D. Johann Gottlieb Gleditsch Koͤnigl. Preuß. Professors und ordentlichen Mitgliedes der Akad. der Wissensch. wie auch der Gesellschaft naturforschender Freunde, und vieler auswaͤrttgen Academien, vermischte botanische und oͤkonomische Abhandlungen, herausgegeben und mit einer Vorrede versehen von D. Karl Abraham Gerhard Koͤnigl. Preußischen Geheimen Ober-Finanz-Kriegs und Domainenrath. Zweiter Band. Berlin 1789 , bey Siegismund Friedrich Hesse und Compagnie. Inhalt . E rlaͤuternder Beytrag zu der in den aͤltesten Zeiten ganz verfaͤlschten Geschichte der Mandragora. S. 1 Zufaͤllige Gedanken uͤber die Befoͤrderung der an sich schon leichten und geschwinden Vermehrung des Faulbaums in unsern Forsten, zu oͤkonomischen Absichten. S. 45 Physikalisch-medicinische Bemerkung uͤber die Sa- badille. S. 57 )( 2 Kurze Kurze Nachricht von der Debreziner Erde, als ein Beytrag zur Erlaͤuterung der natuͤrlichen Geschichte des mi- neralischen feuerbestaͤndigen Laugensalzes. S. 78 Von der Pflanzung und Wartung des Holzes. S. 96 Kurze Erlaͤuterung eines mit Vortheil zu verbessern- den Hopfenbaues. S. 110 Gedanken uͤber die in etlichen Gegenden bey der klei- nen Viehwirthschaft abwechselnd gebraͤuchlichen Stallsutte- rung mit abgeschnittenem frischen Getreide. S. 119 Physikalisch-oͤkonomische Abhandlung von den Wiesen und deren Behandlung. S. 126 Kurze Anweisung zum Anbau der Baumwollenweide, und deren Pflege, nebst einem Unterrichte, wie die reife Wolle zum Nutzen der Fabriken davon ordentlich zu ge- winnen ist. S. 167 Bey- Beytrag zur natuͤrlichen oͤkonomischen und Arzeney- wissenschaft der Weiden. S. 194 Ausfuͤhrliche Instruktion fuͤr den Schlesischen Land- stand, wie sowohl der Wolletragende Weidenbaum anzu- bauen und zu pflegen; als auch wie dessen Wolle zu sam- meln, und zum Gebrauch zuzurichten sey. S. 209 Vom Anbau der Bienenzucht und ihrer Wartung. S. 207 Von der in einigen warmen Laͤndern noch gebraͤuch- lichen uralten Art, die heißen trocknen Sandfelder mit dem Kraute der weißen Lupinen zu duͤngen. S. 235 Kurze Geschichte des Schwaden- oder deutschen Man- nagrases. S. 244 Von den Schaaflecken. S. 252 Von Anwendung der Witterungsbeobachtungen bey der Ackerwirthschaft. S. 258 )( 3 Beschrei- Beschreibung der Stammraupe. S. 264 Kurze Anweisung zu den geschwindesten Rettungsmit- teln, durch welche man den aus dem Wasser gezogenen Verungluͤckten am sichersten zu Huͤlfe kommen kann. S. 290 Erlaͤu- Erlaͤuternder Beytrag zu der in den aͤltesten Zeiten ganz verfaͤlschten Geschichte der Mandragora. D er griechische Name Mandragora oder Man- dragoras , nebst der damit verbundenen deutschen Benennung Alraune ( Alruna ) zeigen ganz von einan- der verschiedene Dinge an, mit denen eine ganz of- fenbare Verwechslung vorgegangen ist. Wie nun aber jede Sache nach ihrer richtigen Bestimmung ihren eigenen Namen haben sollte und muͤßte, so findet sich hier vielmehr das Gegentheil. Denn man hat sie aus Unwissenheit, oder auch zum Theil A mit mit einigen Vorsatze zu besondern Absichten mit ein- ander zu verwechseln gut gefunden, welches die Nachlaͤßigkeit noch mehr beguͤnstiget hat. Durch den Aberglauben bey einigen alten beruͤhm- ten morgenlaͤndischen Voͤlkern ist dieser Irrthum mit andern zugleich unterhalten, und nach den Abendlaͤndern fortgepflanzt worden, wo ihn gewisse Arten von Leuten eine geraume Zeit beyzubehalten recht zutraͤglich gefunden haben. Mandragora selbst hat zwar von jeher und bis zu unsern Zeiten einen wohlbestimmten oder doch leicht zu bestimmenden Naturkoͤrper aus dem Pflan- zenreiche bedeutet, man hat diesen bey den Grie- chen und Roͤmern gekannt, aber nur sehr unvoll- kommen und gleichsam schwankend beschrieben. Durch den unter den Juden, Heyden und Christen herrschenden Aberglauben hingegen sind die Namen, Eigenschaften, Wirkungen, Gebrauch und Nachrichten von der Dudaim , der Baaras , und der in gar verschiedenen Verstande zu nehmenden Al- raunen mit den von der Mandragora verwechselt worden, wodurch man eine so große Verwirrung angerichtet, daß auch die gelehrtesten Sprachver- staͤndigen und Ausleger alter Schriften jener und dieser Zeiten, aus Mangel an Kenntnissen in der Naturgeschichte, nichts vortheilhaftes dagegen aus- richten koͤnnen. Indessen zeigen sich unter dem di- cken Nebel der zerstuͤmmelten Nachrichten und Menge der Erdichtungen doch immer einzelne Spu- ren ren von Wahrheiten, die unsere natuͤrliche Man- dragora außer allen Zweifel setzen, und von allen andern voͤllig erdichteten Mandragoren deutlich unterscheiden. Die letztern waren ohnehin von ei- ner so widersinnigen Beschaffenheit, daß der aller- maͤßigste Verstand an ihren Daseyn zweifeln konnte. Doch verliert sich beynahe alle Untersuchung in der Dunkelheit der allerersten oder doch sehr entfernten Zeiten. Glauben darf man indessen keinesweges, als ob alles dasjenige, was von so verschiedenen Schriftstellern in ganz verschiedener Absicht, in den auf einander folgenden Zeitaltern, von nur besagten Umstaͤnden aufgezeichnet worden, durchgehends gleichen Eingang gefunden habe, daß man die An- haͤufung von den aberglaͤubischen auch damit ab- wechselnden philologischen Verwirrungen nicht viel- mehr vorlaͤngst, sogar unter den arabischen und etli- chen andern morgenlaͤndischen Naturkundigern, Aerzten und Geschichtschreibern angemerkt, auch zum Theil, nach Auswahl des einzelnen noch darin- nen sehr versteckten brauchbaren Guten, als falsch und ungereimt oͤffentlich verworfen haben sollte, obschon die Unvernunft, wie gewoͤhnlich, bey der damaligen gemeinen Welt, noch immer die Ober- hand behalten hat. Die Ueberbleibsel von allen diesen bestaͤtigen sich durch die Geschichte, daß man davon mit Wahrheit sagen kann, es sey fast etwas uͤberaus seltenes, unter den theologischen, medici- nischen, philologisch-kritischen und uͤbrigen ausle- A 2 genden genden Schriftstellern gewisser Zeitpunkte, da, wenn sie auf die Mandragoram zu kommen Gelegenheit gefunden, nicht zugleich von ihrer erdichteten Eigen- schaft und unerlaubten Gebrauche bey den alten beruͤhmten Voͤlkern Meldung haͤtten thun sollen. Durch bessere Bestimmung des der Mandragora gegebenen Namens, naͤmlich Alraune , oder die Veraͤnderung in die Benennung von Alraunen- Wurzel , das ist, die von den alten Alraunen , als verschiedenen Arten von Wahrsagern, bey den alten Voͤlkern zu allerhand aberglaͤubischen Handlungen in Gebrauch gewesener Wurzel der Mandragora , wuͤrde besagten Irrungen und manchen daraus weiter entstandenen Erdichtungen schon einigermaßen ha- ben abgeholfen worden seyn, anstatt, daß sich die Geschichte mit so vielen ganz uͤbertriebenen und wi- dersinnigen Erzaͤhlungen aufgehalten, welche sonst an- derweit von der Baarus Wurzel gegolten, und so gar die Dudaim der Hebraͤer mit in ihren Cirkel ge- zogen haben. Von allen diesen unterscheidender zu reden und mit mehrerer Zuverlaͤssigkeit urtheilen zu koͤnnen, muß man die eigentliche natuͤrliche ganze Mandra- gora Pflanze zu untersuchen vornehmen. Dieses wird uns ins Gewaͤchsreich, auf ihre Theile, Eigen- schaften, Produkte und Anwendung fuͤhren: der derselben von Alters her gegebene Name Alraune hingegen auf gewisse Personen, Handlungen, Ge- braͤuche und die Anwendung der Wurzel dieser Pflan- ze ze zuruͤcke bringen, daß wir uns zuletzt in der Ge- schichte der aller entferntesten Zeiten, in Ceremonien, Muthmaßungen, Erdichtungen und Aberglauben voͤl- lig verliehren wuͤrden. Zuletzt koͤnnte uns kaum nach allen muͤhsamen Untersuchungen mehr uͤbrig seyn, als daß wir ausgemacht, die Mandragora - Wurzel befinde sich auch unter denjenigen rohen Ma- terialien aus denen ehedem, wie aus Glas, Steinen, Erden, Metallen, Knochen, Hoͤrnern, Zaͤhnen, Muscheln und Korallen oder auch Wurzeln und Holz- arten und dergleichen, allerhand gegossene und ge- schnitzte Zauberbilder und Amulete von der aben- theuerlichsten Gestalt gemacht wurden, um eines Vortheils halber den aberglaͤubischen Poͤbel da- mit zu betruͤgen. Bey dieser Gelegenheit wuͤrde man sehr tief in das Alterthum zuruͤcke kommen und darin auf eine Menge oder ganze Familien von be- truͤgerischen Priestern, Priesterinnen, Prophetin- nen, Wahrsager, Sybillen, weise Frauen, Gauk- ler, Zauberer und allerhand von dergleichen viel- wissenden, murmelnden Zigeuner-Hexen- und al- ten Weibergesindel gerathen, welche diese ihre ge- heime Nahrungswissenschaft schon von ihren Vor- fahren ererbet, nach welcher sie recht meisterhaft verstunden, die ganze Poͤbelwelt zu hintergehen, bey ihrem Aberglauben zu erhalten, und sich dadurch von lauter Betrug zu ernaͤhren; wovon weiter un- ten etliche Beyspiele so kurz als moͤglich beygebracht werden sollen, da man Zeit und Arbeit nuͤtzlichern A 3 Ge- Geschaͤften widmen kann, als einer fabelhaften zu weit ausgedehnten Alraunengeschichte . Da aber bey aller der Dunkelheit und der aberglaͤubischen Nachrichten in denselben doch einzelne Spuren von Wahrheit zur Anwendung gefunden werden, und man die eigentliche Beschaffenheit der Schrift- steller aus den ersten und aͤltesten Zeitaltern unter den nach und nach bekannt gewordenen Voͤlkerschaf- ten gleichsam aus dem rechten Gesichtspunkte be- trachten soll, so wird man von ihnen wegen ihres damahligen Zustandes kaum etwas beßeres verlan- gen. Die Abendlaͤnder, in welchen Kuͤnste und Wissenschaften viel spaͤter aufzukeimen angefangen, haben auf die Ruinen der erstern gebauet, und ih- ren Grundstoff daher erhalten, und bald recht, bald schlechter angewendet. Da also Kuͤnste und Wis- senschaften bey beyden sich noch sehr lange in ihrer Kindheit befunden, so wird wohl die Strenge der Beurtheilung hieruͤber von selbst wegfallen. Was man dabey so, wie in aͤhnlichen Faͤllen, thun kann, ist dieses, daß man vor allen Dingen die so sehr ein- zelnen und einzeln eingestreuten Wahrheitsspuren aus einem weit uͤberwiegenden Gemenge von Un- wissenheit und Dunkelheit vorsichtig abzusondern, und das Wesentliche der Sachen aus dem verwor- renen Gewebe der vielen Ausleger und deren Mit- genossen zu entwickeln versuche. Es muͤssen sich alsdenn die so tief versteckten und zum Theil ganz verstellten Wahrheiten in ihrer wahren Gestalt von selbst selbst offenbaren. Ob es nun zwar sehr oft sein Be- wenden bey dem bloßen Nachspuͤren des Ursprungs einer bloß historischen Wahrheit oder Unwahrheit haben wuͤrde, als daß uns eine Widerlegung von offenbaren Ungereimtheiten von sonderlichen Nutzen seyn koͤnnte, so wuͤrde sich dennoch zur Ehre der Wahrheit noch manches entwickeln. Das uͤbrige muͤßte man unter diejenigen Umstaͤnde bringen, von denen man aufrichtig wuͤnschet, daß es besser waͤre, wenn sie niemahls bekannt geworden. Um nun den Weg zu bahnen, durch welchen wir dem Haupt- zweck uns mehr zu naͤhern gedenken, wird hier vor das erste auszumachen seyn, was nun mit Einver- staͤndniß aller Sachverstaͤndigen die wahre oder na- tuͤrliche Mandragorapflanze sey, welche diese ge- nannte Alraunenwurzel hervorbringe, die die al- ten, mittlern und neuern Schriftsteller, nach den Gruͤnden der Naturgeschichte und Arzeneywissen- schaft, unter diesem Namen bestimmt haben, und deren Aepfel und Wurzeln eigentlich diejenigen Theile sind, die durch den theils unerlaubten theils aberglaͤubischen Gebrauch ihre Pflanze so beruͤhmt und merkwuͤrdig gemacht. Was hernach die Menge der in aͤltern Zeiten damit verbundenen un- gereimten Begriffe, Namen- und Sachenverwechs- lungen anlanget, so werden sich diese davon von selbst deutlich genug unterscheiden, und daraus her- vorgehen, daß unter den ganz verschiedenen vielen Dingen, die den Namen Alraune ( Alruna ) gefuͤh- A 4 ret, ret, nur eine die rechte sey; daß auch selbst der Name von denjenigen Personen die diese Frucht oder Wurzeln gebraucht haben, und Alraunen , Alruni und Alrunae genennet wurden, diesen Thei- len der Mandragorapflanze mit Unrecht gegeben worden sey. Die Meynungen der blos Sprach- verstaͤndigen Ausleger, die sich in die Geschichte uͤberall eingeschlichen, koͤnnen alsdenn gegen mehr bestimmende wissenschaftliche Gruͤnde nichts ver- moͤgen. Es wird sich auch alsdenn ein neuer Ausweg finden, durch welchen wir die voͤllig und widersinnig erdichtete Baaraswurzel beym Josepho , deren auch der beruͤhmte Conrad Gesner , in seiner Ab- handlung de raris et admirandis herbis noctu lu- centibus, Meldung gethan, aus der Geschichte der Mandragorapflanze auszustreichen, deren Ver- wechslung der letztern so viele Schande gemacht und etliche Schriftsteller verleitet hat, aus dieser so un- reinen Quelle zu schoͤpfen. Es wird sich auch die Dudaim des Moses, Ruben , der Rahel , des Sa- lomonis , gegen die Meynung der 70 Dollmet- scher und die Fabeln der neuern Rabinen und an- derer blos philologischer Ausleger, alsdenn mit meh- rerer Gruͤndlichkeit beurtheilen lassen. Wie denn auch noch mehrere sehr uͤbel gegruͤndete Muthma- ßungen, die die Mandragora mit der Dudaim der Hebraͤer vor einerley ausgeben, mit allen vor Dudaim gehaltenen Blumen, Fruͤchten, Wurzeln, Saa- Scamen und Erdschwaͤmmen, oder daraus zuberei- teten erhitzenden, berauschenden und schlafmachenden Liebes- und Zauberprodukten, und Arzeneyen, mit den erdachten Fruchtkoͤrben von selbst wegfallen muͤssen, welchen letztern weiter nichts zuzusetzen fehlen moͤchte, als die quinque sata polentae welche ein Pa- schius gar vor Saͤcke voll Koffeebohnen gehalten wissen will, mit welchen Geschenke die Abigail den erzuͤrnten Koͤnig David zu besaͤnftigen gesucht ha- ben soll. Die wahre Mandragora , ist nach allen natuͤrlichen Geschlechtskennzeichen und alten und neuen historischen Nachrichten noch jetzo eben die- selbe, vor die sie der wesentlichen Beschaffenheit nach ausgegeben worden und werden kann. Von dieser Pflanze, welche in den Linnaͤischen Schriften den Namen Atropa Mandragora fuͤhret, ist schon beym Dioscorides in Mat. Med. Lib. VII. Cap . 75. Nachricht zu finden, in welcher 3 Geschlechtsarten angefuͤhrt werden. Theophrast hat die Aropam Belladonnam vor die rechte gehalten, Plinius aber in Hist. Nat. Lib 25. cap . 13. beyderley offenbar verwechselt, daß also der Grund der Irrungen in der alten Geschichte der Mandragora , insgemein aber doch eines Theils hierinnen, befindlich ist. Sonst hat es mit der Mandragora nigra und alba dieser Alten wenig zu bedeuten. Der beruͤhmte Tournefort fuͤhret Mandragoram nnd Belladonnam in zwey verschiedenen Geschlechtern auf, welchen A 5 ich ich deshalb so wie dem Herrn von Haller nicht voͤl- lig widersprechen kann. Herr v. Linné hat beyde unter ein Pflanzengeschlecht zusammen gebracht, dem er den Namen Atropa von einer der 3 unerbitt- lichen Parzen nach folgenden Kennzeichen gegeben: die Wurzel und Frucht aber sind nur von der ersten allein, nehmlich der Atropa Mandragora , zu aller- hand alraunischen Kuͤnsten und Handlungen ge- braucht worden. Die davon angenommenen Ge- schlechtskennzeichen sind folgende: Atropa Linn . Gen. Plant. ed. VI. pag. 99. No. 249. Cal. Perianthium monophyllum, quinque parti- tum, gibbum persistens, laciniis acutis. Coroll . monopetala campanulata calyce ampliori hypocarpia; Limbus ventricosus, ore patu- lo quinquefido, plus minus aequali; Tubus brevissimus. Stam . quinque scubulata, basi corollae inserta et in fundo ferme conniventia, fuperne ex- trorsum divergentia arcuata. Antherae cras- siusculae essurgentes. Pistill. Germen semiovatum. Stylus filisormis, longitudine staminum. Stigma capitatum assurgens. Pericarp. Bacca magna globosa, calyce incre- scente imposita. Sem . plurima reniformia. Die Die neuern Pflanzenlehrer zaͤhlen zwar gegen- waͤrtig schon 3 Gattungen der Atropa , wenn sie den gegebenen Charakter des Linnei folgen, dagegen aber aus der Struktur der Blumen und Fruͤchte mit Grund noch etwas erinnert werden kann. Die- jenige, die ich hier zu erklaͤren die Absicht habe, und die die erste ist, von welcher nur gegen- waͤrtig gehandelt wird, fuͤhret die Kennzeichen der Mandragora , welche Tournefort davon an- genommen hat. Ihre Abaͤnderungen ( varietates ) sind nur wenige, von welchen man, wegen der Ge- stalt und Groͤße der Blaͤtter und Fruͤchte, Blumen und Farbe, auch selbst der Wurzel, bey den Alten Spuren findet, wenn man nur die aberglaͤubischen Erdichtungen davon absondert. Tournefort nen- net sie in Inst. R. Hb. p. 12. und thut im Coroll. noch etliche hinzu, die er in der Levante selbst gefun- den; von diesen letztern zeige ich die betraͤchtlichsten hier gleichfalls an. Die gemeine, von Seiten der Natur- und Arzeneygeschichte aber sehr merk- wuͤrdige Pflanze ist die Mandragora der Alten, und zwar 1) Atropa ( Mandragora ) caulis, scapis unifloris . Linn. Sp. Pl. ed. 2. p. 457. Mandragora . Dodon Pempt. 