Ein Mensch der schauet Gott/ Ein Thier den Erdkloß an: Auß diesem/ was Er sey/ Ein jeder kennen kan. Johannis Angeli Silesij Cheru binischer W andersmann oder Geist-Reiche Sinn-und Schluß-Reime zuꝛ Goͤttlichen beschauligkeit anleitende Von dem Urheber anfs neue uͤbersehn/ und mit dem Sechsten Buche vermehrt/ den Liebhabern der geheimen Theolo gie und beschaulichen Lebens zur Geistlichen Er- goͤtzligkeit zum andernmahl her- auß gegeben. Glatz / auß Neu auffgerichter Buchdrukkerey Jgnatij Schu- barthi Anno 1675. Wir alle die wir mit aufge- dektem Angesichte die Herꝛlig- keit des HErren anschauen/ werden verwandelt in dassel- bige Bild von Klarheit in Klaꝛ- heit/ als vom Geiste des HEr- ren. 2. Cor: III. 18. Zueschrifft. Der Ewigen Weißheit GOtte/ Dem Spiegelohne makel/ den die Cherubin und alle Seelige Geisteꝛ mit ewi- ger verwunderung anschauen/ Dem Lichte welches alle Menschen erleuchtet die in diese Welt kom̃en/ Dem unerschoͤpfflichen Brunn und urspruͤngli- chem Qualle aller Weißheit/ schrei- Schreibet zue und richtet wiederumb in Jhn hin/ Diese auß dessen grossem Meere genaͤdiglich heꝛ- geronnene kleine Troͤpfflein Sein Fuͤr unablaͤßlichem verlan- gen Jhn zuschauen Allzeit sterbender Johannes Angelus . Erinnerungs Vorrede an den Leser. G Ottsbegiehriger Leser/ vor etlichen Jahren habe ich dir den Seraphin ischen begiehrer inn meiner verliebten Psyche zum andernmahl: mit vermehrung der Heiligen Liebs begiehrden zu gluͤkseeliger entzuͤndung deines Hertzens in goͤtt- licher Liebe/ zuegesendet; wie auch unlaͤngst die sinnliche betrachtung der vier Letzten Dinge/ welche dich gleichfalls Gott innbruͤnstig zu lie- ben aufmuntern kan: anitzo trage ich dir meinen Cherubinischen Wandersmann oder geistliche Sinn- und Schluß-Reime zum andernmahl auch vermehrt/ zu einem gefehrten an; umb durch denselben noch mahls die Augen deiner Seele zur Goͤttlichen beschawligkeit zuleiten und zuerheben. Gluͤkseelig magstu dich schaͤtz- en/ wann du dich beyde laͤssest einnehmen/ und noch bey Leibes Leben bald wie ein Seraphin von himmlischer Liebe brennest/ bald wie ein Cherubin mit unverwandten augen Gott an- schawest: denn damit wirstu dein ewiges Leben schon in dieser sterbligkeit/ so viel es seyn kan A 4 anfan- Erinnerungs Vorrede anfangen/ und deinen beruff oder außerwaͤlung zu demselben gewiß mache. Weil aber folgende Reimen vil seltzame paradoxa oder widersin- nische Reden/ wie auch sehr hohe und nicht jeder- man bekandte schluͤsse/ von der geheime-Gott- heit/ Jtem von Vereinigung mit GOtt oder Goͤttlichem Wesen/ wie auch von Goͤttlicher Gleichheit und Vergoͤttung oder GOtt wer- dung/ und waß dergleichen/ in sich halten; welchen man wegen der kurtzen Verfassung leicht einen Verdamlichen Sinn oder boͤse Mei- nung koͤnte andichten: Als ist vonnoͤthen dich deß halben zuvor zuerinnern. Unnd ist hiermit einmal fuͤr allemal zuwis- sen/ daß deß Urhebers Meinung nirgends sey/ daß die Menschliche Seele jhre Geschaffenheit solle oder koͤnne Verliehren/ und durch die Ver- goͤttung in GOtt oder sein ungeschaffenes We- sen verwandelt werden: welches in alle Ewig- keit nicht seyn kan. Denn obwol GOtt Allmaͤch- tig ist/ so kan er doch dises nicht machen (und wann Ers koͤnte/ waͤre Er nicht GOtt) daß eine Creatur natuͤrlich und wesentlich GOtt sey. Derowegen sagt Thaulerus in seinen Geist- lichen Unterrichtungen c. 9. weil der Allerhoͤchste nicht machen kondte/ daß wir von Natur GOtt waͤren (denn diß steht Jhm alleine zu) so hat Er gemacht/ daß wir GOtt waͤren auß Gnaden; damit wir zugleich mit Jhm in jmmerwehrender Liebe besitzen moͤgen eine See- ligkeit/ eine Freuͤde/ und ein einiges Koͤnigreich: Son- an den Leser. Sondern dieses ist sein Sinn/ daß die Gewuͤr- digte und Heilige Seele zu solcher naher Ver- einigung mit GOtt und seinem Goͤttlichen We- sen gelange/ daß sie mit demselben gantz und gar durchdrungen/ uͤberformet/ Vereinigt und eines sey; dermassen/ daß wenn man sie sehen solte/ man an jhr nichts anders sehen und erken- nen wuͤrde als GOtt; wie dann im ewigen Le- ben geschehen wird: Weil sie von dem Glantze seiner Herꝛligkeit gleichsamb gantz Verschlun- gen seyn wird. Ja daß sie zu solcher Vollkomner gleichnuͤß GOttes gelangen koͤnne/ daß sie eben das Jenige sey (auß Genaden) was GOtt ist (von Natur;) und also in diesem Verstande recht und wol ein Liecht in dem Liechte/ ein Wort in dem Worte/ und ein GOTT in GOtte (wie in den Reimen geredet wird) koͤn- ne genennet werden. Sinthemal/ wie ein alter Lehrer sagt/ GOtt der Vatter hat nur einen Sohn/ und derselbe sind wir alle in Christo. Sind wir nun Soͤhne in Christo/ so muͤssen wir auch seyn was Christus ist/ und dasselbe Wesen haben/ welches der Sohn GOttes hat. Denn eben darumb (spricht Thaulerus in der vierdten Predigt am H. Christage) daß wir dasselbe Wesen haben/ werden wir Jhm gleich/ und sehen Jhn wie Er wahrer GOtt ist. Und diesem Satze stimmen bey alle Heilige GOttesschawer; jnsonderheit jetzt gedachter A 5 Tau- Erinnerungs Vorrede Tauler in der 3. Predigt am 3. Sontag Trinit. da er spricht: Die Seele wird (durch das wider er- langte Ebenbild) GOtte gleich und Goͤttlich: Ja alles wird sie auß genaden was GOtt ist von Natur. Jn diser Vereinigung und einsenckung in GOtt/ wird sie uͤber sich selbst in GOtt gefuͤhrt/ und GOtte so gleich/ daß wann sie sich selber sahe/ sie sich fuͤr GOtt wuͤrde schaͤtzen: Und wer sie saͤhe/ der wuͤrde sie sehen/ ntcht zwar in dem Natuͤrlichen/ sondern in dem auß Genaden jhr mit getheiltem Wesen/ Form und weise GOttes/ und wuͤrde also Seelig von dem Gesichte Sinthemal GOtt und die Seele in solcher Vereinigung eines sind; wiewol nicht von Natur/ sondern auß Genaden. Und nach wenigem: Die lautere und Goͤttliche Seele welche von der Creaturen Liebe so frey ist wie GOtt/ wird von andern gesehen werden/ auch sich selber in Ewigkeit an- sehen als GOtt (denn GOtt und eine solche Seele sind in der obgemeldten Vereinigung eins) und wird jhre Seeligkeit in und auß sich selbst nehmen in diser Verei- nigung. Rusbroch im dritten Buch vom Zierrath der Geistlichen Hochzeit c. 1. Jn der Wesent- lichen Einheit GOttes sind alle Andaͤchtige und jnnige Geister eins mit GOtt durch jhre Liebhabende einsenck- ung und zerschmeltzung in jhn: Und sind auß Gnaden eben dasselbige Eins das dieselbe Wesenheit jn sich sel- ber ist. Und eben daselbst: GOtt uͤber alle gleichnuͤsse/ wie Er in sich selber ist/ fassen und Verstehen/ das ist etlicher massen GOtt mit GOtt seyn ohne mittel/ (oder daß ich so sage) ohne eine empfindliche Anderheit. Und eben im selben Buche c. 2. spricht Er: Wann der Geist deß Menschen durch die genießliche Liebe sich sel- ber an den Leser. ber verlohren hat/ so empfaͤngt er die Klarheit GOttes ohne mittel: Ja er wird auch selbst/ (soviel einer Crea- tur zusteht) ohne unterlaß dieselbe Klarheit welche er embfaͤngt. Gleichermassen redet auch S. Bernard. im Buche vom Einsamen Leben/ da er spricht: Wir werden das seyn was Er ist. Denn welchen die Macht gegeben ist GOttes Kinder zu werden/ denen ist auch die Macht gegeben/ nicht zwar daß sie GOtt seyn/ sondern daß sie seyn was GOtt ist. Und nach disem: Diese gleichnuͤß GOttes wird die Einheit deß Geistes genent/ nicht alleine weil sie der Heilige Geist zu Wercke richtet/ oder den Geist deß Menschen damit anthut: Sondern weil sie selbst der Heilige Geist/ GOtt die Liebe ist/ weil durch Jhn/ welcher die Liebe deß Vatters und deß Sohnes ist/ und Einheit/ und Anmuͤtigkiit/ und Gut/ und Kuß/ und umbfassung/ und alles was bey- den kan gemein seyn/ in jener hoͤchsten Vereinigung der Warheit/ und Warheit der Vereinigung/ eben dassel- be dem Menschen auff seine Art zu GOtt geschicht/ was mit der selbstaͤndigen Einheit dem Sohne zum Vatter/ oder dem Vatter zum Sohne/ wann in der umbfahung und Kuß deß Vatters und deß Sohns sich etlicher mas- sen mitten inne befindet das seelige Gewissen; da anff eine unaußsprechliche und Ungedaͤnckliche wesse der GOttes Mensch verdienet zu werden/ nicht GOtt; sondern doch was GOtt ist auß Natur/ der Mensch auß Genaden. Und dieses Bernardus. Fragstu wie daß zugehen koͤnne/ weil das Goͤttliche Wesen unmittheilhafftig ist? So antworte ich dir fuͤrs Erste mit dem heiligen Bonaventura: So du es wissen wilt/ so frage die Genade/ und nicht die Lehre: Das Verlangen/ und nicht den Verstand: das Seufftzen deß Gebeths/ und nicht das fleissige lesen: A 6 Den Erinnerungs Vorrede Den Braͤutigam/ nicht den Meister: GOtt/ nicht Menschen: Die tunckelheit/ nicht die Klarheit: Nicht das Licht/ sondern das Feuer welches gantz und gar an- flammet/ und in GOtt mit brennenden Begierden fuͤh- ret/ welches Feuer GOTT selber ist. Fuͤrs ander/ daß das Goͤttliche Wesen zwar unmitthellhafftig sey/ solcher gestalt/ daß es sich mit einem Dinge vermengen solte/ und eine Na- tur oder Wesen mit ihm werden: Daß es aber auff gewisse Weise wegen der so nahen und jn- niglichen Vereinigung/ mit welcher es sich in die Heylige Seelen ergiest/ gleichwol mit theil- hafftig koͤnne genennet werden: Massen auch Petrus sagt/ daß wir theilhafftig werden der goͤttlichen Natur: und Johannes / daß wir Got- tes Kinder seynd/ weil wir auß GOtt gebohren seynd. Nun koͤnnen ja die jenige nicht Gottes Kin- der/ und theilhafftige der Goͤttlichen Natur genennet werden (spricht Thomas à Jesu l. 4. d. orat. divin. c. 4.) wann dieselbige nicht in Uns/ sondern weit von Uns abgesondert ist. Denn so wenig ein Mensch kan weise seyn ohne Weißheit ( wie Thauler. in der vierdten Sermon im H. Christage redet ) so wenig kan einer auch ein Kind Gottes seyn ohne die Goͤttliche Kindschafft/ das ist/ er habe dann das war- hafftige Wesen deß Sohnes GOttes selber. Derohal- ben soltu GOttes Sohn oder Tochter seyn/ so mustu auch eben das Wesen haben/ welches der Sohn GOt- tes hat/ sonsten kanstu GOTTES Sohn nicht seyn. Aber solche grosse Herrligkeit ist uns noch zur Zeit verborgen. Darumb schreibt auch S. Jo- hannes an den Leser. hannes an abgemeltem Ort weiter also: Meine allerliebsten wir sind zwar Gottes Kinder/ aber es ist noch nicht offenbahr was wir seyn werden/ wir wissen aber wann es erscheinen wird/ daß wir ihme werden gleich seyn/ das ist/ dasselbe Wesen daß er ist werden wir auch seyn ꝛc. Da- rumb sagt Nicolaus à Jesu Mar. l. 2. c. 16. Elucid. Theologic. in Joan à cruce: Daß die Seele durch die Wuͤrkungen der Liebe mit welchen sie GOtt liebt/ Erlange/ daß ihr GOtt nicht allein seine Gaben mittheile/ sondern daß auch selbst die selbstaͤn- digkeit und Wesen GOttes der Seelen mit sonderbah- rem Titel selbstaͤndig zugegen sey. Und solches be- staͤttigen auch die Worte deß heiligen August. S. 185. de tempore da er spricht: Der heilige Geist ist in diesem Tage zu bereitung der Hertzen seiner Apostel wie ein Platzregen der Heiligung eingefallen/ nicht als ein Eilfertiger besucher/ sondern als ein jm̄er- wehrender Troͤster/ und ewiger beywohner. Dann wie er Matth. am 28. von sich selbst seinen Apostein gesagt hatte: Siehe ich bin bey euch alle Tage biß zum Ende der Welt; Also sagt er auch von dem heiligen Geiste: Der Vatter wird euch den Troͤster geben der bey euch sey in Ewigkeit. Derowegen ist er in diesem Tage bey sei- nen Glaubigen nicht nur durch die Gnade der Rechtfer- tigung/ sondern selbst durch die gegenwart seiner Maje- staͤt gewest; und ist in die Gefaͤsse jetzo nur nicht der Geruch deß Balsams/ sondern selbst die selbstaͤndigkeit der Heiligen Salbe geflossen. Dises aber eygentlicher und ohne jrꝛthumb zu verst ehen und zuerklaͤren/ hab ich mir allzeit sehr belieben lassen die Gleichnuͤsse welche die A 7 heiligen Erinnerungs Vorrede heiligen Vaͤtter von der Vereinigung der Son- nen mit der Lufft/ deß Feuers mit dem Eysen/ deß Weins mit dem Wasser/ und was der glei- chen/ sich gebrauchen/ diese hohe Vereinigung GOttes mit der Seelen etlicher massen dadurch zubeschreiben. Unter welchen der heilige Ber- nard: im Buche wie man GOtt lieben sol/ in der mitten also spricht: Gleich wie ein tropffen Wassers in viel Wein gegossen von sich gantz zuverge- hen scheint/ in dem es deß Weins geschmack und Waͤrm- de an sich nimbt: Und wie ein feuriges gluͤendes Eysen dem Feuer gantz und gar gleiche wird/ und seine alte und eigentliche Gestalt außziehet: und wie die Lufft mit der Sonnenlicht durchgossen in desselben Lichtes Klarheit uͤberformet wird; also gar daß sie nicht so wol Erleuch- tet/ als das Liecht selber zu seyn scheinet: Also wird von- noͤthen seyn/ daß in den Heiligen alle Menschliche begier- lichkeit auff unaußsprechliche weise von jhr selbst zer- schmeltze/ und in Gottes willen gaͤntzlich eingegossen wer- de: dann wie wolte sonst GOtt alles in allen seyn/ wen̄ in dem Menschen noch etwas vom Menschẽ uͤbrig waͤre? Und in dem 25. Cap. deß Buchs von der Liebe/ nach dem er eben diese Gleichnuͤsse angefuͤhret hatte/ spricht er darauff: Also ist deß Menschen Geist/ wann er mit Goͤttlicher Liebe angethan ist/ gantz Liebe. Derowegen wer GOtt liebt/ ist jhm selbst Todt/ und in dem er GOtt alleine lebt/ machet er sich etlicher massen (daß ich so rede) mit Wesentlich oder mitstaͤn- dig dem geliehten ( consubstantiat sedilecto. ) Denn so die Seele Davies der Seelen Jonathe vereinigt ist; oder so der welcher GOtt anhaͤngt ein Geist mit ihm wird: so gehet mit ohne ungleiches Urtheil der Vereini- gung auff eine gewisse Art der mit Wesenheit die gantze Begier- an den Leser. Begierde in GOtt/ ꝛc. Und derogleichen findet man auch beym Rusbroch. Harphio, Thauler. und anderen. Jnsonderheit beym Ludovico Blo- sio da er im zwoͤlfften Cap. seiner Geistlichen Unterrichtungen sehr schoͤn also Redet. Jn der geheimen vereinigung verfleust die liebhabende Seele/ und vergehet von jhr selbst/ und verfaͤllet/ als waͤre sie zu nichte worden/ in den Abgrund der ewigen Liebe: All- da sie ihr Todt ist/ und GOtt lebet/ nichts wissende/ nichts fuͤhlende/ als die Liebe welche sie schmaͤkket; denn sie ver- liehret sich in der uͤbergrossen Wuͤste und Finsternuͤß der GOttheit. Aber sich so verliehren/ ist mehr sich finden. Da wird Warlich/ was da ist das Menschliche außzie- hende/ und das Goͤttliche anziehende/ in GOtt verwan- delt. Gleich wie das Eysen im Feuer die Gestalt deß Feuers annimbt/ und ins Feuer verwandelt wird. Es bleibet aber doch das Wesen der also vergoͤtteten Seelen gleich wie das gluͤende Eysen nicht auffhoͤret Eysen zu seyn. Derohalben die Seele welche zuvor kalt war/ ist jetzt hrennend/ die vor Finster war ist jetzt leuchtend: Die vor harte war/ ist jetzt weich: Gantz und gar GOtt- farbig; weil ihr Wesen mit Gottes Wesen durchgossen ist: Gantz mit dem Feuer der Goͤttlichen Liebe ver- brennet/ und gantz zerschmeltzend in GOtt uͤbergangen/ und ihm ohne mittel Vereinigt/ und ein Geist mit ihm worden ist; gleich wie Gold und Ertzt in einen Metal- lischen klumpen zusammen geschmoltzen werden. Nun mit solchen und dergleichen Worten und Reden haben sich die H. Gottesschauer bemuͤhet die jnnigliche Vereinigung Gottes mit der geheiligten Seelen etlicher massen außzu- drukken; den̄ dieselbe gruͤndlich zubeschreiben/ sagen sie/ daß man nicht Wort finden koͤnne. Wann Erinnerungs Vorrede Wann derowegen der Guͤnstige Leser in die- sen Reimen hin und wider derogleichen finden wird; so wolle er sie auch nach disem Verstande richten und verstehen. Wie wol ich nun was disen Punct anbe- langt zur genuͤge mich vermeine erklaͤrt zuha- ben; so muß ich doch noch einen schoͤnen Text auß Dionijsio Carthusiano anher setzen: dieser redet Artic. 42. in Exod. also/ Alsdann wird die Seele gantz in das unendliche Licht außgebreitet/ der uͤberwesentlichen GOttheit und uͤberseeligsten Dreyei- nigkeit/ so strahlend/ Liebreich und nahe copulirt oder verbunden/ daß sie nichts andres verspuͤret/ noch ihre ei- gne Wuͤrckung warnimt: sondern sie Verfleust von jhr selbst/ und fleust wider in jhren eigenen Bronnen/ und also wird sie in die Reichtuͤmber der Glorien verzukket/ in dem Feuer der ungeschaffenen unaußmaͤßlichen Liebe verbrennet; in dem Abgrunde der Gottheit vertieffet und verschlukket/ daß sie scheint etlicher massen das ge- schaffene Wesen auß- und das ungeschaffene und erste Musterwesen ( esse ideale ) wider anzuziehen, Nicht daß die Selbstaͤndigkeit verwandelt oder das eigene Wesen weg genommen werde/ sondern weil die Weise zuseyn/ und die Eigenschafft oder qualitet zuleben Vergoͤttet wird: Das ist/ GOtte und seiner uͤberseeligsten Seelig- keit uͤbernatuͤrlich und genaͤdiglich vergleichet wird: und also wird fuͤrtrefflich erfuͤllet deß Apostels Wort; Wer dem HErren anhaͤngt ist ein Geist mit ihm/ ꝛc. Wenn nu der Mensch zu solcher Vollkomner gleichheit GOttes gelangt ist/ daß er ein Geist mit GOtt/ und eins mit jhm worden/ und in Christo die gaͤntzliche Kind- oder Sohnschafft erreicht an den Leser. erreicht hat/ so ist er so groß/ so reich/ so weise und maͤchtig als GOtt/ und GOtt thut nichts ohne einen solchen Menschen/ denn Er ist eins mit jhm; er offenbahret jhm alle seine Herꝛlich- keit und Reichtuͤmber/ und hat nichts in seinem gantzen Hause/ das ist/ in sich selber/ welches er fuͤr jhm verborgen hielte; wie er zu Mosi sagte/ ich will dir all mein Gutt zeigen. Derowegen sagt der Urheber nicht zuvil wann er N. 14. in der Person eines solchen Menschen spricht; ich bin so reich als GOtt: Denn wer GOtt hat/ der hat mit GOtt alles was GOtt hat. Also was N. 8. 95. 96. un̄ sonsten gesagt wird/ ist auch nach dieser Vereinigung zuverstehen. Wiewol auch diese zwey ersten ein absehen auff die Per- son Christii haben/ welcher wahrer GOtt ist/ und mit seinen unvergleichlichen Liebe Wercken uns zu verstehen gegeben/ als ob GOtt gleich- sam nicht wol waͤre/ wann wir solten Verloh- ren werden. Deßwegen Er auch nicht alleine in dieses Elende kom̃en und Mensch worden/ son- dern auch so gar deß allerschmaͤlichsten Todes hat sterben wollen/ daß Er nur uns wider zu sich bringen/ und sich mit Uus ewig erfrewen und ergoͤtzen koͤnte: Wie er auch sagt/ meine Lust ist bey den Menschenkindern. O deß verwun- derlichen und unaußsprechlichen Adels der Seelen! O der unbeschreiblichen Wuͤrdigkeit zu welcher wir durch Christum gelangen koͤn- nen! Erinnerungs Vorrede nen! was bin ich doch mein Koͤnig und mein GOtt! und was ist meine Seele O unendliche Majestaͤt! daß du dich ernidrigest zu mir/ und mich erhebst zu dir! daß du Lust suchst bey mir/ der du doch die ewige Lustbarkeit bist aller Gei- ster! daß du dich mit mir wilt Vereinigen/ und mich mit dir/ der du in und an dir selbst Ewig- lich genug hast! Ja was ist meine Seele/ daß sie dir auch gar so Gemein sol seyn/ wie eine Braut jhrem Braͤutigam/ wie eine Liebe jhrem Lieben! Omein GOtt: Wann ich nicht glaubte daß du warhafftig waͤrest/ so koͤnte ich nicht glauben daß zwischẽ mir un̄ dir/ als der unvergleichlichē Majestaͤt solche Gemein schafft jemahls moͤglich waͤre. Weil du aber gesprochen du wollest dich mit mir Vermaͤhlen in Ewigkeit; so muß ich nur dise uͤbervernuͤnfftliche Genade/ welcher ich mich nimmermehr koͤnte wuͤrdig schaͤtzen/ mit de- muͤttigem Hertzen nnd verstarꝛtem Geiste ver- wundern. Du OGOtt bist der allein unver- gleichliche wunder thut; Sinthemal du auch alleine GOtt bist. Dir sey Lob/ und Preiß/ und Danck/ und Herꝛligkeit von Ewigkeit zu E- wigkeit. Was sonsten viel andere nicht jederman Ge- meine Reden und Spruͤche anbelangt/ so hoffe ich sie werden/ dem guͤnstigen Leser/ im fall er in den Lehrern der geheimen GOttes Weißheit bekandt ist/ nicht alleine nicht frembde; sondern auch an den Leser. auch sehr Lieb und Angenehm seyn: in dem er hier als in einem kurtzen Begriff wird finden/ was er bey jhnen nach der laͤnge gelesen/ oder ja selbst durch genaͤdige besuchung GOttes in der That geschmaͤkket und empfunden hat. Jst er aber noch Unerfahren/ so wil ich jhn freundlich zu jhnen gewisen haben: Jnsonderheit zum Rusbrochio, Thaulero, Harphio, Authore Theologiæ Teutonicæ \&c: Und neben disen sonderlich zum Maximil. Sandæo Societatis Jesu , welcher sich mit seiner Theologia Mysti- ca, und dem clave, uͤber die massen gegen die Liebbaber diser Goͤttlichen kunst verdienet hat. Am allertroͤstlichstem aber abgebildet wird ers mit grosser verwunderlicher Begierde und hertzlichem Verlangen finden/ in dem unlaͤngst herauß gekom̄enẽ leben der Ehrwuͤrdigen Jung- frauen Marinæ de Escobar, welche allein auß gnaͤdiger verleihung GOttes alles dessen ge- wuͤrdiget worden/ was iemahls alle dieser ge- heimen GOttes-Kunst erfahrne ingesambt geschrieben und aufgezeichnet haben. Den̄ eine gantze und lautere Außlegung uͤber alle und jede Worte zumachen/ wuͤrde eine gros- se weitlaͤufftigkeit erfordern/ und nur dem Leser verdrießlich seyn. Es ist deß Buͤcherschreibens ohne diß keine maß/ daß anjetzo fast mehr ge- schrieben als gelesen wird. Dise Reimen/ gleich wie sie dem Urheber meisten theils ohne Vorbe- dacht Erinnerungs Vorrede dacht und muͤhsames Nachsinnen in kurtzer Zeit von dem Ursprung alles gutten einig und allein gegeben worden auffzusetzen; also daß er auch daß erste Buch in vier Tagen verfertiget hat; sollen auch so bleiben/ und dem Leser eine auff- munterung seyn/ den in sich verborgenen GOtt/ und dessen heilige Weißheit selbst zusuchen/ und sein Angesichte mit eignen Augen zube- schawen. Jedoch wo der Verstand zweiffelhaff- tig oder gar zu Tunckel zu sein vermeinet wird/ so sol dabey eine kurtze Erinnerung geschehen. Der Leser daͤnke aber weiter nach/ und lebe in betrachtung der Goͤttlichen wunder mit unge- faͤlschter Liebe/ zu grossen Ehren GOttes; deme befohlen. Gegeben in Schlesien den 7. Augsts- monats Tag des Sechzehn-Hundert vier und siebentzigsten Jahres. AP- APPROBATIO. E Go infrascriptus legi Do- mini Joannis Angeli Silesij libel- lum qui inscribitur Geistreiche Sinn und Schluß-Reime; quo amœnita- tem lusumque Poëticum ita Pietati sacris- que salibus miscet, ut Lectorem inde \& recreandum sperem, \& ad piosanimi sen- sus commovendum. Ideoque dignum censui, qui luci publicæ committeretur. Viennæ ex Cæsareo Academico Collegio Societatis Jesu die 2. Aprilis Anno 1657. NICOL AUS AV ANCINUS è Soc: JESV , S. S. Theol: Do- ctor ejusdemq; Facultatis Vien- nensis Decanus. Imprimatur. JOANNES GUILIEL MUS IVNCHER , p. t. Vniversi- tatu Rector. Sere- S Erenissimi \& Reverendissimi Principis ac Dn: Dn: Leopoldi Guilielmi , Archiducis Austriæ Ducis Burgundiæ, Styriæ, Carinthiæ, Car- niolæ \& Wirttenbergæ, Comitis Habspurgi, Tyrolis \& Goritiæ, Administr: magni Gen- eralatus in Pruslia, Ord: Teutonici per Ger- maniam \& Italiã partesq́; transmarinas Ma- gni Magistri, Episc: Argentorat: Halbersta- tens: Passoviens: Olomucens: \& Vratislavi- ens: per Silesiam Officialis ac Viearius Gene- ralis Nos Sebastianus à Rostock S. S, Theol: \& Philosophiæ Doctor, Protonotarius Apo- stolicus, Cathedralis Ecclesiæ Vratislauiens: Archidiaconus, ibidem apud S. Crucem Ca- nonicus \&c. Fatemur Libellum piarum ac profundarum meditationum versibus Germanicis concinnatum sub nomine \& Ti- tulo Johannis Angeli Silesij Geistreiche Sinn- und Schluß-Reime Nobis exbibi- tum fuisle revidendum. Et quia ad pios animi motus conciliandos aptissimus, im- primi posse meritò censuimus. In cujus rei fidem hasce Officij nostri Sigillo, ac pro- priæ manus subscriptione roborauimus. Vratislaviæ 6. Julij 1656. Sebastianus â Rostock. Johannis Angeli Silesij Erstes Buch Geistꝛeicheꝛ Sin̄- und Schluß- Reimen. 1. Was fein ist das besteht. Rein wie das feinste Gold/ steiff wie ein Felsenstein/ Gantz lauter wie Cristall/ sol dein Gemuͤthe seyn. 2. Die Ewige Ruhestaͤdt. Es mag ein anderre sich umb sein Begraͤbniß kraͤnken/ Und seinen Madensak mit stoltzem Bau bedaͤnken. Jch Sorge nicht dafuͤr: Mein Grab/ mein Felß und Jn dem ich ewig Ruh/ so lʼs s Hertze JEsu seyn. (schrein. 3. GOtt kan allein vergnuͤgen. Weg weg jhr Seraphim jhr koͤnt mich nicht erquikken: Weg weg jhr Engel all; und was an euch thut bikken: Jch wil nun eurer nicht; ich werffe mich allein/ Jns ungeschaffne Meer der blossen GOttheit ein. 4. Man muß gantz Goͤttlich seyn. HErꝛ es genuͤgt mir nicht/ daß ich dir Englisch diene/ Und in Vollkommenheit der Goͤtter fuͤr dir Gruͤne: Es ist mir vil zuschlecht/ und meinem Geist zu klein: Wer Dir recht dienen wil muß mehr als Goͤttlich seyn. 5. Man weiß nicht was man ist. Jch weiß nicht was ich bin/ Jch bin nicht was ich weiß: Ein ding und nit ein ding: Ein stuͤpffchin und ein kreiß. 6. Du Joh: Angellerstes Buch 6. Du must was GOtt ist seyn. Sol ich mein letztes End/ und ersten Anfang finden/ So muß ich mich in GOtt/ un̄ GOtt in mir ergruͤnden. Und werden das was Er: Jch muß ein Schein im Schein/ Jch muß ein Wort im Wort/ ein GOtt in GOtte seyn. Thaul. instit. spir. c. 39. 7. Man muß noch über GOtt. Wo ist mein Auffenthalt? Wo ich und du nicht stehen: Wo ist mein letztes End in welches ich sol gehen? Da wo man keines findt Wo sol ich dann nun hin? Jch muß noch uͤber GOtt in eine wuͤste ziehn. uͤber alles das man an GOTT erkennt oder von jhm gedaͤnken kan/ nach der ver- neinnenden beschawung/ von welcher suche bey den Mijsticis. 8. GOtt lebt nicht ohne mich. Jch weiß daß ohne mich GOtt nicht ein Nun kan leben/ Werd’ ich zu nicht Er muß von Noth den Geist auff- geben. 9. Jch habs von Gott/ und Gott von mir. Daß GOtt so seelig ist und Lebet ohn Verlangen/ Hat Er so wol von mir/ als ich von Jhm empfangen. Schawe in der Vorrede. 10. Jch bin wie Gott/ und Gott wie ich. Jch bin so groß als GOtt/ Er ist als ich so klein: Er kan nicht uͤber mich/ ich unter Jhm nicht seyn. 11. GOtt Geistr. Sinn- und schlußr. 11. Gott ist in mir/ und ich in Jhm. GOtt ist in mir das Feur/ und ich in Jhm der schein: Sind wir einander nicht gantz jnniglich gemein? 12. Man muß sich uͤberschwenken. Mensch wo du deinen Geist schwingst uͤber Ort un̄ Zeit/ So kanstu jeden blik seyn in der Ewigkeit. 13. Der Mensch ist Ewigkeit. Jch selbst bin Ewigkeit/ wann ich die Zeit Verlasse/ Und mich in GOtt/ und GOtt in mich zusammen fasse. 14. Ein Christ so Reich als Gott. Jch bin so Reich als GOtt/ es kan kein staͤublein seyn/ Daß ich (Mensch glaube mir) mit Jhm nicht hab ge- mein. 15. Die uͤber-GOttheit. Was man von GOtt gesagt/ das gnuͤget mir noch nicht: Die uͤber-GOttheit ist mein Leben und mein Liecht. 16. Die Liebe zwinget GOtt. Wo GOtt mich uͤber GOtt nicht solte wollen bringen/ So will ich Jhn dazu mit blosser Liebe zwingen. Vid. no. 7. 17. Ein Christ ist GOttes Sohn. Jch auch bin GOttes Sohn/ ich sitz an seiner Hand: Sein Geist/ sein Fleisch und Blut/ ist Jhm an mir be- kandt. 18. Jch thue es GOtte gleich. GOtt liebt mich uͤber sich: Lieb ich Jhn uͤber mich; So geb ich Jhm sovil/ als Er mir gibt auß sich. B 19. Das Joh: Angeli erstes Buch 19. Das seelige Stilleschweigen. Wie seelig ist der Mensch/ der weder wil noch weiß! Der GOtt (versteh mich recht) nicht gibet Lob noch Preiß. Denotatur hic Oratio silentij, de qua vide Maximil. Sandæ. Theol. mystic. lib. 2. com- ment. 3. 20. Die Seeligkeit steht bey dir. Mensch deine Seeligkeit kanstu dir selber nemen: So du dich nur dazu wilt schiken und bequemen. 21. GOtt laͤst sich wie man wil. GOtt gibet niemand nichts/ Er stehet allen frey; Daß Er/ wo du nur Jhn so wilt/ gantz deine sey. 22. Die Gelassenheit. So vil du GOtt gelaͤst/ so vil mag Er dir werden/ Nicht minder und nicht mehr hilfft Er dir auß be- schwerden. 23. Die Geistliche Maria. Jch muß MARIA seyn/ und GOtt auß mir gebaͤhren Sol Er mich Ewiglich der Seeligkeit gewehren. 24. Du must nichts seyn/ nichts wollen, Mensch/ wo du noch was bist/ was weist/ was liebst und hast; So bistu/ glaube mir/ nicht ledig deiner Last. 25. GOtt ergreifft man nicht. GOtt ist ein lauter nichts/ Jhn ruͤhrt kein Nun noch Hier: Je mehr du nach Jhm greiffst/ je mehr entwird Er dit i. e. Zeit und Ort. 26. Der Geistr. Sinn- und schlußr. 26. Der geheime Tod. Tod ist ein seelig ding: Je kraͤfftiger er ist: Je herꝛlicher darauß das Leben wird erkist. 27. Das Sterben machet Leben. Jn dem der weise Mann zu tausendmalen stirbt/ Er durch die Warheit selbst umb tausend Leben wirbt. 28. Der allerseeligste Tod. Kein Tod ist seeliger/ als in dem Herꝛen sterben/ Und umb das Ewge Gutt mit Leib und Seel ver- derben. i. e. Umb GOttes willen auch Leib vnd Seel ins aͤuserste verderben hingeben: Wie Moses und Paulus sich erbotten/ und vil andere Heiligen. 29. Der Ewige Tod. Der Tod/ auß welchem nicht ein Neues Leben bluͤhet/ Der ists den meine Seel auß allen Toͤden fliehet. 30. Es ist kein Tod. Jch glaube keinen Tod: Sterb ich gleich alle Stunden/ So hab ich jedesmahl ein besser Leben funden. 31. Das jmmerwehrende Sterben. Jch sterb’ und lebe GOtt: wil ich jhm ewig Leben/ So muß ich ewig auch fuͤr Jhm den Geist auffgeben. mystice i. e. resignare. B 2 32. GOtt Joh. Angeli erstes Buch 32. GOtt stirbt und lebt in uns. Jch sterb’ und leb’ auch nicht: GOTT selber stirbt in mir: Und was ich leben sol/ (b) lebt Er auch fuͤr und fuͤr. Quia originaliter ab ipso profluit vir- tus mortificationis. Item secundum Paul: 2. cor. 3. 10. mortificationem Iesu . b. vivo, jam non ego, sed Christus in me, 33. Nichts lebet ohne Sterben. GOtt selber/ wenn Er dir wil leben/ muß er sterben: Wie daͤnckstu ohne Tod sein Leben zuererben? 34. Der Tod vergoͤttet dich. Wenn du gestorben bist/ und GOtt dein Leben worden/ So trittstu erst recht ein der Hohen Goͤtter Orden. 35. Der Tod ists beste Ding. Jch sage/ weil der Tod allein mich machet frey; Daß er das beste Ding auß allen Dingen sey. 36. Kein Tod ist ohn ein Leben. Jch sag es stirbet nichts: nur daß ein ander Leben/ Auch selbst das Peinliche/ wird durch den Tod gegeben/ 37. Die Unruh kombt von dir. Nichts ist das dich bewegt/ du selber bist das Rad/ Das auß sich selbsten laufft/ und keine Ruhe hat. 38. Gleichschaͤtzung machet Ruh. Wenn du die Dinge nimbst ohn allen unterscheid; So bleibstu still und gleich in Lieb und auch in Leyd. 39. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 39. Die Unvollkom̄ne gelassenheit. Wer in der Hoͤlle nicht kan ohne Hoͤlle leben/ Der hat sich noch nicht gantz dem Hoͤchsten uͤbergeben. 40. GOtt ist das was Er wil. GOtt ist ein Wunderding; Er ist das was Er wil/ Und wil das was Er ist ohn alle maß und Ziehl. 41. GOtt weiß jhm selbst kein Ende. GOTT ist unendlich Hoch/ (Mensch glaube diß be- haͤnde)/ Er selbst findt Ewiglich nicht seiner GOttheit Ende. 42. Wie gruͤndt sich GOtt? GOtt gruͤndt sich ohne grund/ und mist sich ohne maß: Bistu ein Geist mit jhm/ Mensch so verstehstu das. 43. Man liebt auch ohn erkennen. Jch Lieb ein eintzig Ding/ und weiß nicht was es ist: Und weil ich es nicht weiß/ drumb hab ich es erkist. 44. Das etwas muß man lassen. Mensch so du etwas liebst/ so liebstu nichts fuͤrwahr: GOtt ist nicht diß und das/ drumb laß das Etwas gar. 45. Das Vermoͤgende Unvermoͤgen. Wer nichts begehrt/ nichts hat/ nichts weiß/ nichts liebt/ nichts wil; Der hat/ der weiß/ begehrt/ und liebt noch jmmer vil. 46. Das seelige Unding. Jch bin ein seeligs Ding/ mag ich ein Unding seyn/ Das allem was da ist/ nicht kundt wird/ noch gemein. B 3 47. Die Joh: Angeli erstes Buch 47. Die Zeit ist Ewigkeit. Zeit ist wie Ewigkeit/ und Ewigkeit wie Zeit/ So du nur selber nicht machst einen unterscheib. 48. GOttes Tempel und Altar. GOtt opffert sich jhm selbst; Jch bin in jedem nu: Sein Tempel/ sein Alter/ sein Bethstul so ich ruh. 49. Die Ruh ists hoͤchste Gutt. Ruh ist das hoͤchste Gutt: und waͤre GOtt nicht ruh/ Jch schliesse fuͤr Jhm selbst mein’ Augen beide zu. 50. Der Thron GOttes. Fragstu mein Christ wo GOtt gesetzt hat seinen Thron? Da/ wo Er dich in dir gebiehret seinen Sohn. 51. Die gleichheit GOttes. Wer unbeweglich bleibt in Freud/ in Leid/ in Pein; Der kan nunmehr nit weit von GOttes Gleichheit seyn. 52. Das Geistliche Senffkorn. Ein Senffkorn ist mein Geist/ durch scheint jhn seine Sonne/ So waͤchst er GOtte gleich mit freudenreicher Wonne. 53. Die Tugend sitzt in Ruh. Mensch wo du Tugend wilst mit Arbeit un̄ mit Muͤh/ So hastu sie noch nicht/ du kriegest noch umb sie. 54. Die wesentliche Tugend. Jch selbst muß Tugend seyn/ und keinen Zufall wissen: Wo Tugenden auß mir in Warheit sollen fliessen. 55. Der Geistr. Sinn und schlußr. 55. Der Brunquell ist in uns. Dud arffst zu GOtt nicht schreyn/ der Brunnquell ist in dir: Stopffstu den Außgang nicht/ er fluͤsse fuͤr und fuͤr. 56. Das mißtraun schmaͤhet GOtt. So du auß Mißvertraun zu deinem GOtte flehest/ Und jhn nicht sorgen laͤst: schau daß du Jhn nicht schmaͤhest. 57. Jn Schwachheit wird Gott funden. Wer an den Fuͤssen lahm/ und am Gesicht ist blind/ Der thue sich dann umb/ ob er GOtt jrgends find. 58. Der Eigen gesuch. Mensch suchstu Gott umb Ruh/ so ist dir noch nicht recht/ Du suchest dich/ nicht Jhn? bist noch nicht Kind/ nur Knecht. 59. Wie Gott wil sol man wollen. Waͤr’ ich ein Seraphin/ so wolt ich lieber seyn/ Dem Hoͤchsten zugefalln/ das schnoͤdste Wuͤrmelein. 60. Leib/ Seele/ und Gottheit. Die Seel ist ein Kristall/ die GOttheit ist jhr schein: Der Leib/ in dem du Lebst/ ist ihrer beider schreyn. 61. Jn dir muß GOtt gebohren werden. Wird Christus tausendmahl zu Bethlehem gebohrn/ Und nicht in dir; du bleibst noch Ewiglich verlohrn. 62. Das aͤussre hilfft dich nicht. Das Kreutz zu Golgatha kan dich nicht von dem boͤsen/ Wo es nicht auch in dir wird auffgericht/ erloͤsen. B 4 63. Steh Joh. Angeli erstes Buch 63 Steh selbst von Todten auff. Jch sag/ es hilfft dich nicht/ daß Christus aufferstanden/ Wo du noch ligenbleibst in Suͤnd und todesbanden. 64. Die geistliche Saͤung. GOtt ist ein Ackersmann/ das Korn sein ewges Wort Die Pflugschar ist sein Geist/ mein Hertz der saͤungsort. 65. Armut ist Goͤttlich. GOtt ist das aͤrmste ding/ Er steht gantz bloß und frey; Drumb sag ich recht und wol/ daß armut Goͤttlich sey. 66. Das Hertz ist GOttes Herd. Wo GOtt ein Fewer ist/ so ist mein Hertz der Herd/ Auf welchem Er das Holtz der Eittelkeit verzehrt. 67. Das Kind schreyt nach der Mutter. Wie ein entmilchtes Kind nach seiner Mutter weint: So schreyt die Seel nach GOtt/ die Jhn alleine meint. 68. Ein Abgrund rufft dem andern. Der Abgrund meines Geists rufft immer mit Geschrey Den Abgrund GOttes an: Sag welcher tieffer sey? 69. Milch mit Wein staͤrcket fein. Die Menschheit ist die Milch/ die GOttheit ist der Wein: Trink Milch mit Wein vermischt/ wiltu gestaͤrket seyn. 70. Die Liebe: Die Lieb’ ist unser GOtt/ es lebet alls durch Liebe: Wie seelig waͤr’ ein Mensch der staͤts in jhr verbliebe! 71. Man Geistr. Sinn-und schlußr. 71. Man muß das Wesen seyn. Lieb’ uͤben hat viel Muͤh; wir sollen nicht allein Nur Lieben; sondern selhst/ wie GOtt die Liebe seyn. 72. Wie sicht man GOtt? GOtt wohnt in einem Licht/ zu dem die bahn gebricht: Wer es nicht selber wird/ der siht jhn Ewig nicht. 73. Der Mensch war GOttes Leben. Eh ich noch etwas ward/ da war ich GOttes Leben: Drum̃ hat er auch fuͤr mich sich gantz und gar gegeben. Joh. 1. Quod factum est in ipso vita erat. 74. Man sol zum anfang kommen. Der Geist den GOtt mir hat im Schoͤpffen eingehaucht/ Sol wider Wesentlich in Jhm stehn eingetaucht. Warhafftig/ gaͤntzlich/ jnniglich/ also Wesentliche einkehrung beym Blosio instit. c. 3. num. 8. 75. Dein Abgott/ dein begehren. Begehrstu was mit GOtt/ ich sage klar und fꝛey/ (Wie Heylig du auch bist) daß es dein Abgott sey. 76. Nichts wollen macht GOtte gleich. GOtt ist die Ewge Ruh/ weil Er nichts sucht noch wil: Wiltu ingleichem nichts/ so bistu eben vil. 77. Die dinge sind geringe. Wie klein ist doch der Mensch/ der etwas groß thut schaͤtzen/ Und sich nicht uͤber sich in GOttes Thron einsetzen! B 5 78. Das Joh: Angeli erstes Buch 78. Das Geschoͤpff ist nur ein stüpffchin. Schau alles was GOtt schuf/ ist meinem Geist so klein/ Daß es jhm scheint in jhm ein eintzig Stuͤpfchen seyn. 79. GOtt traͤgt volkom̃ne Friichte. Wer mir Vollkom̃enheit wie Gott hat ab-wil-sprechen/ Der muͤste mich zuvor von seinem Weinstok brechen. 