Die Constructionen in Stein . Herausgegeben von Germano Wanderley, Architect. Fachvorstand und Professor an der K. K. Staats- Gewerbeschule in Brünn. Mit 500 Holzschnitten . Leipzig. G. Knapp, Verlagsbuchhandlung . 1878. Vorrede zur zweiten Auflage B ei Bearbeitung der ersten Auflage des „ Handbuch der Bauconstruktionslehre “ leitete mich der Gedanke, den Studiren- den des Baufaches — den Akademikern, Gewerbe- und Baugewerks- schülern — ein Compendium zu geben, welches die hauptsächlichsten im Hochbauwesen vorkommenden Construktionen in systematischer Reihenfolge enthalten sollte. Um dies Ziel möglichst zu erreichen, schien es mir nöthig, einerseits die Construktionselemente, d. h. haupt- sächlich die Holzverbindungen, Balkenlagen, Dächer, Steinverbände, graphische Construktionen bei Gewölben, Bedachungen ꝛc., ausführlich zu besprechen, andererseits den knapp gehaltenen Text mit recht vielen, der Praxis entnommenen Beispielen zu verdeutlichen, und die Figuren in kleinem, aber doch deutlichem Maßstabe so zu zeichnen, daß der Studirende die Anwendung und Verbindung der in speciellem Falle besprochenen Construktion mit ihrer Umgebung klar erkenne. Diese Grundsätze hielt ich auch bei Bearbeitung der zweiten Auf- lage meines „Handbuch der Bauconstruktionslehre“ fest; gleichzeitig habe ich nicht unterlassen, einzelne wichtige Abschnitte, so z. B. die Construktionen in Holz und Stein, die in der ersten Auflage je nur 5—6 Druckbögen einnahmen und daher allzu knapp waren, ganz umzuarbeiten und sehr zu vermehren. Die beiden erwähnten Ab- schnitte sind jetzt auf das vier- bis fünffache erweitert, und auch die Abschnitte „Bedachungen“ und „Innerer Ausbau“ haben eben- falls eine beträchtliche Vermehrung erhalten. Abschnitt „Hilfscon- struktionen“ der ersten Auflage ist in der zweiten Auflage mit einigen anderen Abschnitten vereinigt, so z. B. in Zimmerconstruktionen mit den Dachausmittelungen, in Steinconstruktionen mit den Bögen und Gewölben u. s. w. Eine ganz besondere Vermehrung hat das Werk durch die Auf- nahme der in Oesterreich allgemein gebräuchlichen Construktionen erhalten, von denen man in Deutschland noch sehr wenig Kenntniß hat, obgleich sie ohne Zweifel manche vortreffliche Eigenschaften besitzen. Um die Entstehung dieser abweichenden Construktionen zu Vorrede. erklären, habe ich an den betreffenden Stellen die Bauordnungen der Kronländer beigefügt. Die Aufzählung der deutschen Bauord- nungen war nicht thunlich, weil diese einerseits sehr zahlreich und fast in allen Städten verschieden sind, andererseits zur Zeit in einer Reihe von Bezirken umgeändert werden; immerhin habe ich manch- mal die berliner Bauvorschriften notirt. Obgleich die österreichischen Construktionen gerade durch die eigen- artigen Bauordnungen ein nationales Gepräge erhalten haben und in Deutschland nicht direct nachahmungsfähig sind, glaubte ich doch zur Aufnahme derselben verpflichtet zu sein, da auch selbst in Oester- reich nur wenige Werke existiren, welche die neueren Construktionen systematisch und ausführlich besprechen — dies gilt insbesondere von den Dachconstruktionen; in diesem Werke habe ich versucht, sowohl die deutschen, als auch die österreichischen Dächer nach gleichem Princip zusammenzustellen und zu entwickeln. In Bezug auf Abschnitt „Constructionen in Eisen“ sei bemerkt, daß dort nur die elementaren Anordnungen — Säulen, Träger, einfache Dächer — dargestellt sind und daher großartige Construk- tionen, wie z. B. Hallendächer u. s. w., unberücksichtigt bleiben, zumal diese bereits in „Brandt, Lehrbuch der Eisenconstruktionen“ erschöpfend behandelt wurden. Wegen der bedeutenden Vermehrung des ganzen Werkes habe ich auf Veranlassung des Herrn Verlegers, dem ich hier für die gute Ausstattung meinen Dank sage, die zweite Auflage des „Handbuch der Bauconstruktionslehre“ in drei von einander unabhängigen Bänden bearbeitet, so daß dem Unbemittelten die Anschaffung eines einzelnen Bandes gestattet ist. Das ganze Werk enthält sonach: 1. Band: Construktionen in Holz (Zimmerarbeiten), 2. Band: Construktionen in Stein (Maurer- und Steinmetzen- arbeiten), 3. Band: Construktionen in Eisen, Treppenconstruktionen, Innerer Ausbau, Grundbau (Fundirung und Grundirung). Brünn , im November 1876. G. Wanderley . Inhalts-Verzeichniß. Erstes Kapitel. Seite Die umschließenden und stützenden Constructionstheile (Mauern und Pfeiler) 2 Die Mauern aus gebrannten Ziegeln 2 Das volle Mauerwerk 6 Der Schornsteinverband 7 Der Blockverband 8 Der Kreuzverband 11 Der polnische oder gothische Verband 11 Der holländische Verband 12 Der Strom- oder Diagonalschichtverband 13 Der figurirte Verband 13 Das Mauerende 14 Volles Mauerende beim Blockverbande 15 Volles Mauerende mit Kreuzverband 17 α) bei Anwendung von Dreiquartieren 17 β) bei Anwendung der Kopfstücke 18 Mauerenden mit Fenster- resp. Thüranschlägen 20 Die Mauerecken 26 1) Eckbildungen im Blockverbande mit Dreiquartieren 27 2) Eckbildungen im Blockverbande mit Kopfstücken oder Riemchen 31 3) Eckbildungen im Kreuzverbande mit Dreiquartieren 33 4) Eckbildungen im Kreuzverbande mit Kopfstücken 34 5) Die nicht rechtwinkligen Mauerecken 38 Die Kreuzung der Mauern 42 1) Die Kreuzung einer Außenmauer mit einer Innenwand 42 2) Die Kreuzung der Innenwände 46 Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln 49 a ) Die Pfeilerverbände 49 b ) Die Säulenverbände 51 c ) Die Pfeilervorlagen 54 Inhalts-Verzeichniß. Seite Die Hohlmauern 56 1) Mauern mit Isolirschichten 57 2) Mauern aus Hohlsteinen 63 3) Mauern aus porösen Ziegeln 67 Die Schornsteine oder Rauchfänge 68 1) Allgemeine Betrachtungen 68 2) Die polizeilichen Vorschriften 70 a ) Preußen 70 b ) Oesterreich 73 Bauordnung für Bukowina 74 Bauordnung für Galizien 76 Bauordnung für Mähren 78 Bauordnung für Graz 78 Bauordnung für Wien 79 3) Die Schornsteine in Wohngebäuden 80 a ) Die Vorgelege 81 b ) Die Schornsteine 83 α) die weiten Schornsteine 83 β) Die engen Schornsteine 85 γ) Die Anlage der Schornsteine 93 4) Die Fabrikschornsteine 97 Die Höhe 98 Der Querschnitt 99 Der Bau der Fabrikschornsteine 101 Constructionsverhältnisse 102 Das Mauern der Kamine 106 Die Anordnung des Verbandes 107 Die Materialien 110 Die Aufmauerung 111 Die Mauern von Feld- und Bruchsteinen 114 Die Feldsteine oder Felsenmauern 114 Die Mauern und Pfeiler aus Werk- oder Schnittsteinen 120 1) Geschichtliches 121 2) Die Werkzeuge des Steinmetzen u. die Bearbeitung des Werksteines 127 Das kleine und das große Brecheisen, das Spitz- oder Bossir- eisen, die Zweispitze, der Schlag, das Kröneleisen, das Zahneisen, das Scharireisen, das Rutheisen, der eiserne Schlägel, der hölzerne Schlägel, die Fläche, der Stock- oder Kraushammer. Inhalts-Verzeichniß. Seite Die Bearbeitung des Werksteines 131 3) Der Steinverband 134 bei Quaderverblendung 137 bei Plattenverblendung 141 Der Steinverband für Ufermauern und Brückenpfeiler 147 4) Das Versetzen der Werksteine 148 Die Laufkrahne 149 Die Gerüste 151 Die Hebegeschirre 155 Das Verklammern und Verdübeln der Werksteine 157 Das Mauern mit Ziegeln 158 1) Der Mörtel 158 2) Das Mauern 160 Die Fugenstärke 160 Das Vermauern 160 Das Ausfugen 162 Die Herstellung des Mauerwerkes 165 Die Stein- und Kalkaufzüge 169 Die Baugeräthe 174 Die Bauzäune 174 Die Baugerüste 176 Verbundene Gerüste, Stangengerüste, Leitergerüste, fliegende und Hängegerüste, 176—181. Die Stärke der Mauern 181 Allgemeine Betrachtungen 181 Allgemeine Regeln 189 Verschiedene polizeiliche Vorschriften über die Mauerstärken 198 Bauordnung für Böhmen, Czernowitz, Lemberg, Kärnthen, Klagenfurt, Mähren, Oesterreich ob der Enns und unter der Enns, Linz, Berlin, 198—206. Verputz der Mauern und Decken 206 Der äußere Putz 207 Der Filzputz 208 Der Spritzputz 208 Putz auf Bruchsteinmauern 209 Putz auf Lehmwänden 209 Putz auf Fachwänden 210 Berohrung und verschalte Decken 210 Inhalts-Verzeichniß. Zweites Kapitel. Seite Die deckenden Construktionstheile. (Die Bögen.) 211 Die Bogenformen 212 Construktion der Spitzbogenlinien 215 Zeichnen der Ovalen und Eilinien 216 Construktion der Korbbogenlinien 217 Construktion der Elipse 219 Construktion der einhüftigen Bogenlinien 223 Die Ausführung der Bögen 227 Die Bögen aus Ziegeln 228 Der Verband der halbkreisförmigen Gurtbögen 229 Der Verband der flachen Gurtbögen 231 Der Verband der Spitzbögen 233 Der Verband der Ringbögen 234 Die Kämpfer der Bögen 236 Verband der Entlastungsbögen 237 Die Stärke der Bögen 242 Die Bögen aus Schnitt- oder Werksteinen 243 Die Gewölbe 249 Benennung der Gewölbetheile 249 Gewölbearten 251 Tonnengewölbe 255 Form desselben 255 Ermittelung der Durchdringungskurven 257 Construktion der Tonnengewölbe 260 Ziegeltonnengewölbe 260 Das volle Halbkreis-Tonnengewölbe 262 Das volle Halbkreis-Tonnengewölbe bei Brücken und Bierkellern 263 Das volle Halbkreis-Tonnengewölbe in Hauskellern 265 Das volle Ziegel-Tonnengewölbe über Corridoren 269 Das flache oder gedrückte Ziegel-Tonnengewölbe 277 Bruch- und Werksteingewölbe 286 Quader- oder Werkstein-Tonnengewölbe 286 Bruchstein-Tonnengewölbe 286 Die einhüftigen Tonnengewölbe 287 Die aufsteigenden Tonnen 287 Die Lehrgerüste 293 Inhalts-Verzeichniß. Seite Die üblichen Dimensionen der Tonnengewölbe 295 Kegelgewölbe 296 Das preußische Kappengewölbe 296 Pfeilhöhe, Stärke und zulässige Spannweite 297 Allgemeine Regeln für das Projektiren 297 Anordnung der Kappengewölbe 298 Preußische Kappen über Corridoren 311 Anwendung der flachen Tonnen bei Erd-Isolir-Kappen 312 Umgekehrte flache Tonnen 313 Die ansteigenden Kappengewölbe 313 Construktion und Ausführung der preußischen Kappengewölbe 315 Die Kufwölbung 315 Die Schwalbenschwanzeinwölbung 318 Die Gräteneinwölbung 320 Ringförmige Einwölbung auf Rutschlehrbögen 320 Die Moller’sche Einwölbung 322 Oeffnungen in den Kappen 323 Das Klostergewölbe 324 Graphische Construktion 325 Anwendung, Einwölbung und Construktion 326 Beispiele von Klostergewölben 331 Das Muldengewölbe 333 System und Construktion der Muldengewölbe 334 Spiegelgewölbe 334 System und Construktion 335 Kuppelgewölbe 337 System und graphische Constructionen 337 Kuppeln aus den 4., 6. und 15 Jahrhunderten 347 Construktion der Kuppelgewölbe 355 Empirische Angaben über die Dimensionen derselben 371 Das böhmische Gewölbe 373 Einwölbung derselben 377 Verwendung der böhmischen Gewölbe 381 Verzeichnen derselben 384 Die böhmische Kappe 385 System und graphische Construktionen 385 Die Einwölbung der böhmischen Kappe 388 Verwendung und B ispiele 391 Inhalts-Verzeichniß. Seite Verzeichnen der böhmischen Kappen 399 Das Kreuzgewölbe 400 Systeme und graphische Construktionen 400 Construktion 410 Die Verwendung der Kreuzgewölbe 431 Das Verzeichnen der Kreuzgewölbe im Grundrisse 441 Die Sterngewölbe 445 Systeme und graphische Construktionen 445 Die Netzgewölbe 457 Die Fächergewölbe 458 Die Nischengewölbe 461 Die Ausführung der Gewölbe 462 Gußgewölbe 463 Das Trockenlegen der Keller 468 Die massiven Thurmspitzen 474 Drittes Kapitel. Die Thür- und Fensteröffnungen 479 Viertes Kapitel. Die Gesimse 490 Die Plinthen- oder Sockel-Gesimse 491 Die Gurt- und Band-Gesimse 491 Das Hauptgesims 493 Nachtrag 497 Zweiter Abschnitt. Der Steinbau. U nter Steinbau versteht man diejenige Bauart, bei welcher man sich sowohl der natürlichen Steine, als auch der künstlich präparirten steinartigen Baustoffe bedient. Zu den Ersteren gehören die auf dem Felde zerstreut liegenden Granitsteine, die sogenannten Findlinge, sowie die aus größeren Brüchen stammenden Granit-, Syenit-, Kalk- und Sandsteine jeglicher Gattung; zu den Letzteren Die Lehm-, Kalk- und Cementpisee’s haben wir hier nicht besprochen. Die Herstellung derselben ist beschrieben in „Wanderley, die ländlichen Wirthschaftsgebäude.“ zählt man die aus Thon geformten Ziegeln, welche sowohl in gebranntem, als auch ungebranntem Zustande benutzt werden. Die Be- und Verarbeitung dieser verschiedenen Materialien erfordert besondere Geschicklichkeit und wird durch Professionisten ausgeübt, nach denen man vielfach den Steinbau eintheilt in: 1) Maurerarbeiten, 2) Steinmetzarbeiten. Während die Steinmetzer sich lediglich mit der Bearbeitung der Werk- und Bruchsteine beschäftigen und diese, wenn sie in größeren Mengen und Dimensionen beim Baue vorkommen, auch versetzen, pflegen die Maurer blos mit den Ziegeln zu manipuliren und in einigen Gegenden, wo einzelne Constructionstheile, wie z. B. Gesimse, Treppen und Sockelbekleidungen aus natürlichen Steinen hergestellt werden, auch die, von dem Steinmetzer im Bruche oder in der Werk- stätte zugerichteten Werksteine, auf dem Bau ordnungsmäßig an die richtige Stelle zu bringen. Ferner existiren in vielen Districten, wo die rohen Bruchsteine und Felsen zu Fundamenten, und sogar auch zu größerem Mauerwerk Verwendung finden, sogenannte „ Stein- hauer “, denen es obliegt, die ganz unregelmäßigen Steine etwas lagerschichtig zu bearbeiten und einzelne Theile, wie z. B. Sockelbe- kleidungen aus Granit, Granitstufen u. s. w., ebenflächig zu bahnen. Wanderley, Bauconstr. II 1 Erstes Kapitel. Der Steinbau zerfällt in drei verschiedene Construktionsgattungen, nämlich: 1) in umschließende und stützende, 2) in bedeckende, 3) in bekrönende und beendigende Construktionstheile und 4) in sonstige Theile, welche zu mehreren dieser Abtheilungen gehören. Man rechnet zu ad. 1 die Mauern, Pfeiler und Säulen, zu ad. 2 die Bögen und Gewölbe, zu ad. 3 die verschiedenen Gesimse und zu ad. 4 die Thüren, Fenster und sonstigen Nebenarbeiten. Streng genommen gehören auch die Treppen, Steinfußböden und Steinbedachungen zum Steinbau; da diese aber im 3. Bande dieses Werkes besprochen werden, finden sie hier keine Berücksichtigung. Erstes Kapitel . I. Die umschließenden und stützenden Construktionstheile (Mauern und Pfeiler) sind die wichtigsten Gegenstände eines Gebäudes, sie sollen nicht allein das Innere des Gebäudes gegen alle Witterungseinflüsse schützen, sondern auch die Decken (und das Dach) tragen, und bedürfen daher einer genügenden Stärke. Diese hängt ab einestheils von der Be- schaffenheit der Materialien, anderntheils von der Länge und Höhe der einzelnen Geschosse (Stockwerke), sowie von der, durch die Etagen- und Dachgebälke entstehenden Belastung. A. Die Mauern aus gebrannten Ziegeln . Behufs zweckmäßiger Verlegung im Verbande erhalten die Ziegel eine parallel-epipedische Form, und zwar in der Weise, daß die Seiten sich annähernd zu einander verhalten: Die Dicke: Breite: Länge wie 1 : 2 : 4. Seit Einführung des Metermaßes in Deutschland (1870) und Oesterreich (1876), werden die Ziegelsteine dem Metermaße entsprechend geformt; leider ist es aber nicht gelungen, in diesen beiden großen Reichen dem Normalziegel die gleiche Größe zu geben. Das Ziegelmauerwerk: Steinformat. Legt man für die Stärke ( s ) der Stoßfugen — diese sind die verticalen Fugen zwischen den Steinen — 1 zm zu Grunde, so soll das Steinmaß haben: eine Länge l = 2 b + 1 s „ Breite „ Dicke Die Steindicke ist für den Verband der vollen Mauern ganz beliebig und kommt lediglich an den Ecken des sogenannten „Roll- schichtverbandes“ in Betracht, bei welchem die zwei flach aufeinander liegenden Ziegel zz (Fig. 1) die Höhe eines hochkantig gestellten Fig. 1. Steines ( r ) haben müssen. Die beiden Flachschichten zz plus Fugen- stärke sind gleich 2 d + 1 s = b (einer Ziegelbreite). Dieser Bedingung entspricht nur der österreichische Ziegel. In Deutschland gilt als Normalziegelformat das von dem „Verein für die Fabrikation von Ziegeln ꝛc. in Berlin“ empfohlene und von dem „Verbande der deutschen Architekten- und Ingenieur- Vereine,“ sowie von den Regierungen adoptirte Format von 25 zm Länge , 12 zm Breite und 6, 5 zm Dicke . Als Fugenstärke wird angenommen für die Lagerfugen 1, 2 zm und für die Stoßfugen 1 zm , so daß 13 aufsteigend gemauerte Schichten (in Oesterreich heißen diese „Schaaren“) gerade 1 m hoch werden. 1* Erstes Kapitel. Für die Mauerstärke legt man folgende Maße zu Grunde: 1 Stein stark = 25 zm 1½ „ „ = 38 zm 2 „ „ = 51 zm 2½ Stein stark = 64 zm 3 „ „ = 77 zm 3½ „ „ = 90 zm 4 Steine stark = 102 zm 4½ „ „ = 116 zm 5 „ „ = 129 zm Der Inhalt eines deutschen Normalziegels beträgt 1950 kb zm , so daß also bei durchschnittlich 3 % Bruch erforderlich sind, für: 1 laufenden Meter Rollschicht = 13—14 Stück, 1 kb m volles Mauerwerk = 400 „ 1 kb m von gewöhnlichen Oeffnungen durchbrochenes Mauerwerk = 300 „ 1 □ m volles Mauerwerk , ½ Stein stark = 50 „ 1 □ m desgl. 1 Stein stark = 100 „ 1 □ m desgl. 1½ Stein stark = 150 „ 1 □ m desgl. 2 Stein stark = 200 „ 1 □ m Fachwerk ½ Stein stark zur Ausmauerung = 35 „ 1 □ m desgl. zur Ausmauerung und Verblendung = 90 „ 1 □ m desgl. zur Ausmauerung ohne Verblendung = 75 „ Der deutsche Normalziegel entspricht in den Breiten- und Längen- dimensionen den oben aufgestellten Proportionen, nämlich: die Länge l = 2 (12 + 1) = 25 zm und die Breite . Man kann mit ihm aber den Rollschichtenverband nicht gut anlegen, denn selbst bei einer Lagerfugenstärke von nur 1 zm , geben zwei Flachschichten plus 1 zm Fuge = (2 . 6, 5 ) + 1 = 14 zm , während b selbst nur 12 zm mißt! Abgesehen von diesem Uebelstande, gewährt dagegen der deutsche Normalziegel den nicht zu unterschätzenden Vortheil, daß die Mate- rialmasse bequem nach Quadratmetern , anstatt nach Kubikmetern, berechnet werden kann. In Oesterreich beschloß der „Architecten- und Ingenieur-Verein in Wien“ im Jahre 1874, das in der ganzen Monarchie bis dahin allgemein übliche Steinformat von annähernd 12″ Länge, 6″ Breite und 3″ Dicke umzuändern auf: 29 zm Länge , 14 zm Breite und 6, 5 zm Dicke . Die Stärke der Stoß- und Lagerfugen wurde, wie in Deutschland, ebenfalls auf 1 zm beziehungsweise 1, 2 zm festgesetzt, so daß auf 1 m Mauerhöhe 13 Schaaren kommen. Das Ziegelmauerwerk: Steinformat. Der einzige Nachtheil dieses Formats beruht lediglich in der un- bequemen Berechnung des vollen Mauerwerks nach Kubikmetern; hingegen bietet das correkte Verhältniß zwischen den Längen-, Brei- ten- und Dicken-Dimensionen manche Vortheile, nämlich: Länge 1 = (2 . 14) + 1 = 29 zm Breite Dicke , folglich beim Rollschichtverband: zwei Schaaren = (2 . 6, 5 ) + 1 = 14 zm hoch. Die Mauerstärke mit österreichischen Ziegeln wird ohne Ver- putz in Abstufungen von halben Ziegellängen sowohl in den Plänen, als auch in Berechnungen, mit der zulässigen Annäherung von höch- stens ½ bis 1 zm angegeben: Die ½ steinige Mauer mit 15 zm „ 1 „ „ „ 30 zm „ 1½ „ „ „ 45 zm „ 2 „ „ „ 60 zm „ 2½ „ „ „ 75 zm „ 3 „ „ „ 90 zm u. s. w. Die Dicke des Wandputzes mißt im Durchschnitt auf je- der Wandfläche 2 zm. Der österreichische Normal- ziegel hat 2639 kb zm Inhalt, somit erfordert der Kubikmeter volles Mauerwerk ca. 295— 300 Ziegel incl. 3 % Bruch. Um einen Verband für eine bestimmte Mauer- dicke und Länge anlegen zu können, sind außer den gan- zen Steinen auch Theil- steine erforderlich, welche in der Weise hergestellt werden, Fig. 2. daß man den ganzen Ziegel entweder der Länge nach in zwei gleiche Theile (Fig. 2 A ) oder der Breite nach in Ein-, Zwei- Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. oder Drei-Quartierstücke (Fig. 2 B—D ) zerlegt. Der Theilstein Fig. A heißt Kopfstück oder Riemchen . Bei Herstellung einer Mauer ist zu beachten, ob ein volles Mauerwerk , eine Wandecke oder nur ein einfaches Mauerende mit senkrechtem Abschlusse , und mit oder ohne Fenster- resp. Thüranschlag hergestellt werden soll. Betrachten wir zunächst I. Das volle Mauerwerk . Bei allem Mauerwerk liegen die Steine in den verschiedenen Schaaren oder Schichten bald parallel, bald normal zur Langmauer Fig. 3. (Fig. 3). In ersterem Falle sieht man in der Ansicht die ganze Länge des Zie- gels und heißen die Steine „ Läufer ( l )“, in letzterem Falle sind nur die Köpfe sichtbar und nennt man die Steine s , weil sie die da- rüber- oder darunterlie- genden Läuferreihen anker- artig verbinden, „ Bin- der “ oder „ Strecker “. Da hiernach der Verband der halben oder ganzen Ziegellänge entsprechen muß, kann jede Mauer nur das Vielfache einer Ziegelbreite , d. h. ½, 1, 1½, 2, 2½ ꝛc. Ziegel stark sein . Diejenigen Fugen, welche horizontal, d. h. zwischen den Lager- flächen liegen, heißen „Lagerfugen“; „Stoßfugen“ befinden sich in verticaler Stellung zwischen den Lang- und Stirnseiten der Ziegeln. Die hauptsächlichsten allgemeinen Regeln für das Ver- bandlegen sind: erstens : Die Stoßfugen von zwei direct auf einanderliegenden Schaaren oder Schichten dürfen weder im Innern der Mauer, noch in der Vorder- und Hinteransicht derselben zusammentreffen; zweitens : im Innern einer Mauer sollen möglichst viele Strecker liegen, die sich um das halbe Längen- und Breitenmaß bedecken; drittens : jede Mauer soll möglichst viele ganze Steine enthalten; viertens : die Stoßfugen in den einzelnen Schaaren gehen in ho- rizontaler Richtung geradlinig durch; Volles Mauerwerk des Schornsteinverbandes. fünftens : in der Ansicht wechseln in je zwei auf einanderfolgen- den Schichten Läufer- und Binderreihen mit einander ab; nach der Lage der Steine in der vorderen Reihe heißt die ganze durchgehende Schicht Binder- resp. Strecker- oder Läufer- schicht ; sechstens : im Mauerwerk sollen die Stoßfugen möglichst abwech- selnd liegen; dieser Regel entspricht der Kreuzverband am meisten. Nach der Art und Weise, wie die Stoßfugen in der Mauer liegen, unterscheidet man: den Schornsteinverband, den Streckerverband, den Blockverband, den Kreuzverband, den polnischen oder gothischen Verband, den holländischen Verband, den Strom- oder Festungsverband und den figurirten Verband. 1) Der Schornsteinverband wird nur bei einer ½ Stein starken Wand und bei ½ Ziegel-Schorn- steinwänden angewendet; er läßt sich blos mit Läufern ausführen (Fig. 4). In der Ansicht sieht man ganze Steinlängen. Das Ab- brechen der Mauer geschieht auf ½ Ziegellänge mit „ Verzahnung “ oder „ Schmatzen “ (österreichisch); dieselbe kann sowohl eine „ ste- hende “ (wie a in Fig. 5) oder liegende “, d. h. „ abgetreppte “, sein. Die ½ Ziegel starken Wände kommen als kurze und unbelastete Scheidewände vielfach vor, es Fig. 4. dürfte aber anzurathen sein, bei ihrer Herstellung einen etwas hy- draulischen Mörtel zu gebrauchen. Die Verwendung des Schorn- steinverbandes bei Kaminen (Schornsteinen) zeigen wir weiter unten ausführlicher. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. 2) Der Streckerverband ist besonders in Oesterreich bei 1 Ziegel starken Mauern ganz allge- mein gebräuchlich und besteht in allen Schaaren ausschließlich aus Streckern oder Bindern, die sich um eine Ziegelbreite überdecken (Fig. 5 A ); in der Ansicht sind allenthalben Köpfe sichtbar. Wie wir sehen, entspricht dieser Verband der oben aufgestellten fünften Regel nicht und ist er in der That auch mangelhaft, da wegen des Fehlens sämmtlicher Läufer ein Lostrennen der Stoßfugen Fig. 5 A—B. leicht stattfindet. Aus diesem Grunde sollte man den Strecker- verband nie machen und lieber den in Fig. 5 B dargestellten Ver- band wählen. In Deutschland trifft man den Streckerverband sel- ten an. In Fig. 5 A giebt die Ansicht den Grundriß, den Quer- schnitt einer 1 starken Mauer im Streckerverband. 3) Der Blockverband hat von allen Verbänden die weiteste Verbreitung gefunden, obgleich er an Zweckmäßigkeit dem Kreuzverband etwas nachsteht. Im Block- verbande ist jede dritte Schicht ebenso wie die erste, und mit ihr so Fig. 6. gleichliegend, daß sämmtliche Stoßfugen sowohl der ersten, dritten und fünften Schaar, als auch der zweiten, vierten und sechsten Schaar in der- selben verticalen Ebene über einander sind. Der Blockver- band unterscheidet sich vor- nemlich dadurch vom Strecker- verband, daß in Ersterem stets Läufer- und Binderschicht mit einander abwechseln, wodurch in der Maueransicht „Blöcke“ entstehen, die sich Volles Mauermerk des Strecker- und Blockverbandes. beständig wiederholen. Die Ansicht eines solchen Blockverbandes verge- genwärtigt Fig. 6. Die Schmatzen oder Verzahnungen sind entweder wie in Fig. 5 B bei a stehend auf ¼ Steinlänge oder liegend ( b ) in Ab- stufungen von je zwei Schaaren, welche ¼ resp. ¾ Steinlängen vor- springen. Die Regeln für die Anlage eines vollen Mauerwerks im Blockverbande heißen: erstens : Läuferschichten müssen mit Binderschichten abwechseln; zweitens : ist die Mauer das Vielfache einer Steinlänge stark, so lege man in die Binderschicht so viele Strecker hintereinander, als die Mauer ganze Steinlängen zur Dicke hat; hingegen in die Läufer- schicht kommen bei 1 Stein starken Wänden zwei Läuferreihen nebeneinander; bei 2 Stein starken Wänden sowohl an der Vorder- als auch Hinteransicht der Mauer, je eine Läuferreihe und dazwischen eine Streckerreihe; bei 3 Stein starken Wänden liegen im Innern der Mauer zwischen den beiden äußeren Läuferreihen zwei Streckerreihen u. s. w. Fig. 7 A—D. Die Regel sagt demnach: wenn die Mauer mehr als. 1 Stein stark ist, ordne man in der Läuferreihe im inneren Mauerwerk stets so Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. viele Streckerreihen hintereinander an, als die Mauer ganze Ziegel- längen weniger 1 Ziegel zur Stärke hat. Den vorstehenden Bedingungen entsprechen die Verbände in Fig. 5 B und 7 A—D. Fig. 5 B ist eine 1 Stein starke Mauer; die Läufer- und Strecker- schaaren wechseln immer ab und liegen beziehungsweise übereinander. Im Grundriß ist die Streckerschaar punktirt angegeben. Die Mauer in Fig. 7 A hat 2 Ziegel zur Stärke, „ „ „ „ B „ 3 „ „ „ „ „ „ „ C „ 4 „ „ „ „ „ „ „ D „ 5 „ „ „ u. s. w. Drittens : Beträgt die Mauerdicke das Vielfache einer Stein- breite , dann legt man in die Läuferschaar an die Vorderseite eine Läuferreihe und hinter diese so viele ganze Steine als Strecker, wie die Mauer halbe Steinlängen weniger 1 Steinbreite zur Dicke hat, also: bei 1½ starken Wänden vorne 1 Läufer, dahinter 1 Strecker (Fig. 8 A ), „ 2½ „ „ „ 1 „ „ 2 „ (Fig. 8 B ), „ 3½ „ „ „ 1 „ „ 3 „ (Fig. 8 C ), „ 4½ „ „ „ 1 „ „ 4 „ (Fig. 8 D ), u. s. w. Fig. 8 A—D. Die Streckerschaar wird ebenso und nur mit der geringen Modifi- cation gemacht, daß an der Vorderansicht die Strecker und an der hinteren Volles Mauerwerk des Krenz- und polnischen Verbandes. Seite die Läufer liegen, die in den punktirten Schaaren der Fig. 7 A—D verdeutlicht sind; in den Mauerquerschnitten sind die Läufer- köpfe dunkel schraffirt. 4. Der Kreuzverband besitzt den Vorzug, daß in ihm eine häufigere Verwechselung der Stoßfugen stattfindet, als im Blockverbande, und zwar wird dies da- durch erreicht, daß man jede zweite Läuferschaar gegen die vorhergehende in der Längenrichtung der Mauer um ½ Steinlänge verschiebt. Dadurch entsteht eine regelmäßig liegende Abtreppung von ¼ Stein; in der stehenden Verzahnung (Schmatzen) fehlt in zwei Schaaren ¼ Stein, dazwischen in einer Schaar ½ Stein. Besondere charakteristische Erkennungszeichen des Kreuzverbandes sind: erstens die durch die Verschiebung entstandenen Kreuze in der Maueransicht (Fig. 9) und zweitens die gleichmäßige Abtreppung der Stoßfugen um ¼ Stein (dies geschieht allerdings auch beim Streckerverband, siehe Fig. 5 A ). Für das volle Mauerwerk gelten die beim Blockverbande aufge- zählten Regeln gleichfalls (siehe Fig. 6, 7 A—D und 8 A—D ), nur hat man auf die bereits er- wähnte Verschiebung der zwei- ten Läuferschaar zu achten, um in der äußeren Ansicht Kreuze , anstatt Blöcke zu erhalten. Im Uebrigen ver- weisen wir bezüglich des vollen Mauerwerks auf die Fig. 18 und 19. Fig. 9. Die Mauerquerschnitte bleiben ganz ebenso wie in Figuren 5 B , 7 und 8. 5) Der polnische oder gothische Verband unterscheidet sich wesentlich von den bisher genannten Verbänden, da in ihm die Stoßfugen einer Schaar in der Längenrichtung der Mauer nicht durchgehen, was dadurch veranlaßt wird, daß in der halben Schaar (Schicht) Läufer und Binder (Strecker) wechseln (Fig. 10). Obgleich dieser Verband schon wegen des Zusammentreffens um eine ¼ Steinlänge der Stoßfugen zweier auf einander folgender Schaaren Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. ein mangelhafter ist, dürfte der Umstand, daß bei 1½, 2½ Stein u. s. w. starken Wänden viele Dreiquartierstücken nothwendig sind, ihn geradezu Fig. 10. unbrauchbar machen. In der That findet der polnische Verband beim Ziegelmauer- werk höchst selten und auch dann nur Verwendung, wenn das Aeußere in figurirtem Verbande besonderer Art aus- gebildet werden soll. Manch- mal benutzt man ihn zum Verblenden des Bruchsteingemäuers, auch ist er seines gefälligen Ansehens wegen für das Quadermauerwerk beliebt. — Doch davon später bei den Mauern aus Schnittsteinen. 6) Der holländische Verband Fig. 11. wird ebenfalls selten benutzt und ist in der Binder- (Strecker-) schicht ebenso wie im Blockverbande, dagegen setzt sich die Läuferschicht ab- wechselnd aus Läufern und Streckern zusammen (Fig. 11). Der holländische Verband be- steht somit aus der Combi- nation des Block- und polnischen Verbandes. Fig. 12. Volles Mauerwerk des holländ., Strom- u. figurirten Verbandes. 7) Der Strom- oder Diagonalschichtverband , auch Festungsverband genannt, weil er nur für Festungsmauern zweckmäßig erscheint, enthält die meiste Verwechselung der Fugen; sein Aeußeres zeigt den Block- resp. Kreuzverband, im Innern da- gegen wechseln sechs Schaaren mit einander in der Weise ab, daß in vier Schichten sich die Ziegel in einem Winkel von 45° überkreuzen und in zwei Schaaren die regelrechte Kreuz- resp. Blockschicht ganz durchgeht. In Fig. 12 zeigt die äußere Ansicht den Blockverband; B—E sind die abwechselnden Diagonalschichten. 8) Der figurirte Verband kann bei allen vorstehenden Verbänden angewandt werden und dient nur zum Schmucke großer Flächen der massiven und Riegel-Wände; Fig. 13 A—F. mit Hilfe von farbigen und gla- surten Steinen vermag man die schönsten Wirkungen auf einfache Weise zu erzielen. Oefters begnügt man sich mit farbigen Streifen, vielfach wird aber auch die ganze Wand mit Zugrundelegung des gewöhnlichen Mauerverbandes ge- mustert. Die Figuren 13 A—F zeigen die mannigfachsten Motive für die verschiedenen Verbände: A und D Fig. 14. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. beim Kreuzverband, F oben Block- und unten Kreuzverband; E Strecker- verband u. s. w.; Fig. 14 den Netzverband. II. Das Mauerende . Die gegenseitigen Verschiebungen der einzelnen Schichten machen sich ganz besonders an dem Ende der Mauer geltend, indem hier für jede Verbandart eine ganz bestimmte Lage der Steine erforderlich ist. Wir wissen bereits, daß das abgebrochene Ende einer Mauer eine Verzahnung (in Oesterreich „Schmatzen“ genannt) bildet, welche im Schornsteinverband nach Fig. 15 A mit ½ Steinen-, im Block-, go- Fig. 15 A—C. thischen und holländischen Ver- band nach Fig. 15 B mit ¼ und im Kreuzverbande nach Fig. 15 C mit etwa ¼ und ½ Steinen breiten Absätzen entsteht. Beim Abschluß des Mauerendes ist man daher darauf bedacht, diese Verzahnung mittelst Theilsteinen so zu schließen, daß dennoch ein regelrechter Verband, sowohl an den Außenflächen, als auch innerhalb der Mauer, verbleibt und die Stoßfugen zweier aufeinander liegender Schaaren niemals zusammen- treffen. Zu diesem Behufe bedient man sich der in Fig. 2 dargestellten Theilsteine, und je nachdem vorwiegend Dreiquartiere (Fig. 2 D ) oder Kopfstücke (Fig. 2 A ) Verwendung finden, unterscheidet man: Verband mit Dreiquartieren und „ mit Kopfstücken oder Riemchen. Die hierfür allgemein giltigen Regeln lauten: erstens : an dem Ende müssen möglichst große Steine liegen, zweitens : die Dreiquartiere ordnet man stets in der Läuferschaar an, drittens : die Kopfstücke befinden sich stets in der Streckenschicht, viertens : die Kopfstücke dürfen niemals am äußersten Ende sein. 1) Volles Mauerende beim Blockverbande . Die Regeln heißen: α) bei Benutzung der Dreiquartiere : erstens : in die Laufschicht lege man an das äußerste Ende soviele Dreiquartiere hintereinander, als die Mauer das Vielfache einer Steinbreite dick ist (siehe d d in Fig. 16 A ); Volles Mauerende beim Blockverbande. zweitens : an das Ende der Streckerschicht lege man, wenn die Mauer 1 Ziegel stark ist, nur ganze Steine, 1½ „ „ „ sowohl an die vordere, als auch hintere Mauerseite zwei Dreiquartiere neben- einander; 2 „ „ „ ebenso wie bei 1½ Ziegeln, außerdem aber zwischen die Dreiquartiere noch 1 gan- zer Stein als Läufer; 2½ „ „ „ ebenso wie bei 1½ Ziegeln, außerdem aber zwischen die Dreiquartiere noch 2 ganze Steine als Läufer, u. s. w. Fig. 16 A—F . Die vorstehend scizzirten Figuren 16 A—F geben einige Ver- bände nach diesen Vorschriften, und zwar: Fig. A ist das volle Ende einer 1 Stein starken Mauer, „ B „ „ „ „ „ 1½ „ „ „ „ C „ „ „ „ „ 2 „ „ „ Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Fig. D ist das volle Ende einer 2½ Stein starken Mauer, „ E „ „ „ „ „ 3 „ „ „ „ F „ „ „ „ „ 3½ „ „ „ In diesen Verbänden sind s die Strecker und l die Läuferschichten. β) Bei Benutzung der Riemchen sagen die Regeln: erstens : in der Läuferschaar ( l ) liegen am äußersten Ende so viele ganze Steine hintereinander, als die Mauer halbe Ziegel- längen zur Dicke hat (Fig. 17 A—F ); zweitens : in der Streckerschaar ( s ) ordnet man an: bei 1 Stein starken Wänden hinter dem ersten ganzen Strecker ein Kopfstück ( k ) (Fig. 17 A ), Fig. 17 A—F . bei 1½ Stein starken Wänden an dem Ende zwei Drei- quartiere hintereinander, daneben zwei Kopfstücke und neben diesen wiederum zwei Dreiquartiere hintereinan- der (Fig. 17 B ), bei 2 Stein starken Wänden verfahre man wie vorhin und lege man außerdem noch den Dreiquartier q und den Zweiquartier z (Figur 17 C ) an, Volles Mauerwerk mit Kreuzverband. bei 2½ Stein starken Mauern gleichfalls wie in Fig. 17 B , mit Hinzusetzen der zwei Dreiquartiere q q und des gan- zen Steins g . Obgleich vorstehende Verbände nach einer, für alle Fälle giltigen Regel angelegt sind, kann bei 2 Stein starken Mauern der Verband zweckmäßiger nach Fig. 17 G gemacht werden, in welchem, mit Ver- meidung der Dreiquartiere, sowohl in der Strecker- als auch Läufer- schaar, nur Kopfstücke benutzt werden; der Fig. 17 C gegenüber hat man etwas weniger verhauene Steine. Für alle übrigen Mauer- dicken sind die gegebenen Verbände die besten. 2) Volles Mauerende mit Kreuzverband . Der oben mitgetheilten Definition des Kreuzverbandes zufolge, weicht dieser in jeder zweiten Läuferschaar von dem Blockverbande ab. In 1, 2 und 3 Steinen starken Wänden befinden sich die Kreuze an der hinteren und vorderen Mauerfläche in gleicher Höhe, hingegen in 1½, 2½, 3½ Steinen starken Mauern liegen die Kreuze an beiden Seiten um eine Schaar ungleich hoch. Die seitliche Verschiebung des Läufers um einen halben Stein wird bewirkt: α) bei Anwendung von Dreiquartieren erstens : indem man, wenn die Mauer nur durch ganze Stein- längen theilbar ist, in jede zweite Läuferschaar sowohl neben dem vorderen, als auch neben dem hinteren Dreiquartier ein Zweiquartier legt; es wird somit in nur 1 Stein starken Wänden hinter den Dreiquartieren ein ganzer Ziegel anstatt der zwei halben nothwendig sein; zweitens : indem man, wenn die Mauer das Vielfache einer Stein- breite stark ist, in jede dritte und vierte Schaar, in erstere neben dem vordersten, in letzte neben dem hintersten Drei- quartier, ein Zweiquartier bringt. Fig. 18 A giebt die 4. Schaar zu einer 1 Stein starken Mauer, „ B „ „ „ „ „ 1½ „ „ „ „ C „ „ „ „ „ 2 „ „ „ „ D „ „ „ „ „ 2½ „ „ „ „ E „ „ „ „ „ 3 „ „ „ „ F „ „ „ „ „ 3½ „ „ „ im Kreuzverband mit Dreiquartieren. Wanderley, Bauconstr. II. 2 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Die dritte Schaar für die 1½, 2½ u. s. w. starken Wände, welche an der hintern Seite gleichfalls den Kreuzverband zeigen sollen, Fig. 18 A—F . wird erlangt, wenn man in sie, d. h. in die Streckerschaar, neben den hintersten Dreiquartier ein Zweiquartier bringt. β) Bei Anwendung der Kopfstücke geschieht das Verbandlegen im Kreuzverbande, wie soeben mitgetheilt wurde, jedoch mit der Modification, daß an das Ende der Läufer- Fig. 19 A—F . schaar keine Dreiquartiere, sondern ganze Ziegel kommen, was übrigens bereits in Fig. 17 (in den Läufer-Schaaren l ) stattfand. Volles Mauerwerk im Kreuzverband. Fig. 19 A giebt die 4. Schaar einer 1 Stein starken Mauer, „ B „ „ „ „ 1½ „ „ „ „ C „ „ „ „ 2 „ „ „ „ D „ „ „ „ 2½ „ „ „ „ E „ „ „ „ 3 „ „ „ „ F „ „ „ „ 3½ „ „ „ im Kreuzverband mit Kopfstücken. Bezüglich der 1½, 2½ u. s. w. starken Wände mit Kreuzverband an der hinteren Wandfläche gilt das ad α mitgetheilte Verfahren. Fig. 20 A—H . Als Mauerenden rechnet man nicht nur die geraden Abschlüsse der inneren Thürleibungen, wie solche z. B. Fig. 20 A—H veran- schaulichen, sondern auch die freistehenden, viereckigen Pfeiler von be- liebiger Stärke, (siehe Fig. 59 u. s. w.). 2* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. 3) Mauerenden mit Fenster- resp. Thüranschlägen . Nur in gewöhnlichen und sehr anspruchslosen Gebäuden (länd- lichen Bauten) setzt man die Thür- und Fensterzargen (in Oesterreich heißt Zarge: „Stock“) zwischen die vollausgemauerten Mauerenden (wie Fig. 20 A—H ), dagegen in Bauten besserer Art ordnet man besondere Anschläge (Mauerfalze) an. Man läßt dann die Fenster meistens eine halbe Ziegellänge und die Thüren eine ganze Ziegel- länge zurückspringen, macht die Breite des Anschlags (Falz), je nachdem sogenannte „einfache“ oder „doppelte“ Fenster Verwendung finden und ob in letztem Falle nur das innere oder die beiden Fenster nach inwendig aufgehen, gleich ¼—½ der Ziegellänge. Einfache Fenster und auch doppelte , bei denen die äußeren Flügel nach außen aufschlagen, erhalten ¼ Ziegellänge Anschlag (Fig. 21 A ). Doppelte Fenster , welche sich ganz nach inwendig öffnen lassen, müssen mindestens ½ Ziegellänge als Anschlag bekommen (Fig. 21 B ), damit der innere Fensterrahmen soweit seitwärts gerückt werden kann, daß die äußeren Flügel durch die inneren passiren können. (Näheres hierüber siehe im Abschnitt: Der innere Ausbau im 3. Bande.) Fig. 21 A—C . Der Thüranschlag beträgt meistens ½ Ziegel, häufig auch 1 Ziegel (Fig. 21 C ). Betrachten wir zunächst a ) den Fensteranschlang von ¼ Stein Breite und ½ Stein Tiefe bei Anwendung von Dreiquartieren. Da der Anschlag nur ein modifizirtes volles Mauerende ist, gelten hier die dort angeführ- ten Regeln mit der geringen Abänderung, daß erstens in der Binderschicht neben den vordersten Strecker ein Ouartierstück und zweitens in die Laufschicht an Stelle des vordersten Dreiquartiers ein ganzer Ziegel zu liegen kommen. Thür- und Fensteranschlag. Die Fig. 22 A—H zeigen Fensteranschläge für 1—3½ Stein starke Wände; in Fig. D und H springt der Anschlag 1 Stein zurück. Die linke Hälfte der Verbände giebt die beiden Schichten des Block- verbandes, in der rechten Hälfte ist die dritte (die punktirte) Schaar ebenso wie die erste links, hingegen erhält die vierte (ausgezogene) Schaar für den Kreuzverband noch die Zweiquartiere h . Die Ver- Fig. 22 A—H . tikal-Projection der Wand zeigt gleichfalls an beiden Seiten diese ver- schiedenen Verbandarten; V ist die vordere, J die hintere Ansicht der Mauerfläche. b ) Fensteranschlag von ½ Stein Breite und Tiefe . Für den Blockverband legt man erstens in die Streckerschaar neben den äußersten Ziegel einen Zweiquartier z (Fig. 23 die 1. und 3. Schaar), Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. zweitens in die Läuferschicht an das Ende nur Dreiquartiere, und außerdem in die letzte Reihe, falls die Mauer durch ganze Ziegellängen theilbar ist, noch einen Zweiquartier a . Im Kreuzverbande verändert sich nur die vierte Schaar, d. h. stets die zweite Läuferschaar, in der Art, daß hinter dem ersten ganzen Läufer ein Zweiquartier b erforderlich ist (Fig. 23, 4. Schaar). Fig. 23 A—C . Fig. 24 A—B . Diese Regel erkennen wir in den Verbänden Fig. 23 A—C für 1, 1½ und 2 Stein starke Mauern; es sind sämmtliche vier Schaa- ren gegeben. c ) Thüranschläge von ½ Stein Breite und 1 Stein Tiefe . Bei Herstellung des Blockverbandes kommt (Fig. 24) in die erste Schicht (Strecker) neben die Dreiquartiere der End- bildung ein ganzer Stein ( a ) als Strecker zu liegen, und ordnet man in der zweiten Schaar, wenn die Mauer durch halbe Stein- längen theilbar in, hinter dem zweiten Dreiquartier ein Zweiquartier z , und wenn die Mauer ganze Steinlängen zur Stärke hat, in der hintersten Läuferreihe neben dem Dreiquartier, noch einen anderen Zweiquartier b an. Thür- und Fensteranschlag. Beim Kreuzverbande ist die dritte Schaar gleich der ersten und erhält die vierte Schaar anstatt der erwähnten Zweiquartiere z und b nur einen ganzen Stein d , welcher stets neben die beiden vorder- sten Dreiquartiere gehört. Die Fig. 24 A—B veranschaulichen diese Vorschriften; gleichfalls sind die Verbände Fig. 25 B—D nach diesen Fig. 25 A—D . Regeln gebildet. A ist die Ansicht und zwar rechts im Kreuz- links im Blockverbande. d ) Thüranschläge von 1 Stein Tiefe und Breite haben am Ende der 1. und 3. Schaar neben den Dreiquartieren zwei ganze Steine gg als Strecker, in der zweiten Schaar neben den vordersten Dreiquartieren zwei ganze Steine g' g' als Läufer und bei Herstellung Fig. 26 A—C . des Kreuzverbandes in der 4. Schaar, neben den beiden vorderen Dreiquartieren einen ganzen Stein ( s ) als Strecker, und innerhalb Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. der Mauer noch den Zweiquartier a , außerdem wenn die Mauer 2, 3 u. s. w. stark ist, in der hintersten Läuferreihe neben dem Drei- quartier einen anderen Zweiquartier b . Fig. 27. Auch diese Regel erkennen wir in den Figuren 26 A—C . End- lich geben die Beispiele Fig. 27 und 28 zwei Anordnungen für Thür- Fig. 28. anschläge von 1 Stein Breite und 1½ Stein Tiefe (Fig. 27), sowie für 1½ und 1½ Stein Vorsprung und Breite (Fig. 28). e ) Thür- und Fensteranschläge mit abgeschrägter innerer Leibung . Sehr häufig kommt es vor, daß die inneren Thür- resp. Fensterleibungen abgeschrägt werden, um einerseits die Fig. 29. Thürflügel besser zurückschlagen zu können, andererseits mehr Licht im Innern des Zim- mers zu erlangen. Bei dem Anlegen des Verbandes entstehen dadurch keine beson- dern Schwierigkeiten, vielmehr gilt der Grundsatz: man lasse zuerst die innere Ab- schrägung ganz unberücksichtigt und lege den Verband für eine rechtwinklige Fenster- oder Thürendigung an, alsdann schneide man so viel von der Ecke weg, als die Ab- schrägung beträgt, ohne eine weitere Ver- änderung vorzunehmen. Dies veranschaulichen die Skizzen (1. und 2. Schaar) Fig. 29. Thür- und Fensteranschlag mit Formsteinen. f ) Thür- und Fensterendigungen mit Formsteinen sind in der norddeutschen Backsteinarchitektur ganz allgemein gebräuchlich; Fig. 30. der Verband weicht von dem mit geraden Ziegeln durchaus nicht ab und wird nur in der Weise modifizirt, daß an die Stelle der gewöhn- Fig. 31. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. lichen viereckigen Backsteine die sogenannten „Form- oder Profil- steine“ kommen. Einige Beispiele dieser Art geben die Fig. 30 und 31 A—C in Ansichten, Querschnitten und Grundrissen. III. Die Mauerecken sind die wichtigsten Theile des Mauerwerkes, sie können sowohl recht-, stumpf- oder spitzwinklig sein. Die wichtigsten Regeln bei Anlage eines Mauerwinkels oder mehrerer zu einem ganzen Gebäude gehörender Ecken lauten: Erstens : In zwei auf einanderfolgenden Schichten (Schaaren) wechseln Läufer- mit Binder- (Strecker-) schichten ab. Zweitens : In einer und derselben Schaar müssen sämmtliche gleichliegende Wände entweder nur Strecker- oder nur Bin- derschichten haben; hieraus folgt, daß an den Ecken nach einer Seite hin die Strecker- und nach der anderen die Läufer- schaaren laufen. Die consequente Befolgung dieser Regel erleichtert das Verbandlegen ganz ungemein, zumal wenn man bedenkt, daß die Maurer stets an den Ecken zu arbeiten beginnen. Die Benennung der Schaar geschieht nach der Lage der Steine an der äußeren Wandfläche; sieht man hier nur Köpfe, so heißt die Schaar eine „Strecker- oder Binder- schaar“ (auch in 1½, 2½ u. s. w. starken Wänden), sind ausschließlich Läufer sichtbar, dann erhält die Schaar nach diesen ihren Namen. Drittens : Bei Anwendung von Dreiquartieren greifen die Lauf- schichten immer über die andere Mauerseite, sonach stoßen die Streckerschaaren gegen die Läuferschichten. Die vorstehenden Hauptregeln verdeutlichen wir in den Figuren 32 A—F . Fig. 32 A stellt einen einfachen, mit vier Wänden um- schlossenen Raum dar, l bezeichnet die Läufer- und s die Strecker- schaaren. Erstere gehen in der Längenrichtung der Mauer ganz durch. Auch wenn der Raum schiefwinklig ist und die Mauern in beliebiger Richtung liegen, findet dieselbe Regel Anwendung; dies erkennen wir in den Grundrißanordnungen Fig. 32 C—F . Schließen zwei Wände einen stumpfen Winkel ein, so können beide die gleiche Schaarart erhalten; dasselbe geschieht auch, wenn zwei Mauern einen spitzen Winkel bilden. Die mannigfachsten Fälle füh- ren die Beispiele 32 C—F vor, in welchen bald an dem spitzen, Die Mauerecken. bald an dem stumpfen Winkel zwei Strecker- oder zwei Läuferschaaren zusammentreffen oder Läufer- und Binderschaaren abwechseln. End- Fig. 32 A—F . lich geben wir noch eine, der Gebäudeeinrichtung entsprechende Grund- form (Fig. 33 u. 34) mit Quer- und Scheidemauern, welche einige Schornsteine begrenzen. Die Mauern haben verschiedene Stärken und sind theilweise mit Pfeilerperstärkungen versehen.. Die Lauf- schichten reichen durch die Mauern, die Binderschichten stoßen gegen die Läuferschichten. In Fig. 33 liegen die Läuferschichten horizontal auf der Buchfläche, in 34 dagegen vertikal. 1. Eckbildungen im Blockverbande mit Dreiquartieren . Erste Regel : An das Ende der Läuferschicht lege man so viele Dreiquartiere nebeneinander, als die Mauer halbe Stein- längen zur Breite hat. Die Fig. 35 A—H giebt in A eine Mauerecke von 1 und 1 Stein Stärke, B „ „ „ 2 „ 2 Steinen „ C „ „ „ 3 „ 3 „ „ D „ „ „ 4 „ 4 „ „ E „ „ „ 1½ „ 1½ „ „ F „ „ „ 2½ „ 2½ „ „ G „ „ „ 3½ „ 3½ „ „ H „ „ „ 4½ „ 4½ „ „ Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Fig. 33. Die Mauerecken. Fig. 34. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Eine allgemeine Anwendung haben die vorstehenden Verbände gefunden in Fig. 33 u. 34, woselbst die Mauern die verschiedensten Fig. 35 A—H . Stärken haben Am Ende der Laufschichten (Fig. 34) ab , cd , er , gh , ik , lm , no , pq und bei s und r sind Dreiquartiere angelegt, Die Mauerecken. alsdann folgen die ganzen Steine. Wir sehen in diesen Ver- bänden erstens in einer Schaar die Läuferreihe nach der einen, die Streckerreihe nach der andern Seite laufen, zweitens an dem Ende einer jeden Läuferschaar so viele Drei- quartiere nebeneinander liegen, als die Mauer Steinbreiten stark ist. Die punktirten Linien in Fig. 35 geben die Steine der Grund- schaar an, während die ausgezogenen Steine zur Verbandschaar gehören. Die Vorder-Ansicht der Ecke zeigt in der 1. Schaar nur Köpfe, in der 2. Schaar einen Dreiquartier neben dem ganzen Läufer; die Seiten-Ansicht hat in der Ecke der 1. Schaar einen Dreiquartier, daneben die Läufer und in der 2. Schaar nur Köpfe. 2) Eckbildungen im Blockverband mit Kopfstücken oder Riemchen . Wie bereits oben gesagt wurde, gilt als hauptsächlichste Bedingung bei Benutzung der Kopfstücke , daß diese stets in die Strecker- schicht gleich hinter den, am äußersten Ende der Mauer befindlichen ganzen Strecker gelegt werden. Demnach wären nur folgende neue Regeln aufzuzählen: Fig. 36 A—E . Erstens : Die Läuferschaaren gehen nicht ganz durch, sondern grei- fen nur mit der vorderen Läuferreihe über die andere Mauer, während die Streckerschaar gegen diese Läuferreihe stößt und somit letztere scheinbar zur Streckerschaar gehört. In Fig. 36 A—E ist diese wichtige Regel chematisch illustrirt; die Läufer- schaaren sind schraffirt, die Streckerschaaren weiß bezeichnet. Neben die durchgehende vordere Läuferreihe kommen die Kopfstücke k hintereinander zu liegen und zwar derart, daß zweitens : wenn die Mauerstärke durch ganze Steinlängen theil- bar ist und somit kein Rest verbleibt, also bei 1, 2, 3 u. s. w. Steinlängen, man so viele Kopfstücke hintereinander bringt, Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. als die Mauer ganze Steine zur Stärke hat. Die durch- laufende Läuferschaar besteht auch an der Ecke nur aus gan- zen Ziegeln (siehe A und D in Fig. 36). Diese Regel macht die Fig. 37 A—D ersichtlich, worin Fig. A eine 1 und 1 Stein starke Mauerecke, „ B „ 2 „ 2 „ „ „ „ C „ 3 „ 3 „ „ „ „ D „ 4 „ 4 „ „ „ Fig. 37 A—D . darstellen. In der Ansicht liegt innerhalb der Streckerschaar gleich hinter dem ersten Kopf ein Riemchen. Drittens : Falls die Mauer das Vielfache einer Steinbreite, also 1½, 2½, 3½ u. s. w. Ziegel stark ist, ordnet man wie vorhin in der Streckerschaar neben der durchgehenden Läuferschaar 1, 2, 3 u. s. w. Kopfstücke ( k ) hintereinander an, außerdem legt man in die hintere Läuferreihe der Streckerschaar hinter das letztere Kopfstück ein Dreiquartier d , wie Fig. 36 B , C und E zeigen. Eckbildungen im Blockverbande mit Eckstücken oder Riemchen. In Fig. 38 giebt Fig. A eine 1½ und 1½ Stein starke Mauerecke, „ B „ 2½ „ 2½ „ „ „ „ C „ 3½ „ 3½ „ „ „ „ D „ 4½ „ 4½ „ „ „ Fig. 38 A—D . Nach den vorstehenden Regeln vermag der Studirende alle Mauer- ecken von beliebiger Stärke zusammen zu setzen. 3) Eckbildungen im Kreuzverbande mit Dreiquartieren . Schon mehrfach haben wir erwähnt, daß der Kreuzverband nur eine Vervollkommnung des Blockverbandes ist, und daß in beiden die 1. und 2. Schaar ganz gleich sind, dagegen im Kreuzverbande noch die 3. und 4. Schicht hinzukommen, um an beiden Außenflächen Wanderley, Bauconstr. II. 3 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. der Ecke eine Verschiebung der Läuferreihen in der 1., 5., 9., 13. u. s. w. Schaar zu erreichen. Daher heißen die Regeln: Erstens : in dem Kreuzverband sind die ersten beiden Schaaren ganz ebenso wie die des Blockverbandes, die dritte und vierte Schaar unterliegen in der Weise einer Modifikation, α) daß bei 1, 2, 3 u. s. w. Ziegel starken Wänden neben die Dreiquartiere der Läuferschaar so viele ganze Ziegel hintereinander gelegt werden, als die Mauer ganze Steinlängen zur Stärke hat, und β) daß bei 1½, 2½, 3½ u. s. w. starke Mauern ein halber Stein (Zweiquartier g ) sowohl neben den ersten Drei- quartier (siehe E—H in Fig. 39) der Läuferschaar, als auch in die innere Ecke der Streckerschaar gebracht wird. Letzteres geschieht, um auch an der inneren Mauerfläche den Kreuz- verband zu erhalten; wenn dagegen die innere Fläche im Block- verbande bleiben soll, ist der innere Zweiquartierstein g un- nöthig. Die Anwendung der genannten Regeln erkennt man in den Fi- guren 39 A—H , und zwar giebt: Fig. A die 3. u. 4. Schaar einer 1 und 1 Stein starken Mauerecke „ B „ „ „ „ „ „ 2 „ 2 Steinen „ „ „ C „ „ „ „ „ „ 3 „ 3 „ „ „ „ D „ „ „ „ „ „ 4 „ 4 „ „ „ „ E „ „ „ „ „ „ 1½ „ 1½ „ „ „ „ F „ „ „ „ „ „ 2½ „ 2½ „ „ „ „ G „ „ „ „ „ „ 3½ „ 3½ „ „ „ „ H „ „ „ „ „ „ 4½ „ 4½ „ „ „ im Kreuzverbande. 4. Eckbildungen im Kreuzverbande mit Kopfstücken . Die Regeln hierfür lauten folgendermaßen: Außer den schon im Blockverbande vorhandenen Kopfstücken ist α) in Mauern von 1, 2, 3 u. s. w. Steinen Stärke in der Läufer- schaar ein Zweiquartier sowohl in der vordersten Läufer- reihe gleich neben dem ersten ganzen Stein, als auch in der hintersten Läuferreihe unmittelbar an der Ecke erfor- derlich. Eckbildungen im Kreuzverbande mit Kopfstücken. Hiernach ergiebt sich, daß in 1 Stein starken Wänden die beiden erwähnten Zweiquartiere unmittelbar nebeneinander zu liegen kommen Fig. 39 A—H. 3* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. und man dann anstatt derselben einen ganzen Ziegel vermauert. Dies erkennen wir in der Fig. 40 A , während die Verbände in Fig. 40 A—D. Fig. 40 B—D dem Wortlaut nach der obigen Regel vollständig ent- sprechen. β) Hat die Mauer eine Dicke von 1½, 2½, 3½ u. s. w. Stei- nen, so unterliegt die soeben mitgetheilte Vorschrift einer geringen Abänderung, indem man den hintersten Zwei- quartier nicht in die hintere Ecke, sondern neben den für den Verband ohnehin erforderlichen Dreiquartier bringt; der vordere Zweiquartier erhält dieselbe Lage wie in 1, 2, 3 u. s. w. Steinen starken Wänden. Die Verbände in Fig. 41 A—D zeigen das hier geschilderte Ver- fahren: Fig. A ist eine 1½ und 1½ Stein starke Mauerecke, „ B „ „ 2½ „ 2½ Steinen „ „ „ C „ „ 3½ „ 3½ „ „ „ „ D „ „ 4½ „ 4½ „ „ „ im Kreuzverband mit Kopfstücken. Eckbildungen im Kreuzverbande mit Kopfstücken. Falls die inneren Wandflächen nicht im Kreuzverbande zu sein brauchen, fallen die inneren Zweiquartiere ganz aus, ohne daß da- durch der Verband an den äußeren Wandflächen eine Aenderung erleidet. Die Hinweglassung des inneren Zweiquartiers empfiehlt sich besonders in 1½—1½ Steinen starken Mauerecken, denn wie Fig. 41 ersichtlich macht, besteht die Ecke aus vielen Theilsteinen, welche sich üderdecken. Wenn man nun bedenkt, daß in der Praxis Fig. 41 A—D . die Steine niemals gleichmäßig und gleich groß gehauen werden, so fällt der Nachtheil des Verbandes in Fig. 41 A sofort auf. Es ist deshalb besser, in der 3. und 4. Kreuzschaar der 1½—1½ Stein starken Mauerecken die beiden inneren Zweiquartiere nicht in der Ecke, sondern etliche, z. B. vier, Steinbreiten seitlich anzu- bringen. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. 5. Die nicht rechtwinkligen Mauerecken werden im Allgemeinen nach den bisher gegebenen Regeln angelegt. Diese lassen sich aber in vielen Fällen nicht consequent durchführen und gelten daher die nachstehenden Hauptregeln: erstens : an der Spitze darf niemals eine Fuge sein; zweitens : alle Stoßfugen stehen senkrecht zur Wandfläche und vermeidet man an der Außenfläche alle spitzen Winkel; drittens : der Fugenverband ist stets einzuhalten; viertens : man muß möglichst wenig Theilsteine benutzen; fünftens : stoßen Läufer- und Streckerschaaren zusammen, so läuft die vorderste Läuferreihe der Läuferschaar immer durch. Außer diesen allgemeinen Regeln exi- stiren noch specielle für stumpf- und spitz- winklige Mauerecken. Diese heißen für spitzwinklige Mauerecken : Falls Läufer- und Streckerschaaren zusam- mentreffen, läßt man die vordere Läufer- reihe an der Ecke so beginnen, daß die Länge des Ecksteins gleich ist der schrägen Kopf- fläche + ¼ Ziegel, also 1 = q + ¼ Zie- gellänge (Fig. 42). Fig. 42. Solche spitzwinklige Ecken zeigen die Verbände in Fig. 43 A—F und zwar ist in A eine 1 und 1½ Stein starke Mauerecke, „ B „ 1½ „ 1½ „ „ „ „ C „ 1½ „ 2 „ „ „ „ D „ 1½ „ 2½ „ „ „ „ E „ 2 „ 2½ „ „ „ „ F „ desgleichen „ „ „ dargestellt. Erwähnt sei noch, daß die mit a bezeichneten Zweiquartiere in den vorderen Läuferreihen für die Herstellung des Kreuzverbandes in der Ansicht vorhanden sind. Die gebrochenen spitzwinkligen Ecken werden so behandelt, als wenn drei Wände zusammenstoßen; dem- nach wechseln principiell Läufer- und Streckerreihen in derselben Schaar Die spitzwinklichen und gebrochenen spitzwinkligen Mauerecken. Fig. 43 A—F . Fig. 44 A—C . Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. ab, wie die Fig. 44 A—C zeigen, welche die Verbände für Mauer- ecken von 1½ und 1½ Stein, 1½ und 2 Steinen wiedergeben; die abgebrochenen Spitzen sind theils drei, theils vier halbe Steinlängen breit. Der Zweiquartier a ist nur für den Kreuzverband einge- schoben. Sowie die gebrochenen Ecken etwa 1 m breit sind, entstehen zwei stumpfwinklige Mauerecken . Zur Herstellung derselben gilt der Grundsatz: man lasse in der Streckerschicht die eine Stoßfuge vom inneren Winkel aus senkrecht Fig. 45 A—J . zur Wandfläche durchgehen und theile von dieser Fuge aus nach der Ecke hin die Steine ein. Die stumpfwinkligen Mauerecken. Nach dieser Vorschrift sind die Verbände (Fig. 45 A—D ) ge- macht worden, während in E—H die durchgehende Stoßfuge in der Fig. 46. Fig. 47. Läuferschaar sich befindet; in Fig. J ist die Lage des vorderen Läu- fers für die Steineintheilung maßgebend gewesen. Auch hier dienen Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. die Zweiquartiere a für den Kreuzverband an der hinteren Wand- fläche. Endlich führen wir die Anwendung der stumpfwinkligen Mauer- ecken in zwei Beispielen vor: in dem einen Falle (Fig. 46) sind die Ecken pfeilerartig hergestellt und stehen beide Pfeiler so nebeneinander, daß sie gemeinschaftlich eine Mauernische bilden. In dem anderen Beispiele (Fig. 47) gehören die Ecken einem fünfseitigen Vorbau, wie solcher bei vorspringenden Treppenhäusern und schmalen Zimmern häufig vorkommt. IV . Die Kreuzung der Mauern . Wenn eine innere Wand gegen eine äußere stößt, oder zwei innere Wände sich schneiden, so entsteht eine Mauerkreuzung, die entweder recht- oder schiefwinklig sein kann, je nachdem die Mauern senkrecht oder schräge zusammentreffen. Die rechtwinklichen Mauerkreuzungen sind die häufigsten, da man selbst bei unregelmäßig gestalteten Ge- bäuden den Zimmern eine rechteckige Grundform zu geben pflegt. Bei allen Mauerkreuzungen spielen folgende Regeln eine wichtige Rolle: erstens : die Läuferschaar geht durch und die Streckerschaar stößt stumpf gegen dieselbe; zweitens : damit ein regelmäßiger Fugenverband stattfinde, greift die Läuferschaar eine ¼ Ziegellänge in die Streckerschaar. Betrachten wir demnächst 1) Die Kreuzung einer Außenmauer mit einer Innenwand . Die übergreifende Läuferschaar der Innenwand wird zuerst ge- zeichnet und am Ende , d. h. an der Außenseite der Umfassungs- mauer, ganz ebenso wie eine Mauerendigung ausgebildet. Somit ordnet man am äußersten Ende der übergreifenden Läuferschicht so viele Dreiquartiere nebeneinander an, als die kreuzende Innenwand halbe Steinlängen zur Dicke hat. Als Regel gilt daher, daß die Läuferschaar über die Streckerschaar greift, so daß die Dreiquartiere der Läuferschaar in der Maueransicht als zu der Streckerschaar gehörig aussehen. Dies erkennen wir in den Figuren 48 A—M , welche dar- stellen in: Die Kreuzung der Außenmauer mit einer Innenwand. Fig. 48 A—M. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. A die Kreuzung der Mauern von 1 und 1 Stein Stärke, B „ „ „ „ „ 1 „ 1½ „ „ C „ „ „ „ „ 1 „ 2 „ „ D „ „ „ „ „ 1½ „ 1 „ „ E „ „ „ „ „ 1½ „ 1½ „ „ F „ „ „ „ „ 1½ „ 2 „ „ G „ „ „ „ „ 2 „ 1 „ „ H „ „ „ „ „ 2 „ 1½ „ „ J „ „ „ „ „ 2 „ 2 „ „ K „ „ „ „ „ 2½ „ 1 „ „ L „ „ „ „ „ 2½ „ 1½ „ „ M „ „ „ „ „ 2½ „ 2 „ „ Obgleich, wie ersichtlich ist, die Dreiquartiere stets in der Streckerschicht der Umfassungsmauer liegen, findet man auch vielfach die Dreiquar- tiere hinter der vordersten Streckerreihe angeordnet (wie Fig. 49 angiebt). Hierdurch entsteht zwar kein fehlerhafter Verband, wir können ihn aber doch nicht billigen, weil diese Methode keiner festen Regel Fig. 49. unterliegt; denn einerseits ist die durchlaufende Läuferschaar der Innenwand nichts weiter als eine gerade Endigung und muß sie somit nach den hierfür giltigen Regeln gemacht werden, andererseits wird die Verschiebung der Dreiquartiere bei 1 Stein starken Um- fangswänden (Fig. 48 A ) nicht möglich sein und müssen in diesem Falle die Dreiquartiere dennoch an der Außenfläche der Umfangs- wand liegen. Die Verbände Fig. 48 A—M (Fig. D—F ausgenommen) re- präsentiren die beiden Schaaren des Blockverbandes ; falls man die innere Scheidewand im Kreuzverbande ausführen will, muß man in die 4. Schaar gleich hinter die Dreiquartiere Die Kreuzung einer Außenmauer mit einer Innenwand. erstens : bei 1, 2, 3 u. s. w. starken Mauern so viele ganze Ziegel legen, als die Mauer ganze Steinlängen dick ist, wie es in Fig. 48 D und F geschehen; zweitens : bei 1½, 2½ u. s. w. starken Mauern in die Läufer- reihe gleich hinter den ersten Dreiquartier einen Zweiquartier legen (siehe Fig. 46 E ). Bedient man sich für den ganzen Verband anstatt der Dreiquar- tere nur der Riemchen oder Kopfstücke , dann fallen die Drei- Fig. 50 A—E. quartiere selbstverständlich ganz fort und an ihre Stelle treten die ganzen Steine der Streckerschaar. Um aber dennoch das Einbinden der Läuferschaar um ¼ Stein in die Streckerschaar zu erlangen, läßt man die einbindende Quermauer, wenn die Umfangsmauer ganze Ziegellängen zur Stärke hat, über die hintere Streckerreihe, und bei 1½, 2½, 3½ u. s. w. Stein starken Umfangsmauern, über die hin- tere Läuferreihe reichen, woselbst in den 1, 2, 3 u. s. w. starken Quer- mauern so viele Kopfstücke hintereinander angeordnet werden, als die Quermauer ganze Ziegel stark ist; hingegen in 1½, 2½ u. s. w. starken Quermauern kommt an das Ende der Läuferreihe ein Dreiquar- tier zu liegen. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Die Anwendung dieser Vorschriften veranschaulichen die Figu- ren 50 A—E , in denen Mauern von verschiedenen Stärken zusam- menstoßen. Einige Schwierigkeiten entstehen, wenn drei Wände schräge zusammen- treffen, wie z. B. in Fig. 51; eine besondere Regel giebt es für diesen Fig. 51. Fall nicht, vielmehr gelten auch hier die allgemeinen Grundsätze. Der Zweiquartier a ist für den Kreuzverband eingeschoben. 2. Kreuzung der Innenwände . Die Anordnung des Verbandes der sich kreuzenden Innenwände ist sehr einfach: man zeichne zuvor die Läuferschaar und verschiebe dann die Steine der Streckerschaar um ¼ Steinlänge im Verbande, wie dies in den Figuren 52 A—M stattgefunden hat. A giebt die Kreuzung von zwei 1 und 1 Stein starken Mauern, B „ „ „ „ „ 1 „ 1½ „ „ „ C „ „ „ „ „ 1 „ 2 „ „ „ D „ „ „ „ „ 1½ „ 1½ „ „ „ E „ „ „ „ „ 1½ „ 2 „ „ „ F „ „ „ „ „ 1½ „ 2½ „ „ „ G „ „ „ „ „ 2 „ 2 „ „ „ H „ „ „ „ „ 2 „ 2½ „ „ „ J „ „ „ „ „ 2 „ 3 „ „ „ K „ „ „ „ „ 2½ „ 1 „ „ „ L „ „ „ „ „ 2½ „ 2½ „ „ „ M „ „ „ „ „ 2½ „ 2 „ „ „ In den vorstehenden Beispielen überkreuzen sich zwei Wände ganz und gar; meistens ist die Kreuzung gebrochen und nimmt die Mauer- Kreuzung der Innenwände. stärke an diesen Stellen ab. Solche Anordnungen erkennen wir in den Figuren 53 A—D. Fig. 52 A—M. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Bei Herstellung der Kreuzschaaren legt man entweder Zweiquar- tiere in die Läuferschaar oder Kopfstücke und Dreiquartiere (letztere Fig. 53 A—D. in die Läuferreihe der 1½, 2½ u. s. w. starken Wände) in die Streckerschaar. Fig. 54 A—C . Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln. Die Pfeilerverbände. Für innere Wände, welche schräge zusammenstoßen, geben die Fig. 54 A—C die Art des Verbandes an. In den meisten Fällen sind Schornsteine in der Kreuzung der inneren Mauern vorhanden, wodurch die Lage der Steine etwas anders ausfällt, indem man innerhalb der Läuferschaaren die zwei gegenüber befindlichen Schornsteinseiten als Mauerendigungen an- nimmt. — Doch hiervon weiter unten bei „Schornsteinen.“ V. Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln . a) Die Pfeilerverbände werden nach verschiedenen Regeln hergestellt, je nachdem der Pfeiler- querschnitt viereckig oder polygonal gestaltet ist, und gewöhnliche oder sogenannte Verblend- resp. Formsteine zur Verwendung gelangen. Im Allgemeinen betrachtet man die viereckigen Pfeiler als kurze Wände mit zwei vollen Mauerendigungen, so daß die für die letzteren gegebenen Regeln auch bei Pfeilerverbänden Giltigkeit haben. Ferner mauert man die Pfeiler meistens blos im Blockver- bande, und ist der Kreuzverband überhaupt nur bei solchen Pfeilern ausführbar, welche eine Breite von mindestens 3½ Steinlängen haben. Fig. 55 A—O. Die mannigfachsten Pfeilerverbände mit Anwendung von Drei- quartieren sind in Fig. 55 A—O dargestellt, und zwar: A ist ein Pfeiler von 1 Stein Breite, 1 Stein Tiefe, B „ „ „ „ 1 „ „ 1½ „ „ C „ „ „ „ 1 „ „ 2 „ „ Wanderley, Bauconstr. II. 4 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. D ist ein Pfeiler von 1 Stein Breite, 2½ Stein Tiefe, E „ „ „ „ 1 „ „ 3 „ „ F „ „ „ „ 1½ „ „ 1½ „ „ G „ „ „ „ 1½ „ „ 2 „ „ H „ „ „ „ 1½ „ „ 2½ „ „ J „ „ „ „ 1½ „ „ 3 „ „ K „ „ „ „ 2 „ „ 2 „ „ L „ „ „ „ 2 „ „ 2½ „ „ M „ „ „ „ 2 „ „ 3 „ „ N „ „ „ „ 2½ „ „ 2½ „ „ im Blockverbande, O „ „ „ „ 2½ „ „ 3½ „ „ im Kreuzverbande. Fig. 56 zeigt den Verband des 1½ und 2 Stein starken Pfeilers in isometrischer Ansicht. Wenn in einem Gebäude viele Pfeiler vorkommen, dürfte es zweck- mäßig sein, in der Ziegelei besonders geformte Dreiquartiere zu be- stellen, um den Verhau der ganzen Ziegel zu vermeiden. Fig. 56. Vielfach haben die Pfeiler mehrere Vorsprünge, wie z. B. bei den Gurt- und Schildbogenpfeilern der Gewölbeanlagen u. s. w.; der Fig. 57. Fig. 58. Verband ergiebt sich von selbst, wenn man an die Enden der Läufer- schaaren Dreiquartiere legt und den Innenraum mit ganzen Ziegeln ausmauert (Fig. 57 und 58). Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln. Der Verband läßt sich auch mit Kopfstücken ausführen, doch ver- dienen die Dreiquartiere den Vorzug, weil sie den Pfeilerquerschnitt nicht in schmale Streifen zerlegen. In der Praxis werden die Drei- quartiere am häufigsten benutzt. Für die Herstellung des Verbandes der polygonalen Pfeiler kommt es darauf an, ob der Pfeiler verputzt werden oder in rohem Mauerwerk (als Ziegelrohbau) stehen bleiben soll. Im erstern Falle benutzt man gewöhnliche Ziegel für die Theil- steine, im letztern Falle bedient man sich der Verblendziegel. Beim Verputz kommt es nicht so genau darauf an, wenn die behauenen Seiten nach der Außenseite gewendet sind; der Verband wird beispielsweise nach Fig. 59 A erreicht und geschieht die Ver- wechselung der Fugen zweier übereinander liegender Schaaren durch das Drehen jeder oberen Schaar um 45°, wie Fig. 59 B andeutet. Fig. 59 A u. B. Fig. 60 A u. B. Hingegen beim sogenannten „Rohbau“ ordnet man zwei verschie- dene Verbände an, die miteinander abwechseln; die erforderlichen Theilsteine sind besonders geformte Ziegel. Unter diesen Verhält- nissen bietet der Verband keine Schwierigkeit und wird er nach den in Fig. 60 A—B gegebenen Anordnungen für alle Pfeilerstärken leicht herstellbar sein. b) Die Säulenverbände weichen im Prinzip von den vorigen nicht wesentlich ab und auch bei ihnen ist die äußere Behandlung des Pfeilers maßgebend. Beim Verputz derselben braucht man nur die Lage der Steine in einer Schaar festzustellen, alle anderen Schichten werden um einen halben Rechten gedreht (siehe Fig. 61 und 62 A—D ). Die Ver- setzung der kleinen Steine x x wird dadurch erlangt, indem man sie in den beiden ersten Schaaren A B direct übereinander anordnet; in der Schicht C kreuzen sich die Fugen in einem Winkel von 45°. 4* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. In dem in Rohbau ausgeführten Säulenverbande liegen die sämmtlichen äußeren Steine radial und wird der innere Kern mit ge- Fig. 61 A—E . Fig. 62 A—E. wöhnlichen Steinen im Verbande ausgefüllt (Fig. 63). Bei Her- stellung solcher Pfeiler hat man genau darauf zu achten, daß sämmt- liche Fugen lothrecht übereinander treffen; zu diesem Behufe ist es nöthig, an einigen Stellen die Lothrechte mittelst einer Schnur, die oben an einem festen Gerüste, unten an der Säulenbasis befestigt ist, zu bezeichnen, damit der Arbeiter die Fugentheilung einhalten kann Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln. Die außerhalb verputzten profilirten oder Bündel- Säulen werden möglichst aus ganzen Steinen angefertigt, und je nach der Profilirung geschieht die Drehung entweder in 45°, oder in 90°. Untenstehend illustriren (Fig. 64) wir den Verband der Bündel- pfeiler über den Emporen in der Zionskirche (entworfen vom königl. Baumeister A. Orth in Berlin); Fig. 63. sie sind aus harten Mauersteinen hergestellt, die Kanten wurden erst nachträglich angehauen, weil das Lothen und genau senkrechte Mauern bei den vollen Kanten bequemer und sicherer ist. Die Fig. 64. Schichtenlage wechselt in der Weise, daß bei jeder Schicht der Verband um 90° gegen die vorhergehende versetzt wird. Nach Orth kann man solche in verlängertem Cementmörtel hergestellte Säulen mindestens ebenso stark machen, als Säulen aus festem Sandstein, weil bei letz- teren in den Lagerfugen selten die, meistens mit flüssigem Cement untergossenen, Flächen so genau aufeinander schließen, wie dieses iu einem guten Mörtelbette des Ziegelmauerwerks der Fall ist. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Für die Bündel-Säulen aus Formsteinen geben wir die in Fig. 65 dargestellte Anordnung, welche keiner weiteren Erläuterung bedarf. Fig. 65. c) Die Pfeilervorlagen kommen sehr häufig vor, entweder zur Verstärkung des Mauerwerks, oder als architektonischen Schmuck (Lisenen u. s. w.); in beiden Fällen haben sie verschiedene Breiten und Vorsprünge. Der Verband ge- schieht nach den früher erwähnten Regeln; wesentlich erleichtert wird das Verbandlegen, wenn man den Grundsatz befolgt, daß in der Streckerschaar der Verband der Pfeilervorlage durch die ganze Mauer- dicke reichen muß und hier der Pfeiler isolirt erscheint. Nach dieser hauptsächlichsten Vorschrift wurden die Verbände Fig. 66 A—F gemacht; es sollen beispielsweise die Pfeiler x , y , z ½ Ziegellänge vorspringen, x hat eine Breite von 1½ Stein, y von 2 Steinen und z von 2½ Stein. Hierzu gehören die Schaaren B a , c , e für den Block- und C b , d , f für den Kreuzverband; letzterer kann aber selbstverständlich nur in dem Zwischenmauerwerk ersichtlich sein, da, wie bereits erwähnt wurde, der Kreuzverband erst bei 3½ Stein starken Pfeilern ausführbar ist. Falls die Pfeiler x—z 1 Stein vorspringen, benutzt man den Verband Fig. D g—i . Die Ansicht A bleibt in diesem Falle ebenso Die Pfeiler und Säulen aus Ziegeln. Fig. 66 A—F. Fig. 67 A—B. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. wie für B u. C. In den Figuren E F geben wir bei k , l , m mehrere Vorlagen von verschiedenen Breiten und mit mehreren Absätzen. Fig. 68 A—B. Zum Schlusse reproduziren wir in den Figuren 67 A B und 68 A B noch einige Beispiele der Pfeilervorlagen an den Ecken und in der Mitte der Wände. VI. Die Hohlmauern . Seit etwa vier Dezennien hat man angefangen Hohlmauern her- zustellen, um einerseits die Gebäude mit warmen und trockenen Umfangsmauern zu umgeben, andererseits solche Wände, die frei schweben sollen, leichter zu machen. Im erstern Falle ist die ringsum eingeschlossene atmosphärische Luft als schlechter Wärmeleiter benutzt, indem innerhalb des gewöhn- lichen Mauerwerks schmale Luftspalten, sogenannte „Isolirschichten“, hergestellt sind, welche mit der äußeren Luft nicht communiziren. Im zweiten Falle bedient man sich entweder der „Hohl- resp. Lochsteine“, oder der leichten porösen Ziegel. Die Hohlmauern mit Luftschichten. 1) Mauern mit Luft- oder Isolirschichten werden neuerdings in Norddeutschland (Hannover, Schleswig-Hol- stein u. s. w.) bei sehr vielen freistehenden, den rauhen Witterungs- einflüssen ausgesetzten Gebäuden angewendet und haben sich dort ausgezeichnet bewährt. Der Verfasser dieses Werkes lebte vor einigen Jahren in Norddeutschland und kann aus Erfahrung die nachstehen- den von ihm oft ausgeführten Verbände anempfehlen. Die Hohlmauer wird durch die Isolirschicht, welche meistens ¼ Ziegellänge zur Breite erhält, in zwei Theile zerlegt; die äußere Wand muß mindestens 1 Stein stark sein, weil die ½ Ziegel starken Wände sehr leicht durchnäßt werden. Die innere Mauerhälfte bedarf nur ½ Stein zur Stärke. In der Regel macht man die beiden Hälften der 1½ Ziegel starken Wände außerhalb 1 Stein, innerhalb ½ Stein 2 „ „ „ „ 1 „ „ 1 „ 2½ „ „ „ „ 1½ „ „ 1 „ stark; die ¼ oder ½ Stein breite Isolirschicht liegt zwischen den beiden Mauerhälften, welche mittelst Ankersteinen (so heißen die durch- greifenden Binder oder Strecker) zusammengehalten werden. Damit die Ankersteine die Feuchtigkeit von der äußeren nach der inneren Mauer nicht übertragen, werden die inneren Köpfe der Ankersteine getheert; dies geschieht vielfach schon in den Ziegeleien, öfters aber auch erst auf dem Bauplatze, indem man die Ziegelköpfe gehörig heiß macht und in heißen Steinkohlentheer etwa 8—10 zm tief eintaucht. Die Hohlschichtenanordnung vertheuert den Bau nur höchst un- bedeutend; rechnen wir für pr. □ m Mauerfläche im Ganzen 16 Binder- steine, dann sind in Wirklichkeit (bei ¼ Stein Isolirschichtbreite) blos 16/4 = 4 ganze Steine mehr nothwendig, als beim vollen Mauer- werk. Eine 1½ Stein starke Backsteinmauer enthält pr. □ m 150 Stück Ziegel des deutschen Normalmaßes, wonach sich die Herstellungs- kosten einer vollen Mauer zur Hohlschichtmauer verhalten wie 1 : 1, 0266 Die Arbeitslöhne sind für beide Mauerarten gleich (bei ausgeschrie- benen Submissionen waren die Offerten für Vollmauern ebenso wie für Hohlmauern), dagegen würde das Heißmachen und Theeren pr. Mille der Bindersteine (1 Tonne Steinkohlentheer à 9,6 Reichs- mark, 2 Arbeitsleute à 2,1 Reichsmark) mit 6,5 Reichsmark zu be- rechnen sein. Somit würde beispielsweise, wenn 1 Mille Ziegel für Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. 35 Reichsmark käuflich sind, das Hohlmauerwerk wie nachstehend mehr kosten als das volle: bei einer 1½ Stein starken Mauer kommen 900 Steine auf 6 □ m Mauerfläche, außerdem noch 4 . 6 = 24 Anker- steine; da incl. Betheeren pr. 1 Mille Ankersteine mit 41,5 Reichsmark veranschlagt werden müssen, so erhöht sich der Preis des ganzen Hohl- mauerwerks pr. 1 Mille der sämmtlichen Ziegel um etwa 1,2 Reichs- mark. Durch die Hohlschichtenanordnung wird die Solidität der Mauer allerdings etwas vermindert; da jedoch bei 1½ Stein starken Mauern im oberen Geschosse ohnehin schon eine sehr große Stabilität vorhan- den ist, kann die Schwächung der Mauer durch die Hohlschichten nicht in Betracht kommen. Verfasser ließ öfters die ganze Umfangswand zweistöckiger Wohn- gebäude (freistehende) mit 4 m hohen Etagen vom Parterrefußboden bis zur Dachtraufe 1¾ Stein incl. ¼ Stein Isolirschicht und im Keller 2 Steine als Vollmauer ausführen und hat gefunden, daß diese Mauerstärken genügende Sicherheit gewähren. Fig. 69 A—G. Die Fig. 69 A—G zeigen in B und C den Eckverband mit Fen- steranschlag einer 1 Stein starken Mauer im Blockverbande, in welcher hinter jedem Ankerstein ein Quartierstück liegt. Soweit die Ankersteine in der inneren Mauerhälfte stecken, werden sie in Theer getaucht; i zeigt Die Hohlmauern mit Luftschichten. die ¼ Stein breite Isolirschicht. Bei diesem Verbande kommen die Ankersteine neben jedem Läufer vor; falls die Mauer nur wenig be- lastet wird, könnte man den Verband in Fig. 70 A—D wählen, in welchem in der einen Schaar die Ecke voll ausge- mauert ist. Die Ansicht Fig. 70 A zeigt den polnischen Verband. Die 1 Stein starken Wände mit Isolirschichten sind aber unzweckmäßig, weil, wie bereits er- wähnt wurde, die äußere dünne Mauer bei jedem heftigen Regen vollständig durchnäßt wird; vermindern kann man diesen Uebelstand durch einen Verputz der äußeren Wandfläche mit Kalk- oder Cementmörtel. In den Figuren 69 D—G sind keine Ankersteine vorhanden, sondern trennt Fig. 70 A—D. die Isolirschicht i beide Mauerhälften vollständig; dieses Verfahren ist aber nur bei Wänden, die nicht allzuhoch und mindestens 2 Stein stark sind, anzurathen. Einen sehr zweckmäßigen Verband zeigt Fig. 71 A D für eine 1½ Stein starke Mauer; die Schaaren A u. D gelten für den Blockverband, und C B für den Kreuzverband. Ebenso wie in Fig. 70 sind auch hier die Zwei- und Einquartiere schwarz bezeichnet, um sie von den Dreiquartieren besser unterscheiden zu können. Während in Fig. 69 und 70 die Quartierstücke in der inneren Mauerhälfte liegen, ordnet man sie in Fig. 71 in der äußeren Mauer an, wo sie einen besseren Halt finden; die Ankersteine kommen hinter dem dritten resp. vierten Strecker vor. Vor jedem Ankerstein liegt ein Dreiquartier. Mauern, die weniger als 4 m hoch und über 1½ Stein stark sind, legt man auch wohl im Zickzackverband an (Fig. 72 A B ). Hierbei wird die innere ½ Stein starke Mauerhälfte in Entfernungen von 1—1, 5 m auf 1 Stein verstärkt. Wo die nach inwendig vortretende ½ Stein dicke Pfeilervorlage vorhanden ist, nimmt an diesen Stellen die Stärke der äußeren Mauerhälfte um ½ Stein ab, so daß die Isolirschicht im Zickzack hin und her läuft. Um die beiden Mauerhälften mitein- ander zu vereinigen, vermauert man an mehreren Stellen (etwa 1 m aus- Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Fig. 71 A—D. Fig. 72 A—B. Die Hohlmauern mit Luftschichten. und übereinander) durchgehende Eisenschienen an, die vorher entweder verzinkt oder mit Mennige gut bestrichen werden. Fig. 73. In den Figuren 73—76 geben wir noch einige der vorstehenden Verbände in isometrischer Ansicht wieder, ohne auf die nähere Be- schreibung derselben weiter einzugehen. Fig. 74. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Eine Maueranordnung ganz besonderer Art veröffentlichte der Verfasser dieses Werkes in „ländliche Wirthschaftsgebäude“ „Die ländlichen Wirthschaftsgebäude“, herausgegeben von G. Wanderley, unter Mitwirkung von Baumeister E. Jähn. im 2. Bande, Kapitel: „Rindviehställe“; sie stammt vom Ingenieur Hampe in Wien und wurde vor einigen Jahren bei einem großen Rindvieh- stalle auf einer Herrschaft des Fürsten Liechtenstein bei Prag zuerst ausgeführt. Herr Hampe, dem wir persönlich die genaue Beschrei- bung dieser interessanten Anlage verdanken, stellte drei Mauern von je ½ Stein (15 zm ) Dicke so nebeneinander her, daß zwischen ihnen Fig. 75. Fig. 76. wiederum ein Zwischenraum von 10 zm verblieb; sonach beträgt die ganze Mauerstärke (3 . 15) + (2 . 15) = 55 zm . Die Steine in jeder Mauer, und wiederum die Mauern unter sich, werden mit schwalben- schwanzartigen Dippeln (Dübeln) miteinander verbunden und erhalten auf diese Weise, zumal die Dippeln in gutem Kalkmörtel liegen, eine feste und unverschiebbare Lage. Aeußerlich ist das Gebäude mit Kalk- mörtel verputzt worden. Die Hohlmauern aus Hohlsteinen. 2) Mauern aus Hohlsteinen . Die Hohlsteine wurden schon von den Römern bei ihren Bade- anlagen (Thermen) als Kanäle für die Zuführung der warmen Luft benutzt; auch in Pompei hat man die Hohlsteine in circa 40 zm Länge in solchen Gebäuden angetroffen. Die interessanteste Verwendung fanden die Hohlsteine in Gestalt von Töpfen bei den Gewölben einiger byzantinischer Kirchen. Das Grabmal der Mutter (heilige Helena) Constantins (306) ist mit birnförmigen Krügen von 60 zm Durchmesser und 108 zm Länge überwölbt; auch die von Theodorich in den Jahren 520—560 zu Ravenna erbaute Kirche San Vitale hat eine Kuppel, welche theilweise aus liegenden, spiralförmig ineinander gesteckten Töpfen besteht und mit großen 21 zm breiten und 58 zm langen Töpfen hintermauert ist (siehe „Geschichtliches bei Gewölbeanlagen“). Die röhrenartigen Hohlsteine wurden zuerst im vorigen Jahrhundert in Paris bei einigen Fabrikanlagen, die feuersicher überdeckt werden sollten, benutzt; Fig. 77. A—B. Fig. 78. ähnliche Lochsteine, aber viereckig am Kopfe ge- formt (Fig. 77 A ), verwendete man im palais royal. Die Hohlsteine mit runder Oeffnung (Fig. 77 B ) sollen zuerst in Ungarn im Ge- brauche gewesen sein. Diese sind jedenfalls die besten und werden solche mit drei Löchern am meisten empfohlen (Fig. 78.) Fig. 79. In höchst origineller Weise sind die im Jahre 1850 von Mr. Ro- berts, Architekt der Gesellschaft zur Verbesserung der Lage der arbei- tenden Classen erfundenen Hohlsteine, die nach dem Patent- bonded- brickwork (Mauerwerk nach patentirtem Ziegelverbande) zuerst bei den in der londoner Ausstellung 1851 exponirten Arbeiterhäusern an- Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. gewendet wurden. Fig. 79 zeigt den Verband für dicke Mauern mit den Zwischensteinen a; in dünnen Mauern bleiben letztere ganz fort. Bei den erwähnten Arbeiterhäusern sind die Mauern nur dünn und selbst die Decken mit Hohlsteinen gewölbt. Näheres über die Arbei- terwohnungen und die Anwendung solcher Hohlsteine kann nachge- lesen werden in der „Zeitschrift für Bauwesen“, Jahrgang II , Seite 38, Blatt 13 und 14. Neuerdings hat man sich überzeugt, daß die Lochsteine nicht den großen Nutzen gewähren, welchen man allseits vor 10—20 Jahren von ihnen erwartete, denn erstens : sind sie etwa 25 % theurer als Vollziegel; zweitens : besitzen sie keine große Tragfähigkeit, die Festigkeit des vollen Ziegels verhält sich zu der des Lochsteines wie 17 : 11; drittens : leichte Zerbrechlichkeit; viertens : haftet der Putz an den glatten Wänden der Maschinen- steine nicht gut. Immerhin haben die Hohlsteine manche Vorzüge, welche unter Umständen recht zur Geltung kommen können, nämlich: 1. die Wände trocknen bald aus; 2. die Hohlsteine halten den Schall gut ab; 3. do. die Feuchtigkeit, aus welchem Grunde man sie gern zu Isolirschichten verwendet. Die Lochsteine erhalten das Format der Vollziegel, damit man beide Arten zusammen vermauern kann. Außer der runden Höhlung (Fig. 78) Fig. 80 A—D. kommen auch viereckige vor (Fig. 80 A B und 82), welche neben- und übereinander angebracht werden. Die besten mit viereckiger Höhlung sind wie Fig. 80 A B gestaltet. Die Oeffnungen befinden sich am Mauern aus Hohlsteinen. besten in dem Binder, d. h. in der Längenrichtung des Steins (Fig. 72 A B ). Unvortheilhaft sind solche Lochsteine, bei denen die Löcher in der Breite des Ziegels durchgehen (Fig. 80 C D ), da diese Fig. 81. bedeutend eher zerbrechen. Erfahrungsmäßig müssen alle Wandun- gen und Stege der Hohlziegel gleiche Stärke erhalten, damit sie gleichmäßig austrocknen, schwinden und reißen können. Um wider- standsfähige Ziegel zu erhalten, ist eine Wandstärke des Thons von 1, 5 —2 zm angemessen. Die Hohlziegel eignen sich, da sie auf zwei gegenüber befindlichen Seiten offen sind, nur für das glatte und volle Mauerwerk. Ecken, Fenster- und Thüreinfassungen, Pfeiler- vorlagen u. s. w. kann man mit ihnen nicht ausführen, sondern hierzu bedient man sich der vollen Steine, was übrigens von keinem besonderen Nachtheile ist. Die Verwendung der Hohlsteine geschieht meistens entweder zu Iso- lirschichten oder Verblendun- gen des Mauerwerks. In ersterem Falle stellt man die Ziegel auf die hohe Kante, wobei selbstverständlich mit dem Cementmörtel nicht gespart werden darf, da die Steine in kei- nem Verbande mit den Mauerwerk stehen. Diese Manipulation geschieht nach Fig. 82. Derartige Isolirschichten, welche die Feuchtigkeit des Mauerwerks vom Fig. 82. Wohnraume abhalten sollen, ordnet man vielsach in bewohnten Keller- räumen an; auch vor der Fensterbrüstung (Parapet) leisten sie gute Wanderley, Bauconstr. II. 5 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Dienste, zumal dieselbe öfters nur 1 Ziegel stark ist. Die Fig. 83 illustritt diese beiden Verwendungsarten. Fig. 83. Maßstab: 1/80 der natürl. Größe. Der Verblendung des Mauerwerks geschieht in der Regel mit Hohlsteinen, da diese den Vorzug besitzen, wegen der dünnen Wandungen sehr gut gebrannt werden zu können. Während in den vorigen Beispielen (Fig. 82—83) die Hohlsteine nur vorgeklebt wur- den, müssen sie bei der Verblendung mit dem Vollmauerwerk in gutem Verbande stehen (Fig. 84). Die Verblendung mit solchen Steinen geschieht meistens nachträglich, d. h. erst wenn das äußere Mauern aus Hohlsteinen. Mauerwerk so weit fertig ist, daß keine hinabfallende Steinstücke die Verblendung beschädigen. Man beginnt dann mit der Verblendung am oberen Saume der Fa ç ade und beendet die Arbeit am Sockel. Bis zur Verblendung bleibt das rohe Mauerwerk in „stehender Verzah- nung“ (Schmatzen), und es erhellt hieraus, daß die Mauerstärke einer, erst nachträglich zu verblendenden Umfangsmauer derart sein muß, daß der volle rohe Mauerkern, wozu also die vortretenden Schmatzen nicht gehören, die genügende Festig- keit besitze. Man erkennt auch, daß eine solche Mauerei sehr kostspielig ausfällt — nichtsdestoweniger kann man sie in Berlin an Communal- und Staats-Gebäuden sehr häufig Fig. 84. sehen, bei denen großer Werth auf die äußerst sorgfältige Herstellung des äußeren Rohbaues gelegt wird (Berlin kann auf die meister- hafte Technik des feinen Ziegelbaues in der That stolz sein). Immerhin ist man in Berlin neuerdings bemüht, den kostspie- ligen Rohbau dadurch etwas wohlfeiler zu machen, indem man die Verblendung auf ¼ und ¾ Stein in der Weise vornimmt, daß die Strecker die Länge eines Dreiquartiers und die Läufer die Breite eines Quartierstückes erhalten; äußerlich bleibt dann der gewöhn- liche Mauerverband sichtbar. Viele Bautechniker wollen von der nachträglichen Verblendung nichts wissen und lassen das Mauerwerk gleich beim Aufführen mit Weißkalkmörtel ausfugen. Die Verblendsteine werden mit Ce- mentmörtel eingesetzt. 