Die Electricitaͤt nach ihrer Entdeckung und Fortgang Mit Poetischer Feder entworffen Von George Mathias Bose Prof. Phys. auf der Academie zu Wittenberg Wittenberg Bey Johann Joachim Ahlfelden Jhro Koͤniglichen Hoheit Der Durchlauchtigsten Frauen FRAUEN Fridrica Louise Gebohrnen Koͤniglichen Printzeßin von Preussen Vermaͤhlten Marggraͤfin von Brandenburg Anspach Meiner Gnaͤdigsten Marggraͤfin und Frau D urchlaucht’ste M arggraͤfin, da Deine Hoheit Sich So weit erniedriget, und unvermuthet mich Durch Deine Gegenwart unendlich hoch erfreuet, Steigt meiner Wunder Krafft, wie sich mein Gluͤck ver- neuet. Dein goͤttlicher Verstand sieht augenblicklich ein, Was hier sich zeigen muß, was dort vor Folgen seyn, Und was ich bis anher unendlich schwer genennet, Das ist Dir alles leicht. Dein Einsicht, Fuͤrstin, trennet Des Des Zweiffels duͤstres Schwartz, so wie der Sonnen Licht Jn einem Augenblick durch tausend Nebel bricht. Wenn dann mein Kiel allhier, was sonderbar, entdecket, Hast Du allein darzu die Krafft in mir erwecket. Von Dir allein empfing ich die Geschicklichkeit, So wird das Deinige ja billig Dir geweyht. Und ich schließ Ehrfurchtsvoll: Bluͤh ewig wie die Rose, Das wuͤnscht, Durchlauchtigste, Dein Wittenberg, den 20. Julii 1744. unterthaͤnger Bose. Mein Leser, D a ich bereits vor laͤnger als s echs Jahren, und nachdem noch zu zwey unterschiednen mahlen von der Electricitaͤt geschrieben, so wuͤrde ich mich wohl schwerlich unterstanden haben, auch nunmehro deutsch, ja gar als ein Dichter, diese Ma- terie abzuhandeln, wofern nicht ein ausserordentliches Gluͤck mich darzu aufgemuntert. Die besondre Gnade, Eine Hohe Koͤnigliche Printzeßin allein deswegen durch Wittenberg reisen zu sehen, (diese Worte, welche aus Jhro Koͤniglichen Hoheit Durchlauchtigsten Munde zu vernehmen gewuͤrdiget worden, sind mir so Edel, daß alle meine Phi- losophie losophie nicht zureicht, solche hier zu verschweigen,) um persoͤnlich zu untersuchen, ob dasjenige sich wuͤrcklich also verhalte, was man von meiner Electricitaͤt erzehle, erfor- derte zum allerwenigsten dieses Denckmahl von mir. Jch verhoffe also hierdurch theils meiner unterthaͤnigen Pflicht, theils dem Verlangen vieler Leser genung gethan zu haben. Denen Kunst-Richtern wird es unmoͤglich fallen, von diesem meinem Gedichte so hart und unbarmhertzig zu urtheilen, als ich selbst. Wort, Reim, Gedancken, Ausdruͤckungen, und alles gebe ich Jhnen Preiß. Nur an der Materie selbst darf sich niemand vergreiffen, so ihr, aber auch mir nicht gewachsen. Alles sticht und brennt. Und da ich mir uͤber all die strengste Wahrheit zur Richtschnur vorgeschrieben, so schmeichle ich mir eine baldige Verzeihung, daß der Natur- Lehrer sich so gar erniedriget, und einen Dichter abzugeben kein Bedencken getragen. Lebe wohl. Die Die Electricitaͤt. Das erste Buch . VIRG. Æn. VIII. 205. Ne quid inausum, Aut intentatum mihi. J hr Dichter, deren Geist Apollens Blitz bestrahlt, Und die ihr die Natur so schoͤn, so lebhafft mahlt, Steht keiner von Euch auf, den stoltzen Seltenheiten Der Electricitaͤt ein Denckmahl zubereiten? Reißt sie denn nicht so wohl euch Seel, und Geist, und Sinn Bis zur Verwunderung, ja zum Erstaunen hin, A Als Als eine Rose thut? und muͤßt ihr nicht gestehen, Sie sey wahrhafftig werth den Alpen fuͤrzugehen? Auf denn erhabner Brocks, auf grosser Haller auf. Laßt Eurer Dichtkunst hier gantz unumschraͤnckten Lauff. Hier, hier laßt Euren Kiel sich zu den Sternen schwingen, Und alles an sich ziehn, in Glut und Feuer bringen. Jndessen biß ihr Euch an diese Arbeit macht, Und ein Gedichte schreibt, des ungemeine Pracht Auch dem Lucretio unendlich fuͤrzuziehen. So dultet wenigstens mein loͤbliches Bemuͤhen, Und nehmt, dieweil ich nicht nach Wuͤrden singen kan, Wie Alexander dort die Hand voll Wasser an. Vielleicht laßt Jhr Euch doch durch diese Schrifft ermuntern, Und singt im hoͤhern Ton von so besondern Wundern. S eht, wie schon Plato es erstaunens werth beschreibt, Daß sein Electrum zieht, so bald als man es reibt. Seht, wie schon Theophrast und ein Plutarch, beruͤhret, Tent. Electr. pag. 17. 56. 59. Daß jedes, was nur leicht, den Zug davon verspuͤhret. Durch alle Secula findt man die Nachricht klar, Wie solch ein seltner Zug in wenig Wesen war. Nur Gilbert hat zuerst mit grosser Muͤh entdecket, Daß diese Eigenschafft in vielen Coͤrpern stecket. ibid. pag. 17-20. Reibt einen funckelnden Sapphir, und Diamant, Crystall, Glas, Schwefel, Hartz, Fluß von Avonens Strand, Und was nur diesen gleicht, so fort ist zu erblicken, Wie kleine Coͤrpergen auf den geriebnen druͤcken. O Gil- O Gilbert grosser Mann, dein ungemeiner Fleiß Brach ohne Wiederspruch uns allen hier das Eis. Und irrest du ja wo, so muß ichs doch erzehlen, Du fehlest, aber so, wie grosse Geister fehlen. D rauf folgt durch Fuͤrsten Huld der Florentiner Muͤh, Jn de Monconngs Reisen pag. 701, und einem diesen Reisen einverleibten Schrei- ben des Ritters Morey pag. 543, 544. (nach der deutschen Ubersetzung M. Junckers, Leipzig und Augspurg. 1697. 