Eleusinien des neunzehnten Jahrhunderts Oder Resultate vereinigter Denker uͤber Philosophie und Geschichte der Freimaurerei . Zweites Baͤndchen . Berlin 1803 . Bei Heinrich Froͤlich . An die S. E. G. u. V. L. zu den drei Bergen und ihren verehrten Meister von St . I ndem sich meine Achtung, mein Dank, und meine bruͤderliche Liebe gegen Sie, durch die Zueignung dieses zweiten Baͤndchens der Eleu- sinien auszudruͤcken strebt, erlauben Sie mir zu- gleich diese Zuschrift dazu zu benutzen, daß ich Ihnen einige Gedanken uͤber maurerische Schrift- stellerei uͤberhaupt mehr andeute als ausfuͤhre, und mich uͤber das, was diese kleine Schrift liefert, mit kurzen Worten erklaͤre. Es wuͤrde gar nicht unzweckmaͤßig, und der gegenwaͤrtigen Zeit nicht unangemessen seyn, wenn man die Sache der maurerischen Publicitaͤt wie- der zur Sprache braͤchte, uͤber die von jeher * 2 zwei entgegengesetzte Meinungen geherrscht haben. Einzelne BB., besonders die Schriftsteller selbst, waren stets dafuͤr, die Logen gewoͤhnlich dage- gen. Selten war ein Buch allen Systemen angenehm, wie z. E. die Apologie des Br. St.; oͤfter waren Schriften einer Parthei hoͤchst unan- genehm z. B. St. Nicaise; selten veranstalteten die Behoͤrden selbst unter ihrer Autoritaͤt den Druck gewisser Werke, z. B. die Gr. L. von England, den des Constitutionsbuchs, die neuesten R. C., den der Schriften Chrisophirons; oͤfter schrieben einzelne Br., ohne oder gegen die Autoritaͤt der Behoͤrden in ihrer eigenen Sache, oder aus einem innern Drange, oder aus ver- schiedenen andern, reinen und unreinen Absichten. Diese rechtfertigten ihre That durch mannigfaltige Gruͤnde, die angegriffenen Corporationen ver- warfen sie natuͤrlich, und viele, die uͤber das, was Maurerei ist, sich keine festen Begriffe ge- bildet hatten, mißbilligten jedes uͤber Maurerei und Logenwesen geschriebene Wort, als pflicht- widrig; indeß von Jahr zu Jahr neue Schrif- ten uͤber Maurerei, und die Geschichte ihrer Ausartungen erschienen. So lange maurerische Schriften gelesen wer- den, und so lange sich ein Stoff zu ihnen findet, so lange werden dergleichen gedruckt werden. Dies im letzten Akt zu hindern, moͤchte bei der Verfassung der Bruͤderschaft, und ihrem Ver- haͤltniß zur groͤßeren buͤrgerlichen Gesellschaft wohl unmoͤglich seyn; und es waͤre auch nicht wuͤnschenswerth, wenn es unrer gegenwaͤrtigen Umstaͤnden gehindert wuͤrde. Was nicht zu ver- meiden ist, (vorausgesetzt, daß es nicht absolut boͤse ist) muß man nicht vermeiden wollen, noch mehr, von dem muß man glauben, daß es nicht ohne Fug geschehe. Wenn man recht fest die Maurerei von ihrer Geschichte unterscheidet, so wird man sich sehr leicht uͤber maurerische Publicitaͤt ins Klare setzen, und beruhigen koͤnnen. Gewoͤhnlich wird uͤber jene nicht viel gesprochen, und was man spricht, ist eine Art von Philosophie, von subjectiver Ansicht, die mehr oder weniger zur Geschichte wird; diese Geschichte aber ist aller- dings ein Gegenstand der Untersuchung, und ist es von alten Zeiten her gewesen, so, daß eine bedeutende Literatur entstanden ist, die blos Beitraͤge zur Geschichte liefert, oder mit ihr zu- sammen faͤllt. Ein gewisser Protestantismus, der unsere ganze sogenannte Aufklaͤrung erzeugt hat, draͤngt hier zu Untersuchungen, die man denn bekannt machen, und dadurch aufklaͤren will. Dieser Protestantismus taugt freilich nicht viel, aber er ist einmal im Zeitgeist begruͤndet, und die Maurerei konnte ihm nicht entgehen. Was sodann einmal zur Sache des Verstandes und der Forschung gemacht ist, muß und kann auch fuͤglich als solche behandelt werden. Mußten sich doch die heiligen Urkunden, und die Ge- schichte des Christenthums ein gleiches gefallen lassen, da man jene von aller hoͤheren Autori- taͤt entkleidete, sie als menschliche, dem Schicksal unterworfene Buͤcher ansah, und nun sie zu bearbeiten, zu reinigen, und zu erklaͤren anfing; aus dieser aber alle kirchliche Autoritaͤt verbannte, und sie einer kritischen Pruͤfung unterwarf: wo- durch der unendliche und grenzenlose Protestan- tismus in der Religion eroͤffnet wurde, der das Profane mit dem Heiligen nicht vermischt, son- dern alles profan macht. Gegen alles dieses koͤnnen in dem Gebiete der Maurerei die Logen selbst am kraͤftigsten arbeiten, nicht durch Verbote und Interdikte, sondern dadurch, daß sie selbst sich auf den Standpunkt des Lichts setzen, daß sie in ihrem Innern die BB. maurerisch beschaͤftigen und befriedigen, daß sie selbst die Maurerei nicht als bloße Verstandessache behandeln, und wohl ler- nen, wie man mit Mysterien umzugehen habe. Alsdann wird sich niemand sehnen uͤber maure- rische Gegenstaͤnde zu schreiben oder zu lesen. — Wer dies durch Beispiele bestaͤttigt finden will, der gebe acht auf die Logen und Systeme, welche am entschiedensten die Publicitaͤt verschmaͤhen, am wenigsten lesen, und verhaͤltnißmaͤßig die wenigsten Schriftsteller haben; und er wird finden, daß gerade bei ihnen sich einige der angegebenen charakteristischen Zeichen finden. Eine L., die diese Zeichen alle an sich truͤge, wuͤrde von Druckschriften nichts wissen. Aber so lange man noch Mysterien ohne Mystik feiert, so lange der Kenntnißstolz auf unsichern Fundamenten beruht, so lange man auf der einen Seite nach Aufklaͤrung, und nach bloßer Aufklaͤrung jagt, und auf der andern Seite das Licht der Wahrheit aus Eigensinn, Furcht, Eigennutz oder Stolz verschmaͤht: so lange wird geschrieben werden, und so lange wird man eine grundlose und vergeb- liche Opposition gegen die Publicitaͤt bilden. Eine andere Quelle der maurerischen Schrift- stellerei sind die Logenstreitigkeiten. Eine Corpo- ration wird angegriffen, — sie muß sich ver- theidigen: ein Bruder wird beleidigt, gemißhan- delt, ungehoͤrt verdammt; die Verlaͤumdung breitet sich weit uͤber den Kreis der geschlossenen Gesellschaft aus, was bleibt ihm uͤbrig, seine Ehre zu retten, als der Recurs an das groͤßere maurerische Publikum? — Auch diese unmaure- rische Quelle koͤnnen die Direktionen der LL. ganz verstopfen, nicht durch Tadel des Beleidig- ten, der zu seiner Rechtfertigung schreibt , da er nicht sprechen konnte: sondern durch Festhalten an den ewigen Principien der Gerechtigkeit, durch Ver- huͤtung aller Verletzungen menschlicher Rechte, und aller unbruͤderlichen Streitigkeiten, vermittelst und Kraft des wahren heiligen Geistes der Maurerei. Natuͤrlich spreche ich nur von redlichen maurerischen Schriftstellern, die um der Sache willen schreiben. Was schlecht ist, und aus unreinen Absichten geschieht, das wollen wir, wie uͤberall, so auch hier verachten. Ueberhaupt aber spielt die maurerische Publi- citaͤt nur in den Vorhoͤfen , die an die profane Welt grenzen, ja mitten in ihr liegen. Das wahre Mysterium hat bisher (und wird es zu allen Zeiten) aller Publicitaͤt und Profanation gespottet; kein Schriftsteller hat es verrathen, und wird es je verrathen, theils, weil er es nicht kennt, theils, weil er, wenn er es kennt, nicht davon spricht, theils, weil er, wenn er auch davon spraͤche, von keinem verstanden werden wuͤrde, als der es schon weiß. — So gleichen die maurerischen Schriften alle mehr oder weni- ger, der in den Eleusinien mitgetheilten chrono- logischen Geschichte, die bei aller ihrer Zweck- maͤßigkeit zum gelehrten Gebrauch, doch die unschuldigste Sache von der Welt ist; und so koͤnnen alle g. u. v. LL., so wie alle redliche Logenbeamte, uͤber die Publicitaͤt uͤberhaupt außer Sorgen seyn; sie gehen mit Bewußtseyn ihren Weg fort, uͤberzeugt, daß gegen sie nichts Bedeutendes gesagt werden kann, und daß sie das, was eben geschrieben wird, und nur geschrie- ben werden kann, nicht zu scheuen haben. Und so konnte ich denn auch Ihnen, meine verehrten Bruͤder! ob sie gleich im Allgemeinen die maurerische Publicitaͤt, noch mehr aber ihre Quellen, nicht lie- ben, ohne Furcht Ihnen zu mißfallen, diese Schrift zueignen, denn Sie haben auf einem hoͤhern Stand- punkte, als der der Druckschriften seyn kann, Be- friedigung, und die wahre Ansicht aller der histori- schen Dinge, die durch die gedruckten Buchstaben mitgetheilt werden koͤnnen, gefunden. Erlauben Sie mir noch einige Worte uͤber den Inhalt dieses zweiten Baͤndchens. No. 1. ist die Fortsetzung der hoͤchst interessan- ten Briefe uͤber Maurerei , wie sie ein folgerecht denkender Verstand construirt. Sie werden die Wichtigkeit und das Weit- greifende dieser Ideen, so wie ihr Verhaͤlt- niß zur Geschichte des O. einsehen, und mit mir glauben, daß sie der vorzuͤglichste Schmuck der Eleusinien sind; eben so wissen Sie, daß der an irgend einem Orte, als Verfasser derselben angegebene Br. Feßler , weder Verfasser noch Bearbeiter derselben ist, und daß sonach alles, was man aus ihnen fuͤr das System dieses Br. hat fol- gern wollen, keinen Grund hat. — Zusaͤtze, die die Einkleidung erforderte, sind diesmal ganz unbedeutend, und so erhalten die BB. die Ideen des großen Mannes fast durch- gaͤngig mit seinen eigenen Worten. Moͤchte es ihm doch gefallen, bei seiner tiefen Kennt- niß der Geschichte des O., auch die philo- sophische Deduction, der uͤber der allge- meinen menschlichen Gesellschaft schweben- den geschlossenen Gesellschaft zu vollenden! No. 2. ist leider polemischen Inhalts; leider, in Absicht der Veranlassung. — Es ist dies das erste Wort, welches der Hw. Br. Feßler gegen die Angriffe sagt, die seit einiger Zeit auf eine fast unerklaͤrbare Weise auf ihn gemacht worden sind, und die wohl alle auf Mi ß verstaͤndnissen und unrichtigen Voraussetzungen beruhen. Gewiß, weder die Liebe unter den Maurern, noch die Ehre der Bruͤderschaft wird dadurch befoͤrdert, und das festgegruͤndete Verdienst des Br. Feßler um das Ganze der Maurerei da- durch nicht geschmaͤlert. Da es ihm gefallen hat, selbst, und unter seinem Namen, uͤber die Sache zu sprechen, so ist jedes weitere Wort eines andern uͤberfluͤssig. No. 3. liefert Zusaͤtze zur chronologischen Geschichte . Von ihnen gilt ganz dasselbe was S. VII. der Vorrede zum ersten Baͤndch. steht; es wird erzaͤhlt, nicht was wirklich geschehen sey, sondern was irgendwo oͤffentlich erzaͤhlt worden ist. Daher sind die Citationen sehr zu beachten, weil sie gewoͤhnlich die Recension der Glaubwuͤrdig- keit einer Nachricht enthalten. Um die Brauchbarkeit dieser Chronologie fuͤr den maurerischen Geschichtsforscher zu vermeh- ren, sind zuweilen Data aus andern Ordens- geschichten beigesetzt worden, die wegen ihres Einflusses oder ihrer Accommodation auf Maurerei bedeutend geworden sind. Uebrigens sieht der Verf. voraus, daß unterrichtete Frei-Maurer, diese Data, be- sonders aus der aͤltern Zeit, nicht ohne Laͤcheln lesen, und nur zuweilen eine ernste Miene machen werden; indeß der Ernst mehrt sich, wie in einem Trauerspiele, je naͤher wir dem Ende kommen, das uͤbri- gens auch in den allerneuesten Zeiten kei- nen Schluß macht. — Diese Geschichte, welche schon ganz ausgearbeitet ist, hat bei dem Jahre 1766. aus Mangel an Raum abgebrochen werden muͤssen; sie wird aber so vollstaͤndig, als nur immer moͤglich ist, geliefert werden. Die bei dieser Gele- genheit im vorigen Baͤndchen angedeutete kritische Geschichte (Manuscript fuͤr ver- traute BB.) ist uͤbrigens mit uͤberraschen- dem Gluͤcke vollendet, voll tiefer historischer Forschungen, neuer Entdeckungen und frucht- barer Resultate. Es ist unbedenklich das wich- tigste maurerische Werk, das je geschrieben worden ist, und es waͤre zu wuͤnschen, daß diejenigen, die es gelesen und gewuͤrdigt haben, sich oͤffentlich daruͤber erklaͤren moͤchten. No. 4. Mit diesem heiteren Gemaͤlde glaubt der Herausgeber den Lesern dieses zweiten Baͤndchens ein nicht unangenehmes Ge- schenk zu machen. Moͤgen sie es fuͤr eine Paradoxie, oder fuͤr einen Traum halten: es ist reich an Gelegenheit zu wichtigen Reflexionen und manchen neuen Ansichten. Sollte man auch den hier ausgesprochenen oder angedeuteten Wahrheiten nicht allge- mein die Realisirung wuͤnschen, so werden sich doch aller Herzen in dem Wunsche ver- einigen, daß der Geist und die Gesinnung der Bruͤder der L. zu Z. allgemein seyn moͤge. No. 5. Hier die im vorigen Baͤndchen ver- sprochenen Worte des ehrwuͤrdigen Br. Bode . Es sind vielleicht die unbedeu- tendsten, die er gesagt hat, aber sie sind von ihm , und um deswillen den Verehrern seiner großen Verdienste um die Geschichte und Reinigung der Maurerei werth. Br. Mnioch ist als maurerischer Dichter schon zu bekannt und geliebt, als daß ihm nicht alle BB. von Herz und Geist fuͤr die Be- kanntmachung dieses herrlichen Hymnus danken sollten; eben so wird man die bei- den einfachen Lieder eines andern Dichters nicht ohne Wohlgefallen lesen. No. 6. von nicht erfreulichem historischem In- halte. Wahrscheinlich hat sich die ganze Begebenheit im Monde zugetragen, welches der Ueberschrift nicht widerspricht, da der Mond nicht mehr und nicht weniger unter der Sonne liegt, als die Erde. No. 7. liefert eine maurerische Curiositaͤt . Kenner werden ihren Inhalt zu wuͤrdigen wissen und entscheiden, ob dadurch Hr. Professor Buhle widerlegt sey. Wenn Sie meinen sollten, daß darinn eben nicht ein europaͤischer, sondern vielleicht ein etwas asiatischer Geist wehe, so moͤchten Sie wohl nicht irren. Uebrigens verdient die am Ende des Aufsatzes angekuͤndigte literarische Unternehmung alle Aufmerksamkeit, voraus- gesetzt, daß die versprochenen Aktenstuͤcke be- sonders uͤber das Cl — sche H. K., unbezwei- felte Kritereien der Aechtheit an sich tragen. No. 8. Literatur . Diesen Artikel hat sein Verfasser nur zu Mittheilung einiger seiner Ideen benutzt, und es war nicht seine Mei- nung eine vollstaͤndige Literar-Notiz oder Kritik zu liefern. Es ist auch bei diesem Baͤndchen der Eleusinien dem Herausgeber Ernst gewesen, der guten Sache der Maurerei nuͤtzlich zu werden, und etwas zu lie- fern, welches der Aufmerksamkeit denkender BB. wuͤrdig waͤre. Moͤge alle Polemik und aller Streit aus der Bruͤderschaft und aus maurerischen Schriften verschwinden, und, obgleich der Glaube verschieden sey, sich alle Herzen zur reinen Achtung fuͤr Wahr- heit, zur Schonung der heiligen Rechte des guten Namens der BB., zur Billigkeit gegenfremde Ueber- zeugung und zum frohen Bruderfrieden erheben! Seegen allen guten LL. und BB., die im Geiste und der Wahrheit arbeiten, die Maurerei vor allem Profanen bewahren, und unter dem Scheine ihrer erhabenen Lichter, mit hellem Geiste und fuͤhlendem Herzen dem hoͤheren Lichte entgegen wandeln! Mit inniger Freude werde ich Sie , meine ver- ehrten BB.! auf diesem schoͤnen Wege begleiten. Geschrieben den 24. Aprill 1803. Der Herausgeber. Inhalt . Seite I. P hilosophie der Maurerei. — Briefe an Konstant 1 II. Revision des Maurerischen Taschen- buches auf das Jahr 5802 bis 5803, und maͤnnliche Abfertigung seiner Herausgeber X. Y. Z. — Vom Br. Feßler . 61 III. Geschichte der Maurerei. — 1) Alte Geschichte. 2) Geschichte des acht- zehnten Jahrhunderts. 115 IV. Die Loge zu Z. — Ein Auszug aus dem Reise-Journal eines unterrich- teten Maurers. 215 V. Reden und Gedichte. — 1) An- rede an einen Neuaufgenommenen, vom verewigten Br. Bode . 2) Am Einweihungs-Feste der neuen Loge F. W. z. S. — Eine Vision vom Br. Seite Mnioch . 3) Am St. Johannis-Tage. Der Loge zur Wahrheit gewidmet. 4) Das Gluͤck der Maurerei 255 VI. Nichts Neues unter der Sonne. — Eine merkwuͤrdige historische Pa- rallele 273 VII. Ueber den Ursprung der Freimaurer und Rosenkreuzer. — Anmerkungen, uͤber den vom Hrn. Profess. Buhle unterm 27. und 31. Januar, v. J. im 8. und 9. Blatte der Hambur- ger Adreß-Comtoir-Nachrichten bekannt gemachten Ursprung dersel- ben. Von dem Br. v. Bioͤrn 321 VIII. Maurerische Literatur. — 1) Ta- schenbuch fuͤr Frei-Maurer. Koͤthen, 1803. 2) Moralischer Taschenspiegel 335 I. Phi- I. Philosophie der Maurerei . Briefe an Konstant . Zweites Baͤndch. A Briefe an Konstant . Sechster Brief . D u laͤßest mich nicht los, Konstant! ob Du gleich, wie Du schreibst, ahnest, was ich noch zu sagen haben moͤchte. Du hast auch ganz recht, und es ist nichts leichter fuͤr einen folgerecht denkenden Kopf, als, nach den angedeuteten Praemißen, mein Thema gluͤcklich zu vollenden. Aber ich soll, so willst Du, fortfahren. Unsre erste Frage wird sonach seyn: Was wirkt der Orden im Maurer ? und die zweite: Was wirkt er auf die Welt ? — Ich werde mich kurz fassen, und mich mit fruchtbaren Winken begnuͤgen koͤnnen. Ist die Verbindung nicht voͤllig vergebens und unwirksam, so muß doch ohne Zweifel derjenige, der sich in ihr befindet, er stehe auf einer Stufe der Kultur, auf welcher er wolle, der Reife naͤher kommen, als dasselbe Individuum , A 2 außer der Verbindung, ihr gekommen seyn wuͤrde . Dieß gilt bei dem wachen Men- schen sogar von jedem neuen Verhaͤltnisse, in wel- ches er eintritt. Ich nehme hier Reife und gemeinmensch- liche Ausbildung fuͤr gleichbedeutend, und zwar mit Recht. Einseitige Bildung ist immer Unreife; wenn auch an einer Seite Ueberreife seyn sollte, so ist doch dafuͤr gewiß an andern Seiten herbe, saure Unreife. Das Hauptkennzeichen der Reife ist: Kraft, durch Anmuth gemildert . — Alle jene ge- waltsamen Ereiferungen, jene weiten Anlaͤufe und Ausholungen sind die ersten, auch nothwendigen Renkungen und Regungen der sich entwickelnden Kraft; aber sie sind nicht mehr vorhanden, nach- dem die Entwickelung vollendet, und die schoͤne geistige Form in sich selbst gerundet ist. Oder daß ich es mit den Kunstwoͤrtern der Schule sage: So wie die Reife erfolgt, vermaͤhlt holde Poesie sich mit der Klarheit des Kopfes und der Recht- schaffenheit des Herzens, und die Schoͤnheit tritt in den Bund mit der Weisheit und Staͤrke . Dies ist das Bild des reifen, ausgebildeten Mannes, wie ich mir ihn denke: Sein Kopf ist durchaus klar und von Vor- urtheilen aller Art frei. Er herrscht im Reiche der Begriffe und uͤbersieht das Gebiet der mensch- lichen Wahrheit so weit als moͤglich. Aber die Wahrheit ist ihm durchaus nur Eine , nur ein Einziges, untheilbares Ganzes, und er zieht keine Seite derselben einer andern vor. Gei- stesbildung selbst aber ist ihm auch nur ein Theil der ganzen Bildung , und es faͤllt ihm nicht ein, lediglich durch sie vollendet zu haben; eben so wenig, als es ihm einfallen wird, sie entbehren zu wollen. Er sieht sehr gut, und scheut sich nicht, es zu gestehen, wie sehr andre hierinn hinter ihm zuruͤck sind; aber er ereifert sich daruͤber nicht, weil er weiß, wie viel auch hierinn vom Gluͤcke abhaͤnge. Er draͤngt sein Licht, noch weniger den bloßen Schein seines Lichts, keinem auf; wiewohl er immer bereit ist, jedem, der da begehrt, soviel zu geben, als er tragen kann, und es ihm in jedem Gewande zu geben, das ihm das gefaͤlligste ist, laͤßt er es doch auch gut seyn, wenn niemand seine Leuchte begehrt. Er ist durchaus rechtschaffen, gewissenhaft, streng gegen sich selbst in seinem Innern, ohne aͤußerlich das geringste Wesen mit seiner Tugend zu machen, und den Anblick der- selben andern, durch Versicherungen uͤber seine Ehrlichkeit, durch stark hervorspringende Aufop- ferungen, durch Affectation eines hohen Ernstes aufzudringen. Seine Tugend ist eben so kunst- los und, ich duͤrfte sagen, schamhaft, als seine Weisheit; die herrschende Empfindung bei den Schwachheiten seiner Mitmenschen ist gutmuͤthi- ges Bedauren, keinesweges zuͤrnende Entruͤstung. Er lebt im Glauben schon hienieden in einer bessern Welt, und dieser Glaube allein giebt in seinen Augen seinem Leben hienieden Werth, Bedeutung und Schoͤnheit; aber er dringt am wenigsten diesen Glauben irgend einem auf, son- dern traͤgt ihn in sich, als einen verborgenen Schatz. — Dies ist das Bild des vollendeten Menschen, dieß ist das Ideal des Maurers. Eine hoͤhere Vollkommenheit, als der Mensch uͤberall erreichen kann, wird auch dieser nicht begehren oder sich ihrer ruͤhmen; seine Vollkommenheit kan keine andre, als eine menschliche und die menschliche seyn. Jeder Mensch muß in steter Annaͤherung zu diesem Ziele begriffen seyn; wenn der O. nur einige Wirksamkeit hat, muß jedes Glied sichtba- rer und mit Bewußtseyn in dieser Annaͤherung begriffen seyn; als aufgestelltes und seinem Herzen nahgelegtes Ideal muß ihm dies Bild vorschweben; wohin sein Auge trift, muß es sich ihm darstellen; es muß gleichsam die Natur seyn, in der er lebt und athmet. Wohl moͤglich, daß nicht alle, ja daß vielleicht kein einziger von denen, welche sich Maurer nen- nen, diese Vollendung erreichen. Aber wer hat je die Guͤte eines Ideals oder nur einer Anstalt, nach dem, was die Individuen wirklich erreichen, abgemessen? Darauf kommt es an, was diese un- ter den gegebenen Bedingungen erreichen koͤnnen ; was die Anstalt durch alle gegebenen Mittel will und andeutet, daß ihre Glieder erreichen sollen . Auch sage ich nicht, daß die Maurer nothwen- dig besser sind, als andre Menschen, eben so wenig, daß man dieselbe Vollkommenheit nicht auch außer dem Orden erreichen koͤnnte. Wohl waͤre es moͤglich, daß ein Mann, der nie in der Frei-Maurer-Gesellschaft aufgenommen waͤre, dem oben aufgestellten Bilde gliche; und es schwebt in diesem Augenblicke wirklich vor den Augen meines Geistes das Bild eines Man- nes, in welchem ich es vorzuͤglich realisirt finde und der den Orden hoͤchstens dem Namen nach kennt. Aber derselbe Mann, wenn er in dem Or- den und durch denselben das geworden waͤre, was er durch sich in der großen menschlichen Gesell- schaft geworden ist, wuͤrde faͤhiger seyn, auch an- dre zu demselben zu machen, was er ist, und seine ganze Bildung wuͤrde gesellschaftlicher, mit- theilbarer und sonach auch im Innern wesentlich anders modisicirt seyn. Was in der Gesellschaft entsteht, hat fuͤr die Praxis mehr Leben und Kraft, als das, was in der Abgeschiedenheit erzeugt wird. Dies sind die Winke, die ich Dir uͤber die Wirk- samkeit der Frei-Maurer-Gesellschaft auf ihre Mitglieder geben wollte. Entweder muß sie die gluͤckliche Annaͤherung zu dem oben aufgestellten Ideale wirken, oder gar nichts; was daruͤber ist, kann uͤberall nicht gewirkt, was darunter ist, kann uͤberal l gewirkt werden. Daß die Mitglieder aber fuͤr ihren wohlthaͤtigen Einfluß empfaͤng- lich seyn muͤssen, versteht sich wohl von selbst; eben so, daß die Anstalten von einer solchen Na- tur seyn muͤssen, daß der am meisten und der am wenigsten Empfaͤngliche dennoch in seinem richti- gen Verhaͤltniß in ihr gewinnet und fortschreitet. Und nun wird noch die Frage seyn: Ob diese Verbindung auch auf die Welt wirke. Siebenter Brief . K oͤnnte wohl diese Frage im Ernst zweifelnd auf- geworfen werden, koͤnnte man wirklich nun noch fragen: Ob der Orden auch auf die Welt, auf die groͤßere menschliche Gesellschaft wirke? Dieser im innern Heiligthume des Ordens so gebildete Mann, bleibt er denn nicht nach wie vor in der Welt, und behaͤlt in derselben seinen Platz? Bleibt er nicht, nach wie vor, Gatte, Hausvater, Gesellschafter, Mitglied des Standes, den er in der Welt bekleidet? Kann es fehlen, daß seine im Orden erlangte Bildung, die nun ihm durchaus eigen geworden ist, die ein Bestandtheil seiner Persoͤnlichkeit ausmacht, und die er nicht so will- kuͤhrlich ablegen kann, wenn er die Loge verlaͤßt, — kann es fehlen, daß diese Bildung nicht in allen diesen Verhaͤltnissen sichtbar werde? Und wirkt so der Orden durch seine Mitglieder nicht hoͤchst wohl- thaͤtig auf die Welt? Ich mache Dich auf einiges aufmerksam, was Dich in Deinen eignen Erwaͤgungen unterstuͤtzen wird. Niemand bekleidet seine Stelle in der groͤßeren Gesellschaft zweckmaͤßiger, als der, welcher vermag, uͤber seine Stelle hinaus zu sehen , der nicht nur sie, sondern der auch die feine Grenzlinie, wo sie in die groͤßere Gesellschaft uͤbergeht und eingreift, durchschaut und uͤberblickt; so wie der der groͤßere und hellere Ge- lehrte ist, der nicht nur seine Disciplin, sondern auch die angrenzenden, sondern auch das ganze Feld des Wissens uͤberschaut. Nur der so auf seiner Stelle steht, handelt sehend und seiner sich sehr wohl bewußt, fuͤr die Welt; der andre ist ein blindes Werkzeug, das an seinem Platze vielleicht ganz richtig wirkt, dessen Wirksamkeit aber erst durch das Ganze zum wahren Ziele hingelenkt wird. Der erstere weiß zu rechter Zeit hier von den Forderungen und Regeln seines Standes nach- zulassen, hier streng auf sie zu halten, hier sie zu schaͤrfen; dies versteht der letztere nicht, sondern er geht, wie eine Maschine, heut und morgen den fest angewoͤhnten Gang. Nun aber ist es die Maurerei, die alle Menschen uͤber ihren Stand erhebt; sie bildet sonach, indem sie Menschen bildet, zugleich die tauglichsten Mitglieder der groͤßeren Gesellschaft : liebenswuͤrdige und populaͤre Gelehrte und Weise, nicht blos fer- tige, sondern auch mit Urtheil begabte Geschaͤfts- maͤnner, menschliche Krieger, gute Hausvaͤter und weise Erzieher ihrer Kinder. — Welches mensch- liche Verhaͤltniß man sich auch denken moͤge, die Maurerei hat den vortheilhaftesten Einfluß darauf. Die menschliche Gesellschaft muß ferner im steten Fortschreiten begriffen seyn; alle ihre Verhaͤltnisse muͤssen fortwaͤh- rend reiner werden, und sich vervoll- kommnen . Besonders schreitet ein wohlregierter Staat in der Gesetzgebung, in der Verwaltung, in den Erziehungsanstalten vorwaͤrts und behaͤlt immer ein offnes Ohr fuͤr alle Vorschlaͤge und Verbesserungen. Ein solcher im Fortschreiten zur Vollkommenheit begriffener Staat kann mit Ge- schaͤftstraͤgern, die uͤber die enge Sphaͤre ihres besonderen Berufs nie hinausgesehen haben und nur in dem bisherigen Gleise fortkommen konnten, nichts anfangen; sie werden unbrauchbar, sobald eine Verbesserung vorgeht; sie wollen nicht un- brauchbar werden, straͤuben sich daher gegen Ver- besserungen und wenden entweder allen ihren Ein- fluß an, sie zu hindern, oder bereiten ihnen, selbst durch ihren guten Willen sie zu befoͤrdern, einen schlechten Erfolg. Wo die Mehrheit der Geschaͤfts- traͤger eines Staats so beschaffen ist, dort wird es wohl ewig beim Alten bleiben. — Zwar erhebt schon ein gruͤndliches Studium der Wissenschaften uͤber diesen engen Kreis des Geschaͤftsganges und des Hergebrachten; die Wissenschaft zeigt den Zu- sammenhang aller menschlichen Verhaͤltnisse unter- einander und deutet auf die Punkte, von welchen aus weiter geschritten werden muß. Aber hat die Wissenschaft diesen Einfluß auf die Welt wirk- lich? — Wenn auch die Mehrheit gruͤndlicher zu studieren pflegte, als sie es thut; wenn sie auch nicht diese halbe Gelehrsamkeit, die sie etwa von der Universitaͤt mit hinwegbringt, einige Jahre nachher rein zu vergessen pflegte, wenn auch die- ses alles nicht waͤre: was hilft das bloße Wissen, ohne Uebung ? — Hier tritt nun, wo nichts weiter helfen kann, die Maurerei in die Mitte, als eine Uebungsanstalt fuͤr Viel- seitigkeit ; und ersetzt eine Luͤcke, welche die große buͤrgerliche Gesellschaft nothwendig lassen mußte. Ich erinnere Dich hier im Vorbeigehen an den Staat, in welchem wir beide leben, und dem man den Ruhm des Strebens nach Vollkommen- heit ohne die hoͤchste Ungerechtigkeit nicht absprechen koͤnnte. Ich will nicht entscheiden, ob diese Ten- denz auch mit aus der Maurerei hervorgehe, die in ihm seit langer Zeit gebluͤht hat, oder ob sie und wie sie bisher durch die Maurerei unterstuͤtzt wor- den sey; aber ich kann bestimmt behaupten, daß diese Tendenz fuͤr die Zukunft an dem Orden eine gute Unterstuͤtzung finden muͤsse. Erwaͤge ferner folgende Bemerkung. In einer merkwuͤrdigen Schrift, in welcher die menschlichen Staͤnde in zwei Klassen getheilt und zu der ersten Klasse diejenigen gerechnet werden, die sich mit Bildung des Geistes und Herzens andrer, so wie mit der Regierung derselben beschaͤftigen; zu der zweiten diejenigen, die fuͤr die Beduͤrfnisse des irr- dischen Lebens sorgen, in dieser Schrift ist gezeigt worden, daß der Hauptgrund der bisherigen Man- gelhaftigkeit vieler menschlichen Verhaͤltnisse in der Schwierigkeit der Wechselwirkung und des gegenseitigen Einflusses dieser bei- den Klassen aufeinander liege, und daß es nicht eher gruͤndlich besser werden koͤnne, bis die- ser gegenseitige Einfluß durchaus herge- stellt ist . — Wenn Du nun diesen Mangel an Zusammenhang und Einfluß mit mir fuͤr ein Uebel haͤltst, so wirst Du auch den Frei-Maurer- Orden fuͤr das beste Gegenmittel, und fuͤr das zweckmaͤßigste Mittel einer gruͤndlichen Verbesse- rung halten. Er verknuͤpft nehmlich in sich, we- nigstens die beiden Enden dieser zwei Klassen, und bringt beide, ohne Ruͤcksicht auf ihre Standes- und Berufsbeschaͤftigung, naͤher aneinander. Darum ist es dringend nothwendig, daß in einer Loge (wie auch gewoͤhnlich geschieht) nicht nur Gelehrte, son- dern auch Ungelehrte, und nicht nur diese, sondern auch Gelehrte beisammen seyn, und keiner den andern daruͤber scheel ansehe, daß er jenes ist und dieses nicht ist. — Ein Mitglied der zweiten Klasse, welches hier sein Mißtrauen, seine Scheu, seine Furcht, seinen Haß oder seine Verachtung, wenigstens gegen die Mitglieder der ersten Klasse, die seine Ordens-Bruͤder sind, ablegen lernt; ein Mitglied der ersten Klasse, welches hier seine Ge- ringschaͤtzung, wenigstens der Mitglieder der zwei- ten Klasse, die seine Bruͤder sind, entfernen lernt, wird ja wohl diese Gesinnung aus der Loge auch mit in die Welt nehmen, seine bessere Ansicht die- ser Klassen auch auf andre Mitglieder derselben, die nicht Ordens-Bruͤder sind, ausdehnen und diese bessere Ansicht andern Ungeweihten seiner eig- nen Klasse mittheilen. Ein rechtlicher Buͤrger, der etwa im Orden inne wuͤrde, daß ein Gelehrter nicht nothwendig ein Pedant ist, wird es auch außer dem Orden nicht mehr so unbedingt voraus- setzen, und seine Entdeckung wohl auch andern rechtlichen Buͤrgern, die keine Bruͤder sind, gele- gentlich mittheilen. Ein Gelehrter, der etwa im Orden gelernt haͤtte, daß ein unstudirter Beamter oder Buͤrger, nicht eben ein unwissender und un- verstaͤndiger Mensch sey, mit dem man nichts Ver- nuͤnftiges sprechen oder von dem man nichts lernen koͤnnte, wird auch außer dem Orden solche Maͤn- ner mit Werthschaͤtzung behandeln, und diese seine Entdeckung in Gespraͤchen und Schriften verbrei- ten. — Und so waͤre der Maurer-Orden eine der wichtigsten Anstalten fuͤr die Welt, die, ohne ihn, in derselben gaͤnzlich mangelt. Endlich aber — doch dieß kann ich nur in einem schnellen Grundzuge andeuten — koͤnnte der Orden sogar geradezu fuͤr den Staat, fuͤr die Kirche, fuͤr das gelehrte Publi- kum wirken , und von allen diesen Gesellschaften gebraucht werden, um Verbesserungen, bei denen sich der Widerstand der Einseitigkeit voraussehen ließe, allmaͤhlich vorzubereiten, und einzuleiten. Du hast nun Data genug uͤber die Zweck- maͤßigkeit, Brauchbarkeit, ja Unentbehrlichkeit des Frei-Maurer-Ordens in der großen menschlichen und buͤrgerlichen Gesellschaft. Was er wirken koͤnne, ist Dir durch natuͤrliche und richtige Fol- gerungen aus der Angabe seines Zwecks klar; seine Wirksamkeit muß erfolgen, wenn er den Zweck hat, daß seine Mitglieder sich in dieser Ver- bindung allgemeine, rein menschliche Bildung, im Gegensatze der besonderen Standesbildung zu er- werben suchen; diesen vernuͤnftigen und untadel- haften Zweck aber muß er wieder so gewiß haben, so wahr sich ernsthafte, weise und tugendhafte Maͤnner anhaltend mit ihm beschaͤftigen. Ich nehme in diesem Augenblicke noch auf einen Einwurf Ruͤcksicht, den ich Dich in andrer Beziehung (nehmlich in Beziehung auf die vorge- gebne allgemeine Bruderliebe) habe machen hoͤren, und den Du nicht verfehlen wirst, hier anzuwen- den und zu wiederholen. „Wenn wirst Du sagen, die schaͤdlichen Folgen der Einseitigkeit durch den Orden aufgehoben werden sollen, so muß durch ihn selbst keine Einseitigkeit irgend einer Art befoͤrdert werden; dies geschieht aber in ihm selbst, durch die verschiedenen, scharf abgeschnittenen Systeme, die sich einander widerlegen, ausschließen und ver- folgen.“ — Du hast vollkommen Recht, Kon- stant, diesen Einwurf zu machen, und ich wuͤrde ihn mit Dir aufstellen, wenn ich an irgend ein System denken wollte, und nicht bloß die reine und allgemeine Maurerei, die immer nur Eine und eine Untheilbare ist, vor Augen haͤtte. Diese vertraͤgt keine Systeme; und wenn Du schließen willst, daß eben das ausschließende, und verfolgende System, von dem, was wir Maurerei nennen, noch sehr weit entfernt sey, so werde ich Dich daran nicht hindern. Behalte Du nur mit mir den wahren Punkt, von welchem wir bei unsern Untersuchungen ausgehen und den wir standhaft behaupten muͤssen, unverruͤckt im Auge, und kuͤm- mere Dich nicht um die Schluͤsse, die auf eine wirklich existirende Maurerei daraus gemacht wer- den koͤnnten. Achter Brief . I ch bin mit Deiner Antwort zufrieden, mein theu- rer Freund! und freue mich, zur Erhoͤhung Deiner Erkenntniß etwas beigetragen zu haben. Du schreibst mir, daß ich Deine Ahnungen und geheime Empfindungen oft getroffen, daß ich bisher eigent- lich nichts gethan habe, als das zu bestimmen und dem Sprache zu geben, was Du bei Dir selbst immer auch gedacht hast. Es ist mir, indem ich daruͤber nachdachte, eben so ergangen, und dadurch ist unsre Erkenntniß, als bloße Erkenntniß, aller- dings erhoͤht, und unsre Begriffe sind klaͤrer ge- macht worden. Laß uns gemeinschaftlich darinn fortfahren. Wir wollen nun dahin arbeiten, daß die bis- her aufgestellten Grundsaͤtze in ihrer Anwendung zur Beurtheilung maurerischer Gegenstaͤnde hin- reichen, also zur Beurtheilung des gegenwaͤrtigen Zustandes der Maurerei uͤberhaupt, oder zur Be- urtheilung maurerischer Rituale, Gesetze und Ein- richtungen insbesondre, des maurerischen Betra- gens einzelner Logen und Bruͤder, und endlich so- gar, im Fall eine Reformation noͤthig gesunden wuͤrde, zum Ermessen, wo und wie eigentlich refor- mirt werden sollte. Damit nun aber diese Grund- saͤtze dazu wirklich hinreichend erscheinen, muͤssen sie noch ausfuͤhrlicher auseinander gesetzt und noch ausgebreiteter angewendet werden. Fuͤr diesen Zweck aber muͤssen wir abermals zu ersten Grund- saͤtzen zuruͤckgehen und uns uͤber diese vereinigen. Erster Grundsatz . Der Endzweck des mensch- lichen Daseyns ist uͤberhaupt gar nicht in die- ser gegenwaͤrtigen Welt. Dieses erste Le- ben ist nur Vorbereitung und Keim eines hoͤheren Daseyns , dessen Gewiß- heit wir innigst fuͤhlen, ohnerachtet wir uͤber die Beschaffenheit und Art und Weise dessel- ben nichts zu denken vermoͤgen. Zweiter Grundsatz . Die Zwecke, die uns fuͤr das gegenwaͤrtige Leben gesetzt sind, so wie dieses gegenwaͤrtige Leben selbst, erhalten fuͤr uns nur dadurch Werth und Bedeutung, daß die erstern uns geboten sind, und daß allein in dem letztern diese Zwecke ausgefuͤhrt wer- den koͤnnen. Alles unser moͤgliches Handeln stellt stellt sich uns nur vor, und kann sich uns nur vorstellen, als eine Befoͤrderung jener hoͤchsten Zwecke des gegenwaͤrtigen Le- bens . Eine unmittelbare Arbeit und Vorbereitung fuͤr die Ewigkeit giebt es nicht, sondern man vorbereitet sich fuͤr dieselbe, und ergreift sie schon hienieden nur dadurch, daß man mit redlichstem Willen die gebo- tenen Zwecke des gegenwaͤrtigen Le- bens befoͤrdert . Wir haben es also zunaͤchst und unmittelbar nur mit dem gegenwaͤrtigen Leben zu thun; der ange- gebne Zweck desselben ist der einzig begreif- liche ; er muß von dem guten und weisen Manne mit deutlichem Bewustseyn befoͤrdert werden. Wir wollen ihn auf folgende drei Hauptpunkte zuruͤck- fuͤhren, und ihn so bestimmter beschreiben und auseinander setzen: Erstens: Die ganze Menschheit soll eine einzige reinmoralische und glaͤubige Gemeine ausmachen. Dies ist der Zweck der Kirche , versteht sich, der Kirche in der Idee, die als sichtbare Kirche noch irgend vorhanden ist. Zu diesem Zwecke verhaͤlt sich alle Aus- bildung des Geistes wie Mittel . Zweitens. Die ganze Menschheit soll einen einzigen durchaus rechtlichen Staat ausmachen ; das Verhaͤltniß der einzelnen Menschen zu einander in den Staa- ten, das Verhaͤltniß dieser Staaten zu einan- der auf dem Erdboden, soll durchaus nach Zweites Baͤndch B dem ewigen Rechtsgesetze der Vernunft geord- net seyn; dieß ist der Zweck aller Gesetzge- bung in den einzelnen Staaten und aller Buͤndnisse und Traktaten der Voͤlker unter- einander. — Hierzu verhaͤlt sich ein gut Theil der Wissenschaften , wenn man nicht lediglich auf die dadurch zu erhaltende Geistesbildung sieht, (wie dieß oben in ande- rer Beziehung geschah) sondern auf ihren wirklichen Inhalt , wie das Mittel zum Zwecke. Drittens endlich: Das vernuͤnftige We- sen soll durchaus uͤber die vernunft- lose Natur herrschen und der todte Mechanismus dem Gebote eines Wil- lens unterworfen werden . Welchen Zweck nur irgend ein vernuͤnftiges Wesen, durch seine Natur geleitet, sich vorsetzen kann, der soll in der leblosen Natur außer ihm aus- fuͤhrbar seyn, und die Natur soll sich dem vernuͤnftigen Willen fuͤgen. — Hierzu ist die mechanische Kunst und ein guter Theil der Wissenschaften , ihrem Inhalte nach, das Mittel. Laß uns nun diese Hauptideen auf unsern Zweck naͤher anwenden. Die Befoͤrderung dieser Zwecke, oder besser, dieses Einen Gesammtzweckes der Menschheit, ist es nun, welche in der groͤßeren menschlichen Ge- sellschaft unter mehrere einzelne Staͤnde vertheilt wird, so daß die Mitglieder dieser Staͤnde sich ausschließend, wenigstens vorzuͤglich, nur fuͤr ihren Stand und spaͤter durch ihren Stand bilden. Du siehst, daß es eine nothwen- dige Folge dieser Einrichtung ist, daß die Standes- Mitglieder in der Regel nur einen Theil der menschlichen Bildung , keinesweges aber die ganze, erhalten, und mehr oder weniger Einseitig- keit des Geistes und der Bildung das Loos der Einzelnen sey. Nach dieser nothwendigen Einrich- tung und unter diesen Umstaͤnden, wird man schwerlich irgendwo einen ganzen, rechten Menschen finden; man muͤßte sich einen solchen aus mehreren Personen verschiedener und entgegen- gesetzter Staͤnde zusammensetzen; in einer einzigen Person duͤrfte man ihn, auf dem großen Felde der allgemeinen menschlichen Gesellschaft und ihrer gewoͤhnlichen Bildungsanstalten, kaum finden. Nun- kommt es darauf an, diese einseitige Standesbildung auf einen Platz zu bringen, und zu einer allgemeinen und reinmenschlichen umzu- schmelzen, gleichsam (daß ich in dem so eben auf- gestellten Bilde bleibe) die erwaͤhnte Zusam- mensetzung eines ganzen, rechten Men- schen aus mehreren Personen , von denen jede etwas anderes hat, das zu einem ganzen Menschen gehoͤrt, wirklich zu machen , und zwar nicht bloß in Gedanken, sondern so, daß, nach geschehener Verschmelzung, jeder Einzelne fuͤr sich, so sehr als moͤglich, jener ganze rechte Mensch in der That sey . Diese Auf- gabe ist nirgends in der großen Gesellschaft geloͤßt; B 2 dieß, zeigte ich Dir, sey der einzigmoͤgliche und erlaubte Zweck einer aus allen Staͤnden und allen gebildeten Voͤlkerschaften, durch Absonderung von der groͤßeren Gesellschaft entstandenen kleineren Gesellschaft, welche sich nun eben Frei-Maurerei nennt. Wir machen daraus ferner die wichtige und ganz einleuchtende Folgerung: daß jeder Gegenstand der menschlichen Bildung , die in Gesellschaft erreicht werden kann, jedoch auf eine andre Weise, als in der groͤßeren Gesellschaft, zugleich Gegenstand der maurerischen Bildung ist , und daß es gut und nothwendig ist, daß der Mau- rer den groͤßtmoͤglichsten Theil der Bildung, es sei durch Wissenschaften, durch Kunst, durch Geschaͤfte und Erfahrung, sich zu eigen gemacht habe. Nur alles Einseitige , nehmlich, was in der groͤßeren Gesellschaft durch die Absonderung eines Zweiges der Bildung von der ganzen Masse der Bildung, auf diesen einzelnen Zweig faͤllt und von ihm abhaͤngt, ferner, alles Zufaͤllige , das durch Bedingungen des Zeitalters und des Orts sich in einem Fache dieser Bildung festgesetzt hat — das alles wird in der Maurerei davon getrennt, und bleibt bei der Verschmelzung als Caput mortuum zuruͤck. So ist, um nur ein Beispiel anzufuͤhren, religioͤse Bildung allerdings ein Theil der maurerischen Erziehung; aber die Religion des Maurers ist ganz etwas anders, als die irgend einer bestehenden Kirche oder wohl gar einer besonderen Sekte, oder wohl gar der seicht- philosophirenden und unredlich exegesirenden Dei- sten und Bibelaufklaͤrer. Neunter Brief . E he wir jetzt aber einen Schritt weiter thun, muß ich zuvor eine wichtige Wahrheit abhandeln, und einem gemeinen Vorurtheile widersprechen, dessen Anwesenheit in Deiner Seele den Eindruck dessen, was ich Dir noch zu sagen habe, maͤchtig stoͤren wuͤrde. Sollte Dir diese Wahrheit nicht hieher zu gehoͤren, und in die Reihe der bisher aufgestellten zu passen scheinen: so warte den fol- genden Satz ab, und Du wirst finden, wie genau sie ihn vorbereitet und einleitet. Ich stelle meinen Satz mit klaren Worten hin: Alle willkuͤhrliche Bildung in der Ge- sellschaft geht aus von Bildung des Verstandes . Es ist zwar (so begegne ich gleich im Anfange dem moͤglichen Einwurfe) bei weitem nicht genung die Wahrheit zu erkennen ; man muß auch den kraͤftigen Willen haben, ihr zu gehorchen; und dieser Willens-Entschluß geht aus der bloßen Er- kenntniß keinesweges hervor und keiner kann ihn weder sich, noch andern durch Gruͤnde andemon- striren; er ist etwas anderes, von der bloßen Einsicht ganz Unabhaͤngiges , und es ist keine Konsequenz in den Worten: Er muß dies einsehen, er muß es also auch wollen. Aber selbst der beste Wille, wenn ein solcher bei großer Verfinsterung des Verstandes moͤglich waͤre, wuͤrde von keinem Nutzen seyn und von keinem Werthe, wenn man gar nicht begreifen koͤnnte, was man denn nun mit seinem guten Willen, wollen sollte . — Diejenigen also, die dem unwillkommenen Belehrer, der ihnen Unterricht entgegen traͤgt, zurufen: „Nichts von Wissen! Das mag fuͤr die Schule gehoͤren. Thun, thun — das ist die Sache!“ wissen ohne Zweifel, um aufs gelindeste uͤber sie zu urtheilen, nicht, was sie reden. Thun, ist freilich die Sache, die Vollendung der Sache ! aber, wie wollt ihr doch thun, ohne weitlaͤuftig zu untersuchen, und zu erkennen, was ihr thut? Wollt ihr blind handeln, wie das Thier? — Das ist wahrlich nicht die Sache! — Wer so spraͤche und alles Erkennen, um des Thuns willen, von sich wiese, der erschiene mir, wie ein Blinder, der dem Arzte, welcher ihm das Gesicht wieder zu geben verspricht, entgegenriefe: „Was hilft mir doch das bloße Sehen, dieser Blick, wel- chen allein Du mir geben koͤnntest! Dadurch wird meine Erkenntniß um nichts bereichert. Die Au- gen auf einen Gegenstand heften, sie auf ihm ruhen lassen, ihn anschauen und durchschauen und anhaltend betrachten — darauf kommt es an, das ist die Sache!“ — Thoͤrichter! freilich ist dies die Sache. Wirst Du denn Deinen wieder- eroͤfneten Blick stumm und truͤbe in die Gegen- staͤnde hinwerfen, wie ein Stier, und die Gestal- ten in einanderfließend vor demselben vorbei wan- ken lassen? So wirst Du freilich mit Deinem Blick nichts erblicken. Nur erwartest Du dieses Richten und Heften und Verweilen Deines Blickes vergebens von irgend einem Arzte oder irgend einer Augensalbe; dieß mußt Du von Dir selbst, von Deiner eignen Kraft nehmen. Aber Du kannst keinen Blick richten und heften, wenn Du nicht erst einen Blick hast , und diesen will ich Dir vorlaͤufig geben. Der rechte Gebrauch desselben wird dann Deine Sache seyn . Du siehst, das Wollen ist nicht um des Erken- nens willen, sondern das Erkennen, um des Wol- lens willen. Was soll man also denen sagen, die, wenn sie bemerken, daß jemand uͤberall auf deutliche Erkennt- niß hinarbeitet, ihm zurufen: Aber der Mensch ist ja nicht blos und allein Verstand ! — Freilich ist er nicht allein das; er ist fuͤr sich selbst, — fuͤr sich selbst sage ich, auch Wille ; aber keiner kann unmittelbar auf den Willen des andern ein- wirken, nicht gleichsam in ihn hineinwollen , oder seinen Willen anregen und bewegen. Dieser kommt immer und allein von Innen heraus, nimmer von außen hinein. Ich fuͤr meine Person kenne nur zwei Arten von Einwirkung auf den Menschen. Die erste und bei weitem wichtigste ist, durch Belehrung . Nun macht aber Wissen noch nicht Thun; dazu muß jeder sich selbst durch sich selbst ent- schließen . Um ihn auch dazu zu bringen, bleibt uns nichts uͤbrig, als (das zweite Mittel) das gute Beispiel , wodurch man ihm theils die Ausfuͤhrbarkeit der Vorschrift, theils die Liebens- wuͤrdigkeit der Ausfuͤhrung zeige. Ich fuͤr meine Person, wiederhohle ich, kenne nur diese zwei Arten. Doch, ich erinnere mich, Du kennst noch eine dritte, die Du vertheidigst; Du willst auch noch durch Ruͤhrung und Erschuͤt- terung, durch das, was Du Herz nennst, und durch die Phantasie, die Menschen bessern; eine Meinung, der alle oͤffentliche Redner zugethan sind. — Glaube mir, Konstant! so gewiß nur daurende Verbesserung des Willens Bes- serung genannt zu werden verdient: so gewiß ist durch die angegebnen Mittel nichts auszurich- ten, ja der haͤufige Gebrauch derselben ist sogar schaͤdlich. Dadurch, daß einer erweicht wird, und eine Fluth von Thraͤnen vergießt, oder in erhab- nen Gefuͤhlen berauscht wird, kann er zwar wohl zu einer voruͤbergehenden guten That gebracht, von einer Unthat abgehalten werden: aber wenn der geistige Rausch voruͤber ist, ist er wiederum der vorige Mensch und wir haben nichts, als die aͤußere That gewonnen, auf welche es uns nie ankommen muß, wenn wir den wahren Zweck beabsichtigen. Wohl aber kann es sehr leicht ge- schehen, daß jemand, der oft und leicht weint, meinet, er sei darum ein guter Mensch, und die Selbstpruͤfung und Selbstbearbeitung unterlaͤßt, welche allein ihn noch haͤtte retten koͤnnen. So also, wie bei jeder Bildungsanstalt der Unterricht das Wesentlichste ist, so ist er es auch in der Maurerei. Nach diesen Voraussetzungen werde ich sonach in den folgenden Briefen damit fortfahren, die oben aufgestellten Gegenstaͤnde der maurerischen Bildung auf den Unterricht zu bezie- hen und die Frage beantworten: Wenn es sich verhaͤlt, wie ich oben gesagt habe, was ist zu Folge dessen, Gegenstand des maurerischen Unterrichts, und wie und wodurch, durch welchen wesentlichen Charakter, wird dieser Unterricht maurerisch ? Zehnter Brief . A ls den Gesammt-Zweck der Menschheit gab ich Dir an, sie solle eine einzige reinmoralische Kirche, einen durchaus rechtlichen Staat ausmachen, und die vernunftlose Natur dem Gebote eines Willens unterwerfen. Ich bleibe nun bei dem ersten Theile dieses Zwecks, der Bildung zu reiner Sitt- lichkeit und zu Religiositaͤt stehen und be- ginne mit einer von der gewoͤhnlichen ganz abwei- chenden Behauptung, der: daß es keine maure- rische Erziehung und Bildung zur Mora- litaͤt giebt . Noch mehr, es giebt uͤberhaupt nirgends eine solche Erziehung und kann keine geben; und es ist ohne Zweifel einer der verderb- lichsten Zuͤge an unserm Zeitalter, daß man dies noch glaubt, indem man dadurch offenbar zeigt, daß man die wahre Sittlichkeit noch gar nicht kenne und mit derselben Artigkeit, Gesetzmaͤßigkeit und dergl. verwechsele, fuͤr welche es allerdings eine Erziehung giebt. Sittlichkeit (man spricht oft von reiner Sitt- lichkeit, wo man Sittlichkeit schlechthin sagen sollte, denn es giebt keine unreine Sittlichkeit und was unrein ist, ist eben darum nicht sittlich) Sittlich- keit also ists, daß man mit absoluter innrer Frei- heit, ohne allen aͤußeren Antrieb, seine wohlerkannte Schuldigkeit thue, schlechthin darum, weil es Schul- digkeit ist. Diesen Entschluß kann der Mensch nur aus sich selbst nehmen, er kann nicht gelehrt und andemonstrirt, noch weniger erfleht, erweint oder erzwungen werden. Diese im Innern wohnende Sittlichkeit, ist uͤberall nur Eins , der eben angegebne gute Wille, ein Positives, das keiner Vermehrung oder Ver- minderung, keines Wechsels und keiner Veraͤnde- rung durch die Umstaͤnde faͤhig ist; es kann also, wie man zuweilen meint, keine besondre maure- rische Sittlichkeit geben. — Die einzige wahre Sittlichkeit ist es, die ich meinte, als ich in einem der vorigen Briefe schrieb, daß es Gegen- staͤnde gaͤbe, die, da sie uͤberall kein Gegenstand der gesellschaftlichen Bildung waͤren, auch kein Ge- genstand der maurerischen Bildung seyn koͤnnten; uͤber welche jeder nur mit sich selbst und Gott, keinesweges aber mit irgend einem andern ins Gericht gehen koͤnne, und in Ruͤcksicht welcher sogar die Maurerei eine Profanation seyn wuͤrde. — Besondre Pflichten giebt es allerdings, die die Maurerei ihren Mitgliedern auflegt, und die sie nicht haben wuͤrden, ohne Mitglieder dieser Ge- sellschaft zu seyn; ob man aber selbst diese Pflich- ten aus reiner Liebe zur Pflicht, oder aus andern Gruͤnden beobachte, das macht der Mensch mit sich aus, und nicht der Maurer. Ob es also gleich keine besondre maurerische Sittlichkeit giebt, so giebt es doch eine besondre maurerische Religion, oder — um alle Mißver- staͤndnisse aufzuheben, — eine besondre maureri- sche Ansicht der Religion und eben deswegen auch eine maurerische Bildung zur Religion ; es versteht sich zur moralischen, nicht zur kirchlichen Religion, mit welcher es die Maurerei uͤberall nicht zu thun hat. Wir wollen dieses naͤher betrachten. Die Maurerei hat, ihrer von uns angegebnen Bestimmung nach, von jedem einzelnen Zweige der menschlichen Bildung das Zufaͤllige, welches Zeit- und Ort-Bedingungen demselben angehaͤngt haben, ferner das Einseitige und Uebertriebne, welches durch die Trennung dieses Einen Zweiges vom ganzen Stamme der Bildung entstehen mußte, abzusondern, und alles Menschliche in seiner Rein- heit und nach seinem Zusammenhange im Ganzen hinzustellen. Dieß ist uns ihr Charakter, den sie auch in dem gegebenen Falle bewaͤhren muß. Nun hat die religioͤse Bildung in der groͤßeren Gesellschaft allerdings eine Menge zufaͤlliges und Einseitiges angenommen, und wenn es irgend noͤ- thig ist, daß die Einfluͤsse dieser Bildungsweise wieder gehoben werden, so muß es auf dem mau- rerischen Wege geschehen. — Die religioͤsen An- sichten der Voͤlker haben sich, wie es ja nicht an- ders seyn kann, angefuͤgt an ihre Sitten und Ge- braͤuche, an ihre Ansichten des menschlichen Lebens, an ihre Wissenschaften und Kuͤnste; und sie haben daruͤber alle eines so Recht, als das andre. Die Gottheit ist allerdings ihnen insgesamt erschienen, und hat sich unter ihnen maͤchtig offenbaret: dem Juden, bei seiner wunderbaren Rettung aus der Knechtschaft Aegyptens, dem Roͤmer, bei der Gruͤn- dung seines ewigen Kapitols, den Arabern, als Ein Mann aus ihrer Mitte die zerstreuten Hor- den vereinigte, und ein ungeheures Reich, wie aus dem Nichts, hervorgehen hieß. — Nur, wenn sie mit einander streiten, der eine die Geschichte des andern laͤugnet und seine eigne ihm, als die allein wahre, aufdringen will, fangen sie an, Un- recht zu haben. Jeder Mensch, der in der Gesellschaft geboren wird, wird nothwendig in einem Theile derselben, unter irgend einer Nation geboren, und erhaͤlt, nebst den uͤbrigen stehenden Erzeugnissen dieser Nation, zugleich diese aͤußere, nationale Form des Religioͤsen. Die Theologen aller Nationen haben sich uͤberdieß von jeher bestrebt, den Geist ihres Standes zum gemein menschlichen zu erheben; und es ist ihnen damit nur zu sehr gelungen. Diese ganz zufaͤllige Form, die nicht reinmenschlich, sondern ein Abzeichen der Menschen ist, soll der vollkommen Gebildete allgemach ablegen; er soll nicht ein Jude seyn, oder ein unbeschnittener Ju- dengenosse, oder ein Roͤmer, oder ein Araber, der da Religion hat, sondern er soll ein Mensch schlechtweg werden, der da Religion hat . Die religioͤse Ansicht in der groͤßeren Gesell- schaft hat dadurch, daß sie von der uͤbrigen mensch- lichen Bildung getrennt, und einer besonderen Ver- bindung, der sichtbaren Kirche, uͤbergeben werden mußte, eine unverkennbare Einseitigkeit erhalten. Dem Manne, der nichts zu thun hat, und nichts weiter thun soll, als andre zur Religioͤsitaͤt anzu- fuͤhren, ist die Religion, die er nehmlich an- dern beibringen soll , allerdings Zweck, und einziger Zweck seines Lebens. Er erkennt sie dafuͤr, und hat daran ganz recht. Ohne den reinmensch- lichen Sinn wird er leicht in Versuchung gerathen, alles um sich herum zu seines gleichen machen zu wollen, und allen die Religion — welches hier nicht bei ihm diejenige bedeutet, die sie andern beibringen , sondern vielmehr diejenige, welche sie selbst haben sollen, — diese Religion auch zum Zweck und einigem Geschaͤfte des Lebens zu machen. Er wird leicht dahin gerathen, daß er die ihm Anvertrauten ermahne, sich doch hinzu- setzen, recht fromm zu werden, und aus freier Hand nach dem Ewigen zu trachten. Man wird ihm glauben und gehorchen und — es ist das mildeste, was ich sagen kann — wird eine sehr einseitige Religiositaͤt haben. So nicht der wahre Maurer. Ihm erscheint dieses Ringen nach fuͤr sich bestehender Gottseelig- keit ganz aͤhnlich dem Bestreben eines Menschen, der zu schwimmen und zierlich zu schwimmen trach- tet, ohne in das Wasser zu gehen. Er kennt kein Trachten nach dem Ewigen, außer der gewissenhaften Befoͤrderung des Zeit- lichen, aus reiner Liebe zur Pflicht ; ihn wandelt es nicht an, nach dem himmlischen Kleinode zu zielen, das er nicht erblicken kann; er zielt nur nach dem ihm aufgesteckten irrdischen Ziel, in der festen Zuversicht, daß das himmlische dahinter verborgen ist, und daß es ihm ohne sein weiteres Zuthun kommen wird, wenn er nur das Irrdische erreicht hat . Ihm ist die Religiositaͤt gar nichts Isolirtes und fuͤr sich bestehendes , so, daß man in der Frommigkeit sehr stark, im Uebrigen aber sehr schwach und sehr zuruͤck, und ein schlechter Mensch seyn koͤnne. Er ist nicht religioͤs, sondern er denkt und handelt religioͤs; die Religion ist ihm kein Gegenstand, sondern nur der Aether, in welchem ihm alle Gegenstaͤnde erschei- nen . Er setzt seine ganze Kraft ganz an jede Arbeit, die ihm hienieden vor die Hand kommt, und der Beobachter duͤrste denken, daß es ihm um nichts zu thun sey, als um Erreichung dieses Zwecks, und daß dieser sein ganzes Wesen und alle seine Triebe ausfuͤlle. Aber in der That ist es ihm um das bloße Seyn dieses Zwecks gar nicht zu thun, und derselbe hat fuͤr und durch sich selbst und um sein selbst willen, fuͤr ihn nicht den mindesten Werth. Nur das ihm unsichtbare und unbegreifliche Ewige, das hinter die- ser Huͤlle des Irrdischen verborgen ist, strebt er an ; und nur um dieses Verborgenen willen hat