Mit GOtt! Eigentliche Beschreibung Des Entsetzlich-grossen Heuschrecken-Heers Welches Jm AVGVSTO , A. C. cIↄ Iↄc XCIII . Bey und unweit Jena Jn denen Fuͤrstlichen Aemtern Orlamuͤnda/ Roda/ und Leuchtenburg mit iedermans Bestuͤrtzung erschienen Aus eingezogener gruͤndlicher Nachricht und selbst- eigener Erfahrung Verfasset/ und mit allerhand denckwuͤrdigen und nuͤtzlichen Anmmerckungen erleutert von Christoph. Heinrico Loͤbern Unwuͤrdigen Diener am Worte/ und Superint . zu Orlamuͤnda. JENA Zu finden bey Johann Bielcken. Das walte der grosse und starcke GOtt/ der zwar vielerley Heer hat/ so Er aussendet/ uns uͤmb unserer Suͤnde willen heimzusu- chen/ iedoch auch aus vaͤterlicher Barm- hertzigkeit sein Absehen dahin richtet/ uns zur wahren Busse zu locken; wie Er denn der Bußfertigen Hertzen ihr Gebet nicht verschmaͤhet/ noch seine Guͤte von uns wen- det! Seinem heiligen Nahmen sey Ehr und Lob/ von nun an/ biß in Ewigkeit/ Amen. §. 1. E S hat dem Allerhoͤchsten gefallen/ im Mo- nat Augusto/ dieses lauffenden 1693. Jahres/ unser Land und Gegend mit Heuschrecken heimzusuchen. Weiln denn solches ein gantz ungewoͤhnliches Werck GOttes ist/ davon nicht allein iederman redet/ sondern auch von vielen ein ungegruͤndeter Zusatz gemachet/ hingegen aber von andern einen gruͤndlichen Nachricht zu haben/ ver- langet wird; hiernechst auch diese Geschicht wohl wehrt ist/ daß sie fleißig erforschet und beschrieben werde/ das Gedaͤchtnis der goͤttlichen Wunder zu erhalten/ und da- mit nicht nur denen/ so anitzo leben/ sondern auch der Nachwelt zu dienen; Zugleich auch die Erschrocknen aus A 2 Got- GOttes Wort aufzurichten/ und die sichern und rohen Gemuͤther zu heiligen Gedancken und gottseeligen Wan- del anzufrischen; Als habe ich mir die Muͤhe genommen/ und an alle Diener Gottes/ so der hiesigen Inspection un- tergeben/ deßwegen geschrieben/ damit sie darvon aus- fuͤhrlichen Bericht erstatten moͤchten/ was sich dißfals an einem und andern Orte zugetragen. Woraus denn/ so wohl aus dem/ was ich selbsten gesehen/ und von andern gewissen Leuten erfahren koͤnnen/ ich gegenwaͤrtige Nach- richt verfassen/ und mit mancherley Anmerckungen/ und Erinnerungen erlaͤutern wollen: mit dem inniglichen Wundsche/ daß er vielen zu erwuͤndschter Besserung die- nen moͤge! §. 2. Damit aber der geneigte Leser den Jnnhalt gegenwaͤrtigen Berichts kuͤrtzlich vor sich haben moͤge/ so soll von folgenden sieben Puncten gehandelt werden: I . Von der Art und eigentlichen Beschaffenheit unserer Heuschrecken. II . Von der Zeit ihrer Ankunfft. III . Von der Art und Weise ihres Zuges. IV . Von dem Sch a den/ den sie angerichtet. V . Woher es eigentlich ruͤhre/ daß dergle i chen Heer-Zuͤge geschehen? VI . Was sie wohl be- deuten und nach sich ziehen moͤchten? Und endlich VII . Was denn vor Mittel/ wieder solch Heer/ und anderes Ubel/ so darauskommen moͤchte/ zu ergreiffen? §. 3. Bey dem ersten/ der gemeinen Schul-Art nach/ von dem Nahmen der Heuschrecken anzufahen/ so moͤgen sie wohl mit diesen Nahmen beleget werden/ von wegen des Schreckens und Schadens/ den sie in dem Heu anrichten. Wiewohl der gelehrte Matthias Marti- nius in seinem Lexico Philologico in dem Worte Locusta an- mercket/ daß diß Wort eigentlich herstamme/ von dem Wort Wort Schricken / welches zwar bey uns nicht im Ge- brauch ist/ doch so viel bedeuten soll/ als subsilire, passum, facere , huͤpffen und fortschreiten ; (mit welchen das Griechische Wort , salire , ziemlich uͤbereinkoͤmmet) und koͤmt also diß Wort den Heuschrecken zu: quia locustæ in fœno saltitant weiln die Heuschrecken im Heu und Graß heruͤmb huͤpffen. Davon vielleicht herruͤhret/ daß man dergleichen Ungeziefer/ mit Versetzung zweyer Buchsta- ben pfleget Schircken zu benamsen. Die Lateiner brau- chen das Wort locusta, à locis urendis , weil die Heuschre- cken nicht nur im Grase huͤpffen/ sondern es an manchen Orte so zurichten/ als wenn es abgesenget und verbrennet were; wovon an dem angefuͤhrten Orte ein mehrers/ wie auch von mehrern Nahmen in all e rley Sprachen kan nachgelesen werden. §. 4. Wie vielerley Arten der Heuschrecken gefun- den werden moͤgen/ solches uͤberlassen wir denen Natur- kuͤndigern zu genauerer Erkundigung. Unterdeß/ was diese unsere neue Gaͤste anlanget/ so haben sie eine ziemli- che Verwantnis mit denen jenigen gruͤnen Heuschrecken/ so sich jaͤhrlich bey uns in dem Grase und in dem Getreide zu befinden pflegen/ und ingemein Gratzhaͤuer genen- net werden/ sind aber gleichwohl von denenselben in vielen Stuͤcken unterschieden. §. 5. Denn was der Heuschrecken ihre Groͤsse anlan- get so sind sie ingemein so groß odeꝛ ein weniges groͤsser/ als die groͤsten Graßhauer: Wie denn/ wenn man sie tod gegen einander wieget/ sie im Gewicht fast uͤber einkem̃en/ uñ die Heuschrecken jene/ wenn sie wegerer/ nur uͤmb ein gerin- ges uͤberwiegen. Sie haben/ gleich jenen/ sechs Beine/ vier kurtze/ und hinden naus zwey sehr lange so zu Ende A 3 gel- gelbe und voll ziemlich grosser Zacken sind/ womit sie denn grosse Lufftspruͤnge verrichten koͤnnen. Auch haben sie vier Fluͤgel/ wie die Graßhaͤuer. Und stelle ich dahin/ wie Plinius zuverstehen und wovon er redet/ wenn er schrei- bet: insectum infirmis pennis alatum , die Heuschrecke sey ein Thier/ so mit schwachen Federn befluͤgelt ist. Viel- leicht eignet er ihnen die Federn nur Gleichnisweise zu/ wie der Fische ihre Ruder Floßfedern genennet werden. Un- serer Heuschrecken ihre Fluͤgel sind nur eine subtile Haut/ darinnen starcke Adern Striche machen/ und sie gleichsam in Felder abtheilen. Auf ieder Seiten stehen zween Fluͤ- gel/ zu erst ein schmal und langer/ darnach ein breiterer/ welche sie/ wenn sie ruhen/ uͤbereinanderlegen/ wie auch die Graßhaͤuer thun; gestallt sie auch nicht viel laͤnger sind/ als dieser ihre Fluͤgel zu seyn pflegen. Und wie die gemei- nen Heuschrecken oben am Halse einen ziemlichen Dalar oder Umbschlag fast wie eine Muͤnchs-Kappe haben/ dadurch das Haupt und der Ruͤcken an einander ver- knuͤpffet sind; ebener massen ist bey unsern Gaͤsten derglei- chen zu finden; doch ists auch etwas groͤsser/ als bey jenen. §. 6. Gleichwohl haben sie hinden am Leibe kein solch Schwerd oder Schwantz/ wie die gemeinen Heu- schrecken oder Graßhaͤuer haben; sind am hinder Theil des Leibes etwas schwaͤcher/ doch uͤmb die Brust (so unten villosum und mit Fasen bewachsen) viel staͤrcker und brei- ter. Sie sind auch staͤrcker am Haupte und Gebisse. Sintemahl/ wie dergleichen Ungeziefer auf ieder Seiten einen solchen Kinnbacken zu haben pfleget/ so inwendig ge- kerbet/ und in der That ein einiger Zahn ist: also haben die- se unsere Gaͤste auch auf ieder Seite einen solchen Zahn/ so schwartz schwartz oder blau von Farbe/ doch uͤmb ein merckliches staͤrcker und groͤsser ist/ als die gemeinen Heuschrecken ha- ben. Sind also von GOtt darzu sonderlich gewaffnet und geruͤstet/ daß sie mit solchen ihren Zaͤhnen harte Koͤr- ner zu malmen/ und gar leicht grossen Schaden anrichten koͤnnen. Wie denn solches desto besser zu effectui ren/ die Natur ihnen ein sonderlich grosses receptaculum verliehen/ indem die Speise gleich durch den Schlund in einen wei- ten/ langen Darm faͤllet/ so in einer Gleiche biß hinden an reichet. Mox à ventre intestinum rectà in caudam finit, quà excrementa emittunt; Aristot. I. 4. Hist. Anim. c. 2 . §. 7. Die so genannten Graßhaͤuer pflegen oben gantz gruͤn zu seyn/ aber mit der Farbe der Heuschrecken befindet sichs etwas anders. Es sind zwar auch mit un- ter solchen/ welche am Haupte/ Halse und sonsten etwas gruͤn seyn/ die meisten aber haben andere Farben/ als roͤth- licht/ schwartzlicht ꝛc. Gleichergestalt schreibet Krenzhe- mius (citante Dn. Hoffm. in chronotaxi Apocal. p. 232.) von den Heuschrecken Anni 1542. varii fuisse coloris \& quatuor habuisse alas , sie seyn von mancherley Farben gewesen/ und haben vier Fluͤgel gehabt . Wie denn curieuse Leute gar vielerley Arten der Farben an ihnen gezehlet ha- ben: daß also die Heuschrecken ein solch Heer repræsenti- ren/ welches aus Leuten von mancherley Nationen und L i bereyen bestehet . Doch scheinen die beyden ge- meinesten Farben gelb und braun zu seyn/ also/ daß etli- che am Haupte/ Brust und Leibe gelb und am Bauche sil- berfarben; etliche aber am Bauche Leberfarb/ und sonst schwartz braunlicht seyn: davon hernach ein mehrers. Die Fluͤgel sind bey allen schier uͤberein/ nemlich Silber- farb/ oder dunckel-weiß/ oder dunckel-gelbicht: dero Fel- der- dergen mit schwartzen Puncten und Strichlein gar art- lich ausgezieret sind. §. 8. Der seelige Herr Johann Möllerus in Allegor. profano-sacris part. 1. c. 1. §. 