(R: del. 1738. C. Fritzsch sculp Da, so im Thier-als Pflantzen-Reich, euch alles Gottes Wunder weise Ach! das ihr Gott darin nicht findet, euch Sein nicht freut, u. Ihn nicht pre is H rn. B . H . B rockes , Lt. Com. Palat. Cæs. Raths-Herrn der Stadt Hamburg, und Amtmanns zu Ritzebuͤttel, Jrdisches V ergnuͤgen in GOTT , bestehend in Physicalisch- und Moralischen G edichten . Sechster Theil. Nebst einer Vorrede zum Druck befoͤrdert von E . N . B rockes. Hamburg, Verlegts Christian Herold , 1740 . Vorrede. E ine Schrift, welche den Gruͤn- den unserer Religion, oder dem Besten der menschlichen Gesell- schaft zuwiderlaufende Dinge enthaͤlt, wird nur denen gefallen, welche mit dem Verfasser gleiche schlimme Meynungen hegen; oder in dem ungluͤckseligen Wahn stehen, man koͤnne das Licht seines Verstandes in nichts so sehr leuchten lassen, als in Beypflicht- und Vertheidigung solcher Dinge, welche der ver- nuͤnftigste Theil der Menschen verabscheuet, oder vielleicht denen, welche nicht vermoͤgend )( 2 sind, Vorrede. sind, den Zusammenhang einer Wahrheit einzusehen, und das Gute von dem Boͤsen zu unterscheiden. An Buͤchern, worin man keine andere, als solche Sachen findet, deren Jnhalt weder zur Besserung des Verstandes, noch des Willens, Anleitung giebt, werden nur dieje- nigen Vergnuͤgen finden, denen an keiner von beyden gelegen. Vernuͤnftige Menschen aber, welche sich ein Gesetz gemacht, nichts anzunehmen, als was sie, nach genauer Untersuchung, den un- umstoͤßlichen Wahrheiten der Religion, und denen Pflichten eines redlichen Weltbuͤrgers nicht entgegen zu seyn, erkennen, werden dergleichen Buͤcher zu keinem andern End- zweck lesen, als etwan um noch mehr einzuse- hen, wozu Menschen faͤhig sind, die sich eine Bewundrung zuzuziehen suchen, sollte es auch mit Hindansetz- und Versaͤumung aller dieser Pflichten geschehen. Sie werden bey Lesung derselben wuͤnschen, daß Verstand und Zeit zu nuͤtzlichern Dingen angewendet worden: Ja sie werden sich kaum enthalten koͤn- Vorrede. koͤnnen, mit Ueberschlagung vieler Blaͤtter das Ende zu suchen, oder sie halb ungelesen aus den Haͤnden zu legen. Hingegen hoͤren dergleichen vernuͤnftige Leser nicht auf, solche Werke hochzuachten, die uns Wahrheiten entdecken oder bekraͤfti- gen, durch welche wir auf Pflichten gefuͤhret werden, die wir dem hoͤchsten Wesen, dem ge- meinen Besten, unserm Naͤchsten und uns selber schuldig seyn. Die Wirklichkeit der Existenz des Schoͤp- fers uns zu zeigen, und zugleich dessen Ei- genschaften, benebst den Pflichten, wozu uns diese Erkenntniß fuͤhret, auf eine unlaͤugbare Weise aus seinen Werken-anbey zugleich vor- zustellen, wie genau unser Vergnuͤgen selbst damit verbunden sey, heißt ja wohl mit Recht, uns einen zugleich sichern und angenehmen Weg zum wahren Gottesdienst anweisen; Und ist unstreitig eine so nuͤtzliche als noͤthige Bemuͤhung. Leser von dieser Classe, welche solche be- traͤchtliche, nuͤtzliche und noͤthige Vorwuͤrfe lieben, haben theils in oͤffentlichen Schriften, )( 3 theils Vorrede. theils durch die begierige Aufnahme der fuͤnf ersten Theile des Jrdischen Vergnuͤgens in Gott, ihren besondern Gefallen, und dadurch zugleich bezeuget, daß es unter diejenigen Werke zu rechnen, deren Vorwurf und Ab- sicht sie wuͤrdig macht, mit Nutzen gelesen zu werden. Nun wird zwar bey einem Buche die gute Absicht allein, wenn deren Ausfuͤhrung unsern Verstand nicht zugleich ruͤhret, folg- lich auch unsern Willen nicht aͤndert, weiter nichts erhalten, als daß man das Verlangen des Verfassers, Nutzen zu stiften, billiget; zugleich aber wuͤnschet, daß ein anderer, der auch Geschicklichkeit genug besessen, demselben ein Genuͤge zu leisten, dieses Verlangen ge- heget haͤtte. Daß nun nicht allein die gute Absicht dieses Werks gebilliget werde, sondern auch zugleich die Ausfuͤhrung gerathen sey: Da- von giebt obermeldeter Beyfall so vieler Le- fer auch in diesem Stuͤcke einen zuverlaͤßigen Beweis. Eine Vorrede. Eine nuͤtzliche Wahrheit, die jemand zu bekraͤftigen verspricht, aber dazu keine Gruͤn- de vortraͤgt, die uns mehr bewegten, ihm bey- zupflichten, als wir vorher dazu geneigt ge- wesen, wird zwar an und fuͤr sich Wahrheit, aber auch der Leser eben derjenige verbleiben, der er vorher gewesen. Je deutlicher, je leichter und angenehmer eine Sache vorgetragen wird, je eher darf sich ein Verfasser versprechen, daß er seinen Endzweck erhalten werde. So noͤthig dieses uͤberhaupt, so unentbehrlich ist es denen, die das Herze ihrer Leser ruͤhren, und in ihnen eine Neigung, seinen Absichten gemaͤß, erwe- cken wollen. Eine Lehre, die uns bloß zeiget, was wir thun und unterlassen sollen, heißt eine trocke- ne Moral. Werden Gruͤnde hinzugefuͤget, die tuͤchtig genug sind, an der einen Seite, ei- ne Neigung zu einer Sache, die wir als uns nuͤtzlich und noͤthig ansehen, an der andern Seite einen Abscheu fuͤr einer andern zu er- regen, die wir uns schaͤdlich, und unserm wahren Besten hinderlich zu seyn erkennen: )( 4 So Vorrede. So ist die Sache ihrer Natur gemaͤß ausge- fuͤhret. Geschicht dieses auf eine ordentliche und angenehme Weise: So hat man sich da- bey nach den Neigungen derer bequemt, die man unterrichten will, durch einen Vortrag, der uns lebhaft vor Augen stellet, was wir daraus lernen sollen; sodann ist das Ange- nehme mit dem Nuͤtzlichen und Gruͤndlichen verbunden, und wird die Sache selbst um so viel staͤrker und leichter in unser Gemuͤthe Eindruck verursachen. Dem irdischen Vergnuͤgen wird man auch diese Vortheile verhoffentlich nicht ab- sprechen koͤnnen Ein Verfasser, der endlich alle seine Le- ser auf gleiche Weise unterhaͤlt, wird das Mis- vergnuͤgen haben, zu sehen, daß wenige davon sein Werk zum zweytenmale lesen, und noch weniger seines Unterrichtes sich bedienen werden. Jhre Gemuͤthsneigungen sind so unterschiedlich, als die Bildungen der Gesich- ter, und folglich wird einer anders beweget, als der andere. Daß Vorrede. Daß auch die Beobachtung dieser Regel zur Aufnahme des Jrdischen Vergnuͤgens vieles beygetragen, ist als unlaͤugbar von vielen vorgestellet. Sie geben zum Grun- de davon an, den Vorzug, welchen fast ein je- der dem angenehmen Wohlklang der Poesie vor dem ungebundenen verstattet, naͤchst dem, die unerschoͤpflichen Veraͤnderungen der Ge- genstaͤnde dieser Betrachtung, und der daher genommenen Bewegungsgruͤnde, da, wie sie sagen, ein jedes Gedichte auf eine andere Weise uns zu dem loͤblichen Endzweck fuͤhre; daß wir Gott aus seinen Werken erkennen lernen sollen, wodurch diejenigen, welche mit vielem Nachsinnen sich nicht behelfen koͤnnen, eine Sache aus dem ersten Anschauen, als eine solche, die uns zu dieser Erkenntniß fuͤh- ret, ansehen lernen; andere aber, durch Schluͤsse und Ueberlegung diese Wahrheit noch sicherer zu erkennen, Gelegenheit haben. Sie schreiben es endlich denen, wie sie es nen- nen, lebhaften, natuͤrlichen und angenehmen Ausdruͤckungen, Beschreibungen und gan- zem Vortrage dieses Werkes zu, daß es solchen Beyfall gefunden. )( 5 Eben Vorrede. Eben diese gute Aufnahme nun, und das Verlangen, auch andere, so viel moͤglich, im- mermehr von der Wahrheit, von der Noth- wendigkeit, von dem Nutzen und dem Vergnuͤ- gen zu uͤberfuͤhren, womit dergleichen Be- trachtungen verbunden, haben meinem Vater hauptsaͤchlich beweget, seine fortgesetzte Be- trachtungen herauszugeben, so wie das wirk- liche Vergnuͤgen, welches er fuͤr sich darinnen findet und die niemals mangelnden Vorwuͤrfe, daß er daran fuͤr sich arbeitet. Bin ich nun als ein Sohn des Verfas- sers, durch die oͤftere Auflagen dieses Werks, zum oͤftern erfreuet worden: So kann ich dennoch nicht bergen, daß ich nicht selten eine unertraͤgliche Unempfindlich- keit, auch von solchen Leuten, denen man es nicht zutrauen sollte, bemerket habe: Woruͤber ich denn zuweilen meinem Vater mein Misvergnuͤgen zu entdecken, mich nicht enthalten koͤnnen; welcher mir aber insgemein darauf zu antworten pflegte: Daß man daruͤber, daß die Copie ihnen nicht anstaͤnde, sich nicht verwundern koͤnn- te, Vorrede. te, da ja das herrliche Original ihres An- schauens nicht gewuͤrdiget wuͤrde. Es giebt mir nunmehro die Erlaubniß meines Vaters Gelegenheit, die Fortsetzung dieses Werks, welche den 6ten Theil des Jrdischen Vergnuͤgens in Gott ausmacht, dem geneigten Leser durch eine Vorrede zu uͤberliefern. Hiebey kann ich nicht umhin, oͤffentlich zu bezeugen, wie sehr ich diese Freude sowohl deswegen besonders statt finden lasse, weil ich mich einen Sohn des Verfassers nennen darf, als auch deswegen, welches ich mit andern gemein habe, weil ich zugleich ein Werk seinen Endzweck erreichen sehe, wel- ches ein jeder von ungemeinem Nutzen zu seyn erkennet. Um nun von dem Nutzen, der Absicht und dem Jnhalt sowohl dieses als anderer auf gleichen Endzweck abzielender Buͤcher, (unter welchen nebst Herrn Zellen erbauli- chem Buche, des beruͤhmten Herrn Doct. Trillers vortreffliches Werk vor andern nicht genug zu ruͤhmen) noch etwas zu er- waͤh- Vorrede. waͤhnen; wird der geneigte Leser mir erlau- ben, meine eigentliche Meynung mit wenigen anzuzeigen. Jst es wahr, wie es denn wohl nicht wird koͤnnen geleugnet werden, daß alle Dinge zwo Seiten haben? Jst es ferner wahr, wie man ebenfalls zugestehen wird, daß in der Welt gutes und boͤses auf eine bewundernswerthe Art verbunden; so ist es nicht weniger an dem, daß es nicht zu be- greifen, wie eine solche Menge Buͤcher in der Welt vorhanden, welche alles Bittere, Beschwerliche, Traurige, Widrige, Laster- hafte, Gottlose, was auf unserer Erden in der That vorhanden, mit einem andaͤchti- gen Fleiß heraus zu klauben, zusammen zu setzen, und eine so schreckhafte Abbildung von der Welt zu machen, sich bemuͤhen, daß, wo- fern der Menschen Seelen vor ihrer Geburt derselben ansichtig wuͤrden, und es in ihrer Willkuͤhr stuͤnde, hinein zu treten oder nicht, sie sich vermuthlich alle straͤuben, und keine mit gutem Willen in eine solche Moͤrderhoͤle, zu kommen, sich entschliessen wuͤrde. Wann Vorrede. Wann es nun aber eben so wenig zu leugnen, daß das wundersame Gebaͤude der Welt ein Geschoͤpf sey, nicht allein einer all- maͤchtigen und weisen, sondern auch einer liebreichen Gottheit; wann es ferner nie- mand in Zweifel ziehet, sie sey zu Gottes Eh- re geschaffen; wann es endlich eben so un- leugbar, daß es eine der wesentlichsten Eigen- schaften unsrer Seelen sey, sich nach einem Vergnuͤgen zu sehnen, und, dessen theilhaf- tig zu werden, sich begierig zu bestreben, ja man von dieser Eigenschaft zugeben muß, daß solche nicht anders, als eine von der Gott- heit selbst in sie gesenkte Faͤhigkeit, anzusehen: So ist es am unbegreiflichsten: Warum nicht mehrere Menschen sich vorlaͤngst be- muͤhet, auch das, nach Beschaffenheit der Welt, in derselben so haͤufig sich mit befin- dende wesentliche Gute, ebenfalls heraus zu ziehen, es zusammen zufuͤgen, und eine nicht weniger als jene nach dem Leben ge- malte Schilderey, zu Gottes Ehren, vorzustel- len; indem dadurch die menschlichen Seelen, Gottes Allmacht, Weisheit und Liebe, zu be- wun- Vorrede. wundern, sich selbst zu vergnuͤgen, Gott zu danken, und durch so ungezaͤhltes Gute geruͤh- ret, aus einer kindlichen Liebe und Erkennt- lichkeit, sich von Lastern abzuziehen, ohne Furcht der Strafe, Gott zu lieben, und ihm nach Vermoͤgen gefaͤllig zu leben, angefuͤhret, und zu den uͤbrigen Pflichten des Gottesdien- stes, nemlich einem wahren Glauben, desto- mehr zubereitet werden koͤnnten. Die Abwartung meines Studirens haͤlt mich gegenwaͤrtig von meinem Vater entfer- net. Jch habe also nicht Gelegenheit gehabt, diesen sechsten Theil selbst, ehe zu sehen, als diejenigen, denen ich ihn uͤberliefern soll. Ein Fremder in diesen Umstaͤnden wuͤrde vielleicht sagen, daß es auch dessen, imgleichen einer weitlaͤuftigen Vorrede, nicht gebraucht. Er wuͤrde den Leser auf die fuͤnf ersten Theile des Jrdischen Vergnuͤgens verweisen, und behaupten, daß sie ihm Erlaubniß geben, den- selben in dem sechsten sehr viel Gutes zu ver- sprechen; wenn, zumal die bestaͤndige Unter- suchung dieser Wahrheiten, dem Verfasser immer geschickter machen, darinn mehr zu ent- Vorrede. entdecken, als andere, die um dergleichen Be- trachtungen sich nicht sehr bemuͤhen. Jch weis nicht, ob es mir als ein wirkli- ches Verbrechen koͤnnte ausgeleget werden, wenn ich dabey bliebe, und zugleich glaubte, be- haupten zu koͤnnen, daß der Character eines Sohnes mich in so weit nicht hindern duͤrfe, auch oͤffentlich als wahr zu erkennen, was ich fuͤr mich so einsehe, wenn ich dem Urtheile so vieler großen Leute folge, die nicht gewohnt sind, was anders zu sagen, als was sie glau- ben, und die selbst nicht Ursache gehabt, et- was anders zu sagen; verhoffe einfolglich nicht zu irren, wenn ich dem Leser in der Fortsetzung dasjenige verspreche, was diesel- ben von den fuͤnf ersten Theilen bereits ge- meldet. Worinn sich indessen hauptsaͤchlich dieser Theil von denen andern unterscheidet, ist die- ses: Daß ein merkliches Stuͤcke desselben ei- nige Vorwuͤrfe aus dem Thierreich beschrei- ben und zeigen wird, wie wir auch da- durch Anleitung uͤberkommen, die mit so vie- ler Guͤte verbundene Weisheit eines so maͤch- )( )( tigen Vorrede. tigen Schoͤpfers zu erkennen, zu bewundern, und zu verehren. Jch schreibe mit Fleiß ei- nige Vorwuͤrfe, weil ich mich erinnere, ein ei- genes großes Werk unter den Haͤnden mei- nes Vaters gesehen zu haben, worinn er die drey Reiche der Natur ins besondere zu be- trachten, den Anfang gemacht, auch bey mei- ner Abreise schon ziemlich weit damit gekom- men war. Hier geschicht es bey Gelegenheit eines vortrefflichen Werks, worinnen der be- ruͤhmte Ridinger einen Theil von den uns bekannten vierfuͤßigen Thieren, in uͤberaus schoͤnen Kupfern, aus Licht gestellet, wovon er die Originalzeichnungen meinem Vater geschenket hat ꝛc. Wer die Wahrheit und den Nutzen sol- cher Betrachtungen einsiehet, wer ein Ver- langen hat, durch eine vernuͤnftige Zueignung irdischer Vergnuͤglichkeiten, sich zum Schoͤp- fer zu machen, der wird ohne Zweifel ein Ver- gnuͤgen daruͤber empfinden, daß dieselben fort- gesetzet werden, und zugleich wuͤnschen: Daß durch ein langes Leben und bey erwuͤnschter Gesundheit erhaltenen Kraͤften des Leibes und Vorrede. und des Gemuͤthes, der Verfasser in den Stand gesetzet werden moͤge, die darinn ent- haltene Wahrheit noch ferner, so viel moͤglich, in ihr Licht zu setzen. Mit diesem herzlichen Wunsch, mit welchem der geneigte Leser den seinigen verhoffentlich zugleich verbinden wird, empfehle ich mich dessen Gewogenheit. E. N. Brockes. )( )( 2 Eil- Eilfertige, doch wohlgemeynte poetische Gedanken, uͤber den sechsten Theil des Brockesischen Jrdischen Vergnuͤgens in GOTT . nemesianvs, Eclog. I. Namque fuit dignus ‒ quem Carmine Phoebus, Pan Calamis, fidibusque Linus, modulatibus Orpheus Concinerent, atque acta Viri laudesque sonarent. N Un faͤhrst Du, großer Brocks, in Deinem Fleiße fort, Noch hoͤrest Du nicht auf, die Menschen zu erbauen, Da wir den sechsten Theil von Deinen Liedern schauen, (Denn ein besondres Werk ist noch Dein Kindermord,) Fuͤnf Theile hat man schon vom irdischen Vergnuͤgen, Zu diesen willst Du noch den sechsten ruͤhmlichst fuͤgen. W Ie unerschoͤpflich reich ist Dein begabter Geist! Du kannst mit allem Recht hier einem Brunnen gleichen, Je mehr man Wasser schoͤpft; je mehr pflegt er zu reichen, So, daß der Ueberfluß sich taͤglich staͤrker weist, Und weil er dergestalt sich immer zu vergroͤßert, Zuletzt ins Freye stroͤmt, und Feld und Auen waͤssert. Zwar Z war manche schreiben viel, und doch nicht gut dabey; Sie fangen feurig an, und pflegen matt zu enden. Doch bey Dir ists nicht so; das Werk von Deinen Haͤnden Jst unveraͤnderlich, bleibt immer einerley. Du kannst, dem Caͤsar gleich, nichts schlecht u. niedrig sagen, Indocilis priuata loqui, spricht dort sehr sinnreich von dem Julius Caͤsar der treffliche Poet, Lucanus, Lib. V. Pharsal. v. 539. Denn alles ist voll Geist, was Du uns vorgetragen. E s ist stets ein Gedicht von Dir dem andern gleich, Erhaben, praͤchtig, stark, scharfsinnig, auserlesen, Voll Andacht, Geist und Kraft, und ungemeinem Wesen, An Worten schoͤn geschmuͤckt, und an Erfindung reich. Man laß den Namen weg: So will ich doch fast schwoͤren, Daß ich die Lieder weis, die Brocksen zugehoͤren. D er Nutzen, den bisher Dein trefflich Werk gestift, Jst unbeschreiblich groß. Von den erhabnen Thronen Zum Adel, Buͤrgerstand, und niedrigern Personen, Von beyderley Geschlecht liest jedes Deine Schrift. Noch mehr, man hat sie gar der zarten Jugend wegen Jn Schulen eingefuͤhrt, die Andacht einzupraͤgen. G ewißlich, saͤhe man der Leser große Schaar; Man wuͤrde fuͤr der Zahl beynah erstaunen muͤssen, Und wegen Vielheit kaum sie auszurechnen wissen, Vornemlich, da Dein Buch oft aufgeleget war. Viel tausend, tausend sind durch Dich erweckt, belehret, Getroͤstet, aufgericht, erbauet und bekehret. )( )( 3 Jn J n Schweden, Daͤnnemark, in Holl- und Engeland, Jn Ungarn, Schlesien, und wo die Liljen glaͤnzen, Ja in Siberien, und Rußlands weiten Graͤnzen, Jst Deine Poesie, beruͤhmter Brocks, bekannt. Und was? Jst sie doch gar nach Jndien gekommen, Wenn mancher Reisender sie mit zu Schiff genommen. W o Alexander zog, da war auch stets Homer; So pfleget auch Dein Buch der tapfre Prinz von Hessen, Wenn er zu Felde geht, nicht leichtlich zu vergessen; Er fuͤhrt mit einer Hand sein Sieg-gewohntes Heer; Doch in der andern liegt dein irdisches Vergnuͤgen, Und Du begleitest ihn auf seinen Heldenzuͤgen. D ahero bleibet Dir die ganze Christenheit, So fern sie sich erstreckt, hoͤchst dankbarlich verbunden, Daß Du die Dir von Gott geschenkten Nebenstunden Der Andacht bis anher so heilsamlich geweiht: Viel Priester haben nicht so viel, als Du, erbauet, Hat Dir die Vorsicht gleich kein geistlich Amt vertrauet. E in Tadler trete her, und schelte meinen Satz! Die Wahrheit spricht fuͤr mich, drum darf ich nicht erroͤthen, Du bist der christlichste und beste der Poeten, Und Deine Lieder sind ein unschaͤtzbarer Schatz. Nie hat noch ein Poet, mit seiner deutschen Zungen, Den Schoͤpfer der Natur so schoͤn, als Du, besungen. Jch J ch schreibe, was ich weis, und was mein Herze meynt, Und was auch neben mir viel hundert sagen muͤssen. Sind viel auch stumm vor Neid, bejaht doch ihr Gewissen Von innen, was der Mund von aussen frech verneint. So sind die Feinde selbst, durch ihr gezwungnes Schweigen, Von Deinem Werth und Ruhm, auch stum̃, beredte Zeugen. D u weist, ich ruͤhm Dich nicht, von Dir gelobt zu seyn, (Hast Du mein schlecht Verdienst gleich guͤtig oft erhaben,) Viel minder ruͤhm ich Dich, aus Absicht deiner Gaben, Dieß waͤr vor Dich und mich zu niedrig und gemein. Denn bin ich schon nicht reich: So kann doch niemand sagen, Daß ich ein hungrig Lob ums Geld je feil getragen. V on langen Zeiten her erheb ich Deinen Werth, Doch funfzehn Jahre sinds, seitdem wir uns vereinet; Von dar an hast Du es mit mir stets treu gemeynet, Und mir Dein edles Herz in manchem Brief erklaͤrt; Jch hab auch mich bestrebt, daß ich so großer Ehre, Ein Freund von Dir zu seyn, nicht ganz unwuͤrdig waͤre. S o lange sich in mir ein lauer Athem regt, Werd ich Dein groß Verdienst mit Ehrfurcht stets betrachten. Die Spoͤtter moͤgen Dich beneiden, mich verachten; Bleibt Dein Gedaͤchtniß mir doch heilig eingepraͤgt. O wollt es mir nur auch ein einzigmal noch gluͤcken, Dich selbsten von Person dereinsten zu erblicken! Wer W er weis, was noch geschicht; zum mindsten wuͤrde mir Ein so gewuͤnschter Tag die groͤßte Freude geben, Und Deine Gegenwart mich gleichsam neu beleben; Waͤr ich, beruͤhmter Brocks, nur kurze Zeit bey Dir, Wie wuͤrde denn mein Geist erweckt und aufgerichtet, Den weisen Mann zu sehn, der so viel Guts gedichtet! J ndessen ruf ich Dir viel Gluͤcks von Herzen zu, Bey diesem abermal begluͤckt-vollbrachten Werke; Der Himmel schenke Dir in Zukunft Kraft und Staͤrke, Gesundheit, Freudigkeit, Trieb, Muße, Zeit und Ruh, Daß Du im Stande seyst, durch noch viel solche Schriften Dir und der Christenheit so Ruhm, als Nutz, zu stiften. E r, welcher Dich allhier zum Werkzeug ausersehn, Um die verstockte Welt vom Schlafe zu erwecken, Laß Deines Lebens Ziel sich weit hinaus erstrecken, Und Deinen Todesfall noch lange nicht geschehn; Deñ schwerlich wird die Welt, wenn man Dich spaͤt begraben, (Ach irrt ich diesesmal!) einst Deines gleichen haben. Dieses schrieb in besserer Herzensmeynung, als Versen, des hochberuͤhmten Herrn Verfassers getreuester Freund und gehor- samster Diener, Daniel Wilhelm Triller. Phil. ac Med. D. \& Archiatr. Nassov. Jrdi- Jrdisches V ergnuͤgen in GOTT . Sechster Theil. Gottes Tempel. M ein und aller Dinge Schoͤpfer! Da ich hier im Garten gehe, Und, im Feld, in Fluth, und Luft ungezaͤhlte Wun- der sehe, Auch, daß ihrer aller Wesen bloß aus dir entsteht, verstehe: Trifft mich dein darinn erblickter Weisheit, Lieb’ und Allmacht Stral, Es entsteht in meiner Seelen Lust und Ehrfurcht auf einmal. Jch seh unser Weltgebaͤude, und zugleich den Sternaltan, Als ein wuͤrdigs Haus des Hoͤchsten, und als einen Tempel an, Welchen Gottes Majestaͤt, ob gleich unserm Blick verhuͤllet, Und nicht sichtbar unsern Augen, dennoch wesentlich erfuͤllet. Dieses Tempels Groͤß allein, kann der Gottheit Groͤß erheben, Und, von dem, der ihn bewohnt, einen wuͤrdgen Eindruck geben. Jn dem Wundertempel seh ich, dem, der ihn gebaut, zur Ehre, Jn den Millionen Sonnen, Millionen Lob-Altaͤre, Die zum Ruhm des Schoͤpfers brennen. Da der Zwischenstand von ihnen so entsetzlich groß und weit: Zeigt es uns des Tempels Groͤß und desselben Herrlichkeit. A 2 Waͤr Gottes Tempel. Waͤr ein’ abgeschoßne Kugel mehr, als 24 Jahren, Ungehemmt und unveraͤndert, in geradem Strich, gefahren; Waͤre sie doch an den Ort, wo der Sonnen Feuer prangt, Von dem Kreise dieser Erde, lange noch nicht hingelangt. Welch ein Abstand! welch ein Raum! zu dem naͤhesten Altare! Aber laßt uns in dem Tempel noch im Geiste weiter gehn, Und den ungemeßnen Abstand zu der andern Sonne sehn! Waͤr es moͤglich, daß die Kugel sechsmal hundert tausend Jahre, Jn bestaͤndger Schnelligkeit, stets gerade vor sich floͤge; Wuͤrde sie (o! aller Groͤße uͤbergehnder Wunderraum) Dennoch zu dem ersten Fixstern, als der andern Sonne, kaum, Hin- und angelanget seyn. Kaum erlaubt mir hier der Schrecken, Daß es seit- und unterwerts, ja so weit sey, zu entdecken. Großer Gott! von deiner Groͤße wird, durch kein so wuͤrdig Bild, Als durch dieses Tempels Groͤße, die erstaunte Seel erfuͤllt. Dieser soll mein Tempel seyn, hier will ich, Dich anzubethen, Mit Erstaunen, Lust und Ehrfurcht, mich bemuͤhn, vor Dich zu treten. Heilige Bewunderung will ich Dir zum Weihrauch streun, Und voll Lob, in Lieb entbrannt, will ich selbst das Opfer seyn. Lieb- Liebliche Fruͤhlings-Vorwuͤrfe. Liebliche Fruͤhlings-Vorwuͤrfe. W ie ist von allem, was wir sehn, Das Schoͤne doch so wunderschoͤn! Was man an allen Orten schaut, Bey dem entwoͤlkten Fruͤhlings-Wetter, Jst glaͤnzend Laub, durchlaͤuchtigs Kraut, Sind hell illuminirte Blaͤtter, Jst bunte, ganz durchstralte, Bluͤht, Sind Blumen, die sich, wie Opalen, Mit Schimmer mehr, als Farben, malen, Worauf der Thau des Morgens gluͤht, Als waͤr, von Demant und Krystallen, Ein ungezaͤhltes Heer von Kugeln drauf gefallen. Das Feld, so weit der Blick sich streckt, Hat ein smaragdnes Gruͤn bedeckt, Der Hoffnung schoͤnste Liberey: Sie zeigt vorher, was fuͤr ein Schatz, Von dem so weit-als schoͤnen Platz Jm Weizen, zu gewarten sey. Da denn, von zarter Halmen Spitzen, Worauf der Sonnen Blicke blitzen, Das Spielen fast nicht anders laͤßt, Als ob der Zephyr und der West, Um ihren Halm hervor zu ziehn, Recht in die Wette sich bemuͤhn, Es hin und wieder sanft zu wiegen, Es oͤfters hin und her zu biegen. A 3 Dieß Liebliche Fruͤhlings Vorwuͤfe. Dieß nuͤtzliche Bemuͤhen ist zugleich Fuͤr uns an Lieblichkeit und Anmuth reich, Da, wenn sich ihr bestralter Schmelz beweget, Es unserm Blick besondre Lust erreget; Wodurch, indem das reine Licht Auf ihnen wallt, und stets sich bricht, Durch ein bestaͤndig sanftes Spielen, Wir eine Lust, durchs Auge, fuͤhlen, Die uns dabey zugleich verspricht, Jm bald’gen Rascheln reifer Aehren, Die Lust, durchs Ohr, noch zu vermehren. Man sieht itzt uͤberall mit Freuden, Jn gruͤnem Sammt, sich Thal und Huͤgel kleiden. Es schmuͤcket sich das niedre Land; Es kraͤnzen sich der Berge Gipfel; Es zieret sich der duͤrre Sand; Es kroͤnen sich der Baͤume Wipfel; Es bricht ein allgemeiner Flor, Bebluͤmt, itzt uͤberall hervor; Und wo wir gehen, wo wir stehen; Wohin wir hoͤren oder sehen, Trifft Ohr und Auge Vorwuͤrf an, Wodurch man unsern Gott erhoͤhen, Und seiner Huld sich freuen kann. Faͤllt jetzt von ungefaͤhr ein Regen, Mein Gott! was faͤllt darinn vor Seegen! Was vor ein Trank, der das ernaͤhrt, Was uns hernach die Kost beschehrt. Wie fließt, in solchem Ueberfluß, So Thier als Pflanzen zum Genuß, Das Seegens-Naß jetzt uͤberall! Wenn Liebliche Fruͤhlings-Vorwuͤrfe. Wenn nun darauf des Himmels Licht Durch die zerstuͤckten Wolken bricht; So scheint von glaͤnzendem Krystall, Worinn die Sonne Farben praͤget, Laub, Garten, Wald und Feld beleget, Wodurch man alles, was da bluͤhet, Jm fast durchlaucht’gen Schimmer siehet. Jst es denn moͤglich, daß die Welt Dem, der sich vor vernuͤnftig haͤlt, Jn solchem Stande nicht gefaͤllt, Und er den, der ihm alles giebet, Nicht ehret, preiset, lobet, liebet? A 4 Man- Mancherley Vergnuͤgen an Blumen. Mancherley Vergnuͤgen an Blumen. D ie guͤtige Natur, damit der Kreis der Erden Dem Menschen moͤcht ein lieblich Wohnhaus werden, Beschloß, um ihn recht herrlich auszuzieren, Zu seiner Augen Lust, die Blumen zu formiren. Ein’ ungezaͤhlte Zahl Figuren ward erdacht, Und all’ in anderer gefaͤrbten Zierlichkeit, Jn unterschiedlicher Vollkommenheit, Gebildet und hervorgebracht. Sie war noch nicht vergnuͤgt; sie wollte mehr noch schenken; Und, um noch einen Sinn der Menschen zu vergnuͤgen, Noch eine Wundergab in ihre Blumen senken, Und den balsamischen Geruch, zur Schoͤnheit, fuͤgen. Noch mehr, auch zum Gefuͤhl, ward von ihr auserlesen Ein Stoff, der uns vergnuͤgt. Ein holdes kuͤhles Wefen Ward diesem lieblichen Geschoͤpf noch einverleibt, Das sich an unsre Haut, nicht sonder Anmuth, reibt, Und eine kuͤhle Kraft in Hirn und Lunge treibt. Es sey im Sommer noch so schwuͤhl; So sind der Blumen Blaͤtter kuͤhl. Und so vergnuͤgt sie uns Gesicht, Geruch, Gefuͤhl. Ja, wenn man weiter geht; so wird man noch entdecken, Daß wir in vielen gar was wirklich suͤsses schmecken, Ohn was in ihr annoch fuͤr Honig-Schaͤtze stecken. So ist denn offenbar, daß durch der Blumen Heer Die Seelen, nicht durch einen Sinn allein, Annoch durch mehr, Und gar durch ihrer vier vergnuͤget seyn. Jst jedes Sinnes Lust denn wenigstens nicht werth, Daß man durch ein Gott-Lob davor den Schoͤpfer ehrt? Auf- Aufmunterung zum Vergnuͤgen ꝛc. Aufmunterung zum Vergnuͤgen im Fruͤhling. D u hast mich, Herr, die schoͤne Zeit, Da alles voller Lieblichkeit, Die nicht zu zaͤhlen, nicht zu fassen, Jetzt abermal erleben lassen. Jch lobe dich und danke Dir, O aller Gnaden Quell! dafuͤr. Da ich die Wunder deiner Werke, Mit Lust, aufs neue sehen kann: So beth ich Dich in ihnen an; Weil ich, in ihnen, Dich bemerke. Du zeigst, in der Geschoͤpfe Pracht, Nicht nur die Groͤße deiner Macht; Du zeigest deiner Weisheit Licht, Und auch die Flammen deiner Liebe. Wer ruͤhmet, lobt und preiset nicht Des Schoͤpfers vaͤterliche Triebe, Da er, nicht unsern Seelen nur, Empfindung von der Creatur, Auf eine Weis’ allein, geschenket: Fuͤnf Arten hat er unsern Seelen, Sich mit denselben zu vermaͤhlen, Voll suͤsser Wollust, eingesenket, Und jeder (moͤcht man es doch fassen) Hat er, o Wunder! aller Orten Von Vorwuͤrf’ hundert tausend Sorten, Auf dieser Erde werden lassen. A 5 Die Aufmunter. zum Vergnuͤgen im Fruͤhling. Die alle werden noch im Lenzen, Durch der jetzt nahen Sonne Glaͤznen, Verjuͤngt, verschoͤnert und vermehrt, Jndem sie uͤberall entspriessen: Uns wird so gar, sie zu geniessen, Jm Fruͤhling neue Kraft beschehrt. Jst alles dieses denn nicht werth, Daß, da wir so viel schoͤne Gaben Von ihm, zur Lust, empfangen haben, Man Gott in unsrer Lust verehrt? Und kann wohl was betruͤbters seyn, Als daß wir, eh’ wir, wie wir sollen, Dem Schoͤpfer unsre Freude zollen, Wir lieber fuͤhllos, wie ein Stein, Als froh seyn, und Gott ehren wollen! An- Anmuthige Vorwuͤrfe der Sinnen ꝛc. Anmuthige Vorwuͤrfe der Sinnen im Fruͤhling. D as Tschwitschern der Voͤgel, das Sumsen der Bienen Vergnuͤgt die Seele, durchs Gehoͤr. Das Schmelzwerk der Blumen, im glaͤnzenden Gruͤnen, Vergnuͤgt sie durchs Gesicht noch mehr. Durch riechen erquicket ein achtsam Gemuͤthe, Mit einem recht ambrirten Duft, Der Baͤume theils weisse, theils roͤthliche Bluͤhte, Und ziert zugleich die heitre Luft. Sie werden, durch liebliches Blasen der Winde, Bald sanft erhoͤht, bald sanft gesenkt, Und als ein gefuͤlletes Rauchfaß gelinde, Voll Anmuth, hin und her geschwenkt. Es netzen die Zungen fuͤß-saͤurliche Saͤfte Von mancher Frucht, die jetzt schon reift, Jn welchen der kuͤhlend- und naͤhrenden Kraͤfte Verband so Nutz als Anmuth haͤuft. Das lieblich gemilderte spielende Streicheln Der Luft, die jetzt bald lau, bald kuͤhl, Erwecket mit wallendem Saͤuseln und Schmeicheln, Der Haut ein angenehm Gefuͤhl. Da sich nun im froͤlichen Fruͤhling hienieden So manche Freude zu uns lenkt, Die uns der allmaͤchtige Schoͤpfer beschieden: So danket Gott, der sie uns schenkt. Die Die Froͤsche. Die Froͤsche. J uͤngst hoͤrt ich von neuen dem lauten Gewaͤsche, Dem quarrenden Knarren geschwaͤtziger Froͤsche, Jn ihrer ungestoͤhrten Ruh, Mit einiger Betrachtung zu. Mich deucht, daß ihr verwirrt und mancherley Geschrey, Jn etwan fuͤnf bis sechserley, Und mehr Veraͤndrungen nicht, einzutheilen sey. Der groͤßte Haufe scheint, auf Menschen Art, zu murren, Und, uͤm ein Nichts, zu laͤrmen und zu knurren. Verschiedne sagen: Merks. Und diese kommen mir Als Philosophen fuͤr. Mit unbescheidnem Trotz, schien mancher, als ein Lehrer, Mit einem schaͤrfern Ton, sich uͤber seine Hoͤrer, Durch nichts, als strengern Schall, sich eifrig zu bestreben, Hervor zu thun und zu erheben; Sie schienen mit Gewalt, die andern zu belehren, Und mit der Lungen mehr, als des Verstandes Kraft, Verschiedner Sachen Eigenschaft, Mit gruͤndlichem Bericht, den Hoͤrern zu erklaͤren; Wovon doch, wie es ließ, verschiedne laͤngst gefunden, Daß die so wohl, als sie, von allem nichts verstunden. Ein kurz, doch hell Gequick, als ein Gepfeif, entfuhr Verschiednen hier und dort. Dieß ließ, als wenn sie nur Mit jenen, daß sie sich zu sehr erhuͤben, Ein laut Gespoͤtte trieben. Noch andre schienen mir, mit unbesorgtem Lachen, Jm warmen Sonnenstral, recht lustig sich zu machen. Und diese Saͤnger kamen mir, Von allen, als die Kluͤgsten, fuͤr. Die Die weisse Hyacinth. Die weisse Hyacinth. M ich deucht, daß ich, bey deinem Schnee; Annoch ein Ueberbleibsel seh Vom Schnee, der nun Gottlob vorbey. Es scheint, du wollst, im neuen Gruͤnen, Uns zur Erinnerung noch dienen, Daß Plag und Frost vergangen sey; Jndem uns die Erfahrung lehrt, Daß ein vergangener Verdruß Jm Gegensatz noch den Genuß Des gegenwaͤrtgen Guten mehrt. Die Die blaue Hyacinth. Die blaue Hyacinth. J ch stell, in meiner Farben Zier, Die Himmel-blau, den Himmel fuͤr. Jn meiner Form, da sie so schoͤn, Laß ich die Stern auf Erden sehn. Ach moͤchtet ihr, in meinen Sternen, Den Herrn der Sternen kennen lernen! Wenn du auf mich die Blicke lenkest, Wie daß du nicht an den gedenkest, Der mich fuͤr dich hervorgebracht! Euch zeigt unstreitig meine Pracht, Die richtige Beschaffenheit Von meinem Bau, die Lieblichkeit Der Farben, des Geruchs, die bloß fuͤr dich bereit; Daß ich mich selber nicht erdacht, Daß ich mich selber nicht gemacht. Kaͤi- Die Kaiser-Krone. Kaiser-Krone. J ch sehe dich Gottlob zusammt dem neuen Lenzen, Geliebte Blum, aufs neue glaͤnzen, Dich, die dein’ auserlesene Pracht Zur Blumen Kaiserin, dem Namen nach, gemacht. Jch habe dich zwar, daß du schoͤn Vom Finger der Natur formiret, Mit vieler Lust oft angesehn; Jch hab auch, uͤber dich, moralisiret: Doch hab ich dich, wie ich dich jetzo sehe, Und worinn deine Pracht denn eigentlich bestehe, Wie du so sonderlich geschmuͤckt, Noch nicht mit Achtsamkeit, gebuͤhrend angeblickt; Noch wie dich die Natur so hoch empor getrieben, Nicht deinen Bau, nicht Farb und Form beschrieben, Die doch fast mehr, als andre Blumen, werth, Daß man, in ihrer Zier, und praͤchtigen Figur, Von einem weisen Zweck, ein’ Absicht der Natur, Ganz uͤberzeuglich merkt, und den bewundernd ehrt, Der, in so zierlichen Geschoͤpfes Schmuck und Pracht, Ein uͤberzeuglichs Stuͤck, ein Merkmaal seiner Macht, Und seiner weisen Lieb, an uns zugleich gewiesen. Der Schoͤpfer wird demnach in dir mit Recht gepriesen. Was man an dir erblickt, erhabne, schoͤne Blume, Gereicht dem, der dich schuf, und bildete, zum Ruhme. Wenn man die Augen auf dich schlaͤgt, Die schoͤne Symmetrie von deinem Bau erwegt, Die- Die Kaiser-Krone. Dieselbige des Denkens wuͤrdig achtet, Und, da du so betraͤchtlich, dich betrachtet, Mit einer billigen und schuldgen Achtsamkeit; Erblicket unser Geist, in der Vollkommenheit Der Farben und Figur, die dein Gewaͤchse zieren, Pracht, Ordnung, Absicht, Zweck, die voͤllig uͤberfuͤhren, Dein Wesen stamm’ aus keinem Ungefehr, Von keinem blinden Fall, ohn Ueberlegung, her. Nein, daß ein maͤchtiges und weises Wesen Dich, nebst so vielen Blumen mehr, Zur Absicht unsrer Lust, und seiner Ehr, Als ein schoͤn Werkzeug hab erlesen. Nun wuͤnscht ich, daß ich faͤhig waͤr, Die Art, wie sie sich aufwerts treiben, Wie jede sich, mit allem, was sie ziert, Allmaͤhlig aus der Erd’, und in die Hoͤhe fuͤhrt, Recht uͤberzeuglich zu beschreiben! Doch will ich, daß ich nichts, als was ich seh, Daran recht eigentlich versteh, Bekennen und gestehn, und die Materie An denen, die es besser fassen, Zu untersuchen uͤberlassen. Jch will, wie ich gewohnt, an euren aͤussern Schaͤtzen, Die sinnlich, Gott zum Ruhm, mich bloß allein ergoͤtzen. Am Fuß von deines Stiels so hoch erhabner Stangen, Die an sich so betraͤchtlich, siehet man Der breiten Blaͤtter glaͤnzend Prangen, Jn Regel-rechter Symmetrie, Und netter Ordnung abwerts hangen, Wodurch ich sie, Jn einer sanft-gebognen Ruͤnde, Daß Kaiserkrone. Daß sie, am Form dem Palmbaum gleichen, finde, Aufs mindst in ihr ein Bild, das einer Aloe, Die Jndien uns schenkt, recht praͤchtig aͤhnlich seh. Sehr zierlich ist ein jedes Blatt, Sehr schoͤn von Farben, und so glatt, Daß, wenn zumal der Sonnen Licht Darauf mit seinen Stralen scheinet, Man anders nicht, Als ob sie ganz versilbert, meynet. Der Blaͤtter Rang ist recht verwunderlich, Sie heben wechselsweis, uͤm ihren Stengel sich, Woran er anfangs fest, wodurch wir ihn, Da er sonst roͤthlich braun, in seiner Mitte gruͤn, Vergnuͤgt gefaͤrbet sehn, nachher sich abwaͤrts biegen, Bis das die obersten so ordentlich sich fuͤgen, Daß sie, um ihren Stamm noch desto mehr zu zieren, Recht einen netten Kranz formiren. Aus dieses Kranzes gruͤnen Mitten, Sieht man den roͤthlich braun, polirten, glatten Stiel, Als waͤr er aus Agat geschnitten, Von neuen wiederum in schlanker Hoͤhe steigen, Und oben eine Kron, von rothen Blumen zeigen, Die Tulpen gleich, nur daß sie nicht erhaben auf der Stangen, Wie jene, sondern all’ herabwerts hangen, Und zwar auf eine nette Weise, Jn einem zirkelrunden Kreise. Da selbst der Rang, den sie dadurch formiret, Sie, ja so wohl an Form, als Farben, zieret. Die Farb an dieser Blum ist zwar nicht brennend schoͤn, Wie wir auf vielen Blumen sehn, Br. VI. Th. B Jn- Kaiserkrone. Jndem ihr gelb- und roͤthliches Gepraͤnge, Von einer dunklen Adern Menge Durchflochten, uns sich zeigt, in nett gedaͤmpfter Pracht, Wodurch der Farben, sonst vermuthlich, heller Licht Sich zwar in etwas bricht, Doch eine suͤsse Mischung macht. Sechs lange gelb-bestaͤubte Staͤnglein sitzen Jn ihrer Mitt, um ihrer Samen Spitzen, Die oben dreyfach sich getheilet zeigt, Und laͤnger, als die ander’, aufwerts steigt. Was das Bewunderns-wuͤrdigste, So man an dieser Blum erblicket, Jst, daß ich halb erstaunet seh, Wie sich ihr Jnnerstes mit Perlen schmuͤcket, Da, auf der innern Seit, ein jedes Blatt, An Glanz, Figur und Farb, ein’ eigne Perle hat. Was dieses nun bedeuten muͤsse, Und was derselben Endzweck sey, Gesteh ich frey, Daß ich dasselbige nicht wisse. Es koͤmmt mir ihre weiss- und runde Zier, Wie Perlen bald, und bald als Thraͤnen fuͤr. Als Perlen schien derselben helle Ruͤnde, Als ob in schwarzem Schmelz, sie eingefasset stuͤnde. Dieß schien mir, von gekroͤnter Haͤupter Leben, Ein lehrend Sinnbild abzugeben, Daß selber ihrer Kronen Pracht, Gar oft in schwarzer Sorgen Nacht, Und einem Trauerflore stecket. Seh ich sie denn, als Thraͤnen, an: So deucht mich, daß man schliessen kann, So Kaiserkrone. (Jndem man, daß sie suͤß sind, schmecket) Daß man Lust, Truͤbsal, Freud und Leid, Jn ihrer bittern Suͤßigkeit, Und Lust und Last, in ihrem Stand’ entdecket. Noch ist die Blumenkron aufs neu, Mit einen gruͤnen Busch, gezieret und bekraͤnzet, Wodurch sie schoͤner prangt und glaͤnzet, Als jede Blum in Floren-Reich, Und ist gewiß, an Pracht, ihr keine Blume gleich. Jch habe dich denn nun, geliebte Blume, Nach deinem aͤussern Schmuck, betrachtet, Und abermal, zu unsers Schoͤpfers Ruhme, Sein’ Absicht, Weisheit, Macht und Lieb, in dir, beachtet. Gott-Lob! daß ich dich so gesehn! Gott Lob! daß der, der dich so wunderschoͤn, Gefaͤrbet und formiret, Durch dich, mich selbst, zu sich, gefuͤhret! Ach moͤcht ich, ihm zum Ruhm, jemehr und mehr geruͤhret, Durch froͤhliche Betrachtung ihn, Und seine Lieb und Macht, die sich darin verbinden, Jn seiner Creatur zu fuͤhlen und zu finden, Durch alle Sinnen mich bemuͤhn! B 2 Zwo Zwo lehrende Bienen. Zwo lehrende Bienen. N eulich sah ich, mit Vergnuͤgen, Eine kleine Biene fliegen, Die sich auf ein Bluͤmchen setzte, Und in seinem suͤßen Saft, Voller Balsamreichen Kraft, Jhre kleine Zunge netzte. Jhrer Arbeit dacht ich nach, Bis ich zu mir selber sprach: Mich deucht, daß ich in deinem Werke Und deinem Wesen, kleines Thier, Ein Wunder der Natur verspuͤr, Ja selbst den Schoͤpfer in dir merke. Drauf nun duͤnkte mich, ich hoͤrte, Wie von ihr, in sanftem Brummen, Ein nicht unverstaͤndlich Summen Mich ermahnet’, und belehrte, Welches mir fast ja so klar, Und fast ja so deutlich klunge Als wenn es, von einer Zunge, Ordentlich gesprochen war. Du thust sehr wohl, daß du mich achtest Und, in mir, dessen Macht betrachtest, Der dich, und mich erschaffen hat. Wie viel in der Natur verborgen, So ihr, mit allen euren Sorgen, Nicht findet, zeig ich in der That. Wem Zwo lehrende Bienen. Wem wird es wohl von euch gelingen, Nur zu dem Denken zu gelangen, Aus Blumen Honigseim zu bringen, Noch minder, wie es anzufangen? Hieraus nun koͤnnt ihr deutlich sehn, Daß alle menschliche Gedanken, Jn sehr viel eingeschraͤnktern Schranken, Als ihr euch uͤberredet, stehn. Jhr wuͤßtet, ohne meine Lehre, Nicht, ja nicht die geringste Spur, Daß uͤberall, in der Natur, Ein Honigseim verborgen waͤre. Wie viel euch unbekannte Saͤfte; Wie viele Millionen Kraͤfte, Die euren Witz verborgen seyn, Schließt die Natur vermuthlich ein! Drum lernet wenigstens, von mir, Trotz eurem Uebermuth, daß ihr, Euch ja nicht uͤberheben muͤsset, Und, wo nicht nichts, doch wenig wisset, Ein’ andre Biene saß dabey, Und schien in ein vertieftes Denken, Sich recht mit Vorsatz, zu versenken. Jndem ich sie nun ernstlich fragte, Was ihrer Sorgen Ursach sey: So deucht mich, daß sie zu mir sagte: „Jch weis, ich bin ein kluges Thier, „Das muͤßt ihr Menschen selbst gestehen, „Und darum eben sitz ich hier, B 3 „Und Zwo lehrende Bienen. „Und such, aus edler Ehrbegier, „Das, was du denkest, einzusehen. Jch lacht, und sagte dieß zu ihr: Liebe Biene, laß es bleiben, Deinen Witz so weit zu treiben, Es ist nur vergebne Muͤh. Darauf, deucht mich, sagte sie: „Hoͤr, so laß auch du es bleiben, „Deinen Witz so weit zu treiben, „Wenn, mit eitlem Stolz erfuͤllt, „Du, was Gott sey, wissen willt; „Weil es lang so thoͤricht nicht, „Was durch mich, von euch, geschicht, „Als wenn ihr vermeynt zu finden, „Was des Schoͤpfers Wesen sey, „Und, voll eitler Schwaͤrmerey, „Thorheit und Vermessenheit, „Jhr euch wollet unterwinden, „Was in aller Ewigkeit „Unergruͤndlich, zu ergruͤnden. Aus- Ausserordentliche Kaiserkrone. Ausserordentliche Kaiserkrone. V or allen andern Kaiserkronen, besonders reiche Kaiser- krone, Du bist ja wohl bewunderns-werth! Da aller andern Schmuck und Pracht, Jn einer Zahl gefaͤrbten Blumen, von etwan sieben oder acht, Wenns hoch koͤmmt neun bis zehn besteht; sieht man an deines Stengels Throne, Auf eine nie gesehne Art, derselben sechs und dreyßig hangen. Anstatt daß andrer Stengel Blaͤtter, wenns hoch koͤmmt, an die vierzig gehn, Hab ich an dir und deinem Stengel, zweyhundert und noch mehr gesehn! Anstatt daß an dem obern Busch, bey andern, hoͤchstens dreyßig prangen; Sah ich auf deinem ebenfalls zweyhundert u. noch druͤber stehn. Dein Stengel, der zween Zoll im Durchschnitt, doch statt der Ruͤnde, flach und platt, Jst, wie vor allen andern bunt, so auch vor allen andern glatt. Jch sehe, mit geruͤhrtem Herzen, und voll Verwunderung, dich an, Weil ich die Ursach deines Reichthums und Vorzugs nicht be- greifen kann. So schrieb ich, als von ungefaͤhr Chrysander in das Zim- mer trat, Und, wie er die so sonderlich, so schoͤn formirte Blum im Glase, B 4 Be- Ausserordentliche Kaiserkrone. Betrachtet und zugleich dabey, was ich geschrieben, uͤberlase; Mit einem spitzigen Gelaͤchter, mich meine Muͤh zu sparen bat. Jch sahe ja, an dieser Blum, sprach er, ein’ unleugbare Spur, Sie sey ein Fehler, eine Schwaͤche, und bloß ein Jrrthum der Natur, Den sie, indem sie blindlings wirkte, und oft sich von der Richtschnur trennte, Aus Mangel einer klugen Einsicht, wie hier, gar leicht bege- hen koͤnnte. Jch stutzte; nicht so sehr darum, daß er so frech mir wider- sprach, Und unverhofft mich luͤgen hieß, mich einer Schwaͤch und Thor- heit zeihte, Und, durch solch unverschaͤmt Betragen, mir die Gedanken ganz zerstreute. Jch dachte seinen wilden Schluͤssen und seinem Unfug ernstlich nach, So viel der Unmuth mirs erlaubte; bezwang mein Feuer, das schon brannte; Und fieng mit aller Sanftmuth an: Kann es wohl moͤglich seyn, mein Freund! Daß du dich nicht entsiehst, des Schoͤpfers, der Menschen, ja dein eigner Feind, So ganz unuͤberlegt zu werden? Was dir ein Fehl und Jrr- thum scheint, Und was, aus uͤbereiltem Sinn, dein Geist erst Schwaͤch und Mangel nannte, Zeigt, in dem so genannten Jrrthum, den allerzierlichsten Verband, Und weist, in seiner Symmetrie, nicht minder Ordnung und Verstand, Als Ausserordentliche Kaiserkrone. Als in der Ordnung aller andern, und ihre Schoͤnheit, wo nicht mehr. Es stehet alles Regel-recht, das Kraut, die Blumen und der Stengel Jn einem wunderns-werthen Rang, ohn allen Fehler, ohne Maͤngel, Und nicht verwirrt, zerstreut, zerrissen, als es ein blindes Un- gefaͤhr, Wenns bilden koͤnnte, bilden wuͤrde. Besiehe doch, wie or- dentlich Die Theile von der ganzen Blume, an ihren rechten Stel- len, sich Befinden, zeigen und sich fuͤgen. Jch seh sie, als ein Muster an, Daß die Natur zuweilen scherze, und spielend gleichfam dann und wann, Uns, in auch ausserordentlicher, Formirung zeige, was sie kann, Und wie ihr Reichthum unerschoͤpflich. Chrysanders Hoch- muth konnte zwar Sein Unrecht nicht so gleich gestehn: Allein es schienen die Gedanken, Durch die fuͤr ihn zu helle Wahrheit, dennoch zu stutzen, und zu wanken. Jch werde, was du mir gewiesen, mit etwas mehrem Ernst erwegen, Sprach er, indem er Abschied nahm. Jch wuͤnscht ihm zu dem Ueberlegen Von Herzen Gluͤck, Und eilte, meine schoͤne Blume noch etwas anzusehn, zuruͤck, Ergoͤtzte mich an ihrer schoͤnen ganz ausserordentlichen Zier, Und dankte Dem, der mich und sie, und alle Dinge schuf, dafuͤr. B 5 Die Die Schonkilje spricht. Die Schonkilje spricht. D erselbige, der meine Pracht, Und des Geruches Eigenschaft Geschaffen hat, und mir geschenket, Der hat auch des Geruches Kraft Jn deine Seel, o Mensch, gesenket. So laß uns unsre Kraft verbinden! Genieß mich voller Dank und Lust! So wird, in deiner frohen Brust, Der Schoͤpfer seinen Endzweck finden. Denn eben, wie er mich fuͤr dich, So hat er dich und mich fuͤr sich, Zu seiner Ehr, aus Lieb, erschaffen. Ach schaͤme dich, inskuͤnftge, mich So unempfindlich anzugaffen. Erwege, welche Wunderwerke Der Schoͤpfer selbst in mich gelegt, Die unbegreiflich sind. Bemerke Der Duͤnste Suͤßigkeit, und Staͤrke, Die mein Behaͤltniß in sich hegt! Aus meiner guͤldnen Quelle quillet Ein’ unsichtbare trockne Fluth, Die, da sie deine Nase fuͤllet, Der Seelen selber sanfte thut. Du willst ja sonsten alles fassen, So sage mir, wo koͤmmt es her, Daß ich, von Duͤnsten nimmer leer, Und sie sich nicht erschoͤpfen lassen? Sprich, Die Schonkilje spricht. Sprich, wo mein edler Balsam stecke; Woher sein Duft so mancherley, So suͤß, so wohl gemischt. Entdecke, Wo in mir sein Behaͤlter sey. Denn daß mein Balsam, aus der Erde, So wie man unbedachtsam meynt, Mir nicht bloß eingefloͤsset werde, Und ihre Frucht ist, dieß erscheint Aus diesem: Bin ich gleich gepfluͤcket, So dauret meine Lieblichkeit, Die, im Geruch, euch fast entzuͤcket, Hernach noch eine gute Zeit. Doch, soll ich ernstlich mit dir sprechen, Bemuͤh dich nur, mit Denken, nicht: Du wirst gewiß, wie dieß geschicht, Uemsonst nur deinen Kopf zerbrechen. Du wirst aufs neu gestehen muͤssen, Wie deine Weisheit Prahlerey; Wie es, mit allem deinen Wissen, Nichts, als ein bloßes Stuͤckwerk, sey. Drum wende deines Geistes Kraͤfte Vielmehr mit Fleiß, und Freuden an, Zu dem vergnuͤglichen Geschaͤffte, Das er verrichten soll, und kann. Dieß ist nun: in des Schoͤpfers Werken, Mit innrer Regung deiner Brust, Und mit bewundrungs-voller Lust, Sein’ Allmacht, Lieb und Weisheit merken. Die Die roͤthliche weisse Hyacinthe. Die roͤthliche weisse Hyacinthe. D a ich auf deinem weissen Schnee, Mit Lust, und Anmuth meiner Seele, Und innigem Vergnuͤgen seh, Wie suͤß aus der gefuͤllten Hoͤhle, Solch eine suͤsse Roͤthe stralet, Und deiner Blaͤtter weißlich Licht, Mit rosenfarbnem Glanze malet; Wenn ich den zarten Schein betrachte, Die sanfte rosenfarbne Gluht, Die, auch das allerschoͤnste Blut Der schoͤnsten Haut, beschaͤmt, beachte, Da weiß und roth so suͤß sich fuͤgt: Wird mein geruͤhrter Geist vergnuͤgt. Wenn nun nachhero deine holde Zier Sich sanft an meine Nase druͤcket: So wird, durch neue Lust, in mir, Der Geist auf neue Weis erquicket: Jst denn des Schoͤpfers Huld nicht werth, Der dopple Lust in dir verbunden, Daß, wenn man dopple Lust empfunden, Man, durch ein froh Gott Lob ! Jhn ehrt? Ja ich werde, liebste Blume, durch das Prangen, das dich zieret, So zu dein-als meiner Quell, unsern Schoͤpfer, hingefuͤhret. Sonderlich ruͤhrt mich dein freundlich-kuͤhl- und saͤurlich suͤs- ser Duft, Der, aus deinen kleinen Kelchen, unaufhoͤrlich in die Luft, Als Die roͤthliche weisse Hyacinthe. Als aus so viel Muͤnden haucht, als aus so viel Quellen steiget; Der sich unsern Seelen, zwar durch die Augen, und durchs Licht, So wie andre Koͤrper, nicht, Sondern ihr, nur im Geruch, durch die Nase bloß, sich zeiget. Wenn wir Amber mit Zibeth, und mit Balsam Rauchwerk mischen: Wird es doch den Geist so sehr nicht, durch den Geruch, erfrischen, Als wir, durch die holden Duͤnste, von den Kinderchen der Erden, Den geschmuͤckten Hyacinthen, im Geruch, erquicket werden. Denn ob unsre Seele gleich Anmuth auch von jenen fuͤhlt; Und ein liebliches Empfinden, einen holden Eindruck, spuͤret: Wird sie, durch der Blumen Duft, doch auf solche Art geruͤhret, Daß die saͤurlich-suͤsse Mischung sie zugleich ergoͤtzet, kuͤhlt, Labt, erfreut und recht ermuntert. Will man denn ein ernst- lich Denken, Wodurch wir uns eigentlich nur geschickt sind zu vergnuͤgen, Nicht, in unsrer eignen Lust, zu des Gebers Ehren fuͤgen, Und uns lieber nicht vergnuͤgen, als ihm Dank und Andacht schenken? Neue Neue Fruͤhlings-Gedanken. Neue Fruͤhlings-Gedanken. G ott Lob! wir naͤhern uns aufs neu der Sonnen Stral, Der Licht und Waͤrme Quell, dem Born der Fruchtbarkeit, Und es erscheinet abermal Die angenehme Fruͤhlingszeit. Des strengen Frosts noch nicht verschwundnes Angedenken Vermehret, durch den Gegensatz, Den allbereit erhaltnen Schatz, Den uns der fruͤhe Lenz bereits beginnt, zu schenken, Wozu zugleich die Troͤsterinn der Welt, Die Hoffnung, sich annoch gesellt, Und unsrer aufgeweckten Brust Jm kuͤnftigen noch immer groͤßre Lust, Mit wahrer Schmeicheley, verspricht, Drey Zeiten scheinen sich auf die Art zu bestreben, Euch mannigfaltge Lust zu geben, Und, durch verschiedne Seltenheit, Die jeder eigen ist, euch die Vergnuͤglichkeit, Und eure Lust noch zu erheben. Ach laßt das schoͤnste Theil von eurem Leben nicht So ungepruͤft, wie sonst, und nicht vergebens, Ohn ihrer Reizung zu genießen, Vergehn, verschwinden und verfließen! Ach seyd doch nicht so gar verkehrt, Den Winter, als noch nicht vergangen, Die Fruͤhlingszeit, als noch nicht angefangen, Und als noch nicht Betrachtungs-werth, Auf noch was besseres stets hoffend, anzusehn; Ja obschon viele Ding euch, in dem Garten, Und Neue Fruͤhlings Gedanken. Und uͤberall, bereits zu eurer Lust entsprießen, Anstatt derselben zu genießen, Noch immer auf das Kuͤnftige zu warten, Da doch so dann Gewohnheit, wie bisher, Euch alle Lust unfehlbar raubet, Und, euch verblendend, mehr und mehr, Euch selbst zur Lust, und Gott zur Ehr, Die Welt zu brauchen, nicht erlaubet. Wie mancher Lenz ist euch, auf diese Weis, entgangen, Eh ihr, durch Aufschub erst, verfuͤhrt, Nachhero durch Gewohnheit ungeruͤhrt, Jhn zu genießen, angefangen. Soll euch denn der Erfahrung Licht Nicht einmal euren Fehler zeigen? Wollt, ihr so oft Betrogne, nicht Aus eurem Pfuhl des Ungluͤcks steigen? Auf! laßt uns, wie, in allen Dingen, Sich alle Kraͤfte jetzt verjuͤngen, Wie Himmel, Erd und Meer so schoͤn, Jn neuem Glanz und Schimmer stehn; Durch ihre Pracht geruͤhrt, besehn! Und die darob, in unsrer Brust, Verspuͤrte neue Freud und Lust Dem Geber, im vergnuͤgten Leben, Zum angenehmen Opfer geben. Es faͤnget jetzt zu dieser Zeit, Nicht nur allein der Knospen Menge, Jn fast zu spuͤrendem Gedraͤnge, Ja fast sichtbarer Aemsigkeit, An viel- und ungezaͤhlten Stellen, Sich zu vergroͤßern und zu schwellen, Zu bersten, zu gebaͤhren an. Es Neue Fruͤhlings-Gedanken. Es dringt, nicht nur so weit man sehen kann, Des Grases gruͤner Schmelz, sammt ihrer Kraͤuter Zier, Sich uͤberall mit Macht herfuͤr; Man sieht, nicht nur der Blumen Prangen, Jm Garten schoͤn hervorgegangen; Man hoͤrt nicht nur ein gurgelnd Singen Von Voͤgeln in der Luft erklingen. Man spuͤrt, von tausend fuͤssen Duͤften, Zibeth und Balsam in den Luͤften. Es hat, nebst dieser Sinnen Weide, Zumal wer auf dem Lande lebt, Zu dieser Zeit noch andre Freude. Man erndtet gleichsam jetzt, erhebt Und uͤberkoͤmmt, von seines Viehes Zucht, Zu dieser Zeit, die junge Frucht. Da wir mit Kaͤlbern, Laͤmmern, Pferden, Zur Fruͤhlingszeit, bereichert werden. Wie angenehm ist, wenn uns fruͤh Die Kinderchen, mit frohem Springen, Die angenehme Zeitung bringen: Es haben diese Nacht zwo Kuͤh Gekalbt, wir haben schon die Kaͤlberchen gesehn, Das ein’ ist roth und weiß, des einen Kopf ist schoͤn Mit einem großen weißen Flecken. Bald faͤngt ein andrer an, noch zu entdecken: Die große Stut hat, diese Nacht, Uns einen jungen Fohlen bracht; Er ist so niedlich und so klein; Er springt und schlaͤgt schon aus mit einem Bein, Unmuͤglich kann ein Fohlgen schoͤner seyn. Auch werden wir, ruft Garlieb mit Vergnuͤgen, Schon morgen kleine Ferken kriegen. Pa- Neue Fruͤhlings-Gedanken. Papa, ich hab anietzt von unsrer Trin vernommen, Wir haben diese Nacht vier Laͤmmerchen bekommen, O! soll ich sie nicht sehn? Ruft oft die kleine Mitilen, Voll muntrer, geistiger, voll holder Freundlichkeit. Und dergestalt geht es, zu dieser Zeit, Fast jeglichem in seinem Stande, Fast jedem Hauswirth auf dem Lande. Die Milch faͤngt uͤberall itzt an zu qvillen, Daß man sie kaum verbrauchen kann. Die Huͤhner, Endt- und Tauben fangen an, Die Rester uͤberall zu fuͤllen, Und kurz, es ist anjetzt die Zeit Voll Anmuth und voll Fruchtbarkeit. Ach! laßt uns solches doch bedenken! Ach laßt uns doch, fuͤr so viel Gaben, Die wir von unserm Gott empfangen haben, Jhm wenigstens doch unsre Freude schenken! Zumal er anders nichts von uns begehrt, Als daß man Jhn, ohn sich, zu seiner Ehr, zu qvaͤlen, Mit langem Wort-Geplaͤrr, nur mit geruͤhrter Seelen, Empfinde, schmeck und sehe, Wie wohl durch ihn uns hier geschehe! Daß man in unsrer Lust nur dieß gedenke: Daß Gott, der alles schuff, uns dieses alles schenke. Br. VI. Th. C Uber Ueber eine Menge Ueber Eine Menge schoͤner, gefuͤllten, und mir geschenkten Hyacinthen. J hr Bilder der irrdischen Schoͤnheit und Fluͤchtigkeit, Jhr Blumen, worin die Natur, Durch Formen und Farben, in hoͤchster Vollkommenheit, Die allerlieblichste Figur, Mit kraͤftigem Balsam begeistert, hervorgebracht, Wie bald verschwindet eure Zier! Wie schleunig verwelket der glaͤnzenden Blaͤtter Pracht! Jhr kommt, bald seyd ihr nicht mehr hier! Doch lehrt ihr uns billig, da ihr so vergaͤnglich seyd, Daß man mit groͤßerem Bedacht, Die fluͤchtgen Minuten von eurer so schnellen Zeit, Euch zugenießen, nehm in Acht. Dieß will ich, werthster Ehlers, nun Bey deinem lieblichen Geschenke Der schoͤnen Hyacinthen thun, Wobey ich dein zugleich gedenke. Jm weissen Glanz, worin sie bluͤhen, Sieht mein bemerkendes Gesicht Ein lieblich roͤthlich Feuer gluͤhen, Als wie ein lieblich roͤthlich Licht, Aus welchem Glanz und Schimmer bricht. Da ich auf sie die frohen Blicke lenke Und seh, wie sie so groß, so schoͤn, so reich gefuͤllt: Verspuͤr ich, daß aus ihrer Menge, Ein recht balsamisches Gedraͤnge Ambrirt- und suͤsser Duͤfte quillt, Und meinen Geist mit solchem Nectar traͤnket, Daß schoͤner gefuͤllten Hyacinthen. Daß, da die Seele, durchs Gesicht, Der Blumen Pracht recht zu besehn gedenket, Erlaubt es der Geruch noch nicht. Der mit des Riechens Kraft begabten Seelen Zum Labsal, bricht ein angewuͤrzter Schwall Aus ihren klein und tiefen Hoͤhlen, Erfuͤllet in der Luft, den Luftkreis uͤberall, (gemischt Und ist aus so viel Lieblichkeiten, die nicht beschreiblich sind, Und aus so vielen holden Theilchen in solcher Harmonie gefuͤgt; Wie man, wenn mans betrachtet, wirklich fuͤhlet, Daß der Geruch die Lunge wirklich kuͤhlet, Daß er das Herz, durch unsre Lung, erfrischt, Ja, durchs Gehirn, die Seele selbst vergnuͤgt. Will man bey solcher suͤssen Lust, die wir, so wie wir alle Gaben, Von dem, aus welchem alles stammt, erhalten haben, Sich nun, als wie ein Mensch, betragen: So muß die Seele sich bemuͤhn, Und, aus den andern Sinnen, gleichsam sich in sich selbst zusam- men ziehn, Bey oͤftern Oeffnungen der Lunge auf das so suͤß Gemische denken, Das aus der schoͤnen Blumen fließt, Um dem, der ihr so Geist als Werkzeug, wodurch sie solcher Lust genießt, Geschenkt, zu einem suͤssen Opfer, ein ihn bewundernd Herz zu schenken. Beherrscher der Himmel, Regierer der Erden, Dein Name muͤß ewig verherrlichet werden! Ach laß doch, zu deinen unendlichen Ehren, Die Pracht der Geschoͤpfe die Menschheit belehren, Jn ihnen dein herrliches Lob zu vermehren. C 2 Aber- Abermalige Betrachtung der Rose. Abermalige Betrachtung der Rose. A ch! so ruͤhrst du abermal Recht durch einen rothen Stral, Holde Rose, meine Seele? Ja, es sinkt so Blick als Geist Jn die purpurreiche Hoͤhle, Die mir so viel Liebreiz weist. Hab ich gleich von deiner Pracht, Wodurch wir recht angelacht, Schoͤn Geschoͤpfe, viel geschrieben: Find ich, halb durch dich entzuͤckt, Da ich dich aufs neu erblickt, Daß noch vieles uͤberblieben. Heiß von Lust, von Anmuth froh, Und erqvicket von Vergnuͤgen, Seh ich jetzt, wie ihrer zwo Lieblich bey einander liegen; Eine zeigt ihr guͤldnes Herz Recht in Tiefen von Rubinen; Und die ander unterwerts Macht, recht in smaragdnem Gruͤnen, Den so schoͤn bekraͤnzten Stiel Ja so schoͤn zum Augen-Ziel, Jene gluͤht, dem Purpur gleich; Dieses Blatt ist roͤthlich bleich; Beyde sind verschiedlich schoͤn. Von Abermalige Betrachtung der Rose. Von der einen zu der andern Fuͤhl ich meine Blicke wandern. Wann ich, auf der auͤssern Ruͤnde Dieser hier, Vergnuͤgen finde: Fuͤhl ich, wie so Blick als Geist Jene auf und in sich reißt. Jn die Rose, die von innen Jhr Rubinen-Schatzhaus weist, Senkt sich mein vergnuͤgter Geist; Sie vergnuͤgt verschiedne Sinnen. Es wird, da sie schoͤn, auch kuͤhl Und an suͤßem Duft so reich, Und so lieblich riecht, zugleich, Durchs Gesicht, Geruch, Gefuͤhl, Jn vereinter Lieblichkeit, Dreyfach unsre Seel erfreut. Der gewesnen Knospe Rest, Das in fuͤnf getheilten Spitzen, Wie ein gruͤnes Sternchen laͤßt, Wie sie um das Koͤlbchen sitzen, Kann man an der andern sehn, Von denselbigen an zween Siehet man acht gruͤne Hoͤhn, Recht als Neben-Stralen, stehn. Zween hingegen haben keinen Aber wiederum an einen Sind derselben zween zu sehn. Alles ist so nett formiret, An dem gruͤnenden Gehaͤuse, Daß es auf besondre Weise Die gezierte Rose ziert. Lieblich stehet roth und gruͤn, C 3 Wie Abermalige Betrachtung der Rose. Wie Smaragd und wie Rubin, Jn der schoͤnsten Mischung hier, Jn besonders holder Zier. Seht, wie sichs so lieblich mischt, Daß es Blick und Herz erfrischt! Doch ist dieß noch nicht genug; An durchdringendem Geruch, Welcher edlen Myrrhen gleich, Jst dieß gruͤne Sternchen reich. Diese Bitterkeit, gemischet Mit der Suͤßigkeit der Rosen, Dient, da sie uns recht erfrischet, Unsern Nasen liebzukosen, Wie ich denn von der Mixtur Die geheime Kraft erfuhr, Und den holden Einfluß fuͤhlte, Als ich sie beym Stiel ergriff, Sanfte vor die Nase hielte, Da ich gleich vor Anmuth rief, Und dieß Loblied hoͤren ließ: O mein Gott! wie wundersuͤß Sind, durch deinen Gnaden-Willen, Diese Kraͤfte, die hier quillen! Ob uns mehr die zarte Fluht, Die zwar kuͤhlet, doch nicht netzet, Oder die Rubinen-Gluht, Die zwar brennt, doch nicht verletzet, Oder aber obs Gefuͤhl, Da so Duft als Blaͤtter kuͤhl, Unsre Seele mehr ergoͤtzet, Weis die Seele selber nicht. Aber sie erblickt ein Licht, Da Abermalige Betrachtung der Rose. Da sie so viel Anmuth spuͤret, Welches sie, o Herr, zu dir, Als den Ursprung aller Zier, Aller Kraft und Anmuth, fuͤhret. Es erregt die Balsam-Fluht Dieser Ros’ in ihr ein Wallen, Dem, der solche Wunder thut, Wuͤnscht sie innig zu gefallen. Es entsteht in meinem Blut, Durch die Flammen, wie Rubin, Die in dieser Rose gluͤhn, Einer reinen Andacht Gluht. Durch den bunten Schein geruͤhrt, Fuͤhl ich meinen frohen Geist Hoͤher noch empor gefuͤhrt, Wo er mir noch mehrers weist. Da des großen Schoͤpfers Macht Unerschoͤpflich, welcher Schein, Welcher Schmuck, und welche Pracht, Muß in andern Welten seyn! Jhrer Blumen Glanz und Zier Stell ich billig, von Figur, Farben, Kraͤften und Natur, Mir ganz unterschiedlich fuͤr. Hier erstaunt mach’ ich den Schluß, Daß das, was Fabricius, Hamburgs Ruhm und Ehre, meynt, Mehr noch, als wahrscheinlich, scheint; Wann er glaubt: was an Figur Und an Farben moͤglich sey, Sey auch wirklich. Da uns nun, in einer Welt, C 4 So Abermalige Betrachtung der Rose. So unzaͤhlig vielerley Schon den Sinnen vorgestellt; Was wird, in so vielen Erden, Nicht noch angetroffen werden! Weil nun der Gedank in mir Ehrfurcht, Lob und Dankbegier, Wodurch man den Schoͤpfer ehret, Gegen meinen Schoͤpfer mehret: Glaub ich es, und bleib dabey, Daß es so wahrhaftig sey. Fall daher in Demuth nieder, Singe dem, der alles schafft, Der die Brunnquell aller Kraft, Neue Dank- und Freudenlieder. Schoͤpfer, dessen Macht unendlich, So wie deine Weisheit ist, Der du uns am meisten kenntlich Jn den schoͤnen Werken bist. Diese Vielheit, sonder Schranken, Stellet mir dich, in Gedanken, Groͤßer und gewaltiger, Weiser, liebreich, herrlicher, Wuͤrdiger und besser fuͤr. Ach wie wird derselben Zier, Wenn wir sie, nach dieser Erden, Sehen und genießen werden, Uns, zu deinem Ruhm ergoͤtzen, Da wir uns, an ihrem Schein, Uns in Hoffnung schon ergoͤtzen, Und schon hier halb selig seyn. Noch Noch einige Gedanken uͤber die Rose. Noch einige Gedanken uͤber die Rose. U nmoͤglich kann ich mich entbrechen, O wunderschoͤne Ros, in dir Von deiner holden Blaͤtter Zier, Noch etwas mit Bedacht zu sprechen; Ob gleich von dir, als Gottes Gabe, Jch vieles schon gelallet habe. Man heißt die Rose roth; allein Betrachtet man der Blaͤtter Bau: So scheint ein blaulicht weisser Schein Der schoͤnen Mischung Grund zu seyn, Und daß der Roͤthe zarte Gluht, Als wie ein junges schoͤnes Blut, Mit einer zarten Haut bedecket, Allein in feinen Adern stecket. Hierdurch nun scheint allein das Roth erzielet, Das in den holden Schatten spielet, Wenn das dadurch gefaͤrbte Licht Durch eines Blatts Gewebe bricht. Doch ist, mit solchem rothen Schatten, Die Hoͤhle, worinn sie sich gatten, Und wo ein Bach von Balsam quillt, Jn groͤßerm Ueberfluß erfuͤllt. Es hat die bildende Natur Fast keine lieblicher und nettere Figur, Die, nebst der holden Farben Pracht, Den Augen solchen Eindruck macht, C 5 Und Noch einige Gedanken uͤber die Rose. Und nebst dem Blick, den Geist erfrischet, Als wenn man an der Rose sieht, Wie auswerts weis und roth sich mischet, Jn ihr die schoͤnste Roͤthe gluͤht. Es senkt, mit Lust, selbst unsre Seele Sich in den Zirkel dieser Hoͤhle; Es scheint, als ob in dieser Ruͤnde, Jn einer rothen Dunkelheit, Gluht, Kuͤhlung, Balsam, Lieblichkeit, Zu ihrer Anmuth, sich verbinde. Nun brauchet zwar ein solcher Schatz Von Schoͤnheit, keinen Gegensatz, Um ihn noch hoͤher zu erheben: Allein in einem dunklen Gruͤnen Muß ihr ihr dunkles Laub noch dienen, Jhr noch erhoͤhtern Glanz zu geben. Es weis ein achtsames Gemuͤth, Vor Anmuth, oft nicht, was es sieht, Wenn, bey dem schoͤnen gruͤnen Dunkeln, Die Rosen mehr, als irdisch, funkeln; Und doch hab ich das, was so schoͤn, Einst noch verschoͤnerter gesehn. Nachdem ich juͤngst der Rosen Pracht erwegte, Durch die fast uͤberirdsche Zier Halb ausser mir. Und sie von ungefehr Jn eine silberne polirte Schuͤssel legte: Erhellte sich ihr Glanz noch einst so sehr. Es fiel, durch meinen Blick, in meinen Geist hinein Ein roͤthlich-suͤsses Licht; die glatten dunklen Stellen Des Silbers fingen an sich ploͤtzlich zu erhellen; Die Rose faͤrbete des Silbers holde Glaͤtte. Hin- Noch einige Gedanken uͤber die Rose. Hingegen ließ es anders nicht, Als wenn sie selbst ein neues Licht Vom Silber uͤberkommen haͤtte. Jhr herrlich Roth, ihr schoͤnes Gruͤn Schien nun noch mehr, als vor, Smaragden und Rubinen, Jndem der Rosen Pracht, in holdem Wiederschein, Sich nicht nur nach dem Leben malte, Nein da so gar darin ein roͤthlich Feuer stralte, Das fast Auroren Glanz An Schimmer uͤbertraf, und man nicht bilden kann. Jch stutzt hieruͤber ganz; Es fachten sich in mir geweihter Andacht Flammen, Durch diese Rosen-Gluth, in mir erreget, an, Und faßt ich meine Lust in dieses Lied zusammen. Gelobet sey das große Wesen, durch dessen Weisheit, Lieb und Hier dieser schoͤnen Creatur (Macht, Solch eine liebliche Figur, So purpur-rother Farben Pracht, Und uns die Augen sind geschenket; Ja welcher solche Balsam-Kraft Den zarten Blaͤttern eingesenket, Und uns des Riechens Eigenschaft, Zum Labsal und zur Lust gegeben. Ach! moͤchten wir uns doch bestreben, So oft wir Rosen bluͤhen sehn, Durch sie zu Gott uns zu erheben! Ach moͤchten wir, da sie so schoͤn, Daß sie des Schoͤpfers Werk, verstehn, Und seinen Ruhm im Dank erhoͤhn! Ro- Rosen-Gedanken. Rosen-Gedanken. W ie man mir in der Rosenzeit, (Da jeglichem bekannt, wie hoch daß ich sie achte:) Voll aufgebluͤhter Herrlichkeit, Juͤngst eine Menge Rosen brachte, Die alle ausgesucht; ergoͤtzt’ an ihrem Licht, Und roͤthlich-hellen Glanz, so tausendfach gemischet, Sich meine Seele, durchs Gesicht, Und ward zugleich, durch den Geruch, erfrischet. Jch naͤherte sie meiner Nasen, Und ward, von einem Balsam-Duft, recht angehaucht und ange- blasen. So wohl die Lung, als das Gehirn, ward durch das, was aus ihnen quillt, Erquickt, gekuͤhlet und erfuͤllt. Der mich denn inniglich durchdrang, So, daß ich froͤhlich also sang: „Suͤsse Duͤfte, die ihr hier, „Aus den holden Rosen, fliesset; „Jn den Luftkreis euch ergiesset, „Und so, wie die Luft, auch mir, „Jm Geruch, das Hirn erfuͤllt, „Wenn euch meine Seele spuͤret, „Daß ihr, ihr zur Lust, entspriesset, „Und zugleich erblickt, daß ihr „Aus so schoͤnen Quellen quillt, „Wird ihr Jnnerstes geruͤhret. „Eine bruͤnstige Begier „Macht Rosen-Gedanken. „Macht in mir ein Wuͤnschen rege, „Daß ich, dieser Rosen Zier, „Aller Dinge Schoͤpfer! dir „Recht zum Ruhm, gebrauchen moͤge. Durch den Geruch und was die Blaͤtter mit solcher holden Schoͤnheit ziert, Ward ich noch ferner, Herr, zu dir, in diesem Lobgesang, gefuͤhrt: „Der du die Theilchen so gefuͤgt, „Daß sie mich, im Geruch, vergnuͤgt, „Und noch dazu, daß ich mein Denken, „Als meiner Seelen beste Kraft, „Auf die erquickend’ Eigenschaft „Sich koͤnnen und sich wollen senken, „Auch durch den Sinn zugleich sich lenken, „Zu dir, der mir so vaͤterlich „Aus Gnaden alles wollen schenken, „Jch ruͤhme, lob und preise dich. Aus dieser Rosen schoͤnen Menge, Die all, in kuͤhlem Feuer, flammen, Sucht ich die schoͤnsten noch zusammen. Fuͤnf Centifolien, die an der Oeffnung Enge, Vor andern, noch betraͤchtlicher mir schienen, Und die an lieblicher Figur, An Groͤße, Festigkeit, und an gespitzter Ruͤnde, Jch fast den Zwiebeln aͤhnlich finde, Erwaͤhlt ich mir, um an derselben Schaͤtzen Mich ins besondre zu ergoͤtzen. Die andern ließ ich etwas pflegen, Und sie in eine zinnerne, Mit Wasser angefuͤllete, Polirte große Schuͤssel legen. Jn Rosen-Gedanken. Jndem ich nun, mit einigem Erwegen, Die meinigen beschau, seh ich die Ordnung an Der Blaͤtter, welche man nicht gnug bewundern kann, Jndem sie all im Grund, an keinen Spitzen, Nachhero breit und etwas ausgehoͤhlt, Recht schuppenweise, zierlich sitzen. Ein jedes Blaͤttchen ist so zart, daß fast das Licht Der Sonnen, durch die Blaͤschen, bricht, Wo zwischen denn, in Regel-rechter Laͤnge Von Purpur-Aederchen sich eine große Menge, An Form, wie kleine Herzen, zeigen, Die gleichsam aus einander steigen. Jch senkte meinen Blick, und mit ihm meine Seele, Hierauf in die Rubinen-gleiche Hoͤhle Der einen Rose tief hinein, Um, in der rothen Daͤmmrung Schein, Der Blaͤtter Rang und Ordnung zu besehn, Und fand die innersten gekruͤmmet, umgebogen, Und alle rund, um ihr klein Centrum stehn, So daß von jedem Blatt die beyden Ecken Sich gleichsam recht fuͤr uns verstecken. Um nun noch ferner zu entdecken, Wie es denn eigentlich um ihre Stellung stuͤnde, Nam ich ein Messerchen zur Hand, Da ich denn, wie ich sie, zusamt den Kelch, durchschnitten, Nicht ohn es zu bewundern fand, Daß alle Blaͤtterchen, bis in des Kelches Mitten, Mit ihren Spitzen fest. Wie sie sich also trennen, Und wie sie sich daraus entwickeln koͤnnen, Begriff und faßt ich nicht. Jch dachte zwar dabey, Ob es zu diesem Zweck vielleicht geordnet sey, Daß der Geruch in den verschlossnen Falten, Sich Rosen-Gedanken. Sich etwa koͤnne laͤnger halten. Jedoch gesteh ich gern, daß ichs nicht voͤllig fasse, Und es daher an witzigern, als ich, Bescheidentlich Zu untersuchen uͤberlasse. Wie ich nachher, und zwar bey Licht, Das mannigfaltige Gepraͤnge Der Rosen, die in solcher Menge, (O wunderschoͤnes Schaugericht) Jn einer großen Schuͤssel lagen, Fuͤr Lust halb ausser mir, besah, Und gar, um mein Gesicht dadurch zu staͤrken, Und sie noch besser zu bemerken, Die offne Hand zum Lichte nah, Doch mit gefuͤgten Fingern, streckte, Wodurch ich selbiges bedeckte, Daß aller Stralen Schein Nicht in mein Aug, auf sie allein, Jn voller Fuͤlle fiel; Mein Gott! welch eine Gluht, und welch ein Farben-Spiel, Von lieblich funkelnden Rubinen, So wohl als von Smaragden-gleichem Gruͤnen, Ward ich auf ihnen, Vor Lust erstaunt, gewahr! So roth als gruͤn schien hundermal so klar, Als wie vorhin. Ein fast nicht irdscher Glanz Erfuͤllte meine Schuͤssel ganz, Und, durch die Augen, mein Gemuͤthe, Daß ich mich nicht enthalten kunnt, O Schoͤpfer, dir, der solche Pracht, Aus lauter Liebe, Huld und Guͤte, Fuͤrs menschliche Geschlecht hervor gebracht, Nebst Rosen-Gedanken. Nebst so viel tausend andern Dingen, Zu Ehren, folgend Lied zu singen. Es sang demnach mein froher Mund: Unendlicher Abgrund unendlicher Herrlichkeit! Du zeigst, in allen deinen Creaturen, Anbethungs-wuͤrdge Wunderspuren Von deiner selbstaͤndigen ewgen Vollkommenheit! Was muͤssen nicht vor Anmuths-Meere, Und welche Tiefen von Ergoͤtzen Jn deinen unendlichen himmlischen Schaͤtzen, Jn seeligem Ueberfluß, dorten vorhanden seyn; Da schon in Rosen, hier auf Erden, Von deines Lichtes Wunderschein, So schoͤne Schatten sichtbar seyn? Der Der Flieder. Der Flieder. J uͤngst ging ich auf das Feld, wie ich zuweilen pflag, An einem angenehm-jedoch bedeckten Tag. Es stralete das helle Sonnenlicht Jn der gewohnten Klarheit nicht, Doch war es zum spatzieren sehr bequem. Die sanfte Luft war kuͤhl und angenehm; Es schien, als ob sich Licht und Schatten, Die sonst so sehr getrennt, vermischet hatten. Man kunnte fast von ihnen beyden Nicht eines eigentlich vom andern unterscheiden. Man sahe keinen Sonnenschein, Man kunnt auch keinen Schatten sehen; Ein gruͤnlich Daͤmmrungslicht war allgemein, Man sah es uͤberall entstehen. Es stund, bey dem bedeckten Wetter, Das schoͤne Gruͤn der Pflanzen und der Blaͤtter Jn so harmonischem Zusammenhang, Daß ihre lichte Dunkelheit, Mit ungemeiner Lieblichkeit, Durch mein Gesicht, in mein Gemuͤthe drang, Den gar zu schnellen Lauf des Bluts allmaͤhlig stillte, Jn meinem Geist ein Gleichgewicht erregte, Mit einem sittsamen und sanften Trieb ihn fuͤllte, Und mich zu einer Art Gelaßenheit bewegte. Jch setzte mich, in dick verwachsnen Buͤschen, Wo vielerley Gewaͤchs ihr vielfach Prangen mischen, Und sahe, zwischen Schwarz- und Weißdorn, Asp und Schlehen, Auch Brombeer, Stachelkraut und Schilf, als wie ein Licht, Br. VI. Th. D Den Der Flieder. Den weissen Fliederbaum in voller Bluͤhte stehen. Sein weisser Schimmer fiel so stark mir ins Gesicht, Daß ich sein sonderbar Gewaͤchse zu besehen, Und auch, in seiner Zier, den Schoͤpfer zu erhoͤhen, Mich nicht enthalten kunnt. Jch brach ein Bluͤmchen ab, Das mir zu folgender Betrachtung, Anlaß gab. Billig bist du, holder Flieder, Auch ein Vorwurf meiner Lieder, Da du ja so nuͤtz als schoͤn. Deine Frucht, Laub, Zweig und Bluͤhte Lassen Weisheit, Macht und Guͤte Eines Schoͤpfers, klaͤrlich sehn. Ein Auge, das, wenns siehet, wirklich siehet, Erblickt am Fliederbaum, der bluͤhet, Verschiednes, das ihn ruͤhrt und ihn vergnuͤget. Es laͤßt das dunkle Gruͤn der Blaͤtter, da es sich So lieblich, als verwunderlich, Zur weissen Bluͤhte lieblich fuͤget, Mit schoͤnen weissen Rosenstraͤuchen Von weiten recht natuͤrlich sich vergleichen. Wenn ich der Fliederblume Bau, Und Bildung, in der Naͤhe, schau: So find ich, daß auch sie, auf eine neue Weise, Dem, der sie werden hieß, zum Preise, Bewunderns-werth gebildet und formiert, Bewunderns-werth gefaͤrbet und geziert. Fast einem Sonnenschirm sieht sie an Bildung gleich; An Blumen ist die Blum unglaublich reich, Die alle sich, an fuͤnf getheilten Zweigen, (Woran wir unterwerts fuͤnf gruͤne Blaͤtter sehn, Die an dem ganzen Baum stets fuͤnffach stehn,) Jn einer solchen Ordnung zeigen, Daß Der Flieder. Daß jeder Zweig sich wieder fuͤnffach spitzt, So man denn allemal bey jedem Absatz spuͤrt, Daß er sich immer mit fuͤnf Nebenzweiglein ziert, Woran der Blumen Meng in solcher Ordnung sitzt, Daß, da sie aus fuͤnf petalis bestehn, Sich aus denselben noch fuͤnf stamina erhoͤhn. Man sieht, nach diesem Rang, an allen Seiten Der Blumen Buͤsche sich auf eine Art verbreiten, Daß sie fast alle rund, und oben alle flach, Wodurch sie dann, da sie in solcher Ordnung bluͤhn, Die Augen auf sich ziehn. Man denke bloß allein nur dieser Ordnung nach, So wird man, daß sich nicht von ungefaͤhr, Ein fast unzaͤhlbar Blumen-Heer, Jn solcher Ordnung muͤssen schicken, Gar leicht erblicken. Weil dieser Blumenbaum nun sehr gemein, Und in dem Blumenreich Derselben viele seyn: So wird so Bluͤht als Frucht, wie nuͤtz und schoͤn sie gleich, Doch leider wenig nur geachtet, Und von den wenigsten betrachtet. Mir aber koͤmmt er stets, als eine Zier, Und sonderbarer Schmuck von einer Landschaft fuͤr. Da wir nun uͤberdem an dieser Blume Gaben, Jn Arzeneyen, uns so sehr zu freuen haben; So ist es billig, unserm Gott das Opfer unsrer Lust zu bringen; Und ihn, als einen weisen Schoͤpfer, auch bey dem Flieder, zu besingen. D 2 Fuͤr Fuͤr junge Leute Fuͤr junge Leute, sich auf dem Lande zu erlustigen. Von diesen Versen muͤssen erst zweene Solo gesungen, her- nach vom Chor wiederholet, und bey Endigung einer jeden Strophe in einem Reihen entweder nach der blossen Me- lodie oder nach Jnstrumenten im Kreise herum getanzet werden. Jm Ton: Wundervoller Saft der Reben. L asset uns, im frischen Gruͤnen, Da die Mayenblumen bluͤhn, Unsrer Jugend uns bedienen! Laßt uns Schmerz und Kummer fliehn! Laßt uns tanzen, laßt uns singen, Laßt uns scherzen, laßt uns springen, Und uns allem Gram entziehn! Wer will, in vergoͤnnten Freuden, Und erlaubter Froͤlichkeit, Nicht sein muntres Auge weiden, An den Schaͤtzen dieser Zeit? Laßt uns tanzen, laßt uns springen, Und, in unsrer Lust, besingen, Den, der unsre Lust bereit! Laßt uns an des Fruͤhlings Schaͤtzen, Mit, durch sie, geruͤhrter Brust, Uns erfreuen, uns ergoͤtzen! Und in unverbothner Lust, Froͤlich tanzen, froͤlich springen, Munter scherzen, lieblich singen! Trauren sey uns unbewußt. Noch sich auf dem Lande zu erlustigen. Noch zwo dergleichen Arien, von Mr. Teleman componiret. J n den bunt bebluͤhmten Feldern, Jn den schattenreichen Waͤldern, Herrscht, in stiller Einsamkeit, Unschuld und Zufriedenheit. Fern vom staͤdtischen Getuͤmmel, Als in einem irdschen Himmel, Find ich hier die guͤldne Zeit. Da Capo. D ie Stille, die den Wald erfuͤllt, Der holden Unschuld sanftes Bild, Jst nicht von froher Anmuth leer. Der kleinen Voͤgel muntres Heer Laͤßt tausend suͤsse Toͤn erklingen, So kann auch ein gelaßnes Herz, Mit Recht, bey zugelaßnem Scherz, Gesellig lachen, froͤlich singen, Weil sonst die Tugend graͤmlich waͤr. D 3 Der Der gefluͤgelte Lehrer. Der gefluͤgelte Lehrer. M ir ward ein liebliches Geschenk, in dieser holden Fruͤh- lingszeit, Von auserlesnen schoͤnen Blumen, voll bunt- und holder Zier- lichkeit, Aus Hamburg neulich zugesandt, die ich mit großer Lust erwog, So wie ich sie im Mooß gepackt, aus der geraumen Schach- tel zog, Und sie in große Schuͤsseln legte, in selbe so viel Wasser goß, Daß es die Ende von den Stielen nur eben decket und befloß. Wobey ich denn verschiedene in ein erhabnes Glas noch setzte, Und mich an allen, mehr als einmal, zu ihrer Quelle Ruhm, ergetzte. Jch roch, und sahe wechselsweise, die wunderbare Mi- schung an, So wohl von Farben als Geruch, die kein Verstand beschrei- ben kann. Was duͤnsteten vor Ambra-Nebel, was walleten vor Balsam- Wellen! Wie nahm ihr saͤurlich-suͤsser Duft, durch den Geruch, das Hirn nicht ein! Mit wie viel Anmuth ruͤhrte mich, auch durchs Gesicht, ihr bunter Schein! Der weissen Hyacinthen Silber, der blauen glaͤnzender Saphier; Das guͤldne Gelbe der Schonkiljen; der Tulpen feuerrei- che Zier; Der Der gefluͤgelte Lehrer. Der Primulen gebrochner Schim̃er, die neben den Aurickeln schoͤn, Jn einer angenehmen Mischung, von ungezaͤhlten Farben, stehn! Ein suͤsser Glanz bedeckte sie, ein buntes Feuer glimmt in ihnen, So daß sie mehr in feurigem, als in gefaͤrbtem, Schimmer schienen. Durchleuchtig war ihr bunter Koͤrper, wodurch das Licht so lieblich fiel, Es glich fast einer bunten Lohe, und dennoch ist ihr Koͤrper kuͤhl. Jndem ich diesen bunten Glanz beschaue, sah ich, mit Ergetzen, Ein kleines zahmes Voͤgelchen sich auf das Glas voll Blu- men setzen, Es drehte seinen kleinen Kopf; es huͤpfte, freute sich, und sprang Von einer Blum auf eine andre; sein lieblich schwitzernder Gesang Schien Lust und Dank zugleich zu zeigen. Es fand der Blu- men Pracht so schoͤn; Es schien, es kunnte sich an sie, mit Lust, nicht satt, nicht muͤde sehn. Sein kleines Schnaͤblein hackt’ und pickte, jedoch so sanfte hier und dar, Daß weder an dem Stiel noch Blume, nichts, so versehrt, zu sehen war. Jch dachte: Kann der Blumen Prangen so gar auch un- verstaͤndgen Thieren Den lang nicht so vollkommnen Geist, als unsrer ist, durchs Auge, ruͤhren: So sollten Menschen ja wohl billig der Unempfindlichkeit sich schaͤmen, D 4 Und Der gefluͤgelte Lehrer. Und von demselben hin und wieder ein sie belehrend Beyspiel nehmen. Es scheint, dieß kleine Voͤgelein woll euch, des Schoͤpfers Huld zu preisen, Und euch an Blumen zu vergnuͤgen, den Weg durch sein Be- tragen weisen. Aufs wenigst hast du, liebes Thierchen, da ich auf dein Betrieb gemerkt, Jn meinem Vorsatz, mich zu freuen, und Gott zu loben, sehr gestaͤrkt. Du sollst noch ferner oftermals, bey mir, das Lehreramt ver- walten. Druͤm hab ich dich, fuͤr meine Lieder, zu einem Verwurf, werth gehalten, Jn Hoffnung, daß noch andre mehr die suͤsse Lehre werden fassen, Und sich, nebst mir, zu Gottes Preise, und eigner Lust, beleh- ren lassen. Erbau- Erbauliche Betrachtung der Blumen. Erbauliche Betrachtung der Blumen und Pflanzen. Als S. T. Hr. P. E. mir eine Menge schoͤner Tulpen zugeschickt. U nendliches, allgegenwaͤrtigs Seyn, Laß mich, nur bloß vor dir, die Knie beugen! Laß mich, o Herr, zu dir allein, Mit meiner Seelen Kraͤften, steigen! Zu dir, durch dessen Wunder-Macht, Der Himmel Heer entstand, die Welt hervorgebracht! Der du der Pflanzen Reich so kuͤnstlich zugericht, Daß sich der Fiebern Meng in solcher Ordnung flicht! Durch dessen Weisheit wir, in Haͤuten und in Rinden, Sie kluͤglich eingeschlossen finden! Durch dessen weise Macht die Blumen, wenn sie bluͤhn, Mit solcher zierlichen Figur, Sich lieblich bilden und formiren, Und mit der Farben Schmuck nicht nur Sich unbeschreiblich lieblich zieren; Mit nicht zu zaͤhlenden Veraͤndrungen sich schmuͤcken, Auf ungezaͤhlte Weis, uns unser Aug erquicken, Und um auf tausend Art den Geist uns zu erfrischen, So Farb als Zeichnungen in solcher Meng auch mischen, Wie auch den Stiel und ihre Blaͤtter ganz, Noch uͤber dem mit einem solchen Glanz, Und Silber-Schimmer uͤberziehn, Daß kein Sineser-Lack an ihren Schmelz nicht reichet, Kein Firniß ihrer Glaͤtte gleichet. Der Erbauliche Betrachtung der Blumen. Der du mit gruͤnem Laub sie kleidest und sie schmuͤckest, Der du die duͤnne Luft in ihre Roͤhren druͤckest, Mit Regen und mit Thau sie naͤhrest und sie traͤnkest, Und uns, in ihrem Bau, so Lust, als Nahrung, schenkest. Durch dich empfangen sie die wunderbare Kraft, Daß sie, was ihnen dient, den Saft, Durch so geschlungner Roͤhren Klumpen, Aus Elementen gleichsam pumpen, Aus Wasser, Luft und Erde saugen. Durch deine maͤchtige Befehle, Erweckt des Fruͤhlings Licht der Luft und Erden Seele, Die starren Saͤfte, daß sie gaͤhren, Und alles, was die Erde ziert, Und uns so Nutz als Lust gebiert, Laub, Blumen, Kraut und Fruͤchte naͤhren. Es ruͤhmt denn mein erquickt Gemuͤthe, Jn der bebluͤhmten Erden Pracht, Die Weisheit und die Wundermacht, Sammt deiner vaͤterlichen Guͤte, Herr! der du sie hervorgebracht. Der Der durch Gott gezierte Luftkreis. Der durch Gott, so wohl, als die Erde, gezierte Luftkreis. J ch sahe juͤngst, zur Fruͤhlingszeit, Nicht nur mit vieler Lieblichkeit, Des Erdreichs flache Schooß gezieret; Jch sah von ihr die gruͤne Pracht, Womit sie alles lieblich macht, Hoch in der Luft empor gefuͤhret. Jch sah der Baͤume Wipfel praͤchtig, Von gruͤnem Laub und Bluͤhte traͤchtig, Es war die Luft nicht minder schoͤn, Als wie das Land, selbst anzusehn. Jch dachte dieser Augenlust, Mit innrer Regung meiner Brust, Woher sie doch wohl komme, nach, So daß ich bey mir selber sprach: Jst dieses unsrer Erden Kraft, Die den sonst leeren Luftkreis schmuͤcket? Jst es des Samens Eigenschaft, Der seinen Trieb so ferne schicket? Wie? oder steckt es in dem Saft Des Wassers, der sich aufwerts druͤcket? Doch es sey endlich, was es sey, So bleibet es dennoch dabey, Da alle Dinge, die so schoͤn, Jn Der durch Gott gezierte Luftkreis. Jn ungestoͤhrter Ordnung gehn, Und in den Werken, die geschehn, Ein heller Weisheitsstral zu sehn, Daß Gott dem Werkzeug, das es treibet, Die Kraͤfte dazu einverleibet. Durch Gott ist das, was leicht ist, leicht, Das Feuer heiß, das Wasser feucht, Das Schoͤne schoͤn, das Schwere schwer. Nun ihm allein sey Preis und Ehr! Die Die Rose. Die Rose . Fabel. W ie ein kleiner Rosenknopf immer bliebe, wie er war, Und sich krumm zusammen zog, sprach der andern Rosen Schaar: „Oeffnest du, geliebte Schwester, bey dem warmen Sonnenlicht, „Bey der sanften Fruͤhlingsluft, bey dem angenehmen Wetter, „Aus dem noch geschloßnen Knopf, deine frisch- und holden Blaͤtter „Auch so, wie wir andern, nicht? „Willst du dich nicht auch entschliessen, „Und des holden Sonnenlichts „Auch nicht so, wie wir, genießen? „Soll von deinem Balsam nichts „Jn die lauen Luͤfte fliessen? Nein. Weil unsre Zeit so kurz, so vergaͤnglich schnell und fluͤchtig, Alles, was ich um mich seh, eitel, wandelbar und nichtig; Jst es nicht der Muͤhe werth, daß ich mich eroͤffne, bluͤhe, Daß ich warme Sonnenstralen in mich ziehe, Daß ich mich daran ergetze, daß mich schoͤne Farben schmuͤcken, Daß ich, andere zu reizen, faͤhig bin, und zu erquicken. Da ich kaum drey Tage waͤhre, und so bald verwelken muß: So ist dieß mein fester Schluß: Jch will lieber nichts genießen, da ich nicht bestaͤndig bleiben Und nicht laͤnger dauren kann, als die mir bestimmte Zeit Mich vergnuͤgen, andern nuͤtzen; es ist alles Eitelkeit. Wenn ein Rosenknopf so spraͤche, und verwelkt’ unaufgebrochen, Haͤtte solcher wohl gethan, und nach seiner Pflicht gesprochen? Eben so hat keiner recht, viel von Aenderung zu sagen, Und, mit einem bittern Murren, uͤber Eitelkeit zu klagen. Es Die Rose. Es heißt eitel, was vergaͤnglich, wandelbar, veraͤnderlich. Aber ist denn dieß was boͤses? Nein. Wenn wir es recht betrachten, Und auf das, was in der Welt, sich veraͤndert, redlich achten, Und vernuͤnftig uͤberlegen, zeiget, in der Aendrung, sich Eine Weisheit, welche man Nimmer gnug bewundern kann. Waͤren auf dem Erdenkreis alle Ding unwandelbar; Aenderte sich nichts bey uns, weder Tage, Zeit noch Jahr; Wuͤrden wir, und wenn auch gleich alles, im bebluͤhmten Lenzen, Sonder Wechsel, herrlich bluͤhn, lieblich prangen sollt, u. glaͤnzen, Dennoch nicht vergnuͤget seyn, auf der noch so schoͤnen Erden. Durch ein traͤges Einerley, wuͤrd uns alles widrig werden. Warum will man uͤberall, mit betruͤbtem Murren, klagen: Daß so wir, als alles eitel? Kann die Ordnung straͤflich seyn, Die der weise Gott gesetzt? Ja wodurch wir selbst entstanden? Denn, wenn alles unvergaͤnglich, wird von allem, was vorhanden, Wirklich nichts vorhanden seyn. Haͤtten wohl, weñ nichts verginge So viel Millionen Menschen, Millionen andre Dinge Kommen und entstehen koͤnnen? Wer dieß tadeln will, muß wissen, Daß er selber auf der Welt auch nicht haͤtte kommen muͤssen, Auch nicht haͤtte kommen koͤnnen, wenn nicht andre seines gleichen, Nach der Ordnung der Natur, ihm erst haͤtten muͤssen weichen. Mit dem regen Fluß der Zeit, laßt uns denn gelassen fließen, Aller uns erlaubten Luͤste, mit Bedachtsamkeit, genießen. Dem, der sie uns goͤnnet, danken, selbst vergnuͤget, uns bestreben, Andern, zur Vergnuͤglichkeit, auch Gelegenheit zu geben. Daß, so viel an uns, auf Erden, Gott von uns, von andern auch, froͤlich mag gepriesen werden. Fruͤ- Fruͤhes Blumen-Geschenke. Fruͤhes Blumen-Geschenke. J ch ward, zur fruͤhen Fruͤhlingszeit, Und zwar im Merzen allbereit, Mit einem Blumenschatz erfreut, Den, in fast uͤberirdscher Zier, Womit ihn die Natur geschmuͤckt, Mein einst gewesner Gaͤrtner mir, Von Hamburg aus, hieher geschickt. Jch kunnte, mit vergnuͤgten Freuden, Mein Aug an solchen Farben weiden, Die man so fvuͤh fast nirgend sieht. Terzetten, Rosen, Judenkirschen, Die Osterblume, nebst der Bluͤht, Von Pfeffer, Apricosen, Pfirschen, Die Hyacinth, die Primula, Die Anemon, Hepatica, Violen, Crocos, Osterblume, Sah ich, in ihrer fruͤhen Pracht, Zu ihres großen Schoͤpfers Ruhme, Zum Preise des, der sie gemacht, Mit unausdruͤcklichem Vergnuͤgen, Jn einem bunten Haufen liegen. Es lief mein Blick daruͤber her, Bald in die Laͤng, bald in die Quehr, Jch Fruͤhes Blumen-Geschenke. Jch waͤhlt, ich nahm, ich roch, ich sah, Jch stellte sie bald fern, bald nah, Sah sie bald einzeln, bald zusammen, Jhr Schein, ihr Glanz war wunderschoͤn Und fast nicht anders anzusehn, Als waͤrens bunt gefaͤrbte Flammen, Jhr suͤß-gemischtes lieblich Licht, Als so viel farbenreiche Kerzen, Drang mir, durch mein geruͤhrt Gesicht, Und der Geruch zugleich, zum Herzen. Und endlich ließ ich sie, der laͤngern Dauer wegen, Jn eine flache Schuͤssel legen, Mit kuͤhlem Wasser angefuͤllt. Jch sahe sie zum oͤftern an, Und dachte froͤlich dann und wann: „Mein Gott! fuͤr dieser Blumen Zier, „Verehr ich dich, und danke dir. Mor- Morgen-Gedanken im Fruͤhling. Morgen-Gedanken im Fruͤhling. H err, mein Gott! was muß ich sehn! Herr, mein Gott! wie wunderschoͤn Jst, nach itzt verschwundner Nacht, Des bebluͤhmten Fruͤhlings Pracht! Alles glaͤnzet, alles bluͤhet, Alles funkelt, alles gluͤhet, Jn der Sonnen Lebens-Stral; Felder, Waͤlder, Berg, und Thal, Schimmern, in gefaͤrbten Flammen, Alles dieß zeigt mir zusammen, Daß die Wunder allzumal Bloß aus dir, o Sonne, stammen: Doch auch dieß; der Sonnenschein Stamme bloß aus Gott, allein. Br. VI. Th. E Sin- Sinnen-Lust im Lenzen. Sinnen-Lust im Lenzen. J etzt sieht man hoher Berge Gipfel, Man sieht der Baͤume runde Wipfel, Zusamt dem Ufer, sich bekraͤnzen, Und, durch den holden Wiederschein, Die Fluthen, die so klar, so rein, Jn einem gruͤnen Schimmer, glaͤnzen. Man sieht bewundernd uͤberall, Aus dunkler Erden, Blumen quillen. Man hoͤret, wie vom suͤssen Schall Der Voͤgel, sich die Luͤfte fuͤllen, Vermischet mit der feuchten Froͤsche Wreckeckeckechsendem Gewaͤsche. Man fuͤhlt, durch lauer Winde Schmeicheln, Gesicht und Haͤnde lieblich streicheln; Man fuͤhlet, wie selbst unserm Blut Jhr lindes Hauchen sanfte thut. Man riecht den ausgedampften Duft Der Blumen, in der lauen Luft. Er staͤrket und erfrischt die Lunge, Durch die gesunde Lieblichkeit. Die angenehme Fruͤhlingszeit Erquickt zugleich uns, durch die Zunge; Man Sinnen-Lust im Lenzen. Man schmeckt schon mancherley Gerichte Von Kraͤutern, Baͤum- und Gartenfruͤchte. Und kurz; durch aller Sinnen Thuͤren, Kann jeder itzt Vergnuͤgen spuͤren. So laßt, durch solch ein Wunder-Heer, Auch dem, der alles schuf, zur Ehr, Die ungeruͤhrten Seelen ruͤhren, Und uns zum Denken mehr und mehr, Zum Loben und zum Danken fuͤhren! E 2 Er- Erbauliche Gedanken bey den Blumen. Erbauliche Gedanken bey den Blumen. J n dieser Blumen holden Bluͤhte, Jn ihrer Form und Farben Pracht, Erkenn ich dessen Wunder-Macht, Besing ich dessen weise Guͤte, Der sie, fuͤr mich, hervorgebracht. Ach! nimm in ihnen, mein Gemuͤthe! Mit Lust und Dank und mit Bedacht, Des Schoͤpfers Weisheit, Macht und Guͤte, Die sie uns zeigen, oft in Acht. Schoͤn- Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn. Schoͤnheit Eines Gefildes mit Korn nebst genauer Betrachtung der Aehren. W ir koͤnnen fuͤr so viele Gaben, Die wir von Gott empfangen haben, Als Menschen, ihm nichts anders schenken, Als unser Bestes, unser Denken, Durch welches wir ja bloß allein Von Thieren unterschieden seyn. Doch muͤssen wir, nach unsern Pflichten, Solch Denken suchen einzurichten. Es muͤssen nemlich unsre Seelen Zum Vorwurf ihres Denkens waͤhlen, Nicht sich (wie meist geschicht) so sehr, Als, wie des wahren Gottes Ehr Sich auf das herrlichste vermehr. Es scheint das noͤthigste Geschaͤffte Unwidersprechlich, alle Kraͤfte, Von unsern Sinnen und dem Denken, Zufoͤrderst auf den Zweck zu lenken, Die herrlichen Vollkommenheiten Der Schoͤpfung froͤlich auszubreiten, Und ein durch sie vergnuͤgtes Leben Dem Schoͤpfer, zum Geschenk, zu geben. Dieß einzige scheint mir allein, Ein reicher Gottesdienst zu seyn. Jch will denn itzt mein Auge lenken, Auf einen schoͤnen Theil der Welt, E 3 Und Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn, Und ein mit Aehren traͤchtig Feld Besehen, und dabey bedenken, Wie alles, was wir darauf sehn, Nicht nur so nuͤtzlich ist, als schoͤn, Und einen großen Meister weiset; Wie alles seinen Schoͤpfer preiset. Es ist nunmehr die schoͤne Zeit, Da, wie, in warmer Heiterkeit, Die helle Fruͤhlings-Sonne gluͤhet, Und man die Aeren schiessen siehet. Wann nun der Schoͤpfer in die Saat, Jn uns ernaͤhrendes Getreyde, So Nahrung, Schoͤnheit, Nutz, als Freude, Gesenkt und uns geschenket hat: So laßt uns, unserm Gott zu Ehren, Jn der anjetzt so schoͤnen Welt, Auf ein bald bluͤhend Aehren-Feld, Die Augen und das Denken kehren! Erst, wie das ganze Feld so schoͤn, Dann einer Aehren Bau, besehn! Jn beyden uns des Schoͤpfers freuen; Jn beyden Lust und Dank erneuen; Jn beyden Gottes Ruhm erhoͤhn! Wenn wir, in der Fruͤhlingszeit, einsam durchs Getreyde gehen, Und darin der flachen Felder best und schoͤnste Zierde sehen: Sieht man, in der gruͤnen Schoͤnheit, worin unsre Blicke schwimmen, Durch den hellen Sonnenstral, recht ein gruͤnlich Feuer glimmen. Dieses Gruͤn scheint allgemein Und beschaut mans oben hin, bloß nur einerley zu seyn. Aber wenn man es betrachtet, Und, mit mehrerem Bedacht, auf die Quell der Schoͤnheit achtet, Die nebst genauer Betrachtung der Aehren. Die das Herz durchs Aug ergetzet, wird man bald darin gewahr, Wie, durchs helle Sonnenlicht, es bald mehr, bald minder klar, An verschiednen Stellen ist. Mehr und minder schoͤn gemalet Sind die Blaͤtter, wenn das Licht an sie, oder durch sie stralet. Erstre lassen Silber-gruͤn; letztere nicht minder schoͤn, Durch das schon gefaͤrbte Licht, fast ein guͤldnes Gruͤn uns sehn. Da denn ein, mit guͤldnen Faͤden, durchgewirktes Stuͤcke Sammt Kaum in einem holdern Glanz, kaum in schoͤnerm Gruͤnen flammt. Wann zu solcher Zeit im Korn, das wie gruͤne Waͤnde stehet, Man bedachtsam reitet, faͤhrt, oder aus spatziren gehet: Wird von uns, an einer Seite, da das guͤldne Sonnenlicht, Durch der gruͤnen Halm und Blaͤtter zart Gewebe, stralt u. bricht, Wie ein Gruͤn, mit Gold gemischt, des Gefildes Flaͤche schmuͤcket, Und zur andern, Gruͤn und Silber, im gemischten Glanz, er- blicket; Weil das Licht, nicht durch die Blaͤtter, sondern an dieselben stralt. Hier scheint alles Gruͤn und Silber, dorten Gruͤn und Gold gemalt. Wie lieblich wallst du hin und her, Dem Schoͤpfer der Natur zur Ehr, Du sanft bewegtes Aehren-Meer! Du spielst gelinde hin und wieder; Du hebst und senkst dich auf und nieder, Und wirst dadurch vom Segen schwer. Wenn zumal die dichten Aehren etwan auf erhabnen Hoͤhen, Gegen die verklaͤrte Luft, als auf hellem Grunde, stehen: Siud sie, zwar wie Heeresspitzen, doch nicht schrecklich, anzusehen. Das auf ungezaͤhlte Arten hier gebrochne Sonnenlicht, Ruͤhret billig, Gott zu Ehren, unsre Geister, durchs Gesicht. Jn der jungen Aehren Spitzen, zeigt sich noch ein andrer Schein, E 4 Denn Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn, Denn es senket sich das Licht, Das sich durch die Blaͤtter bricht, Jn den purpurfarbnen Spitzen, ohne Ruͤckschlag, tief hinein, Und erzeuget dadurch oben eine sanfte Dunkelheit, Aber die auch, wenn sie wallen, durch ein Weiß, das Aug erfreut. Oefters sieht man auf den Aehren, wenn die Luft mit ihnen spielet, Wie bald gruͤn, bald weiß, bald purpur, lieblich durch einander wuͤhlet. Bald im Licht, und bald im Schatten, scheint der Aehren re- ges Heer, Und, voll nimmer stillen Wellen, ein licht-gruͤnlich wallend Meer Sehr natuͤrlich vorzustellen. Wenn der Aehren Purpur sinket: Sieht man, wie, auf gruͤnen Halmen, ein hell gruͤner Schimmer hlinket. Durch dieß liebliche Gemisch, da gelb, gruͤn und weiß sich gatten, Bald mit wandelbarem Glanz, bald mit wandelbarem Schatten, Die sich unaufhoͤrlich aͤndern, bald sich trennen, bald sich fuͤgen, Ruͤhrt den Geist, durch unser Aug, ein empfindliches Vergnuͤgen. Dieses waren die Gedanken, die der Felder gruͤne Schein Mir, durch ihren Schmuck, erregte: Aber dacht ich, soll der Bau Des uns naͤhrenden Getreydes, welches ich von weiten schau, Auch nicht billig in der Naͤhe, Gott zum Ruhm, beschauet seyn? Rupfte drauf verschiedne aus, die vor andern aufrecht stunden, Worin viele Seltenheiten, mehr als man gedenkt, sich funden. Die ich zwar schon einst beschrieben, Aber mit Verwundrung finde, daß noch vieles uͤberblieben, Die, in dem Bewundrungs-werthen, nett-formirten Bau der Aehren, Wenn ein Geist sie recht besieht, unsers Gottes Ruhm vermehren. Es nebst genauer Betrachtung der Aeren. Es bestehet, an der Aehre, die so zierliche Structur Bloß aus einerley Gehaͤuse, einer netten Huͤlse, nur, Die, wo sich der obre Theil ihres Halms gemaͤhlich spitzet, Als ein eigenes Gewaͤchs, in so netter Ordnung sitzet, Daß es nett die eine Seite von der Aehren Bau beschlaͤgt, Da die andre Seite gleichfalls eine solche Huͤlse traͤgt, Die ein wenig hoͤher sitzet; dieß geht wechselsweise fort, Bis zu ihres Halmes Spitze, an dem allerhoͤchsten Ort. Dieß Gehaͤus ist sonderlich, und bewunderns-werth formirt. Es bestehet aus zwey Theilen, die sich unterwerts vereinen, Und, weñ sie sich etwan oͤffnen, gleichsam Tulpen-foͤrmig scheinen. Unten ists, an beyden Seiten, mit zwey Zaͤserchen geziert, Welche purpurfaͤrbig sind; und da sie, zu beyden Seiten, Recht der Aehren Mitte treffen, wird ein schoͤner rother Strich, Durch dieselbigen, formiret, welcher mit dem Gruͤnen sich Gleichsam einzuflechten scheinet, und, so lang die Aehre gruͤn, Jhr ein lieblich Ansehn giebt. Von der aͤussern Huͤlsen Ecken, Die von aussen hart und rauch, da die innre Seite platt, Und, wo sie am Haͤlmchen sitzet, fast durchsichtig, weich und glatt) Sieht man, sich ein gruͤnes Staͤnglein voller zarten Spitzen strecken, Welche fuͤhlbar zwar genug, aber kaum zu sehen seyn. Jede von den aͤussern Huͤlsen schließt ein’ ander’ in sich ein, Welche weichlicher und zarter, die die Bluͤhten in sich heget, Deren sechs, da jede drey wohl verwahret in sich traͤget. Welche drey ein Korn erzielen, wie ich es nachher gesehn, Daß auf einem jeden Korn allemal drey Bluͤhten stehn. Diese wachsen, bis dieselben ihr Gehaͤuse ganz erfuͤllen, Dann aus seiner offnen Seiten dringen, ploͤtzlich sich enthuͤllen, Und aus ihrem Sitze fallen, da sie, an sehr zarten Stielen, Lange Zeit noch haͤngen bleiben, und beweglich schwebend spielen. E 5 Aber Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn, Aber recht indem dieselben aus dem Schooß der Huͤlse fallen, Siehet man, nicht ohn Erstaunen, etwas sonderlichs an allen; Daß sie nemlich einen Staub, den sie in zwo Roͤhren fassen, Die an beyden Seiten liegen, sichtbar von sich fallen lassen. Jede Bluͤht hat so viel Staub, daß man es nicht leicht be- greift, Wie sich eine solche Menge an so kleinem Ort gehaͤuft. Aus der Bluͤht und Aehren Menge koͤnnen wir nun leicht- lich sehn, Daß, so weit man sehen kann, rechte Nebelduͤft entstehn, Und die Felder fuͤllen muͤssen, so das Landvolk stuͤhmen nennt. Und es, wenn das Wetter gut, als ein gutes Zeichen kennt. Alles scheint, zu solcher Zeit, an der Aehre sich zu regen, Und, wie ichs bey Licht einst sah, durch die Waͤrm sich zu bewegen, Da so Bluͤht als Staub zugleich, als durch innerlichen Drang, Und, als wenn es alles lebte, sichtlich aus der Huͤlse sprang. Ehe nun die Aehre bluͤhet, wird man, als ein duͤnnes Haar, Recht in beyder Huͤlsen Mitten, eines kleinen Stiels gewahr, Dessen Nutzen ich nicht wußte, bis ich es nachher entdecket, Daß sich dieses kleine Stielchen ploͤtzlich in die Hoͤhe strecket, Und zu einer Huͤlse wird, welche noch drey Bluͤhten traͤgt. Diese scheint, o großes Wunder! wenn man es genau erwegt, Mit besonders weiser Absicht, von dem Schoͤpfer so formirt, Daß, wenn etwan eine Wittrung wo der ersten Bluͤht der Aehre, Durch die Rauhigkeit, zuwider, oder sonsten schaͤdlich waͤre, Letztere, da sie sich spaͤter mit der Bluͤht empor gefuͤhrt, Doch noch Fruͤchte tragen koͤnnte, das denn, in dem Korn zumal, So die Armuth speisen muß, einen holden hellen Stral Einer weisen Lieb und Vorsicht uns recht uͤberzeuglich weiset, Welcher wuͤrdig, daß man innigst unsern Schoͤpfer davor preiset. Wann nebst genauer Betrachtung der Aehren. Wann ich nun nachher des Weizens meistens so formirte Aehre, Ob vielleicht ein Unterscheid, der darin besonders waͤre, Ebenfalls mit Fleiß besehn: Fand ich die Gehaͤuse sitzen, Eben fast, als bey dem Rocken, ausser daß sie keine Spitzen, Wie der Gerst und Rocken, haben. Eine zierliche Figur Zeigen sie, da in der Mitten sie sich allgemach erhoͤhn, Und, gleich einer gruͤnen Blumen, mit getheilten Blaͤttern stehn. Jn derselben sind zwoͤlf Huͤlsen, da man in dem Rocken nur Solcher Huͤlsen sechs erblickt; achtzehn Bluͤhten, da nur neun Jn dem Rocken, und sechs Koͤrner, da im Rocken drey nur seyn. Nun ist noͤthig, daß wir hier, von des Schoͤpfers Wunder- werken, Einen ganz besondern Ausbruch in der Frucht Vermehrung merken. Nur in einer Weizen Aehre, so daß keins daran gefehlt, Hab ich hundert funfzig Koͤrner, mit Verwunderung, gezaͤhlt, Und aus dieser Aehren Wurzel, waren sieben andre Stangen, Nebst der einen, folglich acht auf einmal, hervor gegangen, Diese geben nun zwoͤlf hundert. Saͤete man nun diese Zahl; Koͤnnten schon im andern Jahr eine Million, und ferner Vier und vierzig hundert tausend vollenkommne Weizenkoͤrner, Davon eingeerndtet werden. Welche reiche Fruchtbarkeit Hat das einzge Wort des Schoͤpfers, das die Frucht gebenedeyt, Jn das liebe Korn geleget, und dem Samen eingesenket! Wer erstaunt nicht, der dieß Wunder, recht betrachtend, uͤber- denket! Und doch hat des Schoͤpfers Segen, obs gleich aus der Mas- sen viel, Wie ein jeder wird gestehen, hier noch lange nicht sein Ziel, Da ich nemlich auf einmal einen Rockenbusch gefunden, Woran, bloß aus einer Wurzel, fuͤnf und siebzig Halmen stunden. Hier Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn. Hier erschrickst du, liebster Leser, und mit Recht, ja glaubst es kaum. Aber wie? wenn ich dir zeigte, daß solch Wunder tausendmal Von dir sey gesehen worden, sonder daß dein Augenstral Es beachtet und bewundert? Zeiget dir nicht jeder Baum Einen Halm in jedem Zweig, der dir Bluͤht und Fruͤchte bringet, Eben so, wie Halm und Aehre? Anders ist kein Unterscheid, Als das jeder Halm im Korn, aus der Wurzel selbst entspringet, Da der Zweig nur mittelbar, durch den Stamm, hervor sich dringet, Und doch aus der Wurzel stammt. Liebste Menschen! ach er- weget, Welch ein Macht- und Weisheit-Wunder in den Pflanzen, uns zu naͤhren, Der, der alles schuf und schafft, durch sein Segenswort, geleget. Ach eroͤffnet doch die Augen, eine Gottheit zu verehren, Die ihr undurchdringlich Licht, das der Himmel Himmel fuͤllt, Zu der Creaturen Besten, in die Creatur verhuͤllt. Preiset ihn, spannt alle Kraͤfte der vernuͤnftgen Seelen an, Sehet, fuͤhlet, riechet, schmeckt, hoͤrt, bewundert, uͤberleget, Denkt, vergleicht, erstaunt fuͤr Andacht, wenn ihr Ehrfurchts-voll erweget, Bey den irdschen Wundertropfen, die man nicht begreifen kann, Was das tiefe Meer der Gottheit selber wohl vor Wunder heget. Beym Beym Pfluͤgen. Beym Pfluͤgen. S eh ich den regen Pflug, auf dunklem Grunde, ziehn: Scheint mir der Ackersmann, sich gleichsam zu bemuͤhn, Der milden Mutter dunkles Kleid, Mit einer neuen Zierlichkeit, Und in der That mit schoͤnen gruͤnen Schnuͤren, Jn der geraden Furchen Strichen, durch die bald gruͤne Saat, zu zieren. Die gruͤnen Schnuͤre werden endlich, durch den recht guͤldnen Stral der Sonnen, Mit Golde gleichsam uͤbersponnen, Wodurch ein guͤldnes Tuch zuletzt die Mutter schmuͤckt, Bis endlich, wenn der Schmuck der Erden, Jn unsre Scheunen eingefuͤhrt, Die Koͤrner, die vorhin das Feld geziert, Fuͤr uns zu wirklichem und wahrem Golde werden. Nutz Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung, nach Anleitung des Spectacle de la Nature. W o koͤmmt es her, Wenn wir ein Gartenstuͤck, das bunte Blumen schmuͤcken, Von ungefehr Und unverhofft erblicken; Daß uns, auch wenn man nicht daran gedenket, Ein’ Art von Lust, durchs Aug, ins Herz sich senket? Daß ein geschwindes Anmuths-Bild, Wenn auch der Kopf von Schwermuths-Dunst erfuͤllt, Als wie ein kurzer Blitz, uns ruͤhret, Und man den Schimmer, der sie zieret, Als wie ein schnelles Licht verspuͤret, Das uns ergetzet und durchdringt, Und ein geheim Vergnuͤgen bringt? Was noch absonderlich von Gottes weisen Werken, Jn Blumen, zu bemerken, Jst, daß sie allezeit, Von Samen und der Fruchtbarkeit, Unfehlbare Behaͤlter seyn. Wo keine Blumen stehn, Wird man auch nimmer Fruͤchte sehn. Da, wenn der Same reift, die Blumen bald vergehn: So scheinet klar daraus zu fliessen, Daß