3) Mauern mit porösen Ziegeln . Die porösen Ziegel werden hergestellt, indem man leicht brenn- bare Bestandtheile, wie Holz- und Steinkohlenpulver, Sägespähne, ausgelauchte Gerberlohe, gemahlene Kiefernrinde, Torf, Flachs- und Hanfscheben dem Thone beimengt; beim Brennen der Thonsteine 5* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. verbrennen diese Stoffe gleichfalls und es verbleiben viele kleine Oeffnungen innerhalb der Steine. Demgemäß sind die porösen Ziegel bedeutend leichter als die gewöhnlichen Backsteine, und eignen sich erstere ganz besonders zur Ausführung von Wölbungen in höher gelegenen Theilen des Gebäudes, wo man keine starke Widerlager anbringen kann. Ferner verwendet man sie gerne für freischwebende Hängewerkswände und massive Mauern auf Traversen. Ihrer großen Porösität wegen verbinden sie sich sehr gut mit Mörtel. Der höhere Preis der porösen Ziegel mag es wohl, daß sie im allgemeinen selten Verwendung finden, obgleich sie nicht zu verkennende Vor- theile gewähren. Beim Gewölbebau kommen wir auf die porösen Ziegel nochmals zurück. Ein wesentlicher Bestandtheil der Mauern sind VII. Die Schornsteine oder Rauchfänge , auch Rauchschlote und Kamine genannt. 1) Allgemeine Betrachtungen . Sie dienen nicht allein für einen regelmäßigen und lebhaften, zur Verbrennung erforderlichen, Zutritt von Luft unter den Rost des Ofens, sondern sie erfüllen noch einen zweiten, ebenso wichtigen Zweck, indem sie die Luft, welche zur Verbrennung gedient hat und mit Kohlensäure und brennbaren Dämpfen erfüllt, dem Gedeihen der Pflanzen wie auch der Gesundheit der Menschen schädlich sein würde, wenn sie sich in zu geringer Höhe verbreitete, aus dem Bereiche der Wohnungen in eine solche Höhe führen, daß sie, ohne weiter lästig zu fallen, vom Winde ergriffen und vertheilt wird; dieses letzteren Zweckes wegen erhalten die Schornsteine häufig eine größere Höhe, als zur Bewirkung des erforderlichen Luftzuges nothwendig wäre. Ohne auf die mancherlei aufgestellten Theorien bezüglich der besten Größenverhältnisse der Schornsteine näher einzugehen, geben wir in Folgendem einige Vorschriften, wie solche von den Theoretikern auf- gestellt wurden, um bei praktischen Ausführungen als Richtschnur zu dienen, obgleich auch diese Vorschriften ziemlich abweichend sind, indem auf die Bestimmung der besten Größenverhältnisse gar man- cherlei Umstände einwirken, wie z. B. die verschiedene Beschaffenheit des Brennmaterials u. s. w. Es sind diese Vorschriften jedoch Die Schornsteine: Allgemeine Betrachtungen. immerhin geeignet, die Grenze anzugeben, innerhalb welcher man sich zu bewegen hat, um nicht auffallende Verstöße zu begehen. Die Zugkraft eines Schornsteines, d. h. die Geschwindigkeit der Luftbewegung in ihm, hängt von der Höhe des Schornsteines, von dem Gewichtsunterschiede zweier durch den Schornsteinmantel ge- trennter Luftsäulen ab, von denen die eine, den Schornstein füllende Luftsäule die wärmere und leichtere, die andere, um und außer- halb des Schornsteines vorhandene, die kältere, also die schwerere ist. Außer der Wärme der inneren Luftsäule wirkt auf die ausströ- mende Luft auch die mit den höheren Luftschichten zunehmende Ge- schwindigkeit und deren mehr oder weniger waagerechte Richtung, welche die ausströmenden Luftmassen mit sich fortreißen, daher auch oben weitere Oeffnungen des Kopfes des Schornsteins dies Fortreißen befördern und von unten nach oben hin weiter ausgeführte Schorn- steine in dieser Hinsicht zweckmäßiger, als gleichweite wären; doch kommen erstere in der Praxis nicht vor. Da nun der Gewichtsunterschied und also auch die Geschwin- digkeit der Luftbewegung mit der Höhe des Schornsteines wächst (quadratisch, wonach in einem doppelt so hohen Schornsteine die Ge- schwindigkeit vierfach, in einem dreifach höheren neunfach größer ist), so ist es zunächst die Höhe des Schornsteins, welche einen Einfluß auf die Wirkung desselben hat, und muß man daher dem Schorn- steine stets die größtmöglichste Höhe geben, will man ein mächtiges Element des Zuges gewinnen, das nur eine geringe Kostenvermeh- rung veranlaßt. Es sei z. B. ein Schornstein von 14 Metern Höhe, dessen innere Luftsäule dergestalt erwärmt werde, daß ihre durchschnittliche Dichtigkeit die Hälfte der Dichtigkeit der äußeren Luft betrage, und also die den Schornstein füllende Luftsäule halb so schwer sei, als eine gleich große Säule der äußern Luft. Es wird nun die Luft mit einer Kraft unten in den Schornstein einströmen, die dem Gewichte einer gleich starken 7 Meter hohen Säule gleichkommt. Bei einem Schornstein von 18 Meter Höhe würde unter gleichem Verhältnisse dieser Gewichtsunterschied dem Gewichte einer Luftsäule von 9 Meter Höhe gleich sein. Die nutzbringende Höhe eines Schornsteines hat aber auch eine Grenze, über die hinauszugehen von Nachtheil für die Zugkraft ist und die als die größte Höhe (Maximalhöhe) eines Schornsteines zu be- trachten ist. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Die warme Luft, welche aus dem Feuerraume in den Schornstein führt, kühlt sich während ihres Emporsteigens allmählig ab, sie wird also immer dichter und deshalb schwerer; bei entsprechender Höhe des Schornsteines würde sie zuletzt die gleiche Temperatur, d. h. die gleiche Dichtigkeit und Schwere der äußeren Luft erreichen. Bis hierher wirkt die Höhe des Schornsteins vortheilhaft auf den Zug, bei einer größeren Höhe würde nun aber eine Luftsäule entstehen, die mit der entsprechenden äußeren keinen Gewichtsunterschied hat, und folglich den Zug nicht mehr vergrößert. Andrerseits aber wirkt sie insofern nachtheilig, als bei dem Heben dieser nutzlosen Luftsäule die Reibung derselben gegen die Schornsteinwandungen überwunden werden muß, und diese hierzu nöthige Kraft für die Wirkung des Schornsteins verloren geht. — Betrachten wir zunächst die Schornsteine in Wohngebäuden . 2) Die polizeilichen Vorschriften sind in den meisten Ländern verschieden. Nachfolgend geben wir die wichtigsten Vorschriften für Preußen und Oesterreich. a ) Preußen . Die Bau-Ordnung für die Stadt Berlin enthält im neunten Abschnitt von §§ 66—85 folgende Bestimmungen: § 68. Offene Feuerungen mit Rauchmänteln . Offene Feuerungen müssen Rauchmäntel von mindestens gleichem Umfange erhalten, welche massiv oder ganz von Metall, oder mit Metall bekleidet sind, oder mindestens 1,0 Meter über dem Heerd liegen müssen. § 69. Entfernung vom Holzwerk . Geschlossene Feuerungen, welche in Ziegeln oder Kacheln ausgeführt, oder mit solchen durchweg bekleidet sind, müssen von allem freien Holzwerk mindestens 30 Zentimeter, von feuersicher bekleideten mindestens 15 Zentimeter entfernt bleiben. Von eisernen Oefen, von offenen Heer- den, von Kochlöchern, sowie von allen Feuer- und Aschfallthüren und von Einsteige- und Reinigungsthüren muß alles freie Holzwerk mindestens 60 Centimeter ent- fernt bleiben. Eine geringere Entfernung, aber nicht unter 30 Zentimeter, ist statt- haft, wenn das Holzwerk durch Rohrputz oder Metall feuersicher bekleidet wird. § 70. Rauchgemäuer größerer Feuerungen . Das Rauchgemäuer größerer Feuerungen, als Dampfkessel, Siedepfannen, Backöfen und dergleichen, muß von den umgebenden Wänden, wenn dieselben massiv sind, mindestens 8 Zentimeter, von mit Rohrung bekleideten Decken, sowie von eben solchen Holz- und Bretterwänden min- destens 60 Zentimeter entfernt bleiben. § 71. Feuergefährliche Werkstätten ꝛc. In Tischlerwerkstätten, in Watten- fabriken, sowie in allen andern Räumen, wo feuergefährliche Gewerbe betrieben oder leicht brennbare Stoffe gelagert werden, dürfen offene Feuerungen gar nicht, ge- schlossene nur dann angelegt werden, wenn sie von außen zu heizen sind, oder ein Die Schornsteine: Bauordnung für Berlin. ringsum abschließbares Vorgelege erhalten. Die Wände und Decken dieser Vorge- lege müssen massiv oder von Metallblech, die Fußböden entweder gewölbt oder feuer- sicher, d. h. mit doppelten in Verband gelegten Dachstein- oder Ziegelschichten ge- deckt sein. § 72. Feuerungsthüren, Vorpflaster . Alle Oeffnungen zu Feuerungen oder Aschenfällen, sowie zum Einsteigen oder Reinigen der Schornsteine, müssen durch metallene oder wenigstens mit Blech beschlagene Thüren dicht verschließbar einge- richtet werden. Vor Feuer- oder Aschfallthüren muß ein Vorpflaster oder eine feste Metallplatte in einer Breite von mindestens 50 Zentimeter und zu beiden Seiten 30 Zentimeter über die Oeffnung vortretend, angebracht sein. An offenen Feuerun- gen muß diese Sicherung in 50 Zentimeter Breite durchgehend hergestellt werden. Vor Stubenöfen, welche vom Zimmer aus geheizt werden, genügen tragbare Vor- sätze von Metall. Alle Feuerungen, welche von außen geheizt werden, sind ent- weder mit einem Vorgelege nach der im § 61 beschriebenen Art zu versehen oder müssen doppelte, mindestens 25 Zentimeter von einander abstehende Thüren von Metall erhalten. § 73. Metallene Rauchröhren. Eiserne Oefen . Metallene Rauchröh- ren dürfen weder seitwärts durch die Umfassungsmauern in’s Freie ausmünden, noch aufwärts durch eine Zwischendecke aus Holz geführt werden, sondern sind inner- halb des Stockwerkes nach feststehenden Schornsteinen zu leiten und mit den zum Reinigen erforderlichen Einrichtungen zu versehen. Dabei müssen sie in der ganzen Länge ihres Laufes an allen Seiten von jenem freien Holzwerk mindestens 50 Zenti- meter, von solchem mit Rohrputz oder mit Blech bekleideten mindestens 15 Zenti- meter entfernt bleiben. In kleinen Baulichkeiten ohne Zwischendecken ist die Durch- führung der eisernen Rauchröhre sowohl durch das Dach, als durch die Wände statt- haft, wenn dieselben so isolirt werden, daß auf 30 Zentimeter von dem Rauchrohre keine brennbaren Stoffe vorhanden sind. Das Ziehen freiliegender Rauchröhren, sowie das Aufstellen eiserner Oefen in Räumen, in denen leicht entzündliche Gegen- stände aufbewahrt oder verarbeitet werden, wie in Tischlerwerkstätten, Wattenfabriken oder dergl., ist jedoch nicht gestattet. § 74. Massivbau der Schornsteine oder Rauchkanäle . Schornsteine, Kanäle für erwärmte Luft, Dunst-, Dampf- und Qualmröhren aus Räumen, in welchen sich Feuerungen befinden, müssen entweder aus Ziegeln gemauert, oder aus einem andern feuersicheren Material hergestellt, unter allen Umständen aber durch ein feuersicheres Material unterstützt sein. Auch im Innern derselben sind brenn- bare Materialien durchaus unzulässig. Ist jedoch für dergleichen Röhren eine starke Erhitzung möglich, so müssen dieselben von allen leicht entzündlichen Gegenständen mindestens 50 Zentimeter entfernt stehen und nicht allein an den Durchgangspunkten durch Holzdecken, sondern auch innerhalb der Geschosse und des Dachraumes derart feuersicher umschlossen werden, daß alle brennbaren Stoffe mindestens 30 Zentimeter entfernt bleiben. § 75. Weite und Form der Rauchröhren . Die lichte Weite und die Form des Querschnittes der aus Ziegeln oder aus gebranntem Thon gefertigten Rauchröhren, ist, je nachdem die Reinigung derselben durch Befahren oder mittelst Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. mechanischer Vorrichtungen von oben herab erfolgen soll, festzusetzen. Für Steige- rohre muß der Querschnitt rechtwinkelig sein und den Seiten im Lichten mindestens ein Maß von 42 und 47 Zentimeter gegeben werden. Für russische Rohre ist ein rechtwinkliger und ein runder Querschnitt von einer lichten Weite nicht unter 14 Zentimeter und nicht über 21 Zentimeter gestattet. Abweichungen von diesen Maßen sind nur mit Erlaubniß des Polizei-Präsidiums zulässig, wenn die ordnungs- mäßige Reinigung gesichert oder erlassen wird. Dampfschornsteine können beliebigen Querschnitt haben. Wird das Lichtmaß der steigbaren Schornsteine über 60 Zenti- meter ausgedehnt, so sind besondere Vorkehrungen zur Erleichterung des Verkehrs erforderlich. Russische Rohre müssen auf der ganzen Länge gleichen Ouerschnitt haben. Kreisrunde Querschnitte müssen mit entsprechenden Formsteinen ausgeführt oder mit Röhren von gebranntem Thon ausgefüttert sein. Die letzteren dürfen nur in ganz senkrechten Schornsteinen angewendet werden. Die inneren Wandungen aller Schornsteine sind möglichst glatt herzustellen oder zu putzen. § 76. Geschleiste Röhren . Geschleifte Röhren, welche nur in ganz massiven Wänden statthaft sind, müssen entweder an den Stellen, wo ihre Neigung sich ändert, mit Reinigungsthüren versehen oder unten mindestens 45 Grad gegen die Waage liegen. An den Brechpunkten sind die Ecken abzurunden. § 77. Besteigbare Schornsteine für Räucherkammern ꝛc. Schorn- steine für Räucherkammern, Leimküchen, Backöfen und andere Glanzruß absetzende Feuerungen müssen besteigbar sein. § 78. Wrasenrohr in Küchen, Qualmfänge . In Küchen mit engen Schornsteinen ist ein besonderes Rohr zum Abzug der Wasserdämpfe anzulegen. Wrasenrohre und Qualmfänge, welche keine Feuerungen aufnehmen, können in be- liebigem Querschnitt angelegt werden. Erhalten dieselben aber die Durchschnitte der Rauchrohre, so sind sie in jeder Beziehung wie diese auszuführen. § 79. Schornsteinwangen und Scheidungen, Isolirung . Die Wan- gen und Scheidungen gemauerter Schornsteine sind, wenn nicht bei freistehenden Röhren eine größere Stärke bedingt wird, mindestens ½ Stein stark anzulegen, ist für dieselben aber eine starke Erhitzung, wie bei Backschornsteinen oder besondere Veranlassung zu Bränden, wie bei Räucherkammern zu erwarten, so müssen die Wangen durchweg einen Stein stark sein. Wangen unter einem Stein Stärke dürfen nirgends mit Holzverbandstücken in unmittelbare Berührung treten; der Zwischen- raum gegen dieselben muß mit einer doppelten, in Verband gelegten Dachstein- schicht ausgefüllt werden, wenn derselbe nicht durchweg wenigstens 10 Zentimeter weit ist. Dasselbe gilt von Kanälen zur Leitung erwärmter Luft und ähnlichen Anlagen. Alles Schornsteinmauerwerk muß durchweg in vollen Fugen gemauert und von Außen geputzt oder gefugt werden. § 80. Schornsteinköpfe . Schornsteine, welche gerade durch den Dachforst treten, müssen diesen um 30 Zentimeter überragen; solche aber, welche die Dach- fläche an anderen Stellen durchbrechen, über dieser an der Höhe liegenden Seite eine Höhe von mindestens 50 Zentimeter haben, oder doch mindestens 30 Zentimeter über den Forst hinausgehen. Die Schornsteine: Bauordnung für Berlin. § 81. Schornsteine in feuergefährlichen Räumen . Massive Schorn- steine, welche durch Gelasse zur Aufbewahrung leicht entzündlicher Gegenstände führen, sind in einer Entfernung von wenigstens 30 Zentimeter mit einem durchsichtigen Latten- oder ähnlichem Verschlage durch die ganze Länge des Gelasses dergestalt zu umgeben, daß der Zwischenraum frei bleibt. § 82. Eingegangene Schornsteine . Eingegangene Schornsteine, oder solche, deren Benutzung unzulässig ist, müssen oben vermauert werden. § 83. Rauchbelästigung . Alle Schornsteine müssen eine solche Höhe haben, und die zugehörigen Feuerungen müssen so eingerichtet sein, daß jede Belästigung durch Rauch, Ruß oder dergleichen, möglichst vermieden wird. Anderen Falls müssen auf Verlangen des Polizei-Präsidiums dergleichen Anlagen zweckentsprechend verändert oder beseitigt werden. Schornsteine, innerhalb 3,0 Meter von der öffentlichen Straße oder von der nach- barlichen Grenze, müssen von dem Straßenpflaster oder von dem Erdboden ab eine Höhe von mindestens 12 Meter erhalten, welche nach dem Ermessen des Polizei- Präsidiums auf 8,0 Meter ermäßigt werden kann. Neue Schornsteine oder bereits vorhandene, an welchen neue Feuerungen angelegt werden, müssen auf Verlangen des Polizei-Präsidiums 1,0 Meter über dem Sturz nachbarlicher Thür- oder Fenster- öffnungen hinausgeführt werden, wenn sie von denselben weniger als 5,0 Meter ent- fernt sind und diese Erhöhung zur Beseitigung oder Vermeidung von Rauchbelästigung geboten erscheint. § 84. Anzahl der Feuerungen an einem Schornsteinrohr . In ein Schornsteinrohr, dessen Querschnitt 14 Zentimeter lang und 14 Zentimeter breit ist, dürfen nur 3 Rauchröhren gewöhnlicher Ofenfeuerungen geleitet werden. Bei zu- nehmender Weite sind für jede Ofenfeuerung mindestens 65 □Zentimeter erforderlich. Eine Kochofen- oder Waschkessel-Feuerung ist in dieser Beziehung der Feuerung von 3 gewöhnlichen Heizöfen gleich zu setzen. § 85. Reinigung der Schornsteine . Jede Schornstein-Anlage muß so eingerichtet werden, daß dieselbe ordnungsmäßig gereinigt werden kann. Besteigbare Schornsteine müssen an ihren unteren Enden verschließbare Einsteige-Oeffnungen haben, wenn dieselben nicht unmittelbar über offenen Heerden liegen. Enge Schorn- steinrohre müssen sowohl an ihrem unteren Ende, als auch über dem obersten Dach- boden Seitenöffnungen mindestens von der Größe des Querschnittes erhalten, welche mit eisernen Thüren sicher zu verschließen sind. Schornsteinaufsätze, Kappen oder sonstige Schutzvorrichtungen, sowie auch Räucherstangen und dergleichen innerhalb der Rauchrohre sind nur so weit statthaft, als sie die ordnungsmäßige Reinigung nicht hindern. b ) Oesterreich . Die Bauordnung für Böhmen schreibt vor: § 39. Die Fußböden in den Küchen müssen unter dem Herde und mindestens 0,6 Meter um den Herd feuersicher gelegt sein. § 40. Für Rauchfänge ohne Unterschied gilt die Bestimmung, daß die Wand- stärke mindestens durchgehends 1 Ziegelbreite enthalte und das Mauerwerk vom Dachbodenpflaster an auch auf der Außenseite verputzt sei. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Das Aufsetzen der Rauchfänge auf Balken, das Schleppen oder Schleifen der- selben auf Hölzern, das Einziehen hölzerner Stangen zum Räuchern, sowie das Ein- lassen jedes wie immer gearteten Holzwerkes in das Gemäuer der Rauchfänge ist strengstens untersagt. § 41. Schliefbare Rauchfänge müssen mindestens 48 Zentimeter im Quadrate, runde (russische) mindestens 16 Zentimeter im Durchmesser haben, und müssen alle Rauchfänge in ihrer Höhe mindestens 0,6 Meter über den Dachfirst ausgeführt werden. Die innere Fläche der Rauchfänge muß glatt fein und sind solche auch thunlichst senkrecht herzustellen. Schleifungen unter 60 Grad zur Horizontallinie dürfen nicht stattfinden. § 42. Bei Anlagen runder Rauchfänge muß vorgesorgt werden, daß das Putzen oder Reinigen derselben vom Dache aus, wo nöthig durch Errichtung von Laufbrücken, ermöglicht werde. Das Anbringen von Putzthürchen innerhalb der Dachbodengelasse ist unbedingt untersagt; doch müssen solche an der Stelle, wo der runde Rauchfang beginnt, an- gebracht werden, um den abgekehrten Ruß beseitigen zu können. § 43. Rauchfänge müssen so angelegt sein, daß jede Gruppe von Heizungen in den einzelnen Geschossen ihren eigenen Rauchfang erhält. § 44. Es ist durchaus verboten, Rauchröhren aus den Häusern gegen die Gasse oder die Hofräume auszumünden. Derlei Rauchröhren sind, wo sie etwa noch be- stehen, binnen eines behördlich festgesetzten Zeitraumes zu beseitigen. § 45. Rauchkammern sollen besonders gut gewölbt und mit eisernen Thüren verschlossen sein. Die Fußböden darin sollen mit Ziegeln belegt und die eisernen Fleischstangen dem Rauchschlotte nicht allzu nahe gebracht werden. § 46. Räumlichkeiten, welche in Wohngebäuden für große Feuerungsanlagen bestimmt sind, müssen nicht nur gewölbt sein, sondern auch einen feuersicheren Fuß- boden erhalten; bei minderen Feuerungsanlagen ist es dagegen genügend, wenn nur die nächsten Umgebungen der Feueressen, namentlich der Rauchmantel, dann der Fußboden zunächst dem Feuerherde feuersicher hergestellt werden. Im Uebrigen ist darauf zu sehen, daß die Ausgänge aus den Feuerwerksstätten, besonders in den Städten, nicht auf die Gasse der Straße, sondern nach Thunlichkeit gegen die Hof- räume zu angelegt werden. Die Kesselhäuser bei größeren Etablissements mit Dampfbetrieb sind, wo thun- lich, außerhalb der übrigen Gebäude und abgesondert in ungewölbten blos leicht überdeckten Räumen, jedoch so anzulegen, daß die Kesselfeuerung selbst vollkommen geschlossen sei. Bauordnung für Bukowina : § 45. Für Rauchfänge ohne Unterschied gilt die Bestimmung, daß mindestens 16 Zentimeter von der Lichte des Rauchschlottes jedes Holzwerk entfernt bleiben muß. Das Mauerwerk der Rauchfänge muß auf der Außenseite überall, wo Holzwerk unmittelbar an demselben anliegt, sonst aber vom Dachbodenpflaster an durchgehendes verbrämt oder perputzt werden. Die Schornsteine: Bauordnung für Oesterreich. § 46. Schliefbare Rauchfänge müssen inwendig wenigstens 48 Zentimeter im Quadrat enthalten; sie sind aus Mauerwerk mit der halben Ziegellänge auszu- führen, und müssen wenigstens 0,6 Meter über dem Dachfirst erhöht sein. Die österr. Bauordnungen haben noch Fußmaße und das alte Steinformat; hier haben wir beide in das Metermaß übertragen. D. Verf. Rauchfänge, die für größere Feuerungen dienen, wie z. B. bei Bäckern, Hafnern und sonstigen Feuerarbeitern, müssen so gebaut werden, daß die Nachbarschaft durch den Rauch nicht belästigt wird. Sie sind mit einer Klappe oder einem Schieber zu versehen. An hohen freistehenden Rauchfängen müssen Steigeisen angebracht sein. § 47. Nur in den Gebäuden, welche nach den Bestimmungen des § 31 erbaut sind, ist der Bau und die Benutzung der engen (russischen) Rauchfänge unter fol- genden Vorschriften gestattet: 1) Enge russische Rauchfänge müssen rund sein. Für einfache geschlossene Feuerungen dürfen sie nicht unter 15 Zentimeter im Durchschnitte haben. Für mehrere Oefen oder Feuerungen müssen sie wenigstens 21 Zentimeter im Durchschnitt haben. 2) In jedem Geschosse hat jede Heizgruppe ihren eigenen Rauchfang zu erhalten, welcher bis über das Dach für sich aufgeführt werden muß. 3) Die innere Fläche enger Rauchfänge muß möglichst glatt sein. 4) Diese Rauchfänge sind möglichst senkrecht herzustellen. Schleifungen unter 60 Grad gegen die Horizontallinie dürfen in der Regel nicht stattfinden; sollten aber solche ausnahmsweise bewilligt werden, so müssen an den Punkten, wo die Ziehung geschieht, Putzthürchen angebracht werden, und es ist am Beginne der Abweichung von der verticalen Linie Vorsorge gegen die Beschädigung der inneren Schornsteinwandung durch das Auf- schlagen der Putzbürstenkugel zu treffen. 5) Jede enge Rauchröhre muß unten, wo sie anfängt. und auf dem obersten Dachboden behufs der Reinigung von dem staubartigen Ruße mit einer Seitenöffnung von erforderlicher Größe, und zwar auf dem Dachboden 1,25 Meter über dem Dachbodenpflaster oder den Lauftreppen versehen sein. Diese Oeffnungen sind mit zwei von einander getrennten, eisernen, in Falzen schlagenden, zum Absperren eingerichteten Putzthürchen genau zu verschließen. Insofern in der Nähe der Putzthürchen Holzwerk nicht ver- mieden werden kann, muß dasselbe mit Eisenblech verschlagen werden. § 48. Die Zusammenziehung mehrerer schliefbarer Rauchfänge in einem Rauch- schlott und die Einmündung der Rauchröhren in den Rauchmantel der Küche oder in den Rauchfang eines zweiten Wohngebäudes ist nicht gestattet. Auch dürfen keine langen eisernen Rauchröhren durch mehrere Wohnbestandtheile in entfernte Rauch- fänge geführt werden. Bei Neubauten ist es gänzlich untersagt, Rauchröhren aus den Häusern gegen die Gasse oder gegen den Hof auszumünden. Auf die Gasse ausmündende Rauch- röhren, wo sie etwa noch bestehen, sind binnen eines vom Magistrate festzusetzenden Termins abzustellen. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Der Fortbestand von auf den Hof ausmündenden Rauchrohren kann, wenn keine Bedenken wegen Feuersgefahr oder aus Gesundheitsrücksichten obwalten, gestattet werden. Bauordnung für Galizien . § 23. a ) Wenn Küchen nicht gewölbt sind, und keine sogenannte englische Spar- herde erhalten, sondern nur offene Feuerherde, so müssen diese mit einem feuersicheren Mantel überdeckt sein, der mindestens 0,3 Meter die Seiten des Kochherdes über- ragen soll. In diesen Mantel sind nach Zulässigkeit die Rauchröhren der Oefen zu leiten. — Der Abstand dieser Ofenröhren von den Plafonds muß wenigstens 45 Zentimeter betragen. b ) Der Fußboden ringsum den Herd ist auf 0,6 Meter Breite mit Ziegeln oder Steinen oder sonst in feuersicherer Weise auszupflastern. Ebenso sind die Einheizen und Heizeingänge zu pflastern, die letztern noch zu überwölben und die Zugänge beider mit verschließbaren Thüren zu versehen, welche, wenn sie von Holz sind, an der Innenseite mit Blech überzogen und an steinerne Gewände oder Eisenrahmen mit Vermeidung allen Holzes befestigt sein müssen. c ) Gemauerte Backöfen für Gewerbszwecke müssen einen aus feuerfestem Material construirten Herd erhalten und mit einem doppelten Gewölbe versehen werden. Backöfen für Hauszwecke sind mit denselben Vorsichten wie die Küchenherde an- zulegen d ) Heizöfen, die unmittelbar am Fußboden stehen, müssen einen 0,3 Meter hohen überpflasterten Herd erhalten; — wenn sie auf hölzernen Fußgestellen stehen, so genügt derselbe mit 16 Zentimeter Höhe; — eiserne Oefen, die nicht auf Füßen stehen, sind auf ein volles 16 Zentimeter hohes Fundament zu stellen. e ) Ueber größere Heizungen für gewerbliche Zwecke, Trockenkammern u. dergl., sind jederzeit gehörig detaillirte Pläne zu verschaffen und wird die Bewilligung zu deren Ausführung von dem Urtheile der hierzu berufenen Behörden abhängig ge- macht, denen es auch zusteht, allenfällige Vorsichten und Bedingungen anzuordnen. Schliefbare Rauchfänge. § 24. a ) Die Rauchfänge müssen in der Regel schliefbar, daher 48 Zentimeter im lichten quadratischen Ouerschnitte weit sein, sie müssen ½ Ziegellänge dicke Ein- fassungsmauern erhalten und 1,25 Meter über den Dachfirst emporragen. b ) Das Schleifen der Rauchfänge auf hölzerner Unterlage, sowie überhaupt das in einem kleineren Winkel als 60 Grade (gegen die Horizontallinie), ferner das Zusammenziehen von Rauchleitungen aus mehreren Geschossen in einen und den- selben Rauchschlott ist untersagt. c ) In das Mauerwerk der Rauchfänge dürfen durchaus keine Hölzer eingelassen werden, und es muß jedes Holzwerk wenigstens 16 Zentimeter von der inneren Wand des Rauchfanges, — jedes Eisenwerk wenigstens 8 Zentimeter davon entfernt sein. § 25. Die Erbauung von engen, runden sogenannten russischen Rauchfängen wird von der Bewilligung der Behörden abhängig gemacht, und ist daher in dem Bauplane ersichtlich, zu machen. Als Bedingung für die Herstellung dieser engen Rauchfänge wird festgesetzt, daß sie nur dort stattfinden dürfen, wo das Dach des betreffenden Hauses mit feuer- Die Schornsteine: Bauordnung für Oesterreich. sicherem Material gedeckt ist; und in Nachbar-Scheidemauern nur dann, wenn auch das Nachbarhaus eine feuersichere Eindeckung besitzt. Hierbei gelten übrigens folgende Modalitäten: a ) Dieselben dürfen nur bei geschlossenen Feuerungen angewendet werden; — für offenes Feuer werden sie nicht gestattet. b ) In einen und denselben Rauchschlott dürfen nur Rauchfangröhren eines und desselben Geschosses einmünden. c ) Enge Rauchfänge sollen in der Regel — besonders bei neuen Bauten, selbst wenn sie die Bestimmung für ein oder das andere der oberen Geschosse haben, jedes- mal vom Erdgeschosse aus aufgeführt werden; empfohlen wird es jedoch, dieselben bis in den Keller hinabzuführen. d ) Die Querschnittsfläche dieser engen Rauchfänge muß kreisrund und glatt ausgeführt sein, damit sich der Ruß so wenig als möglich ansetzen kann. e ) Enge Rauchfänge müssen, so wie die schliefbaren, aus feuersicherem Materiale wovon jedoch Metalle ausgeschlossen sind, gebaut und wie die schliefbaren, wenigstens 1,25 Meter über den Dachfirst erhöht sein; sollen möglichst senkrecht angelegt werden und nur unter besonderen Umständen ist eine Ziehung bis zum Winkel von höch- stens 60 Graden gestattet. f ) Das Mauerwerk enger Rauchfänge muß ebenso wie bei schliefbaren, wenigstens ½ Ziegellänge dick sein, und muß über dem Dachbodenpflaster von außen gehörig beworfen und verputzt werden. g ) Der Durchmesser enger, runder Rauchröhren für eine Heizung wird auf 15 Zentimeter im inneren Lichten festgestellt, welches Maß jedoch überschritten werden darf, wenn in einer Gruppe unter einem und demselben Heizverschlusse stehend, zwei oder mehrere Heizungen in einen Rauchschlott münden. — In einem solchen Falle ist eine angemessene Erweiterung der Durchschnittsfläche auf 22 Zentimeter im Durch- messer zugestanden. Andere Dimensionen als 15 Zentimeter oder 21 Zentimeter innere Lichte werden nicht gestattet. h ) Wenn enge Rauchfänge durch den Dachraum oder durch hohe Stockwerke freistehend ohne Verbindung mit den Mauern aufgeführt werden, soll die Dimen- sion der Pfeiler für jeden speciellen Fall ausgemittelt werden. Wenn es für nöthig erkannt werden sollte, sind die frei über die Dachfläche auf- gehenden Rauchfänge durch eiserne Schließen zu befestigen. i ) Jede enge Rauchröhre muß unten, wo sie anfängt und über dem obersten Dachboden — behufs der Reinigung vom staubartigen Ruße — mit einer Seitenöffnung von der lichten Breite des Rauchschlottes und wenigstens 30 Zentimeter Höhe ver- sehen werden. Diese Oeffnungen sind mit eisernen in Falze schlagenden doppelten Thürchen — zum Sperren eingerichtet — genau zu verschließen; diese Thürchen sind mit der Nummer des Geschosses, oder in größeren Häusern, selbst der Wohnung zu bezeichnen, für welche der Rauchschlott gehört. Sie dürfen nie an solchen Stellen angebracht werden, wo Dachgehölze anstoßen. k ) Unter den Reinigungsthürchen ist, wenn der Dachboden eine Holzbrücke erhält, eine Blechtafel von wenigstens 1,25 Meter im Gevierte anzubringen. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Bauordnung für Mähren : § 34. Für Rauchfänge (Schornsteine) gilt die Bestimmung, daß die Wandstärke mindestens durchgehends 1 Ziegelbreite erhalte und das Mauerwerk innerhalb des Dachbodenraumes auf der Außenseite verputzt sei. Das Aufsetzen der Rauchfänge auf Balken, das Schleppen oder Schleifen auf Hölzern, das Einziehen hölzerner Stangen zum Räuchern, sowie das Einlassen jedes wie immer gearteten Holzwerkes in das Gemäuer der Rauchfänge ist untersagt. Offene Herde (Lichtherde, Kutzer) mit einem theils aus Brettern zusammenge- setzten und theils gemauerten Rauchabzuge werden nicht gestattet. Die in Wohn- stuben bestehenden sind nur dann zu dulden, wenn sie mit einem vorschriftsmäßig gemauerten Rauchfange ohne Einschlauchung in einen andern Rauchzug versehen werden und dieser Rauchfang eine Vorrichtung zum Sperren mit einer eisernen Klappe erhält. § 35. Schliefbare Rauchfäuge müssen mindestens 48 Zentimeter im Quadrate, enge (russische) mindestens 16 Zentimeter im Durchmesser haben. Alle Rauchfänge sind in ihrer Höhe mindestens 1,25 Meter über das Dach auszuführen. Die innere Fläche der Rauchfänge muß glatt sein und sie sind womöglich senkrecht herzustellen. Schleifungen unter 60 Graden zu Horizontalen sind unzulässig. Dachrauchfänge und überhaupt Rauchfänge für große Feuerungen sind so zu bauen, daß die Nachbarschaft nicht belästigt wird. Sie sind mit einer Klappe oder einer Schiebe zu versehen. § 36. Die russischen Kamine sind behufs der Reinigung mit doppelten eisernen und sperrbaren Putzthürchen im Dachbodenraum zu versehen. Die Putzthürchen sind von allem Holzwerke möglichst fern zu halten und selbes ist, wo dessen Nähe unvermeidlich, durch feuersicheres Material zu schützen. Zur Reinigung der russischen Kamine können auch Laufgalerien (Laufbrücken) am Dachfirst angebracht werden, wodurch die eisernen Putzthürchen im Dachboden- raume entfallen. Russische Kamine können übrigens nur bei feuerfesten, feuersicher eingedeckten Gebäuden in Anwendung kommen. § 37. Rauchfänge sind so anzulegen, daß jede Gruppe von Heizungen in den einzelnen Geschossen ihren eigenen Rauchfang erhält. Bauordnung für Graz bestimmt : § 43. 1) Enge russische Rauchschlotte müssen kreisrund sein, dürfen für einzelne nicht unter 16, für 2 bis 4 Heizungen aber nicht unter 23 Zentimeter im Durch- messer erhalten, dürfen nur für geschlossene Feuerungen in Anwendung kommen und nicht in Zimmern beginnen. 2) Jede Heizgruppe der einzelnen Geschosse hat ihren eigenen Rauchschlott zu erhalten. 3) Die innere Fläche der engen Rauchschlotte muß möglichst glatt sein und es dürfen zur Ausführung derselben nur Mauer- oder Formziegel verwendet werden. Nur ausnahmsweise in alten Gebäuden, wo die erforderliche Dicke der Mauer nicht Die Schornsteine: Bauordnung für Oesterreich. vorhanden ist und eine allfallige Verstärkung mit zu großen Kosten verbunden wäre, können gut construirte Röhren gebraucht werden. 4) Derlei Rauchschlotte von mehr als 16 Zentimeter Durchmesser dürfen nur in einem Mauerwerk angebracht werden, dessen Dicke mindestens 2 Ziegel beträgt; für den Fall jedoch, daß hiebei derartige Formziegel in Anwendung kommen, daß die Rauchschlottmauer von der inneren bis zur äußeren Fläche noch eine Dicke von ½ Ziegellänge erhält, genügt auch eine Mauerstärke von 1½ Ziegel. 5) Diese Rauchschlotte sind möglichst senkrecht herzustellen. Schleifungen unter 60 Graden mit Horizontalen dürfen in der Regel nicht stattfinden, sollten aber solche ausnahmsweise bewilligt werden, so sind an den Punkten, wo die Ziehung geschieht, Putzthürchen, jedoch immer nur außer den Wohnzimmern anzubringen und es ist im Beginne der Abweichung von der verticalen Linie Vorsorge gegen die Beschädigung der inneren Schornsteinwandung durch das Aufschlagen der Kugel zu treffen. 6) Jeder enge Rauchschlott muß unten, wo er anfängt und auf dem obersten Dachboden behufs der Reinigung von dem staubartigen Ruße mit einer Seiten- öffnung von erforderlicher Größe und zwar auf dem Dachboden 1,25 Meter ober dem Dachbodenpflaster oder den Lauftreppen versehen sein. Die Oeffnungen sind mit gußeisernen oder zwei von einander getrennten, in Falz schlagenden schmiedeeisernen Thürchen zu versehen. Die Thürchen, welche im Dachraume angebracht sind, müssen ein Vorlegeeisen mit einer gußeisernen Rolle zum Ablassen und Aufziehen der Putzmaschine erhalten, und es muß deren Lichte genau 24 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch sein. Auch müssen sie eine sichere Sperre erhalten, die nur dem Kaminfeger zugängig sein darf. Bei Gruppen solcher Putzthürchen müssen diese überdieß mittelst eines Ver- schlusses, welcher alle deckt, verschiebbar sein. Ueberhaupt sollen die Putzthürchen nie innerhalb der Parteiböden, sondern stets von den Communicationsgängen zugänglich angebracht werden, insofern in der Nähe der Putzthürchen Holzwerk nicht vermieden werden kann, muß dasselbe mit Eisen- blech beschlagen und überhaupt der Boden unter den Putzthürchen mit unverbrenn- barem Material belegt werden. Alle Putzthürchen im Dachraume sind mit der be- züglichen Stockwerks- und Wohnungsnummer zu versehen. Bezüglich der Putzthürchen in Kellern gelten die obigen Bestimmungen über Verschluß und Bezeichnung. Bauordnung von Wien bestimmt: § 47. Für Rauchfänge ohne Unterschied gilt die Bestimmung, daß zwischen dem Holzwerke und der lichten Oeffnung des Rauchschlottes mindestens eine Mauerziegel- breite und ein stehender Dachziegel angebracht sein muß, und zwar in der Weise, daß der letztere die Lager- und Stoßfugen der Mauerziegel deckt. Das Mauer- werk der Rauchfänge muß auf dem Dachboden verbrämt oder verputzt sein. Die Rauchfänge sind so anzulegen, daß jeder bewohnbare Raum geheizt werden kann. § 48. Schliefbare Rauchfänge müssen mindestens 48 Zentimeter im Quadrate in der inneren Lichte enthalten. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. § 50. Bezüglich des Baues und der Benntzung der engen Rauchfänge ist sich an folgende Vorschriften zu halten: 1) Enge Rauchfänge müssen für geschlossene Feuerungen wenigstens einen Quer- schnitt von 36 Quadratzollen haben und ihre geringste Breite muß 16 Zentimeter betragen, wenn dieselben höchstens für 2 Feuerungen dienen; für 3—4 Feuerungen muß der Querschnitt mindestens 48 Quadratzoll betragen; mehr als 4 Feuerungen dürfen in keinem Falle in einen engen Rauchfang geleitet werden. Für offene und außergewöhnliche Feuerungen: 2) In der Regel hat jede Heizgruppe der einzelnen Geschosse und Wohnungen ihren eigenen Rauchfang zu erhalten. 3) Die Rauchfänge sind möglichst senkrecht herzustellen. Schleifungen unter 60 Grad mit der Horizontallinie dürfen in der Regel nicht stattfinden, sollten aber solche ausnahmsweise bewilligt werden, so müssen an den Punkten, wo die Ziehung geschieht, Putzthürchen angebracht werden und es ist am Beginne der Abweichung von der verticalen Linie Vorsorge gegen die Beschädigung der inneren Schornsteinwandung durch das Aufschlagen der Kugel an den Putzbürften zu treffen. 4) Jede enge Rauchröhre muß an ihrem unteren Ende und auf dem obersten Dachboden 0,9 Meter ober dem Dachbodenpflaster oder den Lauftreppen mit zwei von einander getrennten eisernen im Falze schlagenden Putzthürchen von 40 Zentimeter Höhe und von der Breite des Schlottes versehen sein. Diese Thürchen sind mit der bezüglichen Wohnungs- und Stockwerksnummer zu versehen und sind nie innerhalb des versperrten Bodenraumes, sondern stets von den Communicationsgängen zugänglich anzubringen. Insoferne in der Nähe der Putzthürchen Holzwerk nicht vermieden werden kann, muß dasselbe mit Eisenblech beschlagen werden. 3) Die Schornsteinanlage in Wohngebäuden verdient die größte Aufmerksamkeit seitens des Technikers. Wegen der Feuersicherheit müssen die an die Schornsteine angrenzenden Wände mindestens 0,5 m von den Schornsteinen ab massiv gemauert sein (siehe die Fig. 198—202 im I. Bande „Zimmerconstruktion“, Capitel Riegelwände); in einigen Gegenden ist 1 m vorgeschrieben. In Küchen macht man wenigstens die Wände ringsum den Feuerherd massiv und den Fußboden in einem Abstande von 0,6 m vom Herde feuersicher. Der Herd liegt am besten so, daß einerseits das Licht von der linken Seite auf ihn falle, andererseits die Zugluft nicht zu ihm gelangen kann. Der Herd erhält daher seinen Platz nicht dicht an der Küchenthür, sondern in einer Ecke. Zur besseren Ableitung des Dunstes bringt man über dem Feuer- herd (in Oesterreich selten) einen Rauchmantel an, der meistens aus Zinkblech besteht und trichterartig nach den Wrasen- oder Dunst- Die Vorgelege. rohr führt (Fig. 85). Das Dunstrohr liegt neben dem Schornstein- rohr und hat ½ Ziegel Geviert im Querschnitt. Der Abstand des Rauchmantels vom Fußboden beträgt 2,1 m . α) Die Vorgelege . In den früheren Zeiten (vor circa 50 Jahren) pflegte man die Zimmer von Vorgelegen auszuheizen, welche noch jetzt in ganz alten Gebäuden im Gebrauche sind. Man gelangt zu ihnen vom Corridor aus und verschließt sie mittelst einer, innerhalb mit Eisenblech be- schlagenen Thür, die in einen 2 zm tiefen Falz einschlägt. Neuerdings werden Vorgelege nur dort angelegt, wo man den Bewohnern die Arbeit des Heizens ersparen will, wie z. B. in Fremdenzimmern, Schlössern u. s. w., in welchen die Vorgelege in den dicken Mauern versteckt bleiben. Seitdem aber die Centralheizungen (Warm- und Heißwasserheizungen) verbessert und beliebt geworden sind, werden die Vorgelege auch in herrschaftlichen Häusern immer seltener anlegt. Da das Vorgelege gleichzeitig als Schornstein dient, wird es, in der Höhe von 2 m vom Fußboden entfernt, überwölbt. Letzterer ist mit einem Ziegelpflaster bedeckt. In der Regel sind die Vorgelege 0,9 m lang und 0,75 m breit. Kleinere, vor denen man beim Heizen Fig. 85. Fig. 86. stehen bleiben muß, heißen „Heizkamine“ ; diese werden mit einem Herde, der 3 zm niedriger ist, als die obere Ofenthür, vollständig ausgemauert. Ein Heizkamin bedient höchstens zwei Oefen und Wanderley, Bauconstr. II. 6 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. dürfte besonders in den Wohnungen der ärmeren Leute als Koch- herd zweckmäßig sein. Meistens macht man ihn 0,5 m tief und 0,45— 0,6 m breit. Die Wangen, d. h. Umfangsmauern sowohl der Heiz- kamine, als auch der Vorgelege müssen in mehrstöckigen Häusern genau übereinander stehen, was durch „Schleppen“ oder „Auskragung“ geschieht. Leider entstehen auf diese Weise schiefe Flächen in der Ecke des Corridors; um diese zu verstecken, pflegt man die ganze Schorn- steinanlage zu untermauern und mit Nischen zu versehen, welche als Wandschränke dienen. Das System der Ueberkragung erkennen wir in Fig. 86; a sind die in das Vorgelege führenden Ofenröhren. Eine Vorgelegeanordnung, welche auch für die moderne Bauweise noch zulässig erscheint, entnehmen wir dem Werke: „Menzel-Schwatlo, der Steinbau“ (Fig. 87—89); Fig. 89 giebt die Vorgelege- und Fig. 87. Fig. 88. Fig. 89. Röhrenlage des untersten Stockwerks, Fig. 88 eines darüberliegenden zweiten, Fig. 87 die des dritten und vierten Stockwerks. Die Röhren der verschiedenen Stockwerke sind immer untereinander fortgezogen, so daß im obersten Stockwerke (Fig. 87) die Röhre bei A diejenige Die Schornsteine: Die Vorgelege. ist, welche im untersten Stockwerke (Fig. 89) unmittelbar auf dem Vorgelege v anfängt (siehe auch das System in Fig. 86). Sollte aber ein solches Vorgelege in einem Hause von nur zwei Stockwerken ausgeführt werden, so würde die Anlage in der Weise modificirt, daß die mit g h in Fig. 88 und i k in Fig. 89 bezeichneten Mauern in dem ersten und zweiten Stockwerk wegbleiben. Die Nische b c e d kann man auch ausmauern; F ist ebenfalls eine große Nische, in welcher auch der Stubenofen stehen könnte. Die Heizung der Stubenöfen innerhalb der Stuben hat den Vor- gelegen gegenüber den überwiegenden Vortheil der Lufterneuerung (der natürlichen Ventilation). Aus diesem Grunde, und auch weil die Vorgelege viel Platz beanspruchen, heizt man jetzt die Oefen direkt vom Zimmer aus und sind dann nur b ) die Schornsteine zur Abführung des Rauches nothwendig. Hierbei unterscheidet man erstens: weite Schornsteine und zweitens: enge Schornsteine. Die weiten Schornsteine werden vom Schornsteinfeger gereinigt, indem er in sie hinein klettert, d. h. sie „befährt“; daher heißen diese Rauchfänge auch „schliefbare“ oder „befahrbare“ Schornsteine. Die engen Rauchschlotte dagegen werden von oben mit zwei, sich überkreuzenden, an einer 3 Kilo schweren Kugel befestigten, Besen, die an einer Leine hängen, gefegt und heißen daher auch „Lein- schornsteine“ oder, da sie zuerst in Rußland zur Ausführung ge- langten, „russische Röhren“ . α) Die weiten Schornsteine waren bis vor 50 Jahren aus- schließlich im Gebrauche und werden neuerdings nur in ländlichen Gebäuden bei „offenen Herden“, sowie für große Küchen- und Wasch- kesselfeuerungen angewendet. Damit die Schornsteinfeger in den Rauchfang klettern können, muß derselbe, je nachdem er von er- wachsenen oder jungen Rauchfangkehrern befahren werden soll, ganz bestimmte Maße erhalten, welche gesetzlich vorgeschrieben sind. In Preußen galt bisher beim alten Ziegelformat von 10″ rhl. Länge als Regel, daß die schliefbaren Schornsteine 18″ rhld. im Quadrat oder 18/16″ rhld. im Rechteck messen mußten; in Oester- reich ist in allen Kronländern eine lichte Weite von 18/18″ wiener vorgeschrieben. 6* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Seit Einführung des Metermaßes und Abänderung des Ziegel- formats sind die vorgeschriebenen Dimensionen modificirt worden und zwar auf 42 und 47 zm im Rechteck, oder 47 und 47 zm , resp. 45 und 45 zm im Quadrat. Wenn die fahrbaren Rauchfänge über 55 zm im Lichten weit sind, bringt man in den Ecken Aufsteigeeisen an. Die Wangen , d. h. Wände der Schornsteine, werden stets nur ½ Ziegel stark gemacht. Der Steinverband der weiten Rauchfänge kann verschiedenartig sein und hängt nicht nur von der Dicke der Mauern, die mit dem Schornstein in Verbindung stehen, sondern auch von der Lage der Röhren ab (in der Mitte oder Ecke der Mauer), und außerdem noch davon, ob mehrere und wie viele Schornsteine nebeneinander herge- stellt werden. Fig. 90 A—C. Die nachstehenden Beispiele geben die mannigfachsten Fälle: Fig. 90 A ist 1½ Stein im Geviert, oder mit deutschen Normalziegeln 40/40 zm weit im Lichten, „ österreichischen „ 46/46 zm „ „ „ Die Schornsteine: Steinverband. Fig. 90 B ist 1¾ und 1½ Stein im Rechteck oder mit deutschen Normalziegeln 40/47 zm weit im Lichten, „ österreichischen „ 46/54 zm „ „ „ Fig. 90 C ist 1¾ Stein im Geviert oder mit deutschen Normalziegeln 47/47 zm weit im Lichten, „ österreichischen „ 54/54 zm „ „ „ Die Buchstaben a u. b geben die Schaaren innerhalb der Mauer, c u. d den Verband des freistehenden Schornsteins im Dachboden. Bei Fig. A steckt der Schornstein ganz in einer 2½ Ziegel (oder nach deutschen Steinen 64 zm , nach österr. Steinen 75 zm ) starken Mauer; bei B ist die Mauer nur 2 Steine oder 51 zm , beziehungsweise 60 zm stark und tritt der Schornsteinkasten ½ Steinlänge vor; bei C hat die Mauer nur eine Breite von 1½ Ziegel resp. 38 zm , beziehungs- weise 45 zm . Meistens ordnet man die Schornsteine in den Zimmerecken an (Fig. 91) und gehören dann die Schornsteinwandungen den sich kreuzenden Wänden an. Fig. 91. Bezüglich des Verbandes hat man die bei den Mauerendigungen mitgetheilten Regeln zu befolgen. β) Die engen Schornsteine , sogenannten russischen Röhren oder Leinschornsteine, wurden vor etwa 50 Jahren in Deutschland zuerst ausgeführt; man erkannte bald ihre bedeutenden Vorzüge und sind sie daher seit dieser Zeit in allen Neubauten für gewöhnliche Stubenöfen ausschließlich im Gebrauche. Ihr Nutzen besteht darin, Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. daß der Rauch durch enge Rohre weit schneller emporsteigt, als durch weite und somit der „Zug“ ein besserer ist. Damit die Rauchfangkehrer mit ihren Besen alle Schornsteine reinigen können, hat die Baupolizei in sämmtlichen Staaten die Weite der Röhren gesetzlich vorgeschrieben. Die früher in Preußen üblichen Maße waren: 6/6″—6/8″ und 8/8″; nach Einführung des Metermaßes beträgt die lichte Weite 15/15—15/21 oder 21/21 zm . Dieselben Dimensionen gelten auch in Oesterreich, wo besonders die Steinbreite von 14 zm die Anlage der russischen Röhren wesentlich erleichtert. Die engen Schornsteine erhalten entweder einen viereckigen oder kreisförmigen Querschnitt; letzterer ist in Oesterreich und vielen Distrikten Deutschlands sehr gebräuchlich und heißen nach ihm die Schlotte dann „Cylinder“. Die viereckigen Röhren haben den Vortheil, daß sie sich leichter herstellen lassen, die runden dagegen „ziehen“ besser und gestatten eine gründliche Reinigung. Die Aufmauerung der runden Röhren geschieht derart, daß man einen 0,5—1 m langen Holzklotz vom Durchmesser der Röhre lose mit einmauert und, nachdem vier bis sechs Schaaren aufgeführt sind, in die Höhe zieht. Die Rauchfänge werden innerhalb mit Kalk- mörtel berappt (verbrämt); dasselbe geschieht auch an den Außenseiten der im Bodenraume freistehenden Schornsteinkasten. Jedoch das Schornsteinende, welches über das Dach hinaus ragt, bleibt stets ungeputzt und wird blos ausgefugt, da der äußere Putz wegen des bedeutenden Temperaturunterschiedes zwischen der äußeren Luft und der Gase innerhalb der Röhren, sowie wegen der beständigen Nässe durch Regen u. s. w., immer abfällt. Die Wandstärke der engen Röhren beträgt bei Stuben- und Küchenfeuerungen stets ½ Ziegel, auch wenn mehrere Schornsteine nebeneinander stehen. Durchaus verwerflich ist es, die Scheide- wand zwischen zwei Schornsteinröhren, welche ebenfalls ½ Ziegel stark sein muß, aus hochkantig aufeinander gestellten Ziegeln zu machen. Solche „Zungen“ -Wände sind nur bei „Dunströhren“ gestattet, welche keiner Reinigung bedürfen. Einzelne Röhren, die im Dachbodenraume sehr weit freistehen, erhalten an den beiden gegenüberstehenden Seiten Wangen von 1 Stein Stärke. Bilden mehrere enge Röhren zusammen einen „Schorn- steinkanen“, so ist diese Verstärkung nicht erforderlich; auch die weiten Die Schornsteine: Steinverband der russischen Röhren. Schornsteine haben immer so viel Grundfläche, daß sie ohne die Ver- stärkung der Wangen schon hinreichend stabil stehen. Daß alles Holzwerk von den Schornsteinwandungen fern bleiben muß, ferner „Reinigungsthüren“ erforderlich sind und diese theilweise durch „Laufbühnen“ (sehr zu empfehlen) auf dem Dache ersetzt werden können, wobei die Reinigung von der oberen Mündung aus statt- findet, wurde bereits in den oben mitgetheilten „polizeilichen Vor- schriften“ Preußens und Oesterreichs angegeben und verweisen wir auf die betreffenden §§. Alle Schornsteinröhren müssen von unten auf fundamentirt werden, damit sie beim Abbrennen des Hauses mit den Mauern vereint bleiben; deshalb ist es gesetzlich unzulässig, einen Schornstein auf Balken zu setzen. Ferner darf sich der Schornstein sich niemals an die Dach- construktion anlehnen. Hinsichtlich des Schornsteinverbandes bemerken wir, daß für enge Röhren dieselben Regeln gelten wie für weite; bei ersteren muß man die Lücken öfters mit Quartiersteinen ausfüllen, um eine regelmäßige Fugenverwechselung zu erlangen. Wenn es irgend angeht, ordnet man, um die Vorsprünge zu ver- meiden, die Rauchröhren innerhalb der dicken Mauern an; dies ist beson- Fig. 92. ders zulässig in 1½ Stein starken Wänden aus österreichischen Normal- ziegeln von 14 zm Breite (Fig. 92), wobei incl. der durchgehenden 1 zm Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. dicken Langfuge die Weite 15 zm mißt. Im vorliegenden Falle ist die Röhre 21 zm breit; man könnte sie aber auch auf 16 zm reduciren. Die Schaaren a b c sind für den Kreuzverband eingerichtet, wie die Ansicht d zu erkennen giebt. In Fig. 93 A befinden sich zwei Röhren Fig. 93 A—B. von 15/21 zm Weite nebeneinander in einer 2 Stein starken Mauer; die Schaaren a b gelten für den freistehenden Schornsteinkasten im Dach- bodenraume; die Rauchröhren haben in Fig. B eine Weite von ¾ Steinen im Geviert. Dieser Anordnung analog wird der Verband gemacht, wenn drei Fig. 94. Fig. 95. und mehr Rauchröhren neben einander stehen sollen. Fig. 94 enthäl drei Röhren von je ½ Stein Weite in einer 1½ Stein starken Wand Die Schornsteine: Steinverband der russischen Röhren. in Fig. 95 sind die Röhren ½ und ¾ Stein weit und innerhalb einer 2 Stein starken Wand angelegt. Dieses Verhältniß würde bei Verwendung der deutschen Steine em- pfehlenswerth sein und entspricht einer Weite von 14 und 14/19 zm . In einer 1 Stein starken Wand (Fig. 96) springen die russischen Röhren stets ½—¾ Stein vor, je nachdem die lichte Weite ½ oder ¾ Stein gemacht wird. Noch weniger steckt der Schornstein in ½ Stein starken Mauern, auch selbst wenn er sich in den Mauerecken befindet Fig. 96. (Fig. 97 u. 98); behufs Vermehrung der Stabilität der Mauerecken macht man vielfach die eine Wandung 1 Stein stark (Fig. 98). Fig 97. Fig. 98. Auch Röhren von ¾ Stein im Querschnitt treten in 1½ Stein dicken Mauern mit der einen Wandung ¼ Stein vor (Fig. 99); größer ist dieser Vorsprung, wenn die Röhre an einer Seite eine 1 Stein starke Wandung (Fig. 100) besitzt. In 2 Stein dicken Wänden springt der Schornsteinkasten sodann nur ¼ Stein vor (Fig. 101). Im Allgemeinen trachtet man danach, die Schornsteine ganz in den Mauerkreuzungen anzulegen, da sie hier den Balkenlagen selten hinderlich und außerdem noch für zwei nebeneinander liegende Zimmer verwendbar sind. Den einfachsten Fall erkennen wir in Fig. 102; öfters kommt auch die Anordnung in Fig. 103 vor. Wenn mehrere, nur 1 Stein starke Wände zusammenstoßen, ist das Vorspringen einer Schornsteinkante unvermeidlich und hilft man sich dann durch die Anordnung einer Ofennische aus (Fig. 104). Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Sehr oft mauert man weite und enge Röhren nebenein- ander ; beispielsweise findet dies statt, wenn Küchen neben Wohn- Fig. 99. Fig. 100. Fig. 101. zimmern liegen und für die Spaarherde fahrbare Rauchschlotte angelegt werden. Den besten Platz hierfür bieten die Ecken und Die Schornsteine: Steinverband der russischen Röhren. je nach der Lage der sich kreuzenden Wände, sowie nach der An- zahl der engen und weiten Rohre, kommen die mannigfachsten An- ordnungen vor. Fig. 102. In Fig. 105 sind zwei weite und zwei enge Rohre vorhanden. Eine sehr gute Anordnung veranschaulicht Fig. 106, bei welcher die Röhren in der Kreuzung der vier Mauern versteckt sind. Fig. 103. Bis jetzt haben wir nur Rauchfänge mit rechteckigen oder quadra- tischen Querschnitten besprochen; wie aber bereits erwähnt wurde, können letztere auch kreisförmig sein. Die Vortheile solcher Cy- linder sind bereits oben aufgezählt worden. Zu den Verbänden der ringförmigen Röhren bedient man sich meistens der gewöhnlichen Ziegel, welche um einen runden Klotz gemauert werden. Auf die Bindefähigkeit des Mörtels kommt es hier- bei aber am meisten an, da die verhauenen Ziegel eine sehr unregel- Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. mäßige Gestalt haben. Um die innere Fläche glatt herstellen zu können, verwendete man manchmal Formsteine. Diese haben sich in der Praxis nicht bewährt und sind auch zu kostspielig. Die Fig. 107 zeigt den Cylinderverband mit gewöhnlichen Ziegeln. Fig. 104. Fig. 105. Da der Rauch desto schneller emporsteigt, je weniger Reibungs- hindernisse er zu überwinden hat, wurde von einigen Technikern an- empfohlen, für die Rauchröhren cylindrische Thonröhren, welche mittelst Falzen ineinander greifen und vollständig ummauert werden, Die Anlage der Schornsteine. anzuwenden (Fig. 108); aber auch diese Methode hat keine allgemeine Verbreitung gefunden, weil sie complicirt und theuer ist. Fig. 106. Fig. 107. γ) Die Anlage der Schornsteine erfordert sogleich beim Entwerfen des Grund- risses einige Berücksichtigung, denn was nutzt ein Gebäude, wenn es sich durch die un- zweckmäßige Lage der Schornsteine nicht erwärmen läßt? Unzweckmäßig liegt der Schornstein un- mittelbar an Thüren, da dann der Ofen meistens im Wege steht; fehlerhaft ist es, Fig. 108. den Schornstein in Außenwänden anzubringen, weil nicht nur die Rauchgase im Schornstein schnell erkalten und der „Zug“ ein mangel- hafter sein wird, sondern auch beim Emporführen des Rauchfanges öfters die Mauerlatten, Drempelwandfetten (Mauerbank), Rinnen u. s. w. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. unterbrochen werden müssen. Auch gilt der Grundsatz, daß die Schorn- steine sich stets 0,9 m über den Dachforst erheben müssen, damit die, durch den auf die Dachfläche stoßenden Wind erzeugten wirbelnden, Luftströmungen das Hinaussteigen des Rauches nicht erschweren oder gar verhindern. Schornsteine, die in den Außenwänden liegen, müssen daher sehr hoch über die Dachfläche geführt werden, um gut func- tioniren zu können. Ferner hat man darauf zu achten, daß die Schornsteine nicht in der Nähe oder gerade in der Dachkehle (Ixe) aus der Dachfläche treten. Am besten ordnet man die Rauchfänge im Innern des Hauses unweit des Dachforstes an. Sollte dies aber nicht möglich sein, so werden die Schornsteine „geschleppt“, „gezogen“ oder „geschleift“ . Manchmal muß das Schleifen auch geschehen, um einer Fette ꝛc. aus- zuweichen; in diesem Falle erhält der Schornstein eine geringe Neigung nach Fig. 109. Doch darf das Schleppen nie über die punktirten Linien geschehen, wenn der Schornstein sich im Gleichgewicht halten soll. Bei einer größeren Neigung ist eine Unterstützung erforderlich, welche entweder aus einem Bogen oder vollem Mauerwerk (Fig. 110) bestehen kann; letzteres besitzt die größte Solidität. Die Unterstützung Fig. 109. Fig. 110. ist aber nicht immer möglich, weil öfters das Auflager hierzu fehlt. Unter solchen Umständen muß das Schleppen ganz unterbleiben und sogleich bei der Grundrißanlage für die zweckmäßige Lage des Kamins gesorgt werden. Zuweilen liegen zwei Rauchfänge so gegenüber, daß sie sich gegenseitig stützen können (Fig. 111). Die Wölbung, welche Die Anlage der Schornsteine. die Schleifung der Röhre bildet, wird über Lehrbögen ½ Ziegel stark eingemauert. Geschleifte Schornsteine dürfen niemals unter einem Winkel von 45° liegen, weil sie sich sonst schwer reinigen lassen. Bei jeder Fig. 111. Schleifung muß eine Reinigungskappe vorhanden sein. Das Schleppen auf Holzunterlager darf nie geschehen. Hinsichtlich der Anzahl und Größe der Schornsteinröhren sei noch erwähnt, daß man in der Regel zur Abführung des Rauches eines Stubenofens gewöhnlicher Größe 12 □'' rhld. oder 80 □ zm rechnet; somit genügt ein Kamin von 16 zm im Quadrat oder 256 zm Querschnitt für drei Oefen, „ 20 zm „ „ „ 400 zm „ „ vier „ Erfahrungsmäßig ziehen solche Röhren am besten, die für Oefen, dienen, welche in derselben Etage stehen. Hat das Gebäude sonach drei Etagen, so ordnet man drei Kamine nebeneinander an, auch wenn nur ein oder zwei Oefen in jedem Stockwerk vorhanden sind. Solche Anlagen, bei denen die Oefen eines Schornsteines in meh- reren Etagen übereinander stehen, pflegen mangelhaft zu sein. Nur dann liefern sie gute Resultate, wenn die Weite des Querschnitts größer genommen wird, z. B. für zwei Oefen ein 20/20 zm weites Rohr. Dies ist zulässig, wenn in einem zweistöckigen Gebäude in jedem Stockwerke nur ein Ofen zu einem Schornsteine gehört; hierdurch wird an Material und — sparsame Hausbesitzer sehen auch darauf — an Schornsteinfegergeld gespart. Für kleinere Herde und solche von mittlerer Größe reicht schon ein Rohr von 20/20 zm im Querschnitt aus; für größere Herde legt man aber befahrbare Kamine an. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Das Einrauchen der Schornsteine ist eine Plage, welche den Aufenthalt in einer Wohnung geradezu unmöglich machen kann. Mangelhafte Feuerungsanlagen zeigen den Fehler, daß der Rauch aus dem Schornsteine nicht abzieht, sondern bei jeder Gelegenheit in die Wohnung zurückzieht. Um dies zu vermeiden, gelten im All- gemeinen folgende Grundsätze: a ) Jedes offene Feuer muß einen besonderen Schornstein besitzen. Wenn mehrere übereinander liegende Küchen mit offener Feuerung versehen sind (die sogenannten Sparherde und Stubenöfen haben geschlossene Feuerung), erhält jede einen fahrbaren Schornstein für sich. b ) Bei geschlossenen Feuerungen kann man in ein Rohr mehrere Oefen leiten. Es ist besser, die Oefen in eine Etage zu bringen und darauf zu achten, daß die Einströmungsöffnungen in gleicher Höhe liegen. c ) Weite und enge Röhren dürfen niemals unter einem kleineren Winkel als 45° gezogen werden, weil sonst die Reibungs- hindernisse zu bedeutend ausfallen. d ) Feuerungen, welche beständig im Betriebe sind, wie z. B. bei Backöfen, Braukesseln u. s. w., erhalten je ein besonderes Rohr, welches bis über das Dach reicht. e ) Jedes Rohr muß mindestens 0,5 m über den Dachforst steigen. f ) Je höher ein Schornstein in freier Luft steht, desto mehr kühlen die Rauchgase in ihm ab und raucht er ein. Deshalb ist es vortheilhaft, die Schornsteine bis zum Dachfirst unter dem Dach aufzuführen. Bei flachen Dächern kann man die Röhren aber auch in der Mitte der Dachfläche hinausbringen. g ) Man pflegt gern mindestens zwei Röhren nebeneinander anzu- legen, damit sie sich gegenseitig erwärmen und das Dach nicht zu oft unterbrochen wird. h ) Jeder Schornstein muß vor dem Gebrauche vollständig ausge- trocknet sein. i ) Lange Schornsteine ziehen besser als die kurzen, deshalb rauchen die Schornsteine einstöckiger Gebäude eher ein, als die der zweistöckigen. k ) Weite Röhren rauchen eher ein als enge. l ) Unter Umständen ist es zweckmäßig, Kappen, welche sich vor den Wind stellen, anzubringen. Diese haben aber den Nachtheil, Die Fabrikschornsteine. daß, wenn sie einrosten, der ganze Apparat mehr schadet als nutzt. 4) Die Fabrikschornsteine gehören zwar nicht zum Wohnhausbau, den wir in diesem Werke insbesondere berücksichtigen, sie spielen aber in dem heutigen Bau- wesen eine so große Rolle, daß wir nicht umhin können, die allge- meinen Grundsätze für die Erbauung derselben anzugeben. Die Schornsteine dienen, wie bereits bemerkt, dazu, um die zur Erhaltung der Verbrennung nöthige Erneuerung der Luft zu bewirken, und um die nicht verbrannten Theile fortzuführen. Sie erheben sich meistens senkrecht vom Ofen aus und stehen mittelst des „Fuchses“ (dieser ist das Ende der Feuerzüge und bildet den Uebergang in den Kamin) in so naher Verbindung mit den Zügen, als es nur immer möglich ist. Die Saugkraft im Schornsteine oder die Geschwindigkeit, mit welcher die äußere Luft unter den Rost der Feuerung tritt, ist zunächst abhängig von dem Gewichtsunterschied zwischen der warmen Luft in dem Schornstein und einer gleichfachen Luftsäule von der Temperatur der äußeren Luft. Dieser Unterschied wächst mit der Höhe des Schornsteins. Da aber die Schornsteine auch den Ruß und Rauch aus dem Feuerungslokal und dem Bereich der Wohnungen bringen und häufig sogar über andere Wohnungen fortführen sollen, so werden sie meistens höher gemacht, als nöthig wäre, um den Luftzug zu ver- anlassen. Weil der Luftzug allein durch die Temperaturunterschiede außer- halb und innerhalb des Schornsteins bewirkt wird, so müssen alle Mittel angewendet werden, um eine Abkühlung der Schornsteine zu verhüten. Daher müssen die Schornsteine aus Ziegelsteinen aufge- führt werden, inwendig glatt und ohne Biegung sein, um die Be- wegung des Rauches so wenig als möglich zu stören. Ferner müssen sehr hohe Schornsteine, welche einen starken Zug liefern sollen, mit rundem Querschnitte gemacht werden, weil sie dann bei dem größten Querschnitt gleichzeitig die geringste Abkühlungs- fläche besitzen. Hingegen haben viereckige Schornsteine den Vorzug der leich- teren und billigeren Bauart, zumal man für sie keine besonderen Formsteine gebraucht. Wanderley, Bauconstr. II. 7 Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Nächst der Kreisform ist das vielseitige Polygon (Acht- u. s. w. Eck) in Hinsicht der Reibungswiderstände und Abkühlung am besten. Die wichtigsten Resultate der theoretischen Untersuchungen über die Zugkraft der Schornsteine geben wir in nachstehender kurzer Zu- sammenstellung: Die Geschwindigkeiten des Zuges in den Schornsteinen ver- halten sich bei gleichen Temperaturunterschieden wie die Quadrat- wurzeln aus den Höhen der Schornsteine, d. h. oder in Worten: ein Schornstein, welcher 36 m zur Höhe hat, hat im Vergleich zu einem Schornsteine von 25 m Höhe eine Zugkraft, welche sich verhält wie: . Die Geschwindigkeiten verhalten sich ferner bei gleicher Schorn- steinhöhe wie die Quadratwurzeln aus den Temperaturen, oder: In Wirklichkeit wird die Geschwindigkeit, welche man durch Rech- nung erhält, niemals erreicht, und zwar aus Gründen der Reibung im Schornsteine. Will man also den Zug durch eine größere Höhe des Schorn- steines vergrößern, so muß man gleichzeitig den Querschnitt erweitern, weil sonst die Vortheile der Erhöhung verloren gehen durch die Nach- theile der großen Reibung. Aus diesem Grunde sollte man eigentlich in Wohngebäuden den Abstand der Ofeneinmündung in den Schornstein bis zum Schornstein- kopfe nicht größer machen als: bei 16 zm im Quadrat 10—12 m „ 21 zm „ „ 15—20 m ; woraus also folgt, daß in dreistöckigen Gebäuden für die untere Etage nur 20/20 zm weite Kamine anzulegen wären. Die Höhe der Fabrik-Schornsteine sollte niemals unter 18 m betragen, wenn die Maschine auch nur wenige Pferdekraft hat; man nimmt in der Regel noch für 4 Pferdekraft 20 m an. Bei ge- ringer Höhe entweichen aus der Esse Rauchwolken, welches immer ein Zeichen mangelhafter Anlage oder nachlässiger Führung ist. Denn Rauch ist unverbrannter Brennstoff, welcher noch Dampf entwickeln Die Fabrikschornsteine. sollte, also ein kostspieliger Artikel ist. Die Höhe H wird folgender- maßen bestimmt: nennt man T° C die Temperatur im Schornsteine, t° C dito der äußeren Atmosphäre, d den inneren Durchmesser oder die Seite des Quadrats der Schorn- steinmündung in Metern, H die Höhe der Schornsteinmündung vom Roste an gerechnet in Metern, l den Gesammtweg der heißen Gase vom Rost bis zum Schorn- stein in Metern und v die Geschwindigkeit pr. Minute der in den Rost einströmenden Luft in Metern, so strömen die Verbrennungsprodukte aus dem Schornsteine mit der Geschwindigkeit V pr. Minute: Metern. Bei gemauerten Schornsteinen ist meist T — t = 285° und der Querschnitt der Mündung = ⅗ der freien Rostfläche, woraus sich d bestimmt. Das Volumen der ausströmenden Luft ist im Mittel = 2¼ des der eintretenden, also ; und wenn v = 60 m pr. Minute angenommen wird, ist V = 225 m , folglich Meter und oder Meter, wobei Q die Anzahl der Cub.-Liter des pro Minute im Dampfkessel zu verdampfenden Wassers bezeichnet. Der Querschnitt des Schornsteins in der oberen Mündung ist ¼ der totalen Rostfläche groß zu machen ( totale Rostfläche heißt die ganze Oberfläche des Rostes, dagegen der Zwischenraum zwischen den einzelnen Stäben freie Rostfläche heißt; bei Kohlenfeuerung nimmt man das Verhältniß der freien zur totalen Rostfläche wie 1 : 4 bis 1 : 3 an). Diese Größe ist indessen als Minimum anzu- sehen; man thut wohl, namentlich wenn nur eine Feuerung in den Schornstein geht, den Querschnitt etwas zu erweitern, und zwar des- 7* Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. halb, damit man im Stande ist, bei Vergrößerung der Anlage zwei oder drei Feuerungen mehr hinein zu leiten. Das Uebermaß des Zuges läßt sich leicht durch „Schieber“ oder „Register“ ausgleichen. In größeren Fabriken legt man schon bei der Erbauung mehrerer Oefen einen gemeinschaftlichen Schornstein an, wodurch der Kostenpunkt wesentlich vermindert wird und die Oefen auch einen regelmäßigen Zug bekommen; nur dürfen sie nicht alle gleichzeitig beschickt werden. Der Querschnitt eines solchen Ka- mins muß gleich sein der Summe aller Querschnitte des für einen Ofen speciell nöthigen Schornsteins. Somit bezieht sich das Q in der zuletzt genannten Formel auf die Gesammtleistung der sämmtlichen Kessel, und 1 auf die Gesammt- länge der Züge. Beim Einleiten mehrerer Feuerungen in einen Schornstein ist die Vorsicht zu gebrauchen, daß die Gasströme von zwei verschiedenen Fig. 112. Feuerungen beim Eintritt in den Kamin sich niemals scharf- kantig treffen, sondern dann erst mit einander in Berührung kommen, wenn sie eine und die- selbe Richtung angenommen ha- ben. Dies kann man leicht durch „Zungen“ oder „Diagonaldirek- tionsplatten“ erzeugen; erstere kommen bei kleinerem Quer- schnitt, letztere bei größerem Querschnitt des Kamins zur An- wendung. Die Anordnung solcher Di- rektionsplatten · veranschaulicht Fig. 112. In vorliegendem Falle ist eine ausgeführte Anlage dar- gestellt; der quadratische Schorn- stein hat unten eine äußere Breite von 4,5 m , der Fuchs (die Rauchzu- leitung einer jeden Feuerung) ist 0,9 m breit, 1,5 m hoch und die innere Weite des Kamins beträgt 1,5 m . In diagonaler Richtung stehen zwei Platten von 1,5—2 m Höhe, von der Sohle des Fuchses an gerechnet; Die Fabrikschornsteine. in Wirklichkeit liegt die Sohle des Schornsteines noch 0,6 m tiefer, damit in der Vertiefung der mitgeführte Ruß sich niederschlägt. Die Decke über dem Fuchs besteht aus einem 1 Stein dicken Halbkreis- gewölbe. Nach dem Obigen muß die Weite der Fabrikschornsteine so groß sein, als die (Weite) Summe der freien Zwischenräume des Rostes. Die Höhe eines Schornsteines für Dampfkessel beträgt allgemein von 4 Pferdestärken an mindestens gleich 18 m und bei geringen staub- förmigen Brennstoffen 24 m . Praktiker machen bei geringer Kohlen- sorte mit 8—15 zm Schichthöhe und wenn 1 m Rostfläche für 10 Pferdestärken nöthig ist: Schornsteinhöhe 19 m bei 0,47 m oberer lichten Weite und 10 Pferdest. „ 23 m „ 0,48 m „ „ „ „ 12 „ „ 28 m „ 0,61 m „ „ „ „ 16 „ „ 31 m „ 0,76 m „ „ „ „ 20 „ des Kessels. Der Bau der Fabrikschornsteine . Die Schornsteine werden entweder von Stein oder von Eifen ausgeführt. Die letzteren kühlen sich mehr ab, als die ersteren und erfordern daher, um gleiche Zug- kraft mit den gemauerten Schornsteinen zu bekommen, einen größeren Aufwand von Brennmaterial. Die Reibung ist in beiden Kaminorten gleich groß, weil sich sowohl die Ziegelfläche, als auch die Eisenfläche sofort mit Ruß überzieht. Die Herstellungskosten der steinernen Kamine sind zwar etwas größer, als die der eisernen, jedoch erfordern letztere bedeutende Re- paraturen und häufige Oelfarbenanstriche mit der theuren Diamant- farbe. Während die Dauer der steinernen Kamine unbegrenzt ist, hängt dieselbe bei eisernen Schornsteinen von der Intensität der Flamme ab. Die Vortheile stehen entschieden auf Seite der gemauer- ten Schornsteine. Die eisernen Fabrikschlotte werden überhaupt nur ausgeführt: 1) bei schlechtem Baugrunde, der einen schweren massiven Schorn- stein nicht tragen könnte; 2) wenn zur Erbauung der massiven Kamine keine Zeit vorhan- den ist; 3) bei unverhältnißmäßig hohen Ziegelpreisen; 4) für provisorische Anlagen, welche also nur kurze Zeit im Be- triebe sein sollen und später der eiserne Schornstein mit Nutzen verkauft werden kann. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. In diesem Werke wollen wir nur die Construktion der stei- nernen Schornsteine besprechen. Wie bereits bemerkt wurde, kann der Querschnitt entweder rund, quadratisch oder vieleckig sein; weil aber die Kamine immer weiter gemacht werden, als nöthig ist, so ist es in der Praxis in Hinsicht auf die Reibungswiderstände ganz gleichgiltig, welche Form der Querschnitt erhält. Die viereckigen Kamine sind billiger herzustellen, als alle übrigen. Sind Formsteine in der Gegend der Baustelle nicht gangbar, so kann man wegen des Behauens annehmen, daß ein runder Schornstein um circa 15 % theurer ausfällt, als ein gleich großer viereckiger. Bezüglich der Construktionsverhältnisse der Kamine gilt Folgendes: Bezeichnet d den inneren oberen Durchmesser eines runden oder die Seite eines quadratischen Schornsteines, H die senkrechte Höhe, so macht man den inneren unteren Durchmesser D = d + 0,017 H. [Einige Praktiker geben den großen Fabrikschornsteinen innerhalb eine Böschung von 4 bis 4,5 zm und außerhalb eine Böschung von 6 bis 8 zm auf 3,5 m Schorn- steinhöhe, also 1/80 resp. 1/60—1/40. H. Häufig findet hierfür auch die Regel Anwen- dung, den äußeren unteren Durchmesser um 1/30, den inneren um 1/60 der Schorn- steinhöhe stärker als die betreffenden oberen Durchmesser anzunehmen. Es würde demzufolge z. B. bei einem 30 m hohen Schornstein von 0,6 m inneren und 0,9 m äußeren Durchmesser oben der untere, innere Durchmesser 0,6 + 30/60 = 0,60 + 0,50 = 0,10 m und der äußere 1,1 m + 30/30 = 2,1 m betragen.] An der oberen Mündung des Schornsteins wird die Mauerstärke je nach der Höhe des Schornsteins ½ Stein bis 1 Stein gemacht, d. h. 12 zm resp. 25 zm (bezüglich in österreichischen Ziegeln 14 zm resp. 29 zm ), so daß der äußere Durchmesser oben wird: Der Neigungswinkel der äußeren Schornsteinfläche beträgt etwa 2—2½ Grad an der Lothrechte, was annähernd einem Steigungs- verhältniß von 1/25 bis 1/30 entspricht. Nach dem berliner „Architekten-Kalender“ erhalten 20 m hohe Fa- brikschornsteine am unteren Ende die Mauerstärke von 2 Steinen, Die Fabrikschornsteine. bei 30—33 m Höhe 2½—2¾ Stein; zum oberen Ende hin vermin- dert sich die Wandstärke in Absätzen von je ½ Stein. Schornsteine über 50 m Höhe müssen mit Rücksicht auf den Winddruck bestimmt werden. Die nöthige Anleitung hierzu giebt der königl. Baumeister K. Wilke in der Holzminder Zeitschrift, Jahrgang 1874, Seite 82; abgedruckt ist dieser Artikel im „Deutschen Jahrbuch der Baugewerbe“ Jahrgang 1874, Seite 452; denselben Fall betrachtet Professor Ritter mit graphischer Statik im Deutschen Jahrbuch der Baugewerbe 1874, Seite 392. Hinsichtlich der Stabilität sei erwähnt, daß der Winddruck auf einen Cylinder 0,57 desjenigen Druckes beträgt, der gegen eine Fläche von gleicher Größe mit der Projection des Cylinders ausgeübt wird. Hiernach besitzen runde Kamine eine bedeutend größere Standfestig- keit als viereckige von sonst gleichen Dimensionen. Um dem Studirenden die Construktion des steinernen Kamines vorzuführen, sei hier ein Beispiel mitgetheilt. Zunächst sind fol- gende Daten erforderlich. Erfahrungsmäßig verdampft: 1 Kilogr. Steinkohle 5—7 Kilogr. Wasser, 1 „ Holz 2,5—2,7 „ „ 1 „ Torf 3—4 „ „ 1 „ Braunkohle 3,5—5 „ „ 1 „ Coaks 4,7—5,8 „ „ Um eine bestimmte Menge dieser Brennmaterialien zu verbrauchen, ist im Ganzen eine totale Rostfläche nothwendig: Behufs Bestimmung der Menge der durch die Rostöffnungen zu- strömenden Luftmenge dient folgende Formel: f die freie Oeffnung der Rostfläche pr. 100 Kilogr. Brennmaterial, die pr. Stunde verbrannt wird in □ m , Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. q die doppelte theoretische Luftmenge, welche zu 100 Kilogr. Brenn- material erfordern in Cb m . (Die einfache theoretische Luft- menge von 0° und 760 mm Druck für die Verbrennung von 1 Kilogr. Coaks beträgt 7, 441 Cb m „ 1 „ Holzkohle „ 8, 016 „ „ 1 „ Torf „ 4, 044 „ „ 1 „ luft. Holz „ 3, 466 „ „ 1 „ Steinkohle „ 6, 977 —8, 045 Cb m ), v die Geschwindigkeit pr. Sekunde der in den Rost einströmenden Luft in Metern, so ist Hierbei nimmt man zweckmäßig für gewöhnliche station. Kessel v = 0,8—1 m pr. Sekunde an. In der Regel nimmt man den Steinkohlenverbrauch an pr. Stunde und Pferdekraft bei Maschinen ohne Expansion und ohne Condensation = 5—6,5 Kilogr. mit „ „ „ „ = 4—5 „ „ „ „ mit „ = 2,5—3,5 „ bei guten Wolf’schen Maschinen … = 1,75—2 „ Danach braucht beispielsweise eine Wolf’sche Dampfmaschine von 35 Pferdekräften zur Erzeugung des nothwendigen Dampfes pr. Stunde an Steinkohlen = 35 . 2 = 70 Kilogr. Zur Verbrennung derselben muß man in der Feuerung einen Rost anlegen mit totaler Größe. Die freie Rostfläche pr. 100 Kilogr. Brennmaterial bestimmt sich nach obiger Formel oder somit f für 70 Kilogr. . Also die freie Rostfläche verhält sich zur totalen wie 1 : 3 bis 1 : 4. Wie wir oben bereits mehrfach erwähnten, soll die obere Schorn- steinmündung mindestens gleich der Summe der Zwischenräume des Rostes groß sein, also im vorliegenden Falle 0,3 □ m . Die Fabrikschornsteine. Hiernach ergiebt sich bei runden Schornsteinen ein Durchmesser von 0,7 m , bei viereckigen Schornsteinen eine Seite von circa 0,6 m . Fig. 113. Nehmen wir an, der Gesammt- weg der heißen Gase vom Rost bis zum Schornsteine (also die Gesammt- länge der Feuerzüge mit Ein- Fig. 114. schluß des Fuchses) betrage 20 m , so muß der runde Schornstein eine Höhe erhalten nach pag. 99 von: Meter oder . Um für alle Fälle sichere Resultate zu erhalten, empfiehlt es sich, die Höhe um etwa 4 m zu vermehren. Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Bei 24 m Höhe betragen die Dimensionen (Fig. 113): d = 0,7 m ; d 1 (wenn jede Schornsteinwandung ½ Ziegel stark an- genommen wird) = 0,94 m ; D = d + 1/60 H = 0,7 + (1/60 . 24) = 1,10 m ; jede untere Wandstärke = jeder oberen plus 1/40 H , somit 0,12 + 0,6 = 0,72 m ; demnach D 1 = 2 (0,72) + D = 2 (0,72) + 1,10 = 2,54 m . Die weitere Construktion des Schornsteins geschieht auf folgende Weise (Fig. 114): man theile die Höhe des Schornsteins, welche man als gerade Linie senkrecht vom Erdboden aufträgt, in Geschosse von 4—4,5 m ein, trage aber rechts und links von dieser Linie die halbe lichte Weite des Schornsteinrohres ab und fange von dem obersten Punkte mit ½ resp. 1 Steinstärke an; alsdann mache man jedes tiefere Geschoß ½ Ziegel stärker und begrenze auf diese Weise die Konturen des Schornsteins. Nun ordne man auf beliebige Höhe etwa ¼ bis ⅕ der ganzen Schornsteinlänge den Unterbau lothrecht an. Derselbe ist unten mit einem Plinthenvorsprung, oben entweder mit einer einfachen Ab- fafung oder besser mit einem passenden Gesimse versehen. Ebenso führt man das innere Rohr im Unterbau lothrecht hinab und ändert danach die Abböschung, indem man die erste in der Zeichnung bei- behält. Auch wenn der Schornstein rund oder vieleckig gemacht wird, erhält der Unterbau einen quadratischen Querschnitt. Der Absatz über dem Unterbaugesims wird entweder als Wasserschlag schräg ablaufend in Cement und Dachziegeln oder mit einer Rollschicht in Cementmörtel, oder mit Sandstein- resp. Schieferplatten abgedeckt. Zum Reinigen wird unten im Kamine eine Oeffnung von min- destens 0,6 m Weite und Höhe freigelassen und dieselbe nach dem jedesmaligen Gebrauche zugemauert. Um das Besteigen im Innern zu ermöglichen, werden in der einen Ecke eiserne Stäbe in horizontaler Lage in den Höhenabständen von 0,6 m leiterartig eingemauert. Das Mauern der Kamine geschieht in der Weise, daß man von den Ecken und in der Mitte einer jeden Seite den Verband anlegt und dann von der Mitte aus verbandmäßig eintheilt. Die Aus- gleichung der in jeder Schicht sich verändernden Längen findet durch Einlegen eines behauenen Quartierstücks statt; dabei ist der Verband mittelst Kopfstücken vorzuziehen. Die Fabrikschornsteine. Die Schornsteine erhalten, des besseren Ansehens wegen, in ihrem oberen Ende eine Ausladung ( Schornsteinkopf , auch Kranz ge- nannt). Der Kranz wird sowohl aus gebrannten Mauersteinen, als auch aus Sandsteinen, zuweilen selbst auch aus Schmiede- oder Gußeisen angefertigt. Dieses letztere Material dürfte zur Anfertigung des gan- zen Kranzes nicht zu empfehlen sein, weil es durch seine Schwere die durch starke Winde veranlaßten Schwankungen des Schornsteines vermehren würde. Dahin- gegen ist ein aus Sandstein gefertigter Kranz vorzuziehen, wenn die einzelnen Stücke dicht zusammen gearbeitet und mit kupfernen Klammern verbunden werden. Wird der Kranz indeß von gebrannten Mauersteinen aufgeührt, so muß er oben noch mit einer Deckplatte versehen werden, damit auf der oberen Fläche keine Fugen frei liegen, die, vom Regen bald ausge- spült, in das Schornsteinmauerwerk Feuch- tigkeit dringen lassen, wodurch dessen Zer- störung beschleunigt wird. Die Anordnung des Verbandes geschieht ebenso, wie bei hohlen Pfeilern; bei viereckigen Kaminen stoßen vier kurze Mauern zusammen, in denen Läufer- mit Streckerschaaren miteinander abwechseln (Fig. 115 A — B u. Fig. 116). In Fig. 117 A — D geben wir die ganze Dampf-Schornsteinanlage; der Schornstein steht zum Theil innerhalb des Kohlenrau- mes, er könnte aber auch ganz frei stehen, was, da die ungleich hohen Mauer- Fig. 115 A u. B. Fig. 116. massen sich ungleich „setzen“, im allgemeinen besser ist. Der Schorn- stein hat im Unterbau einen viereckigen, darüber einen achteckigen Querschnitt. Die Figuren 115 A B zeigen die Verbände des Unter- baues und Fig. 118 die des achtseitigen Theils. Um im achteckigen Mauerkörper von den Ecken aus die Stoßfugen jeder Schicht so zu Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Fig. 117 A — B. Die Fabrikschornsteine. erhalten, wie es die Regeln des Kreuzverbandes bedingen, wurden die Ecksteine e und e 1 nach zwei verschiedenen Formen (Schablonen) Fig. 117 C — D. Fig. 118 A — B. gehauen, von denen die eine der Kopfschicht, die andere der Läufer- schicht angehört. Dabei wird aber der Eckstein e 1 der Streckerschicht nur wenig über den darunter liegenden Läufer hinausgreifen und wenig feste Verbindung in der Ecke gewähren. Ein in doppelter Hinsicht besseres Verfahren beim Verbande solcher achteckigen Mauern Fig. 119. Fig. 120. dürfte es sein, wenn man an den Ecken nur eine Sorte von Form- steinen und zwar wie f in Fig. 119 und g in Fig. 120 verwendet Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. und diese abwechselnd nach rechts und links mit der längeren Seite legt. Diese Anordnung ist aber nur dann ausführbar, wenn man in nahe belegenen Ziegeleien besonders geformte Steine zu diesem Zwecke nach eigener Bestellung erhalten kann, da die Länge dieses Form- steines länger ist, als die gewöhnliche Steinlänge. Die Vortheile sind: erstens, daß man nur eine Formsteinsorte gebraucht und da- durch mancher Aufenthalt beim Mauern erspart wird und zweitens, daß an den Ecken ein besserer Verband erreicht wird. Fig. 121. In Fig. 121 geben wir noch den Verband eines Schornsteinun- terbaus, der innerhalb cylindrisch und außerhalb achteckig ist und profilirte Kanten hat. Zu den runden Kaminen be- dient man sich für die äußeren Schaaren stets der Formsteine, welche aber den Bau wesentlich vertheuern. Der Verband ist ebenso wie der der kreisrunden vollen Mauern; Läufer- und Streckerschichten wech- seln miteinander ab (Fig. 122), bei kleinen Durchmessern hingegen mauert man die Steine nur als Strecker und bekommen die Ziegel die Gestalt der Brunnensteine, damit die Fugen möglichst klein ge- macht und die Steine nicht behauen werden. Einen zweckmäßigen Verband für beide Schaaren und 2 Ziegel starke Schornsteinwände giebt Fig. 123. Bezüglich der Materialien sei erwähnt, daß hart gebrannte Mauersteine (sogenannte Klinker) als schlechte Wärmeleiter hierzu am besten sind; von Bruchsteinen eignen sich die Sandsteine am besten, während Grauwacken und Schiefer weniger anzuempfehlen sind. Da die Geschwindigkeit der Luftbewegung in einem Schornsteine von der Lufttemperatur der in demselben befindlichen Luft abhängig ist, muß die innere Luftsäule möglichst vor Erkältung geschützt werden, indem man den Schornstein aus Materialien ausführt, welche die Wärme schlecht leiten und indem man das Mauerwerk möglichst dicht mit engen und vollen Lager- und Stoßfugen anfertigen läßt. Zu- Die Fabrikschornsteine. weilen wendet man bei größeren Schornsteinen Hohlmauerwerk an und füllt die Zwischenräume mit schlechten Wärmeleitern, wie Asche u. d. m. Fig. 122. Die Aufmauerung erfolgt bis 15—18 m Höhe auf Gerüsten, welche aus Stangen zusammengesetzt sind. Bei Schornsteinen über Fig. 123. 