14 . fuͤhret aus andern Autoribus an/ daß einsten in Engeland/ meistlich uͤmb North Folth/ das Getveide von solchen Heuschrecken abgefressen/ und die Erndte verderbet worden/ auf dero Fluͤgel einem das Wort I. R. A . auf den andern D. E. I . das ist/ GOttes Zorn gestanden. Gleichergestalt ist bey uns hin und wieder ausgesprenget worden/ als stuͤnde eine frembde Schrifft auf den Fluͤgeln der Heuschrecken. Welches sich aber/ bey genauerer Betrachtung/ zur Zeit nicht hat finden wollen/ dargegen aber Puncte und Strichlein wo- mit die Fluͤgel/ wie gedacht/ gezieret und schattiret seyn. §. 9. Sonst fuͤhret der seel. D. Wolffg. Franzius in Hist. Animal. part. 4. c. 10. p. 812 . aus andern Autoribus an/ daß A. C. 1549. in Ungern eines von Adel sein grosser Weitzen-Schober gantz voll Scorpionen gewesen/ daß man auch die Garben nicht habe sicherlich zum dreschen hinwegnehmen koͤnnen. Weil man denn endlich resolvi- ret/ den gantzen Hauffen zu verbrennen/ so habe sich ein grosser Scorpion oben drauf gestellet/ und geruffen: Desi- nite, non sponte huc venimus, sed à Deo, in vestram pœnam huc missi , das ist/ lasset nach! denn wir sind nicht von uns hieher kommen/ sondern GOtt hat uns zu eu- rer Straffe hieher gesendet . Ob nun wohl unsere Heuschrecken nicht also ruffen/ auch die Strichlein an ih- ren Fluͤgeln nichts sonderliches bedeuten moͤchten/ so wird doch ein Verstaͤndiger leicht glauben/ daß sie von GOTT uns nicht darzu gesendet werden/ daß sie was gutes stiff- ten/ und dem Lande Nutzen bringen solten: davon hernach mit mehrern wird zuhandeln seyn. §. 10. §. 10. Aber wieder auf die Beschreibung der Heu- schrecken zukommen/ so lieset man/ daß wohl ehe dieselben von grossen Winden in ein Land gefuͤhret werden. Wie denn/ als Egypten solte geplagt werden/ der Ostwind die Heuschrecken herzufuͤhrete/ Exod. 10, v. 13 . dennoch/ so be- duͤrffen unsere Gaͤste zu ihrem Zuge und Fluge keines Windes. Da die gemeinen Heuschrecken nur etliche we- nige Schritte fliegen/ und darnach zur Erden fallen/ so fliegen hingegen diese/ auch in der stillen Lufft/ und wieder den Wind (wie dieser Tage etliche mahl geschehen) mit ih- ren Fluͤgeln/ als ein Vogel/ iedoch nicht in solcher Ge- schwindigkeit/ dahin. Dabey einige in acht genommen/ daß sie im fliegen mit ihren Leibern nicht die gerade Linie ihres Fluges halten/ sondern den Leib im fliegen etwas schieff fuͤhren. Sind demnach dißfalß von den hielaͤndi- schen gruͤnen Heuschrecken unterschieden/ wie etwa die wilden Gaͤnse und Enten von den zamen; als welche es jenen im fliegen auch nicht gleich thun koͤnnen. Wenn sie dann in starcken Hauffen fliegen/ so gibts ein Geraͤusche und Getoͤse/ da sie sonsten/ und sonderlich/ wenn man sie etwas hart angreiffet/ nicht anders/ als ein Vogel oder Heime zu zwitzschern pflegen. §. 11. Die Art und Weise der Vermehrung be- schiehet durch Zusammenhaltung beyderley Geschlechts/ des Maͤnnleins/ und Weibleins/ also daß davon in dem Leibe des Weibleins/ Eyer generi ret werden/ welche es hernach setzet und von sich leget/ damit sie durch Wiꝛckung der Sonnen ausgebruͤtet werden. §. 12. Unterschiedliche Scribenten sind der Mei- nung/ es sey zu dero Vermehrung/ die Zuthuung des Maͤnnleins nicht vonnoͤhten. Unter andern schreibet der B Bi- schoff/ Simon Majolus , in seinen diebus canicularibus, colloq. 5.p. 188 . also: Locusta etiam à fœminâ, absque masculo gi- gnitur. Id habet Aristoteles, quem retulit Vinc. Hist. natu- ral. l. 20. c. 140. locustam (inquit) vociferantem habuit mu- lier quædam, eamque nutrivit parvam: cum autem crevit, ipsam per se imprægnatam invenit, \& hoc argumentum, quod fœmina quælibet sperma naturaliter habet. Id affirmat etiam Albertus Magnus animal. l. 1. tract. 1. c. 3 . Aber es scheinet dieser Beweiß nicht allerdings richtig und bindig zu seyn. Gesetzt/ daß eine Heuschrecke/ ohne Beywohnung eines Maͤnnleins Eyer in sich haben koͤnne/ so wuͤrden doch sol- ches zur Vermehrung untuͤchtige Eyer seyn. Gleichwie die Huͤner/ Tauben ꝛc. Wenn sie alleine gestallet sind/ auch Eyer legen/ aus welchen aber keine Jungen koͤnnen gebruͤtet werden. §. 13. Unterdeß/ nachdem die Heuschrecken/ sich uͤ- ber Vermuthen/ ziemlich lange in hiesiger Gegend aufge- halten/ und desto genauer haben betrachtet werden koͤn- nen/ so ist man gewar worden/ daß sie von sehr geiler Art seyn/ also daß/ wenn sie sich setzen/ sie sich haͤuffig gatten/ und so fest zusammen halten/ daß sie auch wohl ehe/ sich mit einander haben lassen aufjagen. §. 14. Daruͤber man denn die Maͤnnlein und Weiblein hat kennen und von einander unterscheiden ler- nen. Nemlich die Maͤnnlein sind ingemein gelbicht/ und die Weiblein braͤunlicht; so sind auch diese ingemein was groͤsser und staͤrcker/ als jene/ zumahln/ wenn sie mit Ey- ern angefuͤllet seyn. ( Sunt enim mares, in eo genere, mino- res, quàm fœminæ ; sagt Aristoteles l. 5. Hist. animal. c. 28 .) So sollen auch der Weiblein viel mehr seyn/ als der Maͤñ- lein/ damit also dieses Ungeziefer sich desto haͤufiger ver- mehren koͤnne. §. 15. §. 15. Jm Anfange/ als sie zu uns kamen/ funde man/ bey dero Eroͤffnung/ daß der Darm oder Wanst von forne biß hinden aus mit Fressen starck angefuͤllet/ und so dicke gewesen/ daß er den meisten Theil des Leibes ausgefuͤllet. Dabey lagen etwa ein paar laͤnglichte Stuͤcklein/ der dicke nach/ wie eine ziemliche Kaͤse-Made/ doch nicht gar so lang/ und so schoͤne gelbe/ als ein Eyer- Dotter/ beneben etlichen subti len weisen Faͤdgen/ so von Natur zertheilet/ und nicht aneinander zu hangen schie- nen. Doch hat man in Ermangelung eines Microscopii , solche particulas nicht beurtheilen koͤnnen. Nachdem a- ber die Heuschrecken eine ziemliche Zeit in hiesiger Gegend verblieben/ und von vielen Leuten zerrissen und genau be- trachtet worden/ so ist man endlich gewar worden/ daß er- meldte laͤnglichte und gelbe particulæ, ovula , Eyer oder Brut seyn/ und sich zeithero sehr starck vermehret haben. So ist man auch zu Reinstad/ Keßlar/ Croͤbitz und der Or- ten gewar worden/ daß von gedachten subtilen Faͤdgen ei- nige das Leben haben. Man hat sie laͤnger als eines Fin- gers/ ja fast einer Hand lang befunden/ und wenn man sie auf den Tisch geleget/ so haben sie ein schwartz Koͤpffgen in die Hoͤhe gerecket/ und wie eine Otter getragen/ sich auch sonst gekruͤmmet und zusammen geschlungen/ wie eine Otter oder Schlange zu thun pfleget/ und sind etwa nach einer guten viertel oder halben Stunde gestorben. §. 16. Als mir solches berichtet/ auch solche zusam- mengeschlungene Wuͤrmlein zugesendet morden/ so habe ich am 2. Septembr. unterschiedliche Heuschrecken holen/ und eroͤffnen lassen/ da sichs denn befunden (1) daß der Wanst nicht so mit Fressen angefuͤllet gewesen/ als vor die- sen; Hingegen (2) daß in den Weiblein nicht nur etliche we- B 2 nige nige ovula , oder Eyer/ sondern eine grosse Menge/ zu 60. 70. 80. vorhanden gewesen; neben welchen (3) in dem ei- nen/ ein obbeschrieben weises Faͤdgen/ das Leben hatte/ und in deꝛ That/ als eine zarte weisse Otter anzusehen war. §. 17. Jhre excrementa , so durch ihren grossen Darm von ihnen gehen/ sind so groß/ als ziemlich starcker Maͤuse ihre/ vielmahl fast wie Wildhaber anzusehen/ doch von unterschiedner Farbe/ nach dem Unterscheid des Fut- ters/ so sie verzehret/ schwaͤrtzlicht/ gruͤnlicht/ grau oder weißlicht. Ein mehrers/ so von diesen Thieren zu melden/ wird bey folgenden Puncten zu finden seyn. §. 18. Vors andere nun von der Zeit zu handeln/ wenn diese Gaͤste in hiesige Gegend gekommen. So die- net vor allen Dingen zur Nachricht/ daß man/ wie der seel. Herr Lutherus Tom. 6. Altenb. fol. 923 . in der Ausle- gung uͤber den Propheten Joel beglaubiget/ von dieser Plage hiebevor in viel hundert Jahren (nemlich in Deutschland) nicht gehoͤret. Aber im vorigen Seculo ha- ben sich die Heuschrecken auch in unsern Landen sehen las- sen. Wie denn Sleidanus in seinem 14. Buch ad annum 1542 . in der deutschen edition in folio p. 242. fac. b . schreibet: Jm Sommer dieses Jahres flohe ein maͤchtiger Hauffe Heuschrecken durch Deutschland und Lom- bardey/ waren treffendlich groß/ und wie sie sich niederliessen/ aͤtzten sie alles auf dem Felde abe . Und der seel. Lutherus c. l . erzehlet folgendes: Anno 1544 . Hat man gesehen an viel Enden in Deutschland/ viel un- zehliche grosse Hauffen/ ungewoͤhnlicher Heuschre- cken/ gleich als mit Muͤnchs-Kappen/ gruͤn/ gelb und schwartz die weit und breit die Saat auf den Aeckern/ die Fruͤchte auf dem Felde auffrassen und ver- verderbeten. Und in vergangenen Jahre/ das ist im 46. (oder vielleicht 45. Hic numerus 46. habetur etiam, in latinâ editione, quæ non habetur T. 3. Lat. Jenens. velut in margine notatur, fed T. 4. fol. 645. Sed oportet esse vel scribentis aut Typothetæ errorem, vel novam adjectionem: quia Lutherus ipso Anno 1546. d. 18. Februar. ex vivis excessit haben sie etliche Laͤnder/ so an Jtalien stos- sen/ bey Trient/ und an dem Orte im Land zu Sachsen daß an die Schlesien stoͤsset/ mit grossen Hauffen geplaget und Schaden gethan/ und sind kom̃en biß gen Koͤnigsberg/ so im Lande zu Fran- cken lieget . §. 