4.) ist zu ersehen, daß Otto von Gue- ricke seine Schwefelkugel bereits im Jahre 1663. gebrauchet. Da nun die er- ste Ausgabe der Academia del Cimento 1666. gedrucket worden, und man in Florentz schon zu Galilei und Torricellii Zeiten diesen Versuchen obgelegen, so habe kein Bedencken getragen, die Florentiner dem Otto Guericke der Zeit nach vorzusetzen. Zu geschweigen daß die Florentiner und Guericke in gantz verschiedner Absicht diese electrische Versuche angestellet, und also weder die- ser jene, noch jene diese nachgeahmet. Guerickens Buch ist bekannter massen 1672. herausgekommen. pag. 20. Lehrt, daß ihr Stein den Rauch, nicht Flammen, an sich zieh. Daß selbst das schwerste Naß dem Agtstein folgen muͤsse, Wofern er seine Krafft mit Nachdruck von sich schiesse. M ein Otto Guericke kam auf die rechte Spur, pag. 21. Durch einen neuen Pfad, fast gar bis zur Natur. Die Schwefelkugel wieß ihm tausend neue Dinge, Daß sie erst an sich zieh, drauf wieder von sich dringe. Er pflantzete die Krafft durch einen kleinen Strick Auf eine Elle fort, in einem Augenblick. Und ließ ein Federgen frey in den Luͤfften schweben, Nachdem er selbigem vorher die Krafft gegeben. Doch grosser Guericke hier liessest du es seyn? Drangst nicht in der Natur verborgnen Tempel ein? A 2 Und Und warest im Begriff das alles zu erlangen, Womit Britannien und Franckreich jetzo prangen? So ist der Lauff der Welt, selbst der Gelehrsamkeit. Kein Reich ist Anfangs groß. Rom waͤchst, doch mit der Zeit. Das Woͤlckgen, so den Stoff von Duͤnsten hergenommen, Jst klein, nimmt zu, und kan mit Stuͤrmen wieder kommen. E in Hauksbej sucht aufs neu die schoͤnen Lehren vor. 22. 24. Rieb mit der Hand, Papier, Tuch, Seyd, ein glaͤsern Rohr. Und fand, daß das so fort in einem Wirbel Kreise, Was leicht und klein genung, viel Ellen an sich reisse. Drauf stoͤßt es wieder weg. Seht, wie es nochmahls zieht, So starck, so offt, so schnell, als kaum das Auge sieht. Das Rohr, beraubt von Lufft, wird schwach, von Wunderwercken Des Stossens, und des Ziehns ist schwerlich was zu mercken. Electrisir ein Rohr, und halt den Finger hin, Ja was dir sonst beliebt, Stein, Wasser, Holtz und Zinn, Den Augenblick erfolgt ein Knacken, und im dunckeln Muß, was das Rohr beruͤhrt, als so viel Sterne funckeln, Hier ruhte Hauksbej nicht. Nahm ein gewoͤlbtes Glas, Jn dessen Mittelpunct ein hoͤltzern Scheiblein saß, Mit Faͤden um und um. Er heißt die Kugel drehen, Und sieht, wie steiff, wie stoltz, so leichte Faͤden stehen. Allein sein Finger naht. Der Faden flieht und weicht, Noch lange, ehr die Hand des Glases Bauch erreicht. Er blaͤßt die Kugel an, und sieht fast mit Erschrecken, Wie seine Faͤden sich, gleich den erschlagnen strecken. Kein Kein harter Donner Strahl, der aus den Wolcken eilt, Der Baum und Fels zermalmt, der gantze Berge theilt, Kan einen festen Mast so schnell zu Boden schlagen, Als hier ein schwacher Hauch die Faͤden. Doch zu sagen, Daß solcher durch das Glas und dessen Hoͤhlen dringt, Die Faͤden niederstuͤrtzt, und so zum Falle zwingt. Das will wohl nicht bestehn. Vielmehr ist zu erkennen, Daß wir in diesem Fall der Kugel Wirbel trennen. D er edle Britte Gray haͤlt mit Versuchen an. 24-26. Fuͤhrt diese Eigenschafft an einer langen Bahn Aus seinem Rohre fort, und ohne zu verweilen, Sieht er dieselbige achthundert Schritte eilen. Kein eintzger Coͤrper ist, der nicht electrisch sey. Holtz, Steine, Blaͤtter, Sand, ein Huhn, Stroh, Wasser, Bley, So er an jenen Strick vielfaͤltig angebunden, Hat, wenn er den beruͤhrt, so fort die Krafft empfunden. Gray wagte es zuerst, und nahm ein maͤßig Kind, Beruͤhrt es durch sein Rohr, daß ward hierdurch geschwind Auch electrificirt, zog tausend Kleinigkeiten Erst an, drauf stieß es weg, zog nochmahls an von weiten. Verwegner Britte Gray, kennst du genung die Krafft Von der unglaublichen, und neuen Eigenschafft? Und darffst du dich also, Verwegner, unterwinden, Dein Electricitaͤt mit Menschen zu verbinden? B is hieher hatte man die Wunder schon gebracht, Als Galliens Du Fay sich an die Arbeit macht, 27. seqq. A 3 Der Der wahrlich sich hierdurch ein Denckmahl aufgerichtet, Das keine Zeit verzehrt, die doch den Stahl zernichtet. Er fragt, hier lacht ein Thor, ob alles in der Welt, Wenn man es reibt und waͤrmt, dadurch die Krafft erhaͤlt? Versucht Porphyr, Achat, all’ Arten Marmor-Steine, All’ Arten edele, die Kiesel, weiche, Beine, Holtz, hartes, weiches, Stroh, Papier, Horn, duͤrres Kraut, Die Muscheln, die so schoͤn, so praͤchtig aufgebaut, Zeug, wollen, seyden, Tuch, der Fische Schuppen, Leder, Pech, Schwefel, Fischbein, Hartz, Glas, aller Voͤgel Feder, Was sich nur reiben laͤßt, und nicht davon erweicht, Hat ohne Wiederspruch das Anziehn klar gezeigt. So laͤßt ein lebend Thier auf seinem rauchen Ruͤcken Wenn man es etwas streicht dasselbe deutlich blicken. Allein was fluͤßig ist, und sich nicht reiben laͤßt, Zugleich auch ein Metall, das doch genungsam fest, Das reibe wie du wilst, da ist nichts zu erwecken. Da muß der Stoff zu tieff in seinem Urgrund stecken. Doch alles fluͤßige, (hier nehm ich uͤberall Die eintzge Flamme aus Denn daß ein brennend Licht in einem Platze steht, Da meiner Kugel Krafft durch alle Raͤumlein geht, Desmegen kan ich es noch nicht electrisch nennen. Wenns zieht, und stoͤßt, und knackt, so will ich es bekennen. und iegliches Metall, Das durch kein Reiben nie zu electrificiren, Laͤßt durch die Mittheilung die Wirckung scharff verspuͤhren. 29. Lex 11. B eruͤhr also was dir in aller Welt geluͤßt’t Durch etwas, so vor sich gar leicht electrisch ist, So So siehst du, wie der Zeug so schnell von diesem eilet, Und jenem sich davor im Augenblick ertheilet. Hier, Leser wundre dich, die Wesen die allein Durch Reiben sehr geschwind, und starck electrisch