sie, zum Nahrungssaft dem Samen dienen muͤssen, Man kann demnach mit Recht von Blumen sagen, Daß sie, nicht nur das Aug uns zu erfreuen, Nein Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Nein, daß durch sie die Pflanzen Samen tragen, Und alle Jahre sich erneuen, So, daß sie uns, mit ihren bunten Schaͤtzen, Auf einmal nuͤtzen und ergetzen. Es scheinet ein geheim Vergnuͤgen Jn unsrer Brust versteckt, So uns selbst nicht bekannt, zu liegen, Das, durch der Blumen Glanz, erweckt, Und angefachet wird, das aber bald verlodert, Wenn der Betrachtung Weihrauch nicht, Den diese schoͤne Gluht zur Nahrung fodert, Jhr zugereichet wird, und ihr gebricht. Es scheint der Blumen holde Pracht, Fuͤr uns, und bloß allein gemacht, Jndem sie, bey den Thieren, So wenig den Geruch, als ihre Blicke, ruͤhren; Sie werden anders nicht, als wie das Gras und Kraut, Von ihnen angeschaut; Sie treten sie mit Fuͤssen. Uns allein Scheint ihre Zier zu gut gemacht zu seyn. Es haͤtte die Unsterblichkeit den Pflanzen koͤnnen eingefloͤßt Und ihnen mitgetheilet werden, Ohn alle Zierlichkeit in Formen, von aller Farben Glanz entbloͤßt, Als wie den Wurzeln in der Erden. So aber zeigt sich klar: Die Wunderhand Des Wesens, welcher sie gefaͤrbet und formiret, Hab, uns zu gut, daran so viele Kunst verwandt, Und sie, nur bloß fuͤr uns, so schoͤn gezieret, Zum schoͤnsten Vorwurf unsern Blicken, Um unsern Aufenthalt mit ihnen auszuschmuͤcken. Ver- Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Verschiedne Blumen findet man, Worin man sonst nichts merken kann, Als daß sie, bloß zu unsern Freuden, So angenehm und bunt sich kleiden; Jnzwischen daß von andern, ihr Gepraͤnge, Und bunter Schmuck, uns Fruͤcht in großer Menge, (Zu einem unfehlbaren Zeichen, Daß sie fuͤr uns erschaffen) reichen. Sie zeigen beyd, in ihrer Nettigkeit, Und niedlicher Vollkommenheit, (Wobey sie den Geruch dazu noch zollen) Daß sie, nur uns, gefallen wollen. Es faͤllt uns schwer, vollkommen zu begreifen, Wie weit des Schoͤpfers Vorsicht geht, Jn Blumen, unsre Lust zu haͤufen, Wie sehr derselben Farb und Zahl Desselben weise Lieb erhoͤht. Der Blumen Menge scheint zumal Ein wirklich Wunderwerk; sie scheinen, seinen Willen, Der lauter Liebe, zu erfuͤllen, Fast unter unserm Fuß hervor zu quillen. Wir sehen ihre schoͤne Spur, An allen Orten fast in der Natur; Wir sehen sie auf hohen Baͤumen, Und auch auf niedern Kraͤutern keimen. Sie sind auf Bergen, in den Gruͤnden, An feuchten Baͤchen, und auf Feldern, Auf Heyden, in den dunklen Waͤldern, Ja selber in der Fluth zu finden. Noch mehr; so gar in duͤrren Wuͤsteneyen Hat man sich ihrer zu erfreuen. Und Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Und kurz, die Erde scheint, von Blumen mancher Arten, Fast uͤberall ein Blumengarten. Ja, daß sie uns an keinem Orte fehlen, Auch wenn wir uns in unsre Haͤuser schliessen: So scheinen sie bey uns am schoͤnsten zu entspriessen, Und unsre Gaͤrten recht zu ihrem Thron zu waͤhlen. Es ist unwidersprechlich wahr, Daß ihre bunt gefaͤrbte Schaar, Jn uns ein Anmuths-Feur erreget, Und recht zu suͤsser Lust beweget. Dieß ist so wahr, daß alle Kuͤnste sie, Jhr kuͤnstlich Werk recht auszuzieren, Auch mit der allergroͤßten Muͤh! Gebrauchen, und bald dort, bald hie, Mit Blumen, Bau- und Malwerk ausstaffiren. Auch auf den schoͤnsten Broderien, Dem allerreichsten Stoff, auf Drap d’argent, Drap d’or, Sieht man der Blumen bunten Flor, Jn nachgeahmten Zuͤgen, bluͤhen, Und werden die, an Vollenkommenheit, Fuͤr die vortrefflichsten genommen, Die an der Blumen Aehnlichkeit Am allernaͤchsten kommen. Die Blumen sind, zu allen Zeiten, Ein Sinnbild holder Froͤlichkeiten, Ein Zeichen froher Lust, gewesen. Man hat derselben holdes Schimmern Zum Ausputz in den Hochzeitzimmern, Zu Freudenfeyern stets erlesen. Br. VI. Th. F Wie Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Wie wir denn noch, zur Anmuth unsern Blicken, Mit Blumen, unsern Nachtisch schmuͤcken. Es scheinet ihre bunte Pracht So sehr zur Froͤlichkeit allein gemacht, Daß wir, bey uns so wohl, als bey den Alten, Bey aller Trauer, sie fuͤr unanstaͤndig halten. Der Wohlstand, welcher es von der Natur gelernt, Hat Blumen allezeit von Traur und Gram entfernt. Auch Koͤniginnen selbst, in ihrer groͤßten Pracht, Mit Diamant- und Perlen ganz behangen, Verschmaͤhen nicht der Blumen Prangen, Um, bey dem Ausbruch ihrer Macht, Bey ihren schimmernden und stralnden Edelsteinen, Auch liebreich, gnaͤdig, hold und angenehm zu scheinen. Jn Kirchen kann man gar, zu Gottes Ruhme, (Ach moͤcht es doch nur oͤfter noch geschehn) Bey Mayenbaͤumen, manche Blume Zuweilen lieblich spielen sehn. Vergehn sie nun gleich schnell: So scheinet ihr Vergehen, Zu diesem Zweck nur zu geschehen, Und daß sie bloß darum so ploͤtzlich scheiden, Durch ihre Daur sich uns nicht zu verleiden, Und andern, die so bald sie fort, entstehn, Nur aus dem Wege bloß zu gehn. Der Blumen groͤßte Zahl, Dem gleichsam anbefohlen scheinet, Der Menschen Wohnung auszuzieren, Erscheinet uns nicht auf einmal, Zu einer Zeit, zusammen und vereint; Die mehresten von ihnen, Die Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Die scheinen sich bey uns, bald auf bald abzufuͤhren, Um, nach einander uns zu dienen. Es laͤßt, ob haͤtten sie sich unter sich verbunden, Damit kein Theil von Jahr von ihnen leer, Noch gaͤnzlich ungeschmuͤckt gefunden, Und sonder alle Blumen waͤr; Sich gleichsam Ketten-weis einander anzufassen, Kein Leeres zwischen sich zu lassen. Es pranget nicht nur jede Jahreszeit Mit Blumen von besonderm Unterscheid; Auch die, so mit einander bluͤhen, Sieht man, ganz unterschiedlich schoͤn, Jn mancherley Figuren stehn, Jn ganz verschiednen Farben gluͤhen, Wodurch sie, wie die weise Kraft Des großen Meisters, der sie schafft, So ungezaͤhlt, so mancherley, Und an Erfindungen sie lieblich zu formiren, Auch mit so manchem Glanz und Farben sie zu zieren, Unendlich, unerschoͤpflich sey. Man siehet fast kein einzig mal, Jn ihren Zeichnungen, Copien. Von allen Sorten, welche bluͤhen, Jst ieglich ein Original. Wie lieblich ist an einigen zu spuͤren, Wie sanft die Farben sich in sich verlieren, Wie suͤß und lieblich sie sich allgemaͤchlich schwaͤchen, Wie| unvermerkt gelinde sie sich brechen. Sie schmelzen, sonder Haͤrtigkeit, Und senken ihren zarten Schein Unsichtbar in einander ein. F 2 Man Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Man sieht die meisten mit Vergnuͤgen, Auf eine nicht zu sehnde Art, Sich mischen, in einander fuͤgen, Wie jede Nachbarinn so angenehm sich paart Mit ihrer Nachbarinn. Jnzwischen sieht man auch, bey vielen, schnelle Grenzen, Die aber doch darum nicht minder schoͤn, Wie sonderlich bey Tulpen zu ersehn, Jn wohlgemischter Schoͤnheit, glaͤnzen. Es ist noch ungewiß, ob Blumen schoͤner scheinen, Wann wir sie einzeln sehn, Wie oder wenn sie sich vereinen, Und ihrer viel beysammen stehn. Es zeiget sich, in ihrer Menge, Ein angenehm gemischt Gepraͤnge, Jn welchem alles wohl zusammen stimmet, Jn welchem nichts dem Augen wehe thut, Und worin eine suͤsse Gluht, Jn suͤssem Schimmer, gluͤht und glimmet. Sieht man dieselbigen hingegen einzeln an: So ist kein’ einzige | von ihnen allen, Die nicht vor sich allein gefallen, Und, durch besondern Schmuck, sich gelten machen kann, Ja die nicht gleichsam, in der That, Persoͤnliche Verdienste hat. Wenn unsers Schoͤpfers Weisheit Licht, Jn wunderbaren Stralen stralet, Dadurch daß er der Blumen Kleid, Mit ungezaͤhltem Unterscheid, Von angenehmen Farben, malet; Wie Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Wie herrlich stralt es gleichfalls nicht, Jn ihrer Formen und Figur So unterschiedner Pracht nicht nur, Auch in derselbigen Statur, Und aͤusserlichem Anstand, den er ihnen, So wunderwuͤrdig dargereicht, Daß auch darin sie unterschieden schienen, Wie denn kein’ einzige der andern gleicht. Verschiedne heben sich vor andern hoch empor, Ein majestaͤtisch Wesen scheint, Mit ihrem praͤchtigen Gewaͤchs vereint, Jhr Anstand bringt sie mehr, als ihre Hoͤh, hervor. Wenn andre gegentheils in holder Niedrigkeit, Sich, gleichsam voller Demuth, neigen, Und doch nicht weniger Vollkommenheit, Jn ihrem sittsamen und sanften Wesen zeigen. Was fuͤr ein adlicher und praͤchtger Anstand schmuͤckt, Die Tulpen, Lilgen, Kaiserkronen! Wogegen man, am Fuß von ihren Thronen, Der niedern Veilchen Zier, nicht minder schoͤn, erblickt, Die nicht allein, Jn einem purpurfarbnen Schein, Den Balsamreichen Geist, der aus ihr quillet, Und rings um sie die Luft erfuͤllet, Auf eine Art, die nicht begreiflich, huͤllet; Nein, die so zart gewebt, daß aller Sammt ihr weicht, Und, im Vergleich mit ihr, fast haͤrnem Tuche gleicht. Wie sehr wir die Veraͤndrung lieben, So sind die Blumen doch so schoͤn, Daß, ob sie gleich dieselben stets geblieben, Verlangt man sie doch anders nicht zu sehn. F 3 Die Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Die Ros’ ist, wie sie war, vom Anbeginn der Welt, Und wer ist, dem nicht noch die Rose wohlgefaͤllt? Die menschlichen Erfindungen vergehn, Und dauren nicht, weil wir das wahre Wesen Des Stoffs, und die Beschaffenheit Von der Materie nicht kennen, nicht verstehn. Der Schoͤpfer zeigt in dem, was er erlesen, Zur Richtschnur dessen, welches schoͤn, Ein’ unveraͤnderlich und feste Richtigkeit. Was er gemacht, gefaͤllt uns allezeit. Man findet uͤberall die Spur, Daß Er der Herr und Meister der Natur, Daß Er, was Er in sie gesenket, Nach Seinem Willen kehrt und lenket. Der weiche Stoff ist fertig und bereit, Des großen Schoͤpfers weisen Willen, Ohn allen Widerstand und Sperren, zu erfuͤllen, Nimmt alle Formen an, so bald er es befiehlt. Er weis in ihnen zu vereinen, Beschaffenheiten, welche sich Fast widersprechen innerlich, Und welche nicht vereinbar scheinen. Er weis, des Tiegerthiers und Leuen Blicken So freche Mischungen von Zuͤgen einzudruͤcken, Daß auch die Tapfersten in ihnen Grimm und Schrecken, Von Furcht erfuͤllt, entdecken. Wann aber seine weise Hand, Aus eben diesem Stoff, die Blumen will formiren, Um unsern Blick, durch ihren Schmuck, zu ruͤhren: Weis Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Weis Er, durch ganz verschiedenen Verband, Dieselben lieblich auszuzieren; Er weis denselbigen so holde Form zu schenken; Er weis so suͤssen Glanz und Reiz darein zu senken, Daß wir, in ihrem schoͤnen Kleide, Von einer angenehmen Freude, Und Anmuth tausend Quellen spuͤren. Ja da er, fern von uns, in wuͤste Waͤlder, Die schreckenden Figuren treibt: So schafft Er, daß auf unsre Felder, Und naher Gaͤrten Gegenden, der Blumen Schmuck rings um uns bleibt. Es siehet sich demnach der Mensch, in seinem Leben, Mit Gegenwuͤrfen rings umgeben, Die bald in buntem Schmuck und bald im gruͤnen, Zum Trost in seiner Arbeit dienen, Und die, mit ihren holden Schaͤtzen, Ohn sein Gewissen zu verletzen, Jn lauter Unschuld, ihn ergetzen. Die Blumen scheinen dergestalt bestimmt, durch ihrer Far- ben Zier, Den Erdkreis uͤberall zu schmuͤcken, und uns auf selben zu vergnuͤgen; Daß noch die meisten, damit uns des Festes Schoͤnheit mehr noch ruͤhr, Gewuͤrzte Duͤfte von sich hauchen, aus ihrem bunten Schoosse fliegen, Und in den Luftkreis duͤnsten lassen. Als wie ein unsichtba- rer Schwall, Dampft, aus derselben schoͤnen Koͤrpern, ein edles Raͤuchwerk uͤberall. F 4 Sie Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Sie scheinen ins besondre noch, die Balsam-Kraͤfte zu besparen, Und sie, am meisten fuͤr den Morgen, und fuͤr den Abend zu bewahren, Zu welcher Zeit die Menschen nemlich, am haͤufigsten spa- tziren gehn, Da, weilen wir den Rest des Tages dieselben selten nur zu sehn, Und minder ihnen uns zu naͤhern pflegen, Sie auch zur selben Zeit so viel von ihrer Balsam-Kraft nicht hegen. Wie? hat der bunten Blumen Zunft, Um uns so ordentlich zu dienen, denn Vernunft? Wenn die Sonn im Mittag gluͤht, Und, durch ausgespannte Luͤfte, Die verduͤnnten Blumen-Duͤfte Kraͤftig in die Hoͤhe zieht; Da sie uns so stark nicht ruͤhren! Koͤnnen wir sie minder spuͤren. Und hingegen, wenn sie steigt, Oder sich des Abends neigt: Mehrt, zu unserem Gebrauch, Sich der Blumen suͤsser Hauch. Siehet man der Blumen Flor, Jn so holder Ordnung an: Koͤmmt es mir von ihnen vor, Daß man billig sagen kann, Wie der Mensch, als Herr der Erde, Von der Blumen schoͤnem Heer, Koͤniglich bedienet werde; Da sie sich, ihn zu erfreuen, Nicht auf seinen Weg nur streuen, Son- Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Sondern, mit gesundem Duft, Balsamiren sie die Luft; Ja sie lassen, durch ihr Hauchen, Jhm ein stetes Rauchwerk rauchen. Wo er gehet, wo er stehet, Wird ihm Ambra zugewehet, Und zwar scheinen sie am meisten, Jhren Dienst ihm denn zu leisten, Wenn zur Abendzeit sein Schritt, Nach getragner Tageslast, Mit spatziren sich befaßt, Und er zwischen ihnen tritt. Ja es dient der Blumen Heer, mit den suͤß- und bunten Schaͤtzen, Das Gesicht, und den Geruch nicht allein uns zu ergetzen; Sie vergnuͤgen, dienen, nuͤtzen, in verschiedlichem Gebrauch, Uns, durch andre Sinnen auch. Zu Confect, in Arzeneyen, Wassern, die man distilliert, Wird von ihnen mancher Nutzen, manche Heilungskraft gespuͤrt; So daß man in ihnen noch, wenn die Blume laͤngst vorbey, Angenehm empfinden kann, daß sie da gewesen sey. Jch habe Blumen zwar geliebet, Doch lange sie nur obenhin besehn, Der Meynung, daß sie hie und da, und nur von ungefaͤhr, entstehn. Doch da mir die Erfahrung immer, von ihrem Werth mehr Nachricht giebet, Und finde, daß sie, mir zu gut, sollieblich, angenehm und schoͤn: Seh ich sie mit Bewunderung, mit Anmuth und mit Andacht, an, Und danke dem, der so viel Wunder so wunderbar bereiten kann. F 5 Ja Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Ja, wo uns etwas auf der Welt das Wesen einer Gottheit zeiget; Wo man durch etwas sich erhebt, und durchs Geschoͤpf zum Schoͤpfer steiget: So sind es in der That die Blumen. Sie machen nicht die Pflan- zen nur Unsterblich, im geheimen Samen, verschoͤnern nicht nur die Natur; Sie leiten uns mit sanftem Zwang, und lehren uns ein We- sen kennen, Das sie so wundersam formiren, sie faͤrben und sie schmuͤcken koͤnnen. Was muß der Ursprung ihrer Schoͤnheit, an Herrlichkeit, an hellem Schein, An Pracht, an Majestaͤt und Glanz, nicht selbst fuͤr eine Schoͤn- heit seyn? Was fuͤr ein unbegreiflich Meer von Liebreiz muß das We- sen fuͤllen, Aus welchem so viel Schoͤnheit Baͤche, und ungezaͤhlte Stroͤ- me quillen, Die er annoch in selbem Schmuck, und in derselben Pracht erhaͤlt, Womit er sie zuerst erschuf und schmuͤckt im Anbeginn der Welt. Ja, da er, mit so holder Liebe, so fluͤchtige Geschoͤpfe schmuͤckt, Die heute sind und Morgen nicht, die wir zertreten mit den Fuͤssen; Was kann man nicht von seiner Huld, von seiner ewgen Lie- be schliessen, Das Nuͤtzliche Blumen-Betrachtung. Das uns, durch ihn, geschehen wird, da er uns selber zuge- schickt, Zu Gegenwuͤrfen seiner Guͤte! Was kann und wird, nach die- ser Erden, Wenn er Verlangen und Begierden, die er dem Geist selbst eingepraͤgt, Erfuͤllen und vergnuͤgen will, uns nicht fuͤr Reichthum zu- gelegt, Und, wenn Gott Geister schmuͤcken will, fuͤr Herrlichkeit ge- schenket werden! Som- Sommer-Betrachtung. Sommer-Betrachtung. L aßt uns, in dieser schoͤnen Zeit, um unsern Schoͤpfer zu erheben, Uns auf das reifende Gefilde, wo Nutz und Lust vereint, begeben! Seht dort die Wolken-gleichen Kreise, in jener Baͤume Wip- fel, an, Die sich in halbe Zirkel woͤlben, und sich einander uͤbersteigen, Wodurch sich schoͤne gruͤne Lichter, und schoͤne gruͤne Schat- ten zeigen! Seht dort das Feld im guͤldnen Stuͤck, so weit das Auge tra- gen kann, Ach! seht von den schon trocknen Halmen, im Sonnenstral, das suͤsse Blitzen! Die bald auf einem halben Grunde, des Himmels, und bald ja so schoͤn, Auf einem schoͤnen dunkelgruͤnen des Waldes, noch verschoͤ- nert stehn, Der Segen-schwangern, weißlich-gelben, und gleichsam guͤld- ner Aehren Spitzen! Seht, wie von ihrer großen Menge, die, so vor andern sich erhoͤhn, Und uͤber der gemeinen Aehren vereintem Heer erhaben sitzen, Durch ihrer Gruͤnde Gegensatz, sehr deut- und zierlich anzusehn, Von welchen einige, gebogen, Gott in dem schweren Segen preisen; Wenn die geraden ihn uns, gleichsam mit aufgerecktem Finger, weisen, Man sieht mit Lust, wenn oftermal gelinde Winde saͤuselnd kuͤhlen, Die Sommer-Betrachtung. Die allervbersten am meisten, sich senken, heben, scherzen, spielen, Auf tausend Arten sich bewegen, in deutlicher Figur, inzwi- schen Die andern, fast als Unterthanen, sich in ein gelbes Ganz ver- mischen. Doch! seh ich dort nicht allbereit, der schoͤnen Felder Schmuck und Segen, Durch die beschwitzte Faust der Schnitter, sich kruͤmmen und zu Boden legen? Ja! sehet, wie die Sensen blitzen, wie aͤmsig hier die Binder binden, Und um die gelben Rocken-Garben, von Rocken-Stroh, die Kraͤnze winden, Wie kuͤnstlich sie des Segens Huͤgel, die Hocken, uͤberall erhoͤhn, Und wie sie, in so schoͤner Ordnung, in solchen langen Reihen stehn, Als wie das schoͤnste Perspectiv. Die allerzierlichsten Alleen Sind zierlicher nicht anzusehen. Jndem ich nun, mit ernstem Blick, das Maͤhn und Binden hier betrachte, Auf eines Landmanns Fleiß und Ordnung, besonders auf sein Werkzeug, achte: So faͤllt mir, und gewiß mit Recht, der sinnende Gedanken bey, Daß es Bewunderung verdien, und alles mehr zu schaͤtzen sey, Als wir es, ja sie selber, thun. Es scheute sich Aegypten nicht, Dem, der die große Kunst erfand, zu saͤen, zu pfluͤgen und zu egen, Altaͤr und Tempel zu erbaun, ja Goͤtter Namen beyzulegen: Wir aber, die wir, durch Gewohnheit, fuͤr alles wundernswuͤrdge blind, Und Sommer-Betrachtung. Und das nicht nur fuͤr Menschen Werke, fuͤr Gottes Werke selber sind, Vergessen, in des Landmanns Werken, der uns verliehnen Gottes- Gaben, Ob wir von ihnen, bloß durch Gott, fast nicht zu zaͤhlnden Nutzen haben. Der Gott, der durch die Faͤhigkeiten, die er in unsern Geist gesenkt, Wodurch der Mensch erfindet, wirkt, und einzig denket, was er denkt, Ja bloß als wie ein Werkzeug wird, so wunderbar in dieser Welt, Zu seiner Ehr, und unserm Nutzen, so Pracht als Ordnung unterhaͤlt, Verdient ja wohl, daß wir, in ihnen, Den uͤberall verborgnen Glanz von seiner Weisheit sehn und achten, Jndem wir ihm mit nichts so sehr allhier vermoͤgend sind zu dienen, Als wenn, auch in den kleinsten Dingen, wir einen weisen Gott betrachten. Nimm einem Landmann seinen Pflug; wie will er doch die Er- de trennen, Und sie zum Samen zubereiten, einfolglich dich ernaͤhren koͤnnen? Beschau desselbigen Figur, ob sie dir grob und plump gleich scheint, Jst dennoch eines Pfluges Form weit mehr betraͤchtlich, als man meynt, Und folglich der, der unsern Geist, so viele Faͤhigkeit be- schehrt, Solch Sommer-Betrachtung. Solch nutzbar Werkzeug zu erfinden, Lob, Ehre, Preis und Dankens werth. Der Stoff, aus welchem er besteht, ist anders nichts, als Holz und Eisen: Allein erweg, ob Holz und Stal nicht einen weisen Schoͤpfer weisen; Wie vielerley Bequemlichkeit und Nutzen wir entbehren muͤßten, Wenn wir von diesem Werkzeug nichts, und nichts von Holz und Eisen wuͤßten. Som- Sommer-Vorwuͤrfe. Sommer-Vorwuͤrfe. L aßt uns ein wenig stille stehn, Und schauen, voller innren Freude, Wie doch das schoͤnste Weltgebaͤude, Zur Sommerszeit, so wunderschoͤn! Das rege Wallen schwerer Aehren Laͤßt uns ein Meer von Seegen sehn; Jhr lispelnd Rauschen laͤßt uns hoͤren, Jn lieb- und deutlichem Getoͤn: „Der Schoͤpfer schuf uns, euch zu naͤhren, „So freut euch unsrer, ihm zu Ehren! „Laßt eure Lust sein Lob erhoͤhn! Jn der bebluͤhmten Felder Flaͤchen, Hoͤr ich, von regen klaren Baͤchen, Jn sanftem Murmeln, gleichsam sprechen: „Es stellet euch, in holder Zier, „Mein heller Erd- und Himmels-Spiegel, „Bebuͤschte Berge, Thal und Huͤgel, „Ja selbst den himmlischen Saphier, „Jm Wiederschein, gedoppelt fuͤr, „Um desto minder zu vergessen, „Um desto mehr noch zu ermessen, „Wie groß und liebreich dessen Macht, „Der alle Ding hervor gebracht. Der Blumen schimmerndes Gepraͤnge, Die Balsam-reiche bunte Menge, Der Voͤgel zwitschernde Gesaͤnge, Der Sommer-Vorwuͤrfe. Der guͤldnen Sonne Lebensstral, Die gruͤnen Schatten kuͤhler Waͤlder, Der fast smaragdne Klee der Felder, Die Luft, das Wasser, Berg und Thal, Sind voller Wunder ohne Zahl. Wenn wir nun alle Wunder sehn: So laß uns, Herr! mit froher Seelen, Jn einer dir ergebnen Freude, Zu deinen Ehren, oft erzaͤhlen: „Wie ist das schoͤne Weltgebaͤude, „Dein herrlich Werk, so wunderschoͤn! Ja, da wir, wo wir stehn und gehn, Sonst nichts, als Wunderwerk, entdecken; So laßt uns hoͤren, fuͤhlen, schmecken, Daß alle Ding aus Dir entstehn, Und Dich, iu unsrer Lust, erhoͤhn! Br. VI. Th. G Zur Zur Wiese. Zur Wiese. Tom. II. J ndem ich juͤngst, im bunt-bebluͤhmten Grase, Mein auf die Wiesen einst verfertigtes Gedicht, Bey dem Original, bedachtsam uͤberlase: Gefiel mir die Copey, bey ihrem Urbild, nicht. Jch bin gewiß, daß mancher, der allein, Und ohn Original, dasselbige gelesen, Vielleicht der Meynung sey gewesen, Das Malwerk sey zu sehr geziert. Doch, sollt er sie zusammen sehn: Wird er gewißlich uͤberfuͤhret, Das Urbild sey noch tausendmal so schoͤn. Ob nun zu Anfang gleich mich eine Art von Schaam Hieruͤber uͤbernahm; Jedoch, dieweil ich bald entdeckte, Daß Eigen-Ehr, Dem Ansehn nach, in diesem Schaͤmen, mehr, Als wie Vernunft und Andacht steckte: Vertrieb ich bald den ungerechten Gram, Durch die Betrachtungen, daß, durch die Malerey, Die bildende Natur nicht nachzuahmen sey. Jch wandt indeß die fast entzuͤckten Blicke, Auf dieser schoͤnen Flur, bald vorwerts, bald zuruͤcke, Und fand, im bunten Glanz, fast alle Stellen glimmen. Ein tausendfach gefaͤrbter Schein Nam meiner Seelen Jnnres ein, Sie Zur Wiese. Sie schien, im fuͤhlbaren Genuß, Von einem Anmuth-Ueberfluß, Als wie in einem Meer, zu schwimmen. Zumal vom Thau annoch viel tausend bunte Blitze Aufs bunte Blumen-Heer, an jedes Grases Spitze, Mit schnellem Funkeln gluͤhn. Man erblickt saphirne Schaͤtze, Wenn man oͤfters ganze Plaͤtze, Von vergiß mein nicht, erblickt. Gold ist hier in solcher Menge, Daß es nicht zu zaͤhlen ist. Doch dieweil es nicht zu zaͤhlen, Jst es von dem Cacopist, Und Chrysanders eitlen Seelen, Unbetrachtet, Ungeachtet. Von aller dieser Pracht, die uͤberhaͤufte Fuͤlle Bracht anfangs mein Gemuͤth, zu einer sanften Stille, Darauf zu einer Lust, die der allein empfindet, Der, mit des Koͤrpers Lust, der Seelen Lust verbindet, Und der, in dem Geschoͤpf, den Schoͤpfer selber findet. G 2 Be- Besondere schoͤne Abend-Vorwuͤrfe. Besondere Schoͤne Abend-Vorwuͤrfe. N achdem die schwuͤhlen Mittagsstunden bereits den kuͤhlen Abend wichen, Und die gesenkten Sonnenstralen flach uͤber Feld und Wiesen strichen: Fiel, bey dem niedrig scheinenden, fast rosenrothen Sonnen- licht, Mir eine Menge Gegenwuͤrfe, die neu, in mein geruͤhrt Gesicht. Es schien der Luftkreis voller Gold; es schienen angestralte Hoͤhen Jn einem roͤthlich guͤldnen Schimmer, und purpurfarbnem Glanz zu stehen. Hingegen faͤrbten allgemach, die allgemach verlaͤngten Schatten, (Wodurch das Licht noch schoͤner ward) die Flaͤchen unsrer Wies und Matten, Doch sahe man, vom langen Kraut, die obern noch bestralten Spitzen, Bey der schon dunkel gruͤnen Helft, um desto lieblicher noch blitzen, Worunter denn, auf dunkelgruͤnem, fast den Smaragden gleichem Grunde, Ein helles kaum zu zaͤhlend Heer durchsichtger Blumenkugeln, stunde, So die verbluͤhte Graseblum, in einer neuen Blume, zeuget, Und die, wenn ihre Mutter todt, aus ihrer Asche gleichsam steiget, Jndem ein jedes Samenkoͤrnchen, ein eignes Bluͤmchen sich gebiert, Und Besondre schoͤne Abend-Vorwuͤrfe. Und aus viel Kuͤgelchen, ein groͤßers; von lauter Zaͤsercher, formirt. An, und durch diese fiel die Sonne so hell, daß, auf dem dunkel- gruͤnen, Sie noch viel heller, reiner, weisser, als waͤren sie aus Sil- ber, schienen. Jch sahe ferner auf dem Felde, mit noch vermehretem Ver- gnuͤgen, Den rothen Abendstral der Sonnen, auf jungen Rocken- Aehren liegen, (Der Rocken, der daselbst so dicht, als eine schoͤne gruͤne Wand, Mit purpur-untermischten Aehren, gezieret und gekroͤnet stand,) Und durch desselben guͤldne Roͤthe, den rothen Glanz der jun- gen Spitzen, Die unterm untergehnden Koͤrper der Sonnen stunden, lieb- lich blitzen. Noch ward ich, auf derselben Stelle, ein’ angestralte Muͤcken- Schaar, Die wie lebendge Funken schienen, und als ein guͤldner Staub, gewahr. Die denn, mit ihren Gaukeleyen, im Steigen, Sinken, Spielen, Schweben, Als wie Johannis Wuͤrmerchen, den Augen auch Vergnuͤgen geben. Die Majestaͤt der Sonnen selber, in ros-und purpurfarbnem Licht, Besaͤnftigte den starken Schein, und blendet’ unser Augen nicht, So, daß von ihrem Born des Lichts, von ihrer hellen Wun- derpracht, Man mehr, als sonsten, sehen kunnt, zum Preise des, der sie gemacht. G 3 Jn- Besondre schoͤne Abend-Vorwuͤrfe. Jndem sich nun, an diesem Vorwurf, so Herz als Aug erstau- net laben, Kam ich, im Gehen ungefaͤhr, an meines Schlosses breiten Graben, Auf dessen Spiegel-glatten Fluth, die ganz bepurpert und verguͤldet, Der große himmlische Rubin sich selbst, als wie im Spiegel, bildet. Jch dachte dem verdoppelten, bewunderns-werthen Wunder nach; Mein allbereit geruͤhrter Geist ward hier nach mehr geruͤhrt. Jch sprach: „Ach welch ein feurig Rosenroth seh ich am hellen Himmel glimmen! „Ach welche purpurfarbne Gluht seh ich, auf glatten Fluthen, schwimmen! „Wie wird mein Herz durchs Aug ergetzt! da ich hier in der Tief und Hoͤh, „Ein herrlich doppelt Abendroth, und auch zugleich zwo Son- nen seh. Jch sehe sie, zu deinen Ehren, o unser aller Schoͤpfer, an; Bewundre deine Wunderwerke, und danke, daß ich sehen kann. Was- Wassergraben. Wassergraben. D a wir anjetzo auf dem Felde, worauf noch viele Dinge schoͤn, Und die mehr als zu wohl verdienen, daß wir sie mit Bedacht besehn: So laßt uns, mit vergnuͤgtem Schritt, bedachtsam etwas wei- ter gehn. An jedem Ort, an allen Enden, Wohin wir unsre Blicke wenden, Jst was wir hoͤren, was wir sehn, Voll Anmuth, lieblich, wunderschoͤn. Seht dort die kuͤhlen Wassergraben, in einer gruͤnen Klarheit, glaͤnzen, Seht von Smaragden-gleichem Schilf ihr settes Ufer rings umkraͤnzen, Und sich, nebst hundert tausend Blumen, die sich bepurpern und verguͤlden, Jn unbeschreiblich holdem Glanz, im klaren Wasser-Spiegel bilden, Es druͤcket solche bunte Klarheit und ein so suͤß gefaͤrbter Schein, Mit ungezaͤhlten Mischungen den Augen tausend Anmuth ein. Jch fuͤhl, den kuͤhl- und gruͤnen Glanz mir so durch Aug und Herze dringen, Daß ich mich nicht enthalten kann, zu Gottes Ruhm, noch mehr zu singen. G 4 Jn Wasergraben. Jn der klaren Fluthen Spiegel, Jst der Schmuck bebuͤschter Huͤgel, Durch den gruͤnen Wiederschein, So natuͤrlich, deutlich, rein Vorgestellt, nicht minder schoͤn, Als das Urbild selbst zu sehn. Ja es scheint dieß klare Gruͤn Fast dem Urbild vorzuziehn, Da die holde Schilderey, Vom Gebuͤsche, Laub und Gras, Durch des Wassers klare Glaͤtte, Anders nicht den Blicken schien, Als wenn man ein klares Glas Ueber sie geleget haͤtte, Dessen Klarheit ihre Pracht Schoͤner, als das Urbild, macht . Diese Schoͤnheit ruͤhrte mich, So daß ich mich inniglich Zu der Schoͤnheit Schoͤpfer lenkte, Und ihm dankte, daß er mir, Zu Betrachtung dieser Zier, So Vertand, als Augen, schenkte. Schat- Schatten. Schatten. D amit, bey kuͤnftiger sich bald vermehrnder Hitze, Zugleich auch etwas, welches kuͤhl, Und, gegen ihr zu fchwuͤhl- und strenges Brennen, schuͤtze: So wachsen (uns zur Lust, und Anmuth im Gefuͤhl) Die Schatten mit dem Laub. Ein kuͤhles Blaͤtter-Zelt Wird uͤber das zu heiß bestralte Land, Von einer unsichtbaren Hand, Ohn unser Zuthun, ausgespannt. Es decket, hier und dort, die sonst zu heisse Welt, Und steigt von selbsten aus der Erden, Ein Schirmdach, das so nuͤtzlich ist, als schoͤn, Wie wir, auf einem Schauplatz, sehn, Daß Scenen vorgeschoben werden: So scheinet jetzt, durch uns verborgne Kraft, Der Erden jetzt zu Laub gewordner Saft, Von unten in die Hoͤh getrieben, Und in so ungezaͤhlt-als wohlgefuͤgter Zahl, Dem gar zu strengen Sonnenstral, Zu unserm Schutz, im Laub, sich vorzuschieben. Wenn wir, bey heisser Zeit, und schwuͤlem Wetter, Die Kuͤhlung und die Lust, so aus der gruͤnen Blaͤtter, Von Fingern der Natur, gefuͤgtem Bau, entspriesset, Die Anmuth des Gefuͤhls, die Freude des Gesichts, Die mannichfache Fuͤg-und Trennungen des Lichts, So ein belaubter Wald uns haͤufig schenkt, geniesset, G 5 Mit Schatten. Mit Augen der Vernunft betrachten: So muͤssen wir je mehr und mehr, Zu unsers Gottes Ruhm und Ehr, Es als ein wirkliches betraͤchtlichs Wunder achten. Es ist wahrhaftig dieses Wunder, so bloß fuͤr uns gewirkt wird, werth, Daß man, in froͤlicher Betrachtung, auch darin unsern Schoͤp- fer ehrt. Wer wuͤrde doch der nahen Sonnen, und der geraden Stra- len Brennen, Ohn ein fast gaͤnzliches Verschmachten, das nicht ertraͤglich, dulden koͤnnen! Wenn nun, von uns erbaute Haͤuser, uns zwar in solchen Zei- ten nuͤtzen: So sieht man, sonder Muͤh und Kosten, und besser noch, die Baͤum uns schuͤtzen. Der dicht belaubten Waͤlder Wipfel sind nicht nur gruͤn, sind nicht nur schoͤn; Sie sind als aufgefuͤhrte Daͤcher, uns zu beschirmen, anzusehn. Es ist derselben dunkle Frucht, der kuͤhle Schatten, anders nichts, Als eine Milderung der Hitze, als eine Linderung des Lichts, Den Gott, in schwuͤhler Sommerszeit, Zu unsrer Kuͤhlung, Lust, Vergnuͤgung, Bequemlichkeit und Nutzbarkeit, Zugleich zusamt der Blaͤtter Pracht, Mit ihnen gleichsam wachsen laͤßt. O angenehme gruͤne Nacht, Wie lieblich laͤßt sichs in dir ruhn! wie sanfte laͤßt sichs in dir schlafen! So Schatten. So oft, aus deinem holden Dunkeln, wo alles lieblich ist und kuͤhl, So wohl im Blick als im Gefuͤhl, Uns Kuͤhlung, Labsal, Lust entspriessen; So oft, in deinem Blaͤtter-Zelt, wir einer suͤssen Ruh geniessen: So denkt: Bis auf den Schatten selbst, ist alles, uns zum Nutz erschaffen, Und wenn ihr, sonderlich im Lenzen, bey Waͤldern, Buͤsch- und Baͤumen steht, Und, in dem Laub, ihr Schatten-Heer sich mehren, sich vergroͤs- sern seht: So sucht, daß, auch in diesem Werk, was recht betraͤchtlichs sey, zu fassen, Und danket dem, der euch zum Besten, im Laub, auch Schat- ten wachsen lassen! Fer- Betrachtung der Sonne. Fernerweitige Betrachtung der Sonne. J ch sahe juͤngst das guͤldne Feuer der untergehnden Son- nen an, Die meine Seele nur bewundern, nie wuͤrdiglich beschreiben kann. Jch senkte mich, mit Aug und Herzen, in diesen uͤberirdschen Schein, Jn dieser guͤldne Himmels-Gluht, von Andacht angeflammt, hinein, Die, da sie eben unterging, die dann von Blendung sichern Augen, Durch die dort dickre Luft gestaͤrkt, fast unverwandt zu sehen taugen. So wohl von Licht als Lust erfuͤllet, und fast verklaͤrt, in tausend Freuden, Fing, an dem Schatz des hellen Lichts, Sich in den Kraͤften des Gesichts, Der auch bestralte Geist, sich innig an zu weiden, So daß er sich in ihre Pracht, Zu Ehren dem, der sie so wunderschoͤn gemacht, Mit allen seinen Kraͤften senkte, Und sich, in ihr, zum Schoͤpfer lenkte. Jch nam ein Perspectiv zur Hand, Da ich denn, an der Sonnen Koͤrper, ein nie gesehnes Wun- der fand. Jch sahe, fast erstaunt, derselben aͤussern Rand, Nicht feste, stet und still, wie es den Augen scheint, Und Betrachtung der Sonne. Und wie auch ich bisher gemeynt, Jch sah ein wunderwuͤrdigs Regen, Ein heftig wallendes Bewegen, Das einem Feuer-Meere glich. Ein flammend Lodern zeigte sich. Sie aͤnderte so gar recht sichtbarlich, Nicht ihren innern Zustand nur, Es aͤnderte sich gar die aͤussere Figur. Oft fuhren Flammen-gleiche Spitzen, Bald seit-bald oberwerts. Bald macht ein reger Stral, Mit bald vermindertem und bald vermehrtem Blitzen, Der Sonnen Zirkel spitz, und bald Oval, Vor allen nam, von vielen Stellen, Das rege Wallen mich recht mit Erstaunen ein. Mein Gott! was muͤssen das vor Wellen, Vor Flammen, diese Flammen seyn! Da von derselbigen, in einer Ferne, Von so viel Millionen Meilen, Die wirkliche Figur von ihnen, klar zu sehn! Von welchen ungemeßnen Theilen, Muß dieses Feuer-Meer bestehn! So rief ich ganz erstarrt. O! fuhr ich ferner fort, Welch einen Ocean von Gluht erblick ich dort. Ein gluͤend sprudlend Erzt scheint gegen die Gewalt, Jn welcher hier ein solcher Koͤrper gluͤhet, Die hier der Geist annoch mehr, als das Auge, siehet, Nicht gluͤhend, wirklich kalt. Seht eine rege Loh, seht einen schnellen Glanz, Aus einem Feuer-Born, der kaum zu messen, quillen, Und den unmeßbarn Raum der weiten Tiefen, ganz Mit immer blitzenden geschwungnen Wirbeln, fuͤllen. Mich Betrachtung der Sonne. Mich brachte dieß Gesicht zu einem tiefen Denken; Jch fing mein Seelen Aug, auf dieses Feur-Gefaͤsse, Zumal auf dieser Gluht recht ungeheure Groͤße, Nicht ohne Schrecken, an zu lenken. Welch eine Last von Gluht, welch eine Feuer-Welt! Welch eine Flammen-See! die Millionen Meilen Jn ihrer Ruͤnd enthaͤlt! Da an der Sonnen Groͤß, an Groͤßen unsrer Erden, Auf viert’ halb Millionen fast, gefunden werden. Die Groͤße schrecket mich, rief ich von neuen aus, Was muͤssen doch, in diesen Feuer-Gruͤnden, Vor rege Feuer-Theil, fuͤr Hitz und Licht sich finden! Welch eine Heftigkeit und schnelles Regen! Man stelle sich nur fuͤr, als ob man in der Naͤhe, Bey einem Kreis von Gluht, bey einer Feuer-Ruͤnde, Von etwan einer Meil an Groͤße, stuͤnde, Und in ein solches Meer, von Loh, und Flammen, saͤhe, Welch ein Erstaunen, welch ein Schrecken, Wuͤrd eine solche Gluht dem starren Aug erwecken! Wer wuͤrde solch ein Licht, wer wuͤrde solch ein Brennen, Am Koͤrper und Gesicht, ertragen koͤnnen! Der ewgen Weisheit Wunderhand Hat uns jedoch in einen solchen Stand, Von ihrer Gluht entfernt, gesetzt, Daß ein unmeßlich Feur uns dennoch nicht verletzt, Wenn ich ein Feur, von einer solchen Groͤße, Mit Ernst und Achtsamkeit ermesse: Entsetzt, ob solcher Gluht entsetzliche Gewalt, Sich meine Seele dergestalt, Daß Betrachtung der Sonne. Daß bey der Gottheit bloß allein, (Als gegen welcher alles klein,) Sie gegen ihr unfehlbares Erblinden, Kann Huͤlf und Beystand finden. Es fiel vor andern ihr der Zweifel ein, Worzu ein solches Feur und eine Hitze, Von solcher grausen Groͤße, nuͤtze? Da, wenn ein jeglicher Planet ihr etwas naͤher saͤsse, Es einer solchen Gluht so ungemeßnen Groͤße Ja nicht gebraucht: Allein der Entwurf fiel, verschwand, Und macht, in seiner Schwaͤch, um desto mehr bekannt, Des Schoͤpfers aller Welt allmaͤchtigen Verstand, Der alle wunderbare Sterne, Jn einer so gemeßnen Ferne, Jn solchen Stand vom Sonnenfeur gesetzt, Daß wie entsetzlich groß und heftig gleich ihr Brand, Von aller Heftigkeit, sie dennoch nicht verletzt, Vielmehr von sanfter Waͤrm, und mildem Licht ergetzt, Belebt und fruchtbar wird. Wo etwas auf der Welt Der Gottheit Goͤttlichkeit uns hier vor Augen stellt: So ist es ja, vor allen andern, dieß, Was er, im Sonnenfeur, fuͤr Macht und Weisheit wieß, Aus dessen Born von Licht, ein solches Licht-Meer quillet, Daß es die tiefe Tief, in einem Raume, fuͤllet, Der, im geraden Strich allein, Bis zu Saturnus Kreis und Schein, Wie die Astronomie uns laͤngst entdecket, Auf hundert siebzig Millionen, Von teutschen Meilen sich erstrecket, Und, in des Raumes ganzer Weite, Sich eine Breite, Von Betrachtung der Sonne. Von sechsthalb hundert Millionen, Befindet, welche durch den Schein Der Sonnen all erfuͤllt, erwaͤrmt, erleuchtet seyn. Man ůberleg hiernaͤchst einmal, Wie heftig doch der Sonnen Feur und Stral, Jn seinem Ursprung, muͤsse brennen, Da wir ganz richtig rechnen koͤnnen, Durch uͤberzeuglich wahre Schluͤsse, Daß, im Saturn, der Sonnen Kraft sich lindern, Und fuͤnf und neunzig mal sich muͤsse, An Waͤrme mehr, als auf der Erden, sich vermindern. Verhaͤlt sich nun der Sonnen Kraft, Auf uns, zu des Saturnus Eigenschaft, Fast wie zehn tausend gegen hundert: So folgt, wie sehr, von un- srer Erden, Zur Sonnen, ihre Kraͤft annoch sich mehren werden. O Gott! wen diese Groͤß, in der man dich verspuͤrt, Mit Ehrerbietigkeit nicht ruͤhrt; Wie kann doch der mit Recht verlangen, Er hab ein menschlich Herz, und einen Menschen-Geist, Jn welchem sich Vernunft, des Schoͤpfers Bildniß, weist, Und nicht vielmehr ein thierisch Herz empfangen? Zumal wenn er annoch, in noch viel groͤßern Werken, Die wahre Groͤß und Macht des Schoͤpfers zu bemerken, Gelegenheit bekoͤmmt, da in den holen Gruͤnden Des tiefen Firmaments, sich Sonnen ohne Zahl, Jn ungezaͤhlten Sternen, finden, Von derer Menge man, Zu ihres Schoͤpfers Preise, Auf diese Weise, Sich einigen Begriff noch machen kann. Man Betrachtung der Sonne. Man stelle sich den Raum, in welchem sich die Kreise Der Jrrstern um die Sonne drehn, Als eine Kugel vor, von welchen wir dergleichen Sonnen Welt, Jn Fixstern erster Groͤß, (wie es sich denn verhaͤlt) Nicht mehr, als dreyzehn sehn. Wenn wir nun weiter gehn: So werden sich, in den noch tiefern Gruͤnden, An solchen Sonnen-Welt-und Planetarschen Ruͤnden, Die sich um ihre Sonn, als wie die unsre, drehn, Schon mehr, als hundert, finden, Die wir denn wirklich sehen koͤnnen, Und Stern’ der andern Groͤße nennen. Nachher, wo selbst der tiefe Raum, Noch immer weiter ausgespannt, Wird ihrer, in fuͤr uns verkleintem Stral, Schon eine Zahl, Von tausend und noch mehr bekannt, Jn Sternen von der dritten Groͤße, Wie wir denn, mit den bloßen Augen, Eilf hundert schon zu zaͤhlen taugen. Geht man, mit unseren Gedanken, Aus diesen ungemeßnen Schranken, Noch weiter fort, wird man, in der stets tiefern Weite, Und der fast unumschraͤnkten Breite, Derselbgen schon zehn tausend sehn, Ja hundert tausend schon, wenn wir noch weiter gehn; Und endlich werden wir, da in des Schoͤpfers Werken, Fuͤr uns aufs wenigste, kein Ziel zu merken, Nach unumstoͤßlichen und ordentlichen Schluͤssen, Viel hundert Ziefern nach einander, Jn einer Reihe setzen muͤssen. Br. VI. Th. H Jn Betrachtung der Sonne. Jn welchen wir denn leichtlich spuͤren, Daß wir, mit allem Witz, uns ganz darin verliehren. O Gott! o wahrer Gott! hier ruͤhret mich ein Stral, Von deiner Goͤttlichkeit! Jm Reiche der Natur, Jst keine solche groß und klare Spur, Von deiner Majestaͤt! Jn dieser Groͤße glaͤnzt Allein ein goͤttlich Licht, das ewig, unbegraͤnzt, Unendlich, dessen Tief die Engel so, wie wir, Mit einem heiligen Bewundrungs-vollen Grauen, Jn Demuth, voller Andacht schauen, Und dem, da alle Ding aus ihm allein gequollen, Sie, wenn sie seine Lieb, mit seligem Entzuͤcken, Und seine weise Macht, fuͤr Lust erstaunt, erblicken, Den ewigen Tribut des Danks und Lobes zollen. Ueber Ueber eine große Schachtel, Ueber eine große Schachtel mit auserlesenen Blumen, So mein gewesener Gaͤrtner in Ham- burg mir von daher uͤberbrachte. A ls wenn, aus dieser offnen Schachtel, ein buntes Feuer lo- dernd spruͤnge, Und mir, mit Farben reichen Stralen, durchs Aug, in meine Seele druͤnge: So nahm der tausendfach vermengte, der dicht vereinte Glanz und Schein, Mit tausend kleinen bunten Blitzen, die angestralten Augen ein. Jch stund, beym ersten Anblick, starr; der Farben Glanz, der Blumen Menge, Jhr theils entdeckt, theils halb versteckt, vermischtes schim- merndes Gepraͤnge Fiel, recht mit freundlicher Gewalt, mit einem lieblichen Ge- draͤnge, Mir, durch den Blick, in mein Gehirn. Jch wußt, aus ploͤtz- lichem Behagen, Vor uͤberhaͤufter Lust und Anmuth, zuerst fast nicht ein Wort zu sagen, Bis vom zuruͤckgehaltnen Othem der Ausbruch diese Stille brach, Und ich ein froͤliches Gottlob! mit recht geruͤhrter Seele, sprach. Worauf ich sie, mit spitzen Fingern, aus ihrem gruͤnen Kerker zog, H 2 Was Ueber eine große Schachtel, Was etwan sich gekruͤmmet hatte, daran gemach zu rechte bog, Und zween damit belegte Tische, mit Anmuth und mit Ernst, erwog. Jch sah sie fast mehr gluͤhn, als bluͤhn; ich sahe durch ein- ander funkeln, Leucojen, Anemonen, Rosen von vielen Sorten, gelben Mah, Violen, Tuberosen, Liljen, Geranium, Acacia, Orangen-Bluͤthe, Flos Adonis, auch Nelken, Jrides, Ra- nunkeln, Die alle, durch den schoͤnen Grund des mannigfaltig-schoͤnen Gruͤnen Der gleichfalls schoͤn formirten Kraͤuter, erhoͤht, und noch ver- schoͤnert schienen. Woher entsteht der holde Glanz? rief ich, woher die bunte Pracht? Aus kleinen Blaͤslein ist ihr Leib geweht, gefuͤget und gemacht: Doch sind die eigentlich die Quell und Ursprung ihrer Schoͤn- heit nicht; Sie brechen und sie mildern nur der schoͤnen Farben Quell, das Licht, Es zeigt uns zwar der Sonnen Stral der wunderschoͤnen Blumen Heer: Doch zeigen die geschmuͤckten Blumen den Schmuck des, der sie schmuͤckt, noch mehr, Da ja die allerschoͤnsten Farben, auf dieser Erden, anders nichts, Als Kinder des noch schoͤnern Vaters, des all er freunden Son- nenlichts. Und weil auch die von selbst nicht ist: So zeigt sie uns ein goͤtt- lich Licht, Aus welchem sie und alle Schoͤnheit, als wie ein Strom, be- staͤndig bricht. So mit auserlesnen Blumen. So fuͤhren Blumen uns zum Licht; das Licht zu dem, der seine Pracht So schoͤn, so wunderwuͤrdig schoͤn, ihm anerschaffen und gemacht. Den laßt uns, wenn wir Blumen sehn, als aller Schoͤnheit Quell erheben, Und seine weise Macht und Liebe recht zu verehren, uns be- streben. Ein solch Erheben kann nicht besser, durch unsre Schwach- heit, hier geschehn, Nicht besser ausgeuͤbet werden, als wenn wir, da wir Blu- men sehn, Sie, und in ihnen, ihres Schoͤpfers Anbethungs-werthe Macht erhoͤhn! Jndem wir, wenn wir sie betrachten, und als ein goͤttlich Werk erblicken, Wir in Bewundrung unsern Geist, mit geistgen Blumen, gleichsam schmuͤcken, Und, um dem Schoͤpfer zu gefallen, wenn wir sein Werk in Blumen ruͤhmen, Zum schoͤnsten Putz, als eine Braut, die Seele gleichsam selbst bebluͤmen. H 3 Ber- Vergnuͤgte Gedanken. Vergnuͤgte Gedanken. J ch geh im Garten hin und her, Um, an des großen Schoͤpfers Werken Mit Lust, und Ehrfurcht, zu bemerken, Wie nichts von seinen Wundern leer. Da ich denn, mit Vergnuͤgen schau, Wie, durch der Hecken holdes Gruͤn, Des glatten Wassers holdes Blau, Voll kleiner Silberblitze, schien. Dieß machte nun, in dem Gebuͤsche, Ein solch anmuthiges Gemische, Daß meine Seele, durchs Gesicht, Recht angestralt von Farb und Licht, Dem, der sie, fuͤr so manche Pracht Der Creatur, empfindlich macht, Und ihr so manch Vergnuͤgen schenket, Mit frohem Dank, zu Ehren, folgends denket. „Schoͤpfer! den allein die Liebe, „Um mit den erschaffnen Schaͤtzen, „Creaturen zu ergetzen, „Und sie inniglich zu ruͤhren, „Creaturen zu formiren, „Die betrachten koͤnnen, triebe! „Laß mich, da dein gnaͤdigs Wollen „Will, daß wir uns freuen sollen, „Dich, in Freuden zu erheben, „Mich, nach Moͤglichkeit, bestreben! Der Der himmlische Garten. Der himmlische Garten. B ey dieser holden Felder Zier, Jn ihrer gruͤn- und bunten Pracht, Denk ich an dich, Herr! der sie macht, Erfreue mich, und danke dir, Daß du sie mir, in diesem Leben, Und Augen, sie zu sehn, gegeben. Sollt ich den Schoͤpfer nicht besingen, Da ich, mit frohen Blicken, schau Die Blumen auf der gruͤnen An, Fast unter meinem Fuß, entspringen? Es waͤchset, unter meinen Fuͤssen, Ein weiches buntgesticktes Kuͤssen, Das Ranken-Laub-und Blumen-reich, Und als ein gruͤner Sammt so weich. Jch scheue mich fast, auf den Schaͤtzen, Die jetzt aus allen Stellen steigen, Und sich in solchem Schimmer zeigen, Den fast beschaͤmten Fuß zu setzen. Er haͤlt, bey einem jeden Blick, Fast jeden Tritt aus Furcht zuruͤck. Jch weis fast nicht, wie sie entstehn, Da ich sie fruͤh noch nicht gesehn. Es scheint, als ob ihr buntes Heer Gewachsen weniger, als drauf geregnet waͤr. Das gruͤne Gras, der Blumen Glanz und Schein, Nahm mich, mit suͤssen Freuden, ein. H 4 Gan Der himmlische Garten. Ganz uͤberhaͤufet von Vergnuͤgen, Geh ich im bunten Grase liegen, Auf welchem, recht als wenn sie guͤlden, Sich Millionen Blumen bilden, Worin ein gelbes Feuer flammt, Das aus der guͤldnen Sonnen Licht, So in den Spitzen, die so dicht, Als wie die Faͤden, in dem Sammt, Jn welchen es sich senket, stammt. Man glaubt fast in der Form, da sie so schoͤn, Ein kleines Sonnenbild zu sehn, Da sich die Blaͤtterchen so suͤß vereinen, Und gleichsam in der Ruͤnd, als kleine Stralen, scheinen. Es kam, in Silber-weissem Schein, Der Mayenbluͤmchen Glanz und Menge, Jn einem schimmernden Gepraͤnge, Auf der Smaragden-gleichen Flur, An Glanz, an Farben, und Figur, Zumal ihr weisser Schimmer, mir, Als lauter kleine Monden, fuͤr. Mir fiel hierbey ein großes Gleichniß ein: Wie diese Sonnenbilder hier im Kleinen, Auf Feldern und in Gaͤrten, scheinen: So koͤmmt der tiefe Raum des blauen Himmels mir, Als wie ein Garten Gottes, fuͤr, Jn dessen unumschraͤnkten Graͤnzen, Viel wahre Sonnen-Heere glaͤnzen, Jn tausendfachem Schimmer gluͤhn, Und, Gott zum Ruhm, als Blumen, bluͤhn. O welch Der himmlische Garten. O welch ein Garten, der allein, Jn seiner unbegraͤnzten Pracht, Ein wuͤrdger Garten scheint zu seyn, Deß, dessen Weisheit, Lieb und Macht, Was worden ist, hervorgebracht! Worauf ich ganz erstaunt, so Blick als Seele hefte! O welche Blumen! woraus Kraͤfte, Die statt des Riechens herrlich glaͤnzen, Und, recht als holde Jnfluenzen, Zu aller Creatur Erspriessen, Bestaͤndig duͤnsten, quillen, fliessen! O wahre Sonnenblumen! ihr Erweist, da ihr fast Graͤnzen-lo!, Nicht nur, daß eures Gartens Zier Und Raum fast unermeßlich groß; Jhr stellt zugleich den Schoͤpfer mir Recht wuͤrdig, recht unendlich fuͤr. H 5 Tape- Tapeten der Natur. Tapeten der Natur. M ir ruͤhrte gestern meine Brust, Durch eine neue Augenweide, Noch eine neue Sommer-Lust, Als ich nach einem Dorfe fuhr, Und viel gemaͤhetes Getreyde, Auf einer allgemach erhoͤhten Flur, An Huͤgeln, die sich aufwerts streckten, Und mir dadurch vom Korn, das abgemeiht, Der Garben Meng und Hocken Zierlichkeit, Weit mehr und deutlicher entdeckten, Als in der ebnen Flaͤche mar, Wo alles sich verkuͤrzt, erblicken kann. Wir sehr in einer großen Menge, Und fast nicht abzusehnder Laͤnge, Brel Segens-schwangere Alleen, Von zierlich aufgethuͤrmten Hocken, Von Gersten, Habern, und von Rocken. Vor allen fielen die, so auf den aͤussern Hoͤhen, Wo eine große Meng, in langer Reihe, stunde, Am Horizont in blaner Luft, zu sehen, Als wie auf dunklem Grunde, Von einer Seiten hell durchs Sonnenlicht Sehr angenehm mir ins Gesicht: Die sag ich, die des Huͤgels aͤußern Ruͤcken, Jn einer deutlichen gesetzten Reihe schmuͤcken, Wobey die Stoppeln noch, in langen gelben Strichen, Bestralet glaͤnzeten, und fast dem Golde glichen. Jch Tapeten der Natur. Jch sahe dieser Felder Zier, Mit inniglicher Lust; und im Erwegen, Was diese Zier zugleich auch vor ein Segen; So dankt ich meinem Gott dafuͤr. Nachhero kamen wir im Dorf, dem Ziel der Reise, Gleich nach dem Mittag an. Wir ließen Tisch und Speise, Weil es im Hause warm, und es besonders schwuͤhl, Jn Schatten vieler Baͤume setzen, Woselbst, auch bey dem heissen Wetter, Es dennoch frisch und kuͤhl. Da mir der Anblick denn der angestralten Blaͤtter, Wodurch bald hie, bald da, das Gruͤn Versilbert und verguͤldet schien, Besonders wohlgefiel, Und ich besahe sie, mit froͤlichem Ergetzen. Sie kamen mir, Jn ungemeiner Pracht und Zier, Als recht lebendige Tapeten fuͤr. Hieruͤber fielen mir, bey diesem Schein, Die folgenden Gedanken ein. Wer laͤßt nicht, wenn wir dieß erwegen, Den reichen und den großen Herrn Gewirkete Tapeten gern, Die uns sonst nichts vor Augen legen, Als von nicht kuͤhl- und frischen Waͤldern, Als nur von Segen-leeren Feldern, Voll Vieh, und dennoch leer vom Vieh, Ein’ Augen blendende Copie? Hier ist vom wahren Wald hingegen, Von einem wahren Feld voll Segen, Jn Tapeten der Natur. Jm warmen wahren Sonnenstral, Ein wirkliches Original. Wo etwas, hier auf dieser Erden, Kann ein Beweis gefunden werden, Der aller Menschen Schwachheit weist: So ist es, daß wir die Copien Stets zu bewundern, uns bemuͤhen, Und goͤnnen dem Original Die Augen kaum ein einzigs mal. Jch weis nicht, ob auf dieser Erden, So, wie Elisa Knaben dort, Der Menschen Augen fort und fort, Nach Adams Fall, gehalten werden, Daß sie, was wirklich wunderschoͤn, (Ob sie davon im ganzen Leben, An allen Orten gleich umgeben) Dennoch nicht merken oder sehn. Nuͤtz- Betrachtung uͤber Bienen. Nuͤtzliche Betrachtungen uͤber Bienen. V on Blumen saugt die Bien, im warmen Sonnenschein, Und sammlet suͤssen Honig ein. Ach moͤchten doch auch unsrer Seelen Augen, Aus einer jeden schoͤnen Blume, Dem, welcher sie so schoͤn erschuf, zum Ruhme, Den Honig der Bewundrung saugen, Der in den Blumen wirklich steckt! Welch eine suͤsse Seelen-Speise, Wuͤrd, im Geruch und Blick, geschmeckt, Wenn man, derselben Herrn zum Preise, Der großen Wahrheit Glanz entdeckt, Daß Blumen, von der Gottheit Wesen, Zu unbetruͤglichem Beweise, Und Zeugen seiner Lieb erlesen. Es lassen sich, auf allen Blaͤttern, Jn nett gezognen Strich- und Lettern, Die Weisheits-vollen Schriften sehn. Derselben Zuͤge, die so schoͤn, Die geben deutlich zu verstehn, Wenn sie den Geist, durchs Auge, laben. „Unmoͤglich koͤnn ein Ungefehr, „Von Absicht, Geist und Ordnung leer, „So regelrecht, geschrieben haben. Ach moͤchten wir, Nie muͤßigs Bienlein, doch von dir, Zur Betrachtung uͤber Bienen. Zur Nachfolg, ein Exempel nehmen! Ach moͤchte, nebst dem Blick, sich unser Geist bequemen, Mit Emsigkeit auf Blumen Acht zu geben! Bedachtsam um sie her, wie du, zu schweben. Mit einem aufgeweckten Denken, Den regen Blick oft in sie zu versenken! Oft froͤlich wieder zu erheben; Sie aller Orten zu besehen; Die kuͤnstliche Geheimniß aus zu spaͤhen, Die nett- und zierlichen Gestalten, Die wundervoll darinn enthalten, Zu sehn, bewundernd zu betrachten, Und, wenn man so viel herrliches gespuͤrt, Durch Riechen, und durch Sehen, recht geruͤhrt, Zum rechten Gegenstand gefuͤhrt, Auf den verborgnen Gott zu achten, Der uͤberall vorhanden, dessen Licht Der Liebe, Macht und Weisheit nirgend nicht! Sieh doch, geliebter Mensch, wie dir so Blum, als Biene, Wenn du mit ihnen recht verfaͤhrest, nuͤtz und diene, Die Biene, damit sie dir Leib und Geist ergetze, Zeigt dir, in Blumen, geist-und koͤrperliche Schaͤtze, Man kann durch sie, in jener bunten Gruͤnden, Nebst Honigseim, der fuͤr den Leib bereit, Voll unausdruͤcklicher und ewger Suͤßigkeit, Der Seelen wahren Nectar finden. Was- Wassergedanken. Wassergedanken. H ier seh ich, durch der Luͤfte Regen, Die Fluth sich angenehm bewegen, Auf stets veraͤnderlichen Stellen, Die Wellen uͤber andre Wellen, Mit halben Zirkeln, sanft sich legen, Und wie es scheinet, ohn Verweilen, Nach dem bebluͤmten Ufer eilen, Mit feuchten Lippen es zu kuͤssen, Und, in der, von der Baͤume Pracht, Daselbst vorhandnen Schatten-Nacht, An ihren weich bemosten Fuͤssen, Ein kurzes Ruhen zu geniessen. Auch um, nach nun mehr stillem Wallen, Mit ihren glaͤnzenden Krystallen, Jm glatten Spiegel, ihrem Gruͤnen, Zum holden Wiederschein, zu dienen. Ja, nach dem, von des Himmels Zier, Getragnen Schimmer von Saphier, Gefaͤrbt vom gruͤnen Schmuck der Erden, Zum glaͤnzenden Smaragd zu werden. So scheint es. Aber dieß ist wahr, Daß, da die Fluth so glatt und klar, Jhr Wesen bloß dazu gemacht, Des Himmels und der Erden Pracht, Zu unsrer Lust, und Gott zu Ehren, Jn der Verdopplung zu vermehren. So lasset uns, wenn wir erblicken, Wie sich so Fluth, als Erde, schmuͤcken, Und daß sie beyde doppelt schoͤn, Es doch mit Dank und Freude sehn! Ver- Vergnuͤgung bey regnichtem Wetter Vergnuͤgung bey regnichtem Wetter im Sommer. U ns Menschen kann so gar der Regen, Wenn wir nur auf denselben achten, Und die genetzte Welt betrachten, Zur Lust und auch zum Dank bewegen. Es wird die heiße Luft, wenns regnet, lau und kuͤhl, Und wirkt, auf unsre Haut, ein schaudrigtes Gefuͤhl. Die Duͤft, indem sie um uns fliegen, Erregen unsrer Brust Zwar eine, doch nicht oft gefuͤhlte, Lust, Und leider! meistentheils ein unvermerkt, Vergnuͤgen. Das eine zeitlang her, bestaubte, welke Gras Wird, durch das reine Naß, Gereinigt und getraͤnkt. Ein lieblich Dunkelgruͤn Scheint Laub und Kraut so dann zu uͤberziehn; Ein schwaͤrzlich Dunkelbraun faͤrbt Acker, Feld und Land; Die Kloͤsse kleben jetzt; es steht der rege Sand; Es leget sich der fluͤchtge Staub; Die Blumen, die erfrischt, sind jetzt noch eins so schoͤn, Durch ihren dunklen Grund, erhoͤhet, anzusehn; Es rollen hier und dort, auf ihr gesteiftes Laub, Die runden Troͤpfgen, wie Krystallen, Darin spielt eine weisse Gluht, Ein Schimmer, der, wie Silber, rein, Ein Diamanten-gleicher Schein. Auf der sonst glatt- und ebnen Fluth, Erregt der Tropfen rauschend Fallen, Ein im Sommer. Ein aͤmsiges Gehuͤpf, da Blasen sich erhoͤhn, Die schnell entstehen, schnell vergehn, Und dadurch unsern Blick vergnuͤgen. Man sieht bald hier, bald dort, im Gruͤnen, Wo niedre Stellen sind, verschiedne kleine Seen, Jn gruͤnen Ufern, und in ihnen, Viel kleine gruͤne Jnseln liegen. Dieselben gruͤn’ oft schoͤn bebluͤmte Huͤgel Sind, in des Wassers klarem Spiegel, Jm Wiederschein gedoppelt schoͤn, Wenn man drauf achtet, anzusehn. Kurz, alles zeigt uns, wenn, wie wir billig sollten, Wir alles nur beachten wollten, Daß, auch in feuchter Regenszeit, Es einer aufmerksamen Seele, An Anlaß zur Vergnuͤglichkeit, Und Vorwuͤrf, uns zur Lust, nicht fehle. Ach so gewoͤhnt doch euren Sinn, Daß er, zu aller Zeit, des Schoͤpfers Wunderwerke Nicht, wie bisher, nur uͤberhin; Nein! erstlich euch zur Lust, darauf zu Gottes Ehr, Zu seinem Preis und Lob und Dank je mehr und mehr, Mit froher Achtsamkeit bemerke! So gar des Regens truͤbe Zeit Giebt euch dazu Gelegenheit. Ach laß uns doch fuͤr alle Gaben, O Herr! die wir von dir allein, Jn solcher Fuͤll, empfangen haben, Erkenntlich und dir dankbar seyn! Br. VI. Th. J Die Die Muͤcke. Die Muͤcke. J ch fuͤhlte mich, am linken Bein, von einer Muͤcken juͤngst gestochen, Und zwar so spitzig, daß michs schmerzte. Der Stich ward durch den Tod gerochen: Doch dacht ich bey dem Zufall weiter: Wie weit ist dieß von meiner Stirn, Und dem daselbst vorhandenen, allein nur fuͤhlenden Gehirn, Dem Sitz der Seelen, die nur fuͤhlet! wie muß die Nerve doch so klein, So zart, so fein, Und doch von solcher Laͤnge seyn, Daß sie bis ans Gehirn sich strecket, So kleinen Stich der Seel entdecket, Der in die aͤussre Haut kaum dringet, Und sie gleich in Bewegung bringet. Dieß scheint seltsam, doch begreiflich. Da der Geist den Leib regiert: Muß er ihn auch ganz erfuͤllen; und daher begreifet man, Wie er allenthalben fuͤhlet, allenthalben folglich spuͤret, Was ihm wohlthut, was ihn schmerzt, wenns gleich nur die Haut beruͤhret. Aber hieraus scheinet ferner, daß man deutlich spuͤren kann, Wo der Seelen Graͤnzen sind. Weiter als die aͤußre Haut, Die man epidermis nennt, wird von aller ihrer Kraft, Jhrer Wirkung, Sinnlichkeit, Ueberlegen, Eigenschaft, Nichts Die Muͤcke. Nichts bemerket, nichts empfunden, nichts gefuͤhlet, nichts geschaut. Ausser, was sie, da sie bloß, durch Geberden, Red und Schriften, Weiter, als sie selber reicht, vor Veraͤnderung kann stiften, Als wodurch sie sich, mit andern, und mit ihr auch andre Seelen, Bleiben sie gleich all in Koͤrpern, doch geschickt sind, zu ver- maͤhlen. Denn, wie wir schon einst erwiesen, laͤßt uns die Erfah- rung lernen, Daß sich selber die Gedanken nie aus unserm Kopf entfernen. Faͤllt dir dieses schwer zu fassen: faͤllt mir der Beweis nicht schwer, Und die Probe wird dirs zeigen. Schicke der Gedanken Heer Nach der Africaner Kuͤsten; ruf sie widerum zuruͤck; Laß sie, weil sie dort gewesen, dir doch eigentlich erzaͤhlen, Was sie dort gesehen haben. Dieß kann ihnen ja nicht fehlen, Und doch fehlen sie gewiß. Was sie einst davon gelesen, Oder was von solchem Ort etwan einst erzaͤhlt gewesen, Sagen sie dir; anders nichts. Zeigt nun dieß nicht klaͤrlich an, Daß die Seel aus ihrem Koͤrper nimmer sich begeben kann? Sie verbleibet allezeit in des Koͤrpers engen Schranken, Und hat alles, nebst den Sinnen, dem Gedaͤchtniß bloß zu danken, Wenn sie so geschwinde scheint. Doch es rufet mich die Muͤcke Noch zu einer Ueberlegung, eh ich weiter geh, zuruͤcke. Wie ist ihres Stachels Spitze, und die Stelle doch so klein, Wo sie mich verletzt und stach! Hiebey faͤllt mir billig ein: J 2 Wie Die Muͤcke. Wie viel Millionen Stellen doch an unserm Koͤrper seyn, Die uns alle schmerzen koͤnnen! folglich, wie so groß die Guͤte Dessen, der mit solcher Weisheit (da doch alle Elementen, So viel Millionen Zufaͤll uns so leicht verletzen koͤnnten,) Uns beschuͤtzet und erhaͤlt. Lob ihn denn, o mein Gemuͤthe! Dank Jhm herz- und inniglich! Fleh Jhn an, um Seinen Segen, Daß nicht nur so manche Plagen ferner uns nicht schaden moͤgen; Sondern daß wir Seine Liebe oft mit Freuden uͤber- legen. Boh- Bohnen-Felder. Bohnen-Felder. D a die kaum abzusehnden Flaͤchen, von den schon reifen- den Gefilden, Jn einem lieblich-gelben Schmuck, sich schon beginnen zu verguͤlden: Sieht man dennoch, bald hier bald dort, ein unvergleichlich lieblich Gruͤn, Jn langen Strichen, zwischen ihnen, den Schmuck noch zu erhoͤhn, sich ziehn. Dieß sind nun Felder gruͤner Bohnen, die, wenn sie, wie sie jetzo bluͤhn, Mit so balsamischem Geruch die Luft, durch ihre Menge, fuͤllen; Daß unser Hirn und unsre Lunge, vor großer Anmuth fast gedruͤckt, Und durch den fast zu starken Schwall, zugleich gepreßt wird und erquickt. Zumal, wenn von gemachtem Heu, von bluͤhndem Flieder und Camillen, Woraus, in solchem Ueberfluß, die Duͤft, itzt aller Orten, quillen, Die Ambra-reich-und gleichen Theilchen sich mit der Bluͤhte Balsam mischen. Durch die so suͤß vermengten Duͤnste, fuͤhlt man das hitzige Gebluͤte, Nicht nur sich gleichsam recht erhohlen, nicht nur sich kuͤhlen und erfrischen, J 3 Es Bohnen-Felder. Es fuͤhlt ein, durch so suͤsse Lust, durch Gott getriebenes Ge- muͤthe Ein innerlich erquickend Feuer, ein fast entzuͤckendes Em- pfinden, Und durch den holden Hauch in ihr, ein’ Andacht-Flamme sich entzuͤnden, Ein’ unausdruͤcklich angenehme, ein’ innigliche suͤsse Lust. Es oͤffnet sich daher die Nase; es dehnt sich die gewoͤlbte Brust, Jn einem widerhohlten Schnaufen, wo moͤglich, immer mehr zu fassen, Und sucht, was sie einst eingesogen, nicht gerne wieder weg zu lassen. Die Bluͤhten nun sind, an sich selber, so Farb- und Form -als Wunder -reich; Sie sehn an Farben schoͤnem Purpur, an Form den Som- mervoͤgeln gleich. Die Wunder, die in ihr befindlich, sind, daß sie in der Frucht uns nuͤtzen. Die Ordnung nun, auf welche Weise sie zierlich um den Stengel sitzen, Jst ebenfalls Betrachtungs-werth. Der Stengel, welcher vom Quadrat, Und nicht, wie sonsten andre Stengel, die Bildung eines Zir- kels hat, Zeugt angenehme Blaͤtter-Zweige, wovon man mit Vergnuͤ- gen sieht, Wie jeder Zweig, von denen Ecken, drey stets nach einer Sei- ten zieht, So daß, bey einem jeden Absatz, von den vier Ecken einer frey, Und Bohnen-Felder. Und wechselsweise ledig steht. Daß nun, von einer Garten- Bluͤhte, Die Feldbluͤht unterschieden sey, Besteht nur darin bloß allein, Daß diese hinten uͤberall, auch alle Adern purpur seyn. Da jene lange nicht so roth. Noch hab ich an der Bluͤht entdecket, Daß sie, wenn man es untersucht, zur Haͤlft in einer Huͤlse stecket, Die vier und eine Spitze hat. Das obre Blatt kruͤmmt sich zuruͤcke, Dem folgen zwey, die oben zu und unterwerts geoͤffnet stehn, Auf welchen wir zwey schwarze Flecken, als waͤr es schwarzer Sammet, sehn, (Da sie sonst an sich selber weiß) so man sonst nicht auf Blu- men findet. Hierin, als einem Futteral, Steckt abermal Ein oberwerts geoͤffnet Blatt, Worin, als in der Rittersporn, ein Spitzchen sich nach oben ruͤndet. Dergleichen Blumen fuͤllen nun, in einer ungemeinen Menge, Von unten bis fast oben aus, des hohen Stengels ganze Laͤnge, Bis das ein gruͤner Busch von Blaͤttern desselben Gipfel zier- lich schmuͤckt, Wodurch man, auf den Bohnen-Feldern, ein schoͤnes Gruͤn al- lein erblickt, Das doch zuweilen, hie und da, ein angenehmes weisses Licht, J 4 Von Bohnen-Felder. Von weiß-und schimmernden Camillen, nicht minder lieblich, unterbricht. Die bey dem Dunkelgruͤnen denn, in schnellen Blicken hin und wieder, Wie weisse Sommervoͤgel lassen, die mit sanft flatterndem Gefieder, Und regem Schwaͤrmen in der Luft, sich oͤfters pflegen zu ergetzen, Und bald auf diese, bald auf jene gefaͤrbte Blume sich zu setzen. Nicht anders scheint ein Bohnen-Feld, in seiner angenehmen Bluͤhte. Es ward, so wohl durch ihren Nutzen, als ihre Lieblichkeit und Pracht, Jn meinem sie betrachtenden, und sich vergnuͤgenden Gemuͤthe, Zu Ehren dem, der sie uns schenkt, ein Andacht-Feuer angefacht. Herr! ich seh, wie jedes Kraut, Herr! ich seh, wie, Dir zum Ruhme, Alles Laub, wie jedes Blatt lieblich gruͤnt, wie jede Blume, Bloß durch Dich, so schoͤn sich faͤrbt! Schmeckt und seht, wie Gottes Ehre Jede Frucht in ihrer Huͤlse, jedes Korn in seiner Aehre, Zeig, erhebe, preise, ruͤhme und sie uͤberall vermehre. Meine Seele, die die Prach dieser Wunder innig ruͤhrt, Wird, in Ehrfurcht, Dank und Andacht, großer Gott, zu Dir gefuͤhrt; Sie erkennt, da sie in sich eine solche Regung spuͤrt, Daß nur Dir, o Herr! allein Preis und Ruhm davor gebuͤhrt. Ge- Gedanken bey einer froͤlichen Gesellschaft. Gedanken bey einer froͤlichen Gesellschaft auf dem Lande. W ie lustig ist es hier! wie angenehm und schoͤn! Fast alles, was die Augen sehn, Das lachet uns ja gleichsam an! So hoͤrte man, Der blendenden Gewohnheit unerachtet, Fast einen jeglichen aus der Gesellschaft sprechen, Und, als aus einem Schlaf erwacht, Vermochte, sich zu freun, kein einzger sich entbrechen. Doch, ohne weiter nach zu denken, War dieß von ihrer Lust der Anfang und der Schluß. Jch sah, mit innigem Verdruß, Sie wieder sich in vorgen Schlaf versenken, Die Blicke maͤhlig abwerts lenken, Und ihres Geistes Augen schliessen. Es schien, ob fuͤrchteten sie sich, Zu vieler Freude zu geniessen, Und Gott zu sehr verpflicht’t zu seyn. Jch setzte mich demnach, darob betruͤbt, allein, Jn kuͤhlen Schatten einer Buchen, Die Ursach dieser Laͤßigkeit, Mit mehrerm Ernst, zu untersuchen. Jndem ich nun im Wald, im frischen Grase, Jn angenehmer Einsamkeit, itzt uͤberlegt, itzt schrieb, itzt lase, J 5 Und Gedanken bey einer froͤlichen Gesellschaft. Und ich, so viel mir moͤglich war, der Menscheu Seelen Eigen- schaft, Mit allen angespannten Kraͤften, und ihren schnellen Geist erwegte: So fand ich, wenn ich recht ihr Wesen, samt ihrer Absicht, uͤberlegte, Nach langem Denken, anders nichts, als sie sey eine rege Kraft, Zu diesem Endzweck bloß erschaffen, um in des Schoͤpfers Wunderwerken, Sein’ Allmacht, Seine weise Liebe, mit Lust und Andacht, zu bemerken. Wie aber, dacht ich, koͤmmt es dann, daß, da sie sonst so schnell, so rege, Jn allem ihren Thun und Lassen; sie doch zu diesem Werk so traͤge? So dacht ich, als ich hinter mir ein Rascheln in dem Busch vermerkte, Das sich, nach einer kurzen Zeit, mir naͤhert und sich stets ver- staͤrkte. Gleich sah ich, aus dem dicken Strauch, des Jaͤgers muntern Spuͤrhund dringen, Und mit gesenkter Stirn und Schnauze, geschaͤfftig rennen, tra- ben, springen, Mit einem eifrigen Bemuͤhn, durch Hecken, Bruͤch und Pfuͤ- tzen laufen, Sich aͤmsig wenden, kriechen, suchen, geschwind und unauf- hoͤrlich schnaufen. Jch dachte lieber Gott! wie aͤmsig, mit welcher feurigen Begier, Mit welchem ungehemmten Trieb und Fleiß, gebrauchet die- ses Thier Die rege Kraft, so die Natur, zu suchen, ihm hat eingepraͤget! Da wir hingegen unsern Geist, mit allen Kraͤften, die er heget, Jn Gedanken bey einer froͤlichen Gesellschaft. Jn eine traͤge Schlafsucht senken, die regen Triebe gar nicht brauchen, Zum Preise des, der sie uns schenkt; vielmehr sein edles Feur verrauchen, Und ungenuͤtzt verschwinden lassen. Ach! wuͤnscht ich, daß doch diese Lehre, Zu einem billigern Betragen, so mir, als andern, dienlich waͤre! Ach daß wir doch von dieser Quelle des schnoͤden Undanks uns entfernten, Und ein geschaͤfftiger Betrachten, so gar von einem Hunde, lernten! Schoͤn Schoͤn Wetter. Schoͤn Wetter. E in Gespraͤch vom schoͤnen Wetter Pflag wohl ehe manchem Spoͤtter Stoff zu seinem Spott zu seyn. Aber, wie fast insgemein Jedes Ding zwo Seiten hat: So erfahr ich in der That, Daß, will man sich nur bequemen, Und dieß Wort vernuͤnftig nehmen, Solch Erinnern jedermann, Mehr, als glaublich, nuͤtzen kann. Keiner sollte sich entbrechen, Daß das Wetter schoͤn, zu sprechen, Wenn dasselbe wirklich schoͤn. Weil die allerschoͤnste Zeit Ungespuͤrt pflegt zu vergehn. Und ich pfleg, in schoͤnen Tagen, Meinen Freunden oft zu sagen: „Will denn keiner von euch heut „Mir ein schoͤnes Wetter schenken? Spricht man von der Lieblichkeit: So erregt man uns ein Denken; Und durch Denken bloß allein Kann, was angenehm und schoͤn, Was wir hoͤren, was wir sehn, Uns nur zugeeignet seyn. Denkt man nun nicht; er sey schoͤn: Wird der ganze Tag vergehn, Als Schoͤn Wetter. Als wenn er sich nicht gewiesen, Ohne daß wir ihn gesehn, Ohne daß wir Gott davor gepriesen. Und hingegen jede Stunde, Ja fast jegliche Secunde, Worin wir mit Lust erblicket, Wie sich Welt und Himmel schmuͤcket, Jst weit besser zugebracht, Angewendet und genossen, Als ein Tag, der ohn Bedacht, Ohne Lust und Dank, verflossen. Ca- caprifolivm . CAPRIFOLIVM . J ch kann, von deiner Zier und Farh, und deiner Balsam- Kraft, zu sprechen, O holdes Caprifolium, durch dich geruͤhrt, mich nicht ent- brechen. Es bildete von fremdrer Form, von sonderlicherer Figur, Und von so schoͤn gebrochnen Farben, die alles bildende Natur Fast kein so seltenes Gewaͤchs. Aus einem Stengel, der zu- gleich Gerade, krumm, gestreckt und biegsam, halb gruͤn, halb trucken, hart und weich, Daß er sich gleich um alles schrenkt, was er beruͤhrt, bald in die Hoͤhe, Bald unter sich, bald seitenwerts, sich schlaͤngelt, steiget, dreht und bieget, Um Staͤmme, Zweig und Laub sich schlingt, und oft entfernte Zweige fuͤget, Bald hohe Gipfel uͤbersteiget, Ja bald sich wieder unter sie hinab, bis zu der Wurzel, neiget, Und, recht als wie das Herz der Menschen, auf einmal Hoch- und Demuth zeiget. Aus solchem Stengel wachsen Blaͤtter, die dunkelgruͤn und lieblich-glatt, Wodurch das zierliche Gewaͤchs ein recht besondres Ansehn hat. An vielen Orten drenget sich ein gruͤn-sehr netter Knopf heraus, Der caprifolivm . Der aus verschiednen kleinen Knoͤpfen, die all gekroͤnet sind, bestehen, Aus welchen wir, in netter Ruͤnde, vollkommen einen Blumen- strauß, Von gelb- und roth- und weissen Blumen, in einer jeden Blu- me, sehen. Die Ordnung ist bewunderns-werth, die seltsam zierliche Figur, Von einer ganz besondern Art, fcheint von der bildenden Natur, Ein neu-und nettes Meisterstuͤck. Man sieht oft vier und zwan- zig Sprossen, Von langen bunt gefaͤrbten Kolbchen, aus ihrem Knopf, her- vorgeschossen, Dem Horn des Ueberflusses gleich, das anfangs rund und zu- geschlossen, Aus einem einzgen Blatt besteht, das aber, wenn es offen geht, Sich in zwey Theile zierlich theilet, wovon sich eins im Zir- kel dreht, Das groͤßer, zierlich eingekerbt, recht gegen jenen uͤber steht. Die Farb ist aus der Maßen sanft, gebrochen und bald roͤth- lich-bleich, Bald gelblich-roth, bald roͤthlich-gelb, bald weiß und roth und gelb zugleich. So sanft nun seine Farben sind, so sanft ist der Geruch von ihnen, Jndem sie minder streng und stark, als wie die Lilien, Jes- minen, Und doch, weil, auf der großen Staud, es eine solche Blumen Menge, Die meistens nicht zu zaͤhlen, giebt; entstehet gleichsam ein Gedraͤuge, Von caprifolivm . Von lieblich angenehmen Duͤnsten, in Luft und Wald und uͤberall, Von angenehm gemischten Theilen, von suͤssem Duft ein rech- ter Schwall, Der in so suͤßer Harmonie, von holden Koͤrperchen gemischt, Daß es, mit einer sanften Macht, zugleich uns staͤrket und er- frischt. Wer nun in einer gruͤnen Laube, von Caprifolium bedeckt, Derselben Farben, Form und Balsam, erblicket, riecht, ja gleichsam schmeckt, Jst schuldig, mit Vernunft zu riechen, und auch zu sehn. Das heißt nun, denken, Es zu geniessen, und davor dem Geber ein Gottlob! zu schenken. Be- Betrachtung uͤber den Schilf. Betrachtung uͤber den Schilf. A ch saͤh doch jetzo jedermann Das reif- und glaͤnzende Getreyde, Nicht ohne Lust, nicht sonder Freude, Jn seinem blonten Schimmer an! Laͤßt nicht das wallende Gefilde, Als wenn es wirklcih sich verguͤlde, Wenn man dasselbige, zumal Jm hell entwoͤlktem Sonnenstral, Wodurch es mehr als sonsten glihet, Mit aufmerksamen Augen siehet. Wenn nun der Felder gruͤne Graͤnzen, Die dicht, beschilften Wassergraben, Was liebliches auch an sich haben, Und jenes Glanz noch mehr erhoͤhn: So laßt uns doch ihr gruͤnes Glaͤnzen, Mit welchem sie das Feld bekraͤnzen, Beym gelben Glantz zugleich besehn. Es scheint, mit seiner Blaͤtter Spitzen, Das Schilf den guͤldnen Schatz zu schuͤtzen, Den er, als wie ein Zaun, umschraͤnkt. Sein fluͤsterndes Geraͤusch, sein suͤsses Zischen, Wenn es sich bald erhebt, bald senkt, Bemuͤht sich so durchs Ohr den Geist uns zu erfrischen; Wie sein Smaragden Gruͤn, beym Golde gelber Aehren, Den Augen eine Lust bemuͤht ist zu gewaͤhren. Br. VI. Th. K So Betrachtung uͤber den Schilf. So zierlich die Figur des schlanken Schilfs; so schoͤn Kann man noch uͤberdem in ihm den Reichthum sehn, Den die formirende Natur an Bildungskraͤften heget, Da sie uns manche Sort von Schilf vor Augen leget. Bald sieht man, wie sein Blatt den Stengel fest umschraͤnkt, Hernach sich auf einmal herab und abwerts senkt, Platt, breit und spitzig wird; und da es anfangs laͤßt, Als waͤr es nicht allein an seinem Stengel fest, Nein, daß der Stengel gar aus Blaͤttern bloß bestehe, So weichen sie jedoch auf einmal von ihm ab. Verschiedne richten sich recht aufwerts in die Hoͤhe, Verschiedne seitenwerts, viel biegen sich herab, Und stellen uns dadurch ein’ unterschiedne Zier, Jn ungezaͤhlter Art, von Form und Stellung fuͤr. Noch sieht ein’ Art von Schilf wie platte Degenklingen, Und breite Schwerdter aus; daher mans Schwerdt-Gras heißt. Noch sind verschiedene, die rauhe Kolben bringen, Da manches auf der Spitz ein zierlich Buͤschel weist. Wie jener Farbe nun dem braunen Sammt nicht weicht: Sieht man, daß dieses hier dem schoͤnsten Purpur gleicht. Der Blaͤtter sproͤdes, hart, rauh, dicht und fest Gewebe, Das gruͤnen Baͤndern gleicht, scheint recht dazu gemacht, Daß es nicht nur dem Aug in seiner gruͤnen Pracht, Daß es auch dem Gehoͤr ein’ Art von Anmuth gebe, Wenn nemlich, da sie sich einander oft beruͤhren, Durch die bewegte Luft, wir oft ein Fluͤstern spuͤren, Daß, wenn ihr raschelndes Getoͤn, ihr lispelnd Zischen, Sich oͤfters mit des Bachs gelindem Murmeln mischen, Es eine sanfte Lust, durchs Ohr, in uns erregt, Und uns zur Ruhe reizt, auch oftermals bewegt, Daß man ins kuͤhle Gras sich, zwischen Blumen, legt, Jn Betrachtung uͤber den Schilf. Jn suͤssen Schlummer sinkt. Gedenkt man nun dabey, Daß Gott allein die Quell von allem Guten sey, Daß alle Schoͤnheit bloß aus Gott, dem hoͤchsten Gut, Entstehe, stamm, entspriesse, Daß alles, wie aus ihm, so wieder in ihn fliesse; Schlaͤft, sag ich, jemand nun mit solchem Denken ein; (Da er so dann im Schoͤpfer gleichsam ruht:) So gebe man mir doch Bericht: Sollt eine solche Ruhe nicht Ein fast halb seelger Schlaf mit Recht zu nennen seyn? K 2 Herbst Herbst-Betrachtung. Herbst-Betrachtung. D a wir nunmehr den kuͤhlem Herbst, mit seinen Schaͤtzen, wieder sehn; Da uns, um seine Pracht zu schauen, annoch die Augen offen stehn: So laßt uns doch, wie itzt die Welt, auf eine neue Weise, schoͤn, Mit schuldiger Aufmerksamkeit, und aufgewecktem Sinn, be- trachten, Und dessen Weisheit, der die Welt in solcher Ordnung fuͤhrt, erachten! Jetzt lassen die bereits veraͤnderten Gebuͤsche, Jm Schmuck, der minder nicht, als wie im Sommer, schoͤn, Ein angenehm und liebliches Gemische, Von sanft gebrochnen Farben sehn. Gelb, roͤthlich, dunkelroth, hellgruͤn, und dunkelgruͤn, Formiret, wenn zumal auf sie die Sonne schien, Bald da, bald hie, Zu unsrer Augenlust, ein’ holde Harmonie. Nicht nur die Wipfel, Buͤsch und Hecken, So gar den Boden selbst, bedecken Gefaͤrbte Blaͤtter, die sie schmuͤcken, Wie der Tapeten Pracht, so uns die Serer schicken. Die mehrentheils im Herbst bedeckte Luft Erfuͤllet, wenn es still, ein falber Duft, Und eben dieser dient der Baͤume bunten Pracht, Durch klare Dunkelheit, zu einem schoͤnen Grunde, Der durch den Gegensatz sie dennoch mehr erhoͤht, Und, durch die Schwaͤrze, schoͤner macht. Wo- Herbst-Betrachtung. Wodurch, so wie wenn Licht und Schatten, Jn manchen Mischungen, sich gatten, Der Landschaft schoͤnster Schmuck entsteht. So wohl dem Aug, als dem Gefuͤhl, Scheint jeder Vorwurf jetzo kuͤhl, Doch machet auch hingegen manche Stelle Die gelben Baͤume nicht nur helle, Es scheint, durch ihren hell-und gelblich rothen Schein, Die kuͤhle Landschaft warm zu seyn. Ein durch die truͤbe Luft gebrochnes sanftes Licht Regieret uͤberall. Zwar Schatten sieht man nicht, Doch scheint ihr schwarzes Heer, in dem geschwaͤchten Schein, Der nunmehr allgemein, Zugleich mit eingemischt zu seyn. Man sieht, so weit man sieht, ein truͤbes Ganz, Jn einem bunten zwar, doch sehr gedaͤmpften Glanz. Es kam mir vor, als ob dieß gruͤnlich klare Grau, So ich nunmehr an allen Orten schau, Auf meinem Geist, auch einen Eindruck machte, Und ihn zu einer still- und suͤssen Schwermuth brachte. Er schien, schon zum voraus, das Kuͤnftge zu bedauren, Und den bald nahen Raub der Blaͤtter zu betrauren. Ein sanfter Schauer druͤckt die Haut, und in den Sehnen, Fing eine sanfte Widrigkeit Allmaͤhlig an sich auszudehnen. Allein ich munterte, durch diesen Trost, mich auf: Genieß der Gegenwart des Guten; laß den Lauf Der regen Zeiten, ohn Verdriessen, Gelassen fliessen. Es reißt das schoͤne Laub der nahe Frost zwar nieder, Doch bringt der Winter uns den Lenzen, K 3 Jn Herbst-Betrachtung. Jn welchem neue besser glaͤnzen, Jm angenehmen Wechsel, wieder. Jndem ich also steh und denke, Und meinen Blick bald hie, bald dortwerts lenke: Erhebet sich ein Wind; es faͤllt ein dicker Regen; Jch spuͤret in der Luft ein schleuniges Bewegen; Es fiel das bunte Laub, der Schmuck der bunten Buͤsche, Mit einem raschelnden Gezische, Recht Schaarenweis herab; Das mir, wie folgt, zu denken Anlaß gab: Man wird, selbst in dem Fall der Blaͤtter, Von Gottes Ordnungen belehret, Der zu dem Endzweck, der Natur solch eine weise Richtschnur gab, Da in dem Herbst, so wohl der Wind, als viele Feuchtigkeit sich mehret. Durch Regen muß der Stengel faulen; dann streift der Wind sie fertig ab, Da sonst, durch ihre Zaͤhigkeit, sie sich vom Baum nicht leicht- lich trennen, Und folglich denen folgenden nicht ihren Platz verschaffen koͤnnen. Nach Nach der Erndte. Nach der Erndte. W ohin ist jetzt das Segens-Meer, Das auf dem Felde wallete? Jch sehe ja, so weit ich seh, Ein ungewohntes großes Leer. Die scharfen Blicke schauen nichts; Sie moͤgen noch so weit sich strecken. Die vorge Freude des Gesichts Jst nirgend weiter zu entdecken. Doch o gesegnet Leer! wie schoͤn Jst dein erwuͤnschtes Nichts zu sehn! Die schoͤne Frucht, des Blicks Ergetzen, Der reiche Schatz, der nichts zu schaͤtzen, Der uns so lange Zeit erfreut, Jst nicht nur gluͤcklich abgemeyt; Man kunnt ihn, ohne Sturm und Regen, Gottlob in unsre Scheuren legen! Daher das Feld, auch ohne Pracht, Den Augen neue Freude macht. Was unser Gott uns nun bescheert, Jst fernern Denkens ja wohl werth. Auf recht bewundernswerthe Weise, Jst aus der Erde Korn, die Speise, Wodurch wir uns ernaͤhren sollen, Dem Schein nach recht hervor gequollen. Der Saft ist, durch so manche Roͤhre, Von unten auf bis zu der Aehre, Jm holen Halm, empor gefuͤhrt. Er hat bestaͤndig zirkulirt, K 4 Wie Nach der Erndte. Wie man, nachdem man es ergruͤndet, Den Trieb in allen Pflanzen findet. Erwege denn, vernuͤnftge Seele! Sprich, wer formirte die Canaͤle, Von wem ist dieser zarte Saft, Voll Segens-reicher Nahrungskraft, Fuͤr uns, auch fuͤr das Vieh bereitet? Wer hat es dergestalt geleitet? Wer ließ es in den Zaͤserlein Der Wurzel, die kaum sichtbar seyn, Jm finstern Schooß der feuchten Erden, Zertheilt und als verdauet werden? Wer bildete die schoͤnen Aehren, Das nette Korn, die zarte Bluͤhte? Durch wessen unumschraͤnkte Guͤte Konnt es so reichlich sich vermehren, Daß auch die staͤrksten Leiterwagen Nur kaum die schweren Lasten tragen? Da doch nur wenig Zeit zuvor, Der Saͤmann alles Samenkorn, Woraus nun solch Gewicht entsprossen, Jn wenig Saͤcken eingeschlossen. Je minder wir nun alles fassen, Je minder muß man unterlassen, An den, in Ehrfurcht, zu gedenken, Der uns, durch seine weise Fuͤhrung, Durch seine gnaͤdige Regierung, Die Koͤrperchen so wohl zu lenken, Und, uns dadurch viel guts zu schenken, So liebreich uns gewuͤrdigt hat. Allein wo koͤmmt das Elend her? Jch dacht, ich wuͤrd unglaublich mehr Ver- Nach der Erndte. Vergnuͤgen, Andacht, Dankbegier, Zur Erndtezeit, in mir befinden? So aber find ich fast in mir Den Trieb zur Dankbarkeit verschwinden. Es wird das Feur der Freude kalt, Und will, wie ich gehofft, nicht gluͤhen; Jch muß mein Herz, fast mit Gewalt, Zum Lobe meines Schoͤnpfers ziehen. Es ist betruͤbt, daß im Genuß, Wir einen solchen Ueberfluß Von Segen und so vielen Gaben, Die unser Schoͤpfer uns gegoͤnnt, Man lange nicht so viel erkennt, Als wir vorher gehoffet haben; Daß von sich selbst man wenig kann. Jch seh, und merke wohl hiebey, Dao auch der Dank kaum unser sey. Du mußt, o Herr, in diesem Leben, Um dich im Dank auch zu erheben, Das Wollen und Vollbringen geben. Ach gieb denn Wollen und Vollbringen So andern Menschen, als auch mir, Damit wir recht vergnuͤget dir Von Herzen Freudenlieder singen. K 5 Fra- Fragen. Fragen. F uͤr wen bebluͤmen sich die Felder? Fuͤr wen belauben sich die Waͤlder? Fuͤr wen sprießt, durch der Sonnen Stral, Der Kraͤuter Menge sonder Zahl? Fuͤr wen hoͤrt man der Voͤgel Singen So lieblich und so suͤß erklingen? Fuͤr wen erfuͤllt die laue Luft, Aus Blumen, solch ein Balsam-Duft? Fuͤr wen sieht man, durch tausend Roͤhren, Sich Gras in Milch und Fleisch verkehren? Fuͤr wen traͤgt, sonder unsre Muͤh, Zur Kleidung, Woll und Haar das Vieh? Fuͤr wen entspriessen so viel Fruͤchte? So viel und mancherley Gerichte? Und wem zu gut waͤchst Holz und Stein? Fuͤr dich, o Mensch, nur bloß allein; Und kannst so unempfindlich seyn? Von wem entstehn denn alle Gaben, Die dich ernaͤhren, kleiden, laben? Von Gott, dem Schoͤpfer, bloß allein, Und kannst so gar undankbar seyn! Eine Eine Viole Matronal im Herbst. Eine Viole Matronal im Herbst. W ie ein kleiner weisser Stral, Der durch gruͤne Zweige bricht, Fiel mir juͤngst ein nettes Spaͤtling der Violen Matronal, Spaͤt im Herbst, noch im October, unvermuthet ins Gesicht. Stutzt ich nun den Glanz zu sehen: Stutzt ich wirklich ja so sehr, Und vergnuͤgt, ergetzt, erquickte mich, an selbe fast noch mehr, Durch den Balsam des Geruchs, den ich wunderstark verspuͤrte, Da er mir, nicht nur die Nase, wirklich Hirn und Seele, ruͤhrte, So daß ich, vor Gott, im Geiste, ehrerbietig niedersank, Alle Kraͤfte meiner Seelen auf Jhn, als den Schoͤpfer, lenkte, Und ein von vergnuͤgter Andacht angefuͤlltes Herz Jhm schenkte, Nebst dem Ausbruch meiner Lippen: Herr dir sey Lob, Preis und Dank. Eini- Jagd-Cantata. Einige Betrachtungen uͤber das Jagen, Fischen und Vogelstellen, zum Beweis, daß diejenigen, so auf dem Lande leben, vor andern eines besondern Vorrechts zum irdischen Vergnuͤgen in Gott sich zu erfreuen haben, und daß es nur an sie lieget, solches zu erkennen. Jagd-Cantata. ARIA A uf auf! es faͤngt schon an zu tagen. Der Berge Gipfel gluͤhen schon; Es schallt des Waldhorns muntrer Ton. Auf! auf! zur Lust! auf! auf! zum Jagen! Recit. So sang Silvanders muntrer Sohn, Nebst Cervamir, der mit den Hunden, Und seiner frohen Jaͤger Schaar, Nit Netzen, Flinten, Pferd und Wagen, Sich fruͤh zum Jagen eingefunden. Und weil dieß edle Paar Nicht, wie die Jaͤger insgemein, Die bloß nur um zu jagen jagen, Die Jagd begunnten, nein zugleich, Wie die Natur an Schmuck so reich, Mit Jagd-Cantata. Mit Lust besahe: Fing Cervamir gleich folgends an: ARIOSO . Wie schoͤn ist die bethaute Welt, Durch den entwoͤlkten Morgenstral! Wie funkelt das getraͤnkte Feld! Wie glaͤnzt und schimmert Berg und Thal! Recit. Ey sehet dort die angestralte Wiese, So gleichsam ganz bedeckt, mit Demant und Rubin! Vergleicht sich ihr beflammtes buntes Gruͤn Nicht einem hellen Paradiese? Ein schimmernd Weiß bedeckt das gruͤne Gras, Das, durch gefallnen Nachtthau, naß, Woran ein Jaͤger-Blick besonders sich ergetzer, Wenn er, wo hie und dort das Gras gedruͤckt, An einer dunklen Spur, erblickt, Wo hie, und dort, das Wild den Fuß gesetzet, ARIA . Da Luft und Erde wunderschoͤn: So laßt uns den, der alle Pracht Zu unsrer Lust, und seiner Ehre macht, Auch bey der Jagd, Zu unsrer Lust, zu seinen Ehren, sehn! Jn den bebuͤschten feuchten Gruͤnden, Springt jetzt manch schneller Hirsch, sammt seinen Hinden, Mit leichtem Fuß, und aufgerecktem Ohr, Aus dem belaubten Wald, hervor. Sieh Jagd-Cantata. Sieh da! dort rennt in dem bebluͤmten Grase, Ein fluͤchtiger, geschwinder Haase; Seht! wie er ploͤtzlich stutzt, sich setzt; Ein Maͤnnchen macht, Und da es niemand sieht, an des Gefildes Pracht, Mit tausend Spruͤngen, sich ergetzet. ARIA . Te! Melampus! Hector! Te! Te! dort laͤuft er! Loͤst die Winde! Stoßt ins Waldhorn! eilt geschwinde! Jetzo rennt er nach der Hoͤh! Da Capo. Sie haben ihn! o welche Freude! Wie groß ist doch, in unsrer Brust, Mit recht die jetzt genoßne Lust, Ob der vergoͤnnten Augenweyde! Drauf ward, in einem kuͤhl-und schattenreichen Wald, Das Morgenbrodt mit Lust verzehrt. Wobey man denn, daß Echo wiederhallt, Dieß ihr gewohntes Jagdlied hoͤrt: ARIA . Wir verehren dessen Guͤte, Mit erkenntlichem Gemuͤthe, Der die Waͤlder und Gefilde, Uns zur Lust, mit schnellem Wilde Fuͤllt, sie, und durch sie uns, naͤhrt. Jst nicht Gott, fuͤr so viel Gaben, Die wir, bloß durch Jhn nur, haben, Dankens- und bewunderns-werth? Fische- Fischerey. Fischerey. Segenfeld zu Hirtenau. D ein lieblich Jagdgedicht hab ich mit Lust gelesen, Um so viel mehr, als dieses mich Jn meiner Meynung staͤrkt, vom Land- und Hirten-Wesen, Daß, so wie jeder Mensch, in seinem Stande, Absonderlich Auch Edelleute auf dem Lande, Jhr bis daher fast nicht gefuͤhlt Vergnuͤgen, Auf tausend Arten zu vermehren, Ja solche Lust zugleich, selbst mit der Gottheit Ehren, Geschickt und faͤhig sind zu fuͤgen, Fast sonder alle Muͤh! Man darf nur schmecken, hoͤren, Empfinden, sehn und riechen lernen: So wird der groͤßte Feind, woruͤber jeder klagt, Der manchen Edelmann, mit Zentnerbuͤrde, plagt, Die Langeweile, sich von uns entfernen, Der schwere Muͤßiggang, von unsern Graͤnzen ziehn, Und manche Lasterbrut, zugleich mit ihm, entfliehn. Hingegen wird ein Heer von Lieblichkeiten, So uns bisher nicht sichtbar war, Auf allen Seiten, Uns sichtbar werden, uns begleiten. Recht absonderlich fuͤr euch, die ihr auf dem Lande lebet, Scheinet die Natur zu wirken. Ein vernuͤnftger Edelmann Sieht, wenn er vernuͤnftig sieht, besser, als kein Koͤnig kann, Wie die Werke Gott entdecken, uͤberall mit Freuden an. Selig! wenn er, Gott zum Ruhm, sich zu freuen, sich bestrebet. Ach! Fischerey. Ach! moͤchte beyderley Geschlecht doch dieses fassen, Und sich, zu unsres Gottes Ehr, Die große Wahrheit zeigen lassen! Der Jnhalt dieser unsrer Lehr Jst ja so suͤß und nuͤtzlich, als nicht schwer. Wir duͤrften nur in Gottes schoͤnen Werken, Mit inniglich geruͤhrter Brust, Daß er sie schuf zu unsrer Lust, Durch Weisheit, Lieb und Allmacht, merken. Ergetzt euch denn, geniesset und erkennet, Die ihr auf euren Guͤtern lebt, Die Guͤter, die euch Gott in solcher Menge goͤnnet! Er will, o Wunderhuld, fuͤr alle seine Gaben, Die Er, allein zu eurer Lust, bestimmt, Jn deren Meng ihr gleichsam schwimmt, Nur ein erkenntlichs Herz, nur eure Freude, haben. Um nun zu diesem Zweck uns mehr noch zu bereiten, Will ich, wie, auf dem Land, auch uns die Fischerey, Nicht minder als die Jagd, zu tausend Lieblichkeiten, Viel Anlaß geben koͤnn, und sehr betraͤchtlich sey, So wie du von der Jagd gethan, mich auch bemuͤhn, Um, durch die Fischerey, uns auch zu Gott zu ziehn. Drauf las er Hirtenau, in dick gewachsnen Buͤschen, Worin ein ganzes Voͤgel Chor, Die ihre zarte Toͤn in seine Lieder mischen, Sein juͤngst verfertigtes Gedicht, von Fischen, Zu beyderseitigem Vergnuͤgen vor: An einem sanft erhabnen Huͤgel, Der Blumen-Klee-und Kraͤuter-reich, Liegt, Fischerey. Liegt, als ein großer Himmels-Spiegel, Ein rings umher beschilfter Teich, Der, wie ein fliessend Silber, scheinet, Und, so den himmlischen Saphier, Als seines Rands smaragdne Zier, Jn holdem Wiederschein, vereinet. Nach diesem Sammelplatz der Fluth, Die in bemosten Ufern ruht, Worin sie, wie Krystallen, glaͤnzt, Mit Blumen, Gras und Kraut bekraͤnzt, Begab sich Segenfelds Gesellschaft neulich hin, Zu Pferde theils, und theils zu Wagen, Um, mit auf andre Art vergnuͤgtem Sinn, Auch Wild, im Wasser, zu erjagen, Das, in dem Wiederschein, von hoher Baͤume Kronen, Wie Wild in Waͤldern, auch im Gruͤnen, schien zu wohnen. Man sah in ihm bereits, mit aͤmsigem Bemuͤhn, Die Bauren schwere Netz, in hellen Zirkeln, ziehn, Hier, mit behaͤglichem Gewuͤhl, Sich mitten in das Wasser wagen, Und oͤfters halb nur aus dem Wasser ragen, Dort Eimmer, Zuber, Ketscher tragen. Es war das Wetter warm und schwuͤhl; Ein falbes zwar, doch klares, Grau Verhuͤllete der Luͤfte heitres Blau, Und faͤrbte folglich auch zugleich, Mit klarer Dunkelheit, den Teich, Der die Gestalt des Himmels an sich nahm, So daß ein dunkles Licht, auf seiner Flaͤche, schwam. Br. VI. Th. L Die Fischerey. Die Augen waren all, auf den gedehnten Rand, Und Saum des Netzes hingewandt, Wovon man bloß die leichten Hoͤlzer sah, So auf des Wassers Flaͤche schwommen. So bald die ersten nun, gemaͤhlig nah, Ans Ufer kommen, Und man das Netz an beyden Seiten legte, Sah man, wie hinterwerts, gewaltiglich, Das truͤbe Wasser sich, Jn Kreis und Wirbeln, stark bewegte, Wovon die Ursach noch nicht sichtbar war, Bis sie sich allgemaͤhlig wies, Da eine große Schaar Gefangner Fische sich im Netze spuͤren ließ. Ein klatschendes Geraͤusch, ein lauter Schall, Erhub sich uͤberall, Ein wimmelndes Gewuͤhl war uͤberall zu sehn. Hier sah man einige sich aus der Fluth erhoͤhn, Um ihrem Kerker, noch durch springen, zu entgehn, Jndem der groͤßte Theil sich, in den Gruͤnden, Umsonst beschaͤfftigte, die Sicherheit zu finden. Kaum war der schwere Schwarm, mit Muͤh und Macht, Aus seinem Element aus Land gebracht; Da theilte sich, von ungefehr, Der schweren Wolken dunkles Heer. Der hellen Sonne guͤldne Gluht Brach durch, und fiel auf Erd und Fluth, Wodurch, indem sie sie, mit vollem Licht bestralte, Sie alles, was man sah, bewundernswuͤrdig malte. Des Ufers Schilf, das recht sinaragdne Gruͤn, Vom weichen Silber angefeuchtet, Wo- Fischerey. Worin der guͤldne Stral der Sonne schien, Glaͤnzt ausserordentlich und leuchtet, Ja lacht, im Wiederschein, uns so erfreulich an, Daß man nichts lieblichers erdenken kann. Nicht minder war das aͤmsige Gewuͤhl, Von Wagen, Pferden und Livreen, Worauf der Stral der Sonne fiel, Fast feurig, bunt und lieblich anzusehen. Doch was das herrlichste von allen annoch, war Der auf das gruͤne Gras gegoßnen Fische Schaar, Die, mit viel tausend krummen Spruͤngen, Nach ihrem vorgen feuchten Sitz, Sich wiederum bestrebten hin zu schwingen. Es zeugt manch hell- und schnellen Blitz Der Schuppen silberner und guͤldner Glanz, zumal Jm schnell entwoͤlkten Sonnenstral. Des frischen Grases feuchtes Gruͤn, Jn desse Naͤsse sich die Sonne selber bildet, Schien, durch der Schuppen Gold, bald hie, bald dort verguͤldet. Man kann nicht sonder Lust erblicken, Hier Baͤuche, gelb wie Gold, die rothe Federn schmuͤcken. Hier sieht man, auf den schluͤpfrig-glatten Seiten Der unten liegenden, die obern hin und her, Bald in die Laͤng, bald in die Queer, Mit Schlangen-formiger Bewegung, gleiten, Dort unter sich die Koͤpfe stecken, Um sich, wo moͤglich, zu verdecken. Es suchen viele dort, mit krummen Spruͤngen, Um zu entfliehen, hoch sich in die Hoͤh zu schwingen; Allein sie fallen ploͤtzlich wieder, Mit klatschendem Geraͤusch, hernieder. L 2 Man Fischerey. Man kann, von Farb und Glanz, kein lieblicher Gemische, Als feucht-bestraltes Gras, voll reger Fische, Mit silbernen und guͤldnen Schuppen, sehn. Sie huͤpfen, laͤrmen, schlagen, drehn, Erhoͤhn und kruͤmmen sich. Ein klatschendes Gezische, Ein schmatzend Schnappen nach der Luft, Wird uͤberall gehoͤrt. Hierdurch ward Segenfeld recht inniglich bewegt. Er dachte, wie er meistens pflegt, So wohl der Lust, als auch dem Segen nach, Woruͤber er, wie folgt, zu der Gesellschaft sprach: Wenn man dieß alles sieht; Was hindert uns daran, Daß ein dadurch vergnuͤgt Gemuͤth, Bey seiner Freude, nicht den großen Schoͤpfer ehret? Was hindert uns, daß nicht ein jedermann, Da Gott, in Fischen, uns so manchen Segen schenket, Auch wenn er fischen sieht, am großen Geber denket? Wir wollen wenigstens, zu Seinen Ehren, Das uns bekannte Lied, vom Wasser, lassen hoͤren. ARIA . Die schuppichten Buͤrger der wallenden Fluth, Die glaͤnzenden Schaaren im schluͤpfrigen Grunde, Erheben, auch mit stummem Munde, Die Wunder, die der Schoͤpfer thut. Jhr Menschen! wenn sie euch ergetzen und speisen, Vergesset doch nimmer den Schoͤpfer zu preisen! Worauf der Jaͤger gleich ins muntre Waldhorn stieß, Wobey der Widerhall sich deutlich hoͤren ließ. Das Das Vogelstellen. Das Vogelstellen. N icht das Fischen nur und Jagen Schaffet unsrer muntren Brust, Auf dem Lande, Freud und Lust; Noch ein angenehm Behagen, Das, so wohl als Fisch und Jagen, Auch betracht- und dankens-werth, Goͤnnet uns der Vogelheerd. Dieß ergetzliche Geschaͤffte Giebt uns, nebst des Schoͤpfers Werken, Unsers Geistes Schaͤrf und Kraͤfte Wunderwuͤrdig zu bemerken. Daß nicht nur auf Land und Meer, Sondern sich so gar erstrecken Auf der Luͤfte schnelles Heer, Kann der Vogler uns entdecken. Unserm Witz ists nicht genug, Wild im Wald, in Feld und Kluͤften, Zu erhaschen, selbst in Luͤften Hemmen wir der Voͤgel Flug. Laßt uns denn daran, mit Freuden, Jetzt im Herbst, die Augen weiden. Seht! wie jetzt die bunten Blaͤtter, recht als waͤren sie gereift, Theils annoch die Luͤfte zieren, theils von Zweigen abgestreift, Den bebraͤhmten Boden schmuͤcken. Man sieht fast mit frohem Schrecken Die entfaͤrbte Landschaft an. Halb entlaubte bunte Hecken Zeigen uns verschiedne Voͤgel, die man sonsten nicht gesehn, Und erinnern uns dadurch, daß, zu neuer Froͤlichkeit, L 3 Die Das Vogelstellen Die so auf dem Lande leben, diese Segens-reiche Zeit Zu dem Vogelstellen lockt. Seht den angenehmen Ort, Seht, bey still bedecktem Wetter, Jn den bunten Buͤschen dort, Den gelb-gruͤnen Rest der Blaͤtter. Auch der Boden ist geschmuͤckt, Und, wohin das Auge blickt, Siehet man, nicht ohn Vergnuͤgen, Blaͤtter, bunt wie Blumen, liegen, So daß gleichsam jetzt die Hecken, Tiefen, Hoͤhen, Wald und Feld, Ja so weit man sieht, die Welt Zierliche Tapeten decken. Seht, in dieses Waldes Mitte, Die mit Laub bedeckte Huͤtte. Laßt uns doch geschwinde gehn. Laßt uns durch die Buͤsche dringen, Und den Vogelheerd besuchen! auf! zu sehn, ob sich in Schlingen, Und in Dohnen, diese Nacht keine Kramets-Voͤgel fingen. Gleich war jedermann bereit, Alt und jung fing an zu laufen, Hier ein Haufen, dort ein Haufen, Lief mit muntrer Hurtigkeit, Nach dem angezeigten Ort, Was er laufen konnte, fort. Selbst die schwaͤchliche Belise Gieng mit mir, durch eine Wiese, Bis wir an die Huͤtte kamen, Die mit Laub und Mooß bedeckt, Und, nachdem wir uns versteckt, Unsern Sitz bequemlich nahmen, Da Das Vogelstellert. Da ich ihr denn alles wies, Wie bald das, bald dieses hieß, Und wie sie nach mehrern fragte, Jhr zuletzt noch dieses sagte: Hoͤr die kleinen Saͤnger singen; Sieh die losen Voͤgel springen, Und verraͤthrisch sich bemuͤhn, Um in die gestellten Schlingen Andre Voͤgel auch zu ziehn. Still! da kommen ganze Schaaren; Jst mir recht, so sind es Staren; O! sie fliegen ja vorbey! Sachte! nein, sie kehren wieder. He! mit einem Sturz hernieder! Sie sind fest, das Netz faͤllt zu. Laßt uns laufen! laßt uns sehn, Welche Sorten, ob sie schoͤn; Siehest du, Wie es unterm Netze lebet, Wie es flattert, wie es schwebet? Welche Menge, welche Lust! Aber welch ein graͤulich Morden! Sprach Belisa hier zu mir; Jch entsetze mich dafuͤr. Solch ein allerliebstes Thier Jst, o Schad, erwuͤrget worden. Seht den schoͤnen Kopf, die Brust! Seht das glaͤnzende Gefieder, Die gebrochnen Augenlieder, Nebst dem schlaffen Haͤlschen an! Sprecht, was haben sie gethan? L 4 Es Das Vogelstellen. Es betruͤbet sich mein Geist, Und mich deucht, ein Vogelheerd Sey mit allem Rechte werth, Daß man ihn der Sanftmuth Schwerdt, Und der Unschuld Schlachtbank heißt. Darauf aber stellt ich hier Meine Antwort folgends fuͤr: Deine Klage scheint gerecht. Aber ist der Voͤgel Orden Weniger, als andre Thier, uns zum Nutz erschaffen worden? Sollten sie denn uns nicht nuͤtzen? Sollten sie vielleicht allein Des ergrimmten Habichts Klauen und der Sperber Beute seyn? Oder sich zu haͤufig mehren? Muͤssen sie nicht alle sterben, Und vermuthlich klaͤglicher, und empfindlicher verderben? Also troͤste dich daruͤber! Willst du aber dennoch lieber Einigen die Freyheit schenken, Thu es, damit dein Vergnuͤgen Ja nicht unterbrochen sey. Laß die allerschoͤnsten fliegen, Oder gieb sie alle frey. Doch wirst du dich mir hingegen Zu gefallen nicht entlegen, Und, so bald wir ruͤckwerts kehren, Einen, auf den Vogelfang, Juͤngst verfertigten Gesang, Beym Clavir, mir lassen hoͤren. Dieß versprach sie mir und sang, Daß es mir durchs Herze drang. Kann auf Erden wohl ein Leben Wirkliches Vergnuͤgen geben, Braucht Das Vogelstellen. Braucht man es nur mit Verstande; Als das Leben auf dem Lande? Jagen, Fischen, Vogelstellen, Sind dem lauter Anmuths-Quellen, Der dabey mit Lust bedenket: Daß es Gott sey, der sie schenket; Daß er nichts davor begehret, Als daß man Jhn froͤlich ehret, Jhm zum Ruhm, mit Lust und Freude, Alle Sinnen froͤlich weide. Berge, Thaͤler, Wiesen, Waͤlder, Aecker, Wiesen, flache Felder, Sind fuͤr uns vergnuͤgens-voll, Braucht man sie nur, wie man soll. Wenn man, im Genuß, nur denket: Daß der Schoͤpfer alles schenket; Daß nur Er ergetzt und naͤhrt; Daß, im schoͤnen Weltgebaͤude, Man allein in unsrer Freude, Jhn am allermeisten ehrt. L 5 Herbst Herbst-Blaͤtter. Herbst-Blaͤtter. M an sieht mit Lust, im frohen Lenzen, Die jungen Blaͤtter lieblich glaͤnzen. Sie scheinen selbst vergnuͤgt, von lauer Luft gestreichelt, Getraͤnkt, erfrischet, und geschmeichelt. Doch wenn die Luft nachher sie widriger begegnet, Sie, bald durch Duͤrre schwaͤcht, bald sie zu stark beregnet, Bald durch die Stuͤrme neckt, bald durch die Kaͤlte quaͤlt, Und nimmer ruhen laͤßt: Scheint jedes, halb entseelt, Als ob sichs, laͤnger so zu leben, abgewoͤhnte, Als wenn sichs wiederum nach seinem Ursprung sehnte, Und, nach der Mutter Schooß. Dahero wurden nun die Zweige ploͤtzlich bloß, Jndem ein jegliches, von seinem Sitz herab, Sich nach der Mutter Schooß in aller Eil begab, Und sich mit ihr vereint. Der Blaͤtterchen Betragen stellte mir, Wie ich es uͤberlegt, ein nuͤtzlichs Beyspiel fuͤr, Wenn wir in unsrer Lebenszeit, Von Alter, Krankheit, Gram und Widerwaͤrtigkeit, Recht muͤrb und matt gemacht: Wie, daß wir auch, wie sie Ohn allerley Bekuͤmmerniß und Muͤh, Den irdschen Theil nicht gern zu seinem Ursprung senken, Damit der andere, von allem Kummer frey, Entfernt von Noth, Gefahr und Kraͤnken, Jn einer ewgen Ruhe sey! Rose Rose im October. Rose im October. E s ruͤhret mich, o spaͤtes Roͤsgen, dein roͤthlicher Rubinen- Schein, Nicht durch die schoͤne Farb und Form, auch lieblichen Geruch allein; Jch werde, da dein edler Balsam, und schoͤner Schmuck mich innig ruͤhret, Zu dem der dich so schoͤn erschaffen, und dich fuͤr mich hervor- gebracht, Auch mir die Kraft, an ihn zu denken, geschenket, seine Lieb, und Macht, Und Weisheit froͤlich zu bewundern, und Jhn zu preisen, an- gefuͤhret. Zierliche Wasser-Bilder. K ein Silber ist von Glanz so hell und rein, Als die, vom hellen Sonnenschein, Bestralte feuchte Gassen seyn. Wenn nun, mit diesem Glanz, die Schatten Der Baͤume, die die Gassen zieren, Mit holder Dunkelheit sich gatten, Und tausend Bilderchen formiren: Erregt dieß Licht- und Schattenspiel Dem Geist, durchs Aug, ein angenehm Gefuͤhl. Jch habe, wenn sich dieß so zierlich fuͤget, Mich wenigstens gar oft daran vergnuͤget. Der Der gestirnte Amaranth. Der gestirnte Amaranth. W elche neue Zierlichkeit, so an Farb, als an Figur, Zeugt, in zubewundernder Pracht und Schoͤnheit, die Natur, Jm gestirnten Amaranth! welch ein Purpur! welch ein Glanz! Welche nett geformte Ruͤnde! die dennoch aus lauter Spitzen, So nach einem klugen Rang, und besondrer Ordnung, sitzen, Recht bewunderns-werth bestehn! Aber seht ihr, zwischen ihnen, in dem Purpur, der so schoͤn, Jn ganz unverhofftem Schim̃er, Silber-weisse Sternchen blitzen? Jst es moͤglich? das ist rar! aber laßt uns weiter gehn, Und die weisse Blume dort, ob auch die gestirnt, besehn, Ja wahrhaftig, ebenfalls. Und noch mehr, die sind verguͤldet. Lieber Gott! so Farb als Formen zeigen, in dem Bluͤm- chen hier, Dir zu deinen heilgen Ehren, eine neue Wunder-Zier. Jch bewunderte den Rang, so der Blaͤtter, als der Sternen, Und betrachtete sie naͤher, um, wie sie formirt, zu lernen. Da ich denn, nicht ohn ein billig Stutzen und Erstaunen, fand, Daß ein jedes Sternchen immer, mitten in zwey Blaͤttern, stand, Welche eine nette kleine Huͤlse dergestalt vereint, Daß es nur ein einzigs Blatt, so sich oben theilet, scheint, Ob nun gleich die ganze Huͤlse, wie an einer Aehre, platt, Jst dennoch, wenn mans betrachtet, jedes kleine schmale Blatt Jn sich an den Seiten hohl, und verschraͤnkt ein wolligt Wesen, Dieses, sechs gesteifte Spitzen, Welche das so nette Sternchen rings um gleichsam unterstuͤtzen. Letzlich ist das Sternchen selbst, in der Mitten, hell und schoͤn, Jn dem Purpur, weis, wie Silber, und so gelb, als Gold, zu sehn, Jn Der gestirnte Amaranth. Jn dem weissen Amaranth. Was man ferner an ihr sieht, Jst, daß sie, wie andre Blumen, nicht verwelkt; nein, lange bluͤht. Durch der Blaͤtter Festigkeit, die in ihren engen Roͤhren, Deren Theilchen dicht- und fester, weil sie wenig Saͤfte naͤhren, Dauren sie, auch sonder Wasser. Eben dieser Unterscheid Zeigt aufs neu uns offenbar, auch in der Verschiedenheit, Daß es Gott nicht minder moͤglich, auch von festerem Ver- band Blumen uns hervor zu bringen. Machst demnach du, liebste Blume, auch durch deinen Bau bekannt, Da auch du, nach Maaß und Ordnung, eingerichtet und ge- macht; Daß ein weises Wesen dich wunderbar hervorgebracht, Auch, daß wir dich wohl beschauen, ja in dir auch finden sollen, Den allgegenwaͤrtgen Schoͤpfer, und Jhm Dank und Ehre zollen. Da ich denn, Qvell aller Blumen, Schoͤpfer der gestirnten Hoͤhe, Jn der kleinen Sternen Bildern, in der schoͤnen Blumen hier, Deiner wunderschoͤnen Werke Lieblichkeit und Pracht und Zier, Ja, durch meiner Seelen Auge, Dich, Herr, gleichsam selber sehe; So erfreut sich meine Seele; es ergetzt sich mein Gemuͤth; Jch verehre deine Liebe, deine Weisheit, deine Macht, Jn Betrachtung aller Schoͤnheit, Ordnung, Anmuth, Farb und Pracht, Die dich selbst zum Ursprung hat, die nur du hervorgebracht. Herbst Herbst-Ueberlegungen. Herbst-Ueberlegungen. S o wie, wenn mans erwegt, jedwede Jahreszeit, Jn einer eignen Pracht, und eigner Lieblichkeit, Zu unsern Freuden, prangt: So wird jetzt wunderschoͤn Die Welt im Herbst, auf eine neue Weise, Zu unsrer Lust, und Gott zum Preise, Jn einer eignen Art geschmuͤckt gesehn; Jndem ich jetzt, in stark vermehrter Pracht, Durch der nunmehro laͤngern Nacht Vermehrte Feuchtigkeit im Thau, Des Feldes gruͤne Gras, wie Silbertuch von weiten, Und nahe bey, mit Glanz, der gruͤn und roth und blau, Und der des Diamants gepriesne Kostbarkeiten, An Feur und Fluth, beschaͤmt, weit mehr als sonsten schau. Jch stutze vor Vergnuͤgen jedesmal, Wenn ich den wunderschoͤn gefaͤrbten Sonnenstral, Jn Millionen runden Spiegeln, Zumal an dicht-begrast- und hell-bestralten Huͤgeln, Nachdem ich meine Blicke drehe, Auf Millionen Art gebrochen sehe. Jch brach ein Spierchen Gras, woran ein Tropfen hing, Das viele Theilchen Licht vor andern noch empfing, Mit spitzen Fingern ab, So mir zu folgender Betrachtung Anlaß gab: Jch seh in diesem Troͤpfchen hier, Von Demant und Rubin, Smaragd und von Saphier, Jn weiß- und roth-in gruͤn- und blauer Zier, Die Flammen-reichen Farben scheinen, So eben insgesammt, wie Neuton spricht, Die Farben sind, die sich im Sonnenlicht Befinden und darin vereinen. Wenn Herbst-Ueberlegungen. Wenn ich hierbey nun weiter gehe, Und da ich oͤfters, in der Nacht, Die tausendfach gefaͤrbte Pracht, Von so viel tausend Sonnen, sehe; So deucht mich, daß dieß glaublich sey: So viel als Sonnen sind, daß auch so vielerley Veraͤndrungen von Glanz, von Farben, und von Stralen, Jn einer jeglichen vorhanden seyn, Und daß sie wiederum, mit ganz verschiednem Schein, Die Welte, welche sie erleuchten, auch bemalen, So uns, wenn