19. Jch bin auch glaubhafftig berichtet/ daß ohn- gefehr umbs Jahr 1653. ein solch schaͤdlich Heer aus Boͤh- men/ oben im Marck grafthum/ auf den Rhein und die Schweitz zu solle gezogen seyn. So hat man auch A. C. 1685 . bey Wien dergleichen gesehen; wird auch von dan- nen de dato am 15. Augusti st. n. 93 . geschrieben: Gestern Abends hat man bey dieser Stadt eine unbe- schreibliche Menge Heuschrecken/ welche sich in der Lufft/ wie ein Nebel zusammen gezogen/ gesehen . §. 20. Daß eben dergleichen Zug durchs Chur- Saͤchsiche Voigtland und unser Thuͤringen iemahl ge- gangen seyn solte/ davon habe ich keine Nachricht. Jch gedencke n un durch Gottes Seegen selbsten uͤber 50. Jahr/ h ab e aber dergleichen nie gesehen noch davon etwas gehoͤret weiß mich auch nicht zu entsinnen/ daß ich von meinen Eltern und andern Leuten (welche in meiner Kind- heit von vielerley Geschichten zu reden wusten) solches we- re berichtet worden. Daher ich schliesse/ daß wenn ja vor diesen solche Heere in hiesiger und angraͤntzender Gegend B 3 sol- solten gesehen worden seyn/ solches dennoch zum wenigsten in diesem lauffenden Jahrhundert nicht geschehen. §. 21. Voritzo aber sind sie zu erst/ in der mir an- vertrauten Inspection , am 17. Augusti dieses lauffenden 93. Jahres/ war der Donnerstag nach Maria Himmelfahrt/ und zwar in den beyden Fuͤrstl. Aemtern Roda und Leuch- tenburg erschienen/ und denn weiter ins Amt Orlamuͤn- da geruͤcket/ in solcher Ordnung und Menge/ wie bald her- nach mit mehrern soll berichtet werden. §. 22. Dannenhero vors dritte/ auf die Art des Zu- ges zu kommen/ dessen sich diß Ungeziefer bedienet/ so steht im 30. Cap. der Spruͤche Salomonis v. 27. Heuschrecken haben keinen Koͤnig/ dennoch ziehen sie aus gantz mit Hauffen egreditur, dimidians totum ipsum, i. e. ut ha- bet vulgata, egreditur universa per turmas suas , sie verthei- len sich/ wie in Schlacht-Ordnungen / lautet des seel. Herrn Calovii Auslegung. Darmit denn angezeigt wird die uͤberaus grosse Menge/ in welcher die Heuschre- cken anzukommen und zu ziehen; darneben sich gleichsam in Regimenter und Schwadronen zuvertheilen pfle- gen. §. 23. Von dero sehr grossen Menge und Hauffen haben wir allbereit aus Luthero, Sleidano \&c. Bericht ein- genom̃en/ man findet solches auch also in den uhralten uñ andern Geschichten/ daß sie in unbeschreiblicher großer Menge anzukommen pflegen/ also daß sie das Land/ in welches sie kommen/ bedecken/ und wenn sie fliegen/ die Sonne/ wie eine dicke Wolcke verdunckeln. Wie denn auch/ als sie in Egypten gesendet wurden/ ihrer so sehr viel waren/ daß sie das Land bedeckten und verfinster- ten / Exod. 10. v. 14. 15 . Dannenhero auch in Beschrei- bung bung eines grossen Kriegs-Heeres/ die Vergleichung wird von den Heuschrecken hergenommen. Denn im B. der Richter Cap. 6. v. 5. stehet von den Midianitern/ die da- mahl im Lande Jsrael Meister spieleten: Sie kamen herauf mit ihrem Vieh und Hirten/ wie eine grosse Menge Heuschrecken . Und die Midianiter und Ama- lekiter/ und alle aus dem Morgenlande hatten sich nieder- gelegt im Grunde/ wie eine Menge Heuschrecken/ und ihre Camele waren nicht zu zehlen fuͤr der Menge/ wie der Sand am Ufer des Meeres ; steht c. 7. v. 12. wie denn die Gelehrten auch anmercken/ daß das Ebrei- sche Wort dem Ursprunge nach/ ein solch Gethierig bedeute/ welches in grosser Menge daher zu ziehen pflegt/ à Rad. multus suit, quod multæ semper sint . §. 24. Und erinnere ich mich hierbey/ was ich vor diesen in des weltberuͤhmten Herrn Ludolfs seiner latei- ninischen Beschreibung Abyßinten gelesen/ und wie er aus bewehrten Scribenten darthut/ daß wohl ehe in den Mor- genlaͤndern/ Heuschrecken in unglaublicher Menge/ ver- mittelst des Windes/ einen grossen Weg uͤber das Meer her gebracht werden/ und sich auf viel Meilen ausbreiten; daß sie offt eines Fußes hoch lebendig uͤbereinander liegen/ von Weibern und Kindern genommen/ an der Hitze ge- doͤrret/ im Rauch getrocknet/ oder eingesaltzen/ und her- nach von den Leuten mit guten Appetit gessen werden. Wiewohl diese Art der Heuschrecken/ davon belobter Herr Autor redet/ von einer sonderlichen Art/ und Eße-Heu- schrecken seyn/ welche etwa der S. Johannes der Taͤuffer zu seiner Speisse mag gebrauchet haben. Ja von welchen er selbst davor haͤlt/ daß solche durch das unbekannte Wort Exod. 16. v. 13. Num. 11. v. 31 . verstanden werden/ und es es die Voͤgel gewesen/ damit GOtt die Kinder Jsrael in der Wuͤsten gespeisset; welches wir an seinen Ore gestellet seyn lassen. §. 25. Unterdeß sagt doch auch Aristoteles von den Heuschrecken l. 8. Hist. Animal. c. 30. tunc optimæ sunt, cum gravidæ , wenn sie traͤchtig und schwanger sind/ sind sie am besten . Es ist aber an ihnen/ wie sie bey uns er- schienen sind, nichts sonderliches zu finden/ so zur Speise dienen koͤnte/ es wird auch nicht leicht iemand es versu- chen/ ob etwas davon zu geniessen; wir habens auch/ Gott Lob/ zur Zeit nicht Ursach/ es zu versuchen. Doch machẽ sich die Raub-Voͤgel und Sperlinge an sie/ und lauffen ihnen die welschen Huͤner und die Schweine sehr nach. Derglei- chen sollen auch etliche Hunde thun; wie mir denn von ei- nem bekannten Manne vor gewiß berichtet worden/ daß sein/ zwar duͤrr gewesener Hund/ sich starck und fett dar- an gefressen haben solle. §. 26. Wiederum auf die grosse Menge der Heu- schrecken/ und dero Art zu ziehen zu kommen/ so bin ich vor gewiß berichtet/ von solchen Leuten/ so gar genau auf ihr Thun Achtung gegebẽ/ daß ob sie schon/ wie Salomo saget/ keinen Koͤnig haben/ dennoch wenn sie auf seyn wollen/ etliche wenige in die Hoͤhe fahren/ und mit den Fluͤgeln/ wie die Tauben klatschen/ und denn der helle Hauffe auf- stehe und fortfliege. Wie denn/ auch/ wenn sie sich legen wollen/ etliche/ so ein wenig unter den Hauffen fliegen/ auch der gleichen Zeichen geben sollen; worauf alles auf einmahl niederfaͤllet. §. 27. Obbelobter Franzius schreibet: p. 807. No- cturno tempore torpent, \& in æstu meridiano vigent , das ist/ bey naͤchtlicher weile sind sie ganz schlaff und traͤ- ge/ ge/ aber bey der Mittags-Hitze sind sie hurtig und gleichsam recht lebendig . Und pag. 811. Ante ortum, solis à loco, cui insederant, non movebantur, orto sole de- mum per cohortes suas proficiscebantur , das ist/ vor der Sonnen Aufgang bewegten sie sich nicht von dem Orte/ dahin sie sich gesetzt hatten/ aber nach der Sonnen Aufgang zogen sie in grossen Hauffen und Trupweise fort . Eben dieses haben wir voritzo auch erfahren. Nemlich: wenn sie sich gegen Abend beginnen zu lagern/ so sitzen und liegen sie gantz stille/ als ermuͤdet uñ schlafftruncken von ihrer gethanen Reise/ also daß man sie treten/ haschen und zusammen raffen kan. Und so blei- ben sie auch des folgenden Tages gleichsam unmuths lie- gend oder henckend/ wenn naß oder truͤbe Wetter ist/ be- ginnet aber die Sonne heiß zu scheinen/ so werden sie gegen 9. oder 10. Uhr gleichsam lebendig und fluͤchtig/ daß man sie so leicht nicht ergreiffen kan. Und wenn sie denn einem etwas zu nahe kommen/ so siehets/ als wenn die Lufft mit grossen Schnee-Flocken angefuͤllet were. Sind sie aber etwas ferne/ so hat es ein Ansehen/ wie ein grosser Staub oder Nebel/ oder auch wie ein feuriger Rauch. §. 28. Es sind aber diese Thiere/ wie die Novellen und Reisende berichten/ uͤber Eger/ und Plauen aus Boͤh- men/ und an obbemeldtem 17. Augusti fruͤhe gegen 9. Uhr/ in unser Nachbarschafft zur Neustadt an der Or- la/ mit grossen Entsetzen der Buͤrgerschafft/ in unbeschreib- licher Menge/ ankommen/ also daß diejenigen/ so es von ferne gesehen/ anders nicht gemeinet/ als stuͤnde die gantze Neustadt in vollem Feuer. Und hat sich dieser Hauffe allda in zwey Heer zuschlagen/ und ist das eine auf die Gassen der Stadt gefallen/ davon viele sich den Marck- C Leu- Leuten an die Kleider gehangen/ und denen/ die barfuß ge- wesen/ die Beine gezwicket. Das andere aber hat sich auf die Wiesen gegen Neuhoffen gelagert. Gegen 12. Uhren sind sie wieder aufgebrochen/ und haben sich zwischen Suͤ- den und Westen/ in hiesige Inspection , in die Fuͤrstl. Aem- ter Roda und Leuchtenburg gewendet. §. 