Celanders V erliebte- G alante/ S inn- V ermischte und G rab- G edichte. Hamburg und Leipzig/ Bey Christian Liebezeit/ Anno 1716. Vorrede. Geneigter Leser! W Eil zusagen Schuld machet/ so habe mit der Herausgebung dieser Gedichte mein in der Vorrede des verliebten Studen- tens gethanes Ver- sprechen erfuͤllen wollen/ ich gestehe aber gleich anfangs/ daß ich mich dadurch zu keinen Poeten zu machen suche; ich er- kenne meine Schwachheit/ und mag mich nicht mit dem Icaro uͤberheben/ weil ich sonst gleichen Zufall mit ihm erfahren wuͤr- de. Der Nahme Poet/ ist zwar leicht auszusprechen/ aber schwer zu erlangen/ und solchen mit Recht sich zuzueignen/ ist kein geringes/ ich lasse derowegen denen )( 2 die Vorrede die Ehre/ welche von aller Welt vor recht- schaffene Poeten gehalten werden; wie dann solche denen Herꝛn von Lohenstein/ von Hoffmannswaldau/ von Abschatz/ von Canitz/ von Besser/ Opitz/ beiden Gryphiis/ Muͤhlpford/ Menantes/ Philander von der Linden/ Amaranthes/ Neukirch und Neumeistern niemand absprechen wird. Es ist zwar nicht ohne/ daß sich noch viel andere lesens-wuͤrdige Poeten finden/ weil man aber nicht gesonnen ist/ einen gantzen Catalogum davon anzufuͤhren/ so wird man sie stillschweigend uͤbergehen/ sie muͤssen aber nicht meinen/ daß solches aus Verachtung geschehe/ denn weil man sich vor keinen Meister in der Poesie aus- giebt/ so folget daraus/ daß man nicht ge- sonnen/ diejenigen zu verkleinern/ welche der Welt durch ihre Schrifften schon ge- zeiget/ daß sie Poeten heissen. Die Zuneigung/ welche ich von Jugend auf zu der Poesie gehabt/ nahm immer mit den Jahren zu/ und endlich wurde ich so kuͤhne/ daß ich einige Gedichte auf- setzte/ das Gefallen/ so man zu seinen eige- nen Sachen hat/ uͤberredete mich/ daß ich eben nicht unrecht handeln wuͤrde/ wenn Vorrede. wenn ich meinen natuͤrlichen Triebe fol- gete/ und mich in der Dichtkunst zu ver- bessern suchete. Diesem nach/ war in muͤßigen Stunden die edle Poesie meine Belustigung/ wodurch ich auch manchen verdrießlichen Zufall erleichtert: Zuwei- len bin ich auch von guten Freunden um ein Gedichte angesprochen worden/ denen ich solches nicht versagen koͤnnen/ noch wol- len. Auf solche Art sind nun diese Gedich- te gebohren worden; ihre Geburth gescha- he ohne Schmertzen/ die Federn durfften nicht aus Ungedult zerstossen/ noch die Oh- ren aus Mißvergnuͤgen gekratzet werden/ und es ging alles so leichte zu/ daß ich dahe- ro selber muthmasse/ sie duͤrfften wegen ihrer leichten Geburth eben von keiner son- derlichen Wichtigkeit seyn. Wenn sie nun schon daher einigen miß- fallen solten/ so werden sie doch andern ge- fallen/ weil sie in der ersten Jugend und uͤberdem in muͤßigen Stunden erzeuget worden/ die Fehler so darinnen zufinden/ muͤssen nicht alle mir/ sondern der freyen Jugend/ zugeschrieben werden. Ein ernst- haffter Seneca schreibet eingezogener/ als ein feuriger Ovidius und dem Catoni wil )( 3 die Vorrede. die Aufffuͤhrung der jungen Welt nicht gefallen. Meine Dreistigkeit weiter zu entschul- digen/ achte ich unnoͤthig zu seyn/ denn ich weiß schon vorher daß ich damit alle uͤbele Vorurtheile und Scopti sche critiquen mo- rös er und widriggesinnter Gemuͤther nicht hindern und heben kan. Jch suche nichts mehr/ als daß ein jeder Verstaͤndi- ger mit einer leidlichen Censur selbige durchsehen/ und geringe Fehler nicht hoch- aufmutzen moͤge. Es ist keiner ohne Feh- ler/ und wenn man alle Dinge scharff un- tersuchen will/ so wird man mehr tadel- hafftes als ruhmwuͤrdiges antreffen; Denn die Vollkommenheit ist eine Sache so nur in der Einbildung und einen guͤti- gem Urtheile des Lesers und Autoris be- stehen/ sonst aber ist sie nirgends anzu- treffen. Es solte zwar nichts unvollkom- menes geschrieben werden/ wenn man aber schlechterdings darauf gehen wolte/ so wuͤrde man wenig oder nichts in denen Buchlaͤden antreffen. Jch will meine Ge- dichte nicht selber ruͤhmen/ aber auch nicht verachten/ denn wenn sie ja keinem gefal- len solten/ so haben sie doch die Vergnuͤ- gung/ Vorrede. gung/ daß sie mir und andern schon vor mehr denn 12. Jahren gefallen. Jch lobe und verachte sie demnach nicht/ weil beydes straffwuͤrdig/ sondern uͤberge- be sie dir mein Leser/ ein unpartheyisches Urtheil davon zu faͤllen/ du findest darin- nen Weltliche/ Freuden- und Trauer-Ge- dichte/ derselben bediene dich nach deinem Gefallen/ und wenn du etwan einen passio- nirt en Tadeler antreffen soltest/ so habe die Guͤte/ und weise Jhn zu vernuͤnfftiger Betrachtung seiner eigenen Fehler. Fuͤr diese Hoͤflichkeit bin ich mit gezie- menden reípect Geneigter Leser Jm Quartiere bey Oldenbourg/ den 24 Julii 1715. Dein Dienst-ergebenster C elander. An den Herꝛn Autorem. W O reine Liebes-Glut den holden Scepter fuͤhret/ Da ist die Tichterey ein treuer Unterthan/ Und wo dieselbe erst nur das Clavier beruͤhret/ Da giebet jene gleich den Thon vernehmlich an. Ein Cato wird hierbey gar eifrig Splitter richten/ Weil seine Leber Eyß/ das Hertze eisern ist Ein Plato aber faͤngt wol selbsten an zu dichten/ Wenn er ein schoͤnes Weib nur erst einmahl gekuͤsst. Mein Freund/ es zeugt dein Buch von Lieben und von Wissen/ Apollo ruͤhmt den Fleiß/ er kennt dein Wissen wol. Die Venus ist hierbey zu deinem Danck beflissen/ Daß dich vor deine Maͤh ein jeder lieben soll. Hiemit legte bey Herausgebung dieser Gedichte bey dem Hn. Autore seine Obligation an den Tag Dessen Aufrichtiger Freund und Diener Copiantes. An An die Splitter-Richter. J Hr/ die ihr alles wolt nach euren Urtheil richten/ Und alles fort verwersst/ was euch nicht Probe haͤlt/ Gedencket richten ist vielleichter als was dichten/ Und daß des Him̃els Thun nicht allen gleich gefaͤlt. Gedenckt wer allzu kuͤhn den Richter-Stuhl besteiget/ Der richtet sich selbst mit/ und zeiget klaͤhrlich an/ Wie weit er es versteht/ wozu sein Hertz geneiget/ So wie man an dem Knall ein Stuͤck erkennen kan. Dieses schrieb zur Bezeugung seiner Ergeben- heit des Autoris nicht unbekannter Freund und Diener Polidor. Verzeichniß einiger Buͤcher welche von Christian Liebezeit/ verleget worden. Allatii Leonis apes urbanæ S. de viris illustribus qui ab anno 1630 per totum 1632 Romæ ad- fuerunt ac typis aliquid evulgarunt, \& Joannis Imperialis musæum historicum virorum li- teris ill. elogia, vitas eor. compl. cum præf. Jo. Alb. Fabricii 8. 1711. Arie scelte del opera d’ Henrico IV. R. di Casti- glia da Giovanni Matheson f. 1711. Casauboniana S. Is. Casauboni judicia varia de scriptoribus \& libris, observationes sacræ ut \& animadversiones in Card. Baron. annales eccles. J. C. Wolfius edidit. 8. 1710. Catalogus bibliothecæ Thuanæ a Petro \& Jaco- bo Puteano ordine alphabetico primum di- stributus, tum a Ism. Bullialdo secundum scientias \& artes digestus, denique a Josepbo Quesnel Paris Bibl. editus cum indice fol. \& 8 1704 Colomesii Pauli Presb. Eccl. Angl. \& Bibl. Lamb. cur. opera sc. gallia orientalis, varia opuscu- la, bibliotheque choisie, Epistolæ Sel. Cl. vi- rorum, observationes in varia s. scr. loca, pa- ralipomena ad Cavei Carthophilacem de script. eccles., rome protestante, Icon Pres- byterianorum parallele de Ia pratique del eglise ancienne \& de celle des protestans de France, Lettre au Mr. Justel suͤr l’ histoire critique du V. T. Melanges historiques, ca- talo- talogus MSC. codicum Is. Vossii. D. Jo. Alb. Fabricius omnia edidit 4. 1709. Dassovii Theod. de pura doctrina sanctissime cu- stodienda 4. 1713 Ejusd. justa animadversio in cordati evangelici inanem loquacitate temere effusam 4. 1716. Electa rei nummariæ s. selectæ dissertationes de rarioribus nummis antiquis tam græcis quam latinis cum fig. 4. 1709 Fabricii D. Joh. Alb. bibliotheca græca s. notitia scriptorum vet. græcorum 7. Volumina 4. Ejusd. memoriæ Hamburgenses S. virorum Hamb. bene meritorum elogia \& vitæ 4. vo- lumina 8. 1710. 1715. Ejusd. Isagoge in notitiam scriptorum historiæ gallicæ, qua contin. Andr. du Chesne biblio- theca chron. scriptorum ab originibus R. Francici ad sua usque tempora. C. Gryphii Script. sæculi XVII. de rebus gallicis, \& H. D. Meibomii dissertatio degallicæ historiæ pe- riodis \& script. 8. 1708. Ejusd. collectio observationum select. in varia loca N. Test. S. R. Ramiresii de Parado pente contarchus, A Mori notæ in novum fœdus, \& P. Possini spicilegium evangelicum 8. 1712 Ejusd. menologium. s. de mensibus 8. 1712 Ejusd. bibliographia antiquaria s. introductio in notitiam scriptorum qui antiquitates he- bracias, græcas, romanas \& christianas scri- ptis illustraverunt 4. 1716 Ejusd. vita Procli a Marino Neapolitano scripta gr. cum versione latina \& notis 4. 1700. Ejusd. Ejusd. de vita \& morte Mosis libri III. autoris Rabb. cum observat. G. Gaulmini, accedunt pseudo Dorothei, Tyrii \& aliorum veterum apospasmatia de vita prophetatrum aposto- lor. \& LXX. discip. Christi gr. \& lat. Bensira \& aliorum sententiæ a Fagio \& Drusio pri- dem edita, Nic. Callisti menologium breve ecclesiasticum 8. 1714. Ejusd. centuria Fabriciorum scriptis clarorum 8. 1708 Ejusd. supplementa \& observationes ad Vossi- um de historicis græcis \& latinis, qu. cont. Bern. a Mallincrot paralypomenon de hi- storicis græcis, Lud. Nogarolæ de viris illu- stribus qui grace scripserunt, Chr. Sandii no- tæ in Vossii libros de hist. latinis \& Jo. Hal- lervordii spicilegium de historicis latinis. 8. Hamb. 1709. Behmeni der liebliche und doch kriegerische Cupi- do in unterschiedenen niedersaͤchsischen Liebes- Geschichten vorgestellet 8. 1712. Celanders verliebter Student/ in einigen annehm- lichen und warhafftigen Liebes-Geschichten/ wel- che sich in Deutschland zugetragen vorgestellet 3. Theilie 8. 1710. Ejusd. Historische Lust-Grotte/ in sich haltend 100. Historien aus denen neuesten Scribenten zusam- men gesetzet 8. 1710. Ejusd. Die ungluͤckliche Princeßin Barsine aus Armenien in einer angenehmen Liebes- und Helden-Geschichte vorgestellet 8. 1713 Ejusd. Der schwermende und doch gescheite Cupi- do in einem lustigen Roman. 8. 1715. Funckens Christian poetische Andachten uͤber die Kern- und Denckspruͤche welche in denen Evan- gelien und Episteln enthalten/ 8. 1713 Liebes-Geschichte des Spanischen Marchesen Don Roderigo und Prinzeßin Donna Sylvia Man- cadada, von Philopatore 8. 1707 -- -- -- Lysanders und Calistens 8. Menanders poetisirende Welt/ in auserlesenen Gedichten 8. 1705 Selamintes die gluͤckliche und ungluͤckliche Liebe/ oder der Unterschied der menschlichen Gemuͤther/ 8. 1711. Elrindo Emblemati sche vermischte Gedancken uͤber mancherley curieuse Sachen der alten und neuen Welt/ in 26. Sinnbildern und Kupffern fuͤrgestellet/ 4. 1709. Thaler- collection oder continuation derer in de- nen Historischen remarques der Welt mitge- theilten Reichs- und anderer Thaler 1. biß 6te Scatola/ 4. 1709 Weg zur Gluͤckseligkeit aus dem Frantzoͤsischen des Herꝛn Formentin uͤbersetzet/ 8. 1709 Wolterecks Christ. geist- und weltliche Cantaten/ Oden/ und Arien nebst einen Anhang einiger andern Gedichte/ 8. 1713 Wuͤrtzers/ Hern. Harmonia Evangelico-Bibli- ca, oder Ubereinstimmung der Heil. Schrifft im Evangelio. Worin/ nach den Sonn- und Fest-Tags Evangelien/ die gantze Bibel homi- leti sch durchgangen/ eines jeden Buchs Autor und Jnhalt/ nach der Ordnung/ gezeiget/ und so dann der fuͤrkommende Evangelis. Text aus demselben Buch erklaͤhret wird. 4. 1716. I. Verliebte und Galante Gedichte. Amors Schaͤtze. N aͤchst; da der Phosphorus schon durch die Wolcken brach/ Und diese dunckle Welt mit seinem Licht bestrahlte; Da Titans guͤldner Schein von ferne allgemach/ Auf der bethanten Au wie Diamanten prahlte. Da suchte Seladon zu seinem Zeit-Vertreib/ Jm Garten seine Lust; in den belaubten Aesten/ Schlug hier ein Vogel an/ dort lockte ihn das Weib; Der suͤsse Morgen-Wind/ die sanffte Lufft von Westen. Bließ ihm von Roßmarin ambrir ten Odem an/ Der Floren bunte Schooß von schoͤnen Blumen glaͤntzte/ Mit mehr denn Koͤnigs-Pracht geziemend angethan/ Der Tulpen hohes Haupt ein schoͤner Krantz bekraͤntzte/ Die Hyacinthe stund in ihrer vollen Pracht/ Die Nelcken liessen sich hoch-auffgebruͤstet sehen/ Die Lilje prahlete/ wie sie so schoͤn gemacht/ Die Rose zeigte an/ daß es mit recht geschehen/ Da sie zur Koͤniginn der Blumen sey ernennt/ Narcissus ließ alldort die weissen Locken hangen/ A Und Verliebte und galante Gedichte. Und schien aus Ubermuht noch in sich selbst entbrennt/ So sah er seine Lust an ihrem stoltzen Prangen/ Und ging mit sanfften Schritt durch das Saphirne Gras/ Zu einem Manlbeer-Baum und dessen kuͤhlen Schatten/ Allwo die Lieblichkeit in vollem Schmucke saß/ Die Ruhe nahm ihn auf in die bekleeten Matten. Kaum aber hatt’ er sich aufs weiche Gras gelegt/ Als ihm ein suͤsser Schlaff die matten Augen schlosse/ Da doch sein Geist in ihm von hoͤhern Trieb erregt/ Recht ungemeine Lust in diesem Schlaff genosse. Denn es erschiene ihm der kleine Liebes Gott/ Und sprach: wenn Seladon will meine Schaͤtze schauen? So folge er mir nach in jene dunckle Grott/ Wenn er mir folgen will/ und meinen Worten trauen? So zeigt ihm meine Gunst der Liebe Auffenthalt. Der Antrag mugte gleich dem Seladon behagen/ Drum ging er Amorn nach/ gelangte auch gar bald Mit ihm daselbsten an/ wo dessen schaͤtze lagen. Der Grotten Finsterniß im Augenblick verschwand/ Er sah durch einem Blitz viel Fackeln angezuͤndet/ Und wuste nicht wer sie so schleunig angebrandt/ Dis sind die Schaͤtze all/ die man von Gold hier findet: Hub Amor lieblich an/ doch ist der beste Schatz Jn jenem Cabinet dir noch verborgen blieben/ Verwunder dich des nicht/ ists gleich ein enger Platz/ Wo dieser Schatz jetzt liegt/ so must du ihn doch lieben. Cupido zog hiemit ein duͤnnes Tuch bey seit/ Und zeigte ihm daselbst ein schoͤn geputztes Bette/ Darinnen lag ein Mensch mit Rosen uͤberstreut/ Sonst ward er nichts gewahr im gantzem Cabinette, Und doch solt’ Amors Schatz daselbst verborgen seyn/ Da solten Cypripors kostbahrste Schaͤtze liegen! Wo man kein Silber sah/ kein Gold/ noch Demant-Stein/ Er dachte kleiner Schalck/ du solt mich nicht betriegen/ Wie du im Sinne hast; hier siehe Seladon: Hub Amor zornig an mit harter Stimm zu sprechen/ Verdammter Spoͤtter Geist/ jetzt soll die Schoͤnheits-Sonn Nach kurtzer Zauderung aus dunckeln Wolcken brechen. Jn - Verliebte und galante Gedichte. Jndem er dis gesagt/ war auch das Bett’ entdeckt/ Er sah ein Weibes-Bild/ so gantz der Venus glieche/ Das hatte vorwerts sich gantz nackend ausgestreckt/ Vor deren Schoͤnheits Glantz Helenens Schein erblieche. Jhr gold entflammtes Haar/ die Alabaster Stirn/ Der blauen Augen Blitz/ und die so schoͤnen Wangen Wie Minch und Milch vermischt/ verruͤckten sein Gehirn/ Der wohl- formirte Mund ließ die Rubinen prangen/ So die Natur dahin zu unser Lust gesetzt/ Das Kinn war zugespitzt/ der Hals als Marmor schiene/ So kuͤnstlich als wenn ihn Pygmalion gemetzt. Die Bruͤste zeigten sich wie eine Liljen Buͤhne. Bald wie ein Marmor Meer/ da Amors Winde wehn/ Es ließ dis stille Meer nur sanffte Wellen spielen/ Des Bulgen Alabast darauf Corallen stehen. Die Schiffer duͤrffen da kein Ungewitter fuͤhlen/ Weil der erwuͤnschte Port schon in der Naͤhe ist/ Der Wollen-weiche Bauch/ der prangte mit Turckosen/ Die ihre weisse Haut in schoͤnster Zierde kuͤst. Die Huͤfften zeigten sich wie weisse Anmuhts-Rosen/ Darzwischen die Natur ein schoͤnes Schloß gebaut. Da ragte es hervor mit seinen Marmor Spitzen/ Darnach ein jedes Schiff als seinen Pharos schaut. Liegt man in diesem Port/ so lacht man zu den Blitzen/ Kein rauher Sturm verdirbt der Wollust Lagerstadt/ Da ist der Sammel-Platz der allersuͤßten Luͤste/ Und Amor seinen Sitz in dieser Gegend hat. Dis ist der schoͤne Wald und die beliebte Wuͤste/ Der Liebe Paradies/ der Luͤste Canaan: Wohin einjeder wuͤnscht und unser Reitzung strebet/ Der Venus Muschel-Schloß/ Cupidens Lust-Altaan/ Der seine Gegend ziert/ und ihren Pracht erhebet. Rubinen kroͤneten den Alabaster Thron/ Zu welchem Koͤnige sich auch in Demuht beugen/ Und vor ihm niederstreun Hertz/ Scepter/ Reich und Kron/ Die da von ihrer Treu als Geissel muͤssen zeugen. Des Leibes Untertheil war auch wol werth zu sehn/ Die Helffenbeinern Knie/ die Spiegel-glatten Beine/ A 2 Der Verliebte und galante Gedichte. Der wohlgemachte Fuß/ und die galan ten Zeen/ Die schienen fast geschnitzt aus weissen Marmor Steine/ Hier siel die Decke zu/ die Kurtzweil war vorbey/ Ohn daß er dieses Bild demuͤhtig koͤnnen gruͤssen/ Das Amor ihm gezeigt/ daß es das schoͤnste sey. Drauf must’ er seine Lust mit herben Schmertzen buͤssen/ Als der erzuͤrnte Gott ihn in das Hertze schoß/ Und sprach: so muß ich dich/ verruchter Spoͤtter lohnen/ Weil du entweyhet hast Dionens Anmuhts-Schloß/ Fort packe dich dahin/ wo Plutons Geister wohnen. Hierauf verschwand er ihm/ die Fackeln gingen aus/ Er war mit grosser Furcht mit herber Angst umgeben/ Er tapte an der Wand/ er fand kein Grotten-Haus/ Und sah ein Jrwisch-Licht mit schrecken um ihm schweben. Demselben folgte er zu seinem Schaden nach/ (Weil dessen falscher Schein auch Wachende bethoͤret) Biß daß er endlich kam an einen grossen Bach; Wie nun sein Ohr den Strohm und dessen Brausen hoͤret. Da hatt’ er seinen Fuß schon in dem Fluß gesetzt. Er lieff in Eyl zuruͤck/ und floh des Jrwischs Schatten/ Weil er den Folgenden durch seinem Schein verletzt. Doch sah’ er ihn vor sich mit vielen andern gatten/ Bis daß er endlich gar im Augenblick verschwand. Drauf war das gantze Feld mit Finsterniß bedecket/ Und er verharrete an dem bemooßten Strand. Hier wurde er aus Noht/ aus Furcht und Schlaff erwecket/ Denn seine Lesbia, die schenckte einen Kuß/ Dem treuem Seladon auf die erblaßten Wangen. Er sprung geschwinde auf/ fiel Lesbien zu Fuß/ Und sprach: wohin mein Licht/ mein eintziges Verlangen? Cupido soll dennoch von mir geaͤffet seyn; Sein Zorn ist Kinder-Spiel/ sein Pfeil der wird verlachet/ Er darff zu unser Lust nicht bitter Wermuht streun/ Weil ihr galantes Kind vor euren Liebsten wachet. Die Worte hatte er im Schlaffe weggeredt/ Und nicht darauf geacht/ daß Lesbia entwichen. Die Falsche hatte sich freywillig abgedreht/ Und weil die Liebe todt/ die Treu dazu verblichen/ So Verliebte und galante Gedichte. So solte Seladon der Falschheit Opffer seyn; Es solte ihm der Kuß zur letzten Oehlung dienen/ Und ihrer Lippen-Gifft vermehren seine Pein. Sie sagte bey sich selbst: nun ist| der Tag erschienen/ An welchem Seladon aus Kummer sterben muß. Allein/ ob Amor ihn durch ihren Haß gleich beuget/ So lebt und lebet er dennoch ihr zum Verdruß/ Er ehrt das schoͤne Bild/ das Amor ihm gezeiget/ Und bannet Lesbien auf wuͤste Jnsuln hin/ Wo Loͤw und Tyger-Thier bey Basilisken wohnen. Es scheint sein gluͤckes Stern/ und lencket seinen Sinn/ Daß er die Falsche muß mit gleicher Muͤntze lohnen. Verlaͤst ihn Lesbia, so flieht er ihren Gang/ Spielt sie mit ihrer Tren/ so lacht er seiner Schwuͤre/ Zuͤrnt Cupido mit ihm/ so sagt er ihm doch Danck/ Wie er den Liebes-Brand nicht in der Seelen spuͤhre/ Den gegen Lesbien er sonst bey sich gehegt. Er nehrt die keusche Brunst/ die sein Gemuͤht er quicket/ So Amourettens- Bild daselbsten angelegt; Nachdem ihn Cypripor durch ihren Leib beruͤcket/ So zuͤndet ihr sein Geist gebuͤhrend Weyrauch an/ Er schaͤtzet ihre Schooß mehr als der Heyden Goͤtter/ Weil sie diejenigen zu Sclaven machen kan. Vor diesem beugen sich auch die verruchsten Spoͤtter/ Und streun dem Schooß-Altar den besten Weyrauch auf. Jm Felde prahlet Mars, hier muß er doch erliegen/ Die Venus zaͤhmet ihn/ und hemmet seinen Lauff; Siegt er gleich Fuͤrsten an/ sie kan er nicht besiegen/ Er sencket sich erhitzt in ihre hole Schooß/ Und kuͤhlet bey ihr ab die heissen Liebes Flammen/ Die Venus spannt als dann den Anmuhts-Guͤrtel loß/ Und fuͤhret alle Lust in diesem Kreyß zusammen/ Woher die Liebe selbst den ersten Ursprung hat/ Wo sie des Tages-Schein zum ersten hat genossen/ Als sich ihr Muschel-Schloß in bittrer See auffthat. Die Reitzung ist daselbst mit ihr zugleich entsprossen/ Drum sehnet jedes Schiff nach diesem Haven hin/ Hier wuͤnschet jede Jagd den Ancker auszuwerffen/ A 3 Der Verliebte und galante Gedichte. Der Schiffmann spricht: Nun ich in diesem Haven bin/ Muß Jupiter umsonst die Donner-Keile schaͤrffen/ Sein gelb-geflammter Strahl wird hier nicht mehr geacht/ Er selbsten wurd’ ein Schwaan um Ledens Schooß zu kuͤssen/ Europa wurd von ihm in Stiers Gestalt gebracht Nach Creta, wo er sie in Ruhe kunnt geniessen/ Hier zeigte Jupiter durch sein Exempel an/ Daß seine Staͤrcke muß vor Cypris Krafft entweichen/ Was keine Creatur von ihm erhalten kan/ Kan Acidalie mit leichter Muͤh’ erreichen. Kein Wunder/ daß der Mensch sich nach dem Gute sehnt/ Was selbst der Goͤtter Zunfft/ so sehnlich hat begehret/ Wozu uns die Natur von Kindheit angewehnt/ Davon kein Uberfluß die Liebenden beschweret. Nun hatte Seladon der Lesbis abgesagt/ Er wolte ihre Pracht hinfuͤhro nicht mehr ehren/ Weil aber noch sein Hertz von Liebe ward geplagt/ So ließ er diesem Spruch auf seinem Ruͤck-Weg hoͤren. Cupido, der du mich durch deinen Schein beruͤckt/ Und in ein Schatten-Bild den luͤstern Geist en tzuͤndet/ Mach’ ander Orten mich durch deine Gunst begluͤckt/ Daß Lesbiens Verlust die Brust nicht mehr empfindet. Weis mir ein Maͤdgen an/ das Amouretten gleicht/ Jn dessen Angesicht sich Schoͤn-und Kenschheit kuͤssen. Wo von dem Wangen-Feld die Rose niemahls weicht/ Und solche Bruͤste hat/ den Liljen weichen muͤssen. Das Hertze laß wie Sammt/ nicht Stahl und Eisen seyn/ So daß ich ohne Quaal ihr Hertze mag gewinnen/ Und sie mich mitder Zeit nimmt in die Muschel ein/ Wo Seel’ in Seele ruht/ und Geist-in Geister rinnen. Die unvollkommene Schoͤnheit. O b gleich die Lilien mit stoltzem Silber prangen/ Sieht man doch manchen Fleck an ihrem Marmor hangen/ Der ihrer Wunder-Zier den groͤßten Glantz beraubt/ Und ihrer Blaͤtter Pracht mit dunckler Nacht behaubt. Die Krone/ und die Zier des angenehmen Lentzen/ Der Blumen Koͤniginn mit ihren Purpur-Kraͤntzen/ Prangt Verliebte und galante Gedichte. Prangt zwar im stoltzem Schmuck/ doch weil sie Dornen hegt/ So kommt es/ daß man offt vor Rosen Abscheu traͤgt. Der bluͤhende Saphier, die Herrscherinn des Gruͤnen/ Das koͤstliche Gewaͤchs die praͤchtigen Jesminen, Die prangen an dem Strauch/ und bluͤhen maͤchtig schoͤn/ Doch ist bey dieser Pracht offtmahls ein Wurm zu sehn. Der Seiden reiche Sammt ist nicht ohn’ alle Fehler/ Der Dafft und theurer Stoff zeigt ungerade Thaͤler/ Der schoͤnste Diamant ist nicht von Mackeln rein/ Den Perlen fehlt etwas bey ihrem klahren Schein. Das Auge dieser Welt zeigt auch verschiedne Flecken/ Die ihm bald hie bald dort das reine Feur bedecken Des Monden silber Licht ist nicht von Maͤngeln rein/ Die ihm bey seiner Pracht mit eingesaͤmet seyn. Ja bey dem Kunst-Gebaͤu/ den hellen Himmels Buͤhnen/ Jst die geschmuͤckte Pracht mit Mangel auch erschienen/ Jndem das Sternen-Heer/ so lustig Wache haͤlt/ Sich nicht vollkommen schoͤn in seinem Schmuck darstelt. Der weisse Marmor- Stein/ der glatte Alabaster/ Hegt Mackels mancher Art in seinem stlber Pflaster/ Rubinen und Schmaragd/ den Tuͤrckiß und Saphier, Die findet man befleckt bey ihrer netten Zier. Des Meeres Wunder-Wald/ die aͤstigten Corallen/ Der Erden Demant-Glaß die klahren Berg-Crystallen/ Und was von diesen mehr die gantze Ruͤndung hegt/ Jst nicht gantz schoͤn da es auch Maͤngels an sich traͤgt. So auch die kleine Welt/ das artige Geschlechte/ Das in die Banden legt/ und uns heist ihre Knechte/ Das schoͤne Jungfern Volck/ der unschaͤtzbahre Schatz/ Der giebt bey seiner Pracht verschiednen Maͤngeln Platz. Die Haare/ so als Gold/ als lichte Perlen prahlen/ Die muͤssen/ ob gleich spaht/ die alte Schuld bezahlen/ Und sagen/ daß sie nicht von allem Mangel frey/ Die andern fallen auch derselben Meynung bey. Die glatte Marmor- Stirn/ der Alabaster Huͤgel/ Hengt/ wie ein Pfau/ beschaͤmmt die sonst gerichten Fluͤgel/ Wenn sie den Silber-Schein nicht gantz vollkommen sieht/ Und ihre Himmels-Burg/ ein Mangel Dufft bezieht. A 4 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Sternen des Gesichts/ die Sonnen gleichen Augen/ Die muͤssen offt Verdruß aus ihrem Fehler saugen/ Daß ihnen Perlen gleich das Zaͤhren-Saltz abrinnt/ So ihren hellen Schein mit Trauer-roht entzuͤndt. Die Rosen/ so in Milch gesetzet auf den Wangen/ Wie Purpur und Scarlat im stoltzem Schmucke prangen/ Beziehet auch gar bald ein bleicher Todes-Schein/ Und zeiget/ daß ihr Glantz nicht kan bestaͤndig seyn. Der schoͤne Zucker-Mund/ und die Zinnober Lippen Beschaͤmen den Rubin/ und die Corallen Klippen/ Doch setzt ein kurtzes Nu den rohten Schein in Eyß/ Und faͤrbet den Rubin mit seinem Kalcke weiß. Das glatte Marmor- Kinn/ der schoͤne Hals/ die Kaͤhle/ Die trotzen dem Crystall/ als wenn nichts ihnen fehle/ Allein/ sie ziehen bald die stoltze Pfeiffe ein/ Und zeigen/ daß sie gleich den andern schadhafft seyn. Bald aber darff ich nicht die schoͤne Brust verachten/ Wohin ein jeder wuͤnscht/ wohin wir alle trachten/ Wo sich die suͤsse Lust in Schwanen eingekleidt/ Und stets ein neues Was auf unser Geister streut. Allwo die Lieblichkeit ihr Wohn-Zelt auffgeschlagen/ Dahin die Gratien als zarte Bienen tragen/ Das Zucker unsrer Lust/ der Seelen Honig Seim/ Der Geist zu Geistern fuͤgt durch zaͤhen Liebes Leim. Wo Aphrodite, wo die Liebes - Goͤtter wohnen/ Da man die Wollust sieht auf suͤsser Anmuht Thronen/ Wo Edens- Garten uns den frohen Eingang zeigt/ Da sich ein Balsams-Strauch zu unsern Diensten reicht. Doch dieses alles macht die Bruͤste nicht vollkommen/ Es wird dem schoͤnen Paar auch Glantz und Lust benommen/ Wie Marmor fleckig ist/ das Sonnen-Licht nicht rein/ So kan auch deren Pracht nicht uͤber-irrdisch seyn. Der rund-gewoͤlbte Bauch prahlt wie ein heller Spiegel/ Jn dessen Mitten steht des Nabels runder Huͤgel/ Der weisser als Albast/ und glaͤtter noch als Eyß/ Jndem er in sich haͤlt der Wollust Zauber Kreyß. Durch einem Blick kan er den Geist in Flammeu setzen/ Und ob ihm schon was fehlt/ wil er uns doch ergoͤtzen. Er Verliebte und galante Gedichte. Er pochet gar darauf/ daß er den Wolcken gleicht/ Und denckt nicht/ daß der Schmuck im Augenblick entweicht. Allein/ wer will die Schooß/ die schoͤne Schooß beschaͤmen? Woher wir unser Licht/ und unser Leben nehmen/ Wo die Gedancken hin/ und jeder Wuͤnschen geht/ Woher was koͤmmt und wird in Leib und Seel besteht. Den Sammel-Platz der Lust/ den Ebenbild des Leben/ Das jene erste Welt veraͤchtlich hingegeben/ Und unser Wohl verspielt/ verlachet jene Lust/ Daß uns im Schatten-Werck nur wird die Lust bewust. Das schoͤne Morgenland/ die rechte Gluͤckes Jnsuli Dionens Wunder-Schloß; allein hier fehlt der Pinsul/ Zu mahlen seine Pracht/ die alles uͤbertrifft/ Weil Liebreitz und Cyther’ es selbsten angestifft: Rubinen und Albast/ die diese Grotte zieren/ Und uns in einem Gang voll suͤsser Fruͤchte fuͤhren/ Sind nicht von Sodom her/ nicht falscher Augen Schein/ Dieweil sie von dem Baum des ersten Garten seyn. Wer will/ kan dieser Pracht nur ihre Fehler zeigen/ Jch halte schon den Mund und werde davon schweigen. Jch zaͤhme meine Hand/ und zwinge meinen Kiel/ Wenn er zu dessen Schimpff nur etwas schreiben will. Mit jenem Mahler will ich mich mit Schweigen decken/ Und Schweigend uͤbergehn was selben kan beflecken/ Jch sage nichts von Lust/ von Pracht/ noch dessen Zier/ Und werffe vor dem Fehl die Schweigens-Decke fuͤr. Antwort einer Comœdian tinn/ auf eines Barons Liebes -Declaration. B aron! wenn eure Hand die Slaven Ketten traͤget/ Und wenn eur Hertz so spricht als eure Feder schreibt? So spuͤhr’ ich/ daß mein Hertz ein solcher Trieb beweget/ Denn die erfreute Brust den Sternen ein verleibt. A 5 Al- Verliebte und galante Gedichte. Allein! bald kan ich nicht den suͤssen Worten trauen/ Und meine Hoffnung faͤlt/ die mich so sehr ergoͤtzt. Wie! wenn ein Adler kan nur in die Sonne schauen/ So ist der Unterscheid schon zwischen uns gesetzt. Erweg’ ich euren Stand/ so kan ich euch nicht gleichen/ Und muß als eine Magd vor eurem Ansehn weichen. Der Fuͤrste des Metals mischt sich mit keinem Eisen/ Das Silber machet sich mit Stahle nicht gemein; Der Eisen Stein will nur des Nord-Winds Gegend weisen/ Und ein geschliffen Glas hoͤrt nicht zum Demant Stein. Das niedrige Geschlecht daraus ich bin gezeuget/ Und eure Trefflichkeit die scheelen gar zu viel; Des Jcars Hochmuth wird durch seinem Fall gebeuget/ Wenn er sich allzu nah der Sonnen machen will. Die Semele verbrennt/ wenn sie den Zeus will lieben/ Und wird an statt der Lust in Flammen auffgerieben. Jedoch die Liebe heist mir viel ein Anders hoffen/ Jch nehme ihren Trost mir zum Vergnuͤgen an: Was am Geschlecht und Stand bey mir nicht eingetroffen/ Ein dienst-ergebnes Hertz gantz wohl ersetzen kan. Es haben Koͤnige diejenigen geliebet/ Die das/ was ich jetzo/ vor dem gewesen sind. Der Teutschen fuͤnffter Carl verliebte Blicke giebet/ Wenn seinen Helden-Geist ein spiel lend Weib entzuͤndt. Der Franckreich uͤberwand/ und seinen Koͤnig bindet/ Bey der Blumbergerin die Sclaven Ketten findet. Die Gabrielle zwingt der Frantzen grossen Koͤnig/ Der in der Herrscher-Zahl der vierte Heinrich hieß/ Es ist sein Helden-Muht vor ihrer Macht zu wenig/ Jhr angenehmer Strahl ihm seine Schwachheit wies. Hispanjens Philipp faͤlt vor einer Calderone, Jhr Schau-Platz ist der Platz/ wo er das Feld verlohr. So macht die Liebe gleich Schau-Plaͤtze und die Throne/ Und zieht ein spielend Weib offt hohen Damen vor. Die Verliebte und galante Gedichte. Die Liebe machet gleich was Cron und Purpur traͤget/ Und was mit groben Tuch und Lumpen ist beleget. Jch lege nun die Furcht in meinem Hertzen nieder/ Jch glaube was ihr schreibt/ und liebe/ weil ihr liebt/ Hat euren Geist bestrickt? die Schoͤnheit meiner Glieder/ So wisset/ daß eur Stand mir gleiche Banden giebt. Jch will Dianen nicht in diesem Stuͤcke gleichen/ Wenn sie dem Acteon sein Todes-Urtheil spricht. Sie soll an Freundlichkeit und Liebes-Brunst mir weichen/ Wenn sie den heissen Sinn nach Latmus Spitzen richt. Jhr sollt Endymion, ich will Diane heissen/ Kan meine Brust schon nicht als ihr Planete gleissen. Jhr seyd kein Mahomed, der die Irene toͤdtet/ Die ihm vor kurtzer Zeit sein Abgott muste seyn. Und ist der Falschheit-Kraut in euch gantz ausgegaͤttet? So nehm’ ich ohne Sturm den schoͤnen Krieger ein. Muß Constantinens- Burg in Flammen untergehen/ Weil es der Tuͤrcken Macht nicht widerstehen kan? So soll kein Widerstand in meiner Brust geschehen/ Vielleicht sieht eure Macht die Demuht gnaͤdig an. Auf meinen Thuͤrmen weht schon die Ergebungs Fahne/ Und der Accord ist nur: liebt immer die Diane. Gedancken uͤber die Liebe der Heydni- schen Goͤtter/ nach dem Lateinischen des Herrn Stigelii. W enn das ein Fehler ist/ daß ich verliebet bin/ So muͤst ihr Goͤtter doch hier durch die Finger sehen/ Weil Amor ebenfals bezwungen euren Sinn/ Und seinen scharffen Pfeil in euch hat lassen gehen. Es Verliebte und galante Gedichte. Es muste Jupiter der Liebe dienstbahr seyn/ Umsonst nennt man ihn nicht Stier/ Widder/ Schwaan und Regen/ Er kleidete darum sich in solch Wesen ein/ Damit nach Hertzens-Wunsch der Lieb’ er koͤnte pflegen. Neptun hat in der Fluht offt lichter loh gebrennt/ Sein Hertze ist entzuͤndt durch heisse Gluht gewesen. Auf daß ein schoͤnes Kind von ihme wuͤrd’ erkennt/ So ließ zum Schaͤffer sich der Phœbus auserlesen. Die Goͤttin/ so der Welt die suͤssen Schmertzen macht/ Hat offt ihr eigen Schwerdt auf ihre Brust gewetzet. Jhr lahmer Ehe-Mann ist offt von ihr verlacht/ Wenn mit dem tapffern Mars sie ihre Brust ergoͤtzet. Jndem sie einst mit ihm die suͤsse Wollust treibt/ So wird sie vom Vulcan im Ehe-Bruch erfunden. Man redete sonst nichts/ als daß er schlimm beweibt/ Und seiner ward gedacht/ wo nur zwo Goͤtter stunden. Selbst Juno, der die Lieb’ ein Dorn im Auge war/ Hat mehr denn einmahl sich im Eh-Bruch lassen kuͤssen! So reist mich Amor auch zu seinen Brand-Altar/ Und der/ der alles zwingt/ hat mich auch zwingen muͤssen. Als man einem Frauen-Zimmer einge Galanterien uͤbersandte. Sonnet. W enn dort Cleopatra, das Wunder ihrer Zeit/ Den feurigen Anton mit ihrer Gunst erfreut/ Und dieser solche Huld mit Dancke will erkennen; So muß ein Koͤnigreich sie seine Goͤttinn nennen. Gantz Cappadocien ihr suͤssen Weyrauch streut/ Und Syrien wird ihr zum Tempel eingeweiht; Man siehet uͤberall viel tausend Opffer brennen/ Nichts als der Todt soll ihn von ihrer Liebe trennen. Jch/ der ich gleiche Gunst von eurer Huld empfangen/ Will/ ob ich schon nicht kan mit Kron und Scepter prangen/ Und Verliebte und galante Gedichte. Und kein Monarche bin/ euch auch erkenntlich seyn/ Mein Hertze will ich euch zu einem Tempel schencken/ So an der Probe Gold/ an| Treue Demant Stein/ Nebst etwas Weniges zu einem Angedencken. An die Nacht/ als ihm seine Maitresse eine 2Nacht-Lust verheissen. D u mir verhaßte Nacht/ und ihr furchtsamen Schatten/ Wie lange soll eur Flor die Erde uͤberziehn? Wenn wollet ihr doch weg vor Titans Strahlen fliehn? Wenn kuͤhlt Aurorens Thau die bund-gestickten Matten? Wie lange waͤhrt es noch mit euch ihr blassen Sternen? Wenn soll eur silber Licht/ Diana, untergehn? Und warum muͤsset ihr so lang am Himmel stehn? Ach/ koͤnnt ihr euch denn nicht auf mein Geheiß entfernen! Beliebter Tag brich an/ geht auf ihr guͤldnen Strahlen/ Vertreibt die Finsterniß/ die uns umschlossen haͤlt/ Matuta zeige dich doch der betruͤbten Welt/ Und laß dein Purpur-Kleid die Wolcken feurig mahlen. Verwegner/ hoͤre ich schon in der Lufft erschallen/ Entsieht sich nicht dein Stoltz/ Herr der Natur zu seyn? Ja! willigten wir schon in dein Begehren ein/ So ist uns unbewust/ warum wir dir gefallen. Sag an/ warum du wilt/ daß es soll helle werden? Vielleicht kan es geschehn/ daß du erhoͤret wirst/ Daß Cynthius sich zeigt/ und daß der Sternen-Fuͤrst Von hinnen weichen muß mit traurigen Gebaͤrden. Hoͤrt denn die Ursach an/ ihr angenehmen Luͤffte/ Sprach mein erfreuter Mund/ die mich dazu bewegt/ Caliste, die mich sonst hart zu begegnen pflegt/ Bey der ich um den Port als ein Verlaßner schiffte; Hat mir die suͤsse Lust auf Morgen nun versprochen/ Es ist ihr schoͤner Schooß zu meiner Lust bereit/ Der Schooß/ wo tausend Lust die Liebe ausgestreut. Ach waͤre doch der Tag nur erstlich angebrochen! Der Verliebte und galante Gedichte. Der angenehme Tag/ der so viel suͤsser Luͤste/ Und tausend Lieblichkeit im Geiste mir verspricht/ Von der/ der an Gestalt und Zierde nichts gebricht; Die noch beliebter macht das Paar der schoͤnen Bruͤste. Wenn aber ich dis Bild soll deutlicher beschreiben/ So wird das Eben-Holtz den Haaren beygesetzt/ Das schwartze Augen-Paar erquicket und verletzt/ Die Majestaͤt laͤst sich nicht von der Stirnen treiben. Die Wangen sind der Ort/ wo eine Hochzeit machen/ Der Liljen weisse Pracht und schoͤner Rosen-Bluͤth/ Ein heller Purpur auf den schoͤnen Lippen gluͤth/ Bey dem die Gratien mit sammt der Anmuht wachen. Der angenehme Schmuck der weissen Marmor- Wellen/ Stellt eine Gegend vor die Cypripor beschifft/ Weil ihn kein harter Sturm auf dieser Fahrt betrifft/ Die Winde dieses Meer zu keiner Zeit verstellen. Da liegt das Vor-Gebuͤrg wo gute Hoffnung wohnet/ Ein Pharos leuchtet da bey Tage als bey Nacht/ Allwo Cytherea das Feuer angemacht/ Daran kein Marmor- Stein noch Zieraht ist geschonet. Darauf zeigt sich der Port/ die angenehme Stelle/ Allwo die Lieblichkeit in lauter Rosen sitzt/ Ein schoͤner Myrthen-Wald den Ort der Anfuhrt schuͤtzt. Da ist der kalte Brunn/ und feuer-reiche Quelle/ Daraus wir Gluht und Fluht nach Willen schoͤpffen koͤnnen/ Daselbst was Staͤhlern war wie weiches Wachs zerrinnt/ Und das/ was weich und schlap dem Eisen abgewinnt/ Wenns in die Esse koͤmmt da Venus Kohlen brennen. Was sonst an Kostbarkeit und Anmuht da verborgen/ Soll mir zu Dienste stehn/ ich schmecke schon die Lust/ Die mir ihr Schooß verspricht/ es freut sich meine Brust/ Und wuͤnschet immerfort/ ach waͤr’ es doch erst Morgen. Er Verliebte und galante Gedichte. Er giebt ihr seine Liebe zu verstehen. Ringel-Gedichte. J ch bin verliebt/ mein Hertze ist entzuͤndet/ Durch deine Pracht/ die mehr als menschlich ist: Weil nun bey dir sich auch Erbarmniß findet/ So gieb/ daß mich gewuͤnschte Huͤlffe kuͤst/ Eh Eros mich dem Tode uͤbergiebt. Jch bin verliebt. Der Augen Pracht/ dein angenehmes Wesen/ Und was noch sonst dir Venus mitgetheilt/ Macht/ wenn ich todt/ mich wiederum genesen: Ein suͤsser Kuß der Seelen-Wunde heilt/ Der Krancke jauchzt/ wenn troͤstlich ihn anlacht/ Der Augen Pracht. Er ist zu fromm. J ch bin zu fromm/ zu fromm beym Frauen-Zimmer/ Man klagt mich stets als allzufurchtsam an/ Das Jungfern-Volck/ das saget je und immer/ Mit meiner Gunst waͤr ihnen nichts gethan. Jch ehrte zwar das Juͤngferlich Geschlechte/ Und meine Pflicht/ die truͤge reichlich ein; Doch hielt ich mich nicht nach der Venus Rechte/ Und meine Hand wolt niemahls dreifte seyn. Die Finger sich nicht zu den Bruͤsten machten/ Auch kaͤhm’ ich nicht vor das Gelobte-Land. Jch ließ den Mund bey suͤsser Kost verschmachten/ Und waͤre nur den Nahmen nach bekandt. Mein Gut-seyn ließ mich ihre Gunst verschertzen/ Jch machte selbst mein Gluͤck zuruͤcke gehn/ Nicht das Geschenck/ das Tasten und das Hertzen/ Das liesse nur vor einen Mann bestehn. Die Klage muß ich aller Orten hoͤren/ Sie hassen mich ob meiner Guͤtigkeit; Doch kan ich mich an ihrem Wunsch nicht kehren/ Macht gleich mein Fleisch mir unterweilen Streit. Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch will stets keusch in meinem Wesem bleiben/ Bannt man mich gleich zum Thor und Stadt hinaus; Jch wil mich nicht an ihre Dinger reiben/ So stoß’ ich nicht die Fenster-Scheiben aus. Die ungleiche Verwandelung. P ygmalion sein Bild/ daß er aus Helffenbein Mit ungemeiner Kunst zur Goͤttinn ausgehauet/ Auf seinen Wunsch alsbald so schoͤn belebet schauet/ Als er es selbst gemacht; zur Lindrung seiner Pein. Hingegen wird dein Hertz/ da jenes weich ward/ hart/ Und haͤuffet meine Pein/ die mir mein Lieben machet/ Dein Schoͤn-seyn mir vor Lust nur Schmertzen verursachet/ Durch die Verwandelung der gantz ungleichen Art. Das unbelebte Bild fing gleich der Liebe Gluht; So bald die Kunst-Gebuhrt erlangte Geist und Leben/ Ließ sie der Liebe Zinß gern ihrem Meister heben/ Und im Umarmen gab sie ihm ihr bestes Gut. Du/ die du bist belebt/ wilt kalt und lieb-loß seyn/ Dein Hertz/ das fleischern ist/ wilt du verhelffen beinern/ Ja es ist schon so hart/ und haͤrter noch als steinern/ Mein klaͤglichs Seufftzen giebt dir noch mehr Straͤnge ein. Daß der Bruͤste Kuß annehmlicher als der Lippen sey. O b zarte Lippen schon mit Honig-Thaue trieffen/ So schaffet doch mehr Lust mit seiner Lippen-Kahn/ Der Bruͤste Marmor- Meer im Ambra zu beschiffen/ Denn/ wenn man Mund und Brust zu kuͤssen bietet an; So buͤckt man sich zur Brust/ und laͤst die Lippen fahren/ Weil auf dem Schnee-Gebuͤrg des Indianers Rohr/ Hymettens Bienen-Safft sich mit der Anmuht paaren; Dis Lust-Gefilde bringt des Hyblens Klee hervor. Man kostet Ambra Fladen/ Und suͤsse Marmeladen. Wann Verliebte und galante Gedichte. Wann man die zarte Brust an seine Lippen druͤckt/ Und mit der Limonad’ den matten Geist erquickt. Prahlt gleich der Mund Rubin mit seiner Purpur Farbe/ So muß er doch dem Schnee der Liljen Bruͤste weichen; Kuͤst einer gleich den Mund/ sagt er doch/ daß er darbe/ Wenn er die Brust nicht kan zur Kuͤhlung mit erreichen. Hier setzt man Kirschen bloß dem heissen Munde vor/ Dort quilt gekroͤnte Frucht in groͤßrer Zier empor. Die Kirschen muß man zwar aus Hoch muht nicht verachten/ Doch der Granate macht/ daß wir nach selben trachten. An Salinden. Sonnet. J ch will wie Hercules der Hoͤllen Riegel brechen/ Jch will/ wenn Mouson weht/ nach Siams Graͤntzen gehn/ Jch will wie Mutius in Feur und Flammen stehn. Jch will mit Zemblens Eyß die nackten Glieder schwaͤchen. Jch will den Goliath an Davids Aschen raͤchen/ Durch mich soll Babilon den Thurm gebauet sehn/ Des Himmels Stuͤrmung soll von meiner Hand geschehn. Jch will in Wein verkehrn das Wasser in den Baͤchen. Jch will Napell und Gifft wie Zucker-Rosen essen/ Jch will den grossen Weg zur blauem Hoͤhe messen. Jch will das weite Meer in einem Eymer fuͤllen/ Jch will den heissen Durst mit warmen Ertze stillen. Dis alles/ und noch mehr soll meine Arbeit seyn/ Wenn mich Salinde nimmt in ihre Muschel ein. Mouson heisset bey denen Seefahrenden derjenige Wind/ wel- cher ein halb Jahr wehet/ und unter waͤhrender Zeit kein Schiff aus Holland nach Siam seegeln laͤsset. Er klaget uͤber die Haͤrtigkeit seiner Schoͤnen. V erworffner Unbestand! im Lieben und im Waͤhlen/ Wenn laͤst dein falscher Schein die frohe Stunde zaͤhlen? B Da Verliebte und galante Gedichte. Da auf der Liebsten Mund/ Nach schmertzlichem Verdruß/ und Gallen-reichen quaͤlen/ Jch mich von neuem kan mit suͤsser Kost beseelen. Wenn wird dein Zorn Comet in Venus sich verkehren/ Und vor gewoͤlckte Lufft mir heitern Schein verehren/ Wenn wird ihr Augen-Glantz Mit seiner Freundlichkeit/ und sanfften Strahlen lehren? Daß kein versteckter Blitz mich Armen soll verzehren. Doch! es schafft wenig Lust sich mit der Hoffnung speisen? Und die schon reiffe Frucht nur bloß den Augen weisen/ Die man nicht kosten darff. Denn kan man wol die Frucht/ und ihre Guͤte preisen? Wenn die Grana ten man nicht wuͤrcklich darf zerbeissen. Was hilfft ein grosser Schatz? den man nicht darff geniessen/ Den man mit Sorgen muß behuͤten und verschliessen/ Daß nicht durch frembde Hand Er werde aus der Huht mit List hinweggerissen/ Und wir statt wahrer Lust den leeren Schatten kuͤssen. Hat die Natur darum dir solchen Schatz gegeben? Daß du damit vor dich solt in der Stille leben. Ach nein! du irrest sehr; Es laͤst ihr Gnaden-Schein dich hier auf Erden schweben/ Damit die Liebenden nach deinem Gute streben. Du aber widerstehst den Himmlischen Gesetzen/ Und stelst in einsahm-seyn dein eintziges Ergoͤtzen/ Du fliehst den starcken Trieb/ Wodurch der Goͤtter Macht die Sterblichen verletzen/ Und gleich-gesinnten Geist in beyde Hertzen aͤtzen. Du ziehst den Ancker auf/ der meine Hoffnung stuͤtzte/ Und mich vor Æols Wuht durch seine Krafft beschuͤtzte/ Bis Verliebte und galante Gedichte. Bis daß ein kuͤhler West/ Jn meine Segel bließ/ und keine Wolcke blitzte. Noch ein vergrelter Sturm den Himmel mehr erhitzte. Nun treibt mein morsches Schiff in ungestuͤhmen Wellen/ Jhm dreuet jede Fluht/ es gaͤntzlich zu zerschellen. Kein Pharos scheinet mir. Es fehlet der Compas das Steur darnach zu stellen/ Es dreuet Syrt’ und Sand den schwachen Kahn zu faͤllen. Jch muß mein Canaan nur in der ferne schauen/ Und auf des Nebons Hoͤh ein Grab-Mahl mir erbauen/ Jch darff den Honig-Strand Des Landes nicht besehn noch seine Milchern Auen Und muß in Paran mich der Erden anvertrauen. Als die schoͤne Tuͤrckin/ da er mit ihr bekand worden/ kurtz darauf wegzog. W il meine Sonne schon die schwartzen Schatten kuͤssen/ Und huͤlt sie ihren Glantz in dunckle Wolcken ein? Muß die verhaßte Nacht mit ihren Finsternissen/ Auf einem kurtzen Tag so bald verhanden seyn? Ja! Gosen will mir jetzt zu Memphis Gegend werden/ Die schwartze Finsterniß verdunckelt seine Lufft/ Die Sonne meiner Lust/ die ziehet um die Erden/ Und durch entwandtem Schein stoͤst sie mich in die Grufft. Jch sehe mit Verdruß den Freuden-Stern versincken/ Die kummer-volle Nacht mit Traum-Gespensten dreut/ Es laͤst ein Jrwisch-Licht der Traurigkeit sich blincken: Und ein Cometen- Stern die Flammen von sich streut. Mein Lotus muß sein Haupt betruͤbt zu Grunde neigen. Es kuͤßt mit Cynthius die auffgeschwollne See. Jch muß wie Clytie der Seelen-Kummer zeigen/ Nun meine Sonne fort/ ich sterbend untergeh. Barlottens Abzug raubt der Seelen ihre Freude/ Mein klahrer Himmel wird zu einer Trauer-Lufft/ B 2 Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch gehe jetzt im Boy an statt der gruͤnen Seide/ Und mein Gesicht umgiebt ein Sorgen-voller Dufft. Der Zembler lange Nacht beginnet anzuheben/ Wer weiß/ ob ich mein Licht jemahlen wieder seh? Jch muß vor Angst entselt in langen Naͤchten leben/ Es zeigt sich sonst kein Licht als der Gedancken-Schnee. Mein mattes Hertze muß verderben und erfrieren/ Der kalte Winter greiffts mit vieler Unlust an. Jch muß/ ach herber Schmertz! Diejenige verliehren/ Von der ich nur allein das Leben haben kan. Wie! wenn des Winters Grim̃ der Sonnen-Strahlen mindert Das bunte Blumen-Feld ein Todten-Kleid anzieht/ So hat auch dein Verlust die Sommer-Zeit verhindert/ Die Liebe ist erstarrt/ die Hoffnung steht verbluͤht. Zwar laͤst die Liebe sich abwesend wol ernehren/ Doch es ist nur ein Traum/ sie kan nicht lange stehn/ Wenn man den Gegen-Stand nicht taͤglich kan verehren/ So muß die Liebes-Glut ohn Nahrungs-Oehl vergehn. Die Zeit verkehret viel sie aͤndert die Gestalten/ Ein weit entferntes Hertz der Meisterin vergißt/ Mit der Abwesenheit muß Lieb’ und Gunst erkalten/ Sie macht/ daß deren Glut nicht immerwaͤhrend ist. Jch fuͤrchte nicht umsonst annehmliche Barlotte, Daß meine Liebes-Glut sich in sich selbst verzehrt; Und daß die schnelle Zeit die Neigungen ausrotte/ Weil man abwesend nicht der Liebsten Pracht verehrt. Die Wurtzel ist nicht vest ins Hertze eingesencket/ Die Liebe Pflantze nur die ersten Keumen traͤgt; Wenn nur ein kleiner Frost sie zu verderben dencket/ So wird sie ohne Frucht ins dunckle Grab gelegt. Ein Garten/ der verdirbt/ wenn ihm der Gaͤrtner fehlet/ Die Pflantzen gehen ein/ die allzuweichlich sind. Dein Abzug meine Lieb’ entkraͤfftet und entseelet/ Weil sie ins kuͤnfftige nicht ihre Nahrung findt. Jch kan die Flammen nicht aus deinen Augen saugen/ Wenn mir ein ferner Ort derselben Glantz entzieht; Was nuͤtzet uns der Schein der uns entzognen Augen? Nichts! weil man sie von fern/ und in Gedancken sieht. Du Verliebte und galante Gedichte. Du aber seelger Ort/ und hoch-gepriesnes Staͤdgen Schließ dieses schoͤne Kind auf ewig bey dir ein/ Es ist recht liebens werth/ und ein galantes Maͤdgen/ Es wird dein bester Schmuck und schoͤnste Zierde seyn. Die Nymphen werden sich alsbald zu ihr gesellen/ Sie wird geehret seyn/ sie ist der Liebe werth/ Jhr muͤsset/ ihr zur Lust das Blumen-Fest anstellen/ Damit ihr nach Gebuͤhr die ander Flora ehrt. Die Schaͤffer seh ich schon zu ihren Diensten stehen/ Jedweder ist bemuͤht/ daß er ihr Liebster sey/ Hing egen muß ich mich entfernt und traurig sehen/ Mein Gegen-Stand ist fort/ mein Sommer ist vorbey. Lorus ist eine Egyptische Pflantze/ gleich denen Liljen/ waͤchse/ haͤuffig in dem Nil-Strohme/ hat diese wunderliche Eigen- schafft an sich/ daß es mit der Sonnen Untergang sich in das Wasser verbirget/ und bey deren Auffgang wieder hervor stei- get. Prosper. Alpinus de plantis Ægypt. cap. 4. pag. 103. Liebes-Brief an seine Maitresse. J ch schreibe/ schoͤnstes Kind/ von Fleisch und Blut getrieben/ Vergib/ wo dieser Brief zu frey gerahten ist! Es heisset die Natur uns alle beyde lieben/ Jch weis/ daß du mit mir von gleicher Regung bist. Du darfft daruͤber dir gar kein Gewissen nehmen/ Was bildest du dir mehr als ander Menschen ein? Weswegen wilt du dich vor deinem Schatten schaͤmen? Wie lange wilt du selbst auf dich tyrannisch seyn? Du weist es Grausahmste/ daß ich als Sclave lebe/ Und gleichwol legst du mir erst schwere Ketten an/ Was soll die Jungfrauschafft/ das leichte Spinn-Gewebe/ Das Ding/ das jeder sucht/ und niemand finden kan? Laß deine Rosen bald im ersten Fruͤhling pfluͤcken/ Gedencke/ daß sie nicht auf kaltem Eise bluͤhn/ Die Liebe wil sich nicht zum spaͤhten Alter schicken/ Es pflegt ihr nackend Kind im Winter weg zu ziehn. Das Closter glaub es mir hat allzustrenge Lehren/ Dis ist kein Leben nicht/ das mich und dich vergnuͤgt/ B 3 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Schoͤnheit wird veracht/ die keiner darf verehren/ Sie ist ein Goͤtzen Bild/ das in den Winckeln liegt. Weswegen zeigst du mir die rundgewoͤlbten Bruͤste? Sie laden meinen Mund/ und meine Finger ein/ Warum erhitzt du mich/ und reitzest meine Luͤste? Wer kan ein Tantalus bey solchen Aepffeln seyn? Wie offt betracht ich nicht die wunder schoͤnen Gaben/ Und dencke bey mir selbst/ dis siehet alle Welt/ Was muß nicht dieses Kind vor andre Sachen haben/ Die sie nicht zeigen will/ und mir verborgen haͤlt? Du wirst dis Heiligthum doch ewig nicht verstecken/ Sonst geht die Suͤßigkeit mit deiner Jugend hin/ Und bist du es gesinnt vor einem auffzudecken/ So glaub ich/ daß ich hier der allernaͤchste bin. Du darffst die Jungferschafft nicht mit zu Grabe tragen/ Jhr seyd von unserm Fleisch/ und unserm Bein gemacht/ Doch solt es deine Schaam bey Tage mir versagen/ So goͤnne mir die Lust bey Schatten reicher Nacht. Jch will mein Paradieß auch nicht im fiustern fehlen/ Der angenehme Weg ist mir nicht unbekannt/ Jndessen solt ich nicht die rechte Strasse waͤhlen/ So sey du Fuͤhrerin/ ich folge deiner Hand. Er verlaͤst die Mannon. Aus dem Frantzoͤsischen. J ch lache eurer Strengigkeiten/ mir gefaͤllt eur stellen nicht/ Diese Worte recht im Ernste/ Mannon, meine Zunge spricht: Gegen euch aus Lieb’ und Gunst meine Geister nicht mehr brennen/ Weil sie mehr als allzuwol euren boͤsen Mißbrauch kennen. Liebet welchen/ den ihr wollet/ meinentwegen ists verguͤnt/ Jch verlange von euch nichtes/ der ich lang gewesen blind. Jhr seyd meine Herrscherin/ Mannon, lang genug gewesen/ Endlich muß der krancke Geist von dem Fieber doch genesen. Adjeu Mannon, Gluͤck zur Reise/ meine vormahls veste Treu Jst verblichen und verloschen/ und die Schwuͤre sind vorbey/ Mein Verliebte und galante Gedichte. Mein Hertz/ daß sich endlich hat euren Ketten noch entrissen/ Soll forthin in stiller Ruh seine Zeit vor sich beschliessen. Als er Urona verlassen muste. D u Sam̃el-Platz der Lust/ du Wohn-Haus grosser Freuden/ Mein Schicksahl zwinget mich von deiner Pracht zu scheiden/ Es rafft ein Unfall mich von deinem Feste hin/ Das mit beliebter Lust erquicket Hertz und Sinn. Ob gleich die Chloris jetzt die Blumen eingeleget/ Und ein Atlassen Kleid von Schnee und Eyse traͤget/ So laͤst die Lustbarkeit dich doch nicht oͤde seyn/ Und was Vergnuͤgen heist geht nicht im Winter ein. Es kan die Schlitten-Fahrt die Garten-Lust ersetzen/ Die Masquerade zinst ein Koͤniglich Ergoͤtzen. Es laͤst die Anmuht uns auf Zucker-Rosen gehn/ Und suͤsse Mandeln-Milch in guͤldnen Schaalen stehn. Die Blumen deiner Lust bestricken Aug’ und Hertzen/ Jhr lieblich Angesicht vertreibet alle Schmertzen/ Und ihrer Schoͤnheits-Pracht nichts irrdsches uͤberwiegt/ Sie sind der schoͤnste Theil von dem was uns vergnuͤgt. Die holden Kindergens den schoͤnsten Engeln gleichen/ Dian’ und Venus muß vor ihren Blicken weichen: Die Glieder sind wie Schnee/ wie Wolle zart und weiß/ Sie sind dein bester Schatz/ der Schoͤnheit Ehren-Preiß. Die Wangen sind annoch im ersten Fruͤhlings-Jahren/ Auf welchen Milch und Blut in schoͤnster Lust sich paaren/ Der Augen helles Licht den lichten Tag gebiehrt/ Und dich/ du schoͤner Ort/ mit vielen Sternen ziert. Jhr schoͤnes Antlitzt ist ein kostbahr Eden- Garten/ Darinnen Ros’ und Lilg sich durch einander karten/ Die Lippen croͤnt Corall/ den Zucker-Mund Rubin/ Jhr Athen uͤbersteigt den Ambra und Jesmin. Der wohl-gewoͤlbten Brust ihr Spiegel glattes Pflaster An Klarheit macht beschaͤmt den weißten Alabaster; Granaten bluͤhn im Schnee den blauer Tuͤrcks durchflicht Es gleicht des Himmels Glantz den nett en Gliedern nicht. B 4 Sie Verliebte und galante Gedichte Sie sind der Sorgen-Pest/ der Lust Gebaͤhrerinnen Es laͤst ihr holder Mund des Loutens Zucker rinnen/ Jhr schoͤnes Wesen zeugt stets neue Lieblichkeit/ Die bitter Wermuth wird nie in die Lust gestreut. Dis alles zwinget mich mein Schicksahl zu verlassen/ Es schenckt/ vor suͤssen Most/ mir Galle in die Tassen: An statt des wahren Lichts reicht es den Schatten dar/ Und macht/ ein solches Spiel/ mir gleich zum Neuen-Jahr. Er hat zu Elida keine Vergnuͤgung. J ch baue mir ein Haus von kummer-vollen Nesseln/ Wo Einsamkeit und Gram mir stets zur Seiten stehn: Die Traurigkeit will mich mit todten Schatten fesseln/ So daß kein Freuden-Stern in meiner Brust zu sehn. Der suͤsse Marcipan wird mir zu herben Pillen/ Mir stinckt des Zuckers Safft als bitter Wermuth an/ Und mein Verhaͤngniß laͤst nur saure Galle quillen/ Die keine Lustbarkeit allhier verzuckern kan. Mit Thraͤnen wird mein Tranck nur allzu offt vermischet/ Mir wird ein schwartzes Brodt das liebliche Confect, Mein Lust-Wald ist ein Ort/ wo Unck’ und Schlange zischet/ Ein Schwantz-Stern sticht hinweg den guͤnstigen Aspect. Vor die genoßne Lust empfind’ ich herben Schmertzen/ Die Einsamkeit schenckt mir Allaun und Wermuth ein/ Die Traurigkeit bestuͤrmt die Thore zu dem Hertzen/ Es soll mein Sinnen-Bau ihr steter Wohn-Platz seyn. Doch unterweilen labt mich noch ein Angedencken/ Und die gehabte Lust dem matten Geist erquickt/ Wenn aber ich zu weit wil Zaum und Zuͤgel lencken/ So wird die Froͤlichkeit mit dem Kapzaum bestrickt. Und also muß mein Geist in stetem Kummer schweben/ Weil hier zu Elida gar wenig Anmuth ist; Hir muß ich als ein Muͤnch in engen Clausen leben/ Dazu Urona mich stets holde Lust gekuͤßt. Hier kan ich nicht mit Lust dich/ meinen Engel/ schauen/ Jn dessen Angesicht Cupido Wache haͤlt: Hier Verliebte und galante Gedichte. Hier find’ ich meine Lust in den bekleeten Augen/ Wenn drauf im suͤssen Thau Aurorens Weinen faͤlt. Mit dieser Lustbarkeit muß ich mich hier vergnuͤgen; Jetzt muß ich seyn ein Knecht in der Egypter Land/ Bis nach verloffner Zeit die Lust mich ein wird wiegen Jn jenem Canaan bey dem beliebten Strand. Jndessen lebe wohl/ dein Gluͤcke muß stets bluͤhen/ Dein Auge schaue nichts als lauter Wohlergehn/ Die Segens-Wolcke soll auf deine Scheitel ziehen/ Und was behaglich ist/ muß dir zur Seiten stehn. Es mehre sich die Pracht der angenehmen Glieder/ Gruͤn wie ein Cedern- Baum am Berge Libanon, Daß/ wann ich dermahleinst komm’ aus der Wuͤsten wieder/ Jch gegen deine Pracht verachte Thron und Kron. Du aber Solime, du Stern und Kern von allen/ Dein Angedencken macht/ daß ich noch lebend bin/ Dein Bild verwehret mir in Ohnmacht hinzufallen/ Sonst fiel der matte Leib/ wie zarte Blumen/ hin. Liebes-Gespraͤch zwischen unsern ersten Eltern. Adam. W elch unbekannte Brunst beseelet meine Brust? Was vor ein him̃lisch Feur erwaͤrmet meine Glieder? Jn meinem Hertzen glimmt ein Zunder fremder Lust/ Mein Ohr/ das hoͤret nichts als lauter Liebes-Lieder. Der Vogel lockt das Weib mit halb erstorbner Stimm/ Die Fische in dem Meer in Lust zusammen schertzen/ Der Leue wird ein Lamm/ er heget keinen Grimm/ Die Thiere dieser Welt sich in die Wette hertzen. Nur ich/ ich aller Herr was dieser Erd-Kreyß hegt/ Muß in der stummen Glut ohn einzig Labsahl brennen/ Jch finde kein Geschoͤpff zu dem mein Sinn sich legt/ Gehuͤlffen kan ich nicht zu meiner Kuͤhlung kennen. Doch was beklag’ ich mich? da ich zur Stillung hab Die Eva, die mir ist von meinem Fleisch genommen/ B 5 Die Verliebte und galante Gedichte. Die mir des Schoͤpffers Hand zur Mitgesellin gab/ Bey der ich/ wann ich will/ die Ruhe kan bekommen. Wie! daß ich denn so gar vor grosser Liebe blind/ Und meinen Engel nicht zur Seiten sehe stehen? Was wilden Thieren ist zu ihrer Lust verguͤnt/ Kan mir zu groͤßrer Lust von Even auch geschehen. Eva. Mein Adam siehst du nicht wie jeder Vogel liebt? Wie sich ein jedes Thier zu seines gleichen stellet? Was ist es? daß in dir zur Zaudrung Anlaß gibt? Wie/ daß sich deine Brunst nicht gleich zu mir gesellet? Mein Wesen groͤsser Lust und Anmuth in sich haͤlt/ Als alles/ so die Welt in ihren Graͤntzen heget: Umsonst ist dieser Schmuck mir ja nicht zugestelt/ Wie! daß dein Wunsch sich nicht zu meinem Wollen leget. Sieh meiner Glieder-Pracht/ die wohl-gewoͤlbte Brust/ Wie sie aus heisser Brunst nach Adams Feur sich sehnet/ Schau jener Gegend Zier/ den Wohn-Platz aller Lust/ Woran uns die Natur durch ihren Trieb gewehnet. Wie stehst du als entzuͤckt/ verblendet dich die Pracht Der angenehmen Brust und Perlen voller Glieder? Wie/ daß dein Sehnen nicht zu meiner Brust sich macht/ Und sich erhitzet legt in meinem Schoosse nieder? Komm kuͤhle dich mein Kind/ und stille deine Brunst/ Was uns ergoͤtzen kan ist gleich entbrandter Wille/ Der Thiere Schertzen ist bey unser Liebe Dunst; Komm’ eilend liebster Schatz mein Feur der Sehnsucht stille. Adam. Dein schoͤnes Wesen nimmt mir meine Geister ein/ Es zwinget mich der Schmuck von deinem schoͤnen Leibe/ Es wuͤnschet meine Brunst in dir gekuͤhlt zu seyn/ Mach Eva, daß ich nicht in steten Flammen bleibe. Kuͤhl meine Gluhten ab mit Julep suͤsser Lust/ Laß mir die Zucker-Kost des Paradieses schmecken/ Berausche meinen Geist mit deines Schooses Most/ Laß uns ins kuͤhle Gras die heissen Sinnen strecken. Eva. Verliebte und galante Gedichte. Eva. Jch warte deiner schon/ ich brenne mit Begier/ Laß uns das suͤsse Werck nicht laͤnger mehr verschieben/ Mein Hertze/ Seel und Sinn die laͤchtzen starck nach dir/ Laß uns in stiller Ruh die hoͤchste Lust veruͤben. Jch bin dazu bereit/ der Vogel lockt mich an/ Und singt mit holder Stimm die schoͤnsten Hochzeit-Lieder. Adam. Mein Geist geht mit der Lust schon auf der Rosen-Bahn/ Vereinige mit mir die Schoͤnheit deiner Glieder. Eva. Mein alles geb’ ich dir mein liebster Adam hin. Adam. Es bleibet Adam dir/ mein Engel/ auch ergeben! Es ehret deine Pracht mein heiß entbrannter Sinn/ Und wuͤnscht durch deine Gunst in voller Lust zu schweben. ARIA. Adam. Vollkommene Schoͤne/ du Wunder der Erden/ Laß Adam begluͤcket Und kraͤfftig erquicket/ Durch deine beperlete Glieder jetzt werden. Vermaͤhle die Hertzen Mit Lust und Schertzen/ Und tische der Seelen ein Zucker-Brodt auf. Eva. Jch opffer dir/ schoͤnster mein Hertze und Brust/ Die Quelle der Lust/ Komm koste und schmecke die Englische Kost/ Geniesse der Seelen entzuͤckendes Most. Jch tische dir Liebster ein Zucker-Brodt auf. Beyde. So spielen die Hertzen in Himmlischen Flammen/ Und schmecken/ was ihnen Ergoͤtzlichkeit macht/ So fliessen die Seelen in Anmuth zusammen/ Weil ihnen ein suͤsses Vergnuͤgen anlacht. Als Verliebte und galante Gedichte. Als er ihre Bruͤste kuͤßte. B londine deiner Bruͤste Kuß/ Hegt mehr von suͤssen Uberfluß Als tausend Zucker-Fladen Und theure Marmeladen. Mehr Suͤssigkeit quilt aus dem Schnee Der Bruͤste/ als aus Hyblens Klee/ Die Feige wird zur Schleen Kein Honig kan bestehen/ Daß nicht zu Gall und Wermuth wird Wenn es der Brust wird beygefuͤhrt. Der Wein wird schlechte Pfuͤtze Das Manna Haber Gruͤtze/ Dem Ambrosin und Nectar Safft Benimmt dein Busen alle Krafft/ Dein unbefleckte Bruͤste Die Zinsen Himmels-Luͤste. Uber ihre Bruͤste. B eschaͤmte Rosen flieht/ weicht Liljen und Narcissen: Semirens Busen laͤst mich beßre Blumen kuͤssen/ Den Rosen/ so ihr seht auf ihren Huͤgeln bluͤhn/ Hat Aphroditens Blut den stoltzen Schmuck verliehn. Den Liljen/ die so schoͤn sich auf zu blaͤhen wissen/ Hat selbst der Juno Milch zum Ursprung dienen muͤssen. Die Wollust wil mit Macht sich recht darauf bemuͤhn/ Daß dieser Wunder-Platz den Lippen vorzuziehn. Hier kan ein kuͤssend Mund mehr Suͤssigkeiten haben/ Als Sternen an der Burg des blauen Himmels stehn/ Hymettens Bienen-Safft ein Honig von Athen Verkehrt sich in Allaun bey diesen schoͤnen Gaben. Die Seelen essen hier den Zucker wahrer Lust/ Und schaͤtzen sich begluͤckt bey einer schoͤnen Brust. Die Verliebte und galante Gedichte. Die Suͤssigkeit des Kusses. W enn Ambrosin und Nectar Most Der Bienen suͤsse Honig Kost/ Des Zuckers/ und des Ambra- Safft/ Die Specerey/ so Ceilon schafft/ Canarie-Sect und Spanisch Wein/ Der edle Reben-Safft vom Rhein/ Was Gallien von diesem zahlt/ Womit Pannonien so prahlt/ Was da Guinée von Palmen giebt/ Der Schiras, den der Perser liebt/ Vergliechen wird mit einem Kuß/ So ists ein coloquin ten Muß. Denn schoͤner Lippen reines Meth Jn groͤßrer Lieblichkeit besteht. Er beklaget ihre Grausamkeit. Madrigal. F elsen zerspringen/ Eisen wird weich/ Diamanten lassen vom Blute sich zwingen; Und Perlen in Wein. Jhr aber mein Leben/ seyd keinem nicht gleich/ Jhr wollet noch haͤrter als selbige seyn. Die Augen/ die reichen euch Thraͤnen und Fluht/ Die Adern/ die zinsen mein eigenes Blut/ Von euch zu erlangen Liebe und Gunst/ Ach! aber umsonst. Printz Monoses wil aus Ehr-Furcht seine Liebe nur ihrem Ebenbilde zu erkennen geben. L ebloses Bild/ das selbst die Goͤtter ehren/ Weil die Gestalt der Schoͤnheit-Muster zeigt/ Sieh wie ein Knecht um gnaͤdiges Erhoͤren/ Jn seiner Quaal sich kniend vor dir neigt. Er Verliebte und galante Gedichte. Er liebt die Pracht der Himmlischen Barsinen, Doch darf er nicht eroͤffnen was ihm fehlt/ Wenn Ixion die Juno will bedienen/ So wird sein Stoltz mit steter Augst gequaͤlt. Ein Knecht darf nicht an Koͤniginnen dencken/ Was Cronen traͤgt kommt keinem Printzen zu/ Der Zinß und Schoß muß Ober-Herren schencken/ Damit er nur erhaͤlt sein Land in Ruh. Weil ich nun nicht die Liebe darf entdecken/ Die mein Gemuͤht zu der Barsinen traͤgt/ So must du Bild mir diesen Trost erwecken Daß keinen Zorn mein Lieben dir erregt. Drum wil ich auch die Hertzens-Quaal verschweigen/ Und dich mein Bild demuͤhtig behten an; Vielleicht wird sich noch wol die Stunde zeigen/ Daß auch ein Knecht ein Koͤnig werden kan. Artabanus freuet sich uͤber sein guͤtiges Schicksahl. D reut offte schon das Meer mit Sturm und Wellen/ Mit Blitz und Wind die Donner-schwangre Lufft Ein morsches Schiff gantz grimmig zu zerschellen/ Doch reist das Gluͤck es oͤffters aus der Grufft/ Daß es gewuͤnscht den frohen Port kan finden/ Ob Hoffnung schon den Ancker lassen schwinden. Und stelt sich schon das Schicksahl so zu Zeiten/ Als wolte es nicht nach Wunsche und Begehr/ Der Seelen Wunsch zu unser Ruh begleiten/ So fuͤhrt es doch denselben endlich her/ Und ist bereit der Seelen aͤngstigs Sehnen Mit gutem Gluͤck vor die Gedult zu kroͤhnen. So wil auch nicht die Venus gleich bewirthen Die Liebenden mit angenehmer Lust Die Myrrhen erst/ hernach die Liebes-Myrthen Die setzet sie zur Tafel auf zur Kost. Wer Verliebte und galante Gedichte. Wer erst die Gall der Unlust hat geschmecket/ Dem wird zuletzt ein Zucker zugestecket. So wolte auch die himmlische Barsinc, Nicht gleich mein Hertz zum Opffer nehmen an; Sie straffte mich/ denn ich war allzukuͤhne Monoses war bey ihr kein Artaban. Jch muste erst der Liebe Plagen fuͤhlen/ Eh sieghafft ich kunt mit der Krone spielen. Doch jetzo kan ich als ein Sieger prangen/ Der Koͤnig gibt die Palmen mir zur Hand/ Barsine liebt mein embsiges Verlangen Der erste Sturm hat sich schon umgewandt. Barsine wird durch gleiche Gluht getrieben Den Artaban, so wie er wuͤnscht/ zu lieben. Klage des ungedultigen Koͤnigs Altamiro. D er im zerschmoltznen Ertz und heissen Oehl muß kochen/ Dem das Genicke wird mit einem Strang gebrochen/ Der unter tausend Angst auf Folter-Baͤncken liegt/ Dem wird nicht solche Quaal/ als mir jetzt zugefuͤgt: Sein Martern wird zuletzt durch seinen Tod geendet Mir aber wird kein Trost kein Labsahl zugewendet. Mein mattes Hertze bricht/ und kan doch nicht zerstuͤcken/ Die Liebe foltert es und wil durch ihr Beruͤcken/ Und einer Grausahmkeit mich zu dem Tode ziehn; Sie heist mich auf dem Platz/ wo ich vergehn soll/ knien/ Und wil zu groͤßrer Pein mich lassen denn nicht sterben/ Halb hoffend/ halb verzagt soll ich mich selbst verderben. So bin ich lebend todt/ weil meine Schoͤne schweiget/ Und keinen holden Blick auf mein Bekaͤnntniß zeiget/ Was aber nun vor Raht? ich wil/ ich muß zu ihr/ Mein hertze schwillet auf von reitzender Begier/ Und Verliebte und galante Gedichte. Und heist/ als Koͤnig/ mir/ Gewaltsamkeit veruͤben/ Wo nichts verfangen wil/ Bescheidenheit im Lieben. Habt doch ihr Goͤtter selbst eur sehnliches Vergnuͤgen/ Durch oͤfftere Gewalt im Lieben muͤssen kriegen; Wer wehret es denn mir? der ich ein Gott hie bin/ Was haͤlt mich davon ab/ wer straffet meinen Sinn? Scheint Mariamne schon zur Juno mir zu werden/ Geh ich als Jupiter dennoch zur Jo auf Erden. Eine von ihrer Fuͤrstin verstossene Kam̃er- Jungfer bittet ihren Galan um Beystand. M ein werther Hertzens-Freund! mit gantz erschrocknen Haͤnden/ Jst diese schlechte Schrifft aufs weisse Blatt gestellt/ Du darfst nicht grossen Fleiß auf ihre Deutung wenden/ Weil sie dir alsofort in deine Augen faͤlt/ Mit zitterndem Gemuͤht muß ich/ mein Liebster/ schreiben/ Wozu mich Angst und Noht in diesen Stunden treiben. Ein feindliches Geschick/ das unser treuen Liebe/ Und unser Leidenschafft so gar zu widern ist/ Macht/ daß die Fuͤrstin weiß was ich mit dir veruͤbe/ Sie weiß/ daß ich dein Schatz/ und du mein Engel bist/ Was wir allein gemacht/ was zwischen uns geschehen/ Das weiß sie so genau als wann sie es gesehen. Weil ich nun ihr Geboht/ so als sie es befohlen/ Und wie sie es gewolt/ in allen nicht vollbracht/ So muste ich den Lohn des Ungehorsahms hohlen/ Mein Urtheil wurde mir im Augenblick gemacht/ Jch muste also fort aus ihrem Pallast weichen/ Mein Flehen kunte nicht ein gnaͤdigs Ohr erreichen. So hat mich jene Gunst/ die ich zu dir getragen/ Jn dieses Ungeluͤck/ in diese Noht gestuͤrtzt/ Jch muß mein Ungemach mit diesem Spruch beklagen/ Mit Elend wird mein Brodt/ und Wasser angewuͤrtzt/ Wenn Verliebte und galante Gedichte. Wenn du mein Hertzens-Schatz/ mein Engel/ mein Verlangen/ Nicht machest/ daß ich kan mit Unterhaltung prangen. Bin ich nun die vor dem dein Engels-Kind gewesen? Bin ich diejenige/ so deinen Geist bestrickt/ Bin ichs/ durch deren Gunst/ du vormahls bist genesen/ So mache mich anjetzt auch wiederum begluͤckt/ Wenn du jetzt guͤtig bist/ so kan ich klaͤrlich mercken/ Daß du auffrichtig liebst in Worten und in Wercken. So viel als an mir ist/ so solt du dieses wissen/ Daß keine auf der Welt dich mehr/ als ich/ verehrt/ Ja! waͤre mir ein Loch in meine Brust gerissen/ Und wuͤrde es dem Licht der Augen nicht verwehrt/ Mir in das Hertz zu sehn; so wuͤrdest du erkennen/ Daß ich mich nur allein mag deine Sclavin nennen. Allein! was soll die Pracht der Worte jetzo nuͤtzen/ Du weist es mehr als wohl/ daß ich dein eigen bin/ Und diese Zu versicht will mich anjetzo schuͤtzen/ Daß ich nicht zweiffeln darf es liebe mich dein Sinn/ Du wirst zu keiner Zeit mich ohne Trost verlassen/ Jch werde dich mein Schatz als meinen Schutz umfassen. Ob ich schon diesen Trost in meinem Hertzen hege/ So wird mein Flehen doch allzeit bestaͤndig seyn/ Damit sich desto ehr die frohe Huͤlffe regel Je mehr mein Hertze laͤchtzt nach deiner Gnaden-Schein/ Jnzwischen lebe wohl/ du wirst mich stets so finden/ Daß du kanst guͤnstig seyn der willigen Salinden. Als er bey ihr schlieffe. E in angenehmes Kind schleust mich in seine Arme/ Daß sich mein matter Geist auf ihrer Brust erwarme/ Auf ihrer Schwaanen-Brust der angenehmen Hoͤh’ Allwo ein weicher Sammt beleget ist mit Schnee/ Daraus ein Liebes-Feur als einem Æthna steiget/ Das durch geheimen Zug die Hertzen zu sich neiget/ C Und Verliebte und galante Gedichte. Und ihnen solche Lust in ihre Sinnen floͤßt/ Daß man ein Centner Gold aus solcher Wahre loͤßt. Ja was ein Centner Gold? was soll die gelbe Erde? Verdienet sie doch nicht/ daß sie verglichen werde/ Der stoltzen Lieblichkeit/ und angenehmen Lust/ Die mir/ mein Engel/ macht jetzt deine Schwaanen-Brust. Als er in ihrem Busen griffe/ und sie ihn mit der Nadel stach. Sonnet. J ch lache Silvia ob deiner Tyranney/ Stich immer wie du kanst/ ja stich mit beyden Haͤnden/ Dein Stechen soll mich doch von dieser Kost nicht wenden/ Wer Honig kosten will den macht kein Stachel scheu/ Es mehrt den Appetit, und lockt zur Rauberey. Allein! was zuͤrnest du ein Griff der kan nicht schaͤnden/ Die Kohle meiner Hand kan deinen Schein nicht blaͤnden/ Bedencke/ daß die Brust des Brandes Ursprung sey. Doch stich nur immer zu/ und mach die Haͤnde wund/ Bey Rosen geben sich die schaͤrffsten Dornen kund. Der Ort/ wo Honig liegt/ hegt viele Stachel-Bienen/ So soll auch deiner Brust der Nadel-Spitze dienen: Wer auf der Liebsten Brust will Zucker-Rosen brechen Der lachet/ solten ihn gleich tausend Nadeln stechen. Er entsaget der Liebe. E ntweiche falsches Kind/ du blinder Bogen-Schuͤtze/ Laß meinen Geist in Ruh’ verkenne fort mein Hertz/ Dein Lachen hecket Leid/ dein Schertzen zinset Schmertz/ Und dein Ambroser Wein schmeckt als die schlimste Pfuͤtze. Du list’ge Jdalis laß mich in stoltzen Frieden Jns kuͤnfftige befreyt von deinen Banden seyn: Denn bey der Liebe geht Verstand und Klugheit ein/ Und Zanck und Eyfer-Sucht sind nie von dir geschieden. Drum Verliebte und galante Gedichte. Drum Liebe gute Nacht/ ich meide deinen Haven/ Und mag die Frucht nicht sehn/ die scharff verboten ist/ Weil sich ein Bitter-seyn mit deinem Zucker kuͤßt/ Und du die Geister machst zur Wollust stete Sclaven. Liebes-Brief an Silvien. N immt Silvia den Brief an mit geneigten Haͤnden? Darinn enthalten ist/ was meine Sinnen kraͤnckt/ Und was dem Geist befiehlt sich zu ihr hinzuwenden/ So weiß ich/ daß sie schon viel Guts von mir gedenckt. Zwar was hier heimlich ist/ sind ihr bekannte Sachen/ Sie weiß/ daß sie mein Hertz durch ihren Blick entzuͤndt/ Jhr laͤchelnd Auge will die Flammen groͤsser machen/ Die mehr denn allzugroß/ ja unausloͤsch lich sind. Es kan mein schwacher Mund nicht alle Seuffzer zaͤhlen/ Die ihre Artigkeit in meiner Brust erregt; Und ob sie es schon weiß/ will ich doch nicht verhehlen Wer in dem Hertzen erst das Feur hat angelegt. Der schoͤnen Augen-Licht/ das gleich den Sternen blitzet/ Bringt mir die Liebes-Gluht/ ihr die Vollkommenheit; Vollkommen ist die Pracht/ die das Gesicht besitzet/ Wer ist? der tadeln kan der Mienen Trefflichkeit. Mit Schnee und Purpur sind die Wangen ausgezieret/ Da sieht man den Jesmin bey schoͤnen Rosen stehn/ Die Stirne ist der Thron worauf den Scepter fuͤhret Die holde Freundlichkeit geschmuͤckt mit tausend Schoͤn. Die Lippen sind Rubin davon ein Nectar fliesset/ Der Athem uͤbersteigt des besten Balsams Krafft/ Gluͤckselig/ wer die Lust noch dermahleins geniesset Daß ihm der suͤsse Mund ein solches Labsahl schafft. Der Cedern glatte Hals wie aus Albast geschnitzet/ Der siegt den Liljen an/ die Juno Milch gezeugt/ Das Haar/ so als ein Wall den schoͤnen Ort beschuͤtzet/ Der Berenicen Schein an Schoͤnheit uͤbersteigt. Der Bruͤste Perlen Pracht ist ein entzuͤckends Wesen/ Aus ihrer Rosen Spitz die holde Anmuth lacht/ C 2 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Schoͤnheit hat dabey den Wohn-Platz auserlesen/ Und die Natur daran ihr Meister-Stuͤck gemacht. Den noch verdeckten Schatz und ander Kostbarkeiten/ Die will ich als verdeckt mit Schweigen uͤbergehn. Wer ist der gegen sie und ihre Pracht will streiten? Der nicht durch ihre Macht sich muß bezwungen sehn. Mit Freuden hoͤre ich wie meine Fessel klingen/ Jch behte sie mein Licht als meine Goͤttin an/ Jhr Auge/ so mein Hertz zur Liebe koͤnnen zwingen/ Mit einem sanfften Blick die Schmertzen lindern kan. Erblickt galantes Kind den angeschlossnen Sclaven/ Den Brand/ den ihr erregt/ last euch gefaͤllig seyn/ Nehmt mein verirrtes Schiff in den gewuͤnschten Haven/ Stellt eure Sproͤdigkeit/ und eur Verstellen ein. Jhr Hart-seyn gegen mich verkehre sich in Liebe/ Jhr Nebel werde mir zu einem Sonnenschein/ Jhr Eyß verwandel sich in heisse Liebes-Triebe/ Jhr Hertze werde Wachs das jetzund Kieselstein. Ach! schencket mir ein Wort das suͤsse Wollust heget/ Die Sylbe/ so der Pein ein frohes Ende macht/ Ein Ja/ das allen Schmertz/ und alles Leiden leget/ Und das die Losung ist/ daß mir ihr Hertze lacht. Uber die Nacht-Lust bey Chloris. J hr hellen Sterne/ die ihr jetzt so feurig spielet/ Du silber-weisser Mond/ des Schimmer auf mich zielet/ Du blasse Cynthia, die Phœbus muß bestrahlen/ Miß goͤnnet mir die Lust/ die mir die Chloris schencket/ Ums Himmels Willen nicht. Umhuͤll dich Mond mit Flor/ laß braunen Schatten mahlen Den gantzen Erden-Kreys mit schwartzer Farbe an/ Verstecke dich ins Meer/ dein Schein sey gantz verdunckelt/ Die Chloris ist bey mir/ die da viel heller funckelt Als aller Sternen Glantz. Jch sehe/ daß der Mond sich schon zum Abzug lencket/ Weil er der Chloris Schein nicht mehr vertragen kan/ Die Verliebte und galante Gedichte. Die Sterne weichen auch/ nun ist es vollends Nacht/ Doch Chloris heller Schein benimmt ihr alle Macht Und macht was finster Licht. Jch spuͤhre keine Nacht in meiner Chloris Armen/ Jch fuͤhle keinen Frost/ sie kan mich wohl erwarmen Sie druͤckt mich an die Brust/ und liege ich gleich bloß Empsind ich keinem Frost weil meiner Chloris Schooß Feur hegt im Myrthen Krantz. An einiges Visurgipoli sches Frauen-Zim̃er. E s will mein kuͤhner Kiel anjtzo etwas schreiben Davon der schwache Sinn so viel als nichts versteht/ Ein ruͤder Bootsmann laͤst sein Schiff so lange treiben Jn ungestuͤhmer Fluht bis es zu Truͤmmern geht/ Und Vor-und Hinter-Theil sich von einander trennet/ Wenn er aus Unverstand an eine Klippen rennet. Jch bin der ruͤde Knecht/ die Feder gleicht dem Schiffe/ Die schreibet was mein Sinn ihr auffzuzeichnen heist/ Und ob ein Blinder gleich nach Diamanten grieffe/ So kan er doch nicht sehn; so wenig an man schleust/ Daß diese Verse gut/ weil sie auf eure Pracht Vortreffliches Geschlecht der Erden sind gemacht. Jhr Sonnen dieser Zeit/ ihr artigen Jungfrauen/ Eur Knecht/ den eure Pracht zu dieser Schrifft bewegt/ Laͤst seine Schuldigkeit in diesen Zeilen schauen/ Die er vor euren Thron in hoͤchster Demuht legt/ Und damit dieses zeigt/ daß man in frembden Luͤfften Auch eurer Schoͤnheit muß Altar und Tempel stifften. Denn was die Fama kan Verwunderliches weisen/ Wie sich die Hoͤfflichkeit bey euch mit Klugheit paart/ Das muß die Wahrheit selbst an euch vollkommen preisen/ Und sagen/ daß ihr seyd galant, klug/ nett und zart; Nur dieses tadelt sie/ daß ihr zu sproͤde seyd Wann ein verliebter Mund euch einen Kuß aubeut. C 3 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Mode leget ab ihr angenehmen Dinger/ Gebt euren suͤssen Mund nur unterweilen frey/ Es macht ein leichter Kuß den Schmuck ja nicht geringer/ Gedencket/ daß er nicht vor euch gemachet sey. Der Himmel schencket euch die angenehmen Gaben Damit den Gegen-Stand wenn es sich schickt zu laben. Jhr Vonus Meister-Stuͤck/ ihr Kern und Preiß der Schoͤnen/ Verzeihet meiner Hand/ daß sie so dreiste schreibt/ Verzeiht/ man zwinget sie des Kuͤssens zu erwehnen/ Einander hat die Schuld/ daß sich dieselbe reibt An euren schoͤnen Mund/ und dem Gesetze giebt/ Den jedermann verehrt/ und uͤber alles liebt. Euch wird an jeden Ort der Weyrauch auffgestreuet/ Eur Himmlisch Antlitz ist ein Paradies der Lust/ Das keine Zeit verdirbt/ das taͤglich sich verneuet/ Eur Hals ist Marmor- Stein/ aus Alabast die Brust. Man muß mit Fug und Recht euch Erd-Goͤttinnen nennen/ Kein bloͤdes Auge kan die Schaͤtzbarkeit erkennen. Jhr Kalten/ die ihr nur galante Buͤcher heget/ Die ihr das Frauen-Volck als Lew und Tyger flieht/ Zuͤrnt nur/ daß meine Schrifft ihn solchen Ruhm beyleget/ Den es mit recht verdient/ seht wie ihr liebreiz zieht/ Den Stahl kan kein Magnet so emsig an sich ziehn/ Als wie ein schoͤner Mund ein Hertz reist zu sich hin. Amor ein Tyranne. V ertrau dich Amorn nicht/ er ist ein ertz Tyranne/ Kommt er gleich schmeichelnd an/ und scheint dir Most zu seyn/ So schencket er zuletzt doch Gall vor Honig ein/ Er ruhet eher nicht/ bis daß dich in die Pfanne Haut Gram und Eyversucht; Und Verliebte und galante Gedichte. Und bis der blasse Tod dein armes Leben endet/ Wenn man nun in das Grab den starren Leichnam senckt/ Alsdann er sich gar offt/ doch viel zu spaͤht/ bedenckt/ Und seinen harten Grimm in eine Liebe wendet; Drum eile mit der Flucht/ Daß dich das blinde Kind im Fluge nicht ereile/ Und an ein Felsen Hertz mit seiner Wehr anpfeile/ Wenn du ihm wirst entgehn/ wird dir die Nach-Welt setzen Ein praͤchtig Ehren-Mahl/ und diese Schrifft dran aͤtzen: Steh Leser! dieser Mensch ist nie verliebt gemacht/ Cupiden hat er stets mit seiner Lust veracht. Liebes-Brief an Bellandren. D arf ein verwehnter Kiehl die Schwelle uͤberschreiten? Woselbst Diane wohnt/ und Tugend Hof-Statt haͤlt/ Wo man Dionen haßt sammt ihren Kostbarkeiten/ Wo des Cupidens Pfeil auf Alabast zerschelt. Allwo verbannet sind die suͤßten Schmeichelungen/ Wo man verborgen Gifft nicht in Grana ten bringt/ Wo man wies Hertze spricht/ eroͤffnet durch die Zungen/ Wo die Sirene nicht entzuͤckte Lieder singt. Wo nichts denn Keuschheit bluͤht/ und reiner Ehre Liljen/ Die/ ob gleich Zeit und Neid sich wie die Kroͤten blaͤhn/ Kein gifftger Laͤster-Biß ist maͤchtig zu vertilgen/ Wo an der Tugend-Fels der Neid muß untergehn. Denn wie der Monden lacht wenn tolle Hunde rasen/ So lacht die Tugend auch/ ob gleich der Neid sie dreut/ Sein Nebel wird gar bald durch einen Wind verblasen/ Der seine Laͤsterung wie leichtes Spreu zerstreut. Darf/ wo der Pallas Sitz/ ein heisses Blat sich zeigen? Das tausend Seuffzer hegt/ so die entflammte Brust Laͤst als ein Weyrauch-Feur zu ihrer Gottheit steigen/ Aus dem die Goͤtter ziehn die allergroͤßte Lust. Es bringt nicht Seuffzer bloß/ mein Hertz sich selber stellet Zum Opffer vors Altar/ wo ihre Gottheit sitzt/ Wo ihr Dionc weicht/ weil sie mehr Hertzen faͤllet/ Wenn sie nur lieblich strahlt/ als wann die Cypris blitzt. C 4 Dis Verliebte und galante Gedichte. Dis zeig’ ich selber an mit eigenem Exempel/ Denn da noch nie kein Mensch mich sonft verliebt gemacht/ So neig’ ich mich doch hier vor ihren Ehren-Tempel/ Allwo mit Flammen spielt der Augen schwartze Nacht. Welch Sterblicher kan wol bey ihrer Allmacht pochen? Der nicht/ wenn sie sich zeigt/ muß lauter Flammen seyn/ Dem nicht sein Stor-Kopff wird durch ihre Macht gebrochen/ Daß er gezwungen muß ihr Weyrauch-Koͤrner sireun. Kan nun kein Sterblicher vor ihrer Macht bestehen Was Wunder ist es dann/ daß auch mein Hertze brennt/ An dem ja Fleisch und Blut als andern ist zu sehen/ Das/ zuͤrnt sie/ Schoͤnste/ gleich/ sich doch ihr Sclave nennt. Er kan ohne Asterien nicht leben. D ie Sonnen-Wende folgt der Sonnen Strahlen nach/ Der Palm-Baum liebet sehr den Crystallinen-Bach/ Dem Eisen-Stein beliebt der Nord zum Angel-Sterne/ Der Ulm und Reben sind einander selten ferne Das Ephen kuͤßt die Maur/ der Agtstein leichtes Stroh/ Jmgleichen ist mein Geist auch recht besonders froh/ Wenn er sein Seelen-Licht kan in der Naͤhe schauen/ Und ihren Augen-Schein darf als der Sonnen trauen/ Wenn ihm der suͤsse Mund die Anmuths Quellen reicht/ Und die erhoͤhte Brust sich als den Nord-Pol zeigt; Wenn der galante Leib/ als wie der Ulm den Reben Jhm einen Unterhalt und Maure ab-will geben: Wenn ihn der Glieder-Agt wie Stroh wird an sich ziehn/ Und ihr Magnet-Stein nicht sein Eisen denckt zu fliehn. Wann aber ihr Gesicht ein schwartzer Zorn verduͤstert/ So sind die Sonnen-Blum’n und er genau verschwistert/ Wenn ihrer Lippen-Bach ihm auch entzogen wird/ So wird dem Palm und ihm des Lebens-Safft entfuͤhrt. Wenn nun der Articus des Busens sich verstecket/ Alsdenn sein Liebs-Magnet sich mit Betruͤbniß decket. Wenn er den zarten Leib nicht kan zum Ulmen sehn/ So muß er wie der Ranck verlassen untergehn. Wenn Verliebte und galante Gedichte. Wenn ihm die Maure wird der zarten Brust entrissen/ So muß das Winter-Gruͤn/ und er die Erde kuͤssen; Wenn ihn der Glieder-Agt wie Stroh nicht zu sich reißt/ Und ihr Magnet als Feind sein Eisen von sich schmeist Alsdann so muß ich mich dem Sterben uͤbergeben/ Weil ohn’ Asterien ich nicht vermag zu leben. Erasmus Francisci berichtet/ daß in Jndien eine Art Magneten zu finden sey/ welche dem Eisen feind/ und es von sich stoßt. Almidor an die sich zornig stellende Selinde. S elinde siehe doch/ und lencke jene Strahlen Der schoͤnen Augen her auf dieses Blat Papier/ Ließ es nur obenhin/ denn wirff es weg von dir/ Wenn es den Augen kan die Muͤhe nicht bezahlen/ Daß sie es angesehn. Wann aber/ schoͤnstes Kind/ die Worte dir gefallen/ So ließ sie gaͤntzlich durch/ dein Zuͤrnen stelle ein/ Und laß sie zwischen uns die Friedens-Stiffter seyn; Hernach so stecke es zu deinen Marmor-Ballen Wie sonsten wol geschehn. Wenn eine treue Hand der Liebsten etwas schicket/ Das/ weil es heimlich ist/ nicht jeder darf besehn/ So muß der Busen ihm zur Frey-Stadt offen stehn/ Eh denn das liebe Blat ihr wird hinweg geruͤcket Von dem/ der Huͤter ist. Jst nun das Blat versteckt/ so darf dein Ohr nicht hoͤren Das Laͤstern/ so der Mund der Mutter sonst ausspeit/ Die auf dich Achtung giebt bey Nacht und Tages-Zeit/ Und als ein Argus mir den Zutritt will verwehren Zu dir/ die ich erkießt. Sie aber wird von uns arglistiglich betrogen/ Wenn du/ mein Kind/ und ich nur eines Sinnes sind; Sie wolte Argus seyn/ und war doch starre blind/ Als dein Almidor ward durchs Fenster auffgezogen/ Und in dein Bette kahm. Da hat dein Enge-Land ihn inniglich ergoͤtzet/ Mit mehr als Ambrosin und Goͤtter Nectar Most/ C 5 Jhn Verliebte und galante Gedichte. Jhn hat das suͤsse Safft der Lippen Honig-Kost Entzuͤcket/ und die Lust an jenen Ort gesetzet/ Wo Amor Hofstadt nahm. Bey der Jesminen- Bluͤth der aufgeschwollnen Bruͤste/ Da fandt er sich vergnuͤgt als eine Biene ein/ Ach! moͤchte diese Lust mir bald erlaubet seyn/ Und daß ich jenen Zorn/ mein Kind/ verbannet wuͤste/ Der mir ein Ungeluͤck. Dis hat Almidor selbst an dich/ mem Kind/ geschrieben/ Zu sehen ob dein Zorn sich noch nicht hat gestillt/ Und ob du/ Engels-Kind/ mich ewig hassen wilt/ Wenn du Almidorn wilt inskuͤnfftige noch lieben? So schreibe doch zuruͤck. Selindens Antwort an Almidorn. D u schreibst Almidor dreist/ und etwas laͤcherlich/ Doch mir gefaͤlt dein Brief/ die Worte kitzeln mich/ Selinde ist mit dir/ Almidor, schon versoͤhnet/ Sie denckt nicht mehr daran/ daß du sie hast verhoͤhnet/ Dein Brief ist laͤcherlich. Nun stell dich diese Nacht ja bey Selinden ein/ Es soll ihr weicher Leib dein Unter-Bette seyn/ Da will ich meinen Schimpff an dich gar suͤsse raͤchen/ Da wollen wir die Frucht der schoͤnsten Zweige brechen/ Die Worte kitzeln mich. Ob gleich die Mutter wacht/ ob sie schon Achtung giebt/ Dennoch Selinde sich mit dir im Lieben uͤbt/ Sie huͤte wie sie will/ sie wache alle Stunden/ Du solt doch/ wehrtes Kind/ verbinden meine Wunden. Dein Brief ist laͤcherlich. So bald der blasse Mond mit seinem Heer auffgeht/ Alsdann Selinde schon vor ihren Fenster steht/ So nach Almidorn schaut/ daß sie dich mag umarmen/ Und in dem Feder-Grab kan neben dich erwarmeu. Die Worte kitzeln mich. Drum stell dich diese Nacht ja bey Selinden ein/ So bald Dianens Horn auslaͤsset seinen Schein/ Daß Verliebte und galante Gedichte. Daß dich Selinde kan recht nach der Mode kuͤssen/ Und dein gehabtes Leid mit einer Straffe buͤssen. Dein Brief ist laͤcherlich Dis schreibt mit eigner Hand die laͤchtzende Selind’ Ach! stelle dich ja ein/ Almidor Hertzens-Kind/ Und lehre meine Brust wie sie soll bruͤnstig lieben/ Selinde hat zwar so noch nicht an dich geschrieben; Was schadts? es kitzelt mich. Uber sein Maͤdgen. M ein Maͤdgen ist recht schoͤn; Wenn ich die Lippen kuͤsse/ Kan ich nicht gnug erhoͤhn Die Lust/ so ich geniesse. Wenn ich die weisse Brust An meine Lippen druͤcke/ Alsdenn mit Goͤtter Lust Jch meinen Geist erquicke. Ja! wenn denn seine Gunst Mir noch was bessers schencket/ So brauchts die groͤste Kunst Daß er zuruͤcke dencket. Die schoͤne Saline. F uͤngst da Dianens Glantz durch dunckle Wolcken brach/ Da sich das Sternen-Heer schon allbereits zur Wach’ Auf seinem Sammel-Platz dem blauen Himmel zeigte/ Und Phœbus jener Welt die guͤldnen Strahlen reichte. Da sahe ich ein Kind von Englischer Statur, An dessen Ausbildung die guͤtige Natur All’ ihre Krafft gewandt es goͤttlich auszuzieren; Vor ihn muß Helena der Schoͤnheits-Pracht verliehren. Die blaue Pallas weicht vor dessen Augen-Licht/ Der Venus Guͤrtel hilfft auch dieser Goͤttin nicht/ Die Juno muß vor ihn die trotzen Segel streichen/ Calliope muß ihm an heller Stimme weichen. Era- Verliebte und galante Gedichte. Eratens leichte Hand spielt kein so nett Clavier Als diese Nymphe schlug/ die in der schoͤnsten Zier Sich vor denselben wies mit schwartz geputzten Haaren/ Die auf der weissen Haut sich mit Zinnober paaren/ Das auf dem Liljen-Feld der Wangen sich gesetzt. Der Bruͤste Schnee Gebuͤrg mit Muscus angenetzt Wie weisser Marmor schien/ darinn Turckosen glaͤntzen/ Hier kan der schwache Kiehl das Wunder nicht ergaͤntzen; Da meine ruͤde Faust schon allzuweit gepfluͤgt; Gnug/ daß ihr hoher Strahl ein steinern Hertz besiegt/ Gnug/ daß der Saͤyten-Schall den frohen Geist entzuͤcket/ Gnug/ daß die holde Stimm der Freyheit Gold entruͤcket/ Und an unzaͤhligen die Sclaven-Fesseln legt/ Die statt der Unlust-Last nur suͤsse Lust erregt/ Weil man vor Sclaven Kost die pure Wollust isset/ Wenn sich ihr holder Blick mit unsern Augen kuͤsset. An Dulcinden. D ieweil mein Auge nicht die Strahlen an-kan schauen/ Die deiner Augen-Sonn mit starcken Flammen scheußt/ So muß ich meine Quaal der Feder anvertrauen/ Daß sie in weiß und schwartz die schuldge Ehr-furcht weißt. Was aber soll Papier der Gluht sich widersetzen? Vor der gewoͤlbt Crystall nicht einst bestehen kan/ Wird nicht dein strenger Blitz es mit Gewalt verletzen Eh deine schoͤne Hand das Siegel auffgethan? Wann aber schoͤnstes Kind das blitzen sich geleget/ So glaub/ daß Ehr und Furcht die keusche Brunst erhaͤlt/ Daß keine Geilheit wird in meiner Brust geheget/ Und daß kein Fall-Brett ist dem Hermelin