80. Ein jedes in dem seinigen. Der Vogel in der Lufft/ der Stein ruht auff dem Land/ Jm Wasser lebt der Fisch/ mein Geist in GOttes Hand. 81. GOtt bluͤht auß seinen Zweigen. Bistu auß GOtt gebohrn/ so bluͤhet GOtt in dir: Und seine GOttheit ist dein Safft und deine Zier. 82. Der Himmel ist in dir. Halt an wo lauffstu hin/ der Himmel ist in dir: Suchstu GOtt anders wo/ du fehlst Jhn fuͤr und fuͤr. 83. Wie kan man GOttes genissen. GOtt ist ein Einges Ein/ wer seiner wil geniessen/ Muß sich nicht weniger als Er/ in Jhn einschlissen. 84. Wie wird man GOtte gleich? Wer GOtt wil gleiche seyn/ muß allem ungleich werden. Muß ledig seiner selbst/ und loß seyn von beschwerden. 85. Wie hoͤrt man GOttes Wort? So du das Ewge Wort in dir wilt hoͤren sprechen: So mustu dich zuvor vom hoͤren gantz entbrechen. 86. Jch Geistr. Sinn-und schlußr. 86. Jch bin so breit als GOtt. Jch bin so breit alß GOtt/ nichts ist in aller Welt/ Das mich (O Wunder ding!) in sich umbschlossenhaͤlt. 87. Jm Ekstein liegt der Schatz. Was marterstu das aͤrtzt: der Ekstein ists allein/ Jn dem Gesundheit/ Gold/ und/ alle Kuͤnste seyn. 88. Es ligt alls im Menschen. Wie mag dich doch O Mensch nach etwas thun Ver- langen/ Weil du in dir haͤlst GOtt und alle Ding’ umbfangen? 89. Die Seel ist GOtte gleich. Weil meine Seel in GOtt steht ausser Zeit und Ort/ So muß sie gleiche seyn dem Ort und Ewgen Wort. 90. Die Gottheit ist das gruͤne. Die GOttheit ist mein Safft: was auß mir gruͤnt und bluͤht/ Das ist sein Heiliger Geist/ durch den der trib geschiht. 91. Man sol fuͤr alles danken. Mensch so du GOtt noch pflegst und diß und das zu- danken/ Bistu noch nicht versetzt auß deiner schwachheit schrankē. 92. Wer gantz Vergoͤttet ist. Wer ist als waͤr’ er nicht/ und waͤr’ er nie geworden: Der ist (O seeligkeit!) zu lauter GOtte worden. 93. Jn sich hoͤrt man daß Wort. Wer in sich selber sitzt/ der hoͤret GOttes Wort/ (Vernein es wie du wilt) auch ohne Zeit und Ort. B 6 94. Die Joh: Angeli erstes Buch 94. Die Demut. Die Demut ist der Grund/ der Dekkel/ und der schreyn/ Jn dem die Tugenden stehn und beschlossen seyn. 95. Die Lauterkeit. W a nn ich die Lauterkeit durch GOtt geworden bin/ So weud’ ich mich umb GOtt zu finden nirgends hin. 96. GOtt mag nichts ohne mich. GOtt mag nicht ohne mich ein eintzigs Wuͤrmlein machen: Erhalt’ ichs nicht mit Jhm/ so muß es straks zukrachen/ 97. Mit GOtt vereinigt seyn/ ist gut fuͤr Ewge Pein. Wer GOtt vereinigt ist/ den kan Er nicht verdammen: Erstuͤrtze sich dann selbst mit jhm in Tod und Flam̄en. 98. Der todte Wille herscht. Dafern mein Will’ ist todt/ so muß GOtt waß ich wil: Jch schreib Jhm selber fuͤr das Muster und das Zil. 99. Der Gelassenheit gilts gleiche. Jch lasse mich GOtt gantz/ wil Er mir Leyden machen/ So wil ich Jhm so wol/ als ob den Freuden lachen. 100. Eins haͤlt das ander. GOtt ist so vil an mir/ als mir an Jhm gelegen/ Sein wesen helff ich Jhm/ wie Er das meine hegen. 101. Christus. Hoͤrt wunder! Christus ist das Lamb und auch der Hirt/ Wenn Gott in meiner Seel ein Mensch gebohren wird. 102. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 102. Die geistliche Goldmachung. Dann wird das Bley zu Gold/ dann faͤllt der Zufall hin/ Wann ich mit GOtt durch GOtt in GOtt verwandelt bin. 103. Auch von derselben. Jch selbst bin das Metall/ der Geist ist Feur und Herd/ Meslias die Tinctur, die Leib und Seel verklaͤrt. 104. Noch von jhr. So bald durch Gottes Feur ich mag geschmeltzet seyn/ So drukt mir GOtt alßbald sein eigen Wesen ein. 105. Das Bildnuß Gottes. Jch trage GOttesbild: wenn Er sich wil besehn/ So kan es nur in mir/ und wer mir gleicht/ geschehn. 106. Das ein’ ist in dem Andern. Jch bin nicht ausser GOtt/ und GOtt nicht ausser mir/ Jch bin sein Glantz und Liecht/ und Er ist meine Zihr. 107 Es ist noch alls in GOtt. Jsts/ daß die Creatur auß GOtt ist außgeflossen: Wie haͤlt Er sie dannoch in seiner Schoß beschlossen? 108. Die Rose. Die Rose/ welche hier dein aͤußres Auge siht/ Die hat von Ewigkeit in GOtt also gebluͤht. idealiter. 109. Die Geschoͤpffe. Weil die Geschoͤpffe gar in GOttes Wort bestehn: Wie koͤnnen sie dann je zerwerden und vergehn? B 7 110. Das Joh. Angeli erstes Buch. 110. Das Gesuche deß Geschoͤpffes. Vom Ersten Anbegin/ und noch biß heute zu/ Sucht das Geschoͤpffe nichts als seines Schoͤpffers Ruh. 111. Die GOttheit ist ein nichts. Die zarte GOttheit ist ein nichts und uͤbernichts: Wer nichts in allem sicht/ Mensch glaube/ dieser sichts. 112. Jn der Sonnen ists gut seyn. Wer in der Sonnen ist/ dem mangelt nicht das Licht/ Das dem/ der ausser jhr verjrret geht/ gebricht/ 113. Die Seelen Sonne. Nimb hin der Sonnen Liecht: mein Jesus ist die Son̄e/ Die meine Seel erleucht/ und macht sie voller Wonne. 114. Die Sonn ist schon genug. Wem seine Sonne scheint/ derselbe darf nicht guͤken/ Ob jrgent wo der Mon/ und andre Sterne bliken. 115. Du selbst must Sonne seyn. Jch selbst muß Son̄e seyn/ ich muß mit meinen Strahlen Das farbenlose Meer der gantzen GOttheit mahlen. 116. Der Thau. Der Thau erquikt das Feld: Sol er mein Hertze laben/ So muß er seinen fall vom Hertzen JEsu haben. 117. Nichts suͤsses in der Welt. Wer etwas in der Welt mag suͤß’ und Lieblich nennen: Der muß die Suͤssigkeit/ die GOtt ist/ noch nicht kennen. 118. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 118. Der Geist bleibt allzeit frey. Schleuß mich so streng du wilt in tausend Eisen ein/ Jch werde doch gantz frey/ und ungefasselt seyn. 119. Zum Ursprung mustu gehn. Mensch in dem Ursprung ist das Wasser rein und klar/ Trinkstu nicht auß dem Qual/ so stehstu in Gefahr. 120. Die Perle wird vom Thau. Die Schneke lekt den Thau/ und ich HERR CHrist dein Blut: Jn beiden wird gehohrn ein kostbarliches Gut. 121. Durch die Menschheit zu der GOttheit. Wiltu den Perlethau der edlen GOttheit fangen/ So mustu unverrukt an seiner Menschheit hangen. 122. Die Sinligkeit bringt Leyd. Ein Auge das sich nie der Lust deß sehns entbricht: Wird endlich gar Verblendt/ und siht sich selbsten nicht/ 123. GOtt klagt umb seine Braut. Die Turtel Daube klagt/ daß sie den Mann verlohren/ Und GOtt/ daß du den Tod/ fuͤr Jhn dir hast erkohren. 124. Du musts hinwider seyn. Gott ist dir worden Mensch/ wirstu nicht wieder Gott/ So schmaͤhstu die Geburt/ und hoͤnest seinen Tod. 125. Die Gleichheit hat nicht Pein. Wem alles Gleiche gilt/ den ruͤhret keine Pein/ Und solt’ er auch im Pful der tieffsten Hoͤllen seyn. 126. Begehrn Joh: Angeli erstes Buch 126. Begehrn erwartt gewehrn. Mensch wann du noch nach GOtt begihr hast und ver- langen/ So bistu noch vom Jhm nicht gantz und gar umfangen. 127 Es gilt GOtt alles gleich. Gott hat nicht Unterscheid/ es ist Jhm alles ein: Er machet sich so viel der Flieg’ als dir gemein. 128 Alles liegt an der Empfaͤnglichkeit. Vermoͤcht’ ich GOtts so viel als Christus zu empfange/ Er liesse mich darzu im Augenblik gelangen. 129 Das boͤß’ entsteht auß dir. Gott ist ja nichts als gut: Verdamnuͤß/ Tod/ und Pein/ Und was man boͤse nennt/ muß Mensch in dir nur seyn. 130 Die bloßheit ruht in Gott. Wie seelig ruht der Geist in deß Geliebten schoß! Der Gotts/ und aller ding’/ und seiner selbst steht bloß. 131 Das Paradeyß in Pein. Mensch bistu Gott getreu/ und meinest Jhn allein: So wird die groͤste Noth ein Paradeiß dir seyn. 132 Bewehret muß man seyn. Mensch in das Paradeyß komt man nicht unbewehrt/ Wiltu hinein/ du must durch Feuer und durch Schwerdt. 133 Gott ist ein Ewges Nun. Jst GOtt ein Ewges Nun/ was faͤllet dann darein/ Daß Er nicht schon in mir kan alls in allem seyn? 134. Unvoll- Geistr. Sinn-und schlußr. 134 Unvollkomne gestorbenheit. Wo dich noch diß und das bekuͤmmert und bewegt/ So bistu noch nicht gantz mit GOtt ins Grab gelegt. 135 Bey Gott ist nur sein Sohn. Mensch werd’ auß Gott gebohrn: bey seiner GOttheit Thron/ Steht niemand anders als der eingebohrne Sohn. 136 Wie ruhet GOtt in mir? Du must gantz lauter seyn/ und stehn in einem Nun/ Sol GOtt in dir sich schaun/ und saͤnfftiglichen ruhn: 137. GOtt verdam̃et niemand Was klagstu uͤber GOtt? Du selbst verdam̄est dich: Er moͤcht’ es ja nicht thun/ das glaube sicherlich. 138. Je mehr du auß/ je mehr GOtt ein. Je mehr du dich auß dir kanst außthun und entgiessen; Je mehr muß GOtt in dich mit seiner GOttheit fliessen. 139. Es traͤgt und wirt getragen: Das Wort/ das dich und mich/ und alle dinge traͤgt/ Wird widerumb von mir getragen und gehaͤgt. 140. Der Mensch ist alle Dinge Der Mensch ist alle ding’: Jsts daß jhm eins gebricht/ So kennet er fuͤrwar sein Reichthumb selber nicht. 141. Es sind viel tausend Sonnen. Du sprichst im Firmament sey eine Sonn’ allein: Jch aber sage/ daß vil tausend Sonnen seyn. 142. Je Joh: Angeli erstes Buch 142. Je mehr man sich er giebt/ je mehr wird man geliebt. Warumb wird Seraphin von GOtte mehr geliebt Als eine Muͤk? Es ist/ daß er sich mehr ergiebt. 143. Die Selbheit die verdambt. Dafern der Teufel koͤnt’ auß seiner seinheit gehn/ So se hestu jhn straks in GOttes Throne stehn. 144, Der Schoͤpffer kans alleine. Was bildestu dir ein zu zehln der Sternenschaar? Der schoͤpffer ists allein/ der sie kan zehlen gar. 145. Jn dir ist was du wilt. Der Himmel ist in dir/ und auch der Hoͤllen Qual: Was du erkiest und wilst/ das hastu uͤberall. 146. GOtt liebt nichts ausser Christo. So lieb GOtt eine Seel in Christi glantz und Licht: So unlieb ist sie Jhm/ im fall’ er jhr gebricht. 147. Die Jungfern Erde. Das feinest’ auff der Welt ist reine Jungfern Erde: Man saget daß jhr das Kind der weisen werde. 148. Das gleichnuͤß der Dreyeinigkeit. Der Sinn/ der Geist/ das Wort/ die lehren klar und frey. (So du es fassen kanst) wie GOtt Drey Einig sey. 149. Es laͤst sich nicht bezirken. So wenig als dir ist die Weite GOttes kund: So wenig ist die Welt/ wie dn sprichst Zirkelrund. 150. Eins Geistr. Sinn-und schlußr. 150. Eins in dem Andern. Jst meine Seel im Leib/ und gleich durch alle Glieder: So sag ich recht und wol/ der Leib ist in jhr wieder. 151. Der Mensch ist GOttes kindbett. Da GOtt das erstemahl hat seinen Sohn gebohrn/ Da hat er mich und dich zum Kindbett außerkohrn. 152. Du selbst must GOttes Laͤm- lein seyn. Daß GOtt ein Laͤmmlein ist/ das hilfft dich nicht mein Christ: Wo du nicht selber auch ein Laͤmmlein GOttes bist. 153. Du must zum Kinde werden. Mensch wirstu nicht ein kind/ so gehstu nimmer ein/ Wo GOttes Kinder seynd: die Thuͤr ist gar zu klein. 154. Die geheime Jungfrauschafft. Wer lauter wie das Licht/ Rein wie der Ursprung ist/ Derselbe wird von GOtt fuͤr Jungfrau außerkist. 155. Hier muß der Anfang seyn. Mensch wiltu ewiglich beym Laͤmlein GOttes stehn/ So mustu schon allhier in seinen tritten gehn 156, GOtt selbst ist unßre Weide. Schaut doch das Wūder an! Gott macht sich so gemein/ Daß Er auch selber wil der Laͤmmer Weide seyn. 157. Die Wunderliche verwandnuß Gottes. Sag an O grosser GOtt/ wie bin ich dir verwandt? Daß du mich Mutteꝛ/ Braut/ Gemahl/ un̄ Kind genandt. 158. Wer Joh: Angeli erstes Buch 158. Wer trinkt den Lebensbrunn? Wer dorte bey dem Brunn deß Lebens denkt zusitzen: Der muß zuvor allhier den eignen Durst außschwitzen. 159. Die ledigkeit ist wie GOtt. Mensch wo du ledig bist/ das Wasser quillt auß dir/ So wol als auß dem Brunn der Ewigkeit herfuͤr. 160. GOtt duͤrstet/ traͤnk Jhn doch. GOtt selber klaget durst: Ach daß du Jhn so Kraͤnkest! Und nicht wie jenes Weib die Samaritin Traͤnkest. 161. Das Ewge Licht. Jch bin ein Ewig Licht/ Jch brenn ohn unterlaß: Mein tocht und oͤl ist Gott/ Mein Geist der ist das Faß. 162. Du must die Kindschafft haben, So du den hoͤchsten Gott wilt deinen Vatter nennen/ So mustu dich zuvor sein Kind zu seyn/ bekennen. 163. Die Menschheit sol man lieben. Daß du nicht Menschen liebst/ das thustu recht und wol/ Die Menschheit ists die man im Menschen lieben sol. 164. GOtt schaut man mit gelassenheit. Der Engel schauet GOtt mit heitern Augen an: Jch aber noch vil mehr/ so ich GOtt lassen kan. 165. Wo die Weißheit gerne ist. Die Weißheit findt sich gern wo jhre Kinder sind/ Warum̄? (O wunder ding!) sie selber ist ein Kind. 166. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 166. Der Spiegel der Weißheit. Die Weißheit schauet sich in jhrem Spiegel an. Wer ists? sie selber/ und wer Weißheit werden kan. 167, So viel du in GOtt/ so viel Er indir. So viel die Seel in GOtt/ so viel ruht GOtt in jhr: Nichts minder oder mehr/ Mensch glaub es/ wird er dir. 168. Christus ist alles. O Wunder! Christus ist die Warheit und das Wort/ Licht/ Leben/ Speiß/ und Tranck/ Pfad/ Pilgram/ Thuͤr und Ort. 169. Nichts verlangen ist Seeligkeit. Die Heilgen sind darumb mit GOttes ruh umbfangen/ Und haben Seeligkeit/ weil sie nach nichts verlangen. 170. GOtt ist nicht hoch noch tieff. GOtt ist nicht hoch/ nicht tieff: wer endlich anderst spricht/ Der hat der Wahrheit noch gar schlechten Unterricht. 171. GOtt findet man mit nicht-suchen. GOtt ist nicht hier noch da: wer jhn begehrt zufinden Der laß’ jhm Haͤnd’ und Fuͤß’/ und Leib un̄ Seele binden. 172. GOtt siehet ehe du gedaͤnkst. Wo GOtt von Ewigkeit nich sihet die Gedanken/ So bistu eh’ als Er: Er stuͤpffchen/ und du schranken. 173. Der Mensch lebt nicht vom Brodt allein. Das Brodt ernaͤhrt dich nicht: was dich im Brodte speist/ Jst GOttes Ewigs Wort/ ist Leben/ und ist Geist. 147. Die Joh: Angeli erstes Buch 174. Die gaben sind nicht GOtt. Wer GOtt umb gaben Bitt/ der ist gar uͤbel dran: Er bettet das Geschoͤpff/ und nicht den Schoͤpffer an. 175. Sohn seyn ist schon genung. Sohn ist das liebste Wort/ das Gott zu miꝛ mag sprechen- Spricht Ers: so mag mir Welt und GOtt auch selbst gebrechen. 176. Eins wie das ander. Die Hoͤll wird Him̄elreich/ noch hier auf diser Erden/ (Und diß scheint wunderlich) wann Himmel Hoͤll kan werden. 177. Jm Grund ist alles eins. Man redt von Zeit und Ort/ von Nun und Ewigkeit: Was ist dann Zeit und Ort/ und Nun und Ewigkeit? 178. Die Schuld ist deine. Daß dir im Sonne sehn vergehet das Gesicht/ Sind deine Augen schuld/ und nicht das grosse Licht. 179. Der Brunqell GOttes. Dieweil der Gottheit Stroͤm’ auß mir sich solln ergiessen; Muß ich ein Brunquell seyn: sonst wuͤrden sie verfliessen. 180. Ein Christ ist Kirch’ und alles. Was bin ich endlich doch? Jch sol die Kirch’ und Stein/ Jch sol der Prister GOtts und auch das Opffer seyn. 181. Man muß Gewalt anthun. Wer sich nicht draͤngt zu seyn deß hoͤchsten liebes Kind/ Der bleibet in dem Stall wo Vieh und Knechte sind. 182. Der Geistr. Sinn- und schlußr. 182. Der Loͤhner ist nicht Sohn. Mensch dienstu Gott umb gutt/ umb seeligkeit/ umb Lohn; So dienstu jhm noch nicht auß liebe wie ein Sohn. 183. Die geheimbe Vermaͤhlung. Was Freude muß doch seyn! wenn GOtt Jhm seine Braut/ Jn seinem Ewgen Wort durch seinen Geist vertraut. 184. GOtt ist mir was ich wil. GOtt ist mein Stab/ mein Licht/ mein Pfad/ mein Zil/ mein Spiel. Mein Vatter/ Bruder/ Kind/ und alles was ich wil. 185. Der Orth ist selbst in dir. Nicht du bist in dem Orth/ der Orth der ist in dir! Wirfstu jhn auß/ so steht die Ewigkeit schon hier. 186. Der ewigen Weißheit Hauß. Die Ewge Weißheit baut: Jch werde der Pallast: Wann sie in mir/ und ich in jhr gefunden rast 187. Die weite der Seelen. Die Welt ist mir zu aͤng/ der Himmel ist zu klein: Wo wird doch noch ein Raum fuͤr meine Seele seyn? 188. Die Zeit und Ewigkeit Du sprichst: Versetze dich auß Zeit in Ewigkeit. Jst dann an Ewigkeit und Zeit ein unterscheid? 189. Der Mensch der macht die Zeit. Du selber machst die Zeit: das Uhrwerk sind die sinnen: Hemstu die Unruh nur/ so ist die Zeit von hinnen. 190. Die Joh: Angeli erstes Buch 190. Die Gleichheit. Jch weiß nicht was ich sol! Es ist mir alles Ein/ Orth/ Unorth/ Ewigkeit/ Zeit/ Nacht/ Tag/ Freud/ und Pein. 191. Wer GOtt sol schaun/ muß alles seyn. Wer selbst nicht alles ist/ der ist noch zugeringe/ Daß er dich sehen sol Mein GOtt und alle Dinge. 192. Wer recht Vergoͤttet ist. Mensch allererst wenn du bist alle Dinge worden/ So stehstu in dem Wort / und in der Goͤtter Orden. 193. Die Creatur ist recht in GOtt. Die Creatur ist mehr in GOtte dann in Jhr: Zerwird sie/ bleibt sie doch in Jhme fuͤr und fuͤr. 194. Was bistu gegen GOtt. Mensch duͤnke dich nur nicht fuͤr GOtt mit werken viel/ Denn Aller Heiligen thun ist gegen GOtt ein spil. 195. Das Licht besteht im Feuer. Das Licht gibt allem krafft: GOtt selber lebt im Lichte: Doch/ waͤr’ Er nicht das Feur/ so wuͤrd es bald zu nichte 196. Die geistliche Arch und s’ Manna- Kruͤeglein. Mensch ist dein Hertze Gold/ und deine Seele rein/ So kanst auch du die Arch/ und s’ Mannakruͤglein seyn. 197. GOtt macht Vollkommen seyn. Daß GOtt Allmaͤchtig sey/ das glaubet jener nicht/ Der mir Vollkommenheit/ wie GOtt begehrt/ abspricht. 198. Das Geistr. Sinn- und schlußr. 198. Das Wort ist wie das Feuer. Das Feur ruͤgt alle Ding’ und wird doch nicht bewegt: So ist das ewge Wort das alles hebt und regt. 199 GOtt ausser Creatur. Geh hin/ wo du nicht kanst: sih/ wo du sihest nicht: Hoͤr wo nichts schallt und klingt/ so bistu wo Gott spricht. 200. GOtt ist nichts (Creatuͤrlichs.) GOtt ist warhafftig nichts: und so er etwas ist: So ist Ers nur in mir/ wie er mich Jhm erkist. 201. Warumb wird GOtt gebohrn? O Unbegreifflichkeit! GOtt hat sich selbst verlohrn/ Drumb wil er widerumb in mir seyn Neugebohrn. 202. Die hohe Wuͤrdigkeit/ O hohe Wuͤrdigung! GOtt springt von seinem Thron / Und setzet mich darauf in seinem lieben Sohn. 203. Jmmer dasselbige. Jch ward das was ich war/ und bin was ich gewesen/ Und werd’ es ewig seyn/ wenn Leib und Seel genesen. 204. Der Mensch ists hoͤchste Ding. Nichts duͤnkt mich hoch zu seyn: Jch bin das hoͤchste Ding/ Weil auch GOtt ohne mich Jhm selber ist gering. 205. Der Ort ist das Wort. Der ort unds’ Wort ist Eins/ und waͤre nicht der ort/ (Bey Ewger Ewigkeit!) es waͤre nicht das Wort. C 206. Wie Joh: Angeli erstes Buch 206. Wie heist der Neue Mensch? Wiltu den Neuen Mensch und seinen Namen kennen/ So frage GOtt zuvor wie er pflegt sich zunennen. 207. Die schoͤnste Gasterey. O suͤsse Gasterey! GOtt selber wird der Wein/ Die Speise/ Tisch/ Musik/ und der bediener seyn! 208. Die seelige Voͤllerey. Zu viel ist niemals gutt/ ich hasse Voͤller ey! Doch wuͤnsch’ ich daß ich GOtts so Voll als Jesus sey! 209. Wie der Mund so der Trank. Die Hure Babylon trinkt Blutt/ und trinkt den Tod: O grosser unterscheid! Jch trinke Blutt und GOtt. 210. Je auffgegebner je Goͤttlicher. Die Heilgen sind so viel von Gottes Gottheit trunken/ So viel sie sind in jhm verlohren und versunken. 211. Das Himmelreich ist der Gewalt- samen. Nicht GOtt gibts Himmelreich: du selbst musts zu dir ziehn/ Und dich mit gantzer macht und Eyfer drumb bemuͤhn. 212. Jch wie GOtt/ GOtt wie ich. GOtt ist das was Er ist: Jch was ich durch ihn bin: Doch kennstu einen wol/ so kenstu mich und Jhn. 213. Die Suͤnde. Der durst ist nicht ein Ding/ und doch kan er dich plagen: Wie sol dann nicht die Suͤnd den boͤsen Ewig Nagen? 214. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 214. Die Sanffmuth. Die Sanfftmut ist ein sammt auf dem GOtt ruht und liegt: Er dankt dir/ bistu sie/ daß er sein Polster kriegt. 215. Die Gerechtigkeit. Was ist Gerechtigkeit? das/ welches allen gleich Sich gibt/ entbeutht/ gelaͤst/ hier und im Himmelreich. 216. Die Vergoͤttung. GOtt ist mein Geist/ mein Blutt/ mein Fleisch/ und mein Gebein: Wie sol ich dann mit jhm nicht gantz durchgoͤttet seyn? 217. Würken und Ruhn ist recht Goͤttlich. Fragstu was Gott mehr liebt/ jhm wuͤrken oder ruhn? Jch sage daß der Mensch/ wie GOtt/ sol beides thun. 218. Das Goͤttliche Sehen. Wer in dem Naͤchsten nichts als Gott un̄ Christum siht. Der sihet mit dem Licht das auß der Gottheit bluͤht. 219. Die Einfalt. Die Einfalt ist so wehrt/ daß wann sie GOtt gebricht/ So ist er weder GOtt noch Weißheit/ noch ein Licht. 220. Jch auch zur rechten GOttes. Weil mein Erloͤser hat die Menschheit aufgenommen/ So bin auch Jch in Jhm zur rechten GOttes kommen. 221. Der Glaube. Der Glaube Senffkorns groß versetzt den Berg ins Meer: Daͤnkt was Er koͤnte thun/ wann er ein kuͤrbis waͤr! C 2 222. Die Joh: Angeli erstes Buch 222. Die Hoffnung. Die Hoffnung ist ein Seil: koͤm’ein Verdambter hoffen: GOtt zuͤg jhn auß dem Pful in dem er ist ersoffen. 223. Die Zuversicht. Die Zuversicht istgut/ und das Vertrauen fein: Doch/ bistu nicht gerecht/ so bringt es dich in Pein. 224. Was GOtt mir/ bin ich Jhm. GOtt ist mir GOtt und Mensch: ich bin Jhm Mensch und GOtt. Jch loͤsche seinen Durst/ und er hilfft mir auß Noth. 225. Der Anti-Christ. Was gaffstu vil mein Mensch? der Anti-Christ unds Thier (Jm Fall du nicht in GOtt) sind alle zwey in dir. 226. Die Babel. Du bist die Babel selbst: gehst du nicht auß dir auß/ So bleibstu ewiglich deß Teuffels Polter-Hauß. 227. Die Rachgiehr. Die Rachgiehr ist ein Rad das nimmer stille steht: Je mehr es aber laufft/ je mehr es sich vergeht. 228. Die Abscheuligkeit der Boßheit. Mensch soltestu in dir das Ungeziefer schauen/ Es wuͤrde dir fuͤr dir als fuͤr dem Teufel grauen. 229. Der Zorn. Der Zorn ist hoͤllisch Feur/ wann er in dir entbrennt/ So wird dem heilgen Geist sein Ruhbettlein geschaͤndt. 230. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 230. Die seeligkeit ist leichter zuerlangen als die Verdamnuͤß. Es dunkt mich leichter seyn in Himmel sich zuschwingen; Als mit der Suͤnden muͤh in Abgrund ein zu dringen. 231. Der Weltliebende Reiche. Christ wen̄ ein Schiffseil wird durchs Nadeloͤhr gezogen/ So sprich/ der Reiche sey ins Himmelreich geflogen. 232. HErr dein Wille geschehe. Das Wort das GOtt von dir am allerliebsten hoͤrt/ Jst wann du hertzlich sprichst: Sein Wille sey geehrt. 233. GOttes Nachgeklinge. Mein Lieb und alle Ding’ ist GOttes nachgeklinge/ Wann Er mich hoͤret schreyn/ Mein GOtt und al- le Dinge. 234. GOtt umb GOtt. HErꝛ liebstu meine Seel/ so laß sie dich umbfassen: Sie wird dich nimmermehr umb tausend GOtte lassen: 235. Alles mit GOtt. Jch bethe GOtt mit GOtt auß Jhm/ und in Jhm an: Er ist mein Geist/ mein Wort/ mein Psalm/ und was ich kan. 236. Der Geist vertrit uns’ GOtt liebt und lobt sich selbst/ so viel er immer kan: Er kniet und neiget sich/ Er betht sich selber an. 237. Jm jnnern bethet man recht. Mensch so du wissen wilt was redlich bethen heist: So geh in dich hinein/ und frage GOttes Gejst. C 3 238. Das Joh: Angeli erstes Buch 238. Das Wesentliche Gebethe. Wer lauters Hertzens lebt/ und geht auff Christi Bahn/ Der bethet wesentlich GOtt in sich selber an. 239, GOtt lobt man in der stille. Meinstu O armer Mensch/ daß deines Munds geschrey Der rechte Lobgesang der stillen GOttheit sey? 240. Das still schweigende Gebeth. GOtt ist so uͤberalls daß man nichts sprechen kan: Drumb bettestu Jhn auch mit schweigen besser an. 241. GOttes Leibgedinge. Mein Leib (O Herligkeit!) ist GOttes Leib-gedinge/ Drumb schaͤtzt er Jhn darinn zuwohnen nicht geringe. 242. Die Thuͤr muß offen seyn. Eroͤffene die Thuͤr/ so komt der heilge Geist/ Der Vater/ und der Sohn/ Dreyeinig eingereist. 243. Das Wohnhauß GOttes. Christ/ so du JEsum liebst und seine Sanfftmutt hast/ So findet GOtt in dir sein Woynhauß/ Ruh/ und rast. 244. Die Liebe ist der weisen Stein. Lied’ ist der weisen Stein: sie scheidet Gold auß koth/ Sie machet nichts zu jchts/ und wandelt mich in GOtt. 245. Es muß vereinigt werden. Jm fall die Liebe dich versetzen sol auß Peyn/ Muß deine Menschheit vor mit GOttes Eines seyn. 246. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 246. Die Tingierung. Der heilge Geist der schmeltzt/ der Vater der verzehrt/ Der Sohn ist die Tinctur, die Gold macht und verklaͤrt. 247. Das alte ist hinweg. So wenig du das Gold kanst schwartz und Eisen nennen: So wenig wirstu dort den Mensch am Menschen ken̄en 258. Die genaue Vereinigung. Schau doch wie hoch Vereint die Goldheit mit dem Bley/ Und der Vergoͤttete mit Gottes wesen sey! 249. Die Goldheit und GOttheit. Die Goldheit machet Gold/ die Gottheit machet GOtt: Wirstu nicht eins mit jhr/ so bleibstu Bley und Koth. 250. Wie die Goldheit also die Gottheit. Schau wie die Goldheit ist deß Golds fluß/ schwer’ und schein: So wird die Gottheit auch jm seelgen alles seyn. 251 Das liebste Kind GOttes. Sag wie ich moͤge seyn deß Vaters liebstes Kind? Wann Er sich selbst und alls/ und Gottheit in dir findt. 252, Die Goͤttliche Kindtschafft. Jst GOttes GOttheit mir nicht jnniglich gemein/ Wie kan ich dann sein Kind/ und Er mein Vater seyn? 253. Der Kinder ists Him̃elreich. Christ so du kanst ein Kind von gantzem Hertzen werden/ So ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden. C 4 255. Die Joh: Angeli erstes Buch 254. Die Kindheit und GOttheit. Weil sich die GOttheit hat in Kindheit mir erzeigt/ Bin ich der Kindheit und der Gottheit gleich geneigt. 255. Kind und GOtt. Kind oder GOtt gilt gleich: hastu mich Kind genennt/ So hastu GOtt in mir/ und mich in GOtt bekennt. 256. Die widergiltliche Kind- und Vatterschafft. Jch bin GOtts Kind und Sohn/ Er wider ist mein Kind: Wie gehet es doch zu daß beide beides sind! 257. Die Dreyeinigkeit in der Natur. Daß GOtt Dreyeinig ist/ zeigt dir ein jedes Kraut/ Da Schwefel/ Saltz/ Mercur/ in einem wird geschaut. 258. Das Tingiren. Betrachte das Tingirn/ so sihstu schoͤn und frey/ Wie dein’ Erloͤsung/ und wie die Vergoͤttung sey. 259. Die GOttheit und Menschheit. Die Ewge GOttheit ist der Menschheit so verpflicht! Daß Jhr auch ohne sie Hertz/ Muth und Sinn gebricht. 260. Heut ist der Tag des Heyls. Braut auf der Braͤutgam komt! Man geht nicht mit jhm ein/ Wo man deß Augenbliks nicht kan bereitet seyn. 261. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 261. Die Hochzeit deß Lammes. Die Mahlzeit ist bereitt/ das Lam̄ zeigt seine Wunden: Weh dir/ hastu noch nicht GOtt deinen Braͤutgam funden. 262. Das Hochzeitliche Kleid. Das Hochzeitkleid ist GOtt und seines Geistes liebe: Zeuchs an/ so weicht von dir was deinen Geist macht truͤbe. 263. GOtt forcht sich niemals auß. Die Ewge GOttheit ist so reich an Raht und That/ Daß sie sich selbst noch nie gantz außgeforschet hat. 264. Die Creaturen sind GOttes Widerhall. Nichts weset ohne Stimm: Gott hoͤret uͤberall/ Jn allen Creaturn/ sein Lob und Widerhall. 265. Die Einigkeit. Ach daß wir Menschen nicht wie die Waldvoͤgelein/ Ein jeder seinen thon mit lust zusammen schreyn! 266. Dem Spoͤtter tauget nichts. Jch weiß die Nachtigal strafft nicht des Guk Guks thon: Du aber/ sing ich nicht wie du/ sprichst meinem Hohn. 267. Ein ding behagt nicht im̄er. Freund/ solln wir allesambt/ nur jmmer Eines schreyn/ Was wird diß fuͤr ein Lied/ und fuͤr Gesinge seyn? 268. Veraͤnderung steht fein. Je mehr man Unterscheid der Stimmen vor kanbringen Je wunderbahrlicher pflegt auch das Lied zuklingen. C 5 269. Bey Joh: Angeli erstes Buch 269. Bey GOtt ist alles gleiche. Gott giebet so genau auf das koaxen acht/ Als auf das direlirn/ das jhm die Lerche macht. 270. Die Stimme GOttes. Die Creaturen sind deß Ewgen Wortes Stimme: Es singt und klingt sich selbst in Anmuth un̄ im Grim̄e: 271. An GOtt ist nichts Creatuͤrlichs. Liebstu noch was an Gott/ so sprichstu gleich dabey/ Daß Gott dir noch nicht Gott und alle dinge sey. 272. Der Mensch ist Gottes gleichnuͤß. Was Gott in Ewigkeit begehrn und wuͤnschen kan/ Das schauet Er in mir als seinem gleichnuͤß an. 273. Steig uͤber die Heiligkeit. Die Heiligkeit ist gutt wer druͤber kommen kan/ Der ist mit Gott und Mensch am allerbesten dran. 274. Der Zufall muß hinweg. Der Zufall muß hinweg/ und aller falscher schein: Du must gantz wesentlich und Ungefaͤrbet seyn. 275. Der Mensch bringt alles in GOtt. Mensch alles liebet dich; umb dich ists sehr gedrange: Es lauffet alls zu dir/ daß es zu Gott gelange. 276. Eins des andern Anfang und Ende. Gott ist mein letztes End: Wenn ich sein Anfang bin/ So weset er auß mir/ und ich vergeh in Jhn. 277. Das Geistr. Sinn- und schlußr. 277. Das Ende GOttes. Daß Gott kein ende hat/ gesteh ich dir nicht zu: Denn schau/ Cr sucht ja mich/ daß er in mir beruh. 278. GOttes ander. Er. Jch bin Gotts ander-Er/ in mir findt Cr allein Was Jhm in Ewigkeit wird gleich und aͤhnlich seyn. 279’ Die Jchheit schaffet n i chts. Mit Jchheit fuchestu bald die bald jene sachen: Ach lissest duß’ doch Gott nach seinem willen machen! 280. Der wahre weisen Stein. Dein stein Chymist ist nichts: d’ Ekstein den ich mein/ Jst meine Gold Tinctur, un aller weisen Stein. 281. GOttes Gebotte sind nicht schwer. Mensch lebestu in Gott/ und stirbest deinem willen/ So ist dir nichts so leicht/ als sein Gebott erfuͤllen. 282, Jn GOtt der besto Stand. Was hilfft michs daß den Herrn die Morgensterne Loben/ So ich nicht uͤber sie in Jhn bin aufgehoben. 283. GOtt ist uͤber Heilig. Schreyt hin Jhr Seraphin / das was man von euch list: Jch weiß daß Gott mein Gott noch mehr als Heilig ist 284. Uber alle erkaͤndtnuͤß sol man kommen. Was Cherubin erkennt/ das mag mir nicht genuͤgen/ Jch wil noch uͤber Jhn/ wo nichts erkandt wird/ fliegē. C 6 285. Das Joh: Angeli erstes Buch 285. Das erkennende muß das er- kandte werden. Jn GOtt wird nichts erkandt: Er ist ein Einig Ein. Was man in Jhm erkennt/ das muß man selber seyn/ 286. Jmmer weiter. Maria ist hochwehrt: doch kan ich hoͤher kommen/ Als sie und alle Schaar der Heiligen geklommen. Christus ist unser hoͤchstes Ziehl. 287. Die Schoͤnheit. Die Schoͤnheit ist ein Licht: je mehr dir Licht gebrist/ Je greulicher du auch an Leib und Seele bist. 288. Die gelassene Schoͤnheit. Jhr Menschen lernet doch vonn Wisenblůmelein/ Wie jhr koͤnt Gott gefalln/ und gleichwol schoͤne seyn. Denn sie nehmen sich jhrer schoͤnheit nicht an. 289. Ohne warumb. Die Ros’ ist ohn warumb/ sie bluͤhet weil sie bluͤhet/ Sie achtt nicht jhrer selbst/ fragt nicht ob man sie sihet. 290. Laß GOtt sorgen. Wer schmuͤckt die Lilien? Wer speiset die Nareissen? Was bist dann du mein Christ auf dich so sehr beflissen? 291. Der Gerechte. Daß der gerechte Mensch waͤchst wie ein Palmenbaum Verwunder ich mich nicht; nur daß er noch findt raum! 292. Der Geistr. Sinn- und schlußr. 292. Der Seeligen Lohn. Was ist der Seelgen Lohn? Was wird mir nach dem Streit? Es ist die Lilie der lautern Goͤttligkeit. 293. Wenn man Vergoͤttet ist. Mensch/ wann dich weder Lieb beruͤhrt/ noch Leid verletzt/ So bistu recht in GOtt/ und GOtt in dich bersetzt. 294. GOtt ist ohne Willen. Wir bethen es gescheh mein Herr und Gott dein wille: Und sih/ Er hat nicht will’: Er ist ein Ewge stille. Versteh einen zufaͤlligen willen: denn was GOtt wil/ das wil Er wesentlich. 295. Es mus in dir vor seyn. Mensch wird das Paradiß in dir nicht erstlich seyn/ So glaube mir gewiß/ du kommest nimmer drein. 296. Die Naͤchsten GOttes gespielen. Gott’ ist nicht alles nah: die Jungfraw und das Kind/ Die zwey die sinds allein die Gottsgespielen sind. 297. Nicht Nakt und doch unbekleidt. Nakt darf ich nicht fuͤr Gott; und muß doch unbekleidt Jns Him̄elreich eingehn/ weil es nichts fremdes leidt. 298. Das Him̄elreich ist innwendig in uns. Christ mein wo lauffstu hin? der Himmel ist in dir. Was suchstu jhn dann erst bey eines andern Thuͤr? C 7 299. Mit Joh: Angeli erstes Buch 299. Mit schweigen hoͤret man. Das Wort schallt mehr in dir/ als in deß andern Munde: So du jhm schweigen kanst/ so hoͤrstu es zur Stunde. 300. Trink auß deinem eignen Bronnen. Wie thoͤricht thut der Mann der auß der Pfuͤtze trinkt/ Und die Fonteine laͤst/ die Jhm im Hauß entspringt. 301. Die Kinder GOttes. Weil Gotteskinder nicht das eigne Lauffen lieben/ So werden sie von jhm und seinem Geist getrieben. 302. Stehn ist zuruͤkke gehn. Wer in den Wegen GOtts gedaͤchte still zustehn/ Der wuͤrde hintersich und ins Verderben gehn. An- Andertes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-reimen. 1. Die Lieb ist uͤber Furcht. GOtt fuͤrchten ist sehr gutt: doch ist es besser lieben: Noch besser uͤber lieb’ in Jhn seyn aufgetrieben. 2. Die Lieb’ ist ein Magnet. Die Lieb ist ein Magnet/ sie ziehet mich in GOtt: Unnd was noch groͤsser ist/ sie reisset GOtt in Tod: 3. Mensch in GOtt/ GOtt im Menschen. Wenn ich bin Gottes Sohn/ wer es dann sehen kan/ Der schauet Mensch in GOtt und Gott im Menschen an. 4. Das Ewge Ja und Nein. GOtt spricht nur jmmer Ja; der Teufel saget nein: Drumb kan er auch mit GOtt nicht Ja und eines seyn. allusio ad Nomen Dei Ebraicum IAH. 5. Das Licht ist nicht GOtt selbst. Licht ist deß HErꝛen Kleid: gebricht dir gleich das Licht/ So wisse daß dir doch GOtt noch nicht selbst gebricht. 6. Nichts Joh: Angeli andertes Buch 6. Nichts ist der beste Trost. Nichts ist der beste Trost: Entzeucht GOtt seinē Schein/ So muß das blosse Nichts dein Trost im Untrost seyn. 7. Das wahre Licht. GOtt ist das wahre Licht/ du hast sonst nichts als glast/ Jm falle du nicht Jhn das Licht der Lichter hast. 8. Mit Schweigen lernet man. Schweig allerliebster schweig: kanstu nur gaͤntzlich schweigen: So wird dir Gott mehr guts/ als du begehrst/ erzeigen. 9. Das Weib auf dem Monden in Apoc. Was sinnestu so tieff? das Weib im Sonneschein Das auf dem Monden steht/ muß deine Seele seyn. 10. Die Braut ist doch das liebste. Sag was du wilt/ die Braut ist doch das liebste kind/ Das man in GOttes schoß und seinen armen findt. 11. Die beste Sicherheit. Schlaf meine Seele schlaf: Dan̄ in deß Liebsten Wundē Hastu die sicherheit und volle Ruh gefunden. 12. Die Jungfrauschafft. Was ist die Jungfrauschafft? frag was die Gottheit sey: Doch kenstu Lauterkeit/ so kennstu alle zwey. 13. Die GOttheit und Jungfrauschafft. Die GOttheit ist so nah der Jungfrauschafft verwandt/ Daß sie auch ohne die nicht GOttheit wird erkandt. 14. Wer Geistr. Sinn- und schlußr. 14. Wer eins nur liebt ist Braut. Die Seele/ die nichts weiß/ nichts wil/ nichts liebt/ danns Ein/ Muß heute noch die Braut deß Ewgen Braͤutgams seyn 15. Die geheime Armutt. Wer ist ein armer Mensch? der ohne Huͤlff und Rath Noch Creatur/ noch GOtt/ noch Leib/ noch Seele hat. 16. Wie weit GOttes Sitz seyn muß. Mensch bistu nicht so weit als GOttes GOttheit ist/ So wirstu nimmermehr zu seinem Sitz erkiest. 17. GOtt waͤigert sich niemand. Nimm/ Trink/ soviel du wilt und kanst/ es steht dir frey: Die gantze GOttheit selbst ist deine Gasterey. 18. Die Weißheit Salomons. Wie? schaͤtzstu Salomon den weisesten Allein? Du auch kanst Salomon und seine Weißheit seyn. 19. Das hoͤchste ist Stille seyn. Geschaͤfftig seyn ist gutt; Viel besser aber Bethen: Noch besser Stum̄ und still fuͤr Gott den Herren trethen. 20. Das Lebens Buch. GOtt ist deß Lebens Buch/ ich steh in ihm geschrieben Mit seines Lammes Blutt: wie solt er mich nicht lieben? 21. Du solt das Hoͤchste seyn. Die Welt ist Eitel nichts/ die Engel sind gemein: Drum̄ soll ich Gott und Mensch in Chrisio Jesu seyn. 22. Erheb Joh: Angeli andertes Buch 22. Erheb dich über dich. Der Mensch der seinen Geist nicht uͤber sich erhebt/ Der ist nicht wehrt daß er im Menschenstande lebt. 23. Jn Christo komt man hoch. Weil mein Erloͤser hat die Engel uͤberstiegen: So kan (wo ich nur wil) auch ich sie uͤberfliegen. 24. Jm Mittelpunct sicht man alles. Wer jhm den Mittelpunct zum wohnhauß hat erkiest/ Der siht mit einem Blik was in dem Umbschweif ist. 25. Dein’ Vnruh machstu selbst. Noch Creatur noch GOtt kan dich in Unruh bringen/ Du selbst Verunrubst dich (O Thorheit!) mit den Dingen. 26. Die Freyheit. Du edle Freyheit du/ wer sich nicht dir ergiebt/ Der weiß nicht/ was ein Mensch/ der Freyheit liebet/ liebt. 27. Auch von jhr. Wer Freyheit liebt/ liebt Gott: wer sich in Gott versenkt/ Und alles von sich stoͤst/ der ists/ dem GOtt sie schenkt. 28. Die Gleichheit. Die Gleichheit ist ein Schatz: hastu sie in der Zeit/ So hastu Himmelrejch und Volle Seeligkeit. 29. Tod und GOtt. Tod ist der Suͤnden Sold; Gott ist der Tugend Lohn: Erwuͤrbstu diesen nicht/ so traͤgstu den darvon. 30. Zusall Geistr. Sinn-und schlußr. 30. Zufall und Wesen. Mensch werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht/ So faͤllt der Zufall weg/ das wesen das besteht. 31. Goͤttliche genissung. Wer GOtts geniessen wil/ und Jhm sich einverleiben/ Sol wie ein Morgenstern bey seiner Sonne bleiben. 32. Schweigen uͤbertrifft der Engel gethoͤne. Die Engel singen schoͤn: Jch weiß daß dein Gesinge/ So du nur gaͤntzlich Schwiegst/ dem hoͤchstẽ besser klinge. 