29. Man hat Anfangs gemeinet/ als kaͤme noch ein ander Heer von Buͤrgel heruͤber/ und zwar auf Schloͤ- ben zu/ allwo sie gegen 3. Uhr selbiges Tages auch in ent- setzlicher Menge erschienen. Es ist aber sint dem Nach- richt eingelauffen/ daß damahl zu Buͤrgel noch keine gewe- sen. Hingegen wollen andere observi ret haben/ daß die- ses Heer oben her von Roda und Gernewitz kommen/ und sich theils in derselben Gegend gelagert/ theils sich weiter ausgebreitet. Allem Ansehen nach sind noch andere Heere gewesen/ welche sie zur Neustadt nicht inne worden. Wie denn schon uͤmb 12. Uhr eines zu Taudendorff erschie- nen/ und von dannen fortgetrieben worden. §. 30. Der Flug ins Roͤdische ist so starck gewesen/ daß es uͤber dem Holtze bey Troͤbnitz und Geißenhain/ als eine schwarze Wolcke geschwebet/ und einem grossen Rau- che nicht ungleich geschienen. Daher die Post nach Ro- da kommen/ als sey Feuer im Walde/ daruͤber auch mit al- len Glocken gestuͤrmet/ das Volck beruffen/ und in den Wald in der Meusebacher Revier/ allda zu leschen/ com- mandi ret worden. Selbigen Tages haben sich die Heu- schrecken in ermeldten Aemtern hin und wieder gelagert/ sonderlich aber in Thaͤlern um Ottendorff und Eineborn; Jngleichen in dem Kirchspiel Schloͤben/ Greben und Drackendorff/ da das Lager fast an Lobeda gereichet/ wei- ter uͤmb Schieblau/ Oelcknitz/ Jaͤgersdorff/ Bockedra/ Un- Unter-und Ober-Gneuß/ Bodnitz/ Seidenbruͤck und Truckenborn. Da hin und wieder die Aecker/ Wiesen und Waͤlder erschrecklicher Weise angefuͤllet worden/ al- so daß sie so dicke gelegen/ als wenn sie mit Fleiß an einan- der geleget worden/ und man den Erdboden nicht davor sehen koͤnnen. Ja an manchen Orten haben sie/ sonder- lich gegen Abend/ sich so dicke gelagert/ daß sie wohl einer viertel Ehlen hoch uͤber einander gelegen. Haben sich auch mit unten an die Buͤsche/ Hecken und Baͤume gehen- get/ und zwar bißweilen in solcher Menge/ daß ziemliche starcke Aeste/ von wegen der Last zerbrochen sind. Und also ist es auch an andern Orten/ wo sie hernach ihre La- gerstaͤdte gesuchet/ befunden worden. §. 31. Hat sich also dieses erste Lager/ so in sehr vie- len Schwadronen bestanden/ dieses Tages uͤber der Saa- len gehalten/ und uͤber eine gute Meile in die Laͤnge und Breite/ erstrecket. §. 32. Den 18. Augusti sind sie stille gelegen/ doch al- so/ daß ein ziemliches detachement uͤber die Welnise auf Großloͤbichau zugangen/ und etliche zu Jena ankommen. Den 19. ejusdem sind sie auch meistentheils stille gelegen. Gleichwohl ist aus der Schloͤbischen Revier ein grosser Hauffe gegen Gleina/ und von dannen in den Buͤrgeli- schen und Großloͤbichauer Grund gezogen. Nicht weni- ger haben sich diejenigen/ so uͤmb Schieblau/ Zoͤllnitz und der Orten gelegen/ movi ret/ und sind mit hellen Hauffen auf Lichtenhan und Jena zugangen. §. 33. Am 20. ejusdem war gleich der zehende Soñ- tag Trinitatis , an welchen man von der erbaͤrmlichen Zer- stoͤrung der Stadt Jerusalem zu predigen pfleget/ ist der Aufbruch der uͤbrigen hin und her geschehen/ und ist meist- C 2 lich lich heruͤber uͤber die Saale gangen/ und hat sich der Zug in der Breite von Rotenstein biß hieher nach Orlamuͤnda/ und also eine deutsche Meile weit erstrecket. Wiewol sie bey Rotenstein damahl von sich selbst fortgezogen/ auch bey uns fortgetrieben worden/ daß man nicht gewust/ wo sie sich des Nachts gelagert. Der meiste Theil der andern hat sich an dem Galgen-Berge bey Cahla und auf denen Eichenbergischen/ Altenbergischen/ Schirnewitzen und an- graͤntzenden Hoͤhen gelagert. Gleichwohl ists uͤber der Saale nicht gaͤntzlich rein worden/ indem einige Hauffen nachgezogen/ und sonderlich dero ein grosses Heer am 21. ejusdem uͤber Moͤrsdorff und Dorna/ nach Ruttersdorff und dero Gegend; von dannen aber noch selbiges Tages gegen den Saalstrom fortgewandert. Auch von Sonn- tags an/ etliche Hauffen von Bodnitz und Bockedra uͤber Oelcknitz und Rotenstein hingezogen. Überdiß ist nach ver- gangenem 26. dito ein grosser Schwall in den Thaͤlern/ und sonderlich uͤmb Ottendorff; ingleichen am 28. und 29. uͤmb die Stadt Roda gewesen. §. 34. Anlangend diejenigen/ so sich gegen Lichten- han und Jena gelagert/ so haben sie auch am 20. und 21. Augusti angefangen/ und zwar gegen Magdala und selbi- ge Gegend fortzuziehen. Da sich aber ein Theil zur lin- cken Seite/ auf Schorba/ Croͤbitz und so weiter/ geschla- gen/ die uͤbrigen zur Rechten fortgezogen. Wie sie denn auch den 21. allbereit bey Weimar ankommen. §. 35. Und solches fortwandern hat uns nicht ge- ringe Hoffnung gemachet/ es wuͤrde diß Heer disseits der Saalen/ in den Aemtern Orlamuͤnda und Leuchtenburg ihr Lager bald aͤndern/ und in kurtzen gar von uns ziehen. Gestalt denn auch viele aus der Altenburgischen Revier sich sich bey Zeiten movi ret/ und auf die Hoͤhe gegen Croͤbitz zu/ andere aber den Reinsteder Grund hinauf/ und endlich gegen das Keßlerische Kirchspiel/ Moͤckefeld und Mulda gezogen; andere haben sich von Bibra auf Eichenberg; und denn ferner auf Dinstaͤdt; darauf weiter in den En- gerdischen Grund/ auf Heilingen/ Dorndorff/ Roͤdelwitz/ Engerda und Schmiden; sonderlich auch auf die Hoͤhe des Buchbergs und auf den Spaal gewendet. Allein/ es hat mit ihren fortziehen nicht fortgewolt/ ob schon viele Tage gut Wetter gewesen; ja es hat geschienen/ ob noch mehr von Magdala heruͤberwaͤrts gekommen; und ob sie schon einen oder den andern Ort verlassen/ so haben sie sich doch hernach wieder dahin ausgebreitet/ also daß sie bey Anfange des Septembris fast an Orlamuͤnda gereichet. Daß es also scheinet/ weil die Naͤchte kalt werden/ und der Regen sich mitunter einstellet/ es doͤrfften diese Gaͤste gu- ten Theils in dieser Gegend verbleiben. Sonst ist an- faͤnglich zwischen hiesigem und dem Rudelstaͤdischen terri- torio Ulstaͤdt und Neusitz gleichsam die Graͤntze gewesen. Ob sie aber neulich dieselbe noch uͤberschritten/ ingleichen/ wohin das gegen Weimar geflogene Heer hinkom̃en sey/ solches wird kuͤnfftig zu erfahren stehen. §. 36. Hierauf nun vors Vierdte von dem Scha- den zu handeln/ welchen die Heuschrecken anzurichten pfle- gen/ und bey uns angerichtet haben/ so ist allbereit oben an- gefuͤhret/ daß sie von GOtt also geschaffen und zugerichtet sind/ daß sie mit wegfressen/ zumahl sie in grosser Menge anzukommen pflegen/ uͤberaus grossen Schaden thun koͤnnen. Hat also GOtt nicht nur grosse grimmige fres- sende und reissende Thiere/ als Loͤwen/ Baͤren/ Woͤlffe und dergleichen; Jtem wilde Schweine/ Hirsche und an- C 3 der der Wildpret (welche wenn sie/ als offt geschiehet/ von grossen Herren geheget werden/ vielmahl die Feld-Fruͤch- te also zurichten/ daß es ein Jammer ist/ anzusehen) son- dern auch kleine und unansehnliche Creaturen darzu aus- geruͤstet/ daß sie allerley Fruͤchte verderben/ und uns uͤmb der Suͤnden willen grossen Schaden zufuͤgen koͤnnen. §. 37. Wie sie vor alten Zeiten in Egypten gehaus- set/ da sie alles Kraut im Lande aufgefressen/ und al- le Fruͤchte auf den Baͤumen/ so von dem Hagel wa- ren uͤberblieben/ und nichts gruͤnes an den Baͤumen/ und am Kraut auf dem Felde in ganz Egypten- Lande/ uͤbrig gelassen ; ist bekannt aus dem 2. B. Mo- se am 10. v. 15. daher der Koͤnig Pharao die Heuschrecken/ wegen des entsetzlichen Schadens den sie gethan/ einen Tod nennet/ wenn er v. 17. zu Mose und Aaron saget: Bittet den HErrn euren GOtt/ daß er doch nur diesen Tod von mir nehme ! von welchem Schaden auch David redet und GOtt preißet/ daß er damit seine Macht an den Egyptiern/ den Jsraeliten zu gute/ erwiesen/ im 78. Pf. v. 47. und Pf. 105. v. 34. §. 38. Zu Zeiten Joels war auch durch solch Unge- ziefer grosser Schaden geschehen/ also daß er saget Cap. 2. v. 4. Was die Raupen lassen/ das fressen die Heu- schrecken/ und was die Heuschrecken lassen/ das fres- sen die Kaͤfer/ und was die Kaͤfer lassen/ das fris- set das Geschmeiß . Wie auch die Heuschrecken hiebe- vor in Deutschland an manchen Orten alles weggefres- sen/ ist oben aus Luthero und Sleidano angefuͤhret wor- den. §. 39. Ein mehrers vor itzo nicht zu erzehlen/ son- dern nur auf den Schaden zukommen/ welchen die itzigen Heu- Heuschrecken angerichtet/ so mag er/ wie Reisende erzeh- len/ in Boͤhmen/ und sonst unter Wegens/ da sie gewesen/ ehe sie zu uns kommen/ durchgehends sehr groß seyn. Bey uns zwar ist es/ GOtt Lob/ an vielen Oertern/ da sie nicht lange blieben/ oder an wuͤste und abgeraͤumete Oerter an- gefallen/ ohne Schaden abgangen; gleichwol ist auch an vielen Oertern derselbe nicht geringe/ indem die Heuschre- cken/ was sie an Getraidig/ sonderlich an Hirschen/ Hanf/ Haber/ Gerste/ Erbsen/ Bohnen/ Sommerkorn und Wi- cken angetroffen/ in geschwinder Eil weggefressen/ oder doch sehr verderbet. So haben sie auch an vielen Orten den Halm/ sonderlich von unreiffen Haber das Graß/ ja die Stoppeln auf dem Felde/ oder doch das darzwischen stehende Graß/ also weggeaͤtzet/ daß es an manchen Orten soll aussehen/ als wenn alles weggesenget und weggebren- net were. Dergleichen denn sonderlich die Gegend uͤmb Ottendorff/ Roda/ Schloͤben/ Bockedra/ Jaͤgersdorff/ Bodnitz/ Truckenborn/ Seidenbruͤck ꝛc. Jngleichen das Altenbergische/ uͤmb Zwabitz/ item Dinstaͤd/ den Buch- berg/ den Engerdischen Grund den Spaal/ Keßlau/ Droͤß- nitz/ Moͤckefeld/ Mulda/ Croͤbitz ꝛc. sehr/ und zwar disseits der Saalen/ ingemein/ haͤrter betroffen/ als jenseits. §. 