gestellt/ Das eh den Tod begehrt/ eh es sein Fell betruͤbet Jn den verschantzten Koth’ so rein nun dessen Haut/ So keusch ist mein Gemuͤht/ dem Redlichkeit beliebet/ Nicht grosse Schmeichelung von Zucker auffgebaut/ Worunter Kroͤten-Gifft der falschen Geilheit stecket/ So bittre Wermuth zeugt/ und Bastlisken nehrt/ Mit Verliebte und galante Gedichte. Mit suͤssen Uberzug der glatten Wort’ bedecket/ Das den/ so leichtlich traut/ aufs aͤuserste verzehrt. Hier aber scheinet nichts als nur der Warheit-Schimmer/ Der keine Luͤgen liebt/ dem Falschheit unbewust/ Der in Gedancken nie betruͤbt ein Frauen-Zimmer/ Jn dessen Seele nicht die ungerechte Lust. Je ihren Sitz gehabt noch Wohnung auffgeschlagen/ Hier zeigt ein reiner Brief die laͤngst verborgne Glut/ So dein Gesicht erregt: Ach! koͤnnt’ ich sie vertragen/ Es solte dir mein Brief noch nicht mein letztes Guht Zu deinen Fuͤssen streun. Jtzt aber da mein Leben Fast mit dem Tode ringt/ so will ich dir mein Hertz Und deiner Schoͤnheit-Zier zum Opffer uͤbergeben. Will nun Dulcinde seyn der Artzt vor meinen Schmertz? So lasse deine Hand mir wenig Zeilen lesen/ Doch mache/ daß dein Knecht nicht Brief und Leben bricht/ Ach straffe nicht zu hart/ wenn ich zu frech gewesen/ Gedenck wer murrisch schweigt/ der haßt und liebet nicht. Der entwaffnete Cupido. A ls naͤchst der Chloris Schooß die kuͤhlen Fluhten kuͤßte/ Versah’ es Cypripor, so von der Reise kahm/ Daß er dis nackte Bild als seine Mutter gruͤßte Dieweil sie ihn aus Schertz auf ihre Arme nahm. Doch sah er den Betrug/ und weil er ohne Waffen/ Die er am Strand gelegt/ nicht kunte Rache schaffen/ So rieß er sich geschwind von ihren Armen loß/ Und flog dem Lande zu; wo er den Bogen bloß Nicht Sehn’ und Pfeile fand/ die Harpagus gestohln/ Der Chloris unvermerckt von ferne nachgeschlichen/ Und heimlich mit dem Raub war in dem Busch entwichen/ Daselbsten einen Stock zu seiner Sehn zu hohln. Cupido durffte nicht zu seiner Mutter kommen/ Weil ihm die Sehn’ und Pfeil so liederlich genommen/ Jndem er nun betruͤbt bey seinem Bogen saß War er der Chloris Spott/ sie machte ihn gantz naß. Er Verliebte und galante Gedichte. Er kunte unbewehrt die herbe Schmach nicht raͤchen/ Damit das nackte Weib ihm stets beschwerlich war/ Das Hertze wolte ihm vor Zorn im Leibe brechen/ Doch war sein Zorn umsonst/ weil Sehn’ und Pfeil nicht dar. Zu diesem Schmertz ward er noch hefftiger vexiret/ Denn Chloris sprach zu ihm: Das heist ge courtisi ret/ Ein ander mahl sieh dich/ Cupido, besser fuͤr/ So treibt ein schwaches Weib nicht ihren Spott mit dir. Liebes-Brief an eine Nachbarinn. G alante Nachbarin erbrich ein kleines Schreiben/ Das ein entflammter Geist aufs weisse Blat gestellt; Mein Feuer muͤste zwar noch wol verborgen bleiben/ Allein! wer widersteht wenn Dach und Giebel faͤllt. Wenn der gesammte Bau in lichten Flammen stehet/ So fliehet jedermann/ und sucht bey andern Raht/ Eh’ als das gantze Haus im Rauch und Dampff vergehet/ Und die erboßte Flamm zu weit gefressen hat. Mein Hertz brennt lichterloh/ die heissen Funcken stieben Mir aus den Augen raus: die helle Liebes-Gluht Jst schon neun Monden lang bey mir verborgen blieben/ Wodurch mir ist verseigt mein Nahrungs-Oehl/ das Blut. Jst nun von deiner Hand nicht Huͤlffe zu erlangen? So muß mein Hertzens-Bau in Flammen untergehn; Doch stoltze Hoffnung laͤsst mich schon mit Beystand prangen/ Weil meinen Untergang dein Auge nicht kan sehn. Denn brennt des Naͤchsten Wand/ so ist Gefahr verhanden Vor jenen/ der zunaͤchst an solchen Flammen wohnt; Es pflegt der harte Sinn/ am Wehmuhts-Fels zu stranden/ Weil die erzuͤrnte Gluht auch seinen Bau nicht schont. Ein jeder traͤget bey was zur Errettung dienet/ Setzt Feindschaft an die Seit’/ und steurt den wilden Brand/ Weil durch gethane Huͤlff die Wohlfahrts-Pflantze gruͤnet/ Und angewandter Fleiß beschuͤtzet seine Wand. Allem! hier seh’ ich gern/ daß auch mit heissen Flammen Dein annoch kaltes Hertz in Liebe werd’ entbrennt; Daß Verliebte und galante Gedichte. Daß du magst meine Gluht/ als schaͤdlich/ nicht verdammen/ So da der Tugend-Bahn im minsten nicht verkennt. Schlaͤgt nun mein Bitten an/ werd’ ich Erhoͤrung finden/ So wird mein krancker Geist ins Paradiß verruͤckt. Jch werde vor Napel gehn in den Rosen-Gruͤnden/ Wo sich Zibeth und Musch zu meinen Fuͤssen buͤckt. Jch werde in dem Port der frohen Hoffnung laͤnden/ Und treiben an das Land der Gluͤckes-Jnsul an/ Die lange Nacht wird sich mit hellem Morgen enden/ Und Memphis Kaͤrcker wird zu einer Nelcken Bahn. Mein Lotus wird sein Haupt zur blauen Hoͤhe schwingen/ Nachdem ihm seine Sonn’ geht in der Naͤhe auf/ Jch werde durch den Sturm zum gruͤnen Berge dringen/ Weil mir kein Remora verhindert meinem Lauff Wird nun auch kein Verzug an deiner Seiten liegen/ So schreib mir Nachbarinn gewuͤnscht bald wieder zu/ Gedenck/ daß ich den Brand schon lang’ genug verschwiegen/ Und setz durch gute Schrifft mein traurges Hertz in Ruh. Erasmus Francisci schreibet in seinem Geschicht/ Kunst und Sitten-Spiegel/ꝛc. daß ein kleines Fischlein/ kaum einer El- len lang/ so auf Latein Remora genannt wird/ gefunden werde/ welches ein grosses Schiff im vollem Lauffe aufhalten kan. Arismene verweiset ihm seine Dreistigkeit. N icht zu dreiste mein Lysander! Kuͤßt die Bruͤste/ so euch frey/ Bleibt bey diesen/ laßt das Ander/ Dencket/ daß es heilig sey. Laßt die geilen Griffe bleiben/ Kroͤnet lieber meine Brust/ Und last eure Finger treiben Jn dem Marmor-Meer der Lust. Kuͤhlet eure heisse Finger Jn des Busens zarten Schnee/ Er wird dadurch nicht geringer Sondern quillet in die Hoͤh. Spielet in den zarten Wellen/ Kuͤhlt euch in dem Perlen-Thau/ Kuͤßt Verliebte und galante Gedichte. Kuͤßt der Wollust Lager-Stellen Auf der Bruͤste Rosen-Au. Schaut Corallen auf Junkiljen Und den Tuͤrcks in Milch gesetzt; Schmeckt die Anmuth/ so die Liljen Meiner Bruͤste angenetzt. Schuͤtzt den Eingang dieses Landes/ Wo Rubin auf Perlen gluͤht/ Ehrt die Gegend dieses Strandes/ So den Geist mit Lust versteht. Wadet in dem Marmor-Meere/ Dessen Wellen milchern sind/ Was ich allen hier verwehre/ Wird euch nur allein geguͤnnt. Fuͤget euren Mund und Lippen Diesen Himmels-Fruͤchten bey/ Suchet von den Perlen-Klippen Etwas/ so euch Zucker sey. Sauget als die zarten Bienen Honig aus dem Tausend-Schoͤn Jener bluͤhenden Jesmin en/ Die auf meinen Huͤgeln stehn. Kroͤnet/ kuͤsset diese Ballen/ So die Anmuth Toͤchter nennt/ Laßt euch ihre Pracht gefallen/ Davon sich die Lust nie trennt. Wartet diese Lust-Granaten/ Lacht die Edens- Aepffelan/ Wie ihr Schmuck so wohl gerahten/ Daß er Todten helffen kan. Bleibt von dem verbohtnen Lande/ Jn dasselbe kommt ihr nicht/ Wohnet bey dem schoͤnen Strande Da euch keine Lust gebricht. Selbst die Anmuth will euch weiden/ Sie giebt alle Schaͤtze frey/ Warum wolt ihr Mangel leiden Jn der oͤden Wuͤsteney? Bleibt Verliebte und galante Gedichte. Bleibet in dem vollen Garten/ Da die Toͤpff mit Fleisch| gefuͤllt/ Was! wolt ihr auf Paran warten Wo der Than den Hunger stillt? Bleibet bey den vollen Bruͤsten/ Und verlaßt die leere Schoß; Wer vertauscht um eine Wuͤsten Wol ein schoͤn geputztes Schloß? Frost und Hitze koͤnnt ihr finden/ Jn der Bruͤste Paradieß/ Flammen loͤschen und entzuͤnden Kan des Busens Silbern Vließ. Seht wie Feur aus Eyse quillet Heisser denn es Æthna hegt/ Doch der Brandt wird bald gestillet/ Daß sich seine Hitze legt. Hecla heget Feur und Flammen/ Frost und Hitze reicht er dar/ Diese stehen auch beysammen Auf der Bruͤste Brand-Altar. Bald sind sie in Eyß geweltzet Und dem Schnee in Ballen gleich/ Wenn die Hitze sie nun schmeltzet/ Sind sie am Vergnuͤgen reich. Und bey diesen Wechselungen Bleibet doch die Anmuth hier/ Ja die Lust ist ungezwungen Jn dem weissen Brust- Revier. Drum so kroͤnet diese Ballen/ Wo sich Lust und Anmuth regt/ Und verlaßt des Schoosses Hallen/ Die nur todtes Tauren hegt. Schaut die Zwilling meiner Bruͤste/ So wie glatte Rehe stehn/ Sagt/ daß sich eur Sehnen ruͤste Dieses Wild im Netz zu sehn. Meine Bruͤste sind wie Trauben/ Die noch nicht zerquetschet sind/ D Da- Verliebte und galante Gedichte. Davon koͤnnt ihr Julep raubeu/ Welchen man voll Anmuth findt. Jhre Saͤffter sind viel besser Als der angenehmste Wein/ Da ist das Verlangen groͤsser Als es nach dem Wein kan seyn. Schaut sie hier in Rosen weiden/ Da sie keine Sonne sticht/ Aus den Schatten reichen Heiden Weicht die kuͤhle Anmuth nicht. Was den Zephyr uͤbersteiget/ Und Ambrirte Winde blaͤßt/ Hier ein holdes Schicksahl zeiget/ So euch nichts ermangeln laͤßt. Nehmet an mein suͤßtes Leben Dieses zarte Lust-Gefild’/ Euch will ich die Bruͤste geben Der Dionen Eben-Bild. Schaut die Helffenbeinern Thuͤrme Als des Himmels Brust-Bild an/ Laßt/ daß nicht mein Eyfer stuͤrme/ Was die lose Hand gethan. Hier steht euch mein Hold-seyn offen So weit als die Bruͤste gehn; Doch die Schooß laͤßt euch nichts hoffen/ Ja nicht einst das blosse Sehn. Brechet von den Bruͤsten Fruͤchte/ Huͤllt die Hand in Sammet ein/ Eßt des Busens-Schau-Gerichte Es soll euch vergoͤnnet seyn. Nur die Schooß/ und ihren Haͤynen Last Lysander unberuͤhrt/ Sonsten ihr ein Zorn-erscheinen Uber eure Schaͤdel fuͤhrt. Seht wie Amors Winde pfeiffen Um der Bruͤste Wollust-Baum/ Schaut wie seine Aepffel reiffen/ Drum verlacht den Sodoms-Schaum. So Verliebte und galante Gedichte. So das todte Meer euch zeiget/ Und zum Ungluͤcks-Koder braucht/ Dessen Lust zum Sterben neiget/ Und wie leichter Rauch verraucht. Aber bey der Bruͤste Liljen Findet ihr beliebte Lust/ Die kein Wetter kan vertilgen Aus dem Garten meiner Brust. Bey den Liljen/ und Jesminen Bey Granaten/ und der Nelck’/ Jdumeens Rosen gruͤnen/ Diese macht kein Unfall welck. Daselbst ist die Zucker Quelle/ Die mit Milch und Honig rinnt/ Und die Ambra reiche Stelle Da man Lebens Staͤrckung findt. Balsam/ Musch und Specereyen Wird auf diesem Bett gehegt/ Alle Tage sich von neuen Da erneute Wollust regt. Drum mein wehrter Schatz Lysander Kuͤßt die Bruͤste/ so euch frey/ Dabey bleibet/ last das Ander/ Denckt/ daß es verboten sey. Lysanders Antwort an Arismenen. W arum wird die Frucht des Lebens Schoͤnster Engel mir versagt? Lieb’ ich denn so gar vergebens? Darf kein Griff nicht seyn gewagt? Heisset das schon uͤbertreten Wenn man nur die Frucht angreifft? Sollen denn Egyptens-Ketten Niemahls werden abgestreifft? Soll ein steter Sclave bleiben/ Mein so sehr entbrannter Sinn? D 2 Darf Verliebte und galante Gedichte. Darf ich nicht die Finger treiben An das Land der Luͤste hin? Kan man das wol dreiste nennen/ Was die treue Hand veruͤbt? Die zum Opffer sich verbrennen Hat man jederzeit geliebt. So kan auch mein Unternehmen/ Gar kein Trieb der Geilheit seyn; Denn zum Opffer sich bequehmen/ Nimmt nicht luͤstern Geister ein. Jst es nicht des Schoosses Ehre? Wenn sie kroͤnet meine Hand/ Weil ich ihr gantz zu gehoͤre/ Gruͤsse ich das schoͤne Land. Wo sind wol die zarten Wellen/ So des Lebens Perlen thaun/ Und der Wollust Lager-Stellen Als in ihrer Schooß zu schaun? Durch das Opffer treuer Finger Wird kein Heiligthum beschmitzt; So wird auch ihr Schooß nicht ringer Wenn sie meine Hand beschuͤtzt. Schuͤtzt den Eingang dieses Landes/ Hat ihr Mund ja selbst gesagt; Ehrt man nicht die Pracht des Strandes/ Vor den man sein Leben wagt? Suͤndigen denn meine Haͤnde Wenn sie ihr Gebote thun/ Und als eigne Liebes-Pfaͤnde Bey des Schoosses Eingang ruhn? Jsrael geht durch die Wuͤsten Aus der strengen Dienstbarkeit/ Solte mich denn nicht geluͤsten Auch zu seyn in Sicherheit? Jst nicht in den Rosen-Gruͤnden Amors liebster Ruhe-Platz/ Und die dunckle Grufft zu finden So verwahret seinen Schatz? Tau- Verliebte und galante Gedichte. Tausend Luͤste/ tausend Freuden Wohnen in der Marmor-Schooß/ Und die Myrthen gleichen Heiden Ubergehn der Bruͤste Schloß. Durch die Wuͤsten muß man gehen/ Wenn man will in Canaan/ Bey den Bruͤsten stille stehen Nur zum Schein vergnuͤgen kan. Selbst die Seele kan es fuͤhlen Was sie da vor Lust geneußt/ Wenn sie kan daselbsten spielen/ Wo sie fast vor Lust zerfleußt. Jene gingen durch die Wuͤsten/ Und durchs grosse rohte Meer So macht meine Hand vom Bruͤsten Sich durch diese Wuͤsten leer. Zwar ich wil die schoͤnen Ballen Jhrer Bruͤste nicht verschmaͤhn/ Aber durch die Wuͤsten wallen Laͤßt weit groͤsser Anmuth sehn. Wo ist wol der Wollust Garten Jst es nicht die schoͤne Schooß? Wo Lust und Ergoͤtzung warten Nur zu werden Zuͤgel loß. Und ist nicht die Schooß die Stelle? Die uns alle Anmuth zolt/ Jst sie nicht die Feuer-Quelle? Daraus Æthna Flammen hohlt. Sie ist Pharos, Port und Leuchte/ Und das schoͤne Morgen-Land/ Jhre angenehme Seichte Macht den Gluͤckes-Strand bekandt. Jhre dunckeln Opffer-Hallen/ So ein Mirthen-Wald umgiebt/ Sind gezieret mit Corallen/ Deren Schmuck ein jeder liebt. Marmor/ Myrthen und Rubinen Sind der Zierath ihrer Schoß/ D 3 Selbst Verliebte und galante Gedichte. Selbst die Anmuth muß ihr dienen/ Das Ergoͤtzen macht sie groß. Drum mein Engels-Kind vergoͤnnet Meiner Hand den Kroͤhnungs-Griff/ Gebt zu/ daß man sie erkennet Vor Dionens Muschel-Schiff. Denn/ als die kahm aus den Wellen Schloß sie eine Muschel ein/ Dieses dadurch fuͤrzustellen/ Daß sie solte heilig seyn. Ja! ihr Ansehn zu vermehren Jst sie in die Schooß gesetzt/ Will ich sie nun nicht verehren/ So ist Cypris Recht verletzt. Dieses heist die Muschel kroͤhnen Als ein Opffer mit der Hand/ Und nennt jenes ein Verhoͤhnen/ Wenn man ihr den Dienst entwandt. Drum/ ihr Zieraht aller Schoͤnen/ Zuͤrnet nicht mit eurem Knecht/ Wenn er eure Muschel kroͤhnen Wollen nach der Venus Recht. Werfft die Schaam mein Engel nieder/ Und seyd doch so sproͤde nicht/ Da dem Zierath eurer Glieder Gar kein Uberlast geschicht. Jene Freyheit meiner Haͤnde Wird gantz unrecht ausgelegt; Jndem ich mich euch verpfaͤnde Es der Geilheit Nahmen traͤgt. Nicht zu strenge/ hegt erbarmen/ Schliest den Freuden-Ort nicht zu/ Sonsten raubt eur Zorn mir Armen Meiner matten Geister Ruh. Bruͤste heissen Sodoms-Fruͤchte/ Die im Schauen lieblich sind/ Aber ein vergnuͤgt Gerichte Man an ihrer Muschel findt. Nicht Verliebte und galante Gedichte. Nicht zu strenge Arismene! Ach hegt doch Barmhertzigkeit/ Seyd so guͤtig/ als ihr schoͤne/ So wird meine Brust erfreut. Warum soll ich denn verderben/ Und im Feuer untergehn? Bald im kalten Eyse sterben Und mich stets gequaͤlet sehn? Fuͤhret meine treuen Sinnen Jn den angenehmen Port/ Daß sie freudig sagen koͤnnen/ Dieses ist der schoͤne Ort: Da man kan in suͤssen Luͤsten Und in Anmuth truncken seyn; Denn man schmecket bey den Bruͤsten Allezeit gemischten Wein. Was ist sonst der Luͤste-Quelle? Als ihr Schooß mein Engels-Kind/ Und die freuden-volle Stelle? Da man Lebens-Staͤrckung findt. Alle Tage sich von neuen Da ein neu Ergoͤtzen regt/ Und der rechte Liebes-Reyen Wird in einer Schooß gehegt. Nun weiß ich/ daß Arismene, Jhr mirs ferner nicht versagt/ Daß ich eure Schooß bekroͤne/ Da es Jdalis behagt. Liebes-Brief an Amalien. A malie ein Brief/ von meiner Hand geschrieben/ Eilt mit geschwinden Flug durch Sehnsucht fortgetrieben/ Als jene Taube fliegt/ die Bagdat macht bekand Zu deiner Wohnung hin/ und wil die Ehr-Furcht zeigen/ Die mich verbindlich macht demuͤhtig sich zu neigen/ Wo deinen Nahmen zeigt auch meines Feindes Wand. D 4 Weil Verliebte und galante Gedichte. Weil man die Goͤtter muß mit grosser Ehr-Furcht ehren So wirst du deinem Knecht als Goͤttin nicht verwehren/ Daß er dem Hand Altar beliebten Weyrauch schenckt/ Wie man ihn sonst der Mund und andern Gliedern weyhet. Was hier in Armuth wird anjetzo ausgestreuet/ Zeigt an/ daß meine Brust allzeit an dich gedenckt. Hier reich ich nun den Kern der schoͤnsten Raͤucher-Kertzen/ Denn weil dein Nahrungs-Oehl dem starck ent flam̃ten Hertzen Den kraͤfftigsten Geruch und suͤsse Anmuth giebt/ So gebe ich es dir zum Opffer deiner Haͤnde/ Davor zum Gegen-Gruß mir deines wieder sende/ Und laß den Wahl-Spruch seyn: Wer liebt/ der wird geliebt. Gedancken uͤber das Bildniß einer Schoͤ- nen in der Tabaquier. B ey diesem Wunder-Bild da fehlet nur der Geist/ Nicht praͤchtige Gestalt/ und das was Schoͤnheit heist/ Das milcherne Gesicht/ die Seiden-gleiche Wangen Sieht man voll Lieblichkeit im stoltzen Schmucke prangen. Die Augen sind ein Pech gesetzet in dem Schnee/ Des Busens schoͤne Frucht die quillet in die Hoͤh; Doch goͤnnet uns die Hand nur halb die schoͤnen Fruͤchte/ Und zieht das Wunder-Land uns meist aus dem Gesichte/ Das Marmor uͤbersteigt/ und Hertzen brennen macht Denn offtmahls hat ein Bild ein grosses Feur gebracht. Kan dieses die Copie durch todte Zuͤge machen? So wird das rechte Bild bald unser Bande lachen. Die Augen werden seyn zwey Lichter voller Feur/ Ein Flammen-reicher Ort/ ein blitzend Ungehenr; Die Bruͤste werden an den Feuer-Bergen siegen/ Worinn Empedocles und jeder wuͤnscht zu liegen. Und fehlt hier schon der Geist/ heist es ein todtes Bild So ist doch diese Pracht in kein Gedicht verhuͤllt: Denn das Original hegt Seele/ Geist und Leben/ Und einer schoͤnen Stadt ist es znm Schmuck gegeben. Kan Verliebte und galante Gedichte. Kan man schon ihre Pracht und Schoͤnheit nicht besehn/ Dieweil es Gluͤck und Zeit allhter nicht laͤst geschehn/ So will ich doch dis Bild mit hoͤchster Demuth gruͤssen Und wie ein Heiligthum in dem Behaͤltniß kuͤssen. Das Bild redet das Frauen-Zimmer an. A nnehmliches Geschlecht/ ihr Koͤnige der Hertzen Schaut dieses schlechte Bild mit keinen Eyfer an/ Laßt euch die wen’ge Pracht desselben nur nicht schmertzen/ Weil gegen die Natur die Kunst nicht zuͤrnen kan. Ja stuͤnd’s in meiner Macht ich wolte euch so schmuͤcken/ Daß dieses gantze Rund euch Weyrauch solte streun/ Doch geb ich diesen Raht: spielt stets mit holden Blicken/ So werdet ihr so schoͤn bisweilen schoͤner seyn. An die zornige Cassandra. E rzuͤrnte schauet doch zu euren zarten Fuͤssen Den Sclaven/ der sein Gluͤck durch Unverstand ver- schertzt; Den dreisten Fuͤrwitz muß er gar zu herbe buͤssen/ Und eur entbrandter Grimm ihn in der Seelen schmertzt. Wo ist der suͤsse Blick/ der mich vor dem erquicket? Ach Schmertz! ach Weh! er ist in strengen Blitz verkehrt/ Ein ungemeiner Zorn mich mit Verbannung druͤcket/ Die Seele wird durch Angst und Unmuth gantz verzehrt. Jch lebe fast nicht mehr weil ich so elend lebe/ Kein Redner druͤcket aus was meine Sinnen kraͤnck/ Der Tod umnebelt mich mit dicken Spinn-Gewebe/ Jch bin in Angst und Noht bis an den Hals versenckt. Jch leugne nicht mein Schatz/ daß ich mich grob versehen/ Mein Fehler wird von mir mit grosser Reu erkannt/ Das krancke Hertze seuffzt/ die matten Lippen flehen/ Und haben/ ach umsonst! viel Opffer angebrannt. Jhr zuͤrnet allzuviel/ und stellt euch mein Verbrechen Viel groͤsser als es ist in solchem Eyfer fuͤr: D 5 Wie Verliebte und galante Gedichte. Wie lange wolt ihr euch an eurem Sclaven raͤchen? Wie lange spielt eur Zorn so wunderlich mit mir? Ach kehret doch zuruͤck! ach kehret! kehret wieder! Hemmt meine Hertzens-Angst/ verkuͤrtzet meine Noht/ Beseelt durch einen Blick die schon erstorbnen Glieder/ Erquickt den matten Geist/ vertreibt den nahen Tod. Was meine Hand veruͤbt ist nicht durch sie vollfuͤhret/ Der netten Glieder-Zier/ und was euch schoͤne macht Hat sie durch einen Trieb/ der maͤchtig war/ regieret/ Daß sie den Griff gewagt/ eh ich es recht bedacht. Erwegt nun ob ihr mich so hefftig hassen koͤnnet/ Da euer Schoͤnheit-Pracht den Zwang an mir veruͤbt/ Betrachtet ob ihr den mit Recht und anckbahr nennet/ Der euch aufs zaͤrtlichste mehr als sich selber liebt. Jhr thut mir Uberlast mehr als ich es verbrochen/ Die Straffe ist zu hart damit ihr mich belegt; Wenn ihr nun meine Schuld durch meinem Tod gerochen/ So glaubt nicht/ daß die Welt Hochachtung vor euch traͤgt. Man wird eur Angesicht als einen Leuen fliehen/ Der mehr vergrelte Wuth als Beyleids-Zeichen zeigt/ Man wird sich nicht zu sehr um eure Gunst bemuͤhen/ Das Meer-Weib fliehet man/ weil sein Gesang betreugt. Wenn aber eure Gunst sich wieder zu mir wendet/ Wenn den gequaͤlten Geist ein holder Blick erquickt/ So wisset/ daß man sich mit Lust an euch verpfaͤndet/ Und daß die gantze Welt euch heisse Seuffzer schickt. Als sie besaͤnfftiget worden. D as Blitzen ist vorbey/ die sanfften Strahlen blincken/ Der frohe Morgen folgt auf die betruͤbte Nacht/ Mein Freuden-Himmel laͤßt den Jammer-Stern versincken/ Da ein gewuͤnschter Schein/ mir zum Vergnuͤgen lacht: Denn wo mir sonst zum Schmertz die Traur- Come ten stunden/ Da haben sich nach Wunsch Plane ten eingefunden. So aͤndert sich die Zeit/ die mich zuvor betruͤbet/ Und laͤst mir jeden Tag anjetzo guͤlden seyn; Nach- Verliebte und galante Gedichte. Nachdem ich lang genug das Fasten ausgeuͤbet So bricht mein Jubel-Jahr mit aller Macht herein. Jch kan nun gantz vergnuͤgt/ nach ausgestandnen Quaͤhlen/ Die Stunde meiner Lust aus den Aspect en zaͤhlen. Es sieht mein Liebes-Schiff schon seinen Haven liegen/ Jhm kan kein harter Sturm im Segeln schaͤdlich seyn/ Der Zephyr will sich nun zum Segel kuͤssend fuͤgen/ So fahr’ ich wol begluͤckt in meinen Haven ein: Jch lache zu dem Sturm/ verachte Æols Rasen/ Weil die Bestaͤndigkeit wird in die Segel blasen. Egyptens Dienstbarkeit und ihre Sclaven Kaͤrcker/ Die schwinden wie die Nacht mit ihrer Dunckelheit/ Und Canaan nimmt mich in seinen Freuden-Aercker/ Wo das Vergnuͤgungs-Horn stets neue Luͤste streut; Da kan ich nach der Nacht/ und ihren Finsternissen Die Sonne meiner Lust im vollem Glantze kuͤssen. Er gratuli ret seinen Freund zu der Versoͤhnung. Sonnet. S o muß dich/ werther Freund/ nach dunckeln Finsternissen Ein helles Gnaden-Licht mit seinen Strahlen kuͤssen/ Es aͤndert sich die Zeit/ und laͤst nach Angst und Pein Dennoch ein holdes Gluͤck das beste Labsahl seyn. Hast du schon eine Zeit Come ten fuͤrchten muͤssen/ Jetzt wird die Sonne dich so zu bestrahlen wissen/ Daß der Come ten-Schwantz ein heller Himmels-Schein Dir kuͤnfftig heissen wird. Der Sturm hoͤrt auf zu dreun. Lust und Vergnuͤgen sucht mit Anmuth dich zu kroͤnen Und den gehabten Schmertz durch Freude auszusoͤhnen/ Die Liebe ist bemuͤht mit ihrem zarten Kleinen/ Nach ausgestandner Prob’ nach Schmertzen und nach Weinen Mit aller Lieblichkeit die Unlust zu versuͤssen/ Die dein getreues Hertz von ihnen leiden muͤssen. Er Verliebte und galante Gedichte. Er sendet jemanden das Contrefait seiner Nachbarinnen. W eil du/ geehrter Freund/ schon offtmahls hast geschrieben/ Daß ich das Contrefait der schoͤnen Nachbarinn/ So ich dir zugesagt/ zu schicken moͤcht belieben/ So flieget dieses Blat zu deinem Schlosse hin. Es glaͤntzet zwar nicht fein mit bunt- couleur ten Farben/ Doch ihrer Trefflichkeit blitzt auch von dem Papier; Des Mahlers seine Kunst muß/ arm am Witze/ darben/ Denn ihre Nettigkeit geht seiner Schmincke fuͤr/ Kan nun kein Mahler nicht der Schoͤnheit Strahl erheben? So wird mein ruͤder Kiel viel wenger tuͤchtig seyn Der schoͤnen Nachbarinn die Farben recht zu geben/ Da ihre Augen gleich den Zweiffels-Saamen streun. Wo fang ich aber an die Schoͤnheit abzumahlen? Ein jedes Glied verdient den schoͤnen Ehren-Krantz/ Die Venus siehet man aus allen Theilen Strahlen Und Cynthia verschwendt den hellen Silber Glantz. Doch! schau/ ich will zu erst bey ihrem Haar anfangen/ Das Serens Wurm-Gespinst an Zartheit angewinnt/ Die Berenice mag mit guͤldnen Zoͤpffen prangen/ So wird der Sternen Schein bey ihrer Nacht doch blind. Die Stirne macht beschaͤmt was Junens Milch gezeuget/ Narcissens weisse Pracht die stoltzen Segel streicht: Der glatte Alabast vor solchen Schmuck sich neiget/ Und in die schwartze Grufft der ersten Wohnung weicht. Die Augen sind ein Blitz der durch die Luͤffte faͤhret Davor der Diamant der Strahlen Glantz verliehrt/ Ein Dunckel/ das die Nacht mit duͤstern Schatten nehret Und doch den Sonnen Schein aus schwartzen Pech gebiehrt. Die Nase prahlt mit Schnee/ die aller Dinge Amme/ Die guͤtige Natur recht zierlich ausgemacht/ Nicht daß man sie als klein noch als zu groß verdamme/ Dianens silber Horn hat ihr den Glantz gebracht. Die Wangen siegen an den wunder-schoͤner Nelcken/ Die Morgen-Roͤht’ erstaunt vor ihrer Purpur-Pracht/ Die Anemonen gleich vor den Corall verwelcken/ Die Tulpe giebt der Welt auf ewig gute Nacht. Vor Verliebte und galante Gedichte. Vor den Zinnober Mund-Rubin und Scharlach fallen/ Der Tyrer Schnecken-Blut/ und der gekroͤhnt Granat/ Die machen sich hinweg vor ihren Mund-Corallen/ Der Venus kostbahr Blut sich da verspritzet hat. Die Zaͤhne sind gepflantzt vom feinsten Helffen-beine/ Wodurch die holde Zung/ und ihres Athen West/ Gesichert sind umschantzt in Perlen-weisse Zaͤune/ Daß kein vergrelter Nord in ihre Kaͤhle blaͤßt. Das Kinn ist kuͤnstlich rund/ worauf Jesminen bluͤhen/ Die ein beliebter Tuͤrcks der blauen Adern kuͤßt; Kein Archimedes kan so nette Scheidung ziehen Als des galan ten Kinns gespaltne Hoͤle ist. Der Hals verschwaͤrtzt den Schnee und die gebleichte Seide/ Das feinste Post-Papier wird schlechtes Maclatur: Zu Kohlen wird vor ihn die allerreinste Kreide/ Und seine Klarheit ruͤhmt am meisten die Natur. Die Bruͤste quilln hervor als glatte Marmor-Ballen/ Zinnober waͤchst auf Milch/ Granaten kroͤnt Rubin/ Auf ihren Huͤgeln stehn die roͤhtsten Meer-Corallen/ Die in dem hoͤchsten Schmuck auf Perlen-Mutter gluͤhn. Hier muß der Mahler weg und auch die Feder weichen/ Weil der verborgne Schatz in seinen Schaalen bleibt/ Das Contrefait wird auch sein Ende gleich erreichen Wenn die galante Hand erst in den Federn treibt. Allein! was soll der Hand ich an die Seiten stellen? Der feinster Nessel-Tuch und Seide ist zu hart/ Wo man aus Marmor sieht den blauen Tuͤrckis quellen/ Der mit beliebten Schnee der Finger sich gepaart. Beschaue nun dis Bild/ betrachte alle Zuͤge Und setze die Couleur wohin sich jede reist/ Sieh meine Worte durch/ erwege jede Riege/ Und sage mir hernach was vor ein Bild sich weißt. Zwar koͤntest du hier wol die Mahlerey verlachen/ Weil ein verstumpffter Kiel kein Pinsel es gethan/ Und fragen/ was du solst mit diesen Sachen machen? Doch wisse/ daß du siehst Cassandren selber an. Er Verliebte und galante Gedichte. Er ist Eyfersuͤchtig. V erdammte Eyfersucht/ du Hencker meiner Seelen Was plagst du mich so sehr? halt ein mit deinen Quaͤlen/ Du Bild des herben Tods/ du Gallen-schwanger Frucht/ Was plagst du mich so sehr verdammte Eyfersucht? Aus Nectar quillt dein Gifft/ dein Quaͤlen kommt vom Lieben/ Die Frucht der suͤßten Bluͤth’ ist Hoͤllisches Betruͤben/ Wie! daß dein Schlangen-Maul mir Geist und Hertze trifft? Verdammte Eyfersucht aus Nectar quilt dein Gifft. Du Kind der duͤstern Nacht/ du Vorschmack von der Hoͤllen/ Dein Mara, das entspringt aus einer Zucker-Quelle/ Du Mord Geist dessen Quaal mich rasend hat gemacht/ Aus Nectar quilt dein Gifft du Kind der duͤstern Nacht. Du Hencker suͤsser Huld/ du Blend-Werck meiner Augen/ Das mir aus Rosen laͤßt Napel und Schierling sangen/ Und meinem Hertzen raubt so Hoffnung als Gedult/ Du Kind der duͤstern Nacht/ du Hencker suͤsser Huld. Vermaledeyte Wuht/ du Folter-Banck der Sinnen Soll ich einst uͤber dich die Ober-Hand gewinnen/ Und werd’ ich ruhig seyn wenn fliest des Feindes Blut? Du Hencker suͤsser Huld/ vermaledeyte Wuth! Die meiste Quaal ist hin wenn sich mein Muth gerochen/ Denn folgt das Oster-Fest auf meine Marter-Wochen/ Und ich bin schon vergnuͤgt wenn ich gerochen bin/ Vermaledeyte Wuth! so ist die Quaal meist hin. An die schoͤne Nonne zu ✠*** Sonnet. D en Himmel kan man wol hier unbarmhertzig nennen/ Weil er die Schoͤnheit selbst ins Closter hat versteckt/ Und ihren Anmuths-Glantz mit Stein und Kalck bedeckt/ Daß diesen Venus- Schein gar wenig schauen koͤnnen. Doch in den Cellen auch die Liebes-Fackeln brennen/ Ein jeder Pfaffe wuͤnscht dis liebliche Consect, Doch nach den Port umsonst sich Sinn und Sehnsucht streckt Denn ihre Muschel laͤst sich nicht vom Pfaffen trennen. Allein! Verliebte und galante Gedichte. Allein! was nuͤtzt ein Schatz/ der immer ist verschlossen? Nichts! und das Feld verdorrt/ so niemahls wird begossen; Vollkommen kan man nicht dieselbe Schoͤnheit heissen/ Die Aphroditen denckt die Glieder nicht zu weyhn/ Soll nun der Schoͤnheit-Pracht bey dir im Schmucke gleissen? So must du Rosen-Krantz und ich dein Pater seyn. Verliebte Thorheiten. Aus dem Lateinischen des Herrn Corn. Galli. G alante Lydia du angenehmes Kind Vor deiner Schoͤnheits-Pracht wie nichts zu achten sind/ Der weissen Liljen Zier wie auch der Rosen Prangen Das Helffen bein erschwaͤrtzt vor deinen glatten Wangen/ Ach! zeige schoͤnstes Kind dein gold-entflammtes Haar Entbloͤsse deine Brust das Schwaanen gleiche Paar So aus der Marmor Klufft der weissen Schultern prahlet/ Erhebe doch den Glantz damit dein Auge strahlet Mit schwartzer Demmerung der Augen braun verhuͤlt/ Mein Maͤdgen schencke mir die Rose/ so erfuͤlt Dein schoͤnes Wangen-Feld mit Purpur angenetzet/ Ach! reiche mir den Mund der mit Rubin besetzet/ Die Lippen wo Corall sich mit der Anmuth paart/ Und labe deinen Knecht nach Turtel-Tauben Art Mit suͤssem Nectar- Most der angenehmen Kuͤsse: Du nimmst mir Thoͤrigten die besten Nahrungs-Fluͤsse/ Dein Kuß entseelt mein Hertz/ und stoͤhret meine Lust/ Warum entziehest du das Leben meiner Brust? Verhuͤlle deine Brust/ bedeck die Edens- Ballen/ Die als ein Marmor-Meer mit sanfften Oden wallen. Die angenehme Schooß ich weis nicht was anbeut/ Dein Liebes Wesen giebt stets neue Lieblichkeit. Verstecke deine Brust/ die mich mit ihren Pfeilen/ So weisser als der Schnee/ verraͤthrisch wil ereilen/ Die stets ihr blanckes Schwerd zu meinem Schaden wetzt/ Und mein schon schwaches Hertz noch mehr in Ohnmacht setzt. Allein/ du siehst aus Wuth nicht meiner Seelen-Plagen/ Und laͤssest mich halb todt in meiner Noht verzagen. Lie- Verliebte und galante Gedichte. Liebes Brief an Clelien. V ergoͤnne Clelia, daß mein verirrter Geist Jn deinen Haven treibt/ wo Amors- Winde wehen/ Den Port/ wo lauter Lust sich ums Gestade weist/ Wo Myrthen/ Tausend-Schoͤn und Anemonen stehen. Wo Cypripor den Sitz/ und Venus ihr Gezelt Mit sammt der Kitzelung zur Wohnung auffgeschlagen/ Wo sich die Anmuth hat den dreyen zugesellt/ Wohin uns die Natur den besten Schatz getragen. Wo Milch und Honig fleust/ wo ein Gelobtes-Land/ Wo Zucker und Zibeth sich mit der Ambra kuͤssen/ Wo Liebes-Rosen zeugt der Alabaster Strand/ Daselbst vergoͤnne mir die Luͤste zu geniessen. So dis Revier gebichrt/ uud unvergleichlich sind/ Die mich mit Ambrosin und Alecant berauschen/ Jn welchem sich mehr Lust als Sand am Meere findt/ Die ich mit Jupiter nicht dencke zu vertauschen/ Weil sein erdichtes Reich nicht solche Engel hegt/ Die uns mit einer Kost von Venus Muscheln laben/ Man da nur blossen Schein zu seiner Tafel traͤgt/ Wenn man schon Lust verlangt kan man nur Unmuth haben. Wie sich nur Tantalus mit leeren Schauen plagt/ Weil die beliebte Frucht dem Munde wird entzogen/ Wie er im Wasser steht und uͤber Durst doch klagt/ So gehts in Jovis Reich! wer glaubt der wird betrogen. Du aber schenckest mir/ ich weis nicht was vor Frucht Wenn sich dein hohler Schooß mit meinen Gliedern paaret/ Den mein verirter Geist zu seinen Haven sucht/ Wo er vor allen Sturm am besten ist verwahret. An Amarianen um ein Affections- Band. M ein Schatz/ mein Engel-Kind mein eintziges Vergnuͤgen Erblicke deinen Knecht zu deinen Fuͤssen liegen/ Der da von deiner Hand ein kleines Band begehrt/ Das alle Furcht vertreibt/ und seine Hoffnung nehrt. Die Hoffnung die mich sonst aus leeren Schaalen speißte/ Ob gleich ein holder Blick nach deinen Knecht verreißte/ Weil Verliebte und galante Gedichte. Weil du den Gnaden-Bund mit mir nicht auffgericht/ Noch durch ein Zeichen mich zu deinem Dienst verpflicht. Wie dort der Regen-Bog dem Noah Zeugniß gabe Daß seine Gnaden-Zeit den groͤßten Wachsthum habe/ So mag ein Band bey mir das Gnaden-Zeichen seyn Daß nach vergagner Nacht der heitre Sonnen-Schein Mit dem Erquickungs-Strahl nach deinen Knechte zielet/ Wodurch er neue Krafft in seiner Seelen fuͤhlet. Kein suͤsser Morgen-Thau so sehr das Feld erquickt Als mich ein Gnaden-Band von deiner Hand begluͤckt. Kein Balsam kan so bald das matte Hertz beleben Als mir dein Baͤndgen wird ein neues Leben geben. Ach neige doch dein Ohr zu deines Knechtes Flehn/ Laß ihn nicht unbeschenckt von deinen Fuͤssen gehn. Verknuͤpffe durch ein Band dein Wollen und mein Hertze/ So stillt sich meine Furcht/ so leget sich mein Schmertze/ So liebe ich vergnuͤgt/ so sage ich mit recht/ Jch heisse Lebens lang Amarianens Knecht. Er dancket Silvien vor ein Affections- Band. J ch stell mich Silvia, daß ich die Zahlung sey Weil meine Armuth dir sonst nichtes bieten kan/ Mein Unvermoͤgen zuͤndt nur schlechte Kraͤuter an/ Es schenckt Vergiß mein nicht/ und opffert Mannes-Tren/ Statt rarer Specerey und reinen Weyrauchs-Flammen/ Dis Opffer wirst du nicht/ galantes Kind/ verdammen/ Weil es ein treuer Knecht auf deinem Altar streut/ Der sich mit Leib und Blut zu deinen Diensten weyht. Der vor erzeigte Gunst sich deinen Sclaven nennt/ Dem dein geschencktes Band die Ketten angelegt/ Die er als einen Schmuck auf seinen Hertzen traͤgt/ Das Band/ daß er sich selbst aus Bloͤdigkeit mißgoͤnnt; Weil dessen Kostbarkeit auch Cronen uͤberwieget/ Und mehr als glaͤntzend Ertz aus Potosi vergnuͤget. Denn wenn gantz Peru mir all seinen Schatz verehrt Und guͤldne Berge zinst/ so ist dein Band doch werth/ E Daß Verliebte und galante Gedichte. Daß ich den gelben Koth der Erden Uberfluß Den Ursprung mancher Angst wie leichtes Spreu verschmaͤh Wenn ich nur die Person/ die mirs geschenckt/ anseh’ Von deren Hand ich Glas vor Perlen kuͤssen muß/ Die ich in allem Thun zu meinen Nord- Pol setze Und eher Koͤnige/ als ihr Gebot verletze Weil jener nur den Leib nicht mein Gemuͤhte/ quaͤlt Sie aber und ihr Haß so Leib als Geist entseelt. An Amarianen, da sie seine Bitte abgeschlagen. E s zeigte mir dein Brief so viel Vergnuͤgtes an/ Daß ich fast halb entzuͤckt das Siegel auffgethan/ Das Siegel/ so ich mehr als tausendmahl gekuͤsset/ Weil es mich allezeit zum freundlichsten begruͤsset/ Und taͤglich neue Gunst von deiner Hand gereicht; Die aber/ wie es scheint/ aus dessen Schrancken weicht. Die Schreib-Art die du brauchst/ und der ich nicht gewohnet/ Hat wie ein harter Sturm des Lebens nicht geschonet/ Sie laͤst mit voller Macht die Ungluͤcks-Winde loß/ Und stuͤrtzt mich unverhofft in aller Mutter Schooß. Kein Donner kan so sehr bey heiterm Himmel schrecken/ Kein unversehner Blitz kan solche Angst erwecken/ Als wie dein hartes Nein in meine Brust erregt. Die Worte sind so hart/ die deine Schrifft gehegt/ Daß sie mein mattes Hertz im Augenblick entgeistert/ Jch wurde fast entseelt/ von Ohnmacht uͤbermeistert Sanck ich als wie ein Bild zur Erden gantz erblaßt/ Ja haͤtte mich mein Freund sogleich nicht umgefaßt/ Und Balsam dargereicht/ so waͤr ich gar verblichen/ Die Geister waren schon in Charons Kahn entwichen/ Woraus sie dessen Hand so weit zuruͤck gebracht/ Daß mir des Tages-Schein aus dunckeln Wolcken lacht. Denn deine Hand ließ mir in wenig Worten lesen/ Daß deine Freundlichkeit verstellter Schertz gewesen. „ Amariane schenckt dir nicht ein solches Band „Es kriegt mein Liebster nur von mir das Liebes-Pfand/ „Be- Verliebte und galante Gedichte. „Begnuͤge dich daran/ daß dich mein Mund geliebet „Der nicht so gleich das Hertz zur Wechsel-Banck hingiebet. Hiemit ward mir der Korb gantz hoͤfflich zugestellt/ Mein Urtheil wurde mir gleichsahm im Schertz gefaͤllt. Mein Hoffnungs-Schiff treibt nicht in den gewuͤnschten Haven/ Amariane waͤhl’t mich nicht zu ihren Sclaven. Weil aber dieser Spruch mir allzu herbe scheint/ So habe ich dein Knecht allzeit/ und noch/ vermeynt/ Daß es dein Ernst nicht sey/ was du so hart geschrieben/ Jch hoffe/ daß du wirst mich wie vorhero lieben. Jch will dein eigen seyn mit Hertze/ Hand und Mund/ Und dieser machet dir die schoͤnen Fesseln kund/ Damit du meinen Geist als einen Sclaven druͤckest Und in die Dienstbarkeit so schoͤner Augen ruͤckest. Zieh doch die Larve ab/ so dein Gesicht verstellt Blick deinen Selaven an/ so dir zu Fusse faͤllt Und laß mich doch das Band/ das Band der Liebe kriegen/ Woran mein Leben hengt/ und was mich kan vergnuͤgen. Als seine Blondine sehr kranckwurde. E S zeigen jetzt der Welt die Seuffzer und die Zaͤhren/ Daß sich mein Canaan in Mara will verkehren. Das Zucker vorger Lust wird jetzt zu Wermuth-Schleim/ Und Coloquin ten-Safft wird mir mein Honig-Seim. Vor speißte mich das Gluͤck mit gleissenden Pasteten/ Nun aber muͤht es sich nur meine Lust zu toͤdten/ Und zeigt den Drachen-Schwantz vor die Sirenen Brust/ Jndem es mir entzieht die Nahrung meiner Lust. Es wird sein Freuden-Fest zu einer Marter-Wochen/ Und meine Sonn’ hat sich in Wolcken gantz verkrochen Hat es mir seinen Wein im Anfang gleich geschenckt/ Doch werd’ ich nun mit Gifft und Schierlings-Safft getraͤuckt/ So schmeichelt mir das Gluͤck mit falschen Judas-Kuͤssen/ Und laͤst mir Pilsen-Safft in seinem Nectar fliessen/ Es druͤckt mich an die Brust/ und stellt sich freundlich an Doch es die Klauen nicht dabey verbergen kan. C 2 Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch sehe den Betrug und fuͤhle seine Klauen/ Die es in meine Brust so toͤdtlich eingehauen/ Daß mich der herbe Schmertz durch Wehmuth fast entseelt/ Weil mein Vergnuͤgungs-Licht die letzte Stunde zaͤhlt. Jch kuͤsse auch den Tod wenn meine Schoͤne stirbet/ Blondinens Untergang vor mich ein Grab erwirbet/ Die Rosen wandeln sich in eine Dornen Bahn Und vor Ergoͤtzlichkeit greifft mich ein Schaudern an. Das Roͤcheln ihrer Brust beklemmet mir das Hertze Jch fuͤhle ebenfals die Pein/ ach herber Schmertze! So dieses Engels-Bild/ Ha Ungerechtigkeit! Erbaͤrmlich toͤdten will vor der gesetzten Zeit. Ach Himmel giebst du zn das Sterben dieser Schoͤnen? Kan denn kein Seuffzer nicht den harten Zorn versoͤhnen. Ach! zinßt so mancher Mund die Farren gantz umsonst? Und finder keiner nicht vor deinem Throne Gunst? Grausahmer Himmel/ ach! ach laß dich doch erbitten! Und hoͤre auf in Grimm die Hoffnung zu verschuͤtten/ Schmeiß Donner-Keile her/ ihr Wolcken blitzt und kracht Gewaltig auf mich zu/ daß nur Blondine lacht. Doch wo gedenckt ihr hin/ ihr Sorgen reiche Sinnen? Was stosset ihr heraus/ was wollet ihr beginnen? Der Himmel ist gerecht/ verzaget nicht sogleich/ Er wird vielleicht noch wol durch meine Seuffzer weich. Was aber hilfft der Trost? einjeder will verzagen Den Himmel und das Gluͤck koͤnnt ihr mit recht verklagen Auf/ fluchet dem Geschick/ speyt das Verhaͤngniß an/ Den Himmel ehrt man nicht wenn er nicht helffen kan. Ha ungetreues Gluͤck! das Gifft vor Zucker schencket Und vor ein Lippen-Meth mit Drachen Blute traͤncket/ Dein Becher mich anjetzt bis auf den Tod verletzt Wie kostbahr auch das Gold/ das dieser Gifft-Tranck naͤtzt. Der Krantz/ den ich von dir auf meiner Schlaff gefunden/ Jst guten Theils mit Dorn und Nageln unterwunden/ Ach! gar ein schlechter Krantz der mir das Leben nimmt/ Und durch Blondinens Tod zum Opffer Vieh bestimmt. Noch mehr/ du raubest mir den Nahrungs reichen Bissen Und laͤst mich Spinnen-Gifft vor Panaceen kuͤssen/ Du Verliebte und galante Gedichte. Du tobest auf mich zu/ verfolgst mich als ein Feind/ Und schaffst/ daß ein Comet zu meinen Schaden scheint. Ha ungerechtes Gluͤck! verfluchet sey dein Schmeicheln/ Der Firniß des Geschicks/ und des Verhaͤngniß Heucheln/ Ein ander traue dir/ und deinem falschen Schein Mir nimmt dein Schmeicheln nie die Sinnen wieder ein. Auf den Gebuhrts-Tag seiner verlobten Julien. L aß Julia dis Blat zu deinen Haͤnden dringen Weil heute meine Lust und dein Vergnuͤgen lacht: Dem Lichte muß mein Geist ein frohes Opffer bringen/ An welchen die Natur dich auf die Welt gebracht. O hoͤchstbegluͤckter Tag! du hast ein Meister-Stuͤcke Und meiner Wuͤnsche-Ziel zum ersten angestrahlt/ Der Himmel schickt durch dich mir seine Gnaden-Blicke/ Da Phœbus recht vergnuͤgt in Gold und Purpur prahlt. Heut’ ist der frohe Tag! es lachet mein Vergnuͤgen/ Heut’ ist dein zartes Bild von der Natur gepraͤgt Die holden Gratien erschienen bey der Wiegen/ So bald Lucina dir das Leben beygelegt. So offte nun der Tag/ dis heute Wiederkommen/ So vielmahls sah man dich recht mit Erstaunen an/ Wie deines Leibes-Schmuck so haͤuffig zugenommen Und wie sich der Verstand so braff hervorgethan. Jch selber weiß die Lust nicht gnugsahm auszusprechen/ Die mir der suͤsse Tag verschiedne mahl geschenckt Die frohe Zunge will aus ihren Schrancken brechen Sie zeigt die Freude an womit das Hertz umschraͤnckt. Kein Balsam findet sich/ der so das Hertz erquicket/ Kein weisser Perlen-Thau labt mehr das duͤrre Feld/ Als mich/ mein Engels-Kind/ dein Lippen-Most begluͤcket/ Wenn in erwuͤnschter Lust mein Geist da Tafel haͤlt. Hat schon der Schoͤnheit-Pracht das Hertze mir geruͤhret Und ists der erste Zweck/ daß ich dich auserkießt! Doch zeigt das Tugend Gold/ so deine Seele zieret/ Daß du mein Engels-Bild recht uͤber irrdisch bist. E 3 Und Verliebte und galante Gedichte. Und wenn die Tugend erst den Zunder angeleget/ Da deine Rose sich in ersten Knospen wieß/ So ist doch diese Gluht in mir noch mehr erreget Als sich mit voller Pracht ihr Sammtes Haupt ausließ. Das Sehnen quaͤhlet mich die Luͤste zugeniessen/ Die mir das falsche Gluͤck noch unvollkommen schenckt/ Jch wuͤnsche etwas mehr als den Corall zu kuͤssen Wenn sich mein heisser Mund zu deinen Lippen lenckt. Gar offte pflegt mein Sinn das Schicksahl anzuklagen/ Daß ich um deinen Schatz so lange seuffzen muß. Die keusche Liebes-Brunst vermehret meine Plagen/ Das suͤsse Hoffen zeugt mir schmertzlichen Verdruß. Wie aber soll das Licht/ so mir das Leben giebet/ Jn meinen Hertzen seyn ein trauriger Aspect? Ach nein! der Himmel selbst/ der reine Liebe liebet/ Reicht vor das Sorgen Brodt ein liebliches Confect. So lebe dann vergnuͤgt du Auszug aller Gaben/ Lach wenn ein Midas- Kopff den festen Bund verhoͤhnt/ Mich soll dein Zucker-Mund inzwischen kraͤfftig laben/ Bis uns Bestaͤndigkeit mit Amors- Myrthen kroͤnt. Die verliebten Diebe. J hr Maͤdgens ihr seyd Diebe Jhr stehlet uns das Hertz/ Die sonst versuͤßte Liebe Jst nur ein herber Schmertz. Es lockt mit suͤssen Blicken Eur schoͤnes Angesicht/ Es sucht uns zu bestricken/ Das Netz ist aufgericht. Ob gleich von euren Wangen/ Die mit Rubin bedeckt Wie Purpur Rosen prangen/ Wol mancher Zucker schmeckt. Doch weißt daß dieses Kuͤssen Uns gar zu schaͤdlich ist/ Und Verliebte und galante Gedichte. Und der vergiffte Bissen Durch Marck und Adern frist. Mich hat noch nie vergnuͤget Noch ein’ge Lust geschafft Wenn auf den Lippen lieget Der Wollust Nectar- Safft. Der Bruͤste Liebes-Rosen/ Die unvergleichlich bluͤhn/ Mit freuden lieb zu kosen Mag ich mich nicht bemuͤhn/ Nennt sie ein Safft der Bienen/ Ja nennt sie Zucker-Lust/ Jch will das nicht bedienen Was mir ein Dornen-Wust. Last ander eure Wangen Die Bruͤste und die Schooß Bekuͤssen und umpfangen/ Jch lebe Zuͤgel loß. Jch will in Freyheit bleiben Jch mag kein Sclave seyn/ Jch will die Zeit vertreiben Mit Lust und nicht mit Pein. Mein sagt/ was ist das Lieben/ Und Kuͤssen eurer Brust? Nichts/ denn ein solch Betruͤben/ Das Gallen schenckt vor Lust. Jch hasse eure Liebe Eur Huld und Freundlich seyn/ Jch halte euch vor Diebe Stellt nur eur Schmeicheln ein. An Zamiren. Z amire du bist schoͤn/ dein Wesen ist galant, Ein jeder/ der dich sieht/ wird gleich durch dich entbrannt; Dein artigs Wesen sucht mit unentwandten Blicken Den ungezwungnen Sinn mit Fesseln zu bestricken. E 4 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Augen feyren nicht/ die Mienen schuͤren zu/ So nunst du laͤchelnd weg den Grund-Stein unser Ruh/ Und laͤßt an dessen statt Brand/ Quaal und Angst zuruͤcke Damit uns hart genug der Sclaven Fessel druͤcke. Und sucht man denn bey dir Errettung aus der Quaal/ So doppelt unser Noht ein ernsthafft Augen-Strahl/ Die arme Seele muß in tausend Angst verschmachten/ Und darf in ihrer Pein auf keine Huͤlffe trachten. Manch Geist ist schon dahin/ wo ihn das dunckle Grab Die Flammen seiner Brunst kuͤhlt in der Erden ab/ Viel muͤssen jetzo noch die heissen Flammen nehren/ Und durch ein heimlich Feur den matten Geist verzehren. Jch fuͤhle auch den Strahl/ Zamire, in der Brust/ Der mich in mir verwirrt und meine schlechte Lust Verstoͤhrt: ich bin dein Knecht/ der Liebes-Fesseln traͤget/ Die mir dein artger Geist/ mein Engel/ angeleget. Jch senffze in der Last/ ich seh nach Rettung aus/ Allein dein Auge dreut mir einen harten Straus/ Und zeiget/ daß es auch so grausahm ist als schoͤne/ Und daß ich mich umsonst/ dich zu erbitten/ sehne. Zamire meine Lust/ sey gnaͤdig meinem Flehn Und laß das Jubel-Fest in Kurtzem vor sich gehn. Soll ich das Purpur-Blut der schoͤnen Lippen kuͤssen? So wirst du dich gewiß nicht lange weigern muͤssen. Wo aber nicht? so zieh die strengen Strahlen ein/ Und laß der Augen-Blitz nicht so durch dringend seyn/ Damit/ wenn ich nicht soll ein guͤtig Hertze hoffen/ Mein Geist nicht allzu sehr/ Zamire, werd’ getroffen. An die schoͤne Blandella. Sonnet. D ie kalten Sinnen sind von heisser Lust entbrannt/ Der netten Augen-Pracht hat solche angezuͤndet/ Die Wirckung dieses Strahls die Seele mit empfindet/ Dein gold-gemengtes Haar/ der Stirnen Perlen-Band Und die Corallen-See der Lippen sind galant. Des Busens heisser Schnee sich mit der Gluht verbindet/ Die Verliebte und galante Gedichte. Die aus den Augen bricht: dem/ wer sich unterwindet Dich dreiste anzusehn/ ists Feur schon zuerkant. Die Glieder lassen sich wie klahre Perlen sehen; Um den Albaster Leib die Anmuths-Liljen siehen/ Und die Narcisse kuͤßt die Milchlich-weisse Hand. Des Busens-Paradieß laͤst mich auf Schwanen gehen/ Jch schau ein Canaan von den Albaster Hoͤhen/ Blandella fuͤhr mich doch in dis Gelobte-Land. An Selanen da er nach Philuris reisete. S cheu dich nicht das Blat zu brechen/ Das der Ruhe-Faden bricht/ Scheint es schon die Treu zu schwaͤchen Dennoch reist die Liebe nicht. Daß es mehr mit heissen Thraͤnen Als mit Dinten ist benetzt/ Das macht dein betruͤbtes Sehnen So die krancke Brust verletzt. Truͤbe Stunden/ boͤse Zeiten Tage/ die ein taͤglichs Leid/ Naͤchte die mir Quaal bereiten/ Grauen/ Furcht und Traurigkeit/ Muß ich/ weil ich lebe/ leiden; Tausend Angst vertreibt mein Wohl/ Trauren spuͤhr ich statt der Freuden Weil ich von dir scheiden soll. Heisse Thraͤnen uͤberschwemmen Mein verfallnes Angesicht/ Keiner kan das Weinen hemmen/ So mir aus den Augen bricht. Tieffe Seuffzer/ herbe Zaͤhren/ Und der Schmertzen Centner- Pein Mich in mich durch mich verheeren Nun es soll geschieden seyn. E 5 Durch Verliebte und galante Gedichte. Durch die angenehme Augen Fing mein Hertz den ersten Brand Noch mehr Flammen must’ es saugen Bis es gantz im Feuer stand. Endlich machte mich die Liebe Gar zu deinen Eigenthum Deine Schoͤnheit zwung die Triebe Doch noch mehr dein Tugend-Ruhm. Also waren unser Seelen Eines andern Lust und Trost/ Aber ach! nun folgt das Quaͤhlen Und das Ungluͤck ist erboost. Mein Hertz ist dir gantz ergeben/ Mir gehoͤret zu dein Hertz/ Diese scheiden sich mein Leben Dencke was es vor ein Schmertz. Ach! jetzt muß ich von dir ziehen/ Wir verlassen uns mein Licht/ Wo die edlen Musen bluͤhen Dahin ist mein Weg gericht. Stille Schoͤnste dein Gemuͤhte Gib dem harten Schicksahl nach/ Endlich stillt des Himmels Guͤte Unser Jammer-reiches Ach! Laß die Ungluͤcks-Winde rasen Endlich hoͤrt das Stuͤrmen auf/ Wenn der Orcan ausgeblasen So beschliest das Schiff den Lauff. Nach dem Regen scheint die Sonne Auf das Weinen folgt die Lust/ Endlich kroͤhnet suͤsse Wonne Die zuvor bedrengte Brust. Nun Verliebte und galante Gedichte. Nun so lebe wohl mein Leben Jetzo muß ich von dir ziehn/ Lieb mich/ wie ich dir ergeben/ Nimm den Kuß der Treue hin. Alle Briefe/ die ich schreibe/ Zinsen dir der Treue Zoll. Bleibe mein/ wie ich dein bleibe/ Meine Schoͤne lebe wohl. Liebes-Brief an Lucretien. E rbrich galantes Kind das Schreiben und mein Hertze Und schaue/ daß ein Feur in beyden Theilen brennt/ So deiner Augen-Strahl und holde Schoͤnheits-Kertze Als seinen Zuͤnde-Strick und ersten Ursprung kennt. Dein laͤchelnd Angesicht/ dein angenehmes Wesen Das spielet Gluht auf Gluht in meine Geister ein/ Dein suͤsser Blick laͤst mich bald sterben/ bald genesen/ Und deiner Schoͤnheit muß ich unterthaͤnig seyn. Die Augen/ so am Pracht den Himmel angewinnen/ Wenn er in blauer Farb die schoͤnsten Wolcken zeigt/ Die machen solche Gluht/ daß Hertz und Geist zerrinnen Als wenn das Sonnen-Licht ein duͤnnes Wachs erweicht. Die holden Gratien die spielen im Gesichte Der Venus Thron und Sitz auf deinen Wangen steht/ Vor deiner Wunder-Pracht wird Junens Zier zu nichte/ Die Schoͤnheit selbst vor dir ins Meer zu Gnaden geht. Von diesem Angesicht wuͤnsch ich beliebte Blicke Damit mein Hertze mag vollkommen froͤlich seyn/ Es gehet Freud und Lust in meine Seel zuruͤcke Wenn dein beliebter Blick ein sanffter Sonnen-Schein. Jch lebe bloß in dir mein auserwehltes Leben/ Dein angenehmer Geist beseelet meine Brust/ Die ich dem schoͤnen Geist schon lange eingegeben/ Ob es/ mein Auffenthalt/ dir schon noch unbewust. So treibt dein schoͤner Geist mein Hertz’ an dich zu lieben/ Und mein verliebtes Hertz noch mehr durch ihn entbrennt; Du Verliebte und galante Gedichte. Du Schoͤnste/ schreibst es selbst/ was ich allhier geschrieben/ Dein angenehmer Geist den rechten Schreiber nennt. Ach blick galantes Kind! mit angenehmen Strahlen Dich selbst und deinen Knecht in meiner Seelen an/ Doch was verlange ich? ich weiß von keinen Quaaleu Denn weil du in mir bist mich nichts betruͤben kan. Dein holdes Angesicht/ dein angenehmes Wesen/ Das machet tausend Lust/ und leget allem Schmertz/ Ja ich muß nur davon die schoͤnsten Fruͤchte lesen Ach/ floͤß den schoͤnen Geist nur offte durch mein Hertz? Doch wie nach dunckler Nacht der Sonnen guͤldne Strahlen Durch angenehmen Schein das dunckel braune Feld/ Mit hellem Tages-Licht zu neuer Lust bemahlen/ Ob gleich ihr Wunder-Glantz bestaͤndig in der Welt. So wollst du mich noch mehr durch neue Gunst begluͤcken Den Geist/ der in mir ist/ laß in dein Hertze ein Dein Geist ruht schon in mir/ der Wechsel wird es schicken Daß/ wie du in mir bist/ ich in dir koͤnne seyn. Nun nimm/ Annehmlichste/ nach angebohrner Guͤte Mich/ die du in mir bist/ zu einem Opffer an/ Laß mich entdecket sehn dein guͤtiges Gemuhte Daß ich mich recht begluͤckt dein eigen nennen kan. An Sie . Sonnet. H ertzens Doris deine Schoͤne Jst beliebet und galant, Deine Augen sind ein Brand/ Und das Haar Cupidens Sehne; Deine Stimm’ ein Lust Gethoͤne; Und die angenehme Hand Macht den reinsten Schnee bekannt. Goͤnne/ daß ich mehr erwehne? Deine Wangen sind wie Rosen/ Die einjeder lieb will kosen Deine Lippen sind Rubin/ Deine Bruͤste Marmor-Ballen/ Und dein Schooß ist von Corallen; Nichtes ist dir fuͤrzuziehn. Lie- Verliebte und galante Gedichte. Liebes-Brief an Charlotten. C harlotte laß dis Blatt zu deinen Haͤnden fliegen/ Jch weiß/ du weist es schon/ was es verborgen haͤlt. Die Augen/ so den Geist und den Verstand besiegen/ Verschaffen/ daß es dir leicht zu errahten faͤllt. Zwar schreib ich etwas frey durch Fleisch und Blut getrieben/ Die Regung/ so mich quaͤhlt/ mehr als zu hefftig ist/ Doch nein/ es ist nicht frey du wilst ich soll dich lieben/ Und zeigst dadurch/ daß du der Schreiber selber bist. Jch habe dich geliebt/ ich liebe dich noch ferner/ Allein die Gunst wird noch umsonst von mir gesucht. Vor Amors Zucker-Brodt/ und vor die Wollust-Koͤrner/ Reichst du mir Salsen her/ und Coloquinten- Frucht. Es kuͤsset zwar mein Geist die angenehmen Wangen/ Er kuͤßt den Purpur-Mund/ und deine Schwaanen-Brust/ Allein/ was ists? er kan draus keinen Trost erlangen Die leere Phantasie macht schlechte Lust bewust. Wann der erhitzte Mund die schoͤnen Rosen-Lippen/ Wo Milch und Honig fleust/ nicht darf zum Labsahl sehn/ So gleichet er dem Schiff/ daß zum Magnetschen Klippen/ So solches nach sich ziehn/ muß ins Verderben gehn. Wann aber ihn die Gunst der Schoͤnen lieb gewonnen Wenn ein beliebter Blick aus holden Augen spielt/ Die an zu sehen seyn als zweene Gnaden-Sonnen/ Und wenn er sich im Schnee des zarten Busens kuͤhlt: So faͤhret er daher in lauter sanfften Wellen/ Das Gluͤcke steht ihm bey weil Eros Schiffmann heißt. Kein harter Sturm kan es in seiner Farth zerschellen Weil es sich nicht zu weit von seinen Haven reist. Nun stehet es bey dir du kanst mich gluͤcklich machen Sprich nur: Es ist vergoͤnnt/ so legt sich meine Pein/ Jch werde gantz entzuͤckt vor suͤsser Wollust lachen Wenn mich dein schoͤner Schooß nimmt in dem Haven ein. Als sie sich nicht wolte erbitten lassen. M ich will die strenge Fluth ins Ungluͤcks-Rachen jagen/ Es wird mein Hoffnungs-Schiff im Jammer-Merzer- schlagen/ Jed- Verliebte und galante Gedichte. Jedwede Wolcke ist von Blitz und Donner voll Jch weiß nicht wo ich mich vor Unmuth lassen soll. Du fuͤhrst/ Charlotte, mich auf solche grause Wellen/ Die deine Freundlichkeit in strengen Zorn verstellen/ Derselben starcke Fluth so rasend auf mich dringt/ Daß mein erschrockner Geist die Sterbe-Lieder singt. Mein Weinen kan dein Hertz/ o Schmertze! nicht durch hoͤhlen! Ein harter Kiesel-Stein wird deine Brust beseelen/ Dein Felsen harter Sinn erhoͤrt mein Seuffzen nicht Mein kranckes Hertze wird durch deinen Haß gericht. Jch muß wie Jxion den leeren Schatten kuͤssen/ Mein Ungluͤck quaͤlet mich mit lauter Finsternissen/ Die krancke Seele ist bis in den Tod betruͤbt/ Von Unmuth fast entseelt/ und ohne Trost verliebt. So wenig als das Meer dem festen Felsen schadet/ Und wenn mein truͤbes Aug’ in tausend Thraͤnen badet Das ist in allen gleich; du bist und bleibst ein Stein/ Dein hartes Hertze will mir immer grausahm seyn. Der Haven meiner Lust ist mir/ ach Schmertz! verschlossen/ Dein Unwill hat mir da die Ketten vorgeschlossen/ Mein armes Schifflein muß in wilder See vergehn/ Der truͤbe Himmel laͤst nichts als Come ten sehn. Jch koͤnte zwar noch wolden frohen Haven finden/ Allein dein Zorn muß erst in heitrer Lufft verschwinden/ Die schwartze Trauer-Nacht muß mir ein Mittag seyn/ Die duͤstre Abend-Lufft ein heller Morgen-Schein. Wenn mich dis Gluͤcke kuͤßt so kan ich gluͤcklich leben/ Bis an den Himmel wird die suͤsse Lust mich heben/ Denn eß ich Zucker Brod/ und trincke Nectar- Safft/ Denn ist was mich gequaͤhlt gantz fort und weggeschafft. Wird sich dein Zuͤrnen nun in holde Gunst verkehren? So werde ich dich stets als meine Goͤttin ehren/ So bald dein Auge laͤst den Hoffnungs-Stern auffgehn/ So kan ich meine Lust aus den Aspect en sehn. Jch will mich nun/ mein Schatz/ auf deine Huld verlassen/ Dein schoͤnes Wesen kan mein treues Hertz nicht hassen/ Wenn aber deine Gunst ein steter Zorn verstellt/ So hoͤr ich diesen Spruch: Fort fahre aus der Welt. Als Verliebte und galante Gedichte. Als er ihre Gunst erhalten. N un gehet bey mir auf die Sonne meiner Seelen/ Charlotte zeiget sich als wie ein Engels-Kind/ Mein Jammer-Stern ist fort/ er kan mich nicht mehr quaͤhlen/ Mir wird ein suͤsser Blick und holde Gunst geguͤnnt. Das Hoffnungs-Schiff darff nun die frohen Seegel spannen/ Die Liebe leitet es zum sichern Haven hin/ Kein Ungluͤcks-Sturm wird es in seiner Fahrt bemannen/ Mein schoͤner Nord-stern lenckt sich recht nach meinem Sinn. Es wird von diesem Port zu keinen Zeiten weichen/ Ein angenehmer West in seine Segel spielt. So wird die lange Fahrt die Wohlfahrt nun erreichen/ Wohin mein seuffzend Hertz so lange Zeit gezielt. Der Hoffnungs-Ancker ruht in solchen festen Gruͤnden/ Daß ihn kein starcker Sturm aus seinem Lager reist/ Nun kan ich meine Ruh nach langen Suchen finden/ Der angenehme Port sich in der Naͤhe weist. Des Zornes strenge Fluht/ die mich sonst auffgehalten/ Verkennet ihren Grimm/ nun kan ich froͤlich seyn Mein hartes Schicksahl wil nun gantz und gar veralten/ Es giebt den schoͤnsten Blick und angenehmsten Schein. Charlotte laͤst den Mund und ihre Wangen kuͤssen/ Mein Lippen-Opffer brennt auf ihrer Marmor-Brust Mein froher Geist weiß nichts von Furcht und Hindernissen Er kennet keine Angst/ er spuͤhret lauter Lust. Mir steht das Paradieß der suͤssen Wollust offen/ Das Thor ist auffgethan| so sonst verschlossen war/ Mein Sehnen ist erfuͤllt/ es trifft mir zu mein Hoffen/ Jch halte gantz vergnuͤgt ein frohes Jubel-Jahr. Mein Geist kan seine Lust an suͤssen Blicken haben Kein strenger Zorn verstellt dein schoͤnes Angesicht; Dein schoͤnes Wesen wil die matten Sinnen laben/ Du bist mein Schatz der Welt/ mein Leben/ und mein Licht. So hab ich was ich wil/ ich kuͤsse mein Verlangen/ Mein Klagen hoͤret auf/ mein Wuͤnschen ist erhoͤrt/ Jch kan den Rosen-Mund und deine Brust umfangen/ Der sanfften Kuͤsse-Thau die matte Seele nehret. Ach Verliebte und galante Gedichte. Ach bleibe so gesinnt mein wehrter Schatz im Lieben/ Kein Neidhart treffe uns mit seinem Schlangen-Gifft/ Kein Schein der Eyversucht muß unser Brust betruͤben/ So weiß ich/ daß mein Gluͤck mein Ungluͤck uͤbertrifft. Die gebundene Freyheit. G uͤldne Freyheit/ mein Vergnuͤgen! Meine Fesseln sind entzwey/ Meine Liebe laͤst mich siegen/ Und mein Hertze ist nun frey. Solche Freyheit kan man haben Wenn auf einer schoͤnen Brust/ Sich die Seele weiß zu laben Jn vergnuͤgter Himmels-Lust. So bindt mich auch deine Guͤte/ Schoͤnster Engel jetzo loß/ Und dein gnaͤdiges Gemuͤhte Oeffnet mir die schoͤne Schooß. Ob die Ketten gleich entbunden/ Dennoch legst du Fesseln an/ Und die Freyheit wird gefunden/ Wenn man nicht entgehen kan. Diese Ketten muß ich kuͤssen/ Weil sie allzu lieblich seyn; Was mich vordem binden muͤssen Kleidet sich in Freyheit ein. Weil mich diese Banden binden Weiß ich/ daß du meine bist/ Und die Freyheit kan ich finden Wo sie eine Sclavin ist. Bey den zarten Schwaanen-Bruͤsten Meine Hand gefangen liegt Und die Anmuht von den Luͤsten Den erloͤßten Geist vergnuͤgt. Durch die Fesseln deiner Haͤnde Werden meine frey gemacht/ Wo Verliebte und galante Gedichte. Wo ich meinen Geist hinwende Alles in der Freyheit lacht. Bey dem Marmor deiner Glieder Bey der Brust und bey dem Hals Find ich meine Freyheit wieder Und verliehr sie ebenfals. Von dem angeschlossnen Fuͤssen Loͤsest du die Fesseln ab/ Was den Sclaven mag verdriessen Mir die guͤldne Freyheit gab. Wenn mein Geist bey Mund und Wangen Jn der suͤssen Sclaverey Kan mit solchen Fesseln prangen/ Jst er in den Banden frey. Soll er stets gebunden liegen An der Brust/ und deiner Schooß? Glaub/ es wird ihn recht vergnuͤgen/ Keine Last ist da zu groß. Weil ich dich nun kan umfassen/ Will ich gern dein Sclave seyn/ Jch will alle Frey heit hassen Schließ mich nur in Banden ein. Meine Freyheit ist verhanden Wenn dein holdes Auge lacht Und die Last der leichten Banden Wird der Freyheit gleich geacht. Gespraͤch zwischen Adamald und der Nonnen Adina. Adamald. B eruͤhmtes Tugend-Bild/ du Kleinod aller Schoͤnen/ Das allen Damen muß ein rechtes Beyspiel seyn/ Darf ein getreuer Knecht mit wenigen erwehnen Wie so durchdringend ist der Augen Sonnen-Schein? Dein schoͤnes Angesicht der Schoͤnheit Bildniß traͤget/ Wozu die Liebe uns als ihren Tempel fuͤhrt. F Die Verliebte und galante Gedichte. Die Anmuth hat dahin den besten Schatz geleget/ Der unschaͤtzbahr/ und dich recht unvergleichlich ziert. Das zarte Wangen-Feld zeigt uns des Himmels-Bilde/ Vollkommen stellet es desselben Schoͤnheit fuͤr Es ist ein Sommer-Ort ein rechtes Lust-Gefilde/ Die Rosen sind sein Schmuck/ und Liljen seine Zier. Die wunder-schoͤne Brust so Majestaͤtisch pranget Als wenn dis Schwester-Paar die gantze Welt besiegt Ein theurer Perlen-Schmuck am Sieges-Wagen hanget/ Der alle Kostbarkeit vom Morgen uͤberwiegt. Den noch verborgnen Schatz/ und ander schoͤne Sachen/ Die soll mein heisser Mund stillschweigend uͤbergehn/ Doch wie dein Wesen kan sogleich verliebet machen/ Das laͤst die grosse Zahl der treuen Sclaven sehn. Jch sahe nicht so bald die ungemeinen Augen/ Als sich mein luͤstern Geist in Dienstbarkeit befand/ Mein Hertze wolte nicht zum widerstehen taugen; Jch brenne/ mehre doch den angenehmen Brand. Adina. Schweig Adamald, schweig still/ ich will im Closter bleiben/ Es ist mein Paradies/ mein Himmel auf der Welt/ Jch kan die lange Zeit mit heilger Ruh vertreiben/ Jch weiß nicht/ was vor Lust die Liebe in sich haͤlt. Nichts ist geruhiger als in den Cellen leben/ Kein Ungluͤcks-Stern erschreckt die Gott-geweyhte Brust/ Wer so zum Himmel kan Hertz/ Sinn und Hand auffheben/ Der hat am Zeitlichen nur gar zu schlechte Lust. Des Himmels Liebste seyn/ und eine Braut der Sternen/ Jst wahrlich eine Ehr/ die man gar gerne nimmt/ Mein Hertze will allhier das rechte Lieben lernen/ Es nehrt die keusche Brust/ so von dem Himmel kuͤmt. Jch weiß gantz keine Lust an der Gest alt zu finden/ Was soll der Zucker/ den man von den Lippen leckt/ Vor keuschen Lilien muß ein geiler Mohn verschwinden/ Wer unermuͤdet kaͤmpfft wird mit dem Crantz bedeckt. Wil schon mein Wangen-Feld beliebte Rosen zeigen/ Jst etwas artiges das meine Lippen ziert/ Laß Verliebte und galante Gedichte. Laß seyn/ ich acht es nicht/ ich will den Ruhm verschweigen/ Wer sich da rauf verlaͤst den besten Schatz verliehrt. Mein keusches Hertze haßt den Dunst der eiteln Liebe Die reine Seele ist dem Himmel eingeweiht/ Kein Ungewitter macht derselben Ruhe truͤbe/ Jch spuͤhre lauter Lust und tausend Lieblichkeit. Adamald. Mein liebster Engel laß den Closter-Himmel fahren/ Und glaube/ daß er dich nicht recht ergoͤtzen kan/ Wenn sich in suͤsser Lust zwo keusche Seelen paaren Da trifft man erst die Ruh des Paradieses an. Der Himmel/ welcher dich so schoͤne werden lassen/ Verlangt nicht/ daß du solst in engen Clausen seyn; Wer wird dich um den Schluß den eiteln Schluß nicht hassen? Der deine Artigkeit sperrt in das Closter ein. Was helffen dir/ mein Kind/ die angenehmen Augen? Was nuͤtzt der Diamant/ der aus denselben sternt? Wenn man aus ihnen nicht soll suͤsse Flammen saugen/ Wodurch man erst den Trieb der reinen Liebe lernt. Was soll der Wangen Zier/ was nuͤtzt ihr schoͤnes Prangen? Sind sie von der Natur umsonst so schoͤn geschmuͤckt? Nein! diese treibt dadurch zum Sehnen und Verlangen/ Bis sie den matten gEist mit solcher Kost erquickt. Wenn erst die Rosen ab durchs Alter sind gerissen/ Und wenn die Liljen-Pracht der schoͤnen Brust verbluͤht/ Denn wird kein heisser Mund die duͤrren Lippen kuͤssen/ Denn wird kein Mensch nicht seyn der nach dem Schatten sieht. Bediene dich der Lust/ gebrauche deiner Jugend/ Ein keusches Feuer ist dem Himmel nicht verhaßt/ Wer sein Verlieben gruͤndt auf das Gebot der Tugend/ Der hat die Ehren-Kron schon uͤber halb gefaßt. Wer liebet nicht/ mein Kind/ die reinen Liebe-Flammen? Wer Gott und Himmel ehrt ihr keusches Wesen liebt/ Die Triebe solcher Gluht vom hohen Himmel stammen/ Der uns von diesem Feur ein rechtes Beyspiel giebt. Weil nun mein Lieben keusch so sey doch zu bewegen/ Ach nimm das Hertze an/ so dich in Ernst verehrt/ F 2 Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch will es dir gantz gern zu deinen Fuͤssen legen Sag nur der Meynung ab die sein Vergnuͤgen stoͤhrt. Adina. Du liebest/ Adamald, mich gantz und gar vergebens/ Der Himmel ist mein Schatz/ und ich bin seine Braut Er ist mein schoͤnster Schmuck/ und bestes Gut des Lebens Mein Hertz ist ihm schon laͤngst als eigen anvertraut. Es ist umsonst/ und nichts/ was du von mir begehrest/ Treu-bruͤchig mag mein Hertz zu keinen Zeiten seyn/ Wenn du denhoͤchsten Gott von gantzen Hertzen ehrest/ So nimmt kein luͤstern Trieb die stillen Sinnen ein. Das Garn der Liebe soll mein Hertze nicht bestricken/ Mein Gott-ergebner Geist reist solches gleich entzwey/ Bemuͤhe dich nur nicht mich in dein Netz zu ruͤcken/ Mein Hertze ist und bleibt dem holden Himmel treu. Was solte meine Brust zur eiteln Liebe treiben? Die ich des Himmels-Gunst nach Wunsch geniessen kan/ Die Lilje meiner Brust soll unbeflecket bleiben Mit geilen Haͤnden greifft man diese Frucht nicht an. Crystallen kan man nicht wenn sie entzwey ergaͤntzen/ Die Porcellan gilt nichts wenn sie zerbrochen ist. Vor Rosen wuͤrde mich ein Diesteln Krantz bekraͤntzen/ So bald ich deinen Mund aus geiler Lust gekuͤßt. Die Keuschheit steigt empor wenn tolle Brunst versincket/ Sie haßt die Liebes-Lust viel aͤrger als das Gifft. So wie das Huͤtten-Rauch bey einem Weyrauch stincket/ So uͤbel reucht auch das was geile Liebe stifft. Die Rose meiner Brust soll unberochen sterben/ Vor jeden geilen Griff soll sie verborgen seyn; So werd ich dort davor die Wohlfahrts-Rosen erben/ Die ihre Blaͤtter aus auf keusche Seelen streun. Noch ist die reine Schooß/ sie bleibt auch wol/ verschlossen/ Die Zucht und das Geluͤbd steurt aller boͤsen Lust. Von der verbohtnen Frucht hab ich noch nichts genossen/ So geilt auch nicht darnach die Gott geweyhte Brust. Halt Adamald, halt ein/ ich wil und mag nicht lieben/ Es scheint mir eine Last und keine Lust zu seyn. Die Verliebte und galante Gedichte. Die stille Freyheit laͤst mein Hertze nicht betruͤben/ Jn dieser Einsamkeit bin ich niemahls allein. Verachte nur nicht mehr das suͤsse Closter-Leben/ Es hegt dein Ehestand weit mehr Verdrießlichkeit/ Wer klug/ wird sich nicht leicht in diesen Stand begeben Der taͤglich neue Angst und frische Plagen dreut. Adamald. Jst dieses denn der Schluß? wohlan! so muß ich sierben/ Der kuͤsset schon den Tod/ dem man kein Leben goͤnnt. Du wilst ich soll durchaus in meiner Brunst verderben/ Du lachest weil mein Hertz in lichten Flammen brennt. Ach quaͤhle mich nicht so/ erhalte doch mein Leben? Ach nimm den Sclaven an/ der dich inbruͤnstig liebt/ Dein schoͤnes Antlitz kan ein frohes Urtheil geben/ Wenn es nur einen Blick mit sanfften Strahlen giebt. Allein du zeigest mir nichts/ als ergrimmte Blicke/ Und das Verhaͤngniß ist auf meinen Tod verpicht/ Dein Weigern webet mir nur lauter Todes-Stricke/ Mein Weinen ist umsonst/ mein lehen hilfft mir nicht. Jhr Wolcken toͤdtet mich mit Blitz und Donner-Schlaͤgen/ Doch meine Schoͤne nicht/ ob sie mich schon nicht leibt. Doch nein! mein Seuffzer wird sie mit der Zeit bewegen Jhr Hertz/ ich weiß es schon/ sich noch gefangen giebt. Sie wird den krancken Geist mit starcken Balsam laben/ Die Seele wird noch nicht den letzten Oden ziehn/ Jch werde meine Lust an deiner Liebe laben/ Jch seh mein Hoffen schon mit holden Blumen bluͤhn. Jch soll in Canaan ans dieser Wuͤsten reisen/ Du wirst mein Engels-Kind/ das schoͤne Land mir seyn/ Da kan ich meinen Geist mit Wollust-Fruͤchten speisen/ Denn schenckst du mir die Lust mit vollen Maassen ein. Mein Engel laß mich doch die schoͤne Brust umfangen/ Die suͤsse Anmuth lockt die heissen Sinnen an/ Kuͤß ich die Lilien von deinen glatten Wangen/ So schmeck ich schon die Lust/ die ich nicht sagen kan. Laß meinen Geist nicht mehr in Kedars Huͤtten wohnen/ Jch habe lang genug den Pilgrims-Stab gefuͤhrt/ F 3 Ach Verliebte und galante Gedichte. Ach eile! es ist Zeit; wilt du mein Leben schonen So sprich ein suͤsses Ja. Du hast es wohl gespuͤhrt Wie sehr ich deine Pracht/ mein wehrter Engel liebe/ Du weist/ das sich mein Geist mit deiner Brust vertraut/ Du kennest meine Gluht/ und die getreuen Triebe/ Ach sprich mir dieses nach: Jch heisse deine Braut. Adina. Wie ist mir? bin ich denn so bald verkehret worden? Jch weiß nicht/ ob ich dir in Ernst gewogen bin? Halb klebt mein Hertz an dir halb an dem Closter-Orden Wo kehr ich mich denn nun in diesem Zweiffel hin? Zur Liebe! ja/ sie ist den Seelen eingepraͤget Der Eden muste gleich der Liebe Schau-Platz seyn Sie ward der Even da und Adam begeleget/ Sie kehret auch ins Hertz der grossen Goͤtter ein. Weil nun die Liebes-Gluht vom hohen Himmel stammet/ So folge ich mit Lust desselben Trieben nach/ Jch habe zwar vordem das schoͤne Feur verdammet Doch jetzt befind’ ich mich zum Widerstand zu schwach. Die Rose meiner Brust mag nun gebrochen werden/ Das bunte Wangen-Feld gibt seine Blumen frey. Es liebt/ und wird geliebt das gantze Rund der Erden/ Was lebt und lebloß ist/ weiß was die Liebe sey. Brich Liljen von der Brust/ und von den Wangen Rosen Mein Liebster sie sind dir zum Eigenthum geweiht/ Jhr Bruͤste facht euch auf/ vergoͤnnt euch Lieb-zu kosen/ Labt meinen Adamald mit eurer Suͤssigkeit. So wird dein Wunsch erfuͤllt/ es trifft dir zu dein Hoffen/ Mein gantzes Hertze ist dir ewig zugethan; Es steht die treue Brust dir nach Belieben offen So gehest du nun ein/ wohin? in Canaan. Dein Hertze hoͤrt mir zu/ ich opffer dir die Seele/ Wir sind einander schon im Himmel angetraut/ Jch folge dessen Raht/ indem ich dich erwehle Er hat von Ewigkeit uns als ein Paar geschaut. Er wird uns immerfort mit seiner Gunst beschatten/ Er weiß/ daß unser Gluht wie seine Flammen rein/ Weil Verliebte und galante Gedichte. Weil er nun selber brennt/ so wird er uns verschatten/ Daß wir in diesem Stuͤck ihm etwas aͤhnlich seyn. Der Abend kehrt sich nun in einen hellen Morgen/ Dein und mein Gluͤcke lacht uns unvergleichlich an/ Du darfst um meine Gunst nicht mehr vergebens sorgen. Jch bin und bleibe dir/ mein Liebstr zugethan. Zum Unterpfande solt du meine Lippen kuͤssen/ Und wenn man uns zur Ruh in unser Bett gebracht So solt du unverwehrt dasjenige geniessen/ Was dir mein Aberwitz im Closter schwehr gemacht. Eine schoͤne S** Sonnet. Z innober ziehrt den Mooß/ den Circul kroͤhnen Myrthen/ Ein schwartz Wald deckt den Ort wo Venus schlaffen liegt/ Und huͤlt die Muschel bey/ so Cypriporn gewiegt Sie muͤste sonst zu viel den Luͤstern Gast bewirthen. Die Jnsul und ihr Port sind frey von allen Syrten/ Sie schuͤtzt die Citadell, die treue Brunst besiegt; Da liegt ein canaan, so Amorn selbst vergnuͤgt Das angenehme Feld ist nur vor einen Hirten. Die eng-gewoͤlbte Schacht zeigt Rosen und Rubinen. Die Lust und Kitzelung der suͤssen Anmuth dienen. Die Esse hegt ein Feur/ das es soweit gebracht Daß es was Staͤhlern schien zu weichen Wachse macht. Die schoͤne Gegend laͤst in seichten Rosen - Gruͤnden Den allerbesten Schatz der Lieblichkeiten finden. Als sie eine Feder-Muffe machte. Sonnet. S chaut doch die Persis an! die mit den Federn spielet/ Und eine Art bald hier/ die ander dorthin setzt/ Bis daß der bunte Schein ihr schoͤnes Aug’ ergoͤtzt/ Und sie ein feines Sammt von zarten Federn fuͤhlet. F 4 Sie Verliebte und galante Gedichte. Sie spricht: Es waͤrmt die Hand/ wenn Boreas sie kuͤhlet/ Und durch des Himmels-Schnee der Finger Schnee benaͤtzt. Jch brauchs/ wenn Flora sich mit Tuberosen letzt/ Und wenn vor starren Frost kein Pflug im Acker wuͤhlet. Alleine! sagt mir doch was ists vor sanfft Gefluͤgel? Jsts noͤhtig/ muß sie auch die Arbeit selber thun? Sind Amors Fittig der leichten Wollust-Zuͤgel? Nein! Amor kennt sie nicht/ sie gehen ihm nicht an/ Die Hand hats halb zur Lust/ und halb zum Pracht gethan/ Die Felle sind zu rauch/ sie will in Federn ruhn. Als sie ein weisses Regen-Tuch um hatte. Sonnet. O Anmuths voller Geist! den Schooß und Bruͤste zieren/ Du Geist/ den jedermann mit Lust und Freuden sieht/ Geist/ der von aussen weiß und doch wie Rosen bluͤht/ Geist/ dessen Reitzungen ins Paradies hinfuͤhren. Du Geist/ der keinen Trug der argen List laͤst spuͤhren/ Du Geist/ um dessen Gunst sich jedermann bemuͤht/ Geist/ dessen Freundlichkeit die Seelen an sich zieht/ Geist/ da man Fleisch und Blut mit Fingern an kan ruͤhren. Geist/ dem die Lieblichkeit aus seinen Augen lacht/ Geist/ den der Liebes-Geist zu seiner Mutter macht/ Geist/ dem Dianens Glantz und Silber-Schmuck nicht gleichet/ Wenn sie in voller Pracht auf Latmus Spitzen ging Und da Endymion bey stiller Nacht umpfing. Ach goͤnne/ daß mein Geist dich edlen Gast erreichet. An die zornige Almire. M uß denn ein heisser Zorn eur Antlitz uͤberziehen? Wenn man der Sonnen-Licht nach Thetys Fluhten weist Sie muß/ Almire, doch vor euren Blicken fliehen Eur schwartzes Augen-Paar zweyfache Strahlen scheust. Vor Verliebte und galante Gedichte. Vor diesen Augen muß ihr guͤldnes Licht erbleichen/ Zwey Sonnen koͤnnen mehr/ als eine/ kraͤfftig seyn/ Sie will gantz gern vor euch die hohen Seegel streichen/ Sie ziehet ihren Glantz bey euren Flammen ein. Dort hieß ein Josua die Sonne stille stehen Der Himmel sah es an/ und zuͤrnte nicht darob/ Jch heiß sie nur hinweg nach Thetys Fluhten gehen/ Doch zuͤrnt ihr uͤber mich; ihr eyfert auf eur Lob. Allein/ es bleibet doch der Preiß den schoͤnen Augen/ Die Sonne heisset das/ was ich gesaget/ recht/ Sie spricht: Mein Blitzen kan bey ihrem Strahl nicht taugen/ Bey zweenen Sonnen scheint mein Glantz nur allzuschlecht. Was nuͤtzet nun eur Zorn annehmliche Almire? Was hab ich denn geredt/ das straffens-wuͤrdig ist? Der edle Tugend-Trieb/ den ich in euch verspuͤhre Macht euch ohn meine Schuld und ohne Fug entruͤst. Er zieret euren Geist/ er machet euch vollkommen/ Er wil des Himmels-Pracht gar nicht gemindert sehn/ Er spricht: Der Sonnen wird ihr Schein so nicht benommen Das Auge muß vor ihr/ nicht sie/ zu Gnaden gehn. Allein/ dis machet nicht der Augen - Pracht geringer/ Die Demuht beugt das Recht der holden Augen nicht: Sie bleiben voller Feur und Flammen-reiche Dinger/ Wie sehr hier auch der Trieb der Tugend widerspricht. Kan man bey Sonnen-Schein der Kertzen Brand nicht sehen/ Macht dieses Licht der Welt die schlechten Flammen blind? So kan die Sonn’ auch nicht den Augen widerstehen/ Der schoͤne doppel Glantz den groͤßten Beyfall findt. Die Sonn gesteht es selbst/ daß ich die Warheit rede/ Sie muͤht sich euren Pracht noch ferner zu erhoͤhn/ Eur Zuͤrnen schreckt mich nicht! stellt euch nicht allzubloͤde/ Eur Weigern machet euch noch tausend mahl so schoͤn. Bescheidenheit und Zucht die holde Schoͤnheit kuͤsset/ Kein Hochmuht wird an euch/ galantes Kind/ verspuͤhrt/ Und dieses macht/ daß ihr den Lob-Spruch gerne misset/ Der euch vor aller Welt mit allen Recht gebuͤhrt. Erweget nun bey euch/ vortreffliche Almire, Ob eur Erzuͤrnen recht und zu beschoͤnen sey? F 5 Be- Verliebte und galante Gedichte. Beweist mir/ ob ich euch durch Schmeichelung verfuͤhre? Die Warheit stimmet mir in meinen Reden bey. Legt doch das Zuͤrnen ab! und goͤnnet mir das Ruͤhmen! Die Warheit redet hier/ die nicht zu tadeln ist/ Einander suche die mit Loben zu bebluͤmen/ Die den geschmuͤckten Weg der Laster auserkießt. Eur Wesen ist galant, ihr spielt mit Lieblichkeiten Die Augen lassen sich wie holde Sonnen sehn/ Wer wil den schoͤnen Schmuck/ der euch beziert ausbreiten? Wer nennet nicht die Pracht der schoͤnen Glieder schoͤn? Die Venus hat den Sitz der holden Anmuhts-Mienen/ Auf den erhabnen Platz des Angesichts gestellt/ Die Schoͤnheit muß daselbst als eine Sclavin dienen/ Helenens Ruhm vor euch wie schlechtes Glas zerfaͤllt. Die holden Gratien, und ander schoͤne Nymphen, Die legen sich beschaͤmt zu euren Fuͤssen hin/ Jhr koͤnnt das schoͤne Bild aus Griechenland beschimpffen/ Das sich aus Hochmuht macht zu einer Pracht-Goͤttin. Apelles fand bey ihr recht ungemeine Strahlen/ Es fiel ihm allzuschwehr der schoͤnen Augen-Schein/ Drauf ließ sie sich die Sonn zu ihren Fuͤssen mahlen Und diese Schrifft: Nur ich muß angebehtet seyn. Seyd ihr nun nicht so schoͤn/ die Demuht ist doch groͤsser/ Es prange Griechenland mit Apollonien, Bescheidenheit macht euch und eure Schoͤnheit besser/ Sie setzt euch in die Zahl der holden Gratien. Apollonia eine schoͤne Lacedemonerin, welche den Apelles, weil er den Glantz ihrer Augen nicht vertragen kunte/ seinen Pinsul etliche mahl niederzulegen bewog/ ließ sich die Sonne unter ihre Fuͤsse gemahlet auf einen Altar stellen/ mit diesen Worten: Jch bin das Bild so unter allen Goͤttern am meisten soll angebehtet werden. An die allzuverliebten Maͤdgens. O effnet nicht zu fruͤh den Laden/ Wo eur bestes Guͤtgen liegt/ Was euch sonst so sehr vergnuͤgt Duͤrffte euch am meisten schaden. Seht Verliebte und galante Gedichte. Seht/ es langen schon die Finger Jn den zarten Busen nein/ Dieser muß verschlossen seyn/ Sonst wird seine Pracht geringer. Aber was? er wird bekuͤsset Mehr als hundert tausend mahl/ Und es macht euch herbe Quaal/ Wenn ihr solches meiden muͤsset. Eure Lippen und die Wangen Sind vor alle Freyers frey/ Und man kan da ohne Scheu Den beliebten Kuß erlangen. Wenn euch einer Schoͤne nennet/ Alsdann steht die schoͤne Schooß Diesem falschen Schmeichler bloß/ Den ihr sonsten gar nicht kennet. Brauchet doch ein wenig Maasse/ Schnuͤret zu die schoͤne Brust Und verkehrt das Schloß der Lust Nicht in eine schlechte Strasse. Spahret doch die schoͤnen Schaͤtze/ Wendt die Gaben besser an/ Sonsten ists um euch gethan/ Und ihr werdet ein Geschwaͤtze. Wenn ihr eingezogen lebet/ Alsdann seyd ihr wunder-schoͤn/ Und ihr werdt mit Freuden sehn/ Wie man sich um euch bestrebet. Lob des Frauen-Zimmers. V ortreffliches Geschlecht! ihr Sonnen dieser Erden! Die Schoͤnheit hat an euch ihr Meister-Stuͤck gemacht/ Jhr seyd ein Paradies und Engels an Gebaͤhrden Ein Himmel auf der Welt wo Lust und Freude lacht. Wenn Verliebte und galante Gedichte. Wenn sich das grosse Licht des Firmaments entfernet/ Und mit beliebten Glantz die Unter-Welt bestrahlt; Als denn man erst von euch und euren Blicken lernet/ Das ein gedoppelt Licht an eurer Stirnen prahlt. Es muß die grosse Welt mit einer sich begnuͤgen/ Zwo Sonnen zieren euch beliebte kleine Welt. Jhr koͤnnt des Himmels-Pracht an Schoͤnheit uͤberwiegen/ Eur Glantz den Sternen-Schein mehr als die Wage haͤlt. Die Schoͤnheit/ die euch ziert/ macht euch zu Pracht-Goͤttinnen/ Die Goͤtter haben euch zu ihren Gott erklaͤhrt; Jhr koͤnnt durch Lieblichkeit derselben Hertz gewinnen/ Was ists wenn Jupiter Calistens Brust verehrt? Euch ist der beste Schatz der Schoͤnheit beygeleget/ Und dieser machet euch recht unvergleichlich schoͤn. Es ist ein feines Bild in eur Gesicht gepraͤget Die Venus hat sich selbst so schoͤne nicht gesehn. Die schoͤnen Haare sind den Netzen zu vergleichen/ Worin so manches Hertz den freyen Stand verliehrt. Vor euren Stirnen muß der glatte Marmor weichen Der Himmel ist nicht so/ als dieser Platz/ geziert. Die Anmuth hat daselbst ihr wunder-schoͤnes Wesen/ Jhr ist der schoͤne Ort auf Erb-Pacht eingethan/ Sie hat recht mit Bedacht die Stirne auserlesen/ Weil sie die Gratien daselbsten stellen kan. Die schoͤnen Augen sind das Brenne-Glas der Liebe/ Ein spiegel suͤsser Lust/ und eure beste Zier/ Das Hertze faͤngt dadurch das Feur der schoͤnen triebe/ Zwo Sonnen stellen sie mit ihren Strahlen fuͤr. Die Maͤnner haben sie vor einen Gott erklaͤhret/ Die Hertzen behten sie mehr als die Lippen an/ Mit Ehr-Furcht werden sie als wie ein Gott verehret Was ihr Oracul sagt da fehlet nichts daran. Jhr holder Anblick kan die Seelen froͤlich machen/ Die vor Bekuͤmmerniß fast halb erstorben sind; Wenn sie durch einen Blick halb von der Seiten lachen So spuͤhrt man eine Gluht die Hertz und Seel entzuͤndt. Kein Purpur kan die Pracht der Wangen uͤbergehen/ Kein Ametiste wird denselben gleich geschaͤtzt/ Die Verliebte und galante Gedichte. Die Rose muß sich hier als eine Sclavin sehen Der theure Scarlach wird den Rosen bey gesetzt. Zinnober hat den Mund/ den schoͤnen Mund umgeben/ Was Rosen schoͤne macht/ und was Rubinen schmuͤckt/ Das trifft man bey ihm an: er macht ein neues Leben Wenn er durch einen Kuß den krancken Geist erquickt. Aus den Corallen/ so die schoͤnen Lippen zieren/ Fliest eine Panace die unvergleichlich ist/ Die Wirckung kan man gleich an denen Seelen spuͤhren/ Den schon der blasse Tod an Marck und Adern frist. Kan man den suͤssen Kuß von euren Mund erlangen/ So schmeckt man Himmels-Brodt und Ambrosinen- Safft. Der Liebreitz ziehet uns nach euren schoͤnen Wangen/ Wo Lust und Freundlichkeit ein Paradis verschafft. Die weissen Zaͤhne sind von feinem Helffenbeine Als wie ein runder Zaun in euren Mund gelegt; Sie sind ein schoͤner Wall von weissem Marmor- Steine/ Der viel zu euren Schutz und eurer Pracht beytraͤgt. Jhr Liljen/ eur Geruch muß vor dem Athen weichen/ Sein ungemeiner Zug erquicket und ernehrt. Dem milchlicht weissen Kinn ist nichts/ nicht zuvergleichen/ Die Juno hat dahin der Bruͤste Milch verehrt Der Hals ist Helffeubein und Marmor eure Kaͤhle/ Der Schoͤnheit - Perlen stehn auf der erhabnen Brust/ Da schmecket Mandeln-Milch die halb erstorbne Seele/ Die Milch-Cur heilt den Schmertz mit ungemeiner Lust. Kein Carniol sticht weg ihr angenehmes Wesen/ Kein Carmesinen- Farb gleicht ihrer Wunder-Pracht. Die Schoͤnheit hat sich hier den besten Sitz erlesen/ Wo Lust und Lieblichkeit mit Rosen-Lippen lacht. Die weissen Achseln sind der Wollust Lust-Gewebe/ Wo mancher Luͤstern-Geist gefangen hengen bleibt/ Der Bruͤste-Traube hengt an dieser schoͤnen Rebe/ Wo manche Bienen hin die schwachen Fluͤgel treibt. Des Alabasters Lob muß denn zu Grunde gehen/ Wenn eurer Arme Schnee sich etwas sehen laͤst/ Kein Marmor weiß den Preiß derselben zu erhoͤhen/ Den Liljen wird dadurch das Weinen ausgepreßt. Die Verliebte und galante Gedichte. Die zarten Haͤnde sind ein Eben-Bild der Seide/ Die blauen Adern sind mit Tuͤrckis ausgeschmuͤckt/ Saphiren brauchen sie zu ihren Himmels-Kleide/ Sie sind recht wunder-schoͤn und zierlich ausgestickt. Der gantze Leib ist schoͤn und alle Glieder nette: Recht unvergleichlich hat euch die Natur gemacht/ Schaut man den blossen Leib/ so siehet man ein Bette/ Wo Lust und Lieblichkeit in Schwaanen-Federn lacht/ Die angenehme Schooß/ wo Wollust-Rosen bluͤhen/ Zeigt eine Gegend an/ die uͤber alles schoͤn/ Darf man in diesen Port mit seinem Schiffe ziehen/ So spricht man gantz erfreut/ der Lauff ist nun geschehn. Der Wollust-Zunder wird da erstlich angezuͤndet/ Jn diesem Æthna ist der Venus Lust-Gezelt/ Noch hat kein kluger Witz die Luͤste ausgegruͤndet/ Die sie um diesen Ort zur Wache ausgestellt. Der weisse Atlaß faͤlt vor euren Marmor- Fuͤssen/ Darauf euch die Natur den gantzen Schmuck gesetzt. Weil Schnee und Perlen auch vor diesen weichen muͤssen/ So werden sie dem Glantz des Himmels gleich geschaͤtzt. Allein/ wer kan euch gnug nach Wuͤrdigkeit erhoͤhen? Je mehr man loben will/ je mehres trifft man an/ Bis man aus Ungedult zu letzte muß gestehen/ Man habe viel/ und doch ein wenig nur gethan. Cupido ruͤhmet seine Mutter. Sonnet. M ein edler Stamm/ der ist von einer Koͤniginnen/ Die wegen ihrer Macht der Liebe wird geehrt. Die Schoͤnheit machet sie zu einer Pracht-Goͤttinnen/ Die gantze Welt hat sie zur Herrscherin erklaͤhrt. Sie kan ein Demant-Hertz durch einen Blick gewinnen/ Den Marmel-gleichen Sinn ihr holder Strahl verzehrt/ Sie werden also bald der suͤssen Liebe innen/ Wenn sie mit Blitz und Feur die hellen Blicke nehrt. Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch samle von der Brust die schoͤnsten Rosen ein/ Mein Schwaanen-Bette liegt auf dero zarten Ballen Mich wieget sanffte ein das auf und niederfallen. Wer dieser Goͤttin nun will ungehorsahm seyn/ Der wird durch einen Pfeil und Bogen uͤberwunden/ Jch treffe/ ob mir schon die Augen zugebunden. An eine schoͤne Dame. Sonnet. V ollkommne Silvia! wo find’ ich ihres gleichen? Jhr hoher Tugend-Ruhm erfuͤllt die gantze Welt/ Jhr Geist/ der wohnet schon im hohen Stern-Gezelt/ Minerva muß davor die guͤldnen Seegel streichen. Die Juno muß beschaͤmmt mit ihren Schaͤtzen weichen/ Was Venus schoͤne macht/ vor ihrer Pracht zerfaͤlt/ Die Schoͤnheit hat den Schmuck ihr doppelt zugestelt/ Jhr schoͤner Geist belebt durch einen Blick die Leichen. Hier faͤllt der Laster-Schluß durch die Gerechtigkeit/ Die Keuschheit ist ihr Schmuck/ und Mildigkeit ihr Kleid. Recht Goͤttlich das Gesicht in Liljen-Wolcken spielet/ Jm Haaren hat das Gold ein Berg-Werck angelegt/ Diana keinen Glantz und keine Tugend hegt/ Weil sie gesehn/ daß sie den besten Preiß erziehlet. Er verlanget zu sterben. Sonnet. W eich Leben! weich geschwind/ der Tod ist vor der Thuͤr/ Komm doch! komm Charon komm! bring mich ins Todten-Feld/ Wie leb’ ich! bin ich todt! bin ich in jener Welt? Strahlt Lesbien ihr Schein der Gnade nicht herfuͤr? Nein! ach nun ists geschehn/ mein letzter Tag ist hier. Jhr Unbarmhertzig-seyn bringt mich an Plutons Zelt/ Mein Oden hoͤret auf/ mein Urtheil ist gestelt/ Jch soll und muß vergehn. Ach kehre doch zu mir. Be- Verliebte und galante Gedichte. Beliebte Lesbia! ach laß mich nicht verderben! Jch habe dich gekuͤßt/ ist das des Todes werth? Wie/ hoͤrt dein Ohr denn nicht? ach Nein! nun muß ich sterben/ Jhr/ die ihr sie noch liebt/ hoͤrt was ich sage/ hoͤrt. Hoͤrt! wenn ihr leben wolt/ so laßt sie ungekuͤsset/ Mein Vorwitz wird anjetzt durch meinen Tod gebuͤsset. Auf das Kuͤssen. Sonnet D ie Blume laͤst den Safft den schlechten Wurm geniessen/ Der ihn in Honig-Seim durch seinen Fleiß verkehrt/ Die Rose wehrt es nicht/ daß ihn ihr Zucker nehrt/ Die Lilje laͤst sich gern von seinem Munde kuͤssen. Der blaue Hyacinth, die weissesten Narcissen Die haben ihren Safft den Bienen nie verwehrt/ Die Tulpe freuet sich wenn sie ihr Kuß verehrt/ Und wollen sich darum noch einst so schoͤne wissen. Jhr Schoͤnen/ die ihr lebt/ nehmt hier ein Beyspiel an/ Last euren schoͤnen Mund durch einen Kuß bedienen; Man pfluͤckt die Blumen ab/ die auf den Wangen gruͤnen/ Ein Kuͤßgen hat noch nie denselben Leid gethan. Seyd ihr nun klug? so thuts/ und weigert euch nicht weiter/ Sonst saget man von euch die Blumen find gescheiter. An Lesbien da sie sich ermorden wolte. H oldseelge Lesbia was vor ein Hoͤllisch Wuͤhten/ Und welch ein Aberwitz treibt eure Sinnen an? Wolt ihr der Adern-Quell den fernern Lauff verbieten? Wodurch man alsobald das Leben enden kan. Bedencket bey euch selbst eur boͤses Unternehmen/ Und macht den Himmel nicht mit seinen Straffen wach/ Welch Rasen kan eur Hertz mit solcher Wuht besaͤmen/ Schaut/ Erd’ und Him̃el draͤut mit Blitz und Donner-Rach. Vermaledeyter Geist/ du schwartzer Printz der Erden/ Du grauser Hoͤllen-Mohr/ der Luͤffte boͤser Gast/ Was Verliebte und galante Gedichte. Was vor ein Schicksahl laͤst dich hier so maͤchtig werden/ Daß deine Hoͤllen-Brutt in einem Engel raßt? Du stoltzer Lucifer, du Herr der Hoͤllen-Fuͤrsten/ Will dir dein Ubermuth dennoch nicht einst vergehn? Und will dein heisser Gaum nach solchem Blute duͤrsten? Das man/ als Engel/ wuͤnscht in seinem Flor zu sehn. Du hetzest immer zu mit boͤsen Sterb-Gedancken/ Du suchest deine Lust/ daß dieser Engel faͤlt/ Und darum laͤssest du auch ihren Schluß nicht wancken/ Dein Netze hast du ihr zu ihren Fall gestelt. Was wolt ihr Lesbia, ein Engel dieser Erden/ Durch solche grause That/ und unerhoͤrte Wuth Zu Plutons Mit-Gesell und einen Teuffel werden? Verspruͤtzt so liederlich doch nicht eur schoͤnes Blut! Ach laßt den schoͤnen Mund die Worte nicht mehr sprechen/ Jch will des Teuffels seyn/ und seinem Hoͤllen-Schwarm/ Wenn ich mich nicht den Hals und Leben/ will zerbrechen Mit dieser meiner Faust/ mit diesem schwachen Arm. Die Worte bringen mich in Schrecken und Entsetzen/ Jch weiß nicht wie mir ist/ und was ich dencken soll/ Bald will mein kuͤhner Geist den Leumuth euch verletzen/ Bald widerspricht er mir/ und schilt mich rasend toll. Auch dieses wird gewiß die Oberhand gewinnen/ Die schoͤne Lesbia, die ist so grausahm nicht. Es faͤhlet mein Gehoͤr/ es triegen meine Sinnen/ So daß ich selbst nicht weiß was Lesbia geschicht. Zuͤrnt auch deswegen nicht/ und laßt das Wollen fahren/ Wenn etwa solte noch ein Wollen uͤbrig seyn/ Daß ihr den Dolchen wolt mit euren Gliedern paaren/ Stuͤrtzt euch nicht in das Grab der schwartzen Erden ein. Lebt/ lebt galantes Kind/ und seyd ein Schmuck der Erden/ Laßt eure Artigkeit nicht vor der Zeit vergehn/ So koͤnnet ihr hernach ein Himmels-Engel werden/ Und in beliebten Schmuck der hellen Sternen stehn. Er preiset sein Gluͤck. S O kan ich nun Holdselige Belline G Auf Verliebte und galante Gedichte. Auf deiner Liljen Buͤhne Der zarten Bruͤste ruhn. Es machet mir die Lust Auf deiner Schwaanen-Brust/ Ein sanfftes Rosen-Bette/ Die Ballen prangen nette/ Und machen ihre Freude kund Wenn mein erhitzter Mund Den schoͤnen Ort bekuͤßt. Sie springen in die Hoͤhe Wie ein erfreutes Rehe Das aus dem Netz entgangen ist. Auf diesen Liljen-Auen Sieht man nur Ambra thauen/ Der meiner Seelen schmeckt Als wie ein koͤstliches Confect. Jch bin im Paradies/ Und kan mein guͤldnes Vließ Jn deinen Edens- Gruͤnden Mein liebster Engel finden. Nichts ist die Garten-Pracht Die Hispalis und auch Hesperien gemacht/ Vor dieser Brust Vergehet deren Lust. Es zeiget zwar nur Schnee Die Alabaster Hoͤh/ Doch praͤchtige Jesminen Mit Liljen untermischt hier bey Narcissen gruͤnen. Die schoͤne Wuͤsteney Und das galante Zwey Der allerschoͤnsten Bruͤste Hegt rechte Himmels-Luͤste. Das Eyß-beseelte Werck Und der beschneete Berg/ Hat unschaͤtzbahre Schaͤtze/ Sie sind der Wollust Lager-Plaͤtze. Es weicht das Marmor- Meer von deiner Bruͤste Ballen/ Sie sind bekroͤnet mit Corallen. Cleo- Verliebte und galante Gedichte. Cleopatra mag nur mit ihren Perlen prangen/ Jch kan an solchen hangen/ Die mehr/ als ihre/ schoͤne sind. Rubinen und Saphi ren Die muͤssen diese Perlen zieren Die man auf deinen Bruͤsten findt. Die Wollust selbst kan nicht vergnuͤgter ruhn/ Als wie ich nun Annehmliche Belline Auf dieser Liljen-Buͤhne. Jch lieg im Paphos Schooß/ Und diese macht mir bloß Die wunder-schoͤnen Gaben/ So Hertz und Sinnen laben. Der Wollust-Zucker quilt aus diesen Ballen/ Cupido nehret sich mit dem Erquickungs-Safft So ihm dein Busen schafft Aus den Corallen. Dir sind die Brust-Granaten Belline wohlgerahten. Cupido laͤst die Brust der guͤtigen Dionen Und will mit mir in deinem Busen wohnen. Als er sie entbloͤsset sahe. S chaut/ wie die Rosen doch/ die milchern Brust bekroͤhnen/ Und wie die Anmuth da mit theuren Perlen spielt/ Wie unvergleichlich sind die Glieder dieser Schoͤnen/ Die Schoͤnheit hat daran ein Meister-Stuͤck erziehlt. Die Venus machet sie zu einen Schau-Geruͤste/ Sie hat da ihren Thron der Liebe auffgestelt/ Der Schwaanen reine Pracht reicht nicht an diese Bruͤste/ Der feinste Marmor- Stein vor ihren Glantz zerfaͤlt. Es mag Hesperien mit guͤldnen Aepffeln prangen/ Hier zeigt sich eine Frucht die viel mahl schoͤner ist/ Der bunte Sommer lacht auf den beliebten Wangen Die Chloris hat das Feld zu ihren Sitz erkießt. G 2 Es Verliebte und galante Gedichte. Es zeigt sich Milch und Blut auf deinen Marmor- Ballen/ Mit diesen sind sie auch zur Gnuͤge angefuͤllt/ Und stecket eine Krafft in denen Meer-Corallen? So ist dieselbige hier gleichfals eingehuͤllt. Gantz Morgenland zinst nicht die Perlen/ die den gleichen/ Die dieser zarte Leib so haͤuffig sehen laͤst/ Der weisse Atlaß muß vor diesen Gliedern weichen/ Auroren sind umsonst die Thraͤnen ausgepreßt. Die rund-gewoͤlbte Schooß ist artig ausgezieret Die Anmuth hat dahin den besten Schatz gelegt; Wenn Amor einen Gast in diese Grotte fuͤhret/ Der wird aufs lieblichste mit aller Lust gepflegt. Da suchet man den Grund der Wollust zu ergruͤnden/ Der Æthna wird entdeckt/ der suͤsse Flammen speit/ Ergoͤtzen kan man da bey Lust und Anmuth finden/ Ein suͤsses Etwas mehrt die stille Lieblichkeit. Lysette zuͤrne nicht/ ich sehe diese Schaͤtze Jn der Vollkommenheit/ die mich erroͤhten macht/ Mein Geist ist schon bestrickt in dem so schoͤnen Netze/ Der Freyheit gebe ich die letzte gute Nacht. Actæon starb als er Dianen nur erblickte Jch sterbe ebenfals der edlen Freyheit ab/ Sie legte sich/ als mich dein Augen-Glantz beruͤckte/ Nun findet sie vor sich in deiner Brust das Grab. Die Venus zuͤrnet/ daß sie sich entbloͤsset sehen lassen. W irfft man so/ loses Kind/ der Bruͤste Rosen hin? Verachtest du mein Blut/ das deine Pracht bedecket? Die Perlen sind umsonst daselbst nicht ausgehecket/ Vergebens ziert dich nicht Zinnober und Rubin. Du laͤssest dich entbloͤßt gleich als ein Schau-Spiel sehn/ Die zarten Liljen auf den holden Rosen-Buͤhnen/ Die muͤssen jedermann zur Augen-Weide dienen/ Damit man sehen mag wie sie so schoͤne stehn. Allein! Verliebte und galante Gedichte. Allein! bedencke doch/ wie du den Leib entweyht/ An dem Vollkommenheit ein Meister-Stuͤck gemachet/ Die Schoͤnheit/ die bey mir und meinen Bruͤsten wachet/ Hat ihren Schatz bey dir verschwendrisch ausgestreut. Der Bruͤste Perlen-Milch verkehrt sich fast in Blut/ Sie sind mit Schaam und Furcht deswegen angefuͤllet/ Kein Seuffzer steigt hervor draus nicht ein neuer quillet/ Du aber siehst es nicht aus blossem Ubermuth. Du denckest du bist schoͤn/ du pochst auf deine Macht Wie vor den Gliedern weicht der Schmuck der weissen Schwaanen/ Und suchest dir dadurch den Wohlfahrts-Weg zu bahnen/ Und also werde ich fast nichts von dir geacht. Jch muß es zwar gestehn/ daß du recht schoͤne bist/ Du bist ein schoͤnes Kind/ und heißt mit rechte nette/ Die Wollust machet sich bey dir ein Rosen-Bette; Wie/ aber/ geht es dem/ der ungehorsahm ist? Du weist/ daß Paphos mich die groͤste Goͤttin nennt/ Und wie so Koͤniglich gantz Cypern mich verehret/ Den guͤldnen Apffel hat mir Paris Hand gewehret/ Er wurde mir mit recht vor andern zuerkennt. Dort in Eryce ist mein Tempel auffgebaut/ Jn Acidalien hab’ ich geweyhte Fluͤsse/ Die holden Gratien sind Schemel meiner Fuͤsse Und Cytharis auf mich als sein Oracul schaut Zur Liebes-Goͤttin hat mein Gnidus mich erklaͤhrt/ Jch bin es/ der der Preiß vor aller Welt gebuͤhret/ Wo von den Schwaanen hin mein Wage wird gefuͤhret/ Da werde ich geliebt/ und als ein Gott verehrt. Jch poch’ auf meine Macht/ der nichts zu maͤchtig ist/ Sie hat den Pyramus zu Thisben hingezogen/ Durch sie wird Hercules zur Liebes-Lust bewogen/ Sie machts/ daß Jupiter in Gold Danaen kuͤßt. Jch Venus bin darbey der Schoͤnheit Koͤnigin/ Mein schoͤnes Haupt/ das traͤgt von Perlen seine Kronen/ Auf der erhoͤhten Stirn sieht man der Anmuth-Thronen/ Und vor den Augen faͤlt der Sternen Demant hin. G 3 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Wangen siegen an der Tyrer Schnecken-Blut/ Wo sich die Liljen mit schoͤnen Rosen kuͤssen/ Und die Corallen/ so die Lippen ziehren muͤssen/ Sind eine Panace, die wider alles gut. Das kuͤnstlich runde Kinn/ des Halses schoͤne Zier/ Prahlt unvergleichlicher als scheinende Crystallen Die Lieblichkeit bewahrt der Bruͤste Marmor- Ballen/ Den weissen Glieder-Schmuck stelt keine Schoͤnheit fuͤr. Jch schweige von der Schooß/ ich lasse sie versteckt/ Jch sage nichts von dem/ was Amor aus kan richten/ Man findt es klahr genug in Schrifften und Geschichten/ Ovidius hat viel von unser Macht entdeckt. Doch/ ach! wie wird mein Ruhm/ und seine Macht entehrt/ Du laͤst dich nackend sehn/ du zeigest deine Glieder/ Du faͤllst nicht mehr vor mir und meinem Sohne nieder/ Du denckst/ wir sind nicht mehr so grosser ehren werth. Du pochst aus Aberwitz auf deine schoͤne Pracht/ Du wilst/ es soll die Welt die Wunder-Sachen wissen/ Und meynst/ sie wuͤrden sonst bey dir veralten muͤssen/ Allein/ du weist noch nicht/ daß ich darob gelacht. Es geht dir dieser Streich so ungestrafft nicht hin/ Untreu und Abfall wird mit herber Quaal gerochen/ Weil du nun deinen Eyd der treuen Pflicht gebrochen/ So spuͤhre/ daß ich auch ein strenger Richter bin. Von nun an nimmt dein Reitz die Sinnen nicht mehr ein/ Jch will dich aller Pracht der Lieblichkeit entkroͤhnen/ Ein jeder/ der dich sieht/ wird deinen Stoltz verhoͤhnen/ Von meinem Angesicht solt du verstossen seyn. Wenn aber deine Brust ein reuig Hertze zeigt So will ich meinen Zorn und meinen Ausspruch lindern/ Jch bin so grausahm nicht bey abgefallnen Kindern/ Mein Hertze wird gar bald zur Gnade hingeneigt. Sie sucht durch seine Verbannung bey der Venus Gnade. G eh fort/ Verfluchter geh/ fort geh mir aus den Augen/ Jch kan/ und will dich nicht hinfuͤhro vor mir sehn/ Dein Verliebte und galante Gedichte. Dein Schmeicheln kan zu nichts als zum Verderben taugen Wer dir Gehoͤre giebt/ mit solchem ists geschehn. Jch muß der Venus Zorn um deinent willen leiden/ Dein Fuͤrwitz hat mich in mein Ungeluͤck gebracht Allein du solt davor mein Angesicht vermeiden/ Jch gebe dir hiemit auf ewig gute Nacht. Du solt mein Angesicht hinfuͤhre nicht mehr schauen/ Jch geb dir keinen Blick/ ich achte dich nicht mehr/ Du magst dein Elend nun als ein Verstoßner bauen/ Und wenn ich dich geliebt/ so haß/ ich dich nun sehr. Dein Lob hat es gemacht/ daß ich mich drob vergangen/ Du hast mich zu den Stoltz und Aberwitz bewegt; Jch zierte wie ein Pfau die auffgeblaßnen Wangen Die Brust hat einen Stoltz/ der all zu groß/ gehegt. Allein wie ließ ich bald die stoltzen Fluͤgel fallen Als Venus sich erzuͤrnt ob dieser That befand/ Jch solte fort von ihr ins herbe Elend wallen Die Straffe wurde mir mit Rechte zuerkannt. Doch ihre Guͤtigkeit/ die ließ mich Gnade finden Mir solte mein Versehn nicht zugerechnet seyn/ Sie wolte keine Ruht’ vor meinen Ruͤcken binden/ Wenn ich inskuͤnfftige das Unrecht wuͤrde scheun. Jch werde diese Gunst so leichte nicht verschertzen/ Verfluchter geh nur fort/ du hast mich einst gestuͤrtzt/ Allein dein Frevel soll dich in der Seelen schmertzen Verachtung hat das Band der Liebe abgekuͤrtzt. Jch werde dich hinfort mit keinem Blicke lieben/ Du bist nun gantz und gar aus meiner Gunst verbannt. Du bist nun in das Buch der Feinde eingeschrieben/ Jch habe nun mein Hertz gantz von dir weggewandt. Ach Venus zuͤrne nicht/ du siehst wie mein Gesichte Mit Schaam und Furcht erfuͤllt/ die Augen weinen Blut/ Das matte Hertz zerspringt/ dis sind die Reue-Fruͤchte/ Zu dem so bin ich auch dem Buhler nicht mehr gut. Jch werde deine Macht gantz unterthaͤnig ehren/ Jch kuͤsse Koͤnigin Fuß-faͤllig deinen Fuß/ Jch bitte/ daß du magst den Zorn in Gnade kehren/ Denn sieh’ ich thue ja mit wahrer Reue Buß. G 4 Ve- Verliebte und galante Gedichte. Venus ertheilet ihr Gnade. W eil dir dein Fehler leid/ und weil du dich gebuͤckt Jn Unterthaͤnigkeit zu meinen weissen Fuͤssen Und weil den Frevelmuth der Buhler buͤssen muͤssen/ So bist du nun begnadt/ mein Zorn ist fortgeschickt. Du zierst durch deine Buß mein lichtes Rosen-Haupt Darum du einen Krantz von gruͤnen Lorbern windest. Jndem du dich bey mir mit Reu und Leid einfindest/ So hast du mich dadurch mit Myrthen-Laub belaubt. Wenn bey der Juno sich so Kron als Scepter findt/ Wenn Weisheit und Verstand die Pallas kan verehren/ So muß mir Paris doch die guͤldne Frucht gewehren/ Der meine Pracht allein vor allen liebgewinnt. So hat denn meine Zier den Sieg allein erlangt/ Der rauhe Ida ist die Wahl Statt dieser Kriege/ Er gibt den Zeugen ab von meinem schoͤnen Siege/ Und wie ich da so schoͤn mit Pracht und Schmuck geprangt. Jhr Gratien hohlt mich mit Lorbeer-Kraͤntzen ein/ Jch habe dieses mahl auch wieder uͤberwunden Lysett’ hat sich bey mir in Demuth eingefunden/ Nun werd’ ich Koͤnig in der Lieb’ und Schoͤnheit seyn. Er verzweifelt uͤber seine Verbannung. J ch bin nun hin! ich bin/ ach Schmertz! nun gantz verlohren/ Lysette hat mich von sich weggebannt/ Sie hat sich gantz und gar auf meinen Fall verschwohren/ Und ihre Liebe umgewandt. Jch muß wie Ixion nun Lufft und Wolcken hertzen/ Die vorgenoßne Lust quaͤlt mich herben Schmertzen. Die Seele ist in Alabast verkehrt/ Das keine Klagen hoͤrt. So jagt mich Æolus hin auf die Ungluͤcks-Seen/ Und schlaͤgt mein Hoffnungs-Schiff vor seinen Port vorbey/ Die Seegel reissen ab/ der Ancker ist entzwey Jch muß im Sturme untergehen. Es Verliebte und galante Gedichte. Es kehret mein Magnet jetzt sich nach Suͤden/ Sonst ging er nach den Nord- Pol zu Und zeigte die erwuͤnschte Ruh/ Der Orcan meiner Pein will nicht ermuͤden. Die Hoffnung kan die Segel nicht mehr spannen/ Sie trifft gar keinen Haven an/ Es ist mit mir gethan. Der Jammer will mich uͤbermannen. Jhr Wolcken schlagt nur her/ Mit Blitz und Donner-Schlaͤgen/ Die mich zur Erden niederlegen/ Fort eilet/ das ist mein Begehr. Komm Charon fuͤhre mich auf deinen schwartzen Wellen Hin nach dem Schlund der Jammer-vollen Hoͤllen. Fort fahr nur hin/ Jch seh schon wo ich bin/ Da ist der grosse Cerberus Mit seinen weiten Rachen Ha Cammerad ich muß Mit dir dis Loch bewachen/ Jhr Furien seyd nur getrost Jch bringe Feur und Flammen Jhr Geister flieht zusammen Jch bin ein Hercules, verstoßt. Sie belachet seinen Tod. D A lieget nun dein Leib/ die Geister sind entwichen/ Die Liebe hat dir jetzt den Untergang gebracht/ Der Athen ist hinweg/ und in der Lufft verstrichen/ Es kuͤßt dein geiler Mund die Geister jener Nacht. Mein Hertze ist nun frey von deinen vielen quaͤhlen/ Dein Seuffzen fuͤllet mir die Ohren jetzt nicht mehr/ Vergnuͤgung wohner nun in meiner keuschen Seelen/ Weil ich das Klag-Geschrey und Fluchen nicht mehr hoͤr. Der Donner wird dir schon durch deine Seele spielen/ Die Parcen reissen dir den geilen Leib entzwey/ G 5 Du Verliebte und galante Gedichte. Du wirst da Pech und Blitz zu steten Schmertzen fuͤhlen/ Wo ihren Sitz gehabt die Liebes-Raserey. Buhl mit Proserpinen, buhl mit den Hoͤllen-Thronen/ Sie werden/ Ungluͤcks Kind/ dir mehr als grausam seyn. Der schwartze Pluto wird das Lieben dir belohnen Mit Centner- schwerer Angst und tausendfacher Pein. Verschmachte in dem Pfuhl/ da Pech und Schweiffel brennet/ Und sey dem Tantalus an Schmertz und Plagen gleich/ Dein Unsinn hat dich offt demselben gleich genennet; Nun hast du deinen Sitz in dem begehrten Reich. Der Todte redet sie an. F rolocke/ Stoltze/ nicht/ mein blasses Schatten-Jch Das soll zu steten Schmertz dich quaͤhlen aͤnstiglich. Mein Geist/ der heischet Rach sie wird nicht aussen bleiben/ Die Hertzens-Quaal/ die soll dich Tag und Nacht umtreiben. Die grimmen Furien sind schon auf Rach bedacht/ Doch dein Gewissen ist dir noch nicht auffgewacht/ Laß aber erst den Schwarm aus seinen Schrancken brechen/ So wird der Hertzens-Wurm dich allzugrausahm stechen. Er verzweiffelt uͤber ihre Grausahmkeit. B litzt ihr Wolcken/ wollt ihrs thun? Ach so donnert bald ihr Luͤffte! Oeffnet euch ihr dunckeln Kluͤffte Lasset mich darinnen ruhn. Kommt ihr Furien/ kommt her/ Werffet auf mich eure Flammen/ Nun mich Lesbis will verdammen/ Acht’ ich keiner Freude mehr. Stoßt mich nur ihr Furien Hin in eure schwartzen Hoͤlen/ Wo die ungluͤckseelgen Seelen Jn dem Hoͤllen-Rauch auffgehn. Nimm Verliebte und galante Gedichte. Nimm mich in dein tieffes Grab Cerberus du Hoͤllen-Beller/ Charon he! hier ist der Heller Fuͤhre mich nur bald hinab. Oeffne dich du schwartzes Haus/ Wo des Plutons seine Thronen/ Und die grausen Geister wohnen/ Speyet Blitz und Feuer aus. Nimm mich ein verfluchter Port/ Daß den Styx und seine Wellen Mag mein Geist zu frieden stellen/ Schleuß dich auf so geh ich fort. Laß mich doch du toͤdtend-Fluß Von dem bittern Wasser trincken/ Laß mein Schiff nur bald versincken/ Weil ich doch vergehen muß. Rauch und Flammen/ Blitz und Feur Lasset mich nur bald ersticken/ Da mich Angst und Furcht bestricken/ Jst mir keine Quaal zu theur. Sterb ich denn so fahr ich hin! Wo mich Blitz und Feur umschuͤtten/ Lesbis laͤst sich nicht erbiten/ Jch muß mich umsonst bemuͤhn. O du ungluͤckseelge Nacht/ O du stets verworffnes Tagen/ Drinn ich werd in grossen Zagen Zu der Hoͤllen hingebracht. Sonn’ und Mond scheint mich nicht an Decket mich ihr Finsternissen/ Seht nicht wie ich hingerissen Werde zu der Hoͤllen-Bahn. Strenge Lesbis bleibts denn wahr/ Daß ich zu den traurgen Seelen Jn der Hoͤllen tieffe Hoͤlen Auch/ als dein Verfluchter/ fahr? Ja Verliebte und galante Gedichte. Ja es ist um mich geschehn/ Jch bin gantz und gar verstossen Meine Hoffnung trifft den blossen/ Jch muß mich verlassen sehn. Ach wer wil ein kaltes Stahl Durch mein mattes Hertze bohren? Stost nur zu/ ich bin verlohren/ Und vergehe in der Quaal. Hat denn keine Seele Gifft? Das dem Lebens-Safft verzehret/ Jst kein Mensch/ der mich erhoͤret? Seht den Jammer/ der mich trifft. Gibts denn keinen Hencker mehr? Der den Lebens-Drat abkuͤrtze Und mich in die Grube stuͤrtze/ Ach! so kommt ihr Parcen her: Schont mich im geringsten nicht/ Schneidet ab den Lebens-Faden Muß es gleich der Seelen schaden; Auf! verloͤscht mein Lebens-Licht. Es muß mein betruͤbter Geist Mehr als Hoͤllen Pein ertragen/ Lesbis wil/ ich soll verzagen/ Hoͤrt doch was ihr Hertz beschleust. Geh nach den Verdammten zu/ Jch verlange dein Verderben Du solt ohne Huͤlffe sterben/ Such’ im Grabe deine Ruh. Quaͤhlen/ Seuffzen/ Angst und Pein/ Bange Todes-Noht und Schmertzen Spuͤhre ich in meinem Hertzen/ Dieses macht ihr Grausahm-seyn. Thu dich auf du schwartze Klufft/ Hier ist doch vor mich kein Retter/ Jhr erzuͤrnten Hoͤllen-Goͤter Nehmet mich in eure Grufft. He Verliebte und galante Gedichte. He ihr Geister hohlet mich Nach den schwartzen Hoͤllen Rachen/ Wo nur Angst-Geschrey und Krachen/ Ach und Weh erregen sich. Blitzt ihr Wolcken/ wollt ihrs thun? Ach so donnert bald ihr Luͤffte/ Offnet euch ihr dunckeln Kluͤffte/ Lasset mich darinnen ruhn. Der Verliebten stumme Sprache. H ier ist Beredsamkeit ein blosses Stilleschweigen/ Die Augen koͤnnen nur die besten Redner seyn/ Die/ ob sie gleich sind stumm/ die Kunst im Reden zeigen/ Es kehret in der Brust dadurch die Liebe ein. Sie reden ihre Sprach so deutlich mit dem Hertzen Als keine Zunge kan/ und wo sie in besteht/ Das spuͤhrt der Gegen-Stand wenn ihre Blicke schertzen/ Und der beliebte Strahl durch Geist und Seele geht. Erfinders heissen sie der suͤssen Liebes-Sachen/ Die/ ob sie schon geheim/ doch ihnen wohl bekannt. Die Seelen koͤnnen sie verliebt und lebhafft machen/ Sie zuͤnden allda an der Liebe-Feur und Brandt. Sie sind der Liebe-Brunn/ die Mahler der Gedancken/ Sie gruͤbeln alles aus/ was unerforschlich ist/ Sie wissen ob das Hertz des Gegentheils wil wancken/ Ob es bestaͤndig heist/ was es bey sich beschließt. Den Schluͤssel fuͤhren sie zu den verschlossnen Seelen/ Es kost nur einen Blick so faͤllt der Stoltz gleich hin/ Kan eine Thraͤnen-Fluht ein Hertze nicht durch hoͤlen/ So zwingt ein heisser Strahl den Eisen-harten Sinn. Die Sprache kan niemand/ als die Verliebt/ verstehen/ Was dieser Hertze redt ist ihnen gleich bekannt/ So bald die Blicke fort als treue Bohten gehen So bald entspinnet sich ein festes Liebes-Band. Cupido muß sich selbst in ihre Hertzen schreiben/ Die Goͤttinn Venus ist der Sprache Meisterinn/ Sie Verliebte und galante Gedichte. Sie kan durch ihren Trieb dahin die Geister treiben/ Daß sie auf diese Kunst hinwenden ihren Sinn. Die guͤtige Natur laͤßt sie auch bald erfinden/ Sie mahlet kuͤnstlich vor ein wunderschoͤnes O/ Sie koͤnnen darinn leicht der Liebe-Grund ergruͤnden/ Vor dieser Kunst erstaunt der Redner Cicero. Sie kan durch ihre Macht diejenigen bewegen/ Die wie ein Demant hart/ und unbeweglich sind/ Sie darf nur einem Blick der Lieblichkeit erregen Alsdann ein stoltzer Sinn wie weiches Wachs zerrinnt. Wer in der Sprache sich wil einen Meister nennen/ Der muß im Lieben seyn mehr als im Reden frey/ Dabey die Eigenschafft von dieser Kunst erkennen/ Daß sie was Himmlisches und nichts Gemeines sey. Ein nicht zu junges Frauen-Zim̄er raison- ni ret uͤber das Sprich-Wort: Die Alten/ Sind die Kalten; nach vorgeschriebenen End-Reimen. Sonnet. J hr frischen Buhlers sprecht: was nuͤtzen uns die - - Alten/ Denn eure Losung heist: die Alten sind die - - kalten/ Allein probiret erst der Alten ihre - - Spalten/ Und fuͤhlet/ daß sie auch die Luͤste koͤnnen - - halten/ So werdt ihr nicht so sehr verachten ihre - - Falten/ Und ja so gern in ihr als einer jungen - - walten/ Weil ihr mit gleicher Lust daselbsten koͤnnet - - schalten Auch Feur und Hitze spuͤhrt bey einer nicht zu - - alten. Doch sie muß aͤlter nicht als vierzig Jahre - - seyn Der Hencker gehe sonst mit ihr die Liebe - - ein/ Denn welcher sehnt sich wol nach einen Todten - - Schein/ Wer machet sich vor Lust im Lieben Hertzens - - Pein? Der alte Most geht vor dem jung-und frischen - - Wein/ Und ein bewandtes Weib wird recht aptitlich - - seyn. An Verliebte und galante Gedichte. An Dorinden. Copiantes. D orinde lebst du noch/ und denckst du noch an mich? Jch hoffe deine Lieb und Treu wird nicht erkalten/ Ob mich das Schicksahl gleich drey Wochen wunderlich Von deinem Umgang hat verdrießlich abgehalten. Die Sonne zuͤndet auch von fernen Haͤuser an: Ein Basiliske kan durch blosses Sehn vergifften/ Drum ists kein Wunder/ daß das Feuer brennen kan/ So du abwesend kanst in meiner Seelen stifften. So bald dein Saamen-Licht mich einmahl angeblitzt/ So wurde Seel und Leib in voller Flamm entzuͤndet Dein suͤsses Gifft zugleich im Marck und Bein gespruͤtzt/ Daß in mir Lebenden das Leben fast verschwindet. Wilt du nun nicht mein Artzt und mein Erretter seyn; Werd ich voll Flamm und Gifft vor deinen Augen sterben/ Weil der/ in den/ sich schenckt der Augen-Strahl hinein/ Wenn du nicht loͤschen wilt/ vor Gluhten muß verderben. Dorinde, wenn du nun noch Gnade vor mir hast/ So sage/ ob ich darf noch heute zu dir kommen/ Weil meine Seele sich nicht eh zu frieden faßt/ Bis deine Gottheit ihr hat ihre Traur benommen. An die schoͤne Clelie. Copiantes. M ein Hertz! erroͤhte nicht das Siegel auffzubrechen/ So meine kuͤhne Hand dir jetzund zugeschickt/ Es soll dasselbe stets von deiner Guͤte sprechen/ Wenn du dis schlechte Blatt in Gnaden angeblickt. Zwar neulich sagte ich/ daß ich nicht lieben koͤnne/ Wie mich um selbiges dein holder Mund gefragt; Doch weiß ich selber nicht ob ich anjetzo brenne/ Da eine innre Krafft die reine Seele plagt. Jch bin voll Pein und Quaal/ und weiß nicht was mir fehlet/ Mein Hertz ist noch nicht todt/ doch lebet es auch nicht: Da Verliebte und galante Gedichte. Da ein verborgner Schmertz die matte Seele quaͤhlet/ Bin ich ein Krancker/ dems an Huͤlff und Trost gebricht. Jn allen Buͤchern kan ich kein Vergnuͤgen finden/ Die Sayten sind mir nichts/ als nur ein todter Klang: Hierbey will mir die Lust zur Tichter-Kunst verschwinden/ Und das studiren ist nur eine Folter-Banck. Mein Leben sage mir/ woher entstehn die Schmertzen/ Und welches meynst du sey die Ursach meiner Pein? Dein schoͤnes Auge bringt sie hin zu meinen Hertzen/ Da ich durch dessen Feur jetzt muß entzuͤndet seyn. Mein Engel zuͤrne nicht auf mein so kuͤhnes Schreiben/ Jndem Schmertz und Verdruß die Feder selbst regiert; Denn da die Liebe mir wil meine Sinnen treiben; Was Wunder/ wenn man hier viel tausend Fehler spuͤhrt. Es ist die Liebe ja ein Meister unsrer Seelen/ Ein heimlich Strick/ dem ich selbst nicht entfliehen kan/ Ein Schmertz/ den man nicht leicht kan vor den Artzt verhelen/ Sie betet jeder gern/ als eine Goͤttin an. So wil ich auch vergnuͤgt die suͤssen Bande tragen; Da sie von deiner Hand; so ist mir alles recht/ So daß ich wil fortan mit allen Freuden sagen/ Die Liebe machet mich zu deinen treuen Knecht. Bey Wiedersendung eines Arien- Buchs. Copiantes. S O nimm von meiner Hand dasselbe wieder an/ Daß ich an deiner Statt in tieffster Pflicht verehret: Zwar bin ich erst vergnuͤgt/ wenn ich dich sehen kan/ Doch auch da mir das Gluͤck hat dein Portrait gewaͤhret. Es ist in diesem Buch vortrefflich ausgedruͤckt; Hergegen kan ich auch allhier mein eignes finden: Jch/ als ein Sclave bin von deiner Hand bestrickt/ Du aber hoͤrst nicht auf mich mehr und mehr zu binden. Jch schrieb ein schlechtes Lied in selbiges hinein/ Zum Zeugniß/ daß in mir so Marck als Adern brennen/ Doch kan es meiner Pein kein rechter Ausdruck seyn/ Weil ich zu selben nicht die Feder finden koͤnnen. Mein Verliebte und galante Gedichte. Mein Ungluͤck kan kein Mensch/ als der allein verstehn/ Der auch ein gleiches hat in seiner Seel empfunden/ Denn selber weis nicht recht in meine Pein zu sehn/ Dem von der Liebe nicht/ gleich mir/ das Hertz gebunden. Sprich/ liebste Seele sprich/ daß du gebunden bist/ So kanst du auch ein Bild von meiner Seelen fuͤhlen; Doch wo dir eben so als mir zu muhte ist So muß die Flamme traun auf was gewisses ziehlen. Mein Leben/ laß mich bald hiervon die Funcken schaun: Es sind dieselben nur ein angenehmes Schreiben: Der Himmel wird den Oehl in deine Flammen thaun/ Und ich wil bis ins Grab dein treuer Diener bleiben. Als Aurora uͤber ihren verstorbenen Hund weinete. Oeuvres de Mons. Voiture Tom. 2. pag. 110. S choͤnste Goͤttin meiner Seelen haltet doch mit Weinen ein/ Ach! stopfft zu der Augen Brunnen/ und laßt doch eur Klagen seyn. Wenn Aurorens Thraͤnen-Thau sich in schoͤne Perlen kehret/ Alsdenn habt ihr einen Schatz/ der fast unschaͤtzbahr/ verheeret. Doch es machten mich die Thraͤnen mehr deñ uͤberaus begluͤckt/ Wenn ihr sie um meinent wegen in die weite Welt geschickt: Aber ihr vergiesset sie nur um eines Hundes wegen/ Da sie doch an Kostbarkeiten Koͤnigreichen uͤberlegen. Und dieselbe/ der ihr gleichet/ nur daß ihr weit schoͤner gleißt/ Deren Nahme so wie eurer/ ihr wie sie Aurora, heißt/ Laͤßt aus ihrem Goͤtter-Mund viele heisse Seuffzers gehen/ Ja sie weinet wenn sie fruͤh von dem Bette auf wil stehen. Aber nur des Liebsten halber/ nicht wie ihr um einen Hund/ Jhre Thraͤnen thun was Grosses/ eure was geringes/ kund. Wenn nun eure Augen auch/ so wie jene/ sollen weinen/ Alsdenn muß eur Hertz sich nicht gegen mich verhelffenbeinen/ Eure Freundschafft muß dem helffen/ der sonst sein Verderben findt/ Und um solche muͤßt ihr weinen/ die der Thraͤnen wuͤrdig sind/ H Nicht Verliebte und galante Gedichte. Nicht um einen der zur Lust macht/ daß ihr der Possen lachet/ Weinet doch nicht um den Hund die ihr Menschen sterben machet. An die erzuͤrnte Victore. Sonnet. W elch Laster ist von mir Victore denn begangen? Daß kein beliebter Strahl aus deinen Augen zieht/ Und daß nur Flamm und Blitz auf meine Scheitel gluͤht/ Warum verstellet sich die Schoͤnheit deiner Wangen? Soll sie nicht wie zuvor mit holder Anmuth prangen? Und warum ist dein Grimm auf meinen Fall bemuͤht? Da mir vordem bey dir das schoͤnste Gluͤck gebluͤht/ Und ich auf Erden schon mit Eden war umfangen. Erzuͤrnet dich der Kuß/ den ich dir weggenommen/ Jst dieses meine Schuld/ darauf du boͤse bist? So soll mein Mund davor satsahm in Straffe kommen/ Und lieffern dir den Kuß/ der dir geraubet ist. Jst einer nicht genug/ und wilt du Zinse heben? So soll er hundert dir/ vor einen/ wiedergeben. Neu-Jahrs-Wunsch an Bellinen. B rich an erwuͤnschter Tag mit neuem Seegens-Schein/ Erhelle Delius die Himmlischen Sapphiren, Hohl Gold aus Potosi die Strahlen auszuziehren/ Reiß alle Kuͤmmerniß/ und alles Klagen ein: Erfuͤlle ihre Brust mit Himmels-reichen Freuden/ Nichts als beliebte Lust muß ihre Augen weiden. Bring mit dem Neuen-Jahr verjuͤngte Lust hervor Erneu altaͤglich dich in neuen Froͤlichkeiten/ Hemm der Aspecten Lauff die Unlust zu bereiten/ Ruff ihr mit sanfften Hauch der Engel-Thon ins Ohr. Erfuͤlle ihre Brust mit Himmels-reichen Freuden/ Nichts als beliebte Lust muß ihre Augen weiden. Bau Verliebte und galante Gedichte. Bau Freude dir ein Haus bey ihr das ewig steh/ Es bluͤh der Jugend. Lentz in ihrem Angesichte/ Helena kuͤsse sie im vollen Schoͤnheits-Lichte Ruh’ und Zufriedenheit ihr stets zur Seiten geh. Erfuͤlle ihre Brust mit Himmels-reichen Freuden/ Nichts als beliebte Lust muß ihre Augen weiden. Beschuͤtte Himmel sie mit Lust und Wohlergehn/ Es schau ihr Auge stets das holde Gluͤcke bluͤhen/ Hinlaͤßig muß ihr Haar das Silber uͤberziehen/ Rund um den zarten Leib muß lauter Seegen stehn. Erfuͤlle ihre Brust mit Himmels-reichen Freuden/ Nichts als beliebte Lust muß ihre Augen weiden. Liebes-Gespraͤch des Hirten Damon mit der Schaͤfferinn Hyelle. Damon. H yelle laß dis Feld wo Phœbus Feuer blitzt/ Und geh mit mir dahin wo man im kuͤhlen Schatten Am Rand des hellen Strohms in weichen Blumen sitzt/ Wo Anmuth und die Lust das Lager uns verstatten. Es wird der Glieder-Schnee hier vou der Hitze braun/ Dein schoͤn es Angesicht wird durch den Strahl verbrennet. Hyelle. Die Worte sind zwar gut/ doch dir ist nicht zu traun/ Die/ so den Maͤnnern folgt/ in ihr Verderben rennet; Sie zuckern an ihr Wort/ man stellt sich heilig an/ Bis daß sie uns beruͤckt/ und in das Netz gejaget/ Und sind wir denn gefaͤllt/ alsdenn so siehet man/ Daß ihr uns nicht wie sonst mehr auf den Haͤnden traget. Damon. Wie uͤbel siehest du doch meine Worte ein/ Die nichts von ungebuͤhr/ und falschen Locken hegen/ Wie koͤnnt ich gegen dich/ mein Kind/ betruͤglich seyn! Da Ehr und Furcht in mir das Wollen niederlegen. Jch ehre deine Pracht/ doch zwing’ ich mich dabey/ Daß nichts/ was widrig klingt/ aus meinem Munde fahre/ H 2 Und Verliebte und galante Gedichte. Und daß ich deiner Zucht niemahls beschwerlich sey/ Noch daß ich mich zu frech mit deiner Pracht gebahre. Komm mit zu jenem Busch fuͤhl wie die Sonne sticht/ Laß doch die schoͤne Haut so boͤßlich nicht verderben Komm mit wo Phœbus sich nicht durch die Aeste flicht/ Und wo den Marmor- Glantz sein Strahl nicht mag entfaͤrben. Hyelle. Nein! Nein! ich folge nicht. Den Voͤgeln pfeifft man suͤß. Bis daß der Vogler sie mit Netz und Garn bestricket/ Du machst es eben so/ und meinest gantz gewiß/ Jch wuͤrde auch von dir durch Schmeichelung beruͤcket. Jch sehe schon womit die Geister schwanger gehn/ Jch mercke deine Gluht/ ich spuͤhr du bist entzuͤndet; Du must vom innern Brand mehr Uberlast ausstehn/ Als mein Gesicht und Hand von Titans Strahl empfindet Doch birgest du den Schalck/ und stelst dich heilig an/ Als haͤtte deine Hand das Wasser nie betruͤbet/ Da uͤber Wolffes-Art der Schaaf-Peltz ist gethan/ Von aussen bist du kalt inwendig sehr verliebet; Du laurst als wie ein Loͤw auf meine Jungferschafft/ Nein! Nein! ich folge nicht/ ich will beym Schaafen bleiben/ Dein suͤsses Locken hat bey mir gantz keine Krafft/ Hier will ich meine Zeit in stoltzer Ruh vertreiben. Damon. Laß seyn ich liebe dich/ laß mich verliebet seyn/ So kanst du doch mein Licht/ mich darum nicht verdammen/ Wer ists/ der uns den Trieb der Liebe floͤsset ein/ Wer nehrt in unser Brust die suͤssen Liebes-Flammen? Thuts nicht der Himmel selbst/ der unser Meister ist? Nach dessen Schatzungen die Menschen-Kinder leben/ Wer ist/ der sein Befehl nicht ohne weigern kuͤst? Und welcher findet sich/ der ihm kan widerstreben? Man saugt den Liebes-Safft mit aus der Mutter-Brust/ Und eh man reden kan die Liebe uns besitzet/ Es schafft in Windeln schon mehr denn versuͤßte Lust Wenn auf der Mutter Leib man seinen Leib erhitzet. Die Liebe waͤchst wie wir/ altaͤglich nimmt sie zu/ Ja sie hat mehr bey uns/ als wir selbst/ zugenommen/ Sie Verliebte und galante Gedichte. Sie treibt die Sinnen an/ und stoͤhrt dem Geist die Ruh/ Bis er den Ort gesucht/ wo er ist hergekommen. Man spuͤhret ihre Macht in Steinen und in Stahl/ Die gantze Creatur ist gegen sich verliebet/ Es ehrt der Liebe Macht die Erde uͤberall/ So bald die Sonne weicht ist Clytie betruͤbet. Die Turtel-Taube stirbt/ wenn ihr der Tauber fehlt/ Der Palm-Baum der verdorrt/ wenn ihm sein Mann entriffen/ Aurora sich noch jetzt um ihren Cephal quaͤhlt/ Und du wilt nichts von Feur und Amors- Trieben wissen. Hyelle. Jch weiß nicht was dein Mund mir von der Liebe sagt/ Mir ist was Amor heist gar fremde anzuhoͤren/ Doch weiß ich nicht wie mir der Nahme so behagt/ Jch weiß nicht wie mir wird/ die Brust will sich verkehren/ Es regt sich was in mir/ doch ist mirs unbewust/ Ach Damon! loser Schalck/ ach! ach! ich bin verliebet Dein suͤsses Reden ruͤhrt die eisen-harte Brust Jhr Goͤtter/ daß ihr mich/ mich Arme/ so betruͤbet. Damon. Was ficht Hyellen an? was macht den Geist verkehrt? Gelt! Amor wird gewiß den Schimpff mit Schmertzen raͤchen? So gehts/ wenn man die Macht des starcken Gotts entehrt/ Der einen Felsen-Sinn im Augenblick kan brechen. Doch Amor heget auch mehr Lust als herben Schmertz/ Er schenckt den Liebenden viel tausend Suͤssigkeiten/ Er uͤberhaͤufft mit Lust/ er reget suͤssen Schertz; Komm folge mir nur nach den Schmertzen zu bestreiten. Hyelle. Jch stehe noch was an/ dir/ Damon, nachzugehn/ Jch weiß nicht/ wie ich soll die kuͤhne That beschoͤnen/ Dann wuͤrde mich bey dir wer gantz alleine sehn/ So moͤcht man meine Zucht und Ehrbarkeit verhoͤhnen. Damon. Wirf die Gedancken hin/ und folge mir nur nach/ An jenen dunckeln Ort/ zu denen Lust-Gebuͤschen/ H 3 Wo Verliebte und galante Gedichte. Wo wir alleine seyn/ bey dem Crystallen-Bach/ Gewiß/ da kan kein Mensch zusammen uns erwischen. Da wird die sanffte Lufft verliebte Winde wehn/ Die Voͤgel werden uns verbulte Lieder singen/ Wir werden da vor Lust gleich als bezaubert stehn/ Der klahre Bach wird gleich den hellen Orgeln klingen. Es wird wenn du gesinnt/ wie ich gesinnet bin/ Ein Meer der Suͤssigkeit die Geister uͤberschwemmen/ Und in die Schwaanen-Brust wird sich die Anmuth ziehn. Komm koste Amors- Lust laß deinen Sinn nichts hemmen. Hyelle. Jch weiß nicht wie mir ist/ ich schwinde/ ich vergeh/ Dein Mund bringt Sachen fuͤr die meinen Geist bethoͤren/ Bald bin ich recht begluͤckt/ bald wird mir wieder weh/ Wie ist mir/ soll ich denn Dianen nicht mehr ehren? Soll denn ihr starcker Arm anjetzt gantz krafftloß seyn/ Und muß ihr schneller Pfeil vor Amors Pfeil sich biegen? Wie geht mir alle Krafft und alle Staͤrcke ein? Ach! ja der Damon muß Hyellens Sinn besiegen. Damon. Komm nur mein Engel komm/ und schenck mir deine Gunst/ Reich mir die Bruͤste dar die allerschoͤnsten Dinger/ Die Kost des Paradies/ den Zunder zu der Brunst/ Ach schenck mir deinen Schooß den rechten Hertzens-Zwinger. Hyelle. Mein Damon halte ein/ was unternimmst du dich/ Warum sucht deine Hand das Kleid mir auffzuheben? Damon. Es fuͤgt sich eben so doch haͤlt es nichts in sich Verliebte pflegen da nicht Achtung auffzugeben. Hyelle. Wenn du wilt taͤppisch seyn? so gehe in der Zeit/ Du moͤchtest sonst mit mir dich gar zu mausicht machen. Damon. Entweiche nicht mein Kind es bringet dir kein Leid Ein Griff und Kuß die sind ja gar geringe Sachen. Hyelle. Verliebte und galante Gedichte. Hyelle. Doch zuͤndt ein Griff und Kuß der Venus Fackel an/ Und macht durch innre Gluht uns in uns selbst verbrennen. Damon. Da/ wo man Wasser hat sogleich man loͤschen kan/ Wenn sich die Flamme laͤst nur durch den Rauch erkennen. Flammt nun dein Hertze an/ so kuͤsse mich mein Kind Laß mich ein mehres zu gib Kuß und Griff zusammen/ So loͤschet sich die Gluht durch das was sie entzuͤndt/ Und Wasser wird daraus was vormahls heisse Flammen. Hyelle. Mein Damon nicht zu frech vergnuͤge dich am Kuß Betaste meine Brust und laß das ander bleiben. Damon. Du Naͤrrin weist noch nicht was darauf folgen muß Wenn man mit kuͤssen will die Zeit nicht mehr vertreiben. Hyelle. Was folget denn darauf? ach lasse mich doch loß/ Und sage mir hernach was folget nach den Kuͤssen. Damon. Das/ was du noch nicht weist/ erfaͤhret deine Schooß/ Doch soll sie es jetzund mit hoͤchster Anmuth wissen. Hyelle. Hilf Himmel/ steh mir bey/ Diana schuͤtze mich! Rett meine Jungferschafft sie liegt in letzten Zuͤgen. Damon. Dein Ruffen hilfft dir nichts/ wie hoͤrt Diana dich Die bey Endymion selbst suchet ihr Vergnuͤgen. Bequehme dich mein Kind nur zu der Liebes-Lust/ Der Himmel stimmet bey/ das Schicksahl will es haben. Hyelle. Soll es denn also seyn so druͤcke Brust an Brust/ Jch will so viel ich kan dein heisses Hertze laben. Damon. Jch bleibe dir davor/ mein Leben/ stets verpflicht. H 4 Hyelle. Verliebte und galante Gedichte. Hyelle. Ach halt! mein Schatz halt an! es ist genug geschertzet Ein mehres goͤnn ich dir bey meiner Treue nicht/ Ach glaube/ daß dein Thun mich gar zu herbe schmertzet. Damon. Mein Kind es schadt dir nichts/ die Schmertzen sind gar klein/ Den Jungfern thun sie weh/ doch kitzeln sie die Weiber. Hyelle. Laß doch mein liebster Schatz es nun zum Ende seyn. Wir bringen sonst in eins ja unser beyde Leiber. Damon. Gedulde dich mein Kind/ und traue es mir zu Daß ich dir deinen Leib gar nicht verletzen werde Hyelle. Jch bin von Wollust sat/ ach! gib dich nun zur Ruh/ Und siehe wie ich mich so aͤngstiglich gebaͤhrde. Damon. Mein Schatz ich bin entzuͤckt - - - - - - - - - - - - - - - Hyelle. - - - - - - - - - - - - - - - ich bin nicht mehr bey mir/ Jch bin im Paradies/ ich breche Zucker-Fruͤchte/ Mein Liebster/ ach mein Schatz - - - - - - - - - - - - - - - Damon. - - - - - - - - - - - - - - - ich lebe bloß in dir Mir schencket deine Brust ein suͤsses Lust-Gerichte. Hyelle. Ach welche Zucker-Lust hat doch mein Geist geschmecket! Welch suͤssen Lebens-Thau hast du mir eingefloͤsset! Damon. O suͤsse Anmuths-Quell! von der mein Geist geleckt/ Nachdem du mir die Brust und deine Schooß entbloͤsset. Hyelle. Voll Wollust ist die Brust und meine Seele voll/ Es kitzelt mich annoch das Lust beseelte Streiten. Damon. Verliebte und galante Gedichte. Damon. Mein Leib der ist ermuͤdt/ er kan nicht wie er soll/ Jhm fehlet Staͤrck und Krafft dir Anmuth zu bereiten. Hyelle. So hat mein Damon doch Hyellens Sinn besiegt/ Und in der zarten Schooß den Liebes-Schatz gepraͤget. Damon. Nein! Nein der Himmel hat den Sieg dir zugefuͤget/ Der mich als deinen Knecht fuͤr deine Fuͤsse leget. Hyelle. Auf! auf! mein Damon auf! es ist genug geschertzt/ Hoͤr/ was die Baͤume schon von unser Liebe sagen. Damon. Ach! warte doch mein Kind und sey noch eins gehertzt/ Die Baͤume duͤrffen es/ nicht zu verrahten wagen. Hyelle. Nun gute Nacht mein Schatz der Phœbus eilt zur Ruh/ Jch scheide zwar von dir/ der Geist stets bey dir bleibet. Damon. Der Himmel wehe dir mein Engel Anmuth zu/ Die dir mit stoltzer Freud’ Angst/ Noht und Pein vertreibet. An Silvien da sie den Tod eines Sperlings beweinete. S O hoͤret doch einst auf den Vogel zu beklagen Und laßt das Augen-Paar mit Weinen stille seyn/ Jhr habet nichts von Noht und herber Angst zu sagen/ Ermuntert euren Geist/ und stellt das Hermen ein; Der Vogel ists nicht werth was ihr um ihn veruͤbet/ Wendt jene Kostbarkeit der Thraͤnen besser an. Und weil euch lang genug die treue Brust geliebet/ So goͤnnet/ daß ich euch vor ihn bedienen kan. H 5 An Verliebte und galante Gedichte. An eben Dieselbe. D ie Thraͤnen lassen euch mein Engel gar nicht schoͤn/ Drum hoͤret auf den Tod des Sperlings zu beweinen/ Jhr werdet sonst der Welt gar zu veraͤchtlich scheinen/ Soll euch ein schoͤnerer zu euren Diensten stehn? So facht die Bruͤste auf um mich dadurch zu fangen/ Jhr werdet mich gar bald in eure Hand erlangen. Als ihn die harte Violante im Contra- Marche kuͤssen muste. Sonnet. D ein harter Sinn muß sich/ doch Violante brechen/ Der lang versagte Kuß/ der stellt sich endlich ein/ Solt er auch durch das Spiel von dir erzwungen seyn. Denn Amor pfleget sich an denen hart zu raͤchen/ Die seine grosse Macht/ durch ihren Wahnwitz schwaͤchen/ So schmeck ich nun mit Lust der Lippen suͤssen Wein/ Wie gerne woltest du mir bittre Wermuth streun/ Und sehen/ daß der Dorn/ bey Rosen moͤge stechen. Du sagst zwar Ja dazu/ daß ich den Mund soll kuͤssen/ Doch haͤttest du vorher die Reguln sollen wissen/ Die in dem Pfande-Spiel beym Contra-Marche sind/ So haͤttest du mir nicht den suͤssen Kuß verguͤnnt. Jch haͤtte auf den Kuß mein Lebe muͤssen warten/ Den mir jetzt Spiel/ Gluͤck/ Zeit/ auf meine Lippen karten. Uber ihren Tod. Sonnet. J hr Augen fließt! laßt haͤuffig Thraͤnen quillen/ Als Brunnen zinßt! die Toͤchter herber Pein/ Der Zaͤhren-Saltz! laß heisse Perlen seyn/ Fließt Augen fließt! nichts muß die Thraͤnen stillen/ Beweint den Tod der lieblichen Basillen, Stellt alle Lust/ und alle Freude ein/ Der Verliebte und galante Gedichte. Der Himmel selbst verdeckt den hellen Schein/ Und will in Flor sein schoͤnes Haupt verhuͤllen. Jch bin halb todt/ vor Schmertzen sterbe ich/ Mein Hertze ist mit ihren Leib begraben/ Nichts als nur Leid und Quaͤhlen kuͤsset mich Mit Jammer muß ich meine Geister laben: Denn alle Lust ist aus der Welt entwichen Nachdem mein Licht Basille ist verblichen. Er kan sie nicht gluͤcklich machen. Sonnet J ch muß! ach hartes Wort! ach uͤber grosse Pein! Der schoͤnen Magdalis zu meinen Schmertzen schreiben/ Daß ich hinfuͤhro ihr nicht kan ergeben bleiben/ Es streut zu unser Lust der Neid den Wermuth ein. Das Schicksahl goͤnnet uns nicht seinen Gnaden Schein/ Die Freunde mit Gewalt das Buͤndniß hintertreiben/ Jch muß! ich soll hinweg/ man achtet nichts mein Streuben/ Jch soll ihr Liebster nicht/ noch sie mein Schaͤtzgen seyn. Mein Licht/ sie straff mich nicht/ sie kennt mein treues Hertze Sie weiß daß ich nicht schuld an diesen Bruche bin. Jch leide billig Quaal/ mich trifft gerechter Schmertze/ Nichts aͤngstet mehr den Geist als ihr getreuer Sinn/ Und daß sie ohne Schuld durch ihr getreues Lieben/ Kommt in Bekuͤmmerniß und in ein solch Betruͤben. Als er sie im Garten gerne bey sich haben wolte. Sonnet . A uf! linder Zephyr auf! mach dich zur Anemonen, So wie du Chloren suchst/ such meinen Auffenthalt/ Besiehe jeden Busch/ durchsuche Stadt und Wald/ Sieh in den Kammern zu/ darinn sie pflegt zu wohnen. Auch Zephyr! suche sie! die Zierd’ und Anmuth-Thronen Jn ihren Angesicht. Die goͤttliche Gestalt/ Ver- Verliebte und galante Gedichte. Verraͤth das Himmels-Bild/ wenn du es siehest/ bald/ Denn ein beliebter Blick den andern pflegt zu lohnen. Nimm sie/ wenn du sie siehst/ in deinem sanfften Schooß/ Verhuͤlle sie in dich/ bedeck ihr Angesichte/ Wehr daß nicht truͤbe Lufft auf meine Schoͤne stoß. Ach! Zephyr gehe fort! befluͤgel deinen Lauff/ Nimm Anemonen doch in ihrem Schmucke auf! Bring mir den Himmel her/ mit doppelt hellem Lichte. Er kan sich in ihre Weise nicht finden. Sonnet. J ch weiß Rubelle mich mit dir noch nicht zu stallen/ Jch kenne dich nicht recht. Bald bist du mir zu gut/ Bald wenn ein falscher Wahn bethoͤret deinen Muth. So muß ich aus dem Schooß des schoͤnsten Gluͤckes fallen. Du spielest so mit mir als wie mit einem Ballen/ Sag ob mein Jammer dir vielleichte sanffte thut? Schmertzt oder dich die Lust/ die kitzelt Seel und Blut? Eroͤffne es mein Kind/ so halt ich Maaß in allen. Wie? wenn ich vorwerths geh/ so eilest du zuruͤcke/ Wenn ich dich froh anschau so krieg ich Donner-Blicke/ Wenn ich nun traurig bin so lachest du mich an/ Wenn ich dich lieben will/ so kennst du nichts als Hassen/ So daß mein treuer Sinn dich nicht bezwingen kan/ Und fall ich von dir ab/ so wilt du mich nicht lassen. An seine Augen. Sonnet. J hr Augen seht die Rosilis nicht an/ Jhr/ die ihr mir die groͤßte Marter seyd; Jhr bringt vor Lust nur herbe Traurigkeit: Ach daß eur Blitz mich nicht erretten kan! Durch euch wird mir der meiste Drampff gethan/ Jhr macht aus Ruh mir taͤglich Zanck und Streit/ Wenn ihr euch vor Rosillens Blicken scheut/ So bringt ihr mich auf eine Marter-Bahn. Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch bin nicht Herr von euch ihr falschen Augen/ Jhr lasset mich die heissen Funcken saugen/ Die Rosilis steckt in der Augen-Lichte/ Und macht den Schein durch ihren Blitz zu nichte/ Ach! Augen raͤcht die Ungerechtigkeiten/ Laß Rosilis mit euren Blicken streiten. Als einer im Schlaff verschwenderisch gewesen. M ein Maͤdgen laß hinfort mich nicht verschwendrisch seyn/ Und nimm die Perlen-Milch in deine Muschel ein: Groß Schade/ daß sie wird so liederlich verspruͤtzet/ Da wo sie keiner Schooß/ auch nicht den Tuͤchern nuͤtzet. Dein hart-seyn gegen mich verschwendet meinen Schatz/ Vergoͤnne mir hinfort in deinem Schoosse Platz/ Und laß den Liebes-Than daselbsten sich ergiessen/ Wo er mit groͤßrer Lust wird als im Schlaffe fliessen. Dein duͤrrer Acker wird alsdenn von Wollust feist/ Die Bruͤste haͤrten sich/ die Lust entzuͤckt den Geist; Die Anmuth/ die durchdringt des gantzen Leibes-Glieder/ Jn Lachen steigt man ein/ mit Kitzeln kommt man wieder/ Nichts denn Ergoͤtzung bringt er deiner Marmor- Schooß/ Die Venus spannt dir denn/ den Jungfern-Guͤrtel loß/ Und laͤst dir alle Lust/ die sie besitzet/ schmecken/ Der Hymen wird nach Schmertz den suͤßten Schertz erwecken. Ach stelle doch mein Kind die Sproͤdigkeit nur ein! Laß deine Muschel mir nicht mehr verschlossen seyn/ Eroͤffne ihren Helm die Nahrung zu empfangen/ Wo in dem Liebes-Thau/ die Anmuths-Perlen prangen. Sperrt nun dein Muschel Schloß die Thore willig auf/ Und hemmt kein Widrig-seyn mir meinen Liebes-Lauff/ So soll das Liebes-Safft mit suͤssen Quellen fliessen. Und sich mit vollem Strohm in deine Muschel giessen. Auf Verliebte und galante Gedichte. Auf Rosinen Tag. MDM . A ls das Ende meiner Pein/ Der mir durchgebrochnen Wangen/ Jn dem Allmanach zu seyn/ Jch juͤngst suchte mit Verlangen. Sah von selbten Tag nicht fern Jch Rosinen Nahmen prangen; Gleich dacht’ ich/ an diesen Stern Mag vielleicht dein Heyl wol hangen. Gluͤcklich die Aspecten seyn/ So Rosinens Licht begleiten; Ein gevierter Venus- Schein Strahlt den Zwillingen zur Seiten. Gelt/ sagt hoffend ich bey mir/ Es wird dir nach Wunsch gelingen/ Die Rosinen werden dir Die Gesundheit wiederbringen. Was geschicht! die Pein sich bricht/ Alle Marter drauf vergehen/ Und ich kan an diesem Licht/ Meine Liebste wieder sehen. O der Sympathet schen-Krafft So Rosina bey sich heget! Bloß ihr Anblick Lindrung schafft/ Und der Nahme Schmertzen leget. Hier muß eine Phantasey Von der Koͤnge Cur verbleichen/ Der Rosinen Artzeney Thut weit besser Wunder-Zeichen. Kan dann in Abwesenheit Mich Rosina also laben? Moͤchte ich wol allezeit Diese Aertztin bey mir haben! Doch Verliebte und galante Gedichte. Doch zu fruͤh mit dem Begehr/ Kan die Frucht wol abgenommen Werden von den Meyern/ ehr Jhre Zeit und Erndte kommen? Har! mit Gott und mit der Zeit/ Werden schon die milden Reben/ Jhrer Trauben Suͤßigkeit/ Denen Schnittern guͤtig geben. Jndeß wil das edle Licht Der Rosinen ich verehren/ Bis der Tod die Augen bricht/ Und in nichts mich wird verkehren. Jndeß muͤsse mehr und mehr/ Schoͤnste euer Gluͤcke gruͤnen/ Alsdenn habe ich die Ehr/ Eure Schoͤnheit zu bedienen. An die unerbittliche Dorimene. W ill Dorimene nicht dein harter Sinn erweichen? Und gibst du keinen Blick zu einem Gnaden-Zeichen? Muß stets dein Augen-Licht ein Zorn Comete seyn? Schau deine Grausamkeit benimmt ihm Glantz und Schein! Wohnt in dem schoͤnen Leib so eine schwartze Seele? Verwirfft dein Paradies in solche Kummer-Hoͤle? Lacht dein verliebt Gesicht mir zum Verderben an! Ja! der beliebte Weg fuͤhrt auf die Todes-Bahn. Jst die Erbarmniß denn so gar aus dir verbannet/ Daß deine Freundlichkeit der Stoltz stets uͤbermannet? Mitleiden zieht bey dir das trotze Seegel ein/ Du wilt ergrimmeter als Loͤw und Tyger seyn Mich soll dein lachend Aug mit Lust zu Grabe leuchten/ Du wilt den glimmen Tocht vor Oel mit Wasser feuchten/ Du reichst vor Msndeln-Milch mir Pilsen-Saͤffte dar/ Und deine Freundlichkeit bereitet mir die Bahr. Du machst dich groß damit die Menschen zu ertoͤdten/ Und ruͤhmst die Tyranney ohn eintziges Erroͤhten/ Der Verliebte und galante Gedichte. Der Stahl und Kieselstein hegt mehr Empfindlichkeit Als du/ der die Natur sonst alles eingeweiht. Mit Schoͤnheit ist dein Leib gar praͤchtig ausgezieret/ Nur schade! daß der Leib ein solches Hertze fuͤhret/ Dem Demant und Porphyr an seiner Haͤrte weicht/ Das bloß zur Quaal und Pein mit Anmuth an sich zeucht. Der Marmor- Stein vergleicht sich deinen weissen Gliedern/ Das Hertze aber will sich nicht mit ihm verbruͤdern/ Der Marmor weicht wann ihn ein Regen-Tropff betreufft/ Der Diamant zerspringt wenn Bockes-Blut ihn taͤufft. Du aber bleibest hart bey meinem Tod und Sterben/ Du siehst mit Freuden an mein klaͤgliches Verderben/ Mein Leben faͤllt dahin wie eine Tulipan, Wenn ich den harten Sinn nicht bald erreichen kan. So hoͤre doch nun auf mein kranckes Hertz zu plagen/ Was nuͤtzt es deiner Brust? was hilfft dir mein Verzagen? Wenn du mitleidig bist/ so bist du doppelt schoͤn/ Sonst bist du als ein Bild von Ertze anzusehn. Er belauret sie im Bade. P hilena wolte juͤngst Fernanden recht begluͤcken/ Denn dieses Maͤdgen kahm zu ihm aus freyen Stuͤcken/ Und sprach: Wenn er/ mein Herr/ will meine Jungfer sehn Gantz nackend/ muß er gleich nach unsern Garten gehn. Er kunte nicht den Schluß der Rede gantz abwarten Er eilte als ein Pfeil nach den benannten Garten/ Die Thuͤr war angespehrt/ doch nicht ins Schloß gemacht/ Daß er sich ungesehn sogleich hinein gebracht. Er ging dem Bade zu/ allein es war verschlossen/ So daß ihn Muͤh und Fleiß/ die er gebraucht/ verdrossen/ Er fluchte der Philen, daß sie ihn so beruͤckt/ Und haͤtte sich entfernt/ wenn er kein Loch erblickt/ Wodurch er in dem Bad die nackte Schoͤne sehen/ Und im Gebuͤsch versteckt verborgen kunte stehen/ Allda ersahe er ein gantz entbloͤßtes Kind/ Das an der Zierlichkeit Dianen angewinnt/ Wenn Verliebte und galante Gedichte. Wenn sie unangelegt das kuͤhle Bad gesegnet/ Und dem Endymion auf Latmus Hoͤh begegnet/ Ein Kind/ das zaͤrter war als man die Cypris mahlt/ Wenn sie den Paris nackt und den Adon bestrahlt. Der schoͤnen Augen Strahl beschaͤmmt die hellen Sternen/ Ja was/ die Sonne muß sich vor den Glantz entfernen/ Die Morgenroͤth entfaͤrbt sich vor der Wangen-Gluht/ Der beste Marmor ist vor ihrer Haut nicht gut. Die Bruͤste kroͤhnt Rubin/ auf Liljen bluͤhn Corallen/ Ein feurig Hecla spielt aus ihren Liebes-Ballen/ Die wohlgewoͤlbte Schooß/ der Luͤste Paradies Den Augen suͤsse Lust/ und Kitzelung verhieß. Es lag ein Myrthen-Wald um den Rubinen Schlosse/ Den Eingang zu der Lust/ den rund gewoͤlbten Schooß/ Wo Venus schlaffen liegt/ wo Lust und Anmuth wacht/ Und diesen schoͤnen Ort zur Gluͤckes-Jnsul macht. Da ist das Ravelin drinn Amor commendi ret Der/ stuͤrmmt man noch so sehr/ den Posten nicht verliehret. Er hatte nun genug das nackte Bild besehn/ Und wolte unvermerckt zur Thuͤr hinaussen gehn/ Als eben Lesbia des Bades-Thuͤr auffmachte/ Die in der Einsamkeit allein zu seyn gedachte; Sie schrieh/ Verraͤther geh/ zerbreche Hals und Bein/ Wer laͤst Fernanden denn in unsern Garten ein? Gewiß/ Philena wird mit um die Sache wissen/ Hier wolte sie vor ihn des Bades-Thuͤr verschliessen/ Allein er war geschwind/ und drengte sich hinein/ Weil sie nun nackend war/ must sies zu frieden seyn. Sie schalt ihn hefftig aus/ ein schelmischer Verraͤhter/ Ein Raͤuber/ Laͤsterer/ ein boͤser Ubelthaͤter/ Das muste er seyn; doch gab sie sich zur Rruh/ Und ließ auf seine Bitt’ ihm noch ein mehrers zu. Auf den Gebuhrts-Tag der vollkomne- sten Charitinen. M ehr Sonne deinen Schein mit dreymal hellern Strahlen/ Als wie du sonsten pflegst die Erde zu bemahlen. J Blaß Verliebte und galante Gedichte. Blas lauter Biesams-Lufft annehmlich suͤsser West Mit Ambra untermischt wenn sich dein Hauch auslaͤst. Vermehret eure Zier ihr bunt gestickten Blumen/ Du tieffgebuͤckter Klee verkehr dich in Jdumen, Jhr Dornen tragt Jesmin, ihr Nesseln zeugt Zibeth, Jhr Oreaden kommt mit Musch die Berg’ erhoͤht. Du edle Mogorin, darum die Sterne streiten/ Verlaß den klugen Ser, goͤnn uns die Kostbarkeiten/ So dein Geruch ertheilt. Jhr Steine schwitzet Oel/ Jhr Baͤume triefft mit Safft dem selbst der Balsam scheel/ Jhr Wolcken floͤßt herab nur Pomerantzen-Naͤsse/ Jhr Diesteln gebet ab Bisamte Rauch-Gefaͤsse/ Jhr Fluͤsse zinst Coral/ Rubin und Demant-Stein/ Last eure Wellen nichts als puren Nectar seyn. Jhr Baͤume tragt an statt der Blaͤtter lauter Zungen/ Jhr Sterne lehret mich die suͤßten Schmeichelungen. Jhr Musen steht mir bey/ Apollo gib mir Krafft/ Daß meine Feder heut was angenehmes schafft. Daß ich dem guͤldnen Licht ein tuͤchtigs Opffer bringe/ Daß mein verstimmtes Spiel wie Orpheus Harffe klinge/ Daß ich das erste Licht der schoͤnsten Charitin, So wie es sich gebuͤhrt/ mit meiner Hand bedien. Bebluͤmte Chloris hilff mir Anemonen lesen/ Die denen Palmen gleich nicht welcken noch verwesen/ Wind’t mir von Mogorin und Perlen einen Krantz/ So kostbahr wies verdient der Charitinen Glantz. Jhr Morgenlaͤnder schenckt mir eure Kostbarkeiten/ Helfft mir ein Angedenck mit hoͤchsten Schmuck bereiten/ Ternat und Potosi, Moluck und Martrapan, Streckt ihr/ zu ehren/ doch all’ eure Kraͤffte an. Doch weicht ihr Jndiens unschaͤtzbahr grosse Schaͤtze/ Jch weiß ihr ziehet ab/ wenn ich entgegen setze Euch dieses Wunder-Bild/ den gelben Haaren weicht/ Der Printze des Metalls/ der wie das Bley erbleicht. Die Augen stechen weg die feurgen Diamanten/ Den Lippen gehn zur Seit Corallen als Trabanten/ Der Hals siegt Perlen an/ die Zaͤhn den Helffenbein/ Und vor den Adern geht der feinste Tuͤrckis ein. Die Verliebte und galante Gedichte. Die Kaͤhle macht beschaͤmt die klaͤrsten Berg-Crystallen/ Man sieht den rohten Wein so fein hinunter wallen/ Daß sich die Helena vor uͤberwunden schaͤtzt/ Wenn Charitine sich ihr hier entgegen setzt. Der Scharlach wird beschaͤmt vor ihren Purpur-Wangen/ Die Bruͤste als Albast/ ja mehr als Marmor prangen/ Vor denen Lippen bleicht Zinnober und Rubin/ Jhr Athen uͤbersteigt Jesmin und Mogorin. Weil alles nun vor nichts ist gegen sie zu schaͤtzen/ Was vor ein Opffer soll denn meine Feder setzen/ Die nicht ein geistger Trieb Elysiens beseelt/ Die da in jeder Zeil mehr denn zu offt gefaͤhlt. Du machst/ o edles Licht die gantze Stadt begluͤcket! Jndem dich Charitin zum ersten angeblicket/ Du machst/ daß jedermann in grossen Freuden lacht/ Weil du die Charatin auf diese Welt gebracht. Jndeß will ich das Licht der theursten Charitinen, So wie mein Arm-seyn kan mit hoͤchstem Fleiß bedienen/ Jch weihe mich ihr gantz zu ihren Diensten ein/ Sie wird mein Seelen-Licht/ und werther Nord- Pol seyn. Dan. Casp. von Lohenstein schreibet in seinem Arminlo, daß auf dem Seri schen oder Sinesi schen Gebuͤrge Kinhoa eine Blu- me wachse/ so Mogorin genannet wird/ welche uͤberaus wohl/ und viel edler als unser Jesmin riechen soll/ und warum der Kriegs-und Liebes-Stern gestritten. Von der Helena, des Koͤniges Menelaus von Sparta Gemah- lin/ schreibet man/ daß sie eine so klahre Kaͤhle gehabt/ daß man den rohten Wein/ den sie gern getruncken/ koͤnnen herabrinnen sehen. Als ihm die vermaͤhlte Arsinœ er weiß nicht was zuließ. A lte Liebe rostet nicht/ Dieses Sprichwort ist bekand; Denn Arsinoe, mein Licht/ Laͤst auch in dem Ehe-Stand/ Jhr alte Glut noch brennen/ Die ich nie vermercken koͤnnen. J 2 Denn Verliebte und galante Gedichte. Denn als ich von ohngefehr Vor dem Hause ging vorbey/ Rieff sie sanffte zu mir her Daß sie gantz alleine sey/ Und ihr Mann in Sauff-Gelagen/ Sich begoͤsse seinen Kragen. Mich bewog das arme Weib/ Daß ich nein hinzu ihr ging; Und vor erst zum Zeit-Vertreib Jn dem Brett ein Spiel anfing; Funffzig mahl solt ich sie kuͤssen/ Wuͤrd sie sich verlohren wissen. Jch gewann so manches mahl/ Daß der sonst beliebte Kuß/ Wegen seiner grossen Zahl Ward zum Eeckel und Verdruß/ Denn zu viel in allen Sachen/ Kan leicht einen ecklern machen. Endlich sprach Arsinoe: Er gewinnt ja alle Spiel/ Da ich stets verlohren geh Jch mag spielen wie ich will. Weil ich nun nicht kan gewinnen/ Muß ich auf Bezahlung sinnen. Doch noch ein mahl frisch daran/ Verliehr ich gleich Rock und Schuh/ Jsts denn gantz um mich gethan/ Geb ich noch die Schuͤrtzen zu. Denn die Kuͤsse solt ihr missen/ Oder meine Gunst geniessen/ Jch ging das Bedinge ein/ Und gewann Arsinoen, Sie schalt auf mein Gluͤcklich-seyn Und wolt aus der Kammer gehn. Doch sprach sie: Vor euer siegen/ Muß ich euch erst wohl vergnuͤgen. Man Verliebte und galante Gedichte. Man rahte nun frisch zu/ was Mir Arsinoe gab frey? Nichtes sage ich/ als das Aus und ein gespielet sey. Bis ich endlich wohl vergnuͤget/ Mich nach Hause hinverfuͤget. An die eyfersuͤchtige Amœne. Rondeau. J ch meyns so boͤse nicht/ annehmliche Amœne, Wenn bey Emilien ich eure Pracht verhoͤhne; Jhr geht doch/ wie ihr wißt/ Emilien weit fuͤr/ So weit die guͤldne Sonn dem Mond nimmt seine Zier. Jch fliehe nun fortan die schmeichelnde Sirene, Jch schlag veraͤchtlich aus ihr schaͤdlichs Lust-Gethoͤne Ob ich dem Ansehn gleich mich hefftig nach ihr sehne Und tausend mahl veracht’ eur Schoͤn-seyn gleich bey ihr Jch meyns so boͤse nicht. Nenn ich Emilien schon vor den Leuten schoͤne/ Glaubt mir daß ich den Mohr mit leichten Firniß kroͤhne Mein Lob verbessert nicht das schwartze Murmel-Thier Drum zuͤrnt galantes Kind ins kuͤnfftig nicht mit mir/ Wenn bey Emilien, ich eurer schlimm erwehne/ Jch meyns so boͤse nicht. Vor des beruͤhmten Talanders getreue Bellamira, welche man an ein Frauen- Zimmer geschenckt. Sonnet. S O kroͤhnt Bestaͤndigkeit/ nach ausgestandnen Proben/ Zuletzt den treuen Sinn mit einem Sieges-Krantz/ Denn wie ein Fels im Meer bleibt unzerstuͤckt und gantz/ Ob gleich des Æolus und Nereus Schaaren toben. So bleibt Bestaͤndigkeit trotz allen Wettern oben/ Wenn gleich des Reiches-Sonn verehrte ihren Glantz/ J 3 Hier Verliebte und galante Gedichte. Hier fuͤhrt der Printz zuletzt die treue Braut zum Tantz/ Nachdem des Nebels-Dunst und Ungluͤcks-Lufft verstoben. Hier lerne Lesbia auch so bestaͤndig lieben/ Daß dich kein Ungluͤcks-Wind mag von der Stelle schieben. Jch werde trotz den Neid/ trotz allen Donner-Wettern Jn meiner Liebe stehn/ und in der Treue Schrancken Gar wohl gesichert seyn/ bey deren Lorber-Blaͤttern/ Nur lasse du mein Kind die feste Treu nicht wancken. Da sie ihn aus ihrem Gesichte verbannete. D ie Lesbia die juͤnst mit Anmuths-Blicken strahlte/ Und deren Freundlichkeit so wie die Sonne prahlte/ Verstellet sich anjetzt in einen Zorn- Comet, Der uͤber meinen Haupt/ o grauses Wesen steht. Die mich den suͤssen Most gab in Citronen-Schaalen/ Schenckt jetzo Wehrmuth ein mit Gall vermengte Quaalen/ Jch saß der Lieb im Schooß/ da ich dein Liebster war/ Nun aber ist mein Fall schon mehr denn allzu klar. Jch sterbe Lesbia mein Hertze will zer fliessen/ Jch muß nun tausend Angst und herben Schmertz geniessen: Mein Trost der ist hinweg/ die Hoffnung faͤllt nun ein Denn meine Lesbia will unbestaͤndig seyn. Liebes-Brief an Flavien. D arf ein verloffner Knecht/ der offt den Eyd gebrochen/ Sich bey der Fahnen wol ohn Straffe finden ein? Wird nicht nach Krieges-Recht das Urtheil ihm gesprochen/ Daß er ein Opffer soll des engen Stranges seyn? Weil er zu offte schon/ den festen Eyd zerrissen Und die Barmhertzigkeit des Richters hat verhoͤhnt/ Nein! vor den Meyn-Eyd muß er mit den Leben buͤssen/ So anders Themis Zorn soll werden ausgesoͤhnt. Doch pflegt ein Deserteur, so er sich selber stellet/ Erlassen von der Straff auf seine Wacht zu gehn/ Denn nach den Rechten selbst der Straffe-Last zerfaͤllet/ So auf den Trommel-Schlag sich laͤst der Suͤnder sehn. So Verliebte und galante Gedichte. So mein’ ich Flavia auch Gnade zu erlangen/ Weil mein verloffner Sinn sich zu den Fuͤssen legt Die er als seine Fahn mit aller Lust umpfangen/ Eh als mein Unbestand den Meyn-Eyd hat erregt. Soll nun mein leichter Siñ des Meyn-Eyds Strafe schmecken! So thue Flavia mir selbst die Straffe an/ Mich wird der herbe Tod zu keiner Zeit erschrecken/ Wenn von so lieber Hand er mir wird angethan. Kein Strick noch Schwerdt ist Noht/ die Blitz beseelten Augen/ Die koͤnnen Flavia, wenn ich verdammet bin/ Schon meines Lebens-Krafft aus meinen Hertzen saugen/ Daß mein schon matter Geist faͤllt wie die Blumen hin. Kein gifftger Afrioan mit toͤdtenden Gesichte Jst zur Bestraffung noht/ bloß deiner Augen-Strahl Vollzieht und haͤlt zugleich das traurge Hals-Gerichte/ Und martert meinen Geist mit uͤberhaͤuffter Quaal. Wann aber Flavia Erbarmniß dich geruͤhret; Daß deine Gnaden-Sonn mit hellen Strahl auffgeht/ So dann mein Lotus- Busch das matte Haupt auff fuͤhret Und freudig ausgestreckt in vollem Schmucke steht. Wilt du nun Flavia zu meiner Sonnen werden? So werd ich Sonnen-Blum ja mehr als Lotus seyn. Jch werde seyn begluͤckt vor andern auf der Erden/ Solt es den Solon gehn auch noch so widrig ein. Jch werde auf der Welt des Himmels-Vorschmack spuͤhren/ Und Adams suͤsse Kost wird mir seyn auffgetischt/ Jch werde meine Hand nach solchen Fruͤchten fuͤhren Wodurch mein mattes Hertz mit Wollust wird erfrischt. Wird Flavia, mein Brief/ geneigt Gehoͤre finden/ So wird mein matter Geist auf Zucker-Rosen gehn/ Laͤst dein erzuͤrnter Sinn des Zornes-Flammen schwinden? So kan ich nach der Nacht den frohen Morgen sehn. Hier schliesset sich mein Brief hier kaͤumet auf mein Hoffen/ Daß meine Flavia nicht mehr erzuͤrnet ist/ Gewiß mein bloͤder Geist jetzt hast du es getroffen/ Denn meine Flavia so Brief als Siegel kuͤßt. Plinius lib. 7. und auch Solinus melden in ihrer Africanis. Beschrei- bung/ daß ein Geschlecht in besagten Africa anzutreffen sey/ welches mit seinẽ giftigen Augen die gruͤnẽ Wiesen und fruchtbahrẽ Baͤume verdorren gemacht/ auch so gar die jungen Kinder umgebracht. (l) Verliebte und galante Gedichte. Der Lotus, eine Egyptische Pflantze/ so haͤuffig in den Nilus zu finden/ breitet bey der Sonnen Aufaang seine Blaͤtter/ so sich bey deren Untergang traurig eingehuͤllt/ und ins Wasser ver- steckt/ freudig wieder aus. Prosper. Alpinus de Plantis Ægypti cap. 34. p. 103. Dieses Weisen Griechen/ an den Lydi schen Koͤnig/ den stoltzen und reichen Koͤnig Crœsum, welcher ihn fragen lassen/ wer der Gluͤckseeligste in der Welt waͤre? gesandter Spruch/ wird wol unbewust seyn/ da er gesagt: Nemo ante obitum beatus. An die zornige Lesbia. S oll ich mich Lesbia mit Sorgen immer quaͤhlen? Soll denn dein Seladon stets Kummer-Naͤchte zaͤhlen? Erbarm dich meiner Noht/ erquicke meinen Geist/ Wehr/ daß nicht Atropos den Lebens-Dratt zerreißt; Muß denn dein Zorn Comet auf mich Betruͤbten spielen/ Und mit vergrelten Blitz auf meine Scheitel zielen? Soll ich an statt des Lichts nur schwartzen Schatten sehn/ Und statt der Rosen-Bahn auf scharffen Dornen gehn? Laß doch galantes Kind die Augen helle werden Verstelle nicht in Grimm die freundlichen Gebehrden/ Gib deinem Zorn verlaub/ verklaͤhrte dein Gesicht Es sey dein Gnaden-Strahl auf meinen Geist gericht. Wenn du nun Lesbia wilt wie die Sonne glaͤntzen/ Wenn holde Freundlichkeit dich Schoͤnste soll bekraͤntzen? So kuͤsse mich dein Mund/ so sprich mich wieder loß/ Und nimm den Seladon in deine Marmor- Schooß. Er vergleicht die Lesbia mit einem Garten. E ntweiche Flora nur mit deiner Blumen-Pracht/ Verhuͤll das Lust-Gefild der schoͤnen Anemonen, Gib dem beliebten Schmuck der Nelcken gute Nacht/ Verlaß die Prahlerey der stoltzen Kaͤyser-Cronen. Hilff der verlaßnen Lilg beperlte Thraͤnen streun/ Auf den gebuͤckten Klee/ entfaͤrbt euch ihr Narcissen, Jhr Tulpen dancket ab Aurorens Wiederschein/ Jhr gruͤnen Matten sterbt in dunckeln Finsternissen. Du Verliebte und galante Gedichte. Du edles Blat Jesmin zieh deinen Ambra ein/ Jhr gruͤnen Lauben welckt/ ihr blauen Regen-Bogen Huͤlt euren Jndich bey/ laß nur dein Bluͤhen seyn Du safftger Apricos, du bist schon uͤberwogen. Seht meine Lesbia den schoͤnen Garten an Es muß vor ihrer Pracht eur schlechtes Ansehn weichen/ Sie hegt mehr Lustbarkeit als Flora reichen kan/ Die Chloris muß vor ihr das steiffe Seegel streichen. Weil ihr Rubinen Mund die Rosen uͤbersteigt Vor ihren Wangen muß die Nelcke sich entfaͤrben/ Die Kayser-Crone sich vor ihren Haupte neigt/ Und vor den Busen muß die stoltze Lilge sterben. Die Stirn- Narcisse nie ein Kaͤffer-Biß beschmutzt/ Jhr Athen thut weit mehr als Ambra Wunder-Zeichen/ Die blauen Adern sind mit Turckis ausgeputzt/ Die Tulpe muß entschwaͤrtzt vor ihren Wartzen weichen. Die blaue Iris stirbt vor ihrer Augen-Licht/ Denn/ der beliebte Glantz den Jndich uͤbersteiget; Ein blauer Anmuths-Strahl spielt aus dem Angesicht Der dem bemannten Geist die Liebes-Fackeln zeiget. Die rund-gewoͤlbte Schooß die Lauben uͤbertrifft/ Der Eingang sticht hinweg das bluͤhn der Apricosen, Die Gegend des Gebuͤschs ein feurig Kitzeln stifft/ Demselben/ der da bricht der Luͤste-Zucker-Rosen Dem Garten fehlet nichts/ die Anmuth faͤllt ihm bey/ Die Venus nimmt den Sitz in den bekleeten Gruͤnden/ Die Huldinnen sind stets in dieser Wuͤsteney/ Auch Amor laͤst sich da mit seinen Luͤsten finden. Nur eines fehlt ihm noch/ ein Gaͤrtner/ der sich kan Mit fetter Perlen-Milch zu saͤemen ihn befleissen/ Nimmt mich nun Lesbia zu ihren Gaͤrtner an/ So kan ich Zephyrus sie meine Chloris heissen. Da sie ihn besuchte. M ich hub des Gluͤckes-Gunst zu den gestirnten Hoͤhen/ Als ich die Lesbia sah in mein Zimmer gehen/ J 5 Es Verliebte und galante Gedichte. Es lachte mich ihr Mund mit holden Blicken an/ Die Augen waren mir mit Anmuth zugethan Kein Blitz mag nicht so bald durch schwartze Wolcken spielen/ Als sie der Augen-Strahl ließ auf mein Hertze zielen/ Der den Crystallen-Schein des Mondes uͤbersteigt/ Wenn er sich bey der Nacht in vollem Wachsthum zeigt. So wie kein Demant kan der Sonnen-Glantz verdringen/ Noch ein begraut Magnet das weisse Silber zwingen/ So geht der Wangen-Pracht des Himmels Golde fuͤr/ Wenn sich Matuta zeigt in ihrer schoͤnsten Zier. Die Lilje kroͤhnt das Haupt/ die Rose deckt die Wangen/ Die Lippen mit Rubin wie Morgen-Rosen prangen/ Vor ihrer Augen-Glantz der Sternen Printz entweicht/ Und vor der Bruͤste-Schnee des Himmels-Schnee erbleicht. Vor Hitze haͤtte ich wie Wachs zerschmeltzen muͤssen/ Als ich dis schoͤne Kind so nahe muste wissen/ Wenn dessen Freundlichkeit mir nicht den Lippen Safft Jn diesem Liebes-Brand zur Kuͤhlung angeschafft. Jch kuͤhlte meine Hand bey ihren schoͤnen Bruͤsten/ Die wegen ihrer Pracht den Engeln selbst geluͤsten/ Sie war recht wunder-schoͤn/ und freundlich mit dabey/ Ach Himmel gib/ daß sie so stets gesinnet sey. Er bittet sie zu kuͤssen. Sonnet. D arf ich den Perlen-Thau von euren Lippen nehmen? Brunette, die ihr mehr als alle Schoͤnen prahlt/ Wenn eurer Augen-Blitz was goͤttlichs von sich strahlt; Der Wangen Purpur kan das Schnecken-Blut beschaͤmen. Ach darf mein brauner Mund das schoͤne Feld besaͤmen/ Wo die Natur den Mund so angenehm bemahlt/ Wo ein Ambrosen- Safft den heissen Kuß bezahlt. Jch will mich gern dazu/ wenn ihr nur wolt/ bequehmen. Brunette gebt es zu/ vergoͤnnt mir einen Kuß/ Euch ist der Lippen-Schmuck umsonst nicht zugestellet/ Selbst die Natur will/ daß man sich dahin gesellet. Vergebens quillt da nicht der suͤsse Nectar- Fluß/ Die Verliebte und galante Gedichte. Die Liebe heißt es uns den schoͤnen Ort zu suchen/ So kan die Keuschheit selbst dis Werck auch nicht verfluchen. Als er den Kuß erhalten. Ringel-Gedichte. J ch bin begluͤckt nun ich den Kuß genossen/ Jch habe recht was Sonderlichs geschmeckt/ Was ist es doch/ das in den Kuͤssen steckt? Und woher ist die suͤsse Kost entsprossen? Vom Himmel? Ja! mein Geist ist recht erquickt; Jch bin begluͤckt. Jch dancke dir vor diese Goͤtter-Gabe/ Die an dem Werth nicht ihres Gleichen hat O suͤsser Kuß! o angenehme That! O Goͤtter-Lust! die ich verspuͤhret habe; Brunette hoͤr/ mein Hertze spricht in mir Jch dancke dir. Liebes-Brief an Eranen. M ein Licht! sie nehme an mit wohl-gesinntem Hertzen/ Was ein getreuer Geist aus Liebe stylisirt; Es hat ihr holder Strahl als Feuer-reiche Kertzen Den gantzen Hertzens-Bau in lichten Brand gefuͤhrt. Mein Leben lebt in ihr/ mein Hertze ist ihr eigen/ Es steht in ihrer Macht ob ich soll gluͤcklich seyn. Wird ihrer Augen-Paar die Strahlen auf mich neigen/ So nimmt mich Canaan in seine Huͤtten ein. Ein Eden wird die Lust vor meinen Geist auffbauen/ Wo Ambra und Zibeth die gantze Lufft versuͤßt/ Des edlen Balsams-Strauch wird bluͤhen in den Auen/ Woselbst die Lieblichkeit mit vollen Stroͤhmen fließt. Der Winter muß bey mir zu einen Sommer werden/ Jn meinem Hertzen zuͤndt sich eine Sonne an/ Der Augen suͤsser Strahl/ die freundlichen Geberden Erquicken mehr den Geist als Phœbus leisten kan. Mein Verliebte und galante Gedichte. Mein Licht/ sie zuͤrne nicht wenn ihr die Schrifft zu wider Und so mein frecher Geist nach feinen Willen schreibt; Kein Manns-Bild bleibet hart bey ihren Pracht der Glieder/ Das nicht der Augen-Blitz in Sclaven-Ketten treibt? Jhr Antlitz ist der Thron wo Zucht und Tugend strahlen/ Die Schoͤnheit hat dabey ihr ihren Sitz gericht. Wie schoͤn auch die Natur die Kirschen kan bemahlen/ So gleicht ihr Purpur-Schein doch ihren Lippen nicht. Reimt ihre Trefflichkeit und ich zwar nicht zusammen/ Legt man den Demant auch zu keinem Kieselstein Noch ein geringes Spreu zu Zimmetrinde-Flammen So muß die Zwiebel doch bey schoͤnen Rosen seyn. Auf einen wilden Baum pfrofft man offt suͤsse Fruͤchte Man huͤllet Perl und Gold in schlechte Wolle ein/ Die Larve decket offt ein schoͤnes Angesichte Und eine schwartze Wolck steht bey dem Sonnenschein. Soll nun mein frecher Geist durch ihren Grimm verderben/ Und reist die zarte Hand den Hoffnungs-Ancker ab? Ach Nein! Erbarmniß laͤst mich nicht so Huͤlff-loß sterben/ Und ihre Freundlichkeit die stuͤrtzet nicht ins Grab. Jch sehe/ daß ein Licht mir in der Nacht auffgehet/ Ein Pharos zeiget mir allwo ich landen soll/ Der Himmel des Gesichts in hellen Strahlen stehet/ Die schoͤnen Augen sind nicht Blitz und Donners voll. Es laͤst ihr Freundlich-seyn mich stets das beste hoffen/ Und ihr Erquickungs-Strahl reist Furcht und Schrecken ein/ Jch sehe/ daß mein Geist im Haven eingeloffen/ Weil keine Klippen ihm daselbst im Wege seyn. Hier schliesset sich mein Brief/ doch nicht die grosse Liebe/ Die gegen sie/ mein Licht/ in meinem Hertzen brennt/ Der Himmel gebe zu/ daß sie den Wechsel uͤbe/ Und daß ihr keusches Hertz nicht meine Brunst verkennt. Plutarchus schreibet/ daß die Gaͤrtner neben die Rosen-Stoͤcke starckriechende Zwiebeln und Knoblauch pflantzen/ davon die Rosen einen staͤrckern und annehmlichern Geruch bekommen. Auf Verliebte und galante Gedichte. Auf ihr Angesichte. Ringel-Gedichte. D ein Angesicht dem lichten Himmel gleichet Das Augen-Paar mit sanfften Strahlen blitzt! Und Titan gleich den kalten Geist erhitzt/ Das Wolcken-Feld den glatten Wangen weichet; Es uͤbertrifft/ des Himmels klahres Licht/ Dein Angesicht. Der Purpur-Schein der ungeschminckten Wangen Der sticht hinweg Aurorens Rosen-Krantz; Das Abend-Roth verliehret Pracht und Glantz Vor den Rubin/ damit die Lippen prangen. Den Himmel laͤst nicht Obermeister seyn Der Purpur-Schein. Er wuͤnschet eine Blume zu seyn. J hr Florens Meister-Stuͤck/ Jhr angenehmen Rosen/ Die ihr das holde Gluͤck Jn Chloris Busen habt/ Daß ihr die weisse Haut Der Marmor- Brust beschaut; Vor welcher die Zeitlosen Gleich als beschaͤmet stehn. Die euch ein warmer Schnee Der zarten Bruͤste labt/ Die einen Marmor- See Zur Kuͤhlung bey sich sehn/ Seyd doch darauf bedacht/ Daß gleicher Blaͤtter-Pracht Mit euch mich huͤlle ein/ Daß ich mag bey euch seyn. Euch Goͤtter bitte ich! Ver- Verliebte und galante Gedichte. Verwandelt mich in Blumen Jn kraͤfftige Jdumen, Jn riechende Violen/ Jn praͤchtige Narcissen, Macht fort/ verwandelt mich! Laßt Chloris Hand mich holen/ Und bey den Bruͤsten wissen/ So lebe ich vergnuͤgt. Wo nicht/ so soll mein Blut/ Wie Adons seines thut/ Doch schoͤne Rosen zeugen/ Die sich zu Chloris neigen/ Denn bin ich auch entseelt Bey ihrer Brust vergnuͤgt/ Weil es das Gluͤcke so gefuͤgt/ Daß ich das schoͤne Feld Der Brust zum Blumen-Bett gekriegt. An die artige Demoiselle W ---- im Nah- men des Duremonds. E in Blatt voll Schaam und Furcht wirfft sich zu euren Fuͤssen/ Es scheut sich/ daß es soll die Haͤnde ruͤhren an/ Die als der Unschuld Bild von keiner Falschheit wissen/ Ach! daß ich mich des Ruhms nicht wuͤrdig schaͤtzen kan. Zuͤrnt nicht galantes Kind/ daß ich das Wort gebrochen/ So euch mein falscher Mund mit Lieblichkeit versprach/ Jhr seyd schon/ meine Lust/ genug an mich gerochen/ Es brauchts nicht/ daß ihr mehr besinnet euch auf Rach’. Mein guͤtiges Geschick/ mein bluͤhendes Geluͤcke Verehrte eure Gunst mir als ein Eigenthum/ So bald ich euch ersah’ und eure holde Blicke/ Da war mein freyer Sinn um seine Freyheit um. Jch starrete vor Lust/ ich fing euch an zu lieben/ Und ihr erregetet ein Feur in meiner Brust/ Allein die Linderung war nicht zu weit geblieben/ Ein heisser Thès, der war Urheber meiner Lust. Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch kunte euch/ mein Schatz/ da sehen und auch sprechen/ Und unser Liebe-Grund ward bey dem Thèe gelegt/ Eur vordem hartes Hertz/ das fing da an zu brechen/ Jhr wurdet so wie ich durch gleichen Trieb bewegt. Noch ferner bauten wir das Wohn-Haus unser Liebe/ Als man durch Speiß und Tranck den matten Leib erhielt/ Bald war eur Antlitz klahr/ bald wurd es wieder truͤbe/ Von euren Augen wurd ein steter Blitz gespielt. Da fing nun jedes Hertz an gegen euch zu brennen/ Die gantze Compagnie verehrte eure Pracht/ Einjeder muͤhte sich euch zu gefallen koͤnnen/ Und nach dem Essen ward so manche Lust erdacht. Man sang/ man spielete vermischt mit einem Tantzen/ Da wurde ich von euch zu euren Mann erklaͤhrt/ Und drauf begunten wir den Lebens-Baum zu pflantzen/ Eur Hertze wurde mir und meines euch verehrt. Darnach so machten wir versuͤßte Kalte-Schaalen/ Erdbeeren/ Zucker/ Wein genossen wir darinn/ Jhr waret gantz vergnuͤgt mit solchen Liebes-Mahlen/ Es zeigte Lustbarkeiteur angenehmer Sinn/ Wie diese war verzehrt/ da fing man an zu trincken Den heissen Chocolad bis in die spaͤhte Nacht/ Und als die Sonne schon am Himmel fing zu blincken/ Da ward der matte Leib zur Ruhe erst gebracht. Als nun der suͤsse Schlaff die Augen-Burg verlassen/ Da ging die Lustbarkeit von neuen wieder an/ Man schenckte siedentheis den Coffe in die Tassen, Und die Gesundheit war: Es leb die W ---- So bald wir nun hinweg vom Tisch und Tafel waren/ So war schon neue Lust im Uberfluß erdacht/ Es kahm ein Wage an darinnen auszufahren/ Wie die Abrede man schon unter uns gemacht/ Hin nach dem naͤchsten Dorff/ so vor der Stadt gelegen. Als nun die Kurtzweil da/ wie wir gewolt/ war aus/ Da liessen nach der Stadt wir wieder uns bewegen/ Da blieben wir vorm Thor in einem Schencke-Haus. Da mustet ihr die Nacht hin mit dem Tantzen bringen/ Kein Schlaff der kahm uns nicht/ wir waren lustig da Bis Verliebte und galante Gedichte. Bis daß der Voͤgel-Schaar anzeigte durch ihr Singen/ Daß allbereits der Tag und guͤldne Sonne nah. Hier solt’ ich als ein Mann euch nun Geleite geben Da eure Reise fort/ und zu den Freunden ging; Allein es kahm damahls mir eine Reise eben/ Daran der Compagnie ein grosser Vortheil hing; Drum koñte ich mein Wort/ mein Schatz und Kind nicht halten/ Verzeihet eurem Mann/ was er/ mein Licht/ versehn; Und so ihr zornig seyd/ so laßt ihn leicht veralten/ Sonst muß ich vor der Lust in schwartzen Trauren gehn. Mein Hertze lebt in euch/ ich bin mit euch verbunden/ Eur suͤsses Hertze fließt alltaͤglich durch mein Hertz/ Wenn ihr nun boͤse seyd schlagt ihr euch selber Wunden/ Doch was? ihr zuͤrnet nicht/ ihr treibt nur Spaaß und Schertz. Als er Bellandren auf einer Hochzeit sahe. S agt Augen/ sagt es doch/ seh ich Bellandren hier? Ja! denn ihr Angesicht geht allen Damen fuͤr/ Es sieht die Cyprie ihr aus den holden Augen/ Schaut wie man unvermerckt ein Gifft hierein muß saugen/ Das man vor Lust nicht schmeckt bis es die Wirckung thut/ Und spielend durchgewuͤhlt Gehirn/ Hertz/ Marck und Blut/ Doch zagt nicht/ denn ihr seht auch ein Paar schoͤne Bruͤste Die heilen allen Schmertz durch ungemeine Luͤste. Es wird der Liebes-Brand geloͤschet und gekuͤhlt/ Wenn der entzuͤckte Geist um Brust und Lippen spielt/ Doch Augen schließt euch zu/ ihr habt hier nichts zu hoffen/ Euch steht das Auge zwar/ doch nicht der Busen offen. Auf ihre Augen. Sonnet K ein Demant spielt so schoͤn als deiner Augen-Licht/ Wann ein beliebter Blick mit holden Flam̃en strahlet/ Und wenns der Sonnen gleich mit reinem Feuer prahlet/ Der Sternen Silber gleicht der guͤlden Sonnen nicht. Und Verliebte und galante Gedichte. Und vor Matutens Glantz weicht Phœbens ihr Gesicht; Jhr Augen aber doch weit besser Anmuth zahlet/ Der Himmel hat in euch sein Wesen abgemahlet/ Das gleich als wie der Blitz durch Marck und Adern bricht. Jhr Augen eure Pracht ist mehr denn wunder-schoͤn. Zwey Sonnen sieht man da so noch beysammen stehn. Jhr seyd der Liebe-Quell/ der Schoͤnheit bestes Wesen Der Ort/ wo Freundlichkeit den Wohn-Platz auserlesen/ Ein Spiegel holder Lust/ ein Brenn-Glas voller Gluth/ So in geschwinder Eyl die groͤßte Wirckung thut. Als er wieder seinen Eyd gehandelt und ihr Masquiret eine Visite gegeben. Sonnet. M ein Licht! ach duͤrffte ich sie/ Schoͤnste/ also nennen/ Und hoͤrte sie von mir den holden Nahmen an/ So haͤtte meine Pflicht nichts Widriges gethan/ Und ihr entbraunter Zorn koͤnnt nicht so hefftig brennen/ Ja moͤchte sie sich selbst und ihre Anmuth kennen/ Und was ihr Reitz- Magnet vor Wunder-Kraͤffte kan/ So schwuͤnde gleich ihr Haß/ und der gefaßte Wahn Als wolte ich das Band des festen Eydes trennen. Doch was beschoͤn ich mich! der Bruch der ist begangen/ Mein Fehler/ der verdammt/ und richtet mich zugleich/ Jch muß des Eydbruchs-straf den Rechten nach empfangen/ Gerechte Richters macht kein Flehn bey Unrecht weich. Allein! dis bitt ich aus/ soll ohne Gnad ich sterben/ Daß ich in ihrer Schooß/ mein Engel/ mag verderben. Eines v e rliebten Schreib-Feder redet. W as vielen heimlich ist/ das kriege ich zu wissen/ Durch mich wird manche Noht und grosser Schmertz beklagt; Jch sage was man offt sich nicht zu sagen wagt/ Und jenes macht entzuͤckt/ was ich gesetzt vom Kuͤssen. K Aus Verliebte und galante Gedichte. Aus meiner Roͤhre pflegt der Wollust-Quell zu fliessen/ So daß die todte Schrifft so Aug’ als Hertz behagt. Mein stummer Mund viel mehr als ein Beredter sagt/ Durch mich kan sich ein Paar an fernen Orten gruͤssen; Durch mich entzuͤnden sich gar offt die kalten Hertzen/ Mein Wesen zeuget Lust mit Gluth beseelten Schertzen/ Mein unberedter Mund auch sproͤde Hertzen zaͤhmt/ Jch muß den Liebenden die erste Labsahl zeigen/ Jch saͤtze was der Mund sich vorzubringen schaͤmt/ Und rede vom Papier wenn Zung und Redner schweigen. Als sie sagte ihre Bruͤste waͤren nicht huͤbsch. J ocaste deine Brust ist uͤberaus galant, Wie/ kan ein Busen wol von Bruͤsten huͤbscher seyn? Der Athen schwellet auf den weichen Marmor Stein/ Der runde Circul fuͤllt die drauf gesenckte Hand. Es macht der warme Schnee die groͤste Lust bekand/ Die beste Zierde ist/ daß sie ein wenig klein/ Doch blaͤßt sie Feur und Reitz den luͤstern Geistern ein. Jhr Milch-Meer das entzuͤndt durch einen sanfften Brand. Von den Rubinen trifft ein suͤsser Alecant, Die Mildigkeit und Gunst zu vollen Wachsthum streun Den Saamen suͤsser Lust auf das beliebte Land. Jhr Bruͤste quillt hervor das bester Zuckerkand/ Man muß euch Hand und Mund zu einen Alkar weyhn Und behten goͤttlich an den weissen Wunder-Schein. Schaͤffer-Gedichte Balis. A ls naͤchst der Phœbus kaum vergnuͤget ausgeschlaffen/ Und ihm im Augen noch der dunckle Schlummer stand/ War Tarsis schon im Feld’ mit seinen frommen Schaafen/ Weil er im Bette nichts als lauter Unruh fand. Er trieb die Liebe-Schaar auf eine fette Weide/ Und legte sich betruͤbt an eine Eichen hin/ Er Verliebte und galante Gedichte. Er klagte/ daß sein Gluͤck des Schicksahls-Haß beneide/ Jndem es aͤnderte der Balis ihren Sinn. Die Kuͤsse/ brach er aus/ die mir ihr Mund gegeben/ Die mehren meinen Schmertz nun sie versaget sind/ Die Geister ziehen weg/ es endet sich mein Leben/ Nun Balis ihre Lust nicht mehr an Tarsis find. Jhr Freundlich-seyn ist hin/ die Liebe ist verblichen/ Ein jeder Blick anjetzt mit Donner schwanger geht/ Das heisse Liebes-Feur ist aus der Brust entwichen/ Daß sie wie Zemblens Eyß starr und erfroren steht. Ach! dencke ich anjetzt an die versuͤßten Stunden/ Die ich mit ihr vor dem an diesem Ort gehabt Wie ich der Lippen-Safft im Uberfluß gefunden/ Und auf der Zucker Brust mit Anmuth mich gelabt: So zinßt der Augen-Quell sehr haͤuffig heisse Zaͤhren/ Das Hertze schlaͤgt als wenns vor Angst zerspringen will/ Unseeliges Geschick! verworffenes Verkehren! Muß eben Tarsis seyn dein auserwehltes Ziel? Was schoͤpffest du vor Lust aus meiner Angst und Quaͤhlen? Sag’ ob dir Freude bringt mein Jammer/ meine Pein/ Und warum trennest du zwey heiß verliebte Seelen/ Daß eine muß ein Feur die ander Kaͤlte seyn? Kaum hatten sich gesetzt des Hertzens tieffe Wunden/ Und Balis die war erst durch Bitten uͤberstimmt/ Als dein verworffner Zorn mir das/ was ich gefunden Zur Heilung meiner Pein/ mit Ungestuͤm wegnimmt. Hie schoß ein Thraͤnen-Bach ihm aus den truͤben Augen/ Die Zunge laͤhmte sich/ der Worte-Laut verschwand/ Die Geister wolten nichts mehr vorzubringen taugen/ Die Angst und Traurigkeit nahm bey ihn uͤberhand. Doch endlich fing er an; was nuͤtzet mir das weine Mit meinen Klagen treibt die Echo ihren Spott/ Nach Regen pfleget sonst die Sonne schoͤn zu scheinen Allein die Hoffnung ist zu Balis Aenderung todt Jhr Sinn ist wie Porphyr, den keine Tropffen trennen/ Jhr Hertze ist wie Stahl/ so hart wie Diamant/ Weils auch die Thraͤnen nicht der Augen zwingen koͤnnen/ Das Feuer/ das mich brennt/ hat nicht bey ihr bestand. K 2 Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch lebe ohne Lust/ ohn Schlaffen/ Essen/ Trincken/ Der Gramm verzehrt den Geist/ der Coͤrper naht dem Grab/ Ob schon die Nymphen mich mit holden Augen wincken/ So schaffet Balis Haß doch alle Freude ab. Der Phyllis Kuß ist Gall/ der Mopsa Mund ist bitter. Jhr Schertzen stincket mich als Euter-Beulen an/ Wenn ich sie lachen seh duͤnckts mir ein Ungewitter/ Nichts als der Balis Gunst den Geist erfreuen kan. Jch sehe manches Bild bey unsern Schaͤffer Nymphen, Das gar nicht heßlich ist/ doch gleichts der Balis nicht/ Sie kan durch ihre Pracht sie allesammt beschimpffen/ Die gantze Nymphen- Schaar erstaunt vor den Gesicht So wie der helle Tag den Abend uͤbersteiget/ So raget ihre Pracht vor andern auch herfuͤr/ Der lichte Jsabel sich vor den Haaren neiget/ Die weisse Haut beschaͤmt der Liljen ihre Zier. Die Wangen Milch und Blut wie bunten Marmor mahlen/ Vor ihren Mund zerfaͤlt der schoͤneste Rubin/ Die Augen sanfften Blitz aus schwartzen Peche strahlen/ Die Zaͤhn sind Helffenbein/ der Athen ist Jesmin. Die Bruͤste sind ein Schnee/ ach angenehmes Dencken/ Davon ein suͤsses Safft gleich Lontens Zucker rinnt/ Wer wolte sich im Geist nicht sehr daruͤber kraͤncken Wenn ihm solch eine Brust nicht allzeit ist verguͤnnt? Wenn ihren Purpur fruͤh Aurorens Schooß ausbreitet/ Und sie nach Cephaln sich betruͤbt mit Thraͤnen sehnt; So dann mein muͤder Fuß die Felder schon beschreitet Jch freu mich wenn bis Kind der Goͤttin Schmuck verhoͤhnt. Ach Balis aͤndre dich! Verhaͤngniß laß dein Wuͤhten! Mach/ daß die Balis mich/ den treuen Tarsis liebt/ Erzuͤrnter Himmel laß mein Flehen dich beguͤten/ Daß Balis sich mit Lust in meine Armen giebt. Dein Hart-seyn gegen mich verjage und verbanne/ Und vor Cometen- Schein sey ein gewuͤnscht Planet, Sey kein ergrimter Loͤw/ kein Tyger/ kein Tyranne/ Dem sein vergrelltes Maul nach Blut stets offen steht. Wann Verliebte und galante Gedichte. Wann aber Balis Hertz unmuͤglich ist zu beugen! So weiß ich Armer nicht was vor mich uͤbrig ist/ Jch muß zu meiner Noht/ und meinen Schmertzen schweigen/ Und dencken/ daß der Tod die Lebens-Pein versuͤßt. Aus Kummer und aus Angst soll meine Seel verschmachten/ Hier dieser helle Fluß soll mein Begraͤbniß seyn/ Doch muß ich in den Baum erst einzuschneiden trachten/ Der Balis Hart-seyn stuͤrtzt zum Flusse Tarsis ein. Der Venus Freude uͤber des Paris Ausspruch. K ommt Amourette, kommt/ helfft stoltzen Schmuck bereiten/ Bringt weitgehohte Wuͤrtz/ und theuren Ambra her/ Jhr Nymphen schaffet an was noch viel koͤstlicher Als Zimmet-Oele ist/ und Balsam kan bestreiten/ Jhr Wolcken thauet Safft/ das dem Jesmin- Oel gleicht/ Und am Geruch die Krafft des Muscus uͤbersteigt. Die Venus hat den Rang der Schoͤnesten bekommen/ Der Juno Schnee-Gestalt vor meinen Marmor weicht/ Der Fallas blauer Strahl die stoltzen Seegel streicht/ Mein Ansehn hat jetztmehr als sonsten zugenommen/ Es streut die gantze Welt mir Weyrauch aufs Altar/ Die Venus hat gesiegt die sonst die dritte war. Den guͤldnen Apffel hat mir Paris zugestellet Es hat mein nackter Leib den andern obgesiegt/ Minerv- und Junens Pracht mir zu den Fuͤssen liegt/ Mein Leib hat sich jetzt mehr durch Schoͤnheit auffgeschwellet/ Der Zunder suͤsser Lust mit mehrer Anmuth glimmt/ Da meiner Glieder-Pracht die andern uͤberstimmt/ Mein Schoͤn-seyn bruͤstet sich mit groͤssern Zierlichkeiten/ Als da ich aus der Fluht des bittern Meeres kahm/ Und mich mein Gnidus auf zu seiner Goͤttin nahm. Mein Paphos wird den Thron mir koͤstlicher bereiten/ Mir/ als der Schoͤnesten/ zuͤndt jeder Opffer an/ Und diese Ehre wird mit Recht mir angethan/ K 3 Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch bin die nuͤtzlichste/ und allen vorzuziehen/ Das Reich-seyn hilfft gar nichts/ die Schaͤtze find nur Dunst/ Die Weisheit/ die zerfaͤllt/ es gehet ein die Kunst; Wenn keine Menschen mehr zu unsern Fuͤssen bluͤhen/ Durch mich besteht die Welt/ mein Wesen brennt den Geist/ Durch meine Macht entsteht was Brunst und Liebe heist. Vor lag was Lieben heist in duͤstrer Grufft vergraben/ Die Anmuth war noch nicht der Erden anvermaͤhlt/ Die Welt war oͤd und wuͤst/ der Mensch stund als entseelt/ Bis daß ich aus der See kam mit den Liebes-Gaben. Kaum aber hatte mich das feste Land erblickt/ Als schon die Creatur sich schaͤtzete begluͤckt. Die Menschen lebten auf/ es liebte was gestorben/ Die Voͤgel kuͤßt en sich/ die Fische trieben Schertz/ Es war da lauter Lust/ wo vormahls duͤstrer Schmertz/ Vor Hitze schwitzte das/ was durch den Frost verdorben/ Die Menschen paarten sich/ zwey nennten sich ein Leib/ Da dieses eins doch zwey zusammen Mann und Weib. An Schoͤnheit Pallas mir und Juno nicht kan gleichen Wer bringt das schoͤne Volck/ die Jungfern wol herfuͤr? Bin ichs/ die Venus nicht/ wer widersetzt sich mir? Jch kan durch ihren Blick das haͤrtste Hertz erweichen/ Alleine dis Geschlecht reicht Kron und Palmen her Wenn auch des Paris Spruch mir schon entgegen waͤr. Nun aber hat der Hirt den Apffel mir gegeben/ Des Jda Nymphen sind die Zeugen des Gewinst/ Die Seide sieget an der Spinnen-Wurm Gespinst/ Und die Arachne faͤllt vor meiner Feindin Weben. Die Rosen meines Bluts den Liljen uͤbergehn/ Die von der Juno Milch mit Thraͤnen schwanger stehn. Mich ehrt die gantze Welt/ man ruͤhmt die Aphrodite, Mein Ansehn meine Macht beseelet Holtz und Stein/ Und meiner Allmacht-Krafft muß alles dienstbahr seyn/ Doch macht die Banden leicht mein gnaͤdiges Gemuͤhte/ Und meine Sclaverey ist ein versuͤßter Dienst/ Was man dadurch verliehrt bringt doppelten Gewinst. Mein Verliebte und galante Gedichte. Mein Ehren-Tempel wird in Ewigkeit bestehen/ Wenn Kunst und Schaͤtze hin/ liebt doch die Seele noch/ Und in der letzten Welt traͤgt man das Liebes-Joch; Es wird der Venus Macht mit keiner Zeit vergehen/ Der Schoͤnheit-Pracht ist ihr/ die zwingt die gantze Welt/ Und was der Himmel hegt zu ihren Fuͤssen faͤllt. Mein Paphos lachet jetzt/ und Gnidus lieset Palmen/ Cupido ist erfreut/ die Tauben schnaͤbeln sich/ Mein Schwaanen-Spann das liebt sich noch so inniglich/ Und traͤgt zu meinem Sitz viel gruͤne Myrthen Halmen. Der Blumen Kayserin/ der Erden Sonnen-Rad/ Die bruͤstet sich/ weil sie mein Blut zum Ursprung hat. Macht Amouretten fort dieselbe zu bedienen/ Vor die der Himmel sich mit sammt der Erden beugt/ Und sich vor ihren Thron in tieffster Demuth neigt/ Schafft stoltze Perlen an/ bringt schimmernde Rubinen/ Holt theure Steine her/ so wie sie wuͤrdig sind/ Daß ihrer Venus sich zu einen Schmuck bedient. Jch weiß vor Freuden nicht was ich zuerst beginne/ Jch weiß nicht wie ich soll mein Freuden-Fest begehn/ Und was vor Zierath soll in meinem Tempel stehn/ Und ob ich mich gleich viel auf Schmuck und Pracht besinne/ So faͤllt mir lustigers zu dieser Zeit nichts ein/ Als daß der Auffzug soll von nackten Nymphen seyn. Er ist zu gluͤcklich. Sonnet. D as Gluͤcke ist mir mehr/ als ich verdient/ gewogen/ Es blickt sein holdes Aug mich uͤbermaͤssig an/ Es leitet seine Hand mich auf die Nelcken-Bahn/ Noch hat mir seine Gunst im Lieben nichts entzogen. Die Sterne sind mir hold am blauen Himmels-Bogen/ Jhr Einfluß hat mir Guts im Uberfluß gethan; Mein Stellen auch so gar die Hertzen fangen kan/ Dadurch ich Lesbia. das holde Kind betrogen. K 4 Jm Verliebte und galante Gedichte. Jm Lieben kan ich mich vor andern gluͤcklich nennen/ Denn wenn ein ander sich mit leerem Dunst muß heucheln/ So kan mein Hertze sich mit wahrer Liebe schmeicheln/ Jocaste ist mir hold/ die Lesbia mich liebt/ Doch wie bey heiterm Schein es finster Wolcken giebt/ So kan mein Hertze auch bey aller Brunst nicht brennen. Er entschuldiget sich bey dem Frauen-Zim- mer wegen seiner Unbestaͤndigkeit. H och werthes Jungfern-Volck ihr Lust-Gebaͤhrerinnen/ Jhr Kinder des Geluͤcks/ ihr Schmuck der gantzen Welt/ Der/ welcher eure Pracht nicht recht kan Lieb-gewinnen/ Vor eurem Sieges-Thron in hoͤchster Demuth faͤllt. Er beichtet seine Schuld/ er schilt auf sein Verbrechen/ Sein boͤses Wesen ist ihm uͤbermaͤssig leid/ Doch kan er euch dabey nicht Besserung versprechen/ Weil ihm in Wege steht die Unbestaͤndigkeit. Mein Hertze wird zwar wol von euren Pracht geruͤhret/ Es scheint als waͤre ich in euren Schmuck verliebt/ Doch wenn man mich alsdann zur lichten Sonnen fuͤhren So zeigt sich/ daß mein Hertz nur falsche Stellung giebt. Jch bin mir selbsten gramm ob diesen boͤsen Wesen/ Jch fluche aufs Geschick/ das mich nicht lieben laͤst. Hat heute gleich mein Hertz was Liebes auserlesen/ Das flieh ich morgen schon als waͤr es Gifft und Pest. Vertumnus kan sich nicht so bald und viel verkehren. Als mir mein Wanckelmuth was frisches lieben heist/ Dieselbe/ die ich fruͤh muß uͤber goͤttlich ehren/ Vor Abend offt mein Geist von ihrem Throne schmeist. Das Meer/ so stille ist/ und spielt mit sanfften Wellen/ Erhebet nicht so bald die ungestuͤhme Fluth/ Als wie mein Wanckelmuth mein Lieben kan verstellen/ Und setzen das in Pein/ was in der Lust geruht. Das Thier Chamelæon muß mir am Wandeln weichen/ Jch schaͤme mich darum/ daß ich so schwermisch bin/ Der Verliebte und galante Gedichte. Der Unbestand des Monds kan meiner Art nicht gleichen/ Es uͤberwieget ihn mein unbestaͤndger Sinn. Des Protheus seine Kunst sein schleuniges Veraͤndern/ Auch meinem Wanckelmuth nicht im geringsten gleicht/ Der bin ich jetzo hold/ und jene laß ich schlendern/ Dem Augenblick schon dort mein Hertz die Seegel streicht. Dis ist Hochwertheste was meine Sinnen quaͤhlet/ Was mich in Kummer setzt/ was meine Brust veracht. Macht doch Annehmlichste/ daß mich ein Stern beseelet Der gegen euren Schmuck mein Hertze brennen macht! Jch wuͤnsche mir gar offt ein heiß verliebtes Hertze/ Wenn eine schoͤne Hand mir meine Finger druͤckt/ Doch dieses ist alsdann mein allergroͤßter Schmertze/ Daß sich mein Stellen nicht zu ihren Flammen schickt. Ach Engels zuͤrnet nicht/ verspahret eur Verdammen/ Vielleichte aͤndert sich mein Hertze mit der Zeit/ Und ich bequehme mich zu nehren Amors Flammen/ Wenn meine Wanckelmuth wird zur Bestaͤndigkeit. Der Traum. Aus dem Frantzoͤsischen. W as sehe ich? einpfindliche Climene! Jst euer Hertz durch Amors Trieb geruͤhrt? Jsts muͤglich/ daß ihrs seyd/ gestrenge Schoͤne? Jsts nicht ein Traum der mich in Jrrthum fuͤhrt? Wie! sehe ich allhier die stoltze Schoͤne? Die meinen Wunsch durch ihren Haß verletzt; Die streng’ und unbarmhertzige Climene - - - - Jhr weint; macht daß eur Seuffzen mich ergoͤtzt. Ein stoltzer Schaam hat schon vor langen Zeiten/ Den stillen Wunsch in eurer Brust bekriegt/ Ach! daß anjetzt das Amors wil bereiten/ Was nach Verdruß! so Hertz als Geist vergnuͤgt. Die Zaͤrtlichkeit/ die unser Hertzen brennet/ Berauschet uns Climene inniglich; Mein Hertz ist schon - - - wer ist es/ der mich nennet? Grausahmes Hertz! warum erweckt ihr mich? K 5 Die Verliebte und galante Gedichte. Die Lust des suͤssen Todes. Aus dem Frantzoͤsischen. D ie suͤsse Hefftigkeit der allerschoͤnsten Lust Ließ Tyrsis naͤchst bey nah in Phyllis Armen sterben/ Die da sein Himmelreich/ und Seele seiner Brust/ Der Phyllis deren Macht durch Blicke alles zwinget Und in die Sclaverey des schoͤnsten Gottes bringet. Doch Phyllis wolte nicht/ daß Tyrsis solte sterben/ Sie wolt mit ihm zugleich in solcher Lust verderben. Denn Tyrsis ließ hierauf von seinem Sterben ab/ Und lehnte sich aus Zwang auf seinen Schaͤffer-Stab; Doch da er leben wolt/ starb er zu tausendmahlen Als unterdessen nun auf ihrer schoͤnen Brust Der Schaͤffer Himmels-Kost geschmeckt in voller Lust/ Und sie sein Sterben sah/ und seine Liebes-Quaalen/ Sprach sie mit sanffter Stimm’/ und einem schwachen Blicke: Mein liebster Schaͤffer stirb/ ihr Geister weicht zuruͤcke/ Die Phyllis stirbt auch mit/ sie kuͤßt den suͤssen Tod. So starb nun dieses Paar/ indem es sich erhitzte/ Doch Tyrsis sagte bald/ du wunderschoͤne Noht/ So wie mein Leben stirbt/ so wil ich auch verderben/ Stirb/ liebste Phyllis stirb! die Ohmacht ficht mich an/ Wenn du mein Leben stirbst/ ich nicht mehr leben kan - - - - So sind die Liebenden in Anmuth hingestorben/ Doch sie durch einen Tod/ der voller Lust/ verdorben/ Und dessen Lust verdient/ daß man um todt zu seyn/ Von neuem tausend mahl schoͤpfft Geist und Odem ein/ Weil ihre Sterbens-Pein zu neuen Luͤsten nuͤtzte. Als sie zu ihm sagte ihre Liebe gegen ihm waͤre gestorben. Ringel-Gedichte. J ch sterbe schon/ nun deine Gunst versenckt Jm Grabe ist; denn kan es wol geschehen/ Daß ohne Hertz zu leben man gedenckt? Und ich soll hier mein Hertz begraben sehen/ Das Verliebte und galante Gedichte. Das dir geschenckt der Venus kleiner Sohn/ Jch sterbe schon. Asterie! gruͤnt keine Hoffnung mehr? Schlaͤgt der Blitz die starcken Eichen nieder? Da doch ein Strauch stuͤrmt es gleich noch sehr Auffrecht behaͤlt die gantz geringen Glieder; Begehr doch nicht/ daß ich vor Angst vergeh Asterie. Man bittet ein Frauen-Zimmer zur masquir ten Schlitten-Fahrt. Sonnet. J etzt/ da der rauhe Nord/ mit blanckem Eyß bezogen/ Den Pfeil-geschwinden Lauff des strengen Flusses wehrt/ Da Florens bunte Pracht ein kalter Frost verzehrt/ Da nichts als weisser Schnee kommt aus der Lufft geflogen/ Der uns das todte Feld zu lassen hat bewogen/ Da man ein Marmor- Meer uns auf dem Land verehrt/ Das in der Winters-Zeit Lust und Vergnuͤgung mehrt/ Denn in dem kalten Schnee erhitzet Eros Bogen. Hat eine Compagnie die Schlitten-Fahrt beliebt Darinnen man verkleidt so Mond-als Jahres-Zeiten Als Tuͤrcken und Hufarn ist willens zu begleiten/ Weil nun ihr Angesicht den bunten Lentz abgiebt/ So bittet diese Zunfft/ wenn es so kan geschehen Daß man sie mit darbey als Fruͤhling moͤge sehen. Als er die Ehre hatte selbige unter den Nah- men Jbrahim zu fahren. B egluͤckter Jbrahim, der du in rauhen Zeiten Der Anmuth holden Lentz durch Schnee und Eyß kanst leiten/ Der du mit Purpur-Schmuck bemarmeln kanst den Schnee/ Und Rosen wachsen stehst auf der beschneeten Hoͤh Der Verliebte und galante Gedichte. Der Alabaster Brust/ der du der Lippen-Nelcken/ Und Wangen-Liljen siehst in keinem Schnee verwelcken/ Der du den sanfften Strahl der Augen spielen stehst/ Und deren Venus- Schein zu kuͤssen dich bemuͤhst. Doch wuͤrdest du noch mehr der schoͤnsten Sachen sehen/ Wenn du als Zephyr duͤrffst in ihren Garten gehen/ Allwo ein Balsam-Busch mit Zucker Rosen bluͤht/ Zu dem die Reitzung uns/ wie Agt das Spreu hinzieht. an ein Frauen-Zimmer/ der man des be- ruͤhmten Talanders Schau-Platz der ungluͤckseeli- gen Verliebten schicket. Sonnet. M ein Schicksahl ist so schlimm als derer wohl gewesen/ So hier die witzge Schrifft von einer klugen Hand Jn netter Zierlichkeit den Teutschen macht bekandt/ Die Franckreichs Ebentheur in ihrem Buch laͤst lesen/ Sie zeiget/ daß der Neid stets bey der Liebe-Tresen Den Kaͤuffern giebt Allaun vor suͤsses Zuckerkand/ Der offt das rohte Hertz in Spaden hat verwand/ Denns Gluͤcke geht in Bley/ das Ungluͤck faͤhrt in Chaisen, Lernt nun Jrene hier auch ihre Treue brechen/ So kan ich nicht der Schrifft daruͤber boͤse seyn/ Nur auf das Schicksahl werd ich nicht zum besten sprechen/ Weil es Jrenen hat dis Buch geliefert ein Doch troͤst ich mich damit trotz aller Neider Rasen. Daß endlich das Geluͤck ins Seegelmuͤssen blasen. Die gluͤckliche Mittags-Ruhe. Ovid. Amor. lib. 1. Eleg. V. E S war sehr hefftig heiß/ der Morgen war vergangen/ Jch legte mich aufs Bett als ich gespeist zur Ruh/ Die Fenster-Lade war halb offen und halb zu/ Fast wie mit ihrem Licht die duͤstern Haͤynen prangen/ So Verliebte und galante Gedichte. So/ wie/ wenn Phœbus fort die dunckle Demmrung leuchtet/ Wie/ oder nach der Nacht des Tages Vortrab scheint/ Jn welcher Dunckelheit kein Maͤdgen es verneint/ Weil der Furchtsahmen Schaam darinn gesichert daͤuchtet. Corinna kahm darauf mit einem Rock bedecket/ Loß um den weissen Hals des Haar ohn Schleyer hing/ So wie Semiramis vor dem zur Ruhe ging/ Und wie die Lais sich ins Buhler-Bett gestrecket. Jch raubte ihr den Rock/ und dachte sie zu kriegen/ Sie aber griff auch zu/ und faßte das Gewand Es wieder anzuziehn/ doch war ihr Widerstand Kein Ernst/ sie ward besiegt durch willigs Unterliegen. Daß sie nun gantz entbloͤßt vor unsern Augen stehet/ Es war so gar kein Fehl an dem galan ten Bauch/ Als ich die Schulter sah so war der Armen auch/ Die Brust/ die war gerecht zur Tastung aufgeblaͤhet. Jch weiß nicht alle Pracht/ und was sich kostbahr zeigte/ So wie die Seite war/ so war der Huͤffte-Zier Jch fand/ mit einem Wort/ nichts Tadelhaffts an ihr/ Daß ich auch meinen Leib an ihre Glieder beugte. Wers Ubrige nicht weiß/ der rahte in die Wette Bis ihn die Reitzung hin auf die Gedancken zieht/ Wir schlieffen endlich ein/ weil wir zu sehr ermuͤdt/ Doch wuͤnsch ich/ daß ich stets so guten Mittag haͤtte. Als sie zu ihm sagte: er waͤre zu furchtsahm. Rondeau. J ch bin und bleibe so in meinem Courtifi ren/ Daß ich die Frucht mag sehn doch nicht zum Munde fuͤhren/ Die wurmenstichig ist und voller Galle steckt/ Die/ ob sie Anfangs suͤß/ hernach verzweiffelt schmeckt. Drum kanich auch nichts mehr als ihre Brust beruͤhren/ Und der Gewohnheit nach mit Worten sie flatti ren/ Denn dieses werde ich niemahlen hazardi ren Noch goͤnnen/ daß mein Sinn nach ihrer Schooß sich streckt. Jch bin und bleibe so. Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch mag den Maͤdgens gern aus Lust complimenti ren/ Und so sie guͤtig sind zum Spasse was tenti ren/ Alleine von der That mich vielerley abschreckt/ Das dem es nicht bewust versuͤßte Lust erweckt. Drum soll auch uͤber mich kein Maͤdgen triumphi ren. Jch bin und bleibe so. An Arlinden, da sie ihn liebkosete. Sonnet. A rlinde, liebstes Kind/ dein holdes Augen-wincken/ Dein lachend Angesicht macht meinen Geist erfreut/ Dein angenehmer Mund so suͤsses Zucker streut/ Daß mir die Galle wird als Ambrosin zu trincken/ Der Augen Blitzen wird zu einen sanfften Blincken/ Und dein Erquickungs-Strahl nicht mit Come ten dreut! Ein heller Venus- Schein sich doppelt da verneut Der seinen Anmuths Glantz laͤst auf mein Hertze sincken. Jch sehe schon den Port da angenehm zu landen/ Der Pharos deiner Gunst die rechte Strasse zeigt/ Wo an der Bruͤste-Fels kein Schiffmann pflegt zu strandem Und vielmehr an das Land der groͤßten Luͤste steigt. Schenckt nun dein Augen-Glantz mir ferner sanfften Schein So treibe ich gewuͤnscht in deinen Haven ein. An die Demoiselle W ---- in Nahmen des Kemares. E rbrecht galantes Kind das Siegel und mein Hertze/ Und schauet/ daß es treu/ ob es schon bloͤde ist/ Es wurd von euch entzuͤndt durch eurer Augen-Kertze/ So bald es eure Pracht und deren Licht gegruͤßt. Dann als eur schoͤner Mund so viele Heimlichkeiten Ja gar eur gantzes Hertz mir kuͤndig liesse seyn; So fing an alsofort die Liebe zu bereiten/ Ein Neigungs-volles Feur mich euch dadurch zu weyhn. Doch meine Bloͤdigkeit verhaͤlete die Flammen/ Jch war nicht dreist genug sie/ Schoͤnste/ kund zu thun/ Jch Verliebte und galante Gedichte. Jch meynte/ weil sie her von euren Augen stammen/ So wuͤrde Brand und Feur bey euch nicht minder ruhn. Jch ließ die schoͤne Zeit verschwenderisch verstreichen/ Da ich/ eur Secretair, zu meinem hoͤchsten Gluͤck/ Bald koͤnnen so ein Bild in eure Bruͤste zeichen/ Das mir vor andern stets gegeben suͤssen Blick. Jch dachte zwar sehr offt die Gluht zu offenbahren/ Und war abwesend mehr als ich verlangte dreist/ Allein! wenn ich euch sah/ so ließ den Muth ich fahren/ Die Worte waren weg/ es war verirrt der Geist. Nun da eur schoͤn Gesicht mein Hertze muß entbaͤhren/ So sage ich euch frey durch diese treue Schrifft/ Daß eure Schoͤnheit ich so lange will verehren Bis mir der blasse Tod das matte Hertze trifft. Auf bis Bekaͤnntniß will ich diese Antwort hoffen/ Jhr werdet eurem Knecht noch ferner guͤnstig seyn/ Und lassen ihm den Port zu Brust und Hertzen offen So stellt bey euch sich stets als treuer Diener ein Kemares. Uber seine Veraͤnderung. J ch weiß die Ursach nicht im Hertzen zu ergruͤnden/ Warum/ wenn Phyllis laͤßt sich mir vor Augen finden/ Jch bald bin Purpur-roht/ bald blasser wie der Schnee/ Und doch vor suͤsser Lust auf Zucker-Rosen geh. Vielleichte wird die Gluht mir im Gesicht’ erreget Von ihrer Augen-Blitz? der Feuer in sich heget/ Wie! aber kan das Feur ernehren auch das Eyß/ Und macht die Hitze auch die rohten Glieder weiß? Nein! diese Blaͤsse kommt von denen Marmor- Ballen Wo man den Liebes-Schnee in heisser Gluht sieht wallen/ Und wo der Feur-Rubin auf Lust- Jesminen steht/ Der sich mit stoltzem Schmuck bald neiget/ bald erhoͤht. Jch halt die Marmor- Brust/ die voller Flammen stecket/ Jst es so beyderley mir im Gesicht erwecket/ Sie ist es die erregt die heisse Liebes-Gluht/ Und die in Eyß verkehrt das auffgewalte Blut. Der Verliebte und galante Gedichte. Der Ahalibama Klage uͤber den Tod ihres geliebten Eliesers. Auffgefuͤhret nach den ersten Theile der Syri schen Aramena. M ein Elieser stirbt! mein bester Schatz ist todt! Mein ander Hertz ist hin/ ja selbst mein eigen Leben! Ahalibama auf! ermann dich in der Noht/ Und laß den krancken Geist in freyen Luͤfften schweben: Folg’ Eliesern nach/ vermaͤhl den Geist mit ihm/ Schließt Augen/ schließt euch zu! erstarrt ihr matten Glieder! Brich Hertze/ brich entzwey! bring aus dem Ungestuͤhm Mich Tod! ach suͤsser Tod! zu meinem Schatze wieder. Schlag Schmertze meinen Geist wie Tulp’ und Nelck’ entzwey! Bringt mir den Becher her/ der meinen Schatz vergeben/ Mach Beor daß im Tod’ ich bald bey ihm doch sey/ Und goͤnne uns die Ruh im Eliseer- Leben. Ach! aber ach umsonst! mein Elyeser will Jch soll um seinen Tod mich nicht zu tode kraͤncken/ Verhaͤngniß quaͤhlst du mich auf einmahl nicht zu viel? Gefangen mich zu sehn/ den Schatz ins Grab zu sencken/ Den Schatz/ der mir sehr offt die Lebens-Zeit versuͤßt/ Ach Eieser! ach! ach werthe Todten-Beine! Wie/ daß der Moder schon die schoͤnen Glieder frißt/ Und deine Marmor- Haut dir wird zum Leichen-Steine. Der offt gewuͤnschte Tod/ der wird mir jetzt versagt/ Da dessen Stachel mir am allersuͤßten scheinet/ Wer ist der deinen Tod im Hertzen nicht beklagt/ Und mir Gequaͤhlten gleich viel heisse Zaͤhren weinet? Doch der dein Vater heißt/ der dir das Leben gab/ Das Felsen-harte Hertz empfindet kleine Schmertzen/ Es stuͤrtzt um kleine Ehe den besten Sohn ins Grab/ Und will ums Koͤnigs Gunst der Kinder Heyl verschertzen. Ach! daß der Donner dich nicht laͤngst zerschlagen hat Du wilder Wuͤterich! du Muster grauser Vaͤter/ Ha Beri Drachen-Kind! vermaledeyte That! Pfuy schaͤme dich ins Hertz verdammeter Verraͤhter! Ach Verliebte und galante Gedichte. Ach Elieser! ach! ach ewiger Verlust! Ahalibama stirbt wenn sie den Fall erweget/ Mein Hertze steigt heraus aus der erstorbnen Brust/ Die Geister wein’ ich weg/ die mein Gehirne heget. Dein letzteres Gebot das Sterben mir verbeut/ Dis geh’ ich endlich ein/ allein die alten Goͤtter Laß ich nicht um den Tand gelehrter Seltenheit/ Die Jsis bleibt mein Schutz/ Osiris mein Erretter. Jch lebe/ aber ach! zu meinen groͤßten Schmertz/ Mein bester Schatz ist todt/ mein Leben ist verblichen/ Jch weiß nicht wie mir ist? ich lebe ohne Hertz/ Mit deinem Tod/ mein Schatz/ sind Hertz und Geist entwichen. Jch lebe in der Lust von aller Lust entfernt/ Mit Eliesern ist mir alles abgestorben/ Des Beors Liebe macht den Geist noch mehr entkernt/ Ach waͤre ich mein Schatz an deiner Statt Verdorben! Doch auf ermuntre dich/ Ahalibama leb’ Blieb Elieser treu/ mehr keine Liebes-Flammen/ Verehre dessen Brunst/ und seine Treu erheb Die alle Welt erhoͤht/ nur Beor will verdammen. Nun ruhe wohl mein Schatz/ ach Elieser! ach Daß das Verhaͤngniß dir so feindlich ist gewesen/ Und deinen Tod verhaͤngt/ die Zunge wird mir schwach/ Den Jammer kan man mir an meiner Stirnen lesen. Das viele Weinen nimmt der Zunge ihre Macht/ Der Kummer will den Geist der Ohnmacht uͤbergeben/ Doch wird mit Muͤhe noch dis Wort hervorgebracht; Mein bester Schatz ist todt! ja selbst mein eigen Leben! An ein keusches Frauen-Zimmer. W as soll mein schwacher Kiel hier vor ein Opffer bringen/ Allwo die Schmeichelung nicht darf zu finden seyn? Wo nicht die Lustbarkeit darf aus der Feder dringen/ Auch nicht die matte Hand darf Amorn Weyrauch streun. Jch muß ein reines Blatt vor ihre Fuͤsse legen/ Das kein candirtes Werck der eiteln Wollust weißt/ L Die Verliebte und galante Gedichte. Die Zeilen duͤrffen nicht verdeckte Gallen hegen/ Als die von ferne flieht ihr tugendhaffter Geist. Derhalben lieffer ich nur diese schlechte Riegen/ Und zahle meine Schuld mit blossen Worten ab/ Mein Unvermoͤgen laͤßt von mir nichts bessers kriegen/ Weil ich den Musen- Tranck noch nicht gekostet hab. Jch bin auf dem Parnaß kein Buͤrger nicht geworden/ Auf Pindus hab’ ich nicht den lassen Fuß gesetzt/ So hat auch Phœbus mich in der Poëten- Orden Durch angebohrnen Witz und Zierde nicht geaͤtzt. Jch bringe meine Pflicht nicht in geschminckten Worten/ Nicht unter Prahlerey der schnoͤden Eitelkeit/ Jch tiesche schwartzes Brodt nicht angemachte Torten Von Wind und Wasser auf/ die wol ein ander weyht. Ein ander prange sehr mit grossen Complimen ten Und mit getuͤnchter Pracht der falschen Gleißnerey/ Er mache sich beruͤhmt mit seines Maules-Renten So zeigt sich doch zuletzt/ daß er ein Luͤgner sey. Kan ich nicht Adlern gleich bis an die Wolcken tragen Jhr zugehoͤrigs Lob/ und muß ich niedrig gehn/ So will ich Schwalben gleich es durch die Gassen jagen Denn wird die Fama schon was ich gesagt erhoͤhn. Fehlt hier Demosthenes mit seiner guͤldnen Zunge Wird nicht ein Cicero aus dieser Schrifft erkandt/ Der seines Nahmens Ruhm bis an die Wolcken schwunge Fuͤhrt mich ein Socrates hier meine ruͤhde Hand/ Singt nicht ein kluger Schwaan hier seine Wunder-Lieder/ So wird ihr doch die Ganß nicht gar entgegen seyn. Es trotzt ein Stammler auch bey ihren Gunst-Gefieder/ Bey ihr muß Cicero mir seinen Platz verleyhn. Doch endlich auch einmahl beym End Zweck anzulangen/ So ziert den schoͤnen Leib auch ein beliebter Geist/ Und der galante Geist wird mit dem Geist umfangen/ Den Marmor und Albast als Obermeister preißt. Die Augen blitzen Gluht/ die Wangen zeugen Rosen/ Darinnen zarte Milch nett untermischet ist/ Die Adern quillen auf und gleichen den Turckosen/ Die ihre Glieder-Schnee in hoͤchster Anmuth kuͤßt. Dis Verliebte und galante Gedichte. Dis hat ein treuer Knecht in Eile aufgesetzet/ Und mit gezwungner Macht den stumpffen Kiel beseelt/ Daß er sich/ doch mit Muͤh/ in Hyppocren genaͤtzet/ Und diese schlechte Schrifft mit dem Papier vermaͤhlt. Klage eines ungluͤcklichen Liebhabers. M ein Schicksahl mehret sich mit lauter Ungluͤcks-Blitzen/ Jch sehe Wolck’ auf Wolck mit Donner sich erhitzen/ Hier schlaͤgt ein grauser Strahl die stoltze Hoffnung nieder Dort stuͤrmt ein Ungluͤcks-Wind auf meine Liebe zu/ So quaͤhlet neue Angst die schon bestuͤrtzten Glieder/ Und nimmt dem matten Leib die laͤngst begehrte Ruh. Amariane kuͤßt den prahlenden Silvander Und nehret ihn im Feur als einen Salamander, Jch aber muß wie Stroh bey ihrer Gluht vergehen Wo kein Erretter ist/ wo keine Huͤlffe kuͤmmt/ Und mich in Asch und Grauß durch Gram verkehret sehen/ Da mir mein Lebens-Tacht ohn Nahrungs-Oehl verglimmt. Jch muß vor Durst vergehn bey Wasser-reichen Quellen Und darf den matten Mund dem Mund nicht beygesellen/ Von dem ein grosser Strohm ambriter Wollust fliesset/ Der eine Juleps- Quell vor Liebes-Hitze reicht/ Mit Kummer muß ich sehn/ daß man den Mund bekuͤsset/ Was ist nun vor ein Schmertz/ der meinem Schmertzen gleicht. Jch sehe mich verbannt aus dem gelobten Lande/ Und scheiter an der Syrt zu naͤchst dem Hoffnungs-Strande/ Die mir versprochne Treu wohnt bey den Hottentott en/ Sie lachet nun sie mich aufs Liebes-Eyß gefuͤhrt/ Und in dem Labyrinth nach weggerißnen Knotten Dem grimmigen Centaur zum Opffer eingeschnuͤrt. Jetzt liege ich versenckt in Dothans Wolffes-Gruben/ Mein Nahme ist ein Spott bey den geringsten Buben/ L 2 Egyp- Verliebte und galante Gedichte. Egyptens Kaͤrcker schliest mit truͤben Finsternissen Den halb entselten Leib in Kummer-Ketten ein/ Wie gerne wolte ich dem Tod die Haͤnde kuͤssen/ Koͤnnt ich nur meiner Angst durch ihn entbuͤrdet seyn. Allein/ es ist umsonst der Geist bleibt doch am Leben/ Und kan entleibet sich auch nicht zu frieden geben/ Das Angedencken schwebt ihm jederzeit vor Augen/ Jhm wird das Honig Gall/ das Zucker wird Allaun/ Aus Rosen kan er nichts als schlechte Nahrung saugen/ Weil er Sylvandern muß vergnuͤget Lieben schaun. Als sie den Kuß wieder gefordert. E S zuͤrnet Clelie, daß ich sie naͤchst gekuͤßt Und fordert/ als beschaͤmt/ den Kuß mit Weinen wieder/ Doch halt! ich merck’s wo ihr der Schuh zu enge ist; Sie hat nicht gnug daran/ und will noch mehre schmecken/ Ein Kuß kan ihr die Brunst nicht stillen/ doch erwecken/ Daß solches wahr/ bezeugt der Brand der braunen Glieder Wo der Rubin-Stein ist durch Liebes-Hitz verbrannt Weil ihm das Kuͤhlungs-Safft der Bruͤste unbekannt. Drum weint sie auch/ daß ich nur einen Kuß ihr gebe Und nicht zwey Stunden lang an ihren Lippen klebe. Christoph. Schweitzer schreibet in seiner Orientali schen Reise von den Rubinen/ daß/ wann sie durch Minderung des Was- sers etliche Tage in der Sonnen liegen/ verbrannt und un- brauchbahr werden. Lieben und geliebet werden ist das hoͤchste Vergnuͤgen. W as ist Vergnuͤglichers im gantzen Rund der Erden/ Als Lieben/ und zugleich mit Ernst geliebet werden Was ist annehmlichers als ein ambrirter Kuß? Den reine Liebe schenckt aus innerm Hertzen-Fluß/ Was ist erquickender als schoͤne Brust Granaten/ Worinnen Milch und Blut zur Kuͤhlung hingerahten. Was Verliebte und galante Gedichte. Was ist bezauberndes als die gewoͤlbte Schooß? Die uns entzuͤcket macht der satten Sinnen loß. Was ist verzuckerter als feuriges Umhalsen? Das Honig-Kuchen macht aus bittern Wermuths-Salsen. Was ist anmuhtiger als ein polirter Leib Von zarten Helffenbein zur Naͤchte Zeit-Vertreib? Was ist gewuͤnscheters als Leib an Leiber leimen/ Und feuchten Perlen-Thau in Liebes-Muscheln schaͤumen? Was ist entzuͤckender als in der Muschel ruhn/ Wo Lust und Kitzelung der Wollust-Thor auf thun? Was ist begierlicher als da den Eintritt nehmen? Wo Perl-und Perlen-Milch das seichte Feld besaͤmen. Nichts ist Vergnuͤglichers/ nichts das mehr Wollust schafft/ Als wenn nur gleicher Will in beyder Hertzen hafft. Nichts ist/ das mehr erquickt/ daß mehr die Geister blendet/ Als wenn man seine Brunst im Schooß zur Kuͤhlung sendet/ Nichts ist verzuckerter/ nichts kommt gewuͤnschter an/ Als wenn man in der Lieb sich recht ergoͤtzen kan. Er bittet sie zu kuͤssen. L aß deinen Zucker-Mund mich/ Schoͤnste/ doch bekuͤssen/ Und kuͤhlen Juleps- Safft aus deinen Lippen ziehn/ Laß suͤssen Honig-Thau von deinen Rosen fliessen/ Der Nectar uͤbertrifft/ und Himmels- Ambrosin. Laß den Rubinen-Mund mit suͤssem Moste quillen/ Das mehr von Anmuth hegt als Ferrens Wunder-Baum Laß mich den heissen Durst mit dem Getraͤncke stillen/ Dem am Geschmacke weicht/ der Palmen weisser Schaum. Laß mir den Perlen-Thau von deinen Lippen suchen/ Wornach verschmachtend fast ein jedes Hertze laͤchtzt; Doch der ist Scheltens werth/ ja billig zu verfluchen/ Der bey dem Uberfluß der Quellen durstig aͤchtzt. Drum must du Lesbia auch sonder scheele Augen Von deinen Lippen mir den Honig geben frey/ Du must mir unverwehrt den Nectar lassen saugen/ Und zeigen/ daß vor Durst dein Mund ein Labsal sey. Erasmus Francisci berichtet/ daß auf der Camari schen Jnsul Ferro kein Brunne oder ander trinckbahres Wasser zu finden sey/ L 3 als Verliebte und galante Gedichte. als dasjenige/ welches von einem unbekannten Baum trieffen solle/ womit sich Menschen und Viehe erquicken. Michael Hemmersam schreibet in seiner West-Jndianischen Reise/ daß die Mohren in Guinea aus den Palm-Baͤumen ein Getraͤncke ziehen/ welches weißlich wie Oehl/ am Geschmacke aber dem Spanischen Wein sehr nahe kommen solle. Als ihn die schoͤne Secantis nach langen Ab- wesen wieder umarmete. S O hat mein Trauren doch zu Lachen werden muͤssen/ Da dich das holde Gluͤck mir in die Arme giebt/ Nach schwartzer Kummer-Nacht kan ich den Morgen gruͤssen/ Weil mich dein Abseyn nun mit Angst nicht mehr betruͤbt. Egyptens Kaͤrcker wird ins Koͤnigs Sahl verkehret/ Nachdem mich meine Sonn mit ihrem Strahl anlacht/ Den sie der bittern See/ sonst eine Zeit gewehret Und mir die Nacht dadurch der Zembler zugebracht. Nun aber laͤst mein Geist die langgewehrten Fasten/ Und hebet hoͤchst-vergnuͤgt die Oster-Woche an/ Mein Froh-seyn laͤsset mich nicht laͤnger traurig rasten/ Da ich mein Leben jetzt vergnuͤgt umfassen kan. Der Sommer meiner Lust mit schoͤnen Blumen spielet/ Die in dem Angesicht und auf der Bruͤste-Feld/ Die guͤnstige Natur mit grossem Fleiß erziehlet/ Und zum Genusse mir in ihrer Pracht erhaͤlt. Die Stirn- Narcisse kan kein Kaͤffer-Biß vertilgen/ Die Wangen-Rose frist kein schaͤdlich Raupe ab/ Der Schnee erschwaͤrtzet schier vor deiner Bruͤste-Liljen/ Vor deinen Adern geht die blau Viol ins Grab. Die Bluͤhte des Jesmins kan nicht so kraͤfftig riechen/ Der Balsam Jndiens kan nicht so staͤrckend seyn/ Als wie dein Athem-Dufft erquicket was erblichen/ Und wie dein Lippen-Oehl floͤßt Lebens-Geister ein. Jch selber kan hiervon ein lebhafft Beyspiel geben/ Denn da ich halb entseelt von vielen Sorgen war/ Bracht deine Gegenwart und Kuß mir neues Leben. So daß mich deine Gunst stellt wieder lebend dar. Weil sie sich eine Zeitlang zu Luͤbeck aufgehalten. Die Verliebte und galante Gedichte. Die schoͤne/ aber unempfindliche Urania. S O wie Aurora pflegt mit ihren Rosen-Wangen Bey fruͤher Tages-Zeit an grauer Wolck zu prangen/ So wie die Sonne scheint wenn sie aus Thetys Bett Jn Purpur eingehuͤllt mit munterm Lauf aufsteht; So wie ein Rosen-Stock mit halb eroͤffnten Rosen Bey kuͤhler Morgen-Zeit den Thau pflegt liebzukosen/ So prangt Urania, wenn sie unangelegt Den Alabaster Leib aus weichen Federn traͤgt. Die Wangen stehen weg den lichten Rosen-Morgen/ Von ihren Augen muß die Nacht die Schwaͤrtze borgen/ Der Sonnen Purpur weicht vor den Rubinen-Mund/ Und huͤllt sich/ als beschaͤmt/ in Amphitritens Schlund. Narcissen kriechen weg/ vor denen klahren Bruͤsten/ Den Liljen fehlet selbst das Wollen und Geluͤsten/ An Klahrheit siegt der Leib den heitern Himmel an; Was irrets? daß man sie nicht Himmel nennen kan. Vor ihren Strahlen muß der Strahl der Sonnen weichen/ Jn dessen Feur zu sehn durch Witz man kan erreichen Allein wer bleibet hier mit Adlers Augen stehn/ Wer unterwindet sich die Augen anzusehn? Der nicht so gleich sein Hertz in heisser Gluht befindet/ Die ihrer Augen-Blitz darinnen angezuͤndet. Sie aber bleibet Stahl/ ihr Hertze gleicht dem Eyß/ Das keine Flammen faͤngt/ und nichts vom Lieben weiß: Dem auch der Kieselstein an der Empfindung weichet/ Daran ein Regen-Tropff doch mit der Zeit erreichet/ Was ein geschwollner Bach in eile nicht verricht/ Allein sie bleibet hart/ mein Weinen nuͤtzt mir nicht. Der Diamant zerspringt in schlechter Thiere Blute Sie aber wird erhaͤrt von meiner Adern-Glute/ Und uͤbertrifft darinn den Stein und Diamant/ Daß Blut und Thraͤnen sind umsonst an ihr gewandt. Wenn man/ wie die gemeine Rede gehet/ durch einen Flohr siehet. L 4 Auf Verliebte und galante Gedichte. Auf ihre Thraͤnen. Sonnet D ie Thraͤnen/ Schoͤnste/ sind ein suͤsser Tranck den Seelen/ Davon ein Tropffen gleich berauscht und truncken macht/ Tyrannen werden weich/ sie hoͤren auf zu quaͤhlen/ So bald ein Opffer wird der Thraͤnen dargebracht. Araspes muste gleich die Panthea erwaͤhlen/ Als ihre Thraͤnen ihm gezeigt der Schoͤnheits-Pracht. Die Seelen koͤnnen sich dennoch mit Lust vermaͤhlen Ob schon das Auge weint/ wenn nur das Hertze lacht. Aus deinen Augen laͤßt du Liebes-Zaͤhren fliessen/ Damit du meine Seel in der Betruͤbniß nehrst/ Jch werde noch mehr Lust aus dieser Fluht geniessen/ Wenn deiner Schoͤnheit-Zier du durch dieselben mehrst; Ach laß nur/ schoͤnstes Kind/ verliebte Thraͤnen rinnen/ Mein Hertze solt du bald durch eine Zaͤhr’ gewinnen. Als sie ihn gruͤssete. S O wie der Morgen lacht die Welt mit Blicken an/ So laͤßt du auch mein Kind/ mir Blick und Gruß geniessen/ Die jetzo auf mich zu aus deinem Antlitz schiessen/ Daß sich mein Geist fast nicht vor Freuden halten kan. Es geht mein Hoffnungs-Stern beym hellen Morgen auf/ Die schwartze Trauer-Nacht und Finsterniß verschwindet/ Jn deinem Antlitz man den frohen Mittag findet/ Darinn die Schoͤnheits-Sonn nie aͤndert ihren Lauff. Und daß dieselbige stets unveraͤndert sey/ Daß zeigen/ Schoͤnste/ an die angenehmen Augen/ Daraus man Flammen kan der holden Liebe saugen/ Man legt dir drum mit recht den Preiß der Schoͤnheit bey. So strahlt da immerfort der Anmuth-Sonnenschein/ Er kan und will niemahls bey dir zu Gnaden gehen/ Des Adlers Auge kan wol in die Sonne sehen/ Doch in dein Auge schaut so gar kein Argus ein. Denn Verliebte und galante Gedichte. Denn das Geheimniß/ so daselbst verborgen ist/ Kan keiner/ als der liebt/ und daß getreu/ ergruͤnden/ Wem du die Blicke goͤnnst/ der kan es leichtlich finden/ Wie sich die Lust dadurch mit der Vergnuͤgung kuͤßt. Du bist mein liebster Schatz die Blicke/ so du giebst/ Mich/ wenn ich traurig bin/ alsbald erfreuen koͤnnen/ Jch kan dich meine Lust und mein Vergnuͤgen nennen/ Du gruͤßt mich/ weil ich dich/ und du mich wieder liebst. An das sich gleich-guͤltigstellende Frauen- Zimmer. J hr Schoͤnen zuͤndet ihr kein Liebes-Feur mehr an/ Und muß die holde Gluht in euch vergebens brennen? Wo sind die Flammen/ die euch Venus eingethan/ Und wolt ihr keinen Blick den Manns-Persohnen goͤnnen? Mein! sagt ist das kein Feur/ das in der Aschen glimmt/ Und ist das keine Gluht/ was in den Augen stecket/ Wie! daß es denn so bald den freyhen Geist einnimmt/ Und in der harten Brust ein Liebes-Feur erwecket? Wer glaubte/ daß noch Feur in Æthnens Kluͤfften waͤr/ Wenn nicht der Rauch und Dampff den innern Brand bewiesen/ Eur rohtes Angesicht verbirget nicht so sehr/ Als ihr/ die schoͤne Gluht/ doch wirds von euch gepriesen. Wenn ein beliebter Blick aus euren Augen geht/ Das ist als wenn ein Blitz durch dicke Wolcken faͤhret/ Jemehr der Wind und Lufft dem Wetter widersteht/ Jemehr man dessen Krafft und Donner-Schlaͤge hoͤret. Was euer Hertz gedenckt/ das zeigt das Auge an/ Sie sind/ wißt ihrs doch wol/ Verraͤhter eurer Seelen/ Ein Spiegel holder Gunst/ der Liebe Renne-Bahn/ Wo selbst durch Blick und Strahl die Hertzen sich vermaͤhlen. Jhr werffet Donner zwar und Blitz auf den herzu/ Der eure Wangen will/ und auch die Lippen kuͤssen/ Schalckhaffte ists nicht wahr empfindet ihr eh Ruh Bis daß man eurem Mund die Kuͤsse lassen wissen? L 5 Der Verliebte und galante Gedichte. Der muß verworffen seyn bis in das dunckle Grab/ Wer nach den Lippen will und nach den Bruͤsten laͤchtzen/ Und der wird gar verdammt/ der da bricht Fruͤchte ab/ Doch sieht man insgeheim euch nach den Maͤnnern aͤchtzen. Euch scheint ein suͤsser Kuß ein Uberdrus zu seyn/ Doch wolt ihr/ daß man ihn euch auf die Lippen leget/ Wenn man euch kuͤßt/ so traͤnckt man euch mit Nectar- Wein/ Und euer Hertze wird zu suͤsser Lust beweget. Jhr gebt zum Schau-Gericht die milchern Bruͤste hin/ Die Seuffzer muͤssen sie hoch in die Hoͤhe schwellen/ Jhr liebt/ und wollet doch der Venus Luͤste fliehn/ Es ist euch gar kein Ernst eur Weigern und Verstellen. Wenn ihr die Brust beschaut/ wie da Corallen gluͤhn/ So muß der Wollust-Wind sie in die Hoͤhe prallen/ Jhr wolt man soll daraus den Liebes-Zunder ziehn/ Und kuͤssend behten an die schoͤnen Liebes-Ballen. Wenn gleich ein zartes Tuch die weisse Brust bedeckt/ So scheinen doch herdurch derselben Anmuhts-Rosen/ Jhr habt sie nur zum Schein/ und nicht im Ernst versteckt/ Sie gibt sich bald hervor/ wenn man sie lieb will kosen. Jhr stellt euch ernsthafft an/ und seyd so nicht gesinnt/ Jhr wolt man soll den Griff nur ungebehten wagen/ Jsts nicht so/ daß man euch denn am geneigsten find/ Wenn ihr die dreiste Hand gedenckt hinweg zu schlagen? Jhr lacht/ wenn ihr erschroͤckt ein ehrerbietigs Hertz/ Und freut euch wenn es seuffzt/ daß ihr den Kuß verwehret/ Der aber ist beliebt/ der weiß/ daß es nur Schertz/ Und der im minsten sich an eur Verstellen kehret. Ja darum laßt ihr offt euch halb entbloͤsset sehn/ Daß man betrachten soll die angenehmen Schaͤtze; Greifft man euch tapffer an/ so ist es leicht geschehn/ Daß ihr euch selber fangt in eure eigne Netze. Es wird gar bald erweicht/ was euch so sproͤde macht; Acht man nicht/ wenn ihr sprecht: man soll sich etwas schaͤmen/ So hat mans ohne Muͤh bey euch dahin gebracht/ Daß ihr euch gerne moͤgt zu aller Lust bequehmen. Jhr stelt euch nur so hart als wie ein Kieselstein/ Da doch ein sanfftes Wort eur hartes Hertz bald zwinget; Wer Verliebte und galante Gedichte. Wer diese Kunst nicht weiß/ der leidet Hoͤllen-Pein/ Weil denn durch euer Hertz/ kein starcker Seuffzer dringet; Wenn er/ wie Priamus um seine Krone/ schreit/ Und sich wie Hecuba vor Leid und grossen Schmertzen Jn einen Hund verkehrt; ihr ihn doch nicht befreyt/ Er muß wie Jxion nur Dunst und Wolcken hertzen. Doch o schalckhaffte Art! eur Hertze ist ein Feur/ Das eurem gantzen Leib mit heisser Glut entzuͤndet; Eur Stellen machet euch auf kurtze Zeiten theur/ Bis man den rechten Ort zu der Erlangung findet. Jn euren Bruͤsten liegt des Æthna heisse Gluht/ Und aus den Augen bricht der Uberfluß der Flammen/ Es brennet uͤberall eur starck verhitztes Blut/ Jhr lobt die suͤsse Brunst/ die ihr doch wolt verdammen. Der wuͤrde gottloß seyn/ der eure glatte Schooß/ Die ihr vor heilig schaͤtzt/ mit freyer Hand beruͤhrte; Und wehrt/ daß Charon gleich sein Schifflein machte loß Und ihn damit zur Grufft der schwartzen Hoͤllen fuͤhrte. Jhr stellt euch wilder an als wie die Furien Wenn man bekuͤssen will der Wollust Ruhe Plaͤtze/ Denn muß man euch ergrimmt wie Loͤw und Tyger sehn/ Wenn man zu nahe koͤmmt an eure Wunder Schaͤtze. Die Wolcken schlagen so mit Blitz und Feur nicht her/ Als wenn ihr Zorn und Grimm aus eurem Munde speyet/ Wer euch einst kuͤssen will/ dem hilfft kein Bitten mehr/ Wer in der Schooß will ruhn dem wird der Tod gedreuet. Es scheint/ man koͤnte eh/ das blaue Sternen-Dach/ Als euren schlancken Leib/ Argstlistige/ umfangen. Je mehr man sich bemuͤht/ je wenger gebt ihr nach/ Jhr wolt mit Sproͤdigkeit als einem Schmucke prangen. Doch Maͤnner fuͤrcht euch nicht vor dieser strengen That/ Wenn schon ihr Paradies der Liebe sich verschlossen/ Wenn man euch gar verdammt/ und gantz verworffen hat/ So seyd ihr drum doch nicht aus ihrer Gunst verstossen. Sie schliessen willig auf/ so Lippen Mund und Brust/ Der Wollust Schlaff-Gemach/ wo man in Rosen-Gruͤnden Der Liebe Honig-Seim und Zucker suͤsser Lust Kan ohne Weigerung in der Umarmung finden. Drum Verliebte und galante Gedichte. Drum quaͤhlen sie euch gleich durch Hart-und Grausahm-seyn/ Jsts/ daß ihr keine Gunst von ihrem Stoltz geniesset/ Erweckt ihr harter Zorn Beschwerung/ Angst und Pein/ Daß euch der Lebens-Geist wie weiches Wachs zerfliesset. So dencket/ daß ihr Hertz euch in Gedancken kuͤßt/ Sie werden eh ihrs meynt/ veraͤndert und verkehret/ Jhr Hertz so Demant scheint im Augenblick zerfließt/ Nur nehmet dis zur Lehr; Sie wollen seyn geehret. Uber seine Reimen. V erfuͤg dich schlechtes Buch zu Mirabellen hin/ Die wegen der Gestalt den Scepter solte fuͤhren/ Und zeuge ihr/ daß ich ihr treuer Diener bin/ Doch scheu der Augen-Brand/ sonst werd ich dich verliehren. Zwar muͤßte ich jetzo wol dein Gefaͤhrte seyn/ Wenn nicht mein Hertze schon in ihren Bruͤsten lege/ Laͤßt ihre Hoͤfflichkeit auch nun die Blaͤtter ein/ So hat mein Hertz und Reim bey ihr fast gleiche Pflege. ENDE Der verliebten und galan ten Gedichte. II. Ver- II. Verliebte und G alante Arien. Er entdeckt ihr seine Liebe. Cantata. D U sanffter Wind dein angenehmes Blasen Erregt ein Feur in meiner Brust. Die Seele brennt/ die Liebes-Flammen rasen Jm Hertzen/ dem sonst keine Gluht bewust. So bald der Augen-Blitz die Seele angestecket/ So bließ dein sanffter Hauch/ Die Flamme groͤsser auf/ Ein heller Brand im Hertzen ward erwecket. ARIA . Wo Augen am Blitzen die Sonne beschaͤmen/ Da brennet ein Hertze/ das Felsen-hart ist/ Die Liebe gewinnet die herrlichsten Siege/ Wenn solches Geschuͤtze sie brauchet im Kriege/ Da Wuͤhten und Toben sich wider sie ruͤst; Durch solche laͤst Mavors und Pluto sich zaͤhmen. Wo Augen am Blitzen die Sonne beschaͤmen/ Da brennet ein Hertze/ das Felsen hart ist. Jhr Flammen brennt Weil eure Brunst den schoͤnsten Ursprung kennt/ Ein Kind/ Von angenehmer Schoͤne/ Von Verliebte und galante Arien. Von reiner Zucht/ und holder Pracht/ Hat euch entzuͤndt/ Und mich verliebt gemacht/ So daß ich nuch unendlich nach ihr sehne. ARIA . Schoͤnste nimm mein Hertze an/ So ich dir zum Opffer schencke; Strahle mit beliebten Blicken/ Dis dein Opffer zu begluͤcken/ Doch als eine Gottheit an/ Der ich mich zu eigen schencke. Blaß sanffter Wind nur stets die Flammen an/ Wodurch mein Hertz zu einem Opffer brennet/ Jch duld’ es gern/ wenn ich nur kan/ Dadurch erwerben/ Daß mir zum Altar wird gegoͤnnet Die Brust/ und solt’ ich auch deswegen sterben. Er liebet sie uͤber alles. 1. J ch lebe bloß in dir mein auserwaͤhltes Leben; So lange mir die Lufft wird Geist und Oden geben/ So lange soll mein Hertz/ mein Kind bestaͤndig seyn/ Es reist noch Noht noch Tod die veste Treue ein. 2. Einander mag sein Gluͤck auf Gold und Silber setzen/ Jch suche bloß in dir mein eintziges Ergoͤtzen/ Das Gold der reinen Gunst macht mich vor allen reich/ Und vor der Liljen-Brust wird helles Silber bleich. 3. Wie der Magnet den Stahl und Eisen nach sich ziehet/ Wie nach dem Agtstein sich ein leichtes Spreu bemuͤhet/ So kehrt mein Hertze sich zu deiner Schoͤnheit hin/ Und zeiget/ daß ich dir als Knecht ergeben bin/ 4. So Verliebte und galante Arien. 4. So wie dein Auge will/ so lasse ich mich fuͤhren/ So wie ein Schiff das Steur muß lencken und regieren/ So wird mein Hertz gefuͤhrt durch deiner Schoͤnheit-Zier/ Du bist mein Seelen-Licht ich lebe bloß in dir. Sie wuͤnschet allezeit in ihres Liebsten Armen zu ruhen. Cantata. ARIOSO . K an ich immer mit Vergnuͤgen Jn so schoͤnen Armen liegen Bin ich uͤberaus begluͤckt. Zwar ein angenehmes Kuͤssen Laͤst viel Suͤssigkeiten wissen; Wenn man aber gantz entzuͤckt/ Haut auf Haut zusammen druͤckt/ Kan ich wol die Lippen missen. Kan ich immer mit Vergnuͤgen Jn so schoͤnen Armen liegen Bin ich uͤberaus begluͤckt. Sich umarmen Und erwarmen Aneinander eingeschrenckt/ Jst/ und bleibt die hoͤchste Lust/ So die Brust Mit Anmuth traͤnckt. ARIA . Jn dem Schertzen/ in dem Lachen/ Wenn zwey Seelen Hochzeit machen Jst die Liebe selbst versteckt. Was man sonst so sehr verborgen/ Wird alsdenn ohn alle Sorgen Einen Liebsten aufgedeckt. Jn dem Schertzen in dem Lachen/ Jst die Liebe selbst versteckt. Jm Verliebte und galante Arien. Jm Lieben muß Maasse seyn. Cantata. ARIA . A llzuviel ist ungesund. Jn den Schertzen/ Jn den Lachen Jn den suͤssen Lippen hertzen Und in den betruͤbten Sachen Muß ein Ziel und Maasse seyn: Denn es trifft bey allen ein Dieser vestgesetzte Grund/ Allzuviel ist ungesund. Drum ist es gut Wenn einer Maasse halten kan/ Und alles/ was er thut/ Faͤngt mit Bedachte an. ARIA . Die Liebe schreibet ihren Luͤsten Auch ebenfals Gesetze fuͤr. Sie schliesset Regung und Gedancken/ Zwar nicht in allzuenge Schrancken/ Doch hats auch Maaß und Ziel mit ihr. Die Liebe schreibet ihren Luͤsten Auch ebenfals Gesetze fuͤr. Er entdecket ihr seine Liebe. 1. D er Augen schoͤne Pracht/ Die alle Schoͤnheit uͤbersteigt/ Hat mich verliebt gemacht/ Daß sich mein Hertze neigt Zu deinem Fuß Um einen Kuß/ Und Blick/ Kriegt den mein Hertz/ So weicht der Schmertz/ Und wird mein bestes Gluͤck. 2. Es Verliebte und galante Arien. 2. Es gleichet dein Gesicht Des Himmels-Glantz und hellem Schein/ Sein angenehmes Licht Kan nicht so schoͤne sey; Dein schoͤner Hals Jst ebenfals Crystall: Der Mund-Rubin Da Rosen bluͤhn Besetzet mit Corall. 3. Der rund-gewoͤlbten Brust/ Die lauter suͤsse Anmuth hegt/ Wohin die holde Lust Der Liebe Wohn-Haus legt/ Kein Marmor gleicht/ Vor ihr erbleicht Der Schnee/ Der Schnecken Blut Weicht vor der Gluth/ Die brennt auf dieser Hoͤh. 4. Wirf einen Gnaden-Blick Mein schoͤnster Schatz/ mein ander ich/ Auf deinem Knecht zuruͤck/ Mein Kind erquicke mich. Entreiß mich doch Den schweren Joch Der Pein/ Daß nach dem Streit Der Traurigkeit Jch kan ein Sieger seyn. Er liebet nicht mehr. 1. V on den Banden/ von den Ketten Jst mein Hertze nun befreyt/ M Da- Verliebte und galante Arien. Davon in so langer Zeit Es sonst kunte nichts erretten: O hoͤchst begluͤckter Tag! o angenehme Stunden! Darinnen ich mein Gluͤck und Freyheit wiederfunden. 2. Lachet ihr befreyten Sinnen/ Und du sonst beklemmte Brust Schoͤpff’ aus deiner Freyheit Lust/ Die eur thoͤrigtes Beginnen Vor einem Blick vergab von ungetreuen Augen/ Die euch zu nichtes sonst als einer Folter taugen. 3. Schaut doch an die holden Blicke/ So euch jetzt das Schicksahl giebt/ Und wie euch so hertzlich liebt Ein gewuͤnschetes Geluͤcke/ So eure Fesseln bricht/ euch in die Freyheit setzet/ Und statt Egyptens Dienst in Canaan ergoͤtzet. 4. Solten euch die Augen zwingen? Die nur schlechter Firniß sind/ Nein! seyd nicht mehr starre-blind. Last euch aus dem Nebel bringen/ Der euch mit seinem Dunst bishero hat betrogen/ Und mehr als Wahrheit ist von ihr euch vorgelogen. 5. Wer will wol als Sclave leben/ Wenn er kan erloͤset seyn? Und wer geht den Wechsel ein? Seine Freyheit hinzugeben Vor einem falschen Blick/ vor ein betruͤglichs Lachen. Und wer laͤst sich aus Lust zu einem Knechte machen? 6. Schuͤtzt euch nun in eurem Stande Bleibt der Freyheit zu gethan/ Nehmt hinfuͤhro nicht mehr an Diese so verhaßte Bande/ Bemuͤhet euch vielmehr derjenigen zu dienen/ Bey der ihr Gegen-Gunst und Liebe sehet gruͤnen. Er Verliebte und galante Arien. Er liebt die Lysette. 1. L ysette jene holden Strahlen/ So eur beliebtes Auge macht/ Kan kein geringer Pinsul mahlen/ Der Lippen angenehme Pracht Beschaͤhmt Rubinen und Corallen/ Mit Liljen ist der Hals geziert/ Der Bruͤste auf-und niederwallen Zu einem sanfften Milch-Meer wird. 2. So vielen suͤssen Lieblichkeiten Kan keine Seele widerstehn/ Der muß zum Dienen sich bereiten/ Den ihr nur wuͤrdigt anzusehn. Die Blicke eurer blauen Augen/ Die haben mich in Brand gesetzt/ Noch taͤglich muß ich Flammen saugen/ Bis sich mein Leben endlich letzt. 3. Jhr sehet mein verliebtes Quaͤlen Ohn eintziges Erbarmen an/ Und freuet euch in eurer Seelen/ Daß ich den Brand nicht loͤschen kan. Ja will es meine Zunge wagen/ Euch meine Marter kund zu thun; So hoͤr’ ich dis zur Antwort sagen; Last doch die Complimen ten ruhn. 4. So lachet ihr zu meinem Schmertzen/ Da ihr doch Quell und Ursprung seyd/ Und meinem fast verbrandten Hertzen Jst keine Linderung bereit. Mein Leben seyd doch zu bewegen/ Ach brecht ein mahl den harschen Sinn/ Wenn sich die grauen Haare regen/ So ist die Liebes-Lust dahin/ M 2 5. Eur Verliebte und galante Arien. 5. Eur Antlitzt bluͤht jetzo mit Rosen Es hat die holde Lieblichkeit/ Die allerniedlichsten Zeitlosen Auf euren Wangen ausgestreut. Die Liebe selbst will/ daß ihr Lieben Und Gegen-Gunst erweisen solt Dem/ der durch sie dazugetrieben Euch tausend heisse Seuffzer zolt. 6. Eutweder zwinget eure Blicke/ Daß sie mir nicht beschwerlich seyn/ Macht/ oder meinem Ungeluͤcke Ein Ende/ weil ihr nur allein Mich freudig und betruͤbet machen/ Mir Tod und Leben geben koͤnnt/ Die Hoffnung heist mich froͤlich lachen/ Und spricht: eur Hertz in Liebe brennt. An Brunetten. 1. S oll ich meine Meynung sagen/ Die mein Hertze von euch hegt/ So verwerff ich mich zu retten Von den angenehmen Ketten/ Die ihr mir habt angelegt/ Und wil sie bestaͤndig tragen. 2. Eur beliebtes Angesichte/ So mit holden Laͤcheln spielt/ Sucht mit unentwandten Blicken Meine Freyheit zubestricken; Wenn es blitzend auf mich zielt Geht mein freyer Sinn zu nichte. 3. Wenn die anmuths-vollen Bruͤste Sich bald auf bald nieder blaͤhn/ Muß Verliebte und galante Arien. Muß in diesen schoͤnen Wellen Meiner Freyheit-Schiff zerschellen Und darauf zu Grunde gehn; Uberschwemmt durch so viel Luͤste. 4. Kan ich aber in dem Haven/ Wo die Liebe Hoffstadt haͤlt/ Ohne Schiffbruch ohne Stranden Zwischen euren Huͤfften landen/ Und beschreitt ich diesen Belt Mach ich mich zu eurem Schlaven. 5. Meine Seel ist nun eur eigen/ Und mein Hertze hoͤrt euch zu/ Weil ich aus so schoͤnen Gruͤnden Koͤnnen meinen Ancker winden. Was ich mache/ was ich thu Muß euch meine Ehr-Furcht zeigen. 6. Unvergleichliche Brunette Dis ist meine Danckbarkeit/ Ja ich wil zum Angedencken Mich euch gantz zu eigen schencken. Meine Dienste sind bereit/ So am Tage als zu Bette. Er zuͤrnet/ daß er Brunetten geliebet. 1. J ch bin ein rechter Narro Mir fehlet eine Sparre/ Weil ich verliebet bin. Den Haasen laß ich streichen Und die Vernunfft entweichen O ungerahtner Sinn! 2. Die Leute werden lachen/ Wenn sie die laͤpschen Sachen M 3 Jm Verliebte und galante Arien. Jm vorgem Liede sehn. Mich wunderts wie ich koͤnnen Jn dieses Bild entbrennen Und ihr zu Dienste stehn? 3. Geh Thoͤrin geh von hinnen/ Es wollen meine Sinnen Dir nicht mehr dienstbahr seyn. Jch weiß mich wol zu retten Aus deinen Liebes Ketten/ Und kan mich bald befreyn. 4. Weil du nicht koͤnnen schweigen/ So hab ich wollen zeigen/ Daß du zu mild bericht’t. Die Fesseln sind zerrissen/ Die mich sonst halten muͤssen/ Mein Hertze liebt dich nicht. 5. Mein/ geh erst hin und lerne/ Das deiner Augen-Sterne Nicht so durchdringend sind/ Als wie du wol vermeynest/ Dem du annehmlich scheinest/ Der ist aus Wahnwitz blind. 6. Vordem war ich bethoͤret/ Daß ich ein Bild verehret/ So keine Goͤttin ist Weil nun mit meinem Lieben Jch Ketzerey getrieben/ So wird sie jetzt gebuͤßt. 7. Jch breche die Altare/ Und was sonst heilig ware/ Jn meinem Hertzen ab; Weil mich die Freyheit gruͤsset/ So sey sie auch gekuͤsset Bis in das dunckle Grab. Als Verliebte und galante Arien. Als er wegen der Liebe zu der Esperancen das Leben verliehren solte. 1. W enn die Menschen muͤssen sterben? Welche einen Engel sehn: So wird meine Brust verderben Und es ist mit mir geschehn. Denn den Anblick solcher Strahlen Zu bezahlen/ Muß ich bald zu Grunde gehn. 2. Weil ich mich zu hoch verstiegen Und ein Engel-Bild geliebt/ Geht mirs/ als mit Jcars fliegen Und mein Stoltz den Tod mir giebt. Drum will ich den Entschluß fassen/ Und erblassen/ Mehr vergnuͤget als betruͤbt. 3. Alles was die Welt uns schencket/ Reucht doch nur nach Unbestand Wenn man sich zu freuen dencket/ Jst der Schmertz schon bey der Hand. Weil nun nichts bestaͤndig heisset/ So zerreisset Auch nur meines Lebens-Band. 4. Lebt wohl meine Esperance Gute Nacht du Vater Hertz Mit der Lebens-Fackel Glantze/ Lencket sichs schon Abend-werts Hat man nun mein Blut vergossen Wie beschlossen/ Ach so hoͤret auf mein Schmertz. M 4 Er Verliebte und galante Arien. Er zuͤrnet mit sich/ daß er so wanckelmuͤtig. 1. W O denckt ihr hin/ ihr fluͤchtigen Gedancken? Welch Unbestand nimmt euch/ ihr Sinnen/ ein? Heist dieses wol treu und bestaͤndig seyn? Bald hie/ und denn bald dort hinaus zu wancken. Was nuͤtzet euch die falsche Heucheley? Wie! wenn ihr lieben wolt/ so liebet treu. 2. So liebet treu/ mein Gluͤck ist noch verhanden/ Das Wetter/ so ihr Antlitz uͤberzieht Wird nicht bestaͤndig seyn/ ihr Zorn entflieht So schleunig als er bey dir ist entstanden/ Geduldet euch nur eine kleine Zeit/ So wird zum Ende seyn euer hartes Leid. 3. Eur hartes Leid wird sich in Lust verkehren Bey Rosen lassen sich die Dornen sehn So kan man auch nicht stets auf Sammet gehn Die Liebe will nicht immer Lust verehren/ Zuweilen sie auch scharffe Salsen giebt/ Und pruͤfet uns/ ob man bestaͤndig lieb’t 4. Bestaͤndig liebt ein recht verliebtes Hertze/ Es wancket nicht ob schon ein Sturm entsteht/ Wenn alles neben ihm zu Grunde geht. So brennet doch in ihm die Liebes-Kertze Die keine Noht/ wie groß sie ist ausblaͤßt/ Bis daß den matten Leib der Geist verlaͤst. 5. Der Geist verlaͤst/ offt eh des Leibes-Hoͤle Als daß er seine treue Liebe bricht Wohin man einst den steiffen Sinn gericht Dahin verlanget immerfort die Seele Jch fuͤhle auch das angenehme Strick Das nach Melinden mich nun zieht zuruͤck. 6. Nun Verliebte und galante Arien. 6. Nun zieht zuruͤck/ bleibt immer fort bestaͤndig Der Sieger wird erst nach der Schlacht gekroͤhnt Wer sich recht nach dem Sieges-Krantze sehnt Den machet nichts von seinem Zweck abwendig. Weil ich nun auch ein Venus- Kaͤmpffer bin/ So flieht die Meuterey/ wo denckt ihr hin? An eine zornige Schoͤne. Cantata. ARIA . Z ornige ich falle nieder Blicke mich halb Todten an/ Ach kehr doch/ ach kehre wieder! Daß ich Athen hohlen kan. Laß mich deine schoͤnen Wangen So umfangen/ Als mein Mund vordem gethan. Zornige ich falle nieder Blicke mich halb Todten an. Laͤst sich doch Ein harter Fels erweichen; Das Feur kan Stahl und Eisen zwingen/ Ein Demant muß in Blut zerspringen/ Wie! wilt du dennoch Haͤrter seyn? Bist du noch mehr als Stahl und Stein? Und soll nichts deinem Hertzen gleichen? Laß ab mich ferner so zu quaͤhlen/ Und goͤnne/ daß ich nach den Finsternissen/ Die mich hißhero foltern muͤssen Kan vergnuͤgte Blicke zaͤhlen. Soll aber ich nicht Meinen Wunsch erfuͤllet sehn? So laß mir nur ein kleines Licht Der Hoffnung auffgehn/ M 5 Daß Verliebte und galante Arien. Daß mir/ wenn ich gnug geplagt/ Dieser Trost ist unversagt. ARIA . Auch die Hertzen muͤssen brechen/ Welche mehr den Staͤhlern sind: Endlich werden durch die Liebe Eben solche heisse Triebe Auch in ihnen angezuͤndt; Daß sie gantz entflammet sprechen/ Auch die Hertzen muͤssen brechen/ Welche mehr den Staͤhlern sind. Jch hoffe nun ein gut Geluͤcke Sey mir bey dir noch vorgespaart; Krieg ich jetzo dunckle Blicke/ Will dein Auge truͤbe seyn/ Und mit Come ten dreun? Wohlan! laß es donnern laß es wittern; Jch bin getreu/ Will schon der Grund der Erden sich erschuͤttern/ So bleib ich doch dabey Mein Hertze schlaͤgt nicht aus der Art/ Und will dein eigen seyn. ARIA . Der Himmel kan nicht ewig stuͤrmen Die Sonne bricht doch endlich an Dein Hertz wird auch nicht immer hassen/ Und mich so gar verderben lassen Weil ich dir eintzig zugethan/ Der Himmel kan nicht ewig stuͤrmen/ Die Sonne bricht doch wieder an. Dafnis entdecket der Silvia seine Liebe. Aus des Torq. Tasso seinem Amintas. Act. 1. X. 1. 1. S chreibst du es der Feindschafft zu? Daß der Bock gern bey der Ziegen/ Und Verliebte und galante Arien. Und der Ochse bey der Kuh Mag im gruͤnen Grase liegen. Jst es Hassen oder Lieben Was die Turtel-Tauben uͤben? Wenn der Tauber gantz vergnuͤgt Sich zur treuen Tauben fuͤgt. 2. Meynst du/ daß die Grausahmkeit Jhren Ursprung hergenommen Von der suͤssen Fruͤhlings-Zeit? Die jetzt lieblich angekommen/ Und zur Liebes-Lust beweget Was die Welt an Thieren heget/ Auch den Maͤnnern zeiget an/ Wie man Frauens lieben kan. 3. Kanst du denn so gar nicht sehn? Wie anjetzo alle Sachen/ Jn verliebten Flammen stehn/ Und vor grosser Wollust lachen. Schau des Taubers artigs stellen/ Der um seinen Eh-Gesellen Mit verliebten Murmeln fliegt/ Und sich kuͤssend zu ihr fuͤgt. 4. Hoͤr die Nachtigalle an/ Die von Zweig zu Zweigen springet/ Und so helle wie sie kan Mit erhobner Stimme singet/ Seht die hellen Liebes-Flammen Schlagen uͤber mich zusammen/ Sehet! wie mein Hertze brennt/ Die ihr Amors Kraͤffte kennt. 5. Und als wenn dir unbewust? Was die kluge Schlange treibet/ Die das Gifft vor ihrer Lust Erst der Erden einverleibet/ Drauf Verliebte und galante Arien. Drauf zu ihrem Buhlen eilet/ Der die Liebe mit ihr theilet; Denn die Liebe will allein Nur lust-und nicht gifftig seyn. 6. Es vergeht die Grausamkeit Denen wilden Tyger-Thieren; Und wenn Amor es gebeut Muß der Loͤw den Stoltz verliehren: Jedoch deine harten Sinnen Wollen diesen abgewinnen Nichtes ist so wild als du/ Du schleust dein Hertz Amorn zu. 7. Doch was sage ich allhier! Da die Loͤwen/ Tyger/ Schlangen Mit Empfindung gleich als wir/ Und mit gleicher Fuͤhlung prangen. Aber da der Baͤume-Rinden Amors heisse Macht empfinden/ Kenn’ ich nichtes/ so dir gleicht/ Dir/ der Amor selbsten weicht. 8. Mit Verwundern kanst du sehn/ Wie des Weinstocks schlancke Reben/ Jn so grosser Jnbrunst stehn Und des Maͤnnleins Stamm umgeben; Jhre Liebe ist so hefftig/ Daß sie immerdar geschaͤfftig/ Wie sie ihren lieben Mann Gantz genau umarmen kan. 9. Schau die Tannen sind verliebt/ Und die Fichte kuͤst den Fichten/ Der Ulm seine Braut umgiebt/ Darnach sich die Weiden richten. Auch die Buͤche fuͤhlet Flammen Und seufftzt nach der Liebsten Stammen. Eichen Verliebte und galante Arien. Eichen/ die so hart und wild Sind mit Liebe angefuͤllt. 10. Haͤttest du Geist und Verstand? Wuͤstest du die Kunst zu lieben? Wuͤrden dir nicht unbekandt Jhre Seuffzer seyn geblieben; Jhre stummen Liebes-Thaten Haͤtte dein Gehirn errahten Und der Liebe ihre Macht Wuͤrde mehr von dir geacht. 11. Jst dein Hertze mehr als Stein? Wilt du denn den Baͤumen weichen? Und ein stoltzer Sieger seyn Uber Amors Sieges-Zeichen? Soll die Brust nie Flammen fangen Und mit Liebes-Ketten prangen? Aender/ aͤnder diesen Schluß/ Den ich thoͤrigt nennen muß. Er liebet sie bestaͤndig. 1. H ertz und Sinn Hast du hin/ Weiter kan ich dir nichts geben/ Selbst mein Leben Jst durch ander stille Macht Dir auf ewig zugedacht. 2. Jch will dein Ewig seyn/ Nichtes soll mich uutreu machen Hohe Sachen Sind aus meiner Brust verbannt/ Wo dein Bild nur ist bekand. 3. Denn Verliebte und galante Arien. 3. Denn mein Hertz Sucht im Schmertz Nur auf Gott und dich zu setzen Sein Ergoͤtzen: Drum mein Licht bleib mir getreu/ Daß ich nicht des Todes sey. Er nimmt unter der Versicherung seiner Treue von ihr Abschied. Cantata. ARIA . A djeu Schoͤnste! lebe wohl! Bleibe meiner eingedenck. Kuͤsse mich offt in Gedancken/ Meine Treu/ die soll nicht wancken. So lang als ich athmen kan Bett’ ich deine Gottheit an Adjeu Schoͤnste! lebe wohl! Bleibe meiner eingedenck. Wird schon der Leib entfernt Bleibt doch die Seele da; Wo solche Schoͤnheit sternt/ Bleiben/ ob der Leib von hinnen/ Doch die Sinnen Jhrem Angel-Sterne nah. ARIA . Auch Abwesend will ich brennen Schoͤnste in der hellen Gluht; Meine Treue soll bestehen/ Und nach steten Wachsthum sehen Mitten in der Neider-Wuht Auch Abwesend will ich brennen Schoͤnste in der hellen Gluht. An Verliebte und galante Arien. An die harte Jris. Aus dem Frantzoͤsischen. 1. W enn ich die Seuffzer schick nach Jris heilgen Throne/ So setz’ ich mich in Quaal/ und kriege Angst zum Lohne: Mein Lieben wird veracht/ die Jris weicht zuruͤck; Sie lachet meiner Quaal wenn ich die Seuffzer schick. 2. Mein Hertze ist verliebt/ mich toͤdten Jris Blicke/ Jch gebe solches zu/ und acht’ es vor mein Gluͤcke: Doch saget mir warum eur Mund die Losung giebt? Wenn ihr euch von mir trennt/ mein Hertze ist verliebt. 3. Daß Jris schoͤne sey/ daß viele nach ihr trachten/ Das geb ich zu/ doch wenn man Seuffzend muß verschmachten/ Und scheun ihr Grausahm-seyn/ so sage ich gantz frey/ Jch achte es gar nicht/ daß Jris schoͤne sey. An Albanien. 1. A lbanie, ich bin entzuͤndet Und zwar durch deine Schoͤnheit-Pracht/ Auf dich sich mein Vergnuͤgen gruͤndet; Die andern sind vor nichts geacht. Du schlaͤgst mein Hertze/ Durch einen Strahl/ Doch ist der Schmertze/ An statt der Quaal Ein Freuden-Mahl. 2. Mein Geist/ der ist durch dich bestricket/ Mit Lust seh’ ich die Banden an/ Dein Schoͤnseyn hat mein Hertz beruͤcket/ So ohne dich nicht leben kan Mir find deine Banden Gar sanfft und leicht. Wo Verliebte und galante Arien. Wo ist verhanden Die/ so dir gleicht? Da Venus weicht. 3. Die Blicke deiner holden Augen Die toͤdten und erquicken mich/ Und wenn ich muß die Flammen saugen/ So koͤmmt mein Geist gantz ausser sich. Jch werd’ entzuͤcket Durch deine Macht/ Und auch erquicket Wenn mich anlacht Der Augen Pracht. Als ihm lange Zeit verwehret war seine Schoͤne zu sehen. 1. S choͤnes Kind/ ach mein Verlangen! Soll ich dich denn nicht mehr sehn? Jst mein Gluͤcks-Stern untergangen Und soll es nicht mehr geschehn? Daß ich aus den holden Augen Und den Liljen deiner Brust/ Darf als eine Biene saugen/ Anmuhts volle Himmels-Lust. 2. Zwar mein Engel deine Guͤte/ Strahlt noch immer auf mich zu/ Und mein trauriges Gemuͤhte/ Kuͤßte die erwuͤnschte Ruh/ Wenn die Mißgunst ihr bewachen/ Und ihr Huͤten unterließ/ Die/ als wie vor dem die Drachen/ Dich bewahrt/ mein guͤldnes Vluͤß. 3. Geht ihr Himmel/ daß mein Warten/ Den erwuͤnschten Zweck erreicht/ Oeff- Verliebte und galante Arien. Oeffnet den verschloßnen Garten Schaffet daß die Schlange weicht/ Die mir von dem Lebens-Baume/ Nicht die suͤsse Frucht gewehrt/ Und nur stets im leerem Traume Sodoms Fruͤchte mir verehrt. 4. Doch wie oͤffters nach dem Weinen/ Mancher feyrt ein Freuden-Fest/ Und die Sonne pflegt zu scheinen/ Wenn es nach mit Stuͤrmen laͤst/ So werd ich/ was mein Verlangen/ Und was mich erfreuen kan/ Endlich wiederum umfangen/ Gleich wie ich vor dem gethan. Er giebt ihr seine Liebe zu erkennen. 1. D urch deiner Augen-Pracht geliebte Schoͤne! Hast du mein Hertz verletzt/ und mich verwundt/ Drum goͤnne/ daß es auch sich nach dir sehne Durch einen holden Blick wird es gesundt. Eh bin ich nicht vergnuͤgt/ Bis ich dein Hertz bestegt/ Darf ich dein eigen seyn? So legt sich meine Pein/ Und ist vorbey: Es schmecket meine Brust/ Vergnuͤgte Himmels-Lust/ Wenn mich dein Mund bekuͤst/ Und meine Quaal versuͤßt Durch wahre Treu. 2. Mein Wahl-Spruch lautet so: Jch will dich lieben/ So lange mir die Lufft das Leben schenckt/ Dein Nahm ist mir so tieff ins Hertz geschrieben/ Daß es so Tag als Nacht an dich gedenckt. N Jch Verliebte und galante Arien. Jch ehre deine Pracht Die mich zum Sclaven macht/ Dein schoͤnes Angesicht Daß weicht im minsten nicht Dem Paradies Laß deiner Augen-Schein Mir holde Sternen seyn/ So fuͤhret mein Compas Mich auf die rechte Straß/ Zum guͤldnem Vließ. Gedancken uͤber die schoͤne Dorimene zu Juliopolis. 1. D orimene eures gleichen/ Findet man gar keine hier/ Wie die Sterne muͤssen weichen Wenn die Sonne steigt herfuͤr/ So stirbt auch der andern Schimmer/ Die noch etwas schoͤne sind Wenn bey diesen Frauen-Zimmer Man euch Dorimene find. 2. Wer euch einen Menschen nennet/ Keinen Witz im Haupte fuͤhrt/ Weil er keinen Engel kennet/ Den des Himmels-Schmuck beziert/ Was die Goͤtter an sich haben/ Und was uͤber irrdisch heißt/ Findet man nebst tausend Gaben/ An dem tugendhafftem Geist. 3. Wie die guͤldne Sonne blendet/ Wenn man starre in sie sieht/ So eur Glantz die Freyheit endet/ Und die Hertzen nach sich zieht/ Daß Verliebte und galante Arien. Daß einjeder muß gestehen/ Daß ihr unvergleichlich seyd/ Und wer euch nur kriegt zusehen/ Ruͤhmt dis Wunder dieser Zeit. 4. Wie die hohen Cedern schwingen/ Jhr begruͤntes Haupt empor/ So giebt sich an allen dingen/ Was erhobnes hier hervor/ Die erhoͤhte Marmor- Stirne/ Jst der Ort wo Schoͤnheit blitzt/ Und eur witziges Gehirne Jst der Thron wo Pallas sitzt. 5. Eure schoͤne braunen Augen/ Sind der Liebe Auffenthalt/ Flammen muß man daraus saugen/ Jst das Hertz gleich noch so kalt/ Wenn ihr eure Strahlen schiesset So zuͤndt sich ein Æthna an/ Daß das wie ein Wachs zerfliesset/ Was sonst Eisen trotzen kan. 6. Stahl und Felsen harte Hertzen/ Macht eur holder Blick gleich weich/ Doch empfindt man keine Schmertzen/ Den er ist dem Blitze gleich. Wenn man nur von ferue schauet/ Eurer Augen Wunder-Licht/ Wird ein Tempel ihm gebauet/ Und ein Altar aufgericht. 7. Jedermann seyd ihr beliebet/ Weil die schoͤnsten Sachen braun/ Brauner Wolcken Schoͤnheit giebet/ Daß die Sterne klar zu schaun. Braune Nelcken sind die besten/ Der Geruch mit Ambra speist/ N 2 Und Verliebte und galante Arien. Und man den beliebten Gaͤsten/ Nur die schwartzen Kirschen weist. 8. Eure Tugend ist noch groͤsser/ Die/ die Seele kostbahr macht/ Als wie eure Schoͤnheit besser/ Denn der andern schoͤnen Pracht/ Wenn die andern einfach schoͤne/ Seyd ihr tausend mahl so schoͤn/ Und vollkommne Dorimene Als ein Engel anzusehn. 9. Eur beliebtes Angesichte/ Das mit holden Laͤcheln spielt/ Gleicht dem hellen Sonnen Lichte/ Wenns auf Memnons Seule zielt/ Denn wie diese jenes preiset/ Wenn die Strahlen auf sie gehn/ So euch jeder himmlisch heisset/ Den ihr wuͤrdigt an zu sehn. 10. Doch bey allen euren Blicken/ Jst eur Hertze Eisen-hart/ Und vor den gelegten Stricken/ Eure Seele sich verwahrt/ Daß die Keuschheit selbst ihr Wunder/ An dem keuschen Wesen sieht/ Weil der Wollust Liebes-Zunder/ Nie in eurer Seelen gluͤht. Sie beklaget den Verlust ihres Amanten. 1. S O muß sich nun mein Stern in einem Unstern kehren/ Sein vormahls suͤsses Licht wil ein Comete seyn. O Himmel kanst du so ein treues Hertz beschwehren Mit so viel ungemach und Centner schwerer Pein? Ach Verliebte und galante Arien. Ach soll ich meinen Stern hinfuͤhro nicht mehr sehn? So muß mein Freuden-Licht in Thraͤnen untergehn. 2. Was bringt es dir vor Lust grausahmestes Verhaͤngniß? Daß du ein schwaches Hertz fuͤhrst auf die Marter-Bahn/ Mein sonst vergnuͤgter Geist haͤlt nun sein Leich-Begaͤngniß/ Und leget halb entseelt die Trauer-Kleider an. Und was nur noch allein erquicket meine Brust/ Jst die Erinnerung der laͤngst verfloßnen Lust.| 3. Jedoch verzage nicht/ treu doch verfolgte Seele/ Die Zeit veraͤndert sich in einem Augenblick/ Wer jetzo ist versenckt in einer Trauer-Hoͤle/ Hat/ eh ers wohl vermeynt/ das allerhoͤchste Gluͤck/ Vielleicht kan auch dein Stern/ der jetzt verschwunden ist/ Dich wiederum erfreun/ wenn du bestaͤndig bist. Als seine Liebste untreu worden. 1. W as vor ein Strahl wil doch das Schiff zerschellen? Das fast den Port und Haven sieht/ Was vor ein Blitz will meine Hoffnung faͤllen? Die sich um deine Gunst bemuͤht. Was ist es doch/ das die Verehrung stoͤhrt/ Und mich nicht hoͤrt? Ach weh! es ist ein fremdes Bild/ Das dich mit Gluht und Flammen angefuͤllt. 2. Ach bittrer Schmertz/ der meine Glieder ruͤhret/ Und wie ein Gifft zum Hertzen dringt. Ach falscher Sinn! der mich an Oerter fuͤhret/ Wo man nur Trauer-Lieder singt. Ach schoͤnstes Bild! faͤlt denn kein suͤsser Blick Auf mich zuruͤck? Nein! dieses stoͤhrt ein fremdes Bild/ Das dich mit Gluht und Flammen angefuͤllt. N 3 3. Er- Verliebte und galante Arien. 3. Erbarme dich/ o Goͤttin! meines Lebens/ Erbarme dich doch meiner Pein; Hilfst du mir nicht? so ist die Gluht vergebens/ Durch deine Gunst kan ich nur seyn. Doch nein! du hoͤrst mich jetzo nicht. Ach schoͤnstes Licht Warum? dich hat ein fremdes Bild/ Mit Gluht und Flammen angefuͤllt. An die Nacht. 1. K omm schwartze Nacht/ du stille Finsterniß/ Umhuͤlle mich mit deinem braunen Schatten/ Du blasser Mond zeig mir mein guͤldnes Vließ/ Laß ungestoͤhrt mich mit Sorellen gatten. Jhr Sternen zuͤndt die hellen Fackeln an/ Daß ich den Port der Wollust finden kan. 2. Mein Geist verlangt den Haven bald zu sehn/ Den Alabaster und Corallen zieren; Die Enge/ wo nur kan ein Schifflein gehn/ Soll ihn ins Land der suͤßten Luͤste fuͤhren/ Der Pharos soll die weisse Brust ihm seyn/ So faͤhret er vergnuͤgt zum Haven ein. 3. Wie/ winckt mein Licht nicht albereits von fern/ Und rufft mir zu/ im Seegeln fort zu eilen/ Ja! nun wohlan! ich folge diesem Stern/ Der Tag will auch nicht laͤnger mehr verweilen/ Die Sonne sucht im Meere ihre Ruh/ Und ich/ ich eile nach Sorellen zu. 4. Jch fuͤhle schon die Liljen weiche Hand/ Jch seh die Brust mit Wollust-Rosen spielen/ Und ferner fort das angenehme Land/ Das meine Brunst ist willig abzukuͤhlen. Das/ Verliebte und galante Arien. Das/ was mein Schiff nun eingeladen hat/ Das bleibet dir Sorelle vor die That. Streit der Keuschheit und Liebe. Serenata. ARIA . Venus. A ugen/ die dem Glantz der Sonnen Mehr als doppelt abgewonnen/ Muͤssen meine Fackeln seyn. Solche Blicke zu verstricken/ Daß sie gleich ein Hertz beruͤcken Gebe ich den Damens ein. Augen/ die den Glantz der Sonnen Mehr als doppelt abgewonnen Muͤssen meine Fackeln seyn. Jch zwinge alle Welt Zu meiner suͤssen Dienstbarkeit/ Ein Hertz von Stein und Stahl/ Wird bald durch einen Strahl/ Und holden Blick gefaͤlt. Es kan sich keiner retten/ Aus meinen starcken Ketten. Zu mahl da solche Schoͤnen Zu meinem Dienst bereit/ Die Pracht und Anmuht kroͤhnen. Auch keine Lust/ Jm Himmel und auf Erden/ Kan einer Brust Beliebter werden/ Als wenn man liebt/ Und Schoͤnheit wieder Kuͤsse giebt. ARIA . Diana. Wo reine Zucht und Tugend bluͤht/ Da ist der Himmel auf der Erden. Nichts giebt dem klugen Frauen-Zimmer Mehr Ruhm und groͤssern Tugend-Schimmer/ N 4 Als Verliebte und galante Arien. Als wenn die Keuschheit sich bemuͤht/ Daß es zur Goͤttin moͤge werden. Wo reine Zucht und Tugend bluͤht Da ist der Himmel auf der Erden. Wer in vergnuͤgter Ruh Den Fruͤhling seiner Jahre Wil in der Bluͤhte sehn/ Der gebe ja kein Lieben zu/ Sonst faͤlt er zeitig auf die Bahre/ Und muß in kurtzer Zeit vergehn. ARIA . Liebe ist die Pest der Seelen/ Liebe ist ein scharffes Gifft; Zucker scheint sie zwar zu seyn/ Doch der herbe Wermuhts-Wein/ Muß zuletzt die Geister quaͤhlen. Liebe ist die Pest der Seelen/ Liebe ist ein scharffes Gifft. Cupide. Wie! Diana raset ihr? Jst Endymion vergessen? Kennt ihr Latmus Hoͤh nicht mehr? Wo ihr offtmahls mit Begier Gantze Naͤchte habt gesessen/ So daß auch das Sternen-Heer/ Euch von euren suͤssen Kuͤssen/ Hat zuruͤcke ruffen muͤssen/ Wenn des Brudern guͤldner Schein Ließ die Berge feurig seyn. ARIA . Was Goͤtter und Menschen mit Anmuth ergoͤtzet/ Was Himmel und Erden mit Wollust vergnuͤgt/ Sind eintzig der Liebe Annehmliche Triebe. Was Goͤtter und Menschen/ was alles besiegt/ Jst eintzig die Liebe/ die lieblich verletzet. Jupiter. Die Venus hat gewonnen/ Denn wo die Augen Sonnen/ Und Verliebte und galante Arien. Und wo die Schoͤnheit blitzt/ Da muß sich alles biegen/ Jch selbst muß unterliegen Mein Ansehn mich nicht schuͤtzt. So offt Cupidens Pfeil Mich hat verletzet/ So offte hat mein Heyl Die Venus mir ersetzet. ARIA . Wer kan ihr nun widerstehen? Da den Donner-Gott sie zwingt. Wer kan ungefesselt sehen Wunder-schoͤne Augen an? Die mit Anmuht an gethan. Wer kan ihr nun wiederstehen/ Da den Donner-Gott sie zwingt? Cupido. Nun Mutter seyd vergnuͤgt/ Diana ist besiegt. Auch unser Freude zu vermehren/ So lasse ich mich jauchtzend hoͤren. Venus. Jch muß zu meinem Siegen Mich freudig zu dir fuͤgen. ARIA . Venus.# Cupido. # Jo! jo! Triumph! Venus. Jch habe obgesiegt/ Cupido. Die Venus hat gesiegt. Venus. Diana mir zum Fuͤssen liegt. Cupido. Diana ihr zum Fuͤssen liegt. Venus.# Cupido. # Jo! jo! Triumph! Venus. Jch habe obgesiegt/ Cupido. Die Venus hat gesiegt. N 5 Dia- Verliebte und galante Arien. Diana. O! ungerechtes Siegen. Jhr Thraͤnen brecht hervor/ Jhr Augen weint/ Beweint mein Ungeluͤcke/ Das widrige Geschicke Hebt Jdalis empor/ Und laͤst mich niederliegen. Der Keuschheit ist man feind; Ob schon der Schoͤnheit-Strahlen So Wang’ als Brust bemahlen/ So ist man doch nicht schoͤn; Weil man die Keuschheit liebet/ Und nicht das Buhlen uͤbet. Ach! ach! ich muß vergehn. O! ungerechtes Siegen/ Die Keuschheit soll darniederliegen. ARIA . Jhr Schoͤnen sucht ihr ein Vergnuͤgen/ So bleibt der Freyheit zu gethan/ Denn wird euch keine List besiegen/ Wie schlau sie es auch faͤnget an: Da/ wo verliebte Geister weinen Koͤnnt ihr vergnuͤgt alsdenn erscheinen. Jhr Schoͤnen sucht ihr ein Vergnuͤgen/ So bleibt der Freyheit zugethan. Jupiter. Wie so verzagt Diane? Jhr steckt im falschen Wahne/ Die Keuschheit bleibt geehrt/ Die Liebe wird gepriesen/ Wenn ihr den Argwohns-Riesen Jn einen Zwerg verkehrt/ So zeigt sich/ daß die Liebe Der Schoͤn-und Keuschheit Schwester ist. Diane. Jst dieses unser Zwist? So bin ich schon vergnuͤgt/ Jhr Augen lacht/ seyd nicht mehr truͤbe/ Jch habe mit gesiegt. ARIA . Verliebte und galante Arien. ARIA . Keuscher Seelen ihr Ergoͤtzen/ Kan gantz wol die Liebe seyn. Wer sich Tugendhafft verliebt/ Ein beruͤhmtes Beyspiel giebt Zu den Sternen sich zu setzen. Keuscher Seelen ihr Ergoͤtzen Kan gantz wol die Liebe seyn. Cupido. Frau Mutter seyd vergnuͤgt/ Wir siegen und verliehren/ Zwey angenehme Schoͤnen/ Die Zucht und Schoͤnheit ziehren. Die machen/ daß ihr siegt/ Und wollen auch Dianen kroͤhnen. ARIA . Mercurius. Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister/ Sie sind an Zucht und Schoͤnheit schoͤn/ Die Augen sind der Liebe-Spiegel/ Jhr Strahl durchdringet Stein und Riegel/ Die Wangen voller Rosen stehn. Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister/ Sie sind an Zucht und Schoͤnheit schoͤn. Jupiter. Diese Schoͤnen sollen werden Auf der Erden/ Was ihr in dem Himmel seyd. Doch mit diesem Vorzugs-Rechte/ Daß eure Eigenschafften An jeder muͤssen hafften. Es steige ihr Geschlechte An Ruhm und Wuͤrdigkeit/ Bis an die blauen Buͤhnen/ Die uns zur Wohnung dienen. ARIA . Tutti. So scheint ihr angenehmen Sonnen Zu dieser Stadt Zufriedenheit Jupiter. Das Gluͤcke selbsten soll euch dienen/ Diana. Niemahls sey eur Vergnuͤgen weit. Venus. An Schoͤnheit muͤst ihr taͤglich gruͤnen/ Cupi- Verliebte und galante Arien. Cupido. Euch soll einjeder Dienstbahr seyn/ Mercurius. Kein Neid verdunckle euren Schein. Tutti. So scheint ihr angenehmen Sonnen Zu dieser Stadt Zufriedenheit. Als zwey Verliebte durch den dritten ver- stoͤhret wurden. 1. A mariane die Geuͤbte Lag in dem weichen Feder-Grab/ Als ihr Helari der Geliebte Vergnuͤgte Lust zu kosten gab/ Ach! sprach sie/ moͤcht’ ich so stets leben/ Und mir mein Licht Caressen geben. 2. Sie schloß ihn in die weichen Arme/ Und druckte ihn an ihre Brust; Sie sprach: wenn ich also erwarme/ So wird mir solche Lust bewust/ Die gegen alle Suͤssigkeiten Kan um die Ober-Herrschafft streiten. 3. Hier hielt sie Augenblicklich innen/ Die Zunge ließ das Reden seyn/ Auch warff die Anmuht ihre Sinnen Jn eine suͤsse Ohnmacht ein/ Sie starb/ doch muste ihr das sterben Die allersuͤßte Lust erwerben. 4. Sie lag und ruͤhrte nicht die Glieder/ Nur daß der Athen hefftig ging/ Doch kahm das Leben endlich wieder/ Worauf sie an zu reden fing: Ach suͤsser Tod! in welch’ Ergoͤtzen/ Kanst du doch meine Seele setzen. 5. Nichts Verliebte und galante Arien. 5. Nichts kan auf diesem Rund der Erden/ Das mit dir zu vergleichen sey/ Durch keine Kunst erfunden werden; Helari stimmte auch mit bey/ Und sprach: Mein Kind/ ach dis Vergnuͤgen/ Kan alle ander Lust besiegen. 6. Kaum als die Worte ausgesprochen/ Da sanck Helari bey ihr hin/ Sie sprach: Jhr Augen seyd gebrochen/ Wie! daß ich noch am Leben bin/ Ach Tod komm! laß es doch geschehen/ Daß ich mit ihm mag untergehen. 7. So gleich ersturben ihr die Geister/ Die Zunge blieb erstarret stehn. Die Ohmacht wurde von ihr Meister/ Es war um alle Krafft geschehn. Doch ihr Vergnuͤgen zu vermehren/ Must’ ihnen der Geist wiederkehren. 8. Sie kuͤßten sich/ und lachten beyde/ Als jemand in die Kammer kahm/ Worauf zu ihrem grossem Leide Gleich ihre Lust ein Ende nahm/ Jn welcher man nach vielen Stunden Sie haͤtte sonsten noch gefunden. Er wil nicht lieben. 1. D ie Freyheit allein/ Die soll es nur seyn/ Mit welcher ich stete Freundschafft geh ein; Denn wer da im Lieben/ Sich taͤglich wil uͤben/ Der leidet nur Pein. Man Verliebte und galante Arien. Man sucht sich zu retten Aus Banden und Ketten/ Ein armer Gefangner sucht gerne die Thuͤr. Das Wild sucht die Felder Und dickesten Waͤlder/ Jch suche mit ihnen Der Freyheit zu dienen Mit hoͤchster Begier. Mein Mund soll die Sachen Der Liebe verlachen/ Weg Venus von mir. 2. Dir folg’ ich nicht mehr; So auch deiner Lehr Gibt ferner mein Hertze niemahls Gehoͤr; Du kehrest das Schertzen Jn klaͤglichem Schmertzen/ Und bringest Beschwehr. Ein hoͤllisches Quaͤhlen Empfinden die Seelen/ So deinen verdammten Trieben nachgehn. Dein praͤchtig Gerichte Sind gifftige Fruͤchte/ Die alle betriegen/ Die meinen Vergnuͤgen An ihnen zu sehn. Jch mag sie nicht schmecken/ So kan ich vor Schrecken/ Jn Sicherheit stehn. Er preiset sein Gluͤck. 1. J hr Auen/ Baͤch und Buͤsche Du stiller Felder-Ruh/ Und auch ihr stummen Fische/ Hoͤrt meine Freude zu. 2. Jch Verliebte und galante Arien. 2. Jch saß vor wenig Tagen Bey meiner Cynthia Und was ich nur mucht fragen/ War alles bey ihr Ja. 3. Jch sprach: Mein Kind von Hertzen Verehr’ ich eure Pracht So lang die Sternen schertzen Am Himmel bey der Nacht. 4. Ja in der letzten Stunde/ Die Leib und Seele trennt/ Ob schon mit schwachem Munde/ Werdt ihr mein Licht genennt. 5. Drauf schloß sie mich gebunden Jn ihre Arme ein/ Ach! daß der suͤssen Stunden Noch tausend moͤchten seyn. 6. Und mit verliebten Blicken Sah sie mich freundlich an/ Ein sanfftes Haͤnde druͤcken Wurd’ auch hinzugethan. 7. Bis endlich meine Schoͤne Die Worte bracht herfuͤr/ Mein Liebster/ ach ich sehne Mich immerfort nach dir. 8. Jch stelle dir das Kuͤssen Und beste Lieben frey/ Doch keiner soll es wissen/ Daß ich dein eigen sey. 9. Wir sassen voller Freuden Jn dem gebuͤckten Klee/ Ent- Verliebte und galante Arien. Entfernt von allen Leiden/ Von Kummer/ Furcht und Weh. 10. Jhr Mund lag auf dem meinen Von ihr selbst angelegt/ Und ihre Brust ließ scheinen Was sie verborgen traͤgt. 11. Zwo schoͤne Marmor Ballen/ Die quollen in die Hoͤh/ Es wuchsen auf Corallen Jn Flammen und im Schnee. 12. Es daurte unser Freude Bis in die spaͤhte Nacht/ Worauf wir alle beyde Uns auf dem Weg gemacht. 13. Dis wil ich euch vertrauen Jhr Felder weit und breit/ Jhr aber muͤsset schauen/ Daß ihr verschwiegen seyd. 14. Drum sag’ ich mein Veruͤben Den stummen Felsen an/ Die beste Kunst im Lieben Jst/ daß man schweigen kan. Da sie ihren Busen veste vermachte. 1. M ein Kind/ sey doch so bloͤde nicht/ Laß deinen Busen offen/ So sieht man/ daß dir nichts gebricht/ Daß alles eingetroffen: Sonst dencket man gewiß von dir/ Du haͤttest nicht der Bruͤste Zier. 2. Ein Verliebte und galante Arien. 2. Ein Griff entweyht nicht deine Brust/ Und macht ihr keine Flecken/ Was nuͤtzt ein Schatz der unbewust Den Sand und Steine decken? Die Perl/ so stets verborgen liegt/ Mit ihrem Glantze nicht vergnuͤgt. 3. Was die Natur uns Menschen giebt/ Das darff man allen zeigen/ Am meisten diesem/ der uns liebt/ Dem wir die Sinnen beugen. Was ist es/ das zum Sclaven macht? Wol anderst/ denn der Bruͤste Pracht. 4. Was nun die Liebe heilig heist/ Das lasse auch verehren/ Und wenn denn seine Pflicht erweist/ So must du den nicht stoͤhren/ Dem deine Brust das Altar ist/ Auf dem er deine Gottheit kuͤßt. Jhre Antwort. 1. V erwegner sey so kuͤhne nicht/ Sonst habt ihr nichts zu hoffen/ Und wenn euch die Gedult gebricht/ Stehn Thor und Thuͤren offen/ Gedenckt bey leibe nicht von mir/ Jch hielte nichts von keuscher Zier. 2. Ein Griff entweyhet meine Brust/ Und macht ihr Mahl’ und Flecken/ Jch halte nichts von solcher Lust/ Und wil sie gern bedecken/ Wenn sie im Tuch verborgen liegt/ Bin ich in keuscher Lust vergnuͤgt. O 3. Was Verliebte und galante Arien. 3. Was die Natur mir zugestelt/ Das darf ich keinen zeigen/ Und der/ so etwas von mir haͤlt/ Muß davon stille schweigen/ Sonst wird er als ein Knecht gestrafft Und aus dem Dienste weggeschafft. 4. Das/ was die Liebe heilig heist/ Das muß man nicht entehren/ Wenn man die Brust entbloͤsset weist/ Wil man die Pracht verstoͤhren/ Denn weil sie eine Gottheit ist Man sie durch einen Vorhang kuͤßt. Als seine Schoͤne schlieffe. Cantata. ARIOSO . A ch schlafft ihr angenehme Augen/ Jhr Lichter dieser kleinen Welt/ Komm Morpheus mit beliebten Traͤumen/ Und zeig ihr/ wie mein Hertz sie liebt. Will dann der Schlaff die Augen raͤumen/ So dann es holde Blicke giebt/ Noch groͤsser Gluht daraus zu saugen/ Die mich in steten Flammen haͤlt. Ach schlafft ihr angenehmen Augen/ Jhr Lichter dieser kleinen Welt. Denn wenn ihr schon in Ruhe liegt/ So schlaͤfft doch eure Schoͤnheit nicht/ Die Rosen auf den Wangen/ Jn holder Zierde prangen: Die Liljen-Brust Den Geist vergnuͤgt/ Wenn sie mit Lust Aus ihren Schrancken bricht. ARIA . Verliebte und galante Arien. ARIA . Eure Ruhe holde Schoͤne Muß mir eine Unruh seyn. Denn die vielen Lieblichkeiten/ Die mich schlaffend auch bestreiten/ Nehmen meine Sinnen ein. Eure Ruhe holde Schoͤne/ Muß mir eine Unruh seyn. An die strenge Moniri. Aus dem Frantzoͤsischen. 1. D ie Freyheit habe ich verlohren/ Mit steten Seuffzen quaͤhl ich mich Um eine/ die so schoͤn gebohren/ Daß alle Welt verwundert sich Wie sie so schoͤn/ doch hart darneben Vor den/ der sich ihr hat ergeben. 2. Kaum hatten ihre Kostbarkeiten Der Jugend Anmuhts-Lentz erreicht/ Als Venus ließ den Thron bereiten/ Der sich auf ihren Wangen zeigt; Die Rosen/ so da herrlich prangen/ Die nehmen meinen Geist gefangen. 3. Ach! haͤtt sie nicht so schoͤne Augen/ Und waͤr’ ihr Hals so artig nicht/ So duͤrffte niemand Flammen saugen/ Und auf ihr waͤr’ kein Hertz gericht. Ach! daß die holden Schoͤnheits Strahlen Der Moniri so muͤssen prahlen. 4. Jch brenne durch den Strahl entzuͤndet/ Der aus so schoͤnen Augen faͤhrt. Die Marter/ so mein Hertz empfindet/ Jhr strenges Grausahm-seyn vermehrt/ O 2 Sie Verliebte und galante Arien. Sie lachet wenn ich mich beklage/ Daß ich so schwere Banden trage. 5. Noch mehr/ ich soll so gar verbrennen/ Und in der Noht verschwiegen seyn; Sie zuͤrnt/ will ich den Ursprung nennen Der ungemeinen Liebes-Pein. So muß ich an der Schoͤnen ehren/ Was mir die Stoltze wil verwehren. An Ardelien. 1. S innen/ die sich selbst nicht kennen/ Sind Ardelie bemuͤht Dir zu zeigen Feur und Brennen/ Das in meinem Hertzen gluͤht/ So dein feurig Augen-Strahl Halb zur Freude und zur Quaal Hat darinnen angezuͤndet/ Daß es nichts als Flammen findet. 2. Aber! ach wo ist mein Hertze? Jst es noch in meiner Brust? Nein! ich fuͤhle/ daß mein Schmertze Deutlich zeiget den Verlust. Du hast es/ mein Licht/ bey dir/ Und die Schaalen sind nur mir Bloß zum Leben uͤberblieben/ Da der Kern dir ist verschrieben. 3. Wer nun so/ wie ich/ muß leben/ Der brennt/ stirbt/ und lebt zugleich/ Jn Verwirrung muß er schweben/ An Vergnuͤgen arm und reich An dem Schmertzen der ihn plagt/ Und die heissen Sinnen nagt. Er kan keine Stunde zaͤhlen/ Die nicht dreut ein neues Quaͤhlen. 4. Dei- Verliebte und galante Arien. 4. Deiner Freundlichkeiten-Sterne/ Der beliebten Augen-Licht/ Treiben meine Freyheit ferne/ Die gar nicht darwider ficht; Sie wil gern in Banden stehn/ Und mich einen Sclaven sehn. Solcher angenehmen Augen/ Die zum Brand und Loͤschen taugen. 5. Schoͤne da mein Hertz nun deine/ Und in deinen Bruͤsten ist/ Werd ich fast zum kalten Steine/ Wo mich nicht dein Auge gruͤßt/ Und durch einem sanfften Blick Bringet meinen Geist zuruͤck/ Der in deinem Hertzen wohnet/ Und der Bruͤste Pracht bethronet. 6. Schencke mir mein Hertze wieder/ Aber deines mit dabey/ Goͤnn/ daß meinen Augen-Lieder Deine Brust ein Polster sey: Lege Feur zu Holtz und Stroh/ Mach mein traurges Hertze froh; Liebe/ da ich dich verehre/ Und mein Feur mit Flammen mehre. 7. Deiner Augen Heyl Planete Mir ein neues Hertz zufuͤgt/ Und ich halte Lust- Panquete Wenn auf deiner Brust es liegt. Wenn Ardeliens Gesicht Scheinet mit beliebtem Licht So vergeht den Hertzens-Mauren Jhr verduͤstert Liebes-Trauren. 8. Drum mein Engel kenn die Flam̃en/ Die dein Auge mir erregt; O 3 Und Verliebte und galante Arien. Und weil sie von dir herstammen Bleibe nicht stets unbewegt; Liebe weil man lieben kan/ Beut den Flammen Nahrung an/ Die dich ihren Ursprung nennen Und ohn dich nicht brennen koͤnnen. Auf ihre Bruͤste. 1. E nglische Bruͤste Nichts reichet mehr Luͤste Als ihr/ Den feurgen Rubinen/ Den weissen Jesminen, Den wallenden Ballen Den suͤssen Corallen Kein Nectar und Honig/ noch Zucker geht fuͤr. 2. Milcherne Auen Jhr lasset mir schauen Die Frucht: Darinnen verstecket Was Anmuht erwecket. Da man den Leim findet/ Der Seelen verbindet. Und da man die Speise der Lieblichkeit sucht. 3. Auf eure Huͤgel Traͤgt Venus Gefluͤgel Die Saat: Daraus denn entspringet Was Lustbarkeit bringet/ Was jedem beliebet/ Was Lieblichkeit giebet/ Und suͤsse Vergnuͤgung im Uberfluß hat. Leib- Verliebte und galante Arien. Leib- Aria der Cecilia. 1. S uͤsseste Lust verliebter Gedancken Ruͤhret mein Hertze/ und machet es wancken/ Daß es nicht stets an einem klebt Uber gemeinen Brauch sich hebt; Und darneben nur gedenckt/ Wie es sich fein offt verschenckt. 