D. IO. PHILIPP. SEIPPII, Fuͤrstl. Waldeckischen Land- und Brunnen- Medici, Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Bruñen, Darinnen derselben Historie, wahrer minerali scher Inhalt und Gebrauch, Beydes Im Trincken und Baden umstaͤndlich eroͤrthert und vorgestellet wird. HANOVER , Verlegts Nicolaus Foͤrster , 1717 . Dem Durchlauchtigsten Fuͤrsten und Herrn, H E R R N Friedrich Anton Ulrichen , Des Heil. Roͤmischen Reichs Fuͤrsten zu Waldeck, Grafen zu Pyrmont und Rappoltstein, etc. Meinem Gnaͤdigsten Fuͤrsten und Herrn. Durchlauchtigster Fuͤrst, Gnaͤdigster Fuͤrst und Herr. E S hat GOtt der Allerhoͤchste Ew. Hoch-Fuͤrstliche Durchlauchtigkeit Laͤnder unter andern natuͤr- )( 3 li- lichen Vortheilen auch in die- sem Stuͤck so sonderlich geseg- net, daß sie beydes an gelinden und reichhaltigen minerali- schen Wassern vor vielen Her- ren in Teutschland unver- gleichliche Schaͤtze der Ge- sundheit besitzen. Was die gelinden Wasser anbelanget, so sind nach aller Brunnenkuͤndigen Medico- rum Bekaͤnntniß die Wil- dungischen mit unter die be- ruͤhmtesten, sichersten und angenehmsten zu zaͤhlen, wel- chen es nichts desto weniger an an sonderbaren minerali- schen Kraͤfften und heilsa- men Wuͤrckungen nicht feh- let. Unter denen reichhaltigen Gesund-Brunnen haben die Pyrmontischen von Alters her so grossen Ruhm und Nahmen, daß man zu Zei- ten des letzten Grafen von Spiegelberg, durch oͤffentlich angeschlagene Brunnen- Le- ges verbiethen muͤssen, daß die Leute diesem heiligen Was- ser und Wunder-Brunnen )( 4 nicht nicht gar goͤttliche Ehre er- weisen solten. Auch ist von denenselben noch biß auf diese Stunde so wohl aus dem fuͤrtrefflichen minerali schen Innhalt of- fenbar, als durch die man- nigfaltige Erfahrung und herrliche Curen an unzaͤhlig vielen Hohen und Niedrigen Weltkuͤndig, daß solche den Vorzug vor den meisten, wo nicht vor allen uͤbrigen Sauer-Brunnen mit Fug und Recht verdienen. Da- Daher es der Muͤhe wohl werth, eine gruͤndliche und umstaͤndliche Beschreibung von diesem heilsamen Wasser zu verfertigen, wie denn auch bißher zwey beruͤhmte Medici: Herr Bolmann, und der selige D. A. Cu- næus, ein ieder ein beson- der Buch davon geschrie- ben. Weil aber diese Autores ihren Nachfolgern noch Ma- terie uͤbrig gelassen haben, auch eines und des andern Menschen Leben, Wissen- )( 5 schafft schafft und Erfahrung nicht genung ist, alles in einer so wichtigen Sache zu ergruͤn- den und auszumachen, so habe diese Arbeit als der Dritte uͤber mich genommen, und uͤbergebe dieselbe hiermit in tieffster Ehrerbietigkeit, so gut solche vor dieses mahl gerathen wollen. Ich habe das unterthaͤnigste Vertrau- en, Eure Hoch-Fuͤrstliche Durchlauchtigkeit werden mein geringes Werck mit ei- nem gnaͤdigen Blick ansehen, und wo ich nicht in allen Stuͤ- cken cken nach Wunsch ein Ver- gnuͤgen geben koͤnnen, den- noch den guten Willen und die Begierde dem Vaterlan- de nach meinem wenigen Vermoͤgen in einer so nuͤtzli- chen Sache zu dienen, nicht verwerffen, sondern durch Dero fernere hohe Gnade und Schutz Anlaß geben, die uͤbrige Lebens-Zeit zu voll- kommenern Entdeckungen, und practi schen Anmerckun- gen uͤber Dero unvergleichli- che Gesund-Brunnen, an welchen Ew. Hochfuͤrstliche Durch- Durchlauchtigkeit und so viel tausend M enschen Hohen und Niedrigen so groß gelegen ist, auffzuopffern. Indessen wolle der Aller- hoͤchste Ew. Hochfuͤrstliche Durchlauchtigkeit und Dero saͤmtliches hohes Hauß mit allerley himmlischen Segen reichlich uͤberschuͤtten, und bey bestaͤndigem Gluͤck und hohem Wohlseyn so lange er- halten, als diese Qvellen das gesegnete Wasser herfuͤr brin- gen, und die Grundfesten der Welt bestehen werden, wel- ches ches mit Hertz und Mund von GOTT dem Allmaͤch- tigen bittet, und mit tieff- ster Ehrerbiethigkeit wuͤn- schet Durchlauchtigster Fuͤrst und Herr, Ew. Hochfuͤrstl. Durchl. Pyrmont d. 26. Mart. 1717. unterthaͤnigster treu-ge- horsamster Knecht Joh. Philipp. Seipp, D. Ver- Verzeichniß der Capitel. Cap. I. Auszug historischer Nach- richten von der Grafschafft Pyrmont, und von der Gele- genheit um und bey denen Ge- sund-Brunnen. p. 1. Cap. II. Auszug historischer Nach- richten von den minerali schen Qvellen selbst. p. 16. Cap. III. Physicali sche oder natuͤr- liche Beschreibung des Pyr- montischen Thals, und anderer in der Naͤhe befindlichen Qvel- len. p. 45. Cap. IV. Eigentliche, Natur-ge- maͤße und Chymische Untersu- chungen und Proben, dadurch der der Innhalt und wahre Ma- terie des Pyrmontischen Was- sers deutlich erwiesen und ange- zeiget wird. p. 82. Cap. V. Die vornehmsten Kraͤff- te und Wuͤrckungen dieses Wassers im menschlichen Leibe, auch die Kranckheiten, welche bißher sonderlich dadurch curi- ret worden. p. 157. Cap. VI. Art und Weise das Pyrmontische Wasser Curmaͤs- sig zu trincken, nach der gebuͤh- renden Zeit, Vorbereitung, Maaß, Ordnung, Kaͤlte oder Waͤrme, Fortsetzung, Diæt und Artzeneyen; nach Unterscheid des Alters, des Geschlechts und derer Temperament en; als auch wie denen Hindernis- sen und Zufaͤllen bey der Cur zu begegnen, und endlich von de- nen nen Nachwuͤrckungen des Was- sers. p. 188. Cap. VII. Aeußerlicher Gebrauch des Pyrmontischen Wassers, oder von dem Bade. p. 249. Cap. VIII. Mißbrauch der mi- nerali schen Wasser, und Ein- wuͤrffe gegen den Gebrauch derselben. p. 277. Cap. CAP. I. Auszug historischer Nachrichten von der Graffschafft Pyrmont, und von der Gelegenheit um und bey denen Gesund-Brunnen. §. 1. D Ie Grafschafft und Schloß Permunt oder Pyrmont, wie auch die minerali schen Ge- sund-Brunnen desselben Nahmens sind zwar uͤber zweyhundert Jahre in denen meisten Laͤndern Europaͤ nicht unbekannt; jedennoch wird denenjenigen, wel- che nur den Nahmen ohne sonderliche Umstaͤn- de nennen hoͤren, und nicht selbst an dem Orte gewesen sind, eine kurtze Nachricht von der al- ten und neuen Historie dieser Landschafft, und von der Gegend und Gelegenheit, bey dem weit- beruͤhmten Brunnen nicht unangenehm seyn koͤnnen. A §. 2. Cap. I. Historische Nachrichten §. 2. Die aͤlteste Nachricht, Die alten Einwohner der Grafschafft Pyrmont. welche von un- terschiedlichen gelehrten Historicis auf die Pyr- montische Gegend gedeutet wird, ist daß die Ambrones, Ambrones. ante C. N. ein altes Teutsches Volck, wel- ches mit denen Cimbris und Teutonibus ohn- gefehr hundert Jahr vor Christi Gebuhrt nach Italien gezogen, daselbst gewohnet, und den Nahmen von dem Emmerfluß, Ambra oder Emmera, welcher mitten durch den Pyrmonti- schen Thal nach der Weser hinunter fliesset, soll bekommen haben. R. Reinec. in Comment. Meibom. Ferd. Episc. in Monum. Paderbor- nens. Piderit. Chron Lipp. Part. I. c. 6. §. 3. Um das zehende Jahr nach Christi Ge- buhrt haben daselbst, und in der Gegend auf beyden Seiten der Weser zwischen Hameln und Minden die Cherusci, Cherusci. A. C. 10. eines der streit- bahresten und beruͤhmtesten Voͤlcker, so zu der Zeit Teutschland bewohnet, ihren Sitz gehabt, welche sich noch einen grossen Strich Landes uͤber den Hartz, biß an die Elbe ausgebreitet. Des tapffern Hertzogs und Feldherrn der Cherusker Hermanns oder Arminii gewesenes Schloß und Residence, Arminii Residentz. liegt zwey kleine Stunden von Pyrmont gegen Suͤd-Westen auf einem hohen Berge, von welchem auch der groͤs- von der Grafschafft Pyrmont. groͤsseste Theil der oͤbern Flaͤche Pyrmontisch ist. Sonsten aber scheidet sich daselbst die Grafschafft Pyrmont und Lippe, wie auch das Paderbornische Gebiethe, und wird biß auf die- sen Tag noch von denen Benachbarten geheis- sen die Harmes-Hermins- oder Herlings- Borg. Der Berg hat oben im Umkreiß uͤber 1500 Schritte, liegt ungemein vortheilhafftig, und kan man die Uberbleibsel alter Befestigungs- Wercke noch gar wohl beobachten, obgleich der gantze Berg mit vielen grossen Buͤschen uͤberwachsen ist. §. 4. Wie dieser Feld-Herr Arminius mit seinen Cheruskern und einigen andern Teut- schen Voͤlckern im zwoͤlfften Jahr nach Christi Gebuhrt, Wahlstatt der Roͤmischen Niederlage unter Q. Varo A. C. 12. des alten Roͤmischen Kaͤysers Au- gusti General Quintilium Varum, samt drey der besten Roͤmischen Legionen ohngefehr 3 Meilen von Pyrmont, an dem Saltu Teuto- burgensi, nicht ferne von dem Ursprung der Lippe und Embs, oder zwischen Dethmolt und Horn, gaͤntzlich geschlagen und niedergema- chet, solches kan nicht allein in denen alten La- teinischen Geschicht-Schreibern C. Tacito, Suetonio, L. Floro, V. Paterculo, D. Cassio, Victore Strabone \&c. umstaͤndlich nachgelesen werden; sondern es sind auch alle neuere Au- cores, welche von der Historie der alten Teut- A 2 schen Cap. I. Historische Nachrichten schen geschrieben, davon voll, als Cluverius, Stangevolius, Piderit. Erpold. Lindenbruch. Ferdinandus Episc. in Monum. Paderb. Nico- laus Schaten. in Hist. Westphal. D. C. von Lo- henstein, in seinem großmuͤthigen Feldherrn, Wasserbach. in Dissert. de Statua Harminii, und andere. Es nimmt also die Grafschafft Pyrmont mit Theil an denen vornehmsten und merckwuͤrdigsten Alterthuͤmern Teutschlands. §. 5. Es sind auch einige unter denen Histo- ricis der Meynung, daß die beruͤhmte Goͤtzen- Statue die Irminsule Die Irminsule. der alten Francken, Sachsen und Westphaͤlinger auf gemeldeter Hermanns-Borg gestanden habe, sonderlich weil verschiedene von denen alten Autoribus dieses Goͤtzen-Bild gantz deutlich nennen die Er- mensul, Hermansaul und Hermenseul, wie bey dem Reginone, Rolvingio, Sigeberto und andern gefunden wird. Es haͤtten nehmlich die alten Teutschen nach ihres Feldherrn Arminii Tod, weil er sie durch seine Tapfferkeit von dem Roͤmischen Joch so gluͤcklich befreyet, demselben zu Ehren auf sei- ner Residence eine Gedaͤchtniß-Seule aufge- richtet, welcher hernach die Nachkoͤmmlinge goͤttliche Ehre erwiesen, und einen Schutz-Gott daraus gemachet. Wasserbach Dissert. de Sta- tua Harminii. Ob nun gleich aus andern Hi- storicis wahrscheinlicher ist, daß die Irminsule, welche von der Grafschafft Pyrmont. welche Carolus Magnus A. C. 772. zerstoͤhret, zu Statberg vor Alters die Eresburg (Mons Martis) genannt, an dem Dimel- Fluß gestan- den, so koͤnte doch wohl seyn, daß solche zuerst von dem Arminio, und dessen Burg ihren An- fang genommen haͤtte, und vielleicht nach der Eresburg transporti ret, oder daselbst reicher und herrlicher als ein Gott des Krieges nachge- machet worden. §. 6. Nach des Fuͤrsten Arminii Zeiten biß auf Carolum Magnum Caroli M. Haupt-Quartier. A. C. 784. findet man nichts un- ter denen alten Geschichten, welches den Pyr- montischen Dictrict ins besondere mit betref- fen solte. Dieser grosse Kaͤyser aber hat A. C. 784. sein Haupt-Quartier in dem Pyrmonti- schen Thal gehabt zu Luidi oder Lüde, welches noch in dem vorigen Seculo zu der Grafschafft Pyrmont gehoͤret hat, und erstlich durch den Vergleich Anno 1668. der Bischoͤfflich-Pader- bornischen Regierung gaͤntzlich uͤbergeben wor- den. Denn als im angefuͤhrten Jahre 784. die Nie- der-Sachsen und Westphaͤlinger rebelli reten, und sich in dem Gebuͤrge um die Gegend der Emmer und Weser zusammen gezogen hatten, gieng Carolus Magnus mit seiner Armee noch im Anfang des Winters von Worms nach Westphalen gerade auf sie loß, und nachdem die Rebellen zerstreuet, verlegete er sein Kriegs- A 3 Volck Cap. I. Historische Nachrichten Volck in die angenehmen Thaͤler um den Em- merfluß, sonderlich von Schidroburg oder Schieder biß nach Lüde, an welchem Ort er sein Quartier genommen, und Weynachten da- selbst gehalten, wie in denen Annalibus Franci- cis Canisii, bey dem Reginone, Pithæi Vita Caroli M. Hist. Westphal. Schateni, und an- dern zu finden ist. §. 7. Um dieselbe Zeit ist diese lustige Land- schafft und Flaͤche um den Emmer-Fluß zwi- schen stetem Umkreiß hoher Berge die Emmer- gove genannt, und von Carolo M. zur Graf- schafft gemachet, Carolus M. macht eine Grafschafft an dem Emmer- fluß. auch zu Schidroburg ein Bi- schoff eingesetzet worden. Wie nun damahls die ersten Grafen geheissen, und ob sie mit Ca- rolo M aus Franckreich kommen, auch die uͤbri- gen Umstaͤnde der Erb-Folge, der Geschlecht- Register und Veraͤnderungen der Religion und des Regiments, solches ist diesesmahl unsere Absicht nicht nach der Laͤnge anzufuͤh- ren. Wir melden hier alleine, daß nachdem die ersten Pyrmontischen Grafen Unterschiedliche alte Graͤffliche Linien in der Grafschafft Pyrmont. Anno 1494. die Spiegelbergischen An. 1557. die Graͤfflich Lippische Linie An. 1583. und der letzte Graf von Gleichen Johann Ludwig (welcher schon An- von der Grafschafft Pyrmont. Anno 1619. mit seinem Herrn Bruder Philipp Ernst die Herrn Grafen von Waldeck, zu Erb- folgern in der Grafschafft Pyrmont eingese- tzet) Anno 1629. gestorben, das Illustr e Hauß Waldeck von solcher Zeit her, und sonderlich nach dem Vergleich, welcher An. 1668. mit dem Bischoff von Paderborn Ferdinando Frey- Herrn von Fuͤrstenberg getroffen worden, in ruhigem Besitz dieser Grafschafft geblieben, welches hohe Hauß der Allerhoͤchste biß ans Ende der Welt in allem Vergnuͤgen und hohen Wohlergehen dabey erhalten wolle. §. 8. Was aber nun die gegenwaͤrtigen Umstaͤnde der Grafschafft anbelanget, Situation, Graͤntze, und Eintheilung der Graf- schafft. so wird Pyrmont in denen meisten neueren Land-Char- ten unter den 53sten Grad Latitudinis, und den 30sten Grad Longitudinis gesetzet, wiewohl an- dere den Ort noch unter den 52sten Grad Lati- tudinis, und 29sten Grad Longitudinis rech- nen. Es graͤntzet die Grafschafft gegen Mit- ternacht und Morgen an das Hannoͤverische Amt Artzen; gegen Mittag und Abend, an das Wolffenbuͤttelsche Amt Ottenstein, das Hannoverische Amt Polle, das Lippische Amt Schwalenberg und Barndorff, wie auch an das Paderbornische Gebiethe. Es bestehet dieselbe aus zehen Doͤrffern, welche ein Amt und zwey Parochias ausmachen, so daß 5 Doͤrf- A 4 fer: Cap. I. Historische Nachrichten fer: Oestorff, Holtzhaussen, Hagen, Loͤwen- haussen und Dahl, zu dem niedern Theil der Grafschafft, und wieder fuͤnff Doͤrffer: Nehr- sen, Baarsen, Brauersberg, Kleinenberg und Eichenborn zu dem oͤbern Theil, oder der Pfar- re auf dem Berge gehoͤren. §. 9. Der niedere Theil der Graffschafft, insonderheit der Thal, Annehmlichkeit des Pyrmontischen Thals. in welchem die Ge- sund-Brunnen, das Schloß Pyrmont, Oe- storff, Holtzhaussen, Loͤwenhaussen und die Pa- derbornische Stadt Luͤde lieget, ist die schoͤnste und angenehmste Gegend, welche man sich vor- stellen kan. Wie dann auch alle Fremde so dahin und zum Brunnen kommen, ein sonder- bahres Vergnuͤgen daran nehmen, und beken- nen dergleichen wenig gesehen zu haben. Es entspringen zwar insgemein alle kalte und warme minerali sche Quellen unten an ho- hen Bergen, als in welchen die Schatz-Kam- mern verborgen liegen, woraus die Wasser ih- re heilsame Kraͤffte hernehmen, indessen liegen fast alle so enge zwischen dem Gebuͤrge, daß wenig oder gar kein Prospect dabey gefunden wird. Hingegen ist in dem Pyrmontischen Thal eine Ebene, fast auf eine Stunde Weges in die Laͤnge und Breite. Mitten durch diese Plaine fliesset der Fisch- reiche Emmer-Fluß, und um dieselben sind die schoͤnsten und besten Viehweiden und Wie- sen- von der Grafschafft Pyrmont. senwachs, so irgendswo koͤnnen gefunden wer- den. Das uͤbrige in diesem Grunde biß an die Berge hinauff sind Kornfelder und Ackerbau. Und dann ist dieses schoͤne und fruchtbare Thal, rings umher mit einem Circul gruͤner hoher Berge eingeschlossen, und erfahren diejenige, welche nach Permont reisen zur Gnuͤge, daß es heisse Permontes. §. 10. Von dem Schloß Pyrmont, Historie des Schlosses Pyrmont. wel- ches in diesem schoͤnen Thal, zwischen Oestorff und Holtzhaussen lieget, und nach welchem an- jetzo die Grafschafft genennet wird, ist zu be- mercken, daß A. C. 1184. (wie der Original- Fundation s-Brieff in dem Hochfuͤrstl. Walde- ckischen Archiv ausweiset) zuerst eine Schloß- und Graͤntz-Festung auf dem so genannten Schellenberg, von dem Coͤllnischen Ertz-Bi- schoff Philippo Grafen von Heinsberg, zu Zei- ten des Kaͤysers Friderici Barbarossæ erbauet worden. Weil nun dasselbe in der Grafschafft und Jurisdiction des Widekindi, welcher ein Graf von Permunt und Schwalenberg schon vor besagter Zeit geschrieben wird, gelegen war, so hat es der Ertz-Bischoff demselben und dessen Erben zu ewigem Besitz damahls uͤbergeben, und es dem heil. Apostel Petro consecri ret, und demselben den Nahmen Petri Mons bey- geleget. Man nennet den Berg noch biß auf diese A 5 Stunde Cap. I. Historische Nachrichten Stunde Schell-Permunt, und sind noch eini- ge alte Mauer-Stuͤcke daselbst zu sehen. Nach- dem aber dieses alte Schloß zerfallen, und ver- stoͤhret worden, hat nach Hamelmanns Bericht p. m. 406. Fridericus Graf zu Spiegelberg und Pyrmont in der Ebene 400. Schritt von dem heiligen Brunnen, ein neues Castel ange- leget, das alte Hauß- oder Schloß-Gebaͤude aber auf demselben, hatte sein Sohn Herr Graf Philipp der letzte des Spiegelbergischen Stammes Anno 1557. im Fruͤhling desselben Jahrs, da er zu Ende des Sommers in der Schlacht bey S. Quintin umkommen, zu bauen angefangen, aber nicht vollendet, wie noch auf einem alten Steine kan gelesen werden. Die- ses Herrn Schwester Gemahl, Herr Graf Hermann Simon zur Lippe hat endlich Anno 1562 das Schloß voͤllig ausbauen, und nach der damahligen Art sehr wohl fortifici ren lassen. Anno 1583. da die Hochgraͤfl. Lippische Li- nie mit dem eintzigen Pyrmontischen Erben Philippo wieder verloschen, nahmen die jungen Herren Grafen von Gleichen (deren Frau Mutter Walpurgis auch eine Schwester des letzten Grafen von Spiegelberg war) das Schloß Pyrmont mit gewaffneter Hand ein, worauf sie Henricus Bischoff zu Paderborn und Hertzog von Sachsen-Lauenburg darinnen belagerte, sie wurden aber von Hertzog Phi- lipp von Braunschweig-Grubenhagen entse- tzet, von der Grafschafft Pyrmont. tzet, und in dem Besitz des Schlosses und der Grafschafft geschuͤtzet (siehe opera Hamelman- ni p. m. 754.) Anno 1629. und 1630. da Ferdinandus Her- tzog in Baͤyern und Churfuͤrst zu Coͤlln, zugleich Bischoff zu Paderborn worden, und damahls schon das Schloß und die Grafschafft Pyr- mont, an das Hochgraͤfliche Waldeckische Hauß kommen war ( D. Speneri Op. Herald. Part. Special. Lib. 3. Cap. 39.) wurde diese Fe- stung von dem Ferdinando zehen Monat lang belagert, und endlich auch eingenommen. Nicht gar lange hernach nahm es ihm Hertzog Georg von Braunschweig, im Nahmen des Herren Grafen von Waldeck wieder ab. Nachher haben es die Kaͤyserl. im dreyßigjaͤhri- gen Kriege unter dem General Goͤtzen erobert, und den Bischoͤffl. wieder eingeraͤumet. Anno 1646. hat es der Schwedische Gene- ral Koͤnigsmarck zum letzten mahl weggenom- men, und die Herren Grafen von Waldeck in Possession gesetzet, worinnen sie bey dem West- phaͤlischen Frieden confirmi ret worden, darauf dann nachmahls Anno 1668. ein umstaͤndlicher buͤndiger Vergleich, wegen der Grafschafft Pyrmont mit dem Bischoff Ferdinando, Frey- herrn von Fuͤrstenberg geschlossen worden. Anno 1706. haben Ihro Hochfuͤrstl. Durchl. unser regierender gnaͤdigster Landes-Herr, das alte Schloß-Gebaͤude, welches 150. Jahr ge- stan- Cap. I. Historische Nachrichten standen, und sehr baufaͤllig geworden, abbre- chen, und ein neues, schoͤn und bequemes Hauß an des vorigen Stelle auffbauen lassen, wel- ches sie dann kuͤnfftig noch mit 2. Fluͤgeln ver- groͤssern, und zu bequemer logi rung dero saͤmt- lichen Hof-Statt apti ren lassen wollen. §. 11. Oestorff Oestorff. ist derjenige Ort, welcher dem Brunnen am naͤchsten lieget. Es ist der- selbe schon sehr alt, und findet man in denen Monumentis Paderbornens. F. E. p. m. 180. ei- nen Brieff, welcher bey 700. Jahr alt, daraus zu sehen, daß der Ort schon damahls Odisthorp genennet worden, und eine Kirche daselbst ge- standen habe. Vor 50. Jahren, da das Dorff 1667. abge- brannt, haben auf ohngefehr 600. Schritt von dem Brunnen keine Haͤuser gestanden, es sind aber von Jahren zu Jahren mehrere Haͤuser angebauet worden, so daß nun die neue Stras- se biß gantz nahe an die minerali schen Quellen gehet, und auff 80. Haͤuser gezaͤhlet werden, von welchen ein grosser Theil so eingerichtet und apti ret ist, daß die Einwohner die ankommen- de Brunnen-Gaͤste aufnehmen, und bequem beherbergen koͤnnen. §. 12. Den Sommer uͤber ists an diesem Ort wie eine kleine Messe oder Jahrmarckt, und kommen allerhand Kauffleute, Buchhaͤnd- ler, Weinschencken, Caffee- Wirthe, Traiteurs und von der Grafschafft Pyrmont. und dergleichen dahin, welche meistentheils ihre Boutiques bey denen Brunnen und um die Allée haben, theils dieselben hin und wieder auffschlagen. Die Herren Brunnen-Gaͤste finden zu ih- rem Vergnuͤgen Veraͤnderung und Zeitver- treib, Veraͤnderung bey der Brunnen-Cur. den Vormittag bey dem Trincken die lu- stigen Spatzier-Gaͤnge in der schoͤnen Linden- Allée, und daselbst eine angenehme Music ei- ner geschickten Gesellschafft Hautboi sten; auch einen freyen und veraͤnderlichen Umgang mit allerley Personen, hohen und niedern Standes, Gelehrten, Geistlichen und Weltlichen, mit ei- nem Wort, ein jeder findet seines gleichen, und conversi ret frey mit wem er will. §. 13. Des Nachmittags koͤnnen sie spatzie- ren fahren, erstlich nach den trefflichen Garten des Herrn Schatz-Raths Barons von Muͤnch- haussen zu Schwoͤbber, eine Meile von Pyr- mont, woselbst sie die schoͤnsten und raresten auslaͤndischen Gewaͤchse aus Ost- und West- Indien: Die unvergleichliche Frucht Ananas, Caffée- Baͤume mit reiffen Caffée- Bohnen, den Campher, Dattel, Mastix- und Cattun- Baum, Arborem Draconis, viele Cereos, In- dianische Feigen-Baͤume mit reiffen Fruͤchten, und hundert dergleichen rare Gewaͤchse, auch bey zweyhundert Arten von Pomerantzen, Ci- tronen und Limonen, zu sonderbahrer Ergoͤ- tzung Cap. I. Historische Nachrichten tzung des Gemuͤths antreffen werden. Auch ist daselbst ein wohlbetzter kleiner Thier-Gar- ten, item zwey schoͤne schattigte Tannen- Alléen, und mehr dergleichen Lustbarkeiten. Auff der Zuruͤck-Reise von Schwoͤbber be- sehen sie die zu Artzen unter des Herrn Ober- Amtmann Voigts Direction angelegte Tresch- Muͤhle, als eine sehr nuͤtzliche mechani sche Er- findung, mit welchen 3 Personen taͤglich so viel Korn austreschen, als sonst 18 mit Hand-Fle- geln kaum thun koͤnnen. Man findet den Ab- riß und die Beschreibung derselben in denen Mi- scellaneis Berolinensibus, welche die Koͤnigl. Socie taͤt Anno 1710. heraus gegeben, auch in dem 2dern Theil des Musæi Musæorum D. Bernh. Valentini. (2) Fahren sie auch spatzieren, nach der Arminiusburg §. 3. (3) Nach Schelle-Per- munt §. 10. (4) Nach den Erdfaͤllen uͤber Holtzhausen Cap. 3. §. 26. (5) Nach der alten Stadt Luͤde §. 6. (6) Nach der Glaß-Huͤt- ten in dem Hochgraͤflichen Lippischen Bischer- feldischen Walde, 2 kleine Stunden von Pyr- mont. (7) Gehen oder fahren sie in die naͤchst- gelegenen anmuthigen Waͤlder, in den Oest- berg, Bomberg und andere. §. 14. Wer ein Liebhaber und Kenner ist, allerhand nuͤtzlicher Kraͤuter, wird in der Pyr- montischen Gegend die gebraͤuchlich- und kraͤff- tigsten welche auf Teutschen Boden wachsen, mei- von der Grafschafft Pyrmont. meistentheils alle finden. Denn weil der Grund und Boden so mancherley, und man alle erdenckliche Situationes, hohe und niedrige Berge und Waͤlder, Huͤgel und Felsen, steinig- te und duͤrre Oerter, so wohl als fette, suͤmpffig- te und morastige, auch sauere und suͤsse Quel- len, Baͤche und Fluͤsse daselbst hat, so findet ein jedes Gewaͤchse seinen Gebuhrts-Ort, und ist solches die Ursache, daß man eine so grosse Men- ge schoͤner Kraͤuter daselbst haben kan. §. 15. Andere suchen des Nachmittags ihr Vergnuͤgen und Zeitvertreib im Buchladen, mit Durchsehung allerhand gelehrter und neuer Sachen; andere bey denen Assemblées und Balls, welche von grossen Herrn und Fuͤrneh- men von Adel in der Allée, oder in dem Ball- hause, auch wohl in einigen Haͤusern wo Gelegenheit und Raum dazu ist, gegeben werden. Andere diverti ren sich mit Spielen, auf denen Billards, auf dem Brete, mit Kegeln und dergleichen. Summa, es bringet man- cher seine Cur-Zeit zu Pyrmont so vergnuͤgt und kurtz hin, daß er keine Ursache findet, uͤber eine verdruͤßliche und langwierige Cur zu klagen, sondern es heisset hier oͤffters: Medice vive- re, optime vivere. §. 16. Es dienet auch allen, welche Andacht pflegen, Gottesdienst. und sich bey der Cur in Christlichen Ubungen des goͤttlichen Seegens theilhafftig machen Cap. I. Historische Nachrichten machen wollen, zur Nachricht, daß der oͤffent- liche Gottesdienst in der Grafschafft Pyrmont der Evangelische sey, so weit man Nachricht gefunden, schon von Anno 1552. da der letzte Spiegelbergische Graf regieret hat. Es wird alle Sonntage des Morgens auf dem Schloß, und um 10 Uhr in der Oestorffischen Kirche ge- prediget, wie auch Sonntages Nachmittages Catechismus-Examen, alle Montage des Mor- gens Betstunde, und die Freytage Wochen- Predigt; auch wird den Sommer uͤber oͤff- ters Mittags nach 4 Uhr in dem Waͤysen-Hau- se von einem Candidato Theologiæ Betstun- de gehalten. Die Roͤmisch-Catholischen fin- den ihre Religions-Ubung zu Luͤde eine halbe Stunde, die Reformirten in der Lippischen Stadt Barndorff zwey Stunden von Pyr- mont. CAP. II. Auszug Historischer Nachrichten von denen minerali schen Gesund-Brun- nen selbst. §. 1. W Eil wir bißher die historischen Nachrich- ten von der Grafschafft Pyrmont, wie auch von der Gegend und Gelegenheit, um und bey denen minerali schen Brunnen, so viel einem Fremden nuͤtzlich und angenehm seyn mag, vor- getra- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. getragen haben, so wenden wir uns zu diesen Quellen selbst. Da nun den Sommer uͤber von denen Herrn Brunnen-Gaͤsten am mei- sten gefraget wird, wie lange diese Brunnen bekannt, und wie lange solche schon zur Gesund- heit gebrauchet worden, so will ich alle histori- sche Nachrichten, von denenselben, so viel mir bißher zu Gesichte kommen, von Jahren zu Jah- ren mit der Autorum eigenen Worten anfuͤh- ren, alle Buͤcher und publici rte Schrifften spe- cifici ren, auch einige Zeugnisse gelehrter Medi- corum mit dazu nehmen. §. 2. Es liegen aber diese Brunnen Alter der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. zwi- schen dem Schloß Pyrmont und Qestorff: daß solche unter die Fontes perpetuos, oder im- merwaͤhrende Brunnen gehoͤren, und so alt als der Welt Anfang, daran ist wohl wenig zu zweifeln. Auch koͤnnen diese Quellen wegen ihrer merckwuͤrdigen Beschaffenheit und son- derlichen Geschmacks, schon im ersten Seculo, da durch dieses Thal der Fuͤrst Arminius mit seinem Heer und Bundsgenossen, auch ver- muthlich die Roͤmer unter dem Feld-Herrn Germanico, 18 Jahr nach Christi Gebuhrt hin und wieder nach der Weser und der Teuto- burgi schen Gegend marchi ret sind, nicht unbe- kannt geblieben seyn. Indessen haben da- mahls Schreiber und Druckereyen in Teutsch- land gefehlet, sonsten wuͤrde man vielleicht un- B ter- Cap. II. Historische Nachrichten terschiedliche artige Nachrichten davon ha- ben. §. 3. Der aͤlteste Nahme dieses Wassers ist wohl, Die aͤlteste Benennung: Hyllige Borne. daß die alten Nieder-Sachsen dasselbe den Hylligen Born, und den Grund, und die Wiese, auf welchem die Quellen entspringen, den Hylligen Anger genannt haben. Denn also wird der Trinck-Brunnen von undenckli- chen Jahren her von den Einwohnern und Nachbahren geheissen, und ist diese Benennung noch heutiges Tages unter denselben gantz ge- braͤuchlich. Im sechzehenden Seculo ist er von denen Autoribus der Spiegelbergische und Neubrunn, nach solcher Zeit der Pyrmontische genannt worden. §. 4. Ob nun die alte Saͤchsische Benen- nung Woher der Nahme entstanden. nach einiger Meynung von Goͤtzen-Bil- dern, welche vor Alters von den Heydnischen Teutschen um diese Brunnen gesetzet, und da- selbst verehret worden, hergenommen, oder von einer Catholischen Kirche, welche auf der heili- gen Wiese zwischen dem Brunnen und dem Schloß gestanden, (von welcher ohngefehr vor 40 Jahren noch einige zerfallene Mauerstuͤcke uͤbrig gewesen,) wohin die Catholischen von Luͤde und andern benachbahrten Oertern an Fest- und Feyertagen mit Creutz und Fahnen, Processiones und Wallfahrten gehalten, sol- ches laͤsset man an seinen Ort gestellet seyn. §. 5. von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. §. 5. Es ist aber wahrscheinlicher, daß die heydnischen Goͤtzen, und nach Caroli M. Zei- ten die Christen-Kirchen eben darum nahe bey diesen Brunnen auffgerichtet und erbauet wor- den, weil man dieselben damit erheben und hei- ligen wollen. Denn man wird aus dem unge- woͤhnlichen, bestaͤndigen und starcken Auff- brudeln der Quellen, und dem besondern Ge- schmack des Wassers, wie auch ohne Zweiffel aus denen heilsamen Wirckungen desselben, die- se Brunnen schon damahls hoch, und als ein hei- liges Wunder der Natur gehalten haben. Da die Niederlaͤnder bereits im ersten Se- culo ihren auffbrudelnden, und nach Eisen schmeckenden Brunnen zu Reinigung des Lei- bes, gegen drey-taͤgige Fieber und Stein-Ge- brechen haben zu brauchen wissen, wie Plinius secundus in Historia naturali gedencket, so ist zu vermuthen, daß die Cherusci, und nach- mahls die Francken und Sachsen, nicht weni- ger von ihren Mineral. Quellen gewust, und die- selben darum werth und heilig werden gehalten haben. §. 8. Von dem achten Seculo giebet der Jesuit Nicolaus Schaten N. Schateni Nachricht von A. C. 784. in seiner Historia Westphaliæ die aͤlteste Nachricht von dem Brunnen selbst. Denn als Carolus M. Anno C. 784. sein Haupt-Quartier zu Luͤgde genom- men, (wie wir Cap. I. §. 6. angefuͤhret haben) B 2 mel- Cap. II. Historische Nachrichten meldet dieser Autor unter andern folgendes von ihm: Præter Ambram, qui nunc Emme- ra dicitur, Carolum oblectarunt Pyrmonta- næ Aquæ in Conspectu Ludæ, acore \& Mede- la celebres. Ob nun gleich der Autor nicht schreibet, woher er diese Nachricht genommen, so ist doch zu vermuthen, daß er solche aus einem alten Manuscript gezogen, weil dieser Jesuit ein sehr accurat er Autor, und gute Gelegenheit gehabt, dergleichen MSta aus dem Paderbor- nischen Archiv, und bey dem gelehrten Bi- schoff Ferdinando, Freyherrn von Fuͤrsten- berg durchzusuchen. §. 9. Im 14ten Seculo hat Henricus de Her- vordia, Henricus de Hervordia vom 14. Seculo ein Dominicaner- Muͤnch in dem St. Pauli Closter zu Minden gelebet, welcher ver- schiedene treffliche MSta hinterlassen; von der Saͤchsischen Historia, aus diesem fuͤhret Ferdi- nandus Episc. in Monumentis Paderbornens. eine Nachricht an, welche also lautet: In Westphalia juxta oppidum Lude, diœce- sis Paderbornensis Fons est, qui dicitur SA- CER FONS, de quo si quis pronus biberit, in faciem ejus exsilit, \& quasi expergi videtur. Ibidem est \& alius fons, qui dicitur FONS BULLIENS. Iste quasi quadratus est, de qua- tuor lateribus æqualibus, quolibet latere for- te 12 pedum existente, \& fundus subter rube- us ad pallorem declinans \&c. Nil in ipsum in- fluit, von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. fluit, nec effluit, sed continue bullit \& sonore sic ut ad jactum balistæ possit audiri \&c. Die- ser Muͤnch ist Anno 1370. zu Minden gestorben und in der Dominicaner- Kirche begraben, ste- het also leicht nach zurechnen, daß der Trinck- Brunnen nach dieser Erzehlung schon vierdte- halb hundert Jahr der heilige Brunn geheissen, und der Bade- oder Brodel-Brunn schon da- mahls auffgeraͤumet, und ins Viereck gefasset gewesen. §. 10. Von Anno 1556. schreibet Ferdi- nandus Episcopus, von Joh. Seileri Chronico Pyrmont. MSto, An. 1556. Ferdinandus Episc. Seileri Chron. daß derselbe von diesem hei- ligen Brunnen erzehle, wie solcher damahls durch seine wunderbahre Krafft, in Heilung vie- ler schweren Kranckheiten sehr beruͤhmet, und unter grossem Zulauff der Auslaͤnder und Frem- den sey besuchet worden. Auch habe Joh. Gi- gas, gebuͤrtig aus Luͤde, ein trefflicher Medicus und Mathematicus, und Henricus Harius J. C. in seiner Beschreibung des Bischoffthums Pa- derborn, schon lange vor solcher Zeit diesen Brunnen sonderlich geruͤhmet. Der Bischoff thut hinzu, daß dieser edle Gesund-Brunnen noch biß auf seine Zeit jaͤhrlich von vielen Fuͤr- sten und grossen Herren fleißig besuchet werde. §. 11. Von eben diesem Jahre 1556. schrei- bet Bünting Bünting von An. 1556. in seiner Braunschweig- und B 3 Luͤne- Cap. II. Historische Nachrichten Luͤneburgischen Chronica, gedruckt zu Magde- burg 1586. im dritten Theil fol. 72. Zu der- selben Zeit war ein Wunder-Gelaͤuff nach den heiligen Brunnen, so sich um diese Zeit in der Grafschafft Pyrmont und Spiegelberg, etwa zwo Meilen von Hameln, bey einem Dorff Distorff ( Odistorff oder Oestorff) genannt, be- funden, und wider mancherley Kranckheiten gebraucht worden, auch etlichen Leuten geholf- fen. Dahero ein Geschrey ausgebrochen, als solte und koͤnte dieser Brunn alle Seuchen und Gebrechen heilen, da sahe man auf allen Stras- sen zufahren und reiten, und die Krancken auf Karren, Wagen und Schlitten bringen, die andern gebrechlichen Leute herlauffen, gehen und kriechen. Welche nahe dabey waren, und durch keine andere Mittel die ihren dahin bringen konten, trugen sie auf dem Ruͤcken zum Brunnen, und waren offt etliche 1000. Menschen dabey, daß sie nicht anders als in einem Feld-Lager um den Brunnen herlagen. Dem Grafen des Orts war nicht allzu wohl dabey, auch andere benach- barten Fuͤrsten und Herren sich einer Vergad- derung befuͤrchten musten. Es liessen sich auch alte verlebte Weiber dahin fuͤhren, vermeyn- ten vielleicht jung, oder alter Schaden loß zu werden, die doch nicht lange nach ihrer Wieder- kunfft gelebet. So sind auch viel gesunder Menschen dahin gezo- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. gezogen und geritten, daß sie den heiligen Brun- nen sehen moͤchten. Es wurden auch grosse Fasse und Kupffen, Legel, Flaschen und ande- re Gefaͤsse bey diesem Brunnen gefuͤllet, und weit und ferne gefuͤhret und getragen, die ab- wesende Krancke damit zu baden und zu traͤn- cken, halff was es kunte, obgleich etliche dar- uͤber ihrer Gebrechen entlediget wurden, die ihre Kruͤcken daselbst am Brunnen hangen liessen und davon giengen. §. 12. Von eben dieser Zeit schreibet auch Leonhard Thurnheisser Thurnheisser von An. 1556. zum Thurn, in sei- nem Buch, von kalten, warmen, mineri schen und metalli schen Wassern, gedruckt zu Franck- furt an der Oder 1572. in fol. im 9. Buch p. 386. In der Grafschafft Spiegelberg zwischen Ha- meln und dem Metborn an der Weser, ist ein sauerlicher Ursprung Wassers, aus dem drit- ten Grad der Erden, welcher in sich haltend ist: Chalcantum, Eisen, Alaun, Bitumen, Ni- ter \&c. Dieses Wasser wird genannt beym Neu- brunnen, zu dem anfaͤnglich ein solch Gelaͤuff war, daß auch Leute aus Sicilien dahin (Ge- sundheit zu erlangen) reiseten. Er ist um das Jahr 1544. (solches scheinet ein Druckfehler bey dem Autore zu seyn, und soll heissen 1554. 56.) in grossem Ruff gewesen, hat aber seinen Nah- men bald verlohren, ob es vielleicht Gottes B 4 Wille Cap. II. Historische Nachrichten Wille also, dieweil wir seine Gaben so undanck- bahrlich brauchen ꝛc. Es ist seines Tempe- raments halben ein gutes Wasser ꝛc. §. 13. Jacobus Theodorus Tabernæmon- tanus J. Theodorus Tabernæmontanus. inseinem Wasser-Schatz, welchen er Anno 1584. geschrieben, meldet von derselbi- gen Zeit unter andern folgende Umstaͤnde: Es war vor 20 Jahren dieser Sauerbrunnen in einem solchen Ruff und Geschrey, daß auch aus fremden Nationen, als Franckreich, Italien und Sicilien, Leute heraus gezogen, diesen Brunnen zu besuchen, dann ein solch Gelaͤuff zu diesem Wunder-Brunnen war, wie vor Zei- ten das wuͤtende und rasende Wallen zu der schoͤnen Maria und Nothhelfferin zu Regen- spurg, denn es war schier kein Blinder, Tau- ber, Stummer, oder von Mutterleib Lahmer, wie auch die Sonder-Siechen oder Aussaͤtzigen, die nicht verhoffeten, durch diesen Brunnen ih- re Gesundheit zu erlangen ꝛc. Es muß dieser Autor, welcher sonst den Spiegelbergischen Brunnen durch allerhand offenbahr falsche Er- dichtungen verkleinern wollen, doch desselben grossen Ruhm und Flor zu seiner Zeit, mit ge- stehen und erzehlen helffen. §. 14. Sonsten haben auch von solcher Zeit, und dem grossen Nahmen und Ruff des Brun- nens noch geschrieben, Wernerus Wernerus, Solenander. in seiner Mag- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. Magdeburgischen Chronica, item Solenander in Consil. 9. Sect. 4. p. m. 337. Am umstaͤnd- lichsten aber und recht ausfuͤhrlich findet man die Geschichte von Anno 1556. angezeichnet von Johanne Pyrmontano Johannes Pyrmontanus von An. 1556. alias Feuerberg Lug- densi, Scholæ Patriæ Moderatore, in seinem Tractaͤtlein FONS SACER genannt, Anno 1697. zu Lemgow gedrucket. Es meriti ret solches gelesen zu werden, und obschon das alte Buͤchlein nicht mehr zu haben, so findet man doch den Auszug desselben in des ehmahligen Herrn Guarnison- Predigers zu Hameln Jo- hannis Rahts Brunnen-Spiegel Anno 1681. zu Rinteln gedruckt pag. 332. seqq. Auch hat der selige Herr D. Cunæus dieses Tractaͤtlein seiner Beschreibung des Pyrmontischen Brun- nens angehaͤnget, weil er aber vieles von dem seinen mit dazu gethan, so kan man den alten Text von dem neuen nicht unterscheiden. §. 15. Weil die wenigste Zeit und Gelegen- heit haben moͤchten, angefuͤhrte letzte Autores nachzuschlagen, so wird dem geneigten Leser nicht unangenehm seyn, wenn das Vornehmste von derselben merckwuͤrdigen Zeit aus dem Jo- hanne Pyrmontano, denen vorgemeldeten Nachrichten noch beygefuͤget wird. Es schrei- bet derselbe unter andern also: Anno 1556. war dieser edle heilige Brunnen eines grossen Ansehens, Wuͤrden und Nahmens, nicht al- B 5 lein Cap. II. Historische Nachrichten lein in Teuschland, sondern auch in allen Pro- vinci en durch die gantze Christenheit, in Hi- spanien, Franckreich, England, Schottland, Norwegen, Schweden, Dennemarck, Poh- len, Ungarn und gantz Italien beruͤhmt, und seiner Tugend halber uͤberaus bekannt und ruchtbahr, also daß er unversehens anfieng, zu unzaͤhligen Kranckheiten nuͤtzlich und heilsam gebraucht zu werden. Und gieng es dieser Or- ten nicht anders zu, als wenns lauter Aqua vi- tæ, Fons salutis, ja Christus der lebendige Brunn selbst gewesen, so wuͤrcklich in diesem Wasser operi ret haͤtte. In Summa Men- schen-Zungen, Schreiber und Dichter, haͤtten nicht gnugsam seine edle Krafft, Tugend und Operation ausreden, schreiben oder verfassen moͤgen. Es kamen zu derselben Zeit dahin aus allen Landen, allerley Nationen so breßhafft, und das Wasser bey Faͤssern, Tonnen, Wagen und Karren voll uͤber 10, 20, 40, 50, ja hundert Meilen fuͤhreten, und zu denen Kranckheiten de- rer, so nicht uͤber Weg kommen mochten, ge- braucheten. Unter 4 Wochen waren allhier uͤber zehen tausend Menschen, so dieses Wunder zum Theil ardore visendi, zum Theil durch verur- sachte Nothdurfft visiti rten. Die benachbar- te Doͤrffer, als Odesdorff und Holtzhaussen waren Tag und Nacht also beschwehret mit Kran- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. Krancken und Gebrechlichen, daß man die Be- hausung, und was sonst zur Nothdurfft beduͤrf- fend, nicht zu bekommen wuste. Die Stadt Luͤgde, dem Bischoff zu Pader- born zugehoͤrig, war dermassen von krancken Leuten, hohen und niedrigen Personen behaff- tet und uͤberzogen, daß kein Raum in der Be- hausung, kein Bier oder Brodt zu bekommen, und die Aufflage so theuer ward, daß das Ar- muth sich nicht mehr zu behelffen wuste. Un- ter einem Vierteljahr war eine solche Menge Volcks daselbst vorhanden, daß das Volck La- ger im Walde auffschlug, oͤffentliche Schar- ren, Fleisch, Bier und Brodt-Haͤuser anstiff- tete ꝛc. Zu derselben Zeit kam dahin Frau Hede- wig, Fuͤrsten Joachim zu Brandenburg Ge- mahl, Tochter des Koͤnigs Sigismundi von Pohlen, und lag zu Pyrmont 5 Wochen, curi r- te sich in diesem heilsamen Wasser. Am Fronleichnams-Tage kam dahin Frau Catharina, Hertzog Johann Ernst zu Sachsen auff Coburg Gemahlin, und badete auch etli- che Wochen, Deßgleichen Graf Conrad zu Tecklenburg, Graf Sigismund von Gleichen, und sonst viel andere Graͤfliche Frauens-Per- sonen, und unzaͤhlige von Adel, reiche Kauffleu- te, Prediger, gelehrte Doctores und Professo- res: Der hochgelahrte Helmericus Bone, Christophorus Studt, Hermannus Huddæus, Rector, Cap. II. Historische Nachrichten Rector, und hernach Pastor Supremus zu Min- den, welche drey Personen grosse Laͤhmniß und Podagræ- Schaden an ihren Beinen gehabt, sind aber durch des Wassers Nutzung naͤchst GOtt gebessert ꝛc. §. 16. Uber dieses gedencket auch Herr Gol- mann eines alten Briefes und Tractaͤtleins 4. Blaͤtter groß, beyderley Anno 1556. geschrie- ben und gedruckt, von damahligen Gebrauch und merckwuͤrdigen Begebenheiten bey dem Pyrmontischen Brunnen. Ob nun die letz- ten Blaͤtter in des seligen Herrn D. Cunæi Be- schreibung, welche er unter des Herrn Claus von Posten Briefschafften gefunden, eines die- ser Tractaͤtgen sey, solches ist wohl zu glauben, sonsten habe bißher, wo ich auch darnach gefor- schet und nachsuchen lassen, dieselbe nicht antref- fen koͤnnen. §. 17. Noch muß ich von derselben Zeit an- fuͤhren, die artigen historischen Carmina Her- manni Huddæi H. Huddæi Carmina. Rectoris Mindensis de Fonte Pyrmuntano ad Albertum Comitem de Hoya. Es ist dieser Huddæus einer der gelehrtesten Maͤnner seiner Zeit gewesen, hat mit Philippo Melanchthone correspondi ret. Anno 1564. ist er noch im Leben gewesen, und ist zu Minden Pastor Primarius worden. Ob schon diese Carmina nicht mehr zu haben, so findet man doch im angefuͤhrten Tractaͤtlein Johannis Pyr- mon- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. montani, von demselben verschiedene artige Stuͤcke, von ihm sind auch bekannt die Pyr- montischen Brunnen- Leges: PERIOCHA LEGVM AD SA- CRVM FONTEM AFFIXARVM Scripta Anno 1556. d. 3. Maji ab Her- manno Huddæo: Iustitiæ fines, ne Tu peregrine viator Ignores, LEGES has Tibi semper habe: Primum qui sacrum cupit hunc invisere fontem, Et quærit vitæ commoda magna suæ, Divinos temere exhibeat, prohibemus ho- nores Huic fonti, procul hinc vana superstitio! Gloria sed summo sit, dicito, lausque Pa- renti Qui media ista sua pro bonitate dedit. Salvum Conductum concedimus omnibus his, qui Imperii Leges non violare student, Et parcant satis, nulli noceantque mone- mus: Pœnas transgressor corpore \& ære luet. Candida pax nostris vigeat, mandamus, in oris, Hospitii violes jura sacrata cave! Merces Cap. II. Historische Nachrichten Merces qui exoticas, vinumque, cibaria vendunt Sint memores æqui, justitiæque simul. Verum qui hic tales statuerunt vendere merces Treis grossos nobis pro statione dabunt Has Comes affixit Generosus in arbore Le- ges, Si violes, certo pœna parata manet. §. 18. Dazumahl hat zu Pyrmont regieret, Herr Graf Philipp, der letzte von dem Spie- gelbergischen Stamm, welcher das folgende Jahr 1557. den 10. Aug. vor St. Quintin im 24sten, (andere schreiben im 27sten Jahr) sei- nes Alters erschossen, und zu Cammerich in der Haupt-Kirche begraben worden. Daß nun nach solcher Zeit dieser grosse Nahme und Ruhm Verlust des grossen Nahmens und Geruͤchts von dem Brunnen. des Brunnens auff ein- mahl wieder verlohren gangen, wird von denen meisten Autoribus einer unmittelbahren Straf- fe Gottes zugeschrieben, als wenn GOtt wegen der vielen Unordnungen, Undanckbarkeit und Suͤnden, so damahls dabey vorgangen, dem Wasser die Kraͤffte und den Seegen auf eine Zeitlang wieder entzogen haͤtte, gleichwie der Teich Bethesda zu Jerusalem ( Ev. Joh. 5. v. 2. 3. 4.) nicht allezeit gleiche Wuͤrckung hatte, son- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. sondern durch eine sonderbahre Bewegung des Engels, jedesmahl auffs neue die Krafft em- pfangen muste. Ob man nun genugsame Nachricht und Ur- sache habe, dergleichen von unserm Wasser zu gedencken, mag ein jeder selbst urtheilen. Es ist zwar leicht zu erachten, daß damahls bey der gar grossen Menge des Volcks viele Unord- nungen und Suͤnden moͤgen vorgangen seyn, es bleibet aber doch die Frage, ob die heutige Welt froͤmmer, und ob nach dem sechzehenden Seculo mehr Danckbahre wegen des goͤttli- chen Segens im Brunnen, und wieder erlang- ter Gesundheit, als vor solcher Zeit, gefunden werden. §. 19. Andere Ursachen Ursachen desselben. aber der schleuni- gen Verachtung des Brunnens nach solcher Zeit, sind offenbahr und am Tage. Als erst- lich darff man nicht weit nachsuchen, sondern nur einige Umstaͤnde, welche angefuͤhrte Auto- res melden, erwegen, so wird man bald finden, daß es nothwendig so ergehen muͤssen. Da man angefangen unmoͤgliche Dinge von dem Wasser zu prætendi ren, alte Weiber dadurch wieder jung machen wollen, wie Bünting redet, da alle von Mutterleibe Blinde, Taube, Stum- me, Lahme und Kruͤppeln, als von Christo selbst haben wollen curi ret seyn, auch den Teufel aus Besessenen damit vertreiben wollen, wie einige Nach- Cap. II. Historische Nachrichten Nachrichten geben (dahero in denen Brun- nen- Legibus des Huddæi sehr notabel, daß das erste Verbot dahin gehet, daß man keinen Ab- gott aus dem Brunnen machen solle,) mit ei- nem Wort, da auf den Ruff vieler moͤglichen, wahrhafften und herrlichen Curen, alle incura- ble, gebrechliche auf einmahl herbey geschleppet und lauter uͤbernatuͤrliche goͤttliche Wunder er- wartet worden, so konte nicht anders geschehen, als daß die meisten wieder hinwandern musten, wie man sie hergebracht hatte, welche hernach aus Unverstand das Wasser allenthalben ver- achtet. §. 20. Zum andern verdroß auch einigen Medicis, Tabernæmontani Verlaͤumdungen. daß der Spiegelbergische Brunnen alleine so grossen Zulauff, und sie in ihrer Nach- barschafft nicht so viel von der Brunnen- Praxi haben solten. Jacobus Theodorus Tabernæ- montanus wohnte zu Worms, und waͤre ihm gelegener gewesen, wenn der Schwalbacher Sauer-Brunnen so haͤuffig waͤre frequenti ret worden. Es war also die kuͤrtzeste und beste Er- findung, die Leute von dem Spiegelbergischen abzuschrecken, wenn er schrieb, daß dieses Was- ser einen grossen Theil von Operment (eine Art von Ratten-Pulver) mit sich fuͤhrte. Wer dieses geglaubet, dem wird der Appe- tit darzu bald vergangen seyn. Den Beweiß, daß solches nicht anders, findet man auch bey die- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen diesem Autore, nemlich wenn man Fische oder Froͤsche hinein werffe, stuͤrben sie auff der Stund. Sie sterben aber auch in dem Schwal- bacher und allen spiritu oͤsen kraͤfftigen minera- li schen Gesund-Brunnen. Noch viel geschwin- der aber kommen sie um in gutem Wein und Brandtwein, welches D. Theodorus wohl ge- wußt, und darum doch beydes zu trincken wohl nicht wird geeckelt haben. Zum Baden haͤlt der Autor unsern Brun- nen vortrefflich, und machet viel Redens und Ruͤhmens davon, da doch die Arsenicalia, Au- ripigment und Reuschgelb, so wol aͤußerlich als innerlich hoͤchst schaͤdlich sind, dahero offen- bar, daß der Mann selbst nicht geglaubet, was er andere bereden wollen. §. 21. Ob nun gleich Herr Theodorus seine Sachen so abgeschmackt und ungegruͤndet her- fuͤrbringet, so hat er doch ein leichtglaͤubiges Se- culum vor sich gehabt, und findet man verschie- dene unter denen aͤltern Medicis, welche theils aus Unwissenheit, theils um des lieben Eigen- nutzes willen ihm nachgeleyert haben, und ist dieses alberne Gewaͤsche des Tabernæmontani noch biß auf diese Stunde Ursache, daß auch noch von denen heutigen Medicis einige gefun- den werden, welche das Ungluͤck uͤber solche al- te Troͤster gefuͤhret, und keine Erfahrung von dem Wasser selbst haben, deßhalben sie den Pyrmontischen Brunnen fuͤr allen andern son- C der- Cap. II. Historische Nachrichten derlich scharff und angreiffend halten, denen a- ber im vierdten und fuͤnfften Capitel durch un- umstoßliche Beweiß- und Erfahrungs-Gruͤnde ein anders wird gewiesen werden. §. 22. Drittens hat auch zu derselben Zeit unser Brunnen von Jahren zu Jahren nicht ordentlich besuchet werden und eine bestaͤndige Renommée bey Auswaͤrtigen uñ Fremden be- halten koͤnnen, wegen der grossen und vielen Krieges-Unruhen, Krieges-Unruhen und Pest. welche gegen das Ende des 16den Seculi und waͤhrendem 30. jaͤhrigen Krie- ge im folgenden Seculo nicht allein den Nieder- Saͤchsischen Creyß und Westphalen, sondern auch den Pyrmontischen District ins besondere oͤffters gar hart mit betroffen; wie auch die graͤuliche Pest damals in Teutschland aller- hand Zerruͤttungen verursachet hat. §. 23. Wir gehen aber fort zu dem Jahre 1628. von demselben schreibet Herr Bolmann, Bolmann von An 1628. gewesener Stadt- Physicus zu Hameln, in sei- ner Beschreibung des Pyrmontischen Brun- nens Anno 1661. zum ersten mahl zu Rinteln gedruckt, daß er damahls von dem Kayserlichen General-Feld- Marechal, Grafen von Pap- penheim, nach Luͤde beruffen worden, da er auf der Durchreise den Brunnen besuchet, und aus dem Geschmack des Wassers geurtheilet, daß derselbe nicht allein zum baden (dazu er damals meh- von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. mehrentheils gebraucht worden) sondern auch zum Trincken gut seyn moͤchte. Er hat sich also hernach oͤffters zum Brun- nen begeben, und was daselbst bey den Brun- nen-Gaͤsten und derselben Curen vorgefallen, fleißig in Acht genommen und angezeichnet. Das Wasser hat er 5. mahl abgezogen, und den Brunnen selbst 3. mahl gebrauchet. Wie nun endlich Anno 1648. der Westphaͤ- lische Friede zum Schluß gebracht, und die Ru- he in Teutschland wieder erlanget worden, auch die Streitigkeiten zwischen Paderborn und dem Hause Waldeck, wegen Pyrmont auff gutem Fuß stunden, voͤllig beygelegt zu werden, so haben nachmahls, sonderlich Anno 1651. und folgende Jahre wieder viele den Brun- nen besuchet und innerlich gebrauchet. §. 