457. Mandragora fructu rotundo. C. Bauhin. Pin. 169. et officin. Alraunenwurzel, Schlafapfel. Den Den deutschen Namen Alraune oder Alrun- ke sondern wir mit Vorbedacht ab, weil er nach Maßgabe der Geschichte theils gewissen Personen, theils besondern aus der Wurzel verfertigten Bil- dern, oder auch andern Dingen gegeben worden ist. Hierher gehoͤren noch manche aus der Geschichte wohl bekannte, zum Theil aberglaͤubische und er- dichtete Namen, welche bald unsere Mandragora anzeigen sollen, bald einige Beziehung auf diese haben. Viele bestehen nur in der Einbildung, oh- ne daß man daruͤber besondere Anmerkungen ma- chen duͤrfte. Dergleichen sind vor andern Mandra- gora masc. et foemina , mit folgenden wenig bestimmten Arten, als: Hippomoron, Mozion, Morion , s. Fatuel- la, Circea, Xeranthe, Antimion, Aloete, Archine und Tridacia, Hippophlomon und Iabora oder Iabruach , vom Geruch eines Schafstalles oder Bocks, auch mehrere unter den Morgenlaͤndern ehedem gebraͤuch- lich gewesen, und endlich Alruna et Alrunula. Bod. a Stapel . fuͤhrt in seinem Commentar. in Theopra- stum einen alten nordlichdeutschen Namen der Wurzel an, nehmlich Manntragen , virigena s. hominifera welche nach dessen Meynung recht viel bedeutend seyn, und zu Unterstuͤtzung der alten aber- glaͤubischen Geschichte etwas beytragen soll. Alber- tus Magnus , welchen man seiner bekannten Be- schaffenheit wegen gar wohl vorbey gehen koͤnn- te, hat sich sogar eingebildet, das natuͤrliche Zei- chen des maͤnnlichen und weiblichen Geschlech- tes tes selbst deutlich an der Mandragorawurzel zu sehen. Die irrige Benennung der Mandragora Wur- zel durch den Namen Alraunen bringet uns im Vor- beygehen zu einer kurzen Betrachtung etlicher damit ehedem verbundenen Nachrichten aus der Geschich- te. Wir finden Alrunos et Alrunas Alerunas, Aliorunas et Ahorumnas, Alirunas et Halirunos Alraunen und Alraunen, Alrunen und Alrunken , von welchen allen weitlaͤuftig zu handeln weder die Zeit noch der Ort ist. Unter besagten Namen kom- men in der alten deutschen auch uͤbrigen Geschichte gewisse Priester und Priesterinnen vor, die außerdem, daß sie in den Tempel und Haynen ihre gottesdienst- lichen Handlungen abwarteten, auch zugleich die Wahrsagereyen und Prophezeyungen trieben, und sich durch Ausuͤbung allerhand geheimer und magi- scher Kuͤnste, Ruhm und Vortheile erworben. Diese verstanden die Kunst, den leichtglaͤubigen Poͤbel in seiner Unwissenheit und beym Aberglauben so mei- sterhaft zu erhalten, daß er ihnen eine fast goͤttliche Kraft des Verstandes und die allertiefsten Einsich- ten zuschrieb. Unter den vielerley Kleinigkeiten, deren sie sich als Mittel bedienten, ihre scheinheiligen und gewinnsuͤchtigen Absichten zu befoͤrdern, gehoͤ- reten die kleine aus Metall, Glas, Steinen, Hoͤl- zern und Wurzeln verfertigten Gestalten und Bilder, deren sie sich zum Schein selbst bedienten, sie vor ge- heime Oracul ausgaben, ihnen ganz außerordent- lich lich magische Kraͤfte zuschrieben, und sie aufdas sorg- faͤltigste verwahrten. Dadurch brachten sie den Poͤ- bel dahin, daß er dergleichen Bilder, die sie unteran- dern aus den Wurzeln der Mandragora kuͤnstlich verfertigten, davor annahm, vor was sie bey ihm eigentlich gelten solten. Diese Priester und Priesterinnen hießen Haliruni, Alirunae etc. und die magischen Bilder imagunculae Alrunicae, im deutschen, Alrauen, Alruͤniken; von welcher wir weiter unten etliche Beyspiele anzeigen werden, von ihrer Geschichte aber eine weitere Untersuchung aus- gesetzet seyn laßen. Es hat aber fast zu aller Zeit unter mancherley Voͤlkern noch andere Arten solcher Leute genug gege- ben, die ohne einen gewissen Siz zu haben und prie- sterliche Aemter zu bekleiden, besonders verwogene Weiber, welche die Geschichte vetulas divinatrices et sagas s. omni sapientia plenas, praestigiatrices va- tidicas , et, ut credebatur, cum ipso diabolo murmur an- tes, circum foraneas atque sylvestres nennet, und mit den herumziehenden Zigeunervolke die groͤßte Aehn- lichkeit haben. Der Poͤbel schenkte beyderley sein Zutrauen, bezeigte sich aber gegen die letztern weit furchtsamer. Gewisse Arten dieses weiblichen Ab- schaumes waren hin und wieder unter den Namen der klugen oder weisen Frauen bekannt, sie be- reiteten bey ihrer Wahrsagerey allerhand schaͤdliche verbothene und erhitzende Arzeneyen zu Liebeswerken, und bedienten sich der Mandragorawurzel dazu, wobey wobey sie die unfruchtbaren Weiber verfuͤhrten und ihnen einbildeten, daß sie bey dem Gebrauche ihrer Arzeneyen schwanger werden sollten: außer noch vie- len andern Ausschweifungen, um welcher willen sie bey keiner guten Einrichtung geduldet werden konn- ten. Dergleichen menschliche Scheusaale sollen sich nach des Jornades Zeugnissen de rebus Gericis Cap. 24. ehemals haͤufig unter dem Volke des Gothischen Koͤniges Philimer befunden haben. Die Geschichte sagt, daß weil sie bey der Untersuchung verdaͤchtig befunden worden, er dieses Gesindel von der Armee verjagt, und in die Wuͤsteneyen zusammen bringen lassen, wie die Zigeuner. Die Fabelgeschichte aber hat von diesem Gesindel, durch Vermischung mit den boͤsen Geistern, das so maͤchtige Volk der Hun- nen entstehen lassen. Diese und mehrere Umstaͤn- de, die den Namen von Alraunen betreffen, bey Seite gesetzt, so wird uns die Beschreibung einer natuͤrlichen und blos zu aberglaͤubischen Absichten mißbrauchten Mandragora und deren Fruͤchte und Wurzel in der Geschichte ein mehreres Licht geben, wovon sich in dem Zustande, in welchen sie als ein fremdes Gewaͤchs in unsern Gaͤrten unterhalten wird, folgende zuverlaͤßigere Umstaͤnde anfuͤhren lassen. Diese Pflanze gehoͤret unter die bestaͤndigen, die wir niedrige Staudengewaͤchse nennen. Ihre 4 bis 5 Finger starke und, im Verhaͤltnisse gegen das uͤbrige Kraut, sehr große, einen auch fast 2 Fuß lan- ge ge fleischige Wurzel, welche einen heftigen, schwe- ren, widrigen narcotischen Geruch hat, wenn sie in ihrem rechten Boden bey voller Kraft ist, wird beym Avicenna Jabrual genennet. Die aͤußerliche Farbe ihrer dicken Rinde ist bald dunkel-schwarz- oder hellbraun, bald eisenfaͤrbig. Sie hat sehr ein- zelne feine und weiche Haarfasern, zumahl an bey- den aͤußersten Spitzen ihres starken tief- und zwey- spaltigen Koͤrpers oder Hauptstuͤcks. Wegen die- ser Abtheilung oder tiefen Spalte der Hauptwurzel, welche oͤfters fast bis auf die Haͤlfte gehet, ob sie schon zuweilen auch 3 Abtheilungen hat, ist ihre Gestalt vielen Menschen so besonders vorgekommen, welches vielleicht seltener geschehen seyn wuͤrde, wenn sie unser zuweilen sehr fehlerhaft gewordenes Wurzelwerk fleißiger betrachtet haͤtten. Denn wie oft theilet sich nicht die Wurzel der Ruͤben und anderer Pflanzen dergestalt in 2 Theile, daß sie tiefgespaltene und mehr oder weniger uͤbereinander gelegte oder et- was geschlungene Schenkel und Fuͤße vorstellen, wozu eine verderbte Einbildungskraft leicht den Unterleib eines nackenden Menschen und noch mehr daran finden kann, doch ohne Kopf und Arme, wenig- stens hoͤchst selten, wie es doch in den kuͤnstlich ge- schnittenen Alraunenwurzeln gar zu oft vorgestel- let wird. Rinde, nebst dem weißen Kern der Wurzel, sind sehr saftreich, und bekommen deshalb gar leicht Faulflecke, ob sie sonst schon im guten, lockern, fet- ten, ten, gemaͤßigt feuchten Boden dauerhaft genug sind, und bald zunehmen. Die Strenge unserer gemeinen Winter haͤlt sie nur aus, wenn sie gleich nach dem ersten Froste gut bedecket wird. Die Blaͤtter, welche auf der Spitze des Wur- zelknotens einen Busch bilden, kommen schon in den ersten Fruͤhlingstagen, ohne einen besondern Stengel oder Strunk, auf geraden Stielen hervor, und leiden zuweilen von den Nachtfroͤsten. An- faͤnglich sind sie bis zur Bluͤthe klein und gedrunge- ner, sie wachsen aber hernach bey dem Verbluͤhen der Blumen dermaßen, daß sie die Frucht verber- gen. Bey ihrem guten und fetten Wachsthume erhalten sie das Ansehen eines jungen Spinats oder auch einer recht dunkelgruͤnen Bete ( Beta ), da sie zumahl, bey ihrer allmaͤhligen Entwickelung, einen ausgeschweiften gekraußten Rand und staͤrkere Rip- pen bekommen. Ihr heftiger und widriger Ge- ruch, der denjenigen sehr aͤhnlich ist, welchen wir von der frischen Wurzel schon angezeigt ha- ben, verlieret sich nach dem Abtrocknen bey allen beyden. Was die zahlreichen Blumen betrift, so sind deren immer mehrere, als sie Fruͤchte bey uns nach- lassen, und stehen innerhalb der Blaͤtter auf ihren besondern, einzelnen, kurzen und geraden Stielen aufrecht. Sie brechen im May, aber auch schon im April aus, und verbluͤhen bey warmen Wetter gar bald. Sie sind glockenfoͤrmig, aͤußerlich etwas Botan. Abhdl. II. B. B rauch rauch, und dunkelblau, mit einer 5theiligen Muͤn- dung ( ore ), und fuͤhren unten auf dem Grunde einen großen druͤsenhaften Honigring. Der Kelch, wel- cher weit kuͤrzer ist, nimmt nach der Bluͤthe sehr sichtlich zu. Ob diese Blumenzwiebeln bey anhal- tenden warmen Herbste zum zweytenmahl in einem Jahre bluͤhen, wie einige melden, habe ich noch nicht erfahren. Die fleischigten Fruͤchte, die man oͤfters Aepfel auch Schlafaͤpfel nennet, haben die Groͤße und Gestalt eines kleinen Holzapfels , und werden in den Sommermonaten reif, wenn die Blaͤtter unter- dessen vergangen sind. Sie sind glatt, dunkler oder helle gelb, und haben bey ihren aͤußerlichen sehr guten Ansehen, wenn man sie zumahl in den Stuben recht reifen und etwas muͤrbe werden laͤßt, einen uͤberaus starken, angenehmen, erquickenden, und den Quitten ziemlich aͤhnlichen Geruch. Die- ser aber nimmt das Haupt unvermerkt ein, er wird nach und nach schwerer, und zuletzt unertraͤglich. Die Schale der Frucht ist dicke, und man findet, beym Durchschneiden derselben in der Quere, einen einfachen Ring von großen Saamenkoͤrnern. Brin- get man diese nierenfoͤrmige Saamen sogleich aus der frischen saftigen Frucht in die Erde, ohne sie auszumachen, lange zu trocknen, oder aufzuheben, so kann man bald davon einen starken Zuwachs im Garten haben; welches mit Dephinio Staphiriagra wie mit mehrern schwerer, spaͤter, auch wohl sehr schlecht schlecht von statten gehet, wenn man sich auf die trocken uͤberschickte Saamen verlaͤßt. Mit dem Verpflanzen hingegen muß man bey uns vorsichtig und sparsam seyn, weil die Wurzel leicht anstoͤßig wird, und zur Faͤulniß geneigt ist. Der natuͤrliche Standort der Mandragora- pflanze in Europa und Asien ist bekannt genug. Es findet sich dieselbe in Spanien, etlichen mittaͤglichen Theilen von Frankreich und in Italien, besonders in Apulien, sonst aber weiter auf den cycladischen Inseln, auf Pharos, Candia und andern. Nach Angabe des Herrn von Hallers waͤchset sie auch in etlichen Gegenden der Schweiz, in Monte generoso , bey Chenal und bey Chatelin . Sonst haben sie auch die Morgenlaͤnder selbst aufzuweisen. Die Alten verschaften sich die Pflanze daher, wie die Roͤmer besonders aus Griechenland, nur daß sie von ihnen zu dunkel und unvollkommen beschrieben ist, daß man sie leicht mit mehrern verwechseln kann. Sie liebet indessen in waldigen Gebirgen, und deren Ab- haͤngen gegen die Wasser, warme aber doch schat- tige mit Lauberde bedeckte Gegenden, welcher letztere Umstand sich mit dem Clima mehr oder weniger ver- aͤndert. Vom Geruche der Wurzel, Blaͤtter und Fruͤchten der Mandragora ist schon gesagt, daß er widrig, durchdringend und berauschend sey, bey der reifen Frucht hingegen angenehmer und quittenar- tig, dabey sey er doch betruͤglich, und nehme den B 2 Kopf Kopf ein. Was den Geschmack betrift, so zeigeter, vornehmlich in der bey den Aerzten ehedem stark im Gebrauch gewesenen reifen Wurzel, etwas widri- ges mit einiger Bitterkeit, Schaͤrfe, auch etwas von einer zusammenziehenden Eigenschaft. Kraft und Wirkungsart wuͤrden von der frischen und trocknen Pflanze leicht zu erweisen seyn, wenn hier unsern Zweck gemaͤß waͤre, theils von dem Arzeneygebrau- che, theils von der unerlaubten Anwendung der Mandragora zu handeln, wie es schon vor uns von andern beruͤhmten Naturforschern und Aerzten oft genug geschehen ist. Wir haͤtten dazu nicht nur die chemischen Zerlegungen, sondern auch praktische Erfahrungen und Zeugnisse von allerley Zeitaltern vor uns. Denn die frische Pflanze bringet grad- weise und nach einer verschiedenen Heftigkeit alle die bekannten narcotischen berauschenden, und dar- auf folgenden erschlaffenden, schlafmachenden Wir- kungen, nach dem jedesmahligen Zustande eines je- den menschlichen Koͤrpers, insbesondere hervor, welche von andern dergleichen Mitteln zu entstehen pflegen. Der fluͤchtige Hauptbestandtheil dieser narcotischen Mandragora maͤßiget sich bey dem Trocknen derselben, und beym Destilliren gehet der- selbe mit dem Wasser uͤber. Der Geschmack ver- mindert sich gleichfalls, da er in der frischen Wur- zel etwas scharf ist, und von der bereits davon kurz vorher angegebenen Beschaffenheit. Ob nun schon die Aerzte aͤlterer Zeiten von der Mandrogora einen einen staͤrkern Gebrauch gemacht, so wie Aber- glaube und Gewinnsucht einen starken Misbrauch; so haben doch die neuern Aerzte, wegen anwachsen- der Menge theils besserer Mittel, ihn weit seltener unter den Arzeneyen verordnet, und nun beynahe ganz vergessen. Die Alten standen, vor der Entdeckung und rechten Anwendung der vernuͤnftigen physikalisch- chymischen Gruͤnde bey dem Arzeneywesen, und aus einem besondern Misverstande, groͤßtentheils in den Gedanken, daß diese damahls, als eine ihrer nar- kotischen, oder berauschenden, betaͤubenden, schmerz- stillenden und unempfindlich machenden Eigenschaft halber, gebraͤuchliche Arzeney eine sehr kuͤhlende Na- tur habe und daher eine erschlaffende und schlaf- machende Wirkung erweise. Die neuern vernunft- maͤßiger handelnden Aerzte haben aus physikalisch- chymischen und medicinisch-praktischen Gruͤnden, und den aus der natuͤrlichen Grundmischung des Opii und anderer aͤhnlichen narcotischen Mittel entsprin- genden Eigenschaften und ihrer Wirkungsart, die dabey obwaltenden Zweifel gehoben, daß uns die davon herkommenden und nach den verschiedenen Zustande des menschlichen Koͤrpers abwechselnde Veraͤnderungen oder Wirkungen in denselben deut- licher und verstaͤndlicher geworden sind. Nur hat man von den Kraͤften und Wirkungen der ganz fri- schen Mandragorawurzeln , Blaͤtter, Fruͤchte und Saamen anders zu urtheilen, als wenn sie bereits B 3 durch durch Trocknen, Kochen, Zusaͤtze, und andere Mit- tel veraͤndert oder zubereitet worden sind, indem man sich zu erinnern hat, daß besagte Theile der Pflanze in ihrem frischen Zustande, außer dem nar- cotischen Wesen, noch eine besondere Schaͤrfe zeigen, die sich laut Erfahrung durch ein starkes Brechen und Purgiren aͤußert. Das, was indessen zur Bestimmung der Man- dragora im vorhergehenden angefuͤhret worden, ist hinreichend genug, dieselbe von allen uͤbrigen erdich- teten und den Alraunenbildern selbst zu unterschei- den. Auf diejenigen uralten Traditionen muß man indessen sehr aufmerksam seyn, wodurch die wahren Umstaͤnde einer natuͤrlichen Mandragora von jeher so besonders verdunkelt und ihre alte Naturge- schichte so ausnehmend verunstaltet worden, daß so gar eine Mandragora hominiformis mit einer großen Menge von imagunculis alraunicis zum Vorschein ge- kommen sind. Abgekuͤrzte und von andern noch dazu verstuͤmmelte Nachrichten, dergleichen unter andern nur einzeln auch ohne weitere Verbindung gleichsam aus der Geschichte des alten juͤdischen Volkes genommen worden, haben zu weitern Mis- verstaͤndnissen Gelegenheit gegeben, daß e. g. die Dudaim des Moses, Ruben , der Rahel oder auch des Salomons , wie sie verschiedentlich genennet wird, mit unserer vorbeschriebenen Mandragora einerley sey, ohngeachtet Moses deshalben im Grund- Grundtexte weiter nichts bestimmendes anzugeben vor noͤthig erachtet. Man schrieb derselben eine erhitzende auch schlafmachende, dabey aber zum Beyschlafreizende, und befruchtende Eigenschaft bey Menschen und Thieren zu, und da man nach dem wahren Sinne desselben Grundtextes Spuren ohne Widerspruch darinnen gefunden zu haben vermeinte, so legten Auslegungen und willkuͤhrliche Meynun- gen in nachfolgenden Zeiten, in Ermanglung einer wahren auf Kenntnisse beruhende Geschichte, den Grund zu allerhand abentheuerlichen Erdichtungen unter den ehedem sehr beruͤhmten morgen- und abendlaͤndischen Voͤlkern, und zu machen ganz un- erlaubten zum Theil vergeblichen Anwendungen der Mandragora; die wenigen Spuren von Wahrheit kamen deshalb ganz verdunkelt bis auf unsere Zei- ten, und Dudaim blieb ohne weitere Untersuchung auf Treu und Glauben unsere Mandragora , weil man beyderley zu wenig oder gar nicht kannte, und sich die davon angegebenen Kennzeichen auf viele zum Theil ganz verschiedene Gewaͤchse und deren Produkte paßten. Es ergiebt sich dieses unter andern daraus sehr deutlich, weil man die ersten bald vor Fructus Mori, Rubi, Fragorum, Ficus, Ananas, Mali insanae, Zyziphi, Hali cacabi , bald vor die Frucht von der Musa paradi- siaca Linn. oder auch Melonis persici parvi odoratissi- mi, Dudaim dicti ausgab, und zuletzt gar vor Truͤffeln, Jasmin- oder Violenblumen gehalten wissen wollte. B 4 Etli- Etliche gelehrte Ausleger, die dieser Sache der Wuͤrkung halber genauer nachgedacht zu haben glaub- ten, gaben vor, daß unter dem Namen der Dudaim waͤren allerhand ertzitzende, berauschende und zum Beyschlaf reizende zubereitete Dinge, Philtra und dergleichen verstanden worden, und verbanden da- mit die Frucht und Wurzel von der Mandragora , zumahl da ihnen bekannt war, daß Venus zuwei- len von denen philtrus amatoriis den Namen Man- dragoritis gefuͤhret habe. Andere Gelehrten hiel- mit Bochardo davor, daß man der Meynung der 70 Dollmetscher gar wohl beytreten koͤnne, welche meldeten Mila Mandragoras oder die Fruͤchte dieser Pflanze waͤren vi amatoria praedita et philtris apta, in hominibus et elephantis praestantia, invitos etiam ad amores cogentia , und zugleich die wahre Dudaim des Ruben gewesen. Diese Meynung nun, welche einen starken Eingang gewonnen, hatte sich in nach- folgenden Zeiten mehr verbreitet, und ihre Vertheidi- ger gefunden. Zum Beweis wollen wir hier nur ein einzelnes aber besonderes Beyspiel anfuͤhren von den beruͤhmten Arzte Lange , welcher Epist . 