T rutz S implex: Oder Ausfuͤhrliche und wunderseltzame Lebensbeschreibung Der Ertzbetruͤgerin und Landstoͤrtzerin C ourasche/ Wie sie anfangs eine Rittmei- sterin/ hernach eine Hauptmaͤnnin/ ferner eine Leutenantin/ bald eine Marcketente- rin/ Mußquetirerin/ und letzlich eine Ziegeunerin abgegeben/ Meister- lich agi ret/ und ausbuͤndig vorgestellet: Eben so lustig/ annemlich uñ nutz- lich zu betrachten als Simplicissi- mus selbst. Alles miteinander Von der Courasche eigner Per- son dem weit und breitbekanten Simpli- cissimo zum Verdruß und Widerwillen/ dem Autori in die Feder dictirt, der sich vor dißmal nennet PHILARCHUS GROSSUS von Trom- menheim/ auf Griffsberg/ ꝛc. Gedruckt in Utopia/ bei Felix Stratiot. Erklaͤrung des Kupffers: Oder die Den geneigten Leser anredende Courage. O B ich der Thorheit Kram hier gleich herunter streue/ So wirff ichs drum nicht weg/ umb daß es mich gereue/ daß Jch Jhn hiebevor geliebet und gebraucht/ sondern dieweil Er jetzt zu meinem Standt nichts taugt. Haar-Puder brauch ich nicht/ noch Schminck/ noch Haar zukraͤusen mein gantzer Anstrich ist nur Salbe zu den Laͤusen/ tracht sonsten nur nach Gelt und mach mir das zu nutz und was Jch moͤge thun dem Sym- plici zu Trutz. Kurtzer doch ausfuͤhrlicher Jnnhalt und Auszug Der Merckwuͤrdigsten Sachen eines jeden Capitels Dieser Lust und Lehrreichen Lebensbeschreibung der Ertz- landstoͤrtzerin und Zigen- nerin Courage. Das I. Capitel. Gruͤndlicher und Nohtwendiger Vor- bericht/ weme zu Liebe und Gefallen/ und aus was dringenden Ursachen die alte Ertzbetruͤ- gerin/ Landstoͤrtzerin und Zigeunerin Courage ihren wundernswuͤrdigen und rechtseltzamen Lebenslauf erzehlet/ und der gantzen Welt vor die Augen stellet. Das II. Cap. Jungfrau Lebuschka (hernachmals genanndte Courage ) kommt in den Krieg/ und nennet sich Janco, muß in demselben eine Zeitlang einen Cammerdiener abgeben; dabey veꝛmeldet wird/ wie sie sich verhalten/ und was sich verwunder- liches ferner mit ihr zugetragen. A ij Das III. Das III. Cap. Janco vertauschet sein Edles Jungferkraͤntzlein bey einem resoluten Rittmeister um den Nah- men Courasche. Das IV. Cap. Courage wird darum eine Ehefrau und Ritt- meisterin/ weil sie gleich darauf wieder zu einer Wittwe werden muste/ nach dem sie vorhero den Ehestand eine weile lediger Weise getrieben hatte. Das V. Cap. Was die Rittmeister in Courage in ihrem Witt- wenstand vor ein erbares und zuͤchtiges: wie auch verruchtes Gottloses Leben gefuͤhret; wie sie einem Grafen zu willen wird/ einen Am- bassador um seine Pistolen bringet/ und sich andern mehr um reiche Beute zu erschnappen willig unterwirft. Das VI. Cap. Courage kommt durch wunderliche Schickung in die zweyte Ehe/ und freyete einen Haupt- mann/ mit dem sie treflich gluͤckselig und ver- gnuͤgt lebte. Das VII. Cap. Courage schreitet zur dritten Ehe/ und wird aus einer Haupmaͤnnin eine Leutenantin/ trifts aber nicht so wol als vorhero/ schlaͤgt sich mit ihren Leutenant um die Hosen mit Pruͤ- geln/ und gewinnet solche durch ihre tapfere resolu- resolution und Courage; darauff sich ihr Mañ unsichtbar macht/ und sie sitzen laͤsst. Das VIII. Cap. Courage haͤlt sich in einer Occasion trefflich frisch/ haut einem Soldaten den Kopff ab/ bekommt einen Major gefangen/ und erfaͤhrt daß ihr Leutenant als ein Meineydiger-Uber- lauffer gefangen und gehencket worden. Das IX. Cap. Courage quittirt den Krieg/ nach dem ihr kein Stern mehr leuchten will/ und sie fast von je- derman vor einen Spott gehalten wird. Das X. Cap. Courage erfaͤhret nach langem Verlangen/ Wün- schen und Begehren wer ihre Eltern gewesen/ und freyet darauff wiederumb einen Haupt- mann. Das XI. Cap. Die Neue Hauptmaͤnnin Courage ziehet wieder in den Krieg/ und bekam einen Rittmeister/ Quartiermeister und gemeinen Reuter durch ihre Heldenmaͤssige Tapfferkeit in einen bluti- gen Gefecht gefangen. Verleurt darauff ih- ren Mann und wird eine ungluͤckselige Wittbe. Das XII. Cap. Der Courage wird ihre treffliche Courage auch wieder trefflich von dem ehedessen von ihr ge- fangnen Major eingetraͤnckt/ wird jedermans Hur/ darauff nackend ausgezogen/ und muß A iij eine eine gar schaͤndliche Arbeit verrichten. Wird aber endlich von einem Rittmeister/ den sie auch vorhero gefangen bekommen/ erbetten/ daß ihr nicht etwas aͤrgers wiederfuhr; und darauff auff ein Schloß gefuͤhrt. Das XIII. Cap. Courage wird als ein graͤfliches Fraͤulein auff ei- nem Schloß gehalten/ von dem Rittmeister gar offt besucht/ und treflich bedienet/ aber endlich auff Erfahrung der Eltern des liebha- benden Rittmeisters durch zween Diener gar listig aus dem Schloß nacher Hamburg ge- bracht/ und daselbst elendiglich verlassen. Das XIV. Cap. Courage wirfft ihre Liebe auff einen jungen Reu- ter/ der einen Corporal/ so ihme Hoͤrner auff- setzen wolte/ also zeichnete/ daß er des Aufste- hens vergas. Darauf wird ihr Liebster har- quebusirt/ die Courage aber mit Steckenknech- ten vom Regiment geschicket/ die zweyen Reu- tern/ so Gewalt an sie legen wolten ziemlich uͤbel mitfuhre/ da ihr ein Musquetirer zu Huͤlf- fe kame. Das XV. Cap. Courage haͤlt sich bey einem Marcketenter auf; ein Musquetirer verliebt sich trefflich in sie/ dem sie etliche gewisse Conditiones vorschreibet/ wie sie den Ehestand lediger weise mit ihme treiben moͤchte. Wird auch darauf eine Marcketenterin. Das XVI. Das XVI. Cap. Courage nennet ihren Courtisan den Musqueti- rer mit dem Nahmen Springinsfeld; dem ein Fenderich/ auf der Courage Anstalt/ gar listig ein paar grosser Hoͤrner aufsetzet/ darzu der Courage vermeinte Mutter treulich hilfft/ kurtz/ sie ziehet ihn trefflich bey der Nasen her- umb/ und schicket sich stattlich in den Handel. Das XVII. Cap. Der Courage wiederfaͤhrt ein laͤcherlicher Posse/ den ihr eine Kuͤrschnerin auf Anstifften einer Jtalianischen Putanin erwiesen/ als sie eben bey einem vornemen Herren beym Nachtim- biß war; sie bezahlet aber so wol die Putanen als die Kuͤrschnerin wieder redlich und aus- buͤndig/ macht auch einem Apotecker ein wun- derliches Stuͤckchen. Das XVIII. Cap. Die gewissenlose Courasche erkaufft von einem Musquetirer einen Spiritum Familiarem em- pfindet darbey grosses Gluͤck/ und gehet ihr alles nach Wunsch und Willen von statten. Das XIX. Cap. Courage richtet ihren Springinsfeld zu allerley Schelmenstuͤcklein trefflich ab/ der sich bey ei- ner vornemen Dame vor einen Schatzgraͤber ausgiebt/ in den Keller gelassen wird/ darauf etliche kostbare Kleinodien listig erpracticirt/ und bey Nacht von Courage aus dem Keller gezogen wird. A iiij Das Das XX. Cap. Courage nebenst ihrem Springinsfeld bestiehlt zween Meylaͤnder auf unerhoͤrte Weise/ inde- me sie dem einem/ der sehen wolte/ was in ih- rer Huͤtten vor ein Gepolter war/ und den Kopff zum Guckloch aussteckte/ mit scharffem Essig in die Augen spruͤtzte/ dem andern aber den Weeg mit scharffen Dornen verlegte. Das XXI. Cap. Courage wird von ihrem Springinsfeld im Schlaff mit Ohrfeigen angepacket/ und uͤbel zugerichtet/ der aber/ nachdem er erwachet/ sie demiitig umb Gnade und Verzeihung bit- tet/ welches doch nichts helffen will. Das XXII. Cap. Courage wird von ihrem Springinsfeld im Schlaff aus dem Bett nur im Hembd gegen des Obristen Wachtfeuer zugetragen/ daruͤber sie erwacht/ und jaͤmmerlich zu schreyen begin- net/ daß alle Officirer zulauffen/ und des Pos- sens lachen; sie schaffet ihn darauf von sich/ und giebt ihm das beste Pferd/ nebenst 100. Ducaten und dem Spiritu Familiari. Das XXIII. Cap. Courage heuratet wiederumb einen Hauptmañ/ wird aber dessen/ ehe er kaum bey ihr erwar- met/ wieder beraubet. Laͤsset sich darauf auf ihres ersten Hauptmanns Guͤter in Schwa- benland nieder/ und treibt ihr Huren-Hand- werck werck wie zuvor/ doch gar vorsichtig mit den eingequartirten Soldaten. Das XXIV. Cap. Courage bekommt eine unflaͤtige Kranckheit/ reiset darauf in den Sauerbronnen/ und macht mit Simplicio Kundschafft; als er sie betreugt/ betreugt sie ihn redlich wieder/ und laͤsst ihm ihrer Magd neugebornes Kind vor seine Thuͤr legen/ nebenst Schrifftlichem Bericht/ als ob es Courage mit ihm erzeugt haͤtte. Das XXV. Cap. Courage treibet mit einem alten Susannen- Mann in ihrem Garten ungebührliche Haͤn- del/ als eben zween Musquetierer auf einem Baum Birnen mauseten/ und der eine aus Unvorsichtigkeit die geraubten Birnen alle fal- len ließ. Darüber die Courage mit ihrem al- ten Liebhaber vertrieben/ endlich offenbaret/ und der Stadt verwiesen wird. Das XXVI. Cap. Courage wird eine Musquetiererin/ schachert darbey mit Taback und Brandtewein. Jhr Mann wird verschicket/ welcher unterweegs einen toden Soldaten antrifft/ den er auszie- het/ und weil die Hosen nicht herunter wol- ten/ ihm die Schenckel abhaut/ alles zusam- men packet/ und bey einem Baurcn einkehret/ die Schenckel zu Nachts hinterlaͤsset/ und Reißaus nimmt. Darauf sich ein recht laͤcher- licher Poß zutraͤgt. A v Das Das XXVII. Cap. Nachdem der Courage Mann in einem Treffen geblieben/ und Courage selbst auf ihrem Maul- esel entrunnen/ trifft sie eine Ziegeuner-Schaar an/ unter welchen der Leutenant sie zum Weib nimmt/ sie sagt einem verliebten Fraͤulein Waar/ entwendet ihr daruͤber alle Kleinodien/ behaͤlt sie aber nicht lang/ sondern muß solche wol abgepruͤgelt wieder zustellen. Das XXVIII Cap. Courasche kommt mit ihrer Compagnie in ein Dorff/ darinnen Kirchweyh gehalten wird/ rei- tzet einen jungen Ziegeuner an/ eine Henne tod zu schiessen; ihr Mann stellet sich solchen aufhencken zu lassen/ wie nun jederman im Dorff hinaus lief diesem Schauspiel zuzuse- hen/ stahlen die Ziegeunerinnen alles Gebra- tens und Gebackens/ und machen sich samt ihrer gantzen Zunfft eiligst und listig darvon. Das Das I. Capitel. Gruͤndlicher und nohtwendiger Vorbericht/ weme zu Liebe und Gefal- len/ und aus was dringenden Ursachen die alte Ertzbetrügerin/ Landstürtzerin und Zigeunerin Courage ihren wundernswuͤrdigen und recht seltzamen Lebens-Lauff erzehlet/ und der gantzen Welt vor die Augen stellet. J A! (werdet ihr sagen/ ihr Her- ren!) wer solte wol gemeint ha- ben/ daß sich die alte Schell ein- mal unterstehen wuͤrde dẽ kuͤnff- tigen Zorn Gottes zu entrinnen? Aber was wolt darvor seyn/ sie muß wol! dañ das Gumpen ihrer Jugend hat sich ge- endigt! ihr Muhtwill und Vorwitz hat sich gelegt/ ihr beschwertes und geaͤng- stigtes Gewissen ist aufgewacht/ und das verdrossene Alter hat sich bey ihr einge- stellt/ welches ihre vorige uͤberhaͤuffte Thorheiten laͤnger zu treiben sich schaͤ- met/ und die begangene Stuͤck laͤnger im Hertzen verschlossen zu tragen ein Eckel und Abscheu hat; Das alte Ra- A vj ben- benaaß faͤhet einmal an zu sehen und zu fuͤhlen/ daß der gewisse Tod naͤchstens bey ihr anklopffen werde/ ihr den letzten Abdruck abzunoͤhtigen/ vermittelst des- sen sie unumbgaͤnglich in ein andere Welt verreisen/ und von allem ihrem hiesigen Thun und Lassen genaue Re- chenschafft geben muß; darumb begin- net sie im Angesicht der gantzen Welt ih- ren alten Esel vom uͤberhaͤuffter Last sei- ner Beschwerden zu entladen/ ob sie viel- leicht sich umb so viel erleichtern moͤchte/ daß sie Hoffnung schoͤpffen koͤnnte noch endlich die himmlische Barmhertzigkeit zu erlangen! Ja! (ihr liebe Herren!) das werdet ihr sagen; Andere aber wer- den gedencken/ solte sich die Courage wol einbilden doͤrffen/ ihre alte zusammen gerumpelte Haut/ die sie in der Jugend mit Frantzoͤsischer Grindsalb/ folgends mit allerhand Jtalian- und Spanischer Schmincke/ und endlich mit Egyptischer Laͤussalben und vielem Gaͤnsschmaltz geschmieret/ beym Feuer schwartz geraͤu- chert/ und so offt eine andere Farbe an- zuneh- zunehmen gezwungen/ widerumb weiß zu machen? Solte sie wol vermeinen/ sie werde die eingewurtzelte Runtzeln ihrer Lasterhafften Stirn austilgen/ und sie widerumb in den glatten Stand ihrer ersten Unschuld bringen/ wann sie der- gestalt ihre Bubenstuͤck und begangne Laster Berichts weiß daher erzehlet von ihrem Hertzen zu raumen? solte wol die- se alte Vettel jetzt/ da sie alle beyde Fuͤs- se bereits im Grab hat/ wann sie anders wuͤrdig ist eines Grabs theilhafftig zu werden/ diese Alte/ (werdet ihr sagen/) die sich ihr Lebtag in allerhand Schand und Lastern umbgeweltzt/ und mit meh- rern Missethaten als Jahren/ mit meh- ren Hurenstuͤcken als Monaten/ mit mehrern Diebsgriffen als Wochen/ mit mehrern Tod-Suͤnden als Tagen/ und mit mehrern gemeinen Suͤnden als Stunden beladen; die/ deren/ so alt sie auch ist/ noch niemal keine Bekehrung in Sinn kommen/ sich unterstehen mit Gott zu versoͤhnen? Vermeinet sie wol anjetzo noch zurecht zu kommen/ da sie A vij allbe- allbereit in ihrem Gewissen anfaͤhet mehr hoͤllische Pein und Marter auszu- stehen/ als sie ihre Tage Wolluͤste ge- nossen und empfunden? Ja! wann die- se unnuͤtze abgelebte Last der Erden ne- ben solchen Wolluͤsten sich nicht auch in andern allerhand Ertzlastern herumb ge- waͤltzt/ Ja gar in der Bosheit allertieff- sten Abgrund begeben und versenckt haͤt- te/ So moͤchte sie noch wol ein wenig Hoffnung zu fassen die Gnad haben koͤn- nen; Ja ihr Herren! das werdet ihr sa- gen/ das werdet ihr gedencken/ und also werdet ihr euch uͤber mich verwundern/ wann euch die Zeitung von dieser meiner Haupt- oder General Beicht zu Ohren kommt; und wann ich solches erfahre/ so werde ich meines Alters vergessen/ und mich entweder wider jung/ oder gar zu Stuͤcken lachen! Warumb das Coura- ge? warumb wirst du also lachen? dar- umb/ daß ihr vermeinet/ ein altes Weib/ die des Lebens so lange Zeit wol gewoh- net/ und die ihr einbildet/ die Seele seye ihr gleichsam angewachsen/ gedencke an das das Sterben/ Eine solche/ wie ihr wis- set daß ich bin und mein Lebtag gewesen/ gedencke an die Bekehrung! und die je- nige so ihren gantzen Lebens-Lauff/ wie mir die Pfaffen zu sprechen/ der Hoͤllen zugerichtet/ gedencke nun erst an den Himmel. Jch bekenne unverholen/ daß ich mich auf solche Hinreis/ wie mich die Pfaffen uͤberreden wollen/ nicht ruͤsten/ nachdeme/ was mich ihrem Vorgeben nach verhindert/ voͤllig zu resignirn ent- schliessen koͤnnen; als worzu ich ein Stuͤck zu wenig/ hingegen aber etlicher/ vornemblich aber zweyer zu viel habe; das/ so mir manglet/ ist die Reu/ und was mir manglen solte/ ist der Geitz und der Neid; wann ich aber meinen Glum- pen Gold/ den ich mit Gefahr Leib und Lebens/ ja/ wie mir gesagt wird/ mit Verlust der Seeligkeit zusammen ge- raspelt/ so sehr hasse als ich meinen Ne- ben-Menschen neide/ und meinen Ne- ben-Menschen so hoch liebte als mein Geld/ so moͤchte vielleicht die himmli- sche Gabe deꝛ Reue auch folgen; ich weiß die die Art der unterschiedlichen Alter eines jeden Weibsbilds/ und bestaͤttige mit meinem Exempel/ daß alte Hund schwer- lich baͤndig zu machen; die Cholera hat sich mit den Jahren bey mir vermehrt/ und ich kan die Gall nicht heraus neh- men/ solche wie der Metzger einen Saͤu- Magen umbzukehren und auszubu- tzen; wie wolte ich dann dem Zorn wi- derstehen moͤgen? wer will mir die uͤber- haͤuffte Phlegmam evacuirn und mich al- so von der Traͤgheit curiren? Wer be- nimmt mir die Melancholische Feuch- tigkeit/ und mit derselbigen die Neigung zum Neid? Wer wird mich uͤberreden koͤnnen/ die Ducaten zu hassen/ da ich doch aus langer Erfahrung weiß/ das sie aus Noͤhten erretten/ und der einige Trost meines Alters seyn koͤnnen/ da- mal/ damal/ ihr Herrn Geistliche! wars Zeit/ mich auf den jenigen Weeg zu wei- sen/ den ich euern Raht nach jetzt erst antretten soll/ als ich noch in der Bluͤt meiner Jugend/ und in dem Stand meiner Unschuld lebte; dann ob ich gleich da- damals die gefaͤhrliche Zeit der kuͤtzel- hafften Anfechtung angieng/ so waͤre mir doch leichter gewesen dem Sanguini- schen Antrieb/ als jetzunder der uͤbrigen dreyen aͤrgsten Feuchtigkeiten gewaltsa- men Anlauff zugleich zuwiderstehen; darumb gehet hin zu solcher Jugend/ deren Hertzen noch nicht/ wie der Cou- rage, mit andern Bildnissen befleckt/ und lehret/ ermahnet/ bittet/ Ja beschwe- ret sie/ daß sie es aus Unbesonnenheit nimmermehr so weit soll kommen lassen/ als die arme Courage gethan; Aber hoͤre Courage, wann du noch nicht im Sinn hast dich zu bekehren/ warumb wilst du dann deinen Lebens-Lauff Beichtsweiß erzehlen/ und aller Welt deine Laster of- fen bahrn? Das thue ich dem Simplicis- simo zu Trutz! weil ich mich anderer Ge- stalt nicht an ihm raͤchen kan; dann nach dem dieser schlimme Vocativus mich im Saurbrunnen geschwaͤngert scilicet, uñ hernach durch einen spoͤttlichen Possen von sich geschafft/ gehet er erst hin/ und rufft meine und seine eigne Schand/ ver- mit- mittelst seiner schoͤnen Lebens-Beschrei- bung vor aller Welt aus; aber ich will ihm jetzunder hingegen erzehlen/ mit was vor einem erbarn Zobelgen er zu schaffen gehabt/ damit er wisse/ wessen er sich geruͤhmt; und vielleicht wuͤnschet/ daß er von unserer Histori allerdings still geschwiegen haͤtte; Woraus aber die gantze erbare Welt abzunehmen/ daß gemeiniglich Gaul als Gurr: Hurn und Buben eins Gelichters: und keins umb ein Haar besser als das ander sey; gleich und gleich gesellt sich gern/ sprach der Teuffel zum Kohler/ und die Suͤnden und Suͤnder werden widerumb gemei- niglich durch Suͤnden und Suͤn- der abgestrafft. Das Das II. Capitel. Jungfrau Lebuschka (hernach- mals genannte Courage ) kommt in den Krieg/ nennet sich Janco/ und muß in demselben eine Zeitlang einen Cammerdiener abgeben; da- bey vermeldet wird/ wie sie sich verhalten/ und was sich verwunderliches ferner mit ihr zugetragen. D Je jenige/ so da wissen/ wie die Sclavonische Voͤlcker ihre Leib- eigne Unterthanen tractirn/ doͤrff- ten wol vermeinen/ ich waͤre von einem Boͤhmischen Edelmann und eines Bau- ren Tochter erzeugt und geboren wordẽ; Wissen und Meinen ist aber zweyerley; ich vermeine auch viel Dings und weiß es doch nicht; wann ich sagte/ ich haͤtte gewust/ wer meine Eltern gewesen/ so wuͤrde ich luͤgen/ und solches waͤre nicht das erste mal; dieses aber weiß ich wol/ daß ich zu Bragoditz zaͤrtlich genug auf- erzogen/ zur Schulen gehalten/ und mehr als ein geringe Tochter zum Naͤ- hen/ Stricken/ Sticken und anderer dergleichen Frauenzimmer Arbeit ange- fuͤhrt fuͤhrt worden bin; das Kostgelt kam fleissig von meinem Vatter/ ich wuste aber drumb nicht woher/ und meine Mutter schickte manchen Gruß/ mit de- ren ich gleichwol mein Tage kein Wort geredet; als der Baͤyerfuͤrst mit dem Bucquoy in Boͤhmen zog/ den neuen Koͤnig widerumb zu verjagen/ da war ich eben ein fuͤrwitzigs Ding von drey- zehen Jahren/ welches anfieng nach zu- tichten/ wo ich doch herkommen seyn moͤchte; und solches war mein groͤstes Anligen; weil ich nicht fragen dorffte/ und von mir selbst nichts ergruͤnden koñ- te; ich wurde vor der Gemeinschafft der Leut verwahrt wie ein schoͤnes Gemaͤhl vorm Staub; meine Costfrau behielte mich immer in den Augen/ und weil ich mit andern Toͤchtern meines Alters kei- ne Gespielschafft machen dorffte/ sihe so vermehrten sich meine Grillen und Dauben/ die der Fuͤrwitz in meinem Hirn ausheckte/ ausser welchen ich mich auch mit sonst nichts bekuͤmmerte. Als Als sich nun der Hertzog aus Baͤyern vom Bucquoy separirte, gieng der Baͤy- er vor Budweiß/ dieser aber vor Bra- goditz; Budweiß ergab sich bey Zeiten/ und thaͤt sehr weißlich/ Bragoditz aber erwartet und erfuhr den Gewalt der Kaͤiserlichen Waffen/ welche auch mit den Halsstarrigen grausam umbgien- gen; da nun meine Kostfrau schmeckte/ wo die Sach hinaus wolte/ sagte sie zeitlich zu mir/ Jungfrau Libuschka/ wann ihr eine Jungfrau bleiben wolt/ so muͤst ihr euch scheeren lassen/ und Manns-Kleider anlegen/ wo nicht/ so wolte ich euch keine Schnalle umb euer Ehre geben/ die mir doch so hoch befoh- len worden zu beobachten; ich dachte/ was vor frembde Reden seyn mir das? Sie aber kriegte eine Scheer/ und schnit- te mir mein goldfarbes Haar auf der rechten Seiten hinweg/ das auf der Lin- cken aber liesse sie stehen/ in aller Maß und Form/ wie es die vornembste Mañs- Personen damals trugen; so/ mein Tochter! sagte sie/ wann ihr diesem B Strudel Strudel mit Ehren entrinnet/ so habt ihr noch Haar genug zur Zierd/ und in einem Jahr kan euch das ander auch wider wachsen; ich liesse mich gern troͤ- sten/ dañ ich bin von Jugend auf gena- turt gewesen/ am allerliebsten zu sehen/ wann es am allernaͤrrischten hergieng; und als sie mir auch Hosen uñ Wambst angezogen/ lernte sie mich weitere Schritte thun/ und wie ich mich in den uͤbrigen Geberden verhalten solte; also erwarteten wir der Kaͤiserlichen Voͤlcker Einbruch in die Stadt; meine Kostfrau zwar mit Angst und Zittern/ ich aber mit grosser Begierde/ zu sehen/ was es doch vor eine neue ungewoͤhnliche Kuͤrbe se- tzen wuͤrde; solches wurde ich bald ge- wahr; ich will mich aber drumb nicht aufhalten mit Erzehlung/ wie die Maͤn- ner in der eingenommenen Stadt von den Uberwindern gemetzelt: die Weibs- bilder genohtzuͤchtiget/ und die Stadt selbst gepluͤndert worden; sintemal sol- ches in dem verwichenen langwierigen Krieg so gemein und bekandt worden/ daß daß alle Welt genug darvon zu singen und zu sagen weiß; diß bin ich schuldig zu melden/ wann ich anders mein gantze Histori erzehlen will/ daß mich ein Teut- scher Reuter vor einen Jungen mit nahm/ bey dem ich der Pferdte warten und forragirn: das ist/ stehlen helffen sol- te; ich nennete mich Janco und koñte zim- lich Teutsch lallen/ aber ich liesse michs/ aller Boͤhmen Brauch nach/ drumb nicht mercken; darneben war ich zart/ schoͤn und Adelicher Geberden/ und wer mir solches jetzt nicht glauben will/ dem wolte ich wuͤnschen/ daß er mich vor 50. Jahren gesehen haͤtte/ so wuͤrde er mir dessentwegen schon ein ander gut Zeug- niß geben. Als mich nun dieser mein erster Herr zur Compagnia brachte/ fragte ihn sein Rittmeister/ welches in Warheit ein schoͤner junger tapfferer Cavallier war/ was er mit mir machen wolte? Er ant- wortet/ was andere Reuter mit ihren Jungen machen; Mausen und der Pferdte warten/ worzu die Boͤhmische B ij Art/ Art/ wie ich hoͤre/ die beste seyn soll; man sagt vor gewiß/ wo ein Boͤhm Kuder aus einem Haus trage/ da werde gewiß- lich kein Teutscher Flachs in finden; wie aber? antwortet der Rittmeister/ wann er diß Boͤmisch Handwerck an dir an- sieng/ und ritte dir zum Probstuͤck deine Pferdt hinweg; ich will/ sagt der Reu- ter/ schon Achtung auf ihn geben/ bis ich ihn aus der Kuͤheweid bringe; die Bau- ren-Buben/ antwortet der Rittmeister/ die bey den Pferdten erzogen worden/ geben viel bessere Reuter-Jungen als die Burgers Soͤhne/ die in den Staͤd- ten nicht lernen koͤnnen wie einem Pferd- te zu warten; zu dem dunckt mich/ dieser Jung sey ehrlicher Leut Kind und viel zu haͤckel auferzogen worden/ einem Reu- ter seine Pferd zu versehen; ich spitzte die Ohren gewaltig/ ohne daß ich derglei- chen gethan haͤtte/ daß ich etwas von ih- rem Discurs verstuͤnde/ weil sie Teutsch re- deten; meine groͤste Sorg war/ ich moͤch- te wider abgeschafft/ und nach dem ge- pluͤnderten Bragodiz zuruck gejagt wer- den/ den/ weil ich die Trommeln und Pfeif- fen/ das Geschuͤtz/ und die Trompeten/ von welchem Schall mir das Hertz im Leib aufhupffte/ noch nicht satt genug gehoͤrt hatte; zu letzt schickte sichs/ ich weiß nicht zu meinem Gluͤck oder Un- gluͤck/ daß mich der Rittmeister selbst be- hielte/ daß ich seiner Person wie ein Pa- ge und Cammerdiener aufwarten solte; dem Reuter aber gab er einen andern Boͤhmischen Knollfincken zum Jungen/ weil er ja einen Dieb aus unserer Nati- on haben wolte; Also schickte ich mich nun gar artlich in den Possen; ich wuste meinem Ritt- meister so trefflich zu Fuchsschwaͤntzen/ seine Kleidungen so sauber zu halten/ sein weiß leinen Zeug so nett zu accom- modirn, und ihm in allem so wol zu pfle- gen/ daß er mich vor den Kern eines gu- ten Cammer dieners halten muste; und weil ich auch einen grossen Lust zum Ge- wehr hatte/ versahe ich dasselbe derge- stalten/ daß sich Herr und Knechte dar- auf verlassen durfften/ und dannenhero B iij erhiel- erhielte ich bald von ihm/ daß er mir ei- nen Degen schenckte/ und mich mit einer Maultasche Wehrhafft machte; uͤber das/ daß ich mich hierinn so frisch hielte/ muste sich auch jederman uͤber mich ver- wundern/ und vor die Anzeigung eines unvergleichlichen Verstands halten/ daß ich so bald Teutsch reden lernete/ weil niemand wuste/ daß ichs bereits von Jugend auf lernen muͤssen; darneben be- flisse ich mich aufs hoͤchste/ alle meine Weibliche Sitten auszumustern/ und hingegen Mannliche anzunehmen; ich lernte mit Fleiß fluchen wie ein anderer Soldat/ und darneben Sauffen wie ein Buͤrstenbinder/ soff Bruͤderschafft mit denen/ die ich vermeinte das sie mei- nes Gleichens waͤren/ und wann ich et- was zu beteuern hatte/ so geschahe es bey Dieb und Schelmen schelten/ damit ja niemand mercken solte/ warumb ich in meiner Geburt zu kurtz kommen/ oder was ich sonst nicht mit- gebracht. Das III. Das III. Capitel. Janco vertauschet sein Edles Jungser-Kraͤntzlein bey einem resolu- ten Rittmeister umb den Nahmen Conrasche. M Ein Rittmeister war/ wie hiero- ben gemeldet/ ein schoͤner junger Cavallier/ ein guter Reuter/ ein guter Fechter/ ein guter Daͤntzer/ ein Reuterischer Soldat/ und uͤberaus sehr auf das Jagen verbicht; sonderlich mit Windhunden die Haasen zu hetzen war sein groͤster Spaß; er hatte so viel Barts umbs Maul als ich/ und wann er Frau- enzimmer-Kleider angehabt haͤtte/ so haͤtte ihn der Tausendste vor eine schoͤne Jungfrau gehalten; aber wo komm ich hin? ich muß meine Histori erzehlen; als Budweis und Bragodiz uͤber/ gien- gen beyde Armeen vor Pilsen/ welches sich zwar tapffer wehrete/ aber hernach auch mit jaͤmmerlichem Wuͤrgen und Aufhencken seine Straff empfieng; von dannen ruckten sie auf Raconitz/ allwo B iiij es es die erste Stoͤß im Feld setzte/ die ich sa- he; und damals wuͤnschte ich ein Mann zu seyn/ umb dem Krieg meine Tage nachzuhaͤngen; dann es gieng so lustig her/ daß mir das Hertz im Leib lachte; und solche Begierde vermehrte mir die Schlacht auf dem weissen Berg bey Prag/ weil die unsere einen grossen Sieg erhielten und wenig Volck einbuͤ- sten; damals machte mein Rittmeister treffliche Beuten/ ich aber liesse mich nicht wie ein Page oder Caͤmmerling/ vielweniger als ein Maͤgdgen/ sondern wie ein Soldat gebrauchen/ der an den Feind zu gehen geschworen/ und dar- von seine Besoldung hat. Nach diesem Treffen marchirt der Hertzog aus Baͤyern in Oesterreich/ der Saͤchsische Churfuͤrst in die Laußnitz/ und unser General Bucquoy in Maͤhren/ des Kaͤisers Rebellen widerumb in Ge- horsam zu bringen; und indem sich die- ser letztere an seiner bey Raconitz em- pfangenen Beschaͤdigung curiren liesse; sihe/ da bekam ich mitten in derselbigen Ruhe/ Ruhe/ so wir seinethalber genossen/ eine Wunden in mein Hertz/ welche mir mei- nes Rittmeisters Liebwuͤrdigkeit hinein truckte; dann ich betrachtete nur die je- nige Qualitaͤten/ die ich oben von ihm erzehlet/ und achtete gar nicht/ daß er we- der Lesen noch Schreiben konnte/ und im uͤbrigen so ein roher Mensch war/ daß ich bey meiner Treu schweren kan/ ich haͤtte ihn niemahlen hoͤren oder sehen be- ten; und wann ihn gleich der weise Koͤ- nig Alphonsus selbst eine schoͤne Bestia genannt haͤtte/ so waͤre mein Liebes- Feur/ das ich hegte/ doch nicht darvon verloschen/ welches ich aber heimlich zu halten gedachte/ weil mirs meine wenig uͤbrighabende Jungfraͤuliche Scham- hafftigkeit also riehte; es geschahe aber mit solcher Ungedult/ daß ich/ unange- sehen meiner Jugend/ die noch keines Manns wehrt war/ mir offt wuͤnschte/ der jenigen Stelle zu vertretten/ die ich und andere Leute ihm zu Zeiten zu kup- pelten; so hemmte Anfaͤnglich auch nicht wenig den ungestuͤmmen und gefaͤhrli- B v chen chen Ausbruch meiner Liebe/ daß mein Liebster von einem edlen und Namhaff- ten Geschlecht geboren war/ von dem ich mir einbilden muste/ daß er keine/ die ihre Eltern nicht kennete/ ehelichen wuͤr- de; und seine Matresse zu seyn/ konnte ich mich nicht entschliessen/ weil ich taͤg- lich bey der Armee so viel Huren sahe Preiß machen. Ob nun gleich dieser Krieg uñ Streit/ den ich mit mir selber fuͤhrte/ mich greu- lich quaͤlte/ so war ich doch geil und aus- gelassen darbey/ ja von einer solchen Natur/ daß mir weder mein innerlichs Anliegen noch die aͤuserliche Arbeit und Kriegs Unruhe etwas zu schaffen gab; ich hatte zwar nichts zu thun/ als einzig meinem Rittmeister aufzuwarten; aber solches lernete mich die Liebe mit solchem Fleiß und Eifer verrichten/ daß mein Herrtausend Eid vor einen geschworen haͤtte/ es lebte kein treuerer Diener auf dem Erdboden; in allen occasionen, sie waͤren auch so scharff gewesen/ als sie immer wolten/ kame ich ihme niemah- len len vom Rucken oder der Seiten/ wie- wol ichs gar nicht zu thun schuldig war/ und uͤber das war ich allzeit willig/ wo ich nur etwas zu thun wuste/ das ihm gefiele; so haͤtte er auch gar wol aus mei- nem Angesicht lesen koͤnnen/ wann ihn nur meine Kleider nicht betrogen/ daß ich ihn weit mit einer anderen als eines gemeinen Dieners Andacht geehrt und angebetet; Jndessen wuchse mir mein Busen je laͤnger je groͤsser/ und druckte mich der Schu je laͤnger je hefftiger/ der- gestalt/ daß ich weder von aussen meine Bruͤste: noch den innerlichen Brand im Hertzen laͤnger zu verbergen getraute. Als wir Jylau bestuͤrmet/ Trebitz be- zwungen/ Znaim zum Accord gebracht/ Bruͤn und Olmuͤtz unter das Joch ge- worffen/ und meisten theils alle andere Staͤdte zum Gehorsam getrieben/ seynd mir gute Beuten zugestanden/ welche mir mein Rittmeister/ meiner getreuen Dienste wegen/ alle schenckte; wormit ich mich trefflich mundirte/ und selbst zum allerbesten beritten machte/ meinen B vj eignen eignen Beutel spickte/ und zu Zeiten bey dem Marquedentern mit den Kerln ein Maas Wein tranck; einsmals machte ich mich mit etlichen lustig/ die mir aus Neid empfindliche Wort gaben/ und sonderlich war ein feindseliger daꝛunter/ der die Boͤhmische Nation gar zu sehr schmaͤhete und verachtete; der Narr hiel- te mir vor/ daß die Boͤhmen ein faulen Hund voller Maden vor ein stinckenden Kaͤß gefressen haͤtten/ und foppte mich allerdings/ als wann ich Persoͤnlich darbey gewesen waͤre/ derowegen kamen wir beyderseits zu Scheltworten/ von den Worten zu Nasenstuͤbern/ und von den Stoͤssen zum Rupffen und Ringen/ unter welcher Arbeit mir mein Gegen- theil mit der Hand in Schlitz wischte/ mich bey dem jenigen Geschirr zu erdap- pen/ das ich doch nicht hatte/ welcher zwar vergebliche/ doch Moͤrderische Griff mich viel mehr verdrosse/ als wann er nicht leer abgangen waͤre/ und eben darumb wurde ich desto verbitterter/ ja gleichsam halber unsinnig/ also/ daß ich aller aller meiner Staͤrck und Geschwindig- keit zusammen gebotte/ und mich mit Kratzen/ Beissen/ Schlagen und Tret- ten dergestalt wehrete/ daß ich meinen Feind hinunter brachte/ und ihn im An- gesicht also zurichtete/ daß er mehr einer Teuffels-Larven als einem Menschen gleich sahe/ ich haͤtte ihn auch gar er- wuͤrgt/ wann mich die andere Gesell- schafft nicht von ihm gerissen/ und Fried gemacht haͤtte; ich kam mit einem blau- en Aug darvon/ und konnte mir wol ein- bilden/ daß der schlimme Kund gewahr worden/ was Geschlechts ich gewesen/ und ich glaub auch/ daß ers offenbahrt haͤtte/ wann er nicht gefuͤrchtet/ daß er entweder mehr Stoͤsse bekommen/ oder zu denen die eꝛ allbereit empfangen/ aus- gelacht worden waͤre/ umb daß er sich von einem Maͤgdgen schlagen lassen; uñ weil ich sorgte/ er moͤchte noch endlich schnellen/ sihe so drehete ich mich aus. Mein Rittmeister war nicht zu Haus/ als ich in unser Quartier kam/ sondern bey einer Gesellschafft anderer Officier/ B vij mit mit denen er sich lustig machte/ allwo er auch erfuhr was ich vor eine Schlacht gehalten/ ehe ich zu ihm kam; er liebte mich als ein resolutes junges Buͤrschel/ und eben darumb war mein Filtz desto geringer/ doch unterliesse er nicht mir dessentwegen einen Verweiß zu geben; als aber die Predigt am allerbesten war/ und er mich fragte/ warumb ich meinen Gegentheil so gar abscheulich zugerich- tet haͤtte/ antwortet ich/ darumb/ daß er mir nach der Courage gegriffen hat/ wo- hin sonst noch keines Manns-Menschen Haͤnde kommen seyn/ (dann ich wolte es verzwicken/ und nicht so grob nennen/ wie die Schwaben ihre zusammen ge- legte Messer/ welche man/ wann ich Meister waͤre/ auch nicht mehr so un- hoͤfflich/ sondern unzuͤchtige Messer heis- sen muͤste/) und weil meine Jungfrau- schafft ohne das sich in letzten Zuͤgen be- fand/ zumalen ich wagen muste/ mein Gegentheil wuͤrde mich doch verrahten/ sihe/ so entbloͤste ich meinen schneeweis- sen Busen/ und zeigte dem Rittmeister meine meine anziehende harte Bruͤste; sehet/ Herr! sagte ich/ hie sehet ihr eine Jung- frau/ welche sich zu Bragodiz verkleidet hat/ ihre Ehr vor den Soldaten zu er- retten/ und demnach sie Gott und das Gluͤck in euere Haͤnde verfuͤgt/ so bittet sie/ und hofft/ ihr werdet sie auch als ein ehrlicher Cavallier bey solcher ihrer her- gebrachten Ehr beschuͤtzen; und als ich solches vorgebracht hatte/ fieng ich so er- baͤrmlich an zu weinen/ daß einer drauff gestorben waͤre/ es sey mein gruͤndlicher Ernst gewesen. Der Rittmeister erstaunete zwar vor Verwunderung/ und muste doch la- chen/ daß ich mit einen neuen Nahmen viel Farben beschrieben hatte/ die mein Schild und Helm fuͤhrte; er troͤstete mich gar freundlich/ und versprach mit gelehrten Worten meine Ehre wie sein eigen Leben zu beschuͤtzen/ mit den Wer- cken aber bezeugte er alsobalden/ daß er der Erste waͤre/ der meinem Kraͤntzlein nachstellte/ und sein unzuͤchtig Gegrabel gefiele mir auch viel besser als sein ehr- lichs lichs Versprechen; doch wehrete ich mich Ritterlich; nicht zwar/ ihme zu entge- hen/ oder seinen Begierden zu entrinnen/ sondern ihn recht zu hetzen und noch be- gieriger zu machen; allermassen mir der Poß so artlich angieng/ daß ich nichts geschehen liesse/ bis er mir zuvor bey Teuffelholen versprach mich zu eheli- chen/ unangesehen/ ich mir wol einbil- den konnte/ er wuͤrde solches so wenig im Sinn haben zu halten/ als den Hals abzufallen. Und nun schaue/ du guter Simplex! du doͤrfftest dir hiebevor im Saurbrunnen vielleicht eingebildet ha- ben/ du seyest der Erste gewesen/ der den suͤssen Milchraum abgehoben; Ach nein du Tropff! du bist betrogen/ er war hin/ ehe du vielleicht bist geboren worden/ darumb dir dann billich/ weil du zu spat aufgestanden/ nur der Zeiger ge- buͤhrt und vorbehalten worden; aber diß ist nur Puppenwerck gegen dem zu- rechnen/ wie ich dich sonst angeseilt und betrogen habe/ welches du an seinem Ort auch gar ordenlich von mir vernehmen solt. Das IV. Das IV. Capitel. Courage wird darumb eine Ehe- frau und Rittmeisterin/ weil sie gleich daranf wieder zu einer Wittbe werden mu- ste/ nachdem sie vorhero den Ehestand eine weile lediger Weise ge- trieben hatte. A Lso lebte ich nun mit meinem Ritt- meister in heimlicher Liebe/ uñ ver- sahe ihm beydes die Stelle eines Cammerdieners und seines Eheweibs; ich quaͤlte ihn offt/ daß er dermahlen eins sein Versprechen halten/ und mich zur Kirchen fuͤhren solte/ aber er hatte allzeit eine Ausrede/ vermittelst deren er die Sach auf die lange Banck schieben koñ- te/ niemahlen konnte ich ihn besser zu Chor treiben/ als wann ich eine gleich- sam unsinnige Liebe gegen ihn bezeugte/ und darneben meine Jungfrauschafft wie des Jephthæ Tochter beweinte; wel- chen Verlust ich doch nicht dreyer Heller wehrt schaͤtzte; ja ich war froh/ daß mir solche als ein schwerer untraͤglicher Last entnommen war/ weil mich nunmehr der Fuͤrwitz Fuͤrwitz verlassen; doch brachte ich mit meiner liebreitzenden Importuni taͤt so viel zu wegen/ daß er mir zu Wien ein doll Kleid machen liesse/ auf die neue Mode/ wie es damahlen das Adeliche Frauen- zimmer in Jtalia trug/ (so daß mir nichts anders manglete/ als die Copulati on/ und daß man mich einmal Frau Ritt- meisterin nennete/) wormit er mir eine grosse Hoffnung machte/ und mich wil- lig behielte; ich dorffte aber drumb das- selbig Kleid nicht tragen/ noch mich vor ein Weibsbild/ vielweniger aber vor sei- ne Gespons ausgeben; und was mich zum allermeisten verdrosse/ war diß/ daß er mich nicht mehr Janco/ auch nicht Libuschka sondern Courage nannte; den- felben Nahmen aͤhmten andere nach/ ohne daß sie dessen Ursprung wusten/ sondern vermeinten mein Herr hiesse mich dessentwegen also/ weil ich mit ei- ner sonderbaren Refolution und unver- gleichlichen Courage in die alleraͤrgste Feinds-Gefahrn zu gehen pflegte/ und also muste ich schlucken was schwer zu ver- verbauen war. Darumb O ihr lieben Maͤgdgen! die ihr noch euer Ehr und Jungfrauschafft unversehrt erhalten habt/ seyd gewarnet/ und lasset euch sol- che so liderlich nicht hinrauben/ dann mit derselbigen gehet zugleich euere Freyheit in Duckas/ und ihr gerahtet in ein solche Marter und Sclaver ey/ die schwerer zu erdulden ist/ als der Todt selbsten/ ich habs erfahren und kan wol ein Liedlein darvon singen; Der Verlust meines Kraͤntzleins thaͤt mir zwar nicht wehe/ dann ich hab niemal kein Schloß dar- umb zu kauffen begehrt/ aber dieses gieng mir zu Hertzen/ daß ich mich noch deswegen foppen lassen/ und noch gute Wort darzu geben muste/ wolte ich nicht in Sorgen leben/ daß mein Rittmeister aus der Schul schwatzen/ und mich al- ler Welt zu Spott und Schand darstel- len moͤchte. Auch ihr Kerl/ die ihr mit solcher betruͤglichen Schnapphanerey umbgehet/ sehet euch vor/ daß ihr nicht den Lohn euerer Leicht fertigkeit von de- ren empfahet/ die ihr zu billicher Rach bewee- beweeget; wie man ein Exempel zu Pa- ris hat/ allwo ein Cavallier/ nachdem er eine Dame betrogen/ und sich fol- gents an ein andere verheuraten wolte/ widerumb zum Beyschlaff gelockt: des Nachts aber ermordet/ elend zerstuͤm- melt/ und zum Fenster hinaus auf die offene Straß geworffen wurde; ich muß von mir selbst bekennen/ wann mich mein Rittmeister nicht mit allerhand hertzli- chen Liebsbezeugungen unterhalten/ und mir nicht stetig Hoffnung gemacht haͤt- te/ mich noch entlich ohne allen Zweiffel zu ehelichen/ daß ich ihm einmal unver- sehens in einer Occasion ein Kugel ge- schenckt haͤtte; Jndessen marchirten wir unter des Bucquoy Commando in Un- garn/ und nahmen zum ersten Preß- burg ein/ allwo wir auch unsere meiste Bagage und beste Sachen hinderlege- ten/ weil sich mein Rittmeister versahe/ wir wuͤrden mit dem Bethlen Gabor ei- ne Feldschlacht wagen muͤssen/ von dan- nen giengen wir nach S. Georgi/ Pos- sing/ Moder und andere Ort/ welche erstlich erstlich gepluͤndert und hernach ver- brendt wurden/ Tirnau/ Altenburg und fast die gantze Jnsul nahmen wir ein/ und vor Neusoll: kriegten wir einige Stoͤsse/ allwo nicht allein mein Rittmei- ster toͤdlich verwundet/ sondern auch unser General der Graf Bucquoy selb- sten nidergemacht wurde/ welcher Tod dann verursachte/ daß wir anfiengen zu fliehen/ und nicht aufhoͤreten/ bis wir nach Preßburg kamen/ daselbst pflegte ich meinem Rittmeister mit gantzen Fleiß/ aber die Wundaͤrtzte prophecey- ten ihm den gewissen Tod/ weil ihm die Lung verwundet war/ derowegen wur- de er auch durch gute Leute erinnert und da hin bewoͤgt daß er sich mit Gott ver- soͤhnet/ dann unser Regiments-Caplan war ein solcher eiferiger Seelensorger/ daß er ihm keine Ruhe ließ/ bis er beich- tet und communicirte; Nach solchem wurde er beydes durch seinen Beicht- vatter und sein eigen Gewissen ange- sport und getrieben/ daß er mich mit ihme im Bette copuliren liesse/ welches nicht nicht seinem Leib/ sondern seiner See- len zum besten angesehen war/ und sol- ches gieng desto ehender/ weil ich ihn uͤ- berredet/ daß ich mich von ihm schwan- ger befaͤnde; So verkehrt nun gehets in der Welt her/ andere nehmen Weiber mit ihnen ehelich zu leben/ dieser aber ehelichte mich/ weil er wuste daß er solte sterben! Aus diesem Verlauff musten die Leute nun glauben/ daß ich ihn nicht als ein getreuer Diener/ sondern als sei- ne Matreß bedient/ und sein Ungluͤck be- weinet hatte/ das Kleid kam mir wol zu der Hochzeit-Ceremonien zu Paß/ wel- ches er mir hiebevor machen lassen/ ich dorffte es aber nicht lang tragen/ son- dern muste ein schwartzes haben/ weil er nach wenig Tagen mich zur Wittib machte/ und damals gieng mirs aller- dings wie jenem Weib/ die bey ihres Manns Begraͤbnis einem ihrer Be- freundten/ der ihr das Leid klagte/ zur Antwort gab; was einer zum liebsten hat/ fuͤhrt einem der Teuffel zum ersten hin. Jch liesse ihn seinem Stand gemaͤß praͤch- praͤchtig genug begraben/ dann er mir nicht allein schoͤne Pferdt/ Gewehr und Kleider: sondern auch ein schoͤn Stuͤck Gelt hinterlassen/ und umb alle diese Begebenheit liesse ich mir von den Geist- lichen Schrifftlichen Urkund geben/ der Hoffnung dardurch von seiner Eltern Verlassenschafft noch etwas zu erha- schen/ ich konnte abeꝛ auf fleissiges Nach- forschen nichts anders erfahren/ als daß er zwar gut Edel von Geburt: aber hin- gegen so blut-arm gewesen/ daß er sich elend behelffen muͤssen/ wann ihm die Boͤhmen keinen Krieg geschickt oder zu- gericht haͤtten. Jch verlohre aber zu Preßburg nicht allein diesen meinen Liebsten/ sondern wurde auch in selbiger Stadt vom Bethlen Gabor belaͤgert/ dieweil aber zehen Compagnien Reuter und zwey Regiment zu Fuß aus Maͤh- ren durch ein Strategema die Stadt entsetzet/ Bethlen an der Eroberung verzweiffelt und die Belaͤgerung aufge- hoben/ habe ich mich mit einer guten Gelegenheit sammt meinen Pferdten/ Die- Dienern und gantzer Pagage nach Wien begeben/ umb von dannen wi- derumb in Boͤhmen zu kommen; zu se- hen/ ob ich vielleicht meine Kostfrau zu Bragodiz noch lebendig finden und von ihr erkundigen moͤchte/ wer doch meine Eltern gewesen; ich kuͤtzelte mich da- mals mit keinen geringen Gedancken/ was ich nemlich vor Ehr und Ansehens haben wuͤrde/ wann ich wider nach Haus kaͤme/ und so viel Pferdt und Diener mitbraͤchte/ das ich alles laut meiner Urkund im Krieg redlich und ehrlich ge- wonnen. Das Das V. Capitel. Was die Rittmeisterin Courage in ihrem Wittibstand vor ein erbares zuͤchtiges/ wie auch verruchtes Gottloses Leben gefuͤhret/ wie sie einem Grafen zu Willen wird/ einen Ambassador umb seine Pistolen brin- get/ und sich andern mehr umb rei- che Beute zu erschnappen wil- lig unterwirfft. W Eil ich meine vorhabende Reise Unsicherheit halber võ Wien aus nach Bragodiz so bald nicht ins Werck zu setzen getraute/ zumalen es in den Wirthshaͤusern grausam theur zu zehren war/ als verkauffte ich meine Pferdte und schaffte alle meine Diener ab/ dingte mir aber hingegen eine Magd und bey einer Wittib eine Stube/ Cam- mer und Kuchel/ umb genau zu hausen und Gelegenheit zu erwarten/ mit de- ren ich sicher nach Haus kommen koͤnn- te; Dieselbe Wittib war ein rechtes Dauß-Es die nicht viel ihres Gleichen hatte; Jhre zwo Toͤchter aber waren unsers Volcks/ und beydes bey der C Hof- Hofbursch und den Kriegs-Officiern wol bekandt/ welche mich auch bey den- selben bald bekand machten; so/ daß der- gleichen Schnapphanen in Kuͤrtze die grosse Schoͤnheit der Rittmeisterin/ die sich bey ihnen enthielte/ untereinander zu ruͤhmen wusten/ gleich wie mir aber mein schwartzer Traur-Habit ein sonder- bares Ansehen und erbare Gravitaͤt ver- liehe/ zumalen meine Schoͤnheit desto hoͤher herfuͤr leuchten machte/ also hielte ich mich auch anfaͤnglich gar still und ein- gezogen; meine Magd muste spinnen/ ich aber begab mich aufs Naͤhen/ Wir- cken und andere Frauenzimmer-Arbeit/ daß es die Leute sahen/ heimlich aber pflantzte ich meine Schoͤnheit auf/ und konte offt ein gantze Stund vorm Spie- gel stehen/ zu lernen und zu begreiffen/ wie mir das Lachen/ das Weinen/ das Seufftzen und andere dergleichen veraͤn- derliche Sachen anstunden; und diese Thorheit solte mir ein genugsame Anzei- gung meiner Leichtfertigkeit/ und eine gewisse Propheceyung gewesen seyn/ daß daß ich meiner Wuͤrthin Toͤchtern bald nachaͤhmen wuͤrde; welche auch/ damit solches bald geschehe/ sammt der Alten anfiengen gute Kundschafft mit mir zu machen/ und mir die Zeit zu kuͤrtzen mich offt in meinem Zimmer besuchten/ da es dann solche Discurs setzte/ die so jungen Dingern wie ich war/ die Frommkeit zu- erhalten/ gar ungesund zu seyn pflegen; sonderlich bey solchen Naturen wie die Meinige inclinirt gewesen; Sie wuste mit weitlaͤuffigen Umbschweiffen artlich herumb zu kommen/ und lernete meine Magd Anfaͤnglich/ wie sie mich recht auf die neue Mode aufsetzen und ankleiden solte; Mich selbst aber unterrichtet sie wie ich meine weisse Haut noch weisser/ und meine Goldfarbe Haar noch glaͤn- tzender machen solte/ und wann sie mich dann so gebutzt hatte/ sagte sie/ es waͤre immer Schad/ daß so ein edele Creatur immerhin in einem schwartzen Sack ste- cken/ und wie ein Turteltaͤublein leben solte; das thaͤt mir dann trefflich kirr/ und war Oehl zu dem ohne das bren- C ij nen- nenden Feur meiner anreitzenden Be- gierden; Sie lehnete mir auch den Ama- dis die Zeit darinn zu vertreiben und Complimenten daraus zu ergreiffen/ und was sie sonst erdencken konnte/ das zu Liebes-Luͤsten reitzen machte/ das liesse sie nicht unterwegen. Jndessen hatten meine abgeschaffte Diener ausgesprengt und unter die Leu- te gebracht/ was ich vor eine Rittmeiste- rinn gewesen/ und wie ich zu solchem Titul kommen/ und weil sie mich nicht anders zu nennen wusten/ verbliebe mir der Nahm Courage, auch fieng ich nach und nach an meines Rittmeisters zu ver- gessen/ weil er mir nicht mehr warm gab/ und in dem ich sahe/ daß meiner Wuͤr- thin Toͤchter so guten Zuschlag hatten/ wurde mir das Maul allgemach nach neuer Speise waͤsserig/ welche mir auch meine Wuͤrthin lieber als ihr selbst gern gegoͤñt haͤtte; doch dorffte sie mir/ so lang ich die Traur nicht ablegte/ noch nichts dergleichen so offentlich zumuhten/ weil sie sahe/ daß ich die Anwuͤrff/ so hierauf zieh- ziehleten/ gar kaltsinnig annahm; gleich- wol unterliessen etliche vornehme Leute nicht/ ihr taͤglich meinetwegen anzu- liegen/ und umb ihr Haus herumb zu schwermen wie die Raub-Bienen umb ein Jm̃enfaß/ unter diesen war ein jun- ger Graf/ der mich neulich in der Kir- chen gesehen/ und sich aufs aͤuserste ver- liebt hatte/ dieser spendirte trefflich/ ei- nen Zutritt zu mir zu bekommen/ und damit es ihm anderwaͤrts gelingen moͤchte/ weil ihn meine Wuͤrthin noch zur Zeit nicht kecklich bey mir anzubrin- gen getraute/ (die er dessentwegen offt vergeblich ersucht/) erkundigte er von ei- nem meiner gewesenen Diener alle Be- schaffenheit des Regiments/ darunter mein Rittmeister gelebt/ und als er der Officier Nahmen wuste/ demuͤtigt er sich mir aufzuwarten oder mich Persoͤn- lich zu besuchen umb seinen Bekandten nachzufragen/ die er sein Lebtag nicht ge- sehen hatte/ von dannen kam er auch auf meinen Rittmeister/ von welchem er auffschnitte/ daß er in der Jugend neben C iij ihm ihm studirt und allzeit gute Kundschafft und Vertreulichkeit mit ihm gehabt haͤt- te/ beklagte auch seinen fruͤhezeitigen Ab- gang/ und lamentirte damit zugleich uͤ- ber mein Ungluͤck/ daß es mich in einer solchen zarten Jugend so bald zu einer Wittib gemacht/ mit Anerbieten/ da ich in irgend was seiner Huͤlffe beduͤrfftig waͤre/ ꝛc. mit solchen und dergleichen Aufzuͤgen suchte der junge Herr sein erste Kundschafft mit mir zu machen/ die er auch bekam/ und ob ich zwar greiffen konnte/ das er im Reden irrete (dann mein Rittmeister hatte ja das geringste nicht studirt.) So liesse ich mir doch sei- ne Weise wolgefallen/ weil seine Mei- nung dahin gieng/ des abgangnen Ritt- meisters Stell bey mir zu ersetzen/ doch stellte ich mich gar frembt uñ kaltsinnig/ gab kurtzen Bescheid und zwang ein zier- lichs Weinen daher/ bedanckte mich sei- nes Mittleidens und der anerbottenen Gnad/ mit so beschaffnen Complimen- ten/ die genugsamb waren/ ihme anzu- deuten/ daß sich seine Liebe vor dißmal mit mit einem guten Anfang genuͤgen lassen/ er selbst aber widerumb einen ehrlichen Abscheid von mir nehmen solte. Den andern Tag schickte er seinen Lacqueyen/ zu vernehmen/ ob er mir kein Ungelegenheit machte/ wann er kaͤme mich zu besuchen; Jch liesse ihm wider sagen/ er machte mir zwar keine Ungele- genheit/ und ich moͤchte seine Gegenwart auch wol leiden/ allein weil es wunderli- che Leute in der Welt gebe/ denen alles verdaͤchtig vorkaͤme/ so baͤte ich/ er wolle meiner verschonen/ und mich in kein boͤs Geschꝛey bringen. Diese unhoͤffliche Ant- wort machte den Grafen nicht allein nicht zornig/ sondern viel verliebter/ er passirte Maulhenckolisch bey dem Hau- se voruͤber/ der Hoffnung/ auffs wenigst nur seine Augen zu weiden/ wann er mich am Fenster sehe/ aber vergeblich/ ich wol- te meine Wahr recht theur an Mann bringen/ und liesse mich nicht sehen/ in dessen nun dieser vor Liebe halber ver- gieng/ legte ich meine Trauer ab/ und prangte in meinem andern Kleid/ darinn C iiij ich ich mich dorffte sehen lassen; da unter- liesse ich nichts das mich ziern moͤchte/ und zohe damit die Augen und Hertzen vieler grossen Leut an mich/ welches aber nur geschahe/ wann ich zur Kirchen gieng/ weil ich sonst nirgends hin kam/ ich hatte taͤglich viel Gruͤsse und Pott- schafften von diesen und von jenen anzu- hoͤren/ die alle in des Grafen Spital kranck lagen/ aber ich bestunde so unbe- woͤglich wie ein Felsen/ bis gantz Wien nicht allein von dem Lob meiner unver- gleichlichen Schoͤnheit/ sondern auch von dem Ruhm meiner Keuschheit und anderer seltenen Tugenden erfuͤllt ward; Da ich nun meine Sach so weit ge- bracht/ daß man mich schier vor eine halbe Heiliginne hielte/ dunckte mich Zeit seyn/ meinen bisher bezwungenen Begierden den Zaum einmal schiessen zu lassen/ und die Leute in ihrer guten von mir gefasten Meinung zu betruͤgen. Der Graf war der Erste/ dem ich Gunst bezeugte/ und widerfahren liesse/ weil er solche zu erlangen weder Muͤhe noch Un- costen costen sparete/ er war zwar Liebens wehrt und liebte mich auch von Hertzen/ und ich hielte ihn vor den Besten unterm gantzen Hauffen/ mir meine Begierden zu saͤttigen; Aber dannoch so waͤre er nicht darzu kommen/ wann er mir nicht gleich nach abgelegter Traur ein Stuͤck Columbinen Adlaß mit aller Ausstaffie- rung zu einem neuen Kleid geschickt/ und vor allen Dingen 100. Ducaten in mei- ne Haushaltung/ umb daß ich mich uͤber meines Manns Verlust desto besser troͤ- sten solte/ verehrt haͤtte; Der Ander nach ihm war eines grossen Potentaten Am- bassador/ welcher mir die erste Nacht 60. Pistolen zu verdienen gabe/ nach die- sen kamen auch andere/ und zwar keine die nicht tapffer spendieren konnten/ dañ was arm war/ oder wenigst nicht gar reich und hoch/ das mochte entweder draussen bleiben/ oder sich mit meiner Wuͤrthin Toͤchtern behelffen/ und sol- cher Gestalt richtete ichs dahin/ daß mei- ne Muͤhle gleichsamb nie leer stunde/ ich maltzerte auch so Meisterlich/ daß ich in- C v ner ner Monats Frist uͤber 1000. Ducaten in specie zu sammen brachte/ ohne das je- nige/ was mir an Kleinodien/ Ringen/ Ketten/ Armbaͤndern/ Sammet/ Sei- den und Leinen Gezeug (mit Struͤmpfen und Handschuhen dorffte wol keiner aufziehen/) auch an Victualien, Wein und anderen Sachen verehrt wurde/ uñ also gedachte ich mir meine Jugend fuͤr- derhin zu Nutz zu machen/ weil ich wuste daß es heist. Ein jeder Tag bricht dir was ab/ Von deiner Schoͤnheit bis ins Grab. Und es muͤste mich auch noch auf die- se Stund reuen/ wann ich weniger ge- than haͤtte; Endlich machte ichs so grob/ daß die Leute anfiengen mit Fingern auf mich zu zeichen/ und ich mir wol einbil- den koñte/ die Sach wuͤrde so in die Laͤn- ge kein Gut thun/ dann ich schlug zu letzt dem Geringen auch keine Reis ab/ mei- ne Wuͤrthin war mir treulich beholffen/ und hatte auch ihren ehrlichen Gewinn davon; Sie lernete mich allerhand fei- ne Kuͤnste/ die nicht nur leichtfertige Weiber Weiber koͤnnen/ sondern auch solche/ da- mit sich theils lose Maͤnner schleppen/ so gar/ daß ich mich auch fest machen/ und einem jeden/ wann ich nur wolte/ seine Buͤchsen zubannen konnte/ und ich glau- be/ wann ich laͤnger bey ihr blieben waͤ- re/ daß ich auch gar Hexen gelernt haͤtte; Demnach ich aber getreulich gewarnet wurde/ daß die Obrigkeit unser Nest ausnehmen und zerstoͤhren wuͤrde/ kauff- te ich mir eine Calesch und zwey Pferdt/ dingte einen Knecht/ und machte mich damit unversehens aus dem Staub/ weil ich eben gute Gelegenheit hatte si- cher nach Prag zu kommen. Das VI. Capitel. Courage kommt durch wunder- liche Schickung in die zweyte Ehe/ und freyete einen Hauptmann/ mit dem sie treff- lich gluͤckselig und vergnuͤgt lebte. J Ch haͤtte zu Prag feine Gelegen- heit gehabt/ mein Handwerck fer- ners zu treiben/ aber die Begierde meine Kostfrau zu sehen/ und meine El- tern zuerkundigen/ triebe mich auf Bra- C vj godiz godiz zu reisen/ welches ich/ als in einem befriedeten Land sicher zu thun getraute; aber potz Hertz/ da ich an einem Abend allbereit den Ort vor mir liegen sahe/ da kamen eilff Mansfeldische Reuter/ die ich/ wie sonst jederman gethan hatte/ vor Kaͤiserisch und Gutfreund ansahe/ weil sie mit roten Scharpen oder Feld- zeichen mundirt waren/ diese packten mich an/ und wanderten mit mir und meinem Calesch dem Boͤhmer-Wald zu/ als wann sie der Teufel selbst gejagt haͤtte/ ich schrey zwar/ als wann ich an einer Folter gehangen waͤre/ aber sie machten mich bald schweigen; umb Mitternacht kamen sie in eine Meyerey die eintzig vorm Wald lag/ allwo sie an- fiengen zu fuͤtteꝛn/ und mit mir umbzuge- hen/ wie zu geschehen pflegt/ welches mir zwar der schlechteste Kummer war/ aber es wurde ihnen geseegnet/ wie dem Hund das Gras/ dann in dem sie ihre Viehische Begierden saͤttigten/ wurden sie von einem Hauptmann/ der mit drey- sig Tragonern eine Convoy nach Pil- sen sen verrichtet hatte/ uͤberfallen/ und weil sie durch falsche Feldzeichen ihren Her- ren verlaͤugnet/ alle miteinander nieder- gemacht/ das Meinige hatten die Mans- feldische nach nicht gepartet/ und dem- nach ich Kaͤiserl. Paß hatte/ und noch nicht 24. Stund in Feinds Gewalt ge- wesen/ hielte ich dem Hauptman vor/ daß er mich und das Meinige vor keine rechtmaͤssige Beuten halten und behal- ten koͤnnte; Er muste es selbst bekennen/ aber gleichwol/ sagte er/ waͤre ich ihm umb meiner Erloͤsung willen obligirt, er aber nicht zu verdencken/ wann er einen solchen Schatz den er vom Feind erobert/ nicht mehr aus Haͤnden zu lassen gedaͤch- te/ seye ich eine verwittibte Rittmeiste- rinn/ wie mein Paß auswiese/ so seye er ein verwittibter Hauptmann/ wann mein Will darbey waͤre/ so wuͤrde die Beut bald getheilt seyn/ wo nicht/ so werde er mich gleichwol mitnehmen/ und hernach er erst mit einem jedwedern di- sputirn, ob die Beute rechtmaͤssig sey oder nicht/ hiermit liesse er genugsamb schei- C vij nen/ nen/ daß er allbereit den Narrn an mir gefressen/ und damit er das Wasser auf seine Muͤhl richtete/ sagte er/ diesen For- theil wolte er mir lassen/ daß ich erweh- len moͤchte/ ob er die Beute unter seine gantze Bursch theilen solte/ oder ob ich vermittelst der Ehe sambt dem Meini- gen allein sein verbleiben wolte? Auf wel- chen Fall er seine bey sich habende Leute schon bereden wolte/ daß ich mit dem Meinigen keine rechtmaͤssige Beute/ sondern ihme allein durch die Vereheli- gung zustaͤndig worden waͤre/ ich ant- wortete/ wann die Wahl bey mir stuͤn- de/ so begehrte ich deren keins/ sondern meine Bitte waͤre/ sie wolten mich in meine Gewahrsam passiren lassen/ und damit fienge ich an zu weinen/ als wann mirs ein gruͤndlicher Ernst gewesen waͤ- re/ nach den alten Reimen: Die Weiber weinen offt mit Schmertzen/ Aber es geht ihn nicht von Hertzen/ Sie pflegen sich nur so zu stellen/ Sie koͤnnen weinen wann sie woͤllen. Aber Aber es war meine Meinung/ ihm hierdurch Ursach zu geben mich zu troͤ- sten/ sich selbst aber staͤrcker zu verlieben/ sintemal mir wol bewust/ daß sich die Hertzen der Mannsbilder am allermei- sten gegen dem weinenden und betruͤb- ten Frauenzimmer zu oͤffnen pflegen; der Poß gienge mir auch an/ und indem er mir zusprach/ und mich seiner Liebe mit hohem Beteuren versicherte/ gab ich ihm das Jawort/ doch mit diesem aus- truͤcklichen Beding und Vorbehalt/ daß er mich vor der Copulation im gering- sten nicht beruͤhren solte/ welches er bey- des verheissen und gehalten; bis wir in die Mansfeldische Befestigungen zu Weidhausen ankahmen/ welches eben damals dem Hertzogen aus Baͤyern vom Mannsfelder selbst per Accord uͤber- geben worden/ und demnach meines Serviteurs hefftige Liebe wegen unsers Hochzeit-Fests keinen laͤngern Verzug gedulten mochte/ liesse er sich mit mir ehelich zusammen geben/ ehe er moͤchte erfahren/ wormit die Courage ihr Geld verdie- verdienet/ welches kein geringe Sum- ma war; Jch war aber kaum einen Mo- nat bey der Armee gewesen/ als sich etli- che hohe Officierer fanden/ die mich nicht allein zu Wien gekandt/ sondern auch gute Kundschafft mit mir gehabt hat- ten; doch waren sie so bescheiden/ daß sie weder meine noch ihre Ehr offentlich ausschriehen/ es gieng zwar so ein klei- nes Gemurmel umb/ daruͤber ich aber gleichwol keine sonderliche Beschwerung empfand/ ausser daß ich den Nahmen Courage wiederumb gedulden muste. Sonst hatte ich einen guten gedulti- gen Mann/ welcher sich eben so hoch uͤ- ber meine gelbe Batzen/ als wegen mei- ner Schoͤnheit erfreute/ diese hielte er gesparsamer zusammen als ich gerne sa- he; gleich wie ich aber solches geduldete/ also gab er auch zu/ daß ich mit Reden und Geberden gegen jederman desto freygebiger seyn dorffte/ wann ihn dann jemands vexirte/ daß er mit der Zeit wol Hoͤrner kriegen doͤrffte/ antwortet er auch im Schertz/ es seye sein geringstes Anlie- Anliegen; dann ob ihm gleich einer uͤber sein Weib komme/ so lasse ers jedoch bey dem/ was ein solcher ausgerichtet/ nicht verbleiben/ sondern nehme Zeit dieselbe frembde Arbeit wider andeꝛs zu machen; Er hielte mir jederzeit ein trefflich Pferd mit schoͤnen Sattel und Zeug mondirt/ ich ritte nicht wie andere Officiers-Frau- en in einem Weiber-Sattel/ sondern auf einen Manns-Sattel; und ob ich gleich uͤberzwergs sasse/ so fuͤhrte ich doch Pistolen und einen Tuͤrckischen Sebel unter dem Schenckel/ hatte auch jeder- zeit einen Stegreiff auf der andern Sei- ten hangen/ und war im uͤbrigen mit Hosen und einem duͤnnen daffeten Roͤck- lein daruͤber also versehen/ daß ich all Augenblick schrittling sitzen und einen jungen Reutters Kerl prœsentirn konn- te; gab es dann eine Rencontra gegen dem Feinde/ so war mir unmuͤglich a part nicht mit zu machen/ ich sagte viel- malen: eine Dame/ die sich gegen einem Mann zu Pferd zu wehren nicht wagen doͤrffte/ solte auch kein Pluͤmage wie ein Mann Mann tragen; und demnach mir es bey etlichen Betteltaͤntzen gluͤckte/ daß ich Gefangne kriegte/ die sich keine Bern- heuter zu seyn duncken/ wurde ich so kuͤhn/ wann dergleichen Gefecht an- gieng/ auch einen Carbiner/ oder wie mans nennen will/ ein Bandelier-Rohr an die Seite zu haͤngen/ und neben dem Troupen auch zweyen zu begegnen/ und solches desto hartnaͤckiger/ weil ich und mein Pferdt vermittelst der Kunst/ die ich von vielgedachter meiner Wuͤrthin er- lernet/ so hart war/ daß mich keine Ku- gel oͤffnen konnte. So giengs und so stund es damal mit mir/ ich machte mehr Beuten als mancher geschworner Soldat/ welches auch Manchen und Manche verdroß; aber da fragte ich wenig nach/ dann es gab mir Schmaltz auf meine Suppen/ die Vertraͤulichkeit meines sonst (gegen meiner Natur zu rechnen/) gantz unver- moͤglichen Manns/ verursachte/ daß ich ihm gleichwol Farb hielte/ ob sich gleich Hoͤhere als Haubtleute bey mir anmel- deten/ deten/ die Stelle seines Leutenants zu vertretten/ dann er liesse mir durchaus meinen Willen/ hingegen war ich nichts destoweniger bey den Gesellschafften lu- stig/ in den Conversatio nen frech/ aber auch gegen dem Feind so heroisch/ als ein Mann/ im Feld so haͤußlich und zu- sammen-hebig als immer ein Weib; in Beobachtung der Pferde besser als ein guter Stallmeister/ und in den Quar- tiren von solcher Prosperi taͤt/ daß mich mein Hauptmann nicht besser haͤtte wuͤnschen moͤgen/ und wann er mir zu Zeiten einzureden Ursach hatte/ litte er gerne/ daß ich ihm Widerpart hielte/ und auf meinen Kopff hinaus fuhr/ weil sich unser Geld so sehr dardurch ver- mehrte/ daß wir einen guten Particul darvon in eine vornehme Stadt zu ver- wahren geben musten. Und also lebte ich trefflich gluͤckselig und vergnuͤgt/ haͤt- te mir auch meine Tage keinen anderen Handel gewuͤnscht/ wann nur mein Mann etwas besser beritten gewest waͤ- re; Aber das Gluͤck oder mein Fatum liesse liesse mich nicht lang in solchem Stand/ dann nach dem mir mein Haubtmann bey Wißlach tod geschossen wurde/ sihe/ so ward ich widerumb in einer kurtzen Zeit zu einer Wittib. Das VII. Capitel. Courage schreitet zur dritten E- he/ und wird aus einer Hauptmaͤnnin eine Leutenantin/ triffts aber nicht so wol als vorhero/ schlaͤgt sich mit ihrem Leutenant umb die Hosen mit Priigeln/ und gewinnet solche durch ihre tapfere Resoluti on und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar macht/ und sie sitzen laͤsst. M Ein Mann war kaum kalt und begraben/ da hatte ich schon wi- derum ein gantz dutzent Freyer uñ die Wahl darunter/ welchen ich aus ih- nen nehmen wolte/ dann ich war nicht allein schoͤn und jung/ sondern hatte auch schoͤne Pferd und zimlich viel alt Geld/ und ob ich mich gleich vernehmen liesse/ daß ich meinem Haubtmann seel. zu Ehren noch ein halb Jahr trauren wolte/ wolte/ so konnte ich jedoch die Jmpor- tune-Hummeln/ die umb mich/ wie umb einen fetten Honighafen/ der keinen De- ckel hat/ herumb schwermbten/ nicht ab- treiben/ der Obriste versprach mir bey dem Regiment Unterhalt und Quartier/ bis ich mein Gelegenheit anders anstell- te/ hingegen liesse ich zween von meinen Knechten Herren-Dienste versehen/ und wann es Gelegenheit gab/ bey deren ich vor mein Person vom Feind etwas zu erschnappen getraute/ so sparte ich mei- ne Haut so wenig als ein Soldat/ aller- massen ich in dem anmutigen und fast lustigen Treffen bey Wimpffen einen Leutenant/ und im Nachhauen unweit Heilbrunn einen Cornet sammt seiner Standart gefangen bekommen/ meine beyde Knechte aber haben bey Pluͤn- derung der Waͤgen zimliche Peuten an paarem Gelt gemacht/ welche sie unse- rem Accord gemaͤß mit mir theilen mu- sten; Nach dieser Schlacht bekam ich mehr Liebhaber als zuvor/ und demnach ich bey meinem vorigen Mann mehr gu- te Taͤge te Taͤge als gute Naͤchte gehabt/ zuma- len wider meinen Willen seit seinem Tod gefastet/ sihe/ so gedachte ich durch mei- ne Wahl alle solche Versaumnus wi- der einzubringen/ und versprach mich ei- nem Leutenant/ der meinem Beduncken nach alle seine Mittbuhler beydes an Schoͤnheit/ Jugend/ Verstand und Tapferkeit uͤbeꝛtraff; dieser war von Ge- burt ein Jtalianer und zwar schwartz von Haaren/ aber weiß von Haut/ und in meinen Augen so schoͤn/ daß ihn kein Mahler haͤtte schoͤner mahlen koͤnnen; Er bewiese gegen mir fast eine Hunds- Demut bis er mich erloͤffelt/ und da er das Jawort hinweg hatte/ stellte er sich so Freuden voll/ als wann Gott die gan- tze Welt beraubt/ und ihn allein besee- ligt haͤtte; wir wurden in der Pfaltz co- pulirt/ und hatten die Ehre/ daß der Obriste selbst neben den meinsten hohen Officiern des Regiments bey der Hoch- zeit erschienen/ die uns alle vergeblich viel Gluͤck in eine langwuͤrige Ehe wuͤnschten. Dann Dann nach dem wir nach der ersten Nacht bey Aufgang der Sonnen bey- sammen lagen zu faullentzen/ und uns mit allerhand liebreichem und freundli- chẽ Gespꝛaͤch unterhielten/ ich auch eben aufzustehen vermeinte/ da ruffte mein Leutenant seinem Jungen zu sich vors Bette/ und befahl ihm/ daß er zween starcke Pruͤgel herbey bringen solte; Er war gehorsamb/ und ich bildete mir ein der arme Schelm wuͤrde dieselbe am al- lerersten versuchen muͤssen; unterliesse derowegen nicht/ vor den Jungen zu bit- ten/ bis er beyde Pruͤgel brachte und auf empfangenen Befelch auf den Tisch zum Nachtzeug legte; Als nun der Jung wi- der hinweg war/ sagte mein Hochzeiter zu mir; Ja! liebste; ihr wist/ daß jeder- man darvor gehalten und geglaubt/ ihr haͤttet bey euers vorigen Manns Lebzei- ten die Hosen getragen/ welches ihme dann bey ehrlichen Gesellschafften zu nicht geringerer Beschimpffung nachge- redet worden; weil ich dann nicht unbil- lich zu besorgen habe/ ihr moͤchtet in sol- cher cher Gewonheit verharren/ und auch die Meinige tragen wollen/ welches mir a- ber zu leiden unmuͤglich/ oder doch sonst schwer fallen wuͤrde; Sehet/ so liegen sie dorten auf dem Tische/ und jene zween Pruͤgel zu dem Ende darbey/ damit wir beyde