mans erwegt, zur Ehre Gottes leitet, Und seine Herrlichkeit in uns aufs neu verbreitet, Da, in der Unerschoͤpflichkeit, Der Grad- und Art- und Wechslungen des Lichts, Zur Lust des nie zufuͤllenden Gesichts, Ein Art von Vollenkommenheit, So einem Schoͤpfer wuͤrdig, glaͤnzt, Die, wie er selber, unbegraͤnzt. Ein jedes Troͤpfchen auf dem Anger Scheint jetzo gleichsam schwanger, Von lauter Licht, und bloß von Glanz und Schein Ganz angefuͤllt, und traͤchtig recht, zu seyn. Es faͤllt das bunt und helle Licht, Durch seines Zirkels obre Ruͤnde; Wobey ich denn bewundernd finde, Daß es sich an der untern Ruͤnde bricht, Und, voller Schimmer ruͤckwerts stralet, Wodurch es sich um desto heller malet. Nachhero ward ich auch so gar, Auf dem gepfluͤgten Land, und dessen dunklem Grunde, Noch einen schoͤnen Glanz, und bunten Schein gewahr. Jn- Herbst-Ueberlegungen. Jndem der Acker uͤberall, Bedecket und beleget stunde, Recht als mit glaͤnzendem Krystall. Viel Millionen Spinnenweben, Die sich bald senken und bald heben, Und durch der Faͤden Glanz und die Bewegung, eben Jn einem wandelbaren Schein, Als wie der Tauben Hals, und Schweif an einem Pfauen, Jn ja so bunt-als hellem Glanz zu schauen, Und gleichfalls zu bewundern seyn. Woraus sich denn von neuen uns entdecket, Daß aller Farben Pracht, im Sonnenschein allein, Und nicht, wie man geglaubt, in irdschen Koͤrpern stecket. Es laͤßt, wenn man dieß alles uͤbersieht, Als wenn sich, auch so gar das braune Land, bemuͤht, So wie das Kraut und Gras, im Thau nicht minder, Durch das Gespinst und Arbeit ihrer Kinder, Sich ebenfalls zu zieren, So unser Aug, als unser Herz zu ruͤhren, Und in der Lust, zu Gott zu fuͤhren, Der aller Schoͤnheit Quell und Pracht, Die Sonn, und ihre Farb und Licht hervorgebracht. Jch sah darauf, mit Lust und mit Vergnuͤgen, Das ganze Feld, so weit man sehen kunnt, Mit mehr, als zwanzig Pfluͤgen, pfluͤgen. Es schien, da alles hin und her, Bald einer in die Laͤng, ein andrer in die Queer, Mit sanften Schritten trieb, daß alles gleichsam schwebte, Und recht als wenn der Acker lebte. Es mehrte sich der dunkle braune Grund, Und er vergroͤsserte sich sichtbarlich, Jndem, bey aller Pfluͤger Schritten, Vom Herbst-Ueberlegungen. Vom gruͤnen Gras ein breiter Strich, Durch den geschaͤrften Pflug getrennet, abgeschnitten, Und umgestuͤrzet ward. Ein jeder Pflug, von weiten, Schien einem Wagen gleich, das Feld ein allgemein, Und nur ein einzger Weg zu seyn. Die Treiber sahe man, Mit weissen Kitteln angethan, Auf schwarzen Pferden meistens reiten. Das Pflugwerk schien sanft hinterher zu gleiten, Und der, so es regiert, ging immer Schritt vor Schritt, Jn immer gleichem Abstand, mit. Auf diesem Acker bald, und bald auf einem andern, Sah man, noch zwischen her, so manchen Saͤmann wandern, Mit festem Tritt, mit reg- und milder Hand. Sie streueten, als einen trocknen Regen, Die Saat, auf das geruͤhrte Land; Auch waren hie und da die Egen, Jn großer Menge angespannt. Man sah auch die, bald hie, bald daher ziehn. Durch dieses zackigte besondre Werkzeug schien, Als ob dadurch, mit fleißigem Bemuͤhn, Der milden Mutter, unsrer Erde, Der Samen eigentlich recht einverleibet werde. „Das große Werk ist nun vollbracht; „Der Landmann hat nunmehr sein Feld „Auf guter Zuversicht bestellt; „Ein mehrers stehet nicht in seiner Macht. „Das uͤbrige muß er vom Himmel heben, „Das uͤbrige muß ihm der Schoͤpfer geben. Dieß dacht ich, da ich hier, so in der Fern als Naͤhe, Die dunklen Felder uͤbersehe. Br. VI. Th. M Jch Herbst-Ueberlegungen. Jch ward dabey gewahr, wie eine sanfte Stille, Nunmehr das ebne Feld, zusamt der Luft, erfuͤlle, Und daß die stille Macht zugleich mein Jnnres ruͤhre, So daß ich eine Art von Ehrfurcht spuͤre. Es gleitet Aug und Blick, so weit es reichen kann, Auf einer Ebne fort, wo weder Tiefen, Hoͤhen, Noch etwas hoͤckrichtes zu sehen. Schien erst das Feld voll Furchen, wie ein Meer, Voll aufgethuͤrmter kleiner Wellen: So schien es nun, von allen Wellen leer, Ein stilles Meer, an Ebne, vorzustellen, Worauf ich doch, zu rechter Zeit, Nicht stille Wellen, wie vorhin, So gar in wirklicher Beweglichkeit, Ein reges Wellen-Heer aufs neu vermuthen bin, Und zwar ein Wellen-Heer voll Segen, Von dem, der im erwaͤrmnden Sonnenschein, Und im erweichenden, ernaͤhrnden Regen, Von aller Fruchtbarkeit die Segensquell allein. Ach! rief ich hier, voll Hoffnung und Vertrauen, „Ach! ewger Ursprung aller Dinge, „Von dem, was ist, sein Wesen bloß empfinge! „Ach! laß mich dieß gewuͤnschte Wallen schauen, „Ach! laß mich an den guͤldnen Schaͤtzen, „Die dieses guͤldne Meer uns reichen kann und zeigen, „Zu Deiner Ehr, o Herr! mich oft ergetzen, „Und, voll von frohem Dank, von Deinem Ruhm nicht schweigen! Die Die Stoppeln. Die Stoppeln. A uf dem gemaͤhten Rest der Halmen, auf den Stoppeln, Seh ich mit Lust den Glanz der Sonnen sich verdoppeln. Es glaͤnzet fast kein Gold so schoͤn, so gelb, so glatt, Wie jetzt das Feld ein Gold, in gelben Stoppeln, hat. Es ist, mit neuem Glanz, die neue Flaͤch erfuͤllt, Es blitzt auf jedem Halm ein kleines Sonnenbild. Wie ich mich nun daran, zu Gottes Ruhm, vergnuͤgte, Und man nicht lang hernach die Stoppeln unterpfluͤgte: Sah ich, im Augenblick, das gelbe Feld sich schwaͤrzen. Jch fing mit meiner Kinder Chor Hieruͤber laͤchelnd an zu scherzen, Und legt ihm dieses Thun, in einem Raͤthsel, vor: Raͤtzel. H at jemand wo die Welt gesehn, mit einiger Aufmerksamkeit, Und ist vor andern weit gereiset, Der nenne mir, nebst Ort und Art und Volk, absonderlich die Zeit, Jn welcher jeder seine Mutter, mit ihrer Kinder Fuͤßen, speiset. M 2 Herbst. Herbst. Herbst. M an sah, auf den sonst gruͤnen Buͤschen, Ein lieblich Roth und gelblich Gruͤn, Das oft so bunt, als Blumen, schien, Jn sanfter Harmonie sich mischen, So, daß im Rothen, Gelb- und Gruͤnen, Zumal, im hellen Sonnen-Glanz, Verschiedne bunte Baͤume ganz Als bunter Amaranthus schienen; Auf dessen Blaͤttern, wunderschoͤn, Wir Roth und Gruͤn und Gelb, in hellem Schimmer, sehn. Ja selber die verschrumpften Blaͤtter, Jndem sie das, was hell und schoͤn, Durch ihren Gegensatz erhoͤhn, Sind schoͤn, zumal bey heiterm Wetter. Man sieht die roͤthlich-braunen Stellen Der Aeste, die entblaͤttert seyn, Der Blaͤtter bunten Schein, Durch ihre Nachbarschaft, im Gegensatz erhellen; Daher ein bunt Gemisch, das sich durch sich erhoͤht, Jm Herbst, zu unsrer Lust, fast uͤberall entsteht. Der Baͤume Form ist selbst, zu dieser Zeit, Noch schoͤner, als vorhin, bey minderm Laub; sie stehn Jn malerischer Zierlichkeit, Da sie durchsichtiger und luckrer, als vorhin. Doch muß man ihr, in Form und Farben, schoͤnes Prangen, Mit aufmerksamem Blick und Sinn, Noch heute sehn; weil sie leicht Morgen schon vergangen. Blaͤt- Blaͤtter im Herbst. Blaͤtter im Herbst. W ir haben dir, Geliebter Mensch, so lange wir, Jn unserm Sommer-Schmuck, gegruͤnet, Zu deiner Augenlust gedienet. Doch kannst du noch an uns dein Auge weiden, Wir sind noch schoͤn, auch da wir scheiden. Was vormals bloß im gruͤnen Schimmer schien, Jst jetzo gelb, wie Gold, ist roth, fast wie Rubin, Ja glaͤnzet in der Sonnen Stralen, Jn buntem Glanz, fast wie Opalen. Doch dauret unser buntes Kleid Nur kurze Zeit. Drum nimm, zum Ruhm des Schoͤpfers, unsre Pracht, Mit Lust in Acht! Uns reißt vielleicht der rauhe Nord Noch heute mit sich fort. Gebrauche dich demnach, wie ehedem der Stunden, Bey uns nunmehro der Secunden. M 3 Win- Winter-Betrachtung. Winter-Betrachtung. E in starker Nebel fiel, und ein verdickter Duft Erfuͤllte dergestalt die Luft, Daß unser Blick fast nichts, als was sehr nah, Und einen Schritt kaum von sich, sah. Drauf fiel ein starker Frost, mit strengem Wuͤten ein; Es fror die ganze Nacht. So Fluth als Erde glich, an Haͤrte, Stal und Stein. Fruͤh sahe man darauf, in seiner wilden Pracht, Den Winter uͤberall. Der rauhe Reif erfuͤllte Fast alles, was man sah, bedeckt, umgab, verhuͤllte, Das Feld, den Wald, das Land, die Haͤuser, Berg und Thal, Der Baͤume Wipfel, Zweig und Straͤucherchen, zumal Sich mit dem Reiffen noch ein dicker Schnee gehaͤuft, Daher denn, was man sah, beschneyt war und bereift. Es war der kleinste Zweig so dick fast, als ein Daum; Daher in jedem Baum Solch eine Dichtigkeit entstand, Daß man den Wipfel rund, und gleichsam noch belaubet, Jedoch, anstatt in gruͤn-in weißer Zierde fand. Die Baͤume scheinen jetzt aus Silber recht gebildet, Wovon (wenn sie zumal Der Sonnen fruͤh-und spaͤter Stral, Mit roͤthlich-gelbem Licht, zu treffen pflegt,) Die eine Haͤlfte laͤßt, als waͤre sie verguͤldet, Da denn ein achtsames Gemuͤth, Nicht ohne Lust, nicht sonder Freude, Jn Winter-Betrachtung. Jn einer fremden Augenweide, Halb silberne, halb guͤldne Baͤume sieht. Das Buschwerk war nicht minder rauh und dicht, Man sah durch sie die Luft (durch sie verdecket) nicht. Da aber, wo der Morgenroͤthe Gluht Durch nicht so dichte Stellen bricht, Erblickt man einen Glanz, an Farb, als Schnecken-Blut, Ein purpurfarbnes Licht, Durch Millionen Theil des luckern Reiffes dringen, Und von der glatten Flaͤch derselben ruͤckwerts springen, Entflammt und bunt gefaͤrbt, Die den getroffnen Blick, mit tausend Stralen, ruͤhren, Und unsern Geist, mit hoͤchster Billigkeit, Zu ihrer naͤheren Beschaffenheit, Und in derselben uns, zum Lobe Gottes, fuͤhren. Da ich den luckern Reif nun nahe, Und mit Aufmerksamkeit der Spitzen Heer besahe: Entsetzet ich mich fast, da ich in ihnen Spuren, Von Blaͤtter-foͤrmigen Figuren, Ja wirklich Blaͤtterchen, aus zartem Eis, erblickte, Davon ein jedes mir in meinen Sinn Verwunderung und Andacht druͤckte. Woher, gedacht ich, nimmt doch die Natur, Jn ihnen, die so zierliche Figur? Kann denn aus Nebel und aus Dunst, Mit so unnachahmbarer Kunst, Sie so betraͤchtliche, so viele Zierlichkeiten, Ja selber Blaͤtterchen, bereiten? Wodurch muß dieses doch geschehn? M 4 Ob Winter-Betrachtung. Ob etwan sich, durch uns verborgne Kraft, Und fast magnetisch’ Eigenschaft, Die Zweig und Knospen sich bemuͤhen, Die Theilchen ihnen zu zu ziehen, Wie oder, ob die Theilchen sich die Hoͤhlen Der zarten Oeffnungen, als kleine Formen, waͤhlen, Worinnen sie sich anfangs senken, An die sich denn hernach dergleichen Theile mehr, Die sich zu ihnen schicken, henken? Doch ach! wer faßt es eigentlich, Auf welche Weis in ihnen, sich Die Bildung, wie sie ist, formiret! Dennoch gab Die Schoͤn-und Zierlichkeit, die sich in ihnen fuͤgen, Mir, ihrem Herrn zum Ruhm, ein nuͤtzliches Vergnuͤgen, Jndem ich mich daran ergetzte, Und sie, als wenn sie mir zur Lust geschenket, schaͤtzte. Wenn diese Theilchen nun, von ihrem Sitz herab, Auf den zwar gleichfalls weiß-doch rauhen Boden fallen. Wo sie, wie Tafel-Stein aus Demant und Krystallen, Zerstreuet hin und wieder liegen, Und sich, in ihren glatten Flaͤchen, Der Sonnen Stralen lieblich brechen, Entstand ein noch vermehrt Vergnuͤgen, Jn der dadurch aufs neu geruͤhrten Brust, Und das hell schimmernde gefaͤrbte Blitzen, Von so viel Millionen Spitzen, Erregt mir eine neue Lust, Die, durch das funkelnde Bewegen, Ein Anmuths-Licht in mir erregen, Daß ich dadurch vergnuͤget, in die Hoͤh, Nach ihrer Schoͤnheit Ursprung, seh. Da Winter-Betrachtung. Da denn der Sonnenstral Sich, als ein herrliches Original, Von den unzaͤhligen Copien, zeigte. Durch dessen Wunder-Pracht geruͤhrt, Jch, zu derselben Herrn gefuͤhrt, Mich ehrerbietig neigte, Jhm dankte, daß er uns der Sonnen Gluht und Pracht, Nicht nur allein, in solcher Herrlichkeit, Jm Sommer, auch so gar, zur kalten Winterszeit, Und wenn sie uns entfernt, zu unsrer Lust, gemacht. Wobey ich innig wuͤnscht, auch bey dem Wiederkehren, Von ihrer Lebens-Gluht, von ihrem Wunder-Schein, Jm Stand, und stets bereit zu seyn, Jhn in derselben Glanz in Demuth zu verehren. M 5 Win- Winter-Gedanken. Winter-Gedanken. de 1738. D aß auch die Welt im Winter schoͤn, Hab ich, zu ihres Schoͤpfers Ehren, Nicht nur zum oͤftern angesehn; Jch hab auch wohlgemeynte Lehren, Um es auch andern zu erklaͤren, Damit auch sie, zu sehn getrieben, Und froͤlich wuͤrden, aufgeschrieben. Heut oͤffnen sich aufs neue neue Spuren Noch nicht bemerkter Creaturen, Die werth, daß man auf sie gedenket, Und die Betrachtung auf sie lenket. Jch habe nie das Eis so schoͤn, So glaͤnzend und so glatt gesehn, Als es anjetzt in diesem Jahr, Recht sonderlich gefroren war. Kein Spiegel kann so glatt, so rein, So klar, so hell poliret seyn, Als wir es, auf des Schlosses Graben, Bewundernd zu bemerken haben. Jndem noch gar kein Schnee gefallen: So sah die Flaͤch, im Wasser-Reich, Nicht nur polirtem Marmor gleich; Sie glich geschliffenen Krystallen. Man sah von Buͤschen, Baͤumen, Huͤgeln, So Farb-als Formen klar sich spiegeln, So Winter-Gedanken. So deutlich, daß auch in der klarsten Fluth, Wenn sie in sanfter Stille ruht, Die Vorwuͤrf alle kaum so rein, Und deutlich vorgestellet seyn. Und weil zugleich das Eis so gar Durchsichtig und so lauter war, Daß man den sonst verborgnen Grund, Und alle Steinchen sehen kunnt: So scheute man, auf vielen Plaͤtzen, Den furchtsam-bangen Fuß zu setzen. Verfuͤhrt durch den betrognen Blick, Zog unser Schritt sich oft zuruͤck, Ob gleich die Schollen noch so dick. Was aber mir vor andern allen, Auf der bebruͤckten Fluth, gefallen, War, daß der rosenrothe Schein Der Sonne, die sich abwerts neigte, So hell, so deutlich und so rein, Sich in dem glatten Eise zeigte; Daß die bestralte Flaͤche, ganz Beflossen von des Himmels Glanz, Nicht mehr ein irdisch Dunkel wies, Nein, sondern fast verhimmelt ließ, Es schien, als ob man ging und stunde, Auf einem ganz verklaͤrten Grunde. Der sonsten dunkle Boden schien Ein wirklich funkelnder Rubin. Es war der Abendroͤthe Schimmern, Nicht nur an den saphiernen Zimmern, Und an des Firmamentes Hoͤhn; Sie war, auch unter uns, zu sehn. Kaum Winter-Gedanken. Kaum hatt ich, inniglich geruͤhret, Zu meiner Lust und Gott zur Ehr, Den Schmuck betrachtet, und verspuͤret, Als ich darauf von ungefehr, Von meinem jetzt beschriebnen Stand, Mich gegen Osten umgewandt. Mein Gott! welch einen hellen Stral Zeigt mir der Boden abermal; Er schien auch hier mit Glanz beflossen, Mit reinem Silber uͤbergossen. Woher? es kam der Glanz, das Prangen, Und dessen Silber - weisser Schein, Noch eins so hell, noch eins so rein, Durch den gefrornen Raum der Luͤfte, Und durch die ganz zerstreuten Duͤfte. Zumal der ganz entwoͤlkte Grund, Worin die volle Scheibe stund, Vom scharfen Frost so rein, so klar, Und Purpur-roth gefaͤrbet war. Dieß bildete sich gleicher Weise Jm Spiegel-gleichen glatten Eise, Wodurch ich denn auch hier befunde, Daß ich, auf einem hellen Grunde, Und ganz im Himmels-Glanze, stunde. Wie lieblich und wie angenehm Mir dieser schoͤne Stand gewesen, Gaͤb ich dir, Leser, gern zu lesen, Zumal ich vor dem Frost bequem Bekleidet und gesichert stund, Und keine Kaͤlte fuͤhlen kunnt. Allein Winter-Gedanken. Allein, wer kann des Himmels Stralen, Des Himmels Glanz, des Himmels Klarheit, Mit irdscher Dint und Farben, malen? Dieß aber ist dennoch die Wahrheit, Daß, bey der Schoͤnheit dieses Lichts, Fuͤr die so wunderbare Gabe Des uns vergnuͤgenden Gesichts, Jch innig Gott gedanket habe; Auch davor, daß, zur Winterszeit, Er dem, der auf sein Werk gedenket, Zur Lust, so manche Lieblichkeit Der sonst erstarrten Welt geschenket. Das Das dauerhafte Gruͤn. Das dauerhafte Gruͤn. M an findet, auch zur Winterszeit, Bey feuchter Luft, und wanns nicht frieret, Annoch mehr gruͤne Lieblichkeit, Als wie man meynet, merkt und spuͤret. Jch bin erst juͤngst darauf gekommen, Und habe, mit besondrer Lust, Und innrer Regung meiner Brust, Verschiedne Schoͤnheit wahrgenommen, Die, weil ich nicht darauf geachtet, Jch auch bisher noch nicht betrachtet. Auf Wiesen, weil darauf das Gras, Ernaͤhrt durch ein bestaͤndig Naß, Noch nicht erstickt, noch nicht vergangen, Sieht man noch gruͤne Farben prangen. Die Felder schmuͤckt die junge Saat, Die sich mit ihren Spitzen eben Jn gruͤnem Schmuck hervorgegeben, Und alles gruͤn gefaͤrbet hat. Auf Scheun - und Huͤttendaͤchern stammt Ein unvergleichlich gruͤner Sammt Von Mooß, der sie beschuͤtzt und schmuͤcket; Und den man, wenn man ihn betrachtet, Und auf der Farbe Schoͤnheit achtet, Unmoͤglich ohne Lust erblicket. Wobey man mehrentheils verspuͤret, Daß diese gruͤne Winter-Pracht Den Das dauerhafte Gruͤn. Den schoͤnsten Schmuck auf schlechten Huͤtten macht, Am meisten Armer Daͤcher zieret. Der Gaͤrten figurirtes Land Prangt, wie ja jedermann bekannt, Mit des stets gruͤnen Buxbaums Zier. Die unverwelkliche Natur Von seinem Laube zeiget mir Sowohl die Farb, als die Figur, Die ich an ihm im Sommer spuͤhr. Das Wintergruͤn, der Taxusbaum Veraͤndern das Geringste kaum, Von ihrem Schmuck, trotz Frost und Stuͤrmen; Der Blaͤtter Fest - und Haͤrtigkeit Und eigene Beschaffenheit Kann sie, auch selbst im Schnee, beschirmen. Der Boden ist noch hie und dort Mit Huͤhnerschwarm, an manchem Ort, Der auch der Kaͤlte trotzt, verstecket, Worauf man, daß er wirklich bluͤht, Nicht ohn Verwunderung ersieht, Und weisse Bluͤmchen drauf entdecket. Auch noch auf einem andern Kraut Hab ich, in eines Bluͤmchens Zier, Ein lieblich Blau, wie ein Saphier, Auch noch ein gelbliches geschaut. Man sieht, wie Ruͤbenkraut, Rabeth, Und Erdenkraut, ja Petersilgen, Das Kaͤlt und Schnee sobald nicht tilgen, Jm Garten hin und wieder steht; Wo- Das dauerhafte Gruͤn. Wobey, als wie ein kleiner Wald, Jn Palmen - aͤhnlicher Gestalt, Der braune Kohl auf Purpur gruͤnet, Der uns, im Reiffen, Schnee und Frost, Als eine wahre Winterkost, Und noch zur Lust der Augen, dienet. Was aber mehr, als alles dieß, Ein’ unverhoffte Augenweide, Und vormals nie gespuͤrte Freude, Jn nie gesehnem Schmuck, mir wies, War, daß ich, an der Baͤume Staͤmmen, Von mancherley Gewaͤchs und Schwaͤmmen, Von ungezaͤhlten Formen, Arten, Und ungezaͤhlter Farb, im Garten, Den ihre Zier im Frost auch schmuͤckte, Vor Anmuth recht geruͤhrt, erblickte. Wie ich darauf die Augen schlug, Und fand, daß jeder Baum von ihnen, Jn einem ganz verschiednen Gruͤnen, Von Mooß, verschiedne Sorten trug, Die ich mit Fleiß zusammenpfluͤckte: Erstaunt ich, als ich, an Figur, So viel Veraͤndrungen nicht nur, Nein, auch befand, wie vielerley Von Farben dran zu finden sey. Ein Weiß, das keinem Silber weicht, Ein Gelb, das feinem Golde gleicht, War hin und her so bunt und schoͤn, Mit gruͤnem Glanz vermischt, zu sehn. Es kam mir hin und wieder vor, Als Drap d’ argent, und als Drap d’ or. Jch Das dauerhafte Gruͤn. Jch legte die, an vielen Orten, Gesammleten verschiednen Sorten Von Mooß, auf einen Teller hin, Und fand, mit recht geruͤhrtem Sinn, Unglaublich vielerley Figuren. Von Ecken, Spitzen, Tiefen, Hoͤhn, War ein recht fremd Gemisch zu sehn. Man fand von kleinen Buͤschen Spuren, Die wunderzierlich, nett und rein, Und ob sie gleich so zart und klein, Doch regelrecht gebildet seyn. Wie wir an Fenstern, wenn sie frieren, An Nettigkeit fast wunderschoͤn Die zierlichsten Figuren spuͤren, Und kleine nette Buͤsche sehn: So zierlich sieht das Mooßwerk aus. Jch sah, wie mancher weisse Strauß, Auf einem dunkelgruͤnen Grunde, Jm Gegensatz erhoben stunde. Bey diesem stieg, in gelber Zier, Ein kleiner guͤldner Busch herfuͤr, Der aber, da er meistens platt, Und weder Zweig noch Stengel hat, Ein ungemein Gewaͤchs formiret. Als P - - dieses kaum gelesen, Fieng er, die Nase ruͤmpfend, an: Mich deucht, daß in des Mooßes Wesen Jch ganz erweislich finden kann: Es kaͤmen bloß von ungefaͤhr So Farben, als Figuren, her. Br. VI. Th. N Es Das dauerhafte Gruͤn. Es steckt in Staͤmmen eine Kraft, Was besseres hervorzubringen, Doch, in Ermangelung von Saft, Kann ihm die Arbeit nicht gelingen; Woraus von Farb und von Figur Denn nichts, als Misgeburten nur, Verworrene Gewaͤchs, entspringen. Er schiene gar sich nicht zu schaͤmen, Hieraus auf andre Dinge mehr Noch ferneren Beweis zu nehmen. Allein, mein lieber P - - hoͤr: Hat sich der Baͤume Nahrungssaft, Der sie zum Wachsthum naͤhrlich traͤnket, Und ihre sich vermehrnde Kraft Dem Stamm von selbst sich eingesenket? Kann es von ungefaͤhr geschehn, Daß Blaͤtter, Bluͤht und Frucht entstehn? Wenn nun, so wie du scheinst zu wollen, Auch gleich was anders kommen sollen, Und etwan aus der trocknen Rinde, Aus Mangel, nichts, als Mooß, entstuͤnde: So sieht man doch, da dessen Zier, Die nicht nur unser Aug ergetzt, Und uns oft in Verwundrung setzt, Nein, auch so gar den Stamm beschuͤtzet, Und auch in Arzeneyen nuͤtzet, Daß sich die Muͤhe nicht verlier; Vielmehr, daß die Natur geschaͤfftig, Und auch, wenn sie geschwaͤcht, doch kraͤftig, Zu viel - und unterschiednen Dingen, Was nuͤtzliches hervorzubringen, Und Das dauerhafte Gruͤn. Und folglich, daß das Mooß auch werth, Daß man in ihm den Schoͤpfer ehrt. Doch kehr ich mich zu meiner Lieder Vorhin erwaͤhltem Endzweck wieder, Daß nemlich, auch im Winter, man, So gar wenns schlackricht, und nicht friert, Dennoch die Welt mit Gruͤn geziert, Mehr als man glaubt, erblicken kann. Es darf demnach, wer dieß erwegt, Wie manches Gruͤn das Land noch traͤgt, Auch in den allerschlechtsten Tagen, Mit so viel Fug und Recht nicht klagen, Als wie es insgemein uns scheint, Und er bisher wohl selbst gemeynt, Daß nemlich uns so, wie man glaubet, Der Winter alles Gruͤne raubet; Nein, daß er uns noch einen Rest, Uns an Gewaͤchsen zu vergnuͤgen, Auch mit der Lust den Dank zu fuͤgen, Von gruͤnen Pflanzen uͤberlaͤßt. N 2 Ein Ein Topf mit allerhand Blumen. Ein Von meinem Gaͤrtner im Winter mir gebrachter Topf, worinnen Tulpen, eine weisse Hyacinthe, und drey gruͤ- ne Zweige gepflanzet waren. J ndem ich hier, fuͤr unverhoffter Lust, Mit einer fast erstaunten Brust, Zugleich in einem Topf, der Tulpen rothe Gluht, Der Hyacinthen weissen Schnee, Und gruͤn - belaubte Zweige seh: Empfind ich, daß, in meinem regen Blut, Ein sanftes Andachts - Feur sich reget; Und daß zu gleicher Zeit Der Hyacinthen Reinlichkeit Mir einen neuen Trieb, von schwarzen Lastern rein, An weisser Unschuld reich, zu seyn, Jn meine frohe Seele praͤget. Nicht weniger erregt in mir Der gruͤnen Blaͤtter gruͤne Zier Der immer gruͤnen Hoffnung Triebe, Auf Gottes Weisheit, Huld und Liebe. Der liebliche Geruch erinnert mich dabey, Daß, da nebst des Gesichts, ich auch des Riechens Gabe Von Gott empfangen habe, Jch mich, voll Lust und Dank, des großen Gebers freu. Ob Ein Topf mit allerhand Blumen. Ob wir nun gleich dieß alles wissen: So scheinet doch der Blumen Pracht Zu diesem Zweck absonderlich gemacht, Daß sie uns oft daran erinnern muͤssen. Jch seh denn noch einmal die Pracht, den Glanz und Schein Und faͤllt mir dieß dabey voll Lust und Andacht ein: Jch beth, in eurer Blaͤtter Sammet, Jn dem Geruch, in eurem Saft, Worinn ein lebend Feuer flammet, Das aus des Schoͤpfers Allmacht stammet, Die Weisheit, ew’ge Lieb und Kraft, Jn froͤlicher Bewundrung an, Und freue mich, daß Gott zum Ruhme, So gar das Wesen einer Blume Uns leiten, und ihn zeigen kann. N 3 Wie Wie es sanft schneiet. Wie es sanft schneiet. W enn ich der Luͤfte Schaum, den weissen Schnee, Von oben dicht herunter fallen seh: So scheint oft selbst die Luft, von regen Flocken, schwer, Und recht, als ob sie, sanft zu uns herab zu sinken, Beschaͤfftigt in Bewegung waͤr. Durch welche schwebende Beschaffenheit geruͤhret, Ein es betrachtendes gelassenes Gemuͤth, Das dieses Flockenspiel besieht, Ein’ innigliche Lust, in sanftem Schaudern, spuͤret. Wenn wir so dann, in warmem Zimmer, Von Sorgen frey, am Fenster stehn: Kann man, nicht sonder Anmuth, sehn Der dichten Flocken weissen Schimmer. Jhr zwar gedraͤngt - doch sanfter Fall, Jhr spielend durch einander Fliegen, Wirkt ein Bewegen uͤberall, Und uns ein sonderbar Vergnuͤgen. Jhr lindes Sinken, Schwaͤrmen, Schweben, Kann, selbst in Schwermuth, unsrer Brust Ein’ Art von einer sanften Lust, Ein schaudrigtes Vergnuͤgen, geben. Es scheinen gleichsam Schwermuths - Theile, Mit dichter Flocken Fall, in Eile, Auch uns vom Herzen, abzufallen. Es scheinen, durch dieß holde Scherzen, Die Wie es sanft schneiet. Die aufgebrachten Trieh im Herzen, Allmaͤlig sanfter auf zu wallen. Ach moͤcht ich doch, so |oft ich Schne e , Jn der sonst rauhen Winterszeit, Vor Frost und Unbequemlichkeit Beschuͤtzet, lieblich schwaͤrmen seh, An Gottes weise Ordnung denken, Und Jhm, auch fuͤr die Winterlust, Aus meiner Jhm geweihten Brust, Jhm Dank - erfuͤllte Seufzer schenken! N 4 Ge- Gedanken uͤber Schrittschuhe. Gedanken uͤber Schrittschuhe. ARIA . S eh ich das Volk auf schnellem Schritschuh schweben, Und, wie ein Pfeil, voruͤber gehn: So duͤnket mich, von unserm Leben, Ein lebend Bild zu sehn, Da wir die Welt, wie sie, wenn wir es recht bekennen, Als floͤgen wir davon, durchrennen. Siehe 1 Th. Jrd. Verg. Den Worten dacht ich juͤngst, wie ich die Fluth bebruͤckt, Mit einem schoͤnen Eis, auf Spiegel - Art, geschmuͤckt, Und auf demselben, mit Vergnuͤgen, Fast einen ungezaͤhlten Haufen, Mehr schweben sah und fliegen, Als rennen, gehen oder laufen, Mit fernerem Erwegen, nach. Dieß aͤmsige geschaͤfftige Gewuͤhl, Kam, wie ich es erwegte, mir Als wie das menschliche Betragen fuͤr; Worauf ich bey mir selber sprach: Ein jeder will voraus; mit eifrigem Bemuͤhn, Sucht er sich jedem vorzuziehn. Er eilet, auf dem Wassergraben, Bestaͤndig fort, wie wir auf Erden. Der Gedanken uͤber Schrittschuhe. Der schoͤne Strand, der Grund, und waͤr er noch so schoͤn, Wird uͤberall nicht angesehn. Wir fuͤhlen beyde die Beschwerden, Die wir uns, meistentheils umsonst, zu machen pflegen, Jn unserm eifrigen Bewegen, Das meist auf Wind und Tand, und nichts gericht, Fuͤr heftigen Begierden nicht, Die uns fast keine Ruhe goͤnnen. Die meisten rennen, um zu rennen; Sie hindern sich einander, stoßen sich, Und fallen oͤfters beyde nieder. Wer liegt, der liegt; es lacht ein ieder, Der dieses sieht; man freut sich fast gemeinschaftlich, Und keiner denkt: Es lauret auch auf dich Vielleicht ein naher Fall. Die Kluͤgsten weichen, Nicht Maͤchtigern allein, auch ihres gleichen, Mit schlauer Wendung, aus. Verschiedne wollen allen, Durch sonderbare Kunst, gefallen. Sie brauchen mehrern Platz. Von der, zu jener Seiten, Sieht man sie uͤbermuͤthig gleiten; Sie wollen, mit verschiednen Zuͤgen, Jns Eis ihr eignes Merkmaal schreiben, Und ihr Gedaͤchtniß, mit Vergnuͤgen, Dem grauen Marmor einverleiben, Das aber, mit dem eitlen Grunde, So bald ein Wind aus Suͤden weht, Ja oͤftermals in einer Stunde, Zerbricht, versinket und vergeht. Wobey sie, durch ihr uͤbermuͤthigs Schweifen, Sie, die Gefahr zu fallen, stets noch haͤufen. Ein Strohhalm, eine Ritz, ein kleiner Stein, Kann ihnen, in dem fluͤchtgen Schweben, N 5 Zum Gedanken uͤber Schrittschuhe. Zum oͤftern Straucheln Anlaß geben, Zum schnellen Sturz ein Vorwurf seyn. Mich deucht, ich sehe sie, zu beyden Seiten, Den Ehrgeiz und die Lust begleiten. Dieß trifft auch so bey uns, in unserm Leben, ein; Der Geiz scheint uͤberdem, mit noch geschaͤrftern Trieben, Uns noch, in unserm Lauf, bestaͤndig nach zu schieben. Jn diesem schwaͤrmenden Gedraͤnge, Ward ich noch eine groͤßre Menge, Von diesen Laufenden, gewahr, Die nicht so stolz, als jene, vorwerts glitten, Mit engen, nicht erhabnen Schritten, Meist krumm gebuͤckt und kuͤmmerlich, Jn einem mehrentheils geraden Strich, Wobey sie doch so viel Gefahr, als jene, nicht erlittem Sie brauchten keinen großen Raum: Doch wuͤrdigte man die des Ansehns kaum. Dieselbigen nun kamen mir, Wie auf der Welt die Armen, fuͤr. Von einigen, die bey einander schwebten, (Als wenn sie, so wie wir, auf festem Boden, lebten) Hoͤrt ich ein eifrigs Raisonniren, Und oͤfters gar ein Disputiren, Von Dingen an dem Strand, die schnell fuͤr sie verschwunden, Von welchen sie so viel, als nichts verstunden. Noch hatten einige, sich unter sich verbunden, Durch einen langen Stock, den sie in Haͤnden hielten, Es ließ, als ob sie all auf eine Einigkeit, Jn ihrem Laufen, zielten: Doch waͤhrt auch die nur kurze Zeit, Da Gedanken uͤber Schrittschuhe. Da einer bald sich hier, ein andrer dort verlohr. Dieß kam mir als ein Bild, von Mascopeyen, vor. Nachdem ich nun dem laͤrmendem Gewimmel Hatt eine Zeitlang zugesehn, Und dem verwirrt-und schwaͤrmenden Getuͤmmel, Dem lauten scharr - und schwirrenden Getoͤn, Nun lange zugehoͤrt, Und etwas weiter ging, bald aber ruͤckwerts kehrt: Ward ich, indem indeß der Abend angebrochen, Verwundrungs-voll gewahr, Daß sich die ganze Schaar Bereits verlaufen und verkrochen. Jch stutzt und glaubte, daß auch dieß Uns ein belehrend Beyspiel wies. Denn recht, wie nach vollbrachtem Lauf, Der ganze Hauf Die Stelle des Gewuͤhls, die glatte Bahn, verlassen; So scheint es auch mit uns bestellt, Wenn wir die glatte Bahn der Welt, Nach kurzer Zeit, wenn wir erblassen, Den Folgenden, um auch darauf zu schweben, Durch unsern Abtritt, uͤbergeben. Begluͤckt! wenn es bey unserm Wallen, Nur sonder Straucheln, ohne Fallen, So geist - als leiblich, abgegangen, Und daß, nach diesem Leben, dort, Wir an den uns bestimmten Ort, Zur seligen und wahren Ruh, gelangen. Ge- Gedanken bey einer Schonkilje. Gedanken bey einer im Februario bluͤhenden Schonkilje. L iebster Gott! kanns moͤglich seyn! kann der Winter nicht ein- mal Der Natur Formirungskraft, auch bey fernem Sonnenstral, Auch zur allerrauhsten Zeit, mitten im December, tilgen! Also rief ich, als ich juͤngst zaͤrtlich bluͤhende Schonkiljen, Ohne Kunst, in meinem Garten, aus der Erde steigen sah. Wie ich ihren unverhofften lieblich-gelben Glanz erblickte; Wie ich sie, mit frohen Haͤnden, um sie aufzuheben, pfluͤckte: Waren mir, ob ihrer Schoͤnheit, fast die Freudenthraͤnen nah. Jch vermochte, wie ich sie so vollkommen fand, so schoͤn, Wie sie so vortrefflich roch, mich daran nicht satt zu sehn, Mich daran nicht satt zu riechen. Meine Seele lenkte sich, Durch den unvermutheten nie gesehnen Glanz geruͤhret, Zu der Blum und meinem Schoͤpfer; dankt und lobt ihn inniglich, Daß er, zu der Menschen Anmuth, ein so schoͤn Gewaͤchs for- miret, Daß er, da zur Sommerszeit, leider! durch derselben Menge, Wir, zur Unempfindlichkeit uns ungluͤcklich bringen lassen, Uns zu ungewohnter Zeit, (so daß wir die Art nicht fassen) Durch derselben suͤssen Balsam, durch ihr schimmerndes Ge- praͤnge, Ausserordentlich vergnuͤgt. Herr! wenn ich an dieser Gabe, Durch dieselbe, durchs Gesicht, und durch den Geruch, mich labe: Laß dieß liebliche Geschoͤpf mich zu dir, als Schoͤpfer, fuͤhren; Laß mich ein, in dir gegruͤndet, irdisches Vergnuͤgen spuͤren! Die Die junge Saat. Die junge Saat. N ach fast verstrichnem Februar, Und da kein Schnee mehr auf den Feldern lage, An einem angenehmen Tage, Der, nach erlittnem Frost, noch angenehmer war, Begab ich mich aufs Feld, Das im verwichnen Herbst zur neuen Saat bestellt, Um mit Aufmerksamkeit zu sehn, Was doch von der Natur, auch in der Winter-Nacht, Selbst unterm Schnee, geschehn, Wie weit es, selbst im Frost, ihr reger Fleiß gebracht. Jch stutzte, wie der Aecker dunkle Ruͤcken Nicht mehr zu sehn. Ein allgemeines Gruͤn, Das, in dem Sonnenstral, den aufmerksamen Blicken Noch schoͤner, als Smaragd, und recht durchsichtig schien, Bedeckte schon das schwarze Land, Als wie ein sammtenes Gewand. Man kunnte von der dunklen Furchen Menge Die schwarzen Tiefen nicht, ja nicht einmal Derselben Ruͤcken kleine Hoͤhn, Vor der schon mehr, als sie, erhabnen Spitzen Laͤnge Des gruͤnenden Getreydes sehn. Ein angenehm durchleuchtend - gruͤner Schein, Der uͤberall in gleicher Hoͤhe stund, War allgemein; Soweit man sehen kunnt. Durch diesen gruͤnen Schmuck schien eine neue Welt Uns gleichsam vorgestellt. Jch Die junge Saat. Jch sah, durch diese gruͤne Pracht, Mich gleichsam angelacht, Jch spuͤrt ein gruͤnes Licht vom Felde ruͤckwerts springen, Und mir in mein Gehirn, durchs Auge, dringen, Daselbst, bey einem sanften Fuͤhlen, Ein liebliches Jdeen - Heer erzielen, (Die in Gedanken sich zusammen setzten,) Und zu des großen Schoͤpfers Ehr, Jn sanfter Andacht, mehr und mehr Mich fuͤhrten, und zugleich ergetzten, So, daß ich ihm ein Dank - und Freuden - Opfer brachte, Und inniglich geruͤhret, folgends dachte: Herr, du laͤssest, dir zum Preise, Jn der Furchen gruͤner Gleise, Hier schon unsre kuͤnftge Speise Jn begruͤnter Hoffnung sehn. Laßt uns doch, wie Gottes Segen, Nebst der Nahrungskraft, auch schoͤn, Mit vergnuͤgtem Aug, erwegen, Und mit Andacht uͤberlegen, Daß uns Gott, auf dieser Welt, Nicht nur unsre Kost beschehret, Und zur Nothdurft nur erhaͤlt; Sondern auch mit Anmuth naͤhret. Gruͤ- Gruͤnender Huͤhnerschwarm. Gruͤnender Huͤhnerschwarm im Winter. M ein Gott, es steht mein Fuß gehemmt, bey dieser gruͤ- nen Stelle, stille; Jch seh, auch selbst im Februar, im Rest der Kraͤuter, eine Fuͤlle, Von Anmuth, Schoͤnheit, Zierlichkeit. Ein uͤberall begruͤnter Grund, Worauf ein purpurfarbnes Waͤldchen, von braunem Kohl, ge- pflanzet stund, War durch den Gegensatz noch schoͤner. Jch sahe Kerbel, Pe- tersilgen, Nebst vielem andern Kraͤuterwerk, das weder Schnee noch Frost zu tilgen Bishero maͤchtig gnug gewesen. Wie ich mich nun nach ih- nen buͤckte, Und ihrer eiuige mit Fleiß, zu naͤherer Betrachtung, pfluͤckte: Erstaunt ich, als ich ihrer viele, nicht gruͤnen nur, auch bluͤ- hen sah. Der sogenannte Huͤhnerschwarm, der, als gewehte gruͤne Decken, Sich in einander recht geschlungen, sich uͤbers Land pflegt herzustrecken, Als wenn er es erwaͤrmen wollte, bracht, in fast Silber-weis- ser Zier, Und noch ein andres Kraut, ein Bluͤmchen, das bald dem Gol- de glich, herfuͤr, Das suͤß, und recht, wie Honig, roch. Jch dacht hierbey der Ursach nach, Wodurch sich die Gewaͤchs’ erhalten, ob gleich ihr ganzer Bau so schwach. Es Gruͤnender Huͤhnerschwarm. Es schien, ob haͤtte sie die Demuth am meisten vor dem Frost beschuͤtzt, Und ihre sanfte Niedrigkeit sie vor der Winde Wuth gestuͤtzt. Doch reichet dieß allein nicht zu; daher ich billig weiter gehe, Und, daß es eine eigne Kraft, so die Natur ihr schenkt, gestehe. Dergleichen sonderbare Kraͤfte sind von sehr großer Wichtig- keit, Da, wenn die Pflanzen der nicht faͤhig, das liebe Korn, zur Winterszeit, Sich gleichfalls nicht erhalten koͤnnte, das zur Erhaltung un- srer Welt, Wie zart es gleich, trotz Frost und Eis, recht wunderbarlich sich erhaͤlt, Daß dieß ein nuͤtzlich Wunderwerk, muß, wer daran gedenkt, gestehen. So laßt uns doch daran gedenken, damit wir den im Sehn erhoͤhen, Aus welchem alle Kraͤfte qvillen, der durch sein’ Allmacht, was so klein, So schwach und zart, daß es kaum fuͤhlbar, und kaum zu sehnde Zaͤserlein, Vor dem so strengen Druck der Kaͤlte zu schuͤtzen, zu bewah- ren weis, Zu unserm Nutzen und Ergetzen, und sprechen: Dem, der al- le Welt Hervorgebracht, geschmuͤckt, ernaͤhret, und in so schoͤner Ord- nung haͤlt, Sey unsre Lust im Dank geopfert, und Jhm allein sey Ehr und Preis. Tabac. Tabac. Tabac . W enn Kaͤlt und Feuchtigkeit die Luft erfuͤllt, Und unsern Leib umringt, ja fast durchdringet; Wenn unser Hirn ein Schwermuths-Duft umhuͤllt, Und uns sodann ein’ Art von Lust entspringet, Aus einer Pfeife Rauchtabac: So hab ich oͤfters nachgedacht, Ob der Geruch, ob der Geschmack, Ob der von uns sanft ausgeblasne Hauch, Und sein kurz abgesetzt und schmatzendes Getoͤn, Ob der, den Wolken gleiche, Rauch, Den wir in regen Kreisen sehn; Wie, oder ob die Waͤrm uns das Vergnuͤgen macht? Und finde, daß, durch alle Sinnen, Wir im Tabac ein’ Art von Lust gewinnen. Man scheinet insgemein, durch sanftes Achselzuͤcken, Daß etwas uns vergnuͤget, auszudruͤcken. Bey manchem scheint, wenn er die regen Kreis’ erblickt, Als wuͤrde selbst sein Geist zum Denken mehr geschickt, Und daß er, wenn sein Pfeifchen brennte, Weit tief - und schaͤrfer sinnen koͤnnte. Ein Pfeifchen dient, in Einsamkeit, Ein’ Art Gesellschaft abzugeben, Und wenn ihr in Gesellschaft seyd, Die Unterhaltung zu erheben. Gedenket wenigstens, indem ihr euch vergnuͤget, Auch, daß ihr euch vergnuͤgt! und dankt, (indem ihrs denkt, Daß im Tabac fuͤr euch so manche Lust sich fuͤget;) Dem, der euch diese Lust, wie alles, schenkt. Br. VI. Th. O Er- Tabac. Erwegt, daß, wenn es draußen stuͤrmt, Jhr sicher, ruhig und beschirmt, Jn eurem Zimmer, euch befindet, Und auch, so gar im Rauch, verschiedne Lust empfindet. Der Rauch kann euch zugleich, von eurem Leben, Und von der irdischen Vergaͤnglichkeit, Ein augenfaͤllig Lehrbild geben. Wenn man auf diese Weise raucht, Und, in betrachtender Gelassenheit, Vergnuͤglich dieses Kraut gebraucht: So wird man es nicht mehr so, wie in vorger Zeit, Fuͤr unanstaͤndig, und noch minder Fuͤr ein verruchtes Werk der Suͤnder, Nach eitlen Grillen vieler alten Und neuen Heiligen, hinfuͤhro halten. Be- Betrachtung uͤber den braunen Kohl. Betrachtung uͤber den braunen Kohl. W ir leben jetzt im spaͤten Herbst. Der vormals schoͤnen Welt Gestalt Jst ganz veraͤndert; Gras und Kraut sind welk; die Luft ist kalt; Die Erde schlackricht, feucht und tief. Doch weil das Wetter heute leidlich, und, nach der Zeit des Jahres, schoͤn, Die Luft nicht kalt, der Wind auch still: So laß uns in den Garten gehn, Sprach ich zu meinem aͤltsten Sohn. Wir waren kaum hin- ein getreten, So sahen wir das schoͤne Gruͤn des Buxbaums um den Gar- tenbeeten; Doch Anfangs sonst kein ander Gruͤn; denn ausser Blaͤtter- losen Zweigen, Die sich in drohender Gestalt, als waͤrens lauter Ruthen, zeigen, Und dick - verwachsnen duͤrren Dornen, schien anders fast kein Vorwurf da, Bis wir gemaͤhlig weiter gingen, da er zuerst, auf einem Platz, Das Kraut, das Reich und Arme speist, und das ein rechter Winterschatz, Den gruͤnlich - braunen krausen Kohl, mit aufmerksamen Bli- cken, sah. Er zeigte mir denselben gleich, worauf wir naͤher zu ihm gingen, Und dieß besondere Gewaͤchs mit Lust an zu betrachten fingen. Er kam, in seiner dunkelgruͤnen mit Purpur untermischten Zier, An Form uns, einem kleinen Wald in allen Stuͤcken aͤhnlich, fuͤr. O 2 Die Betrachtung uͤber den braunen Kohl. Die Wipfel schienen fast, in Palmen - gleichen Zweigen, Jn sanfter Runde, sich herab zu neigen. Ein jeder Zweig war ein vereintes Blatt, Und wies dadurch, daß die Natur, An stets veraͤnderter Figur, Stets einen neuen Vorrath hat. Bewunderns-werth ist dieser Pflanzen Zier, Wenn man sie, mit betrachtendem Gemuͤth, Und nicht so, wie man pflegt, nur obenhin besieht. Die Farben brennen zwar, wie bunte Blumen, nicht, Weil ein fast roͤthlich Braun ihr helles Gruͤne bricht; Daher er, wenn man ihn nur obenhin beachtet, Mit einer Trauerfarb, so alles jetzt erfuͤllt, Auch gleichsam angethan und eingehuͤllt, Ein truͤbes Ansehn hat. Doch wenn ich in der Naͤhe Die Farben und die Form von dieser Pflanzen sehe: Erstaun ich, und mit Recht. Mehr, als man glauben kann, Trifft, wer sie so beschaut, besondre Wunder an. Wo ist ein Baum, des Stamm, zusamt den Zweigen, Den allerschoͤnsten Purpur zeigen? Ein blauer Duft, der sich verwischt, Jst mit dem glatten Roth gemischt, Womit sich Zweig und Stamm, so beyde esbar, decken. Ja, auf den Stengeln nicht allein, Selbst auf den Blaͤttern, wird erblickt, Wie ein bald gelb-bald gruͤn-bald Purpur - Duft sie schmuͤckt: Nachdem sie selbst gefaͤrbet seyn. Ein mit ein wenig Braun gemischtes Dunkelgruͤn, Wodurch die Aederchen, in schoͤnstem Purpur, gluͤhn, Wird auf den mehresten gesehn; Wobey jedoch, auf manchen Stellen, Ver- Betrachtung uͤber den braunen Kohl. Verschiedne Buͤsch, im hellen Gruͤnen, stehn, Die denn das Dunkelgruͤn der uͤbrigen erhellen. Noch mehr, ein roͤthlich Gelb ist hier und dort zu sehn, Die ihre Nachbarschaft, so braͤunlich - roth, erhoͤhn. Durch der so mannichfach gemischten Farben Pracht, Wie sehr sie gleich gebrochen, finden wir Ein buntes Ganz, das, in verschiedner Zier, Ein Feld, mit Kohl bedeckt, um desto schoͤner macht. Von meinen Kindern eins, mein kleiner Julius, Den, weil er oftermals dergleichen that, Und manche Kraͤuterchen mir eingereichet hat, Jch billig darum loben muß, Kam eben, wie ich dieses dachte, Und mehrte meine Lust, indem er mir Ein schoͤn vom bunten Kohl gepfluͤckt Bouquetchen brachte. Dieß glaͤnzt um desto mehr in einer bunten Zier, Als er von ungefaͤhr der Farben Unterscheid, Jn einer lieblichen und bunten Zierlichkeit, So suͤß vereint, so angenehm vermischet, Daß es sowohl mein Herz, als mein Gesicht, erfrischet. Jch lobte seinen Fleiß, behielt den kleinen Strauß, Und zahlet ihm, zum Lohn, zwey Groschen aus. Drauf huͤpft er, recht vergnuͤgt in seinem kleinen Sinn, Mit Freuden wiederum dahin; Und ich schlug meinen Blick Auf das besagte Kraut zuruͤck, Um, Gott zum Ruhm, von neuen, wie so schoͤn Der schoͤne Kohl, noch ferner anzusehn. Auch dieser Pflanzen Laub vermehrt noch das Vergnuͤgen, Wenn man den klaren Thau, der auf den Kohl gefallen, Jn großen Tropfen, recht als Kugeln von Krystallen, O 3 Auf Betrachtung uͤber den braunen Kohl. Auf einem dunklen Grund, hier rollen und dort liegen, Ja, Diamanten gleich, voll Schimmer glaͤnzen sieht, Worin der Sonnenstral oft, als ein Feuer, gluͤht, Zumal wenn wir sie fruͤh, vom Licht bestralt, entdecken. Wer aber kann den Schmuck der krausen Ecken, Der unbeschreiblich nett gespitzet und gedreht, Jn schoͤn verwirrter Ordnung steht, Mit ihren zwar verwirrt-doch ordentlichen Bildern, Jn gnugsam aͤhnlicher Gestalt und Farbe, schildern? Es koͤnnte keine Scheer, kein Messerchen so zierlich, So nett, so rein gespitzt, so reinlich, so figuͤrlich Sie zieren, bilden, oder schneiden. Kein wahres Menschen-Aug’ erblickt sie sonder Freuden, Zumal, wenn einige nicht nur Mit der so nett gekerbt-und zierlichen Figur, Nein, noch dazu mit andern Farben, prangen, Als wie das ganze Blatt; Da wir, auf manchem Kohl, der an sich dunkelbraun, Die Ecken oͤfters weis, oft roth, oft hell-gruͤn schaun, Und manches weisse Blatt ganz rothe Spitzen hat. Je laͤnger man sie sieht, je mehr vermehret sich Die Zierlichkeit und Pracht, absonderlich, Wenn, wie es eben dazumal Von ungefaͤhr geschah, der helle Sonnenstral Die truͤbe Luft durchdrang, worin ich damals mich, Nebst meinem Sohn, befand. Mein Gott! wie wunderschoͤn Fing alles dazumal an auszusehn! Wie schoͤn war uͤberall der frohen Augen Ziel, Als nicht nur auf das klare Naß Der Sonnenstral, als auf ein helles Glas, Auch durch die bunten Blaͤtter, fiel. Da Betrachtung uͤber den braunen Kohl. Da denn, bey denen frischen, gruͤnen, Die welken Blaͤtter Gold, ja recht wie Blumen, schienen. Es dachte, neben mir, mein Sohn der Anmuth nach, Bis daß er, durch dieß Kraut geruͤhret, zu mir sprach: Was bey dem braunen Kohl noch mein Bewundern haͤuft, Jst, daß, (wie ich anjetzt in dieser Pflanz entdecke) Jn ihr recht was besonders stecke, Da sie, durch Waͤrme nicht, nur durch die Kaͤlte, reift. Ja freylich, du hast recht, mein Sohn, rief ich, erfreut, Daß er so wohl gedacht. Es zeigt dieß abermal, Wie kuͤnstlich die Natur, und wie fast ohne Zahl, Die Mittel, die sie braucht, zu aller Zeit, Uns zu ergetzen und zu naͤhren. Mit Recht gereichet dieß zu dessen Ehren, Der ihr, zu unsrer Nutzbarkeit, So manche Kraͤfte schenkt, da auch so gar der Frost Uns Speise schaffen muß, und eine suͤsse Kost, Der Armuth sonderlich. Ach laß zu deiner Ehre, O Herr, bey dem Genuß, uns oftermals bedenken, Daß nimmermehr ein Ungefaͤhr Vermoͤgend, solch ein Kraut zu schenken, Das uns, ach! daͤchte man doch oftermals daran, Auch selbst im Winter, Lust und Nahrung bringen kann. O 4 Herrn Die Hirsche. Herrn Ridingers in Augspurg uͤbersandte treffliche Zeichnungen wilder Thiere mit ernsthafter Lust be- trachtet. Dieses vortreffliche Werk ist nachher, nebst der Poesie, in Kupfer gestochen, von ihm her- ausgegeben. Wir beschreiben alle beyde, Gott zum Ruhm und uns zur Freude, Das so schoͤne Weltgebaͤude, Jch mit Dinte, du mit Kreide. Die Hirsche. No. 1. H at man jemals die Natur, mit der Kunst vereint, gesehn: So geschichts auf diesen Blaͤttern. Daß, mit etwas schwar- zer Erde, Alles, was auf dieser Welt wunderschoͤn, so wunderschoͤn Vorgestellt, gefaͤrbt, gebildet, ja fast gar belebet werde; Jst so kuͤnst-als unbegreiflich. Schaut den nah-und fernen Wald! Es vertieft der Blick sich hier, in den weit entlegnen Buͤschen, Wo sich, mit gebrochnen Lichtern, Schlag - und andre Schatten mischen. An des bunten Birkenstammes Riesen-foͤrmige Gestalt, Freut sich mein erstauntes Aug. Jn geruhigem Vergnuͤgen, Sie- Die Hirsche. Sieher man, in weichem Graß, ein, dem Schein nach, lebend Bild; Ein, mit seinem zarten Kaͤlbchen, wiederkauendes Stuͤck Wild, Das, in seiner jungen Einfalt, dieß, mit ernster Vorsicht, liegen. Des behaarten feisten Spiesserts rasch und muntre Fluͤchtigkeit Zeigen die benervten Schenkel. Wer bewundert nicht, in ihnen, Da das Urbild und der Abdruck uns zur Lust und Nahrung dienen, Unsers Schoͤpfers schoͤne Werke, und der Kunst Vollkommenheit? No. 2. H alb in frisch-und kuͤhlem Schatten, halb in schwuͤlem Son- nenschein, Unter Blaͤtter-reichen Baͤumen, zwischen Kraͤuter-reichen Huͤgeln, Sieht man einen edlen Hirsch, hier im klaren Bach sich spiegeln, So natuͤrlich, daß der Schein selbst ein Urbild scheint zu seyn. Jst gleich seine Stellung still; Laͤßt uns doch sein rasches Wesen Seine schuͤchterne Natur, aus fast regen Zuͤgen, lesen. Seht! es ruͤhren sich die Ohren. Schaut! die Augen sehn mich an. Hoͤrt! ob man nicht eigentlich das Geraschel hoͤren kann, Des von ihm zertretnen Schilfs. Edler Ridinger, dein Geist, Welcher uns des Schoͤpfers Macht, in der Koͤrper Schoͤnheit, weist, Zeiget, welche Kraft, zu bilden, Gott den Geistern eingesenket, Und zugleich, wie groß das Maaß, welches dir von Jhm ge- schenket. No. 3. W elch Rascheln unterbricht der Stille so lang hier ungestoͤr- ten Sitz? Es rauschen Buͤsch, es krachen Straͤucher. Was fliegt daher, als wie ein Blitz? O 5 Es Die Hirsche. Es war ein angeschweister Hirsch: Er ist vorbey und fort Doch nein; Wie! wird er in der Flucht zu Stein? Er fleucht, und bleibt auf einer Stelle. Dieß ist nun keine Zauberey; Doch ist es eine schwarze Kunst. Damit hier lange sichtbar sey, Was sonst die Schnelligkeit uns raubet: Kann man, an diesem armen Thier, Entsetzen, Unmuth, Grimm und Gram, Furcht, Wuͤten, Todespein und Grauen, Nicht in den Augen nur allein, in allen seinen Gliedern, schauen. Die Muskeln raffen sich zusammen; die strammen Nerven reissen schier. Hier seh ich nun zwar eine Probe, wie weit des Menschen schlauer Geist, Auch in den allerdicksten Waͤldern, die Herrschaft uͤber Thie- re weist: Doch seh ichs ohne Mitleid kaum. Wesfalls ich eilig meine Blicke, Um mich zu troͤsten, in den Wald, in die bebuͤschte Ferne schicke. Jch senke mich, mit stiller Lust, in das verwachsene Gefilde; Und wenn ich, in dem schoͤnen Wald, mich satt und doch nicht satt gesehn, Weil man stets neue Schoͤnheit spuͤret: So ruf ich: Jeder muß gestehn, Daß hier die bildende Natur, durch Ridinger, sich selbsten bilde. No. 4. O b in diesem Kupferstuͤck ich zuerst das Pflanzen-Reich, Oder erst das Thier-Reich sehn, oder alle zwey zugleich Schauen und bewundern wolle; zweifelt mein verwirrter Blick. Sucht Die Hirsche. Sucht mein Aug am kuͤhlen Bach, unter Schatten-reichen Buͤ- schen, Unter Blaͤtter-reichen Baͤumen, in der Fern, sich zu erfrischen: Reisset ihn der edle Hirsch, mit Gewalt, auf sich zuruͤck, Und indem ich seine Stellung, Anstand, praͤchtige Gestalt, Sein auf mich gerichtet Aug und den festen Tritt beschau, Schweift der Blick aufs neue weg, in die von der klaren Au Angenehm durchfloßne Gegend, wo sich, von bebluͤmten Huͤgeln, Weisse Staͤmme, gruͤne Blaͤtter, in dem reinen Wasser, spiegeln. Doch des Hirsches schoͤne Zweig, und sein sich bewegend Ohr, Reissen mich aus gruͤner Zweige ferner Tief aufs neu hervor, Beyder Urbild zeiget mir einen Gott, der Koͤrper macht; Die Copie beweist, daß Gott auch den Geist hervor gebracht. No. 5. Z wischen schroff-und jaͤhen Felsen, hoͤr ich das Gewaͤsser rau- schen, Seh ich einen muntern Hirsch, hier aufmerksam stehn und lauschen, Voller innerlichen Gluht, voller bruͤnstigen Begier, Ob er nirgend Wild verspuͤr. Kaum getraut er seinen Lauft fest zu setzen, um im hoͤren, Sich, durch ungefaͤhres Rascheln, unvorsichtig nicht zu stoͤren. Sehet, wie so scharf er sieht! hoͤrt, wie stark und laut er schreyt! Der so schoͤn - als wilden Gegend deutliche Natuͤrlichkeit, Wo auch das, was schrecket, schoͤn ist, was verwildert, angenehm, Und die wir, in unserm Zimmer, jetzt durch Ridinger bequem, Sonder steigen, sehen koͤnnen, bringt uns billig auf die Spur Des hier vorgestellten Urbilds, auf die wirkliche Natur. Da wir fuͤrs Original, die Geschoͤpfe, leider blind, Durch Gewohnheit, worden sind: Sucht Die Hirsche. Sucht er vom Gewohnheits - Schlaf, uns, durch Zeichnen, zu erwecken, Und, durch die Copie, im Urbild, selbst den Schoͤpfer zu entdecken. Also seh ich seine Kunst, ja ihn, als ein Werkzeug an, Wodurch man sich, im Geschoͤpf, selbst zum Schoͤpfer nahen kann. No. 6. S eht geschwinde! wie so rasch, munter, fertig, schnell und leicht, Hier der Hirsch, auf flacher Ebne, nach dem Walde springt und fleucht! Er ist in so reger Stellung, daß sein Fliehn ich nicht nur sehe, Sondern fast das Strampfen hoͤr’. Seht, wie lieblich, von der Hoͤhe, Dort die langen Schatten fallen, und den kuͤhlen Abend weisen; Selbst in der Copie der Anmuth, kann man hier den Schoͤp- fer preisen. Denn mich deucht, ich waͤr im Felde, bey gekuͤhlter Abendzeit, Und bewunderte der Sonnen untergehnde Herrlichkeit. Jst die Kunst nicht hochzuschaͤtzen, da durch sie wir, wie so schoͤn Die im Fruͤhling schoͤne Welt, auch im Frost, in Zimmern sehn? Wann du der Geschoͤpfe Schoͤnheit, durch das Aug, uns ein- verleibest: Ruͤhrest du, durch deine Hand, Ridinger, uns unser Herz. Eines guten Schreibers Griffel ist dein Griffel. Denn du schreibest Unsers großen Schoͤpfers Thaten, wirklich in der That, in Erz. No. 7. Die Hirsche. No. 7. S ah man, von bejahrten Staͤmmen, und von Blaͤttern, die Figur Je natuͤrlicher gebildet? eine thierische Natur, Gleichsam lebend, bloß in Strichen? Nein, vom Thier - und Pflanzen-Reich, Sah man nimmer die Copie, dem Original so gleich. Jn dem Aug, in allen Sehnen, ja in Muskeln, durch die Haut, Wird an diesem Hirsch, wie sanft ihm das Streifen thut, ge- schaut. Ja, es zeiget uͤberall die so kuͤnstliche Copie, Jn nur schwarzen Linien, Farben, Haltung, Harmonie. Wie das Urbild so vortrefflich, wie die Welt so wunderschoͤn, Davon kann man hier, im Abdruck, einen schoͤnen Schatten sehn. Ja noch mehr, in wahren Waͤldern, wie es mir zum oͤftern schien, Scheint der gruͤne Schatten schwarz, hier der schwarze Schat- ten gruͤn; Ja es scheint dieß edle Thier, nicht zu stehn, nein, sich zu regen, Und die Blaͤtter an den Zweigen, durchs Gehoͤrn, sich zu be- wegen. No. 8. J m verwachsenen Gefilde, zwischen dick - bebuͤschten Huͤgeln, Jm mit Schilf bekraͤnzten Bach, der im Widerschein stets gruͤn, Durch der gruͤnen Blaͤtter Schatten, in polirter Klarheit schien, Sieht man hier den edlen Hirsch weiden, und zugleich sich spiegeln. Jn Die Hirsche. Jn des offnen Maules Stellung sieht man deutlich, daß er fuͤhle, Wie die feucht und frische Kost ihn mit Anmuth naͤhr und kuͤhle. Doch sein Auge zeigt zugleich, daß sein praͤchtiges Geweih, So der Wiederschein ihm zeiget, seiner Blicke Vorwurf sey. Wer bewundert, der dieß siehet, nicht des Kuͤnstlers kluge Hand? Jeder Punkt zeigt einen Geist, jede Linie Verstand. Aber hoͤrt! erkennt dabey, wenn euch sein Gemaͤlde ruͤhret, Daß er uns, durch die Copie, zum weit schoͤnern Urbild fuͤhret. No. 9. W ie so wild ist dieser Wald! sehet, wie sich Licht und Schatten, Hier mit einem holden Schrecken, und in wilder Anmuth, gatten! Sind die Aeste, die so knorrig, nicht fast ungeheuer schoͤn? Seht die krumm - verwachsnen Wurzeln uns fast recht entgegen stehn. Aber, wie erblick ich hier, in so klaͤglicher Gestalt, Einen sonst so muthgen Hirsch! Der verzehrnden Brunst Gewalt Schauet man in seinen Augen. Ein verfinstert schwaches Licht Glimmt in seinem truͤben Blick; seine Zunge starrt, er lechzet; Und mein Auge hoͤret fast, wie er schnaufet, keicht und aͤchzet. Ja, mich deucht, als wenn er gleichsam, durch sein Keichen, zu mir spricht, Aus dem schlammigten Morast: Schau, in mir, die Wut der Triebe, Jhr den Leib verzehrend Feur: Kurz, ein Bild misbrauchter Liebe. No. 10. Die Hirsche. No. 10. J n einem rauhen Fichten-Wald, der sehr verwildert ist, doch schoͤn, Seh ich hier einen edlen Hirsch, so, wie es scheint, voll Unmuth stehn. Er scharrt begierig in den Sand, ich hoͤr ihn fast fuͤr Eifer schnaufen; Sein scharf Geweih durchfaͤhrt und stoͤrt den ihm gesunden Ameishaufen. Man kann, in seinem strengen Blick, so gar die Leidenschaften sehn. Erwege, der du dieses siehest, wie weit die Wissenschaften gehn, Wie sich die Kunst so fern erstrecket! So wie, durch schwarze Dinte, man Unsichtbare Gedanken bilden, und Geister fast verkoͤrpern kann, Das ja gewiß ein Wunder ist: So stellt, durch schwarze Far- be, hier, Des Kuͤnstlers Hand, auf diesem Blatt, die Koͤrper fast be- geistert fuͤr. Mit wie viel Faͤhigkeiten nun, und Kraͤften unsrer Geister Wesen Von einem hoͤhern Geist begabt, giebt diese Bilder - Schrift zu lesen, Man kann sich, wenn wir dieß Pappier, als der Natur Copie, beschauen, Des Urbilds Schoͤpfer selbst zum Ruhm, daran ergetzen und erbauen. No. 11. M it ergetzendem Erstaunen, mit bewunderndem Vergnuͤgen, Sieht man hier den stolzen Hirsch, gleichsam majestaͤtisch, liegen. Jch Die Hirsche. Jch bewundere, mit Ehrfurcht, den, der solcher Glieder Pracht Dieser Creatur geschenkt. Aber, wird nicht auch bedacht, Rief ich, durch die Kunst geruͤhrt, wie, durch etwas schwarze Erde, Solch ein Thier, als wenn es lebet, lebhaft vorgestellet werde? Seht, es reget sich der Hals! seht, ihn kroͤnet sein Geweih; Seht, wie jede Muskel, selbst durch die Haut, zusehen sey. Aus dem Auge guckt der Hirschgeist. Kann man seiner Laͤufte Schalen Haͤrte, Glaͤtt und Festigkeit deutlicher mit Farben malen? Jn noch mehr, man sieht mit Lust, wie dieß Kunst - erfuͤllte Blatt Noch, vor allen andern Blaͤttern, was besonders an sich hat. Man sieht hier, durch Kunst, die Kunst sich mit der Natur vereinen. Jn der Baͤume Perspectiv herrscht die Ordnung, und es scheinen Hier die Bilder keine Bilder, sondern Koͤrper, die versteint. Wie nun alles, was man sieht, nach dem Aug-Punkt sich verkleint: So vergroͤssert sich bey mir die Bewunderung der Kunst, Und zugleich der Preis des Schoͤpfers, dessen Weisheit, Macht und Gunst Wir so manche Wissenschaft, geist-und koͤrperliche Gaben, So zur Lust, als auch zum Nutzen, bloß allem zu danken haben. No. 12. A uf diesem blumigt-flach-und lustigem Gefilde, Wovon das Auge kaum die Fern ergruͤnden kann, Die Blicke den Verschieß kaum zu erreichen taugen, Sieht man verwunderlich fast die Natur im Bilde, Jm hier versammelten ganz unterschiednen Wilde. Es Die Hirsche. Es sieht dem Kuͤmmerer der Kummer aus den Augen; Die ernste Stellung zeigt des Gall-Thiers Alter an; Der Hirsch-Kuh kann man es fast aus den Augen lesen, Daß sie des Hirsches Brunst ein Vorwurf sey gewesen. Das schlanke Schmahl-Thier zeigt der frischen Jugend Spur. Jedoch dieß Kupfer-Stuͤck zeigt uns das Wild nicht nur, Es zeigt dieß Blatt ein Blatt des Buchs der Creatur. Des Kuͤnstlers Lettern sind Figuren, die er fuͤget, Daß eine solche Schrift daraus entsteht, Worinn so Zug als Text des Schoͤpfers Ruhm erhoͤht, Wenn jemand, der im Sehn sie liest, sich dran vergnuͤget, Durchs Bild zum Urbild erst, und dann zur Urquell geht. Wen nun der schoͤne Stich und Kupferdruck behaget, Der muß von der Copie die Zeichnung selbst erst sehn; Dann wird er, nicht allein, daß ich nicht gnug gesaget, Auch daß man nicht davon gnug sagen kann, gestehn. Br. VI. Th. P Ueber Ueber wilde Schweine Ueber wilde Schweine. 1. K ann man den ein Grunzen sehn? Kann uns eine Wuͤ- steney, Die nicht gegenwaͤrtig, schrecken? Daß dieß beydes nuͤtzlich sey, Kann uns dieses Blatt entdecken. Lebt nicht diese Bache fast? decket sie nicht so natuͤrlich, Und so sorgsam ihre Zucht, die halb wild und halb poßirlich? Solche Wunder wirkt die Kunst. Aber laßt uns die Copey Zu dem Urbild, der Natur, diese, zu dem Schoͤpfer leiten, Jhn zu ehren, als die Quell der erschaffnen Seltenheiten. 2. Seh ich hier die wilden Kaͤuler, durch verworrne Hecken, dringen; Seh ich sie in schneller Fahrt so ergrimmt als fluͤchtig springen: Kann mein Blick kaum stille stehn, sondern eilt mit ihnen fort, Und mich deucht, ich hoͤr zugleich Grunzen, Rascheln, Schreyen, Schnaufen. Aber seh ich ungefehr die gezackten Fichten dort, Jn so wirklicher Gestalt: Stutz ich, und laß jene laufen, Dem, der alles schafft, zum Ruhm, seh ich hier, in Thier und Straͤuchen, Eine kuͤnstliche Copey der Natur, in zweyen Reichen. 3. Kann man sich auch ohn Gefahr zu den wilden Hauern wagen, Die hier recht lebendig scheinen, und so scharfe Waffen tragen? Ja, der eine schlaͤft, der andre reibt sich grunzend; wag es nur, Tritt nur naͤher, und beschaue die natuͤrliche Figur Die- Ueber wilde Schweine. Dieser Thier, auch in den Baͤumen, die leibhaftige Natur. Schau den Stamm, der Riesen - foͤrmig! scheint nicht seiner Blaͤtter Schatten, Wie ihr Urbild, sich zu regen? Lust und Furcht scheint sich zu gatten, Jn dem dick verwachsnen Busch. Wenn uns nun die Creatur Eine Spur zum Schoͤpfer zeiget; zeigt die Kunst hier eine Spur, Zu der Creaturen Heer. Folglich kann, zu Gott zu steigen, Jedem, der sie recht gebraucht, sie die erste Sprosse zeigen. 4. Laͤßt sich ein vergnuͤglichs Schrecken, ein geheim und schau- drigt Grauen, Jm gewachsnen Walde, fuͤhlen; laͤßt hier dieser schwarze Wald Eben die Empfindungen, in fast sichtbarer Gestalt, Den in ihm vertieften Blick, mit nicht mindrer Regung, schauen? Aber, welch ein stark Geraͤusch! o! zuruͤck! ein schrecklich Schwein Liegt erhitzt, dort in der Suͤhle, seinen duͤrren Brand zu kuͤhlen, Unterm Busch, im feuchten Schilf. Hoͤrt es schnaufen! seht es wuͤhlen, Schaut, wie stroblich seine Borsten, wie so lang die Waffen seyn! Wie des schlammigten Morasts kaltes Bad es innig ruͤhre; Deucht mich, daß ich in den wilden halb geschloßnen Augen spuͤre. Ein paar kluge Striche zeigen, von dem ungeheuren Thiere, Selbst die innre Leidenschaft. Muß man denn nicht dessen Geist, Der, in seiner edlen Kunst, uns so viele Wunder weist; Der, was Gott in wilden Waͤldern fuͤr uns schuf, uns zu be- trachten, Recht als wenn es lebte, zeiget; nicht bemuͤht seyn hochzuachten? P 2 Ueber Ueber Hasen. Ueber Hasen. W er bewundert nicht die Kunst! da sich hier der Hasen Geist, Voller Furcht und dummer Einfalt, in so mancher Stellung, weist, Sonderlich zeigt hier die Haͤsinn, in den Augen, Furcht und Grauen. Wenn wir die gespitzten Ohren des erhabnen Rammlers schauen: Stehet diesem kleinen Maͤnnchen alles so poßirlich an, Daß man, uͤberlaut zu lachen, schwerlich sich enthalten kann. Wer dieß Bild vernuͤnftig sieht, wird und muß den Meister loben. Warum wird denn, der das Urbild noch viel trefflicher gemacht, Nicht bewundert, nicht verehret, seine Weisheit nicht bedacht, Seine Liebe nicht geruͤhmt, und sein’ Allmacht nicht erhoben? Die Die Woͤlfe. Die Woͤlfe. W elchen Wild und oͤden Ort, welche grause Wuͤsteney, Fuͤllt hier ein nicht minder wild - und entsetzliches Ge- schrey, Ein abscheuliches Geheul! welch ein grimmig Klaggetoͤn Kann man, in fuͤnf offnen Rachen Fleisch-begierger Woͤlfe, sehn! Ja mich deucht, ich sehe gar, an verschiednen schroffen Stellen Dieser Klippen - reichen Gegend, selbst die Felsen wiederbellen. So natuͤrlich ist die Stellung, so lebendig die Figur Dieser Thiere vorgestellt, und die felsigte Natur, Daß man fast ein Echo hoͤrt; man vermeynt hier, nicht die Stimm Nur zu hoͤren und zu sehn; man sieht nicht nur Wuth und Grimm, Jn den tuͤckisch schielen Augen, welches ein paar Strich uns weist, Man sieht gar, in schwarzen Koͤrpern, selbst der Woͤlfe schwar- zen Geist. Machet dieß denn nicht aufs neue, wie der menschliche Verstand Fast zu Wundern faͤhig sey; unserm Gott zum Ruhm bekannt? P 3 Flie- Fliehendes Wild. Fliehendes Wild. J n der Flucht des schnellen Wildes, flieht mein Blick mit ih- nen fort, Und begreift nicht, wie er flieget, und doch an demselben Ort Bleibt, und schwebend feste steht; da ich doch die Zweige krachen, Buͤsch und Straͤucher rascheln hoͤre, und die Bretter fallen seh, Die der Hirsch durchbricht und umstuͤrzt, samt dem leicht-und raschen Reh, Fortgepeitscht von strenger Furcht. Kaum kann ich die Wun- der-Sachen, Berg und Thal und gruͤne Waͤlder, die nicht gruͤn sind und nicht da, (Die, ob sie gleich nah und ferne, doch nicht fern sind und nicht nah,) Die, in dieser schoͤnen Zeichnung, nicht, und doch gemalet stehn, Vor der zweifelnden Bewegung der getaͤuschten Augen sehn. Doch so viel besinn ich mich, daß unmoͤglich auf der Erden, Eines Thieres schneller Lauf aͤhnlicher gezeigt kann werden. Jch besinne mich noch ferner, daß die Kunst hier eine Spur, Zu den wunderreichen Werken der formirenden Natur, Jn vernuͤnftgen Zuͤgen, weist. Da man billig hoͤher steiget, Weil die Kunst uns die Natur, die Natur den Schoͤpfer zeiget. Die Die Gemsen Die Gemsen. A uf der allerhoͤchsten Berge gaͤhen Wipfel fuͤhrst du mich, Edler Ridinger, hinauf; Blick und Geist muß mit dir steigen, Wo kein Fuß je hingekommen, um mir, was auch dorten sich Vor Geschoͤpfe finden lassen, ihrem Herrn zum Ruhm, zu zeigen. Hier, noch hoͤher als die Wolken, wird uns eine neue Welt, Voller neuen Creaturen, in den Gemsen vorgestellt. Soll ich erst die steilen Klippen, ihre Spalten, ihre Kluͤfte, Jhre fuͤrchterlichen Tiefen, die geborstnen dunklen Gruͤfte; Oder erst die kuͤhnen Buͤrger dieser unwirthbaren Hoͤhn, Dieses Licht-und Schatten-Reichs, dieser Felsen-Welt besehn? Beyde laͤßt dein Zaubergriffel, sondre Schwindel, ohne Grauen, Uns, auf einem Blatt Papier, voller Lust und Ehrfurcht, schauen. Dieß Papier ist ganz beschrieben, und mit Lettern ausgeziert, Wozu dir selbst die Natur, durch die Kunst, die Hand gefuͤhrt. Diese Schrift ist leserlich; jeder kann den Jnhalt fassen; Daß der Schoͤpfer uͤberall sich nicht unbezeugt gelassen. Auch auf unersteiglichen unwegbaren schroffen Hoͤhn, Sind, in tausend Wunderdingen, Gottes Wunder anzusehn. P 4 Die Die Luͤchse. Die Luͤchse. W elche Schrecken-reiche Hoͤhle, voller Spalten, voller Kluͤfte, Welche Last gewoͤlbtert Felsen, voller tief - und dunklen Gruͤfte, Welch ein wuͤrdigs Nest der Thiere, deren heissen Durst nach Blut, Grimm, Gefraͤßigkeit und Bosheit, Hurtigkeit und List und Wuth, Jhre ganze Stellung weist! Kann man doch, fast ohne Grauen, Kaum die sichere Copie, weil auch sie fast lebet, schauen. Seht, wie die, bey ihren Jungen, grimmiglich die Zaͤhne bleckt, Wie ein andrer dort bequem seine Tatzen von sich streckt, Und, auch mit verdeckter Schaͤrfe eingezogner Krallen, schreckt. Einer sieht sich grimmig um. Selber an der jungen Schaar, Wird man eine junge Bosheit, kleine Tuͤcke schon gewahr. Seht, wie jener alle Muskeln, zu dem nahen Raub, bestimmt; Wie, in seinem scharfen Blicke, recht ein wildes Feuer glimmt! Sehet, wie der große dort mordbegierge Klauen kruͤmmt. Doch warum, macht etwa jemand mir vielleicht hier einen Zweifel, Zeugt, in Luͤchsen, die Natur, gleichsam eingefleischte Teufel? Nicht umsonst. Sie dienen uns. Man kann sie zum Jagen nuͤtzen, Und es muͤssen ihre Baͤlge uns fuͤr scharfe Kaͤlte schuͤtzen. Die Die Fuͤchse. Die Fuͤchse. S eht! wie ein Gemisch, von Falschheit, Schmeicheln, Fraͤs- sigkeit und List, Hier, im Blick der schlauen Fuͤchse, deutlich abgebildet ist! Ridingern ists nicht genug, Koͤrper lebhaft vorzustellen; Er zeigt unsern Augen gar dieser Thiere haͤmisch Bellen. Ja noch mehr, er kann so tief in den Geist der Thiere dringen, Jhn mit aller Leidenschaft sichtbar in ein Kupfer bringen, Und der Fuͤchse Geist von innen, recht heraus zu sehen, zwingen. Schau die junge Brut doch an! wie ein schelmisches Gemuͤth, Voller schmeichelnden Betrug, voller Schalkheit, voller Tuͤcke, Und verstellter Gleißnerey, aus fast noch halb blindem Blicke, Schon auf Fleisch zu lauren scheint, schon auf Blut und Rau- ben sieht! Scheint nun gleich der schlimme Fuchs mehr zu schaden, als zu nuͤtzen, Muͤssen uns doch ihre Baͤlge fuͤr den scharfen Frost beschuͤtzen, Und uns in der Kaͤlte kleiden. Also dient, wie Wolf und Luchs, Doch, Trotz ihrer Schaͤdlichkeit, uns zum Besten auch der Fuchs. P 5 Der Der Rehe-Bock. Der Rehe-Bock nebst der Geis und ihren Jungen. H ier weis wirklich unser Geist sich so bald nicht zu ent- schliessen, Ob er sehn soll, oder hoͤren. Laͤßt er seine Blicke schiessen, Auf die Thiere, die sich regen, auf die Kunst und die Natur, Die in diesem praͤchtgen Garten, so durch Farben, als Figur, Majestaͤtisch sich verbinden; reizt ein angenehmer Schall, Reizt ein sprudelndes Getoͤs’, in dem weissen Wasserfall, Durchs Gehoͤr sich zu vergnuͤgen. Ja noch mehr, das laute Saugen, Und das schmatzende Getoͤn des geschaͤfftgen Boͤckleins hemmt Jhm, durchs Ohr, noch eine zeitlang dem Gebrauch der frohen Augen. Endlich aber sieht er wieder. Seht, wie sich das Thierchen stremmt Und mit kurzen Stoͤßen zieht! Jn der kleinen Schenkel Biegen, Sieht man eine sanfte Lust. Und ein muͤtterlichs Vergnuͤgen, Ein empfindliches Gefuͤhl, in der Geis Zung, Aug und Ohr, Was ihr Jnnerstes empfindet, giebt sie aͤußerlich hervor, Und man siehet, was sie fuͤhlet. Seht, welch einen ernsten Geist Der gestreckte Rehe-Bock, der der sanften Ruh geneust, Welchen muntern seine Zucht, in der raschen Stellung, weist. Aber seht doch auch dabey, wenn ihr diesen Abdruck sehet, Wie er, nebst dem schoͤnen Urbild, unsers Schoͤpfers Macht erhoͤhet! Die Die Baͤhren. Die Baͤhren. B eym Anblick dieser Bestien, wird auch der Kuͤhneste ver- stummen, Man stutzt, man haͤlt sich in Gefahr, die schwere Bratzen re- gen sich; Es drohen uns sechs offne Rachen; man sieht und hoͤrt recht fuͤrchterlich, Ein wildes heiseres Gebruͤll, ein Mord - und Blutbegierges Brummen. Man sieht hier schwere Lasten Fleisch, von Grimm und Grausamkeit belebt, Und ob den einen gleich der Schlummer in einen tiefen Schlaf begraͤbt: So fuͤrchtet man doch sein Erwachen. Doch halt! sie sind ja nur gemalet, Wir koͤnnen sicher naͤher treten! komm laßt uns Farb und Form besehn! Muß jeder, so im Bild, als Urbild der starken Baͤren, nicht gestehn, Daß auch aus ihnen, wie aus allem, ein helles Licht der All- macht stralet. Die Maaß, auch in so plumpen Gliedern, ein Art von Großmuth in dem Geist, Da er den Menschen ungereizt, nicht leichtlich, schadet noch zerreißt, Wo Hungen ihn nicht wuͤtig macht, noch mehr, die uns er- waͤrmnde Haut, Womit er uns im Winter nuͤtzt, sind einer weisen Schoͤpfung Proben, Es wird auch eine weise Vorsorg, in diesem Thier, fuͤr uns geschaut, Wer wollte denn, auch in dem Baͤhren, des Schoͤpfers Lieb und Macht nicht loben! Die Die Loͤwinn. Die Loͤwinn. J n der Thiere Koͤniginn regen Stellung sieht man hier, Muth und Sorge, Lieb und Grimm, recht verwunderlich vereinet. Aus den Augen brechen recht diese Regungen herfuͤr, So, daß sie, nicht nach dem Leben nur gemalt, zu leben scheinet. Seht, mit welcher Zaͤrtlichkeit, Vorsicht, Eifer, Sorg und Kraft, Sie, zum Schutz, die junge Zucht unter sich zusammen rafft, Und sie, mit sich selber decket! An der Jungen jungen Klauen, Kann man schon die Art und Staͤrke, koͤnnen wir schon Loͤwen schauen. Sehet den, mit einer Tatzen, seine Mutter gleichsam reizen, Mit der andern sich schon boͤs, gegen seinen Schatten, spreizen! Jn das flache Blatt-Papier, tritt das Thierhaus tief hinein, Und man siehet, fast mit Schrecken, wie die Gattern aufgezogen; Denn es scheint, es kaͤm das Thier, gegen uns, herausgeflogen. Geht die Bildungs-Kunst nicht weit? Da sie, nicht nur durch den Schein, Unser’ Augenlust vermehrt, sondern selbst die Seele ruͤhret, Und zu einer Creatur, so Bewundrung - werth, uns fuͤhret, Die uns, wenn wir, wie ein Mensch denken sollte, denken, leitet Auf ein unbegreiflich Wesen, das so starker Glieder Pracht, Jn so richt’ger Eben - Maaß, nebst dem Geist, hervorgebracht: Und ein majestaͤtisch Thier in dem Loͤwen zubereitet. Die Die Bieber Die Bieber. S o oft ich hier vor diesem Kupfer, wenn es im Zimmer haͤnget, stehe: So deucht mich, daß ich in demselben ein recht natuͤrlich-wirk- lichs Feld, Und ein durchsichtig-klares Wasser, aus einem offnen Fenster sehe. Des Zimmers Wand scheint auf der Stell, als waͤr sie in der That durchbrochen; So gar natuͤrlich ist die Landschaft gebildet, und in Erz gestochen. Die beyden Bieber sind so lebhaft in ihrer Handlung vorgestellt; Man glaubt, man hoͤr und seh sie nagen. Doch laßt uns nicht die Kunst allein, Laßt uns das Urbild, die Natur, zum Ruhm des Schoͤpfers, hier betrachten, Und wie sie diese Thiere, fast mit einem weisen Geist, verein’! Der fast den Thiergeist uͤbertrifft, der unserm sich fast naht, beachten, Der Bieber Geist in Canada, daß nicht die Fluth ihr Nest verschwemme, Haut große Balken, schleppt sie fort, verbindet sie, verfertigt Daͤmme, Und leitet Stroͤme von sich ab. Jst dieses nicht Bewunderns- werth, Daß die Natur so plumpe Thiere so sonderbare Kuͤnste lehrt, Und wird derselben Quell und Herr, auch hierin, nicht mit Recht verehrt? Mar- Marder und Wiesel. Marder und Wiesel. J n der so schoͤn - als wilden Landschaft, sind kleine boͤse Buͤrger hier, Von unterschiedner Art, zu sehn. So Stein-als Edel-Marder zeigen Die raͤuberische Fertigkeit, hier in den Hoͤhlen, dort auf Zweigen, Sammt ihrer kleinen wilder Brust. Wie schaͤdlich nun das kleine Thier, So nuͤtzt es uns dennoch nicht minder. Die Baͤlge decken uns im Frost. Die Losung riechet, recht wie Biesam, die Maͤuse dienen ihm zur K ost. Auch schleicht die Wiesel hier herum, die auch, mit ihren guten Werken, Nicht sonderlich beliebt sich macht, je dennoch ist von ihr zu merken, Daß sie, nicht nur der Maͤus und Ratzen, sie ist zugleich der Schlangen Feind. Jhr Balg heilt selber ihren Biß, der giftig seyn soll, und man meynt, Ob heil ihr Blut die boͤse Sucht. Hieraus nun wird aufs neu entdeckt, Wie auch in Thieren, welche schaͤdlich, ein noch viel groͤßrer Nutzen steckt. Die Die Jltiß. Die Jltiß. D ie Ordonanz in diesem oͤden und recht verwildertem Gefilde, Jst wuͤrdig, daß man sie betrachtet; es zeigt von dem erstorb- nen Baum, Ein duͤrrer Ast sich auf dem Stamm des abgehaunen Stamms, im Bilde, So deutlich, daß man, durch den Schatten, den Sonnenschein fast warm erblickt, Wodurch zugleich sich, im Verschieß, die Fluth und das Ge- buͤrge schmuͤckt. Doch halt! was regt sich auf dem Vorgrund? ich seh hier unvermuthet vier Blutgierig Eyerdiebe wuͤhlen; man kann in ihren Augen schier Den schwarzen kleinen Mord-Geist sehn. Sie wuͤrgen mehr, als sie verzehren, Und saugen, aus zerbißnen Koͤpfen der Tauben und der Huͤner, Blut. Doch, ausser daß sie unsre Haͤuser von Maͤusen und von Ratzen leeren: So kommen diese Thier uns Menschen auf andre Weise noch zu gut. Jndem sie gar nicht kostbar fallen: Hat Gott auch Armen wollen goͤnnen, Daß sie, mit dieser Thiere Baͤlge, in scharfem Frost, sich waͤr- men koͤnnen. Die Die wilden Katzen. Die wilden Katzen. S eht! wie in des wilden Waldes dunkel - gruͤner Schatten- Nacht, Auf dem duͤrr - und morschen Baum halb ergrimmt, halb laͤ- cherlich, Dort ein bunter wilder Kater einen Katzenbuckel macht! Seht, wie mit entflammten Augen hier ein andrer uͤber sich, Schon im Sprung begriffen, sieht! seht, wie muͤtterlich die Katze An den naͤrrischen Figuren ihrer Jungen sich vergnuͤgt, Und, indem sich eines welzt, eines mit gestreckter Tatze, Springt, und sich im Sprunge dreht, eine sich poßirlich biegt, Und den regen Ruͤcken kruͤmmt, innig sich zu freuen scheint! Jst dieß Thier nun gleich sehr schaͤdlich, nuͤtzt es mehr doch, als man meynt, (Welches wir erkennen sollten) denn, so bald sie aufgerieben, Wird, mit ihren bunten Baͤlgen, große Handelschaft getrieben. Da man sie, nicht nur im Winter gegen strenge Kaͤlte traͤgt; Sondern er auch gegen Fluͤsse wunderbare Kraͤfte hegt. Damm Damm-Hirsch. Damm-Hirsch. S o natuͤrlich hat der Damm-Hirsch den herabgezognen Ast, Vom belaubten Eich-Baum, hier, mit den Zaͤhnen, an- gefaßt, Daß mich deucht, ich seh den Zweig, da der scharfe Biß geschehn, Mit geschwind - und schnellem Ruck, wieder in die Hoͤhe gehn. Daß im uͤbrigen, auf Erden, die nie muͤßige Natur Unerschoͤpflich im Formiren, davon zeigt das Damm-Wild hier Uns von neuen eine Prob, und ein’ unleugbare Spur. Von dem andern rothen Wilde, weiset sich dieß bunte Thier, So an Farb als Form, verschiedlich. Ausser den vier Augen- Sprossen, Gleicht fast sein Geweih den Schaufeln; seine meistens weisse Haut Wird, zu unsrer Augenlust, oͤfters schoͤn gefleckt geschaut. Und sein noch viel zarter Fleisch wird mit mehrer Lust genossen. Wenn wir denn an diesem Thier, nebst dem Gaum, das Auge laben: So vergeßt nicht, dem zu danken, dem wir es zu danken haben. Br. VI. Th. Q Das Das Eichhorn und der Dachs. Das Eichhorn und der Dachs. Z wey ganz unterschiedne Thiere stellt dieß schoͤne Kupfer hier, Und in selbigen die Traͤgheit, auch die Munterkeit, uns fuͤr, Nebst der Faulheit und dem Fleiß. Eines lebt auf hohen Zweigen, Fliegt fast mehr noch, als es springt, sammlet in dem kleinen Neste Seinen Vorrath, und (was merklich) allezeit das Allerbeste; Wobey denn, bey jeder Handlung, sie sich sehr poßirlich zeigen. Da der traͤge Dachs hingegen in der schwarzen Erde graͤbt, Seine meiste Zeit verschlaͤft, und vom eignen Fette lebt, Das zu vielen Dingen dienlich, wie nicht weniger die Haut, Sammt dem ziemlich sanften Haar, woraus, nebst noch andern Sachen, Wir das beste Maler - Werkzeug, auserlesne Pinsel, machen. Wenn das Eichhorn, welches man fast nicht ohne Lachen schaut, Uns mit rascher Gaukeley, nur vergnuͤgt in seinem Leben; Kann der Dachs, was an ihm gut, uns nach seinem Tod erst geben. Jn den beyden, wie in allen, zeigt sich eine weise Macht Dessen, der so mancherley Creatur hervor gebracht. Die Die Fisch-Ottern. Die Fisch-Ottern. W er bewundert nicht die Hoͤhle! wer ergetzet sein Gesicht An der unterirdschen Landschaft Schrecken-reicher Schoͤn- heit nicht! Wer bewundert der Bewohner so des Landes, als der Fluth, Der recht moͤrderischen Ottern, nimmersatten Fraß und Wuth Nicht, mit einem halben Grauen! Seht, wie lebhaft alles ist! Seht doch, wie das Otter-Paar so natuͤrlich Fische frißt! Schien des strengen Wasserfalles Rauschen es nicht zu ver- wehren; Deucht mich, daß man ihren’ Biß deutlich wuͤrde knarschen hoͤren. Wie dieß Thier, zu seiner Nahrung, recht Bewunderns-werth formirt, Muß man halb erstaunt gestehen. Kopf und Schwanz und Balg und Klauen Lassen eine weise Vorsorg, einen weisen Endzweck schauen. Ob man nun gleich oft, durch sie, Schaden in den Teichen spuͤrt: Wird doch, durch die schoͤnen Baͤlg’, oft auch der Verlust ersetzet, Da man ihr schoͤn glaͤnzend Haar besser, als der Biber, schaͤtzet, Und zun feinsten Huͤten braucht. Ja es soll den Schwindel mindern, Und ein Strumpf von Otterbalg podagraͤmsche Schmerzen lindern. Wird man also, wenn wir denken, wie wir sollen, auch so gar Selbst an Ottern, nebst dem Nutzen, einer weisen Macht gewahr. Q 2 Der Der Loͤwe. Der Loͤwe. W elch ein strenges wirklich Feuer, welch ein hell und dunk- les Licht Flammet in des Leuen Augen, stralt heraus, dringt durchs Gesicht, Trifft und schrecket unsern Geist, daß er, gleichsam selbst durch- stralet, Nur mit Muͤh sich faßt und denket: Jst dieß Feur doch nur gemalet. Welche finstre Majestaͤt herrscht in diesem ganzen Thier! Seiner Nerven, Muskeln, Knochen, Riesen-foͤrmiger Verband Zeiget, unter andern Thieren, seinen koͤniglichen Stand. Eine Art von ernster Großmuth, nebst der Staͤrke, stellt ihn mir Recht als einen Herkules, unter andern Thieren, fuͤr. Sein bestaͤndiger Begleiter (ob er ihn gleich selbst nicht kennt) Jst der Schrecken, welcher sich nie von seiner Seiten trennt. Wenn ich hier den Bau des Koͤrpers, wenn ich hier die Leuen-Seele, Jn dem Abdruck, gnug bewundert, und das Urbild, dem zur Ehr, Der es so vortrefflich schuf, stets bewundre mehr und mehr: Werd ich dort, noch in der Tiefe der geborstnen Felsen-Hoͤhle, Jn verschiednen Handlungen, ein’ entfernte Loͤwen-Schaar, Mit nicht weniger Bewundrung, und mehr Sicherheit, gewahr. Da denn sonderlich die Felsen so natuͤrlich, daß es scheint, Durch des Kuͤnstlers Zauber-Griffel, waͤre sein Papier versteint. Das Das Rennthier. Das Rennthier. M ein erfrorner Blick erstarrt, da ich wahres Eis, auch Schnee, Und von Eis - Gebirg - und Schollen, alles hier erfuͤllet, seh. Mich verblendet diese Weisse, die die schwarze Luft noch staͤrkt, Daß mein Auge kaum die Stralen der entfernten Sonne merkt, Welche, mit gefaͤrbten Streifen, die beeiste Luft verguͤldet. Wird denn hier, durch Schwaͤrz und Schatten, Schnee und Glanz und Licht gebildet? Doch was faͤhrt daher? ein Rennthier. Moͤchte doch auch dieß gefrieren, Daß ich es betrachten koͤnnte! Gut. Es starrt, es stehet still, Und, als ob es sich von uns recht beschauen lassen will, Scheinet es, zum fernern Lauf, alle Kraͤfte zu verlieren. Welch ein stark und rasches Thier! welch ein praͤchtiges Geweih, Das sich vorn und hinten streckt! wie ein Pferd ist es gemaͤhnet, Einem Kalbe gleicht sein Haupt. Einige sind wild und frey; Andere sind, uns zum Dienst, zahm, und sonderbar gewoͤhnet. Dieses Thier nun zu erhalten, sind die Kosten gar nicht groß, Denn es kratzt, zu seiner Nahrung, ein verworfnes weisses Mooß, Das in oͤden Feldern waͤchst, selber unterm Schnee, herfuͤr, Und dennoch sind Fleisch und Haut, Knochen, Sehnen, Milch und Haar, Allesamt dem Menschen nuͤtzlich. Wird denn, auch in diesem Thier, Seines Schoͤpfers Weisheit, Allmacht, samt der Huld, nicht offenbar? Q 3 Das Das Elend - Thier. Das Elend-Thier. W elch ein sonderbar Geschoͤpf! halb ein Hirsch und halb ein Pferd, Wovon das Original, auch die kuͤnstliche Copie, Beyde, daß man sie bewundert, und, mit ernsten Blicken, sie, Der Natur und Geister Urquell bloß zum Ruhm, betrachtet, werth. Sein Geweih ist ganz besonders, und als sonst kein Thier es traͤget, Eines Adlers Schwingen gleich, wenn er sie herunter schlaͤget. Von der Klaue saget man, daß sie große Kraͤfte heget, Und im Krampf und Nerven-Schmerzen, Linderung und Huͤl- fe bringet. Da die Dicke seiner Haut weder Stich noch Hieb durchdringet: Braucht man sie an Panzers statt, da sie Schirm und Nutzen bringet. Seines Koͤrpers Schwere gleichet einer ziemlich starken Kuh. Vorn am Halse ist es zottigt, aber glatt nach hinten zu. Um sein langes Ober-Maul, soll man es, nicht vorwerts gehen, (Daß es ihm nicht hindr’ im Grasen,) sondern ruͤckwerts wei- den sehen. Langen Durst und schwere Arbeit, ist es tuͤchtig zu ertragen. Doch da ich dieß Kupfer seh, zwingt mich fast die Kunst zu fragen: Ob die kluge Schwaͤrz am Thier mehr die Landschaft wei- chen macht, Oder ob die linde Landschaft es noch mehr herausgebracht. Die Die Leoparden. Die Leoparden. E ine sehnliche Begier: Was er siehet, zu zerstuͤcken, Schielt, nebst Mordlust, Unvergnuͤgen, haͤmischen ge- schwinden Tuͤcken, Grausamkeit, Wuth, Grimm und Gram, aus des Leoparden Blicken. Sein am Kopf gedrucktes Ohr, sein von Blut-Durst duͤrrer Rachen, Voller scharf-und starker Zaͤhne, gleichen einem wahren Drachen. Jst doch, in des Todes Werkzeug, den gekruͤmmten starken Klauen, Und der schweren Pfoten Last, fast der sichre Tod zu schauen. Aber welche sanfte Triebe, welche Lust, in ihrer Ruh, Sieht man die von ihren Jungen ausgesogne Mutter fuͤhlen! Der geschloßnen Augen Lied deckt ihr grimmig Feuer zu, Und es scheint, sie fuͤhl, im Traum, ihrer jungen Welpen Wuͤhlen. Wie so sanft, gelenk und weich, liegt ihr Koͤrper ausgestreckt! Daͤchte man, daß in demselben ein so harter Geist versteckt? Was ist ferner nicht fuͤr Schoͤnheit auf der Thiere Balg zu sehn! Welche Farben! heisset man sie nicht recht erschrecklich schoͤn? Doch ich muß, bey dieser Schoͤnheit, leider eins noch zugestehn, Ob mir gleich fuͤr das Gestaͤndniß dieser bittern Wahrheit graut, Nemlich daß, nicht nur bey Thieren, Schoͤn- und Bosheit oft verbunden; Ach wie oft wird unter Menschen, unter einer schoͤnen Haut, Auch ein Leoparden-Geist, voller Neid und Wuth, gefunden! Q 4 Ein Ein neues Gestirn. Ein neues Gestirn. O Gott! wie herrlich ist der Himmel! wie uͤber Wunder Wunder-schoͤn Sind, in den Tiefen, deine Schaaren, o Herr der Schaaren, anzusehn! Wie lieblich glaͤnzen, spielen, blitzen, wie feurig schimmern, flammen, funkeln Die ungemeßnen großen Lichter der Welt-und Sonnen-Heer, im Dunkeln! Wie kraͤftig stralt, von ihrer Groͤße (sind sie gleich, durch die Ferne, klein,) Der von so vielen Billionen gefuͤgter und getheilter Schein! Wenn Heiden diese helle Koͤrper, da sie so unausdruͤcklich schoͤn, Ob ihrer Groͤße, Glanz und Pracht erstaunt, fuͤr Goͤtter an- gesehn: Scheint auch in ihrer Finsterniß ein’ Art von Gottesdienst zu stecken. Ein’ Art von Andacht koͤnnen wir, in ihrem Jrrthum, selbst entdecken. Daher entsteht mit Recht die Frag’, ob die Viel-und Abgoͤtterey Nicht ehe zu entschuldigen, und nicht viel minder straͤflich sey, Als wenn wir, wie von uns geschicht, vernunftlos nur fuͤr guͤldne Zwecken Sie anzusehen, uns nicht schaͤmen, da wir, fast viehisch, uns bemuͤhn, Durch Blendung unsrer Seelen-Augen, uns der Betrachtung zu entziehn. Zwar ist es laͤcherlich genug, wenn sie, mit abgeschmackten Bildern, Das Firmament bemuͤht gewesen, nach ihrer Phantasey, zu schildern, Und Ein neues Gestirn. Und zwar ohn alle Gleichheit, Ursach, ohn alle Deutlichkeit und Klarheit, Ohn einigen Zusammenhang und den geringsten Schein der Wahrheit. Wenn aber doch in der Erfindung, wie seltsam sie sie gleich verbunden, Und schlecht gefuͤgt, doch wenigstens ein’ Art von Ordnung wird gefunden: Waͤr es vielleicht der Muͤhe werth, der Bilder Ordnung zu verbessern, Von den unfoͤrmlichen Figuren die Deutlichkeiten zu ver- groͤßern, Und von der unbekannten Schrift, in weniger verwirrten Zuͤgen, Doch einen etwas klaͤrern Eindruck und deutlichern Begriff zu kriegen. Mit den Gedanken sah ich juͤngst den hellgestirnten Him- mel an, Und fiel das praͤchtige Gestirn, so man Cassiopea nennet, Das meistens culminirt, und nimmer von unserm Horizont sich trennet, Zu allererst mir ins Gesicht. Es kam desselben Bildung mir Als wie, mit aufgesperrtem Rachen, das Haupt von einem Drachen, fuͤr, An welchem sich ein krummer Hals, auf einer ausgeschweiften Brust, Und einem runden Leib, der sich bis an die Pleiades erstreckte, Aus Perseus und Medusa Kopf, nebst den Triangeln, klar entdeckte. Den so genannten Ochsen-Kopf sah ich, mit nicht geringer Lust, Q 5 Ein Ein neues Gestirn. Ein wohlgezeichnet krummes Bein ihm, an dem rechten Ort, formiren. Man siehet diesen Drachen-Koͤrper zween ausgespannte Fluͤ- gel zieren, Die von einander ausgesperrt, am rechten Ort, in rechter Maaße. Der eine, der sich etwas kruͤmmt, und an der rechten Seiten saße, Jst in der zierlichsten Figur, der, welchen man Auriga nennt. Den linken macht Andromeda, der Schwan, die Ey- dex bis zur Leyer. Man kann nicht ohn Erstaunen sehn, in welchem hellen Glanz und Feuer Dieß herrlich prangende Gestirn, wenn man es also fuͤget, brennt. Nachhero zeigt sich unsern Augen Orion, welcher die Figur Von einem Helden hat, der kaͤmpfet, der nahe bey dem Dra- chen steht, Der seinen Schild mehr gegen ihn, als gegen seinen Ochsen, dreht, Und selben zu verfolgen scheinet. Derselbige vermehrt nicht nur Dieß Sternen-Bild; Es geben mir die hier so nett gestirnten Schranken Verschiedne, kuͤnftig wohl einmal noch zu eroͤffnende, Gedanken. Die Zeichnung ist so rein und richtig; man folge dieser Vorschrift nur, So findet sich, aus lauter Sternen, die nett gezeichnete Figur. Man brauchet keines andern Umstrichs; es macht der Sternen Stand und Schein, Ohn alle Huͤlf und Kuͤnsteley, die deutliche Figur allein. Ein Ein neues Gestirn. Ein solches Bild nun macht recht deutlich, in wohlgefuͤgetem Verband, Fast von dem ganzen Firmament der meisten Sternen Ort und Stand, (So daß, wenn man nur einen sieht, man auch die andern weis,) bekannt. Jn dem (wie es uns scheint) verwirrten und Bilder-losen Stand der Sternen, Jst man, durch dieses Bild, geschickt, auf eine leichte Art zu lernen, Wie ein Gestirn dem andern folgt. Auch duͤrft auf diese Weise sich Die Menge heidnischer Erfindung-und Namen, die theils laͤ- cherlich, Theils schimpflich, mit der Zeit vielleicht, aus unserer Jdee entfernen. Naͤchst diesem zeigt uns der Gedanke noch ferner etwas großes an, Das uns zu Gott, durch seine Werke, in stiller Ehrfurcht, leiten kann. Denn da ich aller Sternen Menge, woraus dieß Sternen-Bild besteht, Samt ihrem ungemeßnen Abstand, und die so ungeheure Groͤße, Von einem jeden unter sich, mit meines Geistes Blick, ermesse: So wird die unumschraͤnkte Macht des Schoͤpfers wuͤrdiglich erhoͤht, Der viele Billionen Sonnen, in vielen Billionen Sternen, Die viele Billionen Meilen weit von einander sich entfernen, Und selbst viel tausend Meilen groß, im tiefen Himmels-Raum formirt, Der alle Boden-lose Tiefen, mit Stralen, Licht und Glanz, geziert, Der, aus dem Abgrund seiner Klarheit, und undurchdringlich hellen Licht, Als Ein neues Gestirn. Als wie aus einem tiefen Meer, in vielen kleinen Quellen bricht, Woraus man, wie Anbethungs-wuͤrdig, und groß der Gottheit Wesen ist, Am allerdeutlichsten erblickt, am allerwuͤrdigsten ermißt. Aus dem, daß aller Himmel Lichter und ungezaͤhlter Sternen Schaaren Jn unverruͤcktem Abstand sind, nunmehr seit so viel tausend Jahren, Und so fuͤr uns, als unter sich, bestaͤndig an demselben Ort, So unveraͤndert stehn, erhellt, wie unveraͤnderlich sein Wort, Wie unveraͤnderlich sein Wille, wie ungeschwaͤchet seine Macht, Da er so unverruͤckt erhaͤlt, was er aus nichts hervor gebracht. Wann die Bewundrung nun in uns der Seelen edelst’ Ei- genschaft, Und der durch sie erzeugte Preis derselben beste Frucht und Kraft; Wer wollte denn den Herrn der Sterne, in seiner Schaaren Pracht, dort oben, Jn ehrerbietigster Bewundrung, nicht ehren, preisen, ruͤhmen, loben? Der Der lehrende Vogel. Der lehrende Vogel. S o oft ich, mit dem fruͤhen Tag, Die Voͤgelchen zu fuͤttern pflag, Jn einem kleinen Vogelhause, mit Tannen rings umher besetzt: Hab ich, an ihrer netten Bildung, an ihrer Farben Schmuck und Pracht, Zum Preise des, der sie so zierlich, so kuͤnstlich-bunt und schoͤn gemacht, Mit solcher Munterkeit begabt, so schoͤn gebildet, mich ergetzt. Die rege Fertigkeit derselben, das Wunder ihrer schnellen Schwingen, Der kleinen Augen suͤsse Schwaͤrze, ihr Schweben, Huͤpfen, Schlupfen, Springen, Der kleinen Koͤpfchen hurtigs Drehn, und ungezaͤhlte Gaukeleyen, Mit welchen sie, fast nimmer still, ein sie betrachtend Aug erfreuen, Wenn sie, bald an den schwauken Zweigen, die sie durch ihre Buͤrde biegen, Bald uͤber-und bald unterwaͤrts, im Hangen, hin und her sich wiegen, Vergnuͤgten mich recht ungemein. Vor andern aber war ein Zeischen, Das eben nicht besonders schoͤn, indem es rauch war, wie ein Maͤuschen, So mich insonderheit ergetzte. Es war so heimlich, und so zahm, Daß es die Kost mir aus der Hand, ja oͤfters aus dem Mun- de, nahm; Es scheut’ und fuͤrchtete mich nicht; es zeigt ein voͤlliges Ver- trauen; Und daher kunnt ich mich nicht satt an dieses kleine Thierchen schauen. Jch Der lehrende Vogel. Jch trug an sein so freundlich Wesen, und sein vertrauli- ches Betragen, Ein’ ihm gewogne Gegen-Neigung, und recht ein inniges Be- hagen. Hieruͤber fielen mir nun einst die troͤstlichen Gedanken bey: Daß dieses Thierchens liebreich Wesen uns ein erbauend Bey- spiel sey. Da wir, in uns, durch ein Vertrauen zu uns, ein’ Art von Anmuth spuͤren; Wie sollt ein kindliches Vertrauen nicht den, der uns erschaf- fen, ruͤhren. Wo etwas an der Menschen Seele dem ewgen Vater kann gefallen, Muß es ein gaͤnzliches Vertrauen, (indem man dadurch ihm allein, Sich gleichsam in die Arme wirft; ihn uͤber alles schaͤtzet) seyn. Dieß ist ein ihm gefaͤllig Opfer, das sein erbarmend Herz, vor allen, Was wir ihm geben koͤnnen, ruͤhrt. Lieb, Andacht, Demuth, Zuversicht, Sind unsrer Seelen beste Kraͤfte, wodurch sein Vaterherze bricht. Mich deucht, ich seh, in seinem Wesen, die Tiefen seiner Liebe wallen: Er sehnet sich, uns wohl zu thun. Wir duͤrfen uns nur ihm ergeben; Wodurch wir, neben seiner Liebe, auch seine weise Macht erheben. So hat denn heut ein Voͤgelein, durch sein Betragen, uns gelehrt: Es sey der beste Gottesdienst, wenn wir auf seine Guͤte bauen, Und daß man Gott, im kindlichen und zuversichtlichen Vertrauen, Am allersichersten gefaͤllt, am allerwuͤrdigsten verehrt. Jch Der lehrende Vogel. Jch hatte dieß Gedicht des Abends spaͤt gemacht. Wie ich nun fruͤh, mein Voͤgelchen zu sehen, Jhm und den andern Futter bracht: War es bereits um ihn geschehen. Jch fand ihn todt, erstarrt, und ohne Leben liegen. Hieruͤber stutzt ich recht. Mich uͤbernahm, Eh ich mich recht besann, ein bittrer Gram; Es preßt und druͤckt mich recht ein innig Unvergnuͤgen. Doch faßt ich bald darauf mich wieder, Und dacht: Es koͤmmt mir gleichsam fuͤr, Als ob dieß kleine Thier Nur darum bloß so lange leben wollen, Bis ich, durch ihn gereizt, die aufgesetzten Lieder Verfertigen und machen sollen, Die wirklich, sonder ihn, zu Gottes Ehren, Wohl nicht verfertigt worden waͤren. So hast du auf der Welt was nuͤtzliches vollbracht, Geliebtes Thier, und stirbst zu rechter Zeit. Drum sag ich dir, wiewohl nicht sonder Zaͤrtlichkeit, Die letzte gute Nacht. Und wo vielleicht, geliebtes Voͤgelein, Da nichts zu nichts wird, und vergehet, Dein kleines Geistchen noch bestehet: So wuͤnsch ich, daß ihm wohl mag seyn. Ver- Verkehrtes Beginnen. Verkehrtes Beginnen. K ann denn bey dem, was wir, auf Erden, vom Schoͤpfer wunderwuͤrdigs sehn, Wann wir es Gott zum Ruhm gebrauchen, der Seelen Sorge nicht bestehn? Jst dieses nicht unstreitig wahr, wenn der Geschoͤpfe Pracht uns ruͤhret, Daß sie zu ihrem großen Ursprung, zur Gottheit, Staffel-weis uns fuͤhret? Wer also Gottes Werk verachtet, und seiner Creaturen Prangen, Der stoͤßt die untre Leiter um, um auf die obre zu ge- langen. Noͤthi- Noͤthige Lese-Schule. Noͤthige Lese-Schule. D er Jdee vom Natur-Buch dacht ich neulich bey mir nach, Bis mich deucht, daß die Natur selber folgends mit mir sprach: Jhr verstehet eure Woͤrter, und ihr koͤnnet Schriften lesen, Meynt ihr denn, daß ihr allein Woͤrter habt, und Schriften kennet, Da ihr doch derselben Zeichen bloß allein durch mich benennet? Es sind meine Red-und Schriften immer in der Welt gewesen. Nehmt mein A B C zur Hand, das sind Koͤrper und Figuren, Von so mancherley verhandnen ungezaͤhlten Creaturen. Berge, Baͤume, Thier u. Kraͤuter, samt dem Meer u. denen Sternen, Sind so laut, als stumme Lettern. Aber ihr muͤßt lesen lernen. Euer Lesen lernet ihr, und gewiß nicht sonder Muͤh; Jst denn meine Schrift nicht werth, euch mit etwas Ernst, um sie Zu begreifen, zu bequemen, Und, des großen Jnhalts halber, etwas Muͤh zu uͤbernehmen? Meine Lettern koͤnnen euch unvernehmlicher nicht scheinen, Als wenn ihr Arabiens krummgezogne Schriften seht, Da ihr doch, durch etwas Muͤh, ihren Jnhalt bald versteht, Und ihr duͤrfet, daß die meinen ganz unlesbar sind, nicht meynen. Ja, gesetzt, ihr koͤnnet nicht ihren Jnhalt bald ergruͤnden: Werdet ihr schon Weisheit gnug fast in jeder Letter finden. Jeder Buchstab ist ein Buch, welches voller weisen Lehren, Jeder Koͤrper eine Schrift, welche, zu des Schoͤpfers Ehren, Macht und Lieb und Weisheit weist. Fange doch nun jedermann, Jn dem großen Buch der Welt, erst zu zu buchstabiren an. Machet ihr euch hier geschickt, fertig nur zu buchstabiren, Als wozu ihr, hier auf Erden, glaublich nur bestimmet seyd: Werdet ihr vermuthlich faͤhig, und geschickt, nach dieser Zeit, Auf der rechten hohen Schulen, zu des Schoͤpfers Preis und Ehr, Als des Buchs der Creatur wahren Jnhalt, mehr und mehr, Jm bestaͤndigen Entzuͤcken ewig selig, zu studiren. Br. VI. Th. R Wan- Wankelmuth der Menschen. Wankelmuth und Unachtsamkeit der Menschen. W ie oft und vielmal wuͤnschten wir, Als uns der Winter alle Zier Der gruͤnenden Natur beraubet, Das Kraut erstickt, die Baͤum entlaubet; Da Feld und Wald mit Schnee bedeckt; Da uns der rauhe Nordwind schreckt: Ach wenn der Fruͤhling wiederkaͤme, Und die Beschwerde von uns naͤhme! Ach wenn die Luͤfte klar und rein, Erwaͤrmt vom hellen Sonnenschein, Und lau, und sanft, und lieblich waͤren! Ach koͤnnte man, in hellen Choͤren, Die bunten Voͤgel wieder hoͤren! Ach saͤhen wir die gelben Aehren So angenehm als ungemein, Bey sanfter Kuͤhlung, lieblich wallen! Ach moͤcht, in fliessenden Krystallen, Des gruͤnen Ufers Wiederschein Zu sehen seyn! Wie wollten wir uns denn nicht freuen! Wir wollten Lob und Dank erneuen. Jetzt seht und hoͤrt ihr alles das, Was ihr gewuͤnscht. Es ist erschienen Die Zeit, die so erwuͤnschte Zeit. Die Welt ist voller Lieblichkeit; Es stehet jetzt, durch Laub und Gras, So Feld, als Wald, im holden Gruͤnen. Es sind die Luͤfte klar und rein, Erwaͤrmt, vom heitern Sonnenschein. Jhr Wankelmuth der Menschen. Jhr koͤnnet jetzt, in hellen Choͤren, Die bunten Voͤgel singen hoͤren. Jhr sehet jetzt die gelben Aehren, So angenehm als ungemein, Bey sanfter Kuͤhlung, lieblich wallen. Jhr seht, in fliessenden Krystallen, Des gruͤnen Ufers Wiederschein; Wie? wollt ihr euch denn nicht erfreuen, Und Preis und Lob und Dank erneuen? Warum wollt ihr es nicht geniessen? Und lasset diesen Tag verfliessen, Als wie den gestrigen? Waruͤm Vernehmt ihr nicht die Suͤßigkeiten, Der schoͤnen Creaturen Stimm? Die euch in diesen schoͤnen Zeiten, Durch jeden Sinn, in vielen Choͤren Euch reizt, den Schoͤpfer zu verehren? Jhr seht unachtsam vor euch nieder; Man sieht an Minen und Gesicht, Daß etwas euch ergetzet, nicht. Man hoͤrt nicht Dank-nicht Lobes-Lieder. Wie schnell verfliegt die schnelle Zeit! Wollt ihr mit eurer Lust denn warten, Bis Wiesen, Feld, und Wald, und Garten Entlaubt, verwelket und beschneit? Um dann zu wuͤnschen, was ihr itzt, Ohn daß ihr es erkennt, besitzt? Damit, wenn ihr es wiederkrieget, Mit einem ungeruͤhrten Sinn, Jhr euch so wenig, wie vorhin, An aller Herrlichkeit vergnuͤget? R 2 Das Das beste Opfer, und Trost. Das beste Opfer. M ein Schoͤpfer, in empfundnem Gluͤcke, Jn Sicherheit und sanfter Ruh, Bring ich hier diese Augenblicke, Die du mir schenkest, froͤlich zu. Jch seh sie an als dein Geschenke, Und dieß vergroͤßert meine Lust, Und das Vergnuͤgen meiner Brust, Daß ich dabey an dich gedenke. Jch will dein Lob vergnuͤgt erzaͤhlen; Und weil ich sonst nichts geben kann: So nimm, o Herr, zum Opfer an, Die Freude der geruͤhrten Seelen. Zuversichtlicher Trost. D a ein Sterblicher dem Naͤchsten sein Vergehn soll sieb- zigmal Siebenmal des Tags vergeben, Selbst nach Christi Unterricht; Mit wie vieler Zuversicht Kann man sich zu Gott erheben, Da er die selbststaͤndge Liebe, Huld, Barmherzigkeit und Leben, Und Vergebung von ihm hoffen: Waͤr die Suͤnd auch ohne Zahl. Ein Ein Gott-gewidmetes Herz. Ein der Gottheit gewidmetes Geschenk. R echt mitten in vergnuͤgter Lust, umringt mit tausendfachen Segen, Mit vielem Guten uͤberschuͤttet, empfind ich eine Traurigkeit, Weil fuͤr so unverdientes Gluͤck, so ungezaͤhlter Gaben wegen, So mancher großen Wohlthat halber, zumal in dieser holden Zeit, Jch nichts dem großen Gober habe, zu schenken, oder zu erwiedern. Denn Danken, wodurch bloß allein, Es sey in Schriften oder Liedern, Wir uns zuweilen uͤberreden, dem Schoͤpfer angenehm zu seyn, Jst ja von so geringem Werth, daß wir uns billig schaͤmen muͤssen, Als wenn dieß unsre Schuld bezahlte, und Gott vergnuͤget sey, zu schliessen. Jedoch, ein sonderbarer Trost faͤllt mir in diesem Trau- ren bey. Es fragt sich, ob dieß mein Betruͤben nicht eine Frucht des Hochmuths sey? Will ich der Gottheit was vergelten? Der Schoͤpfer Him- mels und der Erden Will, soll, und kann derselbe wohl von einem Wurm belohnet werden? Aus lauter Gnad und Liebe schenken, nicht, um Belohnung zu geniessen, Jst eigenklich der Gottheit eigen, und kann nur aus der Gott- heit fliessen. Da ich mich nun noch einst bemuͤhe, ob denn so gar nichts auszudenken: So faͤllt mir doch ein einzigs ein: Jch will ihm meine Freude schenken. R 3 Ver- Vermahnung. Vermahnung. W enn ihr den Schoͤpfer in den Koͤrpern, und durch die Sinnen, wie ihr sollet, Jn froͤlicher Bewunderung, mit Lob und Dank nicht ehren wollet: So denkt doch einmal, was ihr thut. Jhr achtet Gottes Ordnung nicht; Jhr haltet Gottes Werk nicht werth, Daß man die Seel, auch durchs Gesicht Und andre Sinnen, auf es kehrt. Da uns der Schoͤpfer hier in eine mit so viel Pracht erfuͤllte Welt, Die nicht von ungefaͤhr entstanden, gesetzet: da er unsre Seelen Mit unserm Koͤrper hier verbunden, Sie, nebst dem Koͤrper, durch die Sinnen, mit andern Koͤr- pern zu vermaͤhlen, So weis’, als liebreich, gut gefunden, Auf eine so Bewundrungs- werth, als unbeschreiblich-weise Weise: So scheints, ob wolltet ihr euch lieber nicht freun, um ihn nur nicht zu ehren. Man sieht uns, seinem Ruhm zum Nachtheil, zur Minderung von seinem Preise, Die weisen Ordnungen verkehren, Und gar der Bibel selbst zuwider, die uns sie zu betrachten heißt. (Da wir ja selbst noch koͤrperlich, und rings mit Koͤrpern noch umgeben:) Doch Vermahnung. Doch gegen seinen weisen Willen auf dieser Welt nicht anders leben, Als sollten wir schon hier entkoͤrpert, und auf der Welt nichts seyn, als Geist, So uns jedoch dann allererst, wann wir vom Koͤrper abge- schieden, Nach unsers Schoͤpfers weisen Ordnung, wird kuͤnftig vor- behalten seyn. Doch wird, nach dieser unsrer Meynung, im Geistlichen, des Geists Gebrauch, Als der den Leib weit uͤbertrifft, durchaus nicht ausgeschlossen; nein. Nur ists nicht recht, daß man die Mittel, wodurch die Seele selbst sich bessert, Wodurch sie gleichsam zunimmt, waͤchset, und ihre Groͤße sich vergroͤßert, Durch einen Stolz, der fast unleidlich, ja in demselben den verachtet, Durch welchen sie und alles ist. Man sucht sie gleichsam zu entgeistern, Und todt zu seyn, noch eh man todt. Des großen Schoͤpfers Wunder-Gaben, Die wir zu diesem Zweck allein, Daß unser Schoͤpfer, im Geschoͤpf, von uns moͤcht angebethet seyn, Und in Bewunderung derselben mit Lust verehrt, empfangen haben, Verlieren wir, da wir dieselben nicht achten, nicht betrachten wollen. Hingegen das, so wir vermuthlich allhier noch nicht erlangen sollen, R 4 Und Vermahnung. Und uns dereinst, wenn ohne Koͤrper wir bloß allein Verklaͤrte Geister werden seyn, Uns dann erst wird beschaͤfftigen; sucht man mit aͤngstigem Bemuͤhn, Mit aller koͤrperlichen Dinge Verachtung, hier herbey zu ziehn. Der Schoͤpfer hat euch Leib und Seel fuͤr euch, zu Seiner Ehr, gegeben, Jhr wollet, ohne Leib und Sinnen, wie ihr es nennet, geistig leben. Halb koͤrperlich nur, ohne Sinnen, und halb nur geistig, komme ihr mir, Nicht koͤrperlich, auch geistig nicht, und recht als wie Gespen- ster fuͤr. Wohl- Gebrauch unserer Sinne. Wohleinzurichtender Gebrauch unsrer Sinne. W ie wunderschoͤn ist doch der Himmel! wie schoͤn die Fluth! wie schoͤn die Welt! Wie schoͤn ist alles, was der Schoͤpfer, zu unsrer Lust, uns vor- gestellt! Mein Geist wird, durch der Sinnen Thuͤr, da alle Dinge so geschmuͤckt, Zumal wenn er an den gedenkt, der sie so schoͤn geschmuͤckt, entzuͤckt. Ach laß mich, Herr, du ewge Guͤte, zu deines Namens heil- gen Ehren, Jn ihrer Schoͤnheit, dich zu preisen, so wohl mich selbst, als andre lehren! Gott will, man soll sich hier vergnuͤgen, an seinen Werken, die so schoͤn; Sonst haͤtt er sie so wunderbar, mit ihrer mannigfachen Pracht, Und uns nebst ihnen, sie zu nuͤtzen, so kunstreich nicht hervor gebracht. Er schenkt sie uns; er schenkt uns Sinnen, wodurch wir schme- cken, hoͤren, sehn, Sie riechen und sie fuͤhlen koͤnnen; er schenket uns das Son- nenlicht: Wir aber brauchen unsre Sinnen und unsers Geistes Kraͤfte nicht. Man macht sich fuͤhllos, taub und blind, Geruch-und Schmack- los, ja man reißt, Von Gottes hier erschaffnen Werken und seinen Wundern, un- sern Geist, R 5 Und Gebrauch der Sinne. Und zwinget ihn der Ordnung Gottes, die will, man soll auf Erden leben, Man soll sich seiner Huld hier freun, man soll sein herrlich Lob erheben, Theils durch Gewohnheit, theils Exempel verfuͤhret, stets zu- wider streben, Und alle Kraͤfte anzuwenden, hier reich und selig dort zu seyn; Als waͤren wir, zu solchem Endzweck und in der Absicht bloß allein, Auf diese Welt gesetzet worden, daß wir, als waͤren wir nicht hier, Nicht sehen muͤßten, was wir sehn, und das nicht hoͤren, was wir hoͤren. Wenn man der Menschen Thun erweget: So scheint es recht, als meynten wir, Gott sey nur in der kuͤnftgen Welt, in dieser gar nicht, zu verehren. Wenn Gott von uns, nur bloß aufs Kuͤnftge zu denken, haͤtte haben wollen; Wozu denn haͤtten seine Werke, nebst unsern Sinnen, dienen sollen? Wer heißt uns so aufs Kuͤnftge denken, daß wir der Gegen- wart vergessen, Und Gottes Liebe, Weisheit, Macht, auf Erden, druͤber nicht ermessen? Auf Erden hat er uns gesetzt. Wir wollen nicht auf Erden leben. Wir wuͤrden, wenn wir fliegen koͤnnten, gewiß uns von der Erden heben. Heißt dieses nicht des Schoͤpfers Ordnung recht augenschein- lich widerstreben? Da, Gebrauch der Sinne. Da, wenn wir uns an seinen