das, was der Beobachter sieht, fuͤr ihn eine Bedeutung. Sein Sinn ist immer in der Ewigkeit, seine Kraͤfte sind immer bei Euch . Aber nur mit dem Sinne, eingebilde- ter Weise im Himmel zu leben und die Kraͤfte auf Erden indeß ruhen zu lassen, faͤllt ihm nicht ein; denn es giebt keinen Sinn, ohne thaͤtige Kraft, die etwas zu ersinnen hergiebt. Eilfter Brief . W ohl wuͤnschte ich, Du haͤttest Dir die Ausdruͤcke: Wirksamkeit und Nutzbarkeit der Religion oder Religiositaͤt, selbst in einer zweifelnden Frage, nicht entwischen lassen. Weder zur Erhaltung der buͤr- gerlichen Ordnung, noch zur Beruhigung und zum Troste kann die Religion gebraucht werden, weil sie gar keinen Gebrauch hat. Der besondere Stand, dem die religioͤse Erzie- hung der groͤßeren Gesellschaft anvertraut ist, der uͤberdieß die Wirksamkeit seines Amtes nicht sieht, und nicht sehen kann, weil sie in der That, wenn sie auf das wahre Ziel geht, unsichtbar bleiben muß, kann leicht in die Versuchung gerathen, nach Nutzbarkeit zu trachten, und seinem Amte eine sichtbarere, greifliche Wirksamkeit, seinem Geschaͤfte einen gesellschaftlichen und buͤrgerlichen Einfluß zu verschaffen. Wer von diesen Standesgenossen so denkt, wird zu dem gewoͤhnlichen Mittel greifen, die Menschen durch Furcht vor uͤberirrdischen Strafen und durch Hoffnung eines ewigen Lohns zur Moralitaͤt zu bringen versuchen, und dies Re- ligion nennen. Der Arme! er weiß nicht, daß dasjenige, was er durch Furcht und Lohnbegierde hervorbringt, schlechterdings gar nicht Moralitaͤt, sondern nur aͤußere Ehrbarkeit und Gesetzmaͤßig- keit ist, und daß er, soviel in seinen Kraͤften steht, dazu beitraͤgt, diejenigen, auf die er wirkt, fuͤr Moralitaͤt sowohl, als fuͤr Religion auf immer zu ertoͤdten. So nicht der Maurer. Er weiß, daß in der groͤßeren Gesellschaft, dort, wo nun einmal keine Sittlichkeit ist, wenigstens die aͤußere Gesetzmaͤßig- keit erzwungen werden muͤsse, er weiß, daß es ein unwahres und uͤberdies ein hoͤchst gefaͤhrliches Vor- geben ist, diese Gesetzmaͤßigkeit fuͤr Vorbereitung zur Sittlichkeit zu halten, daß sie nur daseyn und mit aller Kraft aufrecht erhalten werden muͤsse, damit die menschliche Gesellschaft beste- hen koͤnne . Aber nie wird er sich zu diesem Zweck hergeben, denn er weiß wieder, daß dazu der der Staat schon Gefaͤngnisse angelegt hat, und Zuchthaͤuser und andre bekannte Anstalten; und er ist weit entfernt, zu wuͤnschen, daß das Hei- ligste, was die Menschheit hat, die Reli- gion , zum Stellvertreter der ermangelnden Scher- gen herabgewuͤrdigt werde. Was den Maurer selbst und die maurerische Gesellschaft anbelangt, so versteht es sich von selbst, daß derjenige, der noch der Zucht durch Lohn und Strafe bedarf, um ein ehrlicher Mann zu bleiben, in diese Gesellschaft gar nicht gehoͤrt, indem er, weit entfernt, einer Nachbesserung seiner fuͤr die Gesellschaft erhaltenen Bildung zu beduͤrfen, diese Bildung selbst kaum erhalten hat; daß sonach auf einen solchen in den maurerischen Einrichtungen gar nicht zu rechnen ist. Der Maurer muß aus Pflichtgefuͤhl, oder aufs allerwenigste aus Ehrgefuͤhl das Gute thun und das Laster meiden, wenn er auch (obgleich dies nicht moͤglich ist) von Gott und Religion nicht das geringste wuͤßte oder glaubte; und dieses nicht als Maurer, sondern als Mensch , der der Mau- rerei, wie wir sie uns denken, auch nur faͤhig sey. — Als Antrieb zur Tugend kann also der Maurer die Religion nicht betrachten oder gebrau- chen wollen; waͤre es auch nur aus dem einzigen, schon oben angefuͤhrten Grunde, weil sie dieß gar nicht seyn kann, da alles Untugend ist, was sich auf einen aͤußeren Antrieb gruͤndet. Unschaͤdlich koͤnnte (nach Deinem Ausdruck) die Religion gebraucht werden zur Beruhigung Zweites Baͤndch. C des Geistes und Herzens , zur Beruhigung beim Anblick des scheinbaren Widerspruchs zwischen dem Pflichtgesetze und dem Weltlaufe. Aber auch dazu wird sie von dem vollendeten Maurer nicht gebraucht, indem er einer solchen Beruhigung gar nicht bedarf. Allerdings wird jeder durch Erblickung jenes Widerspruchs erst zur Religion gefuͤhrt. Es ist mir durch mein Innerstes ein Zweck, jener letzte irrdische Zweck der Menschheit aufgestellt; es sind mir Handlungen, Arbeiten, Aufopferungen fuͤr diesen Zweck aufgegeben. Ich kann dieser Stimme in meinem Herzen den Gehorsam nicht verwei- gern. Aber wenn ich auf den Gang der Bege- heiten und Schicksale der Welt merke, so scheint alle meine Arbeit fuͤr diesen Zweck verloren, so scheint sie sogar ihm zuweilen hinderlich zu seyn. Alles scheint durch eine unsichtbare und blinde Kraft, ganz ohne Ruͤcksicht auf meine Arbeit, so gut oder so schlimm geleitet zu werden, als es eben geht. — Diese Betrachtung, Konstant! die sich dem gewissenhaften, aber kalt beobachtenden Manne bald aufdringt, sie ist es, die den Men- schen zur Religion fuͤhrt, und ihm, statt des irrdischen Zwecks, an dem er verzweifelt, ohnerachtet er nicht aufgiebt, fuͤr ihn zu arbeiten, einen unsichtbaren und ewigen aufstellt . Also Beduͤrfniß ist es vielleicht, das ihn zur Religion fuͤhrt ; aber der vollendet aus- gebildete Mensch, unter dem ich mir nun einmal den Maurer denken will, bleibt nicht auf dieser Stufe stehen. Nun hat er Religion , sie ist ein Bestandtheil seiner selbst geworden; er bedarf sie nicht mehr, eben darum, weil er sie hat. Das Pflichtgesetz und der Weltlauf widersprechen sich nicht mehr, weil er nun eine hoͤhere Welt kennt, von der die hiesige nur die ihn uͤbende Erschei- nung abgiebt. Der Zweifel, der ihn zum Glau- ben trieb, ist ihm nun auf immer geloͤst. Dadurch erhaͤlt nun eben seine Religion den Charakter, den ich oben von ihr angegeben habe, daß sie ihm gar nicht mehr Gegenstand seines Wirkens , sondern, daß ich mich so ausdruͤcke, Gliedmaaß ist und Werkzeug alles seines Wirkens . Sie ist ihm nicht etwas, das er sich noch macht, daran er sich erinnerte und ermahnte, sondern dasjenige, wodurch er, seiner selbst unbewußt, alles andre macht. Sie ist das Auge seines Lebens, das er , wo er sich selbst uͤberlassen ist, und wenn es ihm nicht durch einen Spiegel der kuͤnstlichen Reflexion zu- ruͤckgeworfen wird, das er nicht sieht, wodurch er aber alles andre sieht, was er sieht . Und nun glaube ich alles erschoͤpft zu haben, was nach maurerischer Ansicht, den ersten Theil vom Gesammtzweck der ganzen Menschheit betrifft. Ich bin am weitlaͤuftigsten dabei gewesen, weil es dem Folgenden zur Erlaͤuterung dient, und weil ich Dir an diesem wichtigen Theile ein ausfuͤhrlicheres Beispiel der maurerischen Lehre und Ansicht geben C 2 wollte. Ich werde nun in den einzelnen Sendun- gen, die Dir noch von mir zukommen, mich kuͤr- zer fassen. Zwoͤlfter Brief . D er zweite Hauptpunkt im Gesammtzwecke der Menschheit bezieht sich, nach meinem achten Briefe, auf die Hervorbringung einer durchaus rechtli- chen Verfassung unter den Menschen, der Buͤrger im Staate und der Staaten zu einander, damit die ganze Menschheit endlich einen einzigen, nur nach dem ewigen Rechtsgesetze der Vernunft geordneten und regierten Staat ausmache. Es kommt jetzt nur darauf an, die Gesinnung und Denkart des aͤchten Maurers anzugeben, durch die er zu Hervorbringung dieses Hauptzweckes der Menschheit mitwirkt. Ich kann dies kurz und bestimmt in folgendem thun: Wie sich in seinen Augen verhaͤlt der irrdische Zweck zu dem ewigen, eben so verhaͤlt sich fuͤr ihn der gegenwaͤrtige, naͤchste Zweck des Staats , in welchem er lebt, zu dem irrdischen Zwecke der gesammten Menschheit . — Wie alles Irrdische ihm nur das Ewige bedeutet und nur durch dieses Ewige, fuͤr dessen Huͤlle er es aner- kennt, Werth fuͤr ihn erhaͤlt; so bedeuten ihm alle Gesetze und Verordnungen seines Staats und alle Begebenheiten seiner Zeit, nur das ganze Men- schengeschlecht, und beziehen fuͤr ihn sich nur auf das ganze Menschengeschlecht, und haben nur in dieser Ruͤcksicht Werth und Bedeutung. Nur glaube ja nicht, daß dadurch der vollkom- men gebildete Mann seinem Staate entzogen, und einen, traͤgen, kalten Kosmopolitismus hingegeben werde. Er wird im Gegentheil durch diesen Sinn der vollkommenste und brauchbarste Staatsbuͤr- ger. — Eben so nehmlich, wie er, in Absicht der Religion, ohnerachtet sein Sinn ganz bei dem Ewigen ist, dennoch seine ganze Kraft dem Irrdi- dischen weiht: eben so ist in Absicht der Rechtlich- keit seine ganze Kraft, seinem Staate, seiner Stadt, seinem Amte, dem bestimmten Fleckchen der Erde, in dem er nun grade lebt, gewidmet, ohnerachtet sein Sinn auf das Ganze geht. In seinem Gemuͤthe ist Vaterlandsliebe und Welt- buͤrgersinn innigst vereinigt , und zwar stehen beide in einem bestimmten Verhaͤltniß. Vaterlandsliebe ist seine That, Welt- buͤrgersinn ist sein Gedanke; die erstere die Erscheinung, der zweite der innere Geist dieser Erscheinung , das Unsichtbare in dem Sichtbaren. Denn eben so, Konstant! wie eine Religion, die fuͤr sich bestehen will, nichtig ist und verkehrt, und sogar laͤcherlich: eben so ist ein Kosmopolitis- mus, der fuͤr sich bestehen will und den Patriotis- mus ausschließt, verkehrt und nichtig und thoͤricht. „Das Einzelne ist nichts, sagt dieser Kosmopolit, ich denke, sorge und lebe nur fuͤr das Ganze; mit diesem soll es besser werden, uͤber dieses soll sich Ordnung und Friede verbreiten.“ Gut! aber sage mir nur, wie Du diesem Ganzen, mit den wohl- thaͤtigen Gesinnungen, die Du gegen dasselbe zu hegen versicherst, beizukommen gedenkst ; ob Du ihm denn so im Allgemeinen und gleichsam in Pausch und Bogen wohlthun willst? Ist denn das Ganze etwas anders, als die einzelnen Theile, in Gedanken vereinigt? Kann es denn auf irgend eine Weise im Ganzen besser werden, wenn es nicht an irgend einem einzelnen Theile besser zu werden anfaͤngt? Werde daher nur zufoͤrderst Du selbst besser und dann suche Deine beiden Nach- baren rechts und links auch besser zu machen; ich denke, das Ganze ist nun allerdings besser ge- worden, weil es Einen oder Zwei oder Drei Ein- zelne hat, die da besser geworden sind. Dieß erkennt der Maurer; und darum aͤußert sich sein Kosmopolitismus durch die kraͤftigste Wirksamkeit fuͤr den bestimmten Platz, auf dem er steht. — Wie auch die buͤrgerlichen Gesetze beschaffen seyn moͤgen, unter denen er steht, und so tief er auch die Mangelhaftigkeit derselben ein- sehen mag, — er gehorcht ihnen, als ob es Aus- spruͤche der reinen Vernunft selbst waͤren; denn er weiß, daß mangelhafte Gesetze und Verfassung besser sind, als gar keine, daß mangelhafte Gesetze die Vorbereitung sind zu besseren, und daß kein Einzelner von ihnen etwas aͤndern oder aufheben darf, ohne die Beistimmung Aller, daß aber durch bloßen stillschweigenden Ungehorsam schlechthin kei- ner sie aufheben darf. Nur wenn die Auftraͤge, die ihm sein Staat giebt, gradezu und unbestreitbar rechtswidrig sind, dann versteht es sich ohne wei- teres, daß er ihre Ausfuͤhrung nicht uͤbernimmt und ob er daruͤber zu Grunde gehen sollte; und dieses zwar nicht einmal als Maurer, sondern als bloßer rechtschaffener Mann. Diesen einzigen Fall abgerechnet, welches auch die Auftraͤge und Zwecke des Staats seyn, so weit sie auch hinter dem weit Besseren zuruͤck seyn moͤgen, welches seiner Einsicht nach geschehen sollte: er fuͤhrt sie aus mit einer Sorgfalt und einer Kraftanwendung, als ob er nichts anders zu thun haͤtte. Denn er hat nun einmal nichts anzuordnen, sondern nur zu gehor- chen, und er weiß, daß im Gange des Ganzen auf seinen Gehorsam gerechnet ist. Nur allein darinn ist er von denen, die aus Furcht oder Vortheil oder Gewohnheit gehorchen, verschieden, daß er alles thut, lediglich fuͤr das Weltganze und um des Weltganzen willen. Was den dritten Theil des Gesammtzwecks der Menschheit anbelangt, den, daß die ver- nunftlose Natur dem vernuͤnftigen Wil- len durchaus unterworfen werde , und das vernuͤnftige Wesen uͤber den todten Mechanismus herrsche, so gehoͤrt es wesentlich zu seiner Denkart, daß er dieses wisse, daß er darinn den Zweck der Menschheit anerkenne, und daß er deshalb jedes menschliche Geschaͤft, so geringfuͤgig es auch seyn mag, von dieser Seite ansehe und wuͤrdige. Die Bekanntschaft mit diesem Zwecke und die Achtung fuͤr denselben, dient ihm dazu, daß er die Men- schen nicht nach dem großen oder kleinen Platze, den sie zufaͤllig bekleiden, sondern nach der Treue schaͤtze, mit welcher sie ihn verwalten. Die nie- drigste mechanische Arbeit, aus diesem Gesichts- punkte angesehen, gleicht der hoͤchsten geistigen; denn die erste, wie die letzte bringt die Vernunft- herrschaft weiter und erweitert ihr erobertes Reich. Ein Landbauer oder Handwerksmann, der, um seiner Pflicht und um des Ganzen willen, sein Werk mit wahrer Anhaͤnglichkeit und Aufmerk- samkeit treibt, und dem es gelingt, hat in dem Auge der Vernunft seinen Rang uͤber den unfaͤ- higen Gelehrten und den untauglichen Philosophen. Wer sich dieser Ansicht bemaͤchtiget, der wird nicht nur die Welt und ihre Verhaͤltnisse mit Gerech- tigkeit wuͤrdigen, sondern auch seinen eignen Werth, durch den erhabnen Standpunkt, den er gewon- nen hat, erhoͤhen. Diese Denkart hervorzubringen, zu befestigen, zu beleben, darauf, mein Freund! muß aller Un- terricht ausgehen, den ich maurerisch nenne. Du wirst nun berechnen koͤnnen, wie dieser Unterricht gegeben und genommen werden muͤsse, eben so gut, wie ohne Unterricht nichts gewonnen werden koͤnne. Dreizehnter Brief . E he ich nun noch hinzu fuͤge, Konstant! was ich Dir in der Reihe dieser Briefe noch sagen will, laß uns mit wenig Worten den ganzen Weg uͤber- schauen, den wir zuruͤckgelegt haben. Die Frei-Maurerei ist, nach unsern Forschun- gen, eine Anstalt, die das Einseitige der Bildung, welche der Mensch in der groͤßeren Gesellschaft erhaͤlt, zu verwischen und jene nur halbe Bildung zur allgemeinen und reinmenschlichen zu erheben hat. Wir fragten: welches sind die Theile und Gegenstaͤnde der menschlichen Bildung, die in die- ser Gesellschaft zu erhalten sind? und antworteten: die Bildung zur Religion , als Buͤrger einer unsichtbaren Welt, die fuͤr den Staat , als Buͤr- ger irgend eines Theils der sichtbaren Welt, end- lich die fuͤr Fertigkeit und Geschicklichkeit, als ver- nuͤnftiges Wesen, der vernunftlosen Natur zu gebieten . Wir fragten wieder: Welches sind die Mittel der Gesellschaft, diese Bildung an ihre Mitglieder zu bringen? und antworteten: Unterricht und Beispiel . Und nunmehr erst war die Frage zu beantworten: Was kann es ei- gentlich seyn, das der maurerische Unterricht und das maurerische Beispeil beendzweckt? Wir antworteten: In der Religion , Abson- derung alles Zufaͤlligen, was Zeit- und Ortbedin- gungen in die religioͤse Ansicht der Gesellschaft gebracht haben, wonach die Religion einseitig entwe- der als einziger abgesonderter Zweck unsers gan- zen Handelns, oder Mittel fuͤr irgend einen sinn- lichen Zweck aufgestellt wird. In Absicht der Bildung fuͤr Gesetz und Recht ; innigste Ver- einigung des Weltbuͤrgersinns mit dem Staats- buͤrgersinn, in welcher der Maurer den Gesetzen seines Landes und den Verfuͤgungen seiner Obrig- keit mit der puͤnktlichsten Genauigkeit gehorcht, aber nicht, als ob sein Land allein da waͤre, (ver- heerender Patriotismus der Roͤmer ꝛc.) sondern weil es ein Theil der ganzen Menschheit ist. End- lich in Absicht des Zwecks, die Natur der Ver- nunft zu unterwerfen , dient ihm die Be- kanntschaft mit diesem Zwecke theils, ihn selbst zur Berufstreue zu ermuntern und ihm fuͤr seine scheinbar untergeordneten Geschaͤfte einen hoͤheren Gesichtspunkt anzuzeigen, theils ihm den wahren Maasstab der Achtung fuͤr treue Befoͤrderer der Zwecke der Menschheit, auf welchem Platze sie auch stehen moͤgen, an die Hand zu geben. — Darauf, um diese Ueberzeugungen hervorzubrin- gen, die zu dieser Denkart leiten, muß, so schloß ich, aller maurerische Unterricht abzielen. Worauf das maurerische Beispiel , als solches beruhe, wie bei den Mitgliedern der Gesellschaft eine Handlungsweise sichtbar werde, in der man die Vielseitigkeit ihrer Gesinnung, die Reinheit ihrer Denkart nicht verkennen kann, wo jeder da- hin trachtet, mitzuwirken zum Wohl der andern, ohne Anmaßung, Eitelkeit, mit Aufopferung seiner buͤrgerlichen, gelehrten oder Kuͤnstler-Anspruͤche, und unter der alleinigen Ruͤcksicht auf fruchtbare Nutzbarkeit und Brauchbarkeit fuͤrs Leben, zur Hinwirkung auf reinmenschliche Bildung — das alles, Konstant, wirst Du Dir nach dem Gesag- ten von selbst abstrahiren und auseinander setzen koͤnnen. Wir wollen uns gemeinschaftlich fuͤr jetzt nur mit dem maurerischen Unterricht beschaͤftigen, und nachdem wir seine Materie betrachtet haben, noch untersuchen: Wie wohl ein solcher ent- stehen, sich fortpflanzen und vermehrt werden koͤnne ? Wir verharren auch bei dieser Untersuchung, wie bei allem Vorhergehenden, unverruͤckt auf dem Standpunkt eines Ungeweihten, der historisch von Mysterien und Orden nichts weiß, als dasje- nige, was allgemein bekannt ist, der aber wahr- heitsliebend und folgerecht fortschließt. Ich erinnere Dich aufs neue daran, Konstant! damit Du nicht glaubest, weil ein Eingeweihter zu Dir spricht, dadurch irgend etwas Positives zu erfahren; ich stehe Dir ganz gleich, und gebe blos dem Sprache, was Du Dir bei Dir selbst uͤber den angegebnen Gegenstand denken koͤnntest. So lange die Menschen, argumentiren wir nun weiter, im Naturzustande nicht eigentlich sich selbst bilden, und zwar mit Bewußtseyn, Absicht und nach einer Regel, sondern durch die Umstaͤnde, denen sie leidend sich hingeben, gebildet werden: ist von derjenigen Bildung, welche allein wir hier meinen, noch gar nicht die Rede, weder von einer oͤffentlichen, in der groͤßeren buͤrgerlichen Gesell- schaft, noch von einer geheimen, in einer abgeson- derten engeren Verbindung. Die Menschheit reift in diesem Zustande nur erst zur Faͤhigkeit einer bedachten und berechneten Ausbildung heran. Es kommt diese Reife; und es entstehen beson- dre Staͤnde, religioͤse Anstalten oder ein Priester- thum, Gesetze, Verfassung und Obrigkeit; es ent- steht mit einem Worte jener ganze Zustand des Menschengeschlechts, den ich in einem der ersten Briefe beschrieben habe. Da, meiner Voraussetzung nach, alle von dem gleichen Punkte, aus dem Naturstande ausge- hen, kann fuͤrs erste die Verschiedenheit ihrer Bil- dung nicht sehr merklich, und die Einseitigkeit und Halbheit dieser Bildung nicht sehr groß werden. Aber die Absonderung dauert fort; die neuen Menschengeschlechter werden von nun an in einem gewissen Stande und fuͤr einen gewissen Stand geboren. Mit jedem neuen Zeitalter finden die verschiedenen Staͤnde sich schaͤrfer von einander abgeschnitten; und nun treten allmaͤhlig mit den Vortheilen der gesellschaftlichen Bildung zugleich die oben beschriebenen Nachtheile derselben ein, und mit diesem Nachtheil das Beduͤrfniß, ihnen auf dem einzigmoͤglichen Wege durch eine abge- sonderte Verbindung abzuhelfen. Es ist mir nicht unbekannt, daß in mehreren Staaten und Verfassungen, besonders der alten Welt, mancherlei ganz oͤffentliche Einrichtungen und Anstalten waren, die sich einer solchen scharfen Absonderung der Staͤnde, wie wir sie in der mo- dernen Welt sehen, entgegengesetzten und ein ziem- liches Gleichgewicht in der Ausbildung aller her- vorbrachten. Aber ich weiß zugleich, daß diese Einrichtungen denn doch nur in den wenigsten Staaten der alten Welt waren, und daß sie selbst da bei weitem nicht volle Gleichheit der Geistes- bildung hervorbrachten. Mit einem Worte: die Maͤngel in der mensch- lichen Ausbildung, welche, unsern Schluͤssen zu Folge, nur durch eine Verbindung, wie wir uns die gegenwaͤrtig bestehende maurerische denken, gehoben werden koͤnnen, muͤssen beinahe so alt seyn, als die ganze gesellschaftliche Verfassung; denn sie sind eine nothwendige Folge derselben . Sind sie aber da gewesen, so hat es ohne Zwei- fel auch immer vorzuͤgliche Maͤnner gegeben, die sie bemerkt haben . Sind sie aber bemerkt worden, so haben ohne Zweifel dieselben, die sie bemerkten, zugleich auch das einzig moͤgliche Mittel gefunden, denselben abzuhelfen, das, der Absonderung in geschlossene Gesellschaf- ten fuͤr den Zweck der reinmenschlichen Bildung, und haben sich mit andern Gleichgesinnten verei- nigt, um ihre Gedanken auszufuͤhren. Es ist also hoͤchst wahrscheinlich, daß es von jeher neben der oͤffentlichen Bildung in der Gesellschaft eine geheime gegeben habe, welche der ersteren zur Seite ge- gangen, mit der ersteren gestiegen und gefallen ist, auf die erstre einen unbemerkten Einfluß gehabt und hinwiederum selbst durch den Einfluß jener gewonnen oder gelitten hat; wie zum Beispiel Pythagoras und sein beruͤhmter Bund in den Staaten von Groß-Griechenland. Wir setzen sonach, als den ersten Satz, der unsre Aufmerksam- keit verdient, folgendes fest: Es mag wohl, so weit hinauf die Geschichte reicht, immer geheime, das ist, von der oͤffentlichen abge- sonderte und nothwendig abzusondernde Bildungsanstalten gegeben haben . Wir wollen kuͤnftig sehen, was wir aus die- sem Satze weiter zu folgern haben. Vierzehnter Brief . N ur dort finden geheime Bildungsanstalten statt, wo es keine oͤffentlichen, durch die geordnete groͤßere Gesellschaft giebt. Unter rohen Wilden, oder her- umstreifenden Hirtenvoͤlkern bedarf es keiner An- stalt, um die Einseitigkeit des Priesterthums oder der Gesetzgebung zu verwischen, denn sie sind nicht einmal bis zu einem Priesterthum und einer Ge- setzgebung herangereift. Unter ihnen hat man also keine Mysterien zu suchen , es sey denn abgeschmackter Aberglaube; keine Mysterien, die die autorisirte Nationalwahrheit berichtigen und erhoͤhen, denn sie haben noch nicht einmal eine Nationalwahrheit. Welchen Gang aber die oͤffentliche Bildung genommen habe, wissen wir so ziemlich durch die oͤffentliche Geschichte. Zwar verbirgt der Ursprung und die erste Quelle dieser Bildung sich in gehei- mes Dunkel, oder verhuͤllt sich in mythische Poesie; und wir haben sogar spaͤterhin Voͤlker mit einer hohen Kultur gefunden (denke indeß nur an die Hindus und die Chinesen) deren Bildungsgeschichte sich an die Kette, die wir uͤbersehen, durchaus nicht anfuͤgt, kein Glied derselben ausmacht, und welche allein nur auf eine hoͤhere Quelle der Kultur un- sers Geschlechts fuͤhren wuͤrden, als diejenige ist, welche unsre Geschichte kennt. Indessen, davon abgesehen, erblicken wir doch auch in dieser unsrer Geschichte einen Fortgang und eine ununterbrochene Kette der Kul- tur , die von den Aegyptern zu den Griechen herab, von diesen zu den Kleinasiaten, von diesen wieder zu den Griechen, von ihnen zu den Roͤmern, und von diesen, nach der Vereinigung mit dem indeß im Orient entstandenen Christenthume, zu den neuern Europaͤern fortgeht. In dieser ganzen Folge bedurfte es gehei- mer Bildungsanstalten. Es ist wahrscheinlich , laut unsers obigen ersten Satzes, daß es deren wirklich gegeben habe. Die ganze oͤffentliche Kultur in der beschriebe- nen Zeit und Voͤlkerreihe, ist immer eine und eben dieselbe Kultur , ein zusammenhaͤngender Faden, der lediglich das Gepraͤge des National- characters von jedem Volke annimmt, zu welchem er herabkommt, und durch die Fortschritte des menschlichen Geistes bei jedem Volke gewinnt und vervollkommt wird. Es ist also hoͤchst wahrscheinlich — und dies ist die zweite natuͤrliche Folgerung, die wir auf dem Standpunkte des Ungeweihten machen — daß eine aͤhnliche zusammenhaͤngende Kette der geheimen Kultur neben je- nem Faden der oͤffentlichen durch diesel- ben Zeiten und Voͤlker sich herabgeschlun- gen habe, und grade, wie die oͤffentliche, bis auf unsre Zeiten gekommen sey ; es ist moͤglich, daß, gleichwie mit der oͤffentlichen Kultur sich das aus einer andern Quelle kommende Chri- stenthum vereinigte, zu derselben Zeit auch die vor- handne geheime Kultur, sich an die geheime Kul- tur derselben orientalischen Voͤlker, aus deren oͤffentlichen das Christenthum entstand, angeschlossen habe. Du hast in diesen Gedanken einen reichhalti- gen Stoff zum Nachdenken, und es wird sehr darauf ankommen, wie Du meine ganze Deduk- tion gefaßt hast, um die Konsequenz und Frucht- barkeit dieser Folgerung zu durchschauen. Bei der weiteren bin ich genoͤthigt, etwas tiefer in das We- sen des Unterrichts, den wir den maurerischen zu nennen gewohnt sind, einzugreifen; ich verspare sie mir also der Zeit und des Raumes wegen auf den folgenden Brief. Funf- Funfzehnter Brief . I ch gehe ohne weiteres zu der folgenden Unter- suchung. Was die oͤffentliche Kultur betrifft, so war es ohnstreitig zweckmaͤßig, da zu ihr ein jeder, so weit er derselben empfaͤnglich ist, den moͤglichst leichtesten Zutritt haben soll, daß sie in bleiben- den Denkmaͤhlern niedergelegt wurde, nach- dem nur die Kunst erfunden war, den voruͤber- fliehenden Gedanken und dem fluͤchtigen Worte Dauer und Sichtbarkeit fuͤr das Auge zu geben. Zu der geheimen Kultur aber soll, zu Folge ihres Wesens, nicht jedermann, sondern nur der- jenige, der durch die oͤffentliche schon durchgegan- gen und durch sie schon moͤglichst vollendet ist, den Zutritt haben. — Die geheime Kultur kann, wie es durch alles Gesagte klar ist, der oͤffentlichen nicht vorausgehen , sie selbst setzt vielmehr die oͤffentliche voraus; sie kann eben so wenig ihr zur Seite gehen , ohne daß die Zwecke beider ver- eitelt werden; sie kann ihr lediglich folgen . Nun aber kann man — laß mich diesen Punkt immer sorgfaͤltiger auseinandersetzen — zu dem eigentlichen Ziele aller geheimen Kultur, der rein- menschlichen Bildung, welche mein sechster Brief Dir in einem schwachen Abrisse vor Augen stellte, auf zwei Wegen gelangen: entweder fuͤr sich allein , durch Talent, tiefes Nachdenken und Er- Zweites Baͤndch. D forschen, durch Bildung seines Geistes und Her- zens nach den Resultaten dieses Nachdenkens; oder durch die Gesellschaft , — welches sodann nicht die groͤßere, buͤrgerliche (denn eben in dieser fand jener isolirte Zustand Platz) sondern nur eine klei- nere, abgesonderte Gesellschaft seyn kann. In dem ersteren Falle nimmt unsre Ansicht, da sie auf dem Wege des Nachdenkens entstanden ist, die Form des Nachdenkens an; es wird argumentirt, dialektisirt, demonstrirt, Schluͤsse wider- legt und begruͤndet. — Nichts verhindert, daß man in dieser Form es auf den Daͤchern pre- dige, wenn man sonst will, es abschreibe, es ab- drucken lasse u. dergl. So ist es, um das erlaͤuternde Beispiel aus der That zu nehmen, wohl moͤglich, daß ich in diesen meinen Briefen an Dich, den Profanen, den innersten Geist aller moͤglichen Mysterien nach meinem besten Wissen und meinen Kraͤften dar- zustellen versucht, und in keinem Stuͤcke zuruͤck und an mich gehalten habe, indem ich mich stets der Form des Raͤsonnements und der gewoͤhnli- chen Sprache bediente. Zugleich aber bin ich sehr sicher, daß ich weder Dir, noch irgend Einem, der zufaͤllig diese Briefe lesen sollte, nur das geringste verrathen habe, was er nicht wissen und ich nicht sagen darf. Und so sind in allen Buchlaͤden Buͤ- cher zum oͤffentlichen Verkaufe, die, ob sie gleich von Maurerei handeln, doch von Maurerei nicht eine Sylbe verrathen; dagegen aber auch — und darauf merke mit Fleiß — in allen Buchlaͤden Buͤcher von Maurern und Nicht-Maurern, die der Maurerei mit keinem Worte erwaͤhnen, deren Verfasser vielleicht von Maurerei kein Wort wis- sen, und die dennoch durchaus aͤcht mau- rerisch sind . Daher, wiederhole ich, hindert nichts, daß man in dieser Form die Mysterien gemein mache, denn nur die Rede oder Schrift wird ge- mein , nicht aber die Mysterien. Wer es nicht schon in sich hat, wird es nimmer fassen . Ihm verwandelt sich die Rede in eine Reihe un- verstaͤndlicher Toͤne, die Schrift in weißes Papier; oder, wenn er ja einen Sinn herausbekommt, ist es ein sehr untergeordneter und halber, nimmer- mehr der ganze und volle , den der Vortrag beabsichtigte. Es wird dann disputirt, und gleich- sam ein Theilungstractat geschlossen, in wie weit man das Behauptete allenfalls wolle gelten lassen, in wie weit nicht; und es wird dadurch immer etwas gewonnen, es wird der Wahrheit wenig- stens der Weg vorbereitet. Das Nichtverstehen oder Mißverstehen bringt aber einen sehr geringen Schaden, der so gut ist, als gar keiner. Was ist es denn nun zuletzt, das da gemißdeutet wird, als ein Philosophem ? Was ist es denn, dem dadurch Abbruch geschieht, als hoͤchstens der Glo- riole des Urhebers dieses Philosophems, der, wenn er nur einen Funken wahren Geistes hat, in seine Gloriole keinen Werth setzt. D 2 Was nun aber den zweiten Fall betrifft, da je- mand reinmenschliche Kultur durch eine geheime (das ist blos, abgesonderte) Gesellschaft erhaͤlt, so duͤrfte der Unterricht, der fuͤr die geschlossene Ge- sellschaft bestimmt ist, gar leicht eine ganz an- dre Form angenommen haben; nicht die des Raͤsonnements, die zum Disputiren einladet, indem sie Gruͤnde angiebt, zur Pruͤfung dieser Gruͤnde auffordert, und nicht weiter gelten will, als ihre Gruͤnde reichen; sondern in der ganz einfachen Er- zaͤhlung: „So ist’s einmal, wir wissen es; und jeder, der sich uns gleich stellt, wird es wissen.“ — Dieser Unterricht duͤrfte sich, nicht so wie der er- stere, ausschließend an den Verstand, sondern viel- mehr an die Ganzheit des Menschen wenden, so- nach das eigentliche Disputiren nicht zulassen; er duͤrfte endlich, da er, der Voraussetzung nach, aus dem grauesten Alterthume herabkommt, in meta- phorische Ausdruͤcke und Bilder eingekleidet seyn. Kommt ein solcher Unterricht an diejenigen, die dafuͤr noch nicht empfaͤnglich sind, so wird er, wie sich ohne weiteres versteht, eben so wenig verstan- den, als der erstere philosophirende und raͤsonni- rende. Aber gegen ihn disputirt man nicht, und laͤßt sich nicht in Tractaten ein, weil er selbst keine anbietet und ungetheilt angenommen seyn will; sondern man verwirft ihn gradezu als grundfalsch und schwaͤrmerisch, oder wenn man an den Bil- dern haͤngen bleibt, als widersinnig und absurd, spottet seiner und giebt ihn dem allgemeinen Ge- laͤchter Preis. Von nun an aber ist nicht, wie im erstern Falle, ein Individuum getadelt, sondern der ganze Zweck einer schlechthin nothwendigen Gesellschaft ist auf immer vereitelt. Dieser Unterricht der abgesonderten Gesell- schaft — und das ist es, was ich andeuten wollte — konnte sonach nie in bleibenden Denkmaͤlern fuͤr Jeden, den das Ungefaͤhr daruͤber fuͤhren moͤchte, niedergelegt werden. Er konnte nur dem, dessen Empfaͤnglichkeit reiflich gepruͤft und erforscht war, mitgetheilt werden. Wer ihn dennoch nicht ver- steht, bei dem erstirbt er vor der Geburt; wer ihn wirklich versteht und achtet, wie er soll, giebt ihn sicherlich nicht ohne Besonnenheit weiter. — Da man sich jedoch selbst in jener Pruͤfung der Personen irren konnte: so mußte man sich aͤuße- rer Mittel, dergleichen feierliche Versprechungen sind, bedienen, um sich der Verschwiegenheit, selbst in Absicht der aͤußeren Formen, zu versichern. Und nun stehe ich bei meiner dritten bedeutenden Folgerung. Es konnte hoͤchst wahrschein- lich, so schließe ich, die geheime Lehre nur durch muͤndliche Ueberlieferung, keines- weges durch schriftliche fortgepflanzt werden , die schriftliche Mittheilung mußte sogar streng verboten seyn. — Sollte daher unsre oben angegebne Vermuthung, daß eine ununterbrochne Kette der geheimen Kultur neben der oͤffentlichen, vom Alterthume bis auf unsre Zeiten, herabge- kommen sey, Grund haben: so mußte man die geheime Lehre keinesweges in Buͤchern, sondern nur in einer noch fortdaurenden muͤndlichen Ue- berlieferung suchen; welche Vermuthung auch durch den Umstand bestaͤttigt zu werden scheint, daß man zur Zeit der Entstehung der fruͤheren Mysterien mit Verfassung der Ideen in Schrift noch nicht recht fort konnte und man in geheimen und heili- gen Dingen gewoͤhnlich bei der alten Methode bleibt. Ich kenne sehr wohl alle die Nachtheile der muͤndlichen Ueberlieferuug und die ganze Schwie- rigkeit, uͤber die Folge der Glieder einer solchen Tradition etwas, bis zur erweißlichen Wahrheit zu bringen; aber ich weiß zugleich, daß es sogar durch bloßes Nachdenken, ohne historische Beleh- rung, zu findende Huͤlfsmittel gegen jene Nachtheile, und Erleichterungen bei jenen Schwierigkeiten giebt; mit einem Worte, daß allerdings ein Beweis fuͤr die Aechtheit einer solchen muͤndlichen Ueber- lieferung moͤglich ist, dessen Fuͤhrung mich aber zu weit fuͤhren wuͤrde. Nur einer Bemerkung, die sich mir hier auf- dringt und die ich fuͤr bedeutend ansehe, kann ich mich nicht enthalten; es ist folgende: Es konnte zwar nicht fehlen, daß eine vorhandne geheime Kultur auf die oͤffentliche Einfluß hatte, daß manche Begebenheiten der oͤffentlichen Geschichte, die in ihr abgebrochen da stehen, sich aus der ge- heimen Kulturgeschichte voͤllig begreifen lassen, daß einige Personen, die da Glieder der geheimen Ue- berlieferung waren, zugleich als merkwuͤrdige Per- sonen in der oͤffentlichen Geschichte da standen. Es ist also wohl denkbar: daß die oͤffentliche Ge- schichte sich aus der geheimen werde er- klaͤren lassen koͤnnen . Umgekehrt aber war, zufolge der eben aufgestell- ten Grundsaͤtze, nothwendig, daß die Besitzer der geheimen Lehre alles, was durch irgend eine Schuld von ihnen aus znr oͤffentlichen Kenntniß kam, sogleich sinken ließen, sich dessen entaͤußerten und darauf nicht weiter fort bauten, daß sonach die geheime Kulturgeschichte durch die oͤffentliche nicht fuͤglich erwiesen werden , und daß kein Datum der letzteren zugleich Datum der erstern seyn koͤnne. Was nur irgend zu oͤffentlichen Haͤnden kam, hoͤrte schon dadurch auf, ein Theil der geheimen Kunde zu seyn, und so- nach moͤchten die Versuche, aus der oͤffentlichen Geschichte eine geheime zusammen zu setzen mit großer Vorsicht anzustellen seyn. Sechszehnter Brief . S o koͤnnte denn wirklich auf die angegebne Weise ein geheimer Unterricht zu Stande und bis auf unsre Zeiten herabgekommen seyn, der nun im Innern einer abgesonderten Gesellschaft verwahrt wuͤrde. Welchen Werth und welche Be- deutung aber konnte dieser durch die Folge der Zeiten herabgekommene Un- terricht haben ? so frage ich eben sowohl in meinem Namen, als in dem Deinigen. Soll er etwa der Freiheit und dem Fortgange der Ver- nunft Fesseln anlegen, den freien Forschungstrieb durch Autoritaͤt niederschlagen und blinden Glau- ben gebieten? — Kuͤhn und so laut als moͤglich und auf jede Gefahr rufe ich: Fern, fern sey es vom Maurer, der alle Fesseln der Autoritaͤt abge- legt haben soll, daß er hier sich in neue geheime Fesseln schlagen lasse, fern sey es von ihm, der reinmenschliche Bildung zu erlangen und uͤberall nur im Geiste zu leben strebt, daß er hier sich an einen neuen Buchstaben binden lasse; fern sei es von der Gesellschaft, die jeden Zunftgeist ver- schmaͤht, daß sie selbst sich in eine Zunft ver- wandle! — Was waren denn die, welche den ersten Keim dieses, moͤglicherweise vorhandenen Unterrichts legten, die Spaͤteren, die ihn ausbil- deten, vervollkommten, vermehrten? was waren denn sie, das ihre spaͤten Nachkommen nicht auch waͤren? Was hatten sie an sich, das diese nicht eben sowohl an sich haͤtten? mit welchem Rechte thaten jene, was sie thaten, daß diese nicht das- selbe Recht haͤtten? Die oͤffentliche Kultur ist mit dem Fortgange der Zeiten fortgeschritten, die geheime hat es wahr- scheinlich auch gethan; die oͤffentliche wird es fer- ner thun, und die geheime kann nicht stehen und hinter der erstern zuruͤck bleiben. Jener uͤberlie- ferte Unterricht aber, wenn es einen solchen giebt, kann keine andre Autoritaͤt haben, als die, welche ihm sein ehrwuͤrdiges Alter giebt, keine andre, als diejenige, welche allein irgend ein Mensch und irgend ein menschliches Werk uͤber andre Men- schen begehren darf, die: daß man willig vor- aussetze, in ihm moͤge Weisheit verborgen seyn, daß man sich ernstlich bestrebe, diese Weisheit zu finden, und daß man sie freudig aufnehme, nachdem man sie ge- funden und an seinem eignen Verstande und Herzen bewaͤhrt hat . Dieser uͤberlieferte Unterricht koͤnnte und sollte den Eingeweihten nichts anders seyn, als was uns Homer, Sophokles, Plato, als Theilhabern der oͤffentlichen Kultur sind. Daß man jene Ueber- bleibsel treu aufbewahre, sie nicht verfaͤlsche, oder wo sie es sind, sie in ihrer urspruͤnglichen Reinig- keit wieder herstelle, ist billig, und wird durch die rechtmaͤßige Ehrfurcht fuͤr das Alterthum gefor- dert; daß man bei allem Unterrichte von ihnen ausgehe, und sie gleichsam zum Texte seiner Be- trachtungen mache, waͤre schicklich, um die Einheit der uͤberlieferten Kette zu erhalten, und sie der Nachwelt immer als eben dieselbe uͤbergebe; daß man sie nach dem einzig moͤglichen Zwecke aller Mysterien, daß durch sie reine und allgemein menschliche Bildung beabsichtigt werde, erklaͤre und gebrauche, ist schlechthin nothwendig und jede an- dre Erklaͤrung ist unrichtig. Diese Wiederherstellung des Alten, ferner, diese hinzugefuͤgte, der Kultur des Zeitalters angemessene Erklaͤrung ist es, was jedes Zeitalter hinzu thut, und wodurch die Sammlung des Unterrichts ver- mehrt und erweitert wird, welches der zweite Theil meiner Behauptung war. So wird auf jenen Grund des Ueberlieferten von jedem aufgebaut, was er eben hat; von dem einen feste Baumaterialien, von einem andern (daß ich ein von einem heiligen Schriftsteller gebrauch- tes Bild hier anwende) von einem andern Stroh und Stoppeln. Beides aber muß durch die Probe der Zeit bewaͤhrt, und fuͤr das folgende Zeitalter aufbewahrt werden, welches dann entscheiden mag, ob diese Materialien zu einigem Gebrauche dem alten Schatze beigefuͤgt, oder als untauglich ver- worfen werden sollen. Wie kann aber, hast Du schon laͤngst gefragt, wie kann, wenn der Zweck der Maurerei so durchaus bestimmt ist, wie er in diesen Briefen aufgestellt und auseinander gesetzt wurde, irgend ein Maurer (wie es selbst wohl Profane wissen) ihn so verkennen, daß er ganz untaugliche und voͤllig fremdartige Beitraͤge liefere? — Es haͤngt dieß mit einer andern Klage, die ich oft, nicht bloß von Dir, vernommen habe, so zusammen, daß auf beides dieselbe Antwort zu geben ist, ich meine die Klage uͤber den furchtbaren Kontrast des von der Maurerei aufgestellten Ide- als, mit der gemeinen Wirklichkeit . Ich antworte: Allerdings sind bei weitem nicht alle diejenigen Maurer, die diesen Namen fuͤhren; alle aber sollen es werden, und keiner, der diesen Na- men traͤgt, soll aufgegeben werden. So lange dies geschieht, so lange nur auf jenes Ideal hin- gestrebt wird, ist die Gesellschaft eine maurerische, gesetzt auch, daß kein einziges ihrer Glieder diesen Zweck erreichte, gesetzt auch, daß bis diesen Tag der wirkliche Zweck der bestehenden Maurerei der gewesen waͤre, ihren Zweck zu suchen . Es ist Dir nun, Konstant, ein scharf bestimm- ter, in sich klarer, allgemein verstaͤndlicher Begriff der Maurerei aufgestellt worden. Pruͤfe diesen Begriff, frage Deinen Verstand und Dein Herz, ob er den Zweck der Maurerei ausdruͤcken koͤnne, und ob Du diesen Zweck zu dem Deinen machen wollest. Du wirst sodann wissen, was Du zu thun hast. — Findet sodann dieser Zweck sich bewaͤhrt, so laß uns nicht bloß wissen, sondern auch thun, um so eifriger thun, je mehr wir fin- den koͤnnten, daß die Wirklichkeit nach unsrer Mei- nung hinter dem Ideale zuruͤck sey. Wer bei Erblickung der Maͤngel in den mensch- lichen Verhaͤltnissen, der Untauglichkeit, der Ver- kehrtheit, des Verderbens unter den Menschen die Haͤnde sinken laͤßt, und hin geht, und uͤber die boͤsen Zeiten klagt, der ist kein Mann. Grade darinn, daß Du faͤhig bist, die Menschen als man- gelhaft zu erblicken, liegt ein heiliger Beruf, sie besser zu machen. Waͤre es schon alles, wie es seyn sollte, so beduͤrfte man Deiner eben nicht in der Welt, und Du waͤrest eben so gut in dem Schooße des Nichts geblieben. Freue Dich, daß noch nicht alles ist, wie es seyn sollte, daß Du Arbeit findest, und zu etwas nuͤtze seyn kannst. Lebe wohl. II. Revision des Maurerischen Taschenbuches auf das Jahr 5802 bis 5803 und maͤnnliche Abfertigung seiner Herausgeber X. Y. Z. Vom Br. Feßler . Revision des Maurerischen Taschenbuches auf das Jahr 5802 bis 5803 Berlin 1802. bei Johann Wilhelm Schmidt. Preis 1 Thlr. 12 Gr. und maͤnnliche Abfertigung seiner Herausgeber X. Y. Z. F olgendes Schreiben ist an mehrere auswaͤrtige Logen dem Maurerischen Taschenbuche gedruckt vor- ausgegangen: Hochwuͤrdiger GrMstr! ꝛc. Wir wagen es, Hochwuͤrdige, Wuͤrdige, saͤmmt- lich geliebte Bruͤder, Ihnen hierdurch den Beob- achter an der Spree zu empfehlen, ein Wo- chenblatt, welches nicht nur alle merkwuͤrdigen Ereignisse in Berlin erzaͤhlt, und den vollstaͤndi- gen woͤchentlichen Todtenzettel desselben ent- haͤlt, sondern auch Winke und Belehrungen in Hinsicht auf manche, die Menschheit interessirende Angelegenheiten gewaͤhrt und dabei stets dasjenige verschweigt, was verschwiegen werden soll und muß. Sie, H. W. saͤmmtlich gel. BB., wuͤrden uns einen Gefallen erzeigen, wenn Sie die Guͤte haben und uns merkwuͤrdige Nachrichten aus Ih- rer Gegend fourniren und dadurch dies Blatt fuͤr die ganze Monarchie lehrreich und nuͤtzlich machen wollten, besonders , da wir oft unent- geltliche Beilagen gegeben haben. Sie erhalten dies Blatt auf Ihren Postaͤm- tern und praͤnumeriren auf das Quartal 12 Gr. wo Sie mit Ostern oder auch mit Johannis an- fangen koͤnnen. Das hiesige Generalpostamt ist Hauptdistributeur. Auch geben wir ein Taschenbuch fuͤr Maurer heraus, worauf 20 Gr. praͤnumerirt wird, und welches zu Johannis erscheint. Auch zu diesem bitten wir um Nachrichten . Wir gruͤßen Sie in der u. h. Z. und verhar- ren in aͤchter Bruderliebe H. GrMstr ꝛc. Ihre treu verbundene Bruͤder die Herausgeber des Beobachters an der Spree Berlin d. 27. April 1802. Kosmann Kurmaͤrk. Cammer-Assessor u. Professor qua Secretaire . Das Das Taschenbuch selbst will den Bruͤdern Winke geben, um die Maurerei von der rechten Seite ansehen zu lernen . Und wie hat es gewinkt? Wie ein Blindgebohrner einem Haufen Taubstummer, ohne zu wissen, wo- hin und wozu. Erster Artikel . „ Voltaire und Feßler .“ S eite 1. bis Seite 13. ist buchstaͤblich aus dem Journal fuͤr Frei-Maurer, als Ma- nuseript gedruckt fuͤr Bruͤder und Mei- ster des Ordens, Ersten Jahrganges zweitem Viertel-Jahre (Wien, bey Wappler 5784.) Von pag. 231 bis 242. abgeschrieben . — Welche Armuth des Geistes verrathen diese win- kenden Herrn X. Y. Z., welche ihr maurerisches Taschenbuch, oder richtiger Taschenspiel, gleich mit einem Plagiat beginnen. Doch sie sind nicht in- corrigibel, denn sie haben ihre Armseligkeit gefuͤhlt, und darum Seite 13. Vierzehn Originalzei- len , in welchen eine Luͤge die andere, und ein Unsinn den andern jagt, hinzu gefuͤgt. Da heißt es: „Bruder Feßler ward von der S. E. L. R. Y. z. F. in Berlin beynahe wie ein Voltaire fetirt“ welches schon aus Zweites Baͤndch. E dem Grunde nicht wahr ist, weil unter den Mit- gliedern gedachter S. E. Loge eben so wenig sich Beynahe- Cordiers, Beynahe- de la Lan- de’s, Beynahe- Merciers, Beynahe- Gar- niers, und Beynahe- Court de Gebe- lins befinden, als Br. Feßler ein Beynahe- Voltaire ist. „Die Loge R. Y. hat ihn selbst zum Deputir- „ten-Großmeister gewaͤhlt.“ Wie das nun in der Maurer-Welt so zugeht. Der Großmeister, Bruder Delagoanere schlug 16 bis 20 Bruͤdern, die damahls an den Logen- Arbeiten thaͤtigern Antheil nahmen, den Bru- der Feßler zum Deputirten-Großmeister vor, und diese lieben Bruͤder sagten fuͤr sich und fuͤr die uͤbrigen 180, fuͤr die gerade damahls ein großer Eß-Saal erbauet werden mußte, ein liebreiches Fiat dazu. Uebrigens ist freilich nicht zu laͤugnen, daß Bruder Feßler einen großen Feh- ler gegen das A. B. C. der Logen-Klugheit begangen hat, indem er die ihm uͤbertragene groß- meisterliche Wuͤrde nicht fuͤr einen leeren Titel , so wie bey der Schuͤtzengilde den Titel Schuͤtzenkoͤnig , sondern fuͤr einen Arbeits- Posten ansehen wollte, mithin auch, wie es im Taschenbuch heißt: „that, was Voltaire nicht that; — mit einer „wirklichen Geistes-Arroganz sahe er auf die „uͤbrigen Bruͤder herab , und bauete so lange „und so willkuͤhrlich, bis sein Bau wieder in „sich selbst zerfiel und die Ruinen davon an- „dern zum Schrecken dienten.“ Bruder F. konnte eben so wenig auf die uͤbri- gen Bruͤder hinauf sehen, als diese faͤhig waren, in allem, was auf Freimaurerei Bezug hat, sich auf einen hoͤhern Standpunkt zu erheben. Er mußte also auf sie herab sehen, der Arme! und sich da- durch die Augen so verderben, daß er um 6 Jahre zu spaͤt gewahr wurde, wie es ihm an nichts, als an einer hinreichenden Anzahl kunstkundiger Bau- leute fehlte. Daß er willkuͤhrlich baute, ist eine Luͤge. Er baute nach Mustern und Regeln, die jedem wahren Maurer heilig und unveraͤnderlich sind; und er hat sich daruͤber sehr bestimmt, offen und deutlich pag. 19. §. 2. und pag. 25. §. 9. und 10. seiner Maurerischen Schriften 1 Theil erklaͤrt. Aber darinn hat er freilich wieder ganz gewaltig gegen die Logen- Klugheit gesuͤndigt, daß er sich nicht nur weigerte, von sonst guten und ehrlichen Maͤnnern, ihres taͤglichen und stuͤndlichen Gewerbes aber bloß Kaufleuten, Jaͤgern, Buch- haltern und Handwerkern uͤber das Wesen und die Tendenz der ihnen durchaus unbekannten Freimaurerei, uͤber die Grundsaͤtze der Kritik, uͤber die Kriterien der Aechtheit und des Alters histo- rischer Documente, sich unterrichten zu lassen, son- dern daß er sogar sie unterrichten wollte. Von dem Zerfallen seines Baues ist bis jetzt noch nichts verlautet; uͤber 500 auswaͤrtige aͤchte Bruͤder woh- nen noch sehr bequem, sicher und licht darin; und auch vom Ausziehen der Bruͤder in Berlin ist E 2 vor der Hand nichts officielles bekannt geworden, ob es gleich nicht zu laͤugnen ist, daß sich einer und der andere hiesige Logen-Bruder im Feß- lerischen Gebaͤude ziemlich possierlich bewegt. An Ruinen seines Baues ist gar nicht zu denken; denn die Materialien, mit denen er baute, sind so hart und fest, daß sich bis jetzt, ein unwissender Arbeiter nach dem andern den Kopf daran zerschlug. „Voltaire ließ bestehen, Feßler modelte.“ Das mag wohl daher kommen, daß Voltaire glaubte, die Loge zu den 9. Schwestern muͤßte es sich zur hohen Ehre rechnen, daß er sich aufneh- men ließ; Feßler aber mit mehr Gutmuͤthigkeit dachte, er muͤßte es sich zur Ehre rechnen, daß man ihn zur Arbeit rief. Der prosaische Mensch! Er haͤtte doch wenigstens aus der Erfah- rung wissen sollen, daß arbeiten in der Logen- sprache nichts weiter heißt, als Candidaten auf- nehmen und laden und richten . „Voltaire betrieb die Maurerei als Sache „des Vergnuͤgens und des Herzens ; „Feßler betrieb sie als Wissenschaft .“ Da haben wir’s! Das Vergnuͤgen , aufzu- nehmen, hernach zu laden und zu richten, und die herzliche Bereitwilligkeit einige Groschen den Armen zu geben, — darin liegt nach diesen X. Y. Z.- Winken das Wesen und die ganze Tendenz der Maurerei, welche Feßler, als Wissenschaft? nein, als etwas, zu dem nur der besser erzogene, ernste, denkende Mann geeignet ist, und was den besser erzogenen, ernsten, denkenden Mann befriedigen muß, wenn er sich des Freimaurer Nahmens nicht schaͤmen soll, behandelt hat. Freilich ver- kannte Feßler dabey durchaus sein Terrain; aber warum stellte man auch an die Spitze der Arbeit fuͤr Vergnuͤgen und Herz à la Voltaire einen Mann, bey dem gleich der erste Anblick verraͤth, daß kein Fuͤnkchen franzoͤsischer Frivolitaͤt und Leichtbluͤtigkeit in ihm steckt! „Und kam endlich so weit, daß er sie in den „Eleusinien oͤffentlich ausbiethen ließ.“ Daruͤber mag sich der Herausgeber der Eleu- sinien nach Belieben erklaͤren; Daruͤber moͤchte wohl jede Erklaͤrung uͤber- fluͤssig seyn! der erste Band der E. mit seinen 251. Seiten, liegt ja gedruckt vor den Augen des Publi- kums, und dieses wird jenen gemeinen Ausdruck zu wuͤrdigen wissen. d. H. wo Feßler an den Eleusinien Antheil hat, dort steht sein Nahme, Durch ein Versehen des Herausgebers steht sein Name nicht bei der trefflichen Schilderung S. 179. bis 197. denn er haͤlt es nicht der Muͤhe werth, auf der grotesk-komischen Schriftsteller-Redoute maskirt zu erscheinen. „Haͤtte das wohl je ein Voltaire gethan? — Das franzoͤsische Possenspiel, welches zur Zeit feiner Aufnahme unter dem Titel la Maçonnerie Adonhiramitique schon gedruckt war, war ihm zu erbaͤrmlich, um seinen Witz oder seine Lauge daran zu verschwenden. Zweyter Artikel . „Philosophien uͤber das System des Hoch- wuͤrdigen Bruders Feßler .“ Pag. 14. „In nirgend einem der neugemodelten mau- „rerischen Systeme kommt die gute, alte, „ehrwuͤrdige Maurerei wohl schlechter hin- „weg, als im Feßlerschen .“ E s ist gar kein Feßlersches System in der Welt. Haͤtte Feßler je ein neues Maurerisches System schaffen, modeln, bauen, einfuͤhren wol- len , so muͤßte man ihn bemitleiden, und der sorg- faͤltigen Pflege geschickter Aerzte, wie den Philo- sophator dieser Philosophien, uͤbergeben. Haͤtte er seine Arbeiten jemahls fuͤr ein neues Maurerisches System erklaͤrt, so haͤtte er gegen seine bessere Ue- berzeugung gelogen. Zum Gluͤcke aber erklaͤren alle seine geschriebenen und gedruckten Arbeiten, „daß es nur Eine Freimaurerei gebe, und daß „alles, was mit dem aͤchten und aͤltesten Freimau- „rer-Ritual in keinem natuͤrlichen und unmittel- „baren Zusammenhange steht, oder demselben wohl „gar fremdartig ist, gut, schoͤn, erbaulich seyn koͤnne, „aber nicht Freimaurerei sey.“ ( vid. seine saͤmmt- liche Schriften pag. 26.) Diese Erklaͤrung ist die Seele seines ganzen Buches, und aller seiner Ar- beiten, ist der Grundsatz, worin er sogar mit der Großen Landes-Loge der Freimaurer von Deutschland durchaus uͤbereinstimmt. Und der Mann, der sich so bestimmt, so zuversichtlich erklaͤrt, sollte jemals ein neues maurerisches System haben modeln wollen, modeln koͤnnen? Aber vielleicht hat er das altenglische Ritual heimlich fabricirt, und es den Bruͤdern aufdemonstrirt? Das war nicht gut moͤglich, 1) weil er weder Englisch spricht noch schreibt; 2) weil alle altenglische Logen in Eng- land und Schottland, schon nach diesem Ritual gearbeitet haben, ehe alle unsere Groß-Vaͤter ge- bohren worden sind; 3) weil sehr respectable Große und besondere Logen in Deutschland, von einer Feßlerschen Fabrication weder etwas wis- sen, noch sie wuͤrden angenommen haben, und doch weit strenger, genauer und puͤnktlicher nach diesem aͤltesten Ritual arbeiten, als die Große Loge Ro- yale York, bey der Feßler und die wenigen besser unterrichteten Freimaurer , den Eigenduͤn- kel des ignoranten Stolzes einiger Logenbruͤder , nicht bis zur Erreichung der voͤlligen Gleichfoͤrmig- keit des Royal Yorker Rituals mit dem aͤlte- sten Englischen, besiegen konnten. Seite 16. „Der hochwuͤrdige Bruder Feßlers agt:“ und nun werden Stellen aus den Eleusinien von Seite 9. bis 37. ferner aus der Vor- rede S. VIII. endlich Seite 103. und folg. als Feßlers Worte angefuͤhrt. Und das ist eine der laͤcherlichsten Luͤgen im ganzen Taschenbuche; denn von allen angefuͤhrteu Stellen gehoͤrt auch nicht ein einziges Wort dem Br. Feßler . Und aus den Winken so blind- geborner Taschenbuͤchler sollen Bruͤder Freimaurer die Maurerei von der rechten Seite ansehen lernen! Nun folgt Seite 25. wieder ein vier Seiten lan- ges Fragment aus dem Journal fuͤr Freimaurer, Wien 5784. 5 ten Jahr- ganges zweytem Viertel-Jahre , um Bogen zu machen, und zu beweisen, das Feß- lersche System habe vieles aus dem angefuͤhrten Journal erborgt; was doch nicht zu erweisen ist, weil die in gedachtem Journal aufgestellten und durchgefuͤhrten Principien mit den Ansichten des Br. Feßlers von Freimaurerei schlechterdings unvereinbar sind. Seite 29. beginnen die Philosophien, wovon die ersten 6 Zeilen den Br. Feßler nichts ange- hen: der Philosophator hat fehl geschossen, und mag sich seines possierlichen Sprunges, der seine ziemlich unreine Bloͤße aufdeckt, schaͤmen. Auch schaͤme er sich der veraͤchtlichen Aeußerung Seite 30.: Bruder Feßler bereitet uns — durch „Initiationen, d. i. durch fuͤnf „nagelneue hoͤhere Grade, die er auf die „hoͤhern Gefuͤhle des Menschen berech- „net hat, vor, und laͤßt sich auch die „gewoͤhnlichen Aufnahme-Gebuͤh- „ren gefallen .“ Nie hat irgend ein Beamter von den gewoͤhn- lichen Aufnahme-Gebuͤhren etwas erhalten. Bruͤ- der Maurer koͤnnen in Feßlers Maurerischen Schriften 2tem Theil, zwey von ihm gehaltene Vortraͤge lesen, wo er in dem Einen mit den buͤn- digsten Gruͤnden auf die Abschaffung aller hoͤhern Grade und Initiationen, in dem Andern ein Jahr darauf, wenigstens auf Verminderung der Initia- tionen antrug; aber, wie selbst der Abdruck der Protocolle ausweiset, nicht gehoͤrt wurde. Woll- ten die Br. Br. nun schlechterdings uͤber den Meistergrad etwas haben, so waren doch die von Feßler angefertigten moralischen Initiationen besser, als die hoͤhern Grade der gedruckten Ma- çonnerie Adonhiramitique, welche bis 1797 bey der Loge Royale York ausgespendet wurden. In dem Gefechte von S. 31. bis 37. gegen die in den Eleusinien aufgestellte Allseitig- keit der Bildung, als Zweck der Freimaurerei, spielt der Philosophator auf eine ganz gemeine Art blinde Kuh. Mit verbundenen Augen tappt und ficht er herum, packt einen Zuschauer der nicht mitspielte, ruft mit kindischer Freude: Feß- ler ich habe Dich! und erndtet das Hohngelaͤchter der ihm entlaufenen Mitspieler ein. Seite 37. geht der Philosophator Feßlern ernst- licher zu Leibe. „Trete doch Herr Feß- „ler auf — er hat ja einige Jahre „schon Schule fuͤr die Menschheit in „ Royale York gehalten, ob seit dieser „Zeit Bruder-Liebe, Einigkeit, Verschwie- „genheit und Menschenliebe in dem Grade „zugenommen haben, daß die Nuͤtzlich- „keit seines Systems dadurch in die Au- „gen falle, und den Br Br. der uͤbrigen „Logen als erprobt einleuchte? ob alle „Zwietracht, aller Stolz, alle Kleinig- „keitssucht entflohen ist? — — versteht „sich, alles dies in einem erhoͤhten Grad, „und mehr als bey den uͤbrigen Logen. „Ja die Loge im Ganzen und als Cor- „poration betrachtet, steht sie seit Einfuͤh- „rung seines Systems auf einem hoͤhern „Grade der Vollkommenheit und mora- „lischen Tendenz als ehemahls, und die „uͤbrigen Logen? — — Wenn Herr Feß- „ler diese Fragen beantworten will. —“ Er hat sie schon beantwortet, und zwar den 11ten Jun. 1798., wo er seinen zahlreich versam- melten Bruͤdern ganz offen und treuherzig sagte. „Sie haͤtten bis jetzt nur aufgestellt, was sie seyn „sollten , nicht was sie sind . Sie muͤßten sich „fortdauernd bestreben, das wirklich zu werden, „was sie nach den von ihnen aufgestellten For- „men seyn sollten, weil Zeitgenossen und Nach- „kommen sie nicht nach der Vortrefflichkeit ihrer „Formen, sondern nach ihrer Aehnlichkeit, und „nach der Uebereinstimmung ihres Maurerischen „Characters mit diesen Formen beurtheilen wer- „den.