24. Anno 1655. Anno 1655. \& 1660. faͤhret angefuͤhrter Herr Bolmann fort, und Anno 1660. haben den Brunnen Graͤfliche, Adeliche und viele vor- nehme Standes-Personen gebraucht, welche sich alle wohl darnach befunden. Es hat sich also dieser Autor sehr verdient um den Bruñen und bey viel tausend Menschen, welche ihre Ge- sundheit nachher durch den Gebrauch desselben unter Goͤttlichen Segen wieder erlanget ha- ben, gemacht. Er ist der erste Medicus gewe- sen, welcher den Brunnen aufs neue wieder er- hoben, des Tabernæmontani arsenicali sche C 2 Ver- Cap. II. Historische Nachrichten Verlaͤumdungen refuti ret, und den ehmahli- gen nuͤtzlichen Gebrauch innerlich so wol als aͤußerlich wieder eingefuͤhret hat. Seine Brunnen-Beschreibung ist ordentlich, und seine practi sche Anmerckungen, was den Gebrauch des Wassers anbelanget, sind meistentheils richtig und gut. Es ist auch nach solcher Zeit kein Jahr vorbey gangen, daß nicht der Brun- nen von einer grossen Menge Frembden aller- hand Standes besucht worden; und wie die Zahl der Jahre, so ist auch der Ruhm dessel- ben durch mannigfaltige gute Erfahrung jaͤhr- lich angewachsen, bis auf diese Zeit. §. 25. Anno 1668. hat Anno 1668. der Hochselige Fuͤrst von Waldeck, Georg Friedrich, General-Feld- Marechal der Vereinigten Niederlande, wel- cher sich sonderlich ruhmwuͤrdig angelegen seyn lassen, den Ort in guten Stand zu bringen, und denen Cur-Gaͤsten alles Vergnuͤgen und Bequemlichkeit zu verschaffẽ, eine schoͤne Allée Allée. von 4. Reihen Linden-Baͤumen auf 500. Schritt lang und 40. Schritt breit pflantzen, auch ein groß achteckichtes Brunnen-Hauß Brunnen-Hauß. 42. Fuß im Diametro und 60. Fuß hoch uͤber dem Trinck-Brunnen aufbauen, und das Was- ser reinlich einfassen und ableiten lassen; wel- ches denn noch bis auf diese Stunde in Bau- und von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. und Besserung erhalten wird, damit so wol die Qvelle vor aller Unreinigung moͤge bewahret bleiben, als auch, wenn Regen-Wetter ein- faͤllet, man unter Dach stehen und trincken koͤnne. Es wird zwar aus des Johannis Pyrmonta- ni Tractaͤtlein angefuͤhret, daß Herr Graf Phi- lipp Ernst von Gleichen den Brunnen mit ei- nem statlichen Gebaͤude und mit einer rennli- chen Wasser-Roͤhre habe versehen lassen; weil aber noch viele Leute im Leben sind, welche gar wohl gedencken, daß der Brunnen unter frey- em Himmel bloß mit Eichen-Holtz eingefasset gestanden, so muß entweder solches erstere Ge- baͤude bey denen Krieges-Unruhen gaͤntzlich wieder herunter gerissen worden, oder diese Nachricht muß nicht gar zu richtig seyn. §. 26. Anno 1677. hat der selige Herr D. Andreas Cunæus von Keil, D. Cunæi Brunnen-Beschreibung, A. 1677. ein sehr gelehrter und erfahrner Practicus, gebuͤrtig aus Kalbe in Sachsen, seine Beschreibung des Pyrmon- tischen Sauer-Brunnens zum ersten mahl her- aus gegeben, welche nachmahls 3. bis 4. mal wieder aufgelegt, und bißher als ein noͤthiger Unterricht bey dem Brunnen ist gebraucht worden. Es hat dieser Herr D. Andræas Cu- næus uͤber 30. Jahr bey dem Pyrmontischen Brunnen practici ret, hat denselben selbst 28. mahl ordentlich gebraucht, und ist erst vor 4. C 3 Jah- Cap. II. Historische Nachrichten Jahren A. 1713. im 74sten Jahre seines Alters in Sachsen zu Nieder-Roͤblingen auf seinen Guͤ- tern gestorben. §. 27. Zu dieses Medici Zeiten haben auch die beruͤhmten Hochfuͤrstl. Hannoͤverischen und Zellischen Leib- Medici, Andere beruͤhmte Medici bey dem Brunnen. Herr D. Conerding und Herr D. Kotzebu den Brunnen oͤffters be- suchet. Noch haben damahls zu Pyrmont or- dentlich practici ret, der sel. Herr Georgius Cu- næus von Keil (welcher biß 1712, da er gestor- ben, bey 30. Jahr daselbst gewohnet hat,) Herr D. Dreckmeyer von Bilefeld und andere. Unzaͤhlig viele gelehrte Doctores und Pro- fessores Medici sind von Jahren zu Jahren nach Pyrmont kommen, den Brunnen selbst zu sehen und zu versuchen, welche alle so wol den innerlichen als aͤußerlichen Gebrauch desselben gut und nuͤtzlich gefunden und approbi rt haben. §. 28. Anno 1681. Anno 1681. ist das Jahr, da man nebst der verwittibten Koͤnigin von Denne- marck, Sophia Amalia, Friderici III. Gemah- lin, und gebohrneꝛ Hertzogin von Braunschweig und Luͤneburg, (welche den 18. Jun. st. v. da- selbst angelanget,) 27., etliche melden, 40. biß 50. Fuͤrstliche Personen bey dem Brunnen zu Pyrmont gezaͤhlet. Man findet eine ausfuͤhr- liche Nachricht davon in dem Mercure galant dedié a Monseigneur le Dauphin; Mois d’Aoust von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. d’Aoust 1681. Imprimé a Paris au Palais, wo- selbst auch die 27. Fuͤrstlichen Personen alle specifici ret, und ihre Divertissements angefuͤh- ret werden. §. 29. Eben dasselbe Jahr hat Herr Joh. Rath, Guarnison- Prediger zu Hameln, Herrn Raths Brunnen-Spiegel. dem Pyrmontischen Brunnen zu Ehren, einen Tra- ctat, anderthalb Alphabet lang, durch den Druck heraus gegeben, und denselben dem da- mahligen Bischoff zu Oßnabruͤck, Ernst Augu- sto, Hertzogen zu Braunschweig und Luͤneburg, dedici ret. Er nennet das Buch einen Brun- nen-Spiegel, und bestehet aus allerhand theo- logi schen, historischen und physicali schen An- merckungen, welche sich wohl zur Sache schi- cken, auch wohl ausgesuchet, aber sehr undeut- lich eingetheilet sind. §. 30. Anno 1687. Hat Herr D. à Gehema in einem Send-Schreiben D. à Gehema Send-Schreiben, A, 1687. an Ihro Hoch- Fuͤrstl. Durchlauchtigkeit Fuͤrsten Georg Frie- derich hochsel. Andenckens, seine Meinung von dem Pyrmontischen Gesund-Brunnen, ans Licht gegeben, darinnen er sich aber, was den Innhalt des Wassers anbelanget, gantz mit des sel. Herrn D. Cunæi Feuer-Proben con- formi ret. Indessen erinnert er dabey, daß man den Brunnen mit wenig Recht Sauer- Brunnen heisse, weil die Saͤurigkeit dieses und C 4 ande- Cap. II. Historische Nachrichten anderer Gesund-Brunnen gantz und gar un- terschieden sey, von derjenigen Saͤure, welche unser Gebluͤth dicke mache und coaguli re. In eben dem Jahre ist noch ein klein Buͤch- lein Desiderii Gottfrieds Pyrmontisches Brunnen-Gespraͤch genannt, Brunnen-Gespraͤch. zu Lemgow ge- druckt, in welchem auf die Art, wie in des Hn. Raths Brunnen-Spiegel einige Materien ab- gehandelt werden. §. 31. Anno 1700. hat der gelehrte Herr M. Johann Reiscius, M. Reiskii Commentatio, A. 1700. Rector Scholæ Guelferby- tanæ, seine Commentationem physicam \& hi- storicam de Acidulis Piermontanis heraus ge- geben. Es waͤre zu wuͤnschen, daß dieser Au- tor die historischen Anmerckungen weitlaͤuffti- ger und umstaͤndlicher eroͤrtert, und die uͤbrigen Capita denen Medicis uͤberlassen haͤtte. Man solte gedencken, daß er zu dem erstern die schoͤn- ste Gelegenheit gehabt, bey der trefflichen Her- tzoglichen Bibliotheck zu Wolfenbuͤttel, da es an alten Chronicken, Annalibus und allerhand MStis nicht fehlet, aus welchen vielleicht eine vollkommenere Historie de Comitatu \& Aquis mineralibus Piermontanis haͤtten koͤnnen zu- sammen getragen werden. §. 32. Anno 1704, hat der sel. Herr Ernst Casimir Wasserbach, Hochgraͤflicher Lippi- scher von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. scher Amtmann zu Barndorff, Wasserbachs satyri sche Verse, A. 1704. einige teutsche satyri sche Verse mit unterschiedlichen histori- schen Anmerckungen unter dem Titel, perpetu- um mobile Pyrmontanum æstivum, heraus gegeben. Und Anno 1706. sind des Herrn Sigis- mund Beermanns Holtzmindensis, nunmeh- ro wohl meriti rten Predigers, Beermanns historische Nachrichten, A. 1706. historische Nachrichten von der Grafschafft Pyrmont und denen Sauer-Brunnen gedruckt worden, wel- che kurtz gefasset, und unterschiedliche speciale Anmerckungen in sich halten, weil der Herr Au- tor sich eine geraume Zeit zu Pyrmont aufge- halten. In eben demselben Jahre hat der Herr D. Andreas Cunæus D. Cunæi Fragen vom Tabac, Caffée \&c. ein paar Briefe drucken und in denenselben die Fragen gantz kurtz beant- worten lassen, ob Taback, Caffee und Thee bey dem Brunnen zu gebrauchen, item, von dem Warm-Trincken des Brunnens; ob sich die mercuriali sche Salivation s-Cur bey dem Brun- nen reime? ꝛc. §. 33. Endlich wird das Jahr 1716. A. 1716. billich unter die beruͤhmten Jahre gezaͤhlet werden, weil im Anfang verwichenen Sommers Ihro Czaarische Majestaͤt, Petrus Alexiewitz, re- C 5 gie- Cap. II. Historische Nachrichten gierender Czaar in Groß-Rußland, als auch acht Wochen hernach Ihro Koͤnigl. Majestaͤt von Groß-Britannien, Georg Ludwig, Chur- Fuͤrst und Hertzog zu Braunschweig und Luͤne- burg, unsern Brunnen mit dero hohen Gegen- wart beehret haben. Ihro Czaarische Maje- staͤt haben den Fruͤhling vorher einen Medicum zu den vornehmsten Brunnen und Baͤdern Teutschlandes voraus gesandt, und dieselben probi ren und examini ren lassen, worauf dann nachmals nach abgestatteten Bericht, von dero hohen Person das Pyrmontische Wasser fuͤr andern erwaͤhlet worden. Sie sind den 6ten Junii bey dem Brunnen ankommen, haben 17. Tage mit mercklichem Vortheil dero Gesund- heit und sonderbarem Vergnuͤgen das Wasser ordentlich getruncken, und sind den 26sten ejus- dem bey gutem Wohlseyn wieder abgerei- set. Ihro Koͤnigl. Majestaͤt von Groß-Britan- nien langten den 3. August. zu Pyrmont an, und gebrauchten das Wasser 15. Tage mit dem gewoͤhnlichen guten Effect, welchen sie schon seit Anno 1705. iedesmahl verspuͤhret, in wel- cher Zeit sie den Brunnen 6. mahl aus der Qvelle gebrauchet und alle gewuͤnschte Nutz- barkeit zu dero Gesundheit durch die Cur er- langet haben. GOtt erhalte diese hohe Haͤu- pter bey bestaͤndigem hohen Wohlergehen biß zu den spaͤtesten Jahren. §. 34. von denen Pyrmont. Gesund-Brunnen. §. 34. Zum Schluß dieses Capitels koͤnten nun noch verschiedene Zeugnisse aus denen neu- ern Schrifften gelehrter Medicorum Zeugnisse in Schrifften der Medicorum. angefuͤh- ret werden, von denen trefflichen Tugenden und Wuͤrckungen des Pyrmontischen Brun- nens, als welches hauptsaͤchlich mit zu der Hi- storie desselben gehoͤret. Denn es stehet mir selbst, als einem gebohr- nen Pyrmontaner und Einwohner des Orts, nicht wohl an, den Vorzug, welchen unser Was- ser vor denen meisten bekannten Sauer-Brun- nen hat, durch grosse Lob-Reden vorzustellen. Ich wolte also lieber andern, denen das Pyr- montische Wasser so viel angehet, wie mir die entferntesten Brunnen, in diesem Stuͤck das Wort thun lassen. Es moͤchte aber dieses Werck zu weitlaͤufftig und dem Leser verdruͤß- lich fallen, daher wir nur mit ein paar Worten eines gelehrten Mannes Urtheil an statt aller uͤbrigen anfuͤhren, und damit zeigen wollen, in was fuͤr Credit dieses Wasser nach allerhand Begebenheiten und Meynungen, endlich gera- then, und was von denen gelehrtesten und er- fahrensten Medicis und Kennern nunmehro zu unserer Zeit davon gehalten und statui ret werde: Es schreibet Herr Rath Hoffmann, D. \& Professor Med. Primarius auf der Koͤniglichen Preußischen Universitaͤt Halle, in seiner gelehr- ten Cap. II. Hist. Nachr. v. den Pyrmont. ꝛc. ten Dissertation de Acidularum \& Thermarum ratione ingredientium \& Virium convenien- tia, welche Anno 1712. gehalten worden von dem Pyrmontischen Wasser §. VI. folgendes: Optimi qui virtute OMNES nostro quidem judicio antecellunt, sunt Fontes Pyrmontani. §: IX. stellet er dieses Wasser pro Exemplari, die Proben darnach zu machen, mit folgenden Worten: Placet in medium proferre Fonti- um Pyrmontensium examen a nobis non ita pridem institutum, qui nostro judicio OMNES nobis cognitos subtilitate \& spirituum copia antecellunt. Daß dieser beruͤhmte Mann unter den heutigen Medicis docentibus in Teutschland sein Werck am meisten davon ge- machet, die minerali schen Wasser zu untersu- chen, auch die groͤßeste Wissenschafft und Er- fahrung davon habe, solches wird niemand laͤugnen, der seine uͤbrige gelehrte Schrifften von dieser Materie gelesen. Es kan also diese Approbation instar omnium vor dieses mahl gnug seyn. CAP. CAP. III. Physicali sche oder natuͤrliche Beschrei- bung des Pyrmontischen Thales und derer minerali schen auch andereꝛ in der Naͤhe befindlichen Qvellen. §. 1. W Enn von der Natur Nutzen der Natural- Historie. und dem wahren Inhalt der Wasser in einer Landschafft vernuͤnfftig soll geurtheilet werden, so giebet kein geringes Licht, wenn man die Geographiam physicam \& subterraneam desselbigen Orts, oder die Beschaffenheit des angraͤntzenden Erd- reichs, Grundes und Bodens, aus welchen sol- che Wasser herfuͤrqvellen, zuvor wohl gelernet und erforschet hat. Wir wollen also, ehe wir zu unsern minera- li schen Qvellen selbst kommen, vorher einige Umstaͤnde der Natural- Historie anfuͤhren, und erwaͤgen, welche theils merckwuͤrdig und an- genehm, theils auch unsere uͤbrige Grund-Saͤ- tze und Beweißthuͤmer mehr erlaͤutern und be- staͤtigen koͤnnen. §. 2. Es ist der Pyrmontische Thal, wie wir Cap. I. §. 9. erwehnet haben, Gebuͤrge um den Pyrmontischen Thal. rings umher mit hohen Cap. III. Natuͤrliche Beschreibungen hohen Bergen, oder vielmehr rechten Gebuͤrgen umgeben, welche sich sonderlich Nord-West- und Suͤd-waͤrts weit und ferne erstrecken, daß man einen ziemlichen Spatzier-Weg uͤber die Berge gehen muß, ehe man wieder in eine so niedrige Gegend, als die Pyrmontische ist, ge- langet. In Absicht auf unseren Brunnen kommen hier nur die Berge, Huͤgel und Hoͤhen gegen Norden in Consideration, weil an dem Fuß dererselben, ob gleich eine gute Ecke herunter, die Qvellen entspringen, und also ohne Zweifel ihren minerali schen Innhalt daher fuͤhren. §. 3. Der oberste Theil dieser Berge und Hoͤ- hen ist an denen meisten Orten ein gut und recht fruchtbares Erdreich, Das Erdreich. auf welchem allerhand Getrayde und Garten-Gewaͤchse, wie der Au- genschein jaͤhrlich lehret, gar wohl kan ange- bauet und gezogen werden. Auf diese Erde folget schichtweise gelber oder weisser Leimen, Letten, Mergel, Sand ꝛc. an einem Orte dieses, an einem andern jenes. Nach solchen Stratis oder Schichten, wie auch an verschiedenen Or- ten gleich oben an, findet man sehr haͤuffig einen braunen und roͤthlichen Stein, ent- weder in grossen Stuͤcken oder viel kleinem Gebroͤckel. §. 4. Ohngefaͤhr 800. Schritt vom Brun- nen des Pyrmontischen Thals. nen gegen Osten ist eine Stein-Grube, Stein-Grube. wo- selbst noch jaͤhrlich dergleichen Steine in grosser Menge gebrochen werden, weil solche vier- eckigt fallen, und also gute Mauer-Steine geben. Es lassen sich dieselben von der Seiten, wie sie horizontal gelegen, in viele Splitter und gantz duͤnne Blaͤttlein spalten, da denn viele in- wendig wie mit subtilen Silber-Feilspaͤnen be- streuet sind. Diese Steine liegen in der Grube von Na- tur alle in grosse Stuͤcke gespalten und sind zwi- schen denenselben allenthalben Ritzen, welche mit einer zaͤhen klebrichten und roͤthlichen Erde angefuͤllet. Es ist solche gestaltet wie eine Terra Lemnia, und ziehet einem, wie alle der- gleichen Eisen-Erde, den Mund gelinde zu- sammen. §. 5. Ob ich nun gleich in diesem Steinbruch oͤffters nachgesucht, in Meynung etwas rechtes von Ertz, Pyrites, Eisen-Steine oder Kiese zu finden, so habe dergleichen doch bis dato an diesem Orte nicht antreffen koͤnnen. Indessen ist gewiß, daß, wenn man in die- ser Gruben tieffer brechen solte, da man bißhero nur fortgefahren horizontal in den Huͤgel hinein zu arbeiten, man endlich auf ein schwefelichtes Ertz kommen wuͤrde. Es Cap. III. Natuͤrliche Beschreibungen Es wissen auch einige Oestorffische Einwoh- ner zu erzaͤhlen, daß vor mehr als 20. Jahren an einem Orte etwas tieffer gegraben worden, da denen Arbeitern ein so starcker Dunst entgegen gekommen, Erstickende minerali sche Duͤnste. daß sie davon weichen muͤssen. Auch bin ich vor 2. Jahren an demselben Ort zu einem Loch kommen, wo etwas Regen-Wasser zusammen gelauffen war, von welchem mir ge- sagt worden, daß oͤffters todte Voͤgel daselbst gefunden wuͤrden; daher ich begierig war, sol- ches selbst zu sehen, und nach der Ursach zu for- schen. Ich habe damahls auf einmahl mehr als zehen Stuͤck allerley kleine Voͤgel, Maͤuse, Eidexen und Schlangen gezaͤhlet, welche gleich auf der Stelle erstickt und todt um das Loch herum lagen. Es haben dieses Jahr die Steinbrecher auff meine Veranlassung an einem Orte wieder an- gefangen in die Tieffe zu brechen, worauff sich bald die schwefelichten Duͤnste wieder spuͤhren lassen, auch einige Tage angehalten, ob gleich die Oeffnung und Tieffe des Loches noch gar gering war. §. 6. Man siehet indessen hieraus, daß man nicht viel Muͤhe haben wuͤrde, zu Pyrmont eine Grotta del Cane, wie auf dem Lucullianischen Huͤgel eine halbe Meile von Napoli gefunden, und von denen Reisenden bewundert wird, zu verfertigen. Wie des Pyrmontischen Thals. Wie mir denn dergleichen duͤnstige Schwe- fel-Gruben und Keller an andern Orten, wo minerali sche Wasser sind, sonderlich zu Ems und Schwallbach gezeiget worden, welche ei- nige Autores bereits angefuͤhret und beschrie- ben haben. §. 7. Ich bin zwar nicht der Meinung, daß unsere minerali sche Qvellen von der Ost-Sei- te, an welcher besagte Stein-Grube gelegen ist, herunter kommen, indessen dienen doch sol- che Umstaͤnde mit zum Beweiß, daß eine gantz unterirrdische Gegend mit einem schwefelichten Ertz oder Kies angefuͤllet seyn muͤsse. Damit aber nicht einige, die von der gleichen Effect derer Schwefel-Duͤnste keine Wissen- schafft haben, hierbey auf die Gedancken kom- men moͤgen, als wenn solches eine Anzeige, daß etwas gifftiges arsenicali sches in der Erden vor- handen, so muß nur kuͤrtzlich dagegen erinnert werden, wie Exempel genung bekannt, daß Leu- te in grossen Kellern eben auf eine solche Art von denen aufsteigenden Duͤnsten eines gaͤhrenden Weines oder Bieres erstickt sind, wie solches Cap. 4. §. 42. mit mehrern angefuͤhret wird. §. 8. Gegen Norden lieget nun ohngefaͤhr 500. Schritt von dem Brunnen der so genann- te Bomberg, Der Bomberg. ein grosser, hoher und langer Berg, in welchem oder vielleicht in denen naͤchst- angelegenen Bergen, so viel man wahrscheinlich D muth- Cap. III. Natuͤrliche Beschreibungen muthmassen kan, sich das Wasser zu unsern Qvellen sammlet, hernach durch den Grund de- rer Berge und die umherliegenden Huͤgel biß an die Oerter, da es Ausgaͤnge und Loͤcher fin- det, sich herdurch sencket. Was nun in die- sen Bergen eigendlich von Mineralien moͤchte gefunden werden, ist bißhero nicht untersuchet worden. §. 9. Nicht ferne aber von dem Brunnen, auf derselbigen Seite, oben an dem heiligen Anger findet sich eine breite, duͤrre, steinigte Hoͤhe, welche allenthalben voller Gruben ist, und aussiehet, als wenn vor vielen Jahren das unterste zu oberst gekehret und tieff hinein gear- beitet worden (welches wohl bey denen offtma- ligen Belagerungen des Schlosses wird gesche- hen seyn.) Die Art derer Steine ist daselbst loͤchericht und wie ein Toff-Stein Eisenhaltige Toff-Steine. anzusehen, welche von einigen Duff-Steine oder Duck-Steine ge- nennet werden. Auf dieser Hoͤhe sind einige Oeffnungen und Loͤcher, aus welchen man eine Menge Steine mit der Hand heraus brechen kan, welche wie lauter Eisen-Rust aussehen, einige roͤther, ande- re braun und schwartz. Auch habe daselbst in einem Loche vor einem Jahr im Fruͤhling ein grosses Stuͤck petrifici rtes oder mit Stein und Eisen-Ertz eingebeitztes Holtz ge- fun- des Pyrmontischen Thals. funden. Petrifici rtes Holtz. Ich ließ ein paar Loth davon stos- sen, und triebe es in meinem Schmeltz-Ofen durch den schwartzen Fluß, ließ nachmahls die leichte Schlacken davon abwaschen, und hielte uͤber das schwere getrocknete Sediment einen Magneten, da flogen viele Eisen-Theilgen an demselben in die Hoͤhe, und wurde ich also des Eisenhaltes versichert. §. 10. Weil nun viele derer oͤbersten Steine sol- che Spuhꝛen von Eisenertz geben, so ist zu vermu- then, daß, wenn man tieffer graben solte, man ei- nen grossen Vorrath von Eisen und Schwefel- Kiesen antreffen wuͤrde. Viele von besagten Steinen kommen mir vor als wie ausgelaugete Pyritæ, welche durch Lufft, Regen und Son- nenschein ihres Schwefelhaltens beraubet wor- den, da denn das Eisen als ein Crocus oder Rust alleine bey der steinigten Materie zuruͤck ge- blieben. §. 11. Noch etwas weiter hinunter von die- ser Hoͤhe ohngefaͤhr einen Buͤchsen-Schuß von denen Gesund-Brunnen findet man die Stein- Qvellen, Stein-Quellen. welche sich daselbst auf einem Huͤ- gel ziemlich weit ausbreiten und rings umher, wo das Wasser hinfliesset, den gantzen Boden, Graß, Mooß und andere Sachen mit einer di- cken steinernen Kruste uͤberziehen und bedecken, so, daß an etlichen Orten, wenn man etwas da- D 2 von Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung von haben will, solches mit Beil und Hacken loß- gehauen werden muß. §. 12. Nimmt man eine Hand voll von dem schwartzen Schlamm aus diesen Qvellen, so riechet solches wie ein Hepar Sulphuris oder wie der Geruch, Schwefel-Geruch in demselben. welchen das Buͤchsen-Pulver in einem Schieß-Gewehr nachlaͤsset, so bald solches loßgeschossen ist. Eben denselbigen Geruch verspuͤhret man, wenn diese Steine starck gebrannt und hernach ins Wasser ge- worffen werden. Daher denn mit nicht geringer Wahrschein- lichkeit zu schliessen, daß das Wasser von dem Schwefel unter der Erden die Eigenschafft und Krafft bekommen habe, die steinigte Materie aufzuloͤsen und in sich zu fassen, welche dasselbe hernach in der freyen Lufft wieder fallen laͤßet. §. 13. Weil nun ein grosser Strich von dem heiligen Anger, nehmlich von diesem Ort biß an den Schloß-Graben und uͤber den neuen Ca- nal, auch hinunter biß ans Waysen-Hauß ei- nen Stein oder Felsen Felsen um die Brunnen. von solcher Art, wie unsere Stein-Qvellen, herfuͤr bringen und an- setzen, zum Grunde hat, welcher an etlichen Or- ten kaum mit einem Fuß tieff Erde bedecket ist, so ist glaublich, daß dieser Felsen mit einander nach und nach auf eben solche Art durch das Was- des Pyrmontischen Thals. Wasser herfuͤr gebracht und gezeuget worden. Man siehet anietzo noch an dem Orte, wo wir die Stein-Qvellen beschrieben haben, daß solche bald an der einen Stelle sich verliehren, weil die Stein-Materie den Ausgang nach und nach zuschliesset, bald an einer andern wieder herfuͤr brechen. Also haben vielleicht die Stein-Qvellen, wer weiß vor wie viel hundert Jahren ihre Ausgaͤn- ge niedriger gehabt, welche sich nach und nach gestopffet und mit der felsichten Materie zuge- setzet, so, daß das Wasser immer hoͤher steigen und durchbrechen muͤssen. §. 14. Denn daß der Felsen ehemahls weich und aufgeloͤset gewesen, zeigen die vielen Schne- cken-Haͤußlein an, Schnecken-Haͤußlein in dem Felsen. welche man mitten in de- nen haͤrtesten Stuͤcken auch in denenjeni- gen, welche Anno 1710. mit Pulver tieff aus dem neuen Canal gesprenget worden, findet. Es sind auch dieselben alle von unsern ein- heimischen Gattungen, welche also eben nicht mit unter die Reliqui en der allgemei- nen Suͤndfluth muͤssen gezaͤhlet werden; biß- her habe noch keine eintzige Meer-Muschel darinnen finden koͤnnen, welche sonst an vielen anderen Orten in Steinen und Mi- neris in grosser Menge angetroffen wer- den. D 3 §. 15. Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung §. 15. Was die Quellen und Wasser anbe- langet, welche um die Gesund-Brunnen herum gefunden werden, Natur der Wasser in der Nachbarschafft um die Gesund-Brunnen. und von einigen Hoͤhen und Bergen gegen Norden und Osten herunter kom- men, so ist von denenselben anzumercken, daß solche alle mit einander etwas von dem saͤuerli- chen minerali schen Schwefel- Spiritu bey sich haben, welches sonderlich diejenigen, welche von andern Oertern herkommen und dergleichen Wasser ungewohnet sind, gar eigentlich schme- cken koͤnnen. Nichts desto weniger da bekannt, daß kein Wasser so rein und lauter, von welchem nicht etwas solte zuruͤck bleiben, wenn man es ab- rauchen laͤßt, so sind unter unsern Wassern die- jenigen, welche von der Ost-Seite herunter kommen, die suͤßesten, und geben gar ein ge- ringes Sediment. Ich habe von einigen derer- selben aus fuͤnff Pfund nur ein Paar Gran bit- terlich Saltz, und das uͤbrige weisse Erde, mit einander zehen Gran bekommen. §. 16. Wegen der suͤssen Wasser, welche auff dieser Seite entspringen, ist ein Ort merckwuͤr- dig, woselbst vier Quellen nahe bey einander sind unten an einem Huͤgel, welcher gleich neben der Stein-Grube, die wir §. 4. beschrieben, gele- gen ist. Es des Pyrmontischen Thals. Es ist ein altes Gewoͤlbe Altes Wasser-Gewoͤlbe. oben mit Mooß und Hecken uͤberwachsen, ohne daß man die geringste Spuhr und Nachricht hat, daß ein Gebaͤude dabey oder daruͤber gestanden, also, daß solches allein wegen derer Qvellen angelegt zu seyn scheinet. Es wird von hiesigen Ein- wohnern der Eichen-Keller genennet, weil auff dem Huͤgel verschiedene alte Eichen stehen. Das Gewoͤlbe ist uͤber 60. Fuß lang, unten bey dem Eingang 9. Fuß breit, hernach aber zur rechten Hand hinauf die groͤsseste Laͤnge nur 5. Fuß weit, biß es endlich oben noch enger zusammen gehet. Die Hoͤhe ist auf 7. Fuß, kan aber nicht eigentlich gemessen werden, weil gar viel Erde und Schlamm darinnen zusam- men geflossen. Oben und zur Seiten gegen den Berg sind 4. Loͤcher ausgemauret, die Qvellen in das Ge- woͤlbe zu leiten. Unten der Abzug wie auch der Eingang sind so angeleget, daß solche leicht koͤnnen zugemachet und also das Wasser nach Belieben auffgeschwellet werden. §. 17. Wie alt nun dieses Gewoͤlbe, und wer es bauen lassen, solches habe bißhero von nie- manden erfahren koͤnnen; indessen ist nach an- gezeigten Umstaͤnden wahrscheinlich, daß das- selbe wohl ehemahls als ein kaltes Bad mag ge- brauchet worden seyn, wozu es denn leicht wie- der koͤnte aufgeraͤumet und zubereitet werden. D 4 Es Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung Es ist bekannt, daß die alten Roͤmer, und nach denenselben viele andere Nationes die kal- ten Baͤder in suͤssem frischem Wasser oͤffters ge- brauchet haben, wie solches Sir John Floyer und D. Baynard in ihrem Buch genannt: The History of cold Baching both ancient and mo- dern, ausfuͤhrlich beschrieben, und allerhand grosse Curen von ihren jetzigen kalten Baͤdern in England angefuͤhret haben. Also mag die- ses Wasser-Gewoͤlbe vielleicht von einer ehe- mahligen Herrschafft des Pyrmontischen Di- stricts zu gleichmaͤßigen Gebrauch angeordnet und erbauet seyn. §. 18. Noch ist an dieser Seite ohngefehr ein paar hundert Schritt von der Stein-Gru- be und dem alten Wasser-Gewoͤlbe an dem obern Fahrwege nach der Brauerey in einem Garten ein sehr starcker Sprung eines saͤuerli- chen angenehmen Wassers, Berg-Saͤuerling. welches viel von dem saͤuerlichen minerali schen Spiritu participi- ret, sonst aber von Eisen und andern minerali- schen Materi en, ausser etwas bitterlich Saltz, und ein wenig subtilisi rte Erde, nichts mit sich fuͤhret. Wir haben solchem in diesem Tractat den Nahmen Berg-Saͤuerling gegeben, weil er an einem Huͤgel aus einem steinigten Grunde, und viel hoͤher als alle unsere andere Sauerquellen entspringet. Es des Pyrmontischen Thals. Es laͤsset sich dieses Wasser sonderlich wohl mit dem Wein vermischen, effervesci ret und perlet mit demselbigen und schmecket sehr an- genehm. Man kan es in vielen Stuͤcken mit dem Toͤnnigsteiner Wasser vergleichen, nur daß es nicht so viel Saltz haͤlt. Es ist Schade, daß man solches bißhero so wenig geachtet, und nicht zum Gebrauch sauber eingefasset hat; Denn zum wenigsten waͤre es ein schoͤnes Was- ser vor diejenigen, welche Wasser unter dem Wein bey der Cur zu trincken gewohnet sind, da denen Ungewohnten der ordinai re Sauer- Brunnen uͤber der Mahlzeit zu gebrauchen nicht wohl kan zugelassen werden. §. 19. Wir gehen weiter zu denen uͤbrigen Wassern, Natur der Wasser an der Nord-West-Seite. welche um den Brunnen gegen Norden und Westenwaͤrts entspringen. Man findet auf dieser Seite dieselben insgemein alle schwehrer und saͤuerlicher als gegen Osten. Vielleicht daher, weil solche viel tieffer als die- se hervor kommen, und also die Mineralien mehr beruͤhret haben. Es sind auch hier und da oben auf dem heiligen Anger, wie auch in meinem Garten und Kellern verschiedene klei- ne Quellen, welche einen saͤuerlichen Geschmack haben, gelbe Eisen-Erde ansetzen, und sonst mit dem Brunnen einerley Halt fuͤhren, doch in ge- ringerer Quanti taͤt. Auch findet man eine Menge solcher Quel- D 5 len Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung len auf der andern Seite in denen Wiesen, wel- che um die Papier- und Hamborn-Muͤhle lie- gen, sind aber alle schwach so wohl an Quanti- taͤt des Haltes, als auch, daß die Quellen gar klein, und nicht haͤuffig Wasser geben. Jedennoch, so viel dergleichen Quellen ge- funden werden, so viel Spuhren und Beweiß- thuͤmer sind es, daß eine solche gantze Gegend unter der Erden, mit Eisen- und Schwefel-Ge- steine angefuͤllet sey. §. 20. Es ist noch eines von denen Wassern, welche nahe um den Haupt-Brunnen entsprin- gen, anzumercken. Nur wenig Schritte hin- ter dem Brunnen-Hauß fliessen verschiedene kleine Quellen in einen Graben zusammen, wo- durch solche zu der allgemeinen Brunnen-Ba- che geleitet werden. In diesem Graben habe ich im Augusto ver- wichenen Sommers auf einmahl hin und wie- der uͤber 3 Pfund von dem schoͤnsten und reine- sten Lapide selenite, Anwachs des Lapidis Selenitæ. unter welchen Stuͤcke von 24 Loth gefunden, welche in diesem Wasser angeschossen und zusammen gewachsen waren. Es sind diese Qvellen nicht sonderlich saͤuerlich, setzen auch keine gelbe Erde ab. Wenn man das Wasser abrauchen laͤßt, bleibet ein gar ge- ringes Salini sches und irrdisches Sediment zu- ruͤck, indessen giebt doch diese natuͤrliche gene- ration des lapidis selenitæ eine Anzeige auf die- jeni- des Pyrmontischen Thals. jenige crystallinische Materie, welche durch die Kunst aus unseren Gesund-Brunnen geschie- den wird. Cap. IV. §. 116. 117. seq. §. 21. Wir kommen aber nun zu unseren minerali schen Gesund-Brunnen selbst: Situation der Gesund-Brunnen selbst. Es entspringen dieselben zwar in Vergleichung de- rer Hoͤhen, welche gegen Norden gelegen, nie- drig und im Grunde. In Absicht aber auf die uͤbrige Flaͤche gegen Suͤden und um den Emmer-Fluß liegen solche noch ziemlich hoch. Denn es gehet von unsern Brunnen biß unter die Allée uͤber 500 Schritt noch immer ziem- lich starck Berg unter, daß sich also auch dieser Ursachen wegen das fremde Gewaͤsser nicht zu unsern Quellen sencken kan. §. 22. Der Haupt-Brunnen, Der Trinck-Brunnen. welcher von Alters her eigentlich den Nahmen eines heili- gen Brunnens fuͤhret, ist wie wir Cap. II. §. 25. angezeiget haben, mit einem grossen achtecki- gen Hauß uͤberbauet, und wird dadurch von al- ler Verunreinigung, auch dem Zufluß des Re- gens und aͤusserlichen Feuchtigkeiten geschuͤtzet. Es ist solcher mit eigenen Bretern oder Boh- len in die Runde eingefasset, und hat der Platz, wo die Quellen heraufsteigen nur 4 und 1 hal- ben Fuß im Diametro. Das Wasser stehet uͤber denen Quellen 3 und 1 halben Fuß hoch, weil die Wasser-Rinne nicht wohl niedriger hat koͤn- Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung koͤnnen angeleget werden. Indessen ist das Gewicht des vielen uͤber denen Quellen stehen- den Wassers mit eine Ursache, daß dieser Brun- nen nicht so grosse und starcke Wellen aufstoͤs- set, als der Brodel-Brunnen, sondern nur im- mer kleine Blaͤßlein aufwirfft, wie ein Wasser das eben anfaͤngt zu sieden. Sonsten ist die Quelle sehr starck und haͤuf- fig, und habe ich in einer Minute 4 grosse Ey- mer voll an dem Ausfluß geschoͤpffet, den Eymer zu 30 Pfund, welches eine grosse Menge Was- sers ausliefert in 24 Stunden, wie solches §. 35. mit mehrerem angezeiget wird. §. 23. Zwey und viertzig Fuß von dieser Quelle springet der grosse Brodel-Brunnen, Der grosse Bade-Brunnen. welcher bißanhero allein aͤusserlich zum Baden ist gebrauchet worden, weil er nicht so spirituös, subtil und helle ist, wie der Trinck-Brunnen. Es ist derselbe 14 Fuß ins Viereck mit Ei- chen Holtz eingefasset, das Wasser stehet da- selbst 2 Fuß uͤber denen Quellen. Es finden sich in diesem Raum 30 biß 40 grosse und kleine aufstossende Wellen oder Brodel, welche ein so starck Gethoͤn und Geraͤusch machen, als wenn eine grosse Brau-Pfanne im staͤrcksten Sud ist, daß mans bey stillem Wetter auf 50. Schritte hoͤren kan. §. 24. Ich weiß nicht, ob dieses Auffbru- deln, Ursache des Aufbrodelns. welches fast allen minerali schen Quel- len des Pyrmontischen Thals. len, denen warmen so wohl als denen kalten ge- mein ist, und sich in unseren Bade-Brunnen so sonderlich findet, wohl genugsam und gruͤndlich von einem Autore mag seyn betrachtet worden. Ich halte dasselbe vor nichts anders als eine natuͤrliche Wasser-Kunst. Es muͤssen so wohl bey diesen als andern minerali schen Qvellen welche in denen Gruͤnden mit Gewalt aufstos- sen, und in die Hoͤhe brudeln, mitten in denen dabey herum liegenden Bergen und Hoͤhen, un- terirdische Teiche Unterirdische Teiche. oder Versammlungen des Wassers seyn. §. 25. Andere Wasser fliessen, so bald sich dieselben versammlet haben, aus denen Bergen heraus; diese Brunnen-Quellen aber haben sich vorher an einen hohen Ort schon wie in ei- nem Keller oder Behaͤlter versammlet, aus wel- chen solche nicht gleich an denen Bergen Loͤcher und Oeffnungen haben, sondern es wird nach und nach ein Theil des Wassers durch tieffe un- terirdische Adern und Gaͤnge von der druͤcken- den Last und Gewicht des hoͤher stehenden Wassers fortgepresset, biß solches endlich in de- nen Gruͤnden und niedrigen Oertern seinen Ausgang findet, da es denn durch die Oeffnun- gen mit einem Sprung und Brodel in die Hoͤhe fahren muß. Fehlet also an dieser natuͤrlichen Fontaine nichts als eine Spring-Roͤhre, welche den Ausgang enger und fester machte, daß das Wasser Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung Wasser mehr gezwungen wuͤrde, und nirgends zur Seiten ausweichen koͤnte. §. 26. Daß aber dergleichen Wasser-Hoͤh- len Erdfaͤlle und Wasser-Gruben. in denen Bergen gefunden werden, solches ist nicht allein aus verschiedenen unterirdischen Erd-Beschreibungen bekandt, sondern wir ha- ben auch in unserer Gegend, davon 3 gar deut- liche Merckmahle an denen 3 Erdfaͤllen oder Meeren, wie solche von dem gemeinen Mann genennet werden. Es liegen dieselbe 2500 Schritte von dem Brunnen uͤber dem Dorffe Holtzhaussen an einem Berge. Der grosse Erdfall lieget ziemlich hoch, und hat unten, so weit das Wasser stehet, im Diame- tro 280 Fuß. Das Ufer ist an der oͤberen Seite biß man ans Wasser kommt 130, unten wo es am niedrigsten 56 Fuß hoch. Die Tief- fe hat man bißher unergruͤndlich gehalten, es ist aber dieselbe vorigen Sommer in dem grossen Erdfall gemessen worden, da man das Wasser 7 Klafftern tieff gefunden. §. 27. Die zwey kleineren Erd-Faͤlle liegen ein paar hundert Schritte von dem grossen wei- ter herunter, und laͤsset sich aus des Herrn Bol- manns Brunnen-Beschreibung nachrechnen, daß das letzte Loch erstlich An. 1645. entstanden, da solches mit einer starcken Erschuͤtterung und grossem Geprassel eingefallen, und soll eben kurtz zuvor, wie erzehlet wird, ein Ackermann mit des Pyrmontischen Thals. mit Pflug und Pferden vom Lande gezogen seyn. Es haben auch vor wenig Jahren noch Leute gelebet, die solches dencken koͤnnen. In diesen Gruben ist nun iederzeit die Men- ge Wasser, und leben auch Fische darinnen, in- dessen siehet man so wenig wie das Wasser hin- ein koͤmmt, als wie nirgends ein bekanter Aus- fluß verspuͤhret wird. §. 28. Wir kehren aber wieder zu unserem Gesund-Brunnen, Der niedere Bade-Brunnen. woselbst wir noch einen dritten gegen Westen 112 Fuß von dem Trinck- Brunnen finden. Es ist derselbe auch mit Ei- chen-Bohlen 22 Fuß in die Laͤnge und 16 Fuß in die Breite eingefaßt. Das Wasser stehet in diesem Raum 4 Fuß tieff. Man siehet dar- innen verschiedene grosse und kleine Brodel auf- steigen. Dieser Brunn ist der schwaͤchste an Gehalt, und spuͤhret man auch den saͤuerlichen minerali schen Spiritum am wenigsten darinnen. Wird als ein kaltes Bad von denen Armen gebraucht, welche den Sommer uͤber hinein steigen. Es ist Schade, daß diese Quellen so tieff liegen, und von Schlamm und Erden nicht so rein koͤnnen gehalten werden, wie die andern beyden Brunnen, daher man das Wasser im- mer truͤbe findet. §. 29. Diese Brunnen nun bringen mit ein- ander, so bald solche aus der Erden kommen, eine Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung eine haͤuffige roth-gelbe Erde herfuͤr, Gelbe Erden in den Brunnen, und um diesel- ben. welche in denen Brunnen selbst, hernach auch in allen Rinnen und Graben, wodurch das Wasser fliesset, biß auf 600 Schritt von denen Qvellen in grosser Menge kan gesammlet werden. Auch ist das gantze Erdreich der Allée , und noch eine gute Breite auf beyden Seiten dersel- ben mit solcher gelben Erde angefuͤllet, welche daselbst an etlichen Orten gantz rein und lauter uͤber 2. Fuß dick auf einander gefunden und zu einer schoͤnen gelben und braun-rothen Farbe ausgegraben und zubereitet wird. Die grosse Menge dieser gelben Erde ist vermuthlich an dieser Seiten vor undencklichen Jahren, da das Brunnen-Wasser sich den Huͤgel hinunter er- gossen, wo es gewollt und gekonnt hat, mit Laͤnge der Zeit zusammen geflossen. Denn es findet sich dieselbe nicht uͤber, sonder unter den Quel- len auf der niedrigen Seiten gegen Suͤden, auch nicht weiter, als wie man anitzo noch vor Augen siehet, daß das Wasser das Eisen in der Brun- nen-Bache halten und fuͤhren kan. §. 30. Man hat diese Erde bißhero eine Ochram oder Ocker-Erde gescholten, Was die gelbe Erde sey. und es haben sich viele unter diesem Nahmen etwas sonderlich Grobes, und mehr Schaͤdliches als Nuͤtzliches vorgestellet. Uber dieses ist der Nahme des Pyrmontischen Thals. Nahme Ochra gar general und dunckel, weil alle gelbe Farben, so man aus der Erden graͤ- bet, auch eine gelbe Farbe aus dem Bley unter denen Ocker-Farben begriffen werden. Wenn ich unsere gelbe Erde, so wohl diejenige, welche aus denen Quellen und Wasser-Leitungen ge- sammlet, als die andere, so um die Allée gegra- ben wird, in einem Tiegel in Schmeltz-Ofen bringe, und mit dem Geblaͤse starck Feuer ge- be, so schmeltzt dieselbe zusammen und wird Eisen, welches den Magneten anhaͤnget, und wenn solche nur von der untergemischten Erde und crystallinischen Cremore (Cap. IV. §. 108.) ge- saͤubert ist, alle Eigenschafften hat, welche ein vollkommenes Eisen oder Stahl haben muß. Es geschicht dieses ohne den geringsten Zu- satz, da sonst nach D. Bechers Experiment aus iedem Leimen mit Zuthuung etwas Lein-Oehls oder einer andern Fettigkeit, Eisen-Staͤublein koͤnnen herfuͤr gebracht werden. Man gebe also dieser gelben Materie ihren rechten Nahmen, und nenne sie Eisen, oder wenn solche ja doch Erde seyn soll, so mag sie Ei- sen-Erde heissen. §. 31. Ob sich nun gleich diese Eisen-Erde allenthalben, wo das Wasser herfliesset, so haͤuffig ansetzet, so findet man doch bey unsern Gesund-Brunnen Man findet keinen Toff-Stein in unsern Gesund- Brunnen. weder in denen Wasser- E Rin- Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung Rinnen, noch sonst irgendswo den geringsten Tophum oder Toff-Stein, und ist solches um so viel merckwuͤrdiger, weil nicht weit von die- sen Brunnen die Stein-Quellen gefunden wer- den, wie wir §. 2. angefuͤhret haben, welche da- her unter der Erden gar keine Gemeinschafft mit denen Gesund-Brunnen haben muͤssen. In denen warmen minerali schen Wassern ist der Toff-Stein fast etwas allgemeines, da sich um die Ausgaͤnge, in die Roͤhren und allent- halben an die Raͤnde, Bretter und Kasten, wo- mit dieselben eingefasset, viele Stein-Rinden und grosse Stuͤcke anlegen, welche oͤffters mit Gewalt muͤssen weggebrochen werden, damit solche nicht alle Gaͤnge und Rinnen verstopffen und verderben. Daher ist offenbahr, daß der Halt derer kalten minerali schen Wasser nicht so grob und schwehr als derer warmen Baͤder sey. §. 32. Wenn die Bewegung der Hitze zu denen Menstruis Ein warmes Menstruum solvi ret staͤrcker als ein kaltes. kommt, so solvi ren solche viel staͤrcker und hefftiger. Da man zum Ex- empel einen schwachen Spiritum Nitri, Vitrio- li \&c. uͤber ein Metall giesset, und derselbe solches nicht angreiffen will, so laͤsset man es nur auf einem Ofen mit einander erwaͤrmen, als- denn faͤngt der Spiritus bald an zu arbeiten und aufzuloͤsen, auch wohl dasjenige, was er nicht hal- des Pyrmontischen Thals. halten kan, sondern wann es erkaltet wieder fal- len lassen muß. Auf eben solche Art stelle ich mir vor, das unterirdische Wasser, wenn sol- che durch den sauren minerali schen Spiritum der Schwefel-Kiese geschaͤrffet, und denensel- ben eine aufloͤsende Krafft mitgetheilet worden, da solche noch uͤber dieses erhitzet werden, viel schaͤrffer grobes und feines, was ihnen unter der Erden begegnet, aufloͤsen und in sich fassen. Hingegen kan der minerali sche Spiritus ohne Erhitzung in kalten Wassern insgemein nur das subtil ere und zur Aufloͤsung bequemste solvi ren, wie hier der Effect und die Erfahrung bezeu- gen. §. 33. Aber wieder auf die Eisen-Erde Die Quantitaͤt des Eisens und anderer Materien im Wasser. zu kommen, so ist nichts mehr offenbahr und vor iedermanns Augen bekannt in unserem Brun- nen als eben dieselbige, welche wie schon gemel- det, nicht allein in und um die Quellen so haͤuf- fig gefunden wird, sondern sich auch an alle Ge- faͤsse, in welchen das Wasser einige Zeit warm oder kalt gehalten wird, anleget und dieselben gelb faͤrbet. Dessen ohngeachtet ist dieses Ei- sen der kleineste Theil von der solid en Substan tz oder harten Materien, welche dem Wasser ein- verleibet sind. So viel ich bißher erforschen und nachsu- chen koͤnnen, haͤlt das Pfund Wasser nur zwey E 2 oder Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung oder anderthalb Gran Eisen, wenn solches, so viel moͤglich, von dem crystallini schen und alcali schen Cremore gesaͤubert, und also zu ei- nem reinen lauteren Stahl geschmoltzen ist. Das gantze Sediment aber, oder alles, was von harter und trockner Materie, nach Abduͤn- stung des frischen Wassers aus dem Trinck- Brunnen zuruͤck bleibet, ist 22 Gran schwehr, also daß das Eisen auffs hoͤchste 1 Eilfftheil aus- machet. §. 34. Da nun das Eisen ein so geringer Theil von demjenigen ist, was unser Wasser von solid er Substan tz in sich haͤlt, und doch Cent- ners-weise in und um die Brunnen kan ge- sammlet werden, so laͤsset sich nachrechnen, was fuͤr einen erstaunlichen Klumpen die Contenta solida mit einander ausmachen wuͤrden, wenn man zum Exempel beysammen sehen solte, wie viel das Wasser nur in zehen oder hundert Jah- ren aus denen Bergen heraus gefuͤhret hat. §. 35. Es ist §. 22. angezeiget worden, daß an dem Ausfluß des Trinck-Brunnens Menge des Wassers und mineralischen Halts. in ei- ner Minute 4 grosse Eymer voll geschoͤpffet, den Eymer zu 30 Pfund, solches machet in 24 Stunden 172 800 Pfund Wasser. Da nun ein jedes Pfund 22 Gran harter Materie in sich haͤlt, wie in folgendem Capitel mit mehreren wird erwiesen werden, und diese Materie mehr als ein 350-Theil von dem Gewicht des Wasseꝛs aus des Pyrmontischen Thals. ausmachet, so kommen alle 24 Stunden 500 weniger 7 Pfund heraus, welche 7 Pfund wir auf das Wasser, welches mir im Schoͤpffen ne- ben dem Eymer gelauffen, rechnen wollen; ma- chet also in einem eintzigen Jahre 1825. Cent- ner Materie; wenn diese Zahl wieder mit 100 oder mit 1000 Jahr multiplici ret wird, so kommt eine unglaubliche Menge heraus. Nun sind der Brunnen drey, unter welchen der Bro- del-Brunnen zum wenigsten noch einmahl so starck quillet, als angefuͤhrter Trinck-Brun- nen, auch etliche Gran auf jedes Pfund mehr haͤlt. §. 36. Es ist also dieses so wohl bey denen unsrigen, als andern minerali schen immerwaͤh- renden Quellen, Mineralischer Inhalt nimmt nimmer ab. Gesund-Brunnen, und war- men Baͤdern, wie auch bey denen Saltz-Brun- nen das unbegreifflichste, daß solche in so viel hundert Jahren eine so gar grosse Menge Ma- terien herfuͤr bringen, und dennoch immerfort an einem Ort und Stelle mit gleicher Maaß und Gewicht ihres Inhalts continui ren. Man mag sich auch den unterirdischen Vor- rath von Eisen- und Schwefel-Kiesen und von anderen Materi en, welche man mit dergleichen Wasser vermischet findet, so groß vorstellen, als man immer will, so muͤste doch solcher, wo nicht gaͤntzlich erschoͤpfft, doch endlich gar sehr vermindert werden. E 3 §. 37. Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung 37. Weil aber solches nicht geschicht, und von unserem Trinck-Brunnen insonderheit probi ret worden, daß solcher ohngefehr vor 40 Jahren nach des seligen D. Cunæi Proben, das Pfund 20 und 2 Siebentheil Gran gehal- ten, ich aber zwey und zwantzig Gran eher mehr als weniger (doch mit aller moͤglichen Behut- samkeit, daß nichts davon verzettelt werde) heraus bringe, so solte aus dergleichen Umstaͤn- den wohl wahrscheinlich werden, daß GOtt der Allmaͤchtige dem unterirdischen Mineral- Reiche eben den Segen und die Abwechselung beygele- get habe, daß in demselben so wohl etwas neues gezeuget, als das alte verzehret, und aus der Erden heraus gebracht werde; wie wir auf ei- ne gleiche Art und Weise in dem Reich derer Gewaͤchse und Thiere taͤglich vor Augen sehen, wie solche vergehen und wieder gebohren wer- den, und man in der gantzen Natur einen im- merwaͤhrenden Circulum und Abwechselung beobachtet, da das eine erstirbt und vergehet, das andere aber in dessen Stelle aus dem Uber- bleibsel der erstorbenen und aufgeloͤseten Coͤr- per wiedergebohren und zusammengesetzet wird; ob wir gleich die Regenerationes in dem Re- gno Minerali am wenigsten ergruͤnden, und die wahren Ursachen derselben entdecken koͤñen. §. 38. Wie das Wasser tausendfaͤltige Ei- genschafften von allerley Sachen und Materi en annehmen und in sich fassen koͤnne, solches sehen wir des Pyrmontischen Thals. wir taͤglich vor Augen, und wissen sol- ches alle Koͤche; derowegen ist kein Wun- der, wenn ein gleiches an Wassern, wel- che durch minerali sche Berge fallen, verspuͤh- ret wird. Auch laͤsset sich die Erhitzung des Wassers in warmen Baͤdern, welche sonst An- fangs sehr fremd und wunderlich scheinet, noch wohl begreiffen, und kan sonderlich deutlich vorgestellet werden durch das bekante Experi- ment, da man eine gute Quanti taͤt gestossenen Schwefel und Eisenfeil mit einander vermi- schet, mit Wasser anfeuchtet, und solches in ei- nem Gefaͤß hinsetzet, oder in ein Loch einen Fuß tieff unter die Erde graͤbet, da nach Verlauff zehen oder zwoͤlf Stunden nicht allein eine heff- tige Erhitzung folget, sondern auch ein Schwe- fel-Rauch Feuer und Flammen aus dieser Mas- sa herfuͤr brechen. Journal des Scavants de l’ An 1703. Tom. 2. Daß aber in denen Bergen bey einer so un- geheuer grossen Consumtion (wie wir angezei- get haben) so wohl derer erhitzenden als ande- cer Materi en, welche die minerali schen Wasser in sich halten, doch in hundert, tausend und mehr Jahren kein Mangel, sondern ein unerschoͤpff- licher Vorrath und immerwaͤhrender gleich- maͤßiger Zuwachs verspuͤhret wird, solches ver- dienet erwogen und betrachtet zu werden. §. 39. Bey dieser Gelegenheit, da von der Materi e, welche das Wasser mit sich fuͤhret, ist E 4 gehan- Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung gehandelt worden, muß auch noch erinnert werden, daß unsere Brunnen Unsere Gesund-Brunnen haben keinen Zufluß von fremdem Wasser. weder von tro- ckener noch nasser Witterung einige Veraͤnde- rung annehmen. Es ist bekannt, daß an vielen Orten, wo mi- nerali sche Quellen sind, geklaget werde, wie sol- che bey vielen Regen einen Zufluß von fremden und wilden Wasser bekommen. Dieses ist an einigen Brunnen so mercklich und offenbahr, daß solche auf die Helffte schwaͤcher werden, und beym Abrauchen kaum halb so viel Materie zu- ruͤck lassen, als sonst bey truckenen Wetter ge- schiehet. §. 40. Unser Wasser hingegen, welches nun einige Jahr her wenigstens alle Monathe ein paar mahl abziehe, hat den Sommer und Win- ter, Fruͤhling und Herbst immer einerley Halt. Es mag regnen, daß alle Baͤche und Fluͤsse uͤber- lauffen, und sich auffs staͤrckste ergiessen, es mag frieren, schneyen und wieder aufthauen, daß das gantze Erdreich durchweichet scheinet, es mag auch wieder so lange Sonnenschein und trocken Wetter seyn als es will, so giebt der Trinck-Brunnen dennoch seine 22 Gran, und der Brodel-Brunnen bey 24 Gran, auch sind die Materi en fast iederzeit in gleicher Propor- tion, wie wir Cap. IV. §. 17. angefuͤhret ha- ben, und ist der Unterscheid, wenn man anderst die des Pyrmontischen Thals. die noͤthige Fuͤrsichtigkeit in allen Stuͤcken bey der Probe gebraucht hat, so gering, daß man solchen bey ¼, ½ oder einen Gran anmercken, und sich dabey verwundern muß, wie alles ie- desmahl so eigentlich zutreffen koͤnne. §. 41. Es irren sich also auch diejenigen, wel- che man oͤffters bey dem Brunnen raisoni ren hoͤret. Die Kraͤffte sind allemahl einerley. der Brunnen habe dieses Jahr, den Morgen, bey diesem oder jenem Wetter weni- ger Kraͤffte. Man lernet forne an in der Physica, man solle einem Sinne nicht alleine trauen, sondern dererselben mehrere zu Huͤlffe nehmen in Er- forschung derer Wahrheiten. Wie offt wird wohl vielerley Wein aus einem Faß getrun- cken, auch von denenjenigen, die wohl schmecken koͤnnen; Und wenn man gleich weiß, daß der Wein aus einem Faß und Keller kommt, so wird derselbe doch nicht eine Zeit wie die andere schmecken, sondern nachdem der Appetit und Durst groͤsser, oder nach Unterscheid derer Speisen und anderer Getraͤncke, welche man vorhero zu sich genommen, bald einen lieblichen und kraͤfftigen, bald einen schwachen oder wohl gar wiederlichen Geschmack haben. §. 42. Will sich aber iemand mit auf den Unterscheid derer Wuͤrckungen beruffen, so darf er nur denselben Morgen, da er sich das Was- ser schwaͤcher eingebildet, zehen und mehr an- E 5 dere Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung dere um den Effect fragen, da er zum wenig- sten so viel Stimmen gegen als vor sich wird colligi ren, und also den Schluß machen koͤn- nen, daß die Wuͤrckung nach denen mancherley Natur-Beschaffenheiten derer Menschen, auch nach der Veraͤnderlichkeit derer Speisen, der Lufft, der Bewegung und anderer aͤusserlichen Umstaͤnde in einer Person nicht allezeit gleich, sondern bald mehr bald weniger sey, und seyn muͤsse. §. 