Zwir- nene Struͤmpffe, Cameel-Haar, und andere dergleichen Galanterie- Waaren zum Kauff. Bey uns in Teutschland werden die Priester- Ba- ret und Rathsherren-Huͤte von ihnen verferti- get, und nach Begehren mit Tuch, Sammet oder Seide uͤberzogen. CAPVT II. Was man so wohl Moraliter als Politice uñ Historice der Huͤte und ihres Rechts wegen zu beobachten habe/ da denn sonderlich ei- ne des Hutmacher-Handwercks. ne ausfuͤhrliche Beschreibung Chur- und Fuͤrstlicher, wie auch der rothen Cardinals- und anderer sonderbahren Huͤte, item wie von einem auffgesteckten Hutder Schwei- tzer Freyheit/ ihren Anfang zum Theil mit genommen, gegeben wird. J N dem vorigen Capitel ist allbereit ein An- fang unterschiedlicher, die Huͤte angehen- de Betrachtungen, gemachet worden; in diesem soll es nun ausfuͤhrlicher geschehen, und zwar haben wir die Huͤte/ als ein sonderbahres Stuͤck unserer nach den Suͤnden-Fall benoͤthig- ten Bekleidung anzusehen, mit welchen vornehm- lich das Haupt, als der vornehmste Theil des Menschlichen Coͤrpers, der Sitz der Vernunfft und der (alle andere Glieder regend- und bewe- genden) Lebens-Geister bedecket, und so wohl vor der Hitze der Sonnen, als auch dem von Wind, Schnee und Regen entstehenden Unge- mach beschirmet, und nach Erforderung der Landes-Art gezieret wird. Wenn wir den Himmel ansehen, so ist selbiger ein Hut, oder ruͤnd um den Erdboden gehende Bedeckung des- selben; die Haͤuser seynd denen Menschen zu glei- chen Nutzen gebauet, und der Mensch als die klei- ne Welt traͤgt auff seinem Coͤrper eine solche Be- deckung, umb vor dem Ungemach der Sonnen- Strahlen und des Regens sicher zu seyn, weil nun dieses kleine Schirm-Dach von Huͤten be- B 5 weg- Beschreibung weglich ist, und nach Belieben auffgesetzt und abgenommen werden kan, als hat man eben wie in dem Segelstreichen auch ein Point d’ hon- neur und Stuͤck der Hoͤfflichkeit darinn gesucht, daß ein Oberer gegen seinen Untern bedeckt, die- ser aber gegẽ jenẽ unbedeckt stehet. Welches auch so weit exaggerir et und so genau gesuchet wird, daß man endlich gewisse Vor-Rechte daraus ge- macht, selbige auch in gewisse Graͤntzen einge- schlossen hat; also wird sich so leicht niemand entbloͤden in Gegenwart seines Landes-Herrn, mit bedeckten Haupte zu stehen, es muͤste denn ein Menonist oder Quacker, oder gar ein unge- schliffener Bauer seyn. Ein Landes-Herr hinge- gen wird diesesfalls die in Jhm residiren de Ho- heit und Majestaͤt, in Faͤllen das Staats- Cere- moniel betreffend, auch schon in der Bedeckung zu observir en wissen. Hingegen wo dieses cessi- ret, und das Decorum die Oberhand nimmt, da hat man taͤgliche Exempla, daß theure Landes- Vaͤter, die, sie venerir ende Untere, auch mit Ge- gen-Abziehung des Huts, ja wohl manchmahl aus sonderbaren Trieb der Guͤtigk. und Hoͤff- lichkeit dieselbe gar unbedeckt anzuhoͤꝛen begnadi- get haben; welcher kleine Faveur zuweilen mehr Renommee und Gegen-Liebe, als grosse Ge- schencke, oder zur Unzeit erzeigte Ernsthafftigkeit, erwecket hat, nach dem bekannten Sprichwort: Sapientis est nonnunquam de suo Jure rece- dere, es ist manchmahl gut und viel wuͤrckend, etwas von dem vor sich habenden Recht nachzu- las- des Hutmacher-Handwercks. lassen. Aber wieder auff den ersten Fall, nehm- lich des clausulir ten Ceremoniels zukommen, so ist bekannt, daß alle Spanische Grandes sich vor ihrem Koͤnig, wenn sie mit ihm reden, bede- cken moͤgen, wiewohl mit diesem Unterschied, daß die Grandes von dem ersten Rang mit diesen Worten von dem Koͤnig zum Grandat erhoben werden: Bedecket euch/ und vor die Eurigen; auff welche Worte sie den besonderen Vortheil haben, daß sie ihre hohe Wuͤrde auff ihre Erben fortsetzen koͤnnen. Die Graudes vom andern Rang haben zwar auch die Genade, daß ihnen der Koͤnig sich zu bedecken befiehlet, doch saget der Koͤnig nichts mehr dabey; dahero wenn sie sterben/ auch das Grandat mit ihnen abstirbt, und weiter nicht in die Familia fort erbet, Die Grandes des dritten Rangs duͤrffen sich nicht e- her decken, biß der Koͤnig geredet hat. Welcher gestalt hoher Potentaten Gesandte, bey solenn en Audienzi en an andern Hoͤfen sich zu bedecken, und solcher gestalt ihr Anbringen zu thun pflegen, solches ist nicht allein aus der taͤglichen Erfahrung bekannt, sondern auch weitlaͤufftig mit gar vielen rationibus und Ex- emplis bey unterschiedlichen Authoribus, vor- nehmlich in des Herrn von Wicqueforts Ambas- sadeur zu sehen, und ist hieher nicht zu ziehen des Tyrannischen Draculæ Waywodens in Sieben- buͤrgen seine wieder das Voͤlcker-Recht lauffende That, da er denen an ihn von der Ottomanni- schen Pforte gesandten Legatis, weil sie ihre Haͤu- Beschreibung Haͤupter nicht vor ihn entbloͤsen, und ihre Tuͤr- ckische Buͤnde nicht abziehen wollen, solche auff den Koͤpffen annageln lassen. Wann Gleiche mit Gleichen sich einander be- gegnen, so erfodert unter Civilisir ten Leuten die Hoͤfflichkeit sich einandeꝛ durch Abziehung der Huͤ- te zu salutir en/ und so mancher grober Gesell einen ihm solcher Gestalt Ehr erweisenden/ nicht mit gleicher Hoͤfflichkeit begegnen solte, so haͤtte der dadurch beleidigte zu gedencken, quod honor sit honorantis, non honorati, daß die also erwie- sene, aber uͤbel vergoltene Ehr-Bezeugung wie- der auff ihn zuruͤck gehe, als einen der die Regu- la der Hoͤfflichkeit, (welche der andere Grobia- nus aus der Acht gelassen) in acht genommen hat Nachdem aber, das solcher gestalt mit Ab- ziehung des Huts erzeigte Begruͤssen etwas de- licat, in Ansehung des darunter veisir enden Point d’ honneurs bey einigen, wiewohl offtmahls uͤ- bel gegruͤndet und mal a propos, werden will, so ist nunmehro die mode in grossen Staͤdten auff- gekommen, die Huͤte unter den Armen zu tragen, umb dadurch zu keinen stetigen oder vergeblichen oder auch uͤbelangewandten und zubereuenden Hut abziehen, verbunden zu seyn, sehr eingeris- sen, und zwar einiger maßen nicht ohne Nutzen und Beqvemlichkeit, deren auch einige diese seyn mag, daß durch das viele Abziehen und wieder Auffsetzen, die Huͤte nicht zu sehr begriffen, und die Fronten an denen Peruquen zu viel niederge- druͤckt und in Unordnung gebracht werden moͤch- ten. des Hutmacher-Handwercks. ten. Wenn in dessen geringere vor denen, welche Honoratiores als sie seyn, schon manchmahl den Hut zu Ehren abziehen, ob sie gleich keine Ge- gen-Hoͤfflichkeit empfangen, so muß es darum nicht gleichuͤbel von ihnen ausgeleget werdẽ, an- gesehen, auff ihrer Seite eine groͤssere Verbin- dung darzu, als auff jener seynkan, uͤber dem auch ihrer viele die begruͤsset worden/ offtmahls entweder in die Ferne nicht wohl sehen koͤnnen, umb ihr Gegen- Complement abzustatten; oder auch in Gedancken gehen, daß sie dißfalls an dem Decoro wieder ihren Willen einen Mangel er- scheinen lassen; etwan auch den Alter, der Con- dition oder andern Umstaͤnden nach, von dem Gruͤssenden so weit entfernet seyn, daß sich deꝛselbe deßfalls gar nicht zu formalisir en Ursach hat, son- dern nach als vor seine Schuldigkeit fortzusetzen nicht ermangeln muß. Hierbey faͤllt nun nicht unbillich die Frage vor, was von denjenigen zu halten, welche in waͤhren- der Predigt in der Kirchen, sonderlich bey Nen- nung des allerheiligsten Nahmens JESU, o- der der hochheiligen Dreyeinigkeit, ihre Huͤte auff den Koͤpffen sitzen lassen, gleich als wenn sie mit Pech darauff geklebet waͤren, wir antwor- ten, daß solches eine uͤble Zucht und Gewohnheit sey. Dort dorffte Moses zu dem brennenden Busch nicht nahen, er hatte denn zuvor seine Schuh ausgezogen, denn die Staͤdte darauff er stand, war heilig, wie zu lesen im 2. Buch am 3. Capitel. Nun lebet aber eben dieser GOtt, der Beschreibung der damahls aus dem Busch zu Mose rieff, und ihme die Schuhe auszuziehen befahl, noch auf den heutigen Tag, ist auch in seiner Kirchen feu- rigen Wort, und heiligen Geheimnuͤß-vollen Sa- cramenten, noch immer gegenwaͤrtig, nach sei- ner ewigen Verheissung beym Evangelisten M at- thæo am 27. Cap. v. 20. Warum solte denn von denen heutigen Christen weniger Respect gegen ein solches heiliges Wesen, als dort von dem Mo- se erfodert werden: Es sollen sich ja in dem Nah- men JESU beugen alle die Knie die in Himmel, auff der Erden und unter der Erden seyn, nach dem in der Epist. S. Pauli an die Philipper C. 2. v. 10. vor uns habenden Befehl? Warum denn nicht auch die Huͤte abgezogen? welches noch lange nicht so viel Muͤhe, als das Knie-Beugen machek. Jn der Offenbahrung Johannis am 4. Cap. im 10. v. lesen wir, daß die 24. Aeltesten vor dem der auff dem Stuhl saß, niedergefallen, und den angebetet, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, daß sie auch ihre Kronen vor dessen Stuhl mit diesen Worten hingeworffen; HErr du bist wuͤrdig zu nehmen Preiß und Ehre und Krafft, denn du hast alle Dinge geschaffen, ꝛc. So nun die triumphirende Kirche ihre allertieff- ste Devotion GOtt und dem Lamm, welches unser HErr und Heyland CHristus JEsus ist, mit Niederwerffung ihrer Cronen zu den Fuͤssen seines Throns also bezeuget, wie vielmehr haben steꝛbliche und noch Staub und Asche seynde, auch unter der Suͤnde annoch lebende Menschen Ur- sach, des Hutmacher-Handwercks. sach, ihre Demuth und Reverence dem Hoͤch- sten und vollkommensten Wesen, der allerhei- ligsten Dreyeinigkeit, durch Abziehung der Huͤ- te, ja gar nach der Ermahnung Pauli in denen Gottes-Haͤusern unbedeckt zu bleiben, zu erwei- sen? kein supplici render Unterthan erkuͤhnet sich ja, den, der uͤber ihn gesetzet ist, ohne Ehrerbietung und Entbloͤsung des Haupts anzutreten; wie sol- te sich denn ein suͤndiger Mensch eines solchen ge- gen den HErrn aller Herren unterstehen doͤrffen. Jst demnach die in Engeland eingefuͤhrte Manieꝛ, daß niemand in denen Kirchen, unter wehrenden Gottesdienst den Hut auffsetzet, sehꝛ loͤblich, und schreibet hiervon der Author des Memoires d’ Angletterre p. 119. gar wohl: Die Engli- sche Kirche siehet dieses vor einen erschrecklichen und Verdammniß-wuͤrdigen Greul an, daß Christen welche GOtt kennen, sich erkuͤhnen moͤ- gen, an heiligen und zu Gottes Ehre geweyheten Oertern die Huͤte auffzusetzen, ja es ist das Auf- setzen der Huͤte oder Barete allermeist, wenn es ein Prediger auff der Cantzel selbst thut, eine so grosse Aergerniß vor einen eyfrigen Church- man, daß er lieber den Teuffel aus der Hoͤll, als einen solchen bedeckten Prediger sehen solte, und wuͤrde noch mancher mehr in die Kirche kommen, wenn er nur nicht das Aufssetzen der Huͤte, beydes an einigen Predigern, als Zuhoͤrern befuͤrchten doͤrffte. Wir gehen aber weiter und bemercken, daß gleichwie der Hut, den man auff den Kopff setzet, und Beschreibung und die Hut oder Huͤtung die man uͤber lebendi- ge und leblose Dinge nimmt, (dahero auch Huͤ- ter, ein Waͤchter, Auffseher und Beschirmer) gleichlautende Woͤrter seyn; also geben uns auch solche Huͤte ein schoͤnes morale der ob uns stets waltenden Genade Gottes, Er huͤtet und wacht, stets fuͤr uns tracht, auff daß uns ja nichts fehle, singet die Christliche Kirche. Jn Erwegung deß, wenn die Hand Gottes einmahl von uns ab- gezogen seyn solte, wir wie verirrte Schaafe dem Hoͤllischen Raub-Wolff zu Theil werden wuͤr- den. So uns auch die Huͤte vor der Sonnen Stralen, und dem Fluͤsse bringenden Monden- schein beschuͤtzen, so behuͤtet uns noch vielmehr die Allmachts-Hand des Allerhoͤchsten, und ist ein Schatten uͤber uns, daß uns des Tages die Son- ne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Ps. am 21. v. 5. 6. Huͤte werden denen Kindern nicht gleich auff- gesetzet, ausser was die so genannten Wuͤlste und ausgestopfften Fall-Huͤte, welche sie im Fallen vor Schaden bewahren sollen, betreffen moͤchte, sondern sie bekom̃en erst solche bey zunehmenden Jahren, als ein Stuͤck des Maͤnnlichen Kleides, also sagt Paulus in der 1. Epistel an die Corin- thier am 13. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und hatte Kindische Anschlaͤge, da ich aber ein Mann war, da legte ich ab was Kin- disch war. Ferner so deuten die Huͤte die Freyheit an, da- hero so wohl vormahls, als noch heutiges Tags die des Hutmacher-Handwercks. die Sclaven sich nicht mit Huͤten, sondern nur mit schlechten Muͤtzen bedecken duͤrfften. So wir demnach durch Christum frey gemacht, und denen Banden des Satans entkommen seyn, so lasse man abermahl nach der Vermahnung des Apostels sich angelegẽ seyn, eine gute Ritteꝛschafft zu uͤben, Glauben und Gewissen zu behalten, den Helm des Heils, als die rechte Sturm-Haube wieder die Anlaͤuffe des Satans zur Hand zu neh- men, und einen guten Kampff zu kaͤmpffen, da- mit wir nicht auffs neue in die Knechtschafft ge- rathen, und das letztere Ubel mit uns aͤrger wer- de, als das vorige. Dorten wuͤnschte jener Knecht bey dem Plauto in Amphitr. Utinam ille faxit Jupiter, ut raso Capite portem pileum! Diese Redensart kam daher, weil bey denen Roͤmern, denen Leibeigenen Knechten, wenn sie ihre Frey- heit erhielten, erstlich das Haupt beschoren, und sodann der Hut auffgesetzet wurde, welches man ad pileum vocare hieße. Gleicher Gestalt sol- len wahre Christen stets wuͤnschen frey zu werden von den Luͤsten und der Eitelkeit dieser Welt, und bey CHristo zu seyn Petasus hieß ein Reise-Hut, oder Pileus Viatorius, dahero die Cantzley-Bo- ten von Cicerone und Plauto, Petasati genennet werden, weil sie, wie heutigs Tags noch die Pil- grime breite Huͤte auffhatten, umb unter solchen vor Hitz und Regen gesichert zu seyn; wer hat dessen wohl mehr, als die durch die Wuͤsten die- ser Welt wallende Christen noͤthig; dannenhe- ꝛo sie billich mit David aus seinem 18. Psalm am C 3. Vers Beschreibung 3. Vers sagen: HErr mein Felß, meine Burg, mein Hort, auff den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz ꝛc. und aus dem 27 Ps. 5. v. Er decket mich in seiner Huͤtten zur boͤsen Zeit. Er verbirget mich heimlich in sei- nem Gezelt. Daß auch die Farbe an denen Kleidern und Huͤten zuweilen ihre sonderbahre morali sche Be- deutung habe, solches sehen wir an denen Car- dinals-Huͤten, welche darum roth seyn, anzu- zeigen, daß diejenigen, die solche tragen, allezeit bereit seyn solten, ihr Blut vor die Christliche Lehre und Bekaͤntniß der Wahrheit zu veꝛgiessen. Wenn nun dieser Cardinals-Huͤte wegen unter- schiedliche (den geneigten Leser vielleicht nicht un- angenehme) Betrachtungen vorfallen, als wol- len wir dieselbe ansehen (1.) Von und an wen sie conferi ret, (2.) was vor Sollenni taͤten bey der Ubergab vorgehen, und (3.) was so dann ferner ein solcher mit dem Car- dinals-Hut beehrter Prælat, des Ceremoniels halber zu beobachten habe. Betreffend den Creatorem oder Collatorem, das ist, denjenigen der die Cardinaͤle machet, so ist solches niemand anders, als der Papst selbst. Hier wollen wir uns nun nicht lange mit Unter- suchung des ersten Stiffters der Cardinaͤle, de- nen zur Erlangung des Cardinalats erfoderten Requisitis, oder andern dahin gehoͤrigen Um- staͤnden auffhalten, sondern nur bloß von dem Cardinals-Hut melden, daß Papst Innocenti- us des Hutmacher-Handwercks. us IV. denselben zum ersten mahl auff dem Con- cilio zu Lyon in Franckreich angeordnet, und nach erlicher Meynung auch die Purpurne Sot- tana oder Unter-Rock, als den vornehmsten Schmuck ihrer Digni taͤt. Es wird aber solches mit bessern Grund Bonifacio dem VIII. zugeschꝛie- ben. Die Cardinales Seculares hatten vor- mahls allein das Privilegium Purpur zu tra- gen, und giengen die Regulares bloß in ihrem Or- dens-Habit, als aber Gregorius der XIV. sahe, wie diese eben so wohl als jene, ihr Blut vor die Kirche zu vergiessen verbunden waͤren, gab er ihnen auch das rothe Baret, und befahl ihnen in eben den Kleidern, als die andern Cardinaͤle, je- doch von anderer Farbe zu gehen. So bald je- mand zum Cardinal von dem Papst erneñet wor- den, und selbiger hierauff in das Consistorium Secretum kommet, so kniet er dreymahl nach ein- ander vor seiner Paͤpstlichen H eiligkeit nieder, und kuͤsset ihr den Fuß, hierauff wird ihme also kni- ende von dem Papste das rothe Baret mit diesen Worten auffgesetzet: Esto Cardinalis, und als- denn ein Creutz uͤber ihn gemacht; der Promo- tus nimmt alsdenn das Baret wieder ab, und ver- richtet den Fuß-Kuß von neuen. Ob nun gleich ein solcher Cardinal das rothe Baret empfangen, so traͤget er doch den rothen Hut nicht eher, als biß ihme solchen seine Paͤpst- liche Heiligkeit entweder mit eigener Hand im Consistorio gegeben, oder durch special- Gena- de, wenn ein solcher abwesend ist, uͤbersendet hat. C 2 Es Beschreibung Es schicket aber der Papst denen Abwesenden den Cardinals-Hut durch einen seiner Camme- rier oder Edelleute, mit einem an den Nuntium, Bischoffen oder andern Praͤlaten selbiges Orts (wo der neue Cardinal sich auffhaͤlt) gerichteten Breve; so bald als solcher Gesandter ankoͤmmt, wird er von dem neuen Cardinal, uñ dessen Freun- den, praͤchtig eingeholt, und der Hut, wie bey solennen Paͤpstlichen Cavalcaden auff einer Mazza oder Kolben oͤffentlich vorher getragen; des nechsten Sonn- oder Fest-Tags darauff versammlen sich bey dem neuen Cardinal derjeni- ge, der den Hut von Rom gebracht; Der, wel- cher ihme solche auffsetzen soll, und denn alle die dieser Solenni taͤt beywohnen wollen. Darauff gehet der neue Cardinal, wenn es der Gebrauch des Orts zulaͤßt, zu Pferd in der Kappe und schwartzen Hut, wie auch in Begleitung seiner guten Freunde, und vornehmlich des Paͤpstli- chen Legati, welcher den Hut vor Jhn hintraͤgt zur Kirchen; so bald er in selbiger angelanget, ver- richtet er sein Gebet vor dem Altar und hoͤret die Messe; nach diesem legt der Prælat, so ihme mehr gedachten rothen Hut geben soll, den Priester- Rock und die Mitram an, und setzt sich, daß er von jedermann kan gesehen werden, an einen er- habenen Ort. Hiꝛeauff begiebt sich der Camme- rier zum Altar, und præsentirt dem Prælaten das Paͤpstliche Breve, welches er mit gebuͤhren- der Reverence annimmt, und nachdem er es oͤf- fentlich verlesen lassen, eine Lob-Rede daruͤber haͤlt, des Hutmacher-Handwercks. haͤlt, nach welcher sich der Cardinal zum Altar begiebt, und kniend das von Rom uͤberschickte Jurament, der Prælat aber seine Mitram ablegt, und uͤber den neuẽ Cardinal einige im Roͤmischen Ceremoniel vorgeschriebene Gebet lieset; wenn dieses geschehen, bedecket sich der Cardinal wie- der mit dem Capuccio, der Prælat nimmt hier- auff seine Mitram wieder, worauff von dem Roͤ- mischen Legato dem neuen Cardinal der Hut auffgesetzet, und der Kuß des Friedens Osculum pacis ertheilet wird; uͤber eine Weile wird der Cardinals-Hut wieder abgenommen, der Præ- lat aber singet das Te Deum laudamus, und spricht hernach in der Mitra den Seegen uͤber das Volck. Endlich aber legt er den Pontificial-Ha- bit ab, und begleitet den neuen Cardinal, nebenst andern wiederum in einer Cavalcade, jedoch traͤgtjener hiebey den rothē Hut auff dem Haupt und tractor et hierauff, wenn er nach Hauß kom- met, splendide seine Favorit en. Wenn ein Cardinal nach Rom gehet den ro- then Hut zu nehmen, traͤgt er zwar Violet- Car- dinals, aber doch einen Reiß-Habit, und einen gemeinen Hut mit einer von Gold und rother Seide gewuͤrckten Tresse. So bald er sich an Rom naͤhert, lassen ihn die Herren Cardinaͤle ih- re Kutschen entgegen fahren, und Jhn in sein Zimmer bringen, in welchem er gebuͤhrend com- plimentir et, und ihm durch einen Barbier die Chierica geschoren wird, nach diesem nimmt er den langen Habit nebenst dem Rocchetto, und C 3 wird Beschreibung wird hierauff bey dem Papst zur Audienz ge- fuͤhrt; vor welchem er dreymahl niederkniet, den Fuß- und Hand-Kuß verrichtet, und mit dem Osculo pacis beneventi ret wird. Wenn er von Jhro Heiligkeit Urlaub genommen, so begleitet er den Cardinal, der ihn zur Audienz gefuͤhret biß zu dessen Zimmer, und leget alsdenn die Visi- ten bey denen Vornehmsten ab, begiebt sich hier- auff in sein erwehltes Logiment, aus welchem er jedoch nicht außgehet, biß er von Jhro Hei- ligkeit ein Consistorium Publicum erhalten. Er kan zwar wohl Visiten annehmen, sie muͤssen a- ber privatim geschehen, und gehet er dabey nicht aus dem Zimmer, noch begleitet jemand, er sey auch wer er wolle. Am Tag des Consistorii haͤlt man die ge- woͤhnliche praͤchtige Cavalcade. So nun der neue Cardinal ein Ertz- oder Bischoff ist, so traͤgt er dabey einen schwartzen mit gruͤn gefuͤtterten Pontificial- Hut, waͤre er aber nur bloßer Prie- ster oder Prælat, so ist solcher Hut mit Schwartz gefuͤttert; er traͤgt auch dabey (wenn es der Tag zulaͤst) rothe Kleidung, eine Violet- Kappe, von gewaͤsserten Schamelot, und seynd mehrentheils bey solcher Cavalcade die saͤmptlichen Herren Cardinaͤle zugegen. So bald die Procession im Consistorio ange- lãget, so macht deꝛ neue Caꝛdinal dem Papst die eꝛ- ste Reverenz, die andere in der mitte, uñ die dritte unten bey der Stiege des Thrones. Deñ er her- nach hinauff steiget, und Jhro Heiligkeit (die Jhn des Hutmacher-Handwercks. Jhn so gleich ad osculum manus \& oris admit- ti ret) die Fuͤße kuͤsset; alsdenn nimmt er von je- den Cardinal das Osculum pacis, hierauff ge- he n noch unterschiedliche Ceremoni en vor, biß er endlich nach abgelegten Jurament zum letzten- mahl vor Jhro Paͤpstl. Heiligkeit niederkniet, welche ihm hierauff nach einer kurtz gehaltenen Oration den Hut aufsetzet, und sich hernach in ihr gewoͤhnliches Zimmer retirir et; worauff der neue Cardinal den Hut wieder ableget, sich auff die Seite begiebet, und erwartet biß die Cardi- naͤle auff dem Koͤniglichen Saal einen Creyß ge- schlossen Alsdenn macht er nach der Ancienni- té einem nach dem andern die Reverence, die ihn hierauff wieder complimenti ren; womit denn diese Solennit aͤt beschlossen wird. Der rothe Hut wird ihme hieꝛnechst von einem geheimen Cam̃e- rier nach Hauße gebracht, wofuͤr er alsdenn ei- ne gute Recompens zu gewarten, und zwar aufs wenigste Fuͤnffhundert Duca ten, die abwesend den Hut bekommen, geben wohl 1000. Fuͤrstliche Personen aber allezeit doppelt. Wenn jemand der Cardinals-Hut im Consistorio Publico er- theilet wird, so giebt man nur 300. und die Ab- wesenden doppelt so viel; in diese theilen sich her- nach die geheime und participiren den Camerie- ri, derjenige aber, so das Baret gebracht, bekoͤm̃t gleichen Theil, wenn er auch kein participant waͤre. Wenn die Cardinaͤle in Violet gehen, so tra- gen sie auch den blauen Hut, mit einer Schnur C 4 von Beschreibung von Gold und Violet- Seide gewuͤrckten Tresse’ haben sie aber Trauer, so ist zur Hut-Schnur und Tresse kein Gold. Wer aber eine solche Gewohnheit eingefuͤhret, solches ist unbekannt. Man lieset zwar, daß die Cardinale von Jnno- centio dem IV. den rothen Hut bekommen wo- her sie aber den violet- blauen haben, weiß man nicht. Wenn sie den rothen Habit anleg en , so ist der Hut von gleicher Farb, jedoch traͤgt nie- mand, als Jhro Paͤpstl. Heiligkeit einen gan- tzen brodir ten, die gantze Advent Zeit, den Son- tag Septuagesimæ, die gantze Fasten, alle Frey- tag und Heilige Abend, und deren Qvatember gehen selbige in Violet, und enthalten sich derer Seidenẽ Sottana; jedoch sind hieꝛvon die Pfingst- Qvatember