Wundern, im Gegenwaͤrtigen, ergetzten, Und seine herrliche Geschenke, als herrliche Geschenke, schaͤtzten, Wir, durch vernuͤnftigen Gebrauch der hier von Gott ge- schenkten Gaben, Uns selbst geschickter machen wuͤrden, auch kuͤnftig etwas guts zu haben. Es machet uns die heilge Schrift selbst einen Felsen-festen Grund, Wie hoch das Jrdische zu schaͤtzen, in Mosis Fluch und Se- gen kund. Jch habe lange diesen Ort und andre nicht verstehen koͤnnen, Weil mir ein starkes Vorurtheil nicht wollen die Erklaͤrung goͤnnen: Jetzt aber seh ich sonnenklar, wie, nebst den uͤbrigen Propheten, Auch Moses Gottes Ordnung weist, daß man des Jrdischen vonnoͤthen, Daß es nicht so veraͤchtlich sey, wenn, nebst Gesundheit, Freud und Frieden, Auch Nahrung und Bequemlichkeit uns und den unsrigen be- schieden. Noch stellet das Exempel Adams uns ein Exempel, das so klar, Und ausser allen Widerspruch, vor unser aller Augen dar. Womit haͤtt er im Paradiese sich sonsten wohl beschaͤfftgen koͤnnen, Als Gottes Allmacht zu bewundern, in der Geschoͤpfe Schmuck und Pracht, Und, gegen den, der solche Wunder, aus weiser Lieb, hervor- gebracht, Durch Gebrauch der Sinne. Durch nimmer muͤßiges Betrachten, in Gegenliebe zu ent- brennen? Jn Kirchen waͤr er nicht gegangen; kein alt noch neues Te- stament Haͤtt er gehabt, noch haben koͤnnen; einfolglich wuͤrde bloß allein Das schoͤn und große Buch der Welt sein’ heilge Schrift ge- wesen seyn, Worin er einen großen Schoͤpfer, aus jeglichem Geschoͤpf, er- kennt. Dieß waͤr das rechte Buch der Weisheit, worin was rechts von Gott zu lesen, Von seiner Weisheit, Lieb und Macht, fuͤr ihn in dieser Welt gewesen. Erwegt man nun den Unterscheid, Der itzt bey uns auf Erden herrscht, und meist aus Unem- pfindlichkeit, Und Unerkenntlichkeit besteht, woraus die faule Traͤgheit fliesset, Des Schoͤpfers Allmacht zu bewundern: So scheints, daß man nicht unrecht schliesset, Daß der Verlust des Ebenbildes der Gottheit hierin sonderlich, Und fast am meisten, mit besteht, daß wir, fuͤr seine Huld und Gaben, Ein solches unaufmerksames, solch dank-und fuͤhllos Herze haben, Daß man nicht Himmel, Meer, noch Erde, nicht Thier und Pflanzen, ja nicht sich, Als goͤttliche Geschoͤpf erkeñet, nichts unserer Betrachtung werth, Noch dank-noch ruͤhmenswuͤrdig schaͤtzt, und folglich nicht den Schoͤpfer ehrt; Ja eben durch ein solch Betragen, voll Unerkenntlichkeit, auf Erden, Wir uns selbst ungluͤckselig machen, und wirklich ungluͤckselig werden. Viel- Gebrauch der Sinne. Vielleicht zeigt dieses klaͤrer noch, und mehr, als sonst was zeigen kann, Am deutlichsten uns einen Fall, und der Natur Zerruͤtkung an. So laßt uns doch nach allen Kraͤften, uns aus der Tiefe zu erheben, Uns unsers Schoͤpfers Huld zu freuen, wie Adam vor dem Fall, zu leben, Und unserm Gott die Ehr allein in aller Creatur zu geben, Jm rechten Brauch von unsern Sinnen, mit froher Andacht, uns bestreben; Um (wenn wir nicht so, wie zuvor, des Hoͤchsten Ordnungen verachten, Die uns auf diese Welt gesetzt, mit Lust sein’ Allmacht zu be- trachten,) Uns durch die gegenwaͤrtgen Freuden, und die uns hier geschenk- ten Sachen, Zu jenen kuͤnftigen uns faͤhig, bereit und recht geschickt zu machen. Wann aber auch das Wollen selber nicht einst in unsern Haͤnden steht, Und wir aus uns fast nichts vermoͤgen, noch wozu tuͤchtig seyn: So fleht Jm großen Sohn den Vater an, daß er, um ihn recht zu er- heben, Uns selbst aus Gnaden dazu wolle das Wollen und Voll- bringen geben. Sin- Sinnen-Schule. Sinnen-Schule. Oculus non videt, cum animus alias res agit. W elch eine Menge fremder Dinge bemuͤht sich nicht der Mensch zu wissen! Wie viele Kuͤnste, Sitten, Sprachen sind, die wir alle lernen muͤssen, Und eins der allernoͤthigsten, das uns fast bloß zu Menschen macht, Schlaͤgt man, zu unserm groͤßten Schaden, recht unvernuͤnf- tig aus der Acht. Wir glauben, es sey gar nicht noͤthig, mit Ernst zu lernen und zu lehren, Wie wir recht riechen, fuͤhlen, schmecken, recht sehen koͤnnen und recht hoͤren. Warum? wir sehn und hoͤren ja. Wer leugnet dieses? Es ist wahr, Wir hoͤren, fuͤhlen, riechen, schmecken und sehn: Doch wie der Thiere Schaar, Ohn alles Zuthun unsrer Seelen, ohn auf das, was wie sinn- lich spuͤren, Mit Einsicht und Vernunft, zu achten, ohn auf die Quell zu reflecciren. Es scheint, wenn wir es recht erwegen, als wenn der Men- schen beste Gabe, Die Seele, mit der Sinne Wundern nichts uͤberall zu schaf- fen habe; Als waͤren selbige nicht wuͤrdig, daß wir ein sonst beschaͤff- tigt Denken, So Sinnen-Schule. So wenig auf die Sinne selbst, als ihre Vorwuͤrf hinzu- lenken, Nur die geringste Muͤh uns geben. Man siehet, hoͤret, rie- chet, ißt, Ohn daß man, wie die Faͤhigkeit sey eine Gottes Gab, ermißt, Ohn daß wir auf der Sinnen Vorwuͤrf, ob sie gleich nicht zu zaͤhlen, achten. Wir sollten, ohn Erstaunen nicht, nicht sonder Ehrfurcht, diese Welt, Jn die der Schoͤpfer uns gesetzet, und sie den Menschen vor- gestellt, Sie durch die Sinnen zu geniessen, die Sinnen ebenfalls nicht sehn. Die Seele sollte fuͤr die Gaben, auch fuͤr das Werkzeug, Gott erhoͤhn. Worin kann doch die Menschheit sonst sich unterscheiden von den Thieren? Wozu soll die Vernunft ihr nuͤtzen; gebraucht er sich dersel- ben nicht, Um durch die Sinnen zu betrachten, was herrlichs hier, durch Gott, geschicht? Die Seele kann, nur durch die Sinnen, wie weis und lieb- reich Gott, verspuͤren. Sie aber trennt sich ungluͤckselig mit ihrem Denken von den Sinnen; Sie sieht und hoͤret ohne Denken; einfolglich hoͤrt und sieht sie nicht. Des Schoͤpfers in den Creaturen uns angesteckte Weisheit- Licht Ruͤhrt ihre Sinnen, wie der Thiere, von aussen, aber nicht von innen, Be- Sinnen-Schule. Betruͤbt ists, daß man sagen muß: Es kann fuͤrwahr das dummste Thier, Mit keinem wenigern Betrachten, mit keinem mindern Ueberlegen, Des Schoͤpfers herrlich Werk besehn, den schoͤnen Schmuck der Welt erwegen, Und minder einer Gottheit Stral in selbiger erhoͤhn, als wir. Jch habe juͤngst von ungefahr, von meinen Schafen eins gesehn, Jn einer aufmerksamen Stellung, mit großen offnen Augen, stehn, Als wenn es das bebluͤmte Feld, und wie die schoͤne Welt sich schmuͤckte, Recht inniglich dadurch geruͤhrt, mit rechter Achtsamkeit er- blickte. Jch wunderte mich erst daruͤber, allein, ich sahe ploͤtzlich, daß Es seinen aufgehobnen Kopf, mit schnellem Ruck, zur Erden buͤckte, Und daß es, mit bewegtem Kiefer, in aller Aemsigkeit, sein Gras, Als wenn es nichts gesehen haͤtte, ohn ferners Sehn und Den- ken fraß. Ach! dacht ich, handeltest du so, mein Schaͤfgen, mit der Welt allein! Ach moͤchtest du doch nicht von uns ein gar zu aͤhnlich Sinn- bild seyn! Wenn wir das Sinnen mit den Sinnen und den Geschoͤp- fen nicht vereinen: So kann uns, von des Schoͤpfers Werken, fast nichts Betrach- tungs-wuͤrdig scheinen. Ja wir vermoͤgen, auf der Welt, den Schoͤpfer selber nicht zu finden, Wo wir mit unsrer Sinnen Kraͤften der Seelen Kraͤfte nicht verbinden. Jch Sinnen-Schule. Jch stutzt hieruͤber, und mit Recht, daß so viel Menschen nicht verspuͤren, Wie, durch den Geist und seiner Trennung, sie sich, die Welt, ja Gott verlieren. Es hat ja wohl durch Adams Fall, wovon wir in der Bi- bel lesen, Kein groͤßer Ungluͤck auf der Welt den Menschen uͤberkommen koͤnnen, Als da, bey unsers Schoͤpfers Werken, in uns sich Seel und Sinnen trennen, Die ehedem, im Paradiese, unstreitig sind vereint gewesen, Wodurch so viele tausend Sprossen, in unsrer Lust zu Gott zu steigen, Auf aller Creaturen Leiter, sich unserm Geiste nicht mehr zeigen, Wofern wir, durch ein neu Betragen, nicht auch ein neues Mit- tel finden, Die Leiter wieder zu ergaͤnzen; und Geist und Sinnen zu ver- binden. Wozu ist uns der Sinnen Werkzeug, wozu ist uns der Geist gegeben? Zu welchem Zweck sind sie vereint? in welcher Absicht ist die Welt So wunderwuͤrdig? wir in sie gesetzt, und sie uns vorgestellt, Als daß wir sie geniessen sollen, und, im Geniessen, Gott er- heben? Nun aber kann von beyden keins, wenn Sinn und Geist getrennt, geschehn. Wir koͤnnen, ohne Denken, nicht empfinden, auch nicht Gott erhoͤhn. Die Sinnen, sonder Geist, sind todt; kein Ohr vernimmt, kein Auge sieht, Br. VI. Th. S Wenn Sinnen-Schule. Wenn, mit den herrschenden Gedanken, ein sonst beschaͤfftigtes Gemuͤth Von ihnen abgesondert ist. Ach! liebste Menschen, lernet dann, Da man, mit unvereinten Geist und Sinnen, hier sich nicht vergnuͤgen, Des Schoͤpfers Allmacht nicht bewundern, und ihm unmoͤg- lich danken kann, Mit allem Ernst von Jugend auf, die Sinnen mit dem Geist zu fuͤgen! Jn Kindern stecket noch ein Trieb, die Creaturen anzusehn, Und ihre Schoͤnheit zu bewundern, Figur und Farben zu er- wegen. Wir aber unterdruͤcken ihn, da wir sie zu verlachen pflegen, Und lassen den so edlen Samen dadurch in ihnen untergehn. Hingegen wenn wir durch Exempel, wenn wir des Schoͤpfers Werk bemerkten, Den ihnen angebohrnen Trieb nicht unterdruͤckten, sondern staͤrkten, Wir wuͤrden eine neue Welt, die sich, an Gottes Wunder-Gaben, Auf Adams Art vor seinem Fall, ergetzete, zu hoffen haben. Es ist nicht schwer, ihr duͤrfet nur, mit Ernst, euch allge- mach bemuͤhn, Euch eurer vorigen Gewohnheit, durch eine neue, zu entziehn, Und euch bestreben, euer bald zu fluͤchtig-bald zu traͤges Denken Oft auf die Vorwuͤrf eurer Sinnen, und eure Sinnen selbst zu lenken. Jhr duͤrft nur, wenn ihr etwas schmeckt: es schmeckt schoͤn, zu euch selber fagen. Wenn ihr was seht, was seh ich hier? wenn ihr was hoͤrt: was hoͤr ich? fragen. So bald wir nun auf solche Weise, was wir geniessen, recht geniessen, Auf Sinnen-Schule. Auf eine neue Weise fuͤhlen, verspuͤren, schmecken, hoͤren, sehn, Wird ohne Zweifel ein Bewundern in der geruͤhrten Seel’ entstehn. Es wird aus der Bewunderung, fuͤr Gott ein frohes Lobgetoͤn, Da man als Geber ihn entdeckt, auch Ehre, Preis und Dank entspriessen. Da sonst, wofern es nicht geschicht, wenn wir dereinsten ster- ben muͤssen, Wir (ohne von des Schoͤpfers Wundern auf dieser Erden was zu wissen, Da wir ihn nicht gehoͤrt, gespuͤrt, gefuͤhlt, geschmecket und gesehn,) Dem Schoͤpfer eine leere Seele, von ihn bewundernden Jdeen, Und von metallischen nur voll, nach unserm Abzug von der Erden, Wohl nicht zum lieblichen Geruch und Opfer, uͤberliefern werden. S 2 Macht Macht des Aberglaubens. Macht des Aberglaubens. J ch las in einer Reis-Beschreibung erstaunet juͤngst, daß, auf der Erden, Gewisse Voͤlker sollen seyn, Die bey dem fruͤhen Sonnenschein, Mit laut-und eifrigem Gebeth, und mit andaͤchtigen Gebehrden, Die Haͤnde gegen sie erheben, Und sich, in einer solchen Stellung, in einen tiefen Strom begeben, Den graͤuliche, gefraͤßige, und blutbegierge Crocodillen, Jn großer Meng, erfuͤllen, Jn Hoffnung, durch derselben Rachen, Sich einen Weg ins Paradies zu machen. Ob nun der Autor dieses Buchs die That, mit einem kal- ten Muth, Fuͤr Grillen schilt: Fand ich mich doch, durch dieß Betragen, sehr geruͤhrt, Und zwar dadurch um desto mehr, als dieser Menschen heilge Wuth, Jn einem schoͤnen Kupferstuͤck, womit dasselbe Buch geziert, Sehr deutlich vorgestellet war. Jch sah das schoͤne Sonnenlicht Am Horizont, mit vielen Stralen, Den Himmel, und zugleich den Fluß im Wiederschein, recht lieblich malen; Jch sahe ganze Heerden Menschen andaͤchtige Gebehrden zeigen, Und, mit erhabnen Aug-und Haͤnden, in das fatale Wasser steigen, Woraus bald hier, bald da, bald dort erschrecklich haͤßliche Figuren, Von Macht des Aberglaubens. Von Crocodill-und Wasser-Drachen, mit aufgesperrten Ra- chen, fuhren, Die ungluͤckseligen Vergnuͤgte, die sich mit Fleiß zu ihnen drungen, Bald hie bald dort ergrimmt ergriffen, zerfleischt-zerquetschten und verschlungen. Durch diesen Anblick fast erstarrt, empfand ich schreckende Jdeen Jn meiner aufgebrachten Seele, mit Mitleid untermischt, ent- stehen, So daß ein tief gehohlter Seufzer aus meiner Brust voll Schwermuth brach, Und ich, mit einem heilgen Gram erfuͤllet, zu mir selber sprach: O Gott! du Schoͤpfer aller Dinge, unendlichs All! voll- kommner Geist, Selbstaͤndig ewge Lieb! o Vater von allem, was da Kinder heißt! Der du die innern Triebe siehst, die Absicht weißt, den Zweck erkennest, Von diesen irrenden Geschoͤpfen, die Menschen sind, so wohl als ich, Da sie ganz uͤberzeuglich glauben, und sich versichern, daß sie dich, Mit ihres eignen Leibes Opfer, versoͤhnen und dich ehren koͤnnen, Wenn sie, voll Hoffnung, unverzagt, dem schwarzen Tod in Ra- chen rennen. Wie unerforscht ist dein Gericht, wie unbegreiflich sind die Wege, Die du mit diesen Menschen gehst. Jch zittere, wenn ich mit Ernst, auf welche Weise solche That, Die so viel Finsterniß und Blindheit, als Lieb und Eifer, in sich hat, Von dir gerichtet werden wird, nach jedem Umstand uͤberlege, Und stell in tief gebuͤckter Demuth, o ewge Weisheit, dir allein Und deiner ewgen Lieb anheim, wie sie vor dir gerichtet seyn. Nur wend ich mich, um diesen Eifer, im Gottesdienst, mit dem, den wir, S 3 Darin Macht des Aberglaubens. Darin bezeugen, zu vergleichen. Jch stutz und ich erstaune schier. Die Menschen, die in solcher Blindheit und dicksten Finsternissen leben, Die lassen eine solche Sucht, der Gottheit zu gefallen, sehn, Ein solches brennendes Verlangen, und solch ein feuriges Be- streben, Mit dem sich wieder zu vereinen, aus dem sie glauben zu entstehn. Wir aber, die wir uns im Licht und mitten in der heilgen Klarheit Des Evangelii befinden, betragen uns in unsrer Wahrheit, Dem aͤusserlichen Ansehn nach, nicht anders, als wenn unsre Lehre Ein Unglaub, und der andern Unglaub ein recht-und wahrer Glaube waͤre. Man kann, aus dieser Handlung, noch ein uͤberzeuglich Bey- spiel nehmen, Zu welchen irrigen Jdeen der Menschen Seelen sich bequemen, Wenn ihnen etwas in der Jugend, und ehe sie zum Denken tuͤchtig, Als Wahrheit vorgestellet wird. Man nimmt so Wahr-als Thorheit an, Und beydes klebt so fest an uns, daß man sich nicht befreyen kann, So lange man hier lebt, es sey die Meynung naͤrrisch oder richtig. Un- Unbegreifliche Gleichguͤltigkeit. Unbegreifliche Gleichguͤltigkeit. W ie manche Lust, wie manche Freude Erreget uns zur Fruͤhlingszeit, Durch tausendfache Lieblichkeit, Das wunderschoͤne Weltgebaͤude! Was zeigt der Sonnen nahes Licht Vor Pracht und Anmuth dem Gesicht! Was laͤßt uns jetzt, in suͤssen Choͤren, Der Voͤgel buntes Heer nicht hoͤren! Was macht die Luft, die lau und kuͤhl, Nicht vor Vergnuͤgen dem Gefuͤhl? Jn Kraͤutern und in Fruͤchten stecken Viel Saͤfte, die uns lieblich schmecken. Wie sind die Luͤfte balsamiret, Die im Geruch die Seele spuͤret, Durch das gefaͤrbte Blumenheer! Und kurz: Ein rechtes Anmuths-Meer, Das lauter Wunder in sich haͤlt, Erfuͤllet jetzt die ganze Welt. Bey allen diesen Wunderwerken, Worin die Gottheit klar zu merken, Und welche von ihr Zeugen sind, Jst mancher Christ dennoch so blind, Daß er dieselben nicht betrachtet, Nicht sie, nicht ihren Herrn beachtet. Ja, wenn auch Gott noch irgendwo Fuͤr das, so er uns hier erwiesen, Mit Worten etwan, wird gepriesen: So wird man dessen doch nicht froh. S 4 Es Unbegreifliche Gleichguͤltigkeit. Es scheint, als hielte mans zu klein, Und keiner Achtung werth zu seyn. Da wir, von unsers Schoͤpfers Gaben, Solch ein vortreffliches Gedicht Jm Luthrischen Gesangbuch haben: So weis es auch ein solcher nicht, Der der vortrefflichen Gesaͤnge Erhabnen Jnhalt, Wort und Menge Fast sonsten auf den Finger weis. Wie ich denn einst erfahren mußte, Daß einer, der gewiß der Preis Von allen Geistlichen, nicht wußte, Daß das vortrefflich-schoͤne Lied, So man in allen Buͤchern sieht: Geh aus, mein Herz, und suche Freud, Jn dieser schoͤnen Sommerszeit. Dergleichen ich noch keines funde, Und welches ihm, da man es sang, Jns Jnnerste der Seelen drang, Jm Luthrischen Gesangbuch stunde. Und dieß hab ich, von vielen Frommen, Mit bitterm Mitleid, wahrgenommen. Wodurch Verwundrung, Grimm und Gram Ob dem Betrieb mich uͤbernahm. Mein Gott, wo koͤmmt doch immermehr, Gedacht ich, solche Schlafsucht her? Die leider jetzt so allgemein, Daß auch sogar in Lehr und Leben, Die Gottes eigne Diener seyn, Auf Gottes Werk nicht Achtung geben. Vier Vier Welte. Vier Welte. J n einer heitern Fruͤhlings-Nacht, Als durch des vollen Monds entwoͤlckten Lichtes Pracht, Das reine Firmament so kraͤftig angefuͤllet, Daß aller andern Sternen Schaaren, Durch seinen naͤhern Glanz, verhuͤllet, Und uͤberall nicht sichtbar waren, Erstaunt ich fast vor Lust, als ich erblickte, Daß neben ihm, an den saphirnen Graͤnzen, Jn einem reinen Licht, und Feuer-reichen Glaͤnzen, Auch Jupiter und Mars zugleich den Himmel schmuͤckte, Und zwar von ungefaͤhr in einer Linie, Jn Regel-rechter Richtigkeit, So, daß der Mond von beyden gleiche weit, Ein wenig mehr nur in die Hoͤh, Recht mitten zwischen beyden, stand. Jndem ich die Figur entdeckt und herrlich fand: Erstaunt ich fast fuͤr Lust. Jnzwischen faͤllt Mein Blick zugleich auf unsre Welt, Die von gefallnem Thau befeuchtet, Vom Mondschein angestralt, in sanftem Schimmer leuchtet, Und dachte: Liebster Gott! an den saphirnen Hoͤhn Kann ich allhier, o Wunder! auf einmal, Erleuchtet von der Sonnen Stral, Vier Welt in vier Planeten sehn, Jn einer so merkwuͤrdigen Figur. Dieß Schauen praͤget mir ein heiligs Schaudern ein; Jch denk dem Reichthum nach im Reiche der Natur. S 5 Mit Vier Welte. Mit wie viel Wundern wohl die Welt’ erfuͤllet seyn, Die ich dort, in des Himmels Hoͤhe, Jn solcher Groͤß’ als Klarheit sehe; Laͤßt, aus der unsrigen allein, Und ihrer Wunder Wunderwesen, Sich klaͤrlich schliessen, deutlich lesen. Jch stelle mir So vieler tausendfach-geformter Creaturen, Uns unbegreiflichen Figuren, Veraͤnderung, Beschaffenheit und Zier, Den tausendfach-verschiednen Grad, Von Schatten und von Licht, von Farben und von Kraͤften, Von tausendfach von uns verschiedenen Geschaͤfften, Die jede Creatur vermuthlich dorten hat, Jn einer dunklen Klarheit fuͤr. Es fielen, bey so hellem Schein, Die Ueberlegungen mir ein: Die Menge deiner Werk’, o Herr! derselben Unerschoͤpf- lichkeit, Eroͤffnet uns am allermeisten des Koͤrpers und der Seelen Augen, Daß sie, mit Ehrfurcht, Lob und Dank, Bewunderung und Andacht, taugen, Zu sehen, deiner Majestaͤt unendliche Vollkommenheit. Das Das unsichtbare Licht. Das unsichtbare Licht. J ndem ich gestern, etwas spat, mich in mein Bett zur Ruh verfuͤge, Und, bey noch nicht erloschner Kerz, annoch mit offnen Augen liege, Bald dieß, bald jenes uͤberlege, und ruhig denk; verlischt das Licht. Jedoch die Dunkelheit der Nacht, die Finsterniß, der schwar- ze Schatte, So ich denselben Augenblick sogleich zu sehn vermuthet hatte, Und meinen Blick dazu bereitet, entstund und zeigete sich nicht. Die duͤstre Finsterniß blieb aus, und es verblieb, an deren Stelle, Mein ganzes Zimmer ungeschwaͤrzt, die Waͤnde weis, und al- les helle. Die Ursach war: Es schien der Mond. Es nahm sein heller Silber-Schein, (Den ich, so lange mir vorher mein kleines Licht annoch ge- brannt, Aus Schwachheit meiner bloͤden Augen, nicht sehen koͤnnen, nicht erkannt, Und nichts davon gemerket hatte,) mein ganzes Zimmer voͤl- lig ein. Der Zufall, den ich nicht verhofft, dieß unvermuthete Gesicht, Erregte mir in meiner Seel ein unvermuthet helles Licht, Voll Lehr, Erbauung, Nutz und Trost. Es kame dieser Zu- fall mir, Fast, als ein sicherer Beweis, und minstens, als ein Bey- spiel, fuͤr, Daß Das unsichtbare Licht. Daß uns auf eine gleiche Weise, wie hier, in unsrer Lebens- zeit, Ein von uns nicht gesehnes Licht, manch ungespuͤrte Herr- lichkeit Uns so, wie mich des Mondes Glanz, auch ungesehen koͤnn’ umgeben, Voll Schimmer gegenwaͤrtig seyn, und unvermerket um uns schweben, Von dessen Herrlichkeit, so lang in uns die Lebens-Kerze brennt, Durchs nahe Sonnenlicht behindert, man den vorhandnen Glanz nicht kennt. Wann aber Sonn und Hinderniß fuͤr uns verloͤschen wird, und schwinden: Wird man, mit einem hellern Glanz, vermuthlich sich umge- ben finden; Weil ja weit naͤher und gewisser, als wie bey uns des Mon- des Schein, Des Schoͤpfers Herrlichkeit und Allmacht muß uͤberall zuge- gen seyn, Die licht-und heller, wie die Sonne (so bloß nur zum Ge- brauch der Welt, Zum Nutzen schwacher Creaturen, und denen ganz unmoͤglich faͤllt, Das Licht der Gottheit zu ertragen) uns auf der Erden dar- gestellt. Wenn wir zu einem andern Stande, nach unserm Abschied von der Erden, Von unserm schwachen Fleisch getrennt, nun faͤhig und ge- schickter werden, Ein Das unsichtbare Licht. Ein hellers Glaͤnzen zu ertragen: Wird es vermuthlich ja geschehn, Ohn erst viel Millionen Meilen nach einem andern Ort zn reisen, Daß wir den uͤberall vorhandnen, verhuͤllten Schein der Gottheit sehn. Auf diese Weis’ an Gott gedenken, wird auch bereits in die- sem Leben, Jn unsrer Seelen Trieb erregen, um Gott, was Gottes ist, zu geben. Es kann und wird der uͤberall-allgegenwaͤrtgen Gottheit Schein, So wie ein Scheu vor allen Lastern, ein Sporn zu allem Gu- ten seyn. Frage. Frage und Wunsch. Frage. H err, nur bloß durch deine Guͤte Steht jetzt alles in der Bluͤthe; Alles zeigt und lobet dich. Alles scheint sich zu bestreben, Deinen Namen zu erheben; Ach! warum denn auch nicht ich? Wunsch. W ie ist das Firmament dort oben, Und hier die Welt so wunderschoͤn? O Gott! laß mich sie nimmer sehn, Ohn deine Lieb und Macht zu loben. Lob Lob und Meynung. Lob. J e mehr ich meines Schoͤpfers Werke, Betracht und allenthalben merke: Je mehr ergetzt mich ihre Pracht. Jch lobe deun, von Lust geruͤhret, Den, dessen Huld sie so gezieret, Und preise Seine Wunder-Macht. Meynung. W ie wir neulich sahn und hoͤrten, Daß verschiedne Weisen lehrten, Wie durch Meynung auf der Erde, Jedermann regieret werde: Dachten wir im Ernst dabey, Daß die Meynung Phantasey. Draus wir denn die Lehre faßten: Alle Menschen sind Phantasten; Und der Allergroͤßte scheint, Der es nicht zu seyn vermeynt. Ge- Verachtung der Welt. Gefaͤhrliche Verachtung der Welt. M an saget, unser Leben sey Hier bloß ein Durchgang, eine Reise, Wohin? Der Zweck ist zweyerley, Zur Hoͤllen, und zum Paradeise. So reist man hier denn, ohne Zweifel, Zum Schoͤpfer oder auch zum Teufel. Dieß klingt wahrhaftig hart, die Welt, Die so viel Wunder in sich haͤlt, Veraͤchtlich einen Postweg nennen, Und, sonder Ohr, Gefuͤhl, Gesicht, Den schoͤnen Bau der Welt durchrennen, Den Gott so herrlich zugericht. Sind uns die Sinnen, hier im Leben, Denn nur fuͤrs Kuͤnftige gegeben? Sind sie und diese Welt nicht werth, Daß man denjenigen verehrt, Der sie so herrlich schaffen wollen, Nebst uns, damit wir, im Genuß, Bey einem solchen Ueberfluß, Uns freuen und ihm danken sollen? Allein man haͤlt uns, bis ins Grab, Ach leider! so zu denken ab. Und, bey dem Handel, glaubet man, Daß man doch selig werden kann. Jst es vernuͤnftig, so zu denken: „Jch hab, o Schoͤpfer, deine Macht, „Und Lieb und Weisheit nichts geacht, „Drum wirst du mir den Himmel schenken? Wohl Verachtung der Welt. Wohl aber wuͤrd es besser klingen: „Mein Gott, ich hab in allen Dingen, „Die deine Huld hervorgebracht, „Die Macht und Weisheit, mit Bedacht, „Betrachtet, und mit Lust besehen, „Und, um dich wuͤrdig zu erhoͤhen, „Den mir gegebenen Verstand „Aus allen Kraͤften angewandt, „Nach den Gesetzen meiner Pflicht, „Dein im Geschoͤpf verhuͤlltes Licht, „Und in den wunderbaren Werken, „Herr! Deine Weisheit zu bemerken. „Du wirst demnach nach diesem Leben, „Da ich nach Moͤglichkeit gelebt, wie ich gesollt, „Und das dabey geglaubt, was du gewollt, „Aus Gnaden mir den Himmel gehen. „Damit ich auch, nach dieser Zeit, „Jn jener selgen Ewigkeit, „An deinen nie erschoͤpften Schaͤtzen, „Mich, sonder Ende, moͤg ergetzen. Br. VI. Th. T Wunsch Wunsch. Die Sonne der Sonnen. Wunsch. H err! in deiner Werke Pracht, Kann ich deine weise Macht, Mit geruͤhrtem Herzen, sehn. Wie ist alles doch so schoͤn! Wer kann ihre Menge zaͤhlen! Ruf ich, mit erfreuter Seelen. Wuͤßt ich doch, zu deinem Preise, Eine dir gefaͤllge Weise, Dich in ihnen zu erhoͤhn! Die Sonne der Sonnen. S o wie uns, in des Mondes Pracht, Der Sonnenstral sich sichtbar weist: So sieht, im Sonnenlicht, mein Geist Die Stralen des, der sie gemacht. Zum Traum-Gesicht. Zum Traum-Gesicht. Tom. IV. pag. 192. D ieß Lehr-erfuͤllte Traum-Gesicht Hatt ich, zur spaͤten Abendzeit, Zu anderer und meinem Unterricht, Mit inniger Bedachtsamkeit, Nicht ohn Vergnuͤgen, nachgelesen; Als bald darauf der Schlaf mich uͤberfiel. Der traͤumenden Gedanken Spiel Veraͤndert abermal mein ganzes Wesen, So wie, zur Zeit des Schlafs, der Traͤume Schaar Mit Schlafenden zum oͤftern handelt, Und gleichsam unsern Stand u. ganzes Seyn verwandelt. Man glaubt, nicht das, nicht da zu seyn, Was, und wo man noch kurz vorhero war. Ein lichter und so dichter Schein, Der meinen Blick ganz undurchdringlich fuͤllte, Umgab, befloß mich ganz. Jch sah, vor uͤberhaͤuftem Glanz Und strenger Fuͤlle dieses Lichts, Zu Anfangs nichts, Bis ich nach kurzer Zeit (die mir die Augen staͤrkte,) Daß, ich mich sanft bewegt, und bey mir etwas merkte, Von herrlicher Gestalt, Das, in derselben Fahrt, mit mir zu fliegen schien. Der Glieder Symmetrie War unbeschreiblich schoͤn; der Leib schien ein Rubin, Durchsichtig, hell und rein; die suͤsse Harmonie Der Farbe seines Rocks bestand aus gelb und gruͤn, T 2 Recht Traum-Gesicht. Recht wie die Bogen nach dem Regen, Mit ihrem bunten Glanz, uns zu ergetzen pflegen. Ein Engel war es nicht; Er hatte keine Fluͤgel; Auch sprach er nicht, wie wir, doch kunnt ich ihn verstehn, Und seine Meynungen, als wie in einem Spiegel, Auf seiner hellen Stirne sehn. Jch sahe denn ganz deutlich seinen Sinn. Wir kommen beyde jetzt von einem Orte her, Und eilen allebeyde nun nach einem Orte hin. Wir kommen aus der Erd, und gehn zum Jupiter, Woselbst mein Vaterland. Man hat von dorten mich, nach eure Welt, gesandt, Um von der Menschen Thun und Stand, So uns bishero nicht bekannt, Auch etwas zu erfahren. Jch sagte nichts, doch kunnt er, ohn mein Sagen, So wohl, als ich an ihm, auch was ich dacht, entdecken. Jch konnte nichts vor ihm verstecken, Und sah die Antwort schon auf meine Fragen, Die ich noch nicht gefragt. Die Erde find ich schoͤn, (Ließ er aufs neue mich an seiner Stirne sehn) Und dient euch euer Kreis, Die Herrlichkeit, den Ruhm und Preis Des großen Schoͤpfers zu erhoͤhn. Allein ich kunnt, oft sonder Grauen, Oft sonder Lachen nicht, der Menschen Thun beschauen. Wie mußt ich oftermals bedauren, Daß aller Menschen Lust und Trauren, So seltsam wunderlich und eitle Dinge seyn. Vom Wesen haben sie ja nicht einmal den Schein. Die Vorwuͤrf ihrer Lust (und, wenn sie sie entbehren, Auch Traum-Gesicht. Auch ihrer Traurigkeit,) sind nichts auf eurer Welt, Als wie ein eitler Hauch der Ehren, Als kurze Wollust, todtes Geld. Wie kann so eitle Sucht, von ewig waͤhrnden Geistern, Sich doch bemeistern? Zu Anfangs kunnt ich, fuhr er fort, Am allerwenigsten begreifen, Zu welchem Endzweck doch an diesem Ort, Bey ihrer kurzen Daur, sie Gold und Silber haͤufen? Was Acker, Wiesen, Wald und Land, Das anders nichts, als ein gehaͤufter Sand, Doch einem solchen Wesen nuͤtzet, Der einen ewigen vernuͤnftgen Geist besitzet? Was, dacht ich, heißt denn eigentlich, Auf Erden haben, zugehoͤren? Und fand es hieß: Dieß Ding hab ich, Und alle Welt muß es entbehren. Auf solche Art, gedacht ich, setzet sich Ein jedes Jch der Welt, gerad dem andern Jch entgegen. Was Wunder, daß sich uͤberall, Von allen Seiten, Sturz und Fall, Von allen, gegen alle regen! Mir schienen eure Wiesen, Waͤlder, Gebuͤsche, Thaͤler, Berg und Felder, Worauf ihr geht, von keinem groͤßern Werth, Als wie der Wolken buntes Heer, Das uͤber euch in Luͤften schwebend faͤhrt. Hieruͤber (ließ er mich durchs Auge ferner hoͤren) Gedacht ich anfangs gar, ob denn der Menschen Seelen, Da sie sich bloß mit Tand beschaͤfftigen und quaͤlen, Den ewgen Geistern beyzuzaͤhlen, Und ob sie wirklich auch unsterblich waͤren? T 3 Aus Traum-Gesicht. Aus ihren unvernuͤnftgen Werken, War es wahrhaftig nicht zu merken. Zumal da sie, durch diese Wuth getrieben, Nicht Gott, nicht ihren Naͤchsten lieben, Jndem sie sich, zu hassen, afterreden, Verketzern, zu verfolgen, sich bemuͤhn, Mit Feur und Schwerdt, ja gar mit Krieg, zu uͤberziehn, Sich nicht entbloͤden, Um die ja ohne das so kurze Zeit zu leben, So ihnen die Natur gegeben, Noch zu verkuͤrzen, zu vermindern, Ja gar, so lang sie sind, vergnuͤgt zu seyn, zu hindern, Und ihren Stand, der leidlich, zu vergaͤllen, So daß bey euch ja leider! sonder Zweifel, Das Sprichwort wahr: Es ist ein Mensch des andern Teufel. Nun sprich du selbst, was doch ein solcher Stand, Jn welchem ich die Menschheit fand, Bevor ich etwas bessers wußte, Mir vor Begriffe machen mußte. Ob ich die Menschen nicht fuͤr Mitteldinge, Die kluͤger zwar, als wie ein Thier, Doch lange nicht so klug, als wir, Verwerflich, eitel, sehr geringe, Jhr Wesen folglich auch zerstoͤrlich schaͤtzen mußte. Wie aber ich hingegen auch erwog, Was fuͤr besondere Vollkommenheiten, Gelehrigkeit, Begriffe, Faͤhigkeiten, Fuͤr sonderlich-und auserlesne Gaben, Sie noch bey allem Jrrthum haben: So ward ich ungewiß, und wußte nicht zu fassen, Wie solche widrige Beschaffenheiten sich, Ohn eine gaͤnzliche Zerruͤttung, fuͤgen lassen; Wie Traum-Gesicht. Wie Boͤs und Gut so gar verwunderlich Jn euren Geistern sich verbinden, Ja wie im Leiblichen so gar, auf eurer Erden, Sich solche Widrigkeiten finden, Und uͤberall fast angetroffen werden: Kalt, warm, licht, finster, trocken, feucht, Geschwind und traͤge, schwer und leicht, Bis endlich ich zuletzt auf die Gedanken kam: Zeugt unser Jupiter, von seines Schoͤpfers Ehr: So thut es fast der Erdenkreis noch mehr, Da wir in dem Verband so sehr verschiedner Gaben, Jm Geist-und Leiblichen, die wir auf Erden sehn, Wie sie, in reger Ruh, trotz ihren Streit, bestehn, Ein groͤßer Wunderwerk fast zu bewundern haben. Hiedurch wird Gottes Macht aufs neu erkannt, erhoben. Es zeigen sich in jeder Welt, Die er ohn alle Zahl erschuf, und noch erhaͤlt, Von seiner Lieb und Weisheit neue Proben. Jch fiel ihm voͤllig bey, und wollte, Gott zu loben, Die Stimm erheben: Doch in dem Augenblick, wie ichs zu thun gedachte, Verließ mich eben Mein Lehr-reich Traum-Gesicht, und ich erwachte. T 4 Die Die allergroͤßte Tiefe. Die allergroͤßte Tiefe. D rey Tiefen sind auf dieser Welt. Die eine Tief erfuͤllt die Fluth, Die andre Tiefe fuͤllt die Luft, die dritte fuͤllt des Lichtes Gluht. So wie die andre Tiefe nun sich in die erste Tiefe senket, Sich mit derselbigen vereint, sie auch umringet und um- schraͤnket: So wird die andre wieder, eben Auch von der dritten Tief umgeben, Durchdrungen, und erfuͤllt. Von dieser scheint nun wieder uͤberzeuglich, Daß sie, wie alle Ding, aus einer Quelle quillt, Wodurch sie alle sich beleben. Da diese nun so unergruͤndlich ist, als unersteiglich, Jst es vermuthlich die, von welcher Paulus riefe: O! welche Tiefe! Ver- Vergnuͤglichkeit. Vergnuͤglichkeit. H ast du dein Brodt, und deinen Trank; Hast du ein Kleid, und bist nicht krank: So bist du nicht befugt zu klagen, Und mußt dem Schoͤpfer Lob und Dank, Mit froher Ehrfurcht, billig sagen. Es ist ein wunderlichs Betragen, Daß wir uns, unser lebenlang, Mit selbst gebundnen Ruthen, schlagen, Und, um ein Blendwerk zu erjagen, Uns selber unaufhoͤrlich plagen. T 5 Ge- Gedanken bey einer Section. Gedanken bey der Section eines Koͤrpers. K aum warf ich meinen Blick auf das zerstuͤckte Weib, Kaum sah ich den zum Theil von Haut entbloͤßten Leib, Jch kunnte kaum so bald die blutgen Muskeln schauen, Als mich ein widriges und ekelhaftes Grauen Den Augenblick befiel. Allein es hatte kaum Der kluge Carpser angefangen; Er ließ uns kaum so bald die weisen Wunder sehn, Die von der bildenden Natur daran geschehn: So macht die Regung gleich weit suͤßrer Regung Raum. Furcht, Grauen, Ekel war den Augenblick vergangen; Mich nahm Bewundrung erst, darauf Erstaunen ein, Dem folgt Erniedrigung und Ehrfurcht allgemach, Und diesem auf den Fuß Lob, Brunst und Andacht nach. Es fing ein helles Feur von einer heilgen Lust Jn meiner, Gott zum Ruhm, mit Dank erfuͤllten Brust, Zur Ehre des, der hier so wunderbar Des Koͤrpers Wunderbau gefuͤget, an zu brennen. Jch wußte selber nicht, wie mir zu Muthe war. Den Menschen giebet sich der Schoͤpfer hell und klar Am allerdeutlichsten am Menschen zu erkennen. Es scheint, ob koͤnne man in diesen Wunderwerken, Jn diesem Meisterstuͤck der bildenden Natur, Von unserm Schoͤpfer selbst hier eine helle Spur, Ganz uͤberzeuglich klar und gleichsam sichtbar merken. Ach! rief ich, laßt denn hier an diesem Schauplatz schreiben: Hier kann kein Atheist ein Atheiste bleiben. Zuͤgel Zuͤgel der Begierden. Zuͤgel der Begierden. W as ist der Hunger? sag es mir. Ein Trieb, dein Wesen zu ernaͤhren. Was ist die suͤsse Liebe dann? Ein Trieb, dein Wesen zu ver- mehren. Damit nun beyde Triebe nicht, durch ihr empfindliches Ver- gnuͤgen, Wie ganz gewiß geschehen wuͤrde, durch Uebermaaß, uns Scha- den braͤchten, Und wir im heftigen Gebrauch an Kraͤften uns erschoͤpfen moͤchten, Zumalen des Verstandes Kraͤft in diesem Kampf, mit Lust, erliegen: So finden wir ein neues Wunder, so wuͤrdig, daß man es bedenkt, Auch dem, der alles weislich ordnet, ein Opfer der Betrach- tung schenkt, Und im Bewundern ihn verehrt. Ein jeder Trieb ist so bereitet, Daß ihn, bey aller Uebermaaß, ein Ekel auf den Fuß begleitet. Will man zu stark sich uͤbernehmen, so schiebt in beyden dir und mir Noch mehr, als alle Sattigkeit, der Ekel einen Riegel fuͤr. Sein Nutzen zeiget uͤberzeuglich, da er Begierden und Ge- danken, Trotz ihrer Unersaͤttlichkeit, in ihre zugetheilte Schranken Zu setzen und zu halten weis, er komme nicht von ungefaͤhr. Es stammt, wie alles, auch der Ekel, aus einer weisen Vor- sicht her. Fabel. Fabel. Fabel . Erde. D u waͤrst, o Luft, wenn ich nicht waͤr, Von Laub, von Bluͤht, Geruch und Blaͤttern leer. Durch mich gereichen Zweig und Aeste Den Buͤrgern deines Reichs zum Neste, Und kurz, es stammet deine Zier, Und alle Pracht allein von mir. Luft. Du irrest dich. Wenn ich nicht waͤr, So waͤrst du selbst von allem leer. Schenkt ich dir nicht mein fruchtbar Naß: So wuͤchse nicht ein Spierchen Gras. Noch minder koͤnntest du mit Zweigen So schoͤn gekroͤnte Staͤmme zeugen. Erde. So meynest du, daß diese Fluth Die freylich vieles an mir thut, Mich naͤhrt und traͤnkt, dein eigen Gut? O nein! Es ist so gar das Wasser mein; Es schenkt es dir der Sonnenschein, Der es aus mir hinaufwerts treibet, Und deinem Wesen einverleibet. Luft. Das Wasser ist so wenig dein, Daß man vielmehr von dir kann sagen, Mit Fabel. Mit großem Recht: Du waͤrest sein, Da es dich in dem Schooß getragen. Es ist das saͤmtliche Gewaͤsser Nicht nur an Weit und Umfang groͤßer, Als wie du selbst; Du wirst ja wissen, Daß dich die Fluthen in sich schliessen, Ja daß, so wie du jetzt vorhanden, Du meist aus Wasser gar entstanden. Sonne. Jhr muͤßt euch nicht, wie Menschen, zanken. Jch finde, daß Luft, Erd und Meer, Samt aller Creaturen Heer, Jhr Wesen einzig dem zu danken, Ohn den ihr eure Eigenschaft So wenig, als ich meine Kraft Uns von uns selber koͤnnen geben. Du koͤnntst nicht ruhen, du nicht schweben, Jch koͤnnt euch beyde nicht beleben. Laßt uns denn auf unsre Weise, Aller Wesen Quell zum Preise, Da wir seiner Allmacht Proben, Auch von seiner Macht allein Werkzeug ohne Zanken seyn, Und ihn, durch Gehorsam, loben. Demuth. Demuth. Demuth . O Gott! von dem wir, was du nicht, nicht aber was du bist, verstehen, Ach laß uns dich auf eine Weise, die dir gefaͤllig ist, er- hoͤhen! Was dir an uns gefallen kann, wird, allem Ansehn nach, allein Die, bloß durch deiner Groͤß Erkaͤnntniß, in uns gewirkte Demuth seyn. Zu- Zusatz. Zusatz ad p. 337. Tom. IV. des irdischen Vergnuͤgens. W irfst du vielleicht mir hierauf ein: Dein Schluß hat nur vom Trost den Schein; Denn, wird gleich aus jedwedem Heut Ein baldigs Gestern; wird jedoch Ein Heut aus jedem Morgen wieder, Und so druͤckt uns des Leidens Joch Nicht minder heut, als gestern, nieder: So muß ich dieß gestehn. Doch ist auch dieses klar, Und von der Tage Fluß unwidersprechlich wahr. Es ist ein Fluß, der nie verweilet, Der unaufhoͤrlich vorwerts eilet, Und wie der Schoͤpfer es bestimmt, Ein ganz gewisses Ende nimmt. Zu welchem Ende dich, nicht nur jedwede Stunde, So gar ein jegliche Secunde, Die sich all Augenblick verliert, Unwidersprechlich naͤher fuͤhrt. Wann nun der schnelle Lauf vorbey: So findet sich, daß auch die allerlaͤngste Zeit, Bey der gewissen Ewigkeit, Wahrhaftig nicht einmal ein Punkt gewesen sey. Ver- Vergnuͤgung an Gottes Werk. Vergnuͤgung an Gottes Werk, eine Gabe Gottes. A ch schaut die Wunder mit Vergnuͤgen Uns uͤberall vor Augen liegen, Die Gottes weise Macht gemacht. Mein Gott, laß mich mit Andacht sehen Die Farben, Formen, Nutz und Pracht Der Wunder, die durch dich geschehen! Gieb zu so noͤthigem Geschaͤffte, Wodurch man dich vergnuͤgt verehrt, Doch meiner Seelen alle Kraͤfte, Die solche große Wunder werth! Ach laß doch unsers Geistes Augen, Durch unsers Koͤrpers Augen, taugen, Jn Koͤrpern einen Geist zu sehn! Den Wirkenden in seinen Werken, Den Schoͤpfer im Geschoͤpf zu merken, Und ihn in ihnen zu erhoͤhn. O ewigs Licht! kanns moͤglich seyn, Daß dein allgegenwaͤrtger Schein, Der alles zeiget und erfuͤllet, Nur unsrer Seele sich verhuͤllet, Daß sie fast dessen ganz vergißt, Der die von ihm erschaffne Welt, Wie selbst erschaffen, selbst erhaͤlt, Und alles und in allem ist? Jch mags, so viel ich will, ergruͤnden, Kein ander Ursach ist zu finden, Als Vergnuͤgen an Gottes Werk. Als daß man sich mit sich allein So sehr beschaͤfftigt, wohl zu seyn. Jn der Geschoͤpfe Herrlichkeit, Jn ihrer Anmuth, Zier und Pracht, Die Herrlichkeit des, der sie macht, Zu sehen, hat man keine Zeit. Man hat fuͤr sie nicht Aug, nicht Ohren, Da man sie nicht mit Lust erwegt, Dadurch wird, was Gott drin gelegt, Ja Gott fast selbst fuͤr uns verlohren. So hab ich oftermals gedacht; So hab ich oftermals gelehret. Doch alles schlaͤgt man aus der Acht, Und hat sich nicht daran gekehret. Jch schliesse dann hieraus mit Recht, Daß es in unsrer Kraft nicht stehe, Und daß das menschliche Geschlecht Sich nicht, durch sich, zu Gott erhoͤhe. Jch sage denn: Es bleibt dabey, Daß an des Schoͤpfers Wundergaben Mit Seel und Sinnen sich zu laben, Ein’ eigne Gottesgabe sey. Ein hoͤrend Ohr und sehend Auge, die machet beyde der Herr. Proverb. 20, 21. So laßt uns dann zu Gott uns lenken, Um ihn in Demuth anzuflehn, Er woll uns diese Gabe schenken, Jhn uͤberall mit Lust zu sehn! Br. VI. Th. U Be- Bereitung aufs Kuͤnftige. Bereitung aufs Kuͤnftige. D a Adam vor dem Fall, im Paradeise, Kein ander Leben fuͤhren koͤnnen, Als daß er froͤlich, Gott zum Preise, Die Guͤter, die er ihm gewuͤrdiget zu goͤnnen, Genossen, sie mit Lust beachtet, Und, in der Vollenkommenheit Derselben, dessen Herrlichkeit, Der sie so wunderbar bereit, Fuͤr Freuden halb entzuͤckt, betrachter, Einfolglich, wie wirs deutlich lesen, Jm Jrdischen in Gott vergnuͤgt gewesen: So ist es wohl betruͤbt, daß, da wir noch auf Erden, Annoch so viele Wundergaben, Auch fuͤr dieselben Sinnen haben, Die uns der Schoͤpfer ja gelassen, Wir nicht dadurch geruͤhret werden; Wir weder Gottes Macht, noch seine Liebe fassen; Uns im geringsten nicht bestreben, Nach Moͤglichkeit, wie Adam dort, zu leben; Auch im geringsten nicht, zu jenen Herrlichkeiten, Die Gott uns geben wird, die Seele zu bereiten, Und allgemach uns zu den suͤssen Pflichten, Nicht wiederum bemuͤht seyn, einzurichten. Denn das, womit wir uns, auf dieser Welt, bemuͤhn, Wird uns, so bald wir todt, verlassen, von uns fliehn, Als Bereitung aufs Kuͤnftige. Als wie ein leerer Traum, und in den Ewigkeiten Der Ewigkeiten wird von dem, was uns auf Erden, So sehr beschaͤfftiget, nichts angetroffen werden. Viel mehr wird unsre Seel, in der Vollkommenheit Der von dem ewgen Gott gewirkten ewgen Werken, Den Ausbruch seiner Lieb und weisen Macht bemerken. Der allergroͤßte Theil, von ihrer Seligkeit, Jn welcher sie zugleich des Schoͤpfers Groͤß erhoͤhn, Wird in derselbigen Betrachtungen bestehn. Ach laßt uns uns denn doch, zu jenen Herrlichkeiten, Und, Gott zugleich zum Ruhm, schon hier bereits bereiten! U 2 Die Die unumschraͤnkte Groͤße Die unumschraͤnkte Groͤße der Gottheit. J ch habe, selbst von großen Geistern, die Meynung oftermals gehoͤrt: Ob waͤr ein Mensch, ja nicht einmal die ganze Menschheit, so viel werth, Daß Gott, ein solch unendlich Wesen, Das Millionen Sonnen schuf, und viele Millionen Welte Zum Vorwurf seiner Macht erlesen, Die er bloß durch ein Wort erhaͤlt, Von seiner Unermeßlichkeit fast schimpflich sich herunter lasse, Und mit derselben Kleinigkeit auf eine Weise sich befasse. Ja, wenn auch dieses moͤglich waͤre, so wuͤrde dieß daraus ent- springen, Daß auch der Gottheit Majestaͤt sich gar, annoch mit kleinern Beschaͤfftigen und plagen muͤsse, (Dingen, Und dieses halten sie fuͤr ungereimte Schluͤsse. Man kann hierin hingegen klar entdecken, Daß hierin eine Laͤsterung Fuͤr unsern Gott, fuͤr uns Verzweifelung, Jn dieser schlimmen Meynung, stecken. Fuͤr uns kann nichts ungluͤcklichers auf Erden, Als solch ein Schluß ersonnen werden. Denn waͤren wir, weil wir nicht Gottes Obacht werth, Auch nicht von Jhm geliebt, gefuͤhrt, ernaͤhrt: Waͤr unser Gottesdienst, Glaub, Hoffnung, Seligkeit, Ein eitler Tand, und wir, in kurzer Zeit, Nachdem uns hier so manches Leid beschwehrt, Weit aͤrger, als ein Vieh, in nichts verkehrt. Was Gott betrifft, scheint nur die Meynung groß zu seyn, Und seine Majestaͤt zu ehren: Doch ists wahrhaftig nur ein Schein. Sie der Gottheit. Sie scheinet Gottes Ruhm zu mehren, Und machet seine Groͤße klein. Sie schraͤnket seine Lieb und Macht und Weisheit ein; Ja hoͤhnet ihn, statt ihn zu preisen: Wie dieses hieraus klar und deutlich zu erweisen: Da auch das Groͤßte, was ihr sehet, Aus Kleinigkeiten bloß bestehet; So wird ein Gott ja mehr erhoͤhet, Jn den verehrenden Gedanken, Daß er so wohl was klein, als das, so groß, regiere, Als wenn man ihm gewisse Schranken Zu setzen unternimmt, wo sich sein Blick verliere. Ey! sprecht, wie weit doch seine Schranken gehn, Aus wie viel Theilen eigentlich Muͤßt, eurer Meynung nach, bestehen Ein Wesen, eh die Gottheit sich Nach ihm bemuͤht, sich umzusehen? Waͤr es nur nach dem Werth allein: So wuͤrd ihm ja fast nichts, auf dieser Erden, Ja kaum die Erde selbst, ein wuͤrdger Vorwurf werden, Und Gottes Aufsicht wuͤrdig seyn. Dieß zeiget die Vernunft, und daß es wahr, Zeigt ebenfals die Bibel klar. Sie spricht: Es sorge Gott fuͤr Sperlinge so gar; Sie spricht: Es faͤllt, ohn unsers Vaters Willen, Von unserm Haupt kein einzigs Haar, Und alles muß des Schoͤpfers Wink erfuͤllen. Es ist demnach gewiß, daß unsre Lehre, (Zumalen dieser Satz) des Schoͤpfers Ehre Aufs Herrlichste verbreit, auch unsern Glauben mehre: Das Kleinste scheint fuͤr Gott so wenig klein, Als wie das Groͤßte groß zu seyn. U 3 Mis- Misbrauch des Worts Natur. Misbrauch des Worts Natur. Z wey Dinge sind, die viele Menschen zu einem Goͤtzendienst verfuͤhren. Das erste, die Erbarmens-wuͤrdig’ und Gott-verkleinernde Jdee, Von einem großen alten Mann, dort oben in des Himmels Hoͤh. Das andre, da wir ungescheut im Jrrthum uns so weit ver- lieren, Daß wir auch eine Goͤttinn machen, die wir ihm gleichsam zu- gesellen, Und sie mit seiner Majestaͤt zum oͤftern in Vergleichung stellen. Die Goͤttinn heißet die Natur, die wir, in allen unsern Reden, Als thaͤt sie alles, was geschicht, uns vorzustellen, nicht ent- bloͤden. Wer lehrt die Thiere, sich zu naͤhren? Wer lehrt die Voͤgel Nester machen? Wer lehrt die kleinen Kinder saugen? Wer wirkt so viel ver- borgne Sachen, Auf Erden, in der Luft, im Meer? Wer? Die Natur, spricht jedermann; Ja, zeigt man seine Meynung nicht in dem gewohnten Sprich- wort an: Es wirken Gott und die Natur nie was verge- bens? Scheint es nicht, Daß man von zwey verschiednen Wesen auf eine solche Weise spricht; Als Misbrauch des Worts Natur. Als waͤren sie einander gleich? Du wendest hier vielleicht mir ein: Es muͤsse dieses eben nicht so eigentlich verstanden seyn; Nein; sondern so: Daß die Natur auf goͤttlichen Geheiß voll- fuͤhre, Was ihr von ihm befohlen sey. So folgt doch dieß daraus, daß sie Ein eignes Wesen muͤsse seyn, das nach der Ordnung sich be- muͤhe, Des Schoͤpfers Willen auszurichten; und dieses ist schon son- derlich, Und streitet mit der Wahrheit ja. Du sprichst: Du uͤberei- lest dich; Weil wir die Woͤrter aus Gewohnheit so schlimm, wie du, nicht auszulegen, Und so genau zu untersuchen, ja gar nicht drauf zu achten pflegen: So sprech ich: Wenn auch dieses waͤr; ist es doch aͤrger, als man meynt, So wunderlich sich auszudruͤcken; und schadet mehr noch, als es scheint. Jndem man, da man ohne dieß so selten an den Schoͤpfer denket, So selten seine Macht bewundert, durchs Wort Natur gleich abgelenket, Und wenigstens gehemmet wird, in unsrer Ehrfurcht fortzugehn, Da das, was ihm allein gebuͤhrt, sich gleichsam theilt. Man bleibt bestehn. Wenn man nur die Natur genannt: So wird man insgemein befinden, Man hoͤrt in der betrachtung auf, und laͤßt Geschoͤpf und Schoͤpfer schwinden. U 4 Was Misbrauch des Worts Natur. ( A. ) Was du hier schreibst, ist mehr als wahr. Jch bin, durch solche Redensart, Nicht nur, wenn ich an Gott gedacht, durchs Wort Natur oft abgezogen; Mein Denken ist vertheilet worden, da man es mit der Gott- heit paart. Jch ward so gar durch dieses Sprichwort: Gott und Na- tur, gar oft bewogen, Der Sache weiter nachzudenken. Die allerkluͤgsten Voͤlker haben Die alles-wirkende Natur, als eine Mutter aller Gaben, Betrachtet, und sie angebethet. Der Gottesdienst war mit Bedacht, Und, nach den Gruͤnden der Vernunft, nicht eben ungereimt, vollbracht. Sie opferten ihr Fruͤcht und Blumen, wobey sie denn, zu ih- rem Preise, Voll dankbarer Erkenntlichkeit, und recht geruͤhrt, auf diese Weise, Der Goͤttinn folgend Loblied brachten: Wir opfern, sang der ganze Hauf, Dich, dir, du einzige, die alles, o große Goͤttinn, Jsis, auf. War es den Heiden zu verdenken, daß, da sie sich doch Goͤt- ter machten, Beym großen Ursprung aller Dinge, sie auch auf eine Goͤttinn dachten? Da sie in allen Dingen sahn, bis auf sich selbst, aus zweyen Dingen, Jn unterschiedlichem Geschlecht, ein drittes allererst entspringen, Nach der Natur vollkommnen Ordnung. Worin ja mehr, als wie man meynt, Ein Ehrfurcht-wuͤrdiges Geheimniß verborgen u. zu liegen scheint, Denn, Misbrauch des Worts Natur. Denn, kann man gleich von Koͤrpern nicht auf eines Geistes Zeugung schliessen: So scheint doch aus der Schoͤpfung selber, der Mensch sey Gottes Bild, zu fliessen. Wie diese nun, um sich zu zeugen, nothwendig zweyerley Geschlecht, Nach Gottes Ordnung, brauchen muͤssen: So deucht es ihnen gleichfalls recht, Den Wirkenden aus den Gewirkten am sichersten sich vorzustellen, Und wuͤrde dieß, nach ihrer Meynung, ja noch viel deutlicher erhellen. Wann sie der Christen Redensarten von der Natur noch soll- ten hoͤren: Sie muͤßten die Natur noch mehr, gereizt durch ihr Exempel, ehren. ( B. ) So weit geht meine Meynung nicht. Nur ist mir dieses aͤrgerlich, Daß, da wir sonst auf Gottes Werken nur gar zu selten un- ser Denken, Und in demselben die Betrachtung noch minder auf den Mei- ster lenken, Man, wenn es einmal noch geschicht, durchs Wort Natur so eilend sich Vom Schoͤpfer unbedachtsam zieht; und wenn man einmal noch geruͤhret, Von Gottes wunderbaren Werken, und ihre Pracht gezwungen spuͤret, Man meynt, genug gethan zu haben, wenn man mit kurzen Worten nur, (Vom Schoͤpfer nicht) wenns hoch koͤmmt, spricht: Wie wunderbar ist die Natur! U 5 Die Die schlimmste Abgoͤtterey. Die schlimmste Abgoͤtterey. W ir haben bis daher gezeiget, wie leibliche Abgoͤtterey, Jm Bildniß eines alten Mannes, der Gottheit unan- staͤndig sey. Nun wird es ja so noͤthig seyn, ein wenig weiter noch zu gehn, Und, wie die geistliche nicht minder unleidlich, gleichfalls an- zusehn. Weil ja so wenig, als die Form, die unvollkommnen Leidenschaften, Affecten, Aenderung und Triebe der Menschheit, an der Gott- heit haften. Es ist und bleibt unstreitig wahr, daß Zorn und Eifer, Grimm und Rache, So gar bey Menschen, Laster seyn. Wenn man bey uns den Zorn beschreibt: So heißts: Er sey ein kurzes Rasen. Wie, daß man denn solch eine Sache, Die straͤflich an sich selber ist, von der vollkommnen Gottheit glaͤubt. Wenn dort die Heiden Jupitern den fleischlichen Affect der Liebe So frech, als thoͤricht, zugeeignet; scheint es uns laͤch-und laͤ- sterlich, Und zwar mit großem Fug und Recht. Nun aber uͤberleg, und sprich: Sind denn von Eifer, Zorn, und Grimm, und Rache die so heftgen Triebe Nicht ja so schlimm, ja noch wohl gar von schlimmerer Be- schaffenheit? Du sprichst: Was bey uns Menschen Zorn, das heißt in Gott Gerechtigkeit. Hie- Die schlimmste Abgoͤtterey. Hiewider hab ich nichts. Der Schoͤpfer ist, sonder Wider- spruch, gerecht. Doch, zwischen zornig und gerecht, ist ja ein großer Unterscheid. Wer leidet Zorn an einem Richter, nur bey dem menschlichen Geschlecht? Du magst mir sagen, was du willt: (Hoͤr ich dich hier voll Eifer sprechen) Jch bleibe bey der heilgen Schrift. Dieselbe spricht von Zorn und Raͤchen, Jn Gott, so deutlich, und so oft, daß ich es nicht begreifen kann, Wie du, so frech, dich unterstehest, dieß zu verneinen, und hieran Nur im Geringsten noch zu zweifeln. Allein, verdamme mich nicht eh, Und uͤbereile dich nur nicht, bevor du mich hierauf gehoͤrt. Jch bin gewiß, daß, wie du glaubest, ich mich hierinnen nicht vergeh. Es ist und bleibt unstreitig wahr: Es wird die heilge Schrift erklaͤrt, Ju allen Stellen, wo wir finden, daß Gott nach Menschen Art gesprochen. Wenn wir an vielen Orten lesen: Gott hab ein Auge, Fuß und Hand: So wird ja die Figuͤrlichkeit von solchen Stellen leicht erkannt. Demselben tritt noch ferner bey, Daß ja die Art der Morgenlaͤnder zu lehren, meist figuͤrlich sey. Da man nun so die meisten Stellen, wie billig, anders nicht er- klaͤrt; Wie, daß man denn, in diesem Punkt, nicht auf dieselbig’ Art verfaͤhrt? Wenn Die schlimmste Abgoͤtterey. Wenn wir noch uͤberdem erwegen, der Juͤden so verstocktes Wesen, Und ihres Herzens Haͤrtigkeit. Was Moses fuͤr ein’ Art er- lesen, Sie zu bedrohn, und sie zu segnen, als wovon beyde Theil allein, (Jndem er nichts vom Kuͤnftgen saget,) aufs Jrdische gerich- tet seyn. Er segnet bloß mit irdschem Heil, er drohet bloß mit irdschen Noͤthen: So scheim um desto noͤthiger zu schliessen, daß auch die Pro- pheten, Und andre heilge Maͤnner auch, wenn sie der Gottheit Bild beschreiben, Sie, ihrer boͤsen Hoͤrer halber, auch bey derselben Weise bleiben, Und ihn, als einen grimmigen, erzuͤrnten Herrscher ihnen zeigen, Um, durch die Furcht der nahen Straf, ihr Herz um desto eh zu beugen. Denn, daß dieß nicht vom wahren Wesen der wahren Gott- heit zu verstehn; Als dem solch kleines Bild zu klein, da er ein Geist; kann je- der sehn. Gebrauchten wir nur die Vernunft: So wuͤrd uns Sonnen-klar entdecket, Daß alle leibliche Gedanken, und was nur nach der Mensch- heit schmecket, Der Gottheit unanstaͤndig sey; ja, daß der, welcher so gedacht, Entweder uns zu einem Gott: Wie? oder Gott zum Menschen macht: So Die schlimmste Abgoͤtterey. So beydes Gotteslaͤsterlich. Sprich nicht: Jndem die Bibel spricht: Gott schuf dem Menschen, ihm zum Bilde; so waͤr es auch der Menschen Pflicht, Von Gott was menschlichs zu gedenken. Denn hoͤr: Wenn du den Ort erwegest, Und Mosis Worte mit Bedacht, ohn Vorurtheil, recht uͤber- legest: So wirst du uͤberzeuglich finden, daß sie unmoͤglich ei- gentlich Von uns verstanden werden koͤnnen. Denn erstlich hat ja Gott kein Bild. Dieß wirst du wohl nicht leugnen duͤrfen. Der die Unend- lichkeit erfuͤllt, Kann keine Bildungs-Graͤnzen haben; dieß zeigt die Schrift an tausend Orten, Es zeigt uns Gott und die Vernunft. Allein, es steckt in diesen Worten, Wirfst du vielleicht mir ferner ein, doch wenigstens so viel, daß man Doch etwas Goͤttliches in uns mit Fuge folgern muß und kann: So will ich dieß zwar nicht verneinen. Doch geht dieß Gleich- niß weiter nicht, Als wenn die Schrift, an vielen Stellen, mit fast denselben Worten spricht: Es habe Gott der Obrigkeit sein Bild auf Erden angehangen. Die Richter waͤren alle Goͤrter. Kann nun ein Rich- ter wohl verlangen, Er habe von der Gottheit Wesen ein wesentliches Theil em- pfangen; Und Die schlimmste Abgoͤtterey. Und wuͤßt er aus sich selber nun, was Gott nicht, oder was er sey? Dieß hieltst du selbst fuͤr laͤcherlich; und beydes ist doch ei- nerley. Es ist und bleibt unstreitig wahr: Gott hat uns aller- dings hienieden Mit Weisheit und Vernunft begabt, von allen Thieren un- terschieden, Und uns zu seinem Lob erwaͤhlt. Allein es bleibt auch dieß dabey: Wer sich mit Gott, und Gott mit sich, vergleicht, begeht Ab- goͤtterey. Hingegen wird, voll Lieb und Andacht, der tiefgebognen De- muth Lallen: Du, Gott, bist alles, ich bin nichts; Dir, Gott, ver- hoffentlich gefallen. Auf Auf den Tod Fabricii. Auf den Tod des seligen Herrn Fabricii. B ey Teutschlands allgemeinem Gram, worin es sich kaum weis zu fassen, Weil sein Fabricius erbleichet, werd ich durch diesen Trost geruͤhrt: Daß Gott, in ihm, die wahre Tugend der Welt, wo Laster sonst regiert, Zu ihrer Besserung gezeigt, und acht und sechzig Jahr gelassen. Eine zu Altenbruch gegoßne Glocke. Auf Ersuchen des dortigen Kirchspiels. S o oft, in meinem weiten Munde, die harte Zunge schallt und klingt, Laßt euer Herz vom Erzt erweichen, und denkt an der Posaunen Schall, Der, bey dem letzten Donnerknall, Euch vor des Hoͤchsten Thron zu ruffen, auch durch die tiefen Graͤber dringt. Es ließ das Kirchspiel Altenbruch in eine neue Form mich fliessen, Und, siebzehn hundert sechs und dreyßig, zum Werkzeug eurer Andacht, gießen. Gute Anwendung unsrer Zeit. Gute Anwendung unsrer kurzen Zeit. J ch war ein Nichts von aller Ewigkeit, Und werde wenigstens auf dieser Erden Ein Nichts aufs neue wieder werden. Ach Herr! so laß mich doch die kurze Zeit, Die du mir, bloß aus Gnad, hienieden, Zu leben, und zu seyn, beschieden, Zu deinem Ruhm und Preis zu leben, Jn deiner weisen Macht Betrachtung, mich bestreben! Ver- Vergleichung. Vergleichung. J ndem ich hier vergnuͤgt, auf einer Bruͤcke, stehe, Und durch die klare Fluth, Worauf der Sonnen helle Gluht, Jm Wiederschein, mit guͤldnen Stralen, schwam, (Wodurch sie die Gestalt des Himmels an sich nahm,) Derselben bunten Grund besehe: Koͤmmt der von mir entdeckte Grund, Auf dem ich Tiefen, Hoͤhn, Gewaͤchse, Stein und Sand, Wie sonsten auf der Erden, fand, Mir anders nicht, als unsrer Erden Rund, Das Wasser, als der Luftkreis, fuͤr. Jch uͤberlegete bey mir, Ob es nicht etwan glaublich waͤr, An statt den großen Raum der obern Luft sich leer, Von Creaturen, vorzustellen, Daß, uͤber unsrer Luͤfte Kreis, Geschoͤpfe koͤnnten seyn, die, zu des Schoͤpfers Preis, Auf eine andre Weise lebten, Nicht gingen, so wie wir, nicht schwuͤmmen, auch nicht schwebten, Und die von solchen Hoͤhn, auch durch der Luͤfte Fluth, (Worauf vielleicht auch dort, im Wiederschein, die Gluht, Von einem reinern Himmel, ruht,) Den Blick auf unsre Welt zu lenken, Und ihn auf uns herab zu senken, Beschaͤfftigt und geschickt. Jch stellte mir, Bey den Gedanken, fuͤr: Ob unser hiesiges Gewuͤhl und Laͤrmen Nicht ihnen so, wie hier der Fische reges Schwaͤrmen Uns scheinet, etwan scheinen moͤchte; Br. VI. Th. X Und Vergleichung. Und dachte, was doch solch Geschlechte Wohl von der Menschen Thun gedaͤchte? Gewiß das irdische Getuͤmmel, Ob es die Menschen gleich nicht meynen, Koͤnnt ihnen fast nicht anders scheinen, Als uns der Fische Thun, und schwaͤrmendes Gewimmel. Wir werden, durch das Netz der Leidenschaft, bestricket, So wie der Hamen sie beruͤcket. Wie Menschen sich einander plagen, So sehn wir sie einander jagen. Wann große Fische kleine fressen, Wird dieses auch bey Menschen nicht vergessen. Ja, wenn ich an das hoͤllische Geschenke, Carthannen, Moͤrser, Bley, Cartaͤtschen und Granaten, Und neben moͤrdrischen verwegnen Heldenthaten, Noch erst an foͤrmliche Bataillen denke: Entsteht bey mir, zumalen bey den Schlachten, Die Frag: Ob sie, wofern sie uns nicht duͤmmer, Doch wilder, moͤrdrischer und schlimmer, Als wie die Fische, wuͤrden achten? Thoͤ- Thoͤrichter Hochmuth. Thoͤrichter Hochmuth. W enn ich aufs Ufer-lose Meer, und seiner Fluthen Last gedenke; Wenn ich mich in die hohle Tiefe der ausgespannten Lust versenke; Ja, wenn ich aller Sternen Heer, ins unumschraͤnkten Him- mels Hoͤh, Erstaunet schau, und denn zugleich auf mich und meine Klein- heit seh: Erschreck ich, und begreife nicht, wie ein so kleines Wesen sich, Da es sich kaum des Nichts erwehrt, so thoͤricht als ver- messentlich, Den Schoͤpfer aller Welt zu fassen, und zu beschreiben, un- tersteh. X 2 Die Die Welt ein goͤttlicher Lehrer. Die Welt, ein goͤttlicher Lehrer. S tral der unsichtbaren Sonne! Weltkreis, der noch mehr, als sich Unsern Augen, unserm Geist, Jn der Schoͤnheit, Pracht und Ordnung, die verborgne Gott- heit weist! Man kann durch dich bloß allein, und wahrhaftig, ohne dich, Keinen Gott verstehn und finden! Wesen! worin unsre Seelen, durch die Sinnen, ihn empfinden, Worin wir, durch hoͤren, riechen, fuͤhlen, auch durch sehn und schmecken, Eine Weisheit, Liebe, Macht, so die Gottheit selbst, entdecken, Und worin, wenn wir mit Freuden nnd Bewundrung dich besehn, Als ein wuͤrdig Werk des Schoͤpfers, wir den Schoͤpfer selbst erhoͤhn. Aller Himmel Himmel Heere, alle Welt hat Gott gemacht, Wie er wollt, daß sie entstuͤnden. Es entdecket ihre Pracht Seinen uͤberall verborgnen, uͤberall vorhandnen Schein. Laß doch deine Seele dann, liebster Mensch, nicht Sinn-los seyn! Weil, wenn du die Creatur, und die schoͤne Welt nicht spuͤrest, Du, nicht deine Lust allein, dich, ja selber Gott, verlierest. Kur- Gebeth-und Lob-Formular. Kurzes Gebeth-und Lob-Formular. A ch laß mein Lob, voll froher Ehrfurcht, und mein Ge- beth, von Zweifel rein, Unendlichs Wesen aller Wesen, aus Gnaden, dir gefaͤllig seyn! Mein Lob ist: Wunderbarer Schoͤpfer, nur dir sey Preis und Ehr allein. Mein zuversichtliches Gebeth: O ewge Lieb! erbarm dich mein. Eigentlicher Zustand auf Erden. S ich unsern Erdkreis vorzustellen, Als wie ein Vorgemach der Hoͤllen, Und wenigstens, als einen Kerker, den lauter Missethaͤter fuͤllen, So alle schmerzlich abzuthun; sind schwarze schwaͤrmerische Grillen. Von unserm Kreis der Erden wollen, Daß wir uns stets ergetzen sollen, Und, als in der Eliser Auen, in ungestoͤrter Wollust schweben, Von aller Widrigkeit befreyt, in Ruh und steten Freuden, leben, Sind Grillen, die ein Sybarith und ein Sardanapal sich macht. Gedenken, daß der Erdenkreis, zusammt den Menschen und den Thieren, Sich, nach des weisen Schoͤpfers Willen, bestaͤndig in der Ord- nung fuͤhren, Und das seyn, was sie sollen seyn, ist, wie man denken soll, gedacht. X 3 Dispu- Disputir-Kunst. Disputir-Kunst. W illt du ruhig und beliebt, uͤberall gelitten seyn: Disputir mit keinem Menschen, er sey vornehm oder klein. Denn, du wirst entweder siegen, Oder aber unten liegen. Letzters kann dir nicht gefallen; ersters thut dem andern weh, Mehr, als einer Ursach halber. Sein Verstand soll von der Hoͤh, Drauf er sich geglaubt, herunter. Dieses ist ihm aͤrgerlich; Und er thuts mit Widerwillen. Aber, daß zugleich er dich Noch vernuͤnftiger, als sich, Halten und erkennen soll; sind zween Schlaͤg in einer Wunden, Die von seinem lieben Jch gar zu heftig sind empfunden. Und er wird, ohn allen Zweifel, dich, nebst deiner Wahrheit, hassen. Soll er aber, sonder Haß, sich von dir besiegen lassen: Mußt du erst sein Herz gewinnen, und dazu beliebter Minen, Sanfter Toͤne, suͤsser Woͤrter, holden Ausdrucks dich bedienen. Bey der Tonkunst brauche ja eines freundlichen Gesichts, Und bemuͤh dich, deine Schluͤsse, wie mit Honig, zu versuͤssen. Sonsten richtest du bey allen mit den staͤrksten Schluͤssen nichts; Und dir wird aus deiner Klugheit nichts, als bittre Wermuth, spriessen. Ein- Einzige Quelle des Vergnuͤgens. Einzige Quelle des Vergnuͤgens. D ie Welt ist voller Lust und Anmuth, fuͤr ein vergnuͤgt und und froͤlichs Herz; Fuͤr einen unzufriednen Sinn ist sie voll Unmuth, Last und Schmerz. Dieß ist unwidersprechlich wahr. Es sind auf Erden alle Sachen Durchaus nicht, was sie sind; sie sind das, wozu wir sie selber machen. Darum ja wohl nichts noͤthigers, als daß wir uns mit Ernst bemuͤhn, Den Geist von schwarzer Schwermuth ab-und seine Kraft zur Lust zu ziehn, So viel uns immer moͤglich ist. Ach! laßt es doch nicht aus der Acht, Weil dieß allein, was suͤß ist, suͤsser, das Bittre minder bitter macht. Es hat ein jedes Ding zwo Seiten. Nachdem wir jedes Ding nun drehn, Jst es verdrießlich und vergnuͤglich, ist es veraͤchtlich oder schoͤn. Der leichtste Weg zu diesem Gluͤck, ohn den kein Gluͤck sonst, zu gelangen, Jst, mit Bedachtsamkeit zu achten auf alles, was wir Guts empfangen; Jst, uns von Blindheit der Gewohnheit im Guten, eifrig zu entfernen; Jst, besser, als bisher geschehn, die Sinnen zu gebrauchen lernen, Und nimmer ohne Denken, Sehn, Empfinden, Riechen, Hoͤren, Schmecken, Weil unser Gluͤck und Gottes Ehr, allein durch Denken, zu ent- decken. X 4 Be- Einzige Quelle des Vergnuͤgens. Bedaͤchten wir, wie viel wir haben, und wie so wenig wir verdienen: Unmoͤglich koͤnnten wir so oft, so viel zu klagen, uns erkuͤhnen. So aber kehren wir es um, und lenken unsre Kraft der Seelen Von allem, was wir haben, ab, und bloß auf Dinge, die uns fehlen. So lange wir also verfahren: Kann es unmoͤglich anders seyn, (Und, traͤff auch alles, was wir wollen, nach unserm eignen Wuͤnschen ein,) Unmoͤglich kann man sich vergnuͤgen. Denn, eben dadurch, daß wirs kriegen, Und denn nicht mehr daran gedenken, verschwindet eben das Vergnuͤgen. Dadurch wird meistens nun die Welt so voller Gram und vol- ler Leid, Und nicht so sehr durch ihr selbstaͤndig’ u. eigene Beschaffenheit. Wofern nicht jemand die Gesundheit, und etwan Speis und Kleider fehlen: So thut er wirklich Unrecht, sich den Ungluͤckselgen zu zu zaͤhlen. Wenn er nur in sich gehen will, u. seiner Plagen Quell ergruͤnden: Wird er sie meist in seinem Herzen, und selten ausser sich befinden. Erkennest du nicht uͤberzeuglich, wenn du nur selbst willt in dich gehn, Daß mehrentheils bloß in der Meynung die Dinge dieser Welt bestehn. Willt du nun wirklich gluͤcklich seyn, und suchest es nicht bloß zu scheinen: So fange bey dir selber an; lern anders, als bishero, meynen. Vergiß hinfort nicht mehr so schaͤndlich des Guten, so dir Gott beschehrt, So wird ein großer Theil verschwinden, von dem, was dich bis- her beschwert. Nutz Nutz der Demuth. Nutz der Demuth. W er seines Geistes wildes Feuer und stolzen Muth nicht daͤmpfen kann, Der seh, von sich und allen Menschen, den Ursprung und den Abschied an. Veraͤnderung des Menschen in Veraͤnderung seines Alters. E in Fleischnarr ist ein junger Mensch, ein Narr vom Ehrenwind allein, Wenn er ein Mann; und wenn er alt, ist er ein Ertznarr insgemein. X 5 Eigen- Eigennuͤtziger Gottesdienst. Eigennuͤtziger Gottesdienst. W enn du, im Gottesdienst, dich bloß um deine Seligkeit bemuͤhest, Und in des Schoͤpfers Wunderwerken auf seine weise Macht nicht siehest. So seines Namens Ruhm befoͤrdert: So deucht mich, das ich billig glaͤube, Und daß ich unsrer beyden Meynung nicht unrecht thue, wenn ich schreibe: Du liebst den Schoͤpfer deinetwegen. Jch meyn, ihn kind- lich zu verehren, Jn der Betrachtung seiner Werke. So koͤmmt es mir nicht anders fuͤr. Es scheint, du liebest dich in Gott; ich hoff, ich liebe Gott in mir. Definition der Tugend. S ollt auch die Tugend anders was, wenn mans erweget, als allein Ein Regel-maͤßiger Gebrauch von unsern Leidenschaften seyn? It. Des Lasters. Hingegen ist das Laster auch Nichts, als von unsern Leidenschaften ein unvernuͤnftiger Ge- brauch. Die Die Kunst vernuͤnftig sehen zu lernen. Die Kunst vernuͤnftig sehen zu lernen. N achdem ich nun, mit allen Kraͤften, die große Wahrheit vorgetragen, Daß wir des Schoͤpfers Creatur, wie sie so herrlich und so schoͤn, So kuͤnst-und wunderlich gebildet (um seine Weisheit zu er- hoͤhn,) Mit einem aufmerksamen Blick, verpflichtet seyn, oft anzu- sehn: So hoͤr ich viele meiner Leser, hierauf vermuthlich dieses sagen: Wir finden, daß es alles wahr, wir sehen unsre Schul- digkeit, Wir sind von der Geschoͤpfe Pracht, von ihrer Vollenkom- menheit, Zum Ruhm des Schoͤpfers, uͤberzeuget. Wir haben oft auch angefangen, Auf sie zu unsers Gottes Ehren, die Augen ernsthaft hinzu- lenken, Und, daß sie wirklich schoͤn, vortrefflich, und sehr betraͤchtlich, zu bedenken: Allein es ist uns unser’ Absicht nur gar zu schlecht von statten gangen. Wir sachen Gras und Kraͤuter an, auch Feld und Wald: Allein es schien Uns alles meistens einerley. Gras, Kraut, und Feld und Wald war gruͤn, Die Erde braun, der Himmel blau. Daher wir bald zu Ende waren, Und Die Kunst Und kunnten wir, wie gern wir wollten, von aller Creaturen Schaaren, Uns doch nicht recht geruͤhret fuͤhlen. Hierauf erwiedr’ ich: Jhr habt Recht. Geliebte Leser, euer Klagen ist leider gar zu sehr gegruͤndet, Weil diese Unvermoͤgenheit beym ganzen menschlichen Geschlecht, Durch boͤs Exempel und Gewohnheit, sich leider! eingewurzelt findet, So daß wir, auch mit offnen Augen, nicht sehen, was wir sehn; nicht hoͤren, Was wir unwidersprechlich hoͤren. Woher? Dieweil wir uns entfernt, Von unsrer allerersten Pflicht. Wir haben nimmer sehn ge- lernt, Auf eine Weise, die vernuͤnftig. Wir sehn: Allein es sieht ein Vieh So gut, als wir. Wo man den Geist, der unsern Koͤrpern ein- gesenket, Und welchen uns, vor andern Thieren, der Schoͤpfer uns vor- aus geschenket, Nicht mit der Sinnen Kraft verbindet, und wenn man sieht, dabey gedenket: So sieht und hoͤrt der kluͤgste Mensch wahrhaftig anders nicht, wie sie. Um zu der Schule des Gesichts, auf eine Weise, nun zu kom- men, Die noͤthig ist, und doch nicht schwer, hab ich mir jetzo vor- genommen, Euch einen neuen Weg zu weisen. Da alle Werke der Natur, Und alle goͤttliche Geschoͤpfe, nur bloß in Farben und Figur, Wenn man es recht erwegt, bestehn: So will ich eine Kunst euch zeigen, Der vernuͤnftig sehen zu lernen. Der diese Vorwuͤrf alle beyde, so wohl Figur als Farben, eigen, Und die daher, auf welche Weise man Gott in seinen Werken ehrt, Wenn man sie mit Vernunft gebraucht, zumal vernuͤnftig se- hen, lehrt. Dieß ist die edle Malerey. Das Zeichnen lehrt auf For- men achten, Die kluge Mischung bunter Farben, die Farben ernstlicher betrachten, Als wie man sonst zu thun gewohnt. Es ist die ganze weite Welt, Es sind Luft, Wasser, Berge, Baͤume, bebluͤmte Gaͤrten, Wald und Feld, Ein Vorwurf dieser großen Kunst. Sie leitet, sie regiert und lenket Die Seele, daß sie allgemach die sonst in ihr verborgnen Kraͤfte, Zu dem so noͤthig-nuͤtzlichem und Gott gefaͤlligem Geschaͤffte, Recht anzuwenden sich bemuͤht, und daß sie, bey dem Sehn, auch denket. Ob nun vielleicht die Maler selbst nicht auf den rechten Weg gekommen, Noch selber den so edlen Zweck von ihrer Kunst in Acht ge- nommen, Der sie zu Gott dem Schoͤpfer fuͤhret: So hindert dennoch dieses nicht, Die große Wahrheit zu erkennen, und zu bekennen, daß das Licht, So uns die Malerey entdecket, uns zu den Vollenkommen- heiten Der ganzen Schoͤpfung, und dadurch zum Ruhm des Schoͤp- fers, uns zu leiten, Am Die Kunst vernuͤnftig sehen zu lernen. Am allermeisten faͤhig sey. Zwar deucht mich, wendest du hier ein: Dieß, was du zeigest, ist nicht leicht. Es ist ja diese Kunst so schwer, Daß, unter tausenden, kaum einer, es sey denn recht von un- gefaͤhr, Ein Mieris oder auch ein Denner zu werden, je geschickt wird seyn. So sag ich: Dieses braucht es nicht. Du darfst dich nur al- lein gewoͤhnen, Von Koͤrpern etwas nachzuzeichnen, auch Farben dann und wann zu mischen, So wirst du, nicht allein durchs Aug, auch selber deinen Geist erfrischen; Du wirst, durch diese Faͤhigkeit, auch einen Weg zugleich dir baͤhnen, Die Welt, und Gott in ihr, zu sehn. Waͤr es nun gar mit dir zu spat, Nach deiner Meynung: Geb ich dir dennoch noch diesen guten Rath: Besorge, wenn du Kinder hast, daß sie, durch diese Kunst, bey- zeiten, Sich, zur Verehrung ihres Schoͤpfers, und ihrem eignen Gluͤck, bereiten. So wird, fuͤr goͤttlicher Geschoͤpfe, die grobe Blindheit von der Erden, Zu Gottes Ehr und unserm Besten, auch allgemach vertrie- ben werden. Stil- Stille im Sturm. Stille im Sturm. M an hoͤrte von weiten ein Rauschen, ein Bruͤllen, Ein fuͤrchterlich Sausen den Luftkreis erfuͤllen. Dieß naͤhert sich ploͤtzlich. Ein wuͤtender Grimm Ergriff, was erhoͤhet, riß alles heruͤm, Stuͤrzt alles zu Boden, was fest und erhaben, Droht alles in Truͤmmer und Schutt zu begraben. „Wie, wenn im Glase man, mit Eßig, Kreyde mischt, „Man mit Erstaunen sieht, wie alles braust und zischt, „Wie alle Theile sich bald auf-bald abwerts treiben, „Sich stoßen, draͤngen, fliehn, bestuͤrmen, pressen, reiben, „Bald sinken, bald aufs neu sich aͤmsig aufwerts heben, „Stets eilen, nimmer ruhn, bald hoch, bald niedrig schweben, „Jn allgemeinem Krieg sich alle widerstreben, „Jn reger Fluͤchtigkeit an allen Orten schwaͤrmen, „Und wuͤtend mit einander laͤrmen: So kaͤmpften die Luft-Theil und stritten; es strebte Ein jeglichs, das andre zu schwaͤchen. Oft ließ, Als wenn mit dem Suͤdwind der Nordwind sich stieß, Daß alles erschuͤtterte, zitterte, bebte. Jn dieser fuͤrchterlichen Zeit, Da selbst die Elementen stritten, Saß Licidas in seiner Huͤtten, Beschuͤtzt von seiner Niedrigkeit, Und dankte Gott fuͤr seine Sicherheit. Die Die Liebe. Die Quadratura circuli. D ie Quadraturam Circuli, das wahre Viereck in dem Runden, Hat Phryx, der sich bisher umsonst, es zu erfinden, unter- wunden, Jn unsrer Mutter rundem Schooß, in seines Grabes Viereck, funden. Die Liebe. D ein bitteres Honigseim, schmeichlende Liebe, Wirkt liebliche Plagen, wirkt kraͤnkenden Scherz, Ergetzenden Kummer, erquickenden Schmerz, Und fuͤllet mit Nectar und Wermuth ein Herz, Das deine vergnuͤglich-versehrende Triebe, Mit Unmuth und Anmuth gemischet, genossen. Dein loderndes Frieren, dein kuͤhlender Brand, Aus welchem der Sterblichen Wesen entsprossen, Macht unsre Beschaffenheit, Wesen und Stand, Voll stetigen Widerspruch, deutlich bekannt. Metall. Metall. Metall. D er Pflanzen und der Thiere Reich scheint unserm Geist, in diesem Leben, Sie, Gott zum Ruhm, mit Lust zu brauchen, zum wuͤrdgen Ge- genstand gegeben. Wir aber waͤhlen uns, zum Vorwurf, von andern Creaturen allen, Zur Lust, zur Absicht, fast zur Gottheit, das Reich der schmu- tzigen Metallen. Anstatt uns an den schoͤnen Farben, und schoͤnen Formen, in den Schaͤtzen, Die uns die beyden Reiche schenken, zusamt dem Licht, uns zu ergetzen: Graͤbt man den ungeformten Goͤtzen, um gleichsam irdischer zu werden, Aus dem verborgnen Abgrunds-Grund, und aus dem finstern Schooß der Erden; Bemuͤht sich, weil dem groben Klumpen die alles zierende Natur So Farben, als Figur, versagt, mit Muͤh ihm einige Figur, Jm Muͤnzen, durch die Kunst, zu geben. Nun ist es wahr: Weil jedermann, Durch Meynungen, die allgemein, fast alles, was man hoͤrt und siehet, Fuͤr das an sich verworfne Wesen von andern sich verschaffen kann, Daß auch darin ein Segen steckt; einfolglich, wenn man sich bemuͤhet, Es zu erhalten, zu ersparen, man gar daran nicht unrecht thut: Doch muß ein Gut, das nur durch Zufall, und nicht an sich ein wirklich Gut, Br. VI. Th. Y Mit Der Mensch. Mit Unterlassung aller Pflichten, mit der Verachtung aller Pracht, Die Gott zu unserm Nutz und Freuden, und seines Namens Ruhm gemacht, Mit solcher Sucht, die uns fuͤr alles verblendet, und zwar fast allein, Uns selbst zum wahren Unvergnuͤgen, so heftig nicht gesuchet seyn. Der Mensch. E s laͤßt sich, von der Menschen Wesen, der Widerspruch hier- in vereinen: Wir sind wahrhaftig nicht so gut, und nicht so boͤs, als wie wir scheinen. Thor- Thorheit des Hochmuths. Thorheit des Hochmuths. E in Wesen, das zu seinem Wesen und seinem Ursprung nichts gethan, Dem alles, was es hat, geschenkt, ja dem es wirklich nur ge- liehen, Dem alles, keiner weis, wie bald, gewiß sich wieder wird ent- ziehen, Erhebet sich in seinem Sinn, und sieht sich, als was Hohes, an; Will bald mit Schoͤnheit, bald mit Guͤtern, und bald mit an- dern Gaben prangen, Die es doch selber Gaben nennt. Heißt dieses wohl mit Recht Verstand? Ach wuͤrde doch die große Wahrheit von dieser heilgen Frag erkannt: Was ruͤhmest du dich des Empfangnen, als haͤt- test du es nicht empfangen? So wuͤrde zu des Schoͤpfers Ehr, und unserm Besten, auf der Erden, Bald aller Hochmuth laͤcherlich, die Demuth nur geehret werden. O Gott! bey allen deinen Gaben, die du uns wuͤrdigst, uns zu schenken, Verleih uns diese doch dazu, daß wir bey jeglicher gedenken: Daß wir sie haben und geniessen, doch auch absonderlich dabey, Daß sie von deiner Huld allein aus Gnaden uns geschenket sey. Y 2 Der Der Mensch, Der Mensch, ein Schmidt seines eigenen Ungluͤckes. W enn wir nicht selber Menschen waͤren, Und sollten wo von einem Wesen, das denken koͤnnte, reden hoͤren, Das heißt, sich selbst Gedanken zeugen; wie gluͤcklich wuͤrd ein solches Wesen Von uns nicht angesehen seyn! Zu seinem eignen Heil und Gluͤck Hat jeder, (daͤchten wir,) den Schluͤssel; er wird in jedem Au- genblick Zu seinem eigenen Vergnuͤgen, sich frohe Vorwuͤrf selbst erlesen, Und durch ein stets auf seiner Lust nur bloß allein gerichtet Denken, Jn immer froͤlichen Gedanken, sich selber neue Freude schenken. Allein, wie gehet es denn zu, daß wir, die wir ja denken koͤnnen, Und zwar mit einem freyen Willen, uns selbst so wenig Gu- tes goͤnnen? Wir brauchen dieß so große Gut, das beste Theil von unsrer Seelen, Ja fast zu nichts, als uns dadurch fast unaufhoͤrlich selbst zu quaͤlen. Der Schoͤpfer schenkt uns, in fuͤnf Sinnen, fuͤnf immer- aufgesperrte Thuͤren, Durch welche Millionen Vorwuͤrf in unsern Geist sich selber Es steht bey uns, von ihnen allen, (fuͤhren. Diejenigen, die uns gefallen, Es sey an geistigen Jdeen, es sey an leiblichen Gestalten, Durch ein auf sie gerichtet Denken, uns zuzueignen, zu erhalten. Wir koͤnnen, wenn wir selber wollen, durch eigne Kraͤfte unsrer Seelen, Jdeen, ein Schmidt seines Ungluͤcks. Jdeen, die uns widrig sind, vertreiben, angenehme waͤhlen. Wie koͤmmt es, daß wir dieser Kraft, die wir wahrhaftig in uns hegen, Nicht, als uns selbst zu plagen, brauchen? vergnuͤgte schnell verfliegen lassen, Und die, so uns mit Bitterkeit und Gram erfuͤllen, fertig fassen, Bestaͤndig uns mit ihnen schleppen u. plagen, ja mit allen Kraͤften Die regen Kinder unsrer Seelen an widerwaͤrtge Vorwuͤrf heften? Sprich nicht: Es stehet dieses ja, zu aͤndern, nicht in un- srer Macht. Wer kann doch die Gedanken zwingen? Denn, wo die Men- schen dieß nicht koͤnnen: So koͤnnen sie nicht suͤndigen; und was sie freyen Willen nennen, Faͤllt alles weg; wofern sie nicht dasjenige, so sie gedacht, Durch Denken selbst zu aͤndern faͤhig, und dieß Vermoͤgen nicht in ihnen. Daß aber es so leicht nicht ist, kann zur Entschuldigung nicht dienen, Weil wir viel Dinge lernen muͤssen, nur bloß ums Brodt, die schwerer seyn. Liegt alles menschliche Vergnuͤgen denn in dem Denken bloß allein, Wie es wahrhaftig bloß nur liegt: So laßt uns doch, zu Got- tes Ehren, Und uns zum Besten, kuͤnftighin von unserm Unsinn uns ent- fernen, Und beym vernuͤnftigen Empfinden, beym Riechen, Schme- cken, Sehn und Hoͤren, Aufs Gute laͤnger, als vorhin, doch die Gedanken heften lernen; Jedoch dabey, daß Gott das Wollen und das Vollbringen geb, ermessen, Und darum, ihn um seiner Gnad oft anzuflehen, nicht vergessen. Y 3 Die Die Wahrheit. Die Wahrheit. D ein groß-zugleich auch kleiner Geist, dein unverstaͤndiger Verstand, O Mensch! womit du sehr gerecht, (zugleich Partey und Richter) richtest, Und mehrentheils zu deinem Vortheil, die allermeisten Din- ge schlichtest, Spricht kuͤhn: So wie mir alles fast, so ist auch dieses mir bekannt, Daß alle Wahrheit einzig ist. Allein, wie du in vie- len Sachen Dich uͤbereilst: So gehts auch hier. Jst es nicht wahr, daß drey und vier, Jmgleichen sechs und eins sowohl, als zwey und fuͤnfe, sieben machen? Die Die Wallfische Die Wallfische. M ein geistigs Auge sieht aufs neu, mit einem geistigen Vergnuͤgen, Jn der beweglich-tiefen Fluthen fast Graͤnz- und Boden-losen Grust, Ein nicht zu zaͤhlend Heer von Fischen, recht, wie die Voͤgel in der Luft, Jn einer stetigen Bewegung, so sehr nicht schwimmen, als fast fliegen, Und uͤberall sich hinbegeben. Absonderlich nimmt abermal Der ungeheuren Wasser-Wunder so ungeheure Groͤß und Zahl, Wenn ich mich, mit erstauntem Geist, zu ihnen in die Tiefe senke, Jn ihnen, Berge, welche leben, und Jnseln, die beseelt, be- denke, Mich, als ein wuͤrdger Vorwurf, ein. Sie fuͤhren den er- staunten Sinn, Durch ihre Groͤß und rege Last, von neuen zu dem Schoͤp- fer hin, Jndem ich, auch so gar in Koͤrpern so ungeheurer Creaturen, Von einem Wesen, welches wollte, Daß ihnen, da es sie gemacht, auf ihre Weise wohl seyn sollte, Fast unleugbare Proben sind und uͤberzeuglich klare Spuren. Mich deucht, ich hoͤr ein dunkles Toͤnen, aus ihren holen Schluͤnden, brechen, Und bald im Schwimmen, bald in Ruh, die Wallfisch alle gleichsam sprechen: Y 4 Wir Die Wallfische. „Wir fuͤhlen Lust, wenn wir uns naͤhren, „Nicht minder, wenn wir uns vermehren; „Wenn wir uns in den Tiefen kuͤhlen; „Wenn wir auf fettem Grunde wuͤhlen; „Wenn wir der Liebe Flammen fuͤhlen, „Und schwaͤrmend durch einander spielen. „Und diese Lust, im tiefen Meere, „Gereicht dem, der uns schuf, zur Ehre. Sprich nicht, mein Leser: Dieß sind Grillen, Die deinen Kopf und nicht den Kopf des Wallfischs fuͤllen: Du dichtest, denn der Wallfisch spricht Von seines Schoͤpfers Wundern nicht. Sprich, sag ich, nicht also. Jch koͤnnte dir erweisen, Daß sie nicht minder Gott, als viele Menschen, preisen. Denn minder, als wir es von vielen Menschen sehn, Kann es, im tiefen Meer, vom Wallfisch, nicht geschehn. Heil- Heilsames Mittel fuͤr Schiffende. Heilsames Mittel fuͤr Schiffende. E s ward ein ungemeiner Brief, mir juͤngst von unbekann- ter Hand, Ohn Unterschrift, ohn Ort und Namen, und sonder Datum, zugesandt, Worin ein sonderlich Geheimniß, zum Nutz dem menschli- chen Geschlechte, Mir edelmuͤthig mitgetheilet, dabey verlangt ward, daß ich es, Zu Gottes Ehr, in meinen Schriften, als etwas recht be- sonderes, Der Welt, zumal den Schiffenden, zum Besten offenbaren moͤchte. Jch muß gestehn, daß durch den Styl, den Jnhalt, durch den Zweck, die Art Des Briefes ich recht eingenommen, und in der That geruͤh- ret ward. Die Unabsichtlichkeit des Schreibers, sein Endzweck, daß er bloß allein, Zu Gottes Ruhm, dem Naͤchsten dienen, und nutzen moͤchte, nahm mich ein. Jch halte mich demnach verpflichtet, so viel mir moͤglich, sei- nen Willen, Jn guter Absicht, Gott zum Ruhm, zum Nutz der Menschen, zu erfuͤllen. Jch Heilsames Mittel fuͤr Schiffende. Jch will denn denen, die es brauchen, hier sein Geheimniß nicht verschweigen, Und was er mir, zum Nutz der Schiffahrt, geoffenbart, auch andern zeigen. Wie groß die Noth der Schiffenden, wenn ihnen es am Wasser fehlet, Das trinkbar ist, wird jeder wissen, indem es oͤfters fault und stinket, So gar das Wuͤrmer darin wachsen, wodurch den jeden, der es trinket, Nicht nur ein ekelhaftes Grauen, so gar Scorbut und Krank- heit quaͤlet, Daß viele, durch das faule Naß, den Koͤrper jaͤmmerlich ver- derben, Und unter tausend bittern Schmerzen zuweilen gar erbaͤrmlich sterben. Hierwieder dient nun dieses Mittel, das Wurm und Faul- niß so vertreibet, Daß alles Wasser lauter, frisch, gesund und immer klar ver- bleibet, Ja noch gesunder wird, als erst, zu so geringem Preis, daß man, Die dazu angewandten Kosten fast keine Kosten nennen kann. Man nimmt, schreibt mir mein Unbekannterm, zu diesem Mittel bloß allein, Ein’ Unze’ lebendigen Silbers, das auserlesen, gut und rein, Ligierts mit so viel weissem Zinn, das sonder Zusatz hart und fein, So Heilsames Mittel fuͤr Schiffende. So daß es hart wird; brockelt es darauf in kleine Stuͤcke- lein, Und wirft es in ein frisches Faß, mit Wasser angefuͤllt, hinein, Es sey so groß, als wie es wolle. Je staͤrker es nun hin und her, Bewegt wird auf der See, je besser. Man braucht in einem Faß nicht mehr, (So wie die ordentlichen Faͤsser zur See sind) vom Mercu- rius, Als nur ein einzigs Loth. Dieß ist von dem Recept der Nutz und Schluß. Um nun, von dieses Mittel Nutzen, die Schiffende zu uͤber- fuͤhren, Duͤrft einer erst die Probe machen, und es im Kleinen nur probiren. Un- Unumstoͤßliche Gruͤnde. Unumstoͤßliche Gruͤnde. 1. A lle menschliche Vernunft stimmt der Wahrheit hier- in bey, Jeder faßt, daß er nicht selber Ursach seines Wesens sey. 2. Jn der Ordnung der Geschoͤpfe, die so regel-recht, als schoͤn, Da auch sie sich nicht gemacht, ist ein Schoͤpfer klar zu sehn. 3. Diesen muß man, durch die Sinnen, die uns zu dem Zweck gegeben, Nebst der Creaturen Menge, zu verehren, sich bestreben; Und, da eben die Geschoͤpfe ihn am deutlichsten uns zeigen, Durch sie, zu ihm, Staffel-weise, als auf einer Leiter, steigen. 4. Dann wird man, vom Sichtbaren, zum Unsichtbaren, sich lenken, Und von ihm, aus allen Kraͤften, das Vollkommenste ge- denken. 5. Daß Vollkommenste nun ist: Glauben, das, was er gemacht, Sey von ihm, zum guten Endzweck, bloß aus Lieb, hervor- gebracht. 6. Wenn wir dieß, mit Ueberzeugung, und dadurch geruͤhrt, erwegen, Wird man wirklich wuͤnschen muͤssen, daß wir ihm gefal- len moͤgen. 7. So wie wir die Furcht des Herrn als der Weisheit Anfang kennen, Sind Betrachtungen, der Anfang von der Furcht des Herrn, zu nennen. 8. Die Bewunderung entsteht aus der Creatur Be- trachtung, Und aus der Bewunderung solcher Wunder, quil- let Achtung, Ehr- Unumstoͤßliche Gruͤnde. Ehrfurcht, Andacht, Dank und Liebe, deren fuͤssen Eindruck man, Sonder der Natur Betrachtung, schwerlich recht empfinden kann. 9. Zur Betrachtung und Bewundrung, scheint die ganze Welt allein, Scheinen Sinnen, Leib und Geist eigentlich bestimmt zu seyn. 10. Brauchet man der Seelen Kraͤfte, wie man soll: So wird man finden, Daß zu diesem Zweck die Seelen, durch die Sinnen, sich verbinden, Mit den Dingen dieser Welt. 11. Man wird finden, daß, auf Erden, Alle Creaturen werth, daß sie wohl betrachtet werden. 12. Man wird finden, daß sie herrlich. 13. Man wird finden, daß die Macht, Daß die Lieb und Weisheit dessen, welcher sie hervor- gebracht, Unergruͤndlich und unendlich, folglich daß, auf diese Weise, Man betrachtend und bewundernd Gott verehre, ruͤhm und preise. 14. Ja, man wird noch ferner finden, wenn man es recht uͤberdenkt, Daß Gott, recht als einen Lohn, eine Lust darein gesenkt. 15. Wenn wir dieses nun empfinden; wenn wir dieses nun er- kennen: Sollte denn mit Recht in uns nicht ein Andachts-Feuer brennen? Sollten wir mit mehrem Ernst und mehr Fleiß uns nicht bestreben, Jn Bewundrung der Geschoͤpfe, Gott, was Gottes ist, zu geben? Uns von Lastern abzuziehn, und, aus Liebe, fromm zu leben? Ob Unumstoͤßliche Gruͤnde. Ob nun zwar ein mehrers noch, wie die heilge Schrift uns lehrt, Zum vollkommnen Gottesdienst, nach dem Christenthum gehoͤrt; Jst doch um so weniger diese Pflicht hindan zu setzen, Und, als waͤr es gleiche viel, wie wir leider thun, zu schaͤtzen, Da des Glaubens erster Theil, und Artikel bloß allein, Daß der Schoͤpfer, als ein Schoͤpfer, von uns muß verehret seyn, Ueberzeuglich klar uns zeiget. Wann nun eine zeitlang her Dieser dritte Theil des Glaubens, und in ihm der Gottheit Ehr, Ungluͤckselig ist versaͤumt, da man Gott, in seinen Werken, Mit gehoͤriger Bewundrung, anzubethen, zu bemerken, Gar zu wenig sich bemuͤht, weder auf die Macht geachtet, Noch die Stralen seiner Weisheit, in der Creatur, betrachtet, Seine Guͤte, seine Liebe, durch die Sinnen, nicht entdeckt, Wie so freundlich unser Gott, nicht gesehen, nicht geschmeckt: Sollten denn nicht unsre Pflichten, da wir es erkannt, ver- langen, Diesen Fehl, mit mehrerm Ernst, zu verbessern, anzufangen, Da zumal, durch solch Beginnen und Verfahren, alle Triebe, Wahrer Ehrfurcht, froher Andacht, Lob, Bewundrung, Ge- genliebe, Wo nicht gaͤnzlich auf gehoben, doch gewiß geschwaͤcht, be- hindert, Unterdruͤcket, nicht gebraucht, ja verringert, sehr vermindert, Und fast gar vergessen worden. Ach! es ist beklagens-werth, Daß man, durch Gewohnheit blind, ungluͤckselig aufgehoͤrt, Gott, in unsrer Lust, zu ehren! welches doch, im Paradeise, Adams Dienst allein gewesen. Denn zu seines Schoͤpfers Preise, Haͤtte, waͤr er nicht gefallen, anders, als auf diese Weise, Nichts von ihm geschehen koͤnnen. Dieß Geschaͤffte bloß allein, Und Unumstoͤßliche Gruͤnde. Und kein anders, kunnte jemals seiner Schoͤpfung Endzweck seyn. Will die Menschheit sich denn nicht das, wozu sie auser- lesen, Und vom Anbeginn allein, eigentlich bestimmt gewesen, Wieder zu erwerben trachten? Will man sich denn nicht be- reiten, Durch die Lust an Gott auf Erden, zu den selgen Herr- lichkeiten, Welche ja, wie nicht zu leugnen, darin bloß allein bestehn, Gottes Allmacht, Lieb und Weisheit unaufhoͤrlich zu er- hoͤhn? Ein so straͤfliches Versaͤumen, sich des Schoͤpfers hier zu freuen, Duͤrfte leicht, wenn es zu spaͤt, Geist- und Weltliche gereuen. Zu Zusatz zu den Wasser-Tropfen. Zusatz Zu den Wasser-Tropfen. Jm II. Th. p. 116. Jrd. Verg. Herr, in deinem Licht sehen wir das Licht. Ps. 36, 16. J uͤngst hatt ich fruͤhe das Gedicht, von eines Tropfen reinem Wesen, Und dem in ihm gepraͤgten Glanz, nicht sonder Eindruck nach- gelesen; Jch fand zugleich, indem die Sonne die falben Schatten laͤngst vertrieben, Daß, von dem meist verschwundnen Thau, noch hier und dort ein Troͤpfchen blieben. Vor andern fiel ein klarer Tropfen, an eines Tulpen Lau- bes Spitzen, Der von besondrer Groͤße war, und ganz erfuͤllt mit bunten Blitzen, Durchstralet von dem Sonnenlicht, Recht wie ein Stern der ersten Groͤße, voll Glanz und Gluht, mir ins Gesicht. Es ward dieß rein-und bunte Funkeln, nicht bloß allein der Augen Ziel, Jch spuͤrte, wie durchs Koͤrpers Aug es in mein Seelen-Auge fiel. Jch dachte: Welch ein großes Wunder! da nicht allein der Sonnen Bild Sich in der kleinen Ruͤnde zeigt; nein, daß der Tropfen auch erfuͤllt, Mit ihren Farben, Licht und Kraͤften, wie solches nicht zu leugnen steht. Bey Anhang zu den Wasser-Tropfen. Bey diesem, von der Sonnen Schein, Durchstralt-und angefuͤllten Tropfen, fiel ungefaͤhr mir et- was ein, Daß, wenn man es mit Ernst erwegt, vielleicht noch etwas weiter geht. Jch habe mehr, als tausendmal, die nicht zu fassend’ Eigen- schaft, Das unerforschliche Geheimniß, die uͤberall verborgne Kraft, So in dem Samen steckt, erwogen; doch fand ich lauter Dunkelheit. Umnebelt war und blieb mir alles; nicht die geringste Deut- lichkeit Verspuͤrte mein geschwaͤchter Geist. Jetzt, deucht mich, spuͤret mein Gesicht, Jn diesem angestralten Tropfen, vom dunkeln Samen etwas Licht. So wie des Wassers runde Theile vom Licht erleuchtet und durchstralt, Erwaͤrmet und gefaͤrbet werden: So scheinen auch nicht minder Theile, von der dazu formirten Erden, Jm Samen gleicher weise faͤhig, von einem nicht sichtbaren Schein, Durchdrungen, fruchtbar, reg, erwaͤrmet, entzuͤndet und belebt zu seyn. Wie nun der Sonnen Feur und Licht, aus Gott, der Sonnen Sonne, quillet, Und unserm Auge sichtbar ist: So deucht mich, kann man billig schliessen, Daß aus der Gottheit mehre Kraͤfte, sind sie den Augen gleich verhuͤllet, Nicht nur in Samen, uͤberall, in nie erschoͤpfter Fuͤlle fliessen. Br. VI. Th. Z Dank- Dank-Gedanken. Dank-Gedanken. M ein Gott! wie groß ist doch die Menge Der Gaben, die du mir geschenkt, Zumalen, wenn mein Geist der Zeiten Laͤnge, Jn welcher ich sie hab, erweget, und bedenkt. Wie mancher Tag, wie manche Nacht, Wie manchen Theil der Zeit, wie viele Stunden, Wie viel Minuten und Secunden Besitz ich sie! Und nicht allein Nur ich, so gar auch in den Meinen, Der abermal so viele seyn, Die gleichsam sich in mir vereinen, Besitz ich ebenfalls die Gaben, Die sie, von deiner Guͤtigkeit, Und zwar auch seit so langer Zeit, Empfunden und genossen haben. Jch danke denn, wie billig, dir, O Brunnqvell alles Heils, dafuͤr. Ach laß mich doch, auf dieser Welt, Nebst allen Meinen, so zu leben, Wie es dir, o mein Gott, gefaͤllt, Aus allen Kraͤften mich bestreben! Vorwurf. J sts moͤglich, daß deinem verblendeten Geist Die Wirkung der Gottheit, die Welt, nicht gefaͤllt? Daß er, in Geschoͤpfen, den Schoͤpfer nicht preist, Du Schaͤnder der Schoͤpfung, Veraͤchter der Welt? Dank Dank das beste Opfer. Dank, sdas beste Opfer. G eruͤhrt, durch der Geschoͤpfe Pracht, Hab ich oft bey mir nachgedacht, Und deucht mich, daß ich nicht in meiner Meynung fehle: Ob eine, durch das Werk des Schoͤpfers, frohe Seele, Mit Lust und Dank erfuͤllt, kein Gott gefaͤlliger Und lieber Opfer sey, als wie das Angst-Geplaͤrr Von Ochsen, welche man zerfleischt, Und deren Fett und Mark, auf glimmen Kohlen, kreischt? So weit sich menschliche Vernunft erstrecket, So viel von der Vollkommenheit, Von einer Gottheit, sich in unsrer Seel entdecket: Jst hier ein großer Unterscheid. Man werfe mir nicht ein: Es haͤtte solche Gaben Der Schoͤpfer dennoch wollen haben . Jndem auch dazumal die Opfer nur ein Zeichen, Von guten Herzen, welche rein, Voll Lust und Glauben, mußten seyn; Zumal beym Dankaltar. Jmgleichen Koͤmmt eine solche Seele mir, Die durch des Schoͤpfers Werk geruͤhret, Dank, Andacht, Lust und Ehrfurcht spuͤret, Nicht anders fuͤr: Als ob sie, zu des Schoͤpfers Ehre, Gar einer Bethenden noch vorzuziehen waͤre. Z 2 Ein Dank das beste Opfer. Ein Bethender bezeugt zwar ein Vertrauen, Daß Gott ihm helfen koͤnn: Doch scheinet er Auf sich zuerst, und denn auf Gott zu schauen. Da einer, der vergnuͤgt im Dank zu Gott sich lenkt, Und, durch sein Werk erfreut, am großen Geber denkt, Jhm nicht nur Ehr und kindlich-bruͤnstge Triebe Von Lust, Erkenntlichkeit und Gegenliebe, Jhm selbst sein eigen Werk vergeistert gleichsam schenkt. Noth- Verbindung der Seelen und Sinnen. Nothwendige Verbindung der Seelen und der Sinnen. E s scheinet zwar, ob koͤnnten Sachen, Die koͤrperlich, nur in die Theile, Die in uns koͤrperlich, bloß einen Eindruck machen, Doch findet sich zugleich, daß man sich uͤbereile. Noch ist nicht ausgemacht, ob das, so koͤrperlich, Von einem Geiste sich so weit entfern und trenne, Daß, ohne Geist, es gar bestehen koͤnne. Noch minder ist der Stoff, draus unser Leib besteht, Vom Geist so gar entfernt, daß er nicht sollte spuͤren, Wenn koͤrperliche Ding ihn koͤrperlich beruͤhren. Warum denn scheiden wir, was die Natur verbindet? Warum, wenn Aug und Nas ein schoͤnes Bluͤmchen findet, Entfernet sich der Geist? Warum gedenkt man nicht, Jn seiner Lust, an den, der Lieblichkeit und Pracht Jn Blumen, und in uns so Nas als Auge macht? Warum empfinden wir nicht Triebe, Wenn wir, was lieblich, zierlich, schoͤn, Empfinden, riechen, schmecken, sehn, Von Andacht, Dankbarkeit und Liebe, Von Dank, und von Erkenntlichkeit? Geliebter Leser, stelle dir Einst eine solche Welt nur in Gedanken fuͤr, Jn welcher die Geschoͤpf, auf eine solche Weise, Von den Bewohnern, Gott zum Preise, Z 3 Jn Verbindung der Seele und Sinnen. Jn ihrer Lust gebrauchet wuͤrd-und waͤren. Was meynest du? Stimmt eine solche Welt Nicht mit der Absicht und den Ehren Des Schoͤpfers besser uͤberein; Und sollte sie ihm nicht viel lieber seyn, Als die Beschaͤfftigung auf unsrer Erden, Auf welcher wir im Weltlichen nur reich, Und selig, wenn wir todt, zu werden Verhoffen, und dahin uns bloß allein bestreben; Sonst aber fast nicht anders leben, Als wenn wir, wenn fuͤr uns von Gott nichts zu erlangen, Noch etwas zu verhoffen waͤre, Man ihm fuͤr das, was wir von ihm empfangen, So wenig Dank, als Andacht, Lieb und Ehre, Nicht mehr, als wie ein Vieh, zu geben schuldig sey. Ach! stimmt denn meinem Wunsch, geliebte Menschen, bey. Große Gottheit! laß uns doch, deinen vaͤterlichen Willen, Der zur Lust uns vorgeschrieben, stets mit Lust und Freud erfuͤllen! Ueber- Beweis, im Schoͤpfer sich zu freuen. Ueberzeuglicher Beweis, daß wir uns hier des Schoͤpfers zu freuen, schuldig. N achdem wir nun der Erden Pracht, Die Gott, zu unsrer Lust, und seinem Ruhm, gemacht, Mit Achtsamkeit bisher besehn: So muͤssen wir ja, daß sie schoͤn, Ja, daß sie wunderschoͤn, gestehn. Will man uns denn die Sinnen rauben, Wenn man uns zwingen will zu glauben: Es muͤsse sich kein Mensch erkuͤhnen, Sich ihrer Schoͤnheit zu bedienen? Man muͤsse nicht daran gedenken; Dieß waͤre weltlich, und ein Schein; Man muͤsse Geist und Seel allein Auf das, was kuͤnftig ist, nur lenken. Worzu war Adam doch erschaffen? Fuͤrwahr! nicht, diese schoͤne Welt, Und was sie herrlichs in sich haͤlt, Den Thieren gleich, nur anzugaffen, Und aller seiner Sinnen Kraͤfte Nur zu dem einzigen Geschaͤffte, Was etwan ihm, nach dieser Zeit, Und nach der Aenderung der Erden, Dort von des Himmels Herrlichkeit Wuͤrd etwan zugetheilet werden. Er sollte sich daran vergnuͤgen; Er sollte Geist und Koͤrper fuͤgen, Z 4 Mit Beweis, im Schoͤpfer sich zu freuen. Mit dem Geschoͤpf sein Denken binden, Um Gottes Macht darin zu finden, Jhn zu bewundern, ihn zu ehren, Und, Gott zum Ruhm, nur sehn und hoͤren. So aber kehren wir es um, Und sind aus Hochmuth blind und dumm. Anstatt mit Freuden unsre Pflichten, Jn Lust und Andacht, auszurichten: So will man, was uns nicht hienieden, Nur kuͤnftig allererst, beschieden, Fast mit Gewalt auf Erden fassen. Wodurch wir aus der Ordnung gehn, Und was uns nicht gebuͤhrt zu sehn, Zu sehen uns geluͤsten lassen. Daher denn ein bestaͤndigs Zanken, Und nimmer einige Gedanken. Da alles uns doch uͤberfuͤhret: Es hab uns Gott, in dieser Zeit, Der Creatur Vollkommenheit Zu sehn, und in der Ewigkeit Zu seinem ewgen Ruhm formiret. Wir sind, ohn Widerspruch, hienieden, Von andern Thieren unterschieden; Wir sind an Geistes Kraͤften reich: Doch sind wir keinen Engeln gleich. Das waͤr ein gar zu großer Sprung, Der, wie wir sehen, nimmer nicht Jm Reiche der Natur geschicht. Es scheint fuͤr uns Bewunderung Des Geistes Kraft-Kreis hier allein Und bloß die Staffel nur zu seyn, Wor- Beweis, im Schoͤpfer sich zu freuen. Worauf wir uns, in allen Dingen, Jm Lob und Dank zum Schoͤpfer schwingen, Sein’ Unbegreiflichkeit erkennen, Und nach der Maaß ihn ehren koͤnnen, Die er uns hier in diesem Leben So viel, als uns hier nuͤtzt, gegeben; Bis daß er uns, nach dieser Zeit, Jn einer selgen Ewigkeit, Da sich der Seelen Kraͤfte haͤufen, Die Faͤhigkeiten, zu begreifen, Bey einer andern Art vom Denken, Die ordentlicher ist, wird schenken. Erweislich ist: Gott woll, auf Erden, Jn unsrer Lust geehret werden. Erweislich ists: Er hab hienieden Uns dazu eine Zeit beschieden. Sprich: Sollten wir der Sinnen Gaben Zum andern Zweck empfangen haben? Natur, Vernunft und Schrift spricht: Nein. Wie kanns denn immer moͤglich seyn, Daß Creaturen, die vernuͤnftig, Dem großen Endzweck widerstreben; Und hier, mit einem steten Kuͤnftig, Vor alles blind, beschaͤfftigt leben? Gott spricht: Genießt, zu meinen Ehren, Die Wunder, die ich euch geschenkt. Hingegen lauten vieler Lehren: „Wer nicht am Himmel so gedenkt, „Und so das Kuͤnftige betrachtet, „Daß er das Jrdische verachtet: Z 5 „Der Beweis, im Schoͤpfer sich zu freuen. „Der handelt wider Gottes Willen, „Und kann die Pflichten nicht erfuͤllen, „Worzu wir hier erschaffen seyn; Ja, drohn wohl mit der Hoͤllenpein. Was Gott schuf, sollen wir verachten, Des Himmels Pracht, der Erden Zier So wenig, als ein Vieh, betrachten; Hier seyn, als waͤren wir nicht hier; Statt, mit vernuͤnftigem Gebrauch Des, was uns Gott in diesem Leben Aus lauter Lieb und Huld gegeben, Uns zu den kuͤnftgen Herrlichkeiten Zu Dank und Andacht zu bereiten; Verschmaͤhen wir des Schoͤpfers Gaben, Und halten nichts der Muͤhe werth, Daß man den Schoͤpfer dafuͤr ehrt, Und wollen hier den Himmel haben? Es scheint, als ob wir uns erkuͤhnen, Bloß durch Verachtung aller Pracht Der Dinge, welche Gott gemacht, Von Gott den Himmel zu verdienen. Gott wollt, auf wunderbare Weise, Zu unsrer Lust und seinem Preise, Die Seele mit dem Koͤrper fuͤgen, Um, durch dieß Fuͤgen aller Pracht, Der Dinge, die fuͤr uns gemacht, Auf dieser Welt uns zu vergnuͤgen. Wir aber trennen unsern Geist, Da er sich von den Sinnen reißt, Und Beweis, im Schoͤpfer sich zu freuen. Und wenn der Sinn sich worauf lenket, So uns zu unsrer Lust geschenket, So gleich auf etwas anders denket. Zu Mindrung unsrer eignen Freuden, Soll sich die Seele gleichsam scheiden Vom Koͤrper, und fuͤr sich allein Nur bloß im Kuͤnftgen froͤlich seyn. Dieß heißt ja: Sterben, eh wir sterben. Das heißt ja die Natur vernichten, Und mit stets kuͤnftigen Gerichten Die gegenwaͤrtigen verderben. Dieß heißt: Sich Gott entgegen setzen, Des Schoͤpfers Ordnungen verletzen. Fuͤr einen kuͤnftgen Lebens Morgen Kann man gewiß nicht besser sorgen, Als wenn wir froͤlich unser Heut, Die uns allhier geschenkte Zeit, Jm froͤlichen Genuß verbringen, Aus Dankbarkeit die Laster hassen, Und, um dereinst auch wohl zu seyn, Auf Gottes ewgen Lieb allein, Jn wahrem Glauben uns verlassen. Be- Betrachtungen aus der Anatomie. Betrachtungen aus der Anatomie. B egierig, doch mit ein’ger Abkehr, fast halb verwirrt vor Lust und Grauen, Erstaunens-und Bewundrungs-voll, nahm ich, aus Carpsers kluger Hand, Jn seinem Hause, Menschenknochen, woran der Sehnen zaͤhes Band, Mit großer Sorgfalt aufgetrocknet, in ihrer Lag annoch zu schauen, Die er aus Frankreich mitgebracht, nicht ohn Gemuͤthsbewe- gung, hin. Jch dachte, daß sie das vor kurzen gewesen, was ich jetzo bin; Jch dachte, wo ihr Geist wohl sey. Die Augen liefen hin und wieder, Und, in den Augen, meine Seele auf die vom Rumpf getrennten Glieder. Es war ein Fuß und eine Hand, ein Knie und auch ein Ellenbogen, Woran ich, nach besiegtem Ekel, wie sich der Geist zurecht gezogen, Und der Natur Geschaͤfft erwog, Bewundrungs-werthe Wunder fand. Zumal kam mir die Hand betraͤchtlich, und so bewunderns- wuͤrdig vor, Daß ich fast alle Kraft, zu denken, bey diesem Wunderwerk, verlohr. Nicht nur die Naͤgel, die Gelenke, die Sehnen, die den Stri- cken gleich, Erfuͤllten meinen ernsten Sinn. Die Bruͤcken, die, wie star- ke Rollen, Die Betrachtungen aus der Anatomie. Die Seilen-foͤrmgen Sehnen decken, und wehren, wenn wir greifen wollen, Daß sie uns nicht im Wege seyn, sind auch nicht minder Wun- der-reich; Sie sind, an jeglichem Gelenke, zu diesem Endzweck, mit Bedacht, Jn einer unergruͤndlichen und weisen Absicht, fest gemacht. Die nett-gebildeten Gelenke, wovon die Knochen so gefuͤget, Daß, auf Bewundrungs-werthe Weise, der eine in dem andern lieget, Da man den einen halb gehoͤlet, den andern Regel-recht geruͤndet, Mit glatten Knoͤrpelchen versehn, und immer angefuͤllet findet. Wobey ich denn, o neues Wunder! (um die daselbst nothwend- ge Staͤrke,) Jm Knie, noch außer seiner Scheibe, gar etwas sonderlichs bemerke. Man sieht daselbst, nicht ohn Erstaunen, recht Kreuz-weis, ein paar starke Sehnen, Und zwar noch um sich selbst geschlungen, daß sie sich zwar in etwas dehnen, Doch fast nicht zu zerreissen sind, die beyden Knochen feste binden, Dergleichen, wie an diesem Ort, im ganzen Koͤrper nicht zu finden. Jndem ich nun mit ernstem Denken der kuͤnstlichen Ge- lenke Bau, Der aller Menschen Kunst und Wissen, an Kunst weit uͤber- steigt, beschau: Befaͤllt mich recht ein heilger Schauer; mein Geist scheint, ei- nen andern Geist, Der auf ganz andre Weise wirkt, der mehr, und andre Weis- heit weis, (Kann ich ihn selber gleich nicht sehen) in seinen Wirkungen zu finden. Jn- Betrachtungen aus der Anatomie. Jndem ich sein Geschaͤfft erwege: So deucht mich, daß ich ihn verspuͤre, Daß ich ihm nahe sey, ja gleichsam, daß mein Geist diesen Geist beruͤhre. An einer Ehrfurcht, welche sich in meinem ganzen Wesen reget, Wenn meine Seele seine Werke, mit rechter Achtsamkeit, erweget, Erkenn ich seine Gegenwart. Wann aber dennoch meiner Seelen Die, ihn noch naͤher zu erkennen, nothwendge Faͤhigkeiten fehlen: Will ich doch thun, so viel ich kann, und meines Geistes rege Kraft Auf seine Wirkung wieder lenken, um den, der alles schuf und schafft, Jn der Betrachtung zu bewundern, zu loben, und ihn zu ver- ehren, Um seines großen Namens Ruhm, so viel an mir ist, zu ver- mehren. Weil, ob er es unmittelbar, wie, oder mittelbar verricht, Was in der wirkenden Natur Bewundrungs-wuͤrdiges geschicht, Jhm doch die Ehr allein gebuͤhrt, da er allein Kraft, Seyn und Leben Den Creaturen, welche geistig, auch welche koͤrperlich, gegeben. Be- Beweisgrund gegen die Alchimisten. Beweisgrund gegen die Alchimisten. D aß in den Blumen Honig stecket, Hat uns die Bien allein entdecket. Man kann auch Honig, ohne sie, Auch mit der allergroͤßten Muͤh, Unmoͤglich aus den Blumen bringen. Daß Milch aus Kraͤutern zu erzwingen, Waͤr unserm menschlichen Verstand Und blieb uns stetig unbekannt; Es zeigen solches unsre Kuͤh. Auch waͤr unmoͤglich, ohne Vieh, Auf andre Weise, durch Filtriren, Durch