33. Wer aͤlter ist als GOtt. Wer in der Ewigkeit mehr lebt als einen Tag/ Derselbe wird so Alt/ als GOtt nicht werden mag. 34. Rechter gebrauch bringt nicht Schaden. Mensch sprichstu daß dich jchts von Gottes Lieb’ abhaͤlt: So brauchstu noch nicht recht wie sichs gebuͤrt der Welt. 35. GOtt wil was koͤstlich ist. Sey lauter/ Licht’ und steif/ gleich wie ein Demantstein/ Daß du in̄ Augen Gotts moͤgst wehrt geschaͤtzet seyn. 36. Das Buch deß Gewissens. Daß ich GOtt fuͤrchten sol/ und uͤber alles lieben/ Jst mir von Anbegin in mein Gemuͤtt geschrieben. 37. An einem Wort liegt alles. Ein eintzigs Wort hilfft mir: schreibts GOtt mir einmal Ein/ So werd’ ich staͤtts ein Lamb mit Gott gezeichnet seyn. 38. Der Joh: Angeli andertes Buch 38. Der Braͤutigam ist noch süsser. Du magst GOtt wie du wilt fuͤr deinen Herꝛn erkenen: Jch wil jhn anderst nicht als meinen Braͤutgam nen̄en. 39. Der anbether im Geist und in der Warheit. Wer in sich uͤbersich in GOtt verreisen kan/ Der bethet GOtt im Geist und in der Wahrheit an. 40. GOtt ist das kleinst’ und groͤste. Mein GOtt wie groß ist GOtt! Mein GOtt wie klein ist GOtt! Klein als daß kleinste ding/ und groß wie alls/ von noth. 41. Der gute Tausch. Mensch gibstu GOtt dein Hertz/ Er gibt dir seines wider: Ach welch ein wehrter Tausch! du steigest auf/ Er nieder. 42. Das untere schadet nicht. Wer uͤber Berg und Thal/ und dem Gewoͤlke sitzt/ Der achtets nicht ein Haar/ wenns donnert/ kracht und blitzt. 43. Die mittelwand muß wegg. Wegg mit dem mittelwegg/ sol ich mein Licht anschauen/ So muß mann keine Wand fuͤr mein Gesichte bauen. 44. Was Menschheit ist. Fragstu was Menschheit sey? Jch sage dir bereit: Es ist/ mit einem Wort/ die uͤber Engelheit. 45. GOtt liebet sich allein. Es ist gewißlich wahr/ GOtt liebet sich allein/ Und wer sein ander-Er in seinem Sohn kan seyn. 46. Wer Geistr. Sinn-und schlußr. 46. Wer GOtt ist/ siehet GOtt. Weil ich das wahre Licht/ so wie es ist/ sol sehn; So muß ichs selber seyn: sonst kan es nicht geschehn. 47. Die Liebe sucht nicht Lohn. Mensch liebstu GOtt den HErꝛn/ und suchest Lohn da- bey/ So schmaͤkestu noch nicht was Lieb’ und lieben sey. 48. GOtt kennt man am Geschoͤpffe. GOtt der verborgne GOtt wird kundbahr und gemein/ Durch seine Creaturn/ die sein’ entwerffung seyn. 49. GOtt liebet die Jungfrauschafft. GOtt trinkt der Jungfraun milch/ zeugt durch diß hell und frey/ Daß wahre Jungfrauschafft sein Trank und Labsal sey. 50. GOtt wird ein kleines Kind. GOtt schleust sich unerhoͤrt in Kindes kleinheit ein: Ach moͤcht ich doch ein Kind in diesem Kinde seyn! 51. Das unaußsprechliche. Daͤnkstu den Namen GOtts zu sprechen in der Zeit? Man spricht ihn auch nicht auß in einer Ewigkeit. 52. Das Neu Jerusalem. Das Neu Jerusalem bistu fuͤr GOtt mein Christ/ Wenn du auß GOttes Geist gantz Neugebohren bist. 53. Es mangelt nur an dir. Ach koͤnte nur dein Hertz zu einer Krippe werden/ GOtt wuͤrde noch einmal ein Kind auf dieser Erden. 54 Ent- Joh: Angeli andertes Buch 54. Entbildet mustu sey n. Entbilde dich mein Kind/ so wirstu GOtte gleich: Und bist in stiller Ruh dir selbst dein Himmelreich. 55. GOtt ist/ Er lebet nicht. GOTT ist nur Eigendlich: Er lebt und Liebet nicht/ Wie man von mir und dir und andren Dingen spricht. 56. Armut und Reichthumb. Der/ was er hat/ nicht hat/ und alles schaͤtzet gleich/ Der ist im Reichthum arm/ in Armuth ist er reich. 57. Mann muß Jhm selbst entwachsen. Entwaͤchsestu dir selbst und aller Creatur/ So wird dir eingeimpfft die Goͤttliche Natur. 58. GOtt sterben und GOtt leben. Stirb oder leb in GOtt; du thust an beiden wol: Weil man GOtt sterben muß/ und Gott auch leben sol. 59. Wer ist mehr GOtt als Mensch. Wer ohn empfinden liebt/ und ohn erkennen kennt: Der wird mit guttem recht mehr Gott als Mensch ge- nennt. 60. Vom lieben. Mensch wilst-und liebstu nichts/ so wilst und Liebstu wol: Wer gleich liebt was er wil/ liebt doch nicht was er sol. 61. Wer sich verlaͤst/ findt GOtt. Wer sich verlohren hat/ und von sich selbst entbunden/ Der hat GOtt seinen Trost/ und seinen Heyland funden. 62. Jn Geistr. Sinn-und schlußr. 62. Jn beiden muß man seyn. Mein Gott wie kalt bin ich! Ach laß mich doch erwarmen Jn deiner Menschheit Schoß/ und deiner GOttheit ar- men! 63, Der taube hoͤrt das Wort. Freund glaub es oder nicht; ich hoͤr’ in jedem nu/ Wann ich bin taub und Stumm dem Ewgen Worre zu. 64. Ein seufftzer saget alles. Wenn meine Seel erseuftzt/ und/ Ach und Oschreyt hin: So ruffet sie in sich jhr End und Anbegin. A \& Omega. 65. Die Ewigkeit wird nicht gemessen. Die Ewigkeit weiß nichts von Jahꝛen/ Tagen/ Stunden: Ach daß ich doch noch nicht den Mittelpunet gefunden! 66. Eins huͤlfft dem andern fort. Mein Heyland der ist GOtt/ und ich der andern dinge: Jm fall sie sich in mich/ und ich in Jhn mich schwinge. 67. Die Abgeschiedenheit. Weil Abgeschiedenheit sich niemand macht gemein: So muß sie ohne sucht und eine Jungfrau seyn. 68. Mit Schweigen wirds gesprochen. Mensch so du wilt das seyn der Ewigkeit außsprechen/ So mustu dich zuvor deß Redens gantz entbrechen. 69. Die Geistliche Schiffart. Die Welt ist meine See/ der Schifmann Gottes Geist/ Das Schif mein Leib/ die Seel ists die nach Hause reist. 70. Die Joh: Angeli andertes Buch. 70. Die Lauterkeit, Vollkomne Lauterkeit ist Bild-Form-Liebe-loß: Steht aller Eigenschafft/ wie GOttes wesen bloß. 71. Der wesentliche Mensch. Ein wesentlicher Mensch ist wie die Ewigkeit/ Die unveraͤndert bleibt von aller aͤusserheit. 72. Wer mit den Engeln singen kan. Wer sich nur einen blik kan ubersich erschwingen/ Der kan das Gloria mit GOttes Engeln singen. 73. An den Suͤnder. Ach Suͤnder wend dich umb/ und lerne GOtt erkennen: Jch weiß du wirst Jhn bald den lieben Vatter nennen. 74. Du must Vergoͤttet werden. Christ/ es ist nicht genug daß ich in GOtt nur bin: Jch muß auch GOttessafft zum wachsen in mich zieyn. 75. Du must auch Fruͤchte tragen. Trinkstu deß HErren Blut/ und bringest keine Frucht/ So wirstu kraͤfftiger als jener Baum verflucht. 76. Auch dir ist nichts versagt. O Edler Geist entreiß/ laß dich doch nicht so binden: Du kanst GOtt herꝛlicher/ als alle Heilgen finden. 77. A Bist schon genug. Die Heyden plappern vil: wer Geistlich weiß zubetten/ Der kan mit A und B getrost fuͤr Gott hintretten. A B B A 78. Ein Geistr. Sinn-und schlußr. 78. Ein Lieb verznkt das andre. Wenn meine Seele GOtt im Geist begegnen kan/ So start ( O JEsu Christ! ) ein Lieb das Ander an. 79. Der geistliche Tempel GOttes. Die Pforten deiner Stadt/ Mein GOtt/ sind Perlefein: Was muß doch fuͤr ein Blitz mein Geist dein Tempel seyn? 80. Das geistliche Zion. Fuͤhr auf HErꝛ deinen Bau/ hier ist die Friedens-Stadt/ Hier ist wo Salomon dein Sohn seyn Zion hat. 81. Der Oelberg. Sol dich deß Herren Angst erloͤsen von beschwerden/ So muß dein Hertze vor zu einem Oelberg werden. 82. Das Hertze. Mein Hertz ist unten eng’ und obenber so weit/ Daß es GOtt offen sey/ versyert der Jrꝛdigkeit. 83. Der geistliche Berg. Jch bin ein Berg in GOtt/ und muß mich selber steigen/ Daferne GOtt mir sol sein liebes Antlitz zeigen. 84. Jn der hoͤhe wird GOtt geschaut. Hin auf/ Wo dich der Blitz mit Christo sol umbgeben/ Mustu wie seine drey auf Thabors hoͤhe leben. 85. Dein Kaͤrker bistu selbst. Die Welt die haͤlt dich nicht/ du selber bist die Welt/ Die dich in dir mit dir so stark gefangen haͤlt. D 86. Du Joh. Angeli andertes Buch 86. Du musts auch selbst gewinnen. GOtt hat wol gnug gethan: doch du traͤgst nichts davon/ Wo auch nicht du in Jhm erkriegest deine Kron. 87. Das geistliche Kaͤuchelein. Mein Leib ist eine Schal’ in dem ein Keuchelein Vom Geist der Ewigkeit wil außgebruͤttet seyn. 88. Eben vom selbigen. Das arme Kaͤuchelein kluchst und vikt fuͤr und fuͤr: Wird es dann nicht bald sehn deß Ewgen Lichtes Zihr! 89. Gegen Aufgang mustu sehn. Freund wiltu an Jhm selbst das Licht der Son̄en sehn/ Go mustu dein Gesicht hin zu dem Aufgang drehn. 90. Die Unterwirfflichkeit. Der Blitz deß Sohnes GOttes durchleucht in einem Nun Die Hertzen/ welche sich Jhm gaͤntzlich unterthun 91. Die Geduld. Geduld ist uͤber Gold: sie kan auch GOtt bezwingen/ Und was Er hat und ist gantz in mein Hertze bringen. 62. Die geheimste Gelassenheit. Gelassenheit faͤht GOtt: GOtt aber selbst zulassen/ Jst ein G’lassenheit/ die wenig Menschen fassen. 93. Der geheime GOttes Kuß. GOtt kuͤst mich seinen Sohn mit seinem heilgen Geist/ Wen̄ Er mich liebes Kind in Christo JEsu heist. 94. Eins Geistr. Sinn-und schlußr. 94. Eins ist des andern Trost. GOtt ist der Lichter Licht/ Mein Heyland ist die Son̄e/ Maria ist der Mon/ ich Jhrer aller Wonne. 95. Das Lam̃ und auch der Loͤw. Wer alles untertitt/ und alles duldet fein/ Der muß ein Lam̄ und Loͤw in einem wesen seyn. 96. Warumb der H. Geist wie ein Daube erscheint. Warumb daß GOttes Geist wie eine Daub’ erscheint? Er thuts/ weil Er/ mein Kind dich zu erkeucheln meint. 97. Der Heilgen Dauben naͤst. Wenn du ein Daͤublein bist/ und keine Galle hast; So findestu mein Christ im Hertzen JEsu rast. 98. Am sichersten am besten. Fleuch meine Daube fleuch und rast’ in Christi Seelen/ Wo wiltu dich sonst hin verbergen und verhoͤlen? 99. Die wiederguͤltige Daͤubelein. O wunder! GOtt ist mir/ ich Jhm ein Daͤubelein: Schau doch wie alle zwey ein ander Eines seyn! 100. Gib Ruh/ so ruhstu wieder. Wenn GOttes Daube kan in deinem Hertzen ruhn/ Wird sie dir widerumb das Hertze GOtts aufthun. 101. Die geheime Uberschattung. Jch muß GOtts Schwanger seyn: sein Geist muß ob mir schweben/ Und GOtt in meiner Seel wahrhafftig machen leben. D 2 102. Das Joh: Angeli andertes Buch 102. Das aͤußre troͤst mich nicht. Was hilfft michs Gabriel/ daß du Mariam gruͤst/ Wenn du nicht auch bey mir derselbe Botte bist! 103. Die geistliche Geburt. Beruͤhrt dich GOttes Geist mit seiner Wesenheit/ So wird in dir gebohrn das Kind der Ewigkeit. 104. Die geistliche Schwaͤngerung. Jst deine Seele Magd/ und wie Maria rein/ So muß sie Augenbliks von GOtte schwanger seyn. 105. Ein Ris’ und auch ein Kind. Wenn GOtt sich wesentlich in mir gebohren findt/ So bin ich (Wunder ding!) ein Ris’ und auch ein Kind. 106. Erweitert mustu seyn. Erweitere dein Hertz/ so gehet GOtt darein: Du solt sein Himmelreich/ Er wil dein Koͤnig seyn. 107. Die Neugeburt. Hat deine Neugeburt mit wesen nichts gemein/ Wie kan sie ein Geschoͤpff in Christo JEsu seyn? 108. Die Braut GOttes. Kind werde GOttes Braut/ entbeuth dich Jhm allein; Du wirst seins Hertzens Schatz/ und er dein liebster seyn. 109. Die Welt vergehet nicht. Schau/ dise Welt vergeht. Was? sie vergeht auch nicht/ Es ist nur Finsternuß was GOtt an Jhr zerbricht. 110. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 110. Die Verklaͤrung. Mein Leib der wird fuͤr GOtt wie ein Carfunkel stehn/ Wenn seine grobheit wird im Feuer untergehn. 111. Maria. Du preist MARIAM hoch: ich sage noch darbey/ Daß sie die Koͤnigin der Koͤniginnen sey. 112. Auß und ein/ Gebaͤhren und Gebohren seyn. Wenn du in Wahrheit kanst auß GOtt gebohren seyn/ Und wider GOtt gebaͤhrn: so gehstu auß und ein: 113. Man sol vernünfftig handeln. Freund so du trinken wilt/ so setz doch deinen Mund/ Wie ein Vernuͤnfftiger recht an deß Fasses spund: 114. Die Creaturn sind gut. Du klagst/ die Creaturn die bringen dich in Pein: Wie? muͤssen sie doch mir ein Weg zu GOtte seyn; 115/ Die geistliche Jagt. Wie wol wirstu gejagt vonn Hunden lieber Christ: So du nur williglich die Hindin GOttes bist. 116. Die beste Gesellfchafft. Gesellschafft acht’ ich nicht: Es sey dann daß das Kind/ Die Jungfrau/ und die Daub’/ und’ s Lam̄ beysam̄en sind. 317. Die Einsamkeit. Die Einsamkeit ist noth/ doch sey nur nicht gemein; So kanstu uͤberall in einer Wuͤsten seyn. D 3 118. Goͤtt- Joh: Angeli andertes Buch 118. Goͤttlich Leben. Jm fall dich niemand recht und gnug berichten kan Was Goͤttlich Leben sey: so sprich den Henoch an. Henoch heist ein GOtt ergebener. 119. Goͤttliche gleichheit. Ein Gott ergebner Mensch ist Gotte gleich an Ruh/ Und wandelt uͤber Zeit und Ort in jedem Nu. 120. Man jßt und Trinket GOtt. Wenn du Vergoͤttet bist/ so jßt-und trinkst-du GOtt/ (Und diß ist ewig wahr) in jedem bissen Brodt. 121. Das Glied hat des Leibes wesen. Hastu nicht Leib und Seel und Geist mit Gott gemein: Wie kanstu dann ein Glied im Leibe JEsu seyn? 122. Die geistliche Weinrebe. Jch bin die Reb’ im Sohn/ der Vatter pflantzt und speift/ Die Frucht die auß mir waͤchst ist GOtt der heilge Geist. 123. Geduld hat jhr warumb. Ein Christ traͤgt mit Geduld sein Leyden/ Creutz un̄ Pein/ Damit er ewig mag bey seinem JEsu seyn. 124. GOtt ist voller Sonnen. Weil der gerechte Mensch glaͤntzt wie der Sonnen schein/ So wird nach dieser Zeit GOtt voller Sonnen seyn. 125. Du must das wesen haben. GOtt selbst ists Him̄elreich: wiltu in Himmel kom̄en/ Muß GOttes wesenheit in dir seyn angeglommen. 126. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 126. Die Gnade wird Natur Fragstu warumb ein Christ sey From/ Gerecht und Frey? So fragestu warumb ein Lamm kein Tiger sey. 127. Das Liebst’ auf dieser Erden. Fragstu was meine Seel am Liebsten hat auf Erden? So wisse daß es heist: mit nichts bestekket werden. 128. Der Himmel steht staͤtts offen. Verzweifle nicht mein Christ/ du kanst inn Him̄el drabé/ So du nur magst darzu ein Mannlich Hertze haben. 129. Eins jeden Eigenschafft. Das Thir wird durch die Art/ der Mensch durch den Verstand/ Der Engel durch das schaun/ durchs wesen Gott bekandt. 130. Es muß Vergoldet seyn. Christ alles was du thust/ das uͤberzeuch mit Gold: Sonst ist GOtt weder dir/ noch deinen Werken hold. Gold der Liebe. 131. Nihm also daß du hast. Mensch nihmstu GOtt als Trost/ als suͤssigkeit/ und Licht: Waß hastu dann wenn Trost/ Licht/ suͤssigkeit gebricht? 132. GOttes Eigenschafft. Was ist GOtts Eigenschafft? sich ins Geschoͤpff ergiessen/ Allzeit derselbe seyn/ nichts haben/ wollen/ wissen. Verstehe accidencialiter oder zufaͤlliger weise; dann was Gott wil und weiß/ das wil und weiß er wesentlich. Also hat er auch nichts (mit Eigenschafft.) D 4 133. Die Joh. Angeli andertes Buch 133 Die Gelassenheit. Freund glaub es/ heist mich GOtt nicht in den Himmel gehn/ So wil ich lieber hier/ auch in der Hoͤllen stehn. 134. Die Gleichheit. Wer nirgends ist gebohrn/ und niemand wird bekandt/ Der hat auch in der Hoͤll sein liebes Vaterland. 135. Die Gelassenheit. Jch mag nicht Krafft/ Gewalt/ Kunst/ Weißheit/ Reich- thum/ Schein: Jch wil nur als ein Kind in meinem Vater seyn. 136. Eben von derselben. Geh auß/ so geht Gott ein: Stirb dir/ so lebstu GOtt: Sey nicht/ so ist es Er: thu nichts/ so gschicht’ s Geboth. 137. Schrifft ohne Geist ist nichts. Die Schrifft ist Schrifft sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit/ Und daß GOtt in mir spricht das Wort der Ewigkeit. 138. Der Schoͤnst’ im Himmelreich. Die Seele/ welche hir noch kleiner ist als klein/ Wird in dem Himmelreich die schoͤnste Goͤttin seyn. 139. Wie kan man Englisch seyn? Kind wiltu Englisch seyn/ so kanstu es bereit: Wie dann? sie leben staͤts in unannehmlichkeit. 140. Die Selbst-vernichtigung. Nichts bringt dich uͤber dich als die Vernichtigkeit: Wer mehr Vernichtigt ist/ der hat mehr Goͤttlichkeit. 141. Der Geistr. Sinn-und schlußr 141. Der Grundgelassene. Ein Grundgelassner Mensch ist Ewig frey und Ein: Kan auch ein Unterscheid an jhm und GOtte seyn? 142. Du must es selber seyn. Frag nicht was Goͤttlich sey: Denn so du es nicht bist/ So weistu es doch nicht/ ob dus’ gleich hoͤrst mein Christ. 143. Jn GOtt ist alles GOtt. Jn GOtt ist alles GOtt: Ein eintzigs Wuͤrmelein/ Das ist in GOtt so viel als tausend GOtte seyn. 144, Was ist Gelassenheit. Was ist Gelassenheit? Jch sag’ ohn Heucheley: Daß es in deiner Seel der wille JEsu sey. 145. Das wesen GOttes. Was ist das wesen GOtts? Fragstu mein aͤngigkeit? Doch wisse/ daß es ist ein’ uͤberwesenheit. 146. GOtt ist Fuͤnsternuß und Licht. GOtt ist ein lautrer Blitz/ und auch ein Tunkles nicht/ Das keine Creatur beschaut mit jhrem Licht. 147. Die Ewge Gnadenwahl. Ach zweifele doch nicht: Sep nur auß GOtt gebohrn/ So bistu ewiglich zum Leben außerkohrn. 148. Der arme im Geist/ Ein wahrer armer Mensch steht gantz auf nichts gericht: Gibt GOtt jhm gleich sich selbst/ ich weiß er nihmt jhn nicht. D 5 149. Du Joh: Angeli andertes Buch 149. Du selbst bist alle Dinge. Wie magstu was begehrn? du selber kanst allein/ Der Himme! und die Erd’/ und tausend Engel seyn. 150. Die Demut ist dir Noth/ Sieh nur fein unter dich: du fleuchst den Blitz der Zeit/ Was meinstu dann zu schaun in Blitz der Ewigkeit? 151. Des Christen Edelstes. Was ist das Edelste? Was ist das fein-Perlein Des Neugebornen Christs? Jhm allzeit gleiche seyn. 152. Das Allergoͤttlichste. Kein ding ist Goͤttlicher (im fall du es kanst fassen/) Als jetzt und ewiglich sich nicht bewegen lassen. 153. Die Ewigkeit. Was ist die Ewigkeit? Sie ist nicht diß/ nicht das/ Nicht Nun/ nicht Jchts/ nicht Nichts/ sie ist/ ich weiß nicht was. 154/ Ein Stern geht vor die Sonne. Jch frage nicht so viel nach tausend Sonneschein/ Wenn ich nur mag ein Stern inn Augen JEsu seyn. 155. Es ligt an dir allein. Ach Mensch versaͤum dich nicht es ligt an dir allein/ Spring auf durch GOtt/ du kanst der groͤst’ im Himmel seyn. 156. GOtt kennt man durch die Sonne. Die Sonn ist nur ein Glaß/ und alles Liecht ein schein: Was muß doch fuͤr ein Blitz/ GOtt meine Sonne seyn! 157. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr. 157. GOtt schauet man an sich. Wie ist mein GOtt gestalt? Geh schau dich selber an/ Wer sich in GOtt beschaut/ schaut Gott warhafftig an. 158. Die Seele kombt von GOtt. Die Seel ist eine Flamm auß GOtt dem Blitz gegan- gen: Ach solte sie dann nicht in Jhn zuruͤk gelangen. intellige creaturaliter. 159. Der Geist ist wie das wesen. Mein Seist ist wie ein seyn: er ahnt dem wesen nach/ Von dem er urgestand/ und Anfangs aufgebrach. 160. Der Geist stirbt nimmermehr. Der Geist lebt in sich selbst: gebricht jhm gleich das Licht/ (Wie ein verdampter wird) so stirbet er doch nicht. 161. Jm jnnern Wohnt man wol. Was meines Geistes Geist/ meins wesens wesen ist/ Das ists/ das ich fuͤr mich zur Wohnung hab erkiest. 162. Hinein kehr deine Strahlen. Ach kehrt nur meine Seel jhr Flammen umb und ein! So wird sie mit dem Blitz/ bald Blitz und Eines seyn. 163. GOtt wuͤrket wie das Fewr. Das Fewer schmeltzt und eint: sinckstu in̄ Ursprung ein/ So muß dein Geist mit GOtt in Eins geschmeltzet seyn. 164. Die Unschuld brennet nicht. Entschulde dich durch Gott: die Unschuld bleibt bewehrt/ Und wird in Ewigkeit von keiner Glutt verzehrt. D 6 165. Ein Joh: Angeli andertes Buch 165. Ein Troͤpfflein ist genug. Der nur eintroͤpfflein Bluts auß Christo kã geniessen/ Der muß gantz seeliglich mit Jhm in GOtt zerflissen. 166. Die Boßheit hat kein wesen/ Mensch wenn du durch das Blutt deß Lammes bist ge- nesen/ So bistu ewiglich kein boͤser Mensch gewesen. 167. Der Mittler ist nur JEsus. Jch weiß kein mittel nicht als meinen JEsum Christ: Sein Blutt das ists/ in dem sich GOtt in mich ergist. 168. Eins ist so Alt als das andre. Ein Kind/ das auf der Welt nur eine Stunde bleibt/ Das wird so Alt/ als man Matusalem beschreibt. 169. Die Gleichheit schauet Gott. Wem nichts wie alles ist/ und alles wie ein nichts: Der wird gewuͤrdiget deß Liebsten Angesichts. 170. Die scheidung muß geschen. Die Unschuld ist ein Gold das keine Schlakken hat: Eutzeuch dich auß dem Kiß/ so bistus’ in der that. 171. Der Adler fleuget hoch. Ja wer ein Adler ist/ der kan sich wol erschwingen/ Und uͤber Seraphim durch tausend Him̄el dringen. 172. Ein Phœnix sol man seyn. Jch wil ein Phœnix seyn/ und mich in GOtt ver- brennen/ Damit mich nur nichts mehr von Jhme koͤnne trennen. 173. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 173. Die Schwachen muͤssen warten. Du armes Voͤgelein/ kanstu nicht selber fliegen/ So bleibe mit Geduld biß du meyr krafft hast ligen. 174. Es wil geuͤbet seyn. Versuch mein Daͤubelein mit uͤbung lernt man viel: Wer nur nicht sitzen bleibt/ der kombt doch noch zum Ziel. 175. Der Geist fuͤhrt in die Wuͤste. Kanstu dich auf den Geist in deinem Heyland schwingen/ So wird er dich mit sich in seine Wuͤste bringen. 176. Bestaͤndig muß man seyn. Verstockt ist halb verlohrn: doch wer im gutten kan Ein Stok und Eysen seyn/ steht auf deß Lebens bahn. 177. Es wird nicht alls gerichtet. Die Menschen die in Gott mit Christo sind verschlũgen/ Sind durchs Gericht’ und Tod gantz seelig durchgedrun- gen. 178. Alls steht im Jch und Du/ (Schoͤpffer und Geschoͤpffe.) Nichts ist als Jch und Du : und wenn wir zwey nicht seyn/ So ist GOtt nicht mehr GOtt/ und faͤllt der Him̄el ein. Besihe den Begihrer am Ende. 179. Es sol ein Einigs werden. Ach ja! waͤr’ ich im Du/ und du im ich ein Ein; So moͤchte Tausendmahl der Himmel Himmel seyn. 180. Der Mensch ist nichts/ GOtt alles. Jch bin nicht Jch noch Du : Du bist wol Jch in mir: Drumb geb ich dir mein GOtt allein die Ehrgebuͤhr. D 7 181. Der Joh: Angeli andertes Buch 181. Der Suͤnder ist verblendt. Der Suͤnder sihet nichts: Je mehr er laufft und rennt Jn seiner Eigenheit/ je mehr er sich verblendt. 182. GOtt’ ist alles gegenwaͤrtig. Es ist kein Vor noch Nach: was Morgen sohl geschehn/ Hat GOtt von Ewigkeit schon wesentlich gesehn. 183. Jn der mitten siht man alles. Setz dich in Mittelpunet/ so sihstu alls zugleich/ Was jetz und dann geschicht/ hier und im Him̄elreich. 184. Der Cherubin schaut nur auf GOtt. Wer hir auf niemand siht/ als nur auf GOtt allein: Wird dort ein Cherubin bey seinem Throne seyn. 185. Der Sohn und Gnadenthron. Weg mit dem Schattenstul: der Eingebohrne Sohn/ Jst nun in mir das selbst/ und mein Versoͤhnungsthron. 186. Man sol GOtt nit versuchen. Sey Zuͤchtig/ Keusch und Still: wer unbedachtsam rent/ Wird von der Majestaͤt gestuͤrtzet und verbrennt. 187. Jch darf kein Fern. Gesicht/ Freund/ so ich fuͤr mich selbst kan in die weite sehn: Was darf es dann erst durch dein fern Gesicht geschehn? 188. Mann mißtdas wesen nicht. Es ist kein Anfang nicht/ es ist anch nicht ein Ende/ Kein Mittelpunct noch kreiß/ wie ich mich jmmer wende. 189. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 189. Der Anfang findt das Ende. Wann GOtt sich mit mir Mensch vereinigt und ver- bindt/ So siht der Anbegin daß er sein Ende findt. 190. Von GOtt. GOtt der geneust sich selbst/ wird seiner auch nicht satt/ Weil Er an sich allein die hoͤchste gnuͤgehat. 191. Verbothnes muß man meyden. Wer sich nicht mit der Frucht die GOtt verbothen speist/ Wird auß dem Paradeiß nicht einen tritt verweist. 192. Rechtschaffen muß man seyn. Ach Bruder werde doch: was bleibstu Dunst und Schein? Wir muͤssen weseutlich ein Neues worden seyn. 193. Der Sieg ist wesentlich. Mensch weil es nicht im wolln und eygnem Lauffen ligt/ So mustu thun wie GOtt/ der ohne willen Sigt. 194. Das Licht gibts zu erkennen. Geh/ ruff dem Morgenstern: denn wann der Tag an- bricht/ So siehet man erst recht was Schoͤn ist oder nicht. 195. Regiern ist Koͤniglich. Wer wol regieren kan im Streit/ in Freud’ und Pein: Der wird in GOttes Reich ein ewger Koͤnig feyn. 196. Die Demut ist sehr gut. Jch mag kein Koͤnig seyn; und so ich es je muß/ So werf ich mich doch straks mein Gott fuͤr deinen Fuß. 197. Ver- Joh: Angeli andertes Buch 197. Verlaͤngnung seiner selbst. HErꝛ nihm die Krone hin; Jch weiß ja nichts vom Mein: Wie kan sie dan̄ mit recht mein’ und nicht deine seyn? 198. GOtt spielt mit dem Geschoͤpffe. Diß alles ist ein Spiel/ das Jhr die GOttheit macht: Sie hat die Creatur umb Jhret willn erdacht. 199. Auch GOtt verlaugnet sich. Wenn Gott zum Heilgen spricht: du du hast mich erzihlt: Sag/ ob er nicht mit jhm recht der Verlaugnung spielt? Matth. 25. Weil GOtt jhm Gnade und Kraht darzu gegeben; oder es selbst durch seinen Geist in jhm dem Menschen gethan. 200. Die Aufgegebenheit. Wer seine Seele hat verlohren und vergeben/ Der kan gantz seeliglich mit GOtt die wette leben. 201. Der Mensch der andre GOtt. Sag zwischen mir und GOtt den eingen Unterscheid? Es ist mit einem Wort/ nichts als die Anderheit. 202. Alleine seyn gleicht GOtt. Wer staͤts alleine lebt/ und niemand wird gemein: Der muß/ ist er nicht GOtt/ gewiß Vergoͤttet seyn. 203. Die Demut steigt am Hoͤchsten. Wer in der Demut GOtts am tieffsten ist versunken/ Der ist der hoͤchste Glantz auß allen Himmelsfunken. 204. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 204. Der Mensch Jmmanuel. Wer staͤts in sich die Schlang’ und Drachen kan ermor- den/ Der ist Jmmanuel in Christo JEsu worden. 205. Das Boͤse scheid vom Gutten. Jß Butter iß mein Kind/ und Hoͤnig (GOtt) dabey: Damit du lernst wie boͤß’ und gutt zuscheyden sey. 206. Ein Mann und auch ein Kind. Ein Mann ist nicht ein Kind: doch wisse daß ein Man̄/ So du nur wilt in dir mein Kind/ wol Leben kann. 207. GOtt ist in dir das Leben. Nicht du bist der da lebt: denn das Geschoͤpff ist Tod: Das Leben/ das in dir dich leben macht ist GOtt. 208. Gelassen muß man ewig seyn. Wer auch im Paradiß nicht noch sol untergehn/ Der Mensch muß ewiglich/ auch GOttes/ ledig stehn. 209. Die wahre Ledigkeit. Die wahre Ledigkeit ist wie ein e dles Faß/ (waß. Das Nectar in jich hat: Es hat/ und weiß nicht 210. Die Goͤttliche Heiligkeit. Mensch ists dein Ernst/ du kanst ohn allen falschen Schein So heilig und gerecht/ als GOtt dein Schoͤpffer seyn. 211. Was ist die Heiligkeit. Rechtschaffne Heiligkeit ist wie ein guldnes Glaß Durchauß po lir t und rein. Geh/ und betrachte das. 212. Sechs Joh: Angeli andertes Buch 212. Sechs Dinge feynd nur Eins. Rath/ wie ein Mensch und GOtt/ ein Loͤw/ Lamm/ Rieß’ und Kind/ Jn einer Creatur ein einigs wesen sind? 213. Die Woͤrtlein Auß und Ein. Zwey Woͤrtlein lieb ich sehr; sie heissen Auß und Ein: Auß Babel/ und auß mir/ in GOtt und JEsum ein. 214. Die Werke gelten gleiche. Hab keinen unterscheid: heist Gott den Mist verfuͤhren/ Der Engel thuts so gern als ruhn und Musteiren. 215. Man muß sich recht bequaͤmen. Wer sich zum Aufgang kehrt/ und wartt auf seinen Gott/ Jn dem komt bald herfuͤr das gnaͤdge Morgenroth. 216. Was heisset Englisch Leben? Rein/ Lauter/ g’lassen seyn/ recht lieben/ dienen/ schauen/ Heist wol mit guttem recht ein Englisch leben bauen. 217. Der achtmal seelige. Sey Hungrig/ Arm/ und Sanfft/ Barmhertzig/ Fried- lich/ Rein/ Betruͤbt/ Verfolgt umb GOtt: so kanstu seelig seyn. 218. Die Weißheit wird gemeistert. Die Weißheit tadelt nichts; sie aber muß allein/ Von jhrer Creatur so offt getadelt seyn. Und GOtt sahe daß es alles gutt war/ was Er gemacht hatte. 219. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 219. Die gutten Werke. Mit Speise/ Trank und Trost/ Beherbrigen/ Bekleyden/ Besuchen in der Noth/ heist GOttes Laͤmmlein weiden. 220. Wachen/ Fasten/ Bethen. Drey Werke muß man thun/ wenn man fuͤr GOtt wil trethen/ Er fordert sonst auch nichts: als/ Wachen/ Fasten/ Bethen. 221. GOtt sieht nur zwey Dinge. Zwey Dinge siht nur GOtt/ den Bok/ und mich sein Lam̄: Vom Bokke scheydet mich Ein Einge Liebesflamm. 222. Es muß Gewuchert seyn. Knecht wuchre daß du hast: denn wann der HErr wird kommen: So wird von jhm allein der Wuchrer angenommen. 223. GOtt liebt die Keuschheit sehr. Die Keuschheit ist bey GOtt/ so kraͤfftig/ wehrt und rein/ Als tausend Lilien fuͤr einer Tulpe seyn. 224. Die liebreiche Busse. Freund so du ja nicht wilt ein Junggeselle bleiben/ So wolle dich doch nur mit Magdalena beweiben. 225. Die Feuer-Tauffe. Getauffet muß man seyn: wen Geist und Feuer taufft/ Der ists der Ewiglich in keinem Pful ersaufft. 226. Die Tauffe. Ach Suͤnder trotze nicht daß du getauffet bist; Die schoͤnste Lilge wird im Koth zu Koth und Mist. 227. Auch Joh: Angeli andertes Buch 227. Auch darvon. Was hilfft dichs daß du bist mit Wasser abgewaschen/ So du in dir nicht daͤmpffst die Lust vom Koth zunaschen? 228. Nur eins wil GOtt von uns. Ein eintzigs Wort spricht Gott zu mir/ zu dir/ und allen/ Lieb; thun wir diß durch Jhn/ wir muͤssen jhm gefallen. 229. Das Bildnuß halt inn Ehren. Speystu die Bilder an/ und bist doch selbst ein Bild? Was meinstu dann von dir/ wie du bestehen wilt? 230. Der Lebensbaum. Sol dich deß Lebensbaum befreyn von Todsbeschwerden/ So mustu selbst in GOtt ein Baum deß Lebens werden. 231. Die Sonnen wende. Verwundre dich nicht Freund/ daß ich auf nichts mag sehn/ Jch muß mich allezeit nach meiner Sonne drehn. 232. Gruͤn und Weiß/ hat den Preiß. Zwey Farben halt’ ich hoch/ und suche sie mit fleiß: Gruͤn in Gerechtigkeit/ in Christi Unschuld Weiß. 233. Die Tugend Lebt in Liebe. Fuͤrwahr die Tugend lebt/ ich sags ohn deuteley: Lieb/ und so sihestu/ daß Lieb jhr Leben sey. 234. Erwoͤhle was du wilt. Lieb’ ist die Koͤnigin/ die Tugenden Jungfrawen/ Die Maͤgde Werk und That: wem wiltu dich ver- trauen? 235. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 235. Die geheimbe Maͤssigkeit. Wer keines Dings zu viel in sich Pflegt einzusauffen: Auch Gotts (versteh mich recht) den muß ich maͤssig tauffen. denotatur hic gula Spiritualis. 236. Friedreich heist Gottes Sohn. Nenn mich nicht Seraphin nicht Cherubin / nicht Thron; Jch wil der Friedreich seyn: denn so heist Gottes Sohn. 237. GOtt wil vollkommne haben. Entwachse dir mein Kind: wiltu zu GOtt hienein; So mustu vor ein Mann vollkomnes Alters seyn. 238. Auß Tugend waͤchst der Friede. Fried ist der Tugendlohn/ jhr end und Unterhalt/ Jhr Band und Seeligkeit: ohn jhn zerstaͤubt sie bald. 239. Derjnnerliche Friede. Jn sich mit GOtt und Mensch befriedigt seyn und Ein/ Das muß bey gutter Trew/ Fried uͤber Friede seyn! 240. Der Goͤttliche Friede. Ach! wer in GOtt sein End und seinen Sabbat kom̄en/ Der ist inn Frieden selbst Verformbt und auffgenom̄en. 241. Die Vierfache uͤberwindung. Mit listigkeit/ Gedult/ Gehorsam/ Maͤssigkeit/ Erhaͤltstu wieder dich/ GOtt/ Weit/ und Feind den Streit. 242. Jerusalem ligt mitten. Wer in der mitten ligt/ und lacht zu Spott und Hohn; Der ist Jerusalem deß Koͤnigs Stadt und Thron. 243. Die Joh: Angeli andertes Buch 243. Die Sanfften sind die Laͤmmer. Wen weder GOtt noch Feind bringt auß der Sanfften Orden/ Der ist nu gantz ein Lamb im Lamme JEsu worden. 244. Verrachtet seyn bringt Wonne. Verlacht/ Verlassen stehn/ viel leyden in der Zeit/ Nichts haben/ koͤnnen/ seyn/ ist meine Herꝛlichkeit. 245. Die GOttheit ist meine Mutter. Auß GOtt bin ich gebohrn: ists ohne deuteley; So frage mich nur nicht wer meine Mutter sey. 246. Was der Teufel hoͤrt. Der Teufel hoͤret nichts/ als Donnern/ poltern/ krachen: Drumb kanstu jhn mit Lust durch Sanfftmuth thoͤricht machen. 247. Du kanst dem Feind vergeben, Entbrenne doch mein Kind/ und sey ein Licht in GOtt: So bistu Belials Gifft/ Finsternuͤß/ und Tod. 248. Die Stille gleicht dem Ewgen nicht. Nichts ist dem Nichts so gleich als Einsamkeit und Stille: Deßwegen wil sie auch/ so er was wil/ mein Wille. 249. Der Teuffel sicht kein Licht. Mensch wikle dich in GOtt/ verbirg dich in sein Liecht: Jch schwehre dir beym Jah/ der Teufel sicht dich nich. 250. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 250. Die Sanfftmuth zeigt es an. Kan ich an deiner Thuͤr vergoldet Oelholtz kennen: So wil ich dich deß Bliks den Tempel Gottes nennen. 251 Es muß von GOtt herkommen. Sol meine Lampe Licht und lautre Strahlen schissen/ So muß das Oel auß dir mein liebster JEsu fliessen. 252. Die hoͤchste benedeiung. Kein Mensch hat jemahls GOtt so hoch gebenedeyt/ Als der Jhm/ daß er jhn zum Sohn gebiehrt/ verleiht. 253. Mit meyden muß man streiten. Hastu verworffenheit/ verachten/ meiden/ fliehn/ So kanstu thurstiglich mit GOtt zu Felde ziehn. 254. Das Seraphinische Leben. Auß Liebe gehn und stehn/ Lieb aͤthmen/ reden/ singen; Heist seine Lebenszeit wie Seraphim verbringen. 255. Fuͤnff Staffeln sind in GOtt. Fuͤnff Staffeln sind in GOtt: Knecht/ Freund/ Sohn/ Braut/ Gemahl: Wer weiter kombt / verwird/ und weiß nichts mehr von Zahl. annihilatur, â seipso difflut, deficit \&c. sc: moraliter. 256. Nichts Unreins kombt fuͤr GOtt. Ach Mensch werd’ uͤberformt: fuͤrwahr du must so fein Fuͤr GOttes Angesicht/ als Christi Seele seyn. 257. Du Joh: Angeli andertes Buch 257. Du auch must fuͤr Jhn Sterben. Deß HErꝛen Christi Tod hilfft dich nicht eh mein Christ/ Biß auch du selbst fuͤr Jhn in Jhm gestorben bist. 258. Die Ewigkeit. Jm fall dich laͤnger duͤnkt die Ewigkeit als Zeit: So redestu von Peyn und nicht von Seeligkeit. Drit- Drittes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime. 1. Auf die Krippe JEsu. Diß Holtz ist koͤstlicher als Salomonis Thron; Weil drein geleget wird der wahre GOttes Sohn. 2. Uber den Stall. Ach Pilger kehr hier ein/ der Stall zu Betthlehem Jst besser als die Burg und Stadt Jerusalem. Du Herbergest hier wol: weil sich das Ewge Kind/ Mit seiner Jungfrau Braut und Mutter hier befindt. 3. An die Jungfrau MARJA. Sagan/ O wehrte Frau/ hat dich nicht außerkohrn Die Demut/ daß du GOtt empfangen und gebohrn? Sag/ obs was anders ist? Damit auch ich auf Erden Kan eine Magd und Braut und Mutter Gottes werden. 4. Ein Seufftzer. Man legte GOtt aufs Stro/ als Er ein Mensch ward/ hin: Ach daß ich nicht das Heu und Stro gewesen bin! 5. An den Gelehrten. Du gruͤbelst in der Schrifft/ und meinst mit Kluͤgeley Zu finden GOttes Sohn: Ach mache dich doch frey Von diser Sucht/ und kom̄ i ñ Stall jhn selbst zu kuͤssen: So wirstu bald der Krafft deß wehrten Kinds geniessen. E 6. Die Joh: Angeli drittes Buch 6. Die GOttes gewuͤrdigte Einfalt. Denkt doch/ was Demut ist! seht doch was Einfalt kan! Die Hirten schauen GOtt am allerersten an. Der siht GOtt nim̄ermehr/ noch dort noch hier auf Erdẽ/ Der nicht gantz jnniglich begehrt ein Hirt zu werden. 7. Das wohlbethaute Heu. Kein Vieh hat besser Heu/ weil Graß waͤchst/ je genossen! Als was mein Jesulein der aͤrmste hat begossen Mit seiner Auͤglein thau: Jch daͤchte mich/ allein Durch diese Kost gerecht und Ewig satt zu seyn. 8. Die seelige Nachtstille. Merk/ in der stillen Nacht wird GOtt ein Kind gebohrn/ Und widerumh ersetzt was Adam hat verlohrn: Jst deine Seele still und dem Geschoͤpffe Nacht/ So wird GOtt in dir Mensch/ und alles wiederbracht. 9. An die Hirten. Gieb Antwort liebes Volk/ was hastu doch gesungen Als du inn Stall eingingst mit den erbebten Zungen/ Und GOtt ein Kind gesehn? Daß auch mein Jesulein Mit einem Hirten Lied von mir gepreist kan seyn. 10. Das Unerhoͤrte Wunder. Schaut doch jhr lieben schaut/ die Jungfrau saͤugt ein Kind/ Von welchem ich und sie/ und jhr/ gesaͤuget sind. 11. Der eingemenschte GOtt. GOtt trinkt der Menschheit Milch/ laͤst seiner GOtt- heit Wein: Wie solt’ er dan̄ numehr nicht gar durch Menschet seyn? 12. Es Geistr. Sinn-und schlußr. 12. Es traͤgt und wird getragen. Das Wort dz alles traͤgt/ auch selbsten Gott den Alten/ Muß hier ein Jungfraͤulein mit jhren aͤrmlein halten. 13. Jch die Ursach. Sag allerliebstes Kind/ bin ichs umb den du weinst? Ach ja du sihst mich an: ich bins wol den du meinst. 14. Kuͤssungs Begierde. Ach laß mich doch mein Kind mein Gott an deinen Fuͤssé/ Nur einen Augenblik das minste Bruͤnklein kuͤssen. Jch weiß werd’ ich von Dir nur bloß beruͤhret seyn/ Daß straks verschwinden wird/ mein’/ und auch deine Pein. 15. Der beste Lobgesang. Singt singt jhr Engel singt: mit hũdert tausend Zungen Wird dieses wehrte Kind nicht wuͤrdiglich besungen. Ach moͤcht’ ich ohne Zung/ und ohne Stimme seyn! Jch weiß ich saͤng’ jhm straks das liebste Liedelein. 16. Er mir/ ich Jhm. Wißt/ GOtt wird mir ein Kind/ ligt in der Jungfrau Schoß/ Daß ich jhm werde GOtt/ und wachs jhm gleich un̄ groß. 17. Am Naͤchsten am besten. Mensch werde GOtt verwandt auß Wasser Blutt und Geist/ Auf daß du GOtt in GOtt auß GOtt durch GOtte seyst. Wer jhn Umbhalsen wil/ muß jhm nicht nur allein Befreundet/ sondern gar sein Kind und Mutter seyn. E 2 18. Die Joh: Angeli drittes Buch 18. Die beweglichste Musica, O seht/ das liebe Kind wie es so suͤsse weint! Daß alle Stoͤsserlein Hertz-grund-beweglichseind. Laß doch mein Ach und O in deins vermengt erschallen? Daß es fuͤr allem thon GOtt koͤnne Wolgefallen. 