“ Er warnte sie vor Selbsttaͤuschung und vor Ueberschaͤtzung ihres Werthes, „weil sie da- „durch endlich dahin kommen wuͤrden, daß sie sich „der von ihnen aufgestellten Verfassung schaͤmen „muͤßten, und unbedachtsamen Knaben gleich wuͤr- „den, die aus der Waffenkammer ihrer Vaͤter „eine ritterliche Ruͤstung entwenden, sich damit „schmuͤcken, den Helden spielen, unter der Last der- „selben zu Boden stuͤrzen, und sich die Koͤpfe zer- „schlagen.“ — — „Wenn sie mehr, als Maure- „rische Pharisaͤer seyn wollten, so muͤßte auch ihr „Eifer fuͤr Ordnung, Recht, und Gesetzmaͤßigkeit „mit der Aufklaͤrung der Begriffe waͤrmer, ihre „Thaͤtigkeit fruchtbarer, ihr Maurerisches Betra- „gen strenger, ihr Character maͤnnlicher, fester und „selbststaͤndiger geworden seyn. Sie muͤßten zu „den richtigern, unter ihnen in Umlauf gebrach- „ten Begriffen und Vorstellungen noch einen durch- „aus festen und selbststaͤndigen Character, zu einem „hellern Verstande die entschlossene Beharrlichkeit, „in seinem Lichte zu wandeln; zu ihrer Erkennt- „niß dessen, was Recht ist, eigene Bereitwilligkeit „ihm zuerst nachzuleben, sich erwerben und uͤberall „darlegen: dann wuͤrden sie sich der Wirklich- „keit dessen naͤhern, was sie scheinen ; dann „wuͤrden die von ihnen getroffenen Einrichtungen „in ihrer eigenen Geistesstaͤrke, nicht in einseitigen „Ruͤcksichten ihren Grund haben; dann wuͤrden „diese Einrichtungen mehr fuͤr die innere Wuͤrde „und Wohlfahrt, als fuͤr den aͤußern Glanz ihres „Bundes ausgefuͤhrt werden.“ „Constitution, Gesetze und Rituale, sagt er, „helfen nichts ohne Sitten; und diese stehen groͤß- „tentheils in eurer Gewalt. Die besten Einrich- „tungen helfen nichts, wenn sie nicht von der „Meinung unterstuͤtzt werden, und auch die Mei- „nung steht in Eurer Gewalt. Lasset uns nicht „verhehlen, was allgemein bekannt ist; es gab „eine Zeit wo die Loge Royale York ( durch die schielende Verlaͤumdungssucht ? so steht es im Text: Ists aber auch wahr? oder war die Klage uͤber die schielende Verlaͤumdungssucht nur Vergoldung der Pille?) als ein bloßer Sammel- „platz frivoler Genußmenschen, als eine Gelegen- „heitsmacherin rauschender Freuden ausgerufen „wurde. So wie es damahls nicht sehr ruͤhmlich „seyn mochte, ihr anzugehoͤren, so kann es jetzt „und in Zukunft ehrenvoll werden, mit ihr in „besserer Eintracht und innigerer Freundschaft zu „stehen.“ Noch einmal warnet er sie, „nicht wie Knaben „mit Dingen zu spielen und zu prahlen, die sie „wie Maͤnner thun sollten; weil sie sich sonst nur „in ihren Gedanken und Reden, wechselseitig wuͤr- „den bewundert, und wie schaale Dichter durch „ihren gegenseitigen Beyfall sich schon zum vor- „aus den Nachruhm wuͤrden getheilt haben, den „ihnen doch das naͤchste Jahrzehend mit Verach- „tung absprechen wuͤrde.“ Frey offenbart er seine Vermuthung, „daß der Standpunkt, auf welchem „die Große Loge R. Y. damahls stand, mehr unter „dem Einflusse einiger Wenigen, als durch allge- „meines Nachdenken, Pruͤfen, Waͤhlen, gefunden „und ergriffen worden sey.“ ( Feßlers Maur. Schriften 1ter Theil S. 88. 258. 260. 283-285.) Feßler hat weder sich noch seine Bruͤder je- mahls uͤber die Wirksamkeit der bey der Loge R. York getroffenen Einrichtungen getaͤuscht. Wenn er in seinen oͤffentlichen Vortraͤgen den Bruͤdern, — mehr in dem Wunsche, daß sie wahr machen moͤch- ten, was er sprach, als in dem Glauben, daß es bereits wahr sey, — noch so viel schoͤnes uͤber ihre Achtung fuͤr Recht und Sittlichkeit, uͤber ihre Ord- nung und Gesetzlichkeit, ꝛc. sagte, so bekannte er doch gleich darauf ganz freymuͤthig: „So scheint „es mir ; ob mich nicht der Wunsch, einem Bunde „anzugehoͤren, der sich mit gemessenen Schritten „dem Ideale einer ethischen, vollkommen rechtlichen „Gesellschaft naͤhert, zum Glauben, daß es so „sey , verleitet, ob es wirklich so ist , das wird der „ Erfolg lehren.“ (a. O. S. 307.) Feßler wußte nur zu gut, daß „Leider die „Freuden des Lebens oft die einzige Triebfeder „waren, die manchen geistlosen Genußmenschen der „Loge R. Y. zugefuͤhrt hatten; es konnte nicht feh- „len, daß diesen alles was geschehen ist, mißfallen „mußte. Es mangelte ihnen an Kraft und gutem „Willen, sich dem bessern Theil gleich zu machen, „und sie sahen die Unmoͤglichkeit ein, diesen zu „sich herabzuziehen. Ihre Zahl aber ist klein , „(wahrscheinlich wieder nur Vergoldung der Pille) „und Langeweile haͤlt sie von unsern ernstern „Stunden entfernt.“ Er bekannte jedem, der ihn hoͤren wollte, daß er nicht mehr thun koͤnnte noch wollte, als bessere Formen aufstellen, Risse machen fuͤr die kunstverstaͤndigen, redlichen Bauleute, die der Himmel der Loge R. Y. noch zufuͤhren moͤge. Darum betete er auch oft in seiner gro- ßen Noth : „Herr, deine Erndte ist groß; aber „der Arbeiter sind wenig; sende uns Menschen „von gutem Willen und Kraft!“ (a. O. S. 356. 357.) Wie richtig und vollstaͤndig er den zweideuti- gen Zustand der Gesellschaft, fuͤr die er arbeiten sollte, kannte, zeigt das Tableau, welches er den 31ten Decemb. 1800. den Bruͤdern oͤffentlich auf- gestellt hat: „Unsere Versammlungen sagte er, „werden von einer großen Anzahl der Bruͤder „aͤußerst sparsam besucht. — — Dieß ist zum Theil „den Personal- und Local-Verhaͤltnissen einer „großen Stadt anzurechnen, uͤber welche nur der „ seltnere Mann von festem Sinne einiger- „maßen die Herrschaft gewinnen kann. Wir wer- „den daher auch nicht leicht das Gluͤck erreichen, „daß theilnehmende Offenheit, und hingebende „Herzlichkeit das gemeinschaftliche und auszeichnende „Merkmahl unserer ganzen hiesigen Bruͤderschaft „werden sollte. ꝛc. Zu wenige unter uns betrach- „ten die Freimaurerei als Kunst; der Unterricht „uͤber ihr Wesen, ihre Tendenz, ihren Ursprung, „ihre Fortschritte, uͤber die verschiedene Art und „Weise sie auszuuͤben, ist ihnen daher ganz gleich- „guͤltig. — — aus Traͤgheit — waͤhnen sie, es „liege in der Freimaurer Bruͤderschaft uͤberall nichts, „was der ernstlichen Bestrebung des Menschen „wuͤrdig waͤre, und bekuͤmmern sich wenig darum, „die Sache kennen zu lernen, von der sie den „Nahmen fuͤhren, und bisweilen auch Vortheile „ziehen wollen.“ — — „Wir wollen noch zu oft „entscheiden, wo wir belehren oder Belehrung „suchen, absprechen, wo wir uͤberzeugen, erschuͤt- „tern, wo wir nur liebevoll ruͤhren sollten. Auch „an Schwachheit kraͤnkelt unser Bund noch in ei- „nigen (?) seiner Mitglieder. Zu wenig auf ihre „eigene Kraft vertrauend, sehnen sie sich nach frem- „der Haltung, auf welche sie vergeblich hoffen. Sie „haben entweder zu wenig eigenen Werth, oder „sie fuͤhlen ihn nur schwach, und wollen bald den „Mangel, bald das Gefuͤhl desselben, durch die „Wichtigkeit, welche sie auf die Meinung und den „eingebildeten Werth Anderer legen, ersetzen. Aus „dieser Abwesenheit maͤnnlicher Selbststaͤndigkeit „entspringt eine kleinliche, schwankende Gesinnung, „die bei so manchem guten, zweckmaͤßigen Vor- „schlage die aͤrmliche Besorgniß erzeugt, was andere „dazu sagen werden.“ (a. O. S. 358 bis 361.) Wie gut uͤbrigens Feßler die Leute kannte, mit denen er zu thun hatte, wird jeder Bruder, der den zweiten Theil seiner Maurerischen Schrif- ten gelesen hat, gruͤndlich eingesehen haben. Seite 38. „Es darf die S. E. St. Joh. Loge R. „Y. z. F. unter dem hochwuͤrdigen und der „Maurerei stets unvergeßlichen Bruder „ Schlicht nur mit der jetzigen hoch- „wuͤrdigen großen Loge vergleichen, und „die Einigkeit, Vertraͤglichkeit, Bruder- „liebe, maurerische Wuͤrde ꝛc. die damahls „herrschten, und welche die Loge damahls „schon so ehrwuͤrdig machten, von den „jetzt herrschenden Vollkommenheiten die- „ser Art, die Feßler durch seine Schule „bewirkt hat, abziehen — und das Fa- „cit ist gemacht.“ Dieses Facit koͤnnen nur diejenigen machen, welche in Feßlers Schriften 2tem Theil, erstem Abschnitte, Maurerischer Zustand der St. Joh. Loge R. Y. z. F. bei meiner Affilia- tion den merkwuͤrdigen Brief des hochwuͤrdigen und der Maurerei stets unvergeßlichen Bruders Schlichts , uͤber den ehmahligen Zustand der Loge R. Y. gelesen, und wie er es verdient, be- herziget haben. Seite 39. kommt etwas, das so aussieht wie Phi- losophie. Ich muß, sagt dieser philoso- phirende Mann aus der durch tuͤrki- sche Traͤgheit unfruchtbar gewordenen Insel Kos , meine Vernunft ausbilden, „mir Kenntnisse aller Art verschaffen, und „jeden Menschen als Zweck an sich be- „trachten, nie aber als Mittel wozu be- „nutzen, ehe ich des Geheimnisses der „Maurerei empfaͤnglich werden kann. „Dieß alles lerne ich aber in der Loge „nicht, sondern ich muß es vielmehr „außer derselben lernen, und mit in sie „hineinbringen. Nur Aufmunterung „und Reitz gewaͤhren mir Loge und „ Bruͤder .“ Wodurch? durch Laden und Richten ? durch das Billard Royale ? durch eine Partie Whist ? durch die erbaulichen, billig sogenannten ver- misch- mischten Sonntage ? — oder durch feinere Geselligkeit, durch Vortraͤge, Rituale, Formen, und Darstellungen, welche auf die edlern Gefuͤhle des Menschen berechnet sind? O, des armseligen Men- schen, welcher der Aufmunterungen und der Reitze ersterer Art bedarf! Nun giebt der Philosophator einige unterge- ordnete Zwecke der Maurerei an, und schreibt bei dem zweiten: „Die Er- „haltung der ersten Christlichen „Gemeinen in ihrer urspruͤng- „lichen Reinheit S. 41. von den „Worten: Unterdengeheimnißvol- „len Gebraͤuchen“ ꝛc. bis zu den Worten S. 51. (also wieder volle zehn Seiten!) „ indessen will ich fuͤr Ein- „geweihte“ ꝛc. aus dem Journal fuͤr Freimaurer , (Ersten Jahrganges 2ten Vierteljahres) von S. 37 bis 46. zehn Seiten , einige Oesterreichische Provincialismen ausgenommen, woͤrt- lich und buchstaͤblich ab. Und wie benimmt er sich dabey? giebt er etwa seine Quellen an? Nein; sondern: „ Ich , sagt er, „finde unter den geheimnißvollen Gebraͤuchen des „Christenthumes.“ ꝛc. „ Ich will nicht behaupten, „daß unsere drei Grade.“ ꝛc. „Ein Wink auf „den Ich jeden Freimaurer aufmerksam zu machen „ wuͤnschte .“ — „Man urtheile ob Ich recht „hatte, die Taufe der Christen und den Lehrlings- „grad der Freimaurer nebeneinander zu stellen. — Zweites Baͤndch. F „Das Sacrament des Abendmahls habe Ich als „die zweite Stufe der christlichen Geheimnisse an- „gegeben.“ — Ich will nur einige der merklich- „sten maurerischen Zuͤge aus dem Gemaͤhlde ent- „lehnen.“ ꝛc. „Man sieht ohne meine Erinne- „rung daß bey meiner bisherigen Untersu- „chung.“ ꝛc. — Alles thut, untersucht, findet Er , der Mann aus Kos , nicht der gruͤndlich gelehrte Professor, Br. Michaeler , der die Abhandlung uͤber Analogie zwischen dem Christen- thume der ersten Zeiten und der Frei- maurerei geschrieben, und sie dem Herausgeber des mehr erwaͤhnten Journals fuͤr Freimaurer mitgetheilt hat. Was waͤre aus der Maurerischen Gelehrsamkeit dieses Philosophators geworden, wenn ihm Br. H**n das zweyte Vierteljahrstuͤck des ersten Jahrganges dieses Journals nicht geliehen haͤtte? und wie dick und gelehrt wuͤrde das Taschen- buch zum Sackbuch angewachsen seyn, wenn Er alle drei Jahrgaͤnge dieses Journals haͤtte habhaft werden koͤnnen. Stehlen ist nun einmahl der Fehler, den man den Insulanern Schuld giebt; warum sollte ein gelehrter Mann aus der Insel Kos eine Ausnahme machen, und keine Plagiate verkaufen? Bey dem dritten untergeordneten Zweck, Dul- dung Seite 52. geht es wieder uͤber die dem Feßler angedichtete Allseitigkeit her. Seite 61. schreitet der Philosophator zu dem wichtigen Geschaͤft, den einzigen und wahren Zweck der Maurerei anzugeben . Um diesen gehoͤrig zu deduciren, macht er eine 33. Seiten lange Digreßion, die wirklich ein Aus- bund von gruͤndlicher Gelehrsamkeit ist; — aber nicht des Philosophators, sondern des Professors Michaeler ; denn von den Worten S. 61. „schon in den aͤltesten Zeiten,“ ꝛc. bis Geheim- nisse zu seyn . S. 71. Und von den Worten Nur die gewaͤhltesten Koͤpfe S. 72. bis zu den Worten unmittelbar fassen , S. 76. ist alles wieder aus der oben erwaͤhnten Abhandlung des Br. Michaelers S. 55. bis 64. und S. 47. bis 50. mit Auslassung einiger kurzen Zwischen- saͤtze woͤrtlich und buchstaͤblich abgeschrie- ben . Was von S. 77. bis 96. wo ihn das Journal fuͤr Freimaurer und Br. Michaeler verlassen haben, (was aber wahrscheinlich anderswoher abgeschrieben ist) von der ersten Loge , welche die Apostel am Sabbat nach Jesu Tode gehalten haben, von den Lehren der Gnostiker, von der historischen Wirk- lichkeit eines Klerikates im Tempelorden, und end- lich von dem wahren Endzweck der Maurerei selbst gesagt wird, ist eine vortreffliche Nahrung fuͤr den liebreichen Glauben des Maurervolkes, dem es an aller Schul- und wissenschaftlichen Bildung fehlt, und welches doch etwas seyn, etwas wissen, und etwas haben will, womit es sich uͤber das profane Volk, wenn auch nur hinter den vier Waͤnden der Loge, erheben koͤnne. Denkende und erfahrne Maurer wird der Staub dieses geistar- men Plagiators nie blenden. F 2 Dritter Artikel . Aktenmaͤßige Erklaͤrung des maurerischen Ausdrucks: wir wollen einen geistigen Salomonischen Tempel bauen, durch drei mal drei. Von S. 97 bis 105. „ D ie Maurer, heißt es da, bezwecken den Bau „eines geistigen Salomonischen Tempels, der zum „allgemeinen Vereinigungspunct der Christen, und „dann uͤberhaupt des gesammten Menschenge- „schlechts diene. Es wird daher eine Anstalt un- „ter demselben zu verstehen seyn, durch welche die „Aufrechthaltung der reinen Lehre Jesu, und die „Verehrung des großen Baumeisters im Geist „und in der Wahrheit bezweckt wird. Dies soll „durch drei Dreiheiten geschehen: 1) durch „die Goͤttliche Dreiheit : Glaube, Hoffnung, „Liebe, 2) durch die Maurerische Dreiheit : „Weisheit, Schoͤnheit, Staͤrke, 3) durch die In- „tellectuelle Dreiheit : Geometrie, Geolo- „gie, Gnosis .“ Ist diese hohe Weisheit von der uralten Frei- maurer-Bruͤderschaft uͤberliefert worden, so ent- steht die Frage: wo ist die aͤchte Urkunde des Fac- tums dieser Ueberlieferung? denn sagen und nachsagen, erzaͤhlen und nachbethen gilt nichts mehr , seitdem es allgemein bekannt ist, daß Hochansehnliche deutsche Maurer unendlich viel gesagt und gelogen haben. Kann diese Ur- kunde nicht vorgezeigt und die Aechtheit derselben nicht erklaͤrt werden, so ist diese aktenmaͤßige Erklaͤ- rung neu gemacht, mithin bei aller Weisheit, Schoͤnheit, und Staͤrke , welche sie fuͤr das glaubende, hoffende und liebende Maurer- volk und fuͤr geometrische, geologische , und gnostische Bruͤder des Heiligthumes haben mag, dennoch der alten, aͤchten uͤber dergleichen Phan- tasien erhabenen Freimaurerei durchaus fremd. Vierter Artikel. Meine maurerische Laufbahn . Von S. 106 bis 118. N ach einer praͤtensionsvollen, viel versprechenden und nichts leistenden Erzaͤhlung, werden den BB. von Castillon , von Beulwitz, Wach und Pal- mier und der ganzen Großen Landes-Loge von Deutschland , einige Complimente gemacht, welchen diese wuͤrdigen Maͤnner hoͤchst wahrschein- lich, wie einem Rauche von Assa foetida moͤgen ausgewichen seyn; und sodann geht es en galopp auf das Lieblingsthema der Taschenbuͤchler X. Y. Z., auf Br. Feßler los. Der Lebenslaufer „lernte auch die BB. Schlicht, Feßler, Roͤ- „ver , von Sellentin und Jost kennen “ versteht sich doch nur von Angesicht, und der aͤußern Oberflaͤche nach, wie uͤberhaupt die Kenntnisse der- gleichen Lebenslaufer sind. „ Feßler ist ein guter Philosoph, aber er „schwaͤrmt und will schlechterdings nichts als „Kantische Philosophie aus der Maurerei „heraus erklaͤren, oder sie vielmehr in sie hin- „eintragen.“ Wie Feßler dies gethan hat, moͤgen die Leser aus einem, dem Bruder Feßler und der Loge R. Y. von einem halb boshaften und halb verruͤckten Ex-Bruder gestohlnen Aufsatz, der in eben diesem maurerischen Taschenbuch, unter dem Titel Geist des Ordens vorkommt, ersehen. — Bei der in Berlin herrschenden Logen-Frivolitaͤt heißt den, nur nach Genuß und Zeitvertreib strebenden Logen-Bruͤ- dern, alles, Kantische, Fichtische, Schlegelsche Philosophie , was sie die Verwahrlosung ihrer Erziehung und Bildung fuͤhlen laͤßt, oder was sie zu dem, ihnen so ver haßten Denken auffordert. „Dabey halte ich ihn fuͤr sehr von sich einge- „nommen und projectvoll.“ Das erstere werden alle die fuͤr eine Unwahr- heit erklaͤren, die mit Feßler, ohne ihm im- poniren zu wollen, auch nur vierzehn Tage ver- traut umgegangen sind. Ungegruͤndeten Praͤten- sionen und Protections-Mienen setzt er das ganze Selbstgefuͤhl des Mannes, der nicht Ursache hat, noch es der Muͤhe werth haͤlt, mehr oder weniger scheinen zu wollen, als er wirklich ist, entgegen. Das ist nun so seine Eigenheit, die ihn zugleich zum letztern, zur Projectfuͤlle unfaͤhig macht. Pro- jectmacher haben gewoͤhnlich etwas Pliantes und Anschmiegendes, das Feßlern durchaus fehlt. „Der Bruder Roͤver hat in der That mehr „maurerische Kenntnisse als Feßler , und ist „auch gerader als dieser.“ Ueber das erstere hat Bruder Roͤver , ehmah- liger Associé des Herrn Quittel , selbst recht herz- lich gelacht, als er es las. Das zweite ist wahr , denn diesen zuversichtlichen Ton im Be- haupten, und diesen geraden Gang, in dem sich Br. Roͤver vorwaͤrts bewegt, macht ihm der, mit der Unzuverlaͤssigkeit und Beschraͤnktheit aller menschlichen Kenntnisse ziemlich bekannte, und eben darum etwas gebeugte Feßler nicht nach . „Er (Br. Roͤver ) ist ein Schuͤler des ver- „ewigten Koͤppen .“ Hat er auch etwas gelernt? Er ist ein recht- schaffener Mann; dazu aber brauchte er Koͤp- pens Schule nicht. Wissenschaftliche Kenntnisse der Freimaurerei hat Br. Roͤver nie vorge- geben und Koͤppen nie besessen , denn der Africanismus ist nicht Maurerei . „Der Bruder von Sellentin fuͤhrt einen „exemplarischen Lebenswandel und ist der „Trost und die Stuͤtze sehr vieler Armen.“ Darum wird auch der Herr uͤber den 72 jaͤh- rigen Greis sein Antlitz leuchten lassen. Was der Lebenslaͤufer uͤber den Bruder Jost sagt, ist der schmutzige Ausdruck niedriger Rache, durch den er sein pag. 109. gemachtes Versprechen, „der Tugend nicht bloß hold und ergeben zu blei- „ben, sondern auch Maͤßigung zu gebrauchen,“ brach. „Gut, lieber Guilleaume Lebens- „laͤufer , daß Du nach Wahrheit ringst, und je- „dem frei die Stirne biethest, aber Du uͤberlegst „nicht genug und beurtheilst andere sehr oft nach „bloßem Schein. Maͤßige Dich, und Du wirst „gluͤcklich (und auch weniger veraͤchtlich) werden.“ „Der Bruder Feßler hat nicht nur alle „Grade der Maurerei umgemodelt.“ Er hat sich bemuͤhet im Jahr 1797. in die bei der Loge R. Y. bis zu seiner Affiliation uͤblich gewesenen und in der Maçonnerie Adonhira- mitique abgedruckten Grade: Elû de Neuf, de quinze et de Perignan; Ecossois rouge und Ecosois verd, Chevalier de l’Orient, und Chevalier Prince Souverain de Rose Croix irgend einen vernuͤnftigen Sinn hineinzutragen, weil sie die Bruͤder schlechterdings nicht abschaffen wollten. Sind diese Possen Grade der Maurerei? im Jahr 1800. wurden diese Grade abgeschafft, und man erlaubte, daß er vier moralische Initia- tionen an ihre Stelle den Bruͤdern mittheilen duͤrfte, die er aber selbst nie fuͤr etwas zur alten, aͤchten, und in ihrem Symbolo voͤllig ge - schlossenen Maurerei gehoͤriges erklaͤrt hat. „Und aus freyen und angenommenen Maurern „Handwerks-Maurer zu machen gesucht, wo- „bei er stets auf die old marks sich beruft.“ Es ging dem guten Guilleaume in Ber- lin, wie es gewoͤhnlich den fluͤchtigen Lebenslaͤu- fern zu gehen pflegt: Sie laufen durch Doͤrfer und Staͤdte, hoͤren laͤuten, und wissen nicht wo die Glocken haͤngen. „Auch Manuscripte aus dem Anfang des ver- „flossenen Jahrhunderts aufweißt .“ Das aufweisen ist ihm nie in den Sinn gekom- men, wohl aber beruft er sich dort, wo er verstan- den wird, auf noch aͤltere Documente, so ungefaͤhr wie sich der Kirchenhistoriker auf aͤchte, kritisch bewaͤhrte Urkunden beruft, wenn er sie auch ge- rade nicht unter den autographis oder apographis in seiner Bibliothek liegen hat. „Sein achter Grad ist ein Meisterstuͤck von „philosophischer Taͤuschung und Nichtmau- „rerei.“ So spricht der Blinde von der Farbe. „Der wahren Maurerei kann und wird er „nie schaden.“ Nein, guter Guilleaume, das thut Feß- ler gewiß nicht, weil er sie zu gut kennt und zu hoch achtet: fuͤr beides sind sprechende Beweise da, die nur so fluͤchtigen Lebenslaͤufern unbekannt oder unverstaͤndlich bleiben muͤssen. „Und seine neugemodelte Maurerei wird sicher „nicht das Alter der einmahl seit Jahrtau- „senden bestehenden, erreichen.“ Weil diese neugemodelte Maurerei nirgends, als in dem verworrnen Gehirne des ignoranten Logen- Volkes da ist. Feßler war nie so toll, die alte, aͤchte Maurerei umschaffen oder eine neue modeln zu wollen. „Wie es heißt, hat ihn die Meisterversamm- „lung von Royale York sogar excludirt.“ Was und wie es geschehen ist, wissen die Bruͤ- der aus Feßlers 2tem Theil actenmaͤßig, auch war das, was geschehen ist, ganz in der Ordnung. KM. B **. wollte bei der Loge R. Y. aufgenom- men werden, und wurde hellleuchtend ballotirt. Am Tage der Aufnahme wurden zwei falsche , von zwei Juden schriftlich ausgestellte Zeug- nisse wider B. herbeigebracht, und B. wurde ab- gewiesen. Nach zwei Jahren wurde er wieder zur Aufnahme vorgeschlagen; weil aber einige Bruͤder auf den Grund der falschen Zeugnisse noch immer eine Abneigung gegen B. hatten, ward der Vor- schlag zuruͤckgenommen. B. verlangte darauf ein Empfehlungs-Schreiben an einen Bruder in Ham- burg von Feßler , dieser gab es ihm, und sagte in dem Schreiben: daß in Berlin eine schaͤndliche Cabale (das falsche schriftliche Zeugniß zweier Ju- den) der Aufnahme des B. im Wege gewesen waͤre. B. ward in Hamburg aufgenommen. Nach der Zeit ward Feßlers Empfehlungs-Brief in Berlin bekannt. Der Maurermeister Wendt for- mirte auf den Grund dieses Briefes eine Anklage, daß Feßler die ganze ehrwuͤrdige Meisterschaft der L. R. Y. einer Cabaie wider B. beschuldiget, mithin die ganze Loge beleidiget haͤtte. Die große Loge remittirte diese Klage an die Meisterschaft, mit der Frage, ob sie diese Sache zu der Ihrigen machen wolle? Diese erklaͤrte sich affirmativ unter der Bedingung, wenn alles wirklich so ist, wie es der Maurermeister Wendt an- gegeben hat , und uͤberließ der großen Loge Untersuchung und Entscheidung. In der großen Loge wurde die Frage aufgestellt, ob man den Br. Feßler uͤber die Anklage-Punkte vorlaͤufig hoͤren, oder ihn lieber ohne weiteres aus der Logen-Bruͤ- derschaft entlassen sollte. Die Stimmen stan- den , und nun wurde, gegen den beschwornen Grundvertrag pag. XXVIII. §. 8. Zeile 13. Alles wird etc. und pag. LXIV. §. 54. ver- fahren und beschlossen, dem Br. Feßler ohne weiteres Gehoͤr seine Entlassung zuzusenden. Da- gegen protestirte nachmahls der Großmeister, und rufte die große Loge noch einmahl zusammen, wo beschlossen und protocollirt wurde: Daß es bei dem in der letzten Versammlung gefaß- ten Beschlusse verbleiben muͤßte , dem Br- Feßler jedoch drei Wochen Frist gelassen wuͤrden, um sich zu verantworten, jedoch immer mit der Bedingung, daß es bei seiner beschlossenen Entlassung sein Verbleiben haͤtte . Dem unwiderruflich entlassenen Br. Feßler wurde sodann diese drei woͤchentliche Verantwor- tungsfrist angekuͤndigt und ihm uͤberlassen, was er thun wollte. Er that das allernatuͤrlichste. Ganz daruͤber erstaunt, 1) daß die Meisterschaft der L. R. Y. die Schande , des von zwei Juden schriftlich ausgestellten falschen Zeugnisses , zu ihrer Sache gemacht haͤtte; 2) daß die zeitigen Regenten der Gr. Loge eine Angelegenheit, die nach dem beschwornen Grundvertrag ausschließend vor die Loge Urania zur Unsterblichkeit gehoͤrt haͤtte, vor ihr Forum gezogen habe; 3) daß die Gr. Loge selbst in der Verhandlung dieser Sache bei der Gleichheit der Stimmen, gegen den be- schwornen Grundvertrag verfahren sey; 4) daß sie die Inconsequenz beging, vorher seine Dimission zu beschließen, und ihm hernach Frist gab, sich zu vertheidigen; gab Feßler selbst ohne weiteres seine Dimission, mit voͤlliger Verzichtleistung auf alle Schonung, alle Abschiede, Dimissionen, Urtheile und Erkenntnisse; und verbat sich fuͤr alle Zu- kunft jede Zuschrift, Nachricht und Communica- tion sowohl von der Gr. L. als auch von den da- selbst vereinigten St. Joh. Logen. Alle diese Thatsachen und der ganze Gang der- selben, sind in Feßlers Maurerischen Schriften 2. Th. unter dem Abschnitte Maurerischer In- jurien -Prozeß mit authentischen Actenstuͤcken, Documenten und Protocollen belegt und erwiesen. Noch ist dieser zweite Theil nicht unter der Presse. Wichtige Gruͤnde noͤthigen den Verfasser den Praͤnumerations-Termin bis Junius d. l. J. zu verlaͤngern. Und da von dem ersten Theile keine Exemplare mehr zu haben sind, so wird auch dieser wie- der neu aufgelegt, wenn sich bis Ende Junius eine hinlaͤngliche Anzahl praͤnumerirender Bruͤder dazu meldet. Jede Loge, und jeder Frei-Maurer kann auf den ersten 32 Bogen starken Theil, 1 Thlr. 8 Gr. und auf den zweiten 38 Bogen starken Theil, 1 Thlr. 12 Gr. Courant Praͤnumeration annehmen, und un- Feßler aber ist dadurch wenigstens uͤber 156 Abende Herr geworden. „Ein altes ehrwuͤrdiges System, das man „erhalten und fortgepflanzt zu sehen wuͤnscht, „mir nichts dir nichts in ein nagelneues und „einem dramatischen Roman aͤhnliches um- „wandeln sehen, muß den Verehrer eines „solchen Systems auf’s innigste schmerzen. Dieß alte ehrwuͤrdige System bestand bei der Loge Royale York 1) aus dem Ritual der fran- zoͤsischen, in der Maçonnerie Adonhiramitique ab- gedruckten 3 St. Johannisgraden; 2) aus den eben daselbst abgedruckten hoͤhern Graden des Elûs, des Ecossois rouge et Verd, des Chevalier de l'Orient, und des Prince Souverain de Rose- Croix; 3) dem Code maçon. Wem dieß ein System heißt, wem dieß alt und ehrwuͤrdig ist, wer dieß erhalten und fortgepflanzt zu sehen wuͤnscht, dem helfe Gott! — unter Menschen ist keine Huͤlfe fuͤr ihn. — Friede sey mit dem laͤngst abgeschie- denen Geiste dieses Lebenslaͤufers. ter Versicherung, daß die Praͤnumeranten Maurer sind, entweder an Herrn Sander , Buchhaͤndler in der breiten Straße zu Berlin, oder an den, den Logen bekannt gemachten Br. zu Dresden einsen- den. Nach dem letzten Junius kann weder Praͤnu- meration angenommen werden, noch irgend jemand ein Exemplar erhalten, weil nicht mehr Exemplare, als die Zahl der Praͤnumeranten fordert, gedruckt werden sollen. A. d. V. Fuͤnfter Artikel. Feßler , geschildert als Mensch, als histo- rischer Roman-Dichter und als Maurer. Von S. 119 bis 128. „ Feßler — — entflohe dem Klosterleben.“ D as ist nicht wahr. Nachdem Feßler noch als Kapuciner auf der Wiener Universitaͤt seine theo- logischen Studia und Examina rigorosa vollen- det hatte, ernannte ihn Kaiser Joseph , noch als Kapuciner, zum Professor Ordinarius der Orientalischen Sprachen und Biblischen Exegese fuͤr die Universitaͤt in Lemberg; worauf er, von seinen Ordensobern foͤrmlich und fuͤr immer aus dem Orden entlassen worden ist. Die ge- richtlich vidimirte Entlassungsacte ist er bereit je- dem rechtlichen Manne vorzuzeigen. Was Seite 120 und 121 stehet, ist Sache des Geschmackes, und hierin muß jeder unbedingte Freiheit haben. Wer Feßlern nicht ansehen kann oder nicht ansehen will, aus Furcht, der Moͤnch moͤchte zu viel und zu tief in ihm sehen, der wende sein Antlitz von ihm ab; in Feßlers Seele sieht es nicht so arg aus. Zwar kommt er jedem frem- den Menschen mit der hellen und lebhaften Ueber- zeugung entgegen, „daß die meisten Menschen in „der Regel , so wie sie in Ansehung ihres Koͤr- „pers nur gekleidet, und zwar groͤßtentheils uͤber „ihren Stand gekleidet ausgehen, eben so auch in „Ansehung ihrer Sinnes- und Gemuͤthsart nur „maskirt und verlarvt in Gesellschaft erscheinen; „daß keiner, was er ist, zeigen, jeder nur scheinen „will was er nicht ist; daß sie Religion und Mo- „ral nur fuͤr andere haben, und die Grundsaͤtze „die sie aussprechen, bei ihnen nichts weiter sind „als Gemeinplaͤtze auf welche sie sich fluͤchten, „wenn sie ihre verrathenen Bloͤßen decken wollen, „oder wenn sie auf Inconsequenzen und Unbe- „sonnenheiten ertappt werden:“ aber in der Beur- theilung und Behandlung des einzelnen Menschen kann weder eine innere Ueberzeugung, noch eine aͤußere Einwirkung seinen Blick von der Wahrheit abziehen: „daß der Maaßstab, nach dem jeder „Mensch die Pflichten des Lebens erfuͤllen soll, „oder erfuͤllet hat, das Erzeugniß seines eigenen „Geistes sei, daß er in seinem Innersten liege, „kein anderer Sterblicher es wagen duͤrfe, uͤber „den Gehalt desselben zu entscheiden, und jeder „die Richtigkeit desselben lediglich vor seinem Ge- „wissen und vor Gott, zu erproben habe; daß „nur der vermessene Selbstling, der sich selbst „noch durchaus ein Raͤthsel ist, die Thorheit bege- „hen koͤnne, in das Innere seines Nebenmenschen „schauen zu wollen; daß es daher uͤberall hohe „Zeit sei, aufzuhoͤren, in unsern Urtheilen uͤber „Menschen in das Amt des Gewissens und in die „Rechte der Gottheit eingreifen zu wollen.“ Es ist ein Ungluͤck fuͤr Feßler , daß er, sowohl waͤh- rend seines eilfjaͤhrigen Klosterlebens, als waͤhrend seines neunzehnjaͤhrigen Lebens in und mit der Welt noch wenig Menschen gefunden hat, die nicht gleich, nachdem man uͤber das Wetter einig gewor- den, und mit den Altagsneuigkeiten fertig ist, ent- weder den Ueberrock unvermerkt weg schoben, um den ihr Herz und ihre Menschheit voͤllig zerdruͤcken- den Stern ihrer Gelehrsamkeit zu zeigen, oder in das Moralisiren verfielen. Mit den Erstern waͤre noch auszukommen, aber mit den letztern ist es arg. Moralisirend betruͤgen sie jeden Schwach- kopf um seine Aufmerksamkeit und Achtung; moralisirend wollen sie die Aufmerksamkeit des scharfsichtigern Geistes von sich ablenken, mora- lisirend toͤdten sie gute Nahmen Haufenweise wie Fliegen, moralisirend verleumden sie jeden, der ihrem Stolze nicht froͤhnen, ihrem Eigennutze nicht dienen will, oder von dem sie nur in der Ferne fuͤrchten, daß er einmahl ihr aussaͤtziges Fleisch und ihre Eiterbeulen entdecken koͤnnte. Die mora- lisirenden Menschen also, und nur die wer- den am oͤftersten an Feßler irre werden, denn in der Regel faͤngt er bei diesen mit stiller Aufmerk- samkeit an, faͤhrt mit Offenheit und Freimuͤthig- keit fort, und macht mit entfernender Zuruͤckhal- tung, dem sichern Merkmale, daß er sich nicht blenden lasse, den Beschluß. — Bei dieser auf- richtig angegebenen und mit ihm alt gewordenen Sinnes- und Gemuͤthsart, muß er es sich freilich gefallen lassen, wenn Phantasien , wie Herr von Held „seine Person und Physiognomie eher zu- „ruͤckstoßend als anziehend“ finden, und „ihn am „lieb- „liebsten mit Sieyes oder mit dem Armenier „in Schillers Geisterseher vergleichen wollen.“ Es wuͤrde anders seyn mit ihm, waͤre er den ge- woͤhnlichen gemaͤchlichen Menschengang, aus sei- ner Eltern Hause auf die Schule, von der Schule auf die Academie, von dieser in ein Aemtchen, aus diesem in ein Amt, mit dem Amte zu einer Frau, und durch diese in connexionsreiche Fami- lien eingefuͤhrt worden; so aber war Sturm und Drang sein Loos, das ihm jetzt nur Ruhe und Einsamkeit wuͤnschenswerth macht. Von dem Facto, daß Bruder Mathieu , der Apotheker, der koͤnigliche Hofrath, nicht einmahl Zutritt zu ihm in seine Stube erlangen konnte, ist Feßlern nichts bewußt. Was kann er dafuͤr, wenn seine Domestiquen, die seinen Zeitwucher kennen, in ihrem Diensteifer bisweilen zu weit gehen. Wie viele Bruͤder der Loge R. Y. haben hingegen so manchen Morgen zwey auch drey Stunden bei Feßler verlebt? Seite 123. stehen wieder einige Unwahrheiten. Nicht Br. Boͤheim sondern Br. Maurer hat mich mit dem Hochw. Br. B** bekannt gemacht. Auch nicht nach der Bekanntschaft mit dem Hoch- wuͤrdigsten Bruder B***, sondern lange vorher hat ihn die Loge R. Y. affiliirt, wie es in ihren Protocollen und in seinen Maurerischen Schrif- ten 1. Th. S. 445. zu lesen steht. Die Andich- tungen der Absichten, eine Rolle zu spielen, als Schoͤpfer eines neuen Systems zu glaͤnzen, und Zweites Baͤndch. G als Gelehrter der Praͤsident mehrerer gelehrten Gesellschaften zu seyn, ist haͤmisch und niedrig. Fichte ward nicht von Feßler verdraͤngt, sondern durch einen anmaßenden Brief, von Br. B** als vicarirenden Meister vom Stuhl indig- nirt, gab Er seine Dimission selbst mit deutlicher Angabe der Gruͤnde. Dabei ist es doch wahr, daß einige Tage ein Mißverstaͤndniß zwischen Br. Fichte und Br. Feßler obgewaltet hat, weil man dem Erstern insinuirte, daß aus der in den Eleusinien S. 207. abgedruckten Rede des Letztern einige Stellen auf ihn gedeutet werden muͤßten. Dieses Mißverstaͤnd- niß ward aber bald gehoben, als Feßler Fichten mit der eigentlichen Tendenz seiner Rede bekannt gemacht, und Fichte eingesehen hatte, daß die kriechendsten Schmeicheleien von der einen, und die boshaftesten Insinuationen von der andern Seite der Bruͤderschaft, den Br. Feß- ler , der beides bis zum Ueberdruß satt hatte, zu dergleichen kraͤftigen Herzensergießungen nothge- drungen haͤtten. Wenn es nun weiter heißt S. 125. „Der Genius der Maurerei wird stets auf „ Feßler zuͤrnend herabsehen,“ ꝛc. so kann dieser unberufene Menschenwuͤrdiger versichert seyn, daß der Genius der Maure- rei und Feßler sehr gute Freunde zusammen sind, und oft recht herzlich uͤber die possierlichen Dinge lachen, welche die Menschen unter dem Nahmen Maurerei, hier und da in und außer Berlin treiben. Auch was Seite 127 steht, daß Feßler seine „ Maurerische Laufbahn damit endete, daß „er seinen Abschied ungebethen erhielt:“ ist nicht wahr, denn Feßler wandelt seine Mau- rerische Laufbahn thaͤtig fort. Koͤnnen denn die Menschen nicht aufhoͤren, Schnecken zu seyn, die ihr kleines Haͤuschen fuͤr die ganze Welt halten! Die Loge Royale York in Berlin ist eben so wenig die ganze Freimaurer Bruͤderschaft , als so manches bunte Logenwesen — Freimau- rerei . Die Entscheidung, ob Feßlers Abschied ihm, oder der Loge Royale York zur Schande gereiche, bleibt den Lesern des zweiten Theils sei- ner Maurerischen Schriften uͤberlassen. „Moͤge er doch ewig aus unserm Bund ge- „schieden seyn! Das ist Feßler gewiß, und wohl ihm! denn indem er aus dem kleinlichen und beschraͤnkenden Verhaͤltniß der Logen-Bruͤderschaft ausgetreten ist, kann er mit ganzer Seele jedes aͤchten und unter- richteten Freimaurers Bruder seyn. Eben darum aber kann er den Wunsch, „daß er sich nie mehr mit Maurerei befassen „moͤge,“ unmoͤglich befriedigen, wenn ihm auch dieser Men- schenwuͤrdiger auch noch die Achtung als Menschen und Gelehrten versagen sollte. — Der wunder- bare Mensch! Beinahe sollte man glauben, er wuͤßte, was Maurerei ist! G 2 Sechster Artikel . Geschichte des vom Bruder Feßler ehe- mahls projectirten Evergetenordens in Schlesien. von S. 129 bis 174. D ie vollstaͤndigen Aufschluͤsse uͤber den Evergetenbund in Schlesien. Herausge- geben von Feßler, in 8. Berlin bei San- der, 1803 . werden bald vor den Augen des lesen- den Publikums liegen, und in allen Buchhandlun- gen zu haben seyn. Wer diesen Aufsatz im maure- rischen Taschenbuche gelesen hat, uͤber die daselbst ge- wagten Angriffe auf Feßler ein Urtheil fuͤr oder wider ihn faͤllen will, und dabei Wahrheit und Gerechtigkeit in Ehren haͤlt, dem ist es Pflicht, auch die erwaͤhnten vollstaͤndigen Aufschluͤsse, die aus lauter noch ungedruckten eben so lehrreichen als wichtigen Actenstuͤcken bestehen, zu lesen. Hier koͤnnen die im v. Heldschen Aufsatze ausgesprochenen Unwahrheiten nur ganz kurz berichtiget werden. Seite 137. heißt es: „Am folgenden Tage ging ich „zwar wieder zu D** erfuhr aber eben „so wenig.“ Herr von Held haͤtte aber doch schon auf das Ganze schließen koͤnnen; denn er mußte ja, nach der von H. v. L*** gemachten Einrichtung, in Berlin seine Character-Schilderung anfertigen, und sich ein Thema zu einer moralischen Abhandlung waͤh- len. Dies Factum scheint Er vergessen zu haben. Seite 138. „Die Antwort Z*** s war, daß der „Professor Feßler in Carolath der, L. „v. L*** in G**, er Z*** und einige „andere auf den Einfall gerathen waͤren, „eine eigene geheime Verbindung zu „stiften.“ Feßlern konnte Z*** in seiner Antwort an Herrn von Held unmoͤglich genannt haben, denn damahls wußte Z*** selbst noch nichts von Feß- lers Theilnahme an dieser ganzen Sache. Seite 143. „Ich habe daher Feßlern sonst sehr „gesucht, und aus eigenem Antriebe oft zu „den Fuͤßen dieses Gamaliels gesessen.“ ꝛc. Außer der ersten Bekanntschaft im Redouten- saale zu Glogau bis October 1793. hat Feßler nie mehr die Ehre gehabt, Herrn von Held zu seiner Seite oder zu seinen Fuͤßen sitzen zu sehen. Nur ein einziges Mahl, im Jahr 1790., als er dem Fuͤrsten von C*** in Glogau einen Besuch machte, sah ihn Feßler wieder; doch ohne eine schickliche Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Es duͤrfte daher auch der Feßler , den Herr von Held S. 144. schildert, schwerlich in der Welt seyn. Seite 146. „Mir mißfiel das Ding von Hause aus.“ Und das war ganz natuͤrlich; denn alles war von Feßler darauf angelegt und berechnet, die guten Menschen, die ihn, nicht zur Stiftung , sondern zur Einrichtung dieses Bundes draͤng- ten, zum fleißigen Lesen, Denken, Studieren, Beo- bachten, Vergleichen, kurz, zur wissenschaft- lichen und moralischen Selbstbildung an- zuleiten, um auf diese Weise den Welt-Ver- besserungs-Paroxismus unvermerkt in ihnen zu ersticken. Da mußten nun eben so natuͤr- lich in Feßlers Plan, „die Erde und die politi- „schen Verhaͤltnisse auf derselben voͤllig uͤbergan- „gen werden.“ Seite 148. „Das schlimmste war, daß Feßler die „weishauptische Methode beim Illumina- „ten-Orden nachahmte, und ein Mit- „glied immer zum Controlleur oder viel- „mehr zum Spion des andern machte.“ Dieß ist eine Unwahrheit, die sich durch die persoͤnlichen Umstaͤnde der Mitglieder, deren jedes von dem andern mehrere Meilen entfernt wohnte, von selbst widerlegt. Und weder aus den Statu- ten noch aus irgend einem von Feßler geschriebe- nen Briefe, kann eine Spur angegeben werden, aus der sich diese Beschuldigung wahrscheinlich machen oder erweisen ließe. Nur zur Pruͤfung aufzunehmender Candidaten waren alle die Vor- schriften und Maßregeln da, welche einer Gesell- schaft, die sich mit etwas reellerm, als mit Spiel und Tobakrauchen und Zeitungen beschaͤftigen wollte, unentbehrlich waren. Seite 149. „Ich selbst bekam eine solche Kritik „uͤber mich zu lesen, die der B. F — n „darum von mir hatte entwerfen muͤssen, „weil ich in meiner fruͤhern Jugend andert- „halb Jahre sein Mitschuͤler gewesen war.“ Es war keine Kritik sondern eine Anzeige un- laͤngst geschehener Thatsachen, auf welche die Ge- sellschaft mit Recht aufmerksam gemacht wurde. Seite 153. „Ewig unbegreiflich wird es mir blei- „ben, wie Feßler fuͤr seinen weitschichti- „gen Welt-Verbesserungs-Plan „solche Saͤulen wie wir waren, waͤh- „len konnte. An dieser Unbegreiflichkeit ist Herr von Held ganz allein selbst Schuld. Er haͤtte nur aus der ganzen Gesellschaft und aus Feßler nicht machen sollen, was ihm seine Imagination vorgaukelte, so haͤtte er eingesehen, daß Feßler gar keinen Welt-Verbesserungs-Plan hatte, sondern daß sich alle sein Thun und Treiben, um die ganz einfache Wahrheit: „ Laßt uns nur selbst erst besser werden, dann wird es auch in der Welt bald besser seyn , herumdrehte. Seite 155. Nach meiner Ueberzeugung hat Feßler „das Wesentliche aus dem Evergeten- „Project, auf die Loge R. Y. in Berlin „uͤbergetragen, und es nur anders mo- „dificirt und amplificirt. Dieß ist eine sehr irrige Ueberzeugung und die angegebene Thatsache ist durchaus unwahr, wie es jedermann, der dazu befugt ist, einsehen kann, so- bald er die Rituale , das Constitutionsbuch der Loge R. Y. und Feßlers Maurerische Schriften 2 Theile, mit Feßlers vollstaͤndi- gen Aufschluͤssen uͤber den Evergeten- bund in Schlesien vergleicht. Eben so unwahr ist es, daß S. 158. den 15. Junius 1800., wo Br. Z*** von mir, und Herr von Held von dem verstorbenen Geheimen Rath Labaye zum Logenfeste gebethen war, und uͤber 100 Mitglieder versammelt waren, die Armensamm- lung nur zwei Thlr. eilf Groschen betrug. Jeder, der befugt ist, das Protocoll der Großen Loge von dem angegebenen Festtage, nachzusehen wird sehen, wie rasch die Imagination mit Herrn von Held um die Wahrheit herumwalzt . Seite 164. „Heucheley war die ganze Procedur „mit dem verstorbenen Major Bren- „kenhoff .“ Feßler hat den seligen Major von Bren- kenhoff als einen rechtschaffenen Mann, und als thaͤtigen, der groͤßten Aufopferungen faͤhigen Men- schenfreund kennen gelernt, und als solchen geachtet. „Heucheley die kriechende Lobrede, die Feßler „dem ꝛc. R** in der Loge hielt, denn außer „der Loge wurde uͤber Brenkenhoffs Gut- „muͤthigkeit und uͤber R** ganz anders ge- „urtheilt.“ Es ist Luͤge, daß Feßler dem General L. von R** jemahls in der Loge eine Lobrede gehalten, Luͤge, daß er von Brenkenhoff und vom G. L. v. R** jemahls, und in was immer fuͤr einer Gesellschaft anders, als mit Achtung gesprochen hat; und Luͤge alle die Heucheleyen die pag. 166. noch folgen. Seite 166. „Zuletzt wendete mein Herz sich nothge- „drungen von Feßler ab, weil er darum „wußte, als ich im Februar des vorigen „Jahres 1801. in der Loge R. Y. aus- „gehorcht werden sollte.“ ꝛc. Davon wußte Feßler so wenig, daß er viel- mehr selbst den 8. Sept. 1801. an Herrn von Held schrieb: Er moͤchte ihm schriftlich anzeigen, ob und auf was Art ihn der Br. T. in der Loge R. Y. ausgehorcht haͤtte, auch moͤchte er ihm den Verlaͤumder nennen, welcher ihm die in seine De- fension aufgenommenen, Ehre verletzenden Vorstel- lungen von der Loge R. Y. beigebracht habe. Worauf Herr von Held folgendes an Feßler erwiederte. Berlin, Mittwoch den 9. Sept. 1. „Ich habe Dein Schreiben gestern erhalten, „und erwiedere vorlaͤufig darauf, daß eine Menge „reißender Gemuͤthsbewegungen, und Schreibe- „reien, und Geschaͤfte mich abhalten, Dir auf der „Stelle alles das zu antworten, was ich in Be- „treff dieses boͤsen Gegenstandes zu sagen habe, „und Dir sagen muß, weil ich wenigstens noch „die Empfindung ehre, die ich ehemahls fuͤr Dich „gehabt habe. Sonntag fahre ich ab nach Span- „dau. Kann ich jene Antwort, die, da sie nicht „bloß von T. sondern hauptsaͤchlich von Dir und „Deiner Fuͤhrung Deiner Loge handeln wird, viel „mehr umspannt, als Du gefragt hast, bis dahin „zu Stande bringen, so werde ich sie Dir durch „B. schicken; wo nicht, so mußt Du warten, bis „ich sie in Spandau beendige. Auf alle Faͤlle „verlaß Dich darauf, daß ich sie Dir nicht schul- „dig bleibe, und sie spaͤtestens innerhalb der naͤch- „sten vierzehn Tage geben werde.“ „Statt an mich zu schreiben, und mit B. das „nur Dir schaͤdliche und sehr seltsame Gespraͤch zu „fuͤhren, haͤttest Du kluͤger gethan, kuͤrzer zu ver- „fahren, und mit T. und etwa noch zwei Bruͤdern „Deiner Loge, wobei ich den mir sehr schaͤtzbaren „G. R. H. sehr gern gesehen haͤtte, zu mir zu „kommen, da man in einer halben Stunde mehr „sprechen, als in acht Tagen schreiben kann. Ein „paar Begleiter haͤtten ja als Zeugen dienen koͤn- „nen, und Du wuͤrdest ja gehoͤrt haben, was T. „mir gegenuͤber vorzubringen im Stande gewesen „waͤre. Ich stelle Dir dieß noch anheim, bitte „Dich aber nicht darum, da jetzt im siebenten „Monat meines Arrestes, Dein Besuch als Freund- „schaftssache fuͤr mich keinen Werth mehr hat. „Haͤttest Du mich, an den Du Dich gestern doch „noch Treuergebener unterschriebst, fruͤher be- „sucht, so wuͤrdest Du Dir und der Loge diese „ganze Verdrießlichkeit wahrscheinlich erspart haben; „aber wer sich von mir abloͤset, muß sich denn „auch gefallen lassen, wie Das heißt: Der muß sich vom Herrn von Held in oͤffentlichen Flugschriften, Ideen, Plaͤne, Absich- ten, Motive, Reden und Thaten, aufflicken und an- kleistern lassen, an die der sich Abloͤsende, seiner gan- zen Individualitaͤt nach, nie gedacht hat. ich mich von ihm „abloͤse. Waͤre das Treuergebener Wahrheit, „so wuͤrdest Du wohl bald nach meiner Arretirung „mich besucht haben, zumal da Dein Bewußtseyn „Dich mahnen mußte, daß Du wohl thaͤtest, mit „mir zu sprechen. Den, der um solcher Ursach „willen wie ich, ungluͤcklich ist, zu besuchen, macht „niemanden Schande. Deine Abstracta erwaͤr- „men kein Herz zum nachdruͤcklichen Handeln, ich „folge meinen Idealen, und nehme sie in jeden „Kerker ohne Reue mit. Giebt es eine Zukunft, „so ist sehr die Frage, ob sie mehr fuͤr ein blutend „Herz, als das meine, oder fuͤr einen so poroͤsen „Character, als der Deine, entscheiden wird. Ich „fuͤhre aus, was Ihr singt:“ „Laß uns nie der Dummheit Tempel bauen, „Lehre der Gewalt uns widerstehn!“ „Und ich habe nur durch Wahrheit in mei- „nem Thun, Genuß von meinem Daseyn. Leere „Formen und Manoͤvers gnuͤgen mir nicht.“ „Nur um, wenn es moͤglich waͤre, der trauri- „gen und druͤckenden Muͤhe uͤberhoben zu seyn, „uͤber eine garstige Sache viel zu schreiben, schlage „ich Dir eine baldige Visite bei mir vor. T. und „H. muͤßten jedoch auf alle Faͤlle dabei seyn, und „zwar nach fuͤnf Uhr Abends. Ohne Zeugen „waͤre dieß Colloquium unzweckmaͤßig. Willst du „es aber auf eine schriftliche Antwort von mir, „die Du doch in der Loge vortragen muͤßtest, an- „kommen lassen, habeas tibi !“ von Held . Hierauf schickte Feßler folgendes Schreiben an Herrn von Held . „Berlin den 10. Sept. 1801. „Vorlaͤufig melde ich Dir, daß, wenn es mir „gelingt, die noͤthigen Personen, nehmlich die bei- „den G. V., worunter H. ist, den G. S. und „T. zu bewegen, daß sie mich begleiten, wir heute „Abend halb fuͤnf Uhr bei Dir erscheinen werden. „Fuͤr jetzt nur noch ein paar ernste und aufrich- „tige Worte, als Mann dem Manne.“ „Du nennest das, woruͤber ich mir Eroͤrterung „und Angabe von Dir erbitten mußte, einen boͤ- „sen Gegenstand; das mag und soll er von Rechts- „wegen fuͤr den seyn, der boͤse und unrechtlich ge- „handelt hat.“ „Du willst in Deiner Antwort nicht blos von „T. sondern hauptsaͤchlich von mir, und meiner „Fuͤhrung meiner Loge handeln; das magst Du „thun; aber zur Fuͤhrung unsers Prozesses gegen „den boshaften Verlaͤumder, der Dich betrogen „und inducirt hat, seine Verlaͤumdung als Wahr- „heiten in Deine Defension aufzunehmen, ist es „nicht nothwendig, ob es gleich mir als ein Bei- „trag zu den Menschen-Urtheilen uͤber einen Ge- „genstand, den sie zu erkennen sich nicht bemuͤhet „haben, immer schaͤtzbar bleiben wird, was Du „auch immer uͤber den Grundvertrag und die „Gesetze der Loge R. Y. , so wie uͤber meine Art „und Weise, Grundvertrag und Gesetze zu execu- „tiren, sagen magst. Liegt Dir daran, wahr zu „seyn, so wisse, daß Grundvertrag und Gesetze vor „den Augen der Welt daliegen, diese moͤgen nun „Dir und hundert andern gefallen oder nicht, ich „muß der Executor derselben seyn oder austreten: „so wisse, daß ich selbst an der Execution nur „ einen Theil habe, und daß, K. C. und H., „meine Mitexecutoren, lesen, das Gelesene verstehen „koͤnnen, und keine feile Jaherren sind, mithin auch „nur thun lassen und mitthun , was dem Grund- „vertrag und Gesetzen gemaͤß geschehen soll , nicht „was ich will . Du mußt Dich nicht zu der Klasse „meiner elenden Lobredner herabwuͤrdigen, die mich „fuͤr den gewandtesten, groͤßten Kopf bei der Loge „ R. Y. erklaͤren, indem sie behaupten, alles was „ ich wollte, muͤßte dort geschehen, und Maͤnner „wie K., C., H., A., H., ꝛc. ließen sich eben so, „wie der uͤbrige Haufen von 200 Bruͤdern und „vierzehn Logen, blind von mir gaͤngeln. „Ich habe Dich waͤhrend Deines Arrestes nicht „besucht, 1) weil ich bis zum 16ten May mit der „Herausgabe meiner Maurerischen Schriften unab- „laͤssig beschaͤftigt war, vom 16ten May bis zum „5ten Junius meine weitlaͤuftige, liegengebliebene „Logen-Correspondenz nachholen mußte, den 6ten „Junius eine Geschaͤfts-Reise vornahm, von der „ich krank nach Hause kam, und bis zum 22ten „Junius die Stube huͤten mußte. Den ganzen „Julius und August fesselte mich die Arbeit an „einer Angelegenheit, die dem Betrug und der Taͤu- „schung in der Maurerei einen toͤdtlichen Streich „versetzt, und die in ihrem gluͤcklichen Erfolge kuͤnf- „tigen Sonntag publicirt werden soll. Den 13ten „August hoͤrte ich, was Du in Deiner Defension „von mir und der Loge R. Y. geschrieben hast, und „da konnte ich uͤberall keine Lust mehr haben, den „Mann zu besuchen, der seine gerechte Sache „durch Frivolitaͤt (Hoͤrensagen, Nachschreiben, Ent- „scheiden ohne untersucht zu haben ꝛc.) selbst herab- „uͤwrdiget. 2) Weil ich nicht einsehen konnte, was „Dir mein Besuch sollte — Dich troͤsten? das be- „durftest Du nicht. Dir meine Theilnahme ver- „sichern? Was konnte Dir daran liegen? Dir „meine Dienste anbiethen? kanntest Du mich, so „warest Du Dir Deines Rechts zu fordern bewußt; „kanntest Du mich nicht, so waren meine Anerbie- „tungen uͤberfluͤssig. 3) „Weil ich nicht hingehe, wo ich nicht offen „und freimuͤthig sprechen kann, und dort nicht offen „und freimuͤthig sprechen darf, wo ich Gefahr laufe, „daß das, was ich von Herz zu Herzen spreche, gele- „gentlich die profane, von mir laͤngst vergessene „Welt erfaͤhrt. „ Treuergeben unterschrieb ich mich, weil es „wahr ist; weil ich das, was Bitterkeit, was Tem- „perament, was Drang der Umstaͤnde, was Leicht- „glaͤubigkeit, und die daraus folgende Leichtbetruͤg- „lichkeit, was Menschen, die Du als Ideale ver- „ehrest, und Deiner doch unwuͤrdig sind, in Dich „hineingetragen haben, von Dir weg zu den- „ken weiß. Anihilire , wenn Du willst, in „ Deiner Welt meine ganze moralische Existenz, „Du kannst auch alsdann noch immer glauben, „daß ich zu stolz bin, um Dich mit einer Un- „terschrift zu beluͤgen. Als Dein Treuergebener „warne ich Dich, nicht nach zu schreiben von der „Loge R. Y. was Dir mit dem Scheine der „Rechtlichkeit angethane Freßbruͤder, oder Men- „schen, die aus der Loge R. Y. einen Tummel- „platz ihrer kindischen Eitelkeit oder kleinlichen „Ruhmsucht machen wollten, und nicht von mir, „sondern von der Totalitaͤt mit verdienter Ver- „achtung zuruͤckgewiesen worden sind, von der „Loge R. Y. a priori vorconstruiren; denn Du „wuͤrdest Ungerechtigkeiten begehen, und als con- „sequenter Mann mußt Du Dich vor Ungerech- „tigkeiten huͤten. Ich bin kein Freund von „H**rn, weil ich viel wider sie gehoͤrt habe; „eben aber weil ich nur gehoͤrt, nicht gesehen habe, „werde ich nie etwas gegen die H**r schreiben. „Gott selbst kann keine begangene Ungerechtigkeit „wieder ausgleichen. „Der Unterschied zwischen mir und Dir ist „nicht der, daß Dein Herz blutet, und mein Cha- „racter poroͤs ist, sondern der, daß mein Herz „schon ausgeblutet hatte, ehe das deinige noch an- „fing zu bluten. „Beherrsche Deine Eigenliebe, und fordere nicht „daß Dein Ideal, das Ideal aller Menschen „werden soll. Liebe Dein Ideal, bilde es aus, „erhoͤhe es; aber habe Achtung gegen die Ideale „anderer Menschen, und verachte nur den, dessen „Seele alle Kraft, Ideale zu schaffen, verkauft oder „verschwelgt hat.“ Dein Feßler . Das Colloquium ward den 10. Sept. bei Herrn von Held gehalten, fiel aber aus, wie gewoͤhnlich alle Colloquia auszufallen pflegen. Es ward viel geredet und nichts gesagt, viel behauptet und nichts bewiesen. Man beschuldigte sich gegenseitig man- cherlei Dinge, und gestand sich gegenseitig nichts ein, und Mitleiden mußte in T. so manches ver- zeihen, was sein Ehrgefuͤhl sonst nicht haͤtte dul- den duͤrfen. Weiter heißt es: Seite 166. „Weil er, als ich kurz darauf am 22. „Februar arretirt ward, und acht Mo- „nate in der Berlinischen Hausvogtei „sitzen mußte, unterdeß oͤffentlich , und „ ohne die mindeste Scheu , im gol- „denen Adler am Doͤnhoffschen Platze „beim Kriegsrathe Triebenfeld aus „Breslau speisete, und es dahin brachte, „daß Triebenfeld Rhoden als Er- „zieher seiner Kinder, nach Breslau mit- „nahm. Vormahls hatte Feßler in „einem so argen Tone gegen Trieben- „feld gesprochen, daß er wenigstens als „ehrlicher Mann, unmoͤglich bei ihm „speisen und seinen Rheinwein trin- „ken konnte.