2. Wechseln im Lieben lieb ich vor allen/ Schoͤnheit und Pracht muß mehren gefallen/ Edele Seelen fesselt nicht Einem allein geschwohrne Pflicht; Schwuͤre sind ein leichter Schertz Fuͤr ein recht verliebtes Hertz. 3. Einer hat offt viel Rosen gebrochen/ Offt haben viel’ ein Roͤslein berochen/ Balsam hat vielen ohne Neid Seinen Geruch zugleich geweyht: Wie soll denn was vielen behagt? Nur seyn einem zugesagt. Er wil die wanckelmuͤhtige Cecilia nicht mehr lieben. 1. C ecilia fahr immer hin Du wandelbahrer Mond/ Jch wil nicht/ daß dein leichter Sinn/ Mit Falschheit mich belohnt. 2. Cecilia fort packe dich Jch mag dich nicht mehr sehn; Denn deine Treu haͤlt keinen Stich/ Mit ihr ists leicht geschehn. 3. Cecilia ich halte dich Vor ein Chamelcon. O 4 Denn Verliebte und galante Arien. Denn deine Treu veraͤndert sich/ So offt aufgeht die Sonn’. 4. Drum packe dich Cecilia Jch liebe dich nicht mehr/ Komm mir nur ferner nicht zu nah/ So haß ich dich nicht sehr. Er wil eine harte Schoͤne bestaͤndig lieben. 1. D as ist der Schluß/ den ich bey mir gefaßt/ Daß euch mein Hertz bestaͤndig soll verehren: Und bin ich gleich/ mein Engel/ euch verhaßt/ So soll eur Haß doch meine Gluht nicht stoͤhren. Die Hoffnung rufft mir diesen Trost noch zu/ Es kommt die Ruh. 2. Es kommt die Ruh/ eh man es offt vermeynt/ Ja! wenn ein Sturm mit Blitz und Donner wittert Von ferne schon die guͤldne Sonne scheint/ Die das belebt/ was vor Verjagniß zittert. Wer nur getrost ertraͤgt ein kurtzes Leid/ Der wird erfreut. 3. Der wird erfreut/ der unermuͤdet hofft/ Daß seine Quaal sich wird in Lust verwandeln/ Das Gluͤcke bricht hervor indem wir offt Aus Ungedult mit Tod und Sterben handeln. Ein feiger Muht nennt auch sein Gluͤcklich-seyn Nur Angst und Pein. 4. Nur Angst und Pein in seiner Liebe sehn/ Jst schon genug ein Hertze abzuschrecken. Jch aber wil dennoch bestaͤndig stehn: Die Wetter/ die eur Antlitzt jetzt bedecken/ Sind schon vorbey wenn mein getreuer Geist Bestaͤndig heist. 5. Be- Verliebte und galante Arien. 5. Bestaͤndig heist/ die Liebe/ mir zu seyn; Jch will ihr auch stets zu Gefallen leben: Eur Zuͤrnen/ und eur ungerechtes Nein Kan meiner Gluht nicht immer widerstreben/ Jch sehe schon/ wie mich dis Wort erquickt Du wirst begluͤckt. 6. Du wirst begluͤckt treu-doch gequaͤhltes Hertz Sie hasset dich/ um dich nur zu probiren/ Erdulde nur den angenehmen Schmertz/ So wird dich bald die Sieges-Krone ziehren: Schau/ wie ihr Mund/ in dem er dich veracht/ So artig lacht. 7. So artig lacht ein holdes Gluͤck mich an: Bey Rosen muß man nicht die Dornen scheuen. Wer niemahls nicht was Ruͤhmliches gethan/ Dem wird man nicht Altar und Tempel weyhen. Wer tapffer kaͤmpfft/ und die Gefahr verhoͤhnt/ Der wird gekroͤhnt. 8. Der wird gekroͤhnt mit einem Myrthen-Krantz/ Der immerfort treu und bestaͤndig liebet/ Er fuͤhrt zuletzt sein Engel-Bild zum Tantz/ Obs schon vorher viel saure Blicke giebet: So dann erquickt ihr angenehmer Kuß/ Das ist der Schluß. Er verehret die schwartzbraune Statire. 1. D u Goͤttinn meiner Brust; Strahlen/ die die Sonne machet Wenn sie an dem Himmel lachet Die sieht man an mit Lust; Denn ihre Gluht/ und angenehme Schoͤne/ Den Augen gleicht/ nach welchen ich mich sehne. O 5 2. Das Verliebte und galante Arien. 2. Das schwartze krause Haar Mit den Augen ist verschwistert/ Deren Pech die Nacht verduͤstert/ Wenn sie befloret war. So wie der Blitz/ den schwartz Gewoͤlcke heget/ So auch dein Strahl die Hertzen niederschlaͤget. 3. Die angenehme Nacht Macht die braunen Wolcken siehen/ Dran die Sternen sich erhoͤhen Mit ungemeiner Pracht/ Daß sie den Geist durch ihre Zier entzuͤcket/ Wenn er die Lufft so angenehm erblicket. 4. So auch galantes Kind/ Du ihr gleichende Statire, Die ich stets im Hertzen fuͤhre/ Entzuͤckend machst entzuͤndt. Die braune Nacht/ die/ Schoͤnste/ dich bekroͤnet/ Das helle Licht der weissen Damen hoͤhnet. 5. Ein weisses Kind ersehn Macht nicht gleich die Hertzen brennen/ Aber schwartzen Strahlen koͤnnen Nicht leicht wir widerstehn. Des Tages-Schein den weissen Damen gleichet/ Der vor der Nacht der braunen Schoͤnen weichet. 6. Die schoͤnen Augen sind Bey dir gleich dem groͤßten Wunder/ Jhr Schwaͤrtze ist der Zunder/ Der Hertz und Seel entzuͤndt: Sie sind die Nacht/ und leuchten doch wie Sonnen/ Weil Æthnens -Blitz in ihren Kohl zerronnen. 7. Der schwartze Marmor- Stein Wird mit grosser Muͤh gebrochen; Gold Verliebte und galante Arien. Gold muß man aus Schlacken kochen Die gleichfals dunckel seyn; Und dennoch sind sie hoch und werth geachtet/ Daß jedermann sie zu besitzen trachtet. 8. So steigt man auch mein Kind Nach den Kirschen in die Hoͤhe Auf des Baumes schlancke Jaͤhe/ Die da erschwartzet sind; Weil ihre Frucht viel suͤsser und gesunder/ Als die/ so da im Schatten sind darunter. 9. So kan nun eure Pracht Schoͤne Braunen mehr entzuͤnden/ Als sich heisse Blicke finden Jn schwartzer Wolcken-Nacht/ Jhr scheinet zwar beliebt euch anzuschwaͤrtzen/ Doch sieht man nichts als Feuer-reiche Kertzen. 10. Jhr brennet/ und entzuͤckt Als die Wolcken voller Blitze/ Und eur Monden-Licht hat Hitze/ So brennet und erquickt/ Es steckt in euch das Wasser mit den Flammen/ Wer euch erlangt kriegt Lust und Brand beysammen. Er entdecket ihr seine Liebe. 1. D ie Sclaven aͤchtzen in den Banden/ Und ihr Gemuͤhte ist betruͤbt/ Warum? es ist niemand verhanden Der ihnen gute Worte giebt. Sie duͤrffen ihre Noht nicht klagen/ Damit sie ihre Henckers plagen. 2. Mit recht verfluchen sie die Ketten/ Die sie so uͤbermaͤssig druͤckt/ Sie Verliebte und galante Arien. Sie wuͤnschen/ daß sie niemahls haͤtten Dis Rund der Erden angeblickt. Jhr Jammer zwinget sie zum Sterben/ Und wil sie dennoch nicht verderben. 3. Ein Kluger hasset dieses Leben/ Und wil gern ohne Banden gehn/ Doch viele sind/ die dahin streben Sich als Gefangene zu sehn; Jch selber bin in diesem Orden Freywillig eingeschrieben worden. 4. Allein! die Banden/ die ich fuͤhre/ Sind angenehm/ und auch sehr leicht. Die Freyheit/ die ich jetzt verliehre Vor einer solchen Goͤttinn weicht/ Der alle Welt begehrt zu dienen/ Wenn sie sich dessen darf erkuͤhnen. 5. Die Schoͤnheit/ so eur Antlitz heget/ Der blauen Augen Wunder-Macht/ Und was sich in dem Busen reget/ Die haben mich dazu gebracht/ Die schoͤnen Fesseln zu verehren/ Die meine Hand und Brust beschwehren. 6. Seyd nun so guͤtig als ihr schoͤne/ Blickt euren Sclaven gnaͤdig an/ Goͤnnt/ daß ich mich nach diesen sehne/ Was meine Banden mildern kan. Und wird die Treue nicht gebrochen/ So werd mir Gegen-Gunst versprochen. Als ihm Salinde eine Nacht-Lust versprochen. 1. E S bricht die Nacht mit ihrem Schatten ein/ Darin ich soll in deinem Schoosse seyn: Der Verliebte und galante Arien. Der Sternen Schein verliehrt sein helles Funckeln/ Und Cynthia laͤst ihren Glantz verdunckeln. Nun fuͤhre du die schoͤnsten Sterne her/ Dein Auge laß nicht seyn von Strahlen leer. Dein Angesicht sey jetzt des Himmels-Bilde/ Die schoͤne Brust Hesperiens Gefilde. 2. Diana kuͤßt Endymion bey Nacht/ Weil denn die Lust in ihrem Schatten lacht/ Cythere laͤst in duͤstern Finsternissen Jn voller Lust sich von dem Mavors kuͤssen/ So laͤst die Nacht die suͤßte Wollust zu/ Ein Liebender findt in dem Schoosse Ruh: Versuͤßte Lust/ Freud’ und Ergoͤtzlichkeiten/ Die sind bemuͤht den Vor-Rang zu erstreiten. 3. Cupido zollt im dunckeln Seelen-Lust/ Und fuͤllt damit das Wohn-Haus unser Brust/ Er setzet uns als Liebes-Kuͤchenmeister Die Speisen vor/ so nur vor treue Geister. So laß auch mich anjetzt mein Engel ein/ Da uns die Zeit recht wil behuͤlfflich seyn; Es locken uns die dunckel-braunen Schatten/ Jn Lust sich mit einander zu begatten. 4. Du laͤst mich nicht ein widrig Augen-sehn/ Besondern gleich den frohen Stern auffgehn/ Der mir verheist/ daß ich bey der Salinden Kan stracks den Port der Gluͤckes-Jnsul finden: Der Jnsul/ da ein Rosen Bette macht Die suͤsse Lust/ und die Ergoͤtzung lacht; Wo Anmuht sich in reiche Stroͤhme giesset/ Und durch den Thau in unser Geister fliesset. 5. Schenck Julep ein von Wangen/ Mund und Brust/ Mach mir die Krafft der Edens Frucht bewust/ Ach kuͤhle mich/ und loͤsche meine Flammen/ Die keiner kan als ungerecht verdammen. Mich Verliebte und galante Arien. Mich hat dein Strahl/ mein Engels-Kind/ verletzt/ Und durch den Blitz in Brand und Gluht gesetzt. Die Marmor- Brust schlaͤgt mich in solche Ketten/ Daraus du nur/ mein Leben/ mich kanst retten. 6. Du bist der Artzt der eintzig und allein Nur kan mein Trost und bester Labsahl seyn/ Die Wunden/ so du pflegest auszutheilen/ Die kanst du gleich durch holde Blicke heilen. „Jch will/ ich will! dein suͤsses Muͤndgen spricht/ „Dein matter Geist erhaͤlt ein neues Licht. „ Salinde hat vor deine Liebes-Wunden „Ein Busen-Oehl und Lippen-Safft erfunden. 7. So spricht mein Schatz/ so denckt mein Engels-Kind Und zeigt/ daß sie mir Huͤlffe stets ersinnt/ Nur bleib also bestaͤndig mein Vergnuͤgen/ Und laß mich bald in deinen Armen liegen. Du schwartze Nacht du Trauer-Flohr der Lufft/ Bring’ alles Licht in Morpheus Erden-Klufft. Ach brich doch an du dunckel schwartzes Wesen/ Daß ich genieß die Lust/ so ich erlesen. 8. Diana weich von deiner silber Bahn/ Jhr Sternen zieht ein dunckles Luͤfftgen an. Ach eilet doch/ ihr wartet allzulange/ Mein Hertze ist vor Furcht und Liebe bange. Doch so ihr wollt nur halb erstorben seyn? So stoͤhrt uns nicht durch eurem blassen Schein/ Helfft unser Lust/ vermehret unser Kuͤsse/ Durch eure Krafft/ und guͤtige Einfluͤsse 9. Salinde ist ihr Lichter schon bereit Mich zu umpfahn mit Lust und Froͤlichkeit/ Sie muͤht sich schon mit was vor suͤssen Mienen Sie meinen Dienst wil wiederum bedienen. Sie rufft mir zu ich soll nicht langsahm seyn/ Jhr Angesicht huͤllt sich in Rosen ein/ Ein kleiner Schaam heist euch von hinnen gehen/ Die Jungferschafft sollt ihr nicht sterben sehen. Er Verliebte und galante Arien. Er versichert Olinden seine Bestaͤndigkeit. 1. S O wie ein Fels bey Wind-und Meeres-Stuͤrmen Durch eigne Krafft sich selbsten pflegt zu schirmen/ So will ich auch in meiner Liebe stehn Eur Auge mag noch so erzuͤrnt aussehn. 2. Jch will/ mein Schatz/ euch unveraͤndert lieben/ Eur Zorn heist mir noch groͤsser Treu veruͤben/ Die stehest fest/ faͤlt schon der Himmel ein/ Ein zornig Blick kan ihr nicht schaͤdlich seyn. 3. Zuͤrnt nur/ zuͤrnt nur/ ich bleib euch doch ergeben/ Eur zornig Aug kan meine Treu nicht heben/ Und brennt eur Zorn gleich noch vielmahl so sehr/ So lieb ich euch dennoch/ mein Kind/ vielmehr. 4. Will gleich eur Zorn auf meine Liebe rasen/ Doch soll Bestand in meine Seegel blasen/ Jch will getreu bey allen Stuͤrmen seyn Ein zornig Blick reist nicht die Hoffnung ein. 5. Eur Zorn vermehrt noch ferner meine Liebe/ Man stirbt nicht gleich/ ob schon der Himmel truͤbe/ Auf Blitzen folgt ein froher Sonnen-Schein/ Und Liebe pflegt im Zorn verstrickt zu seyn. 6. Drum zuͤrnet nur annehmliche Olinde, Je mehr ihr zuͤrnt/ je mehr ich mich entzuͤnde Von Strahlen/ die eur duͤsters Auge zeigt/ Die gleich dem Schein/ der aus den Wolcken steigt. An die Nacht. 1. J hr Sterne an den Himmels-Buͤhnen/ Jhr Lichter dieser Unter-Welt/ Helfft mir Semiren doch bedienen Erhaͤllt das dunckle Wolcken-Feld/ Laßt Verliebte und galante Arien. Laßt eure Strahlen heller schimmern/ Vertreibt die schwartze Schatten-Nacht. Seckt aus den blauen Himmels-Zimmern/ Die Fahnen eurer Schoͤnheit-Pracht. 2. Diana laß die truͤben Wangen Erfuͤllt mit klahrem Silber seyn/ Laß da die hellen Strahlen prangen Was jetzt die schwartze Nacht nimmt ein/ Erhell’ ihr Zimmer/ und das Bette Daß ich mein Engels-Kind kan sehn/ Und schauen wie an ihr so nette Die Anmuhts-vollen Glieder stehn. 3. Die Wangen suͤssen Ambra trieffen/ Die Lippen sind ein Zucker-Brodt/ Der Busen laͤst in Liljen schiffen/ Die Schooß gebiehrt den suͤssen Tod/ Da geht man von Egyptens Kuͤsten Durchs rohte Meer in Canaan, Und in der Oed und dunckeln Wuͤsten Man suͤsses Manna kosten kan. 4. Cupido ist da Kuͤchenmeister Die Anmuht traͤgt die Speise zu/ Die Lust berauscht die heissen Geister Und schafft dem Leibe suͤsse Ruh. Granaten/ Kirschen und Jesminen Die setzet sie dem Munde fuͤr/ Die Aepffel zur Erfrischung dienen/ Die Rosen bricht man mit Begier. 5. Ach eilet doch ihr hellen Sternen! Eilt/ foͤrdert meine Liebes Lust! Geh auf du klahre Mond-Laterne/ Doch weich! Semirens ihre Brust Mit solchem Silber ist versorget/ Das seinen Glantz mir sietig weiht/ Da du von Titan es geborget/ Der seinen Uberfluß dir leiht. Wech- Verliebte und galante Arien. Wechsel- Aria der Galanen und Maitressen. 1. Galanen. J hr Jungfern freuet euch/ Die ihr euch gerne troͤsten laßt/ Es hat der Liebe-Reich Jetzt festen Fuß gefaßt. Ein jedermann Will was er kan Euch weyhn: Eur schoͤner Schooß Muß nun auch bloß Vor die Galanen seyn. 2. Maitressen. Galanen kraͤnckt euch nicht/ Wir lassen alles willig zu/ Schafft/ daß nur eure Pflicht Befordert unser Ruh/ Wir sind bereit Zur jeden Zeit Zur Lust: Doch ingeheim Den Honig-Seim Der Liebe schenckt der Brust. 3. Galanen. Wenn schon die truͤbe Nacht Des Himmels blauen Teppicht deckt/ Und vor der Sternen Pracht Sich Cynthius versteckt/ So kommen wir Zu eurer Thuͤr Um euch: Sammt unser Brust Jn voller Lust Zu sehn in Amors- Reich. 4. Maitressen. Wenn die Bescheidenheit Euch stets in eurem Lieben kuͤßt/ P Als- Verliebte und galante Arien. Alsdenn zu aller Zeit Jhr unser Gunst genießt. Wir sind vergnuͤgt/ Wenn ihr nur siegt/ Weil wir: Darum gemacht/ Daß unser Pracht Euch diene zum Plaisir. 5. Galanen. Halt Kinders/ nicht zu weit/ Verdunckelt nicht der Schoͤnheits-Pracht/ Hat eure Trefflichkeit Uns nicht verliebt gemacht? Euch bleibt der Sieg Jm Liebes-Krieg Mit recht: Wir streiten zwar/ Doch zeigt sich klahr Daß ihr uns immer schwaͤcht. 6. Maitressen. Ob wir schon Sieger seyn! So kaͤmpfft doch/ Helden/ unverzagt/ Die Vestung nehmet ein/ Die euch so sehr behagt. Bestuͤrmt das Thor/ Und kaͤmpfft davor Mit Muht: Der Venus- Sohn Laͤst euch den Thron Erobern ohne Blut. 7. Galanen. Jhr Schoͤnen habt Gedult/ Eur heisses Wuͤnschen soll geschehn/ Laͤst uns nur eure Huld Und Liebe offen stehn: Wann diese Gunst Die Liebes-Brunst Er Verliebte und galante Arien. Erhaͤlt: So suchen wir Recht mit Begier Den Punct der kleinen Welt. An das liebens-wuͤrdige Frauen-Zimmer. 1. J hr Schoͤnen freuet euch/ Die ihr nach Kron und Palmen tracht/ Es hat der Liebe-Reich Den Sieg davon gebracht. Daß nun die Welt Zu Fuß euch faͤllt Und spricht: Man muß allein Euch Dienstbahr seyn/ Und eurem Wunder-Licht. 2. Facht eure Flammen auf/ Die Augen laßt voll Feuer seyn/ Schickt Blick’ im vollen Lauff Auf unser Geister ein: Der Bruͤste Pracht Sey bloß gemacht Anjetzt: Daß Labsahl sey/ Das kuͤhle Zwey Wenn eur Gesichte blitzt. 3. Laßt eure Artigkeit Jn schoͤnster Zier der Mienen sehn. Daß ihr mit rechte seyd Galant und wunder-schoͤn. Nehmt Hertzen ein Daß sie euch seyn Verpfaͤndt: P 2 Denn Verliebte und galante Arien. Denn eure Pracht Gefangne macht Wo man die Augen wendt. Er liebt eine harte Schoͤne. 1. M ein Vergnuͤgen heist nur Schauen/ Mir ist weiter nichts vergoͤnnt/ Jch darf nicht auf Hoffnung bauen/ Mein Hertz ohne Huͤlffe brennt. Jch darff nichts von Lieben sagen Die Pein nicht klagen/ Welche kein Auffhoͤren kennt. 2. Meine Schoͤne lacht der Flammen/ Sie verwirfft die reine Gluht/ Und wil meine Brust verdammen/ Ob sie gleich die Wirckung thut/ Jhr Gesichte-Flammen blitzet Und mehr erhitzet Daß ohnedem entflammte Blut. 3. Doch gedult! wer kan das wenden Was das Schicksahl haben will? Man muß ihm an allen Enden Unverweigert halten still. Endlich wird es sich bedencken Und meinen Kraͤncken Setzen gleichfals Maaß und Ziel. Er darf ihr seine Liebe nicht entdecken. 1. B londine deine Pracht Hat mich verliebt gemacht; Mein Hertz muß dir zu einem Opffer brennen/ Doch darf ich nicht die Seelen-Wunde nennen; Jch Verliebte und galante Arien. Jch soll dich nicht/ Du schoͤnstes Licht/ Zu meinem Trost und froher Huͤlffe kennen. 2. Allzeit bin ich betruͤbt/ Und ohne Trost verliebt/ Jch darf dich nur/ mein Licht/ von ferne schauen/ Und nicht dem Artzt die Kranckheit anvertrauen/ Die innre Noht/ Der Seelen Tod/ Will mir aus Gram schon mein Graͤbniß bauen/ 3. Wenn soll erboßtes Gluͤck Sich aͤndern dein Geschick? Wenn wird vor Gram einst stoltze Freude bluͤhen/ Und nach der Nacht der rohte Morgen gluͤhen? Daß ich mit Lust Kan aus der Brust Den suͤssen Safft der Zucker Kuͤsse ziehen. 4. Doch stoltze Freude fort/ Hier ist kein Anmuhts-Port/ Jch muß mein Licht nur in Gedancken kuͤssen/ Und nichts von Lust und wahrer Freude wissen; Bis daß der Schmertz Zerbricht mein Hertz/ Und nach der Pein mein Leben macht beschliessen. Er beklaget sich uͤber ihre Haͤrtigkeit. Folie d’ Espagne. 1. C larinde schoͤnstes Bild Jst denn ein Stein verhuͤllt Jn deiner zarten Brust? Daß du mit Hertzens Lust P 3 Kanst Verliebte und galante Arien. Kanst meinen Kummer sehn? Du laͤssest mich vergehen/ Da dein Mund Marcipan Den Schmertzen lindern kan. 2. Den Schmertzen/ den du mir Durch deine Schoͤnheit-Zier/ Und deiner Augen Macht Jn meine Brust gebracht. Wodurch ich werd verzehrt/ Und bald in Nichts verkehrt/ Wenn nicht dein Zucker-Mund Mein Hertze macht gesund 3. Ein Kuß von deinem Mund Macht gleich mein Hertz gesund Ein freundlich Augen-Blick Treibt meine Quaal zuruͤck; Das druͤcken deiner Hand Fuͤhrt ins Gelobte-Land/ Allwo mein matter Geist Von Edens -Fruͤchten speißt. 4. Doch deine Grausahmkeit/ Der du dich gantz geweyht/ Laͤst dich nicht freundlich seyn/ Ob gleich die Mittel klein. Dein Hertz ist Stein und Stahl/ Es lachet meiner Quaal/ Und weigert mir den Kuß Ohn dem ich sterben muß. 5. Jch sterbe edles Kind Durch deine Pracht entzuͤndt/ Wo deiner Lippen-Safft Mir kein Vergnuͤgen schafft/ Noch mich befreyt aus Noht; Der ich den herben Tod Schon Verliebte und galante Arien. Schon in dem Rachen bin Erweicht sich nicht dein Sinn. 6. Allein! du bleibest Stein Bey meiner Liebes-Pein/ Es sauget deine Brust Aus meinen Schmertzen Lust. Mein Quaͤhlen kitzelt dich/ Dein Kitzeln quaͤhlet mich/ Doch liebet stets mein Geist Was sein Verderben heist. An die strenge Silvia. Folie d’ Espagne. 1. D U strenge Silvia, Jch bin dem Tode nah/ Mich schreibt dein Grausahm-seyn Jns Buch des Todes ein. Erbarm dich meiner Noht/ Und wuͤnsch nicht meinen Tod Blick mich in Gnaden an/ Daß ich dich kuͤssen kan. 2. Du schoͤne Moͤrderinn Zerbrich den harten Sinn/ Dein Hertze laß nicht Stein Noch Stahl und Eisen seyn. Jch falle dir zu Fuß Um einem Blick und Kuß/ Doch muß zu groͤßrer Pein Mich kraͤncken falscher Schein. 3. Jch kuͤsse schoͤnstes Kind Nur eitel Dunst und Wind/ Wenn ich dich kuͤssen will Und du mir nicht haͤlst still. P 4 Jch Verliebte und galante Arien. Jch spuͤhre Hoͤllen-Pein/ Und kan nicht froͤlich seyn/ Da meine Freud und Lust Beschwaͤrtzt ein Trauer-Wust. 4. Mein Hertze bricht entzwey Vor deiner Tyranney/ Du haͤuffest meinen Schmertz/ Und folterst stets mein Hertz. Durch deiner Augen-Strahl Der mir nur Hoͤllen-Quaal Vor sanffte Blicke goͤnnt/ Und meinen Geist verbrennt. 5. Bringt denn ein Blick und Kuß Dir so viel Uberdruß? Daß mein verliebtes Hertz Von dir nur Seelen Schmertz Vor suͤsses Hoffen kriegt Und sich mit nichts vergnuͤgt/ Wenn es so sehr begehrt/ Daß es dein Strahl ernehrt. 6. Laß ab doch Silvia, Und reich mir Huͤlffe da/ Schenck mir den Kuß und Blick Daß er mein Hertz erquick. Der Augen sanffter Strahl Vertreibe meine Quaal/ Mein Kind umarme mich Und schliesse mich an dich. Uber zwey Verliebte. Paspiè. 1. S O kuͤhlet und loͤschet die luͤsterne Flammen/ Umarmet die Leiber in hefftiger Brunst/ So Verliebte und galante Arien. So floͤsset die Seelen und Geister zusammen/ Und theilet in Liebe die heimliche Gunst: Vergnuͤget die Seelen durch wechselnde Kuͤsse/ So druͤcket und buͤcket zusammen die Brust/ Vereinget mit Anmuth der Jdalis Fluͤsse/ Und schmecket den Zucker der hoͤhesten Lust. 2. Bekuͤsset eur Grab-Mahl auf Lippen und Bruͤsten/ Und schmecket in Anmuth den suͤssesten Tod/ Zerfliesset in Freuden/ ersterbet in Luͤsten/ Und kostet im Sterben ein liebliches Brodt. Jhr sterbet in Luͤsten/ ihr ruhet in Freuden/ Drum sterbet nur offte/ und tausend mahl mehr/ Die Seelen die koͤnnen im Sterben sich weiden/ Die Schaͤtze der Liebe sind niemahls da leer. 3. Ersterbet nur haͤuffig/ so offt’ als ihr wollet/ Und wuͤnschet euch immer die suͤsseste Pein/ Weil Amor da Luͤste mit Uberfluß zollet/ So scharrt man mit Anmuth die Todten hinein. Ach suͤsses Vergnuͤgen! ach liebliches Sterben! Wo haͤuffige Anmuth dasselbe beseelt; Es wuͤnscht sich einjeder ein solches Verderbeu/ Weil keine Betruͤbniß die Sterbenden quaͤhlt. 4. Jhr lebet im Sterben/ ihr spielet in Flammen/ Jhr ruffet das Leben zu kuͤssen den Tod/ Jhr roͤchelt/ und fliesset in Wollust zusammen/ Und wuͤnschet nur immer die liebliche Noht. Die Seelen verlangen so immer zu leben/ Und lieben den Wechsel der toͤdtlichen Lust/ Sie wollen stets lebend die Geister auffgeben/ Und suchen ihr Grab-Mahl im Schoosse und Brust/ Die rechte Garten-Lust. 1. D em Gaͤrtner mag das Hertze lachen Wenn er in seinem Garten geht/ P 5 Wo Verliebte und galante Arien. Wo ihm die Lufft von allen Sachen Schon den Geruch entgegen weht. Da blicket er die Blumen-Felder Gewißlich recht vergnuͤget an/ Und freut sich wenn er seine Waͤlder Voll Obst und Fruͤchte schauen kan. 2. Er laͤchelt/ wenn auf den Jesminen Er ein verirrtes Bienchen sieht. Zu riechen muß die Ros’ ihm dienen/ Er kuͤßt die suͤsse Nelcken-Bluͤth; Zur Liljen spricht er: Seht wie nette Daß ihre weisse Blaͤtter stehn/ Die Nacht-Viol setzt er vors Bette Wenn er jetzt will zur Ruhe gehn. 3. Wenn er nun durch der Vogel Lieder Des Morgens aus dem Schlaff erwacht/ So gehet er zum Garten wieder Zu sehen was sein Kirsch Baum macht/ Und wenn der Maul-beer-Baͤume Fruͤchte Zu ihrer Reiffe kommen sind/ So findt er da ein gut Gerichte/ Das fuͤr das boͤse Ubel dient. 4. Die Aepffel nimmt er mit nach Hause/ Und scharrt sie in sein Bett-Stroh ein/ Damit dieselbigen zum Schmause Fein muͤrb und appetit lich seyn. So mag des Gaͤrtners sein Vergnuͤgen Jn rechter Garten-Lust bestehn/ Jch solte bald ein Luͤstgen kriegen Dergleichen Kurtzweil nachzugehn. 5. Es sey darum! ich wils probiren Jch trett zum Gaͤrtner-Orden ein/ Wird mir nun Gott ein Kind zu fuͤhren/ Das soll alsdenn mein Garten seyn. Da Verliebte und galante Arien. Da will ich ein Bouquet gen binden Von Blumen/ die mein Garten hat/ Jch weiß/ ich werde Fruͤchte finden Die mich vergnuͤgen in der That. 6. Von Wangen will ich Rosen pfluͤcken/ Und Nelcken von dem Zucker-Mund; Ja bey der zarten Haͤnde druͤcken Wird mir was Liljen heissen kund. Bey den Jesminen ihrer Bruͤste Da stell’ ich mich als Biene ein/ So lang ich solche Honig Luͤste Geniesse/ wil ich schwermend seyn. 7. Und wenn ich denn zu Bette gehe Nehm’ ich die Nacht-Viole mit/ Damit im Schlaff ich auch verstehe Wie angenehm mein Garten bluͤht; So lieg’ ich bis am hellen Morgen/ Und wenn ich denn erwachet bin/ So mach ich mich gantz ohne Sorgen Zu meinem Garten wieder hin. 8. Da breche ich von ihren Lippen/ Die allerreiffsten Kirschen ab/ Es rinnt von ihren Purpur-Klippen Ein suͤsses Maulbeer-Safft herab. Die Aepffel/ so ihr Busen traͤget/ Die nehm’ ich mit aufs Bette-Stroh/ So macht mich/ was mein Garten heget/ Bey Tage und bey Nachte froh. An Lesbis. 1. S choͤnstes Kind ich bin entzuͤndet/ Deine Schoͤnheit hats gethan/ Brennen/ das die Seel empfindet/ Zuͤndt dein schoͤnes Auge an; So Verliebte und galante Arien. So! daß ich bald muß vergehen/ Wenn ich nicht kan Huͤlffe sehen. 2. Reiche deinen Mund und Lippen Mir zu einem Labsahl her/ Sammt des Busens Marmor -Klippen/ Und der Bruͤste Kuͤhlungs-Meer; Jst es? daß ich die umfange/ Alsdenn bin ich nicht mehr bange. 3. Deine Brust dem Himmel gleichet An Vergnuͤgen schoͤnstes Kind/ Deiner Stirn der Marmor weichet Den man ohne Flecken findt; Ja dein angenehmes Wesen/ Laͤst nur lauter Anmuth lesen. 4. Lesbis deinen schoͤnen Mienen/ Und der trefflichen Gestalt Wuͤnschen Goͤtter selbst zu dienen/ Denn wer kaͤmpfft mit der Gewalt/ So dein Auge bey sich traͤget Wenn es heisse Blitze heget. 5. Faͤlt nun jeder vor dir nieder Ach so sey doch nicht so stoltz/ Und bedencke bey dir wieder/ Daß du nicht von Stein und Holtz/ Sondern auch ein Mensch gebohren/ Nicht zum Quaͤhlen auserkohren. 6. Grausahms Kind ach laß dich lieben/ Ach erkenne meine Brunst! Venus heist dir dieses uͤben Und befiehlt die Gegen-Gunst; Nun so halte ihr Gesetze Daß mich deine Gynst ergoͤtze. Sie Verliebte und galante Arien. Sie entdecket ihm ihre Gegen-Liebe. Cantata. ARIOSO . M ein Schatz/ du hast gesiegt/ Mein Hertze ist dein eigen Denn wo die Liebe kriegt/ Da muß sich alles neigen. Doch/ ja ich bin vergnuͤgt/ Weil du gefangen Da du als Sieger denckst zu prangen. Jedoch du hast gesiegt Mein Hertze ist dein eigen; Denn wo die Liebe kriegt Da muß sich alles neigen. RECIT . Doch mein Verlust Wil meine Brust Als Sieger gruͤssen; Der vielen obgesiegt Zu meinen Fuͤssen liegt Jn Demuth sie zu kuͤssen. ARIA . Jn der Liebe suͤssen Kriegen Muß der Sieger unten liegen Die Besiegte kriegt den Krantz/ Keiner kan von Vortheil sagen/ Man hoͤrt sonst auch keine Klagen Als es stirbt der Freyheits-Glantz. Sie versichert ihm ihrer Gegen-Liebe. 1. D eine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt! Alle die Plagen Sind schon verschlagen/ Daß sie nicht koͤnnen dein Hertze mehr nagen/ Weil Verliebte und galante Arien. Weil es das Gluͤcke so artig fuͤgt. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. 2. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt: Was dich gedruͤcket/ Jetzt dich erquicket Wenn dich der Marmor des Busens entzuͤcket/ Und die Vergnuͤgung die Geister einwiegt. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. 3. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt: Weil deine Flammen Vom Himmel stammen/ Kan sie mein Hertze nicht fuͤglich verdammen/ Sondern sie machen mich hoͤchlich vergnuͤgt. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. 4. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt: Weil deine Blicke Ohn falsche Tuͤcke Auch sind bestaͤndig im widrigen Gluͤcke Daß mich kein Nebel der Falschheit betriegt Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. 5. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt: Vor das Betruͤben Muß ich dich lieben Mir ist dein Nahme ins Hertze geschrieben; Und zu der Beute hast du es gekriegt. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. 6. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt Nach langen Hoffen Jsts eingetroffen/ Daß dir der Haven des Gluͤckes steht offen/ Und dein Hertz ruhig vor Ancker da liegt. Deine Bestaͤndigkeit hat nun gesiegt. Sie Verliebte und galante Arien. Sie wil die Abwesenheit ihres Liebstens mit Gedult ertragen. 1. S cheint die Hoffnung meines Lebens Schon zu schwinden in der Lufft/ Quaͤhl ich mich doch nur vergebens/ Und bereite mir die Grufft/ Darum weicht/ Gedancken weichet/ Daß mein Hertz die Ruh’ erreichet. 2. Solte denn kein Stern mehr sternen? Der ein gut Geluͤcke zeigt/ Wenn ein Liebster durch Entfernen Nur auf wenig Monden weicht; Ja! auf kurtze Zeiten scheiden Bringt vor Ungluͤck suͤsse Freuden. 3. So erhohle dich mein Hetze Lasse deinen Schatz nur ziehn/ Dencke/ daß zuletzt der Schmertze Muß zur schwartzen Hoͤllen fliehn. Ein gewuͤnschtes Wiedersehen Laͤst dich nicht zu Grunde gehen. 4. Fahr denn wohl geliebte Seele/ Grosser Himmel steh ihm bey/ Schaffe/ daß des Todes-Hoͤle Nicht vor ihme offen sey; Lasse meine Traͤume luͤgen/ Und mich frisch ihn wieder kriegen. 5. Mehr indessen seine Liebe/ Wie sich meine taͤglich mehrt/ Flamm noch an die heissen Triebe/ Die schon unser Hertze nehrt. Lasse uns so hefftig lieben/ Als ein Mensch je koͤnnen uͤben. Sie Verliebte und galante Arien. Sie sehnet sich nach ihrem abwesenden Liebsten. 1. F liegt ihr Seuffzer/ gleich dem Winde/ Doch zu meinem Schatze hin/ Eilet fort/ ach! eilt geschwinde/ Und beschreibt ihm meinen Sinn; Saget ihm/ daß ich mein Leben Seinem Leben uͤbergeben. 2. Tausend Stunden sind gezaͤhlet/ Um ihn wiederum zu sehn/ Aber/ ach! die rechte fehlet/ Die Vergnuͤgung anzugehn Meinen Liebsten auf den Wangen Liebreich kuͤssend zu umfangen. 3. Mahlt die Groͤsse meiner Liebe Jhm als einen Atlas fuͤr/ Sagt ihm/ wie ich mich betruͤbe/ Bringet ihn doch her zu mir/ Daß die Seele meiner Seelen Hemme meines Hertzens-Quaͤlen. Er verlanget gleichfals bey ihr zu seyn. 1. U nter tausend Saͤbel blitzen/ Schlaͤffet doch die Liebe nicht/ Sie weis sich sowol zu schuͤtzen Daß ihr gar kein Leid geschicht. Den/ so ihren Fahnen schwoͤren/ Kan sie gleiches Heyl gewehren. 3. Selbst ihr Wesen gleicht dem Kriege/ Bald hat Lust die Ober-Hand/ Bald hat Schmertz die suͤssen Siege Und die Anmuth umgewandt. Doch Verliebte und galante Arien. Doch wer ist bestaͤndig blieben Kriegt die Krone in dem Lieben. 2. Wer bestaͤndig bleibt im Hoffen/ Und im Lieben trotzt der Zeit/ Dem steht Venus Tempel offen/ Und das Haus der Lieblichkeit/ Wo er auf der Liebsten Bruͤste Schmeckt die suͤssen Himmels-Luͤste. 4. Schoͤnster Gegen-Stand der Seelen Fasse dich nur in Gedult; Mein Abwesen macht dein Quaͤhlen/ Und das Schicksahl hat die Schuld/ Das dich bald in Freude setzen Und dich wird durch mich ergoͤtzen. Als seine Balis starb. Cantata. ARIA . K omme Tod! ach suͤsser Tod! Lieblich scheinet mir dein Wuͤten/ Hau mit deiner Sensen zu/ Setz den schwachen Geist in Ruh; Denn kein Gluͤcks-Schein kau beguͤten Seine zugestoßne Noht/ Komme Tod! ach suͤsser Tod! Lieblich scheinet mir dein Wuͤten. RECIT . Da die Haͤlffte meiner Seelen Lieget in des Grabes-Hoͤlen; Wil ich ihr Gefaͤhrte seyn/ Scharrt mich doch zu ihr hinein. Wenn der Sonnen guͤldne Strahlen/ Nicht die Erde mehr bemahlen Sinckt der Lotus in die Fluht/ Und verlaͤst den hohen Muth; Q Ja Verliebte und galante Arien. Ja des Nilus duͤstre Wellen Muͤssen ihn zu frieden stellen/ Und indem er sinckt hinein: Wil er Phoebus aͤhnlich seyn. Weil er in dem Strohm begraben Scheinet da sein Grab zu haben/ Da der Leit-Stern seiner Pracht/ Phœbus ist ins Grab gebracht. Meine Sonn’ ist auch verblichen Und ins schwartze Grab gewichen/ Jhr Entfernen greifft mich an/ Daß ich nicht mehr leben kan. Schoͤne Balis reiß mein Leben/ Daß ich willig auf-will-geben/ Doch mit deinem Sterben ab/ Sieh/ es kuͤsset schon das Grab. ARIA . Schwinge dich betruͤbte Seele Doch zu deinem Schatze hin/ Da die Schoͤne/ die dein Leben Dir kan frohe Blicke geben; Auf/ verlaß des Leibes Hoͤle. Schwinge dich betruͤbte Seele Doch zu deinem Schatze hin. RECIT . Auf der Erden Kan mir nichts behaͤglich werden/ Nun mein Himmel Jst gemacht zum Traur-Getuͤmmel. Alle Lust ist mir Verdruß Nun ich Balis meiden muß. Keine Freude/ kein Ergetzen Kan mich mehr zu frieden setzen/ Als der Tod/ Das End’ und Anfang meiner Noht. ARIA Verliebte und galante Arien. ARIA . Weg Vergnuͤgen/ dein Vergnuͤgen Jst ein Tand Und besteht auf Unbestand. Da mein Leben ist entfernet Mir kein Freuden-Stern mehr sternet. Weg Vergnuͤgen/ dein Vergnuͤgen Jst ein Tand Und besteht auf Unbestand. RECIT . Jch will sterben Da mich meine Balis laͤst/ Und im Tod die Lust erwerben/ Daß sie nimmer mich verlaͤst. ARIA . Entweichet ihr Geister Sucht Sterben und Grab/ Da alles Vergnuͤgen mit Balis ist todt! Wie kan ich denn leben in bitterer Noht? Entweichet ihr Geister Sucht Sterben und Grab. An Sie. 1. S choͤnste deiner Augen-Strahl Macht suͤsse Quaal Jn meinem Hertzen; Doch die Schmertzen Sind ohne Pein. Deine Blicke/ Mir ein Gluͤcke Koͤnnen in dem Sterben seyn. 2. Lachen/ Weinen/ Leben/ Tod/ Noht ohne Noht Q 2 Ent- Verliebte und galante Arien. Entsteht aus Lieben; Und Betruͤben Folgt auf die Lust/ Wenn die Sinnen Nicht gewinnen Schoͤnste deine Marmor -Brust. 3. Jst es/ daß ich sterben soll? So fahr’ ich wohl/ Wenn auf den Bruͤsten/ Jn den Luͤsten/ Jch fahre hin/ Da mein Sterben Kan erwerben Sich ein Grab bey dem Rubin. 4. Sieh mein Auge froͤlich bricht/ Weil mir mein Licht Allda erscheinet Schoͤn vereinet Mit Rosen-Bluͤth; Und die Wangen Selbst verlangen/ Daß mein Leben von mir flieht. An die Sterne. 1. S pielet ihr Sterne mit guͤldenen Strahlen/ Schnuͤre dich Himmel in Lieblichkeit ein/ Cynthia mehre dein praͤchtiges Prahlen/ Lasse dein Antlitz versilbert dir seyn; Braͤnnet euch Wolcken verdoppelt das Prangen/ Lasset die Fahnen der Schoͤnheit aushangen. 2. Weichet ihr Zierden/ erblasset ihr Strahlen/ Ziehe nur Himmel die Lieblichkeit ein/ Do- Verliebte und galante Arien. Doris die spielet mit praͤchtigerm Prahlen/ Alle die Schoͤnheit beschaͤmet muß seyn; Denn ihr Gesichte verdoppelt das Prangen/ Und laͤst die Fahnen der Schoͤnheit aushangen. An seine harte Schoͤne. 1. S oll Schoͤnste denn mein Hertz in stum̃er Gluth verbrennen? Und darf die Zunge nicht des Hertzens stille Quaal? Zu einer Linderung der Liebes-Pein bekennen? Dein Auge/ das mich brennt/ verlaͤugnet seinen Strahl. Du wilt ein Feuer seyn/ und keine Hitze haben/ Dein spielend Augen-Blitz verwundet Muth und Hertz; Doch soll kein sanffter Blick das matte Hertze laben/ Mein Sterben macht dir Lust/ mein Trauren suͤssen Schertz. 2. Kan Gluth und kalter Frost nun wol beysammen stehen? Und will das Augen-Paar nicht warm und kalt mir seyn? Ja/ Feur und Eyß laͤst sich im Berge Hecla sehen/ Dein Auge ist ein Eyß/ und giebt doch heissen Schein. Der Bruͤste Marmor -Berg zeugt aus dem Eyse Flammen/ Die Augen spielen Gluth/ und sind mir dennoch kalt; Bald loben sie mein Thun/ bald wollen sie’s verdammen/ Und also foltert mich die himmlische Gestalt. Sie verzweiffelt. 1. V erfluchter Tag/ verworffnes Licht! An dem mein Schatz die Treue bricht/ Die mir sein Mund so offt versprach/ Verworffnes Licht/ verfluchter Tag! 2. Brich Himmel brich/ spey Donner aus/ Zerschlage nur mein Seelen-Haus/ Jhr Wolcken blitzt und strahlt auf mich/ Spey Donner aus/ brich Himmel brich. Q 3 3. Mein Verliebte und galante Arien. 3. Mein Leben stirbt/ mein Odem weicht/ Und mein Gesichte schon erbleicht/ Der herbe Schmertz den Pracht verdirbt Mein Odem weicht/ mein Leben stirbt. 4. Der Glieder-Pracht/ der Rosen-Mund/ Die machen mir mein Sterben kund/ Es kuͤsset schon des Todes-Nacht Der Rosen-Mund/ der Glieder-Pracht. 5. Jch bin schon hin/ ich sterbe schon/ Und dis ist meiner Liebe Lohn/ Ein falsches Hertz/ ein leichter Sinn; Jch sterbe schon/ ich bin schon hin. 6. Ach eile doch du Menschen-Feind/ Du bittrer Tod/ mein bester Freund/ Zerbrich an mir das Kummer-Joch/ Du Menschen-Feind ach eile doch. 7. Jhr Augen brecht/ ach schliest euch zu/ Und lasset nun den Geist in Ruh/ Jhr euch doch nur mit Thraͤnen schwaͤcht/ Ach schliest euch zu ihr Augen brecht! 8. All meine Lust/ all meine Freud/ Verkehrt sich jetzt in lauter Leid; Ein Sorgen-Schlam/ ein Schmertzen-Wust/ Jst meine Freud und meine Lust. 9. Mein Hertze bricht/ die Brust erfriert/ Die Freude sich aus mich verliehrt/ Es gehet aus mein Anmuths-Licht/ Die Brust erfriert mein Hertze bricht. 10. He! Charon He! hol mich hinab/ Und fuͤhre mich ins schwartze Grab/ Mein Geist erstirbt/ und ich vergeh/ Hol mich hinab/ He Charon He! 11. Kommt Verliebte und galante Arien. 11. Kommt Furien, kommt Parcen her/ Jch mag allhier nicht leben mehr/ Seht wie ich muß vor Angst vergehn/ Kommt Parcen her/ kommt Furien. 12. Jhr Kluͤffte reist/ ihr Berge brecht/ Vollzieht an mir das letzte Recht/ Jn Asch’ und Graus mich nur zerschmeißt/ Jhr Berge brecht ihr Kluͤffte reißt. 13. Du Hoͤllen-Schwarm/ du schwartze Schaar/ Bringt mich zu Plutons Mord-Altar/ Zerfleischet mich/ zerreist den Darm/ Du schwartze Schaar/ du Hoͤllen-Schwarm. 14. Mein schwartzer Geist/ mein Schaaten-Jch/ Der soll dich quaͤhlen aͤngstiglich/ Dein falsches Hertze dir zerreist/ Mein Schatten-ich/ mein schwartzer Geist. Sie beklaget die Falschheit der Buhler. 1. J ris, die betruͤbte Schoͤne/ Sprach voller Angst mit weinenden Gesicht; Ach geliebte Selimene, Trau nimmermehr der Buhler Schmeicheln nicht/ Denn ihre Gunst ist nur auf Trug gericht/ 2. Wann sie schon betrieglich sagen/ Jch liebe euch so viel ich immer kan/ Must du uͤber sie doch klagen/ Denn schauen sie nur eine ander an/ Wird gleich ihr Sinn durch Wechseln kund gethan. Q 4 Uber Verliebte und galante Arien. Uber die Vermaͤhlung eines Koͤnig- lichen Paars. Cantata. ARIA . B rennt/ verliebte Hertzen brennet/ Jn vergoͤnnter Liebes-Gluth/ Mehret eure heisse Flammen/ Denn weil sie vom Himmel stammen/ Bleibt er ihnen ewig gut. Brennt/ verliebte Hertzen brennet Jn vergoͤnnter Liebes-Gluth. RECIT . Hymen ist mit seinen Luͤsten Euch zu dienen stets bereit. Tausend Anmuth/ tausend Freuden Werden auf euch aus gestreut/ Wenn auf den erhobnen Bruͤsten Dieser vierten Gratien Phraataces sich wird weiden/ Die voll Wollust-Rosen stehn. ARIA . So eile dann vollkommnes Fuͤrsten-Paar/ Verknuͤpffe Hand/ Gemuͤhte/ Leib und Seele/ Kuͤhl deine Gluth entflammter Koͤnig ab/ Jm Wollust-Brunn der schoͤnen Dejaniren, Ein holdes Gluͤck will euch zu Bette fuͤhren/ Woselbst ihr findt ein angenehmes Grab/ So eile dann vollkommnes Fuͤrsten-Paar Verknuͤpffe Hand/ Gemuͤhte/ Leib und Seele. An ihre Augen. 1. Q uaͤhlt mich nur ihr holden Augen/ Und verkehret euch in Blitz/ Jch will gern die Flammen saugen Sterb ich gleich vor Liebes-Hitz/ Strah- Verliebte und galante Arien. Strahlet/ blitzet/ und verbrennet Alles ist euch gern gegoͤnnet. 2. Muß ich gleich im Feur verderben/ Bleibt mir doch der Ruhm davon/ Daß ich Goͤttlich koͤnnen sterben/ Wie ein ander Phaeton, Welchem Blitz und Donner-Strahlen Muͤssen seinen Stoltz bezahlen. 3. Sterb’ ich denn durch eure Flammen So geschieht mir eben recht/ Blicke/ die vom Himmel stammen Hoͤren nicht vor einem Knecht/ Drum will ich auch willig leiden/ Daß sich Leib und Seele scheiden. 4. Wenn sich Semele versteiget Und in Blitz den Zeus begehrt/ Alsdenn wird ihr Stoltz gebeuget/ Daß sie Flamm’ und Feur verzehrt/ So wird auch mein Stoltz-Beginnen Gleichen Untergang gewinnen. An den Wider-Hall. 1. S tiller Ort/ begluͤckte Schatten/ Echo Sitz und Wunder-Haus Goͤnnt/ daß ich auf euren Matten Schuͤtte meine Seuffzer aus; Denn meine Seuffzer/ meine Zaͤhren Will/ mir zum Troste/ keiner hoͤren. Echo. Erhoͤren. 2. Das Erhoͤren ist verschwunden/ Mein Schatz ist in jener Welt/ Und der Schmertz vonmeinen Wunden Hat mein Hertz schon halb gefaͤllt. Q 5 Ach Verliebte und galante Arien. Ach dein Erhoͤren ist ein Meynen/ Mir wird die Sonne nimmer scheinen. Echo. Erscheinen. 3. Wird des Gluͤckes froher Morgen Nach den Stuͤrmen mir aufgehn? Wird der Himmel vor mich sorgen? Soll ich mich erfreuet sehn? Ach Nein! ach Nein! ich bin verlassen Jch kan sie nicht wieder umfassen. Ech. Umfassen. 4. Jch umfasse ihre Bruͤste! Nein/ ach Nein! das kan nicht seyn Denn zu kosten suͤsse Luͤste Geht mit Todten keiner ein; Den Todt und Grab mag ich umfangen/ Die Syris werd ich nicht erlangen. Echo. Erlangen. 5. Nimmer und zu keinen Zeiten Echo wird dein Reden wahr/ Da mich Augst und Noht bestreiten Wird mir kein Befreyungs-Jahr; Denn von den Banden/ von den Ketten Wird nun/ sie todt/ mich keiner retten. Echo. Erretten. Als sie auf dem Meer schiffte. 1. W ehet ihr Luͤffte/ verdoppelt euch Winde/ Eilet und jaget Bringet und traget Syris die Schoͤne zur Stelle geschwinde. 2. Spielet ihr Fluhten fein sanfft und gelinde/ Lasset die Wellen Friedsahm sich stellen/ Stuͤrme vergehet doch vor diesen Kinde. 3. Ste- Verliebte und galante Arien. 3. Stehe auf Neptun, und das Meer einbinde/ Lege die Fluhten/ Zeige die Ruhten/ Deiner Hand dem Meer/ daß sie den Port finde. Von der Groͤsse der Liebe. Cantata. ARIA . A lles kan der Mensche enden/ Nur der Liebe suͤsses Ziel Giebt ihm stets was unter Haͤnden; Er findt allzeit noch so viel/ Als er koͤnnte ewig machen Von den angenehmsten Sachen. Nie ist der Liebe Macht Jn enge Graͤntzen bracht. Der Himmel brennt/ Die Welt ernehren Flammen/ Und stehen unzertrennt Jn reiner Gluth beysammen. Die Lust Der Brust Kan niemand nicht aussprechen Die stets ein suͤsses Lieben spuͤhrt. Kein Schmertz Jns Hertz Derselben Seelen bricht Darinnen scheint das frohe Freuden-Licht. So durch die Liebe wird Gezwungen anzubrechen. ARIA . So starck sind deine Triebe Vergnuͤgungs-reiche Liebe/ Daß kein Schmertz Kommt ins Hertz Wo Verliebte und galante Arien. Wo deine Allmacht wohnet/ Dein Liebes-Wesen lohnet Allzeit die Brust Mit lauter Lust. So starck sind deine Triebe Vergnuͤgungs-reiche Liebe. Nacht-Lied. 1. S choͤnste Goͤttin/ du mein Leben/ Deine Schoͤnheit beht’ ich an; Du kanst meiner Seelen geben Was sie recht vergnuͤgen kan. Angenehme Himmels-Lust Jst der Anblick deiner Brust/ Und dein wunder-schoͤnes Wesen Machet meinen Geist genesen. 2. Syris deine Rosen-Wangen Sind der Liebe Auffenthalt/ Und die Purpur Lippen prangen Wie des Meers Corallen-Wald. Meine Seele/ liebstes Kind/ Allda ihr Vergnuͤgen findt; Wer sie kuͤhnlich darf bekuͤssen/ Kan die hoͤchste Lust geniessen. 3. Kuͤß’ ich deine schoͤnen Bruͤste/ Alsdenn wird mein Geist entzuͤckt/ Und derselben suͤsse Luͤste Machen mich durchaus begluͤckt. Wer dein schoͤnes Wesen liebt/ Und sich dir zu eigen giebt/ Darf in seinem gantzen Leben Nicht am Ungluͤcks-Tuche weben. 4. Jst es? daß dein Schooß mich schliesset Jn der Wollust Haven ein/ Und Verliebte und galante Arien. Und wird mir die Pein versuͤsset/ Der ich noch muß zinß bahr seyn/ Alsdenn ist mein Gluͤck so groß/ Daß ich deiner schoͤnen Schooß/ Und dein lieblichen Ergoͤtzen Nichtes kan entgegen setzen. 5. Du ein Bild der reinen Sternen/ Und ein Schatz des Himmels bist/ Deine Keuschheit laͤst mich lernen/ Was des Himmels Wesen ist. Deine Schoͤnheit/ Zucht und Zier Stellet ihn vollkommen fuͤr/ Alles was er schoͤnes heget Jst dir Syris beygeleget. 6. Schwinden schon die klahren Sterne/ Blickt mich doch mein Himmel an/ Dessen Blicke auch von ferne Jch genau erkennen kan. Schlaͤffst du gleich in suͤsser Ruh/ Wirffst du mir doch Blicke zu; Deiner Schoͤnheit helle Strahlen Kan kein Dunckel nicht bemahlen. 7. Wenn der traur’ge Abend weichet Und die schwartze Nacht anbricht/ Dennoch Morgen-Rosen reichet/ Dein beliebtes Angesicht. Das in angenehmer Pracht Als der heiter Himmel lacht/ Daß ich mag den Himmel finden Vor dem alle Naͤchte schwinden. Er will keinen Neben-Buhler leiden. 1. W er das schoͤne Auge kennet/ So mein mattes Hertze brennet/ Stuͤrtze sich nicht in Gefahr/ Sehen Verliebte und galante Arien. Sehen mag er’s/ doch nicht lieben/ Sonsten moͤchte Rache uͤben/ Der/ der laͤngst sein eigen war. 2. Nach dem Schatten dieser Schoͤnen Ehrerbietig sich zu sehnen/ Lasse ich noch wol geschehn; Jhre Schoͤnheit zu verehren Will ich keinen Menschen wehren Noch von Ferne sie zu sehn. 3. Wie zwey grosse starcke Hunde/ Selten ohne Biß und Wunde Koͤnnen bey einander seyn So muß auch bey diesem Beine/ Der mich lassen nur alleine Wer die Wunden denckt zu scheun. 4. Jm verschlossenen Gehaͤge Giebt es ungemeine Schlaͤge Wenn ein Fremder es betritt/ Und das Wild gedenckt zu fangen/ Was der Herre zuerlangen Selbsten eyfrig sich bemuͤht. Er liebet sie allein. 1. M ein himmlisches Bild/ euch lieb ich allein; Muß ich gleich zu weilen bey andern auch seyn/ Doch bleib ich/ mein Leben/ Euch eintzig ergeben/ Euch will ich mich weyhn. Jhr habet mein Hertz Mir laͤngsten geraubet/ Wie! daß ihr denn glauhet Jch lieb’ euch aus Schertz; Da ich doch mein Licht Euch eintzig verpflicht. Ver- Verliebte und galante Arien. Verbannet das Dencken/ Das euch nur will kraͤncken/ Und lebet in Lust/ Euch bleib ich ergeben So lange das Leben Mir nur ist bewust. 2. Die Sonne erschwaͤrtzt dein himmlischer Schein Der lieblichen Augen/ die feuriger seyn/ Als alle die Flammen/ Die Phœbus zusammen Der Erden kan leyhn. Ein eintziger Blick Erquicket mein Hertze. Und bringet nach Schmertze Zuruͤcke mein Gluͤck. Jch werde beseelt Wenn Kummer mich quaͤhlt Durch liebliche Blicke/ Und kuͤsse mein Gluͤcke Jn deinem Gesicht/ Es lassen die Augen/ Stets Freundlichkeit saugen Und Anmuth mein Licht. Uber ihre Augen. 1. W eich Sonne/ hier blitzen gedoppelte Strahlen/ Und wollen des Angesichts-Himmel bemahlen/ Sie strenen die Flammen der Lieb lichkeit aus; Sie brennen die Hertzen mit himmlischen Flammen/ Und fuͤhren die Triebe der Liebe zusammen/ Sie streuen die Flammen der Lieblichkeit aus. 2. Hier blitzen nur lauter erquickende Blicke/ Und haͤuffen mit Anmuth der Liebenden Gluͤcke/ Sie Verliebte und galante Arien. Sie toͤdten und heilen durch kraͤfftigen Strahl; Sie lindern die Wunden und hemmen den Schmertzen/ Sie machen Vergnuͤgen den sterbenden Hertzen/ Sie toͤdten und heilen durch kraͤfftigen Strahl. 3. Jhr Augen/ ihr Lichter der liebenden Seelen/ Jhr seyd es/ die hemmen und foͤrdern das Quaͤhlen/ Jhr machet die Liebe/ und brennet das Hertz/ Jhr setzet in Flammen/ und loͤschet die Gluhten/ Und bleibet doch feurig in saltzernen Fluhten Jhr machet die Liebe/ und brennet das Hertz. Er entsaget der Liebe. 1. D U schwacher Liebes-Gott wo sind nun deine Banden? Mein Hertz und Sinn Hat seine Freyheit funden. Du solt annoch an mir erstreiten Schimpff und Schanden/ Weil ich nun bin Von Ketten loß gebunden/ Verlach’ ich den Zunder und Plunder der Liebe/ Vermeide die schoͤnen Sirenen und Diebe. 2. Sieh hier mein Hertze ist gantz loß von deinen Ketten/ Das willig hat Von dir sich fangen lassen. Man kan sich gleichwol noch aus deinen Banden retten/ Wenn in der That/ Man will die Fesseln hassen/ So deine verschmitzete Schwaͤncke uns geben/ Verkuͤrtzen und wuͤrtzen das edelste Leben. 3. Und also lieffert dir die Freyheit jetzt Bataillen, Mit vollem Gluͤck Sucht sie dich zu besiegen/ Du solt wol tausendmahl mit ihr dich wieder balgen/ Eh deine Tuͤck Sie werden unter kriegen. Jch Verliebte und galante Arien. Jch trotze/ und schelte nun billig die Ketten/ Wovon sich sonst trauet leicht keiner zu retten. An eine Dame die mit Worten hin haͤlt. 1. W olt’ ich deinen Worten glauben Spielt ich nur mit leeren Schein/ Denn mein Engel deine Liebe Hegt nicht Flammen-reiche Triebe/ Die der Liebe Nahrung seyn. Wolt ich deinen Worten glauben Spielt ich nur mit leeren Schein. 2. Ach mein Engel/ meine Seele Linder doch die Liebes-Pein Mache dein be liebt Gesichte Mir zu einem Sonnen-Lichte/ Das mir giebet falschen Schein, Ach mein Engel/ meine Seele Linder doch die Liebes-Pein. 3. Gib der Augen helle Strahlen Meiner Seel zum Anfuhrts-Licht Daß ich deinen Port erblicke Wo die Anmuth sammt dem Gluͤcke Jhre Wohnung aufgericht Gib der Augen helle Strahlen Meiner Seel zum Anfuhrts-Licht. Das unbestaͤndige Frauen-Zimmer. 1. D es Frauen-Zimmers artigs Stellen/ Gleicht denen wilden Meeres-Wellen; Wer ihren glatten Worten traut Auf Glas die hoͤchsten Thuͤrme baut; R Er Verliebte und galante Arien. Er fischet in der Lufft/ er pfluͤget in der See/ Und sucht ein Schwalben-Nest in dem erstarten Schnee. 2. Sie lieben hefftig mit dem Munde Doch steht die Lieb’ auf schlechten Grunde/ Wenn nur ein kleiner Wind entsieht/ Gleich Lieb und Gunst zu Boden geht/ Jm Wandeln siegen sie des Mondes Wandel an/ Da selbst der Unbestand sie nicht besiegen kan. Er liebet sie. 1. J ch lieb dich schoͤnstes Kind/ Der Anblick deiner zarten Wangen Laͤßt mir ein solch Gefilde sehn/ Auf welchem Lilg-und Rosen stehn/ Die in der schoͤnsten Bluͤhte prangen. Kein Schnecken-Blut ist zuvergleichen Mit deiner Lippen Wunder-Pracht/ Womit die Schoͤnheit selber lacht/ Vor deinen Mund Corallen weichen. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 2. Jch lieb dich schoͤnstes Kind/ Von deinen Feuer-reichen Augen Jst meine Seel in Brand gesetzt/ Aus dem/ was deine Lippen naͤtzt/ Muß man den Liebes Nectar saugen. Es laben sich die matten Sinnen An diesen angenehmen Fluß/ Durch den so sehr beliebten Kuß Spuͤhrt man ein Rosen-Zucker rinnen. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 3. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Der Ort/ wo Himmels-Blumen bluͤhen/ Jst Verliebte und galante Arien. Jst deine wunder-schoͤne Brust/ Die Aepffel ungemeiner Lust Nach dieser zarten Gegend ziehen/ Jhr Anblick zeiget solche Fruͤchte/ Woran die Anmuth selbsten baut/ Und fast einjedes Auge schaut Nach diesen lieblichen Gerichte. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 4. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Der Wunder-glantz der Schwaanen Bruͤste Beschaͤmt das weisse Helffenbein/ Es fuͤhret nicht so schoͤnen Schein Das Marmel-gleiche Stern-Geruͤste; Die Anmuths-Rosen/ so sie decken Jn solcher Pracht und Zierde siehn/ Daß ihr beliebtes Tausend-Schoͤn Verhoͤhnt das edle Blut der Schnecken. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 5. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Du Eben-Bild der hellen Sonnen Must mir auch eine Sonne seyn/ Die mit beliebten Glantz und Schein Den Geist erquickt/ den sie gewonnen Kan ich mich an den Blicken laben/ Und kuͤsse ich die schoͤne Brust/ So schmecke ich die frohe Lust/ Wodurch man kan den Himmel haben. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 6. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Laß mir den Liebes-Garten offen/ Der lauter Lebens-Fruͤchte traͤgt/ Und so viel Anmuth in sich hegt/ Daß man nicht darf vergebens hoffen. Gedenck’ ich an die seltnen Schaͤtze/ Die dein verborgnes Eiland giebt/ So bin ich froh/ und doch betruͤbt/ R 2 Weil Verliebte und galante Arien. Weil ich mich nur im Traum ergoͤtze. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. 7. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Erhoͤre doch mein suͤsses Leben Das Flehen/ so dein Knecht ausstoͤßt/ Die zarte Brust sey mir entbloͤßt/ So Milch und Schnecken-Blut umgeben/ Daraus du Zucker-Lust den Seelen Und holde Anmuth floͤssest ein/ Alsdenn verschwindet jene Pein/ Womit sich meine Sinnen quaͤhlen. Jch lieb dich schoͤnstes Kind. Das suͤsse Kuͤssen. Paspiè. 1. E S schmecken die Lippen der Damen so suͤsse/ Und reichen im Kuͤssen ein himmlisches Brodt/ Man weidet die Seelen durch wechselnde Kuͤsse/ Und solche entziehen befordert den Tod. Es traͤuffet ein Nectar von denen Corallen/ Und tausend entzuͤckende Luͤste darbey: Wem pfleget dis Manna nicht stets zugefallen Wie eckel sonst immer im andern er sey? 2. Es muͤssen den Bruͤsten die Lippen doch weichen/ Weil mehre Vergnuͤgung bey ihnen sich findt/ Da kan man die Venus entkleidet beschleichen/ Die uns in dem Marmor zu baden verguͤnnt. Es hitzen und kuͤhlen die Marmorne Ballen/ Und dieses erquickende Schnee-Gebuͤrg macht Daß man in die Flam̃en nur wuͤnschet zu fallen/ Weil einen erwuͤnschete Kuͤhlung anlacht. 3. Jhr Lippen und Bruͤste ihr schmecket zwar suͤsse/ Und zinset den Kostenden voͤllige Lust/ Doch Verliebte und galante Arien. Doch machen des Schoosses entzuͤckende Kuͤsse Uns groͤsser Vergnuͤgen und Anmuth bewust. Da bricht man die Fruͤchte vom Baume des Lebens/ Und trincket den fliessenden Honig darbey. Man suchet das Manna da niemahls vergebens/ Daß es nicht zu finden im Uberfluß sey. Der hoͤffliche Liebhaber. 1. M ein Hertze/ und das Auge spricht Ob schon die Lippen schweigen/ Nennt gleich der Mund mein Lieben nicht/ Dennochs die Seuffzers zeigen. Und deckt mein Blut Gleich seine Gluth Die Funcken doch aus meinen Adern steigen. 2. Mein Wesen laͤst mein Feuer sehn/ Ob ich es schon verhaͤhle; Laͤst gleich mein Mund kein Klagen gehn/ So thut es doch die Seele/ Und zeigt die Brust Gleich aussen Lust/ Doch ich mich sehr durch innre Flammen quaͤhle. 3. So lieb’ ich nun/ doch scheut der Mund Sein Liebes-Feur zu nennen/ Das Hertze aber macht es kund/ Und zeiget an mein Brennen/ Doch weiß ich nicht? Wenns Hertze spricht Ob meine Gluth mein Engel wird erkennen. Als Doris ihm gekuͤsset. 1. M ein Gemuͤth ist voller Freuden/ Und mein Geist am Himmel hafft/ R 3 Mei- Verliebte und galante Arien. Meine Doris heist mir weiden/ Wo die Lust Vergnuͤgen schafft/ Jhren Mund darf ich bekuͤssen/ Und auch geniessen Von den Lippen Ambra -Safft. 2. Milder Himmel mehr mein Gluͤcke Haͤuffe meine Liebes-Lust! Schenck mir Gnaden-reiche Blicke/ Mache mir den Ort bewust/ Wo Narcissen und Jesminen Jm Schnee stets gruͤnen Auf den Huͤgeln ihrer Brust. 3. Jhrer Lippen Wollust-Keller/ Wo berauschet Geist und Seel/ Schencket heissen Muscateller Aus des Munds Corallen-Hoͤhl/ Und der Bruͤste reiffe Reben Sehr haͤuffig geben Den so suͤssen Liebes-Oehl. 4. Doris deine zarten Lippen Zeigen meinem Schiff den Bay/ Wo es von den scharffen Klippen/ Und von allen Stuͤrmen frey; Jn dem schoͤnsten Haven lieget Und sich vergnuͤget An Cupidens Nascherey. 5. Spuͤhrt man sonst wo harte Wetter/ Oder daß es Winter ist/ So sind da doch Rosen-Blaͤtter Die ein steter Fruͤhling kuͤßt; Da ist niemahls Blitz und Regen/ Vor Donner-Schlaͤgen Man ein holdes Gluͤck genießt. 6. Diesen Vorschmack von dem Leben Und den Anfang solcher Freud/ Muß Verliebte und galantt Arien. Muß der Lippen Kost uns geben Nebst der Bruͤste Suͤssigkeit/ Diese fuͤhren zu dem Lande Und Wollust Strande/ Wo Cythere Zucker streut. An die zornige Cassandra. 1. A ch! mein Engel/ mein Verlangen! Muß/ und soll ich denn vergehn? Darf ich nicht die Brust umpfangen? Ach! so ists um mich geschehn! Stehet meinem heissen Hoffen Kein Gut-seyn offen? So kan ich mein Sterben sehn. 2. Zornige/ ich falle nieder/ Blicket mich halb-todten an/ Ach kehrt doch/ ach kehret wieder! Daß ich Athen hohlen kan/ Und an euren schoͤnen Wangen So moͤge hangen/ Als ich ehmahls wol gethan. 3. Schoͤnes Kind/ Preiß aller Damen Eures Halses Helffenbein Und der Bruͤste Marmor Rahmen Fuͤhren mich im Zweiffel ein/ Ob ihr aus der Goͤtter Orden Zur Damen worden/ Die hier will verehret seyn. 4. Oder/ ob ihr so gezeuget/ Als wie ander Menschen seyd? Trifft dis ein/ so uͤbersteiget Jhr der Loͤwen Grimmigkeit/ R 4 Jn- Verliebte und galante Arien. Jndem ihr mein schlecht Verbrechen So hart zu raͤchen Mit erzuͤrnten Augen dreut. 5. Aber Nein! eur schoͤnes Wesen Euch ein Bild der Gottheit heißt/ Der man an der Stirn kan lesen/ Daß sie Gnad’ und Huld erweißt: Auf ein unermuͤdtes Flehen Wird es geschehen/ Daß man Huͤlff’ und Rettung preißt. 6. Drum/ o Goͤttin! soll ich leben! So stelt doch eur Zuͤrnen ein/ Meinen Jammer muͤst ihr heben/ Sonst werd’ ich verlohren seyn. Was die Seele will verzehren Muß sich verkehren Jn beliebten Gnaden-Schein. 7. Mehr will ich mein Schatz nicht suchen/ Weil ihr eine Gottheit seyd/ Sonsten wuͤrd’ ich nicht verfluchen Eures Busens Lieblichkeit/ Und die wunder-schoͤnen Gaben/ So den erlaben/ Dem der Tod das Sterben dreut. 8. Eure Donner-reiche Blicke/ Und der Augen Finster-Nacht/ Haben mein gehabtes Gluͤcke/ Zu dem groͤßten Schmertz gemacht; So daß ich bald muß verderben Und Huͤlff-loß sterben/ Wo nicht eur Erbarmen lacht. An Verliebte und galante Arien. An die strenge Lesbia. 1. G alante Lesbia du toͤdtest mir mein Leben Wenn deine harte Brust sich noch nicht will ergeben; Mich quaͤhlet deine Pracht/ dein Hart-seyn foltert mich/ Jch bin lebendig todt/ und seuffze aͤngstiglich. 2. Allein umsonst! umsonst sind meine Jammer-Zeichen/ Dein Hertz/ das steinern ist/ ist gar nicht zu erweichen/ Du bleibest allezeit bey meinen Klagen hart/ Ob schon das Seuffzen sich mit meinen Thraͤnen paart. 3. Ein Diamant zerspringt im schlechten Bockes-Blute Mir aber kommt mein Blut/ und Weinen nicht zu gute/ Ein harter Stein wird weich/ das Eisen zaͤh gemacht/ Nur du/ mein Kind/ wirst nie auf andern Sinn gebracht. 4. Sonst pflegt man nach der Nacht/ und ihren Finsternissen/ Den frohen Morgen-Stern im hellen Licht zu kuͤssen/ Nach langen Fasten bricht das Oster-Fest herein/ Du aber wilt mir Nacht/ und ewigs Fasten seyn. 5. Jch soll das Jubel-Jahr auf deiner Brust nicht halten/ Mein heisses Seuffzen muß in kuͤhler Lufft erkalten. Da stets die Marter-Woch’ in meiner Seelen ist/ So klag’ ich/ daß mein Mund noch keinen Ablaß kuͤßt. 6. Jch schiffe um den Port/ wo Freud’ und Anmuth wohnet/ Allein vor jene Lust/ werd’ ich mit Angst belohnet/ Jndem das Vor-Gebuͤrg/ so nach der Hoffnung heißt/ Sich/ wenn ich landen will/ von meinem Schifflein reißt. 7. So muß ich gleiche Quaal wie Tantalus ertragen/ Jch sehe meine Lust/ und darf es doch nicht wagen/ Daß ich sie kosten will/ weil du sonst wirst erhitzt/ Und Donner stoͤssest aus/ dabey mein Himmel blitzt. R 5 8. Jxi- Verliebte und galante Arien. 8. Jxion ist mir gleich/ ich dulde seine Schmertzen/ Wenn ich dich kuͤssen will/ so muß ich Wolcken hertzen/ Umarmen einen Dunst/ und einen falschen Schein/ Denn du wilt auch so gar im Kuͤssen grausam seyn. 9. So quaͤhlest du mein Hertz mit Centner -schweren Plagen/ Und doch kan stets dein Mund von grosser Guͤte sagen/ Von deines Hertzens-Brand/ von deiner Treu und Huld Da doch mein Leben stirbt vor grosser Ungedult. 10. Ach harte Guͤt’ ach! ach! feindseeliges Erbarmen/ Wie quaͤhlet doch dein Stoltz mich halb-erstorbnen Armen! Bald lebe ich in Lust wenn mich ein Blick vergnuͤgt/ Bald aber stirbt der Geist/ wenn mich der Schein betriegt. 11. Tyrannin meiner Brust/ du Moͤrderinn des Lebens Hofft dann mein matter Geist auf Gnade gantz vergebens? Muß eine frische Quaal der alten dienstbahr seyn/ Und nimmt ein neuer Schmertz des vorgen Stelle ein? 12. Heißt dieses Guͤtigkeit wenn man muß Huͤlff-loß sterben? An statt der Gnade laͤst du Seel und Hertz verderben; Der Kummer zehret ab den halb-erstorbnen Geist/ Und diese Quaal dein Mund Guͤt’ und Erbarmen heift. 13. Allein die Marter ist bey weiten keine Gnade/ Noch jenes Linderung wenn ich in Kummer-Baade/ Tyrannen Gnade pflegt ein schneller Todt zu seyn Nicht der/ den man erlangt nach ausgestandner Pein. 14. So hoͤre doch nun auf mich/ Lesbia, zu quaͤhlen/ Fang an im Augenblick die Geister zu entseelen/ Reiß ein den Hoffnungs Bau/ wenn mir kein Hoffen nuͤtzt/ Und stoß die Stuͤtze weg/ die mich noch unterstuͤtzt/ 15. Wirff Verliebte und galante Arien. 15. Wirff doch die Decke ab der gantz verstellten Minen/ Und zeige/ ob mir soll ein Lebens Oehl-Blatt gruͤnen? Ob mir die Gnaden-Wahl dein Paradies verspricht/ Und ob im Gegen-Theil dein Zorn das Leben bricht? An die zornige Melinde. 1. C upido sage an Melinden, Daß sie mir nicht mehr boͤse sey/ Mach/ daß ihr Zorn bald mag verschwinden/ Und gib mir ihre Lippen frey; Verehr mich ihr zu einen Sclaven/ Und leite mich in ihren Haven. 2. Mein Schiff/ das schwebt annoch in Wellen/ Und kan den frohen Port nicht sehn Hilf ihm Compas und Seegel stellen/ So wird es gut im Haven gehn/ Und an ein solch Gestade kommen/ Wo es den Ursprung hergenommen. 3. Die dunckeln Augen hefftig blitzen/ Der Lippen-Donner knalt und kracht/ Jch bleibe an den Klippen sitzen Vor Kummer bin ich fast verschmacht. Erzuͤrnnt und grimme Donner-Blicke Jhr Antlitz auf mich schickt zuruͤcke. 4. Der Engel treibt mich aus dem Garten/ Wo Lust und steter Sommer bluͤht/ Vor Rosen Diesteln auf mich warten Jn welchen Ach! und Schmertze gluͤht/ Jch muß das Paradies vermeiden/ Und von Melindens Lippen scheiden. 5. Du Cypripor hilff doch mir Armen! O grosse Venus sey mir huld! Jhr Verliebte und galante Arien. Jhr Sternen heget doch Erbarmen/ Kommt rahtet meiner Ungedult! Macht/ daß das Hertze der Melinden Laͤst allen Grimm und Eyver schwinden. 6. Jhr Waͤlder/ und ihr duͤstern Haynen Kommt zaͤhlet meine Seuffzer her! Vielleicht beweget sie mein Weinen/ Daß sie mir wird was guͤtiger/ Und mich laͤst aus Egypten Lande Nach Canaan zum Wollust-Strande. 7. Dich |aber zornige Melinde Fleh’ ich um Huͤlff’ und Rettung an! Komm! komm mein kranckes Hertz verbinde/ Sonft ists um deinen Knecht gethan/ Der jetzt vor Trauren Geist und Leben Dem Tode soll zum Opffer geben. Er will die Schmiedin nicht mehr lieben. 1. J ch habe mich darauf verschworen/ Daß ich sie nicht mehr lieben will/ Mein Hertze ruhet in Victoren, Und liegt auch bey Clarinden still: Allein der Schmiedin Liebes-Banden Sind in der Brust nicht mehr verhanden. 2. Mich muͤste ja der Teuffel plagen Dem Maͤdgen lieb und hold zu seyn/ Das allen Leuten pflegt zu sagen/? Jch stuͤrbe fast vor Liebes-Pein/ Da/ wenn es meinen Sinn recht kennte/ Es sich die Finger nicht verbrennte. 3. Mach’ ich zu weilen Complimen ten/ Und faͤlt das Stellen mir nicht schwer/ Daß Verliebte und galante Arien. Daß alle Leute sagen koͤnten/ Daß ich im Ernst verliebet waͤr/ So sind sie doch beym Licht betrogen/ Und ihre Meynung hat gelogen. 4. Jch liebe zwar/ doch nur mit Mienen/ Die nicht von treuen Hertzen gehn/ Jch sage woll ich will euch dienen/ Doch ihr muͤßt mir zu Dienste stehn; Denn eh’ ich mich zum Sclaven mache/ Jch alle eure Lust verlache. 5. Jch hoͤre ohne dem nach Flandern Und kan nicht wol bestaͤndig seyn; Doch diese muß vor allen wandern/ Die sich die Herrschafft bildet ein. Der aber bleib ich mehr ergeben/ Die mich in Freyheit laͤsset leben. 6. Victore will ich ewig lieben/ Die gleich wie ich gesinnet ist/ Clarinden kan ich nicht betruͤben/ Ob ich schon Silvien gekuͤßt/ Bey diesen Maͤdgens will ich bleiben/ Weil sie sich auch von Flandern schreiben. 7. Wer kan mich nun verliebet nennen? Da ich so wanckelmuͤhtig bin/ Mir deucht es wird vor Liebe brennen Die unerfahrne Schuͤlerin/ Und daß sie um sich zu beschoͤnen Nur meine Flammen will verhoͤhnen. Er darff Silvien seine Liebe nicht offen- bahren. 1. M ein Vergnuͤgen heist nur Schauen/ Mir ist weiter nichts vergoͤnnt; Jch Verliebte und galante Arien. Jch darf nicht auf Hoffnung bauen/ Mein Hertz ohne Huͤlffe brennt. Jch darf nichts von Lieben sagen/ Die Pein nicht klagen/ Welche kein Auffhoͤren kennt. 2. Silvia lacht meine Flammen/ Sie verwirfft die reine Gluth/ Sie will meinen Brand verdammen Ob sie gleich die Wirckung thut. Jhr Gesichte Flammen blitzet/ Und mehr erhitzet Das ohndem entflamte Blut. 3. Doch mein Hertze sey zu frieden/ Liebt dich gleich dis Maͤdgen nicht Darum bist du all- und jeden Nicht zum Ziele aufgericht. Laͤsset dich schon diese faͤhlen/ Nach solchen Quaͤhlen Scheinet wol ein ander Licht. 4. Drum so fasse dis Entschliessen/ Daß du sie nicht lieben wilt: Nach der Naͤchte Finsternissen/ Auf ein leeres Schatten-Bild Folgt ein helles Sonnen-Scheinen/ So Schmertz und Weinen Mit vergnuͤgten Blicken stilt. Er nimmt von ihr Abschied. 1. M argenis mein Licht und Leben! Nun muß es geschieden seyn/ Jetzo muß ich Abschied geben/ Bringt es gleich so grosse Pein. Mein Verliebte und galante Arien. Mein Verhaͤngniß heist mich scheiden/ Jch muß euch meiden Ach die Stunde bricht schon ein. 2. Doch gedult/ wer kan das wenden/ Was das Schicksahl haben will/ Man muß ihm an allen Enden Unverweigert halten still/ Endlich wird es sich bedencken/ Und meinen Kraͤncken Gleichfals setzen Maaß und Ziel. 3. Du bist stets mein Trost gewesen Mein Ergoͤtzen/ meine Lust/ Jetzt ist nichts denn Angst zu lesen Jn der hart beklumnen Brust Was ich hoͤchlich sonst begehret/ Und mit verehret/ Bleibet mir nun unbewust. 4. Muß mein Leib gleich von dir reisen/ Meine Seele bleibt bey dir/ Deine Schoͤnheit wird sie speisen Mit Ergoͤtzung nach Begier. Muß ich gleich die Lippen missen Will ich doch kuͤssen Jn Gedancken deine Zier. 5. Gute Nacht geliebte Seele/ Gute Nacht mein Engels-Bild/ Wenn ich mich mit Kummer quaͤhle So sey deine Brust erfuͤllt/ Stets mit Lust und frohen Sachen/ Die gar bald machen/ Daß die Traurigkeit sich stllit, Er Verliebte und galante Arien. Er liebet sie nicht mehr. 1. M ein Hertz bezwinge dich Die Liebe zu vertreiben/ So dir Cassandra hat in deine Brust gebracht/ Als ihre Artigkeit mich hat entzuͤndt gemacht/ Und laß mich frey von ihrem Brande bleiben. Mein Hertz bezwinge dich Die Liebe zu vertreiben. 2. Dein Feuer brennt umsonst Verloͤsche deine Flammen/ Und laß die Liebes-Gluth in dir verborgen seyn/ Bis daß sie mit der Zeit geht von sich selber ein/ Wenn du sie wirst als ungereimt verdammen. Dein Feuer brennt umsonst/ Verloͤsche deine Flammen. 3. Jch will/ und kan dir nicht Zu deinem Zwecke dienen/ Jch zieh den Freund anjetzt/ der Lust im Lieben fuͤr/ Weil er mit ihr vermaͤhlt/ so weis ich/ daß allhier Kein Oehl-Blatt wird vor meine Liebe gruͤnen. Jch will/ und kan dir nicht Zu deinem Zwecke dienen. 4. Drum auf mein Hertz und Geist Last die Gedancken fahren/ Als solte ihre Brust noch zu bewegen seyn/ Schlagt alles in den Wind/ und reist die Hoffnung ein/ Sie muß sich nun mit ihrem Eh-Schatz paaren. Drum auf mein Hertz und Geist Laßt die Gedancken fahren. Sie Verliebte und galante Arien. Sie beklaget im Closter den Todt ihres Amanten. 1. J hr truͤben Augen weinet Blut/ Jhr spahret nur die schlechten Zaͤhren/ Ergiesset euch/ ich kans nicht wehren/ Quilt/ wie ein frischer Brunnen thut. Der herbe Schmertz/ so meine Brust bekrieget/ Wird nimmermehr durch Froͤlichkeit besieget 2. Mein mattes Hertze furchtsahm bebt/ Der Coͤrper wird sehr hart gequaͤhlet/ Wie! daß ich nicht schon laͤngst entseelet! Das Schicksahl! so beym Sternen schwebt/ Hat mich wol recht zum Marter-Holtz ersehen/ Jch soll davon/ und darf doch nicht vergehen. 3. Die starcke Stuͤtze ist entzwey/ Worauf ich mich vor dem gelehnet; Wornach der Geist sich sonst gesehnet/ Jst nicht mehr da/ und schon vorbey. Ein Donner schlaͤgt mit Sturm und lichten Blitzen Starck zu mir ein/ wer wil mich nun beschuͤtzen? 4. Mein helles Sonnen-Licht ist fort/ Der Himmel ist durchaus verdunckelt/ So daß kein Freuden Stern mehr funckelt; Hier ist der rechte Jammer-Ort/ Wo nichts als Nacht und duͤstre Finsternissen Die matte Brust und schwachen Geist umschliessen. 5. Wo soll ich nun ein helles Licht Jn meiner Angst und Schrecken finden? Die Dunckelheit wil nicht verschwinden Bis mir der Tod das Hertze bricht. Wohlan mein Geist! bereite dich zum Sterben Du kanst doch nichts als Tod und Grab erwerben. S 6. So Verliebte und galante Arien. 6. So sage ich denn gute Nacht Der Welt und ihren falschen Freuden/ Womit sie will die Sinnen weiden/ Dasselbe wird von mir verlacht. Mein Ohr ist taub die Lieder anzuhoͤren/ Damit sie denckt mein Hertze zu bethoͤren. Er verlanget nach der Nacht. 1. B rich doch an du dunckles Wesen! Eile fort du schwartze Nacht! Die mich vor sich auserlesen Jst auf meine Lust bedacht. Jhr Lichter an den Himmels-Buͤhnen Solt uns zu Hochzeits-Fackeln dienen. 2. Schwaͤrtzet euch ihr hellen Luͤffte/ Zieht den weissen Schimmer ein/ Scharrt uns in die Feder Gruͤffte/ Und last uns verknuͤpffet seyn/ Macht/ machet/ daß mit Kuß und Druͤcken Die Geister sich gar bald erquicken. 3. Schauet wie Rosellens Bruͤste/ Die ein irrdisch Eden sind/ Sich erheben durch die Luͤste/ So uns Amor heinte guͤnnt. Ach! lasset doch eur Licht verschwinden/ Jch kan mein Gluͤck im Finstern finden. 4. Hoͤrt das Seuffzen/ so wir senden/ Last uns nicht vergebens flehn/ Laßt den langen Tag sich enden/ Und die Sonne untergehn/ Ach flieh’ doch Tag! eilt fort ihr Schatten/ Jch will mich mit Rosellen gatten. Er Verliebte und galante Arien. Er verzweiffelt. Cantata. ARIA . B litzet ihr Wolcken/ und donnert ihr Luͤffte/ Speyet Pech/ Schwefel ihr hoͤllischen Kluͤffte/ Fallet ihr Berge doch auf mich zu: Brechet ihr Gruͤnde der dunckelen Erden/ Wollet ihr Himmel nicht guͤnstig mir werden/ Bringe mich Abgrund endlich zur Ruh. Auf/ auf mein Geist Laß Dolch und Degen klingen Was gifftig heist Muß zu dem Hertzen dringen/ Jhr Parcen reist Den Lebens-Faden ab/ Fort/ fort/ ich sehe schon die Hoͤlle und das Grab. Jch kan/ ich darf/ ich will nicht mehr am Leben seyn/ Jhr Furien heraus verkuͤrtzet meine Pein. ARIA . Fort auf! fort auf! Brechet/ reisset Mich als wie ein zartes Laub/ Tretet/ schmeisset Meine Glieder in den Staub Fort auf! fort auf! Mischt Gifft in Drachen Blut/ Schenckt Ertz/ das fliesset/ ein/ Zu loͤschen meine Gluth Die heisse Liebes-Pein/ Die mich ums Leben bringet Und zur Verzweifflung zwinget. ARIA . Brechet ihr Gruͤnde/ heckt hoͤllische Flammen/ Kommet ihr Flammen all’ auf mich zusammen/ S 2 Bli- Verliebte und galante Arien. Blitzet ihr Himmel/ mehret den Strahl: Hemmet den Jammer/ und endet mein Leben/ Schaͤrffet euch Dolche den Rest mir zu geben/ Kuͤrtzet das Elend/ endet die Quaal. Er liebet sie nicht. 1. G alante Lesbia, ach zuͤrne nicht auf mich! Wenn dich mein falscher Schein zur Liebe hat bewogen/ Mein Stellen hat dein Hertz/ das ehrlich ist/ betrogen/ Galante Lesbia ach zuͤrne nicht auf mich! 2. Verbanne nur die Gunst/ so dein Gemuͤhte hegt/ Mein Schicksahl wehret mir dein Artig-seyn zu lieben/ Mein Stellen soll nicht mehr dein treues Hertz betruͤben/ Verbanne nur die Gunst/ so dein Gemuͤhte hegt. 3. Befreye deine Brust von Amors Selaverey/ Es laͤst mein Wanckelmuth mich nicht bestaͤndig bleiben/ Mein Schiff verlanget nicht im Haven einzutreiben/ Befreye deine Brust von Amors Sclaverey. 4. Das Feuer loͤsche aus/ das deine Liebe nehrt/ Jch spuͤhre keinen Brand/ es frieren meine Sinnen/ Mein Hertze laͤst sich nicht durch frem des Feur gewinnen/ Das Feuer loͤsche aus/ das deine Liebe nehrt. 5. Verbunden will ich dir zu steten Diensten seyn/ Allein! mein Hertze kan kein Liebes Feur ernehren/ Der Sternen Einfluß wills mit aller Macht verwehren/ Verbunden aber will ich dir zu Dienste seyn. 6. Jch zuͤrne selbst mit mir ob dieser boͤsen Art/ Doch will mein Hertz nicht zur Liebe sich bequehmen/ Jch mag der Venus -Joch nicht auf den Ruͤcken nehmen/ Drum zuͤrn’ ich mit mir selbst ob dieser boͤsen Art. 7. Dis Verliebte und galante Arien. 7. Dis aber Lesbia geh ich mit Freuden ein Wenn mich dein schoͤner Mund will seinen Bruder nennen Vielleichte macht mich noch dein Liebes-Wesen brennen/ Und schafft/ daß mit der Zeit ich geh dein Wuͤnschen ein. Er liebet ungluͤcklich. Cantata. ARIA . S oll ich ein Ball Des falschen Gluͤckes seyn? Der bald erhoͤht zur blauen Hoͤhe steiget Bald zu der Grufft der Hoͤllen sich hin neiget. O herbe Quaal! Die Amor floͤsset ein. Soll ich ein Ball Des falschen Gluͤckes seyn? Jch muß verbannt Von meiner schoͤnen leben: Da ander bey dem Wollust-Strand/ Jn reichen Freuden schweben: Wenn ander in der Lust Auf Zucker-Rosen gehn/ So muß ich in dem Wust Der scharffen Dornen stehn. ARIA . Gedult mein Geist! Laß nur den Himmel sorgen. Nach langer Nacht geht auf Der offt erwuͤnschte Morgen; Das Schiff beschliest den Lauff Wenn sich der Haven weist. Gedult mein Geist! Laß nur den Himmel sorgen. S 3 So Verliebte und galante Arien. So wirst du auch Nach langen Quaͤhlen Die frohe Stunde zaͤhlen/ Da nach der Liebe Brauch Die Galle wird versuͤßt Wenn dich dein Leben kuͤßt. ARIA . Drum bleib getreu Trotz’ aller Winde Rasen/ Laß keine Gleißnerey Jn deine Seegel blasen: So wird das falsche Gluͤck Beschaͤmet seiner Tuͤck Der treuen Liebe weichen/ Und du den Port erreichen. Drum bleib getreu Trotz’ aller Winde Rasen. Als sie ihm eine Nacht-Lust verheissen. 1. S elige Stunden Da ich gefunden Was mich vergnuͤgen kan/ Dunckele Schatten/ Decket die Matten/ Und zuͤndt die Sternen an. 2. Bleiche Diane Schwinge die Fahne Des hellen Silbers aus. Heisse Dione Wehle zum Throne Dir meiner Liebsten Haus. 3. Fuͤhre die Flammen Eros zusammen Jn Verliebte und galante Arien. Jn ihrer Marmor -Schooß Fuͤlle die Bruͤste Mit Most der Luͤste Aus dem gestirnten Schloß. 4. Netze der Lippen Rubinen Klippen Mit feuchten Hyblens -Thau/ Laß ihre Wangen Bepurpert prangen Wie Chloris bunte An. 5. Lasse die Fluͤsse Ambrirter Kuͤsse Mehr als uͤberfluͤßig seyn. Haͤuffe Vergnuͤgen Jn Liebes-Siegen Denn Doris laͤst mich ein. An die falsche Phyllis. 1. P hyllis deine Heuchel-Thraͤnen Sind den Crocodillen gleich/ Und dein starck verstelltes Sehnen Koͤmmt aus der Syrenen Reich; Die zu unsern grossen Schaden Uns mit suͤsser Stimm’ einladen. 2. Deiner Augen dunckle Blicke/ Und dein stets verschlossner Mund/ Zeigen klaͤhrlich deine Tuͤcke Und des falschen Hertzens-Grund/ Wo Betrug und Arglist wohnen/ So die Lieb mit Weh belohnen. 3. Biete die geschminckten Waaren Nur bey andern Kaͤuffern aus/ S 4 Zieh Verliebte und galante Arien. Zieh mit den gefaͤrbten Haaren Andre in der Wollust-Haus/ Die dein falsches Hertz nicht kennen Und vor eitler Liebe brennen. 4. Jch verfluche deinen Haven/ Und den Lust-getuͤnchten Strand/ Kauff mit deinem Leibe Sclaven Den dein Falsch-seyn unbekandt/ Jch will dein falben Lippen Meiden gleich den scharffen Klippen. 5. Nimm von meinen Armen wieder Das beperlte Liebes-Haar/ Schaͤmet euch ihr meine Glieder/ Daß die Nattern gleiche Waar Jn dem Busen ihr gefuͤhret Und damit so braff sioltzieret. 6. Jhr bethoͤrte Geister fliehet/ Die entzuͤckende Syren, Die in Hoͤll’ und Abgrund ziehet Durch ihr falsches Lust-Gethoͤn/ Stopffet zu die luͤstern Ohren Daß eur Schiff nicht geh verlohren. Er beklaget ihre Grausamkeit. 1. J hr Fluͤsse/ und ihr harten Steine/ Seyd Zeugen meiner Liebes-Pein/ Jhr wißt wie offtmahls ich beweine Der schoͤnen Syris Grausahm-seyn. Es sollen sich mit euch vermischen Die Thaͤnen/ so mein Haupt vergeußt Es soll das duͤrre Feld erfrischen Der Zaͤhren-Thau der von mir fleußt. 2. Die Verliebte und galante Arien. 2. Die Echo stimmet meinen Klagen Mit ihrer Jammer-Stimme bey. Und mehret meiner Schwermuth-Plagen Durch wiederholtes Angst-Geschrey. Der Jammer zehret ab mein Leben Und treibt mich zur Verzweiffelung; Wird Syris mir noch widerstreben Empfind’ ich keine Linderung? 3. Das Ungluͤck schiest mit seinen Pfeilen Auf mein betruͤbtes Hertze zu/ Und keiner kan die Wunden heilen Es weiß mein Geist von keiner Ruh/ Da Syris, deren steinern Hertze Von keiner Liebes-Gluth entbrennt/ Nur lacht zu meiner Seelen-Schmertze Und sich mit Freuden grausahm nennt. 4. Soll denn mein Angst-beseltes Schreyen Niemahls erweichen deine Brust? Soll sich mein Leiden stets verneuen? Schafft dir denn meine Folter Lust? So laß der Augen heisses Blitzen So fort verzehren meinen Geist Denn was kan dir mein Jammer nuͤtzen Wenn sich dein Paradies verschleußt? 5. Wo nicht so schaffe daß mein Hoffen Den frohen Haven bald erreicht: Steht denn dein Paradies mir offen So mache/ daß der Engel weicht Der mit dem Schwerdte deines Zornes Den Gang zum Lebens-Baum verwehrt/ So wird mein Schatz des Wollust-Hornes Jn dir mein Eden ausgeleert. S 5 Er Verliebte und galante Arien. Er preiset sein Gluͤck. 1. D ie suͤsse Stunde bricht schon an/ Die meinen Geist vergnuͤgen kan/ Mit laͤngst begehrter Liebes-Lust. Es fehlet nur daran Ein bald verschwundner Augen-Blick So bluͤht im Pracht mein hoͤchstes Gluͤck Das mich mit Amors -Luͤsten ziert Und ein in Eden fuͤhrt. Jn Kurtzem ists gethan/ Daß ich mein Engel gantz gewiß Jn deinen engen Paradies Die Rosen brechen kan. 2. Dein schoͤner Mund der spricht das Ja/ Und ein gewuͤnschter Schluß ist da/ Daß ich dich bald/ Annehmlichste. Jn hoͤchster Lust umpfah Wie freut sich doch darob mein Geist Daß sich dein Paradies auffschleußt Und mir die Anmuth nicht verwehrt Die Amor zugehoͤrt Bey dir Bellandera Du theilest seine Schaͤtze schon/ Und reichest mir der Liebe-Lohn Durch ein versuͤßtes Ja. Als er Blondinen nach ihren langen Ab- wesen wieder umarmete. 1. G luͤckliches Schicksahl/ himmlische Freude Die ihr nach uͤberstandenen Leide Meine bekuͤmmerte Geister erquickt/ Und mich dadurch uͤbermaͤßig begluͤckt. Daß Verliebte und galante Arien. Daß ich Blondinens bezuckerte Corallen Und ihres Schnee-Gebuͤrgs Albasterne Ballen Wieder anschauen und kuͤssen kan. 2. Schencke mir Himmel ferner die Blicke Haͤuffe die Anmuth/ mehre mein Gluͤcke/ Schencke mir Zucker der Lieblichkeit ein/ Laß die Blondinen zur Sonnen gedeyn/ Die mir Vergnuͤgung und gluͤckseliges Leben/ Durch ihre erquickende Blicke kan geben/ Wenn mich ihr holdes Augen-Paar kuͤßt. 3. Kuͤsse mich Schoͤnste/ schencke mir Strahlen Die mir erquickende Blicke zahlen Floͤsse den Julep der Bruͤste mir ein Lasse die Wangen ein Himmels-Brodt seyn/ Und speise die Seele mit Manna der Luͤste Welches sich befindet am Huͤgel der Bruͤste/ Wo mir ein Canaan offen steht. Als sie kranck wurde. 1. S O sind die Stunden Der Lust verschwunden| Die Sorgen-Nacht Bezieht mit Macht Den Himmel der Gedancken. 2. An statt der Freuden Findt sich jetzt Leyden/ Das Trauer- Chor Erschallt ins Ohr Vor froͤlich Jubel-schreyen. 3. Die weissen Bruͤste/ Ein Platz der Luͤste/ Die Verliebte und galante Arien. Die seuffzen sehr/ Daß sie nicht mehr Sich steiff auf schwellen koͤnnen. 4. Jch bin betruͤbet Weil die mich liebet Durch Kranckheit schwach/ Daß sie nicht mag Durch Anmuth mich erfreuen 5. So spielt das Gluͤcke Durch falsche Tuͤcke Daß wenn man lacht Es ploͤtzlich macht Die Augen uͤberfliessen. 6. Die kurtze Wonne Die gleicht der Sonne/ Die bald vergeht Und drauf entsteht Ein hefftig Ungewitter. 7. Es sind Cometen Die mich ertoͤdten/ Und durch den Schmertz Mein traurges Hertz Zu Boden nieder reissen. 8. Wer kan wol lachen Bey Donner-Krachen? Werd’ ich sie sehn Jm Sarge stehn/ So muß ich gleichfals sterben. Als sie gestorben. 1. G rausahmes Verhaͤngniß! hoͤllische Pein/ Muß ich ein Ballen des Gluͤckes denn seyn? Der Verliebte und galante Arien. Der bald erhoͤht zur blauen Zinnen steiget/ Bald zu der Grufft der Hoͤllen sich hinneiget. Ha! strenges Gluͤck Durch deine Tuͤck Jst mir geraubet worden/ Mein halbes Hertz/ So daß der Schmertz Mich bringt ins Todes-Orden. 2. Ersterbet ihr Geister/ kuͤsset den Tod So endet das Sterben/ Jam̃er und Noht/ Hier findet ihr vor die gehabten Luͤste Ein Drachen-Haus/ und Schlangen-volle Wuͤste/ Jetzt stinckt die Welt/ Mein Geist nichts haͤlt Von ihren falschen Freuden. Es wird verflucht Die leere Frucht/ Damit sie mich will weiden. An Zarabellen. 1. Z arabelle deine Wangen Zeigen deinen Jammer an/ Und dein mattes Auge kan Nicht/ vor Schmertz/ mit Strahlen prangen/ Die durch ihren heissen Schein Hertz und Sinnen nehmen ein. 2. Deine Rosen sind erblasset/ Und die Lilje wil vergehn/ Dein beliebtes Tausend-Schoͤn Bleiche Todes-Angst umfasset. Der betruͤbten Augen-Licht Nur durch Kummer-Wolcken bricht. 3. Schoͤn- Verliebte und galante Arien. 3. Schoͤnste fasse dich doch wieder/ Klaͤhre dein Gesichte auf Laß der Freude ihren Lauff/ Daß die Anmuth deiner Glieder Sich mit neuer Lust belebt/ Und die vor’ge Pracht erhebt. 4. Lasse doch den Schmertzen fahren/ Und vergiß der alten Treu/ Denck/ daß es unmuͤglich sey Mit Verstorbnen sich zu paaren. Liebe den/ wer lieben kan/ Was gehn dir die Todten an. Er beklaget ihre Grausahmkeit. 1. T yrannin meiner Brust laß ab mich so zu quaͤhlen/ Hoͤr’ auf mit deinem Grimm’/ und schone meiner Seelen/ Es bringt zwar meine Angst dir/ Lesbis, gar nichts ein/ Jedennoch muß ich stets von dir gefoltert seyn. 2. Erbarm dich meiner Noht/ laß ab mich zu versuchen Wie lange soll dein Zorn auf meine Liebe fluchen? Jch kan ohndem nicht mehr ertragen jene Last Womit du mich/ mein Kind/ so sehr beladen hast. 3. Kein Baͤhr’ noch Tyger kan so grausahm sich gebaͤhrden Als wie du dich verstelst/ ich muß gefoltert werden/ Dein Hertze ist ein Stein/ der niemahls muͤrbe wird Dein Ohr verstopffet sich wenn meine Kaͤhle girrt. 4. Kan denn mein Jammer-Stand kein Bey-Leyd mir erwerben/ Jst alles Flehn umsonst? wohlan! nun will ich sterben/ Gib nur drey Thraͤnen her/ so wird die Todes-Pein Mir lieb und angenehm/ und nicht verdrießlich seyn. Er Verliebte und galante Arien. Er liebet in der Stille. 1. J ch will uͤben Stilles Liben/ Stilles Lieben bringet Lust. Ob es ander gleich nicht wissen/ Wie ich muß mein Schaͤtzgen kuͤssen/ Jsts doch mir und ihr bewust. 2. Suͤsses Leben Kan sie geben Wenn sie ihre Bruͤste reicht/ Dieser schoͤnen Wunder-Ballen Blaͤhen und auch niederfallen Einem Marmor -Meere gleicht. 3. Jhr Umschliessen Laͤst geniessen Ambrosin und Nectar -Safft/ Jhres Schoosses Lieblichkeiten Tausend Anmuth zu bereiten Mit vernenter Lebens-Krafft. 4. Doch die Sachen Muß ich machen Fein geheim und in der Still’/ Jn der Stille darf ich kuͤssen Und der Brust und Schooß geniessen/ So offt als ich kan und will. 5. Wer nun Lieben So will uͤben Der kuͤßt recht erwuͤnschte Ruh. Es wird vor die Liebes-Wunden Die verlangte Huͤlff’ gefunden Geht es nur fein stille zu. Als Verliebte und galante Arien. Als die schoͤne Muscowitin/ nachdem sie ei- nen Tag bey ihm gewesen/ wieder wegreisete. 1. N ur einen Tag die schoͤnen Augen sehn Jst schon genug mein Hertze zu entzuͤnden/ Doch lange nicht/ daß es auch mag geschehn Verlangte Huͤlff’ in solcher Zeit zu finden. Vergebne Quaal/ und aͤngstigs Seuffzen macht Die lange Nacht. 2. Die lange Nacht zeugt endlich Tag und Licht Wenn Finsterniß die Erde haͤlt bedecket/ Mir aber bleibt kein Hoffen uͤbrig nicht/ Daß bald ein Tag beliebten Schein erwecket. Mir wird vertauscht der angenehme Schein Jn Dunckel seyn. 3. Jn Dunckel seyn manch treuer Sinn genießt Die schoͤnste Frucht der Zucker suͤssen Liebe/ Mein Hertz allein vergalte Wermuth kuͤßt Vor jene Kost der angenehmen Triebe. Was schoͤnes sehn ohn Lindrung seiner Noht Jst schon der Tod. 4. Jst schon der Tod bey manchen sehr verhaßt/ Die niemahls nicht was straͤffliches veruͤbet? Mein Hertz dennoch mit allen Recht erblaßt/ Weil es zu dreist ein Engels-Bild geliebet. Allein der Spruch und seine Todes-Art Scheint gar zu hart. 5. Scheint gar zu hart mein Hertze dir zu seyn/ Und fuͤrchtest du ich moͤchte seyn von Eysen? So stelle nur die harte Proͤbe ein/ Jch will mich gern wie Wachs bey dir erweisen. Kehr nur zuruͤck/ erfuͤlle mich mit Lust Abgott der Brust. 6. Ab- Verliebte und galante Arien. 6. Abgott der Brust/ die reine Brunst beseelt/ So mir dein Strahl darinnen angeflammet. Dein heller Blitz nicht viel von jenem scheelt/ Der Semelen zum brennen hat verdammet. Jetzt muß ich auch/ wie ihr vor dem geschehn/ Durchs Feur vergehn. 7. Durchs Feur vergehn im peinlichen Gericht Nur aber die/ so Zauberey getrieben/ Nicht die wie ich ein schoͤnes Angesicht Ersehen und zugleich/ dasselbe lieben. Ach kehre doch das Urtheil meiner Pein Jn Gnaͤdig-seyn. 8. Jn Gnaͤdig-seyn wird aber der auch offt/ Der schon begnadt/ durch solche Gunst verlohren/ Weil ihm das Wort der Gnade unverhofft Ein Donnerschlag in Hertzen und in Ohren/ Drum will ich nicht veraͤndern meinen Tod Und dein Gebot. 9. Und dein Gebot der Augen mir befiehlt Die schoͤnste Zier der Wangen zu verehren/ Es heischt die Gluth/ so um die Bruͤste spielt Daß ihr mein Hertz ein Opffer soll gewehren/ Das geb’ ich gern/ wenns dich noch sehen mag Nur einen Tag. An seine Inclination. 1. N imm Geliebte Hertz und Hand Beydes ist dir zugewandt/ Du weist/ daß meine Treu Frey von der Heucheley; Drum vertausche ohne Schertz Wertheste mit mir dein Hertz. T 2. Was Verliebte und galante Arien. 2. Was bedenckest du dich noch Nimm das leichte Liebes-Joch/ Ertrag es mit Gedult/ Das Schicksahl hat die Schuld/ Jetzt will es nicht anders seyn Gib nur deinen Willen drein. 3. Jst schon etwas Bitterkeit Bey der Liebe ausgestreut/ So ist doch keine Lust Unliebenden bewust; Von der Grillenfaͤngerey Macht die suͤsse Liebe frey. 4. Amor ist ein kluger Artzt; Er macht offtmahls Weiß aus Schwartz/ Hat man gleich Schwartz auf Weiß; Er spahret keinen Fleiß/ Daß sich die gefangen sehn Die ihm aus dem Wege gehn. 5. Will man in die Waͤlder fliehn Wird man ihn doch nach sich ziehn/ Die Wild-Bahn und die Hatz Jst recht sein Sammel-Platz/ Da treibet er die Jaͤgerey/ Vogel faͤngt er auch dabey. 6. Geht man in die Welt hinein Er wird ein Gefaͤhrte seyn/ Er reiset taͤglich aus/ Jst nirgends recht zu Haus/ Doch nennt er wie wol bekannt/ Jeden Ort sein Vater-Land. 7. Sencket man sich in die Fluth Spuͤhrt man da auch seine Gluth/ Der Verliebte und galante Arien. Der Wellen Silber-Schaum Macht seinen Flammen raum. Venus ist da ausgeheckt Als die Muschel sie entdeckt. 8. Nun du Engel-gleiches Bild Waͤhle dir das/ was du wilt/ Doch traue dem Bericht/ Es hilfft dir alles nicht/ Deiner Schoͤnheit Sonnenschein Soll und muß geliebet seyn. 9. So umarme mich mein Kind/ Eil’ und kuͤsse mich geschwind Der Leffzen Honig-Seim Jst gar ein suͤsser Leim/ Wodurch Hertz an Hertz sich vest Unzertrennlich fuͤgen laͤst. 10. Alabaster scheint dein Hals Und die Bruͤste ebenfals/ Sie wallen also sehr Recht wie ein Perlen-Meer/ Wenn des Athens sanffter Wind Sie erregt und mich entzuͤndt. 11. Weiter will ich jetzt nicht gehn/ Noch recht in die Tieffe sehn/ Das ander spahr ich mir Auf beßre Zeiten fuͤr. Bleib indessen Eingedenck Jch sey dein/ du mein/ Geschenck. Er entsaget der Liebe. 1. W as soll ich im Lieben hoffen Freude/ oder Angst und Pein? T 2 Jst Verliebte und galante Arien. Jst das weisse Ziel getroffen Oder wirds das schwartze seyn? Scheinet mir das Licht des Lebens Oder hoffe ich vergebens. Echo. Vergebens. 2. Echo wilt du mit mir schertzen; Hast du deine Lust daran/ Daß mein Hertz vor Angst und Schniertzen Niemahls freudig werden kan? Wilt du daß es mir soll gehen Wie es ist mit dir geschehen? Echo. Geschehen. 3. Nymphe bin ich schon verlohren Und Cupidens Possen-Spiel? Kuͤßt ein ander Leonoren Gelte ich bey ihr nicht viel? Bringet mir das suͤsse Lieben Vor Vergnuͤgen nur Betruͤben? Echo. Betruͤben. 4. Ha/ nun mag ich nicht mehr lieben Amor weg aus meiner Brust. Bringt das Lieben nur Betruͤben Was versprichst du denn vor Lust? Freyheit wird von mir verehret Bis mein Lauff zum Grabe kehret Echo. Bekehret. Er bittet um die letzte Gunst. 1. M ein Leben/ sieh dein Knecht will als ein Opffer sterben/ Zum Altar wuͤnscht er sich die schoͤne Brust Wer sich den Platz zum Grab-Mahl kan erwerben/ Der stirbt fuͤrwahr mit Lust. Die Flammen/ die ihn da umschliessen/ Zu neuen Luͤsten dienen muͤssen 2. Nun Verliebte und galante Arien. 2. Nun kroͤhne mich als wie man muß das Opffer kraͤntzen/ Nimm Rosen/ so auf deinen Wangen bluͤhn/ esminen auf der Bruͤste Huͤgeln glaͤntzen Der Hals gibt Liljen hin. Jn diesem Schmuck will ich erblassen Und mich gantz gern verbrennen lassen. 