2. oͤf- fentlich saget, Dudaim der Hebraͤer sey die Man- dragora gewesen, wovon er sich dermassen uͤberzeugt haͤlt, weil er der letztern erhitzende und zum Bey- schlaf reizende Wirkung durch eigene Erfahrungen bestaͤtiget gefunden zu haben glaubet. Er behaup- tet in folgenden Ausdruͤcken: pleracque Bouoniensium uxores foecundas Mandragorae vires me consule ex- perta pertae sunt, et quidem contra aliorum sententiam, non ex frigida, sed ex calida causa . Wollte man nun auf die in der Geschichte von der reifen Frucht der Mandragora angezeigte Um- staͤnde allein sehen, da man alsdenn deren durchdrin- genden erquickenden angenehmen balsamisch-spiri- tuoͤsen Wein und Quittenartigen Geruch, nebst der narcotischen Eigenschaft, in besondere Betrachtung ziehen muͤste: vermoͤge welcher sie, durch eine schnelle und heftige reizende Wirkung, die empfindlichsten koͤr- perlichen festen Theile mit den aller feinsten Saͤften zugleich durch Verduͤnnen und Ausdehnen dergestalt in Bewegung setzet, daß davon zugleich im ersten Anfange alle koͤrperliche Kraͤfte, Actionen und Em- pfindung auf das lebhafteste und ausserordentlich ver- staͤrket werden koͤnnen; so wuͤrde man alsdenn der Meynung der 70 Dollmetscher einen ziemlichen Grad der Wahrscheinlichkeit zugestehen muͤssen; obschon in der Ordnung und Schaͤrfe des Beweises noch eine sehr betraͤchtliche Luͤcke bleiben wuͤrde. Denn erwaͤget man dabey, wie es seyn soll, den vor- her gleichfalls angefuͤhrten Geschmack der Mandra- gora , auch den Geruch bey der insbesondere sehr wohlriechenden Frucht, so wird uns dessen widrige Beschaffenheit, nebst deren unter den Aerzten mittler und neuerer Zeiten ganz bekannten drastischen Wir- kungsart in den menschlichen Koͤrper, zweifelhaft ge- nug machen. B 5 Was Was aber die erstere von vielen Auslegernseit langer Zeit angenommene Meynung betrift, daß naͤmlich die Mandragora die wuͤrkliche Dudaim der Hebraͤer gewesen seyn muͤsse oder koͤnne, so kommt noch eine zweyte Tradition aus den Schrif- ten der Rabbiner dazu, welche, sie sey nun wahr oder fabelhaft, dennoch in Verbindung mit der er- sten, die die 70 Dollmetscher davon gehabt, nach aller Wahrscheinlichkeit einiger zusammen passenden Umstaͤnde, viele Gelegenheit zu Fabeln, und andern noch heimlich bis jetzo obwaltenden Betruͤgereyen ge- geben. Ist sie indessen gewiß, so kann sie ohne Wider- spruch und gegen alle ihr angedichteten Vorwuͤrfe in ihrem eigenen Werthe bleiben, uns aber wuͤrde sie auch bey einer Erdichtung immer gleichguͤltig seyn. Ihre Anwendung hingegen, wenn sie uͤbel gemacht und zu falschen Schluͤssen angewendet werden sollte, welche daraus nicht herkommen, wuͤrde alsdenn nicht mehr gleichguͤltig seyn, wenn man zumahl ohne Untersuchung der wahren und anderer erlaͤu- ternden Umstaͤnde, folgern wollte, daß diese Tradi- tion, wegen mehrerer in den Rabbinischen Schrif- ten, mit andern schlechterdings falsch seyn muͤsse. Diese Rabbinen melden unter andern, daß die Kinder aus der Nachkommenschaft des Stam- mes Ruben, in ihren Fahnen eine ganze Mandra- gorapflanze , (welche vor die rechte Dudaim ange- nommen worden), als ein bestaͤndiges Gedenkzeichen eines mit der Dudaim fuͤr sie so merkwuͤrdigen Vor- falles, falles, in menschlicher Gestalt gefuͤhret haben. Wem aber schadete eine dergleichen nicht widerspre- chende historische Anzeige, wenn sie ihre Gewißheit hat? da bekanntermaßen einzelne Familien und ganze Voͤlkerschaften, große Herren und Erdbeherr- scher, besondere Zeichen in ihren Wappen, Fahnen, Siegeln und Devisen zu fuͤhren laͤngst vor gut ge- funden haben, und wer weiß nicht, daß es in ihrer Macht gestanden, dergleichen zu waͤhlen? Koͤnnen denn aber die Rabbinen und Nachkommen aus dem Stamm Ruben davor, daß die nachfolgenden Ju- den, nebst den mehresten morgenlaͤndischen Voͤlkern, den Griechen und Roͤmern, auch etlichen Weltwei- sen, wie Pythagoras , die die wahre Geschichte der Dudaim nicht mehr wußten, sich haben bey- kommen lassen, aus einem bloßen Wappen oder Fahnenzeichen zu glauben, daß es eine Mandrago- ram , die sie vor Dudaim gehalten, in der Natur gaͤbe, deren Wurzel eine menschliche Gestalt habe. Columella nennete diese erdichtete Pflanze oder Mandragoras andropomorphos hernach hominiformem und semihominem , und glaubte, sie habe etwas von einer thierischen Natur an sich. Die einer unfoͤrm- lichen Menschengestalt etwas durch Kunst aͤhnlich gemachte Mandragorawurzel konnte nur einzig und allein von den Alraunenbildern gelten, ob- schon der sonst gelehrte und hochverdiente Petrus Lambecius gegen des Matthioli Meynung seine Gedanken dahin geaͤußert, daß, ohngeachtet dieser letztere letztere Schriftsteller der erdichteten menschlichen Gestalt bey der Mandragorawurzel widersprochen, er doch dadurch noch nicht erwiesen habe, daß eine dergleichen Mandragora von menschlicher Gestalt nach natuͤrlichen Umstaͤnden nicht existire. Was aber wuͤrde man dazu sagen, wenn einer aus den dreyschwaͤnzigen Loͤwen der alten Schwa- ben, dem zweykoͤpfigen gekroͤnten und ungekroͤnten Adler, und anderen gepanzerten Ungeheuer in den Wappen, Fahnen und Siegeln großer Herren und anderer zu behaupten sich unterstuͤnde, daß es der- gleichen natuͤrliche Geschlechtsarten wirklich gegeben haͤtte. Man wird hieraus ohne Zweifel ersehen, was bey diesen Umstaͤnden nicht mit den Hauptsa- chen confundirt werden muͤsse. Es scheinet indessen aus dergleichen Verirrung, schon in den aͤltesten Zei- ten, die ganze Fabelgeschichte einer Mandragorae an- dropomorphae , in Ermangelung der wahren Natur- geschichte dieser Pflanze, ihren Anfang genommen zu haben, von daher sie sich nach und nach in ge- dachte Naturgeschichte eingeschlichen, und von den nachfolgenden Schriftstellern ohne weitere Untersu- chung uͤbernommen worden, daß man sie endlich beym Dioscorides und Plinius wiedergefunden, welche letztern diese verdunkelten Nachrichten mit vielen andern Seltenheiten, als ein Erbtheil, den Nachfolgern uͤberlassen. Betrug und Aberglaube haben sich dergleichen Umstaͤnde vortreflich zu Nutze gemacht, und darnach ihre Wurzelbilder gleich als nach nach einer ordentlichen Vorschrift erfunden, welche kuͤnstlich geschnitzet und heimlich unter dem Namen von Alraunen oder Alraunenwurzeln theuer genug verkauft worden sind. So begreiflich es aber ist, daß weder dergleichen Wurzelbilder vor natuͤrliche Mandragora , noch diese vor Dudaim selbst gehal- ten werden koͤnnen; so hat es doch noch Bochar- dus aus dem Rabbi Aben Esra , und Herbelot aus dem Rabbi Menahem , beyzubringen gut gefunden, und dabey der Dudaim oder der davor angenomme- nen Mandragora ihren Standort bey dem Grabe der Rahel angewiesen. Der beruͤhmte juͤdische Geschichtschreiber Josephus fuͤhret unter dem Na- men Baratas eine Pflanze von ganz besondern Ei- genschaften an, nach welchen sie weder zur Dudaim noch Mandragora gehoͤren koͤnnte, wenn sie je- mahls in der Welt gewesen seyn sollte. Demohn- geachtet ist sie doch zur Mandragora gemacht wor- den, und hat deren Geschichte auf das alleraben- theuerlichste verwirret und verunstaltet, daß unsere Pflanze, wegen der ihr zugeschriebenen menschlichen Gestalt ihrer Wurzel und denen ganz widersinnig erdichteten widersprechenden Eigenschaften, voͤllig unkenntlich geworden ist. In einer solchen Gestalt hat man der Mandragora ihren Stand sogar unter dem Galgen angewiesen, und dabey vorgegeben, sie entstuͤnde daselbst ex urina atque semine defluente fu- rum suspensorum . Alle diese erdichteten und uͤbel verbundenen Nachrichten sind noch vor dem 5ten Jahr- Jahrhundert unter den Griechen und Roͤmern be- kannt gewesen; wie denn ein aus diesem Zeitalter herstammender griechischer Codex Dioscoridis ma- nuscriptus davon deutliche Beweise giebt. Denn er stellet in einem dabey befindlichen gemahlten Bilde nicht nur die Gestalt der Mandragorae andro- pomorphae vor, sondern auch sogar denjenigen ster- benden Hund, vom welchem Josephus erinnert, daß er beym Ausgraben der Barrataswurzel ge- braucht worden. Hier ersiehet man die Verbin- dung beyder alten Fabelgeschichten durch Huͤlfe der beygelegten Abrisse sub No. A et B . ohne Schwie- rigkeit, wie diese Nachrichten auch in Not. Bod. a Stapel. in Lib. VI. Theophrasti pag. 548. wieder- holet worden sind. Wie denn auch aus dem vor- angefuͤhrten zugleich hervorgehet, daß vorerwaͤhnte Nachrichten, die sich zuletzt in dem alten Juden- thume verlieren, wahrscheinlichst in demselben ih- ren Anfang moͤgen gehabt haben, von daher sie so- wohl unter die alten beruͤhmten morgenlaͤndischen Voͤlker, als hernach bald unter die Griechen und auf die Roͤmer gebracht worden sind. Die Nach- kommen haben ihnen, theils aus Unwissenheit und Aberglauben, theils aus besondern Absichten, eine verschiedene recht abentheuerliche Hauptgestalt, Ver- bindung und Anwendung gegeben, in welcher sie noch lange Zeit von einem Volke zu dem andern uͤbergegangen ist; wovon die Ueberbleibsel Zeugen genug seyn koͤnnen. Es Es kann auch die Verbreitung dieser Fabel- geschichte, wenn sie vorher erzaͤhlet worden, von den Juden selbst auf das leichteste verbreitet worden seyn, wenn man eine gedoppelte babylonische Ge- fangenschaft bedenket, bey welcher einige der alten Staͤmme so sehr gelitten, und vermindert worden, wie auch durch die große Zerstreuung unter den Griechen geschehen, daß im Verhaͤltniß ihrer gro- ßen Menge die wenigsten ihr Vaterland wiedergese- hen, oder auch nicht wieder haben sehen wollen. Dieser und mehrerer dergleichen Zeitpunkte haben sich die Betruͤger, durch und bey ihren Alraunen- handel zu Nutze gemacht, indem sich die wenigen einsichtsvollen Maͤnner, wegen des oͤftern und haͤu- figen poͤbelhaften Widerspruchs, fast nichts dagegen haben zu thun machen wollen. In dieser Absicht aber doch nur eines einzigen alten Arztes zu gedenken, der unter dem Namen Luth-Dallah bekannt ist, und welcher der Alrau- nengeschichte als einem zu seiner Zeit uͤberaus be- liebten Maͤhrchen, aus Einsichten und selbst eige- nen Erfahrungen oͤffentlich widersprochen hat. Die- ser versichert, die Mandragorawurzel selbst, leicht und ohne alle Umstaͤnde gegraben, auch daran niemahls eine menschliche Gestalt wahrgenommen zu haben. Wobey er zugiebt, daß sich die Wurzel der Pflanze unterwaͤrts auf eben die Art und eben so tief spalte, wie es bey den Wurzeln der zahmen Kuͤchengewaͤchse oft bemerkt wird. Er sagt ferner von ihrem ihrem starken Glanz im Finstern, den Josephus seiner Baaraswurzel zugeschrieben, daß er ihr nicht zukomme, sondern von den bekannten und im Fin- stern leuchtenden Nachtschwaͤrmern herkomme, die sich auf der Pflanze niederließen, daß es also des- halb ungereimt sey, sie, wie es gebraͤuchlich, mit dem Namen Sirag, Alcotrob, Tuffabat oder der Diebeslaterne zu belegen. Von der Gewinnung dieser Mandragorawur- zel setzet er noch hinzu, daß er selbige ohne alle Be- folgung der gewoͤhnlichen Plinianischen Vorschrift Hist. Lib. 52. Cap. 13. nehmlich secundo vento , ferner auch ohne eine andere Mandragorawurzel dabey in der Hand zu haben, ohne Lebensgefahr, ohne die sonst beym Ausgraben derselben vorgeschrie- bene 3 C i rkel mit einer gleichen Pflanze vorher darum gemacht zu haben, wohl erhalten habe. Was den in der Geschichte von Josepho erwaͤhnten Hund betrift, welcher beym Ausgraben an die Wurzel gespannet werden sollen, woran auch bey andern aus dieser Quelle schoͤpfenden Rabbinen gedacht wird, so ver- sicherte er, daß er seiner Huͤlfe nicht noͤthig gefun- den, um ihm etwa die Ohren nach der Vorschrift mit Pech zu verschmieren, damit er das Winseln und Heulen der Wurzel nicht hoͤren moͤgte. Denn von diesen letztern habe er niemahls etwas gehoͤrt. Tragus schreibet in Hist. Stirp. diese Fabel- geschichte dennoch nach, Matthiolus hingegen wi- derspricht derselben in Comment. in Dioscorid. Lib. VI. VI. Cap. 76. de Mater. Med. und fuͤhret noch da- zu, gegen die so lange Zeit vorgegebene menschliche Gestalt der Mandragorawurzel , das eigene Ge- staͤndniß eines Alraunenhaͤndlers zu Rom an, wel- chen er krank in der Kur gehabt. Dieser Alrau- nenfabrikant offenbarte ihm sowohl den ganzen Be- trug, als die kuͤnstliche Verfertigungsart der soge- nannten Alraunen, Alraunenmaͤnnlein, Galgen- maͤnnchen, Erdmaͤnnchen , imagunculorum Alru- nicorum , nebst den dazu verschiedenen tauglichen Wurzeln, welche dermaßen bekannt sind, daß sich kein Kenner einer gereinigten Naturgeschichte be- sonders dabey aufhalten wird. Wie es denn genug seyn kann das Alterthum der so verwirrten und ganz verdunkelten Geschichte der Dudaim, Mandrago- ra, Baaras und der Alrunen etwas aufzuklaͤren, oder wenigstens dazu einige Gelegenheit zu geben. Diejenigen Wege, welche zu vielerley Quellen fuͤh- ren, wird man in des beruͤhmten Lambecii Com- ment. Bibliothec. Caesar. Vindobonens. finden, und zu den uͤbrigen hat mir der große nun verstorbene Leib- arzt, der Herr Baron von Swieten , die Gelegenheit erleichtert, wie ich bald dankbarlich erinnern werde. Die im vorhergehenden sub Litt. A. et B. schon angefuͤhrte und zur Erlaͤuterung der Fabelge- schichte, wegen ihres betraͤchtlichen Alters, hier dienende Abrisse von 2 uralten Gemaͤlden, aus einem seiner schlechten Beschaffenheit halber schon im 5ten Jahrhundert revidirten ausgebesserten und Botan. Abhdl. II. B. C dadurch dadurch noch aufbehaltenen Codice Caesareo mem- branaceo Dioscoridis verdienen besondere Betrach- tung. Der Codex bestehet aus 461 Blaͤttern, und ist bey der damahligen Revision in einem solchen Zu- stande besunden worden, daß er aus seiner nahen Verderbniß gerettet werden muͤssen. Besage der alphabetischen Ordnungskennzeichen, nach welchen die Gewaͤchse und andere Arzeneyen darinnen ver- theilet sind, hat ihn Dioscorides selbst gewiß nicht verfertigt, so wie Stephanus Atheniensis dessen Ver- fasser auch nicht seyn kann. Es finden sich viel- mehr Excerpta und Spuren von des Pamphili Ale- xandrini Arbeiten und Ueberbleibsel von des Cratevas Entwuͤrfen, und die ganze Ordnung ist gerade ge- gen den Sinn des Dioscoridis , nicht nach den Ge- schlechtern und Kraͤften der Gewaͤchse, sondern so, wie sie Galenus gebilliget. Der 3te Commentarius uͤber die Biblioth. Caesar. Vindobonens. des Petri Lambecii giebt den Liebhabern der alten Literatur davon weitlaͤuftigen Unterricht, welcher Gelehrte das Werk schon da- mals mit dem Ausdrucke des Angerii de Busbecke Codicem decrepitae vestutatis nannte. Den Ken- nern solcher griechischen Schaͤtze ist Anzahl und Werth derer in der roͤmisch kayserl. Bibliothek zu Wien vorhandenen Manuscripte bekannt. Es fin- den sich aber darunter 4 besonders schaͤtzbare Codi- ces Manuscripti Dioscorideani , von welchen derje- nige vor den ersten aͤltesten und besten gehalten wird, wird, von welchen hier die Rede insbesondere ist. Nebst diesen befinden sich dabey noch 24 besondere gedruckte Ausgaben des Dioscorides , welche alle zu einer neuen und gruͤndlichern Ausarbeitung dieses alten so beruͤhmten Schriftstellers zusammen genom- men recht besondre Dienste erweisen werden. Was die Abrisse sub Lit. A. et B. betrift, die wegen ihres großen Alterthumes aus der Geschichte des Codicis caesarei eine kurze Erlaͤuterung gar wohl verdienen, so kann, unter den dazu gehoͤrigen Umstaͤn- den, folgende anzufuͤhren nicht umhin. Da ich schon vor manchen Jahren um dergleichen Nachrichten, wegen der Hist. litt. Botanic. bekuͤmmert seyn mußte, und besonders um solche, die nur erwaͤhnten Codicem Dioscorideanum seines betraͤchtlichen Alters kenn- barer machen konnten, so kamen mir des Lambecii Commentarii in Biblioth. Caesar. Vindobonens. zu Gesichte, die mich von der Unschaͤtzbarkeit dieses uralten Codicis noch mehr uͤberzeugten und bewogen, mich nach dessen wahren Beschaffenheit und Inhalt naͤher zu erkundigen. Bey allen Vorzuͤgen war mir das Alter desselben eine der betraͤchtlichsten, aus welchen ich ersahe, daß dieser Codex schon im 5ten Jahrhundert hatte ausgebessert werden muͤssen, und folglich ziemlich lange vorher verfertiget worden seyn konnte. Weil ich nun eben daher mit Gewißheit schliessen zu koͤnnen glaubte, daß das Werk seit die- ser Zeit schlechter geworden, so entschloß ich mich nach einiger Ueberlegung an den vormaligen obersten C 2 Vor- Vorsteher der kaiserl. Bibliothek zu Wien, den wuͤr- digen kaiserl. Leibarzt Herrn Baron von Swieten zu schreiben, und von ihm im Namen aller Kenner und Liebhaber um die Revision, und wo moͤglich, um die Ausgabe dieses Codicis Caesarei zu bitten. Es dankte mir dieser große Gelehrte nicht nur in einem besondern Schreiben vor meine Aufmerksamkeit, und in solchen edlen ausnehmenden Ausdruͤcken, welche fuͤr mich die ruͤhrendsten und aufmunterndsten seyn konn- ten, sondern legte mir sogar einen sehr unterrich- tenden Conspectum des ganzen Inhaltes dieses Co- dicis bey. Wegen der Ausgabe versicherte er, daß sie wegen ihres großen Nutzens geschehen sollte, die Bearbeitung desselben wurde großen Sach- und Sprachverstaͤndigen uͤbergeben, und das Werk ist in so weit zum Ende gebracht, daß wir der Ausgabe desselben mit Verlangen entgegen sehen. Die Nachrichten selbst, welche von diesen Co- dice vorhanden sind, lassen keinen Zweifel uͤbrig, daß er nicht vor andern einer der aͤltesten sey, den man vom Dioscoride aufweisen kann. Er ist, mit ei- ner starken Anzahl alter griechischer Manuscripte, von dem ehmaligen kaiserlichen Gesandten zu Con- stantinopel Augerius de Busbeck 1562., zu Kaisers Maximilian II. Zeiten, vor die Bibliothek zu Wien erkauft worden, wo er bey dem Sohne eines juͤdi- schen Arztes, des Sulemanus , nehmlich des Hamons , gleichsam in einer langwierigen Gefangenschaft ge- wesen, wesen, aus welcher er insbesondre vor schweres Geld erloͤset werden muͤssen. Dessen erste Errettung und Erhaltung von ei- nen schon damals ziemlich nahen Verderben hat man der Vorsorge einer, in der morgenlaͤndischen