43. Man koͤnte diesen Umstand von der unveraͤnderlichen Bestaͤndigkeit des minerali- schen Halts in unseren Brunnen Ursprung der immerwaͤhrenden Brunnen. mit als einen Beweißthum anfuͤhren, daß die Fontes peren- nes ihr Wasser nicht vom Regen, Thau, Hagel, Schnee, Reiff und Nebel hernehmen, wie die meisten Physici moderni nicht allein den An- wachs und Vergroͤsserung, sondern auch den Ursprung aller Qvellen daher leiten wollen. Es ist aber nicht contra leges hydrostaticas, sondern es ist die gemeinste und eine bekannte Eigenschafft des Wassers, daß sich dasselbe in Rauch und Dunst zertheilet, und sichtbarli- cher oder unsichtbarlicher Weise davon flie- get. §. 44. Wie solches uͤber der Erden taͤglich ge- schiehet, so werden wir sonderlich auch an diesen Ort zwischen denen Bergen gewahr, daß das Wasser in Gestalt eines haͤuffigen Nebels, biß- weilen des Pyrmontischen Thals. weilen mehr als zu viel aus denen Bergen her- aus dampffet, (wolte man sagen, es versammle- ten sich die Wasser-Duͤnste von aussen um die Berge, so werden dagegen die schweresten An- zeigungen gefunden, wie davon bey anderer Gelegenheit mit mehrerem soll gehandelt wer- den.) Kan nun dieser Wasser-Dunst durch die Berge herauf steigen, so kan sich ein gleicher Dunst auch wol in denen Bergen concentri- ren, und an gewissen Oertern, da eine sonderli- che Erde oder Leimen vorhanden, oder das weitere Auffsteigen durch ein Stratum petro- sum gleich als durch einen steinernen Deckel o- der Gewoͤlbe gehindert wird, zusammen setzen und versammlen. §. 45. Es scheinet, daß GOtt der Allmaͤch- tige in der Schoͤpffung die Berge zu diesem Ge- schaͤffte eigentlich eingerichtet und zubereitet ha- be, daß sich in denselben das Wasser zu denen Qvellen, Baͤchen und Fluͤssen versammlen solte, daher dieselben fast alle an und um die Berge, auch nicht wenige auf dem hoͤchsten Gipffel de- rerselben entspringen. Wenn nun dieses mehr durch die aͤußerliche Ursache des Regens, Schnees ꝛc. als durch an- gezeigte innerliche Herauffduͤnstung zuwege ge- bracht werden solte, so waͤre kein Ort ungeschick- ter darzu, als eben die hohen Oerter und Berge; denn nirgends dringet Regen und Schnee we- niger Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung niger in die Erde als auf denen Bergen. Es schiesset daselbst augenblicklich ab, und machet viele Baͤche und Stroͤhme, welche sich aber mit dem Regen und Schnee gar bald wieder endi- gen. Gar ein geringer Theil, welcher nichts ausmachen kan, hat die Zeit sich in die Berge hinein zu sencken. §. 46. Wie wir aber dieses mahl einen Schluß gemachet von dem unveraͤnderlichen Innhalt unsers Wassers, so wollen wir kuͤnff- tig die noͤthige Anstalten dazu machen, die Men- ge des Wassers selbst, so wohl an dieser als an- dern bestaͤndigen Brunn-Qvellen bey trockner und nasser Jahrs-Zeit zu messen und gantz ei- gentlich abzuwiegen, wie viel desselben in einer Minute bey unterschiedlichen Wetter herfuͤr qvellen wird, da denn noch mehr von der Sache wird koͤnnen geurtheilet werden. §. 47. Endlich muͤssen wir auch noch anfuͤh- ren, was bey unseren Brunnen durch die aͤusser- lichen Sinnen koͤnne beobachtet werden. Was durch die aͤusserlichen Sinne bey dem Wasser beobachtet werde. So bald das Wasser mit einem Glase aus dem Trinck-Brunnen geschoͤpffet wird, siehet man in demselben unzaͤhlig viele kleine schnell auff- steigende Perlen oder Blaͤßlein, welche sich in- sonderheit haͤuffig finden, wenn das Glaß starck in den Brunnen gestossen, und also die Lufft unter und durch das geschoͤpffte Wasser ge- des Pyrmontischen Thals. gebracht wird, da solche in grosser Menge mit einem Geraͤusch und wie ein Dampff uͤber das Glaß herauf springen, und wenn man es gegen sich haͤlt, einem viele Wasser-Theilgen ins Ge- sicht sprenckeln. §. 48. Insgemein glaubet man, diese auff- steigenden Perlen und Blaͤßlein seyn die Spiri- tus oder der subtileste Theil und Krafft des Wassers, daher sind viele sehr geschwind dar- uͤber her, und trincken das Wasser mitten in sol- cher Bewegung gleich hinunter, damit die Spi- ritus ihnen nicht entwischen moͤgen. Wenn man aber ohne Stoß sachte aus dem Brunnen schoͤpffet, siehet man wenig oder keine Bewe- gung in dem Wasser, und dennoch hat man eben so viel vom Spiritu. Es ist also die Lufft, Sonderbare Vermischung der Lufft mit dem Wasser. welche dieses angenehme Spiel im Wasser ma- chet, und sind alle solche Blaͤßlein und Perlen, so viel gefangene Lufft-Kuͤglein, welche in dem Wasser vertheilet, durch dasselbe aber uͤberwo- gen und herausgedruͤckt werden. §. 49. Zwar ist der Spiritus die Ursache, daß sich die Lufft mit unseren Brunnen so leicht und haͤuffiger vermischet als mit andern Wassern, wie man solches in allen spiritu oͤsen Liquoribus, am allermeisten aber in denjenigen, welche durch die Gaͤhrung bereitet, und aus mancher- ley ungleichen Materien, sonderlich aus einer sub- Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung subtilisi rten Fettigkeit und Saͤure zusammen gesetzet sind, gewahr wird. Der Spiritus aber selbst verliehret sich auf eine gantz andere Art und Weise, wie Cap. IV. §. 55. seq. angezeiget und erwiesen wird. Von dieser sonderlichen Gemeinschafft der Lufft mit dem Spiritu ruͤhret auch die Elasti sche oder ausbreitende Krafft des Wassers her, wo- durch dasselbe die Glaͤser und Gefaͤße, sonderli- chen diejenigen, in welchen man zugleich durch den Korck die Lufft auf die Oberflaͤche des Wassers comprimi ret hat, zersprenget. Wie denn auch unter der Antlia zu sehen, daß mehr Lufft in dergleichen Wassern als in andern sey, weil sie mehr ebulli ren. §. 50. Die Gestalt des Wassers Gestalt des Wassers. ist zwar Crystallen-helle, doch findet man eine kleine Spuhr einer Milch-Farbe darinnen, welche es von denen gemeinen Wassern unterscheidet. So bald das Wasser geschoͤpffet worden, erscheinet solche am wenigsten, hernach aber vermehret sich dieselbe im offenen Glase und freyer Lufft von Stunden zu Stunden, und solches so viel geschwinder, ie waͤrmer der Ort, da man das Wasser verwahret, biß endlich die Milch-Far- be sich allmaͤhlig in roͤthliche truͤbe Wolcken verwandelt, womit das Eisen sich scheidet und oben eine vielfaͤrbige glaͤntzende Haut erschei- net, des Pyrmontischen Thals. net, da denn die gantze Mixtur umgekehrt und veraͤndert wird. vid. Cap. IV. §. 8. seq. §. 51. Der Geschmack Geschmack. des frischen Was- sers ist Wein-saͤuerlich, schaͤrfflich, recht erqvi- ckend und angenehm, doch zuletzt vitrioli sch, so daß viele wuͤnschen, daß man den letzten Ge- schmack von dem ersten scheiden koͤnte. Dennoch wird das Wasser von denen mei- sten Brunnen-Gaͤsten mit rechter Begierde und grossem Appetit getruncken, immaßen nicht wenige taͤglich mehr trincken, als ihnen or- dini ret ist, und sie zu ihrer Cur noͤthig haben, welches sie mit anderm Wasser wohl wuͤrden bleiben lassen. Wenn die Mixtur des Brunnens durch die Waͤrme und freye Lufft veraͤndert wird, so vergehet der saͤuerliche und eisenhaffte Ge- schmack allmaͤhlig, biß endlich ein gantz unge- schmackt und stumpff Wasser daraus wird. §. 52. Durch den Geruch Subtiler Schwefel-Geruch. wird in unseren Brunnen ein subtiler, schwefelichter Dunst ver- spuͤhret, welcher die Wasser-Schoͤpffer zuwei- len gantz taumelnd und schwindelicht machet. Man wird denselben am meisten gewahr, wenn die Brunnen tieff biß auf die Ausgaͤnge derer Qvellen ausgeschoͤpfft werden. Es ist dieser Schwefel-Dunst auch die Ur- sache, daß Fische und Froͤsche, wie auch Endten und Cap. III. Natuͤrliche Beschreibung und junge Gaͤnse, wenn man dieselben auf diese Wasser bringet, taumelend und ohnmaͤchtig werden, auch endlich hinfallen und sincken, doch geschiehet solches nicht alsobald, sondern es koͤnnen zum Exempel die Endten zuweilen wohl eine Stunde darauf herum schwimmen, ehe man die geringste Ubligkeit an ihnen verspuͤh- ret, weil die Auswitterungen des Schwefel- Dunstes nicht allezeit gleich sind, sondern nur dann unn wann durch das Wasser herauf stei- gen, wenn auch diese Thiere, da sie anfangen zu sincken, bald heraus gezogen werden, thut es de- nenselben weiter keinen Schaden weder an ih- rem Leben noch Gesundheit, erholen sich bald wieder, und werden so frisch wie zuvor. Eben dieser saͤuerliche Schwefel- Spiritus machet auch, daß das Wasser nicht frieret, son- dern auch in der strengsten Kaͤlte Anno 1709. und 1716. allenthalben offen und ohne Eiß ge- blieben ist. §. 53. Zum Beschluß dieser natuͤrlichen Be- schreibung des Brunnens, muͤssen wir auch noch etwas melden von dem taͤglichen œcono- mi schen Gebrauch desselben. Oeconomi scher Gebrauch des Brunnens. Viele Einwohner der Grafschafft Pyrmont, wie auch einiger nahe gelegenen Oerter, sonder- lich aber die Leute aus Oestorff, gebrauchen das Brunnen-Wasserdas gantze Jahr durch, Win- ter und Sommer, gegen den Durst und uͤber dem des Pyrmontischen Thals. dem Essen, als ein ordentliches Getraͤnck, und siehet man taͤglich um Essens-Zeit viele mit Kruͤgen und Gefaͤssen nach dem Brunnen- Hause, wie nach einer Bier-Schencke lauffen. Auf solche Art brauchen dieses Wasser Jung und Alte, auch viele Krancke und Bettlaͤgerige, ja wohl Kindbetterinnen und saͤugende Kinder. Sie fuͤrchten die Schaͤrffe nicht, daß es ihnen Lung und Leber angreiffen, oder sonst Schaden thun werde, sondern wissen aus alter Erfah- rung, daß es insgemein allen wohl bekomme, den Magen gesund erhalte, und einen guten Appetit mache. §. 54. Es giebt auch frische, starcke und ge- sunde Leute in dieser Grafschafft, und gelangen viele zu einem hohen Alter, wie denn in der Pa- rochie des niederen Theils der Grafschafft in denen letzten 30 Jahren mit einander 1515 Menschen gestorben, unter welchen 128 sech- tzig-jaͤhrige; 109 von siebentzig; 59 von ach- tzig; 37 von neuntzig, und 6 von hundert jah- ren und druͤber, zusammen 339 alte Leute ge- zehlet worden, welche also beynahe 1 Viertheil, das nach Proportion eine grosse Zahl ist, ausmachen. F CAP. IV. Cap. IV. Minerali scher Innhalt CAP. IV. Eigentliche Natur-Gemaͤsse und chymi- sche Untersuchungen und Proben, da- durch der Innhalt und wahre Materie des Pyrmontischen Wassers deut- lich erwiesen und angezeiget wird. §. 1. W Ir haben zwar aus der einfaͤltigen Natu- ral- Historie Anzeigung des Innhalts aus der Natural- Hi- storie. ohne weitlaͤufftige chymi- sche Kuͤnste und tieffes Nachsinnen gesehen und in Obacht genommen: 1) Daß sich so wohl in der Stein-Grube, welche nicht weit von dem Brunnen gelegen, als auch in denen Quellen selbst spirituö se Schwe- fel-Duͤnste finden Cap. III. §. 5. 52. 2) Daß der Geschmack gantz ungezweiffelt saͤuerlich, vitrioli sch, und zwar wie ein Eisen- Vitriol sey, welches eine bekannte Materie ist, die aus Eisen-und Schwefel-Saͤure bestehet Cap. III. §. 51. 3) Daß das Eisen haͤuffig in und um die Brunnen gefunden werde, in Gestalt einer roth-gelben Erde §. 29. 30. seq. 4) Daß auch Eisenhaltige Steine in gros- ser der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ser Menge auf der naͤchsten Hoͤhe hinter denen Brunnen anzutreffen §. 9. 10. 5) Daß sich in denen naͤchsten Quellen nur 40 Fuß von dem Haupt-Brunnen ein schoͤner durchsichtiger Lapis Selenites ansetze §. 20. §. 2. Wie viel und wie weit man aus diesen Umstaͤnden von dem Innhalt des Wassers ur- theilen koͤnne, wird wohl nicht schwehr zu be- greiffen seyn. Ehe wir aber unsere Meynung hieruͤber sagen, und noch weitere Beweißthuͤ- mer vor uns nehmen, wollen wir zuvor unsere Vorgaͤnger in dieser Sache hoͤren, damit man nachmahls beydes gegen einander halten und sehen koͤnne, wie viel sie von dem Halt unsers Wassers gewust, und was wir nach ihnen durch eigene Erfahrung und Nachsinnen entdecket haben. §. 3. D. Leonhard Thurnheisser und D. Theodorus Tabernæmontanus Thurnheisser und Tabernæmontanus von dem mine- rali schen Halt. sind die aͤlte- sten, welche die Mixtur und Materi e des Was- sers haben kennen und wissen wollen, und weil diese beyden Autores so genau mit einander uͤberein kommen, als wenn es einer von dem andern abgeschrieben haͤtte, so wollen wir hler nur D. Theodori Worte anfuͤhren, welcher weitlaͤufftiger als Thurnheisser von der Sache handelt. Er spricht in seinem Wasser-Schatz p.m. 356. F 2 Es Cap. IV. Mineralischer Innhalt Es haͤlt dieser Brunnen in seiner Vermischung die geistlichen Kraͤffte, (wenn man den fingi rten Coͤrper nicht erweisen kan, so muß der Geist die Schuld haben) und Subtili taͤt des Ocher-oder Berg-Geels, Niter- Saltzes, rothen Oper- ment s, Feuer-Schwefels oder Reusch-Geels, Vitriols und Alauns. Unter diesen Stuͤcken aber hat das Ocher-oder Berg-Geel den Pri- mat und Vorzug, folgends der rothe Oper- ment und Vitriol im gleichen Gehalt, darnach der Sal Niter im gleichen Gehalt. §. 3. Nach diesem hat Herr Bolmann Herr Bolmann. das Brunnen-Wasser in seine Theile zu scheiden sich bemuͤhet, und nachdem er im 4ten Capitel seiner Brunnen-Beschreibung die Methode erzehlet, wie er mit dem Wasser umgangen, und dasselbe distilli ret, so machet er endlich den Schluß, daß in demselben enthalten, Eisen- Berg-Geel, Eisen-Vitriol, Salpeter, Alaun, und Crystallin- Saltz. Diese 5 Stuͤcke seyn in folgender Proportion diesem Wasser geistlich vereiniget, daß 4 Theile Eisen-Berg-Geel, 3 Theil Eisen-Vitriol, 2 Theil Salpeter und Alaun und 1 Theil Crystallin- Saltz in demsel- ben befindlich. §. 5. Herr D. Andreas Cunæus D. Cunæus. meldet von denen Ingredienti en des Wassers, daß er in 7 Pfund nach der Feuer-Probe gefunden habe 1 und der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. und ein halb Quentlein Eisen-Erde, ein halb Quentlein und 22 Gran vermischt Saltz vom Sale Gemmæ, Nitro und Sale Vitrioli Martis. Die Eisen-Erde fuͤhre auch einen Metallen- Schwefel und fix es Saltz mit, welches durch Calcination und Extraction zu erfahren ꝛc. §. 6. Ich will mich hier nicht aufhalten, die- ser Medicorum Meynung nach der Laͤnge zu ex- amini ren, sondern will nun gleich vortragen, was ich durch viele Untersuchungen und taͤgli- che Proben in dem Wasser gefunden habe. Wenn ich nachmahls meine Saͤtze werde er- weisen koͤnnen, so wird von selbsten offenbahr werden, worinnen andere geirret, und wie vie- le Materi en einige, als mit der groͤssesten Ge- wißheit angegeben haben, von welchen doch nicht die geringste Spuhr in dem Wasser an- getroffen wird. Unsere Saͤtze von dem minerali schen Halt. Wir wollen also zu erwei- sen vor uns nehmen: 1) Daß der Spiritus, welcher die gantze Mix- tur und alle erste Eigenschafften des Wassers erhaͤlt, ein subtiler saͤuerlicher Schwefel- Spiri- tus sey. 2) Daß dieser Spiritus von dem gemeinen Schwefel- Spiritu, darinnen fuͤrnehmlich un- terschieden, daß er eine beygemischte minerali- sche Fettigkeit mit sich unter der Erden herfuͤr bringe. 3) Daß dieser Spiritus gegen aller Auto- F 3 rum Cap. IV. Minerali scher Innhalt rum Meynung nicht aus dem Wasser verfliege oder wegduͤnste, sondern im Gegentheil im Wasser, ie laͤnger ie fester werde; nehmlich daß 4) Dieser Spiritus sich nach u. nach mit der subtilen suͤssen Alcali schen Erde (welche in allen minerali schen Wassern gefunden wird) vereini- ge, und also ein Sal Neutrum wie ein Tartarus vitriolatus, Sal polychrestum, oder noch naͤher wie ein Sal mirabile Glauberi draus mache. 5) Daß durch diese Vereinigung des saͤuer- lichen Spiritus mit dem Alcali, derselbe das auf- geloͤßte und angenommene Eisen fallen, und al- so das Wasser alle vitrioli sche Quali taͤten ver- liehren muͤsse. 6) Daß die subtile, suͤsse, Alcali sche Erde in dem Wasser den saͤuerlichen Spiritum an Men- ge weit uͤbertreffe, und also der Brunn in sei- ner Wuͤrckung mehr alcali sch als sauer sey. 7) Daß sich noch uͤber diese angefuͤhrte Ma- ter ien eine reine durchsichtige crystallini sche un- geschmackte Substanz, wie ein Lapis Selenites oder solvi rter Berg-Crystall in dem Wasser finde. §. 7. Diese Saͤtze so viel deutlicher zu erwei- sen, wollen wir zuerst die Veraͤnderungen und Scheidungen der Materi en, welche sich in dem Wasser Phænomena bey Untersuchung des Wassers. ohne die Vermischung mit andern Sachen in freyer Lufft und unter der Destilla- tion der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. tion zutragen, und endlich auch was nach gaͤntz- licher Abduͤnstung des Wassers zuruͤck bleibet, kuͤrtzlich erzehlen. §. 8. Die erste Veraͤnderung, welche an dem Wasser unter freyem Himmel verspuͤret wird, wenn dasselbe hie und da in einem Loche oder Pfuͤtze stehen bleibet, ist die vielfaͤrbige glaͤntzende Haut Glaͤntzende Haut. mit schimmernden Regen- bogen-Farben, welche oben auf dem Wasser schwimmet, und dasselbe bedecket. Eben diese vielfaͤrbige Haut erscheinet, wenn das Wasser etliche Stunden in der Sonnen, oder uͤber dem Feuer erwaͤrmet wird, doch ie gelinder man die Waͤrme anbringet, ie mehr pflegen sich die Farben auf dem Wasser zu spie- geln. §. 9. Die andere Materie, welche aus dem Wasser von sich selbst heraus faͤllet, ist die mehr erwaͤhnte roͤthliche Eisen-Erde, Eisen-Erde. welche sich in offener und warmer Lufft, auch in allen auffs beste verschlossenen Glaͤsern, irdenen und an- dern Gefaͤssen nach und nach heraus setzet, und allenthalben gar merckliche Spuhren hinter- laͤsset, wo das Brunnen-Wasser hinkommen. §. 10. Wenn man diese Scheidung der viel- faͤrbigen Haut und roͤthlichen Erde, durch das Gesicht beobachten will, und ein helles Glaß mit dem frischen Wasser fuͤllet, und dasselbe of- F 4 fen Cap. IV. Minerali scher Innhalt fen an eine temperi rte Lufft setzet, so gehet die Scheidung gantz langsam, still und unver- merckt von statten, so daß man weiter nichts gewahr wird, als daß sich die Milch-Farbe des Wassers allmaͤhlich vermehret, biß endlich roͤthliche Wolcken erscheinen, das Wasser truͤ- be und mit dem Haͤutlein bedecket wird: Wel- ches aber, nachdem die Lufft kuͤhle ist, zuweilen 1, 2, 3 biß 4 mahl 24 Stunden dauret, ehe aller Eisen-und Vitriol- Geschmack verlohren gehet, und das Wasser auffhoͤret die Gall-Aepffel Purpur-blau zu faͤrben, obgleich das Wasser in einem ordinai ren offenen Bierglaß hingese- tzet worden. §. 11. Je mehr aber das Wasser zugleich er- waͤrmet wird, entweder durch die Sonnen- Strahlen, oder uͤber dem Feuer, auch wenn die Bouteilles mit dem Brunnen in einem Ge- faͤß mit warmen oder siedenden Wasser gesetzt werden, ie mehr Bewegung siehet man in dem Wasser, weil alsdenn unzaͤhlige viele Lufft- Blaͤßlein in dem Glaße mit vielem Geraͤusche aufsteigen, und durch die Oberflaͤche des Was- sers heraus brechen. Ein iedes Lufftkuͤglein scheinet im durchstreichen ein kleines Theilgen an die blaulichte Haut uͤber dem Wasser anzu- fuͤhren, welche sich nach und nach dadurch ver- mehret und dicker wird. Diese Bewegung waͤhret in einer ziemlichen Hitze dennoch bey zwey Stunden, so daß das Wasser der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Wasser in einem offenen Glaße brennheiß Erwaͤrmung des Wassers. werden kan, ehe seine erste Mixtur gaͤntzlich auf- geloͤset wird, indem es in solcher Waͤrme noch eine gute Weile starck nach Eisen schmecket, und die Gallaͤpffel schwaͤrtzlich und Purpur- blau faͤrbet. §. 12. Endlich aber, wenn alle Bewegun- gen der Lufft-Blaͤßlein aufgehoͤret, das gantze Wasser gelb und truͤbe, und die Haut uͤber demselben dicke geworden, so wird allmaͤhlich ein gantz stumpff abgeschmackt Wasser draus, in welchem man keine Spuhr seiner ersten Ei- genschafft mehr antreffen kan. Wenn man alsdenn die Eisen-Erde einige Tage sich recht setzen, und hernach das Wasser durch ein Loͤsch- Papier lauffen laͤsset, so hat man wieder ein Cry- stallen-helles Wasser, welches in einem ver- schlossenen Glase helle bleibet, aber nach nichts als ein wenig salini sch, wenn man wohl darauf acht hat, schmecket. §. 13. Bringet man unser Wasser in einen glaͤsern Kolben, setzet einen Helm darauff, und faͤnget also in einem verschlossenen Glase an zu destilli ren, Destillation. so erscheinen unten im Kolben eben diejenigen Veraͤnderungen, welche sich in of- fener freyer Lufft und Waͤrme zutragen. Die schoͤnen Farben, welche einige unter der De- stillation im Helm observi ret haben wollen, F 5 finden Cap. IV. Minerali scher Innhalt finden sich nicht mehr, als wie sonst bey Destilli- rung des gemeinen Wassers, das Licht, Glaß und die Wassertropffen, allerley Wiederschein und Regenbogen-Farben zu formi ren pfle- gen. §. 14. Auch hat das heruͤber destilli rte Wasser, das erste so wenig als das letzte, keinen schwefelichten Geruch noch Geschmack, wird auch nimmer riechend, wenn es nur vor andern faulenden Sachen verwahret wird. Es schme- cket aber ein wenig, als wenn etwas im Kolben angebrannt ist, ob man gleich mit der gelinde- sten Waͤrme, und ex Balneo Mariæ destilli ret hat. Dieser Brand-Geschmack vergehet all- maͤhlich, insonderheit wenn das Glaß, worin- nen das Wasser verwahret wird, nicht gar zu fest verschlossen ist. Ziehet man es zum andern mahl ab, so bleibet eine kleine Spuhr einer weissen Erde zuruͤck, welche mit sauren Sachen nicht aufwallet, eben wie von andern Wassern, wenn man solche zu zweyen oder mehr mahlen abrauchen laͤsset, zu haben ist. §. 15. Nimmt man eine grosse Quanti taͤt frisches Wasser, thut solches in einen grossen Recipient en oder Kolben, welcher oben ein en- ges Loch hat, und noch nicht abgesprenget ist, laͤsset das Wasser darinnen so geschwind und starck erhitzen, als immer moͤglich ist, und haͤlt die Nase oben druͤber, spuͤhret man dennoch nicht der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. nicht das allergeringste mehr, als gemeinen warmen Wasser-Dunst. §. 16. Laͤsset man das Wasser etwas uͤber die Helffte mit gantz gelinder Waͤrme abrau- chen, Crystallisation. und stellet solches 24 Stunden an ei- nen kuͤhlen Ort, so pfleget sich eine Menge klei- ner laͤnglicht durchsichtiger Crystallen anzuse- tzen, welche keinen Geschmack haben, auch mit sauren Sachen nicht aufwallen. §. 116. §. 17. Wenn man das Wasser gleich voͤllig nach einander wegrauchen, und gaͤntzlich aus- trocknen laͤsset, Sediment. so bleibeteine braune roͤthliche, mit etwas weiß untermischte Materie zuruͤck: von einem Pfund Wasser aus dem Trinck- Brunnen 22 Gran schwehr; von dem grossen Brodel-Brunnen 24 Gran; von dem niedern Bade-Brunnen 15 Gran; von dem Berg- Saͤuerling 5 oder 6 Gran. Uber dieses Sediment oder zuruͤck gebliebene trockene Materie, giesse ich ein wenig destilli ret rein Wasser, lasse solches erwaͤrmen und durch ein Loͤsch-Papier lauffen, hernach wieder biß zur Trockne abrauchen, so bekomme ein gelin- des weisses, bitteres Saltz: Brunnen-Saltz. von dem Trinck- Brunnen 6 oder 7 Gran, aus einem Pfund Wasser; von dem Brodel-Brunnen 7 oder 8 Gran, von dem andern Bade-Brunnen 5 oder 6 Gran; Cap. IV. Minerali scher Innhalt 6 Gran; von dem Berg-Saͤuerling ein paar Gran. Das uͤbrige von dem Sedimento, wel- ches sich im Wasser nicht aufloͤsen laͤsset, ist die alcali sche suͤsse Erde, die roͤthliche Eisen-Erde, und die crystallinische Substantz, von welchen Stuͤcken mit einander im nachfolgenden aus- fuͤhrlich gehandelt wird. §. 18. Wenn die bekannte glaͤserne Wasser- Wage Gewichte des Wassers. in das frische Wasser gesetzet wird, so sencket sich dieselbe auf dem untersten Grad; so bald aber das Wasser anfaͤnget truͤbe zu wer- den, und seinen saͤuerlichen Geschmack zu ver- liehren, sincket das Staticum vitreum auf 2 Grad, und bey unserm gemeinen suͤssen Wasser gehet es biß an den dritten Grad hinunter. Weil auch sonst von andern Sauer-Brun- nen und Aquis chalybeatis bekannt, daß wenn solche alsobald bey der Quelle gewogen worden, dieselbe ungeachtet ihres minerali schen Haltes leichter gewesen, als gemein Wasser, ja selbst als Regen-und destilli ret Wasser, so nahm eine glaͤserne Phiole mit einem langen engen Halse, that fuͤnff Pfund von unserm hiesigen gemeinen suͤssen Wasser hinein, zeichnete mit einem Dia- manten, wie hoch das Wasser in den Halß rei- chete. Hernach goß dieses Wasser hinweg, und wug auf das genaueste 5 Pfund von unserm Trinck-Brunnen in die Phiole, so kam die Maaß so weit mit dem gemeinen Wasser uͤber- ein, der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ein, daß nur 2 Drittheil Quentlein dazu gefuͤl- let werden musten, mit welchem es dem gemei- nen Wasser voͤllig gleich kam, also daß die Spi- ritus, oder vielmehr die Lufft mit und bey denen Spiritibus die 5 Pfund Wasser uͤber ein Quent- lein leichter gemachet, als solches sonsten nach Ausrechnung des Sediments haͤtte seyn muͤssen. Nachmahls, da ich dieses Experiment einige mahle wiederhohlet, habe gefunden, daß diese Maaß sich veraͤndere, und daß das Wasser, nachdem die Lufft schwehrer oder leichter, auch mehr oder weniger von demselben in sich nehme, welches D.V. bey einer andern Gelegenheit um- staͤndlicher und gruͤndlicher soll untersuchet werden. §. 19. Dieses sind nun die vornehmsten Um- staͤnde und Veraͤnderungen des Wassers, auch die Scheidungen der Materien aus demselben, welche sich theils von selbst, theils durch Ver- duͤnstung des Wassers von der Sonnen Waͤr- me und durch die Destillation uͤber dem Feuer zutragen. Wir wollen also die wahren Ursa- chen der angeregten Phænomenorum untersu- chen, und dieselben durch andere Natur-ge- maͤsse Experimenta weiter erlaͤutern, und ein ie- des wohin es gehoͤret auf unsere Saͤtze applici- ren. §. 20. Das erste Der erste Satz. so wir zu erweisen und dar- zuthun vorgenommen haben, ist: Daß Cap. IV. Minerali scher Innhalt Daß der Spiritus in unserm Wasser, welcher die gantze Mixtur und alle erste Eigenschafft des Wassers erhaͤlt, ein sub- til er saͤuerlicher Schwefel- Spiritus sey. Es wird dieser Satz wohl den groͤssesten Beyfall finden, weil die meisten Brunnen-kuͤn- dige Medici schon vorhin der Meynung sind, daß die Spirituosi taͤt in allen minerali schen Wassern, sonderlich aber in denen so genannten Sauer-Brunnen, aus dem Schwefel der Eisenkiese herruͤhre. §. 21. Weil aber dennoch verschiedene un- ter denen neuern Autoribus gefunden werden, Meynungen von der Spirituosi taͤt. welche, da sie gesehen, daß das Alcali in denen minerali schen Wassern prædomini re, und nicht finden koͤnnen, wo sich die Saͤuere hin verste- cke, (weil auch kein Vitriol aus dergleichen Wassern bereitet werden kan) auf die Gedan- cken gerathen, es sey gar keine Saͤure vorhan- den gewesen, sondern der Spiritus sey mehr ei- ner alcali schen Natur, ein Gas Sulphureum ex Marte ohne Saͤure, wie der Dunst der da auf- steiget, wenn man einen Spiritum Sulphuris per Campanam, oder Spiritum vitrioli uͤber Eisenfeil schuͤttet; so wollen wir doch hier die- jenigen Anzeigungen und Experimenta anfuͤh- ren, welche zum wenigsten in unserem Wasser das Acidum sulphuris erweisen, obgleich in demselben auch das Alcali, wie in andern Brun- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Brunnen den Vorzug hat, und unter dem sech- sten Satz §. 108. wird vorgestellet werden. §. 22. Erstlich duͤncket mich, daß es hier auch wohl heisse; vox populi, vox Dei: Ein ieder der da weiß was sauer ist, wird gleich den Ge- schmack Geschmack. des Wassers zu dem Geschlecht der sauren Sachen zaͤhlen, ob es wohl keine angreif- fende corrosivi sche und widerliche, sondern viel- mehr eine gebundene Saͤuere ist: ein ange- nehmer, raͤscher, bitzelnder Geschmack auf der Zunge, wie man solches von Wein, Breyhan, Bier und andern durch die Gaͤhrung bereiteten Liquoribus zu exprimi ren pfleget, wenn diesel- be ihre rechte Art und Annehmlichkeit durch die Fermentation erlanget haben. Daher denn auch solche Wasser durchgehends den Nah- men Acidulæ, Sauer-Brunnen, Sauer- Wasser bekommen haben. §. 23. Zum andern ist der Geschmack, und der geringe metalli sche Geruch des Wassers so offenbahr vitriol isch, daß auch Kinder solchen zu bedeuten, und mit einem Dinten-Geschmack zu vergleichen wissen. Wenn man ein wenig Eisen- Vitriol in einer guten Quanti taͤt gemein Wasser aufloͤset, und etliche Tropffen von dem Spiritu Sulphuris, vel vitrioli volatili dazu thut, so riechet und schmecket dasselbe dem Sau- er-Brunnen so gleich, daß iemand seinen Sin- nen die groͤsseste Gewalt anthun muͤste, welcher laͤu- Cap. IV. Minerali scher Innhalt laͤugnen wolte, daß zwischen diesen beyden Li- quoribus keine merckliche Verwandschafft sey. Noch aͤhnlicher schmecket diese Mixtur dem Sauerbrunnen, wenn man eine frische Solutio- nem ferri per Spiritum Sulphuris vel Vitrioli in eine gute Portion gemein Wasser troͤpffelt, und noch etwas von gedachten Spiritibus, auch ein wenig von dem Sale mirabili Glauberi dazu thut. §. 24. Drittens haben wir auch Cap. 3. §. 5. angefuͤyret, daß so wohl in der Gegend nicht gar ferne von dem Brunnen, als auch in unsern Quellen selbst schwefelichte, saͤuerliche Aus- daͤmpffungen Geruch der Ausdaͤmpffungen ꝛc. verspuͤhret werden, welche in der Stein-Grube so durchdringend und haͤuf- fig, daß allerhand kleine Thiere davon wie von gemeinem Schweffel-Rauch ersticket sind. Cap. 3. §. 5. In denen Quellen selbst bricht zwar dieser Dunst nicht in solcher Menge aus, daß er so geschwind solte ersticken koͤnnen, indes- sen thut er doch allmaͤhlich eben dergleichen Ef- fect, machet Menschen und Vieh schwindlich, taumlend, und endlich gantz ohnmaͤchtig und hinfallend. Cap. 3. §. 52. Ob nun gleich dieser Dunst nicht gaͤntzlich seyn kan, wie der Rauch vom angezuͤndeten Schwefel, weil unsere Kiese unter der Erden nicht brennen, so laͤsset sich doch leicht schliessen, auch zum Theil durch den Geruch empfinden, daß dieser Dunst, und also auch das Wasser, durch der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. durch welches er heraus wittert, nicht ohne Saͤure sey. Auch haben wir Cap. 3. §. 12. an- gemercket, daß der Schlamm und die gebrann- ten Steine aus der Stein-Qvelle wie Schwefel riechen, und also vermuthlich das Wasser da- selbst seine Krafft, diese groͤbere steinigte Ma- terie in sich zu fassen, aus der Schwefel-Saͤure hergenommen, daher denn ein gleiches Men- struum in denen Wassern in der Nachbarschafft zu vermuthen. §. 25. Vierdtens sind es allein die sauren Spiritus, welche die Materien, so in dem Wasser enthalten, auffloͤsen, und in der Gestalt eines hellen Liquoris conservi ren koͤnnen. Saure Spiritus erhalten das Wasser helle. Es ist bekannt, und wir haben es im vorhergehenden gnugsam angezeiget, wie leicht die Mixtur der Sauer-Brunnen aus einander gehet, und die Materien aus denselben sich scheiden; wenn man aber etliche Tropffen von dem Salpeter oder Saltz-Saͤure, sonderlich aber von dem Spi- ritu Sulphuris vel Vitrioli dazu mischet, daß die Saͤure in dem Wasser anfaͤnget zu prædo- mini ren, so bleiben alle Materien bestaͤndig auf- geloͤset, und das Wasser bleibt in Kaͤlte und Waͤrme Crystallen-helle, es scheidet sich auch nichts aus demselben, biß man solches fast gaͤntz- lich wegrauchen lassen. Hat man ein Wasser, welches schon gantz turbi ret ist, und troͤpffelt von dem Spiritu Vi- G trioli Cap. IV. Minerali scher Innhalt trioli etwas dazu, so wird uͤber einer gelinden Waͤrme alle Eisen-Erde, und was das Wasser sonst fallen lassen, wieder auffgeloͤset, und wird aufs neue durchaus helle. Daher nicht un- deutlich zu schliessen, daß das Menstruum oder dasjenige, welches das Wasser geschaͤrffet, und demselben die Auffloͤsungs-Krafft mitgetheilet, ein Acidum gewesen seyn muͤsse. §. 26. Es erregen zwar die sauren Spiritus in unserm Wasseꝛ eine ziemliche Effervescen tz, wie mit mehrern unter dem 6ten Satz §. 109. ange- deutet wird, indessen schlagen solche doch keine Materien aus demselben nieder, sondern erhal- ten vielmehr die Mixtur, und machen solche, wie schon gesaget, bestaͤndig; hingegen machen die Alcali schen Saltze, Alcalia machen das Wasser truͤbe. z. e. eine Solutio von ge- branntem Weinstein-Saltz, Pott-Asche und dergleichen, das Wasser alsobald truͤbe und præcipiti ren aus demselben nach und nach das meiste, was in demselben auffgeloͤset war. De- rowegen auch hier die chymi sche Regul zutrifft, daß was durch saure Sachen auffgeloͤset wor- den, durch Alcalia præcipiti ret werde, und vice versa. §. 27. Fuͤnfftens ist bißher noch nicht erwie- sen worden, daß aus denen Minerali en ein an- derer als saurer Spiritus Spiritus minerales sind sauer. entstehen oder zube- reitet und in einen Liquorem gebracht werden koͤn- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. koͤnne, wenn also das subtile, raͤsche und schaͤrff- lichte in dem Wasser ein Spiritus, und zwar ex Mineralibus seyn soll, so muß solcher saͤuerlich mit seyn. Die Saͤure aber ist bey denen mei- sten Minerali en und Metall en allenthalben in und mit dem Schwefel anzutreffen, und stecken an vielen Orten gantze grosse Gebuͤrge und weitlaͤufftige unterirrdische Gegenden davon voll. Insonderheit wird durch den gantzen Erdboden und in denen meisten Bergwercken Europæ Eisen und Schwefel in denen Pyritis oder mancherley Arten der Kiese sehr haͤuffig beysammen gefunden. §. 28. Da nun von dem gelehrten Englaͤn- der D. Martin Lister in seinem Tractat de Fon- tibus medicatis Angliæ schon vor mehr als 30. Jahren gantz deutlich erwiesen, und vor wenig Jahren von dem beruͤhmten Koͤniglichen Pohl- nischen Leib- Medico und Prof. Publ. zu Wit- tenberg, Herrn D. Bergern, in einer Disserta- tion de Thermis Carolinis sehr umstaͤndlich ausgefuͤhret worden, daß der wahre Ursprung und alle Ingredienti en und Materien Materien der minerali schen Wasser aus den Kie- sen. der Sauer-Brunnen und warmen Baͤder in denen angefeuchteten und durch das Wasser erweiche- ten Pyritis oder Kiesen zu finden, welche Wahr- heit anietzo von allen Brunnen- und Berg-ver- staͤndigen Physicis angenommen wird, so be- G 2 kraͤff- Cap. IV. Minerali scher Innhalt kraͤfftiget auch dieses, daß der Spiritus der mi- nerali schen Wasser aus der Saͤure gebohren werde, weil die Kiese sonst nichts spiritu oͤses in sich haben, und dieselben aus Schwefel, Eisen, und einer steinigten Materie bestehen. §. 29. Sechstens haben wir auch einen deut- lichen und uͤberzeugenden Beweiß a posteriori in unserm Wasser gefunden, daß angeregter Spiritus nicht allein sauer, sondern auch in specie die Schwefel-Saͤure sey. Schwefel-Saͤure in dem Brunnen-Saltz. Wir haben nehm- lich unter dem 4ten Satz §. 55. seq. erwiesen, daß das Saltz des Wassers aus einem Alcali und der Schwefel-Saͤure bestehe, und durch Zusatz einer Fettigkeit wieder zu Schwefel, aus dem Schwefel ein Spiritus acidus, oder mit dem Eisen ein Vitriol koͤnne gemacht werden; Auch kan man nach dem 66sten §. ohne Zusatz aus dem blossen Brunnen-Saltz eine Portion foͤrm- lichen Schwefel sublimi ren. Wer nun den Ursprung dieses Saltzes, wie solcher unter angefuͤhrtem Satz erklaͤret wor- den, auch die Generation des Schwefels recht erwaͤgen und die uͤbrigen Anzeigungen und Ex- perimenta dagegen halten will, demselben wird verhoffentlich wenig Zweiffel uͤbrig bleiben, daß der Spiritus unsers Wassers aus der Schwefel- Saͤure der Kiese herstamme. §. 30. Zum siebenden wird die Sache gantz ausgemachet und unwiedersprechlich decidi ret durch der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. durch das Experiment §. 66. da durch die sim- ple Destillation des Brunnen-Saltzes ein Spi- ritus sulphuris vel vitrioli volatilis heruͤber koͤmmt, mit welchem man aus dem Eisen Vi- triol machen, den Tartarum vitriolatum com- poni ren, und alle bekannte Wuͤrckungen des angeregten Spiritus haben kan. §. 31. Der andere Satz. Wir wollen also ferner sehen: Wie dieser Spiritus von dem gemeinen Schwe- fel- Spiritu darinnen fuͤrnehmlich unter- schieden, daß demselben eine minerali sche Fettigkeit oder von dem subtilisi rten ver- brennlichen Principio der Kiese etwas anklebe, und unter der Erden beygemi- schet worden. Es ist zwar bekannt, daß we- nig minerali sche Wasser gefunden werden, in welchen ein rechter foͤrmlicher Schwefel anzu- treffen, sonderlich unter denen kalten Brunnen, indessen schwatzen doch fast alle Autores in ih- ren Brunnen-Beschreibungen, daß sie einen Schwefel in ihren Wassern observi ret, bald soll es ein guͤldischer Schwefel, bald ein Metal- len-Schwefel, bald ein fix er Eisen-Schwefel gewesen seyn. Es laͤsset sich dieses alles gar leichte sagen aber schwer erweisen. §. 32. Der gemeine Schwefel bestehet aus viel concentri rter Saͤure und ein wenig Fet- tigkeit und Terrestri taͤt, Mixtio des Schwefels. ist also ein offenba- G 3 res Cap. IV. Minerali scher Innhalt res Mixtum, welches sich ohne Zusatz eines scharffen alcali schen Saltzes im Wasser durch- aus nicht auffloͤsen laͤsset. Wenn aber dieses geschiehet entweder durch die Kunst, oder wenn auch von Natur der Schwefel durch ein Alcali solvi ret in Baͤdern und Bruͤnnen gefunden wird, Schwefel in Wassern. so giebt derselbe in solcher Beschaffen- heit dem Wasser einen starcken faulen Ge- schmack; Daher einige Brunnen den Nahmen Faul-Brunnen (wie in Franckfurt in dem Gast-Hof zur guͤldenen Birn) bekommen ha- ben, und der Geschmack verschiedener warmen Baͤder mit dem Geschmack fauler Eyer vergli- chen wird, auch dergleichen Wasser das Sil- ber erstlich gold-faͤrbig und endlich schwartz ma- chen, wie eine gemeine Solutio sulphuris per Al- cali zu thun pfleget. §. 33. Diese Merck-Zeichen sind in unserm Wasser keines weges anzutreffen, daher man keinen foͤrmlichen Schwefel in demselben sta- tui ren, wol aber aus denen Contentis des Was- sers wieder zusammen setzen kan. §. 66. Daß aber eine Fettigkeit und verbrennliches Wesen darinnen enthalten, Fettigkeit in dem Sediment unsers Wassets. solches offenbaret sich erstlich, wenn man das getrocknete roͤthliche Se- diment des Brunnens auf geschmoltzenen Sal- peter wirfft, da man gar deutlich siehet, daß sich viele Theilgen von demselben mit dem Salpe- ter der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ter entzuͤnden. Solches geschiehet noch viel mercklicher, wenn man eine gute Qvantitaͤt von der vielfaͤrbigen Haut von dem Wasser samm- let, trocknet und ebenfalls auf fliessenden Salpe- ter wirfft, da viele helle Funcken aus der Ma- terie herfuͤr brennen, welches mit ausgebrann- ten Crocis und andern Materien, in welchen nichts verbrennliches stecket, nicht also von stat- ten gehet. §. 34. 2) Wenn die rothe Eisen-Erde In der Eisen-Erde. des Brunnens in einem verschlossenen Tiegel ohne den geringsten Zusatz geschmoltzen, nachmahls gestossen wird, so folget solches mit einander dem Magneten, welches wiederum mit aus- gebrannten Eisen- Crocis, aus welchen alles verbrennliche gaͤntzlich heraus getrieben, nicht angehet, sondern ehe der Magnet solche wieder bewegen kan, muß denenselben zuvor ein Zusatz von fetten oder verbrennlichen Sachen gegeben und eingeschmoltzen werden. §. 35. 3) Weil nach dem 14den §. das vom Brunnen ab destilli rte Wasser mercklich nach dem Brand schmecket, In dem destilli rten Wasser. so ist auch daher zu ver- muthen, daß etwas verbrennliches in demselben vorhanden seyn muͤsse, inmassen dergleichen Ge- schmack nur von Fettigkeit und verbrennlichen Sachen herzuruͤhren pfleget. 4) Weil fette Sachen leichte sind und uͤber dem Wasser G 4 schwim- Cap. IV. Minerali scher Innhalt schwimmen, auch allerhand Farben zu repræ- senti ren pflegen, so hat man das §. 8. beschrie- bene vielfarbige Haͤutlein bißher als die fuͤr- nehmste Anzeigung der Fettigkeit gehalten, wel- ches aber dennoch groͤssesten theils aus der roͤth- lichen Eisen-Erde bestehet, auch zu Eisen kan geschmoltzen werden. 5) Weil unter der De- stillation des Brunnen-Saltzes In dem Brunnen-Saltz. wieder ein foͤrmlicher Schwefel misci ret und sublimi ret wird, und solches ohne Fettigkeit nicht gesche- hen kan, so wird dieses Principium dadurch un- streitig erwiesen. §. 66. §. 36. Woher nun diese Fettigkeit in dem Wasser ihren Ursprung nehme, Ursprung dieser Fettigkeit. und wie sol- che mit denen saͤuerlichen Theilgen in demselben verbunden werde, solches kan unter folgenden Umstaͤnden betrachtet werden: Es ist zu ver- muthen, daß die Eisen-Kiese, Unterscheid der Kiese. woruͤber die kalten minerali schen Wasser lauffen, nicht so reichhaltig als andere Kiese, welche durch Be- feuchtung des Wassers unter der Erden zu- gleich hefftig erhitzet werden. Wie denn be- kannt, daß nicht allein vielerley Gattung der Kie- se in denen Bergwercken gefunden werden, son- dern daß auch Kiese, welche viel Metall und Schwefel-Saͤure in sich halten, dennoch nicht so viel Fettigkeit haben, daß eine gnugsame Men- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Menge Schwefel in denen Schmeltz-Oefen da- von abgetrieben werden und die Ausschwefe- lung die Unkosten belohnen koͤnne. Daher man solche Kiese zum Vitriol- machen gebrau- chet, dieselbe Schicht-weise mit Holtz uͤber ein- ander haͤuffet, roͤstet und die wenige Fettigkeit heraus brennet. Oder wie sich der Englaͤndi- sche Kieß tractiren laͤsset, und ich zu Deptford, unweit London, gesehen, woselbst solcher in grosser Menge auf einen Platz bey denen Vitri- ol Haͤusern in freyer Lufft hingeworffen und ausgebreitet, nach und nach durch Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein muͤrbe ge- machet und erweichet wird, da denn die Fettig- keit mit einem schwefelichten Geruch davon flie- get, und die schwereste Saͤure das Eisen samt etwas subtiler steinigter Materie auffloͤset, und in die untergelegten Rinnen zusammen flies- set. §. 37. Wenn nun ein solcher Kieß, welcher nicht reichhaltig an Schwefel, und die Saͤure von der Fettigkeit nicht voͤllig saturi ret ist, unter der Erden durch Zufluß des Wassers zu einer innerlichen Erregung und Zusammenstoßung seiner sauren, eisenhafften, fetten und subtilen steinigten Theilgen gebracht, und also resolvi- ret wird, so ist zwar solche Bewegung so hefftig, haͤuffig und gedraͤnge an einander stossend, nicht wie in denen reichhaltigen Kiesen, da eine starcke Erhitzung darauff erfolget; indessen kan es doch G 5 auch Cap. IV. Minerali scher Innhalt auch ohne Zerreibung, Subtilisation, und Zer- streuung der Fettigkeit nicht abgehen, welche theils durch die Poros der Erden, theils durch die Adern und Oeffnungen der Qvellen gantz mercklich heraus wittert und herfuͤr duͤnstet. Weil aber dieses alles tieff unter der Erden ohne Zugang und Gemeinschafft der freyen Lufft vorgehet, so bleibet desto leichter noch et- was von dem zerriebenen fetten, verbrennlichen Wesen an denen saͤuerlichen Theilgen, oder zwischen der Saͤure und denen Eisen-Theilgen kleben, welche Eisen-Theilgen hinwieder durch die Saͤure mit dem Wasser vereiniget und demselben einverleibet worden, samt einer ziem- lichen Quanti taͤt einer durch die minerali sche Saͤure subtilisi rten und solubel gemachten crystallinischen und alcali schen Erde. §. 38. Diese neue aus dem Kiese gebohrne Mixtur bleibet in ihrer Vermischung und ange- nommenen Eigenschafften lange Zeit bestaͤndig, wenn man solcher ein Qvartier verschaffet, wel- ches ihrem Geburths-Ort gleich, nemlich wenn dieselbe von Gemeinschafft der freyen Lufft ver- schlossen, und unter der Erden in der Kuͤhle ver- wahret wird. Je mehr aber die freye Lufft und die Waͤrme in die Mixtur eindringen kan, ie ge- schwinder verursachet solche Ursach der Veraͤnderungen im Wasser. eine neue Bewe- gung und Zusammenstossung der unterschiedli- chen und zum Theil wiederwaͤrtigen Materien in der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. in dem Wasser, da denn zu erst ein Theil der Fettigkeit staͤrcker an die Eisen-Theilgen gerie- ben, und mit denenselben nach der Ober-Flaͤche des Wassers getrieben wird: Weil dieses ver- brennliche Wesen ohnedeß von Natur leicht ist, und gerne in die Lufft steiget; Ein anderer ge- ringer Theil der Fettigkeit bleibt auch in dem Brunnen-Saltze stecken nach dem 66sten §. §. 39. Also formi ren nun die Eisen-Theilgen mit der Fettigkeit die vielfarbige Haut, Woraus die vielfaͤrbige Haut bestehe. und werden durch dieses fette Wesen schwimmend erhalten, da das Eisen sonst das schwereste In- grediens in dem Wasser ist, und nothwendig gleich zu Boden fallen muͤste, wenn es nicht duꝛch etwas leichtes und fluͤchtiges in die Hoͤhe gefuͤh- ret und daselbst schwimmend erhalten wuͤrde. Ich habe eine grosse Bouteille mit einem lan- gen engen Halse, darinnen 6. Pfund von un- serm Wasser mit Korck und Blasen wohl zu- gemacht, doch so, daß das Wasser nicht biß an den Korck, sondern einen halben Zoll unter den- selben reichete. Diese Bouteille stund in mei- ner Studir-Stube ein gantzes Jahr unbeweg- lich, da denn das nach und nach aus der Mixtur gewichene Eisen alle mit einander oben in den Halß der Bouteille gestiegen und sich daselbst versammlet hatte, nichts aber zu Boden gefal- len war. Wenn im Gegentheil das Wasser waͤhren- der Cap. IV. Minerali scher Innhalt der Scheidung viel beweget wird, oder man durch starckes Erwaͤrmen einen guten Theil von dem verbrennlichen Wesen in die Lufft zer- streuet, so ist kein Wunder, daß sich das Eisen durch seine natuͤrliche Schwere sencket und zu Grunde gehet. §. 40. Diese Verbindung der subtilisi rten Fettigkeit mit dem saͤuerlichen Spiritu gibt dem Wasser den annehmlichen, kraͤfftigen und spiri- tuoͤsen Geschmack, Woher der kraͤfftige Geschmack. und daß dasselbe nicht herb-sauer wie eine mit dem gemeinen Spiritu Sulphuris aut Vitrioli geschaͤrfftes Wasser, auch nicht so stumpff und suͤß wie eine dilui rte Solutio Vitrioli Martis, sondern durchdringend, piquant und weinsaͤurlich schmecket. §. 41. Es gehet hier in dem Regno minerali in vielen Stuͤcken eben so zu wie in dem Regno vegetabili. Vergleichung der Sauer-Brunnen mit den Liquo- ribus fermentatis. Denn wie aus dem suͤssen dicken und schmierichten Most, oder aus einem abge- schmackten, widerlich-suͤssen Extract des Mal- tzes durch die Gaͤhrung oder innerliche Bewe- gung und Subtilisation der Fettigkeit und der salini schen saͤuerlichen Theilgen, spiritu oͤse, kraͤff- tige, hell und angenehme Liquores bereitet wer- den, so wird aus dem groben, todten Kieß durch Zufluß des Wassers und innerliche Erregung seiner Theilgen der herrliche minerali sche Spi- ritus der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ritus der Gesund-Brunnen gleichfalls aus fet- ten und saͤuerlichen Materien unter der Erden gezeuget. §. 42. Wie die Liquores aus denen Erd- Fruͤchten unter ihrer Gaͤhrung einen sulphuri- schen durchdringenden Dunst von sich geben, so daß in grossen verschlossenen Kellern oͤffters die Lichter davon ausgehen, und Menschen ohn- maͤchtig werden und ersticken koͤnnen, so erhebet sich ein gleichmaͤßiger Dunst von der minerali- schen Resolution der Kiese, welcher durch die Oeffnungen der Qvellen, oder durch andere gefundene Loͤcher und Ritze der Erden und Stein-Klippen heraus wittert, und Erstickun- gen an Menschen und Thieren verursachen kan. Cap. III. §. 5. §. 43. Wie die Liquores fermentati das Haupt einnehmen und truncken zu machen pfle- gen, so verspuͤhret man eben dergleichen Wuͤr- ckungen von denen frischen an der Qvelle ge- trunckenen spiritu oͤsen minerali schen Wassern, daß viele davon gantz schwindelich, taumelend und gleichsam truncken werden. Cap. III. §. 52. §. 44. Wie die Lufft eine sonderliche Ge- meinschafft mit Wein, Bier, Cider, Meth und dergleichen durch die Gaͤhrung bekommt, so daß sich dieselbe haͤuffig darunter mischen laͤsset, in und uͤber dem Liquore viel tausend Blaͤßlein und Schaum formi ret, und sich mit demselben ex- Cap. IV. Minerali scher Innhalt expandi ret, Glaͤser und allerhand verschlossene Gefaͤsse zersprenget, so ist eben dergleichen von denen minerali schen Wassern bekannt. Cap. III. §. 47. 48. 49. §. 45. Wie diese schoͤne Temperatur und zarte Vermischung des salini schen saͤuerlichen und fetten Wesens durch freye Lufft und Waͤr- me gar leicht veraͤndert, umgekehret, getrennet und verdorben wird, so haben wir eben solches von unserer minerali schen Mixtur zur Gnuͤge verstanden. Wie endlich in dergleichen vege- tabili schen Liquoribus die salini sche Saͤuere nach und nach die fette Substantz uͤberwaͤltiget und unterdruͤcket, auch etwas von der Fettig- keit verdunstet, das uͤbrige auch wol verschim- melt und verfaulet, so faͤnget im Gegentheil in denen minerali schen Wassern das Alcali nach und nach an zu prævali ren, verschlinget alles saͤuerliche, und schlaͤget die Eisen-Theilgen nie- der, veraͤndert also alle Eigenschafften des Was- sers. §. 108. §. 46. Der dritte Satz. Daß nun offt erwaͤhnter Spiri- tus gegen aller Autorum Meinung nicht aus dem Wasser verfliege oder wegdun- ste, sondern im Gegentheil in demselben ie laͤnger ie fester werde, wie man auch mit dem Wasser umgehet, solches erhellet 1) weil der Geruch des frisch geschoͤpfften Bꝛunnens nicht durchdringend- sulphuri sch und er- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. erstickend, Von dem Geruch des Wassers. wie sonst alle wegfliegende Spiri- tus zu seyn pflegen, sondern bloß vitrioli sch, und nur zuweilen ein wenig gelind-schwefelicht ist, als wenn man einen Eisen- Vitriol im Wasser auffgeloͤset, und daruͤber riechet, entweder den Vitriol alleine, oder mit Salpeter, gemein Saltz und andern dergleichen Salibus neutris vermischet, welches den Geruch in etwas zu ver- mehren pfleget; Mit einem Wort, es ist nur ein geringer metallischer, etwas schwefelichter Geruch, wie man von einem Stuͤck Zinn, Kupffer, Eisen, Silber, wie auch vom Gold selb- sten sagen kan, daß solches in etwas riechet, oder gering riechende Effluvia hat. §. 47. Bringet man 2) das frische Wasser in grosser Menge uͤber das Feuer, welches sonst alle spiritu oͤse Sachen, die einiger massen loß und fluͤchtig sind, gar bald aufftreibet und starck riechen machet, so kan man hier den Kopff si- cher uͤber einen gantzen Brau-Kessel voll fri- schen Brunnen, welchen man auf das geschwin- deste durch ein starckes Feuer erhitzen laͤsset, oh- ne alle spiritu oͤse Empfindung weder an den Organis des Geruchs, noch der Respiration ei- ne gantze Weile halten. Oder, wem dieses Experiment gar zu massif scheinet, der mache es subtiler und rieche uͤber eine enge Oeffnung eines grossen glaͤsernen Recipient en, oder Kol- ben, welcher mit dem frischen Wasser angefuͤl- let, Cap. IV. Minerali scher Innhalt let, und so geschwind als moͤglich ist, erwaͤrmet wird; mehr als gemeinen Wasser-Dunst wird er nimmer gewahr werden. v. §. 15. §. 