seyn, Sind durch die Mittheilung fast gar nicht zu beleben, Da schwer electrische die schoͤnste Wirckung geben. Nur mercke, wenn etwas durch solche Mittheilung Electrisch werden soll, so ist es nicht genung, Daß dein geriebnes Rohr mit seinem Blitz es zuͤnde, Es sey denn, daß man noch den Umstand mit verbinde; Es muß auf Seyde, Pech, Glas, solchen Sachen ruhn, Die leicht electrisch sind, sonst magst du alles thun, Was immer moͤglich ist, so ist es fast vergebens, Und electrifieirst es kaum zeit deines Lebens. Wenn du es gegentheils auf jene Dinge stellst, Und dein belebtes Rohr nicht ferne von ihm haͤltst, Wird es in einem Huy von seiner Krafft durchgangen, Was leichtes bleibt so dann behende an ihm hangen. Wie? daß die Mittheilung den Coͤrper leicht belebt, Der unserm Reiben doch so eisern wiederstrebt? Wie? daß wir den, so wir doch leicht electrisch nennen, Durch diese Mittheilung so schwehr erwecken koͤnnen? 29. Lex 1. Gewiß, wer dieses nur ein wenig uͤberlegt, Zur Lehre der Natur gebuͤhrend Neigung traͤgt, Der wiederspricht mir nicht, wofern ich muthig schreibe, Wie tausend Schwierigkeit hier stets verborgen bleibe. Die Wunder des Magnets, die Ebbe mit der Fluth, Wie in dem Saamen schon ein kuͤnfftig Thierlein ruht, Ob Ob in der ersten Frucht die andern sich verhoͤhlen, Jst schwer, doch dieses Ziehn weit schwerer zu erzehlen. A uch scheinet es bey nah, als kaͤm die staͤrckre Krafft Mit von der Farbe her, bey dieser Eigenschafft. 30-32. Mein unermuͤdeter Du Fay das zu erfahren, Versucht neun Enden Band, die gleicher Groͤsse waren. Schwartz, weiß, roth, goldgelb, gelb, gruͤn, blau, und indigo, Das letzte violet, an Farbe, doch also, Daß alle neune scharff in einer Reihe hingen, Drauf ließ er sich sein Rohr, das sehr electrisch, bringen, Das hielt er schnur gerad an alle hin, gleich weit. Das Schwartze kam zuerst, mit einer Fertigkeit Die unvergleichlich war, die ihn sehr offt ergoͤtzte. Das Weisse, drauf die sechs, das Rothe stets das letzte. Du Fay fuhr weiter fort, schnitt noch neun Scheiblein ab, Wie sie die Musterung von Newtons Farben gab. Des Newtons, als durch den der Himmel uns gezeiget, Wie groß der Menschen Witz wenn er am hoͤchsten steiget. Er legt ein Blaͤtgen Gold auf einen glaͤsern Fuß, Deckts mit dem Scheiblein zu. Dann blitzt sein Rohr. Er muß Nicht ohne wundern sehn, wie da das schwartz und weisse Dem Donner seines Rohrs gantz undurchdringlich heisse, Da buntgefaͤrbte ihm sehr wenig wiederstehn. Ja durch das Rothe will er offt am schnellsten gehn. Wer wollte nicht hierdurch fast augenscheinlich schliessen, Daß wir die Farben mit in Obacht nehmen muͤssen. Am Am weitesten zog dort das Rohr ein schwartzes Band. Unstreitig ist denn das der Krafft sehr nah verwandt. Das Rothe kam zu letzt. Das hat denn mit dem Ziehen Am wenigsten zu thun. Wer will sich nun bemuͤhen, Daß durch den schwartzen Ring die Wirckung dringen soll? Er nimmt die Krafft vor sich, zieht sich damit gantz voll. Das rothe Band war dort am schwersten zu erfassen. Das raubt nicht, haͤlt nicht auf, wird alles durch sich lassen. W ahrscheinlich gnung gesagt. Doch als Du Fay gemerckt, Wenn sein crystallnes Rohr durchs Reiben sehr gestaͤrckt, So zieh es auch das Gold selbst durch die schwartzen Ringe, So zweifelt er, ob das wohl an den Farben hinge. Nahm Farben, wie er sie in Florens Tempel fand, Und die natuͤrlich sind, die nicht des Kuͤnstlers Hand Durch seinen Sud verfaͤlscht. Die weisseste Narcisse, Die selbst den Schnee beschaͤmt, der Tulpen schwartze Spiesse, Der Rosen schimmernd Roth, hochgelbe Lilien, Den blassesten Genist dort aus Hispanien, Ein Blat, ein gruͤnes Gras, so dem Smaragde gleichet, Den stoltzen Hyacinth, dem fast der Himmel weichet, Der blauen Veilgen Sammt, den Purpur Amaranth, Den allen droht sein Rohr sehr muthig, und er fand: Hier thut die Farbe nichts, je kleiner diese Blaͤtter, Je weiter reißt sein Rohr sie an sich, wie ein Wetter. G eschicktester Du Fay du bist noch nicht vergnuͤgt, Weil dir die Wahrheit gar zu sehr am Hertzen liegt, B Ver- Versuchst, o welcher Fleiß, in einem dunckeln Zimmer, Mit Newtons Prismate der Farben Blitz und Schimmer. Du Zier Britanniens. Jedoch was schreibt mein Kiel, Der mehr als zwanzigmahl mir aufs Papier hinfiel? Du Zier der Menschheit selbst, kaum kan ich hier mich binden, Dir Opffer, oder doch den Weyrauch anzuzuͤnden. Als Newtons Dreyeck nun, und das ganz unverweilt, Den erst vermischten Strahl der Sonne rein getheilt, Prangt dort ein langes Roth, so allen Purpur blendet. Das Gelbe folgt. Kein Gold so uns Potosi sendet, Kommt diesem Glantze bey. Kein Gras ist ie so schoͤn, So lebhafft kein Smaragd, er muß beschaͤmet stehn, So blitzt der Sonnen gruͤn. Das blau von den Sapphiren, Womit Bisnagar prangt, muß Feur und Schein verliehren. Allein hier stutzt Du Fay, weil sein Oracul schweigt. Denn welch gefaͤrbten Licht er auch sein Rohr gezeigt, So zieht es keines an. Er setzt die weissen Ringe, Daß dieser roth, dann gelb, gruͤn, blaues Licht empfinge, Und hinter solchen hing das obberuͤhrte Band, Von dem kein eintziges des Rohres Hauch empfand. Er macht die Scheiblein warm, und in den Augenblicken Sieht er des Rohres Blitz die Baͤnder zu sich ruͤcken. Du Fay versucht noch viel, und zeiget draus zuletzt, Das die Natur sich da zur Regul vorgesetzt: „Die Farb, als Farbe, thut nichts zu den Wunder-Sachen, „Doch etwas thut der Stoff woraus wir Farben machen. 