uns/ wann ihr sie etwan wie vor diesem euch zuschreiben und behaubten woltet/ zuvor darumb schlagen koͤnnten; sintemal mein Schatz selbst erachten kan/ daß es besser gethan ist/ sie fallen gleich jetzt im Anfang dem einen/ oder andern Theil zu/ als wann wir hernach in stehender Ehe taͤglich daꝛumb kriegen; Jch antwortete: mein Liebster! (und da- mit gab ich ihm gar einen hertzlichen Kuß/) ich haͤtte vermeint gehabt/ die je- nige Schlacht so wir einander vor diß- mal zu lieffern/ seye allbereit gehalten; so hab ich auch niemalen in Sinn ge- nommen/ euere Hosen zu prætendirn; sondern/ gleich wie ich wol weiß/ daß das Weib nicht aus des Manns Haubt/ aber wol aus seiner Seiten genommen worden/ also habe ich gehofft meinen Hertz- Hertzliebsten werde solches auch bekand seyn/ und er werde derowegen sich mei- nes Herkommens erinnern/ und mich nicht/ als wann ich von seinen Fußsoh- len genommen worden waͤre/ vor sein Fuß-Thuch/ sondern vor sein Ehe-Ge- mahl halten/ vornemblich; wann ich mich auch nicht unterstuͤnde ihme auf den Kopff zu sitzen/ sondern mich an sei- ner Seiten behuͤlffe/ mit demuͤtiger Bit- te/ er wolte diese Abendteurliche Fecht- schul einstellen; Ha ha! sagte er/ das seyn die rechte Weiber-Griffe/ die Herr- schafft zu sich zu reissen ehe mans gewahr wird; aber es muß zuvor darumb ge- fochten seyn/ damit ich wisse/ wer dem anderen kuͤnfftig zu gehorsammen schul- dig/ und damit warffe er sich aus meinen Armen wie ein anderer Narr/ ich aber sprang aus dem Bette/ und legte mein Hembt und Schlaffhosen an/ erwischte den kuͤrtzten aber doch den staͤrcksten Pꝛuͤ- gel/ und sagte/ weil ihr mir je zu fechten befehlet/ und dem obsiegenden Theil die Oberherrlichkeit (an die ich doch keine D An- Ansprach zu haben begehrt/) uͤber den Uberwundenen zusprecht/ so waͤre ich wol naͤrrisch/ wann ich eine Gelegenheit aus Haͤnden liesse/ etwas zu erhalten/ daran ich sonst nicht gedencken doͤrffte; Er hingegen auch nicht faul/ dann nach- dem ich also seiner wartete/ und er seine Hosen auch angelegt/ eꝛdappete er dẽ an- dern Pruͤgel/ und gedachte mich beym Kopff zu fassen/ umb mir alsdann den Buckel fein mit guter Musse abzurau- men/ aber ich war ihm viel zu geschwind/ dann ehe er sichs versahe/ hatte er eins am Kopff/ davon er hinaus duͤrmelte/ wie ein Ochs dem ein Streich worden; ich raffte die zween Stecken zusammen/ sie zur Thuͤr hinaus zu werffen/ und da ich solche oͤffnete/ stunden etliche Officier darvor/ die unserem Handel zugehoͤret/ und zum Theil durch einen Spalt zuge- sehen hatten; diese liesse ich lachen so lang sie mochten/ schlug die Thuͤr vor ih- nen wider zu/ warff meinen Rock umb mich/ und brachte meinen Tropffen/ mei- nen Hochzeiter wolte ich sagen/ mit Wasser Wasser aus einem Lavor wider zu sich selbst/ und da ich ihn zum Tische gesetzt/ und mich ein wenig angekleidet hatte; liesse ich die Officier vor der Thuͤr auch zu uns ins Zimmer kommen. Wie wir einander allerseits angese- hen/ mag jeder bey sich selbst erachten/ ich merckte wol/ daß mein Hochzeiter die- se Officier veranlast/ daß sie sich umb diese Zeit vorn Zimmer einstellen/ und seiner Thorheit Zeugen seyn solten; dañ als sie den Hegel gefoppet/ er wuͤrde mir die Hosen lassen muͤssen/ hatte er sich ge- gen ihnen geruͤhmt/ daß er einen sonder- bahren Vortheil wisse/ welchen er den ersten Morgen ins Werck setzen/ und mich dardurch so geschmeidig machen wolte/ daß ich zittern wuͤrde/ wann er mich nur scheel ansehe; aber der gute Mensch haͤtte es gegen einer anderen als der Courage probirn moͤgen; Gegen mir hat er so viel ausgerichtet/ daß er jeder- mans Gespoͤtt worden/ und ich haͤtte nicht mit ihm gehauset/ wann mirs nicht von Hoͤheren befohlen und auferlegt D ij wor- worden waͤre; wie wir aber miteinander gelebet/ kan sich jeder leicht einbilden/ nemblich wie Hund und Katzen. Als er sich nun anderer Gestalt an mir nicht re- vangirn, und auch das Gespoͤtt der Leu- te nicht mehr gedulten konnte/ rappelte er einsmals alle meine Paarschafft zu- sammen/ und gieng mit den dreyen be- sten Pferdten und einem Knecht zum Gegentheil. Das VIII. Capitel. Courage haͤlt sich in einer Occa- sion trefflich frisch/ haut einem Solda- ten den Kopff ab/ bekommt einen Major gefan- gen/ und erfaͤhrt daß ihr Leutenant als ein Meineydiger Uberlauffer gefangen und gehencket worden. A Lso wurde ich nun zu einer Halb- Wittib/ welcher Stand viel elen- der ist/ als wann eine gar keinen Mann hat/ etliche argwohneten/ ich wuͤrde ihm folgen/ und wir haͤtten un- sere Flucht also miteinander angelegt/ da ich aber den Obristen umb Raht und Befelch Befelch fragte/ wie ich mich verhalten solte/ sagte er/ ich moͤchte bey dem Regi- ment verbleiben/ so wolte er mich so lang ich mich ehrlich hielte/ wie andere Witt- weiber verpflegen lassen/ und damit be- nahme ich jederman den gedachten Arg- wohn; Jch muste mich zimlich schmal behelffen/ weil mein Paarschafft ausge- flogen/ und meine stattliche Soldaten- Pferd fort waren/ auf denen ich auch manche stattliche Beut gemacht; doch liesse ich meine Armut nicht mercken/ da- mit mir keine Verachtung zuwuͤchse/ meine beyde Knechte/ die Herrn Dien- ste versahen/ hatte ich noch sambt einen Jungen und noch etlichen Schindmer- ren oder Pagage Pferden/ davon und von meiner Maͤnner Bagage versilberte ich was Geld galte/ und machte mich wider trefflich beritten; Jch dorffte zwar als ein Weib auf keine Parthey reiten/ aber unter den Fouragiren fande sich nicht meines gleichen; Jch wuͤnschte mir offt wider eine Battalia wie vor Wim- pfen/ aber was halffs/ ich muste der D iij Zeit Zeit erwarten/ weil man mir zu Gefal- len doch keine Schlacht gehalten/ wann ichs gleich begehrt haͤtte; damit ich aber gleichwol auch widerumb zu Geld kom- men moͤchte/ dessen es auf dem Foura- giren selten setzte/ liesse ich/ (beydes umb solches zu verdienen und meinen Aus- reisser umb seine Untreu zu bezahlen) mich von denen Treffen/ die spendierten) und also brachte ich mich durch/ und dingte mir noch einen starcken Jungen zum Knecht/ der mir muste helffen steh- len wann die andere beyde musten wa- chen; das trieb ich so fort/ bis wir den Braunschweiger uͤber den Maͤyn jagten uñ viel der Seinigen darinn ersaͤufften/ in welchem Treffen ich mich unter die Unserige mischte/ und in meines Obri- sten Gegenwart dergestalt erzeigte/ daß er solche Tapfferkeit von keinem Manns- bild geglaubt haͤtte; dann ich nahme in der Caracolle einen Major vom Gegen- theil vor seinem Trouppen hinweg/ als er die Charge redoupliren wolte/ und als ihn einer von den Seinigen zu erret- ten ten gedachte/ und mir zu solchem Ende eine Pistol an den Kopff loßbrennete/ daß mir Hut und Federn darvon stobe/ bezahlte ich ihn dergestalt mit meinem Sebel/ daß er noch etliche Schritte oh- ne Kopff mit mir ritte/ welches beydes verwunderlich und abscheulich anzuse- hen war; Nachdem nun dieselbe Esqua- dron getrennet und in die Flucht gewen- det worden/ mir auch der Major einen zimlichen Stumpen Goldsorten sambt einer guͤldenen Ketten und kostbarlichen Ring vor sein Leben gegeben hatte/ lies- se ich meinen Jungen das Pferd mit ihm verdauschen/ und liefferte ihn den Unserigen in Sicherheit; begab mich darauf an die zerbrochne Brucken/ all- wo es in dem Wasser an ein erbaͤrmlichs Ersauffen/ und auf dem Land an ein grausambs Nidermachen gieng; und alldieweil noch ein jeder bey seinem Tro- uppen bleiben muste/ so viel immer moͤg- lich/ packte ich eine Gutsche mit sechs schoͤnen Praͤunen an/ auf welcher we- der Geld noch lebendige Personen/ aber D iiij wol wol zwo Kisten mit kostbaren Kleidern und weissen Zeug sich befanden; Jch brachte sie mit meines Knechts oder Jungen Huͤlff dahin/ wo ich den Ma- jor gelassen hatte/ welcher sich schier zu Tod kraͤnckte/ daß er von einem solchen jungen Weib gefangen worden; da er aber sahe/ daß so wol in meinen Hosen- saͤcken als in den Halfftern Pistolen sta- cken die ich sambt meinem Carbiner dort wider lude und fertig machte/ auch hoͤ- rete/ was ich hiebevor bey Wimpffen ausgerichtet/ gab er sich wider umb et- was zu frieden/ und sagte: der Teufel moͤchte mit so einer Hexen etwas zu schaffen haben. Jch gieng mit meinem Jungen/ (den ich eben so fest als mich und mein Pferd gemacht hatte) hin/ noch mehr Beuten zu erschnappen/ fan- de aber den Obrist-Leutenant von unse- rem Regiment dort unter seinem Pferde liegen/ der mich kannte/ und umb Huͤlff anschriehe; Jch packte ihn auf meines Jungen Pferd/ und fuͤhrte ihn zu den Unserigen in meine erst eroberte Gutsche/ allda allda er meinem gefangnen Major Ge- sellschafft leisten muste. Es ist nicht zu glauben/ wie ich nach dieser Schlacht so wol von meinen Neidern/ als meinen Goͤnnern gelobt wurde/ beyde Theil sagten/ ich waͤre der Teufel selber; und ebẽ damals war mein hoͤchster Wunsch/ daß ich nur kein Weibsbild waͤre; aber was wars drumb/ es war Null und ver- himpelt. Jch gedachte offt mich vor ei- nen Hermaphroditen auszugeben/ ob ich vielleicht dardurch erlangen moͤchte/ offentlich Hosen zu tragen/ und vor ei- nen jungen Kerl zu passirn; hergegen hatte ich aber durch meine unmaͤssige Begierdẽn so viel Kerl empfinden lassen wer ich waͤre/ daß ich das Hertz nicht hatte/ ins Werck zu setzen/ was ich ger- ne gewolt/ dann so viel Zeugen wuͤrden sonst ein anders von mir gesagt und ver- ursacht haben/ daß es dahin kommen waͤre/ daß mich bey des Medici und Heb- ammen beschauen muͤsten; behalffe mich derowegen wie ich konnte/ und wann man mir viel verweisen wolte/ antwor- D v tet tet ich/ es waͤren wol ehe Amazones ge- wesen/ die so Ritterlich als die Maͤnner gegen ihren Feinden gefochten haͤtten. Damit ich nun des Obristen Gnad er- halten/ und von ihme wider meine Miß- goͤnstige beschuͤtzt werden moͤchte/ præ- sentirte ich ihm neben dem Gefangnen auch meine Kutsche mit sambt den Pfer- den/ darvor er mir 200. Reichsthaler verehrete/ welches Geld ich sambt dem/ was ich sonst auf ein Neues erschnappt/ und sonst verdienet hatte/ ich aber- mal in einer Namhafften Stadt ver- wahrte. Jn dem wir nun Mannheim einge- nommen und Franckenthal noch bela- gert hielten/ und also den Meister in der Pfaltz spielten; sihe/ da schlugen Cor- duba und der von Anhalt abermal den Braunschweiger und Mannsfelder bey Floreack/ in welchem Treffen mein aus- gerissener Mann der Leutenant gefan- gen/ von den Unserigen erkannt/ und als ein Meineydiger Uberlaͤuffer mit sei- nem allerbesten Hals an einen Baum ge- geknuͤpfft worden; Wordurch ich zwar wider von meinem Mann erloͤst/ und zu einer Wittib ward; Jch bekam aber so ein hauffen Feinde/ die da sagten: die Strahl-Hex hat den armen Teufel umbs Leben gebracht/ daß ich ihm das Leben gern laͤnger goͤnnen/ und mich noch ein Weil mit ihm gedulden moͤgen/ bis er gleichwol anderwaͤrts ins Gras gebissen/ und einen ehrlichern Tod ge- nommen/ wann es nur haͤtte seyn koͤn- nen. Das IX. Capitel. Courage quittirt den Krieg/ nach dem ihr kein Stern mehr leuchten will/ und sie fast von jedermann vor einen Spott gehalten wird. A Lso kam es nach und nach dahin/ daß ich mich je laͤnger je mehr leidẽ muste/ meine Knech- te wurden mir verfuͤhrt/ weil zu ihnen gesagt wurde/ pfui Teufel- wie moͤcht ihr Kerl einer solchen D vj Vettel Vettel dienen? Jch hoffte wider einen Mann zu bekommen/ aber ein jeder sagte/ nimb du sie/ ich be- gehr ihrer nicht; was ehrlich ge- sinnet war/ schuͤttelt den Kopff uͤber mich/ und also thaͤten auch bey nahe alle Officier; was aber geringe Leut und schlechte Poten- taten waren/ die dorfften sich nicht bey mir anmelden/ so haͤtte ich ohne das auch keinen aus den- selbigen angesehen; Jch empfan- de zwar nicht am Hals wie mein Mann/ was unser Naͤrrisch Fechten ausgerichtet; aber doch hatte ich laͤnger daran als er am Hencken zu verdauen; Jch waͤre gerne in eine andere Haut ge- schloffen/ aber beydes die Ge- wonheit und meine taͤgliche Ge- sellschafften wolten mir keine Bos- Besserung zulassen/ wie dann die allermeinste Leute in Krieg viel eher aͤrger als froͤmmer zu wer- den pflegen; Jch butzte mich wie- der/ und richtete dem einen und andern allerhand Netz uñ Strick/ ob ich etwan diesen oder jenen an- seilen und ins Garn bringen moͤchte/ aber es halff nichts/ ich war schon allbereit viel zu tief im Geschrey; man kandte die Cou- rage schon allerdings bey der gantzen Armee/ und wo ich bey den Regimentern voruͤber ritte/ wurde mir meine Ehre durch viel tausend Stimmen offentlich aus- geruffen/ also/ daß ich mich schier wie ein Nacht-Eule bey Tage nicht mehr dorffte sehen lassen; Jm Marchiren aͤuserten mich ehrliche Weiber; das Lumpenge- D vij sindel sindel beym Troß schurrigelte mich sonst; und was etwan vor ledige Officier wegen ihrer Nacht- weid mich gern geschuͤtzt haͤtten/ musten bey den Regimentern bleiben/ bey welchen mir aber durch ihr schaͤndlichs Geschrey mit der allerschaͤrffsten Laugen aufgegossen ward; Also daß ich wol sahe/ daß meine Sach so in die Laͤnge kein Gut mehr thun werde; etliche Officier hatte ich noch zu Freunden/ die aber nicht Meinen/ sondern Jhren Nutzen suchten; Theils suchten ihre Wol- luͤste/ Theils mein Geld/ andere meine schoͤne Pferd; Sie alle a- ber machten mir Ungelegenheit mit Schmarotzen/ und war doch keiner der mich zu heurahten be- gehrte; entweder daß sie sich mei- ner ner schaͤmten/ oder daß sie mir eine ungluͤckliche Eigenschafft zu- schrieben/ die alle meinen Maͤn- nern schaͤdlich waͤre/ oder aber daß sie sich sonst/ ich weiß nicht warumb/ vor mir foͤrchteten. Derowegen beschlosse ich mit mir selbsten/ nicht nur diß Regi- ment/ sondern auch die Arma- da/ ja den gantzen Krieg zu quit- tirn/ und konnte es auch umb so viel desto leichter ins Werck setzen/ weil die hohe Officier meiner vor- laͤngst gern los gewesen waͤren; Ja ich kan mich auch nicht uͤber- reden lassen zu glauben/ daß sich unter andern ehrlichen Leuten viel gefunden haben/ die umb mei- ne Hinfahrt viel geweinet. Es seyen dann etliche wenige junge Schnapper ledigs Stands unter den den mittelmaͤssigen Officiern ge- west/ denen ich zu Zeiten etwan ein paaꝛ Schlaffhosen gewaschen; der Obriste hatte den Ruhm nicht gern/ daß seine schoͤne Gut- sche durch die Courage vom Feind erobert/ und ihm verehrt worden seyn solte! Daß ich den verwun- deten Obrist-Leutenant aus der Battalia und Tods-Gefahr er- rettet und zu den unserigen ge- fuͤhrt/ darvon schriebe er ihm so wenig Ehr zu/ daß er mir mei- ner Muͤhe nicht allein mit Potz- Velten danckte/ sondern auch/ wann er mich sahe/ mit Griß- grammenden Minen erroͤhtet/ und mir/ wie leicht zu gedencken/ lauter Gluͤck und Heil an den Hals wuͤnschte/ das Frauenzim- mer oder die Officiers Weiber hasseten hassetẽ mich/ weil ich weit schoͤner war/ als eine unter dem gantzen Regiment/ zumalen theils ihren Maͤnnern auch besser gefiele/ und beydes hohe und nidere Solda- ten waren mir feind/ umb daß ich/ Trutz einem unter ihnen al- len/ das Hertz hatte/ etwas zu unterstehen/ und ins Werck zu se- tzen/ das die groͤste Tapferkeit und verwegneste Hazarde erfor- dert/ und daruͤber sonst man- chen das Kalte-Wehe angestossen haͤtte. Gleich wie ich nun leicht merck- te/ daß ich viel mehr Feinde als Freunde hatte/ also konnte ich mir auch wol einbilden/ es wuͤr- de ein jedwedere von meiner wi- derwertigen Gattung gar nicht unterlassen/ mir auf ihre sonder- bare bare Manier eins an zumachen/ wann sich nur die Gelegenheit darzu ereignet; O Courage/ sag- te ich zu mir selbst/ wie wilst du so vielen unterschiedlichen Feinden entgehen koͤnnen? Von denen vielleicht ein jeder seinen beson- deren Anschlag auf dich hat; wann du sonst nichts haͤttest/ als deine schoͤne Pferde/ deine schoͤ- ne Kleider/ dein schoͤnes Gewehr und den Glauben/ daß du viel Geld bey dir habest/ so waͤren es Feinde genug/ einige Kerl anzu- hetzen/ dich heimlich hinzurich- ten/ wie? wann dich dergleichen Kerl ermordeten/ oder in einer Occasion nidermachten? was wuͤrde wol fuͤr ein Haan dar nach kraͤhen? wer wuͤrde deinen Tod raͤchen? was? soltest du auch wol deinen deinen eignen Knechten trauen doͤrffen? mit dergleichen Sorgen quaͤlte ich mich selbst/ und frag- te mich auch selbst/ was Rahts? weil ich sonst niemand hatte/ ders treulich mit mir meinete; und eben deswegen muste ich mir auch selbst folgen. Demnach sprach ich den Obri- sten umb einen Paß an in die nechste Reichs-Stadt/ die mir eben an der Hand stunde und wol- gelegen war/ mich von dem Kriegs-Volck zu rettirirn, den er- langte ich nicht allein ohne grosse Muͤhe/ sondern noch/ an Statt eines Abschieds/ einen Urkund/ daß ich einem Haubtmann von Regiment/ (dann von meinem letzten Mann begehrte ich keinen Ruhm zu haben/) ehrlich ver- heu- heurahtet gewesen/ und als ich solchen vorm Feind verlohren/ mich eine Zeitlang bey dem Regi- ment aufgehalten/ und in solcher wehrenden Zeit also wol/ fromm und ehrlich gehalten/ wie einer rechtschaffnen Ehr- und Tugend- liebenden Damen gebuͤhre und wol anstaͤndig seye/ mich dero- wegen jedermaͤnniglichen umb solchen meines untadelhafften Tugendlichen Wandels willen bestens recommendirent; und sol- che fette Luͤgen wurden mit ei- genhaͤndiger Subscription und beygedrucktem Sigill in bester Forin bekraͤfftigt; Solches lasse sich aber niemand wundern/ dann je schlimmer sich einer haͤlt/ und je lieber man eines gerne los waͤre/ je trefflicher wird der Ab- schied schied seyn/ den man einem sol- chen mit auf den Weg gibt; son- derlich wann derselbe zugleich sein Lohn seyn muß; Einen Knecht und ein Pferd liesse ich dem O- bristen unter seiner Compagnie/ welcher Trutz einem Officier mundirt war/ umb meine Danck- barkeit darmit zu bezeugen/ hin- gegen brachte ich einen Knecht/ einen Jungen/ eine Magd/ sechs schoͤne Pferd/ (darunter das ei- ne 100. Ducaten wehrt gewe- sen/) sambt einem wolgespickten Wagen darvon; und kan ich bey meinem grossen Gewissen/ (etli- che nennen es ein weites Gewis- sen/) nicht sagen/ mit welcher Faust ich alle diese Sachen er- obert und zuwegen gebracht ha- be. Da Da ich nun mich und das Meinige in bemelde Stadt in Si- cherheit gebracht hatte/ versil- berte ich meine Pferd/ und gab sonst alles hinweg/ was Geld golte/ und ich nicht gar noͤhtig brauchte; mein Gesind schaffte ich auch miteinander ab/ einen geringen Costen zu haben/ gleich wie mirs aber zu Wien war gan- gen/ also gieng mirs auch hier/ ich konnte abermal des Nah- mens Courage nicht los werden/ wiewol ich ihn unter allen meinen Sachen am allerwolfeilsten hin- weggeben haͤtte; dann meine al- te/ oder vielmehr die junge Kun- den von der Armee ritten mir zu Gefallen in die Stadt/ und frag- ten mir mit solchem Nahmen nach/ welchen auch die Kinder auf auf der Gassen ehender als das Vatter unser lerneten/ und eben darumb wiese ich meinen Gala- nen die Feigen; Als aber hinge- gen diese den Stadt-Leuten er- zehlten/ was ich vor ein Tauß- Es waͤre/ so erwiese ich hinwie- derumb denselben ein anders mit Brief und Siegel/ und beredet sie/ die Officier geben keiner an- deren Ursachen halber solche lose Stuͤck von mir aus/ als weil ich nicht beschaffen seyn wolte/ wie sie mich gerne haͤtten; und derge- stalt bisse ich mich zimlich heraus/ und brachte vermittelst meiner guten Schrifftlichen Zeugnis zu- wegen/ daß mich die Stadt/ bis ich meine Gelegenheit anders machen konnte/ umb ein gerin- ges Schirm-Gelt in ihren Schutz nahm; nahm; allwo ich mich dann wi- der meinen Willen gar erbarlich/ fromm/ still und eingezogen hiel- te/ und meiner Schoͤnheit/ die je laͤnger je mehr zunahm/ aufs beste pflegte/ der Hoffnung/ mit der Zeit wiederumb einen wackern Mann zu be- kommen. Das X. Das X. Capitel. Courage erfaͤhrt/ wer ihre Eltern ge- wesen/ und bekommt wieder einen andern Mann. A Ber ich haͤtte lang harren muͤssen/ biß mir etwas rechts angebissen/ dann die gute Geschlechter verblieben bey ihres glei- chen/ und was sonst reich war/ konte auch sonst reiche und schoͤne/ und vornemlich (welches man damahls noch in etwas beob- achtete) auch ehrliche Jungfrauen zu Wei- bern haben/ also/ daß sie nicht bedorfften/ sich an eine verlassene Soldaten-Hur zu hencken; hingegen waren etliche/ die entwe- der Banquerot gemacht/ oder bald zu ma- chen gedachten/ die wolten zwar mein Gelt/ ich wolte aber darum sie nicht; die Hand- wercksleut waren mir ohne das zu schlecht/ und damit blieb ich ein gantz Jahr sitzen/ welches mir laͤnger zugedulten gar schwer/ und gantz wider die Natur war/ sinte mahl ich von der guten Sache die ich genosse/ gantz kuͤzelig wurde/ dañ ich brauchte mein Gelt/ so ich hie und dort in den grossen Staͤdten hatte/ den Kauff- und Wechselher- E ren ren zuzeiten beyzuschtessen/ darauß ich so ein ehrlich Gewiñgen erhielte/ daß ich ziemliche gute Tag davon habẽ konte/ und nichts von der Haubtsum̃a verzehren dorffte; Weilen es mir dann an einem andern Ort mangel- te/ uñ meine schwache Beine diese gute Sa- che nicht mehr ertragen koͤnten oder wolten. Machte ich mein Gelt per Wexel auf Prag/ mich selbst aber mit etlichen Kauff- herren hernach/ uñ suchte Zuflucht bey mei- ner Kostfrauen zu Bragodiz/ ob mir viel- leicht alldortẽ ein besser Gluͤck anstehẽ moͤch- te. Dieselbe fande ich gar arm/ weder ich sie verlassen/ dann der Krieg hatte sie nit allein sehr verderbt/ sondern sie hatte auch allbereit vor dem Krieg mit mir/ und ich nit mit ihr gezehret; Sie freuete sich meiner Ankunfft gar sehr/ vornemlich als sie sahe/ daß ich nicht mit leerer Hand angestochen kam; ihr erstes will komm heissen aber/ war doch lau- ter weinen; und indem sie mich kuͤsste/ nen- nete sie mich zugleich ein ungluͤckseeliges Fraͤulin/ welches seinem Herkommen Ge- maͤß/ schwerlich wuͤrde sein Leben uñ Stand fuͤhren moͤgen; Mit fernerem Anhang/ daß daß sie mir fuͤrderhin nit mehr wie vordie- sem zu helffen/ zu rathen und vorzustehen wisse/ weil meine beste Freund und Ver- wandten entweder verjagt oder gar tod waͤ- ren; und uͤber das/ sagte sie/ wuͤrde ich mich schwerlich vor dem Kaͤyserl. doͤrffen sehen lassen/ wann sie meinen Ursprung wissen wolten/ und damit heulete sie immer forth/ also/ daß ich mich in ihre Rede nicht richten noch begreiffen konte/ ob es gehauen oder gestochen: gebrand oder gebort waͤre; da ich sie aber mit essen und trincken (dann die gute Troͤpffin muste den jaͤmmerlichen Schmalhansen in ihrem Quartier herber- gen) widerum gelabt und also zu recht ge- bracht/ daß sie schier ein Tummel hatte; er- zehlte sie mir mein Herkommen gar offen- hertzig/ und sagte/ daß mein natuͤrlicher Vatter ein Graff: und vor wenig Jahren der gewaltigste Herr im gantzen Koͤnigreich gewesen: Nunmehr aber wegen seiner Re- bellion wider den Kaͤyser des Lands vertrie- ben worden: Und wie die Zeitungen mitge- bracht/ jetzunder an der tuͤrckischen Porten sey; alda er auch so gar sein Christliche Re- E ij ligion ligion in die Tuͤrckische veraͤndert haben solle; Meine Mutter sagte sie/ sey zwar von ehrlichen Geschlecht gebohren: aber eben so arm als schoͤn gewesen; Sie haͤtte sich bey des gedachten Graffen Gemahlin vor eine Staads Jungfer aufgehalten/ und indem sie der Graͤffin aufgewartet/ waͤre der Graff selbst ihr leibeigener wor- den/ und haͤtte solche Dienste getrieben/ biß er sie auf einen Adelichen Sitz ver- schafft/ da sie mit mir niderkommen; und weilen eben damahls sie/ meine Kostfrau/ auch einen jungen Sohn ent- woͤhnet/ dem sie mit desselbigen Schlos- ses Edelmann erzeugt/ haͤtte sie meine Seugamme werden: und mich folgends zu Bragodiz Adelich auferziehen muͤs- sen/ worzu dann beydes Vatter und Mutter genugsame Mittel und Unter- haltung hergeben; Jhr seyt zwar liebes Fraͤulin/ sagte sie ferner/ einem tapf- feren Edelmann von euerem Vatter versprochen worden/ derselbe ist aber bey Eroberung Pilsen gefangen/ und als ein Maͤineydiger neben andern mehr durch durch die Kaͤyserlichen aufgehaͤnckt wor- den; Also erfuhr ich/ was ich vor laͤngst zu wissen gewuͤnscht/ und wuͤnschte doch nun- mehr/ daß ichs niemahl erfahren haͤtte; sintemahl ich so schlechten Nutzen von mei- ner hohen Geburt zu hoffen; und weil ich keinen andern und bessern Rath wuste/ so machte ich einen Accord mit meiner Saͤu- gamm/ daß sie hinfort meine Mutter/ und ich ihre Tochter seyn solte; sie war viel schlauer als ich/ derowegen zog ich auch auf ihrem Rath mit ihr von Bragodiz auf Prag; nicht allein zwar/ daß wir den Be- kandten aus den Augen kaͤmen/ sondern zu- sehen/ ob uns vielleicht alldorten ein an- ders Gluͤck anscheinen moͤchte; Jm uͤbri- gen so waren wir recht vor einander; Nicht/ daß sie haͤtte Cupplen und ich Huren sollen/ sondern weil sie eine Er- naͤhrerin/ ich aber eine getreue Person bedorffte/ (gleich wie diese eine gewe- sen) deren ich beydes Ehr und Gut ver- trauen konnte; Jch hatte ohne Kley- der und Geschmuck bey 3000. Reichs- E iij thaler thaler bahr Gelt beyeinander/ und dannen- hero damahls keine Ursach/ durch schaͤnd- lichen Gewinn meine Nahrung zu suchen! Meine neue Mutter kleidete ich wie eine er- bare alte Matron/ hielte sie selbst in grossen Ehren/ und erzeigte ihr vor dem Leuten al- len Gehorsam; wir geben uns vor Leuthe aus/ die auf der Teutschen Graͤntz durch den Krieg vertrieben worden waͤren; such- ten unseren Gewinn mit naͤhen/ auch Gold/ Silber und Seydensticken/ und hiel- ten uns im uͤbrigen gar still und eingezo- gen/ meine Batzen genau zusammen hal- tend/ weil man solche zu verthun vflegt/ ehe mans vermeynt/ und deren keine andere kan gewinnen/ wann man gern wolte. Nun diß waͤre ein feines Leben gewest/ das wir fuͤhrten; Ja gleichsam ein Cloͤster- liches/ wann uns nur die Bestaͤndigkeit nicht abgangen waͤre; Jch bekam bald Buhler: etliche suchten mich wie das Frau- enzimmer im Bordelt/ und andere Tropf- fen/ die mir meine Ehre nit zu bezahlen ge- trauten/ sagten mir viel vom heurathen; beyde Theil aber wolten mich bereden/ sie wuͤrden wuͤrden durch die grausame Liebe/ die sie zu mir truͤgen/ zu ihren Begierden angesparet; Jch haͤtte aber keinem geglaubt/ wann ich selbst ein keusche Ader in mir gehabt/ es gieng halt nach dem alten Sprichwort/ gleich und gleich geselt sich geꝛn/ dann gleich wie man sagt/ das Stroh in dem Schu- hen/ ein Spindel im Sack/ und eine Hur im Haus laͤst sich nicht verbergen/ also wuͤr- de ich auch gleich bekand/ und wegen mei- ner Schoͤnheit uͤberal beruͤhmt/ dannen- hero bekamen wir viel zu stricken/ und unter anderem einem Haubtmann ein Wehrge- henck/ welche vorgebe/ daß er vor Liebe in den letzten Zuͤgen lege; Hingegen wuste ich ihm von der Keuschheit so ein Hauffen aufzuschneiden/ daß er sich stellte/ als wolte er gar verzweiffeln/ dann ich ermasse die Beschaffenheit und das Vermoͤgen mei- ner Kunden nach der Regul meines Wirth/ zum guldenen Loͤwen zu N. dieser sagte/ wann mir ein Gast kommt/ und gar zu unmaͤssig viel hoͤflicher Complimenten macht/ so ist ein gewisse Anzeigung/ daß er entweder nchit viel zum besten: oder sonst E jv nicht nicht im Sinn hat viel zu vergehen/ kom̃t aber einer mit Trutzen/ und nimmt die Einkehr bey mir gleichsam mit bochen und einer herrischen Bottmaͤssigkeit/ so geden- cke ich/ holla/ diesem Kerl ist der Beutel geschwollen/ dem must du schrepffen/ also tractire ich die Hoͤffliche mit Gegenhoͤfflich- keit/ damit sie mich und meine Herberg an- derwerts loben/ die Schnarcher aber mit allem das sie begehren/ damit ich Ursach habe ihren Beutel rechtschaffen zu actio- niren; Jndem ich nun diesem meinem Haubtmann hielte/ wie dieser Wirth seine hoͤfliche Gaͤst/ als hielte er mich hingegen/ wo nicht gar vor ein halben Engel/ jedoch wenigst vor ein Muster und Ebenbild der Keuschheit: Ja schier vor die Frommkeit selbsten; Jn Summa/ er kam so weit daß er von der Verehligung mit mir anfieng zu schwetzen/ und liese auch nicht nach/ biß er das Jawort erhielte: die Heuraths- Puncten/ waren diese/ daß ich ihm 1000. Reichsthaler Pargelt zubringen/ er aber hingegen mich in Teutschland zu seinem Heimath um dieselbige versichern solte/ da- mit/ wann er vor mir ohne Erben sterben solte/ solte/ ich deren wideꝛ habhafft werden koͤnte; die uͤbrige 2000. Reichsthaler die ich noch haͤtte/ solten an ein gewiß Ort auf Zinß ge- legt; und in stehender Ehe die Zinß von meinem Haubtmann genossen werden/ das Capital aber ohnveraͤndert bleiben/ biß wir Erben haͤtten/ auch solte ich macht ha- ben/ wañ ich ohne Erben sterben solte/ mein gantz Vermoͤgen/ darunter auch die 1000. Reichsthaler verstanden/ die ich ihm zuge- bracht/ hin zuvertestiꝛen/ wohin ich wolte/ ꝛc. Dem nach wurde die Hochzeit gehalten/ uñ als wir vermeynten zu Prag beyeinander/ so lang der Krieg waͤhrete/ in deꝛ Guarnison gleich wie im Frieden/ in Ruhe zu leben/ si- he/ da kam Ordre/ daß wir nach Hollstein in den Dennemaͤrck. Krieg marchirn muͤsten. Das XI. Capitel. Nach dem Courage anfaͤhet sich from zu halten/ wird sie wieder unver- sehens zu einer Wittib. J Ch ruͤstete mich trefflich ins Feld/ weil ich schon besser/ als mein Haubt- mann/ wuste/ was darzu gehoͤrete; und in dem ich mich aͤngstigte/ daß ich E v wider wider dahin muste/ wo man die Courãge kennete/ erzehlte ich meinem Mann mein gantzes gefuͤhrtes Leben/ biß auf die Huren- stuͤcke/ die ich hie und da begangen/ und was sich mit mir und dem Rittmeister zugetra- gen; vom Namen Courage uͤberredet ich ihn/ daß er mir wegen meiner Tapfferkeit zugewachsen waͤre/ wie dann sonst auch je- derman von mir glaubte; mit dieser Erzeh- lung kam ich dem jenigen vor/ die mir sonst etwan bey ihm einen boͤsen Rauch gemacht/ wann sie ihm vielleicht solches und noch mehr darzu/ ja mehr als mir lieb gewesen/ erzehlet haͤtten; und gleich wie er mir da- mahl schwerlich glaubte/ wie ich mich in of- fenen Schlachten gegen dem Feind gehal- ten/ biß es folgends andere Leut bey der Ar- mee bezeugten; also glaubte er nach gehends auch andern Leuten nicht/ wann sie ihn vor meinen schlimmen Stuͤcken aufschnit- ten/ weil ich solche laͤugnete; sonst war er in allen seinen Handlungen sehr bedaͤchtig und vernuͤnfftig/ ansehenlich von Person und einer von den behertzten; Also daß ich mich selbst offt verwunderte/ warum er mich mich genommen/ da ihm doch billicher et- was ehrliches gebuͤhrt haͤtte. Meine Mutter nahm ich mit mir vor eine Haushalterin und Koͤchin/ weil sie nit zu ruck bleiben wolt; Jch versahe unse- ren Bagage Wagen/ mit allem dem/ was man ersinnen haͤtte moͤgen/ das uns im Feld solt noͤtig gewesen seyn/ und machte ei- ne solche Anstalt unter dem Gesind/ daß weder mein Mañ selbst drum sorgen: noch einen Hofmeister darzu bedorffte/ mich selbst aber mundirte ich wieder wie vor die- sem/ mit Pferd/ Gewehr/ Sattel und Zeug/ und also staffirt kamen wir bey den Haͤussern gleichen zu der Tillischen Armee/ alwo ich bald erkant und von den mehristen Spottvoͤgeln zusammen geschriehen wur- de; lustig ihr Bruͤder/ wir haben ein gut Omen kuͤnfftige Schlacht zu gewinnen! Warum? darum/ die Courage ist wieder bey uns ankommen; und zwar diese Lap- pen redeten nicht uͤbel von der Sach/ dann das Volck mit dem ich kahm/ war ein Succurs von drey Regimentern zu Pferd/ und zweyen zu Fuß/ welches nicht zu ver- E vj achten/ achten/ sondeꝛn der Armada Courage genug mitgebracht/ wañ ich gleich nicht dabey ge- wesen waͤre. Meines Behalts dem zweyten Tag nach/ dieser gluͤcklichen conjunction gerie- ten die unserige dem Koͤnig von Deñemarck bey Lutter in die Haar/ all wo ich fuͤrwahr nicht bey der Bagage bleiben mochte/ son- dern als des Feinds erste Hitze verloschen/ und die Unserige das Treffen wieder tapf- fer erneuert: mich mitten ins Getraͤng mischte/ wo es am allerdicksten war; Jch mochte keine geringe Kerl gefangen neh- men/ sondern wolte meinem Mann gleich in der erste weissen/ daß mein Zunah- men an mir nicht uͤbel angelegt waͤre/ noch er sich dessen zu schaͤmen haͤtte; Machte derowegen meinen edlen Hengst/ der seines gleichen in Prag nicht gehabt/ mit dem Sebel Platz/ biß ich einen Rittmeister von vornehmen Daͤnischen Geschlecht beym Kopff kriegte/ und aus dem Gedraͤng zu meinem Bagage-Wagen brachte/ ich und mein Pferd bekamen zwar starcke Puͤff: wir liesen aber keinen Tropffen Blut auf der der Wahlstatt/ sondern trugen nur etliche Maͤhler und Beuden darvon/ weilen ich dann sahe/ daß es so gluͤcklich abgieng/ machte ich mein Gewehr wider fertig/ jagte hin/ und holete noch einen Quartiermeister sam̃t einem gemeinen Reuter welche nicht ehe gewahr wurden/ daß ich ein Weibsbild