19. Die seelige Uber-formung. Jch rathe dir Verformt ins JEsulein zu werden/ Weil du begehrst zu seyn erloͤset vonn beschwerden. Wem JEsus helffen sol/ vom Teufel/ Tod und Pein; Der muß Warhafftig auch gantz einge Jeset seyn. 20. GOTT-Mensch. Je denkt doch GOtt wird ich/ und kombt ins Elend her/ Auf daß ich komm ins Reich/ und moͤge werden Er! 21 GOtt ist ein Kind/ warumb. Der Ewge GOttes Sohn wird heut erst Kind genennt/ Da Er doch tausend Jahr den Vatter schon gekennt: Warumb? Er war nie Kind. Die Mutter machts allein Daß Er warhafftiglich kan Kind gegruͤsset seyn. 22. Das groͤste Wunder. O Wunder GOttes Sohn ist ewiglich gewesen/ Und seine Mutter ist doch heut erst seyn genesen! 23 Die Geistliche Mutter GOttes. Marien Demut wird von GOtt so werth geschaͤtzt/ Daß Er auch selbst jhr Kind zu seyn sich hoch ergoͤtzt: Bistu demuͤttiglich wie eine Jungfrau rein; So wird GOtt bald dein Kind/ du seine Mutter seyn. 24. An Geistr. Sinn- und schlußr. 24. An das Kindlein JEsu. Wie sol ich Dich mein Kind die kleine Liebe Nennen/ Dieweil wir deine Macht unendlich groß erkennen? Und gleichwol bistu klein! ich sprech dann groß un̄ klein/ Kind/ Vatter/ GOtt und Meusch/ O Lieb’ erbarm dich mein. 25. Ein Kind seyn ist am besten. Weil man nunmehr GOtt selbst den groͤsten kleine findt/ So ist mein groͤster Wuntsch zu werden wie ein Kind. 26. Der Mensch das wuͤrdigste. GOtt weil Er wird ein Mensch/ zeugt mir daß ich allein Jhm mehr und wehrter bin als alle Geister seyn. 27. Der Nahme JEsus. Der suͤsse JEsus Nahm’ ist Hoͤnig auf der Zung; Jm Ohr ein Brautgesang/ im Hertz ein Freudensprung. 28. Der Kreiß im Puncte. Als GOtt verborgen lag in eines Maͤgdleins Schoß/ Da war es/ da der Punet den Kreiß in sich beschloß. 29. Das Grosse im Kleinen. Du sprichst/ das Grosse kan nicht in dem Kleinen seyn/ Den Him̄el schleust man nicht ins Erdenstuͤpffchen ein. Komb schau der Jungfraun Kind; so sihstu in der Wiegen/ Den Himmel und die Erd’/ und hundert Welte liegen. 30. Auf die Krippe JEsu. Hier liegt daß wehrte Kind/ der Jungfrau erste Blum/ Der Engel Freud und Lust/ der Menschen Preiß un̄ Ruhm. Sol Er dein Heyland seyn/ und dich zu GOtt erheben/ So mustu nicht sehr weit von seiner Krippe leben. E 3 31. Dein Joh: Angeli drittes Buch 31. Dein Hertz wanns leer/ ist besser. Ach elend! Unser GOtt muß in dem Stalle seyn! Raͤum auß mein Kind dein Hertz/ und giebs Jhm ey- lends ein. 32. Der Himmel wird zur Erden. Der Himmel senket sich/ er kombt und wird zur Erden: Wann steigt die Erd’ empor/ und wird zum Himmel werden? 33. Wann GOtt empfangen wird. Als dann empfaͤhstu GOtt/ wan̄ seines Geistes guͤtte/ Beschattet seine Magd die Jungfrau dein Gemuͤtte. 34. Auf das Creutz unsers Erloͤsers. Gewiß ist dieser Baum vom Lebens Baum gehaͤgt/ Weil er solch’ edle Frucht das Leben selber traͤgt. 35. Das allersuͤsseste. Suͤß ist der Hoͤnigseym/ suͤß ist der Rebenmost/ Suͤß ist das Himmelbrod der Jsrelitten kost: Suͤß ist was Seraphin von anbegin empfunden/ Noch suͤsser ist HErr Christ das suͤsse deiner Wunden. 26. Die übertreffliche Liebe. Gantz unbegreiflich ist die Lieb’ auß der sich GOtt Jn eines Maͤgdlein Schoß zum Braͤutgam mir ent- both. Doch gleichet diesem nichts daß er auch Leib und Leben/ Am Creutze wie ein Schelm fuͤr mich hat hin gegeben. 37. Der verliebte GOtt. GOtt liebet mich allein/ nach mir ist Jhm so bange/ Daß Er auch stirbt fuͤr Angst/ weil ich Jhm nicht anhange 38. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 38. Die heylsame Wundee. Die Wunde die mein GOtt fuͤr mich ins Hertz em- pfaͤngt/ Verursacht/ daß Er mir sein Blut und Wasser schenkt: Trink ich mich dessen Voll/ so haben meine Wunden/ Jhr wahres Balsamoͤl/ und besten Heiltrank funden. 39. Der beste Stand unter dem Creutze. Das Blutt das unserm HERRN auß seiner Wunden fleust/ Jst seiner liebe Thau damit Er untz begeust: Wiltu befeuchtet seyn/ und Unverwelklich bluͤhen/ So mustu nicht einmal von seinem Creutze fliehen. 40. Ans Creutze Christi. Schau deine Suͤnden sinds die Christum unsern Gott/ So unbarmhertziglich verdammen biß inn Tod. Jedoch verzweiffle nicht; bistu nur Magdalen/ So kanstu seeliglich bey seinem Creutze stehn. 41. An den Creutzfliehenden. Ach Kind ists dir denn auch zur Zeit noch nicht bewust/ Daß man nicht jmmer liegt an unsers HErren Brust? Wen Er am liebsten hat/ der muß in Creutz und Pein/ Jn Marter/ Angst und Tod der Naͤchste bey jhm seyn. 42. An den Suͤnder. Wach auf du todter Christ/ Schau unser Pelican/ Sprengt dich mit seinem Blutt und Hertzenwasser an. Empfaͤngstu dieses recht mit aufgethanem Mund/ So bistu Augenbliks Lebendig und Gesund. E 4 43 Das Joh: Angeli drittes Buch 43. Das Oster Lamb. Der Juden Oster Lamb war Fleisch und Blutt vonn Thieren: Und dennoch konte sie der Wuͤrger nicht beruͤhren: Ess’ ich mein Oster Lamb/ und zeichne mich mit Blut/ Das sein verwundter Leib fuͤr mich vergissen thut: So ess’ ich meinen HErrn/ GOtt/ Bruder/ Braͤutgam/ Buͤrgen: Wer ist dann nu der mich kan schlagen und erwuͤrgen? 44. Auf das Grab JEsu. Hier li gt der welcher ist/ und war/ eh Er geworden: Ein Held/ der seinen Feind mit Leyden kan ermorden. Wiltu ihm werden gleich/ und Uberwinder seyn/ So leyd/ meid/ fleuch und stirb/ inn Wolust und in Pein. Weistu nicht wer Er ist? so merke diese Drey/ Daß er ein Mensch und GOtt/ und dein Erloͤser sey. 45. Grabschrifft der H. Mechtildis. Hier ligt die Jungfrau Gotts/ die bluͤhende Mechtild, Mit der er offt sein Hertz gekuͤhlt hat und gestillt. 46. Eine andere. Hier liget GOttes Braut Mechtild das liebe Kind/ Jn welches Vater/ Sohn/ und Geist verlibet sind. 47. Auf den Grabstein S. Francisci. Hier ligt ein Seraphin/ mich wundert wie der Stein/ Bey solchem Flammen-Feur noch gantz kan blieben seyn! 48. Der einige Tag. Drey Tage weiß ich nur; als gestern/ heut/ und morgen: Wenn aber gestern wird ins heut und Nun verborgen/ Und morgen außgeloͤscht: so leb ich jenen Tag/ Den ich/ noch eh ich ward/ in GOtt zu leben pflag. 49. Grab- Geistr. Sinn-und schlußr. 49. Grabschrifft deß Gerechten. Hier ist ein Mann gelegt der staͤts im Durste lebte/ Und nach Gerechtigkeit bey Tag und Nachte strebte/ Und nie gesaͤttigt ward. Nun ist ihm Allbereit/ Sein Durst gestillt mit GOtt der suͤssen Ewigkeit. 50 Das Grosse im Kleinen. Mein Gott wie mag das seyn? mein Geist die nichtigkeit/ Sehnt zuverschlingen dich den Raum der Ewigkeit! 51. Braut und Braͤutigam. Ein Braͤutgam seyn ist viel: noch mehr der Braut genissẽ/ Und jhren suͤssen Mund mit Hertzer-Liebe kuͤssen: Jch aber liebe mehr die Hochzeit/ da ich Braut GOtt meinem Braͤutigam werd’ innig eingetraut. 52. Grabschrifft der H. Jungfrauen Gertrudis. Glaub hier in diesem Grab ligt nur ein blosser schein/ Es kan Gertrudis nicht wie man vermeinet seyn. Wo sie nicht solt’ ihr Grab im Hertzen JEsu haben/ So muste JEsus seyn auß jhrem außgegraben. 53. Was GOtt am liebsten ist. Nichts ist das GOtt so sehr als eine Jungfrau liebt/ Daß er auch jhr sich selbst zur Frucht und Kind ergiebt: Wilstu seyn liebstes seyn noch hier auf dieser Erden/ So darffstu anders nichts als seine Jungfrau werden. 54. Auf das Bildunß deß kleinen Jo- hannis mit dem JEsus Kindlein. Die grosse Lieblichkeit/ mit welcher GOttes Kind/ Johannes/ und das Lamb allhier gemahlet sind/ Macht daß ich juniglich begehre gantz zuseyn/ Johannes/ oder ja ein lautres Laͤmmelein. E 5 55. An Joh: Angeli drittes Buch. 55. An den Suͤnder. O Suͤnder wann du wol bedaͤchst das kurtze Nun/ Und dann die Ewigkeit/ du wuͤrdst nichts boͤses thun. 56. Vom dem GOttsbegierigen. Dem GOttsbegierigen wird dieser Punct der Zeit Viel laͤnger als das seyn der gantzen Ewigkeit. 57. Des Christen Kriegens. Art. Gewoͤhne dich mein Kind auf Christi Art zu kriegen/ So wirstu deinen Feind gar Ritterlich besiegen: Wie da? mit Liebe streit/ mit Sanfftmut und Geduld Weich seinen streichen auß/ und sey jhm gerne Huld. 58. Es muß gestritten seyn. Freund wer den Himmel nicht erobert und bestuͤrmt/ Der ist nicht wehrt daß jhn sein Oberster beschirmt. 59. Die Liebe zwinget GOtt. Das Himmelreich wird leicht erobert/ und sein Leben: Belagre GOtt mit Lieb: Er muß dirs uͤbergeben. 60. Majestaͤt mit Liebe. Waͤrs wahr daß Majestaͤt nicht koͤnte stehn mit Liebe: So sage mir wie GOtt ein Ewger Koͤnig bliebe? 61. Die Demut macht bestehn. Mensch uͤberheb dich nicht/ die Demut ist dir noth: Ein Thurn ohn rechten Grund faͤllt von sich selbst inn Koth. 62. Von S. Laurentius. Verwundere dich nicht daß mitten auff der Glutt St. Laurentz seinen Mund so unverzagt auffthut: Die Flamme die jhm hat in jhm sein Hertz entzuͤndt/ Macht daß er aͤuserlich das Kohl-Feur nicht empfindt. 63. An Geistr. Sinn-und schlußr. 63. An die H. Clara. Wer dich genennet hat/ hat dir den Nahmen geben/ Den du mit Wahrheit hast/ hier und in jenem Leben. 64. An S. Augustin. Die weil dein Hertz nach GOtt so lodert Augustin, Nennt man dich billicher hinfuͤhro Seraphin. 65. Von Maria Magdalena. Die Thraͤnen welche du bey unsers HErren Fuͤssen Die nasse Magdalen so heuffig sihst vergissen/ Seind jhr zerschmoltznes Hertz: diß kraͤnket sie allein/ Daß nicht jhr Seel und Leib gantz sollen Thraͤnen seyn. 66. Von der Allerseeligsten Jungfrauen. Der Jungfraͤuliche Leib/ der unser Himmelbrodt/ Jn sich beschlossen hilt/ ist warlich nicht mehr Todt. Es fault kein Cederbaum: so waͤr’ es auch nicht fein/ Wann ausserm Tempel GOtts sein’ Arche solte seyn. 67. An Sanct Bernhard. Bernhard weil mit dem Mund dein Hertz stim̄t uͤberein/ So kan es anders nichts als lauter JEsus seyn. 68. Die Seeligkeit. Was ist die Seeligkeit? Ein zufluß aller Freuden; Ein staͤtes anschaun Gotts; Ein lieben ohn Verdruß; Ein Leben ohne Tod; Ein suͤsser JEsus -Kuß: Nicht einen Augenblik vom Braͤutigam seyn gescheiden. 69. Deß heiligen Reichthumb. Sey arm/ der Heylige hat nichts in dieser Zeit/ Als was er ungern hat/ den Leib der Sterblichkeit. E 6 70. GOtt Joh: Angeli drittes Buch 70. GOtt der freygebigste. GOtt gibt sich ohne maß: Je mehr man jhn begehrt/ Je mehr und mehr Er sich erbittet und gewehrt. 71. Jrꝛdischer Seraphin. Du bist ein Seraphin noch hir auf dieser Erden: Wo du dein Hertze laͤst zu lauter Liebe werden. 72. Ewiges Leben in der Zeit. Wer GOtt in allem Thun von Hertzen Loben kan/ Der hebt schon in der Zeit das Ewge leben an. 73. Von S. Bartholomé. Sag ob auch jemand ist/ der mehr verlassen kan/ Als S. Bartholomé zur Leydenszeit gethan? Die andern liessen zwar dem Herꝛn zu Ehrn jhr Leben: Er aber hat auch noch die Haut darzu gegeben. 74. Der Frommen und Boͤsen Eigenthum. Die Fromen haben gar nichts Eignes in der Welt/ Und die Gottlosen nichts im Ewgen Himmels Zelt. 75. Das koͤstlichste Grab. Kein Grab ist koͤstlicher biß heute zu gewesen/ Als was von Lazari deß armen wird gelesen: Und doch verlang’ ichs nicht: ich wuͤnsche mir allein Jn meines Heylands Schoß tief einversenkt zu seyn. 76. Die Seel ist GOttes bild. Das Bildnuͤß GOttes ist der Seelen eingepraͤgt/ Wol dem der solche Muͤntz’ in reiner Leinwand traͤgt. 77. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 77. Der Rosenobel. Wie Thoͤricht ist der Mensch/ der Gold fuͤr GOtt erkiest: Und weiß daß seine Seel ein Rosenobel ist. 78. Die Geistliche Sulamith. GOtt ist mein Salomon, ich seine Sulamith, Wenn ich jhn hertzlich Lieb’/ und Er sich mir entbiet. 79. Die geistliche Hochzeit. Die Braut ist meine Seel; der Braͤutgam GOttes- Sohn; Der Priester Gottes Geist/ und seiner Gottheit Thron Jst der Vermaͤhlungs Ort: der Wein der mich macht trunken/ Jst meines Braͤutgams Blutt/ die Speisen allzumal Sind sein Vergoͤttet Fleisch/ die Kam̄er und der Saal/ Und s’ Bett’/ ist s’ Vatters Schoß/ in der wir seind versunken. 80. GOtt kan nicht alls Allein. GOtt der die Welt gemacht und wider kan zunichten: Kan nicht ohn meinen willn die Neugeburth außrichten. 81. Der beste Wucherer. Dem Wuchrer fall ich bey der jhm sovil erlauffen/ Daß er jhm kan ein Gutt im Himmelreich erkauffen. 82. Ein jeders von dem seinen. Der Schiffmann redt vom Meer/ der Jaͤger von den Hunden/ Der Geitzige von Gold/ und ein Soldat von Wunden: Mir weil ich bin Verliebt/ wil anders nichts gebuͤhrn/ Als GOtt und seine Lieb im Munde staͤtts zufuͤhrn. 83. Der Joh: Angeli drittes Buch 83. Der groͤste Titel. Wer meiner Seele wil den groͤsten Titel geben/ Der nenn sie GOttes Braut/ sein Hertze/ Schatz und Leben. 84. Von den Rosen. Die Rosen seh ich gern: denn sie sind weiß und roth/ Und voller Dornen/ wie mein Blutt-Braͤutgam mein GOtt. 85. Du solt seyn Weiß und Roth. Von Hertzen wuͤnsch ich mir ein Hertze/ HErꝛ mein GOtt/ Jn deiner Unschuld weiß/ von deinem Blutte roth. 86. Auch untern Dornen bluͤhen. Christ/ so du Unverwelkt in Leyden Creutz und Pein/ Wie eine Rose bluͤhst/ wie seelig wirstu seyn! 87. Dich auffthun wie die Rose. Dein Hertz empfaͤhet GOtt mit alle seinem Gutt/ Wann es sich gegen jhm wie eine Ros’ aufthut. 88. Es muß Gecreutzigt seyn. Freund wer in jener Welt wil lauter Rosen brechen/ Den muͤssen vor allhier die Dornen gnugsam stechen. 89. Die Schoͤnheit. Die Schoͤnheit lieb’ ich sehr: doch nenn ich sie kaum schoͤn/ Jm fall’ ich sie nicht staͤtts seh’ untern Dornen siehn. 90. Jetzt mustu bluͤhen. Bluͤh auf gefrorner Christ/ der Maͤy ist fuͤr der Thuͤr: Du bleibest ewig Todt/ bluͤhstu nicht jetzt und hier. 91. Die Geistr. Sinn-und schlußr 91. Die geheimbe Rose. Die Ros’ ist meine Seel/ der Dorn deß Fleischeslust/ Der Fruͤhling Gottes gunst/ sein Zorn ist Kaͤlt und Frost: Jhr bluͤhn ist guttes thun/ den Dorn jhr Fleisch nicht ach- ten/ Mit Tugenden sich ziehrn/ und nach dem Him̄el trachten: Nim̄t sie die Zeit wol wahr/ und bluͤht weils Fruͤhling ist/ So wird sie ewiglich fuͤr GOttes Ros’ erkiest. 92. Das edleste und schnoͤdeste. Nichts Edlers ist nach GOtt als meine Seel allein: Wendt sie sich von jhm ab/ so kan nichts schnoͤders seyn. 93. Das groͤste Heiligthum. Kein groͤsser Heiligthum kan man auf Erden finden/ Als einen keuschen Leib mit einer Seel ohn Suͤnden. 94. Das wehrteste. Kein ding ist auf der Welt so hoch und wehrt zuachten/ Als Menschen die mit fleiß nach keiner Hochheit trachtẽ. 95. Das Schaͤdlichste. Die Suͤnde weil sie GOtt erzoͤrnt/ und dich verletzt/ Wird billich schaͤdlicher als Satan selbst geschaͤtzt. 96. An den Suͤnder. Der reichste Teuffel hat nicht einen Kieselstein: Du bist des aͤrmbsten Sclav : kã auch was aͤrmers seyn? 97. Die gluͤkseelige Suͤnden. Gluͤkseelig preiß ich dich und alle deine Suͤnden/ Wo sie nur endlich das/ was Magdalene finden. 98. Sich Joh. Angeli drittes Buch 98. Sich nicht verstellen ist nicht suͤn- digen. Was ist nicht suͤndigen? du darffst nicht lange fragen: Geh hin/ es werdens dir die stummen Blumen sagen. 99. Ein reines Hertz schaut GOtt. Der Adler siht getrost grad in die Sonn hinein: Und du inn Ewgen blitz/ im fall dein Hertz ist rein. 100. Die Sanfftmut besitzt das Erd- reich. Du strebst so embsiglich nach einem Fleklein Erden: Durch Sanfftmut koͤntestu der gantzen Erbherr werden 101. Das lebendige Todtengrab. Mensch ist dein Antlitz schoͤn/ und deine Seele bleich/ So bistu lebendig den Todtengraͤbern gleich. 102 Der Weg zum Schoͤpffer. Du armer sterblicher/ ach bleib doch nicht so kleben/ Ann Farben dieser Welt/ und jhrem schnoͤden Leben: Die Schoͤnheit deß geschoͤpffs ist nur ein blosser steg/ Der unß zum Schoͤpffer selbst/ dem schoͤnsten zeigt den Weg. 103. Gerechtigkeit macht Seelig. Wer seelig werden wil/ der muß mit weisser Seiden/ So zierlich als er kan/ sein Leib und Seel bekleiden. 104. Grabschrifft einer heiligen Seelen. Hier ligt die grosse Braut/ der Menschheit Christi Lohn/ Der GOttheit Ehr und Ruhm/ deß heilgen Geistes Thron. 105. Wie Geistr. Sinn-und schlußr. 105. Wie man GOttes Huld erlangt. Jm munde Hoͤnigseim/ im Hertzen trage Gold/ Jnn Augen lautres Licht/ so wird dir Christus hold. 106. An den Suͤnder. Ach Suͤnder traue nicht/ weil du die Magdalen Befridigt und getrost von unsrem HErꝛn sihst gehn: Du bist jhr noch nicht gleich. wiltu deß Trosts geniessen/ So lege dich zuvor wie sie zu seinen Fuͤssen. 107. Ein unbeflekter Mensch ist über die Engel. Ein Engel seyn ist viel; Noch mehr ein Mensch auf Erden/ Und nicht mit jhrem wust und Koth besudelt werden. 108. Der Volkomne ist nie froͤlich. Mensch/ ein Volkomner Christ hat niemals rechte freud Auf diser Welt: warumb? Erstirbet allezeit. 109. Der Leib ist Ehren werth. Halt deinen Leib in Ehrn/ er ist ein edler Schrein/ Jn dem das Bildnuͤß GOtts sol aufbehalten seyn. 110. Der Seelige Suͤnder. Kein Suͤnder ist so wol und seelig je gestorben/ Als der deß HErꝛen gunst wie Magdalen erworben. 111. Das Menschliche Hertze. GOtt/ Teuffel/ Welt/ und alls wil in mein Hertz hinein: Es muß ja wunder schoͤn und grosses Adels seyn! 112. Das Hertz ist unermaͤßlich. Ein Hertze welches sich vergnuͤgt mit ort und Zeit/ Erkennet warlich nicht seyn’ unermaͤßlichkeit. 113. Der Joh: Angeli drittes Buch 113. Der Tempel GOttes. Jch bin der Tempel GOtts/ und meines Hertzensschrein Jsts allerheiligste/ wann er ist leer und rein. 114. Die Uberformung. Dann wird das Thier ein Mensch/ der Mensch ein Eng- lisch wesen/ Und dieses GOtt/ wann wir Vollkoͤm̄lich seynd genesen. 115. Du must zuvor das seyn. Mensch sol GOtt und sein Lamm dein Ewger Tempel seyn/ So mustu jhm zuvor dein Hertz zu einem weihn. 116. Der geistliche Opfferzeug. Mein Hertz ist ein Altar/ mein will’ ists Opffer-Gutt/ Der Prister meine Seel/ die Liebe Feur und Glutt. 117. Der Ekstein ist das beste. Den Goldstein suchet man/ und laͤst den Ekkestein/ Durch den man ewig reich/ gesund/ und klug kan seyn! 118. Der weisen Stein ist in dir. Mensch geh nur in dich selbst. Denn nach dem Stein der weisen/ Darf man nicht allererst inn frembde Lande reisen. 119. Der Ekstein macht was ewig wehrt. Der Goldstein machet Gold das mit der Welt vergeht: Der Ekstein einen Bau der ewiglich besteht. 120. Die boͤste Tingirung. Den halt ich im Tingirn fuͤr Meister und bewehrt/ Der GOtt zu Lieb sein Hertz ins feiuste Gold verkehrt. 121. Wir Geistr. Sinn-und schlußr. 121. Wir habens besser als die Engel. Den Engeln geht es wol; noch besser uns auff Erden: Denn keiner jhrs Geschlechts kan GOtts Gemahlin werden. 122. Das groͤste Wunderwerk. Kein groͤsser Wunderwerk hat man noch nie gefunden; Als daß sich GOtt mit Koth (dem Menschen) hat ver- bunden. 123. GOtt geht doch etwas ab. Man sagt/ GOtt mangelt nichts/ Er darff nicht unsrer gaben: Jsts wahr/ was wil Er dann mein armes Hertze haben? 124. Die geistliche Drachenstürtzung. Wann du auß dir Verjagst die Suͤnd und jhr getuͤmmel/ So wirfft St. Michael den Drachen auß dem Himmel. 125. Die Hoffart und Demut. Die Hoffart wird gehast/ die Demut wird geliebt: Und doch ist kaum ein Mensch der sie fuͤr jener uͤbt. 126. Der Weg zur Heiligkeit. Der allernaͤchste Weg zur wahren Heiligkeit/ Jst Demut auf dem Pfad der keuschen Reinigkeit. 127. Der Ewge Sabbath in der Zeit. Ein Mensch der sich in sich in GOtt versamblen kan/ Der hebt schon in der Zeit den Ewgen Sabbath an. 128. Sich selbst regiern ist Koͤniglich. Ein Mensch der seine Kraͤfft’ und Sinne kan regiern; Der mag mit guttem recht den Koͤnigs Titel fuͤhrn. 129. Der Joh: Angeli drittes Buch 129. Der grade Weg zum Leben. Wann du wilt grades Wegs ins Ewge Leben gehn/ So laß die Welt und dich zur linken Seiten stehn/ 130. Der Mundtrank GOttes. Der Trank den GOtt der HErꝛ am allerliebsten trinkt/ Jst Wasser das fuͤr lieb auß meinen Augen dringt. 131. Das geheime Koͤnigreich. Jch bin ein Koͤnigreich/ mein Hertz das ist der Thron/ Die Seel ist Koͤnigin/ der Koͤnig GOttes Sohn. 132. Das Hertze. Mein Hertze weil es staͤts in GOtt gezogen steht/ Und jhn herwieder zeucht/ ist Eisen und Magnet. 133. Von der H. Teresa. Teresa wil sonst nichts als Leyden oder sterben: Warumb? die Braut muß jhr den Braͤutgam so er- werben. 134. Der liebste Mensch bey GOtt. Der allerliebste Mensch den GOtt hat in der Zeit/ Jst der viel Creutz und Pein umb seinet willen leidt. 135. Ein Hertz umbschlisset GOtt. Gar unaußmaͤßlich ist der Hoͤchste wie wir wissen: Und dannoch kan jhn gantz ein Menschlich Hertz umb- schlissen! 136. Mittel zur Heiligkeit. Dein Geist sey aufgespannt/ dein Hertze leer und rein/ Demuͤttig deine Seel: so wirstu heilig seyn. 137. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 137. Die Lieb ist alle Tugenden. Die Lieb ist nie allein/ wer sich mit jhr beweibt/ Dem wird das gantze Chor der Jungfern einverleibt. 138. Die Lieb ist Todt. Ach ach die Lieb ist todt! wie ist sie dann gestorben? Fuͤr Frost/ weil niemand sie geacht/ ist sie verdorben. 139, Was man sucht das findt man. Der Reiche suchet Gold/ der arme suchet GOtt: Gold find der arme Mensch warhafftig/ jener Koth. 140. Das Koͤnigliche Leben. Gib deinen willen GOtt: dann wer jhn aufgegeben/ Derselbe fuͤhrt allein ein Koͤnigliches Leben. 141. Wir sollens GOtt wider seyn. GOtt der bequaͤmt sich unß/ Er ist unß was wir wollen: Weh unß/ wann wir jhm auch nicht werden was wir sollen. 142. Jn Sanfftmuth wohnet GOtt. Versaͤnfftige dein Hertz: GOtt ist in starken Winden/ Jn Erdbewegungen/ und Fewer/ nicht zufinden. 143. Die Lampe muß recht brennen. Ach Jungfrau schmuͤcke dich/ laß deine Lampe brennen: Sonst wird der Braͤutigam dich nicht fuͤr Braut er- kennen. 144. Die Morgenroͤth’ und Seele. Die Morgenroͤth’ ist schoͤn/ Noch schoͤner eine Seele/ Die GOttesstral durchleucht in jhres Leibes Hoͤle. 145. GOtt Joh: Angeli drittes Buch 145. GOtts suͤssester Geruch. Der suͤsseste Geruch der GOtt so sehr beliebt/ Steigt auf vom Lob das jhm ein reines Hertze giebt. 146. Die Macht der Seelen. Die Seel ist groß von Macht/ GOtt selbst muß ihr gestehn/ Und kan jhr nimmer mehr ohn jhren Willn entgehn. 147. GOtt wil alleine seyn. Verschleuß GOtt in dein Hertz/ laß keinen andern drein/ So muß er staͤts bey dir und dein gefangner seyn. 148. GOtt ist mein Punct und Kreiß. GOtt ist mein mittelpunct wen̄ ich Jhn in mich schlisse: Mein Umbkreiß dann/ wenn ich auß Lieb’ in jhn zerflisse. 149. Das Hochzeit Kleyd ist noth. Der Him̄el thut sich auf/ der Braͤutgam komt gegangen! O Braut wie wiltu jhn ohns Hochzeit Kleyd embfangen! 150. Die Last unds Joch deß HErꝛen. Suͤß ist deß HErren joch/ und sanffte seine Last. Wol dir/ wann du sie staͤts auf deinen Achseln hast. 151. Der Heilige trauret nie. Der Heilige kan nie im Geist betruͤbet seyn: Warumb? er lobt GOtt staͤts auch in der groͤsten Peyn. 152. Der Him̃lische auf Erden. Wer reines Hertzens ist/ und Zuͤchtig in Geberden/ Und hochverliebt in GOtt/ ist Him̄lisch auf der Erden. 153. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 153. Die Knechte Freunde und Kinder. Die Knechte fuͤrchten GOtt: die Freunde lieben jhn: Die Kinder geben jhm jhr Hertz und allen Sin. 154. Vom S. Ignatius. Wie daß Ignatius von Thieren wird zerbissen? Er ist ein Weitzenkorn GOtt wils gemahlen wissen. 155. Weg weiser zur Freuden. Ein Hertze voller GOtt mit einem Leib voll Leyden/ Thut unß am besten kundt den Weg zur ewgen freuden. 156. Die Lieb ist uͤber wissen. Mit GOtt vereinigt seyn/ und seinen Kuß genissen/ Jst besser als viel Ding ohn seine Liebe wissen. 157. S. Agneten Grabschrifft. S. Agnes lieget hier/ die Jungfrau und die Braut/ Die keinem andern Mann als Christo sich vertraut. Doch/ nein sie ligt nicht hier: wer sie wil sehen stehn/ Der muß so nah man kan zum Laͤm̄lein GOttes gehn. 158. Die Jungfrauschafft muß fruchten. GOtt liebt die Jungfrauschafft umb jhrer suͤssen Fruͤchte: Alleine laͤst Er sie nicht fuͤr sein Angesichte. 159. Die lieblichste Music. Die lieblichste Music/ die GOtt den Grim benimbt/ Entsteht wenn Hertz und Mund in jhm zusam̄en stimmt. 160. Die Lieb ist ewig. Die Hoffnung hoͤret auf: der Glaube kombt zum schauen/ Die Sprachen redt man nicht/ und alles was wir bauen/ Vergehet mit der Zeit: die Liebe bleibt allein: So last unß doch schon jetz auf sie befliessen seyn. 161. Was Joh: Angeli drittes Buch 161. Was GOtt nicht kennet. GOtt der sonst alles siht/ und alles bringt ans Licht/ Kennt einen losen Mann und leere Jugfrau nicht. 162. Der Jrꝛwisch. Wer ohne Liebe laufft/ komt nicht ins Himmelreich: Er springt bald hin bald her/ ist einem Jrꝛwisch gleich. 163. Die geheime Widergeburt Auß Gott wird man gebohrn/ in Christo stirbet man: Und in dem heiligen Geist faͤht man zu Leben an. 164. Die Lieb’ ists Glaubens Seele. Der Glaub allein ist Todt/ Er kan nicht eher Leben/ Biß daß jhm seine Seel die Liebe wird gegeben. 165. Des GOttverliebten Wunsch. Drey wuͤnsch’ ich mir zu seyn: erleucht wie Cherubim/ Geruhig wie ein Thron/ entbrandt wie Seraphim. 166. Das Creutze. Vor Zeiten war das Creutz die groͤste Schmach un̄ Hohn! Nu traͤgts der Keiser selbst auf seinem Haupt und Kron: 167. Der Geitz ist manchmal gut. Der Geitzhalß scharꝛt und kratzt umb zeitlichen Gewin: Ach daß wir unß nicht so umb ewigen bemuͤhn! 168. Die GOttheit. Die GOttheit ist ein Brunn/ auß jhr kombt alles her: Und laufft auch wider hin/ drumb ist sie auch ein Meer: 169. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 169. Die Busse. Die Buß ist’ wie ein Strom/ sie daͤmpfft mit jhren Wellen Den groͤsten GOttes Zorn/ und loͤscht das Feur der Hoͤllen. 170. Vom Ewigen bewegen. Du suchst mit solchem fleiß das ewige bewegen/ Und ich die Ewge ruh: woran ist mehr gelegen? 171. Ein Narꝛ sucht vielerley. Der weise sucht nur eins/ und zwar das hoͤchste Gut: Ein Narꝛ nach vielerley/ und kleinem streben thut. 172. Das edleste das gemeinste. Je edeler ein ding/ je mehr ist es gemein: Das spuͤret man an GOttund seiner Sonnenschein. 172. Das Merkmahl ist die Liebe. Mensch wann du wilt im Volk die Freunde GOtts er- fragen/ So schau nur welche Lieb’ in Hertz und Haͤnden tragen. 174. Nur GOtt sey dein warumb. Nicht du/ noch Freund/ noch Feind/ nur GOttes Ehr al- lein/ Sol eintzig dein warumb/ und end-ursache seyn. 175. Was GOtt von Ewigkeit gethan. Was that GOtt vor der Zeit in seinem Ewgen thron? Er liebete sich selbst/ und zeugte seinen Sohn. 176. Eins muß verlassen seyn. Mensch anderst kans nicht seyn: du must’ sGefchoͤpffe lassen/ Wo duden Schoͤpffer selbst gedaͤnkest zu umbfassen. F 177. Die Joh: Angeli drittes Buch 177. Die lange Marter. Es ist den Maͤrtyrern gar herꝛlich wol gelungen/ Daß sie durch kurtzen Tod zu GOtt sind eingedrungen: Wir werden fort und fort die gantze lebenszeit Gemartert: Und von wem? von der begierlichkeit. 178. Wer reich im HErrn/ den Lieb ich gern. Den armen bin ich huld: doch lieb ich mehr die reichen/ Die keinem Fuͤrstenthumb im Himmel duͤrffen weichen. 179. Vom Lieben. Die Liebe diser Welt die endt sich mit betruͤben: Drumb sol mein Hertz allein die Ewge Schoͤnheit lieben. 180. GOtt weiß jhm keinen Anfang. Du fragst/ wie lange GOtt gewest sey? umb bericht: Ach schweig: es ist so lang’/ Er weiß es selber nicht. 181. Auch von GOtt. GOtt ist noch nie gewest/ und wird auch niemals seyn/ Und bleibt doch nach der Welt/ war auch vor jhr allein. 182. Es muß gestritten seyn. Streit hurtig dapffrer Mann/ biß du erlangst die Kron: Wer in dem Streit erligt/ hat ewig Spott und Hohn. 183. Beharꝛligkeit ist Noth. Das groͤste das ein Mensch bedarff zur seeligkeit/ (Wo er im gutten steht) ist die beharꝛligkeit. 184. Du must dich noch gedulden. Erwart’ es meine Seel: das Kleyd der Herꝛlichkeit Wird keinem angethan in diser wuͤsten Zeit. 185. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 185. Der Weißheit anfang mittel und Ende. Die Furcht deß HErren ist der Weißheit anbeginn/ Jhr End’ ist seine Lieb/ jhr mittel kluger Sinn. 186. Haß und Liebe. Das gutte Lieb’ ich hoch/ dem boͤsen bin ich feind: Schau ob nicht Lieb und Haß wol bey einander seynd? 187. Man solls auffs hoͤchste bringen. Mein thun geht nur dahin/ daß ich noch moͤg auf Erden Maria/ und ihr Kind der Sohn des hoͤchsten werden. 188. Das Wort wird noch gebohrn. Fuͤrwahr das Ewge Wort wird heute noch gebohrn/ Wo da? da wo du dich in dir hast selbst verlohrn. 189. Johannes an der Brust. Ach wer Johannes ist/ der ligt nach aller Lust Jn seines Meisters Schoß und suͤssen JEsus Brust! 190. Vom Suͤnder und Geiste GOttes. Der Geist deß HErrn erfuͤllt den gantzen Erdenkreiß: Wo ist der Suͤnder dann/ der jhn nicht fuͤhlt noch weiß? 191. GOtt liebt man nie zuviel. Wer GOtt recht lieben wil/ der thu’ s ohn maß un̄ Ziehl/ Er ist so suͤß’ und gutt/ man liebt jhn nie zu viel. 192. Drey Worte sind erschroͤklich. Drey Worte schroͤkken mich: das Jmmer/ Allezeit/ Und Ewig/ seyn Verlohrn/ Verdampt/ Vermaledeit. F 2 193. Die Joh: Angeli drittes Buch 193. Die Liebe ist die beste. Jch mag mich auf der Welt in keiner Kunst so uͤben/ Als wie ich meinen GOtt aufs innigste sol lieben. 194. Die Weißheit ist das beste Weib. Begehrestu ein Weib/ die praͤchtig reich und fein: So nimb die Weißheit nur sie wird dir alles seyn. 195. Die Welt ist von einer Jung- frau gemacht. Von einer Jungfrau ist die gantze Welt gemacht: Durch eine Jungfrau wird sie neu und wiederbracht. Der Weißheit. 196. Die Weißheit und die Liebe. Die Weißheit schauet GOtt/ die Liebe kuͤsset Jhn: Ach daß ich nicht voll Lieb und voller Weißheit bin! 196. Die Weißheit ist GOttes Rath. Wer die Geheimnuͤsse deß HErren gerne hat/ Der muß zur Weißheit gehn; sie ist geheimer Rath. 198. Auf Hoffnung saͤet man. Man wirfft das Weitzenkorn auf Hoffnũg in die Erden: So muß das Himmelreich auch außgestreuet werden. 199. Die wuͤrkung der H. Dreyfaltigkeit. Die Allmacht haͤlt die Welt: die Weißheit die regiert; Die Guͤtte segnet sie: wird hier nicht GOtt gespuͤrt? 200. Der Weise redet wenig. Ein Weiser/ wann er redt was nutzet und behagt/ Ob es gleich wenig ist/ hat viel genug gesagt. 201. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr. 201. GOtt gibt gern grosse Gaben. GOtt/ weil Er groß ist/ gibt am liebsten grosse Gaben. Ach daß wir arme nur so kleine Hertzen haben! 102. Man kan auch GOtt verwunden. GOtt wird von nichts verletzt/ hat nie kein Leyd emp- funden: Und doch kan meine Seel Jhm gar das Hertz verwunden. 203. Der Mensch ist groß fuͤr GOtt. Wie groß sind wir gesehn! die hohen Seraphim Verdekken sich fuͤr GOtt: wir duͤrffen bloß zu Jhm. 204. Man achtt das Ewge nicht. Ach weh! umb eitle Lust verschertzt man Gutt und Biutt: Und umb die Ewige fast niemand rweben thut! 205. Der allerverliebste der Allerheiligste. Wer ist der heiligste? der mehr verliebet ist: Die Liebe machts daß man fuͤr heilig wird erkiest. 206. Vom Gewissen. Ein gutt Gewissen ruht/ ein boͤses beist und billt: Jst wie ein Kettenhund/ der schwerlich wird gestillt. 207. Vom wissen. Viel wissen ist zwar sein: doch gibts nicht solche Lust/ Als jhm von Kindheit an nichts boͤses seyn bewust. 208. Deß Weisen Goldmachung. Der Weise machet Gold/ veraͤndert Ertz und Stein/ Wann er die Tugeud pflantzt/ und unß macht Englisch seyn. F 3 209. GOtt Joh: Angeli drittes Buch 209. GOtt ist mein Himmelbrodt. Jch habe nichts so gern in meinem Mund als Gott: Er schmaͤkt mir wie ich wil; Er ist mein Him̄elbrodt. 210. Du must geuͤbet werden. Freund habe doch geduld: wer fuͤr dem HErrn sol stehn/ Der muß vor Viertzig Jahr in der Versuchung gehn. 211. Die Gliedmassen der Seelen. Die Seel steht mit verstand/ geht mit begierden fort/ Mit Andacht redet sie/ kombt mit Verharꝛn ann Port. 212. Das Vieh lebt nach den Sinnen. Wer nach den Sinnen lebt/ den schaͤtz ich fuͤr ein Vieh: Wer aber Goͤttlich wird/ dem beug ich meine Knie. 213. Die Weißheit ist ein Qual. Die Weißheit ist ein Oual/ je mehr man auß jhr trinkt/ Je mehr und maͤchtiger sie wieder treibt und springt. 214. Die Heiligen messen GOtt. Wer gruͤndt die tieffe GOtts? wer schaͤtzt wie hoch Er flammt? Wer mist Jhn lang und breit? die Heilgen allesambt. Ephes. 3. 215. Der da war/ ist und kommen wird/ in Apocal. Der Vater war zuvor/ der Sohn ist noch zur Zeit/ Der heilge Geist wird seyn im Tag der Herꝛligkeit. 216. GOtt thut es alles selbst. GOtt ist nur alles gar; Er stimmt die Seiten an/ Er singt und spilt in unß: wie hast dann du’ s gethan? 217. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr 217. GOtt ist uͤberall und nirgends. Daͤnkt/ uͤberall ist GOtt der grosse Iehova. Und jst doch weder hier/ noch anderswo/ noch da. 218. Jm Himmel ist kein Mann noch Weib. Jm Himmel ist kein Mann noch Weib/ was dann zu- schauen? Jungfraͤulich’ Engel sinds/ und Englische Jungfrauen. 219. Wer viel verlaͤst/ empfaͤht viel. Laß alles was du hast/ auf daß du alles nimst/ Verschmaͤh die Welt/ daß du sie Hundertfach bekoͤmst: 220. Der Seelen hoͤchster Stand. Niemand hat seinen Stand so hoch und groß gemacht/ Als eine Seel die jhr Gemuͤth in Ruh gebracht. 221. Der Boͤse kan nicht ruhen. O wunder! Alles laufft daß es zur ruh gelange! Und einem boͤsen Mann ist bey derselben bange! 222. Deß Him̄els und der Hoͤllngeschrey. Jm Himmel rufft man staͤts O-Sanna in der hoͤh: Und in der Hoͤllen nichts als Jam̄er Ach und Weh! 223. Dein Wille kan dir helffen. Verzage nicht mein Kind/ hastu nur gutten Willen/ So wird sich endlich wol dein Ungewitter stillen. 224. Die Jungfrau muß auch Mutter seyn. Die Jungfrauschafft ist wehrt: doch muß sie Mutter werden: Sonst ist sie wie ein Plan von Unbefruchter Erden. F 4 225. Bedaͤnk Joh. Angeli drittes Buch 225. Bedaͤnk das künfftige. Bey GOtt ist Ewge Lust/ beym Teufel Ewge Peyn: Ach Suͤnder daͤnke doch bey welchem du wirst seyn. 226. Allein und nicht Allein. Jch fliehe zwar das Volk/ bin aber nie Allein: Denn weh! wie solte mir ohn meinen Heyland seyn? 227. Die dreyfache Zukunfft Christi. Die Zukunfft unsres HErꝛn/ war/ ist/ und wird geschehn/ Jm Fleisch/ im Geist/ und wann man jhn wird Herꝛ- lich sehn. 228. Die Augen der Seele. Zwey Augen hat die Seel: eins schauet in die Zeit/ Das andre richtet sich hin in die Ewigkeit. 229. Der Haß seiner selbst. Jch lieb und hasse mich/ ich fuͤhre mit mir Kriege/ Jch brauche List und Macht/ daß ich mich selbst besiege: Jch schlag’ und toͤdte mich/ ich mach’ es wie ich kan Daß ich nicht ich mehr bin: rath was ich fuͤr ein Mann? 230. Der Glaube/ Hoffnung/ Liebe und Andacht. Der Glaube greifft nach GOtt; die Hoffnung nimbt jhn wahr; Die Lieb’ umbhalset Jhn: die Andacht jßt Jhn gar. 231. Das fein-Perlein. Der HErr vergleicht sein Reich mit einem fein-Perlein/ Daß es sohl wol bewahrt/ und wehrt geschaͤtzet seyn. 232. Miß Geistr. Sinn-und schlußr. 232. Miß dir doch ja nichts zu. Freund so du etwas bist/ so bleib doch ja nicht stehn: Man muß auß einem Licht fort in das andre gehn. 233. Drey Feinde deß Menschen. Drey Feinde hat der Mensch: sich/ Belzebub und Welt: Auß diesem wird der Erst am langsamsten gefaͤllt. 234. Die Seel ists theureste. Jch halte meine Seel fuͤrs theurest’ auf der Erden: Weil sie mit Gottesblutt erkaufft hat muͤssen werden. 235. Der Dreyfache Gottes Kuß. Drey Staͤnde kuͤssen GOTT: die Maͤgdefalln zun Fuͤssen/ Die Jungfern nahen sich die milde Hand zukuͤssen/ Die Braut so gantz und gar von seiner Lieb ist Wund/ Die liegt an seiner Brust/ und kuͤst den Hoͤnig Mund. 236. Deß Teuffels/ Engels/ Menschens/ und Viehes Kennzeichen. Die Teuffel laͤstern GOtt/ das Vieh das acht ihn nicht/ Die Menschen lieben ihn/ die Engel schaun sein Licht/ Staͤts unverwendet an. Auß diesem kanstu kennen/ Wenn du solt Engel/ Mensch/ Vieh/ oder Teufel nen̄en. 237. Wer Christo gleich ist. Wer ist dem HErren gleich? der seine Feinde liebt/ Fuͤr die Verfolger bitt/ und gutts umb boͤses giebt. F 5 Die Joh: Angeli drittes Buch 238. Die innerliche Geburt Gottes. Ach freude! GOtt wird Mensch/ und ist auch schon ge- bohren! Wo da? Jn mir: Er hat zur Mutter mich erkohren. Wie gehet es dann zu? Maria ist die Seel/ Das Krieppel ein mein Hertz/ der Leib der ist die Hoͤl/ Die neu Gerechtigkeit sind Windeln und sind Binden: Der Joseph Gottes Furcht: Die Kraͤffte deß Gemuͤtts Sind Engel die sich freun: Die Klarheit ist jhr Blitz: Die keusche Sinnen sind die Hirten die jhn finden. 139. Deutung deß Nahmens JEsus. Kein Nahm ist unter alln so hoch gebenedeit. Als JEsus : denn Er Jst Ein Schatz voll See- ligkeit. 240. Die Drey Geistliche Weisen. Drey Weisen tragen GOtt in mir drey Gaben an: Der Leib zerknirschungs Myrꝛhn / die Seele Gold der Liebe/ Der Geist den Weyherauch der Andacht wie er kan: Ach daß ich immerdar so dreymal Weise bliehe! 