und einige Feyertage, auff welche ein doppelt Fest einfaͤllet, ausgenommen. Bey der Creation und Croͤnung des Papsts, gehen sie alle roth. Wenn Jhro Heiligkeit eine Solenne Cavalcade halten, reiten die Cardinaͤle in der rothen, oder wie es die Zeit erfodert, in der Vio- let- Kappe, ist es aber eine privat-Cavalcade, so legen sie das Maͤntelgen und die Mozzetta uͤber den Rocchetto, und folgen Paar-weiß in schlech- ten Huͤten, die man Capelli della mantelletta heisset. Wenn das gantze Cardinals- Collegium rei- tet, so tragen sie die rothe Violet- Kappe, in Ca- valcaden aber zur Sollennen Capelle, nehmen sie ausser dem Advent, Septuagefimæ und Fa- sten, roth, stehet ein Regen bevor, tragen sie den des Hutmacher-Handwercks. den grossen Ferracuolo oder Regen-Mantel, und die Mozzetta. Ausser Jtalien kleiden sich die Le- gatia Latere in roth oder Violet, wie es ihnen be- liebet. Es wird aber ein rother Cardinals-Hut in der Roͤmischen Kirchen fast Koͤnigl. Cronen gleich gehalten, und wenn man solchen einmahl ange- nommen, so ist hernach schwer demselben wieder zu renunci ren Der Erste der solches gethan, war Ardicinio della Porta aus der Lombardie, nach diesem renunci rte auch Cæsar Borgia. Der letzte, so den rothen Hut niedergeleget, war Fran- ciscus Maria de Medices, welches A. 1709. den 19. Junii folgender maßen in dem Consistorio geschehen, Signor Manieri, welchem von Sei- ten des Cardinals die Sache auffgetragen wor- den, fuhr mit vielen Kutschen der Roͤmischen Præla ten und anderer Standes-Personen aus dem Medicæi schen Pallast in gedachtes Consisto- rium; Als er nun bey dem Saal angelanget, uͤ- bergab er den Cardinals-Hut zweyen Consisto- rial-Advocaten, welche ihn in das nechste Zim- mer legten, hierauff wurden Jhro Heiligkeit durch den Abt Riviera als Secret. derer lateini- schen Breven, das Schreiben des Cardinals von Medices oͤffentlich abgelesen, darinnen er sie er- suchte/ die Renunciation dieser Wuͤrde, die er je- derzeit gebuͤhrend respecti ret haͤtte, nunmehro geschehen zu lassen. Dieses beantwortete der Papst mit gewoͤhnlichen Worten: Acceptamus, wir nehmen es an, und nachdem er auffgestan- C 5 den, Beschreibung den, wurde ihme der Hut in sein Zimmer nach- getragen. Folgends hat Signor Passionei als Secretarius des heiligẽ Collegii, noch ein Schrei- ben von obermelden Cardinal an dieses Collegi- um abgelesen. Als ein Stuͤck des Ceremoniels, ist auch zu bemercken, daß wenn ein Cardinal die Mitram aufhat, er nicht verbunden sey selbige abzuneh- men, sondern der andere setzet seine auch gleich auff, und also gruͤssen sie einander durch Nei- gung des Haupts. Bey Abstattung der Visiten setzet sich der neue Cardinal in die Kutsche, und sein Cammermei- ster und Mundschenck sind continuir lich um ihn; dieser das Baret abzunehmen und den Hut zu uͤ- berreichen, der andere die Præla ten, so vorange- hen, und sich zum Cardinal in die Kutsche setzen sollen, zu inviti ren. So bald deꝛ Caꝛdinal bey dem Hauß angelan- get, wo er hingedencket, so steigt er ab, und der Coppiere nimmt ihm den Hut, und giebt ihm dafuͤr das Baret; der Cammermeister aber hebt ihme/ indem er die Treppe hinauff geht, vorn die Kleider auff. Eines sonderlichen Privilegii oder Vor-rechts welches denen Cardinals-Huͤten anhaͤngig ist, gedencken Speidelius und Besoldus, und die daselbst citir ten Authores, wenn sie schreiben, daß wenn solche einem zum Tode aus gefuͤhrten ar- men Suͤnder von einem Cardinal auffgesetzet wuͤrden, selbiger dadurch sein Leben erhalten, und des Hutmacher-Handwercks. und von der Todes-Straffe befreyet werden koͤnte; wiewohl solchem Vorgeben Bodinus de Republica lib. I. Cap. Fin. wiederspricht. Die Wappen-Kunst zeiget uns, daß die Car- dinaͤle an statt der Helme roth, niedrige und brei- te Huͤte, an welchen zu beyden Seiten gleichfar- bige Schnuͤre eine mit 15. Knoͤpffen in der Ord- nung 1. 2. 3. 4. 5. herunter haͤngen, welche Zahl Herr D. Spener denen heutigen Erfindun- gen zuzuschreiben scheinet, indem einige Autho- res, als Strada, Silv. de Petra sancta solche nur mit 3. Qvasten terminir en, ja es will der Author de la Science de la Noblesse p. 176. daß solche Schnure anfaͤnglich bloß unter dem Schild zusammengebunden gewesen; seine Wor- te sind hieruͤber als folget: Celuy des Cardi- nauxn’ en avoit anciennement qu’ une liée sous la pointe del’ Ecu, et puis deux, unede chaque Cote etc. Was Cardinaͤle aus Fuͤrstli- chen Gebluͤt seyn, moͤgen auch wohl ausserhalb der Stadt Rom eine Crone an statt des Huts fuͤhren. Die Ertz- und Bischoͤffe gebrauchen sich in ih- ren Wappen gleicher Art Huͤte, als die Cardinaͤ- le, doch mit dem Unterschied, daß sie gruͤn von Farb, und der Ertz-Bischoͤffe ihre Schnure sich mit 4. Der Bischoffe ihre aber mit 3. Qvasten endigen. Denen Apostolischen Protonotariis und Aebten schreiben einige eben dergleichen Huͤ- te zu, jedoch mit dem Unterschied, daß selbige schwartz an der Farb, und der Qvasten an de- nen Beschreibung nen Schnuͤren nicht mehr als 3. zu jeder Seite seyn. Diese Huͤte sind aber in Teutschland nicht so gebraͤuchlich, als die auffwarts zugespitzte und oben offene Bischoffs-Huͤte oder Hauben, wel- che vor Zeiten gar einfaͤltig gewesen, und etwan vor ungefehr 600. Jahren erst mit Gold oder Steinen gezieret worden. Worinnen aber der Unterschied solcher Huͤte bestehe, indem sie nicht allein denen Bischoͤffen, sondern auch denen Ertz-Bischoͤffen und Aebten gegeben werden, ist noch ungewiß, obgleich die Præfat. des Wappen-Buchs part. 2. n. 72. denen Ertz-Bischoͤffen das Creutz auff denen ge- schlossenen Bischoffs-Huͤten, denen Bischoͤffen aber eine oben offene Jnful zuschreibt, nebenst an- gehaͤngter Erinnerung, daß der Stab bey denen Ertz-Bischoͤffen, mit dem obern Theil nach der Rechten sehen oder auffwerts gekruͤmmet seyn, bey den Bischoͤfflichen aber unter sich gebogen, o- der Lincks gekehret werden muͤsse. Bey denen Aeb- ten geschiehet es auch, daß sie den Stab nicht nur nach der Lincken hinter den Schild setzen, sondern auch neben dem Hut zur Lincken auffwerts fuͤh- ren. Bey diesen Huͤten pflegen auch wohl einige geistliche Personen wegen weltlicher Lehen, die sie besitzen, Helme auff ihre Schilder zu setzen, wie solches an Chur Mayntz und Trier zu ersehen. Wir haͤtten aber bald des vornehmsten geist- lichen Huts, nehmlich der dreyfachen Paͤpstli- chen Crone vergessen, die doch am ersten meritir- te betrachtet zu werden, es war aber solche, ehe sie des Hutmacher-Handwercks. sie zu so hohen Glantz gekom̃en, von andern geist- lichen Huͤten wenig unterschieden, und schreibet hiervon Feschius diss. d. insign. C. 3. n. 5. folgender Gestalt: Continet Pontificium hoc insigne tripli- cem coronam supra simplicem Episcoporum inferiorum mitram, inque illo multa myste- ria detegunt. Anton. Mazoronius libell o de tribus Pontisicum coronis \& Car. Paschal. l. 9. de Coronis. C. 14. Sigbertus in A. 550. \& Aimol. 1. C. 24. autores sunt, Clodo- veum diadema aureum unionibus \& gem- mis insigne, quod regnum dicebatur, ab A- nastasio Jmperatore acceptum Ecclesiæ of- ferendum Romam misisse. Hanc Pontifices primum mitræ suæ junxisse ferunt. Alte- ram addidisse Bonifacium VIII. qui dare re- gna \& auferre pro arbitrio animi conabatur, ut Platina loquitur post publicatam extra- vagantem, unam Sanctam inter extravag. Comm. de major. et obed. c. 1. quæ propter summamin principes potestatem Papæ tri- butam, multorum \& cruentorum motuum causa fuit, communis est opinio, quare \& Pontifex iste ejusque Successores aliquot cum duplici corona in Statuis ac Imaginibus Romæ Avenioneque conspiciuntur. Be- nedictus XII. postquam celebrem quæstio- nem Beschreibung nem de visione beatifica, quæ Ecclesiam Ro- manam sub Johanne XXII. summopere turbaverat sententia lata decidisset, tertiam Coronam adjecisse creditur, unde Triregni appellatio orta, tradit Menestrier ensaprati- que des armoires. c. 8. quamvis antiquius ge- stamen hoc fuisse, nec a Bonifacio vel Bene- dicto primum indictum sed a Paulo II. cum multis seculis exusu abisset, fuisse renovatur, arbitratur Jac. Pard. Capiersis lib. 2. Comment. de rebus Pauli II. Nec desunt qui Pontifices triplicem hanc coronam æmulatione Jmpe- ratorum, ne forte illis minores viderentur, assumpsisse autumant, quos tribus diversis coronis inauguratos fuisse superiorum secu- lorum scriptores prodidere. Das ist, das Paͤpstliche Wappen, ist eine dꝛey- fache Crone auff einer schlechten Bischoffs-Muͤ- tze, es wollen aber unterschiedliche Autores gar viel Geheimnisse daran entdecken, und schreiben, daß Clodoveus das so genannte Regnum (wel- ches eine Art einer mit Perlen und Edelgesteinen reich versetzten Muͤtze oder Haube ist) nachdem er solches von Kaͤyser Anastasio als ein Præsent vor die Kirche empfangen, nach Rom gesand ha- be, da es der Papst so gleich zu seiner sonst ge- woͤhnlichen Muͤtze gehefftet. Nach diesen haͤtte Papst Bonifacius der VIII. (welcher so hochmuͤthig war, daß er sich uͤber alle welt- des Hutmacher-Handwercks. weltliche Kaͤyser und Koͤnige erheben, und sie nach seinem Belieben ab- und einsetzen wolte; wie er denn auch zu diesen Ende die Extravagantem die hernach so viel Unheil in der Christenheit ver- ursachet, publici ret) die zweyte Crone hinzuge- than, wie man denn noch viel Paͤpste zu Rom und Avignon mit einer zweyfachen Crone abge- mahlet siehet. Endlich haͤtte Benedictus XII. nachdem er die beruͤhmte Quæstion de Visione beatifica, welche unter Johannis XXII. Regierung so viel Haͤndel gemachet, durch seinen Ausspruch ent- schieden, die dritte Crone oben darauff gesetzet; woraus endlich die dreyfache Crone, wie sie noch heutigs Tags zu sehen, gekommen ist. Wiewohl andere dafuͤr halten, es waͤre solche schon zu der Paͤpste Bonifacii und Benedicti Zeiten in Gebrauch gewesen, und nachdem sie in Abgang gekommen, von Papst Paulo II. nur wieder hervorgesuchet worden. Andeꝛe sagen wie- der, die Paͤpste haͤtten durch Einfuͤhrung ihrer dreyfachen Cron, nicht weniger als die Kaͤyser seyn wollen; als die vormahls auch mit drey un- terschiedlichen Cronen, als einer Guͤldnen, Sil- bern und Eisern gekroͤnet worden. Wir gehen aber weiter, und nunmehro von denen geistlichen zu denen weltlichen, als Kaͤyser- lichen, Koͤniglichen, Chur- und Fuͤrstlichen Huͤ- ten, welche denn in der Heraldica oder der Wap- pen-Kunst auch sonderlich in Betrachtung gezo- gen werden, weil sie vornehmlich den Ursprung oder Beschreibung oder Anfang zu denen Cronen moͤgen gegeben haben. Denn da anfaͤnglich die Bedeckung des Haupts vor denen Sonnen-Stralen, Regen und andern Ungewittern allerdings noͤthig ge- wesen, zur angenehmen Sommers-Zeit hinge- gen, und in Campagne die Leute sich Kràntze geflochten, und damit ihr Haupt umwunden, ist endlich solche Haupt-Bedeckung und solcher Zie- rath je laͤnger, ie kostbarer worden, also, daß wie man etwan noch heutigs Tags die Schlaff-Muͤ- tzen mit schoͤnen Spitzen um den Rand herumb einfasset, (und vor 50. oder hundert Jahren, die wie Saͤgen oder Hechts-Kie feꝛ gestalte Spitzen, item die en Sic Sac gehende, sehr in Gebrauch ge- wesen; wie man denn die alten Koͤnige und Ge- neralen des vorigen Seculi noch viel damit abge- mahlet siehet,) also auch in denen ersten Zeiten, die Haupt-Binden oder Muͤtzen mit dergleichen Zancken, oder pyramidal formigen Spitzen, son- derlich bey vornehmen Regiments-Personen werden umfasset gewesen seyn, allermeist da man wenig Secula nach der Suͤndfluth die abgestor- benen Tyrannen, maͤchtige und gewaltige Her- ren auff Erden, schon nach ihrem Tode zu vergoͤt- tern angefangen; wie solches an dem Exempel Beli, davon der Baals Dienst herkommet, in un- serm Historischen Schauplatz der 4. Monarchi- en in des Beli Lebens-Beschreibung zu ersehen ist. Dannenhero zum Zeichen einer von ihnen ausstralenden Gottheit, dergleichen Radii unt die Haͤupter gedichtet worden, welche hernach als des Hutmacher-Handwercks. als Majestaͤts-Zeichen, die Fuͤrsten und Gewal- tigen im Volck, ihren Stand und tragende O- ber-Herꝛschafft daduꝛch voꝛ andeꝛn zu distingui- ren, schon bey ihren Leb-Zeiten angenommen haben; von der Natur auch selbst, als welche nicht allein in denen vegetabilibus haͤuffig mit Cronen spielet, sondeꝛn auch in dem animali schen Reich solche an so vielē gekroͤnten Thieren eraͤus- sert, darzu moͤgen veranlasset worden seyn. Wo- raus erhellet, daß die Huͤte und Cronen erst ge- mischet, diese hernach nach Art der Sieges-Craͤn- tze auch oben offen, vielfaͤltig aber bey hohen Re- giments-Personen, auff, umb und an denen Huͤ- ten und Haupt-Bedeck ungen mit beybehalten worden; Wie man denn in des vortrefflichen Herrn Doctor Speners seinem Opere Heraldi- co part. 1. cap. 6, p. 313. lieset, daß die Con- stantinopolitanischen Kaͤyser vielfaͤltig derglei- chen gekroͤnte Huͤte getragen. Jmperatores Constantinopolitani schreibet er: pileis ple- rumque utebantur, quorum mira fuit varie- tas, ut e nummis apparet, \& testatur Co- dinus de officio aulæ Constantinopol. cap. 6. Andronico cum creatus est Imperator, de- tracto pileo rubram mitram impositam fuis- se, Nicetas Author est libro singulari de A- lexi Comeni imperio num. 18. Primus ni fallor Theodabatus, qui Atalarico in regno Gothorum successit fremente Justiniano, D cum Beschreibung cum Corona quatuor laminis superne æqua- liter in orbem coeuntibus clausa in numis- matibus conspicitur, plerique alii Impera- tores pileum margaritis gemmisque distin- ctum cujus apex cruce notatur aut diadema gestant in occidente Carolus M. cum diade- mate clauso, quod hodie adhuc ad S. Diò- nysii fanum in Gallia asservatur; quamvisdi- verso ab hodierno in statuis \& imaginibus conspicitur, qui eum sequntur aperta ut plu- rimum usi sunt usque ad Henricum II. sive sanctum; qui fundato Episcopatu Bamber- gensi ejusdem insignibus Coronam Imperi- alem quam hodie adhuc scuto ejus imposi- tam videmus, concessisse dicitur. Post illa tempora Imperatores clausa corona maxi- me uti cœperunt, quamvis non pauci, inter quos etiam ipse Rudolphus I. apertam ma- luerint, alii item mitram. Post Carolum V. Corona clausa supra mitram quæ hodie est Imperatorum propria, præ aliis cœpit usur- pari. Von denen Fuͤrsten-Huͤten schreibt er, daß A. 1156. Kaͤyser Fridericus I. dem Hertzog Hen- rico von Oesterreich einen Fuͤrsten-Hut mit Guͤl- denen Kron-Spitzen von denen alten Corona Rostrata genannt, gegeben habe, welchen her- nach wie in Historia insignium illustrium lib. 1. cap. des Hutmacher-Handwercks. cap. 9. zu ersehen, Kaͤyser Henricus A. 1228. mit einer Koͤniglichen Krone vermehret; die Wort des Diplomatis lauten hiervon als folget: Ei- dem illustrissimo Principi Leopoldo D. Au- striæ \& Styriæ cunctisque suis sequacibus hanc largiter concedimus dignitatem, ut sui Principatus pileo nostræ regalis Coronæ Dia- dema solenniter ferre possit. Kaͤyser Fride- ricus II. aber hat, als er Fridericum Bellico- sum zum Koͤnig erklaͤret, noch diese besondere Freyheit hinzugethan, daß er und seine Nach- kommen oder Nachfolger, auff ihren Fuͤrsten- Hut uͤber gedachte Spitzen und Boͤgen, auch zu oberst das guͤldne Creutzlein tragen und fuͤhren solten, nach denen Worten des Diplomatis: Concedimus etiam nostro illustriPrincipi Du- ci Austriæ crucem nostri Diadematis suo prin- cipali pileo sufferendam, woruͤber denn folgen- de Distichia merckwuͤrdig: Austria Regis opeshabet, ac Regalia serta Regia \& Austriacos mens regit Archi. Du- ces, Quodque aberat, nomen Regis, tria Regna dedere Austria, cuncta simul Regia, dives habet. Oesterreich hat Koͤnigs Reichthum, es trug einen Koͤnigs-Hut/ Seiner Ertz-Hertzogen Hertzen/ waren auch voll Koͤnigs-Muth. D 2 Fehl- Beschreibung Fehlte nur der Koͤnigs-Nahm/ den drey Koͤnigreiche gaben, Also sieht man Oesterreich alle Koͤnigs- Gaben haben. Es zeiget uns aber auch ferner die Heraldica, die mit Hermeli nen ausgeschlagene rothe Chur- Huͤte, denen zuweilen auch Cronen beygefuͤget werden, von welchen abermahl ausfuͤhrlich wohl- gedachter Hr. Doctor Spener in seinem opere Heraldico, in Erklaͤrung der weltlichen Chur- fuͤrstlichen Haͤuser ihrer Wappen redet. Die andere Art von Huͤten sind die niedrigen, ausgeschlagenen und denen Chur-Huͤten nicht unaͤhnlichen Huͤte, dergleichen die von Reuschen- berg, Keudel, Dermbach, die von Stein zu Barchfeld und andere mehr fuͤhren. Die dritte Art ist der hohen Huͤte, wie die Hertzoge von Pom̃ern auff ihrem rechten Helm, die von Zoͤchau, die Schencken von Schmid- berg, die Straßen, Muͤleggen zu Hugenang und andere mehr gebrauchen. Die vierdte Art sind niedrige, und denen geist- lichen nicht unaͤhnliche Huͤte, dergleichen fuͤhren die von Dobeneck, die Lantzen von Liebenfels, die Schneeberger, die Keyben, die Reindoͤrffer. Endlich sind auch diesen Huͤten nicht unaͤhn- lich die Hauben, welche zuweilen an statt der Helm-Zierde, zuweilen auch an statt der Cro- nen dienen, jenes ist an den Wappen derer von Weißdorff und den Hoff-Staͤdten, dieses an de- rer des Hutmacher-Handwercks. rer von Tzeschen und der Megentzer ihren Wap- pen zu ersehen. Es hindert aber der aͤusserliche Unterschied dieser Huͤte gar nicht, daß sie nicht saͤmptlich, gleich dem Schild, so wohl von allen Farben, als auch mit Schach, Hermelin und allem andern, so an statt der Farben gebrauchet wird, solten ge- funden werden; ja sie haben auch mit dem Schild noch dieses gemein, daß sie an Kopff oder auff den Stulp eigenthuͤmliche und frembde, mit de- nen Schild-Bildern uͤbereinstimmende, oder ab- sonderliche Figuren auff sich tragen, und wird man gar wenige Eigenschafften der Wappen- Schilder finden, welche nicht gleichmaͤßig auch von denen Huͤten koͤnte verstanden werden; also siehet man deren nicht wenige mit aller Art streif- fen eintzeln oder in vermehrter Anzahl gestreifft u. gegengestreifft item mit allen Arten der Schild- Theilung, gleicher und unterbrochener Linien, wie hiervon in denen Wappen-Buͤchern genug- same Exempel vor Augen sind. Von denen Huͤten haben insonderheit geschrie- ben, Chifflet. dissert. de pileo Lugd. 4. 1655. Theophil. Reynandus S. I. de pileo, cœte- risque capitis tegminibus extat T. XIII. opp. Lugd. f. 1665. de Gladio \& Pileo a Pon- tiff. consecrato extat T. X. ibid. Eberh. Rud. Roth, de Velamine Capitis Virili Jenæ 4. 1673. Anselmi Solerti, Cemeliensis. Liber de Pileo cæterisque capitis tegminibus D 3 tam Beschreibung tam sacris quam profanis extat cum Hier. Boss. de Toga Romana. Lugd. 4. 1655. \& Amsteld. 12. 1671. Sonsten hab ich auch noch bey dem Paschalio in seinem Tractat de Coronis gar artige Sachen von denen Huͤten ge- funden, davon wir nur etliche allhier mit einfuͤh- ren wollen. Als da er von dem Helmen der Kinder, welche sie mit zur Welt bringen, saget, daß solche von aberglaͤubischen Advoca ten und andern Leuten bey sich getragen werden, in der Meynung, in ihren Verrichtungen dadurch de- sto gluͤcklicher zu seyn. Unserer teutschen Chur- und Fuͤrsten Huͤte siehet er als etwas Majestaͤ- tisches, den Augen angenehmes, und von der Teutschen Freyheit Zeugendes an, als welchen ebenfalls zukoͤmt, was dorten Cicero Philipp. 6. orat. 49. von den Roͤmischen Volck sagte: Aliæ nationes servitutem pati possunt, Po- puli Romani est propria Libertas, oder wie unser Autor redet: utCœlum salutaribus lumi- nibus distinguitur, ita Germanica libertas sublimibus tot Ducum, principumque præ- sidiis nititur. Dessen ihre Fuͤrsten-Huͤte, als jederzeit gewesene Freyheits-Zeichen, Zeugniß geben koͤnnen, wie denn bey denen alten Roͤmern ein jeder, welcher einen Hut auff dem Kopff ge- habt, vor einen freyen Menschen gehalten wor- den. Also folgten 2000. Roͤmische Buͤrger des Flaminii seinem Tꝛiumph-Wagen mit bedeckten Haupte nach, welche er durch seine Siege aus ih- des Hutmacher-Handwercks. ihrer Gefangenschafft bey denen Feinden befrey- et hatte/ solche Erloͤsete oder Freygelassene tru- gen auch wohl den Hut zu Ehren ihres Freyma- chers, wie also 4. Q. Terentius Culleo mit be- deckten Haupt des Scipionis Triumph-Wagen folgte und oͤffentlich bekannt, daß er durch ihn waͤre frey gemachet worden. Dahero es dem Koͤ- nig Prusia als ein Zeichen der Kleinmuͤthigk. u. daß kein Fuͤrstlich Gemuͤth in ihm seyn muͤste, aus- geleget worden, daß er denen Roͤmischen Lega- tis mit bedeckten Haupt und geschornen Kopff entgegen gegangen, und sich einen Freygelasse- nen der Roͤmischen Republic genennet. Es soll a- ber ein solcher von denen Freygelassenen getrage- ner Hut weiß gewesen seyn, wie Diodorus von eben diesem Prusia erzehlet. Bey oͤffentlichen Em- poͤrungen, sonderlich wenn gantze Nationes sich von Tyrannischer Regenten ihrem Joch frey- gemachet, hat man vielmahls Huͤte auff Stan- gen gestecket/ zum Zeichen der wieder erlangten Freyheit, herumtragen sehen. Daß die Egy- ptischen und Æthiopi schen Koͤnige Huͤte getra- gen, bezeuget Diodorus Siculus, und zwar sol- len solche sehr lang, und Schlangenfoͤrmig zu- sammengewunden gewesen seyn, anzuzeigen, daß diejenigen, welche sich gegen Koͤnige auff- zulehnen erkuͤhneten, toͤdtlicher Bisse, das ist, des Todes Straff wuͤrdig waͤren. Nach vorbe- sagter Koͤnige Art trugen auch ihre Priester Huͤte/ welcher etwan Lucianus in Syr. Dea Meldung thut. Daß auch des Jovis Priester zu D 4 Rom, Beschreibung Rom, welcher Dialis genennet wurde, einen Hut auff seinem Haupt getragen, bezeuget Appianus, er muste aber solchen, wenn er sterben solte/ able- gē, damit nicht ein Stuͤck des Priester-Schmucks unter Trauer- und Todten-Zeug kaͤme. Von Diceneo Gotho schreibet Jornandes, e Gotho- rum gente elegit nobilissimos prudentiores Viros, quos Theologiam edoctos fecit Sacer- dotes, nomen illis Pileatorum contradens; ut reor quia opertis Capitibus tiaris, quos pi- leos alio nomine nuncupamus, litabant, reli- quam vero gentem capillatos dicere jussit, daß also ein Unterschied zwischen denen mit Huͤten, und paar Haͤuptig einhergehenden. Wie denn auch Lucianus von dem Toxari der Scythen Koͤnige schreibet, daß er weder aus Koͤniglichen Gebluͤte, noch aus denen Pileatis, sondern nur aus dem paar-Haͤuptigen Poͤbel gewesen. Wel- cher Gestalt aus denen mit Hermelinen bebrem- ten Chur- und Fuͤrsten-Huͤten, und Summari- ter aus allem Peltzwerck, welches grosse Herren und Regenten an ihrem Leib tragen, unterschied- liche schoͤne moralia fliessen, solches ist bey ob- gedachten Carolo Paschali, in seinem Tractat de Coronis lib. 9. cap. 26. zu ersehen. Von de- nen Eilotariis schreibet Athenæus lib. 14. daß, als sie von ihren Feinden uͤberwunden worden, sie an statt der Huͤte, Hunds-Haͤute haͤtten auff die Koͤpffe setzen muͤssen. Dergleichen Schmaͤh- Huͤte seynd auch die Papiernen Kappen, welche in Spanien die heilige Inquisition denen zum Feu- des Hutmacher-Handwercks. Feuer verdammten so genannten Ketzern auffzu- setzen pfleget, und welches vornehmlich dem theu- ren Blut-Zeugen JESU CHRJSTJ, dem Johann Huß, als solcher wieder gegebene Treu und sicher Geleit auff dem Concilio zu Constnitz A. 1415. im Junio um der Bekaͤntniß der Evangelischen Wahrheit willen verbrannt worden, wiederfahren. Denn als er ietzt sterben solte. zo gen ihm seine Feinde erst seinen