18 m ist die lichte Weite so groß, daß die Arbeiter im Schornstein stehen, „über den Rand“ arbeiten. Die Materialien werden dann entweder von Außen oder von Innen (letzteres besser) in die Höhe Erstes Kapitel. Das Ziegelmauerwerk. Fig. 124. gezogen. In der Baugewerk- zeitung 1874 wird die Erbauung von Dampfschornsteinen ohne äußere Rüstung nach einer Me- thode, die sich in Greiz bewährt hat, auf folgende Weise beschrie- ben (Fig. 124 A — C ). Bei dem Hochmauern des Schornsteins, in Entfernungen von 6 Ziegelschichten übereinan- der, bringt man nach beistehender Skizze sogenannte Steigeisen von circa 15—20 mm starkem Rund- eisen, 16—18 zm im Lichten weit, 32—36 zm lang, an; in diese steckt man den Krahn zum He- ben der Materialien und ver- keilt ihn nach Erfordern. Die Bohlen der Fußrüstung liegen auf zwei, in die Lagerfugen ein- gesteiften, je nach der Weite des Schornsteins entsprechend starken Stabeisen. Das ganze Verfahren bietet den Vortheil, daß ein einseitiger Zug oder Schub im Schornstein vermieden wird, letzterer stets zu besteigen ist und Reparatu- ren leicht ausgeführt werden können. In den Zeichnungen giebt A eine Darstellung der Befesti- gung des Krahnes in den Steig- eisen durch Keile im Grundrisse, Fig. B desgleichen in der Ansicht. Die Böschungen , sowohl die innere, als auch die äußere, werden durch besondere Schablo- Die Fabrikschornsteine. nen, welche auf einer Seite gehobelt und auf der andern mit der Böschung versehen sind, bezeichnet. Die Latte ist etwa 2 m lang. Die Berechnung der Abschrägung geschieht folgendermaßen: Der Kamin sei außerhalb oben 1,2 m , unten 4 m breit, bei einer Höhe von 40 m . Alsdann beträgt die äußere Böschung oder 140 zm . Somit ergiebt sich die für die Latte von 200 zm er- forderliche Abböschung ( x ) des Schornsteines aus der Proportion: 4000 : 140 = 200 · x x = 7 zm (Fig. 125). Die Latte selbst wird dann unten 10 zm , oben 17 zm breit gemacht und mit einem Bleilothe (oder einer Libelle) versehen, um sie stets senkrecht aufstellen zu können. Die innere Mauerfläche wird nicht stetig verjüngt, sondern in Absätzen nach den Steindimensionen aufgeführt, wodurch also im Innern bei jedem Geschoß Abtreppungen entstehen, die dem Zuge durchaus nicht hinderlich sind Die Absätze werden der leichteren Mauerung wegen und um Material zu sparen, gemacht. Die Kamine bleiben außen und innen ohne Kalk- putz, weil dieser der Erhitzung auf die Dauer keinen Wider- stand leistet. Der Verputz von Chamottemehl und Thon widersteht zwar der Hitze, aber nicht der abwechselnden Fig. 125. Feuchtigkeit. Dagegen ist es sehr gut, den Schornstein auf Sockel- höhe innerhalb mit feuerfesten Steinen zu verblenden, die darauf folgenden Schichten in Lehm zu mauern und schließlich den ganzen Kamin außerhalb gut auszufugen. Das Ausfugen geschieht sogleich beim Mauern. Von großer Wichtigkeit ist die sorgfältige Fundirung der Schorn- steine, denn das Fundament kann nie fest genug sein. Bei gutem Bau- grunde macht man die Fundamentsohle so groß, daß pr. □ m gewachsener Erdboden nicht mehr als mit 20000 Kilogr. belastet wird; die Ver- breitung des Fundaments geschieht in Absätzen von je 4 Schichten Höhe, so daß die Fundamentkante mit der Terrainoberfläche einen Winkel von 60 Grad bildet. Bei schlechtem Baugrunde findet die Fundirung am besten auf Pilotirung (Pfahlrost) statt. Wanderley, Bauconstr. II. 8 Erstes Kapitel. Das Bruchsteinmauerwerk. Nicht selten tragen die fehlerhaften Fundamente an dem Schief- werden der Schornsteine die Schuld; solche Uebelstände müssen aber sofort beseitigt werden, was in der Regel, wenn sie nur in geringem Maße auftreten, durch Sägenschnitte und Keile geschieht. Eine interessante Reparatur und Geraderichtung des schief gewor- denen, 103½ m hohen Schornsteins in Barmen theilt die „Zeitschrift für Bauwesen“, Jahrgang 1869 mit (sehr lesenswerther Bericht!). B. Die Mauern von Feld- und Bruchsteinen . Für dieselben verwendet man entweder die sogenannten „ Lese- steine “ (Feldsteine oder Findlinge) oder die Steine von ganz un- regelmäßiger Form aus den Steinbrüchen. Die Feldstein- oder Felsenmauern . Die Feldsteine, auch Findlinge genannt, sind erratische Blöcke, welche auf freiem Felde in kleinen Dimensionen und vielfach auch an den Seeküsten in kolossaler Größe vorgefunden werden; man nimmt an, letztere seien in früheren Zeiten durch Eisblöcke aus dem Norden dort hingeführt worden. Meistens haben die Findlinge eine unregel- mäßige Gestalt und müssen sie erst etwas lagerschichtig gesprengt werden. Die von solchen Steinen erbauten Mauern besitzen eine geringe Festigkeit und macht man sie daher selten höher als 1,5 m ; gewöhnlich dienen die Feldsteine nur zu dicken Fundamentmauern. Freistehende Feldsteinmauern erhalten bei 1,5 m Höhe 0,7 m zur Stärke, „ 1 m „ 0,5 m „ „ „ 0,5 m „ 0,3 m „ „ Beim Mauern achtet man darauf, daß die großen Steine in die Ecke kommen und die gar zu unebenen Seiten etwas lagerschichtig gehauen werden; die Zwischenräume füllt man mit kleinen Steinen und Mörtel aus. An Material ist erforderlich: für 1 Cb m volles Fundamentmauerwerk 1,3 Cb m regelmäßig aufge- setzte Steine und 160 Liter gelöschter Kalk. Wirklich brauchbar und vortheilhaft sind die Bruchsteine dann erst, wenn sie einigermaßen lagerschichtige Flächen erhalten haben. In dieser Weise waren sie schon bei den Bauten im Alterthum und Mittel- alter gebräuchlich und werden sie auch jetzt noch in bruchsteinreichen Gegenden häufig für mehrstöckige Gebäude verwendet. Die Feldstein- und Felsenmauern. Auch hierbei erfordert der Verband eine besondere Sorgfalt; zu diesem Behufe kommen die größten und flachsten Steine, welche durch Fig. 126. Fig. 127. die ganze Mauer reichen, in die Ecken (Fig. 126 zeigt den unregel- mäßigen Verband mit nur sehr wenig bearbeiteten Steinen). Beson- 8* Erstes Kapitel. Das Bruchsteinmauerwerk. ders bei freistehenden Mauern hat man darauf zu achten, daß die vorderen Ecken immer aus ganz großen Steinen bestehen, deren Breite wenigstens gleich der Mauerdicke mißt; nur bei außerordentlich dicken Mauern reichen auch kleinere Steine aus. Fig. 127 giebt den Ver- band und die Ansicht eines Mauerwerks mit nicht ganz regelmäßigen Granitstücken; die untere Schaar ist punktirt angedeutet. So wie in Fig. 126, greifen auch in diesem Beispiele dünnere Steine, die manch- mal hochkantig liegen, durch das Mauerwerk als Strecker. Im all- gemeinen gilt aber die Regel, daß, je regelmäßiger das Mauerwerk hergestellt wird, desto häufiger Binder- und Läuferschaaren miteinander abwechseln müssen. Dies erkennen wir in Fig. 128, welche einen ziemlich regelmäßigen Verband darstellt. Fig. 128. In den Fundamenten besteht die Grundschicht eigentlich nur aus ganzen und großen Steinen, damit der Druck sich gleichmäßig auf den ganzen Untergrund vertheile. Die kleineren Steine bringt man mit ihren schmalen Seiten in die Front, damit sie gleichsam wie „verzwickt“ in der Mauer sitzen. Nachdem die unterste Schaar durchgestreckt ist, werden die Fugen und Oeffnungen zuerst mit trockenen Steinzwicken, d. h. ohne Mörtel, so dicht ausgeschlagen, daß man an keiner Stelle mit einer Brech- stange den Grund erreichen kann. Die noch übrig gebliebenen kleinen Oeffnungen schlägt man mit trockenem Ziegelbruch (aus den Ziegeleien) aus, um eine ziemlich ebene, trockene und vor allen Dingen reine Die Feldstein- und Felsenmauern. Oberfläche zu erhalten, auf welche das mit Mörtel aufzuführende Mauerwerk kommt. Damit die Arbeiter zu allen Seiten des Fun- damentgemäuers gelangen können, muß die Baugrube eine solche Weite haben, daß zwischen den Wänden derselben und dem Mauer- werk ein hinreichender Raum verbleibt. Das Verbandlegen geschieht sowohl im Innern, als auch an den Fronten; nothwendig ist es, möglichst viele Binder anzuordnen und zwar mindestens bei jedem vierten Stein. Zwischen diesen werden kürzere und längere Steine im Verbande eingemauert. An den Fronten muß man den Verband ebenfalls einhalten, d. h. die Steine werden so placirt, daß die vertikalen Fugen nicht aufeinander stoßen. Weil die Binder meistens weiter entfernt liegen, wird mit ihnen der Verband noch besonders eingehalten. Der regelmäßige und gute Verband in den Ecken darf nicht vernachlässigt werden, denn die guten Ecken gleichen die mangelhaften Stellen in den andern Theilen des Mauerwerks einigermaßen aus. Man mauert auch wohl die Ecken mit Ziegeln aus (Fig. 129), und zwar vornehmlich in solchen Fig. 129. Fig. 130. Fällen, wenn ganze Gebäude von Spreng- resp. Bruchsteinen ausge- führt werden sollen und große Ecksteine fehlen. Die Ziegelecke besteht dann entweder aus einem kräftigen Pfeiler, der in das innere Mauer- werk etwas eingreist (Fig. 129), oder sie wird mit drei bis vier Schaaren hoher Verzahnung (Schmatzen) (nach Fig. 130) hergestellt. Die erstere Methode verdient jedenfalls den Vorzug. Erstes Kapitel. Das Bruchsteinmauerwerk. Manchmal führt man die verzahnten Ecken aus Werksteinen oder aus ziemlich regelmäßig behauenen Steinen aus, was, wenn die Fig 131. einzelnen Blöcke etwa 0,6 m lang sind, unter Umständen empfeh- lenswerth sein kann (Fig. 131). Die Abgleichung der Bruch- steinmauern geschieht von den Maurern meistens mit kleinen Steinen und Zwickern, weil es ihnen zu mühsam ist, große Steine so zu legen, daß selbige mit ihrer Oberfläche in die Ebene der Abgleichung zu liegen kom- men. Da aber diese kleinen Steine durch die Handhabung während der Ausführung der Stockwerksmauern sich lösen und verschieben, also kein festes Lager bilden, so verdient dieses Verfahren keine Nachahmung. Der Mörtel zu den von Spreng- und Bruchsteinen aufgeführten Mauern richtet sich hinsichtlich seines Wassergehaltes nach der Porö- sität der Steinart; saugen dieselben, wie z. B. der Granit, gar kein Wasser auf, so muß der Mörtel möglichst trocken sein, saugen sie dagegen sehr viel Wasser auf, wie z. B. der Tuffstein, so bereitet man den Mörtel flüssiger. Bei harten Steinen empfiehlt sich eine Zugabe von Cement zum Mörtel; es genügen 8—10 Liter Cement auf 1 Cb m Mauermasse. Das überflüssige Wasser im Mörtel wird durch das Verzwicken im Innern mit Ziegelbrocken (sogenannte Kla- motten) etwas entfernt. Bevor der Bruchstein verlegt wird, muß man sein Lager reinigen und demnächst dünn mit Mörtel bestreichen; man läßt ihn sodann langsam auf sein Lager herabgleiten, rückt ihn schnell in die passende Lage und giebt ihm einige schwache Stöße, damit sich der Mörtel theils in die noch nicht ganz ausgefüllten Höhlungen, theils aus den Fugen dringe und der Stein nicht im Mörtel, sondern auf und an den benachbarten Steinen ruhe. Das Eintreiben der äußeren Zwicken, die immer nur klein sein dürfen, weil man die größeren einmauert, muß erst an solchen Mauertheilen vorgenommen werden, die sich 1—1,2 m Die Feldstein- und Felsenmauern. unter der oberen in Arbeit begriffenen Schicht befinden. Das Ver- zwicken der Schichten unter der Abgleichung unterbleibt demnach so lange, bis die Etagenmauern u. s. w. auf ihnen errichtet sind. Bei einer guten Bruchsteinmauer sollen die äußeren Fugen, die übrigens stets mit Cementmörtel verstrichen werden und zwar nach Vollendung und dem Setzen der ganzen Mauer, möglichst dünn sein. Mauern, die der Feuchtigkeit oder Nässe ausgesetzt sind, fugt man aber sofort mit Cementmörtel aus. Bei freistehendem Mauerwerk geschieht das Ausfugen am besten nach einigen Monaten, denn das Ausfugen, bevor das Wasser aus dem Innern verdunstet ist, veranlaßt, daß die ausgefugten Stellen abbröckeln. Zum Schlusse sei noch eine besondere Art Mauerwerk beschrieben, welches in Abständen von 0,7—1 m mit zwei bis vier Ziegelschaaren abgeglichen wird (Fig. 132). Dieses Verfahren trifft man ganz be- Fig. 132. sonders in solchen Distrikten an, wo die Fundament- und auch die in der Erde steckenden äußeren Kellermauern von Bruchstein ausge- führt werden; so z. B. in Oesterreich, wo selbst in Wien die Keller- mauern der größten Gebäude aus gemischten Materialien bestehen. Eine solche Mauerei gewährt den Vortheil, daß das Bruchsteingemäuer in bestimmten Höhen ganz gleichmäßig abgeschichtet — abgeglichen — werden kann. In der Regel beginnt man das Banket des Kellerfunda- ments mit zwei oder drei Ziegelschaaren, hierauf kommt das Bruchstein- mauerwerk in einer Höhe von 0,8 m , sodann wieder darüber vier Ziegelschaaren u. s. w. Uebrigens ist dies Mauerwerk durchaus keine Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Erfindung der Neuzeit; bereits Vitruv beschreibt es als opus incertum. Ueberreste hiervon (Fig. 133) fanden sich in dem Gebiete von Tivoli Fig. 133. vor. Dieses römische Mauerwerk von ungleichen Bruchsteinen von Travertin hat etwas Aehnlichkeit mit dem gleich- und ungleichreihigen Mauerwerk ( isodomum und pseu- disodomum ) der Griechen; denn obgleich die Steine sehr ungleich sind, so sind sie doch in Reihen und mit gedeckten Fugen vermauert. Die drei Backsteinreihen, welche durch die ganze Dicke der Mauer reichen und von Höhe zu Höhe wieder vorkommen, scheinen eine treffliche Vorsorge gegen das Reißen solcher Mauern zu sein. Bei solchem Bruchsteingemäuer werden auch die Theile in der Nähe der Fensterumfassungen von Zie- geln gemacht, oder wenn die ganze Plinthe (der Sockel oder Zockel) ebenfalls aus Bruchsteinen besteht, ordnet man vielfach die in Fig. 134 dargestellte Construktion an. C. Die Mauern und Pfeiler aus Werk- oder Schnittsteinen . Werkstein oder Schnittstein heißt jeder ganz ebenflächig und in bestimmten Dimensionen bearbeiteter Sandstein-, Kalkstein-, Granit- und Marmor-Block. Meistens bedient man sich der Kalk- und Sand- steine, selten des Granits, da dieser, seiner bedeutenden Härte wegen, sich schwer bearbeiten läßt und nur ganz einfache Profile, wie z. B. Abfasung u. s. w. erhalten kann. Der Werkstein darf niemals sofort, wenn er aus dem Bruche kommt, zu Bauten verwendet werden, viel- mehr gilt als Regel, daß er etwa ein Jahr freilagern muß, damit er seine Erdfeuchtigkeit verliere. Am besten ist es, den Werkstein so zu verwenden, wie er im Bruche gelegen hat. Geschichtliches. 1) Geschichtliches . Schon die Alten stellten die Mauern aus großen Werksteinen mit polygonalem Querschnitt her und nannten solche opus polygon; in diesem Mauerwerk kommen gar keine Horizontalschichten vor, sondern Fig. 134. sind die 2, 5—3 und oft 5 m langen Steine so behauen, wie ihre Form es am besten gestattete. Derartige kolossale Mauern, die sogenannten Cyklopenmauern, stehen noch jetzt in Griechenland und Unteritalien, so z. B. zu Argos, Cora u. s. w. Augenscheinlich liegt die Ursache dieser Technik nicht etwa in der Ungeschicklichkeit der Arbeiter, sondern in dem Bestreben, eine den feindlichen Wurfgeschossen widerstands- fähige Schutzmauer herzustellen, welche, wenn auch einige Steine hinausgeschoben sein sollten, in sich selbst eine genügende Standfestig- keit behält. Falls nämlich im Mauerwerk eine Lücke entstehen sollte, stützen sich die nachbarlichen Steine einander ab. Auch in Unteritalien ist diese Bauart bei den ältesten Baudenk- mälern üblich gewesen. Die Steinart ist fast allenthalben, z. B. in Cora, Palestrina, Arpino u. s. w. der Travertin. Später gingen die Griechen von dieser Art zu mauern ab und führten nicht blos die Tempelgebäude und andere Prachtmonumente, Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. sondern auch die Stadtmauern in Quadern auf, wie z. B. die Stadt- mauer von Messene im Peloponnes, von Syrakus, von Paestum u. s. w. Die wesentlichsten Regeln, welche die Alten hierbei befolgten, sind nach Plinius folgende: Bei dem Bau mit Quadern gab man den Steinen ein solches Verhältniß in der Länge zur Breite, daß die Fugen in den Reihen übereinander gut gedeckt wurden; auch sah man darauf, daß die Steine in einer Reihe die gleiche Höhe erhielten. Hingegen weichen öfters die verschiedenen Reihen in der Höhe von einander ab, so z. B. ist in dem von Marmor ausgeführten dünnen Quader- mauerwerk des Tempels der Vesta zu Rom (Fig. 135) je die dritte Reihe nur halb so hoch, als die übrigen. Fig. 135. In dünnen Mauern ordnete man nur eine Steinreihe an (wie Fig. 135 und 136). Das Beispiel in der letzten Figur stammt vom Tempel der Juno zu Gabii, die Mauer ist in röthlichem, vulkanischem Tufstein und ganz schlicht in der äußeren Oberfläche gebaut. Mauern von größerer Stärke erhielten Läufer und Binder und zwar in der Weise, daß entweder in einer Reihe lauter Läufer und in der anderen darüber ausschließlich Strecker zu liegen kamen, wie z. B. in Fig. 137 (Quadermauer in dem grauschwärzlichen vulkanischen Tufstein, zwei Geschichtliches. Stein dick, im Blockverbande, mit schräger und stark vertiefter Fugen- ränderung, von der Umfassungsmauer des Forum Nervae zu Rom), Fig. 136. worin b die Strecker, a die Läufer bedeuten, oder indem man in derselben Reihe die Läufer mit den Streckern abwechseln ließ. Fig. 137. Bei Quadermauern von beträchtlicher Dicke, wie z. B. bei Thürmen, Festungsbauten, Stadtmauern, starken Pfeilern u. s. w. befolgte man Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. mehrere Verfahren. Die eine Methode bestand darin, daß die inneren und äußeren Quaderwände durch etwa 0,6 m starke Querwände, die in gewissen Abständen sich wiederholen, miteinander verbunden wurden; letztere sind entweder gleichfalls Quader-, oder Ziegel- resp. Bruch- steine. Es entstanden auf diese Weise hohle Räume, welche meistens mit einem Gemisch von kleinen Bruchsteinen und reichlichem Mörtel allmählich ausgefüllt wurden, wie beispielsweise die alten Ring- mauern von Paestum (Fig. 138) zeigen. Fig. 138. Die andere Methode kommt meist nur bei den sehr dicken Mauern vor, z. B. bei dem Grabmale der Caecilia Metella unweit Rom, gewöhnlich Capo di Bove genannt. Die äußere Front in Quadern von Travertin ist im Blockverband gemauert. Das Innere besteht ganz aus einer gleichartigen Füllung von kleinen Bruchsteinen und Mörtel; die Strecker ( b ) reichen zur Hälfte in die Füllungmasse hinein und sind so mit derselben verbunden (Fig. 139). Die Quadern wurden trocken versetzt, d. h. ohne Mörtel, weshalb eine sehr genaue Abgleichung und Bearbeitung nöthig war. In einigen Monumenten halten sich die Steine nur durch ihre eigene Schwere und Lage in Geschichtliches. der Mauer, hingegen in anderen werden sie von Pflöcken überein- ander und durch Klammern und Schwalbenschwänze (Dübeln) neben- einander befestigt. Manchmal fertigte man die Pflöcke aus einem, Fig. 139. wahrscheinlich ölbaumenen Holze, öfters aber auch aus Eisen und Bronze an; aus den letzten Materialien bestehen auch die in die Oberfläche des Steines eingelegten Klammern und Schwalbenschwänze. Das Vergießen der eisernen und erzenen Verbindung geschah schon sehr früh mit Blei. Die äußere Ansicht der Quadern ist bei den Monumenten bald so glatt, daß man die Fugen kaum wahrnimmt, bald mehr oder weniger rauch gelassen, so daß die Spuren des Meißels noch überall zu sehen und sowohl die senkrechten, als auch horizontalen Fugen sehr vertieft sind (Fig. 137); in anderen Bauten ist zwar die Ober- fläche glatt, aber jeder Stein mit einem schräg vertieften Rand um- zogen (Fig. 135). Nach der Form und Lage der Steine gaben die Römer dem Mauerwerk verschiedene Namen; z. B. solches, welches aus Steinen mit fest quadratischen Köpfen versehen war, hieß: opus quadratum; das opus isodomum benannte man die im polnischen Verbande liegenden Steine (Fig. 139); in opus pseudisodomum haben sämmt- Erstes Kapitel. Das Werksteiumauerwerk. liche Schichten verschiedene Höhe und sind die Steine von ganz un- gleicher Länge. Das opus rusticum kommt besonders in fortifika- torischen Bauten vor, es wurden die Steine nur inwendig und an den Auflags- sowie an den Stoßflächen rechtwinklich und glatt bearbeitet, die Ränder ebenfalls scharfkantig hergestellt; der mittlere Theil der Außenfläche blieb aber ganz roh und erhaben stehen; das opus rusticum heißt vielfach auch „Buckelsteinmauerwerk“. In der Früh- und Spät-Gothik-Periode gelangte der Werkstein- bau (in Norddeutschland ausgenommen) durch die „Bauhütten“ zur hohen Vervollkommnung. Außer den sorgfältig bearbeiteten Steinen bei den Kirchen, Palästen, Stiften, Rathhäusern und Patrizier- häusern zu Andernach, Limburg, Nürnberg, Bonn, Straßburg, Köln, Mettlach, Wien, Maulbronn u. s. w., kommen auch die Buckelsteine an den Burgen und Festungsthürmen (z. B. Wiener Thor zu Hain- burg, das Erenthor von Köln u. s. w.) vor. Auch zur Zeit der italienischen Renaissance spielte der Quaderbau eine große Rolle. Während in Rom besonders an den Gebäudeecken lisenenartige Bossagen (stark profilirte Blöcke) angewendet wurden (wie z. B. beim Palaste Farnese, der theilweise vom Florentiner Ant. da Sangollo und im dritten Stockwerke von Michel Angelo stammt, ferner Palast Verospi u. s. w.), und häufig nur das untere Stockwerk kräftige Quaderungen erhielt, dagegen die oberen Stockwerke entweder blos mit Pfeilerstellungen und glatten Mauerflächen (wie z. B. einige Pa- läste von Balth. Peruzzi, einem Schüler von Bramente) oder durch Pfeilerstellungen und schwache Wand-Quaderungen (Palast Giraud) ausgezeichnet werden, ist das Vorhandensein sehr starker Quadern in allen Stockwerken, welche oben mit einem weitausladenden Haupt- gesims bekrönt und unter den Bogenfenstern mit kräftigen Gesimsen von einander getrennt sind, das charakteristische Erkennungszeichen der „florentinischen“ Bauweise. Drei Paläste sind es vornehmlich, welche in dieser Hinsicht am meisten hervorragen, die Paläste Strozzi, Riccardi und Pitti. Die Vorderseite des Palastes Riccardi besteht in der unteren Etage aus großen, stark vortretenden und fast unbearbeiteten Buckelsteinen; der Palast Strozzi dagegen hat gleichmäßigere und weniger vortretende Quadern, welche der Fa ç ade ein überaus ehrwür- diges Ansehen verleihen. Bei den Bauten der späteren florentini- schen Bauweise wurden die Quadern sehr schön sauber und ganz ebenflächig hergestellt (Fig. 140). Solche Quadern heißen „Bossage“. Geschichtliches. Erwähnt muß noch werden, daß die von Alberti ausgeführten Bauten sich mehr dem Charakter der Renaissan ç e in Rom anschließen und nur fein gegliederte Quaderungen be- sitzen, welche, die Bogenfenster umsäumend, der eleganten Pfeilerstellung sämmtlicher Geschosse als Hintergrund dienen — z. B. Palast Rucellai in Florenz. Die wichtigsten venetianischen Bauten haben gar keine Bossage (nur zuweilen am Sockel), sondern zeigen den reichsten und edelsten Säulenbau, der überhaupt in der Fig. 140. Renaissan ç enepoche geschaffen worden ist (Paläste Grimani und Ven- dramin, alte Bibliothek S. Markus u. s. w.). Mit dem Verfall der Baukunst nahm im 17. und 18. Jahrhundert auch die Quaderbautechnik ab, und verdrängte der Putz den Sandstein; jedoch in der Mitte unseres Jahrhunderts begann man die alte Quader- bautechnik zu pflegen und auf die Höhe zu bringen, welche ihr gebührt (z. B. Kölner Dom, Votivkirche in Wien, Börse in Berlin u. A. m.). 2) Die Werkzeuge des Steinmetzen und die Bearbeitung des Werksteines . Man unterscheidet bei der Bearbeitung des Sandsteins: Das Flächen oder Spitzen, „ Scharriren, „ Reinarbeiten und „ Schleifen. Die Granitflächen werden „ gestockt “, dann „ geschliffen “ und nur höchst selten „ polirt “. Die Geräthe , derer sich der Steinmetz zu seinen Arbeiten bedienen muß, sind folgende (Fig. 141): Das kleine Beitzeisen (Fig. A ) ist 16 zm lang, 1,5 zm im Quadrat stark und dient zum Einhauen schwacher Falze, um denjenigen Theil des Steines zu bezeichnen, welcher fortgenommen werden soll. Das große Beitzeisen (Fig. B ) ist in der Schärfe 2,5 zm breit und circa 20 zm lang; das Halbeisen unterscheidet sich von den vorigen dadurch, daß seine Schneide nur 2 zm zur Breite hat. Das Spitz- oder Bossireisen (Fig. C ) hat 16, 20 bis 23 zm zur Länge, ist unten zugespitzt und circa 2,5 zm stark, in der Regel Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Fig. 141. Die Bearbeitung des Werksteines. quadratisch, zuweilen rund im Querschnitt; es dient zum Abhauen von größeren oder kleineren Steinstücken, und zwar besonders zur Bearbeitung eines Steines aus dem Rohen zum Abbossiren, Spitzen oder Flächen. Die Zweispitze (Fig. D ) hat eine Länge von 43—45 zm , ist in der Mitte 4 zm und 2,5 zm stark, endet zu beiden Seiten in vierkantig zugerichteten, etwas gebogenen Spitzen und hat einen 27—30 zm langen hölzernen Stiel. Der Schlag oder das Schlageisen (Fig. E , Fig. F giebt eine andere Form desselben) ist 16—21 zm lang, 2 zm im Quadrat stark, hat eine 4—3,5 zm breite Schärfe und dient zur Herstellung eines „Schlages“; um nämlich die Außenseite oder das Lager eines Steines zu bearbeiten, wird etwa 1,3 zm von der Front des Steins ein „Riß“ gemacht, längs welchem ein Streifen bearbeitet wird, der so breit wie das Schlageisen ist und ein „Schlag“ genannt wird. Das Kröneleisen (Fig. G ) besteht aus einem Stiele, an dem ein Schlitz sich befindet, in welchem 13 bis 15 schwache Spitzeisen von etwa 23 zm Länge mittelst des Keiles d befestigt werden und dient zum Nacharbeiten derjenigen Flächen, welche mit dem Spitzeisen oder mit der Zweispitze bereits bearbeitet sind; auch wird es zum Verar- beiten des Scharrireisens benutzt. Das Zahneisen (Fig. H ) ist 16—19 zm lang, 1,2 zm im Quadrat stark und hat unten eine „gezahnte“ stumpfe Schneide; es wird ge- braucht, wo man das Kröneleisen seiner Größe wegen nicht anwenden kann; die Arbeit heißt „ Zähneln “. Das Scharrireisen (Fig. J ) ist 14—16 zm lang, hat einen 8 zm langen Griff, eine 8—9 zm breite Schneide und wird nach dem Krönel- eisen angewendet. Die gekrönelte Fläche wird nämlich mit demselben noch einmal überarbeitet, indem damit schmale parallele Streifen eingehauen werden, welche in regelmäßigen Reihen die ganze Fläche des Steines bedecken und nun „scharrirte“ Flächen heißen. Das Nutheisen (Fig. K ) ist 18—23 zm lang und hat unten eine schmale Schneide, die zum Einarbeiten der Nuthen unter den Gesims- gliedern gebraucht wird. Der eiserne Schlägel (Fig. L mit einer Bahn, M mit zwei Bahnen) ist ein Hammer, der 12—14 zm lang und 4,5 zm quadratisch im Querschnitt stark ist. Er wird zum Treiben des Beitz-, Spitz-, Zahn- und Wanderley, Bauconstr. II. 9 Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Nutheisens bei allen harten Steinarten, z. B. Marmor, Granit, ge- braucht. Der hölzerne Schlägel (Fig. N ), auch Klöpsel oder Klippel genannt, dient zum Treiben aller Meisel bei der Bearbeitung des Sandsteines und der nicht festen Steinarten; er wird aus Weiß- buchenholz gefertigt, bildet eine Halbkugel, die mit einem hölzernen Stiel versehen ist. Die Fläche (Fig. O u. P ) ist ein schwerer Hammer von 13—21 zm Länge, der an beiden Enden eine 4—7 zm breite Schneide hat; Fig. Q ist eine kleinere Fläche; beide werden zur Bearbeitung des Granits benutzt; die Arbeit heißt: „ flächen “. Der Stock- oder Kraushammer (Fig. R ) dient gleichfalls zum Ebenen der Granitflächen; er ist 13 zm lang, 4 zm im Quadrat groß; die Arbeit heißt: „ stocken “. Wir kommen nun zur Beschreibung des Verfahrens , dessen sich die Steinmetzen bedienen, die Sandsteinquadern winkel- recht zu behauen . Einen Quaderstein winkelrecht zu behauen, ist zwar die einfachste Arbeit eines Steinmetzen, denn es ist hierzu nur erforderlich, den Stein nach der vorgeschriebenen Größe auszumessen und das Ueberflüssige abzuhauen; die Schwierigkeit hierbei besteht jedoch darin, den Stein so zu behauen, daß alle Seitenflächen gerade Ebenen, d. h. nicht windschief sind, daß alle prismatischen Körper recht- winklige Ecken haben und daß der Stein in allen Kanten die verlangten Abmessungen besitze. Alle hierzu erforderlichen Arbeiten lassen sich in zwei Manipulationen theilen: nämlich den überflüssigen Theil des Steines abzusprengen und die Flächen zu ebenen . Den ersten Zweck erreicht der Steinmetz mit dem Spitz- eisen (Fig. 41 C ), welches keilartig in den Stein eindringt und das Uebrige in großen Stücken absprengt; sollen nur kleine Stücke ent- fernt werden, so geschieht dies mit der Zweispitze (Fig. 141 D ). Während dieser Arbeit wird oft das „ Richtscheit “, d. h. eine winkelrecht und ganz gerade bearbeitete Latte von etwa 4 zm Dicke, 6—8 zm Höhe, auf den Stein gelegt, um zu prüfen, ob die Fläche auch eben behauen wird. Das Spitzeisen sowohl, als auch die Zwei- spitze lassen noch merkliche Erhöhungen stehen, die mit dem Krönel- eisen (Fig. 141 G ) entfernt werden; es fällt beim Gebrauche in einem spitzen Winkel auf den Stein und läßt diesen noch in einem ge- wissen Grade ungleich, jedoch fängt mit dem Kröneleisen das Ebenen der Die Bearbeitung des Werksteines. Oberfläche schon an. Dieses Unebene haut der Steinmetz mit solchen Eisen ab, die gerade Schneiden haben und hat man hierbei die Erfahrung gemacht, daß es am vortheilhaftesten ist, wenn nach und nach breitere Eisen angewendet werden. Zuerst geschieht die Arbeit mit den Beitz- eisen (Fig. 141 A u. B ), hierauf mit dem Schlageisen (Fig. 141 E ) und endlich mit dem Scharrireisen (Fig. 141 J ). Sodann ebnet der Steinmetz die Fläche soweit, bis sie nur noch geschliffen oder mit Reifen versehen wird, die parallel nebeneinander liegen und die ganze Fläche bedecken. Soll nun ein Stein an allen sechs Seiten behauen werden, so „bankt“ der Steinmetz ihn auf zwei Böcke so auf, daß er ihn bequem im Stehen bearbeiten kann. In der vorhin beschriebenen Art ebnet er die obere Seite desselben und macht an einer Seite dieser Fläche einen „Schlag“, d. h. er ebnet einen schmalen Streifen der Fläche, auf welchem das Richtscheit seiner Länge und Breite nach bequem liegen kann. Auf den „Schlag“ legt er ein „Richtscheit“ und auf diejenige Seite des Steines, die dem Richtscheit gegenüber ist, wird ein zweites auf den rauhen Stein gelegt. Es wird nun von dem ersten Richtscheite auf das zweite, welches mit jenem von gleicher Stärke ist, „visirt“, wonach man leicht bemerken wird, ob die Fläche eine Ebene sei oder nicht. Ist diese Fläche geebnet, so wird der Stein ausgemessen. Vorausgesetzt, man findet, daß auf jeder Seitenfläche ein Stück von dem Steine abgearbeitet werden könne, welches 0,7 zm dick ist, so haut der Steinmetz um den ganzen Umfang der Fläche einen „Schlag“ oder vielmehr einen „Falz“ aus, der 0,7 zm tief und etwa ebenso breit ist. Durch diesen Einschnitt wird nicht nur die Dicke des Stückes bestimmt, welches von der Fläche abgehauen wer- den soll, sondern der Abgang wird dadurch genöthigt, nur so tief bei der Arbeit abzuspringen, als vorgehauen wurde. Das „Bossiren“ oder erste „rauhe Zuspitzen“ der Werkstücke ge- schieht in einigen Steinbrüchen folgendermaßen: Es wird zuerst das Lager h Fig. 142 A , wie vorhin gesagt wurde, bearbeitet, alsdann eine Linie a c vorgerissen, so daß das verlangte Werkstück voll wird, ohne zu viel Abgang, sogenannte „abzuhauenden Posten“, zu veran- lassen. Nun hält ein Arbeiter ein Richtscheit b a längs dem Kopfe oder kleinem Haupte k so an, daß es entweder mit der Schichtung des Steines zusammenfällt, oder, wenn diese nicht vorhanden ist, rechtwinklig auf h ist; im ersten Falle wurde angenommen, daß die Fläche b senkrecht die Schichtung schneidet. Hierauf hält ein anderer 9* Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Arbeiter an den k gegenüber stehenden Kopf in dem Punkte c eben- falls ein Richtscheit an, und zwar so, daß das Richtscheit bei a rechts, Fig. 142 A—C. das bei c links der Linie a c steht. Ferner wird das bei c aufge- stellte Richtscheit nach dem bei a aufgestellten „einvisirt“ oder „er- sehen“, wie dieses die Linie m n andeutet. Decken sich die beiden inneren Seiten der Richtscheite, so reißt man auch längs des zweiten Richtscheits eine Linie herunter; nach diesen drei Linien bestimmt sich die zu bossirende Lagerfläche l. Die Bearbeitung dieser Fläche ge- schieht folgendermaßen: Mit dem Spitz- oder Beitzeisen werden die überstehenden Kanten des Postens längs den Linien a c , a b u. s w. schräg abgehauen, indem man diese Linien, welche Kanten des Qua- ders werden sollen, genau einhält. Wenn nämlich in Fig. 142 A A der Quader, a der Posten, der entfernt werden soll, und c die Kante des Quaders ist, so fällt die Seite c e des Postens in der Richtung c d fort, um die Kante c gegen jedes Ausspringen zu hin- dern, sie also scharf zu erhalten. Der auf dieser, an allen vier Seiten abgekanteten Fläche stehende Posten wird nun mit dem Bossireisen abgespitzt. Hierbei muß der Bossirer an der ersten Ecke, z. B. bei g Fig. 142 C , die ersten Schläge mit der Spitze einwärts führen, damit die Kante nicht ausspringe, sodann wendet er sich und führt ebenso alle übrigen Schläge wieder nach Innen, wie Fig. 142 C andeutet. Soll der Stein allenthalben volle Kanten erhalten, so muß die Seite l nicht ganz herunter bossirt werden, weil sonst die unteren Ecken m Die Bearbeitung des Werksteines. und n ausspringen würden. Aus den Punkten 1, 2, 3, 4 der bossirten Seite l werden die Maße, Striche oder Punkte 1′, 2′, 3′, 4′ bemerkt, und nach diesen die Umfangslinien 1′, 2′, 3′, 4′ der entgegen gesetzten Fläche l' aufgerissen, und eben so, wie bei l gesagt wurde, bearbeitet; dasselbe geschieht auch mit den beiden Köpfen k , k'. Sollen diese, an den vier Seiten nur bis zur Hälfte vollkantig bearbeiteten Steine allenthalben volle Kanten erhalten, so wendet man sie um und legt sie auf das bisher obere Lager, um die Linien auf das nun obere Lager aus den vorhandenen Punkten auf den Seitenflächen ausziehen und die weitere Bearbeitung der noch zur Hälfte unvollendeten Seiten- flächen in derselben Art, wie vorhin geschah, fortsetzen zu können. Bei Platten (Fig. 143 A ) wird auf der Oberfläche o eine Linie g a als Seitenkante angerissen, ihr gleichlaufend in gegebener Entfernung Fig. 143 A—B. desgleichen die Kante i h , hierauf g i winkelrecht auf g a und gleich- laufend mit g i die Kante h a aufgetragen. Man kantet dann um den Umfang g i h a und bossirt vorsichtig die Seitenflächen ganz herunter. Nach Vollendung der Seitenflächen oder Stoßfugen der Platte oder Schale stellt man den Stein auf (wie in Fig. 143 B ), um die Oberfläche o zu bossiren. Wie die Zeichnung ersichtlich macht, wird die Ebene ebenso mittelst Richtscheiten ersehen, wie bei den Werk- stücken geschah, und da hier keine Kante ausspringen darf, muß man das Lager nur zur Hälfte herunter „bossiren“, alsdann den Stein wenden und ebenso, wie bei den Quadern mitgetheilt wurde, fertig bossiren. Beim Bossiren der Fugenfläche ist das Umwenden der Platte nicht nöthig, man bossirt vielmehr ganz herab, weil das untere Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Lager der Platten rauh bleibt, und dieselben am Ende der Arbeit nur verdickt, d. h. so weit unten „abgespitzt“ werden, daß die erfor- derliche Dicke bleibt, die verschieden sein kann, je nachdem die Platten in Sand oder Mörtel zu liegen kommen. Gewöhnlich unterwinkelt man die Fugen der Platten etwas, d. h. sie werden nach unten ein wenig erweitert, damit sie oben etwas besser aneinander passen und schließen. 3) Der Steinverband . Es versteht sich von selbst, daß nicht nur die Steinschichten einer geraden Mauer horizontal, sondern auch die Lager- und Stoßfugen der einzelnen Blöcke gerade Ebenen sein müssen. Ferner verbinden sich die Steine desto inniger mit einander, je größere Flächen sie be- sitzen. Erfahrungsmäßig haben sich folgende Dimensionen am besten bewährt (Fig. 144): Fig. 144 A—H. Die Höhe eines Steines schwankt zwischen 0,2—0,7 m . Der Steinverband in vollen Mauern. Mauern von nicht zu großer Dicke (bis 1 m ) führt man in fand- steinreichen Gegenden, sowie in der Nähe der Steinbrüche (und falls Ziegelsteine nicht vorhanden sind, wohl auch noch dickere) ganz und gar aus Werksteinen auf; hat man große Steine zur Verfügung, so wird die Mauer ausschließlich aus diesen zusammengesetzt, wobei der Verband (Fig. 145 A ) zu Grunde liegt ( opus isodomon ). Die Um- stände sind aber selten so günstig, daß es möglich wäre, diese Art des Verbandes in Anwendung zu bringen; man trachtet aber stets Fig. 145. danach, ihn möglichst zu erlangen, indem man vermeidet, Steine von sehr verschiedenen Dimensionen und Schichten von sehr ungleicher Höhe mit einander zu vereinigen. Einen anderen Verband stellt Fig. 145 B dar; hier sind alle Steine gleich hoch und alle Schichten gleich. In der Ansicht bilden die Steine abwechselnd Rechtecke und Quadrate; zwischen je zwei Läufern liegt ein Strecker. Dieser Ver- band hat den Uebelstand, daß im Innern einige Fugen aufeinander treffen (vergleiche auch mit Fig. 10 im 2. Bande d. Werkes). Die verschiedenartigsten Verbände illustriren wir in Fig. 146 A — H: in A wechseln zwei Schichten von 15 und 30 zm Höhe mit ein- ander ab; die Länge der mittleren Steine mißt 42 zm , die Ecksteine sind 55 zm lang; in B weicht der Verband von dem letzten in der Weise ab, daß jeder vierte Stein nur 26 zm breit ist; in C haben alle Schaaren die gleiche Höhe und sind die Steine, bis auf jeden vierten in jeder Schaar, von gleicher Länge; in D wechseln in jeder Schaar Strecker mit Läufern ab; u. s. w. Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. In allen sandsteinarmen Gegenden pflegt man die Mauern nur außerhalb mit Werksteinen zu „verblenden“ , hingegen den hin- Fig. 146 A — H. teren Theil der Mauer entweder von Bruchsteinen oder Ziegeln in regelmäßigem Verbande auszuführen. Die Verblendung kann nun auf zweierlei Weisen geschehen: entweder bedient man sich blos der dünnen Platten oder der voll- ständigen Quadern . Solches Mauerwerk aus gemischten Materialien hat aber immer den Uebelstand, daß die Hintermauerung sich be- deutend mehr setzt, als die Verblendung. Bei Benutzung der Quadervormauernng muß man auf das Einbinden der Strecker, die den Namen „Ankersteine“ führen, besonders achten; je häufiger das Einbinden stattfindet, desto solider Der Steinverband bei Quaderverblendung. und haltbarer erweist sich das gesammte Mauerwerk. Die mannig- fachsten Anordnungen dieser Art zeigen die Figuren 147 A — E , in Fig. 147 A — E. welchen die Schaaren bald gleiche und bald verschiedene Höhen haben und theils die Binder (was in der Regel geschieht), theils die Läufer (und zwar in den niedrigen Schichten) als Ankersteine dienen. Auch befinden sich die letzteren nicht alle in einer Reihe nebeneinander, sondern sie wechseln ab. Die Hintermauerung geschieht nach Fig. 148, wenn die Anker- steine die ganze Mauerdicke zur Länge haben; außerdem bemerken Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. wir, daß die Läuferköpfe mit Versatz in die Ankersteine greifen. Dieses Verfahren wird bei Gebäuden des Hochbaus niemals, sondern ausschließlich beim Wasserbau befolgt, wie z. B. bei Brückenpfeilern, Fig. 148. Quaimauern u. s. w. Im Hochbau stoßen die Läufer stumpf gegen die Strecker. Meistens greifen die Strecker nicht ganz durch die Gebäude- mauern, sondern erhalten in einer Schaar 0,40 — 0,45 m und in der anderen 0,20 — 0,30 m zur Dicke und bilden durchlaufende Schmatzen (Verzahnung), in welche die Hintermauerung eingreift. Dies erkennen wir in Fig. 149, welche die Parterreetage eines zwei- bis dreistöckigen Gebäudes darstellt; dieselbe ist 0,75 m ; die Mauerdicke in der Plinthe beträgt 1 m . Zur besseren Verdeutlichung der ganzen Construktion geben wir in Fig. 150 eine Ansicht (in klei- nerem Maßstabe) zu diesem Querschnitte. Jeder Quader ist 0,7 m hoch und 1,45 m lang (also außergewöhnlich groß) und in einer Schaar 44 zm , in der anderen 22 zm dick; die Kanten sind in 45° abgefast. Da die hintere Steinfläche nicht sichtbar ist, werden blos die Lager- und Stoßfugen, sowie die äußere Fläche glatt und ebenflächig bear- beitet. Die Verbindung der Steine geschieht in der weiter unten geschilderten Weise. Aehnlich geschah die Herstellung der Quaderverblendung bei der Residenz in München (Fig. 151 A Querschnitt, B Grundriß in ver- schiedenen Schaarenhöhen). Die schmälere Schaarenreihe ist 55 zm , die Ankerschaar 88 zm dick; die Blockhöhe beträgt auch hier 0,7 m . Jeder Block hat eine sehr kräftige Bossirung, die 13 zm vorspringt; Der Steinverband bei Quaderverblendung. die ganze Nuthenbreite mißt 30 zm . Damit die Läuferreihe eine höchst solide Lage erhalte, sind immer zwei Läufersteine bei d mittelst eines Gabel- ankers vereint und mit dem Ziegelmauerwerk verankert. Die Ankersteine hingegen ha- ben nur eine Klammerver- bindung über ihren Stoß- fugen b (hierüber weiter un- ten ausführlicher). Die Hin- termauerung hinter den Anker- steinen ist 0,43 m , und hinter den Läufern 0,87 m stark. Der Stein S gehört schon zum Sockel. Oefters werden die Sockel von nicht mehr als 1,5 m Höhe (incl. Gesimse) mit ganzen Quadern belegt, die nur mit vertikalen Stoßfugen zusammentreffen; ein derar- tiges Beispiel zeigt Fig. 152. Zunächst liegt ganz unten ein Plinthenstein als Läufer, der 13 zm vorspringt. Alsdann brachte man hierauf abwech- selnd die 0,48 m Bindersteine und die 0,2 m dicken platten- artigen Werkstücke, welche mit Versatz in den Stein t und mit Falz in den Plinthenstein greift, damit letzterer einen besseren Halt bekomme. Der Stein t unter dem Sockelgesims g ist lediglich angeordnet wor- den, um die Höhe der vertikalen Sockelsteine zu vermindern. Fig. 149. Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Will man die Frontwände eines Gebäudes gegen die Witterungs- einflüsse mehr schützen, als dies mit dem gewöhnlichen Mörtelputz Fig. 150. Fig. 151 A — B. geschehen kann, und scheut man die bedeutenden Kosten, welche durch den vollständigen Quaderbau erwachsen, so kommt die Platten- Der Steinverband bei Plattenverblendung. verblendung oder Bekleidung zur Verwendung. Besonders ist dieses Verfahren bei den Sockeln und Unterbauten üblich und zulässig. Der einfachste Fall entsteht, wenn, wie in Fig. 153 A — C , nur eine etwa 0,5 m Platte mit einem einfachen Obergliede vor das Mauerwerk gelegt und mit diesem mittelst Cement gehörig zusammen- geklebt wird. Immerhin darf bei jeder Platte eine Verankerung ( a in Fig. 154), deren Splint im Mauerwerk steckt, nicht fehlen, weil sonst sich die Platten ablösen würden. Die Anker sind von Eisen und verzinkt. Die Platte erhält 10 — 15 zm zur Stärke. Bedeutend besser ist es schon, wenn die Platten oben an steinernen Ankern, welche gleichfalls das Sockelgesims bil- den, ihren Halt finden (Fig. 153 B ); alsdann greift das zapfenartige Platten- Fig. 152. Fig. 153 A — D. Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. ende in die, an der Unterfläche des Sockelsteins befindliche, Nuthe. Die Anordnung einer eisernen Verankerung nach Fig. 154 dürfte auch Fig. 154. Fig. 155. Fig. 156. hier empfehlenswerth sein. Sollte der Sockel mehr als 1 m zur Höhe haben, so kann man in der Mitte eine etwa 20 zm hohe Anker- Der Steinverband bei Plattenverblendung. platte ganz horizontal durchgehen lassen und selbige schwalbenschwanz- artig die Plattenkanten festhalten. Damit auch die untere Kante einen sicheren Stand bekommt, em- pfiehlt es sich, erstere mit einem Falze in den Plinthenstein zu stellen (Fig. 155 u. 156). (In Fig. 153 D wurde der Sockel mit einem Kalk- bewurf versehen und sind nur das Sockelgesims g und die Plinthe h von Werkstein.) Mit der Anordnung in Fig. 155 analog scheint die Construktion Fig. 156 zu sein; der vortretende Plinthenstein ist 36 zm breit, 16 zm hoch, auf ihm steht die 16 zm dicke Platte mit einem Falze, und oben wird letztere vom Sockelgesimsstein mittelst einer geringen Abschrägung gehalten. Fig. 157. Die Anordnung der in Fig. 154 dargestellten oberen Verankerung der Platten macht Fig. 157 bei A genau ersichtlich; an dem Ende der Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Platten p und q sind Löcher hergestellt, in welche die Krallen des gabelartigen Ankers eingreifen; das andere Ende des Ankers ist nach oben umgebogen und im Mauerwerk vermauert. Der Eckstein m hat eine größere Dicke als die Platten p und q; in ihm steckt die Spitze des rechtwinkligen Gabelankers, dessen beide Arme im Bruch- steinmauerwerk der Eckstein festhält. In ähnlicher Weise wurde der Radabweiser n verankert; der Anker hierzu hat nur einen Arm und steckt mit einem langen Plint im Stein; auf diesem steht das Haus- thürgewände, dessen Profil bereits dicht über dem Prellsteine n be- ginnt. Beachtenswerth dürfte noch die Verbindung der Platten p und o mittelst Falzen in den Steinen m und n sein; bei a , b und c ist diese Falzverbindung genau zu erkennen. Wenn die Plinthe über 2 zm hoch ist oder keine großen Platten vor- handen sind, kann man die kleinen Platten mittelst Nuthen und Fig. 158. Zapfen zusammenschieben. Eine derartige Vereinigung zeigt Fig. 158, welche ohne weitere Erklärung hinreichend verständlich ist. Selbst- Der Steinverband bei Plattenverblendung. verständlich wäre auch in diesem Beispiele eine sichere Verankerung zu empfehlen. Zum Schlusse geben wir noch die Sockelconstruktion am natur- historischen Museum in Paris (Fig. 159 A — B ); der Sockel ist bis Fig. 159 A — B. zum Gesimse 2,11 m hoch; die Plinthe besteht aus 26 zm dicken Läufern und 44 zm breiten Bindern; das Mauerwerk ist oben 66 zm , unten im Sockel 1 m dick. Die Läufersteine des Sockelgesimses, als auch der Plinthe sind mit dem Bruchsteinmauerwerk verankert. Fig. 159 A giebt den Querschnitt mit den Läufersteinen; Fig. B desgleichen mit den Streckern. Wanderley, Bauconstr. II. 10 Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. An solchen Orten, wo das Mauerwerk vom Wellenschlag getroffen wird, pflegt man, um den Steinen eine sehr sichere Lage zu geben, die Verbindung derselben untereinander durch „Versatzung“ vorzu- nehmen und zwar in der Art, daß die Köpfe der Läufer in die Bin- dersteine eingreifen. Solche Construktionen trifft man gewöhnlich bei Ufermauern, Brückenpfeilern, Leuchtthürmen u. s. w. an. Im Nachfolgenden veranschaulichen wir einige übliche Fälle: Fig. 160 A — C geben recht-, stumpf- und spitzwinklige Ecken. In A Fig. 160 A — C. liegt in der Ecke ein großer Stein, der durch die Anker a b , a c eine unverschiebbare Lage erhält; die ganze Mauer ist 1,25 m dick; die Binder reichen nicht durch das ganze Mauerwerk. Die Läufer stoßen so gegen die Binder, daß die Köpfe der letzten eine schwalbenschwanz- artige Gestalt bekommen. Alle Steine werden untereinander ver- dübelt. In ähnlicher Weise ist die Construktion in Fig. 160 B u. C. Nach gleichem Prinzip sind die Verbände der Brückenpfeiler (Fig. 161 A — E ) mit rechtwinkligen, halbkreis- und spitzbogenförmig geformten Enden hergestellt worden. In Pfeilern von nur 1,5 m Dicke (Fig. B ) bringt man an die Spitze einen ganzen Stein a; in größeren Pfeilerbreiten hingegen ordnet man mehrere Steine nebeneinander an, die recht fest verdübelt werden. Manchmal greifen die Binder auch ganz durch den Pfeiler (Fig. C bei b ), wodurch eine äußerst solide Verbindung entsteht. Der Steinverband für Ufermauern und Brückenpfeiler. Da bei geböschten Mauern die horizontal liegenden Werk- steinschaaren mit der Außenfläche spitze Winkel bilden, welche Fig. 161 A — E. bei dem Versetzen der Steine leicht abbrechen, giebt man jedem äußeren Stein eine, theilweise zur Außenmauer vertikal gerichtete, Fig. 162 A — B. Lagerfläche. Zwei Methoden sind hierbei gebräuchlich, entweder Fig. 162 A oder B; die Anordnung in B verdient unter allen Um- 10* Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Fig. 163. ständen den Vorzug, weil die sogenannten Haken- steine in A leicht brechen. Die Säulen von Werksteinen werden, wenn sie nicht zu groß und dick sind, ganz und gar (von der Basis bis zum Kapital) aus einem ein- zigen Sandsteinblock angefertigt. Säulen und Pfeiler über 5 m Höhe und 0,6 m Durchmesser setzt man aus mehreren 0,5—1 m hohen Trommeln zusammen, Fig. 164. welche miteinander gut verdübelt werden (Fig. 163). Größere Doppelpfeiler be- steben auch in einer Schaar aus mehreren Blöcken, wodurch an Material gespart wird (Fig. 164); beide Werkstücke werden gut mit einander verklammert. 4) Das Versetzen der Werksteine ist mit einigen Schwierigkeiten verbunden und erfordert viel Sorg- falt, damit die bearbeiteten Werkstücke unbeschädigt und ohne großen Zeitverlust an die für sie bestimmten Stellen kommen. Kleinere Werkstücke, die nicht zu weit transportirt und zu hoch gehoben wer- den sollen, kann man an ihren Ort tragen, größere dagegen wer- den auf Walzen gelegt und zur Arbeitsstelle gerollt. Zu diesem Be- hufe wird der Stein auf ein genügend starkes Unterlager gelegt, welches an allen Seiten wenigstens 16 zm vor den Stein hervorragt; damit der Stein gegen Beschädigung geschützt liege, ist eine gute Strohbettung erforderlich. Bei größerer Entfernung der Werkstücke von dem Orte ihrer Ver- wendung reichen die Walzen nicht aus, weshalb die provisorischen Eisenbahnen, auf denen Transportwagen hin und her laufen, noth- wendig sind; doch kommen solche Vorkehrungen beim Hochbau sehr selten, desto häufiger aber beim Brückenbau vor. Von dem Transportwagen hebt man die Quadern mittelst Hebe- geschirren oder beweglichen Krahnen (Schlitten und Winde) auf, und transportirt man sie nach dem Versetzungsorte. Ein solcher „Krahn“ oder „Schlitten“ sieht folgendermaßen aus: z. B. es seien die Steine zu einer im Aeußern 8 m breiten Brücke in die Die Laufkrahne zum Versetzen der Werksteine. Höhe zu ziehen. Hierzu ordnet man zu beiden Seiten der Brücke ein festes und sicher gestelltes, gut abgebundenes (vom Zimmermann) Gerüst an, auf dessen obersten Holmen, welche mindestens in der Höhe der zu erbauenden Brücke (von der Sohle ab) liegen, je eine Eisenschiene (vielfach Winkeleisen) lagert. Der Krahn läuft mittelst Rollen in der Längenrichtung der Brücke hin und her (Fig. 165 A — C ), wenn man mittelst der Kurbel k das Rädergetriebe in Bewegung setzt. Da die Steine auch in der Breitenrichtung an jede beliebige Stelle verlegt werden sollen, muß eine andere kleine „Winde“ Fig. 165 A — C. die Brücke in der Querrichtung bestreichen. Zu diesem Behufe sind die hinreichend starken (im vorliegenden Falle bei 8,9 m freiliegender Länge 45 zm hohen und 35 zm breiten) Balken b erforderlich, welche die Fahrgleise der kleinen Winde tragen. Oefters sind diese Balken b nach Fig. 153 D im 1. Bande, armirt, und können dann die Hölzer schwächer sein. Fig. 165 A zeigt die Ansicht, B den Grundriß und C den Querschnitt; der Abstand zwischen den Balken b beträgt min- destens 0,75 zm . Eine andere einfache Krahnconstruktion zeigt Fig. 166, die nach der vorstehenden Auseinandersetzung keiner Beschreibung bedarf. Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Falls nur Steine von mittlerer Größe Verwendung finden und nur die Gesimse u. s. w. aus Werksteinen bestehen, so braucht das Gerüst nicht allzu stark zu sein; Laufkrahne sind dann überflüssig, denn die einzelnen Steine werden direkt an den Verwendungs- ort hinangerollt und mittelst Flaschenzügen bis zur erforderlichen Fig. 166. Höhe gewunden. Daher muß die Laufbahn eines jeden Stockwerks sich beinahe in der Höhe der betreffenden Gesimse befinden. Ein derartiges Gerüst führen wir in Fig. 167 A — B vor; dasselbe wurde ganz in dieser Weise für den Bau der königl. neuen Münze in Berlin construirt. Der Grundriß dieses Gebäudes ist ein sehr großes Quadrat und liegt frei; ringsum stand die Rüstung, welche im Verhältniß zu ihrer Höhe (21 m ) eine sehr geringe Tiefe (noch nicht 2,5 m ) erhielt, damit die Passage auf der Straße nicht unterbrochen wurde. Von Etage zu Etage war das Gerüst im Querschnitt (siehe Fig. A ) durch Andreaskreuze verstrebt, deren Streben seitlich an die Stiele und an die verlängerten Balken angeblattet und an den Kreuzungspunkten verbolzt wurden. Die Binderstiele reichen nur von Geschoß zu Ge- schoß, sind oben durch ein gemeinschaftliches Rahmholz verbunden, auf welchem die Balken ruhen. Die Stiele der folgenden Etage stehen unten auf den Balken und reichen oben bis in das folgende Rähm. Zwischen je zwei Stielen, von Rähm zu Rähm reichend, ist eine Strebe angebracht, die man hätte schräger anbringen müssen. Sehr vortheilhaft wäre es gewesen, wenn etliche Hauptstreben durch alle Etagen gereicht hätten, um die Gefahr der Längen- Die Gerüste zum Versetzen der Werksteine. Fig. 167 A — B. Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. verschiebung noch mehr zu vermindern. Immerhin hat dieses Gerüst, wie wir uns selbst überzeugten, seinen Zweck hinreichend erfüllt. Interessanter als das soeben geschilderte Gerüst ist die Rüstung zum Bau der königlichen Nationalgallerie in Berlin , die wir auf der lithographirten Tafel 1 darstellen und der preußischen „Zeitschrift für Bauwesen“ (1873) entnehmen. Die Mauern des er- wähnten Gebäudes wurden wegen der kolossalen Werkstücke, welche zur Verwendung gelangten, von beiden Seiten mit einer vollständig abgebundenen Rüstung versehen; beide Rüstungen waren dann an geeigneten Stellen durch gemeinschaftliche Zangenhölzer untereinander verbunden. Das innere Gerüst stand auf dem Kellergewölbe, das äußere aber auf dem Straßenpflaster, daher letzteres um 5 m tiefer reichte als jenes. Die ganze Höhe zerfiel in fünf Etagen; die unterste derselben war mit 5 zm starken Bohlen belegt, um die Werkstücken darauf lagern zu können. Oben trugen die beiden Gerüste einen, mittelst Rädern auf Schienen laufenden und mit Armirung verstärkten „Schlitten“ s. Auch diese Balken trugen oben ein Schienensystem, auf welchem die „Winde“ ( w ) in seitlicher Richtung bewegt wer- den konnten. Wegen der Nähe des Flusses, auf welchem die Materialien her- beikamen, und da der Bau nur durch eine breite, aber wenig belebte Straße vom Flusse getrennt ist, wurde die Hauptrüstung durch ein niedriges Gerüst, das oben ebenfalls einen Fahrkrahn trägt, mit der Ausladestelle in Verbindung gebracht. Die Construktion dieser Rüstung mußte so eingerichtet werden, daß der Verkehr der Straße möglichst wenig gehemmt ward. Ueber dem Straßendamme befand sich des- halb ein solid hergestelltes Hänge- und Sprengewerk zur Unter- stützung der obersten Etage, welche die Winde w ' trug. Zugleich trat die Rüstung soweit in die Spree, daß die zu entladenden Kähne bequem unter die Rüstung fahren konnten. Dieser Theil des Ge- rüstes ruhte daher auf zwei Reihen eingerammter Pfähle, und konnten die Steine mit Hilfe des Fahrkrahnes (Schlittens) direkt aus dem Kahne gehoben und bis zur Hauptrüstung transportirt werden, wo- selbst der Krahn der Hauptrüstung sie in Empfang nahm und bis zur Stelle der Verwendung brachte. Ein einfacher Windebaum für Werkstücke ꝛc., wie in nebenstehender Skizze (Fig. 168) dargestellt, wird in Brüssel fast allgemein benutzt und entnehmen wir ihn der „Baugewerkszeitung“ 1876 Nr. 35. Er Die Gerüste zum Versetzen der Werksteine. ist sehr bequem zu handhaben, auch geht der Betrieb mit dem- selben sehr leicht von statten. Der Haupttheil an dem Krahne ist ein runder, aus einem Stück bestehender Baum, welcher unten in einer Schwelle ruht und durch zwei Streben derart befestigt ist, daß er nach rechts oder links hin nicht ausweichen kann. An seinem oberen Ende, welches die in Brüssel allgemein üblichen 6stöckigen Häuser noch um ein Beträchtliches überragt, sind starke Seile befestigt, mittelst welcher demselben jede beliebige zum Hause geneigte Lage Fig. 168. urch Anziehen oder Nachlassen gegeben werden kann. Gewöhnlich reichen vier Seile aus, von denen das eine quer über die Straße geht und in der Nähe des Rinnsteins durch Erdkloben, an welchen sich eine Windevorrichtung befindet, befestigt ist; das entgegengesetzte Seil findet seinen Halt auf dem Boden selbst. Diese beiden Seile sind zum Verstellen des Baumes da. Die beiden rechts und links abgehenden Seile sind nur vorhanden, um den Baum gegen seitliches Ausweichen zu sichern. Zum Aufziehen der Werkstücke ꝛc. ist am oberen Ende des Baumes, unter dem Befestigungspunkt der Seile, ein kräftiger Flaschenzug mit eisernen Kolben und eiserner Kette an- gebracht. Das eine Ende der Kette faßt das hinaufzuziehende Werk- stück, das andere geht auch zunächst nach unten und wird dann seit- lich zu einer Windetrommel geleitet. Gegen feste Gerüste, wie solche in Deutschland üblich sind, dürfte dieser Windebaum zunächst den Vorzug größerer Billigkeit haben, dann aber auch den leichter seitlicher Verschiebbarkeit. In einer Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. Viertelstunde kann man ihn um 3 m nach rechts oder links schieben, was möglich ist, ohne daß die Befestigungspunkte der Seile verlegt zu werden brauchen. Die Seile werden nur nachgelassen oder an- gezogen. In Bezug auf die Tragfähigkeit dieses Windebaums ist zu be- richten, daß 20 — 30 Centner schwere Werkstücke von zwei Männern in nicht allzu langer Zeit bis in die 6. Etage gehoben werden. Zur Befestigung des Baumes, was nur in seltenen Fällen zu geschehen hat, sind an demselben Stufen in Form von angeschraubten Knaggen angebracht. Die Befestigung des Hebetaus (oder der Hebekette) an dem Steine erfordert besondere Vorsicht. In den allermeisten Fällen, und bei nicht zu weichen Steinen, bedient man sich hierzu der Wölfe und Steinklauen . Die Fig. 169 stellt einen solchen Wolf dar; er besteht aus zwei Seiten- ( s ) und einem Mittelstücke ( m ), dem Bügel und dem Splint- Fig. 169. bolzen. Bei seinem Gebrauche wird zunächst ein entsprechend großes schwalbenschwanzförmiges Loch im Steine hergestellt, sodann steckt man in dieses zuerst die Seitenstücke und hiernach das Mittelstück hinein; durch den Splintbolzen des Bügels verbindet man die drei Theile miteinander. Zieht man nun mittelst eines Taues, welches am Bügel befestigt ist, den Stein in die Höhe, so keilt sich der Wolf zwischen die Wände des Loches und kann dieser, wenn der Stein nicht absplittert, nicht hinausgezogen werden, so daß der Block folgen muß, wenn das Tau in die Höhe gezogen wird. Die Hebegeschirre zum Versetzen der Wersteine. Obgleich ein solcher Wolf sehr sicher wirkt und daher den Vorzug vor allen andern verdient, kommt er doch nicht so häufig zur Verwendung, weil er zu complizirt ist. Einfacher ist der „Hebelwolf“ (Fig. 170 A ); beim Hineinstecken in das Loch wird er oben auseinander geöffnet, er schließt sich unten und geht bequem in das Loch; sodann zieht man das Tau an, Fig. 170 A u. B. Fig. 171. damit die Klaue sich unten spaltet und gegen die Wandungen preßt. Selbstverständlich gewährt diese Anordnung nicht eine solche Sicher- heit, wie der Wolf in Fig. 169. Der Hebelwolf leistet aber ganz besondere Dienste beim Versetzen der Werksteine unter Wasser, wo also der Apparat selbstthätig wirken muß. Eine dritte Art besteht aus einem Keile und einem Parallelstück (Fig. 170 B ); der Keil wird zuerst hineingesteckt, alsdann das Parallel- stück. Der Keil hängt an einer Kette a , das andere Stück ist an einem Tau befestigt. Manchmal benutzt der Steinmetzer auch die „Teufelsklaue“ ; dieselbe ist aber sehr unsicher und daher durchaus nicht zu empfehlen. Weiche Steinarten, bei denen zu befürchten ist, daß die Löcher beim Heben ausreißen möchten, werden mittelst Tauen (Fig. 171) gehoben, die man um den Quader schlingt. Damit die Kanten mög- lichst geschont werden, legt man einige Strohbüschel unter die Taue. Die Werksteine werden am besten trocken versetzt ; zuweilen bringt man wohl Mörtel auf das horizontale Lager, jedoch geschieht Erstes Kapitel. Das Werksteinmauerwerk. dies nicht, um die Steine zusammen zu kitten, sondern um die Un- ebenheiten der Lagerflächen auszugleichen. Nach dem Versetzen verstreicht man die Fugen von außen, da dies aber bei den dünnen Fugen sehr schwierig ist, pflegt man an den Seiten der großen Steine kleine Löcher auszuhöhlen und von hieraus das Vergießen vorzunehmen, oder auch die Steine durch Eichenholz- spähne etwas auseinander zu halten (Fig. 172 A ) und dann die Fugen auszufüllen (vergießen). Die kleinen Steine verlegt man wie die Ziegel, mit 1 — ½ zm dicken Fugen. Die schweren Steine werden mit Hebezeug aufgepaßt und in die Höhe gehoben, sodann bringt man etwas Mörtel auf die Lagerfläche und setzt man den Stein in die richtige Lage. Vielfach kommen die schweren Steine auf einige dünne und 4 — 5 zm große Bleiplatten zu liegen, damit die Steinkanten sich nicht zu sehr drücken. Von einigen Technikern wird anempfohlen, um recht dichtschließende Fugen zu erhalten, die Steine zu „unterwinkeln“ (Fig. 172 B ). Fig. 172 A — B. Dieses Verfahren ist aber durchaus verwerflich, denn dadurch brechen nicht nur die scharfen Kanten sehr leicht ab, sondern wird auch das Vergießen der Fugen beträchtlich erschwert. Der mechanische Verband ist bei kleinen Steinen unerläßlich, bei schweren und ganz großen Steinen aber nicht unbedingt erforder- lich. Dieser Verband geschieht einerseits mittelst „Dübeln, Dippeln oder Dollen“ , andererseits mittelst „Klammern .“ Die Dollen können sowohl aus Stein, Holz oder Metall gefertigt sein; sie sind cylindcisch oder prismatisch. Die steinernen Dollen läßt Das Verklammern und Verdübeln der Werksteine. man beim Bearbeiten des Steins am Material stehen. Die „Dübeln“ erhalten meistens eine schwalbenschwanzförmige Gestalt (Fig. 173) und bestehen aus Eisen, welches aber des Rostens wegen gut verzinkt werden muß. Das Rosten hat den Nachtheil, daß dadurch ein Aussprengen des Steines erfolgen kann. Die Dollen verwendet man nur bei Pfeilern und Säulen, deren aufeinanderliegende Trommeln mittelst Dollen gegen die Verschiebung gesichert werden. Im vollen Mauerwerk verbindet man die nebeneinanderliegenden Steine mit „Klammern“; dieselben bestehen am besten aus Kupfer oder Bronze, doch wird meistens verzinktes Eisen verwendet. Das Verklammern geschieht nach der in Fig. 174 dargestellten Weise. Zu diesem Zwecke arbeitet man in jedem Steine ein 5 — 6 zm großes Loch Fig. 173. Fig. 174. Fig. 175. aus, in welches die Klammer eingreift. Das „Vergießen“ ge- schieht mit verschiedenen Materialien, nämlich mit Schwefel, Gyps, Blei oder Asphalt. Schwefel ist nicht zu empfehlen, weil sich bei Eisenklammern leicht Schwefeleisen bildet; Gyps kann nur im Trockenen Verwendung finden. Meistens benutzt man Blei ; dieses wird aber beim Erkalten kleiner im Volumen und muß deshalb nach dem vollständigen Er- kalten mit einem Hammer und Keil fest gestampft werden. Wenn man die Klammern oder Dübeln an den vertikalen Seiten des Steins anbringt, so muß man zuerst ein „Lehmnest“ (Fig. 175) bauen, um das Vergußmaterial bequem einbringen zu können. Das Vergießen darf nicht eher geschehen, bis das Klammerloch gehörig ausgetrocknet ist, weil sich sonst störende Wasserdämpfe bilden. Ein vorzügliches Vergußmaterial liefert der Asphalt ; dieser schützt das Eisen vor Rost, ist aber nicht stabil und erweicht beim Ein- fluß der Wärme. Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Wo es daher auf Festigkeit ganz besonders ankommt, z. B. bei Geländern, empfiehlt sich das Blei ganz besonders. Beim großen Obelisk zu Rom wurden Schwalbenschwanz-Dübeln benutzt. Dieselben sind zwar complizirt und kostspielig, bieten aber eine sehr große Festigkeit und haben sich ganz besonders beim Auf- ziehen und Versetzen der Steine bewährt, indem das Tau leicht um- gebunden werden konnte. Bei Leuchtthürmen kommen ebenfals sehr interessante Verbindungen vor; so z. B. beim Leuchtthurme zu Edistone. Derselbe steht 14 engl. Meilen (26 Kilometer) von Plymouth entfernt. Im Jahre 1670 wurde dort zuerst ein hölzerner Thurm gebaut, der mit eisernen Zug- stangen im Meeresfelsen seinen Halt fand; 1703 verschwand der Thurm durch eine Springfluth. Abermals erbaute man in den Jahren 1703 — 1705 einen hölzernen Thurm, der aber fünfzig Jahre später verbrannte. John Meautou kam darauf auf die glückliche Idee, den Leuchtthurm aus Granit zu erbauen. Die einzelnen Steine greifen mit Schwalbenschwänzen ineinander. Die vertikale Verbindung der Schaaren geschieht mittelst 16 Stück Ketten. D. Das Mauern mit Ziegeln . 1) Der Mörtel . Zum Mauern benutzt man gewöhnlich den kohlensauren Kalk (Aetz- kalk), der bis zur Rothgluth erhitzt, alsdann mit Wasser gelöscht wird, wobei er die Kohlensäure abgiebt. Da aber der Kalk nicht allein verwendet werden kann, ist ein Sandzusatz erforderlich. Der auf diese Weise entstehende Kalkmörtel enthält in der Regel 2 — 3 Theile Sand und 1 Theil gelöschten Kalk. Die Erhärtung des Mörtels geschieht zunächst durch das Austrocknen, dann durch das mechanische und chemische (durch Aufnahme der Kohlensäure aus der Luft) Kleben. Die von Manger (Berlin) gemachten Versuche über die Mischungs- verhältnisse von Kalk und Sand führten zu folgenden Ergebnissen: a. Für Ziegelmauerwerk über der Erde, zu welchem die Ziegel nur mit der Hand aufgedrückt oder mit einigen Schlägen des Maurerhammers festgelegt werden, ist das mittlere Verhältniß der Kalk- zur Sandmischung wie 1 : 3, das höchste wie 1 : 1 ⅓, das niedrigste wie 1 : 4½; es giebt das mittlere Verhältniß ein gutes, festes und dauerndes Mauerwerk, das an Kalkzu- Der Mörtel. satz höhere ein noch festeres, aber nur langsam erstarrendes, das an Kalkzusatz geringere Verhältniß ein minder festes, aber in kürzerer Zeit erstarrendes Mauerwerk. b ) Für Mauerwerk unter der Erde kann 1 Theil Kalk und 3 Theile Sand als ein ausreichend hohes, 1 Theil Kalk und 4 Theile Sand als das mittlere Mischungsverhältniß angesehen wer- den, und letzteres rechtfertigt sich, weil die Kohlensäure zu dem unter der Erde liegenden Mörtel nur langsamen und sparsamen Zugang hat, denn in diesem Mauerwerk werden die Fugen stärker gepreßt, als die oberen und schieben sich die Sandkörner inniger zusammen und an die Steine, zumal auch der unter der Erde gelegene Mörtel lange genug weich bleibt, um jedem Drucke nachzugeben. c ) Für Mauerwerk von dichten und besonders großen Bruchsteinen braucht der Mörtel weniger fett zu sein, wie für Ziegel oder poröse Bruchsteine, weil auch hier die Luft wesentlich durch die Fugen, also sparsamen Zugang hat und weil große Steine schon durch ihr Gewicht eine starke Pressung auf den Mörtel ausüben. Für Mauern, die der Feuchtigkeit oder gar der Nässe ausgesetzt sind, oder eine außerordentliche Festigkeit erhalten sollen, muß man den hydraulischen Kalk oder Cementmörtel gebrauchen, der gleichfalls einen Sandzusatz enthält, und zwar so viel, daß die Zwi- schenräume zwischen den Sandkörnern von dem Cemente gerade aus- gefüllt werden. Dies findet am besten statt bei einem Verhältnisse von 1 Theile Cement und 3 — 4 Theilen Sand; ein geringerer Sand- zusatz erschwert das Arbeiten mit dem Cementmörtel, der dann zu schnell, so zu sagen „unter der Hand“ abbindet. Aus diesem Grunde darf man vom Cementmörtel nie mehr anmachen, als in kurzer Zeit schnell verbraucht werden kann. Der Gypsmörtel besteht aus gebranntem schwefelsauren Kalk (Gyps). Das Brennen des Gypses geschieht nur, um den geringen Wassergehalt aus ihm zu entfernen; hierzu genügt schon eine Tem- peratur von etwa 100 — 120° (bei einer größeren Hitze wird der Gyps todtgebrannt). Nach dem Brennen wird der Gyps in eine pulverartige Masse gemahlen, die sofort wieder verhärtet, sobald sie mit etwas Wasser begossen wird. Die Verwendung dieses Mörtels darf aber nie im Nassen geschehen, weil er sonst aufweicht. Nur der französische Gyps, Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. welcher etwas thonhaltig ist, widersteht der Feuchtigkeit einigermaßen und nimmt eine bedeutende Härte an, so daß er an manchen Orten den Cement zu ersetzen vermag. Der Lehmmörtel wird gebraucht, wo die Hitze auf das Mauer- werk einwirkt, so z. B. bei Feuerungen, in denen kein anderer Mörtel feuerbeständig ist. Der Lehm hat die Eigenschaft, sobald er der Hitze ausgesetzt ist, zu erhärten, wobei er gleichzeitig „schwindet“, d. h. im Volumen kleiner wird. Die Vermengung von Lehm und Kalkmörtel darf nie vorge- nommen werden, da beide sich weder mechanisch noch chemisch ver- binden. Wo das Schwinden des Lehms nachtheilige Folgen hat, erhält der Lehm einen Zusatz von Chamottemehl ; bei Dampfkesselfeuerungen u. s. w., in welchen die Hitze einen sehr hohen Grad erreicht, wider- steht nur der Mörtel aus Chamotte oder feuerfestem Thone . Der zum Kalkmörtel zu verwendende Sand muß ein reiner, scharfer Flußsand und frei von Humustheilen sein; ebenso wenig darf er Lehm oder Thon enthalten. Zuweilen verwendet man auch ge- pochten Quarz oder gepochte Schlacken. Durchaus unbrauchbar hat sich zum Mörtel der Meersand gezeigt, weil derselbe erstens rundlich ist, zweitens sehr viel Salztheile enthält und diese sehr bald den Salpeterfraß erzeugen; auch sind die mit Meersand gemauerten Wände stets feucht. 2) Das Mauern . a ) Die Fugenstärke . Bezüglich der Fugenstärke haben wir schon früher allgemeine Angaben gemacht; den neuen Normalsteinen anpassend, hat die technische Welt das Uebereinkommen getroffen, in Zukunft alle Stoßfugen 1 zm und die Lagerfugen 1,2 zm stark zu machen, so daß eine 1 m hohe Mauer mit 65 mm dicken Ziegeln gerade 13 Schaaren (Schichten) enthalten wird. Es sei hier die Bemerkung hinzugefügt, daß allzu dicke Lagerfugen ein starkes Setzen des Gebäudes veranlassen; freilich haben die mei- sten Ziegel-Bauten der Römer fast 2,5 — 5 zm starke Fugen, doch konnte dies nur bei dem ausgezeichneten Mörtelmaterial, nämlich der Puzzelan- erde, zulässig sein. b ) Das Vermauern der Steine geschieht im Allgemeinen folgen- dermaßen: Gut bereiteter Mörtel enthält jederzeit bedeutend mehr Wasser, als er zu seiner Erhärtungun bedingt bedarf; dieser Mehrbetrag an Das Vermauern der Steine. Wasser muß schnell von den Ziegeln aufgenommen werden, damit die Erhärtung des Mörtels sofort nach dem Verlegen des Ziegels be- ginnen kann. Immerhin darf dieser dem Mörtel nicht zu viel Wasser entziehen, weil sonst gar keine Erhärtung erfolgen und die Steine später in staubigem Sande liegen würden. Deshalb müssen die Ziegel, bevor man sie vermauert, genäßt werden, was sich nach ihrer Beschaffenheit richtet. So z. B. saugen sehr harte Ziegel (Klinker) zufolge ihrer dichten Textur nur wenig Wasser aus dem Mörtel an, und braucht man dieselben daher auch nur wenig anzufeuchten; poröse Ziegel dagegen bleiben längere oder kürzere Zeit im Wasser liegen, was einestheils von dem Feuchtigkeitsgehalt des Mörtels, anderntheils von der Witterung abhängt (in heißen und trockenen Tagen länger, als bei regnerischer Witterung). Das Benässen geschieht am besten in der Art, daß die Steine, etwa zehn Stück, vor ihrer Verwendung von dem Maurer in einen neben ihm auf dem Gerüste stehenden Wassereimer einige Sekunden lang getaucht und alsdann eine kurze Zeit wieder auf das Brettergerüst gestellt werden, damit das überflüssige Wasser abträufelt. Die Stelle, auf welche ein Ziegel zu liegen kommt, wird mit dem Pinsel (Quast) stark angenäßt; alsdann bringt der Maurer auf sie so viel Kalkmörtel, als für eine gute Lagerfuge erforderlich ist. Der Maurer greift hierauf den Ziegel mit der linken Hand so an, daß eine Ziegeldiagonale senkrecht zu stehen kommt, bestreicht beide Seiten des Steins, welche die Stoßfugen bilden sollen, mittelst der Kelle ganz und gar, aber nicht zu dick, mit Mörtel, bringt nun den Stein auf sein Lager, rüttelt ihn etwas (aber schnell) in dasselbe ein und richtet ihn mit leisen Hammerschlägen in die Flucht, wobei der über- flüssige Kalk aus den Stoßfugen und der Lagerfuge hervorquillt. Endlich wird mit der flachen Seite der Mauerkelle der Mörtel theil- weise in die etwa noch leergebliebenen Zwischenräume der Fugen zurückgedrückt und der überflüssige Mörtel über eine kurze Mauer- fläche dünn vertheilt. Eine auf solche Weise hergestellte Mauer besitzt allenthalben volle Fugen, ist solid und dicht und entspricht, soweit die Ausführung des Inneren in Betracht kommt, allen Anforderungen. Leider geben sich die Maurer selten die nöthige Mühe beim Vermauern der Steine; sie unterlassen nicht nur das Annässen der Ziegel, son- dern bringen den Mörtel so mangelhaft an den Stein, daß man häufig durch die Stoßfugen sehen kann!! Wanderley, Bauconstr. II. 11 Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Man unterscheidet volle und offene Fugen; die vollen Fugen (Fig. 176 B ) geben zwar dem frischen Mauerwerk ein angenehmes Ansehen, sind aber nicht so gut als die offenen Fugen (Fig. 176 A ). Fig. 176. da beim Verputzen der Wände der Mörtel in die offenen Fugen ein- dringt und der Wandputz besser fest haftet. c. Das Ausfugen . Bei solchen Gebäuden, die äußerlich ohne Verputz, also im sogenannten „Ziegelrohbau“, bleiben sollen, ist das sorgfältige Ausfüllen und Verstreichen der Fugen, das sogenannte „Ausfugen“, von großer Wichtigkeit, weil sonst die Nässe ungehindert in das Mauerwerk dringen würde. Viele Techniker verwerfen das spätere Ausfugen und geben dem Ausfugen sogleich nach dem Auf- mauern einiger Schaaren den Vorzug, indem sie behaupten, daß dann die Ziegel und der Mörtel innerhalb der Fugen noch die hinreichende Feuchtigkeit besäßen, um mit dem Ausfugenmörtel in innige Verbin- dung treten zu können; auch erspart man die Kosten der doppelten Rüstung. Die meisten Bauten der mittelalterlichen Backsteinarchitektur, welche besonders in Meister Haase (Hannover) ihren Vertreter ge- funden hat, und von dessen Schülern (Schultz, Otzen u. s. w.) in ganz Norddeutschland mit vielem Erfolg kultivirt wird, werden ohne spätere Ausfugung in Weißkalkmörtel ausgeführt. Hingegen die von der berliner Schule ausgegangene Backsteinarchitektur, mit ihren zier- lichen, der Antike entnommenen Details, verträgt die, dem gothischen Backsteinrohbau eigene, derbe Behandlung nicht. Bei den berliner Backsteinbauten werden daher die mit ausgezeichneten Formziegeln her- gestellten Mauern sehr sauber ausgefugt. Man trifft dort die verschieden- artigsten Fugenformen an (Fig. 177 A — G ); bald springen sie recht- eckig zurück ( A ), bald rund, bald stabförmig vor (Fig. D E ). Letzteres Das Ausfugen. Verfahren ist aber sehr unzweckmäßig, dagegen sind die Skizzen A ', C , B , F , G besser. Das Verstreichen der Fugen geschieht mit dem Fugeneisen, dessen Spitze sich nach der Fugenform zu richten hat. Fig. 177 A — G. Es wird empfohlen, die Fugen nicht mit einem eisernen, sondern mit einem hölzernen Instrument nach nebenstehender Form (Fig. 178) zu reinigen, weil das Eisen die Steinkanten zu sehr glättet und dann der einzubringende Fugenmörtel weniger gut haftet. Auch das starke Reiben (Poliren) der Fugen soll nicht gut sein, weil hierdurch dem Mörtel zu schnell Wasser entzogen wird und die Güte des- selben leiden dürfte, zumal auch bei Kalkmörtel ein gewisser Theil Wasser zum Erhärten nothwendig ist. Das Reinigen der Fugen braucht ohnehin nur bis etwa 2 zm Tiefe zu geschehen. Bei den ganz vorzüglich ausgeführten Rohbauten der großen Eisenbahnbrücke Fig. 178. über die Weichsel bei Dirschau wurde das Ausfugen nach dem jedes- maligen Aufmauern von 4 — 5 Schaaren (Schichten) sofort (mit Ce- ment) vorgenommen, also ehe der Mörtel in den Fugen erhärtet war und Schmutzflecken noch abgewischt werden konnten, bevor sie trock- neten. Zum Aus- und Abwischen der aufgekratzten Fugen bediente man sich des Werges. Obgleich der Arbeiter dann zwei verschiedene Arbeiten in unmittelbarem Wechsel vorzunehmen hat, wird doch der nicht zu unterschätzende Vortheil erzielt, daß das Ausfugen gleich auf derselben Rüstung, und zwar bevor der zum Mauern verwendete 11* Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Mörtel erhärtet, geschieht, so daß der Fugenmörtel sich noch mit dem in frischem Zustande befindlichen inneren Mörtel besser verbinden kann. Immerhin dürfte es im Interesse der Sauberkeit des Mauer- werks anzurathen sein, nach Vollendung des Mauerns von oben herunter mit dem Auskratzen, Reinigen und Abwaschen (mittelst des kurzen Besens und sehr verdünnter Salzsäure) und dann erst mit dem Ausfugen selbst zu beginnen. Dabei darf aber das Feuchthalten und demnächstige Begießen der Fugung nicht unterbleiben, wenn die Fugung dem Wechsel der Temperatur widerstehen, nicht abblättern oder rissig werden soll. Viele Techniker warnen auch vor der Ver- wendung des Cements zum Fugenmörtel, weil derselbe rasch abbindet und man ohnehin nicht im Stande ist, den angemachten Mörtel schnell zu verbrauchen. Man muß daher immer nur wenig Fugenmörtel zur Zeit anrühren. Nach unserer Erfahrung dürfte aber ein geringer Cementzusatz zum Kalkmörtel wohl anzurathen sein. Nach der deutschen Bauzeitung geschah das Ausfugen des Pfarr- hauses (von Otzen) der Nordgemeinde zu Altona folgendermaßen: Sowohl an dem Pfarrhause, sowie an der neugebauten Norderkirche ist jedes spätere Verstreichen der Fugen vermieden. Um indessen bei dem kleinen Format der Steine den störenden Einfluß der weißen Fugen zu vermeiden, ist die äußere Verblendschicht in einem Mörtel gemauert, der durch Caput mortuum roth gefärbt war. Wie sich herausgestellt hat, ist das scheinbar umständliche Verfahren keineswegs zeitraubend gewesen; der Mörtelkasten erhielt zwei Abtheilungen, aus welchem die Maurer nach kurzer Uebung mit Leichtigkeit beide Be- dürfnisse befriedigten. Die Reinigung des Mauerwerks gelang weit leichter als bei Anwendung von weißem Mörtel, und durch den Zusatz des Eisenoxyds hat der Mörtel der Verblendschicht eine ganz außer- ordentliche Härte angenommen. Beim Bau der Synagoge (von Knoblauch) in Berlin, die aus gelben schönen Verblendsteinen besteht, ist der Fugenmörtel mit Umbra gefärbt und dadurch ein dunkelbrauner warmer Thon erzielt worden. Beim berliner Rathhaus, dessen äußere Fronten mit dunkelrothen Ziegeln verblendet sind, ist ein sehr harmonisch wirkender Fugen- mörtel zur Verwendung gekommen, gemischt aus Kalkmörtel mit wenig Caput mortuum und mehr englisch Roth. Der Kalkmörtel darf vor dem Fugen nicht zu fett sein, weil dann die Oberfläche Risse erhält, auch die Verbindung mit den Steinen eine mangelhafte sein wird. Die Herstellung des Mauerwerks. d. Bei Herstellung des Mauerwerks muß der Polierer zu- nächst sein „Hochmaß“ suchen; d. h. er muß gewisse Distanzen, wie z. B. von Gesims zu Gesims, oder von Fensterbrüstung bis Fenster- bogen u. s. w., von der Zeichnung abgreifen und in natürlicher Größe auf einer sauber hergestellten Latte von etwa 4 — 5 m Länge genau abstecken und hierauf die Ziegelschaaren, nämlich bei 65 mm dicken Ziegeln auf 1 m genau 13 Schaaren, einzeln angeben. (Um hierbei nicht in Verlegenheit zu kommen, ist es dringend nöthig, schon beim Entwerfen der Fa ç aden im Backsteinrohbau darauf zu achten, daß die Gesims-, Fenster-, Sockel- u. s. w. Höhen genau der Schaaren- eintheilung entsprechen.) Das Hochmaß giebt sonach die Fugenan- zahl (wenn ein Rest verbleibt, so wird dieser auf die Fugen des ganzen Hochmaßes vertheilt), sowie die Höhe bestimmter Gegenstände an, z. B. Kämpferhöhe der Thür- und Fensterbögen, der Gurtbogen, Gewölbeanfänge, die Band- und Brüstungsgesimse, die Quadern u. s. w. Der Polierer muß daher stets die Hochmaßlatte zur Hand haben, sie häufig am Mauerwerk aufstellen, um die Höhe der Schaaren den Gesellen anzugeben. Zuerst beginnen die Maurer immer an den Ecken des Gebäudes, der Thüren und Fenster zu mauern, indem sie hier etwa 1 m hoch das Mauerwerk in liegender Abtreppung genau nach der Hochmaßeintheilung aufführen. Da von der sorgfältigen Ausführung der Ecken die Güte des übrigen Zwischen-Mauerwerks abhängt, postirt der Polierer hier die geschicktesten Leute. Die Herstellung des Zwischenmauerwerks geschieht nach der Schnur, d. h. die Maurer mauern die Schaaren so, daß die Oberfläche der- selben in der Höhe einer angespannten Schnur liegt; diese Schnur hängt über zwei Nägeln, welche in den zusammengehörenden Fugen der zwei gegenüberstehenden Mauerecken stecken und ist an beiden Ecken mit Gewichten (angebundenen Steinen, oder Bleiloth) ange- spannt. Die Maurer müssen dann noch darauf achten, daß die äußere Steinreihe mit dem übrigen Mauerwerk „in der Flucht“ bleibe und außerdem die Blöcke resp. Kreuze des Verbandes senkrecht über- einander kommen. Zu diesem Behufe verwenden die Arbeiter recht fleißig das Bleiloth, das Richtscheit und die Setzwaage. Damit das Gebäude sich allenthalben gleichmäßig setze, werden die inneren als auch äußeren Mauern in annähernd gleicher Höhe aufgeführt; durchaus verwerflich ist es daher, wenn, besonders bei kleinen Gebäuden, nur einige Wände aufsteigen, andere dagegen liegen bleiben. In der Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Regel führt man das Mauerwerk in 1,25 — 1,6 m Höhe gleichmäßig in die Höhe; dieses Maß entspricht der „Rüstungshöhe“, welche bei bequemer Mauerung 1,3 m nicht übersteigen sollte, häufig aber, durch das Unterlegen eines provisorischen Gerüstes, bestehend aus Back- steinen, Kalkkasten u. s. w., also durch ein „Nothgerüft“, auf 1,6 m erhöht wird. Falls beim Backsteinrohbau Dossirungen oder Biegungen und Winkel vorkommen, ferner das Mauerwerk, wie z. B. bei Treppen- häusern, eckig ist, muß man dieses nach Schablonen mauern; dasselbe gilt für eckige Pfeiler. Wenn Ziegel- und Bruchstein-Mauern von sehr verschiedenen Höhen nebeneinander aufgesührt werden, wie z. B. Thürme neben Kirchenmauern, so ist die Gefahr des verschiedenen Setzens beider Theile vorhanden, was auf das Gesammtmauerwerk einen sehr nach- theiligen Einfluß ausübt. Aus diesem Grunde pflegt man solche Mauern vom Fundamente an ganz unabhängig von einander herzu- stellen. Dieselbe Vorsichtsmaßregel gilt, wenn neues Mauerwerk neben altes Gemäuer zu stehen kommt; das neue Mauerwerk stößt stumpf gegen das alte. Dennoch kann manchmal beim Backsteinrohbau erwünscht sein, um eine passende Verwechselung der Fugen zu erlangen, daß das neue Mauerwerk mit Verzahnung (Schmatzen) in das alte eingreife. Hierbei ist die Vorsicht zu beachten, daß das neue Mauerwerk in niedrigeren Schichten aufgeführt werde, von denen jede Schicht für sich vollkommen austrocknen muß, bevor die demnächst folgende ver- mauert wird; hierdurch geht aber viel Zeit verloren. Selbstverständ- lich müssen die Ziegel in dem alten und neuen Mauerwerk genau übereinstimmen, wenn beide in vollkommen gutem Verbande stehen sollen. Haben somit die Ziegel der alten Mauern ein anderes For- mat als die neuerdings üblichen, so müssen die neu zu benutzenden Steine nach dem alten Format gestrichen werden, woraus die Kost- spieligkeit des geschilderten Verfahrens noch mehr hervorgeht. Die Tüchtigkeit und Qualification eines Polierers resp. Baufüh- rers erkennt man besonders daran, ob er die Gesellen zweckmäßig zu beschäftigen und bei der Arbeit aufzustellen weiß; namentlich gilt dies von den Maurern, welche sich nicht im Wege stehen dürfen und doch gegenseitig in die Hände arbeiten müssen, damit die ganze Ar- beitsverrichtung gleichmäßig und ohne Störungen und Stockungen vorwärts schreite. Die Herstellung des Mauerwerks. Sache des Polierers ist es auch, dafür zu sorgen, daß die Mauern rechtzeitig fertig sind, wenn die Zimmerleute die Balken für die Zwischendecken und das Dachgebälk heranschaffen und verlegen wollen. Die Zimmerer dürfen an der Arbeit nicht gestört werden, aber gleich- zeitig müssen die auf dem Bau vorhandenen Maurergesellen hin- reichend beschäftigt sein. In solchen Fällen kommen die Maurer meistens nach den Giebeln, während die Zimmerleute die Balken auf die Langseiten verlegen. Wenn eine Mauer aus irgend einem Grunde nicht mit aufgeführt werden soll, so läßt man am besten in der anderen Quermauer, an der Stelle, wo die liegenbleibende Mauer später ein- greifen soll, die Lochverzahnung (Schmatzen) stehen. Bezüglich der Leistungsfähigkeit der Maurergesellen nimmt man allgemein an, daß ein guter Geselle bei Accordarbeit 800 Ziegel von 25 zm Länge in einem Tage vermauert, wenn die Wände stark sind und keine Oeffnungen enthalten; ferner nur 700 Ziegel bei mehreren Ecken und Oeffnungen, 500 Ziegel bei vielen Oeffnungen, Vorlagen und gewölbten Bögen u. s. w. Um die Anzahl der anzustellenden Gesellen und Arbeitsleute zu bestimmen, befolgt man den Erfahrungssatz: auf 2 bis 3 Maurer gehört 1 Arbeiter (Handlanger) zum Heran- bringen des Kalkes und der Steine; auf 8 bis 12 Maurer rechnet man 1 Kalkschläger zur Bearbei- tung des Mörtels; auf 15 bis 20 Gesellen rechnet man 1 Polierer. Ist der Bau nicht weitläufig, so kann ein tüchtiger und umsichtiger Polierer 30 Gesellen beaufsichtigen und für die nöthigen Anlagen, die Eintheilungen, Lehrgerüste u. s. w. vorbereiten. Wenn beispielsweise ein Gebäude von zwei Stockwerken und Keller- geschoß mit etwa 800,000 Steinen hergestellt werden soll und ein Maurer täglich 550 Ziegel vermauert, so sind im Ganzen annähernd 1500 Tagewerke für die Herstellung der Mauern erforderlich. Voraus- gesetzt, daß das Gebäude contractlich in 4 Monaten, vom 1. April bis 1. August, unter Dach zu bringen wäre, so ist ein Zeitraum von rund 100 Tagen zur Erfüllung des Contractes gelassen und müssen demnach 15 Maurergesellen, 5 — 7 Stein- und Kalkträger, 1 Kalk- schläger zur Bereitung des Kalkes (welchem noch die Kalkträger ab- wechselnd mithelfen) und 1 Polierer, der gleichzeitig etwas mitarbeitet, ununterbrochen beschäftigt sein. Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Die hohen Arbeitslöhne der Maurergesellen und Bau-Arbeitsleute haben schon wiederholt die Bauunternehmer auf die glückliche Idee gebracht, die bereits bei Wasser- und Brückenbauten angewendeten mechanischen Apparate in etwas modifizirter Weise auch bei „Hoch- bauten“ zu benutzen. Besonders ist man in dieser Hinsicht in Lon- don und Paris, dann in Berlin und Hamburg mit gutem Beispiele, wenn auch nur zaghaft, vorangegangen. So z. B. wird der Mörtel mittelst einer Mörtelmaschine, die ihre Arbeit viel gleichmäßiger macht, als die Menschenhände, bereitet. Man hat hierzu die mannigfachsten Apparate benutzt, bald mit liegendem, bald mit stehendem Cylinder nach Art der holländischen Kleimühle, wie solche in Ziegeleien zum Kneten des Thones üblich sind; manch- mal werden die Mörtelmaschinen entweder mit Kollerwerk (zwei vertical stehende Mühlsteine, die an den beiden Enden einer Welle befestigt sind und von einem Pferdegespann so umgedreht werden, daß sie die Mörtelmasse gehörig vermengen), oder mit Harken , welche, ganz ebenso wie die Kalkkrücken, die Masse umrühren, versehen. Eine Mörtelmaschine letzterer Art stellte sich der Maurermeister Robitz in Berlin her und ist beschrieben in „Wanderley, ländliche Wirthschaftsgebäude“ Fig. 18. Ausführlich werden die Mörtelma- schinen vom Ingenieur Kopka besprochen in „Haarmann’sche Zeit- schrift“ 1872. Neuerdings beginnt man in Berlin den Kalkmörtel für viele Bauten an einem Orte mittelst Maschinen zu fabriciren und mit geschlossenen Wagen nach den Bauten zu schaffen; ob dies aber praktisch ist, muß die Zeit lehren. Auch für das Hinaufziehen der Materialien hat man die ver- schiedenartigsten Maschinen construirt, welche wir leider wegen des hier nur karg bemessenen Raumes nicht ausführlich vorführen können. Das Prinzip derselben besteht aber darin, daß ein hölzerner oder eiserner Behälter an einem Taue mittelst einer Winde in die Höhe gezogen wird. Hierzu ist ein fest abgebundenes, solid aufgestelltes Gerüst von der Höhe des ganzen Gebäudes erforderlich; oben ist eine große Seiltrommel befestigt, auf welche sich das Tau aufwickelt. Das Aufziehen selbst geschieht entweder mit Pferdegöpel, oder mit Dampf- maschine (Lokomobile); sehr zweckmäßig ist es, eine Gasmaschine zum Betrieb des Aufzugapparates aufzustellen, was in Paris allge- mein geschieht. Die Stein- und Kalkaufzüge. In Paris wendet man auch die selbstthätigen Aufzüge mit Erfolg an und zwar in der Weise, daß an den beiden Enden des Aufzugtaus, welches nur die ganze Gebäudehöhe zur Länge hat, je ein Behälter befestigt ist, der einen Kasten für die Ziegel oder den Mörtel enthält. Mittelst einer Rohrleitung wird das Wasser der Hochdruckwasserleitung nach jeder Gerüsthöhe geleitet; windet man nun den einen Behälter in die Höhe, so wird er geleert und dann von der Wasserleitung aus mit Wasser so lange gefüllt, daß er so schwer wird, wie der untere Eimer mit Kalk- oder Steinfüllung. In Berlin wird seit einigen Jahren ein von dem Maschinenfa- brikanten C. Schneitler (Berlin) construirter Aufzug: die „Berliner Bauwinde“, gebraucht, welche in Fig. 179 dargestellt ist. Auf einem Fig. 179. festen Holzgestell, das durch eiserne Bolzen verstärkt ist, sind zwei eiserne Wellen übereinander gelegt, von denen die untere ein Stirn- trieb- und Sperrrad, außerdem an jedem Ende eine schmiedeeiserne Kurbel trägt. Auf die obere Welle ist eine Drahtseilscheibe und neben dieser ein Stirnrad aufgekeilt, welches letztere in den Trieb der Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. unteren Welle eingreift. Zur Seite des Sperrrades ist die doppelt wirkende Sperrvorrichtung angebracht. Die Drahtseilscheibe nimmt ein 15 mm starkes Drahtseil von 60 m Länge auf, welches so angeordnet ist, daß bei einer Tour ein ge- füllter Kasten gehoben wird und ein leerer zurückgeht. Zu jeder Bau- winde gehören zwei starke, mit Eisen beschlagene und mit Handgriffen versehene Holzkasten, sowie zwei Kasten gleichen Inhaltes von Winkel- eisen und Blech; alle Kasten sind mit vier eisernen Haken versehen, mittelst welchen sie an einen Doppelbügel gehängt werden, der durch Rolle und Bolzen mit dem Drahtseil verbunden wird. Die Kasten werden, gefüllt mit Steinen oder Kalk, auf Schieb- karren, wie solche die Schiffer beim Ausladen von Steinen anwenden, unter den Aufzug der Winde gebracht, mit dem Seile verbunden und in die Höhe gewunden. Der heruntergehende Kasten wird dann wieder zur Füllung abgefahren. Auf der Arbeitsstätte werden die Kasten entweder getragen oder gefahren oder können auch auf gelegter Bretter- bahn fortgerollt werden, wenn sie mit Rollen von hartem Holze ver- sehen sind. In dieser Anwendung können, nach den bisherigen Er- fahrungen, mit einer Bauwinde, die durch vier Arbeiter bedient wird, täglich 5000 Steine und der dazu nöthige Kalk in die zweite und dritte Etage gehoben werden. In ganz Oesterreich ist ein, seit etwa zwanzig Jahren vom Stadt- baumeister Lorompay construirter Aufzug für Ziegel allgemein bei jedem größeren Bau im Gebrauche. Derselbe erklärte seinen Apparat in der Forster’schen Zeitschrift folgendermaßen: „Das dringende Be- dürfniß, bei der in Wien üblichen schnellen Bauweise die Ziegel in stets hinreichender Menge nach den Gerüsten der verschiedenen Stockwerke zur Bearbeitung bereit zu halten, veranlaßte mich, über Verbesserung der bereits schon öfter in Gebrauch gekommenen Paternosterwerke reiflich nachzudenken. Die Aufführung des Mauerwerks bei einem sehr bedeutenden und mehreren kleinen Bauten, mit der ich zu gleicher Zeit beschäftigt war, bestimmten mich, mehrfache Versuche anzustellen, bei denen mich der k. k. Hofmechanikus Anton Burg und dessen Sohn sehr kräftig unterstützten, und die mehr oder weniger brauchbare Re- sultate gaben, bis ich endlich, aus überzeugenden Gründen, die ganze Vorrichtung so in Anwendung brachte, wie sie die Zeichnung darstellt. Die Trommel a (Fig. 180 und 181), worüber eine Kette läuft, unter- warf ich vielen Veränderungen, und es bewährte sich die viereckige Die Stein- und Kalkaufzüge. Fig. 180. Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. Form als die dazu geeignetste, obwohl ich selbst früher der irrigen Meinung war, daß fünf- und mehreckige Formen, der stumpfen Winkel Fig. 181. Fig. 182. wegen, den leichten Gang der Kette befördern müßten. Dem Schwanken der Kette, welches der bedeutenden Höhe von 10 Klaftern (19 M.) wegen, bei jeder Form der Trommel stattfand, half ich durch Einlegen der Walzen b ab.“ Die Kettenglieder c (Fig. 182) sind aus Weißbuchenholz ange- fertigt, und zur besseren Dauerhaftigkeit bei den Augen d d mit einem Eisenbeschlage versehen. Die Kästen e e sind von starkem Eisenblech, und damit sie zwei Ziegel bequem fassen können, 18 zm lang, 16 zm breit und 21 zm hoch. Dann sagte Lorompay weiter: „Ich gab der Anfertigung hölzerner Kettenglieder vor eisernen, der größeren Wohlfeilheit wegen und auch darum den Vorzug, weil die bedeutendere Schwere eine vermehrte Reibung an der Trommel- achse verursacht hätte. Für die Dimension der Glieder fand ich eine Länge von 12 Zoll (32 zm ) als die zweckmäßigste bei einer Kastenent- fernung von 0,65 m . An der Kurbel ist ein Schwungrad f angebracht, welches das gezahnte Rad g in Bewegung setzt, und das durch die Vorlage h (Fig. 183) zum plötzlichen Stillstande gebracht werden kann. Man mißbilligte, daß die ganze Vorrichtung eines Menschen bedürfe, der oben auf dem Gerüste die mit Ziegeln gefüllten Kästen Die Stein- und Kalkaufzüge. entleere, wogegen ich einwende, daß sich die Kette dann von der Kurbel in einer schiefen und nicht senkrechten Richtung abwinden müßte, um nicht durch das senkrechte Herausfallen der Ziegel den Fig. 183. unten befindlichen Werkleuten gefährlich zu werden, und daß dieser Umstand die Vorrichtung viel mehr compliciren als vereinfachen würde, und da ohnedies ein Individuum nothwendig ist, welches die durch den unausgesetzten Gang der Vorrichtung sich anhäufende Ziegelmasse vertheilen muß, so kann zugleich von diesem das Heraus- nehmen der Ziegel aus den Kästen leicht besorgt werden; ich habe mich auch deshalb vorläufig zu keiner Veränderung in Bezug der gemachten Einwürfe veranlaßt gefunden.“ Schließlich dürfte es nicht unwillkommen sein, vergleichsweise die Resultate dieser Verfahrungsart und der anderen sonst in Gebrauch stehenden anzugeben. Mit dieser Vorrichtung ziehen 4 Mann in 12 Arbeitsstunden 14,000 Stück Ziegel auf eine Höhe von 5 — 6 Klaf- tern (10 — 12 M.). Mit dem Klobenrade, nach Art der Ziegeldecker, bringen drei Mann in derselben Zeit nur 3800 Stück auf dieselbe Höhe, und auf die ge- wöhnliche Weise mittelst Handreichung von einem Tagelöhner und 14 Tagelohnbuben, die auf Leitern sitzen, wurden bei übrigens gleichen Umständen 10,500 Stück in die Höhe gebracht Die Kosten verhalten sich mit der erwähnten Vorrichtung gezogen wie 1, mit dem Klobenrade gezogen 3 und auf Leitern hinaufgereicht 3½. Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. e. Die Baugeräthe , welche theils der Maurermeister den Ge- sellen und Handlangern liefert, theils letztere sich selbst halten, heißen folgendermaßen: 1) Für das Ausschachten der Fundamente: Kummkarren, circa 0,10 — 0,15 Cb m lose Erde enthaltend, Rüstböcke von 1,4 m Höhe, 1,8 m Höhe, hölzerne Wasserrinnen für Grundwasserableitung, verstählte Hacken oder Picken, Wurfschippen, Blechspaten mlt hölzernem Stiel, verstählte eiserne Keile zum Spalten alter Fundamentmauern. 2) Zu den Maurergeräthen gehören: Die Löschbanken, Kalkkasten, Hacken, Mollen, Schippen und Spaten und die Werkzeuge: Picken, Schälhammer, Maurer- hammer, Kelle, Setzeisen, Setzwage, Winkelholz, Reibebrett (für den Decken- und Wandputz), Kartätsche, Weißpinsel, Sprengpinsel (zum Bewässern des Mauerwerks), Schnür- rolle, Fluchtschnure, Bleiloth u. s. w. f. Die Bauzäune und Baugerüste . Damit die Ausführung baulicher Arbeiten den Verkehr auf der Straße nicht beeinträchtige oder gar gefährde, sind in fast allen größeren Orten hiefür Seitens der Straßen-Polizei Reglements erlassen, deren allgemeiner Inhalt ungefähr folgendermaßen lautet: Bauzäune müssen fest und aus gutem Materialien errichtet, ins- besondere dürfen dazu nicht Latten- oder Brettstücken verwendet wer- den, auch dürfen nach Außen weder Holzstücke noch Nägel vortreten. In der Regel dürfen Bauzäune (so in Berlin) nicht über 2 m vor die Bauflucht treten; hat das Grundstück keinen Hof, und müssen demnach die Baumaterialien außerhalb abgesetzt werden, so ist ein Vortreten bis auf 3 m , falls die Verkehrsverhältnisse dies sonst er- lauben, zulässig. Vor dem aufgestellten Bauzaun muß von dem Bürgersteige ein Theil (zwischen Bauzaun und Gosse), mindestens 1 m breit, für die Fußgänger frei bleiben. Tritt der Bauzaun näher als 1 m an den Rinnstein (Gosse), so ist dieser durch einen ebenen und sorgfältig auf gezimmerten Unterlagen festgelegten Brettgang, welcher bis an den Bauzaun reicht, mindestens 1 m breit sein und in gleicher Höhe mit dem Bürgersteig liegen muß, abzudecken, so daß gleichsam eine Fortsetzung des letzteren gebildet wird. Dieser Brettgang Die Maurergeräthe, Bauzäune und Baugerüste. ist gegen den Fahrdamm durch ein Geländer von 1 m Höhe zu schützen und ebenfalls vor Beginn der Arbeiten herzustellen. Granitplatten dürfen in den Fahrdamm, um die Beschädigung des Dammpflasters zu verhüten, nicht eingelassen werden. Wenn die abzuladenden Wagen nicht sogleich auf die Baustelle selbst fahren können, sondern außerhalb der Gosse resp. der Barriere des Brettganges stehen bleiben, so muß, damit die Passanten nie ge- nöthigt werden, um den Wagen herum und über den Straßendamm zu gehen, ein Schutz gegen herabfallende Materialien vorhanden sein und somit der Bauzaun noch mit einem mindestens 1,3 m breiten, nach Innen geneigten Schutzdach versehen werden. In Berlin schreibt die Straßenpolizei dann noch vor, daß, wenn der Bauzaun den Rinn- stein überschreitet, die auf dem Bürgersteige liegende Granitplatte für den Verkehr frei gelassen werden muß, und zwar wird ein Durch- gang von wenigstens 2 m Breite, versehen mit einer aus doppelten Brettern bestehenden, in senkrechter Richtung 3 m vom Bürgersteige entfernten Decke, hergestellt. Beim Abbruch von Gebäudetheilen an der Straße muß zum Schutze des Publikums jederzeit ein Bauzaun aufgestellt werden, da eine ein- fache Absperrung des Bürgersteiges oder Aufstellung von Wachen nicht geeignet ist, um Unglücksfälle zu vermeiden. Selbstverständlich müssen alle Bauzäune so rein sein, daß die Vorübergehenden sich nicht, ohne ihr eigenes Verschulden, beschmutzen. Sofern die Baustelle genügenden Raum zur Aufstellung des etwa täglich erforderlichen Bau-Materials bietet, beseitigt man den Bau- zaun nach Vollendung des Erdgeschosses; der Verkehr auf dem Bürger- steige ist sodann durch ein Schutzdach oder einen besonders festen Belag des aufzustellenden Gerüstes zu schützen. Wenn die Bauarbeiten für längere Zeit nach der Rohbau-Abnahme oder beim Beginn des Winters eingestellt werden, sind die Baugerüste und Bauzäune zu beseitigen und die Bürgersteige wieder ordnungsgemäß zu renoviren. Sodann verschlägt man die von der Straße aus zugänglichen Oeffnungen des Gebäudes mit Brettern und schließt man die Baustellen an den etwa freiliegenden Seiten und Hintergrenzen durch einen etwa 2 m hohen Zaun (berliner Vorschrift). Nur in nicht regulirten und un- gepflasterten Straßen kann der erste Bauzaun, sofern er den Verkehr nicht hemmt, bestehen bleiben. Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. In Wien gilt nur eine sehr kurze Vorschrift für die Aufstellung der Bauzäune (Planken); dieselbe heißt: „Die Einplankung ist in ihren äußersten Grenzen in der Regel 6 Schuh (2 m ) von der Bau- linie festzusetzen. Der Baubehörde bleibt es übrigens vorbehalten, wenn es die öffentlichen Rücksichten gebieten, von dem Maße abzu- gehen. Um die allenfalls nöthige Hinterlegung des Baumaterials außerhalb der Einplankung muß wegen Anweisung eines Material- platzes bei der Behörde besonders nachgesucht werden. Das Sandwerfen, Kalklöschen und Mörtelmachen auf freier Gasse ist verboten.“ Für alle anderen Kronländer lautet die Vorschrift ebenso, nur daß in Mähren, Lemberg u. s. w. von dem Abstand des Bauzauns vom Gebäude gar keine Rede ist und im übrigen die weiteren Vor- kehrungen dem Ermessen der Polizei überlassen bleiben. g. Die Baugerüste sollen über einem öffentlichen Wege so an- gebracht werden, daß unter demselben die Benutzung des Weges durch das Publikum frei bleibt, weshalb in einer Höhe von 3 m vom Erd- boden ein Schutzdach zur Verhinderung des Herabfallens von Ma- terialien, Schutt, Flüssigkeit u. s. w. vorhanden sein muß. Schutzdächer ordnet man mindestens 60 zm über die größte Breite des Gerüstes, sie dürfen niemals über den Rinnstein nach dem Straßendamme hinüber treten, müssen von allen freien Seiten mit einer 60 zm hohen ge- schlossenen Brüstung versehen und mit 3 zm starken Brettern derartig doppelt abgedeckt sein, daß die obersten Bretter die Fugen der unteren höher bedecken. Man unterscheidet verschiedene Gerüstarten, nämlich: 1. Ver- bundene Gerüste, 2. Stangengerüste, 3. Leitergerüste, 4. Bockgerüste, 5. fliegende Gerüste, 6. Hängegerüste . Verbundene Gerüste (siehe Fig. 167 und Tafel 1) sind solche, die ganz und gar aus rechtseitigen, regelrecht bearbeiteten Hölzern bestehen; bei der Construktion derselben gelten die allgemein bekannten Zimmermannsregeln. Vornehmlich muß man bedacht sein, daß die Längen- und Querverschiebung durch gute Strebenverbindungen ver- hindert werde. Verbundene Gerüste wendet man dann an, wenn auf denselben die Windevorrichtungen zum Aufziehen der Werksteine stehen sollen. Diese Gerüstart kommt daher nur bei Werksteinbauten vor, da ihre Herstellung für gewöhnliche Bauzwecke zu kostspielig ist. Die Baugerüste. Stangengerüste sind die gebräuchlichsten und reichen für ge- wöhnliche Zwecke in den allermeisten Fällen aus. Unter Stangen- Fig. 184 A — B. gerüste versteht man diejenigen, welche aus unbearbeiteten und mittelst Strängen und Draht aneinander befestigten Baumstangen bestehen Wanderley, Bauconstr. II. 12 Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. (Fig. 184 A — B ). Bei ihrer Herstellung und ihrem Gebrauche sind folgende Vorschriften zu beachten: in der Figur 184 heißt a Rüst- stangen, b Streichstangen und c Querriegel (Netzbäume, Retzriegel ). Es müssen die dazu zu benutzenden Baumstangen an ihrem oberen Ende mindestens einen Durchmesser von 10 zm haben und die Spießbäume oder Rüststangen a im Verhältniß zur Höhe des zu berüstenden Gebäudes vom oberen Ende nach unten zu an Stärke zunehmen, mindestens 1 m tief eingegraben und zur Ver- hinderung des Einsinkens auf starke, gut unterstopfte Brettstücken gestellt und mit Erde und Steinen fest umstampft werden. Ihre Entfernung von einander und von dem zu berüstenden Gebäude darf nicht über 3 m betragen. Soll ein Spießbaum durch Verbindung mit einem anderen verlängert (d. h. aufgesetzt, gepfropft ) werden, so schiebt man die beiden Enden beider Bäume auf eine Länge von mindestens 2 m nebeneinander und verbindet man dieselben durch Draht oder eiserne Ziehbänder. Der obere angebundene Spießbaum muß auf einer Streichstange b stehen und durch starke Knaggen un- terstützt oder von Streichstange zn Streichstange bis zum Erdboden auf ein festes Unterlager abgesteift sein. Die Steifen müssen so stark sein oder so mit dem unteren Spießbaum verbunden werden, daß sie sich nach keiner Seite hin biegen können. Mindestens an jedem Stockwerke des berüsteten Gebäudes, jeden- falls nicht mehr als 5 m von einander entfernt, sind zwischen den Spießbäumen Längenverbindungen zu bringen. Hierzu dürfen, wenn sie nicht unbelastet bleiben, angenagelte Bretter, wenn sie jedoch be- lastet werden sollen, Streichstangen b , d. h. Baumstangen von mindestens 10 zm Durchmesser, benutzt werden, welche man an den Spießbäumen a a durch Kreuzbänder von Strängen befestigt und gegen den Erdboden, wie oben angegeben wurde, absteift. Bei Rüstungen, die länger als 3 Monate stehen, muß jedes dritte Kreuz- band aus Eisendraht bestehen. Falls eine Streichstange der Länge nach nicht ausreicht, müssen die Enden der zusammengestoßenen Streich- stangen 1 m über einander weg ragen, sodann zweimal unter sich mit Stangen verbunden und dann an einen Spießbaum a befestigt werden. Die Netzriegel c c , d. h. die Stangen, welche die Streichstangen mit dem Mauerwerk verbinden und auf welche die Gerüstbretter zu liegen kommen, dürfen nicht über 2 m von einander entfernt sein, und Die Baugerüste. befestigt man sie so, daß sie sich weder auf den Streichstangen noch auf ihrem Mauerauflager hin und her oder seitwärts bewegen können. Der Gerüstbelag, d. h. die Gerüstbretter, welche den Fußboden der einzelnen Gerüstlagen bilden, hat mindestens eine Stärke von 4 zm und liegt so auf dem Gerüste, daß die Bretter nicht aufkippen oder ausweichen können; desgleichen sind sie so dicht nebeneinander zu legen, daß das Herabfallen der Materialien oder Werkzeuge ver- hindert wird. Die Diagonalverstrebungen sind zur Verhütung der Längen- und Seitenverschiebung unerläßlich. Absteifungen von dem Fahr- damme aus sind nur so weit zulässig, als durch sie der Straßen- verkehr nicht gehindert wird. Die Leitern, behufs Verbindung der Gerüstetagen, müssen aus gesundem, nicht überspähnigem Holze gearbeitet, mit unbeschädigten Sprossen versehen und an der Stelle, wo sie aufstehen, sowie an der oberen, wo sie anliegen, so befestigt sein, daß sie unten weder ab- rutschen, noch oben überschlagen können. Mittelst einigen gut befestigten Steifen verhindert man das Biegen der Leitern. Leitergerüste werden in Oesterreich ganz allgemein zu Repa- raturarbeiten (Renovirung des Putzes u. s. w.) an der Fa ç ade be- nutzt. Trotzdem diese Gerüste sehr bequem und einfach sind, hat man sie bis jetzt in Deutschland noch nirgends angewendet. Ihre Con- struktion ist folgendermaßen: in Oesterreich wendet man Leitern an, welche die ganze Gebäudehöhe, also häufig 15 — 18 m , zur Länge haben; das Zusammenbinden mehrerer kleiner Leitern geschieht selten. Diese langen Leiter sind 58 — 62 zm breit, bestehen aus den Sprossen von gewöhnlicher Stärke und aus zwei Seitenbäumen von fast quadratischem Querschnitt (mit abgerundeten Kanten) mit 9 — 10 zm Seite. Der Querschnitt nimmt nach oben hin fast gar nicht ab. Um die Leiter aufzustellen, wird sie zuerst flach auf die Erde dicht neben das Gebäude gelegt und von hieraus mittelst Windetau, welches über eine, an einem aus dem Dachboden ragenden Balken befestigte, Rolle läuft, in die Höhe gezogen. In Entfernungen von 3,75 — 4,5 m kommt je eine Leiter zu stehen, und zwar entweder direkt auf das Straßen- pflaster oder auf einige breite Holzklötze; oben wird sie ganz einfach von einem Balken gehalten. Letzteren steckt man dicht über dem Hauptgesims durch das Dach etwa 1 m weit hinaus. Auf die Sprossen legt man die Rüstbretter b. Fig. 185 zeigt dieses Verfahren; A ist 12* Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. der Querschnitt, B die Längenansicht. Obgleich die Diagonalver- strebungen (d) mittelst Latten ganz zweckmäßig wären, hat der Ver- fasser solche doch selten gesehen, vielmehr begnügen sich die Maurer, Fig. 185. die Verbindung zwischen den Leitern an einigen Stellen durch ver- tikal angenagelte Rüstbretter herzustellen. Bockgerüste dienen nur zu Rüstungen bis zu 5 m Höhe und zu allen Bauausführungen ohne Ausnahme. Die Böcke müssen durch Befestigung des Belages (Bretter), die Füße der Böcke durch Ver- strebungen gegen das Verschieben gesichert und so stark angefertigt sein, daß sie die jedesmalige Belastung sicher zu tragen vermögen. Die Entfernung der Böcke, sowie die Stärke der Bretter ist ebenso wie bei den Stangengerüsten. Fliegende Gerüste sind solche, welche an stehenden Gebäuden auf Baumstangen oder Balken (Netzriegel) ruhen, die aus dem Ge- bäude vorgeschoben sind und nicht durch Steifen vom Erdboden aus gestützt werden. Die Netzriegel müssen gegen Gerüste, Balkenlagen, Gewölbe oder andere feste Gegenstände im Innern der Gebäude so abgesteift und von solcher Stärke und Tragfähigkeit sein, daß eine Bewegung oder Schwankung derselben nach irgend einer Seite hin nicht stattfinden kann, sie sind mit einer, 1,0 Meter hohen Brüstung und mit einem Belag zu versehen. Diese Gerüste dürfen nur zu Die Baugerüste. Reparaturen, zur Reinigung und weniger erheblichen Arbeiten an Fa ç aden, Dächern und Gesimsen gebraucht und mit Materialien soweit belastet werden, als zur Fortsetzung der Arbeit unumgänglich noth- wendig ist. Hängegerüste. Zu gleichen Zwecken, insonderheit zum Abputzen der Häuser unter denselben Bedingungen, sind auch zu benutzen die beweglichen, aus zusammengestemmten Schwellen und Riegeln mit festem Belag construirten Hängegerüste, d. h. Fußböden, welche mittelst Tauen an Balken (Auslegern) hängen, die aus bereits stehenden Gebäuden vorgesteckt sind; der Fußboden kann je nach dem Bedürfniß höher gezogen und tiefer gelassen werden. Die Streckbäume zu diesen Gerüsten müssen mindestens 26 zm stark sein und höchstens eine Ent- fernung von 3,0 m von einander haben. Die Riegelhölzer, welche den Gerüstbelag tragen, müssen mit eisernen Bügeln von 2 zm Stärke an den von den Streckbäumen herunterhängenden Tauen befestigt sein; der Belag muß aus 4 zm starken, genau gefugten Brettern bestehen. Bezüglich der erforderlichen Brüstung, sowie über die Absteifung der Streckbäume gelten die oben für Brüstung, resp. Netzriegel, angegebenen Vor- schriften. E. Die Stärke der Mauern. 1) Allgemeine Betrachtungen. Bezüglich der Mauerstärken weichen die Meinungen der Bautech- niker bedeutend von einander ab; während einige schon eine geringe Stärke für hinreichend erachten und, um möglichst ökonomisch zu bauen, Häuser mit möglichst schwachen Mauern ausführen wollen, er- eifern sich andere für die dicken Wände. Wie in so vielen Fällen, liegt auch bei dieser Controverse das Vernünftige in der Mitte beider Anschauungen. In den meisten Ländern hat die Baupolizei durch etliche Vor- schriften der leichtsinnigen Bauspeculation und dem Unverstande einiger Bautechniker Schranken gesetzt, da es jedoch kaum möglich ist, für alle vorkommenden Fälle giltige Normen aufzustellen, so behält der Tech- niker noch immer genug freie Hand, um hier und dort nach eigenem Ermessen handeln zu können. Zwei wichtige Punkte sind bei Feststellung der Mauerstärken im Auge zu behalten: erstens: Da die fortwährend im Steigen begriffenen Material- preise und Arbeitslöhne die Herstellungskosten des Gebäudes Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. ohnehin beträchtlich vermehren, so daß schon jetzt die Miethen für viele Gesellschaftsklassen fast unerschwinglich sind und viel- fach 20 — 25 % des ganzen Einkommens verschlingen, ist die Wohnungsfrage ein sehr wichtiger Factor der socialen Verhält- nisse geworden und im Interesse derselben haben besonders die Bautechniker die Verpflichtung, mit ihrem Einfluß auf die bestmög- lichste Lösung der Wohnungsfrage hinzuarbeiten; dies geschieht einestheils auch durch richtige Verwendung der Materialmassen. Da hingegen zweitens die Umfangs- und einige innere Mauern vornehmlich die Witterungseinflüsse von den Wohnräumen fern halten und letztere gesund und wohnlich machen sollen, so darf die Wand- dicke nicht geringer als ein gewisses Minimum sein, weil sonst nicht nur die Feuchtigkeit durch die Wand dringen würde, son- dern auch behufs Erwärmung der Räume so viel Brennma- terial erforderlich wäre, daß die Ausgaben hierfür sehr hoch ausfallen. Dieses Minimum beträgt aber 1½ Ziegel. Weiß sagt in einem interessanten Aufsatze Weiß, die vortheilhafteste Wanddicke der Gebäude, Allgemeine Bauzeitung 1869/70. recht treffend unge- fähr Folgendes: a) Die hin und wieder geäußerte und auf Schätzung oder ober- flächliche Rechnung gestützte Ansicht, daß es vortheilhaft sein würde, den Umfassungen unserer Wohnungen wesentlich größere Dicke, als bisher üblich, zu geben, weil dadurch die Heizungskosten beträchtlich vermindert werden, ist unrichtig. Wenn auch die Kosten bei Anwen- dung starker Mauern geringer ausfallen, so wird diese Ersparniß doch durch die Mehrkosten für die stärkere Mauer in dem Maße pa- ralysirt, daß es sogar vortheilhaft erscheint, die Mauerdicken möglichst gering zu nehmen. b) Bei Anwendung von gewöhnlichen Oefen oder sonstigen, billig zu beschaffenden Heizapparaten, sollte die Mauerdicke nicht geringer als 1 — 1½′ (0,3 — 0,45 m ), bei Anwendung kostspieliger Heizsysteme, wie Warmwasser- und Dampfheizapparaten, nicht größer als 1½ — 2′ (0,45 — 0,6 m ) genommen werden. In den meisten Fällen wird daher die Anforderung der Stabilität allein über die zu wählende Dicke der Mauern Allgemeine Betrachtungen. entscheiden, und wird es in der Regel aus ökonomischen Rücksichten nicht vortheilhaft sein, über die zum Tragen der Last erforderliche Dicke hinauszugehen. Hierzu kommt noch der Umstand, daß Räume mit übermäßig starken Mauern, namentlich während der Uebergangs- periode vom Sommer zum Winter und vom Winter zum Sommer als Entstehungsstätten von Erkältungen anzusehen sind und den Voll- zug der natürlichen Ventilation (Porenventilation) verhindern. Daß nämlich auch die Poren der Mauern hindurch ein Luftwechsel statt- findet, beweist der von Pettenkofer angestellte Versuch, durch eine 1½′ (0,45 m ) dicke Mauer ein Licht auszublasen. Bei sehr schwachen Mauern kann dagegen die unverhältnißmäßige Abkühlung, welche durch das Eindringen der kalten Luft von Außen entsteht, durch Be- kleben der Wände mit Tapeten wesentlich gemildert werden. Indem wir hier die Hauptergebnisse, welche Herr Weiß durch seine Berech- nungen gewinnt, im Auszuge wiedergaben, können wir doch nicht umhin, die beiden letzten Sätze etwas zu ergänzen; nämlich, erstens: die Porenventilation hört sofort auf, wenn die Poren geschlossen sind; dies geschieht am meisten durch das in die Fugen dringende Regenwasser, wie die umfangreichen Untersuchungen von Dr. Märcker in Göttingen bewiesen haben; immerhin sollte man auch auf die nur periodisch wirkende Porenventilation nie Verzicht leisten; zweitens: Wände unter 1½ Stein halten wir für verwerflich, nicht weil die Luft, sondern weil die Nässe durch sie dringt; denn Verfasser hat sich öfters überzeugt, daß bei exponirt stehenden Gebäuden die scharfen Nord- und Ostwinde, öfters auch die Westwinde, den Regen mit größter Gewalt so durch die Steine und Fugen pressen, daß das durchgeschlagene Wasser im Inneren an den Wänden hinabtriefelt! Man bedenke, daß die Ziegel öfters nur mittelmäßig sind, und die Maurer die Fugen meistens (leider!) nur in- wendig mit Kalkmörtel bestreichen. Wände unter 1½ Stein müssen stets aus bestem Material hergestellt und mit einem äußerlichen Putze — am besten aus Cement — versehen werden. Sowohl die inneren, als auch die äußeren Wände müssen den statischen Gesetzen entsprechen; hierbei sind maßgebend: 1. die Güte und Art des Baumaterials, 2. die Höhe und Anzahl der Stockwerke und 3. die Belastung, welche einestheils durch das Eigengewicht der Mauermassen, anderntheils durch die Balkenlagen (Zwi- schendecken) und das Dachwerk entsteht. Die Höhe der Etagen schwankt meistens zwischen 3 — 5 m und ergiebt sich aus der Benutzungsweise der Räume (Etagenhöhe der bürgerlichen Gebäude beträgt im Lichten 3,25 — 3,75 m ). Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Die Materialien widerstehen, je nach ihrer Dichtigkeit, verschiedenen Pressungen, so z. B. beträgt die zulässige Inanspruchnahme auf Druck pr. □ zm in Kilogramm: Poröse, leicht gebrannte Mauerziegel 3 — 4 Kilogr. „ hart „ „ 7 „ gewöhnliche gute „ „ 6 „ gut gebrannte Thonsteine 10 „ in Berlin gebräuchlich gute Rathenower Ziegel 14 „ Hegerminder Klinker 25 „ Rüdesdorfer Kalkstein 23 „ Rother Nebraer Sandstein 16 „ Heller „ „ 35 „ Rother Sandstein aus Halle 30 „ Seeberger weißer Sandstein 36 „ Sandstein von Udelfangen bei Trier 55 „ Heilbronner Sandstein 27 „ Tufstein aus dem Brohtthale 6 „ Trachit vom Drachenfels 20 „ Basaltlava von Niedermendig 45 „ Granit 45 „ Marmor 22 — 44 „ Basalt 75 „ Cementklotz, 2 Theile Sand, 1 Theil Cement, lufttrocken 3 „ dito 3 Monate alt 9 „ Glas 75 „ Nach berliner baupolizeilichen Vorschriften: Ziegelmauerwerk in Kalk 7 „ bestes Ziegelmauerwerk in Cement 14 „ Hiernach darf der gewöhnliche Ziegel höchstens mit 6 Kilogramm p. □ zm gedrückt werden; diese Inanspruchnahme entspricht, wenn das Gewicht eines Cubikmeters (1 Million Cb zm ) Ziegelmauerwerks 1600 Kilogramm beträgt, einer Steinsäule oder „ Materialbelastungs- höhe “ (h) von: 1600 : 1000000 = 6 : h , oder , mit 1 □ zm Basis. Allgemeine Betrachtungen. Auf diese Weise kann man für jedes beliebige Material die zu- lässige Belastungshöhe für die unterste Fläche pr. 1 □ zm finden. Praktischen Werth hat die Materialbelastungshöhe für Thürme, hohe Schornsteine u. s. w.; beispielsweise habe ein Thurm eine Höhe von 60 m , dann muß bis auf 20 m Höhe ein viel härterer Ziegel (mit etwa 9 — 10 Kilogr. Druckfestigkeit pr. 1 □ zm ) verwendet werden, als in dem oberen Thurmtheile; hierbei wurde aber die Belastung der Thurm- spitze (aus Stein oder Holz) noch nicht berücksichtigt. In den allermeisten Fällen sind unsere bürgerlichen Gebäude höch- stens 20 m hoch, so daß das Material im Fundament nur eine Stein- last von 3 Kilogr. pr. 1 □ zm Basis trägt. Nach berliner baupolizeilichen Vorschriften beträgt das Gewicht eines Quadrat-Meters Balkendecke in Wohnräumen, einschließlich der zufälligen Belastung, 500 Kilogramm. Nehmen wir beispielsweise ein Gebäude an mit 6 m tiefem Vorder- zimmer, so beträgt pr. lfd. Meter und bei einem Stockwerk von 4 m Höhe incl. Zwischendecke, der Druck der obersten Balkenlagen und des Daches (letzteres gleich dem Gewichte einer Balkenlage angenommen) Kilogr. Diese Belastung drückt auf eine 1 Ziegel = 25 zm breite und 1 m lange Mauer pr. 1 □ zm mit Kilogr. Da aber das Mauerwerk nicht allenthalben ganz voll, sondern mit vielen Oeffnungen versehen ist, so wird das wirkliche vorhandene Mauerwerk stärker belastet; und zwar, bei der Annahme, daß die Pfeiler zwischen den Fenstern gleich der Fensterbreite sind (Fig. 186), kommt auf pr. □ zm die doppelte Belastung = 2,4 Kilogr. Die rück- wirkende Inanspruchnahme dieses Mauerwerks geschieht sonach mit einer Materialbelastungshöhe von nur 15 m , und jedenfalls wird pr. □ zm Mauerfläche im Ganzen nicht über 3 Kilogramm belastet. Es folgt hieraus, daß, wenn Mauern nur ein Stockwerk zur Höhe und blos die Decke nebst Dach zu tragen haben, eine Mauerstärke von 1 Stein (25 zm ), gut im Kalkmörtel hergestellt, stets ausreicht und das Material nur halb so viel beansprucht wird, als polizeilich gestattet ist. Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Immerhin würde man der Witterungseinflüsse (Nässe, Kälte, Hitze) wegen, den Umfangsmauern der Wohngebäude jedenfalls eine Stärke Fig. 186. von 1½ Ziegel (25 zm in Deutschland, 29 zm in Oesterreich lang) geben. Fig. 187. Verfolgen wir aber den Fall für ein dreistöckiges Gebäude: Jedes Stockwerk habe 4 m Höhe, die Tiefe der Gassenzimmer betrage 6 m (Fig. 187). Wir nehmen wieder an, daß die Fensterpfeiler gleich den Fenster- breiten, und zwar gleich 1 m messen (also ein ungünstiges Verhältniß), und daß somit die Materialinanspruchnahme eine doppelte ist, da die Fensterbögen die, auf sie ver- theilte Balkenbelastung u. s. w. auf die 1 m breiten Pfeiler übertragen. Es würde dann der Druck der Zwischendecken und des Daches, auf 1 m Frontlänge, bezogen sein: im III. Stock in der Höhe von Kilogr. im II. Stock in der Höhe von Kilogr. im I. Stock in der Höhe von Kilogr. Allgemeine Betrachtungen. Das Materialgewicht beträgt pr. □ zm Basis von d bis c = 4 m Etagenhöhe = 0,6 Kilogr., von d bis b = 8 m „ = 1,3 „ von d bis a = 12 m „ = 1,9 „ Somit muß die theoretische Mauerdicke bei 100 zm Mauerlänge min- destens sein, wenn pr. □ zm nur mit 6 Kilogr. gedrückt werden soll: im III. Stock = — 5,5 zm , im II. Stock = = 9,6 zm , im I. Stock = — 14,7 zm . Da jedoch die Mauer nicht voll, sondern mit Oeffnungen, und zwar im Verhältniß von 1 : 1, versehen ist, muß die Dicke verdoppelt werden und zwar im III. Stock auf 2 . 5,5 = rund 11 zm , „ II. „ „ 2 . 9,6 = „ 20 zm , „ I. „ „ 2 . 14,7 = „ 30 zm . Obgleich diese, auf die Druckfestigkeit berechneten, Dimensionen theoretisch wohl richiig erscheinen, sind sie in der Praxis doch nicht zulässig, weil man einerseits die Maurerarbeiten von mittlerer Qualität zu Grunde legen muß, andererseits das dünne Mauerwerk, wenn auch nicht zerdrückt, so doch zerknickt werden würde. Aus diesem Grunde verdoppelt man die theoretisch berechneten Stärken und be- trägt die Mauerstärke der 3,5 m im Lichten hohen Etagen: im III. Geschoß mindestens 25 — 38 zm oder 1 — 1½ Ziegel, „ II. „ „ 38 — 53 zm „ 1½ — 2 „ „ I. „ „ 53 — 68 zm „ 2 — 2½ „ Die weiter unten mitgetheilten polizeilichen Vorschriften schreiben vor, für die Außenmauer des oberen Geschosses eine Stärke von 1½ Stein und für alle darunter liegende Geschosse ½ Ziegel mehr, oder, wenn die Räume nicht groß sind (kleine Zimmer), für je zwei untere Geschosse ½ Ziegel mehr. Falls die Gebäude nicht aus Ziegeln, sondern von anderen Ma- terialien erbaut werden, verhalten sich die Stärken untereinander: Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Die Stärke soll im Minimum sein bei ad a wenn die Arbeit sehr sorgfältig = 20 zm , ad c desgl. mindestens = 45 zm , ad d = 65 zm . 2) Allgemeine Regeln a) nach Rondelet in Werthen, welche die Grenzen angeben, bis zu welchen man gehen darf. Es bedeutet in Folgendem: s die Mauerstärke in Metern, l die freie Mauerlänge in Metern, h die Mauerhöhe in Metern, n einen aliquoten Theil = , dessen Größe siehe unter n. α) Freistehende Mauern. Mauern, welche an ihren Enden ohne Unterstützung sind: für starke Mauern s = ⅛ h , hier also n = 8, für mittelstarke „ s = 1/10 h , „ „ n = 10, für schwache „ s = 1/12 h , „ „ n = 12. β) Umfangsmauern. Mauern, die an den Enden durch Quer- mauern gestützt werden: Unbelastete Mauern: Erstens: Bei geradlinigen Mauern. (Fig. 188.) Man mache die Länge der Mauer l = ef , „ ziehe die Höhe „ „ h = a e ⊥ e f , theile a e in 8,10 oder Fig. 188. 12 Theile, je nachdem man starke, mittel- starke oder schwache Mauern haben will, trage auf a f einen solchen Theil (hier ac = a b = n = ⅛ h) ab, ziehe durch c , c d ≠ a e , so ist e d die verlangte Stärke s oder es ist: wo n = 8, 10 oder 12 bedeutet. Zweitens: Bei kreisrunden Mauern ist e f = l = 1/12 der Peripherie oder ¼ des Durchmessers (D) zu setzen und die Construk- tion wie in Fig. 188 auszuführen, oder es ist: wo n wiederum = 8,10 oder 12 gilt. Allgemeine Regeln. Belastete Mauern: Erstens: Mauern zu Gebäuden, die nur 1 Geschoß hoch sind: Sind die Mauern in ihrer Höhe nicht unterstützt, jedoch von Balken belastet, die eine Verankerung bilden, so ist für l die lichte Gebäudetiefe t zu setzen, oder: . Sind die Mauern in irgend einer Höhe unterstützt, so daß die darüberliegende Höhe h 1 ist, so: . Zweitens: Mauern zu Gebäuden, welche mehrere Geschosse hoch sind. Ist t die lichte Gebäudetiefe, h die Höhe des obersten Geschosses bis unter das Dach, so ist: wenn das Gebäude nur ein Zimmer in der Tiefe hat, , wenn das Gebäude zwei Zimmer in der Tiefe hat, , unter s 1 ist die Mauerstärke des oberen Geschosses verstanden. γ) Trennende Mauern, d. h. Mittelmauern, welche das Ge- bälk tragen: . Beispiel: Das Gebäude habe drei Geschosse von je 4 m (incl. Zwischendecke) zur Höhe; es liegen zwei Zimmer hintereinander von je 6 m Tiefe nebeneinander, somit: . b) Nach Redtenbacher wird die Mauerdicke der Wohn- und Fabriksgebäude bestimmt, wenn t die Tiefe des Gebäudes in verticaler Richtung zur Gebäude- mitte gemessen, h 1 , h 2 , h 3 u. s. w. die Höhen der Stockwerke in der Reihen- folge von oben nach unten gezählt, und s 1 , s 2 , s 3 die Mauerstärken der einzelnen Stockwerke be- deuten: Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. u. s. w. Nach diesen Formeln wurde die nachstehende Tabelle berechnet: Wenn jedes Stockwerk 4 m hoch gemacht wird, so geben obige Formeln folgende Mauerstärken in Metern: c) Praktische Erfahrungssätze zur Bestimmung der Mauerstärken. Die Umfangsmauern werden bei massiven Ge- bäuden, wenn dieselben nur 1 Stockwerk und nur 3,5 m hoch sind, und keine großen Räume umschließen, d. h. die Mauer nicht über 5,5 m frei ist, 1 Stein stark gemacht. Um die Kälte abzuhalten, macht man sie aber bei Wohngebäuden 1½ Stein und für Bruchstein mindestens 45 zm dick. Ist das obere Geschoß nicht über 4,4 m hoch und sind die Räume nicht über 6 m tief, und so viel Scheidemauern vorhanden, daß die Frontmauern nicht über 9,5 m freistehen, so genügt bei gewöhnlicher Verankerung der Balkenlage eine Stärke von 1½ Stein unter allen Umständen. Die Drempelwand hat meistens 1 Ziegel zur Stärke, sie wird öfters aber auch, wenn sie die Mauer- bank tragen und somit die hölzernen Kniestockwände beim Dachgespärre fortbleiben, entweder in 2 m Entfernung mit ½ Stein dicken Mauer- vorlagen versehen, oder ganz und gar 1½ Stein dick. Letzteres geschieht besonders dann, wenn die Gesimse weit ausladen und von Sandstein Allgemeine Regeln. hergestellt werden. Für kleine Wohnungen auf dem Lande genügen 1 Stein dicke Außenwände. Bei mehreren Stockwerken wird die Umfangsmauer einer jeden tieferen Etage bei Ziegeln ½ Stein und bei Bruchstein 12,5 zm stärker gemacht, als die darüber befindliche. Falls die Räume aber nicht über 4 m hoch, 5 m tief und die Frontmauern nicht mehr als 7,5 m frei stehen, so bekommen immer zwei aufeinander folgende Etagen die gleiche Mauerstärke, etwa im IV. und III. Stock 1½ Ziegel, im II. und I. Stockwerk 2 Ziegel. Dasselbe gilt auch selbst bei größeren Zimmertiefen und Breiten, wenn die Wände durch Balken nicht belastet sind. Treppenhausmauern richten sich bezüglich ihrer Stärke nach der Größe und Breite der Treppenhäuser. Bei gewöhnlichen zwei- armigen Treppen, deren Podeste an der Außenmauer liegen, erhält die Außenmauer in den beiden oberen Geschossen 1½ Stein, in den unteren 2 Steine zur Stärke und ordnet man den Mauerabsatz unter dem Podest an. Die beiden Langmauern werden eben so stark, wenn sie belastet sind, und befinden sich die Absätze nach der Seite der Wohnräume unter den Balkenlagen. Vielfach werden alle inneren Umgrenzungsmauern des Treppen- hauses in der ganzen Höhe gleich stark gemacht, und zwar bei solider Verankerung und Mauerung mit Cementmörtel 1 Stein, besser 1½ Stein. Die gleiche Stärke erhalten solche Treppenhausmauern, die eine dreiarmige Treppe, welche ganz innerhalb des Hauses liegt, umschließen und keine Balken tragen. Ruhen Balken auf ihnen, so beginnt man oben in zwei Geschossen mit 1½ Ziegel und legt man dann bei den beiden folgenden Geschossen ½ Ziegel hinzu. Falls die dreiarmige Treppe oder eine gewundene zweiarmige Treppe an eine Außenmauer stoßen, und somit der Mauerabsatz unter einem Podeste nicht versteckt werden kann, muß die ganze Treppenhausmauer in gleicher Stärke von unten bis oben hin reichen. Die Mauerdicke wird dann ½ Ziegel schwächer gemacht, als die mittlere Steindicke einer etagenartig abgesetzten Mauer. Bei massiven Treppen, deren Sandsteinstufen im Mauerwerk stecken und sich freischwebend halten, sind stets in den oberen Geschossen 1½ Stein, in den unteren 2 Stein starke, in Cementmörtel herzu- stellende Mauern erforderlich. Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Hohe Wände mit Pultdächern, welche frei stehen, müssen bei Stuhlwänden 1 Stein stark, fehlen letztere, so daß die Wand ganz massiv ist, durchweg 1½ — 2 Stein stark sein. Nichtfrei- stehende Pultdächer werden wie Grenzgiebel betrachtet. Die Seiten- oder Giebelmauern kann man, da sie keine Be- lastung durch die Balkenlagen ꝛc. erhalten, ½ Stein schwächer anlegen, als die Frontmauern; auch können mehrere Etagen gleiche Stärke bekommen. Im Dachboden ordnet man meistens 1½ Stein starke Giebelmauern an; bei großer Länge werden sie mit Vorlagen ver- stärkt; falls die Gesimse aber weit ausladen, haben die Giebelwände im Dachboden dieselbe Stärke, wie die Seiten-Drempelwände. Unter 1 Stein nimmt man freistehende Giebel, der durchschla- genden Feuchtigkeit wegen, nie an. Giebelmauern, welche Walme tragen, sind wie Frontmauern zu behandeln. Gemeinschaftliche Giebelmauern (solche, welche bei zwei anein- ander stehenden Gebäuden die Scheidewand bilden) erhalten 1 Stein zur Stärke. Scheidemauern bekommen, falls sie unbelastet bleiben, durch mehrere Stockwerke nur 1 Stein zur Stärke; nur bei hohen Sälen, Treppenhäusern ꝛc. ist eine entsprechende größere Stärke nöthig. Häufig ersetzt man die massiven Scheidemauern durch eine Fach- werkswand. In Berlin erhalten die Scheidemauern, wenn sie nicht über 6 m lang sind und mit guten Ziegeln in verlängertem Cement- mörtel bei guter Verankerung ausgeführt werden, bei 3 Stockwerk hohen Gebäuden in sämmtlichen Stockwerken eine Stärke von ½ Stein. Für die Thüröffnungen, welche man gewöhnlich übereinander anlegt, fügt man je zwei Stiele ein, die von Geschoß zu Geschoß reichen (Hirnholz auf Hirnholz) und von den Balken der Geschosse zangen- artig umfaßt und gehalten werden. Auch den Mittelwänden muß man eine hinreichende Stärke geben, da auf ihnen die sämmtlichen Balken ruhen; besonders eignet sich die Mittelwand vermöge ihrer Stärke zur Aufnahme von Schorn- stein- und Ventilationsröhren. Beim Vorhandensein einer Mittel- wand erhält letztere dieselbe Stärke wie die Umfangsmauer; die ge- ringste Stärke ist im Erdgeschoß ½ Stein schwächer, als die der Umfangsmauer. Sind zwei Mittelmauern vorhanden, so kann eine jede derselben durch alle Stockwerke 1½ Stein zur Stärke erhalten; Allgemeine Regeln. befindet sich eine Mittelmauer in der Mitte des Gebäudes, die andere aber so, daß die Entfernung von der nächsten Umfassungsmauer nicht mehr als 4,7 m beträgt so kann die Stärke der mittelsten Mittel- mauer nur 1½ Stein, die der anderen 1 Stein betragen. Die Brandmauern, welche Feuerungen einschließen, werden 1½ Ziegel stark gemacht. Freistehenden Mauern giebt man mindestens 1/12, besser 1/10 (bei Ziegeln), ⅛ der Höhe (bei Bruchsteinmauerwerk) zur Stärke. Für sehr lange Mauern ist der Winddruck zu berücksichtigen. Bei Pfeiler-Mauern, von etwa 3 m Höhe und 4 — 5 m Abstand der Pfeiler, genügt, bei der Pfeilerstärke von 2 Stein, eine 1 Stein starke Füllung. Die Thurmmauern; zur Bestimmung ihrer Stärken theilt man sie in Etagen von 6 — 10 m Höhe ein; hiervon erhält dann die oberste Etage 2½ — 3 Stein zur Stärke und jedes tieferliegende Geschoß ½ Ziegel mehr. Beispielsweise sei erwähnt, daß bei der Thomas- Kirche in Berlin (vom Baurath Adler ausgeführt) die 41 m hohen Thürme unten dicht über dem Terrain 1,31 m dick gemacht wurden; die Thürme haben aber keine Pyramidenhaube. Für die Stabilität der Mauern ist die häufige und gegenseitige Verankerung an den durchgehenden Deckenbalken von größter Wichtig- keit; die Verankerung geschieht mindestens bei jedem dritten oder vierten Tram, d. h. in Entfernungen von 3,0 — 4,5 m . Im Nachstehenden geben wir eine Tabelle für die Mauerstärken, in welcher die vorstehenden Angaben zum Ausdruck gelangt sind: (große Räüme nennen wir solche über 3,5 — 4,25 m Höhe, 6 m Tiefe und 8 m Breite, kleine Räume solche unter 6 m Tiefe, 7 m Breite und 3,5 m Höhe.) Wanderley, Bauconstr. II. 13 Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. d) Plinthen- und Fundamentmauern. Diejenige Mauer, welche von der Terrainoberfläche bis zu dem Parterrefußboden reicht, heißt Plinthen- oder Sockel- (auch Zockel-) Mauer. Ganz allgemein erhält diese ½ Ziegel mehr zur Stärke, als die Parterremauer, und zwar einestheils um die allmählige Verbreitung des Mauerwerks nach unten hin vorzubereiten, behufs besserer Ver- theilung des Mauerdrucks auf das Fundament, anderntheils um so- wohl die Feuchtigkeit der Erde, als auch das Spritzwasser von dem Innern des Kellers fernzuhalten. Die Höhe der Plinthe, d. h. der Abstand vom Terrain bis zum Parterrefußboden, schwankt, je nach der Benutzungsweise des Kellers Stärke der Plinthen- und Fundamentmauern. und der Bedeutung des Gebäudes zwischen 0,5—1,5 m (in Fig. 83 in diesem Bande sehen wir beispielsweise 1,25 m ). Falls das Gebäude keinen Keller erhält, wird das Plinthenmauer- werk ( p in Fig. 189 A ) ½ Ziegel (oder 12—15 zm bei Bruchsteinen) stärker als a , und macht man das in dem Erdboden steckende Mauerwerk ( f in Fig. 189 A ), das sogenannte Fundamentmauerwerk , aber- Fig. 189 A—D. mals ½ Ziegel resp. 12—15 zm breiter. Besitzt das Fundamentmauer- werk bereits eine solche Breite, daß es das Gewicht der gesammten Umfangsmauer incl. Extrabelastung u. s. w. auf den gewachsenen Erdboden übertragen kann, ohne diesen pr. □ m mit mehr als mit 25—30000 Kilogr. zu drücken, dann ist ein weiterer Absatz über- flüssig und mauert man das Fundament f wie in Fig. 189 C ange- geben. Im anderen Falle erhält das Fundament entweder ein Banket b (Fig. 189 A , B und D ), welches sich ebenfalls um ½ Ziegel resp. 13* Erstes Kapitel. Das Mauern mit Ziegeln. 15 zm ausbreitet, oder es wird auch noch jedesmal ½ Ziegel (15 zm bei Bruchstein) abgesetzt — „abgetreppt“ —, wie Fig. 189 A und D zeigen. Jede Abtreppung mißt in der Höhe 0,3—0,5 m . Das Banket b macht man 0,2—0,3 m hoch und etwa 12—20 zm im Ganzen breiter, als das untere Fundament. In den meisten Fällen stellt man die Plinthe, noch häufiger auch das Fundament und Banket, von Bruchsteinen her. Daß auf jedem Plinthenmauerwerk eine Isolirschicht liegen muß, haben wir bereits bei den Riegelwänden gesagt (siehe Seite 111 im 1. Bande dieses Werkes). Wenn ein Kellergeschoß (welches meistens 2,5—3 m zur Höhe hat) angelegt werden soll, ist eine Abtreppung innerhalb des Mauerwerks nicht gestattet, sondern die Plinthe und das Fundament gehen in gleicher Stärke (was meistens stattfindet) vertikal hinab (Fig. 190 A , B ), oder die Abtreppung geschieht nach Außen (Fig. 190 C ). Die Ab- Fig. 190 A—C. treppung macht man besonders dann, wenn es auf eine Verbreitung der Banketsohle ankommt. In Oesterreich, wo die Etagenmauern ohnehin schon, zufolge der polizeilichen Vorschriften, bedeutende Stärken besitzen, hat auch die Fundamentmauer eine solche Breite, daß eine besondere Verbrei- tung behufs Vertheilung der Last auf das Erdreich gar nicht er for- derlich ist; in der Regel bleibt das Banket ebenfalls weg, und sieht der Querschnitt einer Fundamentmauer wie Fig. 190 B aus, also Stärke der Plinthen- und Fundamentmauern. f = p + ½ Stein, vielfach auch nur f = p. Das Fundament der Außenwände besteht dann aus zwei bis vier Ziegelschaaren und 0,5 m hohem Bruchsteingemäuer, welche beide miteinander abwechseln. Die Mittel - und Scheidewände werden im Kellergeschoß gleichfalls ½ Ziegel stark gemacht, und erhalten Banketverbreitungen. Von großer Wichtigkeit ist es, daß alle Mauern auf dem gewachsenen Boden stehen, weshalb die Humuserde abgetragen werden muß, ehe der Maurer mit den Banket- resp. Fundamentmauern beginnt. Auch soll die Fun- damentsohle, um gegen Frost geschützt zu sein, mindestens 0,8 m , besser 1 m im Erdboden stecken. Wie bereits erwähnt, darf der gewachsene (guter) Erdboden mit höchstens 30000 Kilogr. belastet werden; untersuchen wir nun, wie groß hiernach die Fundamentbasis eines vierge- schossigen Gebäudes sein muß. Nach Fig. 191 hat jedes Geschoß 4 m Höhe, das Kellergeschoß 3,5 m . Die Mauer beginnt oben mit 1½ Ziegeln und endet unten mit 3½ Ziegeln nach deutschem Normalformat (25 zm ). Die Fenster- öffnungen lassen wir unbeachtet. Sonach ent- hält (1 Cb m Ziegelmauer = 400 Ziegel) die Mauer an Steinen pr. lfd. Meter Front: im IV. Geschoß 150 . 4 . 1 = 600 Stück, „ III. „ 200 . 4 . 1 = 800 „ „ II. „ 250 . 4 . 1 = 1000 „ „ I. „ 300 . 4 . 1 = 1200 „ „ Kellergeschoß 350 . 4 . 1 = 1400 „ zusammen 5000 Stück. Fig. 191. Da 400 Stück auf 1 Cb m gehen und dieses 1600 Kilogr. wiegt, beträgt somit Gesammtgewicht der Ziegel = 20000 Kilogr. Gewicht der Zwischendecken und des Daches: Ange- nommen das Gewicht des Daches sei gleich den der Zwischendecke, und letztere wiege pr. □ m 500 Kilogr. (baupolizeilich zulässiges Gewicht in Berlin), und die Zimmertiefe messe 6 m , demnach Extra- belastung: 5 . 500 . 1 . 3 = 7500 „ Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Obgleich in unserm Beispiel ein preußisches Kappen- gewölbe gezeichnet ist, welches auf die Außen- wände gar nicht drückt, setzen wir doch einen Gewölbedruck (pr. lfd. Gebäudefront) mit . . 3000 Kilogr. an, folglich beträgt Gesammtdruck der Fundamentsohle auf das Erdreich: 20000 + 7500 + 3000 = 30500 Kilogr. Hieraus geht hervor, daß, um den Gesammtdruck auf das gewach- sene tragfähige Erdreich sicher übertragen zu können, in diesem Falle die Fundamentsohle 1 m breit sein muß, und daß die Verbreitung ohne Schwierigkeit mit ½ Ziegel geschehen kann, da die untere Fun- damentbreite bereits 3½ Ziegel beträgt. Auf ähnliche Weise wird die Banketbreite der anderen Mittel- und Scheidewände bestimmt. Falls der Boden die nöthige Tragfähigkeit nicht besitzt, ermittelt man zunächst mittelst Probelastung die zulässige Belastung pr. □ m und wählt dann eine der im 3. Bande dieses Werkes, Abschnitt: „Fun- dirungen“ beschriebenen Fundirungsmethoden. Bevor wir diesen Gegenstand verlassen, sollen noch e) die verschiedenen baupolizeilichen Vorschriften über die Mauerstärken mitgetheilt werden: A. Oesterreich . Bauordnung für Böhmen : §. 58. Bei jedem neuen Wohngebäude ist die Mauerstärke vorzugsweise zu beachten. Da aber die Bestimmung derselben von der Höhe der Stockwerke, den Dimensionen und Construktionen der Gewölbungen und der Decken, der Tiefe der Tracte, der Breite des Gebäudes und anderen Verhältnissen abhängig ist, so werden mit Beachtung der bisherigen Gepflogenheit hierüber nur die nachfolgenden allge- meinen Vorschriften festgesetzt: a) Wenn in dem obersten Stockwerke die Zimmertiefe 6 m Die bisherigen östr. Bauordnungen geben sämmtliche Maße in „ Schuhen “ an wir haben hier die Maße nach dem Metersystem umgeändert. nicht überschreitet, so müssen in diesem Stockwerke die Hauptmauern aus Stein 0,61 m und aus Zie- geln, welche die bisher vorgeschriebenen Dimensionen haben, 1½ Ziegel stark sein. Falls die Zimmertiefe in dem gedachten Stockwerke überschreitet, so muß die Dicke der Steinmauern 0,68 m , die Dicke der Ziegelmauern aber 2 Ziegel betragen. b) Mit jedem Stockwerke nach abwärts müssen die Hauptmauern um min- destens ¼ Ziegel verstärkt werden, und sind in den Fundamenten um volle 16 zm stärker zu halten als im Erdgeschosse. Bei Anwendung der Dippelbodeu muß die Verstärkung der Hauptmauern bei jedem Geschosse nach abwärts ebenfalls 16 zm betragen. Bauordnung für Oesterreich. c) Die nach der Ausdehnung und Structur des Baues erforderliche Mauer- stärke ist in den Bauentwürfen in Antrag zu bringen und bei dem amtlichen Ban- augenscheine streng zu prüfen. Namentlich hat die Behörde über die Abweichungen von den für die Mauer- stärke bestimmten Normalmaßen ( a und b ) dann zu entscheiden, wenn entweder andere als die bisher üblichen Construktionen oder auch Ziegel von kleineren als den bisher vorgeschriebenen Dimensionen in Anwendung kommen sollen. d) Zwischenpfeiler, welche, falls sie aus Ziegel-Mauerwerk beständen, die nöthige Widerstandsfähigkeit nicht besäßen, müssen von Quadersteinen oder aus Eisen her- gestellt werden, und sind im Bauplane ersichtlich zu machen. e) Die zur Anlage der Gebäude ausgehobenen Gründe haben die Bauführer sorgfältig zu prüfen und nach den örtlichen Verhältnissen die Fundamente sicher anzulegen. Grundröste und Verbürstungen dürfen nur dann angewendet werden, wenn sie stets unter Wasser bleiben, daher sie auch immer unter das Niveau des kleinsten Wasserstandes gelegt werden müssen. Ufermauern, oder die Grundmauerwerke bei Mühlen, Fabriken und andern Gebäuden, deren Fuß von fließendem Wasser bespült wird, müssen zur Verhütung der Unterwühlung an der Wasserseite mit einer Bürstenwand versichert, wenigstens bis über den höchsten Wasserstand aus Quadern oder behauenen Steinen mit hydrau- lischem Kalke oder einem anderen gleich brauchbaren Bindungsmittel ausgeführt werden. f) Die Mittelmauern haben eine solche Stärke zu erhalten, daß, unbeanstandet ihrer Stabilität, der im § 40 für die Herstellung der Rauchfänge enthaltenen allge- meinen Anordnung, wonach wenigstens 16 zm von der Lichte jedes Rauchschlottes alles Holzwerk entfernt gehalten werden muß, vollkommen Genüge geleistet werde. § 59. Wo die Aufführung von vollem Mauerwerke Schwierigkeiten unterliegt, kann zur Abtheilung einzelner Localitäten in den Stockwerken zwischen je zwei feuerfesten Abtheilungswänden die Errichtung einer Scheidewand, welche theilweise aus Holz besteht, jedoch von beiden Seiten mit einem vollen Mörtelverputze ver- sehen sein muß, dann bewilligt werden, wenn in der Nähe keine Feuerung ange- bracht wird (Vorschriften über Riegelwände siehe 1. Band d. Werkes Seite 145). Bauordnung für Czernowitz lautet : § 35. Bei dem Baue von Häusern muß die Dicke der Hauptmauern den Ver- hältnissen des Bauobjectes angemessen sein; das Grundmauerwerk ist aber um 16 zm stärker zu halten und soll jedenfalls wenigstens 1 m tief unter den Erdhorizont reichen. § 36. Mittel- und Zwischenmauern dürfen weder ganz noch zum Theile auf Dippelböden aufgestellt werden. Abtheilungswände aus Holz sind nur zwischen zwei feuerfesten Abth eilung- wänden gestattet, wenn sie nicht in der Nähe von Feuerstellen gelegen sind. Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Bauordnung für Lemberg (Galizien) bestimmt: § 18. a) Alle Wände eines neu zu erbauenden Hauses müssen aus hartem Materiale hergestellt werden; die Aufführung von Fach-, Riegel- oder Holzwänden ist in der Regel nicht gestattet. — Sollte bei schon bestehenden Gebäuden die Auf- führung einer solchen Wand zum Behufe einer Umstaltung nothwendig werden, so ist speciell hierzu die Bewilligung anzusuchen. b) Die Fundamentmauern müssen auf gutem Grunde, oder wenn derselbe in entsprechender Tiefe nicht erreicht werden kann, auf Rösten angelegt und ihrer ganzen Ausdehnung nach ohne Zwischenräume oder Unterbrechungen (Pfeilerfundirung) hergestellt und beiderseits wenigstens um 8 zm stärker gehalten werden, als die eben- erdigen Mauern. c) Die Hauptmauern der Wohngebäude müssen im obersten Stockwerke wenig- stens 0,45 m dick sein, und sind in jedem Stockwerke nach abwärts um je 15 zm zu verstärken. d) Wenn Pfeiler an den Hauptmauern in einer geringeren Breite als von 0,9 m vorkommen, dann sind dieselben aus Stein herzustellen. e) Zwischen je zwei Häusern sind sogenannte Brand- oder Feuermauern aus- zuführen. Diese müssen eine Dicke von wenigstens 30 zm und nach Bedarf Ver- stärkungspfeiler erhalten und 30 zm über die Dachresche und den Dachfirst hinaus- ragen. — Bei sehr langen Gebäuden sind auch die Mittelmauern als Feuermauern in der Art aufzuführen, daß der Zwischenraum zwischen je zweien derselben höch- stens 10—15 Klafter betrage. Es versteht sich übrigens von selbst, daß in den Feuermauern keine wie immer Namen habende Oeffnungen bestehen dürfen. § 19. Die Außenwände der Häuser sind in der Regel mit Mörtel zu verputzen; die Tüngung mit einer Kalkweiße oder mit grellen Farben ist nicht gestattet. Die Bauordnung für Kärnthen lautet: § 43. Jedes Haus muß seine eigenen selbständigen hinreichend starken Umfang- mauern besitzen. Die Bestimmung der erforderlichen Mauerstärke ist von verschie- denen Umständen, als: von der Höhe der Stockwerke, von der Tiefe des Gebäudes, von der Größe der Räume, ferner von den vorkommenden Gewölbungen von der sonstigen besonderen Belastung der Gebäude abhängig, weßhalb die anzuwendende Dicke der Mauern der Bestimmung des Bau- oder Maurermeisters und dem Er- messen der Baucommission vorbehalten bleiben muß, und hier nur die Bestimmung für die Mauerdicke bei gewöhnlichen Wohngebäuden vorgezeichnet werden kann, und zwar: Die Hauptmauern eines ebenerdigen Gebäudes oder des obersten Geschosses eines mehrstöckigen Hauses mit einer Tract- oder Zimmertiefe von 6 m und darunter erhalten eine Dicke von wenigstens ½ Ziegel, falls aber die Zimmertiefe in diesem Stockwerke 6 m überschreitet, eine Dicke von 2 Ziegel. Hauptmauern, aus Bruchsteinen oder aus Bruchsteinen mit Ziegeln gemischt, müssen jedoch um 16 zm stärker und dürfen niemals unter 2 Ziegel dick sein. Bauordnung für Oesterreich. Bei Anwendung von Dippelböden muß die Hauptmauer mit jedem Geschosse abwärts die Stärke der Hauptmauern um 8 zm zunehmen, im Fundamente aber jedenfalls um 16 zm stärker gehalten werden, als im Erdgeschosse. Nachdem übrigens durch die Beschaffenheit der Bauten, der gewählten Decken- construktionen, durch die Anwendung von Gewölben oder besonderen Materialien rücksichtlich der Mauerverstärkungen nach unten Ausnahmen eintreten können, so steht der betreffenden Behörde in solchen speciellen Fällen die Entscheidung über deren Gestattung zu. Mittelmauern, die zwischen zwei Gebäudetracten zur Auflage der beiderseitigen Zimmerdecken bestimmt sind, erhalten im obersten Geschosse, wenn sie von Ziegeln hergestellt werden, dort wo nicht darin enthaltene Rauchfänge eine größere Stärke erfordern, eine Dicke von 1 Ziegel, wenn sie aber von Stein oder gemischtem Mauer- werke hergestellt werden, eine Dicke von 1½ Ziegel, und in jedem Stockwerke ab- wärts eine Verstärkung von 16 zm , indem die beiderseitige 16 zm Deckenauflage durch den Absatz des Mauerkörpers und durch die Versetzung der Hohlkehle gewonnen wird. Stirnmauern an den beiden schmalen äußeren Seiten der Gebäude, worauf die Feuermauer des Daches aufzuführen kommt, erhalten im obersten Stockwerke die Stärke von 1½ Ziegel, und nach abwärts von 2 Ziegel. In der Regel soll jedes Haus seine eigene Stirnmauer erhalten; treten jedoch Umstände ein, welche die Herstellung einer gemeinschaftlichen Mauer erfordern, und erklären die Nach- barn in einer zur grundbücherlichen Einverleibung auf ihren Häusern geeigneten Urkunde ihr Einverständniß über die gemeinschaftliche Benutzung, so hat die gemein- schaftliche Mauer im obersten Geschosse die gleiche Dicke zu erhalten, und ist, wenn dieselbe etwa gleichzeitig zur Auflage der beiderseitigen Zimmerdecken zu dienen hat, von Stockwerk zu Stockwerk abwärts in gleicher Weise, wie dies für Mittelmauern vorgezeichnet ist, zu verstärken. Scheidemauern können, wenn die Zimmertiefe nicht über 6 m beträgt, mit einer Stärke von 16 zm hergestellt werden. Haben jedoch die Scheidemauern die Zimmerdecken zu tragen, so müssen die- selben im obersten Geschosse mit einer Stärke von 30 zm hergestellt werden und in den unteren Stockwerken in gleicher Art, wie dies für die Mittelmauern vorgezeichnet ist, verstärkt werden (Vorschriften über Riegelwände siehe 1. Band S. 146). Die Bauordnung für Klagenfurt bestimmt: § 52. Die Mauerstärken sind abhängig von der Belastung der Mauern, von dem verwendeten Materiale, von der Höhe der Stockwerke und der Construktion der Decken, es können daher nur die nachfolgenden allgemeinen Bestimmungen fest- gesetzt werden: a) Die Hauptmauern, sowie alle inneren Mauern an den Stellen, wo sie Rauchfänge enthalten, müssen wenigstens 45 zm stark ausgeführt werden. Die Haupt- mauer des obersten Stockwerkes muß, wenn die Zimmertiefe 6 m überschreitet, min- destens 2 Ziegel stark sein. Es können die Hauptmauern in mehreren Stockwerken gleiche Mauerstärke erhalten. Bei dreistöckigen Gebäuden dürfen die Hauptmauern Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. zu ebener Erde und im ersten Stock nicht unter 60 zm , bei vierstöckigen Gebäuden nicht unter 75 zm ausgeführt werden. Bei letzteren sind die Hauptmauern des zweiten und dritten Stockes mindestens 2 Ziegel stark auszuführen. Jene Theile der Hauptmauern, welche nicht als Auflagen für Deckenconstruk- tionen dienen, können durch alle Stockwerke 48 zm Stärke haben. Dieses gilt für neues Ziegelmauerwerk, bei Stein- oder gemischtem Mauerwerk sind obige Dimensionen um 16 zm zu verstärken. b) Bei Anwendung gewölbter Decken auf eisernen Trägern kann die Mauer- stärke in sämmtlichen Stockwerken und zu ebener Erde bei einer Zimmertiefe von 6 m 48 zm betragen, bei größeren Zimmertiefen 60 zm , vorausgesetzt, daß die Trag- fähigkeit des Mauerwerkes nachgewiesen ist. c) Die Fundamentmauern sind in jedem Falle um 15 zm stärker als im Erd- geschosse zu machen. d) Bei Ziegelmauerwerk müssen die Mauerstärken dem Ziegelmaße entsprechen; es dürfen daher nur Mauern in der Stärke von ½, 1, 1½, 2, 2½, 3 Ziegeln u. s. w. ausgeführt werden. e) Lichthofmauern müssen, wenn sie als directes Auflager hölzerner Decken- construktionen dienen, oder wenn dieselben Wohnungsbestandtheile nach außen ab- schließen, mindstens 45 zm stark sein; im andern Falle bedürfen dieselben nur einer Stärke von 30 zm . f) bei Dippelböden muß, wenn die Auflagmauer nach oben noch fortgesetzt wird, zwischen den beiderseitigen 15 zm Auflagern auf der Mittelmauer ein Zwischen- raum von wenigstens 30 zm sein. g) bei allen anderen Deckenconstruktionen als Dippelböden müssen die Mittel- mauern mindestens folgende Dimensionen erhalten: Bei drei- oder vierstöckigen Häusern in allen Stockwerken 60 zm Stärke, bei Gebäuden mit weniger Stockwerken 45 zm . Sind die Mittelmauern im Erdgeschosse aus Ziegeln hergestellt und vielfach durchbrochen, so müssen sie daselbst entsprechend verstärkt werden. h) Scheidemauern, die einzelne Bestandtheile einer Wohnung trennen, haben eine Stärke von mindestens 15 zm , trennen sie jedoch Wohnungen, so haben sie mindestens eine Stärke von 30 zm zu erhalten. i) Mittelmauern, welche nur die Dicke von höchstens zwei Stockwerken zu tragen haben, oder als Deckauflager gar nicht dienen, können bei Anwendung von Trammböden, insoweit keine Rauchfänge darin sind, eine Stärke von 30 zm haben; k) über Abweichungen von den vorstehenden Normen bei Anwendung anderer Construktionen und Materialien, als: Stein, Cement, Eisen u. s. w. entscheidet über Nachweis der genügenden Festigkeit und Stabilität die Behörde. Die Bauordnung für Mähren sagt: § 22. Die nach Ausdehnung und Structur des Baues erforderliche Mauer- stärke ist im Bauplane in Antrag zu bringen und bei der Localcommission zu prüfen. Insbesondere hat die Behörde auch dann zu entscheiden, wenn andere als die bisher üblichen Construetionen in Anwendung kommen sollen. Bauordnung für Oesterreich. Für die Mauerstärke gilt die Regel: a) wenn im obersten Stockwerke die Zimmertiefe 6 m nicht überschreitet, so müssen in diesem Stockwerke die Hauptmauern aus Stein 60 zm und aus Ziegeln 45 zm stark sein. Falls die Zimmertiefe in dem gedachten Stockwerke 6 m überschreitet, so muß die Dicke der Steinmauer 70 zm , die Dicke der Ziegelmauern 60 zm betragen. b) mit jedem Stockwerke nach abwärts müssen die Hauptmauern um 8—15 zm verstärkt werden, und sind in den Fundamenten um volle 15 zm stärker zu halten, als im Erdgeschosse. Abweichungen von der vorstehenden Regel sind nur mit ausdrücklicher Geneh- migung der Behörde gestattet. In der Regel soll zwar jedes Haus seine eigenen Hauptmauern erhalten; wenn jedoch Umstände eintreten, welche im Einverständnisse der Nachbarn die Herstellung einer gemeinschaftlichen Mauer nothwendig machen, so muß dieselbe so verstärkt werden, daß sie auf beiden Seiten eine eigene und sichere Auflage für die Dach- und Bodenhölzer gewährt. Bauordnung für Oesterreich ob der Enns lautet: § 31. Bezüglich der Mauerstärke sind folgende allgemeine Vorschriften zu beachten: 1) Bei Anwendung von Ziegeln muß die Hauptmauer im obersten Stocke, falls die Zimmertiefe in letzterem 6 m nicht überschreitet, eine Dicke von wenigstens 45 zm , bei Verwendung von Steinen von wenigstens 55 zm , falls aber die Zimmertiefe in diesem Stockwerke 6 m überschreitet, eine Dicke von 60 zm und aus Steinen von wenigstens 70 zm erhalten. 2) Die Ve rstärkung der Hauptmauer von oben nach abwärts richtet sich nach der Art der Decken zwischen den einzelnen Stockwerken und nach der Belastung des Gebäudes. Bei Dippelboden ist sie auf 15 zm zu bestimmen. Die Mauern im Fundamente müssen aber jedenfalls um 15 zm stärker als jene im Erdgeschosse gehalten werden. 3) Jedes Haus muß auf eigenem Grunde durch eine hinreichend starke Feuer- mauer vom anstoßenden Nachbarhause getrennt, es muß dieselbe 30 zm über die Dachfläche des Hauses erhöht und oben nicht unter 30 zm stark sein, nach unten sich aber so verstärken, daß sie an und für sich ohne Rücksicht auf die Nachbarmauern die nöthige Stabilität besitzt. Dachgehölze darf in der Feuermauer nicht eingelassen oder mit derselben in Verbindung gebracht werden. Zur Abtheilung einzelner Localitäten in den Stockwerken zwischen je zwei Abtheilungsmauern wird die Errichtung einer Scheidewand, welche theilweise aus Holz sein darf, dann gestattet, wenn in der Nähe derselben keine Feuerung ange- bracht ist. Erstes Kapitel. Die Stärke der Mauern. Bauordnung für Linz bestimmt: § 48. Die Bestimmung der Mauerstärke hängt von so verschiedenen Verhält- nissen, als von der Höhe der Stockwerke, von den Dimensionen und Construktionen der Decken, von der Tiefe der Tracten u. s. w. ab, daß sie hier nur auf die nach- folgenden allgemeinen Vorschriften beschränkt werden kann: a) Werden Ziegel von den bisher vorgeschriebenen Dimensionen verwendet, so muß die Hauptmauer im obersten Stockwerke, falls die Zimmertiefe in diesem Stock- werke 6 m nicht überschreitet, eine Dicke von wenigstens 45 zm , falls aber die Zimmer- tiefe in diesem Stockwerke 6 m überschreitet, eine Dicke von 60 zm erhalten. b) Die Verstärkung der Hauptmauer von oben nach abwärts wird bei Anwen- dung von Dippelböden mit jedem Geschosse abwärts auf 15 zm festgesetzt, bei allen anderen Deckenconstruktionen von Holz muß in dem Stockwerke abwärts die Stärke der Hauptmauer um 8 zm zunehmen, oder auf eine andere Weise für die sichere Balkenauflage gesorgt werden. Die Mauern im Fundamente müssen aber jedenfalls um 15 zm stärker als jene im Erdgeschosse gehalten werden. Bei Umbauten alter Häuser, insbesondere bei Stockaufsetzungen, wo man Dippelböden oder analoge ein 15 zm breites Auflager, erfordernde Deckenconstruktionen anwenden müßte und nicht in der Lage wäre, die oben vorgeschriebenen 15 zm Absätze herzustellen, ist es gestattet, in den Stockwerken, deren Mauern noch gehörig belastet sind, bei blos 8 zm Mauerverstärkung das 15 zm Auflager durch eine um 8 zm über der Mauerflucht vorspringende, hinreichend feste Construktion aus vorgeschobenen Ziegelschaaren, oder in anderer stabiler Weise zu bilden. Damit dieses Auskunftsmittel zulässig sei, müssen die Mauern für einseitige Ausladung wenigstens 1 Ziegellänge, für beiderseitige Gesimsvorsprünge wenigstens 1½ Ziegellänge zur Stärke haben, und in jedem Falle durch eine darauf stehende Mauer hinreichend belastet sein. c) Ueber die Abweichungen von diesen Maßen ( a und b ) durch Anwendung von anderen als den bisher üblichen Construktionen, oder durch Verwendung von Ziegeln von kleineren als den bisher vorgeschriebenen Dimensionen entscheidet die Behörde. Die nach Ansdehnung und Structur des Baues erforderliche Mauerstärke ist in den Bauentwürfen in Antrag zu bringen, in den Plänen zu cotiren und bei dem amtlichen Bauaugenscheine (§ 16) streng zu prüfen. d) Zwischenpfeiter, welche, falls sie aus Ziegeln hergestellt würden, die gehörige Widerstandsfähigkeit nicht besäßen, müssen von Stein oder Eisen hergestellt werden, und sind im Bauplane ersichtlich zu machen. e) Die Mittelmauern haben eine Stärke zu erhalten, daß, unbeschadet ihrer Stabilität, den im ersten Satze des § 40 enthaltenen Bestimmungen vollkommen Genüge geleistet werde. Zwischen den beiderseitigen Balkenauflagern auf den Mittel- mauern muß ein Zwischenraum von wenigstens einer Ziegellänge sein. Da Dippelböden auch auf den Mittelmauern nicht eingemauert werden dürfen, so ist auf die Bildung des 15 zm Auflagers nach Absatz b) die gehörige Rücksicht zu nehmen, oder es müßten die Mittelmauern in jedem Stockwerke entsprechend ver- stärkt werden. Bauordnung für Berlin. f) Jedes Haus muß auf eigenem Grunde durch eine hinreichend starke Feuer- mauer vom Nachbarhause getrennt sein. Dieselbe muß 24 zm über die Dachfläche des hauses erhöht, und von oben nicht unter 30 zm stark sein, nach unten aber sich so verstärken, daß sie an und für sich ohne Rücksicht auf die Nachbarmauern die nöthige Stabilität besitzt. Bauordnung für Oesterreich unter der Enns lautet: § 47. Jedes neu zu erbauende Haus muß seine eigenen selbständigen, hin- reichend starken Umfassungsmauern besitzen. Bei dem Baue von Häusern mit Stockwerken muß die Dicke der Hauptmauer im obersten Stockwerke, falls die Zimmertiefe in diesem Stockwerke 6 m nicht über- schreitet, wenigstens 45 zm , falls aber die Zimmertiefe in diesem Stockwerke 6 m überschreitet, eine Dicke von 60 zm betragen. Uebrigens hat bei Bruchsteinbauten die competente Behörde nach der örtlichen Beschaffenheit des Materials eine etwaige stärkere Mauerdicke zu bestimmen. Die Mauerstärken der unteren Stockwerke sind abhängig von der Beschaffenheit des Materiales, von der Belastung der Mauern, der Höhe der Stockwerke und von der Construktion der Decken. Die Fundamentmauern sind in jedem Falle um 15 zm stärker als die Mauern zu ebener Erde anzulegen. Die nach der Ausdehnung und Structur des Baues erforderliche Mauerstärke ist in den Bauentwürfen in Antrag zu bringen, zu cotiren und bei dem amtlichen Bauaugenscheine streng zu prüfen. Bei Dippelböden muß zwischen den beiderseitigen Auflagern auf den Mittel- mauern ein Zwischenraum von wenigstens 30 zm sein. Abtheilungsmauern im Innern des Gebäudes, wenn sie nicht die Fortsetzung der Mauer des unteren Geschosses bilden, dürfen nur bei Anwendung solcher Con- struktionen, welche genügende Sicherheit gewähren, auf Dippelbäume aufgesetzt werden. B. Die Bauordnung für Berlin enthält: § 52. Umfassungswände höherer Gebäude . Ueber 10,0 m hohe Um- fassungswände müssen wenigstens bis zum Fußboden des obersten Stockwerkes massiv aufgeführt werden. Die Umfassungswände des Dachraumes und diejenigen des darunter liegenden Stockwerkes, mit Ausnahme der Wände an den Treppen, sind in massiv verblendetem Fachwerk zulässig. Geneigte Dachwände dürsen weder ausgemauert, noch massiv verblendet werden. § 53. Innere Wände . Die inneren Wände, welche Balkenlagen tragen, müssen bei Gebäuden von über 10,0 m Fronthöhe in unverbrennlichem Material aus- geführt werden. § 54. Anwendung von Holzwerk in Wänden ꝛc. In massiv auszu- führenden Wänden müssen alle Oeffnungen mit unverbrennlichem Material überdeckt sein. Hölzerne Träger und Stiele zur Unterstützung von Balkenlagen sind in Ge- bäuden von über 10,0 m Fronthöhe nur zulässig, wenn über denselben keine Wohn- räume liegen. In Theatern oder in Gebäuden, in welchen eine größere Anzahl von Erstes Kapitel. Der Verputz der Mauern und Decken. Menschen sich zu versammeln pflegen, für Speicher, Fabrikgebäude und solche, in denen feuergefährliche Gewerbe betrieben werden, können alle nicht massiven Wände, sowie Träger und Stiele von Holz ohne Unterschied der Höhe dieser Gebäude nach der Bestimmung des Polizei-Präsidiums überhaupt ausgeschlossen werden. § 60. Brandmauern . In ausgedehnten Gebäuden, in welchen leicht brenn- bare Stoffe gelagert oder verarbeitet werden, sind in Entfernungen von höchstens 50 m bis über die Dachfläche hinausgehende Brandmauern erforderlich. Ausnahmen sind nach der Bestimmung des Polizei-Präsidiums zulässig, wenn die Feuersicherheit durch andere Mittel ausreichend gewahrt wird. Brandmauern müssen durchweg in unverbrennlichem Material, mindestens 1 Stein stark, ausgeführt werden, es darf kein Holzwerk in denselben liegen und sie dürfen Oeffnungen nur dann haben, wenn diese mit doppelten eisernen Thüren verschließbar sind. § 65. Alle Gebäude müssen binnen Jahresfrist nach der zweiten Abnahme in den geputzten äußeren Flächen mit einem das Blenden verhütenden Anstrich ver- sehen werden. F. Der Verputz der Mauern und Decken . Um einerseits das Innere eines Gebäudes wohnlich zu machen, andererseits das äußere Mauerwerk vor Nässe zu schützen und zu decoriren, werden sowohl die äußeren, als auch die inneren Wand- flächen mit einem Kalkbewurf versehen. Nur dort, wo das Ziegelmaterial in ausgezeichneter Güte vor- kommt, oder man sich nur der Werksteine für die äußeren Mauern bedient, fällt der Verputz an den äußeren Wänden ganz fort und bleiben die Fa ç aden im sogenannten „Ziegelrohbau“ resp. „Schnitt- steinbau“ stehen. Der Ziegelrohbau gelangte bis jetzt eigentlich nur in Nord- deutschland zur Entwickelung und hat sich dort selbst bei Bauten, die bereits aus dem Mittelalter stammen, wie z. B. in Lübeck, Danzig, Stettin, Brandenburg, Chorin, Braunschweig u. s. w., sehr gut be- währt; in Mittel- und Norddeutschland (Hamburg, Berlin u. s. w), sowie in ganz Oesterreich hingegen, ist der Putzbau vorherrschend, und wird der Werkstein entweder gar nicht, oder blos für einzelne Architekturtheile (Hauptgesimse, Ecken der Fensterverdachungen, Sohl- und Brüstungsgesimsen, Säulen) verwendet. Den Werk - resp. Steinbau trifft man vornehmlich in Mittel- und Süddeutschland in der Nähe der Sandsteinbrüche an. In Mitteldeutschland, beson- ders Hessen, und im Rheinlande werden die äußeren Wände vielfach ausschließlich von Bruchsteinen hergestellt und dann äußerlich geputzt. Der Verputz der Mauern und Decken. Also der äußere Putz kann unter Umständen fortbleiben, der innere Bewurf ist aber unbedingt erforderlich, weil sonst die nackten Wände ein unfreundliches Ansehen habe und die Localitäten ganz unwohnlich sein würden. Eine Mauer darf nicht eher geputzt werden, bis sie sich vollständig gesetzt hat und ausgetrocknet ist. Im Aeußeren, wo der Putz der Einwirkung der Witterung ausgesetzt steht, muß der Kalk von bester Qualität sein; besonders gilt dieses von der Wetterseite und von allen Gebäuden, welche eine hohe Lage haben und dem Schlagregen aus- gesetzt sind. Solche Mauertheile, die vermöge ihrer Lage niemals ganz trocken werden können, erhalten am besten einen Cementbewurf. Zur Anfertigung des Kalkputzes eignen sich die wärmeren Jahres- zeiten am besten, damit der Bewurf so schnell als möglich trocknet; nur zum Cementmörtelputz wählt man die kühlen Jahres- und Tages- zeiten. Im Innern der Gebäude ist man weniger mit den Putz- arbeiten an die Jahreszeit gebunden; selbstverständlich dürfen diese aber bei Frostwetter nicht stattfinden, auch dann nicht, wenn die Räume geheizt werden. Damit der Putz auf der Mauer genügend hafte, bleiben die Fugen während des Mauerns nach außen hin 1—2 zm frei; in diese Vertiefungen dringt der Anwurf hinein. Bei altem Mauerwerk müssen daher sämmtliche Kalkfugen sorgfältig ausgekratzt werden. Die Erfahrung lehrt, daß Ziegel, die einmal Kalk angezogen haben, es zum zweiten Male nur schwer thun; soll daher der schad- hafte Putz auf einer Mauer erneuert werden, so muß sie zuvor mit einem trockenen Ziegel abgerieben werden. Der Putz darf nicht stark auf die Mauer kommen, sonst fällt er ab, 3 zm ist die größte Stärke. Da der Putz die Unebenheiten des Mauerwerks ausgleichen soll, er aber nur 2 zm stark aufgetragen wird, ist es von Wichtigkeit, die Mauer vom Anfange an im Lothe und ohne Einbiegungen und Buckel auszuführen. Bevor das Putzen beginnt, muß der Arbeiter, um das Haften des Putzes zu ermöglichen, die Mauer mit einem Besen, vornehmlich in den Fugen, sorgfältig vom Staube reinigen; sodann wird die Mauer mit dem Maurerpinsel angenäßt und demnächst der Mörtel mittelst der Kelle stark an die Wand geworfen. Bei glatt zu putzenden Wänden putzt man zuerstin steigender Richtung der Mauer einige 12—16 zm breite Streifen, die sämmtlich genau in einer und derselben Ebene liegen müssen; zu diesem Erstes Kapitel. Behufe werden zuvörderst die äußeren Streifen nach dem Lothe genau aufgetragen, alsdann mit dem Richtscheit die dazwischen liegenden gerichtet und die Zwischenfelder beworfen und mittelst des Richt- scheits abgeglichen. Hiernach ebnet der Maurer mit dem kleinen Reibe- brette alles sauber und bespritzt gleichzeitig diejenigen Strecken, die zu stark getrocknet waren, immer wieder mit dem Maurerpinsel (den er mit der linken Hand regiert), um sie mit dem Reibebrette nochmals überreiben zu können. Die Putzflächen, welche sehr sauber sein sollen, werden nachträglich nochmals „ gefilzt “, d. h. mittelst Reibebrettern, welche mit Filz be- nagelt sind, sorgfältig nachgeputzt. Zu dem letzteren Anwurf dieses Filzputzes nimmt der Maurer am liebsten sehr feinen Sand und einen Gypszusatz, etwa so viel wie zu dem Deckenputz. Der Filzputz wird neuerdings vielfach ausgeführt. Bei untergeordneten Räumen, z. B. Dachböden, Dachkammern, Schornsteinwandungen im Dachraume, sowie in landwirthschaftlichen Gebäuden aller Art, begnügt man sich damit, den Kalkanwurf bloß mit der Kelle glatt zu streichen und nicht weiter mit dem Reibebrette zu ebenen; dieses Verfahren heißt: berappen oder verbrähmen . Die Wände erhalten hierdurch eine rauhe Oberfläche und eignen sich daher nicht für Wohn- und bessere Räume. Der Fa ç adenputz besteht häufig aus einem etwa 2—3 zm starken Rappputz, der sogleich nach dem Auftragen des Mörtels mit einem stumpfen Besen gleichmäßig betupft wird; es entstehen dadurch kleine Vertiefungen, welche das Ansehen haben, als wären sie durch starkes Anspritzen mit Wasser entstanden, woher man diese Art des Putzes auch Spritzwerk oder Spritzputz nennt. Falls vorspringende Bossen und Quaderungen herzustellen sind, so ist es nothwendig, zuvor die Vertiefungen im rauhen Mauerwerk auszusparen und zwar soweit, daß der Putz allenthalben nur unge- fähr 2—3 zm aufgetragen zu werden braucht. Die Art eines solchen Putzes geben die Figuren 192 A—C zu erkennen. Um hierbei die Nuthen genau und scharf, parallel und lothrecht anbringen zu können, befestigt man an den Grenzen derselben zwei Putzlatten 11 (Fig. 192 D ) von 2—3 zm Dicke und 5—6 zm Breite, an welchen eine, aus Eisen- blech gefeilte und an einem hölzernen Schlitten befestigte, Schablone hin und her gezogen wird; der Maurer wirft so lange Mörtel (der an Feinheit zunimmt) in die Vertiefung, bis das Profil sauber Der Verputz der Mauern und Decken. hervortritt. Sodann werden die Felder zwischen den Nuthen verputzt. Fig. 192 A—D. Selbstverständlich beginnt die Putzarbeit am obersten Saume der Wand. Bruchsteinmauern können nur dann einen Verputz erhalten, wenn die Steine, aus denen erstere bestehen, sich mit dem Mörtel genügend verbinden, so daß der Putz an ihnen haften bleibt; ist dieses nicht der Fall, dürfte nur das Ausfugen anzurathen sein, wobei aber der Maurer sich hüten muß, daß die Mörtelmasse nicht auf den Steinen sitzen bleibt. Denn dieselbe löst sich leicht ab und reißt den Fugenmörtel gleichfalls heraus. Daher ist es gut, den ringsum anklebenden Mörtel bei Zeiten, d. h. so lange er nicht erhärtet, mit der Kelle zu entfernen. Zur Ausfugung bedient man sich des frisch angemachten Cementmörtels, weil der Kalkmörtel nur mangelhaft festhaftet. Das Putzen der Lehmwände hat viel Schwierigkeit, wenn man dieselben mit einem Anwurfe von Kalkmörtel bewerfen will, da erfah- rungsmäßig Lehm und Kalk keine Verbindung mit einander eingehen. Am meisten zu empfehlen wäre, die Lehmwände nur mit Lehmmörtel (in Wasser verdünnter Lehm) dünn zu bewerfen und glatt zu reiben. Zu diesem Behufe wird eine in Lehm- (egyptischen Ziegeln) oder Luft- Wanderley, Bauconstr. II. 14 Erstes Kapitel. ziegeln aufgeführte Mauer mit vollen Fugen gemauert, man benäßt demnächst die Fronten und bereibt sie so lange, bis Fugen und Luftsteine in der Art miteinander verbunden sind, daß eine ebene Fläche entsteht. Fachwände sollte man nur im Innern mit Einschluß des Holzes putzen; im Aeußeren vermag auch die sorgfältigste Ausführung den Putz vor dem Verderben nicht hinreichend zu schützen. Das Putzen der äußeren Fachwerks- (Riegel-) Wände beschränkt sich daher nur auf die Ziegelfelder zwischen dem Holzwerk; letzteres wird am besten mit guter Oelfarbe mehrere Male gestrichen. Um jedoch auch im Innern des Gebäudes auf das Holzwerk der Riegelwände einen Putz bringen zu können, muß dieses zum Festhalten des Putzes empfänglich gemacht werden, was auf mehrere Arten geschehen kann: Das einfachste Ver- fahren besteht darin, daß man das Holzwerk mit der Kreuzaxt „ aufpickt “, wodurch in Entfernungen von etwa 3 zm viele schuppen- artige Splitter entstehen, an denen der Anwurf allerdings nur sehr unvollkommen haftet. Etwas besser ist das „ Benageln “; zu diesem Zwecke werden hölzerne Nägel in Entfernungen von 3 zm von einander in der Art in das Holz geschlagen, daß ihre oberen, stärkeren Enden etwa 1,2 zm hervorragen; an die so „ bezweckte “ Holzoberfläche wird dann der Mörtel geworfen. Die vorzüglichste Haftung jedoch giebt die „ Berohrung .“ Man kann das Rohr sowohl in der Länge, als auch in der Quere der Bau- hölzer anbringen; am besten ist es, die Rohrhalme normal zu den Langfasern des Holzes, also in der Quere zu befestigen, weil dann das Rohr unverändert bleibt, wenn das Holzwerk zusammentrocknet. Das Rohr wird in der Halmbreite nebeneinander gelegt und zwar mit Abwechselung der Spitzen- und Stammenden; hierauf befestigt man mit breitköpfigen „Rohrnägeln“ den ausgeglühten Eisendraht im Zickzack (siehe Fig. 211 im 1. Bande dieses Werkes). Verschalte Decken werden in gleicher Weise berohrt; dabei kommen die Drahtzüge über das Rohr 10—15 zm , und die Rohrnägel 10 zm auseinander. Da auch in der besten Schalung die Bretter sich stets werfen, so ist eine doppelte Berohrung am besten, wobei die zweite Lage quer über die erste gelegt und jede besonders mit Draht besponnen und benagelt wird. Zum Rohrputz, sowohl an den Wän- den, als auch an den Decken, nimmt man guten Kalkmörtel mit etwas Gipszusatz. Der Verputz der Mauern und Decken. Ein guter Putz besteht aus zwei, auch wohl aus drei Lagen; die erste Lage kommt unmittelbar auf die Mauerfläche, nachdem vor- her die Fugen gereinigt und die Mauer angenäßt wurde, damit der Anwurf um so besser hafte. Zu dieser ersten Lage nimmt man Mörtel von altem gelöschten Kalke, der tüchtig verrührt wird und ein wenig fetter ist, d. h. mehr Kalk enthält, als der Mörtel zu dem gewöhn- lichen Mauerwerk. Der Kalk zum Putze muß mindestens 3 Monate, besser 6—9 Monate, im Voraus sorgfältig gelöscht sein, damit alle Kalkstücke sich gut „aufschließen“. Man wirft die erste Mörtellage kräftig gegen die Mauer und bestreicht sie nur mit der Kelle, damit die Oberfläche rauh bleibe. Ist dieser rauhe Bewurf trocken, so trägt man die zweite Lage auf. Hierzu muß der Mörtel magerer sein, als der zu dem vorigen Bewurfe gemachte, d. h. er enthält mehr Sand. Diese zweite Lage reibt der Maurer mit dem Reibebrett ganz eben, wonach der Putz als fertig angesehen werden kann. Bei Herstellung eines glatten und schönen Anwurfs überzieht man die zweite Lage nochmals mit einem feinen Mörtel, der abermals abgerieben wird. Im Innern der Gebäude bekommt der Mörtel zum feinen Wandputz Gipszusatz. Einen sehr dauerhaften Putz, der sogar 6—10 zm auf getragen werden kann, giebt eine Vermischung von 1 Theil geschlemm- ten Sandes und 2 Theilen Gips, mit etwas Kalk. Ausführliches über den Putz siehe in „Breymann, Mauerconstruktion“ und „Menzel-Schwatlo, der praktische Maurer“. Zweites Kapitel . Die deckenden Construktionstheile. Die Ueberdeckung großer und kleiner Mauer-Oeffnungen und Räume geschieht am zweckmäßigsten mittelst Gewölben. Das einfachste und kürzeste Gewölbe ist der Bogen . A. Die Bögen dienen entweder zur Ueberdeckung der Maueröffnungen, oder als Widerlager für größere Gewölbe; sie haben die Aufgabe, die Last auf zwei Stützpunkte zu übertragen und zwar in der Weise, daß das 14* Zweites Kapitel. Die Bögen. Material nicht relativ (d. h. nicht auf Durchbiegung), sondern rück- wirkend (d. h. auf Druck) beansprucht wird. Dies kann nur geschehen, wenn der Bogen aus keiligen Steinen besteht, deren Auflagsflächen nach dem Centrum des Bogens gerichtet sind; dann wird die Last sich gleichmäßig nach beiden Seiten hin von einem Steine zum anderen bis auf das volle Mauerwerk fortpflanzen. Fig. 931. In Fig. 193 machen die eingezeichneten Pfeile die Fortpflanzung der Drucke im Bogen ersichtlich. 1) Die Bogenformen . Die Bögen können jede beliebige krumme Biegung erhalten; am häufigsten trifft man den Halbkreis ( voller Bogen oder Zirkel- bogen ) an, da dieser, wegen der radialen Lage der Fugen, sich am besten herstellen läßt. Alsdann kommen die flachen Kreisabschnitte vor, nämlich die hohen und flachen (Fig. 194 A—B ) Segment-, Stich - oder Romanatbögen . Der Halbkreis schließt sich an die Fig. 194 A—C. vertikale Begrenzungslinie stetig an; die Stelle, wo beide sich berühren (bei k ) heißt „ Widerlagspunkt “ oder „ Kämpferpunkt “ und die Die Bogenformen. unterste Auflagsfläche des Bogens ist das „Widerlager“, welches bei Halbkreisen und allen sich stetig anschließenden Bögen (wie Korb- bogen, Ellipsen, Spitzbogen) horizontal liegt. Bei den Segmentbögen hingegen hat das Widerlager eine geneigte Lage, die aber immer nach dem Mittelpunkt des Hauptbogens gerichtet ist. Während die Höhe des Halbkreises gleich der halben Spannweite mißt, ist bei allen Segmentbogen die ganze Länge der Spannweite ( s ) immer ein Viel- faches von der sogenannten „Pfeilhöhe“ p. Meistens wählt man ein Verhältniß von s : p = 3 : 1 oder 5 : 1, aber auch 8 : 1 bis 12 : 1. Sehr flache Segmentbögen, welche sich fast der geraden Linie nähern, heißen „ scheitrechte “ oder „ scheitelrechte Bögen “ (Fig. 195); selbstverständlich können diese nicht ganz horizontal sein, Fig. 195. sondern sie erhalten eine geringe „Stechung“ (Anhöhung) nach der Mitte hin, welche aber so gering ist, daß sie beim Verputzen vollständig ver- schwindet und dann die Ueberdeckung horizontal erscheint. Außer diesen Bogenformen giebt es noch gedrückte und über- höhte Bögen, welche sich der vertikalen Wand stetig an- schließen , also mit dieser tangiren. a) Construktion der Bogenlinien . Man unterscheidet zwe verschiedene Bogenarten, nämlich: erstens , Bögen, welche aus mehreren Kreisstücken zusammengesetzt sind und zweitens : Bögen, welche aus Brennpunkten construirt werden. Zur ersteren Gattung gehören die Spitzbögen, Korbbögen, Ovalen und Eilinien . Der Spitzbogen oder altdeutsche Bogen kennzeichnet sich von allen anderen darin, daß an seiner höchsten Stelle eine „ Spitze “ vorhanden ist, welche ihm den Namen giebt. Bei der Construktion unterscheidet man die verschiedenen Stylperioden; in der Entwickelungs- Zweites Kapitel. Die Bögen. periode der gothischen Bauweise kommen meist gedrücktere Verhältnisse vor und in der Blüthezeit sind die in Fig. 196 u. 197 gezeichneten Verhält- nisse vorwiegend; in Fig. 196 wird die Spannweite in vier gleiche Theile zerlegt, von denen drei Theile aus den Mittelpunkten o und p als Radien dienen; in Fig. 197 gilt die ganze Spannweite o p als Radiumlänge, so daß man mit derselben ein gleichseitiges Dreieck bilden Fig. 196. Fig. 197. kann. Die Meister der Spätgothik liebten es, die Bögen recht schlank zu machen. wodurch die „lanzettförmigen“ Spitzbögen (Fig. 198) entstanden. Fig. 198. Ganz unconstruktiv sind die in der „ englischen Gothik “ oder in dem „ Tudorstyl “ üblichen Spitzbogenarten, nämlich die „ Tu- dorbögen “ (Fig. 199 A ). Dieselben haben eine gedrückte Form und Construktion der Bogenlinien. werden nach den in der Figur angegebenen Buchstaben construirt. In statischer (und in stylischer) Hinsicht gehören auch die „geschweiften Fig. 199 A — B. Spitzbögen“ oder „Eselsrücken“ der Spätgothik, wie solche in Nürnberg häufig sind, zu den denkbar schlechtesten Bogenformen (siehe Fig. 199 B ). Der Korbbögen bedient man sich nur bei gedrückten Gurten mit einer Pfeilhöhe von ⅓—⅛ der Spannweite; die Ovale kommt sowohl bei gedrückten, als auch überhöhten Bogen vor, und zwar dient im ersten Falle die kleine Axe als Basis und die halbe große Axe als Pfeilhöhe; die Eilinie endlich verwendet man nur bei stark überhöhten Bögen, und zwar die kleine Axe in der Basis, die große Axe, von der kleinen Axe bis zur Eispitze, als Pfeilhöhe. Das Zeichnen der Ovalen und der Eilinien . Die Eilinien und Ovalen sind krumme, in sich selbst zurückkehrende, aus einer be- stimmten Anzahl Kreisstücke bestehende, Linien. Eine Ovale entsteht, wenn die senkrecht stehenden Hauptaxen die Figur in vier ganz gleiche Theile zerlegen, hingegen wird die Eilinie Fig. 200. Fig. 201. gebildet, wenn die durch die kleine Axe getrennten Hälften ver- schieden sind. Zweites Kapitel. Die Bögen. Fig. 200. Eine Ovale zu zeichnen, wenn die Hauptaxe a b gegeben ist. 1. Aufl . Theile die Gerade a b in drei gleiche Theile, beschreibe mit der Zirkelöffnung a 1 aus den Punkten 1 und 2 Kreise, welche sich in d und c kreuzen, verbinde dann d mit 1 und 2, ebenfalls c mit 1 und 2, verlängere diese Linien bis e und ziehe schließlich mit c e aus c und d Kreisbögen, so entsteht die Ovale . Fig. 201. 