241. Die geheime Seelenflucht. Herodes ist der Feind; Der Joseph der Verstand/ Dem macht GOtt die Gefahr im Traum (im Geist) bekandt. Die Welt ist Bethlehem Egypten Einsamkeit: Fleuch meine Seele fleuch/ sonst stirbestu fuͤr Leyd. 242. Die Wunder Geburt. Maria ist Crystall/ jhr Sohn ist Himmlisch Licht: Drum̄ dringt er gantz durch sie/ un̄ oͤffnet sie doch nicht. 243. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 243. Die wunderliche umbwechßlung. Schaut wunder: GOttes Sohn wird jung in lauter Freuden/ Vnd muß mit lauter Angst von hinnen wieder scheiden: Wir kom̄en auff die Welt mit Thraͤnen/ und vergehn Mit Lachen/ wo wir recht in seinem Geiste stehn. 244. Sey niemals sicher. Ach Jungfrau sieh dich fuͤr: denn wann du Mutter worden/ So suchet straks der Feind dein Kindlein zuermorden. 245. Die unerhoͤrte Verkehrung. Es kehrt sich alles umb: die Burg ist in der Hoͤle/ Die Krippe wird ein Thron/ der Tag kombt in der Nacht/ Die Jungfrau bringt ein Kind: Ach Mensch biß auch bedacht/ Daß sich verkehre wol/ dein Hertze Geist und Seele. 246. Von der Krippe. Die Krippe halt’ ich nu fuͤr einen Kleinod-schrein/ Weil JEsus drinnen liegt/ der mein Carfunkelstein. 247. Von der Jungfrawen Maria. Das Weib umbgiebt den Mann/ der Jungfrau wird vertraut Der Held. Wie da? Sie ist das Brauttbett und auch Braut. 248. Die Perlen geburt. Die Perle wird vom Thau in einer Muschel Hoͤle Gezeuget und gebohrn/ und diß ist bald beweist Wo du s nicht glauben wilt: Der Thau ist GOttes- Geist/ Die Perle JEsus Christ / die Muschel meine Seele. F 6 249. Der Joh: Angeli vierdtes Buch 249. Der Jahrs Beschluß. Es wird das alte Jahr/ das sich nu schleust/ gehalten Als wanns vergangen waͤr’: und diß ist wahꝛ mein Krist/ Wo du ein Neuer Mensch in GOtt geworden bist: Jsts nicht; so lebstu noch wahrhafftig in dem alten. Vierdtes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime. 1. GOtt wird waß Er nie war. Der ungewordne GOtt wird mitten in der Zeit/ Was Er nie ist gewest in aller Ewigkeit. 2. Der Schoͤpffer wird’ s Geschoͤpffe. Das Unerschaffene Licht wird ein erschaffnes Wesen: Daß sein Geschoͤpffe nur durch selbes-kan genesen. 3. An das JEsus Kind. Jch habe dich mein Kind/ du zarter Nazarener/ Den Lilgen offt vergleicht; Nu aber geb ichs an/ Daß jch dir viel zu kurtz und Unrecht hab gethan: So viel du edler bist/ so viel bistu auch schoͤner 4. Das geheime Nazareth und geist- liche Verkuͤndigung. Maria/ Nazareth/ und Gabriel der Both/ Jst meine Seel/ mejn Hertz/ und neues Licht von Gott. Jst Geistr. Sinn-und schlußr Mein Hertze zwar wann es ein Blumenthal geworden/ Die Seele wann sie steht im keuschen Jungfern Orden/ Und wohnt in diesem Thal: das neue Gnaden Licht/ Wann Gott sein Ewges Wort in jhrem Geiste spricht. 5. Von dem JEsus Kind an der Mutter Bruͤsten. Wie schlecht ist Gottes Sohn bewirthet auf dem Heu: Man siehet nichts umb jhn als lauter Armuthey: Er achtets aber nicht/ und laͤst jhm wol genuͤgen/ Weil Er kan an der Brust der suͤssen Mutter liegen. 6. GOtt auf dem Stroh. Je daß jhm GOtt den Stall unds’ Stroh hat auß- erkiest! Es ziemet sich also weil Er ein Laͤmmlein ist. 7. Der Fall Evæ ist Vrsach daß GOtt Mensch worden. Der Ewge GOttes Sohn kombt her in diese Wuͤsten/ Und naͤhrt sich wie ein Kind an einer Jungfrau Bruͤstē. Wer hat ihm dieses weh verursacht und gemacht? Ein abgefallnes Weib hat jhn darzu gebracht. 8. Der Nahme JESVS. Der Nahme JEsus ist ein außgegossnes Oele: Er speiset/ und Erleucht/ und stillt das weh der Seele. 9. Das Unaußsprechliche. Das Unaußsprechliche das man pflegt Gott zunennen/ Giebt sich in einem Wort zusprechen und zukennen. 10. Die volle Seeligkeit. Der Mensch hat eher nicht vollkommne Seeligkeit; Biß daß die Einheit hat verschlukt die Anderheit. 11. Mit Joh: Angeli vierdtes Buch 11. Mit schweigen Ehrt man GOtt. Die Heilge Majestaͤt (wiltu jhr Ehr erzeigen) Wird allermeist geehrt mit heilgem stilleschweigen. 12. Jn Einem alles Heyl. Jn einem steht mein Heil/ in einem meine Ruh: Drumb lauff ich mit Verlust viel dings dem Einem zu. 13. Die Eigenschafft der dreyen Staͤnde. Die Buͤsser flehn GOtt an/ die freyen danken Jhm/ Die Braͤute sind voll Lieb’ und Ruh wie Seraphim. 14. GOtt giebt das groß’ im kleinen. Nimb was der HERR dir giebt/ Er giebt das groß im kleinen/ Jn schlechten schlakken Gold/ ob wirs zwar nicht ver- meinen. 15. Uberschrifft der Heyligen Agatha. Diß war die keusche Seel/ die GOtt von freyer Hand Geehrt hat/ und erloͤst ihr Volk und Vaterland. 16. Der Schnee in der Sonne. Wie schoͤne glaͤntzt der Schnee wann jhn der Sonnen- strahlen Mit Himmelischem Licht bestreichen und bemahlen! So glaͤntzt auch deine Seel/ so sie ist weiß wie Schnee: Wann sie beschienen wird vom Aufgang auß der Hoͤh. 17. Zu dem HErren JESU . Jch nah mich HERR zu dir als meinen Sonneschein/ Der mich erleucht/ erwaͤrmt/ und macht lebendig seyn. Nahstu dich wiederumb zu mir als deiner Erden/ So wird mein Hertze bald zum schoͤnsten Fruͤling werden. 18. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 18. Der Tugend Ziel ist GOtt. GOtt ist der Tugend Ziel/ jhr antrieb/ jhre Kron/ Jhr eintziges warumb/ und ist auch all’ jhr Lohn. 19. Ein gutt Gewissen. Was ist ein gutter Muth der wol mit GOtte steht? Ein staͤttes froͤlich seyn/ und ewiges Panket. 20. Die Verlust. Mensch schau die Lust der Welt die Endet sich mit Peyn: Wie kanstu jhr dann auch so gantz ergeben seyn? 21. Der unerkandte GOtt. Was GOtt ist weiß man nicht: Er ist nicht Licht/ nicht Geist/ Nicht Wonnigkeit/ nicht Eins/ nicht was man Gott- heit heist: Nicht Weißheit/ nicht Verstand/ nicht Liebe/ Wille/ Guͤtte: Kein Ding/ kein Unding auch/ kein Wesen/ kein Gemuͤtte: Er ist was ich/ und du/ und keine Creatur/ Eh wir geworden sind was Er ist/ nie erfuhr. 22. An S. Augustin. Halt an mein Augustin: Eh du wirst Gott ergruͤnden/ Wird man das gantze Meer in einem Gruͤblein finden. 23. Goͤttliche beschanung. Das uͤberlichte Licht sch aut man in diesem Leben Nicht besser/ als wann man ins dunkle sich begeben. 24. Die Vberformung. Du must den Leib in Geist/ den Geist in GOtt versetzen/ Wann du dich/ wie dein Wuntsch/ vollkoͤmlich wilt er- goͤtzen. 25. Die Joh: Angeli veirdtes Buch 25. Die GOttesschauer. Was thun die schauer GOtts? sie thun das in der Zeit/ Was andre werden thun dort in der Ewigkeit. 26. Moses. Daͤnkt Mosis Antlitz ward so glaͤntzend als die Sonne/ Da er das ewge Licht im dunckeln nur gesehn! Was wird nicht nach der Zeit den Seeligen geschehn/ Wan̄ sie GOtt werden schaun im Tag der ewgen Won̄e? 27. Die Seeligen. Was thun die seeligen/ so man es sagen kan? Sie schaun ohn unterlaß die ewge Schoͤnheit an. 28. Die Heiligen und Gottlosen. Die Heiligen sind GOtt ein lieblicher Geruch: Die Boͤsen ein Gestank/ ein abscheu/ und ein Fluch. 29. Die Liebe. Die Lieb ist wie der Tod: sie toͤdtet meine Sinnen/ Sie brichet mir das Hertz/ un̄ fuͤhrt den Geist von hin̄en. 30. GOtt uͤber alle Gaben. Jch bitte dich mein GOtt zwar offt umb deine Gaben/ Doch wisse daß ich dich viel lieber selbst wil haben. Drum̄ gieb mir was du wilt/ es sey auch ewges Leben: Giebstu mir dich nicht selbst/ so hastu nichts gegeben. 31. Die gluͤkseelige Muͤsse. Johannes an der Brust/ MARIA bey den Fuͤssen/ Thun alle zwey sonst nichts/ als daß sie Gotts geniessen: Wie wol sind sie daran! koͤnt’ ich so muͤssig seyn/ Jch regete mich nicht/ fiel’ auch der Himmel ein. 32. Eins Geistr. Sinn-und schlußr. 32. Eins jeden Element. Jm Wasser lebt der Fisch/ die Pflantzen in der Erden/ Der Vogel in der Lufft/ die Sonn im Firmament: Der Salamander muß im Feur erhalten werden: Jm Hertzen JESU ich/ als meinem Element. 33. Das Paradeiß auf Erden. Du suchst das Paradeiß/ und wuͤntschest hin zukommen/ Wo du von allem Leiß und Unfried bist entnommen. Befriedige dein Hertz/ und mach es Rein und weiß: So bistu selbst noch hier dasselbe Paradeiß. 34. GOtt lieben geht vor alles. Laß einen alle Lust der gantzen Welt geniessen/ Und einen dreymal mehr als Salmon wuste wissen: Laß einen Schoͤner seyn als Davids Absalon. Gieb einen der mehr staͤrk’ und Macht hat als Simson: Und einen der mehr Gold als Crœsus hat zuzeigen/ Und noch der alles kan wie Alexander beugen: Ja der diß alles ist: So sag ich doch gantz frey: Daß auch ein schlechter Mann der GOtt liebt besser sey. 35. Die tieffe/ hoͤhe/ breite/ und laͤnge GOttes. Durch Weißheit ist GOtt tieff/ Breit durch Barm- hertzigkeit/ Durch Allmacht ist er hoch/ lang durch die Ewigkeit 36. Beschauligkeit. Sey rein/ schweig/ weich’ und steig auf in die Dunkel- heit/ So kom̄stu uͤber alls zur GOtts beschauligkeit. Beschei- Joh: Angeli vierdtes Buch. 37. Bescheidenheit. Das Richtscheid deß Gemuͤtts ist die Bescheidenheit: Wer sich nach jhr nicht nußt/ der fehlt der Tugend weit. 38. GOtt nichts und elles. GOtt ist ein Geist/ ein Feur/ ein Wesen und ein Licht: Und ist doch wiederumb auch dieses alles nicht. 39. Der Gelassene ist schon Seelig. Ein Mensch der Gott sich laͤst in allen faͤlln und weisen/ Den kan man warlich schon im Leibe seelig preisen. 40. Die Braut GOttes. Die Braut deß Ewgen Gotts kan jede Seele werden: Wo sie nur seinem Geist sich unterwirfft auf Erden. 41. Das Abendmahl deß Lambs. Daß Lamm das hat sein Mahl zur Abendszeit bestimt: Warumb? weil man darauf zur Ewgen ruhe koͤm̄t. 42. Maria. Maria wird genennt ein Thron und Gotts Gezelt/ Ein’ Arche/ Burg/ Thurn/ Hauß/ ein Brunn/ Baum/ Garten/ spiegel. Ein Meer/ ein Stern/ der Mon/ die Morgenroͤth/ ein Huͤgel: Wie kan sie alles seyn? sie ist ein’ andre Welt. 43. Der Juͤnger den GOtt liebt. Ein Mensch der gantz un̄ gar sich abwendt von der Welt/ Vnd seinen Leih und Seel dem HErren heilig haͤlt/ Stirbt noch vertirbet nicht/ ob man ihm gleich vergibt. Fragstu warumb? er ist der Juͤnger den er liebt. 44. Roth Geistr. Sinn-und schlußr. 44. Roth und Weiß. Roth von deß HErren Blut wie Sammet Roͤselein/ Durch Unschuld weiß wie Schnee sol deine Seele seyn. 45. Von Maria Magdalena an dem Crentze. Wie daß die Magdalen das Creutze so umbschrenkt? Es ist weil JESUS dran jhr Allerliebster haͤngt. 46. Auff die Wunden JESU. Jch seh die Wunden an als offne Himmelspforten/ Und kan numehr hinein an fuͤnff gewissen orten. Wo komm ich aber straks bey meinem GOtt zustehn? Jch wil durch Fuͤß und Haͤnd’ ins Hertz der Liebe gehn. 47. Dort geht es anderst zu. Hier haͤngt das Lamb am Creutz/ dort sitzts auf GOttes- thron/ Hier traͤgts den Dornen krantz/ dort eine Kaiserkron: Hier ist es Unterthan/ dort herscht es uͤberalle: Hier thuts den Mund nicht auf/ dort redts mit hellem schalle: Hier weints/ und dorte Lachts: drumb troͤste dich mein Christ/ Daß sich dein Creutz verkehrt/ wo du diß Lam̄ nur bist. 48. Das Creutz. Jch habe mir das Creutz fuͤr allem Schatz erkiest/ Weils meines Leibes Pflug und Seelen Auker ist. 49. Die Herꝛligkeit Christi in dieser Welt. Der Scepter ist ein Rohr/ ein Dornenpusch die Kron/ Die Naͤgel aller Schmuk/ ein toͤdlich Creutz der Thron: Sein Joh: Angeli vierdtes Buch Sein Blutt ists Purpurkleid/ die Moͤrder die Tra- banten/ Das Hoffgesind ein Schaum von Buben und Scher- ganten: Der Mundtrank bittre Gall/ die Music Hohn und Spott. Diß ist die Herꝛligkeit die hier hat unser GOtt! 50. Die Schaͤdelstaͤdt. Jst diß die Schaͤdelstadt? wie kombt es dann daß hier Die Roß’ und Lilge steht in unverwelckter Ziehr? Und da der Lebensbaum? der Brunn mit den vier Fluͤssen? Es ist das Paradiß: doch sey es was es wil: Bey mir gilt diese staͤdt unds Paradiß gleich viel. Maria und Johannes. 51. Die Dornene Kron. Die Dornen die das Haupt deß Herꝛn zerstechen gantz/ Sind meines Haubtes Kron und ewger Rosenkrantz: Was auß den Wunden fleust ist meiner Wunden heil: Wie wol wird mir sein Spott/ und seine Pein zutheil! 52. Die Liebe hats erfunden. Daß GOtt gecreutzigt wird! daß man jhn kan verwun- den! Daß Er die Schmach vertraͤgt/ die man jhm ange- than! Daß Er solch’ Angst aussteht! und daß Er sterben kan! Verwundere dich nicht/ die Liebe hats erfunden. 53. Vmb einen Kuß ists GOtt zuthun. Was wil doch GOttes Sohn daß Er ins Elend koͤmbt/ Und ein solch schweres Kreutz auf seine Schultern nimbt? Ja daß Er biß inn Tod sich aͤngstet fuͤr und fuͤr? Er suchet anders nichts als einen Kuß von dir. 54. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 54. Die Welt ist im Fruͤhling gemacht. Jm Fruͤling ward die Welt Verneut/ und wiederbracht: Drumb sagstu recht daß sie im Fruͤling ist gemacht. 55. Die Geistliche Aufferstehung. Die Auffer stehung ist im Geiste schon geschehn: Wenn du dich laͤst entwuͤrkt von deinen Suͤnden sehn. 56. Die geheimbe Himmelfahrt. Wann du dich uͤber dich erhebst und laͤst GOtt walten: So wird in deinem Geist die Himmelfahrt gehalten. 57. Die geistliche Trunkenheit. Der Geist praust ja wie Most: die Juͤnger allesambt Sind gleich den Trunkenen entzuͤndt und angeflambt Von seiner Hitz und Krafft: so bleibt es doch dabey/ Daß diese gantze Schaar voll suͤsses Weines sey. 58. Der vorlohrne Groschen. Die Seele GOttesbild ist der verlohrne Groschen/ Die Kertze himmlisch Licht/ das durch den fall verloschen: Die Weißheit ist das Weib die es aufs neu entzuͤndt: Wie seelig ist der Mensch den sie nu wider findt! 59. Das verlohrne Schaff. Jch bin das arme Schaaff das sich verjrꝛ et hat/ Und nunmehr von sich selbst nicht kennt den rechten Pfad. Wer zeugt mir dann den Weg/ daß ich nicht gantz erliege? O daß doch JEsus kaͤm’/ und mich nach Hause truͤge! 60. Der Joh: Angeli vierdtes Buch 60. Der verlohrne Sohn. Kehr umb verlohrner Sohn zu deinem Vatter GOtt: Der Hunger bringt dich sonst (seyn’ Ungunst) gar inn Tod: Haͤttstu gleich tausendmahl jhm diesen Schimpff ge- than/ So du nur wiederkoͤmbst/ ich weiß Er nimbt dich an. 61. Die verlohrne und wider gefundene Drey. Der Groschen/ Sohn/ unds Schaaff/ bin ich mit Geist/ Leib/ Seele. Verlohrn in frembdem Land/ in einer Wuͤst’ und Hoͤle. Die heilge Dreyfalt kombt und sucht mich alle stunden: Den Groschen findt der Geist/ der Vatter nimbt den Sohn/ Der Hirte JEsu traͤgt das Schaaff mit sich davon. Schau wie ich Dreyfach bin verlohren und gefunden! 62. Der Punct/ die Linie und Flaͤche. GOtt Vatter ist der Punct; auß Jhm fleust GOtt der Sohn Die Linie: GOtt der Geist ist beider Flaͤch’ und Kron. 63. Vom reichen Mann. Man wil dem reichen Mann kein troͤpfflein Wasser geben/ Weil er das Maß mit Wein schon voll gemacht im Leben. 64. Auch von ihm. Wie daß der reiche Mann den Armen jetzo kennt? Er sicht wol daß sich hat das Blaͤttlein umbgewendt. 56. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 65. Der arme Lazarus. Wie ungleich ist der Tod! die Engel tragen jhn Den armen Lazarum zur ewgen ruhe hin. Der reiche da er stirbt wird voller Angst und Pein: So gutt ists auff der Welt nie reich gewesen seyn! 66. Von Maria Magdalene. Was daͤnkt doch Magdalen daß sie so offentlich Dem HErꝛn zu Fusse faͤllt/ und schuldig giebet sich? Ach frage doch nicht erst: schau wie die Augen funken: Du sihst wol daß sie ist von grosser Liebe trunken. 67. Martha und Maria. Die Martha laufft und rennt daß sie den HErꝛen speise/ Maria sitzet still; und hat doch solcher weise Das beste theil erwoͤhlt: sie speiset jhn allein/ Die aber findt auch fich von jhm gespeiset seyn. 68. Von Maria Magdalene. Maria kombt zum HErꝛn voll Leids und voller Schmertzen/ Sie bittet umb Genad/ und thut doch jhren Mund Mit keinem Woͤrtlein auf: wie macht sie’ s ihm dann. kundt? Mit Jhrer Thraͤnen fall und dem zerknirschten Hertzen. 69 Die Suͤnde. Die Suͤnd’ ist anders nichts/ als daß ein Mensch von GOtt Sein Angesicht abwendt/ und kehret sich zum Tod. 70. Der Mensch. Das groͤste Wunder ding ist doch der Mensch allein: Er kan/ nach dem ers macht/ GOtt oder Teufel seyn. 71. Der Joh. Angeli vierdtes Buch 71. Der Himmel allenthalben. Jn GOtt lebt/ schwebt/ und regt sich alle Creatur: Jsts wahr? was fragstu dann erst nach der Himmel- spuhr? 72. Den Braͤutgam wünscht die Braut. Verwundere dich nicht daß ich nach GOtt verlange: Der Braut ist allezeit nach jhrem Braͤutgam bange. 73. Hier muß man Buͤrger werden. Streb nach der Buͤrgerschafft deß Himmels hier auf Erden: So kan er dir darnach dort nicht versaget werden. 74. Huͤtt dich fuͤr Sicherheit. Laß dir vom Himmelreich nicht gar so sicher traͤumen/ Du sihst wol daß es auch die Jungfern selbst ver- saͤumen. 75. Das troͤstlichste Wort. Das allertroͤstlichste das ich an JEsu find’/ Jst/ wenn Er sprechen wird: kom benedeites Kind. 76. Trauben von Dornen. Wer seinen neider liebt/ und gutts vonn feinden spricht: Sag ob derselbe nicht vonn Dornen Trauben bricht? 77. Das geistliche Sterben. Stirb ehe du noch stirbst/ damit du nicht darffst sterben/ Wann du nu sterben solst sonst moͤchtestu verderben. 78. Die Hoffnung haͤlt die Braut. Die Hoffnung haͤlt mich noch; sonst waͤr’ ich laͤngst dahin: Warum̄? dieweil ich nicht bey meinem Braͤutgam bin 79. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 79. Der beste Freund und Feind. Mein bester Freund mein Leib/ der ist mein aͤrgster Feind: Er bindt und haͤlt mich auff/ wie gut ers immer meint. Jch haß’ und lieb ihn auch: und wann es kombt zum scheiden/ So reiß’ ich mich von ihm mit Freuden und mit Leiden. 80. Mit Lieb erlangt man Gnad. Wann dich der Suͤnder fragt wie er sol Gnad erlangē. So sage daß er GOtt zulieben an sol fangen. 81. Der Tod. Der Tod bewegt mich nicht: ich komme nur durch ihn Wo ich schon nach dem Geist mit dem Gemuͤtte bin. 82. Die heilige Schrifft. Gleich wie die Spinne saugt auß einer Rose Gifft: Also wird auch verkehrt vom boͤsen Gottesschrifft! 83. Trompeten. Trompeten hoͤr’ ich gern: Mein Leib sol auß der Erden Durch jhren Schall erweckt/ und wieder meine werden. 84. Das Antlitz GOttes. Das Antlitz GOttes sehn ist alle Seeligkeit; Von dem verstossen seyn das hoͤchste Hertzeleid. 85. Der Artzt haͤlt sich zum Kranken. Warumb pflegt doch der HErꝛ mit Suͤndern umbzu- gehn? Warumb ein trewer Artzt den Kranken beyzustehn? G S. Pau- Joh: Angeli vierdtes Buch 86. S. Paulus. Sanct Paulus wuste nichts als Christum und sein Leiden; Da er doch war gewest im Paradiß der Freuden. Wie kont jhm diß so gantz entfallen seyn? Er war Jn den Gekreutzigten Verformet gantz und gar. 87 Die Liebe. Die Liebe dieser Welt wil alls fuͤr sich allein. Die Liebe GOttes macht dem Naͤchsten alls gemein: Die wird ein jeder Mensch fuͤr Liebe wol erkennen/ Jen’ aber sol man Neid/ und keine Liebe nennen. 88. Auß dem Hohen Lied. Der Koͤnig fuͤhrt die Braut inn Keller selbst hinein/ Daß sie jhr mag erwoͤhln den allerbesten Wein. So machts GOtt auch mit dir/ wann du bist seine Braut/ Er hat nichts in sich selbst/ daß er dir nicht vertraut. 89. Kinder und Jungfrauen. Jch liebe nichts so sehr als Kinder und Jungfrauen: Warumb? im Him̄el wird kein andres seyn zuschauen. 90. Die Tugend. Die Tugend/ spricht der weis’/ ist selbst jhr schoͤnster Lohn: Meint er nur zeitlichen/ so halt’ ich nichts davon. 91. Die GOttliebende Einsamkeit. Du sprichst T heophilus sey meisten-theils allein: Macht sich der Adler auch den Voͤglichen gemein? 92. Die Tagezeiten. Jm Himmel ist der Tag/ im Abgrund ist die Nacht/ Hier ist die Demmerung: wol dem ders recht betracht. 93. Von Geistr. Sinn-und schlußr. 93. Von Johannes dem Taͤuffer. Johannes aß fast nichts/ er trug ein rauhes Kleid/ Saß in der Wuͤsteney die gantze Lebenszeit. Er war so from: was fiel er GOtt so hart zu Fusse? Die groͤsten Heiligen die thun die groͤste Busse. 94. Die Welt. Zu GOtt kombt man durch GOtt: zum Teufel durch die Welt; Ach daß sich doch ein Mensch zu dieser Hure haͤlt! 95. Das Ende kroͤnt das Werck. Das Ende kroͤnt das Werck/ das Leben ziehrt der Tod Wie herrlich stirbt der Mensch/ der treu ist seinem Gott:! 96. Die Figur ist Vergaͤnglich. Mensch die Figur der Welt vergehet mit der Zeit: Was trotzstu dann so viel auf jhre Herꝛlichkeit? 97. Auf beiden seyn ist gut. Den Him̄el wuͤntsch’ ich mir/ Lieb’ aber auch die Erden: Denn auf derselbigen kan ich GOtt naͤher werden. 98. Von den Lilgen. So offt ich Lilgen seh/ so offt empfind’ ich Pein/ Und muß auch bald zugleich so offt voll Freuden seyn. Die Pein enstehet mir/ weil ich die Ziehr verlohrn/ Die ich im Paradiß von anbegin gehabt. Die Frewde kombt daher/ weil JEsus ist gebohrn Der mich nu widerumb mit jhr aufs neu begabt. G 2 99. Von Joh: Angeli vierdtes Buch 99. Von S. Alexio. Wie kan Alexius ein solches Hertz’ jhm fassen/ Daß er kan seine Braut den ersten Tag verlassen? Er ist jhr Braͤutgam nicht: Er hat sich selbst als Braut Dem Ewgen Braͤutigam verlobet/ und Vertraut. 100. Der Buͤsser loͤscht das Feuer. Du sprichst das Hoͤllsche Feur wird nie geloͤscht gesehn: Und sih der Buͤsser loͤschts mit einem Augenthraͤn! 101. Vom Tode. Der Tod ist doch noch gutt: koͤnt jhn ein Hoͤllhund ha- ben/ Er liss’ im Augenblik sich Lebendig begraben. 102. Auch von jhm. Man wuͤnschet jhm den Tod/ und fliehet jhn doch auch: Jens ist der Ungeduld und diß der Zagheit brauch. 103. Das Leben und der Tod. Kein Tod ist herꝛlicher als der ein Leben bringt: Kein Leben edler/ als das auß dem Tod entspringt. 104. Der Tod der Heiligen. Der Tod der Heiligen ist wehrt geacht fuͤr GOtt: Sag wo es dir bewust/ was ist es fuͤr ein Tod? 105. Der Tod ist gut und boͤse. So gut der Tod auch ist dem der im HErꝛen stirbt/ So ungut ist er dem/ der ausser jhm verdirbt. 106. Von Geistr. Sinn-und schlußr. 106. Von den Maͤrtyrern. Der Maͤrtrer Lebenslauff ist wenig aufgeschrieben; Die Tugenden die man zur Leidenszeit gespuͤrt/ Die Lobt und preist man nur/ und sind statt jenes blieben: Dieweil ein schoͤner Tod das gantze Leben ziehrt. 107. Die nuͤtzlichsten Gedancken. Daͤnk an den Tod/ mein Krist: was daͤnkstu anders viel? Man daͤnkt nichts nuͤtzlichers als wie man sterben wil. 108. Der Mensch ist dreymal Englisch. Der Thronfuͤrst ruht in GOtt; Jhn schaut der Cheru- bin; Der Seraphin zerschmeltzt fuͤr lauter Lieb’ in Jhn. Jch finde diese Drey in einer Seel allein: So muß ein heilger Mensch ja dreyfach Englisch seyn: 109. Der Weise. Der Weise suchet ruh/ und fliehet das Getuͤmmel: Sein elend ist die Welt/ sein Vaterland der Himmel. 110. Das Wolfeilste. Wie wolfeil haͤlt doch GOtt sein Reich unds Ewge Leben! Er darffs dem Buͤssenden fuͤr einen Fußfall geben. 111. An den sich selbst Liebenden. Narciß ersaͤuffet sich da er sich selbst wil Lieben. Philautus lachestu? es ist von dir geschrieben. 112 Von dem Hertzen der heiligen Clara de Montefalco. Hier ist der Speer und Schwamm/ die Naͤgel/ Saͤul und Kron/ (Sohn: Die Geisseln/ und auch gar das Creutz mit GOttes G 3 Drey Joh: Angeli vierdtes Buch Drey Kugeln eines halts: Es kan nicht anderst seyn/ Diß Hertz ist GOttesburg/ und seines Leydensschreyn. 113. List wieder List. Mit List hat unß der Feind gefaͤllet und bekriegt/ Mit List kan er von unß seyn wiederumb besiegt. 114. Ein Lamb bezwingt den Drachen. Vertraue GOtt/ der Drach wird leichtlich uͤberwunden/ Hat ihn doch nur ein Lamm gefaͤllet und gebunden! 115. Die Nachreu kombt zu spaͤt. Da GOtt auf Erden gieng/ ward Er fast nicht geacht: Nu Er im Himmel ist beklagt Jhn jedermann Daß Jhm nicht groͤsser Ehr ist worden angethan. So Thoͤricht ist die Welt/ daß sie’ s nicht vorbedacht! 166. Eins folgt und weicht dem andern- Eins ist deß andren end’/ und auch sein anbegin. Wenn GOtt gebohren wird/ so stirbet Adam hin. 117. Die Welt unds Neu Jerusalem. Die Welt schein Kugelrund dieweil sie sol vergehn: Gevierdt ist GOttes Stadt: drum̄ wird sie Ewig stehn. 118. Der Spiegel Der Spiegel zeiget dir dein aͤussres Angesicht: Ach daß Er dir doch auch das jnnre zeiget nicht! 119. Das Faß muß reine seyn. Wasch auß deins Hertzensfaß: wann Haͤsen drin̄e seyn/ So geust GOtt nimmermehr dir seinen Wein darein. 120. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 120. Der Himmelspaͤhende. Ein Himmelspaͤhender ist dem Geschoͤpffe tod/ (GOtt. Wie komts? Er lebt allein dem Schoͤpffer seinem 121 Jm Himmel sind auch Thiere. Man sagt es kan kein Thier zu GOTT dem HErrn eingehn: Wer sind die Viere dann die nah bey Jhme stehn? 122. GOtt sieht nicht uͤbersich. GOtt sieht nicht uͤbersich: drumb uͤberheb dich nicht: Du koͤmst sonst mit Gefahr auß seinem Angesicht. 123. Von der H. Martha an den Po- lypragmon. Der HErr spricht Eins ist noth; und was die Martha thut/ Das ist auch an sich selbst gar loͤblich/ fein/ und gutt: Und dennoch strafft Er sie. Merks Polypragmon wol: Daß man mit vielerley sich nicht zerruͤtten sol. 124. Von GOtt. GOtt ist ein solches Gutt/ je mehr man Jhn empfindt: Je mehr man Jhn begehrt/ verlangt/ und Lieb gewinnt. 125. Deß GOtts verliebten Pein. Der GOttverliebte Mensch hat sonsten keine Pein/ Als daß er nicht kan bald bey GOtt dem Liebsten seyn. 126. Die unerforschliche Ursache. GOtt ist Jhm selber alls/ sein Himmel/ seine Lust: Warumb schuff Er dann unß? es ist uns nicht bewust. G 4 127. Die Joh: Angeli vierdtes Buch 127. Die Wohnung GOttes. GOtt wohnet in sich selbst/ sein Wesen ist sein Hauß: Drumb gehet Er auch nie auß seiner GOttheit auß. 128. An den Weltliebenden. Die Seele weil sie ist gemacht zur Ewigkeit/ Hat keine wahre Ruh inn Dingen dieser Zeit: Drumb wunder ich mich sehr/ daß du die Welt so liebst/ Und aufs zergaͤngliche dich setzest und begiebst. 129. GOtt redt am wenigsten. Niemandt redt weniger als GOtt ohn Zeit und ort: Er spricht von Ewigkeit nur bloß Ein Eintzigs Wort. 130 Von der Eitelkeit. Wend ab dein Angesicht vom glast der Eitelkeit: Jemehr man jhn beschaut/ jemehr wird man verleitt. Jedoch kehrs wider hin: denn wer jhn nicht betracht/ Der ist schon halb von jhm gefaͤllt und umbgebracht. 131. Von der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist weg! wohin? sie ist inn Himmel/ Warum̄? sie traute sich nicht mehr bey dem Getuͤm̄el. Was kont’ jhr dan̄ geschehn? sie waͤre von der Welt Schon laͤngst an jhren Ehrn geschwaͤchet und gefaͤllt. 132. Verlust und Gewinn. Der Tod ist mein Gewinn/ Verlust das lange Leben: Und dennoch dank ich GOtt daß er mir diß gegeben. Jch wachs’ und nehme zu/ so lang ich hier noch bin: Darumb ist auch gar wol das Leben mein Gewin. 133. Der Mensch ist eine Kohle. Mensch du bist eine Kohl/ GOtt ist dein Feur un̄ Licht: Du bist schwartz/ finster/ kalt/ liegstu in Jhme nicht. 134. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 134. Die Krafft der zurukkehrung. Wann du dich meine Seel zuruk hinein begiebst/ So wirstu was du warst/ und was du Ehrst und Liebst. 135. Die Bach wird das Meer. Hier fluͤss’ ich noch in GOtt als eine Bach der Zeit: Dort bin ich selbst das Meer der ewgen Seeligkeit. 136. Der Strahl wird die Sonne. Mein Geist/ kombt er in GOtt/ wird selbst die ewge Wonne: Gleich wie der Strahl nichts ist als Sonn’ in seiner Sonne. 137. Das Fünklein im Feuer. Wer kan das Fuͤnkelein in seinem Feur erkennen? Wer mich/ wann ich in GOtt/ ob ich es sey/ benennen. 138. Die Liebe macht Beliebter. Mit was macht sich die Braut beym Braͤutgam mehr beliebt? Mit Liebe wenn sie sich jhm mehr und mehr ergiebt. 139. Die gluͤkseelige Ertrinkung. Wenn du dein Schiffelein aufs Meer der GOttheit bringst: Gluͤkseelig bistu dann/ so du darinn Ertrinkst. 140. Das edelste Gebette. Das edelste Gebett ist wenn der Better sich Jn das fuͤr dem er kniet verwandelt jnniglich. 141 Nichts ist suͤsser als Liebe. Es ist doch keine Lust/ und keine Seeligkeit/ Die uͤbertreffen kan der Liebe suͤssigkeit! 142. Der Joh: Angeli drittes Buch 142. Der Fnrcht und Liebe Wuͤrdigkeit. Wer Gott liebt/ schmaͤkt schō hier seins Geistes suͤssigkeit: Wer aber Jhn nur fuͤrcht/ der ist davon noch weit. 143. Der allerlieblichste Thon. Es kan in Ewigkeit kein Thon so Lieblich seyn/ (ein. Als wenn deß Menschen Hertz mit GOtt stimbt uͤber- 144. Die heilige Uberformung. Die Ruhe deines Geists macht dich zu einem Thron/ Die Lieb zum Seraphin/ der Fried zu Gottessohn. 145. Wir sind edeler als die Seraphine. Mensch ich bin edeler als alle Seraphin/ Jch kan wol seyn was sie/ sie nie was ich je bin. 146. Was der hoͤchste Adel deß Menschen. Mein hoͤchster Adel ist/ daß ich noch auff der Erden/ Ein Koͤnig/ Kaiser/ Gott/ und was ich wil/ kan werden. 147. Die weite deß Menschen ist nicht zubeschreiben. Wer ist der mir wie weit und breit ich bin zeigt an? Weil der Unendliche (GOtt) in mir wandeln kan. 2. Cor. 6. 148. Was die Seele erweitert. Was macht deß Menschen Hertz und seine Seele weit? Die Liebe GOttes giebt jhm die Beschaffenheit. 150. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 149. Was ohne Lieb ist Stinckt. Mensch komstu ohne Lieb/ so steh nur bald von fern: Was nicht nach liebe reucht/ das stinckt fuͤr GOtt dem HErꝛn. 150. Der hoͤchste GOttesdienst. Der Hoͤchste GOttesdienst/ ist GOtte gleiche werden: Christfoͤrmig seyn an Lieb/ am Leben und Geberden. 151. Die Wahre Weißheit. Die Wahre Weißheit die dir zeugt die Himmelsthuͤr/ Steht in Vereinigung und Feurger Liebsbegiehr. 152. Wie die Lieb die Suͤnden verzehrt. Wie du den Flachs unds Werk im Feuer sichst ver- schwinden: So brennen auch hinweg durch Liebe deine Suͤnden. 153. Das Meer in einem Troͤpfflein. Sag an wie gehet es zu/ wenn in ein Troͤpffelein Jn mich/ das gantze Meer Gott gantz und gar fleustein? 154. GOtt ist allenthalben gantz. O Wesen dem nichts gleich! GOtt ist gantz ausser mir/ Und inner mir auch gantz/ gantz dort/ und gantz auch hier. 155. Wie Gott im Menschen. Mehr als die Seel im Leib/ Verstand in dem Gemuͤtte/ Jst GOttes Wesenheit in dir und deiner Huͤtte. 156. Noch darvon. GOtt ist noch mehr in mir/ als wann das gantze Meer Jn einem kleinen Schwamm gantz und beysam̄en waͤr. 157. GOtt Joh: Angeli vierdtes Buch 157. GOtt ist in und umb mich. Jch bin der Gottheit Faß in welchs sie sich ergeust/ Sie ist mein tieffes Meer das mich insich beschleust. 158. Das grosse ist im kleinen verborgen. Der Umbkraiß ist im Punckt/ im Saamen liegt die Frucht/ GOtt in der Welt: wie Klug ist der jhn drinne sucht! 159. Alles in allem. Wie sah S. Benedict die Welt in einem strahl? Es ist (weistus noch nicht?) in allem alls zumahl. 160. GOtt ist ber uͤall Herꝛlich. Kein Staͤublein ist so schlecht/ kein Stuͤpffchin ist so klein: eDr Weise sihet GOtt gantz herꝛlich drinne seyn. 161. Alles in einem. Jn einem Senffkoͤrnleind/ sou’s verstehen wilt/ Jst aller oberern und untrern dinge Bild. 162 Eins ist im andren. Das Ey ist in der Henn/ die Henn ist in dem Ey: Die zwey im Eins/ und auch das Eines in der Zwey. 163 Alles komt auß dem verborgenen. Wer haͤtte das vermeint! auß Finsternuͤß komts Licht/ Das Leben auß dem Tod/ das etwas auß dem Nicht. 164. Das Conterfect GOttes. Jch weiß GOtts Conterfect: Er hat sich Abgebildt/ Jn seinen Crew datonrn/ u’ s erkennen wilt. 165. GOtt Geistr. Sinn und schlußr. 165. GOtt schafft die Welt noch. GOtt schafft die Welt annoch: komt dir diß Fremde fuͤr? So wiss’ es ist bey jhm kein Vor noch nach/ wie hier. 166. Die Ruh und Wuͤrkung GOttes. GOtt hat sich nie bemuͤht/ auch nie geruht/ das merk: Sein Wirken ist sein r uhn/ und seine Ruh sein Werk. 167. Deß Kristen Joch ist leichte. Krist es kan ja dein Joch dir nie beschwerlich seyn: Denn GOtt und seine Lieb die spannt sich mit dir ein. 168. Das Unbestaͤndigste. Nichts Unbestaͤndigers im wol seyn und im Schmertz/ Jst/ daͤnke hin und her/ als/ Mensch dein eigen Hertz. 169. Die Klugheit wird gelobt. Verwirff nicht was du hast: Ein Kauffman der sein Wol an zulegen weiß/ den lobet alle Welt. (Geld 170. Artzney der Kranken Liebe. Ein Hertz das Krank fuͤr Lieb/ wird eher nicht gesund/ Biß es GOtt gantz und gar durchstochen und verwundt. 171. Die Liebe ist zerschmeltzende. Die Liebe schmeltzt das Hertz/ und machts wie Wachs zer- fliessen: Erfahr es wo du wilt die suͤsse Wuͤrkung wissen. 172. Der Adel deß geruhigen Hertzen. Mein Hertze wenns GOtt ruht/ ists’ Braut Bett seines Sohns: Wanns dann sein Geist bewegt/ die saͤnffte Solomons. 173. Der Joh: Angeli vierdtes Buch. 173. Der hoͤchste Friede. Der hoͤchste Friede den die Seele kan geniessen/ Jst sich aufs moͤglichst’ eins mit GOttes willen wissen 174. Der Ubersluß der seeligen. GOtt schenkt den seeligen so uͤberfluͤssig ein/ Daß sie mehr in dem Trank/ als der in jhnen/ seyn. 175. Die wunderbahrlichste Heyrath. Schaut doch die Heyrath an! der Herꝛ der Herꝛligkeit Hat eines Sclaven Magd deß Menschen Seel gefreit! 176. Die Hochzeit deß Lammes. Wenn ich zu GOtt eingeh/ und kuͤss’ jhn mit begier/ Dann ist es daß das Lamb die Hochzeit haͤlt in mir. 177. Verwunderung uͤber der Gemein- schafft GOttes. Es ist erstaunungs voll/ daß ich Staub Asch und Koth/ So freundlich und gemein mich machen darf mit GOtt! 178. Was die Creatur gegen GOtt. Was ist ein Staͤubelein in anschauung der Welt? Und was bin ich/ wenn man Gott gegen dir mich haͤlt? 179. Wie GOtt so hertzlich liebt. GOtt liebt so hertzlich dich; Er wuͤrde sich betruͤben/ Jm fall es moͤglich waͤr/ daß du Jhn nicht wilt lieben. 180. Der Tag und Morgenroͤth der Seelen. Der Seelen Morgenroͤth ist GOtt in dieser Zeit: Jhr Mittag wird er seyn im Stand der Herꝛlichkeit. 181. Vom Geistr. Sinn-und schlußr. 181. Vom Seeligen. Die seelge Seele weiß nichts mehr von Anderheit: Sie ist ein Licht mit GOtt und eine Herrlichkeit. 182. Gleichnuͤß der Freud in GOtt. Freund was der Hoͤnig dir ist gegen Koth und wust: Das ist die Freud in GOtt auch gegens Fleischeslust. 183. Was du wilst ist alles in dir. Mensch alles was du wilt/ ist schon zu vor in dir: Es lieget nur an dem daß du s’ nicht wuͤrkst herfuͤr. 184. Das wunderlichste Geheimnuͤß. Mensch kein Geheimnuͤß kan so wunderbahrlich seyn: Als daß die heilige Seel mit GOtt ein Einges ein. 185. Wie die Creatur in GOtt. Wie du das Feur im Kieß/ den Baum im Kern sichst seyn: So bild dir das Geschoͤpff in GOtt dem Schoͤpffer ein. 186. Nichts ist jhm selber. Der Regen faͤllt nicht jhm/ die Sonne scheint nicht jhr: Du auch bist anderen geschaffen/ und nicht dir. 187. Man soll den Geber nehmen. Mensch laß die Gaben GOtts/ und eyl Jhm selbsten zu: Wo du ann Gaben bleibst/ so koͤmstu nicht zur Ruh. 188. Wer der Freudigste Mensch ist. Kein Mensch ist freudiger als der zu aller Stund Von Gott und seiner Lieb entzuͤndt wird und verwundt. 189. Der Joh: Angeli vierdtes Buch 189. Der Suͤnder ist nie gantz froͤlich. Die Suͤnder ob sie gleich in lauter Freude leben/ So muß doch jhre Seel in groͤsten Furchten schweben 190. Das Kreutz offenbahrt was ver- borgen. Jn Trost und suͤssigkeit kennstu dich selbst nicht Krist: Das Kreutze zeigt dir erst wer du im jnnern bist. 191. Wie man alles auf einmal laͤst. Freund wenn du auf Einmal die gantze Welt wilt lassen/ So schau nur daß du kanst die eygne Liebe hassen. 192. Der weiseste Mensch. Kein Mensch kan weiser seyn/ als der das Ewge Gutt Fuͤr allem andren liebt und sucht mit gantzem Mutt. 193. Das geruffe der Creaturen. Mensch alles schreyt dich an/ und predigt dir von GOtt/ Hoͤrstu nicht daß es rufft lieb jhn / so bistu todt. 194. Was GOtt am liebsten thut. Das liebste Werck das GOtt so jnniglich liegt an/ Jst daß er seinen Sohn in dir gebehren kan. 195. Der wesentliche Danck. Der wesentlichste Danck den GOtt liebt wie sein Leben/ Jst wenn du dich bereitst daß Er sich selbst kan geben. 196. Der Heiligen groͤste Arbeit. Der Heilgen groͤstes Werck und arbeit auf der erden Jst GOtt gelassen seyn und jhm gemeiner werden 197. Was Geistr. Sinn-und schlußr. 197. Was GOtt vom Menschen fordert. GOtt fordert nichts von dir alß daß du ihm solt ruhn: Thustu diß/ so wird Er das andere selber thun: 198. Was die geistliche Ruh ist. Die Ruh die GOtt begehrt/ die ist von suͤnden rein/ Begiyr-und willen-loß/ gelassen/ innig seyn. 199. Wie das Hertze muß beschaffen seyn. Christ wo der Ewge GOtt dein Hertz sol nehmen ein/ So muß kein bildnuͤß drinn/ alß seines Sohnes seyn. 200. Wie man die Zeit verkuͤrtzt. Mensch wenn dir auf der Welt zu lang wird weil und zeit; So kehr dich nur zu GOtt ins Nun der Ewigkeit. 201. Warumb die Seele ewig. GOtt ist die Ewge Sonn’/ ich bin ein strahl von jhme: Drumb ist mirs von natur/ daß ich mich ewig ruͤhme. 202. Der Strahl ohne die Sonne. Der Strahl ist nichts wen̄ er sich von der Sonn abbricht; Du gleichfalls/ laͤstu GOtt dein wesentliches licht. 203. Wie man sucht so findet man. Du findest wie du suchst: Wie du auch klopffest an/ Und bittest/ so wird dir geschenckt und auffgethan. 