Mengen und durch Distilliren, Mit noch so viel gemischten Sachen, Aus Gras und Kraͤutern, Milch zu machen. Natur hat zu derselben Wesen Nur eine Weise sich erlesen. Wenn nun in der Metallen Reich Auf eine gleiche Weise, gleich Die Anordnungen moͤglich waͤren, Jn Gold ein groͤbers zu verkehren; Muß denn nicht jeder zugestehn, Dem Schoͤpfer der Natur zum Preise, Es koͤnn, auf eine andre Weise, Als die Natur dazu ersehn, Mit keiner Moͤglichkeit geschehn? Defi- Definition des Menschen. Definition des Menschen. O b es, vielleicht durch Stolz verfuͤhrt, den meisten Men- schen nicht so scheinet: So ist der Mensch doch in der That nichts anders, als ein Thier, das meynet. Meynung. E s meynt der Mensch in allen Dingen, in allem, was er denkt und spricht. Die Meynung geht bey ihm so weit, daß er oft meynt: Er meyne nicht. Jn- Jnbruͤnstiges Verlangen. Jnbruͤnstiges Verlangen. G roßer Gott! an dich zu denken, Sey auf Erden, meine Lust! Waͤre mir doch nichts bewußt, Als mich in dein Werk zu senken; Wuͤrd ich aus geruͤhrter Brust, Oft auf dich die Seele lenken, Und sie dir, voll deiner Ehre, Ganz und gar zum Opfer schenken. Das Nacht-Gesicht. D ie Sonne zeiget uns der Erden Schmuck und Pracht; Hingegen laͤßt die dunkle Nacht Uns wunderschoͤn Des Himmels Pracht und Schoͤnheit sehn. Br. VI. Th. A a Das Das Zukuͤnftige. Das Zukuͤnftige. W ie ein Vorwurf, welcher nah, unsern Augen groͤßer scheinet, Als ein ferner, welcher groͤßer: Also glaub ich, daß man hier Auch von einer nahen Wollust, daß dieselbe groͤßer schier, Als die noch weit groͤßern Luͤste des noch fernen Himmels, meynet. Weil jedoch das, was zukuͤnftig, doch auch gegenwaͤrtig wird, Sieht man leicht, wie sehr ein jeder, in der Meynung, sich geirrt. Mit- Mittel gegen Schwermuth. Mittel gegen Schwermuth. E s hat der Sonnen Licht nicht nur die Kraft, Die schwarzen Schatten zu verjagen; Sie hat nicht weniger die Wunder-Eigenschaft, Wenn unsre Sinnen sich mit Schwermuth-Schatten plagen, Aus dem benebelten Gemuͤth Der Grillen schwarzen Duft zu treiben, Wenn man, auch nur durch Fensterscheiben, Auf Koͤrper, die bestralet, sieht. Es steckt zugleich ein Licht der Freuden Jm Sonnenlicht, bey heitrer Luft. Wenn sie die Creaturen schmuͤckt, Jst man zu allem mehr geschickt, Und muß, der schwarzen Schwermuth Duft, Durch ihren frohen Glanz vertrieben, scheiden. Thu nur so viel, und hab, auf ihre Pracht, Ein wenig Acht, Und laß ein Denken sich mit deinen Blicken binden: So wird ein Gegenschlag, durchs Auge, Hirn und Brust, Jm Licht und Glanz, zugleich auch eine Lust, Auf einem jeglichen bestralten Vorwurf finden; Verdruß und Grillen werden schwinden. Erkennet denn, wenn man das Sonnenlicht, Mit aufmerksamen Augen, siehet, Daß nicht nur Waͤrm und Glanz aus seinen Stralen bricht; Daß auch darin so gar ein Freuden-Feuer gluͤhet. A a 2 Der Der Atheist. Der Atheist. Primus in orbe Deos fecit timor. L. Primus in orbe Atheos fecit timor. B. E s lehren alle Creaturen, uns lehrt der Himmel und die Erde, Derselben Regel-recht Bewegen, Erhaltung, Schoͤnheit, Ordnung, Pracht, Es lehren unsre Sinnen uns, daß alles einer weisen Macht Sein Wesen bloß zu danken hab, erhalten und regieret werde. Bey so viel uͤberzeuglichen, unwidersprechlich wahren Gruͤn- den, Die wir: Es sey gewiß ein Gott , in allen Creaturen finden, Hab ich oft bey mir nachgedacht, und voll Betruͤbniß uͤberlegt: Was, bey so hellem Licht der Wahrheit, den Atheisten doch be- wegt, Daß er, am Wesen einer Gottheit, so Schrecken-reichen Zwei- fel hegt. Denn mehr als zweifeln kann er nicht, und wo er noch ein Mensch will seyn, Muß seinen Satz der Widerspruch der Menschheit, der fast all- gemein, Jhm wenigstens verdaͤchtig machen. Da ich denn uͤberzeug- lich sehe, Daß all sein trotzigs Widersprechen, aus einer bloßen Furcht , geschehe. Es heisset zwar: Es waͤren Goͤtter zu allererst durch Furcht erdacht, Doch ists erweislich, daß die Furcht die meisten Atheisten macht. Wenn Der Atheist. Wenn keine Furcht fuͤr kuͤnftge Strafen , auch keine gegenwaͤrtger Luͤste Sich zu berauben , (noch die Furcht mit schlechtern Geistern eins zu seyn, Die Geister roher Menschen plagte: So duͤrft ich, daß kein Atheiste Auf Erden je gewesen waͤre, noch kaͤme, kuͤhnlich prophezeyn. Zur ersten Furcht hat sonder Zweifel, daß wir nur gar zu wenig sagen Von Gott, daß er die ewge Liebe, und daß man uns von sei- ner Macht, Und der Gerechtigkeit ein Bild, das fast tyrannisch, beygebracht, (Wodurch man sie nicht reizt, nur schreckt) gewiß ein großes beygetragen, Da sie die Gottheit anders nicht, als einen Raͤcher mit der Hoͤllen, Und der sie ewig strafen will, aus Furcht, sich wissen vorzu- stellen, Einfolglich mit dem groͤßten Eifer, wozu sie faͤhig, sich bemuͤhn, Durch ihn verleugnende Gedanken, sich auch der Strafe zu entziehn, Und einer ewgen Hoͤllen Gluht, die sie von seiner Streng allein, Da sie ihn nicht, als Vater, kennen, und anders nichts gewaͤr- tig seyn. Zum andern , daß man, sonder Grund, uns manche Wol- lust in der Welt, Die uns erlaubt, ja gar gebothen, mehr als unchristlich vor- enthaͤlt, Wie sonderlich die Pietisten hierin am allermeisten fehlen, Die, durch die Mischungen des Koͤrpers und bittere Melan- choley Verfuͤhret, allenthalben lehren, daß alle Lust verbothen sey, A a 3 Wo- Der Atheiste. Wodurch sie nicht nur sich und andre, mit stetiger Betruͤbniß, quaͤlen; Nein, noch dazu, so viel an ihnen, dem Schoͤpfer Guͤt und Liebe stehlen, Die doch sein wahres Wesen ist. Es zeiget Schrift, es zeigt Natur, Daß goͤttliche Vollkommenheit nur dieß am allermeisten wolle, Daß man sich, hier sowohl auf Erden, als ewig dort, vergnuͤ- gen solle, (Wie hier Geschoͤpf und Sinne zeigen, der Himmel dort ) die klarste Spur. Der Schoͤpfer wollte seinen Ruhm, o Lieb! an unsre Freude fuͤgen, Und ist der beste Gottesdienst, sich Gott zu Ehren, zu vergnuͤgen. Die Wollust ist nicht, auf der Welt, ihr Misbrauch ist nur un- tersagt, Ja gar annoch zum guten Endzweck, und darum, weil ihr Ueberfluß, Ein gar zu hitziger Gebrauch, und uͤbermaͤßiger Genuß Die laͤngern Freuden uns verkuͤrzet, und weniger behagt, als plagt: So scheint der Wollust uͤbermaßen uns darum nur allein ge- nommen, Daß wir, durch maͤßigen Gebrauch, vielmehr von Wollust uͤber- kommen, Ita praesentibus voluptatibus vtaris, ne futuris non noceas. Erhalten und geniessen sollten. Weil was der Wollust Dauer mehrt, Uns von derselbigen nichts raubet, wohl aber uns noch mehr beschehrt, Wo- Der Atheiste. Wodurch wir denn zugleich, wie thoͤricht der Atheisten Furcht, verspuͤren, Die Gottheit selber zu verlieren, um keine Wollust zu verlieren, Die ihnen von der Gottheit doch in hoͤherm Grad gegoͤnnet wird, Als sie sie ihnen selber machen. Heißt dieß nicht ungereimt geirrt? Ach laßt, ihr Atheisten, denn, ach lasset doch, bey solchen Gruͤnden, Die ihr mit nichts, als Furcht, bekaͤmpft, die ungluͤckselge Furcht mir schwinden, Jhr werdet unsre Gruͤnde wichtig, die euren selbst nicht red- lich finden. Legt eure Gruͤnd in eine Waag, und legt die unsrigen da- neben; So seht ihr, durch der Furcht Gewicht, vielleicht die eure sich nicht heben, Und so geteuschet, beyde Schalen in einer gleichen Hoͤhe schweben. Nehmt aber von der eurigen die Furcht hinweg, wird alsobald Die eure Feder-leicht sich heben, und eure Schale dergestalt, Vom vorigen Gewichte leer, der unsern leicht den Ausschlag geben, Wie ihr es selbst gestehen wuͤrdet, waͤr euch nicht bang. Man sieht hiebey, Wie, unsern Gott nicht so tyrannisch zu bilden, noͤth-und nuͤtz- lich sey. Die dritte Furcht des Atheisten nicht mit den schlecht- und kleinen Geistern, Vermischt und dadurch klein zu werden, bemuͤht sich auch, doch ohne Grund, Sich eines aufgeblaͤhten Geists zu seinem Ungluͤck zu bemeistern. Es sucht ein schwuͤlstiges Gemuͤth hierinnen einen neuen Fund, A a 4 Zu Der Atheist. Zu einer nicht gemeinen Ehre, er sucht was sonderlichs zu seyn. Mit andern was gemein zu haben, ist ihm zu niedrig, zu ge- mein. Wenn aber er erwegen moͤchte, daß er verkehrte Wege waͤhlet, Und daß er die gesuchte Ehre, auf diese Weise, ganz verliehrt, Da er, wenn er es recht erwegt, daß Schande, Schimpf und Haß ihn quaͤlet, Ja daß er recht verabscheut wird, von allen Menschen fast, verspuͤrt, So aus der Sache selber fließet. Wie kann ich doch mit Recht begehren, Es soll mich jemand lieben, schaͤtzen, und mehr, als alle Men- schen, ehren, Den ich vor einen Narren halt, und der es weis, daß ich es thu? Es koͤmmt zu dieser unverschaͤmten und stolzen Furcht, noch dieß hinzu, Daß, da zur menschlichen Gesellschaft, und der dazu gehoͤri- gen Pflicht, Versprechen, Bund und Treu zu halten, gewiß ein Atheiste nicht Geschickt noch jemals faͤhig ist, durch ihrer Furcht verwegne Schluͤsse, Man sie, an statt sie zu verehren, nur vor Betrieger halten muͤsse. Wann kein Verstand nun, bloß die Furcht , die armen Atheisten macht: So ist von eurer stolzen Furcht, auch hierin unser Schluß gegruͤndet, Daß hier so wohl, als auch dereinst, ihr Ehre sucht und Schan- de findet. Nicht minder, daß es klar und wahr, wie wir es oben schon ge- dacht: Daß kein Verstand, kein Grund, kein Recht, die Furcht nur Atheisten macht. Der Der freye Wille. Der freye Wille. D er Lehre von dem freyen Willen, und daß wir die Voll- kommenheit, Aufs wenigst in so hohem Grad, nicht hegen, Scheint eine große Schwierigkeit Dadurch sich in den Weg zu legen, Daß wenn wir unser Jnnerstes ergruͤnden, Wir uns, uns selber zu vergnuͤgen, Fast gaͤnzlich ungeschickt, und gar nicht faͤhig finden, So doch der kraͤftigste Beweis der Lehre Von eines Willens Freyheit waͤre. Zumal wir selbst an Gottes Werken, Worin er, seine Lieb und Allmacht zu bemerken, Uns so viel Proben wollen goͤnnen, Woran wir uns vergnuͤgen sollen, Wir doch daran, auch wenn wir wollen, Uns dennoch nicht vergnuͤgen koͤnnen. A a 5 Rechte Rechte Art zu bethen. Rechte Art zu bethen. D a alle Koͤrper, Geister, Umstaͤnd und Zufaͤll, hier auf dieser Welt, Da alles das, was die Natur, im Schooß des tiefen Raums, enthaͤlt, Ein’ ewge Weisheit nicht allein zum Ursprung hat; nein, auch durch sie, Als die nicht aufgehoͤrt, in einer ununterbrochnen Harmonie, Gelenkt, geleitet und regieret, Jn majestaͤtisch weiser Ordnung, zum besten Endzweck stets gefuͤhret, Und immer unterhalten wird, der freye Will auch dieser Fuͤhrung, Und der allgegenwaͤrtgen Gottheit allgegenwaͤrtigen Regierung So wenig uns entziehen kann; daß wir vielmehr, daß Gott allein, So wohl das Wollen, als Vollbringen, uns geben muß, be- lehret seyn, Auch in der heilgen Bibel selbst: So muß auch billig unser Bethen, Wenn wir, vor Gottes Majestaͤt, in Ehrfurcht voller Andacht treten, Mit Ernst dahin gerichtet seyn, daß die allweise, maͤchtge Liebe, So wohl die Umstaͤnd und die Zufaͤll, als unsrer Seelen Kraͤft und Triebe, Zu seiner Ehr und unserm Besten, aus Gnaden selber lenken wolle; Weil sonst, mit unsrer eignen Schwaͤche, selbst gegen uns nicht nur allein, Zugleich auch gegen Zufaͤll, Umstaͤnd, als Noth, Exempel Schmerz und Pein, Zu kaͤmpfen uns nur gar zu schwer, ja ganz unmoͤglich, wuͤrde seyn. Zur Zur Nothwendigkeit der Naͤchsten Liebe. Zur Nothwendigkeit der Naͤchsten Liebe. G laub! alles was dein Naͤchster thut, (Dir schein es unrecht, oder gut,) Daß er es, ja so wohl als du, Aus einer guten Meynung, thu. Thut er nicht recht; hat er geirret. Doch denk, ob es nicht so der Brauch, Daß, ja so wohl als ihn, dich auch, Oft Nutz, oft Leidenschaft, Vorurtheil verwirret. Das Das Begraͤbniß des Maulwurfs. Das sonderbare Begraͤbniß des Maulwurfs. E in Wunder, welches kaum zu glaͤuben, Und das, wenn ich es nicht gesehn, Jch selber kaum geglaubt, will ich anjetzt beschreiben. Juͤngst blieb ich ungefehr, an einem Orte stehn, Jm Garten, wo, mit schlauer List, Dem Maulwurf eine Fall gestellet ist. Jhr werdet nichts gefangen haben, Sprach ich. O ja! sing gleich der Gaͤrtner an, Doch haben die, so ihm begraben, Auch schon bey ihm ihr Amt gethan. Jch wußte nicht, was dieses heissen sollte, Bis er sich deutlicher erklaͤrte, Und, weil ich gern sein Raͤthsel hoͤren wollte, Verrichtete, was ich begehrte. Ein todter Maulwurf bleibt nicht auf der Erde liegen, Erzaͤhlt er mir darauf, er scharrt sich selber ein, Hab ich vordem gedacht. Allein, Daß uns die Umstaͤnd oft betriegen, Hat mir ein Zufall juͤngst gezeigt. Kaum werden es drey Wochen seyn, Als ich bey jenem Baum verspuͤrte, Wie sich ein todter Maulwurf ruͤhrte, Den ich daselbst, vor wenig Tagen, Mit meiner Schaufel, todt geschlagen. Jch Das Begraͤbniß des Maulwurfs. Jch trat hinzu, es naͤher zu beschauen, Und kunnte kaum den Augen trauen, Als sich der Maulwurf stark bewegte, Bis daß ich selbst an ihn die Haͤnde legte, Jhn aus der Erde zog, worin er halb schon steckte, Da ich die Ursach dann sogleich entdeckte. Die Todtengraͤber dieser Leichen Sind Wuͤrmer, die den Kaͤfern gleichen, Nur daß dieselben etwas klein, Und schmaler, als die andern, seyn. Die Fluͤgelchen sind gelb, mit schwarzen Strichen. Sie haben, zu dem grabenden Geschaͤffte, Jn ihren Fuͤssen so viel Kraͤfte, Daß sie die haͤrteste Erde trennen, Und eine Hoͤhle machen koͤnnen; Es waren ihrer fuͤnf, nicht mehr. So weit ging nun auf das, was ich ihn fragte, Was mir der Gaͤrtner sagte. Jch dachte darauf nach: Woher Die Kaͤferchen doch hier zusammen kaͤmen, Durch welchen Trieb sie sich in solcher Einigkeit, Und mit vereinter Kraft, zu gleicher Zeit, So schwere Muͤh zu uͤbernehmen, Zum allgemeinen Zweck bequemen. Wir helfen uns zwar oft mit dem Jnstinet: Allein, Was kann undeutlicher und dunkler seyn, Als eben dieses Wort? Mir kam indessen fuͤr, Ob wuͤrden etwan diese Thier’, Jndem sie durch die Luft geflogen, Durch Das Begraͤbniß des Maulwurfs. Druch den verwesenden Geruch, herbey gezogen. Oft mehr, oft weniger, da jedes denn fuͤr sich, Mit seinen Fůssen sich bestrebt, Durch Kratzen, etwas Erd allmaͤhlig aufwerts hebt, Ohn Absicht eigentlich, Auf seine Compagnie zu haben; Und dadurch wird, indem er niedersinkt, Der Maulwurf allgemach begraben, Darauf im Dunklen ungestoͤrt, Von diesen Kaͤferchen verzehrt. Doch bleibet dieses wahr dabey. Daß alles dieß mehr, als man meynt, Und als es etwan manchem scheint, Betrachtung- und Bewundrung-wuͤrdig sey. Alles Alles von Gott. Alles von Gott. W enn ich des Schoͤpfers Huld erwege, Wie viel er Gutes zu mir lenkt, Und alles, was er mir geschenkt, Bedachtsam bey mir uͤberlege: So scheints, ich muͤßte mich fast schaͤmen, So gar viel Gutes hinzunehmen, Da ich von dem, was mir beschehrt, Des allerwenigsten kaum werth. Allein, Es faͤllt mir dabey ein: Mein Geist, was willt du dich erkuͤhnen? Willt du denn Gott was abverdienen? Soll etwan, was er schenkt, ein Lohn, von deinen guten Wer- ken, seyn? Bey dieser Meynung ist dein schwaͤrmender Verstand Mit einem Jrrthum stark beladen. Es wird die Gottheit, bloß aus Gnaden, Der Geber aus der Gab erkannt. Ach laß mich denn, mit Lust und Freuden, Den Geist an deinen Gaben weiden; Denn auch das Wollen steht nicht einst in meiner Macht; Und laß, wenn sich darauf so Geist als Sinnen lenken, Mich oft und stets an dich gedenken! Un- Ungluͤckselige Gewohnheit. Ungluͤckselige Gewohnheit. W er in Arabiens versengten Wuͤsteneyen, Wo Wolken nichts, als Sand, statt feuchten Regen, streuen; Wo das verbrannte Land von Laub und Grafe leer, Gebohren und erzogen waͤr; Haͤtt aber nimmer Gras, nie Laub und Kraut, Nie Blumen, Bluͤht und Frucht geschaut, Und sehe denn von ungefaͤhr einmal, Zumal zur Abendzeit, im niedern Sonnenstral, Der Wiesen Glanz, bebluͤmte Felder, Durchstralte Schatten-reiche Waͤlder, Und ihres Laubs fast guͤldnes Gruͤn; Wuͤrd ihm nicht, ausser sich fuͤr Freuden, Sein Auge von so holdem Schein Und bunter Schoͤnheit abzuziehn, Nicht schwer, ja fast unmoͤglich seyn? Wuͤrd nicht von ihm dieß Theil der Welt, Das so viel Wunder in sich haͤlt, Fuͤr unvergleichlich schoͤn geschaͤtzet werden, Und die Bewohner dieser Erden Von ihm nicht bloß gluͤckselig nur allein, Fast selig gar geschaͤtzet seyn? Da wir hingegen leider blind, Und fuͤhllos fast fuͤr alle Wunder sind. Ueber- Noͤthige Betrachtung der Werke Gottes. Ueberzeugende Nothwendigkeit die Werke Gottes zu betrachten. W ofern du, was auf Erden schoͤn, Nicht wuͤrdig haͤlst, es anzusehn: So nuͤtzet, was Gott zugericht, Es nuͤtzt das guͤldne Sonnenlicht, Es nuͤtzt dein Wunder-reich Gesicht Nicht dir, auch deinem Schoͤpfer nicht. Wofern du deines Denkens Kraft, Der Seelen edelst’ Eigenschaft, Mit dem, was du auf Erden findest, Durch deine Sinnen nicht verbindest: So ist der Creaturen Pracht, Fuͤr dich, so gut als nicht gemacht. Als Schoͤpfer kann ja Gott auf Erden Unmoͤglich sonst geehret werden. Du mußt demnach, daß du ein Vieh, Und gar nicht besser seyst, gedenken; Suchst du nicht anders, als wie sie, Dein Herz auf sein Geschoͤpf zu lenken, Und ihm das Opfer deiner Lust und der Bewunderung zu schenken. Br. VI. Th. B b Ge- Gegruͤndete Hoffnung. Gegruͤndete Hoffnung. L aß mich, o Herr! zu deinem Preise, Auf meines regen Lebens Reise Mich immer dergestalt verhalten, Damit ich, wenn ich soll erkalten, Mich deiner Huld getroͤsten moͤge. Laß mich das Jtzt , von meinem Leben, So anzuwenden, mich bestreben, Daß ich, Herr! deine weise Wege Jn deinen Werken, die so schoͤn, Mag hoͤren, fuͤhlen, schmecken, sehn; Daß, wenn ich soll von hinnen gehn, Jch mit Vergnuͤgen uͤberlege, Wie viel mir Guts von dir geschehn, Daß ich, wie schwach ich gleich, mich freue, Und mir zu einem Trost gedeyhe, Wenn sich dazu dieß Denken fuͤgt: Daß ich, o Schoͤpfer dieser Welt, An vielem, was sie Guts enthaͤlt, Zu deinem Ruhm, mich oft vergnuͤgt. Ach! laß mich anders nicht gedenken, Als dieß, aus kindlich reinem Triebe: „Da du, o Herr, die ewge Liebe; „Wirst du mich nicht in Nichts versenken, „Noch minder in der Hoͤlle schrenken; „Vielmehr, da du in diesem Leben „Mir so viel Gutes schon gegeben, „Mir dort unendlich mehr noch schenken. Bil- Billiger Wunsch. Billiger Wunsch. M it erstaunendem Vergnuͤgen, Sollte billig alle Welt, Was der Weltkreis in sich haͤlt, Wie sich alle Dinge fuͤgen, Wie des Schoͤpfers Werk so schoͤn, Und Betrachtungs-wuͤrdig, sehn. Laß mich, Herr! wie wunderschoͤn, Alle Dinge, die geschehn, Und die bloß durch dich entstehn, Worin lauter Wunder liegen, Mich bestreben, anzusehn, Mit erstaunendem Vergnuͤgen! B b 2 Schul- Schuldigkeit der Menschen Gott zu dienen. Schuldigkeit der Menschen Gott zu dienen. E s ist mir oftermal der Zweifel aufgestiegen, Ob auch die Menschheit wohl, der Gottheit zum Vergnuͤgen, Jhm Lob und Ruhm und Preis und Ehre Zu geben, faͤhig waͤre, Da wir so niedrig und so klein, Jm Gegensatz von seiner Groͤße, seyn? Koͤnnt eine Muͤcke wohl, gedacht ich, durch ihr Singen, Uns Ruhm und Preis und Ehre bringen? Noch minder wird, durch uns, der Gottheit Ruhm erhoͤht. Zumal, da unser Dienst im Bethen meist besteht, Jm Bethen, worin wir, wenn wirs recht uͤberlegen, Weit mehr, als unserm Gott, uns selbst zu dienen pflegen. Allein es fiel mir auch hingegen ein, Was wir, durch den Verstand, fuͤr Gaben, Fuͤr andere Geschoͤpf, empfangen haben, Ja daß, selbst durchs Gebeth, ob es gleich nicht so scheint, Man Gott mehr dienet, als man meynt. Jch muß es, dir und mir zur Lehr und Trost, erzaͤhlen: Wir opfern im Gebeth, nicht nur von unsern Seelen, Der Gottheit einen Theil; wir zeigen noch dabey, Daß wir begreif- und uͤberzeuglich wissen, Wie Gott so groß, und uns zu helfen maͤchtig sey, Daß wir, allein durch ihn, geholfen werden muͤssen. Glaub, Hoffnung, Demuth, Lieb und eine Zuversicht, Er werde, wie er kann, auch uns zum Besten, wollen, Steckt alles im Gebeth. So laßt nach unsrer Pflicht, Uns Gott, was ihm gebuͤhrt, im bruͤnstgem Bethen, zollen. Ja Schuldigkeit der Menschen Gott zu dienen. Ja! laßt uns weiter gehn, Und wie wir unserm Gott, im Danken, zu erhoͤhn, Wie niedrig wir auch sind, mit frohem Ernst, besehn! Jm Dank ist alles das, was im Gebeth, nicht nur; Es schließt, zu Gottes Ehr, Das Danken noch viel mehr, Als wie das Bethen, ein. Wir finden eine Spur Von Jnbrunst, Freundlichkeit, Erkaͤnntlichkeit und Liebe, Vergnuͤgen, Andacht, Lust und Flammen-reiche Triebe, Des großen Schoͤpfers heilgen Willen, Verbothnen Lastern feind, gehorsam zu erfuͤllen, Bewunderung, Begier, in seinen Werken, Des Schoͤpfers Weisheit, Macht und Guͤte zu bemerken, Den Abgrund seiner Macht, erstaunt, zu uͤberdenken, Jn seine Lieb allein uns bruͤnstig zu versenken, Und, wenn es moͤglich waͤr, uns selber ihm zu schenken. Hieraus nun koͤnnen wir, recht uͤberzeuglich schliessen, Daß wir durchaus nicht denken muͤssen, (Durch falsche Demuth bloß verfuͤhrt,) Als ob, den großen Gott zu ehren, Wir viel zu klein, und zu geringe waͤren. B b 3 Noͤ- Noͤthige Erklaͤrung. Noͤthige Erklaͤrung. S o oft wir in der Bibel lesen, Daß Gott, im Busch, mit Mose sprach: So scheints, denkt man nicht weiter nach, Ob waͤre Gott dort ganz gewesen. Wie von dem Bilde, ja von einem alten Mann, Man wohl nichts bessers denken kann. Allein: Wie trieget uns ein solcher Schein! Der Millionen Sonn- und Erden, Der aller Himmel Himmel fuͤllt, Kann durch ein solches winzigs Bild, Mit Recht nicht abgebildet werden, Jm Busch nicht eingeschlossen seyn. Mit solchen schmaͤlernden Jdeen, Die große Gottheit anzusehn, Und was allgegenwaͤrtig, sich, So eng begraͤnzet, vorzustellen, Jst straͤflich, laͤch- und laͤsterlich. Man kann kein ander Urtheil faͤllen, Wenn wir, mit dem Begriff, es lesen, Als daß die große Gottheit da, Wie Moses ihn im Busche sah, Nur bloß allein in Asia, Und in Europa nicht, gewesen. Du sprichst: Wer wird doch so gedenken? Jch sprech: Ein jeder, dem das Bild, Vom alten Mann, sein Hirn erfuͤllt, Wird Gott im Busche ganz verschrenken. Man muß dahero, Gott zu ehren, Die Stelle mit Vernunft erklaͤren. Suͤs- Suͤssigkeit eines guten Gewissens. Suͤssigkeit eines guten Gewissens. W enn man aus vernuͤnftgem Hoffen oder Glauben, daß es dem, Welcher uns und alles schuf, naͤhrt und fuͤhret, angenehm Und gefaͤllig werde seyn, etwas laͤsset, oder thut; Heisset es ein Gottesdienst. Bloß der Glaube macht es gut. Einem solchen reinen Dienst folget eine Art von Lohn Gleichsam auf dem Fusse nach. Jn sich selbst verspuͤrt man schon Ein vergnuͤgt und sanft Empfinden, innige Zufriedenheit, Unsern Pflichten gegen Gott, als der Urquell aller Gaben, Jn Bezeugung unsers Abhangs, uns gemaͤß bezeugt zu haben; Als wodurch man, in der Gott schuldgen Unterwuͤrfigkeit, Den geschenkten freyen Willen, unser einigs Eigenthum, Jhm zu seines Namens Ruhm, Aufzuopfern sich bestrebt. Dieses ist, was eigentlich Wir ein gut Gewissen nennen, und wovon ein jeder sich Einen billigern Begriff, sich zum Nutz und Gott zur Ehre, Oft zu machen, pflichtig waͤre. Hieraus sollt auf Erden billig unsre groͤßte Ruh entspringen. Nichts sollt unsern Seelen billig groͤßeres Vergnuͤgen bringen, Als ein oͤfter, froͤlich, redlichs und vernuͤnftigs Ueberlegen, Daß wir, aus erkenntlichem, kindlich-frey-doch schuldgem Triebe, Der allein Anbethungs-werthen Weisheit, Macht und ewgen Liebe, Jhrer Hoheit, Wuͤrdigkeit, Majestaͤt und Liebe wegen, Es auch wegen mannichfachen, bloß von ihr erhaltnen, Gaben, Oft zu Liebe was gethan oder unterlassen haben. B b 4 Goͤ- Goͤtzendienst. Goͤtzendienst. W er nicht, in Gottes Creaturen, sein’ Allmacht, Lieb und Weisheit ehrt, Und nichts zu seinem Preise denkt, wenn er die Wunder sieht und hoͤrt, Jn welchem er sich offenbart, fast fuͤhlbar und fast sichtbarlich, Scheint nimmermehr ein guter Christ, Und, wo nicht gar ein Atheist, Ein Goͤtzendiener wenigstens (von einer Gottheit, die er sich, Zu seinem Besten, selbst erdacht, Die gleichsam bloß fuͤr ihn allein, Erschuf und wirket, was sie wirket, ihn segnet und ihn selig macht,) Ja, mit Verstand und Sinnen, doch Verstand- und Sinnen- los zu seyn. Nothwendige Ueberlegung. E rwegt, um weniger zu fehlen, geliebte Menschen, zweyerley, Mit mehrerm Ernst, als wie bisher: Ob unser Wil- le wirklich frey, Und die Vernunft vernuͤnftig sey. Bil- Aufloͤsung eines gewissen Einwurfs. Billige Aufloͤsung eines nicht unbilligen Einwurfs. J ch sehe dich, in deinen Werken, O Herr! mit Dank und Andacht an: Ach laß mich dich, so viel ich kann, Jn ihrer Pracht und Menge, merken! Ach schenke mir die Eigenschaft, Und meiner Seelen diese Kraft, Daß deiner Werke Schmuck mich ruͤhre, Und mich, so oft ich ihre Pracht, Mit Achtsamkeit und Freude, spuͤre, Sie mich zu dir, o ewge Macht, O ewge Lieb und Weisheit! fuͤhre; Dieweil, so viel ich kann ergruͤnden, Kein Dienst, der wuͤrdiger fuͤr dich, o Herr, zu finden. Allein, Mir faͤllt hiebey dennoch ein Zweifel ein: Wenn dieß ein Gottesdienst, und es zu seiner Ehre So noͤthig, als gebothen, waͤre; Wenn Gott, der Herr, daß man ihn ehren sollte, Jn seiner Creatur Betrachtung, haben wollte: Wie koͤnnt es denn doch moͤglich seyn, Daß fast kein Mensch, auf diese Weise, Dem Schoͤpfer der Natur zum Preise, Empfindet, sieht und hoͤrt, Und man so wenig Gott in seinen Werken ehrt? Da tausend Sterbliche gezeugt sind, und begraben, Die nimmer ihrem Gott den Dienst geleistet haben? B b 5 Wie Aufloͤsung eines gewissen Einwurfs. Wie wichtig dieser Zweifel scheinet, Jst er bey weiten doch so stark nicht, als man meynet. Jst dieses wohl des Schoͤpfers Schuld? Und haͤtt er Men- schen zwingen sollen, Daß sie, bey ihrem freyen Willen, sie dennoch haͤtten muͤssen wollen? Er leget ihnen tausend Schaͤtze, in seinen Creaturen, vor; Er macht sie wunderbarlich sinnlich; er schenket ihnen Aug und Ohr, Giebt ihren Seelen Kraft, zu denken, sie zu gebrauchen, an den Schaͤtzen Sich gar, zu seiner Ehr, o Wunder! zu freuen und sich zu er- getzen: So ist es ja der Menschen Schuld, wenn sie das, wozu sie ver- pflichtet, Und zwar zu ihrer eignen Lust, sich selber strafend, nicht ver- richtet. Er selbst verlieret nichts dabey. Wie koͤnnen ihm Ge- schoͤpfe fehlen, Die seine Weisheit, Macht und Ehre besingen, preisen und erhoͤhn? Da wir, nicht nur in der Natur, auch selber in der Bibel, sehn, Daß selbst die Feste seine Werke, die Himmel Gottes Ehr er- zaͤhlen, Daß aller Morgensterne Schaaren, in ihrem Lob, ihm Ehr er- weisen, Daß Seraphim und Cherubim, mit stetem Lobgesang, ihn preisen. Auch ist es uͤberdem nicht billig, (vielleicht aus Hochmuth) zu gedenken, Als ob wir auf der Welt allein uns, durch Geschoͤpf, zum Schoͤpfer lenken, Als Aufloͤsung eines gewissen Einwurfs. Als ob nur wir allein, geruͤhrt, durch seiner Werke Pracht, ihn lieben, Da, so wie zu Elisa Zeiten, noch in die siebentausend Seelen, Die keine Knie fuͤr Baal beugten, noch im Verborgnen uͤbrig blieben, Vermuthlich auf der Welt, nach ietzt, es noch nicht wird an Menschen fehlen, Die Gott, als ihren Schoͤpfer, ehren, und in der schoͤnen Creatur Den Ausbruch seiner Liebe merken; ist gleich von ihnen keine Spur So wenig, als wie dort, zu sehen. Hieraus nun laͤßt sich leichtlich schliessen, Daß wir an diesem Einwurf uns nicht aͤrgern oder stoßen muͤssen; Wohl aber, daß wir, nach Vermoͤgen, verpflichtet seyn, uns zu bestreben, Durch Lehr und gut Exempel, Anlaß der jetz- und kuͤnftgen Welt zu geben, Damit sie, im Genuß der Welt, zu Gottes Ruhm, vergnuͤgter leben. Zwei- Zweifelmuth. Zweifelmuth erreget und gestillet. L aß mich in meinen Schranken bleiben, Bloß deine Wunder zu beschreiben, Mein Schoͤpfer, die so wunderschoͤn. Ach laß aus Hochmuth mich, o Herr! Aufs Maulwurfs Art, mich nicht vergehn, Jn deiner Gottheit Glanz zu sehn, Und so, wie dorten Lucifer, Mich nicht zu meinem Fall erhoͤhn! Du sprichst, geliebter Mensch, ich thue, was ich kann, Und dennoch geht auch das, so ich, zum guten Ende, Mir vorgenommen, doch nicht an. Bald reißt ein Zufall hier die Werke meiner Haͤnde, Bald dort ein Unfall ein, und dem geraͤth es wohl, Der doch, mit minderm Witz, mit minderm Fleiß, Sein eitles Werk betreibt. Fuͤrwahr, ich weis, Und ich begreife nicht, wie ich das nehmen soll. Den Boͤsen gluͤckt es stets, die Redlichen verderben; Ein boͤser Bube lebt, und fromme Menschen sterben. Doch halt, verwirrter Geist, du uͤbereilest dich, Und urtheilst zu vermessentlich. „Denn, daß ich dieß nicht weis; dieß eben stellet mir „Zugleich, in meinem Nichts, das All der Gottheit fuͤr. Was Zweifelmuth. Was wollte man doch sonst zu diesem Einwurf sagen, Der jedem schwer zu fassen faͤllt, Der sich den Zustand dieser Welt Vor seiner Seelen Augen stellt. „Wie kann doch Gott, der Herr, der so gerecht, ertragen, „Daß auf dem ganzen Kreis der Erden „So wenig Redliche gefunden werden? „Wie kann er doch, die ewge Liebe, leiden, „Daß nicht allein „Viel Millionen Heiden, „Und Millionen Tuͤrken, mehr, „Als Christen sind, auch seit viel tausend Jahren „Bestaͤndig mehr gewesen seyn, „Ja, allem Ansehn nach, noch lange bleiben werden; „Nein, daß, auch selber unter Christen, „Jndem sie nicht allein so aͤrgerlich sich zwisten, „Auch fast in jeder Sect die meisten gottlos seyn, „Der guten Christen Zahl viel tausendmal so klein, „Als klein die Christenheit, bey allen Nationen, „Die dort, sowohl in Asia, „Als Africa, zusamt America, „Jn ungezaͤhlten Schaaren, wohnen? „Wie koͤnnt er doch die Bosheits-vollen Schulden „So vieler Teufels-Diener dulden? „Die, selbst den Teufel anzubethen, „Mit Menschenblut beschmitzt, vor sein Altar zu treten, „Und Menschen ihm zu opfern, sich nicht scheuen; „Daß andere Giagas, hinter Congo, in Africa. die Menschheit so vergessen, „Und selbst ihr’ eigen’ erstgebohrne Kinder fressen. Daß Zweifelmuth. „Daß andre Menschenblut, wie Wasser, saufen, „Und Menschenfleisch, auf offnem Mark, verkaufen; Ansicuni, unweit von ihnen in Monsol. „Daß andre nur darum den Feind zu fangen trachten, „Um bloß zu ihren Gastereyen, „Nach tausend Martern, ihn zu schlachten; „Daß andere so weit, „Durch Aberglauben, sich vergehn, „Daß, wenn die Kinder nicht zu einer guten Zeit, „Der Pfaffen Meynung nach, das Licht des Tages sehn, „Sie selbige sobald des Tageslichts berauben, „So, daß auf diese Weis (es faͤllt was schwer zu glauben,) „Auf hunderttausend wohl in einem Jahr allein, „Ermordet worden seyn? Madagascar. „Wenn eine Zahl, fast ohne Zahl „Von Christen, nach erlittner Qual, „Die sonder Grausen nicht zu lesen, „Jn Japan umgebracht gewesen, „Und daß derselbigen Verfolgung sich, „Wie die Geschicht uns eigentlich, „Der menschlichen Natur zur Schand, entdecket, „Auf sechs und zwanzig Jahr erstrecket. „Sind in den Kreuzeszuͤgen nicht, „Von Schwerdt und Hunger aufgerieben, „Drey Millionen Christen blieben? „Wenn in der Christenheit sogar, „Mit Martern, Sengen, Brennen, Morden, „Solch eine große Christen-Schaar „Zerfleischt und hingerichtet worden, So, Zweifelmuth. „So, daß zu einer Zeit ein ganzes Land und Reich „Fast einem Schinder-Anger gleich, „Und voller Todten-Aeser war. „Wenn Christen einst in Engelland, „Nebst einer großen Christen-Schaar, „Bloß, weil sie nicht papistisch war, „Ein schwanger christlich Weib verbrannt, „Und wie sie in der Gluht fuͤr Schmerz ein Kind gebahr, „Man auch das Kind den Flammen erst entrissen, „Es dennoch gleich darauf aufs neu ins Feuer geschmissen, „Auf geistlichen Befehl. Kein menschlicher Verstand kann dieß Verhaͤngen fassen. Denn, ob man gleich verschiednes denken kann: So wird sich alles doch von uns nicht heben lassen; Und geht es mit den wenigsten wohl an. Man koͤnnte zwar von aller Heiden Menge, Durch welche der Verstand am meisten ins Gedraͤnge Und in Verwirrung koͤmmt, vielleicht gedenken: Daß, wenn die Meng auch groß, sie doch fuͤr den nur klein, Der weit mehr Millionen Welte, Als Haar auf aller Haͤupter seyn, Erschuf, und selbige um ihre Sonnen stellte: So kann doch dieß den Zweifel noch nicht heben. Vielmehr wird die Vernunft uns hier zur Antwort geben: Des Schoͤpfers Weisheit, Lieb, und Allmachts-Stral Muß, weil ja Gott auch groß im Kleinen, Auch in der allerkleinsten Zahl Sowohl, als in der groͤßten, scheinen. Es geht die menschliche Vernunft zwar weit, Und lassen Gruͤnde sich, von Wichtigkeit, Auch bey so schreckenden Begebenheiten, finden, Wovon wir uns, nur eins hieher zu setzen, So Zweifelmuth. So mir, als dir zur Lehr, mein Leser, unterwinden, Und uns dazu verbunden schaͤtzen. So bilde dir denn ein, und stelle dir, Zum Beyspiel, eine Feldmaus fuͤr, Die etwan in der Hoͤh, auf einem Huͤgel, saͤße, Woselbst, voll Gram, voll schwarzer Traurigkeit, Und bittrer Unzufriedenheit, Sie, halb erstarrt, die Grausamkeit ermaͤße, Von einem Menschen, der sein Feld, Jn welchem ungezaͤhlte Schaaren Von Maͤusen, schon seit vielen Jahren, Den Aufenthalt gehabt, mit Wasser uͤberlaufen, Und ganz bedecken hieß, sie saͤhe selbst, mit Haufen, So alt, als jung, ersticken und ersaufen, Die Nester umgekehrt, verheeret, Die ganze Republik verstoͤret; Hieruͤber ganz erstaunt, fing sie, voll Eifer, an: O welch ein grausames Verfahren! O welche Tyranney! Wer lebet auf der Welt, der solche Barbarey, Ohn eine billige Verzweiflung, sehen kann? Was meynst du: Koͤnnte wohl die Maus mit Recht Nicht Klagen, Seufzen, Gram, Grimm und Verzweiflung sparen? Du wendest nun vielleicht hiegegen ein: Wie koͤnnen Maͤus und Menschen doch Jm Ernst von dir verglichen seyn; Was vor ein Unterscheid von Menschen zu den Maͤusen? Der Zwischenstand zum menschlichen Geschlecht Von Maͤusen, ist zwar groß: Allein, es ist annoch Der Zwischenstand, von uns zu Gott, unendlich groͤßer, Es bleibt auch, ohn Vergleich, der Menschen Zustand besser; Jndem sie, wie die Maͤus, im Sterben nicht vergehn, Und sich vernichtigen, nein, ewiglich bestehn. Da Zweifelmuth. Da denn anstatt vorher empfundner Qual und Pein, Die alle, wenn sie weg, nicht mehr empfunden seyn, Die Gottheit ja, nach dieser Zeit, Jn einer seelgen Ewigkeit, Nach einem bald zu nichts gewordnen Leiden, Mit unaussprechlich-suͤssen Freuden, Sie zu erquicken weis, die er, nach seiner Liebe, Macht und Gerechtigkeit, nach diesem wuͤrdig findet, Sie zu beseeligen. Weil er allein ergruͤndet, Nach seiner Liebe, Macht und ewgen Weisheit Licht, Wer seiner Gnade werth, und welcher etwan nicht. Vergleichet man die Dauer dieser Zeit, Von einer noch so herben Pein, (Und waͤr sie noch so lang,) mit der Unendlichkeit: So wirst du leicht zu uͤberfuͤhren seyn, Daß alles das, was endlich, was vergehet, Jm Gegenhalt mit dem, was ewiglich bestehet, So gut, als waͤr es nie gewesen. Bedenke doch, ein Leiden, das vorbey, Wie wenig es dir jetzo fuͤhlbar sey. Der Frost, der gestern noch die starre Glieder druͤckte, Die Hitze, welche dich noch gestern fast erstickte, Die Wunden, die geheilt, sogar die wilde Qual, So auf der Marterbank ein Koͤrper ausgestanden, Die sind ein wirklich Nichts, wenn sie nicht mehr vorhanden. Ja, die Erinnerung, da sie uns noch einmal Jm Denken quaͤlen koͤnnt, dient, wenn wirs recht erwegen, Zur Unlust nicht, zum Trost. Ein Uebel, das vergangen, Vermehret noch die gegenwaͤrtge Lust, Absonderlich, wenn uns gewiß bewußt, Daß wir, statt jener Pein, ein ewig Gut empfangen. Br. VI. Th. C c Er- Zweifelmuth. Erwegst du dieses recht, wird wenigstens zum Theil, Dein Herz von deiner Sorg und Zweifelmuth genesen, Und du bist deinem Heil Schon naͤher, als du glaͤubst. Was aber die verschiednen Nationen, So unterschiedene Religionen, Und ihre Zahl betrifft, von welchen man Den Duldungsgrund nicht fassen kann: So zeiget sich von selbst, wenn Menschen hier regierten, Und wir, nach unserm Witz, der Erde Zepter fuͤhrten, Wir duldeten dergleichen Jrrthum nicht. Allein, weil Gott der Herr dieselben leidet, Und sich die Menschheit ja mit allem Recht bescheidet, Daß ihre Weisheit nichts, bey Gottes Weisheits-Licht: So muͤssen wir mit Recht die Finger auf den Mund, Voll Demuth und voll Ehrfurcht, legen, Und voll Gelassenheit, in Andacht, dieß erwegen: Wir sehen, daß kein Mensch, ein Gott den Zepter fuͤhret, Und daß Gott, als ein Gott, nicht als ein Mensch, regieret. Befleißige dich denn ins kuͤnftige darauf, Jn deinem ganzen Lebenslauf, Dasjenige, was Gott thut, gut zu finden. Es ist der beste Dienst, den du in deinem Leben Dem Schoͤpfer faͤhig bist, zu geben. Jn sein allmaͤchtig All, dein kleines Nichts zu senken, Und in Gelassenheit zu seiner Ehr, zu denken, Daß alles, wenigstens nach seinem Endzweck, gut, Was ein so guter Gott geschehn laͤßt, oder thut. Durch solch Vertrauen kann die Gottheit bloß allein Am allerwuͤrdigsten von uns verehret seyn. Eini- Der Groͤnlaͤnder Unwissenheit. Einiger Groͤnlaͤnder Unwissenheit von Gott. W ann wir nunmehr fast uͤberfuͤhret, Obgleich sich die Vernunft fast ganz dabey ver- lieret, Daß dort in Groͤnlands Finsternissen, (Wenn wir nicht alles leugnen wollen,) Sich Menschen finden sollen, Die das geringste nicht von einer Gottheit wissen: So kann dennoch, in diesen Dunkelheiten, Obgleich, dem Ansehn nach, fast aller Grund gebricht, Uns dennoch des Verstandes Licht, Vielleicht, zu einer Ursach leiten. Es dient vielleicht der Zustand uns zur Lehre, Damit das menschliche Geschlechte, Durch Eigenlieb und Stolz verfuͤhrt, nicht denken moͤchte, Als wenn der große Gott der Menschen Ehre Beduͤrft und ihres Diensts benoͤthigt waͤre, So wie es wirklich scheint, Daß dieß die Menschheit von sich meynt. Daher, wenn dieß auch so sich in der That befinde, Daß ihrer keiner was von einem Gott verstůnde, Es doch so aͤrgerlich, wie viele glauben, Ob liesse Gott hiedurch sich eine Ehre rauben, C c 2 Ge- Der Groͤnlaͤnder Unwissenheit. Gewiß noch lange nicht; Jndem die Gottheit ja nicht minder Gottheit bleibet, Und ihr dadurch ja nichts gebricht, Ob etwan hier und dar, Ein unverstaͤndig Paar Sich fuͤnde, welches nicht der Gottheit Wesen glaͤubet. Es zeigt vielleicht, daß nichts, als Lieb, ihn treibe, An unserm Dienst sich zu vergnuͤgen, Und daß, ohn unser Seits, ihm etwas beyzufuͤgen, Er Vater, Gott und Schoͤpfer bleibe. Es sey dann, daß er selbst, wie wir ihn dienen sollen, So wie er uns gethan, sich offenbaren wollen. Auf- Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit. O Gott! wie ist das Sonnenlicht So hell, so schoͤn, so wunderschoͤn! Wie wunderbar ist das Gesicht, Wodurch wir seine Schoͤnheit sehn! Wie schoͤn ist ferner das geschmuͤckt, Was man allhier, durch beyd, erblickt! Erwegt, wie viel-wie vielerley, Durch beyd uns zugeeignet sey! Jst diese Dreyheit denn nicht werth, D aß man mit Freuden des gedenket, Der Licht, Gesicht, und Koͤrper schenket, Und uns so manche Lust beschehrt, Daß man, in unsrer Lust, ihn ehrt? Daß man, wenn man was schoͤnes sieht, Sich wenigstens so viel bemuͤht, Das, was man siehet, recht zu sehn? Das heißt, zum Sehn das Denken fuͤgen, Das heißt, sich als ein Mensch vergnuͤgen, Und Gott, in unsrer Lust, erhoͤhn. So kann man unsern Gott nur preisen; So kann man ihm nur Ehr erweisen. Da wir hingegen seine Macht, Jn dem, was er hervorgebracht, Und seine weise Huld verachten, Wenn wir sie nicht mit Lust betrachten. C c 3 Wuͤr- Wuͤrdige Anwendung der Naturlehre. Wuͤrdige und rechte Anwendung der Naturlehre. Nach Anleitung des Spectac. de la Nature. W ir wollen hier des Schoͤpfers Wege fassen: Gott aber will sich nicht begreifen, Und hier nur bloß bewundern lassen. Er wollte seine Wunder haͤufen, Damit durch sie wir hier auf Erden, Statt kluͤger, moͤchten besser werden, Und unsre durchs Geschoͤpf geruͤhrete Gemuͤther, Jn Dankbarkeit, doch wuͤrden angetrieben, Den großen Ursprung aller Guͤter Zu ehren, zu erhoͤhn, zu lieben. Er scheint uns hier nichts zuzumuthen, Als ihn, fuͤr eine Quell von allem unsern Guten, Erkenntlich anzusehn, Und, bloß in unsrer Lust, ihn zu erhoͤhn. Dadurch, daß sein Geschoͤpf so schoͤn; Hat er darauf die Augen ziehen wollen. Doch, weil wir auf den Nutz der uns geschenkten Gaben, Zu unserm Besten, sehen sollen: So scheint er ihren Bau und innerliche Kunst, Mit einem dichten Nebel-Dunst, Mit Fleiß fuͤr uns bedeckt zu haben. Er will uns, im Begriff, so sehr nicht uͤberfuͤhren, Auf welche Weis er alle Pracht, Von Wuͤrdige Anwendung der Naturlehre. Von seiner Creatur, gemacht; Er will uns hier nur bloß, durch seine Wohlthat, ruͤhren. So zeigen uns demnach die Wunder der Natur, Die Menge goͤttlicher Geschenke nur. Je mehr wir darin nun die Wissenschaften haͤufen, Je mehr wir ihre Meng und große Zahl begreifen; Je mehr wir wirklich sehn und fassen, wie viel Gaben Wir, bloß durch seine Huld, empfangen haben. Heißt aber denn nun das, was uns geschenket, fassen, Wenn wir den, ders geschenkt, aus unsern Augen lassen? Es sind der Menschen Wissenschaften nicht anders werth und hochzuachten, Als in so fern sie mit dem Herzen, und dem empfindlichen Betrachten, Jn einiger Verbindung stehen. Es nimmt das Herz den Rang fast ein, Jm Menschen, den der Mensch, in der Natur, besitzet. Ohn Ordnung, sonder Nutz, waͤr alles auf der Welt, Wofern der Mensch nicht waͤr, der es fuͤr sich benuͤtzet, Verlohren, ohne Nutz, ist, was der Mensch enthaͤlt, Wofern sein Herz nicht Antheil daran nimmt. Wie alles, fuͤr des Menschen Herz, so ist das Herz fuͤr Gott, bestimmt. C c 4 Ver- Verlaͤngerung des Vergnuͤgens. Verlaͤngerung des Vergnuͤgens. J ch habe, durch des Hoͤchsten Huld, erlaubte Luͤste dieser Welt, Jm Ueberfluß, geschmeckt, auf manche Art empfunden: Allein ich hab auch oft gefunden, Daß sie, eh ich mirs vorgestellt, Und meistens unvermerkt, verschwunden. Jch dachte oftermal hiebey, Ob denn die Freuden fest zu binden, Die Anmuth laͤnger zu empfinden, So gar kein einzigs Mittel sey? Und fand zuletzt, daß bloß das Denken Uns faͤhig, eine Lust, von laͤngrer Daur, zu schenken. Durch Denken kann und mag allein Uns der Genuß der Lust nur zugeeignet seyn. Wir werden, wenn wir uns ergruͤnden, Beym Kuͤnftigen, bey uns, ein Denken finden, Das wir gemeiniglich die Hoffnung nennen. Wir finden vom Vergangnen auch, Daß wir uns sein erinnern koͤnnen; Und dieses Denken ist bey uns der Brauch, Daß wir es das Gedaͤchtniß nennen. Soll denn die Gegenwart allein Ohn alles Denken seyn? Dieß Denken ist, wenn wir auf etwas achten, Und heisset billig, das Betrachten. Jndem uns nun in diesem Leben, Die Gegenwart allein, zu unserm Brauch gegeben: So ist es ja Bedaurens-werth, Daß Verlaͤngerung des Vergnuͤgens. Daß wir, an den allein uns zugehoͤrgen Schaͤtzen, So traͤge sind uns, zu ergetzen. Ach wenn wir Menschen uns doch nur gewoͤhnen moͤchten, Bey allem dem, was wirklich schoͤn, Daß es auch wirklich schoͤn, zu sehn! Und wir es mit Bewunderung bedaͤchten! Auch daß wir dem, der alle Pracht, Zu unsrer Lust, hervorgebracht, Ein froͤlichs Herz davor zum Opfer braͤchten: So wuͤrden wir nicht nur den Schoͤpfer ehren; Es wuͤrd auch unsre Lust zugleich viel laͤnger waͤhren. Der Weg ist leicht dazu. Es faͤllt ja gar nicht schwer, Bey allen goͤttlichen Geschenken, Wie folget, etwan zu gedenken: „Wie ist doch dieß, was ich geniesse, „So schoͤn! so sanft! so bunt! so lieblich, und so suͤsse. „Es ist des Schoͤpfers Werk und Gabe. „Gottlob! daß ich es hoͤren fuͤhlen sehen riechen schmecken kann! Gottlob! daß ich es habe! C c 5 Ge- Gegensatz. Gegensatz. D ie allerverwildertsten dornigsten Hecken, Die stachlichtsten Kraͤuter, der oͤdeste Sand, Die nacktesten Klippen und Felsen entdecken Uns einen sonderbaren Stand, Der zu erwegen werth. Sie dienen Jm Gegensatz mit der bebluͤmten Matten Gefaͤrbten Schmelz, und fast smaragdnen Gruͤnen, (So wie auf ein Gemaͤld und Schilderey der Schatten, Durch schwarz und dunkel-braune Stellen, Die licht- und schoͤnern zu erhellen,) Der hohlen Oerter Pracht noch zu erhoͤhn. Sie lassen uns von dem, was schoͤn, Das Schoͤne noch viel schoͤner sehn. Jn einer schoͤnen Landschaft Schimmer, Wo eine Pracht und Zier mit einer andern immer Verbunden und gefuͤgt, Und uns durch steten Glanz vergnuͤgt, Bringt uns Gewohnheit oft zur Unempfindlichkeit. Die unaufhoͤrliche Vollkommenheit Macht unsre Freude stumpf, und nach und nach Wird aller Eindruck schwach, Den sie in unserm Geist sowohl, als dem Gesicht, Uns billig wirken sollt. Denn die Gedanken gehn Mehr auf dasjenige, so fremd, als welches schoͤn. Jndem die Neuigkeit mehr, als die Pracht, Uns die Bewundrung groͤßer macht. Ja, durch die Menge selbst wird unser Sinn zerstreut, Und dieses bringet uns leicht zur Undankbarkeit. Allein, Anschickung zum Kuͤnftigen. Allein, wenn wir zuweilen duͤrre Hoͤhn, Wenn wir ein oͤd unfruchtbar Land, Ein schwarzes Mohr, verbrannten Sand, Und schroffe nackte Felsen sehn: So zeigen sie uns, wo man wohnen muͤßt und koͤnnte, Wenn Gott uns nicht was bessers goͤnnte. Anschickung zum Kuͤnftigen. E s ist ja wohl mehr, als glaͤublich, Und vermuthlich unausbleiblich, Daß wir uns, nach dieser Erden, Unsers | Thuns erinnern werden. Will man sich denn nicht bestreben, Hier auf Erden so zu leben, Daß man sich, in Gottes Werken, Seine Liebe zu bemerken, Und an seinen vielen Gaben, Wenigstens an jedem Tag, Einmal sich erfreut zu haben, Dort erinnern kann und mag? Herz- Herzlicher Wunsch. Herzlicher Wunsch. M eine Seel ist sehr vergnuͤgt; aber, bey den reichen Gaben, Die wir in so schwerer Menge, Herr von dir empfan- gen haben, Daß sie wirklich nicht zu zaͤhlen, und so groß als ungemein, Sollte sie noch mehr erfreuet, billig weit vergnuͤgter seyn. Ein noch weit durchdringender, ein empfindlicher Empfinden Sollte meine ganze Seele, zu noch heisserm Dank, verbinden, Und ein feuriger Betragen, dir zum Ruhm, in mir entzuͤnden. Aber, ließ ich, nebst der Seele, meinen Leib vor Liebe brennen: Wuͤrd esdoch ein wuͤrdig Opfer, Herr vor dir nicht heissen koͤnnen, Also troͤst ich mich damit, daß, da aller Engel Choͤre, Aller Creaturen Schaaren, aller Himmel Himmel Heere, Dich nicht wuͤrdig loben koͤnnen, es wohl mir nicht moͤglich sey. Dennoch wuͤnsch ich inniglich, daß, nach aͤusserstem Vermoͤgen, Jch das Gute fuͤhlen moͤge! daß mir der beschehrte Segen Jnnig mag ans Herze gehn! daß ich stets, wie vielerley, Wie unzaͤhlig vielerley, Gnaden-Gaben und Geschenke, Jch erlangt und noch besitze, mit Vergnuͤgen, uͤberdenke, Daß ich redlich danken moͤg’! und daß meiner Lieder Lallen, Wie das Stammlen eines Kindes dir, o Vater, mag gefallen. Wort- Wort-Streit. Wort-Streit. N icht, etwas wirklich zu ergruͤnden, Nicht, daß man will die Wahrheit finden; Nein; Sondern dieß gemeiniglich: Mit Zung und Lunge zu probiren, Mit lautem Schreyen, uͤberfuͤhren, Daß du so klug nicht seyst, als ich, Daß meiner kluͤger, als dein Geist, Und viel erhabner. Dieses heißt, Mit einem Worte: Disputiren. Ge- Geringfuͤgigkeit unsers Danks. Geringfuͤgigkeit unsers Danks. D a so viel Millionen Choͤre, Von Engeln, deine Wunder preisen, Da so viel Millionen Heere, Von Himmeln, dir stets Ehr erweisen; Muß ja mein Dank wohl wahrlich klein, Und dir, Regierer aller Dinge! Gewiß nicht weniger geringe, Und kann nicht mehr betraͤchtlich seyn, Als wenn man, zu des Meeres Strand, Noch wollt ein einzigs Koͤrnchen Sand, Als eine große Gabe, legen. Wenn wir nun dieß mit Ernst erwegen: So will es fast nicht anders scheinen, Als das, was wir von Danken meynen, Sey eitel. Doch, wenn mans ermißt, Daß du, o Gott! auch groß im Kleinen, Und uͤberall zugegen bist: So scheint es doch auch offenbar, Daß dieß, zu unserm Troste wahr: Da dir, o Schoͤpfer, unser Stand, Und unser Dank nicht unbekannt; Es wird, aus Lieb und Gnad allein, Dir beydes nicht misfaͤllig seyn. unsre Lust gefaͤllig seyn. Ver- Erkenntniß der Werke Gottes. Vergnuͤgliche Erkenntniß der Werke Gottes. J ch lebe recht und wirklich, da ich hier, Jn deiner Creaturen Zier, O großer Schoͤpfer, mich an dir, Jn einer stillen Ruh, vergnuͤge, Und Lob und Dank, zu meiner Freude, fuͤge. Jch sehe deine Wunder an, Und zweifel’, ob ein Koͤnig kann, Von seinem Schimmer-reichen Leben, Ein wirklicher Vergnuͤgen heben, Und ob ihm alle seine Macht, Und ob ihm alle seine Pracht, Mehr wahre Freude koͤnne geben. Sein Schloß, von Marmor eingefaßt, Mit Gold und Purpur ausgezieret, Die seiner hohen Buͤrde Zeichen, Kann an den schoͤnen Welt-Pallast, Den, da desselben Pracht mich ruͤhret, Der Schoͤpfer fuͤr mich aufgefuͤhret, Und waͤr der noch so schoͤn, nicht reichen. Des Himmels Glanz, der Sonnen Gluht, Der gruͤne Wald, die glatte Fluth, Das Feld, der guͤldnen Aehren Meer, Sind mein, durch wiederhohltes Denken: Daß Erkenntniß der Werke Gottes. Daß nemlich Gott, zu seiner Ehr, Mich wuͤrdigt, der Geschoͤpfe Heer Jn solcher Fuͤlle mir zu schenken. Ach laß mich oft derselben Pracht, Und was sie herrlichs in sich hegen, O Schoͤpfer, der du sie gemacht, Zu deinen Ehren, uͤberlegen, Auch den darin gesenkten Segen Von dir fuͤr mich mit Lust erwegen. So werd ich, in Vergnuͤglichkeit, Die mir von dir geschenkte Zeit Jn Unschuld-voller Ruh, verbringen, Und deine Vollenkommenheit Nicht hier allein, auch dort besingen. Fer- Betrachtung des Weltmeers. Fernere Betrachtung des der Erde so nuͤtzlichen Weltmeers. Nach Anleitung des Spectacl. de la Nat. J ndem wir nun das weite Meer, als wie ein goͤttlich Werk, ermessen: Laßt uns desselben unbeschreiblich- und groͤßten Nutzen nicht vergessen. Wir werden, wenn wir dieß mit Ernst, und wie man billig sollt, ergruͤnden, Des Meeres und der Sonnen Wunder, zu Gottes Ehr, aus- nehmend finden. Unmoͤglich koͤnnt’ der Erdenkreis im Stande, wie er ist, be- stehn, Aufs wenigst muͤßte, was da lebte, unfehlbar sterben und vergehn, Wenn wir nicht Fluͤß und Regen haͤtten. Nun zeigt sich, daß von Fluͤß- und Regen, Und von dem, bloß allein durch sie, bey uns gewirkten Wunder- Segen, Das Meer, der Ursprung und die Quelle. Dieß Wunder ist wahrhaftig werth, Daß man die Weisheit, Lieb und Allmacht desjenigen in De- muth ehrt, Und die Bewunderns-werthe Ordnung, auf welche Weise dieß geschicht, Mit ehrerbietger Lust betrachtet. Es kommen, durch das Sonnenlicht, Br. VI. Th. D d Wie Betrachtung des Weltmeers. Wie alle Tropfen in dem Regen, auch alle Baͤch und Stroͤme her, Aus dem Behaͤlter aller Wasser, dem ja so tief-als weiten Meer, Wie schwer es auch zu glauben scheint. Daß sich, aus Duͤn- stungen allein, So ungeheurer Fluͤsse Meng ohn Unterlaß ins Meer ergiessen, Von welchen viel, in einer Weite, von mehr als achtzig Meilen, fliessen, Nebst allen Wassern auf der Welt, scheint keine Moͤglichkeit zu seyn, Ob sichs gleich wirklich so verhaͤlt. Der hellen Sonnen Wunderstral Zieht aus der weiten Wasserwelt, dem Meer, und dessen Ab- grunds-Thal, Durch des allmaͤchtgen Schoͤpfers Ordnung, solch einen Vor- rath in die Hoͤh, Von Duͤnsten, in die duͤnne Luft, daß man die Luft mit Recht wird koͤnnen, Ein ungemeßnes Reich von Duͤften, von feuchten Duͤnsten eine See, Die groͤßer, als die Tiefe selber, und Sammlung großer Waͤs- ser, nennen, Die aber droben, durch die Duͤnne, in solchen Stand gesetzet werden, Daß sie, durch Steigen und durch Sinken, zum Nutz und Be- sten unsrer Erden, Bereitet und erhalten sind. Aus deren Menge denn allein Nicht nur die Baͤche, Stroͤm und Fluͤsse, auch alle andre Feuch- tigkeiten, Die allen Pflanzen, allen Thieren, im Trank, die Nahrung zu- bereiten, Nur bloß entstehen, zugerichtet, und wie sie sind, formiret seyn. Nun Betrachtung des Weltmeers. Nun ist des Meeres Salzigkeit fuͤr uns ein fast unschaͤtzbar Gut, Und welches ihm, aus weiser Absicht, so, wie das Licht der Sonnen Gluth, Zu Anfang wirklich anerschaffen, nicht aber, wie man etwan meynet, Und wie es, aus verschiednen Gruͤnden, den Forschern der Na- tur-Kraft scheinet, Als ob es sein so noͤthig Salz, von seinen Ufern oder Bette, Und unterirdschen Gaͤngen zoͤge, und es nicht wirklich in sich haͤtte. Jndem, bey naͤhrer Untersuchung, wie tief man auch das Meer ergruͤndet, Dennoch auf dessen tiefem Boden, von Salz sich keine Spur befindet. Dieß Meeres Salz nun, daß es nicht in steter Stille sinken moͤchte, Und folglich die geschwaͤchte Kraft der Erden mindern Nutzen braͤchte, Wird es, o Wunder! unaufhoͤrlich, und stets durch Ebb und Fluth, geruͤhrt, Und die bestaͤndig regen Theile an allen Orten hingefuͤhrt. Wo etwas unsers Schoͤpfers Weisheit, und seine Macht und Liebe weiset, Wo etwas seine Absicht, Ordnung, und nie begriffne Wunder preiset, Wo was Bewunderung verdient: So ist es warlich Ebb und Fluth, Je minder sie begreiflich ist. Es hat der Schoͤpfer nicht allein Dem Meer, das, wenn sichs nicht bewegt, und immer wuͤrde stille seyn, D d 2 Ver- Betrachtung des Weltmeers. Verfaulen und verderben wuͤrde, die Wind’ und ihre strenge Wuth, Aus weiser Absicht zugetheilet. Er hat, weil diese noch zu fluͤchtig Und ungewiß, ein andres Mittel, das unveraͤnderlich und richtig, Das Meer in stetiger Bewegung zu unterhalten, ausgefunden, Und dadurch Nutzen und Ergetzen recht unverbesserlich ver- bunden. Daß wir den eigentlichen Grund von diesem Wunder nun nicht fassen, Soll jemand, der es untersucht, sich billig nicht befremden lassen. Denn, alle Dinge fassen wollen, ist stolzer Hochmuth; und hingegen Das, so wir unserm Schoͤpfer schuldig, fuͤr seine Fuͤhrung, nicht erwegen, Jst ein fast mehr als viehisches Betragen und Unwissenheit, Ja gegen seine Macht und Liebe, Verachtung und Undank- barkeit. Sind solche große Wunderwerke nicht unserer Betrachtung werth, Und daß man dessen Weisheit, Ordnung, Regierung, Fuͤhrung, Lieb und Macht, Der den Zusammenhang der Dinge geordnet und hervorge- bracht, Nach allen unsers Geistes Kraͤften, in froͤlicher Bewundrung, ehrt? Dieß Meer-Salz nun, das alle Wasser, auch Fisch, in ih- rer Daur erhaͤlt, Hat, ausser diesen Nutzbarkeiten, zu der Erhaltung unsrer Welt, Noch Betrachtung des Weltmeers. Noch zweyerley, so sehr betraͤchtlich. Das erste, daß die duͤnnen Theile, Ohn alle Hindrung, sonder Anstand, und ungehemmt, in ste- ter Eile, Durch die erhoͤhnde Kraft der Sonnen, sich mit den Duͤn- sten aufwerts heben, Und dadurch Luft und Erd und Pflanzen die Fruchtbarkeit bestaͤndig geben. Das andre, daß die schweren Theile, zu starker Duͤnstung widerstreben, Weil sonst zu viele Feuchtigkeiten sich in die Luft erhoͤhen moͤchten, Die denn, in gar zu vielem Regen, gewiß der Erde Scha- den braͤchten. Das Salz ist mit des Wassers Wesen recht innerlich vereint und fest, Wodurch sichs, durch der Sonnen Waͤrme, davon nicht gerne trennen laͤßt, Und da es, in der duͤnnen Luft, die Wirkungen der Waͤrme hindert, Sind, bis zur rechten Regens-Maaße, die Duͤftungen dadurch gemindert. Je mehr die Waͤrme Theilchen Salz begegnet, die ihr widerstehn, Je minder sind der Wasser Theilchen, die sich durch ihre Kraft erhoͤhn, Da nemlich das vorhandne Salz das Wasser in sich schwe- rer macht, So wird der Waͤrme Zug gemildert, und in die rechte Maaß gebracht. D d 3 Wir Betrachtung des Weltmeers. Wir haben denn dem Meer-Salz mehr, als wie man glau- ben wird, zu danken, Denn, durch dasselbe bleibt die Menge des suͤssen Wassers in den Schranken, So sonst, durch die zu schwere Menge, und von der Feuchtig- keiten Buͤrde, Anstatt uns Fruchtbarkeit zu schaffen, den Erdenkreis er- saͤufen wuͤrde. Wann oben nun gemeldet worden, es kaͤmen, einzig aus dem Meer, Die großen Wasser aller Fluͤsse, der Regen auch, aus Duͤn- sten her, So fast unmoͤglich scheinen will, da wir ja Wasserstroͤme kennen, Die mit so ungeheurem Guß, der mehr als achtzig Meilen breit, Mit einer schrecklich-schweren Last, in nimmer unterbroch- nem Rennen, Fast jeden Augenblick ein Meer ins Meer, mit strenger Hef- tigkeit, Und einem solchen Druck und Drang, ergiessen, stuͤrzen, welzen, treiben, Daß es kein Sinn zu fassen tuͤchtig, und keine Feder zu beschreiben: So ist es billig unsre Pflicht, um unsers Schoͤpfers Macht zu preisen, Daß alle Fluͤsse, Teich- und Seen, aus Duͤnsten stammen, zu erweisen. Dieß kann, mit groͤßrer Deutlichkeit, mehr uͤberzeuglich nicht geschehn, Als wenn wir, was Erforschungen, nebst der Erfahrung, zei- gen, sehn; Es Betrachtung des Weltmeers. Es haben viele weise Maͤnner, an manchem Ort, sich unter- wunden, Zu untersuchen, wie viel Regen, in einem Jahr, auf unsre Welt, Wohl fallen moͤcht, wozu sie denn, ein groß Gefaͤß hinaus gestellt, Entfernt von Haͤusern und Gebaͤuden. Da sie denn mehren- theils gefunden, Wenn sie, nach einem jeden Regen, die Hoͤh bemerkt, sie auf- geschrieben, Und endlich ordentlich addirt, daß es bey zwanzig Daumen blieben, So in Paris so wohl, als Zuͤrch, in London und in Amsterdam, Jn einem Jahr geregnet hab. Aus diesen laͤßt sich billig schliessen, Daß auf dem ganzen Kreis der Welt, in dieser Maasse un- gefehr, Und eins ins andere gerechnet, bald minder und bald etwas mehr, Die Duͤnste, die zu Regen worden, nach allem Ansehn, fal- len muͤssen. Doch, um noch mehrer Richtigkeit, und Ordnung, laßt uns uns bequemen, Und bloß nur funfzehn Daumen hoch, anstatt der zwanzig, anzunehmen: So wird sich dennoch so viel zeigen, daß, bloß auf einer Ru- then Erden, Auf fuͤnf und vierzig Fuͤsse Wasser, in einem Jahre, fallen werden, Den Fuß gewuͤrfelt angenommen. Dieß wird auf sechzig Meilen nun, So wie man sie in Frankreich hat, im Jahr auf vierzehn mehr noch thun, D d 4 Als Betrachtung des Weltmeers. Als sieben hundert Milliaren, nebst hundert funfzig Millionen, Dergleichen Cubscher Fuͤsse Wassern. Nun hat ja Frankreichs staͤrkster Fluß, Die Seine nemlich, ihren Stoff aus einem Dunst und Regenguß. Sie haben denn die Seine selber bey dieser Wasser-Last be- trachtet, Und daß sie lange nicht so groß, mit vielem Fleiß und Ernst, beachtet. Bequem dazu nun zu gelangen, Hat ein vernuͤnftger Mariotte sie so zu messen angefangen. Die Louvre-Bruͤcke, so die Seine durch Pfeiler in die Enge schliesset, Und unter deren breiten Bogen ihr Wasser unaufhoͤrlich fliesset, Jst auf vier hundert Fuͤsse breit, Das Wasser ist fuͤnf Fuͤsse tief, woraus zwey tausend Fuͤß entstehn. Um nun den Raum zu uͤbersehn, Den die zwey tausend Fuͤsse laufen, in einer angesetzten Zeit, Warf er ins Wasser einen Stock, und merkt in dessen Schnel- ligkeit, Zugleich die Schnelligkeit des Wassers, und fand, daß immer eine Laͤnge Auf die zwey hundert funfzig Fuͤsse, in einer jeglichen Minut, Durch die gewoͤlbten Bogen-Gaͤnge, Sich unaufhoͤrlich drang und floß. Allein, wir wollen uns bequemen, Und weil der Seine rege Fluth Nicht immer gleich geschwinde laͤuft; nicht mehr, als hundert Fuͤsse, nehmen, Anstatt Betrachtung des Weltmeers. Anstatt zweyhundert funfzig Fuͤsse: So kann ein jeder leicht erfahren, Daß die zweytausend Cubsche Fuͤsse, die jetzt noch an der Bruͤ- cke waren, Jn einer einzigen Minute schon hundert Fuͤsse sich entfernt, Woraus man uͤberzeuglich lernt, Daß an so viel zwey tausend Fuͤssen sie hinter sich her Raum gemacht, Als sie, auf ihrer stillen Reise, an Fuͤssen einzelne vollbracht. Hierauf nun trifft, ohn allen Zweifel und Fehl, die Rech- nung richtig ein, Es muͤssen von dergleichen Wasser, an solchen wuͤrfelichten Fuͤssen, Jn einer einzigen Minute, auf zweymal hundert tausend fliessen. Vermehret man nun diese Zahl mit sechzig; sind, in einer Stunde, Zwoͤlf Millionen solcher Fuͤsse, und noch an Millionen, acht, Mehr als zweyhundert achtzig noch, in einem Tag und einer Nacht, Dahin geflossen und gefahren: Jm Jahr ein folglich hundert fuͤnf, an wohlgezaͤhlten Mil- liaren, Und hundert zwanzig Millionen daruͤber. Also sie- het man, Daß diese Zahl, wie groß sie auch, doch an der Wasser- Fuͤsse Zahl, Jm Regen, als die sechsmal groͤßer, auf keine Weise rei- chen kann, Da sie auf sieben hundert vierzehn, von Milliaren, sich er- strecket, D d 5 Und Betrachtung des Weltmeers. Und hundert funfzig Millionen daruͤber. Hieraus wird entdecket, Wie in den Duͤnsten, Schnee und Regen, solch eine Last vom Wasser stecket, Woraus fast fuͤnfmal so viel Fuͤsse, als wie wir haben, koͤnn- ten werden. Wer nun, mit menschlichem Gemuͤth, die Wunder-Ord- nung uͤberlegt Und wie, durch solche Macht und Weisheit, der Bau des Wassers und der Erden, Auf eine solche weise Weise, regieret wird, mit Ernst erwegt, Und dann kein herrlich Regiment, kein’ Allmacht, keine Gott- heit spuͤrt, Die solche ungeheure Koͤrper, so leicht, so ordentlich regiert; Wie wird doch der sich selbst vernuͤnftig, begabt mit einer Seele, nennen, Und, zum verstaͤndigen Geschoͤpf, gemacht zu seyn, verlangen koͤnnen? Ueber- Ueberzeugliche Ueberfuͤhrung. Ueberzeugliche Ueberfuͤhrung. B. W as ist das fuͤr ein schoͤner Tag! genieß ihn! denke, daß er schoͤn; Er faͤhret sonsten schnell dahin, und wird, wie ein Geschrey, vergehn. M. Und wenn ich auch daran gedenke, wird er doch darum nicht verweilen, Er wird, in seiner regen Fahrt, so wohl, als sonst, von hinnen eilen. B. Wofern man eine Schuͤssel Fruͤchte, um deine Zunge zu ergetzen, Auf etwa einer Viertelstund, dir ließ auf deine Tafel setzen: So weis ich nicht, ob du derselben, dich wegern wuͤrdest, zu geniessen, Bloß darum, weil die Diener etwan sie, auf dem Tisch, nicht lange liessen. Du wuͤrdest dich, so viel ich denke, vermuthlich desto eh be- quemen, Dieselben desto eh zu nehmen. So laß auch einen schoͤnen Tag, ohn ihn, im Denken, zu geniessen, An den, der dir denselben schenkt, doch ungepruͤfet nicht verfliessen. Der Der Schoͤpfer uͤberall gegenwaͤrtig. Der Schoͤpfer uͤberall gegenwaͤrtig. E rweget doch die Ordnung in der Welt, Wie weislich, der sie schuf, sie auch erhaͤlt. Das Vieh, das selbst nicht saͤen kann, Trifft ungesaͤt sein Futter an. Es treibet ja, daß sie gesaͤttigt werden, Das Gras, fuͤr sie, von selbst sich aus der Erden. Der Mensch hingegen, welcher saͤen, Und egen, pflanzen, binden, maͤhen, So kann als soll; der hat dazu die Hand, Hat den besorgenden Verstand, Damit er viel mag wohl verwalten, Zu seinem Eigenthum, von dem erhalten, Den wir, in seinen weisen Werken, Nicht sehen koͤnnen: Doch so klar, So uͤberzeuglich offenbar, Jn ihrer Ordnung, ihn bemerken, Daß unser Geist darin ihn heller fast erblickt, Als wie ein leiblich Aug, ihn selbst zu sehn, geschickt. Je mehr wir uͤberall die Kraͤfte der Natur, Mit einiger Aufmerksamkeit, ergruͤnden, Je klar-und deutlicher wir eine helle Spur, Von Gottes uͤberall vorhandnem Wesen, finden. O Gott! da ich auf so viel Arten, Jn Feldern, Waͤldern und im Garten, Jm Meer, und in des Himmels Hoͤh, Den Der Schoͤpfer uͤberall gegenwaͤrtig. Den Ausbruch deiner Guͤt empfinde; Ja in, und an und um mich seh, Wie deine Guͤte, deine Treue, Mit jedem Morgen sich verneue, Und uͤberall den Schoͤpfer finde: So gieb, daß, in empfundner Lust, Mein Geist, in der geruͤhrten Brust, Dir diene, deinen Ruhm erhoͤh, Und dich mit allen Kraͤften preise, Auf eine dir gefaͤllge Weise! Nun kann ich dir, o Herr, zu schenken, Nichts dir anstaͤndigers erdenken, Als mit erkenntlichem Gemuͤthe, Fuͤr deine Weisheit, Macht und Guͤte, Von Herzen wuͤnschen, froh zu seyn. Doch spuͤr ich, daß auch selbst mein Wollen, Was wuͤrdigs, dir, o Herr! zu zollen, Scheint es gleich mein, dennoch nicht mein. Und, wenn auch solches soll gelingen, Es eben so, wie das Vollbringen, Von dir uns muß geschenket seyn. Wunsch Wunsch und die Allwissenheit. Wunsch. J ch finde meine groͤßte Freude, an deiner Creaturen Zier, Ach moͤchte diese meine Lust dir zum gefaͤllgen Opfer tuͤgen, Mein’ Anmuth dir gefaͤllig seyn! ach laß, o Herr, ich fleh zu dir, Mein durch dein Werk gewirkt Vergnuͤgen, aus Gnad und Liebe, dich vergnuͤgen. Die Allwissenheit. E s koͤmmt, von einem jeden Menschen’, das Hirn, als wie ein Schauplatz, mir, Denn die fuͤnf Sinnen stets veraͤndern; als Spieler, die Gedanken fuͤr. Was muͤssen nicht, an Lust- und Trauer, darin, o Schoͤpfer! hier auf Erden, Vor deinen alles sehnden Augen, fuͤr Schauspiel aufgefuͤhret werden! Nu- Nutzen der Erkenntlichkeit. Nutz der Erkenntlichkeit. D aß ich allhier, in sanfter Stille, Und sichrer Ruhe sitzen kann; Seh ich, aus deiner Liebe Fuͤlle, Als einen Stral der Gnaden, an. Ach moͤchte mich der Stral entzuͤnden! So wuͤrd ich die gewissen Spuren Der sonst verborgnen Gottheit sehn, Sein all erschaffend Wort verstehn, Und, in vernuͤnftigem Empfinden, Wie alles, was er schuf, so schoͤn. Sein’ Allmacht, Liebe, Weisheit finden, Und ihn am wuͤrdigsten erhoͤhn! Des Des Menschen Zorn Des Menschen Zorn thut nicht was vor Gott recht ist. D ie allerlaͤcherlichste Suͤnd, und schaͤdlichste Gemuͤths-Be- wegung Jst, wenn wir, durch des Naͤchsten Thun, uns das Gebluͤt in eine Regung, Und bittre Wallung bringen lassen, die Aergerniß und Ei- fer heißt: Wodurch der Koͤrper nicht allein in Krankheit, auch zugleich der Geist, Jn eine Art von Raserey, wie man den Zorn nicht unrecht nennet, Sich ungluͤckselig setzen laͤßt. Von allen Lastern, die man kennet, Hat jede, nebst des Stachels Spitze, doch auch noch Honig; aber hier Jst End und Anfang gallenbitter, und toͤdtlich Gift, durch welches wir Uns selbst mit Noth und Pein belegen, anstatt den Naͤchsten zu beladen, Und statt den schuldigen zu strafen, fast niemand, als uns selber, schaden. Die schnelle Gluth des regen Eifers ist Stuͤck- und Buͤch- sen-Pulver gleich, Das oben mehr, als seitwerts, schlaͤgt, und dessen toͤdtlich star- ker Streich, Des Nachbars Haus oft kaum erschuͤttert, sein eignes in die Luͤfte sprengt. Em- thut unrecht vor Gott. Empfindlichkeit ist hier der Schwefel, wozu der Geiz die Kohlen menget, Die Eigenliebe den Salpeter, der Eigensinn und Uebermuth, Zu dem so sehr gefaͤhrlichen, sich selbst verzehrnden Stoff, die Gluht, Zu eigenem Verderben fuͤget, von welcher Großmuths-vollen That, Man denn, statt billiger Belohnung, mit Recht noch Schimpf und Schande hat. Man seh ein zorniges Gesicht doch einst mit kalten Sin- nen an! Kann wohl zugleich was scheußlichers und laͤcherlichers auf der Erden, Wie solch ein halb Beseßner macht, und sich verstellt, gefun- den werden, Als den man selbst, kaum ohne Zorn und Furcht und Mitleid, sehen kann? Die Augen, voll von schwarzer Gluht, bemuͤhn sich gleich- sam zu verstecken; Die tiefgesenkten Augenbrahnen, die theils die wilde Scheuß- lichkeit Der glimmen Augen zu vermehren, und theils dieselbe zu bedecken, Nach aller Kraft, bemuͤhet scheinen, formiren zu derselben Zeit, Aus den sonst zierlichen Ovalen, zwo kleine tiefe Moͤrder- Hoͤhlen, Wodurch man den verstoͤrten Sitz der aufgebrachten wilden Seelen, Halb fuͤrcht-halb laͤcherlich erblickt. Er wuͤrde, Basilisken gleich, Br. VI. Th. E e Wenn Des Menschen Zorn. Wenn die Natur so strengen Gift ihm nicht versaget, ohne Zweifel, Den Feind, mit seinen Blicken toͤdten; er stuͤrzt ihn gar ins Hoͤllen-Reich, Und gaͤbe (wie die Zung es ja verraͤth,) ihn in der That dem Teufel. Sein schaͤumend Maul, bald laut, bald stumm, fuͤr Wuth und uͤbermachten Eifer, Druͤckt bald in seine untre Leffze die stumpfen Zaͤhne voller Geifer; Bald knirscht sein grimmiges Gebiß; bald speyt der aufgeriß- ne Mund Verwirrte Schmaͤhwort ohne Zahl, ja schreyt und bellet, wie ein Hund. Nun sehe man doch eine Larve, von so verzognen Zuͤgen, an, Ob man von einem Ebenbilde des Schoͤpfers was drin fin- den kann, Ja, ob auch nur was menschliches, in dem Betragen, sich entdecke. Was es noch vor betruͤbte Folgen, im Geist und Leib, und sonst erwecke, Jst uͤberfluͤßig zu erweisen. Man weis ja, daß des Eifers Macht So viel in Noth und Pein gestuͤrzet, und endlich gar ins Grab gebracht. Ach moͤcht ein Mensch, in seiner Hitze, doch einst vor einen Spiegel gehn, Und nur allein die aͤußre Stellung, vom Koͤrper und Gesicht, besehn: So thut unrecht vor Gott. So weis ich, wuͤrd er ganz gewiß ein Scheusal in sich selbst entdecken, Und fuͤr sein’ eigene Gestalt, die ihm doch sonst so lieb, er- schrecken; Wo nicht, so wuͤnscht ich, daß dieß Lied mit gnugsam kraͤftgen Farben ihnen, Ein aͤhnlich Bild des Zorns zu zeigen, statt eines Spiegels moͤchte dienen, Damit die ungluͤckselge Quelle der Bosheit, die Empfind- lichkeit, Mit mehrerm Ernst erkannt, verstopfet, und gegen sie, zu aller Zeit, Mit Macht gestritten werden moͤchte. Jch will mich wenig- stens bemuͤhen, So andern, als mir selbst zum Besten, die Unschulds-Mask ihr abzuziehen, Um dieß, dem Schein nach, Kind des Himmels, doch in der Wahrheit, Kind der Hoͤllen, Jn seiner eigentlichen Stellung, und ungeschminket, vorzu- stellen. Jch nenne die Empfindlichkeit, von unserm Naͤchsten nichts zu leiden, Die Misgeburth der Eigenliebe, den groͤßten Feind von al- len Freuden, Und unsern eignen groͤßten Feind, der, was uns die Natur gesetzt, Die Gottes, unsers Naͤchsten Liebe, und unser eigene verletzt. Zu viele Liebe vor uns selbst verursacht, daß wir selbst uns hassen, Daß wir die uns gesetzten Schranken, aus uͤbermuͤthgem Stolz, verlassen, E e 2 An- Des Menschen Zorn Anstatt, wie es zu unserm Besten, Natur und Schrift uns vorgeschrieben, Den Schoͤpfer, uns, und unsern Naͤchsten, uns gleich, gemein- schaftlich zu lieben; So reissen wir uns aus der Mitten, und lieben nichts, als uns allein, Wodurch wir denn, ganz uͤberzeuglich, bestaͤndig ungluͤckselig seyn. Mit unserm Jch allein beschaͤfftigt, erklaͤrt man sich fuͤr aller Feind, Und zieht, durch einen Wechsel-Handel, der jedermann erlau- bet scheint, Sich aller Feindschaft wieder zu. Wie kann mit unserm Wohlergehen, Da die Partey so gar nicht gleich, ein solch Betragen doch bestehen? Da, wie ein andrer Jsmael, man sich selbst gegen alle Welt, Und alle Welt auch gegen sich, hinwiederum verreizt und stellt. Wenn man, mit Ernst, den wahren Ursprung von der Em- pfindlichkeit erwegt: So ist die Wurzel nichts, als Hochmuth, der Samen zu viel Eigenliebe, Die Frucht, die diese boͤse Pflanze, und zwar in schwerer Men- ge, traͤgt, Sind bloß zu unsers Naͤchsten Schaden und Nachtheil ab- gezielte Triebe, Wodurch man aber mehrentheils sich selber nur Verdruß erregt, Und, da man andre schlagen will, sich selbst am allerstaͤrksten schlaͤgt. Nun thut unrecht vor Gott. Nun koͤmmt vom aufgeblasnen Stolz, das Mittel, das er brauchet, mir So unzulaͤnglich, als auch thoͤricht, und gar zu niedertraͤchtig fuͤr, Anstatt, wie er ja immer will, sich uͤbermuͤthig zu bestreben, Vor allen sich hervorzuthun, sich uͤber alles zu erheben, So macht er sich, durch Zorn und Eifer, veraͤchtlich, laͤcherlich und klein, Ja, zeigt dem andern selbst die Wege, daß er sein Herr und Meister seyn, Und seine Ruhe stoͤren koͤnne, so oft er will. Dieß zu vermeiden, Jst dieß das allerbeste Mittel, die einzge Cur: So bald ihr seht, Daß jemand, er sey, wer er sey, worin sich gegen euch vergeht, So zwinget euch, die erste Regung zu unterdruͤcken, ohn zu leiden, Daß man, wie ihr getroffen, merke. Dieß zeigt, daß ihr euch selbst besitzt, Es zeigt Verstand und Weisheit an, es zeiget Großmuth. Eure Minen, Die wenn ihr boͤs, euch scheußlich machen, die werden ohne Zweifel dienen, Euch Ehr und Beyfall zu erwerben, und eben diese Hand- lung nuͤtzt, Den Feind zu kraͤnken, zu verwirren, ihn zu beschaͤmen, klein zu machen. Euch wird man loben und bewundern, den andern hassen und belachen. Zu solchem kluͤglichen Betragen verbindet euch nun ja so sehr, Ein zugeblasner Eigennutz, als der Natur und Bibel Lehr, Den Naͤchsten, so wie euch, zu lieben, Denn, wenn ihr so den Naͤchsten liebet, so liebt ihr ihn, doch euch noch mehr. E e 3 Ge- Des Menschen Zorn Geschicht euch Unrecht, und ihr meynet, ihr muͤsset euch nothwendig raͤchen: So denk ich ein’ erlaubte Rache euch hier nicht eben abzu- sprechen; Jch will mit dieser meiner Lehre, zu eurem Besten, dieß allein: Jhr sollt, anstatt an euren Feind, euch nur nicht an euch selber machen, Anstatt nur ihm, euch wehe thun, nicht euer eigner Henker seyn. Wenn ihr euch noch so sehr erboßt: So wird er eurer Bos- heit lachen, Jndem ihr seinen Willen thut. Er kann ja, wie er will, euch lenken; Jhr plaget euch, auf sein Geheiß; ihr seyd sein Sclav; er wollt euch kraͤnken; Jhr kraͤnket euch, so oft er will. Hat ers nun aber nicht gewollt, Wie es zuweilen wohl geschicht, und was er that, waͤr aus Versehen, Aus Uebereilung oder Schwachheit, und gar aus Vorsatz nicht, geschehen: So uͤberlegt doch selbst einmal, ob euer aufgebrachtes Blut, Ob euer Eifern, Schaͤnden, Schmaͤhlen, Verfolgung, Bos- heit, Zorn und Wuth, Von Billig- und Gerechtigkeit, auch den geringsten Schein nur hege, Und ob man euer Thun fuͤr menschlich, und fuͤr vernuͤnftig halten moͤge, Da ihr, aus Uebereilung, euch und eurem Naͤchsten Schaden thut. Wer lachet uͤber Hunde nicht, die grimmig in die Steine beissen, Mit welchen sie ihr Feind geworfen? da wir hingegen, durch die Wuth, Viel- thut unrecht vor Gott. Viel toller noch, als Hunde handeln, nicht Feind, nicht Stein, uns selbst zerreissen, Wenn man, durch aufgebrachte Galle, sich kraͤnkt und sich am wehsten thut. Wer wollte nun, solch einem Feind zu widerstehn, sich nicht bequemen, Der, wenn er siegt, uns laͤcherlich, veraͤchtlich, toll und elend macht? Wer wuͤrde wohl das wilde Thier, das man im Busen hegt, nicht zaͤhmen, Wuͤrd es nur recht, nach seinem Wesen, die Folg, und die Gefahr bedacht, Kurz; soll, in deinem ganzen Leben, dich deine Thorheit nicht gereuen, So mußt du gleich, so bald dein Zorn nur eben seinen Anfang nimmt, Sobald dir, gegen deinen Naͤchsten, ein Funken in der Brust entglimmt, Anstatt ihn eifrig aufzublasen, nur eilig in denselben speyen. Du wirst dadurch im Stande kommen, durch deines Feindes eigne Waffen, Dir wahre Satisfaction, wie man es nennet, zu verschaffen. Hingegen bleibt es laͤcherlich, durch schnellen Eifer sich bemuͤhn, Sich selbst zu schaͤnden, sich zu plagen, sich Pein und Krankheit zuzuziehn, Und wenn ein andrer uns beleidigt, den andern nicht, sich selber strafen. E e 4 Him- Himmels-Betrachtungen. Himmels-Betrachtungen. J ch hatte juͤngst, am spaͤten Abend, verschiednes uns zur Lehr geschrieben, Als ich mich, durch die Heiterkeit des Himmels, kraͤftig ange- trieben, Und gleichsam recht gereizet fand, die Schaaren der gestirn- ten Hoͤhen, Zu meiner Lust, doch mehr zum Ruhm des Herrn der Schaa- ren, anzusehen. Jch nahm die Kinder mit heraus, um ihre Seelen auch zu ruͤhren, Und, durch dieß wuͤrdigste Spectakel, sie, auf der Wunder Quell, zu fuͤhren. Wir senkten unsre rege Blicke in den Saphiernen Abgrunds- Thal, Bewunderten, von so viel Lichtern, so wohl den stets verschied- nen Stral, Als ihr bestaͤndig reges Funkeln, doch noch am meisten ihre Zahl. Jndeß nimmt einer meiner Soͤhne, mein Jochim Wilhelm, ungefehr Ein ihm geschenktes Perspectiv, bemuͤht sich, in den tiefen Gruͤnden, Den Jupiter, der ihm vor andern am hellsten schien, dadurch zu finden, Und giebt, so bald er ihn gefunden, mit Jauchzen mir sein Fernglas her, Um diesen großen Glanz zu sehen. Jch nahm es, brauchts, und stutzte ganz, Ob Himmels-Betrachtungen. Ob dieses Sterns vergroͤßerten und durch das Glas ver- mehrten Glanz. Ein lieblich Licht, ein blaulicht Funkeln, ein stiller Stral, ein heller Schein, Durchfuhr mein Auge, traf den Geist, und nahm mich mit Vergnuͤgen ein, Erheiterte mein ganz Gehirn, und schien mein ganzes Haupt zu fuͤllen, Mit einer hellen Reinigkeit. Kunnt ich nun (weil das Glas zu klein,) Die vier Trabanten gleich nicht sehn, noch ihren richtgen Lauf enthuͤllen: So sah ich sie doch in Gedanken, und bethete die weise Macht Des, der sie wunderbar regieret, so wie er sie hervor gebracht, Jn tiefer Ehrfurcht froͤlich an. Es naͤhrte sich mein froher Sinn, An dieser großen Himmels Tafel, dem Herrn der Creatur zum Preise, Als wie an einer Himmels-Speise. Jch richtete mein Perspectiv nachher auf einen Firstern hin, Den Unterscheid des Lichts zu sehn, der zwischen ihnen und Planeten, Jch fand auch einen schnell. Allein, wie stutzte mein erstaunter Sinn, Als ich denselben kleiner zwar, doch in ihm solch ein buntes Blitzen, Jn | unaufhoͤrlicher Bewegung, als wenn viel Millionen Spitzen, Die bald Saphier, und bald Smaragd, und bald ein reiner Diamant, Bald schuͤtternde Rubinen schienen, in immer schoͤnerm Glanze, fand. E e 5 Dieß Himmels-Betrachtungen. Dieß zeigte mir den Unterscheid der Fixstern und Pla- neten klar, Und daß dieß nimmer stille Blinken ein wahres Sonnen-Feu- er war. Drauf fuͤhrt es, in erstaunter Ehrfurcht, mich auf die praͤch- tigen Gedanken, Von unsers Schoͤpfers großen Werken, ohn alle Grenzen, Zahl und Schranken, Durch ihre Groͤß, auf seine Groͤße. Jndem aus ihrer Groͤße, Pracht, Und Meng und Herrlichkeit, an Weisheit, an Liebe, Majestaͤt und Macht, Der allerwuͤrdigste Begriff, von einer wahren Gottheit, quillet, Die alles Denken, allen Raum und aller Himmel Himmel fuͤllet. O wahres Bildniß einer Gottheit, das etwas goͤttlichs sichtbar zeigt! Das aller Engel, aller Geister Begriff und Wissen uͤbersteigt, Vor dem, was auf und in der Erden, und unter ihr, die Knie beuget! So dacht ich, als ich, mit Entsetzen, in meinem Glase (dessen Laͤnge, Kaum eines Fußes lang, die Oeffnung keines Groschens groß,) Nebst meinem erst erblickten Fixstern, in des Saphirnen Abgrunds Schooß, Jch unverhofft, voll frohen Schrecken, vor Lust erstaunt, noch eine Menge, Von Stral-und Schimmer-reichen Sternen, jedoch von solcher Kleinheit fand, Daß fast nichts kleiners zu entdecken. Kein Sonnen-Staub, kein Koͤrnchen Sand, Bleibt Himmels-Betrachtungen. Bleibt bey der großen Kleinheit klein, Und scheint, mit dieser Sterne Kleinheit verglichen, wirklich groß zu seyn. Der Kleinheit aber unermessen, hat jeder Stern-Staub einen Schein, Der ihn so deutlich zeigt, so hell, so scharf, so spitzig und so rein; Daß Diamantne Nadel-Spitzen, Unmoͤglich bey dem hellsten Licht, so hell, so herrlich koͤnnen blitzen. O Gott, rief die erstaunte Seele, o Gott! was seh ich hier aufs neu, Woruͤber ich in Lust und Ehrfurcht, zugleich erschreck und mich erfreu. Anstatt, durch ein so kleines Glas, in den unmeßbarn tie- fen Hoͤhen, Die Groͤße, welche nicht zu messen, von einer Sonn allein zu sehen; Kann ich, durch solchen engen Raum, solch einen Raum vom Firmament, So wunderbar verkleint erblicken, daß man, nebst ihm, in seinem Schooß, So vieler Sonnen große Koͤrper, die nicht zu messen sind, erkennt. Jst, was hier unbegreiflich klein, doch dort ganz unbe- greiflich groß! Wie wunderbar ist hier die Kleinheit! die Groͤße ja so wun- derbar! Wie wunderbar des Raumes Tiefe! wie ungezaͤhlt der Son- nen Schaar! Da ein so kleiner Raum, von Sonnen, uns eine solche Men- ge weist! Ge- Himmels-Betrachtungen. Gebenedeytes Meisterstuͤck, das durch sich einen Meister preist, Den nichts sonst wuͤrdig zeigen koͤnnte, worin sich solche Wun- der haͤufen, Die, da der menschliche Verstand, fast alle Dinge zu be- greifen, Verwegen gnug sich untersteht, ihn so verkleint, so niederschlaͤgt, Daß er, wenn er von Sonnen, Welten, und Raum, die Meng und Groͤß erwegt, Sich selber fast vernichtigt findet. Man wird mit hoͤchstem Rechte koͤnnen, Den fast unendlich tiefen Raum voll Sonnen, einen Gottheit- Spiegel, Des Schoͤpfers Schatten, seiner Weisheit und Allmacht Mu- ster und ein Siegel, Daß er wahrhaftig da, der Lieb und Guͤte wuͤrdgen Vorwurf nennen. Die großen Werke scheinen fast, durch sich allein, sich zu- bestreben, Von der Unendlichkeit der Gottheit, ein sichtbar Probstuͤck abzugeben. O wahrer Gott! den solche Werke, die alles Denken uͤber- steigen, Jn einer wahren Majestaͤt, von einer wahren Gottheit, zei- gen! Wie hast du, um von deiner Groͤße viel mehr, viel wuͤrdigers zu fassen, Viel Mill-und Billionen Sonnen, in den unendlich tiefen Hoͤhn, Ja um sie, durch des Geistes Augen, an Welten noch viel- mehr, zu sehn, Und dich in ihnen zu bewundern, dieß Wunderglas erfinden lassen! Jetzt Himmels-Betrachtungen. Jetzt preisen allererst die Himmel die Ehre Gottes; aus den Sternen Des neu entdeckten Welt-Gebaͤudes ist Gott am wuͤrdigsten zu lernen. Da dieses Werkzeug auch den Schoͤpfer weit herrlicher, als sonst, uns weist: So weis ich nicht, warum man es kein goͤttlichs Offenbaren heißt. Hier wollte Gott dem Geist der Menschen sich erst, als einen Herrn der Schaaren, Zu seines Namens groͤßerm Preise, in groͤßern Wundern, offenbaren: Nicht nur die unermeßlichen, und ungezaͤhlten Koͤrper zeigen Des Schoͤpfers weise Macht allein. Da sie mit Wundern angefuͤllt, Mit Koͤrpern, Kraͤften, und mit Geistern, die alles Denken uͤbersteigen: So zeigt uns alles dieß, wie wuͤrdig der Gottheit sey, was aus ihr quillt: Und wie in nichts so offenbar, in nichts mit solcher hellen Klarheit, Jn nichts so wuͤrdig, hell und herrlich, die unumstoͤßlich ewge Wahrheit, Die allerreinste Gotteslehre, so augenscheinlich zu bemerken, Von einem Schoͤpfer und Erhalter; als bloß allein in seinen Werken. Die Die Werkstatt der Seelen. Die Werkstatt der Seelen. N achdem ich juͤngst, was ich vom Lamms-Kopf geschrieben, durchlas, und mein Singen Von neuen uͤberleget hatte, beschloß ich weiter noch zu gehn, Und ließ mir einen Todten-Kopf, aus meinem Cabinette, bringen, Um auch von dem den Bau der Knochen, in seiner Bildung, anzusehn. Jch sah ihn erst, von unsrer Dauer, als einen stummen Leh- rer an, Der aber, sonder Zunge, mehr, als der beredste, sagen kann. Doch war dieß nicht mein Zweck allein; ich lenkte meinen Blick und Sinn Auf den gewesenen Behaͤlter der Seelen, auf den Schedel, hin, Und fand ihn rings umher verschlossen, als einen Kerker und so dicht, Daß ausser, was durch unsrer Sinne Canaͤle, nemlich durchs Gesicht, Durchs Ohr, und sonst von aussen dringt; die Seele fern von allem Licht, Jm nimmer unterbrochnen Dunklen, ihr unbekanntes Werk betreibet, Und daß, so lange sie im Koͤrper, sie hier stets eingeschraͤnket bleibet, Nicht aber, wie mans insgemein, durch Vorurtheil verfuͤh- ret, meynet: Daß Die Werkstatt der Seelen. Daß sie im Himmel, in der Hoͤlle, in Ost und Westen, wie es scheinet, Gedanken von sich senden koͤnne, daß es bald nach America, Nach Nova Zembla, bald zum Suͤdpol, bald wiederum nach Asia, Sie wegzuschicken, gar nicht moͤglich; nein, daß die Seele fort und fort, Samt ihren Kindern, den Gedanken, bestaͤndig an demselben Ort, So lang wir leben, bleibt und wirkt. Die Bilder, die sich in sie senken, Durch nie verschloßner Sinnen Thuͤren, weis sie auf tausend Art zu lenken, Zu fuͤgen, wiederum zu trennen, sie zu vergleichen, zu be- denken, Sie zu vergessen, zu behalten, sie zu verwerfen, sie zu waͤhlen, Sie zu veraͤndern, bald sich lange mit ihnen gleichsam zu ver- maͤhlen, Bald wieder sich von ihnen scheiden, bald recht zu haben, bald zu fehlen, Bald sich an einigen zu aͤrgern, an andern bald sich zu er- getzen, Bald aus verschiednen ein Gebaͤud errichten, und zusammen setzen, Faͤllt ihr zuweilen leicht, bald schwer. Dieß scheint das wahre Thun der Seelen. Die Dunkelheit des Seelen-Sitzes scheint etwas helles zu entdecken, Und zu derselbigen Betrachtung ein Licht uns gleichsam an- zustecken. Kommt Die Werkstatt der Seelen. Kommt, laßt uns denn, so viel wir koͤnnen, aufmerksam in ihr Jnners gehn, Und wenigstens von ihren Grenzen, wo man sie selbst nicht sieht, besehn. Des Schedels Bau scheint an Figur fast einem Distillir- Helm gleich, Woran vermuthlich alle Bilder, die durch die Nerven ihn beruͤhren, (Vielleicht so wie die Duͤnst in Kolben, wenn sie darin sich sublimiren,) An den gewoͤlbten Boden schlagen,) indem sie wirklich refle- ctiren, Uns auch zum reflectiren bringen. Was vor ein Schatzhaus von Jdeen, Laͤßt sich, an dieser holden Werkstatt des beinernen Gewoͤlbes, sehen, Die wunderbar und unbegreiflich. Es scheinet ja wohl mehr, als werth, Daß, weil der Geist nicht sichtbar ist, man wenigstens die Blicke kehrt, Auf seinen Sitz, und ihn betrachtet, ihn bald bewundert, bald erwegt, Was vor Erstaunens-werthe Dinge, und Handlungen er in sich hegt, Auch daß der knoͤcherne Behalter, und diese kleine runde Hoͤhle, Nicht nur so viel man fassen kann, der eigentliche Sitz der Seele, Nein, daß man auch zugleich samt ihren, auch ihrer Kinder, der Gedanken, So kuͤnstlichen Behaͤlter sieht, unkoͤrperlicher Geister Schranken. Jch Die Werkstatt der Seelen. Jch weis gewiß nicht, ob wir uns gar weit vom Weg der Wahrheit trennen, Wenn wir den Kolben-foͤrmgen Schedel, lebendge hohle Spie- gel nennen, Worin der Geist die Bilder fuͤhlt, und sie bald ordnen, bald vermischen, Bald wiederum ergreifen kann. Doch bleibt desselben wahrer Stand, Wie scharf man gleich aufs Denken denkt, doch in der That uns unbekannt. Es scheint uns, wie mit unserm Aug, auch so mit unserm Geist, zu gehn, Der Geist so wohl, als unser Auge, kann alles, nur sich selbst nicht, sehn: Es laͤßt jedoch auf diese Weise, wenn wir des Schedels Ruͤnd ergruͤnden, Als ob, wo nicht die Seele selber, wir doch derselben Gren- zen finden, Denn daß sie, in der That, sich weiter, als ihr Behaͤlter, sollt erstrecken, Davon kann unsre Seele selber, wie schon erwaͤhnet, nichts entdecken. Jch stelle denn den Kopf der Menschen, als einen kleinen Schauplatz, mir, Worauf der Schmuck der schoͤnen Welt verkleinert uns sich zeiget, fuͤr. Die Augenlieder scheinen Decken, die Bilder-foͤrmigen Jdeen, Worauf, wenn selbe sich verbinden (so wie aus Lettern Wort entstehen,) Br. VI. Th. F f Ge- Die Werkstatt der Seelen. Gedanken auch gefuͤget werden, die scheinen Spiegel, und der Geist Laͤßt anders nicht, als wenn nur er die regen Spieler spielen heißt, Nach dem er ihnen Rolen giebt, nach dem er sie zusammen fuͤget, Nach dem er selber aufgeraͤumt, nach dem ihn etwas ruͤhrt, ver- gnuͤget, Empfindlich, lieb ist oder widrig. Die Vorwuͤrf sind es nicht allein, Doch scheint auch er allein der Vater, von den Gedanken, nicht zu seyn. Die Vorwuͤrf helfen, wie es scheint, oft zur Formirung der Gedanken, Oft aber thun sie nichts dazu. Die Umstaͤnd, Armuth, Reich- thum, Zeit, Gesellschaft, gut und boͤs Exempel, vermehren, in ihr’, Lust und Leid. O welch ein Schauplatz voll Veraͤndrung! was muͤssen nicht, auf dieser Erden, Fuͤr viele Lust und Trauerspiele, nicht bloß in einem Kopf allein, So lang in ihm gespielet wird, bestaͤndig vorgestellet seyn! Was muͤssen auf einmal, in allen, vor Scenen aufgefuͤhret werden! Ja was sind nicht auf dieser Erden, und zwar vom Anbeginn der Welt, Auf den Theatern aller Koͤpfe, vor Scen und Acten vor- gestellt, Die Die Werkstatt der Seelen. Die der allein nur spielen siehet, und sah, dem unsers Herzens Grund, Und die verborgensten Gedanken so gut, als wie uns selber, kund. Noch mehr, was sieht dieß große Wesen, was so auf Er- den, als dem Meer, Noch kuͤnftig wird, an gut und boͤsen, gespielet werden, schon vorher? Laßt, um von einem einzigen nur was zu sehen, uns bemuͤhn, Jn die Comoͤdie zu gehn, die Deck ein wenig aufzuziehn, Und was wir sehen und verstehn, was wir vernehmen, was wir hoͤren, So viel es unsre Kraͤfte leiden, so andern, als uns selbst, er- klaͤren. Daß ich nun mag, so viel mir moͤglich, den vorgestreckten Zweck erzielen, Und mich und andere belehren: So will ich vor mir selber spielen. Jch kehr das Fernglas auf mich selbst. Auf mit dem Vor- hang! alles frey! Damit, was sich so gern verbirgt, was deutlicher zu sehen sey. Und mich kein Vorurtheil verwirre! Wie aber geht denn die- ses an, Daß ich der Schauplatz, Spieler, Schauer, zugleich auf ein- mal, werden kann? O ja, daß dieß, wovon ich handle, selbst der Natur der Men- schen eigen; Davon kann auch so gar ein Traum dir eine klare Probe zeigen. F f 2 Kann Die Werkstatt der Seelen. Kann man nun etwas, wenn man traͤumet, und mit geschloß- nen Augen, sehn; Warum sollt es, mit offnen Augen, und wachend, denn nicht auch geschehn? Auf! laßt uns dann, was sonst nicht sichtbar, als sichtbar, uns vor Augen legen. Zu Anfang zeiget sich in mir, was um und ausser mir zugegen. Wenn ich in einem Zimmer bin, seh ich ein Zimmerchen, im Kleinen, Das uͤberall dem großen aͤhnlich, im Schauplatz des Gehirns, erscheinen. Waͤr eine Landschaft noch so groß, so wird sie unbegreiflich klein, Und senkt, mit Farben und Figur, durchs Auge, sich ins Hirn hinein. Die uns in selbigen entdeckte so wunderbar formirte Klein- heit, Scheint, ob mans gleich nicht deutlich faßt, doch mit dem Geist zu einer Einheit, Auf eine Weise, zu gelangen, wovon uns alles unbekannt. Die Schranken des Gehirns, die Haut (die recht als eine glatte Wand, Zum Grund und Centro, daß daran die Bilder fallen, aus- gespannt, Die aber, weil sie selber lebet, die Bilder selbst empfin- den kann,) Seh ich dadurch, als einen Spiegel, der selbst beseelt und reg ist, an. Die Seele selbst nun, deren Wesen wir (eben wie sich unsre Augen, Nicht selbst, ob sie gleich alles sehn) dennoch nicht recht zu se- hen taugen, Scheint Die Werkstatt der Seelen. Scheint hier doch am geschaͤfftigsten; wir koͤnnen hier ihr wirkend Spielen Mehr, als an einem Ort im Koͤrper, wenn wir drauf achten, gleichsam fuͤhlen. Wenn wir uns hier, von allen dem, was wir von unsrer Seelen Wesen, Und Wirkung, bey den Philosophen gesehn, gehoͤret und gelesen, Von allen in derselben Schriften enthaltnem Vorurtheil ent- fernen, Und weil es uns ja selbst betrifft, auch selber nachzudenken lernen: So treffen wir zwar in derselben nicht eben so viel Klar- heit an. Denn, wenn ich mich von allen ab-und auf und in mich sel- ber senke, Die Augen schließ, und so im Dunkeln, auf sie mit allen Kraͤften denke: So, deucht mich, fuͤhl ich eigentlich, von Bildern, Formen und Figuren, Wenn ich mich ihr erinnern will, im Hinterhaupte mehr die Spuren, Als sonst an einem andern Orte in meinem Haupt. Wenn ich hingegen, Auf etwas, das nicht leiblich, denke, mit Fleiß und Ernst wohl uͤberlegen, Und gleichsam Schluͤsse machen will: So deucht mich, daß ich fuͤhlend sehe, Daß es mehr vor-und oberwerts, und nicht an einem Ort geschehe. F f 3 Es Die Werkstatt der Seelen. Es scheint mir, daß, so viel ich immer im Denken, davon fuͤhlen kann, Man treff, in des Gehirnes Grenzen, der Seelen staͤrkste Werk- statt an; Mich deucht, es sey, vom Hirn und Hirnchen die Haut, als ihre aͤußern Schranken, Der Bildungsort, der Sammelplatz, und auch die Schran- ken der Gedanken. So viel, in dieser dunkeln Kammer, wir nun noch ferner merken koͤnnen, So muͤssen wir, das, was wir, Willen und gar den frey- en Willen nennen, Auch hier, und nicht im Herzen suchen. So viel ich auch in meinem Sinn, Mein Wollen wohl zu untersuchen, mit Ernst bemuͤht gewe- sen bin: So deucht mich, daß Verstand und Wille, und andre Kraͤf- te sich nicht trennen. Daß, da die andern alle droben, und in Gehirn verbun- den seyn, Man einen ganz besondern Sitz, fuͤr unsern Willen bloß allein, Mit Unrecht niedriger bestimmet. Da doch, im Willen, bloß die Suͤnden, Jm Willen auch die Heils-Ergreifung, der Glaube, ja allein zu finden. Nun wollt und sollt ich billig weiter, um von der Seelen mehr zu fassen, Mich, | in das dunkle Heiligthum, bemuͤhn, mich tiefer ein- zulassen, Doch Die Werkstatt der Seelen. Doch find ich hier, in meinem Wesen, zwar eine, doch so dunk- le, Klahrheit, Zwar ein, doch fast verdecktes, Licht, zwar eine, doch so dunk- le, Wahrheit, Daß ich, um mich nicht zu verirren, aufs neu der Demuth Faden nehme, Und, zu des wunderbaren Toͤpfers Lob, Preis und Ehre, mich nicht schaͤme, Jn tiefer Ehrfurcht zu bekennen: Dir sind die Werke deiner Hand, Allein, Anbethungs-wuͤrdger Schoͤpfer, allein, und keinem sonst bekannt. Wobey die Demuth mir zugleich, in unsers Kopfs Be- trachtung, zeiget, Daß, allem Ansehn nach, der Geist, wie sehr man sein Erken- nen haͤuft, Doch nimmermehr zu solchem Grad, wodurch er Gottes Thun begreift, Wie er jedoch so gerne wollte, und sich darnach bestrebet, steiget. Mir faͤllt demnach auch hier, aufs neu, die oft erwaͤhnte Wahrheit ein: Die Gottheit will, auf dieser Welt, bewundert, nicht begriffen seyn. Damit inzwischen die Betrachtung nicht sonder Nutz im Leben sey: So faͤllt, beym Schauplatz im Gehirn, mir dieses Lehrexem- pel bey, Wann auf dem Schauplatz wo der Rang der Scen einst aus der Ordnung kommen, Und nicht so bald zu aͤndern ist, wird auf dem Schauplatz ins- gemein, F f 4 Gleich Die Werkstatt der Seelen. Gleich etwas, um das, was verschoben, zu recht zu bringen, vor- genommen, Ein Mittel-Centrum vorgeschoben. Wohinter man, Jndem man etwas Zeit gewinnt, das, was nicht richtig, aͤn- dern kann. So muͤssen wir, wenn die Affecten, bey uns verwirret, uns bemuͤhn, Weils sonst so schnell nicht moͤglich, schnell ein Mittelcentrum vorzuziehn, Uns etwas anders vorzustellen, und einen Vorwurf zu erwaͤhlen, Sollt es auch mit Gewalt geschehn. Durch welches Mittel wir der Seelen, Jn Ordnung wiederum zu kommen, und sich zufinden, etwas Zeit, Und sich ein wenig einzurichten, die noͤthige Gelegenheit, Am allersichersten verschaffen. Denn unsers Geistes Art koͤmmt mir, Wenn man ihn ernstlich untersuchet, daß er stets weiter ge- het, fuͤr. Jst er im Guten; geht er weiter. Dieß thut er auch, wenn er verwirret. Jst er aus seinem Gleichgewicht und aufgebracht: So wallt und irret Er immerfort; wofern man ihn, Nicht gleichsam, als mit einem Ruck, bemuͤhet ist, zu recht zu ziehn. Allein, indem ich dieß erwege, faͤllt mir, bey der Betrachtung, bey, Ob dieß nicht sehr erniedrigend, fuͤr uns und unsre Seele sey, Zu glauben, daß dieselbige, nebst ihren Kindern, den Gedanken, Jn einem knoͤchernen Behaͤlter, und in so sehr verengten Schranken, Als wie in einem Kerker, stecke. Dieß stimmt ja mit dem Glanz und Schein, Und Die Werkstatt der Seelen. Und Hoheit, die wir bisher an ihr geglaubt, nicht uͤberein. Allein, wir duͤrfen so nicht denken, wenn wir erwegen, daß die Seele, Jn dieser wirklich knoͤchernen, und in der That so kleinen Hoͤhle, Sich dergestalt verschrenkt nicht finde, daß sie durch Augen Mund und Hand, Jn Minen, Reden, Wirken, Schreiben, nicht den durchdrin- genden Verstand, Als wie im Stral, nicht sollte scheinen und in die Ferne wir- ken lassen, Daß sie imgleichen, was von weiten, durch Lesen, auch nicht sollte fassen, Nein, daß sie auch, in fernen Laͤndern, aus ihrem kleinen Sitz, regier, Und uͤber eine große Zahl Geschoͤpf ein Art von Herrschaft fuͤhr, So daß sie wunderbarlich groß, zugleich auch wunderbar- lich klein, Jn beyden folglich unbegreiflich, mit Recht wohl wird zu nen- nen seyn. Jn dieser Ungewißheit nun, ist es ja wohl, in unserm Leben, Das allerbest, und sicherste, wenn wir mit Vorsicht uns bestreben, Daß wir, zu unsers Schoͤpfers Ehren, wenn wir der See- len Stand erwegen, Zu wenig nicht, auch nicht zu viel derselben Wesen schaͤtzen moͤgen. F f 5 Auf Auf einen Tubum. Auf einen Tubum. D ieß Werkzeug ist ein Brillenglas, das unsre bloͤden Au- gen staͤrkt, Die unbekannte Sternen-Schrift, von der verborgnen Gottheit Wesen, An der Saphirnen Himmelstafel, die selbst der Schoͤpfer schrieb, zu lesen. Wieviel muß der Erfindung Werth sich weiter, als Co- lumbi, strecken, Da wir nicht eine neue Welt, solch eine große Meng ent- decken, Ja so viel Sonnen, und in ihnen, wenn wir derselben Quell ergruͤnden, Den großen Schoͤpfer aller Welten, der Sonnen Sonne, Gott, befinden. O wunderbar, fast heiligs Werkzeug! gebenedeytes Jn- strument, Wodurch man einen wahren Gott, als einen wahren Gott erkennt! Gott hat das menschliche Geschlecht, vor | nicht gar lang ver- floßnen Jahren, Hiedurch, auf eine neue Weise, gewuͤrdigt, sich zu offen- baren. Ob wir von dieser Himmelsschrift, in den so weit entleg- nen Hoͤhn, Nun gleich nicht alles fassen koͤnnen, noch den Zusammen- hang verstehn: So Auf einen Tubum. So kann man doch, von einer Gottheit, weit mehr, als erst, darin ersehn, Und werden wir gewiß ein mehrers, nach dieser Zeit, davon erfahren. Da nun von Gottes Herrlichkeit die Offenbarung all- gemein; Wie! daß wir nicht, auf andre Weise, dem Schoͤpfer davor dankbar seyn! Wie! daß wir nicht von seiner Allmacht, im Wunder A B C der Sternen, Mit ehrerbietigerm Bewundern, weit groͤßere Begriffe lernen, Beschaͤ- Beschaͤmung zweyerley Atheisten. Beschaͤmung zweyerley Atheisten. J ch habe leider wohl vor dem, von einer Atheisterey, Die man Stratonicam genannt, mit Widerwillen was gelesen, Die lehrete, daß von Natur, der Urstoffstheile wahres Wesen Mit Leben, mit Empfindlichkeit, und Sinnlichkeit begabet sey, Ja, daß ein jedes Theil, ob ihm Vernunft gleich fehlt und Wissenschaft, Sich doch an sich begabet finde, mit einer Denk-und Zeugungs- Kraft. Jch hab auch, nach der Zeit, von der halb klug-halb laͤcherli- chen Lehr, Von einem Zufall aller Dinge, von einem blinden Ungefehr, Gar viel gehoͤret und gelesen: So weit sich meine Kraͤft er- strecken, War ich zuweilen auch bemuͤht, derselben Schwaͤche zu entdecken. Heut aber treff ich, gegen beyde, solch einen weisen Lehrer an, Von dem ich, sonder Eitelkeit, mir dieses wohl versprechen kann: Daß er, mit solchen starken Schluͤssen, daß sie gefehlet und geirrt, Vielleicht nach eigenem Gestaͤndniß, sie voͤllig uͤberzeugen wird. Der große Lehrer ist ein Wurm, an dem sich nicht die Theil allein Von ungefaͤhr nur einmal fuͤgen, und ihn zum ganzen Wurm formiren, Nein Beschaͤmung zweyerley Atheisten. Nein, woran noch viel groͤßre Ding und Wunder anzutreffen seyn, Jndem an ihm, in der Veraͤndrung, ein doppelt Ungefaͤhr zu spuͤren. Jch will, wenn etwan wo ein Wind, mit einem ungefaͤhren Schnaufen, Von ungefaͤhr die fluͤchtgen Theile, von einem Staub-und San- des-Haufen, Jn heftige Bewegung braͤchte, einst einmal dieß mit dir gestehn: Es koͤnne, durch die mancherley Bewegung, ungefaͤhr geschehn, Daß kuͤnstliche Figuren wuͤrden, doch wirst du hoffentlich nicht wollen, Daß dieß noch lange nicht genug, nein, daß wir auch noch glauben sollen, Aus einer so von ungefaͤhr zu Hauf geweheten Figur, Wuͤrd, durch ein neues Ungefaͤhr, von ganz veraͤnderter Natur, Ein noch weit kuͤnstlicher und schoͤner Geschoͤpf, wie hier her- vorgebracht, Da das, was erst zu einer Raup, und einem schoͤnen Wurm gemacht, Der auf dem Bauch bestaͤndig kroch, und mehrentheils im Finstern lebt, Nachher in einem Dattel-Kern verwandelt wird, und gar zuletzt, Mit unbegreiflicher Veraͤndrung, in einen neuen Stand gesetzt, Da er, mit neuen schoͤnen Fluͤgeln, sich hurtig in die Luft erhebt, Ein neues Element bewohnt. Ein schon nicht moͤglichs Ungefaͤhr Soll, durch ein noch unmoͤglichers, in doppler Kunst und Ord- nung, wirken, Was Kunst und Weisheit uͤbersteigt. Faͤllt dieß zu glauben dir nicht schwer: So Beschaͤmung zweyerley Atheisten. So scheint ja wohl dein starrer Geist von Billigkeit und Redlichkeit, Jn deinen schwachen Schluͤssen leer. Der erste wird nicht weiter kommen, Mit seinen klugen Sonnen-Staͤubchen, die er zu seinem Satz genommen, Nebst ihrer wollenden-zusamt der zeugenden Beschaffen- heit. Die klugen Theile, die sich erst auf eine weise Art ver- bunden, Die aͤndern ihren weisen Schluß, und werden auf ein’ an- der’ Art, Jn einer ja so kuͤnstlichen, ja noch viel nettern Form, ge- paart, So daß der ersten Ordnung Rang, samt allen Fuͤgungen, verschwunden. Sie muͤßen sich denn unter sich, und zwar gemeinschaftlich, ent- schliessen, Sie wollten ihre Stellen aͤndern; sie wollten sich zusammen setzen, Auf eine schoͤne neue Weise, sie wollten sich nun einst er- getzen, Nachdem sie lange gnug gekrochen, in einem reinern Ele- ment, Worauf sich alles ordentlich, vernuͤnftig von einander trennt, Ganz anders sich zusammen webt, auf eine neue Art sich fuͤget, Gefaͤrbte Fluͤgel, helle Augen sich bildet, und von dannen flieget, Die Beschaͤmung zweyerley Atheisten. Die ihr bisher bethoͤrt gewesen, ihr armen Geister, ler- net, lernet, Da eine Raup, ein kleines Wuͤrmchen, euch euren Unfug klaͤrlich zeigt, Wie uns die kleinste Creatur, von Atheisterey entfernet; Wie man auf der Geschoͤpfe Leiter, zu einem weisen Schoͤp- fer steigt, Und wie man ihn, jemehr man hier die Wunder-reichen Werk ergruͤndet, Auch eine Weisheit, Allmacht, Liebe, und kurz die wahre Gottheit, findet. Beym Beym Eintritt Beym Eintritt in mein acht und funfzigstes Jahr. J ch kann Gottlob! heut abermal begluͤckt, gesund und mit Vergnuͤgen, Bey ungeschwaͤchten Leibeskraͤften, ein Jahr zu den vergang- nen fuͤgen. Wem anders, als dir Herrn des Lebens und unsers Wesens ganz allein, Kann ich, in froͤlichem Erwegen so vieler Guͤter, dankbar seyn? Der aufgeklaͤrten Himmelsluft, die heute recht besonders schoͤn, Kann ich, mit unverletzter Brust, Gottlob! im Athmen, noch geniessen, Und das entwoͤlkte Sonnenlicht, mit meiner Seelen Augen, sehn, So wohl als mit des Koͤrpers Aug. Jch seh, zum Stadt und Land erspriessen, Der Elbe Fluth recht majestaͤtisch in ihren rechten Graͤnzen fliessen. Jch seh, in noch bebluͤhmtem Grase, das fette Vieh; ich seh das Feld, Nachdem es reichlich Frucht getragen, auf einen neuen Sa- men warten. Jch seh mit Frucht beladne Baͤume, voll bunten Glanz, in meinem Garten, Und kurz, mit irrdischem Vergnuͤgen in Gott, seh ich annoch die Welt, Jch in sein acht und funfzigstes Jahr. Jch leb in Ruh und stolzem Frieden, im angesehnen Ehren- Stande, Genieße mancherley Vergnuͤgens, so wohl zu Wasser, als zu Lande. Die Meinen sind Gottlob! am Geist und auch am Koͤrper, all- zumal, Vergnuͤgt, gelehrig und gesund, sind ihrer acht gleich an der Zahl. Jch seh die Großen sich vergnuͤgen, die Kleinen, wie die Rehe, springen, Und mir, in ihrer froheu Unschuld, oft manches bunte Bluͤm- chen bringen, Dir, Herr, sey davor Preis und Dank,! auch davor, daß ich es erkenne, Daß ich erwege, was ich guts, an mir und an den Mei- nen, habe! Und daß ich oft vergnuͤget spreche: Dieß alles, Herr! ist dei- ne Gabe. Ach mehre meiner Andacht Flammen, daß ich in Dank- begier entbrenne, Und lebe, wie ich leben soll, so wohl wenn sanfte Winde wehn, Als wenn, nach deiner klugen Vorsicht, und allerweisesten Regierung, Beym oͤftern Wechsel aller Dinge, durch Regel-recht gefuͤgte Fuͤhrung, Jn unserm Zustand auf der Erden, auch etwan Wind und Stuͤrm entstehn, Wie mir denn auch, im vorgen Jahr, mein liebes Eh-Gemahl entrissen, Br. VI. Th. G g Wo- Beym Eintritt ꝛc. Wodurch denn meine Kinder halb verweyst, ich Wittwer wer- den