2. Aufl . Theile die Gerade a b in 4 Theile, ziehe mit der Zirkel- öffnung a 1 aus den Punkten 1 und 3 Kreise, errichte in 2 eine Senk- rechte, verbinde die Punkte 1 und 3 mit c und verlängere dann diese Linie bis zu e und d , so sind 1 und 3 Mittelpunkte zu den kleinen Kreisen, und d Mittelpunkte zu den großen Kreisbögen, welche die Ovale bilden. Fig. 202 A und B geben die Construktion von zwei verschiedenen Qvalen , bei welchen die kleine Axe a b zur großen c c sich wie 3 : 4 verhält. Man theile die kleine Axe in 6 und die große in 8 gleiche Theile, verbinde in Fig. 202 A die Punkte 1 und 5 auf der kleinen Axe mit dem Punkte 2 auf der großen Axe und beschreibe aus den letzteren Punkten Kreisbögen, wie in der Figur zu ersehen ist. Bei Fig. 202 B werden 1 und 5 auf der kleinen Axe mit 5 auf der großen Axe zu Mittelpunkten angenommen, so ist bei Fig. 202 A das Ende der Ovale spitzer, als dasjenige bei Fig. 202 B. Fig. 202. Fig. 203. Fig. 203. Construktion einer Eilinie; die kleine Axe a b sei gegeben. Aufl . Man halbire die Gerade a b in d und mache einen Kreis, ziehe die große Axe, verbinde a und b mit c , verlängere diese Ver- bindungslinien bis e , beschreibe aus a und b mit der Zirkelöffnung Construktion der Korbbögen. a b die Kreisbögen b e und a e' und zeichne schließlich mit e c den Bogen e e' , dann ist e'bfae die gewünschte Eilinie. Der Korbbogen ist eine aus mehreren Kreisbögen zusammen- gesetzte gedrückte Bogenlinie. Er wird aus 3, 5, 7, 9 oder 11 Mittel- punkten construirt. Die große Axe heißt die Spannweite , und die halbe kleine Axe die Pfeilhöhe des Bogens, und in der Regel sind beide Hauptmaße gegeben. Im Nachstehenden sollen nur die wichtigsten Construktionen gezeigt werden. Fig. 204. Einen Korbbogen aus 3 Mittelpunkten zu zeichnen, wenn die Spannweite gegeben ist. Aufl . Die Spannweite a b theile man in drei gleiche Theile, halbire a b in d , errichte hierauf eine Senkrechte und mache c d = ed = ⅓ a b. Dann theile man a b in IV Theile, verbinde e mit I und III , Fig. 204. Fig. 205. verlängere diese Verbindungslinie bis g , so werden die kleinen Bögen a g aus den Punkten I und III , und der Bogen g e g aus c be- schrieben. Fig. 205. Einen Korbbogen aus 3 Mittelpunkten zu construiren, wenn Spannweite und Pfeilhöhe gegeben sind. Aufl . Die gegebene Spannweite a b werde in c halbirt, hierauf eine senkrechte (gleich der Pfeilhöhe) d c errichtet und von d aus eine Parallele d g mit a b , und in a eine Senkrechte a g gezogen. Dann beschreibe man aus gmit der Zirkelöffnung g a einen Kreisbogen a i , trage i d nach g h , verbinde h mit d , bringe den Winkel g d h an a i , so daß h d in k geschnitten werde, halbire k a in l und errichte hierauf die Senkrechte m m , welche a b in f schneidet. Schließlich wird k mit f verbunden und bis c verlängert, wodurch dann die Bögen a k aus f und k d aus e construirt werden. Zweites Kapitel. Die Bögen. Fig. 206. Einen Korbbogen aus neun Mittelpunkten zu zeichnen, wenn die Spannweite a b gegeben ist. Aufl . Die Gerade A B werde in o halbirt, hierauf eine Senk- rechte gefällt. Dann theile man ½ A B in dreizehn gleiche Theile und bringe auf die Senkrechte abwärts IV Theile, je vier einzelne kleinere Theile groß, also im Ganzen 16 kleine Theile. Verbinde dann die Fig. 206. Fig. 207. Fig. 208. Punkte I mit 10, II mit 9, III mit 7 und IV mit 4, verlängere die Verbindungslinien und beschreibe schließlich aus den Punkten 10, c , b , a und IV ꝛc. Kreisbögen, so entsteht der gewünschte Korbbogen. Fig. 207. Korbbogen aus 7 Punkten . Man mache A F' und B F je = der Pfeilhöhe C O , theile F F' in fünf gleiche Theile, beschreibe aus O mit O 2 den Halbkreis, wodurch E bestimmt wird, verbinde E mit 2, halbire E 2 und G , verbinde 3 mit G und ver- Construktion der Ellipse. längere G 3 über G hinaus, halbire G E in H , verbinde 4 mit H und verlängere H 4 bis J. Nun beschreibe man aus 2 mit dem Radius A 2 den Bogen A L , aus G mit G L den Bogen L M , aus J mit J M den Bogen M N und aus K mit K N den Bogen N N 1 u. s. w. Fig. 208. Korbbogen aus 11 Punkten . Man theile die große Axe in 43 gleiche Theile, mache M a = 5/43, a b = 4/43, b c = 3/43, c d = 2/43 und d I = 1/43; ferner M n = n p = r q = g r = r s = 9/43; man verbinde n mit I , d mit p , c mit q , b mit r , a mit s , so entstehen die Mittelpunkte I , II , III , IV , V u. s. w.; ebenso findet man I' , II' , III' , IV' , V' u. s. w. Beschreibt man nun I mit A I den Bogen A N , aus II mit P II den Bogen N P , aus III mit Q III den Bogen P Q u. s. w., sö erhält man den Korbbogen. Die Construktion der Ellipse . Eine Ellipse entsteht, wenn ein gerader kreisförmiger Cylinder in geneigter Richtung zur Basis, also schräge, durchschnitten wird. Je nach der Lage der Schnittebene wird das Verhältniß der großen Axe zur kleinen ein größeres oder kleineres sein. Die Ellipse unterscheidet sich von der Ovale und dem Korbbogen darin, daß sie nicht, wie diese, aus einzelnen Kreisbögen, welche aus zu bestimmenden Mittelpunkten zu beschreiben sind, sondern aus vielen einzelnen Punkten besteht, die in einer fortlaufenden Kurve vereinigt werden. Außerdem hat die Ellipse noch eine besondere Eigenschaft; nimmt man z. B. irgend einen Punkt in ihrer Peripherie an, so ist die Summe der zwei Strahlen, welche nach zwei auf der großen Axe in gleicher Entfernung von einander liegenden Punkten führen, stets gleich der Größe der ganzen Axe. Die beiden Punkte auf der großen Axe heißen „Brennpunkte“ . Hierauf beruht die nachfolgende Con- struktion. Fig. 209. Construktion einer Ellipse, wenn die große Axe A B und die kleine C D gegeben sind. Aufl . Zuerst müssen die Brennpunkte bestimmt werden; dies geschieht, indem man mit der halben großen Axe, also mit A m aus dem Endpunkte D der kleinen Axe einen Kreisbogen beschreibt, wel- cher die große Axe in x und y schneidet, dann sind diese die Brenn- Zweites Kapitel. Die Bögen. punkte. Ferner theile man m y und m x in beliebige Theile von ver- schiedener Größe, z. B. 1 bis 5 und 1 a bis 5 a ; alsdann beschreibe Fig. 209. man mit der Zirkelöffnung 1 B aus dem Brennpunkte y einen Kreis- bogen, und einen andern mit 1 A aus x , so daß die Schneidungs- punkte I und I Punkte für den Umfang der Ellipse ergeben. In der- selben Weise wird man mit den Zirkelöffnungen 2 B aus y und 2 A aus x , dann mit 3 B aus y und 3 A aus x ꝛc. fortgefahren, wodurch die Punkte I , II , III , IV und V entstehen, welche mit A , C , B und D vereinigt, die Ellipse darstellen. Fig. 210. Construktion der Ellipse ohne Brennpunkte (nach der sogenannten Gärtner-Ellipse). Aufl . C D sei die kleine Axe und A B die große Axe, welche sich in E schneiden. Man beschreibe mit A E aus E einen Kreis, ebenso mit C E , ziehe eine beliebige Anzahl Durchmesser, welche den innern Kreis in I und II ꝛc., und den äußern in 1 und 2 ꝛc. kreuzen, zeichne aus 1 und 2 ꝛc. Parallelen mit C D , und aus I und II ꝛc. Parallelen mit A B in der Weise, daß die Durchschneidungspunkte d entstehen, verbinde alsdann die Punkte A d d C d d B d d D d d A mit einander, aus freier Hand oder mittels des Kurvenlineals, so erhält man eben- falls eine Ellipse. Außer diesen beiden Construktionen kommt noch die Ellipse nach der Vergatterung vor. Dieselbe wird am häufigsten im Hochbau angewendet und beson- ders bei der Ausmittelung der Schild- resp. Diagonal-Bögen von Kreuz- und Klostergewölben. Wenn beispielsweise ein unregelmäßig gestalteter Raum mit ver- schieden langen Seiten Maueröffnungen von ungleicher Breite, aber Construktion der Ellipsen. gleicher Höhe erhalten soll, so legt man die mittlere Bogenweite zu Grunde und ordnet über dieser einen Halbkreis an. Um die anderen Bögen, welche theils gedrückt, theils überhöht sein werden, zu erlangen, Fig. 210. Fig. 211. wird der Radius des Halbkreises in beliebige, gleich große Theile zerlegt (z. B. wie in Fig. 211 mit e geschehen ist), hierauf errichtet man Lothe bis zur Halbkreisperipherie, z. B. a a' , b b' , c c' , d d'; sodann theile man die halben Spannweiten der übrigen Bogen- öffnungen B C D ebenfalls in je 4 gleiche Theile und errichte dann die Lothe a a' , b b' , c c' , d d' , welche denen des Halbkreises A gleich sind. B , C , D werden dann Ellipsen sein, welche dem Halbkreise A vollständig entsprechen. Eine mit Bleistift gezeichnete Ellipse wird am schnellsten mittelst der Feder aus freier Hand ausgezogen, was jedoch selbst geübten Zeichnern nicht immer so gelingt, daß die Linie der Gleichheit und Reinheit der geraden Linien gleichkommt. Zwar benutzen viele Tech- niker das Kurvenlineal, jedoch auch dieses erfordert eine geschickte Handhabung und Geduld. Wir geben daher in Fig. 212 eine An- ordnung, Ellipsen auch mit der Reißfeder und dem Zirkel aus- zuziehen. In Fig. 212 sei A C B D eine in Blei gezeichnete Ellipse. Man theile den Quadranten A C in zwei oder mehrere Theile, hier in drei, und ziehe die Sehnen C m , m p , A p; nun halbire man C m in n und lege durch den Halbirungspunkt n auf C m eine Normale, bis die Ver- längerung der C m in o geschnitten wird, so ist o der Mittelpunkt für den Bogen m C m'; halbirt man auch die Sehne m p in q und führt auf m p eine Normale, bis die erstere, d. h. n o in r geschnitten Zweites Kapitel. Die Bögen. ist, so giebt r den Mittelpunkt für den Bogen m p; ebenso erhält man den Mittelpunkt für den Bogen A p u. s. w. Fig. 212. Sind statt der Ellipse nur ihre Punkte bestimmt, dann verbinde man sie durch Gerade und betrachte sie als Sehnen; das Uebrige geschieht wie zuvor. Bemerken wollen wir noch, daß man allenthalben, wo man nicht durchaus Ellipsen construiren muß, stets Korbbögen oder Ovalen annimmt, die theoretisch als Ellipsen gelten. Zuweilen kommt es vor, daß die Widerlager (Kämpfer) der Bögen nicht in gleicher, sondern in verschiedenen Höhen liegen; dies kann der Fall sein, bei Treppenbögen u. s. w. Derartige Bögen heißen „ hüf- tige “ oder „ einhüftige Bögen .“ Der einhüftige Bogen kann auf zweierlei Weise construirt werden: 1. aus zwei, drei und mehr Kreisbögen und 2. aus Ellipsen. Die letzte Art eignet sich besonders für Unterwölbung der massiven Treppen innerhalb der Gebäude. Bei der Construktion können entweder nur die Spannweite und die Höhe der Hüften oder auch noch die Steigung des zu unter- stützenden Bautheiles, z. B. der Treppen, maßgebend sein. Construktion eines einhüftigen Bogens, wenn die Spannweite a b gegeben ist. Fig. 213. Construktion der einhüftigen Bögen. Aufl . Man theile die Gerade a b in drei Theile, ziehe die Senk- rechte d c im Punkte 2, mache die Senkrechte c d = 2 The le, fälle auf b eine Senkrechte e b , zeichne die Parallele f e , so ist e die Höhe der Hüfte. Alsdann beschreibe man mit der Zirkelöffnung a d aus d den Viertelkreis a c , und aus f mit f c den Viertelkreis c e , so ist a c e der einhüftige Bogen. Fig. 213. Fig. 214. Fig. 214. Einen einhüftigen Bogen zu zeichnen, wenn die Spann- weite und die Neigung des zu unterstützenden Gegenstandes gegeben sind. Aufl . Die Spannweite sei = a b , die Neigung = d e. Man errichte in a ein Loth, ebenso in b , so daß die geneigte Gerade in d und e geschnitten werde, mache d f = a b und e g = f e , Fig. 215. halbire den Winkel f d a so, daß die Halbirungslinie die Gerade a b in c schneidet, ferner ziehe die Parallele h g , halbire den Winkel f e g Zweites Kapitel. Die Bögen. so, daß die Parallele h g in h durchkreuzt werde, dann sind c und h Mittelpunkte der Kreisbögen, welche den einhüftigen Bogen bilden. Fig. 215. Einen einhüftigen Bogen zu construiren, bei welchem die Spannweite, die Steigung und der Höhenunterschied der Hüften gegeben sind; der Höhenunterschied betrage gleich der Hälfte der Spann- weite. Dieser Fall kann sehr häufig bei Treppenconstruktionen vor- kommen. Aufl . Der Scheitelpunkt f wird bestimmt, indem man f c = c a macht; dann errichte man von f auf die Gerade a b eine Senkrechte, welche a c in g schneidet, nehme den Punkt k beliebig an und beschreibe aus demselben mit f k einen Kreis, welcher die verlängerte e b in l und m , sowie die verlängerte f k g in h schneidet. Mache alsdann b p = b o und t b = b l , ferner trage man den Unterschied der Sehne n p und des Durchmessers f h von b nach v , verbinde t mit v und ziehe m r parallel t v . Schließlich wird b s = b r gemacht und k mit s ver- bunden und bis i verlängert, dann sind g , k und s Mittelpunkte der Kreisbögen a f , f i und i b , aus welchen sich der einhüftige Bogen zu- sammensetzt. Fig. 216. Fig. 216. Einen einhüftigen elliptischen Bogen zu zeichnen, wenn Spannweite, Steigung ꝛc. gegeben sind. Construktion der einhüftigen Bögen. Die Construktion dieses Bogens ist sehr zu empfehlen, da sie in allen Fällen anwendbar ist. Aufl . Die Gerade A B wird in M halbirt, alsdann in M ein Lothriß F M gemacht, auf A B wird in M eine Senkrechte errichtet, welche C D in O schneidet, und in L O = ½ A B = M A abgesteckt. Ferner wird L M in N halbirt, dann N mit F verbunden und ver- längert; mit der Zirkelöffnung N M wird aus N ein Kreisbogen be- schrieben, welcher die verlängerte N F in H durchschneidet. Dann liegt in der Richtung M H die große Axe der zu zeichnenden Ellipse. Um die Länge der halben Axe zu erhalten wird N G = N F gemacht, alsdann ist G M = M Y gleich der halben Länge der großen Axe. Auf diese Axe X Y wird eine Senkrechte errichtet und die halbe kleine Axe V M = M W = F M gemacht. Schließlich müssen die Brennpunkte gesucht und die Ellipse in der Weise construirt werden, wie Fig. 209 angiebt. Fig. 217. Es sei A B als Breite und B C als Höhe zu geben. Man halbire A B in D , errichte in D die C D ≠ A B , halbire den Winkel A M N und ziehe die Halbirungslinie, bis die A B in H ge- schnitten wird, so ist H der Einsatzpunkt für den Bogen A F G; man verbinde zuletzt G mit H und führe aus C die C J ∥ A B , so ist J der zweite Einsatzpunkt für den Bogen G C. Fig. 217. Fig. 218. Fig. 218. Die Breite A B gegeben, die Höhe C B beliebig ange- nommen. Man verlängere A B über B hinaus, so daß B C 1 = B C wird, halbire A C 1 in D , nach E D ≠ A B in D , dann ist D der Mittelpunkt für den Bogen A E; man ziehe ferner durch C die C F ∥ A B. Fig. 219. Die Weite a b; Steigung a c und Höhe a d = b c ge- geben. Theile b c in vier Theile, mache b g = ¼ von b c , ziehe Wanderley, Bauconstr. II. 15 Zweites Kapitel. Die Bögen. g f ∥ b c , halbire g f in h , beschreibe aus h mit h g einen Halbkreis, theile ihn in drei gleiche Theile, und ziehe i f l , k i m und g k n , so ist l f der Mittelpunkt für den Bogen c l , i der für l m , k der für m n und g der für den Bogen a n. Fig. 219. Fig. 220. Fig. 220. Durch Strahlen . Es seien A E , A C , A B beliebig. Theile A E in eine beliebige und die E D in eine doppelt so große Anzahl gleicher Theile; verbinde O der A E mit 1 der E D , 1 der A E mit der 2 der E D , 2 der A E mit 3 der E D u. s. w., so wird ein steigender Bogen gebildet, wie dies die Figur zeigt. Fig. 221 A B. Durch Vergatterung . A ist zweckmäßig; es wird über die Spannweite in horizontaler Richtung die Linie a e ge- Fig. 221 A—B. zogen und alsdann ein Halbkreis geschlagen, den Halbkreis theilt man in beliebig viele Lamellen ein, sodann werden die Höhen l l' nach m l'' , Die Ausführung der Bögen. k k' nach n k'' , f f' nach o f'' , g g' nach p g'' , h h' nach q h'' vertical hinaufgetragen, wodurch die Punkte des einhüftigen (elliptischen) Bogens entstehen. Bei B befindet sich der Halbkreis gerade über der ansteigenden Linie a b (der Halbkreis ist punktirt), dann zieht man zunächst in den Theilpunkten auf a b die Normalen m m' , l l' , k k' , f f' , g g' , h h' , n n'; ferner errichtet man Lothrechte in m l k f g h n , mache m m'' = m m' , l l'' = l l' , k k'' = k k' , f f'' = f f' , g g'' = g g' , h h'' = h h' und n n'' = n n' . 2. Die Ausführung der Bögen . Obgleich die Korbbögen und Ovalen den großen Vorzng besitzen, daß die Fugeneintheilung nur nach wenigen Mittelpunkten gerichtet ist und man daher, wenn die Mittelpunkte ganz nahe liegen, in ihnen eine Schnur befestigen kann, um die radiale Fugenrichtung zu erhalten, so fällt dieser Vortheil bei großen Bögen ganz fort, und wählt man für diese lieber die elliptische Form, weil letztere sich viel leichter construiren läßt. Bei geringer Spannweite, etwa bis 2,5 m , geschieht das „ Aufreißen “ der Lehrbögen mit dem Stangenzirkel, bei größeren Weiten nimmt man besser Schnüre. Das Aufreißen findet auf einem gedielten Schnur- oder Reißboden statt. Lehrbögen von mittlerer Größe fertigen die Maurer an, die größeren wer- den vom Zimmermann zusammengeschlagen Siehe die Figuren 445—451 im 1. Bande dieses Werkes. Andere Lehr- bogenconstruktionen veranschaulichen wir in Fig. 225—232 und Fig. 306. . Da die Mittel- punkte, besonders die der flachen Korbbögen, häufig so weit entfernt liegen, daß das Aufreißen der Bögen sehr umständlich wird, benutzt man meistens die Ellipsenform für die größeren Bögen und Gurte Fig. 222. im Innern des Gebäudes. Die Herstellung des hierzu erforderlichen Lehrbogens geschieht folgendermaßen (Fig. 222): G G' ist die Spann- 15* Zweites Kapitel Die Bögen. weite des Bogens resp. die große Axe der Ellipse; sodann muß man die Brennpunkte bestimmen, was dadurch geschieht, indem man mit der halben großen Axe (also mit H G ) von J aus einen Bogen schlägt, der die Linie G G' in K und K' schneidet und die Brennpunkte an- giebt. Alsdann nimmt man eine Schnur von der ganzen Länge der Spannweite G G' und befestigt ihre beiden Enden in den Brenn- punkten K K' . Beim Anspannen der Schnur beschreibt man mit einem Bleistift die Ellipse G J L G' . Der Lehrbogen selbst wird verschiedenartig construirt; bei kleiner Spannweite legt man einige Bretter nebeneinander, die von Leisten Fig. 223. zusammengehalten werden, wie die Fig. 225, 229 u. 230 veranschaulichen. Große Lehrbögen be- stehen aus mehreren Bohlenlagen, die sich gegen- seitig abspreizen (Fig. 222 u. 232). Das Brett F F' (Fig. 222) hält den Lehrbogen unten, und J H desgleichen in der Mitte. Für flache Seg- mentbögen genügt ein einziges Brett (Fig. 223), welches der Bogenweite M N und der Pfeil- höhe Q R entsprechend ausgeschnitten wird. P N ist der Radius des Stichbogens. In der Regel macht man die Länge des Radius gleich der Bogen- weite, also P N = M N , sodann beträgt der Winkel M P N = 60°, und die Pfeilhöhe Q R mißt ein ⅛ der Spannweite (⅛ M N ). a) Die Bögen aus Ziegeln . Der Verband der Gurtbögen ohne Fenster- und Thüran- schlag ist ganz ebenso wie der, der rechteckigen Pfeiler, und verweisen wir auf die dort gegebenen Beispiele (Fig. 55 A—O ). Da diese Verbände für 1½ Stein breite Bögen viel Bruch geben, pflegt man häufig (in Oesterreich immer) die nebenstehenden Verbände zu wählen Fig. 224 A—B. (Fig. 224 A—B ), welche zwar nicht ganz correkt sind, da theilweise Fuge auf Fuge trifft, jedoch in Anbetracht, daß der Mörtel ohnehin Der Verband der Gurtbögen. die größte Rolle bei Gewölben und Bögen spielt, im Interesse der Materialersparniß wohl zulässig wären. Im Allgemeinen gelten folgende Regeln für Bogenverbände: erstens : die Centralfugen (das sind solche, welche verlängert mit der Axe des Gewölbes zusammenfallen) müssen durch die ganze Tiefe oder Länge des Bogens gehen, also in der Stirn desselben centrale, in der Leibung mit der Axe parallele Fugen bilden. zweitens : die Stoßfugen zweier benachbarter Schaaren dürfen weder im Innern, noch in der Leibung des Bogens zu- sammen fallen. Da die gewöhnlichen Ziegeln parallelepipedisch sind, im Bogen aber radial liegen müssen, stellt man die keilförmige Zuspitzung in den Lagerfugen so her, daß die Fugenstärke nach oben zunimmt, etwa oben 2 zm , unten 0,8—1 zm . Bei Verwendung von Formsteinen bestellt man in der Ziegelei keilförmige Wölbsteine nach Art der Brunnensteine. Das Aufklaffen der Fugen geht wohl für Segmentbögen an, be- sonders für solche mit geringer Pfeilhöhe; hingegen in Halbkreis- bögen mit geringem Durchmesser ist das Klaffen so stark, daß es durch den Kalkmörtel nicht ausgeglichen werden kann, sondern die Steine durch Verhau eine keilförmige Gestalt erhalten müssen. (Man vergleiche Fig. 225 A und B. ) Da dies aber umständlich ist, begnügt Fig. 225 A—B. man sich meistens mit dem einfacheren Verfahren, nur jeden zweiten Ziegel zu behauen. Zweites Kapitel. Die Bögen. Der Halbkreisbogen hat die einfachste Construktion; die unteren Lagerflächen in der Höhe des Mittelpunktes liegen ganz horizontal. Fig. 226. Nur bei geringer Stärke der Wider- lager liegt der Gewölbefuß höher und besteht das untere Bogenstück aus ausgekragten Steinen (Fig. 226); dasselbe geschieht, wenn zwei Halbkreise sich auf einen schwachen Pfeiler stützen, der den beiden Bögen ein ausreichendes Auflager versagt (Fig. 227). Bis etwa 1,5 m Spannweite ist der in Fig. 225 gegebene Lehrbogen zulässig; er besteht aus drei bis vier aufeinander gestellten Brettern, die von zwei Streben und einer verticalen Latte zusammengehalten werden. Bei Bögen von 1 Stein Tiefe genügt ein solcher Lehrbogen; von 1½ Stein Tiefe an sind jedoch zwei erforderlich. Die Lehrbögen ruhen auf den Brettern b , die mittelst Steifen, wie Fig. 228 zeigt, Fig. 227. einen sichern Stand bekommen. Die Aufstellung und Anordnung der Lehrgerüste bei Segmentbögen geschieht nach Fig. 228, ein Brett a ist ausgeschnitten und wird von den Brettern b b , welche von der Steife c fest gegen die Wand gepreßt werden, unterstützt. Während in Fig. 225 der Bogen 1 Stein zur Stärke hat, ist er Der Verband der Gurtbögen. in Fig. 228 1½ Stein hoch; man sieht sonach in der Ansicht abwech- selnd zwei Köpfe und drei Dreiquartiere. Fig. 228. Aehnlich wie in Halbkreisbögen, wird der Verband auch in Korb- bögen gemacht (Fig. 229). In diesem Beispiel ist der Korbbogen aus drei Mittelpunkten a b c geschlagen; die Punkte a c befinden sich noch auf dem Lehrbogen d d , Fig. 229. für b muß man außerhalb des Lehrbogens einen festen Punkt (mit einem Nagel) festsetzen (etwa an der gegen die Unterstützungsbretter ver- strebten Latte), um mittelst einer Schnur die Richtung der Lagerflächen zu erhalten. Die nebenstehenden Skizzen (Fig. 230 A—B ) machen dieses Verfahren ersichtlich. Von geringer Tragfähigkeit sind die scheitrechten (scheitelrechten) Bögen ; die Solidität derselben hängt lediglich von der Güte des Mörtels Zweites Kapitel. Die Bögen. ab (am besten mit etwas Cementzusatz). Den äußeren Verband eines solchen Bogens zeigt die Fig. 231; der Mittelpunkt der radialen Fig. 230 A—B. Centralfugen liegt auf dem Unterstützungsbrette b in der Entfernung der ganzen Bogenweite (nach Fig. 223). Das Lehrgerüft besteht aus einem Brette a , das in der Mitte etwas aufgeschnitten wird, damit Fig. 231. es leicht in die Höhe gedrückt („ gestochen “) werden kann. Sowohl an den Enden, als auch in der Mitte unterstützen einige Bretter b das Gerüstbrett a. Ganz besondere Sorgfalt erfordert die Herstellung der Spitzbögen, in deren Spitze die Steine eine zweckmäßige Lage erhalten müssen (Fig. 232). Die Fugen des unteren Bogentheils sind nach dem Punkte gerichtet, aus welchem die Spitzbögen geschlagen wurden; am oberen Theile hingegen hört man mit der Schaar p m und r n auf und mauert man den Schluß nach dem Punkte x. Besser wäre es, von p' bis p aus dem Mittelpunkte x' zu wölben und die Spitze m p q r n mit einzelnen Ringen von je ½ Stein Dicke herzustellen (Fig. 233 A ). Von vielen Technikern wird empfohlen, die oberste Spitze ganz von Sandstein auszuführen (Fig. 233 B ); jedoch in An- Der Verband der Spitzbögen. Fig. 232. Fig. 233 A—C. Zweites Kapitel. Die Bögen. betracht, daß dieses Material in vielen Distrikten nicht gangbar ist, dürfte Fig. A wohl für die meisten Verhältnisse den Vorzug verdienen. Im Mittelalter wurden die Spitzbögen einfach nach Fig. 233 C ein- gewölbt, wobei in der Mitte eine verticale Fuge entstand; dieses Ver- fahren giebt ein regelmäßiges Gemäuer, es sieht gut aus und wird noch jetzt vielfach nachgeahmt. Fig. 234 A—E. Wir machen noch auf den Lehrbogen b in Fig. 232 aufmerksam: derselbe eignet sich für Spannweiten über 1,5 m , und besteht aus zu- sammengenagelten Bohlenstücken, die sich im Verbande überdecken, Der Verband der Spitzbögen. Unten hält eine Latte c die Bogenschenkel zusammen und steht der Lehrbogen auf Kreuzhölzern. (Ueber die Ausrüstung der Bögen siehe bei den Gerüsten (Zimmerconstruktion 1. Band, Seite 302 und bei den Tonnengewölben im 2. Bande). Bei Spitzbögen bis 1,25 m Weite bedient man sich der Lehrbögen, die ähnlich wie Fig. 225 construirt sind. Wenn der Bogen eine solche Tiefe hat, daß zwei Lehrbögen nicht im Stande sind die Steine genügend zu unterstützen, dann stellt man an jeder Seite des Bogens ein Lehrgerüst auf und bringt man auf dieselben die 2 zm starken Latten. Selbstverständlich hat man dann beim Aufreißen des Bogens darauf zu achten, daß die doppelte Latten- stärke von der Bogenweite in Abzug kommt. Bögen von mehr als 2 Stein Stärke und mit starker Krümmung müssen aus sehr keilig zugehauenen Steinen bestehen; um dies zu vermeiden, ordnet man lieber mehrere Ringe übereinander an (Fig. 234 A—E ). Dieselben besitzen jedoch eine geringere Tragfähigkeit als ein ein- ziger Bogen von der Gesammthöhe der Ringe, und müssen daher von vorneherein eine größere Höhe erhalten, als den Bögen mit nur einem Ringe zukommt. Wenn zwei Bögen sich gegen ein gemeinsames schmales Wider- lager setzen, kragt man zuvor das Mauerwerk etwas aus, um ein passendes Auflager zu schaffen (Fig. 235 A ), oder man stellt den Kopf des Pfeilers aus Sandstein her (Fig. 235 B ); dies geschieht Fig. 235 B—A. besonders bei Anlage großer Oeffnungen in den Gebäudefrontwänden für die Schauläden (Fig. 236). Eine andere Anordnung dieser Art, jedoch mit Segmentbogen, deren Sandsteinwiderlager auf eisernen Säulen ruhen, zeigt Fig. 237. Zweites Kapitel. Die Bögen. Beide Beispiele sind schon in der Zeichnung so verständlich genug, daß sie keiner weiteren Beschreibung bedürfen. Fig. 236. Falls zwei Bögen gegen einen l Stein starken Pfeiler stoßen, wäre unter Umständen, mit Anwendung von Cementmörtel, die Bogen- mauerung nach Fig. 238 zulässig; die Mittelpunkte der flachen Seg- mentbögen sind für die Bogenmauerung maßgebend, indem die Centralfugen des rechten Bogens nach dem Mittelpunkt des linken Bogens, und umgekehrt, laufen; über dem Pfeiler stoßen die beiden Bögen schwalbenschwanzartig gegen einander. Starkbelastete Bögen und Gurte mit geringer Bogenstärke werden mittelst Entlastungsbögen entlastet; je größer die Pfeilhöhe der- selben ist, desto mehr vermögen sie die Last von den unteren Bögen abzuhalten . Die Halbkreisform dürfte für Entlastungsbogen die beste sein; sie läßt sich aber wegen der geringen Höhe zwischen den Der Verband der Entlastungsbögen. oberen Fensterbrüstungen und dem Sturz der unteren Fensteröffnun- gen selten anordnen. Fig. 237. Fig. 238. In Fig. 239 werden zwei halbkreisförmige Bögen, welche in der Mitte auf einem schmalen Pfeiler ruhen, entlastet. In Wirklichkeit trägt der große Bogen das ganze Gewicht des Mauerwerks und Zweites Kapitel. Die Bögen. dienen die kleinen Bögen nur als Fensterabschlüsse. Das Mauerwerk zwischen dem Entlastungsbogen und den kleinen Bögen darf man erst Fig. 239. nach dem vollständigen Austrocknen und Setzen des Entlastungs- bogens herstellen. Zweckmäßig wäre es, den Entlastungsbogen mit hydraulischem Mörtel zu mauern. Fig. 240 veranschaulicht die häufigste Anordnung der Entlastungs- bögen; ein nur 1 Ziegel starker Segmentbogen überdeckt die Oeffnung, Fig. 240. darüber befindet sich ein höherer, 1½ Stein starker Entlastungsbogen. Ausgezeichnete Dienste leisten die Entlastungsgurte über scheitrechten Der Verband der Entlastungsbögen. Bögen; Fig. 241 führt einen solchen Fall vor. Die Hauptstützen sind von Sandsteinen gefertigt, zwischen diesen steht eine eiserne Säule, Fig. 241. die einen Sandsteinblock als Widerlager der scheitrechten Bögen trägt, welch’ letztere durch einen großen Entlastungsbogen gegen den Druck des oberen Mauerwerks gesichert werden. Dieser Anordnung analog, scheint Fig. 242 zu sein; der Entlastungsbogen hat nur eine kleine Spannweite, weil die geringe Höhe bis zur Fensterbrüstung einen größeren Bogen nicht gestattet. Auch die starken Entlastungsbögen kann man, um das Klaffen der Fugen zu verhindern, aus mehreren Ringen übereinander ausführen (Fig. 243). Die unteren Bögen über den Oeffnungen haben die Zweites Kapitel. Die Bögen. Fig. 242. Fig. 243. Verband und Anordnung der Entlastungsbögen. Korbbogenform und stützen sich gegen die Sandsteinwiderlager k. Diese Anordnung dürfte besonders in sandsteinreichen Gegenden an- zuempfehlen sein, da die Mauerung des unteren Theiles der kleinen Korbbögen mit Schwierigkeit verbunden ist. Vielfach benutzt man den Entlastungsbogen, um weite scheitrechte Bogen aufzufangen; zu diesem Zwecke hängt eine eiserne Flachschiene a a (Fig. 244) an einer eisernen Rundstange b b , die über dem Scheitel des Entlastungsbogen von einem breiten Splint c c gehalten wird. Fig. 244. In dieser Figur bezeichnet d d das Lehrgerüst und e e e das Unter- stützungsbrett zu demselben. Für noch größere Spannweiten wird empfohlen, in der Mitte der Oeffnung einen Sandsteinblock (b) aufzuhängen, welcher den rechts und links herzustellenden scheitrechten Bögen als Widerlager dient (Fig. 245). Hierbei muß man aber beachten, daß die Einwölbung der letzteren erst nach dem vollständigen Setzen des großen Bogens stattfinden darf. Für die Bogendimensionen geben wir folgende allgemeine Regeln: Die Regeln für die Stärke der halbkreisförmigen Gewölbe und Bögen gelten annähernd auch für solche mit Segmentform, wenn man statt der Spannweite den Durchmesser des Kreises in Rechnung stellt, dessen Theil das flache Gewölbe oder der flache Bogen ist. Sämmtliche Bögen und Gewölbe sind bis zu ⅔ der Höhe des Gewölbes als hintermauert anzunehmen. Wanderley, Bauconstr. II. 16 Zweites Kapitel. Die Bögen. Bögen, welche die im Hochbau gewöhnlich vorkommenden Be- lastungen durch Umfassungsmauern und Mittelmauern von 3—4 Stock- Fig. 245. werken zu tragen haben, erhalten im Scheitel die in folgender Tabelle enthaltenen Stärken: Die vorstehenden Stärken können als Maxima angesehen werden und lassen sich bei nicht zu großen Belastungen und gutem Material entsprechend reduziren. Man geht mit mittelguten Backsteinen ge- Die Bögen aus Schnitt- oder Werksteinen. wöhnlich nicht über eine lichte Weite von 11,5 m und giebt den Bögen über 8,5 m im Scheitel eine Stärke von 1/15—1/12 der Lichtweite. Den scheitelrechten Bögen legt man einen Kreisbogen, der einen Mittelpunktswinkel von 60° hat, zu Grunde und bestimmt hiernach die Stärke. Sämmtliche Bögen müssen eine Breite erhalten, die größer als 1/17 der lichten Weite ist. Widerlagsstärke der Bögen . Als ungefähren Anhalt kann man für belastete Bögen annehmen, daß die Widerlagsstärke bei überhöhten und Spitzbögen 1/5 ½ — 1/6 halbkreisförmigen Bögen 1/5 — 1/5 ½ flachen Bögen mit einer Pfeilhöhe von mindestens ¼ der lichten Weite 1/4 — 1/4½ flachen Bögen mit einer Pfeilhöhe von mindestens ⅛ der lichten Weite 1/3½ — 1/4 scheitrechten Bögen 1/3 — 1/4 der lichten Weite beträgt. Bei Widerlagern, die höher als 2,5—3,2 m sind, hat man die oben erhaltenen Stärken noch um ⅙ der Höhe zu vergrößern. Sind die Widerlager stark belastet oder kragt man dieselben nach dem Bogen zu aus, so können die angegebenen Stärken reduzirt werden. b) Die Bögen aus Schnitt- oder Werksteinen kommen eigentlich nur in sandsteinreichen Gegenden vor, zumal ihre Anfertigung schon mit bedeutenden Kosten verbunden ist. Für die Herstellung des Schnittsteinbogens gebraucht man, wenn die Steine so schwer sind, daß sie von einigen Leuten nicht gehoben und versetzt werden können, ein festes, vom Zimmermann abgebundenes Arbeits- gerüst (siehe Fig. 167), ferner sehr solid hergestellte Lehrbögen, welche ähnlich construirt werden, wie die früher mitgetheilten Lehr- gerüste für Tonnengewölbe (siehe Fig. 445—447 im 1. Bande „Zim- merconstruktionen“ dieses Werkes) und endlich einen Laufkrahn mit Winde (Fig. 165). Eine große Rolle spielen die Werksteinbögen im Brücken- und Viaduktbau. Für die Bogenform eignen sich die Halbkreis-, Spitz- und Seg- mentbögen am besten, weil man bei diesen die sämmtlichen Steine 16* Zweites Kapitel. Die Bögen. nach einer Schablone anfertigen kann; weniger vortheilhaft sind die Korbbögen. Auch die elliptischen Bögen vermeidet der Construkteur, da alle Steine eines Bogenschenkels verschiedene Formen und von einander ganz abweichende Lagerflächen haben, somit sehr viele Schablonen erforderlich sind. Am einfachsten wird der Segment- bogen (Fig. 246) construirt, wenn die oberen Kanten der Fig. 246. Steine mit einer Schaaroberfläche horizontal abschließen. Dadurch entstehen zwar ungleich lange Wölbsteine nach verschiedenen Schablonen, man vermeidet aber die spitz zulaufenden Kanten an den horizontalen gegen den Bogen stoßenden Werksteinen, welche beim Transport leicht abbrechen. Die Gebäudeunterbauten (Sockel) haben meistens nur kleine Fen- ster, deren Ueberwölbung mit einigen Steinen geschieht. Fig. 247 zeigt einen solchen Fall, bei dem jeder Bogen nur aus zwei Steinen besteht. Die Wand selbst hat eine Quaderplattenverblendung, hingegen das Gewölbe setzt sich aus durchgehenden Blöcken zusammen. Im Mittelalter pflegten die Steinmetzmeister häufig nur die oberen Kanten der Wölbsteine gerade zuzurichten und so zu versetzen, wie Fig. 248 u. 249 angeben. Die Bogenanfänge (b) sind aus großen Werkstücken hergestellt, während die anderen Bogensteine abwechselnd Die Bögen aus Schnitt- oder Werksteinen. Fig. 247. Fig. 248. Zweites Kapitel. Die Bögen. in die horizontalen Schaaren des Gemäuers eingreifen. Diese Me- thode verdient Nachahmung, weil sie die Eintheilung der Wölbsteine wesentlich erleichtert. Fig. 249. Sollen die oberen Wölbsteine gerade mit der Schichtenhöhe aufhören, wie z. B. in Fig. 250, so ist eine zweckmäßige Steineintheilung nur dann zu bewerkstelligen, wenn man die centrale Fugenrichtung ganz aufgiebt, was zwar nicht Fig. 250. correct erscheint, aber immerhin die Solidität der kleinen Werkstein- bögen nicht beeinträchtigt. Weit günstiger gestaltet sich die Werksteineintheilung bei Aus- führung der Wandflächen von Ziegeln oder Bruchsteinen, welche schließlich überputzt werden, so daß nur die Sandstein-Bogenumfassung sichtbar bleibt (Fig. 251). Man giebt in diesem Falle die Fugen- richtung von dem Mittelpunkte aus an und setzt für jeden Wölbstein eine beliebige Länge fest. Die Ueberdeckung einer 2,1 m weiten Maueröffnung mit einem Spitzbogen macht Fig. 252 ersichtlich. Der Bogen selbst besteht aus gleich großen Werkstücken, die an der inneren Kante abgefast sind (siehe das schraffirte Profil); an der äußeren Bogenkante läuft ein Gesimsprofil herum, welches sich an der Wand in horizontaler Rich- tung weiter fortsetzt. Innerhalb der Bogenöffnung befindet sich ein Die Bögen aus Schnitt- und Werksteinen. steinerner Fensterstock (zwei Spitzbögen und oben eine Kreisrosette), dessen einzelne Sandsteinstücke mit einander gut verklammert sind. Fig. 251. Fig. 252. Die Bögen werden auch häufig mit sogenannten Hakensteinen zu- sammengesetzt (Fig. 253), um ihnen eine größere Festigkeit zu geben (Fig. 253 L ); solche Bögen haben sich aber nicht bewährt, weil die Zweites Kapitel. Die Bögen. Haken bei dem Setzen des Mauerwerks sich spannen und schließlich abbrechen. Die Fig. 253 veranschaulicht außerdem noch das Verfahren, wie man jedem einzelnen Steine seine besondere Gestalt geben kann; man zerlege Fig. 253. zuerst die innere Bogenleibung in gleich große Theile von ungerader Zahl (hier sieben) und bestimme die Fugenrichtung und Steingröße. Die Bögen aus Schnitt- und Werksteinen. Beispiesweise wird der Stein f h i e c hergestellt, indem man zuerst einen Sandsteinblock mit den parallelen und ebenen Flächen f u s t und p q r v (K') zurichtet. Die Höhe f t in K' entspricht der größten Steinhöhe h e und lassen sich die Abschrägungen und Abrundungen, in der Weise wie Fig. K vergegenwärtigt, mittelst der Schablone leicht herstellen. Dasselbe Verfahren gilt für die Steine J , L und M. B. Die Gewölbe . Die bogenartige Ueberdeckung der Oeffnungen und beliebig ge- stalteter Räume, welche mit hinreichend starken Mauern umgeben sind, geschieht mit Gewölben . Gewölbte Decken kommen hauptsächlich vor über Kelleranlagen, Corridoren, Gängen, Treppenhäusern (in Oesterreich auch sehr häufig über Wohnräumen und Magazinen), und außerdem noch überall, wo die leicht brennbaren Holzdecken nicht zweckmäßig erscheinen. 1) Benennung der Gewölbetheile . Jeder Bestandtheil des Gewölbes hat seinen besonderen Namen (Fig. 254 A—B ). Fig. 254 A—B. a) Die inneren Begrenzungslinien zwischen dem Gewölbe und den verticalen Wänden, also die Linien k k' , heißen: Anlauf (österreichisch) Kämpferlinie ; die einzelnen Punkte in dieser Linie heißen: Anlauf - resp. Kämpferpunkte . b) Die höchste Stelle (s) der inneren Gewölbefläche heißt: Schei- telpunkt oder Schlußpunkt . Zweites Kapitel. Die Gewölbe. c) Die horizontale Linie, welche durch diesen Punkt und parallel zur Gewölbslänge geht, heißt: Scheitellinie . d) Die Horizontale m m' , welche in der Höhe der, zur Cylinder- fläche gehörenden Mittelpunkte liegt, heißt: Axe . e) Die Bogenlinie k s k selbst heißt: Wölbungslinie . f) Zwei in einer zur Axe m m' normal gerichteten horizontalen Ebene liegende Kämpferpunkte k k heißen: zusammengehörende Kämpferpunkte (siehe Fig. 255 A—B ). Fig. 255 A—B. Fig. 256. g) Die kürzeste horizontale Entfernung zwischen den beiden zu- sammengehörenden Kämferpunkten, heißt: Spannweite S. h) Die senkrechte Höhe des Scheitelpunktes s über der Verbin- dungslinie zweier zusammengehöriger Kämpferpunkte, heißt: Pfeil- höhe p (Fig. 254 und 256). Bei einhüftigen Gewölben und Bögen wird der Abstand von der niedrigsten Kämpferlinie gemessen. i) Die normale Entfernung der inneren und äußeren Bogenlinie heißt: Gewölbestärke oder Gewölbedicke (d). k) Die innere Gewölbefläche (J) heißt: die Leibung oder In- trados . l) Die äußere Gewölbefläche (E) heißt: der Rücken oder Ex- trados . m) Die Endfläche des offenen Gewölbes heißt: Stirne, Haupt oder Schild . n) Die Ebene e e (Fig. 257 A—B ), welche die Hintermauerungs- höhe angiebt, heißt: Ebene der Abgleichung, Hintermauerung oder Nachmauerung . Beim Brücken liegt sie meistens schräge (Fig. 257 C ). Benennung der Gewölbetheile. o) Die Ebene k k (Fig. 254), welche durch einen oder beide gegen- überliegende Kämpferpunkte geht, heißt: Gewölbsanfang oder Widerlagsebene . p) Die Fläche k w dagegen heißt: Widerlagsfläche, Gewölbe- sohle, Gewölbefuß (Füßel auf wienerisch). Fig. 257 A—C. q) Jede Mauer W , gegen welche das Gewölbe sich anlegt, heißt: Widerlagsmauer . r) Die einzelnen Steine, aus denen das Gewölbe zusammengesetzt wird, heißen Wölbsteine . s) Der erste Stein a , auf dem Gewölbefuß liegend, heißt: An- fänger - oder Kämpferstein . t) Der Stein t in der obersten Spitze des Gewölbes heißt: Schlußstein . u) Jede Hälfte eines Gewölbes, welche durch eine verticale, durch die Scheitellinie gelegte Ebene gebildet wird, heißt: Gewölbe- schenkel ; dieselben sind in der Regel sich gleich, bei einhüftigen Ge- wölben (Fig. 256) resp. Bögen aber ungleich. v) Wenn ein Gewölbe durch eine Ebene normal zur Axe ge- schnitten wird, so erhält man den Querschnitt . w) Den verticalen Schnitt in der Längenrichtung des Gewölbes und durch die Axe nennt man Längenschnitt . x) Ein Gewölbe, bei dem die Stirnen sichtbar sind, wie z. B. bei Brücken, heißt: ein offenes . y) Ein Gewölbe ringsum mit Mauern ist: ein geschlossenes . 2) Gewölbearten . Das cylindrische Tonnengewölbe ist das Element aller Gewölbearten; aus ihm wird durch den flachen Cylinderabschnitt mit einer ⅓—⅕ Pfeilhöhe das flache Tonnen - Zweites Kapitel. Die Gewölbe. resp. Segmentgewölbe und, falls die Pfeilhöhe ⅙—1/12 der Bogensehne zur Länge hat, das preußische Tonnengewölbe , oder die preußische Kappe gebildet. Die Tonnengewölbe können alle Bogenformen und Grundfiguren erhalten; bald sind letztere quadratisch, rechteckig, bald länglich, wink- lich, rund und spiralförmig aufsteigend. Alle diese Modificationen besprechen wir weiter unten bei Tonnengewölben ausführlicher. Schneidet man das Tonnengewölbe in der Richtung der Diago- nalen a b des Raumes zweimal senkrecht durch (Fig. 258), so ent- stehen vier Theile, von denen je zwei gegenüber befindliche Theile sich gleich sind und k k „Kappen“ und w w „Wangen“ heißen. Die Kappen haben den Bogen a b zum Querschnitt nnd die horizontalen Scheitellinien m s und s m; die Wangen hingegen besitzen gar keine Fig. 258. Fig. 259. Stirnöffnung, sondern liegen an den horizontalen Widerlagslinien a b; in der Richtung m s erhält man die halben Tonnen zum Querschnitt, in welchem s der höchste Punkt (Scheitelpunkt) ist. Je nach der Zusammenstellung der Kappen oder Wangen unter- einander entstehen die mannigfachsten Gewölbearten. Bringt man mehrere (mindestens drei ) Kappen so zusammen, deren Scheitelpunkte in gleicher Höhe liegen, so bekommt man das Kreuzgewölbe (Fig. 259), in welchem die Kappen auch ungleiche Weiten haben können, und die Bogenform einer jeden Kappe nach der Vergatterung sich ergiebt. Die Gewölbearten. Die Bogenform wird aber stets normal zur Kappenaxe ange- nommen, auch selbst dann, wenn die Stirn schräge zur Axe gerichtet steht wie a b in Fig. 260 D. Fig. 260 giebt die Horizontalprojection Fig. 260. der mannigfachsten Kreuzgewölbe; a b ist die Spannweite der Kappen, x x die Axe derselben. Die Horizontalprojectio- nen der Kappendurchdringungen geben stets gerade Linien ; die Durchdringung erscheint an dem Ex- trados als eine Vertiefung oder Ein- biegung nach Innen, und heißt: Diagonal-, Kehl- oder Ixen- bogen (letzterer Ausdruck in Oester- reich). Ein solcher Bogen ist in den meisten Fällen eine halbe Eillipse, welche nach der Vergatterung aus dem halben Kappenquerschnitt con- struirt wird. Die Vervielfachung des Bogen- systems als tragbare Rippen führt auf die Entwickelung der Stern- gewölbe (Fig. 261), welche weiter unten näher dargestellt sind. Fig. 261. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Die Zusammensetzung von mindestens drei Wangen in der Weise, daß die Scheitelpunkte und Widerlagslinien je in gleichen Höhen liegen, giebt ein Klostergewölbe (in Oesterreich wird dieses häufig „Kappengewölbe“ genannt). Brauchbar sind diese Gewölbe für alle polygonale Grundformen (Fig. 263). Wo zwei Wangen zusammentreffen, ist eine Biegung nach Außen, der sogenannte „ Grat “ vorhanden, nach welchem der ganze Bogen auch „Gratbogen“ oder „Diagonalbogen“ heißt. Macht man die Pfeilhöhe des Klostergewölbes bedeutend größer als eine halbe Spannweite, so entsteht ein Kuppelgewölbe , dessen Fig. 263. Grundriß viele Seiten haben kann. Geht die polygonale Grund- fläche in ein Unendlichvieleck über, d. h. in eine sich stetig wiederholende Krumme (Kreis, Ellipse, Ovale, Eilinie), dann nimmt die Leibungs- fläche eine glatte Rundung an und alle scharfen Gratkanten verschwin- den. Bei dem kreissörmigen Grundrisse und Querschnitte erhält man ein Halbkugelgewölbe und ein horizontaler Kugelabschnitt heißt ein flaches Kuppelgewölbe . Wenn ein volles Halbkugel- oder ein volles elliptisches Kuppelgewölbe an den Seiten von verticalen Ebenen, die sich berühren, so geschnitten wird, daß eine quadratische, rechteckige oder polygonale Grundform entsteht, dann nennt man diese Gewölbeart: a) wenn der Durchmesser über 4,5—6 m groß ist, ein Kuppelge- wölbe über polygonaler Grundform , b) wenn der Durchmesser unter 4,5 m mißt, ein böhmisches Ge- wölbe oder böhmisches Platzel (der letztere Ausdruck in Oesterreich üblich); findet dieselbe Prozedur bei einem horizontalen Kugelabschnitt statt, dann bekommt man eine böhmische Kappe oder ein preußisches Platzel (österreichisch). Das Tonnengewölbe. Andere Entwickelungen mit Anwendung der Wangen und der scheitelrechten Gewölbe enthalten noch die Muldengewölbe und die Spiegelgewölbe , welche wir weiter unten näher betrachten. I . Das Tonnengewölbe , auch Cylinder-, Zirkel- oder Kufengewölbe genannt, wird im Wasser- und Brückenbauwefen gerne angewendet, da es sich leicht herstellen läßt und von allen Gewölben die größte Tragfähigkeit be- sitzt; im Hochbauwesen wurde das Tonnengewölbe früher sehr häufig benutzt, jetzt findet es in Deutschland nur selten, desto öfter aber in Oesterreich Verwendung zur Ueberdeckung der Kellerräume, Gänge und Magazine, obgleich hierfür andere Gewölbearten meistens zweck- mäßiger sind. 1) Form des Tonnengewölbes . Die Tonnengewölbe sind liegende halbe Cylinder; eine Cylinderfläche entsteht, wenn eine gerade Linie, eine Curve berührend, sich fortbewewegt und dabei parallel mit ihrer ersten Lage bleibt. Die gerade Linie heißt die Erzeugende , die Curve hingegen die Leitlinie . Ist die Curve ein Kreis oder eine Ellipse und steht deren Ebene senkrecht auf der Erzeugenden, so entsteht ein kreisförmiger oder elliptischer Cylinder (Tonne), und die durch den Mittelpunkt des Kreises oder der Ellipse gedachte Gerade heißt Axe oder Drehaxe des Cylinders. Man kann sich eine Cylinderfläche auch auf eine zweite Art ent- standen denken, indem sich nämlich eine Curve auf der genannten Axe so fortbewegt, daß sie immer parallel in ihrer ersten Lage bleibt. Bei dieser Erzeugungsart ist die Axe die Leitlinie und die Curve die Erzeugende. Bewegt sich nun nach diesem Gesetze ein Halbkreis, dessen Verbindungslinien der Endpunkte horizontal ist, an einer durch dessen Mittelpunkt gehenden Geraden fort, so entsteht die Leitungsfläche für das halbkreisförmige Tonnengewölbe . Ist die Wölblinie eine halbe Ellipse, so heißt das Gewölbe ein elliptisches Tonnen- gewölbe , und je nach der horizontalen Lage der großen oder kleinen Axe, unterscheidet man ein flaches und ein überhöhtes elliptisches Tonnengewölbe. Statt der Ellipse wird sehr häufig ein Korbbogen für die Wölbungslinie vorgezogen, weil die Bestimmung der Fugenrichtung bei letzterem bequemer ist und weil der Korbbogen bei der Unbestimmtheit seiner Form einen sehr großen Spielraum in Zweites Kapitel. Die Gewölbe. seiner Gestaltung zuläßt, er daher Gelegenheit giebt, den lichten Raum unter dem Gewölbe je nach Erforderniß zu vergrößern, was bei anderen Curven, die nach bestimmten geometrischen Gesetzen er- zeugt sind, nicht der Fall ist. Uebrigens besitzt die Ellipse diese Biegsamkeit in noch höherem Grade als der Korbbogen, und wird ihre Verwendung bei großen Spannweiten, bei welchen die Mittelpunkte für die Korbbögen zu weit entfernt liegen, den Vorzug verdienen. Bemerkt soll aber noch werden, daß Tonnengewölbe aus Werksteinen niemals nach einer Ellipse con- struirt werden dürfen. Bildet die Wölbungslinie einen sogenannten Spitzbogen, so heißt das Gewölbe ein spitzbogiges Tonnengewölbe . Ferner ge- hören die steigenden Tonnengewölbe noch hierher, und man unter- Fig. 264. Fig. 265 scheidet das aufsteigende Tonnengewölbe mit horizontalem Gewölbescheitel (auch einhüftiges genannt) und das steigende Tonnengewölbe mit steigendem Gewölbescheitel und Axe (Fig. 264). Die Kämpferlinien steigen hier parallel mit der Gewölbe- axe; dieses Gewölbe findet aber nur bei Ueberdeckung und Unter- stützung der Treppen Anwendung. Alle bisher betrachteten Gewölbe heißen gerade Gewölbe , weil die Horizontalprojection der Stirnen derselben senkrecht zur Gewölbeaxe stehen. Ist dies nicht der Fall, so heißen dieselben schiefe Gewölbe (Fig. 265). Diese kommen eigentlich nur beim Brückenbau vor, wo man sie aber, ihrer schwierigen Herstellung wegen, möglichst selten anordnet. Die bisher erwähnten Tonnengewölbe sind die wichtigsten mit horizon- taler und geneigter Axe ; es giebt aber auch Tonnengewölbe mit Das Tonnengewölbe. Ermittelung der Durchdringungscurven. verticaler Axe , welche beispielsweise ausgeführt werden, wenn einem horizontalen, oder unter einem Winkel geneigten Drucke (Erd- resp. Wasserdruck) widerstanden werden soll; natürlich wird hierbei die Leibung ziemlich concav sein müssen. Neuerdings benutzt man der- artige Tonnen- resp. Stichbogengewölbe häufig bei versenkten Lichtkasten vor den Kellerfenstern, sowie bei Isolirschachten vor den Fundamenten. Das Tonnengewölbe kann übergehen in ein Ringgewölbe (Fig. 266), wenn dessen Axe übergeht in eine horizontal liegende Curve, z. B. in eine kreisförmig, elliptisch oder schraubenförmig geschlossene Linie. Diese Gewölbe sind aber nicht mehr nach Cylinderflächen gebildet. Die eingeschriebenen Buchstaben geben die Projectionen an. 2) Ermittelung der Durchdrin- gungscurven . Bevor wir zur Be- sprechung der Construktionen übergehen, sollen noch einige Beispiele vorgeführt werden, in denen die allgemeinen Grund- sätze für das Austragen und Ermitteln der Durchdringungslinien ersichtlich sind. Fig. 266. Fig. 267. Fig. 268 A und B . In Fig. 267 und 268 A und B sind die Durchdringungen halb- kreisförmiger Tonnengewölbe, mit gleichen Halbmessern, deren Axen alle in einer horizontalen Ebene liegen, gegeben. Die einzelnen Durch- Wanderley, Bauconstr. II . 17 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. dringungslinien x y und v w werden in ihren Horizontalprojectionen gerade Linien sein müssen, weil aus der darstellenden Geometrie bekannt ist, daß die Projectionen der Durchdringungscurven zweier kreisförmi- gen Cylinder mit gleichen Halbmessern, deren Axen sich schneiden, dem- nach in einer Ebene liegen, auf dieser Ebene gerade Linien geben, in allen anderen Fällen aber Curven (siehe Fig. 270). Die Diagonal- linien selbst sind leicht durch Vergatterung zu finden; es sind dieselben in die horizontalen Projectionen der Figuren umgelegt. Das eben angegebene Gesetz bezüglich der Durchdringungscurve zweier kreisförmiger Cylinderflächen mit gleichen Halbmessern gilt eben- falls, wenn sich die Axen in horizontaler Lage unter irgend einem Winkel durchschneiden. Fig. 269 zeigt nun zwei sich nicht rechtwinklich, aber in horizon- taler Lage durchdringende halbkreisförmige Tonnengewölbe mit gleichen Fig. 269. Halbmessern. Der höchste Punkt der beiden Durchdringungslinien wird offenbar über dem Durchschnittspunkte x der beiden Scheitel- linien der Tonnengewölbe sein; x y und x z sind dann die horizon- talen Projectionen der Durchdringungscurven, deren wahre Größe, wie auch Verticalprojectionen nun leicht durch Vergatterung aus dem Halbkreise m a' o abzuleiten sind. Man denke sich nämlich, um diese Durchdringung zu erhalten, beide Cylinderflächen durch verticale zusammengehörige Hülfsebenen senkrecht Das Tonnengewölbe: Ermittelung der Durchdringungscurven. zur Cylinderaxe geschnitten, dann geben die Durchschnittspunkte die Durchdringungscurve. Fig. 270 zeigt zwei sich rechtwinklig durchdringende halbkreisför- mige Tonnengewölbe mit gleichen Durchmessern, deren Axen sich jedoch nicht schneiden, und davon das eine ein steigendes Gewölbe mit stei- gender Axe ist. Die horizontale Projection der Durchdringungscurve wird dar- gestellt, wenn man sich wieder beide Cylinderflächen durch verticale Ebenen parallel zur Axe C D geschnitten denkt, von denen der hori- zontale Cylinder nach dem Halbkreise, der steigende Cylinder nach zur Fig. 270. Axe x y parallelen Geraden geschnitten werde, deren gemeinschaftliche Durchschnittspunkte in je einer Hülfsebene Punkte für die Kurven sind. Nach den bisher gegebenen Beispielen von Durchdringungen der Tonnengewölbe lassen sich nun leicht alle übrigen möglichen Fälle aus- arbeiten, z. B. wenn die Tonnengewölbe verschiedene Halbmesser haben, dann sich schneidende oder nicht schneidende, rechtwinklich oder unter irgend einem andern Winkel sich kreuzende, horizontale oder steigende Axen haben; die Wölbungslinien können auch Segmentbögen, Ellipsen, Spitzbögen u. s. w. sein. In allen Fällen wende man, um die Durch- dringungscurven zu erhalten, verticale oder horizontale Hülfsebenen an, oder ganz allgemein: wenn sich zwei ganz beliebige Tonnenge- 17* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. wölbe durchdringen, nehme man Ebenen zu Hülfe, welche beide Cy- linderflächen nach geraden Linien schneiden. Um die Richtung dieser Hülfsebenen zu finden, nehme man an belie- biger Stelle des Grundrisses einen Punkt an, lege durch diesen zwei Gerade, welche parallel zur Erzeugenden der beiden Cylinder fallen, und lege durch diese zwei Gerade eine Ebene; parallel mit letzterer müssen diese Hülfsebenen gehen, um der genannten Anforderung zu entsprechen. 3) Die Construktion der Tonnengewölbe ist im Allgemeinen abhängig, erstens von dem Orte , an dem das Gewölbe verwendet wird, zweitens von dem Material, drittens von der Bogen- form und viertens von der Verbindungsweise mit anderen Gewölben und Construktionstheilen . Das Tonnengewölbe besteht aus der Zusammensetzung vieler Bögen von gleicher Spannweite, Pfeilhöhe, Bogenform und Stärke. Die Stärke des Gewölbes ändert die Construktion durchaus nicht, und kann von ½ Ziegel anfangend so groß sein, als für die Tragfähig- keit nöthig erscheint. Im Hochbau kommen aber selten Gewölbe über 1½—2 Ziegel Stärke vor, dagegen sind solche beim Brückenbau in allen Bogenformen gebräuchlich. A . Ziegel-Tonnengewölbe . Der Verband in solchen Gewölben wird ganz ebenso wie im vollen Mauerwerk gemacht, wobei es vornehmlich auf die regelmäßige Fig. 271 A—F . Das Ziegel-Tonnengewölbe: Der Gewölbeverband. Fugenverwechselung ankommt. Schwache Gewölbe verstärkt man mit ½—1 Stein vorspringenden Verstärkungsbögen, welche sich in be- stimmten Entfernungen wiederholen. Die Fig. 271 A—C giebt drei verschiedene Verbände für ½, 1 und 1½ Stein starke Tonnen. Die Verstärkungsbögen werden nach den früher, bei den Mauervorlagen gegebenen Regeln (siehe Fig. 66) angelegt und treten entweder an der inneren Leibung, oder am Rücken ½—1 Stein vor; der letzte Fall ist besonders bei Kellergewölben üblich und wird in der Figur 271 E D veranschaulicht. Kleine Gewölbe behalten durchweg die gleiche Stärke, in größeren dagegen nimmt die Dicke nach dem Widerlager zu, was dadurch geschieht, indem man in gewissen Abständen die Wölbung um ½ Ziegel verstärkt (siehe Fig. 271 F ). Fig. 272 A—D . Offene Tonnen, wie z. B. Brückengewölbe, müssen an der Stirne verbandmäßig abschließen; denn jeder Abschluß geschieht wie bei den Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Mauerenden, mit Benutzung von Dreiquartieren, wie die Skizzen Fig. 272 A—D in zwei Schaaren darstellen. 1) Das volle Halbkreis-Tonnengewölbe dient meistens zur Ueberdeckung großer Räume und außerdem noch, wenn auf dem Gewölberücken eine bedeutende Last ruht, wie z. B. zu Brauerei- kellern, Wege- und Flußüberbrückungen u. s. w. Obgleich in diesem Werke nur Hochbauconstruktionen besprochen werden, nehmen wir doch keinen Anstand, auch eine in Ziegeln aus- geführte Brücke (Fig. 273 stellt eine solche über die Bließ dar) vor- zuführen, da diese die Tonnenconstruktion am besten ersichtlich macht. Fig. 273. Das hier mitgetheilte Beispiel besteht aus drei halbkreisförmigen Tonnengewölben, von denen die beiden seitlichen nur 4,6 m weit sind, die mittlere Tonne aber eine 11,8 m weite Oeffnung hat. Die Brücken- Das volle Ziegel-Tonnengewölbe bei Brücken und Bierkellern. breite beträgt circa 10 m , welches Maß gleichzeitig die Länge einer jeden Tonne repräsentirt. Die mittlere Tonne ist 0,9 m stark und stützt sich auf solide, niedrige Werksteinpfeiler, welche auch den kleinen Gewölben theilweise als Widerlager dienen. Die Kämpfer der letz- teren liegen circa 2,5 m höher, als die der weiten Tonne, d. h. die Widerlagsflächen befinden sich in verschiedenen Höhen. Die kleinen Fig. 274. Tonnengewölbe sind 0,6 m stark. Um an Hintermauerungsmaterial zu sparen, ordnete man die durch die ganze Brücke reichenden Röhren ( r ) an. Außerdem steigt die Hintermauerung von den kleinen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Gewölben nach dem Scheitel der großen Tonne an, um einerseits die Materialmasse zu vermindern, andererseits den Abfluß des durch die Aufschüttung sickernden Tagewassers zu ermöglichen. Aus gleichem Grunde werden die oberen Ziegelschaaren der Abgleichung in Cement gemauert und mit einem Asphaltestrich bedeckt. Auch der Lagerbierkeller des Brauereibesitzers Friebe in Klein- burg (Fig. 274) enthält hohe Halbkreis-Tonnen. Der Grundriß ist nach der Linie A B und der Querschnitt nach C D gedacht; die Plan- disposition besteht aus den acht parallel liegenden 7 m breiten Lagerbier- kellern L , aus den querliegenden ebenfalls 7 m breiten Eiskellern E und dem 3,75 m breiten Mittelgange. Alle Kellerräume, mit Ausnahme der Vorräume v , sind mit Halbkreis-Tonnen überdeckt und vom Pflasterboden bis zum Gewölbescheitel 5 m hoch; mithin setzen sich die Gewölbe auf ein ringsum 2 m hoch aufgeführtes Mauerwerk, welches in den Außenmauern 1,4 m , und in den Mittelmauern 1,1 m stark ist. Die Außenwände der Eisräume sind mit Luftschichten versehen. Zur Ventilirung der Lagerbierkeller dienen die Mauerschlitze z , welche schlottartig in die Höhe steigen und an der Mündung eine Schutz- haube haben. Im Thurm y werden die Fässer hinaufgezogen. Die Scheitel der Keller liegen fast in Terrainhöhe, darüber wurde die Erde 5 m hoch angeschüttet. Die Kelleranlagen zu Wohngebäuden wurden früher ganz allgemein mit vollen Tonnengewölben entweder nach dem Halbkreise Fig. 275. oder dem hohen Korbbogen überdeckt. Da jedoch die hohen Tonnen die Kellerräume beträchtlich beengen und unbrauchbar machen, pflegt Das volle Ziegel-Tonnengewölbe in Hauskellern. man seit geraumer Zeit in den Ländern und Städten, wo die poli- zeilichen Vorschriften das Bewohnen der Kellerräume gestatten, oder wo man der theueren Miethen wegen gezwungen ist, jeden Raum des Hauses auszunutzen, und den Keller zu gewerblichen Zwecken einzurichten, andere, nämlich flachere, Gewölbearten anzuordnen. Immerhin kommen die vollen Tonnen in Oesterreich und Süd- deutschland noch öfters vor, aus welchem Grunde wir sie hier näher beschreiben. Die Figur 275 zeigt ein passendes Beispiel; das Gebäude hat nur eine Mittelmauer, welche in gleichen Abstän- den von den Langmauern entfernt steht. Im Keller ist die Mittelmauer 3 Stein; die Langmauern sind je 3½ Stein dick. Die Breite der Kellerräume beträgt 4,75 m ; für das Gewölbe wurde eine 2,1 m hohe Pfeilhöhe angenommen. Obgleich das Gewölbe scheinbar auf der Kellersohle ruht, beginnt die Wölbung etwa 0,4 m Fig. 276. über der Sohle und ist das Mauerwerk bis dahin horizontal nach einer Schablone (wie Fig. 276 zeigt) ausgekragt. Bei jedem Kellerfenster wird das Gewölbe ausgespart und eine sogenannte „Stichkappe“ s angeordnet. Die genaue Zeichnung eines hohen Korbbogen-Tonnengewölbes vergegenwärtigen die Fig. 277—280; Fig. 277 ist ein Theil des Grundrisses, Fig. 278 der Längenschnitt nach a b , Fig. 279 und 280 zwei Querschnitte. Das Gewölbe beginnt unmittelbar neben den Mauern direct auf der Kellersohle und ist durchgehends ½ Ziegel stark. Dicht an der Seite eines jeden Fensters sind die 1 Stein breiten und ½ Stein vortretenden Verstärkungsbögen s angeordnet und schließt die Nach- resp. Hintermauerung w ab, wodurch neben jedem Fenster eine ver- ticale, vom Verstärkungsbogen s unterstützte dreieckige Wand w ent- steht. Letztere dient gleichzeitig als Widerlager der Stichkappen l m n (siehe Fig. 277, 279 und 280). Damit bei den Thür- und Fenster- öffnungen das nicht ganz hinabreichende Gewölbe (siehe Grundriß Fig. 277) gehalten werde, sind die ½ Stein starken Widerlags- bögen o (Fig. 280) erforderlich, welche sich gegen die Verstärkungs- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. bögen s anlegen. Bei der Ausführung der Tonnengewölbe werden nur die Widerlagsbögen e in Cement gleichzeitig mit dem Gewölbe Fig. 277. hergestellt, dagegen die Stichkappen und das Gewölbestück i e erst später, nachdem das ganze Gewölbemauerwerk sich gesetzt hat und trocken geworden ist, eingewölbt. Fig. 278. Manchmal verstärkt man das Zwischengewölbe i und e noch mit einem anderen Bogen v (siehe Fig. 277, 279 und 280), welcher sich gegen den Widerlagsbogen o stützt; der Nutzen dieses Zwischenbogens v ist aber so gering, daß es zweckmäßiger erscheint, ihn ganz fort- zulassen. Die Einwölbung der Stichkappen kann auf verschiedene Arten stattfinden; nämlich erstens : mit ansteigend und mit parallelen Fugen (wie bei n ), zweitens : horizontal und auf den Schwalben- schwanz (wie bei l ). Die letztere Manier macht Fig. 280 genau ersichtlich. Das volle Ziegel-Tonnengewölbe in Hauskellern. Fig. 279. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 280. Das volle Ziegel-Tonnengewölbe über Corridoren ꝛc. Diese Stichkappen, welche nach Art der „preußischen Kappengewölbe“ construirt sind, werden bei dieser Gewölbeart ausführlich besprochen. Oefters bekommen die Zwischengewölbe (wie bei m in Fig. 277) keinen Widerlags- bogen, sondern greifen im Verbande in die Stichkappen ein, welche in diesem Falle Ohren heißen. Wo Ohren und Gewölbe sich schneiden, entstehen zwei Grate p q und q r (Fig. 277 bei m ). Nur über hohen Corridoren und Fig. 281. Gängen ordnet man volle Tonnen an; öfters kommen sie über Hauseingängen, Kapellen u. s. w. bis 3 m Spannweite vor. Fig. 282 A—C . Zweites Kapitel. Die Gewölbe. So z. B. giebt Fig. 282 A—C den Grundriß einer Hausdurchfahrt von 2,5—3,5 m Breite mit einer halbkreisförmigen Tonnendecke; zur Verschönerung der Decke, sowie um den Druck des ganzen Gewölbes anstatt auf die ganze Mauer, nur auf einige verstärkte Stellen zu übertragen, durchdringen einige Kegel die Tonne, wodurch steigende Stichkappen ( s ) entstehen. An Stelle der Kegel könnte man auch Cylinder (Fig. 283) oder hohe elliptische Bögen, Spitzbögen und Segmentbögen in die Tonne schieben (Fig. 284 A—C ). Auch könnte Fig. 283. die Spitze des Kegels im Innern des Raumes liegen, woraus sich die nach Außen ansteigenden Stichkappen ergeben (Fig. 284 D ); diese Anordnung hat den Vortheil, daß die Stirne der Stichkappen keinen Druck auf die Mauer ausüben. In den meisten Fällen bestimmt die architektonische Anordnung der Räume die Form und Lage der Stichkappen. Bezüglich der Ermittelung der Durchdringungscurve in der Vertical- resp. Horizontalprojection sei erwähnt, daß man im Querschnitt zuvor den ganzen Kegel angeben muß; man lege sodann Ebenen m bis s in geneigter Lage, welche alle durch die Kegelspitze gehen und die Leibung der Tonne (Fig. 285) in 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 schneiden. Durch diese Punkte bringe man die verticalen Schnitt- linien a , b , c , d , e , f und g , welche normal zur Kegelaxe gerichtet sind. Die Ansicht der Durchdringung in der Verticalprojection B erhält man, wenn man vom Mittelpunkt z aus Halbkreise schlägt mit Radien, welche gleich der Kegelhöhe in den Schnittebenen a b c bis g sind und wenn man aus den Punkten 1, 2, 3 bis 8 Horizon- tallinien zieht, welche die zu den betreffenden Ebenen a bis g ge- Das volle Ziegel-Tonnengewölbe über Corridoren ꝛc. hörigen und aus z geschlagenen Bögen in I , II , III , IV bis VIII schneiden. Die Verbindung dieser Schnittpunkte giebt die Durch- dringungscurve in B . Die Horizontalprojection C ergiebt sich, wenn die Ebenen a bis g hinabgezogen werden und man von der Mittellinie aus die Längen h I , Fig. 284 A—D . i II , k III , l IV ꝛc. nach h 1′, i 2′, k 3′, l 4′ u. s. w. abträgt; auch die Fig. 286 zeigt eine ähnliche Construktion. Wird die Leibung eines Gewölbes durch eine Kegelfläche, oder einen Theil einer solchen gebildet, so entsteht das Kegelgewölbe oder konische Gewölbe , welche, ebenso wie bei Cylindergewölben, halbkreisförmig, elliptisch u. s. w. sein können. Derartige Anordnungen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. können bei Fenster- und Thüröffnungen mit schrägen innern Leibungen vorkommen. Es sei die innere cylindrische Gewölbefläche senkrecht auf der ver- ticalen Projectionsebene, ihre Axe Q' Q'' liege in der horizontalen Projectionsebene und stehe daher auf A X normal (Fig. 286). Fig. 285 A—C . Die innere konische Gewölbefläche hat ihre Spitze in der horizon- talen Projectionsebene. Der Halbmesser der Cylindergrundfläche sei O'' b und jener des Kegelparallelkreises sei d'' u . Um die Durchschnitts- linie der konischen und der cylindrischen Gewölbefläche zu erhalten, wende man solche Hülfsebenen an, die senkrecht auf der Axe A X der Projectionsebenen stehen, diese Ebenen schneiden die Kegelfläche in Das volle Halbkreis-Tonnengewölbe. lauter Kreislinien und die Cylinderflächen nach geraden Linien; je zwei Durchschnittspunkte dieser Flächen liegen dort, wo die Kreislinie Fig. 286. von der Geraden (Erzeugenden) geschnitten wird; es liegen also die Durchschnittspunkte dieser Flächen in den Anfangs- und Endpunkten Wanderley, Bauconstr. II . 18 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. jener Sehnen, die parallel zur Kreuzrißebene sind. Auch erhält man einen Durchschnittspunkt k' , wenn man durch Q' u' die parallele Hülfsebene zur verticalen Projectionsebene legt, sie schneidet dann die Kegelfläche in der geraden Erzeugenden und die Cylinderfläche in einer Kreislinie. Die Hülfsebene I schneidet die Kegelfläche in einem Kreise vom Halbmesser f'' e'' und die Cylinderfläche in der geraden Erzeugenden m' p' oder m'' p'' ; um die horizontale Projection der beiden Durch- schnittspunkte zu erhalten, beschreibe man mit dem Halbmesser f'' e'' aus der Kreuzprojection Q''' einen Kreis, projicire in die Kreuzriß- projectionsebene die Gerade (Erzeugende), längs welcher die Cylinder- fläche geschnitten wurde, wonach sich die Durchschnittspunkte m'' und p''' , welche der Kreuzprojection der Durchdringungscurve angehören, ergeben. Legt man jetzt die Hülfsebene II wieder normal auf A X , dann schneidet sie die Kegelfläche in einer Kreislinie vom Halbmesser h'' g'' , und die Cylinderfläche längs der Erzeugenden in s' n' s'' n'' . Man erhält nun die Kreuzrißprojection s''' und n''' der Durchschnittspunkte beider Flächen, wenn man aus Q''' mit dem Halbmesser h'' s'' den Kreisbogen h''' s''' n''' zieht, der die Kreuzrißprojectionen s''' n''' der Cylinder-Erzeugenden in den oben benaunten Punkten schneidet. Verbindet man die Punkte c''' m''' s''' k''' n''' p''' und l''' durch eine continuirliche Curve, so gelangt man zur Kreuzrißprojection der Durchschnittscurve beider Flächen. Um die horizontale Projection l' p' n' k' s' ꝛc. der Durchschnitts- curve zu erhalten, ziehe man r' p' = r' m' = r''' p''' = r''' m''' , n' s' = n''' s''' . Die Fig. 287 A—C giebt den Grundriß C und die Schnitte A B einer kleinen, mit einem spitzbogigen Tonnengewölbe überdeckten Ka- pelle; unten befinde tsich eine ebenfalls überwölbte Gruft. Der Spitzbogen ist aus den Punkten a a construirt; die Gewölbe-Mauerung selbst reicht nicht bis zu den Kämpferlinien hinab, sondern setzt sich auf das ausgekragte Mauerwerk, wodurch das Widerlager verstärkt und der Gewölbeschub (da die wirkliche Bogenweite kleiner geworden ist) bedeutend vermindert wird. Das ½ Stein starke Gewölbe wurde an den beiden Enden und in der Mitte mit Verstärkungsbögen ver- sehen, welche nach inwendig vorspringen und eigentlich nur für die ar- chitektonische Gliederung der inneren Gewölbefläche vorhanden sind. Das volle Ziegel-Tonnengewölbe über Corridoren ꝛc. Vielfache Verwendung fanden die hohen Tonnen mit und ohne Stichkappen in den Privathäusern und Palästen der italienischen Fig. 287 A — C. Renaissan ç e. Die nachfolgenden Figuren veranschaulichen einige einfache Beispiele P. Laspeyres, die Baudenkmäler Umbriens. , die dem Zwecke dieses Buches entsprechen: Fig. 288 A ist der Durchschnitt und B der Grundriß der Hofhalle der Villa zu S. Giustino; die Halle umgiebt zwei Seiten des Hofes, sie hat 6,5 m Breite und ein Tonnengewölbe, welches bei jeder Säule von Kegeln durchbrochen wird, so daß der Druck des Gewölbes auf den Säulenköpfen ruht. 18* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 289 A B zeigt die Ueberdeckung der Durchfahrt und einer großen offenen Halle des palazzo Vitelli a porta S. Egidio zu Città di Castello. Die Decke der Durchfahrt besteht aus einem einfachen Fig. 288. halbkreisförmigen Tonnengewölbe, desgleichen ist die Halle mit diesem Gewölbe von oben abgeschlossen. Die Scheitel der das Tonnenge- wölbe durchdringenden Stichkappen liegen in derselben Höhe wie die der Tonnenscheitel (siehe den Querschnitt). Auch das zierliche Lusthaus, das sogenannten palazzino beim pallazo Vitelli , besitzt eine große freie Halle (Fig. 290) und ein Tonnenge- wölbe, welches durch Stichkappen von der Größe der Bogenöffnungen durchkreuzt wird. Das volle Ziegel-Tonnengewölbe über Corridoren ꝛc. Zum Schlusse stellen wir noch die Grundrisse von zwei kleinen italienischen Kirchen dar, welche theilweise Tonnengewölbe zur Decke Fig. 289. haben, so z. B. Fig. 291 A Chiesa di Buonconsiglio und Fig. B S. Michele Arcangelo, beide in Città di Castello. In neuerer Zeit geschieht die Ueberdeckung der Kellerräume meistens 2. mit flachen oder gedrückten Tonnen , welche sowohl nach der flachen Korbbogen- oder nach der Segment-Linie construirt werden können und im ersten Falle flache Korbbogen-Tonnen , im anderen Segment-Tonnen heißen. Oefters kommen beide Gattungen nebeneinander zur Verwendung, und zwar die Segment- Tonnen über den schmäleren Räumen. Die flachen Tonnen haben den Vortheil, daß bei etwa ⅓—⅕ Pfeilhöhe ihre Widerlager noch etwa 2,5—1,5 m vom Fußboden ab- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. bleiben und somit der Kellerraum ziemlich geräumig ist. Eine der- artige Anordnung zeigt Fig. 292; rechts und links sind die Tonnen Fig. 290. Fig. 291. nach Segmentbögen mit ⅓ und ¼ der Spannweite zur Pfeilhöhe construirt, über dem Gange befindet sich eine halbkreisförmige Tonne, Das flache oder gedrückte Ziegel-Tonnengewölbe. welche fast bis zu den Widerlagern der Segmenttonnen hinab reicht. Die Gewölbe greifen in das Mauerwerk nicht hinein, sondern legen sich gegen eine horizontale Auskragung. Die Gewölbe sind in der Mitte ½ Ziegel, am Ende 1 Ziegel stark, und in Entfernungen von 1,5 — 2 m verstärken einige ½ Stein vorspringende Verstärkungs- bögen den mittleren Ge- wölbetheil. An den Fenstern befinden sich die Widerlags- bögen v und w , welche den Gewölbeschub auffangen. Die Anlage der flachen Korbbogen-Tonnen ist der vorstehenden in Fig. 292 ganz analog nur daß die Bogen- form sich der verticalen Mauer stetig anschließt, und dadurch der Gewölbeschub besser auf die Widerlager übergeht. Immerhin haben die Keller- mauern der drei- bis vier- stöckigen Gebäude eine solche Stärke, daß sie auch den Schub der weit gespannten, flachen Tonnen sicher aufnehmen können und demgemäß, in Hinsicht der Stabilität gleich- giltig ist, ob Segment- oder Korbbögen Verwendung fin- den. Die genaue Construktion eines Korbbogengewölbes ver- gegenwärtigen die Fig. 293 Fig. 292. und 294 im Detail mit eingezeichneten Steinfugen; Fig. 294 zeigt die innere Ansicht gegen das Fenster. Der Gewölbefuß beginnt bei a und wird soweit das Mauerwerk mittelst einer Schablone (Fig. 276) Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 293. Das flache oder gedrückte Ziegel-Tonnengewölbe. horizontal ausgekragt. Das fertige Gewölbe bekommt noch die Nach- mauerung w. Bei jedem Kellerfenster mauert man zuerst den 1½ Ziegel breiten Bogen b , gegen den sich die aufsteigende Stichkappe (h) stützt. Um letztere vom Drucke des darüber stehenden schweren Mauerwerks zu Fig. 294. befreien, ist der Entlastungsbogen c erforderlich. Im Uebrigen bedürfen die ge- nau gezeichneten Figuren keiner besonderen Erläuterung, und fügen nur noch die Bemerkung hinzu, daß das in Fig. 293 und 294 darge- stellte Gewölbe in Oesterreich ganz allgemein gebräuchlich ist. Wenn das Kellerfenster gerade in der Scheitelhöhe des Gewölbes liegt, kann die Stichkappe auch die in Fig. 295 gezeigte Ausbildung erhalten; die Stichkappe ist korb- bogenartig und geht mit horizon- talem Scheitel bis zur höchsten Stelle des Gewölbes. Zum Schlusse reproduziren wir noch einige Beispiele der flachen Tonnen über Gängen ꝛc.: Fig. 296 ist eine Segmenttonne mit ¼ der Spannweite zur Pfeil- höhe; die Gewölbestärke mißt in der Mitte ½, am Widerlager 1 Stein. In Abständen von 1,4—2,5 m kom- men nach unten vorspringende Ver- stärkungsbögen vor, welche sich ge- gen Pfeiler stützen. Um die Wider- lagsmauern nicht zu schwächen, greifen die Gewölbe an ihren Enden mit ½ Ziegel breiter Verzahnung in die Mauer. An der Außen- mauer sind Stichkappen vorhanden, welche den Gewölbeschub auf die Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 295. Fig. 296. Das flache oder gedrückte Ziegel-Tonnengewölbe. mittelst Pfeilern verstärkten Stellen übertragen. Auf dem Gewölbe liegt die Erdausschüttung, hierauf sind die Polsterhölzer und der Fußboden. Einen ähnlichen Fall enthält 297 mit der geringen Modification, daß das flache Tonnengewölbe nach einem Korbbogen mit ⅓ der Fig. 297. Spannweite zur Pfeilhöhe construirt ist. In der Mitte hat die Tonne ½ Stein, am Ende 1 Stein zur Stärke, außerdem sind noch Ver- stärkungsbögen vorhanden. Das Gewölbe setzt sich mit Verzahnung auf eine Mauerauskragung. Ueber jedem Fenster ist eine ansteigende flache Stichkappe erforderlich, deren Verbindung mit dem Gewölbe die eingezeichnete Fugentheilung im Grundriß ersichtlich macht. Auf dem Extrados des Gewölbes ruht die Nachmauerung m; das Ge- wölbe trägt dann noch die Beschüttung und den Fußboden nebst Polsterhölzern. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Endlich zeigt Fig. 298 noch eine Anordnung, die in Oesterreich in den mannigfachsten Variationen über Zimmern, Waarengewölben u. f. w. häufig vorkommt. Den vorliegenden Fall sahen wir in einigen Amtsstuben des Parterregeschosses der Statthalterei zu Brünn. Der Fig. 298. ganze, etwa 7,5 m breite Raum ist mit einem Tonnengewölbe über- deckt, über jedem Fenster befindet sich eine Stichkappe, welche sich gegen die Nachmauerung des Gewölbes stützt. Da die Fenster in Abständen von circa 2 m vorkommen, löst sich in Wirklichkeit der ganze untere Theil des Gewölbes in Gurtbögen auf; hierdurch wird der Schub auf einzelne kräftige Mauerkörper übertragen und die Anlage der Fenster wesentlich erleichtert. 3) Allgemeine Regeln für das Tonnengewölbe, be- sonders in Kellern . Die Tonnen überdecken die Räume in der ganzen Tiefe; letztere giebt auch gleichzeitig die Spannweite der Gewölbe an, und liegen somit sehr häufig große Tonnen neben kleinen. Im Allgemeinen ordnet man die Tonnenaxen parallel mit den Lang- und Mittelmauern, da diese, zufolge ihrer größeren Stärke, sich besser zu Widerlagern eignen, als die Scheidemauern. Beim Zeichnen des Querprofils nimmt man die Scheitel sämmtlicher Tonnen in gleicher Höhe an, und giebt man jedem Gewölbe nach Maßgabe der Spannweite eine solche Pfeilhöhe, daß die Wider- lager (in Oesterreich „Anläufe“ genannt) möglichst in eine Horizon- tale zu liegen kommen. Dies gilt besonders für Segmentgewölbe, während bei Korbbögentonnen die Anläufe verschieden hoch sein können, sofern die Differenz 0,6 m nicht überschreitet. Für die Widerlager kragt man das Mauerwerk in der Bogenrichtung mittelst einer Allgemeine Regeln für das Ziegel-Tonnengewölbe. Schablone aus. Die Einwölbung des Gewölbes selbst geschieht erst, nachdem das ganze Gebäude „unter Dach“ ist, die Zwischendecken bedeckt und mit Schutt belegt sind, damit einerseits die Mauern sich vollständig gesetzt haben, andererseits herabfallende Geräthe oder Ma- terialien das Gewölbe nicht beschädigen können. Die Erfahrung hat lehrt, daß die Gewölbe beim Einstürzen zunächst in einer bestimmten Fuge brechen; diese nennt man „Brechungsfuge“, die bei halbkreis- förmigen Gewölben von gleichmäßiger Stärke ungefähr unter 50° vom Scheitel, bei flacheren Gewölben tiefer, bei höheren, höher liegt. Zur Vermeidung dieses Bruches werden die Gewölbe bis zur Brechungsfuge „hintermauert“ oder „nachgemauert“. Die Hinter- oder Nachmauerung geschieht bis zur Brechungsfuge in horizontalen Schichten (Schaaren), oder sie wird nach einer Tangente, die etwas oberhalb der Brechungsfuge beginnt, schräg abgeglichen. Eine Nachmauerung ist aber nur von Nutzen bei den sich stetig anschließenden Bogenformen. Bei allen anderen (Segmentbögen) erscheint sie als überflüssige Last unnöthig. Ein unbelastetes Tonnengewölbe kann bis 5 m Spannweite ½ Ziegel stark ausgeführt werden; bei größerer Länge ordnet man in Entfernungen von 1,5—2 m die 1—1 ½ Stein breiten Verstärkungsgurten an, welche ½ Ziegel nach oben oder unten vortreten. Falls Tonnengewölbe „ Kassetten “ er- halten sollen, treten in der Kassettenbreite die Verstärkungsgurte nach Innen hervor, und macht man die dazwischen angelegten Tonnen in den Kassettenhöhen soviel dicker, als die Kassettenstegdicke beträgt (Fig. 299). Doch kommen solche Construktionen in Kelleranlagen niemals vor. Die gedrückten Korbtonnen erhalten bis 3 m Spannweite nur ½ Ziegel zur Stärke, von 3 m an werden die unteren Gewölbeschenkel 1 Stein stark gemacht; in beiden Fällen sind Fig. 299. noch die Verstärkungsbögen nöthig; ähnlich verhält es sich mit Seg- menttonnen unter ⅓ Pfeilhöhe. Bei belasteten Gewölben läßt man die Stärke vom Scheitel nach dem Widerlager wachsen, und zwar bei Hau- oder Werk- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. steinen nach einer Bogenlinie, deren Mittelpunkt ½ oder ¼ des Radius der inneren Wölblinie tiefer liegt, als der Mittelpunkt der letz- teren; bei Backsteinen wird der Rücken abgesetzt, nämlich bei kleinen Gewölben im Scheitel ½ Ziegel, am Widerlager 1 Stein, bei größeren Gewölben im Scheitel ½ Ziegel, in der Mitte des Gewölbeschenkels 1 Stein und am Widerlager 1 ½ Stein. B. Die Bruch- und Werkstein-Gewölbe . Bis jetzt haben wir die Ausführung in Ziegeln angenommen, zu- weilen bedient man sich im Hochbau auch der Bruchsteine , niemals aber der Werksteine , die eigentlich nur beim Brückenbau Verwen- dung finden. 