48. Ist nun der Spiritus so subtil, daß der- selbe die Werckzeuge des Geruchs und der Re- spiration nicht affici ren kan, so mag es wol ein rechter Spiritus ohne Materie seyn. Unsere materiali schen Spiritus aus der gantzen Materia medica \& chymica, ie subtileꝛ und fluͤchtiger die- selben sind, ie staͤrcker und empfindlicher pflegen solche die Nerven des Geruchs zu bewegen und zu irriti ren. Oder kan man diesen wunderba- ren Spiritum nur schmecken und nicht riechen, da er doch wegfliegen und so leicht und ge- schwind in die Hoͤhe steigen soll. §. 49. Machet man hier den Einwurff, wie doch allbereit etliche mahle angefuͤhret worden, daß aus unsern Qvellen sulphuri sche Duͤnste herauff steigen, Von den schwefelichten Auswitterungen des Wassers. und daß also offenbar gnug, wie der Spiritus fortfliege, so dienet aber dieser Umstand mehr zu einem Beweiß als Wiederle- gung unsers Satzes. Denn wenn der Spiri- tus im Wasser eben derselbige, oder demjeni- gen gleich ist, welcher als ein schwefelichter Dunst aus denen Qvellen hervor kommt, so muͤssen beyde auch einerley Wuͤrckung haben im Wegfliegen, und muͤste durch das Erwaͤr- men des Wassers eben ein solcher Dunst, wel- cher der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. cher schwindlicht, taumelend und ohnmaͤchtig machet, herfuͤr kommen, welches aber nicht ge- schiehet. §. 50. Man statui ret ja nicht daß der Spiri- tus unter dem Einschuͤtten in die Gefaͤsse alle verfliege, sondern vielmehr so lang das Wasser noch etwas schaͤrfflich und vitrioli sch schmecket, und die Gallaͤpffel tingi ret, daß alsdenn von dem Spiritu noch etwas vorhanden sey. Die- se Anzeigung gibt das Wasser noch, wenns schon bey 2. Stunden in einem offenen Glase nach und nach brenn-heiß gemacht worden. §. 11. Also muß der Spiritus so subtil seyn, daß man denselben im Wegfliegen durch den Geruch nicht empfinden kan, und doch muß eben der- selbe zu eben der Zeit, so schwehr und fest im Wasser stecken, daß er einen solchen Grad der Hitze auf dem Sande, so lange, und in einem offenen Glase aushalten kan. §. 51. Sonst sind auch gemeldete Auswitte- rungen der Schwefel-Duͤnste nicht als ein we- sentliches Stuͤck, sondern nur zufaͤlliger weise bey dem Wasser. Und ist hier die Frage nicht, ob dann und wann uͤberfluͤßige sulphuri sche Spiritus, welche das Wasser nicht alle in sich fassen koͤnnen, durch die Adern der Qvellen fort- streichen, sondern es kommt fuͤrnehmlich auff diejenigen Spiritus an, welche eigentlich zu der Mixtur des Wassers gehoͤren, demselben ein- H ver- Cap. IV. Minerali scher Innhalt verleibet sind, und mit demselben die uͤbrigen Materien combini ren. Daß diese Spiritus wegfliegen, solches wird keines weges verspuͤh- ret und niemahls erwiesen werden koͤnnen. §. 52. Wenn auch gleich das von dem fri- schen Wasser durch einen wohlverwahrten Kol- ben und Helm ab destilli rte Wasser einen ge- ringen Geschmack wie vom Anbrennen nach dem 4ten §. bey sich hat, Brand-Geschmack des destilli rten Wassers. so wird doch niemand solches vor den Spiritum halten, weil im uͤbri- gen die ersten Tropffen so wenig wie die letzten weiter nach nichts in der Welt schmecken, auch weder in Solutionibꝰ noch Præcipitationibꝰ den allergeringsten Effect thun, also daß auch hier gar keine Spuhr von dem Spiritu anzutreffen. §. 53. Man muß aber nicht gedencken, als wenn angezeigte Umstaͤnde alleine bey dem Pyrmontischen als einem vermeinten schwere- ren Wasser anzutreffen, und daß andere Sauer-Brunnen vielleicht mit mehreren und subtileren Spiritibus begabt waͤren. Andere Sauer-Brunnen sind nicht spiritu oͤser. Wer ohne Vorurtheil andere Sauer-Wasser, wel- che er geistreicher, als das Pyrmontische (wie- wohl mit Unrecht) zu seyn gedencket, examini- ren, und nicht die gantze Substan tz des Was- sers, welche durch die mit einem geschwinden Stoß unter das Wasser gebrachte Lufft in klei- nen Theilgen einem in das Gesicht gesprenckelt wird, der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. wird, ( v. Cap. III. §. 47.) fuͤr separi rte Spiritus halten will, der wird im uͤbrigen durch keine Kunst-Griffe einen wegfliegenden minerali- schen Spiritum aus einem Sauer-Brunnen er- weisen, sondern eben diejenigen Phænomena fin- den, welche man hier von dem Pyrmontischen Wasser angedeutet hat. §. 54. Es scheinet, daß gemeldete kleine Theil- gen von der gantzen Substan tz des Wassers, welche durch die Lufft in grosser Menge wie ein Rauch uͤber die Glaͤser heraus getrieben wer- den, die groͤsseste und scheinbareste Ursache ge- geben haben, Dasjenige, was aus dem Wasser wegzufliegen scheinet. daß die Meinung von dem Weg- fliegen der Brunnen-Geisterlein so allgemein worden, sonderlich weil dadurch auch Niesen, Schwindel und allerley lrritationes im Haupte verursachet werden, welches aber durch die gan- tze Substan tz des frischen Wassers geschiehet. Haͤlt man eine glaͤserne Scheibe uͤber ein Glaß voll Bruñen-Wassers, welches in solcher Bewegung ist, und faͤnget die herauff spritzen- de Wasser-Theilgen an derselben, so findet man einen Liquorem von eben dem Schrot und Korn, wie derjenige, so im Glase zuruͤck geblie- ben ist, der auch eben so ein roͤthlich Sediment hinterlaͤsset, wie das uͤbrige Wasser. §. 55. Wenn nun weiter die Frage ist, wo der Spiritus denn hinkomme und bleibe, da der- H 2 selbe Cap. IV. Minerali scher Innhalt selbe nicht davon fliege, und doch so leicht ver- lohren gehe? so wird dieser Nodus Gordius auf- geloͤset werden, wenn wir ferner erweisen: Der vierdte Satz. Daß dieser Spiritus sich nach und nach mit der subtilen suͤssen alcali schen Erde (von welcher in allen minerali schen Wassern etwas gefunden wird) vereinige, und al- so ein sal neutrum, wie ein Tartarus vitriola- tus, sal polychrestum, oder noch naͤher, wie ein Sal mirabile Glauberi daraus mache. §. 56. Es ist keine Regel in der Chymi e so all- gemein, wahr und bekannt, als daß saure Sa- chen und Laugen-Saltze oder Alcalia, wenn sol- che zusammen kommen, sich mit einander ver- einigen. Vereinigung des Acidi und Alcali. Anfangs streiten und beissen sich (wie denen Chymicis diese Redens-Art gefaͤllet) dieselben tapffer mit einander herum, daß ein starck Ge- raͤusch, viel Schaum, auch oͤffters Hitze davon entstehet; hierauf folget alsobald eine genaue und feste Verbindung, und wird aus beyden ein drittes Saltz, oder ein Liquor, welcher nicht sauer, auch nicht laugenhafftig, oder ohne Ge- schmack, wie eine Terra alcalica, sondern blosser dings saltzig ist. §. 57. Die Saltze, welche aus dieser Ver- einigung entstehen, werden Salia neutra oder enixa geheissen, wie das gemeine Saltz, Salpe- ter, der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ter, Alaun, Tartarus vitriolatus, Sal polychre- stum, Sal mirabile Glauberi, Terra foliata Tar- tari \&c. einige von Natur in solcher Verbin- dung gefunden, andere durch die Kunst also be- reitet werden. Und haͤlt die Saͤure, so fluͤchtig und spiritu oͤß dieselbe auch vorhin gewesen, nachmahls so feste an dem Alcali, daß man sol- che offt durch das staͤrckeste Feuer nicht wieder davon treiben kan, es sey denn, daß solches durch Huͤlffe eines Zusatzes von andern Materien ge- schehe. §. 58. Weil nun erstlich der minerali sche Spiritus der Sauer-Brunnen nach der aller- meisten alten und neuen Medicorum Meinung, hauptsaͤchlich in einer Saͤure bestehet, Acidum \& Alcali in den Sauer-Brunnen. nach dem ersten Satz §. 20. seq.; Und zweytens die neueren Brunnen-kuͤndige Autores mit einan- der uͤberein stimmen, daß in allen warmen und kalten minerali schen Wassern nicht allein ein Laugen-Saltz, oder alcali sche Erde vorhanden, sondern daß das Alcali auch darinnen prædo- mini re, nach dem 6ten Satz §. 108; so kan ja der saͤuerliche Spiritus nicht wegfliegen, sondern muß sich nach angefuͤhrter bekannten und un- truͤglichen Regel mit dem Alcali, mit welchem derselbe in einem Liquore befindlich, combini- ren, und mit demselben ein Sal neutrum werden, wodurch denn alle Spirituosi taͤt verschwindet und verlohren gehet. H 3 §. 59. Cap. IV. Minerali scher Innhalt §. 59. Von einem solchen aus saͤuerlichen Spiritu und Alcali zusammen gesetzten Sale neu- tro haͤlt unser Wasser, Brunnen-Saltz. aus dem Trinck-Brun- nen das Pfund 6 biß 7 Gran, aus dem Brodel- Brunnen 7 biß 8 Gran, aus dem niedern Ba- de-Brunnen 5 oder 6 Gran, aus dem Berg- Saͤuerling ein paar Gran, wie solches §. 17. schon angefuͤhret und gewiesen worden, daß das Saltz von denen uͤbrigen Materien gar leicht koͤnne geschieden werden. Das Gewicht aber ist zu verstehen von dem getrockneten Saltze, sonst wiegen die Crystallen des Saltzes schwe- rer, da solches so viel Wasser in sich genommen, als die Crystallisation erfordert. §. 60. Wenn man die Crystallen ansichtig wird, solte man solche vor kleine Salpeter- Staͤnglein halten, Forma Crystallorum. wenn man aber solche naͤ- her betrachtet und durch Vergroͤsserungs-Glaͤ- ser examini ret, findet man nicht so viel Ecken und andere vermischte Figuren, wie bey dem Salpeter. Es sind fast alle Crystallen von unserm Sal- tze kleine laͤnglichte Parallelo-grammata mit 4 Seiten, und sind dieselben platt, weil die oͤberste und unterste Seite breiter, als die beyden uͤbri- gen einander horizontal entgegen gesetzten Pla- na, Wenn aber dieses Saltz per Retortam, oder durch die Calcination in einem Schmeltz- Tie- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Tiegel von dem Spiritu Sulphuris volatili be- freyet, und alsdenn aufs neue crystallisi ret wird, so werden die beschriebene Crystalli \& fi- guræ parallelo-grammaticæ groß, schoͤn und durchsichtig, und habe ich eine Menge von den- selben, welche uͤber einen halben Zoll lang und ungefaͤhr ⅙ oder ⅛ ihrer Laͤnge breit sind, wel- ches sehr angenehm anzusehen; andere liegen kurtz und dick auf einander, doch alle viereckig, wie die Crystallen des Salis mirabilis Glau- beri. Wenn man dieses Saltz uͤber einer gelinden Waͤrme austrocknen laͤsset, so wird ein schnee- weisses Pulver daraus. Der Geschmack Geschmack. ist der gelindeste unter allen Saltzen, dabey kuͤh- lend und durchaus bitter. Man empfindet a- ber nicht die allergeringste Spuhr von einem Alaun-Geschmack, wie einige Autores gantz unrecht und faͤlschlich vorgeben. §. 61. Die Crystallen sind so solubel, Solubilitas in Aqua. daß, wenn man gleiches Gewicht z.E. ein Loth Was- ser und eben so viel Saltz zusammen in ein Glaß thut, das Saltz durch Umschuͤtteln und die ge- linde Waͤrme der Hand gar bald biß auf weni- ge Koͤrnlein zergehet, welches von keinem Sale neutro ausser dem Tartaro solubili und der Terra foliata Tartari, und solches doch nicht so wol, zu geschehen pfleget. Wenn man das H 4 auff- Cap. IV. Minerali scher Innhalt auffgeloͤsete Saltz in einem Glase einige Tage in freyer Lufft stehen laͤsset, so steiget dasselbe uͤ- ber das Wasser heraus, und formi ret allerhand Figuren, wie Zweige und Baͤumlein, auff die Art, wie sonderlich von dem Salpeter, auch von einigen andern Saltzen bekannt ist. §. 62. Wenn man zu der Solution des fri- schen Saltzes etwas yon einem scharffen auff- geloͤseten Laugen-Saltze v. g. von Pott-Asche, Sale Tartari \&c. schuͤttet, Præcipitation des Brunnen-Saltzes mit einem Laugen-Saltz. so schlaͤget solches eine subtile Schnee-weiße Materie aus dem- selben nieder, welche sich wie kleine Baumwol- len-Loͤckgen nach und nach auf den Grund se- tzet, wenn solches nachmals von dem Wasser ge- schieden, edulcori ret und getrocknet wird, so ist es eine subtile alcali sche Erde, welche mit sauren Sachen auffwallet. Weil ein solches ausgebranntes vegetabili- sches Sal Alcali schaͤrffer und mehr salini sch, als das minerali sche natuͤrliche ist, so stoͤsset jenes die nicht salini sche terrestr e Theilgen von dem saͤuerlichen Spiritu ab, und verbindet sich an de- ren Stelle mit demselben. Eben eine solche Præcipitation verursachet der Spiritus salis Am- moniaci, und andere dergleichen Salia volatilia in der Solution dieses Saltzes. §. 63. Sonsten wird kein Auffwallen noch Bewegung bey diesem Saltze verspuͤhret von aller- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. allerhand Acidis und Alcalicis, welche damit vermischet werden. Non effervescit cum Acido aut Alcali. Von dem Oleo Vitrio- li aber, oder der concentri rten Saͤure des Vi- triol s ist merckwuͤrdig, Das Oleum Vitrioli treibt den fluͤchtigen Spi- ritum davon. daß ob gleich solcher mit dem Saltze nicht effervesci ret, iedennoch wenn man dieselbe uͤber das frische nicht destil- li rte oder calcini rte Saltz schuͤttet, und mit dem- selben vermischet, so steiget in dem Augenblick ein fluͤchtiger, durchdringender, saͤuerlicher Schwefel- Spiritus in die Hoͤhe, welcher eine gute Weile nach einander gar empfindlich fort- zustreichen continui ret. §. 64. Daher denn offenbar wird, daß ein Theil des natuͤrlichen Acidi in unserm Saltze viel zaͤrter, subtiler und fluͤchtiger sey, als die ge- meine durch die Kunst bereitete Vitriol- Saͤure welche in diesem Experiment das natuͤrliche, fluͤchtigere Acidum von seinem Alcali abtreibet, und sich in dasselbe an des erstern Stelle se- tzet. Giesset man das Oleum Vitrioli uͤber den Tartarum vitriolatum, uͤber das Sal mirabile Glauberi, oder uͤber das gemeine Englaͤndische Saltz, so wird man gar nichts von einem auff- steigenden penetrant en Spiritu empfinden, weil in diesen Salibus neutris die Saͤure eben so starck, grob und schwer ist, wie das Oleum Vi- H 5 trio- Cap. IV. Minerali scher Innhalt trioli selbst, und also demselben das Gewicht halten kan. §. 65. Es koͤmmt also unser Brunnen-Saltz in dem einen Umstand mit demjenigen sonder- baren Schwefel-Saltz uͤberein, Ein Saltz, womit es uͤberein kommt. welches der beruͤhmte Koͤnigliche Preußische Leib- Medicus, D. Stahl, in Observ. select. Hallens. Tom. I. observ. 18. beschreibet, und bereitet wird, wenn man den Dampff des brennenden Schwefels in leinen Tuͤchlein, welche mit einer saturi rten alcali schen Lauge angefeuchtet sind, aufffaͤnget, daraus denn ein schaͤrffliches, etwas saͤuerliches weisses Saltz entstehet, aus welchem der fluͤch- tige Schwefel- Spiritus durch das Oleum vi- trioli gleich wieder heraus getrieben werden kan, wie aus unserm Saltze. Das Acidum Nitri und Salis communis aber kan den Spiri- tum aus unserm Brunnen-Saltz nicht loßtrei- ben, wie in jenem geschiehet, auch schmecket un- seres gantz bitter, und man kan nach dem 67ten §. wieder Schwefel daraus machen, welche Ei- genschafften bey des Herrn D. Stahls Saltz nicht gefunden werden. Daher denn abzu- nehmen, daß der Spiritus, oder ein Theil dessel- ben in unserm Saltze das Mittel halte, und nicht so gar fluͤchtig und sulphuri sch wie der Spi- ritus in angefuͤhrtem kuͤnstlichen Saltze, im Gegentheil aber auch nicht so starck und schwer, wie der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. wie die gemeine Vitriol- und Schwefel-Saͤure beschaffen sey. §. 66. Wenn unser Brunnen-Saltz Destillatio Salis nostri. in ei- ner glaͤsernen Retorte durch ein starckes Re- verberi r-Feuer getrieben wird, so laͤsset solches den fluͤchtigen subtilesten Theil von dem saͤuer- lichen Spiritu fahren, welcher wie ein Spiritus Vitrioli volatilissimus mit einem starcken Schwefel-Geruch die Fugen und Lutationes unter der Destillation durchdringet, Spiritus Vitrioli volatilis, als der wahre Brun- nen Spiritus. und al- so heruͤber in den Recipient en koͤmmt, welches denn der wahre Brunnen- Spiritus ist, welchem Vogel bißhero so viele vergebens nachgestellet haben. Von drey viertel Pfund unsers Sal- tzes, welches doch auf einem Stuben-Ofen wohl ausgetrocknet war, bekam ich uͤber 6. Loth des sauren fluͤchtigen Spiritus, uͤber welchen man gar subtil riechen muste, wenn man nicht halb ersticken wolte. Alles was man von dem besten Spiritu vitri- oli volatili sagen kan, fand sich in diesem Li- quore, hatte aber einen starcken empyreuma- ti schen Geschmack, wie der Spiritus Tartari aci- dus. In dem Halß der Retort e hatte sich auch etwas von einem schwartzen Ruß angeleget, und (welches sehr notab el) uͤber ein Quentlein foͤrm- Cap. IV. Minerali scher Innhalt foͤrmlicher Schwefel. Foͤrmlicher Schwefel aus dem Brunnen-Saltz. Daß also die hin und wieder in dem Brunnen-Saltz zertheilete und supprimi rte Fettigkeit sich durch die Hitze wie- der versammlet, und zum Theil mit der Saͤure wieder zu Schwefel geworden war. §. 67. Im Schmeltz-Feuer fliesset unser Saltz durch eine mittelmaͤßige Hitze, und viel leichter als der Tartarus vitriolatus, Fusio Salis \& inde paratum sulphur. auch ist der Fluß so subtil und duͤnne wie Wasser. Wirfft man etwas von pulverisi rten Holtz- Kohlen oder auch von andern fetten, oͤhlichten Sachen in das fliessende Saltz, decket den Schmeltz-Tiegel wohl zu, und laͤsset es noch ei- ne Weile im Feuer stehen, so wird ein Hepar Sulphuris daraus, man siehet den Schwefel blaulich brennen, und es steiget der gewoͤhnliche Schwefel-Geruch davon auf. §. 68. Dieses Hepar Sulphuris hat alle Ei- genschafften und Wuͤrckungen, wie der gemei- ne Schwefel, wenn solcher mit einem Laugen- Saltze vermischet und geschmoltzen wird. Weñ man es mit Wasser auffloͤset, und einen destil- li rten Wein-Eßig dazu schuͤttet, so wird ein Lacsulphuris præcipiti ret, welches getrocknet und hernach in einem glaͤsern oder irdenen Ge- schirr auf heissem Sande zu einem foͤrmlichen gelben Schwefel, wie man solchen bey Berg- wercken aus denen Pyritis treibet, geschmoltzen wer- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. werden, und aus demselben wiederum ein saureꝛ Schwefel- Spiritus per campanam, mit dem Eisen ein Vitriol, mit allerhand Oelen, Balsama Sulphuris, und sonst alle gewoͤhnliche Schwe- fel- Compositiones und Transpositiones, wie aus dem gemeinen Schwefel bereitet werden koͤnnen. §. 69 Es vereiniget sich aber in angefuͤhrtem Experiment die Saͤure unsers Saltzes mit der Fettigkeit der Holtz-Kohlen und anderer ver- brennlicher Sachen, und wird also aus der Fet- tigkeit und dieser Saͤure ein foͤrmlicher Schwe- fel; das Alcali aber in unserm Saltze formi ret das Hepar sulphuris, und machet den Schwe- fel eine gute Weile feuer-bestaͤndig, welcher sonst in offenem Feuer gar bald nach einander wegduͤnstet. §. 70. Mit dem sauren Spiritu des Salis communis und des Salpeters, wie auch aus allen andern sauren Spiritibus Andere Acida machen keinen Schwefel. kan auf keinerley Weise ein foͤrmlicher Schwefel bereitet wer- den, daher denn unstreitig zu schliessen, und als ein unfehlbares Kennzeichen zu halten, daß der saͤuerliche Spiritus in unserm Wasser und Sal- tze das Acidum Sulphuris oder Vitrioli sey, weil diese Saͤure alleine beqvem mit einer Fettig- keit wieder ein Schwefel zu werden, wie solche in denen Pyritis oder Kiesen zuvor gewe- sen. §. 71. Cap. IV. Minerali scher Innhalt §. 71. Wenn man nun weiter unser Saltz (nehmlich dasjenige, welches zuvor von dem fluͤchtigen Spiritu befreyet worden. §. 66.) mit einer besondern Gattung der bekannten Saltze, welche aus der Schwefel-oder Vitriol- Saͤure und einem Alcali fixo durch die Kunst zusammen gesetzet sind, Welchen Saltzen unser Brunnen-Saltz am aͤhn- lichsten. vergleichen will, so ist solches kei- nem aͤhnlicher als dem Sali mirabili Glauberi. Sal mirabile Glauberi. Es wird solches, wie bekannt, aus dem Sale communi und der Vitriol- Saͤure bereitet, da diese Saͤure als die Staͤrckeste und schwereste, die Saͤure des gemeinen Saltzes forttreibet, und sich an deren Stelle mit dem Alcali Salis communis verbindet. Aus dieser neuen Com- bination entstehet ein Sal neutrum, welches 1) in der Crystallisation, 2) nach dem Geschmack, 3) mit der leichten Auffloͤsung im Wasser, auch 4) mit der baldigen subtilen Fluͤßigkeit im Schmeltz-Feuer, und 5) durch Zusatz der Holtz- Kohlen darauf folgenden Schwefel-Bereitung gar genau mit unserm Saltze uͤberein koͤmmt. §. 72. Auch ist diesem Saltze aͤhnlich und gleich das Englaͤndische Purgir- Saltz, Sal Anglicanum catharctioum. wel- ches man einige Jahr her in grosser Menge aus England gebracht hat, und nunmehro in unsern meisten Apothecken dispensi ret. Es wird die- ses der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ses gemeine Englaͤndische Saltz durchgehends das Epsom- Saltz geheissen, auch dafuͤr ausge- geben, es ist aber nicht das wahre Sal naturale ex aquis mineralibus Ebeshamensibus, sondern wird durch die Kunst von denen Chymicis und Laborant en in London Centner-Weise aus ei- ner gemeinen Saltz-Lauge und der Schwefel- oder Vitriol- Saͤure bereitet. §. 73. Da nun unser natuͤrliches Brunnen- Saltz mit derjenigen durch die Kunst bereiteten Gattung eines Salis neutri ex Acido sulphuris vel vitrioli am naͤhesten uͤberein koͤmmt, zu de- ren Mixtion das Alcali Salis communis ge- nommen worden, so kommen wir der Natur un- sers Saltzes wieder einen Grad naͤher, und wie wir durch unumstoͤßliche Experimenta und gegruͤndete Rationes erwiesen haben, daß die Saͤure in unserm Saltze specie die Schwefel- oder Vitriol- Saͤure sey, so erhellet aus diesen letztern Umstaͤnden, daß das Alcali in unserm Saltze Sal Alcali speciale in dem Brunnen-Saltz. specie das Alcali salis communis seyn muͤsse. §. 74. Die eintzige Quali taͤt und der Cha- racter, Character specialis salis nostri. wodurch sich unser Saltz von dem Sale mirabili und dem gemeinen Englaͤndischen Saltz distingui ret, ist daß, ein Theil der Saͤu- re unsers Saltzes zaͤrter, subtiler und fluͤchtiger ist, und noch einige subtilisi rte Theilgen des ver- Cap. IV. Minerali scher Innhalt verbrennlichen Wesens aus den Kiesen in sich haͤlt, daher man solche durch die gemeine Vi- triol Saͤure (§. 63.) von ihrem Alcali loß trei- ben kan, welches an dem Sale mirabili und dem gemeinen Englaͤndischen Saltze nicht geschie- het. §. 75. Weil nun der Ursprung und die Mix- tio unsers Saltzes und desselben Theile so ge- nau und eigentlich entdecket und vorgestellet werden koͤnnen, Nitrum Calcarium Listeri. und ein solches Saltz nicht al- lein in unserm Wasser, sondern auch in vielen andern Sauer-Brunnen und salini schen laxi- renden Wassern gefunden wird, welches gaͤntz- lich oder groͤssesten Theils und nach allen Haupt-Eigenschafften und Wuͤrckungen mit unserm Brunnen-Saltz uͤberein kommt, so haͤtte der gelehrte D. Martin Lister nicht noͤthig ge- habt ein neues unbekanntes Genus Salium, nehmlich ein Sal oder Nitrum calcarium in de- nen Fontibus medicatis Angliæ zu statui ren, weil sein Nitrum calcarium nichts anders ist, als ein aus der Schwefel-oder Vitriol- Saͤure und dem Alcalisalis communis zusammen ge- setztes Saltz, wie wir in dem vorhergehenden nach allen Umstaͤnden beschrieben, und unser Saltz als ein Model vorgestellet haben, nach welchem die uͤbrigen Saltze von dieser Art in andern minerali schen Wassern koͤnnen beur- theilet und erkannt werden. §. 76. der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. §. 76. Alles was auch sonsten andere Auto- res von einem Nitro oder Salpeter (nicht aber das Nitrum oder Natron alcalicum der Alten) gedencken, welchen sie in ihrem Wasser zu seyn vermeynet, Das vermeynte Nitrum in andern Wassern. oder darinnen wollen gefunden ha- ben, solches ist kein anderes als unser beschriebe- nes Saltz. Laͤnglichte Crystallen und figuræ pri- smaticæ machen alleine keinen Salpeter. Die rechten Keñzeichen eines wahꝛen Salpeters sind, daß solcher auf brennenden Kohlen sich mit ei- nem aus seiner eigenen Substanz entstehenden Geblaͤse und Geraͤusche in helle Funcken ent- zuͤnde, und gantz wegbrenne, auch daß er durch gebuͤhrende Destillation einen Spiritum von sich gebe, welcher in roͤthlichen Wolcken heruͤ- ber steiget, und das Silber solvi ret. §. 77. Das Sal vel quasi Nitri-forme aus denen minerali schen Wassern thut solches kei- nes Weges, sondern wenn man dasselbe auf brennende Kohlen wirfft, so siehet man nicht ein Fuͤncklein davon auffsteigen, und bleibet als ei- ne Terra fixa liegen. Der Spiritus, welcher durch die Destillation davon getrieben wird (§. 66.) kommt in weissen Wolcken heruͤber, und solvi ret kein Silber, sondern hat alle Ei- genschafften wie ein Spiritus sulphuris vel vi- trioli volatilis. Im Gegentheil aber wenn die- ses Brunnen-Saltz in einem Tiegel geschmol- tzen, und in dasselbe Holtzkohlen-Staub oder I andere Cap. IV. Minerali scher Innhalt andere oͤhlichte, fette Sachen gemischet werden, so wird es ein Hepar sulphuris, aus welchem ein foͤrmlicher Schwefel præcipiti ret werden kan (§. 68.) welches durchaus mit keinem wahren Salpeter, auch mit keinem Saltze, in welchem die Schwefel-oder Vitriol- Saͤuere nicht vor- handen ist, geschehen kan. §. 78. Ich bin aber nicht der Meynung, daß in allen Sauer-Brunnen und minerali schen Wassern, in welchen ein saͤuerlicher Spiritus verspuͤhret wird, eben das Acidum specie sul- phureo-vitriolicum befindlich sey, und also ie- desmahl aus der Vereinigung dieser Saͤure mit dem natuͤrlichen Alcali ein Saltz, wie unser beschriebenes Brunnen-Saltz gebohren wer- den muͤsse. §. 79. Es ist noch eine andere Saͤure, Acidum salis communis in Aquis mineralibus. wel- che in dem Globo Terr-aqueo noch viel gemei- ner ist, und in grosser Menge gefunden wird. Das Wasser ist fast in allen Meeren und Seen davon voll, und auf dem Lande ist in vielen Rei- chen ein grosser Uberfluß von Saltz-Brunnen, und stecken auch an etlichen Orten gantze Berge voll Sal gemmæ, oder Sal fossile. Es ist also die Saͤure des gemeinen Saltzes, welches wir taͤglich an allen Speisen essen. §. 80. Ein solch gemeines Kuͤchen-Saltz fin- det sich sehr haͤuffig in dem Seltser Sauer- Brunnen bey dem Chur-Trierischen Flecken Nie- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Nieder-Selters; item: In dem Sauer- Wasser zu Carben zwischen Friedberg und Franckfurt; Auch participi ren die Wildung- schen Brunnen etwas von diesem Saltze, und hat der Herr du Clos in seinem Buͤchlein von denen minerali schen Wassern Franckreichs eine gantze Classe von kalten weinsaͤuerlichen Was- sern, aus welchen ein Sal commune gezogen worden. In vielen warmen Baͤdern ist sol- ches gleichfalls anzutreffen, sonderlich ist das Wißbader Wasser so haͤuffig damit angefuͤllet, daß ein iedes Pfund Wasser aus etlichen Quel- len zu Wißbaden ein gantzes Quentlein Kuͤ- chen-Saltz auslieffert. Die Bourbonnischen und andere warme Baͤder in Franckreich, in- gleichen das Wasser aus dem Englaͤndischen Bathin Sommersetshire halten ein Sal com- mune. §. 81. Auch scheinet das alcali sche Laugen- Saltz, Sal lixiviosum Aquarum. welches einige warme Wasser so reich- lich auslieffern, und in verschiedenen Sauer- Brunnen, obgleich in geringerer Quanti taͤt, ge- funden wird, nichts anders als specie das Al- cali salis communis zu seyn, und ist derjenigen Saltz-Lauge gleich, welche in Saltzsiedereyen in denen Pfannen nach der Crystallisation des uͤbrigen Saltzes zuruͤck bleibet, und sich nicht crystallisi ren laͤsset, sondern in fluͤßiger Form I 2 behar- Cap. IV. Minerali scher Innhalt beharret, biß man alle Feuchtigkeit wegrau- chen lassen. §. 82. Es ist zu vermuthen, daß die subtile alcali sche Erde nur halb, oder ein gar geringer Theil von derselben mit der Saͤure des Salis communis saturi ret worden, und wenn man ei- ne grosse Quanti taͤt von einem solchen minerali- schen Alcali aus dergleichen Brunnen beysam- men haͤtte, so stuͤnde zu probi ren, ob dieser ge- ringe Theil des Acidi salis communis nicht durch einige Handgriffe heraus zu bringen, und also erweißlich waͤre, daß noch wuͤrcklich ein foͤrmlicher Spiritus salis acidulus, welchen man vor der Combination mit dem Alcali in dem Wasser schmecken koͤnnen, vorhanden sey. §. 83. Und auf eben solche Art moͤgen wohl in einigen Wassern Saltze seyn, von welchen nur ein geringer Theil mit der Schwefel-oder Vitri- ol- Saͤure gesaͤttiget ist, und weil das Alcali noch prædomini ret, als mera \& pura Alcalia ange- geben und gehalten werden, welches kuͤnfftig bey einer andern Gelegenheit V. D. weiter soll untersuchet werden. §. 84. Weil aber nun aus angefuͤhrten Ex- empeln erhellet, daß in vielen minerali schen Wassern ein Kuͤchen-Saltz Acidum salis communis in Pyritis. gefunden werde, so solte man glauben, daß auch Eisen-Kiese in der Erden seyn muͤsten, in welchen an statt der Schwefel-Saͤure und eines wahren foͤrmlichen Schwe- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Schwefels, die Saͤure des gemeinen Kuͤchen- Saltzes, und vielleicht auch zugleich eine mine- rali sche Fettigkeit befindlich, und daß diese Kiese eben auf die Art, wie die gemeinen Pyritæ durch den Zufluß des Wassers unter der Erden zu ei- ner innerlichen Beweg- und Erregung ihrer Theilgen, Aufloͤsung ihrer Substanz und nach Unterscheid der Kiese, auch zu einer hefftigen Erhitzung gebracht, und also warme Baͤder und Sauer-Brunnen gezeuget wuͤrden, wie §. 36. 37. weitlaͤufftiger angezeiget worden, al- leine mit diesem Unterscheid, daß dorten das Acidum Sulphuris, und hier das Acidum salis communis in denen Kiesen agi re. §. 85. Es ist bekannt, daß sich das Eisen durch alle saure Sachen und Spiritus solvi ren lasse; Das Eisen laͤsset sich von allen sauren Sachen auf- loͤsen. daher ist die Saͤure des Kuͤchen-Saltzes so be- quem als die Schwefel-Saͤure diese Aufloͤsung in denen Kieß-und Eisenstein-Gaͤngen unter der Erden zu verrichten, und das solvi rte Eisen in erhitzten und kalten Wassern mit sich herfuͤr zu bringen. §. 86. Es giebet der Augenschein, daß nicht allein in und um die Quellen des angefuͤhrten Wißbadischen und Seltser Wassers, in wel- chen doch (ausser ein wenig prædomini rendes Laugen-Saltz und eine gar geringe Portion weisse Erde) nichts als ein lauteres Kuͤchen- I 3 Saltz Cap. IV. Minerali scher Innhalt Saltz enthalten ist, eine gelbe Eisen-Erde ge- funden werde, sondern ich habe auch in denen reichhaltigen Saltz-Quellen zu Naunheim bey Friedberg in der Wetterau, woselbst die be- ruͤhmte Nassauische Saltzmacherey ist, obser- vi ret, daß wo die Quellen aus der Erden her- fuͤr brodeln, welches daselbst an unzaͤhlig vielen Oertern geschiehet, das Saltz-Wasser allent- halben eine gelbe Eisen-Erde niedersetze. §. 87. Demnach ist offenbahr, daß sich das Eisen unter der Erden in denen minerali schen Wassern so bald zu der Saͤure des Kuͤchen- Saltzes, als zu der Schwefel-Saͤure geselle, mit beyderley Saͤure aber in diesen Wassern nicht vereiniget bleiben koͤnne, weil solche zu- gleich mit einer prædomini renden subtilen, alca- li schen Erde angefuͤllet sind, welche die Saͤure allmaͤhlig von denen Eisen-Theilgen abreisset, und sich an deren Stelle mit der Saͤure ver- einiget. §. 88. An einigen Orten moͤgen auch wohl die Kiese unter der Erden so vermischt unter ein- ander liegen, oder in einem Kiese beyderley Aci- da sulphuris \& salis communis Acidum salis communis, \& Vitrioli in Pyritis. enthalten seyn, weil nicht wenige minerali sche Wasser ein Sal commune, und zugleich ein Sal wie unser Brunen-Saltz mit sich fuͤhren. Mehr andere Arten aber von Saltzen, als diese zweyerley sa- lia enixa, und das dritte, welches alcali sch, und bald der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. bald mehr, bald weniger derjenigen Saltz-Lau- ge gleich ist, welche sich in denen Saltzsiederey- en nicht will crystallisi ren lassen, habe bißher in keinem minerali schen Wasser finden koͤnnen, ob ich gleich die vornehmsten und gebraͤuchlich- sten fast alle selbst probi ret habe. §. 89. Wenn man diese simple Wahrheit, welche wir unter diesem Saltz vorgestellet ha- ben, recht einsiehet, und die Veraͤnderungen in den minerali schen Wassern also betrachtet, daß ihre schaͤrffliche und saure Spiritus nicht wegfliegen, sondern mit dem Alcali Salia enixa werden, so wird dadurch zugleich unser fuͤnffter Satz Der fuͤnffte Satz. bestaͤtiget, nehmlich, daß durch die- se Vereinigung des saͤuerlichen Spiritus mit dem Alcali, derselbe das aufgeloͤsete und angenommene Eisen fallen lassen, und also das Wasser alle vitrioli sche Qua- li taͤten verliehren muͤsse. §. 90. Daß ein vollkommenes Eisen in un- serem Wasser Das Eisen in unserm Wasser. enthalten, solches ist schon Cap. 3. §. 30. angedeutet worden; wie nun die roth-gelbe Erde, welche in und um die Quellen lieget, im Feuer zusammen schmiltzet, und von den Magneten beweget wird, so kan man auch die gelbe Materie sauber aus dem Wasser, und von denen uͤbrigen Contentis scheiden, hernach in einem Schmeltz-Ofen zusammen schweis- I 4 sen Cap. IV. Minerali scher Innhalt sen lassen, da solche alsdenn alle mit einander gar hurtig an den Magneten flieget. Weil sich aber iedesmahl ein wenig von dem alcali- schen und crystallini schen Cremore (§. 108.) mit untermischet, so habe bißher noch nicht ei- gentlich determini ren koͤnnen, wie viel Eisen nach dem Gewicht ein Pfund Wasser halte. §. 91. Indessen ist gewiß, daß unser Wasser so reichhaltig an Eisen, daß ich bißher noch kein anderes antreffen koͤnnen, welches dem Pyr- montischen daran gleich komme. Es wird auch der Augenschein einem ieden solches zeigen, wenn man das Sediment von einer gleichen Quanti taͤt unterschiedlicher Wasser, welche Ei- senhaltig, mit dem unsern vergleichet, da man in jenem gar mercklich weniger von der roth- gelben Materie observi ren, auch andere Sedi- menta blasser an Farbe finden wird, als das unserige. Alle uͤbrige Proben werden ein glei- ches bestaͤtigen, auf welche man sich alleine gruͤndet, und ein ieder, welcher in Examine Aquarum mineralium nicht gantz unerfahren ist, leicht anstellen, und sich also selbst wird uͤber- zeugen koͤnnen. §. 92. Daß ferner dieses Eisen in dem fri- schen Wasser mit dem erwiesenen saͤuerlichen Schwefel- Spiritu vereiniget sey, und mit dem- selben ein zartes Vitriolum Martis Nativum Vitriolum Martis. ausmache, solches giebt der Geruch und Ge- schmack der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. schmack, (§. 23.) auch die bekannte Probe mit den Gallaͤpffeln, welche in unserm Wasser ei- ne saturi rte Purpur-blau-und roͤthliche Farbe verursachen, so deutlich zu erkennen, daß fast alle Autores mit einem Munde das Vitriolum in denen Aquis mineralibus Chalybeatis vel ferratis agnosci ren, weil sich aber alle vitrioli- sche Eigenschafften solcher Wasser uͤber dem Feuer, und ohne Feuer in der Lufft gaͤntzlich verliehren, und keine Spuhr eines wahren Vitriols von demselben zuruͤck bleibet, so hat solches alle Autores confus gemacht, so daß ei- ner den Vitriol der minerali schen Wasser einen unreiffen Vitriol, der andere einen fluͤchtigen Vitriol, ein Nitrum vitriolatum, u. s. w. nen- net, keiner aber die wahren Ursachen dieses wunderlichen Verlustes des Vitrioli erfun- den, und begreifflich vorgestellet hat. §. 93. Wie aber alle Metalle, von dem ge- ringsten an, biß zu dem edelsten, wenn solche durch allerhand saure Spiritus aufgeloͤset, Niederschlagung der metalli schen solutionum. und in einen durchsichtigen Liquorem gebracht worden, durch Zumischung einer subtil en alca- li schen Erde, oder Laugen-Saltzes wieder da- von abgerissen, und zu Boden geworffen wer- den, weil sich die Saͤure viel leichter mit dem Alcali als mit dem Metall combini ret, solches ist so bekannt als wahr, und bedarff keine wei- tere Erklaͤhrung. I 5 §. 94. Cap. IV. Minerali scher Innhalt §. 94. Da wir nun in denen minerali schen Wassern gleichmaͤßige Combinationes und Præcipitationes angezeiget haben, so fallen hiedurch alle die grossen Schwierigkeiten hin- weg, welche sich so viele gelehrte Physici ma- chen, um die Ursache zu ergruͤnden und zu er- klaͤren: Warum sich hier der Vitriol so leich- te in freyer Lufft, oder durch geringe Waͤrme verliehre, und man durch keinerley Handgriffe einen Vitriol aus dergleichen Wassern ziehen koͤnne. Der Vitriol hat sonst keine solche Na- tur, daß er sich durch ein geringes Feuer de- strui ren lasse, und doch kan man ihn nicht hab- hafft werden, aus Wassern, in welchen dersel- be, da solche frisch waren, so deutlich und un- zweiffelbahr nach unterschiedlichen Special- Ei- genschafften verspuͤhret worden. §. 95. Es wird aber aus dem Vitriol in de- nen Mineral- Wassern, was aus einer Solutio- ne vitrioli communis wird, wenn man eine al- cali sche Lauge dazu schuͤttet, nehmlich das Aci- dum laͤsset das Metall fahren, vereiniget sich mit dem Alcali, und machet mit demselben ei- nen Tartarum vitriolatum. Unser Brunnen- Saltz wird auf gleiche Art gebohren, und ist von eben diesem Stamm und Geschlecht, diffe- ri ret auch in keinem wesentlichen Stuͤcke von demselben §. 59. seq. §. 96. Es kommen auch mit diesen Saͤtzen alle der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. alle uͤbrige Phænomena, Explicatio Phænomenorum in Examine Aquarum mineral. welche man bey Un- tersuchung der minerali schen Wasser anmer- cket, uͤberein, und koͤnnen durch dieselben gruͤndlich und deutlich erklaͤret werden; z. E. warum so viele Lufft-Kuͤglein aus dem Sauer- Wasser aufsteigen, Aufsteigen der Lufft-Kuͤglein. wenn solches in die Waͤr- me gebracht wird? Weil nehmlich neue Com- binationes unterschiedlicher Materi en in dem Wasser vorgehen. So offt ein Theilgen Saͤu- re, mit einem Theilgen Alcali sich verknuͤpffet, so offt wird die Lufft aus denen Interstitiis und poris corporum mit einem Nachdruck heraus gestossen, welche sich denn in ein kleines Blaͤß- lein ausdehnet, und weil solches dem Wasser das Gewicht nicht halten kan, wird es uͤber das- selbe heraus gedrucket. Wie viel tausend Lufft- Kuͤglein steigen von einem kleinen Stuͤcklein Metall auf, wenn solches durch einen sauren Spiritum aufgeloͤset und demselben einverleibet wird. Im Gegentheil aber wenn Spiritus aus einem Liquore hinweg fliegen, geschicht solches gantz incognito, ohne allen Tumult und Erregung eines solchen Lufft-Spiels, z. E. die Salia volatilia, Spiritus ardentes, fumantes \&c. streichen davon ohne Geraͤusch und Lufft-Bla- sen aus dem Wasser, welches ihnen als ein vehi- culum gedienet. §. 97. Cap. IV. Minerali scher Innhalt §. 97. Warum nun weiter der fluͤchtige, sub- til e, und penetrante weinsaͤuerliche Spiritus Warum der Spiritus des Wassers nicht uͤber den Helm steige. der Sauer-Brunnen nicht in und uͤber den Helm zu bringen, wie so viele Autores klagen, solches wird wiederum durch unsere Saͤtze be- antwortet. Denn es mag ein Acidum so fluͤchtig seyn als es will, so muß dasselbe doch Stand halten, wenn ein Alcali dazu kommt. §. 98. Warum dergleichen Wasser nach gerade aufhoͤren, die Gallaͤpffel schwaͤrtzlich und Purpur-blau zu faͤrben, Tinctura Gallarum. solches ist so we- nig Wunder, als daß eine Dinte von ihrer Schwaͤrtze abfaͤllet, und braun wird, wenn man eine alcali sche Lauge damit vermischet. In beyden Liquoribus verschwindet zwar we- der das Eisen, noch die Vitriol- Saͤure, es ent- stehet aber eine andere Zusammensetzung derer Theilgen. Und obgleich in der natuͤrlichen Mixtur das Vitriolum nativum nicht so schleu- nig von dem Alcali uͤberwaͤltiget wird, davon wir §. 102. 103. einige Ursachen angefuͤhret ha- ben, so geschiehet solches doch allmaͤhlig, wenn die unterschiedlichen Theilgen in dem Liquore durch Lufft und Waͤrme auffs neue beweget, und an einander getrieben werden. §. 99. Warum endlich aus einem so spirituö- sen und kraͤfftig schmeckenden Liquore so leicht ein der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ein stumpff abgeschmackt Wasser werden koͤn- ne, Verlust der Spirituosi taͤt. und zwar nach unserer Hypothesi, ohne daß der Spiritus aus dem Wasser wegkomme; solches geschicht auf gleiche Art, wie man z. E. das allerstaͤrckeste corrosivi sche Scheide-Was- ser gar bald mit einem Laugen-Saltze so stumpf und zahm machen kan, daß man es hernach oh- ne Schaden mit Loͤffeln essen duͤrffte, und den- noch ist der Spiritus nicht davon geflogen, son- dern alles was das Scheide-Wasser vorhin scharff und spirituös machte, noch in dem Li- quore oder in dem neu zusammen gesetzten Sale medio zu finden, auch wieder heraus zu brin- gen, wie wir ein gleiches von unserm Brunnen- Saltze angemercket haben §. 66. 68. §. 100. Es erhellet auch aus eben diesem Grunde: Warum die warmen minerali schen Wasser Warum die warmen Wasser nicht so spirituös. bey weiten nicht so schaͤrfflich und weinsaͤuerlich gefunden werden, auch das Eisen viel eher niedersetzen, als die kalten Wasser. Inmassen die grosse Hitze dergleichen Præcipi- tationes, Combinationes und Saturationes, des in denen Kiesen befindlichen sauren Spiritus, unter der Erden schon groͤssesten Theils vollfuͤh- ret hat, welche Veraͤnderung die kalten Was- ser erst uͤber der Erden zu gewarten haben. §. 101. Was aber die vornehmsten und schein- Cap. IV. Minerali scher Innhalt scheinbaresten Einwuͤrffe Einwuͤrffe. anbelanget, wel- che gegen unsere Hypothesin koͤnnen gemachet werden, so wird erstlich die Frage seyn: War- um die Vereinigung der Saͤure mit dem Alca- li in denen minerali schen Wassern so langsam von statten gehe, und unser sauer Wasser so lang und starck koͤnne erwaͤrmet werden, wie wir §. 11. gemeldet haben, ehe die Combinatio- nes gaͤntzlich vollendet. Da im Gegentheil die Acida \& Alcalia chymica augenblicklich offt mit grosser Hefftigkeit in einander lauffen, und mit dergleichen Verbindungen und Præcipita- tionibus gar bald ein Ende machen §. 102. Die Ursachen dieses Unterscheides sind folgende: 1) haben wir schon erwiesen, daß ob- gleich unser Spiritus specie die Schwefel-oder Vitriol- Saͤure sey, dennoch derselbe als ein na- tuͤrl. Spiritus von dem gemeinen durch die Kunst bereiteten differi re, und mit einer subtilisi rten Fettigkeit durchzogen (§. 31. seq. ) und dadurch zaͤrter und fluͤchtiger gemacht sey (§. 64.) als ein gemeiner Schwefel-oder Vitriol-Spiritus. Von dieser beygemischten subtilen Fettigkeit scheinet der Spiritus auch die Eigenschafft zu ha- ben, daß er so feste an dem Eisen als einem fet- ten, oder mit dem verbrennlichen Wesen reich- lich begabeten Metall haͤlt. Wenn aber die- ses subtile fette Wesen allmaͤhlich durch die Lufft (mit welcher es eine sonderliche Gemein- schafft der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. schafft heget, Cap. 3. §. 49.) und Bewegung der Waͤrme, wodurch alle Theilgen auffs neue starck auf einander gestossen werden, aus dem Spiritu getrennet wird, so hoͤret damit auch der besondere Nexus mit dem Eisen auf, und der saure Spiritus gehet voͤllig zu der subtilen alcali- schen Erde uͤber, mit welcher derselbe auch vor- hin zum Theil schon verknuͤpffet war, und die- selbe solub el gemachet hatte, allein durch die Fettigkeit und das Eisen von der gaͤntzlichen Vermischung gehindert worden. §. 103. 2) Ist auch das natuͤrliche minerali- sche Alcali Das alcali naturale ist nicht so scharff wie das arti- ficiale. nicht so scharff und eindringend, als das vegetabili sche durch das Feuer ausge- brannte, wie leicht zu erachten, auch in einem Experiment kan gesehen werden, wenn man un- ser Brunnen-Saltz im Wasser aufloͤset, und ein solvi rtes Sal Tartari oder reine Potaschen- Lauge dazu schuͤttet, so schlaͤget solche eine sub- tile alcali sche Erde aus dem Saltze nieder, und setzet sich an deren Stelle in die Saͤure desselben (§. 62.) Uber dieses wird auch das Alcali in unserm Wasser, zwischen einer ziemlichen Quanti taͤt einer crystallinischen Substanz in dem Wasser gleichsam gebunden gehalten, daß es den gewoͤhnlichen Effect auf die Saͤure nicht eher thun kan, biß durch Lufft und Waͤrme aufs neue Cap. IV. Minerali scher Innhalt neue eine innerliche Bewegung und Zusam- menreibung aller Theilgen verursaͤchet wird. §. 104. Es erhellet zwar aus dergleichen Um- staͤnden, daß die minerali schen Wasser solche natuͤrliche Mixtur en sind, welche durch keine Kunst koͤnnen nachgemachet werden, Aquæ minerales koͤnnen durch keine Kunst nachge- machet werden. indessen hindert solches nicht, daß man à posteriori nicht solte erforschen und finden koͤnnen, aus was fuͤr unterschiedlichen Materi en dieselben zusammen gesetzet waͤren, als in welche sie sich theils selbst resolvi ren, theils durch die Kunst auf eine Na- tur-gemaͤße Art gantz begreifflich und deutlich scheiden und theilen lassen. §. 105. Ferner kan gegen unsere Hypothesin angefuͤhret werden, daß es saͤuerliche Wasser gebe, welche gar kein Saltz, Aquæ minerales sine sale. und nur ein wenig ungeschmackte Erde, andere nur ein alcali sches Saltz in ihrem Sedimento zuruͤck lassen, wo bleibet denn da der saͤuerliche Spiritus? Hierauf dienet zur Antwort, daß dergleichen Sauer-Wasser wohl sehr wenige gefunden werden, oder gar wenig saͤuerlich seyn muͤssen, daß also die gar geringen hin und wieder in dem Wasser zerstreueten Particulæ acidæ mit der subtilen Erde gantz concresci ren in eine Sub- stantiam arenosam, wie ich solche in einigen Wassern angetroffen habe, und bey einer an- dern der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. dern Gelegenheit durch Experimenta weiter soll eroͤrtert werden. §. 106. Was aber die alcali sche Saltze anbe- langet, Sal lixiviosum in Aquis mineralibus. welche in vielen Wassern befindlich, so sind dieselben grossen Theils keine Alcalia pura, sondern halb saturi ret, und mit Salibus neutris vermischet nach dem 83. §. Und wenn auch gleich ein Sal alcali purissimum in einigen Wassern solte gefunden werden, so statui ren ja verschie- dene grosse Chymici, daß die Salia Alcalia aus denen Acidis gebohren werden, wenn diese mit allerhand subtilen kreitenhafftigen, alcali schen Erden (in geringer Quanti taͤt und nicht zu voͤl- liger Saturation ) combini ret; oder in denen vegetabili schen Coͤrpern die subtileste irdische Theilgen mit etwas subtilisi rter Saͤure durch die Gewalt und Wirckung des Feuers zusam- men gehefftet und solubel gemachet, die uͤbrigen saure, fette und fluͤchtige Theilgen aber ver- brannt und zerstreuet werden. Daher auch aus dem sauren Weinstein durch die Verbren- nung ein Sal Alcali so haͤuffig kan bereitet wer- den. §. 107. Und es ist merckwuͤrdig, daß eben in denjenigen minerali schen Wassern, Ist in den warmen Wassern am meisten. in welchen durch den hefftigen Motum caloris alle steinigte und subtile irdische Theilgen der Kiese mit de- K nen Cap. IV. Minerali scher Innhalt nen sauren hefftig durch und an einander getrie- ben und gerieben worden, nehmlich in den war- men Baͤdern, die Salia Alcalia am meisten ge- funden werden, so daß das Pfund Wasser aus dem Emser-Bade bey 20 Gran, und aus dem Carls-Bade ein halb Quentlein alcali sch Saltz auslieffert, dessen Ursprung sich nicht wohl von etwas anders deduci ren laͤsset, als von der haͤuf- figen subtilen Erde, und der Saͤure in denen Kiesen. Und wie per Ignem actualem in dem vegetabili schen Reiche die Salia Alcalia produ- ci ret werden, so scheinet Ignis potentialis in dem Mineral- Reiche viel mit zu der Alcalisation der subtilen Erde beyzutragen. Jedennoch kan auch ohne die Waͤrme nach Beschaffenheit der irdischen Theilgen und der unterschiedenen Gattung der Saͤure (da das Acidum salis com- munis mehr zu der salini schen Alcalisation der subtilen Erde zu disponi ren scheinet, als das Acidum sulphuris) in einigen kalten minerali- schen Wassern ein Sal Alcali gezeuget werden, sonderlich wo viele ad Mixtionem alcalicam sa- linam bequeme subtile Erde, und nach Propor- tion desselben wenige Particulæ acidæ zugegen sind. §. 108. Wir gehen aber weiter, und sehen nach dem sechsten Satz: Der sechste Satz. Wie die subtile, suͤsse, alcali sche Erde in unserem Wasser den saͤuerlichen Spiritum an Menge weit uͤber- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. uͤbertreffe, und also der Brunnen in sei- ner Wuͤrckung mehr alcal isch als sauer seyn muͤsse. Daß ein Menstruum acidum in einem Li- quore, in welchem die alcali schen Materi en prædomini ren, seine aufloͤsende Krafft nicht verliehre, und das solvi rte Metall bey sich be- halten koͤnne, solches ist bey denen chymi schen Bereitungen gantz etwas ungewoͤhnliches. Indessen sind so viele minerali sche Wasser gar deutliche Exempel, daß eine solche Mixtur in ei- nem durchsichtigen Crystallen-hellen Liquore gar wohl mit einander eine Zeit lang bestehen koͤnne, wie wir solches im vorhergehenden schon umstaͤndlich erwiesen, und die Ursachen hin und wieder erklaͤret haben. An diesem Ort muß nun sonderlich angefuͤhret werden: was fuͤr Anzeigungen Anzeigungen der alcalini schen Ratur. der alcalini schen Natur sich in unserm Wasser finden, und daß der saure Spi- ritus bey weitem nicht gnug sey, alles Alcali in dem Wasser zu saturi ren, sondern daß nach Proportion noch eine grosse Menge subtile alca- li sche Erde uͤbrig bliebe. §. 109. 1) Effervesci ret das frische Wasser ziemlich starck, mit allerhand sauren Sachen, Effervescentia cum Acidis. mit Wein, Eßig, Spiritu Nitri, Salis \& Vitrio- li. 2) Den Violen-Syrup, und Safft von rothem Kohl machet es zwar nicht Grase-gruͤn, K 2 doch Cap. IV. Minerali scher Innhalt doch ein wenig gruͤnlich, und wenn solche durch Vermischung saurer Sachen gantz hoch roth worden, bringet es demselben ihre blaue Farbe wieder. Eben dieses geschiehet mit der blauen Tornesol. §. 110. 3) Eine Solution des gemeinen Vi- triol s wird, durch dasselbe gleich truͤbe, und nach und nach haͤuffig niedergeschlagen, doch ohne Geraͤusch und Aufwallen. Die Solution des sublimats aber turbi ret dieses Wasser gar nicht, vielweniger præcipiti ret Præcipitationes. es aus demselben ein roth-gelbes Pomerantzen-farbiges Pulver, wie andere scharffe alcali fche Wasser zu thun pfle- gen. Denn es gehoͤret ein scharffes salini sches Alcali dazu, diese Farbe aus dem sublimat zu bringen. Blosse alcali sche Erden thun solches nicht, z. E. Kreite, Krebs-Augen, præpari rte Muscheln und dergleichen. Es scheinet also, daß der alcalini sche Theil, welcher der subtile- ste und zu der Saltz- Mixtion der bequemste in unserm Wasser durch die Particulas acidas ver- hindert werde, und das uͤbrige Alcali nicht sub- til, salini sch und scharff gnug sey, in die Com- position des sublimat s einzudringen, und den Mercurium in roth-gelber Farbe nieder zu schlagen. 4) Wenn das Pyrmontische Was- ser mit suͤsser Milch vermischet, und damit ge- kochet wird, hindert solches die Coagulation Non coagulat Lac. der- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. derselben mehr, als daß es einiger massen dazu disponi ren solte, welches nicht geschehen koͤnte, wenn die Saͤure in dem Wasser den Vorzug haͤtte. §. 