Priester- Habit aus, und setzten ihme dafuͤr eine lange Papierne Crone oder gemahlten Hut auff sein Haupt, auff welcher drey Teuffel in abscheuli- cher Figur mit dieser Beyschrifft: Hæresiarcha, dieses ist ein Ertz-Ketzer, gemahlet stunden; in sol- cher schmaͤhligen Positur fuͤhrte man ihn zum Scheiter-Hauffen, in welchem er unter an- daͤchtigen Gebet, seinen Geist in die Haͤnde sei- nes Erloͤsers uͤbergeben. Das folgende Jahr da- rauff muste auch sein in Ausbreitung der Evan- gelischen Wahrheit eyfrig gewesener Mit-Arbei- ter, der Hieronymus von Prag, auff gleiche Weise sein Leben in den Flammen endigen. Daß die Huͤte jederzeit Zeichen der Freyheit gewesen, solches ist schon mehrmahls angefuͤh- ret worden, dahero siehet man auff einer gewis- sen in Holland A. 1575. geschlagenen medail- le, auff der einen Seiten eine Frauens-Person mit der Beyschrifft Libertas, auff der andern einen Hut mit gleicher Unterschrifft Libertas au- rea, und der Umschrifft: Cujus moderator habenas ratio. D 5 Die Beschreibung Die alten Roͤmer, ob sie wohl anfaͤnglich mit bloßen Haͤuptern ohne Bedeckung giengen, so hatten sie doch fuͤnfferley Zeiten, dasie Huͤte auf- setzen, und ihre Haͤupter bedecken musten; als da waren Sacra, Ludi, Saturnalia, Peregrinatio, militia. Bey denen Ersten, als den Opffern, musten sie nach alt hergebrachten Gebrauch ihre Haͤutz- ter bedecken, wie solches aus denen Muͤntzen und Autoribus zu ersehen. Daß sie in denen Spielen Huͤte auffgehabt haben, bezeuget Martialis, weñ er schreibt: In Pompejano tectus spectato Theatro, Nam Populo ventus vela negare solet. Und so war auch in denen Saturnalibus, als der Roͤmer ihrer Kirmeße, zum Zeichen der Frey- heit einem jeden erlaubt einen Hut auffzusetzen, wie abermahl Martialis schreibet: Permittis puto Pileata Roma. id. Dumque decent, nostrum pilea sumpta Jovem. Wenn einer verreisete, so satzte er einen gros- sen Petasum, Reiß- oder Schaub-Hut auff, da- hero Cicero von denen schon obgedachten Tabel- lariis iturientibus in seinen Epistolis schreibet: Petasatos eos venire \& comites expectare ad Portam. Und Sveton. c. 82. deAug. Solis hiber- ni ne quidem patiens, domi quoque non nisi petasatus sub Pio spatiabantur. Endlich so durfften auch die Soldaten in Feld- Zuͤ- des Hutmacher-Handwercks. Zuͤgen Huͤte tragen, wie deñ Vegetius schreibet: Vsque ad præsentem ætatem consuetudo permansit, ut omnes milites Pileis, quos Pannonicos vocant, ne Pellibus uterentur. Daß die Freygelassenen zum Zeichen ihrer Freyheit Huͤte getragen, ist oben schon gemeldet worden. Gleicher gestalt war es auch denẽ Kran- cken zugelassen/ dahero Ovidius schreibet: Arguat \& macies animum, nec turpe pu- taris Pileolum nitidis imposuisse Comis. Von denen gar alten schreibet Nicephorus Gregoras, daß selbige ebenfalls Huͤte getragen, und daß von solcher Roͤmischen Tracht auch die mode nach Constantinopel gekom̃ensey. Seine Worte hiervon seynd Lib. 10. als folget: De Capitis tegmine, moris apud superiores Principes, ut ætate provectiores Aulici Pile- is uterentur, serico tectis, Juniores autem prorsus nudis essent Capitibus. Endlich so saß man auch bey Gast-Mahlen mit Huͤten auff dem Kopff, wie denn Horatius schreibt: Vt cum Pileolo soleas Conviva tribulis. Weil aber andere Authores hiervon nichts ge- dencken, so ist vielmehr zu glauben, sie werden indenen Bad-Stuben, wie noch heutigs Tags gebraͤuchlich, Stroh- oder Binsen-Huͤte auffge- habt, und wenn sie aus dem Bad gekommen, sich Beschreibung sich unterweilen damit zu Tisch gesetzet ha- ben. Von dem Hut abziehen, oder Hoͤfflichkeit hal- ber das Haupt zu entbloͤsen, schreibet Plutar- chus in seinen Quæstionibus: Romani si cui obviam facti sunt, cui honor habendus, \& si forte caput veste injecta tectum habeant, id revelant. Daraus erhellet, wie das Bedecken des Haupts u. Wieder-Abziehen zu Rom beschaffen gewesen sey. Sie schlugen, nehmlich den Zipffel, vom Rock oder Mantel uͤber den Kopff, wann es regnete oder die Sonne zu heiß schiene, liesen aber solchen gleich wieder fallen, wenn ihnen ein vornehmer Mann begegnete, welches Plutar- chus in Grachis giebet Laciniam toga rejiciens in Caput. Zuweilen giengen sie auch, sonder- lich die Krancken, gantz verkapt einher; wenn es die Gesunden thaten, so hielt mans vor eine Weichlichkeit, dahero Seneca de Mæcenate sagt: Hunc esse qui in tribunali in rostris, in omni publico Cœtu sic apparuerit, ut Pallio vela- retur Caput. Und Petronius schreibet von dem zaͤrtlichen Trimalcione! Pallio Cocci- no abrasum incluserat caput. Sueton. in Claudio Cap. II. schreibet: Ob valetudinem, Gladiotorio munere novo more Palliolatus præsedit. Und bey dem Quintiliano lesen wir: Palliolum sicut fascias \& focalia, sola excusa- re potest valetudo. Wie hoch aber bey denen Roͤmern das ehrer- bie- des Hutmacher-Handwercks. bietige Hut-Abziehẽ vor einem andern, sey gehal- ten worden, bezeuget Salustius wenn er schreibt: Sullam in victoria Dictatorem, equo descen- dere, Pompejo uniassurgere de Sella, caput aperire solitum. Seneca schreibet: Si Consu- lem videro, aut Prætorem, omnia, quibus honor solet haberi, faciam, equo desiliam, caput aperiam etc. Uber einen schoͤnen Hut, welcher zugleich das Haupt zieret, und dasselbige vor Hitz und Regen beschirmet, schrieb jener zum Lemmate: Teg- menque Decusque, welches Horatius mit die- sem Vers gegeben: O \& præsidium \& dulce Decus meum. Als einer Nahmens Capella (welches von dem Jtaliaͤnischen Wort Capello ein Hut herkomt) zu Venedig wegen seiner Meriten zu der hoͤch- sten Wuͤrde eines Doge seiner Republic zu ge- langen Hoffnung hatte, mahlte einer seiner Clien ten einen Hut, als welchen der Herr Ca- pella ohne dem im Wappen fuͤhrte, und schrieb daruͤber: Debetur Vertici; Er muß oben zuo- berst auff der Scheitel stehen, oder er ist wuͤrdig ein Fuͤrst seines Volcks zu seyn. Dignum est enim schreibet Cassiodorus lib. I. ut fructus laborum sequntur vota fidelium \& superiorem gradum accipiat, quem gestarum rerum inte- gritas affecta commendat. Welcher gestalt ein in Schweitzerland von einem uͤbermuͤthigen Land-Vogt, auff einer Stan- Beschreibung Stange gesteckter Hut Ursach mit gewesen, daß die Schweitzer von ihrer damahligen Obrigkeit, dem hochloͤblichen Hause Oesterreich abgefallen, solches wird aus folgender Historia zu ersehen seyn: Ein gewisser Kaͤyserlicher Land-Vogt, Nahmens Geißler/ hatte einen Hut auff dem Marckt zu Altdorff, einem Haupt-Flecken des Urner Landes in der Schweitz, stecken lassen, mit Befehl, daß jedermann, der vorbey gienge/ sich dafuͤr neigen, und als wenn er der Land-Vogt selbst zugegen, den Hut gruͤssen solte. Dieses weigerte sich nun ein braver weidlicher Mann, Nahmens Wilhelm Tell zu thun, als welcher ohne Reveren z zu machen, vorbey gieng, daruͤ- ber aber gleich als ein Ungehorsamer verfolget, und in A rrest gezogen wurde. Weil er nun uͤber dem auch schon im Verdacht war, ob haͤtte er mit andern ihre Freyheit liebenden einen Bund gemachet, die Land-Voͤgte, weil selbige das Volck so sehr beschweꝛten, aus dem Wege zu raͤu- men, als wurde er in der Inquisition unter an- dern auch auff diesen Artieul befragt, und als er nichts gestehen wolte, ihme aufferleget, weil er vor einen guten Armbrust-Schuͤtzen passir te, seinem einigen Soͤhnlein, welches an einen Baum gestellet wurde, einen Apffel vom Kopff zu schies- sen. So der betruͤbte Vater auch thun muste, und auch gluͤcklich vollendete; als ihn aber hierauff der Land-Vogt fragte, warum er 2. Pfeile zu diesem Schuß in den Koͤcher gestecket haͤtte, ant- wortete der tapffre Mann unverzagt: Wenn ihme der des Hutmacher-Handwercks. der Schuß solte mißlungen seyn, also, daß sein Kind das Leben daruͤber eingebuͤsset, wolte er den andern Pfeil dem tyrannischen Land-Vogt durchs Hertz gejaget haben. Auff diese Wort wurde er auffs neue beym Kopff genommen, und zu Schiff gebracht, damit er in ein tiefes Gefaͤng- niß jenseit der See moͤchte gebracht werden. Wie aber unter Wegs ein schwerer Sturm entstand, musten sie den Gefangenen Wilhelm Tell sei- ner Bande befreyen, daß er als ein erfahrner Schiffmann, das Schiff solte ans Land bringen helffen. Tell nim̃t hierauff das Ruder in die Hand, regieret es aber so, daß das Schiff an ei- ne Klippe gerieth, wo er vor seine Person aus- sprang, das Schiff aber hernach, in welchem der Land-Vogt selber war, wieder See werts eintreiben ließ; da sich zwar der Land-Vogt noch kuͤmmerlich salvir te, den Tell aber nach der Zeit mehr, als zuvor verfolgte. Welcher ihm endlich in einem holen Weg auffpaste, und als einsmahls der Land-Vogt daselbst vorbey ritte, jhn mit einem Pfeil vom Pferd herunterschoß, und hierauff nach Ury zu andern Malcontenten fluͤchtete; unter welchen die Vornehmsten, Wer- ner, Stauffacher und Arnold von Melchtal waren; diese machten samt ihm A. 1308. einen Bund, und jagten am Neuen Jahrs Tag die Kaͤyserlichen Land-Voͤgte zum Lande hinauß, o- der schlugen sie todt. Woraus zu ersehen, was Stoltz und Hochmuth, der sich bey dem Land- Vogt Geißler in Auffsteckung seines Huts be- wie- Beschreibung wiesen, offt vor Unheil nach sich ziehen koͤn- ne. Ein weit honorabler Auffsetzen des Huts ist dasjenige, welches auff Universi taͤten bey Pro- motionibus in den Doctor Stand geschiehet, da derjenige Professor, deme diese ansehnliche Function zu verrichten, und die Candidatos zu crei ren zukom̃t, ihnen nach Academi schen Ge- brauch, unter andern auch den Doctor- Hut, mit gewoͤhnlichen Ceremonien auffsetzet. Wir wollen, weil diese materia dem geneigten Leser nicht unangenehm seyn kan, dieselbe auffs kuͤr- tzeste, und zwar mit den eigenen Worten eines um die teutsche und gelehrte Welt hochverdien- ten Professoris Juris \& Historiarum, welche in seiner bey einer solchen Solenni taͤt A. 1713. ge- haltenen Oration de emendanda Germaniæ Jurisprudentia, und darauff verrichteter Inau- guration Sechzehen Juris Doctorum in fine befindlich ist, allhier vorstellen, also lautend: Antequam pedem promoveatis ulterius (Nobilissimi Domini Candidati) id vestri est officii, ut fidem vestram adstringatis ad justitiam colendam idque faciatis cum reli- gione juris jurandi. Age itaque Vir Nobi- lissime Dn. N N. Sacri Tribunalis Silentia- rie, recipete in hunc locum \& formulam juris jurandi conceptis verbis prælege Domi- nis Candidatis. Ita vos Deus adjuvet ad- moneatque vos officii vestri Spiritu suo ad di- des Hutmacher-Handwercks. diem judicii, qui vobis erit extremus, nunc igitur nomina vestra eo ordine compello, quo hæc apud ordinem nostrum professi e- stis in Examinibus, Ego itaque NN. J. V. D. Te. ( bic recensebantur Nomina Candidato- rum ) Vos omnes, Auctoritate Jmperiali atque Regia Doctores utriusque juris creo, renuncio, edico, proclamo, vobisque in- dulgeo omnia privilegia, immunitates, ho- nores, ceteraque, quæ creatis in S. R. J. Do- ctoribus solent conferri, atque indulgeri, Huic inaugurationi Symbola addo, in qui- bus sibi placuit antiquitas. Primum ab inferiori vos Cathedra voco, ad supremam; intelligitis hocipso, quod in sublimioriloco constituti, in luce vivatis o- culisque mortalium. His igitur fide, do- ctrinis, moribus virtutibusque aliis æquum est, ut præluceatis. Deinde librum vobis trado primo apertum deinde clausum, quo Schemate vobis com- mendatur industria, tam in libris legendis probanda, quam in meditationibus \& pro- priis viribus ingenii. P rœterea impono vobis Pileos sive Insulam purpura conspicuam, qui indices sunt digni- tatis, Nobilitatisque vestræ, vobis nomine ac E ver- Beschreibung verbo collatæ Doctoris. Curate o Mei, ne ad- mittatis facinus, nobili hoc ornatu indignum P orro digitos vestros cingo annulis, quibus publica vobis in respondendo ac judicando tribuitur fides, vulgo itaque pœnam gravi- orem incurretis, si hanc vel semel fefelleri- tis. Tandem Ora vestra excipio osculis, his e- nim ob honorem, quem accepistis, dignos vos judicamus, ut in nostro agatis consortio, ut jure auctoritateque utamini nobiscum communi. Adextremum vobis omnibus novos gratu- lor honores, prolixiorianimo quam verbis, der Deus immortalis, ut floreat per vos Ju- stitiæ cultus, ut collati atque promeriti ho- nores excitent in clientibus fiduciam, ut ve- stra implorent probentque Consilia, \& pa- trocinia, reddantque illa honoratissima. Von dem Corno oder Hertzoglichen Hut des Doge zu Venedig ist zu wissen, daß solches Cor- no benennet werde, weil es vorn fast wie ein Horn zugespitzt in die Hoͤhe gehet. Solches Corno ist rund herum mit einer Reyhe grosse Perlen und Edelgesteinen besetzet, und hat vorn einen grossen Rubin, der 100. tausend Cronen werth ist, uͤber welchen ein Diamant von noch hoͤhern Werth zu sehen. Der Circul ist von Gold, der Uber- zug von Carmoisin-Sammet; Es wird dieses Cor- des Hutmacher-Handwercks. Corno ausser denen Ceremonien-Tagen in den Schatz S. Marci auffbehalten; wenn dieses Corno der Doge auff den Kopff hat, so nimmt ers vor niemand ab, ausser nur, wenn in der Meß das Hochwuͤrdigste in die Hoͤhe gehoben wird, o- der wenn sich ein Printz von Koͤniglichen Gebluͤt, oder ein Cardinal neben ihn setzet. Carolus Pas- chalis bemuͤhet sich zu erweisen, es sey dieses Cor- no eben diejenige Trojanische Muͤtze, oder der Phrygische Hut, welchen Antenor in Jtalien gebracht, dessen Form und Gestalt an unter- schiedlichen alten Bildern, als zum Exempel an der Statua des Ganymedis, in dem Vor-Saal der S. Marcus Bibliothec, ferner auff etlichen Medaillen des Goͤtzens Lunus und auch an ei- nigen andern, worauff Æneas gepraͤget, seinen alten Vater Anchisem auff den Schultern tra- gend, und endlich auch in der Migniatur des al- ten M. S. des Virgilii in der Vaticani schen Bi- bliothec zu Rom zu ersehen. Jst noch uͤbrig von denen Cucullis der Alten, als sonderlichen Haupt-Bedeckungen, item de- nen Cucullis Monachorum oder Moͤnchs-Kap- pen etwas weniges zu gedencken: Es waren aber der alten Roͤmer ihre Cuculli gemeiniglich an ihren Regen-Maͤnteln, wie heutigs Tags der Capuciner Kappen an ihren Moͤnchs-Kutten fest gemacht, wie solches Martialis lib. 14. Ep. 132. in diesen Worten bezeuget: Si possem, totas cuperem misisse lacernas; Nunc tantum capiti munera mitto tuo. E 2 Do- Beschreibung Domitius und einige Authores mit ihme meinen, man habe sonderlich in denen Saturnalibus ne- benst solchen Reiß-Maͤnteln, auch besondere Kappen getragen, allein diesen wiederspricht Martialis und will, daß sie zu solcher Zeit bloß ihre Lacernas ohne Kappen getragen haͤtten. Fer- rarius de Re Vestiaria Part. II. lib. 1. schrei- bet, daß es wahrscheinlich sey, daß die Kappen und Reiß-Maͤntel zwey Stuͤck, und nicht eines an dem andern fest gewesen, weil man lieset, daß manchmahl arme Leute sich einander ein Præsent von einer Kappe gemacht, welche einen gantz groben Reiß- oder Regen-Mantel einander nicht haͤtten schencken koͤnnen. Die Freygebohrnen haͤtten in denen Saturnalibus oder Roͤmischen Kirmessen, rechte aus Wolle gemachte Huͤte ge- tragen, um wenn es regnete, das Haupt desto gesicherter zu haben. Von denen Kappen, wel- che abgesondert von denen groben Maͤnteln, die Arme sich unter einander verehret, schreibet gedachter Martialis Epig. 139. Cuculli Libur- nici: Jungere nescisti nobis, o stulte, Lacernas Indueras albas, exue Callaicas. Uber welche Worte sich, wie besagter Ferrarius selbst klaget, noch bey keinem Ausleger eine deut- liche Erklaͤrung gefunden. Dieses ist indessen gewiß, daß Cucullus eine Haupt- und zugleich Schulter-Bedeckung, eben wie unsere heutigen Nebel-Kappen, oder Reiße-Muͤtzen, gewesen sey. Diese wurde nun mit denẽ Sur-Tout. Roͤcken o- der des Hutmacher-Handwercks. der Reise-Maͤnteln, und auch ohne dieselbe ge- nommen; dahero abermah! Martialis: Si possem, totas cuperem misisse lacernas, Nunc tantum capiti munera mitto Tui. Es wurden aber solche Kappen Liburnici ge- nannt, weil man sie aus Liburni scher (oder aus der Gegend, wo ietzt die Stadt und der Haven L ivorno in Jtalien lieget) gefallener Wolle, machte, und zwar wurden sie starck gewalcket, damit sie fein dick und wolligt werden, und den Regen, Schnee und Kaͤlte desto besser abhalten moͤchten; dahero Jevenalis Sat. 3. de Curio dentato schreibet: Fictilibus cænare pudet, quod turpe ne- gabit, Translatus subito ad Marsos mensamque Sabellam, Contentus illic Veneto duroque cucullo. Daß aber solche Kappen mehr von gemeinen als vornehmen Leuten, sonderlich aber, wenn man des Nachts herumschwermen, und sich verklei- den wollen, gebrauchet worden; solches bezeu- get der Poet von der nach dem Hur-Hauß gehen- den Messalina, in folgenden Worten: Sumere nocturnos Meretrix Augusta Cu- cullos, Sed nigrum Flavo crinem abscondente Galero. Woraus erhellet, daß zwischen einem Cucullo und Galero ein Unterscheid, beyde aber eine Be- E 3 de- Beschreibung deckung des Haupts gewesen seyn. Und zwar war dieses letzteꝛe eigentlich eine Peruque von fal- schen Haaren, welches wie ein Helm oder Cas- quet gewunden, die Weiber zu ihrem Zierath auff dem Haupt trugen, wie etwan solches heu- tiges Tages wieder mode ist/ jedoch war es da- mahls mehr eine Huren, als ehrlicher Weiber- Tracht. Wie denn auch keine andere, als Hu- ren gelb trugen, dahingegen ehrliche Weiber schwartze Haare liebten, wiewohl solches, wie a- bermahl Ferrarius I. c. schreibet, fast schwer zu glauben; denn wo solten alle die schwartzen Haare hergekommen seyn, daß also die gelbe Farb mehr von dem Casque tgen, oder der Hu- ren ihren Muͤtzen, als von denen Haaren zu ver- stehen seyn muß. Dieses ist indessen gewiß, daß grobe filtzigte Nebel-Kappen, meistentheils des Nachts um so viel unbekanter zu seyn gebrauchet worden, deñ also schreibet Capitolinus in Vero: Vagabatur nocte per Tabernas \& L upanaria obtecto Ca- pite Cucullione vulgari viatorio, wie etwan heutigs Tags diejenigen/ die des Nachts herum- schwaͤrmen, und gerne unbekant seyn wollen, den Hut in die Augen ziehen, und gemeiniglich grosse breite Huͤte, etliche auch wohl gar zuge- spitzte hohe Bauren-Huͤte auffsetzen, in solcher Tracht aber von ihren Amasiis doch wohl erkant werden, wie dort bey dem Juvenale Sat. 6. ein gleiches zu lesen, wenn er schreibet: Il. des Hutmacher-Handwercks. Illa jubet Juvenem sumpto properare cu- cullo. Und w e il solche, wie gemeld, zu weilen an denen groben Maͤnteln, die man zugleich, wie noch heutigs Tags um die Ohren schlagen kunte, fest waren; als wird dannenhero bey dem Horatio der Reise-Mantel oder Lucerna offt pro Cucul- lo genommen/ Turpis odoratum caput obscurante la- cerna. Nachdem auch Lacerna und Birrhus einerley wa- ren, als bedeutet bey denen Poe ten Birrhus offt so viel als ein Hut, und mag daher wohl das teut- sche Wort Baret oder Biret herkommen. Es sol- len aber dergleichen Baret selbiger Zeit viel in Franckreich, in der Provinz Xaintogne gema- chet worden seyn, dahero Martialis schreibet: Gallia Santonico vestit te Bardo cucullo, Cercopithecorum penula nuper erat. Woraus fast zu schliessen, daß solche Barete da- mahls den Leuten poßirlich auff den Koͤpffen muͤs- sen gestanden haben, weil man sie vor eine Affen- und Meer-Katzen Tracht gehalten, welches auch lib. 1. Epigr. 54. confirmi ret wird. Sic interpositus vitio contaminat uncto, Vrbica Lingonicus Tyrianthina bardo- cucullus. Ob aber diese Art von Bareten oder Huͤten, von denen Bardis denen Frantzoͤsischen Wahrsagern und Poe ten/ oder von Bardis, welche bey dem E 4 Plau- Beschreibung Plauto und Cicerone traͤge dumme Menschen genennet werden, ihre Benennung gezogen ha- ben, ist bey denen alten Scribenten noch nicht ausgemachet. So viel ist von denen Bardocucullis bekant, daß dieselbe eine Kopff-Bedeckung geringer Leu- te gewesen, dahero abermahl Martialis schreibet: Pullo Mævius alget in Cucullo, Cocco mulio fulget incitatus. Wiewohl auch freye Leute dergleichen zu tragen sich nicht entsehen haben, denn also schreibet auch Martialis von Mannejo L. der gar ein Roͤmischer Ritter seyn wollen. lib. 5. Epigr. 