1. Bei den Quader- und Werksteintonnengewölben kommt es besonders auf die genaue Bearbeitung der Lagerflächen eines jeden keilförmigen Wölbsteines an, während die genaue Her- richtung der Stirn- und inneren Leibungsflächen zwar wünschens- werth, aber für die Solidität des Gewölbes nicht durchaus noth- wendig ist. Immerhin wird man auch auf eine sauber herzustellende Leibung und gut schließende Stoßfugen sehen müssen. Für alle Quader- oder Werksteintonnengewölbe eignen sich nur die Kreis- und Segmentlinien, da bei diesen Bogenformen die sämmtlichen Werk- steine nach einer Schablone bearbeitet werden können, was bei Korb- bögen nur umständlich, und bei Ellipsen gar nicht möglich ist. Das Versetzen der Quaderwölbsteine geschieht mittelst Laufkrahnen, die sich nach allen Richtungen hin bewegen lassen (siehe Fig. 165 u. 166 d. Bandes) 2. Die Bruchstein-Tonnengewölbe wendet man in den Kellern der Wohngebäude nur in bruchsteinreichen Districten an. Auch hierbei ist die Kreisform die beste und muß das Lehrgerüst solid sein. Es dürfte nothwendig sein die rohen Bruchsteine vor ihrer Verwendung etwas lagerflächig zu bearbeiten und allen in einer Schaar (Schicht) befindlichen Steinen die gleiche Dicke zu geben. In der Nähe der Widerlager benutzt man die größten, im Scheitel die kleineren Steine. Auf das Verbandlegen muß geachtet werden. Die Kellergewölbe von Bruchsteinen bekommen im Scheitel mindestens 0,3—04 m zur Stärke. Der Mörtel muß etwas hydraulisch sein, da reiner Kalkmörtel sich mit Bruchstein schlecht verbindet. Wenn zwischen den einzelnen, ungleich großen Steinen geringe Zwischenräume ver- bleiben, füllt man letztere mit kleinen Steinenstücken und Cement- Die Werk- und Bruchstein-Tonnengewölbe. mörtel aus. Bei Quadergewölben werden die Fugen nur mit Cementbrei vergossen. Sehr wichtig ist es, daß der Schlußstein gut schließt. Zu diesem Behufe nimmt man für den Schluß der Bruchsteingewölbe einen etwas größeren keilförmigen Stein, der tüchtig mit einem Hammer, aber mit einem hölzernen , weil der eiserne die Steine zerschlägt, einge- trieben wird. C. Die einhüftigen Tonnengewölbe werden ebenso hergestellt wie die gleichschenkligen, nur daß bei ersteren der kürzere Schenkel schwächer zu sein braucht als der längere, und an dieser Seite das Widerlager dicker gemacht wird. D. Die aufsteigenden Tonnen kommen, ebenso wie die einhüftigen, nur zur Unterstützung der Treppen vor, sie sehen aber besser aus und eignen sich daher besonders für Fig. 300. reich decorirte Treppenanlagen. Ein vornehmes Beispiel dieser Art ist die berühmte Doppeltreppe (Fig. 300) der Sala a croce greca im Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Vatikan. Von der Durchfahrt bei b führt der mittlere Treppenarm nach der Kuppel-Kreuzhalle a , der sogenannten Sala a croce greca und über die Seitenarme c gelangt man nach der Sala della Biga über m. Der Weg über n führt nach dem Museo Gregoriano. Die Breite des mittleren Theils von a mißt 8,25 m ; die Tiefe der an- liegenden, mit halbkreisförmigen Tonnen überdeckten Seitennischen beträgt 3 m ; der mittlere Treppenarm ist 3,45 m breit, die Seitenarme c je über 2 m . Die Höhe des Scheitels der Kuppel über dem Raum a beträgt circa 14 m . Jeder Treppenarm ist mit ansteigenden Tonnen überdeckt; die mittleren Tonnen der übereinander befindlichen mitt- leren Arme ruhen auf ansteigenden Architraven, die von Säulen unterstützt werden. Uebrigens kommt es häufig vor, daß anstatt der ansteigenden Ge- wölbe, viele kurze Bögen mit ansteigenden Kämpfern nebeneinander angeordnet werden, theils um die Ausführung zu erleichtern, theils zur Vermehrung der Tragfähigkeit. Fig. 301. Ein sehr einfaches Beispiel dieser Art veranschaulicht Fig. 301, welche ohne Text genügend verständlich sein dürfte. Meistens kommen solche Anordnungen bei Unterstützung der Treppen vor, und halfen sich besonders die Meister des Mittelalters Die aufsteigenden Tonnen. auf diese Weise aus der Verlegenheit. Die Fig. 302 und 303 geben einige übliche Anordnungen; bei A sind die Bögen spitzbogig, bei C dagegen halbkreisförmig. Fig. 302. Fig. 303. Wanderley, Bauconstr. II. 19 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. E. Die schiefen Tonnengewölbe (Fig. 304) finden im Hochbau gar keine Verwendung, öfters aber bei Brücken- bauten. Die Herstellung derselben ist mit vielen Schwierigkeiten ver- bunden, besonders sind die schiefen Werksteinbrücken sehr complicirt in der Ausführung. Da dieser Gegenstand mit wenigen Worten nicht behandelt werden kann und er außerdem dem Zwecke dieses Buches, welches besonders Hochbauconstruktionen bespricht, zu fern liegt, verweisen wir auf die sehr instruktive und ausführliche Arbeit Fig. 304. des Ober-Inspectors der k. k. General-Inspection für österr. Eisen- bahnen, Herrn Hoffmann in der „Allgemeinen Bauzeitung“ 1871. Ferdinand Hoffmann, Theoretische und practische Anleitung zum Entwurfe und zur Ausführung schiefer Ziegel- und Quadergewölbe ꝛc. Allgemeine Bauzei- tung 1871, Heft VII , Seite 253—28. Bei schiefen Tonnen aus Ziegeln kann man sich übrigens viel- fache Erleichterungen verschaffen; von allen bis jetzt vorgeschlagenen Auskunftsmitteln verdient die von Sarazzin (Vortrag, gehalten im Architecten-Verein zu Berlin) bei den schiefen Brücken der Berliner Verbindungsbahn befolgte Anordnung umsomehr am meisten Nach- ahmung, als bei derselben die im Gewölbe wirkenden Druckkräfte Die schiefen Tonnengewölbe. günstig auf die Widerlager vertheilt werden. Herr Sarazzin be- gründet die Vortheile seiner Construktion folgendermaßen: Der Druck im Gewölbe wird auf dem kürzesten Wege, in der Richtung des nor- malen Querschnittes, auf die Widerlager übertragen, gleichgiltig, ob das Gewölbe als normales oder schiefes ausgeführt ist. Nur in den Endzwickeln des schiefen Gewölbes trifft der Gesammtdruck an der stumpfen Ecke einen Theil a b (Fig. 304) des Widerlagers an der spitzen Ecke theoretisch diese Ecke selbst, resp. es findet hier, wenn die Kräfte in Thätigkeit treten, eine Verbreiterung des Druckes statt. Die Drucklinien werden also in der Abwickelung annähernd Radien um einen Mittelpunkt o sein, welcher in der Verlängerung der Stirn- linie über die spitze Ecke des Widerlagers hinausliegt. Die Lager- fugen müssen demnach um diesen Mittelpunkt construirt werden, wenn sie normal zum Drucke stehen sollen. Durch dieses Verfahren ist man dann im Stande, den regelrechten Verband stets einhaltend, die schiefe Wölbung aufzugeben und dagegen die normale anzu- nehmen. Das Austragen der Lagerfugen in den schief zu wölbenden Theilen geschah bei Gewölben von geringer Spannweite auf einer, aus zusammengeklebtem Ellenpapier hergestellten Fläche in natürlicher Größe, und übertrug man den Riß direct auf die Schalung in der Weise, daß in Abständen von 0,3 m kleine Nägel eingeschlagen wurden, nachdem das Papier vorher in diesen Punkten durchlocht worden war, um es noch für andere Gewölbe nochmals benutzen zu können. Die so markirten Punkte wurden alsdann auf der Schalung mit langen elastischen Linealen (1,5—2 m im Quadrat stark aus gerad- faserigem Kiefernholze) verbunden. Bei größeren Gewölbspannweiten kann man die Lagerfugen direct auf der Schalung angeben, wenn die dazu erforderlichen Maße in den radialen Schnitten vorher berechnet und die Fugentheilung auf diese Radien vermerkt worden sind (Fig. 305). Auch kann man parallel zu den Widerlagern, etwa im Scheitel, noch eine Theilung vornehmen, wenn die Fig. 305 stark ausgezogenen Maße für jeden Theil be- rechnet worden. Hat das Gewölbe nur eine geringe schiefe Lage, dann lassen sich die Kreisbögen direct mit dem Schwunglineal ausziehen, wobei die Fugentheilung des geraden Gewölbetheils als Lehre dient und man am Ende des Schwunglineals ein kurzes Brettstück ganz normal befestigen muß; dreht man das Lineal x y z (Fig. 304) so, daß das 19* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Brett an den Bogen tangirt, resp. parallel mit a' c' liegt und in die Lage y z' kommt, dann ist die Fugencurve gleichfalls bestimmt. Fig. 305. Die in der Nähe der Widerlager befindlichen Stirnsteine müssen sämmtlich stumpf resp. spitz geschliffen werden. Damit die Lagerfugen nicht zu scharf gebogen sind, darf das Stück e d (Fig. 304) nicht zu klein sein; je größer c d wird, desto größere Länge erhält der Radius a o. Bei den Brücken der Berliner Verbindungsbahn ward c d zu 1,88 m angenommen (Winkel o a b = 60°); die Spannweite betrug 4,7 m , die Pfeilhöhe 1,25 m . F. Das Verzeichnen der Tonnengewölbe im Grundrisse geschieht, indem man den Wölbbogen umklappt, damit der Arbeiter danach ganz genau die Lehrbögen anzufertigen und aufzustellen vermag. Wenn zwei Bögen sich schneiden, muß die Durchdringungs- Die Lehrgerüste. linie im Grundrisse ebenfalls angegeben werden. Die Diagonalbögen pflegt man in wirklicher Größe nicht umzuklappen, da sie sich aus dem Prinzipalbogen (so heißt der der Wölbung zu Grunde liegende Bogen) leicht nach der Vergatterung ermitteln lassen. Das Verzeichnen der Wölbungslinien kann man in den früher mitgetheilten Grund- rissen erkennen und brauchen wir daher an dieser Stelle kein be- sonderes Beispiel vorzuführen. G. Die Lehrgerüste spielen eine große Rolle; sie müssen solid und fest sein, besonders bei Bruchstein- oder Werksteingewölben. Zu diesem Behufe stellt man in gewissen Abständen die gezimmerten Lehrbögen auf und legt man auf diese die Schalbretter, welche einen Cylindermantel bilden. Fig. 306. Schon seit den ältesten Zeiten wird in der Rheingegend eine Art von Lehrbögen zu Kellergewölben benutzt, die ebenso zweckmäßig wie einfach sind. Dieselben bestehen aus einer rohen, kaum etwas be- waldkanteten Schwelle von 13/21 zm Dicke (Fig. 306); je nach der Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Größe des Rüstbogens, werden darin Löcher ungefähr 2,5—5 zm weit und 8—10 zm tief gebohrt, sodann Stäbe von 5—8 zm Dicke, 0,3—0,45 m von einander entfernt, mit dem zugespitzten Ende nach der Richtung der Radien eingeschlagen, und die oberen Enden nach der Form des Bogens abgeschnitten, über welche nun gewöhnliche tannene Lat- ten von 2 zm Dicke und 4 zm Breite gebogen auf den Stößen über- schnitten und auf jedem Stabe mit einem leichten Nagel befestigt werden. (Man weicht die Latten vorher 12—24 Stunden im Wasser ein, um sie biegsamer zu machen.) Die auf diese Weise erhaltenen Lehrbögen werden 0,6 m von Mitte zu Mitte von einander entfernt aufgestellt, mit den zur Belattung der Schieferdächer gebräuchlichen 2 zm dicken, 21 zm breiten, 2,8 m tannenen Schalbrettern beschalt, und auf diese Schalung Gewölbe von 0,3—0,6 m dick aus Bruchsteinen ausgeführt. Solche Lehrgerüste lassen sich noch bei einem 10—11 m weiten und 3—5 m hohen Gewölbe anwenden. Schwerlich kann man Rüstungen der Art einfacher und wohlfeiler construiren. Die Schwelle bleibt trotz ihrer Durchlochung immer noch als Wandholz brauchbar; die Stäbe sind aus Brandholz ge- nommen oder von Abfällen gespalten und nach gemachtem Gebrauch Brandholz wie zuvor; die Latten sind ebenfalls zu benutzen und der Arbeitslohn beträgt eine Kleinigkeit. Bei größeren Gewölben scheint es jedoch besser, auf den Schwellen eine Art Dachgespärr mit zwei oder mehreren Streben zu errichten und die Stäbe in die Sparren zu bohren. Die Stäbe werden auf diese Weise kürzer, können mithin aus gewöhnlichem Ast- oder Reidelholz verfertigt, und die Schwellen ebenfalls aus leichtem 10—13 zm starken Sparrholz gemacht werden, weil sie in drei Punkten, nämlich an beiden Enden und in der Mitte, durch untergestellte Pfosten oder Stelzen Unterstützung erhalten. Unter dieser Mitte bringt man ein paar Keile an, welche den bedeutenden Nutzen haben, daß, wenn sie gleich nach dem Schlusse des Gewölbes gelöst werden, nun gerade an dieser Stelle der Lehrbogen sich am stärksten, an den Widerlagern aber fast gar nicht senkt, mithin die Senkung des neuen Gewölbes gerade so erfolgt, wie es sein muß. Außer den vorgeführten Lehrbögen kann man auch die weiter oben dargestellten Construktionen benutzen (siehe auch 5. Kapitel im 1. Bande „Zimmerconstruktionen“ dieses Werkes). Die Aufstellung der Lehrbögen. Die Aufstellung der Lehrbögen geschieht in 1—2 m Ent- sernung stets normal zur Gewölbeaxe. Dies gilt besonders für schiefe Gewölbe, welche allerdings beim Hochbau selten vorkommen. Bei den ringförmigen Gewölben stehen die Lehrbögen radial zum Mittelpunkt des Ringes. Für ansteigende Tonnen stellt man die Lehrbögen auf und zwar ganz lothrecht so, daß bei kreisförmigen Tonnen-Querschnitten die Lehrbögen elliptisch geformt sind. Das Herausnehmen der Gewölberüstungen muß vor- sichtig geschehen, vornehmlich dürfen die Gewölbe durch Schläge nicht erschüttert werden, und hat man daher die Keile sehr behutsam zu entfernen. Vor dem plötzlichen Abbrechen der Gerüste löst man zu- nächst die Keile etwas und betrachtet man die Senkung, welche dann leicht zu erkennen giebt, ob die Rüstung überhaupt entfernt werden darf. Die Ausrüstung der in Kalkmörtel gemauerten Gewölbe kann in zwei bis drei Wochen, der in Cementmörtel gemauerten in drei bis fünf Tagen stattfinden. H. Die im Hochbau üblichen Dimensionen der Tonnengewölbe . Halbkreisförmige und hohe Korbbogen-Tonnengewölbe, die nur den Fußboden eines oberen Stockwerkes tragen, brauchen bis 4,5 m Spann- weite nur ½ Stein, bei größerer Spannweite 1 Stein zur Stärke im Scheitel , wobei dann entweder die Stärke nach den Wider- lagern hin zunimmt, oder in Abständen von je 2—2,5 m einige nach oben resp. unten vorspringende Verstärkungsbögen eingelegt werden. Die Widerlagsstärke beträgt: beim spitzbogigen Gewölbe ⅙ — 1/7 der Spannweite, „ halbkreisförmigen Gewölbe — ⅙ „ „ bei flachen Gewölben mit der Pfeilhöhe von mindestens ¼ der Spannweite ¼ — „ „ desgleichen ⅛ der Spannweite ⅓ — „ „ Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Wenn die Widerlager höher als 2,5—5 m sind, wird die soeben mitgetheilte Widerlagsstärke um ⅙—⅛ der Widerlagshöhe ver- mehrt. Nach Rondelat soll die Scheitelstärke sein, wenn 1 die Spann- weite des Gewölbes bezeichnet: für Ziegeltonnengewölbe : d = 1/36 1 für die bis zur halben Höhe hintermauerten Gewölbe, d = 1/48 1 für voll hintermauerte Gewölbe; für Bruchsteingewölbe wird nach diesen Formeln anstatt jeder Ziegellänge 0,4 zm gesetzt. Nach Peronnet soll die Scheitelstärke der Schnittsteinge- wölbe sein: d = 0,035 1 + 0,32 zm bei Spannweiten bis 2,25 m , d = 1/24 1 bei Spannweiten über 2,25 m . II. Kegel-Gewölbe haben in construktiver Hinsicht sehr viele Aehnlichkeit mit den Tonnen- gewölben. Das Kegelgewölbe wird nach der Kegelmantelfläche ge- bildet und ist von dieser die Fugenrichtung abhängig, indem die Lagerfugen zur Kegelaxe geneigt liegen, die Stoßfugen parallele Kegelabschnitte bilden müssen, deren Mittelpunkte sich bei kreisför- migem Kegelquerschnitte in der Kegelaxe befinden. Die unbequeme Herstellung dieses Gewölbes wird durch die in der Längenrichtung keilförmig gestalteten Steine hervorgerufen. Die Kegelgewölbe kommen als selbstständige Construktionstheile nicht vor, sondern nur in Verbindung mit anderen Gewölben. Einige Fälle haben wir bereits früher bei den Figuren 281, 284 und 285 vorgeführt. Ferner sind Kegelgewölbe nützlich beim Uebergang eines Achtecks in Sechseck, Achtecks in Quadrat, wobei es auf eine Unter- stützung des schwebenden vortretenden Mauerwerks ankommt. III. Das preußische Kappengewölbe , in Oesterreich öfters flaches Tonnengewölbe genannt, ist zwar auch ein flacher Cylinderabschnitt und in dieser Hinsicht dem Tonnenge- wölbe ähnlich, es kann aber der Einwölbung wegen nicht immer zu den eigentlichen Tonnengewölben gerechnet werden. Das preußische Kappengewölbe. a) Pfeilhöhe . Das Kappengewölbe, vielfach nur „preußische Kappe“ titulirt, hat selten ⅕, in der Regel ⅙—⅛, vielfach sogar 1/10—1/12 von der Spannweite zur Pfeilhöhe ; letztere hängt übri- gens nicht nur von der Kappenweite, sondern auch von der auf dem Gewölbe ruhenden Belastung ab. Preußische Kappengewölbe bis etwa 2,5 m Spannweite erhalten, wenn sie nur eine dünne Beschottung und die Belastung eines gewöhnlichen Zimmers zu tragen haben ⅛—1/10 Pfeilhöhe, desgleichen bis 3 m ⅙—⅛ „ desgleichen bis 4 m ⅙ „ bei größerer Belastung, etwa durch Waaren, stets ⅙ „ bei 2 m Spannweite und gar keiner Belastung, wie z. B. über Treppenhäusern, oder wenn das Gewölbe von Balken entlastet wird 1/10—1/12 „ in welchem Falle die Mauerung mit Cementmörtel wünschenswerth wäre. b) Die Stärke und zulässige Spannweite . Die Stärke der Kappe beträgt (in Kelleranlagen) bei 2,5 m Kappenweite immer nur ½ Stein; bis 3 m Spannweite kommen noch Verstärkungsbögen hinzu; bis 4 m Spannweite macht man die in der Nähe der Wider- lager befindlichen Theile 1 Stein stark, und über 4 m Spannweite wird die Kappe am Rücken abgesetzt, und zwar im Scheitel ½ Stein, alsdann 1 Stein und an den Widerlagern 1½ Stein. In Kelleranlagen geht man ungern über 3 m Spannweite hinaus; zu diesem Behufe werden die größeren Räume mittelst Traversen und Gurten in kleinere Abtheilungen zerlegt. c) Folgende allgemeine Regeln dürfen beim Projectiren der Kappengewölbe in Kellern nicht unbeachtet bleiben: 1. Die Widerlager sämmtlicher Kappen müssen in gleicher Höhe liegen; 2. man hat darauf zu achten, daß die Kappenspannweiten nicht zu ungleich ausfallen; 3. wünschenswerth ist es, die Kappen in gleicher Richtung so anzuordnen, daß die Scheitel parallel zu liegen kommen, um dadurch eine gleichmäßige Vertheilung des Gewölbe- schubs zu erlangen; Zweites Kapitel. Die Gewölbe. 4. wegen der geringen Pfeilhöhe lassen sich Stichkappen über den Fenstern nicht gut anbringen und empfiehlt es sich daher die Kappenstirnen an den Fensterseiten anzunehmen; 5. die Pfeilhöhe der Kappen in Kellern beträgt am zweck- mäßigsten 1/7 bis ⅛ der Spannweite; bei stark belasteten Kappen ist ⅙ besser; 6. wenn die Kappe über 5 m lang ist, stellt man in Entfernung von 3—4 m eine Verstärkungsgurte her, welche die Kappe der Länge nach abkürzt und auf diese Weise verstärkt; 7. die Nach- oder Hintermauerung geschieht in der Höhe der Bruchfuge; diese liegt etwa in der Richtung von 50° von der Gewölbeaxe aus (Fig. 307) in dem Winkel A C B; es Fig. 307. ist aber besser, über den mit Schutt und Fußboden be- lasteten Kappen die Nachmauerung fortzulassen, da das Gewölbe ohnehin schon genügend beschwert ist; 8. die Widerlagsfläche des Gewölbes ist stets nach dem Mittel- punkt des Segmentbogens gerichtet; 9. falls die Fußböden auf den 16/16 m starken Polster- resp. Lager- hölzern ruhen, verlegt man letztere so auf die Aufmauerung der Gurtbögen, daß sie etwa 12 zm von dem oberen Kappen- scheitel entfernt bleiben und die Kappe selbst nicht gedrückt wird (in Oesterreich bringt man auf das Gewölbe zuerst die Beschottung, alsdann die 8/8 zm dicken Polsterhölzer in Entfernung von 1 m ). d) Anordnung der Kappengewölbe . Nach Aufzählung der wesentlichsten Bedingungen, auf die es bei Aufstellung des Projects besonders ankommt, gehen wir zur Betrachtung specieller Bei- spiele über. Die Fig. 308 giebt das Princip der Kappengewölbe. Fig. 309 stellt den Grundriß eines Kellers dar; A A sind die Gurte zur Unter- Die Anordnung der Kappengewölbe. stützung der Erdgeschoßmauern. Die übrigen Gurte zerlegen die größeren Räume in kleinere und können schwächer als A A sein. Fig. 308. Ueber dem Corridor ordnet man die Kappe in der Längenrichtung desselben an; in den Seitenräumen hingegen wird der Abstand zwischen Fig. 309. zwei Gurten zur Kappenspannweite angenommen und die Kappe mit ihrem Scheitel normal zur Außenfront eingewölbt. Aus diesem Grunde zeigt der Querschnitt nach S F über dem Gange den Segmentbogen und über den Seitenräumen die gerade Scheitellinie der Kappe (Fig. 309). Im Allgemeinen achtet man sogleich beim Entwerfen des Grund- risses darauf, daß die Kellerfenstermitten und die Kappenaxen mög- lichst zusammentreffen. Bei Bestimmung der Scheitel- und Widerlagsstärke zu den Gurtbögen kommt in Betracht, ob die Gurte durch die Scheidemauern der oberen Geschosse belastet sind oder nur den Kappen als Stütz- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. mauer resp. Widerlager dienen; in ersterem Falle erhält der Gurt- bogen eine beträchtlich größere Pfeilhöhe und Widerlagsstärke, als in letzterem. Am liebsten vermeidet man die großen Oeffnungen unter den Scheidemauern und ordnet man anstatt derselben volles Mauer- werk an. Bezeichnet: w die Widerlagsstärke (incl. Mauerstärke), s die Spann- weite, h die Pfeilhöhe, b die Breite, d die Höhe des Gurtbogens, a die Breite des Zwischenpfeilers, so ist (Fig. 310) Der Wandpfeiler muß auch selbst dann, wenn schon die Mauer- dicke für w ausreicht, mindestens ½ Ziegel vorspringen. Anstatt der Ziegelpfeiler a könnte man auch schmälere Sandsteinpfeiler, welche der Druckfestigkeit (pr. □ zm 16—30 Kilogr.) entsprechen, oder eiserne Säulen anordnen (siehe Fig. 319). Die Aufstellung der Gurtbögen bildet den hauptsächlichsten Theil bei Anlage der Kappengewölbe; die nachstehenden Figuren geben etliche von einander abweichende Beispiele: Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern . Eine einfache Anordnung zeigt Fig. 311 A—C; B ist der Grundriß des Kellergeschosses, A dergleichen des Erdgeschosses. In letzterem bedeutet a Entree, f Flur, s Saal; die Saaldecke wird von eisernen Säulen in 4 m Entfernung unterstützt, nach deren Aufstellung sich die Anordnung der Pfeiler im Kellergeschoß ergiebt. Der Fuß- boden des Einganges liegt etwa drei Stufen über dem äußeren Terrain, alsdann besteigt man acht Stufen, welche in der Mitte auf Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern. der Mauer n ruhen. Außer dem Gewölbe über dem Kellercorridor sind sämmtliche Kappen parallelliegend und normal zu den Außen- und Mittelmauern gerichtet. Alle Kappen unter den Sälen haben Fig. 310 A—C. die gleiche Spannweite, nämlich 3,6 m , und stützen sich gegen 1½ Stein starke Gurte, die nach Korbbögen gemauert sind. In der Mitte der Kappen wurden die Bögen v angeordnet, welche den Zweck haben, die seitliche Verschiebung der Pfeiler und Gewölbe zu verhindern. Alle Kappen sind durchweg ½ Ziegel stark. Eine gleichfalls einfache Gewölbeanlage enthält Fig. 312; auch hier geben wir den Grundriß des Erdgeschosses, um nach ihm die Anordnung des Kellergeschosses besser erklären zu können. Die un- bedeckt gebliebenen Estraden e e reichen mit ihren Fundamenten ganz hinab und vergrößern das Kellergeschoß. In der Mitte des Kellers Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 311 A—C. Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern. befindet sich der quer durchgehende Corridor c, zu beiden Seiten desselben liegen die übrigen Räume, welche unter den Zimmern s, Fig. 312. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. w und z mit einigen, normal zu den Außenwänden gerichteten Wän- den getheilt sind. Letztere dienen gleichzeitig als Widerlager der Kappen; die Mauer m besitzt, da der Raum n eine größere Breite hat, als die übrigen Abtheilungen, nicht die genügende Stärke und ist mittelst Bögen verstärkt worden. D bezeichnet die Durchfahrt und ist nicht unterkellert. Der Quer- schnitt gilt für die Schnittlinie x x. Unter den Zimmern v v ruhen die Kappen von 1,5 m Spannweite auf Traversen (Eisenschienen), welche Anordnung im 3. Bande d. Werkes Abschnitt „Eisenconstruk- tionen“ näher besprochen und illustrirt wird. Die Anordnung der soeben erwähnten Verstärkungsbögen geschieht sehr häufig, um Räumen von verschiedenen Breiten die gleiche Kappen- weite zu geben. Fig. 313 veranschaulicht dieses Verfahren. Fig. 313. Auch die complicirten Grundrißformen verursachen in der Anlage der Kappen keine wesentlichen Schwierigkeiten: so z. B. würde man in Fig. 314 die im Kellergeschoß angegebene (die punktirten Linien deuten die umgeklappten Wölbbögen an) Kappenlage wählen; unter den Zimmern s stehen im Keller zwei Gurtbögen g g, gleichfalls unter v v, während unter w und z die Kappen auf Traversen ruhen. Unter y theilt eine Mauer den Kellerraum in zwei gleiche Theile, jedoch nicht allein der Kappenwiderlager wegen, sondern um mehr nützbare Räume zu bieten. Die Einwölbung der anderen Localitäten verdeutlichen die punktirten Linien. Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern. Auch bei dem in Fig. 315 dargestellten unregelmäßigen Grundriß ergiebt sich die Lage der Kappen von selbst und ist letztere in der Zeich- nung ohne weiteren Text hinreichend verständlich. Erwähnt soll noch werden, daß, wenn die Nische n nicht vorhanden wäre, man anstatt der quergestellten Gurtbögen eine Gurten- reihe nach Fig. 310 C in der Längenrichtung des Raumes anordnen könnte. Ebenso ließe sich eine Tra- verse zur Unterstützung der Kappen verwenden. In Fig. 316 weicht die Ueberwölbung der Räume lediglich unter dem ovalen Saale s von den sonst üblichen Anordnungen ab; es sind zwei Gurte in der Querrichtung aufgestellt, die den Kellerraum in drei Ab- theilungen zerlegen. Die Durchfahrt D ist nicht un- terkellert. Einige andere Gewölbe- anordnungen enthält die in Fig. 317 skizzirte Kelleran- lage; das zu demselben ge- hörige Erdgeschoß gaben wir bereits bei den Balken- lagen im 1. Bande d. W. Fig. 314. Fig. 106. Alle Räume, bis auf zwei, nämlich l und k , haben Kappen- gewölbe; die letztgenannten Lokalitäten, von denen l eigentlich nur die Erweiterung des sich kreuzenden Corridors ist, sind mit Klostre- gewölben bedeckt, von denen weiter unten (siehe Fig. 334 und 335) noch ausführlicher die Rede sein wird. Wanderley, Bauconstr. II. 20 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 315. Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern. Fig. 316. 20* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Nach der Baugewerkszeitung 1870 hat Baumeister F. Harnisch in Berlin das Kappengewölbe zum Unterkellern eines Hofes in der Fig. 317. nachstehenden motivirten Weise angewendet: Bei der gebotenen größt- möglichen Ausnutzung der Baufläche in Berlin hat sich das Unter- kellern der Höfe als sehr rentabel erwiesen. Bisher war es üblich, die Kappen gegen Gurtbögen oder Eisenschienen zu legen; da diese Methoden einerseits den Raum sehr versperren und die Höhe ver- Anwendung der preußischen Kappengewölbe in Kellern. mindern, andererseits kostspielig sind, befolgte Harnisch das nachfol- gende Verfahren, welches wir übrigens im Princip weiter oben bei den Durchdringungen der Tonnengewölbe darstellten: Die Hauptkappen (Fig. 318) werden durch andere normal zu den Fig. 318. ersteren gerichtete Kappen verbunden. Sie machen die Träger ent- behrlich und lassen zu gleicher Zeit die Höhe des Gewölbes ge- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. winnen; die Umfassungswände und Pfeilerreihen bilden die Wider- lager. Ihnen parallel laufen die Gewölbeschichten, die in den Graten zusammenstoßen. Die Einschalung ist etwas kostspieliger als bei gewöhnlichen Kappen, wird aber reichlich durch die oben erwähnten Vortheile aufgewogen. Die Hauptkappen wurden zuerst eingeschalt; die Querkappen erforderten dazu etwas längere Zeit und Holzver- schnitt. Es ist keineswegs nöthig, die ganze Fläche gleichzeitig ein- zuschalen, man kann dies gut von Pfeiler zu Pfeiler thun, doch müssen dann alle Pfeiler abgespreizt werden. Das so ausgeführte erste Ge- wölbe hat 27,5 zm Pfeilhöhe und ist ½ Ziegel stark in Cement gewölbt. Fig. 319. Die Pfeiler sind 2 Stein stark. Das Gewölbe hat sich selbst gegen Lastwagen vollkommen dauerhaft und sicher erwiesen. Anwendung der preußischen Kappen über Corridoren ꝛc. Die Anwendung der preußischen Kappen über Corri- doren, Zimmern u. s. w. unterscheidet sich von dem, in den vor- genannten Beispielen gegebenen Verfahren nicht wesentlich; im Allge- meinen vermeidet man die Spannweiten über 2,5 m , weil sonst zu starke Widerlagsmauern erforderlich sind. Einen sehr häufig vorkommenden Fall erkennen wir in Fig. 319, in welcher der seitliche 2,5 m breite Gang mit einer preußischen Kappe bedeckt worden ist; da die Widerlags- mauern in den Etagen die genügende Stärke nicht besitzen, um dem Kappenschub hinreichenden Widerstand leisten zu können, sind in Ent- fernung von 2 m Schließen (Zugstangen) zum Auffangen des Gewölbe- schubs angeordnet worden. Die Kappen sind ½ Ziegel stark und ohne Verstärkungsrippen ausgeführt. Weit vortheilhafter wäre es, die Kappenaxen normal zur Außen- mauer zu verlegen und zwar derartig, daß in 1,5—2 m Entfer- nungen Traversen verlegt werden, auf welche die Kappenanläufe zu liegen kommen, wie die Skizze Fig. 320 angiebt. Auf diese Weise erleiden die Mauern gar keinen Seitenschub, sondern macht sich nur ein verticaler Druck geltend. Wie bereits erwähnt wurde, können die Kappen auch eine solche Lage erhalten, daß die Axe entweder ansteigt oder auch ganz vertical zu stehen kommt; in letzterem Falle befinden sich die Anläufe und die Axe in einer verticalen Ebene. Die beiden letzten Anordnungen finden wir sehr häufig bei Isolirung der äußeren Funda- mente vom feuchten Erdboden und in den Fig. 320. Fig. 321 und 322 veranschaulicht. In dem Beispiel Fig. 321 legt sich eine lange Kappe, deren Widerlager vertical übereinander liegen, gegen die Außenmauer, wodurch ein linsenförmiger Luftkanal entsteht; die Kappe hält die Erde von der Gebäudemauer ab und den Keller trocken. Zwischen dem Isolirkanal und der äußeren Luft sind einige Circulationsschläuche b vorhanden, damit im Sommer die Luft im Kanal gehörig austrockne. Bei feuchter Witterung wird die äußere Mündung des Schlauches b mittelst einer Klappe gesperrt. Um auch das Aufsteigen der Erdfeuchtigkeit durch das Bruchsteinbanquett zu Zweites Kapitel. Die Gewölbe. verhindern, trennt eine Asphaltisolirschicht a das Kellermauerwerk vom Banquett. In Fig. 322 hat die Kappenaxe eine verticale Stellung und sind kleinere besonders vorgemauerte Pfeiler als Widerlager für die ver- ticalen Kappen vorhanden. Meistens giebt man den „Erdisolirkappen“, Fig. 321. Fig. 322. je nach dem Erddrucke, 1/10—⅙ Pfeilhöhe und ½ Stein zur Stärke; bei mehr als 1 m Höhe macht man sie 1—1½ Ziegel stark. Auch in Fig. 322 hat die Asphaltisolirschicht a denselben Zweck wie in Fig. 321; b ist der Lüftungsschlauch, welcher auch mit dem Keller selbst com- municirt. Auf der oberen Mündung der Kappe liegt eine Deckplatte. Wenn die Kellersohle eines Gebäudes unter dem „Grundwasser- niveau“ liegt, ist bei der gewöhnlichen Abpflasterung des Kellerbodens das Eindringen des steigenden Grundwassers in den Keller unver- meidlich, und zwar selbst dann, wenn die Wände und der Kellerfuß- boden mit Cement sorgfältig abgeputzt sind; denn das steigende Grundwasser übt einen so gewaltigen Druck gegen eine solche Keller- sohle aus, daß diese sich aufbaucht, sodann Risse bekommt und das Wasser in den Keller eindringen läßt. Anwendung der preußischen Kappen über Corridoren ꝛc. Das einzige Mittel, welches aber bei guter Ausführung immer hilft, besteht darin, daß man die Außenflächen der Fundamentwände gut mit Asphalt belegt und innerhalb mit Cement sorgfältig putzt, alsdann, und dies dürfte die Hauptsache sein, unter der Kellersohle ein umgekehrtes Kappengewölbe anordnet, dessen Seiten sich gegen die Fig. 323. festen Wände stützen. Dieses Verfahren erklärt die Fig. 323 und bezeichnet a in ihr die eben geschilderte Kappe. Zur größeren Sicher- heit mauert man zwei Kappen übereinander und ordnet man zwischen ihnen eine Asphaltschicht an, welche durch die Fundamente reicht und an den Außenflächen derselben hinaufsteigt. Daß die Kappen, sowie alles in der Erde steckende Fundament- mauerwerk in gutem Cementmörtel hergestellt werden muß, versteht sich von selbst. Die ansteigenden Kappengewölbe dienen zur Unterstützung der massiven Backsteintreppen, welche in sandsteinarmen Districten, wie z B. in Norddeutschland, ganz allgemein üblich sind. Einen solchen Fall giebt Fig. 324 A—C zu erkennen; A stellt den Grund- riß des 1. Stockwerks, B des Parterres und C den Querschnitt durch Zweites Kapitel. Die Gewölbe. die Treppenanlage nach der Schnittlinie x y. Die Treppe ist zwei- armig; eine massive Mittelmauer trennt beide Arme von einander. Fig. 324 A — C. Die Treppe beginnt in dem Keller und reicht bis zu dem Dachboden, woselbst eine horizontale Kappe den oberen Abschluß des Treppen- Construktion u. Ausführung der preußischen Kappengewölbe. hauses bildet. Bei jedem Austritt (obere Stufe eines Treppenarmes) und Antritt (untere desgl.) sind flache Gurtbögen vorhanden, welche der ansteigenden Kappe einen sicheren Halt bieten, welch’ letzterer allerdings nicht unbedingt erforderlich ist, da die Kappen sich gegen die mittlere Scheidewand und die Treppenhauswände anlegen. Auch die Ruheplätze (Podeste) liegen auf Kappen, und zeigt daher dieses Beispiel eine mannigfaltige Verwendung dieser Gewölbeart. Im Uebrigen ver- weisen wir auf Abschnitt „Treppenconstruktionen“ im 3. Bande d. W., woselbst derartige Anordnungen ausführlicher mitgetheilt sind. Die ansteigenden Kappen können auch so sein, daß die Scheitel- linien ganz horizontal, die Widerlagslinien aber in verschiedenen Höhen liegen. e) Die Construktion und Ausführung der preußischen Kappengewölbe . Besondere Beachtung verdient die Einwölbung der Kappen; diese kann nach fünf verschiedenen Methoden ge- schehen : Fig. 325. Erstens : Die Kufwölbung haben wir bereits bei Herstellung der Tonnengewölbe geschildert; sie besteht aus Läuferschaaren, deren Lagerflächen radial, d. h. nach dem Kreismittelpunkt gerichtet sind. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Die Läuferschaaren liegen in paralleler Richtung mit der Gewölbeaxe und wechseln verbandmäßig mit einander ab. Die Einwölbung ge- schieht immer auf verschalten oder belatteten Lehrbögen, welche in etwa 1—1,5 m Entfernung stehen. Dieses Verfahren veranschaulichen die Fig. 325, 326 A B und 327 A. Da im vorliegenden Falle bei 2,25 m Fig. 326 A—B. Kappenbreite die Pfeilhöhe circa 26 zm beträgt, lassen sich die Lehr- bögen l , wenn noch etwa 2½ zm für die Lattenstärke in Abzug kommen, Construktion u. Ausführung der preußischen Kappengewölbe. Fig. 327 A—B. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. ganz gut aus einem einzigen Brette herstellen. Die Lehrbögen stehen, wie Fig. 326 B zeigt, 1 m auseinander und ruhen mit ihren Enden auf den Hölzern r r , die ihrerseits wiederum von vier Pfosten s gestützt werden. Die Stützpfosten stehen auf Keilen (k) , welche man beim Abreißen des Gerüstes zuerst entfernt. Fig. 326 B giebt den Längen- schnitt durch das Gewölbe und Fig. 327 A veranschaulicht den Grund- plan der Einlattung nebst einem Stück der Einwölbung w. Die Wider- lagsflächen v der Kappen (siehe Fig. 325) sind nach dem zum Kreis- segment gehörigen Mittelpunkt c gerichtet. Die Gurtbögen können alle Bogenformen erhalten, meistens nimmt man den Segmentbogen (siehe Fig. 312) an; in dem vorliegenden Beispiel (Fig. 325 und 326) haben die Gurtbögen G eine gedrückte Korbbogenform. Fig. 326 A stellt den Gurtbogen allein mit der Bogenrüstung dar, auch in Fig. 325 ist der Gurtbogen im Quer- schnitt ersichtlich. Die Gurt-Lehrbögen werden von drei Stielen unter- stützt und lagern mit ihren Enden auf einigen Holzklötzen; mittelst Keilen kann man die Lehrbögen jederzeit senken oder heben. Auf den Gurtbögen wird die Nachmauerung m m bis über das Kappenwider- lager v v aufgeführt welch’ letzteres man sogleich bei Herstellung der Nachmauerung und der Gurtbögen nach einer Schablone ausspart. Hierbei muß aber beachtet werden, daß die unterste Widerlags- kante mindestens 8 zm über dem Gurtbogenscheitel be- ginne . Die Einwölbung „auf den Kuf“ war bis vor etwa 25 Jahren ganz allgemein gebräuchlich; seit dieser Zeit sind bessere Methoden in Anwendung, sodaß jetzt die Kufwölbung eigentlich nur noch bei offenen Gewölben und bei Kappen über 4 m Spannweite stattfindet. Die Uebelstände der Kufwölbung sind: a) geringe Verspannung in der Längenrichtung der Kappe; b) das Wölben auf einer vollständigen Einschalung der Ein- lattung der Lehrbögen, und daher ziemlich kostspielige Herstellung. Bei Anfertigung mehrerer, nebeneinander liegender Kappen ist es nöthig, entweder alle Kappen gleichzeitig in Angriff zu nehmen oder gegenseitig abzusteifen, damit der Kappenschub das schwache Wider- lager nicht fortschiebe. Zweitens: Die Schwalbenschwanzeinwölbung der Kap- pen unterscheidet sich von der Kufwölbung vornehmlich in der ab- Construktion u. Ausführung der preußischen Kappengewölbe. weichenden diametralen Richtung der Lagerfugen, indem man bei der Schwalbenschwanzeinwölbung von den Ecken aus zu mauern beginnt (Fig. 327 B ). Auf diese Weise entstehen sehr viele kleine, ¼ Stein breite Bögen, welche entweder sich gegen die berührenden Lang- und Stirnmauern anlegen oder theilweise in der Scheitellinie a a der Kappe zusammenstoßen und im Zickzack in einandergreifen. Auf diese Weise wird die zu schließende Oeffnung immer enger, bis endlich in der Mitte nur einige Steinstücke zum Schließen der Kappe ausreichen. Fig. 327 B zeigt die Einwölbung so genau, daß sie keiner weiteren Erklärung bedarf. Streng genommen sind die im Grundriß gezeichneten geraden Linien schief, da die Linien, welche die Lagerflächen erzeugen, stets normal zu der Bogenlinie, die elliptisch ist, sein müssen und die man erhält, wenn in dem Punkt, für welchen man die Fugenrichtung sucht, die Mantelfläche durch eine senkrechte Ebene unter 45° zur Axe ge- schnitten wird — jedoch, da die Abweichung von der geraden Linie in flachen Kappen ganz unbedeutend ausfällt, beachtet man sie in der Praxis gar nicht. Wie bereits erwähnt, dienen bei dieser Ein- wölbung die Stirnmauern auch als Widerlagsmauern, weil der Schub des Gewölbes die Mauern in schräger Richtung zu ihrer Flucht trifft. Die Einwölbung beginnt in allen Ecken gleichzeitig; in der Scheitel- linie und in der Mittellinie normal zur Axe werden die Schichten zusammengestoßen. Die Vorzüge dieser Einwölbung, gegen die „auf den Kuf“, sind folgende: a) es ist keine durchgehende Brechungsfuge vorhanden; b) die durchgehenden Lagerfugen sind kürzer und daher setzt sich das Gewölbe weniger; c) der Kappendruck vertheilt sich auf alle Umgrenzungsmauern, deshalb brauchen die Langmauern nicht so stark zu sein, wie bei der Kufwölbung, und erhält die ganze Kappe eine bessere Verspannung; d) es liegt im Belieben des Construkteurs, sowohl der Scheitel- linie, als auch den Widerlagslinien eine geringe Stechung nach der Mitte hin zugeben, um dadurch dem starken Setzen der Kappe in der Mitte vorzubeugen; Zweites Kapitel. Die Gewölbe. e) man braucht keine Einschalung oder Einlattung, sondern es genügen schon die Lehrbögen allein zur richtigen Her- stellung des ganzen Gewölbes (siehe Fig. 327 B ). Drittens : Von Breymann wird in seinem Handbuch „Baucon- struktionslehre“ eine andere Schwalbenschwanzwölbung vorgeschlagen, bei welcher der Arbeiter in der Mitte zu wölben beginnt und hierzu die Richtung der Steine von der Mitte aus rechtwinklig annimmt, sodaß die kürzeren Fugen zu Lagerfugen, die durchgehenden zu Stoß- fugen werden. Dieses Verfahren verdeutlicht die Fig. 328 und wird Fig. 328. dann zweckmäßig sein, wenn die Kappenwiderlager nicht höher als bis zur Oberkante der Widerlagsfläche ausgeführt werden sollen. Viertens: Ringförmige Einwölbung auf Rutschlehr- bögen . Hierbei haben die Lager- und Stoßfugen dieselbe Richtung wie bei der Kufeinwölbung, aber es gehen die Stoßfugen von Wider- lager zu Widerlager durch und die Lagerfugen wechseln verband- mäßig ab (Fig. 329 A—C ). Diese Einwölbung ist jetzt fast allent- halben ganz allgemein gebräuchlich und besitzt allen anderen gegen- über folgende Vortheile: a) wie in Fig. 327 B fehlt auch hier die durchgehende Brechungsfuge; b) es kommen nur ein Viertel soviel Lagerfugen vor, mithin ist die Preßbarkeit des Mörtels von geringerem Einflusse beim Setzen der Kappe; c) durch die Reibung und Bindekraft des Mörtels wird bei der großen Berührungsfläche der Steine in den Stoßfugen ein bedeutender Theil des Schubs aufgehoben; Ringförmige Einwölbung auf Rutschlehrbögen. d) man bedarf bei dieser Einwölbung gar keiner verschalten oder feststehenden Bogenrüstung, sondern die Einwölbung Fig. 329 A—C. geschieht auf Rutschbögen ; zu jedem Gewölbe braucht man nur einen Rutschbogen, der für jede neue Schaar auf Latten fortgeschoben wird. Die Befestigung der Fig. 330. Latten geschieht mittelst Bankeisen (Fig. 330). Die Ringe reichen nicht in gerader Richtung von einem Widerlager zum anderen, sondern sind etwas gebogen (Fig. 329 B C ); dadurch schiebt die Kappe ein wenig gegen die Stirnmauern Wanderley, Bauconstr. II. 21 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. und entsteht in der Mitte des Kappenfeldes ein linsen- förmiger Schlitz, der an der weitesten Stelle höchstens eine Steinlänge mißt und mit der gewöhnlichen Kufwöl- Fig. 331. bung (e) geschlossen wird. Wie bereits erwähnt, verdient die ringförmige Einwölbung auf Rutschbögen bei Kellergewölben vor allen anderen Methoden den Vorzug. Fünftens : Moller hat, um den Schub der Kappe ganz und gar aufzuheben und in einen verticalen Druck zu ver- wandeln, die Hinter- (resp. Nach-) mauerung bis zur Scheitelhöhe des Kappenrückens im Verbande mit dem Ge- wölbe hergestellt, und zwar in der Weise (Fig. 331), daß die eine Schaar aus Läufern (l) , die andere aus Streckern besteht; letztere ist mit der Nachmauerung vereinigt und schließt mit der oberen, von der Nachmauerung bestimmten horizontalen Linie a f ab. Die Nachmauerung über den Läuferschaaren setzt sich aus hochkantig gestellten Ziegeln zu- sammen und reicht bis in das Widerlagsmauerwerk abc hinein; in der Streckerschaar ist das Wi- derlager f h g zwar isolirt ge- mauert, es erhält aber durch den Mörtel mit dem übrigen Mauerwerk eine feste Lage. Ueberhaupt spielt hierbei die Bindekraft des Mörtels eine große Rolle, und wäre be- Oeffnungen in den Kappen. sonders die Verwendung des Cementmörtels anzurathen. Solche Gewölbe hat Moller bei 3 m Spannweite und 0,4 m Pfeilhöhe in der Mitte ½ Stein stark gemacht und auf nur 1 Stein starke Wider- lagsmauern gesetzt! f) Oeffnungen in den Kappen . Vielfach kommt es vor, daß in den Kappen Oeffnungen angebracht werden sollen für Kellertreppen, Windeaufzüge, Fenster, Thüren u. s. w. Als Grundsatz gilt hierbei, daß an den Stellen, wo das Gewölbe durchbrochen wird, der frei- schwebende Kappentheil ein genügendes Widerlager erhalten muß; dieses geschieht durch Einlegen der ½—1 Stein starken Bögen, welche sich entweder ganz schließen (wie Fig. 332 B C ) oder gegen die Um- fangsmauer stützen (Fig. 332 A C ). Oefters sollen Linsengläser in Fig. 332 A—E. der Mitte des Gewölbes vorhanden sein, um den Kellerraum von oben zu erhellen; zu diesem Behufe wird entweder eine runde (Fig. A ) oder eine viereckige Oeffnung (Fig. D ) an der Stelle des Schluß- 21* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. steines angeordnet, in welche ein eiserner Kasten hineinpaßt. Für Windeaufzüge werden die Oeffnungen bei Schwalbenschwanzwölbung nach Fig. A und bei der Kufwölbung nach Fig. C ausgespart. Auch wenn das Gewölbewiderlager auf das Fenster trifft, muß man einen Stützbogen wölben und zwar in der Weise, daß ein 1 Stein starker Bogen den Gewölbeschub aufnimmt, und eine ansteigende Stichkappe die entstandenen Lücken ausfüllt (Fig. 333). Fig. 333. Fig. 334. IV. Das Klostergewölbe . (In Oesterreich auch häufig Kappengewölbe genannt.) Bereits weiter oben haben wir entwickelt, daß das Klostergewölbe aus der Zusammensetzung von Wangenstücken besteht. Die Grund- form kann eine beliebige sein, quadratisch, polygonal, regelmäßig oder unregelmäßig. a) Graphische Construktionen . Wie aus der Entstehung des Klostergewölbes schon hervorgeht, muß dasselbe so viele Widerlags- mauern haben, als Umfangsseiten vorhanden sind; das Klosterge- wölbe ist demnach immer ein geschlossenes Gewölbe. Bei Herstellung eines solchen Gewölbes muß, wenn die Grundfläche unregelmäßig ist, zuerst die Wölbungslinie in einer Ebene senkrecht auf eine der Um- Graphische Construktion der Tonnengewölbe. fangsmauern festgesetzt werden (siehe Fig. 334), aus der man die Form der Diagonalbögen ableitet (Viertelkreise); letztere werden alsdann aus dem Hauptbogen mittelst Vergatterung ausgetragen. Die Gestalt dieses Klostergewölbes giebt zu erkennen, daß dasselbe nur einen höchsten Punkt hat, nämlich den Scheitelpunkt; dieser liegt stets über dem Schwerpunkt des Raumes. Verbindet man im Grund- risse des zu überwölbenden Raumes den Schwerpunkt mit allen Ecken des Polygons, so entstehen die Horizontalprojectionen der Diagonal- oder Gratlinien. Denkt man sich nun wieder durch den Scheitelpunkt mehrere ver- ticale Ebenen senkrecht auf die Umfassungsmauern des Gewölbes ge- legt und zieht man ferner vom Schwerpunkte aus Linien senkrecht auf die einzelnen Polygonseiten, dann ergeben sich die kürzesteu Richtun- gen für die Wölbungslinie, also die Quadranten a a' e , von denen wiederum alle übrigen Bögen abgeleitet werden können. Fig. 335 zeigt ein Klostergewölbe über einem regelmäßigen sechs- eckigen Raume. Fig. 335. Die Ableitung des Gratbogens geschieht auch hier nach der Ver- gatterung. Es wird z. B. die Sehne ½ A B in 7 Theile von a bis h getheilt, hierauf werden die Senkrechten a a' , b b' ꝛc. errichtet, dann Zweites Kapitel. Die Gewölbe. die Horizontalprojection des Diagonalbogen a x in ebenso viele gleiche Theile getheilt, hierauf ebenfalls Senkrechte gezogen und letztere gleich den Höhen a a' b b' c c' ꝛc. gemacht, so erhält man die halbe in der Richtung der Diagonale a x gelegene Ebene oder den Diagonalbogen in wirklicher Größe. Um nun die halben Diagonalbögen über a x in der Verticalprojection zu erhalten, werden die Punkte von a bis x lothrecht projicirt, alsdann von der Horizontalfläche x x in der Verticalprojection die Höhen a a' b b' ꝛc. abgetragen, wie in der Zeichnung zu ersehen ist. Soll der Segmentbogen festgestellt werden, und sind nur die Punkte A und B und die Pfeilhöhe a a' gegeben, so verlängere man die Senkrechte a a' , verbinde man a' mit B , nehme man dieselbe als Sehne des halben Segmentbogens an, errichte man auf a' B ein Loth m n , welches die verlängerte Pfeilhöhe trifft, dann ist n der Mittel- punkt des Segmentbogens A a' B. b) Anwendung . Das Klostergewölbe findet im Allgemeinen wenig Anwendung, da es nur über quadratischen und regelmäßigen polygonalen Räumen gut aussieht und die Anlage der Fenster und Thüren erschwert. Bereits in Fig. 317 sind Klostergewölbe über den Räumen l und k vorhanden; das Gewölbe über k hat eine ganz regelmäßige achtseitige Gestalt nach Art von Fig. 325, über l dagegen ist die Grundform unregelmäßig und fünfseitig. Beim Klostergewölbe sind alle Umfangsmauern gleichzeitig Wider- lagsmauern, die in ihrer Mitte den stärksten Schub erleiden, wenn das Gewölbe auf den Kuf gemauert ist. Das hohe Klostergewölbe beschränkt die Ausnutzung des Raumes noch mehr als das volle Tonnengewölbe. Sämmtliche Wände müssen als Widerlagsmauern dieselbe Stärke erhalten, wie bei Tonnengewölben von gleichen Ab- messungen, da man die Wände nicht wohl von der Mitte aus, wo sie am meisten in Anspruch genommen sind, nach den Ecken hin schwächer machen kann. Die Fenster- und Thüröffnungen werden ebenso gemacht, wie bei den Tonnengewölben. c) Einwölbung und Construktion . Die Einwölbung des Klostergewölbes geschieht auf zwei Arten: „ auf den Kuf “ und „ auf den Schwalbenschwanz .“ 1. Die erstere Methode veranschaulichen die nächsten Beispiele: Auf Tafel II ist die allgemeine Construktion eines hohen Kloster- gewölbes in Grundrissen und Querschnitten gegeben. Der Raum hat eine quadratische Grundform; A giebt die untere Ansicht des Gewölbes Einwölbung und Construktion der Klostergewölbe. Fig. 336. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. mit dem Steinfugenschnitt, B zeigt die obere Ansicht des Extrados mit der Nachmauerung, C stellt den Querschnitt nach der Schnittlinie S S , D nach S T. In letzterem Querschnitt (D) sieht man einen Theil des Extrados. Den Diagonalschnitt durch dieses Gewölbe giebt Fig. 336. Beim Zusammentreffen der Schichten in der Kehle (Ixe) muß die Stoßfuge der einen Schaar der einen Wange sich genau der Lager- fuge der gleich hohen Schicht der anderen Wange anschließen. Es greifen daher die Schichten der einen Wange abwechselnd in die an- dere Wange über. Die Steine müssen hierzu nach einer doppelten Schmiege gehauen werden, wobei in den Kehlen aber immer ein Stück an dem einen Steine fehlt, welches vorhanden sein müßte, wenn sich Fig. 337. Fig. 338. die inneren Leibungen in der Kehllinie vollständig schneiden sollen (Fig. 337). Der auf diese Weise sich bildende hohle Winkel wird beim Putzen des Gewölbes ausgefüllt. Der Rücken kann vollständig nach der rich- tigen Extradosfläche abgearbeitet werden, da es aber auf dessen Aus- sehen nicht ankommt, kann im Grat die vortretende Steinecke auch stehen bleiben. Für die Einwölbung auf den Kuf ist eine vollständige Einschalung oder Einlattung der Lehrbögen erforderlich. Man stellt zuerst einen ganzen Diagonallehrbogen b auf und unterstützt denselben in der Mitte mit einem Stiele m („Mönch“), alsdann legt man gegen diesen Bogen in der anderen diagonalen Richtung zwei halbe Diagonal- bögen a a. Sodann ordnet man die sogenannten Hauptbögen c und die „Schiftbögen“ s an, welche an den Stellen, wo sie gegen die Einwölbung und Construktion der Klostergewölbe. Diagonalbögen anstoßen, ebenfalls mit „Mönchen“ unterstützt werden. Dieses Gerippe wird sodann eingeschalt oder belattet (Fig. 338). 2. Für die Schwalbenschwanzeinwölbung ist eine Ver- schalung nicht erforderlich. Hierbei müssen die Steine wegen der bedeutenden Krümmung der Leibung sehr stark verhauen werden und in den Kehlen von einer Wange in die andere überbinden. In der Mitte der Wangen werden die Schichten zusammengestoßen. In Bezug auf die Richtung der Lager- und Stoßfugen gilt hier dasselbe was beim Kappengewölbe gesagt worden ist mit der geringen Modification, daß hier die Windschiefe, wegen der stärkeren Krümmung der Mantelfläche, ersichtlicher ausfällt. Der Vortheil dieser Einwölbung beruht besonders in der doppelten Spannung im Grat (Kehle). Die Materialersparniß kommt aber kaum in Betracht. Die Schwalbenschwanzwölbung findet bei massiven Herdmänteln Verwendung, wie die Fig. 339 und 340 in der Ansicht und dem Fig. 339. Grundrisse veranschaulichen. Das Gewölbe ist nur halb es trägt oben den befahrbaren Schornstein und stützt sich unten auf die Eichen- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. holzbalken, welche bei b überblattet sind; a ist die Herdmauer und h der Feuerherd selbst. Erwähnt sei übrigens, daß solche offene Fig. 340. Feuerungsanlagen nur noch in ländlichen Arbeiterhäusern eingerichtet werden, und wir dieses Beispiel blos der Einwölbung halber hier vorgeführt haben. 3. Ein Klostergewölbe ganz besonderer Art entsteht, wenn man von einem gewöhnlichen Klostergewölbe über einem quadratischen Raum die vier Ecken durch senkrechte Ebenen auf die Verbindungs- linien der Mittelpunkte der Grundseiten abschneidet; man erhält dann ein Gewölbe, welches einem Kreuzgewölbe sehr ähnlich aussieht und den größten Theil seines Schubes auf die Winkel des überwölbten Raumes überträgt (Fig. 341). Wenn dann der ursprüngliche Kloster- Fig. 341. gewölbequerschnitt ein Halbkreis ist, werden die Schildbögen (Anläufe) über e f , f g , l g , e l , Spitzbogen und die Kehlbogen m h und k n Ellipsen Beispiele von Klostergewölben. sein. Selbstverständlich lassen sich in der Richtung f l und e g alle Bogenformen zu Grunde legen und die anderen Bögen nach der Ver- gatterung ermitteln. Diese Einwölbung eignet sich für alle Kloster- gewölbe mit schwachen Widerlagsmauern, da hierbei der Gewölbeschub größtentheils nach den Ecken übergeht — allerdings geht dabei das Charakteristische des Klostergewölbes ganz verloren. d) Beispiele . Eine hübsche Verwendung hat das Klostergewölbe gefunden in der Capella de Vitelli in S. Francesco zu Città di Castello in Umbrien (Fig. 342); die Capelle ist im Grundrisse qua- Fig. 342. dratisch gestaltet und mit einem halbkreisförmigen, 7,5 m breiten Klo- stergewölbe überdeckt, welches sich auf das elegante Gebälk stützt. Jede Wange wird von einer Stichkappenlünette durchbrochen, damit die Halbkreisfenster angebracht werden konnten. Interessant ist auch die Construktion des Klostergewölbes über einem Bildersaale in der vom Königl. Baumeister v. d. Hude ausge- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. führten Kunsthalle zu Hamburg. Das Gewölbe (Fig. 343) bietet be- sonders in seinem unteren Theile einige von den sonst üblichen An- ordnungen abweichende Construktionen; oben ist es offen, für das den Saal zu erhellende Oberlicht. Dem Gewölbe liegt die Halbkreis- Fig. 343. bogenlinie zu Grunde. Zur Verschönerung der inneren Gewölbe- fläche, sowie um den Gewölbeschub nur auf einzelnen Stellen zu über- tragen, ist der untere Theil durch Stichkappen durchbrochen, deren Kämpfer auf breiten Consolen ruhen. Uebrigens haben die Stichkappen in Wirklichkeit nur sehr wenig zu tragen, da das durchgehende eiserne Traversengerippe, bestehend aus den Traversen t und t' , den Ge- wölbedruck aufnimmt und unschädlich macht. Die ganze Decke ist sehr reich und elegant mit Stückaturung und Malerei geschmückt. System der Muldengewölbe. V. Das Muldengewölbe . Längliche Räume, welche zur Ueberwölbung mit Klostergewölben nicht geeignet sind, lassen sich ganz gut mit Muldengewölben überdecken. a) System . Dieses Gewölbe entsteht, wenn gegen die Stirnen eines Tonnengewölbes Wangenstücke gelegt werden, welche nach derselben Bogenlinie wie die Tonne gewölbt sind (Fig. 344). Flache Bögen Fig. 344. kommen hierbei nie vor, sondern entweder Halbkreise oder Korbbögen. Die Grundform dieses Raumes kann sowohl rechtwinklig , als auch trapezförmig sein, so daß die eingeschobenen Wangen entweder senkrecht oder geneigt zur Axe des Tonnengewölbes liegen. In Fig. 345 ist ein Muldengewölbe über trapezförmigem Raume dargestellt. Fig. 345. Die Durchdringung der Cylinderflächen zeigt sich im Grundrisse als gerade Linien (Grat- oder Diagonallinien). Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Der gerade Querschnitt m n ist hier als ein Halbkreis angenommen, und die Wölbungslinien, von den Punkten a a senkrecht auf die beiden andern geneigten Seiten des Trapezes gezogen, sind beispielsweise Viertelkreise desselben Halbkreises. Um daher die Endpunkte a'—a' der Scheitellinie zu erhalten, ziehe man in gleichen Entfernungen parallele Linien zu den geneigten Seiten des Trapezes, und findet man dann im Durchschnitt dieser mit der Scheitellinie die gesuchten Punkte a'—a'. Die Linien a—e sind die Horizontalprojectionen der Diagonalbögen, deren wirkliche Längen leicht aus der Vergatterung herzuleiten sind. Um die Vergatterung zu erhalten, theile man die halbe Spannweite des Halbkreises in be- liebig große Theile, und errichte die Senkrechten d d' , c c' , b b und a a; man theile dann die halben Diagonalen mittelst Parallelen in dem- selben Verhältnisse ein, errichte darauf Senkrechte, mache dieselben ent- sprechend den Höhen des Halbkreises und verbinde die Punkte a' , b' , c' , d' , e' zu einer Curve, so giebt diese die Diagonallinie in wirk- licher Größe. b) Bezüglich der Construktion gilt hier dasselbe, was bei den Tonnen- und Klostergewölben mitgetheilt wurde. Fig. 346. Für die Einwölbung ist eine vollständige Einschalung erforderlich, deren Lehrgerüst die Fig. 346 im Grundriß veranschaulicht. VI. Das Spiegelgewölbe zerfällt in zwei Theile, in den unteren und in den oberen (Fig. 347). a) System . Der untere Theil ist ein herumlaufendes halbes Klostergewölbe von geringen Dimensionen; der obere Theil a b d c besteht aus einem flachen, fast horizontalen Klostergewölbe und heißt „ Spiegel .“ Fig. 347 giebt ein Spiegelgewölbe über einem unregel- System und Construktion der Spiegelgewölbe. mäßigen Raume; c d e f ist der Spiegel, der gefunden wird, wenn der Abstand a b an allen Seiten gleich ist und die Linien c d , c f , f e und e d mit den Seiten des Raumes parallel liegen. Fig. 347. b) Construktion . Der untere Theil des Spiegelgewölbes wird seiner Abstammung gemäß „auf den Kuf“ gemauert und erscheint als die Fortsetzung der Wand resp. als große Hohlkehle. Um das Mauer- werk nicht zu schwächen, wird die Kehle theilweise durch Auskragung der Ziegeln gebildet. Die Einwölbung des Spiegels geschieht am besten auf den Schwalbenschwanz mit mindestens 1/36 der Diagonale zur Stechung (Pfeilhöhe). Bei Bestimmung des Querschnittes eines Spie- gelgewölbes legt man die Korbbogenlinie zu Grunde, indem man den Spiegel durch eine gering gebogene Linie aus einem weitentfern- ten Mittelpunkte ersetzt. In der Regel pflegt man den Spiegel von der Hohlkehle durch ein kleines Gesims zu trennen, und die gebogene Spiegelfläche mit Gipsmörtel scheitrecht auszugleichen. Die Einwöl- bung geschieht auf einer vollständigen Einschalung; auch hängt die Solidität des Gewölbes hauptsächlich von der sorgfältigen Arbeit und der Bindekraft des Mörtels ab. Am besten wäre es, zu dem ganzen Gewölbe nur Cementmörtel zu verwenden. Die Stärke der Hohlkehlen beträgt meistens 1 Ziegel, die des Spiegels aber nur ½ Stein. Die genaue Construktion nebst dem Fugenschnitt erkennen wir in Fig. 348. Die Einwölbung auf den Kuf findet bis zur Linie a a statt, als- dann beginnt die Schwalbenschwanzwölbung im Spiegel selbst. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Die Breite des Spiegels macht man bei Ausführung in Ziegeln nicht gern über 3,5 m ; bei größern Spannweiten ist es jedenfalls besser, Fig. 348. die ganze Decke aus Holz anzufertigen und zu verschalen oder, wenn man durchaus eine massive Decke construiren will, Eisenconstruktionen in reichlichem Maße zu verwenden Lange Spiegelgewölbe werden mit Verstärkungsbögen, die in Abständen von 3—4 m vorkommen und in der flachen Korbbogenlinie von einer Hohlkehle zur anderen reichen, versehen. Es bedarf keines Nachweises, daß die Ziegelgewölbe sich selbst nur eben halten können und daher auch eine fremde Belastung nicht tragen dürfen. Bei reicher Ausstattung des Gewölbes ordnet man in der Hohl- kehle einige vortretende profilirte Bögen an (wie bei den Tonnen- und System und praphische Construktion der Kuppelgewölbe. Kappengewölben), wodurch Kassetten entstehen, oder man löst die ganze Hohlkehle in Stichkappen auf. VII. Das Kuppelgewölbe . a) System und graphische Construktionen . Bewegt sich um eine verticale Gerade eine einfach gekrümmte Curve, deren Ebene durch diese Gerade geht, in der Weise, daß jeder Punkt derselben während dieser Bewegung von der gegebenen Geraden dieselbe Ent- fernung behält, so entsteht ein Rotationskörper ; die Curve a c ist die Erzeugende, die verticale Linie a b hingegen die Drehachse (Fig. 349). Wird uun ein solcher Rotationskörper einem Gewölbe zu Grunde gelegt, dann nennt man das Gewölbe ein Kuppel- gewölbe ; ist beispielsweise die erzeugende Curve ein Halbkreis, dessen Verbindungs- linie der beiden Endpunkte horizontal ist, und durch dessen Mittelpunkt die verticale Drehaxe geht, so heißt das Gewölbe ein kugelförmiges Kuppelgewölbe oder Kugelgewölbe ; wenn die Curve a c Fig. 349. eine Ellipse, eine Parabel, ein Korbbogen u. s. w. ist, führt das Ge- wölbe den Namen: ein ellipsoidisches, parabolisches ꝛc. Kuppelgewölbe. Man kann sich ein elliptisches Kuppelgewölbe über einem elliptischen Grundrisse auch so entstanden denken, daß die erzeugende Curve Fig. 350. Fig. 351. x y x sich um eine große Axe x x (Fig. 350) dreht und letztere stets horizontal bleibt. Sodann giebt jeder Schnitt x in normaler Richtung Wanderley, Bauconstr. II. 22 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. zur großen Axe einen Kreis und jeder Schnitt parallel zur Axe x x eine Ellipse. Es ist sehr leicht einzusehen, daß alle Gewölbeformen mit verticaler Drehaxe einen horizontalen Kreis zur Kämpferlinie haben müssen, demnach eine kreisförmige Umfassungsmauer zu Widerlagern er- fordern. Man kann diese Gewölbeformen auch über eckige Räume anwenden , wie wir nun gleich bei den einzelnen Beispielen sehen werden. Fig. 351 zeigt das Kugelgewölbe über einem kreisförmigen Raume. Die Querschnitts-Curve, welche die Leibung erzeuget, nennt man die Wölbungslinie, und diese ist hier der Halbkreis a c' b . Denkt man sich aus einer großen Kugelfläche mittelst einer horizonta- len Ebene eine Kalotte abgeschnitten und benutzt man diese als Leibung für ein Gewölbe, so entsteht ein flaches Kugelgewölbe oder eine flache Kuppel (Fig. 352). Es läßt sich aber auch hierbei jede andere Curve als Erzeugende für eine solche Gewölbeform anwenden. Fig. 352. Manchmal pflegt man die Leibungsfläche eines Kugelgewölbes auf irgend eine Art zu verzieren, wie das nachfolgende Beispiel veran- schaulicht. System und graphische Construktion der Kuppelgewölbe. In Fig. 353 A und B sei ein vollständiges Kugelgewölbe gegeben, und im Grundriß desselben irgend eine aus geometrischen Formen gebildete Figur zur Verzierung des Gewölbes gezeichnet; es soll nun Fig. 353 A—B. diese Figur auf das Gewölbe in der Weise übertragen werden, daß sie entweder als Rippen oder als Malerei sichtbar bleibe; ferner soll die Größe der einzelnen Rippen bestimmt werden. Diese Construktion wird noch mehrfach in späteren Beispielen An- wendung finden, aus welchem Grunde die Erklärung hier möglichst allgemein gehalten werden soll. Vor Allem sind folgende Gesetze festzustellen: Jeder Schnitt einer Kugel durch eine Ebene in beliebiger Lage giebt einen Kreis; geht die Ebene durch den Mittelpunkt der Kugel, so zeigt die Schnittfläche den größten Kreis. Geht sie nicht durch den Mittelpunkt, so entstehen Halbkreise, deren Durchmesser gleich der Sehne der Kugelgrundfläche sind, welche durch die Durchschneidung der ver- ticalen Schnittebene und der Kugelgrundfläche gebildet wird. In dem gegebenen Gewölbe sind zweierlei Rippen, nämlich über a c und über a b , vorhanden; da die Rippe über a c in einer durch 22* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. den Mittelpunkt gehenden Verticalebene liegt, so muß erstere nach dem größten Kreise der Kugel, nämlich nach der Wölbungslinie, ge- krümmt sein. Die genaue Construktion der einzelnen Rippen in der verticalen Projection geschieht am einfachsten mittelst Vergatterung, die in dem nachstehenden Beispiel noch ersichtlich wird (Fig. 354). Fig. 354. Wir finden hier die Verbindung eines Tonnengewölbes mit einem Kuppelgewölbe, und zwar wird darin ein Kugelgewölbe von einem halbkreisförmigen Tonnengewölbe, dessen Axe horizontal liegt und durch den Mittelpunkt des ersteren geht, durchdrungen. Die Durchdringungscurve der Cylinder- und Kugelfläche ist, da die Axe der ersteren durch den Mittelpunkt der letzteren reicht, ein Halbkreis und zwar der Ergänzungshalbkreis der Cylinderfläche. Der- selbe projicirt sich im Grundrisse als eine gerade Linie a b , während er in der Verticalprojection als Halbellipse erscheint. Letztere läßt sich mittelst Vergatterung aus dem Querschnitte des halbkreisförmigen Tonnengewölbes ermitteln, wie in der Figur hin- reichend deutlich ersichtlich ist. System und graphische Construktion der Kuppelgewölbe. Es lassen sich nun noch verschiedenartige Modificationen anordnen, stets aber ist immer der Satz festzuhalten, daß durch beide sich durch- dringende Gewölbeformen Hülfsebenen zu legen sind, welche das Cylindergewölbe nach einer geraden Erzeugenden, das Kuppelgewölbe nach einem Kreis oder sonst einer construirten Curve schneiden. Aehnlich verhält es sich, wenn das Kugelgewölbe durch Vertical- ebenen nach Halbkreisen schneidet, deren Durchmesser gleich den Seiten der Grundfigur sind. Fig. 355 zeigt das Princip einer solchen Gewölbeform über einem quadratischen Raum und giebt die nähere graphische Construktion für ein solches Kuppelgewölbe. Die Wölbungslinie ist ein Halbkreis, dessen Durchmesser gleich der Diagonale des Quadrates mißt. Die Kämpferlinien an den Umfassungs- mauern bestehen aus vier congruenten Halbkreisen, welche in den Fig. 355. Ecken zusammenlaufen. Es ist nun auch bei diesen Gewölben, wenn die Schildmauern offen sein sollen, e f der Gurtbogen, welcher hier gleichzeitig als Widerlager dient. Der Gurtbogen steht um das Stückchen a b vor der Schildlinie des Gewölbes, damit noch ein hin- reichendes Widerlager übrig bleibe. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Wenn der Pfeiler quadratisch werden soll (Fig. (355 A—C ), so muß man, um den Vorsprung a b zu erhalten, den Durchmesser e f der Wölbungslinie etwas größer, als die Diagonale des Qua- drates angiebt, machen. Ist der Vorsprung a b gegeben, so pro- jicire man g' nach g , um den Radius der Wölbungslinie angeben zu können. Um den verticalen Diagonalschnitt zu zeichnen, beschreibe man erst mit dem Radius c b über d e einen Halbkreis und zeichne man die Schildbögen über f d und f e in der Ansicht mittelst Ver- gatterung. Die hier gegebene Gewölbeform gehört eigentlich nicht mehr zu den Kuppelgewölben, wir reihen sie hier aber dennoch ein, weil sie den Uebergang zu den folgenden bildet. Fig. 356. Fig. 357. Sehr oft werden nämlich die Gewölbe nach Fig. 355 auch in der Weise construirt, daß die über den vier Widerlagsbögen befindliche Kalotte von den zwischen denselben liegenden Zwickeln durch horizon- tale Cylinder (Gesims) getrennt werden, wie in Fig. 356 A und B gezeigt ist. Die Wölbungslinie der vier Zwickel oder Pendentifs ( m ) hat die Diagonale x y des Quadrates zum Durchmesser, während die der System und graphische Construktion der Kuppelgewölbe. Kalotte selbst einen größeren Durchmesser a—b besitzt, welcher von der Höhe des Gesimses abhängt. Streng genommen hat man sich zwei Halb- kugeln mit geringem Durchmesserunterschied übereinander zu denken, von denen der obere flache Kuppelabschnitt den Namen „ Kalotte “ führt. Statt der Kalotte, deren Mittelpunkt mit demjenigen der Halbkugel- basis zusammen fällt, findet man auch öfters eine größere Kalotte, deren Mittelpunkt höher liegt, und welche sogar in eine Halb- kugel übergehen kann, wie Fig. 357 A und B zeigt. Die vier Zwickel bilden den Uebergang von der quadratischen Grund- form in die kreisförmige; manch- mal findet man auch zwischen den vier Zwickeln und dem Ku- gelgewölbe, noch eine verticale cylindrische Mauer, den soge- nannten Tambour , angeordnet. Eine solche Lösung zeigt Fig. 358 und 359; der Tambour kann eine beliebige Höhe haben, manchmal ist er nur 1 m hoch, meistens aber bedeutend höher und dient er dann zur Auf- nahme der seitlichen Lichtöff- nungen. Wir wollen nun noch ein- zelne Verbindungen betrachten, die sehr häufig bei sogenannten Kirchenkuppeln Anwendung fin- den. Soll das Kugelgewölbe in Stein ausgeführt werden, so Fig. 358. ist die einfachste Ausführung eines solchen Gewölbes die, dasselbe in horizontale Ringe zu theilen, deren Lagerfugen horizontale Kreise bilden, die Lagerflächen gehören abgeschnittenen kurzen Kegeln an, welche ihre Spitzen in dem Mittelpunkte der Halbkugel haben. Die Stoßfugen stellen verticale Meridian-Ebenen dar. Es geht nun aus dieser Construktion hervor, daß jeder Ring, wenn der letzte Stein desselben versetzt ist, Zweites Kapitel. Die Gewölbe. im Gleichgewicht sich befindet, und daß das Kugelgewölbe nicht, wie ein Tonnengewölbe, durch Schlußsteine geschlossen zu Fig. 359. sein braucht, sondern in jeder beliebigen Schichtung offen bleiben kann. Auf diese Thatsache gestützt, entstand denn auch die Anwendung der sogenannten Laternen über den Kuppelgewölben. Fig. 360. Man findet nämlich nicht selten auf einem solchen oben offenen Kugelgewölbe eine cylin- drische Mauer, welche oft wegen der Beleuch- tung mit Fensteröffnungen durchbrochen oder durch Säulenstellungen ersetzt sind; die Laternen lassen sich dann wiederum durch ein kleines Kuppelgewölbe schließen. Fig. 360 zeigt dieses Princip, bei welchem die Grundform des Rau- mes gleichgiltig bleibt. Wie schon in Fig. 357 gezeigt und hierbei näher erklärt wurde, wird bei einem Kugelge- wölbe über einem quadratischen Raume die obere Kalotte weggeschnitten und auf dem kreisförmigen Ring, der durch Herauswölbung der vier Zwickel nach einer Kugelfläche mit der Diagonale als Durchmesser aus den Ecken System und graphische Construktion der Kuppelgewölbe. hervorgebracht wurde, eine cylindrische Mauer oder auch ein neues ganzes Kugelgewölbe aufgeführt. Solche Verbindungen von Ge- wölben kommen sehr oft bei Kirchenkuppeln in der Durchkreuzung des Längen- und Querschiffes, oder auch über großen Treppen- räumen ꝛc. vor. Fig. 361. Nicht selten findet man bei diesen Kuppeln den viereckigen Durch- kreuzungsraum übergeführt in einen achtseitigen Raum, und diesen sodann durch ein Kreuz-, Kloster- oder Kuppelgewölbe geschlossen. Fig. 361 A—C zeigt ein solches Beispiel. Der Uebergang vom vier- eckigen Raum in den achteckigen kann auf verschiedene Weise statt- finden, z. B. ist dies in Fig. 361 mit einem Theil eines Cylinder- gewölbes geschehen, welches entsteht, wenn sich eine gerade Linie parallel zur Diagonale l o , von der Ecke n aus, an den Kreisbogen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. parallel zum Schildbogen n m als Leitlinie fortbewegt. Ein Schnitt l o senkrecht zur Axe dieses Cylindergewölbes wird ein Theil einer Ellipse sein, die sich leicht aus dem Kreisbogen n m ableiten läßt. Der achteckige Raum ist dann nach oben hin durch ein achteckiges, halbkreisförmiges Kuppelgewölbe abgeschlossen. Fig. 362 A — D zeigt den Uebergang vom viereckigen Raum in den achteckigen, hervorgebracht Fig. 362. durch vier in den Ecken befindliche nischenförmige Kugelgewölbe. Der achteckige Raum ist oben durch ein Kugelgewölbe, dessen Wölbungs- linie einen Halbkreis mit der Diagonale des Achtecks als Durchmesser bildet, geschlossen. Die zusammengehörigen Punkte sind in der Figur mit gleichartigen Buchstaben bezeichnet. Solche und viele ähnliche Verbindungen von Gewölbeformen findet man bei Kirchen- und anderen großen Gewölben sehr häufig vor; der Uebergang von einem viereckigen Raum in einen achteckigen, wovon wir eben einige Anordnungen näher betrachteten, zeigt sich auch außerdem noch an Kirchenthürmen ꝛc. An denselben wird dies meistens durch mehrere aus den Ecken parallel zur Diagonale des Grundquadrates Kuppeln aus den 4., 6. und 15. Jahrhunderten. herausgewölbte Stichbogengewölbe hervorgebracht, indem man die treppenartig übereinander vorspringenden Gurten bis unter die Basis der Achtecksmauer führt. b) Kuppeln aus den 4., 6. und 15. Jahrhunderten . Be- vor wir zur Construktion der Kuppelgewölbe übergehen, sollen einige aus der spätrömischen, byzantinischen und mittelalterlichen Zeit stam- mende Kuppelanlagen vorgeführt werden, deren Technik und System auch für die neueren Kuppel-Ausführungen im höchsten Grade lehrreich sind. Eine einfache Anlage, bestehend aus einem kreisförmigen Mittel- raum von 11,5 m Durchmesser und einem ringsum laufenden Gange, zeigt die Kirche S. Constanza , welche im Anfang des 4. Jahrhunderts zur Zeit des ersten christlichen Kaisers Constantin des Großen, außer- halb der Mauern Roms an der Via Nomentana über den Katakomben den heil. Agnesa erbaut wurde und noch jetzt in einigermaßen gutem Zustande erhalten ist (Fig. 363). Der mittlere Raum hat einen hohen Fig. 363. Tambour und ein Halbkugelgewölbe, welches bis zum Scheitel circa 20 m über dem Fußboden steht. Ueber dem Rundgang befindet sich ein ringförmiges Tonnengewölbe. Der Tambour ruht auf kräftigen Ziegelbögen, die ihrerseits von vierundzwanzig, paarweise zusammen- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. stehenden Granitsäulen gestützt werden. Die Kuppelconstruktion ist verhältnißmäßig leicht, und weicht von allen früheren Anlagen dieser Art vortheilhaft ab; sie zeigt ein von den Römern bei den Tonnen- gewölben häufig ausgeführtes Wölbungssystem, welches darin besteht, daß Bögen, gleichsam Rippen, eingewölbt und unter sich mit durch- laufenden quadratischen Bindersteinen verbunden sind. Diese Binder- steine kommen in der Regel bei jeder zwölften Schaar vor und bilden Fig. 364. gleichsam Kasten, welche mit Mörtelwerk ausgefüllt wer- den. Dieses Gußwerk besteht aus Ziegelstücken und gutem Mörtel, und stampfte man es, nicht radial, d. h. in der Lage der Steine, sondern ho- rizontal ein; zu dem Mörtel verwendete man meistens Tuff. Die in der Kuppel (Fig. 363) angedeutenden punktirten Li- nien lassen diese Construk- tionsweise erkennen. Das Gewölbe setzt sich aus vierundzwanzig ansteigen- den Rippenbögen zusammen, welche im Scheitel zusammen- treffen; sieben durchlaufende, horizontale Giebelringe ver- binden die einzelnen Rippen mit einander. Die Zwischen- räume sind mit Mörtelguß- werk ausgefüllt. Der Ge- wölbefuß liegt in der Höhe des Kugelmittelpunktes und hat somit die Kuppel die Ge- stalt einer vollen Halbkugel. Die Kirche von S. Vitala zu Ravenna (Fig. 364), erbaut in dem zweiten Viertel des sechsten Jahrhunderts, zeigt im Grundplan eine achteckige Centralanlage mit einem zweistöckigen Umgang und einem Kuppeln aus den 4., 6. und 15. Jahrhunderten. Mitteltheil; letzterer hat ein Kugelgewölbe zur Deckecke, welches acht Fensteröffnungen enthält. Diese lösen den unteren Theil der Kuppel in acht Pfeiler auf, für deren Auflager der Uebergang des achteckigen Fig. 365. Raumes in die Kreislinie nach der in Fig. 365 gezeigten Weise er- reicht wurde. Die Kuppelconstruktion selbst bietet viel Interessantes; sie besteht aus- schließlich aus Töpfen, wie wir bereits schon bei Besprechung der Hohlsteine auf Seite 63 d. Bandes erwähnten. Das Gewölbe hat oben zwei und an den Widerlagern drei Bögen von spiralförmig in einander gesteckten Töpfen (nach Fig. 366) von je 8 zm Durchmesser, 15—18 zm Länge; das Fig. 366. Fig. 367. obere Ende der Töpfe ist offen, das untere schraubenartig gestaltet. Die senkrechten Widerlager und die Nachmauerung bestehen ebenfalls aus größeren Töpfen von 21 zm im Durchmesser und 62 zm Länge, und welche Zweites Kapitel. Die Gewölbe. an der Oeffnung zwei Henkel (Fig. 367) haben. Das Detail des unteren Gewölbes zeigt die Fig. 368. Alle Zwischenräume, sowohl in der Nach- mauerung, als in dem Gewölbe, sind mit einem Puzzelaneguß ausgefüllt. Fig. 368. Zur Festigkeit des Gewölbes tragen die in den acht Ecken ange- legten Strebepfeiler t (Fig. 364) bedeutend bei. Fast zur selben Zeit, als die Kirche S. Vitale entstand, wurde in Constantinopel vom Kaiser Justinian die Agia Sophia erbaut — ein Bauwerk, dessen kühnes Gewölbe noch jetzt mit Bewunderung ange- staunt wird. Wie der Grundriß Fig. 369 zeigt, bildet ein großer quadratischer, 31,5 m weiter Raum a den Kern der ganzen Anlage; um ihn grup- piren sich rechts und links zwei weite Halbkreise b. Kuppeln aus den 4., 6. und 15. Jahrhunderten. Um der, über dem Raume a befindlichen Kalotte, welche beinahe die Form einer vollen Halbkugel hat, ein sicheres Auflager zu ver- schaffen, geht die quadratische Grundform oben mittelst vier Penden- Fig. 369. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. tifs p , die aus allen vier Ecken emporsteigen, in einen Kreis über. (Die graphische Construktion hierzu siehe in Fig. 355—357). Das Bekrönungsgesims der Pendentifs oder Zwickeln ist von Werksteinen angefertigt worden. Das Wölbsystem erkennen wir in Fig. 370 noch Fig. 370. besser; a ist die Kalotte, p sind die Pendentifs oder Zwickel, und die übrigen Buchstaben passen mit der Bezeichnung im Grundrisse. Die Kalotte besteht aus vierzig am Intrados etwas vortretenden 1,1 m breiten, 4,75 m hohen Pfeilern, welche die Begrenznng der 1,5 m breiten Fenster bilden, und mittelst Bögen verbunden sind. Diese Pfeiler treten ungefähr 16 zm vor und setzen sich bis zum Gewölbe- scheitel fort, wobei der Vorsprung gleichfalls geringer und schließlich im Scheitel ganz verschwindet. Die Gewölbestärke beträgt im Scheitel 0,6 m , dicht über den Fenstern 0,83 m . Zu der Wölbung der Kalotte benutzte man im unteren Theile Ziegel von 62 zm Länge, 23 zm Breite und 5 zm Dicke. Die Pendentifs sind hintergossen, und die stark be- lasteten Pfeiler bestehen aus Schnittstein. Auch in der romanischen Bauperiode waren Kuppelgewölbe vielfach gebräuchlich. Ein interessantes Beispiel liefert das Münster zu Aachen, welches unter Karl dem Großen von 796—804 erbaut wurde. Der Grundriß ist ein Centralbau und hat viel Aehnlichkeit mit S. Vitale zu Ravenna. Rings um den achteckig gestalteten Mittelraum befindet sich ein zweistöckiger Umgang (Fig. 371), der unten mit Kreuzge- wölben, oben mit Kegelgewölben überdeckt ist. Eine achtseitige Kuppel mit halbkreisförmigem Querschnitte bedeckt den achtseitigen Mittelbau. Zwei andere hervorragende Kirchen der spätromanischen Epoche haben ebenfalls ein Kuppelgewölbe über der Kreuzung des Lang- und Querschiffes; wir meinen den Dom zu Speyer und das Münster zu Kuppeln aus den 4., 6. und 15. Jahrhunderten. Fig. 371. Fig. 372 A—B. Wanderley, Bauconstr. II. 23 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Freiburg (Fig. 372 A B ). Bei beiden Kirchen ( A zu Speyer, B zu Freiburg) scheint das Münster zu Aachen auf die Gestalt der Kuppel einen Einfluß gehabt zu haben; die Kuppel hat eine achtseitige Grund- form und einen spitzbogigen Querschnitt. Beachtenswerth ist der Uebergang der quadratischen Grundform in das Achteck. Die großartigste Entwickelung fanden die Kuppeln in der Re- naissance-Epoche; vornehmlich verdient die Kuppel des im Jahre 1454 vollendeten florentiner Domes zuerst genannt zu werden, da bei ihr das bereits bei dem florentiner Baptisterium (gebaut zwischen den fünften bis sechsten Jahrhundert) gegebene Princip der Doppelkuppel, näm- lich die Verbindung der inneren Kuppel mit dem pyramidalen resp. kuppelartigen, steinernen Dache, zuerst charakteristisch durchgeführt wurde. Die florentiner Doppelkuppel erhebt sich über einen acht- seitigen Tambour nach einem Spitzbogen mit etwa 39 m Radius; die ganze Spannweite der Kuppel beträgt 40 m . Die äußere Kuppel mißt 1,20 m , die innere 2,26 m in der Dicke; beide werden mit Rippen ver- bunden, die treppenartig zwischen den beiden Schaalen emporsteigen. Die Ausführung der Kuppel ist mit der Kuppel der S. Vitale nicht un- ähnlich; es steigen nämlich in jeder Ecke eine doppelte Rippe und innerhalb einer jeden Wange drei Ziegelrippen, nach oben sich ver- jüngend, in die Höhe; dieselben werden mit sieben horizontalen, 0,6 m starken Verspannungsringen, welche als scheitrechte Bögen von Rippe zu Rippe reichen, verbunden. Oben auf der Kuppel steht eine Laterne. Nach ähnlichem System baute Michel Angelo die Riesenkuppel der St. Peterskirche zu Rom. Näheres hierüber enthalten die Werke: „Breymann, Mauerconstruktion“ und „Lübke, Architecturgeschichte.“ Zum Schlusse weisen wir noch auf die originellen Doppelkuppeln über dem Invalidendom zu Paris (von Mansard) und über S. Paul zu London (von Christopher Wren ) hin. Der Invalidendom hat zwei halbkreisförmige Kuppeln übereinander, die jedoch mit einander in keiner Verbindung stehen. Die innere Kuppel ist oben ganz offen, sodaß man den oberen Theil des reich bemalten Intrados der zweiten Kuppel sehen kann. Das Licht dringt durch die am Fuße der äußeren Kuppel befindlichen Fenster. Die äußere massive Kuppel wird noch von einer hölzernen Kuppel geschützt. Die Londoner St. Paul-Kuppel besteht aus einer inneren Halbkreiskuppel, auf deren Fuß sich eine hohe, fast kegelförmige, oben rund geschlossene Kuppel setzt. Die innere Die Construktion der Kuppelgewölbe. Kuppel hat oben eine nicht allzu große Oeffnung, durch welche der Intrados der äußeren Kuppel ersichtlich wird. Kleine Fenster lassen das Licht durch diese Kuppel dringen. Die dritte äußere hölzerne Schutzkuppel trägt noch eine schlanke Laterne. c ) Die Construktion der Kuppelgewölbe . Bei allen Kuppel- und Kugelgewölben kommt nur die sogenannte „Kufeinwölbung“ zur Verwendung. Betrachten wir zunächst das volle Kugelgewölbe: Da bei der Kufwölbung als Regel gilt, daß alle Lagerfugen nach dem Centrum des Bogens, resp. nach der Gewölbeaxe gerichtet sein müssen, so folgt hieraus, daß bei Kugelgewölben sämmtliche Lagerfugen vom Centrum der Halbkugel ausgehen. In der Praxis beachtet man diese Vorschrift ganz strenge, und zwar in der Weise, indem man (Fig. 373) Fig. 373. innerhalb des Raumes den Centrum an einem Bockgerüst markirt, hieran eine Latte l befestigt und die Latte gleich dem Radius der Kugel macht. Beim Mauern braucht man dann nur die Steine bis an die Lattenspitze zu schieben, um die innere Kugelfläche genau herzustellen. Ein Lehrgerüst ist hierbei ganz überflüssig, da die Steine von selbst aufeinander liegen bleiben und durch den Mörtel hinreichend gehalten werden. Ueberhaupt können die Steine nach dem Schlusse eines Ringes nicht hinabrutschen, denn vermöge ihrer centralen Lage 23* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. bildet jeder Ring ein Stück eines Kegels, dessen Spitze im Kugel- mittelpunkt liegt; jeder Ring ist somit ein nach unten gerichteter Keil. Aus diesem Grunde kann das Kugelgewölbe in beliebiger Höhe offen bleiben. Strenge genommen muß man jeden Stein an den Lager- und Stoßflächen keilig bearbeiten; dies geschieht auch bei kleinen Kuppeln, während bei großen Durchmessern die keilförmige Zu- spitzung bereits durch die Mörtelfuge ausgeglichen wird. Die Einwölbung nach der Latte oder Schnur geschieht nur bei kleinen Kuppeln, für größere Kuppeln benutzt man einen um die ver- ticale Axe drehbaren Lehrbogen. Da der Schluß des Gewölbes fast hori- zontal zu liegen kommt, empfiehlt es sich den oberen Gewölbetheil ganz Fig. 374. offen zu lassen und ringsum mit einem Ringe zu schließen. Der Letztere heißt „ Nabel “, der sowohl aus Werkstein, Ziegeln oder gutem Eichenholze gefertigt werden kann und an der unteren Kante einen Falz erhält (Fig. 374). Für die Fensteröffnungen in den Kugelgewölben benutzt man be- liebig gebogene Stichkappen; auch können Durchdringungen von meist kleineren Tonnen- und Kegelgewölben vorkommen, und lassen sich die Schnittlinien am Intrados mit Hilfe der darstellenden Geometrie leicht bestimmen Ein einfaches und daher beachtenswerthes Beispiel führen wir in Fig. 375 und 376 vor; es ist das Kugelgewölbe über dem Vestibul des städtischen Bades zu Karlsruhe (sehr interessante An- lage, entworfen vom Architecten Durm). Die Rotunde hat einen Durch- messer von 11,4 m ; bis zu dem Gewölbe ist die Rotunde äußerlich quadratisch, dagegen in der Höhe des Gewölbewiderlagers beginnt die Kreisform, wie der Grundriß (Fig. 376) ersichtlich macht. Das Gewölbeauflager besteht aus großen, miteinander verdübelten Werk- steinen. Auch die äußere, in einfachen und eleganten Verhältnissen componirte Pilaster-Architektur, in welcher Fenster und Nischen mit- einander abwechseln, setzt sich aus Werksteinen zusammen. Die Con- struktion dieser vorgeblendeten Schnittsteinwand ist in den Zeichnungen genau wiedergegeben. Die Gewölbestärke beträgt unten l Stein, Die Construktion der Kuppelgewölbe. oben ½ Stein und wird noch durch ½ Stein am Rücken vorsprin- gende Bögen verstärkt. Die Fensteröffnungen bilden verticale Mauer- abschlüsse mit Halbkreisüberdeckungen und wechseln mit den Bögen b gleichmäßig ab. Zwischen diesen Bögen steigen l Stein starke Ver- stärkungsbögen bis zum Sandsteinnabel hinauf, während das Ge- wölbe selbst nur ½ Stein dick ist. Bis zu den Fensterscheiteln ist das Gewölbe mit Bruchsteinen in Cement hintermauert worden. Fig. 375. Auf dem obersten Sandsteinring A (Fig. 375) ruht das flache eiserne Schutzdach, welches wir hier fortgelassen haben. Originell ist die Art und Weise, wie man den starken Gewölbe- schub vollständig aufgehoben hat; es wurde nämlich in den inneren Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Auflagsandsteinring ein schmiedeeiserner Ring gut eingelassen und vergossen (Fig. 377). Gegen diesen Ring stützt sich der Gewölbefuß Fig. 376. so, daß der Schub ganz aufgehoben und in einen verticalen Druck verwandelt wird. Die Einwölbung von Kuppelgewölben über krummlinig begrenzte Grundrisse (Ellipsen, Ovalen u. s. w.) ist gleichfalls eine ringförmige. Wird die Leibungsfläche durch Drehung desselben Profils um die große horizontale Axe (siehe Fig. 350) gebildet, so werden die Kegel- mantelflächen der Lagerfugen nicht mehr eine gemeinschaftliche Spitze haben; die sämmtlichen Lagerfugen desselben Ringes haben dann ver- Die Construktion der Kuppelgewölbe. schiedene Steigungen und bilden somit eine windschiefe Fläche. Letztere wird im Allgemeinen aber so unbedeutend sein, daß sie für die Aus- führung unberücksichtigt bleiben kann, zumal sie in der Fugenstärke ganz verschwindet. Wie wir gesehen haben, können Kugelgewölbe auch über quadra- tische Räume kommen; die Kugel wird dann durch die verticalen Wände so abgeschnitten, daß krumme Widerlagslinien (österreichisch: „Anläufe“), oder Schildlinien entstehen. Diejenigen Theile des Gewölbes, welche Fig. 377. aus den Winkeln hervortreten, heißen, soweit sie bis zu der Ebene, welche in der Höhe der Scheitelpunkte der Anlänfe liegt, ansteigt: „ Zwickel oder Pendentifs , welche man durch einiges in horizon- talen Schichten vorgekragtes Mauerwerk ausführt. Ueber den Penden- tifs beginnen die vollen Ringe des oberen Gewölbetheils, resp. der soge- nannten „Kalotte“. Für solche Gewölbe sind nur zwei Lehrbögen in den diagonalen Richtungen und vier Lehrbögen an den Schildlinien er- forderlich, nach denen die Zwickel horizontal mit dem Widerlags- mauerwerk im Verbande herausgemauert werden. Die so hergestellten Zwickel haben das Bestreben nach Innen zu fallen, was aber von der mit centralen Fugen gemauerten Kalotte, die sich gegen die Zwickel stemmt, verhindert wird. Durch dieses Gegeneinanderdrücken gelangen die Gewölbemassen in einen Gleichgewichtszustand und geht der Ge- wölbeschub in einen verticalen Gewölbedruck über, sodaß die Wider- lagsmauern nur verhältnißmäßig schwach zu sein brauchen. Eine solche Construktion stellt die Fig. 378 A — C für einen 3 m weiten Raum dar; die Mauern sind von Bruchsteinen ausgeführt, und bis zur Linie a b (Fig. A ) reicht die horizontale Mauerung der Pen- tentifs. Fig. C giebt den Grundriß in der Höhe von Linie a b , Fig. B Zweites Kapitel. Die Gewölbe. ist der Querschnitt und Fig. C der Diagonalschnitt mit den Pen- dentifs ( p ). Die hinreichende Stabilität dieser Gewölbemauerung bei schwachen Fig. 378 A — C. Die Construktion der Kuppelgewölbe. Mauern hängt ganz besonders von der ausgezeichneten Güte des Mörtels und von der sorgfältigen Arbeit ab; Cementmörtel für einen Theil des Mauerwerks und die Zwickel, sowie für die Kalotte, wäre dringend anzuempfehlen. Uebrigens sind derartige Gewölbe mit nur 0,3 m Widerlagsmauern vom Baurath Moller über das Treppenhaus im Palais des Prinzen Carl von Hessen gebracht worden und haben sich gut bewährt; das Treppenhaus hat 5,25 m im Quadrat und bei zwei Stockwerk Höhe nur 0,3 m starke Mauern!! Die Kalotte wurde l Stein stark gemacht. Eine andere von Moller im Theater zu Mainz ausgeführte Kuppel über einem 9 m weiten quadratischen Treppenraum von 15 m Höhe hat oben nur 0,75 m starke Mauern; Ziegel-Kalotte ist l Stein stark; Zwickel und Mauer sind in Bruchstein ausgeführt. Zur Trennung der Kalotte von den Zwickeln bringt man häufig, wie in Fig. 356 und 357 gezeigt wurde, oberhalb der Zwickel ein Gesims an, wobei dann entweder der Durchmesser für die Kalotte um die Gesimshöhe verlängert oder aus einem höher liegenden Mittelpunkte, als der des Pendentifs, construirt werden muß. Man erhält dann eine hohe Kalotte, die sogar (wie Fig. 357) in eine Halb- kugel übergehen kann. Zuweilen verziert man die Kuppelleibung mit Rippen, die aber construktiv nicht begründet sind, sondern nur aufgemalt oder mit Gipsstuck angesetzt werden; hierbei lassen sich die Linien nach Fig. 353 ermitteln und kann man im Grundriß jede beliebige sternartige Figur zu Grunde legen. Einen solchen Fall zeigt auch Fig. 379 A — B. Hier befindet sich über den Zwickeln ein Gesims, auf welches sich eine verzierte Kalotte setzt. Um die Verzierung in der Verticalprojection zu zeichnen, muß erstere zuvor in der Horizontalprojection gegeben sein. Den Aufriß findet man dadurch, daß man durch die betreffenden Seiten im Grundrisse verticale Ebenen legt, welche stets Halbkreise geben. Im Uebrigen veranschaulicht die Zeichnung die ganze gra- phische Construktion. Sehr häufig findet man auch Kugelgewölbe durch sogenannte Kasetten verziert, deren Darstellung nun auch hier gezeigt wer- den soll. Am schwierigsten ist die Bestimmung der Anzahl und Breite der Kasetten und Stege; man erhält diese am besten nach dem Emy’schen Verfahren folgendermaßen: Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Man bestimme im Grundrisse (Fig. 380 A und B ) die Anzahl und Breite der aufsteigenden Stege und Kasettenreihen (an der Kuppel des Pantheon sind 28 aufsteigende und 5 horizontale Kasetten, giebt Fig. 379. 