204. Wer Joh. Angeli vierdtes Buch 204. Wer nicht von GOtt geschieden kan werden. Wen GOtt zu seinem Sohn gebohren hat auff erden/ Der Mensch kan nimmermehr von GOTT geschieden werden. 205. Der punct der Seeligkeit. Der Punct der Seeltgkeit besteht in dem allein: Daß man muß wesentlich auß GOtt gebohren seyn. 206. Jn wem der Sohn GOttes ge- bohren ist. Wem alle ding ein ding und lauter Friede sind/ Jn dem ist wahrlich schon gebohrn das Jungfraun Kind. 207. Kennzeichen deß Sohns GOtts. Wer staͤts in GOtte bleibt/ verliebt/ gelassen ist: Der Mensch wird allermeist fuͤr GOttes Sohn erkiest. 208. Nach der zeit ist keine wuͤrckung. Mensch wuͤrcke weil du kanst dein Hell und Seeligkeit: Das wuͤrcken hoͤret auf mit endung dieser zeit. 209. Wer zuviel glaubt. Es ist zwar wahr daß GOtt dich seelig machen wil: Glaubstu Er wils ohn dich/ so glaubestu zu viel. 210. Was die Armuth deß Geistes ist. Die Armuth unsres Geists besteht in jnnigkeit/ Da man sich aller ding’ und seiner selbst verzeiht. 211. Der aͤrmeste der Freyeste. Der Armuth eigenthum ist freyheit allermeist: Drumb ist kein Mensch so frey/ als der recht arm im Geist. 212. Armuth Geistr. Sinn-und schlußr. 212. Armuth ist das wesen aller tugenden. Die laster sind bestrickt/ die Tugenden gehn frey: Sag ob die Armuth nicht jhr aller wesen sey? 213. Der Alleredleste Mensch. Der Alleredelste den man ersinnen kan/ Jst ein gantz lauterer und wahrer armer Man. 214. Der herrliche Tod. Christ/ der ist herrlich todt/ der allem abgestorben/ Und jhm dadurch den Geist der armuth hat erworben. 215. Die zeit begreifft nicht die ewigkeit. So lange dir mein Freund im sinn liegt ort und zeit: So faßstu nicht was GOtt ist und die ewigkeit. 216. Die empfaͤngliche Seel. Die Seel die Juugfrau ist/ und nichts als GOtt em- pfaͤngt/ Kan GOttes schwanger seyn/ so offt sie dran gedaͤnckt. 217. Der aufgespannte Geist. Der Geist der allezeit in GOtt steht aufgericht/ Empfaͤngt ohn underlaß in sich das ewge licht. 218. Kennzeichen der Braut GOttes. Die Braut verliebet sich inn Braͤutigam allein: Liebstu was neben GOtt/ schau wie du Braut kanst seyn. 219. Das wandelnde gezelt GOttes. Die Seel in der GOtt wohnt/ die ist (O Seeligkeit!) Ein wandelndes Gezelt der ewgen Hevrligkeit 220. Gott Joh: Angeli vierdtes Buch 220. GOtt versorgt alle Creaturen. GOtt der versorget alls/ und doch ohn alle muͤh/ Ein’ jede Creatur bedenckt er spat und fruͤh. 221. Auch das kleinste Wuͤrmelein. Kein Wuͤrmlein ist so tief verborgen in der Erden/ GOtt ordnets daß jhm da kan seine Speyse werden. 222. GOtt ist die allvorsichtigkeit leichte. Mensch glaubstu GOtts deß Herrn allgegenwaͤrtigkeit/ So siehestu wie leicht Jhm die vorsichtigkeit. 223. GOtt soll der Seelen bekandt seyn. Ein HErꝛ in seinem Hauß/ ein Fuͤrst in seinem Land: Jn jhrem Erbtheil GOtt sol seyn die Seel bekandt. 224. Wie man zur Einigkeit gelangt. Wenn sich der Mensch entzieht der mannigfaltigkeit/ Und kehrt sich ein zu GOtt; kombt er zur Einigkeit. 225. Der Lustgarten GOttes. Die ewge Lustbarkeit sehnt sich in mir zu seyn: Warumb? ich bin (O hoͤrt!) jhr Blum-und Wuͤrtz- gaͤrtlein. 226. Die Majestaͤt deß Menschen. Jch bin (O Majestaͤt!) ein Sohn der Ewigkeit/ Ein Koͤnig von natur/ ein Thron der Herꝛligkeit. 227. Wer auß Adelichem Gebluͤtte. Der so auß GOtt gebohrn/ sein Fleisch hat un̄ Gemuͤtte: Fuͤrwahr er ist allein auß adlichem Gebluͤtte. 228. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr. 227. GOtt sieht die ankunfft an. Die ankunfft hilfft doch viel: Weil Christus gnug ge- than/ So sieht GOtt sein Verdienst und Adel in unß an. 229. Wer GOtt dient ist hoch Adelich. Mir dient die gantze Welt: Jch aber dien’ allein Der ewgen Majestaͤt: Wie edel muß ich seyn! Fuͤnfftes Buch. Geistreicher Sinn-und Schluß-re i men. 1. Alles muß wider in Eins. Alls kombt auß einem her/ und muß in Eines ein: Wo es nicht wil gezweyt/ und in der vielheit seyn. 2. Wie die zahlen auß dem Eins/ so die Geschoͤpffe auß GOtt. Die zahlen alle gar sind auß dem Eins geflossen; Und die Geschoͤpff zumahl auß GOTT dem Einß ent- sprossen. 3. GOtt ist in allen wie die Einheit inn Zahlen, Gleich wie die Einheit ist in einer jeden Zahl; So ist auch GOtt der Ein’ inn Dingen uͤber all. 4. Nichts kan ohn das Eins bestehn. Wie all’ und jede zahln ohns eines nicht bestehn; So muͤssen die Geschoͤpff ohn GOtt das Einsvergehn. 5. Die Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 5. Die Nulle gilt vornen an nichts. Das Richts die Creatur/ wenn sichs Gott vorgesetzt/ Gilt nichts: steht’ s hinter Jhm/ dann wird es erst ge- schaͤtzt. 6. Jm Eins ist alles Eins. Jm Eins ist alles Eins: kehrt zwey zu ruck hinein/ So ist es wesentlich mit jhm ein einges Ein. 7. Alle Heiligen sind ein Heiliger. Die Heilgen alle sind ein Heiliger allein: Weil sie ein Hertz/ Geist/ Sinn/ in einem Leibe seyn. 8. Die geheime Kronenzahl. Zehn ist die Kronneuzahl; sie wird aus eins und nichts: Wenn GOtt und Creatur zusam̄en kommn/ geschichts. 9. Es muß ein jeder Christus seyn. Der wahre GOttes Sohn ist Christus nur allein: Doch muß ein jeder Christ derselbe Christus seyn. 10. GOttes Pallast. GOtt ist Jhm selbst sein Thron/ der Himmel ist sein Saal/ Der Vorhoff’s Paradeiß/ der Erdkreiß ist der Stal. 11. Die Suͤnd’ ist allein das uͤbel. Kein uͤbel ist alß Suͤnd’: und waͤren keine Suͤnden/ So waͤr’ in ewigkeit kein uͤbel auch zu finden. 12. Ein wachendes Auge siehet. Das licht der Herrligkeit scheint mitten in der Nacht/ Wer kan es sehn? Ein Hertz das Augen hat und wacht. 13. Das Geistr. Sinn-und schlußr. 13. Das jrrdische Gutt ist ein Mist. Das jrrdsche Gutt ist Mist; die Armen sind der Akker: Wer’s außfuͤhrt und zerstreut/ geneusts zur Erndte wak- ker. 14. Der außgang geschicht umb den ein- gang. Kein außgang der geschicht/ als umb deß eingangs willen Mein Hertz entschuͤttet sich/ daß es GOtt an sol fuͤllen. 15. Verdamnuͤß ist im wesen. Koͤnt’ ein Verdambter gleich im hoͤchsten Him̄el seyn: So fuͤhlet’ er doch staͤts die Hoͤll/ und jhre Peyn. 16. Durch dich entwird GOtt nichts. Mensch woͤhle was du wilt Verdamnuͤß oder Ruh: Eß gehet GOtt durch dich nichts ab und auch nichts zu. 17. Das groͤste Wunder. Der Wunder hat es viel/ kein groͤssers kan ich sehen/ Als daß das auferstehn deß Fleisches wird geschehen. 18. Die geistliche Jahrszeiten. Der Winter ist die Suͤnd/ die Busse Fruͤlingszeit/ Der Sommer Gnadenstand/ der Herbst vollkommenheit. 19. Auch von demselben. Jm Winter ist man todt/ im Fruͤling steht man auf/ Jm Sommer und im Herbst verbringt man seinen lauf. 20. Der steiffe Felsenstein. Ein tugendthaffter Mensch ist wie ein Felsenstein: Es stuͤrme wie es wil/ er faͤllet doch nicht ein. 21. Der Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 21. Der Suͤnd’ und Tugend eigenschafft. Die Busse ruͤchet wol/ die Suͤnden alle stincken: Die Tugenden gehn recht/ die Laster aber hincken. 22. Die Keuschheit bleibt verschlossen. Die Keuschheit ist ein Schloß das niemand auf kan- schliessen. Was sie im innern ist/ das mag kein fremder wissen. 23. Die zeit die ist nicht schnell. Man sagt die Zeit ist schnell: wer hat sie sehen fliegen? Sie bleibt ja unverruckt im Welt-begrieffe liegen! 24. GOtt sieht man nicht mit Augen. Wann du denkst GOtt zu schaun/ bild dir nichts sinn- lichs ein: Das schaun wird inner uns/ nicht außerhalb uns seyn. 25. Was das beste an der Seeligkeit. Was an der Seeligkeit mein Hertz fuͤrs best’ erkiest/ Jst daß sie wesentlich/ und nicht von aussen ist. 26. GOtt wird wie wir. GOtt gibt dir wie du nimbst/ du selbst schenkst auß und ein/ Er wird dir wie du wilt/ wie nach dem faß der Wein. 27. Die Wegescheide zur Ewigkeit. Die Wegescheid’ ist hier: Wo lenkstu dich nu hin? Zur Lincken ist verlust/ zur Rechten ist gewien. 28. Was GOtt den Tag durch thut. Des Morgens geht GOtt auß/ zu mittag schlaͤffet er/ Deß Nachts ist er erwacht/ reist’ Abends ohn beschwehr. 29. Man Geistr. Sinn-und schlußr. 29. Man muß die Tieffe auf der Hoͤhe betrachten. Ein ungrund ist zwar Gott/ doch wem er sich soll zeigen/ Der muß biß auf die Spitz der ewgen Berge steigen. 30. Der Teuffel der ist gut. Der Teuffel ist so gutt dem wesen nach als du. Waß gehet jhm dann ab? Gestorbner will’ und ruh. 31. Die ichheit und verlaͤugnung. Der ichheit ist GOtt feind/ verlaugnung ist er hold: Er schaͤtzt sie beyde so/ wie du den Koth unds Gold. 32. Der eigene Wille stuͤrtzt alles. Auch Christus/ waͤr’ in jhm ein kleiner eigner Wille/ Wie seelig er auch ist/ Mensch glaube mir erfielle. 33. Wenn GOtt am liebsten bey uns ist. GOtt dessen wollust ist bey dir O Mensch zu seyn/ Kehrt/ wenn du nicht daheim/ am liebsten bey dir ein. 34. GOtt liebt nichts als sich. GOtt hat sich selbst so lieb/ bleibt jhm so zugethan; Daß er auch nimmermehr was anders lieben kan. 35. GOtt kan mehr viel als wenig. Nichts ist das GOtt nicht kan. Hoͤr Spoͤtter auf zulach ẽ . Er kan zwar keinen GOtt/ wol aber Goͤtter machen. 36. Viel Goͤtter/ un̄ nur einer. 1. Cor. 8. 5. Ein einger GOtt/ und viel/ wie stimbt diß uͤber ein? Gar schoͤne: Weil sie all’ in einem Einer seyn. H 37. GOtt Joh. Angeli fuͤnfftes Buch 37. GOtt schaut auf den Grund. GOtt schaͤtzt nicht was du guts/ nur wie du es gethan: Er schaut die Fruͤchte nicht/ nur Kern und Wurtzel an. 38. GOtt bricht vonn Disteln Feigen. GOtt list vonn Dornen Wein/ vonn Disteln bricht er Feigen/ Wenn er dein suͤndigs Hertz zur Busse komt zu neigen. 39. Die Seeligen sind nie satt. Die Seelgen duͤrffen sich daß sie nie satt sind freun! Es muß ein suͤsser Durst/ und lieber Hunger seyn! 40. Christus ist ein Felß. Wer sich an Christum stoͤst/ (er ist ein Felßenstein) Zerschoͤllt: wer ihn ergreifft/ kan ewig sicher seyn. 41. Je mehr erkandnuͤß je weniger ver- standnuͤß. Je mehr du GOtt erkennst/ je mehr wirstu bekennen/ Daß du je weniger Jhn/ was er ist/ kanst nennen. 42. GOtt muß sich selber lieben. GOtt ist das hoͤchste Gutt/ er muß jhm selbst gefallen/ Sich selber auf sich kehrn/ sich lieben/ ehrn/ fuͤr allen. 43. Wie GOtt so sehr gerecht. Schau GOtt ist so gerecht: Waͤr’ etwas uͤber jhn/ Er ehrt, es mehr als sich/ und kniete fuͤr dem hin. 44. GOtt liebt sich nicht als sich. GOtt liebt sich nicht als sich/ nur als das Hoͤchste gut/ Drumb schau/ daß er auch selbst/ was er befihlet/ thut. 45. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 45. Die Laster scheinen nur. Die Laster gehn bekleidt/ die Tugend stehet Bloß/ Die ist warhafftiglich/ ien’ aber scheinen groß. 46. Du bist der erste Suͤnder. Schweig Suͤnder/ schreyhe nicht dir Ev’ und Adaman: Waͤrn sie nicht vorgefalln̄/ du haͤttest’s selbst gethan. 47. Der Geistliche Fenerzeug. Mein Hertz ists Feuerzeug/ der Zunder gutter Wille: Schlaͤgt GOtt ein Fuͤnklein drein/ so bren̄ts und leuchts die voͤlle. 48. Eins kans nicht ohn das andre. Zwey mussen es vollziehn: ich kans nicht ohne GOtt/ Und GOtt nicht ohne mich: das ich entgeh dem Tod. 49. Die schoͤnste Weißheit. Mensch steig nicht allzu hoch/ bild dir nichts uͤbrigs ein: Die schoͤnste Weißheit ist nicht gar zu weise seyn. 50. GOtt ist nicht tugendhafft. GOtt ist nicht tugendhafft: Auß jhm kombt tugend her/ Wie auß der Sonn die Strahln/ und Wasser auß dem Meer. 51. Nach GOtt ist alles gebilldet. GOtt ist von anbegin der Bildner aller dinge/ Und auch jhr Muster selbst. Drumb ist ja keins geringe. 52. Du must der Himmel seyn. Jnn Himmel komst du nicht/ (laß nur von dem getuͤm- mel) Du seyst dann selbst zuvor ein lebendiger Himmel. H 2 53. Die Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 53. Die ewige Erwaͤhlung. GOtt waͤhlt dich wie du bist: Boͤß ist bey jhm verlohrn/ Gut ist von ewigkeit zum Leben außerkohrn. 54. Der Tugenden und Laster befchaf- fenheit. Die Tugend liegt in ruh/ die laster stehn im streit: Sie haben Pein in sich/ jen’ aber Seeligkeit. 55. GOtt strafft nicht die Suͤnder. GOtt strafft die Suͤnder nicht. Die Suͤnd’ ist selbst jhr Hohn/ Jhr Angst/ Pein/ Marter/ Tod: Wie Tugend selbst jhr Lohn. 56. GOtte thut deine Verdamnuͤß nicht weh. Der Sonne thuts nicht weh/ wenn du von ihr dich kehrst/ Also auch GOtte nicht/ wenn du in Abgrund faͤhrst. 57. Wann du wilt/ wirstu seelig. GOtt laͤst dich jede zeit gar gern inn Himmel ein: Es stehet nur bey dir ob du wilt seelig seyn. 58. Wie du bist/ so wirstu gewuͤrket. Die Sonn erweicht das Wachß/ und machet hart den Koth. So wirkt auch GOtt nach dir das Leben und den Tod. 59. Herren gunst wehret jmmer. Daß Herꝛn gunst ewiglich/ und nicht nur kurtz besteht/ Beweiß ich mit der gunst des Herren in der Hoͤhe. 60. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 60. Der Weg zum Himmel. Wenn du mein Pilger wilt inn Himmel dich erhoͤhen/ So mustu nahe zu/ grad uͤbern Kreutzweg gehen. 61. Alles ist vollkommen. Mensch nichts ist unvolkommn: der Kieß gleicht dem Rubin; Der Frosch ist ja so schoͤn alß Engel Seraphin. 62. Des Menschen groͤster Schatz. Der groͤste Schatz nach GOtt ist gutter will’ auf erden: Jst alles gleich verlorn; Durch jhn kans wider werden. 63. Bey GOtt sind keine Jahre. Fuͤr GOtt sind tausend Jahr wie ein vergangner Tag. Darumb ist gar kein Jahr bey jhm/ wers fassen mag. 64. Wir dienen uns/ nicht GOtt. Mensch/ Gott ist nichts gedient/ mit fasten bethen wach ẽ : Du dienst mehr dir damit/ weils dich kan heilig machen. 65. GOtt kan sich nicht verbergen. GOtt kan sich nimmermehr verbergen wie du sprichst: Es sey dann daß du auch fuͤr jhn ein Loch erdichst. 66. GOtt ist in unß selbst. GOtt ist so nah hey dir mit seiner Gnad und Guͤtte/ Er schwebt dir wesentlich im Hertzen und Gemuͤtte. 67. Wie weit der Weg in Himmel. Christ schaͤtze dir die Reiß inn Himmel nicht so weit: Der gantze Weg hinein ist keines Schrittes breit. H 3 68. Der Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 68. Der weise begehrt nicht in Himmel. Der Weise wann er stirbt/ begehrt inn Himmel nicht: Er ist zuvor darinn eh jhm das Hertze bricht. 69. Deß boͤsen und gutten Unterscheid. Ein Jrꝛliecht ist der boͤß’; ein gutter Mensch ein stern: Er brennet von sich selbst/ der leuchtet von dem Herꝛn. 70. Man darff nicht viel zur Seeligkeit. Christ du bedarffst/ nicht viel zur ewgen Seeligkeit: Es huͤlfft ein eintzigs Kraut das heist gelassenheit. 71. Die Buß’ ist leicht zu thun. Die Buß’ ist hald gethan/ daß dich GOtt loß muß sagen/ Du darffst nur an die Brust wie jener Suͤnder schlagen. 72. GOtt ist allem gleich nahe. GOtt ist dem Belzebub nah mie dem Serayhim: Es kehrt nur Belzebub den Ruͤkken gegen jhm. 73. GOtt kan sich nicht entziehn. GOtt kan sich nicht entziehn/ er wuͤrket fuͤr und fuͤr. Fuͤhlstu nicht seine Krafft/ so gib die Schuld nur dir. 74. Jn der Hoͤlle ist keine Ewigkeit. Betracht’ es eigendlich: bey GOtt ist Ewigkeit/ Beym Teuffel in der Hoͤll da ist ein ewges leid. 75. Nichts besteht ohne genuß. Nichts dauret ohn genuß. GOtt muß sich selbst geniessen; Sein wesen wuͤrde sonst wie Graß verdorren muͤssen. 76. Wie Geistr. Sinn-und schlußr. 76. Wie die Gesellschafft/ so der gesellte. Zu wem du dich gesellst/ deß wesen saufstu ein: Bey Gotte wirstu Gott/ beym Teuffel Teuffel seyn. 77. An den Suͤnder. Du schreiest auf den Dieb/ und schiltst jhn unverholen: Schweig/ du hast GOtt viel mehr alß er der Welt ge- stohlen. 78. Warumb wenig zur Thuͤr deß Lebens eingehn. Daß nach der Him̄elthuͤr so wenig Menschen greiffen! Es wil jhm keiner dran den alten Balg abstreiffen. 79. Am Creutz am sichersten. Man ligt ach seeligsten in Leyden Creutz und Pein: Wo aber sind die gern auf disem Bette seyn? 80. Die Armut ist am Reichsten. Die Armuth ist ein Schatz dem keine Schaͤtze gleichen: Der aͤrmste Mensch im Geist hat mehr als alle Reichen. 81. Jm Reinen erscheinet GOtt. Mensch daͤnkstu GOtt zuschaun/ dort oder hier auf Er- den: So muß dein Hertz zu vor ein reiner Spiegel werden. 82. Am Creutz ist die lieb’ am Liebsten. Sag wo die Liebe wird am liebesten gefunden? Am Creutz/ wenn sie umb deß geliebten willn gebunden. 83. Freud’ und Leid beysammen. Ein Christ erfreuet sich in Leyden Creutz und Pein: So kan ja freud’ und Leyd gar wol beyfaͤmmen seyn! H 4 84. Eins Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 84. Eins wissen hat den Preyß. Viel wissen blaͤhet auf: dem geb ich lob und preyß/ Der den Gekreutzigten in seiner Seele weiß. 85. Wer nichts weiß/ ist geruhig. Haͤtt’ Adam nie vom Baum der wissenschafften gessen/ Er waͤr’ im Paradeiß in ewger Ruh gesessen. 86. Der Schoͤpffer im Geschoͤpffe. Die Schoͤpffung ist ein Buch; Wer’ s weißlich lesen kan/ Dem wird darinn gar fein der Schoͤpffer kundt gethan. 87. Eins ist das beste Buch. Viel Buͤcher viel beschwehr: Wer eines recht gelesen/ (Jch meine JEsum Christ)/ ist ewiglich genesen. 88. Du must dich uͤber setzen. Der Leib muß sich inn Geist/ der Geist inn Gott erheben/ Wo du in Jhm mein Mensch wilt ewig seelig leben. 89. Du must es hier erwerben. Hier muß es seyn gethan: Jch bilde mir nicht ein/ Daß der kein Reich erwirbt dort wird ein Koͤnig seyn. 90. Nichts zeitlichs ist in GOtt. Ein Augenblik ist kurtz: Noch kan ich kuͤhnlich sagen/ Daß GOtt so lange nicht gewest vor Zelt und Tagen. 91. Jn welchem Jahr die Welt er- schaffen. Da GOtt die Welt erschuf/ waß schrieb man fuͤr ein Jahr? Kein anders nicht alß das seins Urstands erstes war. 92. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr. 92. GOtt siht nichts zuvor. GOtt sihetnichts zuvor: Drumb leugstu wenn du jhn Mit der Vorsehung mißt nach deinem bloͤden Sjnn. Jn GOtt ist kein vor oder darnach sehen: sondern Er siehet von Ewigkeit alles gegenwertig fuͤr jhm/ wie es ge- schiehet/ nicht wie es geschehen wirdt oder geschehen ist. 93. GOtt kan nicht zoͤrnen. GOtt zoͤrnet nie mit unß/ wir dichtens jhm nur an: Unmoͤglich ist es jhm daß er je zoͤrnen kan. 94. GOtt ist nicht beweglich. Wer saget daß sich GOtt vom Suͤnder abewendt/ Der giebet klar ann Tag daß er GOtt noch nicht kennt. Merk. GOtt wendet sich nicht ab/ sondern der Suͤnder wendt sich von GOtt. 95. Was GOtt den Seeligen und Ver- dambten ist. GOtt ist den Seeligen ein ewger freuden Gast/ Und den Verdammeten ein’ewge uͤberlast. 96. Das Hoͤllische brennt nur. Die Hoͤlle schadt mir nichts/ waͤr’ ich gleich staͤts in jhr: Daß dich jhr Feuer brennt/ das lieget nur an dir. 97. Der weise klagt nur Suͤnde. Der Weise wann er sol von Pein und Ungluͤk sagen/ Wird dir sonst uͤber nichts als uͤber Suͤnde klagen. 98. GOtt kan dem Willn nicht steuren. Nichts staͤrkers ist als GOtt: doch kan er nicht verweh- ren/ Daß ich nicht was ich wil sol wollen und begehren. H 5 Durch Joh: Angeli fuͤnfftes Buch Durch seine vorhin der Seelen eingeschaffene gewalt. Er kan aber wol verhindern daß der Wille das Werk nicht verbringe/ welches er wil. 99. Was GOtt gern jsset. GOtt jsst die Hertzen gern: Wiltu jhn stattlich speisen/ So richt’ jhm deines zu: Er wird es ewig preisen. 100. Wie GOtt das Hertz wil zubereitet haben. Wie Kocht man Gott das Hertz? Es muß gestossen seyn/ Geprest/ und stark verguldt: Sonst geht es jhm nicht ein. 101. GOtt wil ein gantzes Hertze. Christ mit dem halben theil wirstu GOtt nicht begaben: Er wil das Hertze gantz und nicht die helffte haben. 102. Warumb niemand vonn Engeln besessen wird. Wie daß keln heilges Hertz vonn Engeln wird besessen? Sie thuns nicht weil es GOtt fuͤr sich hat abgemessen. 103. GOtt ist nicht’s erstemahl am Creutz gestorben. GOtt ist nicht’s erste mahl am Creutz getoͤdtet worden: Denn schau er ließ sich ja in Abel schon ermorden. 104. Christus ist gewesen/ eh’ er war. Daß Christus lang zuvor/ eh daß er war gewesen/ Jst klaͤr: Weil man jhn aß und tranck/ daß man genest. 105. Den Himmel kan man stehlen. Wer heimblich guttes wuͤrckt/ sein Geld außtheilt ver- holen/ Der hat das Himmelreich gar meisterlich gestohlen. 106. Das Geistr. Sinn-und schlußr. 106. Das Leben muß dir selbst einge- geschrieben seyn. Mensch wird dein Hertze nicht das Buch deß Lebens seyn: So wirstu nimmermehr zu Gott gelassen ein. 107. Christus gestern/ heut/ und Morgen. Messias der ist heut/ ist gestern/ und ist Morgen/ Und biß in ewigkeit/ entdekket und verborgen. 108. Der glaub’ allein ist ein holes Faß. Der glaub’/ ohn lieb’/ allein/ (wie ich mich wol besinne) Jst wie ein holes Faß: Eß klingt und hat nichts drinne. 109. Wer GOtt hat hat alles mit jhm. Bey GOtt ist alls und jeds: Wer neben Jhm traͤgt ein/ Der muß ein rechter Narr/ und tummer Geitzhalß seyn. 110. Dem Schoͤpffer lauffen alle Ge- schoͤpffe nach. Wenn du den Schoͤpffer hast/ so laufft dir alles nach/ Mensch/ Engel/ Sonn und Mond/ Lufft/ Feuer/ Erd/ und Bach. 111. Ausser GOtt leben ist Todt seyn. Mensch glaube diß gewiß: Wo du nicht lebst in GOtt/ Lebstu gleich tausend Jahr/ du bist so lange todt. 112. Nicht alles gutte ist gut. Nicht alles gut’ ist gut: Mensch uͤberred dich nicht: Waß nicht im Lieboͤl brent das ist ein falsches Licht. 113. Gewien ist verlust. Der Reiche dieser Welt was hat er vor gewin? Daß er muß mit verlust von seinem Reichthumb ziehn. H 6 114. Nach Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 114. Nach Ehre streben ist thoͤricht. Wie thoͤricht sind wir doch daß wir nach Ehre streben! GOtt wil sie ja nur dem/ der sie verschmaͤhet/ geben. 115. Erfahrung ist besser als wissenschafft. Jß doch/ waß redstu viel von krafft der Wurtzel Jesse: Mir schmaͤkket nichts so gut als was ich selber esse. 116. Du must der erste im Himmel seyn. Christ lauffe was du kanst/ wiltu in Himmel ein: Es heist nicht stille stehn/ du must der erste seyn. 117. Der Demuͤtige wird nicht gericht. Wer staͤts in demut lebt/ wird nie von GOtt gericht: Warumb? er richtet auch niemand und suͤndigt nicht. 118. GOtt ist nicht mehr barmhertzig als Gerecht. Gott der wird nicht fuͤr Gott vom weisen Mann erkiest: Wo er barmhertzjger mehr als gerechter ist. 119. Die wuͤrckung deß heiligen Sa- craments. Das Brodt der Herꝛ in uns wirkt wie der weisen stein; Es machet uns zu Gold/ wo wir geschmoltzen seyn. 120. Der mensch ist zwey Menschen. Zwey Menschen sind in mir: Der eine wil was GOtt; Der andre was die Welt der Teuffel und der Tod. 121. Nichts ist herrlicher als die Seele. Solt’ auch was herꝛlichers alß meine Seele seyn/ Weil GOtt die herꝛligkeit sich selbst verwandelt drein? 122. Es Geistr. Sinn-und schlußr. 122. Es sind nicht Heiligen. Es koͤnnen/ wie du sprichst/ nicht viel der Heilgen seyn. Warumb? denn JEsus ist der Heilge ja allein. 123. Gleichnuß der H. Dreyeinigkeit. GOtt Vatter ist der Brunn der Quall der ist der Sohn/ Der heilge Geist der ist der strom so fleust davon. 124. Von GOtt wird mehr gelogen als war geredt. Was du von GOtt verjahst/ dasselb ist mehr erlogen/ Als wahr: weil du Jhn nur nach dem geschoͤpff erwogen. 125. Zeit ist edler alß Ewigkeit. Die Zeit ist edeler alß tausend Ewjgkeiten: Jch kan mich hier dem Herꝛn/ dort aber nicht bereiten. 126. Der Jchheit Tod staͤrckt in dir Gott. So viel mein Jch in mir verschmachtet und abnimbt/ So viel deß Herren Jch darfuͤr zu kraͤfften koͤm̄bt. 127. Die Seel ist über Zeit. Die Seel ein ewger Geist ist uͤber alle Zeit: Sie lebt auch in der Welt schon in der Ewigkeit. 128. Der Seelen wird es nie Nacht. Mich wundert daß du darffst den tag so sehr verlangen! Die Sonn ist meiner Seel noch niemals untergangen. 129. Das jnnere bedarf Nicht deß aͤuseren. Wer seine Sinnen hat ins jnnere gebracht/ Der hoͤrt was man nicht redt/ und siehet in der Nacht. 130. Der Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 130. Der geistliche Magnet und Stahl. GOtt der ist ein Magnet/ mein Hertz das ist der Sthal: Eß kehrt sich staͤts nach jhm/ wenn ers beruͤhrt einmahl. 131. Der Mensch ist etwas grosses. Der Mensch muß doch was seyn! GOtt niembt sein we sen an: Umb aller Engel willn haͤtt’ er solchs nicht gethan. 132. Der gelassene leidet keinen schaden. Wer nich e s mit eigenthum besitzet in der Welt/ Der leidet nicht verlust wann jhm gleich’s Hauß ein- faͤllt. 133. Der Weise graͤmt sich nie. Der Weise wird sich nie in Pein und Ungluͤk graͤmen: Er bitt GOtt nicht einmahl/ daß ers von jhm soll neh- men. Er bettet nur Herꝛ dein Wille geschehe. 134. Ein Koͤnig und ein knecht ist GOtt gerecht. Mensch allererst bistu fuͤr GOtt geschikt und recht: Wenn du zugleiche bist ein Koͤnig und ein Knecht. 135. Vorbereitung macht weniger emp- findligkeit. Wie daß den Weisen nie betruͤbet Weh und Leid? Er hat sich laug zuvor auf solchen Gast bereit. 136. Dem Weisen gilt alles gleiche. Alls gilt dem Weisen gleich; er sitzt in ruh und stille: Geht es nach seinem nicht/ so gehts nach GOttes wille. 137. GOtt Geistr. Sinn-und schlußr. 137. GOtt hoͤret auch die Stum̄en. Mensch wo du GOtt umb gnad nicht kanst mit worten ehren/ So steh nur stum fuͤr jhm/ er wird dich schon erhoͤren. 138. Wen GOtt nicht ewig verdammen kan. Den Suͤnder/ welcher sich nicht ewig wendt von GOtt/ Kan GOtt auch nicht verdam̄n zur ewgen Pein un̄ Tod. 139. Das Alleradelichste. Bin ich nicht adelich! die Engel dienen mir/ Der Schoͤpffer buhlt umb mich/ und wart fuͤr meiner Thuͤr. 140. Der Weise fehlt nie deß Ziehls. Der Weise fehlet nie: er trifft allzeit des Ziehl; Er hat ein augenmaß/ das heisset wie GOtt wiel. 141. Der Welt thun ist ein Trauer spiel. Freund goͤnn’ es doch der Welt/ jhr gehts zwar wie sie wil: Doch ist jhr gantzes thun nichts als ein Trauerspiel? 142. Jm Himmel mag man thun was man wil. Mensch zaͤhme doch ein kleins auf erden deinen willen: Jm Himmel wirstu ihn wie du wirst wolln erfuͤllen. 143. Der Unempfindliche ist mehr als Englisch. Wer in dem Fleische lebt/ und fuͤhlt nicht dessen pein: Der muß schon auf der Welt weit mehr als Englisch seyn. 144. Die Joh: Angeli fuͤnfstes Buch 144. Die Jchheit schadt mehr als tau- send Teuffel. Mensch huͤtte dich fuͤr dir. Wirstu mit dir beladen/ Du wirst dir selber mehr als tausend Teuffel schaden. 145. Christus verursacht nur haß und streit. Meinstu daß Christus dir bringt Fried und Einigkeit? Nein wahrlich: wo er ist entstehet haß und streit. 146. Die Welt ist von Ewigkeit. Weil GOtt der ewige die Welt schuf ausser zeit: So ists ja Sonnen-klar daß sie von ewigkeit. 147. Jn GOtt ist alles gleiche. Jn GOtt ist alles eins. Der minst im Himmelreich Jst Christo unsrem Herꝛn und seiner Mutter gleich. 148. Jn der Ewigkeit geschicht alles zu- gleiche. Dort in der Ewigkeit geschihet alls zugleich Es ist kein vor noch nach/ wie hier im Zeitenreich. 149. Alle Menschen muͤssen ein Mensch werden. Der vielheit ist GOtt feind; Drumb zieht er uns so ein: Daß alle Menschen solln in Christo einer seyn. 150. Jm Himmel ist alles gemein. Jm Himmel lebt man wol; Niemand hat was allein: Was einer hat/ das ist den Seelgen alln gemein. 151. Ein jeder geneust des andrē Seeligkeit. MArien Seeligkeit/ und jhres Sohns deß suͤssen/ Werd’ ich so voͤlliglich alß beyde selbst geniessen. 152. Was Geistr. Sinn-und schlußr. 152. Was ein Heiliger hat/ das ist der andern auch. Was hier die Heiligen mit grosser muͤh erlangt/ Wird in der Seeligkeit mir alls umb sonst geschankt. 153. Ein jeder im Himmel freuet sich ob dem andern. Der groͤste Heilige wird sich so hoch erfreun Ob mir; als sehr ob jhm ich werde froͤlich seyn. 154. Wer friede sucht muß vil uͤbers e hn. Mensch wenn du so genau das deine wilt beschuͤtzen/ So wirstu nimmermehr im wahren friede sitzen. 155. Christus ist der erste und letzte Mensch. Der erst und letzte Mensch ist Christus selbst allein/ Weil all’auß jhm entstehn/ in jhm beschlossen seyn. 156. Wer viel begehrt dem mangelt vil. Wer gnugsam reich/ hat alls. Wer viel begehrt und wil/ Der giebet zu verstehn daß jhm noch mangeit viel. 157. Der Reiche ist wahrhafftig arm. Der Reiche wann er viel von seiner Armuth spricht/ So glaub es ihm nur gern: er leugt warhafftig nicht. 158. Die abgestorbenheit ist eine Wittib. Die abgestorbenheit muß eine Wittib seyn; Denn sie hat keinen Mann/ und gehet staͤts allein. 159. Das Leiden Christi ist noch nicht gar vollbracht. Das Leiden Christi ist am Creutz nicht gar vollbracht: Er leidet heute noch bey Tag und auch bey Nacht. 160. Der Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 160. Der Mensch muß daß Leiden Christi erfuͤllen. Mensch du solst Paulus seyn/ und in dir selbst erfuͤllen/ Was Christus nicht gethan/ wo sich der zorn sol stillen. 161. Niemand liegt an der brust Christi als Johannes. Kind bilde dir nicht ein/ eb du Johannes bist/ Daß du ligst an der Brust deß Herren JEsu Christ. 162. Das Lob deß Suͤnders. Das Lob das GOtt dem Herꝛn ein Ungerechter giebt. Wird weniger von jhm als Hundsgebell geliebt. 163. GOtt huͤlfft dem groͤsten Suͤnder am liebsken. Die Suͤnder liegen krank/ jhr artzt ist JEsus Christ: Am liebsten hilfft er dir wo du der groͤste bist. 164. GOtt nimbt nur die Laͤmmer an. GOtt wil daß alle solln zu seinem Sohne kommen: Und dennoch werden nur die Laͤmmer angenommen. 165. Wer GOtt siehet. GOtt ist ein ewger Blitz/ wer kan jhn sehn und leben? Wer sich in seinen Sohn sein Ebenbild begeben. 166. Wer boͤse bleibt/ hat nichts an Christo. Mensch bleibestu verbost/ so ist dir nichts erworben: GOtt ist nur fuͤr das Schaf nicht fuͤr den Bok gestorben. 167. Die Sünde bringt was Guttes. Die Suͤnd bringt doch was gutts: Sie muß den Fromen dienen/ Daß sie viel edeler fuͤr GOtt dem Herren gruͤnen. 168. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 168. Der Sünder thut nichts gut. Mensch speise wen du wilt/ zeuch tausend Armen an; Wo du ein Suͤnder bist/ du hast nicht wol gethan. 169. Wie man fuͤr die Majestaͤt gehet. Wer fuͤr der Majestaͤt wil unerschrokken stehn/ Der muß gewaschen seyn/ und tief gebukket gehn. 170. GOtt sind alle Werke gleich. GOtt sind die Werke gleich/ der Heilge wann er trinkt/ Gefaͤllet Jhm so wol als wann er Beth und singt. 171. Die Tugenden haͤngen alle anein- ander. Die Tugenden sind so verknuͤpffet und verbunden/ Wer ein’ alleine hat der hat sie alle funden. 172. Alle Tugeden sind eine Tugend. Schau alle Tugenden ist ein’ ohn unterscheid: Wiltu den Rahmen hoͤrn? sie heist Gerechtigkeit. 173. GOtt hat keine Gedanken. Mensch GOtt gedaͤnket nichts. Ja waͤrn in Jhm Gedanken (wanken So koͤnt’ Er hin und her/ welchs Jhm nicht zusteht/ 174. Was der Heilige thut/ thut GOtt in ihm. Gott thut im Heilgen selbst alls was der Heilge thut: GOtt geht/ steht/ liegt/ schlaͤfft/ wacht/ ißt/ trinkt/ hat gutten Muth. 171. Das Gewissen ist ein Wegweiser. Mensch wenn du jrre gehft so frage dein Gewissen; Du wirst ohn alln Verzug die Strass’ erkennen muͤssen. 177. Wer Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 177. Wer das Buch deß Lebens lieset. Mensch wer dem HErren folgt in seinem Thun und lassen/ Der liest deß Lebens Buch/ und kan die Meinung fassen. 178. Christus war was Er redet. Was Christus auf der Welt geredthat und gethan/ Das ist Er selbst gewest: wie ers auch zeiget an. 179. GOtt macht nichts Neues. Gott macht kein neues Ding/ obs uns zwar neue scheint Fuͤr Jhm ist ewiglich was man erst werden meint. 180. GOtt kombt nur in keusche Hertzen. Den Braͤutgam deiner Seel verlanget ein zu ziehen/ Bluͤh auf; er kommet nicht biß daß die Lilgen bluͤhen. 181. Das allergeitzigste. Wie Geitzig ist ein Hertz! wenn tausend Welten waͤren/ Es wuͤrde sie gesambt/ und mehr darzu begehren. 182. Das Hertz muß auß dem Hertzen. Schuͤtt auß dein Hertz fuͤr GOtt: Erzeucht nicht bey dir ein; Wenn er dein Hertze nicht sieht aussrem Hertzen seyn. 183. Deß Christen Natur. Umb boͤses guttes thun/ umb Schmach sich nicht ent- ruͤsten: Vor undank dank ertheiln/ ist die Natur der Kristen. 184. Ein Heiliger sicht sich im andern. Ein jeder Heiliger wird sich in allen sehn: Wann nicht all’ einer waͤrn/ so koͤnt es nicht geschehn. 185. Der Geistr. Sinn-und schlußr. 185. Der Weise weil er nichts hat ver- liehrt nichts. Der weise Mann ist nie umb einen Heller kommen: Er hat nie nichts gehabt/ man hat ihm nichts genom̄en. 186. Die Eigenheit ist alles uͤbels Ursache. Mittheilen schaffet Ruh: Bloß auß der Eigenheit Entstehet alles Weh/ Verfolgung Krieg und Streit. 187. Der groͤste Trost nach GOtt. Der groͤste Trost nach GOtt duͤnkt mich im Him̄el seyn: Daß man einander gleich ins Hertze siht hinein. 188. Es sind viel Seeligkeiten. Es sind viel Wohnungen/ und auch viel Seeligkeiten: Ach thaͤtestu dich doch zu einer recht bereiten! 189. GOtt ist Ewig in seine Schoͤnheit verliebt. GOtt ist so uͤberschoͤn/ daß Jhn auch selber gantz Von Ewigkeit verzukt seins Angesichtes Glantz. 190. Die Seeligkeit in der Zeit. Dem Heilgen geht nichts ab; er hat schon in der Zeit An GOttes wollgefalln die gantze Seeligkeit. 191. Der Seeligen und Verdampten eigenschafft. Der Seelgen Eigenschafft ist gantz nach GOtte leben? Und der Verdampten art Jhm gaͤntzlich wiederstreben. 192. GOtt macht mit Huͤlffe der Crea- tur das beste. Den ersten Adam den hat GOtt allein gemacht: Den anderen hat er mit mir zu wege bracht. 193. GOtt Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 193. GOtt liebet einen wie alle. GOtt liebet mich so sehr als alles was auf Erden; Waͤr’ er nicht Mensch gebohrn/ er wuͤrde mirs noch wer- den. 194. Aller Heiligen Werke sind nur ein Wert. Was alle Heilgen thun/ das kan ein Mensch allein: Ja? schau sie thun sonst nichts als GOtt gelassen seyn. 195. GOtt wird im muͤssig seyn gefunden. GOtt wird viel eher dem der gaͤntzlich muͤssig sitzt; Als dem der nach Jhm laufft daß Leib und Seele schwitzt. 196. GOtt hat alle Nahmen/ und keinen. Man kan den hoͤchsten GOtt mit allen Nahmen nen̄en: Man kan jhm widerumb nicht einen zu erkennen. 197. GOtt ist nichts und alles. GOtt der ist nichts und alls ohn alle deuteley: Dann nenn was das Er ist? auch was das Er nicht sey? 198. Christus ist unser Muster. Mensch wenn du dich wilt GOTT zum Tempel aufer- bauen/ Mustu das rechte Maß an Christo dir abschauen. 199. Der Liebe gegenwurf. Der Liebe gegen-wurff ists hoͤste Gutt allein: Liebt sie was ausser dem/ so muͤß sie Naͤrrisch seyn. 200. Was man liebt/ in das verwandelt man sich. auß S. Augustino. Mensch was du liebst in das wirstu verwandelt werden/ GOtt wirstu liebstu GOtt/ und Erde liebstu Erden 201. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 201. Die wohlgeordnete Liebe. Liebstu GOtt uͤber dich/ den Naͤchsten wie dein Leben/ Was sonst ist/ unter dir: so liebstu recht und eben. 202. Die Vereinigung mit GOtt ma- chet alles Edeler. Krist alles was du thust/ muß dir zu Gulde werden: Wo dus Vereinigest mit Christi thun auf Erden. 203. Der Welt-Mensch ist Verblendt. Mensch thu die Augen auf/ der Himmel steht ja offen: Du hast dich mit der Welt/ wo dus nicht siehst besoffen. 204. GOtt ist guͤttiger als wir vermeinen. GOtt ist so gut auf unß/ daß ichs nicht sagen kan: Begehrn wir Jhn gleich nicht/ er bieth sich selber an. 205. Auf GOttes seiten ist kein Mangel. GOtt wirkt ohn unterlaß: Er goͤsse tausend Freuden Jn dich auf einmal ein/ wo du Jhn koͤntest leyden. 206. GOtt kan sich keinem Demuͤtigen entziehn. GOtt koͤnte sich auch gar den Teufeln nicht entziehn/ Wo sie nur umbgekehrt fuͤr Jhn hin wolten knien. 207. Das groͤste Werk. Das allergroͤste Werk das du fuͤr GOtt kanst thun/ Jst ohn ein eintzigs Werk GOtt leiden und Gott ruhn. 208. Die Neue Creatur. Mensch allererst bistu die neue Creatur/ Wenn Christi froͤmigkeit ist deines G ei sts Natur. 209. Das Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 209. Das allerhoͤchste Leben. Freund wo du’s wissen wilt/ das allerhoͤchste Leben/ Jst abgeschieden seyn/ und GOtt stehn uͤbergeben. 210. Die Neue und alte Liebe. Die Liebe wenn sie neu/ praust wie ein junger Wein: Je mehr sie alt und Klar/ je stiller wird sie seyn. 211. Die Seraphische Liebe. Die Liebe welche man Seraphisch pflegt zunennen/ Kan man kaum aͤuserlich weil sie so still ist kennen. 212. Der liebe Mittelpunct und Umb- kreiß. Der liebe Mittelpunct ist GOtt und auch jhr Kreiß: Jn Jhm ruht sie/ liebt alls in jhme gleicherweiß. 213. Der Thron GOttes ist im Friede. Jn wem die Majestaͤt sol ruhen wie inn Thronen/ Muß zu Jerusalem auf Sions Berge wohnen. 214. GOtt ist in allem alles. Jn Christo ist GOtt GOtt/ inn Engeln Englisch Bild/ Jnn Menschen Mensch/ und alls in allen was du wilt. 215. GOtt thut alles in allem. GOtt thut in allen alls. Er liebt inn Seraphinen/ Jnn Thronen herꝛschet Er/ beschaut inn Cherubinen. 