14. Illic Cucullo prospicit caput tectus, Oculoque ludos spectat indecens uno. Von denen Roͤmischen Knechten lesen wir bey dem Columella lib. 1. cap. 8. Cultam vestitamque familiam magis utiliter, quam delicate habeat munitam diligenter a Ven- to, frigore pluviaque, quæ cuncta prohiben- tur pellibus manicatis centonibus confe- ctis vel sagis cucullis. Welche Beschuͤtzung vor Regen, Kaͤlte und Wind, die alten Moͤnche und Einfiedler vor- nehmlich auch angenommen. Wiewohl der hei- lige Hieron ymus eine andere Ursache der Moͤn- che Kappen beybringet, wenn er schreibt: Se- dentes autem Cucullis capita sua velent, ne alter alterum aspiciat manducantem, daß, nemlich die grosse Kappen uͤber den Kopff ge- des Hutmacher-Handwercks. gezogen, darzu dienen solten, damit einer den andern in waͤhrenden Essen nicht anschauen koͤn- te. Ob die alte Formen der Cucullorum oder Moͤnchs-Kappen, sonderlich des heiligen Fran- cisci seine rund oder oben zugespitzt gewesen sey, daruͤber haben sich ihrer viel vergeblicher Weiße die Koͤpffe zerbrochen. Die scheinbarste Mey- nung ist diese, daß alle der Alten ihre Kappen oben zugespitzet zugegangen, als wie etwan un- sere heutige Duͤten oder Kraͤmer-Haͤußlein, in welche man Gewuͤrtz, Pfeffer und Rosin einzu- wickeln pfleget. Dahero Martialis lib. 3. Epigr. II. nach deren Gleichniß schreibet: Cujus vis fieri, libelle, munus Festina tibi vindicem parare Ne nigrum cito raptus in Culinam Cordyllas madida tegas papyro Velthuris, piperisque sis cucullus. CAPVT III. Vom Hutmachen an und vor sich selbst/ was vor Arbeit darzu erfordert werde/ biß ein Hut zum Gebrauch fertig sey/ wie er tuͤch- tig schwartz zu faͤrben/ und woran solches zu erkennen sey/ wie starck die Zahl der Hut- macher in einem Land oder Stadt seyn, auch wie man den Verfall ihres Handwercks, durch heilsame Mittel zuvor kommen/ und dem Handwerck wieder auffhelffen koͤnne. E 5 Daß Beschreibung D Aß Haar und Wolle die Materien seyn, aus welchen Huͤte gemachet werden, ist schon im 1. Capitel gemeldet worden, und zwar seynd jenes entweder Biber, oder Ca- stor, oder auch Caninichen, Cammel- und Ha- sen-Haare; zu Woll-Huͤten aber komt entweder gemeine Land- oder vornehmlich Polnische Lam̃- Englische, Spanische, sonderlich feine Vigo- gne, Persianische und Boͤhmische Sommer- Wolle. Jetzt besagte Wollen und Haare muͤs- sen vorher wohl sorti ret, hierauff gekartetschet. und alsdenn mit dem Woll-Bogen geschlagen, gefacht, mit einem nassen Tuch uͤber dem Kohl- Feuer gefiltzet, und zu einen Hut nach beliebiger Form geformiret werden. Hierauff wird er in heissen Wasser, worunter etwas Wein-Hefen gimenget, zwey biß 3. Stunden lang mit den Haͤnden gewalcket, uͤber den Stock oder Form gerichtet, und nach Belieben gefaͤrbet. Der Hutmacher hierzu erforderter Werck- zeug, bestehet aus dem Schlag-Holtz, dem Filtz- Blech, und der Filtz-Tafel, einem Kessel, der Walck-Tafel, Roll-Stock und Roll-Eisen samt denen Stoͤcken und Formen. Jn Dantzig machen die Hut- oder vielmehr Filtz-Macher gantze breite Filtze, etwan 1½. Elle lang und 1. Elle breit, die sie hernach denen Kirschnern und Schustern weit und breit ver- kauffen. Jene brauchen solche zur Steiffigkeit in die Peltz-Waaren, als Muͤtzen und Muͤffen, die- des Hutmacher-Handwercks. diese zu Filtz-Stieffeln, und Schuh-Sohlen, man kan sie auch denn sehr beqvem zu kleinen Vestungs- M odelen gebrauchen, weil sie sich besser als Carten- oder Pap-Papier schneiden lassen. Alles Walcken bey denen Hutmachern ge- schiehet mit denen Haͤnden, welches denn den besten Filtz und fein Geschwind giebet. Sie muͤs- sen lauter kurtze Wolle darzu haben, so gar, daß wenn sie nicht kurtz genug, sie selbige erst mit ei- nem Beil auff dem Stock zerhack en muͤssen. Pol- nische Lamm-Wolle ist ihnen am besten/ die ist weich und kurtz, dahero sie denn auch die Tuch- macher nicht wohl gebrauchen koͤnnen, weil sie sich nicht in Faden giebet, indem sie im Gespinst der Kuͤrtze wegen ausbleibet, ist auch zun Tuͤ- chern viel zu theur, wie in Beschreibung des Tuchmachens gemeldet worden. Die gewoͤhnlichen Sprich-uñ Schertz-Woͤr- ter der Hutmacher bey ihrem Handwerck seyn: klar gefacht, groß gefiltzt, und klein eingewalckt, giebt einen guten Hut. Gleichwie es hin- gegen bey ihrer Prudler- oder falschen Arbeit heis- set, Fache fein Knoperich, Filtze fein boll, im walcken schickt sich alles wohl. Eine noch genauere Beschreibung des Hutmachens bestehet in folgenden: Erstlich ver- richten das Sorti ren oder Auslesen der Wolle mehrentheils der Hutmacher ihre Weiber, wel- che denn das darinn befindliche Stroh und die Schaafs-Lorbeeren fleißig aussuchen muͤssen, weil Beschreibung weil sonst, wenn solche darinn bleiben solte, der Hut Loͤcher bekommen moͤchte. Das Kaͤmmen der ausgelesenen Wolle wird verrichtet, entweder durch die so genannten Kaͤm- mer oder Hollaͤndische Knie-Streicher. Davon was solche seyn in den Tractaten von Tuch- und Zeug-Machen Meldung geschehen ist. Die gekaͤmmte Wolle wird hierauff klein ge- hackt in 2. biß 4. Theil ausgewogen, worauff die Meister oder Gesellen, (welche fein fruͤh des Morgens, nemlich um 4. Uhr auffstehen, und an die Arbeit gehen muͤssen) solche durch einen Fach- Bogen und Schlag-Holtz auff der Fach-Tafel. (die entweder gantz oder durchschnitten ist, damit das Unreine durchfallen koͤnne) herab leidern, alsdenn nimmt man ein Theil weisse Wolle, und fachet solche nach Proportion der Huͤte, in 4. grosse Fach, item 4. oder 2. Band-Fache, wenn aber dergleichen Fach gemachet wird, so muß es mit einem Sieb zusam̃en geschoben, gedruckt und zusam̃en geleget werden. Ferner muß auch zu einem jeden Hut, wenn solcher abgefacht, etwas Buse gefachet, und hierauff mit einem Fleder- wisch von einer Gans, die abstaubenden Haar oder Wolle, fein rein zusamm gekehret werden, als woran viel gelegen, weil hierdurch ein Mei- ster reich oder arm werden kan. Und zwar die- ses letztere, wenn die Gesellen faule Prudlers seyn, welche die Haar oder Wolle nicht wohl zusam̃enkehren, sondern solche liederlicher weise mit des Hutmacher-Handwercks. mit denen Fuͤssen zertreten, und solche hernach in Mist kehren. Die Saite auff dem Fach-Bogen betreffend, muß solche nach Proportion des feinen Zeugs o- der Wolle eingerichtet seyn, denn zu feinen Zeug nimmt man nur schwache Schnuͤren, zur Wolle aber etwas groͤbere, es gehoͤret auch ein Tuch- Lappen darzu, damit wenn das Zeug oder Wol- le etwas schweißig oder fett ist, man die Saite oder Schnur an dem Bogen wieder sauber ab- wischen koͤñe, weil sich sonst, weñ solches nicht, ge- schiehet, die Wolle oder Haaꝛe an der Schnur an- haͤngẽ, daß man hernach kein gutes Fach zu Weg bringen kan, an welchem doch das meiste gelegen ist. Wenn diese Arbeit alle also geschehen, und Meister und Gesellen hierauff das Fruͤhstuͤck ein- genommen, so schreitet man Zu dem Filtzen/ Eh wir aber von solchem, und was vor Hand- griffe und Instrumenta darzu noͤthig seyn, han- deln, so bemercken wir erstlich in genere, daß wenn ein Hutmacher die Wolle mit dem Woll- Bogen zu einem Haar-Hut schlagen will, so nim̃t er erstlich unten eine Lage von feinen Castor- oder Vigogne- Haaren, und schlaͤgt selbige zu einem Boden. Wenn er hierauff ein wenig Grund hat, so nimmt er gute Polnische Sommer-Wol- le, und schlaͤgt wieder daruͤber her, biß ein Filtz zum Hut wird/ alsdenn nimmt er wieder zur Bedeckung feine Haar, und koͤmt dieses fast mit denen inwendig Bleyernen, auswendig aber mit Gold Beschreibung Gold uͤberzogenen falschen Ducaten uͤberein, bey denen Hutmachern aber ist es ein redliches, und Handwerck gemaͤsses Stuͤcke. Denn wenn man unter einen Hut von Castor-Haaren, nicht et- was feine Wolle mischen solte/ so wuͤrden die puren Castor- Haare sich anders nicht/ als mit grosser Muͤh und Unkosten zu einem Filtz walcken lassen. Weil auch die Castor- oder Biber-Haar theu- er/ als muͤssen die Hutmacher sparsam damit umgehen, dahero sie auch von einem Pfund Haar wohl 12. Huͤte bedecken koͤnnen. Zuweilen muͤssen auch Hasen- oder Canini- chens-Haar unter die Castor- oder Biber-Haar mit unterlauffen. Jn Specie ist von den Filtzen zu mercken/ Daß erstlich zu feinen Huͤten 2. Ellen feine Leinwand, zu Woll-Huͤten aber Mittel-Lein- wand gehoͤre. Ferner eine Filtz-Taffel, ein Filtz-Blech von Eisen oder Kupffer/ eine Buͤtte oder Goͤlte, und ein Feuer-Napff mit Kohlen. Hierauff filtzt man zweyfach, und legt zwischen jedes einen duͤnnen Lappen, damit die Wolle oder Haar nicht zusamm filtzen, wenn solches geschehen, so wird der Hut auffgeschlossen, die Fache uͤber einander gebracht, jedoch mit sol- cher Subtili taͤt, daß man sie wieder auffschliessen kan, und sie sich nicht uͤberlegen, als welches sonst Faltzen giebet, dadurch der Hut ein uͤbel Ansehn bekoͤmt. Wenn nun solcher gestalt ein Hut fertig wor- den, des Hutmacher-Handwercks. den, so wird er wohl ausgebuͤsset und durchse- hen, ob er nicht Loͤcherich oder ungleich gefiltzet sey, als woran die groͤste Kunst des Hutes beste- het; so muß er auch nicht zu groß und nicht zu klein seyn. Wenn nun dieses alles wohl besichti- get, gleichsam damit das Tag-Werck verrich- tet worden, so werden die Woll-Huͤte gekocht, darzu gehoͤret nun ein eingemauerter Kessel, oder Eiserne oder Kuͤpfferne Pfanne, wie auch ein etwas kleiner Koch-Topff, item eine Walck- Tafel, von starcken Pfosten Brettern, wohl fe- ste gelegt, ferner ein Roll-Stock zu feinen Huͤ- ten, und ein Roll-Eisen, so in der mitten 4. oder 8. Eckigt, ingleichen ein Stamper, eine Faust, und Streich-Bret, Hoͤltzerne Form-Stoͤcke, nach Art der mode klein oder groß, wie man sie haben will. Es muͤssen aber die Huͤte in reinen Wasser mit etwas Lauge oder Urin ver- mischet 2. biß 3. Stunden kochen, dabey man denn wohl zuzusehen hat, daß nicht etwas von Kalch darzu kom̃e, weil sonsten solches die Huͤ- te verderben wuͤrde, daß sie alle zerfallen muͤsten. Wenn der Walck-Kessel geheitzt, und das Wasser warm ist, so thut man zwey oder 3 Kup- pen, Butten oder Goͤlten, Wein-Spuͤlig o- der Wein-Hefen darein, oder auch etwas Wein- stein, so man Castor-Huͤte hat. Der Weinstein wird auff die Tafel gebracht, angefeuchtet, mit der Faust klar gerieben, das Wasser laͤst man in den Kessel lauffen, und faͤngt alsdenn an zu wal- cken, anfaͤnglich nur behutsam, dabey man den Hut Beschreibung Hut offt reckt, damit er in der Runde bleibe, sin- temahl ein Hut in dem ersten Anstossen, wie es die Hutmacher nennen, wenn er nicht recht gewal- cket wird, leicht verdorben werden kan, so muß er auch in eineꝛ Hitze gewalcket werden. Wenn denn der Hut nach Proportion der Forme kurtz. so wird er mit den Fuͤssen durch das Roll-Eisen ab- gerollt, daß er recht feste werde, alsdenn stoͤßt man ihn um, und bringt ihn zur Forme. Zu die- ser Arbeit gehoͤret ein Ausstoͤsser, mit welchem der Hut oben aus gebrochen wird, daß er glat an der Form anliege, ferner wird er mit dem Band an- geformt, und mit der Faust der Rand ausgestos- sen, und dieses alles in voller Hitze; Hierauff wird wieder die Faust auff den Kopff des Huts gesetzet, mit den Fuͤssen darauff getreten, und mit den Haͤnden ausgestreckt, daß er plat auff der Tafel lieget, alßdenn mit dem Streich-Bret ausgestrichen, daß das Wasser rein herauskom- me, alsdenn wieder ausgestreckt, und auffge- henckt, damit er trocken werde, und zwar geschie- het solches Auffhaͤngen entweder auff der Form, oder von der Form abgezogen. Nach diesem wird er mit einen Bims-Stein abgescheuert, und hier- auff mit Karten oder Hollaͤndischen Cartetschen auffgekratzet, alsdenn wieder angeformt, aus heissen Wasser ausgestrichen, und so dann ver- glichen, damit er an Rand recht rund werde; weñ dieses geschehen, so geht man damit zur Farbe, welches, weil viel daran gelegen, wir etwas aus- fuͤhrlich zu beschreiben, uns nicht entziehen wollen. Es des Hutmacher-Handwercks. Es ist aber von den Schwartzfaͤrben der Huͤ- te vornehmlich zu bemercken, daß sehr viel da- ran gelegen, daß dasselbe dauerhafft und von einem schoͤnẽ Glantz sey, weil nichts schaͤndlichers an denen Huͤten kan gesehen werden, als wenn selbige so gar bald ihre schwartze Farbe verlieren und kahl werden. Dahero diejenigen Hutmacher, welche vor andern einen guten schwartzen Hut zu faͤrben wissen, mehr Zulauff und Nahrung, als andere Stuͤmpler oder Faͤlscher haben, wel- che nicht denen Satzungen gemaͤß die Materia- lia und Muͤhe daran wenden wollen, die zu einer rechten schwartzen Farbe gehoͤren, dahero ihre Huͤte kaum die Helffte so lang, als andere gut gefaͤrbte Huͤte gebrauchet werden koͤnnen, da sie schon grau und fahl werden, also, daß da sonst jemand an einem gut gefaͤrbten Hut eine Zeit lang genug haͤtte, er wohl drey solcher schlecht gefaͤrb- ten Huͤte gebrauchen muß. Woraus zugleich dem Lande der Schaden zuwaͤchst, daß hernach so viel mehr Geld vor Lamm-Wolle, Castor, oder Bi- ber und Camel-Haar, auch andere frembde Ma- terialia hinaus gehen muß, welches das Jahr uͤber schon ein ziemliches betraͤgt. Ehe wir aber die Eigenschafften einer guten Hut-Schwaͤrtze recht untersuchen und beschrei- ben, so ist nach Anleitung des Unterrichts, wel- cher in dem Teinturier Parfait gegeben wird, noͤ- thig, daß jedes Orts Hutmacher die Wolle und Farb-Kraͤute, wie auch die Beqvem- und Unbe- qvemlichkeiten, welche sich daselbst zu Hutma- F chen Beschreibung chen ereignen, wohl erwege, und sonderlich un- tersuche, wie man darzu gelangen moͤge, daß man die daselbst verfertigten Huͤte, in solche Reputa- tion bringe, daß sie nicht allein in dem Land, son- dern auch ausser demselben beliebt seyn, und die Handlung damit vergroͤssert, nicht aber verin- gert werden moͤge. Es bestehet aber solches in Abschaffung der schlechten und unrechten Farbe, und daß man hergegen gute und tuͤchtige an die Stelle einfuͤh- re. Solches geschiehet nun vornehmlich folgender gestalt: Erstlich muͤssen alle Woll- und Haar-Huͤte mit guten Aleppi schen oder Alexandrini schen Gall-Aepffeln, wie auch etwas Jndianischen Holtz vorbereitet, und ziemlich lang in dem Gall- aͤpffel-Wasser gehalten werden, damit die Far- be hernach desto besser in den Filtz hinein dringe. Nach diesen ꝛichtet man ebendieses Gallen-Was- ser mit schwartz und genugsamen Jndianischen- Holtz, wie auch ein wenig Vitriol und Gruͤn- span zu, und laͤsset abermahl die Huͤte ihre gebuͤh- rende Zeit darinn liegen, damit die Farbe desto besser durchdringen koͤnne. Es muß aber das Jndianische Holtz, welches man in die Schwaͤr- tze thut, vorher besonders gekochet worden seyn, und nach diesem zum wenigsten drey oder vier Tage lang abgekuͤhlet haben, eh mans braucht. Jngleichen muß man die Dosin von den Gallaͤpf- feln und Jndianischen Holtz, nach Proportion, als des Hutmacher-Handwercks. als der Hut von Haaren und schwer zu faͤrben ist, vermehren. Nachdem nun diese Vor-Arbeit verrichtet, so setzt man einen neuen Kessel mit reinen Wasser an, in welches man eine genungsame Qvantitaͤt Jndianisch und ein wenig gelb Holtz thut, dieses laͤst man drey Stunden mit einander kochen; hier- auff, wenn man es hat wohl erfrischen lassen/ so schuͤttet man gnugsamen gestossenen Gallus zu, und laͤst es nochmahl mit den Jndianischen und gelb Holtz 3. andere Stunden lang kochen, thut hernach den Vitriol und endlich die Huͤte hinein Wenn nun der Kessel ein wenig laulicht worden, so laͤst man etwas Gruͤnspan darinn zergehen, welcher denn viel hilfft, daß das Jndianische Holtz besser angreifft; laͤst hierauff die Huͤte a- bermahl eine gute Zeit lang in dieser zweyten Schwaͤrtze stehen, damit die Farb desto besser durchdringe. Waͤre es, daß es kostbare oder schwer zu faͤr- bende Huͤte waͤren, so muß man ihnen die dritte Schwaͤrtze geben, welche man auff obbeschrie- bene Manier zurichten muß. Wiewohl man auch die Dosin der Ingredienti en nach erfodern oder Beschaffenheit des Schwartzens vermindern o- der vermehren kan. Fiele der Glantz des Huts alsdenn noch etwas ins Blaue, so setzt man mehr gelb zu, waͤre er aber zu roth, so nimmt man von den gelben Holtz ab, und giebt ihm so viel mehr Jndianisch-Holtz. Und so verfaͤhret F 2 man Beschreibung man auch mit andern Droguen, nachdem von dem einen zu viel oder zu wenig genommen ist. Wenn nach diesem die also schwartz gefaͤrbten Huͤte wohl ausgewaschen worden, so kan man den blaulichen Glantz, wenn solcher noch zu viel ist, mit etwas gelb Holtz temperir en, welches, wenn es ein wenig mit Gum̃y angemachet wird, so wohl auff Haar-als Woll Huͤten eine gute Wuͤrckung thut. Hierbey ist aber zu mercken, daß obgleich die groben Woll-Huͤte aus dem ersten Schwartzen sich genugsam faͤrben lassen, wenn man nur ge- nungsame Gallaͤpffel, wie auch etwas von dem Smack darzu gethan, u. auch etwas mehr Kupf- fer-Wasser gegeben; So wollen doch die schon etwas bessere Huͤte, die zweyte Schwaͤrtze haben, die gar feine uñ kostbare aber die dritte Schwar- tze, wie oben schon gemeldet worden. Da wir auch gesagt, daß die feine Huͤte im Faͤrben mit etwas gelb Holtz koͤnnen tempetir et werden, so ist solches bey denen Groben nicht noͤthig, weil man daselbst Sumach oder Schmack beysetzet, und auch mehr Kupffer-Wasser darzuthut Man koͤnte sie auch wohl mit dem Gelb-Kraut (Fran- tzoͤsisch Gaude genannt) absuͤssen, oder sie durch das Gelbholtz-Wasser (wenn erst die feine Huͤte seine beste Krafft ausgezogen, durchziehen. Nachdem aber bey allen diesen, doch kein voll- kommenes Schwartz, so wohl an Haar- als Woll-Huͤten erlanget wird, es sey denn, daß man sie aus Weyd oder Pastel blaue, welches die des Hutmacher-Handwercks. die Hutmacher biß hieher zu thun unterlassen ha- ben, eines Theils, weil sie in der Meynung ge- standen, wenn man einen Hut solcher gestalt in Faͤrben zu starck angriffe, daß er daruͤber die Haar moͤchte fahren lassen, welches aber keines wegs zu besorgen, wenn nur das Haar im wal- cken mit dem Filtz wohl durch gearbeitet ist, und ihme darauff eine gute Schwaͤrtze gegeben wor- den. Als waͤre wohl noͤthig die Hutmacher dahin zu halten, daß fie alle ihre Hut-Wolle, oder Haar zuvor tuͤchtig blau faͤrben muͤsten, ehe sie solche zu Huͤten verarbeiteten, weil die blaue Farb wohl decket, und die Wolle oder Haar auch ge- schickter machet, die Schwaͤrtze anzunehmen. Gar grobe Huͤte, haͤtten eben keine starcke Blau- ung noͤthig; bey den Feinen aber wuͤrde durch das Blauen, auch die dritte Schwaͤrtze koͤnnen ersparet werden, indessen wuͤrde ein grober aus dem Blauen gefaͤrbter Hut, nicht uͤber drey, und ein Feiner nicht uͤber fuͤnff Stuͤber mehr zu ste- hen kommen, als einer der nicht vorher blau ge- faͤrbet worden. Damit man aber sehen moͤchte, ob jenes ge- schehen, so muͤste allen Hutmachern verboten werden, den Rand nicht zu beschneiden, eh und bevor sie inwendig in den Hut ihr Zeichen gese- tzet, und solche Huͤte alsdenn durch die geschwor- ne Aeltesten ihres Handwercks besichtiget wor- den. Welche, wenn sie solche gut und tuͤchtig be- funden, ihre Zeichen gleichfalls nebenst des Mei- F 3 sters Beschreibung sters seinen darein drucken, und so der Hut nicht von der rechten Quali taͤt befunden worden, den- selben gar confisei ren koͤnten. Truͤge es sich auch zu, daß ein Hut, der von Meister und Aeltesten gezeichnet woꝛden, sich nach der Zeit doch uͤbel gefaͤrbt befinden solte, so muͤste der Besitzer seinen Recurs an dem, der ihm den Hut verkaufft, dieser aber so wohl an dem Hut- macher, als an die Aeltesten die ihn falsch gezeich- net, nehmen koͤnnen. Die Aeltesten muͤsten auch noch darzu gestrafft werden, weil sie einen Hut gezeichnet, der nicht Kauffmanns-Gut gewesen. Am allersichersten aber wuͤrde man der Huͤte wegen (daß solche recht gefaͤrbet) seyn koͤnnen, wenn das gantze Handwerck der Hutmacher ei- nes Ortes gehalten waͤre, zwey oder mehr Filtze von unterschiedlicher Art Haar und Wolle zu faͤrben, welche hernach stets in ihrem Gild- oder Jnnungs-Hauß bleiben, und daselbst zur Probe dienen muͤsten, nach welcher man hernach alle in derselbigen Stadt gefaͤrbte Huͤte zu beurtheilen haͤtte. Und ob man gleich nach solcher Probe/ in Gegenhaltung der gemachten Huͤte, nicht so gar accurat urtheilen koͤnte, so muͤsten die Hut- macher Aeltesten ein Stuͤcklein von der Prob, und auch ein Stuͤcklein von dem Rand des zu beur- theilenden Huts, (jedoch solcher gestalt, daß der Hut dadurch nicht geschaͤndet oder verdorben wuͤrde) ab schneiden, uñ beydes zusam̃en mit gleich schweren Alaun und Weinstein abkochen, so wuͤrde sichs bald weisen/, ob der Hut Probmaͤs- sig gefaͤrbet sey oder nicht. End- des Hutmacher-Handwercks. Endlich ist auch noch zu mercken, daß in der Ael- testen ihren Zeichen/ auch der Stadt Nahme, in welcher der Hut gemacht, wie auch die Jahr- Zahl, wenn sie solchen besichtiget und gezeichnet; ingleichen der Nahme des Hutmachers muͤste aus gedruckt, und solches auch zum Uberfluß in ihren Jnnungs-Buch auffgezeichnet werden, da- mit wenn uͤber lang oder kurtz sich Streit solches Huts wegen erheben moͤchte, man aus solchen Buch Nachricht erlangen koͤnne. Wenn nun oberzehlter Massen ein Hut gefaͤr- bet ist, so wird er wieder ausgewaschen, und her- nach entweder auff der Form, oder ohne dieselbe getrucknet. Hierauff wohl ausgekehrt und ge- steifft. Wenn auch dieses geschehen, so wird er wieder getrucknet, und alsdenn mit Wasser o- der zubereiteten Glantz geglaͤntzet. Wenn er nach diesem wieder trucken worden, so macht man ihn platt auff dem Filtz-Blech. Zu solcher Arbeit gehoͤret ein Dunst-Lappe, wie auch die Faust-und Form-Stoͤcke. Hierauff laͤst man ihn wieder trucknen, und butzt oder biegelt ihn alsdenn mit einem Meßingen oder Staͤhlernen Biegel-Eisen, jedoch also aus, daß er im Bie- geln nicht verbrennt werde. Und damit ist nach so vieler Muͤh und Arbeit endlich ein Hut fertig. Es ist aber alles dieses, was ietzt gesaget wor- den, nur von einen guten Hut (den ein rechter Meister gemacht) zu verstehen. Denn was Stuͤmpler Arbeit ist, an solcher fehlet freylich sehr viel, daß sie nicht so gut sey, als rechte Mei- F 4 sters, Beschreibung sters, theils weil diejenigen die solche verfertigern, das Handwerck nicht tuͤchtig verstehen, theils auch weil eine rechtschaffene Arbeit nicht wohl bezahlet wird, und es dannenhero heist: Kuͤpffern Geld, Kuͤpffern Seelmeß. Worinnen ich auch die lieben Handwercksleute zum Theil nicht ver- dencken kan. Wie aber diesen abzuhelffen, ist an- derwerts von uns gewiesen worden. Die heutigs Tags unter unsern teutschen Hut- machern bekanteste Sorten von Huͤten seynd die gantze, halbe und viertels Castor, die Loutre, Codebeck ische und Cameel-Haͤrige, die aus Polnischer, und auch aus Land-Wolle gemach- te Huͤte. Ein Stein Sommer-Wolle koͤmt ihnen in Sachßen auff 5½. biß 6. Reichs-Thl. Ein Stein Lamm-Wolle 5. Rthl. die denn theils noch ungewaschen, davon hernach wohl 2. biß 3. Pfund im Waschen abgehet. Polmsche Lamm-Wolle ist ungleich theurer, und komt der- mahlen in Sachßen wohl 10. biß 12. Rthl. der Stein. Die Boͤhmische Sommer-Wolle ist von 5. biß 6. Rthl. diese wird um Michaelis, und die Lamm-Wolle nach Pfingsten abgenom- men. Castor- oder Biber-Haar muß man meisten- theils aus Engeland, Holland und Hamburg haben, das Pfund koͤmt ietziger Zeit 7. Rthl. das Moßcowitische Biber-Haar faͤllt etwas kuͤr- tzer, aber auch viel feiner, dahero man solches, wenn Hutmacher-Handwercks. wenn man einen guten Castor-Hut machen will, mit Englischen Biber-Haar vermenget. Die sogenannte Loutre- Huͤte, die manche vor Castor ansehen, werden von Persianischer Vigogne- Wolle gemachet, Haasen-Haar da- runter gemenget, und hernach mit etwas Biber- Haar uͤberzogen. Hunde-Haare zu verarbeiten ist verboten, und wird derselbe, der solches thut, er sey Mei- ster odeꝛ Gesell nicht vor ehrlich gehalten. So wer- den ihnen auch die Kuͤh- und Kaͤlber-Haar, in- gleichen die Flocken von den Tuchmachern und Tuch-Scherern nicht gestattet; wiewohl es mit diesen letzern an denen Orten, wo die Wolle ge- nau zusammengehet, nicht eben so genau genom- men wird. Eine andere Bewandniß aber hat es mit den groben Filtzen, zu welchen die Hutmacher un- gescheuet die Kuͤh- und Kaͤlber-Haare nehmen moͤgen. Solche Filtze werden hernach wie schon gemeldet, von den Kuͤrschnern und Schustern, item denen Taͤschnern zu Stuͤhlen und Matrazen, wie auch von denen Feuer-Werckern und Artil- leri sten ꝛc. gebraucht. Zu mercken ist auch, daß die Englischen, Hol- laͤndischen, Frantzoͤsischen und Jtaliaͤnischen Hutmacher von unsern teutschen Meistern nur vor Filtzmacher gehalten werden, weil sie in An- sehung ihrer feinen Zeug keinen Hut mit denen Fuͤssen daselbst bearbeiten; solches auch, weil ihre Gesellen nicht viel in Teutschland reisen, nicht F 5 ver- Beschreibung verstehen; und wenn ja ein Gesell herauskomt/ so ist doch zwischen ihnen und denen teutschen Gesel- len immer Streit, also, daß sie sich niemahls wohl zusammen vertragen koͤnnen. Folget noch mit wenigen die Zahl der Hutmacher/ welche in einer Stadt und Land etablirt seyn solten, damit sie alle zulaͤnglich an ihr Brod kommen, und doch auch das Land und dessen Commercium mit genugsamen Huͤten ver- sehen werden koͤnte. Dieses laͤsset sich nun am besten aus der An- zahl der Buͤrgerschafft eines Orts, und denn aus des Landes seinem Commercio und Hand- lung urtheilen. Zu jeden hundert Buͤrger-Haͤu- sern, halte ich, was deren eigenen Gebrauch an Huͤten betrifft, waͤre ein Hutmacher genug. Zu- mahl wenn er feine und grobe Huͤte zu machen sich beflisse. Da es denn so leer nicht abgehet, daß ab- und zureisende- Frembde oder Lands-Leute nicht auch manchmahl mit einem Hut sich verse- hen solten, daß also bey 100. Familien ein Hut- macher schon an sein Brod kommen koͤnte, so viel- mahls solche Famili en nun an hunderten stiegen, oder in einer Gemeine befindlich waͤren, so viel Hutmacher muͤsten sich zu etabli ren zugelassen werden. Welches denn am fuͤglichsten aus einer richtigen Buͤrger- oder Einwohner- Matricul wuͤrde abzunehmen seyn. Gleicher gestalt koͤnte auch die Proportion auff den Land in acht genom- men werden, daß nachdem in einem Amt oder District viel Haußsaͤßige Famili en waͤren, da- selbst des Hutmacher-Handwercks. selbst auch auff ein oder zwey hundert ein Hut- macher zuzulassen waͤre, jedoch daß es ausser- halb einer Meile von der Stadt sey, und er sich vergnuͤge, seine Huͤte in seinem ihme angewiese- nen