140 Kasetten); und markire sodann im Aufrisse (Verticalprojection) Fig. 380 A den ersten, unmittelbar auf dem Kämpfergesimse befindlichen und durch die Gesimsausladung bedingten Sockel, um den Punkt t zu erhalten. Man verlängere nun y M und x M , welche eine auf- steigende Kasettenreihe einschließen, nach Außen und betrachte diese Linien als Tangenten an einem biliebig angenommenen Kreise wegd. Durch das Centrum a errichte man die Senkrechte I und II , in welcher die Centra sämmtlicher Kreise liegen müssen, die zur Einthei- lung der Verticalprojection des Gewölbes nöthig sind. Der erste Die Construktion der Kuppelgewölbe. Kreis wird gleich dem wegd der Art gezogen, daß die verlängerte M' t oder M' p denselben berührt, so wird der Durchschnitt s der oberen Tangente M' o mit der Kugel die obere Kante des ersten Ka- Fig. 380. settenringes geben. Wir haben somit in x y die Breite und in s t die Höhe der Kasetten der ersten Reihe. Oder betrachtet man M e und M d als Horizontalprojectionen, M' o und M' p als Verticalpro- jectionen eines um den Kreis wegd beschriebenen Conus, so wird die Durchschnittslinie desselben mit der Gewölbefläche eine Curve geben, Zweites Kapitel. Die Gewölbe. deren vier Tangenten die Kasette einschließen. In ähnlicher Weise verfährt man, um die verticale Projection s r des zweiten Steges zu bestimmen. Die angenommene Stegbreite ist x y'; man construire wieder den Kreis i c f b , und ziehe hieran die Tangente M X' und M y'. Wird derselbe Kreis in der Verticalprojection tangirend an M' o ge- zogen, so wird der Durchschnitt der oberen Tangente M' n mit der Gewölbefläche die obere Kante r des Steges bestimmen. Durch Wiederholung des vorgeführten Verfahrens erhält man die Punkte l und v u. s. w., bis die Kasetten so klein werden, daß ihre Anlage kleinlich erscheinen würde. Der Scheitel des Gewölbes bleibt alsdann platt, oder er wird, wie beim Pantheon, mit einem Oberlicht versehen, oder man schließt diese Durchbrechung mit einer zurück- gesetzten flachen Kuppel, welche zur Aufnahme eines Gemäldes die- nen kann. Vorstehende Construktion beruht auf dem Gesetze: betrachtet man M e und M d als die Risse zweier Meridianebenen, welche eine auf- steigende Reihe Kasetten einschließen, so berühren die Tangenten alle Kegel, welche man in die Kugel wegd in verschiedener Lage zu ziehen vermag, vorausgesetzt daß ihr Mittelpunkt in der Senkrechten I , II bleibt. Da die Durchschnittslinie dieser Kegel mit dem Indrados der Gewölbefläche Kreise bilden, die in M e und M d berührt werden, so muß eine stetige Verjüngung derselben gegen den Gewölbescheitel stattfinden. Sehr beachtenswerth ist noch die erst vor zehn Jahren (1867 vollendete) erbaute Kuppel der Thomaskirche in Berlin (ausgeführt vom Baurath Adler); auf dem lithographirten Blatt III haben wir den oberen Theil der Kuppel (nach dem Specialwerk: Die Thomaskirche von Adler, Berlin, Ernst \& Korn) dargestellt. Dem Text entnehmen wir folgende Be- schreibung im Auszuge: Durch die Aufführung von zwölf starken, unterhalb durchbrochenen, oben durch kleine, nach Außen ansteigende Tonnengewölbe t verbun- dene Wandpfeiler, ist ein Umgang gewonnen worden, welcher vom Kirchendachbodenraum aus bequem zugänglich ist und den auf andere Weise im Innern nicht leicht zu gewinnenden Zugang zu der Vierungs- kuppel zweckmäßig vermittelt. Denn eine vertical gestellte eiserne Steigleiter innerhalb einer der südwestlichen Pfeilernischen führt leicht und unmittelbar zu der Zwerggallerie ( z ) der Kuppel und von dort durch Wandthüren in den Bodenraum des Zeltdaches, auf die Kuppel- Die Construktion der Kuppelgewölbe. wölbung und bis zur steinernen Kugelspitze, welche das Kreuz trägt. In den Nischen des durch Wandpfeiler gebildeten Tambours sind Rundbogenfenster angebracht worden, welche die Kuppel selbst be- leuchten sollen. Für die Erhellung der unteren Kirche dienen fünfzehn große Doppelfenster über den Emporen und sechszehn kleinere Rund- bogenfenster unter denselben. Durch den Wunsch, aus Sparsamkeits- rücksichten das Terrain möglichst eng und knapp zu bauen und Sa- kristei und Taufkapelle dicht an den Kirchenkörper ohne Zwischenlegung großer Strebemauern anzuschließen, sowie die Vorliebe für halbkreis- förmige Kreuzflügel führten zu einer schmiedeeisernen Hilfscon- struktion bei der Anlage des Kuppellylinders (Tambours) über den vorgekragten Zwickeln. Der Schub, welchen die von dem hohen Kuppeltambour belasteten Bögen erzeugen, erheischte nicht unbeträcht- liche Widerlager. Solche erheben sich von selbst nach Westen hin in den geraden Mauern des Langhauses; sie waren minder gut in den gekrümmten Umfangsmauern der Kreuzflügel, und sie erschienen knapp, weil mehrfach durchbrochen, in der Richtung nach Osten, wo der Kirchenkörper mit schwach vortretenden Strebepfeilern sich über den niedrigen Hinterräumen (Sakristei und Taufkapelle) erhebt. Es er- schien deshalb rathsam, von der Unterstützung der Vierungspfeiler durch die Beschlußmauern Abstand zu nehmen und die Pfeiler selbst wenigstens durch den Kuppelbau in möglichst verticaler Rich- tung zu belasten. Zur Erreichung dieses Zweckes wurden nach spe- cieller Angabe des Oberbaurath J. W. Schwedler, dem berühmten Construkteur vieler eiserner Dächer und Erfinder eines wichtigen Brückensystems, dicht über den Scheiteln der Vierungsbögen drei schmiedeeiserne Umschließungsringe ( r ) von je 16 zm Höhe und 26 mm Stärke um den viereckigen, aber an den Ecken etwas abgerun- deten Vierungskörper gelegt. Ihre Aufbringung gleich nach Aus- rüstung der Vierungsbögen gestattete, was für den Baubetrieb be- sonders werthvoll war, eine sichere und bequeme Außenbrüstung der halben Zeltdächer auf den Kreuzflügeln nach Vollendung der Kuppel und zuletzt die nachträgliche, aber wettersichere Herstellung der hier befindlichen Halbkuppeln. Im Zusammenhange mit der Ringanlage wurde die Masse des den Kuppelcylinder tragenden Mauerwerks nach Möglichkeit verringert und in der Form eines gegliederten Systems mit zwölf Pfeilern hergestellt. Aus jedem Vierungspfeiler entwickeln sich drei andere Pfeiler, welche mit möglichst sanfter Neigung gegen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. die Verticale sich an einen unterhalb der Kuppelfenster angeordneten vollen Mauerring viermal, stets oberhalb der Vierungsbögen mit einer den statischen Verhältnissen entsprechenden größeren Stärke als in den benachbarten über den Vierungspfeilern befindlichen Theilen stützen. Oberhalb dieses Mauerringes steigt der Kuppelbau mit zwölf senkrechten Pfeilern im gegliederten Systeme auf und trägt die überhöhte von einer steinernen Kegelspitze belastete Mittelkuppel. Durch diese Strucktur (welche wir hier des geringen Raumes wegen nicht wiedergeben können, und daher auf das betreffende Blatt in dem genannten Specialwerke verweisen müssen) gelang es auf sehr sinnreiche Weise, den Zwickelring, welcher die Zwickelgewölbe abschließt und den inneren Umgang trägt, von der Last des Kuppelbaues zu befreien, zu- mal in der Detailausführung des Mauerwerks auf die Richtung des Druckes bei Anordnung der Lagerfugen im Mauerwerk möglichst Rück- sicht genommen wurde. Da aber in derselben Höhe der Abschluß des Vierungsquadrats, welches als Unterbau der Kuppel außen sichtbar gemacht worden ist, überwölbt werden mußte, um die nothwendige Abpflasterung zu tragen, so wurde über jeden Vierungspfeiler den vorgenannten drei geneigten Pfeilern ein vierter senkrechter hinzuge- fügt und zwischen diesem und den drei übrigen entsprechende Gewölbe eingespannt. Wegen der Complizirtheit dieser Anlage und der Schwie- rigkeit, Lehrbögen anzubringen, mußte dieser Gewölbebau freihändig und nach specieller Anlage durch die besten Arbeiter erfolgen. Zu- letzt wurden ähnliche flachgespannte schiefe Tonnengewölbe ( g ) zwischen den inneren Pfeilern erforderlich, um den gewünschten Umgang mit seiner Gittergallerie in etwas geringerer Höhe, dicht über dem Kuppel- kranze herzustellen. Weniger Arbeit verursachte die Kuppel-Construktion selbst; die zwölf nach Innen vortretenden Tambourpfeiler sind über den Fenstern durch Wölbung verbunden, und tragen einen homogenen gemauerten Ring, welcher die Basis der Kuppel bildet. Die Querschnittsform des Kuppelgewölbes ist ein Spitzbogen aus zwei Kreissegmenten ge- bildet, welche so gewählt sind, daß der Winkel zwischen den sich schnei- denden Kreisbögen dem Gewichte der im Scheitel aufgeführten stei- nernen Kegelspitze entspricht. Zu den vier Kuppelpfeilern verwendete man die besten Rathenower Ziegel, hingegen sind die Vierungsbögen von Freienwalder Ziegeln, und die Kuppel von Greppiner porösen Ziegeln hergestellt worden. Die Construktion der Kuppelgewölbe. Der besseren Akustik wegen, wurde die Kuppel mit starken einge- bundenen Rippen und Schlußringen versehen, überhaupt nach einer möglichst vollständigen Zerstreuung der Schallstrahlen durch Einschnei- dungen und Abstufungen der einzelnen Raumtheile, sowie durch starke Reliefgliederung der Hauptpfeiler und Bögen gestrebt. Zur Sicherung gegen Regen und Schnee ist die Kuppel mit Cement peputzt und mit starker Dachpappe bedeckt. Ueber der ganzen Kuppelanlage befindet sich dann noch das zeltförmige Schutzdach (mit Schiefer eingedeckt). Die bis jetzt besprochenen Kuppelanlagen haben einen kreisför- migen Querschnitt und kugelartige Intrados; die Kuppeln können aber auch vieleckig sein im horizontalen Querschnitte. Dem Zwecke dieses Buches wird es entsprechen, wenn wir noch einige kleinere Beispiele dieser Art vorführen. So z. B. zeigt Fig. 381 den Kapellenraum der israelitischen Kapelle auf dem Begräbnißplatze zu Dresden (entworfen von E. Gilse, Pro- fessor der Architektur an der Königl. Kunst-Akademie zu Düsseldorf). Der Kapellenraum ist unten quadratisch gestaltet und mit einer acht- seitigen Kuppel bedeckt. Zu diesem Behufe wurde in den Ecken je eine kegelartige Auskragung angeordnet, welche den Eckwangen der Kuppel ein genügendes Auflager bieten (Fig. 382). In den zwei Hauptaxen des 9,5 m weiten Raumes sind in der Kuppelhöhe mehrere dreitheilige Fenster angelegt worden und stützen sich die in dieser Richtung hinabgehenden Wangen theilweise gegen Stichkappen. Die Kuppel wurde durchweg ½ Ziegel stark gemauert, mit Verstärkungsbögen in den Graten, die oben gegen einen Sand- steinnabel stoßen. Aeußerlich geht der quadratische Raum oberhalb der Kegelauskragungen in ein Achteck über. Eine reichere Gesammtanlage bietet das vom verstorbenen genialen Oberbaurath Stühler vor etwa funfzehn Jahren für die Gräfin Henkel zu Wolfsberg entworfene Mausoleum (Fig. 383—385), welches hier in Gruudriß , in Querschnitt und in theilweiser Seitenansicht darge- stellt wird. Man betritt zuerst den Eingang e und schreitet auf der mittleren Treppe t in die Kapelle c , welche Fig. 383 im Längenschnitt vorführt; an diese grenzt eine halbkreisförmige Nische mit dem Altar. Die Treppen g g führen in eine unterhalb der Kapelle befindliche über- wölbte Gruft, welche unsere Zeichnung des knappen Raumes wegen nicht wiedergiebt. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Die Kapelle c hat eine quadratische Grundform mit 8,5 m Seite; hierüber erhebt sich der hohe, mit einer niedrigen Scheingallerie be- Fig. 381. krönte achtseitige Tambour theils auf den Umgrenzungsmauern der Kapelle, theils auf den halbkreisförmig abgeschlossenen Kegelüber- kragungen, deren Spitzen in den Ecken des Quadrates liegen. Das Die Construktion der Kuppelgewölbe. Gebälk der oberen niedrigen Pfeilerstellung trägt die achtseitige, nach einem Halbkreise gebildete Kuppel, die nur an den Graten mit vor- tretenden Rippen versehen ist. Um aber die ganze Kuppel mit Tageslicht erhellen zu können, setzen sich die Kuppelwangen auf halbkreisförmige Stichkappen, in deren Schildmauern Kreisfenster angebracht sind. Aeußerlich läuft Fig. 382. vor diesen Fenstern eine Zwerggallerie herum und geht der quadra- tische Raum in ein Achteck über (siehe die Seitenansicht Fig. 385). Eine hölzerne, mit Metall bedeckte Schutzkuppel bekrönt den ganzen Aufbau. Wanderley, Bauconstr. II. 24 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 383. Die Construktion der Kuppelgewölbe. d ) Schließlich stellen wir noch folgende empirische Angaben für die Dimensionen der Kuppelgewölbe zusammen: Fig. 384. Kuppelgewölbe über quadratische Räume erhalten: Beim Pantheon in Rom beträgt die Stärke im Scheitel 1/30, am Kämpfer 1/7 der Spannweite; bei der Sophienkirche in Constantinopel ist die Stärke im Scheitel 1/52 des Durchmessers. Das Widerlager wird ⅙—⅛ des Durchmessers stark gemacht. Nach Rondelet soll das Widerlager eines Kuppelgewölbes die Hälfte der Stärke eines entsprechenden Tonnengewölbes erhalten. Die Widerlager der Kuppel der Peterskirche in Rom sind 1/11, der Nikolaikirche in Potsdam 1/9, der Sophienkirche in Constantinopel ⅛ und des Pantheon in Rom 1/7 der Spannweite stark gemacht worden. 24* Fig. 385. Das böhmische Gewölbe. VIII. Das böhmische Gewölbe wird in Oesterreich ganz allgemein „ Platzelgewölbe “ genannt und entsteht, wie Fig. 386 und 355 zu erkennen geben, wenn man sich in einer Halbkugel irgend eine zu überwölbende Grundfläche gezeichnet denkt, deren Endpunkte in dem Umfange eines nicht allzugroßen Kreises liegen, und wenn man auf jede Seite dieser Grundfläche eine verticale Ebene errichtet. Fig. 386. Fig. 387. Aber auch solche Gewölbe, bei denen die Eckpunkte nicht in der Kreisperipherie, sondern innerhalb des Kreises sind, können böhmische Gewölbe sein, wie Fig. 387 zeigt. a ) Graphische Construktionen . Die Herstellung der einzelnen Schildbögen ist sehr einfach, wenn man sich nach den oben angege- benen Gesetzen für die Kugelabschnitte richtet, und verweisen wir noch auf die Zeichnung Fig. 355. Die böhmischen Gewölbe oder Platzelgewölbe lassen sich auch über vieleckige Räume spannen, nur ist darauf zu achten, daß der Mittel- punkt stets in der Projection des Schwerpunktes liege. Der Radius der Wölbungslinie wird stets gleich der halben Diagonale des Polygons sein. Soll nun ein böhmisches Gewölbe über einen unregelmäßigen Raum (Fig. 388) construirt werden, so muß zunächst der Schwer- punkt C des zu überwölbenden Raumes gesucht und alsdann die größte Diagonale als Radius ( C c ) der Halbkuppel angenommen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. werden; ferner sind über a b , b c , c d , d a Ebenen zu legen, welche die Kugel als Halbkreise vertical schneiden; man klappe letztere in die horizontale Ebene um, ziehe auf a , b , c und d Senkrechte, wodurch Fig. 388. die Schildbögen a' m b' , b' m c' , c m d' und d' m a' entstehen. Der Kämpferpunkt c wird in der Basis der Halbkugel selbst liegen. Es gilt also als Gesetz: um die Schildbögen resp. Anläufe zu er- halten, lege man verticale Ebenen durch die Halbkugel in der Richtung der Seiten des Raumes, sodann erhält man Kreissehnen, die gleich dem Halbmesser des betreffenden Kugelabschnittes sind. Das Platzel- oder böhmische Gewölbe kann nach allen Bogen- linien gebildet werden, wie die nachfolgenden Beispiele beweisen. So z. B. kommt das Rotations-Ellipsoid sehr häufig vor; um die Anläufe zu erhalten, befolgt man die Regel: alle verticalen Schnitte in paralleler Richtung zur kleinen Axe der Grundellipse geben stets Kreisbögen. Hiernach werden die einzelnen Linien in den Anläufen gesucht; die Anläufe über den kurzen Seiten des Raumes ergeben sich von selbst und sind immer entweder ganze Halbkreise (wenn die Ecken des Raumes in der Peripherie der Grundellipse stehen) oder Kreissegmente. Um nun die Punkte a b c d (Fig. 389) zu bestimmen, lege man zuerst durch die Punkte a' , b' , c,' d' die Ebenen e , e l , e ll , e lll , welche die Grundellipse schneiden. Graphische Construktionen der böhmischen Gewölbe. Die Schnitte zu diesen Ebenen erhält man mit Zuhilfenahme der Radien r r , r' r' u. s. w. Man schlage mit dem Radius r r einen Bogen Fig. 389. B bis die Seite des Raumes geschnitten wird, bringe sodann die Ab- stände h , h l , h ll u. s. w. (mit Paranthese bezeichnet) von a l , b l , c l ꝛc., nach a° , a l , a ll ꝛc., um die Punkte b , c , d ꝛc. zu erhalten. Die Ver- bindung dieser Punkte geben einen Schildbogen resp. Anlauf, der immer eine Ellipse ist. Der Gewölbescheitel x x wird gleich der halben Grund- ellipse gemacht (vergleiche das Princip dieses Gewölbes mit Fig. 350). Ganz nach derselben Methode werden die Anläufe (überhaupt jeder beliebiger Punkt) eines Eigewölbes bestimmt (Fig. 390). Die Eiform liegt allerdings selten dem Platzel- resp. böhmischen Gewölbe Zweites Kapitel. Die Gewölbe. zu Grunde, da bei ihr niemals (oder doch nur ausnahmsweise) die sämmtlichen Kämpferpunkte in gleicher Höhe liegen und dann das Ge- Fig. 390. wölbe unsymmetrisch bleibt. Ansteigende Gewölbe unter Treppen u. s. w. kann man aber mit Erfolg nach der Eiform construiren, aus welchem Grunde wir sie hier darstellen. Auch hier gilt als Regel: alle ver- ticalen Schnitte normal zur großen Axe geben Kreise (siehe Querschnitt C in Fig. 390), nach denen sich die Punkte a' , b' , c' , d' u. s. w. in den Anläufen auf die gleiche Weise wie in Fig. 389 leicht finden lassen. Die Anläufe über den kurzen Seiten des Raumes sind immer ganze Kreise oder Kreisbögen. Zuweilen ordnet man ebenso wie bei den Kugelgewölben (Fig. 353 und 379) an dem Intrados des böhmischen Gewölbes Rippen (bemalt oder mit Stuck angesetzt) an (Fig. 391); zu diesem Behufe zeichnet man zuerst im Grundrisse einen regelmäßigen Stern von beliebiger Gestalt, dessen Spitzen b und c die Seiten des Grundraumes be- rühren. Um das Stück a b an der Leibung hinauf projiciren zu Graphische Construktionen der böhmischen Gewölbe. können, wird in dieser Richtung eine Schnittebene gelegt, welche den Grundkreis schneidet; die Sehne c d dient als Durchmesser des nieder- Fig. 391. geklappten Kugelabschnittes d a' a' e. Mittelst der Vergatterung werden die Linie a b nach b a' in Querschnitt A hinaufgetragen. b ) Bezüglich der Einwölbung unterscheidet sich das böhmische oder Platzel-Gewölbe sehr wesentlich von dem Kuppel- und Kugelgewölbe; während bei dem letzteren die Wölbung in centraler Richtung „kufartig“ mit kegelförmigen Ringen stattfindet, werden die böhmischen oder Platzelgewölbe auf den „ Schwalbenschwanz “ in der Weise hergestellt, daß die Ziegelschichten segmentförmig aus den Ecken nach der Gewölbemitte ansteigen. Dies veranschaulicht Fig. 392, welche wir dem Werke des Professors E. Ringhoffer: „Lehre vom Hochbau“ entnommen haben. Die Wölbung beginnt in den Ecken und steigt mit parallelen Lagerfugen bis zum Gewölbescheitel, und die vier, aus den Ecken gewölbten Theile stoßen mit Zickzack zusammen. Bei ganz quadratischem Grundrisse liegen die Enden a a eines jeden, gegen die Gurtbögen sich anlegenden Segmentbögen in gleicher Höhe. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Wenn das böhmische Gewölbe Gurtbögen zu Widerlagern hat, muß jeder Anlauf mindestens ¼ Ziegel von der Unterkante des Bogens ent- fernt bleiben, damit er einen hinreichenden Halt bekomme (Fig. 393). Fig. 392. Beim Zeichnen eines solchen Gewölbes steckt man dann zuerst über dem Scheitel des durchgeschnittenen Gurtbogens 8 zm an und nimmt den Radius für den Grundkreis der Halbkugel von hier an bis zum Mittelpunkt des in der Ansicht sichtbaren Gurtbogens; die Peripherie des Grundkreises liegt in diesem Falle nicht in den Ecken des Raumes, sondern etwas weiter hinaus (siehe auch Fig. 355), wie in dem Grundrisse ersichtlich ist. In der Regel pflegt man die Schwalbenschwanzwölbung im Grund- risse mit geraden Linien darzustellen; dieses ist aber genau genommen unrichtig, da jede Schaar einen Segmentbogen bildet, welcher in der Kugelfläche liegt. Würde man demnach durch den Mittelpunkt des Ge- wölbes eine Ebene so legen, daß sie die Punkte a a in Fig. 392 berührt, dann geht die Ebene bei correcter Wölbung auch durch die betreffende Die Einwölbung der böhmifchen Gewölbe. Lagerfuge. Es folgt hieraus, daß eine in verschiedenen Winkeln ge- neigte, durch die Diagonale des Grundkreises gehende Ebene die Fig. 393. Lagerfugen bezeichnet. Mit Beachtung dieses Grundsatzes kann man auch die krumme Horizontalprojection einer jeden Fuge bestimmen. In Fig. 394 ist a h g i der quadratische Grundriß eines vollen böh- mischen Gewölbes gedacht; a g und i h sind die Diagonalen und an den Ecken a , h , g und i beginnt die Wölbung. Betrachten wir zunächst den einen Quadranten C; zuerst wird der halbe Diagonal- bogen b g so eingetheilt, daß jeder Theil eine Steindicke resp. Fuge repräsentirt, also b c , c d , d e , e f u. s. w. Man lege sodann die Axe eines Halbkreises mit dem Durchmesser i h in h i , drehe die Halb- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. kreisebene allmählig von b nach c , von c nach d , von d nach e u. s. w., und construire die Horizontalprojectionen des Halbkreises in jeder Fig. 394. Neigung, welche gleichzeitig die Schaareneintheilung im Grundrisse andeuten. Auf ganz dieselbe Weise wird dieses Verfahren bei dem Qua- dranten A um die Axe i h , sowie bei den Quadranten D und B um die Axe a g befolgt. Wenn die Fugen in der Horizontalprojection gezeichnet sind, be- ginnt man mit dem Aufrisse. Hierbei muß beachtet werden, daß die Enden eines jeden Segmentbogens in gleicher Höhe liegen müssen (Fig. 395); z. B. bei Bogen a' a' ist h = h; um b zu finden, legt man in diagonaler Richtung eine Ebene, hierüber kommt der Diago- nalkreis, bis zu welchem von b aus nach b' normal hinaufgezogen wird. Die Punkte a' ergeben sich aus dem Grundrisse. Man braucht bei jedem Bogen nur drei Punkte auszutragen. Im Uebrigen ist die Figur selbst so verständlich genug, daß Jeder die Construktion allein ohne weitere Erläuterung durchführen kann. Die Einwölbung des böhmischen resp. Platzel-Gewölbes geschieht aus freier Hand mit Benutzung von zwei Diagonalbögen. Die Einwölbung der böhmifchen Gewölbe. c ) Die Verwendung dieser Gewölbeart kann sowohl über quadratische, als auch über rechteckige Räume geschehen, wie die fol- genden Beispiele illustriren. Fig. 395. Fig. 396 giebt den Längenschnitt der evangelischen Kirche zu Boppard am Rhein, vor etwa 20 Jahren ausgeführt nach einer vom Bauinspector v. Lassaul hinterlassenen Skizze durch den königl. Bau- meister Althof. Die kleine im Rundbogenstyl entworfene Kirche bildet in der Grundform ein Quadrat von circa 13 m im Lichten; die ganze Fig. 396. Die Verwendung der böhmischen Gewölbe. gewölbte Decke wird getragen von vier Säulen. Dem Eingange gegenüber befindet sich eine halbkreisförmige Chornische. Die Säulen stehen von den Ecken ganz gleich weit ab und die von Säule zu Säule reichenden halbkreisförmigen Gurtbögen zer- legen die Decke in neun Felder, von denen das mittlere quadratisch und 5,75 m weit ist, die vier kleinen quadratischen Eckfelder 2,75 m Seite haben und die vier äußeren rechteckigen Felder 2,75 m breit und 5,75 m lang sind. Alle neun Felder wurden mittelst Platzelgewölben, denen verschieden große Halbkugeln zu Grunde liegen, geschlossen. Die Länge der Radien r und r' zu diesen Halbkugeln ergiebt sich nach der bei Fig. 391 gezeigten Methode. Die Basen sämmtlicher Halbkugeln müssen in einer horizontalen Ebene liegen, damit die Schildbögen zweier neben einander befindlicher Gewölbe sich voll- ständig gleich werden. Die Fig. 396 macht diese Beschreibung noch besser verständlich. Erwähnt sei, daß der Querschnitt ebenso ist wie der Längenschnitt jedoch mit Hinweglassung der Chornische und Eingangsthür. Ueber die befolgte Construktion und Wahl der Materialien wird bemerkt, daß die Umfassungsmauern von Bruchsteinen (Grauwacken- schiefer) aufgeführt sind. Da dieses Bruchsteinmaterial jedoch keine künstlerische Bearbeitung zuließ, so sind die Haupt- und Fußgesimse, die Thür- und Fenstereinfassungen, Beplattungen, Treppen, Säulen ꝛc. von Werkstücken hergestellt. Zu den vier Säulen, welche das Ge- wölbe im Innern unterstützen, zu den vier Säulen der Vorhalle, sämmtlich Monolithen, und zu den Thür- und Fenster-Einfassungen ist namentlich das vortreffliche Sandstein-Material verwendet, welches in einem neu eröffneten Bruche bei Steinbockenheim, unfern von Bingen zwischen der Nahe und dem Rheine, gewonnen worden ist. Zu den Hauptgesimsen dagegen sind die vulkanischen Tuffe von Bell und Weibern, im Kreise Mayen, ihrer leichten Bearbeitung und ge- ringen Kosten wegen in Anwendung gekommen, während zu den der Abnutzung mehr unterworfenen Beplattungen, Treppen und Deck- platten auf der Brüstungsmauer der Vorhalle die weit bekannten Basaltlava-Brüche zu Niedermending das geeignete Material geliefert haben. Die Wölbungen im Innern (böhmische Platzeln zwischen Gurten) sind von den dazu vorzugsweise geeigneten sogenannten Bendorfer Sandsteinen (Bimsteinglomerat) ausgeführt. Mit Rücksicht auf den Charakter des Gebäudes hat es angemessen geschienen, statt des Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Putzes der äußeren Mauerflächen, der des Gebirgsklimas wegen doch in der Regel nicht von langer Dauer ist, die Bruchsteine nach Art der Werkstücke in den Ansichten glatt zu bearbeiten, und das Mauerwerk sauber auszufugen. Im Innern dagegen sind die Gesimse (in der Chornische) sowohl, als die Mauer- und Gewölbeflächen mit Kalk- mörtel sauber geputzt, demnächst steinfarbig in lichten Tönen ange- strichen und mit leichten Ornamenten, in Einschlußlinien ꝛc. bestehend versehen. d ) Das Verzeichnen der böhmischen oder Platzelge- wölbe geschieht im Grundrisse durch Umklappen der Schildlinien resp. Anläufe, wie dies in Fig. 397 A — B ( A für einen quadratischen, Fig. 397 A — D. B für einen rechteckigen Raum) zeigt. Bei halbkreisförmigen Anläufen sieht man sonach Halbkreise im Grundrisse, im andern Falle hohe Kreissegmente. In Oesterreich ist es gebräuchlich, die Platzelgewölbe im Grundrisse, wie Fig. C und D angeben, zu verzeichnen; diese Methode verdient aber keine Nachahmung, da sie niemals die richtige Wölb- linie bezeichnet. Die Fig. C hat nur dann Anspruch auf Richtigkeit, wenn Zwickel und Kalotte vorhanden sind, wie bei Kuppelgewöl- ben (siehe Fig. 356 und 357), denn dann vermag Jeder bei gegebenem Systeme und graphische Construktionen der böhmischen Kappe. Grundrisse die Zwickelanläufe zu bestimmen; hingegen da Platzelge- wölbe nach beliebigen Bogenlinien gewölbt werden können, ist es für das allgemeine Verständniß erforderlich, nicht den horizontalen Quer- schnitt des Gewölbes (der bei rechteckiger Grundform wie Fig. D gar keine Berechtigung hat und auch zeitraubend zu construiren ist), son- dern die umgeklappten Schildlinien (Anläufe) im Grundrisse zu zeichnen, zumal diese in der Praxis von den Maurern behufs An- fertigung der Lehrbögen doch verlangt werden. e ) Allgemeine Dimensionen : Ueber 6—7 m pflegt man die Platzelgewölbe nicht gerne zu machen und erhalten dieselben bis 5 m Spannweite ½ Stein zur Stärke, bis 7 m Spannweite ½ Stein im Scheitel, 1 Stein am Widerlager, bis 3 m Spannweite kann man sie sogar ¼ Stein im Scheitel einwölben mit Benutzung des Cementmörtels, jedoch ohne Belastung des Gewölbes. IX. Die böhmische Kappe oder das „ preußische Platzelgewölbe “ (letztere Benennung in Oesterreich üblich) ist eigentlich nur ein ganz flaches böhmisches Gewölbe mit ⅕—1/12 Pfeilhöhe. a ) System und graphische Construktionen . Dieses Ge- wölbe kommt in der Praxis sehr häufig vor an Stelle der ganz flachen Tonnengewölbe (preußisches Kappengewölbe), da seine geschwungenen Anläufe (Schildbögen) nicht nur gut aussehen und die architek- tonische Ausstattung des Raumes erleichtern, sondern auch weil das Gewölbe bei allen Grundrißformen bis zu 5 m leicht anwendbar ist. Bei der Herstellung der böhmischen Kappe sind in der Regel nur die Raumdimensionen und eine beliebig anzunehmende Pfeilhöhe bekannt, und hat man mit diesen beiden Factoren die Con- struktion vorzunehmen. Will man dann dem preußischen Platzel resp. der böhmischen Kappe die Kugelfläche zu Grunde legen, so verfährt man, um die Größe des erforderlichen Halbkugeldurch- messers zu erhalten, folgendermaßen (Fig. 398): R S T U sei der zu überwölbende Raum, z der Schwerpunkt; g e ist die Pfeilhöhe, in diesem Falle gleich ⅙ der Diagonale, f h = S U , f i = i e , i k ⊥ f e; man verlängere die Normale bis k , so ist k der Mittel- Wanderley, Bauconstr. II. 25 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. punkt der Halbkuppel, welche über R S T U liegt. Mit dem Radius k e ziehe man um z einen Kreis; man verlängere S T nach beiden Fig. 398. Seiten bis der Grundkreis getroffen wird, und errichte über die Sehne einen Halbkreis; man mache l S ⊥ S T und m T ⊥ S T , bis der darüber liegende Halbkreis durchschnitten wird, so ist l m der Schildbogen über S T; wird über S R ebenfalls ein Halbkreis gelegt, so ist r s der Schildbogen über R S. Schlägt man mit k e einen Bogen, so ist f e h der Diagonalbogen des Gewölbes. Denselben erhält man auch, wenn auf R T die Senkrechten R f' und T h' errichtet werden, dann ist f' h' ebenfalls der Diagonalbogen. In Oesterreich sind die preus- sischen Platzeln mit gedrücktem elliptischen Querschnitte und entweder mit kreisförmigem Das preußische Platzel mit kreisförmigem Grundrisse über quadratischem Raume geben wir im Anhange dieses Bandes. oder mit elliptischem Grund- risse üblich. Hierbei nehmen dann die Maurer aus purer Bequemlichkeit für die Anläufe (Schildbögen) u. s. w. ganz beliebige Curven an, obgleich dieselben genau nach den Regeln der darstellenden Geometrie ermittelt werden sollen. Die hierfür giltigen Methoden besprechen wir in dem nachstehenden Beispiele: Es sei das Platzelgewölbe nach einem gedrückten Ellipsoid zu con- struiren (Fig. 399) (erwähnt sei, daß man theoretisch zwar Ellipsen zu Grunde legt, in Wirklichkeit aber entweder die Oval- oder Korb- bogenline zeichnet, da die Ellipsen sich umständlich herstellen lassen). Die Ecken des viereckigen Raumes sollen beispielsweise die Ellipsenpe- ripherie berühren (die Ellipse haben wir hier aus zwei Korbbögen zu- sammengesetzt) und die Curve a b c sei das Längenprofil des halben Ellipsoids mit drei Axen. Um nun irgend einen Punkt des Intrados Systeme und graphische Construktionen der böhmischen Kappe. zu finden, muß man das Gesetz beachten: alle horizontalen Schnittebenen durch den Ellipsoid geben concentrische Curven . Da nun hiernach die Höhen der einzelnen Punkte ermittelt werden können, ist es unbedingt nöthig, für jeden Punkt der Schild- bögen die zu demselben gehörige Horizontalebene zu bestimmen. Es wird somit der Schildbogen o i° g folgendermaßen ermittelt: man nehme auf der Seite x x die Punkte d e f g h i beliebig an und bestimme für jeden die Hozizontalebene, in der jeder sich befindet; zu diesem Behufe construire man von d , resp. e , f u. s. w. aus Ellipsen, die mit der Grundellipse concentrisch sind. Es genügt schon die betreffende Fig. 399 Curve bis zur großen Axe a c zu bringen, um in den Schnittpunkten d' , e' , f' , g' u. s. w. Lothe d' d° , e' e 0 , g' g 0 u. s. w. bis zu der 25* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. umgeklappten halben Ellipse a b c zu ziehen. Diese Lothe geben, in den Punkten d , e , f , g , h , i errichtet, einige Hilfspunkte für den halben Anlauf (Schildbogen o i 0 ). Auf ganz dieselbe Weise werden die Anläufe über den schmalen Seiten des viereckigen Raumes — sowie überhaupt jeder beliebige Punkt im Intrados — gefunden. b ) Construktion . Die Einwölbung der böhmischen Kappe resp. des preußischen Platzelgewölbes geschieht nach zwei Methoden, nämlich: erstens auf den Schwalbenschwanz, zweitens auf den Kuf mit parallelen Ringen mit und ohne Benutzung der Rutschbögen. Fig. 400. 1. Die Schwalbenschwanzwölbung ist hier ganz eben so wie wir sie bei den preußischen Kappengewölben (flachen Tonnen) gezeigt haben; Verwendung und Beispiele der böhmischen Kappe. es sind hierzu zwei Diagonallehrbögen nöthig und beginnt man die Mauerung freihändig in den Ecken, wodurch der Gewölbeschub größtentheils nach den Ecken fortgepflanzt wird. Die Einwölbung Fig. 401. der böhmischen Kappen über vieleckige oder unregelmäßig gestaltete Räume geschieht meistens auf den Schwalbenschwanz, während beispielsweise in Fig. 400 eine der Schwalbenschwanzwölbung ähn- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. liche Kufwölbung dargestellt ist. In diesem Beispiele hat die Kappe eine geringe Pfeilhöhe und liegt dem Intrados eine Kugelfläche zu Grunde; die Anläufe der Schildbögen a a a werden nach Fig. 398 ermittelt. Streng genommen entstehen bei dieser Wölbung acht Wangen, die mit einem schwachen Grat zusammenstoßen; die Ein- Fig. 402. biegungen am Intrados sind aber so gering und unmerklich, daß sie durch den Kalkputz vollständig verschwinden. 2. Die Wölbung auf Rutschbögen haben wir ebenfalls bei den preußischen Kappengewölben näher besprochen und hat der Schwal- benschwanzwölbung gegenüber den Vortheil, daß die schmalen Seiten des Raumes keinem Drucke ausgesetzt werden, was unter Umständen, Verwendung und Beispiele der böhmischen Kappe. wenn der Gegendruck durch Gewölbe fehlt, von großem Nutzen sein kann. Die Rutschbögen werden an den Anläufen auf Schildlehr- bögen entlang geführt. Im Uebrigen veranschaulicht Fig. 401 das Verfahren der Einwölbung. c ) Verwendung und Beispiele . Die böhmischen Kappen oder preußischen Platzeln können zur Ueberdeckung aller Räume von etwa 2—6 m Spannweite und mit beliebigen Grundformen benutzt werden; meistens bringt man sie über Durchfahrten, Vestibüle und sonstige größere Räume, bei denen es auf die architectonische Aus- schmückung ankommt. In Kellern sind sie besonders für unregelmäßige Räume zweckmäßig, oder wenn man einen großen Raum nicht mittelst Gurtbögen für die preußischen Kappen zerstückeln will. Solche Anordnung sehen wir in Fig. 402, welche das Erdgeschoß oben und das Kellergeschoß unten enthält. Letzteres ist größtentheils mit preußischen Kappen überdeckt, und hat nur bei a a a a preußische Platzelgewölbe. Fig. 403. Fig. 403 und 404 geben die Durchfahrt im Sophiengymnasium zu Berlin; sie ist mit preußischen Platzeln überdeckt worden und zwar in der Art, daß der Raum der Länge nach mittelst Gurten in vier Theile zerlegt wurde. Die Stellung der Gurte richtete sich zunächst nach dem Aufgange e , welcher von zwei Mauern, die den Gurten gleichzeitig ein passendes Widerlager bieten, begrenzt wird. Theils um stärkere Wider- lager fürdie Platzeln zu erhalten, theils um die Gewölbeanlage mit Axen- stellung der Fa ç ade in Einklang zu setzen, reichen die Platzeln nicht in der ganzen Breite über die Durchfahrt, sondern sind die schmalen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Tonnen t t angelegt worden. Die übrigen Felder f f f sind annähernd gleich groß und mit Platzeln überdeckt, deren Anläufe sämmtlich in Fig. 404. gleicher Höhe liegen. Die böhmische Kappe über dem schmalen Felde p ist lang gestreckt. Verwendung und Beispiele der böhmischen Kappe. Das Verfahren, um die Kappen zu zeichnen, ist in der Fig. 404 genau bei dem mittleren Gewölbe angegeben; hiernach liegt die Basis des großen Grundkreises noch unter der Durchfahrtsohle. Die Länge der Radien ergeben sich nach Fig. 398, wenn man auf der Diagonale des mittleren Feldes die Pfeilhöhe (⅕—1/12 der Spann- weite) absteckt und in je drei zusammengehörigen Punkten (zwei Diagonalendpunkte und Scheitelpunkt) den Kreisradius sucht. Bei diesem Beispiele sind die oberen Gänge mit preußischen Kappen- gewölben eingewölbt worden, um, zumal bei der großen Breite der Gänge, die Langwände vom Gewölbeschub zu befreien. Auch der 4 m breite Eingang des St. Getraudt-Stiftes (ent- worfen von Koch) in Berlin ist mit böhmischen Kappen überwölbt (Fig. 405, Längenschnitt nach x y im Grundriß). Um den Gewölbeschub aufzufangen, sind an den Längenwänden schmale Tonnengewölbe angelegt und daneben die Gurten für die böhmischen Kappen gestellt worden. Der Raum zerfällt dann in drei Felder, von denen das mittlere am größten und quadratisch ist, während die seitlichen Kappen eine längliche Grundform haben. Die zusammengehörigen Anläufe zweier nachbarlicher Räume liegen in gleicher Höhe. Die Corridore C C sind theilweise mit flachen Kreuz- gewölben bedeckt. Eine häufige Verwendung haben die böhmischen Kappen von ver- schiedenen Formen in der Sophien-Realschule zu Berlin gefunden (Fig. 406 und 407). Die Grundrisse des Einganges und des Treppen- hauses, um den sich weite Corridore gruppiren, veranschaulicht die Fig. 406; es bedeutet A Kellergeschoß, B Erdgeschoß, C I. Stock, D II. Stock. Das Kellergeschoß ist mit preußischen Kappengewölben überdeckt und hat an dieser Stelle für uns keine weitere Bedeutung, das Erdgeschoß und der I. Stock sind ganz gleichartig mit flachen preußischen Platzeln überwölbt und der II. Stock ( D ) hat böhmische oder Platzel- gewölbe. Die Treppe, welche mit dem Fußboden des II. Stockwerks aufhört, ist dreiarmig; in der Mitte steigt nur ein Arm hinauf und rechts und links gehen zwei andere Arme zur Etage. Die unteren Treppenarme werden von einer Mauer getrennt. Die Podeste sind mit preußischen Platzeln unterstützt. In dem Vorraum vor der Treppe ruhen die Gurten auf sechs eisernen Säulen und sind drei größere im Grundriß fast quadratisch ge- staltete ( g ) Kappen, sechs kleine längliche Kappen vorhanden, und zwar Zweites Kapitel Die Gewölbe. letztere um den Schub der großen Kappen aufzufangen. Bezüglich der Kugelflächen verweisen wir auf die in der Zeichnung (Fig. 407) ge- gebenen punktirten Linien der Felder g. Fig. 405. Eine höchst interessante kuppelartige böhmische Kappe nach einem halben Ellipsoid mit drei Axen fanden wir über dem Eingange Verwendung und Beispiele der böhmischen Kappe. der Synagoge in Berlin (vom verstorbenen Baurath Knoblauch entworfen, ein Bauwerk, welches in technischer, wie architektonischer Fig. 406. Hinsicht einzig in seiner Art ist). Der Architekt hatte bei der Grundrißanordnung viele Schwierigkeiten zu überwinden, ganz besonders erschwerte die sehr schiefe Lage des Grundstücks die Anlage eines monumentalen Vestibüls, da die Einhaltung einer normal zur Straßenfront gerichteten Gebäudeaxe ganz unmöglich war. Um diesen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 407. NB. In dieser Figur sind die punktirten Hilsskreise zu den mit k bezeichneten Platzeln leider nicht richtig, sondern die Basen zu den Halbkugeln der Platzeln k müssen ebenso tief liegen, wie die zu den mittleren Platzeln g. Dasselbe gilt auch in Fig. 405. Verwendung und Beispiele der böhmischen Kappe. Uebelstand mindestens zu verbergen, wählte der Architekt eine zwölf- seitige Centralhalle für den Eingang, welche allenthalben ganz gleich- artig ausgestattet, den Eintretenden fast unbewußt in die schiefe Ge- bäudeaxe führt. Diese Centralhalle ist in Fig. 409 im Grundrisse Fig. 408. und in Fig. 408 im Querschnitt mit Hinweglassung des reichen architektonischen Schmucks wiedergegeben. Das Princip des Gewölbes erkennt man sogleich: eine auf den Säulen ruhende, scheinbar ellip- tische Kuppel wird an der Seite des Zwölfecks von zwölf nach Innen ansteigenden Stichkappen durchbrochen. Die Kapitälplatten der frei- stehenden Säulen reichen noch auf die Wandpfeiler und stützen die Widerlagsfüße der Stichkappen. An den Durchdringungskanten der Stichkappen mit dem Gewölbe sind Profile gezogen, welche sich über- kreuzend und ein Netz bildend, mit dem horizontalen Gesims ( g ) ver- einigen. Hier beginnt in Wirklichkeit erst die böhmische Kappe mit kreisförmigem Querschnitte. Die Ermittelung der Linien ergiebt sich, wenn man beachtet, daß Zweites Kapitel. Die Gewölbe. alle horizontalen Schnitte Kreise und alle durch die verticale Gewölbeaxe gelegten Schnittebenen gleichgroße Ellipsen geben. In der Praxis Fig. 409. wählt man anstatt der Ellipsen stets Korbbögen oder Ovalen, da diese Curven die graphische Construktion wesentlich erleichtern. Ueber dem soeben geschilderten Eingange befindet sich ein großer zwölfseitiger Versammlungssaal mit herumlaufender Gallerie, die auf schlanken eisernen Säulen ruht; diese Säulen reichen bis zur Decke. Auch diese interessante Anlage reproduciren wir in den Figuren 410 und 411. Die Säulen treten 1,1 m vor und tragen Gebälke, welche den kurzen halbkreisförmigen Kegelgewölben als Auflager dienen. Letztere sind vorhanden, um einerseits die Gewölbespannweite zu ver- mindern, andererseits ein kräftiges Widerlager für das Gewölbe herzugeben. Gegen die Kegelgewölbe legen sich die zwölf ansteigenden mit Busen versehenen Stichkappen, deren Grate verziert sind und sich oben in einem Kreise vereinigen. Die Spitzen dieser Stichkappen tragen einen niedrigen Cylinderring, welcher der kreisförmigen böhmischen Verwendung und Veispiele der böhmischen Kappe. Kappe ein genügendes Auflager verschafft. Der Gewölbeschub wird von den Stichkappen nach den Kegelgewölben übertragen. Erwähnt sei Fig. 410. noch, daß das ganze Gewölbe mit Stuckaturung und Malerei reich verziert ist und der ganze Saal einen brillanten Eindruck macht. d ) Das Verzeichen der böhmischen Kappen resp. preußischen Platzeln geschieht im Grundrisse in der Weise, daß man die Schild- bögen (Anläufe) umklappt; nach diesen kann der Maurer jederzeit, auch wenn nicht alle Querschnitte vorhanden sind, die Lehrbögen an- fertigen. Das in Oesterreich übliche Verfahren, welches wir schon bei dem böhmischen Gewölbe resp. Platzelgewölbe angaben, ist falsch und unverständlich. e ) Bezüglich der Gewölbstärke und Widerlagsstärke geben wir folgende allgemeine Daten: Pfeilhöhe ⅙ — 1/10 der Spannweite, Gewölbestärke bis 5 m ½ Stein, Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Widerlagsstärke ¼ — ⅕ der Spannweite, bei 2 m Spannweite jedoch nie unter 2½ Stein. Fig. 411. X. Das Kreuzgewölbe . a ) Systeme und graphische Construktionen . Setzt man mehrere Kappenstücke (mindestens drei) von gleicher Pfeilhöhe so zu- sammen, daß die Scheitelpunkte in gleicher Höhe liegen und sich be- rühren, so entsteht ein Kreuzgewölbe (Fig. 412). Die Kappenstücke können alle Querschnittsformen haben, nämlich Halbkreise, Ellipsen, Korbbögen, Spitzbögen, hohe und flache Segmentbögen u. s. w. Das einfachste Kreuzgewölbe giebt die Zusammensetzung von zwei gleich großen Halbkreiscylindern (Fig. 413); sodann erhält man einen quadratischen Raum a g i c , welcher im Grundrisse durch zwei Diago- nalen c g und a i zertheilt wird. Letztere heißen; „Grate“ und werden in wirklicher Größe aus dem Gewölbequerschnitt a b c mittelst Ver- gatterung ausgetragen, wie die eingeschriebenen Buchstaben erklären. Die Stirn des Kreuzgewölbes kann entweder offen bleiben oder mit Mauern geschlossen sein. Systeme und graphische Construktionen der Kreuzgewölbe. Das Kreuzgewölbe hat vor allen bis jetzt genannten Ge- wölbearten den Vorzug, daß es seine ganze Last auf die Ecken Fig. 412. Fig. 413. überträgt; denkt man sich nämlich zwei aneinander liegende Kappen in gleichviel schmale Streifen zerlegt, so vereinigen sich die Kraft- richtungen je zweier Streifen zu einer Kraftrichtung, die mit der Gratbogenlinie zusammenfällt und in der sich somit sämmtliche Kraft- wirkungen vereinigen. Die Construktion des halbkreisförmigen Kreuzgewölbes mit voll- ständig horizontalen Scheitellinien ist nur in Hausteinen ausführbar, hingegen pflegt man bei Bruch- und Ziegelsteinen die Scheitellinien von den Stirnmauern aus etwas nach der Mitte ansteigen zu lassen; es durchdringen sich dann streng genommen nur ansteigende Cylinder- stücke, und ist der Scheitelpunkt die höchste Stelle im Gewölbe. Diese Ueberhöhung nennt man den „ Stich “ des Gewölbes, der erforderlich ist, damit die Scheitellinien nach dem Ausrüsten und Setzen des Gewölbes nicht tiefer zu liegen kommen, als der höchste Punkt der Schildlinien (Anläufe). Wanderley, Bauconstr. II. 26 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Eine derartige Anordnung stellt Fig. 414 dar. Es wurde angenommen, daß die Mauern mittelst Schildbögen durchbrochen seien, dann müssen sich die Kappen mit Berücksichtigung eines Rücksprunges gegen den Pfeiler legen, oder man läßt den Gurtbogen etwas vorspringen (etwa um das Stück R ), wie in diesem Beispiel geschehen ist. Fig. 414. In der Horizontalprojection sind die Projectionen der Diagonal- bögen nur gerade Linien. Es sei nun über v z in der Verticalprojection ein Halbkreis ge- dacht; der Diagonalbogen wird dann nach der Vergatterung bestimmt. Zuerst muß der Stich = u w angenommen werden, verbindet man u mit z , so ergiebt sich die Projection der Steigung der Axe oder des Scheitels einer jeden Kappe. Alsdann theile man ½ v z in be- liebig viel, aber gleiche Theile z. B. in 10 Theile, man errichte bis zur Peripherie des Halbkreises über v z die Senkrechten w k , 1 l , 2 m , 3 n , 4 o , 5 p , 6 q , 7 r , 8 s und 9 t. Ferner wird auch die Horizontalprojection w z in 10 Theile ge- theilt und hierauf werden Senkrechte errichtet. Durch diese Lothe entstehen auf der geraden Stichlinie die Theilpunkte I bis IX. Nun erhält man den Diagonalbogen, d. h. die Durchdringungslinie von zwei Kappen, wenn die Senkrechten w k , 1 l , 2 m ꝛc. von u , I , II ꝛc. abgetragen werden, so daß die verschiedenen Höhen w w' , 1 a , 2 b , 3 c , 4 d , 5 e , 6 f , 7 g , 8 h und 9 i entstehen, nach denen die Diagonal- Systeme und graphische Construktionen der Kreuzgewölbe. linie in wirklicher Größe und in der Verticalprojection gezeichnet werden kann. Die Diagonallinie läßt sich in der Verticalprojection aufzeichnen, ohne daß man die Stechung im Grundrisse anzugeben braucht; zu diesem Be- hufe (siehe die linke Hälfte von Fig. 415) theilt man das halbe Gewölbe in beliebig viele, aber gleiche Streifen ein, z. B. hier in vier, sodann giebt man auf der Mittellinie die Stechung an und theilt man diese in ebenso viel Theile ein, wie Streifen gemacht worden sind, also wieder Fig. 415. viermal. Mit dem Radius des Gewölbequerschnitts schlägt man aus 1, 2, 3 Kreise, welche die Lothe I, II und III schneiden; diese Schnitt- punkte gehören der Diagonale an. Sehr häufig werden die Kreuzgewölbe nur von Schildbögen be- grenzt; die Anordnung der Kreuzgewölbe hängt nun davon ab, ob die Pfeiler, auf denen die Schildbögen stehen, mit Vorsprüngen ver- sehen sind, wie E und F in Fig. 415 B , oder rechteckig resp. quadratisch 26* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. abschließen. Im erstern Falle kann das Kreuzgewölbe in der Kämpfer- höhe der Schildbögen beginnen und macht man jeden Pfeilervorsprung gleich dem Abstand t u , d. h. etwa ½ — ¾ Ziegel; im anderen Falle liegt der Fuß des Kreuzgewölbes bedeutend höher und zwar um das Stück a c. Diese Erhöhung nennt man auch wohl „ Stelzung “ und ergiebt sich, wenn im Scheitel des Schildbogens der Abstand b d = ½ — ¾ Ziegel abgesteckt und dann vom Schildbogenmittel- punkt aus ein concentrischer Kreis gezogen wird. Im Grundrisse giebt a 1 c 2 die Stelzung an; die Stechung der Scheitellinie darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Diese Stechung macht man meistens 1/40 der Diagonale. Bei den bis jetzt erwähnten Kreuzgewölben wurden die Schild- bögen halbkreisförmig angenommen, zuweilen sind letztere auch ge- drückte Bögen. Auch können die Kappen flach sein, wie Fig. 416 zeigt. Die Stechung ist hier nicht angegeben, weil wir angenommen haben, das Fig. 416. Gewölbe habe sich bereits vollständig gesetzt. Die Stechung wird überhaupt in Entwürfen niemals berücksichtigt, da sie nur bei der praktischen Ausführung der Kreuzgewölbe einen Werth hat. Die spitzbogigen Kreuzgewölbe mit linsenförmigen Kappen nach Fig. 420 — 423 bedürfen einer Stechung nicht. Fig. 417 zeigt das System eines spitzbogigen Kreuzgewölbes mit geraden Kappen. Bei dem Kreuzgewölbe über einem rechteckigen Raume liegt der Scheitel stets über dem Schwerpunkte der Grundfläche, nämlich über dem Durchschnitt der beiden Diagonalen; zum Wand- resp. Schildbogen nimmt man über der kleineren Rechteck-Seite einen Halbkreis an, nach Systeme und graphische Construktionen der Kreuzgewölbe. welchem sich nun auch die Schildbögen über den größeren Rechteck- Seiten, sowie die Diagonalbögen, mit Berücksichtigung der Stechung, nach der Vergatterung leicht ableiten lassen. Fig. 417. Soll über einen unregelmäßigen Raum ein Kreuzgewölbe gespannt werden, so suche man zuerst den Schwerpunkt, und verbinde man den- selben mit den Endpunkten der unregelmäßigen Fläche, um die Ho- rizontalprojectionen der Grate zu erhalten. Die Kappen liegen dann schief und zwar mit ihren Axen in der Richtung von dem Mittelpunkt einer jeden Seite zum Schwerpunkt des Raumes. Fig. 418. Fig. 419. Die Fig. 418 deutet dieses Verfahren an; über eine Seite (ge- wöhnlich nimmt man die von mittlerer Länge an) legt man eine Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Halbkreis zu Grunde, nach welchem die übrigen Schildbögen nach Vergatterung bestimmt werden. Der Bogen B ist ein umgeklappter Diagonalbogen mit der Stechung c d. In Fig. 419 ist der Raum fünfseitig und etwas unregelmäßig; die Diagonal- und Schildbögen sind umgeklappt. Es giebt noch viele Formen von Kreuzgewölben, z. B. über einem rechteckigen Raume, in welchem beide Wand- resp. Schildbogen Halb- kreise sind und der Gratbogen mit dem entsprechenden Stich als stei- gende Ellipse aus dem größten Schildbogen abgeleitet wird; oder in denen der Gurtbogen und die Wand- resp. Schildbögen Halbkreise bilden u. s. w. Bei diesen Anordnungen wird jedoch die Scheitel- linie nicht mehr gerade, sondern „ busenförmig “ gestaltet sein müssen, so daß also derartige Gewölbe nur zum Theil oder gar nicht mehr aus Cylinderflächen bestehen. Dies erkennen wir in Fig. 420; Fig. 420. die Seiten a b und b c seien ungleich lang, über beiden stehen halb- kreisförmige Schildlinien (Anläufe), h e f g markiren die Scheitelpunkte derselben und e d, d f, g d, d h die busenförmige Aufwölbung. Letz- tere erhält man auch, wenn über die Seiten eines Rechtecks anstatt der Halbkreise Spitzbögen gebracht werden (Fig. 421) und demnach die Scheitel derselben auch in ungleichen Höhen liegen. Eine hierbei vielfach übliche Methode besteht darin, daß man die Spitzbögen nach dem Diagonalbogen construirt, und zwar in der Systeme und graphische Construktionen der Kreuzgewölbe. Weise, daß man an einer Ecke sowohl die Länge der kurzen, als auch der längeren Seite anträgt, jede halbirt und in den Halbirungs- Fig. 421. punkten Lothe zieht, welche den Halbkreis schneiden (Fig. 422); es ist d a die Diagonale, g a die größere, b a die kleinere Seite, und f e die Axe des Gewölbes, h e die Mittellinie des großen, i k desgl. des kleinen Spitzbogens. Man kann über rechteckige Räume auch spitzbögige Kreuzgewölbe erhalten, wenn für die Diagonale ein Halbkreis v z c (Fig. 421) zu Grunde gelegt wird und die halbe Diagonale als Spitzbogenhöhe dient; die Form der Spitzbögen ist dabei ganz gleichgiltig. Jedoch des besseren Aussehens und der leichteren Ausführung wegen wählt man für die Spitzbögen concentrische Kreisbögen. Da dann der kleinere Spitzbogen (falls die Scheitel in gleicher Höhe liegen) bis zum Kämpfer des größeren nicht hinabreicht, ergänzt man das fehlende Stück bis zum Kämpfer des ersten Spitzbogens durch verticale Linien. Man nennt dieses Verfah- ren „ stelzen “, da der kleine Spitzbogen gleichsam auf Stelzen steht. Die Stelzung erkennen wir in Fig. 423. Beide Schildbögen sind mit ¾ der Spannseite construirt (dies Verhältniß war in der besten Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 422. Fig. 423. Fig. 424. Systeme und graphische Construktionen der Kreuzgewölbe. Zeit des mittelalterlichen Stils vielfach gebräuchlich). Auch der Diago- nalbogen ist hier spitzbogig, und erhalten die Kappen wiederum eine busenförmige Aufwölbung. Bisher nahmen wir an, daß die Axe und Widerlager resp. Kämpferpunkte der Cylinderflächen horizontal liegen; es können aber auch Fälle vorkommen, wo erstere sich in geneigten Lagen, entweder rechtwinklich oder geneigt, durchkreuzen. Der häufigste Fall kommt bei den Unterwölbungen der Treppen mittelst Kreuzgewölben vor; die Fig. 424 zeigt ein steigendes Kreuzgewölbe über einem rechteckigen Raum. Der Wandbogen über der kleineren Seite a b sei ein Halbkreis, das Gewölbe erhalte einen Stich e f , und i c' sei die gegebene wirk- liche Steigung. Es ist leicht einzusehen, daß der Schildbogen über der größeren Seite a c ein steigender Bogen sein muß, welcher aus dem Halbkreise c h d mittelst Vergatterung ausgetragen wird. Auch die Diagonalbögen steigen an und lassen sich mit Berücksichtigung des Stiches nach der in der Figur dargestellten Weise leicht ermitteln. Die ansteigenden Kreuzgewölbe können auch flachbogig sein und nach Korbbögen construirt werden. Zum Schlusse möge noch eine Mittheilung folgen über das Ringförmige Kreuzgewölbe (Fig. 425). Es ist dieses die Durchdringung eines halbkreisförmigen Ring- gewölbes mit einem konoidischen Gewölbe, welche beide denselben Halb- kreis als Leitcurven haben. Die Grate eines derartigen Kreuzgewölbes zeigen sich nun auch in der horizontalen Projection nicht mehr als gerade Linien, sondern als Curven. Das Ringgewölbe mit seinem Erzeugungskreis v r p und die Oeffnung v q für das Kreuzgewölbe seien gegeben, so wird offenbar, da v q größer ist als w p , über v q eine gedrückte und über p w eine überhöhte Ellipse entstehen. Im Uebergange dieser beiden wird nun auch auf dieser konoidischen Fläche ein Halbkreis als Verticalschnitt vorkommen, der denselben Durch- messer v p wie die Leitlinie des Ringgewölbes hat, nämlich in x y resp. a — a ; theilt man nun die beiden Halbkreise über v p und x y in gleiche Theile, zieht man durch a, b, c u. s. w. Parallelkreise, und von c die Radien strahlenförmig, so erhält man im Durchschnitt der gleichnamigen Linien Punkte in der Horizontalprojection für die Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Diagonalbögen. Die Bögen über v q und p w werden nach Ver- gatterung aus dem Halbkreise v a' p ermittelt. Fig. 425. Das Schraubengewölbe , welches hauptsächlich bei Treppen- anlagen Anwendung findet, entsteht, wenn in einem Ringgewölbe die Kämpferlinien in Schraubenlinien übergehen. In ganz derselben Weise kann auch das schraubenförmige Kreuzgewölbe aus dem ringförmigen Kreuzgewölbe abgeleitet werden; diese Anwendung kommt aber höchst selten vor. b ) Construktion . Für die Ausführung des Kreuzgewölbes kommen in den Kappen verschiedene Verbände zur Anwendung. 1. Der Ableitung gemäß lassen sich die Kappen „ auf den Kuf “ mit parallel zur Axe liegenden Schichten (Schaaren) herstellen. Die Steine greifen hierbei abwechselnd von einer Kappe in die andere über, und müssen daher für die elliptischen Grate besonders nach verschiedenen Die Construktion der Kreuzgewölbe. Winkeln zugehauen werden, weil der Winkel normal zum Grat sich in jeder Schicht ändert, beispielsweise beim Halbkreise vom rechten Winkel beginnend und bis zum Scheitel zu einem gestreckten zuneh- Fig. 426. mend. Das Verhauen der Steine geschieht bei Verwendung von Ziegeln und Bruchsteinen gleichzeitig beim Wölben, da ein vorheriges Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Austragen zu umständlich sein würde. Bei Schnittsteinen muß aber jeder Stein vor dem Versetzen nach einer Schablone bearbeitet werden. Fig. 426 zeigt die genaue Kuf-Einwölbung eines ½ Ziegel starken Gewölbes. Die Einwölbung der vier Kappen beginnt gleichzeitig von den Ecken aus ganz gleichmäßig. Fig. 427 giebt den Ziegel-Verband (im Querschnitt und Grundriß) einer Stelle im Grat; hiernach fehlt im Grat immer in den abwech- Fig. 427. selnden Schichten ein Steinstück, damit die Steine mindestens im Rücken zusammenstoßen. Es folgt hieraus, daß der Grat die schwächste Stelle des Gewölbes ist, da in Bezug auf die Festigkeit ein eingesetztes Stückchen das fehlende Stück nicht ersetzen kann. Da aber das Kreuzgewölbe am wenigsten im Grat, wo alle Kraftwirkungen sich vereinigen, schwächer sein darf als anderswo, so wird der Grat oft noch um ½ Ziegel verstärkt. Bei Bruch- und Werksteinen machen sich diese Uebelstände nicht so geltend und giebt man der Kufwölbung der bequemeren Aus- führung wegen den Vorzug. Die Gewölbeanfänge, sowohl an Pfeilern als auch in den Ecken des Raumes, werden entweder aus Hausteinen oder durch horizontale Auskragung des Mauerwerks hergestellt. Für diese Ausführung des Kreuzgewölbes auf den Kuf ist ein vollständiges Lehrgerüst erforderlich. Zunächst werden die Gratbögen, in der Mitte von einem Mönch unterstützt, dann die Schildbögen und die sich an die Gratbögen anschiftenden Kappenlehrbögen aufgestellt und hierauf die Schalung gebracht. Die Einrüstung kann aber auch in der Weise geschehen, daß man erst eine Einrüstung für ein Tonnen- gewölbe herstellt, darauf durch horizontal gespannte Schnüre, die man durch Lothe auf die Schalung projicirt, die Gratlinien bestimmt und dann während des Mauerns nach und nach die Rüstung für die anderen Kappen aufstellt. Damit nach dem Setzen des Gewölbes die Mitte der sich schneidenden Scheitellinien nicht niedriger zu liegen komme als der Scheitelpunkt der Schildbögen, giebt man des ungleichen Setzens wegen dem Lehrgrat- bogen bei regelmäßigen Grundformen gewöhnlich 1/40, bei unregel- Die Construktion der Kreuzgewölbe. mäßigen 1/20 der größten Diagonale zur Stechung. Die Kappe wird durch die Stechung zu einer steigenden. Sollen die Kappenstirnen in die Stirnmauer oder den Gurtbogen eingebunden werden, so ist das Setzen derselben zu berücksichtigen, d. h. dicht unter der Kappe muß eine offene Fuge bleiben. Die Kufwölbung eignet sich, wie bereits erwähnt, besonders bei Verwendung von Bruch- und Werksteinen. 2. Das Kreuzgewölbe wird so eingewölbt, daß die Lagerfugen normal zur Gratbogenlinie gerichtet sind, wobei in der Scheitellinie der Kappen ein Zusammenstechen nach dem Verband auf den Schwal- benschwanz stattfindet. Auch hier greifen im Grat die Schichten abwechselnd in die andere Kappe ein und müssen die Gratsteine in jeder Schicht verschieden nach dem betreffenden Winkel zugehauen werden; es ist aber an den einzelnen Steinen nur eine einfache Schmiege ein- zuhauen, daher diese Ausführung bequemer als die vorige und des- halb auch bei Backsteinen die gewöhnliche ist. Es schneiden sich hierbei auch die innere und äußere Leibung in den Grat- und Kehllinien vollständig. Das Gewölbe ist also im Grat nicht schwächer als sonst irgendwo; dennoch kann auch hier eine Verstärkung des Grates statt- finden und bei Gewölben von mehr als 1,5 m Spannweite ist die Ver- stärkung sogar immer nöthig. Die Vorzüge dieser Art der Einwölbung gegen die vorige sind die gleichen wie bei der Einwölbung der Kappen ꝛc. auf den Schwalbenschwanz. Ebenso wie dort, geht auch hier ein Theil des Schubes auf die Gurtbögen oder die Schildmauern über; eine besondere Verstärkung der letzteren wird in den meisten Fällen nicht nöthig sein. Die Richtung der Lagerfugen wird je nach den Gratbögen von einer gemeinschaftlichen Axe ausgehen oder nicht. Die Projectionen ihrer Schnittlinien mit der Leibung werden krumme Linien. Die Diagonalbögen der rundbogigen Kreuzgewölbe bilden nur dann ganz genau eine halbe Ellipse, deren ganze große Axe gleich der Diagonale des Raumes und deren Höhe gleich der halben kleinen Axe ist, wenn die Kappen keine Stechung erhalten, also ganz hori- zontal bleiben wie in Fig. 413 und 426; sowie aber eine Stechung hinzukommt (siehe Fig. 414, 415, 418, 419), und mag letztere noch so gering sein, dann setzt sich der um die Stechung erhöhte Diagonal- bogen aus zwei ansteigenden Viertelellipsen zusammen, von denen die beiden großen Axen, um den Stechungspunkt gedreht, an jedem Ende so viel ansteigen, als die Stechung beträgt. Jede der sich kreuzenden Zweites Kapitel. Die Gewölbe. steigenden Ellipsen wird nach der in Fig. 216 dargestellten Con- struktion ermittelt und zwar mit dem Unterschiede, daß beim Kreuz- gewölbe die Linie A B ganz horizontal zu liegen kommt, und der Drehungspunkt M über dem Schwerpunkte des Raumes um die Stechung zu erhöhen wäre; der Abstand A X resp. Y B wird eben- falls gleich der Stechung sein, und M V repräsentirt die aufzufindende halbe kleine Axe. Auf dem lithographirten Blatte 4 ist in Fig. 2 die Ermittelung der Diagonalgratlinie genau dargestellt; die Höhe β ο bezeichnet die ganze Stechung, für die rechtsseitige steigende Viertel- ellipse B' C' dient die steigende große Axe α' γ' mit derselben kleinen Axe β δ', und den Brennpunkten x' y' (letztere werden nach Fig. 209 gefunden), und für die linksseitige ansteigende Viertelellipse gilt die große Axe α γ mit den Brennpunkten x y und der halben kleinen Axe δ β. Die Höhe B' ο ist die Gewölbehöhe mit Einschluß der Stechung β ο, und das Maß C' γ' resp. A' α' muß ebenfalls gleich der Stechung β ο sein. Von besonderem Interesse ist das Austragen einer jeden Stelle des Gratbogens, sowie das Verzeichnen desselben und des Ziegelver- bandes im Grundrisse. Dieses Verfahren geben wir hier nach einer vom Professor Gottgetreu zu München in der Zeitschrift für Bau- wesen 1875 vorgeführten lehrreichen Methode Auch wir haben bereits seit etlichen Jahren beim Bauconstruktionszeichnen- unterricht die Gratbögen eines rundbogigen Kreuzgewölbes nach einem ähnlichen, jedoch etwas umständlichen Verfahren austragen lassen, indem wir im Grundrisse anstatt der Mantellinien der gleichmäßig auf einer schrägen Ebene ansteigenden halben Cylinder, immer die wirklichen Querschnitte umklappen ließen. Wir kamen auf diese Anordnung zuerst beim Zeichnen schräger Schnitte durch die halbkreisförmigen Kreuzgewölbe. Dem Verfahren des Herrn Professor Gottgetreu geben wir der ein- facheren Manipulation wegen den Vorzug, weshalb wir dieses Verfahren hier seiner Neuheit wegen ausführlich nach der Zeitschrift für Bauwesen 1875 vorführen. . Da, wie bereits er- wähnt, die Lagerflächen der einzelnen Schaaren einer jeden Kappen- hälfte normal auf den Gratbogen stoßen müssen, letzterer aber bei elliptischer Form allenthalben einen verschiedenen Querschnitt erhält, so folgt hieraus, daß der Verband des Gratbogens an allen Stellen verschieden ist. Bei seiner Herstellung in Ziegeln pflegt man den Gratbogen für gewöhnliche Spannweiten 1½ Stein breit, 1 Stein hoch zu machen und in diesen äußeren Grenzen den Verband einzu- halten. Zunächst kommt es darauf an, jeden beliebigen wirklichen Die Construktion der Kreuzgewölbe. Querschnitt des Bogens zu finden, was bei spitzbogigen Graten ein- fach dadurch geschieht, daß man Ebenen durch den Mittelpunkt eines Bogenschenkels und den Gratbogen legt; bei elliptischen Gratbögen ist die Sache complicirter und wird der normale Querschnitt in der Weise gefunden, daß man die aus den beiden Kreuzpunkten nach dem Gratbogen gezogenen Peripheriewinkel halbirt; so sind z. B. auf Blatt 4 Fig. 2 auf der rechtsseitigen Hälfte die Winkel x' f' y', x' d' y', x' b' y' halbirt, um die Schnittlinien f' e', d' c', b' a' zu erhalten. Legt man in der Richtung dieser Schnittlinien je eine Schnittebene, welche den Grat und die beiden Kappenhälften zu den Seiten des Grates schneidet, so ist man im Stande, den genauen Querschnitt an den betreffenden Stellen zu ermitteln. Betrachtet man beispielsweise den Normalschnitt des Grates in d' c' in der Verticalprojection, so wird diese Schnittlinie auf der inneren Leibung des Gewölbes die Curve n' n' im Grundrisse geben; die Curve läßt sich ermitteln mit Hilfe der angenommenen Mantellinien m m, m' m', m'' m'', m''' m''' , welche durch d' c' geschnitten werden; hier sind in beiden Projectionen für die betreffenden Hilfslinien gleiche Buchstaben gewählt. Die Mantellinien laufen in der Verticalprojection parallel der großen Axe, hier m m, m' m' ꝛc. parallel mit α' β γ'. Wird endlich der Grat- normalschnitt in d' c' umgeklappt gedacht, wobei die Hilfslinien n, n', n'', m''' in der Verticalprojection zu d' c' eine normale Lage ein- nehmen, so läßt sich an diese umgeklappte Schnittlinie die wirkliche ½ Stein starke Gewölbeschicht antragen und auch die Gratform leicht ermitteln, da diese sich der Größe von 1½ Stein Breite und 1 Stein Höhe anpaßt, und zwar in der Art, daß sich die Gewölbeschicht nor- mal an den Grat anlegt. Auf gleiche Weise findet man auch die Normalschnitte c' f', b' a' u. s. w. Das Uebertragen der Normalschnitte aus der Verticalprojection in die Horizontalprojection geschieht nach den Elementarregeln der darstellenden Geometrie auf einfache Art. Betrachtet man nun den Grat-Normalschnitt d' c' in seiner wirk- lichen Form in der Umklappung, wie auch in seiner Horizontalpro- jection, so tritt der Grat, sich nach oben stark verjüngend, um nahezu ⅓ seiner Höhe über das ½ Stein starke Gewölbe hervor; im Nor- malschnitt a' b' dagegen versenkt sich der sonst aus dem Gewölbe heraustretende Grat in dasselbe und nimmt gegen die äußere Leibung an Verjüngung zu, während in den Normalschnitten e' f' und g' h' Zweites Kapitel. Die Gewölbe. der Grat immer höher, bis zur Hälfte, aus der äußeren Leibung des Gewölbes sich emporhebt, und eine stets steilere Widerlagsfläche an- nimmt, und diese wird bei der Annahme eines sehr hohen Stiches endlich eine Neigung annehmen, wie dies am Schlußsteine eines Spitz- bogens der Fall ist; der Normalschnitt in g' h' macht dies klar. Nur durch eine Reihe von richtig entwickelten Gratnormalschnitten läßt sich ein Kreuzgewölbe absolut richtig darstellen. Während in Fig. 3 auf Blatt 4 auf der rechten Seite eine Reihe von Normalschnitten entwickelt wurden, ist auf der linken Seite der Diagonalgrat so ge- zeichnet, als ob die sich an ihn anschmiegenden Gewölbeschichten fortgeschnitten gedacht sind, so daß die Form des Grates allein übrig bleibt und wobei die schraffirte Fläche den Schnitt darstellt zwischen Grat und Gewölbe. In dieser Darstellung ist nun deutlich zu er- kennen, wie sich der Diagonalgrat in jeder Schicht ändern muß, um stets die im veränderten Winkel sich an ihn anlehnenden Gewölbe- schichten normal als Widerlager aufnehmen zu können. Aus dieser Entwickelung geht hervor, wie schwierig es ist, ein Kreuzgewölbe im Rundbogen streng richtig zu construiren, da die einzelnen Steine des Diagonalgratbogens alle in ihrer Form von einander abweichen. Bei Annahme des Spitzbogens für diese Construktion fielen aber die beim rundbogigen Kreuzgewölbe entwickelten Schwierigkeiten fort, weil der Diagonalgratbogen ebenfalls spitzbogig wird und, aus einem Centrum construirt, es ermöglicht, ihn aus lauter gleichen Bogensteinen aus- zuführen. Nach der Entwickelung der richtigen Form der Diagonal- grate lassen sich dieselben nun auch genau in die Horizontalprojection übertragen, wie dies auf Blatt 4 Fig. 3 geschehen ist. Ferner lassen sich dann auch die Durchschnitte I — II und III — IV in Fig. 1 und 2 auf Blatt 5 ermitteln. Im Durchschnitte nach I — II ist i k die steigende Axe des Ge- wölbetheils E , und k m der spitzbogenartig aufsteigende elliptische Grat, und dieser läßt sich am einfachsten bestimmen, indem man die Längen von n, o, p, q, r und s von der Kämpferlinie l k aufwärts abträgt. Im Durchschnitte III — IV ergiebt sich der Punkt t des Diagonalbogens durch eine vertical gezogene Hilfslinie t' t' , während sich die Höhen von u und v in u' und v' Fig. 3 auf Blatt 4 finden lassen; der Schnitt t v des Gewölbetheiles G durchdringt den Ge- wölbemantel in gerader Linie, und entspricht hier in seiner Gewölbe- schnittstärke der Höhe von w' w'' , wie dies die Hilfsfigur 3 auf Blatt 5 Die Construktion der Kreuzgewölbe. am besten erklärt. Der Schnitt von t nach z gehört dem steigenden Tonnengewölbe F an, dessen steigende Axe mit i l zusammenfällt; die Schnittlinie, ein Halbkreisstück bildend, hat ihren Mittelpunkt in z' , gleich hochliegend mit z''. Der vom Scheitelpunkt des Gewölbes ab- wärts laufende Grat wird nach Fig. 3 auf Blatt 5 (linke Seite) richtig dargestellt. Die horizontal ausgeführte Hintermauerung in den vier Ecken des Gewölbes (Fig. 1 auf Blatt 5) bildet die Curven π ρ, da hier aufsteigende Cylinderflächen mit einer horizontalen Ebene ge- schnitten werden. Wie aus der vorstehenden Schilderung hervorgeht, kann man den Verband des Grates nur für eine ganz bestimmte Stelle angeben; Fig. 428 — 430 veranschaulicht verschiedene Anordnungen für ½ — 1 Fig. 428. Stein starke Kappen; in Fig. 428 ist der Grat 1 Stein, in Fig. 430 1½ Stein breit. Fig. 429. Die Kreuzgewölbe haben in der Regel nur ½ Stein starke Kappen und 1 Stein hohe Grate; für stark belastete (beispielsweise bei h o her Wanderley, Bauconstr. II. 27 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Erdanschüttung) Gewölbe sind 1 Stein starke Kappen und 1½ Stein hohe Grate nothwendig. In Fig. 431 u. 432 veranschaulichen wir einen solchen Fall; das Kreuzgewölbe ist flach und mit etwa 3 m hoher Erdanschüttung bedeckt. Fig. 430. Den genauen Verband giebt die Zeichnung an; der Verband in der Mitte des Grates ist derselbe wie in Fig. 430. Die Einwölbung auf den Schwalbenschwanz geschieht freihändig ohne ein verschaltes Lehrgerüst, und nur mit Zuhilfenahme einiger Diagonallehrbögen. Die Einwölbung auf deu Schwalbenschwanz aus freier Hand ist bereits im Mittelalter ganz allgemein bei spitzbögigen Kreuzgewölben folgendermaßen üblich gewesen: Die Kappen bestehen aus einzelnen horizontalen Schichten, deren jede eine kleine Ausbauchung hat, mithin ein kleines Gewölbe für sich bildet, sobald dessen Endpunkte ihr gehöriges Widerlager haben. Da nun die Lagerflächen der einzelnen Schichten eines regel- mäßigen Spitzbogens, d. h. eines solchen, der um ein gleichseitiges Dreieck beschrieben ist, sich sehr langsam von der Horizontallinie ent- fernen und selbst am Schlusse mit dieser nur einen Winkel von 60 Graden machen, so ist die Adhäsion jedes einzelnen Gewölbsteines von nicht allzugroßem Kaliber, wie Back- oder ähnliche Steine zu haben pflegen, zur Mörtellage hinreichend, um das Herabgleiten der ein- zelnen Steine vor dem Schlusse dieser Schicht zu verhindern; es hat daher keine Schwierigkeit, jede einzelne Schicht ganz aus freier Hand aufzusetzen und gegen die Widerlager zu schließen, auf jeder bereits geschlossenen, also bereits unwandelbar festliegenden Schicht aber eine Die Construktion der Kreuzgewölbe. neue zu beginnen und so bis zum gänzlichen Schluß des ganzen Gewölbes fortzufahren. Es bedarf mithin nur fester Widerlager für die Endpunkte jeder Schicht. Widerlager können nun nicht allein aus festen Punkten, z. B. den Außenmauern bestehen, sondern auch eben so gut aus dem Gegen- Fig. 431. Fig. 432 druck einer anstoßenden Schicht; sind daher die Grat- oder Diagonal- linien dieser Gewölbe, d. h. die Abtheilungslinien der einzelnen Felder, gehörig unterrüstet, so halten die zusammenstoßenden Schichten ein- ander fortwährend im Gleichgewicht, es bedarf also ebenfalls keiner 27* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. weiteren Vorkehrung, als sämmtliche Schichten in den einzelnen Ho- rizontal-Ebenen zugleich oder doch beinahe gleichzeitig auszuführen, d. h. alle Schichten jedesmal rundum abzugleichen. Es ist mithin bei dieser Art Kreuzgewölbe im Grunde dieselbe Prozedur, wie bei Kugelge- wölben, wo jede Schicht als Ring in sich geschlossen, allmählig ein Ring auf den andern gelegt, und so am Ende die Kugel selbst ge- schlossen wird, nur haben bei diesen Kugeln die oberen Schichten steilere Lagerflächen, die Steine können daher ohne Anwendung an- derer Hülfsmittel nicht mehr liegen bleiben, sondern würden gleich beim Auflegen heruntergleiten, wenn man es uicht auf andere Weise verhinderte. Das geschieht nun höchst einfach durch einige starke Schnüre, welche oberhalb und etwas rückwärts von der zu wölbenden Schicht befestigt, als Senkel herunterhängen und durch einige unten angebundene Steine belastet sind (siehe ein ähnliches Verfahren in Fig. 373 d. Bandes). Sowie ein Stein gelegt und durch einen mäßigen Schlag mit dem Mauerhammer etwas gegen seinen Vorgänger angetrieben ist, wird sogleich eine dieser Schnüre vor denselben gedrückt, wo nun der durch das Gewicht des eingeknüpften Steines hervorgebrachte Gegendruck, verbunden mit der Anziehung des Mörtels, hinlänglich ist, um diesen Stein so lange zu halten, bis er durch die Stoßfuge des nächsten Steines hinreichend festgehalten, und dieser abermals durch die vorgerückte Schnur gegen das Herabgleiten gesichert wird. Sehr häufig finden sich auch über alten Kirchen Kreuzgewölbe, wo die Diagonallinien aus Halbkreisen bestehen, also die rechtwink- ligen Linien, wie auch die Abtheilungslinien bei zusammengesetzten Gewölben, etwas gedrückte Spitzen bilden, deren Radien gewöhnlich ¾ auch zuweilen nur ⅔ des Durchmessers gleich sind; hier tritt nun bei den oberen Schichten dieselbe Schwierigkeit ein, und wahrscheinlich hat man sich auf dieselbe oder ähnliche Weise geholfen; zuweilen be- merkt man auch ein Hinterwölben jener Schichten, wovon später bei Beschreibung des Gewölbeschlusses die Rede sein wird. Der einzige Unterschied zwischen diesen alten Kreuzgewölben und den gewöhnlichen nach Fig. 426 besteht also einzig darin, daß die letzteren durch Bewegung zweier horizontalen geraden Linien über vier paar- weis gegenüberstehende Bogen gebildet werden, mithin alle horizontale Linien in dem Gewölbe gerade Linien sind und jede Schicht als scheitrecht liegendes Gewölbe construirt werden muß, um sich frei zu tragen, was ein sehr sorgfältiges Zuhauen aller Steine und eine Die Construktion der Kreuzgewölbe. ansehnliche Dicke des Gewölbes erfordert, statt daß in jenen alten gar keine gerade Linie vorkommt, weil jede Schicht in einer etwas nach Außen gekrümmten Linie gelegt wurde, mithin ungleich weniger Arbeit und geringere Dicke erfordert und dennoch einen weit festern Bogen abgiebt. Ein einfaches Kreuzgewölbe nach dem Profil Fig. 433 Fig. 433. Fig. 434. und nach der Linie a b horizontal durchschnitten, bildet also eine recht- winklige Zusammensetzung gerader Linien, wie Fig. 434, anstatt das andere, nach Fig. 435, aus Curven besteht, welche mit ihren End- Fig. 435. punkten c c gegen die Umfassungsmauern schieben, auf den Diagonal- linien d d aber, mit ihren andern Endpunkten auf zwei sich kreuzende Rüstbögen e e ruhend, sich wechselseitig im Gleichgewicht halten, bis durch Schließung des Gewölbes vollständige Diagonalbögen entstehen, welche sich nunmehr selbst tragen und das Wegnehmen der beiden Rüstbögen gestatten. Das Schließen der einzelnen Felder ist in den alten Gewölben auf die in Fig. 436 verzeichneten Weise bewerkstelligt, auch sind die letzten Schichten gewöhnlich etwas hinterwölbt, d. h. die Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Lagerfugen flacher und nicht so steil, als es der regelmäßige Fugen- schnitt erfordert und wie es jenes Herabgleiten der Steine herbeiführen würde. Zugleich vereinigen sich die beiden Schenkel des Spitzbogens nur bei den Rippen oder Graten, nicht aber in den Zwischenfeldern, Fig. 436. Fig. 437. in eine Spitze, wie beim reinen Spitzbogen, sondern bilden hier viel- mehr die Hälfte einer sehr schlanken Ellipse. Oft hat das Mauer- schild schon diese Form, ja fast überall wo an dieser Stelle keine Gräten oder profilirte Verzierungen angebracht sind. Der Scheitel jener Zwischenfelder steht darum noch höher wie die Spitze der Gräten, und bildet wieder einen flachen Bogen von diesen zur Mauer, wie aus dem Durchschnitt Fig. 438 ersichtlich ist. Nicht immer liegen endlich die einzelnen Schichten horizontal; sehr oft steigen sie nach Fig. 437 von den Diagonalgräten ziemlich steil gegen die Mauern an, zuweilen sogar unter einem Winkel von 45 Grad. Wahrscheinlich ist dies geschehen, um den Schub von letztern mehr auf die Rüstbögen der erstern zu construiren, und hier in einen fast senk- rechten Druck zu verwandeln. Vielleicht auch um den einzelnen Schich- ten eine größere Ausbauchung, mithin eine größere Stärke zu geben. Selbst geradlinige Kreuzgewölbe, ja wahrscheinlich sogar Tonnenge- wölbe, würden sich auf diese Weise ausführen lassen, indem nunmehr alle Schichten schiefe Schnitte eines Eylinders bilden, mithin aus einzelnen elliptischen Bogen bestehen. Wenn bisher der leichtern Uebersicht halber nur von einfachen, einzelne quadratische ringummauerte Räume bedeckenden Gewölben die Rede war, so bedarf es doch kaum der Bemerkung, daß genau dasselbe Die Construktion der Kreuzgewölbe. Prinzip allen zusammengesetzten Gewölben zum Grunde liegt, sei es, daß eine Reihe einzelner Gewölbe zur Bedeckung eines Oblongums zusammenstoßen, oder daß mehrfache Reihen Gewölbefelder nebenein- ander liegen und von Säulen getragen werden. Es findet alsdann nur der Unterschied statt, daß nicht allein die Diagonallinien der einzelnen Felder, sondern auch die Quer- und Längenabtheilungs- linien derselben eingerüstet werden, und daß auch die Säulen, wenn deren Abstände unter sich, sowie gegen die Umfassungsmauern ungleich Fig. 438 sind, wie es fast in allen Kirchen der Fall ist, vor der Ueberwölbung eine gewisse Stabilität erhalten müssen, indem dann der Schub der umgebenden Gewölbe ebenfalls ungleich ist, und sie mithin sich nicht mehr wechselseitig im Gleichgewicht halten, und ihr Schub sich nicht mehr in einen rein senkrechten Druck auf die Säulen auflöset. Dazu dient nun jene massive Mauer, die von den Bögen getragen wird, welche die Säulen nach der Länge des Schiffes verbinden, außerdem ihre Endwiderlager gegen die hier angemessen verstärkte Umfassungs- mauer haben, und mittelst der Mauer einen großen Theil des Daches tragen, mithin durch ihr eigenes Gewicht, verbunden mit dem des Daches, einen mächtigen Druck auf die Säulen ausüben, der mehr als hinreichend ist, denselben die erforderliche Stabilität zu verleihen, um den ungleichen Schube leichter Gewölbe zu widerstehen. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Hinsichtlich der busenförmigen Aufwölbung sei noch bemerkt, daß die mannigfachsten Formen vorkommen, wie die Fig. 439 in mehreren Beispielen veranschaulicht. Fig. 439. 3. Das unter ad 4 besprochene sogenannte gothische Kreuzge- wölbe mit selbstständigen Graten (Rippen), die aus verklammerten Werksteinstücken bestehen, beruht auf dem Prinzip, daß die vor- her aufgestellten Rippen die Widerlager für die einzuwölbenden Kappen, deren Lagerfugen normal gegen die Rippen gerichtet sein müssen, bilden. Sobald der Rippenbogen, der bei spitzbogigen Ge- wölben meistens ein Halbkreis ist, unwandelbar feststeht, wird ein Einsturz der Kappen nicht zu befürchten sein, sollte jedoch ein Ver- schieben der einzelnen Lagerfugen dennoch stattfinden, so kommt die ganze Gewölbemasse in Bewegung. Bei Backsteindiagonalbögen kann eine solche Rutschung (falls die Stärke des Gratbogens nicht genügend angelegt ist) wohl geschehen und zwar besonders bei Kreuzgewölben ohne selbstständige Rippen, hängt die ganze Stabilität von der gegen- seitigen Stützung der Gewölbekappen ab, die nicht einmal gegen die Lagerflächen drücken. Diese Mißstände der gewöhnlichen Einwölbungsart der Kreuzge- wölbe wohl erkennend, war man bei den Festungswerken in Mainz, besonders in dem Proviantmagazin zu Kassel, darauf bedacht, den Lagerfugen in den Gewölbekappen, also auch im Grat, einen mit den Die Construktion der Kreuzgewölbe. Normalen der Ellipse (Halbkreis-Kreuzgewölbe) gleichen, beziehungs- weise wenig verschiedenen Winkel durch eine nach dem Grat hin sich bogenförmig senkende Lagerfugenrichtung zu geben. Dies wird dadurch erreicht, daß man die in gleicher Höhe befind- lichen Lagerfugen der beiden nachbarlichen Tonnengewölbe an Kreis- bögen tangiren läßt, die alle ihren Mittelpunkt im Stützpunkt Deutsche Bauzeitung 1868. (Widerlagspunkt) der Diagonalbogenlinie haben (Fig. 440 und 441). Die praktische Ausführung wird bewerkstelligt, indem man auf der Fig. 440. Schalung die Lagerfugen der Tonnengewölbe verzeichnet und von den Punkten x aus (für jeden Quadranten) vermittelst einer Schnur, an deren Ende ein Stück weiße Kreide gebunden ist, die Tangirungs- kreise beschreibt. Die Punkte a, b, c, d, … l im Kreisbogen bedeuten die Lager- fugen des Tonnengewölbes und sind in gleicher Bogenlänge auch in die drei, durch Schnitte im Kreuzgewölbe nach den Richtungen A B, A C, A D entstandenen Ellipsen A' — B', A' — C', A' — D' eingetragen, deren Horizontalprojectionen dann, in die Horizontalprojectionen der entsprechenden Schnitte gebracht, die theilweise eingeschriebenen Curven- punkte in der Horizontalprojection ergeben, wie dies für den Punkt h dargestellt ist. In der Verticalprojection ist nur der Endpunkt der Curve h durch Auftragen von A K und h h' eingezeichnet. Die Linie h F bezeichnet die Richtung der nach der beschriebenen Methode be- stimmten Lagerfuge. Die Linie h H bezeichnet die Lagerfugenrichtung nach der alten Einwölbungsmethode. Was nun die weitere Construktion des hier in Rede stehenden Gewölbebeispiels betrifft, so erhielt das ganz mit Erde überschüttete Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Gewölbe drei Steine zur Stärke. Die Kreuzgewölbe sind durch die in den Widerlagern der Tonnengewölbe angeordneten Thoröffnungen, von der Spannweite der Tonnengewölbe, entstanden. Um die in der Nähe des Diagonalbogenfußes befindlichen, stark gekrümmten Tangirungsbögen sind in den Kappen, bis zu ⅓ der Fig. 441. Gewölbelänge, die Läuferschichten gänzlich fortgeblieben und, die ver- hauenen Gratsteine abgerechnet, ausschließlich stehende Binderschichten angewendet worden; in dem oberen ⅔ Theil des Gewölbes wechseln aber Binderschichten mit Läuferschichten ab. Die drei letzten Scheitel- schichten des Tonnengewölbes gehen in gerader Richtung auch in den Scheiteln der Kappen durch und wölbt man die dann noch offenen Gewölbetheile derartig zu, daß die Schichten concentrisch mit den Tangirungsbögen bleiben und sich gegen die durchgehenden Scheitel- schichten anlegen. 4. Die Kreuzgewölbe mit Rippen bestehen aus einem Ge- stelle von Steinbögen, sogenannten „ Rippen “, auf welchen das eigentliche Gewölbe oder die Gestellausfüllung (Kappen) ruht. Hierin Die Construktion der Kreuzgewölbe. ist der Unterschied dieser Gewölbegattung von allen anderen Gewölben ausgesprochen, bei welchen die gewölbte Oberfläche der bestimmte Factor und zugleich der einzige Gegenstand ist, auf welchen Rücksicht genommen wird. Bei den Rippengewölben ist die gewölbte Oberfläche nebensächlich, nur Ausfüllung, daher auch untergeordnet und liegt der bestimmende Zug in den Rippen. Die Rippen treten an dem Intrados hervor und sind meistens profilirt. Aber nicht allein die Grate werden aus Rippen gebildet, sondern auch diejenigen Theile, welche zwei nebeneinander befindliche Gewölbe von einander trennen, haben vorspringende Profile. Hier- nach unterscheidet man: erstens : Diagonalrippen, zweitens : Querrippen, Quergurte, Transversalrippen, drittens : Longitudinalrippen, Längengurte, viertens : Schildbogenrippen, Wandrippen, Wandgurte. Eine einfache Gewölbeanlage dieser Art zeigt Fig. 442; es ist hier ein langer Raum dargestellt, der in der Querrichtung in rechteckige Felder mittelst Querrippen eingetheilt wurde; neben dem Fuße der Querrippen steigen die Diagonalrippen empor, welche im Scheitel des Gewölbes gegen einen Kranz B (Schlußstein) stoßen. Alle Rippen sind spitzbogig und bilden ein festes Gerüst; die dreieckigen Felder innerhalb dieses Steinscelettes werden mit Kappen ausgefüllt. Letztere haben busenförmige Aufwölbungen, die meistens nach Kreisbögen gebildet sind. Der Querschnitt ist an der rechten Seite durch die Querrippen gedacht. Ein bedeutend größeres Beispiel erkennen wir in Fig. 443, welche die Deckenconstruktion der St. Catharinen-Kirche zu Lübeck darstellt. A giebt den Querschnitt der dreischiffigen Hallenkirche, B den Längen- schnitt; rechts in demselben (bei c ) ist der Chorraum. Die Gewölbe setzen sich auf sehr kräftige Bündelpfeiler und werden der Länge nach durch zwei spitzbogige Gurtbogen mit 6,7 m weiten Axen getrennt. Der mittlere Theil ist 10 m breit, die beiden Seitenschiffe sind je 4,5 m breit. In der Querrichtung werden die Gewölbe durch 6,7 m auseinander stehende Querrippen getrennt. Die Querrippen des Mittelschiffes sind halbkreisförmig, die der Seitenschiffe spitzbogig und gestelzt. Der Vorsprung der Rippen hängt von der Spannweite und dem Material ab. Die kleinsten Werksteinrippen für den Grat erhalten Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 442. Die Construktion der Kreuzgewölbe. circa 12 zm Breite und 23 zm Höhe; Backsteinrippen unterliegen in der Größe dem Ziegelformat. Fig. 443. Die Gurtbögen sind bedeutend breiter und oft weiter vortretend, als die Rippen, weil erstere zur Verstrebung der Pfeiler dienen. Die Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Schildbogenrippe kann sich, wenn sie überhaupt vorhanden ist, stumpf gegen die Mauer legen oder in diese eingebunden sein (siehe s in Fig. 443 A ). Die Einwölbung der Kappen geschieht entweder auf den Kuf, ringförmig, normal zur Gratlinie oder normal zu der Bogenlinie, die den Winkel, welchen die Gratlinie und die Schildbogenlinie bilden, halbirt. Die beiden letzten Einwölbungen sind die gewöhnlichen, wobei die Leibung eine doppelt gekrümmte Fläche wird und die Kappen etwas Fig. 444. Fig. 445 A — C. Fig. 446. Fig. 447. „Busen“ erhalten. Die Rippen werden meistens aus Sandstein ge- fertigt, und bedient man sich hierbei der in Fig. 444 und 445 A — C Die Construktion der Kreuzgewölbe. gegebenen Formbildung. Damit die Kappe ein sicheres Auflager erhalte, werden die Rippen gefalzt. Die Anordnung in Fig. 444 ist für kleine Gewölbe brauchbar, während Fig. 445 C keine Nachahmung verdient. Im Scheitel vereinigen sich die Diagonalrippen an einem beson- ders bearbeiteten Schlußstein (Fig. 446), der vielfach mit einer herab- hängenden Blume verziert oder auch ringförmig und hohl gestaltet wird. Am Fuße setzen sich die Rippen meistens auf Säulenkapitäle oder Kragsteine, und werden, da sie dicht nebeneinander stehen, aus einem einzigen Werksteine hergestellt (Fig. 447). Kleinen, in Ziegeln ausgeführten Rippen- gewölben giebt man auch häufig Formstein- rippen, welche aus einzelnen Formsteinen im Verbande zusammengesetzt werden (Fig. 448 a b ). Die Einwölbung mit nach unten vortreten- den Rippen findet besonders bei größeren Ge- wölben Anwendung; sie ist auch die einfachste, da im Grat eine Verbindung der Kappen nicht stattfindet, und gewährt den Vortheil, daß für die tragenden Rippen ein festeres Fig. 448. Material, für den getragenen Kappen ein leichteres Material ver- wendet werden kann. Durch die Rippenconstruktion werden die Bogenlinien vollständig unabhängig von einander und findet zunächst eine bedeutende Stechung (Ueberhöhung) des Durchschnittspunktes der Scheitellinien statt, welche Anordnung indessen auch ohne vortretende Rippen möglich ist. In den gothischen Kirchen besteht die Ueberhöhung oft ⅓ der Diagonale. Die Einwölbung geschieht ohne Schalung; es genügt ein Grat- bogenlehrbogen; beim Wölben darf man die Steine nur mit der Hand andrücken, da durch Schlagen mit dem Hammer die anderen Schichten sich leicht ablösen. Alle Kappen werden gleichzeitig von unten herauf gewölbt. Sehr lange Rippen soll man bis zur voll- ständigen Einwölbung der Kappen durch Querbögen oder Absteifungen gegen seitliches Verschieben sichern. c ) Die Verwendung der Kreuzgewölbe findet in allen Räumen von beliebiger Grundform statt; bald hält man sie zweck- mäßig in Kelleranlagen, bald eignen sie sich zur Ueberdeckung von Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Vestibüls, Corridoren, Hallen und Sälen. Am häufigsten trifft man sie in Kirchen an, denn da die Kreuzgewölbe die Eigenschaft haben, ihre Last nur auf einzelne Stützpunkte, die sich kräftig ausbilden lassen, zu übertragen, dagegen das übrige Schildmauerwerk durchaus nicht in Anspruch nehmen, ist man im Stande, das letztere nicht nur relativ dünn zu machen, sondern auch mit großen Fensteröffnungen zu durch- brechen. Sollen größere Räume mit Kreuzgewölben überdeckt werden, so muß man sie, ebenso wie bei böhmischen Gewölben, mittelst Gurten in kleinere Felder mit höchstens 5 m besser 3 — 4 m Seite zerlegen (Fig. 449). Die Pfeiler s bleiben entweder ganz viereckig oder erhalten ½ — 1 Stein starke Vorsprünge, wie in der Figur angegeben ist, damit Fig. 449. die Gurten zweckmäßige Auflager erhalten. Die Bögen t trennen die einzelnen Kappen auseinander und springen etwa ½ Stein an dem Intrados vor; diese Bögen nennt man „ Schildbögen .