war/ als biß ich sie zu obengedachten Ritt- meister und meinen Leuten brachte/ ich be- suchte keinen von ihnen/ weil jeder selbst sein Gelt uñ Gelts weꝛth heꝛaus gab/ was eꝛ hat- te/ vornemlich aber liese ich den Rittmeister fast hoͤfflich tractirn und nit anruͤhren/ viel weniger gar ausziehen; aber als ich mich mit Fleiß ein wenig beyseits machte/ ver- dauschten meine Knecht mit den andern beyden ihre Kleider/ weil sie trefflich wohl Koͤllern mondirt waren; Jch haͤtte es zum dritten mahl gewagt/ und fort geschmidet/ dieweil das Eisen weich gewesen/ und die Schlacht gewaͤhret/ so mochte ich aber meinem guten Pferd nicht zu viel zu- muthen; Jndessen bekam mein Mann auch etwas wenigs an Beuthen von de- nen/ die sich aufs Schloß Lutter retirirt: E vij und und ewiglich auf Gnad und Ungnad erge- ben hatten; Also/ daß wir beyde in und nach dieser Schlacht in allem und allem auf tauserd Gulden werth/ vom Feind ero- bert/ welches wir gleich nach dem Treffen zugemacht/ und ohnverweilt per Wechsel nacher Prag zu meinen alldortigen 2000. Reichsthalern uͤber schafft/ weil wir dessen im Feld nicht bedoͤrfftig/ und taͤglich hofften noch mehr Beuten zu machen. Jch und mein Mann bekamen ein ander je laͤnger je lieber/ uñ schetzte sich als das eine gluͤckseelig/ weil es das andere zum Ehe ge- macht hatte/ und wañ wir uns nit beyde ge- schaͤmt haͤttẽ/ so glaub ich/ ich waͤre Tag und Nacht in den Lauffgraͤben auf der Wacht und in allen occasio nen niemahl von seineꝛ Seiten kommen; wir vermachten einan- der alles unser Vermoͤgen/ also/ daß das letzt-lebende (wir bekaͤmen gleich Erben odeꝛ nicht) das Verstorbene erben: Meine Saͤugame oder Mutter aber/ gleichwohl auch ernehren solte/ so lang sie lebte/ als wel- che uns grossen Fleiß und Treu bezeugte; Solche Vermaͤchtnuß hinderlaͤgten wir/ weil weil wirs in Duplo ausgefertigt/ eine zu Prag hinter dem Senat und die ander in meines Mom̃s Heimath hin/ Hochteutsch- land/ so damahls noch in seinem besten Flor stunde/ und von dem Kriegswesen das ge- ringste nicht erlitten. Nach diesem lutterischem Treffen/ nah- men wir Steinbruck/ Nerden/ Langen- wedel/ Rotenburg/ Ottersberg und Hoya ein/ in welchem letzt-genannten Schloß Hoya/ mein Mann mit etlichen Comman- dirten Voͤlckern ohne Bagage muste liegen vrrbleiben; Gleichwie mich aber sonst nir- gends keine Gefahr von meinem Mann be- halten konte/ also wolte ich ihn auch auf diesem Schloß nit allein lassen/ aus Furcht/ die Laͤuse moͤchten mir ihn fressen/ weil kei- ne Weibsbilder da waren/ so die Soldatesca gesaͤubert haͤtte; unsere Bagage aber/ ver- blieb bey dem Regiment/ welches hingieng die Winter-Quartier zugeniessen/ bey wel- cher ich auch verbleiben/ und solchen Genuß haͤtte einziehen sollen. So bald nun solches bey angehendem Winter geschehen/ und Tilly dergestalt sei- ne Voͤl- ne Voͤlcker zertheilet/ sihe da kam der Koͤ- nig in Dennemarck mit einer Armee/ und wolte im Winter wider gewinnen/ was er im Sommer verlohren; er stellte sich Nerden einzunehmen/ weil ihm aber die Nuß zu hart zu beissen war/ liesse er sel- bige Stadt liegen/ und seinem Zorn am Schloß Hoya aus; welches er in 7. Tagen mit mehr als tausend Canon-Schuͤssen durchloͤchert/ darunter auch einer meinen lieben Mann traff/ und mich zu einer un- gluͤckseeligen Wittib machte. Das XII. Capitel. Der Courage wird ihr treffliche Courage auch trefflich eingetraͤnckt. A Ls nun die Unserige das Schloß/ aus Forcht es moͤchte einfallen/ und uns alle bedecken/ dem Koͤnig uͤbergaben/ und herauszogen/ ich auch also gantz betruͤbt und weynend mit marchirte/ sahe mich zu allem Ungluͤck der jenige Major/ den ich hiebevor von den Braunschweigischen bey dem Mainstrom gefangen bekommen/ er erkundiget alsobalden die Gewißheit mei- ner ner Person von den Unserigen/ und als er auch meinen damahligen Stand erfuhre/ daß ich nemlich allererst zu einer Wittib worden waͤre/ da nahme er die Gelegenheit in acht/ und zwackte mich ohnversehens von den Trouppẽ hinweg; Du Blut-Hex! sagte er/ jetzt will ich dir den Spott wider vergelten/ den du mir vor Jahren bey Hoͤgst bewiesen hast/ und dich lehren/ daß du hin- fort weder Wehr noch Waffen mehr fuͤh- ren: noch dich weiters unterstehen sollest/ ei- nen Cavallier gefangen zu nehmen; Er sahe so graͤßlich aus/ daß ich mich auch nur vor seinem Anblick entsetzte; waͤre ich aber auf meinem Rappen gesessen/ und haͤtte ihn allein fuͤr mir im Feld gehabt/ so haͤtte ich getraut ihn eine andere Sprache reden zu lernen; indessen fuͤhrte er mich mitten unter einen Trouppen Reuter und gab mich den Fahnen-Juncker in Verwahrung/ wel- cher alles was ich mit dem Obrist Leute- nant (dann er hatte seither diese Stell be- kom̃en) zu thun hatte/ von mir erkundigt; der erzehlte mir hingegen/ daß er bey nahe damahls als ich ihn gefangen bekommen/ schier schier den Kopff/ oder wenigst sein Major Stell verlohren haͤtte/ um daß er sich von ei- nem Weibsbild vor der Brigaden hinweg fangen lassen/ und dardurch dem Troup- pen eine Unordnung und gaͤntzliche Zer- trennung verursacht/ wofern er nicht sich damit ausgeredet/ daß ihn die Jenige so ihn hinweg genommen/ durch Zauberey verblendet; zu letzt haͤtte er doch aus Scham resigni rt/ und Daͤnische Dienst angenom- men. Die folgende Nacht logi rten wir in ei- nem Quartier/ darinn wenig zum besten war/ allwo mich der Obrist Leut. zwang/ zu revange seiner Schmach/ wie ers nen- nete/ seine viehische Begierden zu vollbrin- gen/ worbey doch (pfuy der schaͤndlichen Thorheit) weder Lust noch Freud seyn kon- te/ in dem er mir an statt der Kuͤß/ ob ich mich gleich nit sonderlich sperret/ nur dich- te Ohrfeigen gab; den andern Tag rissen sie unversehens aus wie die fluͤchtige Haa- sen/ hinter denen die Windhund herstrei- chen/ also daß ich mir nichts anders einbil- den konnte/ als daß sie der Tilly jagte/ wie- wohl wohl sie nur flohen/ aus Forcht gejagt zu werden; die zweyte Nacht fanden sie Quar- tier/ da der Bauer den Tisch deckte/ da lude mein tapfferer Held von Officiern seines Gelichters zu Gast/ die sich durch mich mit ihm verschwaͤgern musten/ also daß meine sonst ohnersaͤttliche fleischliche Begierden dermahlen genugsam contenti rt wurden; die dritte Nacht/ als sie den gantzen Tag abermahl geloffen waren/ als wann sie der Teuffel selbst gejagt/ gieng es mir gar nit besser/ sondern viel aͤrger; dañ nachdem ich dieselbe kuͤmmerlich uͤberstanden/ und alle diese Hengste sich muͤd gerammelt hatten/ (pfuy ich schaͤmte michs bey nahe zu sagen/ wann ichs dir Simplicissime nit zu Ehren und Gefallen thaͤte) muste ich auch vor der Herren Angesicht mich von den Knechten treffen lassen; Jch hatte bißher alles mit Gedult gelitten/ und gedacht/ ich haͤtte es hiebevor verschuldet/ aber da es hierzu kam/ war mirs ein abscheulicher Greuel/ also daß ich anfieng zu lamentiren/ zu schmaͤlen/ und Gott um Huͤlff und Rach anzuruffen; aber ich fande keine Barmhertzigkeit bey die- sem sen Viehischen Unmenschen/ welche aller Scham/ und Christlichen Erbarkeit ver- gessen mich zu erst nackend auszohen/ wie ich auf diese Welt kommen/ und ein paar Handvoll Erbsen auf die Erden schuͤtten/ die ich auflesen muste/ worzu sie mich dann mit Spißruthen noͤthigten; ja sie wuͤrtzten mich mit Saltz uñ Pfeffer/ daß ich gumpen und plitzen muste wie ein Esel/ dem man ein Handvoll Dorn oder Nesseln unter den Schweiff gebunden; und ich glaube/ wann es nicht Winterszeit gewesen waͤre/ daß sie mich auch mit Brennesseln gegeisselt haͤttẽ. Hierauf hielten sie Rath/ ob sie mich den Jungen preiß geben; oder mir als einer Zauberin den Proceß durch den Hencker machen lassen woltẽ/ das letzte bedunckte sie/ gereiche ihnen allen zu schlechter Ehr/ weil sie sich meines Leibs theilhafftig gemacht; zudem sagten die Verstaͤndigste (wann an- ders diese Bestien auch noch ein Fuͤncklein des menschlichen Verstand gehabt haben) wañ man ein solche procedur mit mir haͤtte vornehmen wollen/ so solte mich der Oberst Leutenant gleich anfangs unberuͤhrt gelas- sen/ sen/ und in die Haͤnde der Justitz geliefert haben; Also kam das Urthel heraus/ daß man mich den Nachmittag/ (dann sie la- gen denselben Tag in ihrer Sicherheit still) den Reuter-Jungens Preiß geben solte; Als sie sich nun des elenden Spectaculs/ des Erbsen auflesens satt gesehen/ dorffte ich meine Kleider wieder anziehen/ und da ich allerdings damit fertig/ begehrte ein Ca- vallier mit den Obrist Leutenant zu spre- chen/ und das war eben der jenige Rittmei- ster/ den ich vor Lutter gefangen bekommen der hart von meiner Gefangenschafft ge- hoͤrt; Als dieser den Obrist Leutenant nach mir fragte/ und zugleich sagte/ er verlange mich zu sehen/ weil ich ihn vor Lutter gefan- gen; fuͤhrete ihn der Obrist Leut. gleich bey der Hand in das Zimmer/ und sagte/ da sitzt die Karania/ ich will sie jetzt strack den Jungen Preiß geben; dann er nicht an- ders vermeinte/ als der Rittmeister wuͤr- de so wohl als er ein grausame Rach an mir uͤben wollen; aber der ehrliche Caval- lier war gantz anders gesinnet/ er sahe mich kaum so klaͤglich dort sitzen/ als er anfieng mit mit einem Seuffzen den Kopff zu schuͤtteln: Jch merckte gleich sein Mitleiden/ fiele de- rowegen auf die Knie nider/ und bat ihn um aller seiner adelichen Tugenden willen/ daß er sich uͤber mich elende Dame erbar- men: und mich vor mehrerer Schand be- schirmen wolte; Er hub mich bey der Hand auf und sagte zu dem Obersten Leutenant und seinen Cammerrathen/ ach/ ihr recht- schaffene Bruͤder! was habt ihr mit dieser Damen angefangen? der Oberste Leute- nant so sich bereits halber bierschellig gesof- fen/ fiele ihm in die Red und sagte/ was? sie ist eine Zauberin; ach mein Herr/ verzei- he mir/ antwortet der Rittmeister/ so viel ich von ihr weiß/ so bedunckt mich/ sie sey des tapffern alten Grauen von T. seine leibli- chen Frauen Tochter: welcher rechtschaf- fene Held bey dem gemeinen Wesen Leib und Leben/ ja/ Land und Leut aufgesetzt/ also daß mein gnaͤdigster Koͤnig nicht gut heis- sen wird/ wann man dessen Kinder so tra- ctirt/ ob sie gleich ein paar Officier von uns auf die Kaͤyserl. Seiten gefangen bekom̃en! Ja ich doͤrffte glauben/ ihr Herr Vatter richtet richtet auf diese Stunde in Ungarn noch mehr wider den Kaͤyser aus/ als mancher thun mag/ der eine fliegende Armada gegen ihn zu Felde fuͤhret; Ha! antwortet der Flegelhafftige Oberst Leutenant: was hab ich gewust? warum hat sie das Maul nicht aufgethan? die andere Officier/ welche den Rittmeister wohl kanten/ und wusten/ daß er nicht allein von einen hohen Daͤnischen Geschlecht: sondern auch bey dem Koͤnig in hoͤchsten Gnaden war/ baten gar demuͤ- thig/ der Rittmeister wolte diß uͤbersehen/ als eine geschehene Sach/ zum besten rich- ten/ und vermittlen/ daß sie hier durch in kei- ne Ungelegenheit kaͤmen; dahingegen ob- ligirten sie sich/ ihme auf alle begebende Ge- legenheit mit Darsetzung Guts und Bluts bedient zu seyn; Sie bathen mich auch alle auf den Knien um Verzeihung/ ich konte ihnen aber nur mit weinen vergeben; und also kam ich/ zwar uͤbel geschaͤnd/ aus dieser Bestien Gewalt in des Rittmeisters Haͤn- de/ welcher mich weit hoͤflicher zu tractiren wuste; dann er schickte mich alsobalden/ oh- ne/ daß er mich einmahl beruͤhrt hatte/ durch durch einen Diener und einen Reuter von seiner Compagnia in Dennemarck auf ein Adelich Haus/ das ihm kuͤrtzlich von seiner Mutter Schwester erblich zu gefallen war/ allwo ich wie ein Princessin unterhalten wurde; welche unversehene Erloͤsung ich beydes meiner Schoͤnheit und meiner Seugamme zu dancken/ als die ohne mein Wissen und Willen dem Rittmeister mein Herkommen vertraͤulich erzehlt hatte. Das XIII. Capitel. Was vor gute Taͤge und Naͤchte die Graͤffl. Fraͤulin im Schloß genosse/ und wie sie selbige wieder ver- lohren. J Ch pflegte meiner Gesundheit und baͤ- hete mich aus/ wie einer der halb erfro- ren/ aus einem kalten Wasser hinter einem Stubenofen oder zum Feuer kommt; dann ich hatte damahls auf der Welt sonst nichts zu thun/ als auf der Streu zu liegen/ und mich wie ein Streit-Pferd im Winter- Quartier aus zumaͤsten/ und auf den kuͤnff- tigen Sommer im Feld desto geruheter zu erschei- erscheinen/ und mich in den vorfallenden occasionen desto frischer gebrauchen zu las- sen; davon wurde ich in Baͤlde wider gantz heil/ glathaͤrig/ und meines Cavalliers be- gierig! der stellte sich auch bey mir ein/ ehe die laͤngste Naͤcht gar vergiengen/ weil er der lieblichen Fruͤhlingszeit so wenig als ich mit Gedult erwarten konte; Er kame mit vier Dienern/ da er mich besuchte/ davon mich doch nur der eine se- hen dorffte/ nemlich der jenige/ der mich auch hingebracht hatte; es ist nicht zu glau- ben/ mit was vor hertzbrechenden Worten er sein Mitleiden/ das er mit mir trug/ be- zeugete/ um daß ich in den leidigen Wittib- stand gesetzt worden; mit was vor grossen Verheissungen er mich seiner getreuen Dienste versicherte; und mit was vor Hoͤfflichkeit er mir klagte/ daß er beydes mit Leib und Seel vor Lutter mein Gefangner worden waͤre; Hoch geborne schoͤnste Dam/ sagte er/ dem Leib nach hat mich mein fatum zwar gleich wieder ledig gemacht/ und mich doch in uͤbrigen gantz und gar eueren Scla- ven bleiben lassen/ welcher jetzt nichts an- F ders ders begehrt und darum hieher kommen/ als aus ihrem Munde dem Sententz zum Tod oder zum Leben anzuhoͤren; zum Leben zwar/ wann ihr euch uͤber eueren elenden Gefangenen erbarmet: Jhn in seinem schweren Gefaͤngnus der Liebe mit troͤstli- chem Mitleiden troͤstet/ und vom Tod erret- tet; oder zum Tod/ wann ich ihrer Gnad und Gegenliebe nicht theilhafftig werden/ oder solcher euerer Liebe unwuͤrdig geschaͤtzt werden solte: Jch schaͤtzte mich gluͤckseelig/ da sie mich wie ein andere ritterliche Penthasi- lea mitten aus der Schlacht gefangen hin- weg gefuͤhrt hatte/ und da mir durch aͤusser- liche Lediglassung meiner Person meine vermeintliche Freyheit wieder zugestellt wurde/ hube sich allererst mein Jam̃er an/ weil ich die jenige nicht mehr sehen konte/ die mein Hertz noch gefangen hielte/ zumah- len auch kein Hoffnung machen konte/ die- selbe wegen beyderseits widereinander stre- benden Kriegswaffen jemahls widerum ins Gesicht zu bekommen; solchen meinen bißherigen elenden Jammer/ bezeugen viel tausent Seuffzer/ die ich seithero zu meiner lieb- liebwuͤrdigen Feindin gesendet/ und weil sol- che alle vergeblich in die leere Lufft giengen/ geriehte ich allgemach zur Verzweiffelung/ und waͤre auch/ ꝛc. Solche und dergleichen Sachen brachte der Schloßherr vor/ mich zu dem jenigen zu persuadirn, wornach ich ohne das so sehr als er selbst verlangte; Weil ich aber mehr in dergleichen Schulen gewe- sen/ und wohl wuste/ daß man das jenige/ was einem leicht ankom̃t/ auch gering ach- tet/ als stellte ich mich gar weit von seiner Meynung entfernet zu seyn/ und klagte hin- gegen/ daß ich im Werck befande/ daß ich sein Gefangner waͤre/ sintemahl ich meines Leibs nit maͤchtig/ sondern in seinen Gewalt aufgehalten wuͤrde; Jch muͤste zwar beken- nen/ daß ich ich ihm vor allen andern Ca- valliren in der gantzen Welt zum allerge- nauesten verbunden/ weilen er mich von meinen Ehrenschaͤndern errettet; erkennete auch/ daß meine Schuldigkeit seye/ solche ehrliche und lobwuͤrdige Rath wider gegen ihm mit hoͤchster Danckbarkeit zu beschul- den; wann aber solche meine Schuldig- keit und dem Deckmantel der Liebe mit F ij Ver- Verlust meiner Ehr abgelegt werden muͤ- ste/ und daß ich eben zu solchem Ende in die- ses Ort gebracht worden waͤre/ so koͤnte ich nicht sehen/ was er bey der erbarn Welt vor die beschehene ruhmwuͤrdige Erloͤsung vor Ehv/ und bey mir vor einen Danck zu ge- warten/ mit demuͤthiger Bitte/ er wolle sich durch eine That die ihn vielleicht bald wie- der reuen wuͤrde/ keinen Schandflecken an- hencken/ noch dem hohen Ruhm eines ehr- liebenden Cavalliers den Nachklang zu freyen/ daß er ein armes verlassenes Weibsbild in seinem Hause wider ihren Willen/ ꝛc. und damit fieng ich an zu wei- nen/ als wann mirs ein lauterer gruͤndli- cher Ernst gewesen waͤre/ nach dem alten Reumen: Die Weiber weinen osst mit Schmertzen/ gleich als gieng es ihn von Hertzen/ Sie pfiegen sich nur so zu stellen/ und koͤnnen wei- nen wann sie woͤllen. Ja damit er mich noch hoͤher æstimi ren solte/ botte ich ihm 1000. Reichsthaler vor meine Rantzion an/ wann er mich unbe- ruͤhrt lassen/ und widerum zu den Meinigen sicher passiren lassen wolte; aber er antwor- tet/ tet: Seine Liebe gegen mir sey so beschaffen/ daß er mich nicht vor das gantze Koͤnigreich Boͤhmen verwechseln koͤnte; zu dem seye er seines Herkommens und Standes halber/ mir gar nit ungleich/ daß es eben etwan wegen eine Heurath zwischen uns beeden viel difficulteten brauchen solte; Es hatte mit uns beyden natuͤrlich ein Ansehen/ als wann ein Taͤubler irgend einen Tauber und eine Taͤubin zu sammen sperret/ daß sie sich paaren sollen/ welche sich anfaͤnglich lang genug abmatten/ biß sie des Handels endlich eins werden; eben also machten wirs auch/ dann nachdem mich Zeit seyn bedunckte/ ich haͤtte mich lang genug wider- setzt/ wuͤrde ich gegen diesem jungen Buh- ler welcher noch nicht uͤber zwey und zwan- tzig Jahr auf sich hatte/ so zahm und ge- schmeidig/ das ich auf seine guͤldene Pro- messen in alles einwilligte/ was er begehrte/ ich schlug ihm auch so wohl zu/ daß er einen gantzen Monat bey mir bliebe/ doch wuste niemand/ warum/ als obgemeldter einiger Diener/ und eine alte Haushofmeisterin/ die mich in ihrer Pfleg hatte/ und E. Graͤfl. F 3 tituli- tituliren muste; da hielte ich mich wie das al- te Sprichwort lautet: Ein Schneider auf eim Roß/ ein Hur aufm Schloß/ Ein Lauß auf dem Grind/ seynd drey stoltzer Hof- gesind. Mein Liebhaber besuchte mich demselben Winter gar offt/ und wann er sich nicht ge- schaͤmt haͤtte/ so glaub ich/ er haͤtte den Degen gar an einen Nagel gehenckt/ aber er mu- ste beydes seinen Herrn Vattern und dem Koͤnig selbst scheuen/ als der sich dem Krieg/ wiewohl mit schlechtem Gluͤck/ ernst- lich angelegen seyn liese; doch macht ers mit seinem Besuchen so grob/ und kam so offt/ daß es endlich sein alter Herr Vatter und Frau Mutter mercken/ und auf fleissiges Nachforschen erfuhren/ was er vor einen Magnet in seinem Schloß heimlich aufhiel- te/ der seine Waffen so offt aus dem Krieg an sich zoge; derowegen erkundigten sie die Beschaffenheit meiner Person gar eigentlich/ und trugen grosse Sorge fuͤr ih- ren Sohn/ daß er sich villeicht mit mir ver- plempern und hangen bleiben moͤchte/ an einer/ davon ihr hohes Hause wenig Ehr haben haben konte; derowegen wolten sie ein sol- che Ehe beyzeiten zerstoͤren/ und doch so be- hutsam damit umgehen/ daß sie sich auch nicht an mir vergriffen/ noch meine Ver- wandte vor dem Kopff stiessen/ wann ich et- wan/ wie sie von der Haushofmeisterin vernommen/ von einem Graͤflichen Ge- schlecht geboren seyn/ und ihr Sohn auch mir allbereit die Ehe versprochen haben solte. Der allererste Angriff zu diesem Handel war dieser/ daß mich die alte Haushofmei- sterin gar vertraͤulich warnete/ es haͤttẽ mei- nes Liebsten Eltern erfahren/ daß ihr Herr Sohn eine Liebhaberin heimlich enthielte/ mit derer er sich wider ihrer der Eltern Wil- len zu verehlichen gedaͤchte/ so sie aber durch- aus nicht zu geben koͤnten/ die weil sie ihn all- bereit an ein fast hohes Haus zu verheura- then versprochen; waͤren derowegen gesin- net/ mich beym Korff nehmen zu lassen/ was sie aber weiters mit miꝛ zu thun entschlossen/ seye ihr noch verborgen; hiermit erschreckte mich zwar die Alte/ ich liese aber meine Angst nicht allein nicht mercken/ sondern stell t e mich darzu so freudig/ als wann mich F jv der der grosse Moger aus Jndia wo nit beschuͤ- tzen/ doch wenigst revangi rn wuͤrde/ sinte- mahl ich mich auf meines Liebhabers gros- se Liebe und stattliche Verheissung/ verlas- sen/ von welchem ich auch gleichsam alle acht Tage nit nur blosse liebreiche Schrei- ben: sondern auch jedesmahl ansehenliche Verehrungen empfieng/ dargegen beklag- te ich mich/ in Widerantwort gegen ihm/ weß ich von deꝛ Haußhofmeisterin verstan- den/ mit Bitt/ er wolte mich aus dieser Ge- fahr erledigen und verhindern/ daß mir uñ meinem Geschlecht kein Spott widerfuͤhre; das End solcher Correspondenz war/ daß zu letzt zween Diener in meines Liebhabers Lieberey gekleidet/ angestochen kamen/ wel- che mir Schreiben brachten/ daß ich mich alsobalden mit ihnen verfuͤgen solte/ um mich nacher Hamburg zu bringen/ allda er mich/ es waͤre seinen Eltern gleich lieb oder leid/ oͤffentlich zur Kirchen fuͤhren wolte; wann alsdann solches geschehen waͤre/ so wuͤrden beydes Vatter und Mutter wohl Ja sagen: und als zu einer geschehenen Sach das Beste reden muͤssen; Jch war gleich gleich fix und fertig wie ein alt Feuerschloß/ und liese mich so Tags so Nachts/ erstlich auf Wißmar: und von dañen auf gedach- tes Hamburg fuͤhren/ allda sich meine zween Diener abstohlen/ und mich so lang nach einem Cavallier aus Dennemarck umsehen liesse/ der mich heurathen wuͤrde/ als ich immer wolte; da wurde ich allererst gewahr/ daß der Hagel geschlagen/ und die Betruͤgerin betrogen worden waͤre; Ja miꝛ wurde gesagt/ ich moͤchte mit still schweigen- der Patientz verlieb nehmen/ und GOtt dancken/ daß die vornehme Braut unter- wegs nicht in der See ertraͤnckt worden waͤ- re/ oder man sey auf des Hochzeiters Seiten noch starck genug/ mir auch mitten in einer Stadt/ da ich mir vielleicht ein vergebliche Sicherheit einbilde/ einen Sprung zu wei- sen/ der einer solchen gebuͤhre/ worvon man wuͤste/ daß ich zu halten sey; was solt ich machen? mein Hochzeitherey/ meine Hoff- nung; meine Einbildungen und alles wor- auf ich gespañet/ war dahin/ uñ mitteinandeꝛ zu Grund gefallẽ; die vertreuliche liebreiche Schreiben/ die ich an meinen Liebsten von F v einer einer Zeit zur andern abgehen lassen/ waren seinen Eltern eingeloffen/ und die jeweilige Widerantwortbrieffe/ die ich empfangen/ hatten sie abgeben/ mich an dem Ort zu brin- gen/ da ich jetzt sasse/ und allgemach anfienge mit dem Schmalhansen zu conferirn der mich leichtlich uͤberredete/ mein taͤglich Maulfutter mit meiner naͤchtlichen Hand- arbeit zu gewinnen. Das XIV. Capitel. Was Courage ferners anfieng/ und wie sie nach zweyer Reuter Tod/ sich einem Mußquetierer theilhafftig machte. J Ch weiß nit wie es meinem Liebhaber gefallen/ als er mich nicht wieder in seinem Schloß angetroffen/ ob er gelacht oder geweynt habe/ mir wars leid/ daß ich seiner nicht mehr zu geniessen hatte/ und ich glaub/ daß er auch gern noch laͤn- ger mit mir vorlieb genommen haͤtte/ wann ihm nur feine Eltern das Fleisch nicht so schnell aus dem Zaͤhnen gezogen; um diese Zeit uͤberschwaͤm̃te der Wallensteiner/ der Tilly Tilly und der Graf Schlick/ gantz Holstein und andere Daͤnische Laͤnder mit einem Hauffen Kaͤyserlicher Voͤlcker wie mit ei- ner Suͤndfluth/ deren die Hamburger so wol als andere Ort/ mit Proviant und Munitzion aushelffen musten; dannenhero gab es viel Aus- und Einreutens und bey mir zimliche Kunden Arbeit; endlich erfuh- re ich/ daß meine angenommene Mutter sich zwar noch bey der Armee aufenthielte/ hin- gegen aber alle meine Bagage biß auf ein paar Pferde verlohren/ welches mir den Compaß gewaltig verruckte; Es schlug mir in Hamburg zwar wohl zu/ und ich haͤt- te mir mein Lebtage kein bessere Haͤndel ge- wuͤnscht/ weil aber solche fortuna nicht laͤn- ger bestehen konte/ als so lang das Kriegs- volck im Land lag/ so muste ich bedacht seyn/ meine Sach auch anders zu karten; Es be- suchte mich ein junger Reuter/ der bedeuchte mich fast liebwuͤrdig/ resolut und bey Gelt- mitteln zu seyn/ gegen diesem richtet ich alle meine Netz/ und unterliese kein Jaͤ- ger-Stuͤcklein/ biß ich ihn in meine Strick brachte/ und so verliebt machte/ daß er F vj mir mir Salat aus der Faust essen moͤgen ohne einigen Eckel; dieser versprach mir bey Teuffel holen/ die Ehe/ und haͤtte mich auch gleich in Hamburg zur Kirchen ge- fuͤhrt/ wann er nicht zuvor seines Ritt- meisters consens hierzu haͤtte erbitten muͤs- sen; welchen er auch ohnschwer erhielte/ da er mich zum Regiment brachte/ also daß er nur auf Zeit und Gelegenheit wartete/ die copulation wuͤrcklich zu vollziehen lassen; Jndessen verwunderten sich seine Cam̃er- rathen/ woher ihm das Gluͤck/ so eine schoͤne junge Maistresse zugeschickt unter welchen die allermeiste gern seine Schwaͤger haͤtten werden moͤgen; dann damahls waren die Voͤlcker bey dieser sieghafften Armee we- gen langwuͤrigen gluͤcklichen Wolergehens und vieler gemachten Beuten/ durch Uber- fluß aller Dinge dergestalt fett und ausge- fuͤllt/ daß der groͤste Theil durch Kuͤtzel des Fleisches angetrieben/ mehr ihrer Wollust nachzuhaͤngẽ/ und solchen abzuwarten/ als um Beuten zu schauen/ oder nach Brod und Fourage zu trachten/ gewohnt war; und son- derlich so war meines Hochzeiters Corporal ein ein solcher Schnaphan/ der auf dergleichen Nascherey am allermeistẽ verpicht war/ als welcher gleichsam eine Profession daraus machte/ anderen die Hoͤrner aufzusetzen/ und sichs vor eine grosse Schand gerechnet haͤtte/ wann er solches irgends unterstan- den/ und nicht werckstellig machen moͤgen; wir lagen damahls in Stormaren welches noch niemahls gewust/ was Krieg gewe- sen/ dannenhero war es noch voll von Uber- fluß/ und reich an Nahrung/ woruͤber wir uns Herren nannten/ und dem Landmann vor unsere Knechte/ Koͤch und Tafeldecker hielten/ da waͤhrete Tag und Nacht das Panquediren und lude je ein Reuter den andern auf seines Haußwirths Speiß und Tranck zu Gast/ diesen modum hielte mein Hochzeiter auch/ worauf angevegter Cor- poral sein Anschlag machte/ mir hinter die Haut zu kommen; dann als mein besagter Hochzeiteꝛ sich mit zweyen von seinen Cam- merrathen (so aber gleichwol auch des Cor- porals Creaturen gewesen) in seinem Quartier lustig machte/ kam der Corporal und commandirte ihn zu der Standarten F 7 auf auf die Wacht/ damit/ wann mein Hochzei- ter fort waͤre/ er sich selbst mit nur er- goͤtzen koͤnte; weil aber mein Hochzeiter den Possen bald merckte/ und ungern lei- den wolte/ daß ein anderer seine Stell ver- tretten/ (oder daß ichs fein teutsch gebe) daß ihn der Corporal zum Gauch machen solte; sihe/ da sagte er ihm/ daß noch etliche waͤ- ren/ denen vor ihm gebuͤhrte solche Wacht zu versehen; der Corporal hingegen sagte ihn/ er solte nicht viel disputirn/ sondern seinen Commando parirn/ oder er wolte ihm Fuͤsse machen; dann er wolte diese feine Gelegenheit meiner theilhafftig zu werden/ einmahl nicht aus Handen lassen; demnach ihm aber solche mein Liebster nicht zu goͤnnen gedachte/ widersetzte er sich dem Corporal so lang/ biß er von Lederzog/ und ihn auf die Wachtnoͤtigen/ oder in Kraffthabenden Gewalts so exemplarisch zeichnen wolte/ daß ein andermahl ein anderer wisse/ wie weit ein Untergebener seinem Vorgesetzten zu gehorsamen schuldig waͤre; aber ach/ mein lieber Stern verstund den Handel leyder uͤbel/ dann er eben so bald mit sei- nem nem Degen fertig/ und verdingte dem Corporal eine solche Wunden in Kopff/ die ihn des unkeuschen und erhitzten Ge- bluͤts alsobald entledigte/ und allen Kitzel dergestalt vertriebe/ daß ich wohl sicher vor ihm seyn konte; die beyde Gaͤst giengen ih- rem Corporal auf sein Zuschreyen zu Huͤlff/ und mit ihren Fochteln auch auf meinen Hochzeiter loß/ davon er den einen alsobal- den durchstach/ und den andern zum Haus hinaus jagte/ welcher aber gleich wieder kam/ und nit allein den Feldscherer vor die Verwundte sondern auch etliche Kerl brachte/ die meinen Liebsten und mich zum Profosen fuͤhrten/ allwo er an Haͤnd und Fuͤssen in Band und Ketten geschlossen wurde; Man machts gar kurtz mit ihm/ dann den andern Tag ward Standrecht uͤber ihn gehalten/ und ob zwar Soñenklar an Tag kam/ daß der Corporal ihn keiner andern Ursachen halbeꝛ auf die Wacht com- mandirt/ als selbige Nacht an Statt seineꝛ zu schlaffen; so wuͤrde doch erkant/ um den Ge- horsam gegen den Officiern zu erhaltẽ/ daß mein Hochzeiter aufgehenckt: Jch aber mit Ruthen ausgehauen werden solte; weil weil ich an solcher That ein Ursaͤcherin ge- wesen; Jedoch wurden wir beyde so weit erbetten/ daß mein Hochzeiter Harquebu- sirt: Jch aber mit dem Steckenknecht vom Regiment geschickt wurde/ welches mir gaꝛ ein abgeschmackte Reiß war. So sauer kam mich aber diese Reiß nicht an/ so fanden sich doch zween Reuter in un- sern Quartier/ die mir und ihnen solche ver- suͤssen wolten/ dañ ich war kaum ein Stund gehend hinweg/ da sassen diese beyde in ei- nem Busch/ dardurch ich muste passiren/ mich willkommen zu heissen! Jch bin zwar/ wann ich die Warheit bekennen muß/ mei- ne Tage niemahl so hechel gewesen/ einem guten Kerl eine Fahrt abzuschlagen/ wañ ihn die Noth begriffen; aber da diese zween Haluncken mitten in meinem Elend eben das jenige von mir mit Gewalt begehrten/ wessentwegen ich verjagt: und mein Aus- erwehlter tod geschossen worden/ widersetzte ich mich mit Gewalt; dann ich konte mir wohl einbilden/ wann sie ihren Willen er- langt und vollbracht/ daß sie mich auch erst gepluͤndert haͤtten/ als welches Vorhaben ich ich ihnen gleichsam aus den Augen und von der Stirnen ablesen konte; sintemahl sie sich nicht schaͤmten mit entbloͤsten De- gen/ auf mich/ wie auf ihrem Feinde loß zu gehen/ beydes mich zu erschrecken/ und zu dem/ was sie suchten/ zu noͤthigen; weil ich aber wuste/ daß ihre scharffe Klingen mei- ner Haut weniger als zwo Spißgerten ab- haben wuͤrden/ sihe/ da waff nete ich mich mit meinen beyden Messern/ von denen ich in jede Hand eins nahm/ und ihnen derge- stalt begegnete/ daß der eine eins davon im Hertzen stecken hatte/ ehe er sichs versahe; der ander war staͤrcker und vorsichtiger als der erste/ wessentwegen ich ihme dann so wenig als er mir an den Leib kommen kon- te; wir hatten unter waͤhrendem Gefecht ein wildes Geschrey; er hiese mich eine Hur/ eine Vettel/ eine Hex/ und gar einen Teuf- fel; hingegen nannte ich ihn einen Schel- men einen Ehrendieb/ und was mir mehr von solchen erbarn Tituln ins Maul kam/ welches Balgen einen Mußquetier er uͤber- zwergs durch den Busch zu uns lockte/ der lang stunde/ und uns zusahe/ was wir vor seltzame seltzame Spruͤng gegeneinander veruͤb- ten/ nicht wissend/ welchen Theil er un- ter uns beystehen oder Huͤlffe leisten solte; und als wir ihn erblickten/ begehrte ein je- des/ er wolte es von dem andern erretten/ da kan nun ein jeder wohl gedencken/ daß Mars der Vener viel lieber als dem Vulcano bey- gestanden/ vornemlich als ich ihn gleich guͤl- dene Berg versprach/ und ihn meine aus- buͤndige Schoͤnheit blendet und bezwang; Er passte auf/ und schlug auf den Reuter an/ und brachte ihn mit Bedrohung dahin/ daß er mir nicht allein den Rucken wendet/ sondern auch anfieng darvon zu lauffen/ daß ihm die Schuchsohlen haͤtten herunter fallen moͤgen/ seinen entseelten Cammerra- then sich in seinem Blut waltzend/ hinter- lassend; Als nun der Reuter seines Wegs war/ und wir uns allein beysam̃en befanden/ er- stummte dieser junge Mußquetierer gleich- sam uͤber meiner Schoͤnheit/ und hatte nit das Hertz/ etwas anders mit mir zu reden/ als daß er mich fragte/ durch was vor ein Geschick ich so gar allein zu diesem Reuter kom- kommen waͤre? darauf erzehlte ich ihm al- les Haarklein/ was sich mit meinem gehab- ten Hochzeiter/ item/ mit dem Corporal und dann auch mit mir zugetragen; so dann/ daß mich diese beyde Reuter/ nemlich der ge- genwaͤrtige Tode und der Entloffene als ein armes verlassenes Weibsbild mit Gewalt schaͤnden wollen/ deren ich mich aber bißher/ wie er selbst zum Theil wohl gesehen/ ritter- lich erwehrt; mit Bitt/ er wolte als mein Nohthelffer und Ehrenretter mich ferner beschuͤtzen helffen/ biß ich irgendshin zu ehr- lichen Leuten wieder in Sicherheit kaͤme/ versicherte ihn auch ferner/ daß ich ihme vor solche seine erwiesene Huͤlffe und Beystand mit einen ehrlichen recompens zu begegnen nicht er manglen wuͤrde; er besuchte darauf den Toden/ und nahme zu sich was er schaͤtzbarliches bey sich hatte/ welches ihm seine Muͤhe zimlich belohnte; dar- auf machten wir uns beyde bald aus dem Staub/ und indem wir unseren Fuͤs- sen gleichsam uͤber Vermoͤgen zuspra- chen/ kamen wir desto ehender durch den Bosch/ und erreichten denselben Abend Abend noch des Mußquetierers Regiment/ welches fertig stunde/ mit dem