District zu verkauffen, und solche nicht zum Præjudiz der Stadt-Meisters in die Staͤdte einschleiche. Wobey jedoch denen Land-Leuten, wenn ihr Hutmacher nichts guts von Huͤten haͤt- te oder machen koͤnte, oder auch sich nicht in der Billichkeit wolte handeln lassen, ungewehrt seyn muͤste, nach Belieben Huͤte in der Stadt einzu- kauffen, sonderlich diejenigen, welche fremde seyn- Dieses aber waͤre nur von dem eigenẽ Gebrauch einer Stad oder eines Landes geredet, wo aber die Handlung auff frembde Oerter, Maͤrckte und Provinzi en ein anders erforderte, da ist kein ge- wisser Numerus der Hutmacher, weder auf dem Land noch in der Stadt zu determini ren, und koͤnten in einem kleinen Flecken, der an sich selbst nicht einen einigen Hutmacher zu ernehren ver- moͤchte, wohl 10. biß 20. wohnen. Wenn sie ih- re darum gemachte Waare hernach ausserwerts zu verhandeln wuͤsten. Auff welche Art auch die sogenannte Pfuschers oder unzuͤnfftige Meisters, keine Pfuschers mehr seyn oder heissen wuͤrden, wenn sie mit ihrer Arbeit denen Einlaͤndischen Meistern binnen Lands keinen Eintrag thaͤten, sondern was sie machten, ausserhalb Landes ver- kaufften, dadurch Geld ins Land zoͤgen, und dem Landmann seine Wolle besser consummi ren machten. So koͤnte man auch uͤber die gesetzte Zahl Beschreibung Zahl der Hutmacher demjenigen das Einkom- men, und haͤußliche etabliren in einer Stadt o- der Land, ja das Handeln in denselben nicht weh- ren, vielweniger ihn/ ob er gleich nicht in ihrer Zunfft waͤre, mit dem Schimpff-Wort eines Pfuschers belegen, welcher lauter feine, oder doch solche Huͤte machte, welche die andern Hut- macher weder machen koͤnten noch wolten. Da- hero billich an unsere teutsche Hutmacher und auch andere Handwercker die Ermahnung gehet, daß sie so viel moͤglich in ihren eigenen Zuͤnfften, sich auff neue, feine, und der Auslaͤndischen gleich- kommende Waare befleissen solten, damit sie dem Vaterland dadurch Nutzen schaffen, und das Geld, so viel an ihnen ist, im Lande mit con. servi ren helffen, der Obrigkeit aber nicht Anlaß geben moͤgen, auch bey sonst geschlossenen Zuͤnff- ten, Frey-Meisters zu setzen, welche bessere und Corrente re Waare als sie machen, von der al- ten Handwercks-Leyer abgehen, und nebenst der Kraͤmerey, auch dem Land- Commercio auff- zuhelffen suchen. Da nun die eingebohrne Zuͤnff- tigen Hutmacher eines Orts solches auch zu præ- sti ren versprechen, so muͤste es nicht in bloßen Worten bestehen, sondern solches in der That erfolgen, und in ihren offenen Buden sich erwei- sen, daß sie auch gantze oder halbe Castor, oder andere feine nach auslaͤndischer Fason zugerich- tete Huͤte (denen die solche verlangten) præsen- ti ren koͤnten. Jch bin versichert, wenn solches geschehe, es wuͤrde sich die Zufuhr frembder Huͤ- te des Hutmacher-Handwercks. te, von selbst legen/ ohne daß man noͤthig haͤtte Impost en darauff zu schlagen, und ein ieder Ein- wohner wird lieber seinen Mit-Buͤrger, alsden Frembden das Geld goͤnnen, wenn er mit glei- cher Waar/ wie bey diesen, also auch von jenen koͤnte versehen werden. Hier kommet aber ebenfalls in Considerati- on, was wir anderwerts von denen Tuchma- cher-Jnnungen gesagt, daß nehmlich eine gantze Jnnung eine Cassam oder Fundam haben solte, aus welcher sie ihren armen Mit-Meistern aus- huͤlffe, damit er Wolle und andere Materialia kauffen, und sein Handwerck ungehindert, und ohne Juͤden-Wucher fortsetzen koͤnne. Wor- zu denn noch ein allgemeines Hutmacher-Jn- nungs- Magazin, oder Gewoͤlb in Vorschlag kommt, samt andern heilsamen Projectis mehr, welche in besagten Tuchmacher- Tractat pro- poni ret, und um selbige in Praxin zu bringen, re- commendi ret worden. Wegen der Jahrmaͤrckte haͤtte man noch zu erinnern, daß solche unsern Hutmachern mit ih- ren Huͤten zu beziehen, gar wohl koͤnte zugelas- sen werden, weil dadurch der Staat oder des Landes Handlung vergroͤssert, und aus der Frem- de Geld hereingezogen wird, hingegen seynd die Jahrmaͤrckte, auff welchen frembde Hutma- cher uns ihre Huͤte zufuͤhren, so viel als moͤglich einzuschrencken, auch auff dem Land und Kirmes- sen, oder im Haußiren nicht zu gedulten, in so ferne nur unsere Einheimische Stadt- oder Land- Hut- Beschreibung Hutmacher billichen Preiß (jedoch so, daß sie auch dabey leben koͤnnen, und vor ihre saure Ar- beit an der Waare etwas haben moͤgen) geben, auch feine und geringe Waar genugsam in Vor- rath anschaffen, und wenn das Commercium ins Groß darinn zu bluͤhen anfing, dasselbe mit genugsamer, und von denen Kauffleuten verlang- ter Waar versehen und verlegen koͤnten. Wo- bey noch zu bemercken, daß weil der Hutmacher ihr Handwerck ohne dem nicht viel abwirfft, daß ihnen auch allerhand kleines Wollen-Zeug, nicht aber gantze Stuͤcken Tuch schwartz zu faͤrben, muͤste zugelassen seyn, sonderlich in kleinen Staͤd- ten, welche einen eigenen Schwartz-Faͤrber nicht erhalten koͤnnen. Da wir auch oben eines Hutmacheꝛ-Jñungs- Magazin oder Gewoͤlbs gedacht, so koͤnte solches dergestalt eingerichtet werden, daß wer etwas weit abgelegen wohnte, und keine eigene Bude oder Gewoͤlb zu seinen eigenhaͤndig gemachten Huͤten auff oder um den Marckt herum, oder sonst an einem gelegenen Ort haben wolte, der koͤnte seine Huͤte in der Hutmacher allgemeines Gewoͤlb zum Verkauff hingeben. Jn diesem Ge- woͤlb moͤchten sie auch wohl auslaͤndische, feine und grobe Sorten Huͤte zum Kauff haben, auch solche, so lang sie selbige nicht selbst zu verferti- gen, die Mittel und die Wissenschafft haͤtten, aus der Frembde kommen lassen, welches aber auch denen Kraͤmern frey stehen muͤste, um die Hut- machers dadurch zu zwingen und anzureitzen, daß sie des Hutmacher-Handwercks. sie sich auff Verfertigung dergleichen feinen Guts so viel eher befleissen muͤsten. Weñ hernach solches geschiehet, so muͤste darum doch denen Kauffleuten und Kraͤmern, Huͤte aus der Fremb- te zu verschreiben nicht verboten seyn, weil die Handlung gantz keinen Zwang leiden will. Man muͤste aber hingegen, wenn erstlich die Auslaͤn- dischen Huͤte so gut hier zu Land, als in der Fremd gemachet werden koͤnten, einen solchen Zoll da- rauff legen, daß die frembde Zufuhr in dieser Waar sich dadurch selbst abschnitte; solches a- ber muͤste wie gedacht eher nicht geschehen, als biß unsere Hutmacher solche perfect, oder bey nahe so gut als die Auslandischen seyn, nachma- chen koͤnten. Hiebey faͤllt mir nun noch ein, wie doch dem grausamen Verfall des so loͤblichen als nuͤtzli- chen Handwercks der Hutmacher, der an vie- len Orten einreissen will, so viel als moͤglich zu steuren sey. Wie ich denn eine gewisse Stadt kenne, welche jederzeit der guten Huͤte halber/ die daselbst gemachet, (und insonderheit dauer- hafftig schwartz gefaͤrbet worden) sehr beruͤhmt gewesen, welche auch, ob sie gleich klein gewe- sen, doch biß 36. Meister und wohl 60. Gesellen gehabt, die aber ietziger Zeit so herunter gekom- men, daß nicht allein keine Gesellen mehr dariñ zu finden, sondern noch wohl ein Meister dem andern an start eines Gesellen arbeiten muß. Diesem Unheil waͤre meines Erachtens vorzu- kommen, wenn erstlich die Einfuhr frembder Huͤ- te, Beschreibung te, so wohl auff Jahrmaͤrckten, als vor die Kauffleut zum Handkauff gaͤntzlich verboten, o- der doch durch Aufflegung eines gewissen Zolls ihnen ziemlich versaltzen wuͤrde. Wenn man auch ferner die vielen kleinen Jahrmaͤrckte etwas ein- zoͤge, auff welchen die zusammlauffende geringe Handwercksleute nichts als Unkosten haben, ihr geloͤstes Geld offt guten Theils in der Schencke sitzen lassen, indessen zu Hauß ihre Zeit versaͤu- men, und also nimermmehr, weil die Waare wenig gilt, zu einer gedeylichen Nahrung gelan- gen koͤnnen. Eine andere Beschaffenheit hat es mit beruͤhmten Jahꝛmaͤrckten in grossen Staͤd- ten, da ein grosser Confluxus von vielen einhei- mischen und frembden Leuten ist, und also ein da- hin von einem kleinen Land-Staͤdtgen reisender Hutmacher schon etwas von seiner Waare mit Profit absetzen, und ein Stuͤck Geldes dafuͤr marckten oder einnehmen, solches hernach da- selbst fuͤglich in Wolle und Materialien wieder anlegen koͤnte. Drittens, so muͤsten eines Landes Hutmacher sich auff duͤchtige und currente Waar befleißi- gen, und wenn solches geschiehet, ihnen auch von ihrer Obrigkeit und Mit-Buͤrgern lieber das Geld als Frembden gegoͤnnet werden; welches geschiehet, wenn der Hof und alle Grosse ihre ei- gene Land-Huͤte tragen, wenn man denen Ein- heimischen Hutmachern, die M ontur- Huͤte zu machen giebet, und nicht (welches wieder alle gesunde Vernunfft laͤufft, ob es gleich tota die Herrn des Hutmacher-Handwercks. practici ret wird) des Landes oder Landes- Herrn seiner Miliz Montur, (mit welcher oh- ne dem kein Officier, er sey hoch oder niedrig, sondern das Kriegs-Land-oder Stadt- Commis- sariat zu schaffen haben solte) ausser Landes machen laͤst. Vierdtens solte eine Hutmacher-Jnnung fein selbst auff ihre eigene Conservation und Bestes in ihren Ampts- Zunfft- und Zusammenkunffts- Tagen gedencken, alle unnoͤthige und die jungen Meister/ oder Hand-Lade beschwehrende Unko- sten und Gebraͤuche abschaffen. Sorgfaͤltig hin- gegen uͤberlegen, wie dem Handwerck durch Verfertigung guter und in Renommee zu brin- gender Waare wieder auffzuhelffen, die Hand- lung mit ihren Huͤten auff frembde Laͤnder zu e- tabli ren; Denen jungen und verarmten Mei- stern, mit Geld, Wolle oder andern Zeug aus der Lade unter die Arme zu greiffen, damit er nicht bey Juͤden und Christen das Seinige zu hohen Zins versetzen, auff vorgegessen Brod dem wuchrenden Kauffmann in die Haͤnde arbeiten, und sein mit saureꝛ Muͤh gemachtes Stuͤck Waar auff denen Jahrmaͤrckten vor liederliches Geld wegschleudern doͤrffte, bloß um seinen zu Hauß nach Brodt schreyenden Kindern, bey seiner zu Haußkunfft den Hunger zu stillen, oder auch, damit er dem Juden das Interesse vor das auff- genommene Geld bezahlen moͤge. Welches alles, wie auch die hohen Onera, o- der Gaben, mit welchen an vielen Orten die ar- G me Beschreibung men Unterthanen belastet seyn, leichtlich zu erken- nen giebet, woher der Verfall dieses und ande- rer Handwercker entstehe. Dannenhero die Aeltesten um so viel mehr vor ihre Mit-Bruͤder und Mit-Meister sorgen, und wenn die schwere Zeiten ohne dem viel Kummer und Beschwerung bringen, so viel an ihnen ist, dahin trachten sol- ten: Erstlich eine Art eines Montis Pietatis, und zweytens eines Ein-und Verkauff- Maga- zins anzurichten/ durch jenen wuͤrde dem armen Mit-Meister auffgeholffen, und soulagi ret wer- den, daß er nicht mehr zu hohen Zins, Geld oder zu hohen Preiß Waaren auff Borg auffnehmen doͤrffte, sondern wenn die Jnnung odeꝛ das Hand- werck ihn mit beyden versehen, und hernach sei- ne gemachte Arbeit, wieder den Werth nach, (wenn er so bald keinen fremden Kaͤuffer darzu bekommen koͤnte,) in Bezahlung annehmen wol- te, so wuͤrde ein solcher Meister trefflich auff, und zum wenigsten das gantze Handwerck, hinter das Geheimniß kommen, ob eines solchen Mit- Meisters sein Verderben, von der schlechten Zeit allein, oder auch von seiner eigenen Schuld und Schwaͤche hercuͤhre. Hiebey koͤnte auch ein solches Handwerck, wenn es eine feine gespickte Handwercks-Lade haͤtte, (wenn auch gleich zu leidlichen Zins noch einige Capitalia darzu auff- genommen werden solten) sich einen stattlichen Nutzen durch Einkauff ihrer benoͤthigten M ate- riali en aus der ersten Hand schaffen. Denn man bedencke nur, wie manche Hutmacher-Wolle, Cas- des Hutmacher-Handwercks. Castor oder Biber-Haar, Englische Ricken, Auslaͤndische feine Vigogne, item ihre benoͤ- thigte Farb- M aterialia mehrmahls schon in die dritte, vierdte, ja sechste Hand gekommen, ehe sie solche erst an sich gebracht, und ich mag wohl sa- gen, einige 10. 20. ja hoͤher pro Centum, auch vor baar Geld bezahlet haben, als sie solche wenn sie es selber aus der ersten Hand verschrie- ben, haͤttten haben koͤnnen. Fuͤnfftens, so ist das wohlfeil geben einer Waar nicht eben allezeit dem Land, und auch nicht denen Meistern, die solche verfertigen/ nuͤtz- lich, denn jenes behaͤlt dadurch immerfort arme Leut, die nimmer nichts vor sich bringen, und diese bleiben vor und nach Bettler. Nun will ich zwar keinen M onopoli schen oder Propoli- schen Zwang anrathen, auch nicht daß jemand gezwungen seyn soll, allein von den Hutmachern oder ihrem Jnnungs- M agazin zu kauffen, viel- weniger daß ihnen gar zugelassen seyn solte, die Huͤte nach ihrem Gefallen zu taxi ren, und eine feste Hand daruͤber zu machen. Sondern wenn sie eine Speciem eines Assi- stenz- oder Leib-Haußes unter sich machen, aus welchem sie ihrem Mit-Meister mit Geld und Waare auffhelffen, wenn sie viel eher ihm sei- ne verfertigte Waare, damit er am Creutz stehet, vor ein billiges, und daß er sein Hutmacher-Lohn daran habe, abkauffen, als daß sie zugeben/ daß er solches denen Juͤden, oder ersten besten Kaͤuffer vor ein liederliches hinschlaͤudere, so wird G 2 ei- Beschreibung eine solche Waare schon wieder in Auffnehmen kommen; sie werden solche, wenn sie die Materi- ali en aus der ersten Hand haben, ihren Mit Buͤr- gern doch wohlfeil, und in vorigen Preiß geben koͤnnen, und doch dasjenige drauff gewiñen, was die andere dritte Hand, aus welcher sie sonst solche bekommen, ingleichen der Jud und Wu- cherer, des hohen Zinsens wegen (welchen die arme Meister haben erlegen muͤssen) sich zuge- eignet hat. Und ist dannenhero meines Beduͤn- ckens in Prag, Franckfurt, Breßlau, Worms, Speyer, Coͤlln und andern Staͤdten, wo grosse Judenschafft sich auffhaͤlt, ein ungereimtes Kla- gen, die Juͤden nehmen denen Buͤrgern allen Handel weg, sie koͤnten wohlfeiler als andere Kauffleute geben; Die Handwercksleute gien- gen dabey zu Grunde, haͤtten nichts vor ihre Ar- beit; welches freylich wahr ist, so lang die Jn- nungen nicht unter sich selbst gute Ordnungen machen, die Kauffleute ihrer eigenen Mit-Buͤr- ger Waaren verachten, und nicht in Renommée zu bringen suchen, einer auf den andern die Waa- re in die Frembde hinaus wohlfeil verspricht, de- nen Handwercksleuten, die Materialia und Vi- ctualia theuer auffhaͤngt, und die Obrigkeit, an Einfuͤhrung guter Policey, sonderlich einer heyl- samen Kleider-Ordnung, wie auch an Auffrich- tung gewisser Montium Pietatis oder Leyh-Haͤu- ser es an sich ermangeln laͤsset. Cap. IV. des Hutmacher-Handwercks. CAPVT. IV. Von der Hutmacher ihren Handwercks- Statutis, Gewohnheiten und Rechten, der Saͤchsischen Hutmacher Jnnungs-Articul, und was etwan sonst noch von diesen loͤbli- chen Handwerck zu bemercken seyn moͤchte. D As Hutmacher-Handwerck ist von un- denckl. Jahren her unter die geschenck- ten, sonderlich in Teutschland gerechnet worden, und zwar ist es dasjenige, so de- nen frembd ankommenden Gesellen, das staͤrck- sie und kostbarste Geschencke haͤlt, dahero auch die an einem wohlgelegenen und beruͤhmten Ort arbeitende Gesellen schwere Unkosten habẽ. Wel- cher Mißbrauch aber an frembden Orten und Koͤnigreichen, sonderlich in Spanien/ Franck- reich und Engeland verlachet wird; da hingegen diejenigen Gesellen, welche von da her in Teutsch- land ankommen, nicht in Arbeit genommen wer- den, wo sie sich nicht zuvor der gewoͤhnlichen Handwercks-Straffe unterworffen. Jndessen aber sind die meisten Oerter im Koͤnigreich Schweden, Dennemarck, Pohlen, wie auch den Hertzogthuͤmern, Chur-und Lieffland zuͤnff- tig. Wiewohl sie daselbst keine sonderliche Mei- ster-Stuͤcke machen, in Teutschland aber, vor- nehmlich zu Nuͤrnberg sind sie schuldig (1.) Ei- nen Castor-Hut von Biber-Haaren, (2) ei- nen Hut von Englischen Caninichen-Haaren, G 3 (3.) ei- Beschreibung (3.) einen feinen Polnischen Lamm-Wolls-Hut und (4.) ein paar Filtz-Stiefel ohne Nath, so ei- ner Spannen lang uͤber die Knie reichen, zu ma- chen. An einigen Orten in Sachßenland machet ein Frembder 3. Stuͤck, nehmlich ein paar Reit- Socken, Einen geklopfften Hut und einen Haar- Hut. Jn Leipzig wird ein Castor-Hut, ein Ca- ninichen-Hut/ und ein paar Reit-Socken ge- macht, eines Meisters Sohn aber machet nur die Reit-Socken. Von denen Lehr-Jungen der Hutmacher. Mit solchen wird es, (wie es der beliebte, und sonderlich auch um die Handwercker, der ihnen gegebenen Christlichen moral- Reguln halber, wohlverdiente Altenburgische Professor Hr. M. Friederich Frisius in seinem Ceremoniel der Hutmacher beschreibet) folgender maßen ge- halten. Derjenige Jung, so bey denen Hutmachern in die Lehre treten will, muß das gantze Hand- werck ersuchen sich bey dem Handwercks-Mei- ster einzufinden. Da denn gemeiniglich des Jungens Vater mit einem glaubwuͤrdigen Mann erscheinet, wel- cher von des Jungens ehrlichen Geburt, gewisse Versicherung geben koͤnne, im Fall etwan des Lehr-Jungens sein Geburts-Brieff nicht vor- handen waͤre. Bey dieser Handlung sitzen alle die Meister bey offener Lade, nach der Ordnung, wie sie Mei- des Hutmacher-Handwercks. Meister worden seyn, und werdẽ von dem Hand- wercks-Meister, so die Ober Stelle hat, zu drey unterschiedenen mahlen jeder besonders gefragt, ob er etwas wieder diesen auffzunehmenden Lehr- ling einzuwenden habe, das 4. te mahl fragt er sie allzusammen, und endlich wird der Hand- wercks-Meister auch selbst von dem Jung-Mei- ster gefragt. So nun einer etwas bey des Jun- gens Person zu erinnern hat, so muß er auffste- hen, vor den Tisch treten, und es bescheidentlich vortragen. Wann dieses geschehen, muß der Lehr-Jung angeloben, sich fromm, gehorsam und fleißig zu erweisen, und so vielmahl zur Thuͤr hinein springen, als er Jahr zu lernen hat. Seine Lehr-Jahr betreffend, so muß er, wenn er kein Geld zugeben kan, 4. Jahr, giebt er a- ber ein gewisses Geld zu, nur 3. Jahr stehen. Die Meisters-Soͤhne werden gar nicht auff- gedinget, sondern koͤnnen sich nach Gefallen, wenn sie das Handwerck verstehen, loßsprechen lassen. Von denen Gesellen. Wenn ein nunmehro ausgelernter Jung soll loßgesprochen werden, so muß er selbst alle Mei- ster und Gesellen fordern/ ingleichen zwey Meister und so viel Gesellen erstlich besonders, und hernach, wenn das gantze Handwerck bey- sammen sitzt, ansprechen, seine Beystaͤnde zu seyn. G 4 Mit Beschreibung Mit diesen seinen Beystaͤnden muß er vor den Tisch treten, und erwarten, ob vielleicht einer o- der der andere von denen Meistern, so um den Tisch sitzen, wieder ihn etwas zu klagen habe. Hat nun niemand etwas vorzubringen, so wird er von denen Meistern mit einem guten Wunsch aus der Lehre gelassen. Worauff er so viel Spruͤnge zur Stuben- Thuͤr hinaus thun muß, als er Jahre gelernet hat. Wenn dieses geschehen, so uͤbergeben die Meisters den Loßgesprochenen denen Gesellen, welche ihn auff etliche uͤber einander gestellte Hut-Formen setzen, bald aber wieder herunter stossen; darauff bedecken sie des neuen Gesellens Kopff mit einen Siebe, dergleichen in dem Hand- werck gebrauchet wird, ziehen durch solchen sei- ne Haare, worauff einer, so sich als ein Moͤnch angekleidet, ihme eine ziemliche Menge Was- sers uͤber den Kopff gießet; 2. Gesellen aber, so als Beystaͤnde angesprochen, greiffen zu, und halten den also gebadeten und ziemlich begosse- nen neuen Gesellen. Verehren ihme hierauff einen Krantz, daran ein Band gebunden, welchen er nebenst beyder Beystaͤnde Nahmen uͤberall bey sich und in Ge- dancken haben muß, deßgleichen muß der neue Geselle die Meister und Gesellen mit Kraͤntzen beschencken, in Leipzig aber thut ers nur mit Baͤn- dern allein. Ferner so muß er an dem Tisch mit Wuͤrffeln Spielen, wenn er nun nach solchen greifft, des Hutmacher-Handwercks. greifft, wird er mit Ruthen auf die Haͤnde ge- schlagen. Bey der Mahlzeit, welche er hierauff aus- richten muß, wird die sogenannte Handwercks- Gewohnheit mit ihm gehalten, und Umfrag angestellt, ob er bey einem Meister koͤnne Arbeit bekommen oder nicht. Darauff muß er jeden Gesellen aus dem sogenannten Willkomm Be- scheit thun/ da er denn endlich nach Hauß beglei- tet wird. Es bestehet aber der Gesellen ihre Hand- wercks-Gewohnheit in folgenden Gespraͤch, und zwar bey dem aufflegen: So mit Gunst, ihr guͤnstige Gesellen, ich ha- be euch durch meinen Juͤngst-Fuͤhrer beruffen lassen in des Laden-Vaters Behausung, so thue ich mich bedancken, daß ihr mir erschienen seyd, mich und meinen Juͤngst-Fuͤhrer, und des La- den-Vaters Behausung nicht verschmaͤhet habt, es stehet heut oder morgen wieder zu verschulden. Hierauff antworten alle gegenwaͤrtige Gesellen. Wir verschmaͤhen keinen ehrlichen Gesellen/ noch vielweniger des Laden-Vaters Behau- sung. So mit Gunst, es ist allhier Handwercks- Gewohnheit und Gebrauch, daß wir alle 4. G 5 Wo- Beschreibung Wochen zusammen kommen, und Rechnung ma- chen, wie viel wir haben Schenck-Gesellen ge- habt, so haben wir gehabt so viel, als Z. E. 108. so wollen wir die hundert lassen fahren, und die uͤbrigen berechnen. So mit Gunst, ihr guͤnstige Gesellen, es ist weiter Handwercks-Gewohnheit, daß wir alle 4. Wochen zusammen kommen, und thun auff- legen so viel als ‒‒‒. Groschen, die aber noch nicht allhier gearbeitet haben, geben ‒‒‒ Groschen, Einschreibe-Geld, ‒‒‒ Groschen Zieh-Geld, --- Pfennige Begleit-Geld, so viel Wochen ei- ner gearbeitet hat, so viel Pfennige Aufflag-Geld. Jch bitte ihr wollet dasselbe richtig machen, her- nach will ich weiter Handwercks-Gewohnheit ausrichten. So mit Gunst, es moͤchte mancher guter ehr- licher Gesell wissen wollen, wo das Geld hin- koͤmmt, es kommt aus der Gesellen Beutel, in die Gesellen Lade, aus der Gesellen Lade, in der Gesellen Hand. Wenn etwan unser HErr GOTT einen guten ehrlichen Gesellen mit Lei- bes-Kranckheit moͤchte angreiffen, so soll demsel- bigen davon geliehen werden, wenn er 2. Buͤr- gen hat, biß daß er wieder zu seiner Gesundheit koͤmt, alsdenn soll ers wieder erstatten, stirbt er aber, so soll man sich an seinen Kleidern erholen, kan man sich aber nicht an seinen Kleidern erho- len, des Hutmacher-Handwercks. len, so sollen es seine Freunde bezahlen; koͤnnen oder wollen es seine Freunde nicht bezahlen, so bezahls der liebe GOTT, der ist ein reicher Belohner, und hat vor manchen schon bezahlet. So mit Gunst, ihr Gesellen, so habe ich zum Theil Handwercks-Gewohnheit ausgerichtet, zum Theil auch nicht, so bitte ich, wenn ich et- wan ein Wort oder zweene moͤcht fehlen, ihr wollet mich unterrichten, ich wills vor Liebe auff- nehmen, vom Juͤngsten so wohl, als vom Aelte- sten, vom Aeltesten so wohl als vom Juͤngsten. Antwort der gegenwaͤrtigen Gesellen. So mit Gunst/ richte aus, was du gelernet hast, und wie es Handwercks-Gebrauch ist. So mit Gunst, ihr Gesellen, wenn etwan gute ehrliche Gesellen vorhanden waͤren, die Ur- laub genommen, oder Urlaub bekommen, die stehen auff und begehren Handwercks Gewohn- heit, nach dem sie begehren, soll ihnen wiederfah- ren; begehren sie wieder in Arbeit zu warten, so will ich meinen Fuͤhrer zu Huͤlff nehmen, und ihm um Arbeit umschauen, was Handwercks Gewohnheit einhaͤlt und ausweiset; begehren sie aber einen freundlichen Trunck Außschencke, so will ich meinen Fuͤhrer, und alle andere gute ehrliche Gesellen zu Huͤlffe nehmen, und wollen ihm schencken