Kirchenge- schichte und wegen des Briefwechsels mit einigen gro- ßen Maͤnnern nicht unbekannten, kayserlichen Prin- zessin, der Julia Annicia , zu verdanken. Diese stamm- te von Valeriano I. s. magno her, und war die einzige Tochter des Kaysers Flavii Annicii Olybrii und der ungluͤcklichen Placadia , einer Tochter des Kaysers Theodosii magni , welche letztere nach der Eroberung von Rom das traurige Schicksal hatte, im Jahr 455. durch den Vandalischen Koͤnig Gensericum ge- fangen weggefuͤhret zu werden. Laut einer auf der ersten Seite des Titelblatts mit großen Buchstaben in griechischer Sprache von einer neuern Hand geschriebenen Nachricht, ist dieser Codex vor ungefaͤhr 1260 Jahren, auf Anrathen des Moͤnchen Natanaelis , in dem damaligen koͤnigl. Ho- spitale zu Constantinopel, durch den Hospitaliten Jo- hamres ausgebessert, ergaͤnzet und wieder hergestel- let worden, damit er seines großen Alters wegen nicht ganz verlohren gehen moͤchte, im Jahre der Welt, nach der Constantinopolitanischen Ausrech- nung 6914, welche mit der angenommenen Zeitrech- nung von 1046 auch uͤbereintreffen soll. Den aber- maligen schlechten Zustand dieses Codicis beym Ver- C 3 kauf, kauf drucken die Bußbeckischen Gesandschaftsbriefe besonders lebhaft aus. Die ersten Blaͤtter dieses Codicis koͤnnen den Kennern und Liebhabern deshalben schon uͤberaus merkwuͤrdig seyn, weil sie Abrisse von den Abbildun- gen von alten Aerzten enthalten, und auf dem 4ten und 5ten Blatte sind die Abrisse von 2 uralten Ge- maͤlden sub. Lit. A. et B. befindlich, die zur Erlaͤu- terung der Hauptsache, wie schon gesagt, vieles bey- tragen. Diese sind eben so, wie sie Lambecius vorgestellet, nur etwas kleiner, und ohne die bey ge- dachten Schriftsteller noch befindlichen besonders schoͤnen Namensverzierungen, mir mitgetheilet. Fig. A. auf dem 4ten Blatte stellet den auf einem Sessel sitzenden Dioscorides selbst vor, wel- cher mit ausgestreckten Arme auf eine erdichtete, oder durch Kunst also zubereitete Mandragoram nigram andropomorpham foeminam zeiget, welche ihm von einer gegenuͤber stehenden Weibsperson vorgehalten wird. Beyde Personen haben eine griechische Ue- berschrift, und zwischen sich denjenigen sterbenden oder todten Hund auf der Erde in einer solchen Stellung gestreckt liegen, in welcher er mit aufge- sperrten Rachen gerade gegen den Arm des Frauen- zimmers gerichtet ist, mit welchem sie die Mandra- gora vorzeiget. Von diesem Hunde, welcher die Mandragora aus der Erde ziehen, aber auch dar- auf sterben soll, geschiehet in der Geschichte von Jo- sephus Erwaͤhnung. Eben Eben diese Mandragora , oder besser zu sa- gen, die nach einer hoͤchst verderbten Einbildung und Fabelgeschichte erdichtete, und in einer der menschlichen etwas aͤhnlichen aber monstroͤsen Ge- stalt gekuͤnstelte Alraunenwurzel , wird sonst nir- gend, und in der Natur eben so wenig gefunden wie die Greifen, Drachen, Basilisken und Bo- ramets . Das Kopfstuͤck der Wurzel, welches zu- gleich ein ganz undeutliches und gleichsam verlosche- nes Gesichte vorstellen soll, ist in Fig. A. etwas groͤ- ßer, als in B. , in beyden aber mit einer Krone von 5 Blaͤttern, von welchen die 3 mittelsten in die Hoͤhe stehen, die 2 Seitenblaͤtter hingegen fast wagerecht, und dergestalt gegen einander uͤber liegen, daß sie das Kopfstuͤck in Gestalt eines solchen Huts decken, wie man zuweilen dergleichen Verzierungen an den Kinderpuppen gewahr wird. Arme und Fuͤße, wie sie hier vorgestellet wer- den, findet man sonst leicht an allen Alraunenbil- dern , und hier sind sie so ungestaltet, daß sie wie sonst, statt gewoͤhnlicher Fuͤße mit beyder- ley zerstuͤmmelten Gliedern einige Aehnlichkeit ha- ben. Wie man denn an dieser Wurzel zugleich das aͤußerliche Zeichen des weiblichen Geschlechtes ganz undeutlich mit angebracht hat. Woher es denn vielleicht unter andern mit gekommen seyn mag, daß in den alten Nachrichten immer von einer Mandragora nigra foemina Dioscoridis Meldung ge- schehen. Sonst findet sich unter diesem Bilde eine C 4 grie- griechische Innschrift von dem bereits erwaͤhnten Hospitaliten, dem Iohanne restauratore des Codi- cis , welche die Bedeutung des beygefuͤgten Hundes mit etlichen Worten erklaͤret, nehmlich Canem ( ra- dicem ) evellentem , deinde morientem: woraus die Verbindung der Fabelgeschichte der Mandragorae andropomorphae mit der von der gleichfalls erdichte- ten von der Baaras Iosephi, als der wahrscheinlichste Ursprung der nachfolgenden Alraunenbilder , hervor- gehet, deren sich die Betruͤger der Einfalt unter der Hand bedient haben. Merkwuͤrdig ist es, daß etliche Verehrer der Alraunenwurzeln sich sogar haben einfallen lassen, zu behaupten, als ob das eben so schlaue als be- ruͤhmte Maͤdchen von Orleans Kraft einer solchen Alraunenwurzel so besondere Dinge gethan habe und habe thun koͤnnen. Fig. B. die ich hier gleichfalls zu erklaͤren die Absicht habe, befindet sich auf dem 5ten Blatte des Codicis Dioscorideani, und stellet gleichfalls ein Frauenzimmer vor, welche die kurz vorher beschrie- bene Mandragoram nigram foeminam dem Dioscori- des von etwas kleiner Gestalt zeiget. Dioscorides , welcher auf der linken Hand sitzet, scheinet die Be- schreibung dieser gekuͤnstelten Mandragora in ei- nem Buche zu entwerfen, indem sie von einem gegen uͤber mit seiner ganzen Geraͤthschaft sitzenden Mah- ler abgebildet wird. Nun mag es mit der Ausbesse- rung und Wiederherstellung des oft erwaͤhnten ur- alten alten Codicis hergegangen seyn, wie es will, so ist sie doch schon im 5ten Jahrhunderte geschehen, und die ganze Fabelgeschichte, mit allen darinnen began- genen groben Fehlern, die sich noch aus viel aͤltern Zeiten herschreiben, muß doch wenigstens eben so alt seyn, als dieser Codex Dioscorideanus wirklich seyn kann, welche Zeit betraͤchtlich genug ist. Die Entdeckung der Verfertigung der verschie- denen Alraunenbilder, aus der Wurzel der Man- dragora, der Kletten, Rohr, Angeliken und an- derer Wurzeln mehr, ist durch die Erfahrung hin- reichend bestaͤtiget. Man verkauft dergleichen noch am Harze, in Niedersachsen, in den Handelstaͤdten und in Pohlen unter der Hand, oder laͤßt sie auch in Kaͤstgen und Schachteln vor Geld sehen, die mit einer Glasscheibe belegt sind, unter denen ich selbst verschiedene sehr laͤcherliche und mit Fratzengesich- tern versehene wahrgenommen haben. Waͤre hier der Ort, daruͤber weitlaͤuftig zu seyn, so wuͤrde ich aus der Geschichte der Alrunen und Alruner unter verschiedenen alten Voͤlkern vieles anfuͤhren koͤnnen, dessen mich Thomasius, Holzbaum, Deu- sing, Fromm, Keiller und Celsius in seiner Hie- rototane , ingleichen die alte Voͤlkergeschichte selbst voͤllig uͤberheben. Nur will ich hier noch den Sa- muel Schmid anfuͤhren, welcher Commentatio- nem Epistolicam ad Rothium de Alrunis Germano- rum geschrieben, in welcher er zugleich de foeminis et imagunculis sacris handelt, und dabey diejenige C 5 Alrau- Alraune mit abbildet, von welcher sich das Origi- nal in der Buͤchersammlung des beruͤhmten Probst von der Hart befunden. Nebst dieser verdienet Ioh. Christ. Rothii zur Philologia sacra gehoͤrige Ab- handlung de Imagunculis Germanorum Magicis gar wohl gelesen zu werden. Eine der merkwuͤrdigsten von denen aus der Mandragorawurzel verfertigten Alraune , die ich noch in dem wahren Original besitze, ist die in Antiquitatibus selectis septentrionalibus et celticis pag. 507. und Fig. XVI. von Joh. Georg Keiß- ler beschriebene und abgehandelte Alruna Magica Lipsiensis. Sie befindet sich, nebst einem in gedach- ten Werke mit angezeigten Originalbriefe eines Leip- ziger Buͤrgers von 1576, in einer hiesigen Biblio- thek, und ist ehedem in die Haͤnde des Gerichtssekre- taͤrs Heinsius zu Celle gerathen, und von ihm durch gedachten Schriftsteller mitgetheilet worden. Die kurze Nachricht von dieser Alraune, die Herr Keißler nebst dem Briefe gegeben hat, besagt so viel, daß sie etwa fuͤr 60 Goldguͤlden von dem Scharfrichter sey gekauft, und 1576 einem zu Riga in großen Verfall der Nahrung gerathenen Buͤrger, von sei- nem zu Leipzig wohnenden Bruder, geschickt worden sey. Der Brief verdienet, wegen der Lobeserhebung und besondern Ermahnung, auch der rechten An- wendung dieser Alraune gelesen zu werden. Dieser Alraune fuͤge ich zum Schluß meiner Abhandlung noch eine andere und in der Alraunenge- schichte schichte nie bemerkte Alraune bey, die ich mit der vori- gen zugleich der Koͤnigl. Akad. der Wissenschaften vor- zulegen noͤthig gefunden. Der betruͤgliche Verfertiger derselben hat bey deren Ausbildung gegen alle davon sonst bekannte Nachrichten gehandelt, und sie dem- ohngeachtet in einer Seestadt theuer genug ver- kauft. Sie befindet sich in einem Kaͤstchen mit ei- ner Glasscheibe, welches etwas dunkel ist, und be- stehet in einem aufrechtstehenden scharf getrockneten Gerippe eines sehr großen Frosches ( Rana esculenta Linnei ) welchen man das Ansehen eines Menschen- gerippes, so viel als moͤglich, zu geben gesucht hat. Es ist uͤberall mit den Fasern der gemeinen Angeli- kenwurzel durch: und umschlungen, und fast ganz in dieselbe eingewickelt. Demohngeachtet ist das- selbe jeden, der nur mit sehr maͤßigen Kenntnissen versehen ist, dermaßen deutlich, daß es nur allein Aberglaͤubischen unkenntlich seyn kann. Der Al- raunenverfertiger hat sich bey seinem Betruge da- durch losmachen wollen, daß er dem Frosch den Kopf abgenommen, und dem Gerippe einen andern von schwarzen Wachs gemachten aufgesetzet, welchem er die Gestalt von dem menschlichen zu geben gesucht. Die Kinnbacken daran sind etwas auseinander ge- zogen, und mit recht feinen weißen, glaͤnzenden Maͤusezaͤhnchen besetzt, welche dem Kopf freylich ein besonderes Ansehen geben. So weit gehen die groͤbsten Betruͤgereyen der Gewinnsuͤchtigen, die auch noch zu unsern Zeiten aus aus den alleraͤltesten Luͤgen und andern nichts be- deutenden Kleinigkeiten ihre Vortheile zu ziehen su- chen. Der Hang zu allen wunderbaren und selte- nen des uͤber alles erstaunenden aberglaͤubischen ge- meinen Volks, welches nicht ausstirbt, wird diese Wunderdinge dermaßen unterstuͤtzen, daß es Ein- sichten und Klugheit nicht zu verwehren im Stande seyn koͤnnen. Zufaͤl- Zufaͤllige Gedanken uͤber die Befoͤrderung der an sich schon leichten und geschwinden Vermehrung des Faulbaums in unsern Forsten zu oͤkonomischen Absichten . U nsere Waldungen, die zum Theil noch die Ueber- bleibsel und Abkoͤmmlinge der ehedem beruͤhmten, alten und weitlaͤuftigen deutschen Waͤlder sind, zum Theil aber auch wohl lange nach jenen erst ent- standen seyn moͤgen, werden gegenwaͤrtig auf einen ganz andern und ordentlichern Fuß behandelt, als jene in den damaligen Zeitalter und Umstaͤnden von ihren Besitzern behandelt werden konnten. Denn die Jagd machte, in jenen entfernten Zeiten, fast uͤber- all all die Hauptnutzung der Waͤlder aus, zu welcher noch die wilde Fischerey nebst der gleichfals wilden Bienenzucht kam. Das Holz hingegen, woraus die Waldungen selbst bestehen, das einzige und wahre Hauptprodukt unserer heutigen Forsten, gab bloß unter den Nebennutzungen eine der gewoͤhnlichsten, und was sonst noch an mehrern Artikeln abwechseln- de Vortheile brachte, kam in eine noch weit geringe- re Betrachtung. Wie sehr haben sich nicht alle forstwirthschaft- liche Haupt- und Nebenumstaͤnde, mit der allmaͤhli- gen sichtlichen Abnahme der Waͤlder, fast aller Orten veraͤndert. Das Holz ist zu einem bestaͤndigen und unentbehrlichen Hauptprodukte geworden, derglei- chen es auch, wenigstens nach der gegenwaͤrtigen Einrichtung und Lage der Sachen, in unsern so stark bewohnten Laͤndern wohl noch immer bleiben wird. Denn nachdem man bey so betraͤchtlicher Vermin- derung der Waͤlder, in so vielen Gegenden zugleich, den Nutzen, Gebrauch und Werth des Holzes viel besser kennen gelernet, so hat man seit der Zeit, nicht aufgehoͤret, daraus die groͤßten Vortheile zu ziehen. Was mit der Jagd, einen uralten so beliebten Waldgeschaͤfte, vor eine so merkwuͤrdige Veraͤnde- rung, nach den Gruͤnden der neuern und sehr gerei- nigten Forstwirthschaft, vorgenommen worden, ist gleichfalls bekannt. Man hat zwar Fuͤrsten, Grafen und Herren ihr Vergnuͤgen nicht gaͤnzlich benehmen koͤn- koͤnnen, sondern in vielen Laͤndern ihnen dazu wenig- stens gewisse besondere Gegenden nachlassen muͤssen; indessen hat sich doch dieses ehmalige kostbare, wilde, zeitverderbende und zum Thell gefaͤhrliche Geschaͤf- te, nach und nach, bis zu einer wirklichen oͤkonomi- schen Nebennutzung, einschraͤnken lassen. Seit- dem haben sich vieler Fuͤrsten Rentheyen insbeson- dere weit besser befunden, und die Unterthanen sol- cher erleuchteten Herrschaften haben alle Ursache gefunden, zufrieden zu seyn, da ihnen ein großer Theil von denen so schaͤdlichen Jagd- und Frohndien- sten erlassen, Saaten, Fruͤchte, Wiesen und Gaͤrten aber in den Wildbahnen nicht weiter verderbet wor- den sind. Was die ehmalige weitlaͤuftige wilde Fischerey, mit dem dazu gehoͤrigen Antheil der Wasserjagd, be- trift, so hat sie beym Anbau und Vermehrung der tragbaren Laͤndereyen, wobey man die sonst zu weit austretenden Stroͤme in feste und enge Ufer ein- zufassen genoͤthiget wurde, uͤberall sehr stark ver- lohren. Dagegen sind die zahmen Fischereyen auf ordentlichen und wirthschaftlichen Fuß gebracht worden. Nicht anders ist es der ehmaligen wilden Bie- nenzucht in denen Waldungen ergangen, in welchen nur noch in neuern Zeiten die ansehnlichsten Bienen- lehne, Zeidler oder Junkergesellschaften, und beson- dere Zeidelgerichte vorhanden gewesen sind. Denn Denn nachdem die ansehnlichsten Waͤlder, bey zunehmender Vermehrung der Menschen, zum Be- huf der Viehzucht und des Ackerbaues, ganz ausge- radet, oder auch durch Zufaͤlle und mancherley Art von Wirthschaft, doch an vielen Orten sehr duͤnne geworden sind, hat diese Bienenzucht von selbst auf- hoͤren muͤssen. Dagegen hat man die Bienenzucht all- maͤhlig staͤrker und mit groͤßern Gewinn zu treiben angefangen, und die Viehweiden haben sich in den ausgeleuchteten Waldungen nur destomehr ver- breitet. Bey allen dergleichen Veraͤnderungen ist das Holz im Gebrauche an Werth und Preiß merklich gestiegen, und steiget in vielen Laͤndern noch immer. Wie es denn aller Wahrscheinllchkeit nach, bey der gegenwaͤrtigen Einrichtung vieler benachbarten Staa- ten, im Preise niemals wieder so tief herunter fallen, oder auch heruntergebracht bleiben wird, wie es in al- ten Zeiten gewesen ist. Da nun das Holz das eigentli- che Hauptprodukt aller Waldungen ist, und lange bleiben wird, weil diese Waldungen selbst daraus bestehen, so muß es auch die besten, die sichersten, und bestaͤndigsten Vortheile geben, daß wir alle Ursa- che haben werden, vor dessen Zuwachs und eine or- dentliche Unterhaltung zu sorgen, als ohne deren Dauer man sich ohnehin sonst keine anhaltende Nu- tzung zu versprechen hat. Das Holz bestehet in Baͤumen, Stauden, und Straͤuchen, welche ihr Laub jaͤhrlich, entweder im Herbste Herbste voͤllig fallen lassen, und deshalb Laubhoͤlzer genennet werden, oder bestaͤndig gruͤnen, und Na- deln tragen, wovon sie jaͤhrlich einen Theil, nach- dem sie ihren Maywachs zu Stande gebracht, un- terwaͤrts an dem alten Holze verlieren. Man giebt solchen den Namen des Tangel- Harz- oder schwar- zen Holzes, und unterscheidet das hohe von dem kleinern. Das Holz giebt den Waldungen, seiner Vortreflichkeit und nutzbaren Eigenschaft halber, zum oͤftern seinen Namen, daß man statt Waldung, Heyde, Forst, oder Busch, den Namen von Holz oder Holzung gebraucht. Es giebt zu unserer Nu- tzung, bald edlere bald unedlere, harte und weiche Arten, die man auf starkes, mittleres und schwa- ches Stamm- Schiff- Zimmer- Latten- und Stan- genholz nutzet. Dergleichen wird das Oberholz ge- nennet, und sowohl besonders, und in einzelnen Ar- ten, als mit andern vermischt erzogen. Ein großer Theil unserer Waldungen bestehet mehr, oder doch groͤßtentheils, aus einem niedrigen schwachen Stan- gen- oder auch Buschholze, als aus Baͤumen. Die natuͤrlichen Straͤucher und Stauden machen an manchen Orten das meiste davon aus, an andern hingegen der Ausschlag und Wiederwachs der ab- gehauenen Staͤmme von den groͤßern Holzarten, wovon das Unterholz den sehr uneigentlichen Na- men des lebendigen Holzes erhalten hat. In einem so genannten Unterholze, oder auch auf ganz freyen ganz entbloͤßten Plaͤtzen von verschiedener Hoͤhe und Botan. Abhdl. II. B. D Lage Lage, finden sich noch ganz andere schwache, nie- drige und geringe Arten vom Holze, welche ganz kurze oder sehr duͤnne Ruthen treiben, die ihnen mehr das Ansehen eines hochwachsenden Krautes oder Staudengewaͤchses geben, als eines wirklichen Strauches, wenn sie es, wegen der Haͤrte und viel- jaͤhrigen Dauer ihrer Wurzeln, Staͤmme und Zweige, nicht anders zeigten. Dergleichen Holzar- ten, die die kleinsten unter allen sind, werden das Erdholz oder Grundholz genennet, und bey der Forstwirthschaft mehr als unnuͤtze angesehen und ausgerottet, als daß man sie auf Holz nutzen sollte, ob sie schon in manchen Gegenden, in welchen sich wenig anderes Holz findet, zur Feuerung dienen, und den Vorrath einer recht guten Asche uͤberaus vermehren, zu geschweigen, daß verschiedene bereits einen sichern Gebrauch bey den Fabriken, oder sonst bey der Landwirthschaft selbst haben. Die allergemeinste, bestaͤndigste und staͤrkste Nutzung der Forsten geschiehet, nach Anzeige der da- rinnen vorkommenden Geschaͤfte, auf Brennholz, die zweyte macht das uͤbrige starke Bau- und Nutz- holz in gewissen Laͤndern und Gegenden aus, aber nicht in allen mit gleichem