32. Lex 111. Mein M ein trefflicher Du Fay wirfft hier die Frage auf: Welch Art von Coͤrpern hemmt wohl des Electri Lauff? Haͤlt Glas, Papier, Metall, Holtz, tausend solche Dinge, Dort uͤber leichtes Gold, ob das die Krafft durchdringe. Und thut mit Fleiß und Muͤh unwiedersprechlich dar: „Ein Coͤrper der vor sich selbst leicht electrisch war „Laͤßt diesen zarten Strohm durch seine Hoͤhlen gehen, „Der nur durch Mittheilung wird ihn zuruͤcke wehen, 32-34. Lex IV. „Wenn man ihn nicht vorher erwaͤrmt, wohl gar erhitzt. Da sieht man wie der Zug selbst durch Metalle blitzt. Vermuthlich sind hierdurch die Oeffnungen erweitert, Jn welchen zu vorher das zarte Werck gescheitert. Sein wundersames Rohr jagt Funck und Wellen fort, So schnell als einen Pfeil, an sehr entfernten Ort. Ein aufgespanntes Seyl von dreyzehn hundert Schritten 25 Zog dort am End an sich so scharff als in der Mitten. Jch hab es auch versucht, wie sehr schwehr dieses faͤllt. Der Strick den man erwehlt, die Lage, was ihn haͤlt, Was ihm etwa zu nah auf allen beyden Seiten, Das alles, alles macht uns tausend Schwierigkeiten Doch die sind nun vorbey. Nun untersteh ich mich, Wenn iemand wetten will, es sey, so stell ich dich Auf Pech, Glas, Seyde hin, von mir zehn deutsche Meilen, Mein Zug soll wie ein Blitz am Bande zu dir eilen. A uf meine Muse, auf. Jetzt thu durch meinen Mund Das unbegreifflichste von allen Wundern kund. B 2 Ver- Verschaffe, daß mein Kiel hoch, feurig, maͤnnlich bleibe, Was wunderbahr zu sehn, auch wunderbahr beschreibe. Du Fay electrisirt den Menschen durch sein Rohr. 34-38. Was, Muse, thun sich da vor neue Wunder vor. Der Mensch zieht alles an, stoͤßt weg, und leichte Kleyen Wie fahren die herum in Schnecken gleichen Reyhen. Kommst du mit deiner Hand dem Menschen ziemlich nah, Und offt auf einen Zoll, so findest du allda Ein Blasen, einen Hauch, der laulicht anzufuͤhlen, Und merckst an deiner Hand, wie kleine Wirbel spielen. Doch wage noch was mehr, beruͤhre seine Hand, Du zuckst, und fragst bestuͤrtzt: Was ists das ich empfand? Was stach mich? Was war das? ich bin ja nicht verletzet? So weit hat mein Du Fay die Sach ins Licht gesetzet. K aum daß Batavien die Wunder nur gehoͤrt, Wie unsre Feder hier dieselbigen gelehrt, So zeigt sie Musschenbroͤck 1739. mit ungemeinen Fleisse, Nach der Jhm eigenen, so klaren, buͤndgen Weise. Der schnelle Ruff darvon kam bald darauf gar fern, Bis zu den kalten Nord. Der muntre Klingenstern 1740. d. 26. Novembris. 1742. d. 3. Aprilis. Versucht es fast erstaunt. Es sammlet Doppelmaͤyer 1743. d. 20. Sept. Was man bisher gewußt vom Anziehn und vom Feuer. Auch selbst mein Hausen legt nach mir die Hand mit an. 1743 d. 3. Octobris. Jn dem fuͤnff und funffzigsten Theile der zuverlaͤßigen Nachrichten pag. 474 fin- det man, daß Herr Professor Hausen die Hauksbejsche Kugel zu denen electri- schen Und Halle tritt vergnuͤgt auf diese Feuer Bahn. Seht Seht Kruͤgers muthgen Kiel. 1743. d. 21. Decembris. Seht den erfahrnen Langen 1744. d. 8. 15. Iunii. Wie sie hier ebenfalls mit ihren Kraͤntzen prangen. Dann stehet in Berlin mein edler Ludolff auf. 1744. d. 23. Januarii. Verdoppelt Muͤh und Schritt und steigt im Helden Lauff. Wie groß ist nicht Dein Ruhm? durch Dein und mein Exempel Baut Dantzig ebenfalls sich einen Ehren-Tempel. Mein Ludolff goͤnn es mir. Es weyht Dir dieses Blat, Die Cronen, die Dein Fleiß mit mir verdienet hat. Du, Ludolff, oder ich wir muͤssens noch entdecken, Es mag sich die Natur, so schlau sie will, verstecken. Jhr Helden in der Kunst, die ihr so billig lebt, Und niemand etwas raubt, das seine jedem gebt, Spart weder Zeit noch Muͤh, die Großmuth edler Seelen Entbloͤßt, was die Natur bemuͤhet zu verhoͤhlen. A uf meine Muse auf. Ermuntre dich allhier. Nimm Adlers Fluͤgel an. Erzehle wie sich mir Ein ungemeines Gluͤck, und unverhofft ereignet. Allein die Glut zu sehn, die hier mein Kiel bezeichnet. Die Zier Germaniens, so gleich sagt dir dein Sinn, Daß dieses niemand ist als Anspachs Maggraͤfin, Jn Deren Wesen zwar die Anmuth selber lieget, Wozu die Majestaͤt der Koͤnige sich fuͤget. B 3 Jn schen Versuchen nicht ehe als in einem collegio experimentali zu brauchen an- gefangen, welches er kurtz vor seinem Tode gehalten. Nun ist dieser anno 1743. den 2. Mey erfolget. Jn Deren Adern noch des Grossen Friedrichs Blut, Sieh, Nord und Ludwig bebt, in vollen Kraͤfften ruht, Die Zier Germaniens veraͤndert Jhre Reise. Daß ich in Wittenberg Jhr solche Wunder weise. O ungemeines Gluͤck. Gewiß, ein Hannibal, Der dort bey Cannaͤ siegt, Blut, Untergang und Fall, Der stoltzen Tiber droht, kan bey erkaͤmpfften Kraͤntzen Vor seinen Puniern nicht so voll Freude glaͤntzen, Als ich, da mir das Gluͤck im hoͤchsten Gipffel war. Weiß nicht ein iederman wie ungewoͤhnlich rar, Es heut zu Tage ist, daß große Koͤnigs Kinder Nach solchen Sachen sehn? Und doch nichts desto minder Forscht Deine Hoheit selbst, Durchlauchtste Marg- Graͤfin, „Ob ich auch also sey wie ich beschrieen bin. Auf demnach Muse auf. Auf Pallas oͤffne selber, Der schoͤnsten Poesie verschlossenste Gewoͤlber. Auf, Jhro Hoheit kommt -- Wie heiß ist nicht der Tag. Wer weiß, wie schwach mein Feur sich heute zeigen mag. Ach! es steht alles wohl so still als eine Mauer. Auf, Jhro Hoheit kommt. Mich ruͤhrt ein heilger Schauer. Du thust, Durchlauchtigste, noch kaum den ersten Tritt, So bringst Du Anmuth, Gluͤck den Himmel selber