muͤssen: So weis ich doch, indem ich weis, daß es dein Wille sey ge- wesen, Daß es, zu unserm Besten, dient, und sie von aller Qual genesen. Soll ich, nach deiner weisen Guͤte, Herr! diesen Tag noch oͤfters sehn: Ach so erhoͤre mein Gebeth, nebst aller meiner Kinder Flehn, Laß es, zuforderst dir zum Preise, zu unserm irrdischen Ver- gnuͤgen Jn dir, zu unsers Naͤchsten Nutzen, und unser aller Heil, geschehn, Und gieb, daß wir zum Bethen oft ein dir gesaͤlligs Dan- ken fuͤgen. Be- Beantwortung eines Einwurfs. Beantwortung eines wahrscheinenden Einwurfs. A. D u sprichst so viel von unsrer Schuldigkeit, Als Schoͤpfer unsern Gott zu ehren, Und sein’ unendliche Vollkommenheit, Durch unsre Ehre, zu vermehren. Allein, wenn ich die ganze Welt, Und was derselben Kreis fuͤr Buͤrger in sich haͤlt, So in der Fern, als in der Naͤhe, Mit einiger Aufmerksamkeit, besehe: So treff ich eine solche Zahl Vernuͤnftiger Geschoͤpf, in ihren Graͤnzen, an, Wovon man anders fast nicht glauben kann, Als daß dieselbigen, fast allzumal, (Nur etwan wenige von ihnen ausgenommen, Die zu der noͤthigen Erkenntniß kommen;) Jn diesem Stuͤcke blind, Und fuͤr des Schoͤpfers Ruhm, Gesicht-und Fuͤhl-los sind. Wie stimmet dieses doch mit deinen Lehren ein? Wann Gott den Bau der Welt, und seine Pracht, Zu seiner Ehr, hervorgebracht; Wie sehr muß, bey der meisten Menschen Seelen, Er seines großen Zwecks verfehlen? Da, von viel tausenden, die ihn auch Schoͤpfer nennen, Jhn in der That als Schoͤpfer wenig kennen. Wenn dieser Umstand, deiner Lehre Nur bloß allein zuwider waͤre: G g 2 So Beantwortung eines Einwurfs. So schien auch dieser bloß allein, Zum Widerspruch, gegruͤndet gnug zu seyn. B. So stark dein Einwurf scheint: So wirst du doch gestehn, Wenn wir denselbigen mit mehrerm Ernst besehn, Daß deine Schluͤsse gar nicht richtig, Dein Grund, das, was er will, nicht zu beweisen, tuͤchtig. Es wuͤrd, aus diesen deinen Schluͤssen, Unwidersprechlich dieß sonst folgen muͤssen: Da unter so viel Millionen, Die auf dem weitem Erdkreis wohnen, Sich nur so wenig Christen finden: So muͤßt auch unser Glaub allein Der rechte Glaube gar nicht seyn. Dieß wirst du ja, daß wir dieß glauben sollen, Wohl nimmer wollen. Zudem, so muß ich dir hierauf noch einst erzaͤhlen, Wie ich zum oͤftern that. „Dem Schoͤpfer koͤnnen ja Bewunderer nicht fehlen, „Da er ja aller Himmel Heere, „Zu seiner stets ununterbrochnen Ehre, „Voll ihn bewundernder andaͤchtger Geister hat. A. Doch wenn dein Geist, auf unsrer Welt, Von allen Jrrenden die Zahl Nicht eben fuͤr betraͤchtlich haͤlt, Die etwan auf einmal, Zu- Beantwortung eines Einwurfs. Zugleich auf unserm Kreis der Erden, Vorhanden seyn: So rechne doch, in deinem Sinn, Nicht nur die große Zahl, die auf der Welt vorhin, Vom Anbeginn der Welt, gewesen, nicht allein; Nein, auch diejenigen, so noch gebohren werden, Und sage denn, ob diese Anzahl klein? B. Und wenn auch dieses waͤre: So mindert alles dieß ja nicht der Gottheit Ehre, Und sind wir leicht zu uͤberfuͤhren, Daß, bey Versaͤumung ihrer Pflicht, Der Schoͤpfer nicht, Die Creaturen nur allein verliehren. G g 3 Er- Ermahnung. Ermahnung. W ie bist du doch, an Geistes Kraͤften, so schwach und un- begreiflich klein, Und bildest, mit des Geistes Kraͤften, dir so viel unbegreif- lichs ein, O Mensch! es will sich ja, von dir, ein kleines Koͤrnchen Sand nicht fassen, Und dennoch soll sich die Natur, von dir, ja Gott fast, fassen lassen. Sey nicht so stolz! besinne dich! und laß die Demuth bloß allein, Nebst einem aͤmsigen Bestreben, in den Bewundrungs-werthen Werken, Der uͤberall vorhandnen Gottheit, des Schoͤpfers, Lieb und Macht zu merken, Den Vorwurf deines Gottesdienstes, und deines Lebens Richtschnur seyn! Ueber- Beweisgruͤnde eines goͤttlichen Wesens. Ueberzeugliche Beweisgruͤude eines goͤttlichen Wesens. Nach Anleitung des Spectacle de la Nature. A baquis, ein Americaner, fand eine schoͤne Taschenuhr, Nun war ihm, wie die Zeit zu theilen, so wenig, als die Zahl, bekannt, Daher er sie, auf manche Weise, betrachtete, sie drehte, wand, Und endlich, daß sie zu eroͤffnen, von ungefaͤhr bemerkt und fand. Da sah er nun, und uͤberdachte, und forscht, und sann, um die Natur Der immer richtigen Bewegung der vielen Raͤder auszudenken. Bald meynet er, es sey lebendig; bald glaubt er, eine Gott- heit sey Jn diesem Zirkel eingeschlossen. Er glaubte dieß und vielerley, Ohn einst die Augen auf den Zeiger, und auf die Ziffern hin zu lenken, Noch eine Stundenzahl zu suchen. Auf gleiche Weise schei- nen wir, Mit der so großen Wunder-Uhr des schoͤnen Weltgebaͤudes, hier Durch tiefes Denken, Sinnen, Forschen, und scharfes Gruͤ- beln, zu verfahren, Zumal die Forscher der Natur, und aller Philosophen Schaaren. Sie wollen aller Dinge Grund, und wie es eigentlich gemacht, Erforschen, wissen und erfinden; Jnzwischen lassen sie die Absicht des großen Schoͤpfers aus der Acht. G g 4 Nun Beweisgruͤnde Nun werden solche Philosophen so viel nicht von der Wahr- heit finden, Als einer, der in seiner Einfalt, mit einem redlichen Gemuͤth, (Jndem er die verschiednen Wunder, und darin Gottes Finger sieht, Der, ihm zu gut, dieß Weltgebaͤude in solcher nutzbarn Ord- nung lenkt, Und der ihm taͤglich manchen Segen, und so viel Guts auf Erden schenkt.) Den Schoͤpfer anzubethen sucht. Das ganze Wesen der Natur, Wie droben schon erwaͤhnet ist, gleicht einer großen Wunder- Uhr, An welcher die verborgnen Federn nur bloß zu dieser Absicht gehn, Um andre Sachen uns zu zeigen, als welche wir an ihnen sehn. Ein Philosoph, der bloß allein auf dieser Federn Spiel, im Leben, Ohn daß er ihren Zweck bemerkt, mit allem Fleiß, hat Acht gegeben, Vergleicht sich dem Americaner; er macht sich ungemeine Muͤh, Dasjenige genau zu wissen, was sehr vergoͤnnt ist nicht zu wissen; Ja was vielleicht, mit allen Sinnen, und aller Muͤh, vermuth- lich nie Zu fassen und zu kennen moͤglich. Jnzwischen, daß er nie be- flissen, Den wahren Endzweck zu ergreifen, noch auf die doch so noͤth- ge Spur Der rechten Wissenschaft zu kommen, vom wahren Nutzen die- ser Uhr. Wozu eines goͤttlichen Wesens. Wozu ist die Natur uns denn? Zu welcher Absicht ist die Welt? Jst sie uns etwan auf die Weise, als wie ein Spiegel, vorgestellt, Jn welchem wir viel andre Sachen, als wie den Spiegel sel- ber sehn? Wie, oder etwan als ein Raͤthsel, das, unter mancherley Fi- guren, Uns etwas eingehuͤlletes und andre Dinge zu verstehn, Zu fassen und zu lernen giebt, worin fuͤr uns viel Vortheil stecken? Dieß ist die deutlichste Jdee, die von derselben zu entdecken. Es stimmt, so die Religion, als die Vernunft, hier uͤberein, Und heissen uns, mit allem Ernst, aufmerksam auf die Rede seyn, Die uns der Himmel und die Erde, zusamt der allgemeinen Welt, Jn einer oͤffentlichen Prodigt, uns allen unaufhoͤrlich haͤlt, Die uͤberall des Hoͤchsten Ehre verkuͤndigt, auch zugleich er- wegen, Jn seinen Werken, unsers Schoͤpfers unsichtbare Vollkom- menheit. So ist denn der Natur Betrachtung, wenn wir es ernstlich uͤberlegen, Die Gottes-Lehre aller Voͤlker, in einer solchen Deutlichkeit, Daß alle Menschen auf der Welt, durch sie, zu einem solchen Wissen Gelangen koͤnnen, welches sie, zu ihrem Besten, wissen muͤssen. Der erste Nutz, den viele Weise geglaubt, aus ihr heraus zu ziehn, War, daß sie sich verpflichtet hielten, daß wirklich eine Gott- heit sey, Mit vielen Gruͤnden zu beweisen, und darzuthun, sich zu bemuͤhn. G g 5 Ob Beweisgruͤnde Ob diese nun fuͤr ihre viele, nicht sonder Muͤh, gegebne Proben, Die uns so viele große Werke vor Augen legen, gleich zu loben, Und eben nicht zu tadeln seyn: So deucht mich dennoch dieß dabey, Daß ihre Arbeit sonder Nutzen. Man zieht ja keine Uhr herfuͤr, Damit man, daß ein Meister sey, der selbige gemacht, probier. Wer eine kuͤnstliche Machine, mit aufmerksamen Augen, sieht, Der kann ja nimmermehr von ihr, sie habe keinen Meister, meynen. Man brauchet keinen Zwang dazu, die zwo Jdeen zu vereinen, Die von einander nicht zu trennen. Wer aber doch in Zwei- fel zieht, Ob auch ein Meister sie gemacht, mit dem wird niemand sich bemuͤhen, Aus einem Jrrthum, voller Bosheit und Vorsatz, ihn heraus zu ziehen. Die viel-und großen Folianten, die zu dem Endzweck bloß allein, Daß sie, es sey ein Gott, beweisen, mit vieler Muͤh geschrie- ben seyn, (Wovon ein jeder ja sowohl, als daß er selbst ist, uͤber- fuͤhret,) Die Reden und die Predigten, die man an vielen Orten haͤlt, Damit, daß eine solche Wahrheit, die von sich selber aller Welt Unleugbar in die Augen stralet, recht uͤberzeuglich sey probiret, Gereichen, in gewisser Maaße, zum Schimpf der Leser und der Hoͤrer. Aufs wenigst scheints, daß es verlohrne und ganz vergebne Worte seyn; Jndem eines goͤttlichen Wesens. Jndem dergleichen brave Lehrer Zum voraus Atheisten setzen, die gar nicht sind; wo nicht, an Leuten Die Worte richten, welche nicht So vieler ernster Muͤhe wuͤrdig, noch werth, daß man mit ih- nen spricht. Jndem die allgemeine Welt, von goͤttlichen Vollkommen- heiten, Ein unvergleichliches Gemaͤld: So ist von dieser Schilderey Der Brauch und Endzweck nicht, zu zeigen, daß Gott ihr Mei- ster wirklich sey; Wohl aber uns zu uͤberfuͤhren, von goͤttlichen Vortrefflichkeiten, Von seiner Einheit, seiner Guͤte, von seiner Weisheit, seiner Macht, Von seiner Unabhaͤnglichkeit, Versehung, Majestaͤt und Pracht. Sie ist ein’ angenehme Schule, worin man, durch die Augen, lehrt, Und wo die Wahrheit unserm Forschen zuvorkoͤmmt, und sich zu uns kehrt, Jn einer aͤusserlichen Schoͤnheit, die, ohne daß wir uns bemuͤhen, Durch ihren eignen Reiz geschickt, von selbst uns zu sich hin zu ziehen. Ueber Ueber die Armenbuͤchse zu H. Ueber die Armenbuͤchse zu H. Auf Verlangen Jhro Excell. des Hrn. Geh. Raths von V. 1736. O Leser, wirf auf uns die Augen, Und laß doch unser Elend taugen, Dir, uns zum Trost, ans Herz zu gehn! Hilf diese schoͤne Ordnung stuͤtzen, Wodurch wir, auch Dir selbst zu nuͤtzen, Uns, wenn du willt, im Stande sehn. Erkenn, in unsrer Noth, dein Gluͤcke, Und unser bitteres Geschicke; Mach dir, im Gegensatz, den Stand, Den Gottes Guͤte dir geschenket, Worin dir fehlet, was uns kraͤnket, Den du sonst selbst kaum kennst, bekannt. Du kannst in uns den Schoͤpfer ehren, Ja gar dein zeitlich Wohl noch mehren. Wer Armen giebet, leiht dem Herrn. Der Schoͤpfer Himmels und der Erden Will selber unser Buͤrge werden. Wer leiht auf solchen Zins nicht gern? Was ihr verzehrt, ist weg. Den Erben Verlaßt ihr, was ihr habt, im Sterben. Nur einzig habt ihr das erspart, Was ihr den Duͤrftigen gegeben, Und dieses wird, in jenem Leben, Euch aufgehoben und verwahrt. Ueber Nutz der Betrachtung. Ueber die Armenbuͤchse zu H. W erther Fremdling! eh die Ordnung fuͤr die Armen vor- gekehrt, Warst du, durch ihr Aechzen, Seufzen, Klag und Betteln sehr beschwehrt. Jetzt, da du durch sie nicht leidest, leiden sie darum nicht minder: So vergiß denn ihrer nicht. Jhr seyd eines Vaters Kinder. Gieb, so wirst du wieder nehmen. Legst du fuͤr sie etwas ein: Wird, so wie dein ganzes Leben, deine Reis’ auch gluͤcklich seyn. Nutz der Betrachtung. D em, der mit recht geruͤhrter Seelen, Durch der Geschoͤpfe Wunder-Pracht, Zum deutlichen Begriff vom wahren Gott gebracht, Darf man nicht erstlich anbefehlen, Denselbigen zu fuͤrchten und zu lieben, Er wird gewiß dazu von selbst schon angetrieben. Un- Unselige Unaufmerksamkeit. Unselige Unaufmerksamkeit. E in Wesen bin ich, welches fuͤhlet, und welches, daß es fuͤhlt, begreift. Wenn ich, durch meine Sinne, nun, wie viel sich gutes an mich haͤuft, Empfind, und es nicht auch erwege: So liegt die Schuld ja bloß an mir, Daß ich nicht das, was mich umgiebet, des Himmels und der Erden Zier, So viele Millionen Vorwuͤrf im Wasser, in den gruͤnen Waͤldern, Auf hohen Bergen, in den Thaͤlern, in Buͤschen, auf den fla- chen Feldern, Jn schoͤnen Blumen-reichen Gaͤrten, nicht meines Denkens wuͤrdig achte, Es nicht erwege, nicht geniesse, indem ic h alles nicht be- trachte. Die ungluͤckselig’ Unterlassung, von dieser Gott geweihten Pflicht, Jst eine Wurzel unsrer Plagen. Man hat, und hat es den- noch nicht. Man sieht nicht, was man sieht; man hoͤret auch ja so wenig, was man hoͤret; Man schmecket, riecht und fuͤhlet nicht, was man doch schme- cket, riecht und fuͤhlet, Wodurch man, welches unvernuͤnftig und unerhoͤrt, sich selbst bestielet, Sich Unselige Unaufmerksamkeit. Sich selber alles Gute raubet, sich selber alles Boͤse schenkt, Anstatt vergnuͤgt zu seyn, sich quaͤlet, sich selbst mit Gift und Wermuth traͤnkt, Dem Naͤchsten Plag und Unruh macht, und was das schlimm- ste, Gott nicht ehret. Jndeß verfliegen unsre Tage, als wie ein Wind, wie ein Geschrey, Und unser ganzes Leben fliesset, als wie ein schneller Strom, vorbey. Zu welchem Theil von deiner Zeit, geliebter Mensch, zu wel- chen Jahren, Willt du, von aller Erden Schaͤtzen, den wirklichen Genuß versparen, Den man, im Denken nur, genießt, und welchen, ohne Den- ken, man Unmoͤglich nuͤtzen, minder noch, dem Geber davor danken kann? Schaͤd- Verabsaͤumung der Wunder Gottes. Schaͤdliche Verabsaͤumung, Gottes Wunder auf der Welt zu be- trachten. D ie Menschen, die in dieser Welt, und in der gegenwaͤrt- gen Zeit, Nicht ihres Schoͤpfers Weisheit, Macht, samt seiner Vater- Liebe, schmecken, Und die, mit ihrem Geist, allein in einer kuͤnftgen Ewig- keit, Jhn, als die Weisheit, Macht und Liebe, nur gleichsam in der Fern, entdecken, Die scheinen, (da sie blind und taub, fuͤr Gottes gegenwaͤrt- ge Gaben,) Fast keinen gegenwaͤrtigen, nur einen kuͤnftgen Gott zu haben. Schaͤd- Schaͤdlichkeit der Gottheits-Bilder. Schaͤdlichkeit der koͤrperlichen Gottheits-Bilder. W ie mancher hat, von Jugend auf, durchs Malers Pinsel-Spiel verfuͤhret, Anstatt der Gottheit, sein Gehirn, mit nichts, als Bildern, angefuͤllt! Was er von seines Gottes Wesen begreift und ehret, ist ein Bild, Jn welchen Bildern er doch Gott weit minder ehrt, als ihn verlieret. Nehmt ihm, aus seiner Phantasey, den alten Mann, das Lamm, die Taube; Was bleibt ihm von der Gottheit uͤbrig? Wo ist der Christ? Wo bleibt der Glaube? Br. VI. Th. H h Der Der uͤberfuͤhrte Atheist. Der durch sich selbst widerlegte und uͤberfuͤhrte Atheist. A. S chau, werther Freund, doch diesen Stein, mit ernster Ueberlegung an, Den ich von ungefaͤhr am Strande des weiten Elbe-Stroms gefunden, Wie regelrecht, wie glatt poliret, daß mans nicht glatter schleifen kann, Und wie so richtig alle Theil, in einer Festigkeit verbunden, An welcher weder Bruch, noch Spalt, in welcher weder Tiefen, Hoͤhn, Noch ungerade rauhe Stellen, und keine Hoͤckrigkeit zu sehn. Welch ein untadelich Oval! Man sollte fast unmoͤglich glaͤuben, Daß, sonder Ordnung, ohne Kunst, die Theilchen sich zusam- men treiben, Und ohne Geist so fuͤgen koͤnnten, daß bloß ein blindes Unge- faͤhr Von solcher zierlichen Figur der Ursprung und das Werk- zeug waͤr; Und dennoch ist dasselbe wahr. Erhellet nun, aus dieser Wirkung des Zufalls, nicht fast Sonnen-klar, Daß wir den Zufall blind, mit Unrecht, die Kunst mit Unrecht weise nennen; Da ja, wie dieser schoͤne Stein von ungefaͤhr sich bilden koͤnnen, Auf Der uͤberfuͤhrte Atheist. Auf gleiche Weis’ auch tausend Dinge, die uͤberall um uns vor- handen, Ja, daß vielleicht die ganze Welt, auch durch ein Ungefaͤhr, ent- standen. B. Jch finde diesen deinen Stein gewiß Bewunderns-wuͤrdig schoͤn; Es ist, wie an der ganzen Bildung, auch am Oval, kein Fehl zu sehn. Doch wird, aus seiner Form allein, was du verlangest, sich nicht fassen, Und was du daraus schliessen willt, gewiß daraus nicht folgern lassen; Wenn du dich anders recht besinnest. Wenn erstlich in der Steine Reich Unzaͤhlige Veraͤndrungen, und keiner je dem andern gleich, An Groͤß und Form gefunden wird: So muß daraus von selbst ja fliessen, Und kann man, sonder Furcht, zu fehlen, unwidersprechlich die- ses schliessen: Es muͤsse ganz nothwendig folgen, daß je und alleweg ein Stein Den andern uͤbertreffen muͤsse, und an Figur vollkommner seyn. Dieß bringt die Ordnung der Natur nicht anders mit, und dieses waͤr, Was du von mir verlangen koͤnntest, von deinem lieben Un- gefaͤhr. Doch ist auch dieß nicht einst gewiß; denn sollt es ganz un- moͤglich seyn, Daß etwan, eben zu der Absicht, dein schoͤn- und regel-rechter Stein H h 2 Nicht Der uͤberfuͤhrte Atheist. Nicht koͤnnte seyn gebildet worden, zu unsrer Unterredung eben, Um dir sowohl, als mir, zu nutzen, anjetzt Gelegenheit zu geben? Zudem, wenn wir in andern Dingen nichts, als das Aeußre, die Figur, Nur trefflich und betraͤchtlich hielten, nur die Bewunderns- wuͤrdig fuͤnden, Wenn nicht (zum Beyspiel) in den Thieren sich tausendfache Dinge fuͤnden, So innerlich als aͤusserlich, an Sinnen, Knochen, Fleisch und Haut, An Blut-Gefaͤssen, Knorpeln, Sehnen. Waͤr nicht ihr Koͤrper so gebaut, Daß nichts zu wenig, nichts zu viel, wenn so viel Millionen Roͤhren Nicht alle sonder Fehl bey allen, auf ihrer rechten Stelle waͤren: So moͤchte, wie von deinem Stein, man wo auf die Gedanken kommen, Ob haͤtte alles seinen Anfang von einem Ungefaͤhr genommen. Ja, waͤr auch dieses nicht genug: So wird ja die Vernunft, das Leben Bey Menschen, uns, fuͤr deinen Stein, ja noch wohl einen Vor- zug geben. A. Es ist noch nicht so ausgemacht, ob, wie die koͤrperlichen Wesen, Die sogenannten geistigen, nicht auch aus zartem Wesen sich Verbinden, und sich fuͤgen koͤnnen. Es sind so wenig innerlich, Als aͤusserlich, der wahre Zustand, die wirkliche Beschaffenheit Des Der uͤberfuͤhrte Atheist. Des Anfangs-Stoffs, der sonder Theile, wie man jetzt lehrt, bestehen soll, Dem Menschen eigentlich bekannt. Es koͤnnte dieser ja sowohl Vernuͤnftiger und kluͤger seyn, als wir von seinen Wirklich- keiten, Nach unsers Geistes Kraft, ihn halten: Jndem, um hierin nicht zu fehlen, Wir einen deutlichern Begriff vom wahren Wesen unsrer Seelen, Der wir in allen Dingen glauben, vorher nothwendig haben muͤssen. Denn, falls von unsrer Lehrerinn, wir ihre Kraft und Art nicht wissen: So wird man stets vernuͤnftig zweifeln, und stets auf unsrer Hut zu seyn, Fast nimmer unterlassen koͤnnen, damit kein Trug, kein falscher Schein Uns von dem Weg der Wahrheit bringe. Nun fehlt uns ja die Wissenschaft Vom Geist, dem allgemeinen Richter, so, wie von allen andern Dingen; Wie kann man denn mit Recht verlangen, ins Jnnerste des Stoffs zu dringen, Und daß es so sey, und nicht anders, mit einem festen Ton er- zwingen? Nun fragt sichs, obs nicht moͤglich waͤre, daß, durch verschie- denes Bewegen Uns unbekannter Geistigkeiten, ein Wesen sich von ungefaͤhr Auf Koͤrper Art verbinden koͤnne, wodurch ein’ Art von Ueber- legen Jn selbigem entstehen koͤnnte, das kluͤger, als der Koͤrper, waͤr. H h 3 Wo- Der uͤberfuͤhrte Atheist. Wofern nun dieses nicht unmoͤglich, haͤtt alles sich ja fuͤgen, trennen, Und ohne Zuthun einer Gottheit, die ganze Welt entstehen koͤnnen. B. Wie wenig billig deine Saͤtz und Schluͤsse sind, will ich dennoch, (Um, wo es moͤglich, deine Seele, vom ungluͤckselgen Jrr- thums-Joch, Noch zu befreyen,) sie behalten, und hoff ich, durch dein’ eig- ne Waffen, Wie scharf du sie gewetzet haͤlst, mir, uͤber dich, den Sieg zu schaffen; Jedoch zu deinem eignen Besten. Denn alles, was von mir ge- schicht, Gereichet dir allein zu gut; Mein eigen’ Ehre such ich nicht. Jst es nicht wahr? Was auf der Welt von uns gewirkt, ge- baut, erdacht, Erfunden, was geschrieben wird, was alle Kunst hervor gebracht, Geschicht durch unsere Vernunft. Nun wird dein Geist selbst zugestehen, Daß alle Ding auf unsrer Welt, die gut, die ordentlich geschehen, Und richtig nach der Regel gehn, durch ihn nicht eingerichtet seyn, Durch ihn nicht ausgefuͤhret sind, daß weder Blumen, Gras noch Kraut, Durch unsere Vernunft, entsteht, daß es nicht regnet, auch nicht thaut, Durch unsere Vernunft und Ordnung, daß weder Mond-noch Sonnenschein Durch Der uͤberfuͤhrte Atheiste. Durch unser Zuthun stralt und leuchtet, einfolglich, daß die ganze Welt Durch unsere Vernunft sich nicht regieret, leitet und erhaͤlt, Nein, daß, was wir in ihr so weis, und richtig, ordentlich und schoͤn Hervorgebracht und unterhalten, regieret und gewirket sehn, Von einer anderen Vernunft, als wie der Sterblichen auf Erden, Nothwendig muß hervorgebracht, regieret und gewirket werden. Damit du dich nun nicht beschwehrest: So will ich etwas wei- ter gehn, Und deinen ungefaͤhrigen Zusammenlauf dir zugestehn. Da nemlich so, wie du vermeynest, von allen Dingen, die vorhanden, Kein einziges auf andre Weise, als durch ein Ungefaͤhr, ent- standen: So wirst du mir nicht leugnen koͤnnen, daß, wie dein Koͤrper und dein Geist Sein Wesen einem Ungefaͤhr nur bloß allein zu danken hat, Sich aus der Folge deiner Schluͤsse, es sich unwidersprechlich, weist, Daß eben dieses Ungefaͤhr, und dein Zusammenlauf der Dinge, Das Wesen mehr vernuͤnftger Wesen, als wie du selbst, nicht auch entspringe; Ja daß, wofern du billig bist, du schuldig, ihrer eine Zahl, Die fast nicht zu begreifen ist, die alle viele vielemal Dich an Verstand weit uͤbergehn, zu glauben, ja, daß eine Reih, Und eine Leiter solcher Geister, die fast ohn Ende, wirklich sey. Nun wuͤrde ja von allen diesen (da wirklich nichts im wei- ten Reich Der allbegreifenden Natur zu finden, das sich voͤllig gleich,) H h 4 Von Der uͤberfuͤhrte Atheiste. Von allen den vernuͤnftgen Geistern, nothwendig einer nur allein, Von allen der vollkommenste, der best-und allerkluͤgste seyn. Nun dieser allerbeste Geist wird, nach unbetruͤglich-klaren Schluͤssen, Die allerbesten Eigenschaften vor allen andern haben muͤssen, So, wie an Absicht und Begriff, auch an der Daur. Jn solchem Geist Scheint, daß sich zwischen einer Gottheit kein andrer Unter- scheid fast weist, Als der den Ursprung bloß betrifft. Nun frag ich dich auf dein Gewissen: Ob dein von dir gesetzter Satz, daß nicht nur alle Ding’ auf Erden, Die koͤrperlich; dein Geistgen auch haͤtt muͤssen von sich selber werden, Von dir so ernstlich uͤberlegt, so fest bewiesen, daß daran Dein eigen unparteyisch Herz, und kein Vernuͤnftger zwei- feln kann? Und ob es dir nicht tausendmal der Wahrheit aͤhnlicher muß scheinen, Daß etwas, so vernuͤnftig ist, zu seinem Ursprung anders keinen, Als einen, der vernuͤnftig ist, vermuthlich haben koͤnn und muͤsse? Leg einst den Satz, den du geaͤussert, und mit demselben un- sre Schluͤsse, Jn eine Wagschal mit einander; denk unparteyisch, uͤberlege Den Grund, den Satz, den Schluß, die Folge, von deiner Mey- nung: Dann erwege Den Grund, den Satz, den Schluß, die Folge der unsrigen: So wirst du sehen, Ob Der uͤberfuͤhrte Atheiste. Ob deine Schluͤsse nicht vielmehr auf ungefaͤhriger Jdeen Zufaͤlligen Zusammenlauf, und nicht auf festem Grunde, stehen. Hingegen, wie ohn Widerspruch, bey einer schoͤnen Schil- derey, Bey einem Uhrwerk voller Kunst, es ganz unwidersprechlich sey, Daß die Vernunft, die alle Theile, aus welchen sie bestehn, erlesen, Und sie so ordentlich gefuͤgt, muͤß eh, als beyde, seyn gewesen: Auf gleiche Weis’, und noch viel eh, muß dieser großen Wun- der-Uhr, Des Wunder-vollen Weltgebaͤudes, des schoͤnen Malwerks der Natur Quell, Ursprung, Schoͤpfer und Erhalter, nicht nach dem Wahr- heit-Schein allein; Nein, wirklich und unwidersprechlich, eh, als sein Werk, gewe- sen seyn. H h 5 Un- Ungluͤckliche Folgen Ungluͤckliche Folgen der Verwahrlosung unsrer Minen. M an sagt mit Recht, von unserm Auge, daß es des Geistes Spiegel sey. Wie geht es denn doch immer zu, daß man darauf so wenig achtet, Und, zu Vermeidung unsers Schadens, die große Wahrheit nicht betrachtet: Es sey fuͤrwahr nicht gleiche viel, gleichguͤltig nicht, nicht einerley, Ob man, im Spiegel unsrer Augen, in uns ein thierisch Herz erblicke, Voll Bitterkeit, voll Gram und Bosheit, voll Neid, voll Wi- dersinn und Tuͤcke, Wie oder ob ein sanft Gemuͤthe, in einem sanften Blick, sich zeigt. Wann nun das Aug ein solches Glied, das sich, nach unserm eignen Willen, Regieren, biegen, lenken laͤßt, das wir mit Grimm und Lust erfuͤllen, So Freud als Gram drin senken koͤnnen: So ist es ja wohl unerhoͤrt, Daß, da es selbst in unsrer Macht, uns, durch ein sanft und freundlich Lachen, Zu einem liebenswuͤrdigen und werthen Gegenstand zu machen, Man, durch die selbst formirten Zuͤge, sich in ein boͤses Thier verkehrt. Ja was noch mehr, dein bitter Auge verursacht Grimm und Bitterkeit, Jns der Verwahrlosung unsrer Minen. Jns Naͤchsten Auge. Dieses Bittre, verursacht, durch den Gegenblick, Dir wieder Grimm und Bitterkeit. Du kriegst selbst deinen Gift zuruͤck, Und oͤfters noch wohl stark vermehrt. Die giftige Beschaf- fenheit, Von fabelhaften Basilisken, scheint eine Wahrheit hier zu seyn. Ein zornig Auge schiesset Gift, | und floͤßt ihn nicht nur an- dern ein, Er schadet, recht wie durch den Spiegel der Basilisk, sich durch die Augen Der andern, die, durch ihn vergiftet, ihn wieder zu vergiften taugen. Da nun in Bildung des Gesichts, der Nutz so groß, die Muͤh so klein; Warum will man denn mit Gewalt ein Basilisk, ein Tieger seyn? Und nicht vielmehr durch Freundlichkeit und Sanftmuths-volle Minen, allen Ein Vorwurf suͤsser Regung werden, und eh verhaßt seyn, als gefallen? Klage Klage. Klage . J n einem schoͤnen Blumen-Garten, worin auf einem Blumen- Beet, Jn tausendfach gefaͤrbtem Glanz, theils niedrig, und zum Theil erhoͤht, Ein wunderschoͤnes Blumen-Heer, in seiner schoͤnsten Zierde, Ging Chrysidor, mit seinem Hunde, (stunde, Unachtsam hin und her spatzieren. So wenig der gefaͤrbte Schmelz, als des Geruchs gewuͤrz- te Kraft, Vermochten den geschaͤfftgen Hund, noch minder Chrysidor zu ruͤhren, Sie wußten nichts von ihrer Zierde, nichts von der Balsams- Eigenschaft. Jch saß in einer Sommerlaube, sah heimlich beyder Hand- lung an, Betruͤbte mich, daß aller Schmuck ein Menschen-Herz nicht ruͤhren kann, Und dachte mit fast bitterm Gram; wie kann doch dieses moͤglich seyn! Zuletzt gab die Betruͤbniß mir daruͤber die Gedanken ein: Ein Mensch, der seine Pflichten kennt, muß billig uͤber das Betragen Der Menschen, mit den bloß fuͤr sie so schoͤn erschaffnen Blu- men, klagen: Wie viele Menschen gehn, wie Hunde, auch mit den schoͤnsten Blumen um! Wie oder soll ich lieber sagen, mit einem Mitleid-vollem Grimm: Es geht ein Hund, es geht ein Thier, Mit dem so schoͤnen Schmuck der Erden, den Blu- men, eben um, als wir? Be- Heilungs-Beschaffenheit in der Natur. Betrachtung uͤber die Heilungs-Beschaffenheit in der Natur. Bey Gelegenheit meines verletzten Schienbeins. A us einer anfangs nur geringen Verletzung meines Schien- beins ward, Durch einen unerfahrnen Wund-Arzt, nach langem Salben, eine Wunde, Woran ich mancherley Beschwerde, Verdruß und bittern Schmerz empfunde, Bis es zuletzt gefaͤhrlich wurde. Das Bein war ganz ge- schwollen, hart; Es glaͤnzt, und stund im rothen Feuer, mit Blattern hie und da bedeckt, Die mit noch groͤßrer Heftigkeit, als andre heisse Stellen, brannten, Und, Pein und Sorgen zu vermehren, zuweilen in einander rannten, Wobey mich das Gestaͤndniß denn des Meisters noch am meisten schreckt: Er wuͤßte weiter nichts zu brauchen. Jch war an einem solchen Ort, Wo wenig bessere zu finden, bis ich, Gott sey davor gepriesen! Beruͤhmter Carpser, durch das Wasser, so du mir sandtest, al- so fort Jn einen bessern Stand gerieth. Die Huͤlfe, die es mir erwiesen, Nebst dem dazu verordneten und warmen Bande, werd ich nie, So Heilungs-Beschaffenheit in der Natur. So lang ich denken kann, vergessen, noch daß uns unser Schoͤp- fer hie, Jn dem Natur-Reich, Heilungs-Mittel, auch hin und wie- der Carpsers schenket, Ob sie gleich rar sind, die erfahren, was Gott fuͤr manche Kraft gesenket, Jn Kraͤuter, Wasser, Salz und Schwefel, und den lebendigen Mercur. Jnzwischen hab ich nachgesonnen, auf welche Weise die Natur Jhr nuͤtzlich Heilungs-Werk verrichte. Es brachte mich auf diese Spur Die Hitze, die, als wie ein Dunst, recht oben aus dem Scha- den fuhr, Und so gewaltig war, daß man sie, durch so vielerley Ver- band, Auf ein paar Handbreit von dem Schaden, an die darauf gehaltne Hand, Recht wie an einem Distillier-Helm, als einen feuchten Duft, empfand. Dieß staͤrkte mich in den Gedanken, die ich vor diesen wohl geheget, Daß alle Pflaster, welche man zur Heilung auf die Wunden leget, Von keinem andern Nutzen sind, als daß sie bloß von aussen wehren, Daß nichts, so schaͤdlich, sie beruͤhrt; naͤchst dem, daß sie die Waͤrme mehren, Durch die Verhinderung der Duͤnste, die stetig aus dem Koͤr- per eilen, Und Heilungs-Beschaffenheit in der Natur. Und die an die bedeckte Stelle, worauf das dichte Pflaster liegt, Wovon sie gleichsam ruͤckwerts prallen, gezwungen, etwas zu verweilen: Jndem vermuthlich dadurch eben, daß sie daselbst die Waͤrme haͤufen, Die Theilchen der Materie, die reifen sollen, besser reifen. Wodurch vermuthlich denn zugleich, wenn todte Theilchen weggeschafft, Durch uns noch unbekannte Wege, und bis daher verborg- ne Kraft, Sich neue Haut-und Fleisches-Theile, an die gesunden Theile fuͤgen. Denn jeder wird gestehen muͤssen, daß, waͤr ein Pflaster noch so rar, So wenig Fleisch, als Blut, noch Haut, in selbigem verhoh- len liegen. Vielmehr ist es unwidersprechlich, und, sonder allen Zwei- fel wahr, Daß alle Heilungen von innen, durch eigne Balsam-Kraft, entstehen, Und ausgefuͤhret werden muͤssen. Von mancherley Betrie- gerey, Die mit so vielen theuren Pflastern, aus Jrrthum, auch mit Fleiß geschehen, Macht die Erkenntniß und Entdeckung, verhoff ich, noch wohl manchen frey. Wann aber auch Verschmierungen mit Unverstand ge- schehen koͤnnen, Und, wie es leider mir geschehen, durch dickes Salben aller Dunst, Der Heilungs-Beschaffenheit in der Natur. Der aus dem Koͤrper duͤnsten muß, sich nicht so, wie es noͤ- thig, trennen, Und ordentlich vertheilen kann: So mag denn, in der Hei- lungs-Kunst, Verschiednen dieß zur Lehre dienen; weil dieß behinderte Bewegen Die duͤnnen Duͤnste ganz verdicken, und Schaͤrf und Hitze zu erregen, Gefahr und Schmerz zu mehren pflegt. Jnzwischen dank ich Gott von Herzen, Daß er das so bewaͤhrte Mittel, von des beruͤhmten Carp- sers Hand, Der Millionen Schaden heilt, zur Lindrung meiner scharfen Schmerzen, Und der Gefahr mich zu entreissen, zu rechter Zeit mir zuge- sandt. Brenn- Brenn-Spiegel. Brenn-Spiegel. E s kommen unser’ Augen mir, Als Spiegel, welche brennen, fuͤr. Wie sich, in ihnen, tausend Stralen des Lichts, die allent- halben scheinen, Jn einem kleinen Mittelpunkt, dem so genannten Heerd, ver- einen: So senken sich von allen Seiten, von den bestralten Creaturen, Die schoͤnen Brechungen des Lichts, die Farben, neben den Fi- guren, Jn unsrer Augen Mittelpunkt, woselbst sie sich natuͤrlich malen. Wie nun von oberwaͤhnten Spiegeln, da in dem Punkt ver- einte Stralen, Mit einem noch vermehrten Schein, Auf andre Vorwuͤrf ruͤckwerts fallen: So wird es wohl zu wuͤnschen seyn, Daß die von uns gesehnen Sachen, in sanft geruͤhrt-und frohen Minen, Auch frohen Worten oder Schriften, auch andre Menschen ruͤckwerts schienen, Um auch in ihnen eine Gluth von Andacht, unserm Gott zu Ehren, So anzufachen, als zu mehren. Br. VI. Th. J i Vor- Vorzug vor den Thieren. Vorzug vor den Thieren. D ie Thiere haben nicht die Macht, es mangelt ihnen Faͤ- higkeit, Die Creaturen zu betrachten, Und die darin verborgnen Proben der goͤttlichen Vollkommen- heit, Des großen Schoͤpfers aller Dinge, darin zu ehren und zu achten. Wir haben selbige bekommen; uns ist dazu Verstand gegeben. Wie, daß wir denn zu solchem Zweck, den Herrn der Creatur zu ehren, Jhn gar nicht anzuwenden streben, Und nicht zu seinem Ruhm empfinden, nicht schmecken, riechen, sehn und hoͤren! Blinder Eifer. W enn nicht die Obrigkeit gelindre Triebe naͤhrte, Und vielen Geistlichen den heilgen Eifer wehrte; Es wuͤrde, dem zur Ehr, der diese Welt gemacht, Der groͤßte Theil der Welt gelassen umgebracht. Un- Unbilligkeit vieler Menschen. Unbilligkeit vieler Menschen. W ir wollen Gottes Wege fassen, Gott aber will sich nicht begreifen, Und hier allein bewundern lassen. Er wollte seine Wunder haͤufen, Damit wir moͤchten, hier auf Erden, So sehr nicht witziger als besser werden, Und unsre durchs Geschoͤpf geruͤhrete Gemuͤther, Und ihn, den Ursprung aller Guͤter, Zu ehren, zu erhoͤhn, zu lieben, Durch frohe Dankbarkeit, doch waͤren angetrieben. Er scheint uns hier nichts zuzumuthen, Als ihn, als eine Quell von allem unsern Guten, Erkenntlich anzusehn, Und, bloß in unsrer Lust, ihn zu erhoͤhn. Dadurch, daß sein Geschoͤpf so schoͤn, Hat er auf sie die Augen ziehen wollen. Doch, da wir auf den Nutz der uns geschenkten Gaben, Zu unserm Besten, sehen sollen: So scheint er ihren Bau und innerliche Kunst, Mit einem dichten Nebel-Dunst Mit Fleiß fuͤr uns bedeckt zu haben. J i 2 Er Unbilligkeit der Menschen. Er will, durch den Begriff, so sehr nicht uͤberfuͤhren, Auf welche Weis er alle Pracht Der Wunder, die er schuf, gemacht; Er will uns, bloß durch seine Wohlthat, ruͤhren. So zeigen uns demnach die Wunder der Natur Die Menge goͤttlicher Geschenke nur. Jemehr wir nun darin die Wissenschaften haͤufen, Jemehr wir ihre Meng und große Zahl begreifen, Jemehr wir spuͤren, wie viel Gaben Wir von des Schoͤpfers Huld empfangen haben. Allein, was uns geschenkt, zu fassen, Und den, der es geschenkt, aus unsern Augen lassen, Heißt wissen, und undankbar seyn. Erweis- Verlust dreyer Sinnen. Erweislicher Verlust dreyer Sinnen. W enn wir, zu des Schoͤpfers Ehren, der die Sinnen uns gegeben, Sie, als goͤttliche Geschenke, anzusehn, uns nicht bestrebeu, Noch die Welt voll Wunder finden: So sind, ausser Ang-und Ohren, (Als durch deren Mittel man Gute Lehren endlich hoͤren, und die Bibel lesen kann,) Zu des großen Schoͤpfers Ehren, drey derselben ganz ver- lohren; Da im Riechen, Fuͤhlen, Schmecken Doch so große Wunder stecken; Und sie uns, auf manche Weise, Uns zum Nutz, und Gott zum Preise, Gottes Lieb und Macht entdecken. J i 3 Zier- Vernuͤnftiges Gebeth. Vernuͤnftiges Gebeth. D ieweil es nicht in unsrer Macht, Zu denken immer, wie wir sollen, Zu glauben alles, was wir wollen: So nehmet doch die Zeit in Acht, Wenn nicht zu viele Leidenschaften, Durch Umstaͤnd, an den Sinnen haften, Und rufet, mit Vertrauen, dann, Und einem kindlich-bruͤnstgen Triebe, Den Schoͤpfer um die Weisheit an: So wird er, als die ewge Liebe, Ein solches wohlgemeyntes Flehn, Voll vaͤterlicher Guͤte, sehn, Und voller ewgen Zaͤrtlichkeiten, Euch schon auf solche Wege leiten, Damit ihr seinen guten Willen, Bey eurem Hierseyn, moͤgt erfuͤllen. Klaͤgli- Klaͤgliche Unwissenheit. Klaͤgliche Unwissenheit. V om Schoͤpfer reder man so wenig im Christenthum, daß es fast scheinet, Wenn man von Gottes Werken spricht, daß man sich wundert, und fast meynet, Als ob im Schoͤpfer aller Ding, und Herrn der Schaaren, Ze- baoth, Man ihnen etwas predigte, von einem unbekannten Gott. Nothwendigkeit, wirthlich zu seyn. D ie wahre Weltweisheit faͤngt bey der Wirthschaft an, Durch Wirthschaft bloß allein kann man in Ruhe leben, Bequem und gastfrey seyn, auch Duͤrftgen etwas geben. Mit welchem Recht erforscht und gruͤbelt man, Was in dem Firmament geschicht, Und ordnet den Zusammenhang der Welt, Wenn der Zusammenhang, wie man sein Haus bestellt, Bey allem Wissen, uns gebricht? J i 4 Ueber Ueber D. Trillers II ten Theil, Ueber Tit. Herrn D. Trillers II ten Theil seiner poetischen Betrachtungen. W er sollt es glauben, daß auch Schriften Von solchem Werth, als deine seyn, Die so gelehrt, als ungemein, Dennoch was Boͤses koͤnnen stiften? Und dennoch ist es juͤngst geschehen, Wer daͤcht es wohl? so gar bey mir. Beschaͤmt michs gleich: Will ich es dir, Geliebtster Freund, dennoch gestehen. Jch will das Jnnerste der Seelen, Deckt man gleich Fehler gerne zu, Fuͤr einen solchen Freund, als du, Doch im geringsten nicht verhehlen. Jch fing, dein herrlich Buch zu lesen, Mit Anmuth und Bewundrung, an. Ach! daß ichs nicht beschreiben kann, Wie wohl mir da zu Muth gewesen! Jch sah, auf allen Blaͤttern, Stralen, Von Anmuth, und ein geistig Licht. Mich deucht, es saͤhe mein Gesicht Sich den Naturgeist selber malen. Je mehr ich las’, je mehr entbrannte Dein geistig Feur in lichter Loh, Wobey ich immer mehr, wie froh Jch durch die Schoͤnheit ward, erkannte. Bis seiner poetischen Betrachtungen. Bis es zuletzt, in solchem Glaͤnzen Und Licht, an auszubrechen fing, Daß mir fast das Gesicht verging. Jch sprach: Hier sind ja keine Grenzen! Dieß rief ich, eh ichs mich versahe, Mit einer Art von Heftigkeit; Doch war es mir gleich wieder leid; Jch wußte nicht, wie mir geschahe. Jch untersuchte diese Triebe, Die mir bisher ganz unbekannt; Worauf ich in der That befand, Sie stammten von der Eigenliebe. Jch merkte die verborgnen Schliche; Es seufzte mein erniedrigt Jch, Weil nichts sich deiner Schreibart glich, Und alles vor derselben wiche. Doch muß ich dieß dabey erklaͤren, Daß ich den Unfug gleich erkannt, Und alle Muͤhe angewandt, Daß er nicht moͤchte lange waͤhren. Jch schaͤmte mich fuͤr mich, ich klagte Mich selber, bey mir selber, an, Und strafte, wie ich mich besann, Mich, daß auch mich der Neid-Wurm nagte. Und zwar bey einem solchen Freunde, Der nichts, als Dank und Ruhm verdient, Und dem ein ewger Lorbeer gruͤnt; Dieß schickt sich kaum bey einem Feinde. J i 5 Vor Ueber D. Trillers II ten Theil, Vor Unmuth fing ich an zu sprechen: „Hier seh ich abermal die Spur, „Wie doch die menschliche Natur „So voller Schwachheit und Gebrechen. Doch war die Klage bald verschwunden, Da ihre Quell sich gleich verlohr. Die Tugend hub ihr Haupt empor, Gleich war die Scheelsucht uͤberwunden. Jch legte mich mit Lust zum Ziele, Und rief: Wie sehr bin ich vergnuͤgt, Daß mich ein solcher Feind besiegt, Bey dessen Sieg ich gern verspiele! Ja, da, nebst unsers Schoͤpfers Ehre, Durch dein vortrefflich Buch, die Welt Ein unvergleichlich Gut erhaͤlt, Von Andacht, Beyspiel, Lust und Lehre: So muͤßt es eine boͤse Seele, Ja die selbststaͤndge Bosheit seyn, Die wuͤnschen sollte, daß der Schein, Von solchem Licht, der Erden fehle. Ein Licht, in welchem ich erfahre, Daß unser Gott, zu seiner Ehr, Jn seinem Werk je mehr und mehr Sich uͤberall uns offenbare. Jch laß denn mich und alles schwinden; Es laͤßt mein Gott-ergebner Blick So gar den Preis und Ruhm zuruͤck, Die in der Schrift fuͤr mich sich finden. Aus seiner poetischen Betrachtungen. Aus Furcht, es moͤchte selbst das Danken, Mich ab- und auf mich wieder ziehn, Komm aber, laß uns, uns bemuͤhn, Zu laufen die erwaͤhlten Schranken. Laß nichts den fernern Lauf behindern, Wir haben Gottes Ruhm zum Ziel; Laß ja von deinem edlen Kiel Den schoͤnen Ausfluß nichts vermindern. Wer weis, koͤmmt nicht die Zeit auf Erden, Da goͤttliche Vollkommenheit, Aus seiner Werke Herrlichkeit Mehr, als vorhin, erkannt soll werden! Jch hoͤre große Lehrer sprechen, Die, daß darin wohl was versehn, Aus heilger Redlichkeit, gestehn; Jch seh auch sie die Bahne brechen. Gesegnete Gott ihr Bestreben, Gebenedeyt er unsre Muͤh; Wie gluͤcklich waͤren wir und sie, Und alle, die auf Erden leben! O welch ein Gluͤck! in allen Gruͤnden, Auf jeder Flaͤch, auf allen Hoͤhn, Jn dem Geschoͤpf den Schoͤpfer sehn, Die Gottheit allenthalben finden! Zu jenen selgen Ewigkeiten Kann man sich, nebst des Glaubens Licht, Durch das, was uns hier Guts geschicht, Jm froͤlichen Genuß bereiten. Un- Unsere eingetheilte Lebenszeit. Unsere, in mancherley Vergnuͤgen eingetheilte Lebenszeit. L iebste Menschen, die ihr hier, was ihr gutes habt, nicht fasset, Und die goͤttlichen Geschenke recht zu brauchen, unterlasset, Die ihr, mitten im Vergnuͤgen, voller Unvergnuͤglichkeit, Weil ihr nur fuͤrs Boͤs empfindlich, und fuͤrs Gute fuͤhllos seyd. Jhr, die Gott fuͤr Pein und Armuth, Schimpf, Verlust und fuͤr Gefahren, Fuͤr Verfolgung, Frost und Bloͤsse, laͤngst gewuͤrdigt, zu be- wahren, Denen er im Ueberfluß, alles, was sie brauchen, giebt, Und auf tausend Arten zeiget und erweist, daß er sie liebt. Sind denn so viel tausend Gaben, die der Schoͤpfer euch geschenkt, Und wovor er nichts verlanget, als daß ihr nun sein gedenkt, (Wenn ihr es mit Lust genießet) nicht so holder Muͤhe werth, Daß, indem sie euch ergetzen, ihr den großen Geber ehrt? Daß es nicht des Hoͤchsten Schuld, wenn ihr unvergnuͤget seyd, Wenn ihr fuͤhllos, fuͤr das Gute, voller bittern Graͤmlichkeit, Sondern, daß im Gegentheil, Gott euch will vergnuͤget haben, Zei- Unsere eingetheilte Lebenszeit. Zeigen die verschiednen Sinnen, zeigt die Menge seiner Gaben. Nehmet doch, zu eurem Besten, die so leicht als schuldge Muͤh, Ueberlegt der Gaben Vielheit, merkt, empfindet, eignet sie, Euch, durch das Erwegen, zu, denn durch Denken kann auf Erden, Bloß das Gut euch zugeeignet, Gott davor verehret werden. Um nun einen kleinen Anlaß, euch und mir dazu zu geben, Will ich, was wir taͤglich haben, zu erwegen, mich bestreben, Weil wir, durch Gewohnheit blind, weder fuͤhlen, schmecken, sehn, Was taͤg-stuͤnd-ja augenblicklich, auf der Welt uns guts ge- schehn. Wie theilet unsre Lebenszeit, von selbst, so angenehm sich ein; Wie ruhig ist die stille Nacht; wie angenehm des Tages Schein, Wie ist doch alles, selbst im Wechsel, so wohl geordnet und geschaffen, Daß wir, in einer Helfte wachen, und in der andern ruhig schlafen! Diejenige, worin man wachet, theilt sich in Vor- und Nach- mittag, Und alle beyde Theile theilen wir wieder auf denselben Schlag, Durch den Gebrauch des lieben Thee, der uns so traͤnket, als ergetzet, Und den man zur gewissen Zeit, fast sonder Ausnahm, vor uns setzet. Jn den zwo Theilen der zwo Helften, wo unser’ Arbeit es nicht wehrt, Wird oft, zum sanften Zeitvertreib, ein rauchend Pfeifchen an- gezuͤndet, Jn Unsere eingetheilte Lebenszeit. Jn welcher mancher eine Lust, die er fuͤr viel nicht gebe, findet. Von welcher er doch selten nur vermerkt, daß sie fuͤr ihn gehoͤrt. Noch nicht genug, man sucht zu weilen noch eine Lust zu der zu fuͤgen, Jn einer Prise Schnuptabac. Sprich nicht: Das ist ein klein Vergnuͤgen. Es ist doch eines in der That. Schien es dir aber doch zu klein, Und zu dem Endzweck, den ich habe, dir nicht betraͤchtlich gnug zu seyn: So sey es drum, ich laß es fahren; fuͤhr aber davor an in- zwischen Dein Morgen- und dein Vesper-Brodt, dein Mittag- und dein Abend-Mahl, Wo man, fuͤr deinen Mund und Magen, die Niedlichkeiten ohne Zahl, Bald aus der Luft, bald aus der See, bemuͤhet ist, dir aufzutischen. Wo dieses nun nicht Guͤter sind, und wo uns Gott, in un- serm Leben, Den einen Tag, so wie den andern, nicht eine große Zahl gegeben: So weis ich nicht, ob, sonder Laster der schaͤndlichsten Un- dankbarkeit, Man deinen Satz bewaͤhren koͤnne. Nun sprecht, was hat, in dieser Zeit, Uns unser Gott nicht tausend mal, ja tausend Millio- nen mal, Fuͤr andre Guͤter noch geschenkt! wer zaͤhlt und fasset ihre Zahl. Eine kleine Probe davon ist in der Liste im V. Theil des Jrd. Vergn. anzutreffen. Und Unsere eingetheilte Lebenszeit. Und dennoch sind wir unempfindlich, und dennoch schallt ein stetes Klagen, Auch aus begluͤckter Menschen Munde: Wie elend (hoͤrt man diesen sagen,) Wie elend geht es auf der Welt! dem doch nicht das gering- ste fehlt, Was tausend gluͤcklich machen wuͤrde, den weder Noth noch Krankheit quaͤlt. Ach wer nur erst gestorben waͤre! spricht jener; wer im Himmel waͤre! Seufzt dorten eine schwache Seele. Dieß bringt der Gottheit wenig Ehre, Daß (da uns Gott in einen Ort, wo so viel Guͤter sind, gesetzt, Nach seinem weisen Rath und Willen) man es fuͤr keine Suͤn- de schaͤtzt, Des Schoͤpfers Guͤte zu verachten, und, da er, daß wir hier seyn sollen, Nach seiner heilgen Ordnung, will, wir hier durchaus nicht bleiben wollen. Anstatt, mit Dank erfuͤllter Seelen uns, zu den selgen Herr- lichkeiten, Jn dem Genuß von diesen Guͤtern, nach Gottes Willen zu bereiten; Nimmt uns ein rechter Seelen-Schwindel, mit einem straf- barn Undank, ein. Gott spricht: Wir sollen uns vergnuͤgen, zu seiner Ehr. Wir sagen nein. Gott will, wir sollen hier auf Erden, wir wollen schon im Himmel seyn. Gei- Geistiger Abgott. Geistiger Abgott. U ntersaget und verbietet unser Gott durch Mosen nicht, Von der unumschraͤnkten Gottheit, ein verkleinernd Bild zu machen? Meynst du nun, daß, was der Schoͤpfer hier zu seinem Diener spricht, Bloß allein auf Stein und Holz, bloß auf koͤrperliche Sachen, Und sein ernstliches Geboth und Gesetz sich nicht viel mehr Auf den denkenden Verstand, ebenfalls erstrecken solle? Es erhellt ja Sonnen-klar, wie der wahre Gott nicht wolle, Daß von seinem wahren Wesen, von der unumschraͤnkten Macht, Der allgegenwaͤrtgen Gottheit, Majestaͤt, Vollkommenheit, Ewger Wahrheit, ewger Liebe, Weisheit und Unendlichkeit, So verkleinernde Gedanken, so belachenswuͤrdge Grillen, Ein so kindischer Begriff, unsre Seele soll erfuͤllen, Als worin allein die Thorheit der Abgoͤtterey besteht, Wenn man nemlich einen Abgott, im Gehirn und Geist, erhoͤht, Der weit schimpflicher fuͤr Gott, als ein Bild von Holz und Stein; Da ja diese nur bedeutend, jener, wirklich Gott soll seyn. Suͤnde Suͤnde. Suͤnde. W ann die, so in dieser Welt, ungluͤckselig sind, mit Thraͤnen, Sich nach einer Aenderung, sich nach ihrem Ende sehnen: Wird der Schoͤpfer, der die Liebe, sich des Zustands solcher Armen, Derer Elend ihm bekannt, schon zu rechter Zeit erbarmen. Aber daß gesunde Reiche, bloß aus Unempfindlichkeit Fuͤr des Schoͤpfers Lieb und Wunder, alle Wunder dieser Zeit Nicht erkennen, nicht erwegen, wie sich Gott damit ver- binde, Und wie Gott sie ihnen schenke; dieses ist wahrhaftig Suͤnde Br. VI. Th. K k Un- Unnuͤtze Muͤhe Unnuͤtze Muͤhe einen Atheisten zu bekehren. J ch habe mich gar oft bemuͤht, durch viele Schluͤsse, manche Lehren, Der Gottheit Wesen zu beweisen, und Atheisten zu bekehren, Jch weis, daß viele tausend Buͤcher zu eben diesem Zweck gemacht. Allein, nachdem ich dieser Absicht, und dieser Arbeit, nach- gedacht: So deucht mich daß dergleichen Muͤhe, von minderm Nutzen, als sie scheinet, Ja daß es eine große Wahrheit unleugbar sey, wenn jener meynet: Daß es dem menschlichen Geschlecht zur Schande fast gerei- chen muͤsse, Durch tausend ausgekuͤnstelte Gedichte, Buͤcher, Schriften, Schluͤsse, Einander das beweisen wollen, was Himmel, Erd und alle Welt, Der Seelen, nicht durch einen Sinn, durch alle, so vor Au- gen stellt, Daß, wer nur menschlich denken will, die Gottheit uͤberall erblicket, Jndem, wofern wir nur das Denken gebuͤhrend mit den Sin- nen binden, Und uns nicht selber sinnlos machen, wir dieß unwider- sprechlich finden, Daß er, mit allgemeinen Schriften, sein Wesen deutlich aus- gedruͤcket. Wer einen Atheisten zu bekehren. Wer nun, was Gottes Finger selber geschrieben hat, von seinem Wesen, Nicht kann, nicht mag, nicht will begreifen, verstehen, fassen oder lesen, Wie kann ich den mit Menschen Witz, mit Schliessen, Zanken, Disputiren, Wo man mehr sein’, als Gottes Ehre, besorget ist, nicht zu verlieren, Und wo wir, durch die Eigenlieb ins Feur gebracht, uns wirklich schaͤmen, Die Wahrheit, wenn sie noch so klar und uͤberzeugend, an- zunehmen, Als ein recht ungereimtes Mittel, verlangen, den zu uͤberfuͤhren, Der des allgegenwaͤrtgen Gottes allgegenwaͤrtge Schrift und Lehren, Wie deutlich und wie klar sie sind, dennoch nicht lesen will noch hoͤren? Dieß hieß ja wohl, am hellen Tage, um unsrer Sonnen Glanz zu finden, Und jemand, daß sie sey, zu zeigen, mit Muͤh ein kleines Licht anzuͤnden. K k 2 Ocu- Oculus non videt, \&c. Oculus non videt, cum animus alias res agit. E s siehet unser Auge nicht, wenn unser Geist was anders denket. So ist es ja nicht zu bewundern, daß man des Schoͤpfers Werk nicht sieht, Ob sie uns gleich fuͤr Augen liegen, da das nicht ruhige Ge- muͤth, Mit Ehr und Lust und Geld beschaͤfftigt, sich stets von ihnen abwerts lenket. Nun wissen wir den Grund, woher wir hier mit sehnden Au- gen blind, Und auch mit offnen Ohren taub, fuͤr Gott und seine Wer- ke sind. Lob Lob in Schwachheit. Lob in Schwachheit. H err! wunderbar sind deine Werke; Jch selbst, indem ich sie bemerke, Da ich dein Werk; bin wunderbar. Ob ich nun gleich fast nichts ergruͤnde; Gnug, daß ich einer Gottheit Kraft, Die alles im Erhalten schafft, Und, im Geschoͤpf, den Schoͤpfer finde. Der Fund geschicht in Schwachheit zwar, Jch kann ihn hier nicht anders sehen; Doch ist auch dieß nicht minder wahr: Es kann auch Schwachheit Gott erhoͤhen. K k 3 Lieb- Liebreiche Gerechtigkeit Gottes. Liebreiche Gerechtigkeit Gottes. O b ihr nun von der Gottheit billig so niedrig nicht geden- ken sollet; Wenn ihr dennoch von Gottes Wesen euch ja Begriffe machen wollet, Die etwas menschlichs an sich haben: Muͤßt ihr euch wenig- stens bemuͤhn, Nach einem liebreich-billigen und Großmuth-vollen Muster, ihn Jm hoͤchsten Grad euch vorzustellen, nicht aber unter einem Bilde, Von einem, der von Ernst und Streng, und von Gerecht den Namen hat, Der aber bitter, unversoͤhnlich und unbarmherzig in der That. Sprich nicht: Es stellt ja Moses Gott sehr ernsthaft und sehr strenge fuͤr, Wie, neben so viel andren Stellen, sein Fluch absonderlich uns lehret. Denn erstlich zeigt sich von sich selbst, daß mehr, als anderwer- tig, hier Die Herzenshaͤrtigkeit der Juden zu einer Ursach hergehoͤret. Zum andern zeigt uns oftermal Von Gottes großer Lieb und Guͤte uns einen hellen Gnadenstral, Und daß sein Lieben, seine Langmuth, so Straf als Zorn weit uͤbergeh, Wenn er diejenigen Verbrecher, die irgend wider sein Geboth Sich je vergangen u. versuͤndigt, ins vierte Glied zu strafen droht, Dem aber, der sie haͤlt, verspricht, zu segnen bis ins tausende. Zum dritten muß ich dir von Mose die klare Wahrheit hier entdecken, Daß alle Fluͤch aufs Jrdische, aufs Ewige sich nicht erstrecken. Fabel. Fabel. Fabel . E s stund ein starker Pfahl, auch eine schlanke Weyde An einem breiten Fluß, der sich im Herbst ergossen. Sie waren folglich alle beyde Vom ausgetretnen Strom beflossen. Nun fing der strenge Nord ergrimmt an, zu regieren, Und durch den scharfen Hauch das Wasser zuzufrieren. Von scharfen Schollen schwall die Strudel-reiche Fluth, Und zeigt in Wirbeln, Schaum und Brausen, ihre Wuth, Das Treib-Eis haͤufte sich, und preßt, im strengen Gange, Was ihm entgegen stund, die Weyde beugte sich Vor dem fuͤr sie zu starken Drange. Jndessen, daß der Pfahl nicht um ein Haar breit wich, Und durch sich selbst gesteift, noch Kraft noch Muth verlieret. Allein des Eises Macht ward groͤßer, und der Pfahl Wurd auf einmal Heraus gerissen, weggefuͤhret. Die Weide fuͤhlte zwar auch an der Rinde Wunden: Allein, sie hub so gut, als wie zuvor, Nachdem das Eis vorbey, das Haupt empor, Vom Pfahl indessen ward die Stelle nicht gefunden. Du bist, geliebtes Vaterland, wie wir in alten Schriften lesen, Bey nicht so allgemeinem Sturm gar oft ein Weydenbaum gewesen. So sey denn auch vor diesesmal, Da mehr, als je, die Winde stuͤrmen, Und keine Stuͤtzen dich beschirmen, Wie groß dein Recht auch, doch kein Pfahl. K k 4 Un- Ungewißheit in Zahlen. Ungewißheit auch in Zahlen. W ie neulich Mathematidor, mit der Gewißheit seiner Zahlen, Durchaus nicht muͤde werden wollte, sich breit zu machen, und zu pralen: Fragt Antidor, ob er wohl wuͤßte, daß oͤfters neun und sechs nur drey, (Statt er vermuthlich, neun und sechs sind funfzehn, sagen wuͤrde,) sey. Wie erster nun daruͤber stutzt, und meynte, jener muͤßte fehlen; Sprach Antidor: Er duͤrfte nur die Nacht-und Tages-Stun- den zaͤhlen. Groͤße Groͤße eines Punkts. Groͤße eines Punkts. W ie viel an einem einzgen Punkt, waͤr er auch noch so klein, gelegen: Giebt die Geometrie uns deutlich, wenn man drauf achtet, zu erwegen. Da nemlich, wenn zwo Linien aus ihm gezogen sind und fliessen, Wie oder (wie mans rechnet) sich, nach ihm gezogen., in ihm schliessen, Die Winkel, die der Punkt regiert, den Jnhalt ungeheurer Groͤßen, Die alle Zahlen uͤbersteigen, durch einen Theil vom Zirkel, messen. Jch habe dieses oft bewundert; und kam ein solches Cen- trum mir, Als wie ein Schattenbild der Gottheit, aus welchem alle Din- ge stammen, Jn welchem alle Dinge wieder, wie hier, die Linien zusammen, Als ihrem ersten Ursprung laufen, auch wieder sich vereinen, fuͤr, Nur mit dem Unterscheid allein, Daß so, wie dieser Mittelpunkt, ein Punkt im Zirkel, der so klein, Der Gottheit Wesen solch ein Cirkel, wovon in allen Abgrund Gruͤnden, Der unerforschten Ewigkeit, die Grenz-und Schranken nicht zu finden, Den Stralen, die unendlich, fuͤllen, den kein erschaffner Geist ermißt, Wovon das Centrum allenthalben, der Umkreis aber nirgend ist. K k 5 De De Gustibus non disputandum. De Gustibus non est disputandum. E s ist recht, wenn man verbietet, vom Geschmack zu dispu- tiren, Aber wie? Waͤr alle Welt klaͤrlich hier zu uͤberfuͤhren, Daß auch Meynungen, Geschmack, und nichts anders in der That: Waͤr zur Wahrheit und zum Frieden wohl kein beßrer Weg und Nath, Als daß so, wie im Geschmack, durch Verbindung beyder Schluͤsse, Man von allen raisonniren, nimmer disputiren muͤsse. Absicht Absicht unsers Hierseyns. Absicht unsers Hierseyns. Z u welchem Endzweck meynst du wohl, Daß doch das menschliche Geschlecht auf Erden? Gewißlich nicht, um reich zu werden. Denn ob gleich du, Aus vielen Beuteln, Geld in deinen Beutel legest: So hoͤrt es alles doch, wenn du es recht erwegest, Dem Schoͤpfer ja nicht minder zu, Als es ihm erst gehoͤrt, wie es bey andern war. Was in der Erde liegt, was mir gehoͤrt, was dein, Jst alles sein: So ist dein Reichthum nicht sein Endzweck, das ist klar. Soll ich dir aber hier des Schoͤpfers Absicht zeigen, Die er mit uns gehabt: So will ichs nicht verschweigen, Du sollt, wie Gottes Werk so schoͤn, Jn deiner Lust, zu seinen Ehren, Empfinden, schmecken, hoͤren, sehn, Und dergestalt sein herrlich Lob vermehren. Trost Trost und Wunsch. Trost. U m die Begierden zu vermindern, Ja ebenfalls um Plag und Gram zu lindern; Erweget dieses, daß die Zeit, Verdruß, Gram, Schmerzen, Plag und Leid, Bestaͤndig mit sich nimmt, durch jeden Augenblick, Wie jung ihr auch von Jahren seyd, Wird von euch selbst ein Stuͤck Euch weggerissen und entfuͤhrt, Da alles, was man sieht und hoͤret, Jn des Vergangnen Schlund und Abgrund sich verliehrt, Woraus es nimmer wiederkehret. Wunsch. M ein Schoͤpfer, laß dir meine Seele, Und was sie denkt, gefaͤllig seyn! Absonderlich wenn ich, von dir, Jn deiner Creaturen Zier, Jn ihrer Ordnung, Nutz und Schein, Was wundernswuͤrdiges erzaͤhle. Da Capa. Un- Ungerathene Kinder. Ungerathene Kinder. S ind unsere Gedanken Kinder der Seelen, wie sie wirklich sind: So scheinet (da ja der Gedanke die Seel oft selbst verdammt) dieß Kind, Daß man, so oft, als dieß geschicht, dasselbige mit Recht wird koͤnnen, Ja daß man muͤß, es einen Moͤrder, von seiner eignen Mut- ter, nennen. Schwaͤche menschlicher Begriffe. D a die Gelehrten, wie vorhin, auch noch die Widerspruͤ- che haͤufen: So scheint es eine klare Probe, daß alle wirklich nichts be- greifen. Jch bin dadurch in meiner Meynung bestaͤrkt, und bleibe bey der Lehre, Daß das Begreifen fuͤr die Engel, Bewundern bloß fuͤr uns gehoͤre. Die Die sichtbare Gottheit uͤberall. Die uͤberall sichtbare Gottheit. J ch sehe meines Koͤrpers Seele, in meinem eignen Koͤrper, nicht, So seh ich auch der Sonnen Sonne, die Gottheit, nicht im Sonnenlicht. Da man die letzte nun so wenig, als wie die erste, leugnen kann: So beth ich aller Sonnen Sonne, in unsrer Sonnen Stra- len, an. Mich deucht, in ihrem sichtbarn Glanz, den unsichtbaren Stral zu sehn, Der Seelen der Natur, der Gottheit, belebend Wesen zu erhoͤhn. Doch muß man sich, die Gottheit nicht, als eine Seele einzuschraͤnken, Wie sie in unserm Koͤrper ist, (so grob gedacht waͤr) unterstehn; Nein, daß sie uͤberall zu gegen und allenthalben wirke, denken. Die Absicht ist nur dieß: Die Kraͤste, auf welche wir fast gar nicht achten, Mit desto mehr Aufmerksamkeit, und Gott, in ihnen, zu be- trachten. Die Die geheiligte Lust. Die geheiligte Lust. O Herr! laß mich, in deinen Werken, Und in derselben Nutz und Pracht, Nebst deiner unumschraͤnkten Macht , Die Proben deiner Weisheit merken! Doch auch vor allem dieß dabey, Daß deine Lieb unendlich sey! Denkt ihr an ihn mit recht geruͤhrter Brust, Vergnuͤgt ihr euch, in seiner Werke Pracht, An seiner Weisheit, Lieb und Macht: So heiligt ihr, im Schoͤpfer, eure Lust. Froͤlicher Wunsch. H err! in diesem schoͤnen Garten, kann ich mit Vergnuͤgen gehn, Und, durch meiner Augen Wunder, deiner Wunder Menge sehn, Moͤcht es doch, ohn ernsten Vorsatz deinen Namen zu erhoͤhn, Dich in deinem Werk zu preisen und zu lieben, nie geschehn! Un- Unverantwortliches Zanken. Unverantwortliches Zanken uͤber das goͤttliche Wesen. S ollt einer nur, von deinen Sinnen, fehlen; Was wuͤrde nicht dein Geist, von jetzt bekannten Sachen, Fuͤr ungereimt und falsche Ding erzaͤhlen, Fuͤr irrigen Begriff sich machen! Und eben dieser Geist, der keinen Koͤrper kennt, Und bloß durch Selbstbetrug, sich unbetrieglich nennt, Will sich vermessen unterstehen, Jns undurchdringlich helle Licht Der Gottheit, das die Cherubinen, Kaum anzuschauen, sich erkuͤhnen, So freventlich hinein zu sehen? Ja sucht die aus ihm selbst gesponnene Gedanken, Auch andern Geistern aufzudringen, Und durch ein mehr als huͤndisch Zanken, Zu seiner Meynung sie zu zwingen! Vermaledeyte Frucht des Hochmuths! kann auf Erden, Was toll-was naͤrrischer, Ja fast was viehischer, Und Gott vergessener gefunden werden? Die wahre Gottheit muß allein, Mit tiefester Erniedrigung, Mit ehrerbietigster Bewunderung, Mit untergebenem Verstand, Und auf den Mund gelegter Hand, Am wuͤrdigsten geehrt und angebethet seyn. Un- Unbillige freywillige Blindheit. Unbillige freywillige Blindheit. D ie Menschen, welche die Vernunft vom Dienste Gottes gaͤnzlich trennen, Die reissen sich die Augen aus, damit sie besser sehen koͤnnen. Alles geliehenes Gut. A ch! uns gehoͤret von der Erden, Auf welcher du uns lassen werden, Nichts. Alles ist und bleibet dein. Ach laß denn alles, deinen Willen Als gute Werkzeug zu erfuͤllen, O Herr, von uns gebrauchet seyn! Br. VI. Th. L l Gott Gott alles. Gott alles. D a ich deine Macht und Weisheit in der Tief und in der Hoͤhe, O allgegenwaͤrtger Schoͤpfer, allenthalben glaͤnzen sehe, Frag ich die Natur und mich: Wer bist du? Und wer bin ich? Darauf hoͤr ich, auf mein Fragen, Alle Dinge dieß mir sagen: „Du bist alles; ich bin nichts. Doch bezeugt auch mein Gemuͤthe, „Da ich fast vernichtigt werde; ich sey viel, durch deine Guͤte. Der Der große Zirkel. Der große Zirkel. S eht bewundernd, wie die Pflanze, deren Frucht ein Thier verzehret, Und dadurch genaͤhret worden, von demselben Thier sich naͤhret, Wenn es nemlich an dem Ort, wo dieselbe Pflanze steht, Etwan stirbet, fault, vermodert, und an ihrem Fuß vergeht, Da sie denn, wenn sie dadurch, auf das neu gestaͤrket, gruͤnet, Einem Thier von gleicher Art wiederum zur Nahrung dienet. Dieses ist der große Zirkel, welchen Gott zur Daur der Welt, Wundernswuͤrdig einst geordnet, und in seinem Stand erhaͤlt. Waͤhrte dieser Zirkel nicht: Muͤßten wir im Schlamm ersaufen, Und es wuͤrde, sonder Zweifel, der jetzt schoͤne Bau der Erden, Als ein Mist- und Unrath-Hausen, Leer und unbewohnet werden. L 2 Wun- Wunderlicher Handel. Wunderlicher Handel. D as Gold und Geld, so wir, im Westen, der Erden Schooß entrissen haben, Bestrebt die Menschheit sich, mit Muͤh, in Osten, wieder zu vergraben. Europa, der das wenigste von allen in dem Beutel bleibt, Scheint, daß sie, bloß als Maͤcklerinn, den Handel fuͤr Cour- tage treibt. Alles, Gottes Gabe. W enn ich des Schoͤpfers Werk besungen, Und seiner Wunder Herrlichkeit: Wenn meine Pflichten mir gelungen, Und ich in meiner Lebenszeit, Wenn Feld und Garten sich bebluͤhmet, Der Gottheit Lieb und Macht geruͤhmet: So gab mir Gott die Faͤhigkeit; Er gab mir die Gelegenheit, Gesundheit, Ruh, Bequemlichkeit; Er gab mir Friede, Sicherheit, Die Sinnen, die Empfindlichkeit, Zumal die Gabe des Gesichts; Ja er gab mir so gar den Willen, Das, was ich schuldig, zu erfuͤllen. Was ist denn mein von allen? Nichts. Got- Gottes Allgegenwart. Gottes Allgegenwart. N ichts kann der Seel, auch hier im Leben, Jn Lust, mehr wahre Lust, mehr Trost im Ungluͤck geben, Als die Versicherung, daß Gott unendlich groß. Stuͤrmt Ungluͤck auf dich zu; will deiner Wohlfahrt Kahn Des Mangels tiefer Schlund, der Armuth Ocean, Versenken und verschlingen; Was kann, in solchem Fall, dir groͤßre Lindrung bringen, Als die Allgegenwart des Schoͤpfers aller Welt, Der alle Schaͤtz in Haͤnden haͤlt; Der dich im Augenblick, aus einem armen Mann, Wenn es dir nuͤtzlich ist, zum Reichen machen kann? Drum sey, zu deiner Ruh, mit diesem Lehrsatz fertig; Gott, der unendlich ist, ist auch allgegenwaͤrtig, Will ein Verfolgungs-Nord den Baum der Ehre kuͤrzen, Dich in Verachtungs-Thal, den Pful des Schimpfes stuͤrzen, Und scheitert Ruhm und Glimpf, an der Verlaͤumdung Klippen: So denke, daß die Ehre dieser Zeit Nur bloß ein leichter Hauch veraͤnderlicher Lippen, Ein Dunst, ein Schatten sey, ein Bild der Eitelkeit, Ja nichtes gegen Gott, der allenthalben wohnt, Der den, so ihn verehrt, mit wahrer Ehre lohnt. Drum fasse dich, empfind den Nutzen unsrer Lehre, Und sey, zu deiner Ruh, mit der Betrachtung fertig, Gott, der der Jnbegriff der ewig-wahren Ehre, Jst allenthalben gegenwaͤrtig. L l 3 Wenn Gottes Allgegenwart. Wenn auch so gar der Dorn des Schmerzens, Stein und Gicht Durch Flelsch und Sehnen bohrt, dir Mark und Bein durch- sticht: So ist, wenn aller Rath, Trost, Huͤlf und Mittel schwinden; Die beste Huͤlf in Gott, dem wahren Arzt, zu finden, Der, weil er nah, und gegenwaͤrtig, Wenn es dir nuͤtzlich ist, mit schneller Huͤlfe fertig. Ja hoͤre! was noch mehr aus unsrer Lehre fliesset, Und welche Lebens-Frucht aus ihrem Grunde spriesset! Die Groͤß und Gegenwart des Schoͤpfers ist allein Das Mittel, suͤndliche Vollstreckung zu vermeiden. Nichts kann uns, auf der Welt, die Laster so verleiden, Als wenn wir uͤberfuͤhret waͤren, Daß Gottes Majestaͤt, also an allen Orten, Wie wir in einem sind, allgegenwaͤrtig sey. Je groͤßer wir des Schoͤpfers Groͤße finden, Je groͤßer unsre Zuversicht, Zum Schoͤpfer Himmels und der Erden; Je groͤßer muß der Eifer unsrer Pflicht, Vertrauen, Lieb und Ehrfurcht werden. Der Abstand von des Himmels Hoͤhen, Die kein Verstand ersteigt, kein Denken abzusehen, Kein Sinn zu fassen taugt, bis an des Abgrunds Gruͤnden, Wo gleichfalls aller Witz kein Ziel vermag zu finden, Jst lange nicht so groß, so hoch, so tief, so weit, Als wie der Abstand ist zu Gottes Herrlichkeit, Von aller Herrlichkeit erschaffner Ding auf Erden. O Wunder, daß wir nicht dadurch geruͤhret werden, Verbothne Herrlichkeit und Schoͤnheit zu verachten, Und solcher Herrlichkeit und Schoͤnheit nach zu trachten, Die Gottes Allgegenwart. Die alle Herrlichkeit und Schoͤnheit in sich schließt, Aus der die Herrlichkeit und Schoͤnheit einzig fließt, Und ausser dem nichts schoͤn, nichts herrliches zu finden. Wer sein Geschoͤpfe nun, mit Lust, sucht zu ergruͤnden, Und froͤlich alle Pracht und Schoͤnheit der Natur Sieht, hoͤret, schmeckt und fuͤhlt, ist auf der rechten Spur, Nach der vergaͤnglichen, die ewge Lust zu finden. Solch Fuͤhlen zuͤndet an der Gegenliebe Gluht, Und zeugt, in unsrer Brust, der Andacht heisse Triebe, Da jede Creatur, uns Gott, das hoͤchste Gut, Die ewig selige Vollkommenheit und Liebe, Recht als mit Fingern zeigt. Des Geistes Auge kann, Wenn es der Koͤrper Duft durchbricht, Jn allem, ein unsichtbar Licht, Jn allem, Gott allgegenwaͤrtig sehen, Jn allem seine Groͤß, in allem seine Macht, Huld, Weisheit, Majestaͤt und Pracht, Durch Last und Muͤhe nicht, durch leichte Lust, verstehen, Wenn aber niemand dieß sich selber geben kann. So ruft das ewge Gut, die ewge Lieb und Guͤte, Um ein, fuͤr seine Gnad, empfindliches Gemuͤthe, Und einen frohen Geist, in ernster Andacht, an? Es wolle Gott, in uns, so Geist als Sinne schaͤrfen, Daß wir, in seinem Werk, ihn selber nicht ver- werfen, Daß, wenn wir etwas Guts sehn, fuͤhlen, schme- cken, hoͤren, Wir, im Empfinden, Gott, den großen Geber, ehren. L l 4 Schrei- Schreiben an Mademoiselle Weisen Schreiben an Mademoiselle Weisen in Merseburg. B ewunderung und Vergnuͤgen beschaͤfftigten mich, bey dem ersten Anblick Dero so kunst-als sinnrei- reichen Geschenkes bald zugleich, bald wechselsweise. Bewunderung nnd Vergnuͤgen beschaͤfftigen mich ebenfalls beym Anfang dieser meiner so schuldigst-als ergebensten Danksagung, auf eine solche Art, daß, fuͤr angenehme Verwirrung mir kaum so viel Faͤhigkeit uͤberbleibet, etwas an einander hangendes zu Dero hoͤchstverdientem Lobe nieder zu schreiben. Bald gedacht ich in Versen, bald in Prosa meine Gedanken auszudruͤcken; weilen in Beantwortung Dero hoͤchstgeschaͤtzten Schreibens so wohl, als sinnreichen Gedichts, ich zu beyden mich ver- pflichtet erachtete. Endlich enschloß ich mich, beydes zu verbinden. Sie werden demnach allhier, Mademoi- selle, ein geschriebenes ambigu antreffen, dessen Be- stes vermuthlich darin bestehen wird, daß in keiner von beyden Schreibarten, sich lange zu ennu iren, ihnen wird Gelegenheit gelassen, sondern eins durch das andere bald unterbrochen werden. Die ersten Einfaͤlle, welche Dero preiswuͤrdige Arbeit bey mir erregten, waren ungefaͤhr dieses Jnhalts: Wie in Merseburg. Wie ist mir? trau ich meinen Augen? Betrieget mich die Kunst? nein, nein! Es kann nur die Natur allein, Solch kuͤnstlich Werk zu wirken, taugen. Doch wie? wer hat sie je so schoͤn, Mit Zwirn, ihr Werk verrichten sehn! Jch dachte diesem Gedanken von der Natur weiter nach, und bemuͤhete mich, die wohl ehe von mir gehegte Meynung, ob unterscheideten wir mit Unrecht die Kunst von der Natur, aus Dero Bewunders-werthen Arbeit zu befestigen. Hieruͤber erinnerte ich mich, was ich des- falls vor dem geschrieben: Wer, durch des Schoͤpfers Gunst, Vom Weisheits-Feur entzuͤndet, Die Kunst erwegt; befindet Natur, auch in der groͤßten Kunst. Dieser Einfall duͤrfte vielleicht einigen nicht zu galant vor- kommen, einem so schoͤn-als kunst-und sinnreichen Frau- enzimmer eines mit so vielem Fleiß erhaltenen Verdienstes gleichsam zu berauben. Jch wuͤrde auch einer andern als Mademoiselle Weisen es vorzusagen mich enthalten haben, weil man ihre Eigenschaften besitzen muß, der- gleichen Compliment ertragen zu koͤnnen. Jhre tiefe Ein- sichten aber werden ausser Zweifel es fuͤr keine Verringe- rung ihres Lobes halten, als ein ganz besonders Werkzeug der Natur, angesehen zu werden, und folgendes Lob mit Recht zu verdienen. L l 5 Es Schreiben an Mademoisse Weisen Es scheint der Finger der Natur, durch deine Hand, sich zu bestreben, Uns Menschen eine neue Probe von unsers Geistes Kraft zu geben. Je mehr ich die zarte und fast unsichtbare Kleinheit ihrer Arbeit betrachte, je weniger begreife ich, auf welche Weise solche verfertiget, und verfalle immer auf die Verglei- chung Mademoiselle mit ihrer Kunst und der unbegreif- lichen Arbeit der Natur. Recht wie die Werke der Natur, Wovon wir zwar das Ganze sehen, Doch fast nicht die geringste Spur, Von Theilchen, woraus sie bestehen: So scheinen ebenfalls der weisen Weisen Werke, Jndem ich ganze Wunder merke, Da doch die Stich, als Theile, nicht| nur klein, Und ihres Zwirns so zarte Faͤser, Auch selber durch Vergroͤßrungs-Glaͤser, Kaum unsern Augen sichtbar seyn. Jch habe wohl ehe Mannspersonen, bey Erblickung einer vortrefflichen Schilderey, fuͤr Verwunderung stumm werden sehen, welches gewiß eine besondere Kraft der Kunst angezeiget. Allein bey ihrer Arbeit, Mademoi- selle, wird auch das Frauenzimmer stumm, welches (wenn ein kleiner Scherz erlaubet) ja wohl fuͤr ein weit groͤßer Wunder zu rechnen ist. Allein, Bey dieser Haͤnde Werke, das gar zu ungemein; Was ist von ihrem Brief, und ihrem Vers zu sagen? Richts in Merseburg. Richts anders, als daß sich ihr Geist, Mit Worten ja so kuͤnstlich weist, Als wie, mit Faͤden, ihre Hand, So daß von ihr mit hoͤchstem Rechte, Man recht zum Wunder sagen moͤchte: Jhr ganzes Wesen sey Verstand. Ob nun gleich beydes Verwunderung genug verursa- chet: So zwingt doch letzteres mir noch diese Gedanken ab: Es schrieb bishero noch kein einzigs mal Ein Mensch, mit schwarzer Schrift und einem klugen Kiel, Zu seinem Ruhm, so viel, Als sie, mit einem kiel vom Stal, Mit weisser Schrift, und trocknen Zuͤgen schreibet, Und ihren Ruhm dadurch bis auf die Nachwelt treibet. Wie die Blumen eins von denen liebsten Vorwuͤrfen mei- ner wenigen Dichtkunst von je her gewesen: So wird ein jeder um desto leichter glauben, wie sehr Dero uͤberkuͤnst- liche aus Zwirn erzeugte Blumen, Ranken, und Kraͤuter- Werk mich muͤsse vergnuͤget haben. Jch habe, voller Dankbegier, Mich, an der Wunder-vollen Zier Gewachsner Blumen, oft ergetzet: Doch haben deine Blumen hier Mich gar fast aus mir selbst gesetzet, Da sie so wohl, als jene, mir, Jm leiblichen, was geistigs weisen. Sie geben uns, wie sie, Gelegenheit, Durch geist-und leibliche Vortrefflichkeit, Der Geist-und Koͤrper Quell zu preisen. Noch Schreiben an Mademoiselle Weisen Noch habe ich, ausser dem unvergleichlichen Herrn Triller, und Fuͤrsten Guͤnther von Schwarzburg, eine mehr uͤberzeugende Probe, daß meine auf die Be- wunderung goͤttlicher Werke abzielende Schriften, einen starken Eindruck gemacht, von niemand erhalten, Made- moiselle, als von Jhnen, welches jedoch weniger die gluͤck- liche Ausfuͤhrung meiner Copie, als die Beschaffenheit ihrer edlen Seelen angezeiget. Da sie in der Copie von Gottes Wunderwerken, So viel Vergnuͤgen fuͤhlt und zeigt; wie weiß, wie rein; Und weise muß der Weisen Seele seyn! Da sie dem, welcher nur davon was gutes denket, Durchs Urbild recht geruͤhrt, so was vollkommnes schenket. Bis hieher hatte ich geschrieben, als ich noch einmal mei- ne Augen auf Dero Arbeit richtete. Es schien alles dar- an zu glaͤnzen. Nicht eine Weisse so sehr, als ein wirk- licher Schimmer ward, durch den kuͤnstlichen Gegensatz eines fast unnatuͤrlichen weissen Schatten, ohn alle Dun- kelheit, herausgebracht; wesfalls ich dadurch aufs neue geruͤhret, micht nicht enthalten konnte folgendes zu gedenken. Wenn etwan seelge Seelen, Wenn Engel selbst, wie es wohl eh geschehn, Gekleidet sich uns liessen sehn; Sie wuͤrden kein Gewand vermuthlich waͤhlen, Als solches, daß der Weisen Stickwerk gleich, Weil nichts an Reinlichkeit, an Glanz und Zier so reich, Ja das durch Kunst fast geistig ist, auf Erden, Kann angetroffen werden. Dero in Merseburg. Dero so vernuͤnftige als fromme Betrachtung, uͤber die weise und guͤtige Fuͤhrung Gottes, da sie auf so sonderba- re und edle Art, zu dem Besitz einer ihnen und Dero gan- zen werthesten Famile nunmehr so ersprießlichen Wissen- schaft gelanget; ist bewundernswerth, und wuͤnsche ich von Herzen, daß es dem großen Wesen, Jhnen, ein ihren Verdiensten gemaͤßes Gluͤck fernerhin zu geben, guͤtigst gefallen moͤchte. Hiemit beschliesse ich vor dieses mal meine nicht gereimte Gedanken, nebst meiner gehorsamsten Danksagung, so wohl im Na- men meiner, als meiner Frauen, welche fuͤr andern durch dieses ungemeine Geschenke auf eine ungemeine Art sich Jhnen verbunden erkennet. Beyde wuͤnschen wir von Herzen, im Stande zu seyn, aus der uns aufgebuͤrdeten Schuld, uns in etwas befreyen, und auf einige Weise die billige Erkenntlichkeit unsers Herzens an den Tag legen zu koͤnnen. Trost Trost. Trost, aus der Erkenntniß unserer Kleinheit. A uf einem kleinen Stuͤck Papier Sah ich ein großes Wunderthier, Von ungeheurer Groͤß und Hoͤh, So schaͤumend aus der tiefen See Hervorbrach, kuͤnstlich abgerissen. Jch dachte, wie der Augenschein Doch koͤnne so betruͤglich seyn, Und war mit allem Ernst beflissen, Von dem Betrug den Grund zu wissen. Jndem, da doch das ganze Blatt Nicht einer Spannen Laͤnge hat, Das Thier doch eine Groͤße zeiget, Die Baͤum und Haͤuser uͤbersteiget. Nachdem ich nun die Ursach fand, Daß bloß allein der Gegenstand (Da Baͤume, Maͤnn-und Haͤuserchen so klein, Bey diesem Thier gemalet seyn,) Die Ursach dieses Wunders war: Fiel mir ein ander Kunststuͤck ein, Da einer aus der Maler Schaar Gar einen ungeheuren Riesen Auf einem kleinen Platz gewiesen, Dadurch, daß er solch einen Stab Zween Maͤnnern in die Haͤnde gab, Der noch einmal so lang, als sie. Mit diesem maßen diese hie Den Trost. Den weiten Raum und Zwischenstand, Der zwischen den zwo Augenbrauen Des Poliphemus sich befand, Der ausgestreckt im Schlaf zu schauen. Auf diese Weise sah man ihn, Daß er an Groͤß entsetzlich schien. Wie ich nun dieses uͤberlegte, Bedacht ich ferner, und erwegte, Daß auf dem ganzen Erden-Schooß Fuͤr uns nichts wirklich klein, nichts groß, Und alle Dinge groß und klein, Nur bloß Vergleichungs-weise, seyn. Dieß ließ mich die zwo Lehren sehn, Daß wir vom wahren Maaß der Dinge Fast das geringste nicht verstehen. Worauf ich denn noch weiter ginge, Und merkte, daß nur Gott allein Von Koͤrpern ihre wahre Maße Und eigentliches Wesen fasse. Mit fiel hiebey noch ferner ein, Daß seiner Unermeßlichkeit Ungraͤnzbare Beschaffenheit, Die alle Sinnen uͤbersteiget, Uns dieses uͤberzeuglich zeiget: Es sey fuͤr Gott nichts groß, nichts klein. Wodurch wir uͤberwiesen seyn, (Wenn Gram und Schwermuth uns verletzen, Zu einem Trost, der nicht zu schaͤtzen,) Daß fuͤr den Schoͤpfer aller Dinge Wir nicht zu klein, nicht zu geringe. Daß groß und klein ihm einerley, Und seiner Achtung faͤhig sey. Nach- Nachtheil der Eigen- Nachtheil der Eigen- und Nutz der Naͤchsten-Liebe. G emisch vom Allen und vom Nichts, Verband vom Koͤr- per und vom Geist, Das sich und alle seines gleichen mit ihm zugleich vernuͤnftig heißt, So lange deines gleichen nemlich mit dir dieselbe Meynung hegen, Da du sie doch, so bald dieselbe sich dir worin zuwiderlegen, Auch ebenfalls fuͤr unvernuͤnftig, und dich in deinem Sinn allein, Fuͤr weise, fuͤr vernuͤnftig schaͤtzest, und einzig glaubest, klug zu seyn. Du legst, aus eigener Gewalt, dir selber diesen Titul bey, Und haͤlst nur dich fuͤr unbertruͤglich, da dir jedoch nicht un- bekannt, Wie sehr dein aufgeblasiter Geist, wie dein oft stolpernder Verstand Fast in den allermeisten Dingen so stumpf und eng verschraͤn- ket sey. Jch kann die Gruͤnde nicht begreifen, warum du, dir aus eigner Macht So viele Klugheit beyzulegen, als bloß aus Stolz, dich nicht entsiehest, Und uͤber alle Creaturen dich zu erheben, dich bemuͤhest. Du laͤssest andrer Schwaͤche nimmer, die Deinigen stets aus der Acht, Und ob du gleich, an Staͤrk und Groͤsse, nicht maͤchtiger, nicht staͤrker bist, Als und Nutz der Naͤchsten-Liebe. Als andre, deren Koͤrper man nicht groͤsser, als sechs Fuͤsse, mißt; Ob du gleich anders nicht gebohren, als ander’, auch nicht laͤn- ger lebest, Du doch an Groͤße deines Geistes so unverschaͤmt dich selbst erhebest, Und glaubest, daß die dunkeln Gruͤnde der sich verbergenden Natur Fuͤr niemand sonst entdecket seyn, als bloß fuͤr dich alleine nur. Da nun die andern so von dir, wie du von ihnen denkst, gedenken: So solltest du ja billig einst auf dieß Betragen mit Bedacht, Zu deiner eigenen Besserung, die schwaͤrmenden Gedanken lenken, Zur Selbsterkenntniß dich bequemen, und aus des Jrrthums dunkler Nacht, Durch Demuth, zu dem Licht der Wahrheit dich zu verfuͤgen, dich bemuͤhn. Du mußt, vor allen, dich der Macht der Eigenliebe zu entziehn, Mit Ernst und Eifer dich befleissen. Aus diesem aufgebrach- ten Meer, Vom Sturm des Stolzes, fließt allein der wilde Strom des Jrrthums her, Der, was so Recht und Billigkeit dir gleich vor Riegel vorge- daͤmmet, Durch ausgeschweifter Leidenschaft Gewalt, doch alles uͤber- schwemmet. Die ungluͤckselge Jchbeit setzt dich wider alle deines gleichen; Du willt der andern Menschen Jch, und sie, dem Deinen, auch nicht weichen. Ein jeder sieht sich selber an, als wenn vom Schoͤpfer alle Gabe, An Ueberlegung und Verstand, nur er allein empfangen habe; Ein jeder wuͤnschet, mit dem Ausschluß der andern, daß nur er gefalle. Daruͤber nun entstehet leider! der Krieg von allen gegen alle. Br. VI. Th. M m Der Die unertraͤgliche Empfindlichkeit. Der naͤchste Weg zu unsern Pflichten, die unser Gluͤck sind, zu gelangen, Jst, allen Stolz, der Lucifer gestuͤrzt, zu tilgen anzufangen, Von uns nicht mehr, als sich gebuͤhret, zu halten. Kurz sich zu bemuͤhn, Dem Stolz, dem Strudel alles Ungluͤcks, sich, durch die Demuth, zu entziehn, Dabey uns vom Gewohnheits-Schlamm, und Undanks-Laster zu entfernen, Des guten, wenn mans hat, geniessen, und Gott darin vereh- ren lernen. Die unertraͤgliche Empfindlichkeit. W ir strafen, statt der andern, uns; wir zeigen, daß sie groß, wir klein, Sie klug, wir aber stolz und graͤmlich; wenn wir zu sehr em- pfindlich seyn. So daß, von der Empfindlichkeit, ich dieß mit hoͤchstem Rechte spreche: Sie sey ein Selbstverrath, von einer in uns vorhandnen stol- zen Schwaͤche. Auf Auf meinen Seburtstag. 1735. Auf meinen Geburtstag. 1735. M ein Gott! du hast mich diesen Tag Heut abermal erleben lassen. Gieb, daß ich diese Gnade fassen, Mich freuen und dir danken mag. Mein Schoͤpfer und Erhalter, dir Sey Lob und Preis und Dank dafuͤr. Du hast mich auf der Welt beschenkt, Nunmehr mit fuͤnf und funfzig Jahren, Ohn daß von Plagen und Gefahren, Mich jetzo das geringste kraͤnkt. Mein Schoͤpfer und Erhalter, dir Sey Lob und Preis und Dank dafuͤr. Gesundheit, Leben, Gluͤck und Heil, Bequemlichkeit und Ruh nicht minder, Vergnuͤgen, Segen, Frau und Kinder, Sind noch, so wie zuvor, mein Theil. Mein Schoͤpfer und Erhalter, dir Sey Lob und Preis und Dank dafuͤr, Jch rufe dich inbruͤnstig an; Gieb, Herr, wo es dein Gnaden-Wille, Daß ich, in einer solchen Fuͤlle, Von guten oft noch sagen kann. Mein Schoͤpfer und Erhalter, dir Sey Lob und Preis und Dank dafuͤr. M m 2 An Beym Eintritt An meinem Geburtstage. Beym Eintritt in das sieben und funfzigste Jahr. G ottlob! heut sey ich abermal den Tag, woran ich diese Welt Zum allerersten mal gesehn, gesund vergnuͤgt und froͤlich wieder. Jch stim̃e dir demnach, o Herr, durch den, was worden, sich erhaͤlt, Fuͤr dieß dein gnaͤdiges Erhalten, Dank, Ehre, Ruhm-und Lo- bes-Lieder, Mit recht geruͤhrter Seelen, an. Wem anders, Herr, als dir allein, Kann ich fuͤr so viel Gnad und Huld, so sich in dieser Huld vereinen, Jn welchen so viel gutes steckt, so wohl fuͤr mich, als fuͤr die meinen, Jn Demuth-voller Lust und Ehrfurcht, verpflichtet und er- kenntlich seyn? Ach laß mich dir gefaͤllig danken! Es sind, von meinen Lebens- Jahren, Nun sechs und funfzig Jahre schon, als wie ein Strom, dahin ge- fahren. Jch tret heut in ein neues ein. Wer diese lange Zeit erwegt, Aus wie viel Naͤchten, wie viel Tagen, aus wieviel Stunden und Secunden, Solch eine lange Daur besteht, und, wie er schuldig, uͤberlegt, Wie viel in einer jeglichen, die alle gluͤcklich sind verschwunden, Mir Ungluͤck uͤberkommen koͤnnen; ja wenn er noch dabey bedenkt, Wie sich, mit dieser großen Zahl, noch | eine groͤßere verbunden, Da Gott, in jeglichem der Meinen, mir ein vermehrtes Gut geschenkt, Und ihre, so wie meine Zeit, zugleich| begluͤckt verfliessen lassen, Und, statt unzaͤhlig moͤglichen Verdrusses, nichts auf uns gelenkt Als in das sieben und funfzigste Jahr. Als lauter Wohlfahrt, Heil und Segen; der wird, statt alle Huld zu fassen, Von ihrer Menge recht bedecket, in froͤlicher Verwirrung stehn; Er wird sich selbst, durch ihre Meng, in ihrer großen Quell verlieren, Sein armes Nichts und sein Verdienst, das nichts verdienet, deutlich sehn, Und nichts als Guͤte, nichts als Gnade, der maͤchtig weisen Gottheit spuͤren. Dieß mein Erkennen deiner Groͤße, und meines Nichts, weil ich, zur Gabe, Fuͤr so viel ungezaͤhlten Guts, nichts anders weis, nichts an- ders habe, Laß dir, ò Vater aller Ding! um deiner ewgen Lieb allein, Der du die ewge Liebe bist, doch ein gefaͤlligs Opfer seyn! Soll ich, nach deinem weisen Rath, an Jahren hier noch mehr erleben: So fleh ich dich inbruͤnstig an, Quell aller Gnaden, schenke mir, Zusamt den meinen, diese Gnade, daß wir aus allen Kraͤften, dir Jn deiner Creatur Betrachtung, Vewundrung, Preis und Ehre geben. Laß uns, in ihnen, deine Lieb und deine weise Macht erheben, Und, daß wir dir gefaͤllig werden, nach allen Kraͤften uns be- streben. M m 3 Die Die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit. N achdem wir denn nun auch die Pflicht der schuldigen Gelassenheit Erwogen; folgt zuletzt die Pflicht des Lobes und der Dank- barkeit. Wie nun die Meng empfangner Wohlthat, in welcher man kein Ende findet, Uns zu dem Ausbruch der Empfindung, zum Loben und zum Dank verbindet, Als welches eine Frucht der Seelen, die, wenn sie den Genuß verspuͤrt, Von einem ihr geschenkten Gut, vergnuͤgt und innerlich ge- ruͤhrt, Jhr Jnnerstes sucht auszudruͤcken, und von vergnuͤgenden Jdeen Jn aͤusserlichen Wort-und Zeichen, die frohe Regung zu verstehn, (Um nach dem Maaß, das ihr gegeben; des Gebers Guͤte zu erhoͤhn,) Und andern zu erkennen giebt, wobey sie, wie sie so geneigt, Dem Geber angenehm zu werden, zugleich mit einer Jnbrunst zeigt: So zeigt es sich von selbst ja wohl: Es koͤnne fast fuͤr Gott auf Erden Kein Dienst, der ihm gefaͤlliger und wuͤrdger sey, gefunden werden. Wir werden, daß durch frohes Danken die Gottheit wuͤrdig wird gepriesen, Jm alt-und neuen Testament, zumal durch David angewiesen, Als dessen Feuer-reiche Psalmen, wie wir mit Ueberzeugen sehn, Fast all aus Dank-und Lobes-Psalmen, den Schoͤpfer zu erhoͤhn, bestehn. Dieß Die Dankbarkeit. Dieß ist das einzig Opfer fast, das wir dem Schoͤpfer ge- ben koͤnnen, Wodurch wir Gott und Menschen zeigen, wie wir in einer Sehnsucht brennen, Dem, nach Vermoͤgen, zu gefallen, und daß man den von Her- zen liebt, Der ohne daß wir es verdienen, uns so viel Guts aus Gna- den giebt. Wann uns nun auch im vorgen Jahr der Schoͤpfer so viel Guts beschehrt, Da er, nicht nur viel tausend Plagen von uns so gnaͤdig ab- gekehrt; Nein, uͤberdem unzaͤhlich viel an wirklichen Vergnuͤglichkeiten, Gesundheit, Friede, Freude, Segen, so mancherley Zufrie- denheiten, Bequemlichkeiten, Freyheit, Ruh, uns in so reicher Maaß ge- schenkt: So ist es ja ein Undanks-Laster, wofern man es nicht uͤber- denkt. Jnsonderheit hab ich dieß Jahr so wohl, als in den vorgen Jahren, So wohl fuͤr mich, als fuͤr die Meinen, des Schoͤpfers Gnad und Huld erfahren. Es ist so mancher Ungluͤcksfall von uns in Gnaden abgewandt. Es schuͤtzte meinen aͤltsten Sohn, o Herr, besonders deine Hand, Da er von einer hohen Stiegen, in augenscheinlicher Gefahr; Auch dreymal durch der Pferde Sturz gewissem Ungluͤck na- he war; Auch wie einst der Pistole Schloß im Laden aus der Ruhe sprang, Und das schon eingeladne Pulver von unten ins Gesicht ihm drang. M m 4 Daß Die Dankbarkeit. Daß nun kein Schrot noch Kugel drauf, der Ladstock nicht, und kein Papier, So ihn gewiß getoͤdet haͤtte, dafuͤr, mein Schoͤpfer, dank ich dir. Nicht minder, daß ein Donnerstral in Leipzig, nah an seinem Wagen, Von einem strengen Blitz begleitet, in einen nahen Baum ge- schlagen, Und ihn im minsten nicht verletzt, daß ebenfalls mit fluͤchtgen Pferden Er und sein Bruder mit einander, mit ihrem Wagen, zwar zur Erden Geworfen sind, doch ohne Schaden. Daß sie auf ihrer Reis imgleichen, Gesund und wohl sind angelangt, woselbsten sie noch bis anitzt, Gott Lob! so viel mir wissend ist, vor aller Faͤhrlichkeit be- schuͤtzt, Auch fuͤr Verfuͤhrungen bewahrt, die recht ausschweifend sind, geblieben, Und wie ich feste hoffen will, ihr Werk mit Aemsigkeit ge- trieben. Den Juͤngsten, eh er von uns reiste, hab ich, mit innrer Lust, gesehn, Zum erstenmal den Predigstuhl betreten, und zur Kanzel gehn, Mit gutem Anstand die von ihm selbst aufgesetzte Rede halten, Und so, daß er durch seine Predigt, so wohl bey Jungen, als bey Alten, Sich nicht geringen Ruhm erworben. Ach gieb, o Herr, auf seinen Wegen, So, wie dem Aeltsten auf den seinen, und auch uns allen, dei- nen Segen! Mein Die Dankbarkeit. Mein Marianchen, welche mich durch ihre Krankheit sehr gekraͤnkt, Da sie dem Tode nahe war, hast du mir, Herr, aufs neu ge- schenkt. O Herrscher, uͤber Tod und Leben, sey inniglich dafuͤr gepriesen, Daß du derselben, und in ihr auch mir so viele Gnad erwiesen. Daß auch, in dem vergangnen Jahr, die deinem Ruhm ge- weihten Schriften Nicht sonder Nutzen sind gewesen, und noch verschiedens Gu- tes stiften, Wie denn der erste Theil aufs neu gedruckt zum sechstenmal; dafuͤr, Als einzgen Ursprung alles Guten, lobsinge, ruͤhm und dank ich dir. Wann ich auch hier in meinem Amte von Unruh und von Kriegsgefahr, Dir, Herr, sey Dank, befreyt, und noch ein sonderlich gesegnet Jahr An einer reichen Erndt erlebet; und dir davor ein Erndtenfest, Das hier sonst nie gefeyert worden, zu deiner Ehren eingesetzt: So hat nicht nur das ganze Land, zu deinem Preise, dich ergetzt, So daß der Andacht Neuigkeit viel Freuden-Thraͤnen aus- gepreßt. Ein frohes Feuer froher Andacht ist in mein Jnnerstes ge- drungen, Und hab ich meines Schoͤpfers Ruhm mit recht vergnuͤgtem Geist besungen. Dieses Gedicht wird nebst andern in den G. G. heraus zu gebenden Ritzebuͤttelschen Gedichten folgen. Daß dieses nun so wohl gelungen, Davor sey, großer Schoͤpfer, dir, M m 5 Von Die Dankbarkeit. Von allen, sonderlich von mir, Lob, Ehre, Preis und Dank gesungen. Ach laß uns oft mit Lust dergleichen Feyr begehn. Laß uns, uns oft von dir gesegnet sehn. Laß oft von uns ein Lied, das dir gefaͤllt, erklingen, Bis wir dereinsten dort ein ewigs Loblied singen. Wann aber auch in dieser Welt, nach dem Zusammenhang der Dinge, Oft Sturm auf eine Stille folgt: So setzt auch uns, in diesem Jahr, Die allgemeine Wuth der Winde in eine schreckliche Gefahr, Durch aufgebrachte Wasserwogen, als die schon an zu schaͤu- men fingen, Auf unsrer hoͤchsten Teiche Ruͤcken, und welches mir denn merk- lich war, Daß eben in derselben Stunde, als meiner seligen Belisen Jhr Sarg betruͤbt geschlossen ward, der ausgelaßnen Winde Wuth Am allerstaͤrksten rasete, und die beschaͤumte Meeres-Fluth Sich an den Waͤllen unsers Landes am allerheftigsten ge- wiesen, Die aber auch fast sichtbarlich, da viele Laͤnder uͤberschwemmt, Und alles unter Wasser stand, fuͤr unser Land sich schnell ge- hemmt. Der Herr, der uns gerettet hat, sey inniglich davor gepriesen. Jch ward durch diese schnelle Noth, und durch dieß Wunder so geruͤhrt, Daß ich, in meiner tiefen Trauer, dennoch ein Dichter-Feur verspuͤrt; Und Die Dankbarkeit. Und hab ich, es nicht zu vergessen, zu Ehren unsers Gottes Macht, Und seiner Liebe, Guͤt und Weisheit, ihm dieß Gedaͤchtniß-Lied erdacht: Nachdem mit unerhoͤrter Wuth Der Nord-Nord-Westen-Wind gestuͤrmet, Und er des Meeres wilde Fluth So sehr gepreßt und aufgehtuͤrmet Daß sie, mit unsers Landes Damm, Und dessen sogenanntem Kamm, Bereits in gleicher Lage floß. Ja gar (was schrecklich anzusehn,) Von einigen gesenkten Hoͤhn Schon schaͤumend sich heruͤber goß, Und sich, in weissen Wasserfaͤllen, Schon zeigt, auf unterschiednen Stellen, Wodurch bereits das ganze Land Voll Jammer, Angst und Kummer stand, Und die entsetzliche Gefahr, Die ihm fast unvermeidlich war, Mit nass-und starren Augen sah; War Gott, der Wind und Wellen Lenket, Mit seiner Huͤlf und Gnade da. Er wollt; und augenblicklich senket Die wilde Last der Fluthen sich, von unsrer Daͤmme Hoͤh, her- nieder, Zu ihren hohlen Tiefen wieder. Man konnte mit erfreutem Aug, aus blauer Fluth, die gruͤnen Ruͤcken Der, Gott fey Lob! noch ganzen Daͤmm, und unzerbrochnen Teich erblicken. So Die Dankbarkeit. So sey demnach, o ewge Liebe, und ewig-weise Macht gepriesen, Daß du, zu dieses Landes Heil, dich selbst fast sichtbarlich gewiesen, Der du zu der ergrimmten Fluth ein gnaͤdig Machtwort aus- gesprochen: Bis hieher komm, und weiter nicht! Hier sey dein strenger Drang gebrochen; Hier soll dein fraͤßiges Verschlingen, hier soll dein stuͤrmi- sches Bewegen Der regen Wellen schwehre Macht, und wuͤtende Gewalt sich legen. Gieb, daß wir dieß, daß es ein Wunder, ein wirklich Wunder voller Segen, Wodurch du alles unsrige aufs neu uns schenkst, betrachten moͤgen. Laß uns in selben deine Lieb und maͤchtge Weisheit oft ermessen, Laß unsern Dank, den wir anjetzt, da noch die Ruthe nahe, zeigen, Nicht mit der Fluth von hinnen rauschen, nicht, wie der schnel- le Strom, verseigen. Gieb, daß wir die so lange Folge von einem kurzen Augenblick, Voll Elend, Armuth, Kummer, Sorgen, und ungezaͤhlten Un- geluͤck, So uns gewiß betroffen haͤtte, so bald nicht aus den Sinnen lassen, Und, in der Abkehr alles Uebels, des Schoͤpfers Macht und Lie- be fassen. Bewahre ferner, fuͤr das Wuͤten der wilden Fluthen, unsern Strand, Und segne, große Seegens-Quelle, aus Gnaden dieses ganze Land! Schluß. Schluß. Schluß . U nd hiemit will ich denn zugleich mein Neujahrslied vor dieß- mal enden: Jedoch vorher noch dieß Gebeth zum Herrn der Jahr und Zei- ten senden: O Gott! durch dessen Gnad und Huld ich einige von meinen Pflichten Jm abgewichnen Jahre zwar geschickt gewesen, zu verrichten; Wann aber doch noch viel gefehlt: So ruf ich dich in De- muth an; Gieb doch im kuͤnftgen Jahre mir, den Meinigen und jedermann, Daß wir, geruͤhrt durch deine Wunder, mit allen Kraͤften uns bestreben, Dich zu erkennen, zu bewundern, und dich nach Moͤglich- keit erheben, Jm Denken, welches deiner wuͤrdig; im Gluͤck, durch frohe Dankbarkeit, Die Gegenliebe kindlich zeigen; im Ungluͤck, durch Ge- lassenheit, Dein Wollen zu verehren suchen; und unsre ganze Lebenszeit Sich in bewundernden Vertrauen dem Schoͤpfer kindlich uͤbergeben, Und ewig Gutes von ihm hoffen. Dieß ist allein ein wahres Leben. Die Die Ehe. Die Ehe. S o wie die Pflicht der Naͤchsten Liebe die groͤßte fast von unsern Pflichten, Die uns Natur und Schrift befiehlt, uns selbst zum Besten, aus- zurichten: So ist, von dieser Liebes-Pflicht, die suͤsse Neigung in der Eh, Als wie der Kern der Naͤchsten-Liebe, vor allen die betraͤcht- lichste, Die noͤthigste von allen andern, da wir ja uͤberzeuglich finden, Daß sich die Naͤchst-und Eigen-Liebe in ihr unmittelbar ver- binden. Wie sehr ist es denn zu bedauren, und fast mit Thraͤnen zu beklagen, Daß eine von Natur fuͤr uns bestimmte Quelle vieler Freuden, Vergnuͤgens, Lieblichkeit und Anmuth, ein rechter Pfuhl von Qual und Leiden, Verdruß, Verzweiflung, Bitterkeit, Haß, Thraͤnen Ekel, Gram und Plagen, Durch eigene Bemuͤhung, wird. Wir selber mischen Gall und Gift, Jn unsrer Ehe suͤße Kost, da es uns denn ja selber trifft, Wenn wir den Tod in Toͤpfen finden. Die allermeisten Men- schen meynen, Sie lieben sich, da sie jedoch, wenn man es wohl erweget, scheinen, Ob haßten sie sich selbst am meisten. Dadurch, daß wir am Naͤchsten nichts, Als seine Schwachheit, sein Bergehn, und seine Fehler nur betrachten, Und Die Ehe. Und auf das Gute, das er hat, so wenig, ja fast nimmer achten, Jhn immer von der schlimmen Seite beschauen; dadurch bloß geschichts, Daß wir, durch ihn, uns selber quaͤlen. So bald wir ihn geringe schaͤtzen, Verlieren wir, zu erst fuͤr uns, ein sonst an ihm gehabt Er- goͤtzen, Wodurch sichs Aeusser’ an uns aͤndert: Das Feur der Freund- lichkeit wird kalt, Dieß zeiget sich in sproͤden Minen, die merket jener also bald, Auch wenn er es fast selbst nicht merkt. Da er sich denn be- fuget haͤlt, Wenn das, was er an dich erblickt, und was du thust ihm nicht gefaͤllt, Mit gleichem gleiches zu vergelten. Sein Blick wird sproͤder, als er war. Dieß bleibt dir gleichfalls nicht verborgen; und ob du es gleich selbst erreget, Und Ursach an der Aendrung bist; wird es doch ihm zur Last geleget, Und dergestalt wird, zwischen euch, der Widersinn bald of- fenbar. Man fuͤhlt, daß man den andern haßt. Um uns nun selbst zu uͤberfuͤhren, Daß wir ihn nicht mit Unrecht hassen: So will die Habe- Rechterey, Daß er ein abgeschmackt Geschoͤpf, und gar nicht liebenswuͤr- dig sey. Man sucht, mit aͤusserstem Bemuͤhn, nur seinen Fehlern nachzuspuͤren. Man Die Ehe. Man kneipt mit Fleiß die Augen zu, fuͤr alle seine gute Gaben, Und will doch nicht, daß er mit uns, auf gleiche Art verfah- ren, haben. Wenn es nun erst so weit gediehen: So stroͤmt von Aer- gerniß, Verdruß, Verlaͤumdung, Zank, Verfolgung, Haß, als wie ein rechter Ungluͤcks-Fluß, Von allen Seiten auf uns zu. Man moͤchte fast, fuͤr Gram, vergehn. Dieß ist nun leider! mehrentheils die Lebensart mit unserm Naͤchsten, Zusammt der ungluͤckselgen Folg, in stetem Krieg und Kampf zu stehn. Wenn wir dergleichen Lebensart nun in dem Ehestand besehn: So wird die Plage noch viel groͤßer, und koͤmmt so dann die Noth am hoͤchsten, Da wir an unserm Feind verbunden, bestaͤndig mit ihm um- zu gehn, Des Nachts ihn mit zu Bett zu nehmen, des Morgens mit ihm aufzustehn, Auch lebenslang gezwungen sind. Mich deucht, ich hoͤr, ob fragtest du: Wie aͤndert man denn dieses Kreuz? und was ist doch fuͤr Rath dazu? Nimm dir die haͤlfte Muͤhe nur, die du dir nimmst, Betrug und Suͤnden, Und Bosheit bey ihm anzutreffen, was wirklich an ihm guts zu finden, Zu sehn, zu suchen, zu betrachten: Ein jeder thu, so viel er kann, Und seh den Gatten in der Ehe, von seiner guten Seiten, an. Du Die Ehe. Du wirst, indem du so verfaͤhrest, erfahren, daß er in der That Viel besser ist, als du geglaubet, und sehr viel gutes an sich hat. Das Gute nun, was er besitzt, besitzt er weniger fuͤr sich, (Wenn du vernuͤnftig dich betraͤgst, und redlich handelst,) als fuͤr dich, Du wirst weit mehr noch, als er selbst, von deines Gatten guten Gaben, Es sey am Koͤrper oder Geist, Vergnuͤgen, Nutz und Ehre haben. Jst er noch jung und schoͤn vom Leibe; laß seine liebliche Gestalt, Die dir zu anfangs so gefiel, nicht, durch Gewohnheit alsobald Vernichtiget, fuͤr dich vergehn. Besieh mit Fleiß ihr schoͤnes Aug. Jst ihre Brust und Farbe schoͤn: So laß sie doch fuͤr dich allein, Da sie fuͤr andern wirklich schoͤn, nicht ungluͤckselig haͤß- lich seyn! Vergleiche sie mit tausend andern, die minder schoͤn sind, als wie sie, Und denke, wenn du sie nicht haͤttest, du gebest dir die groͤßte Muͤh, Das, was du hast, zu uͤberkommen. Wirst du nun etwan hier und dar, Auch eines Fehlers, einer Schwachheit, am Koͤrper und am Geist, gewahr: Halt also bald was guts dagegen, So du gewißlich finden wirst, und haͤufe nicht, dir selbst zur Pein, Br. VI. Th. N n Die Die Ehe. Die Fehler, die, wofern sie nicht, durch etwas guts, vermin- dert seyn, Dir unertraͤglich werden muͤssen. Thu nicht, wie giftge Spin- nen pflegen, Die nichts als Gift und Boͤses saugen, ja aͤrger noch, indem der Gift, Den Spinnen nuͤtzet, da er dir hingegen tausend Plagen stift, Und schaͤdlich gnug, mit bitterm Graͤmen, dich endlich selbst ins Grab zu legen. Ach moͤchte man (bey tausend Fehlern, wodurch sie sich vom Guten trennen) Doch von Verliebten ein Verfahren, das fast der Tugend glei- chet, lernen, Wann sie die Fehler der Geliebten gering zu machen und so klein, Daß sie fuͤr sie nicht mehr vorhanden, so willig und so sinn- reich seyn; Hingegen was sie gutes haben, durch wiederhohltes Ueberlegen, Zu etwas unvergleichlichen, zum Wunder fast zu machen pflegen. Ein solch Verfahren stehet zwar vollkommen nicht in uns- rer Macht; Man brauchts auch nicht so weit zu treiben. Sey nur mit allem Ernst bedacht, Nicht blind fuͤr sein Verdienst zu seyn, und dich in so weit nur zu zwingen, Beym widrigen, auch etwas guts, von ihm in dir hervor zu bringen. Der kleine Zwang ist nicht fuͤr ihn, zu deinem Besten bloß allein. Jn Die Ehe. Jn deiner Meynung, (die ja dein,) Wofern sie gut, von deinem Gatten, wirst du in dir selbst gluͤcklich seyn: Dein Gatte wird dein Gluͤck verdoppeln, wenn du ihm nicht misfaͤllst. Hingegen, Verfaͤhrest du also mit ihm, so wie wir zu verfahren pflegen; So kann man uͤberzeuglich weisen, daß du in ihm dich selber quaͤlest, Jn ihm wahrhaftig dich verfolgest. Denn diese Wege die du waͤhlest, Die bringen dich in kurzer Zeit dahin, daß du dich wirklich freuest, Wenn du den einst gehaßten Gatten stets neuer Fehl- und Laster zeihest. Ein solch unbilliges Verfahren nun kann dem andern nicht gefallen. Du giessest in ihn Gift fuͤr dich; sein Blut wird gegen dich zu Gallen; Er haͤlt sich, durch dich selbst gezwungen, befuget, dich mit Recht zu hassen, Und wird es auch, so viel an ihm, dir weh zu thun, nicht un- terlassen. Um gegen diese Plagen nun ein moͤglich Mittel zu erfinden, So laßt uns von dem Ehstand einst, mit etwas mehrerem Bedacht, Als wie fast von den allermeisten, es in demselben wird ge- macht, Mit mehrem Ernst bemuͤhet seyn, so gut-als boͤses zu er- gruͤnden, Der eigentlichste Zweck, die Ursach und Absicht, nicht der Eh allein; N n 2 Von Die Ehe. Von uns und aller Thiere Wesen, scheint das Vermehrungs- werk zu seyn. Den großen Zweck nun zu erlangen, sind die Bemuͤhungen unglaͤublich, So die Natur dazu verwandt, so kuͤnstlich und so mancherley Die Reizungen, die Suͤßigkeiten, der Zug, die Wollust un- beschreiblich, So die Natur in uns gesenkt. Doch ist recht wunderbar dabey, (Damit zu heftiger Gebrauch der Creatur nicht schaͤdlich sey,) Ein Gegenmittel angewendet, das eben fast so wunderbar. Ein eingepflanzter Widersinn, ein’ Abkehr, wenn die Flam- men sich, Jn einem Augenblick geloͤscht, ist minder nicht verwun- derlich, Als wie der heisse Trieb und Druck der suͤssen Brunst vor- hero war. Mich deucht, und zwar mit allem Recht, daß Trieb und Ab- kehr, beyderley, Von einer weisen Absicht, Ordnung, ein deutlicher Beweisthum sey, Und mehr betraͤchtlich, als man glaubet, wer es erweget, der entdecket, Daß ein so nuͤtz-als noͤthig Mittel in diesem weisen End- zweck stecket. Wann nun den Thieren, zum Vermehren, mit suͤssem Feur erfuͤllte Triebe So wohl, als uns, geschenket sind: So ist doch, in erlaubter Liebe, Bey uns die Suͤßigkeit weit groͤßer, da wir nicht in der That allein, Nein Die Ehe. Nein, durch Jdeen schon vorher, zur suͤssen Lust uns zu be- bereiten, Jmgleichen durch Erinnerung der schon genoßnen Lieblich keiten, Die Ehstands-Freuden zu verlaͤngern, auch durch Gedanken, faͤhig seyn. Doch sind wir mit der noͤthgen Regel, und mit dem sanften Joch beladen: So gegenwaͤrtger Luͤste brauchen, daß sie den kuͤnftigen nicht schaden. Der Grund ist Maße. Diese wirket, daß man der Liebe Suͤßigkeit Jn reicher Maße erndten kann, im Ueberfluß auf lange Zeit. Wird nun die Maße nur gehalten, hat man gewiß der Eh Ergetzen, Als eine sonderliche Gabe und Wohlthat der Natur zu schaͤtzen. Zu diesem noͤthig, nuͤtzlichen und Lust erfuͤlleten Geschaͤffte, Das alle Wollust uͤbertrifft, gehoͤrt Erspahrung unsrer Kraͤfte, Jn unsrer Jugend sonderlich; gehoͤret Rein-und Freund- lichkeit, So ist es nicht nur suͤß fuͤr sich; es hebt und tilget man- chen Streit, Den Umstaͤnd uns erregen koͤnnten. Die allerleicht-und be- ste Cur, Fuͤr Zank, fuͤr Misverstand, ist dieses so holde Mittel der Natur. Je mehr daß ich den Stand der Ehe, mit ernstem Denken, uͤberlege, Je mehr ich dessen Ursprung, Absicht, Verordnung, Nutz und Zweck erwege, N n 3 Je Die Ehe. Je klaͤrer werd ich uͤberzeugt, je deutlicher daß ich entdecke, Wie ein recht wunderbar Geheimniß in der Vermehrungs- Ordnung stecke, Wovon ich aber hier annoch, in stiller Ehrfurcht, lieber schweige, Als daß ich sie, vielleicht zum Anstoß verschiedner Schwachen, klaͤrlich zeige. Wohl aber will ich denen, die in bitter-suͤsser Ehe leben, Des Standes Bittre zu versuͤssen, ein Mittel an die Hand zu geben, Aus guter Absicht mich bestreben. Daß weder Gott, noch der Natur des Ehestandes Bit- terkeit, Womit sich Eheleute quaͤlen, nein, bloß der Unbesonnenheit, Womit sie, sonder Ueberlegung, einander suchen umzutreiben, Zerfoltern und sich recht zerhenkern, sey beyzumessen, zu zu- schreiben, Jst uͤberzeuglich zu erweisen. Jst nicht der Menschen Leib ein Bild, Mit mancherley Vollkommenheit, Kunst, Zier, und Schoͤn- heit angefuͤllt? Was kann nicht ein verliebter Geist, aus schoͤnen und verlieb- ten Augen, Fuͤr einen suͤssen Lebensbalsam, fuͤr suͤssen Seelen-Nectar saugen! Es scheint ein rein und geistig Feuer fast aus der Seelen selbst zu steigen, Und innige Zufriedenheit, so wohl von ihr, als dir, zu zeigen. Was wird, an wohl formirten Gliedern, an einer zart-und klaren Haut, Wo- Die Ehe. Wodurch ein Roth, wie Rosen, spielt, nicht vor Vergnuͤglich- keit geschaut? Was giebt der Liebreiz eines Mundes, was eine rundgewoͤlb- te Brust, Die sich von keuscher Liebe schwellt, so Haͤnd-als Blicken nicht vor Lust! Wenn wir als Menschen sehn und fuͤhlen, das heißt, wenn wir zugleich das Denken, Beym wirklichen Besitz der Schoͤnheit, auf das, was man be- sitzet, lenken; Wenn wir das, was, eh wir es hatten, sehr schoͤn war, und noch wirklich schoͤn, Daß es unwidersprechlich schoͤn, bedachtsam und vernuͤnf- tig sehn: Jndem an unsrer wirklichen Zufriedenheit, Vollkommenheit, Nichts anders fast zu fehlen scheinet, als Dauer und Aufmerk- samkeit. Das Band, das in erlaubter Liebe, so wohl den Geist, als Koͤrper, bindet, Wenn man das Feuer der Natur, ohn Ueberlegung, nicht empfindet, Jst an sich selbst so suͤß, so lieblich, daß wenn man recht ver- nuͤnftig waͤr, Man billig aller Sinnen Kraͤfte, damit man immer mehr und mehr, Es fest zu schlingen faͤhig waͤre, und zum Genuß so holder Luͤste, Das groͤßte Theil von unsern Kraͤften zu brauchen, sich bestre- ben muͤßte. Wir sollte n , recht