Erfolg. Zuweilen uͤber- trift diese zweyte die erstere im Handel sehr weit, doch gehet die Nutzung auf Brennholz, wegen der Menge von ganz unentbehrlichen Beduͤrfnissen, wo- zu es schlechterdings erfordert wird, als die sicherste der erstern immer vor, wenn zumahl eine bequeme Lage Lage zur Abfuhre, Gelegenheit zum Verkaufe, die nahe Nachbarschaft großer, volkreicher und vieler Staͤdte, Fabriken, Berg- Huͤtten- und Hammer- werke, nebst der Menge von kleinern Feuerarbei- tern und andern Nahrungszweigen, dem Handel wohl zu statten kommen, und den Vorzug, Preis und Vortheil erhoͤhen, und besser bestimmen. Das Brennholz macht ohnedem schon an und vor sich, vor allen uͤbrigen Haupt- und andern Nutz- holzarten, allezeit den groͤßten Theil in den Waldun- gen aus, es entstehet auch durch den Abgang oder Abfall von dem Nutzholze von selbst, und das Al- ter, ungluͤckliche Zufaͤlle, Grund, Boden, Witte- rung und uͤble Wirthschaft vermehren es abwech- selnd ungemein; wie sie denn aus den kostbarsten Nutzholzstuͤcken gar oft ein gemeines auch schlechtes Brennholz machen. Alle harte oder weiche Holzarten, welche nach oͤkonomischen Gruͤnden gut oder schlecht zur Feue- rung zu nutzen stehen, geben bald ein starkes Scheit- Klafter- Stangen- und Knuͤppelholz, oder ein ge- meines Reißholz, welches alles, bey den wirthschaft- lichen Anstalten seinen verschiedenen Gebrauch, Werth und Preis hat. Das Unterholz, nebst dem Afterschlage und Abraume beym Abtreiben der Ge- haue, giebt nach dem Sortiren noch mancherley Ar- ten von Nutz- und Fabrikenholze, sonst aber zur gemeinen Nahrung und Feuerung, Stangen, Knuͤp- pel und Reißholz. Es wird deshalb in manchen D 2 Ge- Gegenden, vor das Klafterholz weit nothwendiger und eintraͤglicher, nachdem es nehmlich in gewissen Jahren, bey dem verschiedenen Wachsthume des Grundes, in einem Jahrhunderte oͤfterer oder sel- tener gehauen werden kann. Man setzet, zur Ver- edlung der daraus gelesenen Nutzstuͤcken, in den Forsten selbst besondere Handwerker an, und sucht davon in den Staͤdten einen guten Debit zu unter- halten. Aller solcher Vorsorge, Einrichtung und An- stalten ohngeachtet, giebt es dennoch recht ansehn- liche Gegenden, wo nach allen gemachten Versu- chen, wegen der daselbst und in der anliegenden Nach- barschaft ein vor allemahl eingefuͤhrten Verfassungs- arten, die Waldungen auf Holz sehr schwer, schlecht, oder fast gar nicht zu nutzen sind. In diesem Falle schreitet man gezwungen, mit Verlust der durch das Holz selbst aus den Waldungen zu ziehenden Vor- theile, zu solchen Mitteln, welche nur einen unbe- staͤndigen und geringen Nutzen zu verschaffen im Stande sind. Man versucht sie nehmlich durch an- dere aus dem Holz selbst verfertigte Produkte zu ha- ben, man laͤßt das Holz verkohlen, reißet Harz, brennet Theer, siedet Pech, und macht zuletzt Ruß und Asche, oder leget Glashuͤtten an. Wenn der- gleichen Nebennutzungen in der Forstwissenschaft mit den Hauptvortheilen verbunden werden koͤnnen, ist es ein gutes Zeichen, indem man keinen einzigen Artikel der Nutzung vorbeygehet, und die nicht im- mer mer oder uͤberall wohl zu nutzenden Ueberbleibsel von denen vorher gut gewonnenen Vorraͤthen, in den Forsten vollends aufarbeiten laͤßet. Es pflegen zwar, wie schon gesagt, von derglei- chen Nebennutzungen viele, sehr unbestaͤndig, auch von keiner langen Dauer zu seyn, da sie sich nach den gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Umstaͤnden eines je- den Forstes einzelner Gegenden, auch wohl in ge- wissen Zeitaltern, nach dem besondern Zustande des einen oder andern Landes selbst richten; dabey denn ein oder der andere vorher nur schlecht oder gar nicht gekannter Forstnutzungsartikel wichtig zu wer- den anfaͤnget, indem andere, Vortheile zu bringen, nachlassen. Hiervon ist die Erfahrung der sicherste Zeuge, welcher noch dazu durch die Polizeyverord- nung unterstuͤtzet wird, welche die Aussicht uͤber alle rohe im Staate wohl zu gewinnende, zubereitende und zuverarbeitende Materialien fuͤhret, auch zugleich auf Verfertigung und Anwendung brauchbarer Instru- mente mit allem Zubehoͤr, ein wachsames Auge ha- ben soll, wie sie bey allerhand Handwerken, Kuͤnsten, und vermischten besondern mechanischen Professionen und Fabrikenanstalten, zu Verarbeitung und Ver- edlung fremder und hiesiger Produkte, wegen der Dichtigkeit, Dauer, Schoͤnheit, Werthes und Prei- ses im Handel durchaus noͤthig seyn muͤssen. Die Forsten liefern dazu von ihren Holzarten manche und viele Produkte; sie wuͤrden sonder Zwei- fel mehrere liefern koͤnnen, wenn man nur Lust und D 3 Ge- Geduld genug haͤtte, sie von ihrer nutzbaren Seite besser kennen zu lernen. Es ist also um Nutzens und Schadens halber schlechterdings noͤthig, die Waldungen uͤberhaupt besser zu kennen, als man thut, das ist, zu wissen, 1. Worans ein Forst bestehe. 2. Alles, was zum Nutzen oder Schaden darin- nen befindlich ist. 3. Alles das zu wissen, was nach wahren oͤko- nomischen Gruͤnden, bey denen Nutzungs- und Unterhaltungsgeschaͤften, in und durch die Waldungen zu bewirken moͤglich ist. wotauf koͤnnte sich sonst eine ordentliche Forstwirth- schaft sicherer gruͤnden? Wir wollen indessen voraussetzen, daß es mit der Nutzung und Unterhaltung von etlichen Haupt- produkten seine Richtigkeit habe, so muͤssen doch alle Nebennutzungen in der Reihe, in welcher sie der Zeit nach und dem Alter und Zustande der Forsten folgen und zu unsern Geschaͤften werden koͤnnen, wohl in Acht genommen werden, da sie ausserdem niemahls eben zu gleicher Zeit gegenwaͤrtig sind. Denn es ist in der Vernunft sowohl, als den oͤkonomischen Erfah- rungen gegruͤndet, daß man alle Grundstuͤcken bey einer guten Unterhaltung so hoch, als moͤglich, nutzen solle. Dieses aber geschiehet alsdenn nicht gehoͤrig, wenn man aus einem gewissen Theile seiner eigenen Produkte Vortheile zu ziehen versaͤumet, die sich doch selbst darbiethen. Ge- Gegenwaͤrtig von solchen Nebennutzungen nicht zu gedenken, die die Forsten geben koͤnnen, auch wirk- lich aus denen Quellen geben, die nicht eigentlich von den Holzarten selbst herkommen, so wird zu unsern Ab- sichten nur noch hinzuzusetzen seyn, daß sich die Wich- tigkeit der Nutzung, selbst bey den unedlen und ge- ringsten, als unter andern den kleinen Erd- und Grundhoͤlzern, zu seiner Zeit nicht nur wirklich zeige, sondern auch bey mehrern nuͤtzlichen Entdeckungen un- fehlbar vergroͤßern muͤsse: daß es folglich nicht bey jeden und allen einerley sey, sie ohne Unterschied, nach der gewoͤhnlichen Weise, zu Reiß- oder Wasen- holze zu verdammen, und davon zu glauben, daß sie keiner weitern Versuche und Anwendung wuͤrdig waͤren. Dank sey es vielmehr denjenigen aufrichtigen Naturfreunden, welche durch Unterhaltung und Be- arbeitung der ansehnlichen Sammlungen von Baͤu- men, Stauden und Straͤuchern, Gelegenheit geben, zu einer bessern Erkenntniß solcher nutzdaren Ge- waͤchsarten, wie auch denen, die ihre vieljaͤhrige Versuche und Beobachtungen zur praktischen An- wendung und gemeinschaftlichen Nutzen, mit einer recht edeln Freymuͤthigkeit und fast eisernen Geduld und Bestaͤndigkeit, sonder Verlangen und Hoffnung nach Dank oder Belohnung, haben fortsetzen wol- len. Denn diese sind es, welche auch in denen zum Forstwesen gehoͤrigen Nutzungsartikeln durch ihre Erfindung nicht wenig beygetragen haben. D 4 Die Die Gelegenheit zu dem, was vorher gesagt ist, hat mir der Faulbaum gegeben, eine unter den Forst- maͤnnern noch streitige und sonst wenig bestimmte strauchichte schwache Holzart, deren naͤhere Kennt- niß und Unterscheidung, von fuͤnf faͤlschlich also ge- nannten Faulbaumes- oder Schießbeerstrauchesar- ten nothwendig ist, und deren vorzuͤglicheren Nu- tzen bey der Bienenzucht, auch zu Verfertigung des feinsten Schießpulvers und einiger Landfarben, nebst der Feuerung, Laubfuͤtterung und der Wildbahne, aller Aufmerksamkeit wuͤrdig seyn muß, damit man be- sonders bey den Forstanstalten, auf die Befoͤrderung der an sich schon sehr leichten und geschwinden Ver- mehrung dieses Strauches, alle Anstalten machen kann. Physi- Physikalisch- medicinische Bemerkung uͤber die Sabadille . S abadilli oder Sabadillae semen officin. Sabadil- lensaamen, mexikanischer Laͤusesaamen , fuͤhren unsere Apotheken seit geraumer Zeit unter den frem- den Arzeneywaaren. Sie sind nicht die Kerne aus der Frucht Sapotilla s. Zapotilla des Brown. Iamaic. 2. 280. welche die Franzosen in Amerika Sapotiller nennen, Loͤfling aber in Itin. 180. Zapota, und Linneus Achras (Zapota) genannt. Es bestehet dieses Mittel in einem seit 1574 bekannt gewordenen reif und unreif eingesammelten Huͤlsenfrucht- und Saamen- gemische, welches wegen seiner Schaͤrfe, bey dem ohnehin fast uͤbermaͤßig angewachsenen Vorrathe von rohen und zubereiteten Arzeneyen aus allen Weltgegenden, insofern fast vernachlaͤßigt worden ist, daß man dessen natuͤrliche Geschichte noch bis D 5 jetzo jetzo nicht weiter aufgeklaͤrt erhalten koͤnnen. Ob aber der Mangel der Anwendung der eigentlichen Pflanzenkunde als eines wesentlichen Theils der Na- turgeschichte, oder auch eine sehr gewoͤhnliche kauf- maͤnnische Gewinnsucht ihren Antheil in vorigen Zeiten mit dabey gehabt, will ich hier nicht erst aus- machen. Man beruhete indessen bey dem, was uns Nikol. Monardes 1574, Carl Clusius 1576, Castor. Durantes 1584, Joh. Fragosus 1601, Franc. Hernandez 1647, auch Casp. Bauhinus 1595, mit den folgenden gelehrten Ausschreibern aus jenen, oͤfters von Hoͤrensagen, und ohne wei- tere richtige Erfahrungen und Krankheitsgeschich- ten, mit etlichen abgebrochenen Zusaͤtzen hinterlas- sen koͤnnen. Es geschahe also, daß die Nachkom- men dabey nicht nur stehen blieben, sondern noch uͤberdem sogar verfuͤhret wurden, wie man ganz leicht erweisen kann. Denn aus den ersten fehler- haften, undeutlichen, verstuͤmmelten Beschreibun- gen der Sabadillenpflanze war es nicht schwer, dieselbe in eine ganz andere Gewaͤchsordnung zu bringen, als ihre natuͤrliche seyn konnte, es entstun- den falsche davon abhangende Namen, und sogar eine falsche Abbildung einer damahls in Europa noch nicht gesehenen Pflanze. Dergleichen falsche Abbildungen von Pflan- zen waren ehedem in einem gewissen Zeitalter im Gebrauch, da man die Abrisse dieser Koͤrper nach seiner seiner Einbildung zuweilen ganz gegen die Natur zu schildern beliebte. Aus gleichen Gruͤnden war auch die Sabadillenpflanze gar unter die Grasarten und zwar unter das Geschlechte der Gerste gerathen, worunter es heut zu Tage theils wegen der Frucht- spitzen, theils der Blaͤtterlage halber kein Sachver- staͤndiger auch kein Anfaͤnger setzen wuͤrde. C. Bau- hinus hat sie in Theatro Botanico gegen alle Wahr- scheinlichkeit unter dem Namen Hordeum causticum , beizende Gerste , Cap. XXVI. pag. 467. vorge- stellet. Monardes der die Geschichte der westindi- schen Arzeneymittel in spanischer Sprache schrieb, wie sie 1574 und hernach 1582, 1597, zu Antwer- pen herauskamen, und von Clusius besorgt und uͤbersetzt wurde, nannte den unter dem gleich Eingangs erwaͤhnten Huͤlsengemische befindlichen Saamen Orzadam Hispaniae novae , weil man zwi- schen diesen und den Gerstenkoͤrnern einige Gleichheit gefunden zu haben glaubte. Sonst be- deutet Cavada oder Cevada in der spanischen Spra- che Hordeum , und wird sowohl von dieser, als von dem semine staphisagriae oder den Steffenskoͤrnern , durch den eigenen und besondern Namen der letztern Rerva Piotheyra richtig unterschieden. C. Bauhin giebt aus dem Monardes am schon angezeigten Orte eine kurze Nachricht unter seinem Hordeo exotico caustico , wo diese Saamen Cebadilla, Ceva- dilla oder Hordeolum Monardis, Fragosi, Durantes und und anderer Schriftsteller genennet werden. Wenn man indessen sowohl ganze unter dem Sabadillenge- mische befindliche Fruchtaͤhren, Huͤlsen und Saa. men mit der davon gegebenen Beschreibung, Ab- bildung, und der Gerste selbst vergleichet, so muß der Gedanke von einer wahren Gerstenart von selbst wegfallen. Ob man nun schon ein solches Verge- hen, der in damahligen Zeiten noch ganz in ihrer Kindheit liegenden Naturgeschichte, wegen Man- gel noͤthiger Huͤlfsmittel, schlechterdings uͤbersehen muß, so darf doch niemand in unsern Zeiten aus die- ser Beguͤnstigung Vortheile ziehen, denn die Na- turgeschichte , als ein wesentlicher Theil der Natur- lehre , raͤchet sich bey der wirklichen Anwendung uͤberall an ihren Veraͤchtern auf das nachdruͤcklich- ste. Im Gegentheil erfindet und bestimmet sie die Naturkoͤrper und Produkte, und verwahret sie, daß sie nach der einmahl geschehenen Erfindung und Be- stimmung weder mit andern verwechselt, noch verlo- ren werden koͤnnen. Sie fuͤhret also auch die na- turforschenden Aerzte durch Gruͤnde auf richtigere Spuren, und dem Hauptzwecke der weitern Unter- suchung ihrer Arzeneykoͤrper am naͤchsten. Das in den Arzeneyverzeichnissen schon laͤngst befindliche Mittel, daß wir unter dem Namen der Sabadille erhalten, bestaͤtiget unsere davon gehegte Meynung vollkommen. Dieses gewissermaßen noch unbestimmte Ge- mische wird von einer verschiedenen Beschaffenheit zu zu seyn befunden. Es koͤmmt damit bey der Mate- rialhandlung auf eine groͤßere oder geringere Menge an, die man davon zu untersuchen Gelegenheit hat. Denn man findet im kleinen nicht immer alles zusam- men vermischt, was unter einer groͤßern Menge fast niemals fehlet, daß man es also dabey finden kann und muß, wenn man seiner Sache gewiß seyn will. Der groͤßte Theil der Sabadille bestehet aus Spreu von zerstuͤckten oder ganzen einzelnen Fruchthuͤlsen von einer hellbraͤunlichen Farbe. Bald sind diese Huͤlsen noch ganz, und jede enthaͤlt ihre zwey lang zu- gespitzten schwarzen Saamen, bald stehen 3 solcher Fruchthuͤlsen noch auf ihren Fruchtstuhle, in eben der natuͤrlichen Lage und Verbindung beysammen, wie sie in ihren Blumen vorher stunden bey welcher zu sehr einleuchtenden Wahrheit nunmehro weder Stand, noch Ansehen, Witz und Arglist dagegen schuͤtzen kann. Sie haben noch die vorige vollkommene Ge- stalt, die sie bey ihrer Reife erhalten, und an ihren untern Ende befindet sich das ganz zusammen getrock- nete Ueberbleibsel einer rothbraun gewesenen Blu- menkrone , so wie man dergleichen beyderley an dem verbluͤhten Veratro oder Helleboro albo offi- cinarum zu finden gewohnt ist. Woraus denn klar ist, daß Sabadille keine Gras- oder Gerstenart seyn koͤnne. Dergleichen glatte Fruchthuͤlsen, die sich denen beym Veratro am besten vergleichen, sonst aber auch, der Gestalt nach, mit den beym Aconito Na- pello , pello , und etlichen Delphiniis uͤbereinkommen, sitzen Aehrenweise in langen und dichten Blumenspitzen auf kurzen Stielen. Die Hauptstengel aber sind glatt und dabey rissig, daß sie wohl von einer frem- den Art des Veratri seyn muͤssen, nicht aber von un- serer deutschen. Von solchen mit noch ganzen und mit Saamen gefuͤllten Kapseln dichte bewachsenen Stengeln, findet man in dem Gemische der Saba- dille sehr viele, die einen halben, ganzen, auch an- derthalb Zoll lang sind, und die, wenn sie an den Hauptstengeln beysammen stehen, diesen ein traubi- ges Ansehen geben muͤssen. Nun moͤgte es bey der Untersuchung und An- wendung der Sabadille darauf ankommen, ob man das ganze Gemische untereinander stoßen, oder aber die Saamen allein daraus lesen lassen wuͤrde. Das letztere ist kaum beym Arzeneygebrauch uͤblich, es koͤnnte indessen bey der Untersuchung dennoch von einiger Verschiedenheit zeigen. In den Apotheken erhaͤlt der gemeine Mann, welcher sich der Saba- dillen aͤußerlich gegen das Ungeziefer zu bedienen pfleget, Spreu und Koͤrner zusammen gestoßen, und mit drey oder viermahl auch mehr von Petersilien- saamen vermischt im Pulver, zuweilen aber statt der ersten nur das Pulver der weißen Nießwurzel darunter. Was die Saamenhuͤlsen der Sabadillenpflan- ze betrift, von denen kurz vorher aus der Gleichheit des Blumenbaues gesagt worden ist, daß sie sich mit mit den Fruͤchten des Veratri am meisten verglei- chen ließe, so sind sie laͤnglich, am untern Ende stumpf rund, dabey nach aufwaͤrts rund und aufge- trieben. Sie haben auf beyden Seiten nach der Laͤnge hin eine starke Nath, aus welcher lauter feine und aͤstige Rippen uͤberzwerg auslaufen; obschon ihre Flaͤche uͤbrigens glatt genug ist. Auf der in- nern Seite oͤfnen sich diese Huͤlsen der Laͤnge nach, von der Spitze an, daß man ihre beyde schwarze Saamen sehen kann. Diese bestehen in sehr lan- gen, schwarzen, glaͤnzenden und lang zugespitzten, et- was hoͤckrigen, scharf zusammengetrockneten Koͤr- nern, die auf der Seite rund, auf der andern aber platter sind, und einen weißen Kern haben. Daß aber die Sabadillenpflanze nicht zum Ge- schlechte der Gerste , der Wolffswurz , der Ritter- sporren und anderer gehoͤren koͤnne, ist vorhero schon gesagt worden, sondern vielmehr zu einer glatten Art eines fremden Veratri , welches nach dem Zeug- niß des Roedderr . vid. Alberti Medic. Legal . Lib. VI. obs. 23. und aus der Hallenschen Erinnerung noch wahrscheinlicher wird, indem derselbe von dem Ge- brauche der Wurzeln eines amerikanischen Veratri in etlichen Provinzen Erwaͤhnung thut. Die beruͤhm- ten Herrn Verfasser des Wuͤrtenbergischen Dispen- satorii glauben von der Sabadille , daß sie entweder zum Acenito oder Veratro gehoͤre, die von der Phar- macopaea Rossica hingegen fragen, Sabadillae semen an veratrum? Was Was den Geruch der Sabadille betrift, so hat sie in ihren trocknen Zustande gar keinen, der Geschmack hingegen ist desto widriger, bitter und dabey brennend scharf, er faͤllt Zunge und Gaumen stark an, mit einer ziemlich anhaltenden Wirkung, wie