mit. Wenn solche Fuͤrstinnen die Wunder sehen sollen, Frag ich nichts nach der Lufft. Gnung, Jhro Hoheit wollen. Seht wie die Kugel sich einmahl in Wirbel reißt. Seht wie der Degen gleich die Feuer Flocken schmeißt. Wie Wie lebhafft sticht der Mensch. Jch fuͤhre Glut, und Schimmer Jm Augenblicke fort biß in das dritte Zimmer. Der Spiritus entflammt. Die Fraͤulein welche Dir Durchlauchtste Marggraͤfin, kaum goͤnn ich dieses Jhr, Stets so gar nahe ist, o ungemeines Gluͤcke, Versuchts. Jhr Funcken sticht, blitzt, zuͤndt im Augenblicke. Die holde Fraͤulein wirfft, Glut, Schimmer, Knall und Strahl, Zieht ihre Hand zuruͤck, und sticht doch noch einmahl. Sieh, Fuͤrstin, was mein Feur, vor Ehrfurcht vor Dich fuͤhret, Wie es so lebhafft ist, ja sich nicht gleich verliehret. Doch das ist nicht genung, daß Jhro Hoheit Sich Die Wunder zeigen laͤßt. Sie unterichtet mich. Trotz, Leser wer du bist. Kanst du so schoͤne Lehren Von so Durchlauchtigsten, und Schoͤnsten Fuͤrstin hoͤren? O grosse Marggraͤfin, es weyht Dein Holder Mund Noch hohe Schulen ein, thut den Gelehrten kund, Wie goͤttlich Dein Verstand im Lehren und im Streiten, Du Wunder unserer und der zukuͤnfftgen Zeiten. Was Jhro Hoheit Selbst vor einen Vorschlag that; „Man dreh in einem fort dein wundersames Rad, „Electrisire da die Menschen viele Stunden, „Zu wissen, was sie doch an ihnen selbst empfunden: Das, Grosse Fuͤrstin, ist anietzt mein Augenmerck, Auf Deinen Winck thu ich vielleicht ein Wunderwerck. Auf Deinen Winck entdeck ich tausend neue Sachen. Die meinen Nahmen denn durch Dich unsterblich machen. Wie Wie Deines Bruders Schwerdt im Felde siegt und blitzt, Die Feinde stets zerknirscht, die Unterthanen schuͤtzt, Wie Seine Majestaͤt ein Koͤnig am Gemuͤthe, Der Laͤnder Salomo, ein Titus an der Guͤte; Wie Dein Durchlauchtigster Gemahl ein Vater ist, Der Buͤrger Wohl besorgt, so Grosse Fuͤrstin bist Du Jhnen beyden gleich. Dein Anblick lehrt uns leichte, Wie eine Goͤttin sich auf unsrer Erden zeigte. Doch wenn ein Sterblicher an eine Gottheit denckt, Jn das unendliche, als in ein Meer sich senckt, Das unerforschlich ist, so muß er untergehen. Aus Ehrfurcht werd ich mich das niemahls unterstehen. Und schliesse Andachts voll: Der Hoͤchste laß allezeit, Durchlauchtste Marggraͤfin, nach Deiner Wuͤrdig- keit, Nach Deiner Hoheit Dich von Seraphinen tragen, Und was Dein Hertz verlangt, das komme, auf Dein Sagen. Die Die Electricitaͤt nach ihrer Entdeckung und Fortgang Mit Poetischer Feder entworffen Das zweyte Buch Der Erlauchten und Hochgebohrnen Frauen FRAUEN Des Heiligen Roͤmischen Reichs Vermaͤhleten Freyen Reichs-Graͤfin von Bruͤhl Gebohrnen Graͤfin von Collowrat Meiner Gnaͤdigsten Graͤfin und Frau V erzeih, Erlauchte Frau, daß meine Wenigkeit Dir, sondrer Ehrfurcht voll, die schlechten Blaͤt- ter weyht. Jch haͤtte solches mich wohl niemahls unterwun- den. Doch die gluͤckseeligen und mir so edlen Stunden, Da Dir gefiel, bey mir die Wunder anzusehn, Erregten meinen Kiel. Daher ist es geschehn, Dein Blick erweckete die Faͤhigkeit in mir. Was also von Dir kommt, das wiedm’ ich bil- lig Dir. Die Electricitaͤt. Das zweyte Buch. VIRG. Æn. I. 1. Nunc mea sola cano. G epriesener Du Fay, so schoͤn gingst Du mir fuͤr, Das ruͤhm ich oͤffentlich. Jch folgte gleich nach Dir. Die Wahrheit redt vor mich. So darf ich das wohl setzen. Sie sieget endlich doch. Wer wolte sie verletzen? Dein Angedencken soll niemahls bey mir vergehn. Auch werd ich deinen Ruhm, so lang ich leb, erhoͤhn. Nur alles was Du thatst, thast Du mit hohlen Roͤhren, Die gut, wenn sie nur nicht so sehr beschwerlich waͤren. Jch Jch nahm zu allererst mit viel Bequemlichkeit 1737. autumno. pag. 54, 55. Des Haucksbejs Kugel an, wodurch in wenig Zeit, Was sonst das Rohr mit Muͤh, nicht lang, auch schwach gezeiget, Unendlich staͤrcker wird, ja alles uͤbersteiget. So bald bey mir der Mensch auf Pech und Sieglack tritt, Theilt meine Kugel ihm so fort die Kraͤffte mit. Man fuͤhlt auf vier, fuͤnff Zoll ein deutlich warmes Wehen, Wie tausend Wirbel sich in tausend Kreysen drehen. Beruͤhrest du hierauf den Menschen mit der Hand, So faͤhrst du schnell zuruͤck, und fragst, was dich gebrannt. Welch stechen? Welch ein Knack? Hat niemand nichts gehoͤret? Wie? ist das Hexerey? Hat mich etwas bethoͤret? Versuch es noch einmahl. Der Todt folgt nicht darnach. Du wagsts, und ziehst zuruͤck. Es ist doch was das stach, Sprichst du verwundrungs voll. Auch hab ich klar vernommen, Das Stechen ist nicht still, es ist mit Prasseln kommen. Das thut nicht nur die Haut. Beruͤhre doch sein Kleid. Auch dadurch sticht es dich mit vieler Hefftigkeit. Und in der Finsterniß, ja gar am hellem Tage, Sieht man, daß dieser Stich ein Feuer bey sich trage, Jch noch begieriger, ging auf das Arsenal. Nahm unsrer Garnison gleich zwantzig an der Zahl, Vernunfft nicht wahr du lachst, von meinen zwantzig Leuten Wie schwehr ein jeder wog sorgfaͤltig anzudeuten? Wer nur sein Kind versucht, der zeigt es fleißig an. Sein Anhang lobts, und preißt den accuraten Mann. 82. Electrisirte die. Des Martis tapffre Soͤhne Veruͤbeten vielleicht vorher wohl ihr Gehoͤhne. Davon Davon beruͤhrete der eine nur, und kaum, Der Kugel schnelles Rund, so lag der gantze Raum, Viel schneller als man glaubt, in des Electri Fesseln. Wen man begriff, der stach, und brennte trotz den Nesseln. p. 38. Allein nimm tausend Mann, und nimm nur wohl in Acht, Daß sie auf