“ Es Es ist nicht wahr, daß Feßler jemahls gegen den Herrn Kriegsrath von Triebenfeld gesprochen hat, weil er ihn vorher noch nie gesehen, vielwe- niger gekannt hatte; und weil er uͤberhaupt, we- der fuͤr noch gegen Menschen spricht, die er nicht kennt. Schwarze und rothe Buͤcher, Flugschriften und Pamphlets weiß er nach Verdienst zu wuͤrdi- gen, und wird sich nie so weit vergessen, um aus dergleichen Blaͤttern seinen Maßstab fuͤr Menschen- beurtheilung sich zusammen zu setzen. Solche Blaͤt- ter sind das Heiligthum des Poͤbels, in welches Feßler nie eingreifen wird. Es ist unwahr, daß Feßler es dahin brachte , daß Herr von Triebenfeld Herrn Rhode als Erzieher seiner Kinder nach Breslau mitnahm. Es war des Herrn von Triebenfeld ganz eigener Ein- fall, und des Herrn Rhode ganz eigener Entschluß. Aber eine heilige Wahrheit ist es, daß Feßler so oft bei dem Herrn von Triebenfeld zu spei- sen, und seinen Rheinwein zu trinken, das Ver- gnuͤgen hatte, als es diesem gefaͤllig war, es zu wuͤnschen. Und das ist so sein Gemuͤth, daß er, wenn er Zeit hat und gesund ist, uͤberall und, zwar oͤffentlich und ohne die mindeste Scheu , hingehet, wohin er gebeten wird; auch dort Unger-Franz-Rheinwein, Gruͤnberger, alles mit frohem Sinne trinkt, was ihm vorgesetzt wird. Nur zu einem Manne, den die einzige rechtmaͤßige Behoͤrde, der Staat, fuͤr ehrlos erklaͤrt haͤtte, wuͤrde er die Einladung ausschlagen. Uebrigens kennt er weder Antipathien, die im gekraͤnk- Zweites Baͤndch. H ten Stolze, oder in unerfuͤllten Anspruͤchen, oder in einem niedrigen Neid ihren Grund haben, und von dem Welt-Verbesserungs- lustigen Volke so gern mit dem Firniß einer strengen Moralitaͤt uͤbertuͤncht wer- den ; noch literarische, philosophische, politische, maurerische und buͤrgerliche Antipathien; diese koͤnnen ihn also auch nie bestimmen, an den Ort wo er hingeladen wird, hinzugehen oder wegzu- bleiben. Was die Wuͤrdigung des innern sittlichen Werthes der Menschen betrifft, das uͤberlaͤßt er ausschließend und unbedingt ihrem eigenen Ge- wissen und Gott; und singt uͤberall: Schoͤn ist es auf Gottes Welt! Siebenter Artikel . Auszuͤge merkwuͤrdiger Maurerischer Reden. Von S. 175 bis 204. D ie Maurerischen Reden sind in der Regel — nur Reden , oder treffender, Redensarten ; gebildete, richtig, praͤcis, bestimmt und klar denkende Mau- rer beduͤrfen weder Maurerischer Reden noch Aus- zuͤge daraus. Allein fuͤr Taschenbuͤcher sind we- nigstens die letztern ein guter Artikel; sie fuͤllen an, und der Kaͤufer bekommt Weisheit und Mo- ral wenigstens in die Tasche. Achter Artikel. Geist der Maurerei nach Aktenstuͤcken . V on Seite 205 bis 230 ist lauter gestohlnes Gut, welches Feßlern und der Loge R. Y. angehoͤrt. Dies wußte der Herausgeber des Taschenbuches, denn er hat die ihm von dem Ehren- und Mau- rer-Wortbruͤchigen Exbruder Sch**r mitgetheil- ten Blaͤtter, schon im Junius 1801. dem Herrn G. R. H. auf dem Gesund-Brunnen vorgezeigt. Um so lustiger ist die Inconsequenz, mit der der Herausgeber des Taschenbuchs, in welchem Feßler Blatt fuͤr Blatt als Antichrist der Maurerei von Pseudo-Maurern verlaͤstert wird, einen von ihm gemachten, und ihm entwendeten 26 Seiten langen Aufsatz, unter dem Namen Geist des Ordens aufgenommen hat. Allein, Lucri bonus odor ex re qualibet, hat schon der roͤmische Kaiser Vespasian gesagt, und warum sollte ein Mann aus der Insel Kos sich schaͤmen, nach alt-roͤmisch kaiserlichen Prinzipien zu handeln! Den Lesern dieses Ordens-Geistes diene nur noch zur Nach- richt, daß der abschreibende Exbruder Sch**r , ob er ihn gleich acht oder zehn mal fuͤr die Loge R. Y. abschreiben mußte, ihn dennoch mit seinem kleinen Geistchen nicht fassen konnte, denn er hat in allen acht oder zehn Abschriften haͤufige, ganz widersinnige, und zwar immerdieselben Schreib- fehler gemacht, und diese sind auch groͤßtentheils H 2 in dem Abdruck stehen geblieben. So steht zum Beispiel S. 220. „Darum ging Ihr zweiter Schritt „von N. gegen S., und deutete auf die Stuͤrme „des Herzens, welche dem zur Humanitaͤt fort- „geschrittenen Menschen eigen ist, um die sanf- „ten und beseligenden Einfluͤsse der Freundschaft „und Liebe aufzufassen und mitzutheilen.“ Was heißt ein fortgeschrittener Mensch; und wel- cher Mensch faßt die sanften und beseligenden Einfluͤsse der Freundschaft und Liebe mit Stuͤr- men des Herzens auf? So was thut wohl der fort- schreitende Mensch; aber nicht mit Stuͤrmen , sondern mit Waͤrme des Herzens. Zwoͤlfter Artikel . Wie ist es moͤglich, daß in einem Orden, der Menschen- und Bruderliebe empfiehlt, oft so viel Zwiespalt herrschte? ꝛc. Von S. 253 bis 259. D ie Frage ist nur da, um noch einmal auf Br. Feßler zu kommen, denn was waͤre uͤberall aus diesem Taschenbuch geworden, wenn Br. Feßler nicht waͤre, Br. Micheler die Analogie zwischen dem Christenthume und der Freimaurerei nicht ge- schrieben, und der Exbruder Sch**r den Geist des Ordens nicht entwendet haͤtte? Da kommt dann wieder die Feßlersche Reform und der Evergetenbund in Schlesien, zur Schlachtbank. Es wird aber nichts geschlachtet, denn der Schlaͤch- ter ist blind, und haut allerliebst in der Luft herum. Nur Seite 257. steht eine wichtige Neuigkeit. „Die Loge Royale York ist von den Feß- „lerschen Schwaͤrmereien gluͤcklich zuruͤckge- „kehrt, und hat sich der wahren und einzigen „Maurerei wieder in die Arme geworfen, „unbaͤrtige Knaben aber, wie billig, verlacht. Diese Neuigkeit ist aber nur eine neue Unwahrheit , denn noch arbeitet die Große Loge R. Y. und alle ihr untergeordneten besonderen Logen, nach dem von Feßler , auf den Grund des alt-englischen Rituals revidirten, und in der Nacht vom 31ten December 1800. zum 1ten Januar 1801. gesetzlich eingefuͤhrten Ritual; noch haben sie ihre ehemaligen, von Feßler exilirten Elûs, Eccosois rouges et verds, chevaliers de l’Orient, et Princes souverains de Rose Croix, diese herrliche, wahre und einzige Maurerei , nicht zuruͤck geholt. Noch liegt der den 3ten Au- gust 1800. beschworne Grundvertrag und Codex auf allen Logen-Altaͤren, und die hiesigen zeitigen Mitglieder der ehrwuͤrdigsten Großen Loge R. Y. sind nur dort von diesem beschwornen Grundver- trage abgewichen, wo er sie in dem Verfahren gegen Feßler , von der laͤcherlichsten Inconsequenz haͤtte zuruͤckhalten koͤnnen. Auch keine unbaͤrtige Knaben hat diese ehrwuͤrdigste Große Loge verlacht oder zu ver- lachen gehabt ; ob es gleich nicht gelaͤugnet werden kann, daß den 3ten Junius 1802. ein dritthalbjaͤhriger Logenbruder , auf dem Sitze des zweiten G. V. die Frechheit hatte, alten, in ihrer oͤffentlichen gemeinnuͤtzigen Thaͤ- tigkeit ehrwuͤrdigen Maͤnnern und durch 30, 40, 45 Jahre eifrigen Freimaurern beinahe wie unbaͤrtigen Knaben den Text zu lesen. Seine Rede wird buchstaͤblich in F. Maurer. Schriften abgedruckt und commentirt. Wenn aber gleich die Ehrwuͤrdigste Große Loge der Freimaurer R. Y. z. F. genannt, das ist, das respectable Corps von sechs- zehn vereinigten aͤchten und gesetzmaͤßi- gen Logen , im Bunde mit den Ehrwuͤrdigsten Großen Provinciallogen der Freimaurer von Nie- dersachsen und von Hannover, von der anerkannt aͤchten, wahren und einzigen Freimaurerei noch nicht abgewichen ist, noch abweichen wird: so waͤre dennoch zu wuͤnschen, daß es die in Berlin ansaͤßi- gen Logen-Bruͤder thun moͤchten; daß diese alles wieder in statum quo, in dem es vor Jo- hannis 1796. war, zuruͤcksetzten, daß sie das alte franzoͤsische Ritual der drei Johannis-Grade wie- der einfuͤhrten, und sodann auch wieder Auser- waͤhlte Meister, rothe und gruͤne Schot- ten-Ritter, Ritter von Osten und souve- raine Fuͤrsten des Rosenkreuzes vom Berge Heredon kreirten. Sie wuͤrden sich da- durch wenigstens den Ruhm der Consequenz er- werben, wuͤrden das wertherhebende Lob des Maurerischen Taschenbuches von X. Y. Z. wirk- lich verdienen, sich vor ihrem Gewissen voͤllige Ruhe verschaffen, und die starktoͤnende Majoritaͤt unter ihnen, wuͤrde ihrer denkenden Minoritaͤt in maurerischer Hinsicht minder schwankend er- scheinen. Und nun, warum ist dieß Alles geschrieben? — Euretwegen, ihr guten, biedern Freunde der Wahr- heit und Gerechtigkeit, deren Achtung und Liebe mir, weder das durchaus ungerechte und unmau- rerische Verfahren der zeitigen Regenten der Loge R. Y. , noch die oͤffentlichen Laͤsterungen ihrer unberufenen Schildknappen, der Herrn X. Y. Z.; sie mochten die Fuͤlle ihres selbst eigenen Unrathes in maͤrkischen Denkwuͤrdigkeiten oder in Maurerischen Taschenbuͤchern , im Beo- bachter an der Spree und in Berlini- schen Blaͤttern , oder in dem die Wahrheit beschirachenden politischen Journale, in Distichen und Parabeln oder in Gemaͤhlden auf Tobacksdo- sen wider mich ausgeladen haben, entziehen konn- ten. Es ist geschrieben, um Euern freundschaftli- chen Wunsch, ich moͤchte mich doch einmal uͤber alle diese Spukereien oͤffentlich aͤußern, zu ehren. Es ist geschrieben, nicht um mich bei Euch zu recht- fertigen, denn Ihr kennt mich aus meinen Gesin- nungen, Handlungen, Thaten und Schriften; son- dern um Euern Aerger uͤber das ephemerische Da- seyn solcher Blaͤtter, die nun einmal fuͤr den Poͤ- bel aller Staͤnde Beduͤrfniß sind, zu mildern. Nicht so bereitwillig konnte ich mich gegen eure Aufforderung, den Beobachter an der Spree, und den Tobacksdosen-Mahler gerichtlich zu belangen, bezeigen. Ich will Euch daruͤber Rechenschaft ge- ben, und hoffe, ihr werdet meine eigenthuͤmliche Ansicht von dergleichen Dingen, wenn nicht billi- gen, doch wenigstens wohlwollend dulden. So weit ich theils aus Hoͤrensagen, theils aus den Protocollen der Großen Loge Royale York weiß, so sollen in dem Beobachter an der Spree, bald meine Logen- , bald meine privat- und haͤusli- chen Verhaͤltnisse symbolisch angegriffen wor- den seyn. In Ansehung meiner Logen-Ver- haͤltnisse ist es gewiß, daß, im Falle der Beo- bachter an der Spree uͤberall ehren oder entehren koͤnnte, seine Angriffe lediglich der Loge R. Y. nicht mir zur Schande gereichen muͤßten; denn alles, was durch sechs Jahre bei gedachter Loge geschehen ist, und von dem Beobachter symbolisch verlaͤstert wird, ist durchaus in gesetzlicher Form, collegialisch, und durch die Mehrheit der Stimmen geschehen, wie es die Protocollbuͤcher ausweisen. Die symbolischen Angriffe auf meine privat und haͤuslichen Verhaͤltnisse muͤssen schon an und fuͤr sich den Abscheu aller meiner Mitbuͤr- ger erwecken; erstens: weil gewiß jeder von ihnen fordert, daß sein eigenes privat- und haͤusliches Verhaͤltniß von jedermann, selbst von der Regie- rung unangetastet bleibe; zweitens: weil jeder von ihnen, so wenig als ich, gegen das hodie mihi cras tibi sicher ist, sobald der Beobachter bei ihm eben so viel oder noch mehr als bei mir zu ver- dienen hoffen kann. Wozu sollte also eine gericht- liche Belangung des so vaͤterlich fuͤr das Beduͤrf- niß des Poͤbels aller Staͤnde sorgenden Beobach- ters an der Spree fuͤhren? — Meine Ehre zu retten. — Vor wem? — vor dem Publicum ? das Publicum besteht aus Volk und aus Poͤbel ; das Volk , aus meinen Freunden , aus meinen Feinden und aus Menschen die mich nicht kennen . Das waͤren mir aber saubere Freunde , bei denen ich die Ehre meiner Persoͤn- lichkeit und meiner haͤuslichen Verhaͤltnisse erst durch einen Richterspruch gegen den Beobachter an der Spree retten muͤßte. Meine Feinde sind entweder noch selbststaͤndig genug, um sich durch Beobachter, Berlinische Blaͤtter, Taschenbuͤcher und Tobaksdosen-Gemaͤhlde zu keinem Urtheile uͤber meine Persoͤnlichkeit und haͤuslichen Verhaͤltnisse bestimmen zu lassen; oder wenn sie dieser Dinge als eines hoͤchstnoͤthigen Surrogats ihres schwachen Verstandes beduͤrften, wuͤrde sie kein richterlicher Ausspruch von ihrem Glauben an die ihnen so hei- ligen Blaͤtter abtruͤnnig machen. Bei Menschen, die mich nicht kennen , haben meine Persoͤn- lichkeit und meine haͤuslichen Verhaͤltnisse uͤberall noch keine Ehre begruͤnden koͤnnen. Ein publicir- ter richterlicher Ausspruch wuͤrde nicht hinreichen, um ihnen mich und meine haͤuslichen Verhaͤltnisse bekannt zu machen: immer muͤßten sie noch, ent- weder sich alles Urtheilens uͤber mich enthalten, oder wenn sie urtheilen wollten, nach Beschaf- fenheit ihres eigenen innern Gehaltes , entweder mich selbst kennen zu lernen suchen, oder den Beobachter an der Spree mit seinen Traban- ten, den Berlinischen Blaͤttern und Tobaksdosen- Gemaͤhlden, als ihr angemessenes Orakel zu Rathe ziehen; im erstern Falle waͤre ihnen ein richter- liches Erkenntniß uͤber mich ganz uͤberfluͤssig, im letztern viel zu geringwichtig. Vor dem Publi- cum aber, in so weit es aus Poͤbel aller Staͤnde besteht, ist uͤberall keine Ehre fuͤr mich zu gewin- nen oder zu verlieren, ich habe daher auch durch einen richterlichen Ausspruch keine zu retten. „Aber es waͤre doch gut, so meiner ihr, mir „lieben und theuern Freunde der Wahrheit und „Gerechtigkeit, — wenn Du gegen den Beobach- „ter an der Spree und Tobaksdosen-Mahler den „Weg Rechtens ergriffest, damit die Regierung, „durch mehrere dergleichen Faͤlle aufmerksam ge- „macht, endlich bewogen wuͤrde, dem Mißbrauche „der Publicitaͤt und Preß-Freiheit zu steuern.“ Eure Hand auf Euer Herz, Freunde; und nun eine wahrhafte Antwort auf die Frage, ob nicht mehr Eure Furcht vor dem hodie mihi cras tibi, als Euer Gemeinsinn die Quelle dieser Meinung ist, der ich nach meiner ganzen Individualitaͤt un- moͤglich beitreten kann. Ganz offen will ich Euch hieruͤber mein Innerstes aufdecken. Leset in dem Maurerischen Taschenbuch von X. Y. Z. Seite 120. da heißt es von mir, „Aber „mit der Kapuze zogst Du noch nicht alle Spuren „ehmahligen Moͤnchthums aus.“ — Und bei Gott, Freunde, das ist ein sehr wahres Wort. In An- sehung vieler Dinge ist die Form meines Geistes geblieben, wie sie sich in meinem eilfjaͤhrigen Klo- sterleben entwickelt und gebildet hat. Daher kommt es, daß ich jetzt eine eben so heilige und unbedingte Ehrfurcht gegen den Staat und alle seine Einrich- tungen hege, wie ich sie in den schoͤnen Jahren meiner Gottseligkeit nur immer gegen den Orden und seine Einrichtungen hegen konnte. Damahls haͤtte ich geglaubt, herabzusinken zur Nichtswuͤr- digkeit eitler, stolzer Weltkinder, wenn ich mir er- laubt haͤtte, bei irgend einer kloͤsterlichen Einrich- tung oder Anordnung, die heiligen und erhabnen Absichten des Ordens auszuforschen, oder ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. Der Guardian, glaubte ich, muß wissen, was den Zweck und die Absichten des heiligen Ordens foͤrdern kann; Dir ziemt nur das Gehorchen und das Dulden. Eben so denke und fuͤhle ich heute in Beziehung auf den Staat und seine Einrichtungen. — Es darf nichts ohne koͤnigliche Censur gedruckt werden; und der Beobachter an der Spree, die Berlini- schen Blaͤtter, und das Maurerische Taschenbuch von X. Y. Z. sind wirklich mit Koͤniglicher Cen- sur gedruckt worden. Die Censur ist eine Einrich- tung des Staates, und die Censoren muͤssen wissen, in wiefern symbolische Angriffe auf die Personen und haͤuslichen Verhaͤltnisse der im Staate friedlich lebenden Buͤrger den weisen Ab- sichten des Staates foͤrderlich oder hinderlich seyn koͤnnen; denn es ist nicht zu vermuthen, ja es ist gar nicht denkbar, daß irgend ein Censor etwas zum Druck wuͤrde passiren lassen, was nach den Landesgesetzen zu drucken verboten waͤre. Dem symbolisch angegriffenen, friedlichen Buͤrger bleibt nichts uͤbrig, als zu dulden und zu schwei- gen. Denn was sollte er thun? Gerichtlich klagen? Gegen wen? Gegen den Verfasser und Buch- drucker — diese berufen sich auf das Imprimatur des Censors. — Also gegen den Censor? — Dieser beruft sich auf die Gesetze, die ihn in dem streiti- gen Falle nicht verpflichten, das Imprimatur zu versagen. — Also gegen mangelhafte Gesetze? — Wo ist der Richterstuhl der diese Klage, ohne einen Eingriff in die ganze buͤrgerliche Ordnung zuzu- lassen, annehmen duͤrfte? Es bleibt nichts uͤbrig, als der Glaube, daß der Censor wissen muͤsse, was er den Gesetzen gemaͤß zur Foͤrderung der dem buͤrgerlichen Individuo verborgenen Absichten des Staates zu thun oder zu lassen habe, und daß das, was er thut, recht und gut sey. Gesetzt aber, das Individuum erlaubte sich, bloß theoretisch, und so zu seiner eigenen Uebung im Denken, bei dieser oder jener Erscheinung, der hoͤhern Absicht des Staates nachzusinnen, und waͤhlte gerade die gegenwaͤrtig herrschende Preß- freiheit dazu, auf welche Resultate wuͤrde es ge- rathen? Der Staat und zwar nur Er, nicht der Buͤrger, muß wissen auf welchen Grad der Cultur, als Bedingung der allgemeinen Wohlfahrt, er seine Buͤrger erheben wolle. Wenn nun ein gegebener Staat auch fuͤr seine Buͤrger am zutraͤglichsten faͤnde, was in England schon alte Sitte ist, zum Beispiel, daß man sich in Flugblaͤttern und Cari- catur-Gemaͤhlden uͤber Hof, Ministerium, Ober- und Unterhaus, Kuͤnstler, Gelehrte, Kaufleute, Fabrikanten und Bettler mit gleicher Freiheit symbolisch lustig machte; wenn er noch um einen Schritt weiter ginge, und dergleichen symbolische Spaͤße auch uͤber die haͤuslichen Verhaͤltnisse der Einzelnen, Hohen und Niedrigen duldete, entweder, um durch die hiermit allgemein zu erregende In- dignation, der Publicitaͤt allen Stachel zu beneh- men; oder um das Skribler-Gewerbe durch sich selbst recht veraͤchtlich zu machen, und dadurch mehrere fleißige Haͤnde fuͤr die oͤffentlichen Ge- schaͤfte und nuͤtzlichen Gewerke zu gewinnen; oder um die Buͤrger zu gewoͤhnen, ihre Mitbuͤrger nicht nach dem, was uͤber Sie geschrieben, gesun- gen, gemahlt oder gestochen wird, sondern lediglich nach ihren durch Thaten bekannt gewordenen per- soͤnlichen Eigenschaften und durch ihren thaͤtigen Antheil an den oͤffentlichen Geschaͤften zu beurthei- len, zu wuͤrdigen und zu achten; oder um alle zufaͤlligen, wirklichen, conventionellen, oder einge- bildeten Groͤßen und Hoͤhen klein und eben zu machen: gesetzt das Eine oder das Andere, oder auch alles zusammen waͤre die Absicht des Staa- tes, welcher gemaͤß die Censoren passieren ließen, was den symbolisch angegriffenen Individuen bisweilen nicht behagen will; waͤre diese Absicht nicht weise? Oder waͤre das angegriffene Indivi- duum nicht ein engherziges Kind, welches zur Hin- derung dieser Absicht gegen symbolische Angriffe auf seine persoͤnlichen und haͤuslichen Verhaͤltnisse den Weg Rechtens ergreifen wollte? Nein, Freunde der Wahrheit und der Gerech- tigkeit, bei dieser meiner Ansicht der Dinge bringt ihr mich zu einer gerichtlichen Klage gegen den Beobachter an der Spree ꝛc. auch schon darum nicht, weil ich ihn doch vorher lesen, das heißt mich mit ihm gemein und familiaͤr machen muͤßte, was meinem Gemuͤthe durchaus zuwider ist. Lasset immerhin geschehen was geschieht! Heute mir, morgen Dir, uͤbermorgen uns allen ! damit keiner mehr Ursache habe, sich fuͤr schlechter zu halten als den Andern, der gestern oder vorgestern an der ehrenvollen Reihe gewesen ist. Feßler . III. Geschichte der Maurerei . 1) Alte Geschichte. 2) Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts. 3) Neueste Geschichte. 1. Zusaͤtze zu der im ersten Baͤndchen der Eleusinien gelieferten Alten Geschichte . 287. D iese Zahl addirt giebt dieselbe Summe wie 1646. (nehmlich 17) und die ganze Nachricht be- deutet: unter Carl I. entstand im Jahr 1646. die Frei-Maurerei. s. die Schottische Maurerei II. Th. 287. Da zu dieser Zeit gerade Diocletian regierte, so errichteten die Christen in ihrer ungluͤcklichen Lage, eine heimliche Zunft und die, weit aͤltere Frei-Maurerei nahm einen andern Zweck an. s. Frei-Maurer Bibl. VI. St. S. 20. f. Zweites Baͤndch. J 287. „Der heil. Amphibalus , der als der Lehrer St. Albans genannt wird, moͤchte wohl eher fuͤr seinen Mantel zu halten seyn; auch ist es unwahrscheinlich, daß St. Alban in einem so barbarischen Zeitalter und in Zeiten der Verfol- gung, Oberaufseher uͤber einige Gebaͤude habe seyn sollen.“ Plotts Natural History cet. §. 87. s. Briefe, die Frei-Maurerei betreffend dritte S. p. 50. vergleiche l. c. S. 62. 710. Carl Martel , schickte auf Verlangen Ken- reds , Koͤnigs von Mercia, erfahrne Maurer aus Frankreich nach England, damit sie die Angelsach- sen in den Gesetzen und Gebraͤuchen der alten Bruͤderschaft, welche vor der Gothischen Zerstoͤrung bewahrt worden, unterrichten moͤchten. Constit. Buch, Frankf. 1762. S. 176. 924. Unter K. Athelstan , sind die alten Acten der Bruͤderschaft in England, in den Kriegen mit den Daͤnen, groͤßtentheils, zugleich mit den Kloͤstern, in denen sie aufgehoben wurden, vernichtet worden. Die Maurer aber, die Athelstan aus Frankreich u. a. a. O. berief, brachten die Pflichten und Einrichtun- gen der auslaͤndischen LL. mit, und in der großen Loge zu York, 926, wurden viel alte Schriften und Nachrichten von der Zunft, in griechischer, lateinischer und franzoͤsischer Sprache zusammen- gebracht, aus denen die Konstitutionen der engli- schen LL. entworfen, und zum Gesetz gemacht wurden. s. Constit. Buch S. 178 und 179. vergl. Briefe die Frei-Maurerei betreffend l. c. S. 65 f. 924. Koͤnig Athelstan ist niemals verheurathet gewesen, hatte auch nie eine natuͤrliche Nachkom- menschaft, also auch keinen rechtmaͤßigen Sohn, Edwyn genannt. Zwar hatte er einen Bruder dieses Namens, den er aber in seiner Jugend aus Eifersucht auf dem Meere umkommen ließ. Es ist daher ganz unwahrscheinlich, daß dieser die Ge- braͤuche der Frei-Maurer erlernt, ihnen einen Freiheits-Brief ausgewirkt, oder sie nach York zusammenberufen habe. Plotts Natural history cet. §. 87. Briefe die Frei-Maurerei betreffend, dritte S. S. 51. 52. vergl. S. 63. 926. „Die erste L. des St. Alban , hatte bis auf die Regierung des Koͤnigs Athelstan Bestand, der auf Fuͤrbitte seines Bruders Edwin (der nie gelebt hat) im Jahr 926. den Frei-Maurern ein offnes Privilegium ertheilt.“ Dies heißt: der Herzog von York errichtet mit Erlaubniß seines J 2 Bruders Carl II. das erste Collegium der Je- suiten zu London im Jahr 162. (denn beide Zah- len, addirt, geben 17.) s. die schott. Maurerei Th. II. 1040. Macbeth, Malcolms Enkel, K. in Schott- land, suchte die Maurerkunst empor zu bringen, eben so Malcolm III. Constit. Buch S. 207. 1066. Außer dem Tower , wurden unter Wilhelms Regierung, und zwar unter der Oberaufsicht Gun- dulphs, Rogers , des Grafen von Schrews- bury, Arundel u. a. viele feste Schloͤsser und Kirchen erbaut. Auch berief der Koͤnig viel er- fahrne Maurer aus Frankreich. Constit. Buch S. 184. 1100. Heinrich I. baute den Pallast zu Woodstock und einen kleineren zu Oxford, nebst 14 Kirchen. Unter seiner Regierung wurden noch 100 Kirchen gebaut. Constit. Buch S. 185. 1115. Nach einem Manuscript der R. C. mit dem Ort: Koͤlln am Rhein und der Devise: Non omnis mo- riar, wird in diesem Jahre der magische Bund errichtet, der, jedoch unter Abaͤnderungen, bis 117. dauert. Der Rosenkreuzer in seiner Bloͤße ꝛc. von M. Pianco , Amsterdam 1781. S. 56. 1118. entstanden die Tempelherren, „mit denen sich die magischen Bruͤder verbanden, und ihnen ihre Grundsaͤtze und Geheimnisse mittheilten. Die T. H. stuͤrzten aber in der Folge aus Politik den magischen Bund.“ l. c. 1124. David I. in Schottland war Groß-Meister der Frei-Maurer. Constit. Buch S. 208. 1128. Der Pabst bestaͤttigte auf Betrieb des heiligen Bernhards auf dem Concilium zu Troyes den Orden der T. H. und das Concilium gab jenem, einer Cisterzienser-Tradition zu Folge, den Auf- trag, die Regel des O. auszuarbeiten, welche nach- her Paͤbstliche Sanktion erhalten, und das Gesetz- buch der Tempelbruͤder werden sollte. D. Muͤnters Statutenbuch des O. der T. H. I. S. 3. 1140. In den Kriegen zwischen Stephan und Ma- thildis wurden an 1100 Schloͤsser, 4 Abteien, 2 Nonnenkloͤster, und an 90 Kirchen gebaut. Constit. Buch S. 186. 1165. Wilhelm der Loͤwe in Schottland war ein vortrefflicher Groß-Meister durch den Beistand des Adels und der Geistlichen. Constit. Buch S. 209. 1168. Die Maurer-Zunft ward in Irrland nach Verjagung der Daͤnen, besonders unter Roderic O Connor , den letzten Koͤnig uͤber ganz Irrland, fleißig gebraucht; der in dem genannten Jahre das Kastell Tuam wieder aufbauen ließ. Die Gothi- sche Bauart ist uͤbrigens hier vom heil. Patrik eingefuͤhrt worden. Constit. Buch S. 218. 1172. Pabst Alexander III. in der Bulle Omne datum optimum gab den T. H. zuerst Ordens- Priester. D. Muͤnter l. c. S. 7. 1196. „Nachdem ums Jahr 1188. ganz Palaͤstina verloren gegangen, und alle oͤffentliche Christen, die nicht durchs Schwerdt umgekommen, daraus vertrieben worden, so haben sich die frommen Bruͤ- der (nehmlich die Ormusen oder Hermetische Ge- heimnißbewahrer) zu fernerer Erbauung des Rei- ches Christi in die Welt ausgebreitet, wovon auch drei nach Schottland gekommen, welche, um in geheim nach ihrer Hauptregel: Gott zu gefal- len, und dem Naͤchsten zu dienen, zu dem Ende auch noch mehr wuͤrdige und taugliche Maͤnner zu entdecken, und diesen ihre hoͤheren Wissenschaf- ten mit der Zeit rechtlich ertheilen zu koͤnnen, — den Orden der Bauleute von Osten , als eine hiezu dienliche Pflanz- oder Pruͤfungsschule allda errichtet und eingefuͤhret. Dies Institut hat schon zu Richards I. und Arthurs Zeiten ums J. Ch. 1196. existirt.“ ( vid. 1270.) 1210. Heinrich Launders , Erzbischof zu Dublin, Groß-Meister in Irrland, baute das Castell zu Dublin. Constit. Buch S. 220. 1230. Hugo von Lacy, Graf von Ulster , Groß- Meister oder Patron der Baukunst in Irrland. l. c. 1270 circa. „Nachdem Eduard I. , Heinrichs III. Sohn (diesen hat Raymundus Lullius , der 1235. gebohren, und 1315. als Maͤrtyrer gestorben ist, als Rosenkreuzer recipirt) in den Ordens-Ge. heimnissen weiter gefuͤhrt worden, so wurde das Institut der Bauleute von Osten noch mehr ver- heelet, und solches nur wenigen Gliedern aus den Haͤusern York und Lancaster (welche eine rothe und weiße Rose im Wappen fuͤhrten, woher auch der Name der Rosenkreuzer glaublicher, als von Christian Rosenkreuz entstanden ist) anver- trauet, welches endlich waͤhrend der Kindheit Hein- richs VI. und den sich unter seiner Regierung ereigneten Unruhen, bis zu Cromwells neuer Erfindung in gaͤnzliche Vergessenheit gekommen ist.“ ( v. unten J. 1649.) 1272 circa. „Als die Architekten durch die Kriegsbeschwer- den und Schlachten auf eine geringe Zahl zusam- mengeschmolzen waren, entschlossen sie sich fast ins- gesammt, nach Europa uͤberzugehen, um neue Eta- blissements daselbst zu errichten. Viele kamen mit dem Prinzen Eduard, Heinrichs III. Sohne, nach England, und wurden bald darauf vom Lord Stuart nach Schottland berufen. Ihre Installa- tion in diesem Koͤnigreiche faͤllt (nach maurerischer Rechnung), nach uͤbereinstimmenden Zeugnissen, ins Jahr 2307. Man bewilligte ihnen liegende Gruͤnde, und das besondre Privilegium, die alten hergebrachten, Gebraͤuche ihrer Bruͤderschaft beizubehalten, unter der ganz natuͤrlichen Bedingung, sich uͤbrigens dem buͤrgerlichen Leben und den Landesgesetzen gemaͤß zu betragen. Nach und nach erhielten sie den Schutz der Koͤnige von Schweden, von England, von Irrland und von Schottland. In Schweden unter dem Koͤnige Ingo um das Jahr 1125. In England unter Richard Loͤwenherz , um das Jahr 1190. und unter Heinrich III. um das Jahr 1270. In Irrland unter Heinrich II. , dem Vater Richards , im Jahr 1180. und end- lich in Schottland unter Alexander III. , der mit Ludwig dem Heiligen zu gleicher Zeitlebte.“ — Auf alles dieses folgt die Geschichte Johanns ohne Land und ein Theil der Geschichte des Beicht- vaters, von Wilhelm dem Eroberer, welche ziem- lich mit einander verwebt sind, und in Ansehung des schw. Mstrzimmers viel Licht geben. Aus der Geschichts-Beschreibung des Gr. Viermal ehrw. Schott. R. Mstr. vom heil. Andreas von Schottl. v. flam- mender Stern S. 52. f. 1. Th. 1277 cet. (nach andern von 1275 bis 1439.) Anfang des Thurmbaues zu Straßburg, durch den Architekten Ervin von Steinbach. Dieser ungeheure Bau verbreitete den Ruf der Straß- burger Maurer. Der Herzog von Mailand schrieb 1479. an den Magistrat dieser Stadt, und bat ihn um einen geschickten Baumeister fuͤr die praͤchtige Kirche, die er in seiner Hauptstadt errichten lassen wollte. Wien, Koͤlln, Zuͤrich, Freiburg ließen Thuͤrme erbauen, nach Art des Straßburgers, der erst im Junius 1439. vollendet wurde, aber sie glichen ihm weder an Hoͤhe noch Schoͤnheit. Die Maurer dieser verschiedenen Baustaͤtte und ihre Lehrlinge, die sich durch ganz Deutschlannd ver- breiteten, stifteten, um sich von dem gemeinen Mau- rervolke zu unterscheiden, Gesellschaften und Cor- porationen, denen sie den Namen Huͤtten (Logen) gaben: aber sie erkannten den Vorzug der Huͤtte zu Straßburg, und gaben ihr den Namen der Haupthuͤtte oder großen Loge, wie das Archiv der Maurer-Zunft daselbst ausweiset. ( v. unten 1459.) 1285. ward die Abtei West-Muͤnster eingeweiht, nach- dem 65 Jahre uͤber dem Bau verflossen waren. Sie brannte 1299. ab; der Pallast neben ihr ward wieder aufgebaut. Constit. Buch S. 188. 1292. Rogerius Baco stirbt zu Oxford. 1300. Anfang der Verlaͤumdungen und Verfolgungen gegen die T. H., welche 1306. ausbrachen. 1307. Den 4. Dec. empfahl Eduard II. den Koͤni- gen von Portugall, Castilien, Sicilien, und Arra- gonien und den 10. Dec. dem Pabste selbst den T. H. O. und nahm ihn gegen die ausgestreuten Verlaͤumdungen in Schutz. Den 15. Dec. aber ertheilte er den Befehl, die T. Ritter in England alle an einem Tage gefangen zu nehmen. Briefe die Frei-Maurerei betreffend. Nuͤrn- berg 1783. erste Samml. S. 112. 113. 117. 1308. Den 7. Januar . wurden alle T. H. in England gefangen gesetzt. l. c. S. 120. etc. eod. Den 12. August . Bulle des Pabsts, wodurch ein allgemeines Concilium den 1. October zu Vienne , in Sachen des T. O. ausgeschrieben wird. 1309. Am Ende dieses Jahres laͤßt Philipp der Schoͤne, ehe die Untersuchung zu Avignon geendigt war, etliche 80 Tempelherren zu Paris verbrennen. Erst ein Jahr nachher ward die große Synode zu Vienne gehalten, worauf eigentlich untersucht und das paͤbstliche Urtheil gefaͤllt werden sollte. Frei-Maurer Bibl. III. S. 137. (von S. 114.: Etwas uͤber den T. H. O.) 1310. Provincial-Concilien zu Paris und Senlis, auf deren ersterem 59 T. Ritter, auf dem andern 9, verbrannt wurden. 1311. Vertilgung des O. der T. H. — „Die Haupt- wissenschaft der Magi verlor sich. Von Zeit zu Zeit theilte sich noch jemand seinen vertrautesten Freunden mit. — Eine kleine Anzahl entflohener T. H. richtete ein geheimes aber festes Freund- schaftsband unter sich auf, und entwarf sich gewisse Gesetze. Bald hießen sie die Kreuzgesellschaft, bald die Noachiten, und in juͤngeren Zeiten Frei- Maurer. v. der R. C. in seiner Bloͤße ꝛc. S. 65. ꝛc. 1312. Den 22. May wird in einem geheimen Consistorio, „bloß aus paͤbstlicher Macht und Vollkommenheit, nicht nach ordentlichem Prozeß“ der T. H. O. aufgeho- ben, und seine Guͤter dem Johanniter-Orden zu- getheilt. — Der Groß-Meister Molay nebst 3 der vornehmsten O. Beamten wird zu Paris auf Befehl des Koͤnigs verbrannt. v. Frei-Maurer Bibl. l. c. S. 138 f. Ueber das Schicksal des O. in England, Spanien, Deutschland ꝛc. s. ebendas. S. 141. ꝛc. 1314 oder 16. in diesen Jahren ist, nach dem System der strik- ten Obs., der Maurer-Orden in Schottland ent- standen. Stark Krypto-Kathol. II. S. 334. 1315. Um diese Zeit lebte in Irrland die Maurerei nicht allein dort auf, wo sich die Englaͤnder nie- dergelassen hatten, sondern auch im noͤrdlichen Theile, wohin die Schotten die gute Gothische Maurerei gebracht hatten. Constit. Buch S. 221. 1320. Da der K. Robert I. von Schottland, nach den innerlichen Kriegen, seinen Thron befestigt hatte, bediente er sich der Kunst , um die Kastelle, Pallaͤste und Kirchen wiederherzustellen; so auch der Adel und die Geistlichkeit. Constit. Buch S. 210. 1330. Dies Jahr giebt der Verfasser der neuesten Entdeckung der hohen Stufen der Frei-Maurerei. Jerusalem 1768. als das Stiftungsjahr des Frei- Maurer O. an; wogegen aber der Verfasser der freien Bemerkungen uͤber die politische Verfassung des O. der Frei-Maurer (Leipz. 1787.) behauptet, daß er sich schon einige Jahrhunderte vorher in Frankreich finde. 1350. Unter Eduard III. erbaut Johann von Spouler , Meister der Giblim genannt, die St. Georgen Kapelle, wo der Koͤnig in diesem Jahre den Orden des Hosenbandes stiftet. Constit. Buch S. 189. 1358. Vergl. daruͤber den Auszug aus einer alten Urkunde, im Constit. Buch S. 190. 1370. Robert II. K. von Schottland uͤbergab der hohen Geistlichkeit die Sorge fuͤr die Maurerei, die denn auch viel schoͤne geistliche Gebaͤude auffuͤhrte. Constit. Buch S. 211. 1375. Heinrich Hevele , der in den alten Urkun- den zuerst des Koͤnigs Frei-Maurer heißt, erbaut die Koͤnigs-Halle zu Cambridge, das Schloß Queenborough, die St. Stephans Kapelle ꝛc. Constit. Buch S. 189. 1378. war Christian Rosenkreuz in einer adelichen deutschen Familie gebohren und starb 1484. in seinem 106. Jahr. Seine Reisen machte er nach Cypern, Palaͤstina, Damascus und Damcar in Arabien. s. Ueber Jesuiten, Frei-Maurer und deutsche R. C. von J. A. Maier , Leipz. 1781. S. 103. 1382 ꝛc. Urkunden, welche darthun sollen, daß die Frei- Maurerei schon unter der Regierung Kaiser Wen- zels , im 14. Jahrhunderte, in Boͤhmen gebluͤht, und der Geist der Wohlthaͤtigkeit diese „ Frateria oder Fratria, Freria “ (Bruͤderschaft) beseelt habe; — abgedruckt hinter einer von der L. zur Wahrheit und Einigkeit in Prag, bei der Feier ihres ersten Jahrstages herausgegebenen Rede, und in dem Journal fuͤr Frei-Maurer II. 1. S. 155—175. 1385. „Unter der Regierung Edwins wurde die Er- bauung des zweiten Tempels vorbereitet.“ Diese Zahl giebt den numeraͤren Werth von 17., eben so 1718 und die Nachricht bedeutet: 1718. nah- men die Englaͤnder eine große Reform in der Frei- Maurerei vor, zugleich wurden die Jesuiten aus England durch eine Parlamentsacte vertrieben. s. die schott. Maurerei II. Th. 1394 ꝛc. Nach der Schrift: Kurzgefaßte Geschichte der Rosenkreuzer oder etwas von ihrem Ordensstifter, Alterthum, Veraͤnderung, Stillstand, Fortgang, Ceremonien und Beschaͤftigungen, aus aͤchten Urkun- den, herausgegeben von einem wahren Frei-Mau- rer 1784. 2 B. ist die Geschichte der R. C. fol- gende: 1394 reiste Christian Rosenkreuz, ein Moͤnch, zu den arabischen Maͤgis , weil er auf einer Reise nach Damascus in Spanien (Syrien) so viel Wun- derbares von ihnen gehoͤrt hatte, und erhielt von ihnen das Weltbuch . In der Folge gieng er nach Fetz , wo er andre Magos und Kabbalisten kennen lernte, deren Kunst er reinigte und ver- besserte. Hierauf stiftete er im Jahr 1398. in Europa eine Gesellschaft, wie die in Arabien, nahm 12 BB. auf und blieb 86 Jahre ihr Praͤses. An- fangs war dies ein Moͤnchs-Orden, nach der Zeit nannten sie sich Equites aurei Lapidis, nachher aber Fratres roseae Crucis. Nach des P. Ro- senkreuz Tode, ward die Gesellschaft zerstreut und 100 Jahre hindurch ganz vergessen. Im Jahre 1604. erschien sie auf einmal wieder. Sie gab vor, ein von dem verstorbenen R. im Grabe mit Gold Gold auf Pergament geschriebenes Buͤchlein ent- deckt zu haben. ( cf. unten J. 1473.) Sie fuͤhrte neue Gesetze ein, entlehnte viel aus Paracelsus und Crollius, und suchte sich auf alle moͤgliche Art zu vergroͤßern. Die letzten Spuren der Gesellschaft findet der Verfasser im Jahr 1714. Nach ihm ist niemand ein wahrer R. K., der sich jetzt nicht eines 103 jaͤhrigen Alters ruͤhmen koͤnne. Auch sollen sie die hermetische Kunst besessen und die Manuscripte dazu von den Tempelherrn erhalten haben. 1411. Heinrich Wardlaw , Bischof zu St. An- drews , Groß-Meister der Frei-Maurer in Schott- land, stiftete dort die Universitaͤt. Constit. Buch S. 211. 1424. Jacob I. von Schottland war ein Beschuͤtzer der Logen, welche er als koͤniglicher Groß-Meister mit seiner Gegenwart beehrte. Er verordnete ein jaͤhrliches Einkommen von 4 Pf. Schottisch, die jeder Maurer-Meister in Schottland an einen Groß-Meister einrichten mußte, der von der Großen Loge erwaͤhlt und vom Koͤnige gebilligt worden, und entweder vom Adel oder der hohen Geistlich- keit war. Er sollte seine Deputirten in den Staͤd- ten und Grafschaften haben. Jeder neue Br. mußte ihm bei seinem Eintritt etwas Gewisses Zweites Baͤndch. K bezahlen. Sein Amt ertheilte ihm die Gewalt, in der Bruͤderschaft dasjenige abzuthun, was nicht vor die Gerichtshoͤfe gehoͤrte. An ihn oder sei- nen naͤchsten Deputirten, appellirten sowohl Mau- rer als Bauherrn, um Prozessen zuvor zu kommen, nach der Tradition der Schottl. Maurer Constit. Buch S. 212. ad 1425. Unter Heinrich VI. ward folgendes Gesetz gegeben: da durch die jaͤhrlichen Verbindungen und Versammlungen der Maurer bei ihren allgemeinen Zusammenkuͤnften, der gute Fortgang und die Wir- kung der Handwerksstatuten offenbar verletzt und gebrochen wuͤrden: so sei das fernere Halten ihrer Kapiteln und Versammlungen fuͤr ein Landesver- brechen (Felony) zu halten. Nach Hume betraf uͤbrigens das Gesetz nur die Wort-Maurer. Allein ihre Versammlungen fanden dennoch in folgenden Zeiten noch ferner statt. Vergl . Plotts Natural History cet. §. 88. Briefe, die Frei-Maurerei betreff. dritte S. S. 52. cet. — Constit. Buch S. 193. 1429. Unter Heinrichs VI. Minderjaͤhrigkeit wurde eine gute L. unter dem Groß-Meister Chichely zu Canterbury gehalten, wie aus Wilh. Mol- lart , Priors zu Canterbury, lateinischem Register von 1429. erhellt, worinn Thomas Stapylton als Meister und Joh. Morris als Custos de la Lodge Latomorum, nebst 15 Gesellen und 3 Lehrlingen namentlich aufgefuͤhrt werden. Constit. Buch S. 195. 1434. Nach einer Urkunde aus der Zeit Eduards VI. : „Die Gesellschaft der Maurer, s e t Frei- Maurer genannt, von alter Stiftung und gutem Ansehen, hat vermittelst gespraͤchiger und freund- licher Zusammenkuͤnfte zu verschiedenen malen und wie eine liebreiche Bruͤderschaft zu thun pflegt, zur Zeit Heinrichs VI. , im zwölften Jahr seiner Regierung (nehmlich A. D. 1434., da Heinrich 13 Jahr alt war) diese Versammlungen fleißig angestellt. Constit. Buch l. c. 1441. Unter Jacob II. v. Schottland war Wilh. Sinclair Graf von Orkney und Caitneß Groß- Meister. Nach ihm Turnbull Bischof von Glasgow, welcher daselbst die Universitaͤt stiftete. Constit. Buch S. 213. 1443 starb der Groß-Meister Chichely , der auch eine Loge zu Oxford gehalten hatte, wo er 2 Collegien K 2 aufbaute; worauf der Koͤnig den Bischof von Winchester, Wilh. Wanefleet zum Groß- Meister bestellte, um das Caton-Collegium bei Windsor und das Koͤnigs-Colleg. zu Cambridge an- zulegen. Außer 2 Collegien, die noch daselbst ge- baut wurden, legte Wanefleet auf seine eigne Kosten das Magdalenen-Colleg. zu Oxfort an. Von Heinrich dem VI. wird uͤbrigens nur, nach einer Urkunde gemeldet, daß er die Pflichten und Gesetze der Frei-Maurer durchgelesen und gebilligt auch erklaͤrt habe, daß sie so zu beobach- ten waͤren, wie sie aus den Nachrichten der alten Zeiten ausgezogen und gesammlet worden. Constit. Buch S. 196 und 97. 1452. Die Innung privilegirter Bildhauer und Bau- meister, die neben der großen Domkirche zu Straß- burg ihre Haupthuͤtte hatte, nahm in diesem Jahre ihren Anfang, durch Veranstaltung des Domarchitek- ten Jobst Dotzinger von Worms. Briefe die Frei-Maurerei betreff. S. 101. 1455. Zu den 17 Jahren der einheimischen Kriege zwischen den koͤnigl. Haͤusern von Lancaster und York, oder der rothen und weißen Rose, wurde die Maurerei sehr hintenan gesetzt. Constit. Buch. l. c. 1459. Die Maurer formirten durch die verschiedenen Corporationen, nur Eine Gesellschaft durch ganz Deutschland: aber sie erhielt erst 20 Jahr nach der Vollendung des Thurms zu Straßburg Festig- keit. Die verschiedenen Meister der einzelnen Lo- gen versammelten sich zu Regensburg, wo sie den 25. April 1459. eine Verbruͤderungsacte abschlossen, nach welcher sie den Meister der Haupthuͤtte zu Straßburg und seine Nachfolger zu den einzigen und bestaͤndigen Groß-Meistern der Bruͤderschaft der befreiten Maurer in Deutschland einsetzten, und jaͤhrlich Provinzial-Versammlungen, auch zu- weilen General-Versammlungen zu halten be- schlossen, welches 1464. und 1469. geschah. Kaiser Maximilian bestaͤttigte diese Einrichtung durch sein Diplom, und befreite sie, Straßburg den 3. October 1498.. Carl V. , Ferdinand und ihre Nachfolger erneuerten das Privilegium. — Die Gesellschaft bestand aus Meistern, Gesellen und Lehrlingen, und hatte ihre eigne Gerichtsbarkeit. Die Gesellschaft zu Straßburg umfaßte alle uͤbri- gen in Deutschland. Sie hielt ihr Gericht in der Loge und urtheilte ohne Appellation uͤber alle Rechtssachen, die vor sie gebracht wurden, nach den Regeln und Statuten der Bruͤderschaft. ( v. unten J. 1563.) 1460 ꝛc. Jacob III. v. Schottland bediente sich der Maurer-Zunft zu Auffuͤhrung schoͤner Werke. Groß-Meister waren Robert Cockeran und sodann bis 1480. Alexander , Lord Forbes . Constit. Buch S. 213. 1471. Eduard IV. brauchte den Groß-Meister R. Beauchamp , die koͤnigl. Schloͤsser und Pallaͤste nach den Kriegen auszubessern und das Schloß nebst der Kapelle zu Windsor praͤchtiger herzu- stellen, wofuͤr ihn der Koͤnig zum Kanzler des Ordens vom Hosenbande ernannte. Constit. Buch l. c. 1473. Soll der Stifter der R. C. Christian Rosen- kreuz, ein Moͤnch, geboren worden seyn; er soll Reisen nach Cypern, Palaͤstina, Syrien, Arabien und Fetz gemacht haben. Nachdem er im 106ten Jahre seines Alters gestorben war, soll seine Kunst ganz unbekannt geworden seyn, bis endlich auf ein- mal sein Grab entdeckt und in ihm ein Schatz von Handschriften und dergleichen gefunden wurde. Auf einer Tafel fand sich die Nachricht, der O. habe 120 Jahre ruhen sollen, wodurch man viel- leicht eine spaͤtere Gesellschaft an eine aͤltere an- knuͤpfen wollte. cf. Ueber Jesuiten, F. M. deutsche Ro- senkreuzer von J. Maier , Leipzig 82. 1490. Unter Heinrich VII. ward in England die Gothische Bauart zur hoͤchsten Vollkommenheit ge- bracht, indeß sie in Italien durch die Wiederher- steller des Augustischen Styls abgeschaft worden war. Constit. Buch S. 199. 1494 stiftete Jacob IV. , durch den Groß-Meister Will. Elphinston , Bischof zu Aberdeen die Universitaͤt daselbst. Constit. Buch S. 214. 1500 circa. Themis aurea, d. i. von den Gesetzen und Ordnungen der loͤblichen Fraternitaͤt R. C. des Rosenkreuzes — durch Mich. Maierum , Imp. Cons. Com. Eq. Ex. der Philosophie und Medicin D. (Deutsch Frankf. a. M. 1618.) v. der R. C. in sr. Bl. S. 97 f. 1502. Der Koͤnig als Groß-Meister erwaͤhlte zu seinem Vorsteher in England den Abt von West- muͤnster Joh. Islip , und Reginald Bray , Ritter des Hosenbandes, durch den er viele große Gebaͤude auffuͤhrte. — Das Baufest der West- muͤnster-Kapelle ward 1507. gefeiert. Constit. Buch S. 200. 1510. Wiederhebung der Geheimnisse der alten Wei- sen (Magi, dann der goldne Bund genannt, wo- rinn nur Meister vom Scheine des Lichts aufge- nommen wurden; alles noch vor 1311.) und my- stische Entstehung der goldnen R. C. „Die Bruͤ- der des goldnen Bundes nehmlich, studirten die 72 Buͤcher der Bibel, zogen die Schriften ihrer Magen mit den mystischen Schriften der Bibel parallel, und nannten diesen Bund auf eine neue Art, indem sie ihn durch das Siegeszeichen des Gottmenschen (das Kreuz) ehrwuͤrdig machten, u. so unterdruͤckten sie den alten Bund zum Besten des neuen. Sie sind also seit 1510. unter dem Namen Bruͤder des goldnen Rosenkreuzes, aͤchte Frei-Maurer, aufrichtige Freunde, Bunds- und Mitverwandte des g. R. C. bekannt. (Nach einer geheimen Constitution der R. C. und einer Hand- schrift des Michael Mayer von Regensburg, auf der Universitaͤtsbibl. zu Leiden.) v. der R. C. in seiner Bloͤße ꝛc. S. 80. ꝛc. cf. Archiv fuͤr Frei-Maurer u. R. C. I. B. Berl. 83. S. 433. 34. 1527. David Lindsay , dessen unter den Schottl. Maurern unter dem Namen des Gelehrten Groß- Meisters gedacht wird. Constit. Buch S. 214. 1536. Bis zu diesem Jahr laͤuft die aͤlteste maurerische Urkunde, deren Authenticitaͤt sich darthun laͤßt: Certayne questions wyth Answers to the same, concerning the Mystery of Maconrye. Frei-Maurer Bibl. 4tes St. S. 14. 1539. Nachdem 1534. der Koͤnig zum Oberhaupt der Kirche erklaͤrt worden war, zog man in diesem Jahre die Kirchen und Kloͤster, bis auf 926. ein. Dadurch kam ein besserer Styl in die Maurerei. Der Koͤnig verkaufte nehmlich die eingezogenen Haͤuser an den Adel, die auf deren Verfall praͤch- tige Wohnhaͤuser bauten. Constit. Buch S. 202. Ebendasselbe fand in Schottland statt, wo man ebenfalls die Augustische Bauart nachahmte. ebendas. S. 216. 1540. Durch die Bulle Paul III. Regimini mili- tantis ecclesiae vom 27. Sept. wird der neu ent- standene O. der Gesellschaft Jesu bestaͤttigt. 1541. Den 24. September stirbt Philippus Theophrastus Paracel- sus von Hohenheim zu Salzburg (geb. 1493. zu Einsiedlen in d. Schweitz.) 1558. Einige leiten den Ursprung des Frei-Maurer- Ordens von dem Bischof Thomas Cranmer ab, der in diesem Jahre verbrannt wurde. s. Leben u. Thaten des Joseph Balsamo sogen. Grafen Cagliostro ꝛc. S. 55. 1561. Die Geschichte von der Verfolgung der Koͤni- ginn Elisabeth soll bloß ersonnen seyn, um die angefangene Allegorie weiter fort zu fuͤhren, und bloß das Jahr 1561. andeuten, wo die zu Poissy versammlete franzoͤsische Clerisei, harte Beschluͤsse gegen die Jesuiten und das Collegium von Cler- mont (welches durch die Große Loge von York vorgestellt werden soll) abfaßte. s. die Schottl. Maurerei II. Th. 1561. Unter Elisabeth lebten alle Kuͤnste wieder auf, und der gute alte Augustische Styl kam wie- der empor. Die Koͤniginn aber war der Baukunst nicht geneigt; uͤberdies waren ihr alle geheimen Zusammenkuͤnfte verdaͤchtig, besonders die der Maurer, zu deren Groß-Meisterthum sie, als Frau, unfaͤhig war. Constit. Buch S. 203 und 4. 1563. Die Statuten der Bruͤderschaft, gegeben den 29. Sept. von 72 untergeordneten Logen-Meistern zu Basel, wurden in diesem Jahre erneuert und gedruckt. Die Logen von Schwaben, Hessen, Bai- ern, Franken, Sachsen, Thuͤringen und die an der Mosel, erkannten die Autoritaͤt der Großen Loge von Straßburg. Noch im achtzehnten Jahrhun- derte verdammten die Meister dieser Loge, die LL. von Dresden und Nuͤrnberg zu einer Geldbusse, und sie ward bezahlt. Die Große L. von Wien, zu der die von Ungarn und Steiermark gehoͤrten, die Große Loge von Zuͤrich, die die Schweizer LL. unter sich hatte, wandten sich in schweren und zweifelhaften Faͤllen an die Mutter-Loge von Straßburg. Alle Glieder dieser Gesellschaft hatten keine Verbindung mit den gemeinen Maurern, die nichts als Hammer und Kelle zu fuͤhren wußten. Sie betrachteten ihre Kunst, als eine weit hoͤhere und bedienten sich der Maurer-Werkzeuge nur zu Sym- bolen. Entschlossen, ein besondres Korps unter der Menge der Arbeiter zu machen, erfanden sie Er- kennungsworte und Zeichen. Sie nannten es das Wortzeichen, den Gruß. Die Lehrlinge, Gesellen und Meister wurden mit geheimnißvollen Gebraͤu- chen aufgenommen. Sie nahmen die Freiheit zu ihrem Merkmal an, und entzogen sich sogar biswei- len der rechtmaͤßigen Herrschaft der Obrigkeit. — Noch existirt das maurerische Tribunal der L. zu Straßburg. Die Einwohner wandten sich in allen streitigen Faͤllen, die Bauten betrafen, an sie; der Magistrat selbst uͤberließ ihnen das Urtheil daruͤber im Jahr 1461. und schrieb ihnen die For- men und Gesetze vor, die sie dabei beobachten soll- ten. Dies ward 1490. erneuert. Die Urtheile die die Loge aussprach, hießen Huͤtten-Briefe . Die Stadtarchive sind davon voll, und es giebt wenig alte Familien zu Straßburg, die dergleichen nicht unter ihren Papieren haͤtten. ( v. unten J. 1620.) 1586. Valentin Andreae geboren. — Gegen die alchymistischen Thorheiten seiner Zeit schrieb er in seinem 15. und 16. Jahre die chemische Hoch- zeit , die aber beinah 12 Jahr ungedruckt blieb. 1588 folgte Georg Hastings , Graf von Huntington dem Carl Howard , Lord von Effingham als Groß-Meister in Suͤden. Constit. Buch S. 205. 1600. Ueber Inigo Jones , der vorzuͤglich den roͤmischen Styl aus Spanien nach England brachte (geb. 1572.) s. d. Constit. Buch S. 225. ꝛc. 1603. „Nicht England sondern Schottland ist der Boden, in dem die Maurerei aufkeimte. Aus Frankreich gefluͤchtete Tempelherren setzten in schot- tischen Hoͤlen den Orden fort (!) Jacob I. ein schwacher Koͤnig, doch nicht ohne alles Verdienst, wurde in die geheime Gesellschaft aufgenommen, und nur fuͤr sie stiftete er den Andr. O., der in den franzoͤsischen LL. nachgeaͤfft wird.“ Bemerk. uͤber St. Nic. und Anti S. Nic. S. 84. 1605. Das Buch: Reparation des athenischen ver- fallenen Gebaͤudes Palladis, 8. ein Beweiß, daß die innere Verfassung der Rosenkreuzer schon in diesem Jahr, also vor 1614. existirte. s. Chr. Rose freie Bemerkungen ꝛc. Leipz. 87. S. 81. 1607. „Die besten Kunstgenossen fanden sich von allen Seiten bei dem Groß-Meister Jones ein, welcher allemal guten Lohn und gehoͤrige Zeit zum Unter- richt in den Logen bewilligte, und diese mit vortrefflichen Nebengesetzen versah, wodurch sie den Schulen oder Akademien der Zeichner in Italien gleich gemacht wurden.“ Constit. Buch S. 227. J. Jones ward bis 1618. jaͤhrlich zum Groß- Meister oder deput. Groß-Meister erwaͤhlt. — Bei dem Flor der Maurerei wurden viel vornehme, reiche und gelehrte Maͤnner, auf ihr Ansuchen, zur Ehre der Zunft, als BB. aufgenommen. ebendas. S. 228. 1612 bis 15 sind die ersten Schriften mit dem neuen Namen Fraternitas crucis roseae mehrmalen und in fuͤnf verschiedenen Sprachen gedruckt und an ganz Eu- ropa gerichtet worden. v. Semlers Unparth. Sammlungen zur Historie der R. C. 1 St. Leipz. 86. Andre Abtheil. (Von S. 101. an die Gesetze des Ordens aus der chemischen Hochzeit Christiani Rosenkreuz, der Fama Fraternitatis, und aus dem Echo der von Gott hocherleuchteten Fraternitaͤt des loͤblichen Ordens R. C. ꝛc.) 1614 erschien schon die erste Ausgabe der Fama frater- ternitatis und Generalreformation der ganzen weiten Welt zu Kassel, ohne Wissen des Verf. ( Michael Mayer .) Die von ihm selbst besorgte, nebst der ersten Ausgabe der chemischen Hochzeit erschien 1615. Frei-Maurer Bibl. V. S. 26 f. vergl. den R. C. in sr. Bl. S. 99. 1615. Die Confessio fratrum roseae crucis gedruckt zu Kassel und angehaͤngt an Gabellae Conside- ratio secretioris Philosophiae, wo die Bruͤder Cap. XIII. ermahnt werden: Christum sincere profiteri, Papam execrari. Stark Kryptocathol. II. S. 162. 1616. „ Assertion oder Bestaͤttigung der Fraternitaͤt R. C. welche man des Rosenkreuzes nennet, von einem derselben Fraternitaͤt Mitgesellen,“ eine aͤchte R. C. sche Schrift der Mystiker, die sich am meisten den Ideen des Andreae naͤherten, und vorzuͤglich die Religion zu verbessern suchten. s. Chr. Rose fr. Bem. S. 85. 1617 erschien die merkwuͤrdige Rosenkreuzerische Schrift: Epistola ad Fratres de Rosea cruce. Frankf. bei Anton Hunnius , worinn S. 4. steht: Papae et Mahometis contra Jesum blas- phemias detestamini, membraque estis ejus ecclesiae, quae Sacra biblia seu Verbum Dei , non ut cothurnum et librum haereseon proclamat, sed omnis divinae et humanae sapi- entiae statuit fundamentum et petram. Imo quae duo sacramenta, tam initiatio- nis s. insitionis, quam conglutinationis, hoc est baptismi et coenae dominicae nobiscum agnoscit. l. c. S. 161. eod. „Die loͤbliche Bruͤderschaft zum Leichtschiff. Ver- deutscht aus einem lateinischen Exemplar, so allem Ansehen nach eben so alt, als die Bruͤderschaft zum Rosenkreuz seyn will.“ s. Chr . Rose freie Bemerkungen ꝛc. S. 81. eod. Schnelle Bothschaft an die philosophische Fra- ternitaͤt vom Rosenkreuz, durch Valentinum Tschir- nessum. Danzig 12. cf. S. 84 und 86. 1618. Ueber die weitlaͤuftige Entdeckung des Collegii ꝛc. s. Ephemeriden der gesammten Frei-Maurerei in Deutschland 1785. S. 13 ꝛc. Der vollstaͤndige Titel ist: Speculo sophico Rhodo-Staorotico d. i. weitlaͤuftige Entdeckung des Collegii und Axiomatum, von der sonderbaren erleuchteten Fraternitaͤt Christ. Rosen-Creuz: allen der wahren Weisheit begierigen Expectanten zu fer- nerer Nachrichtung, den unverstaͤndigen Zoilis aber zur unausloͤschlichen Schande und Spott. Durch Theophilum Schweighart Constantiensem. Cum privilegio Dei et naturae in Ewigkeit nicht umzustoßen. 1618. 4. 1620 errichtete Andreae , nachdem er sich mit Unwillen von seiner fruͤheren losgesagt hatte, eine neue ge- heime Gesellschaft, welche nur unter einer andern Form, Form, die nehmlichen Zwecke befoͤrdern sollte. Auch uͤber diese Gesellschaft sind die meisten Doku- mente verloren gegangen. Frei-Maurer Bibl. V. S. 28. 1620. In diesem Jahre hob der Magistrat zu Straß- burg die Jurisdiktion der Loge in Bausachen auf, weil damit Mißbrauch getrieben worden war. Extrait d’une lettre de M. l’Abbé Grandidier à Madame de — sur l’Ori- gine des Francs-Maçons, à Stras- bourg, ce 24. Novembre 1778. abge- druckt in dem Essai sur la Secte des Illuminés a Paris 1789. S. 236 f. — vergl. Frei-Maurer Bibl. IV. S. 6 f. 1622. Nach Nicolai ’s Reise B. VI. S. 485. ist der oͤsterreichische Freiherr Achaz von Hohenfeld , der wahrscheinliche Stifter der Rosenkreuzer. Er war einer der evangelischen Landstaͤnde in Oester- reich ob der Ens, und wurde durch Ferdinand II. gezwungen, der Religion wegen, aus seinem Vater- lande zu fliehen, und sich zu seinem vertrauten Freunde Valentin Andreae zu fluͤchten. 1622. Nach L. C. Orvii Vorrede zu der ersten Aus- gabe von Montani Anweisung zur hermetischen Zweites Baͤndch. L Wissenschaft (neue Ausgabe Frankfurt und Leipzig 1757.) haben die R. C. neuen Systems um die- ses Jahr im Haag existirt, und nach ihrem Vor- geben auch in Amsterdam, Nuͤrnberg, Hamburg, Danzig, Mantua, Venedig und Erfurt Zusammen- kuͤnfte gehabt. Sie nannten sich nicht Fratres R. C. sondern wahre Rosenkreuzer und legten ihrem angeblichen Stifter den Namen Christian Rose bei; trugen auch oͤffentlich eine schwarze seidene Schnur, in ihren Versammlungen aber ein goldnes Ordensband, mit einem goldenen Kreuze und einer daran haͤngenden Rose. s. Chr . Rose freie Bemerk. S. 88. cf. Nicolai Versuch uͤber die Beschuldi- gungen ꝛc. S. 179 f. 1623 machte Gabriel Naudé einen Angriff auf die R. C. in seiner Instruction à la France sur les Frères de la Rose-Croix. Paris 8. 1625. Carl I. Groß-Meister; unter ihm fanden die auslaͤndischen Maler, Bildhauer, Gipsarbeiter ꝛc. einen großen Befoͤrderer ihrer Kunst. Constit. Buch S. 228. 1633. Thomas Howard war ein großer Kenner aller zeichnenden Kuͤnste und Hersteller gelehrter Alterthuͤmer. Besonders ist er beruͤhmt durch seine Marmora Arundeliana. Unter ihm war Jones noch immer Deputirter Groß-Meister, und baute die St. Pauls Kirche mit einem vortrefflichen Schwibbogen. Constit. Buch S. 229. 1640. Bis hieher, wo die innerlichen Kriege anfin- gen, dauerte das Amt des Groß-Meisters in Schott- land, wie es oben J. 1424. beschrieben worden. „Vorjetzt ist es aus der Gewohnheit gekommen, und kann auf keine andre Art, als durch einen koͤniglichen Groß-Meister wiederhergestellt wer- den. Nunmehr tranken die Maurer mit Freuden: fuͤr den Koͤnig und die Kunst.“ Constit. Buch S. 212. 1645 stiftete Olivier Cromwell den Frei-Maurer Orden. Die Fabel davon wird weitlaͤuftig erzaͤhlt in dem Buche: Allerneueste Geheimnisse der Frei- Maurer ꝛc. 1780. im zweiten Th. S. 11. ꝛc. 1646. Von diesem Jahre, bis zum 27. December 1663. wurde kein Groß-Meister gewaͤhlt, weil der Fort- gang der k. Kunst durch die buͤrgerlichen Kriege gehemmt wurde. Nach andern Nachrichten war L 2 Inigo Jones , „bis zu seiner am 30. Januar 1649. erfolgten Ermordung,“ Groß-Meister, wovon aber der Free Mas. Calendar for 1775. nichts erwaͤhnt. v. Chr. Rose freie Bemerkungen ꝛc. S. 135. 1646. Die Idee, daß durch Elias Ashmole , Mit- glied jener Gesellschaft, die Bacon’s Atlantis zu realisiren strebte, und eine Verbindung zwischen derselben und der damaligen Zunft der englischen Maurer-Meister stiftete, der Grund zur Frei- Maurerei gelegt worden, deutet einen zu neuen Ursprung fuͤr diese Gesellschaft an. Waͤre dies aber erwiesen, so muͤßte man annehmen, daß Ba- con’s salomonisches Haus in den Tempel Sa- lomons umgewandelt worden sey. Frei-Maurer Bibl. 4tes St. S. 16. vergl . S. 101. 1646. Den 16. October wird Ashmole , nach seiner eigenen Lebens-Beschrei- bung, zu Warrington in Lancashire, nebst dem Obri- sten Heinrich Manwaring durch Herrn Richart Penket zu einem Mitbruder, „der alten und ehrwuͤrdigen Gesellschaft der Frei-Maurer“ erwaͤhlt. vergl. Briefe die Frei-Maurerei betreffend dritte S. S. 23. ꝛc. Die Lebens-Beschreibung steht in der Samm- lung merkwuͤrdiger Lebens-Beschreibungen. 