Colalto, Altrinniger und Gallas in Jtalia zu gehen. Das XV. Capitel. Mit was vor Condition en sie den Ehestand lediger Weiß zu treiben ein- ander versprochen. W Ann eine ehrliche Ader in meinem Lei- be gewesen waͤre/ so haͤtte ich damahls meine Sach anders anstellen: und auf ei- nen ehrlichern Weg richten koͤnnen; dann meine angenom̃ene Mutter mit noch zwey- en von meinen Pferden und etwas an paa- rem Gelt erkundigt mich/ und gab mir den Raht/ ich solte mich aus den Krieg zu mei- nem Gelt auf Prag: oder auf meines Hauptmans Guͤtter thun/ und mich im Frieden Haußhaͤblich und geruhlich ernaͤh- ren, aber ich liese meiner unbesonnenẽ Ju- gend weder Weißheit noch Vernunfft ein- reden/ sondern je toller das Bier gebrauet wurde/ je besser es mir schmeckte/ ich und ge- dachte meine Mutter/ hielten sich bey einem Mar- Marquedenter unter dem jenigen Regi- ment/ darunter mein Mann der zu Hoya umkommen/ Hauptmann gewesen/ alwo man mich seinetwegen zimlich respectirte; uñ ich glaub auch/ daß ich wieder einen wa- ckern Officier zum Mann bekommen haͤt- te/ wann wir geruhig gewest/ und irgends in einem Quartier gelegen waͤren. Aber dieweil unsere Kriegsmacht von 20000. Mannen in drey Herren bestehend/ schnell auf Jtalia marchirte/ und durch Grau- buͤnden/ das viel Verhinderungen ge- macht/ brechen muste/ sihe/ da gedachten we- nig witzige an das Freyen/ und dannenhero verbliebe ich auch desto laͤnger eine Wittib; uͤber das hatten auch etliche nicht das Hertz/ andere aber sonst ihr Bedencken/ mich um die Verehligung anzureden; und sonst mir extra oder neben her etwas zuzumuthẽ/ dar- zu hielten sie mich voꝛ viel zu ehrlich/ weil ich mich bey meinem vorigen Mann gehalten/ daß mich maͤnniglich vor ehrlich hielte als ich gewesen. Gleichwie mir aber mit einer langwierigen Fasten wenig gedienet/ also hatte sich hingegen der jenige Mußquetier/ so mir so mir in der Occasion, die ich mit obenge- dachter beyden Ruthen gehabt/ zu Huͤlffe kommen/ dergestalt an mir vergafft und vernarret/ daß er Tag und Nacht keine Ruhe hatte/ sondern mir manchen Trab- schenckte/ wann er nur Zeit haben und ab- kom̃en konte. Jch sahe wol was mit ihn um- gieng/ und wo ihn der Schuch druckte/ weil er aber die courage nicht hatte/ sein Anlie- gen der Courage zu entdecken/ war bey mir die Verachtung so groß/ als das Mitlei- den; doch aͤnderte ich nach und nach mei- nenstoltzen Sinn/ der Anfangs nuꝛ gedach- te eine Officirerin zu seyn; dann als ich des Marquedenters Gewerb und Handthie- rung betrachtete/ und taͤglich vor Augen sahe/ was ihm immerzu vor Gewinn zu- gieng/ und daß hingegen mancher praver Officier mit dem Schmalhansen Taffel halten muste/ fieng ich an darauf zu geden- cken/ wie ich auch eine solche Marquedente- rey aufrichten/ und ins Werck stellen moͤch- te; ich machte den Uberschlag mit meinen bey mir habenden Vermoͤgen/ und fande solches weil ich noch ein zimliche Quanti- taͤt taͤt Goldstuͤcker in meiner Brust vernehet wuste/ gar wohl pastand zu seyn; Nur die Ehr oder Schand lag mir noch im Weg/ daß ich nemlich aus einer Hauptmaͤnnin ein Marquedenterin werden solte; als ich mich aber erinnerte/ daß ich damahls keine mehr war/ auch wohl vielleicht keine mehr werden wuͤrde/ sihe/ da war der Wuͤrffel schon geworffen! und ich fieng bereits an in meinem Sinn/ Wein und Bier um dop- pelt Gelt auszuzapffen/ uñ aͤrger zu Schin- den und zu Schachern/ als ein Jud von 50. oder 60. Jahren thun mag. Eben um diese Zeit/ als wir nemlich mit unseren dreyfachen Kaͤyserlichen Heer uͤber die Alpes oder das hohe Gebuͤrg in Italiam gelangt/ war es mit meines Galanen Liebe aufs hoͤchste kommen/ ohne daß er noch das geringste Wort darvon mit mir gesprochen; Er kam einsmahls unter dem Vorwant ein Maß Wein zu trincken/ zu meines Mar- quedenters Zelt/ und sahe so bleich und trost- loß aus/ als wann er kuͤrtzlich ein Kind bekommen/ und keinem Vatter/ Meel noch Milch darzu gehabt oder gewuͤst haͤtte; haͤtte; seine traurige Blick und seine sehnli- che Seuffzer waren seine beste Sprach/ die er mit mir redet/ und da ich ihn um sein An- liegen fragte/ erkuͤhnete er gleichwol also zu antworten: ach/ meine allerliebste Frau Hauptmaͤnnin! (dann Courage dorffte er mich nicht nennen) wann ich ihr mein An- liegen erzehlen solte/ so wuͤrde ich sie entwe- der erzoͤrnen/ daß sie eine ihre holdseelige Gegenwart gleich wider entzuckt/ und mich in Ewigkeit ihres Anschauens nicht mehr wuͤrdigt; oder ich wuͤrde einen Verweiß meines Frevels von ihr empfangen/ deren eins von diesem beyden genugsam waͤren/ mich dem Tod vollends aufzuopffern; und darauf schwiege er wider stock still; ich ant- wortet/ wann euch deren eins kan umbrin- gen/ so kan euch auch ein jedes davon erqui- cken; und weil ich euch dessentwegen ver- bunden bin/ daß ihr mich/ als wir in den vier Landen zwischen Hamburg und Luͤbeck lagen/ von meinen Ehrenschaͤnderen erret- tet so goͤnne ich euch hertzlich gern/ daß ihr euch gesund und satt an mir sehen moͤget; Ach mein hoch geehrte Frau! antwortet er/ es be- es befindet sich hierinn gantz das Wider- spiel/ dann da ich sie damahls das erste mahl ansahe/ fieng auch meine Kranckheit an/ welche mir aber dem Tod bringen wird/ wann ich sie nicht mehr sehen solte! Ein wunderbarlicher und seltzamer Zustand! der mir zum recompens widerfahren/ die- weil ich mein Hochehrende Frau aus ihrer Gefaͤhrlichkeit errettete! Jch sagte/ so muͤste ich einer grossen Untreu zu beschuldigen seyn/ wann ich dergestalt Gutes mit Boͤsem vergolten haͤtte? das sag ich nicht/ antwor- tet mein Mußquetierer/ ich r eplicir te/ was habt ihr dann zu klagen? uͤber mich/ uͤber meine Ungluͤck seeligkeit (antwortet er) und uͤber meine Verhaͤngnus; oder vielleicht uͤber meinen Vorwitz/ uͤber meine Einbil- dung/ oder ich weiß selbst nicht uͤber was! Jch kan nicht sagen/ daß die Frau Haupt- maͤnnin und danck bar sey/ dann um der ge- ringen Muͤhe willen/ die ich ich anlegte/ als ich den noch lebenden Reuter verjagte/ der ihrer Ehr zusetzte/ bezahlte mich dessen Ver- lassenschafft genugsam/ welche mein Hoch- ehrende Frau zuvor des Lebens hochruͤhm- G lich lich beraubte/ damit er sie ihrer Ehr nicht schaͤndlich berauben solte: Meine Frau Ge- bieterin: (sagte er ferner) Jch bin in einem solchen verwirrten Stand/ der mich so ver- wirret/ daß ich auch weder meine Verwir- rung/ noch mein Anliegen/ noch mein oder ihre Beschuldigung/ weniger meine Un- schuld/ oder so etwas erleutern moͤchte/ dar- durch mir geholffen werden koͤnte; Sehet/ allerschoͤnste Dam! ich sterbe/ weil mir das Gluͤck und mein geringer Stand nicht goͤn- net/ ihrer Hoheit zu erweisen/ wie gluͤcksee- lig ich mich erkennete/ ihr geringster Diener zu seyn; Jch stunde da wie eine Naͤrrin/ weil ich von einen geringen und noch sehr jungen Mußquetierer/ solche/ wiewohl un- tereinander/ und wie er selbst sagte/ aus ei- nem verwirrten Gemuͤth-lauffende Reden hoͤrete; doch kamen sie mir vor/ als wann sie mir nichts destoweniger einen muntern Geist und Sinnreichen Verstand anzeig- ten/ der einer Gegenlieb wuͤrdig/ und mir nicht uͤbel anstaͤndig sey/ mich dessen zu mei- ner Marquedenterey/ mit welcher ich da- mahls groß schwanger gieng/ rechtschaf- fen fen zu bedienen; derowegen machte ichs mit dem Tropffen gar turtz/ und sagte zu ihm/ mein Freund/ ihr nennet mich fuͤrs 1. euer Gebietherin/ fuͤrs 2. euch selbst meinen Diener/ wann thrs nur seyn koͤn- tet; furs 3. klagt ihr/ daß ihr ohne meine Gegenwart sterben muͤst; daraus nun er- kenne ich eine grosse Liebe/ die ihr viel- leicht zu mir traget; Jetzt sagt mir nur/ wormit ich solche Liebe erwidern moͤge? dann ich will gegen einen solchen/ der mich von meinen Ehrenschaͤndern erret- tet/ nicht undanckbar erfunden werden; Mit Gegenlieb/ sagte mein Galan; und wann ich dann wuͤrdig waͤre; so wolte ich mich vor den allergluͤckseeligsten Menschen in der gantzen Welt schaͤtzen. Jch antwor- tet/ ihr habt allererst selbst bekennet/ daß eu- er Stand zu gering sey/ bey mir zu seyn/ den ihr zu seyn wuͤnschet/ und was ihr ge- gen mir mit weitlaͤufftigen Worten wei- ters zu verstehen gegeben habt; was Raths aber? damit euch geholffen/ und ich von al- ler Bezuͤchtigung der Undanckbarkeit und G ij Un- Untreu: Jhr aber euers Leidens entuͤbrigt werden moͤchtet? Er antwortet/ seines Theils sey mir alles heimgestellt/ sintemahl er mich mehr vor eine Goͤttin als vor eine irrdische Creatur halte/ von deren er auch jederzeit entweder den Sententz des Todes oder des Lebens: die Servitut oder Freyheit/ ja alles gern añehmẽ wolte/ was mir nur zu befehlen beliebte; und solches bezeugte er mit solchen Geberden/ daß ich wol erachten kon- te/ ich haͤtte einen Narren am Strick/ der eher in seiner Dienstbarkeit mir zu Gefallen erworgen: als in seiner libertet ohne mich leben wuͤrde. Jch verfolgte das/ was ich angefangen/ und unteꝛstunde zu fischen/ dieweil das Was- ser truͤb war; und warum wolte ichs nicht gethan haben/ da doch der Teuffel selbst die jenige die er in solchem Stand findet/ wie sich mein Leffler befande/ vollends in seine Netze zu bringen unterstehet? Jch sage dieß nicht/ daß ein ehrlicher Christen-Mensch/ den Wercken dieses seines abgefaͤimten boͤ- sen Feindes zu folgen/ an mir ein Exempel nehmen soll/ weil ich ihm damahls nach- amte/ amte/ sondern daß Simplicius, dem ich die- sen meinen Lebenslauff allein zueigne/ se- he/ was er vor eine Dame an mir geliebt; und hoͤre nur zu Simplex, so wirst du erfah- ren/ daß ich dir das jenige Stuͤcklein/ so du mir im Sauerbrunnen erwiesen/ dergestalt wider eingetraͤnckt/ daß du vor ein Pfund so du ausgebẽ/ wider ein Centner eingenom- men; Aber diesen meinen Galanen brachte ich so weit/ daß er mir folgende Puncten ein- gieng und zu halten versprach. Erstlich/ solte er sich von seinem Regi- ment loß wuͤrcken/ weil er anderer Gestalt mein Diener nicht seyn koͤnte/ ich aber keine Mußquetiererin seyn moͤchte. Alsdann solte er zweytens bey mir woh- nen/ und mir wie ein anderer Ehemann al- le Lieb und Treu seiner Ehefrauen zu erwei- sen pflege/ eben desgleichen zu thun schuldig seyn/ und ich ihme hinwiderum. Jedoch solte solche Verehligung drittens vor der Christlichen Kirchen nicht ehe be- staͤttigt werden/ ich befaͤnde mich dann zuvoꝛ von ihm befruchtet. Biß dahin solte ich viertens die Meister- G iij schafft schafft nicht allein uͤber die Nahrung/ son- dern auch uͤber meinen Leib/ ja auch uͤber meinen Serviteur selbsten haben und behal- ten/ in aller Maß und Form/ wie sonst ein Mann das Gebieth uͤber sein Weib habe. Krafft dessen/ solte er fuͤnfftens nicht Macht haben/ mich zu verhindern/ noch ab- zuwehren/ viel weniger sauer zu sehen/ wañ ich mit andern Mannsbildern conversire, oder etwas dergleichen unterstuͤnde/ das sonst Ehemaͤnner zum eyffern verursachte. Und weil ich sechstens gesinnet sey/ eine Marquetenterin abzugeben/ solte er zwar in solchem Geschaͤffte das Haubt seyn/ und der Handelschafft wie ein getreuer und fleissi- ger Hauswirth/ so Tags/ so Nachts/ emsig vorstehen/ mir aber das Ober-Commando/ sonderlich uͤber das Gelt/ und ihn selbsten lassen/ und gehorsamlich gedulten/ ja aͤn- dern und verbessern/ wann ich ihne wegen einiger seiner Saumsal corrigirn wuͤrde; Jn Summa/ er solte von maͤnniglich vor den Herrn zwar gehalten und angesehen werden/ auch solchen Namen und Ehre haben/ aber gegen mir obenangeregte Schul- Schuldigkeit in allweg in Acht nehmen. Und solches alles verschrieben wiꝛ einander. Damit er auch solcher Schuldigkeit sich allezeit erinnern moͤge/ solte er zum sibenden gedulten/ daß ich ihn mit einem sonderbah- ren Namen nennete/ welcher Nahm aus den ersten Woͤrtern des Befehls genom- men werden solte/ wormit ich ihn das erste mahl etwas zu thun heissen wuͤrde; Als er mir nun alle diese Puncten ein- gangen und zu halten geschworen/ bestaͤt- tigte ich solches mit einem Kuß/ liese ihn abeꝛ vor dißmahl nicht weiter kommen; darauf brachte er bald sein Abscheid/ ich hingegen griffe mich an/ und brachte unter einem andern Regiment zu Fuß zu wegen/ alles was ein Marquedenter haben solte/ und fieng an mit dem Judenspieß zu lauffen/ als wann ich das Handwerck mein Lebtag ge- trieben haͤtte. Das XVI. Capitel. Wie Spring-ins-felt und Courage miteinander hauseten. M Ein junger Mann liese sich trefflich wohl an/ in allem dem jenigen wor- G jv zu ich zu ich ihn angenommen und zu brauchen hatte; so hielte er auch oben vermelte Arti- cul so nett/ und erzeigte sich so gehorsam/ daß ich die geringste Ursach nicht hatte/ mich uͤber ihn zu beschweren; Ja/ wann er miꝛ an- sehen konte/ was mein Will war/ so war er schon bereit solchen zu vollbringen; dann er war in meiner Liebe so gar ersoffen/ daß er mit hoͤrenden Ohren nit hoͤrete/ noch mit se- henden Augen nit sahe/ was er an mir/ und ich an ihm hatte/ sondern er vermeinete viel- mehr/ er haͤtte die allerfroͤmste/ getreueste/ verstaͤndigste und keuscheste Liebste auf Er- den/ worzu mir und ihm dann meine ange- nommene Mutter/ die er meinetwegen auch in grossen Ehren hielte/ trefflich zu helffen wuste; diese war viel listiger als eine Fuͤchs- sin/ viel geitziger als eine Woͤlffin/ und ich kan nicht sagen/ ob sie in der Kunst Gelt zu gewinnen oder zu cupplen am vortrefflich- sten gewesen sey; Wann ich ein loß Stuͤck- lein in dergleichen Sachen im Sinn hatte/ und ich mich um etwas scheuete (dann ich wolte vor gar fromm und schamhafftig an- gesehen seyn) so dorffte ichs ihr nur anver- trauen trauen/ und war damit so viel als versichert/ daß mein Verlangen ins Werck gestellt wuͤrde; dann ihr Gewissen war weiter als des Rhodi ser Colossi Schenckel auseinan- der gespannet/ zwischen welchen die groͤste Schiff ohne Segelstreichung durch passi- ren koͤnnen; einmahl hatte ich grosse Be- gierden/ eines jungen von Adel theilhafftig zu seyn/ der selbiger Zeit noch Fendrich waꝛ/ und mir seine Liebe vorlaͤngsten zu verstehen gegeben/ wir haͤtten eben damahls/ als mich diese Lust ankam/ das Laͤger bey einem Fle- cken geschlagen/ wessentwegen so wohl mein Gesind als ander Volck/ um Holtz und Wasser aus war; mein Marquedenter aber gieng beym Wagen herum Nissteln/ als er mir eben mein Zelt auf geschlagen/ und die Pferd zu naͤchst bey uns zu andern auf die Waͤid lauffen lassen; Weil ich nun mein Anliegen meiner Mutter eroͤffnet/ schaffte sie mir denselben Fendrich/ wiewohl zur Un- zeit an die Hand/ und als er kam/ war das erste Wort/ das ich ihn in Gegenwart/ mei- nes Manns fragte/ ob er Gelt haͤtte/ und da er mit ja antwortet: dann er vermeynte G v ich ich fragte albereit um S. V. den Huren- Lohn: sagte ich zu meinem Marquedenter/ Spring-ins-felt/ und fange unsern Schre- cken/ der Herr Fendrich wolte ihn gern be- reuten/ und uns demselben abhandlen/ und gleich paar bezahlen; Jndessen nun mein guter Marquedenter gehorsamlich hin- gieng/ meinen erstẽ Befelch zu vollbringen/ hielte die alte Schildwacht/ dieweil wir den Kauff miteinander machten/ und auch ein- ander ritterlich bezahlten; demnach sich aber das Pferd nicht von meinem Marqueden- ter so leichtlich/ wie seine Marquedenterin vom Fendrich fangen lassen wolte/ kam er gantz ermuͤthet widerum zum Zelt/ eben so ungedultig/ als sich der Fendrich wegen seines langen Wartens stellet; Dieser Ge- schichten halber hat besagter Fendrich/ nach- gehends ein Lied gemacht/ der Scheck ge- nant/ anfahend/ ach was fuͤr unaussprech- liche Pein/ ꝛc. mit welchem sich in folgen- der Zeit gantz Teutschland etliche Jahr ge- schleppt/ da doch niemand wuste/ woher es seinen Ursprung hatte/ mein Marquedenter aber bekam hierdurch/ Krafft unserer Heu- rats- raths-Notal den Namen Spring-ins-felt/ und diß ist eben der Spring-ins-felt/ den du Simplicissime in deiner Lebens-Be- schreibung offtermahl vor einen guten Kerl ruͤhmest; du must auch wissen/ daß er alle die jenige Stuͤcklein/ die er und du/ beydes in Westphalen und zu Philippsburg veruͤbet/ und sonst noch vielmehr darzu/ von sonst niemand/ als von mir und meiner alten Mutter gelernet; dann als ich mich mit ihm paaret/ war er einfaͤltiger als ein Schaaf/ und kam wider abgefaͤimbter von uns/ als ein Luchs und Kern-Essig seyn mag. Aber die Warheit zu bekennen/ so sind ihm solche seine Wissenschafften nicht um- sonst ankommen/ sondern er hat mir das Lehr-Gelt zuvor genug bezahlen muͤssen; Einsmahls da er noch in seiner ersten Ein- falt war/ discurirten/ er/ ich und meine Mut- ter von Betrug und Boßheit der Wei- ber/ und er entbloͤdete sich zu ruͤhmen/ daß ihn kein Weibsbild betruͤgen solte/ sie waͤre auch so schlau als sie immer wol- te; Gleichwie er nun seine Einfalt hiermit G vj genug- genugsam an den Tag legte/ also bedauchte mich hingegen/ solches waͤre meiner und al- ler verstaͤndigen Weiber dexteri taͤt viel zu nahe/ und nachtheilig geredet; sagte ihm de- rowegen unveꝛholen/ ich wolte ihn neunmal vor der Morgensuppe betꝛuͤgen koͤnnen/ wañ ichs nur thun wolte; er hingegen vermaß sich zu sagen/ wann ich solches koͤnte/ so wolte er sein Lebtag mein Leibeigner Sclave seyn/ und trutzte mich noch darzu/ wann ich sol- ches zu thun mich nicht unterstuͤnde; doch mit dem Geding/ wann ich in solcher Zeit gar keinen Betrug von den neunen bey ihm anbraͤchte/ daß ich mich alsdann zur Kir- chen fuͤhren: und mit ihm ehrlich copuliren lassen sollte; Nachdem wir nun solcher Ge- stalt der Wettung eins worden/ kam ich des Morgens fruͤhe mit der Suppenschuͤssel/ darinn das Brod lag/ und hatte in der an- dern Hand das Messer samt einem Wetz- stein/ mit Begehren er sollte mir das Mes- ser ein wenig schaͤrpffen/ damit ich die Sup- pe einschneiden koͤnte; er nahm Messer und Stein von mir/ weil er aber kein Wasser hatte/ leckte er den Wetzstein mit der Zunge/ um um selbigen zu befeuchtigen/ da sagte ich/ nun das walt GOtt/ das ist schon zwey mahl! Er befremdet sich und fragte/ was ich mit dieser Rede vermeyne? hingegen frag- te ich ihn/ ob er sich dann unserer gestrigen Wettung nicht mehr zuerinnern wisse? Er antwortet ja; und fragte/ ob und womit ich ihn dann schon betrogen? Jch antwortet/ erstlich machte ich das Messer stumpff/ da- mit du es wieder schaͤrffer wetzen muͤsstest; zweitens/ zog ich den Wetzstein durch ein Ort/ das du dir leicht einbilden kanst/ und gab dir solchen mit der Zung zu schlaͤcken/ oho! sagte er/ ists um diese Zeit/ so schweig nur still/ und hoͤre auf/ ich gib dir gern ge- wonnen/ und begehre die restirende Mahl nit zu erfahren. Also hatte ich nun an meinem Spring- ins-feld einen Leibaͤignen; bey Nacht/ wañ ich sonst nichts bessers hatte/ war er mein Mann; bey Tag mein Knecht/ und wann es die Leute sahen/ mein Herr und Meister uͤberall: Er konte sich auch so artlich in den Handel und in meinen humor zu schicken/ daß ich mir die Tage meines Lebens keinen G vij bessern besseren Mann haͤtte wuͤnschen moͤgen/ und ich haͤtte ihn auch mehr als gern geehlicht/ wann ich nicht besorget/ er wuͤrde dardurch den Zaum des Gehorsams verlieren/ und in Behaubtung der billichen Oberherrlich- keit/ die ihm alsdann gebuͤhren wuͤrde/ mir hundertfaͤltig wideꝛum eintraͤncken/ was ich ihm etwan ohnverehlicht zu wider gethan/ und er ohnzweiffel mit grossen Verdruß zu zeiten verschmertzen muͤssen; Jndessen leb- ten wir bey und miteinander/ so einig/ aber nicht so heilig als wie die liebe Engel; Mein Mutter versahe die Stelle einer Marque- denterin an meiner Stadt/ ich den Stand einer schoͤnen Koͤchin oder Kellerin/ die ein Wirth darum auf der Streu haͤlt/ damit er viel Gaͤst bekom̃en moͤge; Mein Spring- ins-felt aber/ war Herr und Knecht/ und was ich sonst haben wolte/ das er seyn solte; Er muste miꝛ glatt parirn und meineꝛ Mut- ter Gutachten folgen/ sonst war ihm alles mein Gesind gehorsam als ihrem Herrn/ dessen ich mehr hielte/ als mancher Haubt- mann; dann wir hatten liderliche Commiß- Metzger bey dem Regiment/ welche lieber Gelt Gelt zu versauffen/ als zu gewinnen ge- wohnt waren/ darum trang ich mich durch Schmiralia in ihre profession, und hielte zween Metzger-Knecht vor einen/ also daß ich das Præ allein behielte/ und jene nach uñ nach Caput spielte/ weil ich einem jeden Gast/ er waͤre auch herkommen woheꝛ er im- mer wolte/ mit einem Stuͤck von allerhand Gattung Fleisch zu Huͤlff kommen koͤnnte; ob er es gleich rohe/ gesotten/ gebraten oder lebendig haben wollen; gieng es dann an ein Stelen/ Rauben und Pluͤndeꝛn (wie es dañ in den vollen und reichen Italia treffliche Beuten setzt) so musten nit nur Spring- insfelt samt meinem Gesind/ ihre Haͤlse daran wagen/ etwas einzuholen/ sondern die Courage selbst fieng ihre vorige Gattung zu leben/ die sie in Teutschland getrieben/ widerum an/ und indem ich der gestalt gegen dem Feind mit Soldaten-Gewehr/ gegen den Freunden aber im Lager und in den Quartiern mit dem Judenspieß fochte/ auch wo man mir in aller Freundlichkeit offensivè begegnen wolte/ den Schild vorzusetzen wuste/ wuchse mein Beutel so groß so groß darvon/ daß ich bey nahe alle Mo- nat einen Wexel von 1000. Cronen nach Prag zu uͤbermachen hatte/ und litte samt den Meinigen doch niemahls keinen Man- gel; dann ich beflisse mich dahin/ daß mein Mutter mein Spring-ins-felt/ mein uͤbrig Gesind und vornemlich meine Pferde/ zu jederzeit ihr Essen/ Trincken/ Kleid und Fuͤtterung hatten/ und haͤtte ich gleich selbst Hunger leiden/ nackend gehen/ und Tag und Nacht unter dem freyen Himmel mich behelffen sollen; hingegen aber musten sie sich auch befleissen einzutragen/ und in sol- cher Arbeit weder Tag noch Nacht zu fey- ern/ und solten sie Halß und Kopff daruͤber verlohren haben. Das XVII. Capitel. Was der Courage vor ein laͤcherli- cher Poß widerfuhre/ und wie sie sich deßwegen wieder raͤchete. S Chaue mein Simplice! also war ich be- reits deines Cammerrathen Spring- ins-felds Matresse und Lehrmeisterin/ da du villeicht deinem Knan noch der Schwein huͤte- huͤtetest/ und ehe du geschickt genug warest/ anderer Leute Narr zu seyn; uñ hast dir doch einbilden doͤrffen/ du habest mich im Saur- brunnen betrogen! Nach der ersten Man- tuanischen Belaͤgerung/ bekamen wiꝛ unser Winter-Quartier in einem lustigen Stadt- lein; allwo es bey mir anfieng zimlich Kun- den Arbeit zu geben/ da vergieng kein Ga- sterey oder Schmauß/ dabey sich nicht die Courage fand/ und wo sie sich einstellete/ da galten die Jtaliaͤnische Putani wohl nichts! dann bey den Jtaliaͤnern war ich Wildbret und etwas fremds/ bey den Teutschen kon- te ich die Sprach/ und gegen beyden Natio- nen war ich viel zu freundlich/ darneben noch trefflich schoͤn; so war ich auch nicht so gar hoffaͤrtig und theuer/ und hatte sich niemands keines Betrug von mir zu besor- gen/ dem aber die Jtaliaͤnerinnen dichte voll stacken: Solche meine Beschaffenheiten verursachten/ daß ich den welschen Huren viel gute Kerl abspannete die jene verliesen und mich hingegen besuchten/ welches bey ihnen kein gut Gebluͤt gegen mir setzte; eins- mahls lube mich ein vornehmer Herr zum Nacht- Nachtessen/ der zuvor die beruͤhmteste Puta- na bedient: Sie aber auch meinetwegen ver- lassen hatte; solches Fleisch gedachte mir je- ne widerum zu entziehen/ und brachte mir derowegẽ widerum durch eine Kirschnerin/ bey demselben Nacht-Jm-biß etwas bey/ davon sich mein Bauch blaͤhete/ als ob er haͤtte zerspringen wollen/ ja die Leibsduͤnste traͤngten mich dergestalt/ daß sie endlich den Ausgang mit Gewalt oͤffneten/ und eine solche liebliche Stimm uͤber Tafel hoͤren liesen/ daß ich mich deren schaͤmen muste/ und so bald sie die Thuͤr einmahl gefunden/ passtrten sie mit einer solchen Ungestumm nacheinander heraus/ daß es daher don- nerte/ als ob etliche Regimenter eine Salve geben haͤtten; als ich nun des- sentwegen vom Tisch aufstunde/ um hinweg zu lauffen/ gieng es bey sol- cher Leibsbewegung allererst rechtschaffen an; alle Tritt entwischte mir aufs wenigst einer oder zehen! wiewohl sie so geschwind aufeinander folgten/ daß sie niemand zehlen konte; und ich glaube/ wann ich sie alle wol anlegen: oder der Gebuͤhr nach fein or- dentlich dentlich austheilen koͤnten/ daß ich zwo gan- tzer geschlagener Glockenstund/ trutz dem besten tambour, den Zapffenstreich darmit haͤtte/ verrichten moͤgen; Es wehrete aber ungefehr nur eine halbe Stund/ in welcher Zeit beides Gaͤst und Auffwarter mehr Qual von dem Lachen als ich von dem con- tinuir lichen Trompeten erlitten. Diesen Possen rechnete ich mir vor ei- nen grossen Schimpff/ und wolte vor Scham und Unmuth außreissen/ eben also thaͤt auch mein Gast-Herr als der mich zu etwas anders als diese schoͤne Music zuhal- ten/ zu sich kommen lassen/ hoch und theuer schwerrent/ daß er diesen affront raͤchen wol- te; Wann er nur erfahren koͤnte/ durch was vor Pfeffer-Koͤrner: und Ameyssen-Eyer- Koͤch diese Harmonia angestimmt worden waͤre; weil ich aber daran zweiffelt/ ob nicht er vielleicht selbst den gantzen Handel ange- stellt/ sihe/ so sasse ich dort zu protzen/ als wañ ich mit den plitzenden Strahlen meiner zor- nigen Augen alles haͤtte toͤden wollen/ biß ich endlich von einem beysitzenden erfuhr/ daß obengedachte Kuͤrschnerin damit umgehen koͤnte/ koͤnte/ und weil er sie unten im Hause gese- hen/ muͤste er gedencken/ daß sie irgends von einer eiffersichtigen Damen gedinget worden/ mich einem oder andern Cavallier durch diesen Possen zu verlaͤiten; massen man von ihr wuͤste/ daß sie eben dergleichen einem reichen Kauffherrn gethan/ der durch eine solche Music seiner Liebsten Gunst ver- lohren/ weil er sie in ihrer und ander ehrli- chen Leute Gegenwart hoͤren lassen; darauf gab ich mich zu Frieden/ und bedachte mich auf eine schleunige Rach/ die ich aber weder offentlich noch grausam ins Werck setzen dorffte/ weil wir in den Quartirn (ohnange- sehen/ wie das Land dem Feind abgenom- men) gute Ordre halten musten. Demnach ich nun die Waꝛheit erfahren/ daß es nemlich nit anderst hergangen/ als wie obengedachter Tischgenoß geargwoh- net; als erkundigt ich der jenigen Damen/ die mir den Possen hatt zugerichtet/ Han- del und Wandel/ Thun und Lassen/ auf das genaueste/ als ich immer konte- und als mir ein Fenster gewiesen wurde/ dar- aus sie bey Nacht/ denen/ so zu ihr wolten/ Audi- Audientz zu geben pflegte/ offenbahrt ich meinen auf sie habenden Grollen zweyen Officiern die musten mir/ wolten sie anders meiner noch fuͤrderhin geniessen/ die Rach zu vollziehen versprechen; und zwar auf sol- che und kein andere Weiß als wie ich ihnen vorschriebe; dann mich deuchte/ es waͤre bil- lich/ weil sie mich nuꝛ mit dem Dunst vexirt/ daß ich sie mit nichts anders als mit dem Dreck selbst belohnen solte; und solches ge- schahe folgender Gestalt; ich liese eine rin- derne Blasen mit dem aͤrgsten Unrath fuͤl- len/ der in den untersichgehenden Caminen durch M. Aßmussen deren Seuberern zu finden; solche ward an eine Stange oder Schwinggerten/ damit man die Nuͤß her- under schlaͤgt/ oder die Rauch-Camin zu saͤubern pflegt/ angebunden und von dem ei- nen bey finsterer Nacht: Als der ander mit der Putanen leffelte/ welche oben an ihrem gewoͤhnlichen Audientz-Fenster lag/ ihr mit solcher Gewalt in das Angesicht geschlagen/ daß die Blase zersprang/ und ihn der Speck beydes/ Nasen/ Augen/ Maul/ und ihren Busen samt allen Zierden und Cleinodien besu- besudelte; Nach welchem Streich so wohl der Leffler als executor daran lieffen/ und die Hur am Fenster lamentiren lies- sen/ so lang sie wolte. Die Kuͤrschnerin bezahlte ich also; Jhr Mann war gewoh- net alle Haar und solten sie auch von dem Katzen gewesen seyn/ so genau zusammen zu halten/ als wann er sie von dem guͤl- denen Widerfell auß der Jnsul Colchis abgeschoren haͤtte/ so gar/ daß er auch kein Abschroͤdlin von dem Beltzflecklin hinwarff oder in die Dung kommen lies- se: Es waͤre gleich vom Biber/ Hasen oder dem Lam̃ gewesen: Er haͤtte solches dann zuvor seiner Haar oder Woll Plutt hinweg beraubt gehabt! und wann er dann so ein paar Pfund beysammen hat- te/ gab ihm der Hutmacher Gelt darum/ welches ihm auch etwas zu Broͤßlen ins Hauß verschaffte/ und wann es gleich langsam und gering kam; so kam es doch wohl zu seiner Zeit; solches wurde ich von einem andern Kuͤrschner innen/ der mir denselben Winter einen Beltz fuͤt- terte; derowegen bekam ich von derglei- chen chen Woll und Haaren so viel/ als genug war/ und macht eitel Schermesser darauß; als solche fertig/ oder besser zu er- laͤutern/ als mit ihrer Materi wie der Quacksalber ihre Buͤxlin versehen oder besalbet waren/ liesse ich sie einem von meinen jungen dem Kuͤrschner unden um sein Secret herum streuen/ als welches zimlich weit hinauff offen stunde; da nun der Erbßenzehlerischer Haußhalter diese Klumpen Haar und voll sonder liegen sahe/ und sie vor die Seinige hielte/ kon- te er sich nicht anderst einbilden/ als sein Weib muste sie der Gestalt verunehrt und zu Schanden gemacht haben/ fien- gen derowegen an mit ihr zu kollern gleich- sam als wann sie albereit Mantua und Casal verwahrloset und verlohren haͤt- te/ und weil sie ja so bestaͤndig als eine Hex leugnete und noch darzu trutzige Wort gab/ schlug er sie so lederweich/ als gelind er sonst anderer wilder und bissiger Thieren Felle bereiten konte/ der Heimischen Katzenbalg zu geschwei- gen; Welches mich so wohl conten- tirte/ tirte/ daß ich keinen dutzent Cronen darvor genommen haben wolte. Nun war der Apotecker noch uͤbrig/ der meines Vermuthens das recept verfertigt hatte/ dardurch ich aus der Nidere ein so variable Stimme erheben muͤsten; dann er hielte Sing-Voͤgel/ die solche Sachen zur Speise genossen/ so die Wuͤrckungen haben sollen/ einen Lermen zu erregen/ wie ich aller- erst einen erzehlet; Weil er aber bey hohen und niedern Officiern wohl dran war/ zu- mahln wir ihn taͤglich bey unseren Kran- cken/ die den Jtaliaͤnischen Lufft nicht wohl vertragen konten/ brauchen musten; ich auch selbst zu sorgen/ ich moͤchte ihm etwan heut oder morgen in die Cur kommen; als dorffte ich mich nicht kecklich an ihn reiben; gleich wohl wolte und konte ich so viel Lufft Kerls die zwar vorlaͤngst wider in der Lufft zerstoben waren/ ohngerochen n i cht vertau- en/ obwohl sie auch andere riechen muͤssten/ da gleichwohl sie selbst schon vertauet wa- ren; er hatte einen kleinen gewelbten Ne- ben-Keller unter seinem Hause/ darinn er allerhand Wahr enthielte/ die zu ihrer Auf- enthal- enthaltung einen solchen Ort erforderten/ dahinein richtete ich das Wasser aus dem Rohrbrunnen/ der auf dem Platz zu naͤchst dabey stunde/ durch einen langen Ochsen- Darm/ den ich am Brunnen-Roͤhrn an- bande/ mit dem andern Ende aber/ zum Kellerloch hinein hencken/ und also/ das Brunnenwasser die gantze lange Winter- nacht so ordentlich hineinsauffen liese/ daß der Keller am Morgen geschwappelt voll Wasser war/ da schwammen etliche Faͤß- lein Malvasier/ Spannischer Wein/ und was sonst leicht war/ was aber nit schwim- men konte/ lag Manns tieff unter dem Was- ser zu verderben; und demnach ich den Darm vor Tags wider hinweg nehmen liese/ vermeinte jederman des Morgens/ es waͤre entweder im Keller eine Quell ent- sprungen/ oder dieser Posse seye dem Apo- tecker durch Zauberey zugerichtet worden Jch aber wuste es zum besten/ und weil ich alles so wohl ausgerichtet/ lachte ich in die Faͤuste/ als der Apotecker um seine ver- derbte Materialia lamentirte: Und da- mahls war mirs gesund/ daß der Nah- H me/ me Courage bey mir so tieff eingewurtzelt gewesen/ dann sonst haͤtten mich die unnutze Bursch ohne Zweiffel die General-Far- tzern genannt/ weil ichs besser als andere ge- koͤnnt. Das XIIX. Capitel. Gar zu uͤbermachte Goͤttlossigkeit der gewissenlosen Courage D Er Gewinn/ der mir so mancherley Handthierungen zugieng/ thaͤt mir so sanfft/ daß ich dessen je laͤnger je mehr be- gehrte; und gleich/ wie es mir allbereit eines Dings war/ ob es mit Ehren oder Unehren geschehe; Also fieng ichs auch an nicht zu achten/ ob es mit GOttes oder des Mam- mons Huͤlff besser prosequirt werdẽ moͤgte; Einmal es galte mir endlich gleich/ mit was fuͤr Voͤrtheilen/ mit was fuͤr Griffen: mit was fuͤr einem Gewissen und mit was fuͤr Handthierungen ich prosperi rte/ wann ich nur reich werden moͤchte; Mein Spring- ins-felt muste einen Roßtaͤuscher abgeben/ und was er nit wuste/ das must er von mir leꝛnen/ in welcheꝛ Profession ich mich tausen- terley Schelmstuͤcke/ Diebsgriff und Betruͤ- gege- gebrauchte; Keine Wahr/ weder von Gold/ Silber/ Edelgesteinen/ geschweige des Zins/ Kupffers/ Getuͤchs der Kleidung/ und was es sonst seyn moͤgen/ es waͤre gleich rechtmaͤssig erbeuthet/ geraubet/ oder gar gestohlen gewesen/ war mir zu koͤstlich oder zu gering/ daß ich nicht daran stunde/ solches zuerhandeln; und wann einer nicht wuste wohin mit dem jenigen/ das er zuver- silbern/ er haͤtte es gewonnen wie er wolte/ so hatte er einen sichern Zutritt zu mir/ wie zu einem Juden/ die den Dieben getreuer seyn/ sie zu conservirn, als threr Obrigkeit selbige zu straffen; Dannenhero waren meine beyde Waͤgen mehr einem materialisten Kram gleich/ als daß man nur kostbare Victualia bey mir haͤtte finden sollen/ und eben deßwegen konnte ich hinwiederum auch einen jedwedern Soldaten/ er waͤre gleich hoch oder nieder gewest/ mit dem jeni- gen ums Gelt helffen/ dessen er benoͤthigt war; hingegen muste ich auch spendiren und schmieren um mich und meine Hand- thierungen zu beschuͤtzen; der Profoß war mein Vatter/ seine alte Merr/ (seine H ij alte alte Frau wolt ich sagen/ meine Mutter; die Obristin/ meine gnaͤdige Frau; und der Obrist selbst/ mein gnaͤdiger Herr/ welche mich alle vor allem dem jenigen sicherten/ dardurch ich und mein Anhang oder auch meine Handelschafft einbuͤssen moͤgen. Einsmahls brachte mir ein alter Huͤner- faͤnger/ ich wolte sagen/ so ein alter Soldat/ der lang vor dem Boͤhmischen Unwesen ei- ne Mußquet getragen hatte/ so etwas in ei- nem verschlossenen Glaͤßlein/ welches nicht recht einer Spinnen und auch nicht recht einem Scorpion gleich sahe; ich hielte es vor keine Insect oder lebendige Creatur/ weil das Glaß keinen Lufft hat/ dardurch das be- schlossene Ding sein Leben haͤtte erhalten moͤgen/ sondern vermeinte/ es waͤre irgends ein Kunst-Stuck eines vortrefflichen Mei- sters/ der solches zugerichtet/ um dardurch ein Gleichnus/ ich weiß nit von was vor ei- ner ewigwaͤhrenden Bewegung vorzustel- len/ weil sich dasselbe ohn Unterlaß im Glaß regte und herum grabelte; ich schaͤtzte es hoch/ und weil mirs der alte zuverkauffen anbotte/ fragte ich/ wie theuer? Er botte mir mir den Bettel um zwo Cronen/ die ich ihm auch alsobalden darzahlte/ und wolte ihm noch ein Feltmaß Wein darzu schencken/ er aber sagte/ die Bezahlung seye allbereit zu Genuͤgen geschehen; welches mich an ei- nen solchen alten Weinbeisser verwunderte/ und verursachte/ ihn zu fragen/ warum er einen Trunck ausschluͤge/ dann ich doch ei- nem jeden im Kauff zu geben pflegte/ der mir nur das geringste verhandelte? Ach Frau Courage antwortet er/ es ist hiermit nicht wie mit anderer Wahr beschaffen/ sie hat ihren gewissen Kauff und Verkauff/ vermoͤg dessen/ die Frau zu sehen mag/ wann sie diß Kleinod wider hingibt/ daß sie es nemlich wolfeiler verkauffe/ als sie es selb- sten erkaufft hat; Jch sagte/ so wuͤrde ich auf solche Weiß wenig daran gewinnen! Er antwortet/ darum lasse ich sie sorgen; was mich anbelangt/ so hab ichs allbereit bey 30. oder mehr Jahren in Haͤnden/ und noch kei- nen Verlust dabey gehabt/ wiewohl ichs um 3. Cronen kaufft/ und um 2. wider hin- geben/ diß Ding war mir ein Gesaͤg/ darein ich mich nicht richten konte/ oder vielleicht H iij auch auch nicht richten wolte: dann weil ich ein satten Rausch zu gewarten hatte/ ich wuͤrde etliche Abgesante der Venere abzu- fertigen kriegen/ war mirs eine desto gerin- gere Bekuͤmmernuß; oder (lieber Leser/ sag mir selbst/ wie ich sagen soll) ich wuͤste nit/ was ich mit dem alten Kracher machen solte; Er deuchte mich nicht Manns ge- nug zu seyn/ die Courage zu betruͤgen/ und die Gewonheit/ daß mir andere/ die ein besser Ansehen als dieser hatte/ offt etwas um ein Ducaten hingeben/ das deren hundert werth war/ machte mich so sicher/ daß ich mein erkaufften Schatz ein- steckte; Des Morgens/ da ich meinen Rausch verschlaffen/ fande ich meinen Kauffmañ- Schatz in meinem Hosensack (dann man muß wissen/ daß ich allzeit Hosen und mei- nen Rock trug) ich erinnerte mich gleich welcher Gestalt ich das Ding kaufft hatte/ legte es derowegen zu andern meinen raren und lieben Sachen/ als Ringen/ Cleinodien/ und dergleichen/ um solches aufzuheben/ biß mir etwan ein Kunst-Ver- staͤn- staͤndiger an die Hand kaͤme/ der mich um seine Beschaffenheit berichtete; als ich aber ungefehr unter Tags wieder in meinen Sack griffe/ fande ich dasselbe nicht/ wohin ichs aufgehoben/ sondern wieder in mei- nem Hosensack/ welches mich mehr ver- wunderte/ als erschreckte/ und mein Fuͤr- witz zu wissen/ was es doch eigentlich waͤre/ machte/ daß ich mich fleissig nach dessen Verkaͤuffer umsahe/ und als derselbe mir aufstiese/ fragte ich ihn/ was er mir zu kauf- fen gegeben haͤtte? Erzehlte ihm darneben/ was vor ein Wunderwerck sich damit zuge- tragen/ und bat ihn/ er wolte mir doch desselben Wesen/ Krafft/ Wuͤrckung/ Kuͤnste/ und wie es umstaͤndlich damit beschaffen/ nicht verhalten; Er antwor- tet: Frau Courage ! es ist ein dienender Geist/ welcher dem jenigen Menschen/ der ihn erkaufft/ und bey sich hat/ groß Gluͤck zu wegen bringt; Er gibt zu erkennen/ wo verborgene Sachen liegen; Er ver- schafft zu jedwederer Handelschafft ge- nugsame Kauffleute und vermehret die prosperi taͤt: Er macht daß seine Besi- H jv tzer tzer von seinen Freunden geliebt: und von seinen Feinden gefoͤrchtet werden; ein jeder der ihn hat/ und sich auf ihn verlaͤst/ den macht er so fest als Stahl/ und behuͤtet ihn vor Gefaͤngniß; Er gibt Gluͤck/ Sieg und Uberwindung wider die Feinde/ und bringt zu wegen/ daß seinen Besitzer fast alle Welt lieben muß; Jn Summa/ der alte Lauer schnitte mir so einen Hauffen daher/ daß ich mich gluͤckseeliger zu seyn dauchte/ als For- tunatus mit seinem Seckel und Wuͤnsch- huͤtel! Weil ich mir aber wohl einbilden koͤnnen/ daß der so genannte dienende Geist diese Gaben nit umsonst geben wuͤrde; So fragte ich den Alten/ was ich hingegen dem Ding zu Gefallen thun muͤste? dann ich haͤtte gehoͤret/ daß die jenige Zauberer/ wel- che andere Leute in Gestalt eines Galgen- maͤnnels bestehlen/ das so genañte Galgen- maͤnnel mit wochentlicher gewisser Bad- Ordnung und anderer Pfleg verehren muͤsten; Der Alte antwortet/ es doͤrffte des Dings hier gar nicht; Es sey viel ein an- ders mit einem solchen Maͤnnel/ als mit einẽ solchen Ding/ das ich von ihm gekaufft haͤtte; haͤtte; Jch sagte/ es wird ohne Zweiffel mein Diener und Narr nicht umsonst seyn wollen; Er solte mir nur kecklich und ver- traͤulich offenbahren/ ob ichs so gar ohne Gefahr/ und auch so gar ohne Belohnung haben: uñ solcher seineꝛ ansehenlichen Dien- ste ohne andere Verbindung und Gegen- dienste geniessen koͤnte? Frau Courage ant- wortet der Alte: Jhr wuͤst bereits genug/ daß ihrs nemlich um geringern Preiß hin- geben sollt (wann ihr dessen Diensten muͤd seyd) als ihrs selbsten erkaufft habt/ wel- ches ich euch gleich damahls als ihr mirs abgehandelt nicht verhalten habe; Die Ursach zwar/ warum? mag die Frau von andern erfahren; und damit gieng der Al- te seines Wegs. Meine Boͤhmische Mutter war damals mein innerster Rath/ mein Beicht-Vat- ter/ mein favorit mein bester Freund/ und mein Sabud Salomonis, ihr vertrauet ich alles/ und also auch/ was mir mit dem er- kaufften Marckschatz begegnet waͤre; he/ antwortet sie/ es ist ein Stirpitus flammi- liarum, der alles das jenige leistet/ was H v euch euch der Verkauffer von ihm erzehlet/ allein wer ihn hat/ biß er stirbt/ der muß/ wie mir gesagt worden/ mit ihm in die an- der Welt reissen/ welches ohne Zweiffel sei- nen Nahmen nach/ die Hoͤll seyn wird/ all- wo es voller Feuer und Flammen seyn soll; und eben deswegen laͤst er sich nicht anderst als je laͤnger je wolfeiler verkauffen/ damit ihm endlich der letzte Kauffer zu Theil wer- den muͤsse; und ihr liebe Tochter! stehet in grosser Gefahr/ weil ihr ihn zum allerletzten zu verkauffen habt; dañ welcher Narꝛ wird ihn von euch kauffen/ wann er ihn nit mehr verkauffen darff/ sondern eigentlich weiß/ daß er seine Verdammnuß von euch erhan- delt? Jch konte leichtlich erachten/ daß mein Handel schlimm genug bestellt war/ doch machte mein leichter Sinn/ meine bluͤ- hende Jugend/ die Hoffnung eines lan- gen Lebens: und die gemeine Gottlosigkeit der Welt/ daß ich alles auf die leichte Achsel nahm; ich gedachte/ du wilst dieser Huͤlffe: Dieses Beystands und dieser gluͤckseeligen accantage geniessen/ so lang du kanst; Jn- dessen findest du wol einen leichtfertigen Ge- sellen sellen in der Welt/ der entweder beym schwe- ren Trunck/ oder aus Armuth/ desperation, blinder Hoffnung/ grossen Gluͤckes/ oder aus Geitz/ Unkeuschheit/ Zorn/ Neid/ Rachgier/ oder etwas dergleichen diesen Gast wieder von dir um die Gebuͤhr an- nimmt! Diesen nach/ gebrauchte ich mich dessen Huͤlff/ in aller Maß und Form/ wie er mir beydes von dem alten Verkaͤuffer/ als auch meiner Kostfrauẽ oder angenom̃enen Boͤh- mischen Mutter beschrieben worden; Jch verspuͤhrte auch seine Wuͤrckung taͤglich; dann wo ein Marquedenter ein Faß Weins auszapffte/ vertrieb ich deren drey oder vier; wo ein Gast einmahl meinen Tranck oder meine Speisse kostete/ so bliebe er das ander- mal nit aus! welchen ich ansahe/ uñ wuͤnsch- te seiner zu geniessen; derselbe war gleich fix und fertig/ mir in der allerunterthaͤnigsten Andacht aufzuwarten/ ja mich fast wie eine Goͤttin zu ehren; kam ich in ein Quartier/ da der Haußwirth entflohẽ: oder daß es son- sten ein Herberg oder verlassene Wohnung war/ dariñ sonst niemand wohnẽ konte (mas- H vj sen sen man die Marquedenter und Commiß- Metzger in keinem Pallast zu logiren pfle- get) so fande ich gleich/ wo das Messeꝛ steckte/ und weiß nit durch was vor ein innerliches Einsprechen/ solche Schaͤtze zu finden/ die in vielen/ villeicht 100. Jahren keine Sonne beschienen ꝛc. Hingegen kan ich nicht leug- nen/ daß auch etliche waͤren/ die der Courage nichts nachfragten/ sondern sie vielmehr verachten: Ja verfolgten/ als ehreten; ohne Zweiffel darum/ weil sie von einem groͤsseren lumen erleuchtet: als ich von meinem flamine bethoͤrt gewesen; sol- ches machte mich zwar witzig/ und lernete mich durch allerhand Nachdencken Philo- sophien/ und betrachten/ wit/ was/ und der- gleichen! Jch war aber allbereit in der Ge- winnsichtigkeit/ und allen ihren nachge- henden Lastern dermassen ertraͤnckt/ daß ichs bleiben liese/ wie es war/ und nichts zum Fundament zu raumen gedachte/ darauf meine Seeligkeit bestuude/ wie auch noch; diß Simplice, sage ich dir zum Uberfluß/ dein Lob zu bekroͤnen/ weil du dich in deiner Lebens-Beschreibung geruͤhmt hast/ ei- ner ner Damen im Saurbrunen genossen zu haben/ die du doch noch nicht einmahl kantest. Jndessen wurde mein Gelthauffen je laͤnger/ je groͤsser/ ja so groß! daß ich mich auch bey meinem Vermoͤgen fuͤrch- tete. Hoͤre Simplice, ich muß dich wieder et- was erinnern; waͤrest du etwas nutz ge- west/ als wir miteinander im Sauerbrun- nen das Verkehren spielten/ so waͤrest du mir weniger ins Netze gerathen/ als die jenige/ die im Schutz GOttes waren/ da ich den Spirit. famil. hatte. Das XIX. Capitel. Was Spring-ins-felt vor einen Lehrmeister gehabt/ biß er zu seiner perfection kommen. V Nd noch ein anders must du auch wis- sen Simplice! nicht nur/ ich gieng den obenerzehlten Weg; sondern auch mein Spring-ins-felt/ (den du allerdings vor H vij deinen deinen besten Cammerathen/ und vor ei- nen praven Kerl in deiner Lebens-Be- schreibung geruͤhmt hast) muste mir auch folgen! und was wolts gehindert haben/ oder vor ein grosses Meerwunder gewe- sen seyn? Sintemahl andere meines glei- chen lose Weiber/ ihre liderliche Maͤnner (wann ich anders Maͤnner sagen darff/ ich haͤtte aber schier fromme Maͤnner gesagt) eben zu dergleichen losen Stuͤ- cken Vermoͤgen (ich will nicht sagen/ zwingen;) ob sie gleich bey ihrer Vermaͤh- lung keinen solchen Accord eingangen/ wie Spring-ins-felt gethan; Hoͤre die Histori: Als wir vor dem beruͤhmten Casal la- gen/ fuhren ich und Spring-ins-felt/ in eine benachbarte Graͤntzstatt die neutral war/ Victualia einzukauffen/ und in unser Laͤger zu bringen; gleichwie nun aber ich in dergleichen Faͤllen nicht allein aus- gieng/ als ein Nachkoͤmmling der Hie- rosolymitanischen Buͤrger zu schachern/ sondern auch/ als ein Cyprianische Jung- frau meinen Gewinn zu suchen; Also hat- te ich te ich mich auch wie eine Jesebell heraus ge- butzt/ und galte mir gleich/ ob ich einen Ahab oder Jehu verfuͤhren moͤchte; Zu solchem Ende gieng ich in eine Kirche/ weil ich mir sagen lassen/ die meinste Bul- schafften wuͤrden in Jtalia an solchen hei- ligen Oertern gestifftet und zu Faden ge- schlagen; aus Ursach/ daß man die schoͤ- ne Weiber daselbsten so liebeswurdig zu seyn scheinen/ sonst nirgends hinkommen lasse; ich kam neben eine junge Dame zu stehen/ mit deren Schoͤnheit und Schmuck ich zugleich eifferte; weil mich der jenige nicht ansahe/ der ihr so man- chen liebreichenden Blick schenckte; Jch gestehe es/ daß mich im Hertzen ver- droß/ daß sie mir vorgezogen/ und ich vor einem Leimstaͤngler gegen ihr/ wie ich mir einbildete/ verachtet werden sol- te! Solcher Verdruß/ und daß ich mich zugleich auf eine Rache bedacht/ war meine groͤste Andacht unter dem gantzen Gottesdienst; ehe nun solcher gar geendigt war/ stellte sich mein Spring-ins-felt auch ein; Jch weiß aber aber darum nit/ warum? kan auch schwer- lich glauben/ daß ihn die Gottesfurcht da- hin getrieben/ dann ich hatte ihn nicht dar- zu gewoͤhnet; so wars ihm auch weder an- gebohrn/ noch aus Lesung der heiligen Schrifften/ oder Hoͤrung der Predigten eingepflantzt; nichts destoweniger stellte er sich neben mich/ und kriegte den Be- fehl von mir in ein Ohr/ daß er Achtung geben solte/ wo gemelte Dame ihre Woh- nung haͤtte/ damit ich des uͤber außschoͤnen Smaragds den sie am Hals hatte/ hab- hafft werden moͤchte. Er thaͤt seinem schuldigen Gehorsam Gemaͤß/ wie ein treuer Diener/ und hinder- brachte mir/ daß sie eine vornehme Frau/ eines reichen Herrn waͤre/ der sein Pala- tium an den Marckt stehen haͤtte; ich hin- gegen sagte ihm austruͤcklich/ daß er fuͤr- derhin weder meiner Huld laͤnger genies- sen/ noch meinen Leib einigmahl mehr beruͤhren solte/ es waͤre dann Sach/ daß er mir zuvor ihren Smaragd einhaͤndig- te/ worzu ich ihn aber sichere Anschlaͤg/ Mittel und Gelegenheit an die Hand ge- ben ben wolte. Er kratzte sich zwar hinder den Ohren/ und entsetzte sich vor meinem Zumuthen/ als wie vor einer unmuͤgli- chen Sach; aber da es lang herum gieng/ erklaͤrt er sich meinetwegen in Tod zu ge- hen. Solcher Gestalt/ Simplice! hab ich dei- nen Spring-ins-felt/ gleichsam wie ei- nen jungen Wachtelhund abgerichtet; Er hatte auch die Art darzu/ und vielleicht besser als du/ waͤre aber nimmermehr von ihm selbsten zu einem solchen Aus- bund worden/ wann ich ihn nicht in mei- ner Schul gehabt haͤtte. Eben damahls muste ich mir wieder ei- nen neuen Stihl in meinen Faustham- mer machen lassen/ welchen ich beydes vor ein Gewehr und einen Schluͤssel brauchte/ der Bauren Troͤg oder Kaͤsten zu oͤffnen/ wo ich zukommen konte; ich liese densel- ben Stihl inwendig hol drehen/ in ge- messener Weite/ daß ich entweder Duca- ten/ oder eine Schiedmuͤntz in selbiger Groͤse hinein packen moͤchte/ dann weil ich sel- bigen Hammer jederzeit bey mir zu haben pfleg- pflegte (indem ich weder ein Degen dorffte/ oder ein paar Pistolen mehr fuͤhren wolte) so gedachte ich ihn inwendig mit Ducaten zu spicken/ die ich auf alle Gluͤcks/ oder Un- gluͤcks-Faͤll (deren es unterschiedliche im Krieg obgibt) bey der Hand hatte; da er fertig/ probierte ich seine Weite mit etlichen Lucern/ die ich zu mir genommen/ solche um ander Gelt zu veralienieren; die Hole mei- nes Stabs hatte eben die Weite ihres Be- ziercks/ doch also eng und beschnitten/ daß ich sie die Lucer um etwas hinein noͤthigen muste/ doch bey Wettem nicht so starck/ als wann man eine halbe Carthaunen laden thut; Jch konnte aber den Stihl nicht da- mit ausfuͤllen/ weil ihrer zu wenig waren/ dahero kams gar artlich/ daß/ wann die Lu- cer gegen dem Hammer lagen/ und ich das Eissen in der Hand hatte/ mich des Stihls an statt eines Steckens zu gebrauchen/ daß zuweilen/ wann ich mich darauf steuerte/ et- lich Lucer herunter gegen der Handhaben klunckerten/ und ein duͤnsteres Geklingel machten/ welches seltzam und verwunder- lich genug lautet/ weil niemand wuste/ woher woher das Gethoͤn ruͤhrete; Was darffs vieler weitlaͤufftigen Beschreibung? Jch gab meinen Spring-ins-felt den Faust- Hammer/ mit einer richtigen Instructi- on, welcher Gestalt er mir den Smaragd damit erhandeln solte. Darauf verkleidet sich mein Spring- ins-felt/ setzt eine Paruͤcke auf/ wickelt sich in einem entlehnten schwartzen Mantel/ und thaͤt zween gantzer Tag nicht anders/ als daß er gegen der Damen Palatio hinuͤ- ber stunde/ und das Haus vom Funda- ment an/ biß uͤbers Dach hinaus beschaue- te/ gleichsam als ob ers haͤtte kauffen wol- len; So hatte ich auch einen Tambour im Taglohn bestellt/ welcher ein solcher Ertzessig war/ mit dem man andere Essig haͤtte sauer machen koͤnnen/ der dorffte auch sonst im geringsten nichts thun/ als auf den Platz herum vagieren/ und auf mei- nen Spring-ins-felt Achtung zu geben/ wann er etwann seiner nothwendig bedoͤrff- te/ dañ der Vogel redete so gut Jtaliaͤnisch/ als Teutsch/ welches aber jener nicht konte; Jch konte; Jch selbsten aber hatte ein Wasser/ hier ohnnoͤthig zu nehmen/ durch einen Alchimisten zu wegen gebracht/ daß in we- nig Stunden alle Metalla durchfrist/ und muͤrb macht/ oder wohl gar auch zu Was- ser resolvirt; mit demselben bestrich ich ein starck Gegitter vor einem Kellerloch; Als nun dem dritten Tag Spring-ins-felt noch nit abliese/ das Haus anzugaffen wie die Katz ein neu Scheuer-Thor/ sihe/ da schick- te angeregte Dame hin/ und liese fragen/ um die Ursach seines continuirlichen Da- stehens/ und was er an ihrem Haus aus- zukundschafften haͤtte? Spring-ins-felt hingegen liese bemelten Tambour kommen/ und Dolmetschen/ daß ein solcher Schatz im Hause verborgen lege/ den er nicht al- lein zu erheben: sondern auch eine gantze Stadt damit reich zu machen getrauete; Hierauf liese die Dame beydes den Spring-ins-felt und den Tambour zu sich ins Hause kommen/ und nach dem sie wieder von dem verborgenen Schatz Spring-ins-felts Luͤgen angehoͤrt/ und grosse grosse Begierten geschoͤpfft/ solchen zu ho- len/ fragte sie den Tambour/ was dieser vor einer waͤre/ ob er ein Soldat sey/ und der- gleichen/ ꝛc. Nein/ antwortet der Tausend- Schelm/ er ist ein halber Schwartzkuͤnstler/ wie man sagt/ und haͤlt sich nur zu dem En- de bey der Armee auf/ damit er verborge- ne Sachen findt/ hat auch/ wie ich ge- hoͤret/ in Teutschland auf alten Schloͤssern gantze eisserne Troͤg und Kaͤsten voll Gelt gefunden/ und zu wegen gebracht; Jm uͤbrigen aber/ seye er Spring-ins-felt ih- me Tambour gar nicht bekant. Jn Summa/ nach langem Discurs/ wurde die Glock gegossen und beschlossen/ daß Spring-ins-felt den Schatz suchen sol- te; Er begehrte zwey geweyhte Wachs- liechter/ er selbst aber zuͤndete das dritte an/ welches er bey sich hatte/ und vermit- telst eines messenen Drahts/ der durch die Kertze gieng/ ausleschen konte/ wann er wolte; mit diesen dreyen Liechtern/ gien- gen die Dame/ zween ihrer Diener Spring-ins-felt/ und der Tambour/ im Haus herum zu leuchten/ weil eben der Herr Herr nicht zu Hauß war/ dann Spring- ins-felt hatte sie uͤberredet/ wo der Schatz lege/ da wuͤrde seine Kertzen von sich selbst ausgehen; da sie nun viel Winckel also Processions-Weiß durchstrichen/ und Spring-ins-felt an allen Orten da sie hingeleuchtet/ wunderbarliche Woͤrter ge- brummelt/ kamen sie endlich in den Keller/ alwo ich das eisseꝛne Gegitteꝛ mit meinem A. R. befeuchtet hatte/ da stunde Spring-ins- felt vor einer Mauer/ und indem er seine ge- woͤhnliche Ceremonien machte/ zuckte er sein Liecht aus: Da! da! liese er durch den Tambour sagen/ ligt der Schatz einge- mauret! brummelte darauf noch etliche naͤrrische Woͤrter/ und schlug etlichmahl mit meinem Fausthammer an die Mauer/ davon die Lutzer nach und nach so manchen Streich er an die Mauer thaͤt/ herunter rollten/ und ihr gewoͤhnliches Gethoͤn machten; hoͤret ihr/ sagte er darauf/ der Schatz hat abermahl verbluͤhet/ welches alle sieben Jahr einmahl geschiehet; Er ist zeitig und muß ausgenommen wer- den den/ dieweil die Sonne noch im Jgel ge- het/ sonst wirds kuͤnfftig vor Verflies- sung anderer sieben Jahr/ umsonst seyn; Weil nun die Dame und ihre beyde Die- ner/ 1000 Ayd geschworen haͤtten/ das Geklingel waͤre in der Mauer gewesen/ als stelten sie meinem Spring-ins-felt voͤlligen Glauben zu/ und die Dame be- gehrte an ihn/ er wolte um die Gebuͤhr den Schatz erheben/ wolte auch gleich um ein gewisses mit ihm accordirn/ als er sich aber hoͤren liese/ er pflege in der- gleichen Faͤllen nichts zu heischen noch zu nehmen/ als was man ihm mit gutem Willen gebe/ liese es die Dame auch da- bey bewenden/ mit Versicherung/ daß sie ihn dergestalt contentirn wolte/ daß er da- mit zu frieden seyn wuͤrde. Dem nach begehrte er 17. erlesene Koͤr- ner Weyrauch/ vier gewaͤichte Wax-Ker- tzen/ acht Ellen vom besten Scharlach/ ei- nen Diamant/ einen Smaragd/ einen Ru- bin/ und einen Saphir/ welche Cleinodien einen Weibsbild beydes in ihrem Jung- fraͤu- fraͤulichen und freulichen Stand am Halse getragen haͤtte/ zweyt ns/ solte er alleinig in den Keller geschlossen oder versperrt/ und von der Damen selbst der Schluͤssel zur Hand genommen werden/ damit sie so wol um ihre Edelgestein und den Scharlach versichert seyn/ als auch er/ biß er den Schatz gluͤcklich zur Hand gebracht/ unverhindert und ohnbeschrien verbleiben moͤchte; hier- auf gab man ihm und dem Tambour eine Collation/ und ihme Tambour wegen sei- nes Dolmetschens ein Trinckgelt; Jndes- sen wurden die begehrte Zugehoͤrungen her- beygeschafft/ nach solchen Spring-ins-feld in Keller verschlossen/ woraus unmuͤglich schiene/ einen Kerl zu entrinnen/ dann das Fenster oder Tagelicht/ so auf die Gasse o- der den Platz gieng/ war hoch und noch dar- zu mit gedachtem eisernen Gegitter wohl verwahret/ der Dolmetsch aber ward fort- gelassen/ welcher gleich zu mir kam/ und mich allen Verlauff berichtete. Weder ich noch Spring-ins-feld ver- schlieffen die rechte Zeit/ darinn die Leute am haͤrtesten zu schlaffen pflegen/ sondern nach nachdem ich das Gegitter so leicht als einen Ruͤbschnitz hinweg gebrochen/ liese ich ein Seil hinunder zu meinem Spring- ins-felt in Keller/ und zoge ihn daran samt aller Zugehoͤr zu mir herauf/ da ich dann auch den verlangten schoͤnen Smaragd fande. Die Beuth erfreuete mich bey weitem nicht so sehr/ als das Schelmstuͤck/ welches mir so wohl abgangen war; der Tambour hatte sich bereits den Abend zuvor schon aus der Stadt gemacht/ mein Spring- ins-felt aber spatzterte den Tag nach voll- brachter Schatzerhebung mit andern in der Stadt herum die Sach uͤber den listi- gen Dieb verwunderten/ eben als man unter den Thoren Anstalt machte/ solchen zu erhaschen; und nun sihe Simplice sol- cher Gestalt ist deines Spring-ins-felts dexteri taͤt durch mich zu wegen gebracht und ausgeubet worden; Jch erzaͤhle dir auch dieses nur zum Exempel/ dann wann ich dir alle Buben- und Schelmenstuͤck sa- gen sollte/ die er mir zugefallen werckstellig machen muͤsten; so dorffte ich wetten/ es J wuͤrde wuͤrde mir und dir/ wiewol es lustige Schos- sen seynd/ die Zeit zu lang werden; Ja/ wann man alles beschreiben solte/ wie du deine Narxenpossen beschrieben hast/ so wuͤr- de es ein groͤsser und lustiger Buch abgeben/ als deine gantze Lebens-Beschreibung; doch will ich dich noch ein kleines lassen hoͤ- ren. Das XX. Capitel. Welcher Gestalt Spring-ins-felt und Courage zween Jtaliaͤner bestohlen. A Ls wir uns versahen/ wir wuͤrden noch lang vor Casal liegen bleiben muͤssen/ lachen wir nit nur in Zelten/ sondern ihrer viel bautten ihnen auch sonst Huͤtten aus andern Materialien/ sich desto besser in die Laͤnge zu behelffen; unter anderen Scha- cherern befanden sich zween Meylaͤnder im Lager/ die hatten ihnen eine Huͤtte von Brettern zugerichtet/ ihre Kauff manns- Wahren desto sicherer darinn zu verwah- ren/ ren/ welche da bestunde in Schuhen/ Stif- feln/ Kollern/ Hemdern und sonst aller- hand Kleidungen/ beydes vor. Officirer und gemeine Soldaten zu Roß und Fuß; diese thaͤten mir meines Bedunckens viel Abtrag und Schaden/ indem sie nemlich von den Kriegs-Leuten allerhand Beu- then von Silbergeschmeid und Jubeln um den halben: ja den vierten Theil ihres Werths an sich erhandelten/ welcher Gewiñ mir zum Theil zukommen ware/ wann sie nit vorhanden gewesen; Solches nun ge- dachte ich an ihnen aufs wenigst zu wu- chern/ weil in meiner Macht nit stunde/ ih- nen das Handwerck gar niederzulegen. Unten in der Huͤtten war die Behaltnus ihrer Wahr/ und dasselbige war auch zu- gleich ihr Gaden/ oben auf dem Boden aber unter dem Dach war ihr Liegerstatt/ allwo sie schlieffen; wohinauf ungefehr sieben oder acht Staffeln giengen; und durch den Boden hatten sie ein offenes Loch gelassen/ und dadurch nicht allein desto bes- ser zu hoͤren/ wann etwan Mauser ein- braͤchen/ sie zu bestehlen/ sondern auch solche J ij Diebe Diebe mit Pistolen zubewill kommen/ mit welchen sie trefflich versehen waren; Als ich nun selbst wahrgenomen/ wie die Thuͤr ohne sonderlichen Rumor aufzumachen waͤre/ machte ich meinen Anschlag gar ge- ring; Mein Spring-ins-felt muste mir ei- ne Welle scharpffer Doͤrner in Manns- Laͤnge zuwegen bringen/ woran auch bey- nahe ein Mann zu tragen hatte/ und ich fuͤl- lete eine messene Spritze/ die eine Feldmaß hielte/ mit scharpffem Essig; also versehen/ giengen wir beyde an die gedachte Huͤtte/ als jedermann im besten Schlaff war; die Thuͤr in der Stille zu oͤffnen/ war mir gar keine Kunst/ weil ich zuvor alles fleissig abgesehen; und da solches vollbracht und geschehen/ stackte Spring-ins-felt die Dorn- Well vor die Stiegen/ als welche vor sich selbst keine Thuͤr hatte/ von welchem Ge- raͤusch beyde Jtaliaͤner erwachten/ und zu rumpeln anfiengen; wir konnten uns wohl einbilden/ daß sie zum ersten zu obigen Loch herunter schauen wuͤrden/ als- dann auch geschahe/ ich aber spritzte dem ei- nen die Augen alsobald so voller Essig/ daß ihm ihm seine Vorsichtigkeit in einem Augen- blick vergieng/ der ander aber lieffe im Hembd und Schlaffhosen die Stiegen hin- unter/ und wurde von der Dornwell so unfreundlich empfangen/ daß er/ gleichwie auch sein Cammerrath/ in solcher unver- sehenen Begebenheit und grossem Schre- cken sich nichts anders einbilden konnten/ also/ es waͤre eitel Zauberey und Teuffels- Gespenst vorhanden; Jndessen hatte Spring-ins-felt ein dutzet zusam̃en gebun- dene Reuter Koller erwischt/ und sich da- mit fort gemacht/ ich aber liesse mich mit ei- nem Stuͤck Leinwath genuͤgen/ drehete mich damit aus/ und schlug die Thuͤr hinter mir wieder zu; die beyde Welsche also in ihrer Anfechtung hinterlassen/ wovon der eine ohne Zweiffel die Augen noch gewischt: der ander aber noch mit seiner Dornwell zu handeln gehabt haben wird. Schaue Simplice, so konnte ichs! und also habe ich den Spring-ins-felt nach und nach abgerichtet; Jch stahle/ wie gehoͤret/ nicht aus Noth oder Mangel/ sondern meh- J iij ren- rentheils darum/ damit ich mich an mei- nen Widerwaͤrtigen revangiren moͤchte/ Spring-ins-felt aber lernete in dessen die Kunst und kam so meisterlich in die Griff/ daß er sich unterstanden haͤtte/ alles zu maussen/ es waͤre dann gar mit Ketten an das Firmament gehaͤfftet gewesen/ und ich liesse ihn solches auch treulich geniessen/ dann ich goͤnnete ihm/ daß er einen eigenen Saͤckel haben: und mit dem halben gestoh- lenen Gut (massen wir solche Eroberungen miteinander theilen/ thun und handeln doͤrffte/ was er wolte; Weil er aber treff- lich auf das Spielen verpicht war/ so kam er selten zu grossem Gelt/ und wann er gleich zu Zeiten den Anfang zu einer ziemli- chen Summa zu wegen brachte/ so verblieb er jedoch die Laͤnge nicht in Possession, sinte- mal ihm sein unbestaͤndig Gluͤck das Fun- dament zum Reichthum durch den unbe- staͤndigen Wuͤrffel jederzeit wieder hinweg zwackte; Jm uͤbrigen verblieb er mir gantz getreu und gehorsam/ also/ daß ich mir auch keinen besseren Sclaven in der gantzen Welt zu finden getrauet haͤtte; Jetzt hoͤre auch was was er damit verdienet/ wie ich ihm geloh- net/ und wie ich mich endlich wieder von ihm geschieden. Das XXI. Capitel. Erzaͤhlung eines Treffens/ welches im Schlaff vorgangen. K Urtz zuvor/ ehe Mantua von den Un- srigen eingenommen wurde/ muste un- ser Regiment von Casal hinweg (und auch in die Mantuanische Belaͤgerung/ daselb- sten lieffe mir mehr Wasser auf meine Muͤhl/ als in dem vorigen Laͤger/ dann gleich wie alldorten mehr Volck war/ son- derlich Teutsche/ also bekame ich auch mehr Kunden und Kunden-Arbeit/ davon sich mein Gelt-Hauffen wieder ein merck- liches geschwinder vergroͤsserte; So/ daß ich etlichmal Wexel nach Prag und an- derswohin in die Teutsche Reichs-Staͤdte uͤbermachte; bey welcher gluͤcklichen Pro- speri taͤt: grossen taͤglichen Gewinn und J jv genug- genugsamen Uberfluß/ dessen ich und mein Gesindel genossen/ da sonst mancher Hun- ger und Mangel leiden muste/ mein Spring-ins-felt anfienge/ allerdings das Junckern Handwerck zutreiben; Er wol- te eine taͤgliche Gewonheit daraus machen/ nur zu fressen und zu sauffen/ zu spielen und zu spatzieren zu gehen und zu faullentzen und liesse allerdings die Handelschafft der Mar- quedenterey: und die Gelegenheiten son- sten irgends etwas zuerschnappen/ ein gut Jahr haben/ uͤber das hatte er auch etliche ungerathene und verschwenderische Cam- merrathen an sich gehenckt/ die ihn verfuͤhr- ten/ und zu allem dem jenigen untuͤchtig machten/ worzu ich ihn zu mir genommen/ und auf allerley Art und Weise abgefuͤh- ret hatte; Ha! sagten sie/ bist du ein Mañ/ und laͤsst deine Hur beydes uͤber dich und das Deinige Meister seyn? Es waͤre noch genug/ wann du ein boͤses Eheweib haͤttest/ von deren du dergleichen leiden muͤstest; Wann ich in deinem Hembd verborgen staͤcke/ so schlaͤg ich sie/ biß sie mir parirte/ odeꝛ jagte sie vor aller Teuffel hinweg/ ꝛc. Sol- ches ches alles vernahm ich bey Zeiten/ mit grossem Unwillen und Verdruß/ und ge- dacht auf Mittel und Weg/ wie ich meinen Spring-ins-felt moͤchte ins Feld springen machen/ ohne daß ich mich im geringsten etwas dergleichen gegen ihm oder seinem Anhang haͤtte vermercken lassen; Mein Gesind (darunter ich auch vier starcke Tre- mel zu Knechten hatte) war mir getreu und auf meiner Seiten; alle Officierer des Regiments waren mir uͤbel gewogen! der Obrist selbst wolte mir wohl und die Obristin noch viel besser/ und ich verbande mir alles noch mehrers mehrers mit Ver- ehrungen wo ich vermeinte/ daß ich Huͤlff zu meinem kuͤnfftigen Haußkrieg zu hoffen haͤtte/ dessen Ankuͤndigung ich stuͤndlich von meinem Spring-ins-felt gewaͤrtig war. Jch wuste wol/ daß der Mann/ welchen mir Spring-ins-felt aber nur pro forma repræsen tiren muste (das Haubt meiner Marquedenterey darstellte/ und daß ich un- ter dem Schatten seiner Person in meiner Handelschafft agirte; auch daß ich bald ausgemarguedentert haben wuͤrde/ wann J v ein ein solches Haupt mir mangelte/ derohal- ben gieng ich gar behutsam; Jch gab ihm taͤglich Gelt/ beydes zu spielen und zu pan- quetiren/ nicht/ daß ich die Bestandigkeit seiner vorigen Verhaltung bestaͤttigen wol- len/ sondeꝛn ihn desto kirrer/ verwegener und ausgelassener gegen mir zu machen/ damit er sich dardurch verplumpen: und durch ein rechtschaffenes grobianisches Stuͤckel dem Besitz meiner und des Meinigen sich unwuͤrdig machen/ mit einem Wort/ daß er mir Ursach geben solte/ mich von ihme zu scheiden; dann ich hatte allbereit schon so viel zusammen geschunden und verdie- net/ zumahlen auch anderwertshin in Sicherheit gebracht/ daß ich mich weder um ihn noch die Marquedenterey; ja um den gantzen Krieg und was ich noch dariñ kriegen und hinweg nehmen konte/ wenig mehr bekuͤmmerte. Aber ich weiß nicht/ ob Spring-ins-felt das Hertz nicht hatte/ seinen Cammerathen zu folgen/ um die Oberherrschafft offentlich von mir zu begehren/ oder ob er sonst in er- zehltem seinem liederlichen Leben unacht- samer samer Weiß fortfuhre? Dann er stellte sich gar freundlich und demuͤtig/ und gab mir niemalen kein sauern Blick/ geschweige ein boͤses Wort! Jch wuste sein Anliegen wohl/ worzu ihn seine Cammerrathen verhetzt hat- ten. Jch konte aber aus seinen Wer- cken nicht spuͤren/ daß er etwas dergleichen wider mich zu unterstehen bedacht gewesen waͤre; doch schickte sichs endlich wunder- barlich/ daß er mich offendirte/ wessentwe- gen wir dañ/ es sey ihm nun gleich lieb oder leid gewesen/ von einander kamen. Jch lag einsmals neben ihm und schlieff ohne alle Sorg/ als er eben mit einem Rausch heimkommen war; Sihe/ da schlug er mich mit der Faust von allem Kraͤfften ins Angesicht/ daß ich nicht allein darvon erwachte/ sondern das Blut lieffe mir auch haͤuffig zum Maul und der Nasen heraus/ und wurde mir von selbigem Straͤich so toͤrmisch im Kopff/ daß mich noch wunder gibt/ daß er mir nit alle Zaͤn in Hals geschla- gen; da kan man nun wohl erachten und abnehmen/ was ich ihm vor eine andaͤchtige J vj Lete- Leteney vorbetete/ ich hiesse ihn einẽ Moͤrder und was mir sonst noch mehr von derglei- chen erbaren Titul ins Maul kommen; Er hingegen sagte/ du Hundsf. warum laͤssest du mir mein Gelt nicht? Jch hab es ja red- lich gewonnen! und wolte noch immer mehr Stoͤsse hergeben/ also/ daß ich zu schaf- fen hatte/ mich deren zuerwehren/ massen wir beede im Bette aufrecht zusitzen kamen/ und gleichsam anfiengen miteinander zu ringen; und weil er noch fort und fort Gelt von mir haben wolte/ gabe ich ihm eine kraͤf- tige Ohrfeigen: die ihn wieder niderlegte; ich aber wischt zum Zelt hinaus/ und hatte ein solches Lamentiren/ daß nit nur meine Mutter und uͤbriges Gesind: sondern auch unsere Nachbaren davon erwachten/ und aus ihren Huͤtten und Gezelten hervor kro- chen/ und zusehen/ was da zuthun oder sonst vorgangen waͤre/ dasselbe waren lauter Personen vom Stab/ als welche gemei- niglich hinter die Regimenter zu den Mar- quedenter logirt/ werden nemlich der Ca- plan Regiments-Schultheiß/ Regiments- Quartiermeister/ Proviantmeister/ Pro- voß voß/ Hencker/ Hurenwaͤibel und derglei- chen/ denen erzehlet ich ein langs und ein breits/ und der Augenschein gab auch/ wie mich mein schoͤner Mann/ ohne einige Schuld und Ursach tractirt; mein ange- hender Milchweisser Busem/ war uͤberall mit Blut besprengt/ und des Spring-ins- felts unbarmhertzige Faust/ hatte mein An- gesicht/ welches man sonst niemahlen ohne lustreitzende Lieblichkeiten gesehen/ mit einem eintzigen Streich so abscheulich zugerichtet/ daß man die Courage sonst nirgends bey/ als an ihrer erbaͤrmlichen Stimme kenne- te/ ahnangesehen niemands vorhanden war/ der sie anderwerts jemahlen haͤtte kla- gen hoͤren; man fragte mich um die Ursach unserer Uneinigkeit und daraus erfolgten Schlacht/ weil ich nun allen Verlauff er- zehlte/ vermeynte der gantze Umstand/ Spring-ins-felt muͤste unsinnig worden seyn: Jch aber glaubte/ er habe dieses Spiel aus Anstifftung seineꝛ Cammerrathen und Sauffbruͤder angefangen/ um mir erstlich hinter die Hosen: zweytens hinter die Ober- herrlichkeit/ und letzlich hinter meines vie- J vij len len Gelts zu kommen; Jndem wir nun so miteinander bappelten/ und etliche Weiber umgiengen/ mir das Blut zu stellen/ gra- belte Spring-ins-felt auch aus unserem Zelt; Er kam zu uns zum Wacht-Feuer/ das bey des Obristen Bagage brande/ und wuste bey nahe nicht Wort genug zu ersin- nen und vorzubringen/ mich und jeder- man wegen seines begangenen Fehlers um Verzeihung zu bitten; es mangelte we- nig/ daß er nicht vor mir auf die Knie nie- derfiel/ um Vergebung und die vorige Huld und Gnad wieder von mir zu erlan- gen/ aber ich verstopffte die Ohren/ und wol- te ihn weder wissen noch hoͤren/ biß endlich unser Obrist Leutenant von der Rund dar- zu kam/ gegen welchen er sich erbotten/ ei- nen leiblichen Ayd zu schweren/ daß ihm getraͤumt haͤtte/ er waͤre auf dem Spielplatz gesessen/ allwo ihm einer um eine zimliche Schantz auf dem Spiel gestandenen Gelts unrecht thun wollen/ gegen welchem er deßwegen geschlagen/ und wider seinen Willen und Meynung/ seine liebe un- schuldige Frau im Schlaaf getroffen: Der Obrist Obrist Leutenant war ein Cavallier/ der mich und alle Huren wie die Pest hasste/ hingegen aber/ meinem Spring-ins-felt nit ohngewogen war/ derowegen sagte er zu mir/ ich solte mich wieder mit ihm alsobald in die Zelt packen/ und das Maul hal- ten/ oder er wolte mich zum Provosen se- tzen/ und wohl gar/ wie ich vorlaͤng- sten verdient/ mit Ruthen aushauen lassen. Potz Blech/ das ist ein herber Sententz/ dieser Richter nicht viel/ (gedachte ich bey mir selber) aber es schadet nichts; bist du gleich Obrist Leutenant/ und beydes vor meiner Schoͤnheit und meinen Verehrun- gen Schußfrey/ so seynd doch andere/ und zwar deren mehr/ als deiner/ die sich gar gern dadurch beruͤcken lassen/ mir Recht zu geben; Jch schwieg so still/ wie ein Meu- sel/ mein Spring-ins-felt aber auch; Als dem er sagte/ wann er noch mehr- mahl so kommen wuͤrde/ so wolte er ihn bey Tag auf einmahl dergestalt straffen/ um das was er bey Nacht zu zweyen mahlen gegen gegen mir gesuͤndigt/ daß er gewißlich das dritte mahl nicht wieder kommen wuͤrde; uns beyden zugleich aber/ sagte er/ wir solten den Frieden machen/ ehe die Sonne aufgieng/ da mit er den kuͤnfftigen Morgen kein Ursach haͤtte/ uns einen Taͤtigsmann zu geben/ aber uͤber dessen procedere wir uns hinter den Ohren zu kratzen/ wuͤrden Ursachen haben. Also giengen wir wieder miteinander zu Bette und hatten beydeꝛseits unsere Stoͤsse/ massen ich dem Spring-ins- felt so wenig gefeyret/ als er mir; Er be- kraͤfftigt noch als seinen gehabten Traum mit grossen Schwuͤren/ ich aber behauptete/ daß alle Traͤume falsch waͤren/ derentwe- gen ich aber nichts destoweniger keine fal- sche Maulschelle bekommen; Er wolte mit den Wercken seine Liebe bezeugen/ aber der empfangene Streich/ oder vielmehr/ daß ich seiner gern loß gewest waͤre/ entzogen ihm bey mir alle Willfaͤhrigkeit; Ja ich gab ihm auch den andern Tag nicht allein kein Gelt mehr zum Spielen/ sondern auch zum Sauffen/ und sonst wenig guter Wort/ und damit er mir nicht hinder die Batzen kaͤme/ kaͤme/ die ich noch bey mir behalten/ unser Handelschafft damit zu treiben/ verbarg ich solche hinter meine Mutter/ welche solche so Tags so Naches wohl eingenaͤhet/ auf ihrem blosen Leib tragen muste. Das XXII. Capitel. Aus was Ursachen Spring-ins-felt und Courage sich gescheiden/ und woꝛ- mit sie ihn zur Letze begabt. G Leich nach dieser unserer naͤchtlichen Schlacht/ stunde es wenig Zeit an/ daß Mantua mit einem Kriegs-Possen eingenommen wurde/ ja der Fried selbst zwischen den Roͤm. Kaͤyserl. und Frantzo- sen: zwischen den Hertzogen von Sophoia und Nivers folgte ohnlaͤngst hernach; gleichsam als wann der welsche Krieg mit unsern Treffen haͤtte geendigt werden muͤs- sen; und eben deswegen giengen die Fran- tzosen/ aus Savoya und stuͤrmeten wieder in Franckreich/ die Kaͤyserl. Voͤlcker aber in Teutschland/ zusehen was der Schwed machte; machte; mit denen ich dann so wohl fort- schlendern muste/ als wann ich auch ein Soldat gewesen waͤre; Mir murrten/ uns entweder zu erfrischen/ oder weil die ro- the Ruhr und die Pest selbst unter uns re- gierte/ an einem Ort in den Kaͤyserlichen Erblanden/ etliche Wochen an die Thonau ins freye Feld mit unserem Regiment lo- girt/ da es mir bey weitem nicht solche Be- quemlichkeiten setzte/ wie in dem edlen Jta- lia! doch behalffe ich mich so gut als ich konte/ und hatte mit meinem Spring- ins-felt/ (weil er mehr als eine Hunds- Demuth gegen mir verspuͤhren liese) den Frieden wiederum/ doch nur pro forma, geschlossen; dann ich laurete taͤglich auf Gelegenheit/ vermittelst deren ich seiner loß werden moͤchte. Solcher mein inniglicher Wunsch wie- derfuhre mir folgender Gestalt/ welche Be- gebenheit genugsam bezeuget/ daß ein vorsichtiger/ verstaͤndiger/ ja unschuldi- ger Mann/ dem wachend und nuͤchtern/ weder Weib/ Welt/ noch der Teuffel selbst nicht zukommen kan/ gar leichtlich durch seine seine eigene bloͤde Gebrechlichkeit/ schlaff- und weintrunckener Weiß/ in alles Unheil und Ungluͤck gestuͤrtzt: und also um alles sein Gluͤck und Wohlfarth gebracht wer- den mag. Gleichwie nun aber ich in meinem Ge- muͤth/ auch um die allergeringste Schmach und vermeinte zugefuͤgte Unbillichkeit/ gantz rachgierig und unversoͤhnlich war/ als erzeigte sich auch mein Leib/ wann er im geringsten verletzt wuͤrde/ gleichsam gantz unheilsam; nicht weiß ich/ ob dersel- be dem Gemuͤth nachaͤhmte/ oder ob die Zaͤr- te meiner Haut und sonderbahren comple- xion, so grobe Stoͤfe/ wie ein Saltzburger Holtzbauer nicht ertragen koñte; einmahl/ ich hatte meine blaue Fenster/ und von Spring-ins-felts Faust/ die Waarzeichen noch in meinem sonst zarten Angesicht/ die er mir im Lager vor Mantua einge- traͤnckt/ da er mich in obbemelten Lager an der Thonau/ als ich abermahl mit- ten im besten Schlaff lag/ bey der Mit- ten kriegte/ auf die Achsel nahm/ mit mir also im Hembd/ wie er mich erdappt gehabt/ gehabt/ gegen des Obristen Wachtfeuer zulieffe/ und mich allen Ansehen nach/ hinweg werffen wolte; Jch wuste/ nach- dem ich erwachte/ zwar nicht wie mir ge- schahe/ aber gleichwohl merckte ich meine Gefahr/ da ich mich gantz nackend befan- de/ und den Spring-ins-felt mit mir so schnell gegen dem Feuer zueilen sahe; dero- wegen fienge ich an zu schreyen/ als wann ich mitten unter die Moͤrder gefallen waͤre/ davon erwachte alles im Laͤger/ ja der Obrist selbst/ sprang mit seiner Partison aus seiner Zelten/ und andere Officier mehr/ welche kamen/ der Meynung/ ei- nen entstandenen grossen Lermen zu stil- len (dann wir hatten damahls gantz kei- ne Feinds-Gefahr) sondern aber nichts anders als ein schoͤnes laͤcherliches Einse- hen/ und naͤrrisches Spectacul/ ich glau- be auch/ daß es recht artlich und kurtzwei- lig anzusehen gewesen seyn muß; die Wacht empfinge dem Spring-ins-felt mit seiner unwilligen und schreyenten Last/ ehe er dieselbige ins Feuer werffen konte/ und als sie solche nackend sahen/ und vor seine Cou- rage rage erkanten; war der Corporal so ehelie- bend/ mir einen Mantel um den Leib zu werffen; Jndessen kriegten wir einen Um- stand von allerhand hohen und niedern Of- ficiern/ der sich schier zu tod lachen wolte/ und welchem nicht allein der Obrist selbst/ sondern auch der Obriste Leutenant gegen- waͤrtig war/ der allererst neulich den Frie- den zwischen mir und dem Spring-ins-felt durch Drohung gestifftet hatte Als indessen Spring-ins-felt sich wieder witzig stellte/ oder (ich weis selbst schier nit/ wie es ihm ums Hertz war) als er wieder zu seinen sieben Sinnen kommen; fragte ihn der Obriste/ was er mit dieser Gugelfuhr gemeint haͤtte? da antwortet er/ ihm haͤtte getraͤumt/ seine Courage waͤre uͤberall mit gifftigen Schlangen umgeben gewesen/ derowegen er sie seinem Einfall nach/ zu erretten und davon sich befreyen/ ent- weder in ein Feuer oder Wasser zu tragen/ vors beste gehalten/ haͤtte sie auch zu solchem Ende aufgepackt/ und waͤre/ wie sie alle vor andern sehen/ also mit ihr da- her kommen/ welches ihm mehr als von Grund Grund seines Hertzens leid seye; Aber bey- des der Obrist selbst/ und der Obrist Leute- nant/ der ihn vor Mantua beygestanden/ schuͤtteln die Koͤpff daruͤber/ und liesen ihn/ weil sich schon jederman satt genug gelacht hatte/ vor die lange Weil zum Profosen fuͤhren/ mich aber in mein Gezelt gehen/ vol- lents auszuschlaffen. Dem folgenden Morgen gieng unser Proceß an/ und solte auch gleich ausge- hen/ weil sie im Krieg nicht so lang zu wehren pflegen/ als an einigen Orten im Frieden; Jederman wuste zuvor wohl/ daß ich Spring-ins-felts Ehefrau nicht war/ sondern nur seine Matreß/ und des- sentwegen bedorfften wir auch vor kein consistorium zu kommen/ um uns scheiden zu lassen/ welches ich begehrte/ weil ich im Bette meines Lebens bey ihm nicht sicher war/ und eben dessentwegen hatte ich einen Beyfall schier von allen assessori- bus, die davor hielten/ daß ein solche Ursach/ auch eine rechte Ehe scheiden koͤnte; der Obrist Leutenant so vor Mantua gantz auf Spring-ins-felts Seiten gewesen/ war jetzt jetzt gantz wider ihn/ und die uͤbrige vom Regiment schier alle auf meiner Seiten: Demnach ich aber mit meinem Contract schrifftlich hervor kam/ was Gestalt wir beysammen zu wohnen/ einander verspra- chen/ biß zur ehrlichen Copulation/ zu- mahlen meine Lebens-Gefahr die ich kuͤnff- tig bey einem solchen Ehegatten zn sorgen haͤtte/ trefflich aufzumutzen und vorzuschuͤ- tzen wuste/ fiel endlich der Bescheid/ daß wir bey gewisser Straffe voneinander ge- scheiden: und doch verbunden seyn solten/ uns um das jenig so wir miteinander er- rungen und gewonnen/ zuvergleichen; Jch replici rte hingegen/ daß solches letzte wi- der den Accord unserer ersten Zusammen- Fuͤgung lauffe/ und daß Spring-ins-felt seyt er mich bey ihm haͤtte/ oder teutscher zu reden/ seyt ich ihn zu mir genommen und die Marquedenterey angefangen/ mehr verthan als gewonnen haͤtte/ welches ich dann mit dem gantzen Regiment beweisen und darthun koͤnte; Endlich hiese es/ wann der Vergleich nach Billigkeit solcher Umstaͤnde zwischen uns beeden selbst nicht guͤtlich guͤtlich getroffen werden koͤnte/ daß als- dann nach befindenden Dingen von dem Regiment ein Urthel gesprochen werden solte. Jch liese mich mit diesem Bescheid mehr als gern genuͤgen/ und Spring-ins-felt lie- se sich auch gern mit einem geringen beschla- gen/ dann weil ich ihn und mein Gesind nach dem eingehenden Gewinn: und also nit mehr wie in Jtalia tractirte/ also daß es schiene/ als ob der Schmalhans bey uns anklopffen wolte; vermeinte der Geck/ es waͤre mit meinen Gelt auf der Neige/ und bey weitem nicht mehr so viel verhanden/ als ich noch hatte/ und er nicht wuste! und es war billich/ daß ers nicht wuste/ dann er wuste ja auch nicht/ warum ich damit so halsstarrig zu ruck hielte. Eben damals/ Simplice, wurde das Re- giment Tragoner/ darunter du etwan zu Soest dein a. b. c. gelernet hast/ durch al- lerhand junge Bursch/ die sich hin und wieder bey den Officiern der Regimenter zu Fuß befanden/ und nun erwachsen waren/ waren/ aber keine Mußquetierer werden wolten/ verstaͤrckt; welches eine Gelegen- heit vor den Spring-ins-felt war/ wessent- wegen er sich auch mit mir in einen desto leidenlichern Accord einliese; den wir auch allein miteinander getroffen; solcher Ge- stalt; Jch gab ihm das beste Pferd das ich hatte/ samt Sattel und Zeug; Jtem/ einhun- dert Ducatẽ paar Gelt/ und das dutzet Reu- ter-Koller/ so er in Jtalia durch meine An- stalt gestohlen; dann wir hatten uns biß- her nicht doͤrffen sehen lassen; damit wurde auch eingedingt/ daß er mir zugleich mei- nen Spiritus famil, um eine Cron abkaus- fen solte/ welches auch geschahe; und in solcher Maaß habe ich den Spring- ins-felt abgeschafft und ausgesteuret/ jetzt wirst du auch bald hoͤren/ mit was vor ei- ner feinen Gab ich dich selbst beseeligt: und deiner Thorheit im Sauerbrunnen belohnet hab; habe nur eine kleine Ge- dult/ und vernimm zuvor/ wie es dem Spring-ins-felt mit seinen Ding im Glaß gangen. K So bald So bald er solches hatte/ bekam er Wuͤrm uͤber Wuͤrm/ im Kopff; wann er nur einen Kerl ansahe/ der ihme sein Tage niemahl nichts Leids gethan/ so haͤtte er ihn gleich an Hals schlagen moͤ- gen; und er spielte auch in allen seinen Du- ellen dem Meister! Er wuste alle verborge- ne Schaͤtze zu finden; und andere Heimlich- keiten mehr/ hier ohnnoͤthig zu melden; Demnach er aber erfuhre/ was vor einen gefaͤhrlichen Gast er herbergte/ trachtet er seiner loß zu werden/ er konte ihn aber drum nicht wieder verkauffen/ weil der Satz oder der Schlag seines Kauffschil- lings aufs Ende kommen war/ ehe er nun selbst Haar lassen wolte/ gedachte er mir denselbigen wiedeꝛ anzuhencken/ und zu ruck zu geben/ wie er mir ihn dann auch auf dem General Rendevous, als wir vor Re- genspurg ziehen wolten/ vor die Fuͤsse warff/ ich aber lachte ihn nur aus/ und solches zwar nicht darum vergebens/ dann ich hube ihn nicht allein nicht auf/ sondern da Spring-ins-felt wieder in sein Quar- tier kam/ da fande er ihn wieder in seinen seinem Schubsack; ich hab mir sagen las- sen/ er habe den Bettel etlichmahl in die Thonau geworffen/ ihn aber alleweg wie- der in seinem Sack gesunden; diß er endlich denselbigen in einen Bachofen ge- worffen/ und also seiner loß worden; Jn- dessen er sich nun so hiermit schleppte/ wurde mir gantz ungeheuer bey der Sach/ derowegen versilberte ich was ich hatte/ schaffte mein Gesind ab/ und setzte mich mit meiner Boͤhmischen Mutter nach Pas- sau/ vermittelst meines vielen Gelts des Kriegs Ausgang zu erwarten; sintemahl ich zu sorgen hatte/ wann Spring-ins- felt solches Kauffs und Verkauffs hal- ber/ uͤber mich klagen wuͤrde/ daß mir alsdann als einer Zauberin/ der Proceß gemacht werden doͤrffte. K ij Das Das XXIII. Capitel. Wie Courage abermahl einen Mañ verlohren/ und sich darnach gehal- ten habe. Z U Passau schlug es mir bey weitem nicht so wohl zu/ als ich mich versehen hate/ es war mir gar zu Pfaͤffisch/ und zu andaͤchtig/ ich haͤtte lieber an Statt der Nonnen/ Soldaten: oder an Statt der Moͤnche/ einige Hoffbursch dort sehen moͤ- gen/ und gleichwohl verharrete ich daselb- sten/ weil damahls nicht nur Boͤhmen/ son- dern auch fast alle Provintzen des Teutsch- landes mit Krieg uͤberschwaͤmt waren; Jndem ich nun sahe/ daß alles der Got- tesforcht daselbst zugethan zu seyn schiene; accommodirte ich mich gleichfalls aufs wenigst aͤusserlich nach ihrer Weiß und Ge- wonheit; und was mehr ist/ so hatte mei- ne Boͤhmische Mutter oder Costfrau/ das Gluͤck/ daß sie an diesem andaͤchtigen Ort und der Glantz der angenommenen Gottse- lig- ligkeit/ und den Weg aller Welt gieng/ welche ich dann auch ansehenlicher begra- ben liese/ als wann sie zu Prag/ bey S. Ja- cobs Thor gestorben waͤre. Jch hielte es vor ein Omen meiner kuͤnfftigen Ungluͤck- seeligkeit/ weil ich nunmehr niemanden auf der Welt mehr hatte/ dann ich mich und das Meinige rechtschaffen haͤtte ver- trauen moͤgen; und derentwegen hasste ich den unschuldigen Ort/ darinn ich meiner besten Freundin/ Seugammen und Aufer- zieherin war beraubt worden; doch patien- tirt ich mich daselbst/ biß ich Zeitung bekam/ daß der Wallensteiner Prag/ die Haubt- Stadt meines Vatteꝛlands eingenommen/ und wiederum in des Roͤm. Kaͤysers Ge- walt gebraͤcht; dann auf solche erlangte Zeitung/ und weil der Schwed zu Moͤn- chen und in gantz Baͤyern dominirt/ zu- mahlen in Passau seinetwegen grosse Forcht war/ machte ich mich wieder in be- sagtes Prag/ wo ich mein meistes Gelt lie- gen hatte. Jch war aber kaum dort eingenistelt/ ja ich hatte mich noch nicht recht daselbst K iij gesetzt/ gesetzt/ mein zusammengeschundenes Gelt und Gut im Frieden: und meinem Be- duncken nach in einer so grossen und dan- nenhero auch meinem Vermuthen nach/ sehr sichern Statt/ wollustbarlich zu ge- niessen; sihe/ da schlug der Arnheim die Kaͤyserl bey Lignitz/ und nachdem er da- selbst 53 Faͤhnlin erobert/ kam er Prag zu aͤngstigen; Aber der Allerdurchleuch- tigst dritte Ferdinand/ schickte seiner Stadt (als er selbsten Regenspurg zusetz- te) den Gallas zu Huͤlffe/ durch welchen Succurs die Feinde nicht allein Prag/ sondern auch gantz Boͤhmen widerum zu zu verlassen/ genoͤthigt wurden. Damahl sahe ich daß weder die grosse und gewaltige Staͤdte nach ihrer Wahl Thuͤrn/ Mauren und Graͤben/ mich und das Meinige vor der Kriegs-Macht der jenigen die nur im freyen Feld/ in Huͤt- ten und solten logiren/ und von einem Ort zum andern schweiffen/ beschuͤtzen koͤnte; de- rowegen trachtet ich dahin/ wie ich mich wiederum einem solchen Kriegsheer bey- fuͤgen moͤchte. Jch Jch war damahl noch zimlich glatt und annemlich/ aber gleichwohl doch bey wei- tem nicht mehr so schoͤn als vor etlich Jah- ren; Dannoch brachte mein Fleiß und Erfahrenheit mir abermahl aus dem Gal- laschischen Succurs einen Haubtmann zu wegen/ der mich ehelichte/ gleichsam/ als wann es der Stadt Prag Schuldig- keit oder sonst ihr aͤigne Art gewest waͤre/ mich auf allen Fall/ mit Maͤnnern/ und zwar mit Haubtleuten zu versehen; unsere Hochzeit wurde gleichsam Graͤfflich ge- halten/ und solche war kaum voruͤber/ als wir Ordre kriegten/ uns zu der Kaͤyserli- chen Armada vor Noͤrdlingen zu begeben/ die sich kurtz zuvor mit dem Hispanischen Ferdinand/ Cardinal Infant conjungirt: Donawerth eingenommen/ und Noͤrd- lingen belagert hatte; diese nun kamen/ der Fuͤrst von Weimar/ und Gustavus Horn zu entsetzen/ woruͤber es zu einer blutigen Schlacht geriethe/ deren Ver- lauff und darauf erfolgte Veraͤnderung nicht vergessen werden wird/ so lang die Welt stehet! Gleichwie sie aber auf K jv unserer unserer Seiten uͤberal gluͤcklich ablieffe/ also war sie mir gleichsam allein schaͤdlich und ungluͤckhafft/ indem sie mich meines Manns/ der noch kaum bey mir erwar- met/ im ersten Angriff beraubte; uͤber das/ so hatte ich nicht das Gluͤck/ wie mir etwan hiebevor in anderen Schlach- ten widerfahren/ vor mich selbsten/ und mit meiner Hand Beuthen zu machen/ weil ich wegen anderer/ die mir vorgien- gen/ so dann auch wegen meines Manns allzufruͤhen Tod/ nirgends zukommen konte; solches bedunckten mich eitel vor Bedeutungen meines kuͤnfftigen Verder- bens zu seyn/ welches dann die erste Me- lancholia/ die ich mein Tage rechtschaffen empfunden/ in meinem Gemuͤth verur- sachte. Nach dem Treffen zertheilte sich das sieghaffte Heer/ in unterschiedliche Trop- pen/ die verlohrne teutsche Provintze wie- der zu gewinnen/ welche aber mehr rui- nirt als eingenommen und behauptet wor- den; Jch folgte mit dem Regiment/ dar- under mein Mann gedienet/ dem jenigen Corpo Corpo das sich des Bodensees und Wit- tenberger Landes bemaͤchtigt/ und ergriffe dardurch Gelegenheit in meines ersten Hauptmanns (der mir hiebevor Parg auch gegeben/ Hoya aber wieder genom- men) Vatterland zu kommen/ und nach seiner Verlassenschafft zu sehen; Allwo mir dasselbe Patrimonium und des Orts Gele- genheit so wohl gefiehle/ daß ich mir diesel- bige Reichs-Stadt gleich zu einer Woh- nung erwaͤhlete/ vornemlich darum/ weil die Feinde des Ertzhauses Oesterreich/ zum Theil biß uͤber den Rhein: und an- derwerts/ ich weiß als nit wohin/ verjagt und zerstreuet waren; also daß ich mir nichts gewissers einbildete/ dann ich wuͤr- de ihrentwegen mein Lebtage dort sicher wohnen; so mochte ich ohne das nicht wie- der in Krieg/ weil nach dieser nahmhaff- ten Noͤrdlinger Schlacht/ uͤberall alles der- gestalt aufgemauset wurde/ daß die Kaͤyserlichen wenige rechtschaffene Beu- ten/ meiner Muthmassung nach/ zu hoffen. K v Dero- Derowegen fienge ich an auf gut Baͤu- risch zu hausen; ich kauffte Viehe und lie- gende Guͤter/ ich dingte Knecht und Maͤgd/ und schickte mich nit anderst/ als wann der Krieg durch diese Schlacht allerdings geendigt: oder als ob sonst der Friede vollkommen beschlossen worden waͤ- re; und zu solchem Ende liese ich alles mein Gelt/ das ich zu Prag und sonst in grossen Staͤdten liegen hatte/ herzu kom- men; und verwendete das meiste hierzu an; und nun sihe Simplice, dergestalt seind wir meiner Rechnung und deiner Le- bens-Beschreibung nach/ zu einer Zeit zu Narren worden/ ich zwar bey den Schwaben/ du aber zu Hanau; ich ver- thaͤt mein Gelt unnuͤtzlich/ du aber dei- ne Jugend/ du aber kamest zu einem schlechten Krieg/ ich aber bildet mir ver- geblich eine Friedens-Zeit ein/ die noch in weitem Feld stunde; dann ehe ich recht eingewurtzelt war/ da kamen Durchzuͤg und Winter-Quartier/ die doch die be- schwerliche Contributiones mit nichten aufhuben; und wann die Menge meines Geles Gelts nicht zimlich groß: oder ich nicht so witzig gewesen waͤre/ dessen Besitzung weißlich zu verbergen/ so waͤre ich zeitlich caput worden; dann niemand in der Stadt ware mir hold/ auch meines ge- wesenen Manns Freunde nicht/ weil ich dessen hinterlassene Guͤter genosse/ die sonst ihnen erblich zugefallen waͤren/ wann mich/ wie sie sagten/ der Hagel nicht hingeschlagen haͤtte; dannenhero wurde ich mit starcken Geltern belegt/ und nichts destoweniger auch mit Einqnartierungen nicht verschonet; Es gieng mir halt wie den Wittiben/ die von jederman verlas- sen seyn; aber solches erzehle ich dir dar- um nicht klagender Weiß; begehre auch dessentwegen weder Trost/ Huͤlff/ noch Mitleiden von dir/ sondern ich sage dirs darum/ daß du wissen soltest/ daß ich mich gleichwohl nicht viel deswegen bekuͤmmerte/ noch betruͤbte/ sondern daß ich mich noch darzu freuete! wann wir ei- nem Regiment musten Winter-Quartier geben; dann so bald solches geschahe/ K vj machte machte ich mich bey den Officiern zutaͤp- pisch/ da war Tag und Nacht nichts als Fressen und Sauffen/ Huren und Buben in meinem Hause/ ich liese mich gegen ihnen an/ wie sie wolten/ und sie musten sich auch hinwiderum/ wann sie nur einmahl angebissen hatten/ gegen mir anlassen/ wie ichs haben wolte/ also daß sie wenig Gelt mit sich aus dem Quartier ins Feld trugen; Worzu ich dann mehr als tausenderley Foͤrtel zu gebrauchen wuste/ und trutz jederman/ der damahls etwas darwieder gesagt haͤtte; Jch hielte allezeit ein paar Maͤgd/ die kein Haar besser waren als ich/ gienge aber so sicher/ kluͤglich und behutsam damit um/ daß auch der Magistrat meine damahlige liebe Obrigkeit/ selbsten mehr Ursach hat- te/ durch die Finger zu sehen/ als mich deßwegen zu straffen/ sintemahl ihre Weiber und Toͤchter/ so lang ich vor- handen war/ und mein Netz ausspan- nen doͤrffte/ nur desto laͤnger from ver- blieben; dieß Leben fuͤhrete ich etliche Jahr/ Jahr/ ehe ich mich uͤbel dabey befande/ zu welcher Zeit ich Jaͤhrlich gegen dem Som- mer/ wann Mars wieder zu Felde gieng/ meinen Uberschlag und Rechnung machte/ was mich denselbigen Winter der Krieg gekostet/ da ich dann gemeiniglich fande/ daß meine Prosperi taͤt und einnahm die Ausgab meiner schuldigen Kriegs-Kosten uͤbertroffen; aber Simplice, jetzt ists an dem/ daß ich dir auch sage/ mit was vor ei- ner Laugen ich dir gezwaget; Will derowe- gen jetzt nicht mehr mit dir/ sondern mit dem Laster reden; du magst aber wohl auch zuhoͤren/ und wann du vermeinest/ daß ich luͤge/ mir ohngehindert in die Rede fal- len. Das XXIV. Capitel. Wie Simplicissimus und Courage Kundschafft zusammen bekommen und einander betrogen. W Jr musten in unserer Stadt eine star- cke Besatzung gedulten/ als die Chur- Baͤyrische und Frantzoͤsische/ Weymari- K vij sche/ sche in der Schwaͤbischen Graͤntze einander in den Haaren lagen/ und sich zwackten; uneer denselbigen waren die meiste Officie- rer trefflich geneigt auf das jenige/ was ich ihnen gern um die Gebuͤhr mitzutheilen pflegte/ demnach ichs aber beydes aus gros- ser Begierde des Gelts wider damit gewon- nen/ als meiner eigenen unersaͤttlichen Na- tur halber gar zu grob machte/ und bey na- he ohne Unterschied zulieffe/ wer nur wolte; Sihe/ da bekam ich das jenige/ was mir bereits vor zwoͤlff oder funffzehen Jahren rechtmaͤssiger Weise gebuͤhret haͤtte/ nem- lich die liebe Frantzosen mit wohlgeneigter Gunst? Diese schlugen aus/ und begun- ten mich mit Rubinen zu zieren/ als der lu- stige und froͤliche Fruͤhlig den gantzen Erd- boden mit allerhand schoͤnen wohlgezierten Blumen besetzte; gesund war mirs/ daß ich Mittel genug hatte/ mich wiederum dar- von curirn zu lassen/ welches dann in ei- ner Stadt am Bodensee geschahe; Weil mir aber meines Medici Vorgeben nach/ das Gebluͤt noch nicht vollkommen gerei- nigt gewesen/ da riethe er mir/ ich sollte die Saur- Saurbrunnen-Cur brauchen/ und also meine vorige Gesundheit destovoͤlliger wie- derum erholen; solchem zufolge/ ruͤstet ich mich aufs beste aus/ mit einem schoͤnen Ca- lesch/ zweyen Pferden/ einem Knecht/ und einer Magd/ die mit mir vier Hosen eines Tuchs war/ ausser/ daß sie die obengemelte lustige Kranckheit noch nicht am Hals ge- habt. Jch war kaum acht Tag in Saurbrun- nen gewesen/ als Herr Simplicius Kund- schafft zu mir machte; dann gleich und gleich gesellt sich gern/ sprach der Teuffel zum Kohler; Jch trug mich gantz adelich/ und weil Simplicius so toll aufzoge und viel Diener hatte/ hielte ich ihnen auch vor einen dapffern Edelmann/ und gedachte/ ob ich ihm vielleicht das Seil uͤber die Hoͤr- ner werffen und ihn (wie ich schon zum oͤff- tern mehr practicirt ) zu meinem Ehe- Mann kriegen konte; Er kam meinem Wunsch nach mit voͤlligem Wind in den gefaͤhrlichen Port meiner sattsamen Begierden angeseegelt/ und ich tractirte ihn/ wie etwann die Circe den irrenden Ulys- Ulissem und alsobald fasste ich eine gewis- se Zuversicht/ ich haͤtte ihn schon gewiß an der Schnur/ aber der lose Vogel risse solche entzwey/ vermittelst eines Funds/ dar- durch er mir seine grosse Undanckbarkeit zu meinen Spott und einen eigenen Scha- den bezeugte; Sintemal er durch einen blinden Pistolen-Schuß und einer Wasser- Spritze voll Blut/ das er mir durch ein Se- cret beybrachte/ mich glauben machte/ ich waͤre verwundet/ wessentwegen mich nicht nur der Balbierer/ der mich verbinden sol- te/ sondern auch fast alles Volck in Saur- brunnen hinten und fornen beschauete/ die nachgehends alle mit Fingern auf mich zeigten/ ein Lied darvon sangen/ und mich dergestalt aushoͤneten/ daß ich den Spott nicht mehr vertragen und erleiden konnte/ sondern ich die Chur gar vollendet/ den Saur-Brunnen mit samt dem Bad quit- tirte. Der Troff Simplex nennet mich in seiner Lebens-Erzaͤhlung im 5. 3. Buch an 6. 