“ In den Kellern der Wohngebäude ist für die Pfeileranordnung die Stellung der Wände maßgebend, welche, sofern sie nur 1½ Ziegel stark sind, an den Endpunkten der Kreuzgewölbe mit Pfeilervorlagen verstärkt werden müssen. Im Allgemeinen pflegt man in Wohnhaus- kellern selten die Kreuzgewölbe anzulegen, und nur über Kellerräumen unter großen Sälen sind sie zweckmäßig, weil man hier gleichmäßig gestaltete und gleich große Felder schaffen kann. So z. B. sehen wir in Fig. 450 den Keller eines großen freistehenden Gebäudes; über den Die Verwendung der Kreuzgewölbe. Räumen R R befinden sich große Säle, welche mit böhmischen Kappen (preußischen Platzeln) überwölbt sind. Nach der Stellung der hierzu Fig. 450. erforderlichen Pfeiler, richtet sich auch die Pfeileranordnung im Keller. Sowohl oben als unten sind die Felder quadratisch, oben 3,75 m , unten 3,2 m breit. Die Pfeilerstärke beträgt in der Parterreetage 0,5 m , im Kellergeschoß 0,9 m . Wanderley, Bauconstr. II. 28 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 451 giebt den Querschnitt durch den einen Gebäudeflügel nach der Schnittlinie a b , und macht das Wölbsystem beider Geschosse genau Fig. 451. ersichtlich. Um den Keller möglich nutzbar zu machen, sind flache Kreuzgewölbe mit geraden Scheitellinien gewählt. Der ganze Keller ist mit Kreuzgewölben überdeckt worden; in den Seitengängen s und Flügeln R sind die Gewölbe über quadratische Räume gespannt, die übrigen Räume und Gänge sind mit einigen Ausnahmen rechteckig im Grundrisse. Bei beschränktem Kellerraum ließe sich auch noch der Hof ( H ) mit Kreuzgewölben in der Weise unterkellern, daß man in der Quer- und Längenrichtung Gurtbögen gegen Pfeiler spannt und die so entstan- denen Felder mit Kreuzgewölben ausfüllt. In den oberen Geschossen finden die vollen Kreuzgewölbe meistens nur bei starker Deckenbelastung und kräftigen Pfeilerwiderlagern Ver- wendung; so z. B. über Siedehäusern in Brauereien. Fig. 452 giebt einen solchen Fall aus dem Brauereigebäude von E. Wagner in Berlin; der Raum ist der Länge nach mittelst Halbkreisgurten in zwei Schiffe von je 4,9 m Breite getheilt; die Gurten stehen auf eisernen Säulen. In der Längenrichtung werden die Gewölbe durch Schildbögen s von Die Verwendung der Kreuzgewölbe. einander getrennt. Die Kreuzgewölbe sind vollständig halbkreisförmig und haben etwas ansteigende, ½ Ziegel starke Kappen. Fig. 452. In besser eingerichteten Räumen pflegt man den Kappen eine busenförmige Aufwölbung nach einer in Fig. 439 gezeigten Manier zu geben. In Vestibüls, Gängen der gothischen Gebäude u. s. w. sind diese Gewölbeformen sehr beliebt und effectvoll. Die Fig. 453 und 454 veranschaulichen einen Theil des Oekonomiegebäudes der Strafanstalt in Aachen (entworfen von Cremer), in welchem einige Räume, nämlich die Koch- und Waschküchen, mit solchen Gewölben überdeckt sind. Das Gebäude ist einstöckig, im Kellergeschoß sind nur preußische Kappen- gewölbe gegen flache Gurte gespannt. Das Erdgeschoß gagegen enthält sowohl Kreuzgewölbe, als auch preußische Kappen, die theil- weise auf Traversen ruhen (siehe Plättstube in Fig. 454). Die Koch- küche ist 9,4 m lang und 6,5 m breit; ihre Decke wird mittelst Quer- und Längengurten, welche sich in der Mitte auf Sandsteinsäulen stützen, in sechs quadratische Felder zerlegt, deren Ausfüllung im Querschnitt Fig. 453 verdeutlicht ist. Theils um die Widerlager zu ver- stärken, theils des besseren Aussehens wegen, sind an den Stellen, 28* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 453. Fig. 454. Die Verwendung der Kreuzgewölbe. Fig. 455. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. wo die Gurte sich gegen die Wände stützen, Pfeilervorlagen angelegt. In ähnlicher Weise erfolgte die Ueberwölbung der Waschküche mit vier rechteckigen Kreuzgewölben. Die Widerlagsstärke beträgt incl. der Pfeilvorlage durchweg ¼ der Gurtbogenspannweite. In der Kochküche sind die Kreuzgewölbe 2,75 m weit, in der Waschküche 2,6 m breit, 4,2 m lang. In letzterer sind die Längengurte elliptisch ge- formt. Die Kreuzgewölbedecke in Fig. 455 hat mit dem vorgenannten Beispiele einige Aehnlichkeit. Der mittlere Theil hat 5,6 m in der Breite, die beiden Seiten- schiffe sind 7,6 m breit. Der Halbkreisbogen des mittleren Ganges liegt der Form der übrigen Bögen zu Grunde und sind diese nach der Korbbogenlinie gebildet. Bei allen Gewölben liegt der Scheitelpunkt ebenso hoch wie der höchste Punkt der Schildline, und hat die Scheitellinie einen geringen Busen. Auf den ½ Ziegel starken, mit Graten versehenen Kappen ruht keine Belastung, da die Fußbodenbretter des oberen Geschosses mittelst Balken, die von Gurt- bogen zu Gurtbogen reichen, unterstützt werden. In Vestibüls kommen die Kreuzgewölbe in allen Formen vor; die nachstehenden Beispiele veranschaulichen einige Anlagen, welche für ähnliche Fälle als Vorbild dienen können. Das erste Beispiel zeigt den Eingang eines öffentlichen Gebäudes; Fig. 456 giebt den Grundriß des Vestibüls und Fig. 457 den Längenschnitt zu dem- selben. Das Vestibül hat eine Länge von 12,7 m und eine Breite von 8,7 m , es ist überdeckt mit zwölf quadratischen, ganz flachen Kreuzgewölben. Auch die Kellerräume sind mit ganz ähnlichen Ge- wölben versehen, wie im Längenschnitt Fig. 457 ersichtlich ist. Die flachen Gurtbögen setzen sich auf Sandstein-Säulen. Das Vestibül besteht eigentlich aus zwei Theilen; der Fußboden des vorderen Theils liegt nur 0,3 m über dem Straßenpflaster, und muß man, um zum hinteren und größeren Theil zu gelangen, sieben Stufen hinaufsteigen. Alles Uebrige ist aus den Zeichnungen zu ersehen und ohne Text hinreichend verständlich. Die in den Fig. 458 A—B in Längen-Querschnitten dargestellte Vestibülanlage hat neun flache Kreuzgewölbe von je 3,6 m Breite und 4,2 m Länge, welche sich auf vier Granitsäulen stützen. An den Wänden wurden Schildbögen angelegt, welche theils zum Schmucke, theils zur Verstärkung der Widerlager dienen. Das Vestibül macht Die Verwendung der Kreuzgewölbe. einen stattlichen Eindruck, der besonders durch die Höhe des Rau- mes (6,5 m ) und durch die Treppenanlage nach dem Corridor hervor- Fig. 456. gerufen wird. Auch die Kellerräume enthalten theilweise flache Kreuz- gewölbe. Fig. 458 A giebt den Querschnitt und B den Längenschnitt des Vestibüls. Die Gewölbeanlage des Gymnasiums zu Anclam (entworfen von Stühler) hat mit den vorstehenden Bespielen , besonders mit Fig. 458, einige Aehnlichkeit (Fig. 459); im Aufriß finden wir in der Ge- wölbeform (Fig. 460) aber eine Abweichung, indem über dem Vestibül flache spitzbögige (Tudorbögen) Kreuzgewölbe vorhanden sind; außer- dem wurden die langen Felder a und b mit schmalen, flachspitzbogigen Tonnen überdeckt, weil, zumal an der Fa ç adenmauer, für die Gurt- bögen des Kreuzgewölbes keine Stützpunkte vorhanden sind. Hier- durch entsteht allerdings auch der Uebelstand, daß die äußeren Fenster- und Thüraxen mit den Axen der Gewölbe nicht harmoniren und dem ganzen Vestibül die organische Entwickelung fehlt. Die Anordnung der spitzbogigen Rippen-Kreuzgewölbe veran- schaulicht Fig. 461, welche den Eingang der Liebfrauenkirche in Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 457. Die Verwendung der Kreuzgewölbe. Münster (Westphalen) darstellt. Der Eingang hat eine quadratische Form mit 8,7 m Seite und ist mit einem achtseitigen Kreuzgewölbe Fig. 458 A—B. bedeckt. Zu diesem Behufe sind in den Ecken die Gurtbögen b er- forderlich, gegen welche sich die Eckkappen anlegen. Sämmtliche Sand- steinrippen beginnen über kleinen Halbsäulen und vereinigen sich am Scheitel in einem Sandsteinkranz. d) Das Verzeichnen der Kreuzgewölbe im Grundrisse geschieht in der Weise, daß man nur die Horizontalprojectionen der Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 459. Die Verwendung der Kreuzgewölbe. Fig. 460. Fig. 461. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Grate angiebt. Die vorstehenden Beispiele, Fig. 454, 456, 459, zeigen dieses Verfahren. e) Die üblichen Dimensionen der Kappen, Grate und Wider- lager für Kreuzgewölbe sind folgende: Die Widerlagsstärke beträgt: bei halbkreisförmigen Kreuzgewölben ¼ — ⅙ der Diagonallänge, „ spitzbogigen „ ⅕ — 1/7 „ „ Bei Widerlagern, die höher als 2,5—3 m sind, muß man die Stärke um ⅛ — 1/10 der Widerlagshöhe vermehren. Fig. 462. Werden Treppen von Kreuzgewölben unterstützt, so beträgt die Gewölbestärke in den Kappen ½ Stein. Die Grate bekommen bis Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. 2,5 m Spannweite 1 Stein, darüber 1½ Stein zur Stärke. Für die Widerlagsstärke nimmt man circa ¼ — ⅕ der Diagonale. Werden größere Räume mit mehreren Kreuzgewölben überdeckt, dann bestimmt man nach Rondelet die Stärken der Mittel- und Zwischenpfeiler folgendermaßen (Fig. 462): Man trägt die halbe Höhe (½ H.) des Pfeilers vom Fuß bis zum Kämpfer von O nach N theile O N in 12 gleiche Theile und mache die halbe Diagonale des Mittelpfeilers ( O ) im Grundriß gleich einem dieser Theile ; der Pfeiler kann, je nachdem die Räume rechteckig oder quadratisch sind, auch die entsprechende Gestalt im Grundriß erhalten. Die Dimensionen des Seiten-Mittelpfeilers s werden gefunden, indem man v , wie oben beschrieben = 1/12 O N , und ferner t p = 2 t s und x y = 2 v x macht; es entsteht dann ein rechteckiger Pfeiler, bei dem die Seiten sich wie 2 : 3 verhalten. Der Eckpfeiler z kann nach obiger Tabelle bestimmt werden. XI. Die Sterngewölbe . a) Systeme und graphische Construktionen . Aus den einfachen, nur mit Diagonalrippen versehenen Spitzbogenkreuzgewölben entsteht zunächst das einfache Sterngewölbe , indem jede der vier Gewölbeflächen durch Mittelrippen nochmals in drei Theile abgetheilt werden (Fig. 463). Diese Zertheilung nimmt nach und nach immer mehr die Gestalt eines netzförmigen Rippengewölbes an, indem jede durch diese Mittelrippen entstandene Gewölbekappe wieder durch andere Mittel- und Zwischenrippen, sogenannte Lieren, zerlegt werden; man erhält hierdurch die reichen, ja oft abenteuerlichen Gewölbeformen, welche im Mittelalter in der spätgothischen Bauperiode gebräuchlich waren. Die einzelnen Rippen heißen vielfach Tiercerons; de l’Orm nennt sie (wie in Fig. 463) A Croisée d’ogives, B liernes, C tiercerons oder tiercerets, D formerets, wenn sie an der Mauer liegen und nur das halbe Profil haben, aber arcs doubleux , wenn sie wie bei E , die einzelnen Gewölbe abtheilen und darum ein stärkeres Profil erhalten. Die Gestalt der verschiedenen Bögen beim Sterngewölbe hängt zunächst vom Grundrisse des zu überwölbenden Raumes ab; diese kann alle regelmäßigen Formen haben, wobei immer der- selbe Radius für sämmtliche Bögen beibehalten wird. Denn Zweites Kapitel. Die Gewölbe. gerade hier ist es vom bedeutenden Vortheil, daß die Bögen den- selben Radius, d. h. gleiche Krümmung haben, insofern sich in der Ausführung bei den Rippen immer derselbe Lehrbogen verwenden läßt. Wir wollen nun vor Allem an einem einfachen Sterngewölbe das Verfahren zeigen, um die verschiedenen Bogenlinien der Rippen, Grate u. s. w. auf geometrischem Wege zu finden. Fig. 463. Fig. 464. Fig. 464 sei der Grundriß eines einfachen Sterngewölbes, a b c der Horizontalschnitt des Pfeilers in der Kämpferebene, c F der Schild- bogen über c G und d e f ein mittlerer Horizontalschnitt in der Höhe f g; ferner seien die Scheitellinien Horizontal und sämmtliche Rippen Kreissegmente, d. h. nicht aus 2 oder 3 Bögen zusammengesetzt. Um nun die Diagonalrippe über A E zu finden, errichte man in e und E Senkrechte und mache e t = f g und E H = F G , durch die drei Punkte b , t und H ist nun ein Kreisbogen zu legen, der nach einfacher Construktion gefunden wird. Auf diese Weise wird die Mittelrippe über A C construirt und auch die über A B und A D können so gefunden werden, falls die über A D nicht gestelzt ist. Da dies jedoch hier der Fall ist, so muß auch die Mittelrippe über A B gestelzt werden. Um vor Allem die Rippe über A D zu finden, ist die Höhe der senkrechten Stelzung a s anzunehmen, dann errichte man in d eine Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. Senkrechte und mache d q = f q , ferner D K = F G , und beschreibe durch die drei Punkte s , q und K einen Kreisbogen. Um schließlich die Mittelrippe über A B zu finden, errichte man in k , g und B Perpendickel auf A B und mache k m = ½a s , g n = f q und B L = F G , und lege nun durch L , n und m einen Kreisbogen. Bei dieser Construktion mittelst eines gegebenen mittleren Hori- zontalschnittes geht nun hervor, daß die Mittel- und Diagonal- Rippen, da ihre Mittelpunkte nicht in die Kämpfer-Ebene fallen, nicht mit einer senkrechten Tangente von den Pfeilern aufsteigen. Da dieses nun für das Auge unangenehm ist, außerdem auch durch den schiefen Druck auf die Pfeiler von Nachtheil sein kann, so hat man noch ein anderes Verfahren, nämlich wenn die Scheitellinien gerade oder krumm gestaltet sind, durch die hierdurch bestimmten Scheitel- punkte und Kämpferpunkte Kreisbögen zu legen, deren Mittelpunkte in der Kämpfer-Ebene liegen; hierbei kann natürlich ein mittlerer Horizontalschnitt nicht gegeben sein. Die Construktion ist wohl so einfach, daß dieselbe nach diesem Beispiel leicht herzustellen ist. Ein anderes Mittel ist noch, die Rippen aus mehreren, meistens aus zwei Kreisbögen, die stetig in einander übergehen und in ihren Vereinigungspunkten einerlei Tangenten haben, von denen die unter- sten alle eine zur Kämpfer-Ebene normale Tangente bilden, zusammen- zusetzen. Es kann dieses auf zwei verschiedene Arten erreicht werden, vorausgesetzt ist wieder, daß die Höhe und Gestalt der Scheitellinien oder Grairippen bekannt sind, sie sollen z. B. wie im vorhergehenden Gewölbe, horizontal sein. In der ersten Bestimmungsweise ist ange- nommen, daß alle Rippen des Gewölbes bis zu einer gewissen, aber bei allen Rippen gleichen Höhe, mit einerlei Krümmungshalbmesser beschrieben sind und von dieser Höhe an sodann aus einem zweiten Bogen bestehen, der eben der gegebenen Höhe und Spannung ent- spricht, die zweiten Bögen werden natürlich alle verschiedene Halbmesser erhalten müssen. Fig. 465 zeigt dieses Verfahren; A B C D stellt ein Viertel des gegebenen Grundrisses dar, und die Scheitellinien, wie schon ange- geben, sind horizonta. Man drehe die Rippen A E , A D und A C in die Ebene der Rippen A B , errichte die Senkrechte in B , e , c und d , von der Höhe der gegebenen Scheitellinien, nehme man den Mittel- punkt F in der Kämpfer-Ebene für die bis G reichende Krümmung aller Rippen beliebig an, und verlängere die Gerade G F nach rück- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. wärts. Auf dieser Linie liegen dann die Mittelpunkte K , L , H ꝛc. der zweiten Bögen. Letztere werden ganz einfach gefunden, z. B. für die Rippe A B , wenn c' mit G verbunden, hierauf im Halbirungs- punkte eine Senkrechte errichtet wird, welche die verlängerte F G in H schneidet. In dem zweiten Verfahren, in welchem wiederum die Scheitellinien horizontal angenommen werden, sollen die oberen Bögen der Rippen ebenfalls wie die unteren gleiche Krümmungshalbmesser nachweisen, wobei natürlich die Uebergangspunkte je zweier Bögen ineinander nicht mehr in einer und derselben Höhe sich befinden können. Fig. 465. Fig. 466. In Fig. 466 sei A B D A wieder der vierte Theil des gegebenen Grundrisses und die Linien A D , A E und A C seien wieder gedreht wie vorhin, und auch in den Punkten B , e , c und d die Senkrechten bis zur gegebenen Scheitellinienhöhe gezogen; ferner sei F der ange- nommene Mittelpunkt für die unteren Bögen der Rippen, und endlich der gemeinschaftliche Halbmesser aller oberen Bögen gleich A P ange- nommen. Mit dem Unterschiede F P der beiden Krümmungshalbmesser A P und A F beschreibe man den Kreisbogen P M , in welchem die Mittel- punkte der oberen Bögen liegen. Sie werden erhalten, wenn man mit dem Halbmesser A P , von den Punkten b' c' e' und d' aus, den Kreisbogen P M kreuzt. Zieht man nun die Verbindungslinien F H , F K , F L und F M und vezlängert dieselben, so findet man in dem Durchschnittspunkte dieser mit der aus F beschriebenen unteren Wöl- bungslinie die respectiven Uebergangspunkte der zwei Bögen. Jede Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. derselben kann nun aus den Mittelpunkten H , K , L und M beschrie- ben werden. In den drei bis jetzt betrachteten Construktionsmethoden der Ripppen eines Sterngewölbes (Fig. 464, 465 und 466) wurden die Scheitel- linien horizontal angenommen; dieses ist jedoch in der Ausführung selten der Fall, sondern meistens liegen die Scheitel der einzelnen Rippen in verschiedenen Höhen und sind die Scheitellinien alsdann entweder gerade oder krummlinig. Fig. 467 sei nun ein Beispiel, in welchem die Höhen der einzelnen Scheitelpunkte und die Scheitellinien als geradlinig gegeben sind, und die ganze Construktionsweise nach Fig. 466 vermittelst eines gegebenen mittleren Horizontalschnittes aus- geführt wird. Was die Annahme der Scheitelpunkte betrifft, so ist durchaus nicht bedingt, daß etwa die der größeren und kleineren Stirn- rippen bei rechteckigen Räumen gleiche Höhe haben müssen, oder daß bei einer Scheitellinie n l die drei Punkte n y und l in einer Geraden oder einem Kreisbogen zu liegen brauchen, es ist diese Scheitellinie im Gegentheil beinahe immer gebrochen, indem nur über t n eine Gratrippe vorhanden ist, in n o jedoch nur ein vertiefter Grat der Gewölbekappen C und B entsteht. Die Herstellung der einzelnen Bögen geschieht nun vollkommen nach Fig. 463 mit dem Unterschiede nur, daß nun nicht mehr die gleiche Höhe der einzelnen Bogen durch- geht, sondern für jeden einzelnen eben die gegebene Höhe einzusetzen ist. Man sieht sogleich aus dieser Figur, wie man die Form eines solchen Gewölbes vollkommen durch Annahme des mittleren Vertical- schnittes in seiner Hand hat. Im Nachfolgenden sind noch zwei verschiedene Systeme zur Be- stimmung der Bögen eines Sterngewölbes gegeben, wie sie uns Un- gewitter , ‘;goth. Construktionen“ lehrt. Beide Systeme haben nämlich gemeinschaftlich, daß die sämmt- lichen Bögen nach einem Radius gezeichnet sind, jedoch ist die Fest- stellung der Radien bei beiden verschiedenartig. Es sei Fig. 468 der Grundriß eines einfachen Sterngewölbes. Man ziehe über a C (halbe Diagonale) einen Viertelkreis, trage den Abstand des Punktes b von der Mitte auf der Grundlinie des Diagonalbogens C nach C' , ziehe hierauf eine Senkrechte bis an den Bogen, wodurch b' b'' die Höhe über dem Punkte b giebt. Ferner fälle man in dem Punkte b oder dem entsprechenden d ein Loth und trage darauf die Länge b' b'' von d nach d' , mache Wanderley, Bauconstr. II. 29 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. dann mit der Länge a C aus a und d' den Kreuzschnitt x , so ist letzterer der Mittelpunkt des Bogens über a d . Fig. 467. Fig. 468. Trage dann an die Verlängerung von a d die Länge d C von d nach C' ab, errichte in C' einen Lothriß auf a C' und mache C' c' gleich C c , ziehe sodann mit derselben Zirkelöffnung aus d' und c' den Kreuzschnitt x' , so ist letzterer der Mittelpunkt des Bogens, über d C . Soll nun der Schildbogen nach demselben Princip construirt werden, so würde die Länge C e von C nach e' zu tragen sein, in e' ein Loth auf a C errichtet werden und die Länge e' a'' die des Schild- bogens abgeben, der sodann in derselben Weise wie die übrigen Bögen, construirt, die im Bogen a e''' gezeigte Gestaltung erhält. Soll nun die Scheitelrippe d C sich bis zum Scheitel des Schild- bogens fortsetzen, so wird dieselbe, immer auf dieselbe Weise construirt, die Gestaltung von s d erhalten. Da jedoch die geringe Höhe des Schildbogens nicht empfehlens- werth ist, so dürfte anzurathen sein, mit der halben Diagonale als Radius, aus einem in der Grundlinie zu suchenden Punkt, Spitzbögen Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. zu construiren, so daß der Schildbogen über a e die Form des Bogens a s' erhält. Das zweite System beruht darauf, daß nicht das über der Dia- gonale geschlagene Quadrat als der erzeugende, als der Principal- bogen, angenommen ist, sondern daß man die Grundlinie desselben durch ein Aneinandersetzen der Grundlinien der verschiedenen Bögen b e , e a und a C bildet, wie in Fig. 469 A und B geschehen ist, dann Fig. 469. Fig. 470. in C ein Loth fällt und dasselbe gleich der beabsichtigten Scheitelhöhe macht. Wir nehmen letztere, um die sich ergebenden Bögen leichter mit den an dem andern Verfahren gefundenen zu vergleichen, der in Fig. 468 A angenommenen halben Länge der Diagonale gleich an. Man ziehe dann die Linie b C' , halbire dieselbe und mache in dem Halbirungspunkt ein Lothriß, der nach unten verlängert in seinem Durchschnitt C'' mit der Verlängerung C' C den Mittelpunkt des Prin- zipalbogens abgiebt, welcher nunmehr geschlagen alle einzelnen Bogen- theile b e , a c ꝛc. in sich faßt. Um den Bogen d b zu finden, trage man dann in Fig. 470 A d b von e nach b' in Fig. 469 A , und mache man aus d' und b' , mit der Länge C' C'' , einen Kreisschnitt x' , aus welchem der gesuchte Bogen zu schlagen ist. Die Fig. 470 B zeigt in der perspectivischen Ansicht die Gestaltung des die Durchkreuzung a in Fig. 470 A bewirkenden Werkstücks, wonach 29* Zweites Kapitel Die Gewölbe. nicht allein die größere Divergenz der in den Rippen a d und a e Fig. 470 A gelegenen Fugen zur Sicherung der Lage beiträgt, sondern die in der Rippe a C gelegene Fuge f' (Fig. 470 B ) zu demselben Zwecke mitwirkt. Der einzige Unterschied in der Gestaltung der Rippen liegt darin, daß ihre Bögen nach dem letzten Verfahren um etwas flacher werden, wie der Vergleich der Bögen b d' und b' d' mit den daran geschlagenen b f d' und b' g d' zeigt. Die Gestaltung der Gurtbögen kann dann ganz unabhängig von der des Gewölbes ge- schehen, z. B. in ähnlicher Weise wie bei Fig. 468 schon erörtert ist. Fig. 471. Fig. 471 A — C zeigt eine Sterngewölbeanlage, bei welcher ein Spitzbogen über der Diagonale zu Grunde liegt. Durch die ange- Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. gebenen Buchstaben wird die Austragung der einzelnen Linien ohne weitere Erklärung verständlich sein. Verschiedene anderweitige Anordnungen von Sterngewölben sind in der Horizontalprojektion in Fig. 472 A — D gezeigt. Fig. 472. Nachdem von dem Rippensystem der Kreuz- gewölbe die Rede gewesen ist, möge noch Einiges über die graphische Construktion der Anfänge der Rippen mitgetheilt werden. Die Anfänge der Gewölbe, deren Grate nur aus Backstein gebildet sind, verursachen wenig Schwierigkeit in der Herstellung, anders verhält es sich dagegen bei den vorspringenden Rippen aus Werkstein. Es können drei, fünf oder sieben Rippen nebeneinander vorkommen, je nachdem sie aus den Winkeln, der Wand oder der Ecke hervorwachsen, und wiederum können die Rippen entweder frei nebeneinander auf einem Consol oder auf einer Säule stehen, oder sie können ineinander mehr oder weniger so verwachsen sein, daß die Profile in der Nähe des Kämpfers sich durchdringen. Der einfachste Fall ist in Fig. 473 gegeben; der Gewölbeanfang besteht aus einer Gurt- und zwei Diagonalrippen, die Höhe und die Radien der verschiedenen Bögen sind gleich, die Mittelpunkte liegen in derselbe Grundlinie, und der Rippenanfang beginnt auf einem, aus dem Achteck construriten Kragstein. Ueber der Mittellinie der Projection einer der drei Rippen schlage man den Bogen a a' mit dem sich aus den Grundrißverhältnissen ergebenden Radius, und ebenso den Bogen b y , welcher durch den äußersten Punkt der Rippe c erzeugt wird. Aus dem Punkt d , in welchem die Rippen von einander frei werden, errichte man dann eine Lothrechte zu der Grundlinie a e , welche den Bogen b y in f schneidet, ziehe durch f eine Linie h g parallel der Grundlinie, so begrenzt dieselbe den Rippenanfang nach oben, indem sie die Fuge für die darauf zu setzenden Rippenstücke ergiebt und zugleich die Ausladung des Werk- stückes von der Wandflucht anzeigt. Da nun die übrigen Rippen mit demselben Radius geschlagen sind und in demselben Punkt d von Zweites Kapitel. Die Gewölbe. der Gurtrippe frei werden, so bilden ihre Anfänge auch dieselben Bögen, werden also durch a h und f b dargestellt; die obere Lager- fläche g h durchschneidet demnach die Bögen in schiefwinkliger Richtung. Fig. 473. Es muß daher das durch diesen Schnitt sich bildende Profil construirt und auf dieser Lagerfläche aufgetragen werden. Man schlage zu diesem Zwecke zunächst die den Eckpunkten des Rippenprofiles entsprechenden Bögen i k und l m , ziehe aus h , k und m Linien parallel a f und aus den erwähnten Eckpunkten wieder Linien parallel a e , so geben die Durchschnittspunkte h' , k' , m' die Eckpunkte des Horizontalpro- files. Zu einer genauen Bestimmung derselben sind dann in dem Rippenprofil noch andere Punkte in derselben Weise zu bestimmen, zunächst die äußersten Punkte des Rundstabes n o . Man schlage durch dieselben in derselben Weise Bögen bis auf die Linie g h , ziehe von den Durchschnittspunkten h , k und x Senkrechte auf a e , und aus n und o zwei Linien parallel a e , so sind die Durch- schnittspunkte k' , n' und o' die gesuchten Punkte. Die Projection der Länge a h trage man dann in die Projectionen der übrigen Rippen in derselben Weise an, etwa von v nach r , und in dem Punkt r als Spitze construire man das für die Gurtrippen gefundene Horizontalprofil. Von dem Punkt s aus setzt sich dann die Kappen- flucht nach dem Schildbogen, und es ist daher der in der Höhe a f liegende Punkt dieses letzteren zu bestimmen. Der Schildbogen fängt Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. erst in der Höhe an, in welcher der äußerste Punkt des Rippenpro- files t nach p gekommen ist. Diese Höhe ergiebt sich aus dem Bogen b f in folgender Weise: Man trage t p von b nach u auf der Grundlinke b e ab, und mache in u einen Lothriß, welcher den Bogen b f in v schneidet, so liegt der Anfangspunkt des Schildbogens in der Höhe des Punktes v über der Grundlinie. Soll nun der Schildbogen mit dem Radius der übrigen Bögen, an welche die Kappen anschließen, also des Bogens b f ge- schlagen sein, so ergiebt die Länge v' f die Weite, um welche er in der Höhe a f vorgerückt ist. Man trage dieselbe daher von p nach w und ziehe die Linie s w , so ist die Begrenzung des an dem Rippen- anfang sitzenden Kappenstückes gefunden. Wenn aber der Schildbogen mit einem andern Radius geschlagen ist, so verlängert sich die Länge p w . Gesetzt, der Radius sei kleiner als der von b f , und der Mittelpunkt sitzt in der Höhe v , so ziehe man durch v eine Linie parallel a e , schlage aus einem in derselben gelegenen Punkt den Bogen v z , welcher die Linie g h in u' schneidet, trage u'v' von b' nach c' , so ist die in der rechten Hälfte der Figur angetragene Linie c'd' die Begrenzungslinie der Kappen. Die Aus- ladung der Diagonalrippen bestimmt zugleich, wie die punktirten Linien andeuten, die Breite des Werkstückes; diese Breite behält ebenfalls der in die Mauer eingemauerte Werksteinblock. Die zusammengedrängten Rippenanfänge sind, so weit die Werk- stücke in die Mauer einbinden, als Auskragungen der Mauer zu be- trachten, aus welchem Grunde auch in der That Kragsteine, anstatt der Dienste ꝛc. angeordnet werden. In Fig. 474 A und B ist dieser Fall dargestellt und zwar sei hier angenommen, daß der Rippenanfang aus zwei Werkstücken a b c d und a b e f bestehe. Der untere Werkstein kann nun fortbleiben und lediglich durch eine Console bei a b g ersetzt werden. Das Profil über a b ist in dem Grundrisse schraffirt angegeben. Es würde mithin der Gewölbean- fang erst bei der Linie a b beginnen, wobei jedoch die unsprünglich angenommene Halbkreis- oder Spitzbogenlinie unvollständig erscheint und für das Auge nicht ansprechend sein wird. Die Rippenanfänge können ebenso wie mit den Wänden, auch mit den Pfeilern in Verbindung stehen, und zwar entweder stehen die Rippen der Gurt- und Diagonalbögen direct auf den Pfeilern, oder sie sind mit letzteren verwachsen. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Ein Beispiel von letzterer Anordnung ist in Fig. 475 A und B gegeben. Es seien hier nur die Gurtbögen profilirt, während die Gurt- und Diagonalbögen eine scharfe Kante haben. Um das Herauswachsen der Rippen aus dem Pfeiler zu ermög- lichen, ist es nothwendig, daß die Seitenwerkstücke, welche an den Kappenflächen sich fortsetzen, in einer von der Bogenlinie der Rippen abweichenden Linie sich erheben, bis zu der Höhe, in welcher die Rippengewölbe völlig frei geworden sind. Fig. 474. Fig. 475. Ist nun a b c d e die Horizontalprojection des oberen Lagers des im Aufriß dargestellten Rippenumfanges, so entspricht der untere auf dem Kapitel liegende Grundriß nicht der durch die Punkte f g h c , son- dern der durch k g l i begrenzten Figur. Es wird also diese letztere dadurch erreicht, daß die Diagonalbögen mitsammt der Kappenflucht in den Punkten m m einen Knick bilden. Indessen könnte der Diagonalbogen immerhin nach einer reinen Bogenlinie gebildet sein, und nur der Bogen, welchen man sich durch die Punkte n geschlagen denken kann, jenen Knick erhalten. Systeme und graphische Construktionen der Sterngewölbe. Um die ganze Anlage eines Sterngewölbes vorzuführen, ist auf Blatt VI das System eines Sterngewölbes dargestellt worden; das- selbe gehört zu dem Längenschnitt einer von Käberlein entworfenen Friedhofskapelle, deren Anlage Fig. 476 im Grundrisse zu erkennen giebt. Fig. 476. XII. Die Netzgewölbe . Die bis jetzt erörterten Grundrißformen der Gewölbe beruhen auf der des Kreuzgewölbes, in dem die quadratische oder rectanguläre Form zunächst durch die Kreuzrippen getheilt und die so entstandenen Gewölbefelder durch Zwischenrippen nochmals in eine größere oder kleinere Anzahl Unterabtheilungen zerlegt werden. Bleiben nun so- wohl die Kreuzrippen, als auch die Gurtrippen weg, so ist der Ueber- gang gebildet zum Netzgewölbe, dessen einfachste Anordnung Fig. 477 darstellt. Hier hört jeder Unterschied zwischen den Gewölbejochen auf Zweites Kapitel. Die Gewölbe. (welch letztere durch Aneinandersetzen der einzelnen rechteckigen Grund- formen entstehen) und es verschwimmt die Gewölbeform in einer Masse rautenartiger Felder, die durch sogenannte „ Reihungen “ gebildet werden (Fig. 478). Fig. 477. Fig. 478. XII. Die Fächergewölbe gehören theilweise zum System der Rippengewölbe. Nimmt man als Grundreiß eines Gewölbes ein Quadrat, und über den Seiten des- selben irgend eine Bogenlinie an, und es bewege sich die Hälfte einer Bogenlinie um eine im entsprechenden Eckpunkte des Quadrates Die Fächergewölbe. senkrechte Rotationsaxe, so wird eine Rotationsfläche entstehen, welche in allen vier Ecken angebracht, die Grundform des Trichter- oder Fächergewölbes bildet. Fig. 479 zeigt den Grundriß eines derartigen Fächergewölbes. Der zwischen den vier Viertelkreisen, die bei der Rotation durch die Scheitel- punkte der Wandbögen erzeugt werden, liegende offene Raum c d c d c wird gewöhnlich durch ein scheitrechtes Gewölbe geschlossen; man legt aber auch nicht selten in diese Ebene einen jene vier Viertelkreise tangirenden Kreis, der durch eine aus der Leibung hervortretende Rippe ausgezeichnet wird; dieser innere Raum läßt sich dann noch durch eine kleine flache böhmische Kappe abdecken. Fig. 479. Fig. 480. Fig. 480 zeigt die äußerliche Form eines solchen Fächergewölbes, außerdem ist die Wölbungsart ebenfalls deutlich zu erkennen. Eine andere Weise das Gewölbe zu schließen veranschaulicht Fig. 481 A und B . Es wird hierbei über die Diagonale a b ein Kreis zu Grunde gelegt; bei dieser Annahme erhalten die Gewölbe- linien über den Quadratseiten die Form eines Spitzbogens, dessen Schenkel aus Kreissegmenten bestehen, die sich ergeben, wenn man die halbe Quadratseite b c auf die Diagonale nach b c' bringt und die Senkrechte c' g' zieht, worauf b g als gesuchter Spitzbogenschenkel erhalten wird, wie ihn die Schnittlinie b c d f im Aufriß (Fig. 481 A ) in seiner Zusammensetzung zeigt. Der Segment b g macht an den Hauptecken eine Vierteldrehung, an den Zwischenpunkten eine halbe und um die mittleren Stützpunkte eine ganze Drehung. Jeder Punkt Zweites Kapitel. Die Gewölbe. des Quadranten b h , welcher höher als Punkt g liegt, beschreibt einen kleineren Bogen, als die unterhalb g' gegebenen Punkte, und werden Fig. 481. die Bögen immer kleiner, je näher der erzeugende Punkt liegt, wäh- rend der Punkt h selbst keine Drehung mehr macht, woselbst das Gewölbe seinen Schlußpunkt hat. Die Punkte g' und h' entsprechen den Punkten g und h des im Grundriß umgeklappten Bogens, auf welchem auch die Theilung der Steinschichten stattfindet. Die Trichter- oder Fächergewölbe sind meistens an ihrer inneren Fläche sehr reich verziert, diesen Verzierungen liegen immer von den Pfeilern oder Ecken im Grundriß radial ausgehende Erzeugungslinien, dann auch horizontale um die Pfeiler sich bewegende Parallelkreise zu Grunde, die als Hauptlinien besonders hervortreten (Fig. 482). Mit ganz glatten Flächen dürfte das Gewölbe wohl niemals vor- kommen, mindestens canelirt man die Fläche, wie in der Börse zu Frankfurt a/M. geschehen ist. Besonders häufig ist das Fächergewölbe in England angewendet worden, mit zahlreichen aufsteigenden Rippen (Meridianen), welche durch horizontale Zonen verbunden sind. Vielfach fehlen auch die horizon- talen Ringe, und die Rippen (in geringerer Anzahl) vereinigen sich in der Nähe der Scheitel meist zu stern- oder netzförmigen Figuren, wobei aber die verschiedenen Rippen häufig nicht durchweg gleiche Krümmungen bekommen können. Die Nischengewölbe. Ein derartiges Gewölbe kann dann eigentlich nicht mehr Fächer-, sondern sollte Palmengewölbe genannt werden, weil die Rippen sich wie die Blattstengel einer Palme ausbreiten. Fig. 482. Diese Gewölbeform kommt außer in England auch in den Bauten des deutschen Ordens häufig vor und ist am schönsten durchgebildet in dem Convents-Remter zu Marienburg. XIII. Die Nischengewölbe bilden streng genommen keine besondere Gewölbeart und entstehen, wenn man ein Kuppel-, Kugel-, böhmisches-, Kreuz- und Stern- gewölbe durch die verticale Axe mit einer geraden Ebene in zwei gleiche Hälften zertheilt. Seinen Namen hat das Gewölbe weil man es über Nischen (Chor- nischen) anordnet, welche jede beliebige Grundform einer halben regel- mäßigen Figur haben können. Meistens kommt das Nischengewölbe über halbkreisförmigen oder fünfseitigen, nischenartigen Anbauten, wie z. B. bei Kapellen, Kirchen u. s. w. vor. Einige solche Beispiele sind bereits früher in Fig. 383 und Blatt VI dargestellt worden, und beschränken wir uns darauf, in Fig. 483 ein spitzbogiges Kreuz- gewölbe über einem Fünfeck, welches durch die Halbirung eines regel- mäßigen Achtecks entstanden ist, darzustellen. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. XIV. Die Ausführung der Gewölbe . Bei allen Gewölben muß sowohl gutes Material verwendet, als auch die Arbeit sorgfältig ausgeführt werden. Bruchsteine dürfen Fig. 483. nicht zu unregelmäßig, sondern müssen gut lagerschichtig sein, sowie sich mit dem Hammer gut bearbeiten lassen. Zu unbelasteten Ge- wölben benutzt man möglichst leichte (Hohl- und poröse) Steine. Die Güte des Mörtels ist bei Gewölben aus Back- und Bruchsteinen von großer Bedeutung, während der Mörtel bei Hausteinen (Werksteinen) von untergeordneter Bedeutung ist. Die Fugen der Gewölbe sollen möglichst schwach sein, aber nicht an der inneren Leibung auslaufen. Das vollständige Ausfüllen der Fugen mit Mörtel darf nicht unterbleiben, weil sonst der Mörtel sich erst später bei etwaiger Belastung in der Fuge vertheilt und letztere dann kleiner wird, was ein starkes Setzen zur Folge hat. Die Ausführung der Gewölbe. Die Güte eines Gewölbes zeigt sich erst nach dem Entfernen des Gerüstes. Zwar setzt sich jedes Gewölbe, das Setzten muß aber gleichmäßig stattfinden. Zu diesem Behufe muß das Gewölbe sich nach und nach setzen können, was durch allmähliges Lösen des Ge- rüstes am sichersten geschieht. Das Lösen des Gerüstes muß, beson- ders bei Gewölben aus schweren Steinen, vorgenommen werden, noch ehe der Mörtel vollständig erhärtet ist, sich aber nicht mehr aus den Fugen herausdrücken läßt. In diesem Zustande besitzt das Ge- wölbe eine gewisse Elasticität, welche das Nachgeben der Masse be- günstigt, während bei erhärtetem Mörtel das Gewölbe spröde ge- worden ist und dann leicht Risse entstehen. Bei Bögen von kleinem Radius, deren Fugen auf dem Rücken ausgezwickt werden, darf man die Steinstückchen nicht fest einkeilen. Bezüglich des Setzens eines Gewölbes ist es stets vortheilhaft, die Einwölbung ohne Einschalung, d. h. freihändig vorzunehmen. Da ferner die Ursache des Setzens hauptsächlich im Schwinden der Fugen liegt, wäre es zweckmäßig, einen Mörtel zu verwenden, der möglichst wenig schwindet; diese Eigenschaft besitzt der hydrau- lische Mörtel am meisten. Die Hintermauerung der Gewölbe erfolgt erst nach Vollendung des Gewölbeschlusses. Jede Einrüstung muß vollkommen stark genug sein. Beim Heraus- nehmen der Rüstung ist Vorsicht nöthig und auf gleichmäßiges Senken zu achten. Die nicht hinreichend starken Widerlager werden mit Zugstangen (Schließen) mit einander verbunden, um den Gewölbeschub sicher auf- fangen zu können. XV. Gußgewölbe . Bereits die Römer pflegten die Tonnen- und Kreuzgewölbe aus Gußmaterial herzustellen. Diese Technik, in den späteren Jahrhun- derten ganz aufgegeben, ist erst neuerdings, seitdem der sogenannte Pise é -Bau bei Wänden vielfach mit Erfolg verwendet wurde, wieder kultivirt worden. So z. B. sind die unter der Oberleitung des Bauraths S. Schlierholz vom Bauinspector Döllinger ausgeführten Wärterhäuser aus B é ton angefertigt. Diese Wärterhäuser liegen an der Eisenbahn Aulendorf- Sigmaringen, also in einer an natürlichen Bausteinen armen Gegend, da der vorhandene Surokelstein und die Dolomite nicht wetterbeständig Zweites Kapitel. Die Gewölbe. sind und die Tuff- sowie Molassenstandsteine zu weit abliegen; man bedient sich in diesen Districten für Wohngebäude daher des Back- steins, der aber für die umfangreichen Eisenbahnbauten nicht ge- nügend zu beschaffen war. Man entschloß sich deshalb, zumal guter Roman-Cement, hinreichender Sand und Kies vorhanden waren, den B é ton-Stampfbau anzuwenden. Die Fig. 484—485 stellt eines der Gebäude dar. Fig. 484 zeigt das Erdgeschoß, Fig. 485 den Querschnitt. Fig. 484. Fig. 485. Das Mischungsverhältniß betrug bei Anwendung der verschiedenen hydraulischen Kalken: Gußgewölbe. Die betreffende Mörtelmasse wurde in Schichten von 20 — 25 zm Höhe mit schrägen Stößen eingebracht, gedrückt und festgestampft, die Gewölbe auf Einschaalung hergestellt, das Dachgewölbe mit Port- landüberzug versehen, die Gesimse gezogen, das Kamin um eine Holzwalze gefertigt, der Schornsteinkopf aufgesetzt, und schließlich die aus Cement gefertigten Fensterbänke und Gurte besonders eingesetzt. Diese Häuschen haben sich so gut bewährt, daß das ganze Stations- gebäude in B é tonstampfbau construirt wurde. Döllinger empfiehlt eine solche Bauart für alle steinarme, dagegen sand- und kiesreiche Gegenden, bei nicht zu theurem Cemente, als geld- und zeitersparend, recht angelegentlichst. In neuerer Zeit hat man auch die Zwischendecken der Etagen aus Cement gegossen, mit Hinweglassung aller Holzbalken. Die interessanteste Anlage dieser Art wurde in Berlin ausgeführt. Behufs Beschaffung billiger Wohnungen für Arbeiter- und soge- nannte Mittelstände hat sich in Berlin im November 1872 eine Ce- ment-Actien-Gesellschaft mit einem Kapital von einer halben Million Thaler constituirt, welche bis zum Anfange dieses Jahres in der Vorstadt „Victoriastadt“ (ein der Gesellschaft gehöriges Hauptterrain von etwa 17 Hectar Größe) schon 58 Häuser mit etwa 170 Wohnun- gen für 1200 Seelen herstellte. Wir entnehmen einem Bericht über Berliner Cement-Actien-Gesellschaft Folgendes: Alle Gebäude bestehen aus Cementconcret und zwar bei den ersten 19 Häusern wurden nur die Mauern aus dieser Masse fabricirt, während bei den übrigen Baulichkeiten auch die Holzbalkenlagen durch gegossene Gewölbe und bei den letzten 3 sogar das Dachwerk durch Cementguß ersetzt worden ist. Der Cement muß zu diesen Arbeiten ausgezeichnet sein; man nahm für das Mauerwerk 1/10, für Gewölbe 1/7, für Dächer und Treppen ⅙ der Mischung; als Zuschläge dienten gewöhnlich Kohlenschlacken zu ⅚, Sand zu 1⅙, beide scharf und rein. Als weitere Zuschläge wird empfohlen: Steinschlag, Kies, Ziegelmehl, Eisenschlacken u. s. w. Wanderley, Bauconstr. II. 30 Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Zu der Mischung muß man nur so viel Wasser nehmen, daß die Mörtelmasse gut durchnäßt ist, ohne ihre steife Beschaffenheit zu verlieren. In das Gemäuer wurden Füllsteine (größere Stücke von Feld-, Kalk- oder Sandsteinen, auch Klamotten) eingestampft, um an Mörtel- masse zu sparen; die Füllung kam lagenweise mit dem Mörtel, und von diesem gut umgeben, zu liegen. Nachdem Cement mit dem Zuschlag auf einer Brettunterlage aus- gebreitet und flüchtig mit einander vermengt wurde, benäßte man die Mischung mit einer Gießkanne und harkte man erstere gut durch. Als- dann wurde die Mörtelmasse in die Fundamentgräben gebracht und begann die Aufstellung der Kastenformen. In den Figuren 486 und 487 wird ein Cementgußgebäude (Grund- riß und Schnitt), welches in der Thürrschmidtstraße Nr. 10 steht, veranschaulicht. Im Grundriß bezeichnen a den Vorgarten, b die Stuben, c die Küche, d die Treppe, e den Flur. Alles am Gebäude, Fig. 422. Fig. 423. die Mauern, preußischen Kappen im Keller, die böhmischen Kappen in den Vorderzimmern, die flachen Kreuzgewölben im Flur, das Dach, die Gesimse, Attika, die Treppen u. s. w., kurz alles besteht aus Ce- mentguß. Gußgewölbe. In 3 bis 4 Wochen war der Rohbau des dreistöckigen Hauses vollendet, während die gänzliche Bauzeit 3—4 Monat dauerte. Die Herstellung geschah von einem tüchtigen Maurerpolier und ge- wandten Tagelöhnern. Diese Häuser haben sich hinsichtlich ihrer Trockenheit gut bewährt, auch sind die Wände schlechte Wärmeleiter. Bei den eben mitgetheilten Gebäuden gehen alle Frontwände durch das Erdgeschoß, die erste und zweite Etage, sowie Dachgeschoß gehen in einer Stärke von 35 zm durch, für innere Mauern, ja selbst für Wider- lagsmauern, nahm man sogar nur 20 zm Stärke an, welche Dimension nach den angestellten Versuchen völlige Sicherheit bietet. Das Durchschlagen des Regens fand sogar bei den nur 14 zm starken, an der Wetterseite befindlichen Wänden nicht statt. Die Herstellung der Gewölbe erfolgte derart, daß man die Concret- masse nach obigem Mischungsverhältnisse auf die durch Lehrbögen unterstützte Schaalung brachte. Die Kappen erhielten keine Hinter- mauerung und wurden nur 10 zm stark gemacht bei 1/10 Pfeilhöhe und bis 2,80 m Spannung, sowie 4,7 m Länge. Die angestellten Belastungs- proben ergaben, daß pro □ m Kappenfläche 75 Centner mit Sicherheit zu tragen vermochten, während in gewöhnlichen Wohnungen die To- talbelastung nur 15 Centner zu betragen pflegt. Trotz der auf’s Fünffache von der muthmaßlich möglichen Belastung gesteigerten re- lativen Inanspruchnahme wurden die Frontwände nicht hinausge- drängt und entstand auch nicht die geringste Bruchfuge in der Kappe, obschon das Bauwerk erst seit 5 Wochen fertig war und die Belastung 13 Tage liegen blieb. Das Cementdach ward auf horizontaler Schaalung ausgeführt, oben mit einem Gefälle von 1 : 50 versehen und mit Cement oder Asphalt überzogen. Die Dachstärke beträgt 10 zm ; 8 Tage lang blieb das Cementdach unterschaalt. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Anfertigung der zweiarmigen Cementtreppen folgendermaßen stattfand: Bei jedem Podeste spannte man eine Eisenbahnschiene oder einen Träger zwischen die Treppen- wandungen ein, alsdann wurde gegen die Schienen in der nothwen- digen Schräge geschaalt und nun die Läufe gerade, d. h. ohne Unter- wölbung, gegossen, wobei eine zur Seite der Schaalung aufgestellte hölzerne Menge als Lehre diente um die Stufe gleichzeitig anzufer- tigen; in die auf jeder Stufe angebrachten zwei Dübel wurden die Schrauben des hölzernen Bohlenbeschlages gebracht. 30* Zweites Kapitel. Die Gewölbe. XVI. Das Trockenlegen der Keller ist von größter Wichtigkeit, wenn die Gebäude in feuchtem, oder gar in dem Grundwasser ausgesetzten Erdboden erbaut werden. Hierbei können hauptsächlich drei Umstände zur Geltung kommen, nämlich: erstens , stecken die Kellerräume nur in etwas feuchtem Erd- boden und sie werden nicht als Wohn-, Lager-, Arbeits- räume, sondern blos als Wirthschaftsräume benutzt; zweitens , desgl. desgl., aber sie dienen auch als Aufenthalts- räume für Menschen oder Vieh (in großen Städten befinden sich die Pferdeställe sehr häufig im Kellergeschoß, so z. B. in Wien); drittens , der Erdboden ist sehr feucht und sogar zu bestimm- ten Zeiten mit Grundwasser gesättigt. Im ersten Falle genügt es schon, die Kellermauern außerhalb mit sehr hart gebrannten Ziegeln, am besten mit Klinkern, in Cement- mörtel herzustellen, sodann die Außenfläche, so weit sie in dem Erd- boden steckt, mit gutem Cementmörtel zu verputzen. Isolirschichten, dicht über dem Kellerfußboden und etwa 0,5—0,75 m über dem Terrain, dürfen nicht fehlen. Zweckmäßig ist es auch — und dieses Mittel hat der Verfasser d. Werkes selbst mit Erfolg angewendet — die innere Wandfläche der Umfangsmauern zwei- bis dreimal mit Stein- kohlentheer, dem aber jedenfalls Asphalt beigegeben werden muß, auf die Mauerfläche zu streichen und nach dem Trocknen dieses An- striches erst den Rappputz aufzutragen. Im zweiten Falle muß man sehr gewissenhaft vorgehen und, außer den soeben erwähnten Vorkehrungen, mindestens an der inneren Seite der Mauer eine Verblendung mit Hohlsteinen, wie wir sie in Fig. 82—83 d. Bandes veranschaulichten, anordnen. Besser wäre es, den Erdboden mittelst einer außerhalb aufgestellten zweiten Mauer von den eigentlichen Fundamentmauern abzuhalten. Dieses Verfahren haben wir gleichfalls in den Fig. 321 und 322 geschildert und illustrirt. Unter Umständen ist die Aufführung hohler Wände mit einer Luftschicht von 4—8 zm Breite ein vortreffliches Mittel, um Keller- räume, die in nicht allzu feuchter Erde stecken, trocken zu halten. Sehr häufig, namentlich an Giebelmauern und Fensterbrüstungen, läßt sich diese Construktionsweise ohne Schwierigkeit ausführen, dagegen wird sie an Frontwänden eine geringe Verstärkung der Fundament- Trockenlegen der Keller mittelst Isolirschichten. mauern herbeiführen. An dieser Stelle geben wir eine solche An- ordnung, die beim Municipal-Gefängniß in Köln (vom genialen Raschdorf entworfen) ausgeführt wurde (Fig. 488). Da das Kellergeschoß, dessen Fuß- boden 2,5 m unter der Oberfläche des Hofes liegt, zum großen Theil zu Ar- beits- und Wirthschaftsräumen dient, mußten Vorkehrungen zur Abhaltung nicht nur der im Mauerwerk aufsteigen- den, sondern auch derjenigen Feuchtig- keit getroffen werden, welche aus der an den Umfassungsmauern verfüllten Erde einzudringen pflegt. Rücksichtlich des ersten Falles, d. h. für die innern Mauern, ist in der Höhe des Keller-Fußbodens eine Asphaltschicht zur Anwendung ge- kommen. Nach der bezeichneten Skizze sind die Luftkanäle derart angelegt, daß die da- rin eingeschlossene Luftschicht durch eine Anzahl Mündungen sowohl mit der Fig. 488. äußern atmosphärischen Luft, als auch mit der innern Luft des Keller- geschosses in Verbindung steht und hierdurch ein beständiger, die innern Wandungen des Isolirungsraumes, d. h. die Umfassungen berührender Luftzug entsteht. Hierbei ist die die Luftschicht von außen einschließende ½ Stein starke Vormauerung a von möglichst hart ge- brannten Backsteinen (Klinkern) in Cementmörtel dergestalt in Läufer- schichten ausgeführt, daß neben je zwei Läufern ein Strecker gelegt ist, welcher in den Hauptmauerkörper mittelst Cementmörtel einge- bunden ist. Diese Strecker wechseln in den verschiedenen übereinander befindlichen Schichten in regelmäßigem Verbande (siehe auch Fig. 75). Oberhalb, in der Höhe der Erdoberfläche, hat die 13 zm starke Mauer eine Asphaltisolirung, unterhalb, etwa 16 zm unter dem Kellerfußboden, sind einzelne kleine Oeffnungen zur Ableitung des etwa sich ergebenden Sickerwassers nach Außen vorhanden. Der neben dem 8 zm breiten Luftkanal befindliche innere Körper der Umfassungsmauer ist gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit durch eine 8 zm unter dem Kellerfußboden angelegte Asphaltschicht isolirt. Die Verbindungsöffnungen zwischen Zweites Kapitel. Die Gewölbe. dem Isolirungsraume einerseits, und der äußern oder innern Luft andererseits, sind von je 1,6 zu 1,6 m angelegt, etwa 12 zm weit, und durch Drahtgitter geschlossen, welche hinreichend dicht sind, um Mäusen und dergleichen den Zugang zu wehren. Es ist noch zuzufügen, daß die innere Verbindungs-Oeffnung bei vorhandenem Pflaster dicht über demselben mündet, bei hölzerner Dielung dagegen ist sie in den zwischen den Fußbodenlagern hohl zu lassenden Raum zu führen, damit auf diese Weise eine vollständige Luftcirculation (unter dem Fußboden entweder durch Anlage corre- spondirender Kanäle in den Mittel- und Scheidemauern, oder unter Mitbenutzung der vorhandenen Feuerungen ermöglicht werden kann). Außerhalb ist, dicht an die Plinthe anschließend, ein geplatteter 1 m breiter Gang, der vom Mauerwerk abfallend, das darunter befind- liche, gegen das Isolirungsmauerwerk anstehende Erdreich vor ein- dringendem Regen bewahrt. Fig. 489. Falls in den Kellerräumen Comp- toire, Waarenniederlagen, Woh- nungen vorhanden sein sollen, ist unter allen Umständen unerläßlich, die Kellermauern höchstens in halber Höhe in den Erdboden zu versenken, besser ein Drittel. Zweckmäßig ist dann auch die Anordnung in Fig. 489, welche darin besteht, daß in Entfernung von etwa 0,38 — 0,75 m eine zweite 1 und 1½ Ziegel starke Mauer auf einem besonderen Fundamente errichtet und in 1,5 — 2 m Abständen mittelst einer kur- zen Quermauer mit dem Keller- mauerwerk verbunden wird. Der in die Oeffnung fallende Regen fließt auf einer flachen Rinne fort; a ist die Asphaltisolirschicht. Das Fenster kann dann entweder mit der Terrainhöhe abschließen, oder noch tiefer hinabreichen. Der Sicherheit wegen wird die äußere Grube (Schacht oder Kasten) mit einem eisernen Gitter umgeben. Auch wäre Trockenlegen der Keller mit umgekehrten flachen Tonnen. anzurathen, auf den Schacht einen eisernen Rost oder ein dickes Roh- glas zu legen. Der dritte Fall, nämlich: wenn die Fundamente in sehr feuchtem Erdboden erbaut werden oder sogar dem Grundwasser ausgesetzt sind, verlangt die größte Sorgfalt Seitens des Bautechnikers, denn die ihm entgegentretende Gewalt des aufsteigenden Grundwassers spottet allen Anstrengungen und Sicherheitsvorkehrungen, sofern letztere nicht gewissenhaft ausgeführt werden. Schon bei den umgekehrten flachen Tonnen wurde erwähnt, daß nur diese allein im Stande sind, dem Wasserdrucke Widerstand zu leisten, und daß noch mittelst Asphaltisolirschichten inner- und außer- halb des Mauerwerks, so wie zwischen den umgekehrten Kappen die Kellerräume trocken gehalten werden müssen. Wir verweisen auf die Fig. 323, welche dieses Verfahren sehr genau veranschaulicht. Die Fig. 490 giebt diese Anordnung bei einem ganzen Gebäude an; in demselben sind nur die hinteren Räume und der Gang wasserdicht Fig. 490. hergestellt worden. Zu diesem Behufe hat alles Mauerwerk, wel- ches der Nässe direct ausgesetzt ist, eine vorgeblendete Klinkerschicht in Cementmörtel; hinter dieser Schicht liegt am Mauerwerk eine Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Asphaltschicht. In den hinteren Räumen und dem Gange sind die Fußböden mit umgekehrten flachen Tonnen versehen; hingegen fehlen diese in den vorderen Räumen, um an Baukosten zu sparen und da hier der Keller unbenutzt bleibt. Die punktirte Linie giebt den höchsten Grundwasserstand an. Oefters hat man, wenn das Grundwasser nur 6—20 zm unter dem Banquett bleibt, die Keller mit Erfolg dadurch trocken gelegt, indem man das ganze Gebäude auf eine dicke Betonschicht stellte (Fig. 491), und auf diese erst eine Asphaltschicht legte, um die Nässe Fig. 491. vom Mauerwerk abzuhalten. In dem Seitenmauerwerk sind Luft- isolirschichten angelegt, und außerhalb steht noch eine Verblendschicht etwa 4 zm vom Fundamentmauerwerk entfernt. Wenn man ganz sicher manipuliren will, wird die äußere 4 zm weite Hohlschicht mit Cement. oder besser mit Asphalt ganz vergossen . In der Richtung b strömt die frische Luft durch Kanäle nach den Isolirschichten, um die Luft in denselben trocken zu halten. Im Winter werden die äußeren Oeffnungen verschlossen. Die Betonirung unter der Gebäudesohle wurde zuerst in Holland angewendet und fand in Deutschland vielfach mit sehr günstigen Er- olgen Nachahmung. Die Holländer haben vielfach die Betonschicht Trockenlegen der Keller mit Betonunterlage. noch mehr nach Außen ausgebreitet und dann etwa 0,6—1 m dick vertical an den Umfangswänden heraufgeführt. Dadurch werden die Fundamente, wenn zum Beton recht viel Cement verwendet wird, ganz wasserdicht eingeschlossen. In vielen Fällen genügt es auch schon, die Fundamente in Cementmörtel auszuführen, sodann an den äußeren Wandflächen eine etwa 1½—2 Steine dicke Verblendung aus Klinkersteinen in gutem Cementmörtel herzustellen und nur unter dem umgekehrten flachen Tonnengewölbe eine Betonschüttung anzu- ordnen. Asphaltisolirschichten breiten sich über die Betonschicht aus und reichen durch das Fundament und an den äußeren Wandflächen hinauf. Eine derartigen Anlage erkennen wir in Fig. 492, in welcher die Fig. 492. dunkel schraffirten Steine die Klinkerverblendung andeuten; a ist die Asphaltschicht. Beachtung verdient noch die Fensteranlage; das Fenster liegt ganz unter dem äußeren Terrain und wird von der vertical aufgeführten Verblendung gegen das Nachstürzen des Erdreichs gesichert. Es ist dadurch ein sogenannter „ Lichtkasten “ entstanden. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Eine ganz besondere Gewölbeart bilden die modificirten hohen vielseitigen Kuppelgewölbe in Anwendung auf: XVII. Die massiven Thurmspitzen . Bereits die Meister des Mittelalters pflegten die Spitzen der Kirch- thürme massiv herzustellen, und zwar je nach dem Vorkommen des Materials entweder aus Sandstein oder aus Ziegeln. Die Sand- steinspitzen wurden sogar vielfach reich verziert und ganz durchbrochen, theils um sie schöner zu gestalten, theils um ihr Gewicht zu ver- mindern. Mit dem Verfall der Gothik wurden die massiven Thurmspitzen immer seltener, bis sie endlich ganz in Vergessenheit geriethen. Erst der, durch den kunstsinnigen König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen ins Leben gerufenen bedeutenden Thätigkeit im Kirchenbau, haben wir die ersten neueren Versuche mit massiven Kirchthurmspitzen zu verdanken. Da die Thurmspitzen aus Sandstein ähnlich construirt werden, wie die aus Ziegeln, und zwar mit dem Unterschiede, daß bei ersteren nur größere Plattensteine zur Verwendung gelangen, wollen wir in diesem Buche vorzugsweise die Backsteinthurmspitzen berücksichtigen. Die Vorzüge derselben sind: Erstens : Einheit des Materials. Wenn dies bei allen Bau- ausführungen wünschenswerth ist, so hier um so mehr, als die schlanke Spitze schon nicht mehr als das Dach des Thurmes gilt; zweitens : die unbedingte Feuersicherheit, namentlich beim Ein- schlagen des Blitzes, und drittens : hauptsächlich die erheblich größere Billigkeit massiver Spitzen aus Ziegeln gegenüber den sonst üblichen hölzer- nen; vergleichende Kostenanschläge haben dies dargethan; viertens : größere Dauerhaftigkeit und Fortfall der Repara- turen bei richtiger Construktion und gutem Material. Die Greifenhagener, gegen 25 m hohe, in den Wänden 25 zm starke Thurmspitze, welche ca. 500 Jahr alt und im Wesent- lichen gut erhalten ist, ist ein Beweis dafür. Es ist unbedingt erforderlich, nur ausgezeichnete, harte und möglichst wenig poröse Ziegel zu verwenden, da sonst der Regen durch dieselben dringt. Die massiven Thurmspitzen. In Betreff der Construktion unterscheidet man drei Arten: Erstens : Die Steine werden sämmtlich horizontal vermauert, und an der Außenseite nach der Schräge des Thurmes abgeschrägt; diese Construktion ist zwar gut, aber kostspielig, indem jeder Stein ein Formstein sein muß (Fig. 493 C D); daher werden Fig. 493. Fig. 494. Fig. 495. zweitens : die Steine nach innen überkragt (Fig. 493 A B ). Da dies aber bei einer gewöhnlichen Steigung von 1 : 4 oder 1 : 5 schon einen Absatz von ca. 1,2 zm pro Stein ausmacht, so sind die Absätze schon bei geringer Thurm- höhe von unten zu sehen; da außerdem die Feuchtigkeit sich länger auf den Abtreppungen hält, so ist allgemein üblich und weit vortheilhafter drittens : die Steine normal zur Außenfläche zu vermauern (Fig. 493 E—G ), sodaß sich alle Lagerfugen in einer Schicht in einem Punkte der Axe schneiden (Fig. 494). Daß die Ecksteine oben eine Kehle, unten einen Grat erhalten müssen, wegen der Gestalt der Lagerfugen als Pyramiden- Zweites Kapitel. Die Gewölbe. fläche, ist bei nicht zu flachen Thürmen kein Uebelstand, da durch die Mörtelfuge die Ungleichmäßigkeit vollkommen ausgeglichen wird. In der Ecke sind immer Formsteine nöthig (Fig. 495). Der im Mittelalter alleinigen Verwendung von Kalkmörtel steht auch jetzt nichts entgegen, da Cementmauerwerk, wenn nicht die Fugen groß, mit viel Wasser und unter sorgfältiger Aufsicht ausgeführt wird, was bei der großen Höhe stets Schwierigkeiten hat, keine be- sondere Garantie gewährt. Dagegen ist auf große Accuratesse in Bezug auf die vollkommene Ebenheit der Flächen, Geradlinigkeit der Grate, deren Mangel sehr unangenehm ins Auge fällt, bei der Aus- führung zu achten, und daher fast immer ein vollständig oder doch theilweise fest gezimmertes Gerüst zu empfehlen, dies auch na- mentlich wegen des Schlusses der Spitze, der sich bei einem unvoll- kommenen Gerüst leicht der Aufsicht entzieht. Die häufig angewendeten Sicherheitsmaßregeln, Anker, Eckgrate, Abstumpfung der Ecken und horizontale Gurtungen sind als über- flüssig zu bezeichnen, da ein Bestreben nach Ausbauchung nicht vor- liegt, das Gewicht des Mauerwerks vielmehr fast nur einen lothrechten Fig. 496. Druck auf das am Fuße der Spitze befindliche Mauerwerk ausübt. In letzterem ist dagegen eine Verankerung zu empfehlen, nicht sowohl gegen einen Schub der Spitze, als gegen die bei so hohem Mauerwerk leicht eintretenden ungleichen Senkungen und die Erschütterungen des Thurmes durch Stürme und die Glocken bei mangelhafter Construktion der Glockenstühle. Eine Mauerstärke von ½ Stein ist im All- gemeinen nicht zu empfehlen, gewährt auch gegen eine Stärke von 1 Stein keine nennenswerthe Ersparniß oder Erleichterung. Dagegen reicht 1 Stein schon auf die gewöhnlich vorkommen- den Höhen von unten bis oben vollkommen aus. Die Ornamentirung der Thurmspitzen ist, dem Material entsprechend, einfach zu halten, und nur die Ecken durch profilirte Grate hervorzuheben, die an sich schon aus Formsteinen bestehen müssen. Die massiven Thurmspitzen. Fig. 497. Zweites Kapitel. Die Gewölbe. Fig. 498. Die massiven Thurmspitzen. Die Befestigung der eisernen Hahnstange geschieht entweder da- durch, daß man die Wände oben mit einem kleinen Gewölbe verbindet (Fig. 496), oder indem man einen eisernen Rost (sich überkreuzende Eisenstangen) anordnet, auf dem der Schluß der Spitze gemauert wird. Dieses Verfahren erkennen wir in Fig. 497, welche der Thurm- spitze der Kirche zu Lauenburg entnommen ist. In der Höhe a b überkreuzen sich vier Eisenstäbe, die theils zur Verankerung, theils zum Halten der eisernen Helmstange dienen. An den Enden der Stangen sind Haken h angebracht, damit die Leitern bei Vornahme der Reparaturen befestigt werden können. Die durch die Spitze ra- gende verticale Stange besteht aus zusammengenieteten eisernen Winkel- blechen, um ihr nach allen Seiten hin eine Steifigkeit zu geben. Die Befestigungsart der Kugel, welche aus Kupfer besteht, ist aus der Zeichnung zu ersehen. Die Rolle r hat den Zweck, bei etwaigen Reparaturen das Winde- tau für das Hinaufziehen der Materialien zu halten. Unweit der Haken h sind in den Wänden der Spitze entsprechende große Aus- steigeluken (Fenster) vorhanden. Zum Schlusse führen wir noch die Thurmspitze der Kirche zu Oderberg in Mecklenburg vor, um die Anlage solcher Thurmhauben recht deutlich zu veranschaulichen. Ihre Höhe mißt circa 16 m und verhält sich die Basis zur Höhe wie 1 : 4. Die Spitze ist achteckig, in dem unteren Theile 1½ Ziegel, darüber 1 Ziegel stark. In verschiedenen Höhen sind Verankerungen innerhalb der Spitze angeordnet. Die Verankerung a soll den Fuß der Spitze gegen Erschüt- terung u. s. w. sichern. Drittes Kapitel . Die Thür- und Fensteröffnungen. Die Construktion derselben hängt einerseits von der Lage der Fenster und Thüren, andererseits von dem zu verwendenden Ma- terial ab. Die Kellerfenster der bewohnten Keller ordnet man so viel als möglich über dem äußeren Terrain an; für Wirthschaftskeller sind große Fenster nicht erforderlich und sogar nachtheilig, da sie die Kellerräume Drittes Kapitel. im Sommer zu warm, im Winter zu kalt machen. Im Allgemeinen ist die Sockelhöhe für die Kellerfensteranlage maßgebend und hat man die in Fig. 321—323, 326 B , 489 und 491 gegebenen Anordnun- Fig. 499. gen zu befolgen. Falls der Sockel aber nicht hoch genug ist, und die Fenster- brüstung tiefer, als das äußere Terrain zu liegen kommt, wird vor jedem Fenster ein sogenannter „Lichtkasten“ angelegt (Fig. 499), der aus den 1—1½ Stein breiten Pfeilern a und der gebogenen Wand b besteht, welche etwa ⅙—⅕ Bauchung und bis 0,8 m Tiefe ½ Ziegel, und darüber bis 1,2 m 1 Ziegel zur Stärke erhält. Der Boden ist etwas schräge gepflastert, damit das Regen- wasser durch eine 4 zm weite Drainröhre abfließen kann. Außerdem wäre es gut, den oberen Rand des Lichtkastens aus Sandstein zu fertigen. Das Fenstergewände kann sowohl aus Ziegeln, als auch aus Schnittsteinen bestehen und bekommt in beiden Fällen einen Anschlag. Sehr häufig liegt der Parterrefuß- boden nur 0,3—0,4 m über dem äußeren Terrain. Das Gewölbe reicht dann so- weit hinunter, daß die Kellerfensteranlage sehr erschwert wird. Man kann sich dann mittelst Stichkappen, die fast in einem Winkel von 45° ansteigen, aushelfen, wie Fig. 500 veranschaulicht. Das Kellerfenster ist außerhalb aus Sandsteinplatten gebildet und innerhalb durch den Bogen b abgeschlossen, der gleichzeitig die Mauer- last von der Stichkappe abnimmt. Gegen diesen Bogen und das Gewölbe stößt die Stichkappe, die nichts weiter als die Erdschüttung trägt. Solche Anordnungen sind in Oesterreich ganz allgemein ge- bräuchlich, und mit der früher gegebenen Fig. 293 ähnlich. Uebrigens kann man bei höheren Kellerfenstern die hohe Stich- kappe vermeiden, wenn man direct unter der Fensterbank einen Bogen Die Kellerfenster. anordnet und die Parapetbrüstung (Fensterbrüstung) nur ½—1 Stein stark macht, sodaß hinter dem Kellerfenster in der Mauer ein breiter Fig. 500. Wanderley, Bauconstr. II. 31 Drittes Kapitel. Thür- und Fensteröffnungen. Schlitz oder Schacht verbleibt. Das Gewölbe wird dann von einer steilen Stichkappe durchbrochen, damit etwas Licht durch den Schacht Fig. 501 in den Keller gelangen kann. Diese Anordnung ist besonders zweck- mäßig, wenn die äußere Seite des Kellerfensters bis an die Parterre- fenster reichen soll (Fig. 501). Vielfach wird die Zuführung des Lichtes in den Keller dadurch erschwert, wenn eine äußere massive Treppe nach dem Hausflur oder dem Verkaufladen führt und die Anlage des Kellerfensters an einer anderen Stelle nicht möglich ist. In diesem Falle empfiehlt sich die in Fig. 502 gegebene Vorkeh- rung am meisten, welche darin besteht, daß die Treppe, die Vorlage- stufe v ausgenommen, ganz in die Thüröffnung geschoben wird und Die Kellerfenster. die Vorlagestufe frei vor dem Mauerwerk liegen bleibt. Zu diesem Behufe stellt man in der ganzen Länge der Vorlagestufe einen 0,5— 0,7 m breiten und 1,5—2 m tiefen Schacht ( s ) mit 1—1½ Ziegel Fig. 502. starken Wänden her und bedeckt man dessen oberen Rand mit einem Sandsteinkranz t t . Die obere innere Kante dieses Kranzes wird ausgefalzt, um einen eisernen Rost r aufnehmen zu können. 31 * Drittes Kapitel. Thür- und Fensteröffnungen. Alles Uebrige giebt die Zeichnung in allen Details genau zu erkennen und scheint daher eine weitere Erklärung überflüssig zu sein. Die Thür- und Fensteröffnungen der Etagenfenster können jede be- liebige Form erhalten, und sowohl aus Sandstein als auch aus Ziegeln hergestellt werden. Besondere Beachtung verdient die Ueberdeckung, d. h. der sogenannte „ Sturz “ dieser Oeffnungen, welche in zwei Theile, nämlich in innere und in äußere Leibung zerfällt. Falls der Fenstersturz aus zwei concentrischen Halbkreisen oder Segmentbögen bestehen soll, bietet hierfür der Verband keine besondere Schwierigkeit, wenn man die Regeln für die Mauerenden mit Fenster- und Thüranschlägen befolgt (siehe die Regeln auf pag. 21 bis 23 dieses Bandes). Schwieriger wird die Wölbung, wenn der äußere Sturz horizontal, dagegen der innere gebogen sein soll; da beide Theile miteinander im Verbande stehen müssen, läßt man in dem äußeren Sturz die Steine bis auf die horizontale Fensterbegrenzung hinabreichen. Dieses Verfahren macht Fig. 503 A—C ersichtlich, in welchen die äußere und innere Ansichten, sowie der Querschnitt des Fenstersturzes dargestellt sind. Die praktische Ausführung geschieht mittelst zweier Lehrbögen, nämlich für den äußeren scheitrechten Bogen benutzt man das hori- zontale Brett a , dessen Enden im Mauerwerk stecken, und für den Segmentbogen stellt man die beiden Lehrbögen b b auf, deren Enden sich ebenfalls in den Mauerfugen festklemmen, und die in der Mitte gemeinsam mit dem Brette a auf der Stütze c ruhen. Der ganze Sturz wird nach dem zum inneren Segmentbogen gehörigen Mittel- punkt d mittelst einer in d befestigten Schnur eingewölbt. Für solche Fenstersturze, welche sowohl inner- als auch außerhalb scheitrecht bleiben, gilt das vorstehende Verfahren ebenfalls. Die Fig. 504 A—C zeigen einen horizontalen Sturz in Ziegeln; alle Lagerfugen sind nach dem Mittelpunkte eines über der Fensteröffnung gedachten Segmentbogens gerichtet. In Fig. 505 A—C ist eine ana- loge Anordnung, jedoch mit Hinzufügen der Ziegelvorkragungen für die Fensterverdachung. Die Sohlbank der aus Ziegeln ausgeführten Fensteröffnungen besteht meistens aus einer flachen Ziegelschaarabdeckung (Fig. 506) oder aus einer horizontalen Rollschicht, die vorne abgeschrägt ist und die Mauerflucht etwas überragt. Da in Fig. 506 die schräge Ziegel- schicht, auch selbst wenn man sie mit Eement vermauert, leicht ab- Sturz aus Ziegeln. fallen würde, ist es zweckmäßiger, die horizontalen Ziegelschaaren bis an die Sohlbankabschrägung reichen zu lassen und für die äußere Fig. 503 A—C. Drittes Kapitel. Thür- und Fensteröffnungen. Fläche nur Formsteine, deren unteren Kanten gebrochen sind, zu ver- wenden (Fig. 507). Fig. 504 A—C. Fig. 505 A—C. Bei Verwendung von Werk- resp. Schnittsteinen werden entweder nur die Sturze, oder auch die seitlichen Fenstergewände und Sturz aus Schnittsteinen. Sohlbänke aus diesem Material verfertigt. Die gebogenen Fenster- resp. Thürüberdeckungen haben wir bereits in Fig. 246—253 u. s. w. dargestellt und bleiben somit nur noch die geraden Sturze zur Bespre- chung übrig. Dieselben bestehen am besten und einfachsten aus einem einzigen Werksteinblocke, der die Breite des ganzen Fensters, mit Ein- schluß der Fenstergewände, zur Länge hat. Um diesen Block, der mit dem Gewändeprofil versehen ist, vom Drucke des darüberbefindlichen Mauerwerks zu befreien, ordnet man über ihm einen entsprechend großen und hinreichend starken Entlastungsbogen an (Fig. 508). Der Sandsteinsturz ist etwa 15—23 zm (letzteres Maß bei Thüren) hoch und ebenso stark und gewährt mit seiner inneren Fläche dem Fenster resp. der Thüre einen genügenden Anschlag. Zweckmäßig ist es, den Sturz mit dem Mauerwerk zu verankern. Vielfach findet man auch die in Fig. 509 dargestellte Verbindung des Sturzes mit dem Ziegelmauerwerk, welche darin besteht, daß ein Bogen mit geringer Pfeilhöhe durch das ganze Mauerwerk reicht (also wie bei Mauer- bögen) und mit seinem Scheitel in der Höhe der oberen Sturzkante liegt. In dem Mauerwerk wird dann ein entsprechend tiefer Falz für den Sturz hergestellt. In sandsteinreichen Gegenden werden auch größere und reicher ausgebildete Fenster- oder Thürüberdeckungen aus Schnittstein, jedoch meistens nur in der Tiefe des Anschlages, gefertigt. Eine derartige Anordnung veranschaulicht Fig. 510, welche einen Theil eines Pfeiler- gebälkes (Sima, Fries und Architrav, mit Pfeiler) darstellt. Die Werksteine greifen 0,25—0,3 m in das Mauerwerk, und werden durch einen kleinen Bogen entlastet; der innere Sturz besteht aus einem 1½ Stein breiten, 2½ Stein hohen scheitrechten Bogen. Da beide Bögen das Mauerwerk nicht hinreichend zu stützen vermögen, befindet sich über ihnen noch ein großer, 2 Ziegel hoher, 2½ Ziegel breiter Entlastungsbogen. Bei Herstellung solcher Fenster- öffnungen kann man die sämmtlichen Bögen nacheinander herstellen und die Sandsteinblöcke erst nach Fertigstellung des Rohmauerwerks an ihren Platz bringen, damit die Profile durch herabfallende Gegen- stände nicht ruinirt werden. Zu den Fenster- und Thürgewänden bedient man sich meistens eines großen Sandsteinstückes, das von der Sohlbank bis zum Sturz- block reicht, mit diesem dicht und waagerecht abschließt und mittelst Metalldübeln verbunden wird (Fig. 508). Seltener setzt man die Drittes Kapitel. Thür- und Fensteröffnungen. Fig. 506. Fig. 507. Fig. 508. Fig. 509. Fig. 510. Fig. 511. Fenster- oder Sohlbank. Gewände aus mehreren Theilen zusammen (Fig. 511), da hierbei nicht nur mehr Sandsteinmaterial erforderlich ist, zumal die einzelnen Blöcke mindestens 0,2—0,3 m weit im Mauerwerk vermauert sein müssen, son- dern auch viele Fugen entstehen und die ganze Anlage weniger haltbar ist. Die Sohl- oder Fensterbank besteht immer aus einem ein- zigen Blocke, der das Brüstungs- (resp. Parapet-) Mauerwerk circa 0,2—0,3 m überdeckt, vorne etwa 5 zm vorspringt und an der unteren Kante mit einer sogenannten Wassernase versehen ist, damit das Regenwasser nicht an der Fa ç adenfläche hinabläuft, sondern an der Sohlbankunterkante abtriefelt. Die obere Fläche der Sohlbank muß nach außen abgeschrägt sein, um den schnellen Ablauf des Regenwassers zu ermöglichen. Da das Fenstergewände auf die schräge Oberfläche der Sohlbank zu stehen kommt, läßt man an die Enden der Sohlbank den unteren Anfang des Gewändeprofils so anarbeiten, daß eine horizontale Auf- lagsfläche für den Fensterstock entsteht. Bei dem Versetzen der Sohlbank muß man darauf achten, daß zwischen dem Brüstungsgemäuer und der Sohlbankunterfläche eine Fig. 512. Fuge verbleibt, denn da das Füllmauerwerk sich weniger setzt als das volle Mauerwerk, welches auf den Enden der Sohlbank ruht, so könnte, Viertes Kapitel. Die Gesimse. bei Nichtbeachtung dieses Umstandes, sehr bald der Unfall eintreten, daß die in der Mitte fest unterstütze, an den Enden aber belastete Sohlbank plötzlich zerbricht. Fig. 512 zeigt die Anlage der Sohlbank in Ansicht, Querschnitt und Grundriß. Viertes Kapitel . Die Gesimse dienen zur Zierde des Gebäudes und sollen die äußere, mit Fen- ster- und Thürössnungen durchbrochene Fa ç adenfläche in einzelne verticale und horizontale Theile zerlegen oder zergliedern; außerdem haben die Gesimse den Zweck, das Gebäude gegen die äußeren Wit- terungseinflüsse etwas zu schützen, indem sie das Regenwasser von einem großen Theile der Wand abhalten. Die Gesimse können sowohl von Schnitt- oder Werksteinen, Ziegeln ohne oder mit Kalk- resp. Cementüberputz, als auch von Holz her- gestellt werden; die letzte Gattung wurde bereits am Schlusse der Zimmerconstruktionen im 1. Abschnitt besprochen. Fig. 513. Nach der Lage der Gesimse unterscheidet man: Sockel- oder Plinthengesimse, Brüstungs-, Band- und Gurt- gesimse, Fenster- und Thürgesimse, Hauptgesimse. Sockelgesimse. Die Gurt- und Bandgesimse. Die Plinthen- oder Sockelgesimse von Sandstein haben wir bereits bei den Fig. 149 bis 152 dargestellt, es bleiben somit noch die Anordnungen mit Ziegeln übrig. Dieselben können entweder im Ziegelrohbau bleiben mit Verwendung der Form- steine resp. der einfachen Ziegeln, oder mit Kalk- resp. Cement über- putzt werden. Im ersten Falle läßt man hohle Formsteine in der Höhe von etwa drei bis fünf Ziegelschaaren anfertigen und nach der in Fig. 513 dargestellten Methode in Cementmörtel anbringen. Bei gewöhnlichen Zins- und Wohnhäusern begnügt man sich mit einem Cement- oder Kalküberputz der Sockelgesimse, wobei die Ziegel- Fig. 514. schaaren soweit vorspringen, daß man den Putz allenthalben nur 3—4 zm aufzutragen braucht (Fig. 514). Die Gurt- und Bandgesimse zergliedern die Fa ç ade in horizontaler Richtung und markiren die inneren Etagen resp. Etagenbalkenlagen. Die Höhe und Größe dieser Gesimse richtet sich nach den architek- tonischen Verhältnissen der Fa ç ade; sie haben in der Regel eine Höhe von 0,13—0,25 m und laden 0,18—0,27 m weit aus; alsdann beträgt die Auflagsbreite in der Mauer bei Benutzung des Sandsteins oder des Granits circa 0,30 m (Fig. 515). Das Gesims wird bei einfachen Roh- Viertes Kapitel. Die Gesimse. bauten durch vortretende Ziegel, bei reicherer Ausführung dagegen mittelst Formsteinen hergestellt (Fig. 516). Bei gewöhnlichen Bauten kann das Bandgesims gleichzeitig als Fenstersohlbank dienen, und dann aus einer horizontalen oder einer in 45° schrägliegenden Rollschicht bestehen. Fig. 515. Fig. 516. Die Frontmauern und Gesimse der billigen Bauten werden mei- stens mit Kalk- oder Cementmörtel überputzt. Fig. 517. Das Hauptgesims. Eine derartige Anordnung veranschaulicht die Fig. 517 in größerem Maßstabe. Die Oberflächen solcher Mörtelgesimse werden außerdem noch mit Zinkblech Nr. 12 abgedeckt, damit die Feuchtigkeit nicht in das Mauer- werk dringe. Das Hauptgesims soll nicht nur allein das Gebäude bekrönen, sondern hauptsächlich durch seine Ausladung die Mauerfläche so viel als möglich beschützen und das vom Dach herabfließende Wasser in gewisser Entfernung von der Gebäudefläche abtröpfeln lassen. Die Hauptgesimse lassen sich aus jedem Material construiren. Die Höhen- und Breitenverhältnisse richten sich nach der Größe, Höhe und dem Charakter des Gebäudes; immerhin ist der Grundsatz zu beachten, daß die Ausladung des Hauptgesimses nie größer als die Mauerstärke des oberen Stockwerks sein darf. Fig. 518. Fig. 519. Die Hauptgesimse von Sandstein bestehen am zweckmäßigsten aus Bindern und Läufern, wobei letztere ankerartig in die Bindersteine eingreifen (Fig. 518—521). Viertes Kapitel. Die Gesimse. Um ein Vorüberkippen des freischwebenden Theiles zu verhüten, werden die Ankersteine (Binder) bis zur Dachräsche hintermauert; häufig kann man die Sandsteingesimse auch direct durch die Balkenlage belasten. Ist das Hauptgesims ein sogenanntes Konsolengesims, bei welchem die Unterglieder verhältnißmäßig am größten sind, so gehen die Kon- Fig. 520. Fig. 521. Fig. 522. solen als Binder durch die ganze Mauer, damit die Hängeplatte auf den Konsolen als Läuferstein ruhe und nur 10 zm in die Mauer Das Hauptgesims. einbinde (Fig. 522). Die Räume zwischen den Konsolen werden dann mit Ziegelsteinen ausgemauert. Bei Rohbauten, deren Gesimse aus Formsteinen bestehen, ist stets darauf zu achten, daß jeder hervortretende Ziegel durch andere Ziegel- steine gut unterstützt werde; eine bestimmte Regel läßt sich hierbei nicht feststellen. Solche Gesimse sollen aber immer eine geringere Ausladung haben, als die Sandsteingesimse mit gehörigem Auflager (Fig. 523). Fig. 523. Um den weit ausladenden Sandstein-Hängeplatten eine feste und unverschiebbare Lage zu geben, verankert man sie in Abständen von 3—4 m mittelst eines langen schmiedeeisernen Ankers, der etwa 3—5 m im Mauerwerk hinabreicht und eine auf die Hängeplatte gelegte schmiedeeiserne Stange festhält. Auf der Hängeplatte ruht dann vielfach Fig. 524. noch die Aufmauerung und die Sandsteinattika. Für die Sima werden einige Ziegelschaaren aufgemauert; die Sima selbst wird Viertes Kapitel. Die Gesimse. mittelst einer Schablone in Kalkmörtel gezogen. Die schräge Ober- fläche des Gesimses wird aus Brettern hergestellt und mit Zinkblech abgedeckt. Sollen Sandstein-Gesimse in Cement- oder Kalkputz imitirt wer- den, dann müssen bei der Hängeplatte die Ziegelsteine bis dicht an die Vorderkante der Platte vortreten und mittelst einer eisernen Hülfsconstruktion gehalten werden (Fig. 524). Zu diesem Behufe liegen eiserne Flachschienen in der Mauer 1 m weit auseinander, die bis dicht an die Hängeplattevorderkante reichen und eine andere horizontal liegende Flachschiene tragen. Dadurch wird ein Eisenrost gebildet, der zum Tragen der Ziegeln, von denen die unteren ein längeres Format haben (sogenannte Gesimsziegel), dient. Sodann erfolgt der Abputz des Gesimses mittelst einer Schablone. Die Oberfläche des Gesimses wird mittelst Zinkblech bedeckt, um sie gegen Feuchtigkeit und Nässe zu schützen (Fig. 524). Solche Con- struktionen sind aber nur für Gesimse mit geringer Ausladung zulässig. Nachtrag . Nachtrag zu dem auf pag. 396 besprochenen Gegenstande. Das in der Fig. 398 gegebene Prinzip haben wir in weiterem Umfange angewendet bei Platzeln (Fig. 525), denen, anstatt der Ellipse, ein Kreis zu Grunde liegt. Der verticale Querschnitt des Platzels soll ebenfalls elliptisch gestaltet sein; wir denken uns ein Viertel der gedrückten Ellipse um eine im Mittelpunkt des Grundkreises stehende verticale Axe nach Fig. 525 gedreht, sodann geben alle horizontalen Schnitte in der Horizontalprojection lauter concentrische Kreise. Will man nun mehrere nebeneinander befind- liche rechteckige resp. quadratische Räume mit solchen Platzeln überdecken, so nimmt man zu- vor — wie in Fig. 525 — die Diagonalen Fig. 525. der Räume A , B , C , D , als Durchmesser der Grundkreise an. Es werden dann sämmtliche Fußpunkte der böhmischen Kappen (resp. preuß. Platzeln) aus den Ecken der Räume hervorgehen. Nebenbei sei bemerkt, daß diese Grundkreise die Ecken der Räume nicht zu be- rühren brauchen, sondern ebensogut ganz beliebig große Durchmesser haben können. In unserem Beispiele Fig. 526 finden wir die erstere Voraussetzung. Damit die Gewölbedrücke sich gegenseitig auf- heben, hat man darauf zu achten, daß die Anläufe (Schildbögen) zweier nebeneinander befindlicher Gewölbe vollständig consequent seien, und muß man zu diesem Behufe den Querschnitt einer jeden böhmi- schen Kappe (oder Platzels) besonders austragen, wobei jedoch zuerst der Querschnitt eines Platzels, z. B. der über dem Raum A , zu Grunde gelegt wird. Es werden nun die Anläufe des Raumes A er- mittelt, indem man eine Hälfte von jeder der zwei verschiedenen Seiten des Rechtecks in beliebige Theile zerlegt, z. B. in I , II , III , IV , V , VI und in g'' , h'' , i'' , k'' , l'' , m'' , n'' , o'' , und vom Mittelpunkt a des Grundkreises aus mit den Radien a I , a II , a III ꝛc., und a g'' , a h'' , Wanderley, Bauconstr. II. 32 Nachtrag. Fig. 526. Nachtrag. a i'' , a k'' . . . . a o'' concentrische Kreisbögen bis zur Diagonale nach den Punkten I'' ꝛc., und g , h , i , k , l , m , n , o zieht. Errichtet man dann in I' eine Normale, welche den elliptischen Querschnittbogen in s schneidet, so giebt die Höhe I' s in s einen Punkt des Anlaufes, wie im Aufriß angedeutet wurde. Auf ähnliche Weise findet man die anderen Anlaufspunkte über II , III , IV , V , VI. Ebenso geschieht es auch mit den Theilpunkten g'' , h'' , i'' , k'' , l'' , m'' , n'' und o'' , welche mittelst Kreisschlägen nach g , h , i , k , l , m , n , o gebracht sind; die Höhen g g' , h h' , i i' , k k' , l l' , m m' , n n' , o o' geben die Abstände der Anlaufspunkte an. Will man das Gewölbe nach der Schnittlinie x y zeichnen, so muß man, um im Aufriß die Höhen a 1 a 0 , b 2 b 0 , c 3 c 0 , d 4 d 0 , e 5 e 0 , f 6 f 0 , g 7 g 0 zu bekommen, im Grundriß in denselben Abständen a b , b c , c d , d e , e f , f g , die Theilpunkte a'' , b'' , c'' , d'' , e'' , f'' , g'' notiren, ferner sie mittelst Kreisbögen aus dem Centrum a nach b , c , d , e , f , g bringen und hierauf die Normalen a a' , b b' , c c' , d d' , e e' , f f' , g g' ziehen, welche in a 1 , b 2 , c 3 , d 4 , e 5 , f 6 , g 7 aufgetragen, dem Ab- stande a 1 a 0 , b 2 b 0 , c 3 c 0 , d 4 d 0 , e 5 e 0 , f 6 f 0 , g 7 g 0 entsprechen. Das Gewölbe über B muß nun an der Seite, wo es an das über A grenzt, mit letzterem einen congruenten und gleich hoch angebrach- ten Anlauf haben. Es muß daher ein Rotationskörper construirt werden, welcher, im Abstand 1 vom Mittelpunkt u des Grundkreises zum Raume B geschnitten, denselben Abschnitt liefert wie bei A im Abstande a g'' . Es ist daher der umgekehrte Weg als bei A einzu- halten, nämlich, anstatt daß bei A der Schildbogen nach gegebenem Querschnitt q construirt wurde, wird bei B der Querschnitt q' nach dem Anlauf gefunden. Deshalb übertrage man die Theilpunkte g'' , h'' , i'' , k'' , l'' , m'' , n'' , o'' in proportionalen Entfernungen nach 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und ziehe man von ihnen aus nach der halben Diagonale u r concentrische Kreise, z. B. im Punkte 1, 2 und 3 nach v , w' z . Sodann errichte man in v , w , z die Normalen und mache man dieselben, also z. B. v v' , w w' , z z' gleich den Höhen g g ,' h h' , i i' ꝛc. ꝛc. Nach der angedeuteten Methode lassen sich die sämmtlichen zu dem halben Ellipsenbogen q gehörigen Höhen ermitteln, und außerdem auch die Bögen q 2 zum Raume D und q 3 zum Raume C nebst ihren An- läufen bestimmen.