4ter B. 1649. „Als Cromwell nach dem Tode Carls I. 1649. das alte Institut der Bauleute von Osten im Schloß Whitehall gefunden, hat er, weil er es unrecht verstanden, es nur nach seinen irrigen Be- griffen umzuaͤndern, und Frei-Maurerei zu nennen fuͤr gut befunden.“ Aus einem Rosenkreuzer Archiv, in dem Buche: Der im Lichte der Wahrheit strah- lende Rosenkreuzer von Phoebron, Leipz. 1782. S. 110. und 12. 1649 und 50. Der Verfasser der Schrift: Aufklaͤrung uͤber wichtige Gegenstaͤnde in der Maurerei, besonders uͤber die Entstehung derselben ohne Schwaͤrmerei ꝛc. setzt den Ursprung des O. in diese Jahre, und macht ihn zu einer Verbindung patriotischer Brit- ten gegen den Usurpator Olivier Cromwell zum Besten Carls II. Man versteckte sich hinter die Zunft ( Mystery ) der Wort-Maurer, welche ihre Kennzeichen und Geheimnisse hatten, und er- fand neue Hieroylyphen ꝛc. In der Folge behielt man die Verbindung blos ihrer Annehmlichkeit wegen bey. — Etwas aͤhnliches wird auch in dem Buche: Geheimer Gang menschlicher Machinatio- nen. Rom, Muͤnchen und Barby, 1790. im 16. Briefe erzaͤhlt, mit dem Zusatz: daß man sodann in Schottland den Zweck hineingewebt habe: Ka- tholicismus zu verbreiten, und dem K. Jacob aufzuhelfen; daß man geheime Grade, Angelobung blinden Gehorsams eingefuͤhrt habe ꝛc. daß Ram- say , Gouverneur der Soͤhne Jacobs der vor- zuͤglichste Urheber dieser neuen Tendenz sey, und die vertriebenen Jesuiten als schottische BB. und Ordens-Obere zuruͤckgekehrt waͤren ꝛc. 1652 starb der große Inigo Jones im 80. Jahre seines Alters zu London, und ward den 26. Jun. in der St. Bennets Kirche begraben. — Seine besten Schuͤler fuhren fort, zu ihrer Vervollkomm- nung Zusammenkuͤnfte zu halten; sie bewahrten seine Risse und Zeichnungen, und pflanzten die Augustische Bauart fort, die er in England einge- fuͤhrt hatte. seine Arbeiten, s. Constit. Buch S. 230. 1661. Carl II. war auf seinen Reisen zum Frei- Maurer gemacht worden. Er beschloß, den Augu- stischen Styl durch Herstellung der Logen empor zu bringen, und bestaͤttigte die Wahl Heinrichs Jermyn Gr. v. St. Alban zum Groß-Meister. Dieser ernannte Johann Denham zu seinem Deputirten, und Christoph Wren , und Jo- hann Webb zu Groß-Vorstehern. Constit. Buch S. 232. 1663. Wren ’s Leben, nach Chauffepié in der britt. Biographie 4 B. — Lessing in s. Gespraͤch: Ernst und Falck nennt ihn den Schoͤpfer der ganzen heutigen Frei-Maurerei. s. daruͤber: Briefe, die Frei-Maurerei be- treffend, dritte S. S. 72. ꝛc. 1663. Der Groß-Meister St. Alban hielt am St. Johannistage, den 27. December, eine allgemeine Versammlung und Fest, wobei verschiedene Ver- ordnungen gemacht wurden, z. B. daß einer nur in einer regelmaͤßigen L. wenn er gesunden Leibes, von ehrlichem Herkommen und gutem Namen und wenigstens 21 Jahr alt ist, aufgenommen, und die Bruͤderschaft durch einen Groß-Meister, und so viele Vorsteher, als man bei der jaͤhrlichen allge- meinen Versammlung waͤhlen wuͤrde, regiert wer- den solle. Constit. Buch S. 232 bis 34. 1663. Nachdem im Jahr 1660. der Zweck der Ge- sellschaft erreicht war, nahm sie nun verschiedene Maßregeln zu ihrer weitern Erhaltung. Poli- tik, Sitten und Kuͤnste hatten sich veraͤndert; der politische Zweck fiel ganz weg. s. Ephemeriden der gesammten Maurerei S. 19. 1666. Vor diesem Jahre soll weder Name noch Form der Frei-Maurerei existirt haben. s. der Schottischen Maurerei erster Th. S. 161. 1666. Den 24. Juni . Thomas Savage Gr. v. Rivers , Groß- Meister, ernennt Cstph Wren zu seinem Depu- tirten, Webb und Grinlin Gibbons zu Groß- Vorstehern. „Es wurden aber alle Dinge von dem Deputirten und den Vorstehern veranstaltet.“ Zu dem Wiederaufbau der abgebrannten Stadt London machte Wren den Plan. Constit. Buch S. 234. 1667. Den 23. October . Grundlegung zur neuen koͤnigl. Boͤrse in London. ibid. 1669. Den 9. Juli . Einweihung des Theatri Sheldoniani zu Ox- fort, erbaut von Gilbert Sheldon Erzbischof zu Canterbury, durch Wren und Webb . ibid. S. 235. 1673. Grundlegung zur neuen St. Paulskirche, nach dem Brande der alten, nach dem Riß und unter Direktion Wrens , und seines Vorstehers Eduard Strong . — Andre beruͤhmte Arbeiten. ibid. S. 236 und 37. 1682. Den 10. Maͤrz empfing ich (erzaͤhlt Ashmole in seinem Tage- buche) eine Erinnerung, des folgenden Tages in Masons Hall in London zu erscheinen, wo wir Herrn Wilhelm Wilson , den Hauptmann Ri- chard Borthwick und noch 4 andre, in die Ge- sellschaft der Frei-Maurer aufnahmen. Ich war der aͤlteste Gesell, weil schon 35 Jahr seit meiner Aufnahme verflossen, und bei mir waren Tho- mas Wise , Meister der Maurer-Gesellschaft in London, und 8 alte Frei-Maurer. Wir genossen hierauf alle in der Tavern zum halben Mond in Cheapside einer herrlichen Mahlzeit, welche auf Kosten der neu aufgenommenen Maurer war be- reitet worden. Constit. Buch S. 238 und 39. 1683. Die ausdruͤcklichste Stelle von einer wirklichen chymischen oder physischen (geheimen) Gesellschaft, ist, nach D. Semler ’s unpartheiischen Sammlun- gen zur Historie der Rosenkreuzer, 1 St. Leipzig 1786. enthalten in: Raymundi Lulli Theoria c. 87. p. 139. im vierten Vol. des Theatri Che- mici latini, das die R. C. 1683. in Straßburg haben drucken lassen. 1685. Da nach Carls II. Tode Jacob II. auf den Thron gekommen, und dieser kein Frei-Maurer Bruder war, so wurde die Kunst sehr zuruͤckge- setzt. — Doch Wren , der mit dem Bau der Paulskirche fortfuhr, berief jaͤhrlich die BB., die sich bei ihm einfinden konnten, zusammen, um gute alte Gebraͤuche zu bewahren. — Doch sind viele Urkunden der Bruͤderschaft, die unter den vorigen Regierungen verfaßt worden, unter der gegenwaͤr- tigen und bei der Revolution verloren gegangen. Constit. Buch S. 239. 1686. The Natural History of Stafford-Shire by Robert Plott, LLD. Keeper of the Ashmolean Musaeum and Professor of Chymistry in the Univ. of Oxford. idid. fol. Darinn uͤber die Frei-Maurerei eine merkwuͤrdige Stelle §. 85 bis 88. abge- druckt in den Briefen, die Frei-Maure- rei betreffend, dritte S. S. 42 f. 1687. Den 9. Junius . Merkwuͤrdiges Schreiben des D. W. an Sir D. abgedruckt in Ashmole ’s Leben l. c. S. 740 f. Deutsch in den Briefen, die Frei-Maurerei be- treffend, dritte S. S. 27 f. 1688. Das aͤlteste Frei-Maurer Patent findet sich bei einem irrlaͤndischen Regimente, und ist vom 25. Maͤrz dieses Jahres datirt. Dies Regiment war damals mit dem K. Jacob II. in Irrland. s. der Schottischen Maurerei I. Th. Leipz. 1788. Da Jacob II. noch Herzog von York war, wurde von ihm ein Jesuiten-Collegium zu Lon- don (das von seinem Stifter nachher die große Loge zu York genannt wurde) errichtet; dieses stellt die Allegorie unter Erbauung des ersten Tempels vor, so wie die Erbauung des zweiten Tempels durch Jerubabel (J), ein Sinnbild von der Ver- bindung der Jesuiten mit dem Praͤtendenten ist. ebendas. II. Th. S. 106. 1691. Die ersten Logen und vierteljaͤhrigen Zusam- menkuͤnfte eingerichtet; kurz vorher kam die Re- densart: freie und angenommene Maurer auf. „Von den angenommenen Maurern entstanden die wirklichen Maurer, und von beiden die Gor- mogons, deren Groß-Meister Volgi seinen Ur- sprung aus China herleitet.“ v. die zergliederte Frei-Maurerei. 1693. Da die besondern Logen bisher nicht so haͤufig und meistens zufaͤllig (ausgenommen in oder nahe bei Orten, wo große Baue aufgefuͤhrt wurden) gewesen waren: so veranlaßte in diesem Jahr Ro- bert Clayton eine zufaͤllige L. seiner BB. Mei- ster im St. Thomas Hospital zu Southwark, wegen des besten Plans zum Wiederaufbau dessel- ben. Nicht weit davon wurde lange hernach eine bestaͤndige L. gehalten. Außer dieser und der alten L. von St. Pauls , war eine andre in Picadilly, eine bei der Abtei von Westmuͤnster, eine bei Co- vent-Garden, eine in Holborn, eine auf Tower-Hill und einige andere, die sich ordentlich versammleten. Constit. Buch S. 241. 1695 ward Carl Lennox Herzog von Richmond und Lennox , Meister einer Loge zu Chichester, als er zur jaͤhrlichen Versammlung nach London kam, zum Groß-Meister erwaͤhlt, und vom Koͤnige bestaͤttigt. ibid. S. 242. 1696. Ueber die Lock’ische Urkunde vergleiche: Briefe, die Frei-Maurerei betreffend, dritte S. p. 81 f. — Die Urkunde selbst, nebst Locke ’s Commentar, steht in Prestons Erlaͤuterung der Frei-Maurerei. Deutsch von Meyer , Stendal 1780. und in Wilh. Hut- chinsons Geist der Maurerei. Deutsch. Berl. 1780. 1698 circa. Gegen das Ende des siebzehnten Jahrhunderts, war die Corporation der freien und angenomme- nen Maurer in Verfall gekommen, die Anzahl ihrer Glieder hatte sich betraͤchtlich vermindert, sie hatte keine Lords mehr zu Groß-Meistern, die Gesell- schaft schien verschwunden zu seyn. Man fand in den Staͤdten geschicktere Arbeiter, als vorher, und ließ keine mehr aus der Fremde kommen, oder wandte sich an die große Zunft der Frei-Maurer, wie ehemals. Die Maurer, denen es nun nicht mehr an Arbeit fehlte, verließen nach und nach die Korporation der Frei-Maurer, und ließen sich in die Zunft ihres Wohnorts aufnehmen. v. die Schicksale der geheimen Gesellschaf- ten in Deutschland, aus dem Portofeuille eines reisenden Franz. uͤbersetzt 1800. 1698. Wren wieder zum Groß-Meister erwaͤhlt. 2. Zusaͤtze zu der Geschichte der Mau- rerei im 18 ten Jahrhunderte . 1700. D as letzte Beispiel einer von der Straßburger Oberloge ausgeuͤbten Gerichtsbarkeit, bei einem Zwiste der Huͤtten zu Dresden und Nuͤrnberg. 1700. Die LL. in den suͤdlichen Gegenden waren, theils durch die Unachtsamkeit der Meister und Vorsteher, theils weil sie keinen edlen Groß-Mei- ster in London hatten, in Verfall gerathen, und die jaͤhrlichen Versammlungen wurden nicht gehoͤ- rig gehalten. Constit. Buch S. 244. 1707. Den 16. Maͤrz wurde durch einen Reichstags-Schluß zu Regens- burg die Verbindung aller Logen in Deutschland, mit der zu Straßburg verboten. s. den Brief des Abbeé Grandidier . Briefe die Frei-Maurerei betrffend, dritte S. p. 102. Die Gruß-Maurer stehen gegenwaͤrtig unter drei deutschen Haupthuͤtten; und sie koͤnnten sehr wohl vorher unter der Straßburgischen gestanden, und sich erst seit dem Reichstags-Schlusse von 1707. den gegenwaͤrtigen unterworfen haben. l. c. S. 110. 1708. Im Julius . Vollendung und Baufest der St. Pauls Kirche, durch Cstph Wren gefeiert. Constit. Buch S. 244. Einige Jahre nachher kuͤmmerte sich Wren nicht sehr um das Amt eines Groß-Meisters; doch fuhr die Alte L. bei der St. Pauls Kirche, und einige andre noch fort, ihre Versammlungen zu halten. ibid. 1716. Bald nach der Restauration der Frei-Maure- rei in England, soll der 4te maurerische oder erste schott. Gr. eingefuͤhrt worden seyn, „da wir sei- ner bereits in einem zu Anfang des Jahrhunderts herausgekommenen engl. Woͤrterbuche: A new Dictionary of the Terms ancient and modern of the Canting Crew etc. by B. E. Gent. London gr. 8. und zwar unter dem Worte: Ma- son’s Mawnd (Maurer-Tand) so deutlich erwaͤhnt finden, daß an seiner damaligen Existenz nicht zu zweifeln ist. Doch scheint er dem System der großen Loge zu London ganz unbekannt gewesen zu seyn, da wir weder in dem Constit. Buch noch sonst eines hoͤheren Gr. erwaͤhnt finden. s. Chr. Rose freie Bemerk. ꝛc. S. 156. 1716. soll die erste deutsche Loge zu Koͤlln errichtet wor- den seyn, die aber bald wieder unterdruͤckt wurde. 1717. Der Gentlemen Sayer wird von dem aͤltesten Maurer-Meister, nebst andern Candidaten, den BB. vorgeschlagen, und von diesen zum Groß- Meister gewaͤhlt. Briefe, die Frei-Maurerei betreffend, drit- tes St. S. 19. cf. Constit. Buch S. 245. 6. 1717. Man waͤhlte einen angenommenen Mau- rer zum Groß-Meister, und gab ihm, wie gewoͤhn- lich zwei Aufs. bei, von welchen der eine ein Zim- mermann war. Verschiedene Personen von Stande, welche ehemals als angenommene Maurer zur großen Korporation gehoͤrt hatten, wurden einge- laden, der Versammlung beizuwohnen. Die Zahl der Mitglieder vermehrte sich im J. 1720. und im im folgenden Jahre sah man sich im Stande, einen Groß-Meister vom hohen Adel zu waͤhlen, wie man dies schon 1716. auf den Fall beschlossen hatte, wenn es die Umstaͤnde erlauben wuͤrden. v. die Schicksale der g. G. ꝛc. eod. Der neue Groß-Meister Sayer befahl den Meistern und Vorstehern der LL., daß die Groß- Beamten alle Vierteljahre, an dem Orte, welchen er in seinem durch den Ziegeldecker ausgesandten Circulaͤr, melden wuͤrde, sich versammlen sollten. Constit. Buch S. 246. 1718. Den 24. Juni verlangte der Groß-Meister Georg Payne , die BB. sollten alle und jede alte Schriften und Urkunden, von den Maurern und der Maurerei zu der großen Loge bringen, um die Gebraͤuche der alten Zeiten daraus zu erkennen. Es wurden auch in diesem Jahre verschiedene alte Abschriften von den gothischen Constitutionen hervorgebracht, und gegen einander gehalten. Constit. Buch S. 247. 1719. Den 24. Juni ward Joh. Theophil. Desaguliers zum Groß-Meister erwaͤhlt, Anton Sayer und der Zweites Baͤndch. M Steinhauer Thomas Morrice waren seine Groß-Vorsteher. Er ließ sich angelegen seyn, die alten regelmaͤßigen und besondern Toasts der Frei- Maurer wieder einzufuͤhren. Nunmehr be- suchten mehrere alte Bruͤder die LL. aufs neue; auch wurden einige vornehme Personen zu BB. gemacht, und mehr neue Logen angelegt. Constit. Buch S. 247. 1720. Der Groß-Meister Georg Payne , sammlet die allgemeinen Verordnungen der fr. und ang. Maurer, die in der allgemeinen Versammlung den 24. Jun. 1721. gebilligt, und sodann, nach geschehener Vergleichung mit den alten Urkunden, nach dem Beschluß vom 25. Maͤrz 1722. dem Con- stitutions-Buche beigefuͤgt werden. Constit. Buch S. 313 f. 1720. Den 27. December . ward verordnet, daß der abgehende Groß-Meister seinen Nachfolger einige Zeit vor dem jaͤhrlichen Feste vorschlagen solle. ibid. S. 345. 1720. wurden (so heißt die vollstaͤndige Nachricht) in gewissen besonderen Logen einige sehr wichtige Manuscripte, welche die Bruͤderschaft, ihre Logen, Einrichtungen und Gebraͤuche enthielten, sonderlich eines das Nicolaus Stone , des Inigo Jo- nes Vorsteher geschrieben, von einigen allzu vor- sichtigen BB. aus Uebereilung verbrannt, damit solche Papiere nicht in fremde Haͤnde gerathen moͤchten. Constit. Buch S. 248. 1721. Von jetzt an, trat eine große Menge von Stan- des-Personen zur Bruͤderschaft, man legte viele besondre LL. an, welche von der Gr. L. zu London abhaͤngig waren, und die Gesellschaft fing von neuem an zu bluͤhen. Man betrachtete sie als einen angenehmen Clubb, und es ward festgesetzt, daß darinn nichts, was den Staat und die Reli- gion betreffe, verhandelt werden solle. — Die Bruͤ- derschaft ward von nun an glaͤnzender; aber die alte Bruͤderschaft war es nicht mehr. Die ange- nommenen Maurer, die Gelehrten und Stan- despersonen machten den groͤßten Theil derselben aus; der Maurer vom Handwerk wurden immer weniger. s. die Schicksale der g. G. ꝛc. eod. Von diesem Jahr an, faͤngt die Geschichte der Frei-Maurerei an gewiß zu werden, und von die- ser Zeit an, hat sie erst eine wirkliche dauerhafte M 2 Form erhalten. Nur zwey LL. in London sind uͤbrig, die vor diesem Jahre gestiftet worden sind. Freie Bemerkungen ꝛc. von Christian Rose S. 11. 1721. Der Herzog von Montagu , der Veranlasser des Constitutions-Buchs, wird von seinem Vorgaͤnger dem Esq. Payne , zum Groß-Meister ausgerufen. Zu seiner Zeit soll die Zunft-Maurerei in Frei-Maurerei uͤbergegangen, und er nebst den mit ihm verbundenen BB., der Stifter der eigent- lichen Frei-Maurerei seyn. Sie haben wahrschein- lich die Verbindlichkeit der alten Zunft-Gesetze aufgehoben, und wenn sie dieselbe noch gewisser- maßen beibehalten haben (wie sie denn noch im Constitutions-Buche stehen): so muͤssen sie es bloß gethan haben, um ihr Andenken zu erhalten, so wie sie Benennungen, Symbole und Gebraͤuche beibehielten. Den Zweck der Zunft-Maurerei: geschickte, verstaͤndige, geschmackvolle Bauleute zu bilden, haben sie wohl abgeschaft; welche neue Zwecke sie dagegen in ihre Verbruͤderung moͤgen gelegt haben, ist unbekannt. Etwas aber muß doch in der Zunft gewesen seyn, was man auch in der Frei-Maurerei noch brauchen konnte, und welches eben vielleicht die Abschaffung des Zuͤnfti- gen bewirkt haben mochte. Briefe die Frei-Maurerei betreffend, dritte S. p. 113 — 116. 1721. Den 24. Juni erhaͤlt die Gr. L. das Recht, neue Verordnungen zum Besten der Bruͤderschaft, ohne Einwilligung aller BB. zu machen, da sie die Repraͤsentanten der ganzen Bruͤderschaft sind. Constit. Buch S. 382. 1124. Den 24. Juni versammlete sich Philipp Herzog von Whar- ton mit mehreren BB. in Stationers-Hall , setzten den aͤltesten Maurer-Meister, ob er gleich nicht Meister einer Loge war, auf den Stuhl, und dieser rief den Herzog zum Groß-Meister der Maurer, und Josua Timson , einen Grobschmidt und Wilh. Hawkins einen Maurer, zu Groß- Vorstehern aus; welche die uͤbrigen nicht anerkann- ten. Doch wurde die Spaltung wieder aufgeho- ben, da den 17. Jan. 1723. auf Veranstaltung des Groß-Meisters Montagu , der Herzog v. Whar- ton in der gr. L. zu Kings-Arms zum Groß- Meister erwaͤhlt wurde. Nun bluͤhte die Maure- rei an Eintracht und Ansehen; der Groß-Meister mußte mehr neue LL. errichten, und er besuchte die LL. woͤchentlich mit seinem Deputirten und Groß- Vorstehern. Constit. Buch S. 253 — 55. eod. circa. Unterschied zwischen Mund- und Brief- Maurern ; jene wurden unter freiem Himmel aufgenommen, und bekamen blos muͤndliche In- struktion uͤber Zeichen, Wort ꝛc.; diese erhielten einen Lehrbrief. 1723. Vollstaͤndiger Titel des Constitutions-Buchs: The constitutions of the Freemasons. Con- tayning the History, Charges, Regulations etc. of that most ancient and rigt worshipful Fraternity, for the Use of the Lodges. Lon- don. In the year of masonry 5732. anno Domini 1723. 4 maj. 13½ B. eod. Den 24. Juni . Schluß der gr. L.: daß es nicht in der Gewalt eines Menschen oder Gesellschaft stehe, einige Aen- derung oder Neuerung in dem Frei-Maurer-We- sen zu machen, man habe denn zuvor von der gr. L. die Einwilligung daruͤber eingehohlt, und Den 25. November . daß eine jede gehoͤrig versammlete L. Gewalt habe, eine jegliche von den gedruckten Verordnungen im Con- stitutions-Buche zu verbessern, oder zu erlaͤutern, wenn nur die alten Regeln der Bruͤderschaft da- durch nicht verletzt werden; daß aber in dem ge- druckten Constitutions-Buche ohne Erlaubniß der gr. L. keine Aenderung vorzunehmen sey. Constit. Buch S. 351. 52. 1723. Den 24. Juni ward Franz Scot Gr. von Dalkeith zum Groß-Meister ausgerufen, der den D. Desagu- liers zu seinem Deputirten ernannt hatte. Es speisten an 400 BB. zusammen. Constit. Buch S. 256. 1724 etc. Nach dem alten Herkommen, welches bei der neuen Einrichtung von 1717. bestaͤttigt wurde, hatte in England jede L. ohne gemeinschaftlichen Fond, ihre ungluͤcklichen und verarmten BB. unterstuͤtzt. In diesem Jahr aber macht der abgegangene Groß- Meister Graf von Dalkeith , nachheriger Herzog von Buccleugh den Vorschlag: daß alle LL. einen Theil ihrer Armengelder in einen gemein- schaftlichen Fond , der durch einen eigenen Schatz- Meister verwaltet werden sollte, quartaliter abge- ben moͤchten, um den von den beitragenden LL. empfohlenen BB. eine thaͤtigere Huͤlfe leisten zu koͤnnen. Am 17. Maͤrz wurde zu Untersuchung dieses Gegenstandes eine Committé niedergesetzt, welche am 27. November in der Gr. L. ihren Be- richt abstattete. Die eingesandten Beitraͤge waren aber nicht betraͤchtlich genung, um dazu einen Groß- Schatz-Meister zu ernennen. Dies geschah erst den 24. Juni 1727.; ihm ward eine Committé zuge- geben. Den 25. Februar und 27. December 1729. wurden die Beitraͤge schon betraͤchtlich befunden, und am 28. August 1730. ward die Committé auf zwoͤlf Meister vermehrt, welche vom 15. Dec. an unmittelbar von der Gr. Landes-Loge abhaͤn- gen sollte. Sie versammlet sich jaͤhrlich dreimal, untersucht die Bittschriften, und bewilligt zu 5 u. 20 Guinen. Die Anstalt besteht durch die freiwilli- gen Beitraͤge der LL. und nach einem Schluß der Gr. L. v. 24 Jul. 1755. durch die Angabe von 5 Schill. fuͤr jedes Certificat. s. Journ. f. Frei-Maurer II. , 1. S. 220 f. cf. Constit. Buch S. 355. 1724 Den 28. April ward der Herzog. Carl vom Richmond und Lennox als Groß-Meister begruͤßt; seine Installa- tion war den 24. Jun. s. Constit. Buch S. 257 bis 60. 1725. Den 27. December . Jacob Hamilton Lord Paisley zum Gr. Meister ernannt. 1727. Errichtung einer Loge zu Gibraltar. 1728. Den 26. November . Jacob King Lord Vicomte Kingston zum Groß-Meister ernannt. Auf den Vorschlag des Br. Desaguliers wurde das Amt der Schaff- ner wieder hergestellt, damit dieselbe den Groß- Vorstehern in Zubereitung des Gastmahls beiste- hen moͤchten, und ihre Zahl auf 12 gesetzt. Constit. Buch S. 267. 1728. Den 3. Februar . Legung des Grundsteins zum Parlamentshause in Dublin, in Gegenwart vieler Frei-Maurer. Constit. Buch S. 223. 1729. Den 29. Januar . Feierlicher Aufzug der Maurer zu London, aus dem Hause des neuerwaͤhlten Groß-Meisters bis zum Logen-Hause, wobei jenem das Ordens-Schwerdt vorgetragen wurde. 1729. Den 25. November in der Gr. L. schenkte der Groß-Meister King- ston ein artiges Piedestal und ein kostbares Kissen, einen sammtenen Beutel fuͤr den Sekretair und ein Ehrenschild von zwei goldnen kreuzweiß geleg- ten Federn auf seiner Brust. Constit. Buch S. 269. 1730. Die Schottischen Maurer erkannten die eng- lische Gr. L. nicht; sie hatten seit langer Zeit ihren eigenen Groß-Meister, und auch in aͤltern Zeiten ihre eigene Corporation. Irrland entzog sich seit diesem Jahre der Gr. L. in London, und hatte seinen eigenen Groß-Meister. s. die Schicksale der g. G. ꝛc. 1730 versammlete sich die alte Bruͤderschaft der freien und angenommenen Maurer in Irrland in ihrer Gr. L. zu Dublin, und erwaͤhlte, nach dem Bei- spiel ihrer BB. in England, einen edlen Groß- Meister, nehmlich Jacob King , Lord Vicomte Kingston , der im vorigen Jahre Groß-Meister von England gewesen war. Er fuͤhrte dieselben Constitutionen und alten Gebraͤuche ein, und be- kam jaͤhrlich einen edlen Br. zum Nachfolger. Constit. Buch S. 224. 1730. Schon in diesem Jahr ernannte die Gr. L. von London einen Provincial-Groß-Meister fuͤr Nie- dersachsen, (Herrn Du Thom ) obgleich dort noch keine L. war, denn die erste wurde zu Hamburg 1733. durch eine englische Deputation errichtet. ibid. 1730. Den 29. Januar . Feierlicher Aufzug zur Installation des Groß- Meisters Herzog v. Norfolk . Constit. Buch S. 269 bis 72. eod. Einsetzung von Provincial-Groß-Meistern zu Bengalen ( Cap. Ralph Far Winter ) und zu New Jersey in Amerika ( Daniel Cox .) ibid. S. 378. 1731. Der Koͤnig Carl von Neapel und Sicilien, untersagt durch ein Edikt alle maurerischen Ver- sammlungen in seinem Koͤnigreiche, mehr aus Ver- druß, daß der O. ohne sein Vorwissen sich hier ausgebreitet, als aus Besorgniß fuͤr den Staat und die Religion. Journ. f. Frei-Maurer II. , 2. S. 71. 1731. Die Aufnahme Franz I. im Haag ist in den Coburgischen Auszuͤgen aus allen Theilen der Ge- lehrsamkeit v. J. 1751. 32te Nachlese S. 250. in einem eigenen aus den Epilogues entlehnten Auf- satze beschrieben. ef. Constit. Buch S. 275. 76. Im Haag ward er von D. Desaguliers zum Lehrling und Gesell, und in England von dem Groß-Meister Lovel zum Meister gemacht. eod. Provincial-Groß-Meister von Rußland ( Capit. John Philipps ) und von Andalusien in Spa- nien ( Capit. Jac. Cummerford ) eingesetzt. Constit. Buch S. 378. 1732 erschien das erste Werk, worinn man das Frei- Maurer-Geheimniß der Welt mitzutheilen ver- sprach. Deutsch 1736. unter dem Titel: Die Zunft der freien Maurer, oder allgemeine und aufrichtige Beschreibung aller derselben Gattungen ꝛc. von Samuel Prichard . Andre geben die franzoͤsische Uebersetzung fuͤr das Original aus. Cf. den zer- schmetternden Frei-Maurer, Frankfurt und Leip- zig 1746. Frei-Maurer-Bibliothek, erstes St. S. 21 f. 1732 wird die erste Loge in Frankreich, zu Paris, in dem Hotel von Bussy durch eine englische De- putation errichtet, eben so zu Valenciennes. Die Schicksale der g. G. ꝛc. cf. Constit. Buch S. 378. eod. Den 19. April . Anton Brown , Lord Vicomte Montagu Groß-Meister. v. Constit. Buch S. 277 f. eod. Den 2. Maͤrz . Die Steward’s in London erhalten das Recht, ihre Nachfolger jaͤhrlich am Johannisfeste selbst zu ernennen. 1733. Den 27. April . Bulle des Pabst Clemens XII. „In emi- nenti“ gegen die Gesellschaft der Frei-Maurer, ( Liberi muratori, Franc maçons ) wo alle, die sich damit befassen, mit dem Bann ipso facto, und ohne alle weitere Erklaͤrung, als der Ketzerei verdaͤchtig, belegt wurden. Deutsch abgedr. im Archiv fuͤr Frei-Maurer u. Rosenkreuzer 1. Th. Berl. 1783. S. 401. 1733. Die Gr. Loge zu London (unter dem Groß-Meister Strathmore ) constituirt zu Hamburg eine L. Journ. f. Frei-Maurer III. , 4. S. 201. Der damalige Groß-Meister Jacob Lyon Graf von Strathmore , ertheilte nehmlich eilf BB. die Erlaubniß, eine Loge in Hamburg zu errichten. ebendas. III. 2. S. 256. cf. Constit. Buch S. 379. cf. Hamburgische Muͤnz- und Medaillen Vergnuͤgen St. 80. 1734. Joh. Lindsay Gr. von Craufurd Groß- Meister. eod. und 1735. Stiftung von LL. zu Aubigny in Frankreich, zu Lissabon, und Savannah in Georgien; und Einsetzung von Provinzial-Groß-Meistern von Suͤd-Amerika ( Randolph Tooke Esq. ) zu Gam- bay in Westafrika ( Richard Hull Esq. ) und 1736. von Neu-England in Amerika ( Robert Tomlin- son Esq. ) von Suͤd-Carolina ( Joh. Hammerton Esq. ) und zu Cape-Coast-Castle in Afrika ( Creighton M. D. ) Constit. Buch S. 379. 1735. Die ausfuͤhrliche Erzaͤhlung von den Bewe- gungen gegen die Frei-Maurer in Holland s. Frei- Maurer-Bibliothek I. S. 29 bis 37. eod. Den 3. Maͤrz . Die Papiere des B. Anderson zur neuen Ausgabe des Constitutions-Buchs werden gebilligt, und ihm aufgegeben, die Patrone der alten Mau- rerei, die alten und neuen Groß-Meister, und die Stewards seit dem Groß-Meister Montagu mit aufzufuͤhren. 1735. Den 24. Juni . Errichtung einer Stuarts L. in London. Constit. Buch S. 339. 1736. Den 6. April ward verordnet: daß keine BB. in der Gr. Loge zuzulassen seyen, als die Glieder derselben, die vier gegenwaͤrtigen, und alle vormalige Groß-Beamte, der Schatzmeister und Secretair, die Meister und Vorsteher aller regelmaͤßigen LL., die Meister und Vorsteher und neun andre von der Steward’s Loge (jedoch die Letztern ohne Stimme.) Constit. Buch. S. 352. 1736. Fabel von der schrecklichen Execution in der L. an dem Br. Pachard , der in einem zu Luͤttich gedruckten franz. Werke die Geheimnisse des O. profanirt haben soll, s. allerneueste Geheimnisse der Frei-Maurer, 2 Th. S. 48. 1736. In Frankreich hatten sich die Frei-Maurer schon seit vielen Jahren versammlet, und unter dem Groß-Meisterthum des schottischen Ritters Jacob Hector Macleane ihre Arbeiten in der Stille betrieben; allein in diesem Jahre wurde der O. oͤffentlich bekannt. Es waren zu Ende die- ses Jahres schon 5 LL. in Paris. Carl Rat- cliff Graf v. Deventwater ward aufs folgende Jahr zum Groß-Meister erwaͤhlt. Mehrere Große z. E. der Marschall von Estrées und der Prinz von Condé traten zum O. v. Acta Historio- Eccles. Tom II. Anhang p. 1052. Frei-Maurer-Bibliothek I. S. 39. 1737 ernennt die Gr. L. zu London einen Provinzial- Groß-Meister fuͤr Obersachsen ( Heinrich Wil- helm Marschall , Erbmarschall von Thuͤringen) wo wo aber noch keine LL. waren. Die erste wurde zu Altenburg 1741. errichtet, und einige Zeit dar- auf, eine andere zu Naumburg. s. Schicksale der geh. G. ꝛc. cf. Constit. Buch S. 380. eod. circa. Der Mops-Orden , s. daruͤber: L’Ordre des Francs-Maçons trahi et le Secret de Mopses revelé. à Amsterdam. 1745. 8. eod. Einsetzung eines Provinzial-Groß-Meisters der Insel Montserrat in Amerika ( Jacob Watson Esq. ); zu Geneve ( Georg Hamilton Esq. ); auf der Kuͤste von Afrika und den Amerikanischen In- seln ( Capit. Will. Douglas ) und von New York (Cap. Richard Riggs) . Constit. Buch S. 380. 1737. In Italien war der O. zuerst unter dem Na- men la Cucchiara (Kelle) bekannt. In Florenz hatte der letzte Groß-Herzog aus dem Hause Me- dicis ein Edikt gegen die Frei-Maurer gegeben, er starb aber und sie fuhren fort, sich zu versamm- len. Auf einen Bericht der Geistlichen nach Rom sandte der Pabst den P. Inquisitor nach Florenz, und mehrere angesehene Personen wurden verhaf- Zweites Baͤndch. N tet, jedoch auf Veranstaltung des Groß-Herzogs wieder freigelassen, und die LL. wieder hergestellt. Vorzuͤglich wurden sie von der Inquisition des Molinismus und Quietismus beschuldigt. Frei-Maurer Bibliothek I. S. 44. ꝛc. 1737. Die Jesuiten arbeiten bei Hofe gegen die Frei- Maurer, weil sie sie fuͤr Jansenisten halten. Der Polizei-Lieutenant Herault ließ in allen Hotels befehlen, den Frei-Maurern keine Zusam- menkuͤnfte zu verstatten. Ein englischer Lord setzte eine L. zur Wahl eines neuen Groß-Meisters an, der Hof aber ließ bekannt machen, daß, wenn die Wahl einen Franzosen treffe, er in die Bastille gesetzt werden, auch kein Frei-Maurer bei Hofe erscheinen solle. — Die Versammlungen dauerten aber dennoch fort. Frei-Maurer Bibl. I. S. 40 bis 44. 1738. Seit diesem Jahre ein eigener bestaͤndiger Groß- Meister in Frankreich. 1738. Den 14. August . Ueber die Aufnahme Friedrichs II. s. von Bielefelds freundschaftliche Briefe I. Th. S. 38 f. und Frei-Maurer Bibl. I. S. 57 f. 1738. Erbauung des koͤnigl. Krankenhauses zu Edin- burg durch die dasigen BB. Die LL. entwarfen den Grundriß, und schaften die Materialien zum Bau und innern Einrichtung herzu; das Arbeitslohn, die Fuhren ꝛc. wurden durch Privat-Kollekten der BB. bezahlt. 1738. Die Bann-Bulle Clemens XII. In Emi- nenti vom 29. Mai, nach andern vom 26. Aprill, abgedruckt, in d. Frei-Maurer Bibl. I. S. 47. In Florenz wurde sie auf Befehl von Wien nicht in Ausuͤbung gesetzt. eod. In Erfolg einer Geschichte in Paris, nach wel- cher die Opernsaͤngerin Carton , das Geheimniß der Frei-Maurer entdeckt haben sollte, erschien die Relation apologique et historique de la Societé des Fr. Maç. par J. G. D. M. F. M. à Du- blin. Deutsch im Anhange zum Constit. Buch Frankfurt 1762. und in der Gruͤndlichen Nachricht von den Frei-Maurern, Frankfurt 1740. eod. In Genf werden mehrere LL. errichtet, aber vom Rathe wieder unterdruͤckt. Acta Histor-Eccles II. Anh. p. 105—6. N 2 eod. Auch in Hamburg werden die Versammlungen der Frei-Maurer verboten. eod. In Schweden ward das Verbot bald wieder aufgehoben. eod. In Smirna, Constantinopel und Aleppo wur- den LL. errichtet. eod. Einsetzung eines Provinzial-Groß-Meisters der Lewards- und Caribbe Inseln ( Will. Mat- thews General-Capit. und Gouverneur daselbst.) Constit. Buch S. 380. 1739. Unter dem Groß-Meisterthum des Lord Ray- mond versagten mehrere englische LL., unter San- ction der alten Yorker Constitution, die bei der Re- stauration der Gr. L. von 1717. verlassen worden war, dem Universal-Groß-Meisterthum in London den Gehorsam, nannten die unter ihm arbeitenden Neue Frei-Maurer , waͤhlten einen eigenen Groß-Meister, machten ein neues Gesetzbuch fuͤr ihre Regierungs-Form, und stifteten unter ihrer Constitution neue LL. Sowohl Lord Raymond , als sein Nachfolger, arbeiteten vergebens fuͤr eine Vereinigung. — Diejenigen, welche die Londner Universal-Herrschaft anerkennen, erklaͤren diesen Schritt fuͤr unrecht; die aber, welche die wahre Geschichte der Maurerei kennen, billigen ihn. cf. Taschenbuch fuͤr die BB. Frei-Mau- rer der vereinigten d. LL. 1777. Die L. von York berief sich auf ein altes Pri- vilegium, nach welchem ein jeder Maurer-Meister das Recht hatte, neue Mitglieder aufzunehmen. s. die Schicksale der g. G. ꝛc. 1739 entstand aus dem Schooße der Hernhuther der Orden vom Senfkorn , dessen Glieder man geistliche Frei-Maurer nannte. Er ist ge- gruͤndet auf Marci IV. 30 bis 32, und sein Zweck ist die Ausbreitung des Reiches Christi durch die ganze Welt. Das Ordenszeichen ist ein goldener Ring mit der Unterschrift: Unser keiner lebt ihm selber, und eine Senfpflanze, welche in einem golde- nen Kreuz an einem gruͤnen Bande getragen wird, mit der Umschrift: Quod fuit ante nihil. Die BB. halten jaͤhrlich eine feierliche Zusammenkunft in der Schloß-Kapelle zu Gnadenstadt, und fei- ern außerdem den 15. Maͤrz und 16 April. Ratio illustris ordinis, cui a synape nomen est. (Emden 1739.) ins hollaͤnd. uͤbers. von D. und Prof. Vogel zu Ut- recht in seinem Ursprung und Fortgang der falschen mystischen Gottesgelahrheit. Cf. Acta hist-eccles II. 20. S. 235. 1739. In Florenz werden mehrere BB. z. B. D. Crudeli von der Inquisition in Verhaft genom- men, aber durch den Herzog bald wieder befreit. In Rom wurden auf die Angabe eines Frei- Maurers 100 Scudi gesetzt, und denen, die die Gesellschaft verlassen wollten, Absolution vom Kir- chenbann angeboten. — In Pohlen ward die paͤbst- liche Excommunikations-Bulle von allen Kanzeln verlesen. 1739. Den 14. Januar giebt Clemens XII. ein besonderes Edikt fuͤr seine Staaten gegen die Frei-Maurerei, als einer der Ketzerei und des Aufruhrs verdaͤchtigen Ge- sellschaft. s. Leben und Thaten des Jos. Balsamo ꝛc. S. 58. 1740. Der Groß-Meister von Hamburg und Nieder- sachsen Br. Luͤttmann , war unterm 30. October durch den Groß-Meister Johann Graf von Kinthore patentisirt. cf. Geheimnisse der Frei-Maurer 1766. Taschenb. fuͤr die BB. Frei-Maurer 1777. und Hamburg. Muͤnz- und Me- daillen-Vergnuͤgen St. 80. 1740. Stiftung der Loge zu den drei Weltkugeln. v. Abregé historique concernant la mère et primitive Loge de Fr. Maç. établie à Berlin sous le nom des trois Globes . In der ersten L. im Junius, fuͤhrte der K. selbst den H., aufgenommen wurden der Prinz Wilhelm , der Markgraf Carl und der Herzog von Holstein . Der G. R. Baron von Biele- feld und Geh. R. Jordan gaben ihr hierauf die gehoͤrige Form, und den Namen. Man ver- sammlete sich alle Monate viermal, und die Ar- beiten geschahen wechselseitig Deutsch u. Franzoͤsisch. cf. Bielefelds freundschaftl. Briefe I. S. 157. Historische Nachricht von der Mutter-Loge, zu den drei Weltkugeln 1775. Le Franc Maçon dans la Re- publique Leipzig und Frankfurt 1746. S. 33. 1740. Die Inquisition entdeckt die L. zu Madrid; alle BB. auf die ein Verdacht fiel, wurden einge- zogen. In Portugall wurden 18 BB. verhaftet, und theils zu ewigem Gefaͤngniß, theils auf die Galeeren, theils zum Feuer verdammt. 1740. In Salzburg wird der O. durch die Dumm- heit der Moͤnche in hitzige theologische Streitig- tigkeiten unschuldig verflochten, die beinahe in oͤffent- liche Empoͤrungen ausgebrochen waͤren. Dabei wurde der gelehrte Italiener Muratori zum Stifter der Frei-Maurer ( Franchi Muratori ) gemacht. v. die Geschichtserzaͤhlung in d. Frei- Maurer Bibl. I. S. 67 f. und in der satyrischen Schrift: Α εισιδα μονος φ ιλο- ρωμκιȣ Vindiciae adversus sycophantas Juvavienses. Coloniae 1741. 4 maj. 2. B. 1740. Da der O. in den schweizerischen Kantons Ver- laͤumdungen und Verfolgungen erfuhr, so publi- cirten die BB. in der Zuͤrcher Wochenschrift: der Brachmann St. 42. eine Schutzschrift. abgedruckt in der Frei-Maurer Bibl. I. von S. 71. eod. Gruͤndliche Nachricht von der Frei-Maurerei, nebst beigefuͤgter historischer Schutzschrift, Frank- furt 8. zweite Auflage. — Auszuͤge aus dem Con- stit. Buch ꝛc., von einem Profanen. 1741. Auf Maltha hatte der O. heimlich Wurzel gefaßt. Sechs Ritter wurden als Frei-Maurer entdeckt, und auf Antrieb der Inquisition von dem Groß-Meister auf immer von der Insel verwiesen. s. Geheimnisse der Frei-Maurer vom J. 1766. S. 19. 1741. Die Ausgabe des deutschen Constitutions-Buch hat als Anhang: die zergliederte Maurerei, und die Widerlegung dieses Werks. v. Frei-Maurer Bibl. I. S. 82 f. eod. Constitutions des Acceptés Franc-Maçons, traduit de l’Anglois par Jean Kuenen , De- puté Grand-Maitre des Loges regulières en Hollande. à la Haye. eod. Stiftung der Loge zu Leipzig. 1742. Carl Gotthelf Freiherr v. Hund und Al- ten-Grotkau , der in diesem Jahre zum Frei- Maurer aufgenommen wurde, war den 11. Sep- tember 1722. geboren. In seinem 9. Jahre starb sein Vater; in seinem 15. ging er auf die Univer- sitaͤt zu Leipzig; in seinem 17. unter Aufsicht des Obristlieutenants v. Schoͤnberg nach Straßburg, zwei Jahre darauf nach Paris. Im Februar 1742. reiste er nach Frankfurt zur Kaiser-Kroͤnung, wo- bei er churkoͤllnischer Kammerherr wurde. Bei seinem viermonathlichen Aufenthalte in dieser Stadt erhielt er die 3 Gr. Nach einer Reise in sein Va- terland ging er den 9. Julius uͤber Holland und England wieder nach Paris. 1742 bis 45 war Lord Ward Groß-Meister in England, der als ein sehr erfahrner Maurer geruͤhmt wird. Taschenbuch fuͤr die v. LL. 1777. 1742. In Bayreuth wurden von dem regierenden Fuͤrsten zwei neue LL. gestiftet, und durch einen oͤffentlichen feierlichen Aufzug eingeweiht. v. Frei-Maurer Bibl. I. S. 91. eod. Stiftung der L. zu Frankfurt a. M. 1742. Apologie pour l’Ordre des Francs-Maçons p a r Mr. N. à la Haye . Davon im folgenden J. eine deutsche Uebersetzung in Halberstadt, nebst einem Schreiben eines Frei-Maurers der Einig- keits L. zu Frankfurt. 1742. Histoire, obligations et statuts des Fr. M. à Francfort 1742. (von dem Br. de la Tierce von der L. des Herz. v. Loraine in London) Dies Werk enthaͤlt eine Historie der Maurerei von den aͤltesten Zeiten an, und soll Andersons Geschichte erweitern und berichtigen. 1743. Den 20. Februar weihte v. Hund zu Paris eine neue L. als Meister ein, und wohnte den 28. August einer gleichen Ein- weihung zu Versailles, als erster V. bei. Nicht lange nachher ging er uͤber Brabant zur franzoͤsi- schen Armee, wo er in dem System, das er nach- her in Deutschland ausbreitete, eingeweiht worden seyn soll. Er wurde, heißt es weiter, an Hr. v. Marschall gewiesen, der zu Altenburg eine Loge der 3 Gr. und zu Naumburg eine von allen Gr. dieses Systems gestiftet hatte. 1743. Ueber die Verfolgung der Maurerei in Portu- gall, besonders der BB. Coustos und Mouton , die durch 19 Monate gemartert wurden, s. Proce- dures curieuses de l’Inquisition de Portugal, contre les Francs-Maçons. à la Haye 1745. und Journal fuͤr Frei-Maurer II. , 2. S. 56 f. Seit diesem Jahre existirt keine L. in Portu- gall mehr. eod. Den 8. Junius . Joseph Balsamo , nachher sogen. Graf Ca- gliostro , zu Palermo geboren. 1745 u. f. hielt man die Frei-Maurerei in Deutschland noch so geheim, daß man die Namen der BB. nicht schriftlich aufzeichnete, sondern einen jeden unter einem verdeckten Namen in die Protokolle eintrug, z. B. in der Loge Absalom, und zu den 3 Rosen in Sachsenfeld. s. freie Bemerk. uͤber d. polit. Verf. des Frei-Maurer O. S. 9. 1746. Maurerische Medaille auf die Geburt Gustavs nachherigen Koͤnigs von Schweden. s. Journ. f. Frei-Maurer II. , 2. S. 217 f. 1747. Die L. Friedrich in Hannover (gestiftet von der Hamburg. Provinz.-Loge 1746.) errichtet eine Deputations-Loge in Goͤttingen, und einige Jahre nachher eine dergl. in Wien, unter dem Namen: des trois coeurs unis . 1748. Nach einem in den Akten des heil. Officiums zu Rom aufbehaltenen Dokumente, erhielt die Pforte Nachricht, daß ein Franzose angefangen habe, in dem Hause eines engl. Dollmetschers zu Konstan- tinopel, Frei-Maurer-Loge zu halten, worauf der Capudan Bascha Befehl erhielt, die Versamm- leten zu arretiren, und das Haus zu verbrennen. Die Gesellschaft bekam fruͤher Nachricht, aber ihre Zusammenkuͤnfte wurden durch die Gesandten unter- sagt, und der franzoͤsische Logen-Meister wurde exilirt. Leben und Thaten des Jos. Balsamo ꝛc. S. 60 . 1749. v. Hund stiftet auf seinem Guthe Kittlitz, ohn- weit Loͤbau eine L. auf seine Kosten, und erbaut daselbst eine evangelische Kirche, bei deren Grund- legung er eine Nachricht von seinen maurerischen Gesinnungen und Absichten, in dem Grundsteine niederlegt. eod. „Schon in den vierziger Jahren existirte ein templarisches Kapitel zu Unwuͤrde, in der Ober- lausitz. Ich ( Keßler v. Sprengseisen ) bin zu Unwuͤrde Tempelherr worden, ehe an Johnson noch weniger an die Kleriker gedacht wurde.“ Fortsetzung des A. St. Nic. Leipz. 88. S. 121. 1750. Nach dem XVII. Hefte des 6. Bandes, S. 198. ꝛc. des deutschen Zuschauers, sollen die alten aͤchten Rosenkreuzer um dieses Jahr, mit einem gewissen van Bruͤn zu Hamburg ausgestor- ben seyn, und die aͤcht rosenkreuzerischen Schriften des Baron Pfeif , sich noch bei dessen Erben in Braunschweig befinden. 1751. Die Bulle Clemens XIV. Providas Ro- manorum Pontificum ist vom 17. Maͤrz, nach dem Buche: Leben und Thaten des Joseph Balsamo ꝛc. S. 59. ist sie vom 18. May. Die Gruͤnde des Verbots sind folgende: 1) die Vereini- gung mehrerer von verschiedenen Religionspar- theien, 2) ihre Verschwiegenheit, 3) der Eid, 4) weil solche Gesellschaften wieder die buͤrgerlichen, und kanonischen Rechte sind, nach Lib XLVII. und Plinius Ep. X. 97. 5) weil sie von mehreren Fuͤrsten verboten worden, 6) weil sie in boͤsem Ge- ruͤchte stehen. Archiv der Frei-Maurer u. R. C. 1 Th. Berl. 83. S. 400 — 412. 1751. Die Anklage des Joseph Torrubia gegen die Frei-Maurer in Spanien, vor dem Consejo de la suprema y general Inquisicion aus der spanischen Handschrift uͤbersetzt, steht in dem Journ. fuͤr Frei-Maurer, 1. Jahrgang 2. Vierteljahr, Wien 84. S. 175 — 224. 1752 soll Voltaire eine geheime Gesellschaft gestiftet, und als die ersten Mitglieder d’ Alembert, Di- derot und Friedrich II. eingeweiht haben. Der Zweck derselben soll gewesen seyn: das Christenthum und die monarchischen Regierungen nach und nach abzuschaffen.(!) s. Schicksale der g. G. ꝛc. 1753. Den 9. September . Merkwuͤrdige maurerische Feierlichkeit, bei Le- gung des Grundsteins zur neuen Boͤrse in Edin- burg, beschrieben im Journal fuͤr Frei-Maurer II. , 1. S. 142 f. 1753. Bei der Geburt der Prinzessin Sophie Al- bertine , legten die schwedischen LL. den Grund zu einem Waisenhause in Stockholm. Zum Vor- theil dieses Instituts, wird jaͤhrlich eine große musikalische Akademie gegeben. Br. Boham († 1767) hinterließ ihm ein Vermaͤchtniß von 300000 Dalers Kupfermuͤnze (70000 Fl.) 1778. schenkte ihm die Koͤniginn 1000 Thlr. wovon die Anstalt jaͤhrlich am 29. Jul. 60 Thlr. Zinsen er- haͤlt; eben soviel laͤßt ihr auch der Magistrat von Stockholm jaͤhrlich auszahlen. — Zu Gothenburg errichteten die Frei-Maurer ein eigenes Gebaͤude zur Einimpfung der Kinderpocken. 1756 circa. Im Koͤnigreiche Neapel existirt eine große Lan- des-Loge, die sich mit den vereinigten LL. in Deutsch- land verbunden hat; bis 1759. der Koͤnig Carl Koͤnig von Spanien wurde, und die Krone bei- der Sicilien seinem Sohne Ferdinand IV. uͤber- ließ, wo der Minister des jungen Koͤnigs, T — —, die Frei-Maurerei zu verfolgen anfing. 1757. Bis zu diesem Jahre erkannte man in Deutsch- land kein anderes System, als das Englische, oder die 3 Gr. des L. G. u. M. s. Schicksale der g. G. ꝛc. 1757. Stiftung der aͤltesten L. in Holland: Concor- dia vincit Animos zu Amsterdam, und außerdem noch 17 andere in den Laͤndern der Generalstaaten. eod. Den 18. December . Der Groß-Meister der Gr. L. von Holland, macht den Vorschlag, das Constitutions-Buch ins hollaͤndische zu uͤbersetzen, mit Einschaltung der neuen Reglements. v. De pligten, wetten der vrye Metze- laaren etc. S. 6 f. 1758 bis 61. Die franz. Kriegsgefangenen hatten nach Ber- lin verschiedene neue Gr. gebracht. Die L. zu den 3 W. 3. W. hielt sich fuͤr verbunden, den andern LL. ihre neuerlangten Kenntnisse mitzutheilen: sie schickte einen Emissair, Namens Rosa , aus, der in den genannten Jahren fast ganz Deutschland durch- wanderte, um den Logen die neuen Gr. mitzuthei- len, sie zu reformiren, und der Mutter-Loge in Berlin zu unterwerfen. Viele LL. willigten ein, andre nicht. So entstand eine Spaltung in zwei Systeme, nehmlich das englische und franzoͤ- sische . Jetzt trat die Epoche ein, wo die Begierde allgemein wurde, mehr zu wissen, als die Hiero- glyphen zu sagen schienen, wodurch also der Einfuͤh- rung neuer Gr. die Thore geoͤffnet wurden. s. Schicksale der g. G. ꝛc. 1759. D. Jaͤnisch succedirt dem noch lebenden Br. Luͤttmann , auf dessen Verlangen, als Groß- Meister von Hamburg und Niedersachsen. 1762 ꝛc. v. Hund erhaͤlt von August III. den Titel eines Geheimen Raths, nachdem er vorher 1753. koͤnigl. polnischer und churfuͤrstl. saͤchsischer Kam- merherr, 1755, Landes-Aeltester des Budißini- schen Kreises geworden war, und gegen Ende desselben Jahres den russischen St. Annen-Orden erhalten hatte. Durch den Krieg und sein unstaͤ- tes Leben, wozu er durch die Furcht vor den Preußen genoͤthigt wurde, war er gezwungen 1768. Unwuͤrde Zweites Baͤndch. O und Kittlitz zu verkaufen. Vorher bot er seine saͤmmtlichen Guͤther dem Orden fuͤr 60 tausend Rthlr. zum Kauf an, wofuͤr dieser wenigstens fuͤr 250 tausend Rthlr. an Werth erhalten haͤtte. Da sich dieses zerschlug, so gab er seine noch uͤbrigen Guͤ- ther auf Leibrenten aus. — Nach dem Kriege trat er oͤffentlich zur katholischen Religion uͤber, welches er schon zu Paris heimlich gethan haben soll. 1763. Rosa soll ein abgesetzter lutherischer Geistlicher aus dem Anhaltischen, und einmal zu Halle Mei- ster v. St. gewesen seyn. Er reiste nach Schwe- den, und wurde dort nicht gut behandelt. Uebri- gens war er ein einnehmender Mann. Bemerkungen uͤber St. Nic. und Anti St. Nic. ꝛc. S. 40. Schon in seinem System lag die ganze Idee des T. H. O. Seine sogenannten ausgedienten Ritter hießen geistliche R. und waren Clerici und Equites zugleich. Dies ergiebt sich aus den Graden dieses Systems, die Elû, Illustre, Sublime hießen; ferner aus dem am 7 October 1763 unter Johnson zu Jena abgefaßten Protokoll, wo Rosa , D. Teichmeyer , Prof. Succow , D. Schickard u. a. gegenwaͤrtig waren; auch aus der Protestation, die Rosa unterm 13. Octob. d. J. alle dem Berliner-Hochkapitel untergeordneten Kapitel ergehen ließ, worinn er von der Jenai- schen Verhandlung Nachricht giebt, und die dem Johnson vorgelegten Fragen anfuͤhrt, z. B. Fr. 3.: Ob wir Maurer-Ueberbleibsel von den alten Rit- tern, den T. H. seyen? welche Frage, so wie die von dem Sacro equestri, bejaht wird. Cf. Bei- trag zur neuesten Geschichte des Frei-Maurer- Orden S. 57 und 58. Stark Kryptokathol. II. S. 177. 1763. Den 6. November ließ Johnson , der zu Jena ein Hochkapitel er- richtet hatte, von dem er Groß-Prior war, alle zum Rosaschen oder Berliner Hochkapitel System gehoͤrige Schriften, „unter dem Schall der ritter- lichen Feldmusik der Trompeten,“ wie es im Pro- tokoll woͤrtlich heißt, verbrennen, und ertheilte da- von allen mit ihm in Correspondenz getretenen Kapiteln, mit Zuruͤcksendung ihrer zerrissenen Con- stitutionen, unterm 23. December Nachricht. Stark l. c. S. 178. 1763. In dieses Jahr setzt Stark l. c. S. 224. die Entstehung des T. H. Systems, und giebt seine Dauer auf 18 Jahr an, (von 1763 bis 81.) 1736. General-Verfassung der Rosenkreuzer; Haupt- Tabelle, wornach Aufnahme u. d. gl. geschieht. O 2 Rubriken: Grade, Glieder, Zahl derselben, Zeichen, Farben, Worte, Verbruͤderungs-Namen der Vor- steher, Laͤnder und Reiche, Residenzien, Conven- tionsplaͤtze, Kreise, ihre Wissenschaften ꝛc. der R. C. in seiner Bloͤße ꝛc. S. 83 f. cf. Archiv l. c. S. 434. 1763. Den 3. October . Edikt des Danziger Raths gegen die Frei- Maurer, vollstaͤndig abgedruckt, in der Frei-Mau- rer-Bibliothek, III. St. S. 150. ꝛc. 1764. Ueber die Zusammenkunft in Altenberg, heißt es in einer Geschichts-Erzaͤhlung im Manuscript: „Das ganze Corps der versammleten BB. zog nach Altenberg. Dort ging nun alles aus dem rech- ten hohen Tone. Der Herr Provinzial (v. Hund ) kam nach langem Hoffen daselbst an, erkannte den Johnson fuͤr einen aͤchten Commissarium, und leistete demselben vor einer so ansehnlichen und zahlreichen Versammlung, in seinem voͤlligen und groͤßten Ornate, in Begleitung derer Ritter des H. O. Raths, die allerdemuͤthigste Obedienz und Ehrenbezeigung . Nun gingen die Ritter- schlaͤge vor sich ꝛc.“ Bald aber aͤnderte sich die Scene; v. Hund gab sich als den wahren Heer- meister des innern Ordens an, und lud die anwe- senden BB. ein, ihm Pflicht zu leisten, und von ihm Unterricht zu erhalten. Er schlug alle aufs neue zu Rittern. Sein System war aber im Grunde kein anderes, als das von Johnson . Stark Kryptokathol. II. S. 184. ꝛc. Obenerwaͤhntes hoͤchstwichtiges Aktenstuͤck be- kannt, unter dem falschen Namen des Prof. Woog aus Leipzig, ist abgedruckt im Journal fuͤr Frei-Mau- rer III. 3. S. 147 — 180. Dort heißt es u. a. S. 166. Die nach Altenburg geschickten John- sonschen Schriften, hat der Br. v. Hund selbst uͤbernommen, welche Vorsichtigkeit hoͤchst noͤthig war, weil man sonst aus den darunter befindlichen eigenhaͤndigen Briefen des Herrn Provinzial, den ganzen zu Unwuͤrden entworfenen Plan, gleich wuͤrde entdeckt haben ꝛc. 1764. Joh. Christian v. Schubart , Edler Herr von dem Kleefelde, Herr auf Wuͤrchwitz ꝛc. Gehei- mer Rath ꝛc. soll der Sohn eines Schulmeisters, auf einem Dorfe bei Zeitz, sodann Bedienter bei dem Besitzer von Wuͤrchwitz, das ihm nachher selbst gehoͤrte, ferner Schreiber bei einem Herrn in Wien gewesen seyn. 1765. Gegen Ende dieses J. kommt Schubart nach Hamburg. v. Forts. des Anti St. Nic. S. 214. 1766. v. Zinnendorf ward, nebst dem C. G. R. Kruͤger , zu Unwuͤrde zum Ritter gemacht; sie erhielten die Direktion der preußischen LL. von der str. Obs. eod. Der Prof. Schroͤder in Marburg, gab sich oͤffentlich fuͤr einen aufgenommenen aͤchten Rosen- kreuzer aus, nahm andere Maurer auf, bekannte aber endlich, er sey nicht mehr mit den Obern des O. in Verbindung. Bei dieser Gelegenheit wachte der Geschmack an einer solchen mystischen Gesell- schaft wieder auf. Dies nutzten etwa 10 Jahr darauf einige Avantuͤriers, formirten eine neue Ge- sellschaft, gaben diese fuͤr aͤchte Fortsetzung der alten R. C. aus, und erweckten dadurch noch andere falsche Rosenkreuzereien. Maier uͤber Jesuiten, Frei-Maurer und deutsche R. C. S. 121. etc. 1766. In einer Kaiserl. Koͤnigl. Verordnung werden alle diejenigen, ipso facto fuͤr ihrer Bedienungen verlustig erklaͤrt, welche sich in die sogenannte Frei- Maurer- und Rosenkreuzer-Bruͤderschaften ein- lassen wuͤrden. (Die Fortsetzung folgt, wegen Mangel an Raum, im dritten Bändchen.) IV. Die Loge zu Z. Ein Auszug aus dem Reise-Journal eines unterrichteten Maurers . Die Loge zu Z . Ein Auszug aus meinem Reise-Journal . A uf meiner Reise im vorjaͤhrigen Sommer, kam ich nach Z. Die reitzende Gegend, die vielen Merkwuͤrdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebun- gen, fesselten mich; ich beschloß, wenigstens acht Tage hier zu verweilen. Das Daseyn einer Frei- Maurer-Loge an diesem Orte war mir unbekannt; ich hatte diesen Namen in keiner der neuesten Listen gefunden, es fiel mir also nicht ein, nach meiner Weise, die Bruͤderschaft zu begruͤßen. — Aber noch nie bin ich auf eine so uͤberraschende und angenehme Art aus einem Irrthume gerissen worden. In dem Gymnasium, welches ich besuchte, fand ich einen vortrefflichen Apparat fuͤr die Erfahrungs- Wissenschaften, und einen besonderen Lehrer dafuͤr, den ich, bei der Armuth der Stiftung, die ich wohl kannte, nicht erwartet hatte. „Dieser Lehrer, sagte man mir, wird von der Frei-Maurer-Loge sala- rirt, auf deren Kosten auch die noͤthigen Instru- mente angeschaft werden.“ — Ist denn eine Loge hier? fragte ich. „Ja wohl! antwortete man; ein vortreffliches Institut, das fuͤr unsre Stadt sehr wohlthaͤtig ist; sie hat auch eine Induͤstrieschule angelegt, unterhaͤlt zwei arme, talentvolle Juͤnglinge hier auf dem Gymnasium, und sodann auf der Universitaͤt, laͤßt arme Kranke unentgeltlich kuriren, und thut sehr viel Gutes, das man so nicht er- faͤhrt.“ — Dann stehen die Frei-Maurer wohl hier in guter Achtung? — „Ueberall, selbst bei den gemeinsten Leuten. Anfangs hielt man nichts auf sie, und war selbst gegen ihre Wohlthaten mißtrauisch, allein sie haben nach und nach sich Achtung und Vertrauen erzwungen.“ — Wie das? — „Sie hatten es am meisten ihrem persoͤn- lichen Character zu danken; schlechte Menschen oder die irgend in uͤblem Rufe standen, waren sie auch reich und vornehm, nahmen sie nicht unter sich auf, andre schlossen sie von sich aus, und sie selbst wa- ren immer gerecht, bescheiden, drangen ihre Wohl- thaten niemand auf, wer sie aber annahm, mußte sich nach ihren Vorschriften richten, wobei man sich immer wohl befand. So ist der Name der Frei- Maurer in unserer Stadt zu einem Ehrennamen geworden, und jede Frau sieht es gern, wenn ihr Mann in der Gesellschaft ist.“ Ich war doppelt erstaunt, hier eine L. und zwar eine solche L. zu finden. Bei weiterem Nachfragen, hoͤrte ich immer mehr Gutes von ihr, und was noch mehr sagen will, von den einzelnen Mitgliedern, die man uͤberall mit Achtung nannte. Das freute mich. Es werden reiche und gute Maͤn- ner seyn, dachte ich, die ihre Kraͤfte vereinigen, um Gutes zu wirken, Aufklaͤrung zu verbreiten — aber, wie es mit ihrer Maurerei steht, das ist noch sehr die Frage; eine Winkel-Loge ist es auf alle Faͤlle, denn, wie gesagt, ihr Name steht in keinem Verzeichniß irgend einer Gr. L. Endlich stieß ich bei meinen Nachforschungen, die ich nicht unter- ließ, auf einen Mann, von dem ich vermuthen konnte, daß er Maurer sey. Ich fand an ihm einen sehr unterrichteten Mann, der uͤber alles mit einer Klarheit und Bestimmtheit sprach, die mir ungemein gefiel; ich machte ihm meine Zeichen, er achtete nicht darauf; ich sprach von beruͤhmten maurerischen Orten und Personen, er schien sie nicht zu kennen, und unvermerkt hatte er mich in andre Gespraͤche verwickelt, uͤber denen ich die Mau- rerei vergaß. — Als er weggegangen war, — es war nach der Table d’hote — fragte ich den Wirth, ob dieser Herr zur L. gehoͤre. Allerdings, sagte dieser, Herr †† ist einer der aͤltesten. Das ist wunderbar! dachte ich, Maurer zu seyn, und sich gegen einen Br. zu verbergen! Nun beschloß ich, mich bei dem — — Rath M. , den man mir als Maurer v. St. genannt hatte, ansagen zu lassen, um so mehr, da ich einen Brief an ihn hatte. Er nahm mich an; es war ein hoͤchst liebenswuͤrdiger alter Mann, der zur Ehr- furcht und Liebe hinriß, besonders wenn man ihn im Kreise seiner Familie sah. Er sprach mit Waͤrme von seinem Freunde, von dem ich ihm den Brief gebracht hatte; er schien mich um seinetwil- len recht freundlich aufzunehmen. Sobald wir allein waren, trat ich ihm als Maurer naͤher, und um mich ihm ganz zu entdecken, legte ich ihm alle meine Patente und Certificate vor. Wo ich auch hindeutete — er war dort zu Hause; ich mochte so hoch steigen, als ich wollte — ich fand meinen Mann. Bei meinen Patenten laͤchelte er, ich weiß nicht, ob freundlich oder spoͤttisch, und sagte: Ei! habe ich doch dergleichen lange nicht gesehen! — Er betrachtete meine Sachen recht fleißig, nicht eben um sie zu pruͤfen, sondern um sie zu betrach- ten, und gab mir sie mit den Worten: Das ist alles ganz richtig! zuruͤck. Ich . Werden Sie mir auf dieses den Zutritt in Ihrer L. versagen? Er . O nein! — aber, lieber Br. Sie haben noch ein besseres Certificat, als diese da, und auf dieses sind Sie uns sogar willkommen . Ich . Ein besseres? Ev . Lesen Sie diese Stelle in dem Briefe meines alten Freundes. Ich las: „Er ist ein ehrlicher Mann, ein gu- ter Maurer, und steht, vielleicht ohne es zu wissen, in Absicht der hohen Dinge auf dem historischen Standpunkte.