Coͤrpern stehn, wie ich es schon gedacht, So bald der erste sich fast an die Kugel steiffet, So sieh, wie dieser Strohm gleich uͤber alle laͤuffet. Der letzte zieht so fort auch dicke Stricke an, Und sticht, daß schwache Faust es kaum ertragen kan. Das Knacken hoͤret man dabey so unvermeidlich, Bey mir ists schon geschehn, auf achtzehn Schritte, deutlich. Allein die Flamme sticht nicht etwan nur einmahl. Laß deinen Finger drauf, so brennt es ohne Zahl, So, wie ein Funcken thut. Es klingt auch solches Rasseln, 84. Gleich so, als hoͤrte man das Saltz im Feuer prasseln. Was dieses unser Heer in seine Haͤnde nimmt, Das wird in Augenblick zu gleicher Krafft bestimmt, Und offt ist dieser Stich so hart, so unertraͤglich, Als macht er Sehn und Nerv durch Arm und Hand beweglich. A uch stand wohl eh bey mir auf Pech ein grosser Tisch, 65. Und auf demselbigen Confect, Obst, Braten, Fisch, D Wein Wein, Teller, Schuͤsseln, Saltz, Bier, Messer, Serviette, Und hundert Sachen mehr. Versuch es, und ich wette, Der Funck ist uͤberall, nur mit dem Unterscheid. Der eine Funcke sticht, und wen er trifft, der schreyt. Ein andrer aber zischt mit einem stillen Knarren, 61. 66. Und scheint, doch auf die Glut wirst du vergebens harren. Mensch, Wasser, Fleisch, Metall, als Coͤrper die vor sich Gar nicht electrisch sind, das alles ruͤhret dich, So starck, so ungemein, es schwirret durch die Nerven, Als wolt es selbige aus allen Gliedern werffen. Was aber Sachen sind, so durch das Reiben schon Die Wunder-Wirckung thun, da folgt ein schwacher Ton. Hier meynest du: wie kan das wohl ein Feuer heissen, Davon die Funcken sich so klar im Wasser weisen? Ehr wird der Erden nichts die Sonne zu sich ziehn. Der Loͤwe Libyens vor Angors Ziegen fliehn. Tournefort . voi. Tom. 11. pag. 463. edit. du Louvre. Der laͤngste Tag die Sonn im tieffsten Steinbock leiten. Ehr wird erweichtes Glas den Diamant zerschneiden. Ehr unser Feuer dort in jenem Wasser blitzt. Und wenn man es beruͤhrt, so hell aus Wellen spruͤtzt, Daß es gar offtermahls des Glases Grund erleuchtet. 64. So lange, ders versucht, den Finger nicht befeuchtet. Doch D och wenn mein Funcken nun in helle Flammen bricht, Und zuͤndet, stecket an, da leugnest du doch nicht, Dasjenige, wodurch wir was entflammen koͤnnen, Sey ohne Wiederspruch recht Feuer zu benennen? Auf, mache dich bereit. Ein neues Wunder droht, Du wirst vor Warten schon, vor Furcht der Dinge roth. Ja alles was wir dir bishero vorgetragen, Jst Kleinigkeit, bey dem, was wir anietzo sagen: Wenn Menschen und Metall scharff electrificirt, Und jenes Finger fast den Brandewein beruͤhrt, So folget Funck, auf Funck, und Strahl, auf Strahl, und Blitzen, Die offtmahls deine Hand betaͤuben, ja fast ritzen. Und auf die letzte brennt so gar der Brandewein. 77. Hier muß, trotz leugn es mir, ein wahres Feuer seyn. Den loͤsche hundertmahl. Dein Finger zuͤndet hundert, Ja noch mehr mahl, ihn an. Wers sieht, der stutzt verwundert. So, wie die rothe Glut aus schwartzen Wolcken faͤhrt, Jetzt jenen Strahl durchcreutzt, jetzt rechts, jetzt lincks sich kehrt, Und tausend Flammen schießt, und Funck und Feuer regnet, Und schon ein neuer Blitz dem alten Strahl begegnet: So faͤhrt ein Wetter hier zu deinem Finger raus. Vergebenst blaͤsest du die helle Kertze aus. D 2 Du Du selbst bist Zunder gnung sie wieder anzustecken. Nicht nur im Alcohol kanst du die Glut erwecken. Nimm alles was leicht brennt, Oel, Schwefel, Spiritus, 70. 78. Pech, Hartze, Siegelwachs, erwaͤrm es hoch. Es muß Durch diesen Funcken gleich blutrothes Feuer fangen. Jch, damit nicht vergnuͤgt, bin noch viel weiter gangen: Des Pulvers donnernd Schwartz wird auf zwoͤlff Zoll belebt, Daß es an dem Metall, und denen Fingern klebt. Doch schmeltz es. Sieh dich fuͤr. Laß deine Funcken strahlen. Es faͤngt, blitzt, donnert, zuͤndt, und knallt zu tausend mahlen. 70. 78. Nur kochen kont ich nicht. Bald haͤtt ich mich gehaͤrmt. Doch Oel von Terpentin, und andre mehr, erwaͤrmt, Beruͤhr electrisirt, wen haͤtt’ es ie getraͤumet, Daß das recht kocht, dann brennt, erst tausend Wellen schaͤumet. 78. Du zitterst, fast auch ich. Der doch schon laͤngst, o Lust, 1743. autumno. 70. Das wundrungswuͤrdige von dieser Glut gewust. Ey fragst du halb erzuͤrnt, ist denn der Mensch voll Feuer? So machst du uns wohl gar zu Aetnaͤ Ungeheuer. Daß nun das Schrecken nicht durch deine Glieder dringt, Und dir ein kleiner Artzt ein groß Laus Deo bringt, So muß ich dir ja wohl was lieblichers erzehlen. Doch wenn du luͤstern bist, mit Venus Flammen quaͤlen. Ein E in Engel, dessen Blick sofort das Hertze raubt, Wenn seine Schoͤnheit nur das blosse Sehn erlaubt, Und der, wofern das Gluͤck sich nach Verdiensten acht’te, Zum allerwenigsten noch Kronen gluͤcklich machte. Des Taille Venus gleicht. Wo auf den Lippen Glut, Und Ros und Lilie auf keuschen Wangen ruht. Jn dessen Augen Blau die helle Sonne blicket. Und wo die sammtne Hand beruͤhrt, auch gleich entzuͤcket. Des weisser Schwanen-Hals selbst Stoens Haͤrte droht, Und wo, - - der Philosoph erstarrt, wird blaß, und roth, - - Der unschulds-volle Schnee der Blut-gekroͤnten Bruͤste Der schoͤnsten Menschlichkeit ein ewig Prunck-Geruͤste. Ein solch bezauberndes, anbetungswuͤrdges Kind Wird electrificirt, so schnell als wie ein Wind. Unstreitig wird hierdurch mein wunderbares Feuer, Viel Millionen mahl so edel, werth, und theuer. Beruͤhrt ein Sterblicher etwan mit seiner Hand Von solchem Goͤtter-Kind auch selbst nur das Gewand, So brennt der Funcken gleich, und das durch alle Glieder. So schmertzhafft als es that, versucht ers dennoch wieder, Beruͤhrt, halbzitternde, den Alabaster Arm. Von weiten fuͤhlt er schon, hier werd ihm bang und warm. Und kommt er naͤher hin, gleich sengt die helle Flamme. Er findet, daß ihn die zur Sclaverey verdamme. D 3 Doch Doch nicht nur durchs Gewand, durch den geschnuͤrten Leib Wirckt dieser Funcken durch. Jch rathe, werther, bleib, Noch ist es Zeit, zuruͤck. Es noch einmahl zu wagen, Wird ohne Huͤlff und Rath dich in die Ketten schlagen. Vom stoltzen Fischbein-Rock ist hier der tieffste Reiff. 