216. GOtt ist ein Brunn. Gott gleicht sich einem Brun̄/ Er fleust gantz mildiglich Herauß in sein Geschoͤpff/ und bleibet doch in sich 217. Jn Geistr. Sinn-und schlußr. 217. Jn GOtt schaut man alles auf einmahl. Freund wann man Gott beschaut/ schaut man auf einmahl an/ Was man sonst ewig nicht ohn jhn durchschauen kan. 218. Gott kan nichts boͤses wolln. GOtt kan nichts boͤses wolln: wolt’ Er deß Suͤnders Tod/ Und unser Ungeluͤk/ Er waͤre gar nicht Gott. 219. Der Mensch sol nicht ein Mensch bleiben. Mensch bleib doch nicht ein Mensch: man muß aufs hoͤchste kommen. Bey Gotte werden nur die Goͤtter angenommen. 220. Wie Gott gefunden wird. Wer Gott recht finden wil/ muß sich zuvor verliehrn/ Und biß in Ewigkeit nicht wieder sehn noch spuͤrn. 221. Der Todte hoͤret nicht. Ein abgestorbner Mensch/ ob man jhm uͤbel spricht/ Bleibt unbewegt. Warumb? die Todten hoͤren nicht. 222. Vor den Freuden muß mann leyden. Mensch wo du dich mit Gott im Himmel daͤnkst zu freun/ Mustu vor auf der Welt seyns Tods gefaͤhrte seyn. J 223. Wan Joh: Angeli fuͤnfftes Buch. 223. Wann der Mensch so gerecht wie Christus. Wann du vollkommen Eins mit GOTT dem HErren bist/ So bistu so gerecht als unser Jesus Christ. 224 Dem Todten ist alles Tod. Wenn du gestorben bist/ so scheinet dir von Noth Mein Mensch die gantze Welt unnd alls Geschoͤpffe Todt. 225. Die ungekreutzigten Kreutze. Viel sind der Welt ein Kreutz/ die Welt ist aber jhnen/ Nicht dieses widerumb: weil sie die noch bedienen. 226. Die Natur der Heyligkeit. Der Heyligkeit Natur ist lautre Lieb O Christ: Je lauterer du liebst/ je heyliger du bist. 227. Die Gleichheit. Der Heilge nimbt es gleich: laͤst jhn GOtt liegen Krank/ Er saget Jhm so gern als vor Gesundheit dank. 228. Der Mensch stekt in einem Thier. Kreuch doch herauß mein Mensch/ du stekts in einem Thier/ Wo du darinnen bleibst/ kombstu bey Gott nicht fuͤr. 229. Anmassung ist der Fall. Mensch ist was guts in dir/ so masse dichs nicht an: So bald du dirs schreibst zu/ so ist der Fall gethan. 230. Das Geistr. Sinn-und schlußr. 230. Das boͤse ist deine. Das gutte kom̄t auß Gott/ drum̄ ists auch seyn’ allein: Das boͤs’ entfteht auß dir: das laß du deine seyn. 231. Wahre Liebe ist bestaͤndig. Laß doch nicht ab von Gott/ ob du solst elend seyn: Wer jhn von Hertzen liebt/ der liebt Jhn auch in Pein. 232. Das Schoͤnste Ding. Kein Ding ist hier noch dort/ das schoͤner ist als ich: Weil Gott die Schoͤnheit selbst sich hat verliebt in mich. 233. Wenn der Mensch Gott ist. Eh’ als ich ich noch war/ da war ich Gott in Gott: Drum̄ kan ichs wieder seyn wen̄ ich nur mir bin Todt. 234. Alles kehrt wieder in seinen Vr- sprung. Der Leib von Erde her wird widerumb zur Erden: Sag weil die Seel von Gott/ ob sie nicht Gott wird werden? 235. Die Ewigkeit ist unß angebohrn. Die Ewigkeit ist unß so jnnig und gemein: Wir wolln gleich oder nicht/ wir muͤssen Ewig seyn. 236. Eins haͤlt das ander. Mein Geist der traͤgt den Lieb/ der Leib der traͤgt jhn wieder: Laͤst eins vom andern ab/ so falln sie beyde nieder. 237. Das Kreutze bringt Freud und Leid. Das Kreutze bringet Pein/ das Kreutze bringet Freud. Pein einen Augenblik/ und Freud in Ewigkeit. J 2 238. Daß Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 238. Daß mein vnd dein Verdammet. Nichts anders stuͤrtzet dich in Hoͤllenschlund hinein/ Als das verhasste Wort (merks wol!) das mein unnd dein. 239. Gott hat kein Muster als sich selbst. Fragstu warumb mich Gott nach seinem Bildnuͤß Machte? Jch sag’ es war niemands der jhm ein anders brachte. 240. Wann der Mensch gaͤntzlich wieder- bracht ist. Wenn ist der Mensch zu Gott vollkommlich wieder- bracht? Wenn er das Muster ist darnach jhn Gott gemacht. 241. Der Liebe ist alles Vnterthan. Die Lieb beherꝛschet alls; auch die Dreyeinigkeit/ Jst selbst jhr Unterthan gewest von Ewigkeit. 242. Die Lieb ists hoͤchste Gutt. Es ist vom hoͤchsten Gutt viel redens und Geschrey: Jch schwere daß diß Gutt allein die Liebe sey. 243. Die Natur Gottes. Die Lieb’ ist Gotts Natur’/ er kan nichts anders thun. Drumb wo du Gott wilt seyn/ Lieb auch in jedem nun. 244. Die Liebe macht auch Gott-seelig. Die Lieb beseeligt alls/ auch Gott den Herꝛn darzu; Haͤtt’ er die Liebe nicht/ er saͤsse nicht in Ruh. 245. Gott Geistr. Sinn-und schlußr. 245. GOtt hat keinen eignern Nahmen als Liebe. Kein Nahm ist welcher Gott recht eigen waͤr’/ allein Die Liebe heist man Jhn: so werth ist sie und fein. 246. Gott wil was Er ist. Gott ist die Liebe selbst/ und thut auch nichts als lieben. Drumb wil er auch daß wir die Liebe staͤts solln uͤben. 247. Gott kan nichts hassen. Mensch rede recht von Gott; Er hasst nicht seyn Ge- schoͤpffe: (Unmoͤglich ist es jhm/) auch nicht die Teuffels Koͤpffe. 248. Dreyerley Schlaff. Der Schlaff ist dreyerley; Der Suͤnder schlaͤfft im Tod/ Der muͤd’ in der Natur/ und der verliebt’ in Gott. 249. Die dreyerley Geburt. Maria die gebiehrt den Sohn Gottes aͤusserlich/ Jch jnner mir im Geist/ Gott Vatter ewiglich. 250 Die geistliche un̄ Ewge geburt sind eines Die geistliche Geburt/ die sich in mir eraͤugt/ Jst eins mit der durch die den Sohn Gott Vatter zeugt. 251. Die Geburt Gottes wehret jmmer. Gott zeuget seinen Sohn/ und weil es ausser Zeit/ So wehret die Geburt auch biß in Ewigkeit. 252. Der Sohn GOttes wird in dir ge- bohren. Mensch schikstu dich darzu/ so zeugt Gott seinen Sohn/ All’ Augenblik in dir/ gleich wie in seinem Thron. J 3 253 Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 253. Jedes ist in seinem Vrsprung am besten. Das Wasser in dem Brunn/ die Ros’ auf jhrem stam̄: Am besten ist die Seel in Gott/ im Feur die Flamm. 254. Die Seel ohne Gott. Ein Hirtenloses Schaf/ ein Coͤrper welcher Todt/ Ein Brunnen ohne qual/ diß ist die Seel ohn Gott. 255/ Auf wethun folgt wolthun. Der Krieg gewinnt dir Frid/ mit Streit erlangstu Freuͤd: Verdamnuß deiner selbst bringt dir die Seeligkeit. 256. Zuruͤkke sehn ist wieder Verlohren werden. Wenn du auß Sodom gehst/ und dem Gericht ent- fliehest/ So steht dein Heil darauf daß du nicht rukwerts siehest. 257. Das allersuͤsseste Leben. Der Himmel auff der Welt/ das allersuͤsste Leben/ Jst der beschauligkeit auß Liebe seyn ergeben. 258. Gott und die Seeligkeit ist ein Ding. Die Seeligkeit ist Gott/ und Gott die Seeligkeit: Waͤr’ eins das ander nicht/ ich lebte staͤts in Leid. 259. Gott wird ich/ weil ich vor Er war. Gott wird was ich itz bin/ nim̄t meine Menscheit an: Weil ich vor Er gewest/ drumb hat er es gethan. 260. Wie Geistr. Sinn-und schlußr. 260. Wie GOtt/ HErꝛ/ Vatter/ und Braͤutigam. Den Knechten ist Gott Herr/ dir Vatter wo du Kind/ Mir ist Er Braͤutigam/ wenn er mich Jungfrau findt. 261. GOtt ist in allen Dingen/ und doch deinem Gemein. Das wesen Gottes macht sich keinem Ding gemein: Und muß nothwendig doch auch in den Teuffeln seyn. 262. Die tiffe der Demut. Die Demut senket sich in solchen Abgrund ein/ Daß sie sich schnoͤder schaͤtzt als alle Teuffel seyn. 263. Die Hoͤlle muß man schmekken. Krist/ einmal muß man doch im Schlund der Hoͤllen seyn: Gehstu nicht lebendig/ so mustu Tod hinein. 294. Wen̄ Jesus ins Hertze gebildet wird. Mensch wenn dein Hertz fuͤr Gott wie Wachs ist weich vnd rein: So drukt der Heilge Geist daß Bildnuͤß JEsu drein. 265. Wer von der Liebe Gottes gebunden. Die Seel die nichts als Gott gedaͤnkt zu allen stunden/ Die ist von seiner Lieb bestrikket und gebunden. 266. Das rechte Leben der Seele. Dann lebt die Seele recht/ wenn Gott jhr Geist unnd Leben Sie gantz erfuͤllet hat/ und sie Jhm Raum gegeben. J 4 267. Joh. Angeli fuͤnfftes Buch 267. Wie die schule so die Lehre. Jnn Schulen dieser Welt wird Gott unß nur beschrie- ben: (lieben Jns Heilgen Geistes Schul lernt man Jhn schaun und 268. Man sol ohne Verdruß wirken. Die Sonne scheint unnd wirkt ohn alln Verdruß unnd Pein: So sol auch deiner Seel/ im fall jhr recht ist seyn. 269. Wer Gott fuͤr - bey/ schaut Gott. Braut/ suchestu zu schaun deß Braͤutgams Angesicht/ Geh Gott und alls Fuͤrbey/ so fehlet dir es nicht. 270. Alles Heyl von Gott. Auß Liebe wird Gott ich/ ich auß Genaden Er: So kommt ja all mein Heyl nur bloß von jhme her. 271. Wen̄ du nicht Mensch bist/ ist es Gott. Wenn du nicht Mensch mehr bist/ und dich verlaͤugnet So ist Gott selber Mensch/ un̄ traͤget deine Last. (hast/ 272 Das Antlitz Gottes ist seeligmachend. Das Antlitz Gottes zeucht an sich wie Eisenstein: Nur einen Blik es schaun macht ewig seelig seyn. 273. Wo Christus nicht wirkt da ist er nicht Freund wo nicht Christus wirkt/ da ist er auch noch nicht/ Ob gleich der Mensch von jhm viel singet oder spricht. 274. Der Seelige auff der Welt. Wer sich in Kreutz un̄ Pein von Hertzengrund erfreut/ Der ist noch hier ein Kind der ewgen Seeligkeit. 275. Geistr. Sinn-und schlußr. 275. Leiden ist nutzlicher als Freude. Mensch wuͤstestu wie gut und nutzlich’s Leiden ist/ Du haͤttest’s dir vorlaͤngsi fuͤr aller Lust erkiest. 278. Der Heilige thut nicht nach den Ge- botten. Der Heilge was er thut/ thut nichts nach dem Gebot: Er thut es lauterlich auß Liebe gegen Gott. 277. Der Gerechte hat kein Gesetz. Fuͤr boͤs’ ist das Gesetz: waͤr kein Gebot geschreiben/ Die Frommen wuͤrden doch Gott und den Naͤchsten lieben. 278. Der Geistliche Krebsgang. Mensch senke dich herab/ so steigestu hinauf. Laß ab von deinem gehn/ so faͤngt sich an dein Lauf. 279. Was im Orte der Welt vor der Welt gewest. Eh Gott die Welt erschuf was war in diesem Ort? Es war der Ort selb selbst/ Gott und sein Ewges Wort. 280. Gott kan sich selbst nicht messen. Gott ist so hoch und groß/ wolt’ Er sich selber messen/ Er wuͤrd/ ob er gleich Gott/ deß Maßstabs zahl ver- gessen. 281. Das wunderlichste/ beste/ und Schoͤn- ste an Gott. Das wunderlichst’ an Gott ist die Vorsichtigkeit/ Langmuͤttigkeit das best’ und’s schoͤnste gerechtigkeit. J 5 282. Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 282. Gott ist wie die Sonne. Gott ist der Sonne gleich: wer sich zu Jhme kehrt/ Der wird erleucht/ und straks seins Angesichts gewehrt. 283. Warumb Gott ruh und Freude hat. Weil Gott Dreyeinig ist/ so hat Er ruh und Lust: Ruh komt von Einheit her/ Lust von der Dreyheit Brust. 284. Gott komt eh du jhn begehrest. Wenn dich nach Gott verlangt/ und wuͤntschst sein Kind zu seyn/ Jst Er schon vor in dir/ und giebt dir solches ein. 285. Die Geistliche Turteldaube. Jch bin die Turteldaub/ die Welt ist meine Wuͤste/ Gott mein Gemahl ist weg: drumb sitz ich ohn geniste. 286. Die Einfalt muß witzig seyn. Die Einfalt schaͤtz’ ich hoch der Gott hat Witz beschert. Die aber den nicht hat/ ist nicht deß Nahmens wehrt. 287. Der Einfalt Eigenschafft. Der Einfalt eigenschafft ist nichts von Schalkheit wissen Aufs gutte Bloß allein in Demutt seyn beflissen. 288. Der Weltlichen unnd Goͤttlichen Lie- be Natur. Die Welt-Lieb hat die Art daß sie sich abwerts neigt: Der Goͤttlichen Natur ist daß sie aufwerts steigt. 289. Die Tugend ohne Liebe gilt nichts. Die Tugend nakt und bloß kan nicht fuͤr Gott bestehn: Sie muß mit Liebe seyn geschmuͤkt/ Dann ist sie schoͤn. 290. Die Geistr. Sinn-und schlußr. 290. Die Liebe ist Feuer und Wasser. Die Lieb ist Flutt und Glutt: kan sie dein Hertz emp- finden/ (Suͤnden. So loͤsch sie Gottes Zorn/ unnd brennt hinweg die 291. Die Wuͤrdigkeit komt von Liebe. Ach lauf doch nicht nach witz und Weißheit uͤber Meer: Der Seelen Wuͤrdigkeit kombt bloß von Liebe her. 292. Die Schoͤnheit komt von Liebe. Die Schoͤnheit komt von Lieb’; auch Gottes Angesicht Hat seine Lieblichkeit von jhr: sonst glaͤntzt’ es nicht. 293. Der Liebe belohnung. Die Liebe hat Gott selbst zum wesentlichen Lohn/ Er bleibet ewiglich jhr Ruhm und Ehren Kron. 294. Weißheit ohne Liebe ist nichts. Mensch wo du weise bist/ und liebst nicht Gott darbey: So sag ich daß ein Narr dir vorzuziehen sey. 295. Je liebender je Seeliger. Das Maß der Seeligkeit mist dir die Liebe ein: Je Voͤller du von Lieb/ je Seelger wirstu seyn. 296. Die Liebe Gottes in unß/ ist der Hei. lige Geist. Die Liebe welche sich zu Gott in dir beweist/ Jst Gottes ewge Krafft/ sein Feur und Heilger Geist. 297. Man kan Gott nicht lieben ohne Gott. Mensch liebete sich Gott nicht selbst durch dich in dir/ Du koͤntest nimm̄ermehr Jhn lieben nach gebuͤhr. J 6 298. Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 298. Die Liebe hat keine Furcht. Die Liebe fuͤrcht sich nicht/ sie kan auch nicht verderben: Es muͤste Gott zuvor sambt seiner Gottheit sterben. 299. Wie die Person so das Verdienst. Die Braut verdient sich mehr mit einem Kuß umb Gott/ Als alle Mittlinge mit Arbeit biß in Tod. 300. Wer Gott recht liebet. Mensch nie mand liebt Gott recht als der sich selbst Veracht. Schau ob du es auch so mit deiner Lieb gemacht. 301. Was das freundlichste nach Gott. Das freundlichste nach Gott ist die verliebte Seele: Drumb hat er seine Lust zu seyn in jhrer Hoͤle. 302. Das Schnelleste. Die Lieb ist’s schnellste Ding: Sie kan fuͤr sich allein Jn einem Augenblik im hoͤchsten Himmel seyn. 303. Kennzeichen der falschen Liebe. Wiltu die falsche Lieb von wahrer unterscheiden/ So schau sie sucht sich selbst/ und faͤllet ab jun Leiden. 304 Das Kreutz probirt die liebe. Jm Feuer wird das Gold obs reine sey probirt/ Und deine Lieb im Kreutz/ wie lauter sie/ gespuͤrt. 305. Die Liebe Gottes ist wesentlich. Die Liebe gegen Gott steht nicht in suͤssigkeit/ Suͤss ist ein zufall nur: sie steht in Wesenheit. 306. Geistr: Sinn und schlußr: 306. Ein unverwundtes Hertz ist unge- sund. Ein Hertze welches nicht von GOttes Lieb ist Wund: Jst/ ob es zwar nicht scheint/ gantz Krank und ungesund. 307. Die Liebe ist GOtt gemeiner als Weißheit. Die Liebe geht zu GOtt unangesagt hinein: Verstand und hoher Witz/ muß lang’ im Vorhof seyn. 308. Wie GOtt so allgemein. Wie allgemein ist GOtt! Er hat der Bauer Magd Die Kunst wie man jhn Kuͤst/ so wol als dir gesagt. 309. Das erfreulichste der Seelen. Diß ist’s erfreulichste/ wie meiner Seel faͤllt ein/ Daß sie wird jmmer Braut mit ewger Hochzeit seyn. 310. Was der Kuß GOttes ist. Der Kuß deß Braͤutgams GOtts/ ist die Empfind- lichkeit Seins gnaͤdgen Angesichts/ und seiner suͤssigkeit. 311. Die Seele kan nichts ohne GOtt. So schoͤn die Laute sich auß eignen Kraͤfften schlaͤgt/ So schoͤn klingt auch die Seel die nicht der HERR be- wegt. 312. Der guldene Begrief. Der guldene Begrief durch den man alles kan/ Jst Liebe: Liebe nur/ so hastu s’ kurtz gethan. 313. Das Edleste Gemuͤtte. Kein Edleres Gemuͤtt ist auf der gantzen Welt/ (haͤlt. Als welchs mit GOtt vereint/ fuͤr einen Wurm sich J 7 314. Barm- Joh: Angeli suͤnfftes Buch 314. Barmhertzigkeit schleust den Him- mel auf. Kind mache dich gemein mit der Barmhertzigkeit: Sie ist die Pfoͤrtnerinn im Schloß der Seeligkeit. 315. Verkleinerung erhebt. Verkleinere dich selbst/ so wirstu groß mein Christ/ Je schnoͤder du dich schaͤtzst/ je wuͤrdiger du bist. 316. Der Evangelische Hirte. Der Hirt’ ist GOttes Sohn/ die GOttheit ist die Wuͤste/ Jch bin das Schaf das Er fuͤr andren sucht’ und kuͤste. 317. Die Fruͤchte der der Tugenden. Die Demut die erhebt/ die Armuth machet Reich/ Die Keuschheit Engelisch/ die Liebe GOtte gleich. 318. Wie man inn Himmel sieht. Man darf kein Ferngesicht inn Himmel einzusehen/ Kehr dich nur von der Welt/ und schau: so wirds ge- schehen. 319. Die groͤste Seeligkeit. Die groͤste Seeligkeit die ich mir kan ersinnen/ (nen. Jst/ daß man GOtt wie suͤss’ Er ist wird schmekken koͤn- 320. Der naͤchste Weg zu GOtt. Der naͤchste Weg zu GOtt ist durch der Liebe Thuͤr: Der Weg der wissenschafft bringt dich gar langsam fuͤr. 321. Worinn die Ruhe deß Gemuͤttes bestehe. Die Ruhe deß Gemuͤtts besteht in dem allein/ Daß es Vollkoͤm̄lich ist mit GOtt ein einges Ein. 322. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 322. Die Seeligkeit ist in dem hoͤchsten Gutt. Kein Mensch kanseelig seyn/ als in dem hoͤchsten Gutt; Wie daß mans dann verlaͤst/ und’s kleine suchen thut? 323. Warumb GOtt ewigen Lohn giebt. GOtt muß die Heiligen mit ewgem Lohn belohnen: Weil sie jhm/ wo Er wolt’/ auch ewig wuͤrden frohnen. 324. Die Kroͤnende Tugend. Die Tugend die dich Kroͤnt mit ewger Seeligkeit/ (Ach halte sie doch fest!) ist die beharꝛligkeit. 325. Wenn die Himmelfahrt verhanden. Wenn GOtt in dir gebohrn/ gestorben/ und erstanden: So freue dich daß bald die Himmelfahrt verhanden. 326. Unterschiedliche Gelegenheit der Seele. Deß Suͤnders Seele ligt/ deß Buͤssers richt sich auf/ Und deß Gerechten steht geschikt zum Tugend lauf. 327. Warumb GOtt deß Regiments nicht muͤde wird. GOtts und seins Geistesreich ist Liebe/ Freude/ Fride: Drumb wird Er deß Regierns in Ewigkeit nicht muͤde. 328. GOtt betruͤbt die Suͤnde nicht. GOtt thut die Suͤnde weh in dir als seinem Sohn: Jn seiner GOttheit selbft/ da fuͤhlt Er nichts davon. 329. Die gantze Dreyfaltigkeit hufft zur Seeligkeit. Die Allmacht zeucht mich auf/ die Weißheit weist mich an/ Die Guͤtte hilffet mir/ daß ich inn Himmel kan. 330. Wenn Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 330. Wenn man GOtt reden hoͤrt. Wenn du an GOtt gedaͤnkst/ so hoͤrstu Jhn in dir: Schwiegstu/ und waͤrest still’/ Er redte fuͤr und fuͤr. 331. Was GOtt nicht thut/ gefaͤllt ihm nicht. GOtt muß der Anfang seyn/ das Mittel und das Ende/ Wo Jhm gefallen solln die Werke deiner Haͤnde. 332. Wo der Mensch hinkomt/ wann er in GOtt vergeht. Wenn ich in GOtt vergeh/ so kom̄ ich wider hin Wo ich von Ewigkeit vor mir gewesen bin. 333. Deß Teuffels Schlacht Vieh. Die Seele welche sich die Suͤnde laͤst ermorden/ Die ist (O grosser Spot!) deß Teuffels Schlacht Vieh worden. 334. GOtt schaͤtzt die Werke nach dem wesen. Mensch deß Gerechten Schlaf ist mehr bey Gott geacht/ Als was der Suͤnder Beht und singt die gantze Nacht. 335. Unterscheid der drey Lichter. Das Licht der Herꝛligkeit lass’ ich die Sonne seyn/ Die Gnade gleicht den Strahln/ Natur dem Wider- schein. 336. Mit einem Auge muß man zihlen. Die Seele welche GOtt das Hertze treff’en wil/ Seh nur mit einem Aug/ dem rechten/ auf das zihl. 337. Das Geschoͤpff ist deß Schoͤpffers Trost. Jch sein Geschoͤpffe bin deß Sohnes GOttes Kron/ Die Ruhe seines Geists/ und seiner Leidenlohn. 338. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 338. Die Ewigkeit ist je laͤnger je undurch- schaulicher. Das Meer der Ewigkeit je mehr’s der Geist beschifft Je undurchfchifflicher und weiter ers betrifft. 339. Die GOttheit gruͤndet kein Geschoͤpffe. Wie tief die Gottheit sey kan kein Geschoͤpff ergruͤnden: Jn jhren Abgrund muß auch Christi Seel verschwinden. 340. Auch GOtt muß sich verdienen. Daß ich den hoͤchsten GOtt zum Braͤutgam angenom̄en/ Hat Er umb mich verdient/ daß Er ist zu mir kommen. 341. Wo die Zeit am laͤngsten. Je weiter man von GOtt/ je tieffer in der Zeit: Drumb ist den Hoͤllischen ein Tag ein’ Ewigkeit. 342. Wo man die Goͤttliche Hoͤffligkeit lernt. Kind wer in GOttes Hof gedaͤnket zubestehn/ Der muß zum Heilgen Geist hier in die Schule gehn. 343. Das geistliche Orgelwerk. GOtt ist ein Organist/ wir sind das Orgelwerk/ Sein Geist blaͤst jedem ein/ und gibt zum thon die staͤrk. 344. Die Armut ist im Geist. Die Armut steht im Geist: ich kan ein Kaiser werden/ Und doch so Arm seyn als ein Heiliger auf Erden. 345. Wer inn Wunden Christi wohnt. Der Geist der voller Freud’ in Leiden wird gefunden/ Und ruhe hat in Pein/ der wohnt in Christi Wunden. 346. Den Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 346. Den Kindern gebuͤhret Milch. Den Maͤnnern giebet GOtt zu trinken starken Wein: Dieweil du noch ein Kind/ floͤst Er dir suͤsses ein. 347. Wer eine tieffe mit GOtt. Der Geist/ der nunmehr ist mit Gott ein Einges Ein/ Muß eben solcher Hoͤh’/ und solcher tieffe seyn. 348. Wie Gott zumessen. Unmeßlich ist zwar GOtt: jedoch kanstu Jhn messen/ Wo du mein Hertze mißt: denn’s ist von Jhm besessen. 349. Du must der Gnade Lufft machen. Raͤum weg/ und mache Lufft; das Fuͤnklein ligt in dir: Du flammest es leicht auf mit heilger Liebsbegiehr. 350. Du must dich selbst ermuntern. Mein Christ du must dich selbst durch GOtt vom Schlaf erwekken: Ermunterst du dich nicht/ du bleibst im Traume stekken. 351. Jm jnnern sind alle Sinnen ein Sin̄. Die Sinnen sind im Geist all’ ein Sinn und gebrauch. Wer GOtt beschaut/ der schmaͤkt/ fuͤhlt/ reucht/ und hoͤrt Jhn auch. 352. Was das suͤsseste und seeligste. Nichts suͤssers ist als GOtt ein Menschen Kind zusehn: Nichts Seelgers als in sich fuͤhln die Gedurt geschehn. 353. Das Antlitz Gottes macht trunken. Das Antlitz Gotts macht voll. Saͤhstu einmal sein Licht: Du wuͤrdest trunken seyn von diesem Angesicht. 354. Geistr. Sinn- und schlußr. 354. Ungekreutzigt komt niemand inn Himmel. Christ flieh doch nicht das Kreutz; du must gekreutzigt seyn: Du komst sonst nimmermehr ins Himmelreich hinein. 355. Woher die Ungleichheit der Heiligen. GOtt wirkt nach der Natur: diß macht den unterscheid/ Daß dieser Heilige sich kraͤnkt/ der andre freut. 356. Das Vollkomne vertreibt das Vn- Vollkomne. Wenn das Vollkommne koͤmt/ faͤllt’s Unvollkommne Das Menschliche vergeht/ wen̄ ich vergoͤttet bin. (hin: 357. Wenn sich GOtt ins Hertz ergeust. Mensch wenn dein Hertz ein Thal/ muß GOtt sich drein ergiessen: Und zwar so mildiglich daß es muß uͤberfliessen. 358. GOtt wird was Er wil. GOtt ist ein Ewger Geist/ der alls wird was Er wil/ Und bleibt doch wie Er ist Unformlich und ohn Ziehl. 359. Gleichnuͤß der H. Dreyfaltigkeit mit der Sonne. GOTT Vatter ist der Leib/ und GOtt der Sohn das Licht/ Die Strahln der heilge Geist/ der beiden ist ver- pflicht. 360. Wenn man jhm den Tod deß HEr- ren zueignet. Freund/ wenn ich selber mir absterbe hier und nu/ Dann eign’ ich mir den Tod deß Herren erst recht zu. 361. Joh: Angeli fuͤnfftes Buch 361. Die Gnade Gottes fleust allzeit auß. Die Gnade fleust von Gott wie Waͤrmde von dem Feur. Nahstu dich nur zu Jhm/ sie komt dir bald zu Steur. 362. Die hoͤchste Seeligkeit. Die hoͤchste Seeligkeit die mir GOtt selbst kan geben/ Jst daß er mich wie sich wird machen und erheben. 363. Deß Weisen verrichtung. Ein Narr ist viel bemuͤht: deß Weisen gantzes thun/ Das zehnmal Edeler/ ist Lieben/ schauen/ ruhn. 364. Wer in dem Wirken ruht. Der Weise welcher sich hat uͤbersich gebracht/ Der ruhet wenn er laufft und wirkt wenn er betracht. 365. Der Larven Mensch. Ein Mensch der wie das Vieh in alle Lust außbricht/ Jst nur ein Larven Mensch er scheint und ists doch nicht. 366. Das Lauttenspiel GOttes. Ein Hertze das zu Grund GOtt still ist wie er wil/ Wird gern von Jhm beruͤhrt: es ist sein Lautenspil. 367. Wer auf alle Faͤlle geschikt ist. Wer Gott so leicht entbehrn/ als leicht empfangen kan/ Der ist auff allen Fall ein rechter Helden Mann. 368. Bey welchem GOtt gerne ist. Mensch wenn du Gottes Geist bist wie dir deine Hand/ Macht die Dreyfaltigkeit sich gern mit dir bekandt. 369. Geistr. Sinn- und schlußr. 369. Die Seele ausser jhrem Vrsprung/ Ein fuͤnklein aussrem Feur/ ein tropffen aussrem Meer: Was bistu doch O Mensch ohn deinen wiederkehr? 370. Jn GOtt ist alles. Was deine Seel begehrt/ bekommt sie alls in GOtt: Nimbt sie es ausser Jhm/ so wird es jhr zum Tod. 371. Wen GOtt nicht loß kan bitten. Mensch stirbstu ohne GOtt: es kan nicht anders seyn/ Baͤth’ auch GOtt selbst fuͤr dich/ du must in Pful hinein. 372. Die Braut sol wie der Braͤutgam̄ seyn. Jch muß verwundet seyn. Warumb? weil voller Wunden. Mein ewger Braͤutigam der Heyland wird gefunden: Was Nutzen bringt es dir? Es stehet gar nicht feyn: Wenn Braut und Braͤutigam einander ungleich seyn. 373. Daß allerseeligste Hertze. Ein reines Hertz schaut Gott/ ein heilges schmaͤket Jhn: Jn ein Verliebetes wil er zu Wohnen ziehn. Wie seelig ist der Mensch der sich befleist und uͤbt/ Daß Jhm sein Hertze wird rein Heilig und verliebt! 374. Man uͤberkoͤmt mit meiden. Freund meide was dir Lieb/ fleuch was dein Sin̄ begehrt. Du wirst sonst nimmermehr gesaͤttigt vnd gewehrt. Viel waͤren zum Genuß der ewgen Wollust kommen/ Wenn sie mit Zeittlicher sich hier nicht uͤbernommen. Sech- Sechstes Buch. Geistreicher Sinn- unnd Schluß reimen. 1. Wie Gott in der Heiligen Seele Fragstu wie Gott das Wort in einer Seele wohne? So wisse wie das Licht der Sonnen in der Welt/ Und wie ein Braͤutgam sich in seiner Kammer haͤlt: Und wie ein Koͤnig sitzt in seinem Reich und Throne: Ein Lehrer in der Schul/ ein Vatter bey dem Sohne: Und wie ein theurer Schatz in̄ einem Akkerfeld: Und wie ein lieber Gast in einem schoͤnen Zelt: Und wie ein Kleinod ist in einer guldnen Krone. Wie eine Lilie in einem Blumenthal/ Und wie ein Seitenspiel bey einem Abendmahl: Und wie ein Zimmet-oͤl in einer Lamp’ entzuͤnden: Und wie das Himmelbrodt in einem reinen Schrein: Und wie ein Garten Brun̄/ und wie ein kuͤhler Wein. Sag ob er anderst wo so schoͤne wird gefunden? 2. An die Jungfrau Maria/ die geheime Lilie. Du Edle Lilie wer findet deines gleichen? Solt’ er auch alles Feld im Paradeiß durch streichen. Du glaͤntzest wie der Schnee/ wann jhn zu schoͤner Zeit Der Himmel mit dem Gold deß Phaethons bespreit: Fuͤr dir muß Sonn und Mond un̄ alle Stern’erbleichen. Dein Joh: Angeli sechstes Buch Dein ansehn/ deine Pracht ist schoͤner alls das Kleid Des Koͤnigs Salamons in seiner Herrigkeit/ Dir muß der klare Blitz der Seraphine weichen: Dein Edeler Geruch erquikt die gantze Welt/ Und was sonst unsrem GOtt dem Herrn zu Fusse faͤllt. Jn dir findt man allein die Schoͤnheit der Jungfrauen/ Der Maͤrterer bestand/ und aller Heilgen Ziehr. Drumb Edle Lilie komm und erquik mich hier/ Daß ich moͤg ewig dich und deinen Saamen schauen. 3. Die gefallne Seele. Jhr war ein Englisch Bild: nu bin ich gleich den Thieren. Jch schwebt’ im Paradeiß in lautrer Froͤlichkeit: Nu sitz’ ich auf der Erd’ in lauter Angst und Leid. Es konte mich kein Grimm der untren Welt beruͤhren: Nu schmeltz’ ich fast fuͤr Hitz’/ und muß fuͤr Frost er- frieren/ Und fuͤhle tausend Weh. Jch war ein Herꝛ der Zeit: Nu meistert sie mich selbst. Jch war mir selbst mein Kleid: Nu muß ich mich auß Noth mit frembden Federn ziehren. GOtt sah mich freundlich an/ und hieß mich liebes Kind: Nu schroͤkket mich sein zorn/ und stoͤst mich weg die suͤnd. Jch bin mit staͤter Furcht erfuͤllet und umbgeben: Jch schau mein Ungeluͤk mit eignen Augen an: Der Teuffel und der Tod die stehn mir nach dem Leben. Ach ach ich arme Seel! Was hab ich doch gethan! 4. Der Gerechtfertigte Suͤnder. Jch war deß Teuffels Sclav/ unnd gieng in seinen Banden: Jch war mit Suͤnden-Wust verstellt und bluttig roth: Jn Wollust weltzt’ ich mich wie eine Sau im Koth: Jch Geistr. Sinn- und schlußr. Jch stank fuͤr Eitelkeit die haͤuffig war verhanden: Jch war dem Abgrund nah/ und fieng schon anzu- stranden. Jch lebte wie ein Vieh/ und fragte nicht nach GOtt/ Jch war ein Schatten Mensch/ und noch lebendig Todt. Nu bin ich widernmb in Christo auferstanden/ Und lebendig gemacht: die Ketten sind entzwey/ Der Teuffel ist verjagt/ und ich bin loß und frey. Jch suche GOtt allein mit eifrigem Gemuͤtte/ Und gebe mich Jhm auf. Was Er mir jmmer thut/ Jn Zeit und Ewigkeit/ das sprech’ ich alles gut. Ach daß Er mich doch nur fuͤr mehrerm fall behuͤtte! 5. Der Außspruch uͤber die Verdambten. Geht ihr Verfluchten geht/ ihr Teuffels Rottgesellen/ Jhr Raben die jhr mich nie habt getraͤnkt/ gespeist/ Bekleidt/ besucht/ getroͤft/ noch eingen Dienst geleist: Geht in das Ewge Feur und in den Schlund der Hoͤllen. Empfahet euren Lohn in jhren grimmen Wellen/ Blitz/ Donner/ Pestilentz und alls was boͤse heist. Gebt und bleibt ewiglich von meinem Reich verweist. Jhr werdt nu Heuln und schreihn/ und wie die Hunde bellen/ Jn Durst unnd Hunger stehn: Eur Wurm der stirbet nicht/ Das Feuer loͤscht nicht auß das euch ist zugericht. Jhr muͤsset ewiglich in Peineu sein gerochen/ Wie jhr verdienet habt: Denn was jhr habt gethan/ Den Gliedern meines Leibs/ nehm ich mich selber an. Geht jhr Verfluchten geht/ das Vrtheil ist gesprochen. 6. Vberschrifft der Verdamnuͤß/ Hter ist ein’ Ewge Nacht: man weiß von keinem lachen/ Ein Jam̄er Ach und Weh/ ach ewig seyn verlohrn! Wird jm̄er fort geschriehn/ und waͤrn wir nie gebohrn! Beyne- Joh: Angeli sechtes Buch. Beyneben hoͤrt man nichts als Donnern/ Hageln/ Krachen. Man sieht den Basilischk mit Kroͤten/ Schlangen/ Drachen/ Und tausend ungeheur: Man ist fuͤr Kaͤlt’ erfrohrn/ Und schmeltzt fuͤr grosser Glutt: man schilt sich Narꝛn und Thorn. Und kombt doch nimmermehr auß diesem Teufels rachen. Man stirbt/ und stirbt doch nie/ man ligt im ewgen Tod/ Man wuͤttet tobt und zoͤrnt/ man flucht und laͤstert GOtt. Man beist und Hadert sich/ man lebt wie Hund’ unnd Katzen: Man muß sich ewiglich mit allen Teuffeln kratzen. Man frisset Huͤttenrauch/ Pech/ Schweffel/ Teuffels- mist: Ach Suͤnder thu doch Buss’/ eh du darinnen bist! 7. Der verdambte Ubelthaͤter. Ach weh! wo bin ich nu? bey lauter hoͤllschen Mohren/ Bey teufflischem Gesind: in Leviathans Schlund: Jn einem feurgen Pful/ der ohne Maß und grund! Ach weh! verfluchter Tag in dem ich bin gebohren! Jch war zur Seeligkeit ersehen und erkohren; Der Himmel stund mir frey; ich wuste kurtz und rund Was GOttes wille war: und hilt doch nicht den Bund! Nu muß ewig sein verstossen und verlohren! O du verfluchter Leib/ zu was hastu mich bracht! O du verfluchte Seel was hastu mir gemacht! Ach tausend Ach und Weh! Was hilfft mich nu mein Prangen/ Mein Geitz und boͤse Lust! Ach haͤtt ich guts gethan! Nu ist die Reu zu spaͤt/ Gott nimbt sie nicht mehr an: Jch bleib in Ewigkeit mit hoͤllscher Qual umbfangen. K 8. Der Geist: Sinn- und schlußr: 8. Der Spruch uͤber die Seeligen. Kombt jhr gesegneten/ embfahet eure Kronen Die jhr erworben habt durch meinen Lauf und Tod: Kombt und besitzt daß Reich der Herꝛligkeit mit GOtt: Jch wil euch ewiglich fuͤr eure Gutthat lohnen. Jhr habet mich getroͤst/ und bey euch lassen wohnen/ Jhr habet mich gespeist/ getraͤnkt/ besucht in Noth. Bekleidet und bedekt nach meinem Liebsgeboth/ Nu solt jhr auch mit mir besitzen eure Thronen/ Und ewig triumphirn. Jhr sollet euch nu freun Fuͤr eure Trew und Muͤh/ und jmmer bey mir sein. Den̄ was jhr habt gethan dem kleinsten auf der Erden/ Dasselb’ ist mir geschehn/ und sol in Ewigkeit/ Mit allem was ihr nur euch wuͤntscht/ vergolten werden. Kombt und geniest mich selbst und alle Seeligkeit. 9. Uberschrifft der Seeligkeit Hier ist es jmmer Tag/ hier scheint die Ewge Sonne/ Hier weiß man nicht von Weh/ von Kummer Angst und Leid. Man lebt in gantzer Lust und gantzer Seeligkeit. Man sicht unnd hoͤret nichts als lauter Freud nnnd Wonne. Man trinkt sich satt und Voll beym suͤssen JEsus- Bronne. Man sitzt in stoltzer Ruh/ man daͤnkt an keine Zeit/ Man leget niemals ab daß Kleid der Herꝛlichkeit. Hier rauschet wie ein Strom was vor nur tropffweiß ronne. Hier schaut man GOttes glantz und suͤsses Angesicht/ Hier wird man uͤberformt mit seiner GOttheit Licht. Hier senkt man sich in Jhn/ und giebt jhm tausendkuͤsse. Man liebt und wird geliebt/ man schmekt jhn wie er ist. Man singt sein Lob und alls worzu man ist erkiest. Ach JEsu hilff mir doch damit auch ichs geniesse! 10. Der Joh: Angeli sechtes Buch. 10 Der Abgeleibte Seelige. O GOtt wiewol ist mir! mein Leiden ist verschwunden Die Schmertzen sind dahin/ die Truͤbsal hat ein End’ Und alles Hertzeleid ist von mir abgewend: Jch bin nu Kaͤrkerloß und seeliglich entbunden: Jch habe Freudenreich gesiegt und uͤberwunden: Kein Feind beruͤhrt mich mehr/ und was man boͤse nen̄t: Es wird mit keinem Weh mein froͤlich seyn getrent. Jch habe wahre Ruh/ und wahre Lust gefunden. Der Himmel lacht mich an/ die Engel nehmen mich Sambt allen Heiligen mit Freuden unter sich. Jch bin so voller Trosts daß ich fast uͤberfliesse: Jch habe was ich wil/ und wil was ich geniesse: Jch habe nu genug: man fuͤhrt mich wie ich bin Zu meinem Braͤutigam und suͤssen JEsu hin. 11 Der Seelige weise. Wie Seelig ist der Mensch/ der alle seine zeit Mit anders nichts verbringt/ als mit der Ewigkeit! Der jung und alt allein betrachtet und beschaut Der Weißheit Schloß/ das GOtt sein Vater hat gebaut. Der sich auf seinen Stab/ das ewge Wort/ aufstuͤtzt/ Und nicht/ wie mancher Thor/ im frembden sande sitzt. Der nicht nach Hauß und Hoff/ nach Gold und Silber sieht/ Noch seines Lebens zeit zu zehlen sich bemuͤht. Jhn wird das blinde Gluͤk nicht hin und her vexirn/ Noch etwann eitler Durst zu frembden Wassern fuͤhrn. Er weiß von keinem Zang/ er liebt nicht kraͤmerey/ Er trachtet nicht darnach/ daß er gesehen sey/ Er ist der Welt ein kind/ die allernaͤchste stadt Jst ihm so viel bekand/ als die der Tagus hat. Er schaut nur uͤber sich/ so frey er immer kan/ Sein rechtes Vaterland/ den lieben Himmel an. Sein alter rechnet er nicht nach der Jahre zahl/ K 2 Jn Geistr. Sinn- und schlußr. Jn GOtt vollkommen seyn/ das heist er Alt zumahl. Die Sonne leuchtet jhm in seinen Aker ein/ Und wenns gleich abend wird/ so bleibt ihm doch ihr Schein. Er siht des Lebens Baum im Geist begierlich an/ Und geht mit allem fleiß zu ihm die naͤchste bahn. Er kuͤmmert sich umb nichts; was neben ihm geschieht/ Jst ihm so frembt und klar/ als was ein blinder sieht/ Doch ist er stark und frisch/ er scheuet keinen Feind/ Wenn gleich Welt/ Teuffel/ Fleisch/ und mehr beysam- men seind. Ein ander lauffe hin/ zerstrew sich mit der Welt/ Diß ist das Leben und die bahn/ so mir gefaͤllt. 12. Der geheime Hirsch und sein Bronn. Der Hirsch der laufft und sucht ein kuͤhles Bruͤnnelein/ Damit sein Hertz erquikt und ruhig moͤge seyn. Die Seele die GOtt liebt/ die eilet zu dem Bronnen/ Auß dem die suͤsse Bach deß Lebens kombt geronnen. Der Bronn ist JEsus Christ/ der unß mit seinem quall Jm wahren Glauben traͤnkt/ und staͤrkt fuͤr Suͤnden fall. Bleibstu bey diesem quall/ und trinkst offt auß dem Bron- nen/ So hastu meine Seel gantz Seeliglich gewonnen. 13. Die Suͤndige Seele. Ein außgebrandte Stadt/ ein Schloß/ das gantz zerstoͤhrt/ Ein Reich/ das durch und durch zerrůtt ist und entboͤhrt; Ein Koͤnigliches Weib/ die nu zur Sclavin worden/ Jst eine Seel/ die sich die Suͤnde laͤst ermorden. 14. Die heilige Seele. Ein Neus Jerusalem/ ein außgebautes Schloß/ Ein Reich/ das jedem Feind zu stark ist und zu groß/ Ein Joh: Angeli sechstes Buch Ein Maͤgdlein/ die versetzt in der goͤttinnen Orden/ Jst Jungfrau deine Seel/ die GOtts gemahlin worden. 15. Der Sohn fuͤhret des Vaters Nahmē. Sag was unß endlich GOtt fuͤr einen Nahmen giebt/ Die er in seinem Sohn fuͤr Sohn’ aufnihmt und Liebt? Fragstu und nenst ihn GOtt/ so mustu ja bekennen/ Daß er unß anderst nicht alß Goͤtter koͤnne nennen. 16. Die geheime Auferstehung. Durch Hoffart/ Fleisches lust/ und durch begiehr der Welt/ Hat Geist/ Leib/ Seel der Feind gestuͤrtzet und gefaͤllt/ Durch Demutt und Casteyn/ und durch Allmosen geben/ Steht auf Geist Leib und Seel zu einem neuen leben. 17. Eine Begierde loͤscht die andere auß. Je mehr ein Mensch sich freut auf zeitlich Ehr und Gutt/ Je weniger hat er zu ewgen dingen mutt. Jemehr hingegen er wartt auf die ewge dinge/ Jemehr und mehr wird ihm das Zlitliche geringe. 18. Die Ewigkeit wird fuͤr nichts geschaͤtzt. O Thorheit/ umb die zeit wagt man sich biß inn Tod! Und auf die Ewigkeit setzt man nur einen Spott! 19. Der groͤste Narr. Du schlaͤgst umbs Zeitliche das Ewig’ in den wind: Richt’/ ob die Welt auch wol einen groͤssern Rarren findt? 20. Das zeitliche ist Rauch. Alls zeitlich’ ist ein Rauch. Laͤstu es in dein Hauß/ So beist es dir fuͤrwahr des Geistes Augen auß. K 3 21. Das Geistr. Sinn- und schlußr. 21. Das ewige sol man suchen. Die Ehre dieser Welt vergeht in kurtzer zeit: Ach suche doch die Ehr der ewgen Seeligkeit! 22. Einen Dunst umbfassen ist thoͤricht. Wie thoͤricht thut der Mann/ der einen Dunst umbfasst! Wie thoͤricht/ der du Freud an eitler Ehre hast! 23. Sich nicht erkennen macht eitles ren̄en. Wie daß der Mensch so toll nach eitlen Ehren rennt? Es kommet/ weil er nicht sein’ Ehr in GOtt erkennt. 24. Was man in sich hat/ sucht man nicht draussen. Wer in sich Ehre hat/ der sucht sie nicht von aussen. Suchstu sie in der Welt/ so hastu sie noch draussen. 