“ — Ist denn unser Freund Maurer? Er . Allerdings! und zwar ein sehr unterrich- teter. Ich . Aber er geht nicht in Logen? Er . Nach welchem System arbeiten die LL. in seiner Stadt? Ich . nach dem — — — System. Er . Vielleicht koͤnnen Sie sich seine Zuruͤckzie- hung daraus erklaͤren; aber er wuͤrde wahrschein- lich auch an keinem andern System Theil nehmen, denn er ist blos Maurer. Alles was er sonst noch sagte, setzte mich im- mer mehr in Verwunderung; ich merkte es sehr gut, daß ich ihm naͤher kam, jemehr ich mein Lo- genwesen vergaß, und aus mir heraus sprach. End- lich beim Weggehen ladete er mich auf Uebermor- gen zur L. ein, wobei ich ihm versprechen mußte: mit Unbefangenheit und scharfer Aufmerksamkeit zu beobachten, und uͤber jede meiner Beobachtun- gen, Zweifel und dergleichen, entweder mit ihm, oder mit irgend einem der BB. zu sprechen. — Ich sagte es zu, und konnte kaum den Tag und die Stunde erwarten. Waͤhrend der Zeit machte ich noch die naͤhere Bekanntschaft meines Tischnachbars. Er war, seit meinem Besuch bei dem Meister v. St., offenherzi- ger gegen mich geworden, und ich fand in ihm einen Mann von tiefen maurerischen Kenntnissen. Zu meinem Erstaunen beantwortete er die Frage, die ich eigentlich fuͤr uͤberfluͤssig hielt, ob die L. nehmlich in hoͤheren Graden arbeite? mit Nein, und doch sprach er von allen den hoͤheren Graden, die ich mit schwerem Gelde bezahlt hatte, als wenn er sie alle wirklich durchgegangen waͤre. Ich beru- higte mich damit, daß ich annahm, der Meister v. St. sowohl als er, haben diese Gr. auf etwanigen Reisen, oder ehe sie in diese Stadt gekommen waͤren, erhalten. — Ueber alles uͤbrige, was ich noch mit ihm abzuhandeln wuͤnschte, verwies er mich auf die L., besonders da ich eine Aufnahme sehen wuͤrde; auch erklaͤrte er mir, daß sie es zur Gewohnheit haͤtten, außer der L. nicht viel von Maurerei zu sprechen. Die ersehnte Stunde kam endlich heran, und ich war einer der ersten im Hause; doch traf ich den Br. M. den wahrhaft ehrwuͤrdigen Meister v. St. schon in dem Versammlungs-Zimmer. Er schien den Wirth zu machen, und seine Gaͤste zu empfangen, da im Gegentheil andere Logen-Mei- ster mit einem vornehmen Air in die Versamm- lung der BB. einzutreten, und ihre Complimente zu empfangen pflegen. Er stellte mich allen, so wie sie kamen, mit lauter Stimme vor, bei man- chen, als den Freund meines P. , und nannte mir die Namen der BB., mit dem Beisatz ihrer Aem- ter. Einem jeden wußte er dabei etwas herzliches und freundschaftliches zu sagen, erkundigte sich nach seiner Gesundheit, seiner Familie, und alle antworteten ihm, wie einem vertrauten Freunde. Mich bewillkommten sie mit freundlicher Offenheit, und jeder suchte mit mir ein Gespraͤch anzuknuͤpfen, so, daß ich bald einen kleinen Zirkel um mich hatte. Da man mich fuͤr einen „gereisten Mann“ erkannte, so fragte mich dieser bald nach diesem merkwuͤrdi- gen Manne, bald ein anderer nach jenem. Es fiel mir dabei zweierlei auf, daß sie nehmlich sich nach keiner Loge erkundigten, und daß die BB., nach denen sie fragten, groͤßtentheils solche waren, von denen ich grade uͤber Maurerei das meiste gelernt hatte, oder die ich nur als vernuͤnftige Maͤnner, nicht aber als Bruͤder kannte. Dabei war ich alle Augenblicke in einer besonderen Angst, denn sie sprachen in dieser gemischten Gesellschaft, wo ich an der Kleidung weder L. noch G. noch Meister erkennen konnte, ganz laut und frei uͤber Dinge des 3. Gr. ja sogar der hoͤheren, daß meine Angst oft meine Antwort verwirrte. — Das Gespraͤch betraf uͤbrigens blos maurerische Dinge, und ward mit viel Lebhaftigkeit und Anstand gefuͤhrt; nie- mand rauchte Tabak oder trank Bier; auch nach einem Billard, von dem sich sonst die BB. so schwer zur Arbeit losreißen, sah ich mich vergeblich um. Wir spielen hier nie, sagte mir einer auf meine Nachfrage, und sehnen uns hier nicht dar- nach; selbst zum freundschaftlichen Gespraͤch uͤber Gegenstaͤnde der Kunst, haben wir vor den bestimm- ten Beschaͤftigungen nicht viel Zeit, und wir sprechen hier gern miteinander, da wir außer dem Hause uͤber maurerische Gegenstaͤnde nicht zu sprechen pflegen.“ Ich aͤußerte mein Befremden, daß sie kein groͤßeres und schoͤneres Locale haͤtten, da doch ihre Kasse, wie es schiene, nicht zu arm sey, ein eigenes Haus und Garten zu kaufen, das alle Logen so sehr liebten. Die BB. schienen bei meinen Worten theils zu laͤcheln, theils mich mit großen Augen anzuse- hen. „Mein lieber Br.! sagte M. , der sich in unser Gespraͤch gemischt hatte, wir wohnen hier zur Miethe, und haben dies Zimmer, das Logen- Zimmer, und noch eine kleinere freundliche Stube zur Praͤparation, dafuͤr geben wir jaͤhrlich 50 Thlr. Miethe, und finden die Ausgabe schon hoch genug, denn wir koͤnnten die 50 Thlr. besser brauchen. Wir sehen das Geld, was wir zusammenbringen. als Muͤndelgelder an, die wir gut und gewissen- haft belegen muͤssen, und da koͤnnen wir keine Haͤuser, Gaͤrten oder Billards kaufen, die uns ohnehin zu nichts helfen wuͤrden.“ „Sie machen also Kapitalien?“ sagte ich, ziem- lich unuͤberlegt. Nicht einen Pfennig, antwortete er mir mit einem ganz besonderen Blick, wir sind zufrieden, wenn wir nur kaͤrglich ausreichen. Ich gerieth in sichtbare Verlegenheit, denn nun erinnerte ich mich erst ihrer ausgebreiteten Wohl- thaͤtigkeit. Es war mein Gluͤck, daß eben die Stunde schlug, und man zur Arbeit aufbrach. Aber ich sollte nicht aus dem Erstaunen heraus- fallen; denn nun forderte der Meister den Candi- daten auf, mit seinem Freunde ins Vorbereitungs- Zimmer zu gehen, und ich merkte erst, daß dieser die ganze Zeit uͤber dabei gewesen, und alle unsere Gespraͤche uͤber Maurerei gehoͤrt hatte . Mehrere der BB. schuͤttelten ihm die Hand, als er mit seinem Freunde ging, und wohin? — in ein ganz helles Zimmer , in dem ich nichts, als ein Paar Stuͤhle und einen Tisch erblickte. Ich Ich mochte ihm mit einer wunderlichen Miene nachsehen, denn einer der BB. sagte mir: „Mit der Praͤparation will es bei uns nicht viel sagen, denn wir glauben, daß der Mann schon wohl praͤ- parirt seyn muͤsse, der hieher kommt. Er geht nur in dies Zimmer, weil es wider die Delika- tesse seyn wuͤrde, wenn wir ihn bei den ersten Verhandlungen gegenwaͤrtig seyn ließen, und weil er doch in eine geoͤffnete L. eingefuͤhrt werden muß. Sein vertrautester Freund bleibt indeß in seiner Gesellschaft.“ Ueber dieser Rede haͤtten wir bald versaͤumt, ins Logen-Zimmer einzutreten. Welch eine Pracht hatte ich erwartet, und was fand ich! — Einen einfachen Tisch, auf dem B. Z. u. W. lagen, Ta- burets zum Sitzen und in der Mitte waren die beiden V. beschaͤftigt, einige einfache Figuren auf dem Boden mit Kreide zu zeichnen. Alle BB. trugen die Meister-Kleidung. — Ich trat auf den mir angewiesenen Platz, und zwar in der groͤßesten Spannung. Es war eine feierliche Stille, sie schienen von der Wichtigkeit der bevorstehenden Handlung durchdrungen zu seyn, man bemerkte in keinem Gesichte weder eine falsche Feierlichkeit noch Gedankenlosigkeit. Der M. und die A. gestalteten die L., die Oeffnung war kurz, erhaben, und ich moͤchte sagen, antik. Die Aufnahme ward ange- kuͤndigt, der Candidat war ein Mann, der 6 Jahre als Secretair bei dem — — Collegium arbeitete; einer nach dem andern erzaͤhlte einen Charakter- zug von ihm, keiner war, der da sagte: ich kenne Zweites Baͤndch. P ihn nicht. Dieser sagte: er ernaͤhrt seine alte Mutter, so beschraͤnkt auch seine Lage ist; der an- dre: seine Gattin wetteifert mit ihm in Liebe zu der alten Frau; der dritte: (sein Vorgesetzter im Amte) er ist in seinem Dienstgeschaͤft der puͤnkt- lichste; die uͤbrigen brachten einzelne Zuͤge seines Herzens und Charakters auch aus fruͤheren Zeiten vor; jeden dieser Zuͤge begleitete der Meister mit einem kurzen Urtheile, das von einer seltenen Kunst in der moralischen Wuͤrdigung zeugte. Nun schritt man zur letzten Kugelung, und der Meister erinnerte die BB. daß alle Stimmen ihm guͤnstig seyn muͤßten; sie waren es. Alsdann zeigte der Schatz- meister an, daß vor der Hand fuͤnf BB. sich er- klaͤrt haͤtten, das Eintrittsgeld (von 10 Louisd’or) und den monathlichen Beitrag (von 1 Thlr.) fuͤr ihn zu bezahlen, bis er diese letztere Ausgabe, ohne seiner Familie zu schaden, selbst wuͤrde uͤbernehmen koͤnnen. Diese BB. wurden nicht genannt. Ich schalte sogleich das ein, was ich in der Folge uͤber den Punkt des Geldes hoͤrte. „Wir haben selten eine Aufnahme, sagte mir Br. M. , denn wir sind in der Auswahl sehr streng; zehn Louisd’or scheint Ihnen viel zu seyn, allein wenn Sie bedenken, daß er nun, außer den monatlichen Beitraͤgen, nicht einen Pfennig mehr in seinem gan- zen Leben zahlt, und daß dieses Geld uns hoͤchst- noͤthig ist, und mit strenger Gewissenhaftigkeit ver- waltet wird, so werden Sie es wohl nicht mehr zuviel finden. Mußte ich doch bei meiner Recep- tion in X. 6 Louisd’ors zahlen, dann 3, dann wieder 6, dann gar 100 Thlr., dann — doch was rechne ich Ihnen meine Thorheiten vor! — Ueber- dies werden Sie gehoͤrt haben, daß nicht grade der B., welcher aufgenommen wird, die Summe zu bezahlen braucht; indeß bezahlt muß sie werden; und wenn sich ja niemand finden wollte, der ihre Erlegung uͤbernaͤhme, so gestehe ich Ihnen gerade zu, der Candidat koͤnnte nicht aufgenommen wer- den. Indeß der Fall ist bei uns unerhoͤrt. — Mit dem Beitrag von 1 Thlr. monathlich, der Ihnen auch ungewoͤhnlich scheint, hat es eine aͤhn- liche Bewandniß; er ist nur das Minimum, denn die Reichern taxiren sich selbst. Aus verschiedenen Gruͤnden haben wir angenommen, daß der, welcher nicht wenigstens 12 Thlr. jaͤhrlich fuͤr gemeinnuͤtzige Zwecke missen kann, besser thue, nicht Mitglied einer Gesellschaft zu werden, deren anerkannter Nebenzweck die Wohlthaͤtigkeit ist. Die Frei- Maurer koͤnnen sich von ihr nicht lossagen, nicht, weil das Beispiel von London da ist, und die Sache von Logen, die den Hauptzweck nicht kann- ten, mit Begierde ergriffen worden ist, um doch wenigstens Etwas zu thun; sondern weil gerade diese Gesellschaft die rechten Begriffe von Wohl- thaͤtigkeit haben muß, weil sie am besten wissen kann, wo es fehlt und wo zweckmaͤßig, oft mit einer kleinen Veranstaltung eingegriffen werden muß, und sie sonach am besten als Beispiel auftreten kann, wie und wo geholfen werden muͤsse. Auch waͤre es der bloßen Klugheit gemaͤß, daß eine geschlossene Gesellschaft, die sich von ihren P 2 Mitbuͤrgern absondert, deren gute Meinung durch zweckmaͤßige Wirksamkeit gewoͤnne. — Uebrigens versteht es sich von selbst, daß der gestern aufge- nommene Bruder, eben so genau, als ich von der Verwendung des Geldes unterrichtet ist, und uͤber dessen Anwendung seine Vorschlaͤge und seine Stimme abgiebt. — Almosen, setzte er noch auf meine Frage hinzu, geben wir nicht; fuͤr Bettler sind die oͤffentlichen Armenanstalten, und maurerische Bettler suchen uns nicht auf, weil sie von uns nichts zu wissen scheinen.“ Doch ich kehre zur L. zuruͤck. Die Aufnahme ging vor sich. So gern ich hier mit der groͤßesten Ausfuͤhrlichkeit erzaͤhlen moͤchte, — denn jedes Wort, jede Handlung war mir hoͤchst bedeutend — so wage ich es doch nicht, es dem Papier anzuver- trauen, weil ich fuͤr seine Schicksale nicht stehen kann. So viel ist gewiß, ich lernte in dieser Stunde in Absicht auf wahre Maurerei, und deren inner- stes Wesen, mehr, als ich in allen meinen hoͤheren Graden gelernt hatte. Ich stelle mir vor, einem guten Christen, der bisher in der katholischen oder protestantischen Confession erzogen worden ist, und der auf einmal in die Versammlung der alten Christianer, die nichts, als das Wort des Herren kannten, versetzt wuͤrde, muͤßte ohngefaͤhr zu Muthe seyn, wie es mir war. Alles, was zu verschiedenen Zeiten und zu besonderen Zwecken, in England, Frankreich, Deutschland, Schweden, Italien ꝛc. dem alten, aͤchten Stamm der Maurerei aufge- pfropft worden war, und das ich durch mein Stu- dium und meine Erfahrungen schon einzeln als Neuerung und Verunstaltung erkannt hatte, war verschwunden; rein und kraͤftig ward das alte Evangelium verkuͤndigt; die drei Gr. L. strahlten in ihrem vollen Glanze, keine falsche Feierlichkeit zog den Blick von ihnen ab, keine erregte Furcht verwirrte das Gemuͤth. Ohne alle Erniedrigung trat der Mann zu Maͤnnern, um sich mit vollem Bewußtseyn mit ihnen zu großen und schoͤnen Zwecken zu vereinigen, und von ihnen die wahre Kunst des Lebens zu erlernen. — Ich fuͤhlte es mit der lebendigsten Ueberzeugung: alles, was posi- tiv, nicht historisch, von Maurerei gesagt werden kann, ward hier aufs vollstaͤndigste ausgesprochen; es blieb nichts mehr uͤbrig, was man mit gleichem Fug haͤtte Maurerei nennen koͤnnen. Ich er- schrak vor mir selbst, als ich mir gestand, daß durch diese Aufnahme das, was rein und aͤcht maurerisch ist, vollendet sey, und daß ich nun nicht wisse, was mit allen uͤbrigen Gr. werden solle. — Das aller- aͤlteste Ritual, das wir kennen, und dessen Aecht- heit außer Zweifel gesetzt ist, lag in seiner Einfach- heit zum Grunde, es war trefflich uͤbersetzt, und ward mit der groͤßten Wuͤrde ausgesprochen. Nie- mand der Handelnden hatte ein Blatt vor sich, man sprach mit vollkommner Freiheit des Geistes; und aus der Schoͤnheit und Bedeutsamkeit, mit der einige der Handelnden sprachen, merkte ich wohl, daß sie sich nicht streng an den Buchstaben hielten, sondern daß der Geist der Bruͤderschaft aus ihnen sprach. Soll ich noch von dem Anstand, der Wuͤrde, der Sicherheit und Bestimmtheit, mit der jeder der Anwesenden sprach und handelte, reden? jeder wußte genau, was er zu thun habe, niemand durfte erinnert werden, weder von Außen noch im Innern war die geringste Stoͤhrung, nie die kleinste Luͤcke, nirgends eine Spur von langer Weile. Die Aufnahme war vollendet, der letzte feierliche Akt derselben erschoͤpfte in seiner hohen Einfachheit alles, was ich in meiner maurerischen Laufbahn an Erhabenheit gesehen habe. „Nun heißen sie Frei-Maurer, sagte der M. v. St., ob Sie es sind , das kommt allein auf Sie selbst an. Zwei Stuͤcke machen den M.; die maurerische Ge- sinnung und maurerische Kenntnisse. Jene zu erwerben, zu verfeinern, zu verstaͤrken, ist Ihre Arbeit; Gelegenheit dazu werden Ihnen fortgesetzt, unsere Versammlungen geben, die keinen andern Zweck als diesen, haben. Diese wird befoͤrdert und begruͤndet durch das Studium der Geschichte unserer Bruͤder- schaft; dazu kann Ihnen unser Archiv, das Ihnen von heut an geoͤffnet ist, nuͤtzlich werden, besonders wenn Sie den rechten Blick dazu mitbringen.“ Die L. wurde geschlossen, die Linien auf dem Boden verwischt, die drei Gr. L. und die Repraͤ- sentanten der drei kleinen weggenommen. In der Zwischenzeit fragte ich freimuͤthig uͤber alles, was mir aufgefallen war. Ich glaubte so manches ver- mißt zu haben, was ich auch nach meinem Stu- dium der verschiedenen Systeme, und troz meiner Abstraktionen, fuͤr wesentlich hielt. „We- sentlich kann das wohl nicht seyn, sagte mir Br. M. mit seinem liebenswuͤrdigen Ernste, was erst in neueren Zeiten, unter bedingten Zwecken ent- standen ist. Dies wurde dort eingefuͤhrt, und sollte — — — Es gehoͤrt also blos in die Histo- rie, und davon bleibt unsern BB. nichts verbor- gen. Selbst das Unschuldige, selbst das im guten Geiste der Bruͤderschaft Erfundene, verweisen wir aus unserer Liturgie, weil wir der Erhabenheit des Alten nur Eintrag thun wuͤrden, in welchem denn doch wohl nichts fehlt, was den Namen des Maurerischen verdient. Wer noch außer diesem Erbauung und Belehrung suchen will, der findet alle seine Wuͤnsche durch unser Archiv, dem nicht leicht an Vollstaͤndigkeit etwas abgehen moͤchte, vollkommen befriedigt. Wir thun uns in Wahr- heit etwas darauf zu Gute, denn wir haben den großen Vortheil davon, daß wir durch die voll- staͤndige Kenntniß aller maurerischen Verirrungen, aufs unwiderleglichste in unserer erkannten Wahr- heit befestiget werden.“ Die BB. nahmen wieder Platz; denn der Meister v. St. wandte sich zu dem Neuaufgenom- menen: Ihre Aufnahme, lieber Br.! sagte er ohn- gefaͤhr, ist nun vollendet, so auch alle Handlungen die je mit Ihnen vorgenommen werden. Sie haben das Licht erhalten, und dies ist nur Eins, was dem Maurer bis ans Grab leuchtet; alle uͤbrigen Lichter sind Irrlichter. Seit den Jahrhunderten aber, in denen die Bruͤderschaft steht, hat man so viel an ihrem Wesen gemodelt, daß die maurerische Geschichte ein großer Zweig der Geschichte des menschlichen Verstandes, und seiner Thorheiten geworden ist. Es ist ein großes Feld, das sich Ihrer Wißbegierde oder Ihrer Neugierde oͤffnet; es bleibt Ihnen uͤberlassen, wie viel oder wie we- nig Sie sich darauf umsehen wollen. Allein dies muß ich Ihnen des Herkommens wegen, noch heut sagen, daß unsere Bruͤder vor — — Jahren fuͤr gut befunden haben, der Einweihung, die Sie heut erfahren haben, noch zwei andere hinzuzu- setzen, die sie denn zusammen drei Grade nannten, und welche die sogenannte Johannis -Maurerei ausmachen, weil unsere Vorfahren die Sitte hat- ten, an dem Tage des Evangelisten und spaͤterhin des Taͤufers Johannis eine allgemeine Versamm- lung zu halten. Der dritte dieser Grade wurde um die Zeit — — — und zu dem — Zwecke er- funden, und haͤngt mit der Maurerei wenig zusam- men; um diesen geringen Zusammenhang weniger auffallend zu machen, schob man ums Jahr — einen zweiten ein, der etwas duͤrftig ausgefallen ist. Diese drei Grade, davon Sie die Rituale und Tapis aller Systeme gelegentlich nachsehen koͤnnen, gehoͤren nach dem Herkommen dazu, einem Br. das volle Recht in den LL. zu geben; um Sie also sogleich bei Ihrem Eintritt in die vollen Rechte der Gesellschaft zu setzen, werde ich Ihnen die Rituale der dritten und zweiten, nach den uns bekannten aͤltesten Urkunden, der Hauptsache nach vorlesen lassen, und Sie vorher zum Zeichen der Gleichheit an Rechten mit der eingefuͤhrten Mei- ster-Sch. bekleiden. Nachdem dies alles geschehen war, war die Versammlung geendigt. In demselben Augenblick verließen alle BB. das Zimmer, kleideten sich aus, und ich wurde von dem biedern M. zu einem fru- galen Abendbrodte geladen. Wir gingen, wenige ausgenommen, die zu ihrer Familie zuruͤckkehrten, in das erste Stockwerk des Hauses, wo ein sehr artiges Souper angerichtet war. „Sie haben nach einer Reception nicht Tafel-Loge?“ fragte ich. „Nein, sagte M. , wir essen nur an den Festen nach der eingefuͤhrten Sitte, und mit den wenigen Gebraͤuchen, die wir zu diesem Behufe angenom- men haben. Denn Tafel-Logen sind eben so, wie Trauer-Logen nur in der Systems-Maurerei gegruͤndet. Wir moͤgen aber als Freunde gern auch beim froͤhlichen Becher zusammen seyn, und da veranstalten wir denn zuweilen ein kleines Mahl, an dem jeder nach seinem Gefallen Theil nimmt. Wenn Sie aber erwarten, daß dabei von Tugend, dem goldnen Zeitalter, oder Vater Noach gesprochen oder gesungen werde, so irren Sie sich.“ Noch nie habe ich so heiter, anstaͤndig und froͤhlich unter bloßen Maͤnnern gegessen. Die Unterhaltung war ungemein lebhaft und witzig; ich glaubte unter einer Menge weiser Maͤnner zu seyn, die die Lustigkeit mit Ernst treiben, und denen eine ungewoͤhnliche Ansicht des Lebens, einen vor- zuͤglich guten Muth und eine gewisse Sicherheit des Wohlseyns giebt. Ich war in der That so erbaut , daß ich glaubte, es sei L. geoͤffnet. An Stadt-Neuigkeiten ward nicht gedacht; man war, wie der Zeit und dem Orte entruͤckt. Das ganze Gebiet des menschlichen Verstandes war uns auf- gethan. Man erzaͤhlte, aber keine faden Anekdoten, man disputirte, aber mit Humanitaͤt, Feinheit und Witz, man sprach uͤber maurerische Gegenstaͤnde, aber nicht uͤber das Heiligthum der Maurerei, man ließ mich von meinen Erfahrungen erzaͤhlen, und man wußte beinah alles besser als ich, der ich doch oft an Ort und Stelle gewesen war, und mitge- handelt hatte. Wie oft erfuhr ich hier erst die besonderen Triebfedern, die da und dort mitgewirkt hatten, und die meinem Auge gaͤnzlich entgangen waren, wie oft lernte ich einen ganz andern Mann, als Leiter der Angelegenheiten kennen, als der sicht- bar an der Spitze stand. — — Ueber das alles sprachen sie so unbefangen, und mit einer solchen Leichtigkeit, daß ich wohl sah, diese Maurer muͤß- ten ein hoͤheres Interesse haben, als die gewoͤhn- lichen Logen-Begebenheiten. Sie waren ihnen das Treiben einer fremden Welt, von dem sie hoͤch- stens eine fluͤchtige historische Notiz nahmen, und das sie nur zu Belegen uͤber sichre Erfahrungs- Maximen brauchten. Dennoch war mir diese tiefe Kenntniß der Begebenheiten und Verhaͤltnisse aus der ganzen Maurerwelt, diese Prophezeihungen, welche man ganz natuͤrlich, als sichere Folgerungen aus den angegebenen Datis einmischte, zu auffallend, als daß ich nicht haͤtte fragen sollen, wie sie doch in ihrer Zuruͤckgezogenheit zu dieser Kenntniß des Ganzen gelangt waͤren. Folgendes ist ohngefaͤhr das Resultat der Antworten, die ich erhielt. „Wir haben keine sogenannte Logen-Correspon- denz, wo man uns meldet, daß man in bruͤder- licher Einigkeit, und unter dem Seegen des H. B. a. W. abermals das Stiftungsfest gefeiert habe; wir verdanken dies unserer Unabhaͤngigkeit, von allen sogenannten Großen LL. und unserer Unbekanntschaft in der Logenwelt. Dafuͤr stehen wir aber in einer ununterbrochenen Correspondenz mit allen unterrichteten Maurern, die in der Welt zerstreut leben, und einigen wenigen LL., denen, wie uns, die Maurerei , nicht das Logen-Wesen am Herzen liegt. In vielen LL., die davon nichts ahnen, sind ein, zwei oder mehrere Maͤnner von Einsicht, die mit uns auf gleichem Standpunkt stehen, und sich neben der Cultur des Geistes der Bruͤderschaft, vorzuͤglich mit Erforschung der mau- rerischen Geschichte beschaͤftigen. Diese Maͤnner verbergen sich nicht, und zeigen sich nicht; wer nach ihrem Lichte begierig, und dessen wuͤrdig ist, der findet sie. Sie nehmen Aemter, aber sie suchen sie nicht, denn sie wollen mit dem Logen- Wesen, wie es so ist, nicht gern zu thun haben. — Diese nun sind durch die ganze Maurer-Welt, durch gemeinschaftliches Streben, und gleiche Ueber- zeugungen mit einander verbunden; was dem einen gehoͤrt, gehoͤrt auch dem andern; jeder theilt den uͤbrigen die Aktenstuͤcke und Dokumente mit, die in seine Haͤnde kommen, so wie seine Forschungen uͤber jeden maurerischen Gegenstand. So ist kein Theil der maurerischen und aftermaurerischen Ge- schichte, von den aͤltesten Zeiten an, uͤber den wir nicht die genauesten Data, und die speciellesten Nachrichten haͤtten. Fuͤr uns ist also die Ge- schichte des Ordens kein Geheimniß , ge- schweige daß, wie es an einem gewissen Orte heißt, das Geheimniß der Bruͤderschaft fuͤr uns in ihrer Geschichte liegen sollte. Wenn sie außer der Historie kein anderes Mysterium haͤtte, so wuͤrde es schlecht mit uns stehen, denn unsere Arbeiten waͤren ziemlich geschlossen.“ Dieser Bund, der wie es schien, ziemlich aus- gebreitet ist, und von dem ich in meiner ganzen, nicht eben gewoͤhnlichen, maurerischen Laufbahn nichts gehoͤrt hatte, schien mir hoͤchst bedeutend, denn ich fand hier etwas realisirt, was ich von jeher unverruͤckt mit dem groͤßten Enthusiasmus gewuͤnscht hatte. Was muß diesen vereinigten Kraͤften, bei einem hellen Blick und sicherem Standpunkte nicht moͤglich seyn! Die Wirkungen dieser Forschungen auf aͤchte Begruͤndung der wah- ren Maurerei sind nicht zu berechnen. Ueber diesen Gespraͤchen war es, ehe ich es vermuthete, 11 Uhr geworden. „Wir haben, sagte M. heut, unsers lieben Fremden wegen, eine Ausnahme gemacht, und sind uͤber die Zeit geblie- ben. Die Hausfrauen sehen es gern, wenn wir die Ordnung nicht uͤbertreten. Lassen Sie uns schließen, liebe BB.!“ — Es wurden einige schoͤne Verse aus einem Liede gesungen, die BB. schuͤttel- ten sich die Haͤnde, und gingen nach Hause. Ich war zu aufmerksam auf das Archiv der L. geworden, als daß ich nicht, obgleich nicht ohne Schuͤchternheit, die Bitte gewagt haben sollte, mir den Zutritt dazu zu verstatten. Man gewaͤhrte mir die Bitte besonders in Ruͤcksicht meiner guten Empfehlungen, und bestimmte mir die Stunde des folgenden Tages, an dem der Neuaufgenommene Br. in das Archiv eingefuͤhrt werden sollte. Ich war durch alles, was ich gehoͤrt hatte, darauf am meisten gespannt; und ich bereitete mich am fol- genden Tage mit Sorgfalt, auf den Eintritt in dasselbe vor. Ich ging meine ganze maurerische Gelehrsamkeit durch, ich erinnerte mich aller Sel- tenheiten, die ich gesehen hatte, so wie deren, die ich nur aus Nachrichten kannte; und glaubte doch, daß man hier dies und jenes nicht haben wuͤrde. Ich hohlte den ehrwuͤrdigen Br. M. in seiner Wohnung ab, und wir gingen ins Logenhaus, wo wir einige BB., so wie den Neuaufgenommenen fanden. Wir begaben uns sogleich ins Archiv, das im Praͤparations-Zimmer in Wandschraͤnken ver- wahrt lag, zu deren jedem außer dem Logen-Mei- ster noch zwei BB. besondere Schluͤssel hatten. Das erste was man mir zeigte, war ein hoͤchst- merkwuͤrdiges Manuscript, welches die Geschichte der Frei-Maurer-Bruͤderschaft bis auf die neue- sten Zeiten in epochenmaͤßigen Abtheilungen ent- hielt. „Diese Geschichte, die von einem unserer BB. geschrieben ist, sagte mir Br. M. legen wir bei unsern Forschungen zum Grunde, damit wir einen Faden haben, an welchen wir alles uͤbrige anreihen koͤnnen. Ohne ein solches Huͤlfsmittel wuͤrden wir keine allgemeine Uebersicht haben, es wuͤrden uns oft die Winke uͤber die einzelnen Er- scheinungen fehlen, und es wuͤrden in unsern Kennt- nissen Luͤcken entstehen. Dieses Werk aber, das in allen mit uns verbundenen Archiven liegt, ist einem jeden, der sich nicht weiter einlassen will, zum allgemeinen Unterricht hinlaͤnglich, alles uͤbrige, wie Sie hier an den Citationen sehen, sind nur Belege zu der Geschichte, und jeder unserer BB. faͤngt sein Studium mit ihr an, und kommt immer wieder auf sie zuruͤck.“ Er legte sogleich den ersten Band derselben fuͤr den gestern Aufge- nommenen heraus. — Nun uͤbersah ich auch die uͤbrigen Schaͤtze, die alle in Faͤcher geordnet waren, und ihre Ueberschriften hatten. Da sah ich: Do- kumente zur Geschichte der Bruͤderschaft vor dem Jahr 1717. in Italien, Frankreich, Deutschland, England u. s. w. mit allen ihren Unter-Abthei- lungen; zur Geschichte der ersten Haupt-Veraͤnde- rung in der Maurerei, und des Ursprungs der modernen Maurerei; Ursprung des Ordens- und Ritterwesens in Frankreich; Fortschritte des eng- lischen Universal-Großmeisterthums, und dessen Provinzial-Großmeisterthuͤmer; Geschichte der Bruͤ- derschaft, in sofern sie sich von den neuen Veraͤn- derungen frei erhalten hat; Verbreitung des Or- dens aus Frankreich nach Schweden, Deutsch- land ꝛc. — Clermontisches Hochkapitel mit allen seinen Modificationen; Geschichte des Tem- pelherren-Systems; Schwedische Maurerei, nebst der darauf gegruͤndeten Z — fischen; uͤbrige moderne Systeme und Versuche, in B. und H. die Frei- Maurerei zu ihrer alten Wuͤrde zuruͤckzufuͤhren. — Ein anderer großer Schrank enthielt die Geschichte aller Nebenzweige, die man zu irgend einer Zeit auf den Stamm der Maurerei gepfropft hat, als: der Tempelherren, der Rosenkreuzer, aͤltesten, alten und neuen Systems, der Illuminaten, der Mar- tinisten, Philalethen, wohlthaͤtigen Ritter, der Asiaten, Afrikaner, der egyptischen Maurerei u. s. w. Von allem diesen war erst eine detaillirte Geschichte der Einfuͤhrung, der ersten Stifter, ihrer Zwecke und Schicksale vorhanden, sodann die vollstaͤndigen Rituale aller Grade, sowohl in der Originalsprache als in Uebersetzungen, nebst den Zeichnungen aller Tapis, Dekorationen, Kleidungen ꝛc. Ein anderes Fach war mit den Akten aller maurerischen Con- vente, und merkwuͤrdigen Protocolle angefuͤllt. — Uebrigens bestanden diese Archivstuͤcke aus Origi- nalen und Abschriften, bei denen aber das Origi- nal sorgfaͤltig beschrieben, seine Authenticitaͤt erwie- sen und der Ort seiner Aufbewahrung angegeben war, so wie auch uͤberall die Richtigkeit der Kopien bescheinigt wurde. — Wir gingen zu der Bibliothek gedruckter Buͤcher fort, die nach Maaßgabe des Archivs, und der zum Grunde liegenden Geschichte, in ihre Faͤcher geordnet waren. In jedem dieser Buͤcher stand ein kurzes Urtheil aber die Glaub- wuͤrdigkeit ihrer Verfasser, und die Art der Brauch- barkeit ihrer Schriften. Nach dieser fluͤchtigen Uebersicht begann ich nun meine Gelehrsamkeit zu zeigen, und fragte nach diesem und jenem, was ich als große Seitenheit kannte. Wornach ich auch fragte, das gab mir Br. M. oder ein anderer sogleich aus seiner Ord- nung, und ich erkannte seine Aechtheit. Was irgend in den goldenen, eisernen oder hoͤlzernen Kasten eines h. K. gelegen hatte, war hier in net- ter, aͤchter Abschrift; was ich nur von Hoͤrensagen kannte, hielt ich hier wirklich in meinen Haͤnden. Die BB. freuten sich meiner Ueberraschungen. „Da Sie ein Liebhaber von Raritaͤten zu seyn scheinen, fing M. an, so wollen wir Ihnen doch, nach Art der Archivare und Bibliothekare, noch manches zeigen, was Sie wahrscheinlich noch nicht kennen, weil es nur in unsern Archiven existirt.“ Und nun sah ich Sachen, die mich in das groͤßeste Erstaunen setzten, weil ich theils von ihrem Da- seyn nichts wußte, theils glaubte, daß sie laͤngst untergegangen waͤren. Ich bezeugte ihnen mein Erstaunen uͤber die- sen unerwarteten, und fast unglaublichen Reich- thum an Dokumenten und Notizen. „Sie sehen, lieber Br.! sagte der Br. G. , was vereinigten Kraͤften moͤglich ist; wir wuͤrden arm, und vielleicht ungebuͤhrlich stolz auf die weni- gen Dokumente seyn, die uns zufaͤllig in die Haͤnde gefallen sind, aber wir wuͤrden von dem Ganzen nichts kennen, bei dem besten Willen im Finstern tappen und gezwungen seyn, entweder gar nicht zu arbeiten, oder irgend ein Logenwesen statt der Maurerei zu treiben. Dagegen haben wir mit unsern kleinen Schaͤtzen gewuchert, und die Archive aller unterrichteten BB. und LL. haben uns offen ge- gestanden. Was irgend in einem Theile der Welt entdeckt wird, davon haben wir in wenigen Wochen Kenntniß, und wir bestimmen, ob wir eine Ab- schrift davon haben wollen, oder nicht. — Dennoch aber fehlt uns, bei der großen Menge dieser gehei- men Dinge, noch manches, dessen Existenz wir ent- weder nur ahnen, oder das wir auch nach seinem Namen, Inhalt und Aufbewahrungsort kennen, das wir aber nur noch nicht erhalten konnten; daher wir unsere Bemuͤhungen und unsere Ver- bindung immer fortsetzen muͤssen. Groͤßtentheils ist es nun eine unschuldige Liebhaberei geworden, denn in Absicht wesentlicher und wichtiger Punkte fehlt uns eben nichts.“ Ich . Das erkenne ich an, und ich gestehe nicht nur, daß ich nie ein so reiches Archiv gesehen, son- dern daß ich ein solches sogar fuͤr unmoͤglich gehal- ten habe. Allein — verzeihen Sie meiner Freimuͤ- thigkeit. — Sie scheinen mit dem, was der ganzen Maurerwelt das Geheimste ist, ganz offen umzugehen. M. Wie so? Ich . Darf ich fragen, ob Sie jedem besuchen- den Br., so wie mir, das Archiv oͤffnen? M. Nie, wenn er nicht zu uns gehoͤrt, oder an uns gesandt wird. Ich . Sollte dies der Fall mit mir seyn? M. So ziemlich. Haben Sie nicht eine gewisse Urakte unterschrieben? Ich . Ja wohl, weil die darinn geaͤußerten Grundsaͤtze ganz die meinen sind. M. Erinnern Sie sich nun Ihrer Gespraͤche, Zweites Baͤndch. Q mit unserm Br. P. — Es ist bloß die Wirkung dieser Gespraͤche, daß Sie hier sind, denn Br. P. hat Sie allein zu der Reise hieher veranlaßt, weil er wuͤnschte, daß Sie sogleich ein vollstaͤndiges Archiv saͤhen, da er nur seine eigenen Dokumente, und einen Catalogue raisonne aller Archivstuͤcke besitzt. Ich . Nun sehe ich klar, ich habe gewisser- maßen als theoretisches Mitglied zu Ihrem Bunde gehoͤrt, seit ich ihn selbst projectirt habe; ich werde mir es zum Gluͤck rechnen, ihm auch als arbeiten- des Mitglied anzugehoͤren. M. Dazu wird Ihnen unser P. die Gelegen- heit verschaffen. — Sie sehen also wohl, daß wir nur am rechten Orte offenherzig sind. Ich . Aber was sagen besuchende BB., die nicht vorbereitet sind, zu Ihren Arbeiten? M. Dazu moͤgen Sie wohl nichts sagen, denn sie kennen sie nicht. — Das verhaͤlt sich so: Sie werden wissen, daß wir zu keiner Gr. L. und zu keinem sogenannten Logen-Bunde gehoͤren; keiner unserer BB. er mag reisen, wohin er will, be- sucht also eine L., weil wir keine Certificate geben, und er sich dort nicht examiniren lassen will, wo er sich zum Examinator berufen fuͤhlt. Da man nun von unserer L. in der gewoͤhnlichen Maurer- Welt nicht weiß, so werden wir auch nicht von gewoͤhnlichen Logen-Bruͤdern besucht. Dagegen haben wir oft sehr angenehmen Besuch von wah- ren Maurern, die uns kennen, und mit uns arbei- ten. — So hoffen wir, werden Sie uns kuͤnftig, so oft Sie durch unsere Stadt reisen nicht voruͤbergehen. Ich . Gewiß nicht, im Gegentheil werde ich nicht bloß auf Gelegenheit warten, sondern sie aufsuchen. G. Um so mehr, da Sie noch keiner eigent- lichen Arbeit beigewohnt, sondern nur eine Auf- nahme gesehen haben. Ich . Ehe ich die Frage thue, zu der mir diese Aeußerung Gelegenheit giebt, so erlauben Sie mir, eine Bedenklichkeit zu aͤußern. Halten Sie denn Ihre Loge fuͤr aͤcht? M. Wie verstehen Sie das? Ich . Zu einer aͤchten L. wird doch erfordert, daß sie von einer Großen L. Constitution und Ak- ten erhalten habe, und nun von allen uͤbrigen LL. anerkannt werde. — M. Darauf koͤnnt’ ich Ihnen antworten: Ist denn das Anerkennen ein Beweis der Aechtheit? In B. sind drei Gr. LL., davon ward die zweite, die entstand, von der ersten nicht anerkannt, und nun thut die zweite ein gleiches gegen die dritte; und doch sind wirklich alle drei — Gr. LL., die nehmlich aus den Repraͤsentanten mehrerer einzel- ner LL. bestehen, welches als Factum nicht abge- laͤugnet werden kann. Aber ich will tiefer gehen. In der Maurerei existiren nur einzelne LL.; die Großen LL. sind Verfassungssache, und es ist hoͤchst zufaͤllig, daß diese oder jene L. dort und da einen Repraͤsentanten hat, der in ihrem Namen uͤber Verfassungssachen — denn von Maurerei wird doch nicht die Rede seyn! — seine Stimme abgiebt, und ihr die Abschriften der Protokolle zu- schickt. Wenn wir nun in allen solchen Sachen Q 2 nirgends eine Stimme haben wollen , und nach diesen Protokollen nicht neugierig sind: so werden Sie wohl einsehen, daß wir den Zusammenhang mit allen Gr. LL. entbehren koͤnnen, der uns ge- wiß nichts helfen, aber vielleicht hindern wuͤrde. Ich . Aber die Rituale? M. Diese , glauben Sie, muͤßte man von einer Gr. L. erhalten? — Wo hat sie denn die Gr. L. her? — Wie ist diese denn entstanden? etwa so, daß ein Groß-Meister da ist, dieser die Groß-Beamten waͤhlt — mit diesen ein Ritual macht oder hat, und nun einzelne LL., constituirt, und diesen seine Kunst mittheilt? — Oder vielmehr umgekehrt? so, daß erst einzelne LL. da seyn muͤssen, durch deren Zusammentreten sich eine Gr. L. for- mirt. Woher haben nun diese die Rituale? nach denen sie doch gearbeitet haben muͤssen, seitdem sie existiren. Etwa aus England? Ohne Zweifel wohl daher, aber nicht durch die Gr. L., denn es ist weltkundig, daß sie bei ihren Constitutionen keine Rituale ertheilt. Also durch einzelne Mei- ster der Kunst; und so haben wir unsere Rituale eben daher, woher sie alle LL. haben oder haben koͤnnen; es kommt nur auf den Beweis der Aecht- heit derselben an. Ich . Das ist Sache der Kritik und der Kenntnisse, und daruͤber bin ich nicht einen An- genblick in Zweifel. Nur die Rechtmaͤßigkeit. — M. Ei, Sie haben wohl ganz vergessen, daß jeder Frei-Maurer-Meister nach alter Sitte das Recht hat, Frei-Maurer aufzunehmen. — Aber ich will Sie sogleich befriedigen. Unterscheiden Sie nur recht streng, System- und Logenwesen von Maurerei . Ich, Br. G. , Br. R. und noch einige sind irgendwo aufgenommen, wir fin- den uns in dieser Stadt zusammen, wir erkennen uns gegenseitig, als Maurer von Gesinnung und Kenntniß; wir treten zusammen, und fangen an zu arbeiten. Unsere Richtschnur ist nicht das, was diesem oder jenem etwa einfaͤllt, oder was diese oder jene L. als Maurerei treibt, sondern das, was wir als das aͤchte einzige Evangelium anerkannt, und wovon wir uns uͤberzeugt haben, daß es gewiß und wahrhaftig das einzig Positive der Maurerei sey. Dies bringen wir nun gemeinschaftlich in Ausuͤbung, forschen immer weiter, bestaͤtigen uns immer mehr in unserer Ueberzeugung, nehmen wackere Maͤnner nach den alten Gebraͤuchen der Maurerei auf, und arbeiten nun mit ihnen gemein- schaftlich auf diesem Wege fort. Sind wir alle- sammt Maurer? machen wir eine Loge aus? Ich . Allerdings. M. Aber wir gehoͤren zu keinem System , wir haben keine Systems -Akten oder Rituale, treiben kein Logen-Wesen, und sind keine Logen- Bruͤder, wovor uns auch der Himmel bewahren wolle! Wahrscheinlich wird uns keine Gr. L. und keine von denen, die sich so unwuͤrdigerweise ihnen untergeordnet haben, anerkennen; aber das ist unser geringster Kummer! Die Systems-Mau- rerei , die nichts Positives sondern bloße Geschichts- sache ist, liegt hier vor Ihren Augen; die Mau- rerei liegt uns im Kopf und Herzen. — Lieber Br.! denken Sie einmal, der Schwindel, uns an ein System anzuschließen uͤberfiele uns ploͤtzlich. Wohin koͤnnten wir schreiben? nach England? wir wuͤrden ein Patent und eine Nummer im Großen- Logen-Verzeichniß erhalten; nach Schweden? wir wuͤrden fuͤr schweres Geld dies dort (er nahm die schwedischen Rituale heraus) erhalten, oder an die Gr. L. L. sie wuͤrde uns dies schicken; an die — —? wir wuͤrden dies erhalten, und so wuͤrden wir nur das Vergnuͤgen haben, Papiere doppelt zu bezahlen, die wir schon einfach, und zwar sehr wohlfeil bezahlt haben. Und fragte ich meine BB. ob sie eines von diesen Systemen einfuͤhren wollten, so wuͤrden sie mich ohne Barmherzigkeit auslachen, denn man kann wohl von einem System zur Maurerei, aber nicht von der Maurerei zu einem System uͤbergehen. Ich . Aber es ist doch angenehm, auf Reisen Bruͤder zu finden, und LL. zu besuchen. M. Sie wollen uns pruͤfen, aber ich will Ihnen geduldig antworten. Dies koͤnnte im Ernste nur ein Bettler, oder ein eigennuͤtziger Kaufmann, oder ein Bon vivant geltend machen. Vor dem erstern wird uns das Schicksal bewahren, unsere Kauf- leute liefern gute Waare, und sind dadurch ihren Handelsfreunden empfohlen, und unsere Reisenden zum Vergnuͤgen wollen sich eine langweilige T. L. nicht durch eine noch langweiligere A. L. erkaufen. Und was wuͤrden wir denn in den LL. finden? Herzlichkeit, Offenheit, Belehrung? oder ein steifes Wesen, das keinen Fremden zu behandeln weiß, die Scene der Eitelkeit, des Eigenduͤnkels, der Unwissen- heit? — Ei warum gehen denn Sie, der Sie vom Haupt bis zu Fuß ein privilegirter Systems- Maurer sind, warum gehen Sie denn in keine LL., wenn diese Besuche so wuͤnschenswerth sind? Ich . Ich hoffe auf Ihre Verzeihung, wenn ich Ihnen sage, daß ich blos zu meiner Belehrung eine ausfuͤhrlichere Antwort veranlassen wollte. Ich habe als Logenbruder gefragt, der ich doch schon lange nicht mehr bin. M. Ich will Ihnen noch mehr sagen. Bei alle dem entgehen uns doch die sonst geruͤhmten Vortheile nicht. Lassen Sie mich, und jeden mei- ner BB. morgen auf Reisen gehen, wir sind ge- wiß an jedem bedeutenden Orte Bruͤder und Maurer zu finden, die uns kennen, mit Freuden anerkennen, und die auch, wenn wir es sonst woll- ten, bei jeder L. fuͤr uns buͤrgen, und uns durch ihr Ansehen den Eintritt verschaffen wuͤrden. Aber wie gesagt, darnach sehnen wir uns nicht, und unsere BB. machen oft lange Reisen an beruͤhmte Logenplaͤtze, ohne daß es ihnen nur einfaͤllt, eine L. zu besuchen. Dagegen kommen sie nicht leicht von einer Reise zuruͤck, ohne mit den entfernten BB. tuͤchtig gearbeitet zu haben, und an Kennt- nissen und Einsichten reicher geworden zu seyn. Ich . Sie haben meine eigene Geschichte er- zaͤhlt. Aber nun komme ich zu meiner Hauptfrage: Worinn bestehen denn eigentlich Ihre Arbeiten ? — Ich wende mich deshalb an den Br. G. , der vor- hin einen Unterschied zwischen Arbeiten und Auf- nahmen zu machen schien. G. Zwischen beiden ist in der That ein großer Unterschied. — Die Gegenstaͤnde unserer Versamm- lungen sind Beschaͤftigungen und Arbeiten , im maurerischen Sinne. Jene sind doppelter Art, oͤkonomische und historische. Die oͤkonomischen gehen auf die Verwaltung aller einkommenden Gel- der, davon das wenigste auf unsere Logen-Beduͤrf- nisse, etwas mehr auf die Vermehrung des Archivs und der Bibliothek, das meiste aber auf gemein- nuͤtzige und wohlthaͤtige Anstalten verwandt wird. Dabei wird Bericht abgestattet, Rechnung abgelegt, uͤber die zweckmaͤßigste Verwendung nach neuen Vorschlaͤgen deliberirt u. s. w. Die historischen Beschaͤftigungen, wohin auch die Aufnahmen gehoͤ- ren, weil wir es dabei nur mit Ueberlieferungen zu thun haben, beschaͤftigen sich vorzuͤglich mit Vor- trag neuer Forschungen, Pruͤfung eingesandter Notizen und „Recherchen“; zuweilen wird uͤber ein wichtiges Archivstuͤck von einem gelehrten Br. ein Commentar gehalten, oder die vorhandene Ge- schichte, die Sie zu Anfang sahen, wird in einzel- nen Theilen erwogen und gepruͤft, Zusaͤtze dazu gemacht, die Correspondenz vorgelesen u. s. w. Diese Versammlungen, welche hier in diesem Zim- mer gehalten werden, sind sehr lehrreich, sie ver- wandeln sich oft in Gespraͤche, und da sie nur alle Monate vorfallen, so reichen die drei oder vier Stunden kaum hin, die wir auf sie verwenden koͤnnen, besonders wenn uns etwa die Zeit zum Privatstudio im Archive, das taͤglich offen ist, feh- len sollte. Das, was wir aber maurerische Arbeit nennen, sind unsere feierlichsten Stunden. Die L. wird geoͤffnet, wir sind alle mit der groͤß- ten Ehrerbietung und Spannung versammlet. Nach Anleitung irgend eines Vortrags unsers Meisters v. St. oder irgend eines andern unterrichteten Br. wird ein Hauptpunkt der maurerischen Lehre, nach dem andern abgehandelt; hier entwickeln wir uns das, was wir maurerischen Geist oder Gesinnung oder Ansicht nennen, wenden es auf das Leben, das Recht, die Religion, die Natur, auf unsere Verhaͤltnisse, auf Wissenschaft und Kunst an, und betrachten es in allen Beziehungen. Jeder spricht in reiner Offenheit das aus, was er sich uͤber den Gegenstand denkt, nicht in gesuchten oder zierlichen Worten, sondern ganz natuͤrlich; wer seine Gedan- ken wohl ordnen kann, thut es, ohne es seinem Nachbar zu verargen, wenn er es nicht kann, oder von diesem etwa wegen seiner zufaͤlligen Fertigkeit beneidet zu werden. Wir berichtigen dort, oder vervollstaͤndigen unsere Ideen, und machen sie uns gegenseitig klar. Es ist dabei auf keine Erregung eines fluͤchtigen Gefuͤhls, oder auf Prunk der Worte angesehen; aber wir gehen aus keiner dieser Ver- sammlungen, ohne besser und weiser geworden zu seyn, ohne an Bestimmtheit der Ansicht der Welt und der Dinge genommen zu haben, und ohne einen tieferen Blick in das Wesen der Maurerei gewonnen zu haben. Denn Maurerei ist es, eigentliche, wesentliche Maurerei, nicht Gelehrsam- keit, Philosophie, oder wie Sie es nennen wollen, was hier waltet, und das wir nie ganz zu erfor- schen hoffen duͤrfen. — Doch ich kann mich Ihnen nicht ganz verstaͤndlich machen. Sie muͤßten unter uns leben, um das kennen zu lernen, was wir, ganz der Geschichte und den Urkunden gemaͤß, Geist der Maurerei nennen. Worte machen dies auch nicht deutlich, aber wir fuͤhlen es tief, was maurerische Gesinnung ist, und wir bemuͤhen uns, dies einzige und wahre Geheimniß, das fuͤr jeden geweihten Pro- fanen ein Geheimniß bleibt, und wenn es auf den Daͤchern gepredigt wuͤrde, immer tiefer zu ergruͤnden. Es war eine feierliche Stille, so lange Br. G. redete und sie dauerte fort, als er schon aufgehoͤrt hatte. Ich druͤckte ihm die Hand, und wir gingen, nachdem alles wieder verschlossen war, sehr ernsthaft nach Hause. An diesem Abende speiste ich mit einigen BB. und deren Frauen, bei dem ehrwuͤrdigen M. in der Mitte seiner Familie. Mir war unbeschreiblich wohl in diesem Zirkel, in dem eine sehr feine Geselligkeit, und eben so liebenswuͤrdige Herzlichkeit herrschte. Bei Tische nannte mich einer zufaͤllig Bruder . Sie sind auch Maurer? sagte die geistreiche Frau des Br. G. , nun das ist recht schoͤn. — Es ist etwas seltenes, erwiederte ich, daß die Frauen der Maurer mit der Maurerei zufrieden sind. Ei, wie denn so? fragten mehrere. Ich . Weil die Maͤnner sie oft verlassen, um in die Loge zu gehen. Mad . G. Koͤnnen wir doch auch nicht bei ihnen seyn, wenn wir in unsern Geschaͤften sind. Ich . Sie betrachten also die Maurerei, als ein Geschaͤft ihrer Maͤnner? — Aber es ist doch ein Geschaͤft, das fuͤr Sie ein Geheimniß bleibt. Mad . G. So? — Wenn das bei Ihnen so ist, so muß es bei Ihnen entweder schlechte Mau- rer geben, die ihre Frauen nicht lieben, oder die Frauen muͤssen keine Augen haben. Hier wissen wir von keinem Geheimniß. Ich . Sie haben vielleicht eine Adoptions-Loge? Mad . G. Wenn Sie darunter eine L. ver- stehen, in der auch Weiber Zutritt haben, so irren Sie. Weiber gehoͤren in keine L. und eine Mau- rerin wuͤrde mir sehr unweiblich und laͤcherlich vor- kommen. Nein, wir wissen nur, was unsere Maͤn- ner in der Loge machen, und sehen es recht gern, wenn sie hingehen. Ich . Ich gestehe, daß dies etwas seltenes ist. Mad . G. Oder etwas Unerlaubtes, wollen Sie sagen. Wir sollen von der Maurerei nichts wissen, meinen Sie; aber, wie waͤre dies moͤglich? — Sehn Sie, ob unsere Maͤnner in der Loge stehen oder sitzen, die Haͤnde so oder so halten, den Hut auf dem Kopf oder unter dem Arme haben, das wissen wir nicht, wuͤrden es auch fuͤr sehr laͤcher- lich halten, darnach zu fragen. Aber wenn unsere Maͤnner mit uns sprechen, auf eine Art, mit einer Helligkeit und Klarheit, ja ich moͤchte sagen Neu- heit, wie wir es weder in Buͤchern noch an andern Maͤnnern finden, so sagen wir: das ist maurerisch, und unsere Maͤnner sagen dasselbe. — Ich bin uͤberzeugt, mein Herr! und ich rufe alle anwesende Frauen zu Zeugen, wenn unsere Maͤnner einmal ungewoͤhnlich heftig, oder feindselig, oder nicht ganz gerade und ehrlich, oder verschwenderisch, nachlaͤssig, leichtsinnig seyn wollten, und wir kaͤmen ihnen mit der Frage entgegen: Ist das auch maurerisch? sie wuͤrden sogleich wieder gute Maͤnner seyn. — Nein, mein Herr! (setzte Sie hinzu) wir wissen aufs allerbestimmteste, was Maurerei ist. „Es lebe die Maurerei und alle gute Maurer,“ sag- ten die Frauen, und wir stießen mit vollen Glaͤsern an. Aber, fing ich aufs neue an, sollten Sie. denn nicht zuweilen wuͤnschen, selbst in der L. zu seyn, und diese Maurerei selbst zu lernen? Mad . G. Lernen? Das Weid soll nicht lernen, sagen unsere Maͤnner, und wir geben ihnen Recht. Das Weib ist entweder eine gute Natur oder nicht; im ersten Falle darf sie nur ihre Natur anwenden, nicht stoͤren, auf die innere Stimme horchen, und in allen Dingen huͤbsch besonnen seyn, dann braucht sie nicht zu lernen; im zweiten Falle wuͤrde ihr das Lernen nichts helfen. Der Mann muß ler- nen und studieren und arbeiten, damit er alles uͤberschaue, das Weib darf nur ihren Blick auf ihren kleinen Kreis richten, und ihr Herz reden lassen. Die Maurerei ist zur Wissenschaft gewor- den, sagt mein Mann; gut! fuͤr uns sind die Wissenschaften nicht da. Er untersuche die Wur- zeln, die Rinde, den Kern des maurerischen Bau- mes; uns bleibt die Bluͤthe und die suͤße Frucht, und diese wird kein guter Mann seiner verstaͤndigen Frau vorenthalten. Wozu sollte ihm denn sonst das ganze Wesen nutzen, wenn er es nicht bei seiner Gat- tin, seinen Kindern, seinen Freunden und Nachbarn, oder bei seinem Amte im Staate anwenden wollte. M. Sie haben eine brave Gegnerin gefunden, und sie hat vollkommen recht. — An andern Or- ten sind die Weiber in den großen Logen-Haͤusern, speisen dort, trinken Kaffee und sind dort, wie auf einem Kaffeehause einheimisch. In unsere Logen- Zimmer ist noch kein Weib gekommen, denn wir haben keine Anstalten und keinen Platz zu ihrer Bewirthung; aber sie wollen auch nicht hin, eben so wenig wie ins Collegium, das Rathhaus oder die Schule, denn sie wissen, daß gerade in dieser Absonderung von allen speciellen Verhaͤltnissen das Wesen der Maurerei besteht, und daß sie dort nicht unterhaltende Gesellschaft suchen muͤssen, wo alles dem Ernste des Lebens geweiht ist. — Glau- ben Sie mir, wenn es irgend moͤglich waͤre, den Geist der Maurerei hier auszurotten, so wuͤrden wir dies am allersichersten bewerkstelligen, wenn wir ein Haus und einen Garten kauften, und eine Ressource mit der L. verbaͤnden. Das wollen wir den Logen-Bruͤdern uͤberlassen. „Davor bewahre uns der liebe Himmel!“ rie- fen die Frauen. Ich hoͤrte dies mit einem innigen Entzuͤcken. Heil der Maurerei, so fuͤhlte ich in meinem inner- sten Herzen, die solche Wirkungen erzeugt! Und doch ist das alles so ganz natuͤrlich, wo wirklich die Maurerei, nicht Logenwesen herrscht, — Ich war auf dem besten Wege, recht ernsthaft zu werden, aber dazu ließ es meine Nachbarin nicht kommen, und die ganze Gesellschaft war bald wieder in der froͤhlichsten Stimmung. Wir lachten und scherzten, aber so schoͤn, so bedeutend, so sinnvoll, daß ich mich kaum erinnere, je so herzlich froͤhlich gewesen zu seyn. Das thut die Maurerei, die ins Leben, in Herz und Geist uͤbergegangene Maurerei. Am andern und dem folgenden Tage studierte ich im Archiv, aber gern lies ich alle Seltenheiten liegen, wenn ich mich mit irgend einem Br. uͤber maureri- schen Sinn unterhalten konnte. Wie viel lernte ich! mit welcher Gewandheit und Leichtigkeit wußten sie alles uͤberall anzuwenden, und jedem Dinge die rechte, maurerische Ansicht abzugewinnen. Nie war ich ohne Gesellschaft von BB.; sie fuͤhrten mich in ihre Familien ein, und wenn ich noch Wochenlang dort geblieben waͤre, so wuͤrde ich bei ihren Mahlen ein willkommener Gast gewesen seyn. Welche Menschen! wie gut, wie verstaͤndig, wie wahrhaft gebildet! Reicher an Kenntnissen, voll wohlthaͤtiger schoͤner Gefuͤhle im Herzen, mit einer reinen und innigen Ach- tung und Liebe schied ich von ihnen. — Aber nicht auf immer. Ich eile zu meinem P.; er soll mich dem herr- lichen Bunde zufuͤhren, der die Maurerei zu ihrem alten Licht und ihrer Waͤrme zuruͤckgebracht und von ihren kalten herzlosen Verhuͤllungen entkleidet hat. Dann suche ich die Menschen auf, die Maurer sind und die Maurer, die Menschen sind, und kehre zu ihnen zuruͤck, nach denen mein ganzes Herz sich sehnt. V. Reden und Gedichte . 1) Anrede an einen Neuaufgenommenen, vom verewigten Br. Bode . 2) Am Einweihungs-Feste der neuen Loge F. W. z. S. — Eine Vision vom Br. Mnioch . 3) Am St. Johannis-Tage. Der Loge zur Wahrheit gewidmet. 4) Das Gluͤck der Maurerei. 1. Anrede an einen Neuaufgenommenen. Vom Br. Bode . Hamburg, in der L. A. d. 20. Aprill 1763. Mein Bruder ! M it inniger Freude spreche ich diese zaͤrtliche Be- nennung aus, wozu mich die eben vollzogene feier- liche Handlung berechtiget, und ich versichere Sie, nicht mein Mund allein, mein ganzes Herz nennt Sie Bruder! Unter allen gegenwaͤrtigen B B. ist vielleicht keiner, der Sie so genau kennt, als ich, und also vielleicht niemand, dessen Seele Ihnen mit so vieler Lebhaftigkeit entgegen wallt, als die meinige. Denn obgleich ein Freimaurer Alle seine Bruͤder liebt, und aus Pflicht lieben muß, so ist doch diese Liebe allemal die reinste und dauerhafteste, die sich durch ein vernuͤnftiges Urtheil bestaͤtiget findet. Zweites Baͤndch. R Wenn ich blos von Ihnen und nicht mit Ihnen redete, so wuͤrde ich die Gruͤnde meiner bisherigen Hochachtung, und meiner jetzigen und kuͤnftigen Liebe anfuͤhren; aber ich kenne Sie nicht halb, und ich weiß auch, wer einen bescheidenen Mann durch Lob beleidigt, der giebt einer schoͤnen Jungfrauen Backenstreiche. Und zu einem Redner von der Art, hat mich weder der Himmel bei mei- ner Geburt, noch der S. E. M. von St. bei der Ernennung zu diesem Amte bestimmt. Ich soll Ihnen, mein theuerster Bruder, kuͤrzlich die Pflich- ten unsers k. O., oder welches einerlei ist, ich soll Ihnen die Vortheile bekannt machen, die Ih- nen aus dem Eintritte in denselben zuwachsen. Denn die Erfuͤllung der gegenseitigen Pflichten macht die Gluͤckseligkeit aller Gesellschaften, und die unsrige sollte und kann nach der Absicht und Einrichtung ihrer weisen Stifter, eine der gluͤck- seeligsten aller menschlichen Gesellschaften seyn. Ihr vornehmstes Gesetz ist: Alle recht- schaffene Frei-Maurer als Bruͤder zu lieben . Was heißt das aber anders, seinen Bruder lieben, als jede Gelegenheit, wo man etwas zu seinem wahren Besten beitragen kann, nicht allein wahrnehmen , sondern aufsuchen . Se- hen Sie da also, mein Bruder, ein kurzes Gesetz, das aber nach seinem wahren Inhalte von weitem Umfange ist. Und gleichwohl ist nur derjenige ein Frei-Maurer, der sich mit allem Ernst bestrebt dieses Gesetz der Liebe zu erfuͤllen. Er ist ein pflichtmaͤßiger Frei-Maurer, wenn er diese Liebe ausuͤbt, um solche wieder von andern fordern zu koͤnnen; aber er ist ein erhabener , ein groß- muͤthiger Frei-Maurer, wenn er dieses Gesetz ohne Absicht zur Regel seiner Handlungen macht. Mein Bruder, da Sie mir Ihr Verlangen aͤußerten, ein Mitglied unsers vortrefflichen O. zu werden, und ich Sie um die Ursache dieses Ver- langens befragte, so sagten Sie: „Daß Sie einen „hohen Begriff von dem O. bekommen haͤtten, „da Sie verschiedene Mitglieder desselben kennten, „von denen Sie die uͤberzeugendsten Proben haͤt- „ten, daß es rechtschaffene Maͤnner waͤren, und „daß Sie es fuͤr eine wuͤnschenswuͤrdige Gluͤcksee- „ligkeit hielten, mit rechtschaffenen Leuten so genau „als moͤglich verbunden zu seyn.