40. Doch ist verwunderlich was von allen Or- ten bestaͤrcket wird/ daß diese Thiere des gruͤnen und suͤssen Grasses/ sonderlich an unserm Saal Strome/ geschonet/ hingegen aber/ wo es sauer Graß/ ingleichen duͤrre Raͤn- der/ item in den Hecken alt und duͤrr Graß/ wie auch Schilff/ Binsen und dergleichen angetroffen/ mit aller Ge- walt angefallen. Den Hopffen haben sie uͤmb Jena ab- gebissen/ als wenn er were abgepflicket worden/ davon sie aber allem Ansehen nach nicht gezehret/ sondern ihn auf der der Erden liegen lassen. So wil man auch an keinem Or- te/ wo Wein waͤchset/ zur Zeit davon wissen/ daß sie sol- ten die Trauben oder Stoͤcke beschaͤdiget haben. Man findet auch zur Zeit nichts an den Baͤumen/ ohne daß an etlichen Hecken etwas von Laube weggezehret worden. Von den Baum-Fruͤchten kan man nichts sagen/ weil hin und wieder fast keine Fruͤchte anzutreffen. So sind auch Ruͤben/ Moͤhren und Kraut unbeschaͤdiget blieben; wo- fuͤr billig GOtt zu dancken/ der auch ferner gnaͤdiglich helffen wolle. §. 41. Weiter/ so fraget man zum Fuͤnfften nicht unbillig von den Haupt-Ursachen dieser Heer-Zuͤge/ und woher es eigentlich ruͤhre/ daß solche Heere uns mit gros- sem Schaden uͤberziehen? Sichere und rohe Hertzen ha- ben die Einbildung/ als sey solches ein blosses natuͤrliches Werck/ und ruͤhre aus lauter natuͤrlichen Ursachen. Um des willen man sich nicht eben mehr zu entsetzen habe/ als wenn etwa Regen und Sonnenschein/ helle und truͤbe Wetter mit einander abwechseln/ ob man schon die natuͤr- lichen Ursachen so genau nicht ergruͤnden koͤnne. §. 42. Aber die vernuͤnfftigen Heyden haben viel verstaͤndiger davon geurtheilet/ und bey solchen Heerzuͤ- gen ein erkennet/ das ist/ daß GOtt darbey nicht als ei- ne blosse causa universalis , und nach blossen ordentlichen Lauffe der Natur handele: sondern/ aus gerechtem Zorn gleichsam mit seiner starcken Hand in die Natur greiffe/ und sie uͤbernatuͤrlicher Weise darzu brauche und antrei- be/ welches sie vor sich nicht verrichten und ausuͤben wuͤrde. Dannenhero sie auch die Heuschrecken pestem Deorum und iram Deorum eine sonderliche Straffe und Zorn Gottes genennet. §. 43. §. 43. Dess e n wir auch aus der H. Schrifft gnng- sam versichert. Als die Egyptier mit Heuschrecken ge- plagt wurden/ so war es eine sonderliche Straffe GOttes/ die er mit einem starcken Ost-Wind uͤber sie fuͤhrete . Dieser allgewaltige HErr drohet auch seinem Volck/ Deut. 28. v. 3 8 . Du wirst viel Saamens ausfuͤhren auf das Feld/ und wenig einsammlen/ denn die Heu- schrecken werdens abfressen . Bey dem Propheten Joel am 2. v. 25. laͤßt Gott von den Heuschrecken/ Kaͤ- fern/ Geschmeiß und Raupen sagen: Die mein grosses Heer waren so ich unter euch schicket . §. 44. Hieher gehoͤret auch wie Amos am 7. v. 1.2. der HErr dem Amos ein Gesichte gezeiget/ und siehe/ da stand einer/ der machte Heuschrecken/ im Anfang/ da das Grummet aufgieng/ welche das Kraut im Lande gar auffressen solten . Dieser fictorlocustæ , so dem Amos erschienen/ war keine Creatur/ als welche nicht vermag/ eine lebendige Creatur zu erschaffen/ sondern Gott selbsten. Daher es Cornelius à Lapide nicht uneben periphrasi ret: Vide Deum quasi plasten fingere \& formare ingens examen locustarum, ipsumque examen ab eo jam for- matum \& productum invadere terram Israël , das ist/ siehe/ wie GOTT / als ein Kuͤnstler einen grossen Schwarm von Heuschrecken bilde und zubereite/ und das von Jhm zubereitete Heer das Land Js- rael anfalle . Daruͤmb/ so offt wir sehen Heuschre- cken kommen/ oder auch die Raupen und derglei- chen Geschmeiß sich Hauffenweise an die Frucht setzen/ so sollen wir an GOtt gedencken/ es vor seinen Finger hal- ten/ und gedencken mit dem Propheten Amos: Jch sahe D (in (in meinem Hertzen) einen/ der machte Heuschrecken / Raupen/ Zwiefelter und andere. §. 45. Weiln denn nun vors Sechste/ Gottes son- derbare Wercke ingemein auch was anders nach sich zie- hen/ und zu bedeuten haben/ so ist fast maͤnniglich besorget/ was doch dieser Heeres-Zug der Heuschrecken bedeuten/ und nach sich ziehen moͤchte? Die meisten besorgen nichts gutes/ und verstaͤndige Christen beten mit den frommen Juͤden/ 2. Macc. c. 5. v. 4 . daß es ja nichts boͤses bedeu- ten moͤge . §. 46. Zwar/ es muß iedermann gestehen/ daß nie- mand unter uns Menschen so weise und verstaͤndig sey/ daß er Gottes Anschlaͤge ergruͤnden/ und was er vorha- be/ errathen koͤnne. Jedoch/ wenn man die Geschichte voriger Zeiten/ ingleichen die heutigen Welt-Laͤuffte/ ne- ben ein und anderer natuͤrlichen Ursachen/ mit Fleiß uͤ- berleget/ so kan man gar warscheinlich muthmassen/ daß nichts gutes auf diesen Zug erfolgen werde. §. 47. Vors Erste/ ist das sonst die gemeine Mey- nung/ wie Buchnerus in voce locusta anfuͤhret: Earum appul- sum fames comitatur , daß auf dergleichen Zuͤge der Heuschrecken theure Zeit und Hungers-Noth er- folge . Wie denn auch die alten Egyptier/ in ihren Bil- der-Schrifften ( Hieroglyphicis ) durch die Heuschrecken theure Zeit und Hungers Noth abgebildet haben. Und das hat seine natuͤrliche Ursachen. Denn/ wenn das Un- geziefer das Getraide wegfrisset/ und das Land verwuͤstet/ wo wil hernach der Vorrath und gute Zeiten herkom- men? §. 48. Nun koͤnnen wir zwar Gott nicht gnugsam ver- verdancken/ daß er diß Freß-Heer so ferne ausser unsern Graͤntzen abgehalten/ biß die Erndte bey uns/ sonderlich am Saalstrome/ meist voruͤber/ und das Winter-Getrai- de und Gerste/ sambt andern Fruͤchten/ mehrentheils ein- geerndtet gewesen. Denn were es drey oder vier Wo- chen eher ankommen/ so wuͤrde der Schade und das E- lend, so uns wuͤrde betroffen haben/ unbeschreiblich wor- den seyn. §. 49. Unterdeß ist doch gleichwohl an den Orten/ so etwas kalt/ und entweder im oder am Walde/ oder sonst was hoch liegen/ noch ein ziemlicher Vorrath/ son- derlich an Haber auf dem Felde gewesen/ und vernichtet worden. Nun machet sich ohne dem das liebe Getraide/ wegen der starcken Abfuhre/ zu dem Kriegs-Heer am Rhein und Neckar/ so theuer/ daß es scheinet/ es doͤrffte der Preiß so hoch steigen/ als er in diesen Landen von A. C. 1640. her nicht gewesen. Welche Theurung denn gar leicht durch den/ von den Heuschrecken geschehenen Scha- den/ kan vermehret werden. Sonderlich doͤrffte das lie- be Armuth/ wegen des Graßes und andern Futters/ zu Hinbringung des Viehes/ ein schweres Jahr haben. Und gebe nur Gott/ daß die Heuschrecken nicht Saamen in dem Lande lassen/ der zur Fruͤhlings-Zeit lebendig werde. §. 50. Denn es sagt Aristoteles I. 5. Hist. Animal. c. 28 . von den Heuschrecken: pariunt sua ova in rimis, quæ du- rant hyeme: in terrâ ineunte æstate proveniunt ex fœtu anni superioris locustæ , das ist/ sie legen ihre Eyer in die Gluntzen/ so den Winter uͤber dauren/ und wenn der Sommer angehet/ so kommen die Heuschrecken/ aus der Brut des vorigen Jahres . Nun sind un- D 2 sere sere Heuschrecken von Eyern vor itzo ganz dicke und voll/ so etliche unbeschreibliche Heere verursachen koͤnten; Wo- fern nicht etwa GOtt in Gnaden dieselben daͤmpfen sol- te/ ehe sie alles setzen/ oder die Brut durch Naͤsse und Kaͤl- te des Winters verderben. Zwar es wil zur Zeit nie- mand solche Eyer gefunden haben. Allein/ die Heuschrecken muͤssen doch schon haben angefangen zu leichen/ indem schon kleine Heuschrecken unter ihnen fliegen. Davon ich am 2. Septembr selbsten zwey zu sehen bekom̃en. Und wie dem allen? Wer findet itzo/ was unsere gruͤne Heuschre- cken leichen/ und woraus sie im Fruͤlinge wieder wachsen? Solte nun/ da GOtt in Gnaden vor sey/ von diesen un- sern frembden Gaͤsten/ ein solcher verborgener Saamen/ in den Buͤschen/ Hecken/ Raͤndern/ Wiesen und Feldern bleiben/ so wuͤrde hernach des S a ame n s/ Saat und Ern- de in groͤster Gefahr stehen/ und die Theurung mit Ge- walt zunehmen. §. 51. Vors andere/ so ziehet der Heuschrecken- Zug auch gerne eine Infection und Sterben nach sich. Vor- belobter Buchnerus beruͤhret solches auch/ wenn er weiter anfuͤhret: Earum appulsum fames comitatur, \& pestis, si computruerint , das ist wenn die Heuschrecken an einem Orte verfaulen/ so kommet gerne die Pest darauf . Solten nun die Heuschrecken (wie es endlich kommen muß) durch die annaͤhernde Kaͤlte also getoͤdtet werden/ daß sie an manchem Orte in grosser Menge und Dicke auf einander liegen blieben/ und bald Hitze einfiele/ so sie zur Faͤulung braͤchte/ so koͤnte leicht von dem Gestanck die Lufft infici ret/ und gifftige Kranckheiten verursachet wer- den zumahln ohne dem hin und wieder allerley Fieber im Schwange gehen. §. 