3. Und sterbe ich denn schon in diesem schoͤnen Feuer/ So weiß ich doch/ daß mir der schnelle Tod Mehr sanfft seyn wird als hart und ungeheuer/ Jch bleibe ausser Noht; Drum lasse mich bald/ mein Vergnuͤgen/ Auf diesem schoͤnen Altar liegen. 4. Den Richt-Platz will ich gern als meinen Thron besteigen| Zwey Scheiter-Hauffen ich da vor mich seh’ Die suͤsse Brunst und Liebes-Flammen zeigen; Wenn ich darinn vergeh So kan ich in den schoͤnften Gruͤnden Ein neues Leben wieder finden. An eine strenge Schoͤne. Cantata. ARIA . A llzu strenge Grausahmkeit Muß die krancke Seele leiden; Sie vergeht in ihrer Pein/ Wasser kan den Fels durchbohren/ Aber ach! ich bin verlohren Deine Brust ist mehr als Stein. Allzu strenge Grausahmkeit Muß die matte Seele leiden. Du bist zwar schoͤn Und lieblich anzusehn; Deiner Augen Wunder-Pracht Hat meinen Geist verliebt gemacht; T 3 Auf Verliebte und galante Arien. Auf den Wangen bluͤhen Rosen/ Die Wollust da wie Thau zerfließt. Silber weisse Perlen kroͤhnen Das zarte Kinn. Die Anmuth kuͤßt Die glatten Wangen/ So mit den reinsten Liljen prangen/ Und Milch und Schnee verhoͤhnen. Der Busen faͤhrt dahin Als wie ein weisses Meer/ Die Hertzen wuͤnschen sehr Denselben liebzukosen. So bist du schoͤn Und lieblich anzusehn/ Doch deine Grausamkeit/ Der du dich gantz geweiht Macht mehr ein Tyger-Thier Als wie ein Wunder-Bild aus dir. ARIA . Schoͤne Augen zwingt die Blicke Daß sie nicht so strenge seyn/ Kehrt den/ Blitz in eine Sonne Huͤlt die dunckeln Strahlen ein. So erblick’ ich meine Wonne Mit erwuͤnschetem Geluͤcke. Schoͤne Augen zwingt die Blicke Daß sie nicht so strenge seyn. Was nuͤtzt dir meine Quaal? Was bringet dir mein Leiden? Nichts! spricht dein Mund Und gibt dadurch sein Unrecht kund. Sey nicht mehr Stein und Stahl/ Liebe den/ der dich verehret Und so reine Flammen nehret Daß er sich dadurch verzehret. Du Verliebte und galante Arien. Du must doch endlich lieben! Darum so fange an Den Wechsel auszuuͤben. Wenn Zeit und Jahre Den Leib zur Bahre Und ins Grab bescheiden/ Alsdenn so ists mit aller Lieb und Gunst gethan. Oder meynest du vielleicht Venus wuͤrde dein Verachten Nicht zu raͤchen trachten? Wenn dem also? so bist du uͤbel dran. ARIA . 1. Stoltze Sinnen Muͤssen gleich dem Wachs zerrinnen/ So der Sonnen nahe steht; Es kan Cupidens heisser Pfeil Alsbald ein kaltes Hertz entzuͤnden/ Wann wird das Zunder glim̃end finden/ Wann er durch die Seele geht. 2. Trotze Geister Finden endlich ihren Meister Venus nimmt doch uͤberhand. Wer will/ versuche hier sein Heyl; Den Fackeln/ so auf Gnidus brennen/ Hat keiner widerstehen koͤnnen/ Alles setzen sie in Brand. Kan nun kein Mensch/ noch Thier und Stein/ Der Liebe widerstehen/ Wie wilt du denn allein Ein Ungeheuer seyn? Laß die Gedancken gehen. Liebe/ weil man lieben kan/ Beut den Flammen Nahrung an; Durch deine Augen ist der erste Brand geschehen. T 4 ARIA . Verliebte und galante Arien. ARIA . Wilt du einem Menschen gleichen? Must du auch beweglich seyn. Vom Gesicht bist du ein Engel Aber deiner Seelen-Maͤngel Machen dich zu einen Stein. Wilt du einem Menschen gleichen? Must du auch beweglich seyn. Mein Engel sey doch zu bewegen Ach brich doch deinen harten Sinn/ Wenn sich die grauen Haare regen So ist die Liebes-Lust dahin. ARIA . Spielet ihr verliebten Blicke Mit den Strahlen auf mich zu. Troͤstet mich ihr schoͤnen Augen; Und du angenehme Brust Laß mich deinen Julep saugen. Labe mich mit suͤsser Lust So kriegt meine Seele Ruh. Spielet ihr verliebten Blicke Mit den Strahlen auf mich zu. Der Bellandra Abfall schmertzet ihn nicht. 1. W as traurest du mein Hertze! Frisch auf/ verzage nicht|! Laß diese dunckle Kertze/ Und such ein ander Licht. 2. Du hast sie zwar geliebet Doch nur zum Zeit-vertreib/ Was ists/ das dich betruͤbet? Ein ungetreues Weib. 3. Was ist das Frauen-Zimmer? Was heist bey ihnen Treu? Es Verliebte und galante Arien. Es ist ein falscher Schimmer Betrug und Heucheley. 4. Wer ihren Worten trauet Der wandert bey der Nacht Bis er das Ungluͤck schauet Darinn sie ihn gebracht. 5. Wie das Aprillen-Wetter Unsiett und stuͤrmisch ist Und wie die Rosen-Blaͤtter Bald die Verwesung kuͤßt. 6. So steht auch ihre Liebe Auf lauter Unbestand/ Sie sind verlogne Diebe Betriegen Mund und Hand. 7. Sie gleichen den Sirenen, Die unser Fall erfreut/ Will man sich darnach sehnen So ist der Todt nicht weit. 8. Weil sie nun solche Leute/ So schaͤtze dich vergnuͤgt/ Daß du zu einer Beute Den Tod nicht weg gekriegt. 9. Du hast sie schon berochen/ Du weist ja was sie hat/ Die Rose ist gebrochen/ Und du bist ihrer satt. 10. Laß diese falsche Seele Auf! gib ihr gute Nacht/ Flieh ihre Laster-Hoͤhle Wo dein Verderben wacht. 11. So danck ich denn der Liebe Und ihren Plagen ab T 5 Und Verliebte und galante Arien. Und schwinge meine Triebe Nach Mavors Helden-Stab. 12. Weñ Dolch und Degen blincken So freut sich meine Brust/ Wo Roß und Mann versincken Da find’ ich meine Lust. 13. Die Paucken und Trompeten Zieh ich den Kuͤssen fuͤr/ Pistohlen und Musque ten Sind meine beste Zier. 14. Wenn die Carthaunen knallen Wenn Feur und Pulver kracht Wenn veste Mauren fallen Und wenn man Mienen macht. 15. Denn find ich mein Vergnuͤgen Jn dem erhitzten Streit/ Das Fechten und das Kriegen Jst lauter Froͤlichkeit. 16. Nun gute Nacht du Schoͤne Doch falsche auch dabey/ Jch liebe das Gethoͤne Von Mavors Feld-Geschrey. An die artige Balis, da er starb. 1. A ugen/ die schon sterbend brechen/ Blicken euch jetzt klaͤglich an/ Lippen/ die nicht mehr zum Sprechen Recht verstaͤndlich aufgethan/ Muͤssen euch/ mein werthes Leben/ Schoͤne Balis Abschied geben. 2. Thraͤnen statt der Worte fliessen/ Die voll Liebes Seuffzer sind/ Und Verliebte und galante Arien. Und die falben Lippen kuͤssen Euch zum letzten mahl mein Kind/ Daß ich auf der Todten-Reise Mich mit eurer Anmuth speise. 3. Nehmet euren Geist zuruͤcke/ Balis, weg aus meiner Brust/ Ein ergrimmetes Geschicke Stoͤhret die gehabte Lust/ Mein Hertz muß aus eurem scheiden Und die zarte Wohnung meiden. 4. Lebet wohl geliebte Seele/ Meine Seel’ ist ausser mir/ Und des Grabes schwartze Hoͤhle Oeffnet schon die dunckle Thuͤr/ Jch muß euch/ mein Kind/ verlassen/ Und bey Geistern Wohnung fassen. Als sie sich mit ihm versoͤhnet. 1. N ach dem Regen scheint die Sonne/ Auf das Ungluͤck folget Wonne; Lachen loͤßt das Weinen ab; Blitz und Donner faͤlt ins Grab Wenn des Titans guͤldne Strahlen Diese dunckle Welt bemahlen. 2. Auf das Hassen kommt das Lieben/ Alles will den Wechsel uͤben/ Wer da trotzt dem Unbestand/ Der kommt ins gelobte Land/ Wo sich nach vergangnen Schmertzen Lust und Freude lieblich hertzen. 3. Scheinen gleich der Liebsten Augen Nur zum sauren Blick zu taugen/ Lin- Verliebte und galante Arien. Lindert doch ein sanffter Strahl Bald die heisse Liebes-Quaal/ Da/ wo Dornen sonst gestanden Sind denn Rosen gnug verhanden. 4. So verkehren sich die Zeiten/ Und die suͤssen Eitelkeiten Wenn ein Kuß das Trauren hemmt; Angst und Schmertze wird gestemmt Wenn ein Hertz/ das fast vergangen/ Mit gewuͤnschter Huld kan prangen. 5. Wenn der Anblick von den Bruͤsten/ Die den Engeln selbst geluͤsten Frey und unverwehret ist/ Wenn man Mund und Lippen kuͤßt/ Alsdenn hat man uͤberstanden Den Verdruß der schweren Banden. 6. Das/ was man vor dem verfluchet/ Wird alsdenn mit Ernst gesuchet/ Denn zeigt Ketten/ Strick und Band Einen recht vergnuͤgten Stand/ Solche Sclaven sind befreyet Wenn der ander Zetter schreyet. 7. Jn so suͤsser Knechtschafft leben/ Heist in steter Freyheit schweben Ein Dienst ohne Selaverey/ Gantz bestricket und doch frey/ Sonnenschein bey Wind und Stuͤrmen/ Und vor Eyfersucht ein Schirmen. 8. Lieb’ und leb mein Hertz vergnuͤget Deine Schoͤne ist besieget/ Keine List und keine Macht Jst auf deinen Fall bedacht Jhre wunder-schoͤnen Gaben Sollen dich erfreulich laben. Er Verliebte und galante Arien. Er verzweiffelt. 1. D onner/ Hagel/ Blitz und Wetter Spielt auf meine Scheitel zu/ Findt sich doch kein ander Retter Der mich setzen mag in Ruh. Donner/ Hagel/ Blitz und Wetter Schmeist den Geist nur in die Grufft Auf/ ihr schwartzen Hoͤllen Goͤtter Holet mich in eure Klufft. 2. Mein Gemuͤhte ist verwirret. Die Gedancken sind verstoͤhrt/ Mein Geist in der Noht verirret/ Meine Freude ist verzehrt. Mein Gemuͤhte ist verwirret/ Lauter Angst erfuͤll’t die Brust/ Und das Pein-Gespenste schwirret Mit den Fesseln durch die Lust. 3. Meine Pein wird taͤglich groͤsser/ Und mein Ungluͤck wird vermehrt/ Wo sind doch die Hoffnungs-Schloͤsser? Jhre Lust ist nun verstoͤhrt Meine Pein wird taͤglich groͤsser/ Mein Schmertz findt kein Ende nicht/ Mir wird auch nicht eher besser Bis der Tod das Hertze bricht. 4. Drum ihr Parcen und ihr Geister Holet mich ins schwartze Grab/ Komm’o Tod du starcker Meister Kuͤrtze meinen Jammer ab. Drum ihr Parcen und ihr Geister Bringet meinen Geist zur Ruh/ Mein Verhaͤngniß wird sonst dreister/ Und mein Ungluͤck nimmt noch zu. 5. Fal- Verliebte und galante Arien. 5. Falsche Liebe deine Netze Ziehen ins Verderben ein/ Und Almire deine Schaͤtze Muͤssen meine Henckers seyn. Falsche Liebe deine Netze Sind der Ursprung meiner Quaal/ Und des Busens Zauber-Plaͤtze Leiten mich in Plutons Saal. 6. Aber ach! ihr bleibt zuruͤcke Geister/ Furien und Blitz/ Drum mein Geist den Dolchen zuͤcke Und den Lebens-Safft verspruͤtz’. Aber ach! ihr bleibt zuruͤcke Laͤngst erwuͤnschte Lust und Ruh/ Jhr beweißt auch falsche Tuͤcke Meine Noht nimmt durch euch zu. 7. So Almire schaut ich sterbe Eure Schoͤnheit toͤdtet mich/ Ob ich mich gleich selbst verderbe Durch den kalten Dolchen-Stich. So Almire schaut ich sterbe/ Seht mein letztes Roͤcheln an/ Wenn ich Bey-Leyd denn ererbe Jst mein Sterben wohlgethan. 8. Recht/ nun dringt die scharffe Schneide Durch die Adern in die Brust. Auf mein Geist/ auf! auf und scheide Durch die Wunde/ fort mit Lust. Recht nun dringt die scharffe Schneide Jn den Brunn der Adern ein/ Seht Almire solche Seide Webet euer Grausahm-seyn. Die Verliebte und galante Arien. Die wunderlichen Arten der Liebe. Aus dem Frantzoͤsischen. 1. A ch ich seuffze/ mir ist bange! Jch quaͤhle mich so Tag als Nacht/ Jch erschrecke! ich verlange! Die Liebe hat mich kranck gemacht. Eure heissen Augen-Strahlen Die haben meinen Geist entzuͤndt/ Daß die vielen Liebes-Quaalen Gar nicht von mir zu hassen sind. 2. Laßt uns diese Losung geben/ So offt man uns zu reden zwingt/ Recht begluͤcket ist das Leben/ Das man verliebt zu Ende bringt. Furcht und Seuffzen kommt den Seelen Fast immerfort zu einer Zeit/ Und aus diesen stillen Quaͤhlen Erhaͤlt der Liebe Hefftigkeit. 3. Warum wollen wir denn daͤmpffen Der Seelen heisse Liebes-Gluth? Und die suͤsse Pein bekaͤmpffen? Da uns die Quaal so sanffte thut. Laßt uns diese Losung geben So offt man uns zu reden zwingt Recht begluͤcket ist das Leben/ Das man verliebt zu Ende bringt. An eine unerbittliche Schoͤne. 1. D U Sonne meines Lebens Bestrahle mein Hertz; Und laß mich nicht vergebens Beseuffzen den Schmertz. Ver- Verliebte und galante Arien. Verkehre mein Klagen Mein Seuffzen und Zagen Jn lieblichen Schertz. 2. Was nuͤtzet dir mein Quaͤhlen? Was hilfft dir meine Pein? Hoͤr auf mich zu entseelen Durch toͤdtenden Schein. Ach laß mich die Sinnen Mein Engel gewinnen Die Felsen hart seyn. 3. Das Eysen muß erliegen Jn Flammen und Gluth/ Der Demant laͤst sich biegen Durch stinckendes Blut/ Jch aber mein Leben Muß Blut und Feur geben/ Doch wird es nicht gut. 4. Ach aͤndere doch Schoͤne Den steinernen Sinn/ Und spanne mir die Sehne So ferne nicht hin. Erfuͤll mein Verlangen/ Und schenck mir die Wangen Zum Liebes-Gewinn. An Dieselbe. 1. S choͤnster Engel schau doch die Seelen-Pein/ Und lasse den Schmertz geendiget seyn; Linder die Plagen/ Die ich ertragen/ Ohn sie zu klagen Dir Goͤttin der Brust; Die du suchst Lust Wenn Verliebte und galante Arien. Wenn nur bewust Schwere Plagen der krancken Brust. 2. Mache Schoͤnste mein Hertze bald gesund/ Und reich mir deinen bezuckerten Mund; Laß mir geniessen Jn suͤssen kuͤssen Der Liebe-Bissen Daß endlich mein Hertz Nach Angst und Schmertz Schmeck suͤssen Schertz/ Lieb’ und kuͤsse mich doch mein Hertz. 3. Schoͤne Wangen die ihr voll Rosen steht Um die ein Krantz von weissen Liljen geht/ Jhr Wunder-Bruͤste/ Du Prunck-Geruͤste Voll Himmels-Luͤste! Ach lachet mich an/ Daß ich bald kan Die Freuden-Bahn Bey euch treten mit Wollust an. 4. Kuͤsse Schoͤnste doch meinen krancken Mund Und heile im Kusse was du verwundt/ Du kanst nur eben Dem matten Leben Die Lindrung geben. Jch werde begluͤckt/ Und recht erquickt/ Ja gar entzuͤckt Wenn mich Schoͤnste dein Hertze begluͤckt. An Dieselbe. 1. H olde Sonne meiner Seelen Leget sich dein Streuben nicht? U Muß Verliebte und galante Arien. Muß ich mich zu tode quaͤhlen Scheint mir garkein Gnaden-Licht? Werden mich die Straff- Come ten/ Doch mit ihren Strahlen toͤdten? 2. Schoͤnste legehin dein Hassen Blicke mich mit Anmuth an/ Laß mich deine Brust umfassen Daß ich mich ergoͤtzen kan. Laß von ihren Marmor -Auen Nectar auf die Lippen thauen. 3. Gib mir deinen Mund und Bruͤste Holde Anemone frey/ Mache daß der Platz der Luͤste Mir ein frohes Eden sey. Hoͤr doch auf den zu betruͤben Der dich ehrt mit seinen Lieben. 4. Meine Liebe ist bestaͤndig Sie verschwehrt den Unbestand/ Sie wird auch nicht Wetter-wendig/ Jhr ist nichts als Treu bekannt/ Dich bestaͤndig zu verehren Wird ihr nur der Tod verwehren. Er will fie nicht lieben. 1. D ein Hoffen ist nichts/ du wartest umsonst Vertilge die Liebe/ verbanne die Gunst/ Jch fliehe die Flammen Und werde verdammen Die schmeichelnde Kunst/ Die immerfort sucht Mein Hertze zu binden/ Jn Fesselu zu winden/ Die es doch verflucht. So Verliebte und galante Arien. So fahre nur hin Verworffener Sinn Jch hasse dein Lieben Das herbes Betruͤben Der Seelen einbringt. Geh falsche Sirene Dein Zauber-Gethoͤne Zum Schaden erklingt. Sie flehet darwider. 1. M ein eintziger Trost/ es stirbet der Geist/ Das Elend den Faden des Lebens zerreist Wenn du auf mein Leben Dein Lieben wilt geben. Ach! daß sich verschleust Dein liebliches Hertz/ Und setzest die Wunden/ Die ich schon empfunden Jn groͤsseren Schmertz Jch sterbe mein Licht/ Weil das mir gebricht Wodurch ich die Sinnen Sonst koͤnnen gewinnen Zur ewigen Pflicht. Wilt du dich erweisen Denn haͤrter wie Eysen? Ach thu es doch nicht. Von der Macht der Liebe. Cantata. ARIA. S uͤsse Liebe! Deine Triebe Nehmen Hertz und Sinnen ein. U 2 All’ Verliebte und galante Arien. All’ und jede Geister muͤssen Sich von dir gefesselt wissen Keiner kan verschonet seyn. Suͤsse Liebe! Deine Triebe Nehmen Hertz und Sinnen ein Simsons grosse Wunder-Staͤrcke Und Alcidens starcke Wercke/ Koͤnnen deine Wunder-Macht Niemahls werden gleich geacht. Stein und Eysen muß sich schwiegen Und ein Felsen Hertze biegen/ Wenn der Venus -Zorn entbrennt Und sie Gnad und Huld verkennt. Keiner kan ihr widersiehen Jeder muß Fuß-faͤllig seyn. Jhr Entschliessen muß ergehen Gehts auch noch so widrig ein. Der grosse Zeus hat sich sehr offt verliebt/ Mars sich gefangen giebt/ Den Liebes-Printz nimmt Psychens Glantz gefangen. So muß der Donner-Gott/ der Kriegs- und Liebes-Fuͤhrer An Venus -Joche ziehn/ Sie kan als Sieger prangen/ Ein Knecht/ ein Fuͤrst/ ein Koͤnig und Regierer Muß in den Liebes-Gluhten bluͤhn. ARIOSO . Denckt einer schon auf heute sich zu zwingen/ Jhr muß der Streich doch morgen wohl gelingen/ Und fliehet man schon einst vor Amors Bogen/ Wird man durch ihn bald unversehns betrogen/ Ja schuͤtzt man sich schon einst vor seinen Pfeilen Sie wissen uns doch wol zu uͤbereilen. Denckt einer schon auf heute sich zu zwingen/ Jhr muß der Streich doch morgen wohl gelingen. So muß der Liebe-Triebe spuͤhren Die gantze Welt/ Sie Verliebte und galantt Arien. Sie will an ihrem Seile fuͤhren Was Odem-loß/ und Athem in sich haͤlt. Die Sterne sind verliebt am Himmel/ Jn ihnen glimmt die Liebes Gluth/ Es machet der Muren ein liebliches Getuͤmmel Beym Ahle in der kuͤhlen Fluth. Und der Magnet-Stein liebt das Eysen Wie auch den Stern aus Norden/ Der Agtstein ist dem gleich geworden/ Und will die Gunst am Spreu beweisen. Die Rebe kuͤßt des Ulmbaums Stuͤtze/ Das Epheu kreucht in eine Mauren-Ritze Der Palm-Baum steht bey seines Gleichen gerne/ Das lauffend Silber bleibt dem Gold nicht ferne. OBLIGATO . So liebt das gantze Rund nun in die Wette/ Der Mensch/ der liebt und sehnet sich zu Bette/ Da loͤschet er die Flammen Die Gott und Menschen nicht verdammen. Wie soll man nun der Liebe-Macht entfliehn? Da alles muß an ihrem Joche ziehn. Da jeder muß vor ihren Altar treten/ Und sie anbehten. ARIA . Gedult! Gedult kan alles uͤberwinden Doch Amors Triebe nicht. Eh wird der Geist mit samt dem Leben schwinden Eh man den starcken Held Zu Boden faͤllt. Gedult! Gedult kan alles uͤberwinden Doch Amors Triebe nicht. Sie ist zu strenge. 1. C elindo stirb! dein Leben will es haben Jhr Zorn hat dich Elender schon begraben. Ach Leben fleuch/ ich mag nicht lebhafft seyn/ Mein Leben scharrt mich in das Grab hinein. U 3 Jhr Verliebte und galante Arien. Jhr Geister flieht/ verlaßt die Jammer-Huͤtten/ Jhr hofft umsonst/ sie laͤst sich nicht erbitten. 2. Auf suͤsser Tod/ ich warte mit Verlangen/ Jch will dich gern zu meiner Ruh umfangen Jch liebe dich und kuͤsse deinen Pfeil Du bist mein Trost und allerletztes Heyl. Ach sterbet doch ihr halb erstorbnen Sinnen! Jhr sucht umsonst die Harte zugewinnen. 3. Reiß mit Gewalt des Lebens-Pfeiler nieder/ Ach toͤdte doch die abgematten Glieder! Jhr Grausahm-seyn betruͤbt mich allzusehr/ Jm Sterben fuͤhlt man keine Marter mehr. Tyrannin sag/ was nuͤtzet dir mein Quaͤhlen? Hab’ ich die Schuld so magst du mich entseelen? 4. Leb wohl! leb wohl/ du strenge Arismene, Du bist so hart und grausahm als du schoͤne. Celindo stirbt/ dein Hart-seyn hats gemacht. Adjeu zu letzt/ leb wohl zu guter Nacht. Reu und die Zeit wird noch die Sinnen zwingen/ Lieb wen du wilt/ mein Wunsch wird jetzt gelingen. Caliste ist zu grausahm. 1. G ewalt! Gewalt! Huͤlff’ ist vonnoͤhten/ Jhr Goͤtter eilet doch herbey! Caliste will mich gaͤntzlich toͤdten/ Ach macht mich von den Plagen frey! Mein Geist muß tausend Marter leiden. Und darf doch nicht vom Leibe scheiden. 2. Der Schnee-Berg ihrer schoͤnen Bruͤste/ Der glatten Wangen Wunder Pracht/ Der Anblick dieser Edens -Luͤste Die haben mich zum Knecht gemacht. Jch Verliebte und galante Arien. Jch seuffze in den schweren Banden Jst kein Erretter nicht verhanden? 3. Ach Nein! ich sehe kein Erretten/ Jch soll und muß zu Grunde gehn/ Jch darf mich in den schweren Ketten Nach keiner Linderung umsehn. Jemehr ich meine Marter klage/ Je groͤsser wird die Liebes-Plage. 4. Weich Sonne/ weich aus deinen Schrancken! Komm’ und erweich ihr hartes Hertz/ Ach lencke sie auf die Gedancken So leget sich mein Liebes Schmertz. Wo nicht? so kommt ihr schwartzen Geister/ Und bringet mich zu euren Meister. An eine Grausahme. 1. S ie toͤdtet mich mein Licht/ mein Schatz/ mein suͤsses Leben/ Sie machet daß ich auf den matten Geist muß geben/ Der Augen heisser Blitz/ Das krůfftige Geschuͤtz/ Setzt mein verliebtes Hertz in solche Feuer-Gluhten Die niemand loͤschen mag mit allen Wasser-Fluhten. Es gehet Fleiß und Schweiß vergebens in den Wind So lange/ bis man sie auch bey der Rettung findt. 2. Sie machet meinen Brand/ und will mich doch nicht retten/ Sie denckt zu groͤssern Schmertz mich in die Hoͤll zu betten. Sie haͤuffet Feur auf Feur Als dort das Ungeheur/ Mit welchem Hercules in Flammen muste kaͤmpffen/ Doch dieser kunte noch desselben Flammen daͤmpffen/ Er trug den Sieg davon/ ich aber stege nicht/ Mein Kaͤmpffen hat noch nichts/ o Himmel ausgericht. U 4 Jch Verliebte und galante Arien. 3. Jch muͤhe mich umsonst ihr Hertze zubesiegen/ Mein Unternehmen kan ich nicht zum Ende kriegen. Mein Streiten stellet mir Die Danaiden fuͤr. Denn so wie diese nur in steter Arbeit schweben Und in dem Siebe nicht das schwere Wasser heben/ So schlaͤgt bey ihrer Brust auch mein Beginnen an/ Jch habe viel/ und doch noch nichtes nicht gethan. 4. Die Geister sind schon halb aus meiner Brust verlohren/ Jhr Hertz’ hat sich so gar auf meinen Fall verschworen. Die Ohren sind verstopfft So das vergebens klopfft Bey ihrem Hertzen an mitleydiges Erbarmen/ Sie stellt sich taub und hart vor einen krancken Armen/ Jhr Hertz verkehret sich in Stahl und Marmor-Stein/ Und will/ o Ungeluͤck! mir unbeweglich seyn. 5. Ach Unbeweglichste! ihr Hart-seyn laͤßt mich sterben/ Jhr weigern laͤsset mich/ doch viel zu fruͤh/ verderben. Der Geist begehrt die Lufft Der Leib verlangt die Grufft. Doch Atropos will mich nicht vor der Zeit ertoͤdten/ Die Parce machet sie durch ihren Schluß erroͤhten/ Und zeiget daß sie mehr/ als diese/ grausahm ist Da sonst die Grausamkeit sich mit der Parcen kuͤßt. 6. So muß ich nun also in steten Sterben leben/ Und lebend allezeit den matten Geist auffgeben/ Jch lebe/ und bin todt Halb Wohl/ und halb in Noht. Jn Noht/ wenn ich mich muß mit ihren Streuben quaͤhlen Und Wohl/ dieweil ich weiß/ daß sie mich wird entseelen. So liege ich im Grab’ und bin auch in der Welt/ Der Himmel weis wie schwehr mir dieser Jammer faͤllt. An Verliebte und galante Arien. An eine Unbewegliche. 1. C upido lag an Venus Bruͤsten/ Da fing er dis zu reden an: Jhr Schoͤnen seht mit was vor Luͤsten Jch hier die Anmuth kosten kan. Die Rosen-Brust darf ich umfangen Die Lippen sind mir frey gestelt/ An diesen bleib ich immer hangen/ Die Schooß ist mir ein Lust-Gezelt. 2. Und ihr/ ihr wolt das Wangen-kuͤssen Als ein beschriehnes Laster fliehn. Allein ihr solt mir dieses wissen/ Jhr werdet euch umsonst bemuͤhn. Jhr solt in eurer Meynung faͤhlen/ Jch bin der uͤber euch regiert/ Mein Pfeil und Bogen soll euch quaͤhlen Bis ihr der Liebe Triebe spuͤhrt. 3. Die Augen/ die so bald entzuͤnden Weil sie der Mutter Brenn-Glas sind/ Die muͤssen auch den Brand entfinden/ Den sie bey andern angezuͤndt. Die Bruͤste/ Lippen und die Wangen/ So euch die liebe Mutter giebt Deswegen so annehmlich prangen Daß man euch desto lieber liebt. 4. Nun guͤrte schoͤneste Goͤttinne Den Liebes-Koͤcher mir nur an/ Daß ich das freche Volck gewinne Es hat mir manchen Tort gethan. Jch will so bald die Fluͤgel schwingen/ Und denn mit meiner Pfeile-Krafft Durch ihre Demant-Hertzen dringen/ Alsdenn so hab ich Raht geschafft. U 5 5. Jch Verliebte und galante Arien. 5. Jch zwing die allerhaͤrtsten Hertzen Daß sie mir Mund und Wangen weyhn Mit ihren Bruͤsten kan ich schertzen/ Sie muͤssen mir ein Renn-Platz seyn. Da ist der Ort Verliebter-Kriege/ Wo man sich um den Krantz bemuͤht; Der Einzug nach den schoͤnen Siege Jn der gewoͤlbten Schooß geschieht 6. Verzieht/ ich will euch bald zusammen Als uͤberwundne Sclaven sehn/ Bekrieg’ ich euch mit meinen Flammen/ So ists um euren Trotz geschehn. Drum laßt ihr eure Wangen kuͤssen/ Denn prangt ihr nicht mit eurer Schooß/ Jch will euch schon zu zwingen wissen. Nun laßt mich/ liebe Mutter/ loß. 7. Calliste laß dich doch bewegen! Cupido spannt den Bogen schon/ Wird er nun erst den Pfeil drauf legen/ So spricht er deinem Trotze Hohn. Er lachet nur zu deinen Dreuen Du bist vor seiner Macht zu schwach/ Er wird sich gar nicht vor dich scheuen/ Ach gib doch meinen Flehen nach. Er versichert ihr seine bestaͤndige Liebe. Cantata. ARIA. F esselt mich ihr schoͤnen Augen Jch bin schon damit vergnuͤgt. Jch begehr mich nicht zu retten Von den angenehmen Ketten Jhre Last gar leichte wiegt. Fes- Verliebte und galante Arien. Fesselt mich ihr schoͤnen Augen Jch bin schon damit vergnuͤgt/ Die Schoͤnheit hat mich uͤberwunden Jch will auch gern ihr Sclave seyn/ Wo man mit angenehmen Blicken Die Angeschlossenen pflegt zu erquicken/ Da klagt man uͤber keine Pein/ Die rechte Freyheit wird gefunden Wenn man ein solch Gefaͤngniß kriegt Da man an statt den Stein An einer schoͤnen Brust gefesselt liegt. ARIA. Die Fesseln will ich ewig tragen Sie fallen mir niemahls zu schwehr/ Jch freu mich ob den suͤssen Banden/ Die in der treuen Brust verhanden. Denn diese stammen von dir her. da Capo. Als er vergebens liebte. Cantata. A ch Ja! es ist gewiß genug Sie hat mich nun verstossen/ Mein Hoffen ist ein leerer Krug/ Es schlaͤget einen Blossen. Sie ist noch haͤrter als ein Stein Und will nicht zu bewegen seyn. ARIA. Sagt was habe ich verbrochen Das der Straffe wuͤrdig ist? Alles was ich noch erduldet Hat mein Hertze nicht verschuldet. Jhr seyd ohne Fug entruͤst. Sagt was habe ich verbrochen/ Das der Straffe wuͤrdig ist. Jhr Verliebte und galante Arien. Jhr seyd kein Mensch! ihr seyd ein Tyger-Thier/ Jhr geht an Grimm den Baͤren fuͤr/ Jhr zuͤrnet/ daß ich liebe/ Und haßt die reinen Triebe/ Die meine Seele nehrt. Der Stein und Stahl wird endlich abgezehrt/ Allein ihr seyd noch mehr als steinern Eur Hertz will sich verhelffenbeinern. ARIA. Mein Hertze halt nur ein! Sie wird nicht zu bewegen seyn. Jhr meynt vielleicht Jch muͤste sterben/ Nein! eure Meynung treugt/ Jch will des wegen nicht verderben. Seyd ihr mein Leitstern nicht/ So scheinet mir noch wol ein ander Licht. Wende dich zu einen Hertzen/ Das mit hellen Liebes-Kertzen Deine treue Brunst erkennt/ Und in gleichen Flammen brennt. Mein Hertze halt nur ein Sie wird nicht zu bewegen seyn. Bemuͤhe dich nicht ferner/ Und pflantze deine Hoffnungs-Koͤrner So ungewiß nicht hin. Es giebt noch mehr der Schoͤnen/ Vielleichte kriegt dein Sehnen Ein Hertze zum Gewinn/ Das nicht so unbarmhertzig ist. Das Gluͤcke und die Sternen/ Die werden sich auf ewig nicht entfernen. Sey wohlgemuth/ verzage nicht/ Auf den Abend-voller Sorgen Folgt ein Licht/ Das durch einen hellen Morgen Deine Traurigkeit versuͤßt. Er Verliebte und galante Arien. Er bittet um ihre Gunst. Cantata. ARIA. A ch ihr wunder schoͤnen Augen Darf ich wol die Flammen saugen/ Die eur Wesen in sich hegt. Jch will gern deswegen sterben/ Und in einem Feur verderben/ Das die Liebe angelegt; Ach ihr wunder schoͤnen Augen Darf ich wol die Flammen saugen/ Die eur Wesen in sich hegt. Sprecht nur das Ja! Mein Will’ ist da/ Jch will mich selbst verbrennen/ Doch muͤst ihr mir zum Scheiter-Hauffen goͤnnen Die schoͤne Brust Jch will mit Lust Jn eure Flammen lauffen/ Wenn ich auf diesen schoͤnen Hauffen Den letzten Oden ziehen mag. Bestimmet nur den Tag Und sagt/ es soll geschehen/ Jhr solt mich freudig sterben sehen. ARIA. Ach facht euch auf ihr schoͤnen Bruͤste/ Und zuͤndet euren Æthna an! Hat Curtius ein Lob erworben/ Daß er als wie ein Held gestorben/ So hab ich dennoch mehr gethan. Ach facht euch auf ihr schoͤnen Bruͤste Und zuͤndet euren Æthna an. Als Verliebte und galante Arien. Als seine Schoͤne starb. Cantata. M ein Engel stirbt und ich soll leben Nein! dieses geht nicht an Jch muß mit ihr den Geist aufgeben/ Jch kan nicht mehr am Leben seyn. Wie! daß ich doch noch sprechen kan! Gewuͤnschter Tod kehr bey mir ein. ARIA. Atropos komm reiß den Faden Meines Lebens nur entzwey/ Toͤdte die betruͤbten Glieder/ Gib mir meine Schoͤne wieder/ Oder daß ich bey ihr sey Atropos komm reiß den Faden Meines Lebens nur entzwey. Auf! auf! mein Geist Es ist nun Zeit zu scheiden. Der Jammer reist Den Lebens-Drat entzwey/ Jhr Sinnen seyd nun frey Und koͤnnt die Erden meiden Sie ist zu grausahm. Cantata. ARIA. F elsen brechen/ Steine springen/ Aber du bleibst immer hart/ Meine Seuffzer/ meine Zaͤhren/ Will dein Ohr niemahls erhoͤren; Du bist eine Tyger Art Sonsten wuͤrde man dich zwingen. Felsen brechen/ Steine springen Aber du bleibst immer hart. Soll Verliebte und galante Arien. Soll ich sterben? Ey wohlan! Jch will mich dazu bereiten/ Weil ich doch nicht leben soll. Mag ein Seuffzer mich begleiten Jst mir auch im Grabe wohl. Mein Verderben Heisset jeder wohlgethan. ARIA. Plage/ quaͤhle/ ich erdulde Aller Marter Centner-Last/ Denn wenn ich also gestorben Hab ich diesen Trost erworben/ Daß ein Maͤrterer erblaßt. Plage/ quaͤhle ich erdulde Aller Marter Centner-Last. An die harte Pantales. 1. P antales mein Licht und Leben Hoͤr doch meinem Seuffzen zu! Wilt du mir denn noch nicht geben Die so lang begehrte Ruh? Soll ich stets in Aengsten schweben Pantales mein Licht und Leben 2. Sey mitleidig strenge Schoͤne. Quaͤhle mich nicht allzusehr/ Schau wie ich mich nach dir sehne/ Sieh doch an mein Thraͤnen-Meer. Hoͤre doch mein Sterb-Gethoͤne/ Sey mitleidig strenge Schoͤne. 3. Stein und Eisen laͤßt sich zwingen/ Aber durch dein hartes Hertz Kan mein Jammer-Stand nicht dringen Meine Noht ist dir ein Schertz. Tau- Verliebte und galante Arien. Tauben Ohren muß ich singen/ Stein und Eisen laͤßt sich zwingen. 4. Alles kan mein Hertz ertragen Hitze/ Frost und Hoͤllen Pein/ Aber nicht die harten Plagen Womit eure Augen draͤun. Gantz vergebens muß ich klagen Alles kan mein Hertz ertragen. 5. Doch ich bin damit vergnuͤget/ Wenn dein Hertz durch meinen Tod/ Pantales/ nur wird besieget; Weine doch ob meiner Noht/ Wenn der Himmel dieses fuͤget Bin ich schon damit vergnuͤget. Sie ist verliebt. Cantata. J ch bin verliebt/ Und halte stille/ Was mein Schatz mit mir veruͤbt/ Jst auch mein Wille. Dann kan ich mit suͤssen Freuden Meine heissen Sinnen weiden/ Wenn er mir den Nectar giebt Der mit Wollust truncken macht. ARIA. Suͤsse Lust/ vergnuͤgtes Lieben Jst den Menschen vorgeschrieben; Und der Himmel macht den Schluß/ Daß das Hertze lieben muß. Lieben speist mit Lust die Seelen/ Lieben ist ein Zucker-Brodt/ Lieben suͤsset an das Quaͤhlen Und entbittert gar den Tod. de Capo. Denn Verliebte und galante Arien. Denn was kan wol beliebters seyn? Als solche Lust/ Die ein verliebtes Hertz Nimmt sonder Schertz Von ihren Liebsten ein. Das Hertz springt in der Brust/ Die matten Geister leben/ Wenn ihnen wird der Nectar eingegeben. Mein Hertze lacht/ Wenn mich mein Liebster winckt; Jch folge ihm zu Bette So bald das Licht versinckt/ Denn lieben wir uns in die Wette. Sie liebet ihn. 1. M Ein Hertze/ das liebt dein schoͤnes Gesicht/ Und meine Gedancken sind auf dich gericht. Mich lassen die Augen Den Liebes-Brand saugen. Du bist mir mein Licht/ Du bist auch recht schoͤn/ Die Wangen die gleichen Den Rosen am Streuchen/ Wenn sie sich auffblaͤhn Jch ehre dich sehr/ Und lieb dich noch mehr; Jch kuͤsse die Banden Die in mir verhanden Als meinen Gewinn. Jch will mich nicht retten Von Banden und Ketten Die Freyheit ist hin. 2. Dir bin ich getreu/ ich gebe mein Hertz Dir/ Schoͤnster/ zu eigen/ komm linder den Schmertz/ Und mache durch Lieben Mein bitters Betruͤben X Zum Verliebte und galante Arien. Zum lieblichen Schertz. Umfange die Brust Ergoͤtze die Seele Jn Kuͤssen mit Oele Der groͤssesten Lust Erkenne die Brunst/ Und reiche mir Gunst/ Belohne die Liebe Durch liebliche Triebe Und guͤtigen Blick. Vermische die Flammen Mit deinen zusammen Und kroͤhne mein Gluͤck. 3. Ach eile mein Schatz/ umfange die Brust/ Und schencke der Seelen/ vergnuͤgliche Lust/ Laß liebliches Lieben Mein Liebster uns uͤben Das keinem bewust Komm kuͤsse den Mund Und mache den Bissen Jm safftigen Kuͤssen Der Liebe mir kund/ Jch warte mein Schatz Und mache dir Platz/ Daß von den Brust Klippen Mit freudigen Lippen Du kostest Confect. Komm uͤbe das Lieben Das statt des Betruͤben Ergoͤtzung erweckt. Leib- Aria der keuschen Meurine. 1. J hr Wollust Rosen weicht Vor meinen Keuschheits-Liljen. Jhr koͤnnt sie nicht vertilgen/ Eur Wesen das erbleicht Da- Verliebte und galante Arien. Davor/ wo diese stehn/ Da muͤsset ihr vergehn. 2. Ob schon die Perl gesteckt Jn schwartzen Muschel-Schalen/ So kan sie dennoch prahlen Wenn selbige entdeckt. Des Demants helle Pracht Aus rauhen Schlacken lacht. 3. Und bin ich gleich nicht schoͤn Prang ich mit keinen Bruͤsten/ Die jedermann geluͤsten So wird es doch geschehn/ Daß man der Keuschheit hold Und nicht der Schoͤnheit-Gold. Ein verstossener Liebhaber verzweiffelt. Cantata. S O ist es denn mit mir geschehn/ Jch soll und muß vergehen. ARIA. Jhr Geister aus den dunckeln Gruͤfften Kommt nehmet meinen Geist zu euch; Die/ so mein Leben solte heissen/ Die wird durch keine Thraͤnen weich/ Sie will ihr solt mich nur zerreissen Und ein erbaͤrmlich Schau-Spiel stifften. Jhr Geister aus den dunckeln Gruͤfften Kommt nehmet meinen Geist zu euch. Komm Parce und schneide Den Lebens-Drat ab/ Jch finde nur Freude Jm finsteren Grab. X 2 An Verliebte und galante Arien. An Lysetten. 1. U nvergleichliche Lysette Meine Sonne/ meine Lust/ Mache mir ein sanfftes Bette Auf den Rosen deiner Brust; Jhre Pracht Hat gemacht Daß mir Geist und Hertze brennen/ So dich ihren Zuͤnd-Strick nennen. 2. Schoͤnste Goͤttin meiner Seelen/ Meines Lebens-Auffenhalt/ Die sich deiner Zier vermaͤhlen Labt die Englische Gestalt. Und das Hertz/ Kan kein Schmertz Durch Betruͤbniß traurig machen/ Welchen deine Augen lachen. 3. Diese ungemeiue Freude Treff’ ich bey mir selber an/ Meine Wohlfahrt geht in Seyde Auf der sanfften Rosen-Bahn. Jch will auch Nach dem Brauch Derer die bestaͤndig lieben/ Keinen Wanckelmuth veruͤben. An Louisen, da sie sich nicht verlieben wolte. Copiantes. 1. L ouise kan wol Ernst in deinen Worten seyn/ Jndem du sprichst/ es kan dein Hertz sich nicht verlieben/ Dem Orpheus folget ja ein unvernuͤnfftig Stein/ Und du gehorchest nicht den suͤssen Liebes-Trieben? Zwar Verliebte und galante Arien. Zwar leg’ ich meinem Zug nicht Orpheus Kraͤffte bey; Doch glaub ich/ daß dein Hertz auch nicht von Steinen sey. 2. Es dringt der Liebe-Gifft durch Adern/ Marck und Bein/ Dasselbe kan ja auch den Scorpion entgeistern: Narcissen selbsten nimmt das schoͤne Wesen ein/ Soll es denn deinen Geist/ Louise, nicht bemeistern? Doch Salamandra wird nicht leicht vom Feur erhitzt/ Als nur wenn man auf sie die fette Naphta spruͤtzt. 3. Darum der/ so dein Hertz zu fangen ist bemuͤht/ Der muß ohn’ unterlaß mit suͤssen Blitzen spielen Weil deroselben Krafft es vielleicht nach sich zieht/ Da scharffe Pfeile stets nach diesem schwartzen ziehlen/ So trifft aus selbigen ja wol ein eintzger zu/ Und bringt das suͤsse Spiel der Hoffnung einst zur Ruh. 4. Wenn man in einen Punct der Sonnen-Strahlen schraͤnckt; So kan man auch dadurch ein hartes Holtz entzuͤnden/ Nun da so mancher sich nach deinen Hertzen lenckt/ Kan denn kein einiger da seinen Zunder finden? Jch weiß/ du raͤumst mir noch dein gantzes Hertze ein/ Sprich nur einmahl/ mein Kind/ ich wil verliebet seyn. An eine ernsthaffte Schoͤne. Cantata. ARIA. D unckle Augen saget doch Soll ich sterben oder leben? Jch erwarte euren Schluß. Wolt ihr meinen Jammer heben/ Oder soll mein Ungluͤck noch Haͤuffen meinen Uberdruß? Dunckle Augen saget doch Soll ich sterben oder leben? RECIT. Brich/ ach brich doch hartes Hertz! Leucket euch ihr vesten Sinnen/ X 3 Mei- Verliebte und galante Arien. Meine Brust Lieb zugewinnen/ Die euch mehr als menschlich preißt. Steine springen/ Stahl und Eysen laͤßt sich zwingen/ Und der Diamant zerfleust Wenn man ihn mit Blut begeust/ Aber ach/ ihr seyd zu hart! Meine Marter/ meine Klagen Duͤncken euch ein leichter Schertz. Du bist eine Tyger Art/ Und ein Wolff hat dich getragen/ Loͤwen zaͤhmt man/ und die Baͤhren Werden gleichfals zahm gemacht ARIA. Kan ich nicht dein Hertz erweichen? So erblick ich schon den Tod. RECIT. Stirb nur beklemte Brust/ Dein Seuffzen/ deine Zaͤhren Werden doch vor nichts geacht/ Ja ich muß aus euch ihr Augen Gifft vor suͤsse Nahrung saugen. RECIT. Schlechte Lust Die zum Verderben Eine matte Seele zwingt. Doch was hilffts? ich muß doch sterben. Denn ihr lacht zu meiner Noht. RECIT. Ja wenn ich seuffze/ wenn ich flehe/ Daß auch der Schall durch die holen Luͤffte dringt So bleibt mir doch kein Trost Als daß ich nur zu Grabe gehe Mein Schicksahl ist zu sehr erbooßt. Und hoͤhnt meine Jammer-Zeichen. RECIT. So bist du mehr als Stein Und kanst kein Mensch nicht seyn/ Dra- Verliebte und galante Arien. Drachen-Milch hast du gesogen/ Und ein wildes Tyger-Thier Hat dich/ Stoltze/ aufferzogen. Kan ich nicht dein Hertz erweichen So erblick ich schon den Tod. RECIT. Dieser Trost/ der bleibet mir Daß ich in dem kalten Grabe Endlich Ruhe habe. Es ist und bleibt auch wol dabey/ Daß anderst nichts zu hoffen sey. ARIA. Kan ich nicht dein Hertz erweichen So erblick ich schon den Tod/ Ja ich muß aus euch ihr Augen Gifft vor suͤsse Nahrung saugen; Denn ihr lacht zu meiner Noht/ Und hoͤhnt meine Jammer-Zeichen. Kan ich nicht dein Hertz erweichen/ So erblick ich schon den Tod. RECIT. Ein Blick/ Kan mir mein Gluͤck/ Und mein Verderben zeigen. Ein Wort/ ach bloß ein Wort/ Ein Wort und Blick zeigt alsofort Was noch zu hoffen ist. Laß die Lippen nicht mehr schweigen/ Und zeige wie du gegen mir gesinnet bist. ARIA. Sprich mein Hertz/ Ja/ oder Nein/ Heist es Ja/ so werd ich lachen/ Oder solls das letzte seyn/ So muß ich mein Grab-Mahl machen. Sprich mein Hertz/ Ja/ oder Nein. RECIT. Jch zweiffle nicht/ Daß mir das Gluͤcke X 4 Durch Verliebte und galante Arien. Durch holde Blicke Ein guͤtig Urtheil spricht. ARIA. So hoffe/ und warte bekuͤmmerte Seele/ Das Gluͤcke bricht endlich mit Freuden herein/ Duld’ und leide/ Daß die Freude Moͤge desto groͤsser seyn. So hoffe/ und warte bekuͤmmerte Seele Das Gluͤcke bricht endlich mit Freuden herein. Uber die Arien an das Frauen-Zimmer. 1. N ehmt ihr Schoͤnen diese Lieder Mit geneigten Haͤnden an/ Eros findet sich hier wieder/ Wenn man ihn nicht finden kan. Er wird euch in diesen Myrthen Mit beliebter Lust bewirthen. 2. Eure Haͤnde/ Mund und Bruͤste/ Die/ die Venus selbsten liebt/ Lieben dieses Kraut der Luͤste/ So das letzte Labsahl giebt. Ach so liebt/ die Gluth von oben Wird den guten Endschluß loben 3. Endlich schliesset meiue Leiche Angenehme Goͤtter-Art Ein iu gruͤne Myrthen-Straͤuche; Alsdenn bin ich wohl verwahrt/ Und erlange vor die Lieder Etwas zur Belohnung wieder. ENDE Der verliebten und galan ten Arien. III. Sinn- III. S inn- G edichte. Der Entwurff einer Schoͤnen. A N Schoͤnheit kanst du wol der holden Venus gleichen/ Und dein Verstand darf nicht der klugen Pallas weichen/ Junonens Augen sind vereinet mit der Pracht Die zweyer Sonnen-Glantz an deinem Stirnen macht. Der Thetis Fuͤsse sind mit deinen gar verschwistert/ Ja selbst der Himmel wird von deinem Glantz verduͤstert/ Dein schoͤnes Wesen laͤst nur Lieblichkeiten sehn/ Und machest/ daß du wirst noch tausend mahl so schoͤn. Deutliche Liebes-Erklaͤhrung. Aus dem Frantzoͤsischen. D ie Schoͤnheit ist gemacht/ Gleich da man euch gezeuget/ Und die zu Weg’ gebracht/ Die mir mein Hertze beuget. Lasset mir die Gnade zu/ Daß ich euch dasselbe thu/ Was man eurer Mutter that Als man euch gemachet hat. Als sie sich uͤber ihre braune Farbe beklagte. S choͤnste Brunette mein eintziges Leben/ Der ich mich stetig zum Diener ergeben/ Zuͤrne nicht uͤber die braͤunliche Pracht/ Die recht galant aus deinem Antlitzt lacht. X 5 Pflegt Sinn-Gedichte. Pflegt man schon immer dich braͤunlich zu mahlen Venus ernehret selbst schwaͤrtzliche Strahlen/ Auch sind die Gratien braͤunlicht wie du/ Drum zieh mein Licht dir kein Betruͤben zu. Dorinde an dem unentpfindlichen Silvio. Aus dem Jtaliaͤnischen. L aß ich den holden Blick nach frembden Augen streichen So wilt du diese Gunst den Ehe-bruch vergleichen Wann aber ich von dir verlang’ ein heisses Hertz/ So krieg’ ich nichts als Eyß/ vor Feude herben Schmertz. Jch schau zwar Himmels-Lust in deinen schoͤnen Augen/ Und muß doch Hoͤllen-Pein aus den Crystallen saugen/ Drum hoͤr; ich habe dich Kaltsinn’ger gung geliebt Die Treu ist nun erblaßt/ die ich sonst ausgeuͤbt. Auf die schoͤne einaͤugigte. H at dir ein Unfall gleich ein Auge weggenommen/ Womit gedoppelt sonst die rechte Schoͤnheit prahlt: So weine darum nicht/ du bist und bleibest schoͤn/ Es kan die Lieb’ ins Hertz’ auch durch ein Auge kommen/ Es ist nur eine Sonn’/ so diese Welt bestrahlt: Es laͤst sich nur ein Mond am blassen Himmel sehn/ Wie Sonn’ und Mond die Welt genug erleuchten koͤnnen So hat dein eines Aug’ auch Feuer satt zum brennen. Das suͤsse Sterben der Verliebten. S tirb nur/ Amando stirb/ die Lust steht dir zur Seiten/ Die schoͤne Marmor-Brust will dir das Grab bereiten: O wunderschoͤner Tod! gluͤcksehlig wer so stirbt/ Und in der hohlen Schooß ein suͤsses Grab erwirbt Man stirbt indem man lebt/ man geht in Wollust unter/ Und wird nach solchen Tod zu neuen Freuden munter. Besteige nur das Grab/ erfuͤll die schoͤne Grufft/ Denn der ist recht vergnuͤgt/ der so im Grabe dufft. Als Sinn-Gedichte. Als sie ihn ihren Engel genennet. W enn ich/ Lysette, soll dein lieber Engel seyn So habe ich zwar nichts dagegen einzuwenden/ Allein! verzeihe doch/ mir faͤlt noch etwas ein; Kan auch ein Engel wol an anderm Ort und Enden Als in den Himmel seyn? ich hoͤr/ dein Hertze spricht/ Nein! wer ein Engelist/ muß einen Himmel haben/ Wohlan! dein eigner Schluß ist wider dich gericht/ Mir fehlt das Paradies/ mich will kein Himmel laben. Doch du kanst/ so du wilt/ mir bald ein Paradies/ Das meine Wohnung sey/ und lieblich ist gewehren. Du bist der Ort/ und must/ glaub’s nur mir gantz gewiß/ Soll ich dein Engel seyn/ als Himmel zugehoͤren. An eine Schoͤne. D urch deiner Augen-Gluth bin ich in Brand gesetzet/ Die wunder-schoͤne Brust hat Geist und Hertz verletzet. Die Mienen schliessen mich in Band’ und Ketten ein Leibeigen muß mein Sinn dem schoͤnen Wesen seyn. Weil ich nun deine bin/ und dir gantz zugehoͤre/ So nimm das Opffer an/ damit ich dich verehre/ Es ist mein Hertz so dir/ mein Schatz gantz zugethan/ Gib deines wieder her/ den Wechsel geh’ ich an. Kurtze Liebes-Erklaͤhrung. R ubell’ ich liebe dich/ ich ehre deine Pracht Gefaͤllt dir dieser Schluß/ behaget dir mein Lieben? So werde mir dein Will’ hinwieder zugeschrieben Damit Vereinigung ein vestes Buͤndniß macht. Rubelle traue mir/ mein Hertze ist dein eigen/ Drum scheue dich nur nicht auch deines mir zu zeigen. Kurtze Antwort. T alasso deine Schrifft ist wohl zu recht gebracht/ Jch kuͤsse deinen Schluß/ und mir gefaͤllt dein Lieben/ Jch bin bereit zu thun was du mir vorgeschrieben/ Jch folge dem Geschick/ und des Verhaͤngniß Macht/ Die Sinn-Gedichte. Die mir/ mein Schatz/ befiehlt mein Hertz dir zu zuneigen/ Zeigt sich nun deines treu? so bin ich schon dein eigen. Talestris stehet viel vor der Thuͤre. T alestris die nunmehr nach dreyßig Jahren gehet/ Und ihre Kinder-Schuh bereits vertreten hat/ Die graͤmt sich/ daß ihr Mund nicht mehr voll Rosen stehet Wie er ihr vor der Zeit in jungen Jahren that. Doch weil sie noch nicht gantz auf Wang’ und Mund verbluͤhet/ So stellt das grosse Kind sich taͤglich vor die Thuͤr/ Das stumme Wesen spricht/ wie! daß denn keiner siehet Daß ich so artig bin/ ist denn kein Kaͤuffer hier? Sie laͤst wol hundert mahl sich an die Gassen schauen/ Und danckt den Gruͤssenden mit grosser Freundlichkeit; Allein dis alles kan ihr Gluͤcke nicht erbauen/ Kein Freyer findt sich ein/ es ist niemand der beut. Das stehen nuͤtzt ihr nichts/ umsonst laͤst sie sich sehen/ Es beist kein Kaͤuffer an/ die Waare will man nicht; Doch hoͤrt ihr losen Leut/ man muß wol draussen stehen/ Und vor der Thuͤren seyn wenn Raum und Platz gebricht. Man will die mannsuͤchtige Talestris im Bette sehen. N eugierig bin ich nicht/ doch dieses moͤchte ich Von Hertzen gerne sehn wie die Talestris sich Jn ihrem Bette stellt/ wenn ihr die Luͤste kommen/ Und ein verborgen Feur das Hertze eingenommen; Jch glaube/ ihr Gesicht wird dann mit Rosen bluͤhn Die Lippen werden sich mit Scharlach uͤberziehn. Der zarte Busen wird steiff in die Hoͤhe schwellen/ Und so ein Schwaanen-Bett der suͤssen Lust vorstellen. Die angenehme Schooß wird denn voll Feuer seyn Jndem daselbsten zieht Cupido aus und ein. Die Flammen werden da als wie ein Hecla brennen/ Daran ein luͤstern Sinn sich wird erwaͤrmen koͤnnen. Jn diesen Stande wolt’ ich wol Talestris sehn/ Jch wett’ sie ist alsdann noch tausend mahl so schoͤn/ Als Sinn-Gedichte. Als wie sie sonsten ist/ wenn sich die Lilje leget Um ihre schoͤne Wang’ und silber Fruͤchte traͤget. Doch wozu dient der Wunsch? da es doch nicht geschicht/ Talestris sehe ich in ihren Bette nicht/ Wer in den schoͤnen Port sein Liebes-Schiff will lencken/ Der muß zum Ancker-Gold viel Lovys d’Oren schencken. An eine Schoͤne. D er Augen helle Pracht und alles ist galant, Drum glaubt/ mein Engel/ man du seyst aus Engelland! Doch Jrrland soll bey dir nur mein Vergnuͤgen seyn Ach nimm mich in die Schooß den weissen Schottland ein. An Dieselbe. W ie! findt man Engel nicht/ mein Engel/ auf der Erden? Sieh/ deine Schoͤnheit laͤst dich hier zum Engel werden. Als sie sich als eine Nonne verkleidet. D ie Masque ist recht gut/ allein das Fleisch der Nonnen/ Das fehlet dir mein Kind/ die Wollust wohnt in dir/ Der Liebe Perlen Safft ist offt in dir zerronnen/ Du suchst den Zeit-Vertreib der Nonnen nicht herfuͤr/ Ein wesentliches Werck soll deine Sehnsucht stillen. Das Kleid soll nur die Brust und nicht die Brunst verhuͤllen. Er verlanget ihren Fuß zu kuͤssen. Madrigall. M ein Hertze sehnt sich nach den Marmor Fuͤssen/ Und will die heisse Lust Mit einem Kusse buͤssen Der Lippen ihr Rubin Mag mich nicht zu sich ziehn/ Noch weniger die zarte Brust. Jst Sinn-Gedichte. Jst schon der Bruͤste Pracht annehmlicher Als Wein/ Als Balsam der vom Morgen koͤmmt. So mag es doch drum seyn! Blandella reiche her Nicht deinen Mund/ noch Brust/ noch Schooß Nur bloß Den Alabaster Fuß/ Jch muß Mich an dem Marmor laben/ Soll ich ein frohes Hertze haben. Sie versaget es. Madrig all. S chweigt Verwegner! nun die Wangen Euch nicht gut und gnugsahm seyn; Wolt ihr nicht die Brust umfangen/ Graut euch vor der Lippen Pracht? Wohlan! wird auch die Schooß veracht? Der Schluß ist schon gemacht. Weil ihr es selber so gesprochen Daß sie vor euch zu schlecht; So sprech ich dieses recht; Der nimmt kein Unrecht ein/ Der uͤber sich den Stecken selbst gebrochen. Jhr solt hinfort vergebens seuffzen muͤssen Und nimmermehr Die Hand/ vielweniger die Fuͤsse kuͤssen. Als sie sterben wolte. G eht meine Sonne weg/ verliehrt sie ihren Schein! So muß ich/ Clytie, mit dir erstorben seyn. Uber ihre Bruͤste. D en Haven Albions seh ich von ferne prangen Von dar kan ich gar bald nach Engeland gelangen. Als Sinn-Gedichte. Als sie sich mit einer schwartzen Masquen bedeckte. W irff deine Masque weg/ zeig uns dein Angesicht/ Und mache dich nicht schwartz/ dein Glantz entfaͤrbt sich nicht. Auf die tugendhaffte und schoͤne Almire. S O wie die guͤldne Sonn’ am hohen Himmel stehet Und mit beliebten Schein desselben Zier erhoͤhet So muß auch dein Gesicht der Tugend Wohn-Platz seyn/ Wer deine Wunder-Pracht galantes Kind erblicket Desselben Hertze wird ins Liebes-Garn geruͤcket; Nimmt ihn der Tugend-Glantz nun/ oder Schoͤnheit ein? Uber ihr Zimmer. O hoͤchst begluͤckter Ort/ viel mahl begluͤcktes Zimmer/ Der du den netten Schein/ den angenehmen Schimmer Der schoͤnen Julia, bloß und bekleidet siehst/ Und dich um diese Pracht so viel als nichts bemuͤhst. Ach moͤcht’ ich mich ein mahl in dich verwandeln koͤnnen/ So wuͤrde ich mein Gluͤck recht unvergleichlich nennen. Allein/ wie gern sie auch belebte Sachen hat/ So findt kein Flehen doch in deinen Ohren statt. Auf ihre Schoͤnheit. G alante Pantales du bist vollkommmen schoͤn/ Denn was der Himmel ist/ das laͤst dein Antlitz sehn. Uber den schlaff-losen Afer. V erwundere dich nicht/ wenn Afer nicht kan schlaffen Schau auf Cecilien / die gibt ihm viel zu schaffen. Auf Sinn-Gedichte. Auf den Namens-Tag der schoͤnen S---- C---- K---- Per Anagramma. O Sonne/ sie prahlt stracks zwey mahl mehr. D U magst beliebtes Licht mit guͤldnen Blicken prahlen/ Jhr schoͤnes Auge strahlt weit angenehmer her/ Den Sternen-Bogen mag dein heller Schein bemahlen/ O Sonne/ hoͤr den Spruch/ sie prahlt stracks zweymahl mehr. Als sie ihn kuͤssete. Madrigall. H alt ein! mein Kind halt ein! Mein Geist wird sonsten truncken/ Der Lippen suͤsser Wein Jst gar zu starck/ Es dringt durch Bein und Marck Der Ambrosiner- Most/ Den ich geschmeckt. Doch Nein! halt noch nicht ein Jch will gern truncken seyn. Wer sich also berauscht ist uͤberaus begluͤcket Weil ihm der Himmel selbst den Rausch hat zugeschicket. Das angenehme Rauch-Werck. J ch weiß nicht/ wie es kommt/ daß man das rauche liebet/ Und in ein Haaren Loch so gern die Glieder schiebet. Als sie in dem Spiegel schauete. L aß deine Augen mir der Liebe Spiegel seyn So schau ich in dein Hertz/ mein Engel/ recht hinein. Als sie ein Marmor-Bild kuͤssete. S oll sich dein schoͤner Mund mit falschen Kuͤssen laben? Nim meine Lippen an/ die mehr Vergnuͤgung haben. Die Sinn-Gedichte. Die Unbestaͤndige W ie/ ist mein Liebster todt! unschliges Betruͤben! Doch still/ das ist mein Trost/ daß mich noch ander lieben. Als sie sein Bild am Finger trug. D ein Bildniß ist schon laͤngst dem Hertzen eingepraͤget Jedoch ich bin vergnuͤgt/ weil mich dein Finger traͤget Als sie ihre verlohrne Perl suchte. W enn ihr/ Cassandra, gleich die schlechte Perl verliehret So bleibt doch eurer Pracht Als wie dem Mond bey Nacht Die Wonne und der Preiß/ ihr seyd sehr schoͤn geziehret. Die Augen sind Crystall/ Corall gluͤht auf den Wangen/ Die Perle deckt den Hals Die Bruͤste ebenfals/ Weil ihr nun so geschmuͤckt/ was wolt ihr mehr verlangen? Als sie ihm ihr Portrait geschencket. W as soll dein Schatten-Bild annehmliche Lysette? Deiner holden Schoͤnheit-Zier Stelt kein schlechter Pinsul fuͤr. Es stehet zwar das Bild recht unvergleichlich nette/ Doch das Original weit mehr Verehrer findet/ Stelle mir dasselbe zu/ So vermehrst du meine Ruh/ Die sich auf deine Gunst als ihren Ancker gruͤndet. An ein Frauen-Zimmer so niemand haben will. D U spielest aller Orts wo man nur Karten regt/ Weñ man nun nach dem Daus und dem Triumphe fraͤgt/ So ist gar keiner dar/ drum must du unten liegen/ Und kanst zu keiner Zeit mit deinen Karten stegen. Y Nun Sinn-Gedichte. Nun aber sitzst du still/ du bist allzeit labet/ Kein eintzig Karten-Blat zu deinen Diensten steht/ Doch so du in der Zeit das Spielen koͤnnen lassen/ So wuͤrdest du nicht jetzt zu deinem Schimpffe passen. Als er sie kuͤssen wolte. N ein mein Kind das schickt sich nicht/ daß sie ihre zarten Wangen Meinem heissen Mund entzeucht; jene Rosen so da prangen/ Sind deswegen aufgeschossen/ daß man solche brechen muß/ Dieses kan sonst nicht geschehen/ als durch einen suͤssen Kuß. Auf ihren Nahmens-Tag. O Sonne weiche nur mit deinem Glantz zuruͤcke/ Solinde giebet uns die schoͤnsten Gnaden-Blicke Jhr holdes Nahmen-Licht prangt unvergleichlich schoͤn Zwey Sonnen laͤßt es uns an ihrer Stirnen sehn. An Chrysandern. D enck ich/ mein Engels-Kind/ an deine holde Zier/ So stell’ ich mir die Pracht der edlen Schoͤnheit fuͤr/ Kein Gold/ kein Diamant dir zu vergleichen ist Mein Engel/ du mir mehr als alle Schaͤtze bist. Sie an ihm da er sie zu frey kuͤßte. N icht zu dreiste denn die Bruͤste sind der Keuschheit noch geweyht/ Diese zuͤrnet wenn ich euch lasse diese Gegend kuͤssen Sie bewahret diese Gegend mit der groͤßten Emsigkeit/ Und will keinen fremden Gast in den zarten Garten wissen. Auf ihre Kaͤhle. J hr zarten Perlen falt vor ihrer Marmor Kaͤhle/ Die wie Crystallen-Glas fein und durchsichtig ist. Der Sinn-Gedichte. Der suͤsse Athen-Dufft die gantze Lufft versuͤßt/ Der Liljen Geruch ernehrt die krancke Seele. Die Wollust hat ihr Milch im Uberfluß geschencket/ So daß ein grosser Brunn da lauter Zucker quillt Mit welchen dis Gefaͤß der Liebe angefuͤllt. Ja der wird truncken seyn den sie die Sinnen traͤncket. Sie schleußt die Thuͤr zu vor ihn. O grosses Ungeluͤck! o Noht! o herbe Seelen-Pein! Die schleußt den Eden zu/ die mir ein Engel solte seyn/ Ach laß dein Paradies doch deinem Diener offen So darf ich auf den Stand der suͤssen Unschuld hoffen. Melissa laͤst sich gerne kuͤssen. D aß kein erhitzter Kuß dem Frauen-Zimmer schadet/ Das weiß Melissa wol/ sie gibt die Lippen frey Und lachet/ wenn der Geist im Thau der Liebe badet/ Jhr gilt ein Kuß und Gold so viel als einerley. Als sie den Busen zudeckte. M ein Kind du deckst den Schnee der zarten Liebes-Ballen/ Und siehst nicht daß mein Geist die zarte Gegend kuͤßt/ Mein sage/ solt’ es dir auch allzuwohl gefallen? Wenn man den Augen raubt/ was ihr Vergnuͤgen ist. An die geschminckte Bellise. B ellise schone doch der Unschuld deiner Wangen Du quaͤhlst und folterst sie gewißlich ohne Noht; Wo blasse Liljen stehn/ da ist kein Rosen-Prangen Drum halt bey Zeiten ein/ du wirst sonst allzu roht. Als sie sich badete. W ie steht ihr so entruͤst ihr schwimmenden Najaden, Und scheint in Thraͤnen mehr als in der Fluth zu baden? Y 2 Doch Sinn-Gedichte. Doch still/ es kraͤncket euch/ daß sich ein Engels-Kind/ So eure Pracht weg sticht/ in denen Fluhten findt. Als sie ihm ein Staͤrckend-Wasser reichte. J hr Doctors in der Welt eur Witz und eure Haͤnde Sind nicht von solcher Krafft als dieses Wunder-Bild/ Wo ist die Medicin die gleich die Kranckheit ende? Als diese/ Schatz und Licht/ der Schmertz ist schon gestillt. Er bittet um einen Kuß. S choͤne Bella laß den Mund deiner Bruͤste Perlen kuͤssen/ Wo die suͤsse Wollust schlaͤffet/ und die reine Keuschheit wacht/ Laß aus dieser Purpur-Frucht/ Ambrosin und Nectar fliessen/ Die Corallen und Rubinen in der Schoͤnheit schaam-roth macht/ Ein entflam̃ter Liebes-Trieb treibt mich zu den Lust-Narcissen. Zarte Rosen Knospen bluͤhen bey der Liljen Silber-Pracht/ Wollust-Aepffel kan man da in beliebter Lust geniessen Und das angenehme Wesen mit vergnuͤgter Anmuth lacht. Als Bellinde eine Rose kuͤßte. B ellinde schauet zwar die Rosen ihrer Wangen Doch kuͤßt ihr Rosen-Mund der Rosen Purpur-Pracht. Der Wangen Rose kan den Kuß nicht selbst empfangen/ So hat ihr den Geschmack die Rose kund gemacht. Die auffgeblasene Fabulla. Mart. Epigr. 65. l. 1. J ch weiß/ Fabulla, wol/ daß du recht schoͤne bist Dein Auge strahlet Blitz/ vortrefflich ist die Brust/ Doch/ weil dir deine Pracht mehr denn zu viel bewust/ So nimmt der Hoffarth weg was dir verliehen ist. Uber Sinn-Gedichte. Uber ihre Wangen. D ie Rosen-Wangen sind recht unvergleichlich schoͤn/ Zinnober kan man da bey feinem Purpur sehn/ Die Nelcke mag nicht so mit bunten Farben prahlen/ Ein Scarlach muß das Feld so Tag als Nacht bemahlen. Jhr Rosen Jndiens huͤlt eure Blaͤtter ein Eur Wunder wird hier nichts bey diesen Blumen seyn; Der Atlas/ welcher euch am hellen Morgen zieret Man findet in den Orientalischen Reis-Beschreibungen/ daß in Jndien eine Art Rosen anzutreffen/ welche des Morgens mit weisser/ des Mittags mit rohter/ und des Abends mit schwartzer Farbe praugen. Der Scarlach/ welchen ihr des Mittags bey euch fuͤhret/ Die schwartze Mohren Farb’/ so euch des Abends deckt/ Die sind zu einer Zeit zur Schau hier ausgesteckt. Die schoͤne Stirn ist weis/ ein Purpur ziert die Wangen/ Die Augen/ gleich der Nacht/ mit schwartzer Farben prangen. An eine schoͤne und tugendsahme Jungfer. D ie Mutter dieses Runds die guͤnstige Natur/ Will dich in allen Ernst recht unvergleichlich ziehren/ Vor deiner Schoͤnheit muß Helene sich verliehren/ Denn an der findet man nur bloß der Schoͤnheit-Spuhr. Dein Antlitzt ist ein Schnee in Purpur eingehuͤlt/ Wo sich die Liljen mit schoͤnen Rosen kuͤssen; Die Schoͤnheit hat an dir ihr Kunst-Werck drehen muͤssen/ Sie zeiget/ daß du bist ein uͤber irrdisch Bild. So schoͤn nun dein Gesicht/ so ist dein Hertze auch/ Die Gutheit hat den Sitz darinnen auffgeschlagen Es kan sich mit dem Stoltz im minsten nicht vertragen/ Gantz wider die Natur/ und ihrem uͤbeln Brauch. Denn wenn sie sich mit Fleiß von aussen emsig stellt Āccidit interdum, ut natura exterioribus intenta perfectioni- bus interiorum, quæ potiores sunt, obliviscatur. Savedr. Symb. III. p. 22. Und alle Schoͤnheit denckt in das Gesicht zu setzen/ So darf man nur das Hertz nicht allzukostbahr schaͤtzen/ Weils denn die Laster-Brutt zusammen in sich haͤlt. X 3 An Sinn-Gedichte. An Blondinen. D U bist der Schoͤnheit-Bild annehmliche Blondine, Die schoͤne Helene, der ich als Sclave diene/ Jch aber Jlium, das in den Flammen steht/ Und wegen deiner Pracht zu Grund und Boden geht. Jch sehe meinen Fall/ ich spuͤhre meine Flammen/ Doch weil dieselben her aus deinen Augen stammen/ So sehe ich mit Lust wie Dach und Giebel faͤllt Wenn nur mein Hertz dadurch des Paris Platz erhaͤlt. Als Syris weinete. Madrigall. M ein Schatz hier sind der Perlen viel Mehr als die Muschel fassen will. Drum hoͤre auf die Schaͤtze zu verschwenden/ Die mehr als allzukostbahr sind/ Und nur allein Jn deinen Augen seyn. Die keiner nicht an weit-entfernten Enden Jn Ceilons Fluͤssen findt. Was achte ich der Perlen Pracht Die Morgenland gemacht/ Auch die uns Teutschland zinst Jm Iser und der Queis Die Iser in Teutschland und der Queis tragen trotz den Orienta- lischen Waͤssern die schoͤnsten Perlen. Dan. Casp. von Lohen- stein, im 11. Theil seines Arminii pag. 810. Drum hoͤr doch auf mein Schatz/ Laß Syris ab zu weinen/ Gib Amors Luͤsten Platz/ Aurora muß allein Jm Thraͤnen-Thau erscheinen. Sie an ihm/ als er zu frey redete. D ie Finger auf den Mund/ und still davon geschwiegen Jyr redet allzu frey/ ihr treibet losen Schertz/ Das Sinn-Gedichte. Das Hertze lasset ihr in eurem Munde liegen/ Jch aber huͤll den Mund hinunter in mein Hertz. Man kan zuweilen wol ein Wort von Lieben nennen/ Doch man muß nicht zu weit in Venus Tempel gehn. Den Eintritt mag man wol gern einem jeden goͤnnen Allein ihr Heiligthum will keinen Spoͤtter sehn. Als sich Meurine uͤber einen Kuß erzuͤrnete. M eurine zuͤrnet nur/ ich will den Zorn ertragen/ Der Mund will sich dennoch zu euren Lippen wagen/ Denn wer da Rosen pfluͤckt/ der achtet es nicht viel Wenn ihm zuweilen schon ein Doͤrnlein stechen will. Mit Dornen ist der Weg des Lebens uͤberstreuet/ Wie/ meynt ihr/ daß mein Geist sich vor den Dornen scheuet? Nein! denn der Ausgang macht daß man den Schmertz vergißt/ So bald die Dornen weg/ alsdenn man Rosen kuͤßt. An Fortille. W er deine Wunder-Macht/ Fortille, sehen will Und deiner Schoͤnheit Krafft recht eigentlich will wissen; Derselbe stehe nur bey deinem Busen still Alsdenn wird er mit mir mit guter Folge schliessen/ Sie setzet uns im Feur/ sie zuͤndt die Geister an/ Daß man dieselbe wol den Æthna nennen kan. An eine wohlgekleidete Alte. D ie Kleider sind recht schoͤn man liebet ihre Pracht/ Allein dein alter Leib wird von uns nichts geacht. Sat dotata venit, quæ bene casta fuit. D as Maͤdgen hat genug von Gold und andern Schaͤtzen/ Das seine reine Zucht kan auf die Waage setzen. Jn dessen keuscher Brust kein geiles Feuer brennt/ Das nicht Cupidens Pfeil und seine Waffen kennt/ Y 4 Dem Sinn-Gedichte. Dem nicht die Geilheit lacht aus ungezaͤhmten Augen/ Das nicht die Flammen will aus jeden Zunder saugen/ Solch Maͤdgen ist schon reich/ die Tugend steurt es aus/ Und fuͤhrt es jeder Zeit in ein beruͤhmtes Haus. Auf Solindens Nahmens-Tag. O Sonne! die du pflegst bestaͤndig zu erfreuen Dis grosse Rund der Welt/ zieh deine Strahlen ein/ O Sonne! die du pflegst die Erde zu erfreuen/ Heut muß zuruͤcke stehn dein angenehmer Schein. Heut geht die Sonne auf die uns Solinda giebet/ Jndem ein holder Glantz aus ihren Augen bricht/ Der Nahme kommt dazu/ einjeder der sie liebet/ Spricht/ Sonne weiche doch vor diesem Wunder-Licht. An einen der im Schlaffe eine Schooß vor Venedig ansahe. H ilf Himmel! was ist dis/ soll das Venedig seyn Was du so unverhofft im Schlaffe angeschauet? Es schliest ein weisses Meer zwar diese Gegend ein Allein der Ort ist nicht von Menschen aufferbauet. Drum ists Venedig nicht/ es ist auch nicht so groß/ Es ist/ mein schau doch zu/ Brunetten ihre Schooß. Uber der Catholica blosse Bruͤste. D U traͤgst Catholica die Bruͤste ziemlich bloß/ Und reichst der luͤstern Welt die scharff verbohtne Frucht Als eine Eva dar/ die jeder Adam sucht/ Weil sie ein reitzend Feur der Liebe in sich hegt/ Das da den Appetit nach dieser Kost erregt; Allein sie ist mit Gifft und Wermuth angewuͤrtzt/ Man wird/ indem man ißt/ ins schwartze Grab gestuͤrtzt/ Denn ist die Wollust klein/ und das Verderben groß. Als Sinn-Gedichte. Als sein schoͤnes Bild/ den Adonis vorstel- lend/ einer Schoͤnen in den Schooß fiehle. W eil sich das Artige dem Schoͤnen zugesellet/ So muß ein schoͤnes Kind auch hier Besitzer seyn/ Der Spruch der ist gemacht/ das Urtheil ist gefaͤllet/ Es stellet sich dis Bild bey ihrer Schoͤnheit ein. Es will ein Sclave seyn von den so schoͤnen Haͤnden Gleich wie mein Geist auch schon die schoͤnen Fesseln kuͤßt. Laͤßt sie nun/ schoͤnstes Kind/ sich nicht das Bild entwenden/ So weiß ich/ daß noch Trost vor mich zu hoffen ist. Auf ein Damen Assemblèe. W as seht ihr Augen hier? wer kan hier wol bekennen/ Daß es nur Menschen seyn? man muß sie Goͤtter nennen/ Der schoͤnen Augen-Glantz Verdienet Kron’ und Krantz/ Er raubet unsern Augen das Gesicht/ Jetzt ist es Nacht/ uns scheinet doch ihr Licht/ Und macht/ daß wir bey Nachte sehen/ Hier Sternen/ Mond und Sonn’ auffgehen Ein schoͤnes Auge. W as soll ein Auge seyn/ wie ist es recht zu nennen? Ein Brenn-Glas/ dessen Strahl die Hertzen kan ver- brennen/ Cupidens schaͤrffster Pfeil/ den er am ersten scheust Wenn seine Tyranney uns eine Schoͤnheit weist. Die ihre Augen braucht/ die Geister zu entzuͤnden/ Daß man die Liebes Gluth mit Schmertzen muß empfinden/ Ein Koͤder/ so zwar suͤß/ doch ins Verderben zieht/ Weil Drachen-Blut und Gifft bey seinen Rosen bluͤht. Ein Kuß. W as ist ein heisser Kuß? ein Labsahl matter Hertzen/ Ein Julep, welcher kuͤhlt die heissen Liebes-Schmertzen/ X 5 Ein Sinn-Gedichte. Ein Safft/ das suͤsserer als wie der Nectar ist/ Ein Honig/ den man schmeckt wenn man die Liebste kuͤßt. Ein Ambrosiner Wein/ der uns den Durst vermehret/ Die Lust/ die unserm Geist das Paradies verehret/ Ein Most/ das jedermann vor unvergleichlich haͤlt/ Ein koͤstliches Confect, das beste von der Welt. Die Brust. W as ist die schoͤne Brust/ was liegt daselbst verhuͤllet? Ein lieblich Schnee-Gebuͤrg mit Heclens Gluth erfuͤllet/ Ein Schatz/ den Amors Gunst am allerersten zeigt/ Wenn ein verliebter Sinn sich zu der Liebsten neigt. Ein Æthna / welcher stets mit heissen Flammen spielet. Ob man von aussen gleich nur Eyß und Kaͤlte fuͤhlet. Ein Eingang/ welcher fuͤhrt in das Gelobte-Land/ Wo man die Geister kuͤhlt von ihren Liebes-Brand. Die verkehrte Nonnen Art. Jungfer R * * Per Anagr. Jch freye ungern. J ch freye gantz ungern. Wie soll ich das verstehen Du angenehmes Kind/ spricht dieses auch das Hertz? Nein! man kan es dir schon am Gesichte sehen/ Du hast kein Nonnen-Fleisch/ es ist dein blosser Schertz. Als sie sich wolte abmahlen lassen. Auson. Epigr. 60. D urch Kunst sucht Bissula ihr Antlitz nicht zu schmincken/ Die angebohrne Pracht wil ohne Huͤlffe blincken/ Die andern moͤgen Schmuck von Purpur Schnecken leihn/ Und auf die gelbe Haut ein weisses Pulver streun. Drum weiß ihr Angesicht auch niemand abzumahlen/ Doch Mahler auf! vermisch der Ros-und Liljen Prahlen/ Wenn Sinn-Gedichte. Wenn die Coleur nun gleicht dem rohten Himmels-Schein/ So wisse/ diese muß des Mundes Farbe seyn. Auf ihre Mouchen. A ch wirff doch Silvia die schwartzen Flecken hin/ Wo die Natur zu seyn die Flecken selbst hinfuͤhret/ Denn sie beschimpffen nur die Wangen/ Mund und Kinn/ Du bist ja schoͤn genug/ und trefflich ausgezieret. Vielleicht gedenckst du dich dem Himmel zu vergleichen? Wohl! siehe Sonn’ und Mond fuͤr deiner Pracht erbleichen. Auf ihre Augen. B runettens Augen-Strahl beschaͤmt den Glantz der Sternen/ Und der Plane ten-Licht muß sich davor entfernen; Die Sonne selbst wird blind durch jenen Schmuck gemacht/ Der aus den schwartzen Pech der schoͤnen Augen lacht. Des Himmels Feuer mus vor ihren Blicken weichen/ Kein Demant kan den Glantz/ den schoͤnen Glantz erreichen. An ihr Schooß-Huͤndgen. V ergoͤnne mir den Platz wo deine Knochen ruhn/ Und laß mich einst im Schooß der schoͤnen Persis liegen/ Jch wil ihr lieblicher als deine Zunge thun/ Und ihre Marmor-Schooß mit Perlen Milch vergnuͤgen/ Dich aber Fretiljon will ich davor ergoͤtzen/ Und zur Belohnung vor ein fettes Suͤpgen setzen. Als sie in einer Roman lase. E S werffe Persis nur die Liebs-Geschichte hin/ Es brauchts nicht/ daß das Buch ihr den Verstand vermehre/ Es ist Intriguen voll/ ihr auspolirter Sinn/ Es brauchts nicht sag’ ich noch/ daß der Roman sie lehre. Als Sinn-Gedichte. Als sich Amariane in einer Saͤnffte tra- gen liesse. D es Atlas Schulter kan des Himmels Pallast tragen/ Amarianen bringt ein eintzger Kerl nicht fort/ Zwey Traͤger muͤssen seyn will sie an andern Ort. Denn darf ein Mann sich wol das fortzubringen wagen? Das schwerer ist als was der grosse Atlas haͤlt/ Und wo der Himmel sich nebst Gott im Menschen stelt. Vor ihr Gebeht-Buch. D er Himmel hoͤrt dich nicht/ dein Behten ist vergebens/ Er will dir Staͤhlern seyn/ die Wolcken sind verschlossen/ Die Thraͤnen sind umsonst/ wie meine eh vergossen/ Doch sey mir hold/ so scheint auch dir das Licht des Lebens. Als sie sich spiegelte. S ie siehet/ schoͤnstes Kind/ und wird alsbald gesehen/ Wenn sie ihr Auge låst in einen Spiegel gehen/ Darinnen zeiget sich der Schoͤnheit beste Pracht/ Zu der Vollkommenheit mit vollen Munde lacht. An Albanien. A lbanie dein Glantz die Sterne schaam-roht macht/ Jn deinem Angesicht die Amathunte lacht/ Cupido streut da aus Jesmin und Anemonen Die Lippen sind der Thron wo Zucht und Schoͤnheit wohnen. Der wohlgezierte Mund kein unrein Wort verspillt Ein suͤsser Hyblens- Thau von den Rubinen quillt. Der Bruͤste Alabast/ die reinsten Liljen schwaͤrtzet/ Kein Wunder/ daß man hier den freyen Stand verschertzet. An Galatheen. Owen. Epigr. p. 178. D er Hirsch wirfft alle Jahr die krummen Hoͤrner ab/ Dein Eh-Mann sencket sie zu jeder Stund’ ins Grab. Er Sinn-Gedichte. Er liebet eine Wittwe. Aus dem Frantzoͤsischen. L iebet welche die ihr wolt/ euch sind alle frey gegeben/ Mein Hertz aber soll allzeit nur in einer Wittwen leben/ Der ein heisses Seuffzen steitig aus der Quell des Hertzens steigt/ Und die sich als schon bewandert besser zu den Luͤsten neigt. Wenn der Wein die Wirckung thut/ daß er in die Geister kommen/ Denn laufft man der Tonnen zu/ wo er ist heraus genommen/ Und man macht sich kein Bedencken braff zu trincken von dem Wein/ Ob ein ander schon der Tonnen erst der Bohrer muͤssen seyn. An ihre Augen. J hr Augen strahlet mich mit sanfften Blicken an/ Erquicket meinen Geist/ der sonst nicht leben kan/ Labt ihn mit holdem Schein/ vertreibt den bittern Kummer/ Erweckt ihn aus dem Schlaff/ verstoͤhrt des Gluͤckes-Schlum̃er/ Doch Nein! bestralt mich nicht; es mehrt nur meinen Schmertz Genieß ich gleich von euch begehrte Lust und Schertz; Chlorinde weichet nicht von ihren steiffen Sinnen/ Kein Flehn noch Draͤuen kan ihr hartes Hertz gewinnen. Als er sie im gruͤnen schlaffen fand. J hr Luͤffte wehet nicht/ halt euren Oden auf/ Steh Zephyr stehe stille/ bezaͤume deinen Lauff; Laß/ laß/ mein Engels-Kind in suͤsser Ruhe liegen/ Laß Ros-und Nelcken sich zu ihren Fuͤssen schmiegen. Hauch an mein Paradies mit Ambra schwangrer Lufft Still! daß kein Satyr hart in jenem Busche rufft. Macht kein Geraͤusche nicht Napeen im Gebuͤsche Still/ daß sie schlaffend bleibt/ und ich den Kuß erwische. Als Sinn-Gedichte. Als er in ihren Busen greiffen/ und sie es verwehren wolte. R osabelle laß die Finger nur in deinen Busen gehn/ Lange koͤnnen sie die Hitze nicht von deinem Feur ausstehn. Aussen sind sie zwar nur Schnee/ weisse Liljen und Narcissen, Aber einen kuͤhnen Griff muß man mit dem Brande buͤssen. Aus dem Eyse quillen Flammen/ aus der Milch entsteht ein Brand/ Und man sieht die heissen Funcken an vor suͤsses Zuckerkand/ Venus pflegt das meiste Wild bey der Brust zu uͤbereilen/ Amorn ists der rechte Ort loszudruͤcken mit den Pfeilen. Auf ihr Contrefait. D ein Bildniß hat man zwar Rosette wohl gemahlet/ Der Wangen schoͤne Zier/ der Lippen Purpur Pracht Jn voller Lieblichkeit aus bunten Farben strahlet Alleine dein Gesicht hegt groͤsser Reitzungs-Macht. Auf ihr Nacht- Cornet. S ie gehet wie ein Schwaan im weissen Nacht- Cornette, Darinn sie ihr Gesicht und schoͤne Brust verhuͤllt/ Ach koͤnte ich doch seyn ein solches Tuch Brunette, So schmeckte ich den Safft der von den Bruͤsten quillt. Schwartze Augen. G leich wie das Sonnen-Licht aus schwartzen Wolcken prahlet Und mit beliebten Blitz auf Tellus Ruͤcken strahlet/ So spielt die Anmuth auch aus schwartz-und schoͤnen Augen/ Und laͤst den Liebes-Blitz aus duͤstern Peche saugen. An Amarillis. Madrigall. A marillis deine Pracht Hat mich verliebt gemacht. Jch Sinn-Gedichte. Jch schwinde! ich vergeh/ Jch werde halb erblaßt Wenn ich dich bey mir seh/ Jch weiß du liebst mich auch/ Ob gleich dein Angesichte Die Liebe macht zu nichte/ So liebet doch mein Hertz/ Das frey von allen Schertz Jn heissen Flammen steht. Denn liest die Liebe man nicht an der Stirne/ So ist sie doch im Hertzen und Gehirne. An einem so eine Jungfer geschwaͤngert. M ein Freund er griff zu starck das muntre Pferdgen an/ Der Sachen hat er auch dadurch zu viel gethau; Dem Pferd/ so willig ist/ und das sich laͤst besteigen/ Muß man die scharffe Sporn nicht geben/ sondern zeigen. An ihr Btte. J hr Federn hoͤrt ihr nicht aus meiner Liebsten Munde Gebrochne Worte gehn/ wenn sie zur Morgen-Stunde Halb schlaffend/ halb erwacht auf ihren Lager spricht/ Und dencket sie im Schlaff an ihrem Tarsis nicht? Als sie einen Ring am Finger trug. W ie/ traͤgt die Marmor Hand Gold und auch Demant-stein/ Da ihre Artigkeit dieselben uͤberwieget? Doch still! du hast mein Hertz durch einen Blick besieget/ Nun soll auch meine Treu so vest wie Demant seyn. Der auffrichtige Liebhaber. Catull. Epigr. 85. K ein Weib mit Wahrheit spricht; sie sey so sehr geliebet Als meine Lesbia von mir geliebet ist/ Nie hat sich solche Treu mit einem Bund gekuͤßt/ Als welche ich bey dir/ mein Leben ausgeuͤbet. Die Sinn-Gedichte. Die Rechnung der Verliebten. Aus dem Frantzoͤsischen. S O wie das neue Tuch vom Wasser lauffet ein/ So pflegt die Rechnung auch/ die sich Verliebte machen/ Wenn mans beym Licht besieht gar offte falsch zu seyn/ Ein Kluger muß fuͤrwahr der albern Thorheit lachen. Denn die Gedancken gehn auf Himmel hohen Spitzen/ Da sie doch in der That in tieffen Thaͤlern sitzen. An die kleine Rosane, da sie eine Perle von ihren Hals-Creutzgen verlohren. D ie Perle macht sich weg von deiner weissen Haut/ Als ob ihr vor der Pracht des schoͤnen Halses graut/ Sie huͤllet sich beschaͤmt in dunckle Oerter ein/ Und will nicht mehr ein Spott des klahren Marmors seyn. Rosane weine nicht! laß alle Perlen fahren/ Du wirst in kurtzen Jahren Mehr denn als Perlen prahlen/ Wenn deine Schoͤnheit wird dir den Verlust bezahlen. Als ihn Bellaria zum Coffè baht. Madrigall. J ch schlage den Coffè nicht aus/ Den mir Bellaria anbeut: Doch muß auf diesen Wasser-Schmaus Auch seyn bereit Der Rossolis der Lippen/ Und Marcipan der Brust erhoͤhten Klippen. Die unbestaͤndige Liebe. Owen. Epigr. p. 6. D ie Lieb ist anfangs suͤß/ das Ende aber bitter/ Jhr Kommen bringet Lust/ ihr Abzug Ungewitter/ Sie gleicht dem suͤssen Fluß/ der sich ins Meer ergießt/ Und drauf als selbiges mit bitterm Saltze fließt. Fast Sinn-Gedichte. Fast desgleichen. Owen. Epigr. p. 14. D ie Liebe nimmt so zu/ und faͤllt auch wie das Meer/ Kein Wunder/ denn sie schreibt da ihren Ursprung her. Jhr Sinn ist wandelbahr/ man stellt sie zum Jrr-Sternen/ Nicht unters Fix- Gestirn/ was machts? ihr offt Entfernen. Die Kuß-scheue Phyllis. Owen. Epigr. p. 8. P hyllis haͤlt vom Kuͤssen nichts/ doch nimmt sie die Gege- bnen an/ Da ihr doch nicht unbewust/ daß da Annehm en heist gethan. Das kalte Feur. Owen. Epigr. p. 8. S O die Lieb ein Feuer ist/ wie das Sprichwort pflegt zu sagen/ Weh mir! welche kalte Brunst muß dein Feur o Liebe tragen. Der naͤchtliche Thier-Kreyß der Liebe. W enn meine Lesbia mein Thier-Kreyß denckt zu seyn/ So setz’ ich mich zur Sonn mit dem Bedinge ein; Die Sonne braucht ein Jahr den Thier-Kreyß durchzugehen/ Jch will sie aber Nacht fuͤr Nacht zum Thier-Kreyß sehen. Die Gold-und Mannsuͤchtige. Madrig all. C orisca glaub’ es mir nur zu/ Dein Schmertz ist mir bewust/ Jch weis/ was deine Ruh Verstoͤhrt; was fehlet deiner Brust? Du hast; Soll es heraus? Nicht wenig Uberlast Von Gold-und Maͤnner-Sucht. Z Lie- Sinn-Gedichte. Liebe und Haß. Catull Epigr. 83. J ch spuͤhre Lieb’ und Haß/ vielleicht gelangt an mir Warum ich solches thu? Die Ursach weiß ich nicht/ nur daß ichs bey mir spuͤhr/ Jch quaͤhl mich noch dazu. Als er sie zur Straffe kuͤssen muste. F lorinde soll der Kuß mir eine Straffe seyn? So werd’ ich immerfort nach solcher Straffe ringen/ Jch werd’ sonst nichtes nicht als was man strafft vollbringen/ Denn diese Straffe geht mir allzulieblich ein. Allein mein Mund will sich mit einem nicht vergnuͤgen/ Jch nehm die Straffe an/ solt’ ich gleich tausend kriegen. An seine Reimen. W O denckt ihr Reime hin? doch geht nur immerfort/ Und saget Lesbien, daß ich ihr eigen bin/ Doch mein bleibt immer hier/ ihr scheitert in dem Port/ Jhr seyd nicht hoch genug vor ihren klugen Sinn. Niemand kan der Liebe entgehen. D ie Welt hegt nichts in sich/ daß Amors Trieb nicht spuͤhret/ Der Mensch-und Geister/ ja die Goͤtter selber ruͤhret Der Purpur ist nicht frey von solcher Leydenschafft/ Die von der Liebe kommt: es spuͤhret ihre Krafft So wol ein hoher Geist/ als ungelehrte Bauren/ Es weis sie allesamt Cupido zu belauren. Wenn jemand gleich sein Feur im Busen haͤlt verdeckt/ Hat es doch/ eh man meynt/ schon Flammen ausgeheckt. Gedancken uͤber das Kuͤssen. M it den Groͤßten ist dis eins von Jdalis Geheimnissen/ Daß sie Machtß at zu verstecken eine solche Suͤssigkeit/ Die Sinn-Gedichte. Die so sehr durchdringend ist/ in dem Ambra reichen Kuͤssen/ Und daß/ sie was mehr als Zucker auf die Purpur Lippen streut. Keine holde Wollust kan einen Geist so sehr entzuͤcken Und mit suͤsser Lust bezaubern/ als des Munds Corallen-Belt/ Kan sich ein entzuͤckter Mund an der Liebsten Lippen druͤcken/ Alsdenn kostet er im Geiste jene Lust der andern Welt. Denn auf dieser Rosen-Au kommet beyder Geist zusammen/ Um sich allda zubesprechen von der rechten Liebes-Lust. Jene Lufft der Seuffzer kuͤhlt ihre heisse Liebes-Flammen/ Und die Rede-Kunst der Seelen labet die getr eue Brust. Weiß und Schwartz. Owen. Epigr. p. 22. J ch kriegt ein weisses Blat/ und eine schwartze Schrifft/ Da diese mit dem Geist/ jens mit dem Leib’ eintrifft Eigenschafft der Liebe. Owen Epigr. p. 37. W er liebet/ findt vor sich ein Hoffen/ das betriegt/ Ein Fuͤrchten/ so stets daurt/ und Lust/ die bald verfliegt/ Versanrte Froͤlichkeit und einen suͤssen Schmertz/ Denn bey der Liebe findt man Kummer und auch Schertz. Krieg und Streit. Owen. Epigr. p. 38. B ald Krieg/ bald wieder Ruh/ so spielt die falsche Liebe/ Denn Lieb und Zanck sind stets bey dem entflam̃ten Triebe. An ihre Augen. Aus dem Frantzoͤsischen. W as solte mein Gesicht der Sterne-Lauff beschauen/ Und auf den Jrrlichts-Schein ihm sein Geheimniß bauen? Solt ich mein Ungeluͤck und Gluͤck daraus ersehen? Nein! Doris dein Gesicht soll mir mein Himmel seyn. Jn deinen Augen wird mein Gluͤck und Ungluͤck stehen/ Denn da trifft alles wohl/ was ich ersehen/ ein. Z 2 Bra- Sinn-Gedichte. Brasine macht sich zu gemein. B rasine liesse naͤchst den tummen Schaͤffer ein/ Und ließ vor ihrer Thuͤr den treuen Acis warten/ Ha! dacht’ ich machst du dich mit Coridon gemein So mag ein ander gehn in den entbluͤmten Garten. Lust im Kusse. Owen. Epigr. p. 41. W enn keine Suͤssigkeit in denen Kuͤssen stecket? So sage Lesbia, warum man nur den Mund/ Und nicht vielmehr die Hand/ mit seinen Lippen decket? Mein Kind es heist/ sie macht nicht solche Anmuth kund. Als sie ihn ihre Liebe endlich entdeckte. J ch dacht du waͤrest stumm/ allein das Band der Zungen Wird nunmehr auffgeloͤßt. Wer zwingt dich doch dazu? Mein harr’! ich weiß es schon/ die Lieb hat dich bezwungen/ Die lehret dich das Wort/ mein Liebster das bist du. Der Liebsten Mund. J ch bin der schoͤnste Ort/ der Platz wo Venus lachet/ Der Sitz wo Lieblichkeit in Purpur-Rosen wachet/ Der suͤßten Luͤste-Thron von Rosen auffgefuͤhrt/ Den ein Albaster Feld voll schoͤnster Liljen ziert. Von der Natur werd ich zum Lieben angefrischet/ Doch krieg ich nimmer satt/ und wer mich einst erwischet/ Der laͤchset stets nach mir/ der/ welcher mich geschmeckt/ Sich immer wieder hin nach meiner Anmuth streckt. Jch bin der Sammel-Platz wo Amors- Luͤste wohnen Die den verliebten Geist mit Himmels Nectar lohnen/ Der Wollust reiche Quell der Ort wo beyder Geist Jn eine Massa rinnt/ und nur ein Wesen heißt. Ein jeder wuͤnschet sich/ auf meiner Au zu weiden/ Man nennet mich die Thuͤr/ zu Zucker-suͤssen Freuden/ Die Seelen kuͤhln bey mir den heissen Liebes-Brand/ Und schmecken/ was besiegt/ den theursten Alccant. An Sinn-Gedichte. An einen Unbeweglichen. W enn Purpur und Coral/ der Lippen Wunder-Sachen Der angenehme Kuß das holde Woͤrter-machen Ein Ernst und Freundlich-seyn/ ein uͤber-zuckter Mund Dein Auge nicht entzuͤndt und deinen Sinn verwundt/ Wenn Fleisch das Sammet ist/ und Adern die Saphiren, Die Haut/ so weisser Schnee/ dein Hertze nicht verfuͤhren? So bist du gar kein Mensch ein Stock und harter Stein. Dem keiner Schoͤnheit-Pracht/ erreget Liebes-Pein. Auf die Blumen in der Doris Busen. Aus dem Frantzoͤsischen. Madrig all. W ie werdt ihr Blumen doch verehret/ Daß ihr in Doris Busen blaßt; Daß eure schlechte Pracht Zur Zierde wird begehret; Daß euch ein Blumen-Topff umfaßt/ Der auch den Marmel weichen macht. Ein jeder neidet euch/ Daß ihr den Sitz Recht in der Anmuth Reich/ Am ersten koͤnnt bekommen. Doch wird der Schmuck euch bald benommen: Weil ihr vor Hitze sterben muͤst. Allein! duͤrfft ich da auch ersterben/ Jch wuͤrde aͤusserst mich bemuͤhn Daß ich bey ihrem Schooß Rubin Ein Grab-Mahl koͤnnt erwerben. Die nackte Liebe. Owen. Epigr. p. 43. M an sagt/ daß die Natur das Feld mit Blumen zieret/ Die Vogel/ und die Schaaf’ in Woll’ und Federn steckt Und wenn ein rauher Nord und wilder Ost regiret Uns in die Kleider huͤlt/ und durch die Kunst bedeckt. Z 3 Wie Sinn-Gedichte. Wie hat sie alles denn/ nur Amorn nicht bekleidet/ Jemehr der nackend ist/ je wenger er Frost leidet. Die unvergaͤngliche Schoͤnheit. Owen. Epigr. p. 110. S O offt eur holdes Aug ein Spiegel-Glas bestrahlet/ Und eure Schnee-Gestalt euch schoͤn entgegen prahlet/ So denckt/ ich bin zwar schoͤn/ allein der Schmuck zerbricht/ So schleunig/ als man auch ein Spiegel-Glas zernicht. Die widersprochene Klage. Owen. Epigr. p. 41. D ie Ehe ist ein Joch/ das niemand mag ertragen/ Dis pflegt Alana stets den gantzen Tag zu klagen/ Doch bey der dunckeln Nacht stimmt sie gantz anderst an/ Weil sie alsdann die Eh nicht satsahm loben kan. Die Kuß-Rechnung. Owen. Epigr. p. 41. G ib mir drey Kuͤsse her/ soll ich nicht dreye haben? So laß es zweene seyn beliebte Lesbia, Du nimst/ und giebst den Kuß/ wie viel sind nun der Gaben? Gieb mir mein Kuͤßgen her/ sieh deiner ist schon da. Die schaͤndliche Schoͤnheit. Owen. Epigr. p. 48. D ie Keuschheit ehrt dich nicht/ die Schoͤnheit kennt dich nur/ Doch nichts ist schaͤndlichers als eine schoͤne Hur. Der beliebte Dactylus. Owen. Epigr. p. 26. W enn du der Liebsten wilt galante Verse schencken/ So must du allererst auf ihren Ausgang dencken: Nun wisse/ daß sonst nichts den Weibern mehr beliebt/ Als nur der Dactylus, sie sind darauf geuͤbt. Die Sinn-Gedichte. Die unter sich steigende Liebe. Owen. Epigr. p. 26. A uf Wang und Augen waͤchst/ es bluͤhet durch den Mund Die Liebe/ bis sie sinckt im schoͤnen Schooß zu Grund. Die Fruchtbahre. Owen. Epigr. p. 111. W enn man zur Erden muß vom Tragen Fruchtbahr sagen/ Jsts Fabiana auch/ sie hat sehr viel getragen. Der Hahnrey. Owen. p. 10. Der Eh - Mann. D as Weib gehoͤrt mir zu/ ein ander bricht die Fruͤchte/ So macht ihr Bienen nicht vor euch eur suͤß Gerichte. Der Ehbrecher. D ie Kinder sind mein Werck ehrt man den andern gleich So heckt ihr Vogel auch die jungen nicht vor euch. Als sie ihn kuͤßte. Madrig all. M ein Gluͤcke bluͤht recht schoͤn/ Weil die Almir ’aus ihren Mund- Pocal en Mich Nectar trincken heist. Ach wunder-schoͤner Most/ Der vom Corall der zarten Lippen triefft/ Wie prangest du so schoͤn in den Rubinern-Schalen. Mein Kind ist dis der Liebe-Kost/ Oder suͤsses Gifft/ Das sie mir jetzt zu bringet? Doch still! ich fuͤhle schon/ ach! Ambra suͤsses Safft/ Daß mir der Kuß durch Blut und Seele dringet. Z 4 Als Sinn-Gedichte. Als sie im Garten spatziren ging. J hr Roͤmer/ die ihr habt der Floren Bild verehret/ Die sich durch Huren-Lohn den Goͤttern gleich gemacht/ Seht wie die Anmuth hier aus vollem Halse lacht/ Wenn meine Balis, die der Keuschheit Eben-Bild/ Jn ihrem Garten geht/ und sich im Laub verhuͤllt. Waͤrt ihr zu dieser Zeit/ die Flora waͤr vorbey/ Und so ichs sagen darf was meine Meynung sey/ Durch Balis wuͤrde auch der Goͤtter-Zahl vermehret. An Brunetten. B runette will ein Bett von weichen Federn wissen/ Sie legt das schoͤne Haupt auf sanffte Schwaanen-Kuͤssen/ Doch wenn ein heisser Geist schlaͤfft einmahl bey ihr ein/ So muß dem Brust und Schooß das weiche Lager seyn. Auf die bleiche Farbe der Doris. W enn Blitz und Donner faͤhrt durch eines Menschen Seele/ So hat der Lebens-Geist das letzte Ziel erreicht? Mein/ Doris sagts/ wie koͤm̃ts/ daß eur Gesicht erbleicht? Dringt nicht Cupidens Pfeil durch eure Liebes-Hoͤle? Auf die falben Lippen der Phyllis. E S schwaͤrtzet meinen Mund/ spricht Phyllis, gar kein Ruß/ Warum? sie nimmt den Kuß von allen gerne an. Doch weil sie allzufrey mit ihrem suͤssen Kuß So ists um den Corall der Lippen nun gethan. An Blondinen. D ie Musen weichen weg/ der Verse-Brunn verseigt/ Mein Geist/ der ist zu schwach/ daß er auf Pindus steigt/ Apollo kennt mich nicht/ der sonst den Einfluß giebet/ Doch wisse kurtz und gut/ daß dich mein Hertze liebet. Da Sinn-Gedichte. Da sie beichten wolte. S ie dencket/ schoͤnstes Kind/ den Himmel zu versoͤhnen/ Und durch Erniedrigung gerecht nach Haus’ zu gehn Ach! sie wird aber nur der Himmels-Gunst verhoͤhnen Den dieser hoͤret nicht/ was harte Hertzen flehn. An die geile Thais. D U Thais bist zwar schoͤn/ allein dein geiles Wesen/ Das jedem Buhler feil/ verdirbet deine Pracht Wenn erst von dieser Sucht dein Hertze ist genesen/ Denn hast du dich zur Zier der gantzen Stadt gemacht. Da sie weinte. J hr Augen lasset doch den Thraͤnen-Bach verseigen/ Und werfft den Perlen-Stoff nicht auf den Boden hin/ Denckt nur/ die Erde wird das Unrecht nicht verschweigen. Wenn ein so kostbahr Schatz verdirbt aus Eigen-Sinn. Da sie halb entbloͤsset schlieffe. W ird Satyrus entzuͤckt von Amarillis Schein/ Wenn er von ferne sieht die gelben Bruͤste spielen/ Wie solte ich denn hart bey deiner Schoͤnheit seyn? Jch kan die Bruͤste sehn/ und mit den Haͤnden fuͤhlen. Das suͤsse Kuͤssen. K ein Nectar uͤbersteigt den angenehmen Most Das ein erfreuter Geist auf schoͤnen Lippen koßt/ Hymettens Bienen-Safft laͤßt nicht die Lust geniessen/ Die ein Verliebter schmeckt in Zucker-suͤssen Kuͤssen. An Selanen, da sie ihre Haͤnde mit gelbe Hand-Schuhen bedecket hatte. Z euch doch den Hand-Schuh ab/ und goͤnne uns die Pracht Der Alabaster Hand/ die gelbes Leder decket/ Doch halt! ich weiß es schon warum du sie verstecket/ Auf daß sie schoͤne bleibt/ hast du sie gelb gemacht. Z 5 Uber Sinn-Gedichte. Uber sein Maͤdgen. M ein Maͤdgen liebet mich/ und ist mir rechte gut/ Es suchet immerfort mit neuen Liebes-Wercken/ Den ihr geweihten Sinn in seiner Treu zu stercken/ Doch unterweilen auch es nicht zu freundlich thut. Er schencket ihr ein Bild. E S stellet sich dis Bild auf dein Begehren ein/ Und will von meiner Treu ein glaubhafft Zeuge seyn. Uber eine schoͤne Mohrin. Aus dem Frantzoͤsischen. S cheint gleich kein weisser Glantz von deinem Angesicht/ So loͤscht die Schwaͤrtze doch der Liebe-Fackel nicht. Die Schwartzen sind auch schoͤn/ ja schoͤner als die Weissen/ So wie der Alabast vor schwartzen Marmor weicht/ Und wie die Tanne nicht dem Eben-Holtze gleicht/ So must du praͤchtiger als weisse Jungfern heissen. Vergleichung einer schwartzen und weissen Aus dem Frantzoͤsischen. E S brennet Amors Feur am meisten bey den Mohren/ Wie ihr erhitzter Schooß davon mit Nachdruck zeugt/ Beym Weissen aber hats die meiste Krafft verlohren/ Weil diese kalte Art vor seiner Gluth entweicht. Die Anmuth der schwartzen. Aus dem Frantzoͤsischen. G leich wie das schwartze Fleisch/ das Zanguebar erziehet ZU essen Delicat, und auch aptitlich ist Es erzaͤhlet Petrus du Val in seiner Geographie, daß in Zan- guebar eine besondere Art Huͤner gefunden werde/ deren Fleisch/ Gebluͤt und Beine so schwartz als Dinte/ aber gar deli- cat zu essen seyn soll. So zeigt die Mohrin dem/ der ihre Gunst genießt/ Daß Amors Liebes-Lust nicht vor der Schwaͤrtze fliehet. Als Sinn-Gedichte. Als sie sagte/ es koͤnten die Bruͤste nichts mehr charmi ren als das Gesichte. Copiantes. D U legest deiner Brust gar wenig Kraͤffte bey/ Und sagst/ daß Mund und Brust von einem Fleische sey; Die Lieb’ entspringet zwar auf unverfaͤlschten Lippen/ Allein/ sie ruhet erst/ wie Muscheln an den Klippen. Als sie sagte/ sie schaͤme sich in Compagnie zu gehen. Copiantes. D U sprichst: Duschaͤmest dich offt bey die Leut zu gehn/ Warum? Es haben schon viel deine Schaam gesehn. Auf ein Frauen-Zimmer/ die ein Bereiter ein wenig scharff geliebet/ und der er die Proben davon hinterlassen. Copiantes. M ein Freund/ du hast allhier das Reiten wollen fassen/ Jm Reiten hast du dich auch ziemlich angelassen: Die Jungfer Jris kan uns durch ihr Beyspiel zeigen/ Daß du ein muntres Pferd kanst nach der Kunst besteigen. Als sie baht/ er moͤchte ihr gut Wetter auf die Waͤsche machen. Copiantes. N un soll ich/ wehrtes Kind/ ein Wetter-macher seyn? Jch nehm’ es willig an/ und bin damit zu frieden/ Da mir dein schoͤnster Mund hat solch ein Amt beschieden/ Weil ich dir gestern gab vergnuͤgten Sonnenschein. Bey dir ist mir bisher die Sonne untergangen/ Der Himmel hat sich stets vor mir mit Flohr umhuͤllt; Drum/ weñ nun/ wie du sagst stets wird mein Wunsch erfuͤllt/ So laß mir deine Sonn’heut an zu scheinen fangen. Auf Sinn-Gedichte. Auf ihre Bruͤste. J hr schoͤnes Vor-Gebuͤrg’ an Venus Liebes-Port; Jhr Brunnen/ wo die Lust aus den Rubinen quillet/ Jhr Berge/ wo im Schnee ein steter Sommer Ort/ Vergoͤnnet/ daß mein Hertz bey euch den Kummer stillet. An Favoriten. M ich hat dein erster Blick so gleich in Brand gebracht/ Als ich dich/ schoͤnstes Kind/ von ferne nur betracht/ Wie aber dich das Gluͤck ließ in der Naͤhe sehen/ Da must mein Hertzens-Bau in lichten Flammen stehen. An sie/ als er keine Verse machen kunte. J ch wolte schoͤnstes Kind dir gerne Verse schencken/ Jch zahlte gern die Schuld mit feinen Reimen ab/ Alleine Hyppocren will sich nicht zu mir lencken/ Und meine Poësie geht allbereits ins Grab. Da sie ihm im Schlaff erschien. K an mir dein Schatten-Bild im Schlaff die Flammen mehren/ Und machen/ das mein Hertz vor heisser Liebe raucht? Wie solte mich dein Strahl den wachend nicht verzehren/ Wenn aus der Augen-Pech mein Geist die Funcken saugt. Er klaget uͤber die Liebe. W ie gerne wolt’ ich frey vom Liebes-Joche seyn/ Und mich der Musen- Schaar zu steten Diensten weyhn/ Jch aber bin kaum loß von einer Sclaverey/ So fuͤhl ich/ daß ich schon wie vor bestricket sey. An seine Liebste. V or deinen Augen muß die lichte Sonne weichen/ Die Lippen stechen weg Zinnober und Rubin/ Vor Sinn-Gedichte. Vor deinen Wangen muß der Rosen Pracht erbleichen/ Der sanffte Athen-West fuͤhrt Cimmet und Jesmin. Du bist recht wohlgeziert an Schoͤnheit und Geberden/ So daß dich je dermann als uͤberirdisch ehrt. Jch aber muß darum auch dein Leibeigner werden/ Weil holde Freund lichkeit der Schoͤnheit Pracht vermehrt. Auf die Bruͤste seiner geliebten Sideminda. D U Wunder-Glantz der Alabaster Bruͤste/ Du kleines Rund/ doch Wohn-Platz grosser Luͤste/ Du Schnee-Gebuͤrg wo Lontens Zucker quillt/ Du Marmor- Meer/ das auf vor Wollust schwillt. Wenn wird mein Geist die frohe Stunde sehen? Daß er bey euch vor Wollust wird vergehen. Wenn wird das Safft/ das eure Circul schmuͤckt/ Mit vollem Strohm auf meinen Geist geschickt? Wenn soll die Hand bey denen Liebes-Ballen Nach ihrem Wunsch in heissen Eyse wallen? Wenn wird der Schnee der Bruͤste mir gereicht? Aus dem die Gluth/ als einen Æthna steigt. Allein umsonst/ ich muß vergebens hoffen/ Des Busens Pracht steht zwar den Augen offen/ Doch Mund und Hand greifft da vergebens zu/ Jhr Eigensinn verhindert meine Ruh. An die Citrone so vor ihren Bruͤsten steckte. L eicht gleich des Busens Pracht von deinem Ansehn Zier/ Geht deine Schoͤnheit doch hoffaͤrtige Citrone/ Der reiffen Edens- Frucht der Brust mit nichten fuͤr/ Denn den Granaten bleibt/ vor dich/ die Ehren-Krone. Er wuͤnscht den Tod. M ein Leben liebt den Tod/ es scheuet kein Verderben Was andern bitter schmeckt soll mir ein Honig seyn; Mir bringt das Sterben Lust nicht Angst beseelte Pein/ Wenn mich der Tod nur laͤst in deinen Armen sterben. Die Sinn-Gedichte. Die fluͤchtige Schoͤnheit. Auson. Epigr. p. 6. J ch habe offt gesagt/ wir grauen und veralten/ Gebrauche deiner Schooß/ dieweil du brauchbahr bist/ Allein es war umsonst/ inzwischen zog in Falten Die Zeit dein Angesicht/ die nicht zu halten ist. Jetzund gereut es dich/ weil du nicht diesen Willen/ Noch jetzige Gestalt zu jener Zeit gehabt. Doch hoͤr/ umarme mich die alte Lust zu stillen/ Werd’ ich gleich nicht mit dem/ was ich gewolt/ begabt. Der eigensinnige Liebhaber. Auson Epigr. p. 13. D as Maͤdgen liebe ich/ daß mir nicht guͤnstig ist/ Dasselbe will ich nicht/ das mich mit Willen kuͤßt. Die Venus will den Geist zwar in die Fesseln kriegen/ Jhn aber nicht mit Lust und Froͤlichkeit vergnuͤgen. Den angebohtnen Knß/ den schlag’ ich in den Wind/ Und den verlang’ ich nicht/ der mir nicht wird verguͤnnt. Die Sinnen will ich nicht mit Wollust uͤberschwemmen/ Den Unmuth aber doch in seinem Lauffe hemmen. Die Venus lieb’ ich nicht/ Dianen hasse ich/ Jen’ hat zu viel der Lust/ und diese nichts in sich/ Jch will die Mittel-Bahn von diesen beyden gehen/ Und will nach einer Frau/ die etwas listig stehen/ Die die Verschlagenheit/ und lose Schlackheit liebt/ Und sich dem/ was ich will/ allzeit entgegen giebt/ Die wieder zuͤrnt und schilt/ und gleich darzwischen schlaͤget/ Wenn meine Hand noch nicht den Knuͤttel angereget. Der zufriedene Liebhaber. Auson. p. 23. E S sind zwar einige den Crispa nicht gefaͤllt; Mir aber ist sie schoͤn/ wie es mein Sinn vermeynet/ Denn weil die Eyversucht zur Liebe sich gesellt/ So seh’ ich auch nicht gern/ daß allen schoͤn sie scheinet. Sein Sinn-Gedichte. Sein Maͤdgen. Auson. Epigr. p. 23. M ein Maͤdgen das soll seyn Ein Kind von boͤsen Sinnen/ Des Lippen sich erfreun Wenn sie frech schwatzen kuͤnnen. Das frech und schoͤne ist Das Schlaͤge nimmt und giebet/ Das nach den Schlaͤgen kuͤßt/ Und desto hefftger liebet. Wenn es nicht so gesinnt/ Kensch/ sitsahm ist hingegen/ So schlag’ ichs in den Wind/ Und wils nicht bey mir hegen. Der ungeduldige Licbhaber. Auson. Epigr. p. 23. C upido misch die Lieb/ trenn’/ oder ihre Macht/ Es taugt nicht/ daß du mich allein im Brand gebracht. Derselbe. pag. 24. D as Feuer/ das mich brennt/ das loͤsche aus Dione, Mach’ uns entweder gleich/ mich/ oder/ sonst verschone. Uber die ungleichen Schwestern. Auson. p. 29. M ich wunderts Delia, wie’s denn auch billig Wunder/ Daß deine Schwester dir so gar entgegen ist/ Sie traͤgt ein ehrbahr Kleid/ und nehrt der Wollust-Zunder/ Du in den Kleidern geil/ doch nicht im Hertzen bist. Hier ist das Hertze keusch/ dort aber nur das Kleid/ Doch wegen Kleid und Brunst ihr beyde straffbahr seyd. Vier Sinn-Gedichte. Vier Gratien. Auson. p. 34. V or diesen zaͤhlte man der Gratien nur drey/ Als aber Lesbia annoch am Leben war/ Da stellte dieses Kind die vierte Huldin dar/ Nun sie gestorben ist/ ist dieses Paar vorbey. Sie liebet ihn. B ellise spricht zu mir/ Daß ich ihr angenehm/ Sie schweret hoch und theur Daß ihr mein Liebes-Feur/ Gar nicht zu wiedern sey. Fuͤg’ ich mich hin zu ihr/ So stellet sie mir frey/ Daß ich den Mund bekuͤsse/ Sie traͤgt da auf Rosinen Jn pråchtigen Rubinen, Sie traͤnckt mit Nectar- Most Und zeuget Honig Fluͤsse/ Sie lehrt mich/ daß die Kost/ Jm Lieben recht bequehm. Uber eine spielende Schoͤne. M ein Hertze muß durch euch der Liebe Wirckung fuͤhlen/ Wenn eure schoͤne Hand/ galantes Musen- Kind/ So wie ein Arion die Seyten zwingt im Spielen/ Jch starre/ ich vergeh/ wenn nur der Schaal beginnt Nach meinen Ohr zu gehn. Was aber thun die Augen? Die spielen Feur und Gluth/ die Brust stimmt auch mit ein. Weil meine Kraͤffte nun zum Wiederstand nicht taugen. So stuͤrb’ ich gar/ wenn ich eur Spiel mann wolte seyn. Als Sinn-Gedichte. Als Clarinde des Abends spatziren ging. W ie! zeigt Diana sich Auf dieser nieder Welt? Laͤßt sie die Sternen-Bahn Und ihr gewoͤlcktes Feld/ Und strahlt die Erde an? Doch Nein! ich irre mich/ Es ist Clarindens Glantz Der ihr den Ehren-Krantz Vom Haupt und Stirne raubt Und sich damit belaubt. Uber ihr Bildniß. M acht dort der Venus- Bild Apellens Hand erstarrt/ Da deren Bruͤste Zier/ und Angesichtes Pracht/ Von seiner leichten Hand zu kostbahr war gemacht/ Daß auch des Leibes-Theil nicht ausgemahlet ward. Apelles Veneris caput \& summa pectoris politissima arte pef- fecit, reliquam partem corporis inchoatam reliquit, Cicero Epist. 