“ — O wie an- genehm war mir’s, diese Ihre Meinung durch eine fuͤr mich so gluͤckliche Erfahrung bestaͤtigen zu koͤnnen! Es ist Gluͤckseeligkeit, vielleicht die ein- zige wahre, wenigstens befestigt sie alle andere, wenn man mit rechtschaffenen Leuten umgehen kann, sich ihnen zeigen kann, wie man ist, und wie man denkt, und wenn man eben so sehr durch ihre Handlungen, als durch ihre Reden, sich dem Besseren und Vollkommneren naͤhern lernt. Ihr Wunsch, mein geliebter Bruder, mit vielen vortrefflichen Leuten durch den Eintritt in unsern Tempel verbunden zu werden, ist also erfuͤllt. Sie werden durch fleißiges Besuchen unserer Versamm- lungen, und durch fleißigen Umgang mit Bruͤdern, alles das finden, was Sie gesucht haben: Wohl uͤberlegte, gemeinnuͤtzige, thaͤtige Tugend, und um R 2 desto mehr wahre, dauerhafte, freundschaftliche Liebe, weil sie auf diesen Grund erbauet ist. Ich kenne Ihr feuriges Herz. Wenn es nicht schon wirklich die Tugend liebte, es wuͤrde durch so kraͤftige Bei- spiele sie lieben lernen. Diese Gluͤckseeligkeit koͤnnte ich Ihnen und dem O. versprechen. Ich kann es um desto mehr, da ich weiß, wie stark Ihr Herz und Geschmack sowohl vom sittlichen als sinnlich Schoͤnen, Guten und Bessern geruͤhrt werden kann. Allein mein Bruder, ich muß Ihrer Erfah- rung zuvorkommen, und die Verwunderung ver- mindern, die Sie uͤberfallen wuͤrde, wenn Sie in der Folge faͤnden, daß es in einem O., welcher die wahre allgemeine und die besondere zaͤrtliche Bru- derliebe, durch so herrliche Gesetze und Beispiele lehrt, dennoch Egoisten giebt, solche kleine We- sen, welche bestaͤndig Freundschaft erwarten und verlangen, ohne daß es ihnen auch nur einmahl im Traume einfallen sollte, solche zu leisten. Wenn es Sie befremdet, daß ich dieses aus Liebe zur Wahrheit habe sagen muͤssen, so danke ich dafuͤr Ihrem Herzen. Und es wird Sie desto weniger befremden, wenn ich Sie anmahne, diese unsere schwachen Bruͤder zu lieben, und ihnen diese Liebe auf die beste thaͤtige Weise zu bezeigen. Ich mahne sie nicht an, die Bruͤder zu lieben, deren gute Eigenschaften, und Liebe Sie empfinden; es ist zu natuͤrlich und leicht. Aber diejenigen zu lieben, die, ich weiß nicht aus was fuͤr einer Un- art, alle oder doch den groͤßten Theil ihrer Pflichten unausgeuͤbt lassen, daß ist um desto mehr Pflicht, je schwerer es scheint. Wahrhaftig, mein Bruder, man mag von den Temperaments-Tugen- den sagen was man will, sie moͤgen angenehm seyn. Aber die Tugend verdient nur eigentlich den Na- men, die unseren Herzen und Neigungen etwas kostet. Dieser letzte Gedanke fuͤhrt mich ganz natuͤr- lich auf eine Hauptpflicht des Ordens: unsere Lei- denschaften zu ordnen , und der dazu noth- wendigen Wissenschaft, uns selbst kennen zu lernen . Es waͤre hoͤchst uͤberfluͤssig, wenn ich beweisen wollte, daß dieses Studium noͤthig ist. Aber es ist eben so klar, daß wenige die Selbst- Untersuchung fuͤr sich allein mit der gehoͤrigen Unpartheilichkeit anzustellen vermoͤgend sind. Und kennen muͤssen wir unsere Leidenschaften, wenn wir sie zu unsern Unterthanen machen wollen. Sollen wir uns denn von unsern Feinden allein belehren lassen? Sie werden uns freilich keinen Fehler, oder welches einerlei ist, keine unordentliche Leidenschaften unangemerkt schenken. Allein wer- den wir Ihnen trauen? Werden wir nicht sehr geneigt seyn, zu glauben: sie tadeln uns, um uns Verdruß zu machen? Welcher Vortheil ist es nicht also, wenn wir Freunde haben, von deren Redlich- keit und Liebe gegen uns wir uͤberzeugt sind, wenn sie uns unsere Schwachheiten und Fehler mit vernuͤnftiger Sanftmuth und Liebe bemerken lassen, und wenn sie mit den Eigenschaften des menschlichen Herzens recht bekannt sind, uns Ver- anlassung zu geben, diese Schwachheiten, diese Feh- ler zu verbessern. O es mag mir ein Bruder, von dessen gutem Herzen ich uͤberzeugt bin, meine Fehler sagen, er mag sie mir mit Lebhaftigkeit sagen; wenn er nur durch meine Unvollkommen- heiten sich nicht abhalten laͤßt, mein Freund zu seyn, so will ich selbst seine Hitze , womit er mich zu rechte weiset, als einen edlen Beweis seiner bruͤ- derlichen Liebe erkennen, und ihm danken, daß er mit Eifer wuͤnschet, mich besser, und also voll- kommner, gluͤcklicher und ruhiger zu sehen. Was fuͤr ein Gluͤck kann fuͤr uns reitzender seyn, als das innere ruhige Bewußtseyn, unsere Pflichten nach Vermoͤgen erfuͤllt zu haben, und welche Pflicht kann dringender seyn, als unsere und unserer Bruͤ- der Vollkommenheiten zu befoͤrdern? Die Zeit, mein Bruder, verbietet mir, Ihnen noch von einigen anderen Pflichten etwas zu sagen. Ueberdem moͤchte ich mir nicht gern den Vorwurf zuziehen, daß ich langweilig wuͤrde, wenn ich von wichtigen Dingen mit zu wenig Beredsamkeit vor Personen redete, deren Geschmack nur durch Schoͤn- heit, Weisheit und Staͤrke zugleich befriedigt wer- den kann. Da ich von Ihrer Einsicht, und von Ihrer Neigung vollkommen gute Begriffe habe: so zweifle ich nicht an dem Zuwachse von Gluͤckseeligkeit, den Sie durch den Eintritt in unsern vortrefflichen O. erlangen werden, und wuͤnsche Ihnen von Herzen Gluͤck dazu! Auch uns allen kann ich Gluͤck wuͤn- schen, an Ihnen einen rechtschaffenen Bruder erhal- ten zu haben. 2. Am Einweihungs-Feste zu der neuen Loge F. W. z. S. Eine Vision . Es wird ein neuer Tempel aufgefuͤhrt. Die weißen Marmor-Schwellen sind gelegt, Ein Saͤulen-Kreis, Sapphir mit Gold geziert, So leicht, als fest smaragdne Kuppel traͤgt; Der Kuppel Hoͤh’ ein Silber-Bildniß fuͤhrt, Ein Zweig, worauf ein Schmetterling sich regt. Der ganze Bau erhebt sich aus dem Schatten, Den hohe Palmen zu einander gatten. Jetzt aus dem Innern glaͤnzt ein weißes Licht Vom blauen Altar, wie am Firmament In Daͤmmrungs-Zeit der Sterne Angesicht, Bis sinkt der Tag, und Alles goldner brennt. Und immer kraͤft’ger wird das weiße Licht, Das Auge tiefer dringt, und mehr erkennt: In goldnen Zuͤgen schimmert an den Seiten Gestalten-Sprache, kuͤnstlich auszudeuten. Ihr Schwellen und ihr Pfeiler, saget mir, Welch einer Gottheit werdet ihr geweiht? Smaragdne Kuppel mit der Silber-Zier Die sich des ersten Sonnenstrahls erfreut, Du Licht im Dunkeln, und Gestalten ihr, Die ihr schon heilig wart in alter Zeit, Was fuͤr Geweihte sollen hier erscheinen, Welch heiliges Geschaͤft wird sie vereinen? Es rauscht umher! die Palmen wehen leise. Und sieh, in weißen Kleidern schwebt ein Chor, Mit ernstem Schweigen, wie in Geister-Weise, Von Ost und West aus Palmen-Schatten vor. Tief in den Tempel geht die stille Reise, Und hinter ihnen schließet sich das Thor. Doch von Gespraͤchen und Gesang in Choͤren, Kann ich bei stiller Luft die Worte hören: „Auferbaut ist das Heiligthum , „In Schwellen und Pfeilern , mit Ernst und Zier : „Bringet das Heilige nun, „Bringet den Gott in den Tempel!“ — „Wir bringen, wir bringen das Heilige! „In unsern Herzen und Stirnen lebt es! — „Unsichtbar ist es, ein heiliges Drei; — „Durch dies heilige Drei „Beten wir an — den Unendlichen.“ — „Nennt mit Namen das heilige Drei, „Daß euch verstehen die Juͤnger, wie die Meister, „Daß ihr Kunde bewaͤhrt „Von dem Sinne des eigenen Worts.“ — „ Friedlich’-treue Liebe, „Gruͤnend , wie draußen die Palmen, „Fest und gruͤndend , wie die Marmor- Schwellen; — „Streben der Kunst und Wissenschaft , „Fuͤhrend zur Hoͤh ’ in Staͤrk ’ und Schmuck , „Wie die Sapphir-Saͤulen mit Gold geziert ; — „ Froͤhliche Hoffnung der Ewigkeit , „ Kuͤhn , doch sicher , wie sich des Tem- pels Bogen „In smaragdnem Glanz gegen den Himmel woͤlbt , „Und die Silber-Staude mit dem Schmet- terling „Hoch in die Strahlen der Sonne haͤlt.“ — „Wuͤrdig seid Ihr, „Einzugehn in das Heiligthum, „Bringet Ihr mit Euch „Diesen dreifach heiligen Sinn, „Ist Euch des Tempels-Gestaltung „Nur ein Spiegel der Seelen-Gestalt. „Dringet in’s Innere, „Selbst der Seele Gestalt „Hat noch ein Innres ! — „Sehet, wir stehn in einer dunkeln Halle, „Und begruͤßen ein stilles Licht im Finstern, „Ob auch draußen noch Strahlen des Tages leuchten. „Tiefere Forschung geht in’s Dunkel der Seele, „Steiget hinab in des Herzens heil’ge Tiefen, „Wo sich das Licht der ersten Wahrheit, „Wo sich das Gute, das Schoͤne, und der Un- sterblichkeit Glaube „Langsam entzuͤnden an des Bewußtseyns Funken, „Unverhaucht von des Außen-Lebens Stuͤrmen. „Gebt Euch die Haͤnde, beruͤhrt Euch mit den Lippen, „Thaten und Worte sollen uns verbinden „Zu der vereinten Forschung des tiefen Innern. — „Jene Symbole an den Teppichen reden „ Unser Gedanke in Sprache der grauen Vor- zeit ; „Haltet die Sprach’ in Ehren, als ein Ver- maͤchtniß!“ — „Der Tempel ist erbaut in Staͤrk’ und Pracht, „Wir bringen nun den Gott hinein, „Das aͤuß’re Heiligthum ist nur gemacht, „Dem heiligen Geschaͤfte sich zu weihn.“ „Die Herzen sind vereint, die Geister streben „Nach Wahrheit in des tiefen Lebens Grenzen, „Draus soll die Kunst des Schoͤnen sie erheben, „Religion soll ihre Stirn umglaͤnzen.“ — „In Lehres-Helle, in der Dichtung Glut „ Sprech ’ hier der Denker, singe der Prophet! „Erkenntniß bluͤhe, wachse kraͤft’ger Muth „Fuͤr alles, was im Tode nicht vergeht!“ „Ihr Erden-Ziele bleibt hinausgestellet, „Seid hier vergessen mit dem Weltgetuͤmmel! „Es haben Geister irdisch sich gesellet, „Doch ihres Bundes Seele strebt zum Him- mel .“ „Du, der uns verbunden, „Hoͤchster Geist, in dem wir Alle leben, „Segne alle Friedens-Stunden, „Drin wir freier unsern Geist erheben. — „Eher laß den aͤußern Tempel brechen, „Eh’ an unserer Stelle „Ueber seine Schwelle „Sich Unheilige zu gehn erfrechen.“ Die letzten Worte sang der volle Chor. — Noch hoͤrt’ ich Toͤne — dumpf und unbekannt. — Die Sonne sank, es stieg der Mond empor, Ein Balsam-Hauch ging uber’s gruͤne Land. Da oͤffnet leise sich des Tempels Thor, Und die Geweihten kommen Hand in Hand. Sie setzten sich in Mond und Palme nieder, Ein Mahl beginnt, es toͤnen frohe Lieder. „Brodt und Wein „Soll des Leibes Staͤrkung seyn. „Theilt das Brod, und laßt die Becher kreisen. „Sind wir noch befangen „In des Leibes irrdischem Verlangen, „Laßt uns froͤhlich dankbar seyn, „Daß die Gaben, „Unser Irrdisches zu laben, „Von der reichen Erde wir empfangen haben. — „Theilt das Brodt, und laßt die Becherkreisen! — „Brodt und Wein „Soll des Menschen Herz erfreun. „Darum singt und laßt die Becher klingen! „In des Geistes Streben, „Herz und Sinn in’s Geistige zu heben, „Matten Geist und Leib sich ab. „Weines-Flammen „Schmelzt in frische Kraft zusammen „Geist und Koͤrperleben, daß vereint sie flam- men! — „Darum singt, und laßt die Becher klingen! — Was weiter noch geschah, ist mir entschwunden. — War alles Traum? war es ein Luftgesicht? Es war ein Traum , die Deutung ist gefunden, Und von der Wahrheit singet dies Gedicht . — Seid uns gegruͤßt in euren Weihe-Stunden, Durch’s heil’ge Drei und das verborgne Licht! Bald wird der Kreis sich um die Tafel schlingen Der Kelche Feu’r dem neuen Licht zu bringen! Mnioch . 3. Am St. Johannis-Tage, der ▭ zur Wahrheit in Prenzlow gewidmet. U nter allen Nationen, Wo des Bundes Bruͤder wohnen Toͤnet heute Hochgesang; In dem Chore unsrer Bruͤder Schallen heut auch unsre Lieder, Voll von Freude, voll von Dank! Hier in unserm heil’gen Kreise, Wo wir wirken, wie der Weise, Drang kein ungeweihter Blick; Ohne Sucht nach eitlem Ruhme Bluͤht in unserm Heiligthume Unbemerkt der Menschheit Gluͤck. Der gedruͤckten Unschuld Thraͤnen, Und der Armuth banges Sehnen Ward durch unsre Hand gestillt; Doch, wie wir der Menschheit nuͤtzen, Wie wir Recht und Tugend schuͤtzen, Blieb Profanen stets verhuͤllt. Was die Stolzen frech vernichten, Menschheit, deine schoͤnsten Pflichten Wankten unter uns noch nie; Hoheit steigt vom Throne nieder, Nennet hier die Menschen Bruͤder, Knuͤpft das Band der Harmonie. Heil der seegenvollen Stunde, Wo auch uns zum Maurer, Bunde Heil’ge Bruder-Pflicht verband, Wo, geweiht durch heil’gen Stempel, Zu dem Bau im großen Tempel Uns die Weisheit thaͤtig fand. Bruͤdern, die in fernen Landen Sich zum Bau mit uns verbanden, Die das volle Licht erfreut, Die des Ordens hohe Lehren Treulich uͤben, heilig ehren, Sei zum Dank dies Glas geweiht. Schwebe, ehrfurchtsvolle Stille, Aus dem Grabe, wo die Huͤlle Eines srommen Bruders weilt, Dessen Geist im Thaten-Kranze Zu der Gottheit lichterm Glanze, Zu dem bessern Tempel eilt. — Ihr, zur Wahrheit aͤchte Soͤhne, Uebt das Gute, ehrt das Schoͤne, Seid der Menschheit Schutz und Freund; Daß auch einst auf Eurem Grabe Weib und Maͤdchen, Mann und Knabe Dankbar eine Zaͤhre weint. 4. Das Gluͤck der Maurerei . S eegen jener großen Stunde, Wo die Weisheit uns begluͤckt, Wo in edler Bruͤder Runde Wir das volle Licht erblickt; Wo im unbekannten Kreise, Und umhuͤllt von finsterer Nacht, Wir der Pruͤfung große Reise An der Freundschaft Hand gemacht. Der Verblendung dunkle Huͤlle Loͤste ihre Zauberkraft, Zu der Weisheit heeren Fuͤlle Fuͤhrte uns die Wissenschaft; Zu des Lebens schoͤnster Bluͤthe Und zuruͤck zur goldnen Zeit, Wo noch Freundschaft, Herzens-Guͤte, Ihren goldnen Saamen streu’t. Vor den hier verschloss’nen Thuͤren Legt der Fuͤrst den Purpur ab, Und des Bruders Lehren suͤhren Zu der Menschheit ihn herab. Wir sind gleich — und alle Bruͤder! Hier erhebt nicht Gold noch Stand; Dessen Herz nur rein und bieder, Wird als Bruder hier erkannt. Um die Menschheit zu begluͤcken Reichen wir uns hier die Hand, Vor der Neugier scharfen Blicken Zieht Verschwiegenheit die Wand. Wo die Armuth huͤlflos klaget, Wo verlass’ne Unschuld weint, Wo Verblendung Menschen plaget, Sind zur Huͤlfe mir vereint. Seegnet drum die große Stunde, Wo die Weisheit uns begluͤckt, Wo in edler Bruͤder Runde Wir das volle Licht erblickt; Wo im unbekannten Kreise, Und umhuͤllt von finst’rer Nacht, Wir der Pruͤfung große Reise An der Freundschaft Hand gemacht. Carl Struve . VI. VI. Nichts Neues unter der Sonne . Eine merkwuͤrdige historische Parallele. Zweites Baͤndch. S Nichts Neues unter der Sonne . W enn in der Welt etwas Ungewoͤhnliches erscheint, so ist derjenige, der nur seine Stadt, seine Zeit und seine Leute kennt, sehr geneigt, dies fuͤr etwas Neues, Unerhoͤrtes und Außerordentliches zu halten; der aber, dessen Auge durch die Geschichte anderer Zei- ten und Menschen erweitert ist, findet dies Ereig- niß in seinem ganzen Verlaufe da und dort wie- der, und ist durch seine historische Erkenntniß schon auf alles Bedeutende vorbereitet, was in seinem Gesichtskreise vorgehen kann. Die Deutschen haben besonders eine große Staͤrke in solchen Vergleichun- gen und Beziehungen, die sie oft mit großer Ge- lehrsamkeit anstellen, und bei ihnen ist vorzuͤglich die Redensart im Gange, die wir an die Spitze dieses Aufsatzes gesetzt haben, und in dem wir in diesem Falle auch unsere Deutschheit beweisen wollen. Der Franzose macht in seinem leichten Sinn alles was er vom Auslande oder von der Welt, als Nicht-Paris, hoͤrt, mit der Formel: Tout comme chez nous! ab, und erspart es sich dadurch, sich gruͤndlich um das fremde Thun und Treiben zu S 2 bekuͤmmern. Auf alle Faͤlle ist jener Spruch besser, als dieser. — Wir geben einen neuen Be- lag dazu, indem wir kurz eine aͤltere Geschichte, und sodann eine neuere erzaͤhlen, von welcher man ohne Zweifel etwas in den Eleusinien zu finden erwartet hat. Unzufrieden mit dem Logenwesen seiner Zeit, und beaͤngstigt von dem großen Mißverhaͤltniß zwischen seinen lebhaften Wuͤnschen, den Anforderun- gen an eine weitverbreitete, scheinbar zu großen Zwecken vereinigte Gesellschaft von Maͤnnern, und — der Wirklichkeit, machte der Br. von Knigge durch den Br. Diomedes im Jahre 1780. die Bekanntschaft mit dem Orden der Illuminaten. Mit neuen schoͤnen Hoffnungen und großen Er- wartungen, trat er ihm bei. Die Papiere, die man ihm zusandte, stimmten jedoch diese Erwartungen herab; die Correspondenz mit Weishaupt spannte sie wieder an. Mit allem Cifer ward er, ohne selbst weiter zu seyn, fuͤr die Minervalclasse thaͤtig, versammlete eine große Anzahl edler, vornehmer, gelehrter und wichtiger Maͤnner, als Minervalen um sich her; und verpfaͤndete ihnen sein Ehren- wort fuͤr die Groͤße und Guͤte des Ordens. Bald hatte er es mit mehreren hundert Menschen zu thun, die durch ihn in allen Angelegenheiten be- lehrt und befriedigt seyn wollten, und er arbeitete rastlos, er allein, ohne von den erhabenen Obern im geringsten unterstuͤtzt zu werden, fuͤr sie alle, mit Aufopferung seiner Gesundheit und seines Vermoͤgens. Durch ihn glaubte man an die All- macht des Ordens. Er erhielt endlich einen Theil des kleinen Illuminaten Grades, aber von allen Seiten draͤngte man in ihn nach den hoͤheren Geheimnissen. In seiner Noth forderte er endlich, Kraft seiner Verdienste, die gaͤnzliche Darlegung des Systems, und nun erfuhr er: daß der O. eigentlich noch gar nicht, außer in dem Kopfe des Spartacus existire, daß nur die untere Classe in einigen katholischen Provinzen errichtet sey, daß er ( Knigge ) das Ganze ausarbeiten solle ꝛc. Er reiste im Jahr 1781. nach Baiern, und lernte dort die B B. kennen; außer Cato war unter den Areo- pagiten keiner thaͤtig fuͤr den O. ( Weishaupt macht selbst eine Schilderung von ihnen, die sich anhebt: Socrates ist bestaͤndig besoffen, Au- gustus ist im uͤbelsten Rufe u. s. w.); niemand wußte, was der Zweck des O. sey, die Areopagiten waren mit Spartacus uͤber den Fuß gespannt — doch hatten sie guten Willen, und waren dem O. (?) mit der waͤrmsten Anhaͤnglichkeit ergeben. Br. Knigge soͤhnte die hohen Obern aus, trat fuͤr die andern als Abgeordneter der noch hoͤheren Unbekannten auf, machte den Visitator, belehrte die Areopagiten, und versprach ihnen: das ganze System bis auf die hoͤheren Mysterien, ein Frei-Maurer Ritual und Constitutions-Buch auszuarbeiten, wogegen ihm erlaubt wurde, zu seiner Huͤlfe soviel Areopagiten und Obere zu machen und anzusetzen, als er noͤthig und nuͤtzlich finden wuͤrde. — Er reiste zuruͤck, und nachdem seine Hoffnungen auf dem Convente zu Wilhelmsbad gescheitert waren, machte er sich an das uͤbernommene Geschaͤft, nehmlich die Aus- arbeitung des ganzen Systems , wobei er die Aufgabe zu loͤsen hatte, daß er das wenige, aber Schiefe vorhandene zum Grunde legen, und doch das Ganze jedem Mitgliede, d. h. den dis- paratesten Koͤpfen unanstoͤßig und interessant machen mußte. Nach dem Noviziat und der Minervalklasse, wozu er einen Vorbereitungs-Aufsatz unter dem Titel: Allgemeiner Begriff von der Gesellschaft der Illuminaten ausgearbeitet hatte, folgte die symbolische Maurerei; fuͤr den Faͤhigeren oͤffnete sich nun der kleine Illuminaten-Grad, worinn er schon uͤber einige Zoͤglinge die specielle Aufsicht erhielt, und aus diesem zum Großen Illuminaten- Grade und schottischen Noviziat fortschritt, wo er wieder einige kleine Illuminaten inspicirte, und staͤrker zum Besten des O. thaͤtig war. Diese Grade, wie sie Br. v. Knigge gearbeitet hat, sind unter dem Titel: der aͤchte Illuminat. Edessa (Frankf. a. M.) 1788. gedruckt. Nun folgte der schottische Ritter Gr. oder der Gr. der dirigirenden Illuminaten, der den Uebergang zur Mysterien- Classe machte, und welche ihr Verf. nach einem wohl- uͤberlegten Plane anlegte. Endlich kroͤnte er seine Arbeit durch die kleinen Mysterien, den Priester- und Regenten-Grad, die fuͤr speculative Seher seyn, und die Instructionen fuͤr alle hoͤheren Obern, die Provinzialen und Nationalen, enthalten soll- ten. — Man kann nach diesem die Arbeit berech- nen, die dieser thaͤtige Mann fuͤr eine Gesellschaft uͤbernommen und ausgefuͤhrt hatte, von der er Nichts, auch nicht die geringste Bereicherung seiner Kenntnisse erhielt, und die ohne ihn wahrscheinlich bald wieder in ihr Nichts zuruͤckgesunken waͤre, aus dem sie sich vor seinem Zutritt kaum um einen Schritt erhoben hatte. — Er sandte seine Arbeiten ein; nach einiger Zeit erhielt er sie, ohne Veraͤn- derung, ins Reine geschrieben, und mit Sparta- cus O. Pettschaft und Chiffer beglaubigt, zuruͤck; und nun fing er an, die Grade auszuspenden. Er gruͤndete Logen, man nahm die hoͤheren Gr. mit Enthusiasmus auf, er selbst freute sich seines Werks und gab sogar alle Direktion ab. Nun wird man begierig seyn, zu hoͤren, welch einen Lohn dieser rastlos- und uneigennuͤtzig thaͤtige Mann erhielt, der um den Illuminaten O. ein dreifach groͤßeres Verdienst, als sein erster Stifter hatte. Wahrscheinlich doch Dank und Achtung von denen, die seine Arbeiten kannten, die sie ihm auf- getragen hatten, die ohne ihn in einer unabwend- baren Verlegenheit geblieben, und die nun ihren eigenen O. durch ihn auf einer unerwarteten Hoͤhe erblickten? — Denn, daß er von einzelnen Mit- gliedern, denen er dies und jenes nicht recht that, deren Wuͤnsche er nicht alle befriedigte, die ihn nicht begriffen, angefeindet, daß er von Jesuiten, gegen die er auf Spartacus Antrieb geschrieben, und von Maurern verschiedener Systeme, denen er Logen-Abbruch gethan hatte, verfolgt wurde — wer wuͤrde dies nicht natuͤrlich finden?! Aber es waͤre doch hoͤchst unnatuͤrlich, wenn die hoͤher geweihten Illuminaten selbst, wenn die Areopagiten, wenn Spartacus , sie, die ihm alles verdankten, sich an die Spitze seiner Gegner gestellt haͤtten —; mag man von dem Illuminaten O. denken, wie man will, K. hatte doch Alles geschaffen und gear- beitet; diese , fuͤr die er es geschaffen, und die es freudig gebilligt und anerkannt hatten, diese wer- den doch nicht undankbar und unnatuͤrlich an ihm handeln? — und doch geschah es, und zwar in folgenden Momenten: Spartacus , der befehlender General seines O. seyn wollte, begann damit, nach gesetzlicher Ein- fuͤhrung der Grade, Veraͤnderungen, Zusaͤtze und Umschaffungen einzusenden, und ihre hoͤchst unpo- litische Einfuͤhrung zu gebieten. Er fuhr damit fort, alle Unannehmlichkeiten, die in Ks Provinzen vorfielen, auf seine Rech- nung zu schreiben. Er ging weiter, daß er gegen ihn als General und Hofmeister verfuhr, und drohte, „ihn laufen zu lassen,“ bis er zum Gehorsam zuruͤckkehrte, daß er hinter seinem Ruͤcken mit seinen Un- tergeordneten correspondirte, sich fuͤr den Stifter und Chef des Ganzen, ihn fuͤr einen Verfaͤlscher der aͤchten Grade ausgab, daß er Schmeichlern erlaubte, in fremde Pro- vinzen hinein zu wirken, ihre speciellen Feinde als Feinde des O. zu verfolgen, und uͤberall will- kuͤhrlich zu handeln, daß man auf seine, durch die von allen Sei- ten herstuͤrmenden Klagen veranlaßten Vorstellun- gen nicht hoͤrte, daß Menschen, die ihm wesentliche Verbindlich- keiten hatten, ihn im O. kek verlaͤumdeten, daß man seiner Ohnmacht spottete, versicherte, man beduͤrfe seiner nicht und fuͤrchte ihn nicht, daß Spartacus ihm durch einen Untergeord- neten Befehle, wie an einen Schulknaben zuferti- gen ließ, daß man uͤberall im Orden hoͤchst nachtheilige Geruͤchte und Insinuationen uͤber sein Betragen gegen denselben verbreitete, und er tausend Necke- reien erfuhr, — und man endigte, daß Sparta- cus den vorgeschlagenen Kongreß zur Ausgleichung der Sachen hintertrieb, und ihn auf sein bruͤder- liches Schreiben nicht einer Antwort wuͤrdigte. Der arme, von allen Seiten gedruͤckte und gemißhandelte Mann, fuͤr den nun niemand ein Ohr hatte, schrieb einen Aufsatz zu sener Recht- fertigung, um wenigstens den Besten unter den B B. die Geschichte zu entwickeln, — auch dies wurde ihm zum Verbrechen angerechnet! Er sollte durchaus nicht zum Worte kommen. Auf Betrieb einiger redlicher Maͤnner an der Nationaldirektion, kam endlich, „damit die Sache nicht weiter gehen und schlimmere Folgen haben sollte,“ — denn, Gott sei Dank! noch ist das Gefuͤhl fuͤr Gerechtigkeit in der Welt nicht ausgestorben! — unter dem ersten Julius 1784. zwischen dem, von ihm gegruͤndeten O. der Illuminaten, und ihm folgender Vergleich zu stande: 1) er erhielt ein schriftliches Document: er sei freiwillig aus dem O. getreten, und man erkenne mit Dankbarkeit seinen bisherigen Eifer in Ausbreitung des O. 2) Man versprach, durch ein allgemeines Cir- cular allen nachtheiligen, falschen Geruͤchten von ihm zu widersprechen, und allen B B. zu befehlen, ihn kuͤnftig in Ruhe zu lassen. 3) Er lieferte dagegen die O. Papiere aus, und machte sich verbindlich, uͤber das Vor- gefallene Verschwiegenheit zu beobachten, dem O. nicht entgegen zu arbeiten, und seine Obern weder zu nennen, noch zu com- promittiren. Dieß war es, was der verewigte Br. Knigge von der Gerechtigkeit seiner B B. erhalten konnte. Aber wird man dies alles nur glaublich fin- den? — Wenn Herrschsucht den Spartacus auch zu falschen Schriften verleitete, konnte dieser in dem freien O., wie ihn Knigge gestiftet hatte, nicht durch die Autoritaͤt der Redlichkeit und Ge- rechtigkeit, gesetzlich zur Ruhe gebracht werden? Ist im Gegentheil die fast allgemeine Stimme, die sich gegen Knigge erhob, nicht ein starker Beweis gegen ihn? und muß man nicht glauben, er sey nicht so ganz unschuldig an der erlittenen Behand- lung gewesen? — Guter Mann oder Bruder, der Du so fraͤgst, kennst Du noch nicht die verheerende Kraft, die ein, oder einige kecke Menschen haben, welche nur das calumniare audacter, semper aliquid haeret kennen, und in ihre blinde Leiden- schaft alle Halbkoͤpfe, die sich ihnen naͤhern, mit fortreißen? weißt Du nicht, daß, wo es auf den ehrlichen Namen eines Menschen oder Bruders ankommt, vor einer frechen Stimme alle guten und schwachen verstummen, oder nur leise ansprechen? daß Dankbarkeit und Anerkennung der Verdienste ein hoͤchstlaͤstiges Gefuͤhl ist, und daß jeder kleine Mensch nur dahin arbeitet, jede Groͤße an seinen Boden herunter zu ziehen, und sich zu assimili- ren? — Wo hat man doch den Br. Knigge angeklagt, uͤberwiesen, verurtheilt? Wo ist denn irgend etwas von seiner Schuld gegen den Illumi- naten O. verlautet, da hingegen seine Verdienste um denselben weltkundig sind? — Oder ist es so etwas ungewoͤhnliches in der Welt, daß Unklug- heit eben so hart und noch haͤrter gezuͤchtiget wird, als Verbrechen und Laster, und war es nicht die groͤßeste Unklugheit, daß Knigge alle Direktion niederlegte? — Ja, hier finden wir den ungluͤck- lichen Schluͤssel zu seinem Schicksal. Haͤtte er ge- than, was er wollte, wie andere es thaten, aber mit Frechheit; haͤtte er jedem Herschsuͤchtigen im- ponirt, und diese immer feige Menschen durch seine Autoritaͤt in Schranken gehalten, — er wuͤrde wie ein Gott verehrt worden seyn, und gutmuͤthige Leute haͤtten den Traum von Dankbarkeit und Anerkennung des Guten in der Welt austraͤumen koͤnnen. Aber er entaͤußerte sich mit edlem Enthu- siasmus seiner Gewalt; und nun mußte er ent- weder seinen Mund nicht mehr aufthun, und schweigend sein Werk verlassen, oder er mußte dul- den, was nicht zu vermeiden war. Er kam in Mißhelligkeit mit einer hoͤheren Autoritaͤt und er hatte, allein um deswillen Unrecht; die Furie der Verlaͤumdung brach von allen Seiten los, jeder glaubte, jeder trug weiter, die Besten schwiegen und meinten: es sey einmal schlimm, daß man so gegen den wuͤrdigen Br. denke, aber — — Genug, Niemand war unterrichtet von der Sache, Niemand wollte sich unterrichten, man fuͤrchtete die Worte des Tiefgekraͤnkten, man stand sicherer unter dem dichten Haufen, als neben dem einzelnen Gerech- ten, — kurz das Trauerspiel war fertig, und nur die Klugheit wandte es durch den Vergleich so, daß von dem Haufen der Schwaͤchlinge ein groͤße- res Uebel abgewendet wurde. Dennoch brand- markt das Verfahren des O. gegen seinen Schoͤpfer ihn noch in seinem Grabe; dies ist die groͤßte Schuld, die er in die Annalen der Geschichte mit hinuͤber genommen hat. Was auch die Regierung uͤber ihn gesagt und verfuͤgt hat, — es liegt auf der Wagschaal der Ehre und Schande so schwer nicht, als die Ungerechtigkeit und die Mißhand- lungen ungerathener Kinder gegen ihren Vater. Doch wir vergessen, daß wir von neueren Zei- ten nur zu reden haben. — Guter, verewigter Br.! Du bist erhaben uͤber die Leidenschaften der kleinen Menschen, die hier Dein Herz zerrissen, und Deinen edlen Traum von Bruderliebe und Menschenwerth vernichteten. Du lebst jetzt in einer Welt, wohin Deine Traͤume Dir gefolgt sind, und Dich belohnen. Freue Dich ihrer! Wir gehen zur Parallel-Geschichte uͤber. Ohne Namen wollen wir sie, treu und einfach erzaͤhlen; wer aus andern Quellen die Namen kennt, der hoͤre hier die Stimme der redlichen partheilosen Wahrheit; wer sie nicht kennt, der glaube, daß die Geschichte auf der neu entdeckten Ceres vorgegan- gen sey, und traͤume hier weiter den schoͤnen Traum von Gerechtigkeit, Humanitaͤt, Dankbarkeit und Bruderliebe. Bis in das Jahr 1796. war die L. X. ein Sammelplatz lustiger, froher Menschen, die sich Frei-Maurer nannten, weil sie nach franzoͤsischen Gebraͤuchen Mitglieder aufnahmen, und ihnen nach und nach die Rechte an ihren Mahlen, und an ihrem Hause ertheilten, auch fuͤr die Neugierigeren und Vermoͤgenderen Schauspiele auffuͤhrten, denen sie die Namen: Maitre elû, Ecossois rouge et verd, Chevalier de l’Orient und Chevalier Prince Souverain de Rose Croix gaben, welche Stuͤcke uͤberall gedruckt zu haben sind. Der Direk- teur dieser Spiele war damals ein guter Mann, von einem lebhaften Geiste und weichem Herzen, der der Possen eigentlich selbst muͤde war; aber sey es, daß es ihm an hinreichenden Kenntnissen fehlte, sey es, daß er den Gehalt seiner Umgebun- gen kannte, — er spielte fort mit moͤglichstem An- stande, drosch leeres Stroh, und war zufrieden, wenn die Zuschauer und Mitdrescher sich an dem Klappern erfreuten. In diesem Jahre, am 2. Junius trat, gereift durch mancherlei Erfahrungen, versehen mit einem hellen Geiste, und mit einem weichen Herzen, das er unter einem finstern Aeußern verbarg, ein Mann zu dieser Loge, den wir Aurelius nennen wollen. Seine hohen Ideale von Wuͤrde der Menschheit, die er in sich trug, seine Meinung von feiner Ge- selligkeit und Anstand, und Geist der Maurerei, eben so wenig als seine aͤußere Lage, machten es ihm wuͤnschenswerth, ein thaͤtiges Mitglied dieser Gesellschaft zu werden; nur ein Zufall machte, daß er fuͤnf Monate nach seinem ersten Erscheinen, bei- nahe mit Gewalt in den Hohen und Innern Rath dieser L. gezogen wurde, ein Zufall, der dem in Br. Feßlers saͤmmtlichen Schriften uͤber Mau- rerei S. 446 f. erzaͤhlten, sehr aͤhnlich ist. Der Br. Aurelius erhielt dabei den Auf- trag, weil alle, die dort versammlet waren, wohl wußten, daß es ihnen an Dokumenten und Kennt- nissen fehle, weil man mit dem, was man eben hatte, gerechter Weise unzufrieden war, und weil man glaubte, daß Br. A. der einzige Mann waͤre, der ihnen helfen koͤnne, neue Rituale von An- fang bis ans Ende auszuarbeiten. Gutmuͤthig uͤbernahm er diesen Auftrag und fing an, seine Zeit, seine Kraͤfte, seinen Broderwerb und seine Freunde der L. X. aufzuopfern, blos, weil ein edles Gemuͤth sich gern dem Vertrauen hingiebt, und weil sein, fuͤr Ideale gluͤhender Geist meinte, hier ein reiches Feld schoͤner Wirksamkeit geoͤffnet zu sehen. Er arbeitete also zuerst bis zum December die Rituale der drei untern Gr. aus, die bei der Promulgation mit ausgezeichnetem Beifall aufgenommen wur- den. — Darinn sind denn die lieben BB. allen uͤbrigen Menschen gleich, daß sie es willig anneh- men, wenn jemand fuͤr sie arbeitet. Spricht wohl hie oder da einer aus dem Haufen: Da hat sich ein neuer Narr gefunden, der seine Zeit nicht besser brauchen kann! so verhaͤlt sich doch die groͤßere Menge bei solchen Ereignissen ruhig, und freut sich sogar sagen zu kennen: Wir haben nun das und das gemacht, und es ist gut. Nun ging dieser arbeitsame Mann an die Auf- stellung der hoͤheren Grade. Das, was er in der Ausuͤbung vorfand, verschmaͤhten die Uebrigen und Er konnte es, als unmaurerisch, nicht brauchen. Doch mußte es gewissermaßen benutzt werden. Ehe er aber an die vollstaͤndige Arbeit ging, be- gann er mit Aufstellung eines letzten Gr. und der Constituirung eines Obersten Collegii in Ritual- und Erkenntnißsachen, welches wir das Collegium der Areopagiten nennen wollen. Zu diesem Gr. mußte er entweder etwas Neues erfinden, oder etwas Vor- handenes anwenden; jenes wollte er aus guten Gruͤn- den nicht, das, was er von den Nachbarn haͤtte bor- gen koͤnnen, gefiel ihm theils aus kritischen, theils aus gesthetischen Gruͤnden nicht: er ging also mit gutem Bedacht zur letzten Quelle, aus der alle h. Gr. geflossen sind, zu dem Cl — schen H. K. und dessen hoͤchsten Grad zuruͤck, aus welchem das Schw. System den R. in W. und das Z — sche den V. J. entlehnt hat, und bearbeitete ihn, mit Beibehaltung der Sinnbilder, zu einer erhabenen Mysterie, die an der Spitze eines gelaͤuterten Sy- stems zu stehen verdiente, und durch die Geschichte gerechtfertiget wurde. — Sodann wurde zur Aus- wahl der Areopagiten geschritten (wobei er die Wahl der drei Bruͤder N. N. und N. durchsetzte, welche seine Mitwaͤhler verworfen hatten), er in der ersten Versammlung einstimmig zum permanenten Deput. Groß-Meister erwaͤhlt, seine ausgearbeitete Ver- fassung der Areopagiten vorgelesen, und ange- nommen, das Ritual vorgetragen, und die Neuge- waͤhlten in dasselbe eingeweiht. Bis jetzt hatte die Corporation zwar eine Samm- lung Gesetze, die aber in einer fremden Sprache, sehr unvollstaͤndig und unphilosophisch geschrie- ben, von den wenigsten verstanden und gekannt waren. Sie hatte (wie damals keine einzige ihr aͤhnliche Gesellschaft) keinen festen, bestimmt aus- gesprochenen, allgemein angenommenen und aner- kannten Grundvertrag; d. i. eine Bestimmung der Grundverfassung, worinn die verschiedenen Gewal- ten auseinander gesetzt, und in ihre natuͤrliche Gren- zen eingeschlossen, und wodurch eine bleibende Form der Ordnung und Gesetzgebung aufgestellt wurde. Vergl. Feßlers Schriften S. 450. 51. Durch diesen Mangel war in dem Innern dieser Gesellschaft eine gesetzlose Willkuͤhr, und ein hef- tiger Antagonismus zweier Partheien, von ganz verschiedenem Interesse, wie bei den Roͤmern der Widerstreit zwischen Plebejern und Patriciern, ent- standen. Die Aufstellung eines solchen Grundver- trags trags war dringend nothwendig, um in die Gesell- schaft Gesetzlichkeit einzufuͤhren; sie war schwer , denn es existirte noch nirgend etwas aͤhnliches, und mußte mit Huͤlfe der Philosophie und der allgemeinen Rechtsprincipien, so wie mit tiefer Kenntniß des Geistes der speciellen Gesellschaft angefertiget wer- den; sie war hoͤchst verdienstlich , denn dadurch ward nicht nur der L. X. eine rechtliche Verfassung gege- ben, sondern fuͤr alle uͤbrige Corporationen der Art das erste Muster aufgestellt, und ein bedeutender Fortschritt zu rechtlicher Constituirung des großen Ganzen gethan, der von außerordentlichen Folgen seyn mußte. Diese Arbeit wuchs zu einer ansehn- lichen Schrift, und war, obgleich ihr Verfasser sehr bescheiden daruͤber urtheilte, Ein Urtheil uͤber eine solche Verfassung, s. im angef. Buche S. 296 und 97. als erster Versuch in der Art betrachtet, ein wahres Meisterstuͤck, das von dem philosophischen Geiste und von der mau- rerischen Verfassungskenntniß seines Urhebers zeugte. Fortwaͤhrend und ausschließend widmete er sich dem Wohle der L. — Mit einem tiefen Blick in das Wesen des O. und geleitet von einer weitgreifen- den Idee, machte er im Julius dieses Jahres (1797) den Vorschlag: alle h. Gr. abzuschaffen. Da aber sein Vorschlag durchaus verworfen wurde, ging er an die Revision und Umarbeitung dersel- ben, und begann mit dem vierten, der den aus- gezeichnetsten und entschiedensten Beifall erhielt; Zweites Baͤndch. T so wie im Februar und Maͤrz des folgenden Jah- res der fuͤnfte und siebente. Die L. X. existirte in einem Lande, das der gerechtesten, einsichtsvollsten und aufgeklaͤrtesten Regierung genoß. Der Koͤnig desselben war in die Mysterien der Gesellschaft nicht eingeweiht, er hatte alle moͤgliche Ursache mißtrauisch gegen sie zu seyn, und in ihrem Schooße eine gefaͤhrliche Schwaͤrmerei zu ahnen. Der Regent eines Lan- des muß uͤber alles, was in demselben vorgeht, besonders uͤber das Wesen ganzer, ausgebreiteter Gesellschaften unterrichtet seyn, um bestimmt zu wissen, ob das Wohl der Gesammtheit, den Schutz derselben erlaubt oder nicht. Dringender wird diese Forderung, wo die Gesellschaft gestaͤndlich Mysterien hat, und eine geheime oder wenigstens geschlossene ist. Die Christianer der ersten Zeiten waren in dem Falle; sie versagten hartnaͤckig der Regierung jeden Blick in ihr Inneres und zwangen sie dadurch, sie zu verfolgen, und ihre Mitglieder zu Maͤrtyrern zu machen. In den meisten Euro- paͤischen Staaten war die Gesellschaft der Frei- Maurer in demselben Falle. Wo der Verdacht der Regierungen gegen sie erwachte, da mußten sie entweder gerechten Forderungen der Regenten genuͤ- gen, und ihnen Kenntniß von ihren Zwecken geben, oder die verdiente Verfolgung ertragen. Das Ver- trauen auf die gute Sache hebt den Schleier des Geheimnisses fuͤr die Majestaͤt; der Repraͤsenkant des Staats ist gebornes Mitglied einer jeden recht- lichen Gesellschaft; gegen ihn ist kein Verrath des Geheimnisses moͤglich; um ihrer selbst und ihrer Er- haltung willen ist es sich jede gute Gesellschaft schul- dig, durch Offenheit jedes Mißtrauen des Regenten zu entfernen. Durch diese Betrachtungen geleitet, aͤußerte Br. A. die bis dahin kuͤhne Idee, und setzte sie durch seine uͤberwiegenden Gruͤnde durch: dem Koͤnige die Constitution vorzulegen, wodurch die L. X. von Ihm, von dem es sonst vielleicht am wenigsten zu erwarten gewesen waͤre, ein Pro- tectorium erhielt, durch welches zugleich die Pro- tectoria aller uͤbrigen aͤhnlichen Corporationen be- staͤttigt wurden, um welche Bestaͤttigung man, aus einer nicht eben ungegruͤndeten Besorgniß, selbst zu bitten, nicht gewagt hatte. So erwarb sich der Br. A. durch pflichtmaͤßige Offenheit uͤber die Ver- fassung der Gesellschaft große Verdienste um das Ganze, und vielleicht verdankt es dieser Masregel seine fortdaurende Existenz. Die L. X. war bisher eine einzeln stehende St. Joh. L. Dennoch hatte sie einige LL. gestiftet, und nannte sich deshalb Mutter-auch Große-Loge, und forderte die Anerkennung, als solche, die ihr doch nie- mand, der mit der maurerischen Verfassung bekannt war, gewaͤhren konnte. Niemand bei der Loge wußte hier Rath, wie diese Differenz zu heben sey. Ueber- dieß stand die L. in der Gefahr, ihre Unabhaͤngigkeit zu verlieren, und sich einer andern Gr. L. durch das im Werke seyende Staatsgesetz, das nur Große- Logen anerkannte, und diesen alle einzelnen St. Joh. LL. unterordnete, unterwerfen zu muͤssen. Der Br. A. wußte hier den einzig moͤglichen T 2 Rath, der sie retten konnte; er schlug vor: Da die L. X. aus mehr, denn 200 Mitgliedern bestaͤnde, sich in vier besondere LL. zu theilen, und mit den von der L. X. unbefugt auswaͤrts con- stituirten, noch existirenden drei LL., eine Gr. L. in gesetzlicher Form zu bilden. Dieser Vorschlag war durchaus vernuͤnftig und verfassungsmaͤßig, allein die BB. waren uͤber die legalen maurerischen Formen zu wenig unterrichtet, auch walteten eine Menge persoͤnlicher Ruͤcksichten und Leidenschaften ob; genug, die Ausfuͤhrung derselben fand tausend Schwierigkeiten. Br. A. der mit Recht darin die Gesetzmaͤßigkeit und Rettung der L. sah, war indeß unermuͤdet thaͤtig, unterrichtete und uͤberzeugte meh- rere BB. so, daß der Vorschlag endlich durchging, und sowohl die vier besondern LL., als die Gr. L. am 11. Juni 1798. feierlich constituirt und instal- lirt wurden. Wieder ein ganz aͤhnlicher Fall ist, und zwar weitlaͤuftiger, beschrieben in Br. Feßlers Schr. von S. 451—477. Dabei wurde die Constitution oder der Grundvertrag der Gr. L., der abermals sein Werk war, vorgetragen, — und so war es ihm gelungen, eine durchaus gesetzliche, von allen Mau- rern anzuerkennende Form, in die nunmehrige Gr. L. zu bringen, und ihre Unabhaͤngigkeit zu retten, da das oben erwaͤhnte Staats-Gesetz sie wirklich in die Reihe der Gr. LL. stellte. — Da die lieben BB. nun einsahen, was sie durch den weisen Vorschlag ihres Br. A. gewonnen hatten, so waren sie hoͤchlich zufrieden mit ihm, und selbst diejenigen, deren Eitelkeit durch die Theilung der Einen L. in vier, gekraͤnkt worden war, ließen ihm Gerechtigkeit wiederfahren. Eine andere Gr. L., die auf aͤhnliche Art entstanden war, wollte die neue Schwester zwar nicht anerkennen: allein da sie sich rechtlich formirt hatte, da der Staat, der in dieser Verfassungssache der competenteste Rich- ter war, sie anerkannte, und den uͤbrigen ganz gleich stellte, und jene Gr. L. im Grunde nichts, als die ihre, fuͤr Maurerei erkennen wollte: so kehrte man sich nicht an das projektirte Monopol derselben, eben so wenig, als diese sich an auswaͤr- tige Monopolprojecte gekehrt hatte. Der Br. A. war nun bei der Gr. L. X. ein großer und hochgefeierter Mann: man fuͤhlte es, was man durch ihn geworden war, und was man ohne ihn seyn wuͤrde. Daher wollte man ihn belohnen. Als nehmlich der bisherige Groß-Mei- ster im October 1798. seiner Abreise wegen, das Amt niederlegte, wollte man ihn zum Groß-Mei- ster waͤhlen; allein er schlug die ihm zugedachte Ehre bescheiden aus, und setzte die Wahl des Br. v — n zum Groß-Meister durch. Im Februar des folgenden Jahres, verschafte er der L. einen bedeutenden aͤußeren Glanz durch die Aufnahme eines fremden Großen, die er bewirkte. Seine ganze Zeit war der L. X. gewidmet, und er opferte alle seine Kraͤfte auf, um das Ideal zu realisiren, was er sich mit Huͤlfe seiner Kennt- nisse und Philosophie von einer Frei-Maurer L. gebildet hatte. Haͤtte er auch die Menschen schaffen koͤnnen, so wuͤrde die Welt mit einer Anstalt uͤber- rascht worden seyn, wie sie bisher nur der einsame Weise im Traume gesehen hatte. Aber er war auf das eingeschraͤnkt, was Er leisten konnte, und er arbeitete rastlos, nach den innern Forderungen seines Geistes und in der Hoffnung, nicht, daß man seine Verdienste anerkennen, sondern, daß man ihm die Haͤnde bieten werde, um rechtliche Ge- sinnung, aͤchte Aufklaͤrung, sittliche Ordnung und sonach den wahren maurerischen Geist zu foͤrdern, und unter sich herrschend zu machen. — In die- sen Ruͤcksichten bearbeitete er im Maͤrz 1799. den sechsten Grad, und im Aprill und May desselben Jahres das Gesetzbuch der Gr. L. Nun war die Zeit gekommen, wo, nach dem Gesetz, die Revision des Grundvertrags vorgenom- men werden sollte. Wohl wuͤrde er auch diese Arbeit, die man ihm auftragen wollte, uͤbernommen haben, wenn ihn nicht eine doppelte Ruͤcksicht zuruͤck- gehalten haͤtte; einmal war er Kraft seines Amtes, der verpflichtete Vollstrecker der Constitution und der Gesetze, und wollte also nicht zugleich deren Verfasser heißen, sodann wollte er dadurch, daß er alle BB. zu Theilnehmern an diesem großen Werke, und zu mitwirkenden Arbeitern an ihrer eigenen freien Verfassung machte, der Corporation eine groͤßere Wohlthat erweisen, als wenn er, wie bisher, alle ihre Arbeiten auf sich genommen haͤtte. „Was die Gr. L. (Br. Aurelius ) hiebei that, war durch kein Gesetz vorgeschrieben, und nachdem geschehen war, was sie (er) nur fuͤr billig gehalten hatte, waren alle doch uͤberzeugt, daß gerade dies und nichts anders, und dleß gerade nur so, dem Geiste der Bruͤderschaft gemaͤß geschehen mußte.“ Diese hier accommodirte Stelle, steht im ange- fuͤhrten Werke S. 302. wo man uͤberhaupt von S. 301 — 306. mit Nutzen nachlesen kann. Er mochte bei dieser Gelegenheit zum erstenmale die Anwandlung folgender Ueberlegung haben: Was hilft es doch, wenn nur Einer fuͤr eine große Corporation denkt und arbeitet! Sind Mitarbeiter da, so muͤssen ihre Kraͤfte nicht schlummern; wo nicht, so ist auch die beste Arbeit des Einzelnen ver- gebens. Sie ist das Schwerdt des Skanderbek , das außer ihm keiner zu handhaben versteht, und Skanderbek kann sterben; dann muß sein Schwerdt mit ihm begraben werden! — So lei- tete er, der immer uͤber dem Ganzen sich selbst vergaß, es ein, daß das Schwerdt ohne ihn auch gebraucht werden koͤnnte, und erweckte in den Koͤpfen aller Mitglieder der Corporation Theil- nehmer am Werk des Ganzen, das sie, als das ihre, achten und lieben lernen sollten. — Noch blie- ben ihm Kraͤnze genug zu verdienen, die seine eigene Erfindungskraft und Thaͤtigkeit erringen, und die er sich vom Genius des Ganzen, ohne seinen Nachtheil verdienen konnte. Dennoch war das, was er an dem revidirten Grundvertrage und den Gesetzen that, wohl das Meiste und Vorzuͤglichste. Schon im Februar des folgenden Jahres hatte er die schoͤne Gelegenheit gefunden. Nach einem scharfberechneten Plane, und mit den allergering- sten Mitteln stiftete er eine Rettungs-Anstalt fuͤr wuͤrdige und verungluͤckte BB.; durch einen Beitrag von etwas uͤber 1 Thlr. jaͤhrlich, hatte jeder, der auf thaͤtige Bruderliebe Anspruch machte, unter genau vorgeschriebenen Bedingungen der Wuͤrdigkeit, Hoffnung, durch ein nicht unbedeu- tendes Darlehn oder Geschenk aus seiner unver- schuldeten Noth gerissen zu werden; — eine Anstalt, die so vortrefflich berechnet, als wohlthaͤtig war, und ihrem Erfinder von Seiten des Kopfs und des Herzens gleiche Ehre machte; eine Anstalt, wie sie jede maurerische Corporation haben sollte, die die Pflichten der thaͤtigen Liebe nicht vergessen, sondern auf die zweckmaͤßigste Weise ausuͤben will; eine Anstalt endlich, die zugleich faͤhig war, den Gemeinsinn unter den BB. selbst zu erwecken, und zu beleben. Denn die Dokumente, welche zur Entscheidung uͤber einen Rettungsfall erforderlich waren, mußten das von allen Logen-Beamten unterschriebene Zeugniß enthalten, daß der Huͤlfe- suchende Br. ein thaͤtiges Mitglied der Loge war, keine Arbeiten aus Lauigkeit und ohne Grund unterlassen, sich nie der gesetzlichen Ordnung wider- setzt habe, und ohne seine groͤbere Verschuldung in den Zustand der Huͤlfsbeduͤrftigkeit gekommen sey; ferner das Zeugniß seines rechtlichen buͤrgerlichen Lebenswandels, und seiner Verdienste um die L.; sodann den Vorschlag der Summe, die als Ge- schenk, oder Darlehn, zu seiner Rettung wirklich hinlaͤnglich sey. — O ihr wuͤrdigen und ungluͤck- lichen BB. alle, die ihr fruͤh oder spaͤt, vielleicht dann noch, wenn der Name des Stifters laͤngst vergessen ist, aus dieser Quelle Trost, Huͤlfe und Rettung schoͤpfet, seegnet in Eurer Freude den Urheber Eures erneuerten Gluͤcks, und lehret Eure Kinder den Namen des Br. Aurelius . Schon jetzt fanden sich Spuren feindlicher Ge- sinnungen gegen ihn. Man sagte — und einer der Areopagiten wiederholte es oft — er habe die Rettungs-Anstalt — wenigstens fuͤr einen seiner Freunde gestiftet. Das war denen nicht zu ver- argen, die sich um die Einrichtung der Anstalt nicht bekuͤmmert hatten, aber die Beisitzer und Verwalter derselben, die die scharf bestimmten Klau- seln kannten, die durch jene Beschuldigungen zu bloßen Werkzeugen des Br. A. herabgewuͤrdigt wurden (denn ohne sie konnte nicht ein Pfennig verwandt werden, und Br. A. hatte dabei die letzte Stimme) diese, die wirklich ehrliche Maͤnner waren, — schwiegen. Ein Wink fuͤr ihn, was er von dem großen Haufen zu erwarten haͤtte, wenn durch irgend einen Zufall kuͤhnere Angriffe, nicht blos heimliche Verlaͤumdungen, gegen ihn erweckt wuͤrden. Eine neue, ungeheuere Arbeit fuͤr das Innere der Anstalt, forderte nun seine ganze Kraft und Thaͤtigkeit. Durch fortwaͤhrendes Studium und tiefere Blicke in die Geschichte des Ganzen, war er zu der gruͤndlichen Ueberzeugung von der Nich- tigkeit der hoͤheren Gr. (woruͤber wir auch im ersten B. der Eleusinien von S. 150. an, einige exo- terische Winke gegeben haben) gelangt, und er machte den Areopagiten, mit den dringendsten Gruͤnden im August 1800. den Vorschlag, sie gaͤnz- lich abzuschaffen, der eigenthuͤmlichen alten Mau- rerei, ohne heterogene Zusaͤtze, ihren genuinen Glanz wiederzugeben, und fuͤr alle kuͤnftigen Zeiten einer leeren Schwaͤrmerei den Zutritt in die Maurerei zu verschließen. Es war ihm unmoͤglich, seinen Vorschlag durchzusetzen, da er seinen Gruͤnden kei- nen Eingang verschaffen konnte. Dennoch war es ihm unmoͤglich die Wahrheit zu verlaͤugnen, und es gelang ihm, die Areopagiten zu dem Beschluß zu bewegen: die hoͤhere Gr. in vier historische Erkenntniß-Stufen (deren wesentlichen Un- terschied wir aus den Eleusinien S. 172 f. kennen) zu verwandeln, und einer jeden Erkenntniß-Stufe eine reinmoralische Initiation, die, ohne etwas zu verheißen oder vorzuspiegeln, auf die edleren Ge- fuͤhle des Menschen berechnet war, voran zu schicken. Dieß gab man zu; und er hatte die ungeheure Arbeit, vier Initiationen, und vier historische In- structionen, uͤber die Geschichte der Fortschritte und Ausartungen der Maurerei auszuarbeiten, von welchen die letzteren allein, ohne die Beilagen und im Auszuge, drei und achtzig geschriebene Bogen ausmachten. Diese gefielen denn nun meh- reren Areopagiten ganz vorzuͤglich, die Initiationen schienen ihnen erbaulich, die Instructionen beleh- rend, und sie ruͤhmten sich mit Recht, in ihrem Innern das maurerische Licht rein und glaͤnzend aufzubewahren. Andere, die von diesen Sachen nichts begriffen, ließen sie sich schweigend gefallen, gaben aber zu verstehen, es sey des Br. Aurelius Machwerk, und er sei ein großer Narr, sich so viel Muͤhe um Nichts zu machen. — Sie verriethen durch dieses Urtheil eine gute Kenntniß des Ter- rains, denn die BB. fuͤr die das alles in den ver- schiedenen Stufen geschrieben war, kamen theils zu diesen Instructionen gar nicht, ein anderer Theil schlief dabei ein, ein dritter Theil rechnete es sich selbst hoch an, daß er dem Br. A. den Gefallen thaͤte, sie anzuhoͤren, ein vierter Theil endlich konnte nicht leiden, daß nunmehr juͤngere BB. schon so fruͤh erfuhren, was sie durch so lange Jahre nicht gewußt hatten, machten also hin und wieder, selbst unter den Instructionen, bittere An- merkungen, und schimpften außer der L. weidlich dagegen. — Der gute Br. A. hatte es immer mehr noͤthig, bei seinen Arbeiten zu vergessen fuͤr wen er sie unternaͤhme, und seinen Blick fester auf das zu richten, was die Sache , was der aͤchte, alte Geist der Bruͤderschaft fordere. Das Jahr 1800. war das gesetzliche, durch den Grundvertrag bestimmte, Revisions-Jahr der Ri- tuale; es mußten sonach auch die drei ersten Gr. revidirt werden. Nun glaubte Br. A., daß es Zeit sey, das Ritual der L. X. zu dem aͤltesten , das die Geschichte liefert, und welches bis zu der sogenannten Restauration der Gesellschaft, das ein- zige, allgemein anerkannte und aͤchte gewesen, durch die gemachte Neuerung aber keinesweges aufge- hoben war, und welches noch jetzt auf dem klassi- schen Boden der Maurerei das einzig anerkannte und uͤbliche ist, zuruͤckzufuͤhren, und der Maurerei ihr urspruͤngliches Licht wiederzugeben. Er uͤber- nahm diese Revision oder vielmehr voͤllige Umar- beitung, die fuͤr die Zuruͤckfuͤhrung der wahren Maurerei entscheidend war, und von allen in Deutschland zerstreut lebenden aͤchten Kennern der Sache gebilligt wurde. Ein Gleiches thaten, auf die Autoritaͤt des Br. A., die Areopagiten und die alte Arbeit wurde am 31. December d. J. in allem Glanze wiederhergestellt. Im Junius des folgenden Jahres, legte der im October 1798. gewaͤhlte Groß-Meister (s. oben) sein Amt nieder. Der Br. A. , der nur den Glanz und die wahre Wuͤrde seiner L. vor Augen hatte, glaubte den besten Nachfolger in diesem Amte, in einem Manne zu finden, der in einem ansehnlichen Posten stand, und sich auch als Gelehrter einen großen Namen erworben hatte. Wie weit entfernt er von aller Rivalitaͤt und kleinlicher Eifersucht war, zeigte er am besten durch diese Wahl; waͤhrend die uͤbri- gen mehr auf einen Repraͤsentanten des Amtes sannen, wuͤnschte er sich einen Mitarbeiter von hellem Geiste, und reinem Eifer fuͤr die Sache. Diesen Mitarbeiter von festem Charakter glaubte er in dem Br. gefunden zu haben, der waͤhrend der ganzen Zeit seiner Thaͤtigkeit abwesend gewe- sen war, und um dessen Wiedergewinnung er sich mit herzlichem Vertrauen die groͤßeste Muͤhe gege- ben hatte. Seine Wahl zum Mitarbeiter fand viel innere und aͤußere Schwierigkeiten, die Br. A. mit eifriger Thaͤtigkeit, und mit uneigennuͤtziger Liebe fuͤr seine L. gluͤcklich besiegte, und in dem guten Bewußtseyn seiner redlichen Absichten allen warnenden Stimmen, die auf seine Persoͤnlichkeit Bezug hatten, sein Ohr verschloß. Am 13. Sept. ward der Mitarbeiter feierlich installirt. Noch durch eine andere glaͤnzende Begebenheit war dieser Tag ausgezeichnet. — Die L. X. hatte bis jetzt allein gestanden, die Revolution, wodurch die Maurerei, von allen neueren Zusaͤtzen gereinigt, in ihre alte Wuͤrde eingesetzt wurde, war in ihrem Innern vorgegangen, die Richtigkeit ihrer Grund- saͤtze war noch von keiner modernen Frei-Maurer- Loge anerkannt. Br. Aurelius , der mit den aufgeklaͤrtesten und gruͤndlich unterrichteten BB. durch ganz Deutschland in Verbindung stand, kannte auch einen dieser erleuchteten Maurer, der an der Spitze einer großen Corporation mit aͤhnlichem Eifer arbeitete, und dessen Grundsaͤtze mit den seinen um so natuͤrlicher uͤbereinstimmten, je sicherer sie auf die erwiesene und unbestreitbare Wahrheit gebaut waren. Mit diesem entwarf er den Plan einer Vereinigung drei großer Corporationen zu Aufstellung gleicher Grundsaͤtze, zu Erneuerung des Alterthums und zu Verbannung aller unstatthaften Neuerungen. Dieser große Verein kam zu Stande, durch ihn erhielt die L. X. einen neuen Glanz, mit zwei verbundenen Schwestern sah sie sich als die Stifterin eines festen, des einzig moͤglichen Grund- Systems der Maurerei. — Es ist unmoͤglich zu berechnen, was die Verbindung zweier solcher Maͤn- ner, fuͤr epochenmaͤßige Wirkungen in der Geschichte der Maurerei hervorgebracht haben wuͤrden, wenn sie nur einige Jahre ungestoͤrt fortgedauert haͤtte. — An dem genannten Tage wurde die geschlossene Verbindung der drei Corporationen mit großer Festlichkeit promulgirt, es bleibt aber dunkel, wie viel die BB. der L. X. und namentlich ein großer Theil der Areopagiten von ihrem Zwecke verstan- den haben. Nun stand aber die Gr. L. X. auf ihrer hoͤch- sten Hoͤhe. Ihre Verfassung war fest, mit philo- sophischer Genauigkeit aufgestellt, und von der Er- fahrung bewaͤhrt, sie hatte in einem Grundvertrage die Norm fuͤr ihre Gesetze; diese Gesetze waren vortrefflich, und auf alle Faͤlle berechnet, alle Zweige der Verwaltung waren nach ihren Grenzen geson- dert, das Verfassungs-Collegium, welchem die Re- gierung oblag, war getrennt von dem maurerischen Doctrinal-Collegio, die Freiheit der einzelnen Ge- meinen, so wie jedes B. war gesichert, ihre Oblie- genheiten fest bestimmt, und alles bewegte sich unter rechtlichen Formen mit Freiheit und Wuͤrde. Das innere Wesentliche der Gesellschaft stand da, gelaͤutert und rein, in seiner urspruͤnglichen An- muth, Schoͤnheit und Kraft; alle Kaͤlte und Herz- losigkeit war verbannt, das zum Sehen geuͤbte Auge ruhte mit Wohlgefallen auf der Urform der alten Kunst, und weidete sich an ihrem großen Lichte. Fuͤr die Forderungen des forschenden Ver- standes, wie des fuͤhlenden Herzens, war der Weg zu hoͤheren Kenntnissen, so wie zur Erwaͤrmung erhabener und schoͤner Gefuͤhle geoͤffnet, befriedi- gend fuͤr Geist und Herz war jede neue Stufe, die man zum Innersten erstieg. Dort war der vollste Aufschluß uͤber jede Dunkelheit, uͤber jede Frage bereitet, die der Forscher uͤber irgend eine Zeit und uͤber irgend einen Um- stand der sonst raͤthselvollen Sachen aufwerfen konnte. — Ein herrliches, in seinen kleinsten Thei- len zusammenhaͤngendes großes und lichtes Ge- baͤude, voll Schoͤnheit und Wuͤrde stand es da, wohlgeziert und erleuchtet von Innen, geachtet von Außen. — Außer dem Verein mit zwei Schwestern, bestand die Gr. L. X. selbst aus einer ansehnlichen Zahl einzelner LL. die sie formirten. Drei aus- waͤrtige LL. hatte der Br. Aurelius als er 1797. Groß-Meister ward uͤbernommen; am 13. Sept. 1801. waren deren sechzehn bluͤhende LL., von denen er vierzehn constituirt hatte, da zwei der alten abgegangen waren. — Niemand war, der sich dies alles vor sechs Jahren haͤtte traͤumen lassen; es war das Werk eines einzigen Mannes, dessen Eifer von der Weisheit, der Erfahrung und dem Gluͤcke unterstuͤtzt wurde, es war das Werk der entschlossenen Thaͤtigkeit, die in ihrem edlen Enthusiasmus nur auf das, was gebaut werden muß, nicht auf die Materialien, womit gebaut werden soll, achtet. Aber bald sollte er fuͤhlbar daran erinnert wer- den. Er hatte sich gutmuͤthig uͤberredet, daß die ganze Arbeit fuͤr die, um deren willen sie unter- nommen worden war, noch mehr aber, daß die Ausuͤbung der Maurerei auf den Verstand und das Herz ihrer Bekenner, doch nicht ohne alle Frucht geblieben sey. Er hatte uͤber diesen Punkt sehr erfreuliche, aber auch sehr bittere Erfahrungen gemacht; er zwang sich, alle Erfahrungen zu ver- gessen, und immer fester und allein die Sache im Auge zu behalten. Doch dauerte es nicht gar lange, als er an einen Freund Folgendes schrieb: „Im Jahre 1796. begann ich den Bau mit der innigsten Ueberzeugung, daß die Materialien, mit denen ich bauen mußte (Ausnahmen abge- rechnet) theils roh, theils schwach, theils ver- dorben seyen. Ich hoffte auf die immer sich vermehrende bessere, oder von mir nur besser gedachte Nachkommenschaft, waͤhlte aus den rohen und schwachen Materialien, die brauch- barsten aus, um sie als Grundsteine zu be- nutzen, stellte die Formen auf, erwartete vom Gluͤcke die allmaͤhlige Herbeischaffung besserer Materialien, ließ es mir genuͤgen, wenn man sich unter meiner Leitung, doch selbst gehend, auch nur kurzen Schrittes dem Besseren naͤherte und bemuͤhte mich, so zu handeln wie ich einmal die Handlungsweise des aͤcht klugen Maurers hinzeichnete. Aber eng wurde es mir ums Herz. so oft ich in oͤffentlichen Blaͤt- tern die Lobes-Erhebungen las, die man der Loge — — zollte, und ich die BB. N. N. N. N. welche im buͤrgerlichen Leben durchaus rechtliche Maͤnner, aber von einer feineren Kul- Kultur himmelweit entfernt sind, die die L. X. fuͤr die ganze Maurerwelt halten, und im In- nern der Frei-Maurerei, sowohl ihrem Wesen als ihrer Geschichte nach, durchaus Fremd- linge sind, als die thaͤtigsten und kraͤftigsten Stuͤtzen des von mir unternommenen Baues ansehen mußte. Allein ich dachte, das Rohe kann sich ja verfeinern, und das Schwache sich staͤrken. Ich stimmte daher selbst in mei- nen oͤffentlichen Vortraͤgen in die Lobes-Er- hebungen gegen die BB. der L. — ein, und glaubte, sie wuͤrden sich am Ende wohl bemuͤhen, dieselben auch wahr zu machen und zu ver- dienen. Um dabei gegen auswaͤrtige denkende und tiefer eindringende Leser wahrhaft zu seyn, ließ ich mitunter, neben allen guten Erwar- tungen, die ich als Wirklichkeiten darstellte, auch streng und bestimmt gesagte Wahrheiten einfließen, wie Sie aus — — — — — — ersehen werden, wo ich uͤberall, entweder auf bestimmte Personen, oder bestimmte Aeuße- rungen oder bestimmte Thatsachen hindeutete. Aber das Rohe ward von Tag zu Tage roher, denn es ward stolzer; das Schwache ward nicht staͤrker, sondern traͤger und unthaͤtiger, und das Verderbte pflanzte den Saamen des Verderbens auch in die neu hinzu gekomme- nen Materialien uͤber ꝛc.