52. §. 52. Darbey auch nicht zu uͤbergehen/ was Franzius schreibet p. 807. 808. Dum omnia lambunt, abra- dunt, detondent, depascunt, vastant, corrumpunt, intra se in immunditiem \& mucum convertunt \& vicissim impurissi- mam materiam super terram \& res ex terrâ nascentes, spuunt, excacant, omnia inficiunt , das ist/ indem sie alles bena- schen/ bebeissen/ fressen/ abnagen/ verwuͤsten und verderben/ so verwandeln sie solches in ihrem Leibe in einen Rotz und garstigen Unflat und speyen und schmeissen ein garstiges und sehr unreines Wesen auf die Erde und dero Fruͤchte/ wordurch sie alles infici ren und verunreinigen . Vielleicht hat er auch gele- sen was Simon Majolus in diebus canicularibus, colloq 5 . aus dem Surio von den Heuschrecken anni 1542. anfuͤhret: Habe- bant ventres obesos \& sanie refertos. Itaq; extictæ, intolera- bili fœ, aërem corruperunt, ut etiam corvi, cornices, acci- pitres, aliæque aves cadaveribus alio qui in hiantes, ferre nequi- verint , das ist/ sie hatten starcke und mit Eiter angefuͤl- lete Leiber. Daher haben sie nach ihrem Sterben die Lufft durch einen unertraͤglichen Gestanck infici ret/ daß auch die Raben/ Kraͤhen/ Geier und andere Voͤgel/ so dem Aas nachstreben/ solchen nicht ver- tragen koͤnnen . Jch stelle dahin/ ob nicht in solchen Worten etwas uͤber die Schnur gehauen/ und Unwar- heit mit eingemischet werde. Vielleicht haben dazumahl einige die im Leibe liegende Eyer zerdruͤcket/ und dieselben vor einen solchen unreinen Schleim angesehen. §. 53. Unterdeß findet sich/ GOtt Lob/ bey unsern Heuschrecken dergleichen noch nicht. Daß sie auch zur Zeit keinen Gifft muͤssen bey sich haben/ erhellet daraus/ D 3 weil weil unterschiedliche Thiere sich daran delecti ren/ und da- von keinen Schaden empfinden/ sondern vielmehr gemaͤ- stet werden. Sonsten/ ob man eben an ihnen nichts uͤ- bels riechet/ wenn man sie einzeln hat/ so bezeigen doch un- terschiedliche/ daß sie an solchen Orten/ wo sie in der Men- ge gewesen/ einen uͤbelen Geruch von sich gegeben. Es wurde auch von Bodnitz geschrieben/ daß diß Ungeziefer einen sehr grausamen Gestanck von sich gegeben. Wel- ches denn zur Infici rung der Lufft auch leichte was beytra- gen/ und die Pfeile/ so im Finstern gehen staͤrcken und ver- mehren koͤnte. Uberdiß weiß man noch nicht/ was etwa die excrementa nach sich ziehen moͤchten/ die an manchen Orten so dicke liegen/ daß man sie mit Besemen koͤnte zu- sammen kehren. Viel Hausvaͤter sind deßwegen besor- get/ es moͤchten Schaffe und Rinder/ wenn sie an solche Oerter kommen wuͤrden/ angestecket werden; welches de- sto leichter geschehen koͤnte/ wenn der liebe Regen in die Laͤnge aussenbleiben/ und nicht ein und anders unflaͤtiges Wesen abwaschen solte. Solte nun/ da GOtt vor sey/ es also erfolgen/ so wuͤrde es mancher sehr empfinden/ und koͤnte leicht von dem Viehe auch eine Infection auf die Menschen kommen. §. 54. Vors Dritte/ so sind nicht Wenige in Sor- gen/ es moͤchten der Heuschrecken Heere grosse feindliche Heere bedeuten/ welche in unsere Laͤnder bald kommen moͤchten. Denn es ist der Christlichen Ausleger fast ge- meine Meinung/ daß durch die Heer der Heuschrecken feindliche Heere abgebildet und vorbedeutet werden. Der seel. Herr Lutherus , wenn er/ ob angezogener Massen uͤber den Propheten Joel/ der Heuschrecken/ so im vorigen Se- culo culo gekommen/ erwehnet/ so setzet er folgende Wort hin- zu: Nachdem aber diese Plage ungebraͤuchlich/ und in so viel hundert Jahren zuvor niemahls erhoͤret ist/ habens fromme Gottfuͤrchtige Herzen fuͤr ein Zeichen gehalten und angenommen/ damit GOtt anzeigte die kuͤnfftige Plagen/ durch einen auslaͤn- dischen gottlosen/ wuͤsten wilden Hauffen Kriegs- Volck. Wie denn auch bey den Juͤden/ nach sol- cher Verwuͤstung der Aecker und der Fruͤchte/ eine schwere grausame Verwuͤstung folgete/ durch den Koͤnig zu Babel/ welcher das Land viel haͤrter ge- plaget und verderbet hat/ denn zuvor solche Wuͤr- mer . Qvod horum insectorum copia sæpè portendat non solum famem, pestem, sed maximè bellum, probat multis historiis Aldrovandus in Locusta; \& recens exemplum extat de anno 1545. quod pluribus persequitur Moses Pflacherus p. 27. significabatur locustarum copiâ bellum prorestantium , schreibet der seel. Herr Johann Tarnovius ad v. 4. cap. 1. Joe- lis , das ist/ daß die Menge dieses Geschmeisses offt nicht nur theure Zeit und Pestilentz/ sondern auch Krieg bedeute/ solches erweiset Aldrovandus mit vie- len Geschichten. Und haben wir im vorigen Jahr- hundert ein Exempel gehabt/ welches Moses Pflache- rus ausfuͤhret/ da die Menge der Heuschrecken 1545. den Schmalkaldischen Krieg bedeutet haben . §. 55. Wer kan uns demnach davor gut seyn/ daß der Heuschrecken-Heer voritzo nicht auch auf derglei- chen deute? zumahln da es gar leicht geschehen kan/ weil Hannibal ad portas , und ein so maͤchtiger Feind auf des Roͤmischen Reiches Boden Krieg fuͤhret/ da GOtt gar leicht leicht verhangen koͤnte/ daß ihm GOtt einen Eingang in unser liebes Vaterland eroͤffnete. So sind auch andere Kriegs-Feuer unter der Asche/ welche leichtlich in eine gros- se Flamme auflodern/ und die benachbarte Provinci en mit anzuͤnden koͤnnen. Und wer weiß/ was wir bey besorgen- den Durchzuͤgen dererjenigen/ so unsere Freunde heissen wollen noch auszustehen haben? Wie es denn GOTT/ wenn er straffen wil/ ein gar leichtes ist/ boͤsen und verkehr- ten Angebern den Zuͤgel zu lassen/ ihren Muthwillen aus- zuuͤben. §. 56. Dabey nicht zu uͤbergehen/ daß man an et- lichen Orten wil observi ret haben/ daß/ wie es unter keiner Compagnie im Felde/ nicht gar ohne Zanck/ Rauffen und Schlagen abgehet/ also auch die Heuschrecken bißweilen unter einander partheyisch werden/ einander Wunden/ die Beine ab und sich wohl gar zu tode beissen; Item / wenn eines von ihnen ertreten oder sonst getoͤdtet wird/ dasselbe verzehren und auffressen. Doch ist solches gleichsam als nur ein gering Mißverstaͤndnis/ so ihre Einigkeit nicht son- derlich zerstoͤret. §. 57. Wie denn auch aus ihren Heeres-Zuͤgen eine sonderliche Harmonie und gute Einigkeit zu schliessen. Und daher Corn. à Lap. ad Prov. 30. v. 27. noti ret: tertia spe- cies est locustarum turmatim, ordinatè, quietè, \& concorditer procedentium , das ist/ daß die Heuschrecken in guter Ordnung und Einigkeit fortziehen . Daher viel von der Heuschrecken guten Einigkeit eine nuͤtzliche Lehre nehmen/ welche der seel. Herr Osiander uͤber Prov. 30. v. 27 . anfuͤhret: Hæc bestiola nos admonet concordiæ, ut con- junctis animis communibus hostibus nos opponamus , dieses Thier- Thiergen soll uns der Einigkeit erinnern/ daß wir mit zusam̃en gesetzten Gemuͤthern uns dem gemeinen Feinde wiedersetzen . Und unser Er- nestinische Bibel glossi ret also; von denselben soll man lernen Eintraͤchtigkeit und Friedfertigkeit untereinander . Wir nehmen darbey Gelegenheit/ zu wuͤnschen/ daß der Schwindelgeist unter unsere Feinde kommen/ und eines Schwerd wieder den an- dern seyn moͤge; Darneben vor unsere Christliche hohe Haͤupter zu seuffzen und zu beten/ daß sie GOtt mit dem Geist der Eintraͤchtigkeit beseeligen/ und Gnade verleihen wolle/ damit sie unter einander in guten Verstaͤndnis leben/ und mit zusammen gesetz- ter Hand und Rath den gemeinen Feinden muthig entgegen gehen/ und vor Wiederbringung und Erhal- tung allgemeiner Ruhe aufrichtig sorgen moͤgen. Wo dieses von GOtt zu erhalten/ so wuͤrden wir uns de- stoweniger vor Landverderblichen Durchzuͤgen/ und feindlichen Streiffereyen und Einfaͤllen zu besorgen haben. §. 58. Zum Vierdten/ so ziehet man auch bil- lig in Betrachtung/ was droben angefuͤhret/ daß die Heuschrecken subtile lebendige Wuͤrmer im Leibe fuͤh- ren/ nicht ungleich denen Ottern oder Schlangen. Sind also die Heuschrecken dißfalls ein Bild der heu- tigen Potentaten/ welche in ihrem Busen/ und fast in ihrem Leibe/ das ist/ unter ihren vertrautesten Dienern vielmahl/ doch unvermerckt/ Schlangen/ das ist/ Frantzoͤsische Spionen und Verraͤther he- gen. Sie sind auch ein Bild solcher untreuer Die- E ner ner selbsten/ welche unter eusserlicher seiner Farbe/ das ist/ unter scheinbarer Treue und Redligkeit/ Schlangen hegen/ und voller Untreu und anderer boͤsen Anschlaͤgen seyn: dero boͤse Anschlaͤge GOtt zu nichte machen wolle! Unterdeß hat es das uͤble An- sehen/ als wenn diese Thiere auch zu dem Ende von GOtt gesendet weren/ daß sie mit der Zeit das Land mit Schlangen und andern gifftigen Wuͤrmen solten anfuͤllen/ (welches denn auch nicht wuͤrde ohne gros- sen Schaden abgehen) Gestallt auch in gemeinem Geschrey allbereit erschollen/ als wenn an den Oer- tern/ da die Heuschrecken vor etlichen Wochen gewesen/ hernach Schlangen sich eingestellet. Ob dem aber also/ oder ob andere diese Wuͤrmer schon hiebevor observi ret/ und sich aus einer Vermuthung/ dieses Geruͤchte ent- sponnen/ kan ich nicht wissen. §. 