25. Der Weise sucht keinen auͤsern Ehren Stand. Der Weise strebet nicht nach auͤsrem Ehren stand: Es ist ihm Ehr genug/ daß er GOtt nah verwandt. 26. Der Weisse ist voller Ehrn. Der Weiß’ ist voller Ehrn. Wie da? er ist erkist/ Daß er der wahren Ehr (GOtts) ewger Tempel ist. 27. Der Suͤnder hat keine Ehre. Der Suͤnder ist des Thiers und aller Teuffel stall: Drumb faͤhlts ihm doch ann Ehren/ haͤtt’ er sie uͤberall. 28. Ein reicher Suͤnder ein vergoldter Koth. Mensch kein vergoldter Koth ist reich geehrt und schoͤn: Die Suͤnder auch/ die gleich in lautrem Golde stehn. 29. Der Joh. Angeli sechstes Buch 29. Der Suͤnder wird zu Koth. Der Heilge steiget auf/ und wird ein GOtt in GOtt: Der Suͤnder faͤllt herab und wird zu Mist und Koth. 30. Wer hochgeehrt wil seyn/ muß GOtt werden. Nichts ist geehrt wie GOtt im Himmel und auf Erden: Streb/ daß du wirst was er/ wo du geehrt wild werden. 31. Der Mensch muß das seinige thun. Mein richte dich doch auf. Wie sol dich GOtt erheben/ Weil du mit gantzer macht bleibst an der Erde kleben. 32. Ein Wurm beschaͤmet unß. O spott! ein seiden Wurm der wirkt/ biß er kan fliegen: Und du bleibst/ wie du bist/ nur auf der Erde liegen! 33. Man muß sich verwandeln. Mensch alls verwandelt sich. Wie kanst denn du allein Ohn’ einge besserung das alte Fleisch Klotz seyn? 34. Wer das ewige Licht sieht. Das Licht der ewigkeit/ das leucht auch in der Nacht. Wer sihts? der jenge Geist/ ders heiliglich betracht. 35. Die zuekehr machet schaun. Wiltu die Sonn und Mond am hellen Himmel sehn/ So mustu ihnn fuͤrwahr ja nicht den Ruͤken drehn. 36 Das offne Auge sieht. Ein offnes Auge sieht/ thustu deins zue O Kind/ So bistu GOtt zu schawn muttwillig Maulwnꝛffs blind. K 4 37. Nichts Geistr. Sinn- uͤnd schlußr. 37. Nichts leuchtet ohne die Sonne. Rauh ist der Mond gestalt ohn seiner Sonne licht: Rauh ohne deine Sonn dein seelen Angesicht. 38. So viel zukehr/ so viel erleuchtung. So viel der Monde sich zu seiner Sonne kehrt/ Zu deiner du; so viel werdt ihr eurs Lichts gewehrt. 39. Der geistliche Mond mit seiner Sonne. Jch wil der Monde seyn/ sey JESU du die Sonne/ So wird mein angesicht voll ewger Freud und Wonne. 40. Die Sonne muß erleuchten. Die Sonne muß ihr Licht alln/ die es woln gewehrn: Der Teuffel wuͤrd’ erleucht/ wolt’ er zu SOtt sich kehrn. 41. Wer die Sonne nicht merckt/ der ist nicht. Die Sonn erwaͤrmet alls/ ja auch den kaͤltsten stein: Fuͤhlstu die wirkung nicht/ so mustu nicht mehr seyn. 42. Wer nicht bewegt wird/ gehoͤrt nicht zum gantzen. Die Sonn erreget alls/ macht alle sterne Tantzen/ Wirstu nicht auch bewegt/ so g’hoͤrstu nicht zum gantzen. 43. Wer vergeht/ der ist nicht. Der Suͤnder ist nicht mehr. Wie? seh ich ihn doch stehn! haͤttstu das rechte Licht/ du saͤhest ihn vergehn. 44. Was verdirbt/ wird zu nichts. Was fort un̄ fort verdirbt/ das kan nicht stehn noch seyn/ Es eilt zum untergang und wird dem nichts gemein. 45. Eigen- Joh. Angeli sechstes Buch 45. Eigensinnigkeit reist von GOtt ab. Was nicht am Leibe bleibt/ wird nicht vom Haubt gekuͤst: Merks eigensinniger/ daß du nicht Christi bist. 46. Das abgesunderte hat nichts mit dem gantzen gemein. Ein abgefallnes Laub/ ein saures troͤpfflein Wein/ Was hat es mit dem Baum/ was mit dem Most gemein? 47. Es ist noch zeit zum Heil. Kehr umb verirrtes Schaf/ zeuch safft verdorrter Ast? Du kanst wol kom̄n un̄ ziehn/ weil du den trieb noch hast. 48. Das beyspiel reitzet an. Dein feld Herꝛ geht vor an/ er streit fuͤr dich mein Christ: Jsts moͤglich daß du noch ein fauler Esel bist? 49. Das veraͤchtlichste Aß. Wer sich den Teuffel laͤst erschlagen und ermorden/ Der ist ein todter Hund des schnoͤdsten schinders worden. 50. Der schaͤndliche Gefangene. Pfuy dich/ das dich ein Weib die nichtigkeit der Welt Mit ihrem spinneweb so lang gefangen haͤlt! 51. Die schnoͤdste Dirne. Mensch laͤstu dich dein Fleisch beherschn und nehmen ein/ So muß wol deine Seel die schnoͤdste Dirne seyn. 52. Der schaͤndliche Fall. Halt auß Welt/ Teuffel/ Fleisch/ du bist ja Christ ein Held: Wie schaͤndlich ists/ wenn man fuͤr diesem Buben faͤllt. K 5 53. Die Geistr. Sinn- und schlußr. 53. Die siegreiche Waffen. Der Teuffel durchs Gebeth/ das Fleisch kaͤ durch Casteyn/ Die Welt/ wenn man sie laͤst/ gar leicht bezwungen seyn. 54. Der sieg folgt erst hernach. Christ niemand hat den sieg un̄ dessen Trost embfunden/ Der nicht zuvor im streit den Feind hat uberwunden. 55. Kein Kron ohn Kampff. Ein Kampffplatz ist die Welt. Das Kraͤntzlein und die Kron Traͤgt keiner/ der nicht Kaͤmpfft/ mit Ruhm und Ehrn darvon. 56. Der erste Kriegt den Preiß. Lauff nach dem Ehren preiß/ du must der erste seyn/ Du traͤgest nichts davon/ kriegstu ihn nicht allein. 57. Eins ist die Ehre. Der Feld-Herꝛ triumphirt/ er hat die ehr allein: Erhaͤltst auch du die schlacht/ so wird sie deine seyn. 58. Kurtzer streit/ ewiger Triumph. Wie kurtz ist doch der Streit! wie gluͤklich ist der Held/ Der ewig triumphirt den Teuffel/ Fleisch/ und Welt! 59. Man muß nach Ehren streben. Die Ehr ist doch nicht nichts. Die nie nach Ehren stre- ben/ Die kommen nie zur ruh/ auch nicht im andren Leben. 60. Wo Ehr und Schande ist. Der Himmel ist voll ruhm/ voll Ehr und Herꝛligkeit; Die Hoͤlle voller spott/ schmach und muͤhseeligkeit. 61. Nicht Joh: Angeli sechstes Buch 61. Nicht streiten wollen ist spoͤttlich. Ein spott wird der Soldat des Feinds/ fuͤr dem er zagt/ Ein spott des ewgen Feinds der Christ/ der ihn nicht jagt. 62. Das beste ist zuerwaͤhlen. Auf auf Soldat zum streit! dir wird ja lieber seyn Die Ruhe nach dem sieg/ als nach der ruh die Pein? 63. Deß Suͤnders Seele ist die Naͤrrischte. Du laͤst die ewge Lust und kiesest ewge Pein/ Kan auch was naͤrrischers als deine Seele seyn? 64. Der groͤste Narr. Christ wenn du einen sihst so stark zur Hoͤllen rennen/ Den magstu ohn hedacht den groͤsten Narren nennen. 65. Die zwey wunderliche Thoren. Ach jammer/ jener rennt/ daß er in Abgrund koͤmt; Und dieser regt sich kaum/ daß er GOtts burg einnihmt! 66. Das zeitliche macht ungeschikt. Ach mein/ wie magstu doch die Welt so in dich sauffen? Du wirst ja ungeschikt den Ehrn Krantz zuerlauffen! 67. Das weltliche Gutt beschwehrt. Wirff das gebuͤndle weg. Wer streiten sol und kriegen/ Dem muß kein sak voll Geld auf seinen Achseln liegen. 68. Der selbst Tadel. Du lachst den Krieger auß/ der sich mit raub beschwehrt: Fuͤrwahr mein Euclio du bist des lachens wehrt. K 6 69. Kein Geistr. Sinn- und schlußt. 69. Kein ungeschikter Mensch kombt inn Himmel. Geh Fast’ und zehr dich auß/ die Himmels-Thuͤr ist klein/ Wirstu nicht wol geschikt/ du koͤmmest nicht hinein. 70. Stille stehn ist zuruͤke gehn. Je Bruder geh doch fort/ was bleibstu stille stehn? Stehn auf dem wege GOtts heist man zuruͤke gehn. 71. Das gutte und uͤble zuruͤke gehn. Wie wol geht der zuruͤk/ der von dem Feind weg faͤhrt; Wie uͤbel/ welcher GOtt den ruͤken endlich kehrt! 72. Die Fanlheit uͤberkomt nicht den Himmel. Ach Fauler reg dich doch! wie bleibstu immer liegen? Fuͤrwahr der Him̄el wird dir nicht ins Maul einfliegen. 73. Man hat nichts umbsonst. Mensch umb die Hoͤlle muß der Suͤnder so viel leyden: Wie sol dann GOt umb nichts dir geben seine Freuden? 74. Gewalt nihmt den Himmel ein. Gewalt geht uͤber Recht. Wer nur gewalt kan uͤben/ Von dem wird auch die Thuͤr des Himmels aufgetrieben. 75. Allein die uͤberwindung beruhigt. Freund streiten ist nicht gnug/ du must auch uͤberwindē/ Wo du wilt ewge Ruh und ewgen Frieden finden. 76. Die Welt erwaͤhlt das aͤrgste. GOtt reicht die kron der Ehrn/ der Teuffel spott und Hohn. Und dennoch greifft die Welt nicht nach der ehren Kron/ 77. Der Joh Angeli sechstes Buch 77. Der Suͤnder wil seinen Tod. Ach Suͤnder ists dann wahr? du wilst dich eh verliehren/ Als ewiglich mit GOtt ein GOtt seyn und regiern? 78. Was verlobren seyn ist. Was ist verlohren seyn? frag das verlohrne Lamm/ Frag die verlohrne Braut vom ewgen Braͤutigam. 79. Die ewige verlohrenheit. Das Schaf ist gaͤntzlich hin/ das nie wird wieder funden; Die Seel die GOtt nicht find/ bleibt ewiglich verschwun- den. 80. GOtt sucht nicht was ewig verlohrn. Findt GOtt nicht was er sucht? er sucht in ewigkeit/ Richt/ was sich hat von ihm verlohren in der zeit. 81. GOtt find die Verdammten nicht. GOtt kan schon ewiglich nicht die Verdammten finden; Weil sie staͤts durch ihrn willn fuͤr ihm inn Pful ver- schwinden. 82. Der Wille macht verlohren seyn. Der Will macht dich verlohrn/ der Will macht dich ge- funden/ Der Will der macht dich frey/ gefaͤsselt und gebunden. 83. An den Geld suchenden. O Narr was renstu so nach reichthum in der Welt/ Und weist doch/ daß man wird dardurch inn Pful gefaͤlt? 84. Das groͤste Reichthum und gewien. Das groͤste Reichthum ist nach keinem Reichthum stꝛeben/ Der groͤsseste Gewin/ sich dessen gantz begeben. K 7 85. Man Geistr Sinn- und schlußr. 85. Man thut nicht was man Lobt. Man lobt den gutten Mann der ihm genuͤgen laͤst; Und frisset doch umb sich gleich wie der Krebs und Pest. 86. Wer alles verlanget/ hat noch nichts. Wer nichts verlangt hat alls. Wer alles thut verlan- gen. Der hat in wahrheit noch nicht einen stiel empfangen. 87. Wer der Sonne und GOtte gleicht. Wer alln sein gutt mittheilt/ alln nutzt und alle Liebt/ Jst wie der Sonnen Licht/ und GOtt der alln sich giebt. 88. Allmosen geben macht reich. Der Arme/ giebstu ihm/ macht dich dem Reichen gleich: Wie da? er traͤgt dir alls voran ins Himmelreich. 89. An den Kargen. Pfuy dich du karger Filtz/ GOtt hat dir alls gegeben; Noch wenn Er zu dir komt/ giebstu ihm kaum zuleben. 90. Der Reiche siehet GOtt nicht gern. Der Arme Christ ist GOtt: doch sieht des reichen Hauß Gemeiniglich nicht gern den GOtt geyn ein und auß. 91. Anderst geglaubt/ anderst gethan. Man glaubt es seeger seyn zu geben als zu nehmen; Und doch wil man gar schlecht zum geben sich bequaͤmen. 92. Thue was du dir gethan wilt. Mensch weil du gerne siehst daß man dir Gaben giebt; So mache doch auch dich im geben wol geuͤbt. 93. Weise Joh: Angeli sechstes Buch 93. Weise und Narrische sammlung. Der Geitz-Halß ist ein Narr/ er sammlet was ver geht: Der Mild’ ein weiser Mann/ er suchet was besteht. 94. Mildigkeit ist frey/ Geitz gebunden. Ein Milder breitt sich auß/ ein Geitz-Halß krippt sich ein: Der faͤht schon an bestrikt/ und jener frey zu seyn. 95. Wo der Schatz/ da das Hertze. Der Weise hat sein Hertz bey GOtt und in dem Him̄el: Der Geitzige beym Geld und in dem Welt getuͤmmel. 96. Der Weltsuchende zieht am Narren seil. Wo du auch kluge siehst sich umb die Welt bemuͤhn/ So sage daß auch sie im Narren seile ziehn. 97. Das ewge hat schlaͤchten verdrang. Man sieht fast alle Welt mit Juden spissen lauffen; Und doch umbs Himmelreich so wenig Leute kauffen! 98. Giefft wird fuͤr Zuker gelegt. GOtt streuet zuker auff/ der Teuffel gifft und galle: Den Zuker laͤst mau stehn und lekt die Gifft zum falle! 99. Des Weisen und Geitzigen gelt kam0303;er. Der Weiß ist kluͤglich reich; er hat das Gelt im kasten/ Der Geitzhals im gemuͤth/ drumb laͤsts ihn niemahls rasten. 100. Der Weise kombt den Dieben vor. Der Weise wartet nicht/ biß ihm was wird genommen: Er nihmt ihm alles selbst/ den Dieben vorzukommen. 101. Begierde Geistr. Sinn- und schlußr. 101. Begierde benom̃en alles benom̃en. Mensch nihm dir nur die Lieb und die begiehr der dinge/ So seind die dinge selbst benommen und geringe. 102. Das Auge und Hertze leiden nichts. Das Hertz ist wie das Aug’/ ein eintzigs graͤnelein/ Wo du’s im Hertzen hast/ verurfacht dir schon Pein. 103. Beschwehrt komt niemand fort. Der Schiffer wirfft im sturm die schwersten Wahren auß: Meinstu mit Gold beschwehrt zu kommn ins Himmels Hauß? 104. Alles Weltliche muß weg. Mensch wuͤrffestu nicht weg dein liebstes auf der Erden/ So kan dir nimmermehr des Himmels hafen werden. 105. Alles umb alles. Die Seeligkeit ist alls. Wer alles wil erheben/ Der muß auch zuvoran hier alls umb alles geben. 106. Nichts gewinnt nichts. Umb nichts gewind man nichts. Wo du nichts auf wilt setzen. So wirstu dich fuͤrwahr auch ewig nichts ergoͤtzen. 107. Der thoͤrichte verlust. Mit hundert wil GOtt eins bezahln im ewgen Leben: Wie thoͤricht seind wir doch/ daß wir nicht alls hin geben! 108. Mit der Begierde hat man. Freund schmeichle dir nicht viel: hastu noch die Begiehr/ So hastu noch die Welt und alle ding’ in dir. 109. Der Joh. Angeli sechstes Buch 109. Der sein selbst Sclave. Du wilt nicht Scla ve seyn; un̄ doch ists wahr mein Christ/ Daß deiner selbst begiehr du vielmahl Scla ve bist. 110. Die schnoͤdeste Scla verey. Die schnoͤdste Scla verey ist gerne Scla ve seyn. Wie bildstu Suͤnden- Scla v dir denn was ehrlichs ein? 111. Die geistliche Hunds Huͤtte. Nichts schaͤndlichs/ nichts gerings steigt in ein groß ge- muͤtte: Hat deins an Suͤnden lust/ so ists ein Hundes Huͤtte- 112. Die schmaͤlichste Dienstbarkeit. Das schmaͤhlichst’ ist die Suͤnd. Daͤnk Suͤnder was fuͤr schmach/ Der du als wie ein Hund ihr dienst/ dir folget nach! 113. Der willige Betrogene. Die Suͤnd ist voll Betrugs. Laͤst du dich sie regiern/ So laͤstu dich mit willn inn schlund der Hoͤllen fuͤhrn. 114. Der Stok-Knecht liebt den Stok. Kein edler Geist ist gern gefangen und umbschraͤnkt. Du must ein Stok-Knecht seyn/ wo dich dein Leib nicht kraͤnkt. 115. Nachlaͤssigkeit komt nicht zu GOtt. Du sprichst/ du wirst noch wohl GOTT sehen und sein Licht: O Narr du siehst ihn nie/ siehstu ihn heute nicht. 116. Nicht verlangen nicht embfangen. Wer GOttes angesicht hier nicht sieht mit begier/ Der komt in ewigkeit darnach nicht bey ihm fuͤr. 117. Ohne Geistr. Sinn- und schlußr. 117. Ohne Liebes pein ohne Liebe. Verzug ursacht verdruß: fuͤhlstu umb GOtt nicht Pein/ So glaub ich nicht dein Hertz in ihn entzuͤnd zu seyn. 118. Die Liebe zeucht zum geliebten. Die Lieb ist das gewicht: ists wahr das wir GOtt Lieben/ So werden wir von ihr stets hin zu GOtt getrieben. 119. Das Goͤttliche und Ungoͤttliche ge- muͤtte. Ein Goͤttliches gemuͤtt steht staͤtts nach GOtt gericht: Nichts Goͤttlichs ist an dir verlangt dich nach ihm nicht. 120. Nicht begehren ist nicht Lieben. Du hast gern deinen Hund/ der dir beliebt/ bey dir: Wie Liebestu denn GOtt mit lauter unbegier? 121. Nicht sterben wollen nicht Leben wollen. Mensch stirbestu nicht gern/ so wiltu nicht dein Leben: Das Leben wird dir nicht als durch den Tod gegeben. 122. Die doppelte Thorheit. Du renst in Tods gefahr schnoͤd’ Ehre zuerwerben; Umb ewge Herꝛligkeit hoͤrstu nicht gern vom Sterben. 123. Der Narr erkiest das aͤrgste. Ein Narr ist/ der den Stok fuͤrs Kaisers Burg erkiest; Der lieber in der Welt als in dem Himmel ist. 124. Erkuͤsung benennung. Ein Knecht ist gern im Stall/ ein schwein hirt gern umb Schweine: Waͤrstu ein edler Herꝛ du waͤrest gern wo’s reine. 125. Was Joh: Angeli sechstes Buch 125. Was man ist das Liebt man. Jedes Liebet was es ist/ der Kaͤfer seinen mist/ Den unflat liebestu weil du ein unflat bist. 126. Gesellschafft zeigt den Mann. Die losung der gespan. Wers gern mit Narren haͤlt/ Der ist kein kluger Mann: nicht groß/ wer mit der Welt. 127. Der Liebe Todt und Pein. GOtt ist mein einge Lieb: ihm nicht gemeine seyn. Jst meiner Seelen Todt/ meins Hertzens einge Pein. 128. Wer zu GOTT wil/ muß GOTT werden. Werd GOtt wiltu zu GOtt: GOtt macht sich nicht gemein/ Wer nicht mit ihm wil GOtt und das was er ist seyn. 129. Wer wil wird GOtt gebohrn. Von GOtt wird GOtt gebohrn: sol er dich den gebehrn/ So mustu ihm zuvor den Willn darzu gewehrn. 130. Nichts werden ist GOTT werden. Nichts wird was zuvor ist: wirstu nicht vor zu nicht/ So wirstu nimmermehr gebohrn vom ewgen Licht. 131. Hoͤchste Geburth/ hoͤchste Freude. Die hoͤchste Freud und Lust die GOtt mir kan gewehrn/ Jst das er Ewig wird mich seinen Sohn gebehrn. 132. GOttes einige Seeligkeit. Gebehrn ist Seelig seyn. GOtts einge Seeligkeit Jst daß er seinen Sohn gebtehrt von Ewigkeit. 133. Wie Geistr. Sinn- und schlußr. 133. Wie man so Seelig als Gott wird. GOtt ist das Seeligste. Wiltu so Seelig seyn/ So dring in die Geburth deß Sohnes GOttes ein. 134. Von Gott gebohren werden ist gaͤntz- lich GOtt seyn. GOtt zeuget nichts als GOTT: zeugt er dich seinen Sohn/ So wirstu GOtt in GOtt/ Herr auf deß Herren Thron. 135. GOtt mit GOtt werden ist alles mit ihm seyn. Wer GOtt mit GOtt gewird/ ist mit ihm eine Freud Ein Ewge Majestaͤt/ ein Reich und Herrligkeit. 136. Ewge Ehre und Schande. O Ehr O Seeligkeit/ das Ewig seyn was GOtt! Das was der Teuffel ist/ O ewge Schand und Spott. 137. Der Narrische Unheilige. Du wilt kein Heiliger seyn/ gleichwohl inn Himmel kommen. O Narr/ es werden nur die Heiligen eingenommen. 138. Der groͤbste Baur. Du schmuͤckst dich wenn du solt nachs Kayser Hofe gehn/ Und daͤnckst O graͤbster Baur/ ohn Schmuck fuͤr GOtt zustehn! 139. Kein Joh: Angeli sechstes Buch 139. Kein Hoͤffling kein Himmling. Mensch wirstu nicht gehoͤft unnd klebst am Kloß der Erden/ Wie sol der Himmel dir/ der keinem Pflock wird/ werden. 140. Wer nicht hasst hat nicht verlassen. Du staͤkst im falschen Wahn; kanstu die Welt nicht hassen/ Fuͤrwahr du hast nicht sie/ sie hat nur dich verlassen. 141. An den gezwungenen Creutzleidenden. Mensch wer dem Creutz nicht kan entwerden und ent- gehn/ Der muß auch wiedern Willn daran gehaftet stehn. 142. An den Welt verlassenen. Mauch ding thut man auß Noth. Auch du verlaͤst die Welt. Weil dirs dein Hertze sagt/ daß sie nichts von dir haͤlt. 143. An den Hoffaͤrtigen. Es heist sich einen Wurm auß Demutt GOttes Sohn/ Du Wurm mist dir wohl zu auß Hoffart seinen Thron. 144. Die selbst Schaͤtzung ist verwerflich. Der Himmel schaͤtzt sich nicht/ ob er gleich alls ernaͤhrt: Schaͤtzst du dich selber hoch/ so bistu wohl nichts wehrt. 145. Die seltzame Tugend. GOtt spricht/ wer sich versenckt der wird erhaben/ werden: Und doch ist dieses thun das seltzamst’ auf der Erden! 146. Das Geistr. Sinn- und schlußr. 146. Das Werck bewehrt den Meister. Freund weil du sitzst und daͤnckst/ bistu ein Mann voll Tugend: Wenn du sie wircken solst/ siehst du erst deine Jngend. 147. Traurigkeit bringt Freude. Wer Heilge Traurigkeit hier hat zum Vesper Brodt. Dem wart das Abendmahl/ die ewge Freud in GOtt. 148. Wer hier satt wird/ kan dort nicht essen. Wie daß der Fraß nicht kommt zum ewgen Abendessen/ Er mag nicht weil er hier sich hat zu satt gefressen. 149. Den Trunckenpold kan GOtt nicht traͤncken. GOtt wil den saͤttigen den hungert und den duͤrst/ Dir kan ers nimmer thun der du nie nuͤchtern wirst. 150. Nichts umbsonst. Niemand hat was umbsonst/ wie bildstu dir den ein/ Daß auch das Himmelreich umbsonst wird deine seyn. 151. GOttes Kaufmanschafft. GOtt treibet Kauffmanschafft/ er bitht den Him̄el feil. Wie theuer giebt er ihn? umb einen Liebes-Pfeil. 152. GOtt ist unser Ziehl. Was macht nicht GOtt auß sich ! Er ist meins Hertzens Ziel/ Jch schuͤsse staͤts nach ihm/ ich treff’ ihn wenn ich wil. 153. Das uͤberunmoͤglichste ist moͤglich. Du kanst mit deinem Pfeil die Sonne nicht erreichen/ Jch kan mit meinem wol die ewge Sonn bestreichen. 154. GOtt Joh: Angeli sechstes Buch 154. GOtt thut selbst alles. GOtt legt den Pfeil selbst auf/ GOtt spannet selbst den Bogen. GOtt druͤcket selber ab: drumb ists so wol gezogen. 155. Je naͤher beym Ziel/ je gewisser. Je naͤher bey dem Ziehl/ je naͤher beym Gewien; Meinstu das Hertze GOttes/ so thrit nur nahe hin. 156. Des Suͤnders Gebeth ist umbsonst. Der Suͤnder ziehlt nach Gott/ und wendt sich von ihm weg/ Wie sols denn moͤglich seyn/ daß er beruͤhr den Zweg? 157. Wie man sich zu GOtt kehrt. Mit Heiliger Begihr/ und nicht mit blossem bethen; Mit Heilgem Lebenslauff komt man zu GOtt gethreten. 158. Der Geistliche Schuͤtze-Zeug. Das Hertz ist unser Rohr/ die Liebe Kraut und Loth/ Der Zun der gutter Will: Zieh loß so triffstu GOtt. 159. Das Hertze muß scharff geladen seyn. Ey lad doch recht und scharff/ was paffstu in die Lufft? Was blind geladen ist das heisset nur gepufft. 160. Es muß auß dem Hertzen gehn. Das Mundloch giebt nicht Feur/ im Fall du je wild schuͤssen/ Mustu die Kammer ja zuvor geladen wissen. 161. Das Hertze muß geraͤumt und rein seyn. Christ ist das Rohr nicht rein/ die Kam̄er nicht geraumt Und du druͤckst gleichwol loß/ so halt’ ich daß dir traumt. 162. Ein Geistr. Sinn- und schlußr. 162. Ein vergifftes Hertze treibt nicht in die Hoͤhe. Halt/ du verletzest dich/ das Gifft muß auß dem Rohr/ Sonst springts fuͤrwahr entzwey und treibet nicht emb- por. 163. Haaß macht sich verhast. Mensch wer mit Haß und Neid fuͤr Gott den Herren wil threten. Der wird ihm anders nichts als Haß und Neid erbethen. 164. Erlaß wie wir erlassen. Was du dem naͤchsten wilt/ das bithtst du dir von Gott. Wiltu nicht seyn gedeyn/ so bithst du dir den Tod. 165. Gieb wie du begehrst. Mensch du begehrst von GOtt das gantze Himmelreich: Bitht man von dir ein Brodt/ so wirstu Blaß und Bleich. 166. Wer das Himmelreich hat kan nicht Arm werden. Das Reich Gotts ist in unß. Hastu schon hier auf Erden Ein gantzes Reich in dir/ was fuͤrchstu arm zuwerden? 167. Wer wahrhafftig Reich. Viel haben macht nicht Reich Der ist ein reicher Mann/ Der alles was er hat ohn Leid verliehren kan. 168. Der Weise hat nichts im Kasten. Ein weiser Mann hat nichts im Kasten oder Schreyn: Was er verliehren kan/ schaͤtzt er nicht seine seyn. 169. Man Joh: Angeli sechstes Buch. 169. Man muß seyn/ was man nicht verlih- ren wil. Der Weis’ ist was er hat. Wiltu das Feinperlein. Des Himmels nicht verliehrn/ so mustu s’ selber seyn. 170. Zweyerley seiner selbst verliehrung. Jch kan mich selbst verliehrn. Ja? boͤß ists wenn in tod/ Gluͤckseelig Preiß ich dich/ verliehrstu dich in GOtt. 171. Jm Meer werden alle tropffen Meer. Das Troͤpfflein wird das Meer/ wenn es ins Meer ge- kommen: Die Seele GOtt/ wenn sie in GOtt ist aufgenommen. 172. Jm Meer kan man kein troͤpfflein un- terscheiden. Wenn du das Truͤpfflein wirst im grossen Meer nen̄en. Denn wirstu meine Seel im grossen GOtt erkennen. 173. Jm Meer ist auch ein troͤpfflein Meer. Jm Meer ist alles Meer auchs kleinste Troͤpffelein: Sag welche Heilge Seel in GOtt nicht Gott wird sein. 174. Jm Meer seind viel eins. Viel Koͤrnlein seind ein Brodt/ ein Meer viel troͤpffelein So seind auch unser viel in GOtt ein einges ein. 175. Die Vereinigung mit Gott ist leicht. Mensch du kanst dich mit GOtt viel leichter eines sehn/ Als man ein aug’ auffthut/ wil nur/ so ists geschehn. 176. Gott verlangen macht Ruh und Pein. Die Seele die nichts sucht als eins mit GOtt zuseyn. Die lebt in steter Ruh/ und hat doch staͤte Pein. 177. Des Narren und Weisen Gemein- schafft. Ein Narr ist gern zerstreut/ ein Weiser gern allein: Er macher sich mit alln/ der nur mit GOtt gemein. L 178. Mehr Geistr. Sinn- und schlußr. 178. Mehr seind Todt als Lebendig/ Alls lebt und reget sich: doch zweiffel ich ob die Welt Mehr der (GOtt) lebenden als Todten in sich haͤlt. 179. Der Geitzigen und Weisen wirkung Der Geitzhals muß darvon/ laͤst anderen sein Geld; Der Weise schickts fuͤr sich voran in jene Welt. 180. Eben von derselben Der Weise streuet auß fuͤr seine Freind in GOtt; Der Geitzhalß sam̄let ein fuͤrn Teuffel und fuͤrn Tod. 181. Der Narren und Weisen schaͤtzung. Der Rarr haͤlt sich vor Reich bey einem Sak voll Geld/ Der Weise schaͤtzt sich arm auch bey der gantzen Welt. 182. Der Vnglaube haͤgt den Geitz. Wer giebt dem giebet GOtt mehr als der giebt und wil: Was geitzt die Welt denn so? sie glaubet GOtt nit viel. 183. Der Weise sucht nichts. Der weise suchet nichts er hat den stillsten Orden: Warumb? er ist in GOtt schon alles selber worden. 184. Alles verdirbt und was wir nit seind. Christ werde was du suchst: wo du ’s nicht selber bist/ So komstu nie zur Ruh/ und wird dir alls zu Mist. 185. Das Reichthum muß inner uns seyn. Jn dir muß ’s Reichthum seyn/ was du nicht in dir hast/ Waͤrs auch die gautze Welt/ ist dir nur eine Last. 186. Gott Joh: Angeli sechstes Buch 186. GOtt ist das Reichthum. GOtt ist das Reichthum gar/ gnuͤgt er dir in der Zeit/ So stehest du schon hier im Stand der Seeligkeit. 187. Der thumme Geitzhaltz. Hastu an GOtt nicht gnug/ und suchst nicht ihn allein So mustu wol ein Thor und thummer Geitzhaltz seyn. 188. Der thoͤrichte suchend e Suchstu was und vermeinst das GOtt nicht alles sey/ So gehstu GOtt und alls in Ewigkeit fuͤrbey. 189. Alles begehren ist nichts haben. Mensch glaube diß gewiß/ hastu nach allm Begihr/ So bistu bettel arm und hast noch nichts in dir. 190. Ausser GOtt ist alles nichts. Mensch wem GOtt alles ist/ dem ist sonst alles nichts: Hastu nicht alls an GOtt/ fuͤrwahr ihm nichts gebrichts. 191. Welt verlassen wenig verlassen. Die gantze Welt ist nichts; Du hast nicht viel veracht/ Wenn du gleich hast die Welt auß deinem Sin̄ gebracht. 192. Sich verlassen ist etwas verlassen. Du selber must auß dir. Wenn du dich selbst wirst has- sen/ Dann schaͤtz ich dich/ daß du erst etwas hast verlassen. 193. Man muß getoͤdtet seyn. Alls muß geschlachtet seyn. Schlachstu dich nicht fuͤr GOtt/ So schlachtet dich zu letzt fuͤrn Feind der ewge Tod. L 2 194. Wir- Geistr. Sinn- und schlußr. 194. Wirkung der Abtoͤdtung und Lebens der selbstheit. Durch toͤdtung deiner selbst wirstu Gotts Lamb darstellē/ Mit Leben bleibstu ein todter Hund der Hoͤllen. 195. Viel Ixiones. Ixion ist allein beschrihn auf allen Gassen: Und sieh viel tausend seind die eine Wolk umbfassen/ 196. An den Stoͤhrfriede. Wenn du an einem Pflug wilt mit Ixion pfluͤgen/ So wirstu auch mit ihm auf einem Rade liegen. 197. Wie die Arbeit/ so der Lohn. Freund wie die Arbeit ist/ so ist auch drauf der Lohn: Auf boͤse folgen Streich’/ auf gutte Preiß und Kron. 198. Eingezogenheit verhüttet viel. Braut ists daß du nicht gern laͤst frembde Buhler fuͤt; So halt die Fenster zue und steh nicht in der Thuͤr. 199. Behuttsambkeit ist Noth. Behuttsamkeit ist Noth. Viel waͤrn nicht umbgekom- men/ Wenn sie der Sinnen Thur in bessre Hutt genommen. 200. Vermaͤssenheit ist schaͤdlich. Vermiß dich Jungfrau nicht/ wer in Gefahr sich giebt/ Der wird gemeiniglich gefaͤhret und betruͤbt. 201. Sicherheit macht verliehrn. Steh wache fast’ und beth; in einer Sicherheit/ Hat mancher gahr verlohrn das Schloß der Ewigkeit. 202. Drey Joh: Angeli sechstes Buch 202. Drey dinge seind zuflihn. Kind schaue meide fleuch den Wein das Weib die Nacht: Sie haben manchen Mann umb Leib und Seele bracht. 203. Ein finsteres Hertze sieht nicht. Gieb achtung auf das Feur. Wo nicht die Lampen brennen/ Wer wil den Braͤutgam wenn er wird kom̄n erkennen. 204. Das Geistliche Losungs Wort. Das Losungs Wort ist Lieb: hastu s ’nicht eingenom- men. So darffstu nimmermer ans Himmels Graͤntzen kom̄en. 205. Die verlohrne Schildwacht. Die Schildwach ist verlohrn/ die sich in Schlaff versenkt: Die Seel ist gaͤntzlich hin die nie ann Feind gedaͤnkt. 206. Man muß den Feind nicht auf den Leib lassen. Freind wach und schau dich umb/ der Teuffel geht stets runten/ Kommt er dir auf den Leib/ so liegestu schon unten. 207. Der Teuffel mird leicht uͤberwunden. Christ biß nur nicht verzagt/ mit wachen fasten bethen Kanstu das gantze Heer der Teuffel unterthreten. 208. Die kluge und thaͤrichte Schoͤnheit. Die kluge Jungfrau hat ihrn Schmuck in sich allein: Die Thoͤrin denkt sich schoͤn in schoͤnen Kleidern seyn. 209. Das aͤuserleche macht nicht wehrter. Mensch alls was ausser dir/ das gibt dir keinen wehrt: Das Kleid macht keinen Mann/ der Sattel macht kein Pferd. L 3 210. Was Geistr: Sinn und schlußr: 210. Was man innwendig ist sucht man nicht außwendig. Mann/ wer in Tugenden von innen Reich und schoͤn/ Der wird von aussen nicht nach Schmuck und Reichthum stehn. 211. Die Welt ist verblendt. Wie das die Welt so seh r nach eitlen Dingen tennt? Verwunder dich nicht Freund/ sie rast und ist verblend. 212. Anderst thun als glauben ist naͤrrisch. Christ bistu nicht ein Narr? du glaubst die Ewigkeit/ Und haͤngst mit Leib und Seel verblendet an der Zeit! 213. Dem kleinen ist alles kleine groß. Kind wachs und werde groß; so lange du noch klein/ So lange duͤnckt dich alls was klein ist groß zuseyn. 214. Nichts ist groß als GOtt. Nichts ist mir groß als GOtt. Ein Goͤttlichs Gemuͤtte Schaͤtzt auch den Himmel selbst fuͤr eine kleine Huͤtte. 215. Man muß sich von oben herab ansehn. Du duͤnckst dich viel zu seyn: ach waͤrstu uͤber dir/ Und schautest dich dann an/ du saͤhst ein schlaͤchtes Thier. 216. Jn der naͤhe sieht mans recht. Mein nah dich doch zu GOtt/ alls ist von ferne klein/ Thritstu hinzue/ er wird bald groß genug dir seyn. 217. Das Ameiß Gemille. Die Erd scheint dir breit/ ein kluͤmplein groß mein Christ/ Ein Maulwurfs Hauff ein Berg/ weil du ein Ameiß bist. 218. Nichts Joh: Angeli sechstes Buch 218. Nichts ist groß auf der Erde. Zum Himmel ist die Erd’ ein eintzigs Staͤubelein: O Naar wie kan in ihr etwas grosses seyn? 219. Nichts beschaut nichts geschaͤtzt. Wie das die Welt nichts schaͤtzt die schoͤnen Himmels Auen? Man schaͤtzt nichts unbeschaut/ es mangelt am bschauen. 220. Auß dem beschaun entsteht die Liebe. Die Liebe folgt aufs schaun. Schau an die ewge dinge/ So liebstu sie als bald und haͤlst sonst alls geringe. 221. Die Welt sol man nicht anschaun. Wend ab dein Angesicht/ die Welt nur angeblikt/ Hat manches edles Blut verzaubert und beruͤkt. 222. Die Welt muß beschaut seyn. Kehr hin dein Angesicht/ und schau die eitle Welt/ Wer sie nicht recht betracht/ der wird fuͤrwahr gefaͤllt 223. Die Welt muß belacht und beweint werden. Fuͤrwahr wer biese Welt recht nihmt in Augenschein/ Muß bald Democritus/ bald Heraclitus seyn. 224. Die Kinder weinen umb die token. Du lachest daß das Kind umb seine Token weint/ Umb die du dich betruͤbst/ sag obs nicht Token seind? 225. Den Weisen nihmt man nichts als Token. Der Weise lacht darzu wenn man ihn alls genom̄en. Warumb? er ist umb nichts als nur umb Token kom̄en. 226. Rechte Geistr. Sinn- und schlußr. 226. Rechte Schaͤtzung bringt kein Leid. Christ wer die Dinge weiß nach ihrem Wehrt zuschaͤtzē/ Wird umb kein Zeitliches sich in Betruͤbnuß setzen. 227. Der Weisen Kraͤnkung. Der Weiß’ ist staͤts in Freud/ er wird von nichts betruͤbt. Diß einge kraͤnkt ihn nur daß GOtt nicht wird geliebt. 228. GOttes Schmiede Feuer. Der Eifer ist ein Fenr/ brent er umbs Naͤchsten Heil/ So schmiedet GOtt darbey/ der Liebe Donnerkeil. 229. Der Weise hat alles gemein. Der Weise was er hat/ hat alls mit alln gemein/ Wie da? er schaͤtzet alls/ sich selbst auch nicht fuͤr sein. 230. Des Weisen und Narren Werk. Des Weisen gantzes Werk/ ist das er werde GOtt: Der Narr bemuͤhet sich biß er wird Erd und Koth. 231. Deß Weisen Adel. Des Weisen Adel ist sein Goͤttliches Gemuͤtte/ Sein tugendhaffter Lauff/ sein Christliches Gebluͤtte. 232. Des Weisen ahnen. Des Weisen ahnen seind Gott Vater Sohn und Geist: Von denen schreibt er sich/ wenn er sein Ankunfft preist. 233. Die geheisne Adeliche Geburth Auß GOtt bin ich gebohrn/ erzeugt in seinem Sohn/ Geheiliget im Geist/ diß ist mein adels Kron! 244. Wir. Joh. Angeli sechstes Buch 234. Wuͤrkung der H. Dreifaltigkeit. Der Sohn erloͤset unß/ der Geist der macht unß leben/ Deß Vaters Allmacht wird uns die Vergoͤttung geben. 235. Noch von dieser. Jn Christo sterben wir/ stehn auf im Heilgen Geist/ Jm Vater werden wir fuͤr Kinder Gotts gepreist. 236. Nichts hoͤhers ist als GOttes Sohn seyn. GOttes Sohn ist GOtt/ mit Gott regiert auf einem Thron/ Nichts hoͤhers ist als ich/ wenn ich bin dieser Sohn. 237. Wie man Gottes Tochter Mutter un̄ Braut wird. GOtts Tochter Mutter Braut kan jede Seele werden/ Die Gott zum Vater Sohn und Braͤutgam nihmt auff Erden. 238. Der Kuß der Gottheit. GOtt kuͤst sich in sich selbst/ sein Kuß der ist sein Geist/ Der Sohn ist den er kuͤst/ der Vater ders geleist. 239. Seufftzer zu GOtt. Gott ist ein starcker Strom der hinnihmt Geist un̄ Sin̄/ Ach das ich noch nicht gar von ihm verschwemmet bin. 240 Allein der Weise ist Reich. Allein der Weiß ist Reich? die Tugenden in GOtt/ Die er stat goldes hat/ nihmt ihm auch nicht der Tod. 241. Der Weise stirbt nicht. Der Weise stirbt nicht mehr? er ist zuvor schon Tod: Todt aller Eitelkeit/ Tod allem was nicht GOtt. 242. Der Geistr. Sinn- und schlußr. Der Weise ist nie allein. Der Weiß ist nie allein/ geht er gleich ohne dich: So hat er doch den Herrn der dinge (GOtt) mit sich 243. Der Weise ist alleine Gott gemein. Groß ist deß Weisen mutt/ er machet sich allein/ Dem Herren der Herrligkeit so viel er kan gemein. 244. Man muß sich erkuͤhnen Erkuͤhn dich junger Christ: wer sich nich: wil erheben/ Der bleibt wol wie ein Wurm am Erde klosse kleben. 245. Die Liebe macht kuͤhn. Die Liebe macht uns kuͤhn/ wer Gott den Herrn wil kuͤs- sen/ Der faͤllet ihm nur bloß mit seiner Lieb zufuͤssen. 246. Die Liebe durch dringt das innerste. Die Lieb durchdringet alls; ins innerste Gemach/ Welchs Gott fuͤr alln verschleust/ geht ihm die liebe nach. 247. Die Beschauligkeit ist Seeligkeit. Gluͤkseelig ist wer steht auf der beschauer Bahn/ Er saͤhet schon allhier das Seelge Leben an. 248. GOtt nicht sehn ist nichts sehn. Du reisest vielerley zu sehn und außzuspaͤhn: Hastu nicht GOtt erblikt/ so hastu nichts gesehn. 249. Die seeligste Wissenschafft. Gluͤkseelig ist der Mensch der nichts als Jesum weiß/ Unseelig wer sonst allm und diesem nicht giebt Preiß. 250. Was Joh Angeli sechstes Buch 250. Was glükseelig seyn ist. Gluͤkseelig seyn ist nicht viel Ehr und Gutt genissen/ Es ist viel Tugenden in seiner Seele wissen 251. An den Sonderling. Die Meinungen seind Sand/ ein Narr der bauet drein/ Du baust auf Meinungen/ wie kanstu weise sein? 252. Die Heiligen seind keinem klugen tod. Du sprichst die Heiligen seind Tod zu unsrer Noth: Der weise Mann der spricht den Narren seind sie Tod. 253. Allein der Catholische Christ ist weise. Miß dir nicht Weißheit zue/ wie klug du dir auch bist: Niemand ist Weiß in Gott als ein Catholischer Christ. 254. Der Weise nihmt nichts als von Gott. Der Weiß ist hoch gesinnt/ wird ihm was zuegesand/ So nihmt ers niemahls an als nur von Gottes Hand. 255. Der Weise suͤndigt nicht. Der Weise fuͤndigt nicht/ die richtige Uernunfft/ Nach der er wirkt/ haͤlt ihn in der gerechten Zunfft. 256. Der Weise irret nie. Der Weise geht nie irr/ er haͤngt auf jeder Bahn/ Der Ewgen Wahrheit (GOtt) mit allen kraͤfften an. 257. Wer Weise ist. Der ist der Weise Mann/ der sich und GOtt wol kennt/ Wem dieses Licht gebricht/ ist unweiß’ und verblend. 258. Wie Geistr. Sinn- und schlußr. 258. Wie man Weise Wird. Mensch wiltu Weise seyn/ wilt Gott und dich erkennen/ So mustu vor in dir die Welt begihr verbrennen. 359. Was deß Menschen Weißheit ist. Deß Menschen Weißheit ist Gottseelig seyn auf Erden/ Gleichfoͤrmig GOttes Sohn an Sitten und Gebehrden. 260. Rein macht GOtt Gemein. Nichts unreins komt zu Gott! bistu nicht fuͤnkel rein Von aller Creatur/ so wirst ihm nie gemein. 261. Die Warheit macht Weise seyn. Die Wahrheit giebt das seyn: wer sie nicht recht erken̄t/ Der wird mit keinem recht ein Weiser Mann genennt. 262. Die Welt ist ein Sandkorn. Wie daß denn bey der Welt GOtt nicht geschaut kan seyn? Sie kraͤnkt das Auge staͤts/ sie ist ein Sandkaͤrnlein. 263. Beschluß. Freund es ist auch genug. Jm fall du mehr wilt lesen/ So geh und werde selbst die Schrifft und selbst das Wesen. ENDE . Geliebter Leser. Weil die groͤste Trukfehler auf die letzte in litt. K. und L. eingeschlichen/ als wollestu dieselbe von pag. 230. an wie folgt corrígi ren. Nŏ. 7 v. 8. ließ/ Nu muß ich n. 19. v. 2. pro einen l. einn. n. 26 l. weise. n 52. v. 2. p. diesem l. diesen. n. 91. v. 1. l. seelger. n. 125. v. 1. p. Jedes l. Jeds u. 137. v. 1. \& 2. l. heilger und heilgen. n 172. v. 1. p. Meer l. Meere. n 178. v. 1. p. zweiffel l. zweiffl’ ich. n. 184. p. und l unß. n. 190. v. 2. p ihm l. im. n. 194. v. 2. p. bleibstu l bleibestu. n. 202. p. schaue l. scheue. n. 203. p. brauͤrgam l. brauͤti- gam. n. 211. p rast l. ras’t. n. 214. p. goͤttlichs l. goͤtt- liches. n. 217. p gemille l. gemuͤtte/ und v. 1. l. erde. n. 218. v. 2. l. in ihr dann etwas. n 233. p. geheisne l ge- heime. n. 236 l. Gottssohn ist Gott mit Gott. n. 243. p. Herren l. Herrn. Die uͤbrigen muͤssen zum besten ge- deutet werden.