mit Fleiß und Ernst, auf tausend Art und Wege denken, Uns unsre Luͤste zu verlaͤngern, anstatt uns selbst mit Muͤh zu kraͤnken. N n 4 So Die Ehe. So aber kehren wir es um. Jndem wir bloß auf Fehler sehen, An unserm Gatten, und an ihm, recht muͤhsam, Unvollkom- menheit, (Fuͤr all sein guts uns selbst verblendend) bemuͤht sind, an ihm aus zu spaͤhen: So setzen wir uns gegen ihn in eine solche Bitterkeit, Und ihn nicht minder gegen uns, daß wir einander ohne Grauen, Ohn Abkehr, ohne Grimm und Ekel, Verdruß und Unmuth, niemals schauen, Und so, durch unser eigne Schuld, einander selbst die Hoͤlle bauen. Da, wenn man der gegoͤnnten Freuden, und in der Eh erlaubten Luͤste, Jn rechter Maß, und zwar als Menschen, das heisset ei- gentlich vernuͤnftig, Da man, so wohl was in der Anmuth schon gegenwaͤrtig, als was kuͤnftig, Auch was darin vorbey, zu spuͤren, im Danken zu gebrauchen wuͤßte; Man beyderseits, mit allem Fleiß, auf manche Weise zu ge- denken, Jn unsers Ehegatten Luͤsten, uns selbst die groͤßte Lust zu schenken, Sich mehrentheils beschaͤfftgen wuͤrde. Nun ist ja das, was koͤrperlich, Wie angenehm, wie wundervoll, und lieblich es gleich in der Eh, Wenn man des Geists Zufriedenheit dagegen haͤlt, das wenigste. Wie kann ein sanft, ein freundlich Wesen, ein holder Zu- spruch, wenn man sich Mit suͤssem Scherzen unterhaͤlt, so angenehm die Zeit uns kuͤrzen! Was Die Ehe. Was kann aufrichtge Redlichkeit, Vertrauen, Huͤlfe, guter Rath, Wenn etwan rauhe Ungluͤcks-Winde den Baum der Wohl- fahrt umzustuͤrzen, Und uns zu faͤllen, sich bemuͤhen, in Worten bald, bald in der That, Fuͤr Nutzen und Vergnuͤgen bringen! Was ist, in einer guten Ehe, Nicht noch fuͤr tausendfach Vergnuͤgen! Gesellschaft, Zuspruch, Zeitvertreib, Wie ist, nach Syrachs weisen Lehr, ein aufgeraͤumt und freund- lich Weib Ein Schatz, der nimmer gnug zu schaͤtzen! Wenn nun, aus ihren suͤssen Flammen, Noch allererst die suͤssen Fruͤchte, worin sie sich verjuͤngen, stammen; Welch eine nie versiegne Quelle, von Anmuth, bricht so dann herfuͤr! Sie sehn in ihnen sich verdoppelt, ihr Wesen mehret gleichsam sich; Sie wissen, daß, auch wenn sie sterben, sich ihr Gedaͤchtniß nicht verlier. Jhr kindisch Spiel entzuͤcket sie. Sie suchen sie gemeinschaftlich, Mit Ueberlegen und Bedacht, mit einem froͤlichen Bemuͤhn, Durch Lehren mehr, mehr durch Exempel, zum kuͤnftgen Wohl- seyn zu erziehn. Woher entsteht nun gegentheils, an so viel Orten, in der Eh, Auch bey nicht unvernuͤnftigen, das gleichsam irdsche Hoͤl- len-Weh, Das fast die meisten unter sich nicht anders sind, als Hund und Katzen? Woher koͤmmt Hadern, Widerbellen? Woher Zank, Schelten, Beissen, Kratzen? N n 5 Wo- Die Ehe. Woher koͤmmt Keifen, Laͤrmen, Wuͤten, das Murren und die Ungeduld? Jhr seyd an eurem Ungeluͤcke, sprecht was ihr wollet, beyde Schuld. Dadurch, daß ihr den Ehegatten nur von der schlimmen Seite sehet, An euch das Gute nur beschaut; und er auf gleiche Weis es macht; Aus diesem ungluͤckseligen und unvernuͤnftgen Unbedacht, Aus dem unuͤberlegten Wesen der naͤrrschen Eigenlieb, ent- stehet, Statt der gehofften Freuden-Taͤg, ein’ allgemeine Trauer-Nacht. Soll dieses Elend sich nun aͤndern: So thut, was ihr sonst nicht gethan: Schaut euren Gatten von der guten, euch von der schwachen Seiten an. Un- Ungereimter Wunsch. Ungereimter Wunsch. W ie ich, aus einem suͤssen Traum, juͤngst fruͤh erwachte, Und, welch ein großes Gluͤck es waͤr, im Ernst gedachte, Wenn man sich selber Traͤume machen, dieselbige willkuͤhr- lich fuͤgen, Und sie zusammen setzen koͤnnte: O welch Vergnuͤgen Wuͤrd einer doch sich selbst verschaffen! was wuͤrd er sehn, Fuͤr Lieblichkeiten der Natur! Was wuͤrd er hoͤren, Jn einem angenehmen Wald, in hellen Choͤren, Von Singevoͤgeln, Nachtigallen, fuͤr ein Getoͤn! Wie wuͤrde mancher an der Schoͤnheit, und andern Schaͤtzen, Von einer jungen schoͤnen Frauen, sich nicht ergetzen! Was wuͤrd er nicht in Speis und Trank, fuͤr Lieblichkeiten, Durch vorgestellete Jdeen, sich selbst bereiten! Allein indem ich also denke: So faͤllt mir bey, Daß dieser mein so kluger Wunsch, recht naͤrrisch sey. Wir haben ja dergleichen Macht, indem wir wachen, Wir koͤnnen uns von ungezaͤhlt-und suͤssen Sachen, Jm Denken tausendfach Vergnuͤgen, Jdeen machen, Vergnuͤgliche zusammen setzen, ein ganzes Heer, Von holden Phantaseyen zeugen; ja was noch mehr, Wir koͤnnen nicht nur in Gedanken, durch kluges Fuͤgen, Der schoͤnsten Bilder des Gemuͤths, uns hier vergnuͤgen; Wir haben, von den allermeisten, die Wirklichkeit. Von welcher unbegreiflichen Beschaffenheit Jst denn das menschliche Geschlecht! Da, sonder Licht, Vernunft und Wirklichkeit und Wahrheit, wir was verlangen, Zu sehn, zu hoͤren, zu geniessen, und zu empfangen. Hat man nun wirklich Licht, Vernunft, Gehoͤr, Gesicht, Zu sehn, zu hoͤren, sich zu freuen: So thut mans nicht. Ernst- Gedanken uͤber den Tod der Belise. Ernsthafte Gedanken uͤber den toͤdtlichen Hintritt der nunmehr seligen Belise 1736. den 15. Novemb. zwischen A. und B. A. W ann ich, mit einigem Erwegen, die Bitterkeit, die Folg und Groͤße, Von deinem schmerzlichen Verlust, in der Belise Tod, er- messe: So will mir, zur Beruhigung von deiner sehr gebeugten Seelen, Es an Besaͤnftigung gebrechen, an Trost-und Lindrungs-Gruͤn- den fehlen. Daher war erstlich mein Entschluß, dich auf die Dichtkunst zu verweisen, Jndem es mir nicht unbekannt, daß Dichter oft, indem sie dichten, Und allenthalben hin gedenken, zuweilen ihren Schmerz ver- nichten. Allein, gedacht ich auch dabey, du stellst, bey diesem Ra- the, mir, Vermuthlich dieß zur Antwort fuͤr: „Da Canitz seiner Doris Lob so wunderwuͤrdig hoch ge- trieben; „Da Besser von der Kuͤhlweininn fast unverbesserlich ge- schrieben; „Da Gedanken uͤber den Tod der Belise. „Da Richey seiner Charitinen, ein solches Ehrenmaal errichtet, „Daß weder Zeit, noch Neid versehrt, zernagt, zertruͤmmert, noch vernichtet, „So scheint, ob waͤre fuͤr Belisen kein wuͤrdig Lob fast uͤberblieben. Daher ich, einen andern Trost dir anzutragen, uͤbernehm, Der, wenn er deinen bittern Gram, nicht voͤllig ist geschickt, zu lindern, Doch, wo du ihn nur recht erwegst, vielleicht mehr, als es scheint, bequehm, Geschickt und faͤhig, deinen Schmerz, in etwas wenigstens, zu mindern. Du mußt dich selbst mit Fleiß bemuͤhn, statt ihre Tugend zu erwegen, (Zumal dieselbe sonst bereits vorhero schon, in Stadt und Land, Durch dich so wohl, als andre mehr, am meisten durch sich selbst, bekannt,) Dir, von der trefflichen Belise, die schwache Seite vor- zulegen, So zur Verkleinerung von ihr jedennoch nicht gereichen kann; Denn ihre schwache Seite selbst zeigt dennoch etwas großes an. Es ist fast aller Menschen Art, daß der Verlust das Gute besser, Als es vorher war, scheinen macht, wodurch er aber selber groͤßer, Empfindlicher und herber wird. Da wirst du nun ja selbst gestehn, Daß, bey so viel Vollkommenheiten, die wir mit Lust an ihr gesehn, Bey Gedanken uͤber den Tod der Belise. Bey so viel Leibes- und Gemuͤths-, vor andern ganz besondern, Gaben, Wir oft ein fast zu ernsthaft Wesen, an ihr auch wahrgenom- men haben, Daß sie, wenn sie allein, betruͤbt, daß sie auch in Gesellschaft gar, Von einer stillen Traurigkeit, nur selten aufzumuntern war, Daß sie, durch ein bestaͤndig Bethen, behindert war, an denen Schaͤtzen, Die Gott, durch die Natur, uns beut, im frohen Dank sich zu ergetzen, Wie gern sie auch zuweilen wollte. Daß sie an dem, was Gott uns goͤnnte, Und zwar in solchem Ueberfluß, sehr selten sich vergnuͤgen koͤnnte. B. So fremd, geliebter Agathander, dein Trost auch ist; so sonderlich, Und unerwartet er mir koͤmmt: Gesteh ich dir; er ruͤhret mich. Jch find ihn nach des Menschen Geists Natur und Wesen ein- gerichtet, Und mich daher, so viel mein Leid es mir erlauben will, verpflichtet, Den Schluͤssen weiter nach zu denken, und sie zu brauchen, um so mehr, Als ich darin zu meinem Trost, zugleich auch zu Belisen Ehr, Daß, wie im Leben, durch ihr Beyspiel, sie auch annoch im Tode lehr; Jn ihnen zu entdecken glaube. Wodurch sie denn, in meinem Singen, Zwar Gedanken uͤber den Tod der Belise. Zwar mir die Ehre lange nicht, die Charitine, Ruͤhl- weininn, Und Doris ihren Herrn gebracht in ihren suͤssen Liedern, bringen, Und meinen Ruhm erheben wird. Doch hat der Leser, zum Gewinn, Vielleicht Erbauung, Trost und Nutzen. Jch hab oft bey mir uͤberlegt, Was der nun seligen Belise, da ihr der Schoͤpfer doch im Leben, An Leib, an Geist, und andern Guͤtern, viel Guts im Ueber- fluß gegeben, Sie, vor viel tausenden, begabt, doch ein so oͤfters Leid erregt. Jch leugne nicht, daß etwas leiblichs, von andern Gruͤn- den nichts zu sagen, Und achtzehn Wochenbetten wohl, vielleicht ein vieles bey- getragen, Da nemlich ihre Lebensgeister, und im Gebluͤth des Koͤrpers Kraͤfte, Der Muskeln Staͤrke, nebst den Nerven, und die subtilen Lebens- Saͤfte Erschoͤpfet und vermindert worden. Doch schreib ich dem geschwaͤchten Geiste, Durch Vorurtheile, Zaͤrtlichkeit, und ernsten Meynungen das Meiste, Mit groͤßtem Recht vermuthlich, zu. Jch setze dieß bey ihr zum Grunde, Daß ihr die Gottheit nur gerecht, und liebreich nie, vor Au- gen stunde, Wor- Gedanken uͤber den Tod der Belise. Woruͤber sie, voll ernster Furcht, in stetem Bethen, sonder Maße, Der ganzen Welt, sich selbst und alles, hierauf allein bedacht, vergasse. Sie war von einem ernsten Wesen, und einer starken Phan- tasey. Es herrscht, in ihren Mischungen, am kraͤftigsten Melancholey: Doch war sie von Gemuͤth und Geist so zaͤrtlich, daß sie nichts von Quaͤlen, Von Martern, Schmerzen oder Plagen, in einiger Geschicht erzaͤhlen, Noch etwas davon lesen kunnt, ohn ein Erschuͤttern innerlich, Ja solch ein Grausen zu empfinden, daß sie in vielen Ta- gen sich Von Schrecken kaum erholen kunnt. Wie man nun oft pflegt vorzutragen, (Und zwar zuweilen ohne Noth) von den unleidlich herben Plagen Verdammter Seelen in der Hoͤll; entstund ein solches Mar- ter-Bild, Jn ihrem schuͤchternen Gehirn, daß sie, mit steter Angst er- fuͤllt, An jedem Ort, zu aller Zeit, voll Furcht sich gleichsam sel- ber nagte, Jndem sie sich, ohn Unterlaß, mit graͤmlichen Gedanken plagte. Es kam in diesem Zustand ihr Der Schoͤpfer aller Ding, allein als ein gestrenger Richter, fuͤr, Der nichts als Straf und Rache droht. Was man von sei- nem ewgen Lieben, Jhr Gedanken uͤber den Tod der Belise. Jhr sagt, erzaͤhlt, erwies, war alles, zwar angehoͤrt, doch gleich vertrieben, Aus ihrer gar zu bangen Seele, bis daß sie allen Muth verlohr. Was sie erblickte, that und hoͤrte, kam ihr als lauter Suͤn- de vor. Sie liebte nur die Einsamkeit. Um aus den vorgestellten Ketten, Nam sie sich endlich ernstlich vor, durch vieles Bethen, sich zu retten. An allen Orten, wo sie war, war sie auf Bethen nur bedacht; Sie bethet fruͤh, sie bethet spaͤt, sie bethete die ganze Nacht, Bis daß sie endlich dergestalt den abgezehrten Koͤrper schwaͤchte, Daß sie ins Sterbe-Bette fiel. An statt nun, daß sie den- ken sollte, Wie sie den schwachen Koͤrper staͤrken, und Ruhe sich ver- schaffen wollte, So aͤchzte, senfzt und bethete sie unaufhoͤrlich ganze Naͤchte, Voll Sorg und Graͤmen, daß zuletzt sie ganz von allen Kraͤf- ten kam, Und, ob sie, kurz fuͤr ihrem Tode, zuletzt annoch gleich, fuͤr ihr Leben, Und laͤnger auf der Welt zu seyn, gar gern ich weis nicht was gegeben, Doch wie sie sahe, daß ihr Gott, dem sie gedienet, zu sich rief; Sie, in bestaͤndger Zuversicht auf seine Gnade, sanft ent- schlief, Und in gelassener Geduld den Thraͤnen-wuͤrdgen Abschied nahm, So daß ihr zwar Gottlob! im Tod, ihr vorges Graͤmen nicht gehindert, Doch hat es ihr, im ganzen Leben, vergoͤnnte Freuden oft gemindert. Br. VI. Th. O o Dieß Gedanken uͤber den Tod der Belise. Dieß waren Fruͤchte nun von ihrer zu sehr geruͤhrten Phan- tasey, So uns wahrhaftig lehren sollte, die klaͤgliche Melancholey Noch aͤrger, als ein Gift, zu fliehn, noch schlimmer, als die Pest, zu meiden, Weil sie, auch mitten im Vergnuͤgen, ein schwarzes Leid, ein bitter Leiden Uns zu zufuͤgen, sich bemuͤht. Man kann Belisen Stand er- messen, Und wie so groß ihr Gram gewesen, wie unertraͤglich ihre Pein, Durch ihr betruͤbt Gestaͤndniß selbst: Der Worte werd ich nie vergessen: Was ich auf Erden ausgestanden, sprach sie, das weist du, Gott, allein. A. Bey diesem recht betruͤbten Zufall, faͤllt mir von neuen et- was ein, Woruͤber ich mich oft geaͤrgert, daß wir den Tod so graͤßlich machen, Jhn, als das allerschrecklichste von allem Schrecklichen, be- schreiben, Ja nicht einmal bey dieser Larv, die wir selbst scheuslich ma- chen, bleiben. Nein, schwarze Teufel noch, mit Hoͤrnern, im angeschuͤhrten Hoͤllen-Rachen, Den Sterblichen vor Augen malen, wodurch, wie auch bey ihr geschehn, Wir oft erbaͤrmliche Spectakel bey zaͤrtlichen Gemuͤthern sehn, Da Gedanken uͤber den Tod der Belise. Da viele, nicht allein im Leben, durch solch ein Marter-Bild von Plagen, Der ewgen Liebe fast zur Schande, auch gar im Sterben oft, verzagen. Mich deucht, es werd’ (aus ihres Bluts Beschaffenheit) von eingen Lehrern, Hierin gewiß zu weit gegangen, wenn sie den ungluͤckselgen Hoͤrern, Die allergraͤßlichsten Jdeen, die teuflisch fast, von einer Hoͤllen, Voll wahrer Nattern, Basilisken, die all unsterblich, vorzustellen, Mehr als barbarisch, sich bemuͤhn. Von ewgen Schlangen, ewgen Drachen, Sich einen wahr-und wirklichen, und leiblichen Begriff zu machen, Scheint schreck-und laͤsterlich zugleich. Es zeugen selbst der Heiden Lehren So wunderliche Wunderthiere, Amphisibenen und Chimaͤren, Jn ihrem fabelhaften Orcus, bey der Alecto Schwefellicht, Bey Sisiphus, und Tantalus, in Felsen, Obst und Wasser, nicht, Als manches graͤmliche Gehirn, voll Zorn und schwarzer Gall, erdacht, Da er, jedoch von ewger Molchen und ewger Basilisken Wesen So wenig im Natur-Buch fand, noch in der Schrift davon gelesen. Wodurch er Gott, so sehr nicht schrecklich, als haͤmisch und voll Bosheit, macht. Jst dieß ein wuͤrdig Bild von Gott? Die Gottheit scheint hier boͤs und klein. Kann denn die ewge Guͤte giftig, die Lieb ein wahrer Henker seyn? O o 2 Wird Gedanken uͤber den Tod der Belise. Wird Gott, als ein unendlich All, wofern er Menschengei- ster quaͤlen, Und nach Verdienst bestrafen will, so unanstaͤndge Plagen waͤhlen? Kann ein verklaͤrter Leib und Geist nicht, als von Marter- Art, auf Erden, Durch andre Plag und andres Leiden, schon scharf genug bestrafet werden? Muß ein mit Fleiß verewigt Fleisch, von einer ewgen Flamme Pein, Zertrennet, und doch nicht zertrennet, verbrennt, und nicht ver- brennet seyn? Scheint dieses uns nicht uͤberzeuglich recht gegen alle Wuͤr- digkeit Der Gottheit, gegen ihre Lieb, auch gegen die Beschaffenheit Der ewgen Weisheit? ewge Thiere in ein verzehrend Feur zu setzen, Um der Verdammten ewge Leiber, und Geister ewig zu ver- letzen? B. Du uͤbereilest dich, mein Freund, in deinem Urtheil. Denkst du nicht, Daß selbst die Schrift, an manchem Ort, von Flammen und von Drachen spricht? A. Jch weis es: Aber weist du auch, daß es ja den Orientalen Ganz eigen ist, den Sinn der Wahrheit in vielen Bildern vorzumalen? Die werden in der ganzen Schrift, daß solch ein Bild was anders lehrt, Durch die vernuͤnftgen Geistlichen vernuͤnftig uͤberall erklaͤrt. Soll Gedanken uͤber den Tod der Belise. Soll, bey so viel verbluͤmten Stellen, die von der Hoͤllen, denn allein, Jn einem eigentlichen Sinn und anders nicht erklaͤret seyn? B. Wie groß ist nicht, bey rohen Leuten, der Nutz von der ge- wohnten Lehre! Und wuͤrden sie wohl Strafe fuͤrchten, wenn man, daß solche Hoͤll nicht waͤre, Sie neuerlich bereden wollte. Ob gleich das Beyspiel der Belise, Von der zu scharf getriebnen Lehre, mir ein erbaͤrmlich Bey- spiel wiese: So kann ich dennoch darum nicht, aus vielen Gruͤnden, mich bequemen, Die von dir beygebrachten Schluͤsse, wie du vermeynest, an- zunehmen, Und wuͤrd ich, mit viel staͤrkern Gruͤnden, dein Denken wider- legen koͤnnen; Nur will es jetzt mein Zustand mir in meiner Trauer nicht vergoͤnnen. Doch werd ich dich von deiner Meynung, mit mehrern Gruͤn- den, abzufuͤhren, Bey ersterer Gelegenheit, so viel mir moͤglich ist, probiren. Jetzt muß ich dir, geliebter Freund, wie, nach der Seligen Er- blassen, Jch doch, so viel mir moͤglich war, in meiner Trauer mich zu fassen, Beschaͤfftiget gewesen bin, und was mir wiederfuhr, erzaͤhlen; Geschicht es gleich ohn aͤussern Schmerz, und starker Beugung meiner Seelen, O o 3 Ohn Gedanken uͤber den Tod der Belise. Ohn einen noch vertieftern Eindruck, und inniger Erschuͤtt- rung, nicht, Wenn mein noch jetzt bethraͤnter Mund von diesem herben Falle spricht. Nach ihrem Tode konnte nichts, so lang ihr Sarg geoͤffnet stand, Sie taͤglich noch zu sehn, mir wehren. Da ich, in ihren ern- sten Zuͤgen, Noch Spuren ihres nun Gottlob! schon uͤberstandnen Lei- dens fand, So ich, mit stiller Bitterkeit, und einem klaͤglichen Vergnuͤgen, Durch immer neue Thraͤnen sah, die oftermals durch ihre Menge, Und der gepreßten runden Tropfen bestaͤndig quillendes Ge- draͤnge, Worin die truͤben Blicke schwummen, den bangen Vorwurf mir verdeckten, Und meine Schmerzens-Quell fuͤr mich, doch nur auf kurze Zeit, versteckten. Dieß dauret in den achten Tag. Da ich zum letzten zu ihr kam, Und, mit sich haͤufendem Betruͤben, von ihr den letzten Abschied nahm, Jndem es mir unmoͤglich war, dem Schluß des Sarges zu- zusehen. Wie man nun selben wirklich schloß, fing eben ein schon re- ger Sturm, Mit einer nie erhoͤrten Kraft, und so entsetzlich an zu wehen, Daß des von mir bewohnten Schlosses erhabner, fest-und star- ker Thurm Erzit- Gedanken uͤber den Tod der Belise. Erzitterte. Bald hier bald dort zerborsten Mauren; Fenster, Riegel Zersprangen; in den Luͤften flogen; es stuͤrzten abgerißne Ziegel Zerschmettert uͤberall herab. Denn, ob man gleich an diesem Ort Der schweren Winde wohl gewohnt: So hatte doch der wil- de Nord, Bey Menschen Denken, nie so stark, so gar entsetzlich stark ge- stuͤrmet. Hiedurch nun ward, zu gleicher Zeit, durch der gepreßten Luͤfte Wuth, Des Meeres, und durch dessen Wellen der angehaͤuften Elbe Fluth, Mit wildem Wallen aufgebracht, und so erschrecklich aufge- thuͤrmet, Daß es den allerhoͤchsten Teichen, in einem schon geraden Striche, Zum Schrecken unsers ganzen Landes, beschaumt, bereits an Hoͤhe gliche, Und einen schnellen Untergang dem Lande, Vieh und Menschen droht, Da band, mit meiner eigenen, sich eine allgemeine Noth. Wie mir an diesem truͤben Tage dabey zu Muthe sey ge- wesen, Wird jeder deutlicher gedenken, als ers verlangen kann zu lesen. Mein Geist, der sich bald auf dem schon beschaͤumt-und uͤber- stroͤmten Rand, Des Landteichs, der zu weichen drohte, bald um Belisens Sarg befand, War, wie man leichtlich glauben wird, fast ganz aus seinem Gleichgewicht. Der bittre Gram, die schwarze Furcht, der Winde nicht er- traͤglich Sausen, O o 4 Die Gedanken uͤber den Tod der Belise. Die Sorgen fuͤr das arme Land, der fast schon nahen Wellen Brausen Bestuͤrmten mich gemeinschaftlich. Bis ein erfreulicher Bericht, Gottlob! das Wasser faͤllt! es ebbt! mir unverhofft gemeldet wird. Gottlob! Ließ ich aus meiner Brust, die ploͤtzlich leichter ward, mit allen, Die aller Sorgen voͤllig frey durch diese Nachricht wurden, schallen. Es kam mir, wie ich die Gedanken, die gleichsam in sich selbst verirrt, Nun wieder auf Belisen zog, den Augenblick nicht anders fuͤr, Als daß, da ihr so bruͤnstig Bethen zwar jedem, doch mir mehr, bekannt, Jhr geist-und feuriges Gebeth annoch fuͤr unser ganzes Land Vielleicht erhoͤret worden sey. Jch stelle dieß nun zwar dahin, Weil ich, von so verborgnen Sachen ja nichts zu denken, faͤhig bin. Doch kam, wie ich in solchem Stand, und fast verwirret war, es mir Zu Anfangs, als ein’ Art von Trost, ohn ernster Ueberlegung, fuͤr. Jch setzte mich nachhero nieder, bemuͤhte mich, nach mei- nen Pflichten, Fuͤr meiner nunmehr selgen Haͤlft’ ein Ehren-Denkmaal zu errichten, So ich dir hier zu Haͤnden stell, und wirst du aus dem Jnhalt lesen, Da sie ein besseres verdient, und ich kein bessers ihr gemacht, Wie sehr mein Geist unaufgeraͤumt, wie dunkel meine Trauer- Nacht, Wie sehr mich ihr Verlust gebeugt, und wie mein Schmerz so groß gewesen. Epi- Epitaphium. Epitaphium. V on einem Geist, der in der Zeit Durch Bethen seinen Schoͤpfer priese, Der von Geduld und Froͤmmigkeit, Von Andacht und Gelassenheit, Ein unnachahmbar Muster wiese, Das Gott aus Gnaden ihm geschenkt, Voll bruͤnstger Zuversicht gelenkt; Kurz: Von der redlichen Belise Sind hier die Schalen eingesenkt. O o 5 War- Warnungs-Lehre Warnungs-Lehre fuͤr erhabne Geister. E s ist die Ehrbegierd ein Trieb, wodurch wir, voller Sehn- sucht, wollen, Daß andre Menschen, die uns gleich, uns ruͤhmen und uns ehren sollen. Da doch dieselben, eben so, als wir, sich allen vorzuziehn, Aus angebohrner Eigen-Lieb, aus allen Kraͤften sich bemuͤhn. Wird etwan einer wo gelobt, scheint jeder dadurch was zu leiden. Verkleinert man den Naͤchsten aber: So wird mit heimlich-haͤm- schen Freuden, Jhr Jch geschmeichelt und gekitzelt. Wie kann, bey so ge- stalten Sachen, Man sich von Menschen Hoffnung machen, Daß sie, durch unser Guts, sich gleichsam selbst zu hassen, Von uns sich werden zwingen lassen? Und daß sie den, der sie verkleinert, bey ihrem innigen Be- truͤben, Ob ihren schmerzlichen Verlust, aufrichtig jemals koͤnnen lieben? Es koͤmmt vielmehr, bey diesem Zustand, mir Nicht anders fuͤr, Als ob ein Geist, der sich, von andern, in der That, An Groͤß, und an Gelehrsamkeit, Verdienstlich unterschieden hat, Anstatt auf seine Groͤß und Vollenkommenheit, Sich fuͤr erhabne Geister. Sich was zu gut zu thun, damit zu prangen, Und einen Vorzug zu verlangen; Er, wenn er recht zu leben wuͤßte, Sich als ein’ Art von Monstrum halten muͤßte, Nur tauglich, andre zu beschaͤmen, Und folglich sich vielmehr bequemen, Sie, durch bestaͤndige Bescheidenheit, Durch Dienst begierd und Hoͤflichkeit, Nach allen Kraͤften seiner Sinnen, Sie nur in soweit zu gewinnen, Daß er mit seiner Groͤß, und seiner Gaben Buͤrde, Von ihnen nur geduldet wuͤrde. Da ja von dem, was man auf Erden treibt, Dieß Sprichwort leider! wahr verbleibt: Es ist, da jedermann sein Jch zu heftig und recht straͤflich liebt, Ein gar zu groß Verdienst, am Naͤchsten, ein Fehler, den man nicht vergiebt. Fer- Untersuchung des Norder-Lichts. Fernere Untersuchung des Norder-Lichts. J ch sahe juͤngst das tiefe Himmels-Meer, Das Boden-los und ohne Grenzen. Jch sah darin der Sternen Heer, Als ungezaͤhlte Tropfen, glaͤnzen, Woruͤber ich erstaunet riefe; O welche Tropfen! welche Tiefe! O Himmels Ocean, von Sonnen angefuͤllt, Jn welchem sich ein wuͤrdigs Bild Der Gottheit, ohne Bildung, zeiget! Jch seh, Herr, deiner Schaaren Menge, Mit Ehrfurcht und Erstannen, an; Da nichts so sehr, als ihr Gepraͤnge, Uns deine Groͤße zeigen kann. Jhr Glanz, ihr Licht, ihr Schein und Stral, Sammt ihrer Zahl, die sonder Zahl, Die zeigen dich, Herr Zebaoth, Am wuͤrdigsten als einen Gott. Jndem ich dergestalt die hellgestirnte Hoͤhe, Voll Ehrfurcht, voller Andacht sehe, Und mich von ungefaͤhr ein wenig nordwerts drehe; Faͤllt unverhofft vom hellen Norder-Licht Vid. plura Tom. IV. pag. 407. Ein weisses Stralen-Heer mir ins Gesicht, Daß, als ich noch einmal auf dessen Ursprung dachte, Mich ganz von ungefaͤhr auf die Gedanken brachte. Es Untersuchung des Norder-Lichts. Es kam die Art vom Licht, zusammt der Farbe, mir, Als wie der Schein von unsrer Daͤmmrung, fuͤr. Wann von der Daͤmmrung nun die Ursach wohl bekannt; Daß (waͤr um unsre Welt der Luftkreis nicht gespannt, Woran der Sonnen reges Licht, Jndem sie hoͤher, als die Welt, Des Morgens fruͤh, des Abends spaͤter faͤllt, Und sich an ihrem Koͤrper bricht) Wir keine Daͤmmrung haben koͤnnten, Und daß wir, wenn wir spaͤt uns von der Sonne trennten, Wir auf einmal und gleich in schwarze Finsternissen Versinken, gegentheils fruͤh, fast erblinden muͤssen, Durch gar zu schnellen Glanz des Lichts, Zum großen Nachtheil des Gesichts. Wie wir hiedurch nun uͤberzeuglich wissen, Daß wir bey jedem mal (die Sonne geh von hinnen, Auch wenn sie fruͤh erschein) am Tage was gewinnen, Vid. plura Tom. V. pag. 137. Durch diese Daͤmmerung: So koͤmmt es mir, Nicht glaublich nur, fast uͤberzeuglich fuͤr, Daß von dem Schoͤpfer, gegen Norden, Der Kreis der Luft erhoͤhet worden, Damit dadurch die langen Finsternissen, Zum Besten der Bewohner, gleicher Weise, Zu ihrem Nutz, und seinem Preise, Daß sie nicht allezeit im Finstern tappen muͤssen, Erhellet und gemindert, Des rauhen Himmels Strichs Beschwerlichkeit gelindert, Ertraͤglicher gemachet werden moͤchten. Es scheint dadurch die Luft ein steter Mondesschein, (Wie er uns wirklich ist) noch dorten mehr zu seyn. Die Untersuchung des Norder-Lichts Die Luft laͤßt, wie der Mond, die Stralen ruͤckwerts prallen, Die von der Sonnen auf sie fallen. Weil wir nun aber dieß befinden, Daß nordenwerts die Daͤmmrung laͤnger steht, Ja uͤberall fast nicht vergeht: So scheints, wenn wir hievon die Ursach recht ergruͤnden, Unstreitig wahr zu seyn, daß dort die Luft erhoͤht, Ja dicht und dicker sey, damit daran Der Sonnen Licht bestaͤndig fallen kann. Dem tritt noch bey, daß aller Frost die Luft Zusammenpreßt, verdicket, und den Duft Dadurch geschickter macht, die Stralen aufzufangen, Die von der Sonnen Licht zu ihnen hingelangen. Mir zeigt sich noch ein Grund, woher Vermuthlich in dem Theil der Erden, Die Luͤfte dick- und hoͤher werden. Die neue Weltweisheit glaubt, daß ein wahres Meer, Von Luft sich in der Erden Gruͤnden, Und um den Mittelpunkt Oceanus aurae centralis. sich soll befinden, Das aus den Polis allemal Hervorbricht, uͤberwerts sich in die Luft ergießet, Und uͤberall den Kreis der Welt befliesset. Wodurch sich denn die Kraft so in Magneten stecket, Wenn er sich nordwerts dreht, zugleich auch zieht, entdecket. Hiedurch nun scheint der Grund, woher die Luͤfte steigen, Beym Norder-Pol, sich klar zu zeigen, Und weil sich denn daran, der Stral der Sonnen bricht, So zeuget sich daraus von selbst das Norder-Licht. Wann aber auch, in schnell-und langen Zuͤgen, Zuweilen rege Stralen fliegen, Aus Untersuchung des Norder-Lichts. Aus diesem Himmelsstrich: So scheinen dieses, Theile Der Luft, die durch den Fluß des Luftstroms fortgerissen, So aus dem Norpol bricht, dem sie in strenger Eile Jn seinem Zuge folgen muͤssen. (Wenn er zumal zuweilen schneller fleußt, Und heftiger, als sonst, aus seinen Tiefen scheußt.) Das so viel schneller denn geschehen kann, Weil dieser Flug so hoch erhaben gehet, Daß keine dicke Luft ihm in dem Wege stehet. Er trifft, da er so hoch, gar keine Hindrung an; Daher es denn, (daß es dem Blitz fast gleichet,) Den fast ganz leeren Raum entsetzlich schnell durchstreichet. Hier zeigt, o großer Gott, sich abermal, Von deiner weisen Macht und Lieb, ein heller Stral, Wodurch wir uns, in unsrer Brust, Ein Andacht-Feur von Dank und Luft, Wenn wir, als Menschen, denken wollten, Mit Recht entzuͤnden lassen sollten. Jch fuͤhle wenigstens, da ich dieß uͤberlege, Ein Freuden-Feur in meiner Seele glimmen, Und einen heissen Trieb, dieß Loblied anzustimmen: Wie weis und wunderbar, o Gott, sind deine Wege! Ge- Gespraͤch. Gespraͤch. A. W enn wir des Guten nicht geniessen, durch Denken; ist es gleich verflossen. B. Ach es verfliesset ja nicht minder, hab ichs mit Denken gleich genossen. A. Ob alles gleich, wie es die Wahrheit, als wie ein strengex Strom verfleußt: So stellet doch, durch Gottes Ordnung, sich immer etwas neues ein, Und lieget es an unserm Geist, daß er sich darauf stets befleißt, Am neuen immer was zu finden, womit er kann vergnuͤget seyn. B. Dieß stehet nicht in seinem Willen, noch weniger in seiner Macht; Weil oͤfters etwas Boͤses koͤmmt, worin man nichts ergetzlichs findet. A. Jch spreche nicht von Ungluͤcksfaͤllen, ich bin allein darauf bedacht, Des Guten besser zu gebrauchen, das sonsten ungefuͤhlt ver- schwindet; Zumalen wir noch uͤberdem erwogner Dinge fluͤchtges Rennen, Durch die Erinnrung des Genußes, gewissermaßen hemmen koͤnnen. Ueber- Ueberschrift einer moralischen Zeichnung. Ueberschrift uͤber eine moralische Zeichnung, worauf zween Balger vorgestellet, zwischen wel- chen eine Narrenkappe auf der Erden lieget. L. D aß Peter besser tanzt, als Hans, soll dieß mein Eisen, Wo du es nicht gestehst, dir uͤberzeuglich weisen. M. Bereite dich, und stirb. Giebst du den Satz nicht zu: Daß Hans weit besser tanzt, als Peter, und als du. Br. VI. Th. P p Aus- Ausgesetzte Besserung. Ausgesetzte Besserung. W ie Ehr-und Reichthum-fuͤchtige sich bis an ihren Tod bestreben, Und immer sich beschaͤfftigen, um dann, den Rest von ihrem Leben, Des Fleisses Fruͤchte zu geniessen, und, nach getragner Last, zu ruhn: So sieht man, daß auch dieß nicht minder von den Gelehrten viele thun. Sie sind bis an den Tod bemuͤht, bald dieß, bald jenes zu begreifen, Und, im bestaͤndgen Untersuchen, ihr Wissen immer anzuhaͤufen, Um denn von ihrer Theorie den Ueberrest von ihrem Leben, Zu ihrer eignen Besserung, der Praxi sich zu uͤbergeben. Ge- Versteigen des menschlichen Geistes. Gefaͤhrliches Versteigen des menschlichen Geistes. F ast alle Philosophen haben Jhr wahres Wohl, in Besserung des Geists und des Ver- standes Gaben Und die, in gruͤbelnder Erkenntniß, von Dingen, die so sicht- bar seyn, Und in abstracten Meynungen derselbigen, gesucht; auch immer Sich vollenkommener gehalten, jemehr sie, mit subtilem Schein, Davon sich hoͤren lassen koͤnnen. Daruͤber haben sie fast nimmer, Auf ihres Herzens Besserung zu denken, Zeit gehabt. Sie ist Von ihnen angesehen worden, als eine Sache, die allein Der ungelehrten Sorge waͤre. Da doch, wenn man dieß recht ermißt, Die Folge des unselgen Hochmuths sie minder nicht, als Lucifer Der Hochmuth dort gestuͤrzet, stuͤrzt. Sie sind nicht nur allein fuͤr sich, Durch die Versaͤumung ihrer Pflichten, die sie, der Naͤchste, Gott der Herr, Mit recht verlangen, ungluͤckselig. Sie ziehen auch gemei- niglich, Durch ihr Exempel, andre mehr von ihren Pflichten ab. Und zwar, P p 2 Ohn Versteigen des menschlichen Geistes. Ohn Hoffnung einer Besserung. Wann will ein Meta- physicus, Nachdem er sich ins tiefe Meer, ohn Ufer, sonder Grund und Schluß Der schwebenden Subtilitaͤten, hineingewaget, ruͤckwerts kehren, Und den so lang-und fernen Weg, den er mit so viel Muͤh geschwommen, Von neuen wieder ruͤckwerts schwimmen, um wieder zu sich selbst zu kommen? Wie oder wie wird man doch koͤnnen, von einem solchen Geist begehren, Der sich, mit solcher großen Muͤhe, so viele Jahre, Tag und Nacht, Zu einer Hoͤh empor geschwungen, und sich auf einen Berg gebracht, Daß er sich wieder abwerts senken, und bloß mit seiner Bes- serung, Sich was zu schaffen machen solle? Dieß scheinet ihm nicht groß genung. Der Fehler unsrer ersten Eltern, die ihrem Schoͤpfer gleichen wollten, Muß solchen steigenden Gelehrten nicht suͤndlich und nicht straͤflich scheinen, Jndem sie fuͤr erlaubet halten, und sich dazu befugt vermeynen, Zu untersuchen, wie der Schoͤpfer regier; und dieses nicht allein, Sie wollten dergestalt ihn kennen, daß er, nur so, und anders nicht, Hab schaffen und regieren koͤnnen, auch daß er alles, was geschicht, Wie Versteigen des menschlichen Geistes. Wie sie es finden, wirken muͤße. Es scheint nicht glaublich fast zu seyn, Daß dieses Gott gefallen koͤnne, daß er dadurch gedienet werde. Wohl aber scheint allein die Demuth, in froͤlicher Bewun- derung Der wunderbaren Creaturen, im Meer, im Himmel, auf der Erden, Derselben Lenkung, und Erhaltung, nebst einem eifrigen Bestreben, Durch eine, bloß zu unserm Besten, uns vorgeschriebne Maͤßigung Der Leidenschaften, und dem Naͤchsten das, welches ihm ge- buͤhrt, zu geben, Der allerbeste Gottesdienst, und Gott das angenehmste Leben. Es scheint, ihm werd ein solch Betragen, ein ihm zur Ehr bewundernd Lallen, Dem Vater deß, was Kinder heißt, unwidersprechlich mehr gefallen, Als wenn wir, nach der Riesen Art, stets Berg auf Berge zu erheben, Um auf dieselbigen zu steigen, und uns nur zu erhoͤhn, bestreben. P p 3 Die Die neue Art der Schluͤsse. Die neue Art durch Connexiones der Schluͤsse zu uͤberfuͤhren, eben so wohl widersprechlich. E in Aneinanderhang der Schluͤsse, wovon wir so viel Wunder-Sachen, Und ein unwidersprechlich Mittel, die Wahrheit zu erfinden, machen, Jst lange nicht so unbetrieglich, als wie es etwan anfangs scheint, Und wie man nach der neuen Art, die jetzo Mode worden, meynt. Ein Beyspiel wird es deutlich zeigen. Zween Menschen sol- len sich bequemen, Dasselbige Principium zu ihrem Grundsatz anzunehmen; Sie sollen beyde buͤndig schliessen; sie sollen beyde sich bemuͤhn, Und eine lange feste Kette, von Schluͤssen, die vernuͤnftig, ziehn. Allein es darf der eine nur, von seinem Centro, Westwerts gehn, Der andere, mit seiner Kette, aus seinem Punkt sich Ostwerts drehn: So wird man beyde feste Ketten, die doch aus einem Punkt entstehn, Und gnugsam an einander hangen, bald weit genug entfernet sehn. Jndem nicht nur aus der Mathesi, nein, auch aus der Natur so gar, Es ganz unwidersprechlich wahr: Daß eines Centri Radii, nach ganz untrieglich wahren Schluͤssen, Wie gleich sie im Zusammenhang, nothwendig divergiren muͤssen. Schran- Schranken unsrer Vernunf. Schranken unsrer Vernunft. Nach Anleitung Mr. Reaumur. N achdem wir nun der Thiere Wesen, Betrieb und Hand- lungen gesehn: So faͤllt mit Recht die Frage vor: Ob wir denselben, Geist, Verstand, Vernunft und Urtheil, Witz, Gedaͤchtniß und Ueberlegung zu gestehn? Nun ist das, was, von diesem Punkt, Cartesius gelehrt, bekannt; Auch das, was man dagegen schreibt. Allein es koͤmmt bloß hierauf an, (Da ich von beyden Meynungen, mit Grund der Wahrheit, sagen kann: Daß alle beyde moͤglich seyn) diejenige, so wahr, zu finden. Da sie sich beyderseits auf Schluͤsse, die von besondrer Staͤr- ke, gruͤnden. Wenn jemand diese Meynung hegte: Der Schoͤpfer haͤtte machen koͤnnen Machinen, welche faͤhig waͤren, Zu wachsen, alles das zu thun, was Thiere thun, auch sich zu mehren; Wer wollte sich wohl unterstehn, Zu sagen, daß des Schoͤpfers Kraͤfte, der alles kann, so weit- nicht gehn? Wenn aber auch ein andrer sagte: Der Schoͤpfer haͤtt un streitig koͤnnen, P p 4 Nicht Schranken unsrer Vernunft. Nicht nur in Thier, auch in Jnsecten, so viel Verstand und Weisheit senken, Als wir, ja kluͤgre Geister, haben, ohn eben uns die Kraft zu goͤnnen, Zu fassen, daß er es gethan, und daß es wirklich so, zu denken. Ja wenn auch eben dieser andre, aus eben diesem Grunde, schloͤsse: Es waͤre muͤglich, daß ein’ Auster (so schlecht und elend sie uns scheint, Da sie am rauhen Felsen klebt, und gleichsam sich mit ihm vereint) Jn diesem so armselgen Stande, doch einer Lebensart genoͤsse, Voll Anmuth, und Vergnuͤglichkeit, indem sie von Verhind- rung leer, Mit stets erhabenen Gedanken, ohn Unterlaß beschaͤfftigt waͤr: So wird man ja nicht leugnen koͤnnen, daß Gottes Allmacht nicht so weit, Ja noch viel weiter gehen koͤnnen. Ob wir, sie gleich so zu befinden, Aus Stolz, vielleicht nicht einst verlangen. Nach seiner Macht, Unendlichkeit, Kann Gott vernuͤnftge Wesen schaffen, und sie, womit er will, verbinden. Un- Anwendung der Vernunft. Unrichtige Anwendung der Vernunft. A us allen Dingen scheinet deutlich, es wolle Gott von uns, auf Erden, Jn seinem Wesen ja so wenig, als seinem Werk, begriffen werden, Und daß wir solch ein Maß von Geist, und nur so viel Ver- standes-Gaben, Als wie, zum Glauben und Bewundern, uns noͤthig ist, empfangen haben. Ja, daß vermuthlich das Begreifen und das Erkennen, nach der Zeit, Jn einem andern Zustand uns, und in der selgen Ewigkeit, Vermuthlich vorbehalten seyn. Weil wir nun aber hier allein, Statt unsrer Pflicht, mit blossem Gruͤbeln, am heftigsten be- schaͤfftigt seyn: So ist der wahre Grund ja klar: Woher, mit stetem Dispu- tiren, Durch blossen Stolz dazu verfuͤhrt, wir Zeit, und uns und Gott verlieren. Da wir, wenn wir von unsern Pflichten uns nicht so ungluͤck- selig trennten; Wir unsre Zeit hier wohl verbringen, uns freuen und Gott danken koͤnnten. P p 5 Nach- Nachtheiliges Unterstehen Nachtheiliges Unterstehen, goͤtt- liches Wesen zu begreifen, samt der nuͤtz- lichen Pflicht, solches in seinen Wer- ken zu bewundern. D urch unsre vorigen Jdee, vom alten Mann, von einer Erde, Scheint, daß kaum Gott so sehr verkleinert, als wie der Mensch vergroͤssert werde. Was Wunder denn, daß stolze Geister, mit allen Kraͤften, sich bestreben, Von ihrer selbst erhabnen Hoͤh, durchaus sich nicht herab zu geben, Und daß sie lieber einen Mensch-Gott fuͤr ein unendlich All erkennen, Als ein unendlich wirklich All, das wir allein verehren sollen, Mit ihrer Selbstverkleinerung, so daß sie sich kaum finden koͤnnen, Wie Himmel, Welt, Natur und alles sie doch belehrt, verehren wollen. Sie spreizen sich, die wuͤrdge Meynung, daß goͤttliche Un- endlichkeit, Die sich in seiner Creaturen Unzaͤhlbarkeit, Vollkommenheit, Jn ungezaͤhlten Millionen von Sonnen und von Welten, zeiget, Und die ihr vorigs grosses Nichts auf solche Weise uͤbersteiget, Daß kein Vergleichen uͤbrig bleibt, durch Stolz verfuͤhret, an- zunehmen, Und wollen, (welches doch vermuthlich zu unsers Schoͤpfers Preis und Ehr Am goͤttliches Wesen zu begreifen. Am meisten noch gereichen wuͤrd, und ein gefaͤlligs Opfer waͤr,) Sich selbst der Gottheit aufzuopfern, in wahrer Demuth, nicht bequemen. Jn einem Abstand sonder Ende, in einem ewgen Unterscheid Von unserm zu der Gottheit Wesen, scheint einem Wesen, das so klein, Als wir, mit allen unsern Kraͤften des Koͤrpers und des Gei- stes, seyn, Unstreitig besser anzustehen, die goͤttliche Vollkommenheit, Durch ehrerbietige Bewundrung, nach aller Moͤglichkeit, zu ehren, Jn einer fuͤhlbaren Betrachtung der Creaturen Herrlichkeit; Als, unsrer Kleinheit unerachtet, durch ein recht laͤcherlichs Begehren, Die Gottheit zu begreifen suchen. Doch wenn ich alles uͤberlege, Und unser wirkliches Verhalten, beym goͤttlichen Begriff, er- wege: So find ich, daß die meisten Menschen mehr goͤttliche Begrei- fer scheinen, Als in der That es werden wollen. Wenn andre nur von ihnen meynen, (Betrogen durch ihr vieles Schwatzen,) daß sie noch mehr, als andre, fassen, Von der verborgnen Gottheit Wesen; wird mancher sich ge- nuͤgen lassen. Hievon kann jeder bey sich selbst die deutlich klare Probe nehmen; Er frage sich, wenn er allein, nur selber, ob er wirklich findet, Daß er, wie er doch schreibt und lehret, die Wahrheit, die er lehrt, ergruͤndet: So wird er, wenn er redlich ist, gewiß sich vor sich selber schaͤmen. Ob Nachtheiliges Unterstehen Ob dieser letztere Begriff der Thorheit unsre Thorheit mindert, Wie, oder sie annoch vermehrt; laß ich dahin gestellet seyn. Doch deucht mich, daß die letzte Stolz und Heucheley verbindt. Allein Mich deucht, ich hoͤr hier die Gelehrten, zumalen W*** sprechen: „Soll ich denn mein Talent, den Geist, den ich als eine seltne Gabe, „Vor so viel tausend andern aus, vom Schoͤpfer selbst em- pfangen habe, „Vergraben und zu nichts gebrauchen? Mich deucht, es waͤr dieß ein Verbrechen. „Wie kann, zum Vorwurf unsers Geists, ein edlerer gefun- den werden, „Als Gottes Wesen nach zu spuͤren? Und im Erkenntniß zuzu- nehmen, „Des uͤberall vorhandnen Wesens, des Schoͤpfers Himmels und der Erden? „Um durch Erkenntniß dessen Wesens, der uns nach seinem Bilde machte, „Der selbst den Athem in uns bließ, der selbst in uns das We- sen brachte, „Jm Fassen aͤhnlicher zu werden. Es kommet deine Mey- nung mir „Vielmehr, als eine niedertraͤchtig und aberglaͤubsche De- muth, fuͤr, „Die lieber immer kriechen will, die lieber an der Erde kleben, „Als durch ein abgezognes Denken sich immer hoͤher noch er heben, „Jm weiten Raum der Geistigkeiten, auf immer regen Fluͤ- geln, schweben, Und goͤttliches Wesen zu begreifen. „Und immer weiter kommen will. Es mag so, wie es will, dir scheinen; „Wir suchen darum Gott zu fassen, um uns mit ihm recht zu vereinen. Der Vorwand scheint so unrecht nicht. Laß uns denn, eb wir weiter gehn, Desselben Grund, ohn Eigensinn, und ohne Vorurtheil, besehn. Mir koͤmmt es wenigstens so vor: Wer so mit seinem Geist verfaͤhrt, Daß er, was unbegreiflich ist, sich doch bemuͤhet zu begreifen, Der scheint weit minder Gottes Ehr, als seinen eignen Ruhm, zu haͤufen; Er scheint, ob hielt sein scharfer Geist sich der Allwissenheit selbst werth. Zu welcher Absicht thust du dieses? Du stutzest, denn du hast vielleicht Hierauf noch selbst nicht einst gedacht. Jch will dirs sagen: Dich allein Suchst du hiedurch nur groß zu machen, dein Geist verlanget, hoch zu seyn. Es hemmt die feurige Begierde, dich zu erhoͤhn, daß, wie mich deucht, Du an die Gottheit zu gedenken, nicht Zeit gehabt. Du bist mit dir So sehr beschaͤfftiget, zu scheinen, Als ob du Gottes Wesen kenntest, daß du, wo ich nicht irre, leicht Die Wahrheit selber gerne schenktest, wofern es nur die Men- schen meynen. Die Seelen aber, welche Gott zur Absicht ihrer Ehre haben, Vergraben darum ihr Talent, und die von ihm empfangnen Gaben Nicht, Nachtheiliges Unterstehen ꝛc. Nicht, wie man etwan meynen moͤchte. O nein, sie brauchen ihre Kraͤfte So wohl, als jene. Sie betrachten, bewundern, loben Gott, empfinden, Daß Gott so liebreich, als er groß; sie untersuchen, sie befinden, Daß alle seine Wunderwerke so, wie er selbst, nicht zu ergruͤnden. Und Gott in ihnen zu erheben, ist ihr betraͤchtlichstes Geschaͤffte. Hiezu nun hat sie nichts gebracht, als weil sie gaͤnzlich uͤberfuͤhrt, Die Gottheit sey von unermaͤßlich-unendlicher Verschiedenheit Von allen seinen Creaturen, so daß es groͤßre Moͤglichkeit, Das große Weltmeer auszutrinken, und es in einen Koͤrper lassen, Als unsers Gottes wahres Wesen mit ihres Geistes Kraft zu fassen. Wenn aber sie jedennoch dieß, mit uͤberzeugter Seelen, merken, Daß Gott, als Schoͤpfer aller Dinge, in seinen wunderbaren Werken, Jn welchen er sein Wesen zeigt, Anbethung und Verehrung werth, Auch die Natur uns selber zeiget, daß man ihn durch Bewun- dern ehrt: So halten sie fuͤr ihre Pflicht, sich unaufhoͤrlich zu bestreben, Auf Gottes Weisheit, Lieb und Allmacht, in seinen Werken, Acht zu geben, Jedoch zu keinem andern Endzweck, als seine Weisheit zu er- heben, Fuͤr seine Wohlthat ihm zu danken, und seiner Guͤte sich zu freuen, Sein’ Allmacht innig zu bewundern, aus Scham fuͤr ihn, die Laster scheuen. Und kurz: Jm denkenden Genuß des Guten, Gott zur Ehr allein, Auf dieser Welt, in ihm vergnuͤgt, erkenntlich, froh und fromm zu seyn. Ver- Versuch einer gewissen Lehre. Versuch, ob, ausser der Lehre von den Contin- genzen, ein Atheist nicht koͤnne mit unumstoͤßli- chen Gruͤnden convinciret werden. D er allergroͤbste Atheist muß dieß unleugbar zugestehn, Daß wir in allen irdschen Dingen, die auf der ganzen Welt geschehn, Natur und Kunst nicht leugnen koͤnnen. Denn alle Dinge, die wir sehn, Sind kuͤnstlich oder sind natuͤrlich . Nun laßt uns erst die Kunst betrachten, Als welche wir am besten kennen. Wenn wir, was kuͤnstlich ist, beachten: So finden wir, es sey nichts anders, als, was, durch mensch- lichen Verstand, Zu einer ordentlichen Absicht, vermittelst seiner regen Hand, Gewirkt ist und hervorgebracht, zum Beyspiel, eine Schilderey, Ein kuͤnst- und zierliches Gebaͤude. Das ersters nicht von ungefehr, Durch den Zusammenlauf der Farben, gewirket und entstan- den sey, Und letzters durch des festen Kalks und Stein ihr ungefeh- rigs Fuͤgen, Da sie, in solcher klugen Ordnung, und rechten Maß, zusam- men liegen, Nicht Versuch, einer gewissen Lehre. Nicht von sich selbst sich aufgethuͤrmt; wird er nicht leugnen; auch gestehn, Daß der, durch den wir Bau- und Malwerk gemacht und aufgefuͤhret sehn, Sey eh, als wie sein Werk, gewesen. Nun kann er ferner nicht verneinen, Daß, in den Werken der Natur, nicht ungezaͤhlte Dinge seyn, Jn welchen Ordnung, Maß und Richtschnur, sich auf dieselbe Art vereinen, Als in der allergroͤßten Kunst. Es zeigt es ja der Augenschein, Daß, zum Exempel, eine Blume, des Koͤrpers Bau von ei- nem Thier, Von Farben, Bildungen, Verhaͤltniß, Zusammenhang und Maß und Zier, Noch eine groͤßre Symmetrie, als ein Gemaͤld und Bau- werk hegen. Wie kann ein Geist, wofern er billig, bey dieser Wahrheit sich entlegen, Zu glauben, da das wenigste, nicht ohn Vernunft geschehen kann; Daß es das allerbeste koͤnne. Wo jemal die Analogie Gewisse Schluͤsse machen lehrt, wie man gesteht, so zeiget sie, Von einem Schluß, der uͤberzeuglich, die Wahrheit uͤberzeug- lich an: Daß nemlich auch in der Natur und den von ihr gewirkten Werken, Unwidersprechlich ein Verstand, der Ordnung kennet, zu bemerken, Auch daß ein solches wirkend Wesen, das Ordnung kennet, zweifels frey, Nothwendig eh, als wie das Werk, das es gewirkt, gewesen sey. Ja Versuch einer gewissen Lehre. Ja, wollte gar ein Atheist noch einen Zweifel hier for- miren, Und sagen: Dieses waͤr ein Sprung; es waͤr ein großer Un- terscheid Noch zwischen der Natur und Kunst : Kann man mit großer Deutlichkeit Jhn, auch in diesem seinen Einwurf, von seinem Jrrthum uͤber- fuͤhren. Es ist erweislich, daß allhier kein wahrer Unterscheid vor- handen, Und daß derselbe bloß allein, durch Menschen Meynungen, entstanden, Jndem, wenn wir, mit ernster Einsicht, Natur und Kunst ge- nau ergruͤnden, Wir in der allergroͤßten Kunst , nichts anders, als Natur, befinden. Es zeigt sich, und zwar uͤberzeuglich, daß, bloß durch unsern Stolz allein, Die Werke der Natur von unsern , mit Unrecht, abge- sondert seyn. Da, wenn wir, bey dem Licht der Wahrheit, die Sache recht beleuchten wollten, Wir, an sich selbst Natur und Kunst , nicht anders unter- scheiden sollten, Als, daß die Werke der Natur, ohn uns und bloß von ihr allein, Unmittelbar, die kuͤnstlichen, von ihr, durch uns , gewirket seyn. Mit welchem Recht, kann doch der Mensch sich eigenmaͤch- tig unterstehen, Von der Natur sich auszuschliessen, als solch ein Ganz sich an- zu sehen, Br. VI. Th. Q q Das, Versuch einer gewissen Lehre. Das, mit dem Ausschluß der Natur, allein zu wirken faͤhig sey, Da wir, zu mehrer Ueberzeugung, von unserm Unfug, vie- lerley, Der Wirkungen von der Natur, in denen unvernuͤnftgen Thieren, Die unsern ziemlich nahe kommen, von uns Jnstinct genannt, verspuͤren. Scheint es vernuͤnftig, redlich, billig, zwo Wageschalen’ zu erdenken; Jn eine die formirende Natur und ihre Kraͤfte zu verschrenken, Und in die andre unsre Kuͤnste, zu einem Gegensatz, zu legen, Und in so ungereimter Lage, doch mit einander uns zu waͤgen? Vom eigentlichen Stand des Geistes faͤllt mir annoch ein Zweifel ein. Du sprichst: Man mag sich allen Stoff, auch noch so sehr subtil und klein, Zertheilt, verringert nnd verduͤnnt, vor Augen stellen, wuͤr- de man Doch nimmermehr daraus ein Wesen, das sinnen und geden- ken kann, Mit Billigkeit erzwingen koͤnnen; so sag ich, daß dem also sey, Und stimme diesem deinen Grunde, so wie du ihm gegeben, bey, Als welcher mich von dieser Wahrheit recht uͤberzeuglich uͤber- fuͤhret. Allein, ob die Verkleinerung des Stoffs gleich keinen Geist formiret, Und nicht Gedanken zeugen kann: So fehlt annoch der Un- terricht, Ob durch die Mischungen der Theile, von unterschiednem Stof- fe, nicht Beson- Versuch einer gewissen Lehre. Besondre Wirkungen entstehn, die jedem Stoff vor sich nicht eigen, Wie solches nemlich Buͤchsen-Pulver, das Saur und Alcali uns zeigen. Man mache Saur und Alcali fuͤr sich alleine noch so klein, Jmgleichen Gras, Salpeter, Schwefel, so wird aus ihnen nimmermehr, Und zwar so wenig das entstehn, was sie durch die Vermi- schung seyn, Als aus dem koͤrperlichen Kleinen ein Geist entsteht, nach deiner Lehr. Dieß aber scheinet nicht zu hindern, daß, durch Vermi- schungen, nicht sollten Auch geistge Kraͤft entstehen koͤnnen, wenn wir nur billig schliessen wollten. Man sieht zu Milch, zu Fleisch und Blut, das rohe Gras und Kraut der Erden, Nicht durch Verkleinerung der Theile, durch Mischung an- drer Saͤfte, werden. Der Abstand nun zum Fleisch vom Gras, vom Fleisch zu thierschen Geistigkeiten, Scheint ja vermuthlich nicht viel kleiner, als die von den Be- schaffenheiten Der thierschen Geistigkeit zum Geist. Zudem hat diese Lehre nichts, das etwan koͤnnte Anstoß geben, Des Schoͤpfers Weisheit, Macht und Liebe zu schmaͤlern; sie gereicht vielmehr, Wenn man es redlich untersuchet, desselben Lob und Ruhm und Ehr, Auf eine ganz besondre Weise um desto mehr noch zu erheben. Q q 2 Es Versuch einer gewissen Lehre. Es wird gewiß kein Widerspruch, aus diesem Satz, heraus- gebracht, Zu glauben, daß es Gott gefallen, wie er aus nichts die Koͤr- per macht, Die Koͤrper immer zu verbessern; und, weil der Koͤrper Gren- zen nicht Unendlich sich verbessern lassen, Er selbige so zugericht, Und ihnen dieses große Gut, nach seiner Guͤte, wollen goͤnnen, Daß sie, auf unbekannte Weise, verklaͤret, geistig werden koͤnnen. Vielmehr scheint dieses uns von Gott, in mehren, ja in allen Dingen, Uns eine herrliche Jdee, von Lieb und Allmacht, beyzubringen. Dereinst, von ihm erschaffnen Sachen, Vollkommenheiten zu vergroͤßern, Und alles ins unendliche, zu seinen Ehren, zu verbessern. Du sprichst vielleicht: Dieß kann nicht seyn. Ein Wider- spruch ist offenbar, Was leiblich ist, besteht aus Theilen, ein geistiges hingegen nicht, Als welches einfach. Aber hoͤr! ist es unwidersprechlich wahr, Daß Geister muͤssen einfach seyn? Jch nehme deinen Un- terricht, Daß Koͤrper stets gefuͤget seyn, so wie du es verlangest, an. Allein ich fuͤge nur hinzu: Aus Theilen, welche koͤr- perlich. Hieraus nun folget, daß man auch von Geistern fuͤglich sa- gen kann, Daß sie nicht weniger gefuͤget. Jedoch, mein Freund, verste- he mich, Aus Versuch einer gewissen Lehre. Aus nichts, als Theilen, welche geistig, und daß der Schoͤpfer nur allein, Jn seiner Vollenkommenheit, ein einfach Wesen koͤnne seyn. Sind dir vielleicht, aus Vorurtheil, die geistgen Theile laͤ- cherlich: So handle Philosophen-maͤßig, und nicht so, daß man den- ken muß, Du daͤchtest so, wie jener dachte. Er hielte sich fuͤr unbe- trieglich, Und schloß bestaͤndig: Dieses Ding begreif ich nicht, es ist unmuͤglich. Allein ein Kluger dacht und sprach: Dieß ist ein rechter Narren-Schluß. Q q 3 Das Das liebreiche Gesetz. Das liebreiche Gesetz. U ns hat, zu unserm Besten, Gott, der unsern Zustand wohl erkannt, Jm alten Testament ein Mittel, uns recht zu lieben, zugefandt, Das aber leider mehrentheils uns, wie ein Joch, erklaͤret wird, Da man jedoch in der Erklaͤrung ganz augenscheinlich sich geirrt. Man spricht vom donnernden Gesetz, als wenn uns selbiges zur Last, Zur Plag, und einzig zum Beweis, von Gottes Strenge, nur verfaßt, Zum Schrecken nur gegeben waͤre, da doch, wenn wir es uͤber- legen, Und des Gesetzes wahren Endzweck, aus seiner Absicht, wohl er- wegen Wir, wie des Schoͤpfers Lieb und Huld, mit unsrer Liebe, sich verbinden, Jn der gebothnen Naͤchstenliebe, in jeglichem Gebothe finden. Die andre Tafel des Gesetzes zeigt nichts, als wie die wil- den Triebe Der uns nur selbst verderblich-schaͤdlich- und recht fatalen Eigenliebe, (Wann selbe nemlich ausgeschweift,) durch unsre Naͤchstenlieb allein, Zu einem allgemeinen Nutzen, zu mildern und zu zaͤhmen seyn. Man nehm ein jegliches Geboth, und seh, ob das, was es verbietet, Nicht bloß auf unsre Ruhe zielt, uns nicht beschuͤtzet und be- huͤtet. Daß Das liebreiche Gesetz. Daß wir, als Eltern, gluͤcklich leben, nicht umge- bracht, und in der Eh, Vergnuͤgt, ohn Schande, leben sollen, daß ferner alles unsrige, Jn Sicherheit erhalten werde, auch unser Leu- muth, unser’ Ehre, Haus, Acker, Vieh uns nicht geraubet, geschmaͤ- lert noch gekraͤnket waͤre, Dieß sind der Jnhalt und die Absicht von dem, was Moses uns befiehlt, Und hierin sieht man offenbar, vielmehr ein’ unlaͤugbare Spur, Von Gottes Lieb und weiser Vorsorg, (da im Gesetze der Natur, Auf welches dieß Gesetz gegruͤndet, auf unser Bestes alles zielt,) Als daß es uns, zur Plag und Strafe, gegeben sey; daher ich dann Die zehn Gebothe nicht so schreckend, ja sie nicht anders neh- men kann, Als daß sie aus dem ewgen Meer der Lieb, uns Menschen zum Erspriessen, Und nicht als einem fuͤrchterlich-bedrohnden Strom der Strenge fliessen. Denn, scheinet gleich die Schreibart Mosis von drohender Beschaffenheit: So ist der Grund davon vermuthlich der Juden Herzenshaͤr- tigkeit. Wenn wir nun etwan Gottes Lieb, auch selber im Gesetz, er- klaͤrten, Und daß die wahre Eigenliebe in selbigem enthalten, lehrten; Daß unser Nutz und wahres Bestes in unsers Naͤchsten Liebe liege, Daß, wer nur sich vergnuͤgen will, sich nimmer auf der Welt, vergnuͤge, Q q 4 Daß Das liebreiche Gesetz. Daß wenn wir, mit Gewalt und List, uns uͤber andre zu erheben, Vernuͤnftiger als sie zu scheinen, mit allen Kraͤften, uns be- streben, Wir anders nichts erhalten koͤnnen, als daß wir unser ganzes Leben Uns selbst verbittern; da wir doch zu einem andern Zweck auf Erden, Jm Naͤchsten, nemlich Gott und uns zu lieben, und begluͤckt zu seyn, (Denn der Natur und Gottes Ordnung ist einzeln nicht; ist allgemein,) Bey so viel uns geschenkten Gaben gemeinschaftlich gebohren werden. Wenn, sag ich, dieß erwiesen wuͤrde; vielleicht, daß noch von denen viele, Die dieses nicht begriffen haben, sich zu dem vorgesetzten Ziele, Durch eignes Bestes, leiten liessen. Die Wahrheit ist zu of- fenbar, Daß es ihr eignes Wohl erfordre, und Gottes Will ist gleich- falls klar. Was Christus von der Naͤchstenlieb, im Testament der neu- en Zeit, Mit so viel Lieb und Sanftmuth lehrt, hat das Gesetz vom alten Bunde, Und, in demselben, unser Bestes, in heilsamer Geselligkeit, Durch Demuth, durch Vertraͤglichkeit und Friede, ebenfalls zum Grunde. Mor- Morgen-Gesang. Morgen-Gesang. im Ton: Wer nun den lieben Gott laͤßt walten. M ein Schoͤpfer, da die dunklen Schatten, Die mich, in abgewichner Nacht, Verhuͤllt und fast begraben hatten, Verschwunden, und ich itzt die Pracht Der Morgen-Sonne wieder seh: Gieb, daß es dir zum Ruhm gescheh! Jch oͤffne meiner Augen Lieder, Die durch den sanften Schlaf gestaͤrkt, Allein durch deine Gnade, wieder. Ein Geist, der dieses recht bemerkt, Ruft billig mit erfreutem Sinn: Durch dich, Herr! bin ich, was ich bin. Mein Leib lag fuͤhllos ausgestrecket, Fast einem wahren Todten gleich; Der Geist schien vor ihm selbst verstecket; Jhr Sinnen, wo verbargt ihr euch? Wo war Geruch, Gehoͤr, Gesicht? Jch war, und war auch gleichsam nicht. Nun bin ich, was ich sonst gewesen, Jch seh, erwachet, abermal, Von Schwachheit durch den Schlaf genesen, Des Himmels Licht, der Sonnen Sral. Da dieß, Herr! bloß durch dich, geschehn, Will ich auch dich davor erhoͤhn. Q q 5 Jch Morgen-Gesang. Jch will das Licht mit Andacht schauen; Jch will, so wie ich schuldig bin, Dich lieben, fuͤrchten und vertrauen, Mit dir allein ergebnem Sinn. Allein! was will mein armes Jch, O großer Schoͤpfer, ohne dich? Soll ich, was dir gefaͤllig, denken: So mußt du, Herr, aus Gnaden, mir Das Wollen und Vollbringen schenken; Darum ergeht mein Flehn zu dir, Gieb, daß ich heute diesen Tag, Zu deinen Ehren, leben mag. Laß mich, wie mich, den Naͤchsten lieben, Den du so wohl, als mich, gemacht! Gieb, daß, mit bruͤderlichen Trieben, Jch dieß Natur-Gesetz betracht: Was du nicht willt, daß dir geschicht, Das thu auch einem andern nicht. Will sich die Leidenschaft empoͤren: So laß sie mich doch diesen Tag, Mit ihrer Reizung, nicht bethoͤren! Gieb, daß ich sie besiegen mag, Damit sie mich ja nicht von dir, Auf dir misfaͤllge Wege, fuͤhr! Du liessest mich gebohren werden, Wie, wann, und wo es dir gefiel. So laß mich denn, auch hier auf Erden, O Herr! seyn deiner Liebe Ziel! Jch habe meine Zuversicht Auf dich allein. Verlaß mich nicht! Laß Morgen-Gesang. Laß deine Segenssonne scheinen, Und, gieb, daß ichs mit Freuden spuͤr! Ernaͤhre mich und auch die meinen! Treib alle Schwermuth fern von mir! Laß mich, von Schuld und Lastern rein, Jm Glauben dir gefaͤllig seyn! Du bist ja, Herr, ein Geist der Freuden; Von Gram und Kummer haͤltst du nicht. Gelassen seyn, auch selbst im Leiden, Jst unsre Schuldigkeit und Pflicht. Vielmehr muß man in dir sich freun, Wann wir entfernt von Noth und Pein. Wenn wir in allen deinen Werken, Wovon so Erd als Himmel voll, Dein’ Allmacht, Lieb und Weisheit merken: So lobet man dich, wie man soll. Ach gieb denn, daß, auf dieser Welt, Jch lebe, wie es dir gefaͤllt! Wann ich denn, nach vollbrachtem Leben, Dereinst zur langen Ruhe geh: So wirst du mir aus Gnaden geben, Daß ich in Christo aufersteh, Und selig’, nach vollbrachter Zeit, Dich lieb und lob in Ewigkeit. Mor- Morgen-Lied. Morgen-Lied. im Ton: Gott des Himmels und der Erden. N acht und Schatten sind vergangen, Mein ermuntert Auge sieht, Wie so schoͤn der Sonnen Prangen, Voller Glanz, am Himmel gluͤht. Herr! ich hab, in deiner Hut, Diese Nacht so sanft geruht. Jn den dunklen Finsternissen, Schien mein Bett mein Sarg zu seyn. Witz und Licht war mir entrissen; Jch war gleichsam selbst nicht mein, Und, versenkt im tiefen Traum, Lebt ich zwar, doch lebt ich kaum. Lief nun gleich, im Zirkel-Kreise, Mein bestaͤndig reges Blut, Stockte doch, auf eigne Weise, Meiner Nerven feuchte Gluht, Und ihr Geister-reicher Saft War ohn Wirkung, sonder Kraft. Jetzo scheint ein neues Leben, Mit dem neuen Morgen-Licht, Da ich wache, mir gegeben. Es vergnuͤgt sich, durchs Gesicht, Leib und Geist itzt abermal, An der Sonnen Lebens-Stral. Herr! Morgen-Lied. Herr! du hast, zu deinem Preise, Wunderbar die Welt gemacht, Daß der Tag stets wechsels-weise Folget auf die duͤstre Nacht, Daß was athmet, durch die Ruh, Nehm an Kraͤften wieder zu. Herr! ich fuͤhl erneute Kraͤfte, Und ich kann, mit frohem Sinn, Jetzt mein taͤgliches Geschaͤffte, Aemsig treiben, wie vorhin, Laß mich davor dir allein, O mein Schoͤpfer! dankbar seyn. Laß mich heute deinen Willen, Herr! so wohl in dein- und mein- Als der Naͤchsten Lieb, erfuͤllen, Laß mich dir gefaͤllig seyn! Wenn ich deine Werke seh, Gieb, daß dirs zum Ruhm gescheh! Laß mein Auge dich entdecken, Jn der Creaturen Spur: Laß mich deine Liebe schmecken, Jn der Anmuth der Natur! Gieb, daß heute, dir zur Ehr, Jch empfinde, fuͤhl und hoͤr! Bricht der Abend meiner Tage Endlich denn bey mir herein; Ach so laß ihn, ohne Klage, Mir ein Friedens-Bothe seyn: Laß mich willig schlafen gehn, Und in Christo auferstehn! Kur- Kurze Abend-Andacht. Kurze Abend-Andacht. J ch kann nunmehr noch einen Tag, zu den bereits erlebten, fuͤgen. Gottlob! er ist von mir gesund, ja gar mit mancherley Ver- gnuͤgen, Es sind im selbigen so viele Stunden, So viel Minuten und Secunden, Nicht nur von mir, auch von den Meinen (dir Herr sey Lob davor) verbracht. Jetzt folgt, nach deiner weisen Ordnung, zu unsrer Ruh, die stille Nacht. Ach laß mich, auch in selbiger, gesund, bequem und ruhig schlafen! Laß mich dich in der Fruͤhe preisen: Daß deine Weisheit, Lieb und Macht, Den hellen Tag, zu reger Arbeit, die stille Nacht zur Ruh geschaffen! Be- Betrachtung der unerkannten Wolthat, ꝛc. Betrachtung der unerkannten Wohlthat, nebst der darin ersichtlichen Weisheit, Allmacht und Liebe Gottes, in dem Geschenk unsrer Hand, beym 1736 Jahrs- Wechsel. O ewige Quelle des Lebens, des Lichts, Der Weisheit, der Ordnung, der Guͤt und Gerechtigkeit, Der Wahrheit, der Tugend und aller Vollkommenheit, Der Liebe, der Seligkeit, oder vielmehr selbstaͤndiges Leben, selbstaͤndiges Licht, Selbstaͤndige Weisheit, und Gnad, und Gerechtigkeit, Selbstaͤndige Seligkeit, Allmacht und Liebe, selbstaͤndige Tu- gend und Ordnung, der nichts, Als lauter Vortrefflichkeit, lauter Vollkommenheit! Jch wuͤnsche, bey dieser sich wechselnden Jahres-Zeit, Nach aller vernuͤnftigen Sterblichen Pflicht, Von deinen erschaffenen Wundern zu singen, Und, voller erkenntlichen, froͤlichen Dankbarkeit, Dir Ehr und Bewundrung zum Opfer zu bringen. Was ich, zu deiner Ehr, itzt zu bewundern denke, Jst dein den Sterblichen gegoͤnnetes Geschenke, So von so wunderbarem Werth, Daß man erschrecken muß, das fuͤr so große Gabe, Der Mensch so wenig Achtung habe, Und daß man dich davor nicht unaufhoͤrlich ehrt. Dieß Betrachtung Dieß ist das Werkzeug nun, durch welches der Verstand, Die Creatur beherrscht, den Bau der Erden ziert, Die Thiere zaͤhmt und zwingt, die ganze Welt regiert, Die, was unmoͤglich scheint, oft moͤglich macht, die Hand. Du wahres Meisterstuͤck der wirkenden Natur, Durch welches sie sich selbst verschoͤnert, bessert, schmuͤcket, Es wird, in deinem Bau, und Nutzbarkeit, die Spur, Von einer goͤttlichen und weisen Macht, erblicket, Die Ordnung, die Gestalt, der Nutz, die Pracht der Welt, Die Wunder, welche sie in ihrem Kreis enthaͤlt, Ja alles waͤre fast zernichtet, Wo nicht dein Wunderbau, vom Schoͤpfer zugerichtet, Uns und der Welt geschenkt, fuͤr uns, und Gott zur Ehre, So wunderbar formiret waͤre. Jch hoffe, lieber Mensch, wenn du, mit ernstem Denken, Nebst mir, auf dieses Werk des Schoͤpfers dich wirst lenken, Und was, durch dieses Glied, fuͤr Wunder hier geschehn, Mit mehrer Achtsamkeit betrachten wirst, und sehn, (Da ja, so wie dieß Glied, nichts ohne den Verstand, Auch der Verstand fast nichts verrichtet, sonder Hand,) Du werdest froͤlich Gott, vor diese Gab, erhoͤhn, Dich dankbar gegen ihn, aus froher Seel erweisen, Und seine Weisheit, Lieb und Macht , in Ehrfurcht, preisen. Wer unsers Koͤrpers schoͤnen Bau, mit uͤberdenkendem Gemuͤth, Die regelrechte Symmetrie, der Glieder Maaß und Trefflich- keiten, Und seine Schoͤnheit, Anstand, Vorzug, vor allen andern Thieren, sieht, Be- der Wohlthaten in der Hand. Befindet, daß ihm die Natur, insonderheit an beyden Seiten, Zwey Glieder zubereitet hat, die so Bewunderns-werth for- miret, So kuͤnstlich zugerichtet sind, das bloß die einzge Hand allein, Durch ihre Bildung, Kunst und Wirkung, es muͤß ein Gott und Schoͤpfer seyn, Trotz aller Atheisten Schwaͤrmen, uns uͤberzeuglich uͤberfuͤhrt. Wir wollen, ehe wir die Wunder, so durch die Kraft der Hand, auf Erden, Jn unbeschreiblich großer Meng und Unterscheid, gewirket werden, Mit Ernst betrachten und besehn; sie selbst, ihr Wesen, die Gestalt, Und kuͤnstlich Bildungs-Werk beschauen. Da wir in ihr denn alsobald, Daß eine Helfte ganz, die andre, daß sie sich fuͤnffach theilet, finden, Wovon ein jedes Theil besonders, an Laͤnge, Kraft und an Figur, Geordnet und formiret ist, in welcher Aendrung wir die Spur, Von einer wunderbaren Weisheit und eignen Absicht, nicht er- gruͤnden. Wenn sie von gleicher Laͤnge waͤren, wuͤrd unsre Hand nicht nur allein So zierlich nicht, sie wuͤrde fast zu allem ungeschickter seyn. Von jedem Finger zeiget sich, daß er ein’ eigne Kraft und Gabe, Zu unterschiedlicher Verrichtung vom Schoͤpfer uͤberkommen habe. Der Zeiger-Finger ist, von allen, von sonderbarer Fer- tigkeit, Br. VI. Th. R r Zu Betrachtung Zu allen Dingen fast geschickt, da auf dem kleinen sich hin- gegen Die Hand in mancherley Verrichtung, zumal im Schreiben, pflegt zu legen, Ohn daß sie (wie der Leib die Bein auch nicht beschwert) ihn etwa druͤckt. Der Mittlere, da er der laͤngste, ist eben dadurch mehr ge- schickt, Mehr, als die andern, sich zu strecken, mehr anzuziehn, mehr abzuwehren, Da denn sein Nachbar ihm zu Huͤlf, um seine Staͤrke zu vermehren, Sich immer fertig finden laͤßt. Allein zu einem jeden Werke, Bezeugt der Daum, (o neues Wunder!) selbst durch die Kuͤrze, seine Staͤrke. Noch mehr, wenn andre Finger alle von oben unterwerts sich bengen: So kann der Daum von unten aufwerts die allergroͤßte Staͤr- ke zeugen. Hiedurch begegnen sie einander, und koͤnnen dadurch recht als Zangen, Erhaschen, druͤcken, uͤberspannen, und fassen das, was wir verlangen. So kuͤnstlich ist, bey andern Fingern, und ihrer Kunst, der Daum formirt, Daß er sie gleichsam mit einander bewegt, beherrschet, lenkt, regiert, Wodurch die mancherley Geschaͤffte um so viel fertiger ge- schehen, Als der Wohlthaten in der Hand. Als aller Wirkung insgemein nach einem Mittelpuncte gehen, Es ist der Daum daher allein, um kraͤftiger sich auszudehnen, Von staͤrkern Knochen, staͤrkern Adern, von festern Muskeln, festern Sehnen, Als wie die uͤbrigen, formirt. Daß nun die Finger bieg- sam seyn, Jmgleichen, daß sie nicht von Knochen, auch nicht von weichem Fleisch allein, Sind drey besondre Wunderwerke, die wuͤrdig, daß wir un- ser Denken Auf jedes insbesondere, dem großen Gott zum Preise, lenken. Die Biegsamkeit ist solch ein Wunder, zumal wenn wir die Art besehn, Auf welche Weis und wie so kuͤnstlich die vielen Biegungen geschehn, Daß der weit aͤrger, als ein Vieh (wofern man nur darauf gefuͤhrt, Und durch Gewohnheit nicht geblendet) mit sehnden Augen nichts verspuͤrt, Die Menschheit ganz verleugnen muͤßte; der nicht erstaunet muß gestehn: Es sey, in unsrer Finger Bau, der Finger Gottes selbst zu sehn. Kommt, laßt uns sie mit Fleiß betrachten! Es ist, in unserm Ellenbogen, Ein starker Muskel fest gemacht, der, an der Hand sich vier- fach theilt, Und bis zum ersten Glied der Finger, gespitzet und verduͤnnet eilt. Hiedurch nun werden, wenn wir wollen, die Glieder unter sich gezogen. R r 2 Da- Betrachtung Damit nun aber durch die Sehnen, die wahren Stricken aͤhnlich seyn, Wenn sie durch ihrer Muskeln Kraft gedehnet werden und ge- spannt, Wie sonst gewiß geschehen muͤßt, als wahre Stricke in der Hand, Kein Hinderniß verursacht werde: So flechten sie sich kuͤnst- lich ein, Jn eines andern großen Muskels (der auch am Ellenbo- bogen fest,) Auch vierfach eingetheilte Sehnen, Wovon sich jede wieder theilt, und jenen einen Durchgang laͤßt. Noch mehr man findet kleine Rollen, in einem jeden Glied formiret, Wodurch die erste Sehne denn die fordern Glieder so re- gieret, Daß sonder Hinderniß der Sehnen, die Hand, im Biegen hohl verbleibt, Und sie, was sie sonst nicht vermoͤchte, ergreift, beklemmet, wirkt und treibt, Was sie sich vorgesetzt zu treiben. Nun moͤgen wir uns sel- ber fragen, Ob alles dieß von ungefaͤhr von selbst sich also zugetragen; Ob wir nicht einen weisen Endzweck zu erst in diesem Werk entdecken, Daß die zween Muskeln, wodurch sich die Finger biegen, oder strecken, So weit von unsrer Hand entfernt, indem, da sie sich sehr verdicken, (Wie wir, wenn wir mit unsrer Linken, den rechten Arm um- spannend druͤcken, Dann der Wohlthaten in der Hand. Dann, wann sie sich zusammen schließt, der Muskeln Schwellen stark verspuͤren,) Wir, wie die Dehnung in der Hand, dieselbige recht zu re- gieren, Noch was zu fassen, tuͤchtig waͤren. Da nun die Muskeln sich entfernen, Und nur von weiten in sie wirken: So kann man uͤberzeuglich lernen, Daß alles, sonder weise Vorsicht, nicht in den Stand gese- tzet sey. Den Muskeln tritt nun die Betrachtung der nett-getheil ten Sehnen bey, Die, recht als wie durch kleine Pforten, die ersten Sehnen durch sich lassen, Damit, durch sie im Zaum gehalten, die Hand um desto bes- ser fassen, Und ihr Geschaͤfft verrichten koͤnne. Zum dritten sind die kleinen Rollen, Jn den Gelenken, daß die Sehnen sich und die Haut nicht dehnen sollen, Bewunderns-wuͤrdig zugefuͤget. Wie auch, daß, unten an der Hand, Die Sehnen, als durch einen Ring, und recht als durch ein starkes Band, Sich stark und fest zusammen druͤcken, damit sich die sonst losen Sehnen, Die aus den fernen Muskeln stammen, nicht koͤnnen von ein- ander dehnen. Wenn unsre Finger nun nicht biegsam, und bloß aus Knochen nur bestuͤnden, R r 3 Wuͤrd Betrachtung Wuͤrd uns die ganze Hand nicht nuͤtzen; wohl aber wuͤrden wir befinden, Daß, (weil dieselbe nicht zu schliessen, zu nichts sich zu beque- men wuͤßten,) Sie recht, als wie fuͤnf harte Stecken, uns uͤberall verhin- den muͤßten. Hingegen, wo sie sonder Knochen, nicht fleischicht waͤren, wuͤrden sie, Ohn alle Staͤrk und Festigkeit, auch mit der allergroͤßten Muͤh, Doch auch zu nichts zu brauchen seyn. Was waͤr mit ihnen anzufangen? Sie wuͤrden Schlang- und Stricken gleich, an uns unbrauch- bar abwerts hangen. Wie ist demnach das Wunderwerk des Schoͤpfers, in der Hand, so groß? Da fuͤnf und zwanzig Muskeln sich ein jeder mannichfaltig schliessen, Und zu so vielerley Geschaͤfften verlaͤngern und verkuͤrzen muͤssen, So daß daher die Hand mit Recht ein Werk von einem wei- sen Geist, Ein Wunder, ein Beweis der Allmacht unwidersprechlich ist und heißt. Um in derselben nun den Nutzen, die Wirkung und den Zweck zu sehen, Und was fuͤr Wunder, durch dieß Werkzeug, im ganzen Bau der Welt, geschehen: So der Wohlthaten in der Hand. So laßt uns einmal unsre Welt, wenn keine Menschen Hand sich fuͤnde, Mit Ernst und Achtsamkeit besehn, und merken, wie es um sie stuͤnde. Ohn Hand wuͤrd alle Ordnung weg, es wuͤrd’ ein Jrr- thum allgemein, Ja Schmutz und Unrath allenthalben und uͤberall Verwir- rung seyn; Es wuͤrde zwar, durch Sonn und Thau und Regen, Samen koͤnnen keimen, Auch Gras und Kraut das Land bedecken, es wuͤrden auch wohl Fruͤcht entspringen: Doch waͤrens meist verlohrne Schaͤtze. Was wuͤrd es doch fuͤr Nutzen bringen? Wer waͤre, sonder Hand, geschickt, es einzuerndten, aufzu- raͤumen, Zu pfluͤgen, Unkraut zu vertilgen? Noch weiter, unsre Erde wuͤrde Zwar, sonder unsrer Haͤnde Zuthun, noch wohl verschiedne Thiere naͤhren: Allein wem koͤnnten sie doch nuͤtzen? Was koͤnnten sie fuͤr Dienst gewaͤhren? Es wuͤrden nie geschohrne Schafe, gedruͤckt von schmutzger Wolle Buͤrde, Die Ueberlast kaum tragen koͤnnen. So wuͤrden gleichfalls Kuͤh und Ziegen, Von ihrer eignen Milch beschwehrt, bestaͤndig ungemolken liegen. Die Waͤlder zeugten uns zwar Holz, der Schooß der Erden gnug Metallen, R r 4 Die Betrachtung Die Berge Stein und Marmor gnug: Allein wer wuͤrde von dem allen, Wohl das geringste brauchen koͤnnen, ohn Huͤlf und Zuthun unsrer Hand? Es wuͤrde selber, sonder sie, der sie regierende Verstand Gar viel nicht zu regieren finden. Der Geist erdenket, aber sie Verrichtet, was er ausgedacht. Er wuͤrde, sonder ihre Muͤh, Viel minder, als man denkt, verrichten. Welch ungezaͤhlter Werke Menge Erzeuget eine Menschen-Hand! Sie macht, durch ihre Kuͤrz und Laͤnge, Sich gleichsam selbst zu tausend Haͤnden. Bald wirkt sie ganz, bald nur zum Theil; Bald haͤlt sie diesen Finger still, bewegt die uͤbrigen in Eil; Auf mehr als Millionen Arten, ist sie geschickt, sich zu for- miren, Und mehr als Millionen Werke ist sie stets faͤhig, auszu- fuͤhren. Sie schwinget einen schweren Spieß; sie biegt und kruͤmmt ein duͤnnes Haar; Sie graͤbt, sie sticket, schmiedet Anker, macht kleine Ketten, die so gar Den kleinsten Floh zu fesseln taugen; sie rudert, ziehet auf dem Meer Die Last von einem schweren Holz, nach ihrem Willen, hin und her. Sie schlaͤgt und spielt auch Laut- und Harfen, mit solcher schnellen Fertigkeit, Daß sie dadurch oft minder nicht das Aug, als das Gehoͤr, erfreut. Jhr der Wohlthaten in der Hand. Jhr hindert nicht in kleinen Dingen, daß sie so groß, in großen nicht, Daß sie so klein; sie kann sich selbst, nicht nur vergroͤßern, sondern sie Verkleint sich auch, und ziehet gleichsam, in zween Finger, oh- ne Muͤh, Die ganze Kraft und Kunst zusammen. Jst etwan einer ein Gewicht Zu schwer; hilft ihr die andre Hand. Man sieht sie gleich mit Huͤlf erscheinen, So daß sie gleichsam sich verbinden; es wird aus beyden eine Hand, Und zwar die in der That so groß, als wie der Raum ist aus gespannt, Der zwischen beyden sich befindet, indem in ihnen sich ver- einen, Durch einen beyderseitgen Wechsel, die beyden Kraͤft in eine Kraft. Man sieht daher so an der Haͤnde, als an der Finger, Eigen- schaft, Da sie getheilt, ein sonder Wunder. Sie koͤnnten sich un- moͤglich trennen, Wenn sie vereint, indem sie jetzt, da sie zertheilt, sich fuͤgen koͤnnen. Nun laßt uns, was, durch unsre Hand, fuͤr Wunder auf der Welt geschehn, Dem Schoͤpfer, welcher sie gemacht, und uns geschenkt, zum Ruhm, besehn! Wer hat so Tempel und Altaͤr’ errichtet, als der Menschen Hand? R r 5 Wer Betrachtung Wer hat Gesetze vorgeschrieben? Wer fuͤhrt das Schwerdt, um sie zu stuͤtzen? Wer baute Staͤdte, Bruͤcken, Daͤmme, und feste Mauren, uns zu schuͤtzen? Wer loͤschte, sonder sie, mit Wasser, den ungefehr entstand- nen Brand? Wer koͤnnte sonder Hand begiessen; wer egen, pflanzen, pfluͤ- gen, saͤen? Wer koͤnnte schneiden, binden, laden, wer droͤschen, duͤngen graben, maͤhen? Wer Haͤuser, Schiff und Thuͤrme bauen, Metallen graben, schmelzen, schneiden? Wer wuͤrde naͤhen, backen, brauen? Wer koͤnnt uns waͤr- men, decken, kleiden, Zur Noth und zur Bequemlichkeit? Wer koͤnnte fischen, Vo- gelstellen? Wer koͤnnte schmieden, mauren, zimmern? Wer Steine brechen, Baͤume faͤllen? Wer in der Jugend uns erziehn? wer Kost und Nahrung uns erwerben? Wer uns versorgen, wenn wir leben? wer uns begraben, wenn wir sterben? Wer uns, auch nach dem Tod, erhalten, als unsre Hand, in klu- gen Schriften, Wodurch wir uns, auf spaͤte Zeiten, ein ruͤhmliches Gedaͤcht- niß stiften? Wer kann Gedanken sichtbar machen, als unsre Hand, die aus der Luft, Verschwundne und vergangne Woͤrter, als aus dem Gra- be, wieder ruft, Und ihnen Daur und Leben schenkt? Sie stellet unsrer Freun- de Schaar, Wenn der Wohlthaten in der Hand. Wenn sie auch noch so weit entfernt, uns recht als gegenwar- tig, dar. Ja, wenn auch gleich beruͤhmte Leute gar aus der Welt gehn und erkalten: So kann sie sie doch gleichsam lebend, auf viele Jahre noch erhalten, Durch eine wohlgebrauchte Hand. Lebt Plato, lebt De- mosthenes. Lebt Caͤsar, Cicero, Virgil, Homerus, Aristo- teles, Nicht noch? Sie sind, ob gleich gestorben, doch noch unsterb- lich durch die Hand. Sie informiren noch; ihr Geist wird noch mit großem Nutz erkannt, Gefolget, nachgeahmt, bewundert. Wir wuͤrden, sonder Hand, den Thieren Und keinen Menschen aͤhnlich seyn. Wir wuͤrden ohne sie verlieren, Kunst, Ordnung, Zierde, Wissenschaft. Was einer auf der Welt allein, An Weisheit und an Kunst besessen, kann vielen mitgethei- let seyn, Als eine Erbschaft, durch die Hand. Aus unsrer Hand allein entstehen Der Zahl-und Linien Figuren, so manche Lettern, deren man, So viel als Nationen fast, in unterschiednen Zuͤgen, sehen, Auf so verschiedne Art erdacht, als wie geschrieben, lesen kann. Der weisen Alten weise Reden, der Voͤlker Thaten und Geschichte, Das spaͤte Leben und die Dauer der auserlesenen Gedichte, Hat Betrachtung Hat man ja bloß der Hand zu danken. Die Grenzen von der ganzen Welt Sind durch die Hand, auf kleinen Carten, zum Nutz verkleint, uns vorgestellt, Worauf wir, wie so große Laͤnder sich durch so große Meere trennen, Und wo es eigentlich geschicht, ohn alle Muͤh, beschauen koͤnnen. Jndem uns Gott die Hand geschenkt, hat er, was man in diesem Leben, Zur Nahrung, Noth und Lust gebraucht, in ihr zugleich uns mitgegeben. Wir muͤßten, ohne dieses Glied, nach unsers Leibes Bau, ver- derben, Und weil der Mund fern von der Erden, ohn allen Zweifel, Hungers sterben. Zwar hat ein Storch auch lange Bein. Doch einen langen Schnabel auch, Sammt einem noch viel laͤngern Hals, der zu dem noͤthigen Gebrauch, Anstatt der Hand ihm dienen muͤssen, wie viele andre Thiere mehr. So aber liefert unsre Hand, die niedrig haͤngt, uns, nach Be- gehr, Die Dinge, welche wir gebrauchen, und niedrig an der Er- de liegen, Ohn daß wir duͤrfen mit dem Kopf uns unbequem zur Erden biegen. Die ganze menschliche Gesellschaft koͤnnt ohne Haͤnde nicht bestehen, Wer der Wohlthaten in der Hand. Wer koͤnnte sich und andern helfen? Wir wuͤrden folglich nicht allein, Den andern wilden Thieren gleich, in wuͤsten Oertern einsam gehen; Wir wuͤrden einzelne Figuren, ja leibliche Gespenster seyn. So aber bindet und vereinet uns, durch die Hand, des Schoͤp- fers Macht, Daß man, je mehr demselben Wunder, mit Achtsamkeit, wird nachgedacht, Man immer neue Wunder findet. Die Hand, wenn unsre Zun- gen schweigen, Weis ja so gut, und oͤfters besser, der Seelen Leidenschaft zu zeigen. Sie weis zu ordnen, zu befehlen; sie ziert und droht, sie sorgt, sie fraget, Bejaht, verneinet, pflichtet bey, verspricht, verwegert, ruft, verjaget, So daß sie nicht nur alles thut, so gar zugleich fast alles saget, Und zwar in einer solchen Sprache, die allgemein, die, wie wir sehn, Weit besser, als der Zungen Rede, auch die Barbaren selbst verstehn. Der Zeiger-Finger lockt herbey. Wenn man sich recht die Haͤnde giebet, Jst es ein gleichfam fuͤhlbar Zeichen, daß deine Seele meine liebet. Die Schwermuth weis ja durch Gebehrden, durch ein erbaͤrm- lich Haͤnde-ringen, Oft einen, der ihr helfen kann, zum Mitleid oftermal zu bringen. Ver- Betrachtung Verzweiflung laͤßt im bittern Schmerz, mit ihrem Muth, die Haͤnde sinken. Der Zorn formiret eine Faust. Ein sehnliches Verlangen streckt Sie ausgebreitet himmelwerts; und welcher Gnade sucht, ent- deckt Sein Wuͤnschen, daß er tief gebogen, die Haͤnde dem zun Fuͤßen senket, Von dem er Huͤlf und Gnade sucht. Ja was noch mehr, wenn mans bedenket, So dient die Hand ja dem, der lahm, an statt der Fuͤß, auch einem Blinden, An Augen statt; er kann den Weg, durch Tappen, mit den Haͤnden finden. Wie muͤssen sich demnach die Menschen doch ihres Unver- standes schaͤmen, Die meynen, als ob die Natur, uns minder, als das Vieh, ver- sehn. Man muß, wofern man Gottes Gab, in unsrer Hand, erwegt, gestehn, Daß wir in ihr solch einen Schatz, der alles uͤbergehet, nehmen, Jndem der alleraͤrmste Mensch, zween Diener in den Haͤnden hat, Die ihm auf tausend Arten dienen, zu allen Zeiten, fruͤh und spat. Wie kann die Hand, zu unserm Besten, so viele tausend tau- send Sachen, Zum Nutz, zum Schutz, zu Wehr und Waffen, und hundert andre Vortheil machen! Was der Wohlthaten in der Hand. Was sie fuͤr Werkzeug uns verschafft, kann man nicht zaͤhlen, noch erzaͤhlen, Doch wollen wir nur einige von tausenden zur Probe waͤhlen. Gebisse, Zuͤgel, Stuͤhle, Pfluͤge, sammt Hoͤbel, Meissel, Ham- mer, Beile, Pistolen, Bajonetten, Messer, Canonen, Flinten, Saͤbel, Pfeile, Auch Amboß, Anker, Zangen, Bohrer, sammt Schloͤsser, Schluͤs- sel, Ketten, Feile, Carossen, Winden, Wagen, Scheeren, auch Schaufeln, Netze, Koͤrbe, Seile, Viel Jnstrumente zur Music, auch Mathematische, nebst Saͤgen, Nebst Karren, Sicheln, Pinseln, Rechen, imgleichen Spruͤtzen, Eimer, Egen, Die alle wiederum der Hand, die sie gemacht, zu tausend Dingen, Zur Nothdurft, Wehr, Bequemlichkeit, viel tausendfachen Nu- tzen bringen. Jst es die Hand nicht, die die Thiere, und was sie sind, und was sie haben, Uns Menscheu zuzueignen weis? Jn Luͤften, auf dem Land, im Meer, Bezwinget sie der Thiere Menge, der Voͤgel und der Fische Heer, Daß sie uns zum Geschmack, zur Nahrung, mit ihrem eig- nen Wesen laben. Noch mehr, wer kann, zu unserm Dienst, den harten Hals der Ochsen zwingen, Ca- Betrachtung Cameel- und Esel- Ruͤcken brauchen, so schnell aufs rasche Pferd sich schwingen, Ja selber Elephanten zaͤhmen? Wer richtet Hund und Vo- gel ein, Fuͤr uns und nicht fuͤr sich zu jagen, als die geschickte Hand allein? Anstatt daß wir uns mit den Thieren, mit Baͤr und Woͤlfen beissen muͤßten, Wenn wir die edle Hand nicht haͤtten, und sie so wohl zu brauchen wuͤßten: So brauchen wir der Hunde Zaͤhne, daß sie fuͤr uns mit ih- nen fechten; Daher sie jener, der den Nutzen, den sie uns darin bringen, kannte, Nicht unrecht ihren Zahn, der Menschen lebendge Dolch und Degen nannte. Man nimmt der Thiere Felle, Federn und Woll und Haar, mit unsrer Rechten, Und richtet sie, zu unsrer Waͤrm und zur Bequemlichkeit der Ruh, Wie auch ihr Fleisch zu unsrer Kost, zu Arzeneyen gleichfalls, zu, Bis auf die Wunder in dem Meer, die groͤßten Wallfisch toͤdten wir, Es hilft sie keine List, noch Macht, noch Flucht, noch kecker Widerstand, Es faͤnget, haschet, uͤberwindet und toͤdtet sie der Menschen Hand. Wenn wir nun ferner uͤberlegen, was Gott, der weise Schoͤpfer, ihr Fuͤr Millionen Vorwuͤrf schuff, woran sie Kunst und Fer- tigkeit Kann der Wohlthaten in der Hand. Kann sehen und bewundern lassen. Welch eine Menge von Metallen, Von Marmor, Steinen und Porphier, von Holz, von klaren Berg-Krystallen, Von Diamant, Sapphier, Rubinen, wovon sie nach Beschaf- fenheit, Wie sie sie braucht, sie brauchen kann, hat fuͤr der Haͤnde Kunst und Macht, Der Gott, der alles weislich ordnet, und sie, fuͤr sie, hervor gebracht. Es weis so viel kaum zu erfinden der viel erfindende Ver- stand, Als es geschickt ins Werk zu setzen die kuͤnstlich-starke Men- schen-Hand. Was wuͤrden, sonder ihre Haͤnde, die allerkluͤgst-und groͤßten Geister, Auf Erden, wohl verrichten koͤnnen? Wuͤrd auch der aller- groͤßte Meister, Der in der Baukunst je gewesen, allein mit Ohren und mit Augen, Wofern er keine Haͤnde haͤtte, wohl etwas auszurichten taugen? Wir finden, wenn wirs recht erwegen, den Geist fast mit der Hand vereint, So daß er fast in ihr den Sitz, wie im Gehirn, zu haben scheint, Und also zeiget ja die Hand uns allen uͤberzeuglich klar, Wie Gottes Weisheit, Macht und Lieb allein in ihr so wun- derbar, Br. VI. Th. S s Ja Betrachtung Ja daß, da Gott sie dergestalt, da sie so wunderbar sich lenket, Da sie so wunderbar formirt, da sie so wunderbar uns nuͤtzet, Uns kleidet, naͤhret und erhaͤlt, versorgt, ergetzet, ziert und schuͤtzet, Uns den Gebrauch der ganzen Welt, allein in unsrer Hand, geschenket. Ach laßt uns denn die Wundergabe doch kuͤnftig besser, als wir pflegen, Und in derselbigen zugleich des Schoͤpfers weise Macht, er- wegen, Jn ehrerbietigster Bewundrung! Auf! laßt uns seine Liebe sehn, Die sich in ihr so klaͤrlich zeiget, und Gottes Herrlichkeit erhoͤhn! Laßt uns, in der erkannten Wahrheit, ihm oͤfters danken, ihn verehren, Jhn lieben, fuͤrchten, ihn vertrauen, in unsrer Lust, sein Lob vermehren! Ach moͤchten wir den Bau der Hand doch oͤfters, Gott zum Ruhm, betrachten, Und in der Bildungs-Kunst allein, auf dessen Macht und Weis- heit achten, Der sie so wunderbar gebildet. Ach moͤcht uns doch, so oft wir spuͤren, Wie sie uns tausendfaͤltig nuͤtzt, die Hand zu unserm Schoͤpfer fuͤhren. Vor allen lasset uns, mit Ernst, wenn wir sie brauchen, uns bemuͤhn, Sie der Wohlthaten in der Hand. Sie nicht zu Lastern anzuwenden, und sie vom Suͤnden-Dienst zu ziehn, Damit sie, gegen Gottes Ordnung, im suͤndlichen Gebrauch der Erde, An statt des Segens Werkzeug, uns kein Werkzeug des Ver- derbens werde. Ach Gott! gieb mir zu so viel Gaben, auch diese, daß ich, dir zur Ehre, Auch meine Hand recht brauchen mag, und selbst thu, was ich andre lehre! So wend ich denn itzt meine Hand, so viel als ich in Schwachheit kann, Von aller mir erzeigten Gnad, im vorgem Jahr, zu schrei- ben an. Wie kann ich dir doch gnugsam danken, o Herr, daß im verfloßnen Jahr, Du mich nicht nur so gnaͤdiglich, fuͤr Krankheit, Plagen und Gefahr, So Huld- und Gnaden-reich bewahrt, daß du auch meiner Haͤn- de Werke So gnaͤdiglich gebenedeyt! Ach Herr! wenn ich mit Ernst bemerke, Wie vaͤterlich du mich geleitet, wie wunderbar du mich ge- fuͤhrt, So werd ich Dank-und Andacht-voll. Es wird mein Jnner- stes geruͤhrt, So daß ich, da ich ihre Menge, die nicht zu zaͤhlen ist, nicht fasse, Mit hoͤchstem Recht dadurch verwirrt, fuͤr Freuden, Thraͤnen fallen lasse, S s 2 Von Betrachtung Von allen, was wir auf der Welt mit Recht ein wahres Gluͤcke nennen, Jst ja wohl, wenn wir unsre Kinder, im Leben, wohl bera- then koͤnnen. Dieß Gluͤck hast du mir dieses Jahr, o Gott, in solchem Grad beschehrt, Daß ichs nicht besser wuͤnschen koͤnnen. Ein Schwiegersohn von solchen Gaben, An Ehre, Reichthum, Redlichkeit, die viele kaum zertheilet haben, Jst heuer meiner aͤltsten Tochter, von dir, o Herr, zum Mann gewaͤhrt. Ach gieb, o Vater! ferner hin, zu dieser Ehe, deinen Segen, Und uns absonderlich die Gabe, daß wir die Gnad erken- nen moͤgen! Ach laß uns alle deine Liebe, in dieser Fuͤhrung, oft er- messen, Und, im bestaͤndigen Vergnuͤgen, doch ja des Dankens nicht vergessen! Jst es so uns, als ihnen, nuͤtz: So laß, o Herr! zu deinen Ehren, Auf spaͤte Zeiten ihr Geschlecht, in frommen Kindern, sich vermehren! Gieb ihnen Willen und Vergnuͤgen, daß sie sich alles Ernsts be- muͤhn, Die bloß von dir geschenkte Gabe auch dir gefaͤllig zu erziehn! Wie hast du ferner, großer Gott, zu meinem neuen Amt und Stande, Zu meiner Reise, meinem Antritt, zu meinen Leben auf dem Lande, So der Wohlthaten in der Hand. So reichlich deine Huld geschenkt, daß ich nicht nur, nebst al- len Meinen, So wohl die Land-als Wasser-Reise gesegnet und begluͤckt ge- fuͤhrt, Daß ich, beym Antritt in das Amt, in allen, deine Huld verspuͤrt. Ach laß doch in demselben ferner mir deiner Gnaden Sonne scheinen. Zwar hab ich hier, nicht lang hernach, von mich bedrohnden Krieges-Schaaren, Nicht kleine Sorgen ausgestanden, und viel Verdrießlichkeit erfahren, So aber, großer Friedens-Fuͤrst, bloß durch dein vaͤterliches Lieben, Da du das Ungluͤck abgewandt, Gottlob! nur bey der Furcht geblieben. Jndessen kann ich nicht umhin, wie ich den Zustand auf- geschrieben, Damit es nicht vergessen werd, und immer ein’ Erinnrung bleibe, Hier die Gedanken herzusetzen, damit es mich noch ferner treibe, Fuͤr den, nach Wetter, Sturm und Regen, erwuͤnscht verspuͤr- ten Sonnenschein, Dem, der das Schwerdt in Sicheln kehrt, erkenntlich dank- bar froh zu seyn. Dieses Gedicht wird, nebst andern, in den G. G. heraus zu gebenden Ritzebuͤttelschen Gedichten folgen. Jch habe, dir sey Dank, o Herr, in diesem Jahre, meine Hand Jn meinem Jrdischen Vergnuͤgen, es zu vermehren, angewandt S s 3 Daß Betrachtung Daß ich dieß mit nicht schlechtem Fortgang, zu deinem Ruhm, verrichten koͤnnen, Erkenn ich, als ein großes Gluͤck, so du mein Gott mir wol- len goͤnnen. Laß meines Herzens Dank-Altar noch oͤfters, dir zum Preise, rauchen, Und laß, zu deinem Dienst, o Gott! mich meine Hand noch oͤfters brauchen! Auch unter ungezaͤhlten Plagen, Kreuz, Ungluͤck, Zufall und Gefahren, Von welchen auch die wenigsten (als die uns stuͤndlich drohn) bekannt, Hast du, von meinem aͤltsten Sohn, ein großes Ungluͤck ab- gewandt. Und ihn, da er ins Messer fiel, ihn wunderbarlich zu be- wahren, So gnaͤdiglich gewuͤrdiget; ach! laß ihn, da er sonderlich, Jn diesem Jahr, nebst seinem Bruder, auf hohen Schulen denkt zu reisen, Sie beyde dir empfohlen seyn, damit so wohl sie beyd, als ich, Fuͤr deiner vaͤterlichen Guͤte, Gelegenheit, dich, Herr, zu preisen, Mit Dank und Loben haben moͤgen! Es ist mein kleinstes Toͤchterlein, Der du so Geist als Leibes Gaben, in großer Maße, mit- getheilet, Jn mehr als einer Krankheit, Herr, durch dich in diesem Jahr geheilet; Dir sey, o Vater, Dank dafuͤr. Sey, einzger Arzt, davor ge- priesen, Daß du dich, in so mancher Noth, so Huͤlf- und Gnaden-reich erwiesen, Da der Wohlthaten in der Hand. Da ich, in vieler Kinder Koͤrpern und Geist, so vieles koͤnnte leiden: So giebst du mir, o Herr! die Gnade, daß ich in vielen viele Freuden, Bisher, o Wunder! hab empfunden. Weil ich nun gar nicht anders weis, O Vater! dir davor zu geben. So geb ich dir Lob, Ehr und Preis! Jch ruffe dich auch ferner an, behuͤt uns auch in diesem Jahr, Wofern es uns ersprießlich ist, fuͤr allem Unfall und Ge- fahr. Ach gieb, zu meinem Regiment, Gedeyen, Weisheit und Ver- stand, Und segne, nebst den Meinen, mich, und alle Werke meiner Hand! S s 4 Be- Betrachtung einiger Pflichten Betrachtung einiger hauptsaͤchlichen Pflichten der Menschen, gegen Gott. Neu-Jahrs Gedicht, auf das 1737. Jahr. W oher entsteht itzt scharfer Frost? Woher auch oft ein schlackigt Wetter? Wie koͤmmts, daß Gras und Kraut vergeht? daß alle Blumen, alle Blaͤtter Verschrumpfen, welken und verschwinden? Wie koͤmmts, daß alles unfruchtbar, Daß jetzt die Erde ganz morastig, die dicke Luft fast nim- mer klar, Das Wasser wild und wuͤtend ist, daß seine Wellen wallend brausen, Daß, voller Hagel und voll Schnee, die stuͤrmerischen Winde sausen, Daß alles, was man sieht, verwildert, daß alles, was man sieht, verstoͤrt, Daß was man fuͤhlt, unangenehm, daß Acker, Wald und Feld verheert, Daß wir, in einer wilden Gaͤhrung, der Elementen Kraͤfte sehn, Als wie in einem scharfen Kampf, verwirret durch einander gehn, Mit einer ungestuͤmen Wuth, mit ungebundener Gewalt? Und kurz; daß gleichsam die Natur in einer widrigern Ge- stalt, Als der Menschen gegen Gott. Als wie vorhin, uns jetzt sich zeiget? Der Grund hievon ist an- ders nichts, Als die bisherige Entfernung des Lebens-reichen Sonnen- lichts.. Jndem nun die fatale Ferne, Gottlob! nunmehr schon auf- gehoͤrt, Und unsrer Erden Flaͤche beut zur Seegensquelle wiederkehrt: So laßt uns uns daruͤber freuen; laßt uns dieß Wunder voller Segen, Dem großen Schoͤpfer, der es wirkt, zum Preis und Ruhm, mit Ernst erwegen, Jhm ein geruͤhrt und dankbar Herz, fuͤr diese Huld, zum Op- fer bringen, Und ihm, zu dieser Wechsel-Zeit, ein frohes Lied zu Ehren singen. Gott, unendlich ewigs All, Born der Ewigkeit und Zeit, Einzger Ursprung alles Guten, einzige Selbstaͤndigkeit, Aller erst-und allerletzter! Urquell aller guten Triebe, Du Vortrefflichstes von allem, was vortrefflich, ewge Liebe, Jn und durch dich selber weiser, als die allerkluͤgsten Geister, Kraft der Kraͤfte, Herr der Schaaren, aller Himmel Himmel Meister, Der du nicht erzeugt, ein Ganzes, sonder Theil und sonder gleichen, Laß, da mein Verstand nicht kann, meine Demuth dich errei- chen! Quell der wirkenden Natur, die durch Weisheit, Lieb und Macht Dem in dir vereinten Drey, (das du selbst,) hervorgebracht, Ewigs Wesen, ewigs Licht, dessen Glanz und wahrer Stand Uns, durch gar zu große Groͤße, kund wird, doch auch unbekannt, S s 5 Der Betrachtung einiger Pflichten Der dem Sinn fast mehr empfindlich, als dem Geist begreif- lich ist, Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ꝛc. Den man nicht nach seinem Wesen, nur nach seinem Schatten mißt, Welchen seine Werke zeigen. Gott, der du der Allergroͤßte Bist, und willt, und kannst das Beste; durch den folglich auch das Beste Jmmer muß gewirket seyn; ach! wie sehnet sich mein Geist, Dir, zumal zu dieser Zeit, die uns auf besondre Weise, Aller Creatur zum Besten, und in ihnen dir zum Preise, Deine Weisheit, deine Macht, deiner Gnaden Ausbruch weist, Etwas, welches deiner wuͤrdig, dir zu Ehren vorzubringen, Und so wohl von deinen Wundern, als absonderlich zu singen, Von der Menschen Schuldigkeit, und auf wahre Menschen- Pflichten, Nach der Vorschrift der Vernunft, unser Augenmerk zu richten. Da wir von der Christen Pflicht, in der Gottsgelehrten Lehren, Was uns noͤthig, was uns nuͤtzlich, uͤberzeuglich taͤglich hoͤren: Scheint es, ihrer heilgen Arbeit ins besondere zu nuͤtzen, Wann wir sie, nach Moͤglichkeit, durch die Ueberlegung stuͤtzen, Daß der Mensch am naͤchsten sey, zu dem wahren Christen- Orden, Wenn er, durch vernuͤnftge Schluͤsse, erst ein wahrer Mensch geworden. Laß es doch vor andern dir, Gott, zum Ruhm; dabey auch ihnen Und mir selbst, zu gleicher Zeit, oͤfters zur Ermuntrung dienen, I. Um der Menschen gegen Gott. I. Um zu einem vernuͤnftignn Gottesdienst or- dentlich zu gelangen; ist die erste unserer Pflich- ten, uns gruͤndlich zu uͤberfuͤhren, daß wir selbst keine Ursache unsers Wesens seyn. D ieß ist zwar eine solche Wahrheit, die manchem uͤberfluͤßig scheinen, Und nicht so noͤthig duͤnken moͤcht; indem verschiedne Men- schen meynen, Daß dieses keines Zweifels werth: So wird jedoch das klare Licht, Das aus der uͤberzeuglichen Erkenntniß dieses Satzes bricht, Wenn wir uns nur in wahrer Demuth dem Glanz bemuͤhen, nachzuspuͤren, Uns zu dem Licht, das undurchdringlich, zum Schoͤpfer, zu der Gottheit fuͤhren. Wie deine Mutter dich empfing, hat man dich etwa da ge- fragt, Ob es dir auch gefiel, aus nichts hervorzutreten, was zu wer- den? Ob es hier oder anderwerts, in Luft, im Wasser, auf der Erden, Ein Fisch, ein Vogel, oder Mensch zu seyn, vor andern dir behagt? Du sagest, nein, und zwar mit Recht. Doch sprichst du auch vielleicht dabey, Daß deiner Eltern Liebes-Trieb der Ursprung deines We- sens sey. Allein gedenke nur zuruͤck, ob nicht die Eltern so, wie du, Ohn all ihr Wissen oder Willen, und das Geringste nur dazu Ge- Betrachtung einiger Pflichteu Gethan zu haben, auch entstanden? Auch ob dieselben, wie sie dich Erzeugten, das Geringste nur von dir, so wohl was aͤusserlich Als innerlich an dir vorhanden, auch das Geringste nur gewußt, Ob etwas, ja nicht einst einmal die blinde seltsam-suͤsse Lust, Die ihnen auch geschenkt, hiebey fuͤrs Jhrige zu rechnen sey. So siehest du unwidersprechlich und uͤberzeuglich ja die Spur, Daß sie zu dem, was du geworden, nichts anders, als das Werkzeug nur, Ohn Witz und sonder Kunst gewesen. Wie kuͤnstlich nun dein Leib formiret, Von dem, was ihn so Regel-recht, aus fast untheilbarn Thei- len zieret. Der Sinnen Kunst und Wunderwerk, sammt andern unge- zaͤhlten Gaben, Weil wir davon schon anderwerts verschiedenes beschrie- ben haben, Will ich allhier nicht wiederholen. Nur muß ich etwas von der Weise, Die ihn ernaͤhrt und wachsen macht, von seinem Trank und seiner Speise, Mit kurzen sehn. Dasjenige, wodurch er waͤchst, und was ihn naͤhrt, Sind Erdgewaͤchse, Fleisch und Fisch. Wer ist es, der ihm die beschehrt? Wer ist es, der derselben Theile so wunder-wunderbarlich fuͤget, Daß es ihn nicht allein erhaͤlt, auch ihn, wenn er es nimmt, vergnuͤget, Daß es sich in sein wirklich Fleisch, und in sein Wesen selbst verkehrt? Wer der Menschen gegen Gott. Wer kann dieß Wunderwerk begreifen? Du wirst aufs we- nigste gestehn, Daß diese Wunder nicht durch dich, und deine Kunst und Witz, geschehn, Auch daß kein blindes Ungefehr so vieler Creaturen Kraͤfte, Auf eine Weise, mengen kann, daß deine rege Lebens-Saͤfte, Daß Adern, Nerven, Bein und Fleisch, von ungefaͤhr sich nicht formiren, Noch durch ein unabsichtlich Etwas, das blind, sich selbst zu- sammen fuͤhren. Und also zeigt dein eigner Leib, am uͤberzeuglichsten dir an: Es sey ein Wesen ausser dir, daß solche Wunder wirken kann, Das solche Wunder wirklich wirkt. Erwege denn, geruͤhr- ter Geist, Wie klaͤrlich dir dein eigner Leib das Licht der groͤßten Wahr- heit weist, Und wie er dir so uͤberzeuglich die aller erste Staffel zeiget, Auf welcher man zur ewgen Gottheit, zum Schoͤpfer aller Dinge, steiget. II. Die andere Pflicht ist, durch rechtmaͤßigen Gebrauch unserer Sinnen, in der Ordnung, Groͤße und Schoͤnheit der Welt, ein weises, maͤch- tiges und liebreiches Wesen zu entdecken. W ann aber, nebst dem Koͤrper, etwas, das denkt, sich auch an dir befindet, Jn welches deines Koͤrpers Nahrung, als Fleisch, und Fisch, sich nicht verkehrt, Und Betrachtung einiger Pflichten Und seine denkend’ Eigenschaft so wenig wirkt, als sie er- naͤhrt: So ist es noͤthig, daß dieß Wesen, sein eigen Wesen so er- gruͤndet, Als es durch sich gelangen kann. Nun sieht es, daß es sich verbindet, Durch seines Koͤrpers rege Sinnen, mit einer Welt, die ihn umringt, Die koͤrperlich, die voller Wunder, die so an Form, als Far- ben, schoͤn; Aus welcher ihm, durch fuͤhlen, schmecken, so wie durch rie- chen, hoͤren, sehn, So mancherley Vergnuͤglichkeit, so manche suͤsse Lust ent- springt, Wenn er sie nur in Ordnung braucht, das heißt, daß er sich auf sie lenket, Und dadurch, daß er mit Bedacht, daß sie ihn ruͤhren, uͤberdenket, Sie wenn er will, mit sich vereinigt, und dadurch, wenn er denkend, fuͤhlt, Durch sich, und durch sein inners Wesen, in sich selbst man- che Lust erzielt. Hieraus entspringet eine Pflicht, nach Moͤglichkeit sich zu vergnuͤgen, Und zu derselbigen Gebrauch, Bewundrung, Lust und Dank zu fuͤgen, Weil sie ganz uͤberzeuglich spuͤrt, daß eben dadurch bloß allein, Die Absicht einer ewgen Guͤte, und sein nur uns ersprießlich Wollen, Daß wir in unsrer Lust ihn ehren, durch unsre Freud ihn preisen sollen, Und sein, nur seiner wuͤrdger Endzweck, am wuͤrdigsten er- halten seyn. So der Menschen gegen Gott. So lernet denn den Kern der Seelen, derselben allerbeste Kraft, Wodurch sie, nebst der sinnlichen, auch eine denkend’ Eigen- schaft, So lange sie hier lebt, besitzt, auf eine solche Weise brauchen, Wozu sie eigentlich gegeben. Das heisset: Unsern Gott zu ehren, Der ihr und aller Dinge Schoͤpfer, zu sehn, zu schme- cken und zu hoͤren. Hiedurch wird Gott, in unsrer Lust, ein stetig Lobes-Opfer rauchen. Wenn dieß geschicht, entdecken wir viel Millionen Wunder- werke, Jn Erde, Wasser, Luft und Himmel, und in demselben Got- tes Staͤrke, Und Lieb und Weisheit uͤberzeuglich, da von den großen Him- mels-Kreisen, Und ihrer Meng an bis zum Staub, ihn all in ihrem Wesen weisen, Jn ihrer Ordnung, Schmuck und Schoͤnheit, ihn all, als ih- ren Schoͤpfer, preisen. So, wie die Seele mit den Koͤrpern, durch Gottes Ordnung, fest verbunden: So muß mit unsern aͤussern Sinnen, den gleichsam koͤrperli- chen Thuͤren, Wodurch, und ohne welche nicht, wir aller Koͤrper Arten spuͤren, Dasjenige, was in uns denket, ohn Unterlaß vereint gefunden, Und billig nie geschieden seyn. Wofern wir so die Kraft der Seelen, Mit Gottes Creaturen hier durch Maaß, untadelhaft vermaͤhlen: So Betrachtung einiger Pflichten. So wird, wenn wir vernuͤnftig fuͤhlen, daß wir so manche Lust geniessen, Aus solcher Eh, als ihre Fruͤchte, Bewunderung und Dank entspriessen. Dieß ist zu Gott die dritte Staffel, wodurch wir uns zu ihm erhoͤhn, Und seine Macht und Herrlichkeit am allerdeutlichsten verstehn. Bewunderung, als unsere III te Pflicht. W ann wir nun unsrer Seelen Kraͤfte, so viel uns moͤglich ist, ergruͤnden: So werden wir von der Bewundrung ganz uͤberzeuglich dieß befinden, Daß sie die allerwuͤrdigste Beschaͤfftigung zu Gottes Ehren, Zu der wir aufgeleget seyn. Daß nichts die Ehrfurcht mehr zu mehren, Die Demuth zu vergroͤßern faͤhig, die Liebe zu erwecken maͤchtig. Ja daß nur sie allein uns zeige, wie Gott so liebreich, weis und maͤchtig, Wie ihm allein nur Preis gebuͤhre, nicht weniger wie sie so klein, So schwach, umschraͤnket kraftlos, fluͤchtig und eitel von uns selber seyn. Nur die Bewunderung erweiset den Vorzug, den wir vor den Thieren, Von Gott aus Lieb, erhalten haben, und welchen wir in uns verspuͤren, Sie der Menschen gegen Gott. Sie koͤnnen riechen, fuͤhlen, schmecken so wohl, als wir, ja fehn und hoͤren; Doch weil sie nicht bewundern koͤnnen: So koͤnnen sie auch Gott nicht ehren, Zum wenigsten nicht so, wie wir, da wir im sehen, fuͤhlen, schmecken, Wenns mit Bewunderung geschieht, nicht nur den wah- ren Gott entdecken, Zugleich auch in den wunderbaren und uͤberall vorhandnen Werken, Die Allmacht, Weisheit und die Liebe des, welcher al- les wirkt, bemerken. Nur durch Bewunderung allein wird unser Geist zu Gott gefuͤhrt, Nur im Bewundern giebt man Gott die Ehre, die nur ihm gebuͤhrt, Nur die Bewunderung vermag der Triebe Flammen an- zufachen, Von dem, der bloß Bewunderns-werth, uns wuͤrdige Begriff zu machen, Und nichts kann unsern Gott in uns, und uns in Gott so sehr erhoͤhn, Nichts uns mehr Freud und wahre Lust, auch unsern Gott mehr Ehre bringen, Als wenn wir, mit Bewunderung , den Schoͤpfer im Ge- schoͤpfe sehn. Bewundrung ist ein’ angenehm’ Empfindung, so die Seele ruͤhrt, Durch ein vernuͤnftiges Betrachten, von schoͤn- und wohlge- rathnen Dingen, Die Achtung, Ehre, Lieb und Neigung fuͤr den, der sie gewirkt, gebiert. Br. VI. Th. T t Die Betrachtung einiger Pflichten Dieweil nun nichts Bewunderns-werthers auf Erden, in den Meeres-Gruͤnden, Und auch in aller Himmel Himmeln, als das, was Gott ge- macht, zu finden: So fließt von selbst, daß kein Bewundern in uns fuͤr jemand so viel Ehre, Als fuͤr den Schoͤpfer aller Dinge, wenn man sein Werk er- wegt, gebaͤhre. Es scheinen uns die Sinnen alle, zu diesem großen Zweck allein, Sammt der vergleichenden Vernunft, von unserm Gott, ge- schenkt zu seyn. Ach laßt denn doch nicht ihre Kraft, und edles Feur um- sonst verrauchen, Laßt uns dieselben, Gott zum Ruhm, und unserm Nutzen, besser brauchen, Als wie vielleicht bisher geschehn! Jst es nicht ein betruͤbtes Wesen? Es hat der große Gott, als Schoͤpfer, zu seinen Ehren uns erlesen; Er hat mit so viel Macht, als Weisheit, den Geist mit so viel Kraft geziert, Den wunderbar formirten Leib, so kunst-als wunderreich for- mirt, Es ist in unserm Christenthum die allererste unsrer Pflichten. Der erst Artikul unsers Glaubens heißt uns, auf Gott die See- le richten, Um ihn als Schoͤpfer anzusehn, um ihn als Schoͤpfer zu ver- ehren. Allein geschicht denn dieses auch? Verfahren wir nach diesen Lehren? Stimmt der Menschen gegen Gott. Stimmt unser Leben und die That mit unsern Worten uͤberein? Bewundern wir in seinen Werken Gott, als den Schoͤpfer? Leider! nein. Du sprichst, du glaͤubst an Gott den Vater, den Schoͤpfer Himmels und der Erden, Der alle Ding aus nichts gemacht, der alles durch ein Wort hieß werden. Allein komm, zeige mir den Glauben, durch deine Werke, laß mich sehn, Auf welche Weise deine Thaten und deine Seele den erhoͤhn, An den du sagest, daß du glaͤubest. Du wuͤrdigst ihn ja nicht einmal Sein’ Allmacht in den Creaturen, und in den Wundern ohne Zahl, Die uͤberall ihn zeigt, zu schauen. Du siehst das allgemei- ne Licht Von seiner Weisheit, das aus allen mit unerschoͤpften Stra- len bricht, (Durch schaͤdliche Gewohnheit blind, und noch mehr durch Exempel) nicht. Entschuldige dich damit nicht: Man hat mich dieses nicht gelehrt, Jch habe weder in der Schule, noch Kirche was davon gehoͤrt, Man spricht davon des Sonntags