59. Endlich ist nicht mit Stillschweigen zu uͤbergehen/ daß etliche bey diesem Heers-Zuge der Heuschrecken/ sich eine gute Hoffnung machen doͤrf- ten/ und zwar durch Veranlassung des 9. Capitels der Offenbahrung Johannis/ in welchen v. 3. \& seqq . zu lesen/ wie der H. Johannes habe aus dem Rau- che sehen schreckliche und schaͤdliche Heuschrecken auf Erden kommen/ welche Macht hatten / 5. (engli- sche) Monat / das ist 150. Jahr/ die Menschen zu beleidigen . §. 60. Die Papisten pflegen zu lehren/ als sey durch diese Heuschrecken/ der seel. Herr Lutherus mit seinen treuen Nachfolgern zu verstehen; wie darvon Bellarminus Tom. 1. Controvers. lib. 3. de Romano Ponti- fice, fice, c. 23. fol. m. 307. lit. C . zu lesen. Wir sind aber in unsern Gewissen gnugsam versichert/ daß wir durch solche Heuschrecken nicht koͤnnen verstanden werden. Denn weil wir bey dem reinen und unverfaͤlschten Worte GOttes verbleiben/ und mit allem Fleiße be- muͤhet seyn/ allen falschen Lehren zu steuren und zu wehren/ die Jrrende und Verfuͤhrte zu rechte zu wei- sen/ und die erschrockene und betruͤbte Gewissen zu troͤsten und aufzurichten/ wie mag uns denn mit Recht beygemessen werden/ daß wir die Menschen zu ihrem Verderben beleidigen und quaͤlen? §. 61. Hingegen fuͤhret der seel. Herr Matthæus Hoffmannus in seiner Chronotaxi Apocalypticâ cap. 12 . weitleufftig aus/ daß durch diese Heuschrecken die Gesellschafft der Jesuiten zu verstehen sey. Und wenn man mit Fleiß uͤberleget/ wie sie der H. Johannes beschreibet/ so ists offenbar/ daß solches denen Jesui- ten allerdings zukomme. Es gehet aber der seelige Mann noch weiter/ und haͤlt davor/ weil diese hoͤchst- schaͤdliche Gesellschafft A. C. 1540. vom Paulo III . die erste confirmation ; und A. C. 1543. voͤlligere Macht/ sich zu vermehren und auszubreiten erlanget/ es muͤsse ihr Untergang vor der Thuͤr seyn/ und etwa Anno 1690. oder 93. erfolgen. So haͤlt er auch davor/ es sey nicht sine omine geschehen/ daß eben zu der Zeit/ da solche geistliche Heuschrecken aufkommen/ und sich zu verstaͤrcken angefangen/ nemlich A. C. 1542 ( ja auch folgende Jahre) Deutschland/ Jtalien und Po- len/ mit grossen Hauffen Heuschrecken uͤberzogen worden. E 2 §. 62. §. 62. Dannenhero moͤchte jemand bey dem itzigen Heerzuge der Heuschrecken auf die Gedancken kommen/ weil eben in diesem von Hoffmanno omi- nir ten und nunmehro zu Ende lauffenden 93. Jahre derselbe beschehen/ ob etwa GOtt damit wolle andeu- ten/ daß der ermeldten geistlichen Heuschrecken ihr Fall vor der Thuͤr sey. Dahin fuͤhret mich/ was ei- ner unter meinen Herren Confratribus (M. J. S.) in sei- nem Berichte schreibet: Et profectò est, quod no t etur, quòd paulò ante Jesuiticum exordium, similis ferè fari- næ, 1542. se cum stupore videntibus exhibuerint, quales jam (utinam ante exodium Jesuiticum) oculo lustravi- mus . §. 63. Alleine es ist mit solchen apocalypti schen Zeit-Rechnungen/ so auf zukuͤnfftige Dinge gehen/ ein mißlich Werck/ darauf nicht allerdings zu bau- en. Gestalt denn auch der seelige Herr Caspar Heu- nisch in seinem Clave apocalypticâ p. 83 . Die beruͤhr- ten fuͤnff Monat etwas anders/ nemlich auf 147. Sonnen-Jahre rechnet/ welche solten A. C. 1687. zu Ende lauffen/ da zum wenigsten der Jesuiten ihr Fall solte angehen. So hat es auch bißhero ein schlecht Ansehen darzu gehabt; wiewohl man gleich- wohl auch nicht wissen kan/ was GOtt thun moͤch- te/ ehe wirs uns versehen. Unterdeß/ weil doch diese Heuschrecken-Gesellschafft vornehmlich zu dem Ende confirmi ret ist/ daß sie das Paͤbstliche Reich unterstuͤtzen/ und uns Lutheraner/ und also die rei- ne Evangelische Warheit verfolgen/ druͤcken und ausrotten soll/ so gehet gottseeligen Hertzen ihr Ge- bet bet/ wider das Pabstthum/ vornemlich mit/ wi- der der Jesuiten ihre gottlose/ gefaͤhrliche und blut- duͤrstige Anschlaͤge/ daß GOtt dieselben zernichten/ oder doch denenselben/ nach seiner grossen Barmher- tzigkeit steuren und wehren wolle; welches auch/ biß- anhero nicht ohne Krafft gewesen/ auch/ ob GOtt wil/ ferner seine Krafft haben wird. §. 64. Jch habe hingegen bey diesem Heu- schrecken-Zuge/ wegen der ermeldten geistlichen Heu- schrecken sorgliche Gedancken/ daß nemlich derselbe bey der Kirchen GOttes grossen Schaden nach sich ziehen werde/ welchen die Jesuiten und ihr Anhang anrichten doͤrfften. Denn/ wie sie bißanhero zu dem entstandenen und leider! noch anhaltenden Krieges- Feuer und Verfolgungen/ mehr denn zu viel beyge- tragen/ auch alle Gelegenheit/ im Truͤben zu fi- schen/ sorgfaͤltig zu beobachten wissen: also stehet zu besorgen/ daß sie/ wenn ja/ wie wir wuͤnschen und hoffen/ der liebe politis che Friede solte bald wieder ge- bracht werden/ sie an vielen Oertern/ wo Evange- lische Kirchen gestanden/ zufahren doͤrfften/ ihrem Gott Mausim neue Gebaͤude aufrichten/ und die weitere Ubung der reinen Lehre verhindern. §. 65. Endlich so fragt sichs nun: was denn vor Mittel wieder dieses Heer zu ergreiffen/ und wie etwa dasselbe und auch wohl dasjenige/ so dadurch abgebildet und bedeutet wird/ abzuwenden? §. 66. Jn der Heiligen Schrifft werden die Heuschrecken als furchtsame Thiere beschrieben/ E3 wel- welche leicht zu verscheichen und zu verjagen. Denn sagt GOtt der HErr zu dem wohlgeplagten Hiob; Kanst du das Roß schrecken/ wie die Heu- schrecken : Hiob 39. v. 23. Und David klagt im 103. Psalm v. 23. Jch werde verjagt/ wie die Heu- schrecken . Und dieses moͤchte wohl ingemein von denen hielaͤndischen Heuschrecken gesagt werden/ aber was diese frembde Gaͤste anbelanget/ so koͤnnen sie so leicht nicht verscheichet werden. §. 67. Zwar an vielen Orten ist es geschehen/ wenn sie bey Sonnenschein an einem Orte ankom- men/ und sich die Leute mit schiessen/ schreyen/ klin- gen/ Jtem mit Strohwischen/ Reisern und Stan- gen an sie gemachet/ daß sie sich verjagen lassen: wie denn am 10. Sonntage Trinitatis allhier selbsten der- gleichen geschehen. Gestalt denn auch/ als ein gros- ser Trupp sich hinder das Rathhaus in ein Stuͤck Gerste niedergelassen/ und die Leute darzukommen/ sie sich gantz furchtsam erwiesen/ und bald wieder auftreiben lassen. Doch wo die Menge gar zu groß/ und der Leute etwas wenig gewesen/ so hat sich die- ses nicht practici ren lassen. Ja es ist mir glaubwuͤr- dig erzehlet worden/ daß wenn man in dem Haber/ darinnen sie gewesen/ mit Sensen gehauen/ sie zwar geschwinde dem Hiebe ausgewichen/ nichts desto minder aber sich bald wieder niedergesetzet/ und ihr Freß-Handwerck fortgetrieben. Jnsonderheit/ wie auch oben angefuͤhret/ wenn es noch fruͤhe oder truͤ- be Wetter ist/ so sind sie nicht fortzubringen/ son- dern viel ehe zu erschlagen oder zu ergreiffen. §. 68. §. 68. Daher wird auch gemeldet/ als A. C. 1542. solche Heuschrecken-Zuͤge vorgegangen/ und Welschland mit beruͤhret/ daß die Heuschrecken auf Befehl des Hertzogs zu Meiland zusammen gelesen/ und damit bey zwoͤlff tausend Saͤcke angefuͤllet wor- den. So lieset man auch in den alten Historien/ daß wohl ehe bald gantze Laͤnder aufgeboten worden/ solchem Libel zu steuren. Jn Ungern sollen sie diese Thiere mit grossen Acker-Waltzen auf dem Felde tod machen/ indem sie dieselben daruͤber her schleif- fen. §. 69. Wiewohl nun dergleichen natuͤrliche Mittel nicht zu verachten/ so sind sie doch vor sich nicht zulaͤnglich/ den Schaden von dem Lande abzu- wenden. Wiewohl ehe beschwerliche Heuschrecken/ Froͤsche und andere geringe Thiere durch Menschen nicht haben moͤgen gedaͤmpffet werden/ ist aus der Historia von den Egyptischen Plagen bekannt. Es kan auch davon gelesen werden Philip. Camerarius in oper. hor. succis. part. 2. cap. 13. Da er auch der Deut- schen Sprichwort anfuͤhret: Wenn GOtt in sei- nem Zorn aufbe u t/ so stehen alsobald alle Crea- turen im Harnisch und Waffen. Man hat diß Jahr grossen Fleiß angewendet/ die Raupen von den Baͤumen zu bringen/ es sind auch die Baͤume gluͤck- lich gereiniget worden/ da wohl ehe hiebevor das Raupen gar nicht oder doch gar wenig geholffen; Unterdeß haben wir gleichwohl den Schaden von den Bluͤthen nicht abwenden koͤnnen/ sondern es ist al- les/ durch eine kalte Lufft/ verderbet und hingerich- tet tet worden. Also ist es dem fictori locustæ , dem Al- lerhoͤchsten gar ein leichtes/ wenn gleich ein Heuschre- cken-Heer verjaget oder gedaͤmpffet/ ein anders zu machen/ oder eine andere Art der Straffe uͤber ein Land zu fuͤhren. §. 