66. Hast du noch so viel Hertz? so wag es. Aber greiff Gar sehr behutsam dran. Er sticht. Was ist es wunder, Wofern du Feuer faͤngst? indem du wie von Zunder. Ein aussereintzigmahl versucht ich es, und nahm 69. Der Venus einen Kuß, Wem dieses aͤrgerlich, ach! der nehm einen Stein, Und spring ins Meer und Kolck, wo die am tieffsten seyn. doch Himmel wie bekam Mir solcher Frevel-Muth. Es schien, ein schmetternd Stechen Verdrehte fast den Mund. Die Zaͤhne wolten brechen. D u zweiffelst wohl vielleicht, ob meine Feder nicht Allhier ein wenig mehr als strenge Wahrheit spricht. Wenn mir nun einige nicht gerne glauben wollen, So macht es so, wofern die Zaͤhne knirschen sollen. Der Mensch der seine Krafft von meiner Kugel nimmt, Der zu dem schmertzlichsten Versuche sich bestimmt, Darf einen Thaler nur knapp in die Zaͤhne fassen. Doch in die Zaͤhn’ allein. Die Lippen weggelassen. Ein Ein andrer ruͤhre drauf den harten Thaler an, Wenn jener starck genung, daß er ihn halten kan, So raßt ein Zitterschmertz ihm nauf in das Gehirne. Die Zaͤhne beben fast. Es schmettert in der Stirne. Haͤlt er ihn allzuschwach, so prallt der Stoß so hart, Die weil er gantz gewiß ihn nicht so starck erwart’t, Schlaͤgt ihm den Thaler raus mit einem lauten Krachen. 58. Jhm thut es graͤslich weh, wenn schon die andern lachen. H ier ists der Muͤhe werth. Nimm ein Crystallnes Rohr, (Ein weisses geht allzeit dem dunckelgruͤnen vor) Dem auf der Antlia die Lufft recht rein zu nehmen. Versieh hier nichts. Sonst wird dich der Versuch beschaͤmen. Wenn alle Lufft heraus electrisirt ichs scharff, Biß daß es von sich selbst Blitz, Flamm, und Funcken warff. Und hielts in Wirbel hin der schnell getriebnen Sphaͤre. Das war fuͤrwahr als ob ich in den Wolcken waͤre. Es fuhr Licht, Schimmer, Feur in diesem Leeren rum, Wie tausend Wetter thun, ich ward erfreut, doch stumm. Die Strahlen schossen stets wie Schlangen durch einander. Krumm wie Ulysses reißt, und Pellens Alexander. Nicht etwan so, als wie wenn sich das Wetter kuͤhlt. Vollkommen so, als wie ein starckes Nord-Licht spielt. Gang, Gang, Wendung, Flocken, Glantz. Es nur einmahl erblicken, Vermag kein Wort so gut, als: Nord-Licht, auszudruͤcken. Drauf nahm ich leeren Raum, die gantze Antlia Zur Electricitaͤt, forscht’ jedem nach, was da Vor neue Wirckung waͤr. Weil alles durchgegangen, Soll das zu seiner Zeit im dritten Buche prangen. U nd da beschreib ich auch, wie, was nur fluͤßig ist, Jn Roͤhren noch einmahl, so schnell, so hefftig schießt Wenn es electrifirt. Und wie in Herons Ballen Die Tropffen nicht mehr gantz, im finstern funckelnd fallen. Was Schwefel-Kugeln thun, was Sieglack, Porcellan. Wie sehr die Witterung das Feuer schwaͤchen kan. 67. Wer alles dieses nicht so offt als ich probiret, Hat solche Hinderniß auch freylich nicht verspuͤhret. Wie eines Menschen Puls gar mercklich staͤrcker schlaͤgt, Wenn diese Krafft sein Blut mit neuer Glut erregt. Was das Gewicht hierdurch vor Aenderungen leyde. Wie Blitz und Knall die Haut offt faͤrbe, ja zerschneide. Wie warm es einem ward, als dreyer Kugeln Schwung, Hier rechn ich nicht allein auf die Behendigkeit, Mit der ein kleiner Glas in der gegebnen Zeit Sich um sein Centrum reißt. Das grosse triumphiret. Komm, sieh’ es, zweiffelst du, hernachmahls raisonniret. Ja vier, den Menschen gantz ins innerste durchdrung. Das Das alles will ich hier von weiten nur beruͤhren, Sonst moͤchte sich die Kraͤh mit fremden Federn zieren. W ie dieses sich durchaus aufs Feuer hinbezieht, So hoͤre wie der Mensch vom Kopff zur Scheitel gluͤht. 61. 79. 80. Du brauchest weiter nichts als einen groͤssern Kasten, Rund um voll Pech, da wir sonst nur auf kleinen rasten. Jn diesen tritt der Mensch, an dem die seltne Krafft Der Kugel eintzger Schwung im Augenblicke schafft, Da steh er unberuͤhrt. Wer solt es ewig meynen, Jn kurtzen wird das Pech zu seinen Fuͤssen scheinen. Jm Anfang zeiget sich ein mattes, blasses Licht, Wie, wenn am Horizont der Mond durch Wolcken bricht. Das haͤufft sich nach und nach, und steigt biß an die Kniee, Als ob ein Eisen dort in blutgen Kohlen gluͤhe. Heiß ich die Kugel denn noch eine Weile drehn, Dem Menschen unberuͤhrt, wird sich der Schein erhoͤhn, Bis an das Hertz und Kopff. Zuletzt wird er gebildet, Als waͤr er von Metall, durch Kuͤnstlers Hand verguͤldet. Wie man die Heiligen, ja selbst die Engel mahlt, Wie das gemeine Volck von einem Jrrwisch prahlt, So steht mein Held alsdenn in einem Schimmer-Glantze, Jn einem feurigen, fast fuͤrchterlichen Krantze. E Und Und wenn man diesem naht, noch lange nicht beruͤhrt, So wird von weiten schon Hauch, Waͤrm, und Licht gespuͤhrt. Drauf faͤhrt ein Keil heraus, der schwerlich zu ertragen. Jch, dem er so bekannt, muß selber