etwa die frischen Wurzeln von Aron , der Weiß- nießwurz , die Beeren und Rinden von Rellerhals , der Staphisagriasaame , das Euphorbium , der frisch geriebene Merrettig , die Wurzel des Aconiti Napelli , und nach meiner besondern Erfahrung, das Pulver von der Esula officinarum oder der Euphorbia Cyrapissiar . Linn. und mehrere. Was aber die Verschiedenheit des feuchten oder trocknen Zustan- des, der Zubereitung, nebst den Graden des Trock- nens, die Reife und das Alter, nebst der Aufbe- wahrungsart solcher Mittel, dabey thue, daß eine in frischen Zustande so durchdringend beitzende Schaͤrfe sich, nebst dem ekeln und bittern Geschma- cke, laͤnger erhalte, oder vermindre, ist schon be- kannt. Denn bey verschiedenen gehet die Schaͤrfe, welche in einem sauern Salzwasser bestehet, wel- ches mit dem brennbaren in einer genauen Verbin- dung ist, mit den fluͤchtigen Antheilen, auch wohl sehr bald davon, dagegen sie bey andern ohne Ge- ruch mit den fixen, harzig-schleimigen Theilen sehr fest verbunden, oder auch zugleich in einer dicken, fetten, oͤligen Vermischung sehr tief verstecket, und eingewickelt ist, von welchen Umstaͤnden in der Ord- nung nung der scharfen Arzeneyen Beyspiele genug vor- handen sind. Der scharfe Meerrettig wird, nach dem Austrocknen, eben so suͤße und gelinde gefun- den, als eine trockne Ruͤbe in der Speise, und die scharfen, rettig- und kressenartigen Pflanzen wer- den aus diesem Grunde, wegen Verlust ihres schar- fen fluͤchtigen Wesens, als des eigentlich wirksamen Antheils, und folglich mit Verlust ihrer Arzeneykraͤf- te, vergeblich in den Apotheken aufbehalten. Ih- re Saamen dauern etwas laͤnger, sobald sich ein di- ckes, fettes, oͤliges Wesen in ihrer Grundmi- schung befindet, und sie bey der Verwahrung nicht allzu warm gehalten werden. Wenn nun vorerwaͤhnte Umstaͤnde, nach den Gruͤnden der Naturgeschichte, Naturlehre und Chymie , wie es seyn muß, hier als richtig voraus- gesetzet werden, so wird uns sowohl die natuͤrliche Verwandschaft der Sabadillenpflanze , als die Be- schaffenheit ihrer innern Grundmischung uͤberzeu- gen, daß dieselbe ihren Platz unter den scharfen Arzeneymitteln habe; wie davon mit mehrern ge- sagt werden soll. Monardes war der erste, der ohne eine richtige Bestimmung gleichsam vorlaͤufig von ihren Eigenschaften und damahls bekannten Ge- brauche in seiner Geschichte der westindischen Ar- zeneyen Anzeige that. Fragosus, Durantes, Casp. Bauhinus und andere entlehnten diese erste Nach- richten von ihm. Botan. Abhdl. II. B. E Nach Nach Anzeige dieser Nachrichten, ist die Sa- badille , so wie sie noch davor gehalten und gebraucht wird, schon vor brennend, beizend und hitzig gehal- ten worden. Da nun uͤberdem dieses mexikanische Pflanzengemische, nach Anzeige der, bey der Saa- menreife, noch uͤbrig bleibenden Blumen- und Frucht- theile, die ohnehin schon verdaͤchtige natuͤrliche Ver- wandschaft mit dem Aconito und Delphinio aͤußert, und wegen der nach besagter Reife noch uͤberbleiben- den Blumenkrone zu dem Geschlechte des Veratri oder Hellebori albi gerechnet werden muß, so verbin- den wir diese sinnliche vorher gesagte Kennzeichen der Schaͤrfe im Geschmacke, noch mit dem bey den Alten schon 1574 bekannt gewesenen Arzeneygebrau- che in etlichen amerikanischen Provinzen. Dieses alles, nach richtig erwiesenen und an- genommenen Gruͤnden der Naturgeschichte, Natur- lehre, Chymie und Wissenschaft der Arzeneymittel vorausgesetzet, bringet die Sabadille in die Arze- neyklasse der scharfen und beizenden Mittel . Ohne nun das vorhergesagte weiter zu wiederholen, muß man also wissen, daß Nic. Monardes Hist. Pl. Lib. VIII. Cap . 9. der erste gewesen, welcher ohne eine richtige bestimmte Geschichte von der Sabadillen- pflanze zu geben, von deren Eigenschaft, Wirkungs- art und damahligen Gebrauche Erwaͤhnung gethan. Fragosus lib. 4. Hist. Cap. 140. und Cast. Durante s Herb. Nov. Lib. II. Cap. 116. C. Bauhin . Theatr. Botan . Cap. XXVI. wie auch die Botanici Lugdunen- ses ses , wie schon gesagt, haben ihre Nachrichten daraus hergenommen. Es ist aber die Sabadille , wegen der ihr zuge- schriebenen erweißlichen sehr hitzigen und brennend- beizenden Eigenschaft, besonders als ein aͤußerli- ches Pulver beym kalten Brande, unreinen , fau- len oder um sich fressenden Wunden ohne eine wah- re Vereyterung, statt eines mercurii sublimati und cauterii actualis mit Nutzen angewendet worden. Man hat ferner bemerket, daß das Sabadillenpul- ver , nach der Groͤße der Geschwuͤre und Verschie- denheit der Fistelschaͤden, nach und nach dabey in ge- ringerer oder groͤßerer Menge gebraucht, dieselben von Faͤulniß und Wuͤrmern gereiniget und zur Hei- lung gebracht. Um aber die Schaͤrfe, wie man glaubte, etwas zu mildern und seinen Zweck besser zu erhalten, brachte man das mit Rosenwasser etwas verduͤnnte Sabadillenpulver auf Umschlaͤge von fei- ner Leinwand, die man sowohl auf noch verborgene theils offene Geschwuͤre legte. Auf deren vorher- gehenden Gebrauch wurden hernach, unter verschie- dener Beurtheilung der Wundaͤrzte, die so genann- ten sarcotica angewendet. Fast auf aͤhnliche Art hat man sich auch gedachten Pulvers in allen boͤsartigen Geschwuͤren der Thiere mit den besten Folgen be- dienet. Was konnte demnach wohl uͤberzeugender seyn, um die Haupteigenschaft der Sabadille vorlaͤufig zu bestimmen? nur der Geruch mangelte bey einer so E 2 aus- ausnehmend beizenden und durchdringenden Schaͤr- fe, diese letztere war auch nicht einfach, wie der un- gemein widrige mit Bitterkeit vermischte Geschmack zur Gnuͤge beweiset. Die Klasse der scharfen und beizenden Arzeneymittel ( acrium, irritantium, adu- rentium, exedentium, causticorum medicamentorum , ) hat von beyderley Arten solcher Mittel noch sehr be- traͤchtliche aufzuweisen, welche, ohne hier von den Mineralreiche zu sprechen, saͤmmtlich Produkte des Pflanzenreichs sind. Bey dem einen Theile dieser Klasse ist ein ziemlicher Vorrath von solchen, aus deren Grundmischung, so lange sie gruͤn oder doch frisch genug sind, sich im Verhaͤltniß der uͤbrigen fixen, harzigen und schleimigen, auch oͤligen Grund- mischung eine große Menge oͤlig-hoͤchst fluͤchtiger scharfer beissender Daͤmpfe von selbst, entweder bey einem vergroͤßerten Grade der Luftwaͤrme, oder auch sonst bey einer geringen Bewegung entwickelt. Dagegen nicht wenige andere gefunden werden, wo dieses fluͤchtige einfache oder mehr oͤlige scharfe Wesen in verschiedener Menge in einer harzigen, schleimig, erdigen, auch zuweilen fetten, dicken, oͤligen Grundmischung dergestalt tief versteckt und eingewickelt ist, daß es ganz so lange unmerklich blei- bet, bis es entweder durch ein bloßes Zerreiben oder Stoßen der ganzen Massen oder andere Zubereitung dermaßen in Bewegung gebracht wird, daß es mehr sinnlich werden und dermaßen entwickelt werden muß, daß es mit den zarten Pulverstaͤubchen oder als als ein Duft in Mund, Nase und Augen flieget, wo- selbst es nach verschiedenen Graden der Heftigkeit, Schmerzen, Beißen, ein Jucken, Nießen und Thraͤ- nen, mit einem Speichelflusse und Abgang von schleimigen Feuchtigkeiten verursachet: wie es bey den kurz vorher angezeigten fluͤchtigen, scharfen, auch zuweilen dabey balsamisch- und gewuͤrzhaften, wohl- riechenden Mitteln angemerkt wird. Ob indessen die Sabadillenfruchthuͤlsen und Saamen in ihren frischen Zustande nicht eben gleich andern, einen scharfen, feinen Geruch und eine fluͤchtige Schaͤrfe haben, und auch einen sehr em- pfindlich reizenden Duft von sich geben, laͤßt sich jetzt bey ihren getrockneten Zustande, in welchen wir sie ziemlich lange nach ihrer Einsammlung erhalten, nicht genau bestimmen, wie etwa ein besonders oͤli- ger, fluͤchtiger Antheil, außer einer betraͤchtlichen Menge, die wir zur chymischen Untersuchung an- wenden koͤnnen, alsdenn nicht selten zum Vor- schein koͤmmt. Genug, daß man aus der Erfah- rung weiß, daß sie im Munde beym Kauen, Zunge und Hals durch ihre Schaͤrfe bis zur Entzuͤndung reizen, dabey stark zusammenziehen, und einen Speichelfluß erregen. Schiffsleute, Soldaten und Moͤnche wissen davon auch zuverlaͤßig, daß das Sabadillenpulver , so, wie die Streffenskoͤrner ( Staphisagria ) aͤußerlich gebraucht, das Ungeziefer bald und ganz sicher ver- treibe. Sie bedienen sich zu dem Ende entweder E 3 des des Pulvers selbst, und gestoßenen Petersiliensaa- men in die Haare gestreut, oder in einer mit Schwei- neschmalz gemachten Salbe. Oft nehmen sie ganze Stengelchen, die mit den Fruchthuͤlsen und Saamen besetzet sind, und naͤhen sie uͤberall in die Kleider. So gewiß aber als des Pulvers aͤußerlicher erlaubter Gebrauch von vorigen Zeiten her immer seyn kann, so sehr haben die alten erfahrnen Aerztc schon, so wie die neuen angehenden und uͤberhaupt je- dermann vor dessen innerlichen Gebrauch, der heftig brennenden Schaͤrfe halber, mit Recht gewarnet, deren Gedanken man in den medicinisch-prakti- schen Schriften selbst nachsehen kann. Daß man aber wohlgethan, unerfahrne, verwegene und alle von sich eingenommene Anfaͤnger vor dessen Gebrau- che zu warnen, so wie man von dem Gebrauche des B esam , mercurii sublimati , des Eisens, Rampfers , der Fieberrinde und anderer, unter jungen Aerzten niemahls eben zu gleichguͤltig denken darf, zumahl bey solchen, die ohne Rath und Ueberlegung ge- wohnt sind, auch nur bloß um der Neuigkeit willen, und auf jedes Geschrey, alles nachzumachen, braucht wohl keinen Erweiß; denn es haben viele zu Neue- rungen, in dem Gebrauche der Arzeneymittel, einen fast allzu starken Hang, ohne daß sie die schon be- waͤhrten alten vorher recht zu kennen suchten und anzuwenden verstehen sollten. Bey diesen ist eine wiederholte Erinnerung und Aufmerksamkeit aller- dings noͤthig. Ihre Erfahrungen, die sie ohne ei- ne ne schlechterdings dazu erforderliche vernunftmaͤßige und dazu passende Krankengeschichte uͤberall gar bald verbreiten, verdienen viele Einschraͤnkungen, und so lange als verdaͤchtig, desto weniger Glauben, bis sie von aͤchten Meistern der Kunst die das Sie- gel der Wahrheit besser anwenden, nach richtigen Gruͤnden, wohl gepruͤfet und mit den eigentlichen Kennzeichen der Gewißheit versehen worden sind. Denn Seneca sagt Lib. I. Epist . 75. Non quaerit aeger medicum eloquentem, sed sexantem . Dagegen bleibet es einem Meister der Arzeneykunde allezeit frey, die Arten von Giften, als die allerwirksamsten Na- turprodukte, mit Einsicht in gute Arzeneyen zu ver- wandeln und zu gebrauchen, von welchen sie nur auch in verminderter Dosis nach hohen Graden einer natuͤrlichen Wirksamkeit verschieden sind. Denn dergleichen Meister, denen noch mehrere bey andern freylich sehr fremde Mittel bekannt sind, verstehen sie nach ihrer Wirkungsart und deren moͤglichsten Abweichung durch den verschiedenen Widerstand der Kraͤfte des menschlichen Koͤrpers aus der nothwendig vorhergehenden Zubereitung derselben, auch auf eine gleiche Weise nach dem abwechselnden Krankheitszu- stande und dem Unterschiede der Krankheitsmaterien, und besonders nach der schon erwaͤhnten großen Ver- schiedenheit der koͤrperlichen Naturen, nach beson- dern Umstaͤnden, Ursachen und Ausnahmen zu ge- brauchen. Sie muͤssen also in der Wahl, Anwen- dung und Anwendungsart solcher Heilmittel zur in- E 4 ner- nerlichen und aͤußerlichen freye Hand behalten. Ihre schon lange vorher vernunftmaͤßig gesammelte Erfah- rungen geben allen solchen Heilungsarten die eigent- liche Vorschrift mit einem ganz besondern Gewichte. In vorigen Zeiten hat man abwechselnd gear- beitet, den ohnehin fast uͤberfluͤssig angewachsenen Arzeneyschatz von sehr verdaͤchtigen Mittel zu reini- gen, andere hat man ohne gegruͤndete Versuche ge- fuͤrchtet, etliche ganz verworfen. In unsern Zeital- ter thun sich bey denen zum Theil wirklich giftigen, zum Theil vor giftig gehaltenen und in Vergessenheit gerathene Mitteln ganz neue Erscheinungen hervor, indem man im Ernst bemuͤht ist, diese nuͤtzlich zu machen und wieder im Gebrauch zu bringen. Sabadille gehoͤret unter die letztern, nehmlich unter die natuͤrlich scharfen erweißlichen Pflanzen- Gifte , das sind solche, deren beizend-brennender Geschmack vor sich allein ihren innerlichen Gebrauch verdaͤchtig genug macht, daß sie bloß durch geschick- te Anwendung, nach den richtigsten Anzeigen wohl gemischt und zubereitet, in maͤßiger Dosis einigen Gebrauch haben koͤnnen: der Zufall macht sie zu- weilen weniger schaͤdlich, als sie natuͤrlicher Weise seyn koͤnnten. Die bekanntesten und fast gemein- schaftlichen Kennzeichen ihrer Schaͤdlichkeit sind vor andern folgende, welche sie auch, wenn sie gruͤn oder doch noch frisch genug sind, nach verschiedenen Graden der Heftigkeit an den menschlichen Koͤrper aͤußern, wenn sie innerlich oder aͤußerlich in demsel- ben ben wirken koͤnnen: wenn sie durch den Mund und Schlund nach den Magen, besonders den nuͤchter- nen und leeren gebracht werden, als wenn sie unter andern durch die Wunden zu dem Blute und uͤbri- gen koͤrperlichen Saͤften eingedrungen, erregen sie ins- gemein sehr schwere bedenkliche oder gar toͤdtliche Zufaͤlle, die die heftigsten Entzuͤndungen bewirken und den heißen und kalten Brand: und Tod nach sich ziehen. Die Schriftsteller der praktischen Arzeneyge- lahrheit sowohl, als diejenigen Besichtigungen derer daran verungluͤckten Personen und die daruͤber erstat- teten gutachtlichen Berichte, welche die bey den Ge- richtshoͤfen so oft vorkommenden traurigen Vorfaͤlle aufgezeichnet, legen uns dergleichen so deutlich vor Augen, daß wir ihnen ihre Guͤltigkeit nicht abspre- chen koͤnnen. Niemand wird es also rechtschaffenen Aerzten verdenken, wenn sie von solchen noch allzu wenig versuchten Mitteln dieser Art unter vielen Einschraͤnkungen und Behutsamkeit sprechen. Um aber hiebey uͤberhaupt einen Mittelweg zwischen Beyfall und Zweifel zu erwaͤhlen, wird es weder ungewoͤhnlich noch uͤberfluͤßig seyn, dergleichen zu weitern Versuchen, und physisch-chymischen medicinischen Bemerkungen den Wegordentlich zu bahnen, und koͤnnen folgende vor dem Anfang dazu dienlich seyn. Wenn man acht Unzen von dem zu Pulver gestoßenen Sabadillensaamengemische in destillir- ten oder andern recht reinen Brunnenwasser etliche E 5 Tage Tage lang beizet, und nach deren Verlauf dem an Geschmacke sehr scharf und brennend gewordenen Aufguß durch ein sehr gelindes Retortenfeuer wie- der davon anziehet, so bleibet ein gewisser Theil desselben, welchen man als ein recht wohl gesaͤttigtes Decoct in der Retorte zuruͤcke gelaßen. Wenn man dieses letztere wohl ausdruͤcket, das Decoct durch- seigert, und endlich bey einen gleichfals gelinden Ab- dampfen bis zur gemaͤßigten Dicke eines Honigs oder guten Extraktes bringet, so wird dasselbe am Ge- wichte etwa zwey Loth betragen, woraus man als- denn wahrscheinlich wissen kann, daß aus jeder Unze der Sabadille ungefaͤhr ein Quentgen des be- sagten Extraktes habe geschieden werden koͤnnen, welches bey den Chymisten extractum primum aquo- sum gummosum s. mucilagineum genennet wird. Der oben erwaͤhnte recht reichlich gesaͤttigte Sabadillen- aufguß auf Wasser ist ohne Geruch und oͤlige Spu- ren, sonst aber einigermaßen saͤumig oder ungrioͤs, er brauset auch mit einer fixen alkalischen Solution vermuthlich deswegen noch nicht auf, weil die darin- nen zu tief versteckte Saͤure, nach dem zu starken Ver- haͤltniß des schleimig erdigen Antheiles, allzu sehr eingewickelt oder davon uͤbersetzet ist, daß die Saͤu- re zu ihrer voͤlligen Entwickelung eine besondere und bekannte Zubereitung erfordert. Laͤßet man ferner vier Unzen des gedachten Sabadillenpulvers mit Alkohol hinreichend uͤber- gießen , und darinnen acht Tage lang beizen, so er- haͤlt haͤlt man davon eine recht starke Tinktur , die man abgießen und durchseigern kann. Das Extractum primum spirituosum s. resinosum ist fast zwey Loth schwer , daß also jede Unze der Sabadille beynahe zwey Quentgen davon enthaͤlt. Beyderley Ex- trakte wuͤrden indessen, wenn man die vorgemeldete Untersuchungsart durch abwechselnde Fortsetzung veraͤndern wollte, noch einigen Abgang leiden. Von der angegebenen mit starken Weingeist gemachten Tinktur ist noch so viel zu merken, daß sie beym Abziehen einen uͤberaus starken, vortreflichen, et- was gewuͤrzhaften Geruch von sich giebt; obschon von dergleichen in trocknen Saamen, wie von einem gewuͤrzhaften Oele , selbst nichts zu spuͤren ist; es muͤste denn von den Sabadillensaamen eine Menge zusammen bearbeitet werden, daß man durch die Destillation dergleichen in wenigen Gewicht erhielt, auch wohl nur als Spuren unscheidbar bemerkte. Doch bin ich, nach Anleitung der beyden vor- her angezeigten Produkte, nehmlich der Aufguͤße, Tinkturen und weiter daraus zubereiteten Extrak- ten , mehr geneigt zu glauben, daß die offenbare und durchdringende Schaͤrfe , sowohl im harzigen als schleimigen , doch in dem ersten Grundwesen in weit groͤßerer Menge befindlich sey, als in dem letz- tern. Die Klasse der scharfen Arzeneyen enthaͤlt dergleichen Beyspiele, wie auch solche, wo die Schaͤrfe , bald in einen hoͤchst fluͤchtigen feinen und sehr einfachen salzig-brennlichen Wesen , bald bald in einem solchen bestehet, welches zugleich mit oͤlig-fluͤchtigen verbunden ist. Armoracia, Squilla, Arum, Staphisagria, Aconitum, Helleborus albus, Clematis, Mezereum und andere, sind Beyspiele da- von mit mehrern aus der Klasse von uͤbermaͤßig ab- fuͤhrenden Brech- und Purgiermitteln . Was nun die ofterwaͤhnte Schaͤrfe betrift, welche allen Arzeneyen ihrer Klasse wegen der unan- genehmen Empfindung der Wirkungsart und Folgen das eigentliche Hauptmerkmal