4. Capitel leichtfertig/ Jtem/ sagt er/ ich ich sey mehr mobilis als nobilis gewesen/ ich gebe beydes zu/ wann er selbst aber nobel oder sonst ein gut Haar an ihm gewesen waͤre/ so haͤtte er sich an so keine leichtfertige und unverschaͤmte Dirne/ wie er mich vor eine gehalten/ nicht gehaͤnckt/ vielweniger seine eigene Unehr/ und meine Schand also vor der gantzen Welt ausgebreitet und ausgeschrien; Lieber Leser! was hat er jetzt vor Ehr und Ruhm darvon/ daß er (da- mit seine eigene Wort gebrauche) in kurtzer Zeit einen freyen Zutritt und alle Ver- gnuͤgung/ die er begehren und wuͤnschen moͤgen/ von einer Weibs-Person erhalten/ vor deren Leichtfertigkeit er ein Abscheuen bekommen? Ja von deren/ die noch kaum der Holtz-Cur entronnen? Der arme Teuffel hat eine gewaltige Ehre darvon/ sich dessen zu ruͤhmen/ welches er mit besse- ren Ehren billich haͤtte verschweigen sol- len; Aber es gehet dergleichen Hengsten nicht anderst/ die/ wie das unvernuͤnfftige Viehe/ einem jedwedern geschleyerten Thier wie der Jaͤger jeden einem Stuͤck Wild nachsetzen; Er sagt/ ich seye glatt- haͤrig haͤrig gewesen! da muß er aber wissen/ daß ich damals den siebenzehenden Theil meiner vorigen Schoͤnheit bey weitem nicht mehr hatte/ sonderlich behalffe mich allbereit mit allerhand Anstrich und Schmincke/ deren er mir nicht we- nig/ sondern einer grossen Menge ab- geleckt; Aber genug hiervon/ Narren soll man mit Kolben lausen/ das war noch ein gerings/ jetzt vernehme der Leser/ wormit ich ihn endlich bezahlet/ ich ver- liesse den Sauerbrunnen mit grossem Verdruß und Unwillen/ also bedachte mich auf eine Rach/ weil ich vom Sim- plicio beydes beschimpfft und verachtet worden; und meine Magd hatte sich daselbsten eben so frisch gehalten als ich/ und (weil die arme Troͤpffin keinen Schertz verstehen konnte/ ein junges Soͤhnlein vor ein Trinckgelt aufgebuͤn- delt/ welches sie auch auf meinem Mey- er-Hof/ ausser der Stadt/ gluͤcklich zur Welt gebracht/ dasselbe muste sie den Nah- men Simplicium nennen lassen/ wie- wohl sie Simplicius sein Tage niemahls beruͤhr- beruͤhrte; So bald ich nun erfahren/ daß sich Simplicius mit einer Bauren Tochter vermaͤhlet/ muste meine Magd ihr Kind entwoͤhnen und dasselbige/ nach dem ichs mit zarten Windeln/ ja/ seidenen Decken und Wickelbinden ausstaffiret/ um mei- nem Betrug eine bessere Gestalt und Zierde zu geben/ in Bekleidung meines Meyers- Knecht zu Simplici Haus tragen/ daß sie es dann bey Naͤchtlicherweile vor seine Thuͤr gelegt/ mit einem beygelegtẽ Schrifft- lichen Bericht/ daß er solches mit mir er- zeugt haͤtte. Es ist nicht zu glauben/ wie hertzlich mich dieser betrug/ erfreuete/ son- derlich da ich hoͤrete/ daß er dessentwegen von seiner Obrigkeit so trefflich zur Straff gezogen worden/ und daß ihm diesen Fund sein Weib alle Tag mit Merrettig und Senff auf dem Brod zu essen gab; Jtem/ daß ich den Simpeln guten Glau- ben gemacht/ die Unfruchtbare haͤtte geboh- ren! da ich doch/ wann ich der Art gewest waͤre/ nicht auf ihn gewartet: sondern in meiner Jugend verrichtet habẽ wuͤrde/ was er in er in meinem herzunahenden Alter von mir glaubte; dann ich hatte damals allbe- reit schier viertzig Jahr erlebt; und war ei- nes schlimmen Kerls nicht wuͤrdig/ als Simplicius einer gewesen. Das XXV. Capitel. Courage wird uͤber ihren Ubelthaten erwischt/ und der Stadt ver- wiesen. J Etzt sollte ich zwar abbrechen und auf- hoͤren von meinem fernern Lebenslauf zuerzehlen/ weilen genugsam verstanden worden/ was vor eine Dame Simplicius uͤ- berdoͤlpelt zu haben sich geruͤhmet; gleichwie ihr aber von deme/ was allbereit gesagt worden/ ohne Zweiffel fast nichts als Spott und Schand haben wird; also wirds ihm auch wenig Ehr bringen/ was ich nach fuͤr- ters anzeigen werde. Jch hatte hinter meinem Hause einen Garten in der Stadt/ beydes von Obsge- waͤchß/ Kraͤuter und Blumen/ der sich dorffte dorffte sehen lassen/ und alle andere trutzte; und neben mir wohnete ein alter Mechabe- ris oder Susannen Mann/ welcher ein Weib hatte/ die viel aͤlter war als er selb- sten/ diese wurde zeitlich innen/ von was vor einer Gattung ich war/ und ich schlug auch nicht ab in Nothfall mich seiner Huͤlff zu bedienen/ wessentwegen wir dann offt in besagtem Garten zusammen kamen und gleichsam im Raub und hoͤchster Eil Blu- men brachen/ darmit es sein eifersuͤchtige Al- te nit gewahr wuͤrde/ wie wir dann auch nirgends so sicher als in diesem Garten zu- sammen kommen konten/ als da das gruͤne Laub und die verdeckte Gaͤng/ unserer Mei- nung nach vor dem Menschen aber nicht vor den Augen GOttes unsere Schand und Laster bedeckten; gewissenhaffte Leut werden darvor halten/ unser Suͤn- denmaß seye damal entweder voll und uͤ- berhaͤufft gewesen/ oder die Guͤte GOttes haͤtte uns zur Besserung und Busse beruf- fen wollen; Wir hatten einander im An- fang des Septembris Losung gegeben/ den- selben selbigen lieblichen Abend im Garten unter einem Birnbaum zusammen zukommen/ eben als zween Musquetierer aus unserer Quarmson ein Anschlag gemacht hatten/ selbigen Abend ihren Part von meinen Birrn zu stehlen; Wie sie auch den Baum bestiegen und zu brechen anfiengen/ ehe ich und oder der Alte in Garten kommen; Es war ziemlich finster/ und mein Buhler stellte sich ehender ein/ als ich/ bey dem ich mich aber auch gar bald befande/ und das jenige Werck mit ihm angienge/ daß wir ehmahlen miteinander zu treiben gewohnt waren; Potzhertz! ich weiß nicht wie es gienge/ der eine Soldat regte sich auf dem Baum/ um unserer Gauckelfuhr besser wahrzunehmen/ und war so unvorsichtig/ daß er alle seine Birren/ die er gebrochen hatte/ verschuͤttelt/ und als selbige auf den Boden fielen/ bildeten ich und der Alte sich nichts anders ein/ als es waͤre etwann ein starckes Erdbiden von GOtt gesendet und verhaͤngt/ uns von unsern schandlichen Suͤnden abzuschrecken; wie wir dañ einan- der auch solches mit Worten zuverstehen gaben gaben/ und beyde in Angst und Schrecken voneinander lieffen; die auf dem Baum aber konten sich des Lachens nicht enthal- ten/ welches uns noch groͤssere Furcht ein- jagte/ sonderlich dem Alten/ der da vermein- te/ es waͤre ein Gespenst/ das uns plagte; derowegen begab sich ein jedes von uns/ in seine Gewahrsam. Den andern Tag kam ich kaum auf dem Marckt/ da schrie ein Mußquetierer/ ich weiß was! Ein anderer fragte ihn mit vollem Halß/ was weist du dann? Jener antwortet/ es hat heut Birnen geerdbid- met; diß Geschrey kam je laͤnger je staͤrcker/ also daß ich gleich merckte/ was die Glo- cke geschlagen/ und mich in Angesicht an- roͤthete/ wiewohl ich mich sonst zu schaͤ- men nit gewohnet war; Jch machte mir gleich die Rechnung/ daß ich eine Hatz ausstehen muͤste/ gedachte aber nicht/ daß es so grob hergehen wuͤrde/ wie ich hernach erfuhr; dann nachdem die Kin- der auf der Gassen/ von unserer Ge- schicht zu sagen wusten/ konte der Magistrat nichts nichts anders thun/ als daß er mich und den Alten beym Kopff nehmen/ und jedwe- ders besonders gefangen setzen liese; wir laͤugneten aber beyde wie die Hexen/ ob man uns gleich mit dem Hencker und der Tor- tur dreuete. Man inventirt und verpetschirt das Meinige/ und examinirt mein Hausge- sind/ bey dem Eid/ deren Aussag aber widereinander lieffe/ weil sie nit alle von meinen losen Stuͤcken wusten/ und mir die Maͤgd getreu waren; endlich verschnapte ich den Handel selbst/ als nemlich der Schultheiß/ welcher mich Frau Baß nennete/ offt zu mir in das Gefaͤngniß kam/ und grosses Mitleiden vorwante/ in Warheit aber mehr ein Freund der Gerechtigkeit/ als mein Vetter war; Dann nachdem er mich in aller falschen Vertraͤu- lichkeit uͤberredet/ mein Alter haͤtte den be- gangenen und offtmahls widerholten Ehe- bruch gestanden/ fuhre ich unversehens her- aus/ und sagte/ so schlag ihm der Hagel ins Maul/ weils der alte Scheusser nicht hat- hal- halten koͤnnen; bate demnach meinen ver- meinten Freund/ er wolte mir doch getreu- lich dadurch helffen/ Er aber hingegen machte mir eine scharffe Predigt daher/ thaͤt die Thuͤr auf/ und wiese mir einen Notarium und beysichhabende Zeugen/ die alle meine und seine Reden und Gegen- Reden angehoͤrt und aufgemerckt hatten. Darauf gieng es wunderlich her/ die meiste Rathsherꝛn hielten darvor/ man solte mich an die Folter werffen/ so wuͤrde ich vielmehr dergleichen Stuͤcke bekennen/ und alsdañ nach befindenden Dingen als eine uñuͤtze Last der Eꝛden/ um eines Kopfs kuͤrtzer zu machen seyn/ welcher Sentenz mir auch weitlaͤufftig notific irt wurde; Jch hingegen liesse mich vernehmen/ man suche nicht so sehr/ der lieben Gerechtigkeit und den Gesetzen ein Genuͤgen zu thun/ als mein Gelt und Gut zu confisc iren; Wuͤr- de man so streng mit mir proced irn/ so wuͤrden noch viel/ die vor ehrliche Burger gehalten werden/ mit mir zur Leiche ge- hen/ oder mir das Geleit geben muͤssen; Jch konte schwaͤtzen wie ein Rechtsgelehr- L ter/ ter/ und meine Wort und protestationes fielen so scharpff und schlau/ daß sich Ver- staͤndige darvor entsetzten/ zuletzt kam es dahin/ daß ich auf eine Urphet die Stadt quittiren: und/ zu mehr als wohlverdien- ter Straffe/ alle meine Mobilia und ligen- de Guͤter dahinden lassen muste/ darun- ter sich gleichwohl mehr als uͤber 1000. Reichsthaler paar Geld befande; Meine Kleidungen/ und was zu meinem Leib ge- hoͤrte/ wurde mir gefolgt/ ausser etliche Kleinodien/ die einer hier/ der ander dort zu sich zwackte; Jn Summa/ was wolte ich thun? Jch hatte wohl groͤssers verdie- net/ wann man strenger mit mir haͤtte proced iren wollen; aber es war halt im Krieg/ und danckte jedermaͤnniglich dem guͤtigen Himmel (ich solte gesagt haben jeder weiberlich) daß die Stadt mei- ner so taliter qualiter loß worden. Das Das XXVI. Capitel. Courage wird eine Mußquetiere- rin/ schachert dabey mit Taback und Brandtewein. Jhr Mann wird verschicket/ wel- cher unter Wegs einen todten Soldaten antrifft/ den er ausziehet/ und weil die Hosen nicht herun- ter wolten/ ihm die Schenckel abhaut/ alles zu- sammen packet/ und bey einem Bauren einkeh- ret/ die Schenckel zu Nachts hinterlaͤsset/ und Reißaus nim̃t. Darauf sich ein recht laͤcherlicher Poß zutraͤgt. D Amahls lagen weit herumb keine Kaͤyserl. Voͤlcker oder Armeen/ zu welchen ich mich wiedeꝛ zu begeben im Siñ hatte; Weil mirs dann nun an solchen mangelte/ so gedachte ich mich zu den Weymarischen oder Hessen zu machen/ welche damahl im Kintzger Thal und der Orten herumb sich befanden; umb zu se- hen/ ob ich etwann wieder einen Soldaten zum Mann bekommen koͤnnte; Aber ach! die erste Bluͤte meiner ohnvergleichlichen Schoͤnheit war fort/ und wie eine Fruͤh- lings-Blum verwelcket/ wie mich dann auch mein neulicher Unfall und daraus L ij entstan- entstandene Bekuͤmmernus nicht wenig verstellet; So war auch mein Reichthumb hin/ der offt die alte Weiber wieder an Maͤnner bringet. Jch verkauffte von mei- nen Kleidern und Geschmuck/ so mir noch gelassen worden/ was Geld golte/ und brachte etwan zweyhundert Gulden zuwe- gen/ mit denen machte ich mich/ sambt ei- nen Boten/ auf den Weg/ umb mein Gluͤck zu suchen/ wo ichs finden moͤchte/ Jch traffe aber nichts als Ungluͤck an/ dann ehe ich Schiltach erlangte/ kriegte uns eine Weymarische Parthey Mußque- tirer/ welche den Boten abpruͤgelten/ pluͤnderten/ und wieder von sich jagten/ mich aber mit sich in ihr Quartier schlep- peten; Jch gab mich vor ein Kaͤyserl- Soldaten-Weib aus/ deren Mann vor Freyburg in Preißgau todt blieben waͤre/ und uͤberredet die Kerl/ daß ich in meines Mañes Heimath gewesen/ nunmehr aber Willens sey/ mich ins Elsaß nach Hauß zu begeben; Jch war/ wie obgedacht/ bey weitem nicht mehr so schoͤn/ als vor die- sem/ gleichwohl aber doch noch von solcher Beschaf- Beschaffenheit/ die einen Mußquetirer aus der Parthey so verliebt machte/ daß er meiner zum Weib begehrte. Was wol- te oder solte ich thun? Jch wolte lieber die- sem eintzigen mit gutem Willen goͤnnen/ als von der gantzen Parthey mit Gewalt zu dem jenigen gezwungen werden/ was dieser aus Lieb suchte; Jn Summa/ ich wurde eine Frau Mußquetirerin/ ehe mich der Caplan copulirte; Jch hatte im Sinn wieder/ wie zu Springinsfelds Zei- ten/ eine Marquetennerin abzugeben/ aber mein Beutel befand sich viel zu leicht solches ins Werck zu setzen; So mangel- te mir auch meine Boͤhmische Mutter/ und uͤber das bedunckte mich/ mein Mañ waͤre viel zu schlecht und liederlich zu sol- chen Handel/ doch finge ich an mit Taback und Brandtewein zu schachern/ gleichsam als ob ich wieder halb Batzen weiß haͤtte gewinnen wollen/ was ich kuͤrtzlich bey tau- senden verlohren; Es kam mich Blut- sauer an/ so zu Fuß daher zu marchiren/ und noch darzu einen schweren Pack zu tragen/ neben dem/ daß es auch zu Zeiten L iij schmal schmal essen und trincken setzte/ welches unange- nehmlichen Dings ich mein Lebtag nicht ver- sucht/ viel weniger gewohnet hatte; Zuletzt brachte ich einen trefflichen Maul Esel zuwegen/ der nicht allein schwehr tragen/ sondern auch schneller lauffen konte/ als manch gutes Pferd; Gleich wie ich nun dergestalt zween Esel zusam- men brachte/ also verpflegte ich sie auch besten Fleisses/ damit ein jeder seine Dienste desto bes- ser versehen koͤnnte; Solcher Gestalt nun/ weil ich und meine Bagage getragen wurde/ konte ich mich auch um etwas besser patientirn/ und verzoͤgerte also mein Leben/ biß uns der von Mer- cy/ in Anfang des Mayen/ bey Herbst-Zeiten/ treffliche Stoͤße gab; Ehe ich aber fortfahre/ sol- chen meinen Lebens-Lauf weiters hinaus zu er- zehlen/ so will ich dem Leser zuvor ein artliches Stuͤckel eroͤffnen/ das mein damahliger Mann wider seinem Willen ins Werck setzte/ als wir noch im Kintzger Thal lagen. Er gieng ein/ auf seiner Officier Zumuthen/ und mein Gutbefindung/ sich in alte Lumpen zu verkleiden/ nnd mit einer Axt auf der Achsel/ in Gestalt eines armen exulirenden Zimmermañs/ einige Brieff an Ort und Ende zu tragen/ dahin sonst jemand zu schicken/ wegen der Kaͤyserl. Par- theyen/ welcher wegen es unsicher war; Solche Brieffe betraffen die Conjunction etlicher Voͤl- cker und anderer Kriegs-Anschlaͤg. Es ware da- mals von grimmiger Kaͤlte gleichsam Stein und Bein Bein zusammen gefroren/ so/ daß mich das ar- me Schaf auf seiner Reise schier getauret haͤtte/ doch muste es seyn/ weil ein zimlich Stuͤck Gelt zu verdienen war/ und er verrichtet auch alles sehr gluͤcklich; Unterwegs aber fande er einen todten Coͤrper in seinen Abwegen/ die er der Enden wol wuste/ welcher ohne Zweiffel eines Officiers ge- wesen seyn muß/ weil er ein paar rother Schar- lachener Hosen mit silbern Galaunen verbraͤmt anhatte/ welcherley Gattung damal die Officier zu tragen pflegten/ so war sein Koͤller samt Stif- feln und Sporen/ auch den Hosen gemaͤß; Er be- sahe den Fund/ nnd konte nicht ersinnen/ ob der Kerl erfroren/ vder von den Schwartzwaͤldern todtgeschlagen worden waͤre/ doch galte es ihm gleich/ welches Tods er gestorben/ das Koller ge- fiele ihm so wohl/ daß ers ihm auszog/ und da er dasselbige hatte/ geluͤstet ihn auch nach den Ho- sen/ welche zu bekommen/ er zuvor die Stiffel ab- ziehen muste/ solches gluͤckte ihm auch; Als er aber die Hosen herab streiffte/ wolten solche nicht hotten/ weil die Feuchtigkeit des allbereit ver- wesenden Coͤrpers sich unter den Knien herum/ allwo man dazumal die Hosenbaͤndel zu binden pflegte/ sich beydes in das Futter und den Uber- zug gesetzt hatte/ und dannenhero Schenckel und Hosen wie ein Stein zusammen gefroren waren; Er hingegen wolte diese Hosen nicht dahinden lassen/ und weil der Tropff sonst kein ander Mit- tel in der Eil sahe/ eins vom andern zu ledigen/ L iiij hiebe hiebe er dem Corpo mit seiner Axt die Fuͤsse ab/ packte solche/ samt Hosen und Koller zusammen/ und fande mit seinem Buͤndel bey einem Bauren erasolche Gnad/ daß er bey ihme hintern warmen Stuben-Ofen uͤbernachten dorffte. Dieselbe Nacht kaͤlbert dem Bauern zu allem Ungluͤck eine Kuhe/ welches Kalb seine Magd/ wegen der grossen Kaͤlte in die Stuben trug/ und zu naͤchst bey meinem Mann auf eine halbe Well Stro zum Stuben-Ofen setzte; Jndessen war es gegen Tag/ und meines Manns eroberte Hosen allbereit von den Schenckeln aufgetauet/ dero- wegen zog er seine Lumpen zum Theil aus/ und hingegen das Koͤller und die Hosen/ die er um- kehrte oder letz machte/) an/ ließe sein altes Ge- luͤmp samt den Schenckeln beym Kalb liegen/ stie- ge zum Fenster hin aus/ und kam wieder gluͤck- lich in unser Quartier. Des Morgens fruͤhe kam die Magd wieder- um/ dem Kalb Rath zu schaffen/ als sie aber die beyde Schenckel/ samt meines Mannes alten Lumpen und Schurtzfell darbey ligen sahe/ und meinen Mann nicht sande/ fienge sie an zu schrei- en/ als wann sie mitten nnter die Moͤrder gefal- len waͤre; Sie lieffe zur Stuben hinaus/ und schlug die Thuͤr hinter ihr zu/ als wann sie der Teuffel gejagt haͤtte/ von welchem Lermen dann nicht allein der Bauer/ sondern auch die gantze Nachbarschafft er wachte/ und sich einbildete/ es waͤren Krieger vorhanden/ wessenwegen ein Theil aus- ausrisse/ das ander aber sich in die Wehr schick- te; Der Bauer selbst vernahm von der Magd/ welche vor Forcht und Schrecken zitterte/ die Ursach ihres Geschreys/ daß nemlich das Kalb dem armen Zimmermann den sie uͤber Nacht ge- herbergt/ biß auf die Fuͤsse gefressen/ und ein sol- ches greßliches Gesicht gegen ihr gemacht haͤtte/ daß sie glaube/ wann sie sich nicht aus dem Staub gemacht/ daß es auch an sie gesprungen waͤre; der Bauer wolte das Kalb mit seinem Knebelspieß nidermachen/ aber sein Weib wolte ihn in solche Gefahr nicht wagen/ noch in die Stub lassen/ sondern vermittelte/ daß er den Schultheissen um Huͤlff ansuchte/ der lieffe alsobald der Ge- mein zufammen leuten/ um das Hauß gesamter Hand zu stuͤrmen/ und diesen gemeinen Feind des menschlichen Geschlechts/ ehe er gar zu einer Kuhe aufwuͤchse/ bey Zeiten auszureuten; Da sahe man nun ein artliches Spectackel/ wie die Baͤurin ihre Kinder/ und den Haußrath/ zum Kammer-Laden nacheinander heraus langte/ hingegen die Bauren zu den Stuben-Fenstern hinein guckten/ und den schroͤcklichen Wurm/ samt bey sich liegenden Schenckeln anschaueten/ welches ihnen genugsame Zeugnuͤß einer grossen Grausamkeit einbildete; Der Schultheiß gebo- te das Hauß zu stuͤrmen/ und dieses greuliche Wunder-Thier niderzumachen/ aber es schonete ein jeder seiner Haut; Jeder sagte: Was hat mein Weib und Kind darvon/ wann ich umkaͤ- me: me: Endlich wurde aus eines alten Bauren Rath beschlossen/ daß man das Hauß mit samt dem Kalb/ dessen Mutter vielleicht von einem Lindwurm oder Drachen besprungen worden/ hinweg brennen/ und dem Bauern selbst aus ge- meinem Seckel eine Ergoͤtzung und Huͤlffe thun solte/ ein anders zu bauen; Solches wurde froͤ- lich ins Werck gesetzet/ dann sie sich damit troͤ- steten/ sie muͤsten gedencken/ es haͤtten solches die Diebs Krieger hinweg gebrandt. Diese Geschichte machte mich glauben/ mein Mann wuͤrde trefflich Gluͤck zu dergleichen Stuͤ- cken haben/ weil ihm dieses ungefehr begegnet/ ich gedachte/ was wuͤrde er erst ins Werck setzen/ wann ich ihn wie hievor den Springinsfeld ab- richte? aber der Tropff war viel zu Eselhafftig und hundsklinckerisch darzu/ uͤber das ist er mir auch bald hernach in dem Treffen vor Herbsthau- sen todt geblieben/ weil er keinen solchen Schertz verstehen konte. Das XXVII. Capitel. Nachdem der Courage Mann in einem Treffen geblieben/ und Courage selbst auf ihrem Maul Esel entrunnen/ trifft sie ei- ne Ziegeuner-Schaar an/ unter welchen der Leu- tenant sie zum Weib nimmt/ sie sagt einem ver- liebten Fraͤulein Waar/ entwendet ihr daruͤber alle Kleinodien/ behaͤlt sie aber nicht lang/ sondern muß solche wol abgepruͤgelt wieder zustellen. Jn J N erstgemeltem Treffen kame ich vermit- telst meines guten Maulesels darvon/ nach dem ich zuvor meine Zelt und schlechteste Baga- ge hinweg geworffen/ retterirte mich auch mit dem Rest der uͤbrig gebliebenen Armee/ so wohl als der Touraine selbsten biß nach Cassel; und demnach mein Mann todt geblieben/ und ich niemand mehr hatte/ zu dem ich mich haͤtte gesel- len moͤgen/ oder der sich meiner angenommen/ nahme ich endlich meine Zuflucht zu den Ziegeu- nern/ die sich von der Schwedischen Haubt-Ar- mada bey den Koͤnigsmarckischen Voͤlckern be- fanden/ welche sich mit uns bey Wartburg con- jungirt/ und in dem ich bey ihnen einen Leutenant antraffe/ der gleich meiner guten Qualitaͤten und trefflichen Hand zum stehlen/ wie auch etwas Geldes hinter mir wahr nam/ samt andern mehr Tugenden/ deren sich diese Art Leuth gebrauchen; Siehe! so wurde ich gleich sein Weib/ und hat- te diesen Vortheil/ daß ich weder Oleum Talci noch ander Schmirsel mehr bedorffte/ mich weiß und schoͤn zu machen/ weil so wohl mein Stand selbsten als mein Mann die jenige Coleur von mir erforderte/ die man des Teuffels Leibfarb nennet; Derowegen finge ich an/ mich mit Gaͤnß-Schmaltz/ Laͤußsalbe und andern Haar- ferbenden Ungventen also fleissig zu beschmiren/ daß ich in kurtzer Zeit so Hoͤll-riglerisch aussahe/ als wann ich mitten in Aegypten geboren wor- den waͤre; Jch muste offt selbst meiner lachen/ L vj und und mich uͤber meine vielfaͤltige Veraͤnderung verwundern; Nichts desto weniger fchickte sich das Ziegeuner-Leben so wol zu meinem Humor/ daß ich es auch mit keiner Obristin vertauscht haben wolte; Jch lernete in kurtzer Zeit von ei- ner alten Aegyptischen Großmutter wahrsagen; luͤgen und stehlen aber kunte ich zuvor/ ausser daß ich der Ziegeuner gewoͤhnliche Handgriff noch nicht wuste/ aber was darffs viel Wesens? ich wurde in Kuͤrtze so perfect/ daß ich auch vor eine Generalin aller Ziegeunerinnen haͤtte passiren moͤgen. Gleichwol aber war ich so schlau nicht/ daß es mir uͤberal ohne Gefahr/ ja ohne Stoͤsse ab- gangen waͤre/ wiewohl ich mehr einheimbschte/ und meinem Mann zu verschlemmen/ zubrachte/ als sonst meiner zehne: Hoͤret! wie mirs eins- mals so uͤbel gelungen; Wir lagen uͤber Nacht und ein Tag ohnweit von einer Freunds-Stadt im vorbey marchiren/ da jederman hinein dorf- te/ um seinen Pfenning einzukauffen/ was er wol- te. Jch machte mich auch hinein/ mehr einzu- nehmen und zu stehlen/ als Geld auszugeben/ oder etwas zu kauffen/ weil ich sonst nichts zu erkauffen gedachte/ als was ich mit fuͤnff Fin- gern/ oder sonst einem kuͤnstlichen Griff zu er- handeln verhoffte; Jch war nicht weit die Stadt hinein passirt/ als mir eine Madamoiselle eine Magd zuschickte, und mir sagen liesse/ ich solte kommen/ ihrer Fraͤulein warzusagen/ und von diesem diesem Boten selbsten vernahm ich gar von wei- ten/ und gleichsam uͤber hundert Meilen her/ daß ihrer Fraͤulin Liebhaber rebellisch worden/ und sich an ein andere gehenckt; Solches machte ich mir nun trefflich zu Nutz/ dann da ich zu der Da- men kame/ trafe ich mit meiner Wahrsagung so nett zu/ daß sie auch alle Calendermacherey/ ja der elenden Madamoisellen Meynung nach/ alle Propheten/ samt ihren Prophezeyhungen uͤber- traffe; Sie klagte mir endlich ihre Noht/ und begehrte zu vernehmen/ ob ich kein Mittel wisse/ den variablen Liebhaber zu bannen/ und wider in das gerechte Glaiß zu bringen? Freylich/ da- pfere Dame! sagte ich/ er muß wieder um- kehren/ und sich zu eurem Gehorsam einstellen/ und sollte er gleich einen Harnisch anhaben/ wie der grosse Goliath; Nichts angenehmers haͤtte diese verliebte Troͤpffin hoͤren moͤgen/ als eben diß/ und begehrte auch nichts anders/ als daß meine Kunst alsobald ins Werck gesetzt wuͤrden; Jch sagte: wir muͤssen allein seyn/ und es muͤste alles unbeschriehen zugehen/ darauf wurden ihre Maͤgd abgeschafft/ und ihnen das Stillschwei- gen auferlegt/ ich aber gieng mit der Madamoi- sellen in ihr Schlaffkammer/ ich begehrte von ihr einen Trauer-Schleyer/ den sie gebraucht/ als sie um ihren Vatter Leyd getragen/ item/ zwey Ohrgehaͤng/ ein koͤstlich Halsgehaͤng/ das sie eben anhatte/ ihren Guͤrtel und liebsten Ring. Als ich diese Kleinedien hatte/ wickelt ich sie zu- L vij sammen/ sammen in den Schleyer/ machte etliche Knoͤpff daran/ murmelte unterschiedliche naͤrrische Woͤr- ter darzu/ und legte alles zusammen in der Ver- liebten Bette/ hernach sagte ich/ wir muͤssen mit- einander in Keller; da wir hinkamen/ uͤberredet ich sie/ daß sie sich auszoͤge/ biß aufs Hembd/ und unterdessen/ als solches geschahe/ machte ich et- liche wunderbare Characteres an den Boden ei- nes grossen Fasses voll Wein/ zoge endlich den Zapffen heraus/ und befahl der Damen ihren Finger vorzuhalten/ biß ich die Kunst mit dem Zapffen droben im Hause auch der Gebuͤhr nach verrichtet haͤtte; Da ich nun das einfaͤltige Ding dergestalten gleichsam angebunden/ gieng ich hin/ und holete die Kleinodien aus ihrem Bet- te/ mit welchen ich mich ohnverweilt aus der Stadt machte. Aber entweder wurde dieser fromme leicht- glaubige verliebte samt den Seinigen vom guͤti- gen Himmel beschuͤtzt/ oder ihre Kleinodia wa- ren mir sonst nicht bescheret/ dann ehe ich unser Lager mit meiner Beute gar erreichte/ erdappte mich ein vornehmer Officier aus der Guarnison der solche wieder von mir fordert; Jch laugne- te zwar/ er wiese mir aber was anders/ doch kan ich nicht sagen/ daß er mich gepruͤgelt: hin- gegen aber schweren/ daß er mich rechtschaffen gedegelt habe; Dann nach dem er seinen Diener absteigen lassen/ um mich zu besuchen/ ich aber demselbigen mit meinem schroͤcklichen Ziegeuner- Messer Messer begegnet/ mich dessen zu erwehren/ sihe! da zog er von Leder/ und machte mir nicht allein den Kopff voller Beulen/ sondern faͤrbte mir auch Arm/ Lenden und Achseln so blau/ daß ich wol 4. Wochen daran zu salben/ und zu verblauen hatte; Jch glaube auch/ der Teuffel haͤtte biß auf diese Stund noch nicht aufgehoͤret zuzuschla- gen/ wann ich ihm meine Beuth nicht wieder hin- geworffen. Und dieses war vor dißmal der Lohn beydes meiner artlichen Erfindung/ und des kuͤnstlichen Betrugs selbsten. Das XXVIII. Capitel. Courasche kommt mit ihrer Com- pagnie in ein Dorff/ darinnen Kirch- weyh gehalten wird/ reitzet einen jungen Ziegeu- ner an/ eine Henne tod zu schiessen; ihr Mann stellet sich solchen aufhencken zu lassen/ wie nun jederman im Dorff hinaus lieff/ diesem Schau- spiel zuzusehen/ stahlen die Ziegeunerinnen alles Gebratens und Gebackens/ und machten sich samt ihrer gantzen Zunfft eiligst und listig darvon. U Nlaͤngst nach diesem uͤberstandenen Strauß kam unsere Ziegeunerische Rott von den Koͤnigsmarckischen Voͤlckern wieder zu der Schwedischen Haubt-Armee/ die damals Tor- stensohn commandirt/ und in Boͤhmen gefuͤhrt/ allwo dann beyde Heer zusammen kamen; Jch verbliebe samt meinem Maulesel nicht allein biß nach nach dem Friedenschluß bey dieser Armada/ son- dern verliese auch die Ziegeuner nicht/ da es be- reits Frieden worden war/ weil ich mir das steh- len nicht mehr abzugewoͤhnen getrauete; Und demnach ich sehe/ daß mein Schreiber noch ein weiß Blat Papier uͤbrig hat/ Also will ich noch zu guter lezt oder zum Valete ein Stuͤcklein er- zehlen/ und darauf setzen lassen/ welches mir erst neulich eingefallen/ und alsobalden probirt und practicirt hat werden muͤssen/ bey welchen der Leser abnehmen kan/ was ich sonst moͤchte ausge- richtet haben/ und wie artlich ich mich zu den Ziegeunern schicke. Wir kamen in Lothringischen Gebiet eins- mals gegen Abend vor einen grossen Flecken/ dar- innen eben Kuͤrbe war/ welcher Ursachen wegen und weil wir einen zimlichen starcken Troppen von Maͤnnern/ Weibern/ Kindern und Pferden hatten/ uns das Nachtlaͤger rund abgeschlagen wurde; Aber mein Mann/ der sich vor den Ob- rist Leutenant ausgab/ versprach bey seinen Ade- lichen Worten/ daß er gut vor allen Schaden seyn/ und weme etwas verderbt oder entwendet wuͤrde/ solches aus dem seinigen bezahlen/ und noch darzu den Thaͤter an Leib und Leben straf- fen wolte. Wormit er dann endlich nach langer Muͤhe erhielte/ daß wir aufgenommen wurden. Es roche uͤberall im Flecken so wol nach dem Kuͤrbe-Gebratens und Gebackens/ daß ich gleich auch einen Lust darzu bekam/ und einen Ver- druß druß empfande/ daß die Bauern allein solches fressen solten; erfand auch gleich folgenden Vor- theil/ wie wir dessen theilhafftig werden koͤnten; Jch liesse einen wackern jungen Kerl aus den Unserigen eine Henne vor dem Wirthshause todschiessen/ woruͤber sich alsobald bey meinem Mann eine grosse Klage uͤber den Thaͤter erhu- be; Mein Mann stellte sich schroͤcklich erzoͤrnet/ und liesse gleich einen/ den wir vor einen Trom- peter bey uns hatten/ die Unserigen zusammen blasen/ in deme nun solches geschahe/ und sich beydes Bauren und Ziegeuner auf dem Platz versammleten/ sagte ich etlichen auf unsere Diebs-Sprach/ was mein Anschlag waͤre/ und daß sich ein jedes Weib zum zugreiffen gefast machen solte. Also hielte mein Mann uͤber den Thaͤter ein kurtzes Standrecht/ und verdammte ihn zum Strang/ weil er seines Obrist Leute- nanten Befelch uͤbergangen/ darauf erscholle alsobald im gantzen Flecken das Geschrey/ daß der Obrist Leutenant einen Ziegeuner nur wegen einer Hennen wolte hencken lassen; etlichen be- dunckte solche Procedur zu rigorose/ andere lob- ten uns/ daß wir so gute Ordre hielten/ einer aus uns muste den Hencker agiren/ welcher auch alsobalden dem Malefieanten die Haͤnde auf den Rucken hande/ hingegen thaͤt sich eine junge Zie- geunerin vor dessen Weib aus/ entlehnte von an- dern drey Kinder/ und kam damit auf den Platz geloffen/ sie bath um ihres Manns Leben/ und daß daß man ihre kleine Kinder bedencken wolte/ stel- te sich darneben so klaͤglich/ als wann sie haͤtte verzweiffeln wollen/ mein Mann aber wollte sie weder sehen noch hoͤren/ sondern ließe den Ubel- thaͤter hinaus gegen einen Wald fuͤhren/ an ihm das Urtheil exequiren zu lassen/ eben als er ver- meinte/ der gantze Flecken haͤtte sich nunmehr versammlet/ den armen Suͤnder hencken zu se- hen; wie sich dann auch zu solchem Ende fast al- le Jnnwohner/ jung und alt/ Weib und Mann/ Knecht und Maͤgd/ Kind und Kegel mit uns hinaus begab/ hingegen ließe gedachte junge Ziegennerin mit ihren dreyen entlehnten Kin- dern nicht ab/ zu heulen zu schreyen/ und zu bit- ten/ und da man an den Wald und zu einem Baum kam/ daran der Hennen-Moͤrder dem Ansehen nach geknuͤpfft werden solte/ stellte sie sich so erbaͤrmlich/ daß erstlich die Bauren-Wei- ber/ und endlich die Bauren selbst anfiengen vor den Mißthaͤter zu bitten/ auch nicht aufhoͤreten/ biß sich mein Mann erweichen liesse/ dem armen Suͤnder ihrentwegen das Leben zu schencken. Jn dessen wir nun ausserhalb dem Dorff diese Comoͤdi agirten/ mausten unsere Weiber im Fle- cken nach Wunsch/ und weil sie nicht nur die Bratspieß uud Fleisch-Haͤfen leereten/ sondern auch hie und da namhaffte Beuthen aus den Waͤgen gefischt hatten/ verliessen sie den Flecken und kamen uns entgegen/ sich nicht anders stel- lend/ als wann sie ihre Maͤnner zur Rebellion wider wider mich und meinen Mann verhetzten/ um daß er einer kahlen Hennen halber einen so wa- ckern Menschen haͤtte aufhencken lassen wollen/ dardurch sein armes Weib zu einer verlassenen Wittib/ nnd drey unschuldige junge Kinder zu armen Waͤisen gemacht waͤren worden; auf un- sere Sprache aber sagten sie/ daß sie gute Beu- then erschnappt haͤtten/ mit welchen sich bey Zei- ten aus dem Staub zu machen seye/ ehe die Bau- ren ihren Verlust innen wuͤrden/ darauf schriehe ich den Unserigen zu/ welche sich rebellisch stellen und sich dem Flecken zu entfernen/ in den Wald hinein ausreissen solten/ denen setzte mein Mann und was noch bey ihm war/ mit blosem Degen nach/ ja sie gaben auch Feuer drauf/ und jene hinwiederum/ doch gar nicht der Meynung je- mand zu treffen; das Bauers Volck entsetzte sich vor der bevorstehenden Blutvergießung/ wolte derowegen wieder nach Hauß/ wir aber verfolgten einander mit stetigem Schiessen/ biß tieff in Wald hinein/ worinn die Unsern alle Weg und Steg wusten; Jn Summa/ wir mar- chirten die gantze Nacht/ theilten am Morgen fruͤhe nicht allein unsere Beuthen/ sondern son- derten uns auch selbsten voneinander in gerin- gere Gesellschafften/ wordurch wir dann aller Gefahr/ und den Bauern mit unserer Beuth entgangen. Mit diesen Leuten habe ich gleichsam alle Winckel Europœ seithero unterschiedlichmal durch- durchstrichen und sehr viel Schelmenstuͤck und Diebsgriffe ersonnen/ angestellt/ und ins Werck gerichtet/ daß man ein gantz rieß Papier haben muͤste/ wann man solche alle miteinander be- schreiben wolte/ Ja ich glaube nicht/ daß man genug damit haͤtte; und eben dessentwegen habe ich mich mein Lebtag uͤber nichts mehrers ver- wundert/ als daß man uns in den Laͤndern gedultet/ Sintemahl wir weder Gott noch den Menschen nichts nuͤtzen noch zudienen begehren/ sondern uns nur mit Luͤgen/ Betriegen und Stehlen genaͤhret; beydes zu schaden des Land- Mans als der grossen Herren selbst/ denen wir manches stuͤck Wild verzehren; Jch mus aber hieꝛvon schweigen/ damit ich uns nicht selbst einẽ boͤsen Rauch mache/ uñ vermeine nunmehr ohne- das dem Simplicissimo zu ewigen Spott ge- nugsam geoffenbahrt zuhaben/ von waserley haaren seine Beyschlaͤfferin im Sauerbrunnen gewessen/ deren Er sich vor aller Welt so herr- lich geruͤhmet/ glaube auch wol daß Er an an- dern orthen mehr/ wann Er vermeint/ Er habe eines schoͤnen Frauen-Zimmers genossen/ mit dergleichen Frantzaͤsischen Huren: oder wohl gar mit Gabel-Reuͤterinnen betrogen: und also gar des Teuͤffels Schwager worden sey. Zu- Zugab des Autors. Darum dann nun Jhr zuͤchtige Juͤngling/ ihr ehrliche Wittwer und auch ihr verehlichte Maͤn- ner/ die ihr euch noch bißhero vor diesen gefaͤhr- lichen Chimeris vorgesehen/ denen schroͤcklichen Medusen entgangen/ die Ohren vor diesen ver- fluchten Sirenen verstopfft/ und diesen uner- gruͤndlichen und Bodenlosen Belidibus abge- sagt/ oder wenigst mit der Flucht widerstanden seyt/ lasset euch auch fuͤrterhin diese Lupas nicht bethoͤren/ dann einmal mehr als gewiß ist/ daß bey Huren-Lieb nichts anders zu gewarten/ als allerhand Unreinigkeit/ Schand/ Spott/ Ar- muth und Elend/ und was das meiste ist/ auch ein boͤß Gewissen; Da wird man erst gewahr/ aber zu spat/ was man an ihnen gehabt/ wie unstaͤtig/ wie schaͤndlich/ laussig/ gruͤndig/ un- rein/ stinckend/ beydes am Athem/ und am gan- tzen Leib/ wie sie inwendig so voll Frantzosen/ und auswendig voller Blattern gewesen/ daß man sich endlich dessen bey sich selbsten schaͤ- men muß/ und offtermals viel zu spat beklagt. ENDE. War- Warhafftige Ursach und kurtzge- faster Jnhalt dieses Tractaͤtleins. D Emnach die Ziegeunerin Courage aus Simplicissimi Lebens-Beschreibung lib. 5. cap. 6. vernimmt/ daß er ihrer mit schlechtem Lob gedenckt; wird sie dermassen uͤber ihn erbit- tert/ daß sie ihm zu Spott/ ihr selbsten aber zu eigner Schand/ (worum sie sich aber wenig be- kuͤmmert/ weil sie allererst unter den Ziegeunern aller Ehr und Tugend selbst abgesagt/) ihren ganzen liederlich-gefuͤhrten Lebens-Lauff an Tag gibt/ um vor der gantzen Welt gedachten Sim- plicissimum zu Schanden zu machen; weiln er sich mit einer so leichten Vettel/ wie sie sich eine zu seyn bekennet/ auch in Warheit eine gewesen/ zu besudeln kein Abscheuen getragen/ und noch darzu sich seiner Leichtfertigkeit und Boßheit be- ruͤhmet; massen daraus zu schliessen/ daß Gaul als Gur/ Bub als Hur/ und kein Theil um ein Haar besser sey/ als das ander; Reibet ihm dar- neben trefflich ein/ wie meisterlich sie ihn hingegen bezahlt/ und betro- gen habe.