111. Diese Experimenta erweisen nun die alcali sche Natur des Wassers gantz untruͤglich und klar, daher wir auch die uͤbrigen Vermi- schungen und Præcipitationes mit allerhand metalli schen Solutionibus, und anderen Liquo- ribus, welche zu dem Beweiß und Erklaͤrung unserer Saͤtze nicht so viel beytragen, deren wir sonst noch ein gantz Register bey einander ha- ben, dieses mahl mit Stillschweigen uͤberge- hen. Allein hier muß noch angefuͤhret wer- den, wie auch ein Alcali nach voͤlliger Verrauchung des Wassers zuruͤck bleibe. §. 112. Wir haben in dem vorigen §. schon angemercket, daß der subtileste, salini sche, alca- li sche Theil mit der Saͤure vereiniget werde, auch ist solcher alleine nicht gnug den sauren Spiritum zu saturi ren, daher derselbe auch et- was von dem irdischen Alcali in die Vermi- schung des Brunnen-Saltzes nimmt, welches durch ein scharffes Laugen-Saltz noch kan her- aus præcipiti ret werden. (§. 62.) Es ist also das Alcali, welches nach der Evaporation zu- ruͤck bleibet, ein Alcali terreum und kein Sali- num. §. 113. Wenn man das Sal neutrum aus K 3 dem Cap. IV. Minerali scher Innhalt dem Sedimento des Wassers geseiget hat, Residuum alcalicum. so bleiben 2 Drittheil einer ungeschmackten, roth-gelben Erde zuruͤck, nehmlich von einem Pfund des Trinck-Wassers 14 oder 15 Gran, hievon koͤnnen 2 Gran abgerechnet werden als Eisen, und denn noch ohngefehr 1 Drittheil Materiæ seleniticæ, so bleiben 8 Gr. Cremoris \& Terræ subtilis alcalicæ wie præpari rte Krebs- Steine uͤbrig, welche mit allen sauren Sachen hefftig aufwallet, schaͤumet, und grossen Theils dadurch wieder aufgeloͤset wird. §. 114. So man das Eisen vor der Evapo- ration gaͤntzlich von dem Wasser geschieden hat, so bleibet diese alcali sche Erde Subtili taͤt der alcali schen Erde. so weiß wie der Schnee zuruͤck, und ist so fein und zart, als præpari rte Perlen-Mutter, weichet also keiner alcali schen Erde an subtili taͤt und Tugend, wie auch leicht zu erachten, da solche in einem so durchsichtigen, Crystallen-hellen Wasser un- sichtbahr, und aufgeloͤset gewesen. §. 115. Woher diese alcali sche Erde ihren Ursprung Ursprung derselben. nehme, darff meines Erachtens nicht ferne gesucht werden. Es bestehen die Pyritæ nicht nur aus Schwefel und Eisen, son- dern sie haben auch Nomen \& Omen, daß sie Steine sind, und findet sich zugleich in denen- selben bald mehr bald weniger von einer harten stei- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. steinigten Substanz, welche in einigen Pyritis grob und sproͤde, in andern subtiler, feiner und weicher ist. §. 116. Wenn nun der saure Schwefel- Spiritus, und das Eisen in denen Kiesen durch die Befeuchtigung des Wassers anfangen in einander zu wircken, so wird die steinigte Ma- terie zugleich mit affici ret, und durch den mine- rali schen Spiritum durchdrungen, subtilisi ret und aufgeloͤset. Der subtil este Theil dersel- ben nimmt Mixtionem salinam an, und wird nachmahls, wenn uͤber der Erde das Eisen von dem sauren Spiritu getrennet wird, von der Saͤure voͤllig saturi ret, ein anderer Theil ist be- sagte zarte alcali sche Erde, und aus einigen Kiesen wird ein dritter Theil dieser steinigten Substan- z e, wie es scheinet, mit etwas Schwefel-Saͤure gantz intime misci ret, und constitui ret also die Materie, von welcher im siebenden Satz Der siebende Satz. ge- meldet wird, daß in dem Wasser auch eine reine, durchsichtige, crystallinische un- geschmackte Substanz wie ein Lapis seleni- tes, oder wie kleine Berg-Crystallen ge- funden werde. §. 117. Wenn man mit der Destillation oder Evaporation unseres Brunnen-Wassers Crystalli seleniricæ. gantz gelinde und langsam verfaͤhret, so setzet sich diese erystallinische Substanz, nachdem das K 4 Was- Cap. IV. Minerali scher Innhalt Wasser groͤssesten Theils weggerauchet, und kalt worden ist, allenthalben an den alcali schen Cremorem. Je langsamer und stiller das Ver- duͤnsten zugangen, ie groͤsser wachsen die Cry- stallen zusammen. Zuweilen sind es lauter kleine weisse glaͤntzende Kluͤmplein und Scha- len, welche durch das blosse Gesicht nicht wohl zu unterscheiden, wenn man aber Vergroͤsse- rungs-Glaͤser daruͤber haͤlt, so siehet man, daß diese Schalen aus lauter durchsichtigen Sta- cheln zusammen gesetzet sind. §. 118. Bald fallen die Crystallen Figura Crystallorum. ein we- nig groͤsser, und sind wie kleine Besen anzuse- hen, indem derselben viele an der einen Seite zusammen und in einander gehen, und an der andern Seite in viele Spitzen vertheilet sind; von solchen fasciculis Crystallorum stossen biß- weilen 2, 3 biß 4 auf einem Centro zusammen, welches durch Macroscopia sehr artig anzuse- hen ist. Wieder auf eine andere Zeit wird man viele duͤnne, durchsichtige Lamellas und viereckige, laͤngliche, platte Stuͤcklein bekom- men, welche den Lapidem selenitem gar sicht- barlich vorstellen. Es ist diese Materie ohne allen Geschmack, knirschet nicht unter den Zaͤh- nen wie Sand, sondern ist weich unter densel- ben wie der Selenites. §. 119. Von gelinder Hitze des Feuers, wenn zum Exempel diese Crystallen auf einen Stu- ben- der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. ben-Ofen geleget werden, verliehren dieselben allen Glantz und Durchsichtigkeit, wie auch durch die Calcination in offenem Feuer, und werden zu einem weissen Pulver, welches selbst den Schnee an Weisse und Reinigkeit uͤber- trifft. Es hat aber solches gantz die Art nicht wie Kalck, denn es erhitzet sich nach der Calci- nation nicht, wenn Wasser daruͤber gegossen wird, wallet auch mit sauren Sachen gar nicht auf, mit einem Wort, wie ein reiner Lapis se- lenites ist, so findet man diese crystallinische Materie nach allen Haupt- Quali taͤten. §. 120. Daß ich aber folche auch mit dem Berg-Crystall verglichen, ist die Ursache, weil diese Materie, nachdem man mit der Evapora- tion langsamer oder geschwinder umgangen, sich auf so mancherley Art in lauter kleine laͤng- liche Spiesse und Stacheln crystallisi ren laͤsset, welches man bey der natuͤrlichen Zeugung des Lapidis selenitæ nicht also observi ret, sondern bey derselben setzet sich gemeiniglich immer ein duͤnnes Blaͤtlein auf das andere, und werden also lauter platte, breite Stuͤcke daraus formi- ret. §. 121. Es ist auch zu vermuthen, daß der Berg-Crystall, Tropff-Stein und allerley crystallinisches, durchsichtiges Gesteine und Druͤsen in denen Bergwercken, auf eben eine solche Art generi ret werden, indem der natuͤr- liche, saͤuerliche, salini sche Spiritus allerhand K 5 sub- Cap. IV. Minerali scher Innhalt subtil es Gesteine durchdringet, aufloͤset und nachmahls durchaus in und mit demselben un- zertrennlich sich vereiniget; da solcher denn wieder nach Unterscheid der Stein-Arten bald mehr bald weniger Haͤrtigkeit annimmt. Denn daß dergleichen Sachen vorhin weich und aufgeloͤset gewesen, daran wird wohl nie- mand zweiffeln, und die crystallinischen Figu- ren sind Zeichen ihrer salini schen Natur, welche auch oͤffters denen Crystallis salium nach al- len aͤusserlichen Umstaͤnden so gleich sehen, daß kein Ey dem andern aͤhnlicher seyn kan. §. 122. Wir kehren aber wieder zu dem Se- lenites- Stein, Selenites- Stein. als wofuͤr wir eigentlich die Crystallen unsers Wassers halten, auch schon Cap. 3. §. 20. angefuͤhret haben, daß derselbe nur wenig Schritte von dem Trinck-Brunnen in einem kleinen Baͤchlein zusammen wachse, und in grossen Stuͤcken gefunden worden. Einige Englaͤndische Medici haben dergleichen in ihren minerali schen Qvellen, sonderlich zu Epsom, Kensington und Acton angetroffen. Von denen minerali schen Wassern in Teutsch- land aber habe noch in keiner Beschreibung et- was davon finden koͤnnen, sondern man redet immer viel von einer Terra calcaria, da doch der Kalck durchaus kein Naturale, sondern ein durch die aͤusserste Gewalt des Feuers bereite- tes corrosivi sches Alcali ist, mit welchem we- der der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. der die alcali sche Erde, noch der crystallinische Cremor der minerali schen Wasser fuͤglich kan verglichen werden. §. 123. Ich glaͤube daß diese Materia seleni- tica in mehrern Wassern koͤnte gefunden wer- den, wie in einigen an deren statt sich eine san- dichte Materie, Sandige Materie in minerali schen Wassern. oder ein veritabl er harter Sand, welcher starck unter den Zaͤhnen knir- schet, ansetzet, wie man in dem Wildungifchen, item in dem Toͤnnigsteiner-Wasser unten am Boden zusammen gewachsen findet, wenn sol- ches ein halb Jahr oder laͤnger in Gefaͤssen ge- standen hat. Die Materiam seleniticam aber habe auch sehr haͤuffig in dem Paderbornischen Driburger Brunnen angetroffen, und ist das Driburgische Wasser von dem Pyrmonti- schen darinnen fuͤrnehmlich mit unterschieden, daß dieses mehr Eisen, und jenes mehr von dem Selenites- Stein bey sich fuͤhret. §. 124. Es mag aber dieses mahl von dem spirituali schen und materiali schen Innhalt des Pyrmontischen Wassers gnug seyn, und bin ich nun ein unpartheyisches Urtheil von Brun- nen-kuͤndigen Gelehrten uͤber diese Saͤtze, wel- che vielen wohl erst paradox, und unglaublich scheinen moͤchten, gewaͤrtig. Indessen lebe versichert, daß so viele Beweiß-und Erfahrungs- Gruͤnde angefuͤhret worden, daß ein Liebhaber der Wahrheit, welcher in abgehandelten Sa- chen Cap. IV. Minerali scher Innhalt der ꝛc. chen nicht gantz ohne Wissenschafft ist, Gele- genheit haben werde sich zu vergnuͤgen und zu uͤberzeugen, sonderlich wenn er selbst die Hand anlegen, und die minerali schen Wasser durch vernuͤnfftige und deutliche Proben erforschen will. Solte aber nichts desto weniger jemand gegruͤndete Ursachen und andere contrai re Experimenta gefunden zu haben vermeynen, und solche ins besondere communici ren, oder auch im Druck unsern Saͤtzen entgegen stellen will, so werde nicht ermangeln, wenn solches ohne anzuͤgliche Redens-Arten, welche zur Sa- che nicht dienen, geschiehet, dieselben noch viel umstaͤndlicher und weitlaͤufftiger zu erklaͤ- ren. §. 125. So man mir auch vorwerffen wol- te, daß ich nicht der erste, so diese Verbindung der Spirituum in denen minerali schen Wassern mit der alcali schen Erde erfunden, so gestehe ich, und gebe mit beyden Haͤnden zu, daß diese Wahrheit gantz simple und klar, und also un- moͤglich anders seyn koͤnnen, als daß einige so wohl von denen alten als neuern Autoribus auf dergleichen Gedancken kommen. Weil sie aber die wahren Grund-Ursachen dieser Combinationum nicht eingeschen, und ihnen diejenigen Experimenta gefehlet, welche am al- lermeisten beweisen, so widersprechen sich auch alle diese Autores, und was sie auf einem Blat- te statui ret, werffen sie auf dem andern wieder uͤber uͤber einen Hauffen. Daher ich denn die vor- getragenen Saͤtze, nicht so wohl auf anderer unvollkommene Gedancken und Meynungen, als auf eigene Erfahrung und Natur-gemaͤsses Nachforschen gruͤnden wollen. CAP. V. Die vornehmsten Kraͤffte und Wirckun- gen des Pyrmontischen Wassers im menschlichen Leibe, auch die Kranckhei- ten, welche bißher sonderlich dadurch curi rt worden. §. 1. N Achdem wir den minerali schen Innhalt, oder dasjenige, was die Pyrmontischen Gesund-Brunnen von dem gemeinen Wasser unterscheidet, klar und deutlich gesehen, und nach denen merckwuͤrdigsten Umstaͤnden betrachtet haben, so muͤssen wir nun auch die Kraͤffte und Wirckungen derselben untersuchen, als woran dem menschlichen Geschlechte am allermeisten gelegen ist. §. 2. Es wircken zwar die minerali schen Wasser nach allen ihren einverleibeten Mate- rien zugleich, Gewisseste Anzeigungen der Kraͤffte und Tugen- den. und ist das sicherste und ge- wisseste, daß man durch offt wiederhohlte Erfah- Cap. V. Kraͤffte und Wirckungen Erfahrung und vielfaͤltige Exempel, die Tu- genden und den Nutzen eines Wassers kennen lerne. Indessen sind doch alle Betrachtungen à priori nicht zu verwerffen, sonderlich wenn man nicht ein Chaos chimeri scher Materien, sondern eine wahre Anatomie derer unter- schiedlichen Theile des Wasser-Gehaltes zum Grunde hat; denn durch dieselbe erlanget man eine vernuͤnfftige Erfahrung, und es wird die Erfahrung dadurch bestaͤtiget, und unwan- delbahr gemachet, da es sonst oͤffters geschiehet, daß Medici in ihren Brunnen-Beschreibungen sich selbsten widersprechen, und so viel unge- reimte Sachen von denen Kraͤfften ihrer Was- ser erdichten, daß was heute einige statui ret haben, morgen von andern wieder umgestossen wird. §. 3. Wir wollen also, ehe wir die allgemei- nen Wirckungen des Wassers Die Materien des Wassers. vor uns neh- men, zuerst die erwiesenen Stuͤcke, als 1) den saͤuerlichen Schwefel- Spiritum, 2) das Vitrio- lum Martis nativum, 3) das Brunnen-Saltz, 4) den Stahl oder das Eisen, 5) die alcali sche Erde, und 6) die crystallinische Substanz, ein iedes ins besonder nach seinen bekannten Eigen- schafften und Wirckungen erwaͤgen und vor- stellen. §. 4. Es ist demnach das erste der saͤuerliche Schwe- des Pyrmontischen Wassers. Schwefel- Spiritus: Der saure Schwefel- Spiritus. Daß die Saͤure aus dem Schwefel und dem Vitriol einerley Gat- tung sey, solches ist unter denen gelehrtesten Chymicis eine ausgemachte Sache, und kan man auch mit dem Schwefel- Vitriol, und mit der Vitriol- Saͤure wie der Schwefel, eines aus dem andern, so offt und viel man will, durch leichte Hand-Griffe verfertigen; daher wir auch in dem vorigen Capitel den sauren Spiri- tum des Schwefels und Vitriols iedesmahl als eine Sache angefuͤhret haben. §. 5. Daß aber der Spiritus sulphuris \& vi- trioli ein Medicament sey, Ist sicher zu gebrauchen. welches ohne alle Vermischung und Zusatz zu 10, 15 Tropffen, auch wenn dergleichen Spiritus sehr waͤs- serig sind, wohl ein Scrupel und mehr auf einmahl, ohne die geringste Gefahr und Scha- den koͤnne eingenommen werden, solches be- kraͤfftigen die meisten Stimmen der gelehrte- sten und erfahrensten Practicorum, und wird wohl von niemand, als wenn noch hie und da ein absolut er Bontekuist uͤbrig geblieben, ge- laͤugnet werden. §. 6. Und nicht allein thut diese Saͤure kei- nen Schaden, Nutzbarkeit und Wirckung desselben. sondern wenn solche mit Un- terscheid der Naturen, und in gebuͤhrender Zeit, und Ordnung gebrauchet wird, so staͤrcket die- selbe Cap. V. Kraͤffte und Wirckungen selbe den Magen, erwecket den verlohrnen Ap- petit, daͤmpffet die uͤberfluͤßige gallichte Schaͤrf- fe, so wohl in dem Magen und Gedaͤrmen, als auch in dem Gebluͤte, und treibet dergleichen Materien ziemlich starck durch den Urin ab. Gegen die Fieber-Hitze, sonderlich in anste- ckenden hitzigen Fieber hat man iederzeit dieses Acidum sehr nuͤtzlich gefunden, und pfleget man 12, 15 biß 20 Tropffen zu einer gelinden Saͤure ins Getraͤncke zu vermischen, wodurch denn das gar zu sehr subtilisi rte Gebluͤt ein wenig verdi- cket, die fluͤchtig gemachte gallichte Fettigkeit gebunden, durch den Urin abgefuͤhret, und also eine faulende Resolution des Gebluͤts gehindert wird. Darum hat man auch solche Saͤure de- nen Bezoar-Tinctur en, und so vielen andern Me- dicament en, welche taͤglich verschrieben und ge- brauchet werden, zugesetzet. §. 7. Was nun den sauren Schwefel-oder Vitriol-Spiritum, welcher sich in unserm Was- ser am meisten spuͤhren laͤsset, anbelanget, so ha- ben wir Cap. 4. §. 20. 30. seq. angezeiget, daß solcher dem Spiritui Vitrioli volatili Spiritus Vitrioli volatilis. gantz aͤhnlich und gleich sey. Ein solcher Spiritus hat zwar einen sehr starcken, durchdringenden Ge- ruch, wie angezuͤndeter Schwefel, indessen ist der Geschmack, wie auch der corrodi rende Ef- fect desselben bey weitem nicht so starck, wie eine gemeine Vitriol- Saͤure, oder ein anderer sau- rer des Pyrmontischen Wassers. rer Chymischer Spiritus, ja es ist derselbe noch viel gelinder als der Eßig, welcher taͤglich an vielen Speisen gessen wird. §. 8. Die Ursache der Gelindigkeit dieses fluͤchtigen Spiritus, da derselbe doch specie eben die Gattung Saͤure ist, wie die gemeine Vitriol- Saͤure (auch durch geringe Handgriffe der gemeine Spiritus in einen Fluͤchtigen, und der Fluͤchtige wieder in einen Gemeinen kan ver- wandelt werden) haben wir unter dem zweyten Satz Cap. IV. vorgestellet, daß nehmlich die beygemischete subtilisi rte Fettigkeit, die sauren Saltz-Theilgen zwar fluͤchtiger machet, zugleich aber nach der bekannten Art aller oͤhnlichten und fetten Sachen, die Schaͤrffe und Spitzen der- selben einwickelt und abstumpffet. Nicht allein aber dieses, sondern es wird dieser Spiritus in unserm Wasser auch von aller nagenden und zerfressenden Schaͤrffe gaͤntzlich gehindert, auf der einen Seite durch das auffgeloͤsete Eisen, mit welchem er combini ret ist, ( Thes. 5.) auff der andern Seite durch das Alcali ( Thes. 6.) Es ist also unmoͤglich, daß hier die Saͤure, wel- cher doch sonst wol die meiste Schuld moͤchte gegeben werden, etwas auch das allergeringste und solubel ste solte corrodi ren koͤnnen. §. 9. Im Gegentheil werden die Kraͤffte und Tugenden eines solchen fluͤchtigen Spiritus von vielen Chymicis und Practicis gegen die Epile- psi e, Hertzklopffen ꝛc. auch zu kraͤfftiger Resolu- L tion Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen tion allerhand Verstopffungen und zaͤher schleimichter Feuchtigkeiten mit solchen grossen Lob-Reden heraus gestrichen, Dessen Ruhm und Tugenden. daß, wenn nur die Halbscheid davon wahr ist, man solchen als eine herrliche Artzeney anzusehen hat. Son- derlich auch weil unser natuͤrlicher Spiritus, vor den durch die Kunst und Feuer bereiteten einen Vorzug haben, und noch viel sicherer und besser zum Gebrauch seyn muß. §. 10. Es ist aber dieses fluͤchtige samt einem Theil von dem fix eren Acido in unserm Wasser nach dem fuͤnfften Satz Cap. IV. §. 8. 9. seq. mit dem Eisen verknuͤpffet, und constitui ret mit demselben ein zartes Vitriolum Martis nati- vum, 2) Vitriolum Martis. welches also des andern Ingrediens ist, welches wir hier nach seinen Medicinal- Eigen- schafften und Kraͤfften erwaͤgen muͤssen. §. 11. Ein reiner Eisen- Vitriol wird nicht al- lein von allen Practicis als ein sehr nuͤtzliches und sicheres Medicament, alleine und in allerhand Arten der Formularum und Recept en vermi- schet, taͤglich gebrauchet, Sicherer Gebrauch und Kraͤffte desselben. sondern man steiget auch wol mit der Dosi biß zu 10. 12. 15. Gran, und continui ret damit taͤglich einige Wochen nach einander. Es eroͤffnet derselbe die Ver- stopffungen in denen Eingeweiden des Unter- Leibes, staͤrcket dieselben, verbessert die schaͤdli- che des Pyrmontischen Wassers. che Laxi taͤt durch die gelind zusammenziehende Krafft des Eisens, resolvi ret den Schleim und toͤdtet Wuͤrme und Ungezieffer. Es wird die sehr gebraͤuchliche und nuͤtzliche Tinctura Mar- tis Ludovici Tartarisata daraus gemachet, und in dem beruͤhmten Pulvere absorbente Wede- lii tragen auch die vorsichtigsten Practici kein Bedencken, den Eisen- Vitriol Wochen-Kin- dern zu verschreiben. §. 12. Wenn nichts desto weniger iemand solte gefunden werden, welcher den gemeinen Eisen- Vitriol verdaͤchtig hielte, und denselben einer heimlichen corrodi renden Schaͤrffe und Saͤure beschuldigen wolte, so laͤsset sich doch sol- ches von dem Vitriolo Martis in unserm Wasseꝛ Beschaffenheit des Vitriol s in dem Wasser. im geringsten nicht gedencken. Denn weil nach dem sechsten Satz das Alcali in dem Was- ser prædomini ret, so kan die Saͤure durchaus zu keiner corrodi renden Wuͤrckung kommen, sondern so bald ein Sauer-Theilgen von dem Eisen loß kommt, wird dasselbe in dem Augen- blick von dem Alcali ( Cap. IV. §. 108.) ergriffen, und mit demselben so feste vereiniget, daß durch die allerstaͤrckeste Gewalt des Feuers mit ge- nauer Noth ein Theil von demselben wieder loßgetrieben werden kan. §. 13. Aus dieser Vereinigung der Saͤure mit dem Alcali entstehet nun unser Brunnen- L 2 Saltz, Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen Saltz, 3) Das Brunnen-Saltz. wie wir unter dem vierdten Satz er- wiesen, und dasselbe mit dem Tartaro vitriolato, Sale mirabili Glauberi verglichen haben. §. 14. Was fuͤr herrliche Tugenden und si- chere gelinde Wuͤrckungen dergleichen Salia media, Tugenden desselben. welche aus der Vitriol Saͤure und ei- nem Alcali zusammen gesetzet sind, durch man- nigfaltige Erfahrung von sich spuͤhren lassen, solches geben gleich Anfangs die sonderbaren grossen Titel zu erkennen, indem man solchen die Nahmen Salia polychresta, Arcanum du- plicatum, Panaceam Holsaticam \&c. beygele- get. Es verduͤnnen, zertheilen und resolvi ren diese Salia den zaͤhen Schleim und allerhand schleimichte Verhaͤrtungen und Verstopffun- gen im Magen, in denen Gedaͤrmen, in dem Gekroͤse, Miltz, Leber und andern glandul oͤsen Eingeweiden. Sie gehoͤren mit unter die bewaͤhrtesten und sichersten Fieber-Mittel, curi- ren allerley Art kalte Fieber, und werden auch mit groͤßtem Nutzen denen Bezoardicis fixis in hitzigen Fiebern zugesetzt. In Cachexi e, Schwulst und Wassersucht kan viel damit ef- fectui ret werden. Den Urin treiben sie sehr starck, und reinigen die Nieren und Blase von Grieß, Sand und Stein-Gebroͤckel. §. 15. Es disponi ren dieselben zu gelinder Er- des Pyrmontischen Wassers. Eroͤffnung des Leibes, Gelindigkeit. und darff man mit ei- nigen derselben, zum Exempel mit dem Sale mi- rabili Glauberi, wie auch mit dem bekannten Englaͤndischen Purgir-Saltz (wenn solche an- derst durch die noͤthigen Handgriffe von aller uͤberfluͤßigen prædomini renden Schaͤrffe be- freyet sind) von einem Qventlein biß zu zwey Loth mit der Dosi steigen, und nach Unterscheid der Naturen acht, vierzehen und mehr Tage alle Morgen damit continui ren; Da solche denn den Schleim der Eingeweide verduͤnnen, in ein Wasser resolvi ren, und ohne Bauchgrim- men und grosse Ubligkeit, wie sonst die meisten Purgantia, welche in Quanti taͤt abfuͤhren sollen, zu thun pflegen, ihre Wuͤrckung verrichten. §. 16, Dieses sind aber nicht allein untruͤgli- che Kennzeichen einer sonderlichen sicheren Wuͤrckung dieser Art Saltze, sondern daß sol- che auch in dem gantzen Saltz-Geschlecht die gelindesten unter allen seyn, und die wenigste angreiffende und nagende Schaͤrffe bey sich ha- ben muͤssen. §. 17. Das gemeine Kuͤchen-Saltz, Das gemeine Kuͤchen-Saltz ist schaͤrffer als das Brunnen-Saltz. welches wir taͤglich fast an allen Speisen essen, und des- sen unsere Natur von Jugend auf gewohnet ist, wenn solches zu etlichen Quentlein oder ein Loth des Morgens mit etwas Wasser in den ledigen L 3 Ma- Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen Magen genommen wird, pflegt denselben so an- zugreiffen und zu irriti ren, daß eine grosse Ublig- keit und starckes Erbrechen darauf erfolget. Im Gegentheil koͤnnen angefuͤhrte Saltze zu zwey Loth eingenommen werden, ohne daß man un- ter zehnmahl einmahl eine sonderliche Ubligkeit oder Erbrechen drauf verspuͤhret. Weil nun unser Brunnen-Saltz von eben dieser Gattung ist, wie wir unter dem 4ten Satz umstaͤndlich er- wiesen haben, so darf man von demselben gleich- falls nicht die geringste Corrosion besorgen, son- derlich da in einem Pfund Wasser nur sieben Gran Saltz verhanden, und es in demselben mit einer prædomini renden alcali schen Erde vermischet und umgeben ist, nach dem sechsten Satz §. 108. Cap. IV. §. 18. Wir kommen nun nach der Ord- nung auf das Eisen 4) Das Eisen. in unserm Wasser, wie das Eisen in dem gemeinen Leben zu aller- hand mechani schen Gebrauch das nuͤtzliche Me- tall ist, so hat dasselbe bißher auch den Vorzug unter allen uͤbrigen Metallen in der Medicin, und werden aus demselben die meisten, sicher- sten und gebraͤuchlichsten Artzeneyen verfertiget, ja es wird das rohe Eisen-Feil gar offt verschrie- ben und nicht ohne Nutzen eingenommen. §. 19. Die vornehmste Medicinal- Wuͤr- ckung des Eisens Medicinal- Wuͤrckungen des Eisens. in dem menschlichen Leibe ist, daß solches alle Eingeweide staͤrcket und ge- lin- des Pyrmontischen Wassers. linde zusammen ziehet. In denen meisten langwierigen Kranckheiten findet sich eine sehr schaͤdliche Laxi taͤt und Erweichung der Faͤser- lein aller innerlichen Theile; von der sulphuri- schen, trockenen, alcali schen Erde des Eisens aber erlangen dieselben ihre natuͤrliche Staͤrcke und Fettigkeit wieder; Die fibræ motrices partium membranosarum, vasculosarum \& glandulo- sarum ziehen sich wieder gebuͤhrend zusammen; Und durch diese Bewegung werden die be- schwerlichen Versammlungen der Feuchtigkei- ten von denen Eingeweiden abgetrieben, und die schleimichten tartarischen Verstopffungen (wenn solche nicht schon gaͤntzlich veraltet und verhaͤrtet sind) aus denen Druͤsen, Roͤhrlein und Gaͤngen heraus gepreßet. Auf solche Art oͤffnet denn das Eisen und ziehet zusammen. Aus angeregten Ursachen aber thun die Stahl- oder Eisen-Brunnen so herrliche Wuͤrckungen in dem Malo hypochondriaco, Mutter Be- schwerungen, allerhand Gebrechen der Daͤu- ungs-Eingeweide, langwierigen Durchfaͤllen, Verstopffungen des Gekroͤses, des Miltzen, der Leber ꝛc. §. 20. Je weniger Eisen in einem minerali- schen Wasser ist, Vorzug der reichhaltigen Stahl-Wasser. ie eher koͤnnen die Einge- weide Schaden durch den Gebrauch desselben leiden, es mag auch sonst so viel oͤffnen, laxi ren und den Urin treiben, wie es will. Inmassen L 4 durch Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen durch die viele Waͤsserigkeiten die Nerven-Faͤ- serlein gar zu sehr erweichet und schlapp ge- macht werden, welches nicht allemal durch blos- se Salia, wol aber durch die Eisen-Theilgen ge- hindert wird. Weil demnach unser Wasser so reich an Eisen ist, daß demselben fast keines dar- an gleich koͤmmt, ( Cap. IV. §. 91.) so sind dessen Tugenden so viel groͤsser, und der Gebrauch so viel sicherer. §. 21. Es laͤßet sich auch der Unterscheid, wel- cher zwischen einem reichhaltigen Eisen-Wasser und einem andern, das wenig oder nichts von Eisen bey sich fuͤhret, sonderlich wohl an unserm Wasser observi ren. Denn ie laͤnger man dasselbe stehen laͤsset, daß sich das Eisen uͤber sich und unter sich heraus setzet, je mehr pflegt sol- ches zu purgi ren, und erfahren solches auch diejenigen, welche das verfahrne Pyrmontische Brunnen-Wasser Der halb verdorbene Brunnen purgi ret mehr als das frische Wasser. (welches zuweilen durch warmes Wetter gar viel in seiner Mixtur ver- aͤndert wird, da sich der groͤsseste Theil des Ei- sens inwendig an die irdene oder glaͤserne Ge- faͤsse setzet) zu Hause trincken. Von denensel- ben hoͤret man oͤffters erzaͤhlen, daß sie zu Hau- se viel mehr Wuͤrckung von dem Brunnen ge- habt, als sie nun bey der Qvelle verspuͤhreten. Diese Wuͤrckung aber rechnen sie nach dem oͤff- tern Purgi ren. §. 22. des Pyrmontischen Wassers. §. 22. Was hilfft es aber, wenn der Leib noch so wol durch die Salia gereiniget, und durch das Wasser ausgespuͤhlet worden, wenn nicht zu gleicher Zeit denen Eingeweiden ihre gebuͤh- rende Staͤrcke, Festigkeit und zusammenziehen- de Bewegung wiedergebracht wird. Blosse Reinigung des Leibes ist nicht genug. Geschie- het dieses nicht, so sammlen sich oͤffters die schaͤdlichen Saͤffte in denen schlappen und wel- cken Visceribus so geschwinde wieder, als solche hinaus geschaffet worden, und ist also der Nu- tzen sehr geringe, welchen man von einer solchen Wasser-Cur erlanget hat. §. 23. Wegen des Eisens oder Stahls ist nun noch eine Frage uͤbrig; Nehmlich ob das Eisen des Wassers in unserem Leibe, als ein Vitrio- lum oder wie ein Crocus Martis seinen Effect præsti re? Das Eisen des Wassers wuͤrcket fuͤrnehmlich als ein Grocus Martis. Es ist in dem vorigen Capitel umstaͤndlich erwiesen worden, daß das Wasser in freyer Lufft, u. sonderlich durch das Erwaͤrmen (wie solches in denen Eingeweiden und Adern geschiehet) nach und nach alle vitrioli sche Ei- genschafften verliehren und das Eisen fallen las- sen muͤsse. Auch wird das Wasser in dem Magen und Gedaͤrmen mit allerhand sauren, gallichten und groben irdischen Materien ver- mischet, da sonderlich die Particulæ terreo- pingues sich an das zarte Eisen- Vitriolum haͤn- L 5 gen, Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen gen, dasselbe niederschlagen, und mit demselben eine schwartze Dinten-Farbe ausmachen, wie solches von denen Excrementis bey dem Ge- brauch der Stahl-Wasser bekannt ist. §. 24. Es leget also das Wasser in primis viis seine vitrioli sche Qualit aͤten ab, und wenn noch etwas Eisen mit dem uͤbrigen Gehalt des Wassers in das Gebluͤthe fortgefuͤhret wird, so thut solches seinen Effect mehr als ein subtiler Eisen- Crocus, befestiget, und staͤrcket alle re- laxi rte Partes solidas, als daß es einiger maßen durch prævali rende vitrioli sche Eigenschafften denen Nerven schaͤdlich seyn solte, wie einige Autores argwoͤhnen und befuͤrchten wollen. §. 25. Sonderlich aber hindert die prædo- mini rende subti le alcali sche Erde 5) Subtile alcali sche Erde. (welche das fuͤnffte Ingrediens ist, welches wir hier nach sei- nen Wuͤrckungen betrachten muͤssen) daß we- der die Saͤure noch der Vitriol des Wassers einigen angreiffenden oder corrodi renden Ef- fect thun koͤnne, wie solches schon im vorherge- henden umstaͤndlich erklaͤret und dargethan worden. Was sonsten dergleichen subtile al- cali sche Erden in unserm Leibe wuͤrcken, und wie sicher und nuͤtzlich dieselben zu gebrauchen, sol- ches wissen anietzo fast alle Hauß-Muͤtter, und werden auch von denen Medicis wenig Pulver- Recept e verschrieben, in welchen man nicht præpari rte Krebs-Steine, Muschel-Scha- len, des Pyrmontischen Wassers. len, Perlen-Mutter und dergleichen finden solte. §. 26. Da nun das Alcali in unserm Wasser eben eine solche subtile Erde ist, Gebrauch derselben. und zwar von der zartesten Gattung, welche in einem Crystal- len-hellen Wasser auffgeloͤset ist, ( Cap. IV. §. 114.) so muß dieselbe einen gleichmaͤßigen und noch viel subtilern Effect thun, die uͤberfluͤßige Saͤure, gallichte und salini sche Schaͤrffe in dem Magen und Gedaͤrmen, wie auch in der gan- tzen Massa Humorum zu daͤmpffen und an sich zu nehmen, welche nachmahls gleich durch die uͤbrige reinigende und austreibende Krafft des Wassers aus dem Leibe fortgeschaffet, und durch die Reinigungs-Werckzeuge ausgeworf- fen wird. §. 27. Endlich ist die ungeschmackte Crystal- linische Substan tz des Wassers ( Cap. IV. §. 116. seq. ) noch uͤbrig, 6) Der Selenites -Stein. und muͤssen wir sehen, ob sol- che auch einige Artzney-Tugenden besitze. Wir haben zu Ende des vorigen Capitels gemeldet, daß diese durchsichtige Crystallen nichts anders, als ein reiner Selenites- Stein seyn. Ein sol- cher Stein ist eine sonderlich zarte, muͤrbe und weiche Erde, welche nicht unter den Zaͤhnen knirschet, auch sich gar leichte zu einem subtilen unfuͤhlbaren Mehl reiben laͤsset. §. 28. Ob nun gleich das Pulver so wol von dem Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen dem rohen als calcini rten Selenite mit sauren Sachen nicht auffwallet, so ist doch eben dieses von dem præpari rten Berg-Crystall, auch von vielen Lapidibus pretiosis, \& minus pretiosis bekannt, welchen nichts desto weniger von de- nen meisten Practicis sonderliche Tugenden und medicinal -Kraͤffte beygeleget werden. Am allermeisten wird der præpari rte Berg-Crystall Kindern und Alten gegen Uberfluß scharffer und nagender Galle, in der Cholera, Bauch- fluͤssen, Ruhr, Nieren-Stein, lauffender Gicht, Fluore albo, auch zu Vermehrung der Milch bey saͤugenden Frauen, mit grossen Nutzen gar viel und oͤffters gebrauchet. §. 29. Dessen Gebrauch. Weil nun die Materia selenitica nur nicht von solcher Haͤrte und Festigkeit, im uͤbrigen aber mit der Substan tz des Berg-Cry- stalles gantz uͤberein zu kommen, und wegen ih- rer Weiche und Muͤrbigkeit noch wol mehr Ein- gang und Wuͤrckung in die Feuchtigkeiten un- sers Leibes zu haben scheinet, so habe bißher in meiner Praxi so wol die Crystallinische Materie unsers Wassers, als auch sonst einen reinen La- pidem selinit en in obgedachten Faͤllen, gegen welche der Berg-Crystall recommendi ret wor- den, alleine und mit andern Sachen vermischet, oͤffters gebrauchet, und iederzeit einen zuverlaͤs- sigen Effectum præcipitantem davon erhal- ten. §. 30. des Pyrmontischen Wassers. §. 30. Uber dieses ist auch sonsten der Lapis selenites nicht allein zu mechani schen Sachen, und aͤußerlich zur Schmincke vor das Frauen- zimmer gebrauchet worden, sondern es haben auch einige erfahrne Practici denselben innerlich als ein sehr gutes Antispasmodicum gegen die Epilepsi e, gegen Paroxysmos habituales kalter Fieber und dergleichen. Kindern und Erwach- senen mit sehr gutem Success eingegeben. §. 31. Dieses sind also die Eigenschafften, Kraͤffte und Wuͤrckungen derjenigen Materi- en, aus welchen der minerali sche Innhalt un- sers Wassers zusammen gesetzet ist. Alle diese Materien sind ohne Schaͤrffe. In wel- chem Stuͤcke nun das Schaͤdliche und Corro- sivi sche verborgen liege, oder welche Materie des Wassers corrodi ren koͤnne, solches wird wol mit der Wuͤndschel-Ruthe muͤssen ausge- funden werden; Im Gegentheil aber wird ein ieder Kenner der Materiæ Medicæ gestehen 1) daß das Pyrmontische Wasser nach denen er- wiesenen Kraͤfften der unterschiedlichen Stuͤcke des minerali schen Innhalts mehr ein versuͤssen- des als Sauer-Wasser genennet zu werden den verdiene; 2) daß taͤglich denen schwaͤchesten Krancken, auch denjenigen, welche mit inner- lichen Geschwuͤhren behafftet, Saltze und aller- hand Materien verordnet und zugelassen wer- den, welche schaͤrffer und angreiffender als unse- re Brunnen- Contenta; Und daß folglich alle das Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen das Gewaͤsche und Vorgeben von der gar zu grossen Staͤrcke und Schaͤrffe dieses Wassers, in lauter chimæri schen Schwierigkeiten, so theils der Neid, theils die Unwissenheit auff die Bahn gebracht, bestehe, welche hiermit nun uͤ- ber einen Hauffen fallen. §. 32. Sind aber diejenigen Materien, wel- che das Pyrmontische Wasser in sich haͤlt, gut, sicher und nuͤtzlich zu gebrauchen, so ist desto bes- ser, daß man solche nicht gar zu weitlaͤufftig in dem Wasser ausgebreitet findet. Vorzug der reichhaltigen minerali schen Wasser. Man haͤlt ja mehr von concentri rten kraͤfftigen Artzney- en, mit welchen man in weniger Dosi viel aus- richten kan, als von langen Galeni schen Bruͤ- chen und duͤnnen abgeschmackten Traͤn- cken. §. 33. Den groͤssesten Unterscheid, welchen man bey unpartheyischer Untersuchung unseres und anderer Sauer-Brunnen, welche gelinder, subtiler und leichter heissen, findet, bestehet dar- innen, daß diese Wasser reicher sind. Wann man zum Exempel ein Maaß Pyrmontisch Wasser mit ein oder 2. Maaß gemein frisch Brunnenqvellen-Wasser vermischet, so ist der- selbe eben so leicht, so subtil und gelinde. §. 34. Es moͤgen also andere von denen spi- rituali schen Kraͤfften ihrer Wasser und denen unsichtbaren astrali schen Geisterlein in denen- selben so viel ruͤhmen und schreiben wie sie wol- len des Pyrmontischen Wassers. len (welches sonderlich von einigen hier und dar entdeckten neuen Wassern, in welchen nichts besonders Coͤrperliches anzutreffen, und doch mit Gewalt grosse Gesund-Brunnen seyn sol- len, bißweilen auf eine recht laͤcherliche Art ge- schiehet) so sind wir im Gegentheil wohl zufrie- den, daß man in unserm Wasser kaͤnntliche und begreiffliche Materien, und solche nach Propor- tion des Wassers in ziemlicher Quanti taͤt fin- det, deren medicinal- Kraͤffte nicht koͤnnen ge- laͤugnet werden. §. 35. Wenn man es der Muͤhe werth hielte, so koͤnten in der Pyrmontischen Gegend viele gelinde Sauer-Brunnen auffgeraͤumet wer- den, weil dergleichen Qvellen in grosser Menge von allerhand Gattungen daselbst vorhanden, wie in dem dritten Capitel angezeiget habe. Indessen werden doch hiermit alle geringhalti- ge minerali sche Wasser nicht verworffen, Gebrauch der geringhaltigen Wasser. son- dern bey denjenigen Personen, welchen mehr simple Dilutiones und Versuͤßungen der Hu- morum, als viele Abfuͤhrungen und Auswuͤrf- fe dienlich sind, haben dieselben auch ihren Nu- tzen und Gebrauch, wenn nur durch gute Medi- cament en dabey gehindert wird, daß die Visce- ra nicht zu sehr relaxi ret, und eine uͤberfluͤßige Waͤßerigkeit in denenselben, wie auch in de- nen Humoribus zuruͤck bleibe und verhalten werde. §. 36. Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen §. 36. Uber dieses wird auch niemand laͤug- nen, und ist von vielen alten und neuen Autori- bus weitlaͤufftig vorgestellet, wie gesund das simpl e gemeine Wasser sey, und wie grosse Cu- ren dasselbe thun koͤnne. Nutzen des gemeinen Wassers. Da zum Exempel denjenigen, welche durch den Mißbrauch vieler sauren, saltzigen und starck gewuͤrtzten Speisen, wie auch durch unmaͤßig Wein-und Brandte- wein-Trincken ihre Eingeweide erhitzet und ausgetrocknet, und die Humores gar zu sul- phuri sch und auffwallend gemachet haben, das Weser-Wasser zuweilen an statt eines guten Gesund-Brunnens dienen kan. Ob nun gleich, wie gemeldet, alles dieses nicht widersprochen wird, so bleibt dennoch gewiß, daß, wenn man von einem Wasser mit Wahrheit mehrere Kraͤffte und Wuͤrckungen, als von dem gemei- nen Wasser ruͤhmen wolle, man auch Materien darinnen zeigen muͤsse, von welchen solches her- ruͤhren koͤnne, oder sonsten wird der geruͤhmte Effect desselben eqvivoc und zweiffelhafft bleiben. §. 37. Wir muͤssen aber nun weiter sehen, wie das frisch-getrunckene Pyrmontische Was- ser mit dem zusammengefuͤgten minerali schen Halt in unserm Leibe wuͤrcke, Allgemeine Wuͤrckungen des Pyrmontischen Wassers. und was fuͤr Effect e insgemein durch die Erfahrung davon ver- des Pyrmontischen Wassers. verspuͤhret werden. Die offenbareste und be- kannteste Wuͤrckung des Wassers, wenn sol- ches in gehoͤriger Maaß getruncken wird, ist, daß es die natuͤrlichen Abfuͤhrungen und Aus- wuͤrffe durch alle Scheidungs-und Reinigungs- Werckzeuge unsers Leibes haͤuffig vermeh- ret. §. 38. Durch alle Reinigungs-Werckzeuge des Leibes. In dem Munde wird durch dasselbe bey einigen eine starcke und viele Tage nach einander anhaltende Salivation erwecket. Durch die Glandulas des Gaumens, Schlunds und der Lufft-Roͤhre, wie auch durch die Nase treibet es eine Menge Schleim aus, loͤset und verduͤnnet denselben. Der Magen wird von demselben bey denjenigen, so dazu geneigt, zum Erbrechen erreget, und viele Unreinigkeiten uͤ- ber sich ausgeworffen. Aus denen Gedaͤrmen spuͤhlet das Wasser durch seine laxi rende Krafft die verhaltenen groben Unreinigkeiten, den Schleim und die scharffe Galle durch den Stuhlgang weg, so, daß solche oͤffters einige Tage nach einander mit Erhitzen und Brennen gar empfindlich fortgehet. §. 39. Durch die Nieren und Blasen treibet es am allermeisten, und passi ret bey vielen durch den Urin alleine taͤglich eine gleiche oder groͤssere Maaß Wasser wieder weg als sie getruncken haben. Auff der gantzen Oberflaͤ- che der Haut wird nicht allein der Schweiß sehr M merck- Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen mercklich getrieben, auch bey denjenigen, welche sonst sehr schwer dazu zu bewegen, oder wie ei- nige klagen, viele Jahre nicht recht schwitzen koͤnnen, sondern wenn die Humores sehr saltzig und gallicht sind, verursachet es auch ein Aus- fahren uͤber die gantze Haut, welches aber bald wieder vergehet, oder zu Ende der Cur durch das Bad gehoben wird. Die verhaltene ge- woͤhnliche Blut-Fluͤsse bey Weibs-und Mañs- Personen, von welchen so viele Beschwerungen und Kranckheiten zu entstehen pflegen, bringet das Wasser so gewiß und sicher wieder zurechte, als sonsten von keinem bekannten Mittel kan ge- saget werden. §. 40. Alle diese Reinigungen des Leibes ge- hen auf eine so gelinde und angenehme Art von statten Gelindigkeit der Wuͤrckungen. (wenn anderst die Cur regelmaͤßig ge- fuͤhret wird) daß keine Artzeneyen, noch ande- res Medicini ren damit zu vergleichen. Und ob sich wol viele das Pyrmontische Wasser so starck und angreiffend vorstellen lassen, so wer- den doch insgemein alle, welche dasselbe in ge- buͤhrender Ordnung getruncken haben, aus der Erfahrung das Gegentheil bezeugen und be- kennen muͤssen, daß es ohne alle Beschwerungen, Ubligkeit und Entkraͤfftungen, welches sonst fast alle uͤbrige Reinigungs-Mittel, so in Quanti taͤt evacui ren sollen, zu verursachen pflegen, seine Wuͤrckungen verrichte, ja daß mancher spielend und des Pyrmontischen Wassers. und gleichsam vor die lange Weile die Brun- nen-Cur halten koͤnne. §. 41. Es thut aber das Wasser nicht allein angezeigte allgemeine sichtbarliche Wuͤrckun- gen, sondern nach denen erwiesenen Theilen sei- nes minerali schen Innhalts muͤssen auch noch die uͤbrigen Haupt- Effect e, welche zu Wieder- bringung der Gesundheit erfodert werden, und wir bereits im vorhergehenden unter einem ie- den Stuͤck ins besonder angefuͤhret haben, noth- wendig folgen, daß es nehmlich die saure, scharf- saltzige und gallichte Feuchtigkeiten so wohl in dem Magen und Gedaͤrmen als in der gantzen Massa Humorum veraͤndert, daͤmpffet und ver- suͤsset, Versuͤssungen der schaͤdlichen Feuchtigkeiten und Eroͤffnungen. den Schleim und das zaͤhe coaguli rte Wesen, wie auch allerhand Verstopffungen des Gekroͤses, der Leber, des Miltzen, der Nieren, der Lungen und aller Haar-kleinen Roͤhrlein und Gaͤnge derer uͤbrigen Eingeweide in denen saͤmtlichen dreyen Haupt-Hoͤhlen des mensch- lichen Leibes auffloͤset, verduͤnnet und zertheilet, welcher præpari rte und beweglich gemachte Un- rath nachmahls durch alle Excretoria (§. 38.) ausgeworffen wird. §. 42. Und da allerley schaͤdliche Feuchtig- keiten und Verstopffungen bey einer geschwaͤ- cheten Natur und Leibe, aus der gewoͤhnlichen taͤglichen Nahrung gar leicht wieder gezeuget M 2 wer- Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen werden und entstehen koͤnnen, wenn dieselben gleich einmal noch so rein aus dem Leibe geschaf- fet gewesen, so wird unter angezeigten Reinigun- gen und Abfuͤhrungen zu gleicher Zeit der To- nus \& Elater partium solidarum \& fibrarum motricium oder die natuͤrliche Festigkeit, Staͤrckung der festen Theile. leb- haffte zusammen ziehende und spannende Be- wegung der Nerven-Faͤserlein, (welche sonder- lich in denen por oͤsen, schwammichten und alle- zeit feuchten Eingeweiden gar offt mit grossem Schaden der Gesundheit zu fehlen pfleget) durch die austrocknende sulphuri sch-balsami- sche Eisen-Erde des Wassers wieder gebracht, gestaͤrcket, und folglich die neuen Versammlun- gen schaͤdlicher Saͤffte und Materien in denen Visceribus nachdruͤcklich gehindert und verhuͤ- tet. S. §. 19. §. 43. Da nun durch oben gemeldete (§. 38.) natuͤrliche und gewoͤhnliche Reinigungen und Austreibungen derer Unreinigkeiten die Ge- sundheit und das Leben des Menschen erhalten, und durch Vermehrung ein und anderer Excre- tion, oder unterschiedlicher Ausfuͤhrungen zu- gleich fast alle Kranckheiten curi ret, auch die uͤbrigen Haupt- Indicationes curativæ 1) in Eroͤffnung der Verstopffungen, Indicationes curativæ principales werden von den Wuͤrckungen des Wassers erfuͤllet. 2) Verbesse- rung und Edulcoration derer schaͤdlichen Feuch- tig- des Pyrmontischen Wassers. tigkeiten, und 3) Wiederbringung des Toni Partium fibrosarum, von der Wuͤrckung des Wassers erfuͤllet werden, so ist daraus offenbar, daß, wenn unter denen natuͤrlichen Gesund- heits-Mitteln eine Art gefunden wird, welche den Nahmen einer Panaceæ verdienet, solches gewißlich die Gesund-Brunnen, und in specie nach beschriebenen Umstaͤnden das gesegnete Pyrmontische Wasser eines von denen allerbe- sten mit seyn muͤsse. §. 44. Insonderheit hat GOtt der Aller- hoͤchste die minerali schen Wasser, als ein allge- meines Mittel gegen die Morbos chronicos o- der allerley langwierige Kranckheiten (einige wenige ausgenommen) gegeben, Allgemeines Mittel der langwierigen Kranck- heiten. am aller- meisten ehe dieselbigen gaͤntzlich eingewurtzelt und veraltet; da solche mit Ubereinstimmung de- rer gelehrtesten und erfahrensten Practicorum, als die besten und gewissesten Artzneyen, und das letzte Asylum, nach dem man durch alle Prædicamenta Remediorum ohne Besserung und Huͤlffe gelauffen, gefunden werden. §. 45. Damit wir aber hier von denen Cu- ren unsers Wassers weder zu viel noch zu wenig sagen moͤgen, so wollen wir kuͤrtzlich diejenigen Kranckheiten mit Nahmen anfuͤhren, Nahmen der Kranckheiten. gegen welche nunmehro wieder ein bestaͤndiger 70 M 3 biß Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen biß 80 jaͤhriger innerlicher Gebrauch des Was- sers ( Cap. II. §. 23.) nachdem solcher im 16den seculo interrumpi rt gewesen, ( ibid. §. 18. seq. ) sonderbare Wuͤrckungen gethan, und durch die Erfahrung unzaͤhlig viele herrliche Exempel der Gesundmachung dargestellet hat. Wir wollen die vornehmsten Kranckheiten nach de- nen Haupt-Theilen des Leibes anfuͤhren, auff daß ein ieder gleich einen ieden Affect, gegen welchen das Wasser dienlich, nachsuchen und finden koͤnne. Es curi ret also das Wasser: §. 46. Von Kranckheiten am Haupte. Kopff-Schmertzen, Hemicranias, Schwin- del, starcke Haupt-Fluͤsse, Krampffzuͤge und an- dere Vorboten des Schlages, Epilèpsias sym- pathicas von verhaltenen Blut-Fluͤssen, Wuͤr- mern und dergleichen. Miltzsuͤchtige Phanta- sien und Aberwitz, Schlafflosigkeit, Rase- rey ꝛc. Allerley Maͤngel derer aͤußerlichen Sinne: des Gesichts, Gehoͤrs, Geruchs, Geschmacks und Sprache; so viel derselben von scharffsaltzi- gen, schleimichten Fluͤssen und Verstopffungen herruͤhren, und die festen Theile, Nerven und Werckzeuge dieser Sinnen noch nicht verletzt, durch Eyter und andere scharffe Feuchtigkeiten zerfressen, oder mit Fellen und andern verhaͤrte- ten Materien durchwachsen sind. Nasen-Blu- ten, Nasen-Geschwuͤre, Catarrhen, faules scor- buti sches Zahn-Fleisch ꝛc. §. 47. des Pyrmontischen Wassers. §. 47. Von Kranckheiten der Brust. Præservi ret dieses Wasser fuͤr der Lungen- sucht, Lungen-Geschwuͤhren, Blutspeyen und Steck-Fluͤssen, indem es die scharff-saltzige Hu- mores versuͤsset, das aufwallende hitzige Ge- bluͤth temperi rt, von der Lungen abtreibet, und die solid en Theile derselben durch seine gelinde zusammenziehende und heilende Krafft staͤrcket und befestiget. Es curi ret die alten beschwerlichen Husten, Heisserigkeit, Keichen, schweren Athem, Engbruͤ- stigkeit, ( Asthmascorbuticum ut vocant) scor- buti sche Auszehrung mit Husten und vielen Auswerffen, Druͤcken und Stechen auff der Brust, da die subtilen Roͤhrlein, Druͤsen und Lufft-Blaͤßlein in der schwammichten Substan tz der Lungen mit haͤuffigem zaͤhen Schleim und vielen scharffsaltzigen Unreinigkeiten angefuͤllet, verstopffet, ausgedehnet und rodi ret werden, woraus endlich Lungen-Geschwuͤre, Fistel- Schaden und die rechte Schwindsucht entste- hen koͤnnen. Ja es recommendi ret auch der selige Doctor Cunæus dieses Wasser gegen die wuͤrckliche Lungen- und Brust-Geschwuͤre selbst, gegen Seiten-Stechen, verstockten Brust-Eyter, stin- ckenden Athem, Blutspeyen, Anfang zur Schwindsucht ꝛc. weil der Brunnen kuͤhle, ab- wische und zugleich zusammen ziehe. Er fuͤh- ret auch verschiedene Exempel an von Krancken, M 4 wel- Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen welche Eyter und Blut ausgehustet, und mit andern schwindsuͤchtigen Zufaͤllen mehr behaff- tet gewesen, welche nichts desto weniger durch Gebrauch des Brunnens und einiger guten Brust- Medicament en voͤllig restitui ret wor- den. Und gewißlich ist dieses alten Brunnen- Practici Erfahrung nicht ohne Grund, und ha- be ich selbst nicht einen oder den andern, sondern eine ziemliche Anzahl solcher Personen theils von hiesigen Einwohnern, theils von Fremden in der Cur gehabt, welche nicht ruhen wolten, biß man ihnen auf ihre eigene Gefahr den Ge- brauch des Brunnens zulassen muͤssen, da sich sonsten bey ihnen alle gewisse Anzeigungen ei- ner wahren Lungensucht, als oͤffters Blut-und fauler Eyter auswerffen, hecti sche Fieber-Hi- tzen, Inflammationes peripneumonicæ perio- dicæ cum ejectione sanguinis \& puris fœten- tis \&c. gefunden, von welchen dennoch einige sich recht wohl darauf befunden, denen andern aber hat das Wasser, da sie nicht dadurch ge- bessert worden, doch auch keinen Schaden zu- gefuͤget. Es wird aber dieses nicht darum angefuͤhret, als wenn man nun auf einmahl allen Schwind- suͤchtigen ohne Unterscheid das Pyrmontische Wasser rathen wolte, sondern daß, wenn ja zu- weilen in vielen Jahren ein Schwindsuͤchtiger, welchem etwa schon vorhin die gantze Lunge durchfaulet und durchfressen gewesen, und be- reits des Pyrmontischen Wassers. bereits den einen Fuß in Charons Schiff ge- habt, nach der Brunnen-Cur gestorben, solches nicht gleich einer angreiffenden Schaͤrffe und corrodi renden Wirckung, welche, wie erwie- sen ist, in unserm Wasser im geringsten keinen Platz hat, moͤge zugeschrieben werden. Im uͤbrigen hat wenigstens in oben gemeld- deten Brustbeschwehrungen unser Wasser son- derbahre Tugenden und Kraͤffte, doch daß es nicht kalt, sondern uͤberschlagen und laulicht ge- truncken werde. Denn wenn man demselben nur die zufaͤllige Eigenschafft der Kaͤlte, welche der Brust durchaus schaͤdlich ist, benimmet, so wird nachmahs einem jeden die Erfahrung leh- ren, daß dieses Wasser als ein recht gelinder, sicherer und nuͤtzlicher Brust-Tranck gegen vie- le Brust-Beschwehrungen koͤnne gebrauchet werden. Noch ist das Wasser uͤberaus nuͤtzlich gegen Hertzklopffen, Hertzens-Angst, Hertz-Coliquen, welche mit unter die Kranckheiten der Brust ge- zehlet werden. §. 48. Von Kranckheiten des Unter-Leibes curi ret das Wasser allerley Beschwehrungen und Maͤngel des Magens: verlohrnen Appe- tit, uͤble Verdauung, Eckel und Erbrechen, Cardialgias, Auffblehungen, Angst und Ban- gigkeit, Druͤcken, Sodbrennen, uͤberfluͤßige saure und scharffe gallichte Feuchtigkeiten ꝛc. Der Gedaͤrme: Colicas pituitosas, flatu- M 5 len- Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen lentas, biliosas \& hæmorrhoidales, langwieri- ge Durchfaͤlle, Lienterias; Troͤckne und Ver- haͤrtung des Leibes, verhaltenen zaͤhen Schleim und Galle, Verstopffungen derer Druͤsen, Milch und Wasser-Adern des Gekroͤses; toͤd- tet und treibet aus allerley Wuͤrme, und ande- res Ungezieffer, wenn gleich alle andere Mittel nicht helffen wollen. Miltz-Beschwehrungen, Verstopffungen und Verhaͤrtungen der Miltz und Leber, gelbe und schwartze Sucht, Verhaltungen und Be- schwehrungen der guͤldnen Ader, wie nicht weni- ger den allzu starcken Fluß derselben, Wasser- sucht, da die Eingeweide noch nicht gantz ver- dorben. Der Nieren, Blase und Partium ge- nitalium: Blut-Harnen, Grieß, Sand, Schleim und Stein-Gebroͤckel in denen Nie- ren, Harn-Gaͤngen und Blase, die Stranguri e, Pollutiones nocturnas, Gonorrhœas \&c. §. 