giebt, so zeiget der Geschmack einer noch kraͤftigen Sabadille davon, daß sie sowohl im Pulver als in beyden Extracten , deren Aufgusse, Decocte und Tinktur recht lebhaft durchdringend, beizend , oder brennend sey. Dieses wird man bald empfinden, wenn man ein weniges davon auf die Zunge bringet, wo es ein recht schmerzhaftes Brennen mit einem starken Speichel- flusse erreget, wie Aconitum Napellus , und diese unan- genehme heftige Wirkung weiter im Halse bis in die Nase verbreitet, daß sich der stechende Schmerz kaum unter einer Stunde in etwas vermindert. Es vergleichet sich die Sabadille deshalb der Wirkung des Hellebori albi und Aconiti Napelli gar sehr, wel- che beyde auch ohne merklichen Geruch sind. Der scharfe, ekle und unangenehme bitterliche Ge- schmack ist, wie bey erstern, der nehmliche, nur daß der etwas anziehende Nebengeschmack bey der Sabadille nicht bemerket wird, und von den beym fixen Grund-Bestandtheilen, die die oft gedachte bren- nen- nende Schaͤrfe enthalten, ist schon das noͤthige er- innert worden. Wir uͤberlaßen die fernere Beurtheilung und Anwendung, sowohl der gelinden und scharfen, als der caustischen Mittel, dem vernuͤnftigsten und erfahren- sten Theile der praktischen Aerzte, welche nach sichern Anzeigen zu unterscheiden verstehen, wenn, wo und wie die hoͤchst scharfen Arzeneyen anzu- wenden sind, wie ihre Heftigkeit vermindert wer- den koͤnne und muͤsse, auch folglich diejenigen Krank- heiten und Faͤlle richtig zu bestimmen im Stande sind, bey welchen bald der innerliche bald nur der aͤußerliche Arzeneygebrauch statt finde. Kurze Kurze Nachricht von der Debrezinererde als ein Beytrag zur Erlaͤuterung der natuͤrlichen Geschichte des mineralischen feuerbestaͤndigen Laugensalzes. D aß das Koͤnigreich Ungarn, mit denen daran graͤnzenden und zum Theil dazu gehoͤrigen Laͤndern, an Fossilien und Mineralien einen sehr ansehnli- chen Schatz besitze, daß auch eben dasselbe an aller- hand nuͤtzlichen Produkten einen nicht wenig be- traͤchtlichen Vorrath zur Materialhandlung und Manufakturen liefere, ist bekannt. An Verschie- denheit solcher Dinge uͤbertrift es andere noch weit- laͤuftigere Reiche sehr weit; wie denn auch noch meh- rere dergleichen, und von Zeit zu Zeit in mehrern Ge- Gegenden dieses fruchtbaren Koͤnigreiches entdecket werden. Ein betraͤchtlicher Theil aber davon, hat noch nicht gehoͤrig untersucht werden koͤnnen, oder es haben ihm Oeconomie- und Cameralverstaͤndige, doch aus diesem Grunde, wegen einiger davon zu zie- henden Vortheile, noch in wenige oder keine Be- trachtung gezogen. Was hat Ungarn nicht außerdem schon, seit dem Ausgange des vorigen, und dem jetztlebenden Jahrhunderte nach und nach vor betrachtungswuͤr- dige Naturkoͤrper, im Thier- und Pflanzenreiche der Naturgeschichte uͤbergeben, was wird es nicht noch thun, da man sich von den Arbeiten derer kays. und koͤnigl. Hrn. Bergraͤthe Brummer, Jaquin und Scopoli in allen drey so genannten Naturklassen so vieles versprechen kann. Ihre zum Theil schon sehr aufmerksamen Vorarbeiter, die daselbst sehr einzeln wohnenden Naturforscher und Chymisten, nebst an- dern Reisenden haben durch einzelne Bearbeitun- gen der Mineralien und besondere Sammlungen und Beschreibungen der Gewaͤchse und Thiere, bey aller Gelegenheit Vortheile gestiftet: andere ha- ben durch neue Entdeckungen und Erfahrungen, dabey den Weg zu nuͤtzlichen Erfindungen auch Er- laͤuterungen mancher wichtigen Grundsaͤtze gebah- net. Nicht zu gedenken der einzelnen Schriften und Nachrichten, die theils die Bergwerke und Minera- lien betreffen, oder auch hin und wieder in den Ta- gebuͤchern der roͤmisch kayserlichen Naturforscher auf- aufbehalten sind, so will ich nur statt aller, des Clusius Geschichte der Gewaͤchse in Ungarn, und des, wegen mehr als eines Umstandes, sowohl in der gelehrten Geschichte, als der vorigen Kriege halber, hoͤchst merkwuͤrdigen Grafen von Marsilli, und des- sen vortreflichen Danubii gedenken. Die Vorthei- le, die ihr Fleiß, zusammengenommen, gestiftet hat, sind außer Zweifel, und wir muͤssen ihnen vielen Dank schuldig seyn, da sich die Fruͤchte ihrer Be- muͤhungen, auch bis auf uns erstrecken. Denn was sind nicht ehedem noch, unter an- dern, vom Natro der Egyptischen und anderer war- men Laͤnder, vor falsche oder doch sehr dunkle Nach- richten von so vielen Schriftstellern verbreitet wor- den, und wie oft ist nicht das Natrum mit dem Nitro der neuern Naturkundigen, von Gelehrten und Ungelehrten, deßwegen verwechselt worden, was hat man ferner in dieser Absicht, von so ver- schiedenen Erden, Erdlagen, Gruben und Quellen, andern nachgeschrieben, in welchen sich eine gewisse natuͤrliche Salzart vor andern z. E. in Persien, Armenien, Natolien, Egypten, Lybien, Ostindien, auch mehrern warmen Laͤndern befinden sollte, de- ren verstuͤmmelte Geschichte hernach, bey der Erklaͤ- rung von der Erzeugung des Meersalzes, Steinsal- zes, Salpeters, Salmiacks und Borax, zum oͤftern so gar uͤbel angewendet worden ist. Wir haben die- serwegen keinen Beweis zu fuͤhren noͤthig, und wer- den den auch dadurch uͤberzeuget, wie viel aller Arten der Geschichte, an der Wahrheit gelegen seyn muͤsse. Solchen gruͤndlichen Naturforschern und Chy- misten, muß man also um desto mehr Ehre und Dank wiederfahren laßen, die ohne etwa die großen Luͤcken der gekuͤnstelten und auf so unsichern Grund- saͤnlen erbauten, auch uͤberhaupt noch viel zu ge- schwind errichteten Lehrgebaͤude erst ausbessern zu wollen, sogleich mit der Untersuchung solcher zwei- felhaften und unbestimmten Naturkoͤrper selbst, auf eine zwar muͤhsame, aber auch weit einfachere und richtigere Weise, von neuen zu Werke gegangen sind, um von deren Grundmischungen und ihren Verhaͤltnissen gegen andere Koͤrper, und denen da- her ganz unleugbar entspringenden Eigenschaften etwas entscheidender urtheilen zu koͤnnen: daß wir nunmehro, nach einem hoͤhern Grade der Wahrschein- lichkeit, von vielen Umstaͤnden, aus denen bey an- gestellten Versuchen vorkommenden Erscheinungen, zu schließen im Stande sind; ob wir im uͤbrigen gleich den hoͤchsten Gipfel in der Naturwissenschaft zu besteigen niemahls hoffen duͤrfen. Zu solchen Gedanken hat mir eine oͤftere Ver- gleichung der Nachrichten und Bearbeitungen Anlaß gegeben, die sich wegen des egyptischen Natri, des mineralischen feuerbestaͤndigen Laugensalzes, eines vermeinten Salpeters, auch des Glauberschen Wundersalzes nebst andern dahin gehoͤrigen Be- schreibungen von salzigen Erden, Erdarten und Botan. Abhdl. II. B. F daraus daraus gezogenen weiter versuchten Laugen, hin und wieder in denen Misc. Acad. Nat. Curiosor: als un- ter andern Ann. 9. Obs. 196. von Johann. Otto Helbig befinden, ferner auch in Haselquists Reise- beschreibung, p. 548. wegen Egypten, in des Herrn Direct. Marggrafs chymischen Schriften I. Theil pag. 144 — 189. Herrn Hofr. Models Untersu- chung vom Borax und des persischen Salzes, Hen- kels Flora saturnizante, den Schriften der koͤnigl. Akademie von Paris. An. 1729, D. Justi Johann Torkos Berichte von den natuͤrlichen Alcal. hunga- rischen Mineralsalze, vom Jahr 1766, nebst andern Schriften unserer großen deutschen Naturforscher, die sich besonders mit Untersuchung der Mineralwas- ser und so genannten Gesundbrunnen beschaͤftiget haben. Hierzu ist neuerlich eine zuverlaͤßige Nach- richt von der Debrezinererde gekommen, die ich dem Hrn. Kagel , einen fleißigen und geschickten natur- forschenden Brandenburger zu danken habe, welche den Kennern und Liebhabern um desto angenehmer seyn muß, da sie zur Erlaͤuterung der Geschichte ei- niger salzigen Erden, und des mineralischen feuer- bestaͤndigen natuͤrlichen Laugensalzes, sehr wohl die- nen kann. Nur gedachter Naturforscher, dessen Aufmerk- samkeit auf natuͤrliche Koͤrper seinen Aufenthalt in Ungarn etliche Jahre verlaͤngerte, und ihm die Be- kanntschaft mit großen und geschickten Maͤnnern an verschiedenen Orten zuwege brachte, hatte von einer Seife Seife gehoͤret, die ihrer Guͤte und mancher Vorzuͤge halber, durch ganz Ungarn im Gebrauch seyn sollte. Er brachte mir daher ein Stuͤck davon mit; sie ist recht trocken, glatt und fett und leicht anzufuͤhlen, dabey weiß und uͤbrigens so beschaffen, daß sie der ve- nedischen Seife sehr gleichet. Da sie nun sich immer trocken haͤlt, niemahls schmierig und stinkend gefun- den wird, ist sie im gedachten Koͤnigreiche in den meisten Gegenden in einen besondern Ruf, und wird weit und breit verfuͤhret. Sie wird in Debrezin gemacht, und die da- sigen Seifensieder bedienen sich, bey deren Zuberei- tung, einer gewissen besondern salzigen Erde, die an Farbe grau, am Geschmacke aber ganz offenbar und stark alcalisch oder laugenhaft befunden wird. Sie ist manchmahl reiner, als gewoͤhnlich, aber oft nicht ohne das Glaubersche Wundersalz, und alle- zeit mehr oder weniger fett, wie sich in den weitern Nachrichten davon ergeben wird. Dergleichen aͤhnliche Erden, die in ihrer Vermischung mehr oder weniger von einem natuͤrlichen reinen oder unreinen mineralischen feuerbestaͤndigen Laugensalze enthalten, finden sich unter andern in Ostindien auch, und zwar im sandigen Boden, und auf der Kuͤste von Coro- mandel nicht weit vom Strande. Von einer derglei- chen trift man in schon angefuͤhrten Misc. Nat. Cu- riosor: eine Nachricht an, die den ehedem beruͤhmten Johann Otto Helbig , einen ostindischen Arzt, zum F 2 Ver- Verfasser hat. Von dieser Erde wird gemeldet, daß sie bey der Stadt Tegnopatonam , von einer hellgrauen Farbe, fast taͤglich in den Morgenstunden eingesammlet worden. Man glaubt von ihr, daß der dasige Grund und Boden selbige die Nacht uͤber austreibe. Man bedienet sich derselben insgemein bey Verfertigung einer Lauge, der man, wenn sie vorher mit ungeloͤschten Kalk geschaͤrft worden ist, verschiedene farbige Kraͤutersaͤfte beymischet, um damit allerhand bunte Tuͤcher auszumahlen. Eben diese hellgraue Erde, welche mit den mineralischen Laugensalze reichlich versehen ist, soll nach des Hrn. Helbigs Anzeige, wenn sie vorher an dem Orte ih- rer Entstehung, eine Zeitlang in der freyen Luft ge- legen, die Saͤure aus der Luft an sich ziehen, und sich dadurch von selbst in ein Mittelsalz verwandeln, welches gedachter Arzt, doch sehr uneigentlich, vor einem wahren Salpeter (Nitrum) ausgiebt. In der Geschichte der koͤnigl. Akademie zu Pa- ris vom Jahr 1729 wird von einer solchen Erde gehandelt, die sich in Natolien um Ephesus und Smyrna finden soll. Der fleißige Herr Hofrath Model gedenket in seiner Abhandlung vom Borax, und dem dazu gehoͤrigen Anhange vom persischen Salze, p. 44. §. 7. einer grauen zwischen den Fin- gern fett anzufuͤhlenden Erde, die mit etwas Sand und Holzspaͤhnen vermischt gewesen, und woraus sich, nach der Aufloͤsung des persischen Salzes im destillirten Wasser, nehmlich aus zwey Unzen, 75 Gran Gran niedergeschlagen haben. Das also noch un- reine Salz hatte dem Wasser eine helle gelbe Farbe gegeben, welches Salz, nach der sehr gegruͤndeten Muthmaßung dieses Chymisten, schon vorher auf- geloͤset, und in ein Stuͤck zusammengebracht, auch zugleich von dem groͤbsten und unreinsten Antheile der Erde selbst mit andern fremden Dingen gerei- niget worden war. Der verstorbene Haselquist hat in seiner Rei- sebeschreibung p. 548. eine Nachricht vom Natro in Egypten hinterlaßen, der zufolge das Natrum von einer weißroͤthlichen Farbe, in Vermischung ei- nes Kalksteines, aus einer Grube, bey Mansur ge- bracht wird. Er sagt, daß er mit dem Essig auf- brause, sonst aber unter den Egyptiern hauptsaͤch- lich einen gedoppelten Gebrauch habe, und von den Baͤckern daselbst im Lande, statt des Sauerteiges, ins Brod gemischet werde, um dadurch die noͤthige Gaͤhrung desselben zu bewirken, außerdem diene dasselbe Salz statt der Seife, das leinene Geraͤthe damit auszuwaschen. In wie vielen Gegenden der verschiedenen Welttheile werden nicht noch die Lagen von der- gleichen salzigen mehr oder weniger reinen Erde an- getroffen, die die vorerwehnten Merkzeichen eines feuerbestaͤndigen mineralischen Laugensalzes, in oder außer Vermischung und Verbindung mit andern Koͤrpern nicht haben sollten, da wir außerdem das Weltmeer in so vielen Weltgegenden so sehr gesal- F 3 zen zen antreffen, Salzbergwerke, und am ausgehen- den unserer Gebirge so viele Salzquellen, Salz- seen, auch allerhand Mineral- und Bitterwasser, Sauer- und Gesundbrunnen haben, in welchen die- ses Salz, in Vermischung des Kuͤchensalzes und des Glauberschen Wundersalzes, in gar verschiedener Menge befindlich ist. Da nun unser Naturforscher nicht gleich an- fangs oftgedachte alcalische Erde, sondern nur die da- mit verfertigte Debrezinerseife erhielt, so loͤsete er diese Seife sogleich in genugsamen Wasser auf, und saͤtigte die davon gemachte Lauge gehoͤrig mit der Vitriolsaͤure, in welcher sich, unter waͤhrender Saturation, eine ziemliche Menge von einem weißen ganz schmierigen Talg oder Unschlitt abgesondert hatte. Die gesaͤttigte Lauge wurde alsdenn siltrirt und abgeraucht, da sich denn hernach mit der ersten erfolgenden Crystallisation zugleich eine sehr weiße Gypserde zeigte, und ein Salz, das dem Glauber- schen Wundersalze sehr gleich war, auch wie jenes und einige Brunnensalze, in der Waͤrme zerfiel. Zuletzt kam noch ein Tartarus vitriolatus dazu, welcher so, wie die Gypserde selbst, nach aller Wahrscheinlichkeit, bey der Saturation mit der Vi- triolsaͤure, mit der Kalkerde, entstanden seyn muste, weil der Seifensiederlauge noch etwas Asche beyge- mischet gewesen seyn mochte. Hierauf erhielt unser Naturforscher die gleich anfangs angezeigte alcalische Erde selbst, in denjeni- gen gen Zustande, in welchen sie an Ort und Stelle von den Seifensiedern zur Seife genommen wird, nehmlich aus der Debrezinischen Gegend nebst dem unreinen alcalischen Salze, und zwar aus dem bogo- dischen See. Dieses letztere enthaͤlt nebst dem al- calischen Salze zugleich, etwas vom Glauberschen Wundersalze, welches in den Debrezinischen Salz- erden abwechselnd ist. Wenn die graue Erde, nicht so vieles Salz enthielte, wuͤrde sie vermuthlich nicht hellgrau, sondern schwaͤrzer seyn. Diese nuͤtzliche Erde wird an verschiedenen Or- ten der Debreziner Gegend gefunden, so wie in ge- wissen Jahreszeiten auch das auf derselben anschie- ßende Salz selbst. Alle Jahre fast entdecket man noch mehrere dergleichen Oerter, die mit einer etwas fet- ten Erde und haͤufigen Salze versehen sind. Die Doͤrfer, wo eine solche Erde vor andern gesammlet wird, sind Berezke, Sziget, Vamos und Dirts. Der gleich anfangs genannte Presburgische Arzt Torkos hat, bey seinen 1754 angestellten Un- tersuchungen etlicher Sauerbrunnen im Zolienser Comitate, ein natuͤrliches alcalisches Salz entdeckt, wovon er berichtet, das dasselbe hin und wieder im Koͤnigreiche Ungarn, in manchen unterirdischen Hoͤ- len und Bergkluͤften, in manchen warmen Baͤdern und Sauerbrunnen, in den Rinnen, Kanaͤlen und Gaͤngen derselben, wie auch in der Erde, wo sich solche Mineralwasser ausbreiten und versinken, des- gleichen auf manchen flachen Feldern und in Thaͤlern F 4 zu zu finden sey. Er hat indessen keine Gegend, noch weniger einige Oerter insbesondere mit Nahmen an- gezeiget, wo er es eigentlich vor andern gefunden, noch weniger aber von einen daselbst bekannten Ge- brauche gewisse Erwaͤhnung gethan, wie denn viel- mehr dessen Absicht dahin gegangen ist, seine daraus zu seinen Privatnutzen verfertigte arcana, nehmlich, den Liquorem Alcalicum polychrestum, und sein Sal Alcalicum polychrestum dem Publico zu em- pfehlen. Indessen warnet er dennoch, daß man sich vorsehen solle, andere aͤhnliche und unreine, auch nicht alcalische Salze damit zu verwechseln. So viel man nun von der Debrezinersalzerde muͤndlich oder schriftlich in Erfahrung bringen koͤn- nen, so wird auch das bloße Salz, ohne die Erde, recht gut, allein, und ohne alle Kunst eingesammlet, wenn man nur dabey die Jahres- und Tageszeit wohl in Acht nimmt. Nach allen Zeichen, wenn es auf eine solche Art gewonnen wird, ist es ein wah- res mineralisches feuerbestaͤndigen Laugensalz, der- gleichen der Torkos schon Sal alcalinum minerale pannonicum genennet hat. Dessen Sammlung aus oͤfters angezeigter Erde geschiehet bey guter Witterung, nicht das ganze Jahr hindurch, sondern außer dem Winter, allezeit im Fruͤhlinge und im Sommer, wenn der Thau faͤllet, vor Aufgang der Sonne, dahingegen die Erde bey guten trocknen Wetter in Fruͤhlinge, Sommer und Herbste gesam- let werden kann. Das Das schneeweiße Salz findet sich, zu besagter Zeit, ganz frey auf der Erde, an solchen Stellen, wo kein Gras waͤchset, da es denn in solcher Menge aus der Erde hervorkoͤmmt, daß man es sammlen kann; und zwar in einer solchen Ge- stalt, wie sich etwa die Flores Antomonii dar- zustellen pflegen. Alsdenn wird es mit feinen Besen oder Flederwischen sauber zusammen gekeh- ret. Allein dieses letztere geschiehet auf eine und eben der Stelle mit Vortheil nur einmahl, daß man also mit andern frischen Stellen immer abwech- seln muß, die Sammlung auch nicht uͤber dreymahl wiederholen darf, weil man sonst von diesem noch zu zarten Salze, allzuwenig zusammen bringen wuͤrde. Herr Hofr. Springsfeld saget in seiner Ab- handlung vom Carlsbade, §. 