“ Es scheint nach diesem, daß die Hoffnungen des Br. A. nicht sehr groß gewesen seyn moͤgen, ja er fing in einzelnen Augenblicken, da er das Ende Zweites Baͤndch. U seiner Arbeiten schon ganz deutlich vor sich sah, schon an, auf seinen Ruͤckzug zu denken, und die- sen Vorsatz gegen seine Freunde zu aͤußern, die jedoch den Ruͤckzug fuͤr unmoͤglich hielten. Was ihn noch festhielt, ward die ploͤtzliche Veranlassung zur Ausfuͤhrung seines Vorsatzes. Br. A. entwarf nehmlich einen hoͤchstwichtigen Plan, durch irgend eine gemeinnuͤtzige Anstalt der L. X. auch bei dem großen Publikum und den Maurern bei ihren Mitbuͤrgern Achtung zu ver- schaffen. Die Maurerei kann einmal der Wohl- thaͤtigkeit nicht entbehren, und eine moralische Cor- poration thut sehr wohl, durch zweckmaͤßige richtig berechnete Anstalten, diese und jene Luͤcke in der Gesellschaft auszufuͤllen, wie die Maurerei selbst eine große Luͤcke in allen menschlichen Anstalten ausfuͤllt. Als Mittel zu dem Zwecke des Br. A. war vor allem der Bau eines neuen Logen-Saa- les nothwendig, der an sich schon vieles fuͤr sich hatte, weil der bisherige ungesund und hinfaͤllig war. Der Br. Aurelius trug den Bauplan bei den Behoͤrden vor, und er ward, ohngeachtet der bittern Anmerkungen einiger Einzelnen, gebilligt, und die Ausfuͤhrung desselben beschlossen. Kaum war dies geschehen, so eroͤffneten sich ganz uner- wartete Aussichten zur gluͤcklichen Ausfuͤhrung jenes gesammten Planes. Ein Freund alles Guten und des Br. A. , dem dieser seinen großen, und in der That kuͤhnen Plan detaillirt mitgetheilt, und ihn zu gleichem Enthusiasmus dafuͤr hingerissen hatte, und der vom Gluͤcke beguͤnstigt, ein großes Herz fuͤr große Unternehmungen hatte, sicherte dem Br. A. die Summe von 2000 Thlr. zu, wenn er gewiß waͤre, daß er seinen voͤllig berechneten Plan unter diesen Maͤnnern ausfuͤhren koͤnnte, und deponirte diese Summe sogar unter den angezeig- ten Bedingungen. Allein dieser große Plan scheiterte schon bei sei- nem kleinen Anfange, dem Baue des Logen-Saales. Es war bei dem letztern (und bei diesem allein) auf freiwillige Beitraͤge der BB. gerechnet, und schon existirten sehr ansehnliche Unterzeichnungen; — aber einige fanden die Sache bedenklich, betrachteten sie sonach von allen Seiten, und — wie es denn geht, wenn man lange auf einen Fleck sieht, so verdun- keln sich die Augen, man sieht wohl allerhand flie- gende Punkte, die eine geschaͤftige Einbildungskraft oder der gute Wille fuͤr Gespenster ansieht; man theilt seine Betrachtungen gleichgestimmten Seelen mit, und — was zwei Augen nicht sehen, sehen vier oder sechs. Genug, man fand bald nicht nur die Sache, sondern sogar den Br. Aurelius hoͤchst bedenklich. Etwa drei oder fuͤnf BB., die ihre Entschlossenheit schon fruͤher bewaͤhrt hatten, und von denen einige sogar zu einem gewissen An- sehen gelangt waren, das sie in den letzteren Jah- ren dem Br. A. zu verdanken hatten, beschlossen, wahrscheinlich nur zu einer zeitkuͤrzenden Veraͤnde- rung, dem Br. A. den Krieg zu erklaͤren. Das Unternehmen war etwas schwierig; der Br. A. war der Vater und Stifter des ganzen Werks, mit Gluͤck hatte er die L. groß und glaͤnzend ge- U 2 macht, die BB. verehrten ihn fast allgemein; die auch seine Arbeiten nicht verstanden, schaͤtzten doch seine unermuͤdete Arbeitsamkeit und reine Uneigen- nuͤtzigkeit, man fuͤhlte doch allgemein, wenn man auch eben nicht dankbar seyn wollte, doch die abso- lute Schaͤndlichkeit der Undankbarkeit, und allein konnten jene Drei- oder Fuͤnf-Maͤnner doch nichts bedeutendes ausfuͤhren. Wie gesagt, die Sache war schwer, doch einem entschlossenen Gemuͤthe nicht unmoͤglich. Man berechnete eben die Folgen nicht weit hinaus, man versammlete sich, um mit vereintem Eifer den Gegenstand zu behandeln; die- ser erzaͤhlte seine Gedanken, jener seine Vermuthun- gen, ein dritter seine Beobachtungen, ein vierter diente der guten Sache mit Ausrufungen, ein fuͤnfter durch einige Schimpfreden — alle aber durch Mittheilungen an andere, die in der neuen Sache noch Neulinge waren. Man streute die wunderlichsten Insinuationen unter den Haufen der sich um das Ganze und das Innere wenig bekuͤmmernden BB. aus, beunruhigte diese durch bedenkliche Andeutungen, machte sie nach und nach mißtrauisch, sodann unzufrieden, endlich erbittert. — Man versuche es doch gegen den ersten besten, in irgend einer Verwaltung stehenden Mann, Ver- laͤumdungen auszustreuen, anfaͤnglich leicht hinge- worfen, sodann bestimmter wiederholt, und taͤglich erneuert, man aͤußere sie nach allen Seiten, so daß sie aus allen Ecken wieder zuruͤckkommen, und wir wollten den sehen, der nicht endlich denken sollte: Nun, so ganz unschuldig kann der Mann doch nicht seyn! alle Welt spricht ja gegen ihn! — Der Beste endlich denkt: Es ist schlimm, daß der Mann so verlaͤumdet wird, aber — die Menge ist gegen ihn! und endigt mit Stillschweigen nnd Achsel- zucken. Gewiß, es gehoͤrt nur Ein recht tuͤchtig kuͤhner Mensch dazu, und ein Jeder, auf den er verfaͤllt, ist in der Meinung des Haufens verloren, wenn er nicht die Macht in Haͤnden hat, sich die Achtung zu erzwingen. — Das Unternehmen, das wir oben ein schwieriges genannt haben, gewann einen fast unglaublichen Fortgang; aber die BB. die es gewagt hatten, sparten auch wirklich keine Muͤhe, ihre Behauptungen, Meinun- gen, Vermuthungen nicht in Vergessenheit gerathen zu lassen. — „Aber wurden denn die Beschuldi- gungen nicht, wie es Maͤnnern und Bruͤdern ziemt, ans Licht gezogen?“ Nein, man hoͤrte sie an, zuckte die Achseln, und sagte sie gelegentlich weiter. „War denn keiner dieser heimlichen Anklaͤger so ehrlich, oͤffentlich aufzutreten, den Br. A. anzuklagen, und zur Rechtfertigung aufzufordern?“ Nein, das ver- mied man mit der allergroͤßesten Sorgfalt. „Klagte denn Niemand die Verlaͤumder an?“ — Nein, nie- mand wollte die Delikatesse verletzen, und den, der ihm etwas anvertraut hatte, verrathen. „Wandte nicht sein Mitarbeiter seine ganze Kraft und Au- toritaͤt an, ihn zu unterstuͤtzen und zu schuͤtzen?“ Nein. „Erfuhr denn Br. A. nichts von alle dem?“ O ja, und seine Seele trauerte, sein Traum ver- schwand, sein Enthusiasmus war erstorben — denn er hatte mit unsichtbaren Feinden, und mit unhoͤr- baren Freunden zu thun. Er beschloß blos fest und unwiderruflich, sich zuruͤckzuziehen. Das erste was er that, war, daß er sich von der Theilnahme an dem projektirten Baue lossagte, dem Mitarbeiter seine ganze Gesinnung ent- deckte, gegen ihn sich ohngefaͤhr so aͤußerte: „Eine Gesellschaft, die sich der freiwilligen Dienste eines thaͤtigen Mannes bediene, die durch diese Dienste reele Vortheile erlangt habe, muͤsse ihren Arbeiter mit Nachdruck vertheidigen und nicht warten, bis er selbst seine Beleidiger anklagt, oder gegen muth- willige Verlaͤumder sich vertheidigt. Es sey der Wuͤrde der Bruͤderschaft ganz angemessen, Men- schen, wie N. N. N. N. N. , in die gebuͤhrenden Schranken mit Kraft und Nachdruck zuruͤck zu wei- sen, es sei aber gegen die Wuͤrde eines der ersten Beamten, solche Menschen anzuklagen, oder sich gegen sie zu vertheidigen. Thue die Gesellschaft nicht von selbst, was der Gerechtigkeit angemessen, und ihrer wuͤrdig sey, so muͤsse das Individuum auf seine eigene Huͤlfe bedacht seyn, und — da sey Zuruͤckziehung das gelindeste und seiner Wuͤrde angemessenste,“ und ihm zugleich anzeigte, daß er vorlaͤufig dieses Mittel gewaͤhlt habe, wobei er um seinen Schutz bat. Er fuhr damit fort, den 28. Maͤrz 1802, dem Collegium der Areopagiten seine Zuruͤckziehung von demselben, und die Niederlegung seines Areopagiten- Amtes zu erklaͤren. In dieser Erklaͤrung gab er schon bestimmt die Insinuationen an, die man gegen ihn gewagt hatte, so wie er drei BB. unter ihnen selbst nannte, die nicht nur heimliche Be- schuldigungen gegen ihn verbreiteten, sondern auch in dem Collegium selbst einen Ton einfuͤhren woll- ten, der seinem Ideale einer feineren, geselligen und maurerischen Bildung durchaus zuwider sey. Dieses leuchtete den Areopagiten so bestimmt ein, daß sie beschlossen, jene drei BB. um ihrer selbst willen zu ersuchen, den Versammlungen des Areo- pags eine Zeitlang nicht beizuwohnen. Ueber die- sen Beschluß, den der Br. Aurelius gar nicht erwartet hatte, geriethen jene BB. in einen hef- tigen Zorn, und da sie, wie einige meinten, diejeni- gen seyn sollten, von denen alle Bewegungen aus- gingen, sie auch durch den letztern Vorfall die erste bestimmte persoͤnliche Veranlassung zur Feindseelig- keit erhielten: so kann man leicht erachten, daß nun das Feuer, das bisher nur unter der Asche fortgeglimmt hatte, in eine lichte Lohe aufschlug. Natuͤrlich wurde die Schuld allein dem Br. A. gegeben; das, was nur Sache eines besondern innern Collegii war, wurde zur Sache aller nicht unterrichteten BB. gemacht; die erhitzten BB. sag- ten sich von allen Pflichten der Verschwiegenheit uͤber die Verhandlungen des Collegii los, und mach- ten ohne Unterschied einen jeden, der sie hoͤren wollte, zu Theilnehmern an ihrer Sache. Nun war die L. X. der Tummelplatz feind- seeliger, verheerender Leidenschaften. Mit Ruhe sah Br. A. diesem Toben des Sturmes zu, er glaubte sich sicher in der kleinen Huͤtte, die er sich durch seine Verdienste und seine Redlichkeit erbaut hatte, und hatte in Gedanken laͤngst von seinem Werke Abschied genommen; er trauerte nur dar- uͤber, daß Leidenschaften wuͤtheten, die unter Bruͤ- dern und Maurern unerhoͤrt seyn sollten. Ruhig wartete er auf zweierlei, entweder, daß irgend einer seiner Gegner, die mit so großer Kuͤhnheit heim- lich verbreitete Beschuldigungen oͤffentlich vortra- gen, und so seine Rechtfertigung veranlassen wuͤrde, oder daß einer seiner Freunde die heimlichen Ver- laͤumder oͤffentlich angreifen wuͤrde. Jene aber huͤteten sich vor nichts sorgfaͤltiger, als vor einer Anklage, blos aus dem kleinen Umstande, weil die L. X. das Gesetz hatte: daß die Strafe, die den Angeklagten getroffen haben wuͤrde, bei seiner er- wiesenen Unschuld auf das Haupt des Verlaͤum- ders zuruͤckfiele. Diese konnten die Verlaͤumder nicht anklagen, weil sie ihre Kinder der Finsterniß nicht greifen konnten. Es blieb nichts uͤbrig, als daß der Mitarbeiter und seine Gehuͤlfen sich des verdienten Mannes officiell annahmen, und seine Sache (wie sie es in der That war) zur Sache der Gr. L. machten, und sich etwa so erklaͤrten: Lieben Br.! Wir hoͤren von allerlei Beschuldigun- gen, die man unserm Mitarbeiter machen will, wir sehen die Unruhe, in welche ihr dadurch gerathen seyd. Wir sind dem Manne, dem wir unsere ruhmvolle Existenz verdanken, wohl das schuldig, was wir einem dienenden Br. nicht versagen wuͤr- den, — Gerechtigkeit. Wir koͤnnten unsern Na- men leicht in Schande bringen, wenn wir hier nicht mit aller Vorsicht und Weisheit verfahren, besonders da er stets in unserm Namen und unter unserer Sanction gehandelt hat. Darum stehet ab von heimlichen Reden, die so leicht den Ver- dacht der feigen Verlaͤumdung erwecken, und wenn jemand ist, der unsern Mitarbeiter anzuklagen hat, der bringe vor uns seine Beweise, und wir wer- den nach unsern Gesetzen verfahren. Sollte dies aber nicht geschehen, so werden wir nach Verlauf von vier Wochen erklaͤren, daß seine Ehre die unsere, und jede Verunglimpfung unsers Mitarbeiters, eine strafbare Verlaͤumdung sey. Aber das geschah nicht! im Gegentheil schien der Mitarbeiter, und einer der Gehuͤlfen, gar nicht an obwaltende Unruhen zu glauben, und sie fuͤr leere Gespenster zu halten. Auf einmal aber glaubten sie daran, und gaben dem Br. A. am 28. Aprill den freundschaftlichen Rath: „Er moͤchte seine Amtsthaͤtigkeit auf eine Zeit fistiren, bis die BB. sich von seiner Verwaltung eines bessern uͤberzeugt haben wuͤrden.“ Dieser Rath schien um deswillen ganz zweckmaͤßig, weil der Br. A. glaubte, sein Amt haͤtte die BB. bisher nur abge- halten, mit einer Klage gegen ihn aufzutreten, welche er unter diesen Umstaͤnden sehnlich wuͤnschte. Br. A. schrieb den 30. Aprill in Erfolg jenes Rathes an die Gr. L.: „wie die allgemein bekann- ten Kraͤnkungen und Verlaͤumdungen, die ihm nach einer sechsjaͤhrigen, nach seinen besten Kraͤf- ten und Einsichten geleisteten maurerischen Thaͤtig- keit, widerfahren seyen, die eben so allgemein be- kannte Gaͤhrung der gehaͤssigsten Leidenschaften, die ihren Frieden stoͤhre, und der Frei-Maurerei im allgemeinen, wie dem Logen-Bunde der Gr. L. X. ins besondere hoͤchst nachtheilig sey, ihn noͤthige, ihnen, so viel in seinen Kraͤften stehe, Frieden und sich Ruhe zu verschaffen. Er thue dies, indem er sich vom heutigen Tage an, von aller maurerischen Amtsthaͤtigkeit so lange los- sage, bis diejenigen BB., die sich bis jetzt blos durch heimliche Insinuationen gegenseitig erhitzt, und beunruhigt haben, auf dem gesetzlichen Wege ihre Klagen wider ihn bei seinen kompetenten Behoͤrden wuͤrden eingereicht, bis diese entweder uͤber ihn, oder seine Anklaͤger Gerechtigkeit wuͤr- den verhaͤngt, bis die durch Vorurtheile oder Insi- nuationen irre gefuͤhrten BB. sich von seiner bis- herigen Amtsverwaltung eines besseren wuͤrden uͤberzeugt haben.“ Diese bedingte Sistirung der Thaͤtigkeit leistete alles, was die Gr. L. und Br. A. wuͤnschen konn- ten. Nun konnte man ihn ohne Umstaͤnde ankla- gen, seine Gegner konnten zeigen, daß nicht ver- aͤchtliche Leidenschaften, sondern die Sorge fuͤr das Wohl der Loge sie triebe, man konnte die BB. viritim auffordern, sich bestimmt zu erklaͤren, es konnte sogar einer seiner Freunde die Verlaͤum- dungen sammlen, und sie als Anklagspunkte vor- tragen, um doch endlich nur Etwas zur Sprache zu bringen, und die Sache zur Ehre der Loge in die rechtlichen Wege einzuleiten. Aber es war, als wenn man eher alles, selbst das Aeußerste, als eine Klage anstellen oder angestellt wissen wollte. — Dem Mitarbeiter, der das obige Schreiben zuerst erhielt, gefiel die bedingte Sistirung der Thaͤtigkeit nicht, und er wuͤnschte eine unbedingte Nieder- legung der Aemter auf eine Zeit. Da es aber dem Br. A. vorzuͤglich um die Ehre der Gr. L. um die Moͤglichkeit seiner Rechtfertigung, und sodann um die Niederlegung seiner Aemter fuͤr alle Zeiten zu thun war: so konnte er diesen Wunsch nicht erfuͤllen, und er bestand auf der Bedingung der Anklage. Kurz vor der deshalb zu haltenden Versammlung, entschloß sich der Mit- arbeiter (wahrscheinlich in der Ueberzeugung von der Gerechtigkeit und Billigkeit der Sache) auf die Erfuͤllung dieser Bedingung oͤffentlich anzu- tragen. Nun kam der merkwuͤrdige, in den Annalen der Maurerei unvergeßliche Tag, des 7. Mai 1782., an welchem die L. X. entscheiden sollte, wie ihr zweiter Beamter, der Stifter ihres Systems, der Mann, der durch sechs Jahre seine Zeit und Kraft geopfert hatte, um sie im Innern und Aeußern zu befestigen, und zu einer unerwarteten und un- geahneten Hoͤhe zu fuͤhren, wie dieser Mann im Gegensatz einiger BB., die bisher nur heimliche Insinuationen, und noch keine einzige maͤnnliche, ehrliche Anklage gewagt hatten, behandelt werden solle; die ersten Beamten mußten hier entschieden sehen, welch ein Schicksal sie haben wuͤrden, wenn es irgend Einem oder Einigen einfiele, auch gegen sie durch Insinuationen aufzutreten; alle BB. mußten mit gespannter Empfindung erwarten, wie die Loge gegen den Urheber alles dessen, was von Anfang bis ans Ende in ihr gesprochen und ge- handelt wurde, und den sie mit Achtung anzusehen gewohnt waren, verfahren wuͤrde. Was konnte ihnen interessanter seyn, als zu wissen, wie die Regierung ihrer maurerischen und Verfassungs- Angelegenheiten, Von Geld-Angelegenheiten war uͤberall nicht die Rede, denn Br. A. hat nie eine Kasse verwaltet. Und doch hatte man, jedoch nur auswaͤrts , wo man die Verhaͤltnisse eben nicht kannte, bruͤderlich ausgestreut, Br. A. habe aus der Logen-Kasse an 3000 Thlr. in seinen Nutzen verwandt. Wie gluͤck- lich waͤre die Loge, wenn ihr eine solche Summe zu stehlen nur moͤglich waͤre! — Aber, wie gesagt, Br. A. hat in die Kassen wohl richtig gezahlt , aber nie eine derselben unter den Haͤnden gehabt. bisher verwaltet worden waͤre, ob es mit der geruͤhmten Ehrlichkeit und Kollegialitaͤt der Verwalter, seine Richtigkeit habe, oder ob es doch, trotz der vor Augen liegenden Verfassung, moͤglich sey, daß Einer nach Willkuͤhr verfahren koͤnne. — Das alles mußte an diesem Tage theils durch die Art, wie die Sache des Br. A. verhandelt wurde, theils durch den ein- geleiteten Prozeß gegen ihn entschieden werden. — Sie wurde fuͤr immer entschieden! Nach der Vorlesung des Schreibens vom Br. A. vom 30. Aprill, erklaͤrte unmittelbar der Mitarbei- ter: Wenn die Gr. L. den Br. Aurelius bei- zubehalten wuͤnschte, so wuͤrde er sein Amt nie- derlegen, aus Gruͤnden, die er seinem Gehuͤlfen mitgetheilt haͤtte. Er waͤre auch bereit diese Gruͤnde oͤffentlich vorzutragen, truͤge aber darauf an, lie- ber jetzt schon die Resignation (!) des Br . A. anzunehmen, und ihm fuͤr seine geleisteten ersprieß- lichen Dienste zu danken, alsdann es nicht noͤthig seyn wuͤrde, die Gruͤnde anzugeben, die ihn zu dem festen Entschlusse gebracht haͤtten, nicht laͤnger gemeinschaftlich mit Br. A. der Gr. L. zu prae- sidiren.“ — — — — — — Wir haben Nichts zur Erklaͤrung dieses Evenements. Wem es wie ein Schlag aus dem blauen Himmel erscheint, den muͤssen wir bei sei- nem Erstaunen lassen. Am 9. Mai gab Br. A. seine unbedingte Resi- gnation von allen Logen-Aemtern. Am 4. Junius legte ein Repraͤsentant eine Pro- testation gegen die aufgestellte alle Stimmenfrei- heit niederschlagende Alternative ein, und verlangte, daß alles in Integrum restituirt werde, wie es vor derselben war, daß sodann, wenn sich rechtliche Klagen faͤnden, der Br. A. mit der Verantwor- tung gehoͤrt werde, — worauf aber nicht geachtet wurde, und der Mitarbeiter sowohl, als sein Ge- huͤlfe Aufsaͤtze vorlasen, auf die mehr geachtet wurde. Die meisten auswaͤrtigen LL. (welche die mei- sten Stimmen in der Gr. L. ausmachten) sandten sehr nachdruͤckliche Mißbilligungen des Verfahrens gegen den Br. A. ein, reclamirten ihre Stimmenfreiheit, und forderten Restitutionem caussae in integrum. Diese konnten nehmlich die ganze Angelegenheit allein richtig betrachten, da sie an den Leidenschaften, die unter den Local BB. der L. X. herrschten, keinen Theil nahmen, der Br. A. aber in seinem Amte dem ganzen Bunde angehoͤrte. — Der Mitarbeiter aber erklaͤrte, daß er sein Amt niederlegen wuͤrde, wenn man diese ungeziemenden Redensarten nicht mit dem gebuͤh- renden Ernste zuruͤckwiese. — Er selbst nahm die erste Alternative zuruͤck und widerrief sie, allein die Wirkung derselben ward nicht zuruͤckgenommen, die Gruͤnde, warum er nicht der Mitarbeiter des Br. A. seyn wollte, wurden diesem nicht mitge- theilt, vielmehr ihm alle Gelegenheit zu einer Rechtfertigung abgeschnitten. Da es so weit gediehen war, so erbarmte sich der B. Meister — t des Br. A. und lies ihm die Wohlthat einer kleinen Anklage zukommen, daß er nehmlich an einem fremden Orte einen Mann empfohlen haͤtte, gegen den an dem Orte der Loge X. eine Kabale gemacht worden waͤre, und dieses auch eine Kabale genannt haͤtte. Dieses nahm denn der andere Gehuͤlfe vor, und machte vorerst aus: daß der Br. A. entlassen werden muͤsse; wobei der Repraͤsentant einer protestirenden L. den Ausschlag gab; sodann, da ein anderer von Mittheilung der Klage an den Br. A. sprach, so ward diese zwar zugegeben, jedoch zugleich fest- gesetzt, daß es bei der beschlossenen Entlassung sein Bewenden haben muͤsse. Der Br. A. eilte, seine voͤllige Entlassung ab- zugeben. Dieß ist ein kurzes Skelett der Parallel-Ge- schichte. Wir haben ihr nichts hinzuzusetzen; man wird bei naͤherer Betrachtung die Aehnlichkeiten, und die Unterschiede zwischen den Begebenheiten der BB. v. Knigge und Aurelius von selbst finden, wozu die Ansicht des obenangefuͤhrten Vergleichs zwischen dem Illuminaten-Orden, und Br. Knigge in der Kuͤrze am fruchtbarsten seyn moͤchte. Moͤchten doch die guten Maͤnner, die in die Versuchung kommen, fuͤr einen O. oder eine Cor- poration zu arbeiten, ehe sie sich der Hoffnung der Gerechtigkeit, der Wirksamkeit, der Anerkennung des Verdienstes, ich will nicht sagen, der Dank- barkeit hingeben, Gelegenheit haben, diese Parallel- Geschichte zu wiederholten malen mit allem Ernste zu lesen! — Uebrigens erklaͤren wir zum Schluß, daß die zweite Geschichte hier sehr unvollstaͤndig, und nur in einer Skizze, jedoch mit vollkommner Achtung fuͤr Wahrheit vorgetragen worden ist. Die BB. aber werden noch eine Geschichte der Art lesen, die mit der hoͤchsten Vollstaͤndigkeit, Genauigkeit und Wahrheitsliebe erzaͤhlt seyn, und welche Br. Feßler unter dem Titel: Ernste Ruͤckblicke auf die Jahre meiner Logen-Thaͤtigkeit, als den zwei- ten Theil seiner saͤmmtlichen maurerischen Schrif- ten, und als ein unvergaͤngliches Aktenstuͤck zur Geschichte der Bruͤderschaft, herausgeben wird. VII. VII. Ueber den Ursprung der Freimaurer und Rosenkreuzer. Anmerkungen, uͤber den vom Herrn Professor Buhle unterm 27. und 31. Januar, v. J. im 8. und 9. Blatte der Hamburger Adreß- Comtoir-Nachrichten bekannt gemachten Ur- sprung derselben. von dem Br. v. Bioͤrn . Zweites Baͤndch. X Ueber den Ursprung der Frei-Maurer und Rosenkreuzer. Anmerkungen, uͤber den vom Herrn Professor Buhle zu Goͤttingen unterm 27. und 31. Januar v. J. im 8. und 9. Blatte, der Hamburger Adreß- Comptoir-Nachrichten bekannt gemachten Ur- sprung derselben. W enn jemand einen geheimen Ordens-Ursprung bekannt machen will, so darf er unmoͤglich seine Zuflucht zu oͤffentlichen Bibliotheken, sondern einzig zu geheimen Ordens-Manuscript-Sammlungen nehmen; denn die Erfahrung lehrt uns ja taͤglich, daß Jahrhunderte hindurch, weder die Gewalt tyrannischer Fuͤrsten, noch der angestrengteste For- schungs-Geist gelehrter Profanen, ja selbst nicht der Verrath von Bruͤdern niederer Grade, ver- moͤgend gewesen ist, ihn ans Licht zu bringen. Aber sowohl bei dem Orden der Frei-Maurer als der Rosenkreuzer, (deren jeder ein Orden fuͤr sich, und keiner von dem andern entsprungen ist, ob X 2 man gleich durch den letzten Grad des Erstern — zu dem ersten Grad des Letztern uͤbergehen kann) sind diese Manuscripte wieder so sehr in allegorische Sinnbilder, Hieroglyphen und Mysterien verhuͤllt, daß kein gelehrter Profan das mindeste errathen kann und soll, ja nicht einmal ein Bruder des Ordens, der noch unter Bildung steht, d. i. der sich noch in den niederen Graden befindet, ist dazu im Stande, sondern nur einzig der, welcher durch die hoͤheren Grade den geheimen Ordens- Schluͤssel, quae claudit Aperientem, et aperit Claudentem, erhalten, den goldenen Ordens-Kno- ten aufzuloͤsen im Stande ist, und den Perfect- Grad erreicht hat, weswegen wir heut zu Tage nicht nur so manche Gelehrte sehen, die sich mit leeren Meinungen den Kopf zerbrechen, sondern auch einzelne Ordens-Bruͤder, ja wohl gar zuwei- len hohe Logen-Beamten, die wegen Abweichungen vom aͤchten Ritual des Ordens Vollkommenheit nie erreicht haben, wie es uns leider diese und jene oͤffentliche Streitschriften beweisen. Was das Alter des Frei-Maurer-Ordens be- trifft, so sagt uns die Geschichte, daß schon im vierzehnten Jahrhundert auf den Grund einer alten moralischen Wissenschafts-Societaͤt der noch jetzt bluͤhende St. Andreas -Orden, (?) die eigent- liche wahre Frei-Maurerei, (?) gestiftet, theils aus politischen, theils aus andern Ruͤcksichten mit dem damals in Verfall gerathenen Architecten -Or- den verbunden, und nachher vom Schottischen Koͤ- nig David Stuart zu einem koͤniglichen Or- den gemacht wurde, und die erste Zusammenkunft oder Loge dieses Ordens, ward den 21. Maͤrz 1314. auf einem koͤniglichen Schlosse, unter dem Namen Kilwing gehalten, der Orden selbst bald darauf mit Enthusiasmus in allen brittischen Laͤndern aus- gebreitet, und der Bischoff von Exeter, Walter, Stapleton zu York ( Grandmaster for the Architect-Order ) nicht allein mit diesem Orden beehrt, sondern auch zum Schottischen Provinzial- Groß-Meister erwaͤhlt. Von Ihm wurde Anno 1327. der englische Koͤnig Edward III. , nebst vielen andern bedeutenden Maͤnnern in der Yorker- Loge in diesen Koͤniglichen Orden aufgenommen. Der St. Johannis Frei-Maurer-Orden, der eigentlich nur aus zwey Graden besteht, (?) wurde erst spaͤter in England fundirt, und dem St. Andreas -Orden einverleibt, theils um die wuͤrdig- sten Mitglieder besser auswaͤhlen zu koͤnnen, theils aus andern Gruͤnden, welche uns die geheime Ordens-Chronik naͤher lehrt. In England wurden nun zwar hernach beim Ausbruch der ungluͤckseeligen Kriege mit Schott- land unter Minderjaͤhrigkeit der Thron-Erben, und also unter der Regentschaft von Koͤniginnen, welchen dergleichen geheime Gesellschaften aus politischen Gruͤnden mißfielen, nach einer Parliaments-Acte de dato Westmuͤnster den 17. November 1423., und einer andern von Heinrich VI. A. D. 1425. die Versammlungen oder Zusammenkuͤnfte der Frei-Maurer unter harter Strafe verboten; allein dadurch litt der Orden nicht die geringste, Stoͤhrung, denn die Bruͤder versammelten sich in London nach wie vor, nur immer unter anderen Namen, als: Nivelleurs, Noachiten, Phila- lethen ꝛc. (?) so, daß ihnen die Polizei nie etwas anhaben konnte. Besonders aber außerhalb Lon- don, nahm die Ordens-Verbruͤderung auf diese Parliaments-Acte gar keine Ruͤcksicht, jedes Haupt einer Provinz sicherte den Bruͤdern Schutz zu, und ich will nur das Eine Beispiel anfuͤhren, daß der Erzbischoff Henry Chicherley von Canterbury sich der dortigen Loge unter dem Vorsitze von Sir Thomas Stapylton ganz besonders annahm, wie es das lateinische Manuscript des Priors William Molart unter dem Titel: „ Liberatio generalis Domini Guilelmi Prioris Ecclesiae Christi Cantuariensis erga fastum. Notatus A. Domini 1429.“ hinlaͤnglich beweißt, welches denn auch Ursach war, daß darauf Koͤnig Heinrich VI. eigenhaͤndig mehrere Fragen uͤber die Frei-Maurerei aufsetzte, die noch heutiges Tages in dem Archive der Bod- leyanischen Bibliothek in Manuscript vorhanden, und Ihm so von dem Orden beantwortet worden sind, daß Er nicht allein Hochachtung fuͤr denselben empfand, sondern sich auch selbst Anno Dom. 1442 zum Frei- Maurer aufnehmen ließ, woruͤber uns der bekannte Locke in seinem Briefe an den Grasen von Pem- broke naͤhere Nachricht ertheilt. In Hinsicht des Namens: Frei-Maurer giebt die geheime Or- dens-Chronik zur Gnuͤge davon weitere Nachricht. Aber auch der erwaͤhnte St. Andreas -Or- den ist nur eine Grundlage oder ein Vorhof, zu einem noch hoͤhern, und 300 Jahr aͤltern Orden, uͤber welchen hier leicht ausfuͤhrlicher gesprochen werden koͤnnte, wenn nicht grade dieß ein vorzuͤg- liches Ordens-Geheimniß bleiben sollte ; und wer kann denn also widerlegen, ob sich dieser letz- tere nicht auf einen noch aͤltern gruͤndet! — In Hellyots ausfuͤhrlicher Geschichte aller Kloͤster und Ritter-Orden sehen wir einen Haufen dergleichen Orden vom 11. Jahrhundert an, ja wir finden sie selbst, ohne einmal auf den alten egyptischen Priester-Orden Ruͤcksicht zu nehmen, schon in den ersten Jahrhunderten vor , als nach Christi Geburt, und wenn wir ferner bedenken, daß Frei-Maurer durch ihre Erkennungszeichen sich gleich mit den Laazer-Secten in China, mit den Gauren in Persien und Indien, und mit den Peripatetikern, oder sogenannten Marabuten in Marocco und Afrika, ohne ein einzig Wort von der Landessprache zu verstehen, bekannt machen koͤnnen, daß ferner nach der Behauptung englischer Geschichtschreiber, die alten Druiden dieselben Zeichen und Merkmale besaßen, so kann es unmoͤglich noch eine Frage seyn, ob die Entstehung des Frei-Mau- rer-Ordens aͤlter ist, als das sechzehnte, siebzehnte oder achtzehnte Jahrhundert. In Hinsicht der Rosenkreuzer, deren eigentlichen Namen ich hier nicht nennen will, so ist dieß ein eben so geheimer, wo nicht noch geheimerer Orden als der der Frei-Maurer. Der gelehrteste Profan ist also auch hier nicht im Stande das mindeste zu entdecken, oder nur zu errathen, und alle die gedruckten Buͤcher, die der Herr Pro- fessor Buhle zu seinen Beweisen daruͤber anfuͤhrt, sind daher offenbar vorwitzige Ideenschriften. (!) Es kann allerdings unter den Rosenkreuzern, wie unter den Frei-Maurern aͤchte und falsche geben, und es ist moͤglich, daß auch der Moͤnch Christian Rosenkreuz, — Jacob Boͤhme , und der Theologe und Praͤlat im Wuͤrtembergischen, Doctor J. V. Andreaͤ Ordens-Eingeweihte waren, aber ob sie aͤchte Ordens-Bruͤder gewesen? ob sie das vollkommne Ziel des Ordens erreicht? und ob sie, wenn dieß der Fall ist, von ihren Ordens-Geheimnissen wirklich Mißbrauch gemacht haben? Dieß sind die Fragen, deren Beantwortung aus der Ursprungs-Angabe des Ordens, vom Herrn Professor Buhle wenigstens ganz und gar nicht erhellet. Die Geschichte lehrt uns hinlaͤnglich, daß viele Griechen, die egyptische Schuͤler waren, in ihrem Vaterlande mehrere geheime Verbruͤderungen, die wir Logen nennen koͤnnen, stifteten, in welchen wieder tausende von Italiaͤnern das Licht erhielten, wovon ich jedoch nur einzig den roͤmischen Kaiser Augustus anfuͤhren will, welcher nach Athen reiste, und von dem großen Eleusinischen Ober- meister Hadrian in den Weisheits- oder Wissen- schaftsorden, (der im Griechischen τελετη und im Roͤmischen Initia hieß) eingeweihet wurde. Aus diesen griechisch-roͤmischen Schulen ent- standen hernach wieder die groͤßten Maͤnner, wovon wir weiter unten nur einige anfuͤhren wollen, und dieser Orden ist es, welchen Orpheus, Plato, Cicero und Plutarch so hoch geschaͤtzt, geruͤhmt, ja besungen haben, welches uns also einen Beweis giebt, daß er von dem entferntesten Alter herstammt, und stets fuͤr Hochheilig gehalten wurde. Ein mehreres hieruͤber lehrt uns Sueton C. XXV. und Diogenes Laertius 9 Buch 3 bis 9. und Maximi Tyrii Dissert. Vorzuͤglich aber erfahren wir durch die geheime Ordens-Geschichte, daß anno mundi 3101 meh- rere weise Griechen sich im Toskanischen nieder- ließen, und eine theoretische und practische Ver- bruͤderung ausmachten. Ihre theoretische Haupt- loge soll zu Monté Senario, (Berg Senar auch Mons sani aeris genannt), und ihre practische Werkstellen in den Hetrurischen Gebirgshoͤhlen gewesen seyn; und diesen alten Orden sollen spaͤter- hin, etwa um das Jahr 1000 nach Christo , sieben Kaufleute aus der geheimen Bruͤderschaft: de Laudesi zu Florenz genannt , wieder erneuert, und deshalb auf den Truͤmmern jenes alten Schlosses zu Monté Senario, wieder eine Kirche nebst mehreren Wohnungen aufgebauet haben, woraus jetzt ein Benedictiner-Kloster ent- standen seyn soll. Aus dieser Verbruͤderung sind besonders beruͤhmt: Buschotto, Il Buano, Iphicrato, Biasco, Beroaldo, Agrippa von Netterheim, Bischof Albrecht von Regensburg, Peter von Apone, Roger Baco, Thomas Burgey und tausend andere, die alle große Meister der Magie, Astro- logie, Alchymie, Mathematik, Mechanik und Physik waren. Schon anno Christi 284. nahm der heidnische Kaiser Diocletian diesen Orden in Protection, durch welchen in Italien alle Kuͤnste und Wissenschaften so sehr emporgehoben wurden, daß die toskanische Bauart die fuͤnfte in der Rang- ordnung wurde, und dieser Orden war es auch, welcher anno Christi 722. denen bedraͤngten und verfolgten Christen, unter dem gothischen Prinzen Pelagius , einen sichern Zufluchtsort in seinen Gebirgshoͤhlen gab, wodurch die Glieder desselben so sehr zahlreich wurden, daß sie sich auch in die Asturischen und Pyrenaͤischen Gebirge ausbreiteten, wornach sie sich mit den Galliciern und Castiliern verbanden, und durch ihre Macht nicht nur das Koͤnigreich Leon, sondern auch das Koͤnigreich Suprarbien stifteten. Selbst der fraͤnkische Koͤnig Carl Martel , suchte anno Christi 741. viele gelehrte Griechen zu gewinnen, und der englische Koͤnig Athelstan zog anno Christi 925. eine Menge von ihnen nach England, wodurch bald darauf in York eine der ersten Bibliotheken aller Weltlaͤnder fuͤr die Architectur ꝛc. entstand. — Einer von den Bruͤdern dieses geheimen Philo- sophen-Ordens, nehmlich Philipp Benizzi , verbesserte spaͤterhin denselben zwar in seiner Reli- gions-Verfassung, aber nicht in den Wissenschaften, und nachdem er anno Christi 1233. das fuͤnfte Haupt desselben ward, legte man denen Bruͤdern den Namen: Serven, Serviten, Annon- ciaden , auch Diener der heiligen Jungfrau bey, woruͤber Helyot Th. 3. pag. 353. ꝛc. in etwas, das geheime Ordens-Archiv aber, besonders hin- laͤngliche Nachricht giebt. — So finden wir also durch die ganze christliche Zeitrechnung die geheime Existenz dieses Philosophen-Ordens, aus dem von Zeit zu Zeit die groͤßten Maͤnner der Welt hervor- traten, wovon wir nur folgende wenige bemerken wollen: Anno Christi 1090 — Petrus Lombardus von Navarra aus dem Maylaͤndischen gebuͤr- tig, welcher anno 1140. zum Bischof von Paris erwaͤhlt wurde. Sein geheimer Philosophen-Name (!) war: Magister Sententiarum . — — 1150 — Joachim Calaber , ein außerordentlich großer Gelehrter, der anno 1190. wider den Willen des Pabstes, von der Gemeine zu Calabrien zum Abt erwaͤhlt wurde. — — 1200 — Alexander ab Ales , ein gebohrner Englaͤnder, welcher wegen seiner großen Gelehrsamkeit zu Paris zum Professor der Theologie erwaͤhlt wurde. Sein geheimer (!) Name unter den Bruͤ- dern war: Doctor Irrefragabilis . Anno Christi 1240 — Joannes Bonaven- tura aus dem Toskanischen gebuͤrtig. Er wurde anno 1250. zum Cardinal und Bischof von Albano erwaͤhlt, sein geheimer Philosophen-Name (!) war: Doctor Seraphicus . — — 1244 — Thomas Aquino aus dem Neapolitanischen gebuͤrtig, sein geheimer Philosophen-Name (!) war: Doctor An- gelicus . und so tausend andere. Bei dieser allgemein ver- breiteten Gelehrsamkeit konnte es nicht fehlen, daß man auf den Einfall kam, oͤffentliche gemeinnuͤtzige Schulen zu errichten. Dieß geschah auch wirklich, und der Churfuͤrst und Pfalzgraf Rupertus Rufus stiftete die erste anno 1346. zu Heidelberg. Er war ebenfalls ein Eingeweihter jenes Ordens. Die zweite hohe Schule wurde nicht lange darnach anno 1361. von den Erzherzoͤgen von Oestreich, Gebruͤdern Rudolph und Albrecht , die auch geheime Ordens-Bruͤder waren, zu Wien gestiftet, u. s. w. Winkelmann, Coelestinus, Wil - kius, Valentin Andreaͤ , und andere beruͤhren etwas mehr uͤber die aͤltern Lehrschulen, deren oͤffentliche Errichtung zur Folge hatte, daß jener geheime Philosophen-Orden bis anno 1600. gleichsam still lag. Jetzt aber traten die Schuͤler von Roger Baco in England mit Enthusiasmus fuͤr ihren Orden auf, so wie zu gleicher Zeit in Ober-Deutschland 24, und anno 1612. in Nieder- Deutschland und Norden andere 24 Logen gestiftet wurden, die um so mehr bekannt sind, da sie im achtzehnten Jahrhundert von toleranten und Wissenschafts-liebenden Fuͤrsten, oͤffentlich unter Protection genommen wurden, und in mehreren Kalendern specificirt stehen. Daß also nach der Behauptung des Herrn Professor Buhle waͤhrend des siebzehnten Jahrhunderts keine Loge vorhanden gewesen, ist falsch, und daß Cartes anno 1620. keine Rosenkreuzer-Gesellschaft antreffen konnte, ist eben so natuͤrlich gewiß, als er noch den heutigen Tag keine Frei-Maurer-Gesellschaft , sondern nur uͤberall einzelne Bruͤder , von denen es in Deutschland allein gegen die 50000 giebt, antreffen wird. Daß der Orden sich ruͤhmt, mehr Gold und Schaͤtze zu besitzen, als die ganze oͤffentliche Welt geben kann, duͤrfte eine heilige Wahrheit seyn, denn ihr Symbol war und ist: Si Christum discis, nihil est, si caetera nescis; et Si Christum nescis, nihil est, si caetera discis. Da ich uͤbrigens willens bin, naͤchstens ein Werk uͤber die Frei-Maurerei, mit allen ihren Statuten, Gesetzen, Acten, Ritualien, Urkunden, und der moͤglichst vollstaͤndigsten Ordens-Chronik theils oͤffentlich, theils als Manuscript fuͤr Bruͤder im Druck herauszugeben, so will ich jetzt mit Vor- stehendem schließen. Dieses hier angedeutete Werk soll aus 6 Baͤn- den in Quart bestehen, und vorzuͤglich folgendes ent- halten: 1) die vollstaͤndigste Ordens-Chronik der Frei- Maurer, 2) die Statuten vor 1314. und von 1717. ꝛc. nebst mehreren, die St. Joh . und St. Andreas L. betreffend, 3) Von Oekonomie-Tafel-Trauer LL., den alten Katechismus, L. Bibliothek und Verzeichniß 4) 12 Reden und eine Geschichte des T. H. O. 5) Rituale der 10 (!) Gr. des Frei-Maurer-Ordens, und vollstaͤndigen Schluͤssel aller Hieroglyphen (blos fuͤr BB.) 6) die zu dem ganzen Werk gehoͤrigen Kupfer. Daß der Hr. Herausgeber seine eigene Ansichten hat, sieht man schon aus dem hier mitge- theilten Aufsatze; doch wuͤrde das Werk, wegen der Aktenstuͤcke aus dem Clermontischen Collegio zu Paris, „uͤber den im J. 1314. (!) in Schottland ge- stifteten St. Andreas oder jetzigen Frei-Maurer- Orden (!), welche der im J. 1685. nach Frankreich gefluͤchtete Jacob II. hier hinterlies,“ die der Herausg- kaͤuflich an sich gebracht haben, und hier abdrucken lassen will, fuͤr jedes Logen-Archiv von Wichtigkeit seyn. Es waͤre in historischer Ruͤcksicht wohl zu wuͤnschen, daß die Unternehmung zu Stande kaͤme, und durch Subscription (von 6 — 7 Thlr. fuͤr den Band, nebst 2 Louisd’or fuͤr die Kupfer) befoͤrdert wuͤrde. Der Verf. versendet eine ausfuͤhrliche gedruckte Ankuͤndigung. d. H. Lübeck den 15. März 1803. v. Biörn . VIII. Maurerische Literatur . 1) Taschenbuch fuͤr Frei-Maurer. Koͤthen, 1803. 2) Moralischer Taschenspiegel. 1. D as Taschenbuch fuͤr Frei-Maurer auf das Jahr 1803. Koͤthen bei Aue ist erschie- nen, und wir halten es fuͤr unsere Pflicht, uͤber dieses, bis zum sechsten Bande gediehene, und in der Maurerwelt ziemlich allgemein bekannte Werk, einige Worte zu sagen. Der Inhalt des vorher- gehenden Jahrgangs war groͤßtentheils entlehnt, und gab ohne, ja gegen den Willen ihres Verf., Worte des Br. Feßler ; dieser enthaͤlt fast lauter Aufsaͤtze des wuͤrdigen Herausgebers, die von seinem gegenwaͤrtigen Standpunkt in der Maurerei zeugen. Der Roman: Bruchstuͤcke aus Franz Hell ’s maurerischem Leben ist beendigt. Nach einer naͤhe- ren Exposition der Seelwerthschen Schule in der Maurerei (wie er sie nennt), wobei zugleich die Geschichte Dornfelds , der durch die Maure- rei verfuͤhrt, und wieder gebessert wurde, so wie die Abweisung eines braven Israeliten eingeschaltet wird, geht Hell endlich den letzten Aufschluͤssen durch Br. S **** in der Residenz entgegen. Dieser fuͤhrt ihn dann auf den Gipfel des Berges, und er ruft S. 96. aus: „Sei mir dreimal gesegnet, Du Hehre in reinerem Lichte, ich verehre Dich, wo mein Geist reine erhabene Offenbarungen faßt, Zweites Baͤndch. Y aber ich ehre auch da Deine Weisheit, wo ich noch nicht ihre Tiefen zu ergruͤnden vermag.“ ꝛc. und schaut von diesem Gipfel nun belehrend auf alle seine Verirrungen zuruͤck. — Was nun unser Hell , bei dem es uͤbrigens noch nicht gaͤnzlich hell zu seyn scheint, gefunden hat, sagt er uns natuͤrlich nicht, und in sofern endigt sich dieser Maurer Ro- man, wie alle uͤbrigen. Unschuldiger ist er auch als z. B. St. Nicaise, denn er fuͤhrt uns am Ende, wo die sonnigte Hoͤhe glaͤnzt, nicht in ein Kloster, sondern in die — Logen , und zu einem erleuchteten. Bruder. Sein Rath ist der: Licht- begieriger Bruder! halte Dich an die Rituale und sogenannten Akten, wie sie sind, kuͤmmere Dich nicht um Buͤcher, und die Nebenwege die Dich Einzelne, angeblich erleuchtete BB. fuͤhren wollen, besuche die LL. fleißig, gieb wohl auf alles acht und — Dein Glaube wird belohnt werden! — Wer kennt nicht diese Sprache, und das System, welches sie in seinen Stellvertretern fuͤhrt? und wer wird nicht mit uns uͤberrascht seyn, sie in dem Munde des denkenden und achtungswerthen Ver- fassers wieder zu finden? Wohl moͤchte er Recht und Fug haben, so zu rathen, wenn vorerst, ohne Ruͤcksicht auf ein neues oder altes System , ausgemacht waͤre, was reine wahre Maurerei ist, wohl moͤchte er dann dem Suchenden rathen, daran und nur daran halte Dich, und Du wirst wissen und im Innern fuͤhlen , was Maurerei ist, und damit Du in Deinem Wissen und Glauben gestaͤrkt werdest, so lies, wo Du kannst und darfst, was die einfache und erhabene Sache fuͤr unverdiente Schicksale erfuhr. — Aber durch obigen Rath ist nichts gewonnen. Ihn lesen Bruͤder aller Sekten und Systeme. „Also in meiner L. werd’ ichs finden,“ sagt dieser. „In meiner Loge ists zu suchen,“ sagt jener: „Nun will ich in meiner L. recht aufmerksam seyn!“ sagt der dritte, und so der hun- dertste, und alle hoͤren Etwas, nach Maasgabe der Systeme, und der zeitigen Wortfuͤhrer Ver- schiedenes. Wer hoͤrt nun das Rechte? wer trift wenigstens das Leitende? — O guter Hell , Du wirst tuͤchtige und gerechte Systemmaͤnner bilden, Maurer nicht ; und nach Dir, wie vor Dir, werden tausende uͤber dem glaͤubigen Betrachten der Worte der Akten hinsterben, und fuͤr einen ellen Blick in die Mysterien der ehrwuͤrdigen Kunst auf immer verdorben seyn. Stelle Dir vor, ein Juͤngling kaͤme zu Dir, und baͤte Dich um Unterricht in der Mythologie, um Aufschluß z. B. uͤber die Fabel des Jupiter. Du reichtest ihm gefaͤllig aus Deiner Bibliothek den Apollodor, oder den Damm, den Ramler, den Moritz oder Irgend einen der Mythographen. „Lies und studiere!“ sagst Du. Der Juͤngling studirt mit der hoͤchsten Anstrengung. Nach einiger Zeit kommt er zuruͤck, und sagt mit kindlicher Aufrichtigkeit: Ich weiß freilich eine Menge Fabeln vom Jupiter, ich kann sie hersagen, aber ich verstehe sie nicht, es ist darinn keine Einheit, kein Zusammenhang, kein Geist; ich bin an Worten und einigen Ge- schichten, nicht an Ideen reicher geworden, und vom Jupiter weiß ich in der That Nichts. Der Jupiter des einen ist nicht der des andern, Homer hat einen der zu dem der dorischen und aeolischen Dichter nicht paßt, und so geht es fort, die eine Fabel verwirrt die andere, und zuletzt kehren sie in ein Chaos zuruͤck. „Du hast noch nicht den gehoͤ- rigen Blick, antwortest Du, wenn dieser Dir kommt, so wird Dir alles aufgethan seyn!“ — Der Juͤng- ling studirt aufs neue, und sinnt unablaͤssig, und strengt seinen Verstand und seine Phantasie an, um Einheit in die Verwirrung zu bringen. End- lich uͤberrascht er Dich mit seiner gluͤcklichen und scharfsinnigen Entdeckung, und Du — wenn Du die Mythologie kennst — bist erstaunt, nicht einen wahren Gedanken in ihr zu finden . Laß ihn das Geschaͤft fortsetzen, Hell ! wenn Du grausam genug dazu bist, und Du wirst immer den gleichen Erfolg sehen, denn Du kannst selbst nichts anders . Endlich fuͤhrt das Gluͤck den Armen zu einem besseren Lehrer, oder auch Du selbst, wenn Du es kannst, wirst dieser bessere Lehrer und sprichst: Die Fabeln vom Jupiter, die Du nun von den Mythologen gelernt hast, sind nicht zu einer Zeit und an einem Orte entstanden . Die aͤlteste einfache Mythe, die wir kennen ist die, z. B. die ionische; diese ist vermehrt worden durch voͤllig ungleichartige, z. B. die cretensischen, und veraͤndert in spaͤteren Zeiten durch die lyrischen, dramatischen u. a. Dichter nach ihrem besonderen Zweck . Jupiter ist ein Collectiv-Name, der eine Menge Jupiters bezeichnet, die nur das gemein haben, daß sie den hoͤchsten der neuen Goͤtter-Familie bezeichnen. Darum trenne das Spaͤtere von dem Fruͤheren, das Fremde von dem Einheimischen, und loͤse das anscheinende Ganze, welches ein formloses, unzusam- menhaͤngendes Wesen ist, mit Huͤlfe einer verstaͤndigen kritischen Scheidekunst auf . Lies sodann mit dem wahren Blick die Alten selbst, und Du wirst die Mythen besser verstehen lernen, als aus irgend einer Fabellehre. Die Anwendung von dieser Vergleichung, wird der Kenner leicht zu machen wissen, so wie er die Wahrheit dieser Winke laͤngst erkannt hat. — Auch der Br. S. macht nichts gut, der hier an der Spitze der hoͤchsten Aufschluͤsse steht, denn nach allen Anzeigen fuͤhrt er den guten Franz Hell doch wohl den hoͤheren Graden zu, und macht ihn hoͤchstens zum J. V. — Dieses Heil aber kennen die Leser der Eleusinien schon etwas naͤher. Sehr gut ist die, nur etwas zu weitlaͤuftige und trockne Abhandlung: Ueber die Beschuldigungen, die dem Frei-Maurer-Orden in den neuesten Zeiten ge- macht worden sind, in Beziehung auf den von der Bata- vischen Bruͤderschaft deshalb ausgesetzen Preis, auf die beste Widerlegungsschrift S. 151 — 218. worinn die Zwecklosigkeit dieser Preisaufgabe sehr wohl aus- einandergesetzt, und dagegen vorgeschlagen wird: den Preis lieber fuͤr die Gegner zum Beweiß der Beschuldi- gungen gegen die Frei-Maurer-Bruͤderschaft aus- zusetzen, und im Fall Concurrenz-Schriften einliefen, einen oͤffentlichen, allgemein geachteten Gerichtshof zum Schiedsrichter zu machen. Sodann folgt eine Abhandlung mit der Ueber- schrift: Hat die Frei-Maurerei Geheimnisse ? von S. 219 — 251. Sie ist ganz im Geiste der letzten Fortsetzung des Romans Franz Hell geschrieben, und ruht auf einem eben so vagen, schwankenden Stand- punkte, als jene. So lange der Verf. von dem Nicht- geheimniß der Bruͤderschaft spricht, hat er ganz recht; aber sobalb er nun S. 238. das Geheimniß ent- haͤllt, wenn er z. B. sagt: Alle befehlen, denn alle Vollendete concurriren zu jedem Gesetze, alle gehorchen den Gesetzen, die allein Gewalt haben. Ehre und Achtung und Gehorsam dem Gesetz, und Liebe den Bruͤdern, den Starken wie dem Schwachen; scho- nende Nachsicht, zuvorkommende Aufmunterung, jedem seine Veredlung zu erleichtern ꝛc. so hat er zwar einen Theil der maurerischen Gesinnung aus- gesprochen, aber das maurerische Geheimniß nicht ver- rathen. Dieser Gegenstand will gruͤndlicher behandelt seyn, als es vor dem großen Publikum geschehen kann. Der Schluß des Aufsatzes ist vortrefflich, und der Verf. verdient dafuͤr einen bruͤderlichen Haͤndedruck. Unter den Briefen eines reisenden Maurers von S. 257. an, ist besonders der zweite merkwuͤrdig, der das Schicksal erzaͤhlt, welches der Deput. Groß-Mei- ster der Gr. L. R. Y. bei dieser L. gehabt hat. Man muß dieses selbst lesen, denn es leidet keinen Auszug; die Nachrichten scheinen, nach einigen Ausdruͤcken und Partikularitaͤten zu schließen, authentisch zu seyn, indeß sagt der Verf. selbst S. 278, daß seine Relation unvollstaͤndig sey. Sonderbar ist es uns vorgekommen, daß der Reisende den Br. Feßler einen „aͤchten Juͤn- ger Kant ’s“ nennt; soviel wir den wuͤrdigen Mann kennen, gehoͤrt er keiner Schule an. Außer Miscellen , einigen Gedichten und Aphorismen finden wir noch Recensionen uͤber die maurerischen Schriften von 1801., uͤber welche wir nicht abermals eine Recension schreiben wollen. Wohl haͤtten wir gewuͤnscht, daß der Herausgeber schon die Literatur von 1802. abge- handelt haͤtte, weil wir sodann das Vergnuͤgen gehabt haͤtten, von einem so denkenden Maurer das erste Baͤndchen der Eleusinien beurtheilt und ge- wuͤrdigt zu sehen. 2. E s ist ein Buch erschienen, unter dem Titel: Moralischer Taschenspiegel fuͤr Frei- Maurer und fuͤr die, welche es nicht sind. Inspice te in speculo. 5803. 8. Der Verf. sagt in der Vorrede: „Es sei noch keine vollstaͤndige Sittenlehre fuͤr Frei-Mau - rer erschienen. Das Publikum selbst verlange viel von einem Maurer, es sei daher diesen wichtig, ihre Pflichten immer genauer kennen zu lernen. Dem Nichtmaurer diene ein kurzes maurerisches Moral- system, nicht blos zu eigener Belehrung oder Er- innerung, sondern auch zur Darstellung der herrschen- den Denkungsart in dem O. — Reine Sittlichkeit sey Geist und Gesinnung der Maurerei. Dieses Reele sey kein Geheimniß u. s. w. Die Grundsaͤtze habe er von Gellert, Feder, Ferguson, Abbt, Garve , und Kant entlehnt, er sey aber kein Freund des katego- rischen Imperavies , und er glaube, der Eudaͤmo- nismus werde fortdauern.“ Die Unternehmung ist gut gemeint, und in dem Sinne des Verf. mit Fleiß ausgefuͤhrt; aber er hat folgende Saͤtze nicht erwogen: 1) es giebt keine Moral fuͤr Frei-Maurer, so wie es keine maurerische Moralitaͤt giebt. 2) Die Moralitaͤt und Besserung kann nicht ge- lehrt werden, sie ist das unantastbare Heiligthum, in welches nur der einzelne Mensch als Hoherpriester eingeht. 3) Es giebt aber eine maurerische Ansicht der Welt, der Religion, der Natur ꝛc. und jeder erwirbt sich ein Verdienst, der diese Ansicht uͤberall anwendet, cultivirt und verbreitet. 4) Es giebt endlich auch besondere Pflichten, die der Maurer als solcher, in seinen Logen-Verhaͤlt- nissen hat, wobei man aber nicht fragen darf, in wel- cher Absicht er sie ausuͤbe, welches, als zur Moralitaͤt gehoͤrig, seinem Gewissen uͤberlassen bleibt. Statt dessen hat der Verf. nach der gewoͤhnlichen schwankenden Manier, die Lehre von den Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst, und gegen andere behan- delt, und diese Moral fuͤr alle Menschen, eine maure- rische genannt; er hat gutmuͤthig geglaubt, den Mau- rern einen Spiegel vorzuhalten, in welchem die Mau- rer sich in ihrer wahren Gestalt, die Nichtmaurer aber jene in einer guten erblicken sollen; er hat gemeint, da- durch etwas zur Besserung und Belehrung seiner BB. beizutragen, und, statt in das maurerische Wesen einzu- greifen, und die Dinge und Verhaͤltnisse mit maure- rischem Blick zu betrachten, statt die BB. uͤber den Umfang und die Grenzen ihrer Logenpflichten zu be- lehren, welches eine sehr verdienstliche Arbeit gewesen waͤre, — eine Pflichtenlehre vorgetragen, die durch ihren Grundsatz (die Gluͤckseeligkeit) allen Pflichtbe- griff zerstoͤrt, dadurch unmoralisch ist, und mit der Maurerei nicht zusammenhaͤngt. Wir bezeugen uͤbrigens der Denkungsart des wuͤr- digen Br. unsere Achtung, und wuͤnschen, daß er mit unbefangenem Geiste, die im ersten und zweiten Baͤnd- chen der Eleusinien gelieferten Briefean Konstant lesen und beherzigen moͤge.