nach Handwercks-Gewohnheit und Beschreibung und Gebrauch, damit daß kein ehrlicher Gesell ungeschenckt von mir wegkomme. So mit Gunst, ist weiter Handwercks Ge- brauch, wenn etwan gute Gesellen vorhanden waͤren, die sich mit einander erzuͤrnet haͤtten, es sey innerhalb oder ausserhalb der Werckstatt, die nehmen ein paar Wochen Lohn in die Hand, das dritte in Beutel, gebens mir und meinem Fuͤh- rer, und andern guten ehrlichen Gesellen, und dem Laden-Vater zu verstehen, so wollen wir sie wieder zu guten Freunden machen, als sie je ge- wesen seyn. So mit Gunst ihr Gesellen, so ist weiter Handwercks Gebrauch, wenn etwan gute Ge- sellen schuldig waͤren, in Bier- oder Wirths- Haͤusern, oder bey den Waͤscherinnen, oder ein guter Gesell dem andern, die zahlen ab, daß nicht Klage kommt, kommt Klage, kommt Straffe, es ist keine Straffe, sondern Handwercks Ge- wohnheit. So mit Gunst, so ist Handwercks Gewohn- heit und Gebrauch, daß man alle 4. Wochen zusammen kommt, und thut drey unterschiedli- che Umfragen, die Vierdte in gemeinem Hauffen. Weñ etwan gute ehrliche Gesellen hergewandert kaͤmen, so einem oder den andern etwas waͤre befohlen worden von auslaͤndischen Meistern, auf ein- des Hutmacher-Handwercks. einlaͤndische Meister, von auslaͤndischen Gesel- len, auff die einlaͤndische Gesellen, so kan ers melden, unter diesen dreyen unterschiedlichen Umfragen, meldet ers aber hernach, so melde er mirs und meinen Fuͤhrer, und andern guten ehrlichen Gesellen ohne Schaden sich selbst, in seinen eigenen Beutel, so mit Gunst, so frage ich zum ersten mahl. NB. Bey der andern Frag ist zu mercken, daß der Juͤngst-Fuͤhrer muß die verborgene Gewehr fordern. Von der Schencke. Bey Wechßlung derer Aempter/ nehmlich des Aeltest-und Junggesellen-Amts. So mit Gunst, so seynd wir diese 4. Wochen eure treue Diener gewesen, haben wir wohl ge- dient, so ist es uns lieb, haben wir uͤbel gedienet, so ist es uns leid. So wechseln sie um, und werdens ein paar andere. Darauff verwechseln sie das Alt und Neue Gesellen-Ampt/ und der Alt-Fuͤh- rer spricht: So mit Gunst ihr Gesellen, so diese 4. Wo- chen moͤchten Gesellen herkommen, die neue Handwercks-Gewohnheit wolten auffbringen, oder Beschreibung oder zu viel begehren, so bitte ich, ihr wollt mir beystehen. Welches ihme dann die andeꝛn versprechen, so lang sie Haare auff den Kopff haben. So mit Gunst ihr Gesellen, so ist Handwercks Gewohnheit und Gebrauch/ daß man alle 4. Wochen einen Trunck in Fried und Einigkeit thue. Geust einer Bier auff den Tisch, das mit der rechten Hand nicht kan bedecket werden, so ists Strafe; giest einer Bier unter den Tisch, das mit den rechten Fuß nicht kan bedecket wer- den, so ists Strafe; bringt einer Wuͤrffel- oder Karten-Spiel auff den Tisch, ohne des Aelst- Fuͤhrers Wissen und Willen, so ist Strafe, je- doch keine Strafe, es ist Handwercks-Gewohn- heit. Hierbey wird die 4. Wochen Handwercks- Gewohnheit geschlossen. Bey der Schencke. So mit Gunst Gesellschafft, biß mir GOtt willkommen, von wegen des Handwercks. So mit Gunst, ich sage dir Danck von wegen des Handwercks. Die Meister und Gesellen lassen dich gruͤssen, von N. N. von wegen des Handwercks. Alt- des Hutmacher-Handwercks. So mit Gunst, ich sage demselbigen Meister und Gesellen Danck, die dir dem Gruß befoh- len haben, desselben gleichen auch dir, daß du ihn hast mit hergebracht. So mit Gunst, Er ist mir nicht zu schwer ge- wesen, ich habe ihn wohl ertragen koͤnnen. So mit Gunst, mein lieber Geschenck-Gesell, was ist dein Begehr, daß du nach mir und mei- nen Juͤngst-Fuͤhrer geschickt, nicht allein ge- schickt, sondern bist selber kommen. So mit Gunst, mein lieber Alt-Fuͤhrer/ es ist mein Begehr, daß du mir solt um eine Arbeit warten 8. oder 14. Tage, so lang es dem Mei- ster gefaͤllt, desselbigen gleichen auch mir. So mit Gunst was du begehrest, soll dir wie- derfahren zum Theil/ zum Theil auch nicht, du moͤchtest zu viel begehren, es moͤchte mir und meinen Juͤngst-Fuͤhrer zu schwer werden. So mit Gunst, ich begehre nichts, als was Handwercks-Gewohnheit einhaͤlt und ausweist. Alt- Beschreibung So mit Gunst, so habe ich Macht zu fragen, und wollen die Meister wissen, wo du dein Hand- werck gelernet hast. So mit Gunst, zu N. N. So mit Gunst. Wie lange? So mit Gunst, 3. Jahr oder 3. mahl 14. Ta- ge, wie es Handwercks-Gewohnheit und Ge- brauch ist. NB. Hiebey kan man mercken, welches eines Meisters Sohn, oder gelernet ist. So mit Gunst, bist du auch recht und redlich auffgedinget worden von Meistern und Gesellen. So mit Gunst, ich verhoffe ja. So mit Gunst, bist du auch recht und redlich freygesagt vor Meister und Gesellen? So mit Gunst, ich verhoffe ja. Alt- des Hutmacher-Handwercks. So mit Gunst, was sind vor Meister und Gesellen bey deinem Freysagen gewesen. So mit Gunst, es ist ein Meister bey meinem Freysagen gewesen mit Nahmen N. N. Es ist ein Meister bey meinem Freysagen gewesen, mit Nahmen N. N. So mit Gunst, es ist ein Ge- sell bey meinen Freysagen gewesen. mit Nah- men N. N. Es ist ein Gesell bey meinen Freysa- gen gewesen, mit Nahmen N. N. So mit Gunst, hast du deinen Nahmen auch ehrlich und redlich verschencket vor Meister und Gesellen? So mit Gunst, ich verhoffe ja, als ein ehrli- cher Geselle. So mit Gunst, wo? So mit Gunst, zu N. N. So mit Gunst, wie mit Nahmen? H Schenck- Beschreibung So mit Gunst, N. N. So mit Gunst, was sind vor Meister und Ge- sellen deine Pathen gewesen? So mit Gunst, es ist ein Meister mein Pathe gewesen, mit Nahmen N. N. So mit Gunst, es ist ein Meister mein Pathe gewesen, mit Nahmen N. N. So mit Gunst, es ist ein Gesell mein Pathe gewesen, mit Nahmen N. N. So mit Gunst/ es ist ein Gesell mein Pathe gewesen, mit Nahmen N N. So mit Gunst, ich sage Danck, daß du mir es gesaget hast. Darnach schanen die Fuͤhrer um Arbeit. Wenn nicht Arbeit da ist/ so sagen sie: Gesellschafft wir sind gewesen nach deinem Begehr, die Meister beklagen sich sehr, einer hat keine Wolle, der andere hat keinen Fachbogen, der dritte und vierdte weiß nicht was dem fuͤnfften oder sechsten gebricht. Seynd die Schuh wohl geflicket, der Beutel wohl gespicket, so ist gut wandern, ich wuͤnsche dir Gluͤck ins Feld. Jst aber Arbeit da, so sagen sie zuletzt vor den Gluͤckwunsch ins Feld: Wilst des Hutmacher-Handwercks. Wilst du aber mit einem armen Meister vor- lieb nehmen, so sey dir Arbeit zugesagt, von einen ehrlichen Gesellen. Darauff dancket der Frembde So mit Gunst, Aelst-Fuͤhrer, so ist mir Hand- wercks-Gewohnheit wiederfahren, zum Theil, zum Theil auch nicht; So begehre ich weiter Handwercks-Gewohnheit, so begehre ich einen freundlichen Trunck und Außschencke, vom Aelst- Fuͤhrer, vom Juͤngst-Fuͤhrer, von wegen aller guten Gesellen, die allhier in Arbeit stehen. Koͤm̃t heut oder morgen wieder einer oder der andere zu mir, so will ich ihn wieder schencken mit Bier o- deꝛ Wein; kan ich ihn nicht schenckẽ mit Bier odeꝛ Wein, so will ich ihn schenckẽ mit Geld oder Gelds werth; ich will ihme thun/ was ihm lieb ist; ich will ihm meiden, was ihm leid ist, ich will ihme Weg und Steg weisen, so gut als ichs gelernet und erfahren habe, damit daß kein ehrlicher Ge- sell ungeschenckt von mir wegkomme. So mit Gunst, was du begehrest, soll dir wiederfahren, zum Theil, zum Theil auch nicht, du moͤchtest so viel begehren, es moͤchte mir und meinen Juͤngst-Fuͤhrer zu schwer werden. So mit Gunst, ich begehre nichts, als was Handwercks Gewohnheit einhaͤlt, und auch H 2 weist, Beschreibung weist, nehmlich deß Meisters Hauß oder die Schencke auff den Weg. So mit Gunst, es ist allhier Handwercks Gewohnheit und Gebrauch, wenn ein fremder Geselle hergewandert koͤmt, daß man 3. unter- schiedliche Umfragen thut/ die vierdte im gemei- nen Hauffen. So dir was waͤre befohlen wor- den von auslaͤndischen Meistern, auff einlaͤndi- sche Meister, von außlaͤndischen Gesellen, an einlaͤndische Gesellen, so kanst du es melden un- ter diesen dreyen Umfragen, meldest du es aber hernach/ so melde es mir ohne Schaden, dir selbst in deinen eigenen Beutel. So mit Gunst, so frage ich zum Erstenmahl. So mit Gunst, es ist mir nichts befohlen wor- den, als der freundliche Gruß, den ich mit her- gebracht habe. Habe ich ihn nicht gebracht, so will ich ihn noch bringen, es moͤchte mir der A- bend zu spat werden, so will ich den morgenden Tag zu Huͤlffe nehmen. So mit Gunst, ich weiß nichts denn alles Lie- bes und Gutes, was der Ehren wohl zustehet. weiß aber ein anderer guter ehrlicher Meister o- der Gesell was wieder mich, so mag ers melden mit kurtzen Worten und guten Gedancken. Bey des Hutmacher-Handwercks. Bey Uberreichung der Schencke. So mit Gunst mein lieber Schenck-Gesell, es ist Handwercks-Gewohnheit und Gebrauch, wenn ein frembder Gesell hergewandert koͤmt, und begehrt Geschencke, koͤmt er Vormittag und hat nicht Arbeit, so ists so viel als 2. gute Groschen schenck in Beutel, koͤmt er aber Nachmittag, und begehret eine freundliche Aus- schencke, so ists so viel als ein Bauch voll Bier. wilt du das von mir, als von einem ehrlichen Ge- sellen vorlieb nehmen, wie du begehret hast. Wenn ich nicht wolte verlieb nehmen, so wolt ichs nicht begehret haben. So mit Gunst, thue ich mich bedancken vor deine Schencke und guten Willen, koͤmst du heut oder morgen wieder zu mir, zu Wasser oder zu Land, zur Wege oder zu Stege, oder sonst auff gruͤner Heyde, wo unser Herr Gott ehrli- che Leute zusammen fuͤhret, so will ich dir wieder schencken mit Bier oder Wein, mit Geld oder Gel- des werth, ich will dir thun was dir lieb ist, uñ mei- den was dir leid ist, ich will dir Weg und Steg zeigen, so gut als ichs erwandert und erfahren habe. Hiemit dancke ich auff dieses mahl. Ziehe hin, gruͤsse Meister und Gesellen, wo H 3 das Beschreibung das Handwerck ehrlich und redlich ist, wo es nicht ehrlich und redlich ist, so nimm Geld und Geldes werth und hilff es ehrlich machen. Jch wuͤnsche dir Gluͤck ins Feld. Von den Meistern des Hutmacher- Handwercks. Derjenige, der in Teutschland auff dem Hut- macher-Handwerck Meister werden will, muß, wenn es ein Frembder ist, 3. Jahr, eines Mei- sters Sohn aber 1. Jahr gewandert haben. Wenn er hernach Meister werden will, so muß er sich 8. Tage vor dem Qvartal bey dem Hand- wercks-Meister melden, und nach Zahlung ge- setzten Gelds in das Buch, darinnen alle Meister stehen, sich einschreiben lassen. Hierauff muß er ferner drey viertel Jahr nach einander, jedes mahl bey dem Qvartal ein ge- wisses Forder-Geld, nebenst dem sogenannten Muth-Groschen darlegen. Wenn nun der neue Meister oder Stuͤckwer- cker das Meister-Stuͤck machen will, so muß er die Wolle und Materialia darzu, aus welchen er das Meister-Stuͤck zu verfertigen gedenckt, zu- vor denen Aeltesten auffweisen; Hierauff ver- fertigt er solches bey dem Handwercks-Meister, und sitzet gemeiniglich (damit kein Unterschleiff vorgehe) das gantze Handwerck von Anfang biß zum End dabey, und zwar 3. Tage lang, weil ihme zu jeglichen Stuͤck ein Tag Zeit gegeben wird, des Hutmacher-Handwercks. wird; Da denn alle Tag zwey andere Meister zur Auffsicht zugeordnet, wenn die drey Tage vor- bey, so muß alles fertig seyn. Worinn aber solche Meister-Stuͤck bestehen, solches ist zu Anfang dieses Capitels schon gemel- det worden. Wenn nun alles fertig, so wird das verfertig- te Meister-Stuͤck vor dem gantzen Handwerck, und bey offener Lade auffgewiesen, wohl unter- suchet, und die Fehler mit Geld verbessert, sol- ten solche aber allzu groß seyn, so muß der Stuͤck- wercker noch ein Jahr wandern. Jst er aber mit seinem Meister-Stuͤck bestanden, so wird er zum Meister gesprochen, und giebt alsdenn dem Handwerck eine Mahlzeit. Wir fuͤgen diesem bey, was Herr D. Beyer in seinem Tractat von Handwercks-Meistern n. 216. von denen Hutmachern schreibet, daß obgleich in alten Hutmacher-Jnnungen ihren Handwercks-Articul stuͤnde, daß denen Stuͤck- werckern die Wolle juxta pondus \& Libram, nach dem Gewicht und Waag von dem Hand- werck gegeben werden solte; Solches doch kei- nes wegs so zu verstehen, als wenn das Hand- werck die Wolle von dem ihrigen nach gewissen Gewicht hergeben solte. sondern sie solte viel- mehr den Stuͤckwercker dahin halten, daß er nach einem vorgeschriebenen Gewicht seine Mei- ster-Stuͤck verarbeiten muͤste. N. 32. Schreibt er, es haͤtten zwar die Hut- macher dieses mit vielen andern Handwerckern H 4 ge- Beschreibung gemein, daß sie diejenigen/ die ihr Meisterstuͤck nicht tuͤchtig zu machen verstuͤnden, noch ein Jahr lang auff die Wanderschafft schickten; man haͤt- te aber Exempla, daß sie es nur bey einem viertel Jahr haͤtten bewenden lassen. Von des neuen Meisters habenden Unkosten schreibet er n. 333. daß die Zeitzische Hutmacher die loͤbliche Gewohnheit haͤtten, daß ein jeder neuer Meister dem Hospital einen Guͤlden geben muͤste, ingleichen waͤren sie schuldig, der Hertzog- lichen Cammer einen Guͤlden zu zahlen. N. 335. und vor das Materien- Essen waͤre eingefuͤhret, daß sie anderthalben Guͤlden bezahlten, n. 350. Von denen Ungarischen und Oesterreichischen Kaͤppleinmachern ist zu wissen, daß solche unter die Hutmacher nicht gerechnet, auch wo ordent- liche Zuͤnffte seyn, nicht von ihnen eingenommen werden, weil sie das Hutmacher-Handwerck nicht verstehen, sondern nur bloße Kaͤpplein ma- chen, deren Filtz nur loß, und nicht fest gearbei- tet ist, und so sie je an Oerter kommen, wo Hut- macher seyn, muͤssen sie entweder das Handwerck von neuen lernen, oder so sie es schon wissen, sich doch abstraffen lassen. Der loͤblichen Jurist en- Facul taͤt zu Jena/ Responsum wegen der Hutmacher/ ob selbi- ge in der Gegend wo Gelehrte wohnen, ein Hauß kauffen oder einmiethen koͤnnen, auch ob sie, weñ es geschehen, darinne zu dulten seyn: A Uff eure an uns gethane Frage, daruͤber ihr unsere Rechts-Berichtung gebethen, sprechen wir des Hutmacher-Handwercks. wir vor Recht; Hat kurtz verwichener Zeit N. N. ein Wohnhauß zwischen Hn. N. N. Professore Publico und N. N. Hauß erkaufft, und den 19. Septemb. solches unvermerckt zu bewohnen an- gefangen, unangesehen ihn Herr N. N. zuvor erinnert, daß er es mit solchen Hauß nicht tref- fen wuͤrde, und gleichwohl bey dem Huͤter-Hand- werck, welches gedachter N. N. starck treibet, groß Feuer zu halten ist, dabey allerdings Scha- de zu befahren, hiebenebenst bey solchen Hand- werck, und bey dem Wollen-Schlagen ein ver- drießlicher und weitlautender Schall zu vermer- cken, daß weder die Studenten, noch andere, die es hoͤren, ihren Studiis und Verrichtungen ab- warten koͤnnen. Wie denn auch dieser Ursach wegen besagter in kurtzer Zeit eine Wohnung nach der andern suchen muͤssen, seine gewesene Nachbaren auch berichten, daß von seiner Pro- fession grosse Unlust und Gefahr ihnen zugestan- den, und sie dannenhero froh worden, daß er sich anderwerts hin gewendet hat. Zu dem solches Hauß nicht weit von dem Col- legio und der Bibliothec gewesen, woselbst viel Studenten herum wohnen, welche, wenn die- ser N. N. das Hauß behalten solte, ihre Stuben veraͤndern und ausziehen wuͤrden, weil sein Woll- Schlagen eben in den besten Fruͤh-Stunden, die zu denen Studiis gewidmet, sich zutraͤgt, uͤber dem auch, wenn dem Hutmacher dieses zugestan- den werden solte, kuͤnfftig hin, sich mehr andere viel Getoͤß machende und Feuer haltende Hand- H 5 wer- Beschreibung wercker sich daselbst einnisteln wuͤrden, da doch vor allen das Collegium und die Bibliothec in acht zu nehmen ist; besonders aber die Academi- ci, daß ihnen die Handwercksleute mit ihrem Ge- poller nicht hinderlich seyn sollen, stattlich pri- vilegi ret seyn. Alles nach mehrern Jnhalt Eu- res an uns gethanen Berichts. Als wird mehr er- meldten Hutmacher billich aufferlegt, sich eine andere Wohnung zu schaffen, und die ietzige von ihm erkauffte wieder zu raͤumen; Von Rechts wegen Folgen eines loͤblichen Hutma- cher-Handwercks Jnnungs-Arti- cul/ wie solche in einigen Staͤdten des Chur-Fuͤrstenthum Sachßens/ Krafft hoher Lands herrlicher Verordnung und Confirmation observir et werden muͤssen. V On GOttes Genaden Wir MORJTZ Hertzog zu Sachsen/ des heiligen Roͤmischen Reichs Ertz-Marschall und Churfuͤrst, Landgraff in Thuͤringen, Marg- graff zu Meißen und Burggraff zu Magdeburg, bekennen und thun kund gegen Maͤnniglich. Nachdeme, Unsere lieben getreuen, die Hutma- cher in Unsern, und des Hochgebohrnen Fuͤr- sten, Herrn AUGUSTEN, Hertzogen zu Sach- des Hutmacher-Handwercks. Sachsen, Landgraffen in Thuͤringen, und Margraffen zu Meißen, Unsers freundlichen lieben Brudern, und Gevattern Landen und Staͤdten, unterthaͤnlichen fuͤrgebracht, wie sich allerley Unrichtigkeiten, zwischen ihnen und de- nen Gesellen, ihres Handwercks, auch sonst et- licher Artickel halben/ zutruͤgen. Derowegen sie sich aus allen unsern, und ge- dachten unsers Freundlichen Lieben Brudern, Staͤdten zusammen betagt, und einer Landes- Jnnung ihres Handwercks, wie hernach folgt, verglichen, welches sie Uns fuͤrgetragen, und unterthaͤniglichen gebeten, dieselbe zu confirmi- ren und zu bestaͤttigen, und Wir dann Der un- sern, ihr Bestes Nutz und Wohlfarth zu befoͤr- dern, geneigt, Als haben Wir gemeldten Handwercke der Hutmacher, dieselbe ihre gestellte Jnnunge con- firmi ret und bestaͤttiget; Thun das auch hiermit aus Churfuͤrstl. und Obrigkeitlicher Macht, daß die Meister des Hutmacher-Handwercks, in Staͤden, so die Jnnung haben, alle Qvartal zu- sammen kommen, und allda sich erbarlich bey- sammen verhalten, und des Handwercks Nutz bedencken und befoͤrdern. (1.) Jeder Meister daselbst, einen Groschen zum Qvartal-Gelde einlegen, und sich eine Lade schaffen sollen, darinnen sie ihre Briefe und Re- gister, samt dem einkommenden Gelde, verwah- ren, Beschreibung ren, und zwey Schloͤsser davor legen, und jeden Meister, so das Jahr zum Handwercks. Meister verordnet, einen Schluͤssel zustellen sollen, da- mit keiner ohne den andern zu dieser Lade kom̃en mag. (2.) Es soll auch kein Meister mit geschliffenen Ge- wehr vor das Handwerck kommen, bey Strafe eines Groschen. (3.) Und wenn der juͤngste Meister, so die Meister gefodert/ wieder in des Zech-Meisters Hauß koͤmt, und die Stunde ausgelauffen ist, und der erforderte Meister nicht gehorsamlich erscheinet, so soll er einen Groschen zur Buße geben, er ha- be denn erhebliche Ursache darzuthun. (4.) Jtem es soll keiner Meister werden, er habe denn drey Jahr nach Handwercks-Gewohnheit das Handwerck gelernet, und gnugsam seiner ehrlichen Geburt und Lehr-Brieffe dem Hand- werck vorgelegt. (5.) Welcher Meister werden will, der soll die nachfolgenden Meister-Stuͤcke machen, als nehmlich: ungeleimt. Einen grauen Reit-Hut Einen schwartzen Kappen-Hut Ein paar lange Reit-Socken (6.) Wenn solche hernach die Meister gnugsam be- stan- des Hutmacher-Handwercks. standen, und vor gut erkant seyn worden,: so soll er sich zu einem Erbaren Rathe des Orts verfuͤ- gen und Buͤrger werden, und wenn er zum Buͤr- ger angenommen worden, so soll er alsobald 6. Guͤlden zum Meister-Recht niederlegen, und zu geben verpflicht seyn, davon ein Guͤlden dem ge- meinen Kasten, zu Erhaltung der Armen, den Vorstehern soll uͤberantwortet werden. 7. Es soll aber gleichwohl der junge Meister sein Handwerck nicht eher mit einer Werckstatt an- richten, er habe denn zuvor ein Eheweib. 8. Ein jeder der Meister werden will, und mit dem Meister-Stuͤcke nicht bestehen wuͤrde, der soll ein Jahr wieder wandern, und nicht eher wie- der zum Meister-Stuͤck zu machen, noch zu er- werben angenommen werden, es sey denn das Jahr um. 9. Es soll auch kein junger Meister einen Lehr- Jungen annehmen, er habe denn eine eigne Werckstatt, und habe zuvor ein Jahr vor sich selbst gemeistert. 10. Und wenn das Handwerck beysammen, und einer den andern Luͤgen straffen wuͤrde/ soll er, so balde solches geschicht, dem Handwerck fuͤnff Groschen zur Straffe geben, und kein Wort vor dem Handwerck mehr reden lassen. 11. Da Beschreibung 11. Da auch einer im Handwercke fluchen und schaͤnden wuͤrde, soll er, so offt solches geschicht, fuͤnff Groschen zur Straff erlegen, dieselbe Straffe soll halb in gemeinen Kasten gegeben werden. 12. Wenn das Handwerck in Handwercks-Sa- chen beysammen, und von den Meistern billige Sachen zu der Meister Nutzen gehandelt wer- den, soll es bey einem jeden Meister in geheim bleiben, wuͤrde aber einer des Handwercks Heimlichkeit gegen andern Leuten offenbahren, soll er so offt solches geschicht, einen Guͤlden zur Straffe geben. 13. Der juͤngste Meister soll allewegen des Hand- wercks Bote in des Handwercks Sachen seyn, und die Meister zusammen fordern, auch was dem Handwercke vonnoͤthen, dasselbige biß ihn ein andrer abloͤset, treulich ausrichten, und sich gegen dem Aeltesten alles Gebots vorhalten. 14. Es soll auch kein Meister einen Jungen uͤber seinen Lehr-Jungen zu seiner Werckstatt haben. 15. Auch soll kein Meister dem andern seinen Jun- gen oder Gesellen/ noch sonst ander Gesinde durch sich oder andere abspenstig machen, oder machen lassen, bey Straffe eines Guͤlden. 16. Wenn des Hutmacher-Handwercks. 16. Wenn Meisters auff die Kirmis zusammen kommen, die sich dieser Ordnung gemeß verhal- ten, so sollen sie aus dieser Stad ein jeglicher sein Loß einlegen, und welchen das Loß am ersten trifft, in solcher Ordnung sollen sie nach einander stehen, aber ein jeder soll nicht mehr, denn auff vier Bretern einzehlich die Huͤte feil haben. 17. Die Einheimischen aber in einer jeden Stad, da Meister seyn, die sollen vier Breter vor den andern umliegenden Staͤdten, und den Vor- stand zum Vortheil haben. 18. Es soll auch ein jeder Meister im Sommer um 7. Uhr, und im Winter um 8. Uhr zur Loß-Statt auff den Maͤrckten bey Verlust des Loß zur Staͤtte kommen, und sollen nicht eher, denn um 12. Uhr zu Mittage die Waare aufflegen, bey Straff fuͤnff Groschen. 19. Jn einer jeden Stadt, da eine Jnnunge des Handwercks ist, da sollen die Meister daheime alle Qvartal um die Staͤnde loßen, und wer sich dawieder setzt, soll dem Handwercke zweene Groschen zur Straffe geben. 20. Es soll auch kein Meister frembde Huͤte, die andern Meister damit zu verderben, kauffen, al- lein ein Meister dem andern in derselben Stadt, der mag wohl seinem Mit-Gewercken seine Waa- Beschreibung Waare, wenn er zu Marckte zoͤge, abkauffen, damit sein Nachbar/ der wenig Waare hat, nicht Unkosten drauff wenden darff. 21. Welcher befunden wird, daß er frembde Huͤ- te kaufft, der soll so offt solches geschicht, dem Handwerck drey Guͤlden Straffe geben. 22. Es soll auch kein Meister kein falsch Werck machen, zu welcherley Stuͤcken solches seyn moͤch- te, als an Kuͤhe-Haaren, Flocken, Drommern, auch keine falsche Farbe mit Ruß darauff schmie- ren, und welcher solches thun und befunden wuͤr- de, der soll dem Handwerck von jeden Stuͤck 5. Groschen zur Straffe geben. 23. Da einer bey einem Meister untaugliche Ar- beit sehen wuͤrde, soll er dieselbige nicht allein vor sich tadeln, sondern solches dem Handwercks- Meistern anzeigen, bey Straffe des Handwercks. 