49. Von Kranckheiten der aͤus- serlichen Theile und Glieder: Allerhand gichtische Fluͤsse, Krampffziehun- gen und schmertzhaffte Spannungen, lauffende Gicht, Podagra, Chiragra, Gonagra, Huͤfft- Schmertzen, Contractur, Graͤtze, Aussatz, scorbuti sches Ausfahren und Flecken, finnich- te Gesichter, allerley alte faule Schaden, und offene Geschwuͤhre, Geschwulst der Fuͤsse und Haͤnde ꝛc. §. 50. des Pyrmontischen Wassers. §. 50. Von Kranckheiten des Gebluͤts und derer uͤbrigen Feuchtigkeiten. Verduͤnnet, zertheilet und versuͤsset das dicke, zaͤhe, schleimichte, scharffsaltzige und gallichte Gebluͤte. Curi rt den Anfang und die Reli- quias Luisvenereæ, den Scharbock, Cache- xi e, Anasarcam \&c. §. 51. Von Fiebern. Febrili sches Wallen und Hitze im Gebluͤte, scorbuti sche auszehrende Fieber und fliegende Hitzen, nachlassende Fieber, als taͤgliches, drey- taͤgiges und Quartan- Fieber, Febres erysipela- todes \&c. §. 52. Von Kranckheiten des weib- lichen Geschlechts. Mangel und Verstopffungen der vier-Wo- chen Zeit, auch maͤßiget das Wasser den allzu starcken Fluß derselben, Bleichsucht der Jung- fern, Decolorationes Mensium, weissen Fluß, Verschleimung und Relaxation der Mutter, und derselben Theile, Unfruchtbarkeit, Mutter- Beschwehrungen, Geschwuͤhre der Mut- ter ꝛc. §, 53. Eine iede von angefuͤhrten Kranckhei- ten, koͤnte man nun mit mannigfaltigen Exem- peln belegen, und nach vielerley Umstaͤnden und Symptomatibus derselben, wie solche durch un- ser Wasser curi ret worden, erweisen. Nutzbarkeit historischer Anmerckungen der Wasser- Curen. Wir wollen Cap. V. Kraͤffte und Wuͤrckungen wollen aber solches auf eine andere Zeit ver- spahren, und indessen, wenn GOtt Leben und Gesundheit verleihet, alle merckwuͤrdige Exem- pel und Curen fleißiger und umstaͤndlicher, als bißhero geschehen, anzeichnen, damit ein voll- staͤndiger Cursus der Medicinal- Historie und Curen des Pyrmontischen Wassers, welche ein grosses Licht in der Brunnen- Praxi geben, und die Brunnen-Veraͤchter am allermeisten uͤber- zeugen wird, daraus koͤnne formi ret werden, wie solches viele gelehrte Medici in ihren Schrifften gewuͤnschet und verlanget haben. CAP. VI. Art und Weise das Pyrmontische Was- ser Cur-maͤßig zu trincken, nach der ge- buͤhrenden Zeit, Vorbereitung, Maaß, Ordnung, Kaͤlte oder Waͤrme, Fortse- tzung, Diæt und Artzeneyen; Nach Un- terscheid des Alters, des Geschlechts und derer Temperament en; als auch, wie denen Hindernissen und Zufaͤllen bey der Cur zu begegnen, und endlich von denen Nachwirckungen des Wassers. §. 1. O Bgleich die Kraͤffte und Wirckungen des Wassers zu Erhaltung und Wiederbrin- gung das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. gung der Gesundheit in dem vorhergehenden Capitel sind angezeiget worden, so muͤssen wir doch auch die Regeln und Bedienungen, un- ter welchen man so viele herrliche Nutzbarkeiten und Vortheile durch den Gebrauch desselben erlangen koͤnne, nothwendig vor uns nehmen Wie noͤthig die Maaß und Ordnung, bey Ge- brauch der Mittel sey. ; Weil sonsten die Vernunfft und Erfahrung lehret, daß alle, so wohl die Nahrungs-als Ge- sundherts-Mittel, wenn solche nicht in gezie- mender Maaß und Ordnung gebrauchet wer- den, dieselben dem menschlichen Leben mehr Schaden als Nutzen zubringen, und daß dasje- nige, was den Menschen naͤhret und erhaͤlt, den- selben auch verzehren und umbringen koͤnne. §. 2. Das erste, was bey Gebrauch der Ge- sund-Brunnen in acht genommen wird, ist die Zeit. Wir haben Cap. 3. §. 40. angezeiget, daß unser Wasser im Sommer und Winter, und bey allerley Veraͤnderungen der Zeit und des Wetters, iedesmahl gleiche Kraͤffte habe. Daher kan man dasselbe zu allen Jahres-Zei- ten, Das Wasser kan das gantze Jahr durch gebrau- chet werden. wenn es von einem verstaͤndigen Medico nuͤtzlich gefunden wird, und der Patient durch andere Artzeneyen ermuͤdet ist, und einen Wi- derwillen und Eckel gegen dieselben gefasset hat, als ein kraͤfftiges und nuͤtzliches Medicament gebrauchen. Es ist auch kein Monat im gan- tzen Cap. VI. Art und Weise tzen Jahre, von welchem man nicht Exempel anfuͤhren koͤnte, daß das Wasser in demselben mit allem erwuͤnschten Effect und Nutzen ge- brauchet worden. §. 3. Da aber die Sauer-Brunnen mei- stentheils kalt getruncken werden, und die Cur an sich selbst mehr temperi rend und kuͤhlend, als erwaͤrmend ist, so kan man leicht erachten, daß die warmen Fruͤhlings-und Sommer-Mo- nate: Majus, Junius, Julius und Augustus, die bequemsten vor der uͤbrigen Jahres-Zeit Die bequemste Jahrs-Zeit. zu dem Gebrauch des Brunnens seyn muͤssen. Insonderheit da auch diese Zeit, wegen ihrer Annehmligkeit und langen Tage Gelegenheit zu vieler Bewegung des Leibes in freyer Lufft, und zu allerhand Lustbarkeiten und Veraͤnde- rungen, welches bey der Cur so noͤthig ist, an die Hand giebet. §. 4. Es haben zwar einige eine uͤbele Mey- nung gegen die Hunds-Tage, Hunds-Tage. welche im Ju- lio und Augusto einfallen, gefasset, als wenn in solcher Zeit die Sauer-Brunnen zu gebrau- chen nicht zutraͤglich und erlaubet sey. Wie aber dasjenige, was die Griechischen und Ara- bischen Autores von denen Hunds-Tagen ge- schrieben, und in Puncto des Medicini rens ver- bothen und gebothen haben, sich durchaus auf unser Clima und Witterung nicht applici ren laͤsset, das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. laͤsset, so lehret auch die Erfahrung, und gehet nicht ein Jahr voruͤber, daß nicht viel hundert Menschen, so wohl an diesem Ort, als anders- wo, zu solcher Zeit die Wasser-Cur gebrauchen und alle erwuͤnschte Wirckung und Nutzen da- von verspuͤhren solten. §. 5. Von dem Verfahren In welchen Monathen das Wasser zu verfahren. des Brunnens aber vor diejenigen, welche das Wasser nicht bey der Quelle trincken koͤnnen, ist zu mercken, daß solches am besten im Mertz, April und May geschehe, ehe denn die hefftige Sommer-Hitze und schwuhlwarmen Tage ankommen, da das Wasser zuweilen drey, vier und mehr mahl un- ter Wegens von der Sonnen erwaͤrmet und laulicht gemachet wird, die Nacht aber wieder erkaltet, wodurch denn die Spirituosi taͤt des Wassers gedaͤmpffet, und die Stahl-Theilgen an die Gefaͤsse niedergeschlagen werden. Cap. 5. §. 21. Dieses ist bey weitem nicht so viel zu be- sorgen, wenn man das Wasser bey kuͤhlem Wetter schoͤpffen und fahren, nachmahls in guten kalten Kellern, biß zum Gebrauch verwah- ren laͤsset. ( Cap. 4. §. 38.) §. 6. Die Zeit nach dem Mond-Wechsel Mond-Wechsel. wollen auch einige Medici bey denen Wasser- Curen beobachtet wissen; Daß man zum Ex- empel eine Woche, oder drey, vier Tage vor dem vollen Mond die Cur anfangen solle, da- mit Cap. VI. Art und Weise mit dieselbe nachmahls bey abnehmendem Lich- te, da die Feuchtigkeiten des Leibes sich am leich- testen verringern liessen, geschlossen werden koͤn- te. Man weiß aber nicht allemahl vorher, wie lang, oder wie viel Tage die Cur zu continui ren (§. 21.) sondern man muß solches erstlich von der Wirckung des Wassers abnehmen, daher man diese Einrichtung der Cur nicht so eigent- lich treffen kan, auch nicht so groß daran gele- gen ist, daß man sich daran binden solte. §. 7. Die Zeit des Tages, das Wasser Cur- maͤßig zu trincken, Die beste Zeit des Tages zum Brunnen trincken. ist alleine des Morgens nuͤchtern; Nachdem die Kraͤffte durch eine gnugsame Nacht-Ruhe erholet, und die Natur am allerwenigsten mit Zubereitung und Aus- theilung der Nahrungs-Saͤffte beschaͤfftiget ist. Alsdenn schicken sich die Excretiones oder Ausfuͤhrungen ( Cap. 5. §. 38. 39.) welche der Brunnen zu verursachen pfleget, am allerbe- sten. §. 8. Man lasse auch die Sonne die feuch- ten Duͤnste zuvor ein wenig vertreiben, und die kalte Morgen-Lufft erwaͤrmen. Wenn man um 5 Uhr aufstehet, und unter dem Anklei- den die vom Schlaff und Waͤrme des Bettes vermehrte Ausdaͤmpffung, oder Schweiß all- maͤhlich vergehen laͤsset, nachmahls um 6 Uhr zum Brunnen kommt, so hat man die beste Zeit und Weile gnung, ein ieder seinen Theil Was- ser das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. ser einzunehmen. In 2 Stunden, von 6 biß 8 koͤnnen die meisten Brunnen-Gaͤste, wenn sie gleich die groͤsseste Dosin trincken, gantz bequem fertig werden; Und in 4 Stunden, nehmlich von 8 biß 12, welches die gewoͤhnliche Stunde zur Mittags-Mahlzeit ist, hat der Brunnen seine meiste Wirckungen, wenn solcher nur ei- niger massen wohl passi ret, schon verrichtet. Faͤnget man gar zu fruͤhe an zu trincken, so wird man durch die nasse und kalte Morgen-Lufft gar zu sehr incommodi ret, und die Zeit biß zur Tafel waͤhret einem gar zu lange, auch pfleget der Appetit gar zu starck anzuwachsen. §. 9. Es ist schon ein alter Gebrauch, daß man des Nachmittags Ob des Nachmittags von dem Wasser zu trincken. um 4 oder 5 Uhr, nach- dem die Verdaͤuung groͤssesten Theils vollen- det ist, und man den Magen von denen Spei- sen erleichtert findet, einige Glaͤser Brunnen trincket. Solches gehoͤret nicht als ein noͤthi- ges Stuͤck zur Cur, indessen kan es doch wohl von denenjenigen geschehen, welche um dieselbe Zeit Durst und Belieben darzu haben, und sich wohl darnach befinden. Des Nachmittags aber viel, und wohl eben die Quanti taͤt, als des Morgens zu trincken, (wie mir einige bekannt, welche also gethan haben) solches ist gantz un- gereimt und schaͤdlich. Denn es laͤufft wider alle gesunde Vernunfft, daß man die Natur zu der Zeit, da dieselbe im Werck begriffen, den N Nah- Cap. VI. Art und Weise Nahrungs-Safft zu Erhaltung und Staͤr- ckung des Leibes zu bereiten, zu versammlen und auszutheilen, zu allerhand Auswuͤrffen und Abfuͤhrungen antreiben moͤge. §. 10. II. Zweytens muͤssen hier die noͤthig- sten Stuͤcke der Vorbereitung Vorbereitung zur Cur. zur Cur ange- mercket werden. Diejenigen welche gewohnt sind um das Æquinoctium Ader zu lassen, sol- len, wenn sie sich vorgenommen haben, den Brunnen einige Zeit hernach zu gebrauchen, sol- ches deßfalls nicht aussetzen. Denen Vollbluͤ- tigen, und welche ein aufwallend, hitzig Ge- bluͤte haben, kan auch wohl kurtz vor der Cur ei- ne Ader geoͤffnet werden. Doch lehret die Er- fahrung, daß es insgemein denen Patient en bes- ser bekoͤmmet, wenn solches einige Zeit vorher geschehen ist; Inmassen der Magen und Ein- geweide bey vielen gleich auf das Aderlassen et- was empfindlicher und schwaͤcher zu seyn pfle- gen, und also von der Kaͤlte des Wassers leich- ter lædi ret werden. Auch folget sonsten eine Evacuation gar zu geschwinde auf die andere, wodurch die Natur auf einmahl gar zu viel aus- gemergelt und abgemattet werden kan. Um eben dieser Ursache Willen, sich nicht gar zu sehr zu fatigui ren, da die Natur nicht will uͤbertrie- ben, sondern allmaͤhlig gefuͤhret seyn, thun auch diejenigen wohl, welche von einer langen oder beschwehrlichen Reise zum Brunnen kommen, daß das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. daß sie zuvor ein oder zwey Tage ausruhen, ehe sie die Brunnen-Cur anfangen. §. 11. Das Purgiren vor der Cur, Ob man vor der Cur purgiren muͤsse. welches von allen alten Medicis so noͤthig gehalten wor- den, verwerffen etliche Neue, und geben es als schaͤdlich oder unnuͤtzlich an. Es ist zu verwun- dern, wie auf beyden Seiten so gar general koͤnne gesprochen werden, da doch die Natur und Beschaffenheit der Leiber, wie auch die Kranckheiten und derselben Umstaͤnde und Zu- faͤlle so mancherley, daß auch hier keine Regel so allgemein ist, welche nicht ihre Ausnahme haben solte. §. 12. Zuweilen ist der Magen, die Gedaͤr- me und Gekroͤs-Aederlein mit so viel Crudi taͤ- ten, und einer Versammlung eines alten zaͤhen Schleims, und Galle besetzet und angefuͤllet, welche das Wasser als ein gelindes Reini- gungs-Mittel nicht so bald aus dem Wege raͤumen kan, sondern dadurch lange in seiner freyen Wirckung gehindert wird. Zuweilen aber haben die Patient en bereits kurtz vor der Wasser-Cur schon vomi ret, purgi ret, und al- lerhand allgemeine Ausfuͤhrungen gebrauchet, oder man ist bey einigen keinen sonderlichen Un- rath in primis viis vermuthend, welche also we- nige oder keine Purgir-Mittel von noͤthen ha- ben. §. 13. Bey welchen man nun ohne derglei- N 2 chen Cap. VI. Art und Weise chen Artzeneyen, oder mit blossen Digestivis und Laxir- Saltzen koͤnne fertig werden, und wo man staͤrckere Purgantia informa Pilular. Pulv. Infus. Potionis, Elixiris, \&c. noͤthig habe, ohne welche manchmahl der Brunnen Anfangs gar nicht frey durch passi ren will, solches ist des Medici Amt zu beurtheilen, und nach denen sich eraͤugenden Umstaͤnden zu unterscheiden, nicht aber ex Tripode, allen einerley zu verordnen. §. 14. III. Die Maaß, Maaß. oder wie viel auf einmahl von unserem Wasser muͤsse getruncken werden, laͤsset sich zwar nicht gaͤntzlich deter- mini ren, sondern man muß nach eines ieden Natur und Kranckheit, wie auch nach der er- folgenden Wirckung, welche bey einigen gar bald und leichte, bey andern aber schwehr und langsam von statten gehet, die Doses abmessen; Wie solches auf gleiche Art mit allen uͤbrigen Artzeneyen und Gesundheits-Mitteln geschie- het. Indessen haben doch die allermeisten an 3, 4, 5, biß 6 Pfund Wasser gnung auf einen Morgen, und verspuͤren insgemein von solcher Portion eine vollkommene Wirckung, so wohl per sedes, als durch den Urin. Uber 8 Pfund lasse ich auch die Staͤrckesten nicht gerne trin- cken. Die ersteren bekommen mit dem Was- ser uͤber 1 halb Loth, und die Letzteren bey 3 Viertheil Loth Minerali en in den Leib, welches vor eine Dosin gnung seyn kan. §. 15. das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. §. 15. IV. In welcher Ordnung nun eine von angezeigter Maaß und Quanti taͤt Wasser zu trincken sey, Ordnung im Trincken. solches kan unter folgenden Re- geln angemercket werden: 1) Solten die Glaͤser nicht groͤsser seyn, als daß dieselben aufs hoͤchste 1 Viertheil Pfund oder 8 Loth hielten. 2) Solcher Glaͤser koͤnten diejenigen, wel- che von mittelmaͤßigem Alter, und warmes Ge- bluͤte, und starcke Eingeweyde haben, alle Vier- telstunden 4 nach einander trincken. 3) Diejenigen aber, welchen es an gnugsa- mer innerlichen Waͤrme fehlet, und eine be- schwehrliche Empfindung von der Kaͤlte verspuͤ- ren, trincken ohngefehr alle halbe Viertelstun- den 2 solcher Glaͤser, oder nur ein halb Pfund auf einmahl, damit es der wenigen Waͤrme der Eingeweide auf einmahl nicht zu viel werde, das empfangene kalte Wasser zu erwaͤrmen. 4) Ob schon die gemeldete Glaͤser-Maaß klein ist, soll dieselbe doch eben nicht in einem Zug und Athem, sondern allmaͤhlig getruncken werden, so verliehret das Wasser im Munde etwas von der Kaͤlte. Diejenigen aber, wel- che fuͤrchten, daß die Spiritus unter dem lang- sam trincken davon gehen moͤchten, die wissen nicht, was der minerali sche Spiritus der Sauer- Brunnen sey. Cap. 3. §. 47. 5) Auf solche Art koͤnnen den ersten Mor- N 3 gen Cap. VI. Art und Weise gen 2 biß 3 Pf. den andern 4 biß 5 Pf. den drit- ten 6 Pf. getruncken, und solches so viel Tage nach einander continui ret werden, als die Um- staͤnde und erfolgende Wirckung anzeigen wer- den, daß es nuͤtzlich und zutraͤglich sey. (§. 21.) 6) Ist man nicht an eine solche Ordnung so unveraͤnderlich gebunden, daß man nicht den einen Morgen ein Paar Glaͤßlein mehr, und den andern ein Paar weniger solte trincken duͤrffen. Man richte sich hierinnen ein jeder nach seinem Appetit, oder Widerwillen, und nach der Wirckung, wie solche den einen Mor- gen vor den andern, leichter oder schwehrer von statten gehet. 7) Das Absteigen in denen letzten Tagen der Cur, ist so noͤthig nicht, wie das Aufsteigen im Anfang, weil es die Eingeweide nicht so viel alteri ren kan, wenn man mit Wasser trin- cken nachlaͤsset, als wenn man anfaͤnget, dem nuͤchternen Magen so ungewoͤhnliche kalte Tra- ctament en anzubiethen. 8. Diejenigen, so das Wasser zuvor uͤber- schlagen und erwaͤrmen lassen, koͤnnen ohne Gefahr groͤssere Glaͤser nehmen und geschwin- der trincken, doch muß auch hier Maaß und Ziel nicht uͤberschritten werden. §. 16. V. Was das kalt oder warm-Trin- cken Kalt oder warm-Trincken. anbelanget, so koͤnten zwar die meisten Brunnen-Gaͤste, oder 2 Drittheil derselben das kalte das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. kalte Trincken wohl vertragen, sonderlich wenn angefuͤhrte Regeln beobachtet wuͤrden. Die- jenigen aber, welchen viel rathsamer und dienli- cher, ja zuweilen gantz noͤthig waͤre, uͤberschla- gen und warm zu trincken, sollen wohl einen dritten Theil ausmachen. Man laͤsset nehm- lich das frische aus der Quelle geschoͤpffte Was- ser in einem glaͤsernen oder irdenen Gefaͤsse, wel- ches oben mit einem Korck zugestopffet, und in einen Topff oder Kessel mit warmen Wasser gesetzet wird, die strenge Kaͤlte ein wenig verlieh- ren, oder nach Unterscheid der Natur und Kranckheit, auch wohl Milchwarm werden. §. 17. Wenn das Wasser auf solche Weise gleich bey der Quelle getruncken wird, verlieh- ret man von dessen Kraͤfften weniger, als ins- gemein durch das Verfahren geschiehet, Ob das Erwaͤrmen dem Wasser die Kraͤffte be- nehme? wel- ches der Augenschein und die Erfahrung bezeu- gen; Denn 1) wird sich in denen Gefaͤssen, worinnen man das Wasser waͤrmet, die roͤth- liche Eisen-Erde nicht so ansetzen, wie man in denen Glaͤsern und Kruͤgen observi ret, in wel- chen das Wasser verfahren worden. 2) Faͤr- bet das Wasser die Gallaͤpffel, wenn es gleich bey der Quelle warm gemachet wird, noch eben so Purpur-blau und schwartz wie zuvor, da es kalt war, ( Cap. IV. §. 11.) welches nicht geschie- het, wenn alle Spiritus der minerali schen Stahl- N 4 Wasser Cap. VI. Art und Weise Wasser gedaͤmpffet und verlohren worden. 3) Haben wir auch in dem vierdten Capitel umstaͤndlich erwiesen, daß die Spiritus nicht da- von fliegen; werden solche gleich ein wenig ge- daͤmpffet, so ist doch unser Wasser, sonderlich bey der Quelle so geistreich, daß es auf ein we- nig nicht ankommt, sondern es prævali ret bey obgedachter Erwaͤrmung die Spirituosi taͤt noch so viel, daß man alle erwuͤnschte Wirckungen der Subtili taͤt, Penetranz und Staͤrckung davon verspuͤhret. §. 18. Wir haben in dem vierdten Capitel eine Vergleichung Vergleichung des Wassers mit Bier und Wein. angestellet zwischen den Sauer-Brunnen, und denen durch die Gaͤh- rung bereiteten Liquoribus. Es laͤsset sich dieselbe noch in einem Umstand bey dem Er- waͤrmen applici ren. Denn wenn ein guter spirituös er Wein oder Bier, gelinde erwaͤrmet wird, so behalten solche Liquores die Wirckung der Spirituosi taͤt vorerst eine Zeit lang in voller Krafft, und machen wohl eher truncken, als wenn man dieselben kalt trincket. Wenn aber die Erwaͤrmung gar zu starck und lange waͤh- ret, oder wenn man dergleichen Liquores wie- derum kalt werden laͤsset, so veraͤndert sich die gantze Mixtur, und wird ein widerliches und saures Wesen daraus. Es ist bey dieser Vergleichung nur der Un- terscheid, daß durch anhaltende starcke Hitze der das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. der Spiritus endlich aus denen Liquoribus fer- mentatis loß gerissen wird, und als ein Brand- tewein davon flieget. Der minerali sche Spiri- tus aber, wird durch die suͤsse alcali sche Erde des Wassers verschlungen, und in dem bitterlichen Saltz verborgen gehalten, wie wir Cap. 4. §. 55 erwiesen haben. §. 19. Wenn das Brunnen-Wasser allbe- reit durch das Verfahren, viel von seinen Spi- ritibus und Eisen-Erde verlohren hat, und unter Wegens in heissen Sommer-Tagen bald lau- licht, bald wieder kalt worden, und denn noch einmahl zum Trincken erwaͤrmet wird, so ist leicht zu gedencken, daß endlich ein stumpffes, abgeschmacktes, krafftloses Wasser daraus werden muͤsse. Bey der Quelle aber ist die ge- ringe Daͤmpffung der Spirituosi taͤt eines so geistreichen Wassers wenig zu achten; Im Gegentheil ist solche fuͤr diejenigen, welche zar- te und empfindliche Fibras und Nerven haben, und zu Schwindel, Convulsionibus und Krampffziehungen geneigt sind, auch denen Engbruͤstigen, so viel Husten und gar keine sti- mulationes auf der Brust vertragen koͤnnen, oͤffters sehr nuͤtzlich und noͤthig. §. 20. Es giebt uns auch jaͤhrlich die Erfah- rung Erfahrung von dem Warm-Trincken. Exempel gnug an die Hand, daß der- gleichen Personen, welchen das kalte Wasser Anfangs gar nicht anschlagen wollen, und die N 5 Cur Cap. IV. Art und Weise Cur haͤtten einstellen muͤssen, da ihnen gerathen worden uͤberschlagen zu trincken, sich gleich dar- auf wohl befunden, und eine gluͤckliche Cur ge- halten. Daher denn zu hoffen, daß gnaͤdigste Landes-Herrschafft wegen des grossen Nutzens, und zu Verhuͤtung vielen Schadens, so aus dem unvorsichtigen Kalt-Trincken zu entstehen pfleget ( Cap. 8. §. 3. seq. ) gnaͤdigst anordnen und befehlen werden, daß in hiesigem Brun- nen-Hause eine bequeme Einrichtung und An- stalten gemachet werden, damit ein ieder, wel- chen dienlicher uͤberschlagen und warm zu trin- cken, solches ohne Muͤhe und weitlaͤufftige Um- staͤnde, auf gebuͤhrende Art, nicht zu warm und nicht zu kalt, haben koͤnne. §. 21. Ferner ist die Fortsetzung Fortsetzung der Cur. der Brun- nen-Cur, oder wie lange und wie viel Tage nach einander man trincken muͤsse, zu bemer- cken. Es ist zwar hier wiederum die Einthei- lung nach Unterscheid der Kranckheiten, und nach denen Wirckungen des Wassers zu ma- chen, und kan man nicht allen eine gleiche Zahl Tage ansetzen, sondern es haben einige an einer Cur von 10, 12, 14 Tagen gnug. Andere koͤn- nen nicht ohne Schaden vor 3 biß 4 Wochen auffhoͤren. Ja man hat Exempel, daß das Pyrmontische Wasser ein Viertel Jahr nach einander alle Tage getruncken, auch wohl die Cur zwey, dreymahl in einem Jahre mit Nu- tzen das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. tzen und Vortheil der Gesundheit wiederhohlet worden. Es koͤnnen aber dennoch wegen der Continuation und Laͤnge der Cur folgende Re- geln Regeln bey der Fortsetzung der Cur. beobachtet werden: 1) Daß es durchgehends sicherer und besser, nicht zu viel auf einmahl zu trincken, und der Natur dadurch Gewalt zu thun, sondern daß man vielmehr die Cur ein, zwey biß drey Wo- chen laͤnger fortsetze, und es taͤglich bey einer maͤßigen Wirckung bewenden lasse. 2) Auch kan man auf solche Weise eine ge- linde Cur im Majo halten, und dieselbe hernach im Julio oder Augusto wiederhohlen. 3) Wenn das Wasser gleich von dem ersten Tage an leicht und wohl fortgehet, und taͤglich also continui ret, so kan mit einer kurtzen Cur von 14 oder 16 Tagen viel ausgerichtet werden sonderlich in Kranckheiten, welche noch nicht alt und eingewurtzelt sind. 4) Wenn aber das Wasser nach acht oder vierzehen-taͤgigem Gebrauch erst anfaͤnget recht durchzudringen, wie nicht wenigen wiederfaͤh- ret, so ist leicht zu erachten, daß man die Cur biß zu gnugsamer Erweichung der Verstopf- fungen, und Reinigung des Leibes fortsetzen muͤsse. Wie viel Jahre nach einander die Cur zu wiederhohlen, wird einem jeden sein Zustand und Befinden in der Jahres-Zeit nach der Cur lehren. Cap. VI. Art und Weise lehren. Man hat aber viele Exempel, daß wann es geschienen, daß das Wasser das erste und andere Jahr den Affect wenig, oder gar nicht geaͤndert, die Patienten nichts destoweni- ger das dritte oder vierdte Jahr voͤllig curi ret worden. 6) Diejenigen, welche von vielen Jahren her gewohnt sind, die Wasser-Cur zu gebrau- chen, koͤnnen solche endlich nicht ohne Schaden ihrer Gesundheit unterlassen, sondern verspuͤh- ren um die Jahrs-Zeit allerhand Regungen und Zufaͤlle ihrer vorigen Kranckheiten, welche alsdenn hartnaͤckig anhalten, und nicht nach- lassen wollen, biß die gewoͤhnliche Cur wieder- hohlet worden. 7) Man hat aber nicht noͤthig, sich so gar sehr an das Wasser zu gewoͤhnen, daß man das- selbe jaͤhrlich gebrauchen muͤsse, sondern wenn man gesund worden, und sich wohl befindet, so stelle man die Cur etliche Jahr, oder so lange ein, biß man wieder einige Vorboten des vori- gen Ubels vermercket. 8) Wenn aber die Gesundheit, oder ein er- traͤglicher Zustand des Leibes, nicht anders Be- stand haben will, als wenn die Natur durch eine solche allgemeine Reinigung jaͤhrlich wieder er- neuret wird, so hat man auch im geringsten nicht zu fuͤrchten, daß die Natur endlich dadurch werde geschwaͤchet, und vor der Zeit verzehret werden, sondern es sind viele Exempel bekannt und das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. und noch vorhanden, daß das Pyrmontische Wasser 30 biß 40 Jahre nach einander, und zuweilen 2 mahl in einem Jahr getruncken, und uͤber das siebentzigste Jahr des Alters mit er- wuͤnschtem Effect und Nutzen continui ret wor- den. 9) Die Zeichen, daß man mit den Trin- cken aufhoͤren, und die Cur beschliessen muͤs- se, welche von dem Urin hergenommen wer- den, wenn solcher gantz helle und klar weggehet, oder wenn die Excrementa nicht mehr schwartz tingi ret werden, sind ungewiß und falsch. 10) Man continui re so lange, biß man Er- leichterung, oder wenigstens eine merckliche Veraͤnderung und gnugsame Reinigung des Leibes verspuͤhret; Und man hoͤre auf, wenn man anfaͤnget, gar zu sehr ermuͤdet zu werden, und einen Eckel und Widerwillen gegen das Wasser zu empfinden. Wem diese Nach- richt nicht gnug ist, der lasse einen Medicum uͤber seine Umstaͤnde und Anzeigungen urthei- len, damit man des Guten nicht zu viel, noch zu wenig gebrauche. §. 22. VI. Hiernaͤchst muͤssen wir nun auf die Diæt Diæt. Acht haben, welche von denen Alten Anima Curationum, oder die Seele der Ge- sundmachung genennet worden, ohne welche wir also wenig Gutes von unserer Wasser-Cur zu hoffen haben. Es bestehet aber die Diæt nicht Cap. VI. Art und Weise nicht allein in gesunden und ordentlichen Essen und Trincken, sondern es wird darunter auch begriffen die Beschaffenheit der Lufft, die Be- wegung und Ruhe, die Reinigung des Leibes, Schlaffen und Wachen, und die Gemuͤths- Bewegungen. §. 23. Erstlich ist dann der Gebrauch der Speisen Speisen. bey der Cur so gezwungen und einge- schraͤnckt nicht, als sich viele vorstellen, auch ei- nige Medici gebiethen, welche den Gebrauch der Garten-Gewaͤchse, und andere unschaͤdli- che Sachen nicht zulassen wollen. Wenn nur die schwehren, harten, scharff-saure, gar zu sal- tzige, und unmaͤßig starck gewuͤrtzten Speisen gemieden werden; Verbotene Speisen. Zum Exempel, gar zu fri- sches teigiges, und nicht recht ausgebackenes Brodt, fette Kuchen und Geback-Werck, Kaͤ- se, truckene Erbsen und Bonen, Sauerkraut, Schweinefleisch, allerhand altes und zaͤhes Fleisch, von zahmen Vieh und Wildpraͤt, so wohl das frische von solcher Art, als das in Pe- ckel gelegte, geraͤucherte und gedoͤrrete. Die klebrichte, schleimichte und stopffende Theile der Thiere, als Kaͤlber und Schoͤpsen-Koͤpffe und Fuͤsse, Gehirn, Leber ꝛc. Eingesaltzene, getrucknete und geraͤucherte Fische, auch die un- gesunden, harten und schleimichten Fische, als alte Hechte, Teich-Karpffen, Schleyen, Aale, und dergleichen. Aller- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. Allerhand rohes Obst und Fruͤchte, Schwaͤmme, Melonen, Gurcken, Salat, wo- durch der Magen und die Eingeweide verschlei- met, erkaͤltet und relaxi ret werden koͤnnen, daß schaͤdliche Durchfaͤlle, Lienteriæ und Coliqu en drauf erfolgen. §. 24. Das uͤbrige Zugemuͤse, oder das mei- ste frische Garten-Gewaͤchse, sonderlich wenn solches noch jung, zart, und wohl verdaulich, auch wohl gekochet und zubereitet wird, ist nicht allein erlaubet und zugelassen, Erlaubte Speisen. sondern es dis- poni ret dasselbe auch zu gelinder Eroͤffnung des Leibes, welche bey der Brunnen-Cur eher be- foͤrdert werden muß, als daß man viele Exempel haben solte, daß das Laxi ren gar zu viel erfol- gete. Wir nehmen indessen hier diejenigen Personen aus, welchen die Erfahrung gelehret, daß sie die Garten-Gewaͤchse nicht vertragen koͤnnen, sondern einige Beschwehrungen dar- nach verspuͤhren, deren doch eben so viel nicht gefunden werden. §. 25. Zu denen Milch-Speisen wollen wir zwar nicht rathen, Anmerckung wegen der Milch-Speisen. weil auch viele sind, welche ausser der Brunnen-Cur die Milch gar nicht vertragen koͤnnen, und dieselbe bißweilen zu Durchfaͤllen disponi ren moͤchte. Daß aber einige Medici solche darum so gefaͤhrlich und schaͤdlich machen wollen, weil die Saͤure des Brun- Cap. VI. Art und Weise Brunnens die Milch zu lauter zaͤhen Schleim und harten Kaͤselab mache, solches ist falsch und ohne Grund. Wir haben Cap. 4. §. 110. ange- zeiget, daß unser Brunnen-Wasser durch seine prædomini rende alcali sche Natur, die Coagu- lation der Milch mehr verhindere als verursa- che. Wie man nun sonsten vor einer Milch- Cur den Leib durch Alcalia zu præpari ren pfle- get, so habe auch an mir selbst und andern schon die Probe genommen, daß man die Milchspei- sen besser nach der Brunnen-Cur, als vorhin vertragen koͤnne. §. 26. Ausser denen wenigen Speisen nun, welche wir angefuͤhret haben, sind fast alle uͤbri- ge gewoͤhnliche Arten unschaͤdlich und zugelas- sen. Es wird also ein ieder leicht nachrechnen koͤnnen, daß wenn gleich der Brunnen 4 Wo- chen und laͤnger gebrauchet wird, man doch so vielerley Arten von Speisen Veraͤnderung von Speisen. (welche alle mit Nahmen anzufuͤhren unnoͤthig ist) uͤbrig behal- te, daß man sich taͤglich einen neuen Kuͤchen- Zettel machen, und ohne grosse Quaal und Ver- drießligkeit wegen Mangel der Veraͤnderung, wohl seine gantze Lebens-Zeit eine Brunnen- Diæt im Essen halten koͤnte. Es ist demnach zu hoffen, daß die Liebhaber der Gesundheit die Vernunfft so viel uͤber ihre Affect en werden herrschen lassen, daß sie zum wenigsten die kur- tze Zeit in und nach der Cur das Unsichere und Schaͤd- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. Schaͤdliche gaͤntzlich meiden, und das Sichere und Gute wehlen und gebrauchen. §. 27. Die Essens-Zeit, oder erstlich die Stunde das Mittags-Mahl zu halten, Stunde zum Mittags-Mahl. ist ohn- gefaͤhr 4 Stunden, nachdem man seinen Theil abgetruncken hat. Diejenigen, welche von 6 biß 8 abtrincken, speisen um 12 Uhr die aber von 7 biß 9 mit ihrer Portion erst fertig werden, muͤs- sen biß um 1 Uhr mit der Tafel warten. Und obwohl das Wasser bey vielen in 2 oder 3 Stun- den und wohl eher groͤssesten Theils passi ret ist, so thun dieselben doch wohl, daß sie gleichfals die 4 Stunden vorbey gehen lassen, ehe sie spei- sen. Auch ist das allerbeste, daß man in sol- cher Zeit, von der Stunde an, da man abge- truncken hat, gar nichts, weder Nasses noch Truckenes zu sich nehme, und das Wasser in freyer Wirckung un turbi ret lasse, biß etwa ei- ne halbe oder gantze Stunde vor der Mahlzeit ein gutes Magen- Medicament mit ein Paar Loͤffel voll Wein oder Aqua vitæ seinen Nutzen haben kan, wie §. 62. mit mehrern angezeiget wird. §. 28. Des Mittags mag man eine gute Mahlzeit halten, und seinem Appetit ein Gnuͤ- gen thun, nur daß man nicht zu geschwind esse, Geschwind-Essen ist schaͤdlich. und also den Ausspruch der alten Arabischen Medicorum erfuͤlle: Quicunque Masticatio- O nem Cap. VI. Art und Weise nem negligit, Animam seu vitam suam odit, wer nicht wohl kaͤuet, hasset sein eigen Leben. Denn weil der Appetit bey dem Brunnen- Trincken insgemein ungewoͤhnlich starck ist, so pfleget man oͤffters gar zu geschwind zu essen, da denn die Speisen nicht gnug zertheilet, und mit dem Speichel als dem wahren Daͤuungs- und Gaͤhrungs-Safft vermischet werden, und also Undaͤuen, Magendruͤcken, Blehungen und al- lerhand Ungelegenheiten davon entstehen muͤs- sen. Auch verleitet insonderheit die Varie taͤt und der Uberfluß von allerhand Speisen zu Uberladung des Magens, daher es besser, daß man sich einige wenige und gute Speisen, und nicht gar zu viele Geruͤchte, auftragen laͤsset, da- mit man sich nicht mit gar zu vielem Essen be- schwehre, und die Cur dadurch hindere und zu- ruͤck setze. §. 29. Das Abend-Essen Das Abend-Essen. muß nicht zu spaͤt, und laͤngstens um 7 Uhr gehalten werden, auch nur in einer Suppe, und gar wenig gekochten Fleisch, (denn das gebratne stopffet mehr) etwa von gutem wohlverdaulichen Gefluͤgel, und ein wenig gekochtem Obst bestehen. Die Fuͤrnehmen und Grossen pflegen es hierinnen mehrentheils zu versehen, an deren Gesundheit und Conservation doch am aller- meisten gelegen waͤre. Denn es muͤssen oͤff- ters die Balls und andere Divertissements erst abge- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. abgewartet seyn, und wie sie vorhin gewohnet, so muß solches bey der Brunnen-Cur, es mag schaͤdlich seyn oder nicht, continui ret werden: Man thut was man will, und leidet was man kan. Die Abend-Mahlzeit Das spaͤte Abend-Essen ist schaͤdlich. wird manchmahl um 9, 10, 11 Uhr erstlich gehalten, da durch das lange Warten, und die viele Bewegung des Leibes der Appetit starck anwaͤchset, folglich wohl mehr als des Mittags gespeiset wird. Man begiebt sich darauf bald zur Ruhe, es fol- get ein unruhiger Schlaf darauf, und des Mor- gens, wenn die bequemste Zeit zum Trincken heran kom̃t, ist der Leib noch matt und muͤde, und der Magen noch voll Crudi taͤten. Daß also das Brunnen-Wasser mit genauer Noth so viel wegraͤumen und abfuͤhren kan, als man in ei- ner Nacht Schaͤdliches gesammlet, geschweige daß solches die kraͤnckliche Beschaffenheit des gantzen Leibes, und aller Feuchtigkeiten zu be- staͤndiger Gesundheit auf das Zukuͤnfftige solte verbessern koͤnnen, welches doch die Absicht, und der fuͤrnehmste Endzweck der Brunnen- Cur ist. §. 30. Das Getraͤncke Getraͤncke. uͤber der Mahlzeit, kan ein ieder gebrauchen, wie er gewohnt ist. Es ist gar kein Gesetz, und haben es auch, die vor mir von dem Brunnen geschrieben, weder Herr Bohlmann, noch D. Cunæus statui ret, daß man bey Gebrauch des Pyrmontischen Was- O 2 sers Cap. VI. Art und Weise sers kein Bier trincken duͤrffe, Ob man Bier bey der Brunnen-Cur trincken duͤrffe. wie nicht wenige mit einem solchen Verbot von ihren Medicis hergesandt werden. Unsere meisten Brunnen- Gaͤste sind keine Weinlaͤnder, sondern sie sind fast alle zu dem Biere, als ihrem ordentlichen Getraͤncke gewoͤhnet, und koͤnnen also den Durst mit dem Wein alleine nicht stillen, oder sie muͤssen dessen zu viel trincken, und sich da- durch erhitzen. Es ist also besser, daß ein ieder hierinnen bey seiner Gewohnheit bleibe, und zu Vergnuͤgung des Durstes das Bier, weiß oder braunes gebrauche, wie einem jeden aus eige- ner Erfahrung bekannt, nach welchem er sich am besten befinde. Die Biere aber muͤssen ihre rechte Art und Alter haben, nicht zu frisch und voller Hefen, auch nicht zu alt und sauer, sondern sollen wohl gekocht, helle, gelind, schaͤrff- lich und spirituös seyn. §. 31. Es ist ein grosser Irrthum, daß man insgemein den schwachen Magen vorschuͤtzet, weil das Wasser den Magen schwaͤche, Das Wasser schwaͤchet den Magen nicht. muͤsse man viel Wein trincken. Das Gegentheil aber ist die Wahrheit, daß nehmlich das Pyr- montische Wasser den Magen staͤrcke, wie durchgehends der gute Appetit anzeiget; Noch mehr aber lehren es die vielfaͤltigen Exempel derjenigen Personen, welche gantz verdorbene Magen, langwierige Durchfaͤlle, Lienterias, (da das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. (da die Speisen unverdaͤuet wieder fortgan- gen) gehabt, und sich vorhin mit dem Essen wie Kindbetterinnen halten muͤssen, nachmahls durch unser Wasser voͤllig curi ret worden, daß sie wieder allerley Speisen vertragen koͤnnen. Sind aber einige, welchen der Magen nach der Cur schwach worden, dieselben werden die Ur- sache entweder in der unordentlichen Diæt, oder in dem schaͤdlichen Kalt-Trincken und unvor- sichtigen hinunter giessen grosser Glaͤser finden koͤnnen. S. Cap. 8. §. 32. Indessen ist doch der maͤßige Gebrauch eines guten Weins Gebrauch des Weins. uͤber der Mahlzeit sehr nuͤtzlich und dienlich bey der Brunnen-Cur, und wird der Magen allerdings dadurch erwaͤr- met, gestaͤrcket, und die Gaͤhrung und Ver- dauung der Speisen befoͤrdert und vollkomme- ner gemachet. Ein guter Rhein-Wein ist wohl der beste fuͤr einen teutschen Magen, auch am dienlichsten bey der Brunnen-Cur. Es soll derselbe aber nicht zu viel Saͤure haben, auch nicht zu starck geschwefelt seyn. Ein gar alter hitziger Rhein-Wein muß mehr wie eine Artzeney in geringer Maaß, etwa ein Paar klei- ne Spitz-Glaͤser voll, als wie ein Getraͤncke in groͤsserer Quanti taͤt genommen werden. §. 33. Gute Frantzoͤsische Weine sind auch bey der Cur nicht undienlich, und habe ich biß- her am nuͤtzlichsten gefunden, daß ein jeder bey O 3 der Cap. VI. Art und Weise der Art Wein gelassen, welche er vorhin am meisten gewohnet, und am besten vertragen koͤnnen. Sonsten kan der Unterscheid gemachet wer- den, daß diejenigen, welche sich nach dem Bier nicht wohl befinden, und also mehr Wein als andere trincken muͤssen, besser thun, daß sie ei- nen gelinden nicht gar alten Rheinwein, oder einen guten Moseler wehlen, von welchem ohne Schaden und Erhitzung, eine ziemliche Quan- ti taͤt mag getruncken werden; Frantzoͤsische, Spanische und andere suͤsse hitzige Weine aber muß man in geringerer Quanti taͤt bloß zu Staͤrckung des Magens, und nicht als zu Loͤ- schung des Durstes gebrauchen. §. 34. Wenn man eine Stunde oder etliche nach der Mahlzeit Durst verspuͤhret, Ander Getraͤncke gegen den Nachmittags-Durst. so mag man wohl einige Schaͤlgen Thee oder Caffee zu sich nehmen, nur daß man nicht zu viel thue, und die Eingeweide gar zu sehr uͤberschwemme, und durch die viele Waͤsserigkeit relaxi re. Will man 3 biß 4 Stunden nach dem Essen zur Er- frischung und Loͤschung des Durstes ein Paar Glaͤser Sauer-Wasser trincken, solches kan ein jeder nach Belieben und Befinden thun oder lassen. Uber dem Essen aber das Pyrmonti- sche Wasser zu trincken, oder mit dem Wein zu vermischen, finde gar nicht rathsam, obgleich hiesige Einwohner solches ohne Wein taͤglich zu das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. zu thun pflegen, und sich wohl darnach befin- den. ( Cap. 3. §. 53.) Denen Ungewohnten aber treibet es die Speisen gar zu geschwind aus dem Magen, und verursachet dadurch allerhand Ungelegenheiten. Ist jemand welcher kein Bier trincket, und Wasser unter seinen Wein zu mischen gewohnet ist, demselben recommen- di ren wir das Wasser aus dem Berg-Saͤuer- ling ( Cap. 3. §. 18.) welches ein gelindes, ange- nehmes und gesundes Wasser ist. §. 35. Das andere Stuͤck der Diæt ist die Lufft Von der Lufft. und das Wetter, welche man nicht so wohl in seiner Macht hat, als das Essen und Trincken, sondern verlieb nehmen muß, wie sol- che in dem Macrocosmo arrivi ret. Indessen haben wir die Lufft noch viel noͤthiger, als Speiß und Tranck, wir koͤnnen dieselbe nur we- nig Augenblicke entbehren; Und da die Ober- flaͤche unseres Leibes allezeit damit umgeben, und gedruͤcket wird, so werden die Pori oder Daͤmpff und Schweiß-Loͤcher der Haut, wie auch der Lauff der Feuchtigkeiten in denen aͤus- serlichen Theilen des Leibes sehr offt dadurch veraͤndert, und die unempfindliche Ausduͤn- stung, die eine Zeit vermehret, auf ein ander mahl gar sehr verringert, und zuweilen fast gaͤntzlich aufgehoben. §. 36. Es verursachet also die warme und kalte, trockene und nasse, helle und truͤbe, schwere O 4 und Cap. VI. Art und Weise und leichte, stille oder stuͤrmichte Lufft und Wet- ter, auch bey der Brunnen-Cur allerhand un- ausbleibliche Veraͤnderungen in dem mensch- lichen Leibe, und kan die Wirckung des Was- sers (ohngeachtet solches an sich selbst iederzeit einerley ist) auch um dieser Ursache willen in ei- ner Person und Kranckheit nicht allemahl gleich, sondern muß nothwendig unterschieden und mancherley seyn. §. 37. Ob nun zwar eine temperi rte und warme Lufft die bequemste und beste zur Brun- nen-Cur ist, wie wir §. 3. schon angezeiget ha- ben, so hat man doch darinnen nicht allemahl eine freye Wahl, denn es treffen die Calender so præcise nicht ein, und kan auch eine schaͤdli- che kalte und feuchte Lufft bißweilen, so wohl in denen Hundes-Tagen, wie im Mertz einfallen. Wenn man alsdenn in der Cur begriffen ist, oder in solchem Wetter zum Brunnen kommt, so laͤsset es sich nicht allezeit auf gut Wetter war- ten, sondern man muß sich gegen Wind und Wetter auffs beste verwahren, und verhindern, daß man nicht von aussen durch die Lufft, und von innen durch das kalte Wasser und also alle fluͤßige und feste Theile gar zu sehr erkaͤlten und erstarren, welches denn, wie leicht zu erachten, ohne Schaden nicht abgehen kan. Cap. 8. §. 3. seq. §. 38. Das allerbeste und sicherste waͤre, daß man bey stuͤrmichter, nasser und kalter Lufft die das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. die Cur wie eine Winter-Cur hielte, und das Wasser ein wenig uͤberschlagen, bey einem gu- ten Camin-Feuer traͤncke, in einem Saal oder grossen Zimmer, da man spatzieren gehen, und sich gnugsame Bewegung machen koͤnte. Denenjenigen welche sehr phlegmati sch und schwaͤchlich sind, und die Kaͤlte gar nicht ver- tragen koͤnnen, mag auch wohl zugelassen wer- den, daß sie das Wasser uͤberschlagen im Bette trincken. Man muß aber keine Gewohnheit und Mode daraus machen, und nachmahls wenn man aufstehet, die Bewegung desto laͤn- ger continui ren. Die aber starcker Natur sind, viel Waͤrme haben, und sich einen gerin- gen Rauch nicht beissen lassen, sondern ungeach- tet des schlimmen Wetters das Wasser aus der Quelle trincken, und sich in freyer Lufft bewe- gen wollen, muͤssen sich desto besser mit Klei- dern verwahren, kleine Glaͤser und langsam trincken, damit alle schaͤdliche Erkaͤltung, wel- che so gar gemein bey Gebrauch der Sauer- brunnen ist, verhuͤthet werde. §. 39. Gar zu warme Lufft, heisse Tage und schwuͤhl Wetter, ist auch beschwehrlich bey dem Trincken, weil man gar zu matt und schwitzig wird, welches die Wirckung des Wassers auf- haͤlt und hindert. Man muß also zu solcher Zeit, die kuͤhlen und temperi rten Morgen- Stunden nicht versaͤumen, und die schattichten O 5 Oerter Cap. VI. Art und Weise Oerter suchen, wozu es hier an guter Gelegen- heit in der Allee nicht fehlet. §. 40. Drittens ist dann auch die Bewe- gung Bewegung. zu observi ren. Man kan sich zwar bey der Brunnen-Cur nicht zu viel und zu offt bewe- gen, und muß eine gnugsame Bewegung des Leibes allerdings als ein noͤthiges Stuͤck der Diæt beobachtet werden; Eine gar zu starcke und hefftige Bewegung aber, wodurch das Ge- bluͤt erhitzet, ein schaͤdliches Aufwallen dessel- ben, und ein haͤuffiger uͤberfluͤßiger Schweiß verursachet wird, muß durchgehends gemieden werden. Man lasse die Bewegung allmaͤhlig angehen, wiederhole dieselbe desto oͤffter, und continui re solche so viel laͤnger. Auch richtet man sich nach dem Wetter, wenn es kalt, mag man sich staͤrcker bewegen, wenn es aber sehr warm ist, machet man sich eine gelinde Bewe- gung, auf daß man nicht erhitzet, und der Schweiß gar zu viel erreget werde. Diejenigen welche nicht wohl zu Fuß sind, muͤssen sich viel herum fahren lassen. Auch ist das Reiten eine gute Motion, und Zeitvertreib bey Gebrauch des Brunnens, wenn man des Reitens gewohnet ist, und gute Pferde hat, die einen sanfften Schritt gehen. §. 41. Vierdtens muͤssen die Reinigungen des Leibes Reinigungen des Leibes. nicht allein ihren Fortgang haben, son- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. sondern auch durch die Brunnen-Cur mercklich vermehret werden, wie Cap. 5. §. 37. seq. ange- zeiget worden. Am allermeisten aber wird auf die Eroͤffnungen des Leibes, und den Ab- gang des Urins Acht gegeben, welchen die ge- buͤhrende Moderation und Abwartung des Schweisses noch beygefuͤget werden muß. §. 42. Unterschiedliche von denen beruͤhmte- sten Sauer-Brunnen treiben sehr starck durch den Urin, machen aber wenig Eroͤffnung des Leibes. Im Gegentheil befoͤdert das Pyr- montische Wasser in einer mittelmaͤßigen Dosi beyderley Excretiones Das Pyrmontische Wasser laxi ret die meisten gnungsam. bey denen allermeisten so wohl, daß nach Proportion gar wenige ge- funden werden, welche nicht gnungsame Se- des, und dabey auch ein starckes Treiben des Urins haben solten, und scheinet sonderlich das bittere Saltz unsers Wassers die laxi rende Wirckung vor vielen andern kraͤfftig, Gesund- Brunnen zu vermehren und zu verursachen. Wie nuͤtzlich aber es sey, und wie sehr es erleich- tere, wenn man alle Morgen neben der Wir- ckung durch den Urin, auch einige Sedes von dem Wasser habe, und daß solches allerdings mit zu einem vollkommenen Effect gehoͤre, sol- ches wird einem ieden die Erfahrung lehren. Es rathen auch alle Brunnen- Practici, daß wenn nicht alle Morgen etliche Sedes von selbst durch Cap. VI. Art und Weise durch die Wirckung der Wasser erfolgen wol- ten, man solche durch gute laxi rende Mittel be- foͤrdern muͤsse. §. 43. Es ist zwar ungereimt, daß man die- jenige Operation vor die beste halten will, Welche Operation die beste. wo sich die meisten Sedes finden. ( Cap. 5. §. 21. 22.) Wann es auf das Purgiren hauptsaͤchlich an- kaͤme, koͤnte man ohne Gesund-Brunnen solches gar leicht alle Morgen zu wege bringen; In- dessen ist doch wie gesagt, die Eroͤffnung des Lei- bes ein nuͤtzliches und noͤthiges Stuͤck der Wir- ckung, und wenn dieselbe nachbleibet, pflegen gleich Magen-Druͤcken, Blehungen, Mangel des Appetit s, und andere Beschwehrungen zu erfolgen. §. 44. In denjenigen Kranckheiten, welche ihren Sitz im Magen, in denen Gedaͤrmen, Gekroͤs und naͤchst angelegenen Eingeweiden haben, kan die Wirckung per Alvum ein gros- ses zu einer gluͤcklichen Cur beytragen. Wo aber die gantze Massa Humorum muß verbessert, ver- duͤnnet und versuͤsset werden, wenn Nieren und Blase von Schleim, Grieß und Sand soll ge- reiniget, oder die Lunge und andere abgelegene Viscera, von schleimichten Verstopffungen, und Zufluß scharffer Feuchtigkeiten befreyet, die Nerven gestaͤrcket und eroͤffnet, wie auch die Kranckheiten der aͤusserlichen Glieder, und festen Theile das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. Theile curi ret werden sollen, so hat die Wir- ckung per Urinam den Vorzug. §. 45. Denn dasjenige, was durch den Urin weggehet, muß nach denen Gesetzen der Circu- lation des Gebluͤts durch alle Theile des Leibes gefuͤhret worden seyn (da bißher noch keine an- dere Wege zu denen Nieren und der Blase ge- wiesen worden) woselbst also das Brunnen- Wasser, was erfodert wird, und was seine me- dicinal e Eigenschafften mit sich bringen, durch eine wirckliche materiali sche Vermischung und Beruͤhrung hat verrichten koͤnnen. Sonsten hat man nicht noͤthig wegen Ab- gang des Urins sehr besorget zu seyn, weil sol- ches die allgemeineste Wirckung unsers Was- sers ist, und da es wenige giebet, welchen es an Eroͤffnung des Leibes fehlet, so werden noch viel wenigere gefunden, welchen der Urin nicht gnug- sam passi ren solte. §. 46. Was den Schweiß anbelanget, Der Schweiß. so ist solcher gleichfalls eine sehr gemeine und nuͤtz- liche Excretion bey dem Brunnen, durch wel- chen nach Unterscheid der Kranckheiten viel Schaͤdliches kan ausgetrieben, und das Gebluͤt gereiniget werden. Jedennoch ist zu mercken, daß der Schweiß des Morgens wenn man trin- cket, und noch keine Operation per Alvum \& Urinam erfolget ist, auf alle moͤgliche Art muͤsse mode- Cap. VI. Art und Weise moderi ret, oder wohl gaͤntzlich vermieden wer- den. §. 47. Wenn man gleich unter dem Trin- cken anfaͤnget zu schwitzen, Vieler Schweiß unter den Trincken, hindert die uͤbrigen Wirckungen. so tritt das Wasser mit dem Blute gar zu starck in die aͤusserlichen Theile des Leibes, und wird also die Austrei- bung durch den Urin vermindert, und die Er- oͤffnung des Leibes aufgehalten, durch welche beyderley Excretiones doch der allergroͤsseste Theil des Wassers wieder fortgehen muß. Im Gegentheil hat man die Erleichterung nicht, sondern es ist sehr beschwehrlich, wenn man das meiste Wasser ausschwitzen soll. §. 48. Und eben dieses ist die Ursache, war- um diejenigen, welche zu einer starcken Aus- duͤnstung und zu vielem Schwitzen geneigt sind, bey kuͤhlem, und nicht gar zu warmen Wetter, da die Schweißloͤcher der Haut enger zusam- men gezogen, und die Feuchtigkeiten mehr zu denen Eingeweiden und innerlichen Theilen getrieben werden, die beste Wirckung, wie sie sprechen, verspuͤhren, nehmlich, daß sie alsdenn mehr Eroͤffnungen des Leibes, und staͤrckeren Abgang des Urins haben, und sich dabey am besten befinden. Man muß also die Bewegung des Leibes, wie schon gemeldet, nach dem Schweiß einrich- ten, wenn solcher gleich im Anfang des Trin- ckens das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. ckens starck ausbrechen will, muß man sich gantz gelinde bewegen, schattigte und kuͤhle Oerter suchen, auch lieber sich ein wenig nieder setzen, und den herfuͤr brechenden Schweiß vergehen lassen. §. 48. Derjenige Schweiß aber, Welcher Schweiß bey der Brunnen-Cur der beste sey? welcher bey einer moderi rten Bewegung erfolget, wenn man abgetruncken hat, und das meiste Wasser per Alvum \& Urinam schon wieder fortgangen, ist sehr nuͤtzlich und gesund. Auch muß der Nacht-Schweiß, wenn man anfaͤnget bey der Brunnen-Cur mehr als gewoͤhnlich zu schwi- tzen, durch maͤßige Zudeckung des Leibes befoͤ- dert, und mit Fleiß abgewartet werden, und sollen dergleichen Personen des Morgens sich alsobald behutsam ankleiden, und sich nicht gar zu geschwind in die naß-kalte Morgen-Lufft be- geben, sondern zuvor eine Weile auf ihrem Zimmer spatzieren gehen, und den heraus drin- genden Schweiß, oder die vermehrte Ausduͤn- stung allmaͤhlig sich verliehren lassen. §. 50. Fuͤnfftens ist die beste Zeit zum Schlaf Schlaf. bey der Brunnen-Cur von 9 oder 10 Uhr Abends, biß 4 oder 5 Uhr des Morgens, und sorgen diejenigen am besten fuͤr ihre Ge- sundheit, welche des Abends um 7 Uhr ihre Suppe essen, sich hernach noch eine gelinde Bewe- Cap. VI. Art und Weise Bewegung machen, und denn zu rechter Zeit schlafen gehen, von dieser Ordnung aber sich keine Gesellschafft noch Divertissement s ab- halten lassen. Denn so folget ein ruhiger Schlaf, und die Kraͤffte werden zu bequemer Abwartung und Fortsetzung der Cur iedesmahl gnugsam wieder erholet. §. 