nichts, und ja so wenig in der Wochen, Man ist ja uͤberall zufrieden, wenn ich gesagt und nachgesprochen, T t 2 Jch Betrachtung einiger Pflichten Jch glaͤub. Jch glaͤub an Gott den Vater. Daß ich, in den erschaffnen Werken, Soll Gottes Weisheit, Macht und Liebe, ja gleich- sam fast ihn selber, merken, Daß ich, um seine Herrlichkeit, in den Geschoͤpfen, zu erhoͤhen, Soll, nebst dem Geist, die Sinnen brauchen, soll Gott zu ehren, hoͤren, sehen, Empfinden, riechen, fuͤhlen, schmecken, muß ei- ne neue Lehre seyn. Und weil nichts neues ohn Gefahr; stimm ich mit dir so bald nicht ein. Waͤr es nicht unsrer Prediger und Lehrer Schul- digkeit gewesen, Von diesen Pflichten oft zu sprechen, zu lehren und davon zu lesen? Weil sie es aber unterlassen: So werd ich mich an deinen Lehren, Da leicht ein Gift darin verborgen, so leicht, wie du gedenkst, nicht kehren. Dieß wird dich nicht entschuldigen; denn, ausser daß nicht alle schweigen, Die Lehrer sind, von Gottes Wundern; wie ich verschiedne dir kann zeigen, Die, da sie Gottes Diener sind, als solche sich auch aufgefuͤhrt, Und ihren Herrn, in seinen Werken, die Ehre, welche ihm gebuͤhrt, Nach aller Moͤglichkeit zu geben, aus allen Kraͤften sich be- strebt, So denken andere vielleicht: Die Wahrheit waͤre gar zu klar, Und der Menschen gegen Gott. Und aller Menschen Schuldigkeit in diesem Punkt so of- fenbar, Als das es noch erklaͤrens brauchte. Worin sie denn auch wirklich recht, Wo man es so bedenket, haͤtten; wenn nicht das menschliche Geschlecht, Von Leidenschaften und Gewohnheit verblendet, fuͤr des Schoͤp- fers Ehre, So unerkenntlich, als ein Stein, und gar so unempfind- lich waͤre. Daher wenn deine groͤßte Pflicht bisher wo von dir unter- blieben: So darfst du nicht so keck so gleich die Schuld auf deine Lehrer schieben. Es lehrt dich alles, was du siehst. Gluht, Erd und Fluth sind deine Lehrer, Die Thiere, Pflanzen, Sonn und Sterne. Sey du nur ihr vernuͤnftger Hoͤrer, So wird der uͤberall vorhandnen, allgegenwaͤrtigen Gottheit Schein, Wie unbekannt er dir gewesen, bald deiner Seelen sichtbar seyn. Wir muͤssen denn noch etwas mehr, von unsrer Seelen besten Kraft, Und der von Gott, zu seiner Ehr, ihr eingepraͤgten Eigen- schaft, Von der Bewunderung gedenken, als welche, wie man billig meynt, Die einzge Absicht eigentlich, wozu man hier erschaffen scheint. T t 3 Uns Betrachtung einiger Pflichten. Uns uͤberfuͤhrt die ganze Welt, es hab uns Gott hier wer- den lassen, Jn seinem Werk ihn zu bewundern, und nicht so, wie man glaubt, zu fassen, Was alles, ja Gott selber, sey. Daß sie der Seelen Jnners ruͤhre, Daß sie, in einem froͤlichen Empfinden, uns zum Schoͤpfer fuͤhre, Jst allbereit von uns gemerket. Jtzt wird noch zu betrachten seyn, Daß sie, wie sie ein Gottesdienst, auch allen Menschen all- gemein, Daß dem kein Glaube widerspreche, am wenigsten der wahre Glaube, Daß, ohne sie, man uns die Menschheit, ja gleichsam Gott die Gottheit raube. Bewunderung ist eine Handlung, in welcher Achtsam- keit, Vergnuͤgen, Lob, Ehre, Preis und Ruhm , (fuͤr den, der was Bewun- derns-werth veruͤbt, Wodurch man ihn, zusammt der Achtung, zugleich auch hoch- haͤlt und ihn liebt,) Auch Demuth dessen, der bewundert, sich lieblich mit ein- ander fuͤgen, So bald wir was bewundern muͤssen (in dem wir unsre Schwaͤch erkennen, Woraus die Demuth denn entspringt) so werden wuͤrdige Jdeen, Fuͤr den, der die Bewundrung wirkt, so gleich in unsrer Seel entstehen, Man wird ihm, nach Beschaffenheit der Wunder, alle Nei- gung goͤnnen, Wozu der Menschen gegen Gott. Wozu die Seele faͤhig ist. Und hierin bloß allein besteht, Da man den Schoͤpfer aller Wunder, im Glauben, fuͤrchtet, liebt, erhoͤht, Der allerreinste Gottesdienst. So noͤthig nun die Kraft der Seelen, Die Gott gefaͤllige Bewunderung : So noͤthig ist denn bil- lig auch, Die uns dazu geschenkten Sinnen, die unsern Geist und Leib vermaͤhlen, Jn recht vernuͤnftigem Gebrauch, Zu ihrem Endzweck anzuwenden, und sie zu unsers Schoͤpfers Preise, Auf eine mit derselben Absicht, zusammenstimmend Art und Weise, Mit Gottes Werken zu vereinen, mit den Geschoͤpfen zu ver- binden, Wodurch wir uͤberzeuglich klar die große Wahrheit gleich befinden, Und deutlich anerkennen werden: Daß Gottes Creaturen werth, Daß sie von uns betrachtet werden, ja daß, da wir der Sinnen Gaben, Wodurch man sie betrachten kann, von unserm Gott erhalten haben, Wir selber werth , sie zu betrachten. Einfolglich daß man Gott verehrt, Wenn man der Creaturen Menge, derselben Ordnung, Schmuck und Pracht, Und in denselben dessen Allmacht , der sie aus Nichts her- vorgebracht, Sammt seiner Lieb und seiner Weisheit, zum Vorwurf seiner Seele macht. T t 4 Man Betrachtung einiger Pflichten Man zeige mir auf dieser Welt, von allem was man je erkannt, Fuͤr Seelen, mit Vernunft begabet, doch einen wuͤrdgern Ge- genstand. So bald wir nun mit diesem Vorwurf, durch unsre Sin- nen, unsre Seelen, Jn einer ernstlichen Betrachtung verbinden, fuͤgen, ja ver- maͤhlen: Entsteht die selige Bewundrung , die uns die wahre Gott- heit weist, Jndem man Weisheit, Macht und Liebe, in jeder Creatur verspuͤret, Die einen, der nur menschlich denkt, auf eine solche Weise ruͤhret, Daß man, in seiner eignen Lust , den Herrn der Creatu- ren preist. Denn, welches wohl Bewunderns-werth, Gott hat in allen seinen Werken, Wenn wir in ihnen Lieb und Allmacht und Weisheit, die er selbst, bemerken, Nicht eine koͤrperliche nur, auch eine Seelen-Lust gesenkt, Und in dem Dienst, den man ihm leistet, gleich eine Lust zum Lohn, geschenkt, Da man, jemehr man die Geschoͤpf, auf eine rechte Weis ergruͤndet, Man immer groͤßre Weisheits-Proben, und immer mehr Ver- gnuͤgen findet. Das allgemeine Weltgebaͤude, das Licht, das Wasser, Luft und Erde, Sammt ihrer Buͤrger großen Menge, die sie zu unserm Nutz bewohnen, Der der Menschen gegen Gott. Der Flammen-reichen Stern- und Sonnen gar nicht zu zaͤhlnde Millionen, Jn Summa goͤttlicher Geschoͤpfe, (die er allein durch seine Es werde, Aus nichts entstehn und kommen heissen,) auch Engeln un- zaͤhlbare Schaar, Die stellen sich, in ihrer Groͤß und Herrlichkeit, die Gottheit dar. Man sieht und hoͤrt zugleich sie uns, in ihrer Schrift und Sprach, erklaͤren: Ein solch unendlich Wesen sey, nach allen Kraͤften, zu verehren. Die Ehre nun, wodurch wir Gott am allerwuͤrdigsten erhoͤhn, Wird man in unsrer vierten Pflicht, die jetzo folget, deutlich sehn. Die IV te Pflicht ist, uns zu bestreben, von der Gottheit das allerbeste, wozu unserer Seelen Kraͤfte nur immer faͤhig sind, zu gedenken. W ann nun in unserm ganzen Wesen an Seel und Koͤrper unser Denken Das Edelst’ und das Herrlichste, wodurch von allem, was hie- nieden Von Pflanzen, Fischen, Voͤgeln, Thieren wir wunderwuͤrdig unterschieden: So ist ja wohl unwidersprechlich, der Gottheit diese Kraft zu schenken, Sey unsre Schuldigkeit und Pflicht. Worin kann aber dieß geschehn, Als wenn wir alle Seelenkraͤfte, am wuͤrdigsten ihn zu erhoͤhn, Jhn recht zu ehren und zu lieben, uns oft bemuͤhen, anzustrecken, Und von den Vollenkommenheiten der Gottheit mehr stets zu entdecken. T t 5 Nun Betrachtung einiger Pflichten Nun lehret uns Vernunft und Schrift, daß Lieb ihn zum erschaffen triebe, Und zwar die Liebe bloß allein. Jndem nun Gott die ewge Liebe Jn seinem Wort sich selber nennt; imgleichen Paulus uns erklaͤrt, Mit einem Feur, das zu bewundern, und mit so großem Nach- druck lehrt, Daß auch von allem, was auf Erden, doch nichts der Liebe sich vergleiche, Daß auch von allem, was im Himmel, doch nichts an ihrem Werthe reiche: So ist der herrlichste Begriff, den wir von Gott uns machen koͤnnen, Daß wir im Jnnersten der Seelen ihn als die ewge Liebe kennen, Wodurch wir aber, wenn wir Gott nur bloß die ewge Liebe nennen, Durchaus die Macht und Weisheit nicht, die von ihr unzer- trennlich, trennen. Wir werden ihn dadurch zugleich das Beste schuldig seyn zu goͤnnen, Und voller Ehrfurcht gegen ihn in Gegenliebe zu entbrennen, Unmoͤglich uns enthalten koͤnnen, Wir werden uns auf nichts verlassen, als nur auf seine Lieb allein, Und ihm, in kindlichem Vertrauen und Glauben, zugeeignet seyn. Aus diesem festen Glauben nun entstehet dieser feste Schluß, Den man, zum Ruhm der ewgen Liebe unwidersprechlich ma- chen muß. Die der Menschen gegen Gott. Die V te Pflicht, glauben, das Beste, so wir von Gott gedenken koͤnnen, sey, uns fest zu versi- chern, daß von Gott aus Liebe, als seiner selbstaͤn- digen Vollkommenheit, alles zu einem guten Endzweck eingerichtet sey. D as allerbeste nun, so Menschen von Gott zu denken faͤhig seyn, Jst dieses, uͤberzeuglich glauben, daß er so, wie mit allen Dingen, Es auch mit uns zum guten Ende, so koͤnn und woll als werde bringen. Jn einer solchen Ueberzeugung und Glauben finden wir allein, Daß Gottes Liebe, Weisheit, Macht enthalten und verherr- licht werde, So gar, daß wenn dieß nicht geschicht, und man das Gegen- theil vermeynte, Man Weisheit, Macht und Lieb entweder, ja alle drey in Gott verneinte. Denn wenn, was ist, vernichtigt wuͤrd, ja sich verschlimmerte; wo bliebe, Jn Ansehn seiner Creaturen, sein’ Allmacht , sonderlich die Liebe , Zusammt der Weisheit , die ja weis, auf welche Weis es anzufangen, Daß alle seine Creaturen in einen bessern Stand gelangen? Da seine Lieb es bruͤnstig will, die Allmacht ungezweifelt kann: So zweifelt man, mit hoͤchstem Unrecht, fast gotteslaͤsterlich daran; Weil, zur Verkleinerung des Schoͤpfers, die Folge ja sonst die- se waͤr, Daß alles durch einander ging, als durch ein blindes Ungefaͤhr, Ja Betrachtung einiger Pflichten Ja gar, wo es mit Fleiß geschaͤh, und daß ein Gott aus Vor- satz wollte, Daß etwas ungluͤckselig seyn, und ewig also bleiben sollte: Koͤnnt es unmoͤglich anders seyn, durch solch ein Schrecken- Bild verloͤhre, Nach den Jdeen, die wir haben, die Gottheit selbst von ihrer Ehre Jn unsrer aller Seelen viel. Kaum wuͤrd man sich enthal- ten koͤnnen, Auch wider unsern Willen, selbst den Schoͤpfer ungerecht zu nennen. Es wuͤrde solche Meynung eh sich auf ein boͤses Wesen passen, Und eh sich fast vom Satan selbst, als von der Gottheit, den- ken lassen. Hingegen, wie bereits gemeldet, ist unsre Pflicht und Schul- digkeit, Zu der Verherrlichung des Schoͤpfers, von seiner Vollenkom- menheit Das allerbeste zu gedenken, nach aller Kraͤfte Moͤglichkeit. Wenn nun die Seel in ihrem Wesen die ewig feste Wahr- heit spuͤret, Und sie, daß Gott die ewge Liebe, ganz uͤberzeuglich uͤberfuͤhret: So fließt hieraus unwidersprechlich, daß sie nicht anders kann gedenken, Als daß die Huld der Gottheit alles zum guten Endzweck wer- de lenken, Daß alles, was uns uͤberkoͤmmt, an Ungluͤcksfaͤllen, in der Zeit, Zu unserm Heil uns uͤberkoͤmmt, ja daß bis in die Ewigkeit Sein der Menschen gegen Gott. Sein ewigs Lieben sich erstreckt. Dieß ist das Herrlichste, das Beste, Dieß ist das allerwuͤrdigste, von einer Gottheit, und das groͤßte, Worin wir Gott verehren koͤnnen, der uns von sich die Nach- richt goͤnnt, Daß er uns liebt, indem er ja sich selbst die ewge Liebe nennt. Aus dieser Gottes Liebe nun, erfolgen drey von unsern Pflichten, Nach welchen wir der Seelen Wesen, nach allen Kraͤften ein- zurichten, Jn wahrem Glauben schuldig seyn. Die Gegenliebe, Dank- barkeit, Und wenn uns etwas boͤse scheinet, geduldige Gelassenheit. Die Gegenliebe. S o lasset uns ihn wieder lieben, da er zum ersten uns ge- liebet! Der angenehmste Gottesdienst, wird darin bloß nur aus- geuͤbet, Daß wir ein kindliches Vertrauen zu ihm, in unsern Seelen, hegen, Uns, voller bruͤnstgen Zuversicht, in seine Vater Arme legen, Und die verbothne knechtsche Furcht, fuͤr einen ewigen Ty- rannen, Als die sein wahres Wesen hoͤhnt, sein ewigs Lieben schimpft, verbannen. Aus dieser Wurzel wird die Frucht, und zwar die seligste von allen, Zu seines Namens Ehr, entspriessen, daß wir, damit wir ihm gefallen, Jn Betrachtung einiger Pflichten Jn kindlicher, nicht knechtscher Furcht, aus allen Kraͤften, uns bestreben, Nach seiner offenbarten Vorschrift, und Regeln der Natur zu leben, Zu meiden, was wir meiden sollen, zu thun, was Gott zu thun begehrt, Und uns bemuͤhen, stets zu zeigen, daß man ihn herzlich liebt und ehrt. Was koͤnnten doch des ewgen Vaters, der ewgen Liebe, Liebes- Triebe, Doch anders wohl von uns verlangen, als kindlich bruͤnstge Gegenliebe? Vor allen andern Leidenschaften, die alleredelst’ ist allein, Sich herzlich sehnen, als ein Kind, solch einem Vater werth zu seyn, Der, wie er uns hervor gebracht, auch unaufhoͤrlich Proben giebet, Daß er uns, bloß zu unserm Besten, geliebt, hier liebt und ewig liebet. Gelassenheit. W ann wir nun, daß der Gottheit Wesen die ewge Liebe sey, verspuͤret, Und uns Erfahrung, Hoffnung, Glaube, von dieser Wahrheit uͤberfuͤhret, Daß Gott, zu einem guten Endzweck, was er geschaffen, ein- gerichtet: So sind wir, nebst der Gegenlieb’, auch zur Gelassenheit ver- pflichtet, Wenn etwan uns, nach unsrer Meynung, was widriges auf dieser Welt, Von ungefaͤhr zu Haͤnden stoßt, Verdruß und Gram uns uͤberfaͤllt. Wir der Menschen gegen Gott. Wir koͤnnen Gott, der ewgen Guͤte, unmoͤglich hie in die- sem Leben, Ein ihm gefaͤlliger Geschenk, ein angenehmer Opfer geben, Als wenn wir uns mit Ernst bemuͤhn, auch bey betruͤbten Ungluͤcks-Winden, Und in Verdruß, in Kreuz und Noth, was Gott thut, gut ge- thau zu sinden, Weil dieses eine Zuversicht und ein recht kindliches Ver- trauen, (Da wir, nebst seiner Vater Lieb, auf seine Macht und Weis- heit bauen,) Allein enthaͤlt und unterstuͤtzt. Geduldige Gelassenheit, Jst, gegen unsern großen Schoͤpfer, ein Theil von unsrer Schuldigkeit, Und koͤnnen wir, wenn wirs erwegen, den so genannten frey- en Willen, Die Absicht in dem wahren Endzweck, auf keine bessre Art er- fuͤllen, Als wenn wir, auch in diesem Punkt, die uns von Gott ge- schenkten Kraͤfte, So viel uns moͤglich, uns bestreben, zu diesem heilsamen Ge- schaͤffte, Zur Ehre Gottes anzuwenden. Die Pflicht nun, da sie etwas schwehr, Wird, durch die feste Zuversicht, und die vorhin erwaͤhnte Lehr, Daß Gott die ewge Liebe sey, und sich die Liebe nennen wolle, Daß alles, was uns uͤberkoͤmmt, zu unserm Besten dienen solle, Am allerstaͤrksten unterstuͤtzt. Wenn wir von dieser ewgen Wahrheit, Mit einer uͤberzeuglichen unwidersprechlich hellen Klarheit, Ge- Betrachtung einiger Pflichten Genugsam uͤberfuͤhret waͤren, daß Gott, der, was er will, auch kann, Aus Lieb uns gluͤcklich machen wolle, und daß es sei- ner Lieb und Ehre, Wenn wir von ihm ein anders daͤchten, wahrhaftig unan- staͤndig waͤre: So wuͤrde, mit nur moͤglichen, ja allen Kraͤften, jedermann, (Wie wunderlich es oͤfters auch, mit ihm, in diesem Leben, gehet, Wie scharf auch oͤfters wider ihn ein strenger Sturm des Ungluͤcks wehet,) Doch auf den Grund der Liebe Gottes das Anker seiner Hoff- nung werfen, Es in gewisser Zuversicht der kuͤnftigen Belohnung schaͤrfen, Und, mit vor aller Furcht befreytem, und zuversichtlichem Vertrauen, Wodurch man Gott am meisten ehrt, auf seine Macht und Liebe bauen. Dieß ist allein die selge Quelle der ruhigen Gelassenheit, Jn Ungluͤcks-Faͤllen, die sich bindet, mit unsrer Pflicht und Schuldigkeit. Jn dieser Pflicht mich nun zu uͤben, hat Gott, der Herr, in diesem Leben, Jn dem nunmehr verfloßnen Jahr, mir auch Gelegenheit gegeben, Jndem mein frommes Eh-Gemahl mir, durch den fruͤhen Tod, entrissen, Zu mein und meiner Kinder Gram, in diesem Jahr, erblassen muͤssen. Wer der Menschen gegen Gott. Wer ihre Tugenden gekannt, wer ihren Wandel angesehn, Wer ihre Gottesfurcht bewundert, wird, waͤr es auch mein Feind, gestehn, Daß mein Verlust fast unersetzlich, u. daß ich folglichmich zufassen, Und in Gelassenheit zu dulden, was Gott mir uͤberkommen lassen, Mir eben nicht gar leicht gefallen, ja daß es von mir selber nicht, Aufs wenigst in der rechten Maaße, und in vollkom̃ner Zuversicht, Mir haͤtte koͤnnen moͤglich seyn. Wie ich denn willig auch gestehe, Daß viele Fehler vorgefallen, die ich bereits schon jetzo sehe. Doch hab ich, Herr, durch deine Gnade mich doch nach Moͤglich- keit bemuͤht, Mich selber zu beruhigen. Jch nahm Vernunft und Pflicht zusammen, Jch fing, um mich zu troͤsten, an, die fast erloschnen Dichter- Flammen Aufs neu, durch Seufzer, anzufachen, um durch ein sanftes Trauerlied Die Trauer zu besaͤnftigen, wobey ich eines Trosts genoß, Als mir, zu ihrem Ruhm, beym Schluß, die Grabschrist aus der Feder floß: Grabschrift. V on einem Geist, der in der Zeit, Durch Bethen, oft den Schoͤpfer priese, Der von Geduld und Froͤmmigkeit, Von Andacht und Gelassenheit, Ein unnachahmbar Muster wiese, Der sich, von uns, zum Paradiese, Das Gott aus Gnaden ihm geschenkt, Voll bruͤnstger Zuversicht gelenkt, Kurz, von der redlichen Belise, Sind hier die Schaalen eingesenkt. Br. VI. Th. U u Ver- Versuch der Kraft unsers Geistes, Versuch der Kraft unsers Geistes, in der Betrachtung vom Nichts, nebst wiederholter Untersuchung seiner hauptsaͤchlich- sten Pflicht der Bewunderung. Zum Neujahrs-Gedicht auf 1738. Sanctius ac reuerentius de actis Dei credere, quam scire. tacitvs. E inzig unbegraͤnztes All! ewigs undurchdringlichs Licht, Dessen Liebe, Macht und Weisheit allenthalben, nirgends nicht, Gottheit, die in Ewigkeit mensch- und englischen Gedanken Unbegreiflich, unerforschlich, dessen Maaße, Ziel und Schranken Bloß allein das wahre Nichts , da ich itzt zu dieser Zeit (Welche vor viel andren Zeiten voll von deiner Herrlichkeit, Da wir um des Lichtes Quell unsern großen Kreislauf enden, Da wir uns, nach deiner Ordnung, wieder zu der Sonne wenden,) Dir zu Ehren meinen Geist in die tiefste Tiefe senke, Und vom Anfang eines Etwas, wo das Nichts sich endet, denke, Auch zugleich von unserm Geist, seinen Graͤnzen, seiner Kraft, Seinen Pflichten, seinem Wesen, seiner Absicht, Eigenschaft Noch was nuͤtzliches zu schreiben, willens bin, und zu erwegen: Ach so gieb zu diesem Vorsatz deine Gnade, deinen Segen! Laß es, nicht zu meines Naͤchsten und zu meinem Nutz allein, Sondern dir zum Ruhm und Preise, wuͤrdig eingerichtet seyn. Das in der Betrachtung vom Nichts. Das verborgne Nichts zu kennen, in die bodenlose Tiefe, Woraus unser Gott dem Etwas, daß es werden sollte, riese, Den, ob dieser Dunkelheit, schwindelnden Verstand zu senken, Von desselben Graͤnz, und Schranken, was vernuͤnftiges ge- denken, Und des Etwas Anfang finden, das, wo Nichts , nicht mehr sich zeigt; Scheint ein solches Ziel zu seyn, das den Geist weit uͤbersteigt, Und selbst zu vernichten droht; Ja ein solches Unterfangen, Wozu auch den Engeln selber, kaum erlaubt scheint zu gelangen. Jch erkenn auch meine Schwaͤche dazu mehr, als allzuwohl, Und es ist gewiß mein Geist nicht so eitlen Hochmuth voll, Sich von sich selbst einzubilden, diese Tiefe zu ergruͤnden, Und des Etwas wahren Anfang, samt dem Schluß vom Nichts , zu finden. Dennoch koͤmmt, aus vielen Gruͤnden, dieses Vorwurfs Jn- halt mir, Vor viel tausend andern noͤthig, nuͤtzlich und betraͤchtlich fuͤr. Weil vielleicht aus der Betrachtung von dem Nichts sich Etwas zeiget, Wodurch man zu einer Wahrheit, welche sonst verborgen, steiget. Jch gedenke denn, mit Gott, in der Spur so weit zu gehen, Als es meine Kraͤft erlauben, und denn gerne still zu stehen. Jch will gerne groͤßern Geistern, alles richtiger zu fassen, Wenn ich nur die Bahn gebrochen, mit Vergnuͤgen uͤberlassen. Um nun in den tiefen Abgrund des verhohlnen Nichts zu steigen, Um den Anfang und das Ende des erschaffnen Stoffs zu sehn, U u 2 Wird Versuch der Kraft unsers Geistes, Wird des Stoffs Verkleinerung uns die besten Wege zeigen, Und wir muͤssen Staffel-Weise in die hohle Tiefe gehn. Wie nun die Verkleinerungen koͤrperlicher Ding auf Erden Jns unendliche fast kommen, und wohl nie begriffen werden; Davon hab ich mich bemuͤht, eine Probe vorzustellen, Da ich deutlich denn gezeigt, wie, vom großen Reich der Wellen, Nur in einem einzigen cubschen Wasser-Zoll allein, Dreyzehn tausend Millionen Wasser-Theilchen wirklich seyn, Und in einem einzgen Tropfen zwanzig Millionen stecken, Die wir alle uͤberzeuglich, mit dem Geist, darin entdecken. Ferner haben wir daselbst augenscheinlich dargethan, Daß, in einem irdschen Koͤrper, nemlich einem Kupfer-Gran, Hundert Millionen Theilchen, die noch alle sichtbar seyn, Jm gefaͤrbten Naß, vorhanden. Gleichfalls giebt der Augen- schein, Daß, von einer Unze Gold, man oft einen Silber-Drat, Ueber hundert Meilen lang, uͤberall verguͤldet hat, Da es neun und funfzig tausend uͤber tausend tausend mal, Duͤnner, als der duͤnnste Strich einer Linie sich findet. Wer ist, welcher diese Kleinheit, und derselben Theile Zahl, Nicht erstaunenswuͤrdig haͤlt? Aber hier ist lange nicht, Jhres Wesens End und Anfang, wie sichs deutlich zeigt, er- gruͤndet, Sondern es giebt die Vernunft uns den klaren Unterricht, Daß, wie unbegreiflich klein jeder Theil, den wir gesehen, Es doch bis zu einer Monas, weiter mit ihm muͤsse gehen, Als wir bis zu ihm gelangt. Was giebt nun ein Theil vom Licht, Das auch koͤrperlich, zu denken! Von demselben hat man eben, Jn dem irdischen Vergnuͤgen, klaͤrlich den Beweis gegeben, Wie aus einer kleinen Kerzen eine solche Menge bricht, Daß in der Betrachtung vom Nichts. Daß, in jeglicher Secunde, sechzig tausend Millionen, Und annoch sechs tausend druͤber, nebst noch acht und zwan- zig Nullen, Welches eine solche Zahl, daß der menschliche Verstand Ganz darob erstaunt und stutzt. 660000000000000000000000000000000. Million. Da so viele Koͤrner Sand Nicht in tausend malen tausend Millionen unsrer Erden, Ungeachtet ihrer Menge, koͤnnen angetroffen werden. Wann nun einer dunklen Monas (waͤre sie auch noch so klein,) Durch ein dichtes Glas zu dringen, nimmermehr wird moͤg- lich seyn; Und wir doch vom Licht die Theilchen, daß sie durch die Glaͤ- ser gehen, Und zwar sonder Widerstand, mit erstaunten Blicken, sehen; Merkt man, daß die dunkle Monas und die lichte zweyerley, Folglich daß derselben Kleinheit noch nicht zu vergleichen sey. Hier nun scheint der Menschen Geist, daß er von sich selbst sich trenne, Und unmoͤglich in die Kleinheit schaͤrf-und tiefer dringen koͤnne. Hier vergehet ihm das Denken, hier verlischet seines Lichts, Scharfer und subtiler Glanz, Durch die gar zu große Kleinheit gleichsam unterdruͤckt, fast ganz. Denn indem der Koͤrper Theile wirklich nicht unendlich klein, Und wie sehr sie zu verkleinern, nicht unendlich theilbar seyn; Muͤssen hier, von dem was ist, da die theilbarn Theile schwinden Von dem unfuͤhlbaren Etwas , sich die zarten Graͤnzen finden, Und was koͤrperlich, sich enden. Das entsetzlich dunkle Nichts Scheint hier seinen schwarzen Abgrund, ohne Grund, ihm zu entdecken, U u 3 Jhn Versuch der Kraft unsers Geistes, Jhn nunmehr unwiederbringlich, selber mit geheimem Schrecken, Zu verschlingen, zu begraben, zu vernichten. Aber hoͤr, Spreize dich! besinne dich! wie wenn gar kein Nichts nicht waͤr? Ein wahrhaftig wirklich Nichts , was wir auch von sel- bem lesen, Scheint, nach ernster Ueberlegung, daß es nimmermehr ge- wesen. Denn da Gott von Ewigkeit allenthalben, nirgends nicht, Und unendlich immer war; ist, nach unsers Geistes Licht, Nie ein wahres Nichts gewesen. Hoͤre mehrern Unterricht: „Das kein eigentliches Nichts je von Gott erschaffen sey; „Desfalls faͤllt uns beyden wohl hoffentlich kein Zweifel bey, „Waͤr es etwas unerschaffnes; scheint es mit den Herrlichkeiten „Des bloß unerschaffnen Wesens, dem selbstaͤndgem All, zu streiten. „Glauben, daß ein ewigs All, auch ein ewigs Nichts zugleich, „Von den grauen Ewigkeiten, ein sich widersprechend Reich, „Mit einander fuͤhren koͤnnen: Wie wir auch das Denken haͤufen, „Wird kein menschlicher Verstand, solch ein Unding nicht begreifen. „Daher stimmen die Gedanken hoffentlich hierin zusammen, „Daß, wie alle Ding urspruͤnglich einzig aus der Gottheit stammen, „Sie sich auch, ohn Zwischenstand, in ihm sinden und be- schliessen, „Jn ihm, so wie ihren Anfang, auch die Graͤnzen haben muͤssen. „Ja in der Betrachtung vom Nichts. „Ja, mich deucht, daß dieser Graͤnzen eigene Beschaffenheiten „Uns zum Ursprung und zum End aller Ding am klaͤrsten leiten, „Und das Nichts ins All versenken. Aber, wie mich deucht, ich hoͤre Dich hier diesen Einwurf machen: Ob denn nicht die Bibel lehre: Daß die Welt aus Nichts erschaffen? Ja. Doch hoͤre meinen Schluß, Welcher dich, mit deinem Einwurf, hoffentlich vergnuͤgen muß. Dieß Nichts , und was unerschaffnes, zeigt sich, daß es einerley, Und in ihrer Wirklichkeit gar nicht unterschieden sey; Sondern es gehoͤren beyd’ eigentlich in einen Orden. Nichts hat eigentlich die Absicht, auf was, so erschaffen worden, Daß es nemlich nichts von dem . Erd und Himmel sind gemacht, Heißts, aus Nichts . Nichts so erschaffen, sie sind all her- vorgebracht, Aus dem unerschaffnen bloß und, wie alles, was vorhanden, Aus erschaffnem Nichts , das ist, Unerschaffenen entstanden: So hat alles, was durch Gott und sein maͤchtig Wort entstund, Von dem, was erschaffen worden, auch auf Nichts noch sei- nen Grund, Das heißt auf dem unerschaffnen. Aber, dieß nun ausgesetzet, „(Sprichst du) ist denn deine Meynung? Wird von dir vor wahr geschaͤtzet, „Daß da, wo die Monades oder die Simplicia, „Welche keine Theile haben, aufgehoͤret, eben da U u 4 „Sich Versuch der Kraft unsers Geistes, „Sich unmittelbar die Gottheit, mit demselbigen verbinde? „Und daß man derselben Graͤnzen eben in der Gottheit finde? „Oder, da du von den Geistern, daß auch diese einfach seyn, „Wie du mir gesaget, glaubest; stimmst du darin uͤberein, „Daß, wo Monades zu Ende, etwas geistiges vorhanden? „Und wird etwan, durch die Meynung, dieß vielleicht von dir verstanden, „Daß, auf welche Weis ein Geist in die Koͤrper wirke, man „Auf die Weise deutlicher, als sonst nicht, erweisen kann? „Denn ein Simplex wuͤrde besser in ein anders wirken koͤnnen, „Als in das, was wir verbunden, einen groben Koͤrper nennen. Hiervon kann ich dir so leicht, was ich davon zugesteh, Nicht erklaͤren, aber doch deucht mich, daß ich so viel seh, Wie dieß letzte nicht so dunkel und so unbegreiflich scheinet, Als, von der praestabilita Harmoniâ, man vermeynet, Da dieselbe, wie es glaublich, zu dem Endzweck bloß allein, Mit so vieler Muͤh, als Feinheit, ausersonnen scheint zu seyn, Um die großen Schwierigkeiten, welche Geist und Koͤrper geben, Da sie nicht vereinbar scheinen, und es dennoch sind, zu heben. Denn, wer weis, auf diese Weise, ob es nicht viel min- der schwer, Wie ein Simplex in das andre wirke, zu begreifen waͤr. Sprichst du: Laͤßt sich eine Seele wohl in Monades ver- theilen? Sag ich: Darum darfst du dich nicht im Urtheil uͤbereilen, Denn es duͤrft, im Geistigen, eine Monas ja nur seyn, Die in viele wirken koͤnnte. Hierinn stimm ich uͤberein: Daß, an einer geistgen Monas, mehr und andre Eigenschaften, Als an vielen koͤrperlichen, sonder allen Zweifel, haften, Und in der Betrachtung vom Nichts. Und gefunden werden muͤssen. Diese Meynung wird die beyden, So an Art, als der Natur, desto besser unterscheiden, Und zu gleicher Zeit den Zweifel dosto deutlicher erklaͤren, Als ob Monades im Geist theilbar oder fuͤgbar waͤren. Ja wer weis, ob diese Meynung nicht noch weiter fuͤhren koͤnnte, Und, wenn man das Vorurtheil erstlich von der Wahrheit trennte, Nicht, wie auch so gar den Koͤrpern, dem, der beyde schuf, zur Ehr, Auch sich immer zu verbessern, moͤglich und erweislich waͤr? Wenigstens schien hier ein Sprung, wie wir sonsten nir- gend sehn, Daß ihn die Natur erlaubet, so wie sonst, nicht zu geschehn. Da man sonst von Etwas gleich auf das nicht vorhandne Nichts , Bey der Koͤrper Graͤnzen, kommen, und daselbsten finden muͤßte; Welches nicht begreiflich ist. Wenn man aber etwan wuͤßte, Daß der Koͤrper feinste Theile sich, auf uns verborgne Weise, Auch in geistige verkehren, und sich so verbessern koͤnnten, Daß sie, da sie allgemach, von dem vorgen Stand sich trennten: Haͤtten wir vom Nichts zum Etwas , die bisher gesuchten Graͤnzen, Und man saͤh ein neues Licht einer neuen Wahrheit glaͤnzen. Nichts scheint so des Schoͤpfers Allmacht, Lieb und Weis- heit zu vergroͤßern, Als sein einst gemacht Geschoͤpf unaufhoͤrlich zu verbessern. Wann es nun von seines Wesens goͤttlicher Vollkommenheit, Das Vollkommenste zu denken, aller Menschen Schuldigkeit: Scheint der menschliche Verstand dieses von uns zuverlangen, Von der Koͤrper Aenderung, dieß zu glauben, anzufangen. U u 5 Doch Versuch der Kraft unsers Geistes, Doch, verwegner Geist, halt ein! wo versteigest du dich hin? Will dein gar zu sehr gedehnter und zu sehr gespannter Sinn, Aus den vorgeschriebnen Schranken, sich vermessentlich erhoͤhn, Da fast alles dir verborgen, gar das dunkle Nichts ergruͤnden, Gar das Ende des Erschaffnen, gar der Geister Anfang finden? Und, da wir so wenig wissen, auch so gar ein Nichts verstehn? Hast du deine eigne Lehre, daß wir hier so wenig fassen, Dir, durch uͤbertriebnes Denken, hier denn ganz entfallen lassen? Ja, vielleicht hab ich gefehlet, und es waͤr gewiß geschehn, Wenn ich alles Richter-maͤßig setzen und entscheiden wollen. Aber dieses thu ich nicht, weil mir gar zu wohl bekannt, Daß wir, Gott, im Werk, bewundern, aber nicht begreifen sollen. Dieß scheint unsers Wesens Endzweck, und nothwendger, als wenn man, Es sey so und anders nicht, recht monarchisch sagen kann, Und sich unbetrieglich schaͤtzt. Darum will ich lieber hier, Von den Meynungen vom Nichts , liebster Leser, mir und dir, Mehr zu sagen, mich enthalten, weil ich es vor noͤthig achte, Daß ich, eh ich weiter geh, erst die wahre Kraft betrachte, Unsers Geistes, unsrer Seelen, und derselbigen Gedanken, Von dem Schoͤpfer der Natur glaublich zugegebnen Schranken; Weil, wofern wir diese Schranken zu bemerken, unterlassen, Es mir ganz unmoͤglich scheint, etwas gruͤndliches zu fassen, Etwas recht zu untersuchen. Jch muß hier von unsrer Seelen, Daß ich sie begraͤnzter halte, als viel andre , nicht verhehlen, Und vermeyne, daß wenn man diese Meynung feste stellt; Es zum unleugbaren Besten, und zum Nutz der ganzen Welt, Vie- in der Betrachtung vom Nichts. Vieles bey zu tragen faͤhig. Daß fast nichts, als Zank und Streit, Jn der gegenwaͤrtigen, so wie in vergangner Zeit, Jn der ganzen Welt geherrscht, daß ja, fast in allen Sachen, Ein bestaͤndigs Widersprechen, Haß, Verfolgung, Ketzer machen, Leider! uͤberall gerast und noch raset, ist bekannt. Und von allen scheint der Grund, der nicht irrende Verstand, Den ein jeder glaubt zu haben. Da doch, bloß durch die- sen Satz, Der uns jaͤmmerlich betriegt und verfuͤhrt, der Wahrheit Schatz Ungluͤckselig sich verliert. Moͤchten wir, eh wir uns zanken, Oder einen Satz verfechten, doch vorher die wahren Schranken Unsers Geistes untersuchen: Ob die Menschheit, in der That, Eine Seele, die untrieglich und die Wahrheit kennet, hat. Sagen doch die Geistlichen, daß, nach Adams Fall, der Seelen Das vorhin beseßne Licht und die besten Kraͤfte fehlen, Und dennoch verfahren sie so, daß Adam nimmermehr Haͤtte fester schliessen koͤnnen, wenn er nicht gefallen waͤr. Viele gehen gar so weit, daß sie wuͤrgen und verbrennen Alle, die nicht so, wie sie, glauben und gedenken koͤnnen. Da es doch, wenn jene nicht durch der Gruͤnde Kraft besiegt, Oft sowohl an ihrer Gruͤnde-als der Ketzer Schwaͤche, liegt. Zeigt nicht der uns vorgeschriebne Glaube deutlich selber an: Daß, durch Kraͤfte der Vernunft, man nur wenig fassen kann? Die Philosophi nicht minder, ob sie gleich vor Augen sehen, Was den alten Seculis von den juͤngern stets geschehen, Nemlich, daß die neuen Weisen nimmer eine Buͤndigkeit, Jn Versuch der Kraft unsers Geistes, Jn der Alten Meynung funden, und, daß die zukuͤnftge Zeit Es mit ihnen eben wieder, so wie sie zuerst gehandelt, Mit den vorigen verfaͤhrt, ihre Trefflichkeit verwandelt, Jn Erbarmungs-wuͤrdge Thorheit; sollten sie nicht in sich gehn, Und aus der Erfahrung, schliessen, uns wird eben das geschehn? Muß nicht jeder, bey dem Zustand, in sich, fast unsinnge Triebe Eines unumschraͤnkten Hochmuths, einer blinden Eigenliebe, Fuͤhlen und mit Haͤnden greifen? Oder uͤberfuͤhret seyn, Daß die Gabe zu erkennen, das Talent, zu prophezeyn, Sey fuͤr ihm absonderlich und zwar ganz allein versparet: Und, was keinem Menschen sonst, sey ihm dennoch offenbaret. Kann was aufgeblasners, dummers, laͤcherlichers auf der Erden, Und was weniger gegruͤndet, jemals wohl ersonnen werden, Als daß sich ein Sterblicher selber uͤber alle setzt, Daß er, und nur er allein, seinen Geist untrieglich schaͤtzt, Den er doch, wenn ihn ein andrer, eben mit denselben Gaben, Etwan uͤberkommen haͤtte, selber wuͤrd erniedrigt haben. Er ist selbst Partey und Richter und sein eigenes Gericht. Welch ein Wunder, daß er immer ein parteyisch Urtheil spricht! Jst uns unser Geist gegeben, und erfordert seine Pflicht, Alle Dinge zu begreifen; warum auch sich selber nicht? „Was? wird mancher hier zu sprechen; soll die Faͤhig- keit der Seelen, „Die Vernunft, des Himmels Gabe, denn betrieglich seyn und fehlen? „Die uns doch dazu gegeben, daß man sich in allen wohl „Unterrichten, Boͤs und gutes, deutlich unterscheiden soll? „Triegt in der Betrachtung vom Nichts. „Triegt sie uns, kann man durch sie das, was wahr und falsch, nicht fassen, „Kann man sich auf ihre Einsicht, Schluͤß und Gruͤnde nicht verlassen; „Wuͤrde sie uns fast nicht brauchbar, und nicht dieses nur allein, „Sondern uns vielmehr ein boͤses schaͤdliches Geschenke seyn. „Sie wuͤrd uns zu lauter Jrrthum, Suͤnde, thorheit, Zanken, Streiten, „Zweifel, Un- und Aberglauben, Anlaß geben und verleiten. „Wuͤrde mancher sich dadurch nicht vermessen unterstehn, „Selbst den Geber fuͤr den Ursprung dieses Jrrthums anzu- sehn? Aber hoͤr, im Augenblick, da du so denkst, zeigt dein Jrren, Wie so leicht sich die Gedanken, durch Vernunft verfuͤhrt, ver- wirren. Du beweisest selbst, was ich zu beweisen schuldig waͤr; Nemlich, daß dein kluger Geist von gesunden Schluͤssen leer, Und nicht das sey, was er glaubt; sondern, daß du selbst die Maaße Deines Geists dir zugemessen, daß dein Stolz sich so vergasse, Und von dem, was von dem Schoͤpfer dir Vortreffliches ge- schenkt, Daß es fast unendlich sey, weil du es besitzest, denkt. Jst dein Naͤchster auch kein Mensch? So wird er dieselben Gaben, Wenn du redlich denken willt, auch von Gott empfangen ha- ben, Und du haͤlst dich dennoch kluͤger, siehest ihre Seelen an, Als wenn man sie mit der Deinen nicht mit Recht verglei- chen kann. Dieses Versuch der Kraft unsers Geistes, Dieses ist die erste Probe deiner uͤbereilten Schluͤsse, Und wie wenig man sich selber hierin trauen koͤnn’ und muͤsse. Ferner zeiget sich in allem, ob du noch so sehr dich steifst, Daß du auch das allerkleinste, gruͤnd- und wirklich nicht be- greifst. Sage mir, was ist ein Staub, was ist Wasser, Feuer, Erde? Sprich, wie eine Frucht im Samen wachs und zugerichtet werde, Was die Schwehre, was das Licht, was die Luft? Kurz; al- lerley, Was wir an und in uns haben, eigentlich und wirklich sey? Kannst du wissen, ob es Gott nicht sowohl, als wie das Leben, Auch das Denken, wenn er wollte, der Materie zu geben, Die du todt glaubst, moͤglich sey? Tadelst du an deinen Augen, Daß, ob sie gleich vieles sehn, alles nicht zu sehen taugen? Es behelfen die Gelehrten sich mit der Wahrscheinlichkeit, Die sich leichtlich finden laͤßt, und der Aufgeblasenheit Jhres Geistes so bequem. Diese nennen sie das Wissen. Kurz; sie sind sich selbst zu taͤuschen, als auch andre, stets ge- flissen. „Daß du meynst, wenn die Vernunft sich betriegen koͤnnt und irren, „Koͤnnt und wuͤrde sie uns stets auch betriegen und verwirren, „Und so wuͤrde man so dann stets getaͤuscht vom falschen Schein, „Vom Betrug, von Fehl und Jrrthum nimmermehr gesichert seyn. „Ja man wuͤrde, (wie du sprichst,) fast die Gottheit selber koͤnnen, „Da sie uns Verstand geschenkt, alles Jrrthums Ursprung neñen: So in der Betrachtung vom Nichts. So erwege, wie so wenig wir, so gar in Glaubens-Sachen, Von dem Lichte der Vernunft, die du so erhebest, machen. Wie so wenig gilt dieß Licht? Muͤssen wir uns nicht bequemen, Und mit aller ihrer Kraft die Vernunft gefangen nehmen? Aber darum bleibt Vernunft doch ein goͤttliches Geschenke, Ob sie gleich nicht alles faßt, was du fassen willt. Bedenke, Daß der Misbrauch dieser Groͤße, dieser wunderbaren Gabe, Die unschaͤtzbar, nur allein Schuld an allem Uebel habe. Sie ist uns von unserm Gott zu der Absicht nicht gegeben, Daß wir uns, durch dieses Mittel, uͤber ihn fast selbst erheben, Alle Dinge fassen sollen Nein, die Absicht ist nur bloß, Daß wir hier empfinden sollen, wie so liebreich, weise, groß, Aller Ding und unser Schoͤpfer. Daß, vor allen andern Thieren, Wir vergnuͤgt verspuͤren koͤnnen, das und was wir gutes spuͤren. Daß, geruͤhrt durch alle Proben seiner Weisheit, Macht und Liebe, Wir, in unsrer eignen Lust, kindliche vergnuͤgte Triebe, Von Erkenntlichkeit, von Andacht und Bewunderung empfuͤnden, Wenn wir, neben dem Genuß, daß nur Gott ihn schenkt, ver- stuͤnden. Wir hingegen haben leider! unsrer Seelen beste Kraͤfte Von dem Endzweck abgewandt; unser einziges Geschaͤffte Jst, die Dinge zu ergruͤbeln, ihre Gruͤnde zu ergruͤnden, Den Zusammenhang von allen, welcher zureicht, auszufinden. Andern unsern Fund zu zeigen, das Gespinste der Gedanken Jhnen eifrig aufzudringen, und mit ihnen trotzig zanken, Wann sie etwan eigensinnig sich nicht alsobald bequemen, Unsere vor ihre Wahrheit, anzubethen, anzunehmen, Uber unsern Witz erstaunen, ausser sich gesetzt. Jndessen Wird die Absicht der Vernunft, die Bewunderung , vergessen, Da Versuch der Kraft unsers Geistes, Da dieselben doch so noͤthig, wie wir es im vorgen Jahr, Jm Gedicht von unsern Pflichten, gegen Gott fast Sonnenklar, Nach Vermoͤgen, dargethan, wovon ein paar Stellen hier Noch einmal zu wiederholen, mein geliebter Leser, dir, Hoff ich, nicht misfallen wird. Wann wir nun unsrer Seelen Kraͤfte, so viel uns moͤglich ist, ergruͤnden: So werden wir von der Bewundrung , ganz uͤberzeuglich dieß befinden, Daß sie die allerwuͤrdigste Beschaͤfftigung zu Gottes Ehren, Zu der wir aufgeleget seyn, das nichts die Ehrfurcht mehr zu mehren, Die Demuth zu vergroͤssern faͤhig, die Liebe zu erwecken maͤchtig, Ja, daß nur sie allein uns zeige, wie Gott so liebreich, weis und maͤchtig, Wie ihm allein nur Preis gebuͤhr, nicht weniger, wie wir so klein, So schwach, umschraͤnket, kraftlos, fluͤchtig, uud eitel von uns selber seyn. Nur die Bewunderung erweiset den Vorzug, den wir vor den Thieren, Von Gott, aus Lieb, erhalten haben, und welchen wir in uns verspuͤren. Sie koͤnnen riechen, fuͤhlen, schmecken, so wohl als wir, ja sehn und hoͤren; Doch weil sie nicht bewundern koͤnnen, so koͤnnen sie auch Gott nicht ehren, Zum in der Betrachtung vom Nichts. Zum wenigsten nicht so wie wir, da wir im Sehen, Fuͤhlen, Schmecken, Wenns mit Bewunderung geschicht, nicht nur den wah- ren Gott entdecken, Zugleich auch in den wunderbaren, und uͤberall vorhandnen Werken, Die Allmacht, Weisheit und die Liebe des, welcher alles wirkt, bemerken. Nur durch Bewunderung allein, wird unser Geist zu Gott gefuͤhrt, Nur im Bewundern giebt man Gott die Ehre, die nur ihm gebuͤhrt, Nur die Bewunderung vermag, der Liebe Flammen an- zufachen, Von dem, der bloß bewunderns-werth, uns wuͤrdige Begriff zu machen, Und nichts kann unsern Gott in uns, und uns in Gott so sehr erhoͤhn, Nichts uns mehr Freud und wahre Lust, auch unserm Gott mehr Ehre bringen, Als wenn wir, mit Bewunderung , den Schoͤpfer im Ge- schoͤpfe sehn. Bewundrung ist ein’ angenehm’ Empfindung, so die See- le ruͤhrt, Durch ein vernuͤnftiges Betrachten, von schoͤn- und wohlge- rathnen Dingen, Die Achtung, Ehre, Lieb und Neigung, fuͤr den, der sie ge- wirkt, gebiert. Dieweil nun nichts bewunderns-werthers auf Erden, in des Meeres Gruͤnden, Und auch in aller Himmel Himmeln, als das, was Gott ge- macht, zu finden: Br. VI. Th. X x So Versuch der Kraft unsers Geistes, So fließt von selbst, daß kein Bewundern, in uns, fuͤr jemand so viel Ehre, Als fuͤr den Schoͤpfer aller Dinge , wenn man sein Werk erwegt, gebaͤhre. Es scheinen uns die Sinnen alle zu diesem großen Zweck allein, Sammt der vergleichenden Vernunft, von unserm Gott, ge- schenkt zu seyn. Uns uͤberfuͤhrt die ganze Welt, es hab uns Gott hier werden lassen, Jn seinem Werk ihn zu bewundern, und nicht so, wie man glaubt, zu fassen, Was alles, ja Gott selber sey. Daß sie der Seelen Jnnres ruͤhre, Daß sie, in einem froͤlichen Empfinden, uns zum Schoͤpfer fuͤhre, Jst allbereit von uns gemerkt. Jetzt wird noch zu betrachten seyn, Daß sie, wie sie ein Gottesdienst, auch allen Menschen all- gemein, Daß dem kein Glaube widerspreche, am wenigsten der wahre Glaube, Daß ohne sie man uns die Menschheit, ja gleichsam Gott die Gottheit raube. Bewunderung ist eine Handlung, in welcher Acht- samkeit, Vergnuͤgen, Lob, Ehre, Preis und Ruhm , fuͤr den, der was be- wunderns-werth veruͤbt, Wodurch man ihn, zusammt der Achtung, zugleich ihn hoch- haͤlt und auch liebt, Auch in der Betrachtung vom Nichts. Auch Demuth dessen, der bewundert, sich lieblich mit einan- der fuͤgen. So bald wir was bewundern muͤssen: (indem wir unsre Schwaͤche kennen, Woraus die Demuth denn entspringt,) So werden wuͤrdige Jdeen Fuͤr den, der die Bewundrung wirkt, sogleich in unsrer Seel entstehen. Man wird ihm, nach Beschaffenheit der Wunder, alle Neigung goͤnnen, Wozu die Seele faͤhig ist. Und hierin bloß allein besteht, (Da man den Schoͤpfer aller Wunder im Glauben fuͤrchtet, liebt, erhoͤht,) Der allerreinste Gottesdienst. So noͤthig nun die Kraft der Seelen, Die Gott-gefaͤllige Bewundrung: So noͤthig ist denn billig auch Die uns dazu geschenkten Sinnen, die unsern Geist und Leib vermaͤhlen, Jm recht vernuͤnftigen Gebrauch, Zu ihrem Endzweck anzuwenden, und sie, zu unsers Schoͤpfers Preise, Auf eine mit derselben Absicht zusammenstimmend’ Art und Weise, Mit Gottes Werken zu vereinen, mit den Geschoͤpfen zu ver- binden, Wodurch wir uͤberzeuglich klar die große Wahrheit gleich be- finden, Und deutlich anerkennen werden: Daß Gottes Creaturen werth, X x 2 Daß Versuch der Kraft unsers Geistes, Daß sie von uns betrachtet werden, ja daß, (da wir der Sinnen Gaben, Wodurch man sie betrachten kann, von unserm Gott erhalten haben,) Wir selber werth, sie zu betrachten. Einfolglich, daß man Gott verehrt, Wenn man der Creaturen Menge, derselben Ord- nung. Schmuck und Pracht, Und in denselben dessen Allmacht, der sie aus Nichts hervorgebracht, Samt seiner Lieb und seiner Weisheit, zum Vor- wurf seiner Seelen macht. Man zeige mir auf dieser Welt von allem, was man je er- kannt, Fuͤr Seelen mit Vernunft begabt, doch einen wuͤrdgern Ge- genstand? Sobald wir nun mit diesem Vorwurf, durch unsre Sinnen, unsre Seelen, Jn einer ernstlichen Betrachtung, verbinden, fuͤgen, ja ver- maͤhlen: Entsteht die selige Bewundrung , die uns die wahre Gott- heit weist; Jndem man Weisheit, Macht und Liebe in jeder Creatur ver- spuͤret, Die einen, der nur menschlich denkt, auf eine solche Weise ruͤhret, Daß man, in seiner eignen Lust, den Herrn der Creaturen preist. Da wir das Bewundern nun noch einmal mit Ernst besehen: Muß man ferner des Begriffs Unzulaͤnglichkeit gestehen, Wenn in der Betrachtung vom Nichts. Wenn man das, was eigentlich das Begreifen sey, erwegt, Und daß Eigenliebe nur bloß dazu den Grundstein legt. Wenn die Seele soll und will, etwas zu begreifen, taugen Hat sie bloß ihr eignes Jch , ihre Trefflichkeit, vor Augen; Sie will finden, sie will fassen, sie will das Vergnuͤgen haben, Durch ihr’ eigne Kraft und Kunst, das, was andern ganz ver- steckt, Und die Wahrheit, ob sie gleich in den tiefsten Vorn vergraben, Ganz allein hervorgezogen, ausgefunden, aufgedeckt, Und allein gefaßt zu haben. Wird die Eigenehr allein Folglich der alleinge Grund unsrer Wissenschaften seyn. Sage nicht: Es koͤnne dieses auch bey Gottes Ehr bestehen, Weil wir ihn ja fuͤr den Schoͤpfer unsrer Seelen anzusehen; Folglich, daß je mehr zum Wissen sie die Faͤhig- keit bekommen, Gott in ihr geehret wuͤrde . Dieser Einwurf scheinet zwar, Sieht man ihn nur obenhin, und nicht auf den Grund an, wahr. Aber, wenn (den Grund des Einwurfs vor der Hand noch ausgenommen,) Man das menschliche Betragen mit den Wissenschaften sieht, Wie sich jeder, seinen Satz zu befestigen, bemuͤht. Mit des Gegentheils Verspottung, wie fast jedermann allein Seines Gegners Ueberwinder, mit Gewalt der Sieger seyn, Und das Recht behalten will; sollte man daraus nicht schliessen, Und unwidersprechlich leider! dieß daraus nicht folgern muͤssen, Daß, anstatt des Schoͤpfers Ruhm zu erhoͤhen, zu vermehren, Man auf anders nichts gedenk, als nur sich allein zu ehren? X x 3 Hiezu Versuch der Kraft unsers Geistes, Hiezu koͤmmt nun ferner noch, daß, bey der Rechthaberey, Man, die Wahrheit zu ergruͤnden, und zu finden, nicht im Stande, Nicht geschickt, kein Untersuchen moͤglich, und zu hoffen sey; Weil, wie man jetzt disputirt, dem, der nachgiebt, es zur Schande, Ja zum Schimpf und Spott gereicht. Da man doch vor dem wohl sprach: Wer vernuͤnftig, laͤßt sich weisen; und der Kluͤg- ste giebet nach. Wenn die Menschen, ehe sie mit dem Naͤchsten zanken, fechten, Und ihn uͤberfuͤhren wollen, und besiegen, denken moͤchten: Was hab ich fuͤr Recht dazu, uͤber ihn mich zu erheben? Fuͤhl ich, und bin uͤberfuͤhrt, daß Gott mir der Weisheit Licht, Mit dem Ausschluß aller andern, etwan ganz allein gegeben? Dahingegen wenn wir straͤflich, was wir nicht begreifen sollen, Und was wirklich unbegreiflich, mit Gewalt begreifen wollen, Jst ja, durch ein solch Betragen, jedem leichtlich zu begreifen, Daß wir zanken, disputiren, Grillen und Chimaͤren haͤufen. Moͤchten wir, aus aller Beyspiel und Erfahrung, endlich lernen, Daß wir uns durch nichts so sehr von der Wahrheit Pfad ent- fernen, Daß man Andacht, Freude, Friede fast durch nichts so sehr verliehrt, Als wenn man, durch Stolz und Hochmuth fast, wie Lucifer, verfuͤhrt, Was in der Betrachtung vom Nichts. Was unendlich, was von Engeln selbst sich nicht kann fassen lassen, Doch verwegen zu begreifen, und den innern Grund zu fassen, Unvernuͤnftig sich bestrebt. Mit dem endlichen Verstande, Was unendlich, fassen wollen, das gereicht uns selbst nicht nur, (Da wir bloß aus Stolz und Hochmuth, wider unsere Natur, Ohne Fluͤgel fliegen wollen,) fast der Gottheit selbst zur Schande, Da wir doch gestehen muͤssen, daß wir, ihm zur Ehr, allein, Unsern Geist empfangen haben, mit Vernunft begabet seyn. Wenn wir unsers Geistes Kraͤfte uͤber ihren Werth nicht schaͤtzen, Wenn wir, wie er Graͤnzen hat, ihm auch wirklich Graͤnzen setzen, Es erkennen und bekennen, daß er zum Begreifen nicht, Sondern um dasjenige, was durch Gottes Macht geschicht, Zu betrachten, zu empfinden, zu bewundern, zu erheben, Uns daran in Lust und Ehrfurcht zu vergnuͤgen, uns gegeben, So, (und nicht durch das Ergruͤbeln,) handeln wir nach un- srer Pflicht. Jm erkenntlichen Vergnuͤgen, im Verwundern bloß allein Kann die Gottheit von der Menschheit wuͤrdiglich verehret seyn. Dieses wirket Ehrfurcht, Andacht, Demuth, Lob und Dank, Vertrauen, Ehrerbietge Gegenliebe, wenn wir, in der Werke Pracht, Einer unbegreiflichen Gottheit Liebe, Weisheit, Macht, Mit bewunderndem Vergnuͤgen, und mit froher Andacht, schauen. Ja, wenn wir, auf diese Weise, uns in vielen andern Dingen, Deren eine solche Menge, mit einander auch begingen, X x 4 Und Versuch der Kraft unsers Geistes, Und erwegten, daß nur bloß zu des Schoͤpfers Ehr allein, Uns, zu unsrer Lust, die Gaben der Vernunft geschenket seyn: Wuͤrden wir ein’ andre Welt, minstens bey Gelehrten, finden; Neid und Streit und Disputiren wuͤrden alsobald ver- schwinden; Jeder wuͤrde, was wir Gott schuldig, ihm zum Opfer zollen, Jeder wuͤrde Gott bewundern, keiner was ergruͤbeln wollen. Selbst in der Religion wird Bewunderung vor allen, Als des ersteren Artikels Hauptzweck, Gott nicht misgefallen. Denn wie kann man Gott, als Schoͤpfer, lieben, fuͤrchten und vertrauen, Wenn wir mit Bewunderung sein Geschoͤpfe nicht beschauen? Ehe wir auf dieser Bahn nun noch etwas weiter gehn, Laßt uns die verborgne Quelle der Begreifungs-Sucht be- sehn. Wenn man etwas fassen will, ist es nichts, als ein Be- streben, Ueber den, der etwas Kuͤnstlichs ausgedacht, sich zu erheben, Und zu zeigen, daß auch wir ja so wohl die Faͤhigkeit, Seiner Kuͤnste Grund zu finden, und die Vollenkommenheit Zu ergruͤbeln, auch besitzen, und wir folglich auch nicht eben Einen sonderlichen Vorzug ihm gehalten seyn, zu geben. So, daß das Begreifen wirklich unser’ eigen’ Ehre mehr Scheint zum Augenmerk zu haben, als des Allerhoͤchsten Ehr. Ja es zeigt sich offenbar, wenn man nur mit Ernst be- trachtet, Wenn wir etwas ausgefunden, so wir anfangs hochgeachtet, Daß es nicht mehr so betraͤchtlich, nicht so wunderwuͤrdig scheinet, Und so herrlich lange nicht, als wie man zuvor gemeynet. Nicht in der Betrachtung vom Nichts. Nicht, daß es nicht in der That eben so vortrefflich bliebe; Sondern der geschwollne Stolz unsrer eitlen Eigenliebe Hebt sich uͤber es empor. Wer das Triebwerk recht ergruͤndet, Welches zum Begreifen treibt, und zum Wissen, der befindet, Daß in der Gelehrten Brust oft ein kleiner Lucifer, Jn Erkenntniß seiner Wege, gerne waͤr, wie Gott, der Herr. Dadurch aber wird mit nichten Untersuchen untersaget, Sondern ernstlich eingeschaͤrft, weil, wenn wir der Seelen Kraft, Die so reg ist, wohl gebrauchen, wir von aller Eigenschaft Der Unendlichkeit des Schoͤpfers, aller Himmel und der Erden, Jmmermehr noch uͤberwiesen, klaͤrer uͤberfuͤhret werden, Und (wir moͤgen Gottes Wege nicht begreifen oder finden,) Dennoch sehn, daß seiner Ordnung weiser Rath nicht zu er- gruͤnden. Durch ein solch Erkennen nun wird in uns, zu Gottes Ehren, Sich ein kindliches Vertrauen, wahre Lieb und Ehrfurcht mehren. Aber diesen wahren Satz muß die Menschheit unterdessen Nimmer aus den Herzen lassen, sondern immer dieß ermessen: Gott hat uns auf dieser Erden zu der Absicht werden lassen, Jhn, in seiner Wunder Menge, zu bewundern, nicht zu fassen. Es wird zum Beweise dienen, der unwidersprechlich ist, Daß nur die Bewunderung goͤttlicher Vollkommenheit Bloß allein das Mittel sey, uns zur Ehre zu bereiten, Aller Ding und unsers Schoͤpfers, wenn man nemlich dieß ermißt, X x 5 Daß Versuch der Kraft unsers Geistes, Daß der Stand der ersten Eltern, wenn sie nicht gefallen waͤ- ren, Anders nichts zum Zweck gehabt, als die Gottheit zu verehren, Jn Bewundrung bloß allein. Jn den wunderbaren Werken Des nicht zu begreifenden, seine Weisheit, Lieb und Macht, Jn entzuͤckender Bewundrung, den Zusammenhang, die Pracht, Mit geruͤhrtem Blick und Geist, allenthalben zu bemerken; Haͤtte sonder allen Zweifel, und zwar damals bloß allein, Die Beschaͤfftigung von allen Ungefallnen muͤssen seyn. Ja ihr gaͤnzlicher Begriff, wenn sie noch so viel erkannt, Haͤtte sonsten nichts zum Endzweck, als Bewundrung ha- ben koͤnnen, Die Bewundrung bloß allein, haͤtt in forschendem Ver- stand, Als ein wuͤrdig Opferfeuer, unaufhoͤrlich wuͤrden brennen, Durch allgegenwaͤrtge Stralen, von der Weisheit, Lieb und Macht Jhres Gottes, in den Werken, unaufhoͤrlich angefacht. Ob nun gleich, nach ihrem Fall, der Gefallnen Schuldigkeit, Jn dem Werke der Erloͤsung, Gottes Liebe zu erheben, Und aus allen Kraͤften sich, sie zu preisen, zu bestreben. Dennoch schließt die letzte Pflicht nimmer die Nothwendigkeit Ersterer Verpflichtung aus. Sondern, da die letzten Pflichten Jn der frommen Geistlichen, folglich in sehr guten Haͤnden, Die insonderheit mit selben alle Sorgfalt anzuwenden, Alles meist zu diesem Zweck nach Vermoͤgen auszurichten, Und uns, wenn wir nicht mehr hier, dort, zu einem kuͤnftgen Leben Nach Vermoͤgen zu bereiten, sich mit allem Ernst bestreben; Bleibt in der Betrachtung vom Nichts. Bleibt ein jeder doch nicht minder zu der ersten Pflicht ver- bunden, Nemlich Gott, der uͤberall im Geschoͤpfe wird gefunden, Als den Schoͤpfer, anzubethen, zu bewundern, zu erhoͤhn, Und zu diesem Zweck sein Werk anders, als bisher geschehn, Mit genauerer Betrachtung, ehrerbietig anzusehn. Hiedurch zeigt sich, daß wir dort nicht im Himmel nur allein, Sondern auch schon hier auf Erden, Gott zur Ehr, erschaffen seyn. Diese Pflichten, Gott, als Schoͤpfer, in der Creatur zu ehren, Jn Betrachtung ihrer Wunder, ihres Meisters Ruhm zu mehren, Sind bisher, ich weis nicht wie, leider! auch von vielen From- men Nicht gebuͤhrend untersucht, nicht genug in Acht genommen, Welche doch so noͤthig sind, um dadurch so dort, als hier, Gott zur Ehr, uns zu vergnuͤgen, und an seiner Wunder Gaben, An derselben Ordnung, Nutzen, Pracht, Zusammenhang und Zier, Die uns, ihm zum Ruhm, geschenkt, uns mit frohem Dank zu laben. Ob man gleich nun denken moͤchte, es sey unsrer Lehrer Schuld, Daß wir dieß versaͤumet haben; daß sie uns des Schoͤp- fers Huld Nicht so oft und viel gezeigt, nicht so deutlich uns erklaͤret, Nicht so oft daran erinnert, nicht mit mehrerm Ernst gelehret, Wie wirs anzufangen haben, Gottes Allmacht in den Werken, Jhm zur Ehr, und uns zur Lust, mit Erstaunen, zu bemerken; Find Versuch der Kraft unsers Geistes, Find ich doch, wenn ich es recht sonder Vorurtheil erwege, Und den Ursprung dieses Fehlers gruͤnd-und billig uͤberlege, Daß nicht unsre Geistlichen, bloß die Physici allein, An dem suͤndlichen Vergehen in der That die Ursach seyn. Wenn sie, auf den hohen Schulen, die Naturlehr anders lehrten, Wenn bey einer jeden Probe, wie es noͤthig, Gottes Ehr, Gottes weise Macht zu zeigen, ihre wahre Absicht waͤr; Wenn sie den Zusammenhang, und die Ordnungen erklaͤrten, Die sich allenthalben finden, wenn sie allenthalben wiesen, Wie auch der geringste Staub, daß ein Gott in ihm gepriesen, Und bewundert werden muͤsse, wuͤrdig und betraͤchtlich sey; Zeigten sie, daß, unerachtet sich so viel und mancherley Wunder uͤberall befinden, doch ein weis und liebreich Wesen Ueberall sich spuͤren lasse, daß wir bloß dazu erlesen, Seine Liebe zu erkennen, zu geniessen, zu verstehn, Daß ein Gott ihr Ursprung sey, zu empfinden und zu sehn, Daß wir nicht nur einen Koͤrper, nebst der Sinnen edlen Gaben, Um uns vieles zuzueignen, sondern den Verstand, allein, Jn den Werken, Gott zu spuͤren, seiner Gnaden uns zu freun, Jhn zu loben, zu bewundern, eigentlich empfangen haben; Waͤr in allen ihren Lehren, wie es noͤthig, dieß ihr Schluß: Daß man ein unendlichs Wesen, wie ersehn, auch ehren muß: Wuͤrden auch Theologi, anders, als bishero, fassen, Wie sich unsers Schoͤpfers Allmacht nirgend unbezeugt gelassen. Jeder wuͤrde sich bemuͤhn, Gott, was Gottes ist, zu geben, Und nicht ferner, Gottes Ruhm ihrem aufzuopfern, streben; Keiner wuͤrde fernerhin. von des Schoͤpfers Werken schweigen; Jeder wuͤrd uns, durchs Geschoͤpf, zu dem Schoͤpfer hinzuziehn, Sein’ Allgegenwart in ihm darzulegen, sich bemuͤhn, Und beym anderen Artikel, etwas auch vom ersten zeigen, Weil in der Betrachtung vom Nichts. Weil es nimmermehr zu glauben, da sie Gottes Diener seyn, Daß, da Erd und Himmel redet, sie von ihrem Herrn allein Ungebuͤhrlich schweigen wollten. Keiner wuͤrd aus ihnen ruhn, Dem mit Eifer nachzufolgen, was bereits verschiedne thun. Also seht ihr Physici, wie so viel daran gelegen, Anders, als bisher geschehn, Gott in Werken zu erwegen, Daß ihr kuͤnftig, statt zu gruͤbeln, zu verstehen, zu begreifen, Und stets neue Meynungen, mit den vorigen, zu haͤufen, Weches nichts, als Zank, erregt, uns nur zum Bewundern fuͤhrt, Welches eigentlich die Ehre, die als Schoͤpfer, Gott gebuͤhrt. Ob ich nun von euch noch dieses, nach der Liebe, glauben muß, Daß ihr dieses wahr befindet, und daß ihr vielleicht gedenket: Wenn ihr erst begriffen haͤttet, waͤre dieses euer Schluß, Aufs Bewundern euch zu legen, und so dann den Ueberfluß Goͤttlicher Vollkommenheiten, nach Vermoͤgen, zu verehren. Aber dieses ist nicht moͤglich, denn die ganze Lebenszeit Jst zum fassen nicht genug, und ich muß euch hier erklaͤren, Daß gewiß der letzte Tag, wegen der Unzaͤhlbarkeit Des, so ihr begreifen wollet, euch schon uͤbereilen wird, Eh ihr eure Pflicht, den Schoͤpfer zu bewundern, ihn zu loben, Seiner Huld euch zu erfreun, ihm zum Ruhm, nur angehoben. Also seht ihr uͤberzeuglich, daß ihr euch hierin geirrt; Denn dieß ist nicht zu verneinen, daß bey euch, auf diese Weise, Da ihr bloß zu fassen sucht, zu des großen Schoͤpfers Preise, Weil des Fassens gar kein Ende, des Bewunderns nimmermehr Koͤnn ein Anfang seyn gemacht. Jn der Kraft von unserm Geiste, Wenn wir alles fassen wollen, wenigstens das allermeiste, Treffen wir das wahre Nichts klaͤrer, als fast nirgend an, Da man minder, als vom Etwas, nichts von Nichts begrei- fen kann. Wann Versuch der Kraft unsers Geistes, Wann nun dieß unstreitig wahr, daß der Mensch nach sei- nen Pflichten, Nichts, das mehr zu Gottes Ehren zielt, vermoͤgend, zu ver- richten, Als in froͤlicher Betrachtung seiner Allmacht, in den Werken, Samt der Weisheit und der Liebe, sein unendlich All zu merken, Sein’ Allgegenwart zu preisen: Ach so strebt hinfort so sehr Nicht nach euerm eignen Ruhm; sucht allein des Schoͤpfers Ehr, Als die bloß allein der Zweck, von der Menschen Seyn und Leben, Jn bestaͤndiger Bewundrung, ehrerbietig zu erheben! Wann nun die Bewunderung auch zugleich aufs Dan- ken fuͤhrt, Und dem wunderthaͤtgem Schoͤpfer billig Lob und Dank gebuͤhrt, Fuͤr die nicht zu zaͤhlende Meng und Groͤße seiner Gaben, Die wir, im verwichnen Jahr, unverdient empfangen haben: So fodern nunmehr meine Pflichten, was mir in diesem Jahr geschehn, Mit Dank geflissener Bewundrung, in froher Andacht, zu besehn, Und Gottes Lieb und weise Macht, im frohen Danken, zu erhoͤhn, Als ohne dessen weisen Fuͤhrung, in jeder, auch in dieser Welt, Auch daß geringste nicht geschicht, kein Haar von unserm Haupte faͤllt, Jndem fuͤr einer wahren Gottheit nichts wirklich groß, nichts wirklich klein, Und beyde seiner Aufsicht nicht zu hoch, nicht zu geringe seyn. Von einer ungezaͤhlten Zahl, mit froher und geruͤhrter Seelen, Jn dankbarer Erinnerung, denn einige nur zu erwaͤhlen: So in der Betrachtung vom Nichts. So faͤllt vor andern mir so gleich die ganz besondre Gnade bey, Daß dieses Jahr, fuͤr meine Kinder, und mich gesund erle- bet sey. Wir haben es in Ruh und Frieden, und im Vergnuͤgen Tag und Nacht, Dir Herr sey Lob und Preis dafuͤr! ununterbrochen zugebracht. Zu unterschiedenen Geschaͤfften, hab ich, in meinen Ruhe- Stunden, Zu mein-auch vieler andern Nutzen und Lust, Gelegenheit ge- funden. Da erstlich, bloß durch einen Zufall, fuͤr mein mir untergeb- nes Land, Zur Zier, zum Nutzen und zur Lust, ich ein vergnuͤglich Mit- tel fand; Jndem ich einen Wald entdeckt, der keinem Menschen fast be- kannt. Denselben ließ ich Regel-recht, und nach der Linie durchhauen, So, daß itzt zierliche Alleen, mit Lust, in selbigem zu schauen. Von selbst aus Caprifolio gewachsne Lauben ließ ich biegen, Und sonder alle Muͤh und Kosten natuͤrlich in einander fuͤgen, Begruͤnte Rasen-Baͤnke machen, die Wege ebnen, Graben ziehn, Zumal ich eine schoͤne Quelle des allerreinsten Wassers, auch Jn eben dieser Gegend, fand, zum noͤth-und nuͤtzlichen Gebrauch, Nicht nur fuͤr mich, fuͤrs ganze Land, die ich denn ins Gevierte fassen, Und, daß sie nicht vertreten wuͤrde, mit Brettern rings umse- tzen lassen, Wovon, wie groß so Nutz als Anmuth des Waldes und der Quell gewesen, Jn einem eigenen Gedicht, mehr ausgefuͤhret, ist zu lesen, Vid. Ritzebüttelensia. Wo- Versuch der Kraft unsers Geistes, Wohin ich meine Leser denn, hier nicht zu lang zu seyn, ver- weise, Jndeß, fuͤr die Gelegenheit, und Segen, hier den Schoͤpfer preise. Nachher erinnr’ ich mich, mit Furcht annoch vermischtem Dank, des Brandes, Der so wie erst zur Angst und Schrecken, jetzt zur Bewunde- rung des Landes, Entstund, und unserm ganzen Flecken, zumal bey reger Luft aus Norden, Den Untergang mit Schrecken droht, dennoch Gottlob geloͤ- schet worden, Mit einer einzgen Feuerspruͤtze, ob gleich die lodernde Gefahr Vervielfacht, da an sieben Stellen es schon in lichten Flam- men war. Jch hab auch hievon, Gott zum Ruhm, daß uns das Loͤschen doch gelungen, Mit Lob und Dank erfuͤllter Brust, an einem andern Ort ge- sungen. Vid. Ritzebüttelensia. Doch fuͤg ich noch, mit wenigen, bey diesem Zufall, dieß noch bey, Daß es nicht aus der Acht zu schlagen, vielmehr der Dank zu mehren sey, Wenn wir erwegen, daß wir hier, in den drey abgewichnen Jahren, Von drey der schaͤrfsten Landes-Strafen, als nemlich Krieg und Fluht und Brand, Die Ruthe zwar sehr nah gehabt, dennoch die wirklichen Ge- fahren, Und die verheernden blutgen Schlaͤge durch Gottes Gnade, ab- gewandt, Die in der Betrachtung vom Nichts. Die wir annoch in ihrer Gluht, mit Dank und Demuch an- erkannt. Er wolle seine Vater Huld uns gnaͤdig ferner auch be- wahren! Noch hab ich vorigs Erndte-Fest, dir Herr sey Dank da- vor, erneuret, Und es noch mit vermehrter Anstalt, und aͤusserlichem Schmuck, gefeyret, Da ich denn unter andern auch, den Dank in Versen abzu- fassen Vid. Ritzebüttelensia. , Es angenehm zu componiren, Und wohlbestellt zu musiciren, Das Fest, mit Schiessen, einzulaͤuten, und sonst viel Freude sehn zu lassen, Gottlob! Gelegenheit gehabt. O Geber alles guten! dir, Der, was du schufst, so reichlich naͤhrest, sey Ehr und Ruhm und Dank dafuͤr! Jch hab im abgewichnen Jahr, von den entfernten Kin- dern zween, Nach ihrer Mutter Tod, gesund, in meiner Einsamkeit ge- sehen, Die, daß, von ihren Studien, sie sich indeß nicht abgeneiget, Durch unterschiedne Proben mir sowohl als andern auch ge- zeiget, Absonderlich da, wie der Juͤngre, im Tempel, oͤfters so gelehret, Daß jedermann geruͤhret worden, nebst mir, das ganze Land gehoͤret. Br. VI. Th. Y y Es Versuch der Kraft unsers Geistes, Es sind dieselben auch nachher, wofuͤr so Herz als Kiel dich preiset, Vor allerley Gefahr beschuͤtzt, so angelangt, als abgereiset. Ach laß, o Herr! der du ihr Vater und Herr, zu deinen heil- gen Ehren, Bey stets bestaͤndiger Gesundheit, sich auch ihr Wissen stets vermehren. Wie du mir alle meine Kinder, wie sonst, auch im vergan- gnen Jahr, Fuͤr tausend unversehne Faͤlle, und fuͤr so mancherley Ge- fahr So vaͤterlich bewahret hast: So haben ihrer zwey vor allen, Da einer in des Schlosses Graben, die juͤngst in einen Teich gefallen, Und beyde gleich gerettet worden, die Huͤlfe bloß durch dich verspuͤrt; Wovor von ihnen, auch von mir, dir Ehre, Preis und Dank gebuͤhrt. Durch Setzung vieler jungen Baͤume hab ich des Landes Schmuck vergroͤssert, Die Wasserleitungen besorgt, viel tiefe Weg erhoͤht, ver- bessert, Auch zum Behuf von diesem Ort, ein neues Viehmarkt ein- gefuͤhrt, Wodurch denn allbereit das Land nicht einen kleinen Nutzen spuͤrt. Zu allem nun, was ich dadurch fuͤr viele Gutes stiften koͤnnen, Hast du mir die Gelegenheit und das Vermoͤgen wollen goͤnnen, Jch in der Betrachtung vom Nichts. Jch seh es auch durch deine Gnad, o guter Gott, nicht an- ders an, Als daß ich alles dir nur schuldig, und nicht genug verdan- ken kann. Daß ferner noch so, wie vorhin, auch meine dir geweihte Schriften Bey Niedrigen sowohl, als Hohen, beliebet sind, und Nutzen stiften, Davon hab ich verschiedne Proben, dir Herr sey Dank dafuͤr! gezaͤhlet. Wovon vor andern mir die Schreiben, die du von deiner ei- gnen Hand, Gelehrt-und großer Graf von Schaumburg und Lippe, selbst mir zugesandt, Von einer Harmonie begleitet, womit du meinen Text be- seelet, Die Hendels noch weit uͤbertrifft, und durch ihr reizendes Getoͤn Bestaͤndig mir die Ohren fuͤllten, bestaͤndig vor den Augen stehn. Wobey ich eines andern Buchs, als ein durchlauchtiges Ge- schenke, Von einer Krone der Fuͤrstinnen, mit ehrerbietgem Dank, ge- denke, Was ich von einem großen Geist, vom Milord C - - ver- nommen, Der Zierde der gelehrten Britten, wird mir nie aus dem Sin- ne kommen. Wann ich nun auch in diesem Jahr, an eines Schenkels schweren Schaden, Y y 2 Durch Versuch der Kraft unsers Geistes, Durch einen unverstaͤndgen Wundarzt, mit Schmerz und mit Gefahr beladen: So hast du mich, o wahrer Arzt, da du allein mir Huͤlf ertheilt, Durch des beruͤhmten Carpsers Rath, mich noch zu rechter Zeit geheilt. Jch danke dir, fuͤr diese Gnade, mit inniglich geruͤhrter Seelen, Und will, mit Freuden, deine Wunder, auch an der kuͤnftgen Zeit erzaͤhlen. Vid. Ritzebütt. Gedichte von dem Schienbein. Vid. Notat. ad 1737. Jch bin, bey diesem meinen Schluß, wohl einst auf die Ge- danken kommen, Ob mir, daß ich von mir so viel erzaͤhlet haͤtte, gut ge- nommen, Und vorgeworfen werden koͤnnte, daß nur vielleicht die Ei- genliebe Von meinem Wesen viel zu sagen, mich zu dergleichen Aus- druck triebe, Jndem ich, wenn ich danken wollte, ja immerhin vor mir allein Dem Schoͤpfer koͤnnte dankbar seyn: So deucht mich doch dagegen dieß, wofern mein Leser bil- lig ist, Wird er mir dieses nicht verargen, wenn er zu gleicher Zeit ermißt, Daß an dem Danken viel gelegen, und daß es gut in diesem Leben, Da in der Betrachtung vom Nichts. Da man nur bethet, selten dankt, ein gut Exempel abzugeben. Will er mich aber dennoch tadeln, und daß ihm dieses nicht genug: So will ich lieber vor ihm dulden, daß er mich nach sich sel- ber richtet, Und mich der Eigenliebe zeiht. Jch achte nicht, daß ich mit Fug Des Schoͤpfers Huld verhehlen kann, und habe mich dazu verpflichtet. Jnzwischen fleh ich deine Guͤte, Quell aller Gnaden, ferner an, Erhalte mich, zusammt den Meinen, so wie du, Herr, bis- her gethan, Und in uns den Bewundrungs-Trieb; laß ihn, zu deinen heil- gen Ehren, Jn einer froͤlichen Betrachtung, von deinen Wundern, stets sich mehren! Y y 3 Ueber- Uebersetzung aus Mons. Voltaire. Mons. Voltaire. D u Dieu, qui nous crea, la clemence infinie, Pour adoucir les maux de cette courte vie, A placé parmi nous, deux Etres bienfaisans, De la terre à jamais aimables habitans. L’un d’ eux est le Sommeil, et l’ autre l’ Esperance. Deux tresors qu’on possede, au sein de l’ indigence. L’un dans un profond calme endort nos deplaisirs, L’autre eleve nos coeur et soutient nos desirs. D ie unermeßliche Barmherzigkeit Des Schoͤpfers, welcher uns befahl zu werden, Damit er maͤßigte die Unvollkommenheit Des eitlen Lebens hier auf Erden; Hat zween Bewohner dieser Welt, Zwey holde Wesen uns hierzu gesellt, Die Hoffnung und deu Schlaf, zwo unschaͤtzbare Gaben, Die wir, auch selbst im Schooß der Armuth, haben. Der holde Schlaf begraͤbt im Schlummer unsre Schmerzen, Die Hoffnung stuͤtzt die Lust, begeistert unsre Herzen. Der Der 148. Psalm. Der 148. Psalm. L obt, ihr Himmel, Gott den Herrn! lobt ihn in der Hoͤh und Ferne, Lobt ihn, alle seine Engel! lobt ihn, alle seine Heere, Lobt den Schoͤpfer, Sonn und Mond! lobt ihn, alle helle Sterne, Und ihr Himmel allenthalben! auch des Himmels Wasser Meere, Die daselbsten hoch erhoben, Sollen seinen Namen loben! Denn, wenn er gebeut, so bald muͤssen alle Dinge werden, Er erhaͤlt sie, daß dieselben ewiglich und immer stehn, Er verordnet, daß sie nimmer anders, als sie gehen, gehn. Lobt den Herrn, ihr Wallfisch Heere! alle Tiefen auf der Erden, Feuer, Hagel, Schnee und Dampf, auch die Winde, die sein Wort Auszurichten fertig sind! Berg und Huͤgel, jeder Ort! Frucht-Baͤum und die hohen Cedern: Voͤgel, Vieh, Gewuͤrm und Thier, Jhr Monarchen, alle Leute! Fuͤrsten, alle Richter hier, Juͤngling und der Jungfraun Schaar, alt und junge sollen loben, Herr Zebaoth, deinen Namen. Sein Nam ist allein erhoben, Sein unendlich Lob geht weiter, als der Himmel und die Erde: Er verschaffet, daß das Horn seines Volks erhaben werde. Alle seine Heiligen sollen loben fern und nah, Jsraels Geschlecht, das Volk, das ihm dient, Halleluja! Y y 4 Aus Der 18. Psalm. Aus dem 18. Psalm, vom 8. bis 16. Vers. E s erbebete die Erde, und es ward ihr Bau bewegt, Ja die Grundfest hoher Berge wurden wankend und ge- regt; Da der Schoͤpfer zornig war. Dampf ging aus von seiner Nasen, Und es ward, aus seinem Mund, ein verzehrend Feur geblasen, Daß es davon blitzete, mit entsetzlichem Getuͤmmel. Er erniedrigte den Himmel; Mit der strengen Wolken Guͤssen, Fuhr der Herr herab; es war dunkel unter seinen Fuͤßen; Er fuhr auf dem Cherubim, flog daher und schwebete; Jhn erhoben und ihn trugen aller Winde Fittige. Finstre, schwarz’ und dicke Wolken waren sein Gezelt um ihn, Worin er verborgen war. Von dem Glanz, der von ihm schien, Trennte sich der Wolken Heer, voller Hagel, Blitz und Schlossen; Jn dem Himmel donnert er, und mit Blitz und Hagel Graus, Ließ der Hoͤchste seinen Donner fuͤrchterlich und schrecklich aus. Feurige verzehrnde Stralen, wurden von ihm abgeschossen; Er zerstreute sie, er ließ blitzen, womit er sie schreckt, Da erblickt man Wasser-Guͤsse, und der Erden holder Boden War, o Herr, von deinem Oden, Von dem Schnauben deiner Nasen, und vom Schelten auf- gedeckt. Einige Uebersetzungen. Einige Uebersetzungen. Ovid. Epist. ad Liv. MORS . I lla rapit Iuuenes, abstulit illa Senes. Quoque ruit, furibunda ruit, totumque per orbem, Fulminat et coecis coeca triumphat equis. D ie Jugend rafft er ploͤtzlich weg; die Alten reist er mit sich fort, Wohin er stuͤrzet, stuͤrzt er rasend; den ganzen Kreis der wei- ten Erden Durchfaͤhrt sein Blitz; er triumphiert allein, selbst blind, mit blinden Pferden. Y y 5 Gegen- Uebersetzungen. Gegenwaͤrtiger Genuß des Guten. T u quamcunque Deus tibi fortunauerit horam, Grata sume manu, nec dulcia differ in annum. S chenkt Gott uns heut ein frohes Stuͤndchen und laͤßt ein Gluͤck uns wiederfahren: So nehme man, Mit dankbar-und vergnuͤgter Hand, es, wenn wir es erlan- gen, an; Warum will man, die Suͤßigkeit zu kosten, uͤbers Jahr ver- sparen? Das Uebersetzungen. Das Zukuͤnftige. P rudens futuri temporis exitum Caliginosa nocte premit Deus, Ridetque, si mortalis ultra, Fas trepidat. D er weise Gott bedeckt und druͤcket, mit Finsterniß und Dunkelheit, Den Ausgang der zukuͤnftgen Zeit, Und lachet, wenn ein Sterblicher, durch bange Furcht, umsonst erschuͤttert, Mehr als es noͤthig, zittert. Ecce Uebersetzungen. E cce sumus puluis, sumus ecce miserrima tellus, Et nostri sugiunt, vt leuis aura, dies. Soluimur, vt nebula, surgens vt in aëra fumus, Et veluti solui sole pruina solet. Carpimur, vt stipulæ rapido carpuntur abigne, Nil nisi viuendo somnus et vmbra sumus. Vnde igitur fastus, venit vnde superbia nobis, Quos fatum, præter tot mala, triste rapit? S chau, wir sind Staub, ein wenig Erden, Und unsre Tage fliehn, wie eine duͤnne Luft. Wie Rauch, der aufwerts steigt, so werden Wir Menschen aufgeloͤst, als wie ein Nebel-Duft, Und wie ein Reif, wenn ihn die Sonne schmelzt; wir sind, Wie Stoppeln, so die Gluht verzehrt, ein Traum, ein Wind. Woher koͤmmt denn der Stolz; was nuͤtzet denn die Pracht, Dem, welchem nebst viel andrer Noth, Das bittre Schicksal, durch den Tod, So bald ein schleunig Ende macht? Stet Uebersetzungen. S tet, quicunque volet, potens, Aulæ culmine lubrico, Me dulcis saturet quies, Obscuro positus loco. Leni perfruar otio, Nullis nota Quiritibus, Aetas per tacitum fluat. Sic cum transierint mei, Nullo cum strepitu, dies, Plebejus moriar senex. Illi mors grauis incubat, Qui notus nimis omnibus, Ignotus moritur sibi. L aß auf den schluͤpfrig-glatten Hoͤhn Des Hofes einen jeden stehn, Wer will, in Hoheit Macht und Ehren; Mich soll die suͤsse Ruhe naͤhren. Jch will, am unbekannten Ort, Gelinden Muͤßiggang geniessen; Es soll, den Maͤchtigen verborgen, Mein stilles Alter sanft verfliessen: So werd ich, wenn, ohn Lerm und Sorgen, Die Tage meines Lebens fort, Als ein gemeiner Greis die Augen schliessen. Dem steht ein schwerer Tod bevor, ob er gleich Ruhm und Ehr erwirbet, Der, andern gar zu sehr bekannt, ihm selber unbekannt ver- stirbet. L’ a Uebersetzungen. L ’ amour propre se trompe, même par l’ amour pro- pre en faisant voir dans se interets une si grande indifference pour ceux d’ autrui, qu’il perd l’ avantage qui se trouve dans le commerce de la retribution. S eht, wie die Eigenliebe sich durch Eigenliebe selbst be- treuget, Da sie, in ihrem Eigennutz, solch eine Sproͤdigkeit bezeuget Fuͤr andrer Nutzen, daß sie sich des Urtheils selbst verlustig macht, Den der Vergeltung Wechsel-Handel ihr sonst unfehlbar zu- gebracht. Un- Ehrenmaal des Marggraf. C. W. zu Baden. Unverwelklich-bluͤhendes Ehrenmaal, dem weil. durchlauchtigsten Fuͤrsten und Herrn, Herrn Carl Wilhelm, Marggrafen zu Baden und Hochberg, Land- grafen zu Sausenberg, Grafen zu Sponheim und Eberstein, Herrn zu Roͤteln, Badenweyler, Lahr und Mahlberg ꝛc. Der roͤmisch-kaͤiserlichen und koͤniglich-catholischen Majestaͤt, wie auch des loͤb- lichen schwaͤbischen Kreises Generalfeldmarschalln, und Obristen uͤber ein schwaͤbisches Kreis- Dragoner-Regiment ꝛc. Auf Veranlassung der gesammten Hochfuͤrstlich-Ba- den-Durlachischen Gaͤrtnerey errichtet. Ouid. L. V. Fast. Saepe ego digestos volui numerare colores, Nec potui, numero copia major erat. A uf einem, ganz mit Licht und Stral erfuͤllten, leichten Wolkenwagen, Von schnellen Schwanen fortgezogen, und von Betrachtungen umringt, Wovon in suͤsser Harmonie ein unaufhoͤrlichs Lied erklingt, Ward das beliebte Kind des Himmels, die Dichtkunst, durch die Luft getragen. Der Zweck von ihrer schnellen Reise war, der erhabnen Gott- heit Macht, Durch Ehrenmaal des Marggrafen Durch welche, voller bunten Gluht, in neuer Lieblichkeit und Pracht, Die Felder, Waͤlder, Berg und Thal, zumal die Gaͤrten, sich bebluͤmen, Jn einer suͤssen Melodie, in einem neuen Ton zu ruͤhmen. Um nun von allen alle Wunder, und alles, was an Blu- men schoͤn, An einem Ort und auf einmal in einem Jnbegriff zu sehn; War Carols-Ruh von ihr erwaͤhlt, worin von allen Blu- men-Schaaren, Die Osten, West-und Suͤden zeigt, die herrlichsten zu sehen waren, Und welches, durch das kostbare, nicht zu ermuͤdende Bemuͤhn Des großen Blumen-Pflegers, Carl, der Floren wahres Schatzhaus schien. Hier scheint, ob haͤtte die Natur mit aller Huld sich her- gewendet, Und an dem angenehmen Ort die Guͤter minder ausgespendet, Als allen ihren Ueberfluß und Schoͤnheit gleichsam recht ver- schwendet. Es befinden sich in dem hochfuͤrstlichen Garten, nebst einer sehr großen Menge von allen Sorten der schoͤnsten Blumen, auch in verschiedenen Gewaͤchshaͤusern, uͤber 2000. unterschiedliche Gattungen der raresten exotischer und indianischer Gewaͤchse. Der Fruͤhling kleidet hier die Erde, mit einem vielfach-gruͤ- nen Sammt, Worauf der Blumen buntes Heer in Hyacinthen, Hievon befinden sich in Carls-Ruh 800 Arten. Ane- monen, Von diesen 200. Ranun- Carl Wilhelm von Baden. Ranunculn, Von Ranunculn 400. Tulpen Von Tulpen 5000. Sorten. und Narcissen, Von diesen 100. und Jonquillen, Jris, Kaiserkronen, Auriculn, Von Auriculn 500. Arten ꝛc. Nelken, Von welchen 600. unterschiedener Sorten. Mayenblumen, trotz Edelsteinen, spielt und flammt. Der Sommer prangt mit neuen Farben, mit neuer Gluht, mit anderm Gruͤnen, Uns laͤchelt alles, was man sieht, in Rosen, Lilien, Jesminen, Jn einer ausgedehnten Ferne, so weit das Auge tragen kann, Recht wunderwuͤrdig eingerichtet, voll suͤsser Lust und Lieb- reiz, an. Violen, Jn dem Garten ist eine sehr schoͤne Menagerie, worinn eine grosse Menge fremder Thiere und Voͤgel ist, und fliegen aus der Voliere allerhand Voͤgel, in specie die schoͤnsten Canarienvoͤgel, aus und ein, welche auf den Orangenbaͤumen und in denen Bosquetten haͤufig nisten, und den Garten mit ihrem lieblichen Gesang erfuͤllen. Pavillons, Fontainen, symmetrisch angeordnet, schimmern Jn diesem ebnen Lustrevier. Von nett-geflochtnen gruͤnen Zimmern, Von lieblich-schattichten Bosquetten, Parterren, Marroniers- Alleen Jst hier, in einer ebnen Flaͤche, die Welt in buntem Glanz zu sehen, Br. VI. Th. Z z Bis Ehrenmahl des Marggrafen Bis ganze Waͤlder von Orangen, von mehr noch als sechs- tausend Staͤmmen, Diese tragen 200. differente Argumien oder Orangen, Citronen und Limonien-Sorten, ohne was sich in der Orangerie zu Durlach befindet. Voll Silber-Bluͤth und guͤldner Frucht den noch vergnuͤgtern Blick verdaͤmmen, Jhm zu Smaragdnen Schranken werden, worin stets hoͤher aufgefuͤhrt, Er sich, auf gruͤnen Wolken-Kreisen, im himmlischen Saphier verliehrt. Was die Natur Vollkommnes hat, scheint sie in Carols- Ruh zu fuͤgen, Und in von ihr gewirkten Wundern sich an sich selbst hier zu vergnuͤgen. An dieses angenehmen Orts von Waͤldern rings umgebnen Graͤnzen War, zur bebluͤmten Fruͤhlingszeit, wie fruͤh der Sonnenstra- len Glaͤnzen Auroren-Rosen uͤberguͤldet, da alles sonst am schoͤnsten prangt, Und im bethauten Schimmer glaͤnzt, die Goͤttinn eben ange- langt, Als sie, statt des gewohnten Schimmers, der Carls-Ruh holdes Tempe schmuͤckte, Ein widrig-truͤb-und kaltes Grauen und einen nassen Dunst erblickte. Durch den an der Residenz gelegenen Wald gehen 24. Alleen, wovon die meisten etliche Stunden lang seyn, in allem aber seyn um die Stadt 32. Alleen. Es Carl Wilhelms zu Baden. Es schwebt ein ungewohnter Nebel in den von suͤssen Balsam- Duͤften Sonst uͤberall fast mehr beschwehrten, als angefuͤllten lauen Luͤften, Mit falben Kreisen hin und her, bedeckt, als wie mit einem Flor, Die Herrlichkeit des ganzen Orts. Der sonst so muntern Voͤgel Chor Ließ, statt des angenehmen Gurgelns, ein scharfes schwirrend Klaggetoͤn, Mit lautem Schreyen untermischt, nur hoͤren und sich nirgend sehn; Es ließ, ob seufzte selbst die Luft, es winselte der Wiederhall, Vom steten Rlaggeschrey gereizt; man hoͤrt ein Jammern uͤberall. Vernehmliches vernahm man nichts, als diesen dunklen Trauer- Schall: Was waͤlzet sich so unvermuthet auf uns vor eine Ungluͤcks Last! Ach Carol Wilhelm, unser Schutz und Herr, der Erden Lust, erblaßt! Dieß rief, von Leid und Gram gebeuget, die sonst so muntre Gaͤrtnerschaar, Die, wie vor andern sehr geruͤhret, vor andern auch untroͤst- bar war: Man sahe sie bethraͤnt sogleich zur Dichtkunst, die sie sahn, sich kehren, Und von ihr, keinen Trost vor sich, nein, bloß allein zu Carols Ehren, Aus einer unverfaͤlschten Treu, ein wuͤrdigs Ehrenmaal be- gehren. Z z 2 Ach Ehrenmaal des Marggrafen Ach Goͤttinn! riefen sie verwirrt, laß dieß doch nimmermehr geschehn, Daß eines solchen Geists Gedaͤchtniß und sein Verdienst koͤnn untergehn! Hier war es, da er voller Sanftmuth zum letztenmal noch zu uns kam, Hier war es, da der theure Marggraf von uns noch ge- stern Abschied nahm. Seht, Kinder, sprach er, bey den Tulpen, wie wir die Blaͤt- ter fallen sehn, So wird es auch bald mir ergehn. O bald erfuͤllte Peophezeyung! O gar zu wahres Schwanen- Lied! Vor Abend hat er es gesungen; den Morgen war er schon ver- bluͤht. Der Dichtkunst stiegen, uͤber dieß betruͤbt und unverhofft Erblassen, Die Thraͤnen selber in die Augen, und, voller Gram erstarrt, entstellt, Dreht sie sich ab-und Seitenwerts, um sich ein wenig nur zu fassen. Hier traf sie nun, zum neuen Leide, die ganze schoͤne Blumen- Welt, Entbloͤßt von aller Zier und Pracht, und kurz in solchem Zu- stand an, Den keiner, weil er gar zu klaͤglich, mit Farben aͤhnlich bil- den kann. Sie schwammen all in bittern Thraͤnen, theils hiengen un- ter sich gebogen, Theils waren sie zerzaußt, verwirrt, verdreht, verwehet, ein- geknickt, Und Carl Wilhelms zu Baden. Und als von Schlossen scharf getroffen, zermalmt, zerdruͤcket und zerstickt: Der Hyacinthen und Jonquillen Zibeth und Balsam war ver- flogen, Ein’ jede schien, ob fuͤhlte sie durch diesen Schnitt selbst eine Wunde, Ein’ jede seufzete vor sich, und jammerte mit stillem Munde; Wer wird sich unsrer kuͤnftighin, Mit einem solchen Vatersinn, Wie Carl gethan, doch anzunehmen Mit solcher Zaͤrtlichkeit bequemen! Vor allen schien der Tulpen Heer, (wovon allein fuͤnftausend Arten Jn diesem Paradieses-Bild, in diesem angenehmen Garten,) Am allerheftigsten geruͤhrt, Weil sie, noch vor den andern allen, Dem großen Carol stets gefallen, Und seine Neigungen gespuͤrt. Die Poesie, durch diesen Anblick geruͤhrt, begab sich ganz bethraͤnt Jn ein verwachsen Cabinet, sank auf ein Rasenbaͤnkchen nieder, Und wie sie ihr entschleyert Haupt betruͤbt auf ihren Arm gelehnt: So flossen aus den holden Lippen voll Wehmuth diese Klage- lieder: Soll denn ein Geist, der die Natur verschoͤnert, ausgeziert, verbessert, Der in den Blumen sonderlich, in ihrer Zier-und Herrlich- keit, Z z 3 Pracht, Ehrenmaal des Marggrafen Pracht, Farben, Mischungen, Figuren, den Schmuck bis zur Vollkommenheit Vermehret, und derselben Glanz in neuen Bildungen ver- groͤssert, Der sie, noch durch die Malerey, zu ihr und ihres Schoͤpfers Ehren, Mit klugen Farben fast verewigt, so, daß sie sonder Welken waͤhren, Der hochselige Herr Marggraf haben durch verschiedne kuͤnstliche Maler die meisten Tulpen und andere Blumen, auch rareste Gewaͤchse, nach dem Leben abmalen lassen, wovon etliche tausend Gemaͤlde vorhanden sind. Soll, sag ich, solch ein großer Geist, als eine schlechte Seele, schwinden? Soll sich in ihr kein Unterscheid, wenn er vom Koͤrper schei- det, finden? So viel mir meine Kunst erlaubt, darf ich dieß kuͤhnlich pro- phezeyn: Nebst einer herrlichern Belohnung, wird seiner Arbeit sich zu freun, Und sich an denen der Natur gehoͤrigen verpfleg- ten Schaͤtzen, Die (da sie Gottes Werk) es werth, sich dann und wann noch zu ergetzen, Jn diesem Sammelplatz der Blumen ein Theil von der Belohnung seyn. Da er sein irdisches Vergnuͤgen in goͤttlichen Geschoͤpfen fand, Sollt er ein seliges Vergnuͤgen im Jrdischen nicht finden koͤnnen? Da Carl Wilhelms von Baden. Da ja der Schoͤpfer sonder Zweifel sich selbst mit seinem Werk verband, Wie sollt er sich sogleich von dem, worinn er Gott gesuchet, trennen? Wann ich denn seinen Geist, im Geist, bereits verklaͤrt und froͤlich hier Jn dem von ihm, zu Gottes Ehren, so schoͤn formirten Lust- revier, Um Baͤum-und Blumen, schweben seh: So huͤte sich, wer ihn geliebet, Daß durch Verminderung der Vorsorg fuͤr die Natur und seine Zucht, Durch die Verwilderung des Ortes, der seiner edle Muͤhe Frucht, Und durch Zerstoͤrung seiner Ordnung, die große Seele nicht betruͤbet, Bekuͤmmert und gekraͤnket werde, da sie hier so viel Guts veruͤbet. Des Blumengartens obre Flaͤche koͤmmt mir in seinem Schmuck und Flor, Als wie ein großer Rauch-Altar, geschmuͤckt zum Ruhm der Gottheit, vor, Auf welchen Duͤft aus allen Blumen der Welt, vereint, sich aufwerts hauchen, Worauf die lieblich suͤssen Duͤnste von Narden und von Bal- sam rauchen, Worauf viel Millionen Duͤfte von Mosch und Ambra sich erheben, Um, Gott zum lieblichen Geruch, ein stetes Opfer abzu- geben. Z z 4 Hier Ehrenmaal des Marggrafen Hier schwieg sie, blieb jedoch nicht lang in dieser Unmuths- vollen Ruh, Und rief den gar zu sehr betruͤbten und ganz bethraͤnten Gaͤrt- nern zu: Getreue Diener der Natur, Die ihr euch, ihr zur Ehr, bemuͤhet, Und ihre schoͤnste Zucht erziehet, Jhr Gaͤrtner, kommt! auf dieser Fluhr Muͤßt ihr euch, Carl zum Ruhm, vereinen: Hier muͤßt ihr alle Jahr erscheinen, Sein Grab mit der geliebten Pracht Von Blumen, und zwar aus den schoͤnen Den Schoͤnsten, so hervorgebracht, Jn nett-geflochtnen Kraͤnzen, kroͤnen; Denn keiner hat sich so um sie verdient gemacht. Jch will indeß von ihm und seinem Ruhm nicht schweigen, Jch will, was er gewirkt, der spaͤten Nachwelt zeigen: Ja, so lang im lauen Lenzen Feld und Wiesen lieblich gruͤn, Und so lange Blumen bluͤhn, Wird auch Carols Nachruhm glaͤnzen. Jch will in mancherley Gedichten Jhm solch ein Ehrenmaal errichten, Das Neid und Zeit nicht stuͤrzen soll; Fahrt ihr indeß mit stetem Fleiße fort, Und ziert in Carols-Ruh der Erden schoͤnsten Ort, Wuͤnscht aber ihm vorher das letzte Ruhe wohl! Aria. Carl Wilhelm von Baden. Aria. Ruhe wohl, erblaßter Fuͤrst! Bis du dort den Himmels-Garten, Des die Seraphinen warten, Auch erstanden, bauen wirst; Ruhe wohl! Da Capo. Chor der Gaͤrtner. Ruhe wohl, erblaßter Fuͤrst! Bis du dort den Himmels-Garten, Des die Seraphinen warten, Auch erstanden, bauen wirst; Ruhe wohl! Z z 5 An Gedichte an Hrn. Reinbeck. An S. T. Hrn. Consistorialrath und Probst Reinbeck. N achdem ich neulich abermal die seltzame Beschaffenheit, Der unvernuͤnftigen Vernunft, der sproͤden Unempfind- lichkeit Der Menschen, gegen Gottes Werke, und wie sie uns so we- nig ruͤhren, Woher wir uns allein zum Schaden, in ihnen keine Freu- de spuͤren, Jn ihnen nichts vergnuͤglichs sehn, da wir jedoch ausdruͤcklich wollen, Daß wir zu Ehren unsers Schoͤpfers, und sie, fuͤr uns ge- macht seyn sollen, Von neuen ernstlich nachgedacht, und mich mit allem Ernst bemuͤht, Die eigentlich-und wahren Quellen, von diesem Ungluͤck, zu ergruͤnden, Das man bey Frommen und bey Boͤsen, und uͤberall im Schwange sieht: So deucht mich, daß wir sie am klaͤrsten, in einer Art Ver- stopfung, finden, Womit die Roͤhren unsrer Sinnen, die Thuͤren zu den klugen Seelen, Behaftet und beschweret scheinen. Jn diesen zarten Hirn-Ca- naͤlen, Wodurch unstreitig unsre Geister sich mit der Creatur ver- maͤhlen; Und Gedichte an Hrn. Reinbeck. Und mit der Welt verbinden koͤnnen, sind alle Oeffnungen verstopft. Gewohnheit, Vorurtheil, Exempel, die Nahrungs-Sorge, Leidenschaft, Die haben, allem Ansehn nach, die Gaͤnge gaͤnzlich zuge- pfropft, So daß, fuͤr alle Wunderwerke des Schoͤpfers, um darauf zu achten, Um, in derselben Schmuck und Ordnung, des Ursprungs Groͤße zu betrachten, Durchaus kein Durchgang uͤbrig blieben, kein Vorwurf weis sich durchzudringen, Um unsre Seelen, zur Betrachtung und zur Bewunderung zu bringen. Der Creaturen Bilder scheinen, als wie an harten Stahl zu fallen, Und, sonder unsern Geist zu ruͤhren, schon auswerts wieder abzuprallen. Kein thierisch Ohr, kein viehisch Auge, kann minder hoͤren, minder sehn, Als wir, was uͤberall vor Wunder in dieser Welt von Gott geschehn. Auf welche Weise soll und kann, aus seinen wunderbaren Werken, Der Schoͤpfer doch geehret werden? sprich selbst, worin kann es bestehn, Wenn wir nicht ihre Schoͤnheit, Ordnung, Nutz, Absicht, Schmuck und Zweck bemerken, Die Weisheit, Lieb und Macht des Schoͤpfers nicht sehen, folglich ihn nicht finden? Wird nicht der Gottheit Ehr und Ruhm, durch unterlassene Betrachtung, Ja Gedichte au Hrn. Reinbeck. Ja selbst, nebst eurer Lust zugleich, fuͤr euch der Schoͤpfer selbst verschwinden? Es steckt in euerem Betragen, statt seiner Ehre, nur Ver- achtung. Ja, wo wir uns, mit rechtem Ernst, und mehrerm Fleisse nicht bestreben, Die ungluͤckselgen Hindernissen der Unempfindlichkeit zu heben; So scheinen wir den starken Vorwurf der freyen Geister Recht zu geben, Die sagen: Es erscheine klar, daß, Gott zu Ehren nimmermehr, (Wie wir allein aus Hochmuth glaubten) die Menschheit je geschaffen waͤr. Es gaͤb es die Erfahrung ja, daß wir nichts we- niger im Leben, Als einem Gott zu Ehren lebten, die Werke Got- tes, ihre Pracht, Naͤhm’ ja von so viel tausend Menschen, fast nicht ein einziger in Acht, Sie waͤren nur umsonst fuͤr uns. Das letzte scheinet leider wahr, So gar, daß wenn wir nicht auf Gott, der ewgen Lieb, uns koͤnnten gruͤnden, Wir in uns selber nimmermehr den Grund von unsrer Dau- er finden, Noch einen Himmel hoffen koͤnnten. Hieraus nun folgete so gar, Daß selber die Religion, in augenscheinliche Gefahr, Zu gleicher Zeit gerathen wuͤrde. Jndem ja selbe sich am meisten, Auf die dem Menschen von der Gottheit geschenkten Wuͤrdig- keiten gruͤndet, Weil, wo sich keine Faͤhigkeit in uns zum Lobe Gottes findet, Und Gedichte an Hrn. Reinbeck. Und wir nicht mehr, als andre Thiere, im Lob und Dank ihm Dienst zu leisten, Geschickt, gewuͤrdigt, faͤhig seyn; unmoͤglich dieß zu glauben waͤre, Daß solcher schlechten Creatur die Gottheit selber so viel Ehre Je wiederfahren lassen koͤnnen, ein nicht vielmehr, als thierisch Wesen, Zu einer goͤttlichen Gemeinschaft, indem er Mensch ward, zu erlesen. Aus diesen unumstoͤßlichen, unwidersprechlich wahren Schluͤssen, Wird jeder ja die Wichtigkeit der Wahrheit anerkennen muͤssen, Und folglich seine Schuldigkeit mit Ernst sich nemlich zu be- muͤhn, Der ungluͤckseligen Gewohnheit, nach Moͤglichkeit, sich zu entziehn. Wann nun, wie leider uͤberall, es unter andern gleichfalls scheinet, Daß, nach der einst erwaͤhlten Lehr-Art, ein Theil der Geist- lichkeit vermeynet, Als ob der Schoͤpfung Wunderwerk, und in derselben Got- tes Ehre, Nach physicalischer Betrachtung, nicht auf den Predigtstuhl gehoͤre, Und es dennoch, nebst andern Pflichten, unwidersprechlich noͤ- thig ist, Jm Werk den Schoͤpfer zu bewundern: Dieß aber, wenn mans recht ermißt, Durch nichts so sehr behindert wird, indem wir allenthal- ben hoͤren: Es ist wohl gut, jedoch nicht noͤthig, weil es die Geistlichen nicht lehren, Auch Gedichte an Hrn. Reinbeck. Auch wirklich sich kein’ Art, noch Ort, wo man es lernen koͤnnte, findet, Da man in Schulen ebenfalls die beyden Pflichten nicht ver- bindet: So koͤnnte, meiner Meynung nach, der Welt kein groͤßrer Dienst geschehn, Als sich um die Verbesserung, da sie ja moͤglich, um zu sehn. Nun scheint ein einzig Mittel uͤbrig, daß, wie ich denke, gar nicht schwer, Und ohne den geringsten Anstoß, bequemlich einzufuͤhren waͤr, Als nemlich nur ein wenig anders den Catechismum einzu- richten, Um, in demselben, in den Werken, den großen Schoͤpfer et- was mehr Zu sehn, zu finden, zu bewundern, zu seines Namens Preis und Ehr, Damit ein Ort doch wenigstens, in welchem wir zu diesen Pflichten, (Die ja ein Theil vom Gottesdienst) doch koͤnnten angefuͤh- ret werden, Jn Christenthum vorhanden waͤre. Der Schoͤpfer Himmels und der Erden Verdiente ja noch so viel wohl, daß man, nach Koͤnig Davids Weise, Jn der Betrachtung seiner Wunder, ihn ehre, lobe, ruͤhm und preise. Da du nun, hochbegabter Geist, vom Schoͤpfer scheinest ausersehen, Daß in dem, was noch unterblieben, durch dich ein’ Aendrung soll geschehen, Da du, in diesem guten Weg, zu allererst die Bahn gebrochen, Da du, zu deines Schoͤpfers Ruhm, wie lange nicht geschehn, gesprochen, So Gedichte an Hrn. Reinbeck. So zwingt mich ein gerechter Trieb, dich oͤffentlich hier an- zugehn, Um bey so vielem andern Guten, so schon vollbracht, dahin zu sehn, Damit es da gefasset werde. Du hast den Anfang schon ge- macht, Jn deiner himmlischen Bekaͤnntniß. Du hast vor andern es gewaget, Und daß der Schoͤpfer unermeßlich, auch in der Creatur, gesaget: So kehr auch, bey der lieben Jugend, mit etwas mehr Erklaͤ- rung ein, Auf welche Weis, aus seinen Werken, der Schoͤpfer koͤnn er- kennet seyn, Damit sie ihre Schuldigkeit, mit wahrer Ueberzeugung, fasse, Und ihre Seel und Hirn-Canaͤle, nicht so, wie wir, verstop- fen lasse. ENDE . Regi- Register aller Gedichte dieses sechsten Theils. K urze Abendandacht 622 Besondere schoͤne Abendvorwuͤrfe 100 Macht des Aberglaubens 276 Geistiger Abgott 512 Die schlimmste Abgoͤtterey 514 Betrachtung der Aehren 69 Beweisgrund gegen die Al chymisten 367 Alles von Gott 383 Gottes Allgegenwart 533 Die Allwissenheit 430 Der gestirnte Amaranth 172 Betrachtung aus der Anatomie 364 Ueber die Armenbuͤchse zu H 476 Der Atheist 372 Beschaͤmung zweyerley Atheisten 460 Der durch sich selbst widerlegte und uͤberfuͤhrte Atheist 482 Unnuͤtze Muͤhe einen Atheisten zu bekehren 514 Versuch ob ausser der Lehre von der Contingenz ein Atheist nicht koͤnne uͤberzeugt werden 607 Billige Aufloͤsung eines nicht unbilligen Einwurfs 393 Aufmerksamkeit 405 Die Baͤhren 235 Beantwortung eines wahrscheinenden Einwurfs 467 Zuͤgel der Begierden 299 Verkehrtes Beginnen 256 Das sonderbare Begraͤbniß der Maulwurfs 380 Schwaͤche menschlicher Begriffe 525 Ge- Register. Gedanken uͤber den Tod der Belise 572 Ausgesetzte Besserung 594 Rechte Art zu bethen 378 Nutz der Betrachtung 477 Ueberzeuglicher Beweis , daß wir uns hier des Schoͤpfers zu freuen schuldig sind 359 Die Biber 237 Zwo lehrende Bienen 20 Nuͤtzliche Betrachtung uͤber Bienen 125 Blaͤtter im Herbste 181 Unbillige freywillige Blindheit 529 Mancherley Vergnuͤgen an Blumen 8 Erbauliche Betrachtung der Blumen und Pflanzen 57 Fruͤhes Blumengeschenke 63 Erbauliche Gedanken bey den Blumen 68 Nuͤtzliche Blumenbetrachtung 78 Ueber eine Schachtel mit auserlesenen Blumen 115 Bohnenfelder 133 Brennspiegel 497 Caprifolium 142 Versuch, |ob ausser der Lehre von der Contingenz ein Atheist nicht koͤnne uͤberzeugt werden 607 Der Dachs 242 Dammhirsch 241 Dank das beste Opfer 353 Geringfuͤgigkeit unsers Danks 414 Die Dankbarkeit 550 Dankgedanken 354 Demuth 302 Nutz der Demuth 329 Disputirkunst 326 Die Ehe 558 Ehrenmaal des Marggrafen, Carl Wilhelm zu Baden 719 Das Eichhorn 242 Blinder Eifer 498 Nachtheil der Eigenliebe 544 Br. VI. Th. A a a Bey Register. Bey seinem Eintritt in das 58 Jahr 464 Das Elendthier 246 Die unertraͤgliche Empfindlichkeit 546 Nutz der Erkenntlichkeit 431 Noͤthige Erklaͤrung 390 Ermahnung 470 Nach der Erndte 151 Eine Fabel 300 Eine andere Fabel 519 Fabel von der Rose 61 Auf den Tod des sel. Herrn Fabricius 319 Fischerey 159 Die Fischottern 243 Der Flieder 49 Frage 286 Fragen 154 Die Froͤsche 12 Liebliche Fruͤhlingsvorwuͤrfe 5 Aufmunterung zum Vergnuͤgen im Fruͤhlinge 9 Anmuthige Vorwuͤrfe der Sinnen im Fruͤhlinge 11 Neue Fruͤhlingsgedanken 30 Morgengedanken im Fruͤhlinge 65 Die Fuͤchse 233 Alles Gottes Gabe 532 Der himmlische Garten 119 Vernuͤnftiges Gebeth 502 Kurzes Gebeth -und Lobformular 325 Auf seinen Geburtstag 547 Eben darauf 548 Vergnuͤgte Gedanken 118 Gegensatz 410 Die Gemsen 231 Liebreiche Gerechtigkeit Gottes 518 Ein| der Gottheit gewidmetes Geschenk 261 Das liebreiche Gesetz 614 Ein neues Gestirn 248 Suͤßigkeit eines guten Gewissens 391 Un- Register. Ungluͤckselige Gewohnheit 384 Unbegreifliche Gleichguͤltigkeit 279 Gott alles 530 Eigennuͤtziger Gottesdienst 380 Die uͤberall sichtbare Gottheit 526 Die unumschraͤnkte Groͤße der Gottheit 308 Schaͤdlichkeit der koͤrperlichen Gottheitsbilder 481 Goͤtzendienst 392 Einiger Groͤnlaͤnder Unwissenheit von Gott 493 Das dauerhafte Gruͤn 190 Unumstoͤßliche Gruͤnde 348 De Gustibus non est disputandum 522 Alles geliehenes Gut 529 Betrachtung der Wohlthat Gottes in dem Geschenke unserer Hand , in einem Neujahrsgedichte 1736. 623 Wunderlicher Handel 532 Hasen 228 Betrachtung uͤber die Heilungsbeschaffenheit in der Natur, 493 Herbst 180 Herbstbetrachtung 148 Herbstblaͤtter 170 Herbstuͤberlegungen 174 Absicht unsers Hierseyns 523 Himmelsbetrachtungen 440 Die Hirsche 216 Thoͤrichter Hochmuth 323 Thorheit des Hochmuths 339 Gegruͤndete Hoffnung 386 Ueber eine Menge schoͤner gefuͤllten Hyacinthen 34 Die blaue Hyacinthe 14 Die weisse Hyacinthe 13 Die roͤthlich-weisse Hyacinthe 28 Jagd-Cantata 156 Der Jltiß 239 Kaiserkrone 15 Ausserordentliche Kaiserkrone 32 Die wilden Katzen 204 A a a 2 Klage Register. Klage 492 Ungerathene Kinder 525 Trost aus der Erkenntniß unserer Kleinheit 542 Auf eine zu Altenbruch gegossene Klocke 319 Betrachtung uͤber den braunen Kohl 211 Schoͤnheit eines Gefildes mit Korn 69 Anschickung zum Kuͤnftigen 411 Bereitung aufs Kuͤnftige 306 Die Kunst , vernuͤnftig sehen zu lernen 331 Fuͤr junge Lente sich auf dem Lande zu erlustigen 52 Gedanken bey einer froͤlichen Gesellschaft auf dem Lande 137 Unsere in mancherley Vergnuͤgen eingetheilte Lebenszeit 508 Der gefluͤgelte Lehrer 54 Die Leoparden 247 Noͤthige Leseschule 257 Die Liebe 336 Das unsichtbare Licht 283 Lob 287 Lob in Schwachheit 571 Der Loͤwe 244 Die Loͤwinn 236 Die Luͤchse 232 Der durch Gott gezierte Luftkreis 59 Die geheiligte Lust 527 Der Marder 238 Eine Viole Matronal im Herbst 155 Das sonderbare Begraͤbniß des Maulwurfs 380 Der Mensch 338 Definition des Menschen 368 Der Mensch , ein Schmidt seines eigenen Ungluͤcks 340 Metall 337 Meynung 368 und 287 Verwahrlosung unserer Minen 490 Morgengedanken im Fruͤhlinge 65 Morgengesang 617 Morgenlied 620 Die Muͤcke 130 Das Register. Das Nachtgesicht 369 Die Nothwendigkeit der Naͤchstenliebe 379 Nutz der Naͤchstenliebe 544 Misbrauch des Worts Natur 310 Wuͤrdige und rechte Anwendung der Naturlehre 406 Neujahrsgedichte 1736. 623 = = = 1737. 648 = = = 1738. 674 Versuch der Kraft unsers Geistes in der Betrachtung vom Nichts 674 Fernere Untersuchung des Norderlichts 588 Oculus non videt quum animus alias res agit 510 Das beste Opfer 260 Betrachtung einiger hauptsaͤchlichen Pflichten der Menschen gegen Gott, in einem Neujahrsgedichte 1737. 648 Beym Pfluͤgen 77 Der 148. Psalm 711 Aus dem 18. Psalm 712 Groͤße eines Puncts 521 Quadratura circuli 336 Der Rehbock , nebst der Geis 234 An Hr. Probst Reinbeck 730 Das Rennthier 245 Die Rose , eine Fabel 61 Abermalige Betrachtung der Rose 36 Noch einige Gedanken uͤber die Rosen 41 Rosengedanken 44 Rose im October 171 Die junge Saat 205 Schatten 105 Heilsames Mittel fuͤr Schiffende 345 Betrachtung uͤber den Schilf 145 Schluß 557 Die neue Art durch Connexiones der Schluͤsse zu uͤberfuͤhren eben so wohl widersprechlich 598 Wie es sanft schneyet 198 A a a 3 Der Register. Der Schoͤpfer uͤberall gegenwaͤrtig 428 Die Schonkilje spricht 26 Eine im Februar bluͤhende Schonkilje 204 Schreiben an Madem. Weisen in Merseburg 536 Gedanken uͤber Schrittschuh 200 Schuldigkeit der Menschen Gott zu dienen 388 Wilde Schweine 226 Mittel gegen Schwermuth 371 Gedanken bey einer Section 298 Sinnenlust im Lenzen 66 Sinnenschule 270 Wohleinzurichtender Gebrauch unsrer Sinnen 265 Nothwendige Verbindung der Seelen und der Sinne 357 Erweislicher Verlust dreyer Sinne 501 Sommerbetrachtung 92 Sommervorwuͤrfe 96 Fernerweitige Betrachtung der Sonne 108 Die Sonne der Sonnen 290 Stille im Sturm 335 Die Stoppeln 179 Suͤnde 513 Tabac 209 Tapeten der Natur 122 Tempel Gottes 3 Vorzug vor deu Thieren 498 Die allergroͤßte Tiefe 296 Ein Topf mit Blumen 196 Zum Traumgesichte 291 Ueber Herr D. Trillers II. Theil seiner poetischen Betrachtun- gen 504 Trost 524 Zuversichtlicher Trost 260 Auf einen Tubum 458 Definition der Tugend 330 Ueberzeugliche Ueberfuͤhrung 427 Nothwendige Ueberlegung 392 Ueberschrift uͤber eine moralische Zeichnung 593 Ueber Register. Uebersetzungen 713 Gefaͤhrliche Verachtung der Welt 288 Veraͤnderung des Menschen, in Veraͤnderung seines Alters 329 Vergleichung 321 Einzige Quelle des Vergnuͤgens 327 Verlaͤngerung des Vergnuͤgens 408 Vergnuͤglichkeit 297 Jnbruͤnstiges Verlangen 369 Vermahnung 262 Unrichtige Anwendung der Vernunft 601 Schranken unserer Vernunft 599 Schaͤdliche Versaͤumung Gottes Wunder auf der Welt zu be- trachten 480 Gefaͤhrliches Versteigen des menschlichen Geistes 595 Eine Viole Matronal im Herbst 155 Unachtsamkeit der Menschen 258 Unselige Unaufmerksamkeit 478 Unbilligkeit vieler Menschen 499 Ungewißheit auch in Zahlen 520 Nachtheiliges Unterstehen goͤttliches Wesen zu begreifen 602 Klaͤgliche Unwissenheit 503 Der lehrende Vogel 253 Das Vogelstellen 165 Vorwurf 354 Die Wahrheit 342 Die Wallfische 343 Wankelmuth der Menschen 258 Warnungslehre fuͤr erhabne Geister 586 Zierliche Wasserbilder 171 Wassergedanken 172 Wassergraben 103 Zusatz zu den Wassertropfen 352 Vier Welte 281 Die Welt ein goͤttlicher Lehrer 324 Fernere Betrachtung des Weltmeers 417 Nothwendigkeit die Werke Gottes zu betrachten 385 Vergnuͤgliche Erkenntniß der Werke Gottes 415 Die Werkstatt der Seelen 446 Ueber- Register. Ueberzeugliche Beweisgruͤnde eines goͤttlichen Wesens 471 Schoͤn Wetter 140 Vergnuͤgung bey regnichtem Wetter im Sommer 128 Zur Wiese 98 Wiesel 238 Fliehendes Wild 230 Der freye Wille 377 Winterbetrachtung 182 Wintergedanken de a. 1738. 186 Nothwendigkeit, wirthlich zu seyn 503 Die Woͤlfe 229 Wortstreit 413 Wunsch 286 . 290 . 430 . 524 Billiger Wunsch 387 Froͤlicher Wunsch 527 Herzlicher Wunsch 412 Ungereimter Wunsch 571 Unverantwortliches Zanken uͤber das goͤttliche Wesen 528 Gute Anwendung unsrer kurzen Zeit 320 Der große Zirkel 531 Des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist 432 Zuͤgel der Begierden 299 Das Zukuͤnftige 370 Zusatz zu dem 337 Blatte des 4 Theils des irdischen Vergnuͤ- gens 303 Eigentlicher Zustand auf Erden 325 Zweifelmuth erregt und gestillt 396 ENDE . Einige Druckfehler in diesem sechsten Theile. Auf der 46. S. 4. Z. fuͤr, keinen Spitzen, lies, kleinen Spitzen. 92. = 8. fuͤr, halben Grunde, lies, blauen Gruude. 96. = 3. fuͤr, schoͤnste Weltgebaͤude, lies, schoͤne Welt- gebaͤude. 111. = 10. fuͤr, Entwurf, lies, Einwurf. 226. = 3. fuͤr, nuͤtzlich, lies, moͤglich. 238. = 5. fuͤr, wilder Brust, lies, wilden Bruth. 374. = 13. fuͤr, uͤbermaßen, lies, Uebermaße. 410. = 11. fuͤr hohlen, lies, holden. 437. = 18. fuͤr, zugeblasner, lies, zugelaßner. 448. = 8. fuͤr, holden, lies, hohlen. ibid. = 16. fuͤr, unkoͤrperlicher, lies, und koͤrperliche. 457. = 1. fuͤr, bis her, lies, bis daher. 497. = 12. fuͤr, auch, lies, auf. 585. = = muß unter der 5ten Zeile folgender Vers hinzugesetzt werden: Der sich, von uns, zum Paradiese. 595. = = 3. fuͤr, so sichtbar, lies, nicht sichtbar. 604. = 4. muß an statt, W** ein M** seyn. 630. = 4. fuͤr, nicht, lies, mir. 646. = 8. fuͤr, Messer, lies, Wasser. 644. = 13. fuͤr, Vergnuͤgen, lies, Vermoͤgen. 665. = 4. fuͤr, sich, lies, uns. 706. = 8. fuͤr, juͤngst, lies, Juͤngst. 712. = 18. fuͤr, holder, lies, hohler. 721. = 7. fuͤr, Violen, lies, Volieren. Das Gedicht die Dankbarkeit pag. 550. wel- ches durch einen Zufall versetzt, gehoͤret zu Ende des Neujahrsgedichts 1737. p. 673.