70. Solches haben auch die vernuͤnfftigen Heiden einiger Massen erkennet/ und geschlossen/ das sey das beste Mittel diß Ungeziefer zu vertreiben/ den erzuͤrneten GOtt mit ihrem vermeinten Gottes- Dienst zu versoͤhnen. Wie sie denn deßwegen oͤffent- liche Gebete/ Heuschrecken-Feste und dergleichen an- gestellet; wie beym Franzio p. 808. und Martinio c. l. angefuͤhret wird. §. 71. Uns Christen ist unter andern sehr troͤst- lich/ und dienet zur Lehre/ was bey dem Prophe- ten Amos am 7. v. 2. stehet/ nemlich/ als die Heu- schrecken das Kraut im Lande gar abfressen wollen/ sprach ich : Ach HErr/ HErr/ sey gnaͤ- dig/ wer wil Jacob wieder auf helffen? denn er ist ja geringe. Da reuet es den HErrn/ und sprach: Wohlan/ es soll nicht geschehen. §. 72. Sehr troͤstlich/ sag ich/ ist es/ daß durch das Gebet des Propheten denen Heuschrecken ge- steuret und gewehret worden. Daher nehmen wir die- se Lehre/ daß das gewisseste und kraͤfftigste Mittel wieder die Heuschrecken/ und alles boͤse/ so sie be- deuten deuten und nach sich ziehen moͤchten/ das liebe Ge- bet sey; daß man sich mit demselben zu dem keh- re/ der uns schlaͤget/ und nach dem HErren Zebaoth frage / Es. 9. v. I3. §. 73. Es muß demnach das Gebet nicht bloß mit dem Munde geschehen/ wie die Plapperer und Heuchler zu beten pflegen/ sondern von Grund der Seelen/ da ein reuiges/ zerschlagenes und demuͤthi- ges Hertze/ auf seinen GOtt und seinen einigen Mitt- ler und Heyland JEsum Christum sein hertzliches Vertrauen setzet/ und durch Wirckung des H. Gei- stes/ uͤmb Rettung und Huͤlffe zu seuffzen, nicht muͤ- de wird. §. 74. Und eben an diesem Mittel und dem rechten Gebrauch desselben/ wil es uns Deutschen/ auch mitten in der Evangelischen Kirchen/ leider! all- zu sehr mangeln. Denn es ist wohl vor diesen unter Christen nicht erhoͤret worden/ wie es heutiges Ta- ges zugehet. Es ist ja bey vielen grossen Herren und Welt-Leuten/ ja auch bey vielen Gelehrten dahin kommen/ daß sie die Religion nur vor eine politi sche Invention , und was vom Glauben und guten Ge- wissen geprediget wird; ja GOtt selbsten/ vor einen Spott halten. Es bleibet solche verfluchte Atheiste- rey nicht nur in ihren Hertzen/ sondern wird offter- mahls/ ohne allen Scheu/ oͤffentlich ausgebreitet. Der meiste Hauffe derer/ die sich eusserlich zur wah- ren Religion bekennen/ ist voll erschrecklicher Sicher- heit/ und haben das alte Lied in ihrem Hertzen: F Es Es ist Friede/ und hat keine Gefahr. Es sprechen zwar alle: Jch bin ein Suͤnder! wir sind alle arme Suͤnder! Aber in der That fehlet es dennoch bey den meisten an aufrichtiger und reuiger Erkaͤntnis ihrer Suͤnden. §. 75. Wie schwer das zugehe/ daß man den- jenigen/ der in offenbarer Ungerechtigkeit/ Voͤllerey/ Hurerey/ Luͤgen und andern abscheulichen Suͤnden lebet/ berede/ daß er GOtt die Ehre gebe/ und nur gestehe/ was man doch siehet und hoͤret; wie schwer es zugehe/ die Frevel-Suͤnder dahin zu bringen/ daß sie ablassen/ ihre boͤse Stuͤcke zu bemaͤnteln und zu entschuldigen; Wie schwer es zugehe/ daß die Christ- liche liebe Jugend fleißig zur Schulen und wahren Gottesfurcht auferzogen werde; Wie schwer es zuge- he/ jungen Leuten aͤrgerliche Exempel/ aus ihrem Hertzen und Gemuͤthe zu bringen; Wie schwer es zuge- he/ bey denen Erwachsenen/ auch oͤffters bey solchen/ die in den geistlichen Stand getreten sind/ ihre ange- woͤhnete boͤse Sitten/ Unrecht und Heuchel-Christen- thum abzugewoͤhnen; und sie zu ungefaͤrbter Gott- seeligkeit zu bereden; Solches alles liegt am Tage/ und erfahrens diejenigen uͤberfluͤßig/ die/ Amts- und Gewissens wegen/ davor zu sorgen/ und darauf zu sehen/ auch von GOtt die Gnade und den Trieb haben/ solches/ in Aufrichtigkeit ihres Hertzens/ zu beobachten. Was kan man nun von solcher Chri- sten ihrem Gebet halten/ und was solte man sich gu- tes darzu zu versehen haben? §. 76. §. 76. Wolte demnach GOtt/ daß nie- mand seine Ohren/ wie eine Otter zustopf- fen/ sondern ein ieglicher hohes und niedriges Standes/ Gelehrte und Ungelehrte/ Geist- liche und Weltliche/ Junge und Alte sich zu Hertzen gehen liessen/ was der Mund des HErrn redet: W aschet euch/ reiniget euch/ thut euer boͤses W esen von mei- nen A ugen. L asset ab vom Boͤsen/ ler- net gutes thun/ trachtet nach Recht. Helf- fet den U nterdruͤckten/ schaffet den Wai- sen Recht/ und helffet deꝛ Witben Sachen/ Es. i. v. 16. 17. Damit man koͤnne auf- heben heilige Haͤnde/ ohne Z orn und Z weiffel/ 1. Tim. 2. v. 8. So dann wuͤr- de uns der Heuschrecken/ gifftiger Seuchen/ und aller Feinde ihr Wuͤten und Toben nicht viel schaden koͤnnen. Denn/ wolte mein Volck mir gehorsam seyn/ und auf mei- nem W ege gehen/ so wolte ich ihre F einde bald daͤmpffen/ und meine Hand uͤber ihre Wiederwaͤrtige wenden; spricht: GOtt im 81. Psalm/ v. 14. 15. F 2 §. 77. §. 77. Wil aber ja der meiste Theil nicht zu Hertzen nehmen/ was zu seinem Friede die- net/ so wird dennoch GOtt heiligen Saa- men lassen uͤberbleiben/ und hier und dar et- wa zehen/ ja seine fuͤnff tausend/ uͤbrig behal- ten/ derer Mund der Epicurer und sichern Hertzen Baal nicht kuͤssen/ sondern dem wah- ren GOtt Jsra∼lis mit reinen Hertzen die- nen/ und zu Jhm schreyen Tag und Nacht. Das wird denn auch nicht vergeblich seyn/ sondern der HErr wird uͤmb ihren willen der boͤsen Welt gutes thun/sie aber erretten/ in einer Kuͤrtze/ Amen. §. 78. Schluͤßlich soll das aller/ die die- ses lesen werden/ ihr hertzlicher Seuffzer zu GOtt dem barmhertzigen himmlischen Vater seyn/ daß er doch bey Zeiten den Kriegen in aller Welt steuren/ und allen verkehrten und Blut-triefenden Anschlaͤgen wehren wolle/ damit in unserm Lande Ehre wohne/ daß Guͤte und Treue einander begegnen/ Ge- rechtigkeit und Friede sich kuͤssen. Daß Treue auf der Erden wachse/ vnd Gerech- tigkeit vom Himmel schaue. D aß uns der der HErr gutes thue/ damit unser Land sein Gewaͤchs gebe/ daß Gerechtigkeit dennoch fuͤꝛ Jhm bleibe/ und im Schwan- ge gehe. Darzu setzen wir auch den Seuffzer der Christlichen Kirchen: Heuschrecken und Raupen sind Deine Ruth/ Alles was Schaden an Fruͤchten thut/ S olch U ngeziefer/ H Err/ ver- treib/ D aß Dein Gab' unbeschaͤdigt bleib/ AMEN . F 3 Zugabe. Zugabe. V on den Heuschrecken ist noch zu gedencken/ daß es scheine/ als haben sie nunmehro gleichsam die Winter Quartier bezogen/ doch also/ daß sie sich viel weiter aus einander begeben/ als bey ihrer Ankunfft/ und an vielen Orten ziemlich duͤnne liegen. Bey der Mitte des Septembris halten sich nicht wenig noch jen- seit der Saalen/ sonderlich in dem Rodischen Bezir- cke/ auf: Disseits aber reichen sie von dem Heilin- ger Grunde/ biß gegen Burgau und Wintzurle/ und also/ in der Breite/ bey zwey Meilen weit. Von dan- nen gehet ihr Strich gegen Weimar/ und hinder den Ettersberg/ fast auf Buttstedt/ und also von der Saalen an uͤber vier Meilen/ in die Laͤnge. Jn ih- ren Leibern findet man die langen weisen lebenden Wuͤrme hin und wieder; welches ob es nur eine Art der lumbricorum , oder ob was schaͤdliches draus kom- men moͤchte/ die Zeit eroͤffnen wird. Wenn man sie laͤsset aufsieden/ so sind sie/ an rother Farbe und Geruche/ denen gesottenen Krebsen nicht ungleich: Doch wils zur Zeit niemand versuchen/ ob sie zu menschlicher Speise dienen/ gleich wie diejenigen/ so in den Morgen-und Mittags Laͤndern gefunden wer- den/ sondern es wird solche delicatesse denen Huͤnern/ Gaͤnsen/ Hunden/ Schweinen und andern Thieren uͤberlassen/ welche ihnen mit sonderlichem Appetit nachgehen. Und wie die Sonne/ mit ihrem Schein und und Waͤrme sie gleichsam lebend machet: also haben sie in bißheriger Kaͤlte und Regen/ sich/ bey erschei- nenden Sonnen-Blicken/ gar wenig in der Hoͤhe/ mit fliegen sehen lassen/ sondern sich meistlich mit sprin- gen beholffen/ doch daß sie allenthalben Gelegenheit gesuchet/ sich von der feuchten Erden abe zu ziehen/ und sich an hohe Stoppeln/ Disteln und andere Stoͤ- rel/ ingleichen an Kraut und Ruͤben/ item niedrige Buͤsche/ Dornhecken/ Zaunstecken und duͤrre Rei- ser zu hengen. So hat man auch nicht mercken koͤnnen/ daß sie/ bey solchem Wetter/ starck gezehret: gestalt denn auch von vielen probi ret worden/ daß sie etliche Tage eingesperret/ gantz ohne Futter/ auch biß in die dritte Woche leben koͤnnen. Aber solte der Herbst warm werden/ so duͤrfften sie auch wieder munter werden/ die junge Winter-Saat abznaͤtzen. Unterdeß/ ob sie schon bißher nicht sonderlich gezeh- ret/ so sind sie doch bey ihrer geilen Art verblieben/ und gatten sich haͤufig. So findet man auch nun hin und wieder in den Hecken/ sonderlich an den Blaͤttern/ wie sie ihre Eyer geleget/ so in ziemlicher Menge an einander kleben: Welche GOtt/ beneben diesem Geschmeiß balden tilgen/ und alles besorgende Ungluͤck von unserm lieben Vaterlande abwenden wolle.