51. Der Mittags-Schlaf Mittags-Schlaf. von welchem so viel gesprochen wird, ob solcher erlaubet oder verbothen sey, kan gar leicht vermieden werden: 1) Wenn man nicht zu geschwinde, und gar zu viel isset, und den Magen dadurch uͤberladet und beschwehret. 2) Wenn man den Wein maͤßig gebrauchet. 3) Wenn man nicht al- leine und in der Stille bleibet, sondern sich un- ter Aufsicht anderer Leute, und in Gesellschafft begiebt. 4) So man gleich nach der Mahl- zeit hinaus und spatzieren gehet, wann nach- mahls ein Paar Stunden nach dem Essen vor- bey gangen, so wird man nicht mehr vom Schlaf incommodi ret. §. 52. Wolte man sagen, es waͤre denenjeni- gen, welche dazu gewoͤhnet, eine Stunde nach der Mahlzeit ein klein Mittags-Schlaͤfgen auf einem Lehn-Stuhl zu halten erlaubet, so moͤch- ten sich viele den gantzen Nachmittag hinlegen und schlafen, zu grossem Schaden und Nach- theil ihrer Gesundheit und Cur. S. Cap. 8. §. 53. Sechstens muß man auch die Ge- muͤths- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. muͤths-Bewegungen, Gemuͤths Bewegungen. wie zu aller Zeit, wenn man seiner Gesundheit wohl vorstehen will, also insonderheit bey der Brunnen-Cur, da der Fort- gang der so hochnoͤthigen Reinigung der Feuch- tigkeiten des Leibes durch alle Excretoria so leicht dadurch kan gestoͤhret, gehindert oder uͤ- bertrieben werden, maͤßigen. Der Eyffer und Zorn muß also gemieden, und alle Sorgen, Bekuͤmmerniß und Traurigkeit zu Hause ge- lassen werden. Im Gegentheil bitte man GOtt um Zufriedenheit und um ein ruhiges, vergnuͤgtes und froͤliches Hertz. Man suche eine gute Conversation, und mache sich aller- hand zulaͤßige Ergoͤtzungen, Zeit-Vertreib und Veraͤnderungen ( Cap. I. §. 12. seq. ) so hat man sich unter goͤttlichem Seegen einer gluͤcklichen Cur zu getroͤsten. §. 54. VII. Die Artzeneyen, Medicament en. welche man bey der Brunnen-Cur zu Huͤlffe nimmt, muͤs- sen in wenigen und auserlesenen Sachen beste- hen, sonderlich da das Pyrmontische Wasser an sich selbst kraͤfftig und reichhaltig an guten me- dicinal en Ingredienti en ist, und also desto weni- ger Huͤlffe bedarff. Es haben die alten Brun- nen- Practici grosse und lange Register voll Me- dicament en geschrieben, welche man bey denen Wasser-Curen gebrauchen muͤsse, dafuͤr ein Patient, welcher vorhin schon alle Classes der P Ma- Cap. VI. Art und Weise Materiæ medicæ durchgehen muͤssen, wol er- schrecken moͤchte. Von denen heutigen Medi- cis aber verwerffen einige fast allen Gebrauch der Medicament en bey dergleichen Curen. Al- so faͤllet der menschliche Verstand oͤffters von einem Extremo auf das andere. §. 55. Es wuͤrde zwar hier zu weitlaͤufftig seyn, wenn man gegen alle Arten der Kranckhei- ten, welche wir zu Ende des vorigen Capitels ge- nennet haben, besondere Medicament en anfuͤh- ren wolte, ist auch gar nicht allemahl noͤthig; Indessen geben wir denen Practicis zu beden- cken, und stellen es eines ieden Erfahrung an- heim, was dann und wann zum Exempel in de- nen Brust-Beschwerungen und alten schlei- michten Husten durch gute balsamische Pecto- ralia mit Stomachicis vermischet. In Schwulst und Anfang der Wassersucht durch diureti sche Tinctur en, resolvi rende Salia und bittere Ex- tracta; In Reliquiis Luis venereæ, Gonorr- hœa, Fluore albo \&c. mit heilenden balsami- schen Essenz en und Pillen; In kalten Wechsel- Fiebern durch gute Digestiva und Antifebrilia ante Paroxysmum; In Morbis convulsivis durch Antispasmodica; In Mania per Nitro- sa \&c. die Brunnen-Cur vor sichere und nach- druͤckliche Beyhuͤlffe haben koͤnne. Wenn zu- weilen dergleichen Mittel vorher gar nicht helf- fen noch anschlagen wollen, so geschiehet solches waͤhrender Brunnen-Cur unter den vielen all- ge- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. gemeinen Reinigungen des Leibes, oder bald nach denselben. Und also kan durch die Mine- ralia oͤffters ein guter Grund zu einer bestaͤndi- gen Cur geleget, und dieselbe durch wenige heil- same und Specifica vegetabilia ausgefuͤhret und vollkommen gemacht werden. §. 56. Was sonsten die allgemeinen und or- dinair en Medicament en betrifft, welche bey der Brunnen-Cur gebrauchet werden, so haben wir §. 10. seq. schon etwas davon gemeldet, so viel zur Vorbereitung gehoͤret. Bey der Cur selbst sind sonderlich die laxi rende und Magen- staͤrckende Artzeneyen gebraͤuchlich. Unter de- nen laxi renden Mitteln Laxi rende Mittel. haben bey der heutigen Brunnen- Praxi fast allenthalben die eroͤffnen- den und erweichenden Salia den Vorzug, als da sind: Der Tartarus vitriolatus, das Sal polychrestum, Arcanum duplicatum, Cremor Tartari, Tartarus solubilis, Sal Anglicanum ca- tharticum, Sal mirabile Glauberi, Nitrum, Vitriolum Martis \&c. §. 57. Weil dergleichen Salia zum Theil mit dem natuͤrlichen Saltze des Wassers uͤberein kommen, so ist vernuͤnfftig, daß wenn die Wuͤr- ckung desselben in ein oder anderem Stuͤcke nicht promt erfolgen will, man dieselbe durch solche Salia am fuͤglichsten verstaͤrcken koͤnne. Auch lehret die Erfahrung, daß wenn diese Salia wohl zubereitet sind und geschickt gebraucht P 2 wer- Cap. VI. Art und Weise werden, solche ohne alle Ubligkeit, Bauchgrim- men und Erhitzung ihre Wuͤrckung verrichten, und mit der Waͤßerigkeit durch den Urin oder Stuhlgang gleich wieder fortgehen, und man also dieselben gantz sicher gebrauchen, und wo es noͤthig, auch oͤffters wiederhohlen duͤrffe. §. 58. Es waͤre zwar das allerbeste, wenn man dem Brunnen-Wasser sein eigen Saltz zusetzte, und also die Wuͤrckung vermehrete, al- lein weil das Pfund Wasser nur 7 Gran Saltz haͤlt, so ist es muͤhsam und kostbar solches in ge- nugsamer Quanti taͤt zur Dispensation daraus zu verfertigen; Daher man diejenigen Salia er- waͤhlen kan, welche mit denen Eigenschafften des natuͤrlichen am naͤhesten uͤberein kommen. Doch schlaͤgt nach Unterscheid der Naturen dem einen dieses, dem andern jenes besser an, und kan man nicht allen einerley verordnen. Auch sind die Salia bey dem Gebrauch unsers Wassers (welches, wie schon erwehnet, ins- gemein durch sein eigen Saltz und Kraͤffte ge- nugsame Wuͤrckung thut) denen allermeisten Cur-Gaͤsten unnoͤthig. §. 59. Andere sichere Purgir-Mittel sind bey Gebrauch des Brunnens auch nicht zu verwerf- fen. Es ist so wol das Wasser, als die ange- fuͤhrten Salia gelinde, und wuͤrcken zuweilen nur als Digestiva, machen die Materiam peccan- tem in Primis viis, in den Gekroͤß-Druͤsen und andern Eingeweiden weich und beweglich. Bey sol- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. solchen Umstaͤnden schicket sich in waͤhrender Cur ein staͤrckeres Purgans uͤberaus wohl, und fuͤhret den præpari rten und mobil gemachten Unrath vollends ab, daß also nicht wenig Pa- tienten sehr dadurch erleichtert werden, und ihre Cur desto gluͤcklicher fortsetzen koͤnnen. Und um eben dieser Ursache willen ist auch das si- cherste und beste, daß man zum Schluß der Cur ein Purgans nehme, das nicht gar zu gelinde, son- dern beqvem und kraͤfftig genug sey, alles, was irgend von schaͤdlichen, schleimichten und ver- stopffenden Materien, welche das Brunnen- Wasser erweichet und beweglich gemachet hat, wie auch dasjenige, so bey ein und andern Pati- enten von uͤberfluͤßiger Waͤßerigkeit in denen Visceribus spongiosis stecken blieben und ver- halten worden, mit einander abzufuͤhren. §. 60. Denn ob man gleich keine gnugsame Anzeigungen hat, daß etwas von Minerali en, es mag Ochra oder anderst heissen, in dem Leibe als schaͤdlich zuruͤck bleibe, Ob nach Gebrauch des Brunnens etwas schaͤdli- ches von Minerali en zuruͤck bleibe? wie solches einige Brunnen- Medici so gar gefaͤhrlich vorgestellet haben, so geben doch angeregte Ursachen satt- sam zu erkennen, daß man in diesem Stuͤck wohl thue bey der alten Gewohnheit zu bleiben, und den Leib zum Beschluß noch mit einem guten Purgir-Mittel zu reinigen. P 3 §. 61. Cap. VI. Art und Weise §. 61. Ein solches Mittel mag nun in aller- hand Formulis, wie solche ein ieder am besten vertragen kan, und gegen welche die Patienten am wenigsten Eckel haben, gegeben werden. Es sind aber doch die so genannten Abend-oder Nacht-Pillen am beqvemsten und dienlichsten bey der Cur. Dieselben muͤssen aus guten resolvi renden Gummatibus, Extractis amaris und dergleichen bestehen, welchen dann und wann, wo es noͤthig, ein wohl præpari rtes Sti- mulans kan zugesetzet werden. Man kan die- selben so zubereiten, daß ein ruhiger Schlaff von 6 biß 7 Stunden darauf koͤnne gehalten werden, und daß solche ohne Ubligkeit, Reissen und Mattigkeit des Morgens einige gnugsame Sedes verursachen, so kan man, wenn solche im Anfang oder mitten in der Cur genommen wer- den, des Morgens gleich eine Portion Wasser darauf trincken, und also die Cur unverhindert fortsetzen. Zu Ende der Cur aber nimmt man des Morgens auf die Pillen etwas Thée oder eine duͤnne Suppe. §. 62. Die Magen- Medicament en, Magen- Medicamen ten. wel- che man bey der Wasser-Cur vor dem Essen ge- brauchet, werden nicht verordnet um Appetit zu machen, welcher ohnedem bey den meisten starck gnug zu seyn pfleget, sondern wenn etwa die Versammlung des Speichels und der Gaͤhrungs-Safft aus dem Magen durch die Wuͤr- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. Wuͤrckung und Menge des Wassers gar zu reine weggespuͤhlet worden, oder wenn der Ma- gen und die naͤchst daran gelegene Viscera durch die Kaͤlte des Wassers Schaden gelitten, und daher eine unvollkommene Daͤuung entstehen koͤnte, solches in Zeiten verhuͤtet, der Mangel des Gaͤhrung-Saffts durch gute bittere Sa- chen ersetzet, und die noͤthige Waͤrme der Ein- geweide durch gelind erwaͤrmende, balsamische und aromati sche Essenz en wieder gebracht weꝛ- de; welche Dinge denn nach eines ieden Tem- perament und Constitution koͤnnen ausgele- sen werden. §. 63. Wegen Unterscheid des Alters Unterscheid des Alters. ist wegen Gebrauch des Brunnens anzumercken, wie schon im vorhergehenden hin und wieder angezeiget und erwiesen worden, daß das Pyr- montische Wasser so wenig als andere Sauer- Brunnen unter die starcken und angreiffenden, sondern vielmehr unter die sicheren und gelin- den Gesundheits-Mittel gehoͤre, und also von dem Gebrauch desselben weder die Alten noch die Kinder gaͤntzlich koͤnnen ausgeschlossen wer- den. Es waͤre denn daß die Kinder noch gar zu zart und jung von Jahren, da man sie nicht bedeuten und in keiner Ordnung halten kan, auch die Alten gantz abgelebet, krafftloß und hinfaͤllig waͤren. P 4 Son- Cap. VI. Art und Weise Sonsten aber wenn Kinder uͤber 7. Jahre sind, und die Alten noch Kraͤffte haben, auch die uͤbrigen Umstaͤnde zu erkennen geben, daß ihnen das Wasser zutraͤglicher, als andere Me- dicationes, (durch welche man sie manchmahl gantz matt und uͤberdruͤßig gemachet hat) seyn koͤnte, so mag ihnen die Cur gar wohl zugelas- sen werden, und wir haben Exempel genung, daß ihnen das Wasser weder zu starck noch zu scharff gewesen, sondern mit grossem Nutzen gebrauchet worden. Man lasse sie aber vor al- len Dingen die angewiesenen Regeln beobach- ten, sonderlich daß sie wenig, langsam und uͤber- schlagen trincken. §. 64. Was den Unterscheid des Geschlechts Unterscheid des Geschlechts. anbelanget, so sind einige der Meinung, daß die Sauer-Brunnen denen Manns-Personen, und die warmen Wasser dem weiblichen Ge- schlecht insgemein am besten bekaͤmen. Es ist solches auch nicht gantz ohne Grund und Erfahrung. Wenn man aber nach der Ursache forschet, so wird man finden, daß solches von dem Kalt- oder Warm-Trincken herruͤhre. Denn weil das weibliche Geschlecht mehr phlegmati sch ist, nicht so viel Waͤrme hat, und das viele kalte Trincken noch weniger gewoh- net ist, als die Manns-Personen, so befinden sie sich nach dem Warm-Trincken weit besser, und leiden im Gegentheil von dem Kalt-Trincken so das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. so viel mehr; Daher leicht zu erachten, daß, wenn man denen Sauer-Brunnen nur die Kaͤl- te nehmen wuͤrde, solche dem Frauenzimmer e- ben so gut anschlagen koͤnten, als die natuͤrlich warmen Wasser. §. 65. Sonsten hat auch das Frauenzimmer bey der Brunnen-Cur noch Acht zu geben auff die vier Wochen Zeit. Wenn solche einfaͤl- let, muͤssen sie 2, 3 biß 4 Tage aussetzen. Es waͤre denn daß man aus einer besondern Ab- sicht einige Personen, welche starcke Naturen haben, warm fort trincken liesse, die Evacuatio- nem menstruam, wo es noͤthig und zutraͤglich, durch das minerali sche Wasser zu befoͤdern und anzutreiben. Diejenigen, welche die Wuͤr- ckung der vier Wochen gar zu starck und haͤuf- fig, auch wol ohne Auffhoͤren verspuͤhren, fin- den auch (wenn es nicht allbereit mit solchen Personen auf das aͤußerste kommen ist) bey dem Pyrmontischen Wasser ihre Huͤlffe. Sie muͤssen aber die Cur gantz gelinde und vorsich- tig fuͤhren, und das Wasser ebenfalls nicht an- derst als uͤberschlagen oder warm gebrau- chen. §. 66. Schwangere Personen Ob Schwangeren das Wasser dienlich? thun besser, daß sie sich ein wenig gedulden; Oder wenn ih- nen ein und andere Beschwerungen neun Mo- nate lang zu erleiden unertraͤglich scheinet, durch andere Mittel, bey deren Gebrauch nicht so vie- P 5 le Cap. VI. Art und Weise le und offt wiederhohlte Evacuationes noͤthig sind, eine Erleichterung suchen. Zwar sind mir nicht wenige Exempel be- kannt, auch von vornehmen und zaͤrtlichen Da- men, welche das Pyrmontische Wasser wol in denen ersten Monaten ihrer Schwangerschafft einige Wochen lang ohne Schaden gebrauchet, und nachmahls frische und gesunde Kinder zur Welt gebracht. Es ist mir auch bißher noch kein Exempel vorkommen, daß durch das Wasser eine unzeiti- ge Geburth waͤre verursachet worden. Je- dennoch habe bey denen meisten observi ret, daß sie viel Eckel und Erbrechen, wie auch wenige, langsame und muͤhsame Operationes von dem Wasser gehabt, und die Natur gleichsam mit Gewalt die Evacuationes zuruͤck gehalten, und einen Widerwillen dagegen bezeiget. Daher bey solchen Umstaͤnden wenig mit der Cur aus- zurichten, und es der Muͤhe nicht werth, solche anzustellen. §. 67. Frauen, die ihre Kinder stillen, Frauen, die Kinder stillen, moͤgen das Wasser ge- brauchen. haben bißher oͤffters mit gutem Nutzen den Brunnen gebrauchet, und sind zuweilen die saͤugenden Kinder mit ihnen von ein und andern Beschwe- rungen gluͤcklich curi ret worden. Des Morgens, ehe sie das Wasser trincken, lassen sie sich die Kinder aussaugen, und wenn ge- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. gegen zehen Uhr die meisten Wuͤrckungen vor- uͤber, und sie aufs neue Milch verspuͤhren, moͤ- gen sie die Kinder wieder ein wenig anlegen, o- der biß auf den Nachmittag damit warten. Sie muͤssen aber alle Morgen gnungsame Eroͤffnun- gen des Leibes haben, und sollen alle Wuͤrckun- gen, wenn solche nicht von selbst mit einander hurtig von statten gehen, durch dienliche Mittel befoͤrdert werden; Sonst pflegen die Kinder von dem bey der Mutter verhaltenen Wasser starck zu purgi ren, und was denen Muͤttern ge- fehlet, wiederfaͤhret denen Kindern gedoppelt. Die Milch aber wird durch den Gebrauch des Brunnens eher vermehret und verbessert, als daß einiger maßen ein Mangel daran verspuͤh- ret werden solte. §. 68. Nach Beschaffenheit der Tempera- ment en Unterscheid der Temperament en. bekommt der Sauer-Brunnen de- nen Sanguineis und Cholericis am allerbesten, koͤnnen auch das kalte Trincken wohl vertra- gen, und das Wasser operi ret bey ihnen viel ge- schwinder und in geringerer Quanti taͤt. Bey denen Phlegmaticis und sonderlich bey denen Melancholicis pfleget es viel schwerer und lang- samer von statten zu gehen. Derowegen pfle- gen sie insgemein eine groͤssere Portion zu trin- cken, oder die Operation muß durch gute Salia befoͤrdert werden, und vielen unter ihnen waͤre er- Cap. VI. Art und Weise ertraͤglicher und dienlicher, daß sie uͤberschlagen und laulicht traͤncken. §. 69. Die Zufaͤlle und Hinderniße bey der Brunnen-Cur Zufaͤlle bey der Brunnen-Cur. sind zwar so gar gemein nicht, und findet man wol unter zwantzig nicht einen, welchem ein besorglicher Zufall begegnen solte, sonderlich wenn sich die Patient en ordentlich und Cur-maͤßig auffuͤhren. Indessen sind doch diejenigen Umstaͤnde, welche zuweilen vor- fallen, und eine besondere Vorsorge erfodern, unter andern hauptsaͤchlich folgende; Als 1.) gaͤntzliche Verhaltung des getrunckenen Was- sers, 2.) Erbrechen, 3.) Verstopffung des Lei- bes, 4.) Mangel des Appetit s, 5.) Verhaltung des Urins, wie auch Brennen und Schneiden desselben, 6.) Durchfaͤlle, 7.) Coliqven, 8.) Wun- digkeit und Hitze des Mast-Darms, 9.) Jucken und Ausfahren uͤber die gantze Haut, 10.) un- gewoͤhnliche Schlaͤfrigkeit, 11.) schlaflose und unruhige Naͤchte, 12.) Schwindel und Kopff- Schmertzen, 13.) Krampffziehungen in denen Waden und uͤbrigen Gliedern, 14.) Schmer- tzen und Regungen aller Gebrechen. §. 70. Der allerschlimmeste Zufall ist die gaͤntzliche Verhaltung des getruncke- nen Wassers, Verhaltung des getrunckenen Wassers. da solches weder durch den Stuhlgang, Urin noch Schweiß wieder fortgehen will, sondern den Leib beschwehret und ausdehnet. In ein oder zwey Tagen thut sol- ches das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. ches eben keinen Schaden, wenn man nicht gar uͤbermaͤßig viel getruncken hat. Es ist auch nicht allemahl gleich eine Anzeigung, daß man gaͤntzlich an der Cur desperi ren muͤsse, und nichts weiter versuchen duͤrffe. Man gebrau- che eine gute abfuͤhrende und Wasser-treiben- de Purgan tz, und setze die folgende Tage in dem ersten Glase dem Wasser sein eigen Saltz, oder andere gute eroͤffnende und diureti sche Salia zu. Alsdenn pflegt manchmahl die Operation und Wunsch so geschwind und wohl von statten zu gehen, so gefaͤhrlich und schwehr auch der An- fang geschienen. Wenn aber keine Wuͤrckung anderst, als durch taͤglich wiederhohlte Purgir- Mittel erfolgen will, und der Leib immer mehr beschwehret wird, so ist besser, daß man ablasse und auf eine andere Cur bedacht sey, als daß man mit Gewalt, und durch eine unmaͤßige Menge Wasser den Durchbruch und die Wuͤr- ckung zu erzwingen suche. §. 71. Das Erbrechen Erbrechen. thut bey denen mei- sten einen gar guten Effect, und reiniget den Magen von allerley zaͤhen Schleim und Un- rath, continui ret auch insgemein nicht laͤnger als ein, zwey biß drey Tage. Wenn es aber mit grosser Beschwehrung und Abmattung des Patient en continui ren und die uͤbrigen noͤthi- gen Wuͤrckungen zuruͤck halten wolte, so muß man solches, so viel moͤglich, stillen und verhin- dern. Cap. VI. Art und Weise dern. Die Patient en muͤssen langsam und wenig trincken. Bey einigen hoͤret das Erbre- chen auf, so bald sie anfangen uͤberschlagen zu trincken; andere brechen das gewaͤrmete Was- ser eher wieder aus als das kalte. Einem ieden kan es also nach seiner Natur und Wohlbefin- den verordnet werden. Wenn das viele Er- brechen von gar schwaͤchlichen und kalten Ma- gen herruͤhret, so thun gute aromati sche uñ bitte- re Essen tzen, sonderlich wenn solche auch Abends vor schlaffen gehen genommen werden, einen sehr nuͤtzlichen und zuverlaͤßigen Effect. §. 72. Die Verstopffung des Leibes Verstopffung des Leibes. ist manchmahl die groͤsseste Ursache des Eckels und Erbrechens, wie auch anderer beschwerli- chen Zufaͤlle bey der Cur. Daher man solche gleich Anfangs verhuͤten und taͤglich gnugsame Eroͤffnungen zuwege zu bringen suchen muß. Es geschiehet solches 1.) wenn man die Speisen darnach einrichtet, viel Suppen, gesunde Gar- ten-Gewaͤchse, wie auch Obst, Qvetschen, Pru- nellen, Rosinen, Corinthen und dergleichen bey dem Essen gebrauchet. 2.) Wenn man das Wasser waͤrmet, denn so purgi ren offt 12. Glaͤ- ser mehr, als sonst 24. 3.) Wenn man nicht gar zu langsam trincket, da das Wasser sich zu sehr vertheilet, und durch das Gekroͤs alle in das Gebluͤt uͤbergehet. So man uͤberschlagen trincket, lassen sich die Portiones ohne Gefahr ge- das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. geschwinder auf einander nehmen. 4.) Kan man auch die Purgantia mit Vorsichtigkeit zu Huͤlffe nehmen, und sind sonderlich die eroͤff- nenden Salia (§. 56.) die allerbesten, beqvemsten und sichersten Mittel, durch welche mit aller Gelindigkeit ohne Erhitzung, Bauchgrimmen und andern Ungelegenheiten, wie das Wasser selbst wuͤrcket, gnungsame Sedes auch bey gantz Hartleibigen und Verstopfften so viel und offt man will, koͤnnen zuwege gebracht werden. Denn ob gleich die meisten Salia sonderlich auf den Urin treiben, so hat man doch unterschiedli- che Gattungen, und was bey einigen Personen durch die eine Art nicht kan ausgerichtet wer- den, solches erlanget man durch den Gebrauch eines andern. Clysti re von warm gemachten Brunnen-Wasser, und was sonst dazu gehoͤret, sind auch gar gut und nuͤtzlich zu gebrauchen, sonderlich wenn die Patient en dergleichen ge- wohnet sind, und es die uͤbrigen Umstaͤnde lei- den wollen. §. 73. Der Mangel des Appetit s Mangel des Appetit s. kommt zwar sehr selten vor, weil diejenigen, welche ihr lebetage noch nicht recht gewust, was Appetit und Hunger sey, solches zu Pyrmont bey Ge- brauch des Wassers lernen koͤnnen. Wo aber der Appetit fehlet und ausbleibet, ruͤhret solches insgemein von Verstopffung oder nicht genug- samer Eroͤffnung des Leibes her, und so bald sol- cher Cap. VI. Art und Weise cher geholffen ist, pflegt sich auch die Lust zum Essen einzustellen. Finden sich aber andere Umstaͤnde, welche den Appetit verhindern, so wird ein Medicus solches zu beurtheilen, und demselben durch allerhand gute Magen- Medi- cament en auffzuhelffen wissen. §. 74. Eine gaͤntzliche Verhaltung des U- rins Verhaltung des Urins. ist mir bißher noch nicht vorkommen, ob ich gleich unterschiedliche so wol Manns-als Weibs-Personen, welche nach allen Umstaͤn- den grosse Steine in der Blase hatten, in der Cur gehabt. Wenn indessen solches um die- ser oder anderer Ursachen halben iemand wie- derfahren solte, und andere Mittel nicht gleich helffen wolten, muͤste ein Catheter applici ret werden. Oder wenn die Ureteres verstopffet, muͤssen gute gelinde Diuretica, Antispasmodi- ca \&c. wie auch Clysteres emollientes das be- ste thun. Man hat aber dergleichen nicht zu besorgen, wenn nur die Cur gelinde und vorsich- tig gefuͤhret wird. Das Schneiden und Brennen des Urins Schneiden des Urins. findet sich 1.) wenn viel Gries und Sand aus den Nieren durch das Wasser fortgetrieben wird; 2.) Wenn viele salini sche und gallichte Schaͤrffe weggehet; 3.) In Gonorrhœis, oder wenn etwas von einer halb- curi rten Gonor- rhœa zuruͤck geblieben. Solte diese Beschwe- rung das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. rung zu hefftig werden oder zu lange anhalten, da dieselbe sonsten insgemein sich in wenig Ta- gen wieder zu verliehren pfleget, so kan Abends vor schlaffen gehen eine gute Dosis von einem Pulvere temperante, frisch, suͤß Mandel-Oel; oder in Gonorrhœa, Specifica antivenerea genommen werden. §. 75. Wenn durch den Urin gar zu wenig und durch den Stuhlgang fast alles Wasser fortgehet, und wol gar aus besondern Ursachen ein Durchfall erfolgen solte Durchfall. (da sonst das Pyrmontische Wasser wegen des reichen Stahl-Gehalts eher zu verstopffen als zu rela- xi ren pfleget) so muß man gantz langsam trin- cken, damit das Wasser Zeit habe sich durch das Mesenterium zu sencken, man gebrauche kraͤfftige diureti sche Tincturen, und bittere a- romari sche Essen tzen, auch wol, wenn es noͤthig, gelind-anhaltende, stillende und balsamische Pillen oder Electuaria, so wird sichs bald aͤn- dern, und die Wuͤrckung, wie sichs gehoͤret, er- folgen. §. 76. Die Coliqven bey Coliqven. der Brunnen-Cur kommen gemeiniglich von Erkaͤltung des Ma- gens und der Gedaͤrme her; darum diejenigen, welche zu Coliqven geneigt sind, so viel mehr Ur- sache haben, das Wasser uͤberschlagen, oder langsam und mit kleinen Glaͤsern zu trincken. Q Sind Cap. VI. Art und Weise Sind aber die Coliqven von Verstopffung des Leibes entstanden, so muß man denselben durch dienliche laxi rende Mittel eroͤffnen. Wenn Bauchgrimmen und Beaͤngstigun- gen durch Flatus und Blehungen verursachet werden, muͤssen die Patient en gute Essentias carminativas zu Huͤlffe nehmen, und der Leib muß iederzeit offen gehalten werden, so wird auch dieser Zufall ertraͤglich seyn, und nicht viel zu bedeuten haben. §. 77. Die Wundigkeit und Hitze des Mast- Darms Wundigkeit des Mast-Darms. wird von vielen der Schaͤrffe des Wassers zugeschrieben, so muͤste solches aber alle Tage aͤrger werden, und endlich alle Cal- daunen nach einander wegfressen. Weil die- ses nicht geschiehet, sondern bey den meisten in 3, 4 Tagen von dem Brunnen-Wasser wieder geheilet wird, so ist dieser Einwurff schon gnug- sam wiederleget. Es ist aber die verhaltene scharffe Galle, welche hin und wieder in denen Gedaͤrmen gestecket, durch das minerali sche Wasser aber loßgeweichet und fortgefuͤhret wird, so diese Rohigkeit und Hitze verursachet. Wenn nun solche wegen Uberfluß der Schaͤrf- fe und Galle bißweilen gar zu lange anhalten, und dem Patient en zu beschwerlich seyn solte, so ist ein sicheres und wohlfeiles Mittel, daß man sich fleißig mit dem Sauer-Wasser waͤschet, oder das Bad ein paar mahl gebrauchet, so pflegt das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. pflegt es insgemein in wenig Tagen zu verge- hen. Auch kan man sich mit dem Unguento Populeonis, de Linaria, mit dem Oleo Ver- basci, Hyperici und dergleichen schmieren, so wird man desto eher davon befreyet. §. 78. Das Jucken und Ausfahren uͤber die gantze Haut Jucken und Ausfahren. wiederfaͤhret denenjenigen, welche ein scharffes, gallichtes und scorbuti sches Ge- bluͤthe haben, und ist eine sehr nuͤtzliche Wuͤr- ckung des Sauer-Brunnens zu Reinigung al- ler Feuchtigkeiten, hat auch noch niemand ge- schadet, sondern vergehet bald wieder, wenn die uͤberfluͤßige Schaͤrffe gedaͤmpffet und ausge- trieben ist. Oder man gebrauchet gegen Ende der Cur das Bad, welches denn alle derglei- chen Unreinigkeiten aus der Haut voͤllig weg- nimmt. §. 79. Die Schlaͤffrigkeit Ungewoͤhnliche Schlaͤssrigkeit. findet sich zwar fast bey allen Brunnen-Gaͤsten, theils wegen der sulphuri schen Spirituosi taͤt des Wassers, theils wegen der vielen Bewegung und Ermuͤ- dung des Leibes des Morgens unter waͤhren- dem Trincken, theils auch wegen der starcken Mahlzeiten, welche auf den guten Appetit zu folgen pflegen. Wenn aber die Schlaͤffrig- keit gantz ungewoͤhnlich und fast unertraͤglich ist, so pfleget solche von einem dicken, zaͤhen, schleimichten und zu freyer Bewegung und Um- Q 2 lauff Cap. VI. Art und Weise lauff unbeqvemen und traͤgen Gebluͤth, wo- durch das Haupt und die Roͤhrlein und Ner- ven des Gehirns beschwehret und niedergedruͤ- cket werden, herzuruͤhren, und sind sonderlich phlegmati sche Temperament en damit be- schweret. Es verliehret sich aber diese Incom- modi taͤt, wenn das Wasser anfaͤnget viele Ab- fuͤhrungen und ein gnugsames Vacuum in dem Leibe zu machen. Auch kan solches mit guten abfuͤhrenden Pillen befoͤrdert und der Leib in Zeiten von der beschwerlichen Last der uͤberfluͤs- sigen schleimichten Feuchtigkeiten entlediget werden. §. 80. Durch Schlaflosigkeit und unruhige Naͤchte, Schlafflosigkeit. wenn solche bey der Brunnen-Cur continui ren, werden die Patient en uͤberaus ab- gemattet. Es finden sich zuweilen die Voll- bluͤtigen, Cholerici und Melancholici damit incommodi ret. Man kan solches verhuͤten, wenn vor der Cur eine Ader geoͤffnet, und die gebuͤhrende Quanti taͤt Blut gelassen wird. Auch kan Abends vor schlaffen gehen ein gutes temperi rendes, kuͤhlendes und besaͤnfftigendes Medicament (doch keine Opiata, welche die noͤ- thige Reinigungen und Austreibungen des minerali schen Wassers zuruͤck halten) einge- nommen werden. §. 81. Mit Schwindel und Kopffschmertzen Schwindel und Kopffschmertzen. sind das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. sind eben dergleichen hitzige und truckene Natu- ren am allermeisten beschwehret, es pfleget aber mehrentheils ertraͤglich zu seyn, oder vergehet in wenigen Tagen. Sonsten kan diesem Zufall auf eine gleiche Art abgeholffen werden, wie von der Schlafflosigkeit angezeiget ist. Auch sind Specifica cephalica, gnugsame Eroͤffnung des Leibes, Fuß-Baͤder und dergleichen darzu dien- lich. §. 82. Das Spannen und Krampffziehun- gen in den Waden und uͤbrigen Gliedern des Leibes, Spannen und Krampffziehungen. ist zwar eine nicht ungewoͤhnliche Wuͤrckung des Wassers, indem dasselbe alle Theile des Leibes durchgehet. Jedennoch ist solches nicht so starck, daß es nicht zu ertragen seyn solte, wird auch leicht durch das Bad und Anstreichen mit Anhaltischen Wasser, Spiritu Vini Camphorato, Spiritu Formicarum und dergleichen gelindert und vertrieben. §. 83. Die Schmertzen und Regungen alter Gebrechen, Schmertzen und Erregung alter Gebrechen. welche man ehemals hin und wieder an denen festen Theilen des Leibes ge- habt, sind sonderlich merckwuͤrdig: Da zum Exempel zugeheilete Wunden und alte Scha- den wieder auffbrechen; Fluͤße und Schmer- tzen des einen oder andern Theiles, mit welchen man einige Zeit vor der Brunnen-Cur behafftet gewesen, und welche allbereit vergangen und Q 3 ver- Cap. VI. Art und Weise vergessen gewesen, sich wieder einstellen; Druͤ- cken, Spannen und Stiche des Miltzen, der Le- ber, der Nieren und anderer Eingeweide sich eher zu vermehren als zu verliehren scheinen; Paroxysmiarthritici, wie auch uͤbel curi rte und supprimi rte Fieber- Paroxysmi aufs neue erre- get werden und wieder kommen. Alle diese Umstaͤnde wuͤrden sehr schaͤdlich und gefaͤhrlich seyn, wenn nicht die taͤgliche Erfahrung lehrete, daß dergleichen Empfindungen und Zufaͤlle, welche das minerali sche Wasser wieder zu er- wecken pfleget, nicht allein mehrentheils gantz leidlich und ertraͤglich waͤren, sondern daß auch eine vollkommene und bestaͤndige Heilung und Genesung darauff zu folgen pflege, und daß man insgemein ie mehr Regungen man an dem leidenden Theil verspuͤhret hat, desto ge- wissere und bestaͤndigere Huͤlffe von der Cur zu ge w arten habe. §. 84. Und auf eben eine solche Erfahrung gruͤnden sich die beruͤhmten Nachwuͤrckungen der minerali schen Wasser, Nachwuͤrckungen des Wassers. von welchen so wol die alten als neuen Brunnen- Medici hin und wieder Meldung thun; Wie nehmlich die mei- sten Patient en erst einige Wochen und Monate nach der Cur die groͤsseste Besserung und Huͤlf- fe erlangen. Ja wohl ein Viertel-Jahr und noch laͤnger nach der Cur vom Schlag, Laͤh- mung, Mangel des Gesichts, Gehoͤrs und ande- rer das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. rer besonderen und gefaͤhrlichen Zufaͤlle allmaͤh- lich, oder auch zuweilen auf einmahl gluͤcklich, und gegen aller Menschen Vermuthen befreyet worden. §. 85. Uber die Ursachen solcher Nachwuͤr- ckungen Ursachen derselben. wird vielerley raisonni ret. Ich mei- nes Orts stelle mir die Sache folgender maßen vor: Daß bekannt, wie von dem Ovulo und unserer ersten Erzeugung an, die festen Theile aus denen Fluͤßigen gebohren und zusammen gesetzet werden. Daß nachmahls die festen Theile immer von denen fluͤßigen affici ret wer- den, und sich nach deren Beschaffenheit richten muͤssen; Wenn diese unrein und verdorben, so leyden jene allmaͤhlig auch Schaden. Wird denen fluͤßigen Theilen wieder geholffen, so wer- den auch die festen Theile wieder ausgebessert. (wenn nicht die gantze Textur derselben de- strui rt, oder mit unaufloͤßlichen Materien durch- wachsen und angefuͤllet ist.) Insgemein aber wiederfaͤhret denen festen Theilen die letzte Huͤlffe, weil solche, wie leicht zu erachten, nicht so geschwinden Veraͤnderungen unterworffen, wie die fluͤßigen Theile. Es werden die festen Theile nicht so bald beschaͤdiget (nehmlich von innerlichen Ursachen) als die Humores, wenn sie aber geschwaͤchet und beschaͤdiget sind, so ge- het es dann auch mit ihrer Besserung und Wie- derbringung zu ihrer ehemahligen voll- Q 4 kom- Cap. VI. Art und Weise kommenen Function desto langsamer von statten. §. 86. Wenn nun das minerali sche Wasser noch in seiner Wuͤrckung ist, so durchdringet es alle Theile, treibet die geschwaͤcheten gebrechli- chen und verstopfften Theile auf, und verursa- chet durch diese Extension neue Empfindungen und beschwerliche Regungen der ehmahligen Kranckheiten, daß es manchmahl in waͤhren- der Cur scheinet, man werde keine Huͤlffe er- langen, sondern im Gegentheil immer schlimmer werden. Wenn aber nur das minerali sche Wasser gebuͤhrender maßen durch alle Excre- toria fortgehet, so werden durch die bekannten herrlichen Wuͤrckungen, Verbesserungen, Ver- suͤssungen und Reinigungen zu erst am allermei- sten die Humores in einen guten Stand ge- bracht. §. 87 Da nun die Natur diese gute Huͤlffe empfunden, und von der beschwerlichen und unertraͤglichen Last der uͤberfluͤßigen und schaͤd- lichen Feuchtigkeiten befreyet worden, so ist sie nachmahls ihr eigener allerbester Artzt, und ver- besser nach und nach durch das wiedererlangte gute gesunde Blut und Feuchtigkeiten, alles was nach der Cur an denen festen Theilen noch gebrechlich und mangelhafft uͤbrig geblieben, so viel moͤglich ist und geschehen kan; Daher denn solche treffliche und zuweilen recht wunderba- re Nachwuͤrckungen ihren Ursprung nehmen. Es das Pyrmont. Wasser zu gebrauchen. Es werden sich also die Liebhaber ihrer Ge- sundheit den grossen Nutzen und die sonderliche Vortheile, welche einige Zeit nach vollendeter Cur zu erfolgen pflegen, recommendi ret seyn lassen, Wie man sich nach der Cur verhalten muͤsse. sich alles weitlaͤufftigen Medicini rens auf die Brunnen-Cur enthalten, eine gute ac- curat e Diæt in allen Stuͤcken ie laͤnger ie besser observi ren, und eine gluͤckliche Nachwuͤrckung unter dem Segen des Allerhoͤchsten abwar- ten. CAP. VII. Aeußerlicher Gebrauch des Pyrmonti- schen Wassers, oder von dem Bade. §. 1. E S wird zwar hin und wieder disputi ret, auch von einigen gleich blindlings verworf- fen, daß man die kalten minerali schen Wasser oder Sauer-Brunnen nicht erwaͤrmen und zum Bade zubereiten solle, Ob man das Sauer-Brunnen-Wasser zum Ba- den erwaͤrmen moͤge? weil GOtt an vielen Oertern gnung natuͤrlich warme Wasser gegeben habe, welche zu dem aͤußerlichen Ge- brauch eigentlich destini ret, und viel beqvemer Q 5 und Cap. VII. Aeußerlicher Gebrauch und nuͤtzlicher zu denen Kranckheiten und Ge- brechen waͤren, gegen welche ein warmes mi- nerali sches Bad ersprießlich zu seyn pfle- get. §. 2. Es folget aber so wenig, daß die Gaben, welche GOtt dem Menschen zu Beschuͤtzung und Wiederbringung der verlohrnen Gesund- heit gegeben hat, eben in der Beschaffenheit muͤssen gelassen und gebrauchet werden, wie sol- che aus der Erden herfuͤr kommen; so wenig es durch die Erfahrung gut gefunden worden, die Nahrungs-Mittel zu taͤglicher Erhaltung des Lebens roh und ohne Zubereitung zu ge- niessen. Im Gegentheil lieget zuweilen der rechte Gebrauch der allerbesten Sachen am allermei- sten verborgen; GOtt aber hat dem Menschen Verstand und Geschicklichkeit gegeben, daß er durch fleißiges Nachsinnen, Auffmercksamkeit und vernuͤnfftige Proben ausforschen und ent- decken koͤnne, auf was Art und Weise ein iedes Geschoͤpffe zu des Menschen Vortheil und Nu- tzen am besten koͤnne angewandt und gebraucht werden, da denn nachmahls durch offt wieder- hohlte Proben eine bestaͤndige Erfahrung er- lernet wird. §. 3. Und damit wir nicht zu weit von unse- rer Handlung abweichen, sondern bey Betrach- tung der minerali schen Wasser beharren, und ein Exempel daher nehmen, so entspringen ja viele des Pyrmontischen Wassers. viele Baͤder in einem solchen Grad der Waͤr- me, daß man dieselben nicht gleich, wie sie her- fuͤr qvellen, gebrauchen kan, wenn man nicht Haut und Haar dabey zufetzen will, sondern es muß das Wasser zuvor in einem Bade- Raum versammlet, und zu Verliehrung seiner hefftigen Hitze, manchmahl zehen, zwoͤlff, ja wol 24 Stunden und noch laͤnger stehen gelassen werden, Warme Baͤder, welche man abkuͤhlen lassen muß. ehe man sich hinein wagen, und es als ein Bad gebrauchen darff. Hat man nun hier aus der Noth eine Tu- gend gemachet, und laͤsset das natuͤrliche war- me Wasser die schaͤdliche und uͤberfluͤßige Hitze verliehren, so ist wol eben so geschickt und ver- nuͤnfftig, daß man denen kalten minerali schen Wassern durch die Kunst so viel Waͤrme gie- bet, als man denen warmen Baͤdern nehmen muß, oder so viel nuͤtzlich und noͤthig ist. §. 4. Zweytens ist es auch nunmehro unter denen gelehrtesten Physicis und Medicis eine ausgemachte Sache, wie in dem vierdten Capi- tel mit mehrerem angezeiget worden, daß so wol die kalten als warmen minerali schen Wasser ei- nerley Ursprung aus dem Kiese haben, Kalte und warme minerali sche Wasser haben einerley Ursprung. und also auch die Materien, Kraͤffte und Wuͤrckun- gen derselben sehr mit einander uͤberein kom̃en, folglich von denen kalten Gesund-Brunnen, wenn Cap. VII. Aeußerlicher Gebrauch wenn solche gewaͤrmet werden, auch aͤußerlich gleichmaͤßige gute Effect e gegen die Kranckhei- ten und Gebrechen des menschlichen Leibes zu erwarten, wie von denen natuͤrlich warmen Wassern. §. 5. Drittens geben einige Umstaͤnde zu er- kennen, daß kraͤfftige und reichhaltige Sauer- Brunnen, wenn solche gleich frisch erwaͤrmet, und als ein warmes Bad zubereitet werden, auf gewisse Art noch einen Vorzug vor denen na- tuͤrlich warmen Baͤdern behalten. Vorzug der kalten Mineral -Wasser. Es ist be- kannt, daß die kalten minerali schen Wasser ins- gemein spiritu oͤser, ( Cap. IV. §. 100.) und ihre Ingredienti en subtil er ( Cap. III. §. 31. seq. ) als in dem Wasser der warmen Baͤder sind. Auch daß insonderheit das Pyrmontische Wasser bey zwey Stunden erwaͤrmet und brenn-heiß koͤnne gemachet werden, ehe die innerliche Fer- mentation und Bewegung der subtilen Theil- gen gestillet, und alle Spirituosi taͤt gedaͤmpffet und verlohren gangen. Cap. IV. §. 11. §. 6. Wenn man nun in einem solchen Was- ser badet, in welchem diese innerliche Bewegung derer Spirituum noch in voller Wuͤrckung ist, so muß solches die festen Theile des Leibes mehr affici ren und staͤrcker penetri ren, als ein blosses salini sches Wasser, Wuͤrckung des Sauer-Brunnen-Bades ist staͤr- cker, als anderer minerali schen Baͤder. dessen Spiritus und sub- tile des Pyrmontischen Wassers. tile Theilgen sich schon laͤngst in der alcali schen Erde concentri ret, geaͤndert und verlohren haben. So man das Sauer-Wasser laͤnger als 2. Stunden uͤber dem Feuer haͤlt, auf einmahl gar starck erhitzen, oder solches zum zweyten mahl auffwaͤrmen laͤsset, alsdenn kommt ihre Wuͤrckung uͤberein mit der Wuͤrckung vieler warmen Baͤder, welche man so viel Stunden hat muͤssen stehen und abkuͤhlen lassen, biß nichts mehr in dem Wasser uͤbrig, als Saltz, ein wenig Eisen- Crocus, eine kreitenhafftige Erde, und ein geringer bitumin oͤser Dunst; Von welchen Materien das Pyrmontische Wasser iederzeit noch genung behaͤlt, wenn gleich noch so unge- schickt mit dem Erwaͤrmen umgegangen wird. §. 6. Und dieses ist auch die Ursache, warum ein Sauer-Brunnen-Bad mit viel mehr Un- terscheid und Vorsichtigkeit will gebrauchet seyn, als ein natuͤrlich warmes Bad, Sauer-Brunnen-Baͤder muͤssen mit mehr Vor- sichtigkeit gebrauchet werden. weil je- ner Wuͤrckung staͤrcker, durchdringender und angreiffender ist, welche man iedoch gar leicht moderi ren, und durch eine vernuͤnfftige Metho- de nach eigenem Wohlgefallen abmessen und einrichten kan, wie in nachfolgendem weiter wird angezeiget werden. §. 8. Cap. VII. Aeußerlicher Gebrauch §. 8. Vierdtens hat denn auch die Erfah- rung in specie von dem Pyrmontischen Sauer- Wasser schon, so weit man Nachricht findet, von dem Jahre 1556. an, ( Cap. II. §. 10. 11. seq. ) biß auf diese Zeit gelehret, Alter Gebrauch des Pyrmontischen Wassers zum baden. daß der aͤußerliche Gebrauch, oder das Baden in diesem Wasser iederzeit so viel herrliche und offt recht Wun- derns-wuͤrdige Curen gethan, daß von keinem andern minerali schen Wasser, es sey warm oder kalt, groͤssere Exempel koͤnnen angefuͤhret werden. Da auch der innerliche Gebrauch unsers Wassers gegen das Ende des 16den und im An- fang des 17den Seculi eingestellet worden; ( Cap. II. §. 18.) so hat man doch von dem gemel- deten 1556sten Jahre an den aͤußerlichen Ge- brauch beybehalten und continui ret, und ist nachmahls zu Herrn Bolmanns Zeiten ( Cap. 2. §. 23. 24.) der innerliche Gebrauch bey dem Baden allmaͤhlig wieder angelernet worden. §. 9. Von Anno 1556. Anno 1556. schreibet Buͤnting, wie wir Cap. II. §. 11. angefuͤhret haben, daß etli- che ihrer Gebrechen entlediget worden, die ihre Kruͤcken zu Pyrmont bey dem Brunnen han- gen lassen, Kruͤcken am Brunnen-Hause. und davon gangen. Bey dieser alten Gewohnheit hat man GOtt lob! von dem- sel- des Pyrmontischen Wassers. selben Jahre an biß auf diese Zeit bleiben koͤn- nen, und sind Kruͤcken und Trage-Stuͤtzen die Faͤhnlein und Sieges-Zeichen, von welchen hie- siges Brunnen-Hauß noch jaͤhrlich einige da- von traͤget und damit behangen wird. Und wie die uͤbrigen Umstaͤnde bey besagtem Autore zu erkennen geben, daß diese grosse Cu- ren mit durch das Bad und den aͤußerlichen Gebrauch des Wassers ausgefuͤhret worden, so wird noch biß auf diese Stunde durch vorsich- tigen Gebrauch des Bades fuͤrnehmlich an aͤus- serlichen Gebrechen grosser Nutzen geschaffet. §. 10. Anno 1571. Anno 1571. schreibet Gallus Etschen- reuter unter andern von dem Spiegelbergi- schen Sauer-Brunnen, daß das Bad desselben die Geschwulst am Leibe, Lenden-Weh, Podal, harte Knoten, Aussatz, Flechten und alte Scha- den curi re. Entschlaffene und erstarrete Glie- der zurechte bringe, Glieder-Fluͤsse kraͤfftig verzehre, schwaches und bloͤdes Gesicht staͤrcke und erhalte. ꝛc. §. 11. Anno 1584. Anno 1584. schreibet mehrerwaͤhn- ter D. Theodorus Tabernæmontanus in sei- nem Wasser-Schatz, in welchem sonst der in- nerliche Gebrauch unsers Wassers gar schlecht recommendi ret wird, ( Cap. II. §. 20.) daß das Wasser aͤußerlich zu nachfolgenden Kranckhei- ten Cap. VII. Aeußerlicher Gebrauch ten nuͤtzlich gebrauchet werde. Kranckheiten, gegen welche das Wasser aͤußerlich zu gebrauchen. „Es eroͤffne „die Verstopffungen der Leber und des Miltzen, „verzehre die Wassersucht und alle andere Ge- „schwulst am Leibe, sonderlich der Schenckel; „Erwaͤrme und reinige die erkaltete und ver- „schleimte Mutter, und bringe die verruckte wie- „der zurecht, wende die Unfruchtbarkeit, und „helffe zu der Empfaͤngniß; Verzehre den „weissen Fluß der Weiber, und den Saamen- „Fluß Gonorrhœam; Verzehre das faule „Fleisch in den Fisteln, in dem Krebs, und in al- „len alten, faulen, stinckenden Schaͤden, Wun- „den und Geschwuͤhren, reinige und heile sie; „Vertreibe und heile den frischen Aussatz, Fran- „tzosen, Reuden, Grind, Zitter-Maͤhler, den „Haar-Wurm, allerhand boͤsen Grind und „aͤußerliche Gebrechen des Leibes und der Haut; „Vertreibe das kalte Gesuͤcht der Gliedsucht, „ Podagra und Zipperlein, und verzehre die har- „ten Knollen oder Beulen der Gelencke, die das „Zipperlein oder Gliedsucht verursachet und „auffgeworffen; Truckne auch und verzehre „die Fluͤsse des Haupts, der Augen und aller an- „dern Glieder des gantzen Leibes, bringe die er- „starrete erschlaffene Glieder wieder zurecht. „Zu erzaͤhlten Gebrechen sey auch trefflich gut „und heilsam der mineri sche Letten oder Schie- „fer, den dieser Brunnen unsichtbar mit sich fuͤh- „ret ꝛc. §. 12. des Pyrmontischen Wassers. §. 12. Anno 1628. Anno 1628. hat der Kaͤyserliche General Feld-Marschall, Herr Graf von Pap- penheim das Pyrmontische Wasser nach Luͤde, eine halbe Stunde von Pyrmont bringen las- sen, und hat es daselbst zum Baden gebrauchet, wie Herr Bolmann meldet, und weil dieser Autor zu derselben Zeit die Brunnen- Praxin so beschaffen gefunden, daß man damahls das Wasser mehrentheils aͤusserlich zum Baden ge- brauchet, so hat er, nachdem der innerliche Ge- brauch auch wieder eingefuͤhret worden, seine Brunnen-Beschreibung in 2 Haupt-Theile abgetheilet; in dem ersten Theile handelt er von dem innerlichen Gebrauch des Wassers, und in dem andern gantzen Theile von dem Ba- de. Er fuͤhret auch in dem vierdten Capitel dieses Theils 3 recht miracul oͤse Exempel von denenjenigen an, welche zu seiner Zeit, da er bey dem Brunnen practici ret, durch das Bad ge- nesen worden. Im uͤbrigen bekraͤfftiget er aus seiner Erfahrung, und recommendi ret das Bad gegen alle dergleichen Kranckheiten und Gebrechen, welche wir aus dem Tabernæmon- tano angefuͤhret haben. Und dieser Praxi ha- ben nachmahls die beyden Herren Cunæi, wie auch alle uͤbrige erfahrne Brunnen- Medici mit einem Munde beygepflichtet, und den Gebrauch des Bades mit viel Frucht und Nutzen fortse- tzen lassen, biß auf unsere Zeit. R §. 13. Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch §. 13. Weil nun der aͤusserliche Gebrauch des Pyrmontischen Wassers durch eine so alte Erfahrung, und so mannigfaltige herrliche Cu- ren, (deren noch viel mehr wuͤrden gewesen seyn, wenn nur die Zubereitung und Einrichtung des Bades verstaͤndiger und ordentlicher angestel- let worden) auch die alten und neuen Brunnen- kuͤndige Medici, einhellig mit einander so viel Werck davon machen, so waͤre gantz unverant- wortlich, wenn man das Kind mit dem Bade ausschuͤtten, und den aͤusserlichen Gebrauch dieses Wassers wiederrathen, oder anstehen lassen wolte, wie einige Medici, denen aber die Wirckungen des Wassers nicht gnungsam be- kannt, dahin stimmen wollen. Man solte viel- mehr befliessen seyn, wie man den Methodum, oder die Art und Weise das Bad zu præpari- ren und nuͤtzlich zu gebrauchen, immer mehr verbessern, im Gegentheil aber die vielen gro- ben Fehler und Mißbraͤuche, so dabey vorgehen, kennen und abstellen lernete. Cap. 8. §. 25. seq. §. 14. Auf was Art und Weise nun das Wasser aͤusserlich wircke, Wie das Wasser aͤusserlich wircke. solches muß son- derlich nach zweyerley Umstaͤnden betrachtet werden: I. So lange die innerliche Bewegung der subtilen Theilgen waͤhret, Erste Art der Wirckung. und die Spiri- tuosi taͤt des Wassers noch nicht alle gedaͤmpf- fet, und in die alcali sche Erde concentri ret ist, so des Pyrmontischen Wassers. so greiffet dasselbe staͤrcker an, stimuli ret die Extremitates Nervorum, dringet in die Partes nervosas \& membranosas ein, und verursachet allerhand Erregungen, und eine Zusammen- ziehung der aͤusserlichen festen Theile; Das Genus nervosum wird dadurch gestaͤrcket, und eroͤffnet, die relaxi rten und schlaff gemachten Fibræ motrices, bekommen ihren natuͤrlichen Tonum und Festigkeit wieder, und also werden die Materiæ peccantes, welche hin und wieder in denen aͤusserlichen Theilen und in allen Roͤhr- lein und Gaͤngen derselben stecken, zertheilet, theils durch den Schweiß ausgetrieben, theils in die gemeine Massam Humorum zuruͤck, und in die Circulation gebracht, daß solche nach- mahls durch die Scheidungs- und Reinigungs- Werckzeuge des Leibes, hin und wieder koͤnnen ausgetrieben werden. Und wo die Partes membranosæ \& musculo- sæ gar zu sehr befeuchtet, erweichet und ausge- dehnet, durch viele dicke, schleimichte Humores angefuͤllet, oder mit kalten wassersuͤchtigen Ver- sammlungen aufgetrieben und geschwollen sind, werden diese Theile wieder gestaͤrcket und zu- sammen gezogen, und also die Geschwulst zer- theilet und vertrieben. Mit einem Worte, diejenigen Theile des Leibes, welche zu schlaff, feuchte und weich sind, werden durch das Wasser wieder befestiget, welche aber vertrocknet, verhaͤrtet, zusammen R 2 ge- Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch geschrumpelt, verkuͤrtzet und verstopffet sind, werden befeuchtet, erweichet und eroͤffnet. §. 15. II. Wenn aber zweytens die innerli- che Fermentation des Wassers sich gestillet hat, Zweyte Art der Wirckung. alle Spirituosi taͤt verschwunden, und die Eisen-Erde præcipiti ret ist, so wird nachmahls die Wirckung viel gelinder, und kommt alsdenn mehrentheils mit der Wirckung der natuͤrlichen warmen Baͤder uͤberein. Es erweichet als- dann vielmehr wie h vorhin, zwar staͤrcket es auch durch die balsami sch- sulphuri sche Eisen-Erde die festen Theile, und dringet durch seine sali- ni sche reinigende Krafft ein, alles aber gehet viel gelinder und langsamer von statten. §. 16. Die erste Art der Wirckung, ist vor starcke Naturen, Die Wirckung vor Starcke. und wo man gnugsam ver- sichert ist, daß der Leib von denen meisten uͤber- fluͤßigen und unreinen Feuchtigkeiten durch die innerliche Cur befreyet ist, und die Eingeweide noch gesund und wohl beschaffen sind. Bey denenselben bringet ein solches Bad gegen die aͤusserlichen Zufaͤlle und Gebrechen oͤffters eine schleunige Huͤlffe, und thut auf 5 oder 6 mahl mehr, als andere Baͤder auf zehen oder zwan- tzig mahl. §. 17. Vor zarte und schwache Naturen aber, Wirckung vor Schwaͤchliche. und wo noch viele Unreinigkeiten in der Massa des Pyrmontischen Wassers. Massa Humorum zu vermuthen, oder wo sich eine grosse œdematös e Geschwulst findet, bey solchen ist die letztere Mixtur und Beschaffenheit des Wassers am sichersten und besten; Man muß zum wenigsten den Anfang des Badens damit machen, und nach gerade das Bad, nach- dem sich die inneren Zustaͤnde aͤndern, immer spirituös er præpari ren lassen, damit nicht auf einmahl alle uͤberfluͤßige und schaͤdliche Mate- ri en in die Eingeweide und inneren Theile zuruͤck getrieben, allerhand Beschwehrungen erreget, und wohl gar Stockungen und Entzuͤndungen in denenselben verursachet werden moͤgen. §. 