24. Wenn ein Meister oder Meisterin und ihre Kinder des Handwercks verstuͤrben, so sollen al- le Meister und Meisterinnen, so des Vermoͤgens seyn, auch alle Gesellen des Orts, mit der Lei- che zu Grabe gehen, und welcher Meister vor- setzlich, auch die Gesellen aussenbleiben, und nicht mit der Leiche zu Grabe gehen wuͤrden, da sollen die Meister und Gesellen, ein jeder einen Groschen dem Handwercke zur Straffe geben. 25. Jn des Hutmacher-Handwercks. 25. Jn gefaͤhrlichen Zeiten aber, soll niemand dar- zu gedrungen, sondern dasselbige soll durch an- dere Bestellt und die Leiche begraben werden. 26. Es soll auch kein Meister mit Huͤten auf Kir- messe lauffen, es sey denn ein bestaͤttigter Frey- marckt; so offt solches von einem uͤbergangen und erfahren wird, soll er von einem jeden Stuͤck einen Silber-Groschen zur Straffe geben. 27. Ein jeder Meister foll keinen Lehr-Jungen unter dreyen Jahren lernen, und nicht mehr deñ einen Lehr-Jungen auff einmahl annehmen. 28. Welcher Meister einen Lehr-Jungen anneh- men will, der soll ihn vor das Handwerck brin- gen, solches vermelden, und soll der Lehr- Junge seiner ehrlichen Geburth Brifeliche, oder lebendige Urkunde dem Handwerck vorlegen; und da sie tuͤchtig befunden, alsdenn und nicht eher soll er angenommen, und in das Handwerck- Buch geschrieben werden, und seinem Lehrmei- ster, daß er treu, und das Handwerck auslernen will, mit zehen Guͤlden, genugsam verbuͤrgen, und dem Handwerck zwoͤlff Groschen niederle- gen, davon die Meister dem gemeinen Kasten vier Groschen zu Erhaltung der Armen geben sollen, die andern achte in die Lade legen, und wo der Lehr-Junge, ehe er ausgelernet, von dem Meister ohne erhebliche Ursache entlieffe, soll J er Beschreibung er des Handwercks verlustig, und die Buͤrgen die zehen Guͤlden zu geben schuldig seyn. 29. Wenn ein Lehr-Junge sein Handwerck red- lich ausgestanden und gelernet, so soll der Mei- ster denselben Jungen sieben Ellen Tuch, die El- len vor drey Groschen, zu einem Rocke, zu kauf- fen verpflichtet seyn, und ihn vor Meister und zweyen Gesellen der Lehr-Jahre loßzehlen. 30. Wenn aber ein Lehr-Junge ohne Ursache dem Meister entlieffe, so soll der Meister keinen an- dern Lehr-Jungen annehmen, biß die Zeit des entlauffenen Lehr-Jungens um ist, der Jung soll auch bey keinem andern Meister auffgenom- men werden, bey Straffe des Handwercks. 31. Es soll auch kein Lehr-Junge unter funffzehen Jahren zu lernen, angenommen werden. 32. Jngleichen kein Meister uͤber zweene Gesellen, neben dem Lehr-Jungen in der Werckstatt foͤr- dern, bey Straffe des Handwercks. 33. Alle Meisters-Soͤhne und die frembden Ge- sellen, die sich mit Meisters-Toͤchtern, und de- nen verlassenen Wittben unsers Handwercks verehlichen, und Meister werden wollen, die sol- len die Meister-Stuͤck machen, aber des Gel- des des Meister-Rechts, sollen sie befreyet seyn. 34. Da des Hutmacher-Handwercks. 34. Da aber in Staͤdten, da ietzund keine Mei- ster waͤren, Meister wuͤrden, da sollen sie sich nach den andern Staͤdten, da Meister eine lan- ge Zeit gewesen, und sich nach dieser Ordnung halten, die Meister-Stuͤck daselbst machen. 35. Da aber in der nechsten Stadt nur ein Meister waͤre, darinn er sein Meister-Stuͤck machen wuͤrde oder wolte, so sollen noch zweene aus ei- ner andern Stadt, darinn zum Meister-Stuͤck machen, gefodert werden, doch daß dieselben gefoderte Meister, von deme der die Meister- Stuͤck machen will, mit ziemlichen Essen und Trincken (er bestehe oder nicht) unterhalten werden. 36. Jn welcher Stadt einer sein Meister-Stuͤck macht, da soll er alsobald sein Meister-Recht, als sechs Guͤlden, niederlegen, und wie ange- zeiget, damit gebahret werden. 37. Eines Meisters Sohn, soll das Handwerck zu lernen, weil ers von seinem Vater bekommen, nicht schuldig, sondern dessen befreyet seyn. 38. Es soll auch kein Meister seinen Sohn loß zu- zehlen verpflichtet, sondern desselben auch befrey- et seyn. 39. Wenn er aber Meister werden will, so soll er J 2 sein Beschreibung sein Meister-Stuͤck auch machen, und den Mei- stern, so dabey sitzen, zwoͤlff Groschen vor die Kost, und drey Groschen in die Lade zu Schrei- be-Geld zu geben verpflichtet seyn. 40. Wenn ein Meister versterben, und Weib und Kinder hinter sich verlassen wuͤrde, so soll das Weib mit ihren Kindern und Gesellen das Hand- werck zu treiben, Macht haben, und wie ein an- der Meister das Meister-Recht, des Jahres mit vier Groschen erhalten; Da sie sich aber mit einem andern Handwercks-Gesellen verehlichen wuͤrde, soll sie des Handwercks abstehen/ und ihrer Kinder wegen (ob derselben eines des Handwercks bleiben moͤchte) zu Erhaltung des- selben Handwercks, zweene Groschen Jaͤhrlich in die Lade geben. 41. Wenn einer Meister werden will, soll er vier- zehen Tage zuvor bey dem Handwerck muthen, und seine eigene Wolle und Werckzeug dazu haben, und wenn er mit deme nicht bestuͤnde, so soll das Werck bey den beyden Meistern blei- ben, er soll auch die Meister/ so dabey sitzen, mit ziemlichen Essen und Trincken versorgen. 42. Kein Meister soll mit neuen Huͤten auff Alte tauschen und Geld zunehmen, bey Straffe, so offt solches geschicht, fuͤnff Groschen dem Hand- werck zu geben. 43. Weil des Hutmacher-Handwercks. 43. Weil auch die geklopffte Arbeit ein Funda- ment des Handwercks ist, so soll kein Meister einen Jungen an- und auffnehmen, er koͤnne ihm denn die geklopffte Arbeit selbst lehren. 44. Welcher Junge ausgelernet, und nicht eines Meisters Sohn ist, und Meister werden wolte, soll zuvor drey Jahr vor einen Gesellen gearbei- tet und gewandert haben. 45. Wenn auch ein Meister in einer Stadt wor- den waͤre, und sein Meister-Stuͤck daselbst ge- machet haͤtte, wuͤrde sich aber daselbst wegwen- den, und in einer andern Stadt Meister zu wer- den, sich begeben, so soll er gleichwohl daselbst sein Meister-Stuͤck, wie zuvor auch machen, sei- ne Lehr- und Geburts- und Abschieds-Brieffe vorlegen, und da er bestanden und Buͤrger wor- den, soll ihm sein Meister-Recht zugesagt und verliehen werden, doch, daß er die sechs Guͤlden zum Meister-Recht niederlege. 46. Wuͤrden aber ausserhalb Landes frembde Hutmacher in die Chur-und Fuͤrstl. Saͤchsische Staͤdte mit Huͤten auff Maͤrckte feil zu haben kommen, und untuͤchtige Waare bey ihnen ge- funden werden, so sollen sie erst durch die Mei- ster freundlich gewarnet und abgewiesen werden, daß sie ihre Waare einle gen, und wieder wegfuͤh- ren moͤchten, und da sie wiederkommen, und J 3 nicht Beschreibung nicht bessere Waare bringen wuͤrden, daß man ihnen dieselbige alle nehmen, und der Obrigkeit uͤberantworten wuͤrde. 47. Wenn ein Geselle in einer Stadt gewandert koͤmt, und arbeiten will, so soll er zu dem Meister, der am laͤngsten keinen Gesellen gehabt, gehen, und also fort um Arbeit geschauet werden, und soll also ein jeder Gesell, wie zuvor bey demselben arbeiten. 48. Da er aber selbst Urlaub nimmt und wandert, und wolte darnach bald wiederkehren, und da- selbst wieder bey einem andern Meister arbeiten, das soll keines weges nachgelassen noch gedultet werden, sondern er soll zuvor ein viertel Jahr wieder gewandert haben. 49. Ein Geselle welcher das volle Wochen-Lohn haben will, soll die folgende Stuͤcke zum Tage- werck machen, nehmlich: alles geklopffte Arbeit. Vier Krauße-Huͤte. Fuͤnff Mittel-Huͤte. Sechs grobe Huͤte. 50. Und eine Woche fuͤnff Groschen, Essen und Trincken zum Wochen-Lohn haben, und wel- cher dieser Stuͤcke eines, oder mehr uͤber das Ta- gewerck macht, soll ihme von einen Stuͤck, wie folget, gegeben werden Nehmlich: Vier Pfennige von einem Krausen-Hute. Drey Hutmacher-Handwercks. Drey Pfennige von einem Mittel-Hute. Zweene Pfennige von einem groben Hute. 51. Also auch soll es mit dem Woll-Schlagen uͤ- ber das Tage-Werck gehalten werden. Von der eingezogenen Arbeit. 52. Zwoͤlff Boden soll ein Gesell zum Tagewerck machen, und die Wolle darzu schlagen. Fuͤnff kurtzhaͤrichte Huͤte in zween Tagen. Drey langhaͤrichte Huͤte in einen Tag, aber zweene grosse Huͤte zum Tagewerck; ingleichen obgemeldten Wochen-Lohn, und was er daruͤ- ber macht/ soll ihm von einem Groschen-Hute sechs Pfennige, und von einem Langhaͤrichten vier Pfennige, deßgleichen von zween neun Pfen- nige gegeben werden. 53. Wenn ein Gesell gewandert kaͤme, und fuͤnff Tage einem Meister arbeiten wuͤrde, so soll ihm sein gantz Wochen-Lohn folgen. 54. Wuͤrde er aber nur zweene Tage arbeiten, so soll ihm nicht mehr, denn ein Tag zehen Pfenni- ge gegeben werden. 55. Es sollen auch die Gesellen keinen guten Mon- tag machen, es sey deñ nach einem Stadt-Jahr- marckt einen Montag, bey Straffe eines Wo- chen-Lohns. J 4 56. Da Beschreibung 56. Da er aber ohne Ursache einen Montag, oder Tag feyren wuͤrde, so soll er die Woche also ausfeyren, welcher Meister ihm in derselben Wochen mit Essen oder Trincken versehen oder fordern wuͤrde, der soll in des Handwercks Straffe seyn. 57. Es soll auch kein Geselle von den andern Ge- sellen ohne Vorwissen der Meister gestrafft noch gehindert werden. 58. Da aber ein Geselle kranck laͤge und verstuͤrbe, und wuͤrde aus dem gemeinen Pisco oder Laden der Meister und Gesellen in seiner Kranckheit er- halten, und er verließ Kleider hinter sich, so sol- len dieselben Kleider seinen Freunden ein Jahr lang um die Kost zu erlegen, nachgehalten wer- den, da sich aber in solcher Zeit niemands dazu finden, und die Vorstreckung erlegen wuͤrde, so sollen dieselben Kleider, und was er sonst hat, nachgelassen, verkaufft, und das Geld bey dem Handwercke mit klarer Rechnung, wie theuer sie weggegeben werden, eingelegt, die ausgegebe- ne Kosten davon abgezogen, und das uͤbrige sei- nen Freunden zugestellet werden, damit andere krancke Personen unsers Handwercks an Mei- ster und Gesellen forthin auch koͤnnen erhalten werden. 59. Weil auch bißhero unter denen Gesellen des Schen- des Hutmacher-Handwercks. Schenckens und Herbergens halber allerley Un- richtigkeit vorgefallen, so sollen forthin die Ge- schencke und Herberginnen abgethan seyn, auch hinfoͤrder kein Gesell dem andern schencken, er ziehe weg oder komme gewandert, da auch einer oder mehr auff einen Tag gewandert kommen, so sollen sie in einem Gasthoff oder Wirthshauß einziehen, und nach einem Gesellen schicken, und um Arbeit schauen lassen. Wuͤrde einer nun Ar- beit finden, dahin sollen sie geweißt werden, waͤ- re aber nicht Arbeit vorhanden, so soll einer einen Groschen mit ihm vertrincken zur Verehrung, und dabey Handwercks-Gebrauch, wie vor Alters ausrichten. 60. Nachdeme auch andere Handwercker und leichtfertige Leute sich unterstehen, Boͤhmische und andere Huͤte in die Staͤdte, Flecken und Doͤrffer zu tragen, und damit zu haußieren; so soll solches hinfuͤhro nicht gedultet noch gelitten, sondern wo dieselben gefunden und angetroffen, sollen ihnen die Huͤte genommen, und der Obrig- keit desselben Orts zugestellet werden. 61. Jn soferne sich etwan ein Meister mit etlichen Stuͤcken, die forthin nicht sollen gebraucht wer- den, uͤberlegte/ dieselben sollen zwischen hier und Ostern verthan werden. Da aber einer foͤrder damit befunden wuͤrde, soll er nach Erkaͤntniß des Handwercks zu harter Straffe gezogen wer- den. J 5 Ge- Beschreibung G Ebieten und befehlen hierauff allen unsern Ober-Haupt- und Amtleuten, Buͤrgermei- stern und Raͤthen in unsern Staͤdten, da das Handwerck der Hutmacher getrieben wiꝛd; Sol- ches Handwerck der Hutmacher, bey dieser ihrer selbst verglichenen und durch uns bestaͤttigten Jnnung bleiben zu lassen, es dabey zu schuͤtzen und zu handhaben, doch behalten wir uns und unsern Nachkommen vor, solche Jnnung unsers Gefallens zu mehren, zu mindern, oder wieder abzuthun; Dieweil auch hiebevor die Hut- macher in etlichen unsern Staͤdten, Jnnungen von unsern Vorfahren und uns erlangt, sollen dieselben in ihren Artickeln, so in dieser ietzigen Landes-Ordnung nicht begriffen, und soferne sie derer nicht zuwieder, in ihren Kraͤfften bleiben. Gegeben und geschehen zu Dreßden, am Tage Purificationis Mariæ, Nach CHristi unsers lieben Herren Geburt, Tausend, Fuͤnffhundert und im zwey und funffzigten Jahre. Diese nachfolgende Staͤdte sollen in den Dreßd- nischen Kreyß der Jnnung halben gezogen werden, und sich derselben gemaͤß verhal- ten, als nehmlich: Alt-Dreßden/ Pirnau/ Stolpen/ Neu- stadt/ Glashuͤttten/ Lauenstein/ Al- tenberg, Dippoldswalde/ Libstad/ Wilsdorff/ Koͤnigstein/ Radeberg/ Orttrant/ Radeburg/ Honstein/ Do- nau/ des Hutmacher-Handwercks. nau/ Dohnen, Gottlebe, Bischoffs- werda. Aus diesen sehr wohl abgefaßten Jnnungs- Articuln waͤren viel schoͤne Moralia zu ziehen und zu weisen, wie loͤbliche Handwercks-Jnnungen in Teutschland sich jederzeit dahin beflissen, ihre Zunfft und Handwerck rein und unbefleckt, Christlich und loͤblich, als rechtschaffenen Chri- sten und Buͤrgern gebuͤhret, zu erhalten, und son- derlich diejenige Articuls und Præcautiones mit einfliessen zu lassen, welche zur Conservation ihres Handwercks dienlich seyn koͤnnen; weil wir uns aber der Kuͤrtze befleissen, als bemercken wir nur, daß Articulus 7. gar wohl geordnet sey, daß kein junger Meister sein Handwerck eher treiben soll, er habe denn zuvor ein Eheweib, denn hierdurch wird die Gemeine und Buͤrgerschafft vermehret, und ein solcher verehlichter Hand- wercksmann geraͤth in einen solchen Stand, in welchen er das Seinige besser behuͤten und be- wahren, zu Rath halten, Credit und Seegen erlangen kan, als wenn er unbeweibet bliebe. Wir bemercken ferner der Vorsorge der Kran- cken halber, daß es sehr loͤblich sey, vor das kran- cke Gesind dergestalt zu sorgen, daß, da man dasselbe in gesunden Tagen gebraucht, man es in Kranckheit auch nicht Huͤlffloß lasse, auch selbst im Todt mit einem ehrlichen Begraͤbniß versorge. Jn welchen Liebes-Wercken die Hut- macher deñ auch nicht weniger, als andere Hand- wer- Beschreibung wercker gute Veranstaltungen bey ihrem Hand- werck zu machen haben. Von denen Montibus Pietatis, Leih- Assistenz- und Huͤlffs-Cassen, die sie unter sich auffrichten koͤnten, haben wir o- ben schon, wie auch von ihrem gemeinen Hand- wercks- Magazin geredet. Auff dieses moͤchte auch der 20. ste Articul ihrer Jnnungs- Statu ten reflecti ren, daß nehmlich einem Meister, der wenig Waare hat, seine Waare gar wohl koͤn- te abgekaufft, (wir wollen noch hinzufuͤgen, in Commission angenommen) und um demselben Zeit und Unkosten zu ersparen/ im gemeinen Ma- gazin verkauffet werden. Dieses Ortes wir von ihren Stifftungen noch etwas zu gedencken/ so ist ohne dem nun mehrentheils bey allen Hand- wercken/ (welche gute Verfassungen unter sich haben) schon eingefuͤhret, daß sie ihr eigene Herbergen/ Todten-Lacken/ oder Sarg-Tuͤ- cher, auch wohl ihre gemeine Trauer-Maͤntel/ Saͤrge und Begraͤbnisse haben/ welches auch also bey denen Hutmachern koͤnte gehalten/ und wo es noch nicht alles angeschaffet, fordersamst darzu Anstalt gemachet werden. Die Unkosten darzu/ liessen sich bey ihnen auff vielerley Wege ausfuͤndig machen/ als daß ein jeder Jung/ der auffgedungen und loßgesprochen wuͤrde/ ein ge- wisses zur Gesellen-Lade entrichten muͤste. Daß bey der Gesellen Monatlichen Krug-o- der Versammlungs-Tag, ein jeder Ein oder 2. Groschen in die Lade zu solchen Ende geben muͤ- ste. Ferner koͤnte auch ein in Arbeit tretender/ und des Hutmacher-Handwercks. und wieder auff die Wanderschafft Ziehender ein gewisses erlegen. Hierzu koͤnte noch ein Theil deꝛ im Handwerck fallenden Straff-Gelder kommen. Die Mei- ster koͤnten auch Jaͤhrlich aus ihrer Handwercks- Lade ein gewisses darzu geben, so wuͤrden sich auch Legata und Schenckungen finden, welche der Meister-und auch der Gesellen-Lade zu gut kaͤmen. Da sie sich einmahl eine eigene Herberg ange- schaffet, wuͤrden die Mieth- oder Zins-Gelder, wenn etwan andere liegende Stuͤcke, die man verpachten koͤnte, dabey waͤren, auch schon jaͤhr- lich ein gewisses tragen; so muͤsten auch alle Meister und Gesellen, so viel als moͤglich, verbun- den seyn, in ihren Zunfft-Haͤusern, Kruͤgen o- der Herbergen, zum Wein oder Bier zu gehen, und also den Profit ihren eigenen Zunfft-Hauß zu goͤnnen, welchen sonst andere Haͤuser, wo sie ihre Convivia gepachtet und Zusammenkunfften hielten, zu geniesen haben. Waͤre an einen Ort das Handwerck der Hut- macher eine eigene Herberg und obbemeldte Stifftungen auffzurichten nicht maͤchtig genug, so koͤnten Ein oder mehr Handwercker sich zu- sammen allii ren/ und ein gemeines Zunfft-Hauß Krancken- und Todten-Laden auffrichten. Von der Obrigkeit koͤnte ihnen auch einige Douceurs und Privilegia, als etwan einmahl eine Lotterie anzurichten, ein Frey-Schießen zu halten, und dabey allerhand Gattungen gu- ter Beschreibung ter Huͤte auffzusetzen. Jtem wenn das Hand- werck erst solcher gestalt in Flor gekommen, daß es nach frembden Landen ihre Waare wegschick- te, oder von Kauffleuten frembde Huͤte einge- fuͤhret wuͤrden, so wohl von der aus, als einge- henden Waare, jedoch von jener nur wenig, von dieser aber so viel mehr zu erheben, oder an den Zoll zu participi ren, zugestanden werden; also muͤste auch ein jeder Hutmacher-Meister o- der Gesell, der Hochzeit machen wolte, der Mei- ster- und Gesellen-Lade ein gewisses geben, und die Hochzeit nirgend anders, als in ihren Zunfft- Hauß ausgerichtet werden. An denen Oertern, wo die Brau-Gerechtig- keit von der Obrigkeit verliehen wird/ koͤnte de- nen zu ihren Stifftungs- Fundo sammlenden Hutmachern ein freyes Gebraͤude Bier verliehen werden, welches an etlichen Orten schon 20. biß 30. und mehr Rthl. eintraͤgt. Nicht weniger wuͤrden auch die Wollhaͤndler in der Stadt und auff dem gantzen Land sich nicht entziehen, im Fall sie grosse Parteyen Jaͤhrlich an das Handwerck absetzten/ demselben 1. Stein Wolle zur Handwercks-Lade und piis Causis zu verehren, und was der Modorum Colle- ctandi \& fundum iustituendi mehr waͤren; welche leichtlich nach der Vorschrifft, die wir bey andern Handwerckern gethan, zu imiti ren waͤren. Einmahl ist es gewiß, daß in etlichen vornehmen Staͤdten, sonderlich in Rom die Hutmacher vortreffliche Stifftungen, auch in die- des Hutmacher-Handwercks. diesem letztern Ort gantze Capellen haben, in wel- cher sie den Gottesdienst und gewisse Bruͤder- schafften aus ihren Mitteln mit unterhalten daß also vor Zeiten das Handwerck nicht so sehr in Abnehmen muß gestanden seyn, als es heuti- ges Tages in vielen Orten Teutschlandes sich leider! befindet. Wir fuͤgen diesen als eine nuͤtzliche Remarque aus ihren Haudwercks- Articulis noch bey, daß das aͤrgerliche und wuͤste Leben des guten Mon- tags unter denen Gesellen abgeschaffet, und waͤ- re zu wuͤnschen, daß mit denen Heydnischen Bacchanalibus oder Hoͤllischen Faßnachts- Haͤndeln, auch also durchgehends geschehen moͤchte, so wuͤrde manches Handwerck mehr Gluͤck und Seegen haben, als es biß dato nicht hat. Von denen Meister-Stuͤcken ist bey diesen und vielen andern Handwerckern zu bemercken, daß selbige, und zwar mit guten Recht in so weit als sie kostbar, Altfraͤnckisch und ausser Gebrauch seyn, indessen aber denjenigen, der solche macht, viel Zeit, Muͤh und Unkosten wegnehmen, von der Hohen Lands-Obrigkeit durchgehends ab- geschaffet/ hingegen aber solche Meister-Stuͤck wieder dafuͤr angeordnet wuͤrden, welche von der Capaci taͤt deßjenigen, der sie macht, genug- sam Zeugniß geben, und hernach auch, damit der junge Meister beym Eintritt in das Hand- werck, nicht zu viel Schaden leide, wieder ver- kauffet werden koͤnnen. Das Beschreibung Das V. Capitel. Von denen Hauben/ Muͤtzen oder Barreten und sogenannten Kaͤplein-Machern/ in- sonderheit aber von den Hu t staffirern und ihrer Profession. O B zwar unter denen Hauben, die aus Wollen gewalckten Schlaff-Muͤtzen zu verstehen, welche nicht zu denen Hut, sondern Struͤmpffmachen gehoͤren, so machen doch nicht selten auch die Hutmacher ge- wisse leichte Filtz-Hauben, oder zum wenigsten die Kopff-Formen darzu, welche hernach mit andern Zeug, von Seide, Wolle oder Wachs- Tuch von denen Baretmachern uͤberzogen, und zu einer gewissen Form zierlich ausgearbeitet werden, und mag man hierzu rechnen die soge- nannten Reiß-Caputzen oder Reiß-Huͤte, Ne- bel-Kappen genannt, ingleichen die Schiffer- Muͤtzen, die hernach wie sonderlich an denen Frieß- und Omelaͤndern zu ersehen, gemeiniglich mit blauer Wolle rauh gepluͤsset werden, also/ daß ein solcher Hollaͤndischer Schiffer recht See- fahrend, und als wenn er ein Storchs-Nest auf dem Kopff haͤtte, darinn aussiehet. Eine solche Muͤtze auch manchmahl in vornehmen Masque- raden bey Hof zur Kurtzweil dienen muß. Der Botsleute-Huͤte seynd hoch, doch oben nicht allzu spitzig, sondern mehr auff Cylin der-als Pyrami- den-Art, haben auch einen schmahlen, und ge- mei- des Hutmacher-Handwercks. meiniglich mit einem breiten Borten eingefaßten Rand. Die sogenannten Kaͤpplein seynd in Ober- Teutschland, vornehmlich aber in Oesterreich, Beyern, Saltzburger-Land und Tyrol, eine Bauren- und Fuhrleut-Tracht. Es tragen solche auch wohl die Schmiede-Knecht, die Bergleut und andere gemeine Handwercker, und seynd fast alle gruͤn, indessen geben sie doch in dem Land/ in welchem sie mode seyn/ eine nuͤtzliche Manu- factur. Wie denn der Baron von Schroͤdern, in seiner Fuͤrstlichen Schatz-Cammer den Nu- tzen, der auff solchen Filtz-Kaͤpplein zu machen ist, in folgender Rechnung (die wir Kauffmaͤn- nischer Manier nach zu Deber und Credit ein- richten wollen, als ohne welche Ordnung alle Rechnungs-Arten in der Welt nichts taugen) vorstellet: Kaͤpplein-Macherey. Debet oder Kosten. Monatlich schreibt er, machen hier zu Land, nehmlich in Oesterreich 6. Meister mit 18. Ge- sellen, 6. Lehr-Jungen und 6. Wollen-Zurich- tern 9600. Kaͤpplein, verbrauchen darzu: 30. Centner Wolle zu 20. fl. fl. 600. 2. Dutzend Cartetschen zu 1. fl. das Dutzend. ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ fl. 2. Gesellen-Lohn des Monats. ‒ ‒ ‒ 108. Kost ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 72 K Faͤr- Beschreibung Faͤrber-Lohn ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 384 Rabbato oder Abgang ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 30 Kosten also 9600. Kaͤppel S. fl. 1196. Summa Gewinn ‒ ‒ ‒ ‒ 424. S. fl. 1620. Credit oder was solche wieder ein- gebracht. Die 9600. Kaͤpplein werden wieder ver- kaufft ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ fl. 1620. Hiebey erinnert er nun nicht unfuͤglich, daß durch diese gering scheinige Manufactur 36. Per- sonen als Meister und Gesellen ernehret wuͤrden, daß von die 9600. Kaͤpplein zum wenigsten 4600. aus dem Land giengen, und dafuͤr baar Geld einkaͤme 920. fl. welches alles ein Augen- scheinlicher Beweiß des Nutzens einer solchen Manufactur waͤre. Wir wollen aber noch weiter dar uͤber glossi ren und sagen: Bringet die M anufactur Monatlich 424. fl. Pro- fit, so thut es im Jahr 5088. fl. Kommen des Monats 920. fl. durch diese Manu- factur baar Geld ins Land, so thut es im Jahr fl. 11040. Werden Monatlich 36. Personen, und so man Faͤrber, Drechßler, Schloͤsser, Kupfer- Schmid und Tischler/ die auch zu der Manu- factur an Instrumentis das ihrige beytragen muͤs- des Hutmacher-Handwercks. muͤssen, darzu rechnen will, in allem nur auffs wenigste 46, Personen davon ernehret, und der Lands-Herr haͤtte von jeder Person nur Monat- lich einen halben Guͤlden, durch die Accis oder Consumption, welches 23. fl. des Monats be- truͤge, so wuͤrde es Jaͤhrlich schon seinem Æra- rio 276. fl. austragen. Die 11040. fl. so Jaͤhrlich ins Land dadurch eingehen, koͤnnen zum wenigsten auff 6. pro Cento genuͤtzet werden, waͤre auch schon 660. fl. Wiewohl wir eben nicht garenti ren wollen, daß Monatlich von die 9600. Kaͤpplein 4600. aus dem Land gehen, und 4000. im Land consumi- ret werden, weil einen solchen groben Filtz-De- ckel ein gemeiner Kerl lange tragen kan; indes- sen ist doch die Manufactur nicht ohne Nutzen, und von solcher auff alle andere Manufactu ren, Reflexion und Rechnung zu machen, und wird genug seyn/ wenn nur eine Manufactur so viel Nutzen bringet, daß sie ihre Einwohner dadurch in Arbeit und Nahrung setzen kan, und nicht vor die beduͤrffende-Waar das Geld ausser Land schi- cken darff. Der andere Nutzen ist hernach, wenn von der verfertigten Waare, noch vor viel tausend Thaler oder Guͤlden Jaͤhrlich koͤn- nen ausser Land debiti ret werden. Es fuͤhren aber dergleichen Kaͤpplein in klei- nen Staͤdten die geringen Kraͤmers, die man an einigen Orten auch Naͤdlers zu nennen pfle- get, Jn grossen Staͤdten haben es auch wohl die Baret-Kraͤmers oder Hutstaffirer, nebenst K 2 ih- Beschreibung ihren andeꝛn Waarẽ zum Kauff. Solche Waaren seynd allerhand Huͤte sonderl. feine und auslaͤndi- sche, welche etwan die Hutmacher selbiges Orts noch nicht machen, oder doch so gut nicht, als anderwerts geschiehet, zu machen wissen; wo a- ber geschickte Hutmacher sind, oder doch nach und nach (und sonderlich seiter der in Franckreich ergangenen Persecution der Reformir ten) sich hin und wieder in Teutschland eingefunden, da geht man schon mehrentheils zu denen Hutma- chern selbst, wenn man einen Hutkauffen will, zumahl, da sie ihre oͤffentliche Buden oder Laͤ- den taͤglich auff dem Marckt haben, und auch die Huͤte bordi ren, oder mit Seide und Galo- nen, nach eines jeden Begehren einfassen, und die Glantz-Leinwand oder Taffent-Hauben hinein setzen, daß also, was die Huͤte belanget, die Hutstaffirer wenig mehr zu thun haben, und dieser Handel denen Hutmachern gantz allein bleiben wuͤrde; wenn sie sich selbst mehr auff gu- te Huͤte zu machen befleißigen solten, und alle auslaͤndische Huͤte, mit einem ziemlichen Impost beleget wuͤrden, wo aber beydes nicht ist, oder in gar grossen Staͤdten, die zumahl kein grosses Territorium haben, und deren Handlung nicht den geringsten Zwang leiden will, das letztere, nehmlich einen Impost auff frembde Huͤte zu le- gen, sich nicht wohl will einfuͤhren lassen; da muͤssen allerdings die Hut- und Baret-Kraͤmer oder Staffirers beybehalten werden, damit sie auch in dieser Waar das Publicum, was dem- sel- des Hutmacher-Handwercks. selben an guten inlaͤndischen Huͤten fehlet, mit feinen auslaͤndischen versehen moͤgen, zumahl, da auch manche Waare denen Kraͤmern oder Kauffleuten mit denen Handwerckern die solche machen, in Gemeinschafft zu lassen, der Noth- wendigkeit gemaͤß zu seyn scheinet, weil ein einhei- mischer und frembder Kaͤuffer offt gern an einem Ort zusammen findet, was zu seiner Kleidung mehrentheils noͤthig, daß er nicht erst die Struͤmpffe an diesem, den Hut an jenem, die Fe- der am dritten/ und das Band so er braucht am vierdten Ort suchen doͤrffte, nur daß solche Kraͤ- mers, so viel als moͤglich, dahin trachten, und nach Beschaffenheit der einheimischen Handwer- cker ihrer Tuͤchtigkeit auch dahin durch Impost auf ihre frembde Waaren gehalten werden, daß sie ihrer Mit-Buͤrger gemachten Waaren in Gang bringen/ und nach und nach der Fremden sich entschlagen. Nechst denen Huͤten haben in einigen grossen Staͤden auch die Hutstaffirer allerhand Federn auff die Huͤte, welche sie theils selbst verschreiben, theils von denen Feder-Schmuͤckern daselbst kauffen, und weil dieser Kram mehrentheils aus Venedig koͤmt, und offt ein grosser Ort kaum 1. oder 2. Feder-Schmuͤckers hat, als bleibet sol- cher billich denen Baret-Kraͤmern oder Hutstaf- firern, wie auch allen Galanteri en-Kraͤmern frey; Und so auch die Jndianische, oder kostbar beschla- genen Cannes oder Roͤhre, die parfumir te Hand- schuhe, Seidene und feine Wollene Struͤmpffe, allerhand neumodische Weiber-Kopff-Zierathen K 3 von Beschreibung von Casque ten, Feder-Muͤtzen und Muͤffen, nicht aber von Rauch- oder Peltzwerck, als wel- ches, wie hernach folgen wird, die Kirschner sich allein zu machen und zu verkauffen zueignen. Je- doch moͤgen die Hutstaffirer wohl davon sonder- lich bebraͤmte Handschuh, Kragen oder Palati- nes fuͤhren, wenn sie solche nur nicht selbst bebraͤ- men, oder das Peltz- und Rauchwerck darzu zu- schneiden, sondern solche Arbeit denen Kirschnern uͤberlassen. Was die uͤbrige Nadel-Arbeit an- betrifft/ mit welcher ohne dem die Hutstaffirer wohl wissen umzugehen, und halbe Schneider- oder Perlen-Stuͤcker abzugeben pflegen, bleibt ih- nen solche billich reservi ret, dahero auch von ih- nen die Priester- und Rathsherren-Barete, die Wulst- oder Fall-Huͤte vor die Kinder, die vor Alters gebraͤuchliche Schuhrosen, Halskrau- sen, Achsel- und Hut-Schleiffen, samt denen noch uͤblichen Degen-Baͤndern und etlichen andern Leibes-Zierathen, gemachet werden; sie haben auch etwan dabey zum Kauff allerhand Coule u - ren breit und schmal Band, Eventails oder Sonnenfaͤcher, Haar- Poudre, Seiffen-Kugel, Pomade, auslaͤndische Handschuh, welche die inlaͤndischen Beutler nicht machen koͤnnen; De- gen-Gefaͤße, kostbare Tobacks-Dosen, glatte und brodir te Degen-Gehaͤnge, Schuh-Span- gen, Haar-Beutels, und was dergleichen zur Kleidung und Leibes-Zierath dienliche Waaren mehr seyn moͤchten. Daß hingegen die Baretmacher oder Hut- staffirer Rauch- oder Kirschner-Waaren aus- ser des Hutmacher-Handwercks. ser denen Meß-Zeiten nicht zu fuͤhren befuͤget seyn, solches weiset nachfolgendes von dem Rath zu Coͤthen A. 1655. gegebenes Decretum aus Jn Sachen der Kirschner-Jnnung allhier zu Coͤthen, wieder den Hut-Schmuͤcker Bernhard Treben daselbst, ist von wegen des Durchl. Fuͤrsten und Herrns Johann Casimirs, Fuͤrsten zu Anhalt, in Vormundschafft des auch Durchl. Fuͤrsten und Herrn, Wilhelm Ludwigs, Fuͤrsten zu An- halt, nach eingelangten Bericht von Amt und Rath zu Koͤthen, als Jnnungs- Inspectorem dieser Bescheid, daß die Kirschner-Jnnung bey ihren Articuls-Brieffen billich zu schuͤtzen/ und der Hutstaffirer des Einkauffens und Verarbei- tens zum feilen Kauff ausser den Jahrmaͤrckten solche Waaren, so in der Kirschner Handthie- rung und Arbeit lauffen, sich zu enthalten, aller- maßẽ ihme solches hiermit untersaget wird. Amt und Rath aber ernstlich anbefohlen seyn soll, ge- dachte Jnnung bey ihren Briefen zu schuͤtzen, je- doch soll dem Hut-Schmuͤcker dasjenige, was frembden Kraͤmern in dem Jahrmarckt verstat- tet wird, hierdurch (nur daß darunter kein Miß- brauch oder Unterschleiff verspuͤhret werde) nicht entzogen seyn. Signatum Koͤthen am 21. Febr. A. 1655. Hieher gehoͤret auch, was zwischen denen Kirschnern und Baretmachern vor dem Rath zu Wittenberg folgender Maßen verhandelt worden: D Emnach sich das Kirschner-Handwerck uͤber die Baret-Kraͤmer eine Zeit hero a- K 4 ber- Beschreibung bermahls zum hefftigsten beschweret, daß sie zu- wieder ihrer Handwercks-Ordnung, auch zuvor ertheilten unterschiedlichen Abschieden, sich mehr- mahls unterstanden, allerley Rauch-Waaren einzukauffen, und wieder zu verkauffen, zu ver- schneiden, zu verfuͤttern, zu verbraͤmen und zu verarbeiten, und daß sie auch uͤberdiß allerhand gemachte Rauch-Waaren von gantzen Rauch- werck, als Muͤffe, Sonnen-Schleyer und der- gleichen, welches allein in das Kirschner-Hand- werck gehoͤrte, oͤffentlich aushingen und verkauf- ten. Die Baret-Kraͤmer auch solches nicht in Abrede seyn, aber eines und das andere darwie- der so schrifftlich als muͤndlich vorgeschuͤtzet; Als hat E. E. Hochweiser Rath beyde Partheyen hieruͤber nochmahls unterschiedlich, als am 26. Nov. 31. Dec. A. 1635. 25. Maji und 18. Junii dieses 1638. Jahres zur Genuͤge gehoͤret, und auff vorhergehende reiffe Cognition ihnen end- lich diesen Bescheid gegeben: Weil am 7. Martii A. 1598. zwischen den Kirschnern und Baret-Kraͤmern allbereit verab- schiedet worden, daß die Baret-Kraͤmer keine Gebraͤhme noch Rauchwerck, wie solches Nah- men haben mag, weder vor sich selbst, die ihrigen, noch jemand anders zu feilen Kauff einkauffen, verkauffen, verhandeln, verfuͤttern, sondern in ihren T erminis bleiben, und dasjenige, so sie zu verbraͤmen und zu versuͤttern haben, durch die Kirschner allhier verfertigen, und zurichten lassen solten, solcher Abschied auch hernachmahls durch andere noch zwey Bescheide, unter welchen der ei- ne des Hutmacher-Handwercks. ne am 29. Decembr. A. 1607. der andere am 9. Martii A. 1614. gegeben, confirmi ret, danebens aber denen Kirschnern eingebunden worden, daß sie die Baret-Kraͤmer mit der Kirschner-Arbeit vor andern befoͤrdern, damit nicht vorsetzlich auf- halten noch uͤbertheuren, sondern gegen sie und die Buͤrgerschafft mit Forderung des Lohns, der Billigkeit nach sich erweisen, auch die Rauch- Waaren ihnen um ein gleiches und billiches zu- kommen lassen, und sich sonst gegen einander also erzeigen sollen, damit eines neben dem andeꝛn blei- ben und hinkommen, und dißfalls keine Klage mehr erfolgen moͤge, mit dieser ausdruͤcklichen Commination, da jemand deme zuwieder und entgegen ichwas thun, fuͤrnehmen und han- deln, und dessen uͤberfuͤhret werden solte, daß der- selbe nach Befindung ernstlich und unnachlaͤßlich andern zum Exempel gestrafft werden, insonder- heit aber, da einer oder der andere Baret-Kra- mer solchen Abschied zuwieder, etwas sich unter- stehen, thun oder handeln wuͤrde, derselbe zehen Thaler unnachlaͤßiger Straffe, als nehmlich 5. Rthl. E. E. Rath, und 5. Thaler dem Kirschner- Handwerck, so offt er betreten werden wird, ver- fallen seyn soll, und denn unterschiedliche Wei- sungen, alle Krafft Rechten ergriffen, und der Kirschner-Jnnung allerdings gemaͤß sind; Als laͤsset es auch E. E. Rath nochmahls bey denen- selben allenthalben bewenden, und sollen die Par- theyen sich darnach beyderseits zu achten schuldig seyn. Jm Fall sie aber darwieder zu handeln sich unterstehen wuͤrden, sollen die Verbrecher mit K 5 der Beschreibung der im Abschied angedroheten Straffe unnach- laͤßig beleget werden. Zum Urkund ist auch diese Weisung denen Actis Publicis einverleibet, bey- den Partheyen gebuͤhrlich publicir et, u. begehren- den Theil hiervon glaubwuͤrdige Abschrifft unter der Stadt Jnsiegel mitgetheilet worden. So geschehen am 3. Augusti A. 1638. Was nach der Zeit, nehmlich den 16. Febr. A. 1653. vor ein Transact uͤber eben diese Strei- tigkeit zwischen dem Kirschner-Hand werck und einem Baret-Kraͤmer, Christoph Hehl genañt, daselbst gemachet worden, solches ist in G. A. Struvii Decisionibus juris opificiarii, Dec. 74. p. 128. zu ersehen. Jngleichen Dec. 108. p. 170. daß hinwie- der denen Kirschnern ausser denen Jahrmaͤrck- ten nicht zugelassen seyn solte Muͤtzen, Schleyer und solche Sachen, da nebst dem Rauch-Futter, auch Zeug und Gewand sich findet, in ihren Laͤ- den feil zu haben, es koͤnten und wolten denn die- selben binnen Saͤchsischer Frist Summarisch beybringen, daß sie deßfalls von etlichen Jahren her in Posess. vel quasi gewesen, auff welchen Fall die Kraͤmer das Jus prohibendi in Petito- rio auszufuͤhren, und zu dessen Behuͤlff einen Syndicum zu bestellen haͤtten, quod decretum Leuteratione interposita non obstante per Facult. Jurid. Lips. confirmatum. Das VI. Capitel. Anhang einiger Merckwuͤrdigkeiten/ die Huͤte/ Kappen und Barett be- treffend. An des Hutmacher-Handwercks. A N unterschiedlichen Orten Jtaliens, son- derlich zu Rom und Venedig seynd die Juͤden obligi ret rothe Huͤte mit rothen Wachs-Tuch uͤberzogen zu tragen. Ein gewisser Prælat, welcher nach Rom gezogen war, in Hoff- nung einen Cardinals-Hut daselbst zu erlangen, der ihme aber fehl geschlagen, muste, als er gantz heischer, und mit einem starcken Husten behafftet, wieder zuruͤck kam, Spotts-Weise hoͤren, daß sich uͤber solch sein Accident nicht zu verwundern waͤre, weil er ohne Hut eine so ferne Zuruͤck- Reise haͤtte thun muͤssen. Sub palliolo \& pileolo sordido, pflegt man Sprichworts-Weise zu sagen, sæpe Sapientia latet, offt ist unter einem schmutzigen Hut und Mantel ein weiser Mann verborgen. Gleichwie von denen Kleider-Trachten viel Beschimpffungs-Reden hergenommen, als daß ein Blau-Strumpff, ein Verraͤther, ein Heuchler derjenige genennet wird, der den Man- tel auff beyden Schultern traͤgt, oder solchen nach dem Wind zu drehen weiß; Als wollen ei- nige unter einen breiten Hut, einen Hahnrey ver- stehen, als der einen solchen breiten Hut seine Hoͤrner zu bedecken noͤthig haͤlte. Von des Fortunati Wuͤnsch-Huͤtlein wird fabuli rt, daß, als er einsmahls an des Groß- Sultans Hofdurch seine Freygebigkeit sich grosse Lieb und Ruhm erworben, u. weil er den Gluͤcks- Seckel gehabt, (der nimmer ledig wurde, son- dern stets so viel Gelds als Fortunatus haben wolte heraus gab,) des Sultans Hof-Gesind reich- Beschreibung reichlich beschenckt, da habe ihme dieser auch eine Ehre anthun wollen, und den Fortunatum mit sich in seine Schatz-Kammer gefuͤhret, da er ihn unter andern grossen Schaͤtzen, von Gold, Sil- ber und Edelgesteinen, auch einen alten abgenutz- ten Filtz-Hut gewiesen, der aber die Krafft an sich gehabt, daß, wenn ihn iemand auff den Kopf gesetzet, er so gleich dahin kommen koͤnnen, da er sich hingewuͤnschet; Als nun der Sultan aus Unbedachtsamkeit zugelassen, daß Fortunatus solchen auffgesetzet, da haͤtte er sich so gleich in sei- ne im Haven liegende Galere gewuͤnscht, in wel- cher er also bald die Segel auffziehen lassen, und damit nach seinem Vaterland Cypern zugeschif- fet; der Sultan haͤtte zwar gleich nach geschickt, aber vergebens, weil die Galée schon viel zu weit voraus gewesen, als daß man sie haͤtte wieder einholen koͤnnen. Worauff der Sultan, als den der Verlust dieses Kleinodes sehr schmertzte, einen eigenen Abgesanden an ihn gefertiget, der haͤtte aber auch nichts erhalten koͤnnen, ungeacht er im Nahmen des Sultans dem Fortunato grosses Geld und Gut verheissen, wenn er den Hut wie- der zuruͤck geben wolte. Da nun solcher gestalt Furtunatus in den Be- sitz dieses kostbaren Huts geblieben, haͤtte er man- che Kurtzweil mit denselben angestellet/ und weil er sich damit allenthalben wo er hingewolt, haͤtte hinwuͤnschen koͤnnen, als waͤre er bey nahe die gantze Welt damit durchgereißt. Endlich/ als er auff das Sterbe-Bet gekommen, haͤtte er solchen samt dem Seckel seinen beyden Soͤhnen Ampedo und des Hutmacher-Handwercks. und Andolosia vermacht, doch mit der Condition, daß beyde Kleinode ihnen zum allgemeinen Bruͤderlichen Gebrauch verbleiben, und nicht von einander getrennt werden solten, allein Andolosia hatte nach des Vaters Tode seinen aͤltern Bruder Ampedo so viel gute Worte gegeben, daß er ihme den Seckel (nach dem sie zu vor 2. Kisten mit Geld daraus angefuͤllet) mit auff die Reise haͤtte folgen lassen, da er ihme denn in Engelland von der jungen Koͤnigin Agrippina durch falsche Liebe waͤre abgelocket worden. Dieser Untreu halber sich nun zu raͤchen, und den verlohrnen Seckel wieder zu gewinnen, waͤre er wieder nach Hauß gereiset, haͤtte den hinterlas- senen Wuͤnsch-Hut geholet, sich damit auffs neue nach Engeland gewuͤnschet, und als er an Koͤnigl. Hof ange- kommen, sich vor einen Juwelirer verkleidet ausgege- ben, welcher der Koͤniglichen Princeßin schoͤne Juwe- len zu weisen haͤtte. Wie sie ihn nun hierauff in ihr Zim- mer kommen lassen, und einige Juwelen ausgesuchet und bedungen, solche auch hernach aus des Andolosiæ Seckel zahlen wollen, da habe er sein Wuͤnsch-Huͤt- lein auffgesetzt, sie die Princeßin in Arm genommen, und sich mit ihr in ein weit entfernetes Land gewuͤnschet. Und was der Maͤhrlein, die von diesem Fortunati schen Wuͤnsch-Huͤtlein erzehlet werden, mehr seyn moͤchten, die der Laͤnge nach in dem sogenannten Fortunati Seckel- und Wuͤnsch-Huͤtlein-Buͤchlein zu lesen seyn. Des grossen Alexandri Haupt-Zierath soll anfaͤng- lich Macedoni sch, nachmahls, als er sich die Persische Weichlichkeit belieben lassen, Persianisch gewesen seyn. Von diesen letztern schreibt Justinus lib. II. daß, als eins- mahls der Alexander im Absteigen von dem Pferd, den Lysimachum mit der Spitze seiner Lantze hefftig an die Stirn verwundet, da habe das Blut nicht eher koͤnnen gestillet werden, biß der Alexander seinen Koͤniglichen Hut abgenommen, und solchen dem Lysimacho (um die Wunde desto besser zusammen zu halten) auff den Kopff gesetzet, welches dem Lysimacho das erste Vorzei- chen gewesen, daß er dermahleins wuͤrds Koͤnig wer- den. Von Beschreibung Von denen Griechischen Patriarchen der Kirchen in Orient wird gelesen, daß ob sie gleich in eben so hohen Ansehen bey ihren Religions-Genossen, als der Papst unter denen Noͤmisch-Catholischen ist, sie doch in Klei- dern sich sehr schlecht halten, also, daß sie eben wie an- dere Muͤnche bekleidet einher gehen, und von solchen an- ders nicht, als durch einen grossen breiten Hut unter- schieden werden, uͤber welchen ein breites Band von Guͤldenen Stuͤcken, in Form eines Creutzes genaͤhet ist. Als einsmahls ein vornehmer Mann, der aber ein uͤbler Bezahler war, von einem Hutmacher einen Hut auff Credit haben wolte, wurde ihme solcher mit diesen Worten abgeschlagen: Er der Hutmacher moͤchte her- nach nicht vor seinem eigenen Hut, (wenn solcher auff seines Debitoris Kopff stehen, und er der Hutmacher ihn mahnen solte) den Hut in der Hand haben. Der Chinenser ihre Huͤte seyn theils von Pferd, theils von Menschen-Haar, oder auch von Seide, und zwar etliche oben mit einen Loch gemacht, durch welches sie vormahls ihre lange Haupt-Haar zierlich in einen Zopff geflochten, herdurch zogen, und hinterwerts uͤber den Hut herunter hangen liesen; heutigs Tags aber, da die Tartern sich Meister von Tschina gemachet, haben die eingebohrne Sinesen ihren Haupt-Schmuck ziemlich ablegen, und sich auff Tartarische Manier das Haupt scheren lassen muͤssen. Der Philosophorum in China ihre Huͤte oder Bomittes sind viereckigt, und darff sich kein Ungelehrter unterstehen dergleichen zu tragen/ des Winters werden meistentheils die Huͤte in China abge- leget, und Muͤtzen von Seiden oder Baumwollen Zeug dafuͤr auffgesetzet. Der Ungarn und Tartarn ihre Reiß-Wetter- und Campagne- Maͤntel seynd meistentheils aus Filtz, den sie dergestalt zu walcken wissen, daß er nicht allein geschmei- dig, sondern auch eben wie ein Tuch sich bey Ellen aus- messen laͤst, und dabey so zaͤh ist, daß wenn es auch 24. Stunden nach einander regnen solte, dennoch kein Was- ser durch gehen kan, die Ursache ist, daß sie solche nicht leimen, als welches sonst, wie an vielen Filtz-Huͤten zu er- des Hutmacher-Handwercks. ersehen, in Regen auffgehet, und der Leim sich solvi ret, sie brauchen aber in dessen Stelle Hauß-Blasen, als die in der Naͤsse bestaͤndig bleiben. Doch will damit vorsich- tig umgegangen seyn, weil, wenn die rechte Proportion nicht darinn gehalten wird, der Filtz dadurch allzu steiff wird, daß er hernach leichtlich bricht. Die Maͤhrische Wolle laͤst sich auch so fest mit den Fuͤssen und Roll-Ei- sen arbeiten, daß leichtlich der Filtz wegen allzu grosser Festigkeit brechen muß. Hingegen ist manche Land- Wolle so geartet, daß sie sich gar nicht fest arbeiten laͤst, es moͤgen auch Meister oder Gesellen so viel Arbeit dran thun, als sie immer wollen, sie wird doch immer lucker bleiben, und ein davon gemachter Hut uiemahls recht Wasser halten. Einen extra guten Codobecker Hut zu machen, neh- men die Hutmacher den Kern oder das beste aus der Luͤ- neburgischen sogenannten Heyde-Wolle, (das ist dieje- nige, die von denen Schaafen, welche in der grossen Luͤneburger Heyd geweidet werden, faͤlt,) und vermi- schen dieselbe mit Cameel und Englisch Sayden-Haar, dadurch die Huͤte einen vortrefflichen Glantz bekom̃en. Die Quali taͤten eines guten Huts muͤssen seyn, daß er im Kopff nicht zu dicke sey, sonst faͤlt er zu schwer zu tragen, hingegen muß er schon etwas dicker und auch fester an dem Band seyn, zum Rand aus aber gantz duͤnne, voraus aber wird eine gute Farbe daran erfor- dert, die nicht abschiesset, denn da siehet zwar mancher Hut schoͤn schwartz aus, wenn er aber ein wenig in Lufft und Wetter getragen wird, so wird er gantz roth- lich und fahl. Eine andere Qualit aͤt eines guten Huts ist auch diese, daß er in Regen-Wetter Wasser halte, daß solches nicht einziehe, und der Hut gleichsam schwam- migt davon werde, allein daran ist wie schon gedacht, manche Land-Wolle schuld, welche, wie starck man sie auch bearbeite, niemahls dicht oder fest werden will, so muß auch ein Hut nicht zu wenig, und auch nicht zu viel geleimet seyn, denn in jenen Fall wird er schlap und koͤmmt aus der Form, in diesem aber bricht er leichtlich. Ein Beschreibung Ein gewisser Hutmacher in Franckreich hat eine grosse Partey aus der Mode gekommener Huͤte stehen, in wel- cher sein gantzes Capital steckte, dieser bate einsmahls Koͤnig Henricum IV. daß er ihme die Genade erzeigen, und nur ein paar Tage einen solchen Hut auffsetzen moͤchte, als ihme nun der Koͤnig hierunter willfahrte, wolten so gleich die uͤbrigen Hoffleute Regis ad exem- plum diese mode nachaͤffen, und wurde der Hutma- cher seine grosse Parthey Huͤte in wenig Tagen mit gu- ten Profit loß. Wie offt die Mode in Huͤten bey Menschen-Gedencken changi ret habe, ist zu verwundern, viele werden sich noch der hohen spitzigen Huͤte, wie heutigs Tags noch an einigen Orten die Bauren zu tragen pflegen, erin- nern. Hierauff kommen die mit niedrigen Koͤpels und schmalen Raͤnden, bald wieder etwas hoͤhere Koͤpels mit breitern Raͤnden, denn einmahl graue, auch paille Couleur Huͤte auf, biß die Schwaͤrtze bestaͤndig geblie- ben, die gantz weisen aber denen Muͤllern uͤberlassen worden. Die B otsleute haben ihꝛe Huͤte mit gantz schm a - len und eingefaßten Raͤnden, etlicher vornehmen Offici- ers ihre sind auch wohl mit Sam̃et uͤberzogen. Die En- glischen sogenañten Casquets waren auch einige Zeit lang, sonderlich in Nieder-Sachsen grosse mode; so hiel- te man auch einsmahls auf die sogenañten Chapeaux sans apret, oder ungeleimte und gantz weiche Huͤte sehr viel, welchen man auch die Manieꝛ des Abziehens veraͤn- derte, u. solche oben an den Kopff angriff; zu anderer Zeit musten sie wieder starck geleimt seyn, und gantz steiff ste- hen, biß endlich die heutige beqveme mode und Fason ge- blieben. Ein Bauer, deme ein Buschklopffender Neuter Geld auf der Strassen abgenommen hatte, bate densel- ben, er moͤcht ihme doch zum Wahrzeichen, daß ihme das Geld war abgenom̃en worden, mit seinen Pisto- len 2. Loͤcher durch den Hut schiessen; als nun solches der Reuter gethan, u. daduꝛch sich verschossen hatte, bemaͤch- tigte sich seiner der listige Bauer, wurff ihn vom Pferd, und nahm ihme das geraubte Geld wie- der ab.