also klagen. Du siehst, daß dieses nur im Dunckeln sich erzeigt. Daß mein Electrum hier sich selber uͤbersteigt. Daß ich die Seltsamkeit zu allererst versuchet. Vor achzig Jahren noch wurd ich vielleicht verfluchet, Verwuͤnscht, verdammt, ja gar nach unserm lustgen Recht, Als ein der Republic hoͤchst schaͤdliches Geschlecht, Am Pfahl geschmaͤucht, verbrannt. Laß mich den Himmel loben, Daß ich anietzo bin, da kluͤgre Rechte toben. S o hast du bisanher, gesehn, gehoͤrt, gefuͤhlt, Wie starck die Wirckung sey, mit der manch Lehrer spielt. Die aber, komm und sieh, sich unter meinen Haͤnden Fast zur Gefaͤhrlichkeit beginnet hin zu wenden. Nun dampfft noch der Geruch. Die Kugel wenn sie laͤufft, Hat einen Wirbel-Kreis um sich herum gehaͤufft, Der sich wahrhafftig offt auf vier, fuͤnff Schuh erstrecket, Als biß dahin sie mir das leichte Gold erwecket. Da trifft es sich nun gern daß ein subtiler Dunst Die Nase lebhafft ruͤhrt. Wie wenn des Scheiders Kunst Jn Jn seinem Aquafort das Silber aufgeloͤset, Und Oel des Vitriols die Theilgen von sich stoͤsset. Weil aber dieses doch sich nicht bestaͤndig fuͤgt, Wenn Himmel oder Lufft voll Duͤnst und Wolcken liegt, So hab ich es versucht, bey ieder Zeit und Stelle Erfolgt fast ein Geruch von einer Schwefel-Quelle. So nimm demnach ein Schwerdt, (weils auch die Scheere thut, 80. 81. Nimm die im Fall der Noth) das nur auf Glase ruht, So daß der Degen-Knopff, (und hier das eine Ende) Der Kugel nahe kommt, die drehe dann behende. Jm Augenblicke wird der Coͤrper Feuer speyn, Die Spitz im Finstern uns Cometen-Fackeln draͤun. Da blaͤßt es kalt heraus. Man sieht, und riecht viel Zolle, Wie schnell da Blitz auf Blitz aus dieser Spitze rolle. Doch nimm ein Silberwerck, nimm Schmuck und Diamant. 87. Das electrificir. Denn was ich da empfand, Wie lebhafft, weit das roch, ist so nicht zu erklaͤren, Wie mein’ Erfahrungen dasselbige gewaͤhren. W er aber saget mir, wie alles das geschieht? Denn wer vergnuͤget sich, wenn er die Wunder sieht? Ein Edelmuͤthger Sinn moͤcht auch von diesen Dingen Die Ursach gerne sehn, und an das Tags-Licht bringen. E 2 Jhr Jhr Helden, die ich schon im obigen gedacht, vid. pag. XII, XIII. Hier, hier zeigt Eure Kunst, und des Verstandes Macht. Auf o Du grosser Wolff, auf wundervoller Euler, Der Weißheit und Vernunfft zwey Diamantne Pfeiler. Jhr kennet die Natur. Ja Eurer Seelen Witz Dringt biß zu selbiger verborgnen heilgen Sitz. Wollt Jhr, Jhr Helden, Euch nicht an die Arbeit wagen, So wird uns niemand nicht die wahre Ursach sagen. D as Gleichniß so ich dort von dem Geruche gab, Geht doch in etwas noch von strenger Wahrheit ab. Drum war ich sehr bemuͤht, wie ichs beschreiben wollte, Daß es sein Urbild recht lebendig schildern sollte. Hier meine Muse auf. Erheitre deinen Blick. Die grosse Graͤfin Bruͤhl erzeigt mir so viel Gluͤck, Die Electricitaͤt bey mir mit anzusehen. Ein Gluͤck, so ungemein, und sonst noch nie geschehen. Verzeih, Erlauchte Frau, hier starret mir die Hand. Und selbst die Zunge hemmt der Ehrfurcht heilig Band. Denn nie haͤtt ich gehofft, nie haͤtt ich auch geglaubet, Daß diese Reise Dir manch edle Stunde raubet. Und doch beweget Dich die Curiositaͤt, Du Zierde unsers Hofs, die Electricitaͤt Genau Genau mit zu besehn. Kaum hatt ich das Vermoͤgen, Was unerwartetes Dir etwan darzulegen. So schnell, so tieff drang gleich Dein Englischer Verstand Jn alle Wunder ein. Ja der allein erfand Wie endlich der Geruch am besten zu vergleichen: Es riecht wie Phosphorus. 81 Bestuͤrtzet must ich schweigen. Wie war ich so vergnuͤgt. Wer war wohl ie so froh. Ja, ja Erlauchte Frau, es ist vollkommen so. Und was ich auch bißher vor Gleichniß ausgesonnen, Sind gegen dieses doch vernichtet und zerronnen. B egluͤckter Graf von Bruͤhl, Dein theures Eh-Ge- mahl, Des Tugend und Verstand ohn Ende, Maas, und Zahl, Macht Dich erst recht begluͤckt, und auf der gantzen Erden Kan solch ein wuͤrdig Paar kaum mehr gefunden werden. Dein theurer Bruder ists, Der meine Wenigkeit Durch Seine Gegenwart entzuͤckt, nicht nur erfreut. Durch Jhn erlangt ich auch Der grossen Bruͤhlin Blicke. Verstatte, daß ich mich hier eyffrig vor Jhm buͤcke. E 3 Darf D arf ich mich unterstehn, Großmaͤchtigster August, Du Deiner Voͤlcker Wohl, Du Dei- ner Laͤnder Lust, Daß meine Andacht Dich hier hoͤchst begluͤcket nennet, Dieweil der Hoͤchste Dir so treue Diener goͤnnet. Gluͤckseeligster Monarch. Der Hoͤchste seegne Dich, Und Deine Koͤnigin, und er bemuͤhe sich, Daß alles, alles Euch nach Wunsch und Willen gehe, Josepha und August auf lauter Rosen stehe. D ich, Theurer Cron-Printz seegn’ Er in die spaͤtste Zeit. Und seiner Engel Schaar steh allezeit bereit, Und vor Dein Wohl besorgt. Damit sich stets das Gluͤcke, Als eine Sclavin thut, gehorsamst vor Dir buͤcke. E r seegne ewiglich der Printzen Helden-Blut. Und bringe, wie bereits Amalia es thut, Durch Durch Damen, die von Dir, o Grosser Koͤnig, stammen, Europens Cronen all’ in Augusts Haus zusammen. B egluͤcktes Sachsen-Land, welch Koͤnigreich gleicht Dir? Durch Deinen Friedrich gehst Du allen Laͤndern fuͤr. Wenn rund um Dich herum Krieg, Blut und Hunger wuͤten, So bluͤht Dein Feigen-Baum, und gruͤnst im stoltzen Frieden. Nun, Leser, weiß ich es, du wunderst dich wohl nicht, Wenn hier mein Kiel die Schrifft auf einmahl unterbricht. Wer unsern Vater nennt, muß ehrerbietig schweigen. August zieht Hertzen an, so muß Electrum weichen.