18. Wie nun weiter diese zweyfache Be- schaffenheit und Wirckung des Wassers Nutzen in der Praxi von dieser Wissenschafft. bey allerhand Zustaͤnden koͤnne observi ret, und nuͤtzlich angewandt werden, solches wird ein Medicus, der ein Kenner des Wassers ist, nach Unterscheid der Naturen, und Zufaͤlle der Kranckheiten zu beurtheilen und einzurichten wissen. Und wenn man denn alle noͤthige Stuͤcke beobachtet, so wohl was wir ietzt ange- fuͤhret haben, als was ferner bey der Bade-Cur soll erinnert werden, so wird einem ieden die Erfahrung, und die jaͤhrliche vielfaͤltige Exem- pel lehren, daß nicht allein die Beschwehrun- gen und Gebrechen, welche wir aus dem Ta- bernæmontano angefuͤhret haben, sondern auch alle uͤbrige Kranckheiten, gegen welche iemals R 3 ein Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch ein warmes minerali sches Bad nuͤtzlich gefun- den worden, durch das gewaͤrmte Pyrmonti- sche Wasser curi ret werden koͤnnen. Daher wir nun fortfahren und sehen wol- len, wie die Bade-Cur mit gebuͤhrender Vor- bereitung anzufangen, zu welcher Zeit das Bad zu gebrauchen, wie lange man continui ren muͤsse, auch die Zubereitung des Wassers, das Verhalten im Bade, und alle noͤthigste Re- geln, so vor, in und nach dem Bade zu beobach- ten sind. §. 19. Die allerbeste Vorbereitung zum Bade, Vorbereitung zum Bade. ist der innerliche Gebrauch des Brun- nens, deñ bey demselben wird der Leib durch alle Excretoria so sonderlich gereiniget, wie im fuͤnfften Capitel umstaͤndlich angedeutet wor- den, daß man nachmahls nicht zu befuͤrchten hat, daß die uͤberfluͤßigen Feuchtigkeiten von dem Bade, in eine gar zu starcke Erhitzung und Aufwallen gebracht, oder etwas schaͤdliches aus denen aͤusserlichen Theilen und Gliedern in die Eingeweide getrieben werden moͤchte, sondern da zuvor Raum in denen Adern und Gaͤngen gemachet worden, so kan alsdenn was noch hin und wieder in dem Leibe zuruͤck geblieben, oder in denen Gliedern feste gestecket, sicher loß ge- trieben und zertheilet werden, welches endlich unter dem freyen Umlauff des Gebluͤts, und der anhaltenden Wirckung des getrunckenen Sau- des Pyrmontischen Wassers. Sauer-Brunnens nach und nach vollends aus dem Leibe geschafft wird. §. 20. Wenn man aber sonderlicher Ursa- chen halben das Bad alleine, und nicht die in- nerliche Cur des Wassers zutraͤglich findet, wel- ches doch sehr selten geschiehet, so muß der Leib zuvor durch bequeme Laxantia gereiniget, und hernach auch unter waͤhrender Bade-Curtaͤg- lich offen gehalten werden. Vollbluͤtigen, und wo es sonsten die Umstaͤn- de erfodern, kan auch einige Tage vor der Ba- de-Cur zur Ader gelassen werden. §. 21. Was wegen der Zeit bey dem aͤusser- lichen Gebrauch des Wassers zu beobachten, Regeln wegen der Zeit zum Baden. kan unter folgenden Stuͤcken angemercket wer- den: 1) Ist die beste Jahrs-Zeit zum Baden in denen warmen Monaten, und bey gutem Wet- ter und warmen Tagen, da man am wenigsten eine Erkaͤltung und schleunige Verstopffung der Schweiß-Loͤcher zu befuͤrchten hat. 2) Wenn man alsdenn die innerliche Cur 8, 10, 12 oder 14 Tage, nachdem die Wirckun- gen des Wassers eher oder spaͤter von statten gehen, und man den Leib erleichtert und gerei- niget findet, gebrauchet hat, so kan man in Gottes Nahmen den Anfang zum Baden machen. R 4 3) Man Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch 3) Man hat nicht allemahl noͤthig, eine be- sondere Zeit zur Bade-Cur auszusetzen, wie nicht wenige Medici der Meynung sind, sondern gleichwie viele warme Wasser des Morgens getruncken werden, und man sich doch darne- ben taͤglich (viele wohl zweymahl in einem Ta- ge) badet, und solches 2, 3 biß 4 Wochen nach einander continui ret, so kan man das Pyr- montische Wasser auch gar wohl des Morgens trincken, und sich dieselben Tage auch darin- nen baden. Man findet gantz keine streitige Wirckungen dabey, sondern die Erfahrung hat von vielen Jahren her gewiesen, daß beydes gar wohl mit einander bestehen koͤnne, wenn nur so wohl die innerliche als aͤusserliche Cur moderi- ret, und auf gehoͤrige Art gefuͤhret wird. 4) Im Gegentheil dienet ein maͤßiger in- nerlicher Gebrauch des Brunnens, neben dem Bade unter andern auch darzu, daß die Ver- stopffungen und Verhaͤrtungen des Leibes ver- huͤtet werden, welche sonsten denen Bade-Gaͤ- sten sehr gemein sind, und allerhand Beschweh- rungen zu verursachen pflegen, auch sonst mit andern laxi renden Mitteln muͤssen geholffen werden, welches aber nicht bequemer geschehen kan, als durch gelinden innerlichen Gebrauch des Wassers. 5) Doch ist noͤthig, daß diejenigen, welche ihr Werck so wohl von der Bade-Cur, als von dem innerlichen Gebrauch des Wassers machen wol- des Pyrmontischen Wassers. wollen, eine laͤngere Zeit als etwa 14 Tage oder 3 Wochen zu ihrer Cur bestimmen, damit man nicht noͤthig habe den Gebrauch zu uͤbereilen, sondern daß man denselben mit gebuͤhrender Vorsichtigkeit und Gelindigkeit fortsetzen koͤnne. 6) Auch ist nicht verbothen, 8 Tage und laͤnger nach der innerlichen Cur mit dem Baden fortzufahren, oder zuweilen die gantze Bade- Cur dem Trincken nachzusetzen. Wie es des Patienten Umstaͤnde erfordern, und am besten leiden wollen, so kan die Zeit dazu genommen und abgetheilet werden. 7) Die Zeit des Tages, wenn das Bad zu gebrauchen, ist so wohl des Vormittags um 9 Uhr, als gegen Abend nach 5 Uhr, wenn die Daͤuung vollendet, und der Magen von den Speisen entlediget ist. 8) Vollbluͤthigen und fetten Personen pfle- get das Bad des Vormittags am besten zu be- kommen, da der Leib leichte, und die Adern nicht so voll sind, als wenn nach der Mahlzeit eine grosse Quanti taͤt des neuen Chyli in das Gebluͤte gefuͤhret worden. Man kan ein Paar mahl abwechseln, das eine mahl Vormittags, und das andere mahl gegen Abend baden, so wird ein ieder bald empfinden, was seiner Na- tur am zutraͤglichsten sey. 9) Diejenigen, welche des Mittags nicht zu Hause speisen koͤnnen, sondern sich bald nach R 5 dem Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch dem Bade in die freye Lufft (welche manch- mahl auch im Sommer kalt und naß ist) bege- ben muͤssen, auch die, welchen der Appetit nach dem Bade zu vergehen pfleget, oder wenn die Patienten hernach des Mittags gar zu unge- woͤhnlich matt und schlaͤffrig werden, dieselben thun besser, daß sie ihr Baden des Abends ver- richten. 10) Wie offt und wie lange das Bad zu ge- brauchen, werden die Bade-Gaͤste theils selbst an sich verspuͤren, nemlich wie viel sie vertragen und ohne sonderliche Abmattung aushalten koͤnnen; ob ihre Beschwehrungen gelindert, die Glieder leichter werden ꝛc. theils muß sol- ches von dem Medico, dessen Direction man seine Cur anvertrauet, beurtheilet, und nach Unterscheid der Kranckheiten angeordnet werden. 11) Ob man in seiner Bade-Cur alle Tage nach einander, oder einen Tag um den andern, oder zwey Tage baden, und den dritten wieder ruhen muͤsse, solches werden die Kraͤffte des Pa- tienten anzeigen. Wir haben zwar §. 6 gemel- det, daß die gewaͤrmten Sauer-Brunnen-Baͤ- der staͤrcker angreiffen, als die natuͤrlich war- men Wasser; Nichts desto weniger fehlt es doch nicht an Exempeln, daß das Pyrmontische Bad zehen, zwoͤlff und mehr mahl alle Tage nach einander ohne grosse Abmattung mit gu- tem Nutzen gebrauchet worden. §. 22. des Pyrmontischen Wassers. §. 22. Das Wasser, welches zum Baden geschoͤpffet und zubereitet wird, Zubereitung des Wassers zum Bade. hat man biß- her aus dem grossen Brodel-Brunnen, welchen wir Cap. 3. §. 23. beschrieben haben, genom- men. Nicht als wenn das Wasser aus dem Trinck-Brunnen nicht eben so gut zum Baden waͤre, sondern weil man denselben wegen des innerlichen Gebrauchs, durch das viele und star- cke Schoͤpffen nicht truͤbe machen, noch die Trinckenden dadurch verhindern darff. Auch ist das Wasser aus dem Brodel-Brunnen gantz gut und bequem zum Baden; denn ob es gleich nicht so subtil, spirituös und helle, als das Was- ser aus dem Trinck-Brunnen ist, so muͤssen doch alle dergleichen Wasser durch das Erwaͤr- men zum Bade-Gebrauch einen Theil ihrer Spirituosi taͤt verliehren; Und was die uͤbrigen Contenta des Wassers angehet, welche in dem Bade-Wasser unveraͤndert und bestaͤndig blei- ben, so ist dieses Wasser an iedem Pfunde etli- che Grana reicher, als das Trinck-Brunnen- Wasser. §. 23. Solches Wasser nun, will Herr Bol- mann Herr Bolmanns Methode das Wasser zum Bade zu bereiten. in einer Bade-Wannen mit einem Deckel durch gluͤende Kieselsteine, Kugeln oder Schmiede-Schlacken gewaͤrmet haben, weil sonst alle Spiritus, darinnen die Kraͤffte staͤcken, sich Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch sich uͤber dem Feuer aus dem Kossel verliehren und ausrauchen moͤchten. Weil aber diese Methode gar zu weitlaͤufftig und beschwehrlich, auch unnoͤthig ist, so hat man nach Bolmanns Zeiten, wie auch ietzo noch uͤblich und gebraͤuch- lich ist, Die ietzige gebraͤuchliche Art. einen Theil des Wassers uͤber dem Feuer warm gemachet, und demselben in der Wanne so viel frisches Sauerbrunnen-Was- ser zugemischet, daß man es erleiden und als ein Bad gebrauchen koͤnnen. §. 24. Diese Art der Zubereitung des Was- sers, kan gar wohl beybehalten werden, weil bey derselben die Spirituosi taͤt des frisch zuge- gossenen Wassers noch eine gute Weile in vol- ler Bewegung und Fermentation bleibet, und also der Effect, welchen wir §. 14 angezeiget ha- ben, noch ziemlicher massen dadurch kan er- langet werden. §. 25. Es waͤre aber das Allerbeste, wenn die noͤthigen Anstalten dazu gemacht wuͤrden, Unterschiedliche Art das Wasser zum Bade zu be- reiten. daß man das Wasser nicht allein auf solche Weise zum Baden gebrauchen koͤnte, sondern daß man auch nach Unterscheid der Personen und Kranckheiten, die gantze Portion Wasser, so viel zum Baden erfodert wird, durch ein ge- lindes Feuer auf einmahl zu dem gebuͤhrenden Grad der Erwaͤrmung zubereitet haben koͤnte. Oder des Pyrmontischen Wassers. Oder daß man, wie §. 15. 17. erinnert worden, vor schwache Naturen, und sehr unreine oder ge- schwollene Leiber durch eine gelinde Waͤrme, das Wasser allmaͤhlig seine Spirituosi taͤt und starck penetri rende Wirckung verliehren liesse. Man wuͤrde durch dergleichen vernuͤnfftig unterschiedene Bereitungen des Wassers viel mehr Nutzen schaffen, als man Anfangs den- cken solte, welches denn nicht ohne Erfahrung und angestellete Proben angezeiget, sondern zu weiteren Untersuchungen recommendi ret wird. §. 26. Wenn nun das Wasser auf ein oder andere Weise zum Bade zubereitet und fertig ist, so muͤssen folgende Regeln Die Regeln welche in und nach dem Bade zu be- obachten. bey dem Ge- brauch desselben in Obacht genommen wer- den: 1) Muß vor allen Dingen darnach gesehen werden, daß das Wasser nicht mehr als Milch- warm, oder wie die natuͤrliche Waͤrme unsers Bluts und Feuchtigkeiten, seyn moͤge. 2) Wenn man dieses probi ret und empfun- d en hat, so steiget man in einem dazu verfertig- ten Bade-Hemd (weil sonst alles Leinen durch die roth-gelbe Eisen-Erde angefaͤrbet wird) in die Wanne. 3) Wer starck, und das Baden mehr ge- wohnet ist, setzet sich gleich darinnen nieder auf einen Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch einen in die Wanne gelegten Krantz, oder Kuͤs- sen von zusammen gefaltenen leinen Zeuge. 4) Schwaͤchliche aber und empfindliche Personen, und diejenigen welche aus der Er- fahrung wissen, daß sie durch die Baͤder sehr alteri ret und angegriffen werden, setzen sich vor- her etliche Minuten alleine mit den Fuͤssen hin- ein, hernach auf die Knie, und endlich setzen sie sich gantz darinnen nieder, so koͤnnen sie nach- mahls viel besser aushalten. 5) Wenn man sich gantz eingesetzet hat, muß die Bade-Wanne mit einem Deckel, oder mit Tuͤchern wohl zugedecket werden, und bleibet alleine das Haupt frey, die uͤbrigen Theile aber uͤber dem Bade-Wasser werden durch den auf- steigenden warmen Dunst zu einem gelinden Schweiß beweget. 6) Insgemein pfleget man hier nicht tieffer biß an den Nabel, oder biß unter und nicht uͤber dem Magen zu baden, als wenn das Wasser so starck und angreiffend waͤre, daß mans nicht wagen duͤrffte, tieffer hinein zu sitzen. Es ruͤh- ret aber diese Gefahr theils von dem ungeschick- ten heiß-machen des Bades, theils von den Wannen her, in welchen nur so viel Raum, daß einer Person von etwas grosser Statur schon dadurch verboten ist, tieffer zu baden. Wenn es aber der Affect erfodert, das Bad seine ge- buͤhrende Waͤrme hat, und der Bade-Raum bequem darzu ist, so kan in dem Pyrmontischen Wasser des Pyrmontischen Wassers. Wasser, wenns noͤthig, so wohl biß uͤber die Schultern ohne Leib und Lebens-Gefahr geba- det werden, wie in andern minerali schen Was- sern. 7) Wenn aber verspuͤhret wird, daß man das tieffe Einsitzen im Bade durchaus nicht vertragen koͤnne, und die oͤbern Theile eben wol die Huͤlffe und Wirckung des Wassers von noͤ- then haben, so kan das warme Wasser iedes- mahl, wenn sich der Patiente im Bade befin- det, aufgetroͤpffelt, oder mit einem Schwamm oder naß gemachten Tuche aufgeleget werden. 8) Wenn man in dem Bade empfindet, daß der Leib nicht gnugsam dadurch erwaͤrmet werde, und man es gar wohl heisser vertragen koͤnte, so laͤsset man allmaͤhlig ein wenig warm Wasser nachgiessen, biß man urtheilet daß es gnung, und ein gelinder Schweiß anfaͤnget aus- zubrechen. 9) Es ist zwar am besten, daß iedesmahl in dem Bade ein gelinder Schweiß erfolge, weil durch den Schweiß viel Schaͤdliches ausgetrie- ben wird, auch durch die eroͤffneten Schweiß- Loͤcher die minerali schen Kraͤffte des Wassers besser in die festen Theile eindringen koͤnnen. Jedennoch soll man lieber gar nicht schwitzen, als daß man durch ein allzu heisses Bad den Schweiß mit Gewalt heraus zu pressen sich be- muͤhen wolte. Man hat nicht wenige Exem- pel, Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch pel, daß das Bad auch ohne Schwitzen guten Nutzen geschaffet. 10) Es haben die alten Medici die Frictio- nes oder das Reiben des Leibes mit einem rau- hen und scharffen Tuch in dem Bade gar sehr angerathen, und gute Curen in aͤusserlichen Be- schwehrungen damit verrichtet. Solches waͤ- re wohl vielen, und sonderlich denenjenigen sehr dienlich, welche in dem Bade wenig oder gar nicht schwitzen koͤnnen. Denn es werden die Nerven dadurch gereitzet, der Tonus Partium beweget, und die Schweiß-Loͤcher eroͤffnet, daß also auch ohne Schweiß die Kraͤffte des Was- sers besser eindringen, und ihre Wirckung voll- fuͤhren moͤgen. 11) Auch hat man die Embrochationes, stil- licidia, oder das Auftroͤpffeln des Wassers von einer Hoͤhe herunter, auf die beschwehrten Theile des Leibes, durch welches doch oͤffters in Gichtischen Fluͤssen und Glieder-Schmertzen, auch in andern Gebrechen, sonderlich grosser Nutzen geschaffet worden, bißher gar zu selten gebrauchet; und koͤnte man ein solches Tropff- Bad bey der uͤbrigen Bade-Cur bißweilen mit gutem Vortheil zu Huͤlffe nehmen. 12) Wie lange man sich in dem Bade auf- halten muͤsse, solches ist unterschiedlich. Die ersten mahle soll man nicht laͤnger als eine halbe Stunde darinnen verweilen, hernach kan man nach gerade ¾ eine, 1 und eine halbe, biß auffs hoͤch- des Pyrmontischen Wassers. hoͤchste 2 Stunden darinnen bleiben. Laͤnger aber in dem Bade zu sitzen, ist weder noͤthig noch nuͤtzlich, ob solches gleich zu Herr Bol- manns Zeiten geschehen, auch bey warmen Baͤ- dern sonst nicht ungewoͤhnlich ist, daß man 3 Stunden Vormittags, und wohl eben so lange des Nachmittags badet. 13) Wenn man anfaͤnget in dem Bade uͤbel, schwindelicht und ohnmaͤchtig zu werden, auch starckes Hertzklopffen empfindet, so soll man nicht so lange warten, biß man gantz darinnen uͤbern Hauffen faͤllet, sondern man begiebt sich heraus und ins Bette, und laͤsset es dasselbe mahl dabey bewenden, biß man die folgenden Tage das Bad allmaͤhlig besser vertragen lernet. 14) Es koͤnnen auch schwaͤchliche Personen, welche zu Ohnmachten, Schwindel und der- gleichen geneigt sind, ein gut Sal volatile, An- haltisch Wasser, oder Schlagbalsam in der Naͤhe halten, damit sie sich, wenns noͤthig, da- durch im Bade aufmuntern und staͤrcken, und also ihre Zeit desto besser aushalten koͤnnen. 15) Das Aussteigen aus dem Bade geschie- het am besten bey einem Camin-Feuer, oder sonsten an einem laulichten Orte, da man vor kalter Lufft gnugsam verwahret, und sich in der Waͤrme mit warmen Tuͤchern wohl abtrock- nen, und ein frisches Hembd anlegen kan; Worauf man sich gleich in ein gewaͤrmtes Bet- S te Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch te begiebt, und den Schweiß allmaͤhlich wieder vergehen laͤsset. 16) Ob man vor oder nach dem Bade et- was zu schwitzen einnehmen, Bezoar-Tinctu- r en, Essentias alexipharmacas und dergleichen gebrauchen muͤsse, solches habe sehr selten nuͤtz- lich gefunden. Man schwitzet insgemein von dem Bade alleine gnung, und oͤffters mehr als noͤthig ist. Und diejenigen, welche sehr schwehr zum Schweiß zu bewegen, koͤnnen die etwas hitzige Schweiß-treibende Mittel gar uͤbel ver- tragen. 17) Vielmehr ist denenjenigen, welchen leicht ein Aufwallen im Gebluͤthe, Hertzklopf- fen, Schwindel und dergleichen zu entstehen pfleget, eine gute Dosis von einem Pulvere tem- perante, von kuͤhlenden Salibus und derglei- chen sehr dienlich, welchen Sachen man zuwei- len einige Bezoardica fixa zusetzen kan. Man nimmt diese Pulver 1 viertel oder halbe Stun- de vor dem Bade, mit ein Paar Loͤffel voll Wein, und man hat oͤffters den Nutzen davon, daß diejenigen, welche vorhin die groͤssesten Ebullitiones sanguinis im Bade empfunden, nachmahls gar nicht weiter incommodi ret wor- den. Auch folget zuweilen auf solche Sachen ein gnugsamer Schweiß, da die Patienten zu- vor mit starcken Bezoar-Tinctur en nicht schwi- tz en koͤnnen. 18) Wenn des Pyrmontischen Wassers. 18) Wenn man des Vormittags ohnge- fehr von 9 biß 10 im Bade ist, und von 10 biß gegen 11 Uhr im Bette bleibet, so hat man noch zum wenigsten eine Stunde biß zur Mahlzeit, in welcher Zeit man sich allmaͤhlich wieder er- frischen, und ein Glaͤßlein Wein, oder ein we- nig Aqua vitæ mit einer guten Magen- Essentz nehmen kan. Doch ist besser, daß man den- selben Mittag zu Hause speise, und sich erstlich nach der Tafel in die freye Lufft begebe. 19) Des Abends ist eine warme Suppe nach dem Bade besser, als eine kalte Schaale, wodurch oͤffters grosser Schaden geschiehet. Man thut wohl, daß man sich denselben Abend nicht in die kalte Lufft begiebt, sondern die we- nigen Stunden biß zur Nacht-Ruhe im Schlaf- Rock spatziren gehet, oder zu Hause in guter Ge- sellschafft die Zeit passi ret. Man soll aber nach dem Bade im Bette nicht liegen bleiben, weil sonst insgemein Aufwallungen des Gebluͤts, und unruhige schlaflose Naͤchte darauf zu folgen pflegen. Die uͤbrige Diæt Diæt. und Lebens-Ordnung bey der Bade-Cur, muß, wie wir im vorhergehen- den Capitel bey dem Trincken angezeiget ha- ben, observi ret werden, weil die innerliche und aͤusserliche Cur des Wassers fast allemahl zu- sammen gefuͤget, und entweder zugleich, oder S 2 die Cap. VII. Aeusserlicher Gebrauch des ꝛc. die letztere kurtz auf die erstere angestellet wird. §. 21. N. 3. 4. §. 27. Was aber ferner mit dem aͤusserli- chen Gebrauch unsers Wassers Vielfaͤltiger aͤusserlicher Gebrauch des Was- sers. durch Baͤhun- gen, Bestreichen, Waschen, Gurgeln, Einspruͤ- tzen, Clystiren ꝛc. auszurichten, und wie dassel- be also weiter als ein gutes Topicum applici- ret werden koͤnne, solches wird ein Medicus welchem die Kraͤffte, Tugenden und besondere Eigenschafften des Wassers bekannt, nach Un- terscheid der Zufaͤlle zu verordnen wissen, und es wird die Erfahrung lehren, daß was von ei- nem guten minerali schen Wasser zu hoffen, in diesem Wasser nicht weniger gefunden werde. §. 28. Was auch endlich das kalte Baden Vom kalten Baden. in einem so kraͤfftigen Sauerbrunnen vor Nu- tzen haben moͤchte, auf die Art wie die Englaͤn- dischen Medici so merckwuͤrdige Observationes gemachet, und so viele Curen von ihren kalten Baͤdern, welche aber meistentheils in suͤssen Wassern bestehen, angezeichnet haben ( Cap. 3. §. 17.) solches stellen wir der weitern Erfahrung und vorsichtigen Proben anheim. Zum we- nigsten ist es bey denen Pyrmontischen Bade- Brunnen schon ein alter Gebrauch, daß den Sommer uͤber einige Bauers-Leute und arme Gebrechliche in das kalte Wasser steigen, sich eine eine Weile in die Quellen setzen, und mit der ro- then Eisen-Erde ihre offene Schaͤden reiben und verbinden. Welches kalte Baden ieden- noch alleine in dem niedern Bade-Brunnen ( Cap. 3. §. 28.) zugelassen wird, damit das Was- ser, welches ordinair zu den warmen Baden aus dem grossen Brodel-Brunnen geschoͤpffet wird, nicht verunreiniget werde. Cap. 3. §. 23. CAP. VIII. Mißbraͤuche und Fehler, welche bey der Brunnen-Cur begangen, und wo- durch dieselbe gefaͤhrlich und schaͤd- lich koͤnne gemachet werden. §. 1. W Ir haben im Anfang des sechsten Capi- tels allbereit angefuͤhret, daß alle Mittel und Gaben, welche GOtt den Menschen zur Nahrung und Gesundheit gegeben, wenn man solche nicht recht gebrauchet, ungesund und schaͤdlich werden koͤnnen. Auch ist kein Gesundheits-Mittel in der Welt bekannt, welches alle Kranckheiten, oder nur eine geringe Art derselben iedesmahl ohn- fehlbar curi ren solte. Dieses hat GOtt seiner Allmacht vorbehalten. Daher denn kein Wunder, daß auch durch die besten minerali- S 3 schen Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler schen Wasser Warum die minerali schen Wasser zuweilen schaͤd- lich sind? nicht allein nicht alle Krancke wieder gesund werden, sondern auch einige Schaden davon leiden, andere dieselben gar nicht gebrauchen duͤrffen. §. 2. Was aber dennoch von einem guten Mittel zu hoffen, solches stellet uns jaͤhrlich die Erfahrung von dem Pyrmontischen Wasser durch vielfaͤltige Curen, auch in Kranckheiten, welche man incurabel gehalten, und an wel- chen alle uͤbrige Medicationes fehl geschlagen, vor; wie im vorhergehenden schon gnungsam angezeiget worden. Und weil offenbahr ist, daß noch viel mehrere Krancken koͤnten curi- ret werden, wenn die Mißbraͤuche Die Mißbraͤuche und Fehler hindern viele C u - ten. und alle uͤbele Lebens-Arten bey der Brunnen-Cur ab- gestellet wuͤrden, so haͤtten diejenigen, welche sich so sehr bemuͤhet haben, die minerali schen Was- ser zu verkleinern, und zu verachten, und aller- hand Einwuͤrffe gegen den Gebrauch derselben zu machen, dem gemeinen Besten wohl groͤs- seren Nutzen geschaffet, wenn sie vielmehr ihr Ingenium daran exerci ren wollen, wie die Me- thode dergleichen Wasser zu gebrauchen noch in ein und andern Stuͤcke zu verbessern und voll- kommener zu machen, auch wie die Unordnun- gen und Mißbraͤuche zu verhuͤten und abzu- schaf- bey der Brunnen-Cur. schaffen. Derowegen wollen wir zum Be- schluß unserer Brunnen-Beschreibung noch kuͤrtzlich etwas von denen vornehmsten Miß- braͤuchen und Fehlern melden, welche bey dem innerlichen und aͤusserlichen Gebrauch unsers Wassers begangen werden. §. 3. I. Es ist also erstlich das unordentliche und unvorsichtige Kalt-Trincken, Das kalte Trincken. wodurch der allermeiste Schade geschiehet. Denn ob- gleich sonsten durch so viele traurige Exempel ie- dermann bekannt gnung ist, wie grossen Scha- den man durch kalte Truͤncke an seiner Gesund- heit leiden koͤnne, so bedencket man doch solches bey Gebrauch der Gesund-Brunnen am aller- wenigsten, sondern trincket, oder giesset und stuͤrtzet das Eiß-kalte Wasser manchmahl ohne Athem hohlen und Bart wischen mit grossen Glaͤsern hinunter. Wenn nur die Quanti taͤt Wasser, welche man sich vorgesetzet hat, in den Leib koͤmmt; weiter haben viele nichts dabey zu bedencken, sondern weil man aus einem Ge- sund-Brunnen trincket, so soll das Wasser nach allen seinen wesentlichen und zufaͤlligen Eigen- schafften gesund und unschaͤdlich seyn. Es mag aber ein ieder recht erwegen, ob es wohl moͤglich, daß die natuͤrliche innerliche Hi- tze bey allen Cur-Gaͤsten starck gnung sey, sechs acht und mehr Pfund Eiß-kaltes Wasser (wel- ches mancher in einer oder anderthalben Stun- S 4 den Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler den trincket, und welche Quanti taͤt 1 Drittheil oder 1 Viertheil aller circuli renden Feuchtig- keiten, so ein Mensch in allen Adern, und im gantzen Leibe hat, ausmachet) in so kurtzer Zeit zu erwaͤrmen, ohne daß viele, ehe solches geschie- het, grossen Schaden dadurch solten leiden muͤssen? §. 4. Es ruhet der Magen auf der Leber und auf der Miltzen, wie auf zwey Kuͤssen. Beyde sind sehr empfindliche Eingeweide und der Kaͤl- te sehr ungewohnet. Auch ist ihre Substanz wie ein Schwamm, und bestehet aus lauter klei- nen Roͤhrlein und subtilen Gaͤngen; dieselben sind mit Blut und andern Feuchtigkeiten ange- fuͤllet, welche wie eine Gelée oder Gallert von der Kaͤlte gerinnen und stocken. Wie dann iedermann weiß, daß das Blut, wenn man zur Ader gelassen, in der Lufft wie eine Leber zu- sammen rinnet, und also offenbahr ist, daß die Feuchtigkeiten unsers Leibes alleine durch die Bewegung und Waͤrme fluͤßig erhalten, von der Kaͤlte aber coaguli ret, und zur Bewegung untuͤchtig gemachet werden. Nun bestehet aber unser Leben in der Bewegung, und in dem freyen Umlauff aller Feuchtigkeiten durch alle Theile, und durch alle subtile haarkleine Roͤhr- lein und Gaͤnge der Eingeweide. Was diese Bewegung und den freyen Lauff hindert, und die Feuchtigkeiten coaguli ret, sonderlich in de- nen Eingeweiden, ohne welche das Leben des Men- bey der Brunnen-Cur. Menschen nicht bestehen kan, solches muß der Gesundheit durchaus schaͤdlich seyn. §. 5. Wenn nun der Magen mit einer so grossen Menge eißkaltes Wassers schleunig an- gefuͤllet wird, so ist weder seine eigene, noch der benachbarten Eingeweide, und derer in den- selben circuli renden Feuchtigkeiten Waͤrme ca- pabl e, solches so bald es noͤthig waͤre, zu erwaͤr- men, sondern es wird die Leber und der Miltz durch den Magen, die Lunge durch den Oeso- phagum und Diaphragma, die Gedaͤrme, das Gekroͤse, und alle Druͤsen in demselben mit der ungewoͤhnlichen Kaͤlte durchdrungen, zusam- men gezogen, und die Humores gerinnen und stocken in denenselben. §. 6. Und da solches mit guten gesunden Feuchtigkeiten so zugehet, was wird die strenge Kaͤlte wohl aus denen verdorbenen, dicken, zaͤ- hen und schleimichten machen, wenn die Ein- geweide allbereit damit besetzet, uͤberhaͤuffet, verstopffet und geschwaͤchet sind? Wie denn die allermeisten Brunnen-Gaͤste dergleichen et- was, mehr oder weniger mitbringen, als wo- her ihre Beschwehrungen entstanden, gegen welche sie die Cur gebrauchen wollen. Da sie aber bey dieser Cur ihre Eingeweide aufs neue beleidigen, und eine so schaͤdliche Erkaͤltung in denenselben verursachen, so muͤssen sich ja die Verstopffungen, und Stockungen der Feuch- tigkeiten daselbst vermehren, verhaͤrten und S 5 gantz Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler gantz unaufloͤßlich werden, da solche doch son- sten durch die herrliche Tugenden des Was- sers haͤtten koͤnnen gehoben, und curi ret wer- den. §. 7. Und daher kommt es denn auch her- nach, daß man klagen hoͤret: Ursachen der Beschwehrungen nach der Brunnen Cur. das Wasser sey dem Magen zu starck gewesen; man habe dem Magen damit verdorben; der Brunnen habe ein kaltes Fieber erwecket, bey welchem man viel nach der Brunnen-Cur ausstehen muͤssen; die Brust sey schwaͤcher worden, man habe viel Husten gehabt ꝛc. Alles aber ruͤhret von dem unvorsichtigen Kalt-Trincken her, und von denen offt wiederholten ungewoͤhnlichen Erkaͤltungen der Eingeweide, und sind diejeni- gen noch gluͤcklich, denen deßhalben nicht noch etwas aͤrgeres wiederfaͤhret. §. 8. Unsere Natur ist nach der heutigen Le- bens-Art gar nicht zu solchen kalten Tracta- ment en gewoͤhnet. In den ersten Jahren bekommen die Kinder warme Milch, Suͤpp- lein und Bruͤhen; Erwachsene nehmen des Morgens Thee, Caffée, Chocolade, oder sonst etwas warmes. Unter hundert Perso- nen von Distinction ist manchmahl nicht eine, welche gewohnt ist des Morgens etwas Kaltes zu trincken. Und wie viele sind wohl unter de- nen Dames und zarten Frauenzimmer, welche ihre bey der Brunnen-Cur. ihre gantze Lebens-Zeit keinen kalten Tropffen Wasser im Magen gefuͤhlet haben. Solte solchen nachmahls nicht hoͤchst gefaͤhrlich und schaͤdlich seyn, wenn der Magen mit eißkalten Sauerwasser bey gantzen Pfunden so ploͤtzlich begossen wird, welches man offt ohne Schme- cken und Kaͤuen, um bald mit der Portion fer- tig zu werden, hinunter bringet. §. 9. Es schadet zwar ein kalter Trunck Ein kalter Trunck des minerali schen Wassers ist nicht so gar schaͤdlich wie von andern Was- ser. von unserm minerali schen Wasser nicht so offt und sehr, wie das gemeine Wasser, oder wie andere kalte waͤsserige Liquores, sonsten man noch viel mehrere traurige Exempel davon ha- ben wuͤrde. Im Gegentheil siehet man oͤff- ters in heissen Sommer-Tagen viele junge Leu- te, welche sich erhitzt, und voller Schweiß sind, herzu lauffen, und eine gute Quanti taͤt Sauer- Wasser trincken, ohne daß sie sich so leicht uͤbel darnach befinden, als von anderem kalten waͤs- serigem Getraͤncke. Denn der minerali sche Spiritus, und dessen innerliche Fermentation, Bewegung und Zusammenstossung der subti- len Theilgen, machen eine kleine Erwaͤrmung, auch seine uͤbrige eroͤffnende und resolvi rende Kraͤffte verhindern manchmahl, daß die Kaͤlte nicht so bald schaden kan. §. 10. Wie aber ein Eiß-kalter Trunck Wein Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler Wein, Ein kalter Trunck Wein thut auch zuweilen Schaden. ohnerachtet solcher einen haͤuffigen, hitzigen, brennenden Spiritum in sich hat, den- noch mit der zufaͤlligen Eigenschafft der Kaͤlte oͤffters auf einmahl den Lauff des Blutes in ein oder andern Eingeweide hemmet, ein Zu- sammenrinnen und Stockungen der Feuch- tigkeiten, und alles Ubel, was sonst von einem andern unvorsichtigen kalten Trunck zu ent- stehen pfleget, verursachet; So bleibt auch die schaͤdliche Wirckung der Kaͤlte in denen Eingeweiden von unserm Wasser nicht aus, so wohl bey starcken und hitzigen Naturen, wenn man das kalte Trincken gar zu unvor- sichtig treibet, als fuͤrnehmlich bey kalten, phle- gmati schen und schwaͤchlichen Naturen, und bey denjenigen, welche viele unreine Feuch- tigkeiten und verstopffete und geschwaͤchete Eingeweide haben. Dieselben werden oͤffters ehe man sichs versiehet, dadurch beleidiget, und also die Patienten alles Nutzens, wel- chen sie sonst von denen Tugenden des mi- nerali schen Wassers haͤtten erlangen koͤnnen, beraubet. §. 11. Es koͤnte hiergegen nun noch son- derlich eingewendet werden, was viele Medici bezeugen, daß ein kalter Trunck Alles kalte Trincken ist nicht schaͤdlich. zuweilen den Magen staͤrcke, in denen Nerven-Faͤ- ser- bey der Brunnen-Cur. serlein eine zusammenziehende Bewegung ver- ursache, und also den Tonum Ventriculi rela- xati wiederbringe. Es wird aber solches nicht gelaͤugnet, auch das Kalt-Trincken des Was- sers nicht schlechter dings verworffen. In- dessen ist doch gewiß, daß was von der guten Wirckung eines kalten Truncks geruͤhmet wird, von einem vorsichtigen kalten Trunck, und mehr in Singulari als in Plurali zu verste- hen sey. Ein Glaß oder etliche von einem kalten Getraͤncke, oder so viel der Magen und die Eingeweide nach gerade erwaͤrmen koͤnnen, wird eben niemand schaden, aber so viele kalte Truͤncke, eine so grosse Menge Wasser, und welches so unbedachtsam viele Morgen nach einander in den Magen gegossen wird, solches machet einen grossen Unterscheid, und kan das Letztere durchaus nicht ohne grosse Gefahr und Schaden geschehen. §. 12. Es muß auch noch dem Frauenzim- mer zur Warnung erinnert werden, Das Frauenzimmer leidet leichtlich Schaden vom kalten Trincken. daß wenn sie waͤhrender Vierwochen-Zeit das kal- te Trincken continui ren, sie ihre Gesundheit auf die Probe und in grosse Gefahr setzen; Denn obgleich das kalte minerali sche Wasser nicht so leichte Schaden thut, wie ein anderer kalter Trunck (§. 9.) so bringet doch die Men- ge Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler ge des kalten Sauerwassers zu wege, was ein weniges nicht wuͤrde gethan haben, und fehlet es nicht an Exempeln, daß die monatliche Rei- nigungen nach der Cur daruͤber in Unordnung und Stecken gerathen. Und ist also zu bekla- gen, daß dasjenige Mittel, welches jaͤhrlich so vielen Weibs-Personen in diesem Stuͤck wieder zu ihrer Gesundheit hilfft, durch un- vorsichtigen Gebrauch andere verderben muß. §. 13. II. Zum andern ist es eine schaͤdliche Sache bey der Brunnen-Cur, wenn das Wasser in gar zu grosser Menge, mit grossen Glaͤsern, und geschwinde auf einander ge- truncken wird. Gar zu viel und geschwind trincken. Es ist dieser uͤbele Gebrauch sehr gemein, und schon lange Mode gewesen, daß wenn das Wasser sich nicht gantz mit der Caprice einiger Patienten conformi ren, und so viele Sedes verursachen wollen, daß man solche mit mehr als einer Ziffer anzeich- nen muͤssen; und noch viel mehr, wenns gar nicht purgi ret, da einer dem andern den all- gemeinen Rath gegeben, man muͤsse mehr Wasser drauf setzen, ein Keil muͤsse den an- dern treiben, und also sind viele biß auf eine Portion von fuͤnff, sechs Kannen und wohl noch hoͤher gestiegen. §. 14. Wie aber diese Quanti taͤt bey vielen die bey der Brunnen-Cur. die Helffte des gantzen Gebluͤts ausmachet, welches ohnedem nur lau oder Milch-warm ist, so muß ja ohnfehlbar die im vorhergehenden an- gezeigte schaͤdliche Erkaͤltung der Eingeweide darauf erfolgen, (man mag sich auch so starck und hitzig von Gebluͤte halten, wie man will) alle innerlichen Theile, Adern, subtile Gaͤnge, Druͤsen und Wassergefaͤsse ( vasa lymphatica ) werden durch die grosse Menge und Gewicht des Wassers gar zu starck ausgedehnet, und aus einander getrieben, daß sich dieselben nach- mahls nicht wieder gebuͤhrlich zusammen zie- hen koͤnnen. Und also bleiben die von der Kaͤl- te coaguli rte gelatin oͤse Feuchtigkeiten desto gewisser darinnen stecken, verursachen neue Obstructiones Viscerum, und das Ubel wel- ches der Brunnen haͤtte curi ren koͤnnen und sollen, wird durch diesen Mißbrauch befoͤdert und zuwege gebracht. §. 15. Ist hernach die Cur uͤbel gerathen, so muß das Wasser die Schuld haben, und der Brunnen soll zu starck und zu scharff gewesen seyn. Haͤtte man es aber bey einer gelinden und offt wiederholten Wirckung bewenden lassen, und eine gehoͤrige Maaß nicht uͤber- schritten, sondern (wenn es ja noͤthig gewe- sen waͤre) die Sedes vielmehr durch gute Sa- lia und andere dienliche laxi rende Mittel be- foͤdert, wie im sechsten Capitel umstaͤndlich an- gezei- Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler gezeiget worden, so wuͤrde man das Wasser weder zu scharff noch zu starck, sondern als ein sicheres, gelindes und doch kraͤfftiges Mittel ge- funden haben. §. 16. III. Eben auf solche Art versehen es auch die Eyl-Gaͤste, Eine uͤbereilende Cur ist schaͤdlich. welche sich andere Sa- chen, ihre Hauß-Geschaͤffte, und womit sonst das Gemuͤthe des Menschen distrahi ret werden kan, mehr angelegen seyn lassen, als ihre Gesundheit, die Cur als ein Nebenwerck tracti ren, und solche nur im Vorbeygehen mit- nehmen wollen. Es wird demnach das Trin- cken und Baden in so viel Tagen verrichtet, so viele Wochen manchmahl zu der Cur ihres Affect s noͤthig waͤren. Wer aber sein Werck nicht voͤllig von der Brunnen-Cur machen, die gebuͤhrende Zeit dazu nehmen, und alle noͤthi- ge Regeln beobachten will, der thut viel besser, daß er die gantze Cur unterlaͤsset, als daß er auf solche Weise durch uͤbertriebene Evacua- tiones die Natur abmattet und schwaͤchet, und an statt des Nutzens grossen Schaden da- von traͤget. §. 17. IV. Die uͤbrigen gemeinsten Miß- braͤuche und Fehler werden in der Diæt began- gen; Fehler in der Diaͤt. Als erstlich thun sich Einige Schaden mit allerhand Naschereyen, welche sie des Mor- bey der Brunnen-Cur. Morgens unter dem Trincken, oder bald auf das Wasser zu sich nehmen: z. E. gar zu viele uͤberzuckerte und eingemachte Sachen, Honig- Kuchen, Prunellen, Corinthen ꝛc. wodurch das Wasser in seiner freyen Wuͤrckung gehindert, eine schaͤdliche scharff-saure Gaͤhrung in dem Magen und Gedaͤrme erreget, auch Schleim und Unrath generi ret wird. Und wenn gleich das Wasser solches zuweilen bald wieder weg- spuͤhlet, so ist doch leicht zu erachten, daß es viel besser waͤre, wenn man solche Hinderungen nicht in den Weglegte. Es bleibt auch leicht etwas schaͤdliches davon zuruͤck, verderbet den Appe- tit, machet eine unvollkommene Daͤuung, Ble- hung und dergleichen. §. 18. V. Wenn man gar zu bald auff das getrunckene Brunnen-Wasser speiset, Wenn die Speisen mit dem Brunnen-Wasser ver- menget werden. ehe die Primæ viæ groͤßesten theils von dem Wasser wieder befreyet sind, so entstehen davon eben dergleichen Beschwerungen, oder die Speisen gehen mit dem zuruͤck geblieben Wasser gar zu geschwind wieder fort, es kommt ein roher uͤbel verdaueter Nahrungs-Safft in das Gedaͤrme und Gekroͤs, und darauf folgen Coliqven, Ob- structiones Glandularum \&c. Gibt man dem guten Appetit bey dem Brunnen gar zu viel nach, isset zu geschwinde, thut gar zu starcke T Mahl- Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler Mahlzeiten, sonderlich des Abends spaͤt, oder man gebrauchet das frische Obst ohne Scheu wie man sonst gewohnet, so verderbet mancher Brunnen-Gast seine gantze Cur, und kan sich al- lerley gefaͤhrliche Zufaͤlle und Beschwerungen zuziehen, wie wir diese Stuͤcke Cap. VI. §. 23. 28. 29. allbereit vorgestellet haben. §. 19. VI. Mit dem Gebrauch der gewoͤhn- lichen Getraͤncke gehet es auch nicht allemahl so ordentlich zu, Undienlicher Gohrauch des Getraͤnckes bey der Cur. daß nicht Verschiedene ihre Cur dadurch hindern solten; Es nehmen einige, so bald sie abgetruncken haben, eine grosse Quan- ti taͤt Caffé, Thée, Chocolade \&c. turbi ren aber damit die Operation, uͤberschwemmen die Ein- geweide mit den vielen Waͤßerigkeiten, und was das minerali sche Wasser durch seine Spi- rituosi taͤt und subtile Stahl-Erde gestaͤrcket, solches wird zum Theil wieder relaxi ret, oder wenigstens die gute Wuͤrckung unvollkomme- ner gemachet. Man vermeynet bißweilen das kalte Wasser durch dergleichen heisses Getraͤn- cke wieder zu waͤrmen; wenn aber die Kaͤlte nicht schaden soll, so ist besser daß man das Wasser, ehe dasselbe in den Leib kommt, ein we- nig uͤberschlagen laͤsset, ( Cap. VI. §. 16.) als daß solches hernach erstlich, wenn die Kaͤlte allbereit ihren schaͤdlichen Effect in denen Eingeweiden ge- bey der Brunnen-Cur. gethan hat, durch andere Wasser soll gewaͤrmet werden, damit aber nichts gewisser ausrichtet, als daß das minerali sche Wasser weitlaͤufftig dilui ret, und an seinen Kraͤfften und Wuͤrckun- gen geschwaͤchet wird. §. 20. VII. Diejenigen, welche bey der Cur fast so viel Wein als Brunnen-Wasser trin- cken, Mißbrauch des Weins. thun ihrer Gesundheit gleichfalls grossen Schaden. Man stehet insgemein in der Meynung, wie wir Cap. VI. §. 31. schon gemeldet haben, daß man zu Staͤrckung des schwachen Magens viel Wein bey der Wasser-Cur trin- cken muͤsse. Die Liebhaber nehmen diese Re- gel gar gerne an, und da ihnen der Wein vor der Brunnen-Cur wol von ihren Medicis ver- boten gewesen, oder sie solchen gar maͤßig ge- brauchen muͤssen, so dencket man, bey der Was- ser-Cur habe man wieder volle Freyheit. Wenn aber ihre Kranckheiten mehrentheils von dem ummaͤßigen Gebrauch der hitzigen Getraͤncke herruͤhren, und das erhitzte ausgetrocknete gar zu scharff und gallichte Gebluͤte durch das mi- nerali sche Wasser soll dilui ret, gekuͤhlet, tempe- ri ret, verbessert und gereiniget werden; Die Pa- tient en im Gegentheil ihre vorige Missethaten, wodurch ihre Beschwerungen verursachet wor- den, bey der Cur wiederhohlen und fortsetzen, so T 2 kan Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler kan ja das allerbeste Mittel wenig helffen, son- dern man machet offt das Ubel aͤrger. §. 21. VIII. Ein langer Mittags-Schlaff, Mittags-Schlaff. da man sich wol den gantzen Mittag aufs Bette leget und schlaͤffet, hat zuweilen sehr schlimme Zufaͤlle bey der Brunnen-Cur verursachet, als Convulsiones, Schlagfluͤsse und dergleichen; Denn weil das Wasser durch seine Spirituosi- taͤt und subtile sulphuri sche Fettigkeit starck auf das Haupt wuͤrcket, und eine subtile Bewegung in denen Aederlein und Nerven des Gehirns erwecket, so kan in dem Schlaff leicht eine con- fus e Bewegung in denen Nerven entstehen, son- derlich bey fetten, vollbluͤtigen Naturen, und die vorhin zu deꝛgleichen Zufaͤllen disponi ret und ge- neigt sind. Auch folget insgemein auf einen tieffen und langen Mittags-Schlaf eine uͤbele Daͤuung und schleimichter Chylus, Magendruͤ- cken, Blehungen, Mattigkeit und Traͤgheit, daher ist rathsam, daß man einen solchen Schlaf und alles was dazu helffen kan, vermeide. Cap. VI. §. 51. §. 22. IX. Fast eben so schaͤdlich wie dieser Schlaff sind die Spiele gleich nach dem Essen, Spiele nach dem Essen. dabey man scharff dencken und still sitzen muß, und welche manchmal nicht ohne allerhand em- pfindliche Gemuͤths-Bewegungen abgehen. Was bey der Brunnen-Cur. Was auch sonsten die Gemuͤths-Bewegun- gen, Gemuͤths-Bewegungen. als Zorn, Eyffer, Schrecken, Sorge und Bekuͤmmerniß anbelanget, so ist bekannt, wie grossen Schaden dieselben so wol denen Gesun- den, als am allermeisten denen Geschwaͤcheten und Krancken, sonderlich wenn dieselben in einer Cur begriffen, durch welche alle Humores erre- get sind, und gleichsam in einer Fermentation und Crisi stehen. Es ist nichts so schaͤdlich und gefaͤhrlich, was denen Patient en alsdenn nicht solte begegnen koͤnnen, und sie durch dergleichen hefftige Affect en ihrer Gesundheit schleunig verlustig gemachet werden koͤnnen. Wie aber solches am besten zu vermeiden, ist schon Cap. VI. §. 53. gemeldet worden. §. 23. X. Gar zu starcke Bewegungen des Leibes sind gemeiner bey der Brunnen-Cur, Starcke Bewegungen des Leibes. als man Anfangs gedencken solte. Denn weil es eine bekannte gute Regel ist, daß man sich viel bewegen muͤsse, so geschiehet solches bißweilen insonderheit von denenjenigen zu viel, welche vom lange Stillsitzen herkommen und der Be- wegung am wenigsten gewohnet sind. Wenn dieselben unter dem Trincken ihre Motiones nicht maͤßigen, so erfolget ein hefftiger Schweiß, die uͤbrigen Wuͤrckungen werden dadurch ge- hindert, und folgen allerhand Beschwerungen T 3 dar- Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler darauf, wie Cap. VI. §. 40. 46. 47. seq. angezei- get worden. §. 24. Auch fatigui ren sich viele Brunnen- Gaͤste und schwaͤchliches zartes Frauenzimmer bey denen Balls, Gar zu starckes Tantzen. welche oͤffters bey der Brunnen-Cur gehalten werden, auf das aͤußer- ste, wiederhohlen den Tantz zu offt, und conti- nui ren solchen so hefftig und lange, biß sie gantz erhitzet, ohnmaͤchtig und durstig werden. Und denn mangelt es bey dergleichen Assem- blées nicht an Confect, Caffé, Thée, Limona- de, Wein, Breyhahn ꝛc. mit welchen Sachen manchmahl ein schaͤdliches Olipodrigo in dem Magen angerichtet, und also der Leib schlecht zu der Wasser-Cur auf den naͤchsten Morgen præ- pari ret wird, daß nachmahls die Patient en nicht allein von ihren Kranckheiten nicht curi ret, son- dern auch wohl mit vielen neuen Beschwerun- gen, welche von gar zu hefftiger Bewegung, Erhitzung und darauf folgender Erkaͤltung zu entstehen pflegen, befallen werden. §. 25. XI. Wegen der Fehler, so bey dem Baden begangen werden, Mißbraͤuche bey dem Baden. ist kuͤrtzlich zu be- mercken, daß, wie bey der innerlichen Cur das unvorsichtige kalte Trincken den meisten und groͤssesten Schaden verursachet, so geschiehet solches im Gegentheil bey dem aͤußerlichen Ge- brauch bey der Brunnen-Cur. brauch durch das ungeschickte heiß-machen des Bades. Denn weil die meisten Bade-Frau- en, wie auch die Patient en selbst in den Gedan- cken stehen, das Bad koͤnne keinen Nutzen schaf- fen, wenn nicht der Schweiß uͤber den gantzen Leib hauffenweiß heraus braͤche, so machen sie das Bad so heiß, als es immer moͤglich zu erlei- den, und kommen die Patient en insgemein so roth heraus, wie gesottene Krebse. Es entstehen aber von einem gar zu heissen Bade allerley schaͤdliche und schwere Zufaͤlle: als gar zu vieler Schweiß und Verlust der nuͤtz- lichen Feuchtigkeiten, grosser Durst, hefftiges Auffwallen des Gebluͤths, Kopff-schmertzen, Schwindel, Hertzklopffen, Angst, Engbruͤstig- keit, Mattigkeit, Ohnmachten, unruhige schlaff- lose Naͤchte, verlohrner Appetit, Blutstuͤrtzun- gen, Fieber ꝛc. §. 26. Alle medicinal e Quali taͤten und Wuͤr- ckungen des Bades, welche sonst allerdings kraͤfftig in unserm Wasser sind, und nachdruͤck- lich eindringen und angreiffen koͤnnen, wie Cap. VII. §. 5. 6. angezeiget worden, machen doch bey weiten so grosse Alterationes nicht, als die zufaͤllige Eigenschafft der uͤberfluͤßigen und schaͤdlichen Hitze alleine zu machen pfleget, wel- che man doch in seiner Macht hat, und nach ei- genem Willen und Wohlgefallen temperi ren und maͤßigen kan. Wenn sich aber viele nach T 4 dem Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler dem Pyrmontischen gar zu heiß gemachten Ba- de uͤbel befinden, und mit angeregten Zufaͤllen beschweret werden, so wird solches dem Wasser selbst zugeschrieben, als wenn solches zu starck und unbeqvem zum Baden waͤre, da doch ande- re, welchen man das Bad, wie sichs gebuͤhret, zu- bereitet, auch selbst Schwaͤchliche und Em- pfindliche, solches als vor die lange Weile ge- brauchen, und manchmahl zwey Stunden und laͤnger ohne die geringste Beschwerung darin- nen aushalten koͤnnen. §. 27. Sonsten ist das Bad auch schaͤdlich in waͤhrenden Paroxysmis, oder in der Heff- tigkeit der Gicht-Schmertzen. Es halten ins- gemein dergleichen Kranckheiten ihren Perio- dum und Abwechselung, verliehren sich eine Zeit lang, und kommen nachmahls zu gewisser Jahrs-Zeit wieder. Wenn man nun zu sol- cher Zeit badet, so empfinden die Glieder der- gleichen Irritationes und Befeuchtungen sehr uͤbel, man verschlimmert die Beschwehrungen, und machet die Schmertzen groͤsser, daß man lange Zeit nicht wieder zu rechte kommen kan; Wenn es aber in der guten Zeit geschiehet, so kommt man denen Paroxysmis mit dem vorsich- tigen Gebrauch des Bades zuvor, præservi ret sich das gantze Jahr, und wird auch wol gaͤntz- lich, wenn das Ubel nicht schon zu sehr eingewur- tzelt ist, davon befreyet. §. 28. bey der Brunnen-Cur. §. 28. Wenn man durch das Bad eine gros- se Geschwulst der Fuͤsse gar zu geschwind zerthei- let und zuruͤck treibet, so entstehen davon aller- hand innerliche Beschwerungen, daher solches mit Vorsichtigkeit und allmaͤhlig geschehen muß. Auch muß man die Geschwuͤhre und alte Schaͤden der Glieder an unreinen cachecti- schen Leibern, welche leicht inflammi ren und mit der Rose incommodi ret werden, nicht zu fruͤhe mit dem Bade angreiffen, biß der Leib zuvor gnungsam gereiniget, und die uͤberfluͤßige, scharffe und gallichte Feuchtigkeiten abgefuͤh- ret und ausgetrieben sind; Wie denn diese vor- hergehende Reinigungen des Leibes bey allen Kranckheiten, wo man das Bad sicher und ohne Gefahr und Schaden gebrauchen will, nuͤtzlich und noͤthig sind. Cap. VII. §. 19. 20. §. 29. XII. Endlich ist denn auch ein grober Mißbrauch, Welche die Brunnen-Cur gar nicht gebrauchen duͤrffen. wenn gantz Alte, Abgelebte, welche weder Krafft noch Safft mehr haben, durch lange hecti sche Fieber und innerliche Geschwuͤ- re Ausgezehrte, Schwindsuͤchtige und Lungen- suͤchtige, alte Wassersuͤchtige, da die Eingewei- de schon verdorben, oder andere Krancke, wel- chen durch kein Kraut und Medicin mehr zu helffen ist, sondern schon vollkommene Todes- T 5 Can- Cap. VIII. Mißbraͤuche und Fehler Candidat en sind, zu dem Brunnen, als einem Baum des Lebens, ihre letzte Zuflucht nehmen, und denselben gebrauchen wollen. Mit ei- nem Wort, alle diejenigen Krancken, mit wel- chen es heisset: Noli me tangere, welche man auf keinerley Weife durch Medicationes stimuli ren darff, und keine außerordentliche Excretiones weder gelind noch starck mehr vertragen koͤn- nen, solche thun besser, daß sie ihr Stuͤndlein mit Gedult abwarten, als daß sie den Tod durch die Brunnen-Cur befoͤrdern, und dem sonst unschaͤdlichen Wasser einen uͤblen Nah- men dadurch machen. §. 30. Wenn nun diese Mißbraͤuche und Fehler, auch was wir davon allbereit im sech- sten Capitel hin und wieder erinnert haben, ver- huͤtet werden, so cessi ren damit die vornehm- sten Einwuͤrffe, welche man insgemein gegen den Gebrauch der minerali schen Wasser zu ma- chen pfleget. Denjenigen Medicis aber, wel- che nichts desto weniger die Wasser-Curen gar indifferent und gering halten, wollen wir nur noch diese Frage vorlegen: Auf was Art und Weise sie denn ihre Krancke curi ren? 1. Geschiehet es durch Evacuationes oder Reinigungen des Leibes; so haben wir Cap. V. §. 37. 38. angezeiget, daß das Pyrmontische Wasser durch alle Excretoria reinige und aus- trei- bey der Brunnen-Cur. treibe, und solches genungsam und doch sicher und gelinde. l. c. §. 40. 2.) Sollen die Verstopffungen wieder er- oͤffnet werden? so sind die Ingredienti en des Wassers so beschaffen, daß solche mit unter die besten Aperientia gehoͤren. Cap. V. §. 11. 14. 3.) Sollen die relaxi rten schlaffen Theile und Fibræ motrices wieder gestaͤrcket und be- festiget werden, so haben wir diese Wuͤrckung gantz kraͤfftig von dem reichen Stahl-Gehalt unsers Wassers. l. c. §. 11. 18. 4.) Sollen die scharff-sauren, saltzigen und gallichten Feuchtigkeiten versuͤsset, gedaͤmpffet und verbessert werden, so geschiehet solches durch die subtile alcali sche Erde und crystallini- sche Substan tz des Wassers. l. c. §. 25. 26. 27. Wie denn auch alle uͤbrige Correctiones Hu- morum durch die Wuͤrckungen des Wassers nachdruͤcklich befoͤrdert werden. §. 41. §. 31. Wenn aber diese Haupt-Wuͤrckun- gen in einem Gesundheits-Mittel beysammen sind, und man von solchen nicht etwas son- derliches gegen viele Kranckheiten des mensch- lichen Leibes zu gewarten hat, so weiß ich nicht, wo man etwas besseres hernehmen will, Doch ist nicht Allen alles und einerley gut. Wir wuͤnschen aber zum Beschluß dieses Wercks, daß der Allerhoͤchste, als der unend- liche C. VIII. Mißbr. u. Fehl. bey der B. C. liche Brunn alles Guten, das Pyrmontische Wasser ferner an allen und ieden, welche das- selbige in rechter Ordnung gebrauchen werden, mildiglich segnen wolle, und daß die wiederer- langte Gesundheit mit Dancksagung empfan- gen, und zu seines Nahmens Ehre und Ruhm aufgeopffert wer- den moͤge! ENDE. August Tost Buchbinderei Braunschweig Magnithor 13