9. ad Lentul. So macht eur Wunder-Bild die gantze Stadt verliebt/ Woran nicht die Natur nur das Gesicht polirt/ Sie hat auch Brust und Geist/ so liebreich ausgefuͤhrt/ Daß eure Wunder-Pracht was Englisches abgiebt. Die unbekanie Regung. W enn ich die Doris seh/ so wallt in meiner Brust Der Adern Quelle auf/ doch mir ist unbewust/ Woher der fremde Trieb in meiner Brust entstehet? Der/ wenn die Doris weicht/ mit ihr doch nicht vergehet. Er seuffzet umsonst. Madrig all. M ein Seuffzen gehet in die Lufft/ Und hat die weite Welt zur Grufft/ A a Die Sinn-Gedichte. Die Echo siellet sich bey meinen Klagen ein/ Und will in meiner Noht mir ein Gehuͤlffe seyn. Jhr traurger Wider Hall vermehret meine Klagen/ Und laͤst mich ohne Trost in meiner Angst verzagen. Rufft gleich die sanffte Stimm mir troͤstlich zu/ Gebiert ihr Trost doch keine Ruh/ Weil ihn der Wider Schall nicht Silvia ausstoͤßt/ Jch werde nicht von meiner Quaal erloͤßt. Jch kan der Echo mich gar wol vergleichen/ Nur huͤte dich mein Licht/ Daß dir Narcissus nicht Muß am Geschicke weichen. Vor der Dorimenen Gesang-Buch. D U wilst/ ich soll etwas in dein Gesang-Buch schreiben/ Jch setz die Feder an/ ich weiß nicht was ich schreib/ Mir selbst ist unbekandt/ was ich da einverleib; Jch laß den schwachen Kiel nach seinen Willen treiben. Er schreibt: Ach ließ es doch/ nimm Dorimen’ es hin/ Er schreibt/ daß ich dein Knecht/ ja gar dein eigen bin. Liebe um Liebe. W ann ich Lisetten soll verehren: So muß mir ihre Gunst geneigt entgegen gehn. Denn warum solt ich mich mit Liebes-Last beschweren/ Wenn ich von ihrer Gunst nicht Lindrung werde sehn. Auf das schoͤne Frauen-Zimmer/ so im guͤld- nen Engel logir te. D er Engel Koͤnigin zieht in den Engel ein/ Denn Engel muͤssen bloß bey ihres Gleichen seyn/ Ach koͤnnt ich nur einmahl dich Engels-Kind/ umfassen/ Jch wolte dich gewiß nicht ungekuͤßt verlassen. Es Sinn-Gedichte. Es solte meine Hand sich um den schoͤnen Leib Als wie ein Reben-Stock um seinen Ulmbaum schliessen/ Wir wolten uns zum Zeit-Vertreib Recht zu ergoͤtzen wissen. Auf der Amarianen Contrefait. D is Bildniß gleichet dir Amariane sehr/ Denn es giebt gleich wie du nicht meiner Klag Gehoͤr/ Es bleibet unbewegt bey meinen Liebes-Schmertzen/ Und will gleich als wie du mit meinen Flammen schertzen. Auf die Mouchen der Lesbia. Madrigall. J ch frage offtersmahl Warum dich Lesbia die Mouchen muͤssen decken? So muß dis meine Antwort seyn/ Das thu ich/ das ich schoͤner schein; Denn siehe Cynthia hegt selbsten schwartze Flecken/ Doch scheint ihr heller Strahl/ Gantz sauber/ klahr/ und rein. Eigenschafften der Liebe. Ex Francisc. Petrarch. Dial. 69. D ie Liebe ist ein Feur/ das im verborgnen brennet/ Ein’ Wunde/ die beliebt bey ihren Schmertzen ist/ Ein wohlgeschmacktes Gifft/ das jeder gern genießt/ Ein Bitter-seyn/ das nicht die Suͤssigkeit verkennet/ Ein’ Kranckheit/ wo sich Lust nicht von der Marter trennet/ Ein’ Straffe/ die man gern ohn grosse Weigrung kuͤßt/ Ein Tod/ der ob er gleich den Lebens-Drat zerfrist/ Dennoch von Liebenden wird angenehm genennet. A a 2 Vier Sinn-Gedichte. Vier Maͤdgens lieben ihn. B ellis’ und Clelia, wie auch Bellandrens Schein/ Die muͤhen sich allzeit/ zu Dienste mir zu seyn/ Jch nehm es auch verlieb/ wenn Silvien mein Sinn Nicht nur Vergnuͤgung kriegt/ sonst stehen sie dahin. Die sterbende Suada an ihrem Freund Infortunio. M ein Liebster/ dessen Stern mit Ungluͤck stets gewuͤttet/ Hoͤrt diesen letzten Schall mit tapffern Hertzen an: Die treue Suada stirbt/ die Geister sind zerruͤttet/ Die Zunge kaum dis Wort mit Roͤcheln sagen kan. Jch scheide/ und die Lust/ die wir vor dem empfunden/ Die wird zu Wermuth-Safft und Galle herber Pein/ Doch bluͤht die Hoffnung noch vor eure Liebes-Wunden/ Wenn euch Semire laͤst im Lieben gluͤcklich seyn. Grab-Schrifft der Suada. D er Schoͤnheit Eben-Bild/ der Treue bester Kern/ Ein Engel aus der Welt nach dem beliebten Wesen/ Der Kenschheit-Sonnen-Licht/ der Tugend Morgen-Stern/ Dis Leser/ und noch mehr/ als was du hier gelesen/ Liegt unter diesen Stein in duͤstrer Nacht verhuͤllt/ Nicht wunder dich mein Freund/ daß ich so viel geschrieben/ Der Leib der Suada war der Schoͤnheit Eben-Bild Kern/ Engel/ Sonn’ und Stern sind in dem Geiste blieben. Uber ihr Bildniß. Z ucht/ Tugend/ Ehr und Pracht von dieser Tafel strahlen/ Die Venus will sich selbst auf denen Wangen mahlen/ Die todten Augen sind erfuͤllt mit Liebes-Gluth/ Der Bruͤste Marmor- Schein erhitzt das kalte Blut. Wenn Sinn-Gedichte. Wenn aber Silvia sich als ein Wunder zeiget/ Wie aus den Augen Feur als einem Æthna steiget/ Wie ihre Brust ein Schnee der voller Flammen steckt/ So wird die Liebes-Gluth in Hertz und Sinn erweckt. Auf ihre Jugend. D ie Rose riechet schoͤn/ die noch nicht auffgebluͤht/ Die jungen Tauben sind zur Kost die allerbesten/ Am liebsten auf dem Tisch man junge Moͤhren sieht/ Die jungen Huͤner sind ein Labsahl denen Gaͤsten. Der frische Pomerantz den alten uͤbersteigt/ Am delicat sten sind die frisch und jungen Bohnen/ Ein junges Pferd mehr Muth als wie ein altes zeigt/ Der alten Krafft zerfaͤllt bey heurigen Citronen. Geht nun dem Alterthum die frische Jugend fuͤr? So kanst du Silvia dich auch nicht mehr beschoͤnen/ Der Maͤdgen Jugend reicht die herrlichste Plaisir. Weil eine junge Schooß Lust und Vergnuͤgung kroͤhnen. S us, pueri bini, puer unus, nupta, maritus, Cultello, Lympha, fune, dolore cadunt, E in Schwein/ zwey Kinders/ und ein Kind/ das Weib/ der Mann Gehn durch Stahl/ Wasser/ Strick und Gram ihr Sterben an. Uber den Feld - Zug der hohen Alliir ten in Flandern/ im Jahr 1708. und 1709. und folgen- den andern. D U stoltzer Ludewig, doch jetzo mehr als klein/ Sieh wie dein Hochmuth faͤllt/ und deine Groͤsse ein; Wenn die verknuͤpffte Macht dich ihre Staͤrcke zeiget/ So wird bey Audemard dir Hertz und Muth gebeuget. Halt deine Krone vest/ sie wackelt Ludewig, Ein Kleinod ist schon fort durch Audenardens Sieg. A a 3 Die Sinn-Gedichte. Die beste Lilje hat Eugenius gepfluͤcket/ Und vor der Teutschen Macht sich nun dein Ryssel buͤcket. Es suchte zwar Bouff leur zu schuͤtzen diese Stadt/ Allein/ was hilfft der Witz wenn man kein Gluͤcke hat? Ob sich viel Dornen gleich um Ryssel sehen liessen/ So ist es doch hinweg ohn’ Hand Schuh dir gerissen. Der Hand-Schuh ging auch fort als man dir Gent wegnahm/ Da eben die Gewalt des kalten Winters kahm. So wie dir Brügge kahm/ so must es wieder gehen/ Und Brüssel wolte nicht den Bayrn zum Heyland sehen. Ja selbst dein Æthna muß zu letzte ruhig seyn/ Wenn man durch Arbeit nimmt dein Dornick auch mit ein/ Dem mancher Dornen-Strauch zu seinen Schutze nuͤtzte/ Und das wie Plutons Klufft nur Schweffel-Feuer blitzte. Soll denn ein Felsen Loch dir eine Frey-Stadt seyn/ So faͤllt ein tapffer Arm auch in die Schantzen ein/ Schlaͤgt deine Voͤlcker weg/ und muß das Feld besiegen/ Und auch zum Sieges-Lohn den Berg und Felsen kriegen. Uber die Stadt Venedig. Aus dem Lateinischen. N eptunus sahe einst die Stadt Venedig liegen Jm Adriat schen Meer/ und See und Land besiegen/ Er rieff/ Zeus wirff mir nicht Tarpejens Schloͤsser vor/ Und Mavors prahle nicht mit Mauren und mit Thor. Will euch der Tyber Fluß mehr als das Meer ergoͤtzen? So last uns das Gesicht auf beyde Staͤdte setzen/ Denn werdet ihr gestehn/ daß Menschen Rom gemacht/ Venedig aber sey von Goͤttern aufgebracht. Auf dem Englis. Admiral Franc. Dracus. B eschaͤmter Hercules prahl nicht mit deinen Saͤulen/ So bey der alten Welt dich trefflich groß gemacht/ Dem edlen Dracus muß man groͤssern Ruhm ertheilen/ Wel er sein Krieges-Schiff rund um die Welt gebracht. Du Sinn-Gedichte. Du stunbst bey Abila und auch bey Calpe stille/ Es solte da der Welt umschrencktes Ende seyn/ Allein dein Schluß war nicht des edlen Dracus Wille/ Er sprach/ man schliest die Welt nicht in die Schrancken ein. Er lieff durch Ost und West/ durch Suͤden und durch Norden/ Er rieß die Wellen durch/ er fuhr ins wilde Meer/ Und kahm durch einen Weg der nie erhoͤret worden/ Rund um die Welt herum nach England wieder her. So must du/ Hercules, doch diesem Helden weichen/ Das himmlische Gestirn macht seinen Ruhm bekannt Du bist zwar Ruͤhmens werth doch ihm nicht zuvergleichen/ Er wird ein Wunder-Held von aller Welt genannt. An Battulus, da Sylvia seine Gedichte verbrannt. H oͤr Battulus Poët, wenn dein verliebt Gedichte Der schoͤnen Sylvia soll angenehme seyn/ So tische ihr nicht auf verbuhlte Lust-Gedichte/ Und schenck der Geilheit Most nicht in den Becher ein. Jhr Auge liebet nicht was nach der Geilheit schmecket/ Verbuhlte Reden flieht sie aͤrger als das Gifft; Weil nun in deiner Schrifft die Geilheit war verstecket/ So klage nicht/ wenn dich gerechter Eyfer trifft. Der Nahme Venus ist ihr eine Pest zu hoͤren/ Und dieses aͤrgert sie wenn man sie Venus heist/ Jhr Wesen wil sich nicht in Cypris Thun verkehren/ Derselben Eigenschafft nicht aus den Augen gleißt. Die Maͤdgens/ die an Brunst die Venus uͤberwinden/ Die nehmen ein Gedicht von geilen Worten an/ Bey ihnen kan man Gunst durch solche Verse finden/ Die Sylvien ihr Ohr gar nicht vertragen kan. Jhr reiner Eyfer ließ die garstgen Verse brennen/ Hierinnen wolte sie der Venus aͤhnlich seyn/ Sie sprach: Die Verse muß mein Mann Vulcan erkennen/ Drum werffe ich sie jetzt in seine Flammen ein. A a 4 Die Sinn-Gedichte. Die verhaßten Stachel. W as spitz und stachlicht ist/ daß haßt das Frauen-Zimmer/ Es schreit/ wenn ihre Hand ein scharffes Ding beruͤhrt. Wenn es die Rosen bricht schillt es die Stacheln immer Die deren Purpur-Zier zur Wache bey sich fuͤhrt. Das Honig liebt es zwar/ doch aber nicht die Bienen/ Denn deren scharff Gewehr offt ihre Haut verletzt/ Es liebt das weiche Blat der glaͤntzenden Jesminen, Die Dornen aber nicht/ die in dem Zaun gesetzt. Die Nadel muß ihm zwar im Putze Dienste leisten/ Allein die Spitze ist/ so bald sie sticht veracht. Dis ging’ noch alles hin/ doch kraͤnckt uns dis am meisten/ Daß unsers Mundes-Zier auch wird dazu gemacht. Sie moͤgen hertzlich gern von uns die Kuͤsse nehmen/ Wenn unser Mannheit-Schmuck nicht um den Lippen steht/ Denn aber will der Mund sich nicht dazu bequehmen Wenn ihnen nur der Bart in ihre Haut eingeht. Sind aber/ Kinder/ euch die Stachels auch verhasset/ Die eurer Jungferschafft den lieben Tod anthun? Nein! denn er wird von euch an solchen Ort gefasset/ Daß ihr im Stechen koͤnnt in suͤsser Wollust ruhn. Der Stachel ists/ der euch alleine will gefallen/ Da ander Stachels euch zu mahl verhasset seyn/ Den Stachel liebet ihr an uns vor andern allen/ Weil er so zaͤrtlich sticht euch eine Wunde ein. Allein ihr seyd bethoͤrt/ daß ihr den Stachel liebet/ Der mit dem suͤssen Stich euch allzu schaͤdlich ist/ Gesetzt/ daß euch ein Dorn/ ein Bart Verletzung giebet So stirbt die Ehr doch nicht/ die bald das Grab-Mahl kuͤßt. Haßt doch die Stacheln nicht/ die euch nicht schaden kuͤnnen/ Vertragt der Dornen-Stich des Bartes auch darbey/ Der Schmertz/ der davon kommt/ pflegt leichte zu zerrinnen/ Und glaubt der suͤsse Stich macht viel Beschwererey. An die falsche Lysilis. S O meynet Lysilis, daß ich des Todes sey Wenn ihre Gunst mir fehlt/ und sie mir ungetreu? So Sinn-Gedichte. So meynt sie/ daß mein Geist vor Uberdruß verschmachtet/ Wenn sie mich hoͤnisch schillt/ und ohne Schuld verachtet? Ach Nein! die Meynung triegt/ ich bin noch unverzagt/ Jch fuͤhle nicht/ daß mich um sie ein Kummer plagt/ Will ihr gleich meine Waar aus Hochmuth nicht gefallen? Sie wird darum doch nicht verkleineret von allen. Will sie nicht Kaͤuffer seyn/ so sind derselben mehr Sie reissen sich um sie ja auch nicht allzusehr. Wenn sie nicht bessern Stoff vor ihren Laden leget Alsdenn sie keinen Mann in ihrer Buden heget. Fahr hin du bist verlacht du dunckles Augen-Licht/ Dein Spiegel schmeichelt sehr/ und gibt dir falsch Bericht/ Sie meynt/ sie waͤre zart/ galant und trefflich schoͤne/ Sie meynt/ daß man mit recht sie als die beste kroͤhne/ Doch Nein! sie ist nicht schoͤn/ wie es ihr Sinn begehrt/ Die falsche Schoͤnheit wird durch Einbildung ernehrt. Fahrt hin/ ich acht eur nicht ihr falschen Liebes-Sterne/ Jhr duͤstert in der Naͤh’ und glaͤntzet nur von ferne. Jhr falsches Hertze ist ein Boden-loser See/ Und ihre Treu vergeht wie der Aprillen-Schnee/ Sie ist ein Wetterhahn/ den jeder Wind verdrehet/ Und bald nach Ost und West/ nach Nord-und Suͤden wehet. Mops wird betrogen. M ops sahe naͤchst Lysetten Vor ihrer Haus-Thuͤr stehn/ Und sprach/ ich wolte wetten/ Wenns keiner wuͤrde sehn/ Daß ich sie kuͤssen darf. Er ging hierauf hinzu/ Um sie zu embrassi ren Allein sie sah zu scharff/ Und reichte ihm im Nu So gar was Wuͤstes dar/ Damit zu courtisi ren. Man ward es gleich gewahr/ Mops wurde ausgelachet/ Und tapffer ausgemachet. Mops Sinn-Gedichte. Mops faͤllt in den Dreck. M ops wolte vor galant Naͤchst angesehen seyn/ Man solte complaisant Jhn in der Stadt ausschrein. Er gruͤste alle Damen, Die ihm entgegen kahmen; Auch die im Fenster lagen/ Die musten ihre Plagen Von seiner Courtesie Mit Ungedult ausstehen. Doch die Galanterie Kan nicht auf Steltzen gehen. Den als er Anmarigen Sah in dem Fenster liegen/ Wolt er es hazardi ren/ Und sich galant aufffuͤhren/ Allein es lag ein Stein Recht hinter seinem Bein/ Der machte/ daß der Herr Gantz unwuͤrsch niederfiel. Hier lag Paruqu’ und Hut Und dort das arme Blut Jm Drecke so subtil, Als wenns sein Bette waͤr. Das Maͤdgen muste lachen/ Daß die galan ten Sachen/ So Monsieur Mopsus hegt/ Mit Dreck brodi ret sind/ Als er sich hingelegt/ Da goß das liebe Kind Die Kammer-Lange aus/ Und traͤnckte ihn damit; Denn auf ein gutes Bad Gehoͤrt ein braver Schmaus. Der war auch gleich parat/ Er der Verjagniß quit. Er Sinn-Gedichte. Er fing an auffzustehen/ Und heim nach Haus zu gehen. An den betrogenen Mops. M ops thu die Augen auf/ und laß die Narren-Possen/ Du must doch immerfort/ sonst nichts/ als Waͤchter seyn/ Du bist mit Haasen-Schrot bis auf den Tod geschossen/ Clarinde, die betriegt dich mehr als ungemein. Einjeder schickt dich aus/ du must von dannen weichen Wenn ein verliebtes Schiff den Haven suchen will/ Du stehest auf der Hut/ sie darf niemand beschleichen/ Mein/ lege doch einst ab den ungeschliffnen Brill. Sie nennt dich zwar mein Mann/ doch must du das entbehren/ Was dir mit recht gehoͤrt/ weil du nicht gut genug Mein/ laß dich doch nicht mehr von deiner Frau bethoͤren/ Du bist ein guter Mann/ doch aber nicht recht klug. Mops thu die Faͤuste auf/ und hege kein Erbarmen/ Nimm einen Stock zur Hand/ und schlage auf dein Weib/ Schau/ wie der Buhler kan auf ihrer Brust erwarmen/ Was dir versprochen ist/ ist ihm ein Zeit-Vertreib. Doch Nein! du wirst wol Mops, das ist ein Narr/ verbleiben Du bist gantz wohl vergnuͤgt/ wenn du nur Suppen frißt/ Dein Weib darf dich ins Buch der grossen Gilde schreiben Wenn nur ein Doppelt-Marck dein Lohn der Wache ist. An die falsche Celinde. C elinde fahr nur hin/ ich mag dich nicht mehr lieben/ Mich soll dein Wanckelmuth hinfuͤhro nicht betruͤben/ Du ziehst mich nicht mehr auf/ ich kenne dich nun wol. Und weiß wie ich den Reitz der Augen fliehen soll. Jch speißte mich vor dem mit lieblichen Gedancken/ Und glaubte deine Treu die wuͤrde niemahls wancken. Nun aber kenn’ ich dich/ du laͤst auch andre ein/ Du fuͤhrst mich hinters Licht/ und gibst mir falschen Schein. Jch sage nun Adjeu , du magst nur immer waͤhlen Jch frage nichts darnach/ allein ich will dir fehlen/ Der Sinn-Gedichte. Der Maͤdgens sind genug/ sie wachsen alle Jahr/ Und biehten sich wol selbst an einem Freyer dar. Wir leben nun getrennt/ und sind also geschieden Jch lasse dich/ und du mich auch hinfort/ zu frieden. Das Maͤdgen/ so mich will bey sich im Bette sehn/ Das muß mit jedermann nicht in Bekanntschafft stehn. Armeniens wunderliche Liebens-Art. S oll uns Armenie mit ihrer Gunst anlachen/ So muß man sie durch Geld zuvor verliebet machen/ Braucht man dis Kunst-stuͤck nicht/ so triegt die Meynung oft/ Und man erlangt das nicht/ worauf man sonst gehofft. Hat sie die krumme Hand mit Gaben nicht vergnuͤget/ So kriegt man keinen Blick ob man gleich vor ihr lieget/ Sie dencket/ weil sie schoͤn und liebens-wuͤrdig ist/ Es schwaͤrtzte ihre Zier wenn ohne Geld gekuͤßt. Sie will der Danaen in allen Stuͤcken gleichen Man soll durchs Gold wie Zeus den heissen Wunsch erreichen/ Denn gleich wie dessen Gold durch Stein und Huͤter brach/ So gibt sie alsofort auf das Geschencke nach. Sie laͤst sich nicht durch List noch Schmeichelung besiegen/ Sie liebet den Gebrauch mit guͤldnen Kugeln kriegen/ Der grosse Ludewig wird drum von ihr geehrt/ Weil er ihr diese Kunst zu ihren Vortheil lehrt. Vom Freyen haͤlt sie nichts/ noch weniger von Nehmen/ Des Nehmens aber wil sie selber sich nicht schaͤmen/ Sie siehet auf das Geld/ ist dieses mit darbey/ So glaub er/ daß er schon der Vestung Meister sey. Wer will/ mag diese Kunst nur einmahl an ihr uͤben/ Sie wird ihn alsofort mit grosser Jnbrunst lieben/ Denn spricht sie: Wer kan wol von Stahl und Eysen seyn/ Jst doch ein heisser Kuß auch bey den Engeln rein Allein was wird daraus? ach Kinder/ Kinder/ Kinder! Sie aber bleibt getrost/ und buhlt nichts destominder/ Sie schreyet immer fort/ ich nehme dennoch Geld/ Ob mich schon manches Kind vor seine Mutter haͤlt. An Sinn-Gedichte. An Melinden. J A freylich hast du Recht/ du bist es zwar gewesen/ Doch jetzo nun nicht mehr; was denn? sprichst du zu mir/ Mein schau/ du solt es gleich in wenig Worten lesen/ Sprach naͤchst dein Jungfern-Kind nicht recht Mama zu dir? Dorinde will nicht Mutter werden. D orinde sehnst du dich nicht auch nach einen Mann/ Der dir die lange Zeit mit Lust vertreiben kan? Ha! sprichst du hier zu Ja/ wart nur/ ich will dich fangen/ Weil selten Mann und Weib ein ander Absehn hat/ Als warum Eva sich zu ihrem Adam that/ So sehnst du dich darnach/ was du nicht wilt verlangen. Desperatio aut facit militem aut Monachum. J ch fliehe aus der boͤsen Welt/ Weil mir ihr Wesen nicht gefaͤllt; Der Mißmuth treibet meine Sinnen Zu dem/ was ich jetzt muß beginnen. Jch ziehe Nonnen-Kleider an/ Weil sonsten nichts mehr helffen kan/ Kan ich schon kein Schaͤtzgen haben/ So wird mich doch ein Pater laben. Uber einen Alten/ der ein junges Maͤdgen heyrahtet. S O gehts/ weñ ein Alter wil bey den jungen Maͤdgens liegen/ Daß er zu dem Lohne muß Hoͤrner auf die Scheitel kriegen Denn weil er der jungen Frauen nicht das Leder gerben kan/ So nimmt sie zum Zeitvertreib ander gute Troͤsters an. Das Sinn-Gedichte. Das unbestaͤndige Frauen-Zimmer. Aus dem Jtaliaͤnischen. W enn schon der Himmel lacht/ und Nereus Fluhten schertzen/ So stuͤrmmt es bald daselbst/ wo jetzt die Stille prangt: Und die Bestaͤndigkeit hat in der Weiber Hertzen/ Den Ort der Wanckelmuth noch keinen Sitz erlangt. Das freye Maͤdgen. Aus dem Frantzoͤsis. M it einer Jungferschafft war ich vor dem begabt/ Und dieses war der Schatz von meiner Eltern Sparen Allein jetzt hab ich nichts von dem was ich gehabt Mein kleines Erbtheil hat die Endschafft schon erfahren. Doch Amor laͤst es zu/ und heißt es daß man labt Damit der Maͤnner Sinn wenn wir von funffzehn Jahren Denn dieses Maͤdgen fort wie eine Naͤrrinn trabt/ Daß seine Jungferschafft noch laͤnger will verwahren. An dem Leser. J ch kan zwar werther Freund mein Werck nicht kostbahr preisen: Jch weiß nicht ob mein Buch dir was galantes reicht/ Und ob die Lieblichkeit sich in den Zeilen zeigt/ Kein Hoffmanns Waldau wird sich in den Versen weisen/ Der Geist des Lohensteins wird nicht darinn verspuͤhret. Jedoch mir ist alsdann das beste Gluͤck beschehrt Wenn es dein Auge ließt. Ja schaͤtzest du es werth/ So wird es selbst von mir den Sternen zugefuͤhret. ENDE der Sinn-Gedichte. IV. Ver- IV. Vermischte G edichte. Tempel der Liebe. F uͤngst als das Sonnen-Licht in letzten Zuͤgen lag Da sich sein Purpur-Schein nach blauen Wellen lenckte/ Da schon die Demmerung aus grauen Wolcken brach/ Und den geflammten Glantz in Thetys Schooß versenckte. Da stuͤtzte ich mein Haupt auf den ermuͤdten Arm Den Sorgen zu entgehn/ die Geister zu erfrischen/ Und das beklummne Hertz aus der Gedancken-Schwarm Durch Froͤlichkeit zu ziehn/ und Lustbarkeit zu mischen Jn Kummer-volle Angst damit mein Schicksahl gluͤht. Jndessen uͤberspann ein Nebel das Gesichte/ Ein Schlaff/ der alle Macht dem muͤden Leib entzieht/ Nam mir im Augenblick die meisten Lebens-Fruͤchte. Mein Haupt das senckte sich von der erstarrten Hand/ Mein Leichnam stellte fuͤr den rechten Todes-Schatten/ Mein Geist verreißte fast ins Elyseer- Land Und wolt’ in Charons Kahn sich mit den Geistern gatten. Jnzwischen traumte mir/ wie ich da schiffend fuhr Wo in des Nereus Fluth die schwimmenden Najaden Jn lauter Marmor-Milch entdeckten ihre Spuhr Mir selbsten kahm die Lust in dieser See zu baden/ Wie ich denn auch so fort mein morsches Schiff verließ/ Und mich der sanfften Fluth in ihre Schooß vertraute Ein kuͤhler Anmuths-Wind das weiche Meer auffbließ/ Worauf ich mich sofort in einem Lande schaute; Wo ich ein Frembdling war/ mir war kein Weg bekannt/ Wo sonst die Dornen stehn/ da zeigten sich die Rosen/ Vor Vermischte Gedichte. Vor Nessel und Napel man aller Orten fand Gewaͤchse/ die man gern pflegt kuͤssend liebzukosen. Jndeme nun mein Fuß/ das zarte Feld betrat/ Und als ein schuͤchtern Schaaf durch Au und Waͤlder irrte/ Ward ich von fern gewahr ein ausgelegtes Pfad/ Worauf ein lichter Strahl bald hier/ bald dorthin schwirrte. Daselbsten schwenckte ich die muͤden Glieder hin/ Weil mein neugierger Geist dahin mit Macht begehrte/ Jch kam auch an das Pfad/ und sah den Aretin, Den ein geweyhter Krantz von gruͤnen Myrthen ehrte. Kaum wie er mich ersehn/ fand er sich bey mir ein/ Er reichte mir die Hand in dem er dieses fragte/ Woher mir doch das Land so kundbahr koͤnnte seyn/ Und wie mir dessen Lust und Lager-Stadt behagte? Noch ferner fuhr er fort/ ob mir auch wol bewust/ Daß dis die Jnsul waͤr wo Venus Tempel stuͤnde? Wo man vor Schmertz und Pein nur ungemeine Lust/ Vor Diesteln/ Liljen und schoͤne Rosen fuͤnde. Wo wenig Sterbliche den Fuß noch vest gestellt/ Wenn sie nicht Venus Lob zur Gnuͤge ausgebreitet/ Und ihrer Majestaͤt den halben Kreyß der Welt Zum Opffer dargereicht/ und her zu ihr geleitet. Jch sprach mein Aretin mein unbesonner Fuß Jst sonder meine Schuld in dis Revier gekommen/ Denn als ich unterfing in jenem Marmor-Fluß Den Leib zu kuͤhln/ bin ich an dieses Land geschwummen. Wo ich den Ausgang nicht/ noch dessen Eingang weiß/ Dort was erscheinet dort/ mit seinen guͤldnen Zinnen? Was ists vor ein Gebaͤu/ vor dem ein kaltes Eyß/ Weil es so helle scheint/ wie Wasser muß zerrinnen? Hierauf sprach Aretin, es ist der Venus Sitz/ Da kuͤßt sich Amors Macht mit Cypris suͤssen Flammen/ Da blitzet/ strahlt und brennt vergoͤnnter Liebe-Blitz/ Da schmeltzet Mann und Weib in heisser Gluth zusammen. Da gehet niemand frey ohn Strick und Band zuruͤck/ Wer als ein luͤstern Gast in diese Gegend wallet/ Ehrt den beliebten Strahl mit einem heissen Blick/ Der aus der Nymphen Aug’ in sein Gesichte prallet. Jch/ Vermischte Gedichte. Jch/ den das Schicksahl laͤngst zum Sclaven auserkiest/ Ersuchte Aretin den Tempel zu besehen; Er sprach: Dieweil dein Geist so neubegierig ist/ Sey dir dein Wunsch gewehrt/ dein Bitten soll geschehen. Jch/ fuhr er fort/ der laͤngst von Jdalis ernennt/ Daß ich entseelet soll ihr Heiligthum behuͤten/ Als einer/ der den Schatz am allerbesten kennt/ Den aus der blauen Schooß der bittern Amphitriten, Sie mit ans Licht gebracht/ und allda auffgestellt. Sie hat mehr Perlen-Kost als suͤsse Milch genossen/ Und ist dennoch ein Brunn der Anmuth in sich haͤlt/ Unendlich kommt aus ihr die Wollust hergeflossen/ Ob gleich dis grosse Rund ihr taͤglich viel entfuͤhrt. Jch habe nur die Quell mit Wenigen beschrieben/ Die mein verstumpffter Kiel nicht wie es ihr gebuͤhrt Nur wie er es gekonnt den Sternen zugetrieben. Er fuͤhrte mich hierauf in einen gruͤnen Wald Wo Myrthen und Laurier, Jesmin und Rosen stunden/ Der war zur Abends-Zeit der Venus Auffenthalt/ Wenn sie sich aller Last und Vorsehung entbunden. Recht in der Mitten floß ein Crystalliner Bach/ Worauf ihr Schwaanen Spann im Schwim̃en sich erhitzte/ Dione ging darinn dem kuͤhlen Baade nach Wenn ihr Albaster Leib Zibeth und Ambra schwitzte. Am Ausgang dieses Hayns stund ein erhoͤht Altaan Darunter wir hindurch in einen Vor-Hof gingen/ Daselbsten zuͤndete man geilen Weyrauch an/ Den durfften sie nicht hin zum rechten Tempel bringen. Aus diesem Hofe kam ich wo der Tempel ist Daran das Morgen-Land den groͤßten Schatz verwendet/ Wo Bantam, Bengala sich miteinander kuͤßt/ Wo Java und Golcond die Edel-Stein’ verschwendet. Wo Gold aus Potosi als viel zu schlecht verbleicht/ Wohin gantz Jndostan den besten Schmuck verehret/ Wo Sidons Schnecken-Blut vor zarten Rosen weicht/ Wo der Sinese noch den Araber vermehret. Kein Pinsul ist so zart/ der so gelinde zieht Als dieser Goͤttin Haus und Tempel ist geziehret; B b Kein Vermischte Gedichte. Kein Nelcken-Straus so nett in sich gemarmelt bluͤht Als man dis Heiligthum von aussen auffgefuͤhret. Es war gantz Circul-rund von Marmor aufgebaut/ Zwoͤlff Pfeiler stuͤtzeten der Cypris Allmachts-Tempel Nach Ordnung die Corinth am liebsten ausgehaut. Die innersten Pilarn, nach Dorischen Exempel/ Umfing ein Venus- Held mit Myrthen Laub bekroͤnnt. Hier brannte Hercules in heissen Liebes-Flammen/ Dem Paris sah mans an wohin er sich gesehnt. Drauf ließ sich der Anton und Cæsar gleich beysammen Nach diesen Nero sich/ und denn Avitus sehn. Zur lincken Seiten sah ich alle die Poë ten/ Die Paphos Ehren-Preiß mit lieblichen Gethoͤn Auf Harffen/ Lauten-Spiel und angenehmen Floͤhten Bis an die Sternen-Burg durch ihre Kunst gefuͤhrt/ Hier stund Anacreon, Petronius, Catullus Recht praͤchtig angethan/ mit Lorbern ausgeziert/ Und dort Horatius, Ovidius, Marullus. Den Nahmen nach/ fand man da unvergleichlich mehr. Zuletzt so fiel der Sitz/ wo ihre Gottheit wohnte/ Mir Bloͤden ins Gesicht als ein Erstaunungs-Heer. Woselbst der Diamant des Tuͤrckis-Schein belohnte/ Wo ein gewuͤnschter Stein den andern angestrahlt/ Woselbst der Anmuth-Schmuck aus allen Theilen lachte/ Wo sich Rubin und Gold ein Rosen-Feld gemahlt/ Wo dieses theure Bund ein nettes Schau-Spiel machte/ Da war Dionens Sitz. Auf einem Prunck-Altar Sah ich ein Opffer-Feur in blanen Flammen lodern/ Die holden Gratien, das Klee-geparte Paar. Die musten Amorn ab das theure Rauch-Werck fodern. Die Goͤttin selbst war nur mit zarten Flor geziert/ Wodurch der Glieder-Pracht mit starcken Flammen blitzte. Weil sie durch ihre Krafft Stein/ Baͤum’ und Thiere ruͤhrt/ So fiel es ihr nicht schwehr/ daß sie mein Hertz erhitzte. Denn wie Magnet den Stahl/ der Agtstein leichtes Spreu Durch Liebe an sich zieht/ so auch die nackten Bruͤste/ Die Nelcken gleiche Schooß zeigt/ daß sie lebhafft sey Denn welcher schaut sie wol/ dems nicht so fort geluͤste. Der Vermischte Gedichte. Der Weinstock liebt den Ulm/ weil er die Rinde kuͤßt/ Das Epheu schlinget sich in Felsen harte Mauren/ Dian’ und Nereus zeugt das Cypris maͤchtig ist Vor Amors Pfeilen kan Medusens Haupt nicht dauren. Es zuͤndet ihm die Welt viel tausend Opffer an/ Der Mutter siegt er ob/ und macht sie selber brennen/ Da doch der grosse Zeus der Mutter unterthan/ Ja es erhitzt so gar Cupidens blosses nennen. Das auffgefrorne Meer/ als ein gethuͤrmter Berg Hegt Amors heisse Gluth in seinen kalten Wellen/ Das Loͤwens grimme Macht/ und seine wilde Staͤrck/ Kan ihm der Venus- Sohn in Lammes-Art verstellen. Jndeme nun mein Geist auf Amors Wirckung dacht’/ Und seine Wunder-Krafft im Hertzen uͤberlegte/ Ward mir von Aretin ein grosses Buch gebracht Das vieler Helden-Schrifft in seinen Blaͤttern hegte/ So ihr gelehrter Kiel aufs weisse Blat gepfluͤgt. Er sprach: Hier must du auch ein Ehren-Denck-Mahl setzen. Wie so? ersetzte ich/ wird denn auch beygefuͤgt Ein ungelehrter Spruch/ den klugen Wunder-Schaͤtzen? Doch/ daß man uͤber mich nicht aller Orten klagt/ So schreibe ich ins Buch nur wenig keusche Zeilen. Schreib was/ und wie du wilt/ es ist dir unversagt Sprach Aretin, mach fort du darffst dich nicht verweilen. Hierauf nahm ich zur Hand Buch/ Dinte und den Kiel Und schrieb auf eine Schrifft an einem reinen Orte/ Sie fuͤllete den Raum bis zum gezeichten Ziel Und hegte/ wo mir recht/ fast eben diese Worte: „Jch flieh den suͤssen Klang der schmeichelnden Sirene, „Und stopffe mein Gehoͤr mit der Verachtung zu; „Jch binde die Begierd mit der Enthaltungs-Sehne/ „Am Mast-Baum der Vernunfft/ und gebe mich zur Ruh. „Jch wende meinen Lauff von den verborgnen Klippen/ „Und lenck mein Sinnen-Schiff nach reiner Keuschheit hin/ „Mein Bau begehret nicht auf ihren falschen Lippen „Den Untergang zu sehn; des ich gewisser bin „Als Nacht und Sonnenschein sich um einander zeiget/ „Als eine Woch’ ein Jahr sich Wechsel-weise kuͤßt. B b 2 „Denn Vermischte Gedichte. „Denn welcher sein Gemuͤth auf Huren-Wollust neiget/ „An statt gewuͤnschter Kost vergiffte Kroͤten frist. „Er schmeckt vergallt Napcl statt reinen Liebes-Myrthen/ „Er behtet Nessel-Kraut vor Purpur-Rosen an. „Vor den verlangten Port stoͤst er auf scharffe Syrten/ „Die auch die Klugheit selbst nicht stets vermeiden kan. „Sie faͤllt/ wenn sie dem Ort sich allzu nahe machet/ „Wo ein verbuhltes Weib der Geilheit-Priesterinn/ „Dem die verbotne Lust aus Stirn und Auge lachet/ „Das nach der Uppigkeit gelenckt den luͤstern Sinn. „Das der gemeinen Lust ein fettes Opffer bringet/ „Das dem entzaͤumten Siñ noch Peitsch und Spornen reicht/ „Das sich wie Messalin zur Wollust Schlacht-Banck dringet/ „Jn dessen Nieren nie der Venus- Stern erbleicht/ „Doch aber/ wenn Vernunfft aus klugen Augen siehet/ „Man wie Ulysses dort/ Siren und Circen aͤfft/ „Der Scyllens Fall-Strick/ und Charibdis Netz entfliehet „Und in des Polyphems entweyhter Hoͤlen schlaͤfft. „Der muß Vorsichtig seyn/ und gar behutsahm gehen/ „Der je zuweilen noch ein wenig lieben will/ „Haͤlt er seyn Leben hoch so muß er dahin sehen „Daß sein Verlangen nicht nach einer Huͤtten ziel/ „Wo Mord und Tyranney bey falschen Geistern wohnen/ „Die/ die Verzweiffelung mit Zucker uͤberstreut/ „Die ihre Laster-Brut so wie die Keuschen lohnen/ „Und denen nichts/ als nur dis eintzige/ gereut/ „Daß sie in geiler Lust nicht Obermeister heissen „Daß ihnen nur ein Krantz als Hauptmann wird geschenckt/ „Daß sie nicht Messalin von ihren Throne schmeissen. „Dis ist der grosse Schmertz/ so ihre Sinnen kraͤnckt. „Hieruͤber quaͤhlen sich die geilen Creaturen/ „Bey denen nur die Form und Ansehn menschlich faͤllt/ „Die ihre Hertzens-Lust/ aufs Loͤffeln/ und auf Huren/ „Und ander Schandbarkeit in dieser Welt gestellt. „Die/ wenn ein reiner Geist durch ihre Wohnung irret/ „So gleich den Boden kehrn/ wo er den Fuß gesetzt/ „Da doch deꝛ Hoͤllen-Mohꝛ durch Schooß u. Schloͤsseꝛ schwirret „Und ihr verdammtes Haus mit Pech und Schweffel letzt. Hier Vermischte Gedichte. Hier reichte ich das Buch ihm wieder in die Hand/ Das er denn auch sofort an seine Stelle brachte/ Und mir in einem Huy aus dem Gesicht verschwand/ Der Tempel regte sich/ die gantze Gegend krachte/ Die Venus die entzog sich ihrem Rauch-Altar/ Die Nymphen flogen weg/ und wo ich nur hin blickte Wurd’ ich von aller Pracht gar nichtes mehr gewahr. Die Ampeln gingen aus/ ein grosser Wind verruͤckte Zu letzt den gantzen Bau. Jndem erwachte ich/ Jch wust’ nicht wo ich war/ noch wo ich mich befunde/ Jch sahe gar kein Licht/ und kunte keinen Stich Vor meinen Augen sehn. Die Dunckelheit verbunde Mit ihren schwartzen Flohr mein schlaͤffriges Gesicht/ Die Wolcken waren gantz mit Finsterniß bezogen/ Und Phœbens blasser Schein verbarg sein silber Licht. So hatte mich der Schlaff und Morpheus Tand betrogen. Zuletzt besonn ich mich/ ich wuste wo ich war Als Phœbens silber Horn den Erden-Kreyß bemahlte/ Und in Metall und Wein den Lebens-Safft gebahr/ Wie sie das Sternen-Heer mit ihrem Glantz bestrahlte. Es war ein leerer Traum/ und eitel Phantasey Das mir verwichne Zeit den Sinnen-Bau bethoͤret/ So gleich schlug auch das Uhr durch seinem Hammer zwey Dadurch ward mir die Zeit nach Bett zu gehn gelehret. Als sich Polidor auf einem lustigen Berge diverti ret. N aͤchst/ als nach Mittags-Zeit die helle Sonne blitzte/ Da ihr beliebter Strahl erquickte jede Brust/ Und als der Ackersmann bey seinem Pfluge schwitzte/ Erkohr ihm Polidor im gruͤnen eine Lust. Er sahe bald den Berg/ der dem Parnassus gliche/ Die Anmuth hat sich da ins gruͤne Gras Postirt, Desselben gruͤnes Haupt bis an die Wolcken striche/ Von dem die Westen Lufft den suͤssen Ambra fuͤhrt. Hier streckte Polidor die muͤd-und matten Glieder Jn das bebluͤmmte Gras/ wo Flora Hoff-Statt haͤlt. B b 3 Das Vermischte Gedichte. Das leichte Vogel-Heer sang wunder-schoͤne Lieder/ Und stellte singend vor ein Elyseer- Feld. Der edle Musen- Sohn vertrieb bald allen Kummer/ Jhm solte dieser Ort ein rechter Labsahl seyn. Es uͤberfiel ihm auch ein angenehmer Schlummer Und Morpheus nahm sein Haupt mit vielen Grillen ein. Hier fehlet Cicero die Ruhe auszudruͤcken/ Die ihm des Himmels-Gunst damahls geniessen ließ/ Drum dacht er diesen Ort mit Reimen auszuschmuͤcken Eh ihm die braune Nacht nach Hause gehen hieß. Er sprach: Begluͤckter Hayn es muͤssen deine Aeste Jn jenem Tempel stehn wie hoher Cedern-Pracht. Wenn man den Herren lobt am heil’gen Pfingsten Feste An dem jedweder Geist mit frohen Munde lacht. So gruͤne immer dar du Sammel-Platz der Freuden/ Und deine Gegend sey ein stetes Lust- Revier, Dann kan ein treuer Hirt sein Schaaf in Frieden weiden/ Jch aber ehre dich/ und scheide nun von hier. Dis war was Polidor in eine Buͤche schnitte/ Die an dem Wege gleich zur rechten Seiten stand/ Nachdem es nun geschehn/ ging er mit sanfften Schritte Hin nach dem Flecken zu wo sich sein Freund befand. Cupido zuͤrnet uͤber der Stellandra und Elio- dors Haͤrtigkeit. B in ich derjenige/ der da die Wunder macht/ Daß in den Flammen steht fast alle Creatur/ So nur durch Huͤlffe der Natur An dieses Licht gebracht? Ja/ Ja/ ich soll es seyn/ ich seh den Zeus entweichen/ Der stoltze Mavors muß die trotzen Seegel streichen/ Und Phœbus wird durch meinen Pfeil beruͤckt Daß er sich heiß entzuͤndt zu Leucothoen buͤckt. Jch hab es auch gemacht/ Daß Alpheus hitzig eilt zu Arethusens Fluͤssen/ Daß Pan bemuͤhet ist Syringen zu geniessen/ Daß Pluto wird ans Licht gebracht/ Und Vermischte Gedichte. Und als ein bruͤnstig Hirsch Proserpinen nach schreyt/ Daß sich Aurora selbst dem Cephalus anbeut/ Daß sich Endymion auf Latmus hohen Spitzen Mit der Diana pflegt bey Nachte zu erhitzen. Daß sich die Mutter selbst mit dem Adonis kuͤhlt/ Daß gegen Daphnens Brust Apollo Neigung fuͤhlt. Daß Boreas mit Macht Orithyen entfuͤhret/ Daß Zephyrs sanffter Hauch der Chloris Schooß beruͤhret. Daß Phœbus Clytien und Coronis erkennt. Daß von der Hersen Schooß Mercur den Guͤrtel trennt. Daß seine Schwester selbst Saturn zum Weibe nimmt/ Daß bey dem Jupiter derselbe Zunder glimmt. Daß von Pomonens Mund Vertumnus wird gekuͤßt/ Daß Amphitritens Schooß Neptunens Wohnung ist. Der Wunder sind noch mehr; ich hab auch ausgeuͤbet/ Daß der Magnet den Stahl/ wie auch den Nord Stern liebet/ Daß sich die Sonnen Blum nach Titans Strahlen richtet/ Daß sich der Reben Stock um seinen Ulmbaum flichtet. Daß vor den Hunds-Stern sich im wuͤsten Lybien Der Geissen wilde Schaar mit staaren Augen beuget/ Daß zu dem Agtstein sich das leichte Stroh hinneiget/ Daß man den Epheu sieht in harten Mauren stehn. Daß mit dem Gold Quecksilber sich vermischet. Daß sich das Schuppen-Vieh im Meer erhitzt Und vor grosser Liebe schwitzt/ Daß sich Muren und Aaal umarmen/ Daß Mensch und Delphin sich erwarmen/ Daß der Forell vor heisser Liebe zischet. Der Erden Eingeweid/ das glaͤntzende Metall Fuͤhlt meine heissen Triebe/ Man siehts am Blumen uͤberall/ Daß sie bekuͤmmert sind aus Liebe. Die Sterne an den blauen Himmels-Bogen/ Die werden durch geheimen Zug den Menschen zugezogen/ Den ich denselben einverleib/ wenn meine Macht die Wirckung thut/ Doch Nein/ ich bin es nicht/ Jch zwinge niemand mehr zu meiner suͤssen Dienstbarkeit/ Mir wird kein Weyrauch aufgestreut/ B b 4 Mir Vermischte Gedichte. Mir ist kein Tempel aufgericht. Doch schweig/ mein toller Mund/ Gib deinen Unmuth so nicht kund/ Jch bin des Liebes-Gott/ und zwinge alle Welt Die mir mit Lust zu Fusse faͤllt. Nur Eliodor der stoltze Hirte Und Stellandrens harter Sinn/ Spotten gaͤntzlich deiner Myrthe Venus Cyprens Koͤniginn. Sie schertzen stets mit meinem Pfeil Und setzen auf Dian’ ihr Heyl/ Die selbst verliebet ist in Nereus saltzern Fluth. Jch bin nicht/ der ich bin wils auch nicht laͤnger seyn Wo nicht eur Storrkopff wird gebrochen werden. Jhr fuͤhlet auch/ und sollt es thun/ was Lieben heist/ Eur harter Geist Beherschet nicht die Erden. Jch schwere euch bey Pfeil und Bogen/ Beym Styx wird nie gelogen Daß eur Stein-harter Sinn zu Wachse soll gedeyn. Eh als Diana wird ihr volles Licht gewinnen/ Solt ihr vor Liebes-Gluth zerrinnen/ So wahr Cupido Gott der Liebes-Schmertzen ist/ Den alle Creatur die Fuͤsse kuͤßt. Der gluͤckseelige Liebhaber. Sonnet. Nach vorgeschriebenen End-Reimen. M it suͤsser Anmuth bricht des Himmels-Strahl - - herein/ Es freun sich meiner Lust die Hoͤhen und die - - Gruͤffte/ Sie reichen Balsam her vor Wolffes-Milch und - - Giffte/ Die Venus will die Lust mir gantz zu eigen - - weyhn. Der Liebsten Zucker-Kuß/ vertilgt nun alle - - Pein Es streuen Wollust aus die Seegen-schwangre - - Luͤffte Und ein beliebter Schooß eroͤffnet seine - - Kluͤffte Die Lust-Entzuͤckung laͤst den Geist erstorben - - seyn. Doch Vermischte Gedichte. Doch es ermuntern sich die halb erstorbnen - - Glieder/ Und legen Furcht und Angst des suͤssen Todes - - nieder/ Sie wuͤnschen/ daß sie offt der Liebes-Kreyß - - umringt/ Der in der Liebes-Gluth den Geist zum Sterben - - zwingt. Jch nehre in der Brust mit Lust die Liebes - - Flammen/ Und will der Liebe Thun aus Thorheit nicht - - verdammen. Als man sich auf der Redute vor einen Ein- siedeler verkleidet. S O lebet dann vergnuͤgt beliebte Spieß-Gesellen/ Mein Schicksahl zwinget mich aus dieser Welt zu gehn/ Denn wo kein Have ist/ und lauter Ungluͤcks-Wellen Mir Tod und Schiff-Bruch draͤun/ da kan ich nicht bestehn. Urona lebe wohl/ du Wohn-Platz aller Luͤste/ Jch muß dein Muͤssig-gehn du irrdisch Paradies/ Jch fliehe deine Lust und gehe in die Wuͤste/ Die mir vor diesen schon beliebte Ruh verhieß. Redute gute Nacht du Stoͤhrerinn der Grillen/ Mir eckelt jetzt vor dir/ ich such die Einsamkeit/ Es soll ein stiller Ort mir meinen Kummer stillen/ Jch hasse deine Lust/ die mit Come ten draͤut. Jhr Jungfern lebt vergnuͤgt/ ach allzu herbes Scheiden/ Die Hand erstarret mir/ der Arm wird schwach und matt/ Ach allzu herber Fall! ich muß euch Engels meiden/ Weil es des Himmels-Schluß also verhenget hat. Doch bluͤhet stets bey mir eur Liebes - Angedencken/ Weil die vergoͤnnte Lust abwesend mich ergoͤtzt/ Mich kan die Einsamkeit mit keinen Sorgen kraͤncken/ Eur schoͤnes Contrefait ist mir ins Hertz geaͤtzt. Adjeu zu guter Nacht ihr sonst beliebten Plaͤtze/ Mir kommt ein Grauen an wenn ich an euch gedenck’ Jch scheide weg von euch/ ihr holden Schoͤnheits-Schaͤtze/ Doch lasse ich mein Hertz/ euch Schoͤnen/ zum Geschenck’. B b 5 Als Vermischte Gedichte. Als er seine Freyheit verlohren. J ch bin verliebt/ Die Freyheit ist nun hin/ Womit mein harter Sinn Sich sonst zu kitzeln pflegte/ Als ob er keinen Brand in seinem Hertzen hegte. Jch weiß nicht wie mir ist Wenn ich Bellandren nicht/ Die mir mein Seelen-Licht/ Die ich zur Herrscherin mir auserkiest/ Kan vor den Augen sehn. Das Hertz erstarrt vor Lust/ Und schlaͤget in der Brust Wenn mich ihr Gnaden-Schein Laͤst gluͤcklich seyn/ Und mich mit seinem Strahl erquickt/ Der mehr mein kranckes Hertz begluͤckt/ Als kuͤhler Morgen-Than Der duͤrren Au Lieb und erfreulich ist Und wie der Balsam Staͤrcke giebt/ Wenn die Lebens-Kraͤfft’ entgehn. Wann aber die Entfernung macht Daß ich ihr Gnaden-Licht Nicht kriege zu Gesicht/ So schrecket mich Egyptens Macht Mit Kummer-vollen Traͤumen. Bald stirbt der Geist/ Der doch unsterblich heist/ Bald muß ich mehr denn Koͤnig seyn/ Bald Thron und Scepter raͤumen. Bald faͤllt mir dis bald jenes ein/ Jch zancke mich/ und habe keinen Zwist. Jch traͤume wachend/ und weiß nicht was ich thu/ Mein Geist besitzet keine Ruh/ Er ist mit Gedancken/ So der Traurigkeit-Schrancken Weit Vermischte Gedichte. Weit uͤbertreten/ beschweret/ Die Freyheit ist in Hafft verkehret. Ein eintziger Anblick und freundliche Zurede Jhrer lachenden Augen/ und lieblichen Zungen Haben mein vestes Hertz bezwungen/ So daß ichs mich zu sagen fast entbloͤde. Der Diamantne Sinn ist wie weiches Wachs zerronnen/ Wenn es die Hitze schmeltzt der verticalen Sonnen. Jch bin nicht/ der ich bin/ Jch bin gantz anderst worden Nun ich mich schreib’ in dem verliebten Orden. Der eyserne Sinn Lenckt sich zu dem Magnet, Wie dieser hin nach Norden geht. Jch fuͤhle eine angenehme Pein Die mir durchwuͤhlet Marck und Bein; Bald bin ich froh Und sing’ in dulci jubilo. Bald aber stimm’ ich Miserere an/ Und fuͤhr die Trauer-Fahn. Jch bin fast halb verwirrt Und in der Zeit verirrt/ Jch weiß nicht was mich plagt/ und Freude giebt/ Als daß ich bin verliebt. Als er wieder frey geworden. J ch bin vergnuͤgt; Die Ketten sind entzwey/ Die Knechtschafft ist vorbey Wodurch Bellandren ich verbunden bin gewesen. Mein Geist der ist genesen/ Nun ihn nicht mehr besiegt Bellandrens Wiederschein. Melintes mag ihr Selave seyn/ Jch liebe mehr ein gutes Buch Als ein geputztes Weib/ Wer dieses waͤhlt zum Zeit-Vertreib Jst wahrlich nicht gantz klug. Victo- Vermischte Gedichte Victoria, nun bin ich frey/ Die Ketten sind entzwey Womit ich naͤchst gefaͤsselt war Die Freyheit ist gefunden/ Victoria, das Hertz ist wieder dar. Mein Geist ist frey Die Knechtschafft ist vorbey Wodurch ich war verbunden Bellandren zu bedienen. Victoria! Victoria! He! lustig! He sa sa! Die Freyheit ist erschienen. Bellandra geh nur hin/ Weil ich kein Knecht mehr bin/ So achte ich auch nicht Dein schlaͤffriges Gesicht. Adjeu Bellandra fahre wohl Jch frage nichts nach dir. Melintes nenn dich seine Zier/ Er mache dich zu seiner Muhmen/ Er schencke dir Confect und Blumen/ Jch weiß wol was ich glauben soll/ Jhn sticht der junge Tarsis aus; Und giebt er gleich so manchen Schmauß So ist er doch nur halb geliebt Jch weiß wie es die Falsche uͤbt. Doch hat er noch ein bessers Gluͤck Als wie Fernandens sein Geschick/ Denn wenn der Tarsis aussen bleibt So steht er oben an. Wenn nun Melintes auch nicht kuͤmmt/ So soll Fernando seyn der Hahn/ Der best’ im Korbe wie man schreibt Wenn keine mehr darinnen/ Allein ich dancke vor die Ehr/ Und verlange gar nicht mehr So theur sie zugewinnen Neu- Vermischte Gedichte. Neu-Jahrs- Gratulation an einen vorneh- men Minister. D as kluge Alterthum/ von dessen guten Sitten Noch keine dieser Zeit so gar verloschen ist/ Jst recht mit Vorbedacht ins neue Jahr geschritten/ Wenn Flora ihre Brust in warme Decken schliest/ Und vor den holden West die rauhen Winde-wehen/ Daß jene muß betruͤbt nach ihrem Buhlen sehen. Die Felder sind dann leer von Fruͤchten und von Leuten Der ungestuͤhme Mars steckt seinen Degen ein/ Und seine Ritter-Schaar will nach den harten Streiten So wie ihr Fuͤhrer still/ und nicht blut-gierig seyn. Es ruht zu solcher Zeit/ was diese Welt umschliesset Was Titans Wunder-Licht und Phœbens Glantz geniesset. Jn diese frohe Zeit da Dolch und Degen liegen Da lauter Lieblichkeit die stoltze Ruhe reicht/ Da hat das Alterthum zu jedermanns Vergnuͤgen/ Das neue Jahr gesetzt/ und dadurch angezeigt/ Daß denn mit bestem Recht die Wuͤnsche koͤnnen fliessen/ Weil Mavors stille ist mit Mord und Blut-vergiessen. Jhr Absehn war dabey den Goͤttern Danck zu geben Vor die verliehne Ruh/ sie wuͤnscheten zu gleich Daß ferner ihre Huld sie friedlich liesse leben/ So waͤren sie so wol am Gluͤck als Guͤtern reich. Am meisten liessen sich dieselbe wuͤnschend hoͤren Die vorgenoßne Gunst die Goͤnner musten ehren. Weil nun die neue Welt auch diesen Brauch beliebet/ So stellt sich meine Pflicht Hoch-Wohlgebohrner ein/ Mein Arm-seyn aber nichts von Gold und Silber giebet/ Mein Unvermoͤgen laͤst mich nicht frey-gebig seyn. Der Wille ist zwar da/ doch das Vermoͤgen fehlet/ Ohn das der Wille todt und gleichsahm ist entseelet. Doch seiner Großmuth wird der Wille auch gefallen/ Denn hohe Leute sind mit solchem offt vergnuͤgt Ein Artaxerxes haͤlt am hoͤchsten unter allen Wenn ein getreuer Knecht mit Wasser vor ihm liegt/ Er Vermischte Gedichte. Er schaute an das Hertz/ und nicht Geschenck und Gaben/ Weil unter solchen offt das schaͤrffste Gifft vergraben. Jch lege mich nun selbst zu seinen Fuͤssen nieder/ Und stimme meinen Wunsch mit diesen Worten an: Der Himmel schencket uns den frohen Tag jetzt wieder/ An dem ein jeder jauchtzt/ der nur zwey Worte kan. Was von Vergnuͤgen ist in dieser Welt zu finden/ Hoch-Wohlgebohrner Herr/ das muß sich ihm verbinden. Sein Alter steige so wie Noahs seine Jahre/ Husai beuge sich vor seinen klugen Raht/ Sein Reichthum wachse so wie Jacobs Haabe ware Der Fuͤrst mach’ ihn so groß wie man dem Joseph that. Kein Unfall muͤsse ihm niemahls beschwerlich werden/ Bis ihm der Himmel wird gegeben vor die Erden. Zwar da die Gaben schlecht und kein Geschenck zu nennen/ So muͤste wol die Pracht der Worte groͤsser seyn/ Doch was verstellet ist/ ist leichtlich zu erkennen Prahl-Worte geben nichts als uͤber-tuͤnchten Schein/ Ein steinern Schau-Gericht und Wind-erfuͤllte Torten Reicht der/ der seine Pflicht bringt in geschminckten Worten. Jch bring ein treues Hertz/ das heisse Wuͤnsche reichet/ Das/ grosser Goͤnner/ ihm auf ewig ist geschenckt/ Wenn seine hohe Gunst nur niemahls von mir weichet/ So bin ich stets vergnuͤgt/ und bleibe ungekraͤnckt. Nun Himmel mache wahr was meine Wuͤnsche haben/ So wird mit froher Lust sein hohes Hertz sich laben. Man wuͤnschet einem Gluͤck zu der erhal- tenen Liebste. D er Himmel heitert sich nach langen Blitzen aus/ Und auf das Donnern folgt ein helles Sonnenscheinen/ Das Gluͤcke lacht zuletzt nach ausgestandnen Strauß/ Und ein erfreut Gesicht beschleußt das lange Weinen. Nach denen Fasten bricht die Oster-Woche an/ Darinn ein Jubel-Fest die treuen Seelen halten/ Die Vermischte Gedichte. Die ihren Lauff gehabt auf einer Dornen Bahn/ Und mehr denn offt gemeynt sie muͤsten nun erkalten. Der Sommer suͤsser Lust bricht nach dem Winter ein/ Und das erstorbne Feld bekommt ein neues Leben/ Die Blumen zeigen an des Himmels Guͤtig-seyn/ Sie wollen dessen Gunst durch ihren Glantz erheben. So kehrt sein Un-stern sich auch in ein nenes Gluͤck/ Selbst das Verhaͤngniß will ihn jetzt mit Wollust kroͤnen/ Der Himmel liebet ihn/ er giebt beliebten Blick/ Sein Wuͤnschen macht er wahr/ nun trifft ihm ein sein Sehnen. Denn seiner Augen-Lust/ des Hertzens halber Theil/ Macht seine Freude voll/ sie haͤuffet sein Vergnuͤgen/ Die Seelen-Wunde ist nun aus dem Grunde heyl/ Sie laͤsset ihn/ mein Freund/ die harte Brust befiegen. Desaleichen. E S traͤufft des Himmels-Gunst nun lauter Balsam nieder/ Der stroͤhmt mit vollem Gluͤck auf deine Scheitel zu/ Nach langen Stuͤrmen findt ein sanffter Blick sich wieder/ Und auf die Unlust-Last vergnuͤgte Seelen Ruh. Die Wollust will anjetzt/ mein Freund/ dich truncken machen/ Sie laͤsset ihre Lust dir zum Vergnuͤgen aus/ Selbst das Verhaͤngniß muß ob deinen Gluͤcke lachen/ Es fuͤhret dich zuletzt in das beliebte Haus. So kroͤnt Bestaͤndigkeit nach ausgestandnen Proben Dennoch dein wehrtes Haupt mit einem Myrthen-Krantz/ Die erste Liebe bleibt/ ob gleich die Neider toben/ Jn der Zerreissung stehn/ und im Zertrennen gantz. Bellandra will ihr Wort/ ihr reines Wort/ erfuͤllen/ Sie will in kurtzer Zeit dein bestes Labsahl seyn/ Es soll dein heisser Geist den Liebes-Hunger stillen/ Es nimmt ihr Canaan dich nun mit Freuden ein. Vergnuͤgung will mit Lust um deine Scheitel spielen/ Die Liebste labet dich mit ihrer Zucker-Brust/ Corallen werden dir die heissen Lippen kuͤhlen/ Du wirst beladen seyn mit angenehmer Lust. Das traurige Gestirn/ die duͤsteren Aspecten, Und der Come ten-Schwantz nebst seinem blassen Schein/ Die Vermischte Gedichte. Die dir in dein er Lieb’ Angst/ Noht und Schmertz erweckten Wird nun ein frohes Licht des klaren Himmels seyn. Du wirst dein Haupt mit Lust wie Nilus Liljen richten/ Dis frendige Gestirn vermehret deine Ruh/ Kein Stuͤrmen kan den Schein des Freuden-Lichts vernichten/ Es wirfft dir unverhofft die schoͤnsten Strahlen zu. Nun kanst du nach der Nacht und ihren Finsternissen Den schoͤnen Morgen-Stern in vollem Glantze sehn. Dein Engels-Kind wird dich recht zu Vergnuͤgen wissen/ Dein Schmertze ist nun fort/ dein Klagen ist geschehn. Gedancken uͤber die schoͤne Susanna. D as feurige Gestirn/ die ewig helle Sonne/ Der kalten Erden - Feur/ und sehr begehrte Wonne/ Warf seinen heissen Strahl von dem gewoͤlckten Zelt Auf Babels stoltze Pracht dem Haupt der halben Welt. Es war mit Macht bemuͤht die Erde zu erhitzen Und ließ den Ackersmann am hohen Tage schwitzen Als die Susanna dort/ das wohlgezierte Weib/ Jn ihren Garten ging/ die Hitze stach den Leib/ Drum warf sie ihren Rock bey einen Brunnen nieder/ Und senckte in die Fluth die Perlen reine Glieder/ Damit die klahre Quell/ die kuͤhle Fluth-Crystall Verringern moͤcht die Gluth von Titans heissen Strahl. Die Alabaster Brust die spielte in den Wellen/ Und suchte in der Fluth ein Milch-Meer vorzustellen. Die Anmuth sah mit Lust die Liebes-Aepffel an Und sprach/ dis ist die Frucht/ der keine gleichen kan. Die Schoͤnheit sahe man in ihren Busen lachen/ Es wolten Milch und Blut daselbsten Hochzeit machen/ Zinnober kroͤnte Schnee/ auf Marmor lag Rubin/ Die Purpur-Rose stund bey Liljen und Jesmin. Es fehlte keine Pracht den weissen Anmuths-Ballen/ Der Tuͤrckis/ Alabast/ Rubinen und Corallen/ Die kroͤnten ihren Schmuck und mehrten ihre Zier/ Und stelten sie der Welt zu einen Wunder fuͤr. Die Perlen gleiche Zier der Wollen-weissen Glieder/ Bekuͤssete den Bauch/ und seine zarten Bruͤder/ Sie Vermischte Gedichte. Sie war der Anmuth Bild/ und lieblich anzusehn/ Ja viel mahl praͤchtiger als schoͤnes tausend Schoͤn. Die mehr denn schoͤne Schooß war emsig uͤberdecket/ Es hatte sie kein Griff der geilen Hand beflecket. Ja selbst der reinen Fluth/ die ohne Flammen war/ Der machte sie davon fast wenig offenbahr. Doch als die nasse Quell das Leinwand durchgekrochen/ Und den verdeckten Weg zur Liebe aufgebrochen/ Da kunte man die Pracht des schoͤnen Gliedes sehn/ Darnach der Appetit der Maͤnner pflegt zu stehn. Es kunten auch den Zug die Richter nicht vertragen/ Sie wolten da ihr Heyl mit einem Wurffe wagen/ Demnach so brachen sie von ihrem Orte loß/ Und gaben ohne Scheu sich vor Susannen bloß. Sie starrten vor der Pracht des Engel-gleichen Leibes/ Und lobten Jojakim den Eh-Mann dieses Weibes; Sie trugen ihren Brand dem schoͤnen Weibe vor/ Allein Susanna gab gar kein geneigtes Ohr. Sie kunten ihren Wunsch und den entflammten Willen/ Nicht in der zarten Schooß des schoͤnen Kindes stillen/ Sie musten nur die Lust aus blossen Schauen ziehn/ Es war umsonst gethan ihr emsiges Bemuͤhn. Das praͤchtige Gesicht/ die Falcken-gleiche Augen/ Der Wangen nette Pracht/ die musten diesen taugen Sammt dem Rubinen Mund/ und der galan ten Brust/ Zu einen Schau-Gericht der geilen Liebes-Lust. Das Hertze wolte ihr vor Zorn im Leibe brechen/ Daß sie der geilen Lust nicht kunte widersprechen/ Und darum wolte sie gantz gerne heßlich seyn/ Die Schoͤnheit brachte ihr vergallte Seelen-Pein. Die Augen liessen stets die Jammer-Thraͤnen fliessen/ Und wolten jene Fluth des kuͤhlen Brunnens kuͤssen/ Bald loͤschte dieses Naß der Alten Liebes-Brand/ Bald aber machte es noch groͤsser Gluth bekannt. Bis daß die Eyfersucht die Oberhand behielte/ Und die verschmaͤhte Brunst mit Wuth und Rache spielte/ Und ob der Eyfer schon in vollen Flammen stund/ So gab sich doch darbey ein Trieb der Liebe kund. C c Denn Vermischte Gedichte. Denn weil sie schoͤne war und zartlich kunte heissen/ So ließ man ihr den Schleir von ihrem Haupte reissen/ Sie stund da aufgedeckt/ und rief zu ihrem GOtt Die alten freuten sich/ und lachten ihrer Noht. Jhr Urtheil sprach man ihr/ das hieß: Sie solte sterben/ Allein der Hoͤchste ließ seyn Schaͤflein nicht verderben/ Er nahm sich ihrer an/ er wandte ihren Hohn/ Und ihre Richters traf der Boßheit Laster-Lohn. Die Wollust an das Frauen-Zimmer. J hr schoͤnes Jungfern - Volck/ ihr holden Anmuths- Schwaanen/ Jhr seyd recht wunder-schoͤn mit Pracht und Schmuck geziert/ Schaut auf das Liljen-Feld/ das auf den Brust-Altanen Mit Rosen untermischt die Anmuth aufgefuͤhrt Hoͤrt was mein kluger Mund vor suͤsse Liebes-Lehren/ Der Freund-und Lieblichkeit euch jetzo geben will. Jhr seyd das beste Gut/ der Maͤnner ihr Begehren/ Wohin ihr Wuͤnschen geht/ und der Gedancken-Ziel. Sie muͤssen euch zu Fuß in hoͤchster Demuth fallen/ Jhr siegt das harsche Hertz der wilden Krieger an Jhr spielt mit starcker Gluth/ und werffet Feuer-Ballen Damit man also fort ein Hertz erobern kan. Entbloͤsset eure Brust die delica ten Sachen/ Den Geistern muͤssen sie der Liebe-Koder seyn/ Sie sehn da Schnee und Blut zusammen Hochzeit machen/ Die Anmuth ladet hier die Gaͤste selber ein. Die Venus kan so nicht mit ihren Bruͤsten prangen/ Ob sie ein Paris schon die schoͤnste Dame nennt/ Die Perlen/ die man sieht an euren Bruͤsten hangen/ Die kuͤhlen wenn man sich den matten Geist verbrennt. So putzt sie denn heraus/ entbloͤßt euch in die Wette/ Und seyd mit eurem Schatz nicht uͤbermaͤßig rar/ Er machet euch beliebt/ und bringet euch zu Bette/ Und so verkauffet ihr dann theur genug die Waar. Schneidt vorn die Kleider weg/ die Spitzen weggenommen/ Den Anfang habt ihr zwar/ doch nicht genug gemacht/ Die Vermischte Gedichte. Die Bruͤste muͤssen bloß bis an die Wartzen kommen/ Denn wird der schoͤne Schmuck ans Tages-Licht gebracht. Auf/ schnuͤret in die Hoͤh die weissen Liebes-Ballen/ Versuchts auf alle Art/ macht Hals und Bruͤste bloß/ So muß jedwedes Hertz wie hart es ist doch fallen/ Die Macht des Cypripors ist allda allzugroß. So kan man keinen Blick in euren Busen fuͤhren/ Daß nicht ein freyer Sinn in Sclaven-Ketten aͤchtzt Nicht einer kan sein Heyl an solcher Macht probiren Der nicht/ wenn sie sich zeigt/ nach ihrer Gnade laͤchtzt. Wie! wenn ein sanffter Wind auf diesen Atlaß wehet/ So haͤlt die Lieblichkeit da ihren Tummel Platz/ Die Anmuth mit der Lust auf Rosen Blaͤttern gehet Die Artigkeit vermehrt den ungemeinen Schatz. Und wenn ihr nun dadurch die Ober-Herrschafft funden/ Die euch/ beliebtes Volck doch schon in Haͤnden ist/ So lieget nichts daran/ daß man den Liebes-Wunden/ Durch einen holden Blick den herben Schmertz versuͤßt. Das Schauen gebet zu/ doch nicht das suͤsse Kuͤssen/ Bis sie durch eure Pracht erst recht charmi ret seyn/ Sie sehnen sich darnach/ und laͤchtzen nach dem Bissen Die Hoffnung zuckert schon das lange Warten ein. Wenn nun die Liebes-Gluth in lichten Flammen brennet/ Denn seyd so sproͤde nicht/ denn reicht die Kuͤhlung dar. Jhr Toͤchter kommet her/ die ihr mein Wesen kennet/ Daß eure Bruͤste seyn mein suͤsses Rauch-Altar Was ist wol lieblicher/ als mir/ der Wollust/ dienen. Die auf ein Rosen-Bett die satten Glieder legt/ Wer giebt euch euren Schmuck der reitzenden Jesminen. Hat nicht mein muntrer Fleiß die Pracht euch eingepraͤgt? Jch mache/ daß der Schnee der Perlen weissen Glieder Sich in gar kurtzer Zeit in Alabast verkehrt; Dann reisset keine Macht die festen Hoͤhen nieder/ Wann die erhabne Brust mich nur als Mutter ehrt. Jhr seyd in meinem Schutz vor allen Feinden sicher Legt nur die schwere Last des zarten Leibes hin/ Verwerffet gantz und gar die mir verhaßten Tuͤcher/ Und kleidet euch so an wie Gnidus Koͤnigin. C c 2 Was Vermischte Gedichte. Was nuͤtzt ein grosser Schatz der in der Erden lieget? Was ist ein Diamant der nicht poliret ist? Was eine zarte Brust die man in Tuͤcher schmieget/ Daß deren silber Pracht kein heisses Auge kuͤßt? Jch weiß die Antwort wird an eurer Seiten fallen/ Sie koͤnnen alle drey zu nichtes dienlich seyn/ Doch wenn der Schatz erloͤßt/ und bloß die Marmor-Ballen/ Der Diamant polirt/ so sind sie alle fein. Die Augen lasset frey an eurem Haupte gehen/ Und blitzt mit starcken Strahl die heisse Liebes-Gluth. Denn wird die gantze Welt vor euch entzuͤcket stehen/ Sie reichet willig dar so Leben/ Geist als Blut. So nehmet denn in acht/ die suͤssen Liebes-Lehren/ Die euch die Wollust jetzt/ die treue Mutter/ giebt/ Laßt euch das Winseln nicht der Ehrbarkeit bethoͤren/ Die eur galantes Ohr mit ihrem Thon betruͤbt. Und fahrt nur ferner fort die Bruͤste aufzudecken Die Augen lasset frey in eurem Kopffe gehn/ So werdt ihr Ehr und Furcht in jedermann erwecken Denn eure Schoͤnheit wird durch solchen Ausputz schoͤn. Seht wie der Bruͤste Pracht schon hundert Federn loben/ Wie Titan muß beschaͤmt durch eure Augen seyn/ Wie eure Klugheit wird von jedermann erhoben/ Daß ihr so kuͤnstlich koͤnnt die Liebes-Flammen streun. Jhr Toͤchter meiner Pracht ehrt diese holden Kuͤnste/ Denckt/ daß mein treuer Mund mit suͤssen Lehren quilt/ Was soll die Ehrbarkeit/ das leichte Wurm-Gespinste/ Die auf die Liebes-Lust mit vollem Halse schilt. Jch schliesse meinen Mund ihr angenehmen Schoͤnen Das kahle Weiblein tritt gantz murrisch schon heran/ Es will mein treues Wort durch seine Zucht verhoͤnen/ Die schon vor langer Zeit die Mode abgethan. Straf-Rede der Ehrbarkeit an das Frauenzimmer. J hr/ denen die Natur der Schoͤnheit reiche Gaben/ Als wie ihr eigen Gut auf Wang’ und Brust gelegt/ Wo Vermische Gedichte. Wo Rosen und Jesmin zusammen Hochzeit haben/ Und wo die Anmuth sich in guͤldne Tafeln praͤgt. Jhr Toͤchter meiner Zucht/ die ihr die klugen Lehren Aus meinem Munde saugt/ und mich als Mutter kuͤßt/ Was vor ein Aberwitz will euren Sinn bethoͤren? Welch Sturm-Wind reisset ein was kaum gebauet ist? Vergeßt ihr allbereits womit ihr mir verbunden? Steht euch mein Regiment nicht wie vor alters an? Habt ihr mein sanfftes Joch vor euch zu schwer befunden? Wird Zucht und Ehrbarkeit von euch in Bann gethan? Ja freylich ist es so: mein finsteres Gesichte/ Wo kein verbotner Schertz aus geilen Augen lacht/ Und wo kein frecher Blick mit seinem Zauber-Lichte/ Die Laster-volle Glut der Seelen kenntlich macht. Mein Mund/ den niemahls nicht ein freyes Wort beflecket/ Der Stirne reines Feld/ wo Ernst und Strenge bluͤht/ Die nie befleckte Brust/ die sich mit Liljen decket/ Jn deren Silber man der Keuschheit Bildnis sieht/ Jst nicht vor eurem Sinn: ihr brecht durch Band und Ketten/ Jhr wolt ein freyes Volck/ ob gleich mit Schanden seyn/ Jhr last die Wollust euch auf Rosen-Blaͤtter betten/ Mein Dornen-Lager geht euch allzu sauer ein. Jch muͤhe mich jetzt nicht dis alles zu beruͤhren/ Womit ihr mich erzuͤrnt und fast zu tode kraͤnckt/ Man darff nur einen Blick in euren Busen fuͤhren/ So sieht man mehr als wol wie schlecht ihr mich bedenckt. Wie gluͤcklich war ich doch/ als nur vor kurtzen Zeiten Mein untergebnes Volck mir noch gehorsam war/ Da ließ sich niemand nicht auf glattes Eiß verleiten/ Ein jedes stellte sich in meinem Tempel dar. Man hohlte damahls nicht aus Franckreich Putz und Kleider/ Es war mein Teutsches Reich mit seiner Tracht vergnuͤgt/ Ein jeder kam zu mir/ ich war der Mode Schneider/ Das war der beste Schmuck/ den man von mir gekriegt. Man suchte nicht mit Fleiß vor alle Welt zu legen/ Was aus des Himmels Gunst an Schoͤnheit mitgetheilt/ Man war nicht so bemuͤht die Luͤste zu erregen Als jetzo/ da fast nichts den geilen Schluß verweilt. C c 3 Ein Vermischte Gedichte. Ein vest geschloßner Rock bedeckte Brust und Lenden/ Der Glieder Marmor-Bau ward sorgsahm eingeschnuͤrt/ Es herrschte Schaam und Zucht in den bemuͤhten Haͤnden/ Und gab der finstern Nacht was unsre Sinnen ruͤhrt. Der Schoͤnheit holder Sitz war damahls im Gemuͤthe/ Die Tugend legte selbst die reinen Flammen an/ Kein Schweffel toller Brunst erhitzte das Gebluͤte/ Kein fremdes Feuer ward auf mein Altaar gethan. Doch diese guͤldne Zeit ist nach und nach verschwunden. Kaum daß man noch die Spuhr von ihrer Keuschheit sieht/ Es hat ein fremder Feind mich heimlich uͤberwunden. Mein Reich ist wie ein Feld/ wo nichts als Unkraut bluͤht. Jetzt denckt man Tag und Nacht der gantzen Welt zu weisen/ Was vor ein Heiligthum die Schoͤnheit uns vertraut/ Die Wollust findet hier ihr rechtes Feuer-Eisen/ So bald ihr Zunder sich bey dessen Funcken schaut. Kaum kleidet sich der Schnee der unbefleckten Glieder Mit Huͤlffe der Natur in Alabaster ein So reißt man alsofort die engen Waͤlle nieder/ Die der erhabnen Brust fast unerleidlich seyn. So bald die Liebe nur ihr Zeichen ausgehangen/ So wird die Ehrbarkeit als Feindin fortgeschickt; Ja manche sucht wol gar mit einer Frucht zu prangen/ Die man im Geiste nur mit grosser Muͤh’ erblickt. Da wirfft man alsofort die laͤngst verhaßten Tuͤcher/ Als eine schwere Last des zarten Leibes hin: Da spricht manch armes Kind/ Gott Lob! nun bin ich sicher/ Nun weiß ich/ daß ich auch wie ander Maͤdgens bin. Da soll die gantze Stadt die neue Zeitung wissen/ Da muß so Knecht als Magd das grosse Wunder sehn. Und niemand trauet sich den Kramen zu zuschliessen/ Aus Furcht/ es moͤchte leicht der Sachen Leyd geschehn. Drauf laͤst man alsofort die Kleider reformi ren/ Und schneidet Rock und Wamst zwey Zolle tieffer aus/ Man kan uns nicht so hoch/ als wir es wuͤnschen/ schnuͤren/ Doch heckt der hoͤchste Berg offt eine kleine Maus. Jndessen warten wir und moͤchten immer sterben/ Wofern kein hohes Fest sogleich gefaͤllig ist/ Denn da will jede doch den groͤßten Ruhm erwerben/ Daß Lieb und Anmuth sich in ihren Busen kuͤßt. Wie Vermischte Gedichte. Wie pflegt man sich alsdenn so embsig zu bemuͤhen/ Die angebohrne Pracht der Liljen zu erhoͤhn. Bald will man Spitz und Band durch ihre Fluren ziehen/ Bald soll diß Paradies von Rosen traͤchtig stehn. Und wer ist doch geschickt die Kuͤnste zu entdecken/ Die ein verliebter Geist zu seinen Vortheil braucht? Mein Atlaß schcuet sich vor solchen Laster Flecken/ Mein helles Spiegel-Glas wird leichtlich angehaucht. Durchaus bethoͤrtes Volck! Vergißt du aller Schande? Deckt deines Busens Flor/ anjetzt dein Auge zu? So komm/ und folge mir biß zu des Nilus Nande: Die so man Barbarn heißt/ sind zuͤchtiger als du/ Es gehet da kein Weib mit offnen Angesichte/ Die Schoͤnheit ist alda/ wie duͤnner Porcellan, Den ein geringer Stoß im Augenblick zu nichte/ So/ wie den Tuͤrckis Gifft voll Flecken machen kan. Du aber/ laͤssest dich/ an diesen nicht begnuͤgen/ Daß deiner Augen Paar mit freyem Feuer spielt. Es soll auch das entdeckt und an der Sonnen liegen Wornach der erste Wunsch verbotner Triebe zielt. Das heißt vernuͤnfftig seyn/ das heißt die Tugend kennen/ Wenn uns ein wildes Volck durch seine Zucht beschaͤmt/ Und dieses Frechheit heißt/ was wir gefaͤllig nennen. Wenn man den Maͤnnern zeigt/ wie gern man sich bequemt. Und o! betrognes Volck/ was denckst du zu erhalten/ Wenn du dich halb entbloͤßt als eine Venus weißt? Es muß dein bißgen Gut noch vor der Zeit veralten/ Wenn Wetter/ Sturm und Wind/ an deinen Blumen reißt. Erwegst du dieses nicht daß man die Kostbarkeiten/ Des reichen Indiens mit Band und Schloß verwahrt? Vor Sand und Kieselstein will niemand nichts bereiten/ Das macht/ es wird hierbey kein Diebstahl nicht befahrt. Die Menschen pflegen dis am meisten zu verehren/ Was ihnen unbekant und halb verborgen ist. So pflegt man Memnons Bild verwundernd anzuhoͤren/ Wenn sich das Sonnen-Rad mit neuen Feuer ruͤst. Fragt nur/ wofern ihr wolt/ den Schnee der zarten Haͤnde/ Was ihren alten Wehrt so tieff herab gesetzt: C c 4 Fragt Vermischte Gedichte. Fragt nach/ worum man sich alsbald von ihnen wende/ Wenn uns ein nackter Fuß biß auf den Tod verletzt. Ein schlechter Wasser Quell so bald er uns verboten Koͤmmt uns weit suͤsser vor als Alieanten Wein: Des Fruͤhlings erste Frucht/ die fruͤhen Zucker-Schoten/ Sind theurer/ weil sie rar/ und schwer zu haben seyn. Gesetzt/ manch Auge klebt an euren Schwanen-Bruͤsten/ Gesetzt/ daß es von euch/ die ersten Flammen faͤngt/ So pflegt doch keinem leicht nach Stoffen zu geluͤsten/ Die man Jahr aus/ Jahr ein vor die Gewoͤlber hengt. Und habt ihr nicht gemerckt/ wie weit es schon gekommen/ Daß man ein Possen-Spiel mit eurer Einfalt treibt/ Nachdem ein frecher Kiel sich selbst die Macht genommen/ Daß er mit Hohn von euch/ ja fast veraͤchtlich schreibt. Denckt albre/ denckt ihm nach: last euch die Mutter rathen/ Die ehmals euren Fuß mit treuer Hand gefuͤhrt. Erzuͤrnt mich weiter nicht durch tausend freche Thaten/ Und traget Brust und Hals hinfuͤhro zugeschnuͤrt. Wo nicht so solt ihr bald den Ungehorsahm buͤssen/ Und ungeacht der Hoff mich nicht zu lieben pflegt. So wil ich es dennoch so weit zu bringen wissen/ Daß wan Aocis und Zoll auf eure Waaren legt. Des Frauenzimmers Antwort an die Ehrbarkeit. W ir lachen Ehrbarkeit/ ob deinen Kinder Sprechen/ Und sehen/ daß du jetzt nicht mehr bey Sinnen bist. Du kanst die Satzung nicht der suͤssen Wollust brechen/ Die alles Frauen-Volck ohn eintzigs weigern kuͤßt: Was solte unser Leib in solchen Kleidern gehen/ Davon der Teuffel nicht zu raisonni ren weiß? Was wollen wir einmahl das Alterthum besehen? So wird der nackte Leib erhalten Palm und Preiß. Drum gehe nur hinweg mit deiner Otter-Muͤtze/ Wir brauchen nicht den Rock der unsern Pracht verdeckt/ Der Schleyr und Kragen wird uns jetzo nichts mehr nuͤtze/ Noch das geschloßne Wamst so fast das Maul versteckt. Es Vermischte Gedichte. Es aͤndert sich die Welt/ und diese setzt die Kleider/ Die wir ihr Eigenthum zu unsern Schmuck anziehn: Wir brauchen dich nicht mehr zu einen Mode- Schneider Die Wollust will sich nur anjetzt damit bemuͤhn. Wir moͤgen nun nicht mehr/ so wie die Alten gehen/ Da uns die junge Welt stets frische Moden giebt Uns wuͤrde ja kein Mensch in solcher Tracht ansehen/ Nun alles sich verneut/ und neue Moden liebt. Wir sind ein freyes Volck/ und leben nicht gebunden/ Wir haben deine Macht schon laͤngsten abgethan. Wie/ daß du den so keck dich wieder eingefunden? Wie/ daß dein scharffer Mund greifft unser Mittel an? Wer achtet dein Gesetz/ dein Gifft der frohen Zeiten Jetzt kahle Ehrbarkeit von deinen Kleidern mehr? Die Wollust laͤsset uns den Kleider-Schmuck bereiten Jhr klug-verschlagnes Haupt ist nie von Moden leer. Hingegen muß man stets nach einer Pfeiffen tantzen/ Wenn man die Kleider noch dir zu Gefallen macht/ Da muß die freye Brust sich lassen vest verschantzen/ So daß kein Auge sieht der Liebes-Ballen-Pracht. Nun aber legen wir der Wollust reiche Waare/ Als ein galantes Werck zu ihren Diensten an Sie braucht die blosse Brust zu einen Lust-Altare Wer ist der ihrer Macht wol wiederstehen kan. So macht die Bloͤsse uns im minsten nicht verachtet/ Wie deine Albernheit aus grosser Einfalt spricht/ Nein/ sondern unser Schatz/ wird als ein Schatz betrachtet Worauf ein jedes Hertz den heissen Wunsch gericht. Daß aber du uns gar den Barbarn nach wilt setzen/ Das sehn wir als ein Werck von grosser Dummheit an. Es mag die Ehrbarkeit an denen sich ergetzen/ Da man das Heiligthum des Schoosses schauen kan. Wir machen nur die Brust/ und nicht des Schoosses Hallen/ Einfaͤltge Ehrbarkeit/ du tummes Weibgen/ bloß Und doch will dir die Art der Wilden mehr gefallen Da man den Augen zeigt durch seinen Gang den Schooß. Des aber lachen wir/ als groß’ Absurdite ten/ Ob wuͤrde unsre Brust durch ihre Bloͤß verletzt/ C c 5 Ver- Vermischte Gedichte. Verachtung kan uns nicht mit ihrem Stachel toͤdten Der Bruͤste theurer Stoff so Aug’ als Hertz’ ergetzt. Die Waaren/ so man kan am allerersten lassen Die setzt man vor den Kram sie zu ersehen aus/ Das andre aber muß in seinem Packen passen/ Darum der Kaͤuffer nicht geht in des Kramers Haus. Und o betrognes Weib/ man kan die Pracht erhalten Der Brust/ so man entbloͤßt/ als Venus- Schaͤtze weißt. Es muß das schoͤne Gut nicht vor der Zeit veralten/ Die Kunst ersetzet das was Sturm und Wind einreißt. Und dieses lehret uns der uns gefaͤlge Schreiber Der allen Damen lieb/ und werth geachtet wird/ Er zeiget wie man schmuͤckt/ die schon galan ten Leiber Und wie noch groͤßre Pracht durch Kunst wird beygefuͤhrt. Und will ein Ehren-Dieb schon seine Feder wetzen/ So bleibt dis unser Spruch: Ein Thor nicht schelten kan Und hat ein muͤß’ ger Kautz sonst nichtes nicht zu hetzen So faͤngst er mit der Brust des Frauen-Zimmers an. So dann muß dieser Ort ein uͤber groß Geruͤste Der boͤsen Luͤste seyn/ und was der Possen mehr Uns aber ziert dennoch der Pracht der schoͤnen Bruͤste Und sie erlangen nicht die sehr begehrte Ehr. Allein zu unsern Ruhm muß Hoffmanns Waldau schreiben Wenn schon einander gleich vor ihn die Feder fuͤhrt Und viele andre mehr die unbenennet bleiben/ Weil deren reiner Vers, sie/ und die Bruͤste ziert. Nun albre Ehrbarkeit wir lachen zu den Draͤuen/ Wird gleich ein grosser Zoll auf unsre Waar gelegt Wir werden uns doch nicht sie auszulegen scheuen/ Weil nach dem theuresten der beste Kaͤuffer fraͤgt. Allein wir leben nicht in solchen wilden Jahren Da man der Wollust-Frucht mit Zins und Zolle druͤckt; Die Fuͤrsten lieben selbst die angenehmen Waaren Damit das Frauen-Volck den weissen Busen schmuͤckt. Wir geben dir Adjeu und bloͤssen unsre Bruͤste/ So/ wie die neue Welt und ihre Mode will Doch wissen wir auch wol/ daß man vor Mannes-Luͤste So Schrancken setzen muß/ als Graͤntze/ Maaß und Ziel. ( a ) Hier- Vermischte Gedichte. Hiervon bestehe Partheis Ost-Jndianische Reise in 12 mo. Jst der Tractat betitult Nouveaux Experimentez pour con- server la beaute Dames. Dieses ist ein Urtheil/ welches ein artiges Frauen-Zimmer von dem Tractat benahmet: Daß die blossen Bruͤste/ Seyn ein groß Geruͤste/ Vieler boͤsen Luͤste/ und andern Saty ri schen Schreibern dieser Sachen/ faͤllete/ wobey ich mir denn ausnehme/ als wenn ich anderer Sachen durch ziehẽ wolte/ wozu ich nicht inclini ret. Hievon besiehe den andern Theil der Hoffmanns Waldaui schen bisher ungedruckter Gedichte/ allda gleich das erste galante Gedichte nicht wenig das schoͤne Eyland dir Bruͤste heraus- streichet. Freuden Arie der Wollust. 1. J O! Jo! Triumph! Jch habe angesteget. Mein Feind zu meinen Fuͤssen lieget/ Der Wollust sanffter Weg An Anmuth uͤberwieget Den rauhen Tugend-Steg. Jch habe angesieget. Jo! Jo! Triumph. 2. Victoria. Jhr Liebes-Goͤtter singet/ Und mir die Sieges-Palmen bringet. Mir ist der schoͤne Sieg. Mein Streiten wohlgelinget Jn diesem Vorzugs-Krieg. Jhr Liebes-Goͤtter singet Victoria. Das Frauen-Zimmer an die Wollust. W ir bleiben dir getreu/ du Mutter aller Luͤste Bleib uns in Gnaden auch nur ferner zugethan/ Wir ehren deine Pracht/ wir zeigen unser Bruͤste Und stimmen zu dem Sieg ein frohes Vivat an. Se Vermischte Gedichte. Se contenter est la très grande richesse. Copiantes. 1. J ch bin vergnuͤgt; ob gleich die holden Blicke Des Schicksahls nur ein falsches Blend-Werck seyn/ Jch kenne schon desselben schlaue Tuͤcke/ Drum acht’ ich nichtes nicht den blossen Schein. 2. Den blossen Schein/ und sonsten nichts zu lieben/ Heist Aepffel ihm von Sodom ausersehn: Ein Mast der Wind und grimmer Wellen Treiben Folgt/ muß gewiß ohn Steur bald unter gehn. 3. Bald untergehn/ und in der Noht versincken Kommt weibischen und bangen Hertzen zu. Wer auch nicht kan die herben Myrrhen trincken Erlangt niemahls die stets gewuͤnschte Ruh. 4. Gewuͤnschte Ruh/ und suͤsse Lust geniessen/ Jst nur fuͤr den/ der niemahls nnterliegt/ Darum laß ich mir keinen Sturm verdriessen/ Mein Denck-Spruch ist: Jch bin dennoch vergnuͤgt. Neu-Jahrs-Wunsch an eine vornehme Goͤnnerinn im Nahmen eines andern. A ls noch das alte Rom Minerven Opffer brachte/ Und Jupiter sein Schutz in allen Noͤhten war/ Wie es den Eichen Krantz um Janus Tempel machte/ Und gantz erfreuet sprach: Nun ist das neue Jahr. Da sah man die bemuͤht mit Wuͤnschen und mit Gaben/ Die ein danckbares Hertz vermeyneten zu haben. Der weise Cicero hat diesen Brauch erhoben/ Wenn er die Danckbarkeit die schoͤnste Tugend nennt. Sie ist des Himmels-Bild und eine Brut von oben/ Aus deren Trieben man den schoͤnen Ursprung kennt/ Die Goͤtter lieben sie/ und alle die sie lieben/ Ja sie befehlen selbst wir sollen solche uͤben. Jetzt Vermischte Gedichte. Jetzt da der frohe Tag nun wiederum erscheinet/ Den Tag/ den uns der Herr zur Freud und Lust gemacht/ Der Tag/ der Freude bringt/ an dem kein Auge weinet/ An welchem jedermann mit vollem Munde lacht/ So soll auch meine Pflicht erkenntlich sich erweisen/ Und die genoßne Gunst mit hohen Dancke preisen. Sie ists Hochwertheste/ die so viel Guͤtigkeiten/ Ja tausend und noch mehr mir unverdient erzeigt/ Sie ist es/ deren Gunst/ sich noch zu allen Zeiten Wenn ich etwas bedurfft/ mit Raht zu mir geneigt. Was sage ich mit Raht/ in Worten und in Wercken/ Ließ sie ihr guͤtigs Hertz in allen Sachen mercken Vor alle solche Gunst/ ist mein erfreut Gemuͤhte/ Nun es die Zeit befiehlt/ mit Lob und Danck bereit/ Gerechter Himmel gib vor alle ihre Guͤte Jhr die Belohnung hier und dort in Ewigkeit/ Laß nie den Ungluͤcks Wind auf ihre Wohnung wehen/ Laß sie in hoͤchster Lust auf lauter Rosen gehen. Dis ist der treue Wunsch/ den mein Gemuͤhte heget/ Der Himmel ists der Ja und Amen dazu spricht/ So lange sich mein Hertz in meinem Busen reget/ So lange laͤst mein Mund den heissen Seuffzer nicht. Sie/ und ihr gantzes Haus muß sich mit Anmuth weiden/ Bis sie der Hoͤchste nimmt in jene Himmels-Freuden. Der unvorsichtige Mops. Polidor. A ls juͤngst der gute Mops an Jungfern sich ergoͤtzte Lief er nach Haasen-Art die Laͤng’ und in die Quer Fast alle Gassen durch/ bis daß von ohngefehr Die artge Margaris sich an die Haus-Thuͤr setzte. Hier wird man Possen sehen Spracher: und spitzte gleich sein breit formirtes Maul. Als er nun naͤher gehen/ Und den Rubinen Mund der Schoͤnen wolte kuͤssen/ Da fiel der arme Tropff zu ihren zarten Fuͤssen/ Und weltzte sich im Koht als ein halb todtes Gaul/ An Vermischte Gedichte. An dieser Ebentheur hat Polidor verspuͤhrt/ Daß Lieben ohn Bedacht in Schimpff und Schanden fuͤhrt. Allerhand schoͤne Raritaͤten und schoͤne Spiele - Wercke/ Welche auf dem Binnisch - und Graͤntzischen Hochzeit-Feste vorgestellet der Teutsche Welsche Mann. S chaut schoͤne Raritaͤt! schaut schoͤne Spiele-Werk! Jhr Leute kommt herbey/ hier giebt es was zu sehen: Die Raritaͤt ist wehrt/ daß jederman drauf merck/ Und beydes Speiß und Tranck laß’ auf dem Tische stehen. Herr Braͤutigam kommt her und schaut Mit eurer lieben Jungfer Braut. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiel-Wercke/ Belle Catharine, schoͤ- ne Sybilla, Ilse, Margaretha, Dorotheæ, schoͤne Raritaͤt/ schoͤ- ne Spiele-Wercke. Fragt ihr/ was ich bey euch in euren Gvelphos wil? So sag’ ich/ daß ich bloß darum bin hieher kommen/ Weil ich aus einem Brieff juͤngsthin laß ohne Brill/ Daß ihm Herr Binnius hab’ eine Braut genommen/ Drum wolt ich euch und eure Gaͤst Erlustigen beym Hochzeit-Fest. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. So kommt ihr jungen Herren/ ihr Jungfern/ tret’t heran Jhr Maͤnner/ eilt herbey mit euren lieben Frauen/ Gebt achtung/ was ich sag’/ ich bin der Welsche Mann/ Der schoͤne Raritaͤt laͤßt ohne Geld beschauen. Doch eine jede Jungfer muß Mir davor geben einen Kuß. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Mein Vermischte Gedichte. Meinen Kasten thut sich auf/ und laͤst was Rares sehn/ Hier kommt Cupido her die Graͤntzen zu beziehen/ Damit sein grosses Reich moͤg ohne Abbruch stehn/ Viel Menschen folgen ihm die seinen Pfeil nicht fliehen. Jhr lieben Leute schaut einmahl Wie viel von euch in dieser Zahl. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Vor andern aber kommt Herr Binnius hervor/ Der an der rechten Hand die Jungfer Graͤntzin fuͤhret: Sie treten beyderseits vor andern hoch empor Weil Braut und Braͤutigam die ehre so gebuͤhret. Sie scheinen beyde recht vergnuͤgt Daß sie die Liebe hat besiegt. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Ey sehet doch/ dort sitzt die schoͤne Katze Bricks Am Tage Briccii / und putzt die fette Nasen/ Wie lecket sie das Maul/ und wuͤnscht darzu viel Gluͤcks Der neuen Jungfer Brant/ die ihr von Fisch und Haasen Viel gute Bißgen vorgelegt/ Auch sie gestroͤpelt und gehegt. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Gebt weiter Achtung drauf! nun aͤndert sich das Spiel; Seht/ hier kommt Adam her mit einer Staats- Paruque, Die zu Berlin gemacht. Dort lieget an dem Nil Die grosse Stadt Tyrol mit ihrer guͤldnen Bruͤcke. Die Eva kommt mit einem Zopff/ Und der Fontange auf dem Kopff. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Hier ziehet Cain gleich mit einer Flinten auf/ Und Nimrod folgt ihm nach mit seiner Tobacks-Pfeiffen/ Dort in dem Winckel liegt des Esau Buͤchsen Lauff/ Nicht weit davon ein Stuͤck Venetianscher Seiffen/ Die Vermischte Gedichte. Die Bathseba gebrauchet hat Als sie im Garten sich gebadt. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Nun kommt der Jubal her mit seinem Noten- Buch/ So gantz mit Arien und Menuets erfuͤllet/ Dort geht Cleopatra mit einem Regen-Tuch/ Und hier hat Vasthi in ein Lacken sich verhuͤllet. Des Pharaonis Thee- Topff steht Auf jenem Tische/ wie ihr seht. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Seht hier einmahl/ das ist die Kammer und das Bett Worinnen Potiphars sein schoͤnes Weib geschlaffen/ Dort sitzet Delila mit ihrem Nacht Cornett, Und speiset eine Milch von Nabals seinen Schaafen/ Hier steht Platonis Dinte-Faß/ Und Jesabellens Schmincke-Glas. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Dis Traum-Buch/ welches ist zu Amsterdam gedruckt/ Hat Pharao gebraucht. Dort aber seht ihr sitzen Die Weiber Salomons. Kommt/ sehet/ schaut/ und guckt Sie nehen insgesammt Brabandsche feine Spitzen. Nun wird die Woͤlffin euch gezeigt Die vormahls Romulum gesaͤugt. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Noch mehr/ dis ist ein Bein von einer fetten Lauß So Phararo gehabt. Hier kommt ein Saͤnfften-Traͤger/ Der Hamans Saͤnffte trug/ nach diesem geht heraus Des grossen Tamerlans sein allerbester Jaͤger. Nun schaut einmahl das Spinn-Radt an/ An welchem Sardanapel spann. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Des Alexanders Pferd genannt Bucephalus Laufft dort in vollem Trab/ doch nur mit dreyen Beinen/ Da- Vermischte Gedichte. Darius schiest darnach allein es fehlt der Schuß/ Drum faͤngt er jaͤmmerlich und klaͤglich an zu weinen/ Des Kaysers Wentzels grosser Hund Thut in der Kuͤchen einen Fund. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Dis Brett-Spiel schreibet sich dem grossen Cyro zu/ Und dieses ist ein Paar von Hannibals Pistolen/ Dort steht Pythagoras und putzet seine Schuh Die gantz zerrissen sind biß auf die letzten Sohlen/ Hier laufft die Sau ins Juden-Haus/ Ey/ ey/ wie jagt man sie heraus. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Seht welche Raritaͤt! Hier liegt Hans Sachsens Hut/ Dort Eulenspiegels Rock und abgetragne Hosen/ Marcolphi Narren-Kleid/ so annoch neu und gut/ Zehn Erben sind dabey so um dasselbe losen. Nechst dem kommt Midas auch hervor Mit mehr als einem Esels-Ohr. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Hier koͤnnt ihr weiter sehn der Dina Fischbein Rock/ Und Spitzen Unterhembd/ denn Adams Hand- Manchetten, Dort laͤufft aus Nabals Heerd ein grosser Ziegen-Bock/ Ein Sperling steht im Stall an einer dicken Ketten/ Hier faͤhrt ein Wage uͤbers Meer/ Ein Schiff kommt uͤbern Hartz-Wald her. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Nun ptæsenti ret sich ein wahlbesetzter Tisch/ Jn dieser Schuͤssel sind geraͤucherte Floͤh Zungen/ Jn jener eine Wurst von einem kleinen Fisch/ Dort ist ein Fricassée von Milch/ Salat und Lungen/ Nachdem so stehet auch dabey Ein an dem Spieß gebratner Brey. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. D d Seht Vermischte Gedichte. Seht wie der Plato dort und Aristoteles Mit dem Cartesio ein L’Hombre- Spielchen machen/ Hier kegeln Ulpian und der Hyppocrates, Und fangen allesamt von Hertzen an zu lachen. Nun hoͤret die Music auch an/ Die Pan mit Morpheus machen kan. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Jhr koͤntet noch vielmehr in meinem Kasten sehn/ Allein ich werde nur ein weniges noch zeigen/ Schaut her/ hier sehet ihr ein schoͤnes Braut-Bett stehn/ Worin der Braͤutigam mit seiner Braut wil steigen/ Die Wiege steht nicht weit von dar Und wartet auf drey viertel Jahr. Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Werckeꝛc. Zum Abschied zeig ich noch ein langes Blat Papier Auf welchem folgendes mit grosser Schrifft geschrieben/ Lebt neu-verknuͤpfftes Paar/ lebt gluͤcklich fuͤr und fuͤr/ Der Himmel sey euch hold und segne euer Lieben! Dis wuͤnschet euch der Welsche Mann/ Und rufft zuletzt/ so laut er kan: Schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Wercke/ Belle Catharine, schoͤne Sybilla, Ilse, Margaretha, Dorothea, schoͤne Raritaͤt/ schoͤne Spiele-Wercke. An die Schoͤne in der Einbildung. G ewiß wird Lethens Trunck bey dir die Ursach seyn/ Daß deiner Jahre Zahl dir schon entfallen ist; Denn wenn ich dreyßig zaͤhl’ so sagest du/ ach Nein! Da muß erst achtzehn stehn/ wo er schon dreyßig liest/ Seht doch an die Rosen-Wangen Wie sie prangen/ Kan wol ein garstig Bild von so viel dreyßig Jahren Sich mit der Anmuth paaren/ So mein Gesichte zeigt? Nein eure Meynung treugt. Hier Vermischte Gedichte. Hier geb ich dir gantz recht/ denn deine Augen sind Mit rohten Sammt belegt/ so die vergangne Zeit/ Als wie ein schlauher Dieb gantz schleunig und geschwind Den Wangen weggeraubt und allda ausgestreut. Dann heists; seht doch mein Spiegel an Wie schoͤn es kan Mich so galant und nett als wol ein Maͤdgen preisen/ Den Hals als Marmor weisen/ Der weisser als der Schnee Und wie die Bluͤth vom Schlee. Auch diesem Fall ich bey/ dein Hals ist Marmor-Stein Der mit dem Eben-Holtz noch vor dem Richter steht/ Die Brust/ die ist so weis/ als die Citronen seyn/ Damit die Troͤdel-Frau von Thuͤr zu Thuͤren geht. Dann gehts/ schaut die schoͤnen Bruͤste Und die Luͤste So deren Kosten zeugt/ die Buhlers nie geschmecket/ Weil sie von mir verstecket Als solche Schaͤtze sind/ Die man nicht jeden guͤnnt. Der Kern ist auffgezehrt/ zieh nur die Schaalen ein/ Vergrabe nicht den Schatz/ den man nicht mahl begehrt/ Die leeren Traͤbern muß man vor die Schweine streun/ Es muß was feiners seyn/ was solch ein Gast verehrt/ Als deine abgenuͤtzte Brust Der Maden Lust. Sie sehn natuͤrlich aus wie ausgeleerte Taschen Darinnen nichts zu naschen Vor frische Buhlers ist/ Der Wurm und Krebs sie frist. An die uͤbelsehende Lupina, da sie sich be- schlaffen lassen. L upina brich den Brief/ den eine fremde Hand Als einen Gluͤckes-Wunsch zu deiner Wohnung schicket/ D d 2 Weil Vermischte Gedichte. Weil dich der Venus Gunst mit Fruchtbarkeit begluͤcket Und du als Jungfer mehrst mit Leuten unser Land. Es ist die gantze Stadt mit Laͤstern zwar erfuͤllt/ Den guten Leumuth will ein schwartzer Kyehn-Ruß faͤrben; Und daß du ungefreyt die Jungfer lassen sterben/ Verursacht/ daß man dich vor eine H - - schillt. Doch dieses schimpffet nicht/ weil man die Jungfer nennt Die schon zum fuͤnfften mahl die Welt als Jungfer mehren. Wie solt Lupine dich ein Kind den gleich entehren? Er wird ein schadhafft Glas auch vor ein Glas erkennt. Weil nun ein schadhafft Glas so wie ein gutes heist/ So muß ich gleich als du das allbern Thun verlachen/ Daß dich der Neidhard will zu einer H - - machen Da man die H - - liebt/ und in die Jungfer schmeist. Da man in Compagnie offt diese Worte hoͤrt: Was redt der Herre da? was soll der Schimpff bedeuten Man zieh die Pfeiffen ein von so verhaßten Leuten/ Mein Maͤdgen will nicht mahl als Jungfer seyn geehrt. Was wunder ist es dann/ daß auch Lupina will Nicht mehr gescholten seyn/ daß sie den Nahmen hasset Worauf ein Knittel-Dirn nicht in Gedancken passet/ Und daß sie ferner nicht wil seyn des Neides Ziel. Denn wozu nutzet es/ daß man die Jungferschafft/ Die so beschwerlich ist/ muß bis ins Eh-Bett tragen? Daß man mit Keusch-seyn sich muß alle Tage plagen? Das zehn mahl bittrer ist als scharffer Wermuths-Safft. Viel besser ists/ daß man auch sonder Ehe schmeckt/ Was das beschworne Band der vesten Treue schencket/ Daß man den freyen Leib zur Venus Altar lencket/ Und unbejocht den Hals zu ihrem Wagen streckt. Die Nessel brennet schon eh sie zum Busch gedeyt/ Und was ein Hacke wird das kruͤmmet sich bey Zeiten/ So machts Lupina auch/ sie laͤsset sich bedeuten/ Und lernt als Jungfer an des Ehstands Suͤssigkeit. Die Bohne duͤngt das Land/ so sie hervor gebr acht / Die schoͤn gezierte Blum/ die man Lupine ne nnet Macht/ daß die Fettigkeit ihr Lust Bett nie verkennet Die Lupinen, wie die Gaͤrtner berichten/ die maͤrgeln ihre Lust- Bette nicht aus/ sondern machen dieselbe geiler. So hat Lupina auch ihr Lust-Bett fett gemacht. Doch Vermischte Gedichte. Doch alles weggelegt/ und nur auf dis gesehn/ So laͤst sich deine That mit Lobe noch bebluͤmen/ Sie ist nicht Scheltens werth/ sie ist vielmehr zu ruͤhmen/ Denn weil dir dein Gesicht durch Unfall will entgehn/ Jndem sie in den Kinder-pocken Schaden an den Augen bekom̃en. So hast du wol gedacht/ daß/ da vier Augen mehr Als zweene koͤnnen sehen/ und dich dazu bequehmet/ Daß man mit zwenen dich zu deinen noch besaͤmet Damit dein Mangel sich im Uberfluß verkehr. Drum lache nur mit mir die tummen Leute aus/ Die wegen deinen Nutz/ und hoͤchstbeduͤrfftgen Sachen/ Dich wollen mit Gewalt zu einer H - - machen Und reithe stattlich zu auf einen Pahten-Schmaus. An das veraltete Frauen-Zimmer. Polidor. 1. D arf ich an eure Noht/ ihr lieben Kinder/ dencken? Wie ihr eur Ungeluͤck mit Thraͤnen offt beklagt/ So muß sich mein Gemuͤth zu tieffer Wehmuth leucken/ Die Pflicht und Schuldigkeit den Frauens nichts versagt. Ach koͤnnt ihr Maͤnner kriegen! Nach eurem Wunsch und Sinn/ Jch goͤnn euch das Vergnuͤgen Wenn ich es nur nicht bin. 2. Die Jahre lauffen fort/ die Zeiten werden schlimmer/ Der Freyers gibt es viel/ der Nehmer aber nicht/ Verfluchtes Ungemach vor altes Frauen-Zimmer/ Dem aus Verzweiffelung fast aller Trost gebricht. Man schaut sie nur von ferne Als einen Jrwisch an. Sie sind wie kleine Sterne/ Die man kaum sehen kan. 3. Zum oͤfftern sagt ihr zwar ihr seyd von achtzehn Jahren/ Da uͤber dreyßig/ man euch an der Stirnen zaͤhlt/ D d 3 Ach Vermischte Gedichte. Ach dieses hilfft euch nicht/ es sind verlegne Waaren/ Was hilfft ein schoͤnes Kleid? wenn es am Ansehn faͤhlt. Was jetzt die Leute kauffen/ Das muß was frisches seyn/ Wer steht doch jemand lauffen Nach halb verrauchten Wein? 4. Die Schoͤnheit will nicht mehr auf euren Wangen scheinen/ Der Fruͤhling eurer Zeit ist leider gantz vorbey/ Der Tod sitzt in der Schooß/ das Alter in den Beinen/ Ach daß ein Jubel-Jahr vor euch zu hoffen sey! Drum seyd ihr uͤberladen/ Mit Senffzern fuͤr und fuͤr/ Und sprecht: Vor unsern Schaden/ Jst gar kein Pflaster hier. 5. So gehts/ wenn man zu sehr auf seine Jugend bauet/ So gehts/ wenn man so offt im Freyen hat gewaͤhlt/ Ein Schuͤtze/ der ihm stets zu treffen zugetrauet/ Hat endlich doch zuletzt der Scheiben wol verfaͤhlt. Jhr strebt nach hohen Dingen/ Jhr wolt zu hoch hinan/ Und fallt mit hohen Spruͤngen Merckt/ wie man stuͤrtzen kan. 6. Seyd ihr noch jung und schoͤn/ auch artig von Gebehrden/ So wolt ihr daß man euch verehret uͤberall Als Kronen unser Zeit/ als Engel dieser Erden/ Der Hoffarth ist allzeit der Bothe fuͤr dem Fall; Die Rosen sind vergangen/ Der Sommer ist vorbey/ Jetzt zeigen eure Wangen/ Daß/ da der Winter sey. 7. Was rath in solcher Noht? erwaͤhlt das Kloster-Leben/ Und bringt die letzte Zeit mit Bibel-lesen hin/ So wird man euch ein Lob als frommen Schwestern geben/ Die das/ was fleischlich heist/ verworffen aus dem Sinn. Und Vermischte Gedichte. Und koͤnnen eure Lieder Kein Halleluja seyn/ So stellt davor sich wieder Ein Miserere ein. 8. Jhr aber/ die ihr noch in euren jungen Jahren/ Euch rath’ ich als ein Freund gebt etwas bessern Kauff/ Soll euch nicht gleiches Gluͤck wie jenen wiederfahren/ So zieht/ wenn einer kommt/ gelinder Sayten auf. Gedenckt jetzt sind die Zeiten/ Davon man sagen kan/ Es werden sieben streiten Um einen eintzgen Mann. Auf die sproͤden Maͤdgen zu J * * 1. A uch bisweilen streuben sich Die absur den Maͤdgen/ Daß sie lauffen vor den Stich Gar aus unsern Staͤdgen. Doch wenns ihnen kommt im Sinn/ Halten sie/ sie jeden hin/ Lassen sich den auch recht derbe stossen. 2. Ja sie wollen schoͤner seyn/ Als die besten Damen, Und der abgeschmackte Schein Traͤgt Helenens Nahmen/ Da sie doch mit ihrer Pracht Leuchten wie ein Rotz bey Nacht/ Oder wie ein schwartzer Schornstein-Fegen. 3. Doch sie sind sehr rahr und theur Mit den gelben Dingern/ Und gedeyn zum Ungeheur Wenn man denckt zu fingern/ Decken gleich die Lappen zu/ Daß man nichts galantes thu/ Noch derselben Groͤsse was vermehre. D d 4 4. Ge- Vermischte Gedichte. 4. Gehet man denn auch zu weit/ Tastet nach den Beinen/ Sehn sie als die theure Zeit/ Fangen an zu weinen/ Denn sie gleichen da dem Ahl/ Sind um Schooß und Maͤulgen kahl/ Und vergoͤnnen keinen Griff in Ehren. 5. Drum so zieht die Pfeiffen ein/ Haltet kuͤnfftig stille/ Hoͤret bald auf sproͤd zu seyn/ Thut was unser Wille/ Laßt euch kuͤssen/ und dabey Gebet Griff und Stoͤsse frey/ So seyd ihr die allerbesten Maͤdgen. Die wohlfeilen Maͤdgen. 1. Z uͤrnet doch ihr Maͤdgens nicht Uber mein Beginnen/ Und was ich auf euch gedicht/ Zieht euch nicht zu Sinnen/ Schlaget es nur in dem Wind/ Denn die Wahrheit selten findt Ein gewuͤnscht und wohlgesinnt Gehoͤre. 2. Leget euren Stoltz hinweg/ Angenehme Dinger/ Eure Hoheit liegt im Dreck/ Und wird stets geringer/ Allenthalben seyd ihr feil/ So daß um ein strohern Seil Man kan vier und zwantzig Maͤdgen kauffen. 3. So faͤllt eure Hoheit hin/ Und wil gantz verschwinden Weil kein Vortheil kein Gewinn/ An euch ist zu finden/ Denn Vermischte Gedichte. Denn ihr gar zu haͤuffig laufft/ Und man hundert Dirnens kaufft. Auf den Troͤdel-Marckt um einen Duͤtgen. 4. Welche kommen selber her/ Um sich zu verhandeln/ Doch die muͤssen ohnbeschwer Gleich zuruͤcke wandeln/ Denn wo man gnug haben kan/ Nimmt man das nicht gerne an/ Was kein Kaͤuffer einzukauffen suchet. 5. Werfft ihr schon dagegen ein/ Und fangt an zu bellen Maͤnner/ wolt ihr besser seyn/ Als wir Demoisellen. Ja/ stellet ihr euch gleich erbost/ Bleibt doch dieses unser Trost/ Daß wir vor uns einsam leben koͤnnen. Das Maulische und Meyerische Hochzeit-Feste Wurde hiemit beehret im Nahmen eines andern. E S muß der Jcarus mit Schimpff zu Boden fallen/ Wenn sich sein Unverstand der Sonnen nahe macht/ Und soll ein schlechtes Rohr wie Phœbus Floͤhte schallen/ So ist dem Marsyas der Fall schon zugedacht: Nun solt’ ich bald hieraus als einen Beyspiel lernen/ Vom Helicon muß sich mein ruͤhder Geist entfernen. Allein/ ich soll und muß vor dis mahl Verse schreiben/ So wenig auch mein Geist von dieser Kunst versteht/ Es darf die Schuldigkeit hier nicht zuruͤcke bleiben Ob schon die Poësie auf schwachen Fuͤssen geht: Jch muß mich mit Gewalt auf Pindus Spitzen schwingen Und mit verstimmtem Spiel mein schlechtes Opffer bringen. D d 5 Wie Vermischte Gedichte. Wie fang’ ich aber an die Verse aufzusetzen? Die Venus und ihr Sohn sind mir gantz unbek annt/ Jch weiß von Hymen nichts/ und finde kein Ergoͤtzen Wenn manch Poëte schreibt von seiner Fackel-Brand; Man ruͤhmet uͤberall Cupidens Macht und Staͤrcke/ Thut denn ein blindes Kind so grosse Wunder-Wercke? Doch bin ich fast er staunt/ die lassen Sinnen stehen/ Wenn sich vor Delilen ein grosser Simson beugt/ Und vor Verwunderung gedenck’ ich zu vergehen/ Wenn sich vor Omphalen Alcidens Staͤrcke neigt. Dient Jacob sieben Jahr um Rahels seltne Gaben/ So muß die Liebes-Macht nicht ihres Gleichen haben? Ja! es ist mehr als wahr; Den angenehmen Trieben War schon im Paradies der erste Mensch zu schwach/ Es muste seine Brust so gleich die Eva lieben/ Er hengte alsobald der suͤssen Regung nach. Weil wir nun alle her von diesen Eltern stammen/ So koͤnnen wir das Feur der Liebe nicht verdammen. Es will zwar manches Haupt den Ehe-Stand verwerffen/ Den selbst das grosse Drey im Paradies gestifft/ Wie mancher muͤht sich nicht den Tadel-Kiel zu schaͤrffen Wenn ein geweyhter Mann ein keusches Buͤndniß trifft. Allein kein Kluger wird den falschen Schluß versiegeln/ Den Latium gemacht auf seinen sieben Huͤgeln. Die Priester Jsraels/ die durfften ehlich leben/ Gott sah die keusche Brunst mit Wohlgefallen an/ Und also wird er auch zu dieser Zeit zugeben/ Daß seine Priesterschafft sich ehlich sehen kan. Kan Aaron seine Frau in reiner Unschuld kuͤssen/ So darf ers ebenfals mit keiner Straffe buͤssen. Denn/ wenn es ausgemacht/ daß Lieben eine Suͤnde/ So wuͤrde er gewiß den Fehler nicht begehn; Nun aber sehnt er sich nach einem lieben Kinde Weil Gott zum zweyten mahl es also ausersehn: Er folgt des Hoͤchsten Raht/ und wil auch dessen Willen/ Jn der Verehligung als wie sein Knecht erfuͤllen. Der Vermischte Gedichte. Der Himmel/ der ihn hat schon ein mahl Lieben lassen/ Wird ihm/ Hochwerthester/ auch dis mahl guͤnstig seyn/ Und ließ er gleich zu fruͤh den ersten Schatz erblassen/ So bringt er den Verlust jetzt reichlich wieder ein. Was die verstorbene an Zucht und Treu gewesen/ Das laͤst die Mayerin an ihrer Stirnen lesen. So lebet dann vergnuͤgt ihr neu-vermaͤhlten Seelen/ Eur Gluͤcke nehme so/ daß ihr es mercket/ zu/ Kein Kummer muß niemahls die treuen Sinnen quaͤhlen Und die Zufriedenheit vermehre eure Ruh. Womit ein keusches Paar kan gluͤck-und friedlich prangen/ Das muͤsset ihr nach Wunsch im Uberfluß erlangen. Lied/ bey einer lustigen Gesellschafft. 1. A mor foltert nur die Seeelen/ Und beaͤngstigt die mit Quaͤhlen/ Die ihm unterwuͤrffig seyn/ Es gebiert stets neue Pein/ An den Liebes-Joche ziehen/ Wo nur scharffe Dornen bluͤhen. 2. Lachet schon das falsche Gluͤcke/ Gucken ihm doch seine Tuͤcke Aus dem schwartzen Augenraus/ Glaͤntzet gleich der Liebe-Haus/ Wohnet doch nur Angst darinnen/ So betruͤbt die freyen Sinnen. 3. Scheinet gleich ein mahl die Sonne/ Wird doch bald die kurtze Wonne Die wie eine Fluth verrauscht/ Mit Come ten ausgetauscht. Flieht der Liebe gifftigs Schertzen/ Jhre Mandeln zeugen Schmertzen. 4. Bannet Amor aus den Sinnen/ Last ihm keinen Platz gewinnen/ Sein Vermischte Gedichte. Sein Vergnuͤgen ist ein Tand/ Und sein Froh-seyn Unbestand. Denn nach kurtzen Sonnenscheinen/ Folgt ein langes Trauer-Weinen. 5. Liebt vielmehr den Safft der Reben Laßt euch eur Vergnuͤgen geben/ Was der edle Bachus schenckt/ Und womit die Ceres traͤnckt; Amor muß betruͤbet passen Wenn wir diese herrschen lassen. 6. Auf ihr edlen Musen- Soͤhne/ Stimmt mit freudigem Gethoͤne Eur Rundadinella an/ Jauchtze nur wer jauchtzen kan/ Diesen Goͤttern laßt zu Ehren Eure frohe Lieder hoͤren. Zu der Ridder - und Mahnerischen Hochzeit-Feyer/ Gratulirte durch Folgendes. Copiantes. J hr Tichter/ deren Geist der Himmel selber treibet/ Wenn er durch heilges Feur blaͤst eure Sinnen an/ Sagt/ da ihr offter mahls von Liebes-Flammen schreibet/ Womit man sie zuletzt noch wol vergleichen kan? Der eine sagt/ es sey ein Zucker vor die Seelen: Ein ander aber nennt sie der Gemuͤther Band. Der heist sie einen Grind/ der nicht wol zu verhelen: Und dieser spricht/ sie sey nichts als ein heisser Brand. Allein ihr irret noch/ ein einger hats getroffen/ Der sagt/ daß sie mit recht dem Jaͤger-Garne gleicht/ Darinn schon manches Wild vergnuͤgt hinein geloffen Wenn es der schlaue Fleiß des Weydemanns umschleicht. Der Vermischte Gedichte. Der Tiras ist allein vor niedrige Gemuͤhter/ Dabey der Augen-Blitz die erste Lock-Pfeiff’ ist. Die Koͤrner sind alsdann der Erden falsche Guͤter/ Woran sich mancher Mensch mit Lust zu tode frist. Die Stangen sind hieran die Regungen des Blutes/ Wo bey so Jaͤger als auch Wildpret wird geruͤhrt/ Er ist bey selbigen vergnuͤgt und gutes Muhtes Da dieser Witterung sein Vogel nachgespuͤhrt. Allein dis alles hilfft noch nichts vor hohe Sinnen/ Bey denen muß allein die Tugend-Jaͤger seyn/ Das Steck-Garn das Vertraun/ so kan hier nichts entrinnen/ Denn alles laufft mit Lust in diese Lappen ein. Und diese Tugend ist bey ihm das Garn gewesen/ Herr Vetter/ darinn er vorlaͤngst dis Wildpret fing/ Daß dieses Garn allein zu seinem Fang erlesen Ob gleich sonst manches Netz ihm um das Lager hing. Die frisch belebte Stirn die weiset sein Gemuͤhte/ Helenens Bruͤder sind daran verliebter Blitz/ Der Wangen Purpur zeugt von seiner Seelen Guͤte Auf der beschneeten Brust hat Amor Thron und Sitz. Jedoch ich will nicht mehr verbluͤhmt und dunckel schreiben/ Es ist mit einem Wort die schoͤne Mahnerin. Jch wuͤnsche nur/ da mich Pflicht und Gehorsahm treiben/ Nehmt aus des Hoͤchsten Hand viel tausend Seegen hin. Als der Hoch - Edelgebohrne Herr Herr Johann Werlhoff/ Hoch Fuͤrstl. Braunsch. Luͤneb. wohlbestal- ter Hoff-Rath/ und der weitberuͤhmten Julius Uni- versit aͤ t Antecessor primarius und Facultatis Ju- ridicæ Senior beerdiget wurde/ stellete man die ihren grossen Verlust beklagende Themis in folgenden vor. D Er grosse Pan ist todt! so rieff vor vielen Jahren Dem Thamus eine Stimm aus holen Luͤfften zu/ Als er mit seinem Schiff nach Pafi kam gefahren/ Und die sonst wilde See sich fand in stiller Ruh: Durch Vermischte Gedichte. Durch dieses Lufft-Geschrey wurd alles Volck geschroͤcket/ Und ungemeine Furcht in ihrer Brust erwecket. Nun kunte dieses Volck nicht ohne Schrecken leben/ Da aller Geister Fuͤrst der Pan gestorben war/ Der ihnen Geist und Leib/ ja alles muste geben/ Der lag’ wie sie gehoͤrt/ entseelet auf die Bahr; So quaͤlte Angst und Noth mit Jammer diese Leute/ Da ihnen unbewust was solches recht bedeute. Jch aber/ die der Blitz des schwartzen Himmels schlaͤget/ Jch Themis, der der Strahl durch Marck und Adern bricht/ Weiß mehr als alzuwohl/ was dieses in sich heget/ Daß Julia betruͤbt zu mir/ als Schwester spricht: Dein grosser Pan ist todt/ dein alles ist erblichen/ Dein Kleinod ist hinweg von deiner Brust gewichen. O Schrecken-volles Wort! O Nachricht die mich quaͤlet! Welch Schicksal raset denn so grausam wider mich? Jsts muͤglich/ daß mich noch ein Lebens-Trieb beseelet? Welch wilder Sterblicher wird so geplagt als ich? Da ich doch Goͤttin bin! O Allmacht ohne Staͤrcke! Jhr Sterblichen verlacht nur meine Wunder-Wercke. Mein Werlhoff/ der ist todt! Ach unerhoͤrter Schmertze. Mein Priester! ach mein Sohn! du stirbest vor der Zeit/ Dein gar zu fruͤher Tod ertoͤdtet mir mein Hertze/ Wer steht nun vor den Riß? O Jammer/ Angst und Leid! Mein bester Sohn ist todt/ mein Kleinod ist verlohren/ Es hat sich wider mich der Himmel selbst verschworen. Jhr Augen oͤffnet euch vergiesset heisse Zaͤhren/ Beweinet meinen Sohn/ den ungemeinen Mann/ Weint aber nichts als Blut/ denn was ich muß entbehren/ Ein schlechtes Zaͤhren-Saltz mir nicht ersetzen kan. Mein Tempel faͤllt nun ein/ mein Ansehn ist verschwunden/ Und kein Hipocrates heilt meiner Seelen Wunden. Mein Hertze das erstarrt/ ja es wird fast zur Leichen/ Wenn es an den Verlust/ o herber Schmertz gedenckt/ Doch kan es nicht den Tod/ den harten Tod erweichen/ Daß er dem theuren Mann das Leben wieder schenckt/ Ein Orpheus kan sein Weib aus Plutons Reiche bringen/ Mir aber muß mein Will und Wuͤnschen nicht gelingen. Be- Vermischte Gedichte. Betruͤbte Musen- Schaar/ schlagt die erschrocknen Bruͤste/ Und stimmt doch mit mir an/ ein traurigs Grabe-Lied/ Der Helicon vergleicht sich jetzo einer Wuͤste/ Die Rose meiner Lust ist/ weint! ach weint! verbluͤht/ Des Todes rauher Nord hat ihre Pracht verwehet/ Ach daß ein Mensch sobald/ ja solch ein Mensch/ vergehet. Was da Papinian vor Alters ist gewesen/ Was Cajus und Levin vor Wissenschafft gewust/ Das ließ mein theurer Sohn an seiner Stirnen lesen/ Der Geist Justinians belebte seine Brust/ O schmertzlicher Verlust! O neidisches Geschicke! Wie hemmst du meinen Ruhm/ wie beugest du mein Gluͤcke! Verworffner Unbestand/ muß denn in allen Sachen Der muͤden Sterblichen es so verkehret gehn? Muß Bliß und Donner nur auf solche Cedern krachen? Da schlechtes Dorn-Gestraͤuch und Diesteln ruhig stehn/ Mein Pharos wird vernicht/ da schlechte Huͤtten bleiben/ Und das was kostbahr ist/ wil Neid und Zeit zerreiben. Jhr Luͤffte raset nur/ ihr Wolcken kracht und blitzet/ Zerstoͤrt mein Heiligthum/ vertilget mein Altaar Jst doch mein Priester todt/ mein Atlas der mich stuͤtzet Jst leider nun hinweg; der mir der Liebste war/ Den ich als Sohn geliebt/ hat diese Welt verlassen/ Der Himmel wird den Geist in seinem Pallast fassen. Doch Themis, fasse dich/ was nuͤtzen deine Klagen? Jst schon dein Werlhoff todt so lebet doch sein Ruhm/ Man muß des Himmels-Schluß gelassener ertragen/ Ein Centner Wiederwill stoßt solchen doch nicht um. Ein Mensch/ ist ja ein Mensch/ das ist/ er muß vergehen/ Er gleichet einer Saat/ die immer reiff zu maͤhen. Sobald er diese Welt/ dies nichtige erblicket/ So stellt die Wiege ihm des Lebens Morgen fuͤr/ Und ehe er sich recht in ihre Art geschicket/ So ist die Bahre schon als Abend vor der Thuͤr/ Citronen kan ein Wind in einen Huy entlauben/ Den Sterblichen der Tod die Lebens Geister rauben. Wer aber auf der Welt wie Werlhoff hat gelebet/ Der stirbt nicht wan er stirbt/ der Nachruhm ewig bleibt/ Sein Vermischte Gedichte. Sein Angedencken noch in tausend Seelen schwebet/ Wenn schon die graue Zeit so Seul als Bild zerreibt/ Denn dieses ist der Kern aus allen irrdschen Guͤtern/ Und bleibet unversehrt/ wenn Blitz und Donner wittern. Die Rose riechet auch/ wenn sie gleich abgebrochen/ Die Lilje hegt Geruch/ ob sie schon nieder liegt/ Es bleibt der Nachruhm doch/ ob um die morschen Knochen/ Sich schon ein blauer Molch und gelbe Natter schmiegt/ Denn weil die Seele lebt/ und ihre Thaten gruͤnen/ So muß der Tugend Ruhm zu der Belohnung dienen. Drum die ihr jetzt in Boy und schwartzen Flore gehet/ Betruͤbte die ihr jetzt am Trauer-Joche zieht/ Ergreiffet die Gedult/ und ob ihrs schon nicht sehet/ Dennoch in eurem Leid ein neues Gluͤcke bluͤht/ Der Himmel pflegt nicht leicht ein Ungluͤck her zu schicken/ Darauf nicht alsobald sich Freude liesse blicken. Nun ruhe matter Leib in deine Todten-Kammer/ Biß dich der Himmels-Printz/ in seinen Pallast rufft/ Du bist jetzt ohne Noth/ du spuͤhrest keinen Jammer/ Die freye Seele schwebt beym Sternen in der Lufft; Mein Priester ruhe wohl/ bleib Seele im Ergoͤtzen/ Und laß mich diese Schrifft auf deinem Grabstein setzen: Mein grosser Pan liegt hier/ aus dessen suͤssen Munde/ Mit einem jedem Wort ein Centner Weißheit floß/ Was sich vor Wissenschafft in meinen Rechten funde/ Sein hochgelahrtes Haupt und kluge Brust beschloß: Was an Papinian das stoltze Rom vermisset/ Hat jetzo Julia an Werlhoff eingebuͤsset. Auf den Geburts-Tag einer vornehmen Frauen/ im Nahmen eines andern. E rmunter dich mein Geist/ und ruͤhm die holden Stralen/ Womit sich dieser Tag vor andern kostbahr macht/ Schau Phœbus ist bemuͤht den Himmel roth zu mahlen/ Er doppelt seinen Glantz mit ungemeiner Pracht. Die Erde fecuet sich/ sie will sich mit erheben/ Und die Natur vermehrt was sie schon offt gethan. Die Deutung wil sich selbst in diesen Worten geben: Es zeigt was grosses an. Es Vermischte Gedichte. Es zeigt was grosses an/ und macht durchaus begluͤcket Wenn eine edle Seel den Tag offt wieder schaut/ An welchem sie zu erst die Erde angeblicket/ An dem des Himmels Gunst den Wohlfahrts-Grund erbaut: Sie kan Hoch-Edle Frau auch dieses Gluͤcke sehen/ Denn dieses ist der Tag/ der ihr das Leben gab/ Sie ist ein fruchtbahr Baum darbey die Worte stehen? So gruͤnte Arons Stab. So gruͤnet Arons Stab/ und brachte suͤsse Fruͤchte/ Und mir wil ihre Gunst ein gleiches Wunder seyn/ Wenn ich mein Sehnen hin zu ihrer Guͤte richte/ So trifft mir also fort/ was ich gewuͤnschet/ ein. Mein Himmel lasse sie in stetem Gluͤcke gruͤnen/ Schuͤtz diesen edlen Baum mit deiner starcken Hand/ Denn wird die Uberschrifft auch mir zum Vortheil dienen/ Gerecht zum Widerstand. Gerecht zum Widerstand ist sie mir stets gewesen/ Wenn mir ein Ungluͤcks-Sturm nicht allzu ferne war/ Man kan die Guͤtigkeit an ihrer Stirnen lesen/ Wenn mich ein Mangel druͤckt so wird sie offenbahr/ Jst Jndien befugt den Wunder-Baum zu ehren/ Weil es von dessen Stamm fast alle Sachen hat/ So laß ich mich von ihr mit diesem Denck-Spruch hoͤren/ Jn Worten und der That. Jn Worten und der That verspuͤhr ich ihre Liebe/ Mein Himmel zahle doch vor mich die Schulden ab/ Kein Unfall mache nie den Freuden Himmel truͤbe/ Sie seh offt diesen Tag entfernt von Noht und Grab/ Mein Unvermoͤgen weiß nichts bessers ihr zu schencken/ Als daß der grosse GOtt selbst der Vergelter sey/ Und bey die Ehren-Kron will ich die Umschrifft dencken/ Der Lohn wird immer neu. Der Lohn wird immer neu/ den dieser Fuͤrste giebet/ Und in der Ewigkeit nimmt er noch taͤglich zu/ Sie wird in seinem Schutz von keiner Noht betruͤbet/ Er mehret ihre Lust/ und fordert ihre Ruh; Jndessen laß er sie/ Hoch-Edle/ lange leben/ Sie sey ein Lorbeer-Baum/ der mich noch ferner schuͤtzt/ E e Jch Vermischte Gedichte. Jch will die Laͤuterung mit diesen Zeilen geben: Jch lache wenn es blitzt. Er troͤstet sich selbst in seinem Ungluͤcke. 1. E in Hertz/ daß sich mit Sorgen plagt/ Verzehrt sich selbst vor Zeiten/ Wer taͤglich uͤber Ungluͤck klagt/ Wird sich das Grab bereiten: Es kan doch nichts bestaͤndig seyn/ Auf Regen folget Sonnenschein. 2. Die Zeiten sind veraͤnderlich/ Es wechseln Tag und Stunden/ Es hat nach Blitz und Donner sich Die Stille eingefunden/ Die Nacht kan nicht so finster seyn/ Der Tag bricht wiederum herein. 3. Haͤlt gleich das angenehme Licht Des Gluͤckes sich verborgen/ So glaub ich/ glaͤntzt es heute nicht/ Daß es doch scheinet morgen/ Es kommt bey mir auch wol der Tag Daß ich mich gluͤcklich nennen mag. 4. Ein Schiff daß in der Wassers-Fluth Mit ’Wind und Wellen streitet/ Verlieret nicht so fort den Muth/ Weil es die Hoffnung leitet/ Es werde bald den Sturm entgehn/ Und sich im sichern Hafen sehn. 5. Liegt gleich mein Schiff vor Ancker noch/ Und hat contraire Winde/ So ist bey mir die Hoffnung doch/ Daß ich noch endlich finde/ Den Haven der mir ist beschert Und den mein Wuͤnschen laͤngst begehrt. 6. Wer Vermischte Gedichte. 6. Wer weiß/ wo noch mein Gluͤcke soll Jn voller Bluͤhte stehen/ Und scheinet es heute noch so toll/ Kans morgen doch geschehen/ Daß ich durch einen guten Weg Erlange den gewuͤnschten Zweck. 7. Das Gluͤcke ist den Raͤdern gleich/ Das Unterste kommt oben/ Der heute arm ist morgen reich/ Und hoͤrt sich herrlich loben/ Wie mancher ist im Augenblick Gelangt zu einen grossen Gluͤck. 8. Lacht gleich das Gluͤcke ander an/ Jch will es ihnen goͤnnen/ Weil auch der Tag erscheinen kan/ Daran ich werd’ erkennen/ Daß Hoffnung doch den Preiß behaͤlt Bey allen Ungluͤck in der Welt. 9. Drum mein Gemuͤth ermuntre dich/ Und laß die Sorgen fahren/ Es geht das Gluͤcke wunderlich/ Man hat es nicht beym Haaren/ Laß sorgen/ wer da sorgen will/ Jch hoff’ und warte in der Still. Bey dem Teuto- und Gildehausischen Hochzeit-Feste Wurde der Handel und Wandel in der Liebe in Fol- genden vorgestellet/ Jm Nahmen A. K. J st die Liebe nicht ein Handel/ Gleicht sie nicht der Kauff mannschafft? Ja! und diesen schoͤnen Wandel Treibet man mit solcher Krafft; E e 2 Daß Vermischte Gedichte. Daß man Hertz um Hertz verkauffet/ Denn ein jedes Menschen-Kind Hin nach ihrer Boͤrse lauffet/ Wo man tausend Kaͤuffer findt. Die Advis-Brief sind die Blicke/ Und der Wechsel-Zettul geht Selten mit Protest zuruͤcke/ Was man redet/ das besteht. Wann Myrtillo bey Melinden, Erst dahin es bringen kan/ Daß er sich zu ihr darf finden Alsdenn geht der Handel an. Daß er ihr getreu sich nennet/ Jst das erste Handlungs-Geld/ Wenn das keinen Mangel kennet/ Alsdenn ist es wohl bestellt; Wenn es richtig wird befunden/ Wenn es nicht den Werth verliehrt/ Denn wird Hertz und Geist verbunden/ Und der Handel fortgefuͤhrt. Giebt der Himmel dann Gedeyen Daß er heim sie fuͤhren kan/ Alsdenn geht es an ein Freuen/ Und die Zahl-Woch hebt sich an Alle Naͤchte in dem Bette Jst der taͤgliche Termin; Allda liebt man in die Wette/ Und vermehret den Gewinn. An der Zins wird nichts erlassen/ Noch viel minder compensirt, Weil einjeder bester Maassen Seine Liebes-Schuld abfuͤhrt. So hat man viel zu cassi ren/ Des Correspondent en Hand/ Will in keinem Ding falli ren/ Alles bringet er zum Stand. Nach so richtigem Belegen Kommt lebendiger Gewinn/ Und der hochgewuͤnschte Seegen Zieht mit Wucher sich dahin/ Ma g Vermischte Gedichte. Mag man denn nicht weiter handeln So greifft man die Renten an/ Und das angenehme Wandeln/ Wird den Kindern eingethan. Jhr! ihr treu-verliebte Hertzen/ Die ihr heute euch verbindt/ Und bey Hymens Freuden-Kertzen/ Euch zu solchen Handel findt/ Jhr/ ihr werdet schon erfahren/ Was mein Feder-Kiel hier setzt. Handelt wol mit denen Waaren/ Da mit Amors Gunst er goͤtzt/ Lasset den Profit uns blicken/ Doch erst nach drey Viertel Jahr Alsdenn wird in allen Stuͤcken Eure Handlung offenbahr/ Himmel! segne Bud und Laden/ Schuͤtze sie durch deine Gunst/ Und verleihe viel Intra den/ Dieser keuschen Liebes-Brunst. Auf den Nahmens-Tag einer Mutter/ vor einen andern. G eehrteste/ nun ist es Zeit Sich auf Gebeht und Wunsch zu schicken/ Heut ist der Tag der Lieblichkeit/ Der mit den angenehmsten Blicken/ Und mit des vollen Lichtes Pracht Den werthen Nahmen kundbahr macht/ Heut ist der Tag/ nun ist es Zeit. O suͤsser Nahm! o froher Tag! O sey mir tausend mahl willkommen! Du wirst so viel als ich vermag Mit Lust und Freuden aufgenommen/ Die Wonne bleibet unumschraͤnckt Die mir dein holdes Tagen schenckt; O suͤsser Nahm! o froher Tag! E e 3 Mein Vermischte Gedichte. Mein Hertz und Geist ermuntert euch Jhr muͤßt bey Arbeit und den Buͤchern Durch dieses Opffer heut zugleich Auch eure Freude mit versichern/ Die Treue treibt euch dazu an/ Und Liebe nennt es wohlgethan. Mein Hertz und Geist ermuntert euch. Auf! Himmel auf! verklaͤhre dich! Jhr schwartzen Wolcken weicht zuruͤcke Was Ungluͤck macht verberge sich/ Und du o! wandelbahres Gluͤcke Misch heute uns nichts truͤbes ein Laß deinen Glantz stets guͤlden seyn! Auf Himmel auf verklaͤhre dich! Und du o Gott erhoͤre doch! Mein Flehen und mein heisses Bitten/ Laß deine Gnade ferner noch Mit reicher Wollust sie beschuͤtten. Gib/ daß kein boͤser Unfall ruͤhrt Was nur von uns den Nahmen fuͤhrt. Und du o GOtt erhoͤr es doch! Wo deine Gnaden Sonne scheint/ Da muß der Seegen sich vermehren/ Da trotzet man so Neid als Feind; Und laͤst sich jauchtzend dabey hoͤren/ Da muß das Gluͤck zur Seiten gehn/ Und stets in vollem Wachsthum stehn. Wo deine Gnaden-Sonne scheint. Was deine Guͤt und Allmacht schuͤtzt/ Das fuͤhlt nicht Schwachheit Schmertz und Plage Wo deiner Gnaden Sonne blitzt Da spuͤhrt man lauter frohe Tage/ Bekuͤmmerniß/ Noht/ Sorg und Quaal Betrifft dasselbe nicht ein mahl/ Was deine Guͤt und Allmacht schuͤtzt. Hoch- Vermischte Gedichte. Hochwertheste! so steht es wohl Um Sie und uns zu allen Zeiten Das Gluͤcke will sie wie es soll Jn ihrer Lebens-Zeit begleiten. Giebt Gott/ daß dieses frohe Licht/ Noch offte so ein zu uns bricht/ Hochwertheste! denn steht es wohl. Es ist mein Wohl mit ihr verknuͤpfft Wenn sie der Wuͤnsche wird geniessen/ Wodurch mein Hertz vor Freuden huͤpfft/ Und sie auf dieses Blat laͤst fliessen/ Als Zinsen meiner Lieb und Treu/ Gott lege hier das Amen bey/ So ist mein Wohl mit ihr verknuͤpfft. Als die hohe Vice-Rectorats- Wuͤrde einen Professori Metaphys. aufgetragen wurde. Jm Thon: Nichts ist so galant gebohren/ als die schoͤne Galathee. 1. N ichts ist so verhaßt geworden Als die Metaphysica, Denn der dummen Spoͤtter-Orden Schimpffet und verlaͤstert ja/ Daß ein Metaphysicus Ein Gelehrter heissen muß. 2. Ens und non ens sollen Sachen Gar von keinen Werthe seyn/ Doch ich muß der Thorheit lachen/ Denn mir faͤllt das Sprich-wort ein: Daß die Kuͤnste keiner haßt/ Als der selber nichts gefaßt. 3. Blinde Welt/ du bist geschossen/ Unverstand/ du bist verblendt/ E e 4 Weis- Vermischte Gedichte. Weisheit nennst du Kinder Possen/ Weil dein dummer Kopff nicht kennt/ Wie der Weisheit falscher Dunst/ Wird verjagt durch diese Kunst. 4. Stahl/ der alle Welt ergetzet/ Haͤtte den gestaͤhlten Muht Nie an diese Kunst gesetzet/ Wenn er nicht das hoͤchste Gut Diese Lehre zu verstehn Jhm vor andern ausersehn. 5. Hebenstreit das Licht der Erden/ Der viel Streite beygelegt/ Duͤrffte wol vergessen werden/ Wenn er nicht den Geist gepraͤgt Jn die Buͤcher die der Safft Sind von aller Wissenschafft. 6. Lœbers und Martini Schrifften So der Welt viel Licht gebracht/ Koͤnnen uns ein Denck-Mahl stifften/ So der Zeiten Rost verlacht/ Und Niemeyers Ruhm besteht/ Bis der Eltz und Elm vergeht. 7. Antenor du hast erfahren/ Wie der unverdroßne Fleiß Sich kan mit der Weisheit paaren/ Wenn der Jugend warmer Schweiß Dich durch alle Adern dringt/ Und den Ruhm zum Lohne bringt. 8. Es ist dein erhitzt Bemuͤhen Keine Grillen-Faͤngerey/ Denn du weist heraus zu ziehen/ Was zur Sache dienlich sey: Kein Wort/ so du je gelehrt/ Jst vergeblich angehoͤrt. Un- Vermischte Gedichte. 9. Unsre Stadt ruͤhmt deine Gaben/ Womit dich der Himmel ziert/ Und wird noch mehr Nutzen haben/ Wenn der nun den Scepter fuͤhrt/ Welcher ist zu unsrer Zeit Mehr als Stahl und Hebenstreit. 10. Brauche denn was dir gegeben Kuͤnfftig zur Gerechtigkeit: Laß den Purpur Geist und Leben Uns zum besten seyn geweyht: Boͤs’ und gute distinguirt Heißt den Scepter wohlgefuͤhrt. Bey der Beerdigung Der Hoch-Ehr und Tugend-belobten Frauen/ Frauen Marien Pfluͤgerin/ꝛc. Legten gegen den Hoch-betruͤbten Hrn. Wittwer ihr hertzliches Mitleyden drey Verwandte durch Folgendes an den Tag. Copiantes.. W enn dir das bange Hertz in tausend Stuͤcken springet/ Ja/ wenn dir selber fast der Lebens-Faden bricht; Wenn dir ein scharffes Schwerdt durch deine Seele dringet/ Und aller Muth entfaͤllt/ so wundern wir uns nicht/ Denn jetzund wird dein Hertz zu Grabe hingetragen/ Dein Leben siehest du auf einer Bahre stehn/ Du must/ und wir mit dir/ aus gleicher Wehmuth klagen/ Daß wir dich/ welcher Riß? als Wittwer muͤssen sehn. So gehts/ so drehet sich das Blat der Eitelkeiten; So spielt das Wechsel-Gluͤck mit uns als einem Ball: Offt schenckt uns seine Brust vergnuͤgte Lieblichkeiten/ Doch aber sie sind nichts als nur verfuͤßte Gall. Wenn man ihm heute noch vergnuͤgt im Schoosse lieget/ So macht es morgen Strick’ aus unserm eignen Haar: Es ist ein irrend Licht/ das uns des Nachts betrieget/ Daß/ weñ es schoͤn geglaͤntzt/ bald Schleim und Unflath war. E e 5 Ach! Vermischte Gedichte. Ach! daß wir nun auf dich die Deutung muͤssen machen! Herr Vetter/ da der Tod durch deine Rechnung streicht/ Jndem/ da dir das Gluͤck sing freundlich anzulachen/ Dein Weib/ o hartes Wort! dein liebstes Weib erbleicht. Wir wollen jetzund nichts von ihrem Ruhme sagen/ Weil/ was vollkommen ist/ der Schmincke nicht gebraucht: Genug/ wer sie gekannt/ der wird mit Thraͤnen klagen/ Daß ihre Lebens-Zeit gleich wie ein Dampff verraucht. Sie war der Martha gleich ihr Haus wohl zu regieren/ So daß es auch daher am Seegen nie gefaͤhlt: Allein ihr Nahme konnt uns zu Gemuͤhte fuͤhren/ Daß/ wie Maria, sie das beste Theil erwaͤhlt. Doch man muß nicht aufs neu dir deine Wunden reiben; Darum nimm deinen Trost aus unsern Thraͤnen hin/ Und laß uns auf ihr Grab noch diese Worte schreiben: Hier liegt die kluge/ fromm’ und keusche Pfluͤgerin. Bey dem Ottisch- und Ulrichschen Hochzeit-Feste Gratulirte zu dem aus dem Ulrichs. Cabinet erlangtẽ Schau-stuͤck. Copiantes. E in Bild/ das auf der Stirn des Vaters Nahmen fuͤhret/ Und dem der Mutter Geist aus beyden Augen lacht/ Das reiner Tugend-Gold am meisten kostbahr macht/ Und daß des Fleisses-Bild in seinem Wapen zieret * Desselben Kostbarkeit kein Silber kauffen kan/ Das trifft/ Herr Braͤutigam/ er jetzund gluͤcklich an. Herr Ulrichs Cabinet kan solche Muͤntze zeigen/ Die wohlgepreget sind von guten Korn und Schroot/ Und die vor keinem Strich/ als nur allein dem Tod/ Den unverfaͤlschten Glantz der holden Wangen neigen/ Derselben keine nur allein von aussen prahlt/ Weil sie nicht triegend Schmuck noch Fuͤrniß angemahlt. Dis eine Schau-stuͤck war vor ihn noch aufgehoben/ So diese Uberschrifft: Der Eltern Abdruck/ hegt : Die Tugend selber hat auf den Revers gepraͤgt Um ihre muntre Stirn den Spruch: Allein von Oben. Die Vermischte Gedichte. Die Rand-Schrifft ist hiebey: Vor einen nur getreu : Die Deutung zeiget jetzt/ daß es Herr Otto sey. Jch wuͤnsche Gluͤck dazu! GOtt segne Kauff und Waare/ Und lasse Zucker-Brod stets eure Speise seyn/ Er schenck euch Malvasier aus Anmuths-Schaalen ein/ Und gebe tausend Lust dem neu-vermaͤhlten Paare/ Er muͤsse selbst den Oel in eure Flammen thaun/ Daß man dis Kleinod nicht mag ohne Wucher schaun. Ein Eichhorn als ein Symbolum des Fleisses. Als der Hoch-Edle/ Veste und Hochgelahrte Herꝛ/ Herr Christian Eisenhart Zum Doctor auf der Welt-beruͤhmten Julius Universi taͤt crei ret wurde/ legte man seine Schuldigkeit mit Folgenden ab. W enn/ da das vorge Rom das Wunder alter Zeiten/ Sich noch nicht von der Welt zur Herrscherin gemacht; Ein unerschrockner Held durch unermuͤdtes Streiten Den Sieg zu seinen Ruhm und Preis davon gebracht; So wurde er zum Lohn mit einem Krantz bezieret/ Und mit Triumph und Pracht als Sieger eingefuͤhret. Und wenn sonst zu Athen, der Burg der Pierinnen, Der Weisheit Muster-Platz und des Appollens Sitz/ Ein tieffgelehrter Kopff/ die Ober-Hand gewinnen/ Und zeigen konte an den Weisheits vollen Witz/ So wurd das kluge Haupt auch ebenfals bekroͤnet/ Und ein Gluͤck-Wuͤnschungs-Lied vom Volcke angethoͤnet. Dis that die kluge Welt dem Sieger theils zu Ehren Theils wurden andere auch dadurch angefrischt/ So durch Verstand als Muth das Vaterland zu mehren/ Da solche schoͤne Pracht zum Lohn stund aufgetischt. Ein jeder war bemuͤht sich also zu erzeigen Damit man Huld und Gunst doch auf ihn moͤchte neigen. Den loͤblichen Gebrauch hat auch die Zeit erkohren/ Darinnen Kunst und Witz aufs Hoͤchste kommen ist/ Da unermuͤdter Fleiß besieget Aug’ und Ohren/ Und Themis ihren Sitz auf Erden hat erkießt. Da mancher kluger Kopff Apollo dieser Erden/ Und eine tapffre Faust mehr als ein Mars wird werden. Drum Vermischte Gedichte. Drum kroͤhnt jetzt Julia zu nicht geringen Ruhme Den klugen Eisenhart mit einem Doctor- Hut/ Dem in Astræens Streit der Sieg zum Eigenthume Blieb/ als ein Vaͤterlichs ihm zugehoͤrigs Gut/ Er zeigte/ daß Verstand von Klugheit her entspringet/ Und eine Fichte nicht gekroͤhnte Fruͤchte bringet Die Themis hat ihn laͤngst zum Sohne ausersehen/ Heut aber stellt sie sich als eine Mutter an/ Sie laͤst den werthen Sohn in theurem Purpur gehen/ Und schenckt ihm alles das/ was eine Mutter kan. Des Vaters Zierde wird ihm heute beygeleget/ Da sein gelehrtes Haupt Astræens Krone traͤget. So muß der Tugend-Ruhm die Tugendhafften zieren/ Ein starcker Adeler heckt keine Taube aus/ Und keine Loͤwen-Zucht kan ihre Krafft verliehren Die Rose kehrt sich nicht in einen Nessel-Straus. Der Vater stellet sich in seinem Sohne wieder/ So wie der Ursprung war so sind auch dessen Glieder. Nun wird der kluge Mund mit Zucker suͤssen Lehren Astræens Wissenschafft mir doppelt floͤssen ein Es wird die Leucoris aus ihm sich lassen hoͤren/ Und der ist recht begluͤckt dem er geneigt wird seyn/ Wohlan! ich setze mich so lang zu seinen Fuͤssen Bis ich nur einen Theil mag seiner Weisheit wissen. Zu dieser Wuͤrde wird des Himmels Schluß sich fuͤgen/ Der angesteckte Ring zeigt groͤssers Steigen an/ Es mehre sich sein Ruhm/ es wachse sein Vergnuͤgen/ Er werde Juliens Zier und Tribonian. Wer Tiraquellus und Papinian gewesen/ Das wird man mit der Zeit an seiner Stirnen lesen. Quodlibet. T rau: aber schaue wem/ Dis wahre Sprichwort faͤlt Der falschen Welt/ Die nichts von Treu und Glauben haͤlt/ Anjetzt nicht angenehm. Allein/ Vermischte Gedichte. Allein/ der ist ein kluger Mann/ Der es wohl practici ren kan. Lustig ihr Bruͤder! Singt froͤliche Lieder/ Denn Morgen geht die Hochzeit an. Mein/ laßt die Leute sorgen/ Die Wirthin wird schon borgen/ Es sauffe/ wer da sauffen kan. Der Schuster singt aus Hertzens Grunde/ Wenn er den Krug anfaßt Und lange Zuͤge thut. Der Haase haßt Die Jaͤger-Hunde. Die Cammer-Maͤdgens lieben Den Beutel und das Geld/ Ach! daß es nicht von Himmel faͤlt; Es kostet Schweiß und Blut. Das Hammel-Fleisch mit Ruͤben Jst eine gute Kost/ Zumahl/ wenn ein Glas Wein/ Auch wohl ein frischer Most Dabey wird aufgetischet seyn. Ha! sprach das arge Kind/ Bist du also gesinnt? So wil ich dich verbrennen. Nehmt Pillen ein/ nehmt Pillen ein/ Denn diese koͤnnen Die beste Huͤlffe seyn. Ach laßt mich ungeschoren/ Der Haas’ hat lange Ohren/ Der Ochse grosse Hoͤrner/ Ein Sack faßt viele Koͤrner. Der Pracher hat viel Laͤuse/ Der Korn-Boden viele Maͤuse. Die Maͤdgens straͤuben sich/ Und dencken doch ach! haͤtt’ ich dich/ Sie moͤgen hertzlich gerne naschen Rosinen aus der Taschen/ Und Vermischte Gedichte. Und Rhein Wein aus der Flaschen. Fort putze mir die Schuh. Es hat die rothe Kuh Den Spiegel gantz zerstuͤckt Denn als sie sich darinn erblickt/ Sah sie als wie ein Cammer-Maͤdgen aus. Das Kalbfleisch schmecket gut. Jhr Maͤdgens denckt daran/ Weil es so suͤsse thut/ So greifft das Ding mit spitzen Fingern an/ Es beißt wie eine Laus. So viel Wespen so viel Stiche. So viel Saͤuffer so viel Fluͤche. Der Esel hat Pantoffeln an/ Und wil ein Doctor werden. Das Schiff geht auf der Erden/ Und seegelt doch nach der gestirnten Bahn. Mein! wolt ihr mit so laufft/ Der Wagen faͤhrt sonst weg. Geld vor die Fische/ Sonst kriegt ihr einen Dreck/ Nichts ohne Geld gekaufft/ Denn wer gestohlen Muß den Lohn am Galgen hohlen. Pantoffeln und die Schuh Die gehoͤren mit dazu. Lustig zu Tische/ Und hurtig im Bette Spielet wol das ein und aus. Jch wette/ Daß es Lysette Und Gretgen gerne haͤtte- Die Maͤdgens haben Noth vom Vater/ Und sehnen sich darnach/ als wie der Kater Nach einer fetten Maus. Jhr lieben Jungfern denckt daran/ Daß viel daran gelegen Den Schornstein wol zu fegen. Dis Vermischte Gedichte. Dis ist die Zeit/ davon man sagen kan/ Daß bloß um ein Paar Mannes Hosen Wohl zehn Paar Weiber losen. Die Jungfern sind nicht frey/ Sie hoͤren mit dabey. Das Gluͤck ist Kugel rund. Der eine kuͤßt die Hand/ Der ander Schoos und Mund. Weg mit dem Tand Es sind nur Grillen. Fleisch muß den Hunger stillen/ Die Worte taugen nicht. Jch dachte was mich bisse. Wil er die Jungfer freyen? Sie fuͤhrt ihn hinters Licht/ Sie haͤlt es wol mit dreyen/ Und stelt sich doch so Engel rein/ Als wenn sie nie kein Wasser truͤb gemacht: Da sie doch schon ein Kind zur Welt gebracht. Laß nur das Freyen seyn/ Und leg dich aus die Kuͤsse. Von den Kuͤssen faͤlt Man offte auf das Bette. Die Rennlichkeit steht nette. Geld/ Geld/ Geld/ Geld! So schreyt die gantze Welt. Wenn dieses faͤhlt/ so fehlet viel. Jch thue was ich wil/ Und laß die Leute sagen. So viel Pfaffen so viel Kragen. So viel Glocken so viel Gecken/ So viel Hunde so viel Stecken. Nicht umsonst/ alles bezahlt. Geschmiert ist nicht gemahlt. Nur lustig Bruder Studio Der Wechsel macht dich wieder froh. Semper lustig/ Nunquam traurig/ Jst Vermischte Gedichte. Jst das beste Symbolum. Das Geld macht das Gerade krumm/ Und das Krumme gleich. Der Arme ist nicht reich. Der Reiche ist nicht arm. Die Trommel schlaͤgt Alarm. Ey! nein doch. Wiler noch? Zuviel ist ungesund. Er macht es gar zu bund. Potz hundert tausend Velten/ Wie sieht man ihn so selten? Er hat das Ding verbrandt. Das ist mir eine Qual. Nun Fickgen noch einmahl. Jst ihm das Ding bekannt? Er lasse mich zu frieden/ ich sag es der Mama. Sind sie schon wieder da? Mein! macht es doch fein sachte. Es war gut/ daß ich das bedachte. Was sollen diese Possen? Mir deucht/ er ist geschossen. Was soll das dumme Wesen? Hier gilt es Haut und Haar. Die Jungfern halten dieses Jahr Nicht viel vom Bibel lesen/ Sie spielen lieber blinde Kuh/ Und suchen den versteckten Schuh/ Schlagen auch wol ab den Dritten. Koͤm̃t ihnen dann von ungefehr Einst eine Andacht an/ Und kriegen sie die Bibel her/ So lesen sie von Bathseba, Wie die nach wenig bitten Dem David gaͤntzlich zugethan Und seine Liebste worden. Loths Toͤchter/ und die Sephira Des Potiphars sein Weib/ Ge- Vermische Gedichte. Gehoͤren auch in ihrem Orden Sie suchen gleichen Zeit-Vertreib. Juͤngst sprach ein zartes Jungfraͤulein Von zwey und zwantzig Jahren: Der Himmel weiß ob sie noch rein: Zur Mutter/ wenn soll ich mich denn einst paaren? Die Mutter gab ihr diesen Trost/ Harr bis es Sommer wird/ du Naͤrrin du! Denn kommt noch wohl ein Freyer an/ Dem ich dich geben kan. Die Tochter ward darob erbooßt/ Und rieff der Mutter zu: Wolt ich auf euren Freyer harren/ So wuͤrde ich und er zum Narren/ Jch habe mich schon laͤngst bedacht/ Und manche Liebes-Lust vollbracht. Dis war ein keusches Jungfern-Bild/ So wie die Bauren/ wenn sie jagen/ Das Spieß tragen. Wer sie vor eine Hure schilt Verdienet einen grossen Danck. Jn der Welt ist alles Eitel/ Absonderlich ein leerer Beutel. Vor Danck giebt sie Stanck/ Und Dreck vor Marcipan. Mein/ greiff es doch nicht an/ Du besudelst sonst die Haͤnde. Jungfern Lieb/ und Rosen-Blaͤtter/ Herren Gunst/ Aprillen- Wetter/ Daurt nur eine kuͤrtze Zeit. Liebe/ lebe ohne Leid. Nun hat dis Quodlibet ein Ende. Der vergnuͤgte Seladon. W Ie wunderlich ist doch der Liebe artigs Wesen! Fing naͤchsten Seladon bey sich alleine an: F f Was Vermischte Gedichte. Was meine Sinnen kraͤnckt/ ist jenem ein Genesen/ Und das betruͤbet ihn/ was mich ergetzen kan. Was einer emsig sucht mit Sehnen und mit Hoffen/ Das ist dem ander schon nach Wunsche eingetroffen. Bey aller Wechselung wird dis doch feste bleiben/ Daß sie durch das Gesicht den ersten Anlanff bringt/ Begierd und Sehnsucht muß die luͤstern Augen treiben/ Bis daß man das ersehn/ wornach man so geringt/ Das ist ein schoͤnes Kind/ von dessen Wunder-Gaben Der ungezaͤumte Sinn ein Labsahl wuͤnscht zu haben. Hat nun ein suͤsser Blick das freye Hertz geruͤhret/ Daß es den Sclaven-Stand vor seine Wohlfahrt haͤlt/ Und doch als halb entruͤßt verliebte Kriege fuͤhret Um die Eroberung der kleinen Wunder Welt/ So sieht ein kluger Geist/ daß die begehrten Sachen Offt ein gescheutes Hertz zu einer Thoͤrin machen. Da werden in der Lufft mehr Tempel aufgerichtet Als Rom im Heydenthum aus eitler Andacht that/ Geist und Gedancken sind zur Opfferung verpflichtet/ Bald haͤlt man mit sich selbst/ bald aus sich selber Raht Wie das geliebte Kind nach Wuͤrden zu verehren/ Und denckt doch sonst auf nichts als ihren Ruhm zu stoͤhren. Und wird denn das erlangt/ wornach man so getrachtet/ So faͤllt Altar so wol als auch der Tempel ein/ Die vorge Gottheit wird verlachet und verachtet/ Dann zeigt sich offenbahr der falsche Heuchler-Schein/ Und so ja einer noch die auffgeschwaͤntzte freyet/ So sind wol tausend den derselbe Kauff gereuet. Wenn aber sich das Kind nicht will erbitten lassen/ Wenn es die Schmeichelung/ so wie Betrug ansieht/ So treibt die Ungedult zum Rasen und Erblassen/ Weil sie so gar umsonst sich um ein Hertz bemuͤht/ Das Vermischte Gedichte. Das mehr der Tugend folgt als dem verworffnen Triebe/ So von dem Mißbrauch kommt der sonst bescheidnen Liebe. Nun solte ich hier wol auf die Gedancken kommen/ Daß da verliebt zu seyn gar nicht vonnoͤhten sey; Die Meyuung aber wird mir gar zu bald benommen/ Weil keiner in der Welt von Amors- Trieben frey/ Wer sonst von andern kan als Fuͤrst die Schatzung heben/ Muß ihm als Unterthan sein Hertz zum Schosse geben. Jch spuͤhre auch die Gluth/ so mir im Hertzen brennet/ Arlindens schoͤn Gesicht hat solche angelegt/ Und weil die Tugend sich nicht von der Schoͤnheit trennet/ So wird das schoͤne Feur noch mehr dadurch erregt; Doch aber bin ich auch im Ungeluͤck zu frieden/ Und sterbe nicht darum ob wir schon sind geschieden. So lieb ich sie darum dieweil sich Zucht und Tugend Mit der vollkomnen Pracht des schoͤnen Leibes kuͤßt; Der angenehme Geist und die beliebte Jugend/ So fast zu aller Gunst der rechte Koder ist/ Die haben mich entzuͤndt/ und mehren meine Flammen/ Doch so/ daß man sie nicht als straͤfflich kan verdammen. Jch ehre was die Welt an allen Schoͤnen preiset/ Und das ist meine Lust/ die mich so wohl vergnuͤgt/ Denn wo sich solcher Schmuck als an Arlinden weiset/ Da ist ein Heyligthum zu dem sich hinverfuͤgt/ Der durch Verstand und Witz die Wollust uͤbermeistert/ Daß sie ihm nicht mit Dunst zu das Gesichte kleistert. Und ob ich sie schon nicht allzeit vor Augen sehe/ So bin ich doch vergnuͤgt/ und mache meine Lust Durch einen feigen Muth mir selber nicht zum Wehe/ Jch liebe/ ob mir gleich nicht allzu unbewust/ Daß mir die Liebe frey/ und daß mein groß Verlangen Das/ was es so begehrt zu keiner Zeit wird fangen. F f 2 Das Vermischte Gedichte. Das ist ein kluger Geist/ der so die Luͤste zwinget/ Und nichts unmuͤgliches mit Ungedult begehrt/ Und dis was Seladon fuͤr bey sich selber bringet/ Macht ihm der besten Gunst der schoͤnsten Damen werth/ Wie wenig sind der doch in dieser Welt zu finden/ Die so die Ungedult mit klugen Gruͤnden binden. Nun kluger Seladon du machst ein Meister-stuͤcke/ Und stellst der Liebe Thun recht artig an das Licht/ Wer so das Lieben uͤbt der kuͤsset sein Geluͤcke/ Er weiß von keiner Pein und keinen Plagen nicht. Wenn sich mit Ungedult die leichten Sinnen kraͤncken/ So muß auch selbst der Neid auf sein Vergnuͤgen dencken Die Liebe heisset sonst ein Gifft und Pest der Seelen/ Sie ist es auch gewiß/ wenn nicht ein kluger Geist Sich das zu Zucker macht/ was sonst an Schmertz und Quaͤhlen Derselben Leidenschafft verborgen in sich schleußt; Denn wo Vergnuͤgung sich mit Lieb und Witz verbunden/ Da zaͤhlet man sonst nichts als lauter suͤsse Stunden. Uberschrifft uͤber eine Wiese/ so einer von dem Lands-Herrn geschenckt bekommen/ so ihm zwar von einigen Mißgoͤnnern streitig gemacht wor- den/ die er aber dennoch behalten. D ie Mißgunst und der Neid erfunden tausend Raͤncke/ Allein es war umsonst/ der Anschlag ging nicht an/ Der Koͤnig laͤßt ihm nun sein Fuͤrstliches Geschencke Und keiner findet sich/ der was darwieder kan. So muß/ was GOtt verhaͤngt/ ein gutes Ziel erreichen/ Und solte gleich der Neid aus Ungedult erbleichen. Auf Vermischte Gedichte. Auf den Nahmens-Tag einer vornehmen Frauen/ im Nahmen ihrer Schwester. H eut ist dein Nahmens-Tag/ ich wuͤnsche Gluͤck dazu/ Frau Schwester/ daß du magst den Tag noch offt erleben/ Der Himmel gebe dir beliebte Lust und Ruh/ Und ich will dir mein Hertz als eigen uͤbergeben: Ey! nimm doch an den Wunsch/ den meine Muse giebt/ Du siehst daraus/ daß dich die Schwester hertzlich liebt. Die/ Durch den wohlgetroffenen Bund befriedigte Liebe/ Wurde bey dem Buͤnning- und Hellerschen Hochzeit-Feste Gluͤckwuͤnschend vorgestellet. D ie Goͤttinn/ so der Welt die suͤssen Schmertzen macht/ Sah juͤngst kein Opffer-Feur auf ihrem Altar lodern/ Drum ließ sie alsobald Cupiden vor sich fodern/ Und sprach mit Ungedult; mein Ansehn/ meine Pracht/ Und was noch mehr! ja fast der gantze Liebes-Orden Jst jetzt ein Kinder-Spiel der losen Welt geworden. Vor diesem hat man uns mehr Ehre angethan/ Wer kan nach Wuͤrdigkeit die theuren Tempel preisen? Davon die Truͤmmern selbst noch Wunder-Wercke weisen/ Weil sie die lange Zeit nicht gantz zermalmen kan: Mein Cypern laͤßt davon viel rare Stuͤcke sehen/ So aber/ mir zum Spott/ leer und verwuͤstet stehen. Ja! hierzu schwieg ich noch aus grosser Langmuth still/ Jch koͤnte auch dazu wol durch die Finger schauen/ Und bin recht wol vergnuͤgt/ wenn man mir vor das bauen/ Nur ein getreues Hertz zum Tempel widmen will: F f 3 Allein! Vermischte Gedichte. Allein! wo finde ich ein solch getreu Verehren? Man ist vielmehr bemuͤht mein Altar zu zerstoͤhren. Und du verwegnes Kind! du ungerathner Sohn? Bemuͤhest dich gar nicht durch deine scharffe Waffen/ Durch deine kluge List der Mutter Trost zu schaffen: Es gilt dir eben eins/ ob man der Mutter Hohn Vor die Verehrung zinßt/ wenn du nur dein Vergnuͤgen/ Du kleiner Boͤsewicht! kanst bey der Psychen kriegen. Bist du des Mavors Sohn? bist du das Wunder-Kind? Bist du der Liebes-Gott von mir und jenem Helden Jn heisser Brunst erzeugt? ja! deine Thaten melden Es gar zu scheinbahr an/ daß wir die Eltern find: Allein! ich dachte was mich etwa moͤchte beissen/ Du bist ein Wechsel-Balg/ und nicht mein Kind/ zu heissen. Dein Bogen taugt nicht mehr/ die Pfeile treffen nicht/ Der Koͤcher ist hinweg/ die Sehne ist zerrissen/ Mit deinen Fluͤgeln stopfft die Psyche Pfuͤl und Kuͤssen; Erwege selbst dein Thun/ du kleiner|Boͤsewicht! Und schaͤme dich ins Hertz ob deinen schlimmen Thaten/ Durch welche ich und du in diesem Schimpff gerahten. Vor Wehmuth kan mein Mund/ so saget auch das Hertz/ Daß er nicht ferner soll von dieser Sachen sprechen/ Er duͤrffte sonst gar leicht in tausend Stuͤcken brechen: Ach! wo gerath ich hin? hier brach der herbe Schmertz Die lange Rede ab/ und die bethraͤnten Augen/ Die solten/ als sie schwieg/ ihn zu bewegen taugen. Nun haͤtte er kein Gott/ und nur ein Ungeheur Seyn muͤssen/ wenn ihm nicht der Mutter hefftigs Bitten/ Jhr Weinen/ ihre Angst sein hartes Hertz durchschnitten; Die schoͤnen Thraͤnen hielt der kleine allzutheur/ Sie brachen ihm durch Hertz/ und diese Fluth zu stillen/ Versprach er alsofort ihr Wuͤnschen zu erfuͤllen. Es kraͤnckt mich/ hub er an/ daß das/ so ich zur Lust Und Freude ausgedacht/ so uͤbel ausgeschlagen/ Die blosse Ungedult beweget euch zu klagen/ Und dieser Jrrwisch macht euch falschen Schein bewust; Denn/ Vermischte Gedichte. Denn/ so ihr in Gedult noch eine Zeit gestanden/ So waͤr das/ was ihr sucht/ und mehr/ hier schon verhanden. Jhr wisset/ fuhr er fort/ daß ich nur kuͤrtzlich bin Erst wiederum zuruͤck von jener Reise kommen/ Die ich auf eur Geheiß nach Norden vorgenommen: Jm ersten Fluge kahm ich nach Hannover hin/ Jch kahm/ ich sah/ ich fand gleich alsbald mein Verlangen/ Warum ich diesen Zug/ Frau Mutter angefangen. Jch sahe gleich am Thor’ ein zartes Jungfern-Bild/ Die Schoͤnheit kuͤßte sich als Schwester mit der Tugend/ Die Anmuth sah dis gern/ und die beliebte Jugend War ohne salsche List mit Gottes Furcht erfuͤllt. Jch sprach: Dis alles sind ja rechte Wunder-Sachen/ Drum will ich sie bekannt in ferne Laͤnder machen. Nun hatte ich den Schluß so schleunig nicht gestellt/ Als ploͤtzlich sich hinweg die leichten Fluͤgels machten/ Die mich auch bald darauf in jene Gegend brachten/ Wo Churlands hohes Haupt in Mitau Hoffstatt haͤlt. Da dacht’ ich dieser Ort wird vor die raren Gaben Der schoͤnen Hellerin wol einen Kaͤuffer haben. Jch muste auch daselbst nach Wunsche gluͤcklich seyn/ Denn/ wie ich die Gestalt in einem Mann verwandelt/ Der gegen Tausch um Tausch ins Groß mit Waaren handelt/ So ging Herr Bünning bald mit mir den Handel ein/ Er gab mir Hertz um Hertz/ die brachte ich zusammen/ So wie ihrs haben wolt/ in reine Liebes Flammen. So bald ich nun den Tausch nach Willen ausgefuͤhrt/ Flog ich nach Psychen hin/ und machte das zu rechte: Damit ich unverhofft euch einst ergoͤtzen moͤchte: Womit manch Freuden Fest ein schoͤner Auffzug ziert. Und eben dieser Tag war zu der Lust ernennet/ An dem man mit Bedacht kein Opffer angebrennet Du bist ein loser Schalck/ brach hier die Goͤttin loß/ Als ihr beliebter Sohn die Worte ausgesprochen/ Mein Hertze war vor Gram schon mehr/ denn halb gebrochen/ Denn die Verachtung schien/ mir warlich allzugroß/ F f 4 Nun Vermischte Gedichte. Nun aber ist der Zorn schon aus der Brust verschwunden/ Wovor sich Freud und Lust mit Hauffen eingefunden. Jndem erthoͤnete ein froͤliches Geschrey/ Man sahe in der Lufft viel Liebes-Engel schweben/ Die Braut und Braͤutigam war von dem Paar umgeben/ Das sich in dreyen part/ dis angenehme Drey/ Die holden Gratien erhub das treue Lieben/ Wodurch sie sich ins Buch der Ewigkeit geschrieben. Der Amouretten Hand trug ein geputzt Altar/ Worauf ein reines Feur in hellen Flammen brannte So/ daß man aus der Gluth gar eigentlich erkannte/ Daß es der Hellerin und Bünnings Hertze war. Der Nymphen treue Schaar ließ/ diese Lust zu mehren/ Dem Arion zum Trotz ihr Seyten-Spielen hoͤren. Als nun der gantze Zug auf solche Art geschehn/ Trat Hymen auf/ und sprach: Du Koͤnigin der Liebe Die einig und allein die angenehmen Triebe Den Sterblichen verleyht/ du siehst hier vor dir stehn Zwey Hertzen/ so bereit/ und die sich willig finden/ Durch einen Liebes Bund sich ewig zu verbinden. Die reine Liebe/ so in diesen Hertzen wohnt/ Hat kein geringes Feur darinnen angeflammet/ Du weist/ daß sie von dir und deinem Sohn herstammet; Der keinen in der Welt mit seinem Pfeil verschont/ Ein jeder muß daran: drum sey damit zu frieden/ Daß diese ebenfals zu einen Paar beschieden. Jch stimme dir gantz gern/ mein werther Hymen, bey/ Gab Cyprie darauf/ und sie recht zu vergnuͤgen/ Will ich mit eigner Hand sie selbst zusammen fuͤgen/ Eur Wille/ fuhr sie fort/ sey immer einerley/ Wie sie der Jungfern Hand in Bünnings rechte schlosse/ Und diesen heissen Wunsch auf ihre Scheitel gosse. Liebt/ bluͤhet/ und genießt der Jugend und der Zeit/ Die euch der Himmel und das holde Gluͤcke goͤnnet/ Der Seegen/ so sich nie von reinen Hertzen trennet/ Treff euch im Uberfluß/ daß ihr die Guͤtigkeit Des Vermischte Gedichte. Des Himmels immerfort in allen euren Wercken/ Es sey auch was es wil/ moͤcht Augenscheinlich mercken. Die Nymphen setzten noch viel Artiges hinzu/ Der Braut-Gott wolte nicht alleine stille schweigen/ Der Amouretten- Schaar rief/ ihren Wunsch zu zeigen/ Halt Hymen, nicht zu viel/ wir sind so gut als du/ Wir wuͤnschen ebenfals den neu-vermaͤhlten Beyden Viel liebe lange Jahr umringt mit Lust und Freuden. Die holden Gratien erhoben diesen Bund/ Und die Vergnuͤgung fing von wegen dieser Sachen/ Die ihr so wohl gefiel/ recht hertzlich anzulachen/ Es wuͤnschten tausend Gluͤck die Lippen/ Hand und Mund Dem jungen Ehe-Paar/ und endlich ließ nach allen Cupido diesen Wunsch zu guter letzt erschallen: Jung und begluͤcktes Paar/ der Himmel liebe dich/ Er wolle so viel Gluͤck/ er wolle so viel Scegen/ Als wie du Haare zaͤhlst/ um deine Scheitel legen/ Er sey dir immer gut/ und endlich zeige sich Nach der gesetzten Zeit/ dich noch mehr zu vergnuͤgen/ Ein Zeuge dieser Eh lebendig in der Wiegen. Auf eben derselben Hochzeit wurde das beste Wohl der Welt gluͤckwuͤnschend angefuͤh- ret/ im Nahmen eines andern. E S war die Poësie juͤngst auf mich boͤse worden/ Die Musen hatten sich gantz von mir abgewandt/ Mein Geist war fast so kalt als wie die Lufft aus Norden/ Des Phœbus heisser Trieb war ihm gantz unbekaunt. Jch kunte kein Gedicht/ kein Lied zu wege bringen/ Und kaum ein leichtes Wort in schlechte Reimen zwingen. Wie ich nun mein Gehirn so sehr verduͤstert sahe/ Da warff ich aus Verdruß die stumpffe Feder hin/ Denn die Vergessenheit gieng mir verzweiffelt nahe; Doch endlich kam mir noch der Anschlag in den Sinn/ F f 5 Aus Vermischte Gedichte. Aus der Aspecten Schein die Ursach zu ergruͤnden/ Warum die Musen sich so boͤse auf mich fuͤnden. Jch nahm den Allmanach deßwegen vor die Augen/ Und sahe gantz genau die bunten Zeichen ein/ Da fand ich dieser Tag kan nicht zum Gluͤcke taugen/ Der ander aber wird dir besser guͤnstig seyn Ha! sprach ich/ ist diß wahr/ so werd ich mein Vergnuͤgen Wol auf ein andermahl mit besserm Fortgang kriegen. Jch machte auch den Schluß das Dichten aufzuschieben Biß auf den Tag/ der mir ein bessers Gluͤck versprach: Allein/ Cupido kahm/ und sprach es sey geschrieben/ Denn schreibst du heute nicht so laß es gaͤntzlich nach/ Hoͤr’! deine Schwester wird in kurtzer Zeit vertrauet/ Mach doch/ daß sie ein Lied von deinen Musen schauet. Jch sprach/ diß alles sind mir laͤngst bewuste Sachen/ Jch habe auch darauf schon eine Zeit gedacht/ Heut aber kan ich nicht Gedicht und Verse machen/ Jch weiß nicht/ was in mir die Geister traͤge macht? Das aber weiß ich wol/ daß ich mit meinem dencken Den schon verwirrten Geist vergebens werde kraͤncken. Ey! Possen/ |rieff er aus/ du hegst ein irrigs Meynen/ Gewiß die Musen sind so unerbittlich nicht/ Und also wil es fast der Warheit aͤhnlich scheinen/ Als wenn dir zu gering ein teutsches Lob-Gedicht: Und doch gesetzt/ du kanst kein Werck zusammen tragen/ So wil ich diß Gedicht dir in die Feder sagen. Jch durffte nun dem Gott nicht ferner wiederstehen/ Der alles/ was er wil/ gar bald zu wege bringt/ Drum sprach ich/ Cypripor dein Wille soll geschehen/ Jch schreibe willig auf was deine Muse singt. So schreib denn/ fing er an/ das beste Wohl auf Erden Kan nur in einer Eh’/ so gut/ gefunden werden. Wer da der Cronen Gold auf seinem Wirbel siehet/ Und in der rechten Hand den stoltzen Scepter fuͤhrt/ Meint offt/ ein jeder sey nur auf sein Wohl bemuͤhet/ Weil er durch einen Winck so See als Land regiert; Allein Vermischte Gedichte. Allein Polycrates muß in der Meynung irren/ Die Boßheit muste ihm das gantze Spiel verwirren. Wer Ehre in der Welt und solchen Ruhm erlanget/ Daß er des Fuͤrsten-Hertz in seinen Haͤnden hat/ Nennt das/ sein bestes Wohl/ wenn er so herrlich pranget/ Wie dort Parmenio bey Alexandern that/ Hier aber kan sich auch das Gluͤcke bald verdrehen Und der gefallne Rath muß blutig untergehen. Wenn Crœsus so viel Gold als Steine auf den Gassen/ Und Silber als wie Sand in seinem Schatze zaͤhlt/ So wil sich doch sein Wohl darin nicht finden lassen/ Der Reichthum ist der Schmertz der seine Seele quaͤlt/ Und wenn er denn gedenckt die Schaͤtze zu vermehren/ So nimmt ein siegend Feind die weg/ so ihm gehoͤren. Wenn Sardanapel sich in tausend Luͤsten waͤltzet/ Und sein beliebtes Wohl in geile Freuden setzt/ Wenn er/ als wie ein Wachs/ vor Zaͤrtlichkeit zerschmeltzet/ So ists doch nur ein Tand/ damit er sich ergoͤtzt/ Bald wendet sich das Spiel/ wenn seine boͤse Flammen Der Auffruhr und die Noth zum rechten Feur verdammen. Dis aber ist das Wohl/ so recht bestaͤndig heisset/ Wenn sich ein treues Hertz mit seines Gleichen liebt/ Kein Stern ist/ der so schoͤn bey duncklen Abend gleisset/ Als der beliebte Strahl/ den reine Liebe giebt; Dis schoͤne Feur-Werck ist auch an dem Paar zu sehen/ Das nach des Himmels-Schluß dis Wohl denckt einzugehen. Nun soll ein heisser Wunsch das uͤbrige ersetzen/ Der Himmel/ so dis Paar mit Lust zusammen fuͤgt/ Beschuͤtte es nach Wunsch mit seines Seegens-Schaͤtzen/ Er gebe/ daß sein Wohl es jederzeit vergnuͤgt: Es lebe lange Jahr begluͤcket und in Freuden/ Und was behaͤglich ist/ muß ihre Sinnen weiden. Er hatte kaum den Schluß der Worte ausgesprochen/ Da flog er/ als ein Blitz in die entfernte Lufft/ Und mir war auch die Bahn zur Poësie gebrochen/ Die vor’ge Ohnmacht lag nun gaͤntzlich in die Grufft. Jch Vermischte Gedichte. Jch war auch fast gesinnt/ noch weiter sort zu schreiben/ Wie ich den Schluß ergriff/ es mag dabey verbleiben. Das D. und S. Hochzeit-Fest beehrte mit folgenden/ ein nicht unbekannter Freund. W Er in der Einsamkeit nur sein Vergnuͤgung suchet/ Und auf den Ehestand so sehr erbittert ist/ Daß er die reine Glut der Sterblichen verfluchet/ Und das vor Wermuth haͤlt was ihren Schmertz versuͤßt. Der ist kein rechter Mensch/ und wird mit seinen Gruͤnden/ Bey der gescheuten Welt gar schlechten Glauben |finden. Es muste dieser Stand den ersten dieser Erden/ Wobey das Hochzeit-Kleid die nackte Unschuld war/ Annoch im Paradies zum Paradiese werden/ Der Hoͤchste traute selbst das junge Ehe-Paar. Und sprach/ mehrt eur Geschlecht/ ich wil mit reichen Seegen Euch und den neuen Stand zu aller Zeit belegen. Darauf hat alle Welt den Eh’stand angenommen/ Und biß auf diese Zeit mit Freuden fort gesetzt/ Des Hoͤchsten Segen ist so zur Erfuͤllung kommen/ Daß man der Menschen Zahl vor unbeschreiblich schaͤtzt/ Und nun wird auch die Eh’ der Sterblichen bestehen/ Biß ihr Geschlechte wird mit samt der Welt vergehen. Jsts/ daß ein Ungluͤcks-Fall den Ehemann betruͤbet/ Daß ihn der herbe Schmertz fast gantz zu Boden druͤckt/ So ist die Frau sein Trost/ die ihm ein Labsaal giebet/ Der Hoͤchste hat sie ihm zur| Huͤlffe zugeschickt/ Jhr Hold- und Freundlich-seyn/ und ihr beliebtes Lachen Kan bald die Traurigkeit zu suͤsser Freude machen. Da nun der Ehestand ein solch vergnuͤgtes Leben Ja fast ein Himmelreich den Menschen auf der Welt/ So muß Herr Braͤutigam ihm jeder Beyfall geben/ Daß er recht kluͤglich thut indem er Hochzeit haͤlt/ Und sich mit Seel und Geist der wehrten Braut verbindet/ Bey der er Zucht und Pracht nach eignem Wunsche fludet’ Die Vermischte Gedichte. Die reine Gottesfurcht/ verknuͤpffet mit der Tugend/ Mit Klugheit und Verstand/ beziert den edlen Geist/ Des Leibes erster Schmuck ist die beliebte Jugend/ Bey der als Schwester steht was man die Schoͤnheit heißt. Dis angenehme Kind wil mit den Wunder-Gaben/ Wie Eva Adam that/ ihn/ wehrter Braͤutgam laben. So lebet denn vergnuͤgt ihr vest-verbundnen Hertzen Jn Liebe/ Freud und Lust in lauter Wohlergehn/ Der Himmel goͤnne euch das angenehme Schertzen/ Er mache eure Lust durch seinen Seegen schoͤn/ Und treibe Schmertz und Leid gar weit von euch zuruͤcke/ Damit eur Leben sey ein selbst-erwuͤnschtes Gluͤcke. Eben dasselbige Hochzeit-Fest wurde im Nahmen eines andern beehret mit folgenden Sonnette. W Er sagt/ daß Cypripor mit seinen Liebes-Kertzen Zur rauhen Winters-Zeit kein Hertz entzuͤnden kan/ Der trifft das Wider-Spiel bey diesem Eh-Paar an/ Es steht im vollem Feur/ und die verliebten Hertzen Sieht man vor Liebes-Glut in reinen Flammen schertzen/ Wozu der Himmel selbst den Zunder hergethan/ Die Anmuth fuͤhret es auf einer Nelcken Bahn/ Und die Vergnuͤgung rufft/ es weichen alle Schmertzen. So brenn denn immerfort jung- und begluͤcktes Paar/ Daß aus den Gluthen mag manch junger Phœnix kommen/ Der seinen Ursprung her aus deiner Brunst genommen. Leb’ immerfort begluͤckt ohn Ungluͤck und Gefahr. Damit du dermahleins magst gantz vergnuͤget sehen Die Fruͤchte deiner Lust/ in gleichen Flammen stehen. Neu-Jahr-Wunsch/ den man einer zu- kuͤnfftigen Braut aus der Fremde zuschicket/ im Nahmen eines andern. W Ilkommen wehrter Tag! den selbst der HErr gemacht/ An dem ein neues Jahr mit neuem Gluͤck erscheinet/ Ein Vermischte Gedichte. Ein Gluͤck/ mit dem Bestand sich schwesterlich vereinet/ Das nicht auf kurtze Zeit aus falschem Munde lacht. Der Himmel freut sich selbst/ und dessen holde Blicke Verjagen Furcht und Angst zum alten Jahr zuruͤcke. Ob zwar die gantze Welt dich/ angenehmer Tag! Recht mit Zufriedenheit und hoͤchster Freude siehet/ So find ich doch/ daß mir ein doppelt Gluͤcke bluͤhet/ Und daß ich mich mit Recht vor andern freuen mag/ Weil auch dein guͤldner Glantz diejenige ergoͤtzet/ Die mich durch ihren Blick in suͤsse Freude setzet. Doch du hast/ wehrter Tag/ das deinige gethan/ Du hast das schoͤne Kind mit Freuden angestrahlet/ Wie! aber hab ich auch schon meine Pflicht bezahlet? Nein! denn mein Hertze sagt mir selbst den Fehler an/ Es zuͤrnt aus Ungedult/ daß du mit deinem Tagen Jhm fruͤher noch als ich den Gluͤck-Wunsch vorgetragen Nun aber wird mein Wunsch/ nachdem das neue Jahr Sich durch dich/ wehrter Tag/ auf heute eingestellet/ Zu deinem neuen Gluͤck und froher Zeit gesellet/ Der Himmel mache nur was ich begehre wahr/ Denn wird noch lange Zeit nach vielen neuen Jahren Sophia neues Gluͤck und neue Lust erfahren. Jch weiß zwar/ daß mein Wunsch nicht viel zur Sache thut Denn wo sich Zucht und Pracht als bey Sophien kuͤssen/ Da kan man sonst von nichts/ als Gluͤck und Ehre wissen/ Die Wohlfahrt hoͤrt ihr zu als wie ein eigen Gut/ Und was die keusche Brust nach eignem Wunsch vergnuͤget/ Wird ihr im Uberfluß vom Himmel zugefuͤget. Weil aber mein Gemuͤth aus ihrem Wohlergehn Die beste Freude schoͤpfft/ so darff mein Wunsch nicht schweigen/ Zumahl bey dieser Zeit/ und dieserwegen steigen Die Seuffzer Himmel an/ und mein inbruͤnstigs Flehn Wuͤnscht/ daß sie immerfort/ wie sie jetzt angefangen Mag mit bestaͤndgem Gluͤck noch viele Jahre prangen. Diß Vermischte Gedichte. Diß ist der heisse Wunsch/ geehrte D - - rin/ Den ihr mein treues Hertz zum neuen Jahre schicket/ Die Offenhertzigkeit/ so sie daran erblicket/ Zeigt/ daß ich albereits ihr gantz ergeben bin/ Und in der weiten Welt sonst kein Vergnuͤgen habe/ Als wann ich meine Brust an ihrer Wohlfahrt labe. Neu-Jahrs-Wunsch an einem Prediger/ im Nahmen eines andern. W Eil dis der frohe Tag/ an dem vor langen Zeiten Das laͤngst verstoͤhrte Rom/ wenn er bey ihm er- schien/ Sich auf Gebet und Wunsch pflag embsig zu bereiten/ So wil ich mich mit Macht auch ebenfals bemuͤhn/ Daß er/ hochwehrter Freund/ mag aus dem Wunsche sehen. Wie ich ihm jederzeit zu Dienste werde stehen. Die grosse Hoͤfflichkeit/ so ich von ihm empfangen/ Hat ihm mein gantzes Hertz auf ewig zu geneigt/ Daß dort der Lehrer soll im guͤldnen Schmucke prangen Scheint mir kein Wunder nicht/ indem er schon gezeigt/ Wie er auf Erden wil sein Licht so leuchten lassen Daß Sonne/ Stern’ und Mond dereins davor erblassen. Der unverdroßne Fleiß/ das treu-gemeinte Lehren Baut ihm zu seinen Ruhm mehr Ehren-Saͤulen auf/ Als Griechenland gethan/ die Helden zu beehren: Er kaͤmpfft den besten Kampff/ er laͤufft den schoͤnsten Lauff/ Und darum wird ihm auch| das theure Kleinod werden Vor dem zu Aschen wird der beste Schatz auf Erden. Gesegneter des HErrn/ dem er sein Volck zu weiden Als Schaaffe eingethan/ und die er treulich fuͤhrt/ Sein wehrtes Haus sey stets ein Jnbegriff der Freuden/ Ein guͤldnes Canaan/ so keine Noth beruͤhrt/ Ein fruchtbahr|Reben-Stock/ der sich gen Himmel schlinget/ Und unter dessen Schirm viel reiffe Fruͤchte bringet. Gruͤnt Vermischte Gedichte. Gruͤnt dorten Aarons Stab in bald verstrichten Stunden/ Und traͤgt auch reiffe Frucht! so zeigts vas grosses an/ Ja freylich; denn der HErr/ dem wir zum Dienst verbunden/ Hat durch das Wunderwerck den Juden kund gethan/ Daß er die Priesterschafft selbst ausersehen wolle/ Und daß sonst keiner nicht darin sich mischen solle. Da ihn nun dieser HErr zum Hirten auserkohren/ So wird er auch sein Schutz und starcker Beystand seyn: Des Neiders Anschlag geht indem er wird verlohren/ Und falsche Hinterlist stuͤrtzt durch ihr eigen Bein; Denn weil des Hoͤchsten Schutz ihn allerseits umgiebet/ So wird ihm das zur Lust/ was sonsten wol betruͤbet. Der Hoͤchste/ dessen Volck sein treues Lehren speiset/ Geb seinen Worten Krafft und Nachdruck ohn Verdruß; Denn wenn sein guͤldner Mund den Weg zum Leben weiset/ So bluͤht das schoͤnste Gluͤck bey ihm im Uberfluß: GOtt wird auch seinen Fleiß/ den er bezeigt/ belohnen Hier mit dem Wohlergehn/ dort mit der Ehren-Kronen. Weil nun der Hoͤchste selbst vor seine Wohlfart wachet/ Der ihn sein Eigenthum auf seinen Haͤnden traͤgt/ So steht er als ein Baum/ der zu den Wettern lachet Und in dem hohen Schutz sich unbesorgt bewegt: Denn seine Wurtzel ist in solchem Grund gesencket/ Daß ihn der Tod zwar biegt/ doch nicht zum Falle lencket. Wohlan! dann wehrter Baum von dessen Hand beschirmet/ Der die Unmuͤglichkeit zu leichten Sachen macht/ Gruͤnt/ als ein edler Palm/ der sich noch mehr aufthuͤrmet Je mehr die schwere Last auf dessen Fall bedacht. Steht/ wie ein Cedern-Baum/ der auf den sichern Hoͤhen Sein gruͤnes|Haupt erhebt/ wenn kleine Winde wehen. Des Hertzens halber Theil/ das Muster kluger Frauen/ Sey ihm ein irrdisch Trost/ sie mehre sein Geschlecht/ Daß er mag Kindes-Kind in solcher Bluͤthe schauen/ Wie ehmahls Abraham der angenehme Knecht. Und wenn denn endlich soll des Lebens Ende kommen/ So mehren sie auch dort die wehrte Zahl der Frommen. Letzte Vermischte Gedichte. Letzte Ehren-Bezeugung der unvergleich- lichen Louisen einer Roͤmischen Damen, die sich lieber ermorden/ als ihre Ehre nehmen lassen. W Eg mit Lucretien, die Rom so hoch erhoben/ Aus der das Alterthum ein Wunderwerck gemacht; Wenn man die Lasters wil als eine Tugend loben/ So ruͤhm man/ daß sie sich freywillig umgebracht/ Man preise/ daß sie erst dir Liebes Lust genossen Eh sie das luͤstern Blut aus |Ungedult |vergossen. Wenn sie recht tugendhafft und keusch gewesen waͤre/ So haͤtte’ ihre Zucht mehr Widerstand gethan Allein! das Leben war ihr lieber als die Ehre/ Und darum nahm sie gern den suͤssen Nothzwang an/ Sie schwieg als Sextus kahm/ und ließ sich zu den Dingen/ Die ihr so angenehm/ nur bloß zum Scheine zwingen. Jhr schlechter Widerstand/ ihr baldiges Bequehmen Verursacht/ daß man fast auf diese Meynung faͤllt/ Das Frauenzimmer wil sich erst einwenig schaͤmen/ Eh’ es der Liebes-Lust ein willigs Opffer haͤlt; Wenn aber erst Gewalt und Zwang vorhergegangen/ So kan ein heisser Geist/ was er verlangt/ erlangen. Doch diese Meynung muß/ zuweilen hefftig fehlen/ Das Frauenzimmer hat auch einen Helden-Muth/ Und manche laͤst sich eh’ mit Lust zu tode quaͤlen Eh’ sie der reinen Zucht etwas zuwider thut. Louisens Beyspiel kan ein klares Zeugniß geben/ Daß sie die Tugend mehr geliebet als das Leben. Die|List und Schmeichelung/ das Drohen samt den Bitten Galt bey ihr einerley/ sie blieb stets unbewegt/ Und als die Parcen durch den Lebens-Faden schnitten/ Da fiel sie als ein Held/ der seinen Feind erlegt: Sie sturb/ und siegete/ indem sie uͤberwunden Die Wollust und den Zwang/ so ihr entgegen stunden. G g Sie Vermischte Gedichte. Sie trug den Sieg davon/ denn mitten in dem Sterben Besiegte sie die Lust mit samt der Grausamkeit/ Jhr tugendhaffter Sinn hielt das vor kein Verderben Des Lebens Ende sehn/ wenn nur das Ehren-Kleid/ Der Seelen keuscher Schmuck moͤcht ohne Flecken bleiben/ Woraus der Laster Koth durch keine Kunst zu reiben. So trotzte sie der Noth/ und gab die jungen Jahre/ Den wohlgemachten Leib/ an Zier den Engeln gleich/ Um tugendhafft zu seyn mit Freuden auf die Bahre/ Und schwung sich durch die That in das gestirnte Reich/ Wo Sie den Ehren-Krantz vor ihren Sieg bekommen/ Als sie der Engel-Schaar frohlockend angenommen. Weg nun Lucretia, du Wunder deiner Zeiten/ Louisens Helden-Muth beschaͤmet deine That: So lange Tag und Nacht durch Wechsel sich bestreiten/ So lange Sonn’ und Mond Glantz und Bewegung hat/ So lange wird die That der treflichen Louisen Als wie ein Wunderwerck von aller Welt gepriesen. Du nahmst den Nothzwang an dein Leben zu erhalten/ Und als die That geschehn/ da brachtest du dich um/ Sie wolte vor den Zwang/ doch nicht wie du erkalten/ Sie starb durch fremde Hand/ und also muß der Ruhm Jhr bleiben/ weil sie nicht des Selbst-Mords Tyger-Klauen Wie du an dir gethan/ in ihre Brust gehauen. Rom ruͤhmet ihre That/ und hebt die reine Seele/ Mehr als die Rom gethan/ biß an das Stern-Geruͤst; Ruͤhmt man am Hermelin, daß es den Tod erwehle? Eh’ sichs mit Koth befleckt/ der ihm zuwider ist/ So hat Louisens Tod die Tugendhafft gestorben/ Den Ruhm der gantzen Welt mit allem Recht erworben. ENDE der vermischten Gedichte. V. V. Poëti sche G rab- S chrifften. Eines Generals L. v. B. Z wey Herren diente ich/ und nahm von beyden Geld/ Wie der gemeine Mann ein falsches Urtheil faͤllt; Die Sau und Donau kan von meinen Thaten zeugen/ Und wenn der Rhein recht will so wird er auch nicht schweigen. Carl Stuards I. Koͤnigs in Engelland. D Es Cromwels kluger Kopff hat mir mein Haupt geraubt/ Jch muste ihm die Kron’ und auch mein Leben lassen/ Jch ward durch meinen Freund/ den ich erhoͤht/ enthaupt/ Wie! solt ein Koͤnig nicht das Parlamente hassen? Jacobus des Andern/ gewesenen Koͤnigs in Engelland. G OTT war ich nicht getreu/ wie jener Jacob war Drum muste ich zur Straff mein Engelland verlassen. Der Pabst und Franckreich gab mir Volck und Geld zwar dar/ Doch dem hilfft keiner nicht/ den GOTT und Himmel hassen. Zenobiens, Koͤnigin von Palmyra. S apores war zu schwach mit aller seiner Macht/ Das Gluͤcke war mir hold und halff zu meinen Siegen/ Doch wurde ich von Rom ins Sclaven Joch gebracht/ Denn Weiber muͤssen auch den Maͤnnern unterliegen. Carols II. Koͤnigs in Spanien. E in Koͤnig/ und ein Kind/ in dieser Bahre ruhn/ Ein Koͤnig an Gewalt/ ein Kind in seinem Thun Ein Koͤnig wenn er spricht: Daß Oesterreich soll erben Ein Kind wenn Franckreich kan das Testament verderben. G g 2 Crom- Poëti sche Grab-Schrifften. Cromwels. V or den sich Engelland in Demuth hat geneigt/ Vor welchen Stuard sich bis in den Tod gebeugt/ Des Asche lieget hier wo todte Aeser liegen/ Den nie das Schwerdt besiegt/ den must das Feur bestegen. Montecuculins, Kayserl. Generals. H ier ruht der kuͤhne Held/ der jenen Mann besiegt/ Den Franckreich ausgesandt/ die Teutschen zu verheeren/ Durch ihn hat Leopold den Ludewig bekriegt/ Turennens Fall kan gnug von seinen Thaten lehren. Turennens. T urennens Leichnam ruht/ wo Franckreichs Herscheꝛ schlaffen Die Ehre hat sein Muth durch seine tapffere Waffen Mit grossen Ruhm erlangt; Denn wer die Kronen schuͤtzt Wird ja so werth geacht/ als der den Thron besitzt. Niclas Serins, des Aeltern. M ich zwung die reine Treu mein Leben zu verliehren/ Mein Blut wird Sigeths Thor mit stetem Purpur zieren/ Mich hat der wilde Tuͤrck aufs Ehren-Bett gelegt/ Doch fiel ich als ein Held der tausend Feinde schlaͤgt. Niclas Serins, des Juͤngern. H ier liegt der kuͤhne Held von einem Schwein entlebet/ Vor welchen Stambols Macht in steter Furcht geschwebet/ Der Tuͤrck und Tartern zwung/ den faͤllt ein wildes Schwein/ So muß der Tod gewiß/ die Art unwissend seyn. Peter Serins. W enn ich die reine Treu/ so wie den Muth geerbet/ Und nicht der Kronen Gold geluͤstend angesehn/ So haͤtte nicht mein Blut des Henckers Schwerdt gefaͤrbet/ Mein nahme wuͤrde noch im Buch des Lebens stehn. Wil- Poëti sche Grab-Schrifften. Williams III. Koͤnigs in Groß-Britannien. D en Frantzen liesse ich Britanjens Waffen fuͤhlen Nachdem mein helden Muth mich auf den Thron gesetzt; Jacobus wolte zwar mit um die Beute spielen/ Doch wurde er mit nichts/ ich mit der Kron ergoͤtzt. Johannes III. Koͤnigs in Pohlen. M ein unverzagter Muth ließ sich bey Chocim sehen/ Wo ich den Thracier die erste Probe gab/ Daß meinem Sabel mag kein Tuͤrcke wiederstehen/ Bey Wien in Oesterreich fand er sein zweytes Grab. Carls V. Hertzogs von Lothringen. H ier ruht der blasse Tod der wilden Saracenen Der Held von Boullion, der Franckreich hat gezaͤhmt; Der/ den der Siege Ruhm mit steten Lorbern kroͤhnen/ Macht Alexandern selbst durch seine Faust beschaͤmt. Aretins. J ch war der Venus lieb und zeigete der Welt Wie sie sich ehmahls hat zu dem Adon geselt/ Was sie von Lieblichkeit annoch verborgen hielte/ Das wurde offenbahr/ wenn meine Harffr spielte. Catharinens, Koͤnigin aus Georgien. H ier ruht Georgiens beruͤhmste Koͤnigin/ Ein Weib/ so Abas Wuth veraͤchtlich ausgezischet/ Und in der groͤßten Pein die Henckers angefrischet/ Ein Mann an Tapfferkeit und eine Maͤrterin. Horatii Cœlitis. R om kunte nicht so viel als meine tapffre Hand/ Vor den bewehrten Arm der Schwarm der Feinde stand/ Jch wurde unversehrt ans Ufer hingetrieben/ Denn wer die Goͤtter ehrt/ den wollen sie auch lieben. G g 3 Cle- Poëti sche Grab-Schrifften. Cleliens. P orsenna ruͤhmet mich/ und ehret meine That/ Was Mutius gethan/ und Cocles ausgerichtet. Hat ein verwegnes Weib durch seine That vernichtet/ Es bringt die Buͤrgen durch und liefert sie der Stadl. Casimirs, Koͤnigs in Pohlen. M ein Haupt hat eine Kron veraͤchtlich abgelegt/ Wer dieses rohte Gold auf seinen Wirbel traͤgt Muß stets in Sorgen stehn/ und sich mit Kummer kraͤncken/ Denn Kronen koͤnnen nichts als Coloquin ten schencken. Tamerlans. D en Tuͤrcken/ Russen und Sines hab ich besieget/ Der Tartar stellte mir sein Cambala selbst an/ Der Persen Tauris ist durch meine Macht bekrieget/ Hier liegt ein kuͤhner Held/ der grosse Tamerlan. Des keuschen Josephs. D er Keuschheit wahres Bild ruht hier in dieser Grufft/ Die Wollust wolte zwar ihm Netz und Fall-Strick stellen Doch kunte sie sein Heyl nicht gantz zu Boden faͤllen/ Denn/ so das Ungluͤck preßt/ zuletzt das Gluͤcke rufft. Esaus. J ch jagte Tag und Nacht den Seegen zu erlangen/ Jedoch es war umsonst; Der Mutter schnelle List Hulff/ daß ihn Jacob nahm/ wie ich ihn wolt’ erlangen; Hier lerne jedermann was Weiber Schalckheit ist. Sisserahs. J ch suchte Schutz/ und fand daselbsten mein Verderben/ Die Schuld war mein/ warum? ich hing mich an ein Weib/ Wer ihren Worten traut/ der toͤdtet seinen Leib/ Und muß/ eh’ er es meynt durch einen Nagel sterben. Cæ- Poëti sche Grab-Schrifften. Cæsars. J ch stegte/ wenn ich kahm/ ja wenn man mich nur sahe So war der Feind schon fort. Rom ehrte mich darum/ Und gab mir seinen Thron/ allein dadurch geschahe Daß eine Laster-Brut mich rasend brachte um. Pompejens. E S zitterte die Welt wenn ich den Fußbewegte/ Den grossen Mithridat erlegte meine Macht/ Doch als ich Rom auf Rom zum Buͤrger-Krieg erregte/ So fiel ich/ und wurd bald verlassen umgebracht. M. Crassi. J ch ehrte nur das Gold/ und funde mein Ergoͤtzen Jm Reichthum und in Gut/ doch weil ich allzu sehr Nach Geld und Gold getracht/ und weidlich kunte schaͤtzen/ So blieb im Tod’ auch nicht mein Mund von Golde leer. Hectors. J ch war ein starcker Held/ und wuͤrde noch wol leben Wenn ich die Tapfferkeit nur besser angewandt/ So bald ich aber wolt der Boßheit-Schild abgeben/ So bald er legte mich Achillens tapffre Hand. Helenens aus Griechen Land. E S stuͤnde Troja noch mit seinen hohen Mauren Wenn Paris mich mitr sich nicht haͤtte weggefuͤhrt; Doch weil er vor den Raub das Leben selbst verliehrt/ So ist er und die Stadt/ und ich nicht zu bedauren. Eines unbesonnenen Schulmeisters. D er Jugend Schreck-Gespenst/ Orbilius Geselle/ Deꝛ stets den schweren Stock zu Schlag u. Streich gefuͤhrt Ruht unter diesem stein/ flieh Jugend diese Stelle/ Damit sein kalter Arm nicht deinen Kopff beruͤhrt. Ei- Poëti sche Grab-Schrifften. Eines ungluͤcklichen Verliebten. M ein Leser stelle doch das Gehen etwas ein/ Mir raubte/ da ich war/ ein steinern Hertz die Ruh/ Und jetzo giebt der Tod mir einen Stein dazu/ So muß ich/ weil ich war/ und todt bey Steinen seyn. Einer Courtisanin. D ie Augen waren Gluth/ die blosse Brust ein Feur/ Nun aber bin ich recht ein feurig Ungeheur/ Und weil ich meine Lust in geiler Brunst gefunden/ So bin ich nun im Feur auf ewig angebunden. Eines im Bette erstickten Huͤndgens. M ir hat die Eyfersucht den Lebens-Drat zerschnitten/ Ein Bette muß mein Tod/ und ich ersticket seyn/ Denn als ein altes Weib sah/ daß ich mehr gelitten Als sie war/ so must ich ins schwartze Grab hinein. Eines Flohes. N achdem ich lange Zeit die weisse Brust bewacht/ So kahm ich an den Ort/ woselbst die Anmuth lacht/ Allein den Vorwitz must ich mit dem Leben buͤssen Denn allda wil man nichts als grosse Stachel wissen. Der Jungferschafft. J ch starb/ eh ich einmahl das Leben recht erkannte/ Ein angenehmer Stich gab mir den letzten Stoß/ Nicht wie Lucretien, ich ward zwar Athem-loß/ Doch stund ich wieder auf/ als man mich Fraue nannte. Eines Affen. J ch war ein dummer Aff/ drum weicht ihr klugen Affen Von dieser schwartzen Grufft/ sonst sage ich zu euch/ Jhr zeiget saͤmmtlich an durch eur neugierigs Gaffen Daß wir einander fast in allen Dingen gleich. ENDE des gantzens Wercks.