41. von einem Erd- salze, welches sich in Gestalt eines Schnees an die Felsen, Gewoͤlbe, Mauern und Rinnen anleget, daß dasselbe rohe Salz, so, wie er es gesammlet hat, sich durch alle Proben, als ein wahres alcalisches Salz, verhalten habe, wenn er es aber gelaͤutert ha- be, waͤren dessen Crystallen, nach allen Versuchen, ein Mittelsalz gewesen, wie er es auch sonst bey den aus dem Wasser des Carlsbades ausgekochten Salz- Crystallen gefunden habe. Niemand wird sich daruͤ- ber wundern, wenn er auf die von der Crystallisation uͤbrig bleibende, und weiter zu evaporirende Lauge Acht hat, auch niemand, welcher weiß, das das F 5 rechte rechte Carlsbadersalz aus einem Sale alcali minerali fixo, und einem Sale mirabili Glauberiano, insge- mein bestehe. Dieler Umstand trift auch bey eini- gen Ungarischen Salzerden, aber nicht durchgehends bey allen ein. Die salzreiche Debrezinererde enthaͤlt einen ziemlichen Antheil ihres alcalischen Salzes in klei- nen Crystallen, die zum Theil mit dem bloßen Auge zu unterscheiden sind, und die Gestalt eines Glau- berschen Wundersalzes haben, zum Theil ein Ver- groͤßerungsglas zur Unterscheidung erfodern. Ihr Geschmack ist laugenhaft, und wenn man die Erde, wenn sie noch roh ist, mit etwas gereinigten Sal- miack, in einem glaͤsernen Moͤrser, ganz trocken zu- sammenreibet, so wird dadurch das fluͤchtige Salz aus dem Salmiack los gemacht. Unser Naturforscher loͤsete nun die oft gedach- te etwas fette Erde in einer hinreichenden Menge von kalten Wasser auf, die Solution davon muste sich setzen, und die klar gewordene Lauge wurde fil- trirt. Nach einem gelinden Abrauchen gab diese Lauge recht schoͤne und ziemlich weiße Crystallen, die man, nach allen Kennzeichen, vor ein wahres Sal minerale alcalinum fixum halten muste. Die getrockneten Crystalle vom ersten Anschusse aus der ersten Lauge wurden zum andernmahle aufge- loͤset, womit es aber dieses mahl schon etwas lang- samer hergieng, als es sonst wohl nicht mit andern Salzen aus den Kraͤuteraschen zu geschehen pfle- get. get. Wie es denn mit dem Auslaugen, der Cry- stallisation, Filtration, fast eben so geschieht, bis endlich in Zeit von 14 Tagen, schoͤne weiße und dabey ziemlich große rhomboidalische Crystallen an- geschossen waren, die auf dem Loͤschpapier in freyer Luft getrocknet wurden, hernach aber wie gewoͤhn- lich in ein weißes Pulver nach und nach zerfal- len sind. Die von dieser Crystallisation uͤbrig gebliebene und abgegossene braune Lauge ist hernach in einem Glase mit der Vitriolsaͤure saturirt worden, wel- ches mit einem heftigen Aufbrausen geschahe. Diese Lauge war dermaßen stark alcalisch, und dabey rein, daß sich aus derselben, weder bey der Vermischung mit der Vitriolsaͤure, noch nach derselben, auch nicht bey der Evaporation, das geringste separiren oder praecipitiren wollte, außer, daß man im Filtro hernach etwas sehr weniges von einen fetten schmie- rigen Wesen ( unguinoso ) antraf. Aus dieser mit der Vitriolsaͤure also saturirten und zum anschießen hingesetzten Lauge entstand ein wahres Glauber- sches Wundersalz, in recht großen und schoͤnen Cry- stallen, die hernach in der Waͤrme eben so, wie das vorher verfertigte Sal alcali minerale selbst, zu Pulver zerfallen sind. Vom Sale minerali alcalino, wurden ferner 2 Quentgen, da es noch in festen Crystallen stand, in einer Glaßschale, in die Waͤrme gebracht, damit es es zerfallen sollte, welches auch geschahe, da denn das uͤbergebliebene Pulver am Gewichte nur 2 Scrupel betrug, daß also davon ein Quentgen und ein Scrupel verlohren gegangen waren, welches das beym Austrocknen verdampfte Wasser eben aus- machte. Diejenige Erde, woraus der groͤßte Theil des salzigen Wesens durch das Auslaugen gezogen wor- den war, und die man im Filtro zuruͤcke gelaßen hatte, wurde hernach mit vielen kalten Wasser vollends ausgesuͤßet, und, soweit sie sich etwa ab- schlaͤmmen ließ, gehoͤrig geschlaͤmmet; da sie denn auf dem Grunde eine reine Kieselerde zuruͤck ließ. Der davon abgeschlaͤmmte obere Theil hinge- gen zeigte sich als eine Thonerde, mit wenigen kalkartigen Spuren, und es wurde daraus ein klei- nes Gefaͤß gemacht, daß im brennen gut zusammen hielt. Der Magnet hat zwar die darinnen ver- steckt gewesenen Eisentheilgen nicht entdecken wol- len, doch ist die Thonerde durch das Brennen un- gemein roth geworden, und duͤrfte sich das Eisen nunmehro bey fernerer Bearbeitung und angewen- deten Handgriffen doch naͤher zeigen. Die fortgesetzten Versuche mit der Debreziner- erde sind folgende: es sind nehmlich davon noch 2 Pfund, nach dem Wiener Krahmergewicht gerechnet, nach und nach, in sehr vielen kalten Wasser aufgeloͤ- set worden, die daraus gezogene Erdlauge war braun, und braußte, wie das reine und unreine Salz Salz selbst, mit allen leichten und schweren Saͤuren sehr stark auf, das den mercurium sublimatum orangegelb niederschlaͤgt, und den Violensaft graß- gruͤn faͤrbet. Sie wurde sehr gelinde evaporirt, und zur Crystallisation hingesetzet, welche aber, des vielen darinnen befindlichen schmierigen fetten Wesens halber, uͤberaus schwer, und nicht sobald von stat- ten gieng, als man es verlangte, doch aber zuletzt ihre Crystallen gab. Aus der ersten Crystallisation der braunen Erd- lauge von 2 Pfund Debrezinererde erhielt man 2½ Unze der besten rhomboidalischen Crystallen, die an der Luft in ein Pulver zerfielen, und sonst die ge- meinen und uͤberall bekannten Eigenschaften des salis mineralis alcalini in allen Proben erwiesen. Die uͤbrige von nur besagten Crystallen abgezogene Lauge wurde bis zur voͤlligen Trockne evaporiret, und ließ eine Unze zwey Quentgen eines schwarz- braunen alcalischen Salzes zuruͤcke, welches in ei- nem mit Papier leicht bedeckten Glase sich uͤber 4 Monate noch immer ganz trocken hielt. Zwey Pfund von der Debrezinererde haben zusammen 3 Unzen und 6 Quentgen vom Sale aleali minerali fixo gegeben. Nach Verlauf von 4 Wochen wurde das letztere braune trocken gebliebene alcalische Salz mit Wasser aufgeloͤset, und der eine Theil mit Cremore Tartari bis zu den erforderlichen Punkte saturiret, mit welchen er eben so stark, als mit den aceto aceto destillato aufbraußte; da sich denn unter waͤhrenden Aufbrausen der nehmliche Gestank aͤußerte, denn man spuͤret, so bald man die Lauge von der spanischen Soda mit Cremore Tartari sa- turiret. Die Solution wurde filtriret, und zum An- schießen hingesetzet; da denn die darinnen entstande- nen Crystallen, dem Sali polychresto de Seignette ganz aͤhnlich waren. Von dem alcalischen Salze aus der Debre- zinischenerde von der ersten Crystallisation ist noch zu merken, daß sich dasselbe, nach seiner Cal- cination, fast auf eine aͤhnliche Art, wie die Blut- lauge bey einer Praecipitation, verhalten habe. Denn die davon besonders gemachte Lauge hat die Solutionem vitrioli martis blau niedergeschla- gen, auch eben diese Farbe gegeben, wenn Alaun dazu gesetzet worden ist. Das Oleum Tartari per deliquium hingegen wollte eben diesen Solutionen keine blaue Farbe geben. Man vergleiche dieserwegen, mit denen hier eben angefuͤhrten Umstaͤnden, nur diejenigen Nach- richten und Gedanken, die man daruͤber in des be- ruͤhmten Bergrath Henckels Flora saturnizante finden kann. Deßgleichen die Arbeiten und Anmer- kungen des Herrn Hofrath Models , im Anhange zur Abhandlung des Borax de Sale Persico. Zur Bereitung der Blutlauge aber wird ein Sal alcali volatile erfordert: da nun unser alca- lisches mineralisches feuerbestaͤndiges Salz, nach seiner seiner Calcination, in der Solution die Eigen- schaft einer Blutlauge aͤußert, so muß man nicht vergessen, was zum Theil von einen fettigen Wesen in der Erde selbst erinnert worden ist, zum Theil auch einsehen, daß, nach aller Wahrscheinlichkeit, die haͤufig faulenden animalischen und vegetabili- schen Koͤrper den Grund zu einen brennbaren fet- ten schmierigen Wesen haben legen koͤnnen, wel- ches eine so stark alcalische Erde sehr haͤufig in sich gezogen und behalten hat. Woher hat also nun, wenn man die Umstaͤnde ordentlich zusammen nimmt, aus einen alcali fixo ein alcale volatile, wenn es auch nur gegen die uͤbrige große Menge des Salzes ein weniges betragen sollte, entstehen koͤnnen oder vielmehr muͤssen. Wie ich hoffen kann, so wird dem Herren Bergrath Scopoli zu Schemniz diese alcalische Er- de nebst vielen andern nicht entgehen, da er ge- genwaͤrtig auf kayserlich koͤniglichen Kosten, we- gen der Produkte aller Naturreiche, auf seinen Reisen durch Ungarn Versuche anzustellen Er- laubniß erhalten hat, und man hat alle Hoffnung, daß dessen Entdeckungen die Naturwissenschaft um ein vieles bereichern werden. Von Von der Pflanzung und Wartung des Holzes . D ie vornehmste Schuld des immer steigenden Holzmangels ist die sehr aus der Acht gelaßene und vernachlaͤßigte Wartung und Pflanzung der Waͤlder. Es ist nicht wahr, daß das Holz keiner Anbanung von noͤthen habe, und daß es von selbst an denen Orten, wo es gefaͤllt worden, eben so gut wieder aufwachse, als wenn man solches pflanzet; sondern die Erfahrung zeiget, daß da, wo die schoͤnsten Tan- nen gefaͤllt worden, viele Jahre nichts wieder her- vorgekommen. Es ist also noͤthig, zu sehen, wie man den Wachsthum desselben nachhelfen, und be- foͤrdern koͤnne. Im Laubholz ist es zwar nicht noͤ- thig, weil solches, sobald ein Hau ausgehauen ist, sogleich wieder aus den Stoͤcken und Wurzeln aus- schlaͤgt, und bey diesen Holz muß man nur darauf sehen, sehen, daß man es so nahe als moͤglich von dem Stamm weg haue, weil es desto staͤrker ausschlaͤgt. Hingegen in Tannen- und andern Hochholze kann man durch Pflanzung das Wachsthum sehr befoͤr- dern. Wenn man einen Wald faͤllt, und kein jun- ger Fasel allbereit vorhanden ist, so muß man die Stoͤcke zusammt den Staͤmmen faͤllen, die etwa vor- handenen Stauden und Straͤucher ausrotten, und den Platz verebnen. Wenn das geschehen ist, so muß man Achtung geben, ob gegen Abend ein Wald gelegen sey, der reifes Holz hat, das Saa- men traͤgt. Ist ein solcher vorhanden, so kann man hoffen, daß sich der Platz von da wieder, vermit- telst des Windes, besaͤen werde. Ist kein solches Holz vorhanden, so muß der Platz fleißig besaͤet werden, wie wir unten zeigen werden. Es ist auch in einen solchen Holz, wo schon einiger junger Fasel vorhanden ist, besser, daß man ausstocke, weil im Faͤllen der Baͤume derselbe leicht beschaͤdiget und verderbt wird, und weil das junge Holz auf umgearbeitetem Boden besser fortwaͤchset, als auf alten; noch besser ist es, wenn man einen solchen Boden, zu mehrerer Umarbeitung, mit Hafer besaͤet. Ueberhaupt aber muß man darauf Achtung geben, daß er ganz eben gemacht werde, und keine Loͤcher und Vertiefungen bleiben, in die sich das Wasser versetze, so daß Suͤmpfe und seichte Oerter daselbst entstehen; wo neben den Stoͤcken, von einem vor etwas Zeit gefaͤll- ten Holz, schon schoͤner junger Aufwachs vorhan- Botan. Abhdl. II. B. G den, den, ist es besser, daß man die Stoͤcke stehen laͤßt, und damit sie desto eher faulen, muß man sie der Laͤnge nach spalten, damit sie in der Mitte hohl werden, und sich das Wasser darein setze. An jaͤhen Orten und sonderlich an solchen, die einen steinichten Bo- den haben, darf man nicht ausstocken, weil die Wasserguͤsse den Grund wegfuͤhren wuͤrden. Es koͤmmt viel darauf an, was man fuͤr eine Gattung Holz auf ein Stuͤck Land pflanzt, weil das eine da- rauf besser fortkoͤmmt, als das andere. Der Unter- schied bestehet in der Lage gegen Morgen, Abend und Mitternacht, in der Hoͤhe oder Tiefe, und in der Natur des Bodens. Auf einem ebenen Lande kann man einen Eichwald pflanzen, wann der Bo- den nur nicht zu naß und sumpficht ist. Man kann auch Eichen zu Vorholz mit Nutzen rings um ande- re Hoͤlzer, an den Straßen und Zaͤunen nachstecken. Die Lage gegen Morgen und Mitternacht ist besser, als die gegen Mittag: man kann daselbst entweder zu Bauholz Buchen, Tannen, Eschen, Ahornen, Ilmen, Steinlinden und Eichen pflanzen: oder aber zu Brennholz, am meisten Buchen, auch Eschen, Ahornen, Steinlinden und Tannen, je nachdem man eine Gattung Holz noͤthig hat, oder mit Vor- theil verkaufen und wegfuͤhren kann; liegt ein Stuͤck gegen Mittag und Abend, so kann man zwar am Fuß des Berges auch noch obbemeldete Gattungen Holz pflanzen. Je hoͤher man aber koͤmmt, desto schlechter und duͤrrer ist gemeiniglich der Boden, und und kann man in der Mitte und zu oberst Tannen pflanzen. Ueberhaupt im guten Grund waͤchset alles Holz gut. Fuͤr den nassen moosigten, gehoͤren die Weißtannen, und besonders die Saarbachen (Pappeln), Erlen, Weyden, Eschen, wenn er gar zu naß ist, wie unten gezeiget wird. Hingegen ein Boden, der mit kleinen Steinen vermengt ist, ist der beste fuͤr Rothtannen, die im sumpfigten so- wohl, als im sandigen und hitzigen Boden, faulen und stockroth werden. Wo wegen vielen Wasser fast kein Holz wachsen kann, muß man Erlen pflan- zen, die ein gut Brennholz geben, und bald erwach- sen sind, so auch Weiden; in Suͤmpfen kann man vermittelst Graͤben, die man aufwirft, das Wasser abziehen, und auf den erhoͤhten Theil die Erlen pflanzen. Den Eichensaamen sammlet man unter dem Baume, und bringt ihn sogleich in dem Boden. Die Buͤchnuͤßlein schuͤttelt man vom Baume, legt sie an einem Ort, wo die Luft durch ziehet, zu trock- nen. Wenn die Kaͤlte einbricht, vermengt man sie mit Spreu oder trocknen Sande, und verwahrt sie bis im Fruͤhlinge. Die Weißtannzapfen muß man vor Martini sammlen, weil sie von der ersten Kaͤlte zerfallen. Man leget die Zapfen an die Kaͤlte, da- von sie zerspalten, so daß man sie zerreiben kann, und der Saamen heraus faͤllt. Die Rothtannzap- fen kann man von Martini bis im Merz sammlen, sie spalten nicht von der Kaͤlte, sondern von der G 2 Waͤrme Waͤrme auf. Den Erlensaamen zu sammlen muß man die Zaͤpflein abnehmen, wann sie sich oͤffnen wollen, dieselben in einem Sack mit einen Stecken schlagen, hernach muͤssen sie gewannet, und zum Aussaͤen mit ausgesuchter Asche oder Sand ver- mengt werden. Der Eschen- und Ahornsaamen wird im August- und Herbstmonat gesammlet; so auch der Stein-Linden- und Lindbaumsaamen. Der Ilmensaamen kann schon im May gesammlet werden, und wenn er sogleich gesaͤet wird, koͤmmt er auch im gleichen Jahre wieder hervor. Man muß aber, um einen Wald anzusaͤen, den Grund erst wohl zubereiten. Zu einen Eich- wald ackert man im Fruͤhling das Feld um, und besaͤet es mit Haber; im Herbst wird es wieder umgeackert, und wenn es etliche Wochen geruhet, mit der Egge uͤberfahren; sodann stecket man die Eichen reihen- weiß, und uͤberfaͤhret sie wieder mit der Egge. Die Buchnuͤßlein (welche klein sind) werden gesaͤet und untergeegget. Der Tannen und Lerchensaamen soll im Fruͤhlinge gesaͤet werden, wenn das Land vorher im Herbste umgekehret, und im Fruͤhlinge nieder geegget worden. Wenn aber ein Stuͤck Land auf die eine oder andere Weise besaͤet worden, so koͤmmt es denn am allermeisten darauf an, daß man den jungen Aufwachs nicht beschaͤdigen laße. Zu dem Ende sollte im keinen jungen Aufwachs Vieh gelaßen werden, weil das Vieh alles ohne Unter- schied abfrißt; daher entweder kein Holz aufkommt oder oder das, so etwa noch aufkoͤmmt, krumm und un- gestalt wird, welches an dem Bauholze ein großer Schade ist. Wenn aber das Holz dem Viehe ent- wachsen ist, daß es seinen Wipfel nicht mehr errei- chen kann, so kann man es wohl wiederum darein zur Weide laßen. Dieses geschiehet in einen Laub- holze ohngefehr im 25ten Jahre, und etwa, nach Beschaffenheit des Bodens, fruͤher ober spaͤter. Ein Tannenholz hingegen kann ein wenig eher der Weide wieder geofnet werden, manchmal schon im 8ten Jahre, auch im 12ten oder 15ten, je nach Beschaffenheit des Bodens; aber es wird sodann wenig oder gar kein Gras mehr darin vorhanden seyn: Am besten waͤre es, das Weiden im Holze uͤberall aufzuheben, zumal neben dem Abfressen das Vieh auch dadurch schadet, daß es mit seinen Hoͤr- nern die Rinde verletzt, darbey auch das Holz beschaͤ- diget wird, und mit seinen Horn die Wurzeln ver- brennt. Grasen soll man in einen jungen Holze eben so wenig, und eben so lange Zeit nicht, als weiden, weil man theils daß junge Holz abhaut und beschaͤdiget, theils ihm den noͤthigen Schutz gegen Frost und Hitze entziehet. Eben die Bewand- niß hat es auch in den Laubhoͤlzern mit Sammeln des Laubes, welches man nicht zulaßen kann, bis das junge Holz aufgewachsen, damit die Wurzeln nicht zu sehr entbloͤßet werden: auch soll man sich nur leich- ter Instrumenten, als Besen, nicht aber der eisernen Rechen bedienen: und einige Monate aufhoͤren, weil G 3 der der junge Anflug schon unter dem Laube aufkeimet. Es geschiehet gar oft, sonderlich im Tannenholze, daß vor und mit den jungen Fasel, Doͤrne von allen Arten aufwachsen. Wenn es nur leichte Doͤrne sind, wie Brombeeren und Heidelbeeren, so hat es nichts zu bedeuten, ja wo man sonst nicht Sorge hat, daß kein Vieh dahin komme, so ist es noch ein Vor- theil, indem sie dasselbe vom Fasel abhalten, und her- nach, wenn der Fasel aufwaͤchst, verderben. Hin- gegen aber Stechpalmen, Weißdoͤrne, Schwarz- doͤrne, Faulbaͤume, wilde Aepfel, u. s. w. schaden den Fasel, und laßen ihn nicht aufkommen. Wenn also schon Doͤrne vorhanden, ehe der Saamen auf- gegangen ist, so ist es am besten, man arbeite den ganzen Boden um, und rotte sie also von Grund aus. Wenn sie aber mit sammt den jungen Fasel aufkommen, so braucht es mehr Muͤhe, man kann sie denn nicht aus der Wurzel reißen; jedoch, wenn man sie im Fruͤhling, da der Saft darin ist, mit ei- nem Grabeisen untersticht und auf die Seite druͤckt, verderben sie auch ganz. Solches kann man schon verrichten, wenn der Fasel nur ein oder anderthalb Schuh hoch ist. Wo sie sich erst zu zeigen anfangen, kann man sie auch mit dem Rebmesser ausvotten. In Laubwaͤldern (Staudenholz) kommen weniger Doͤrne auf, und schaden auch weniger. Ferner muß man Achtung geben, wann ein Wald muͤsse verduͤnnert werden. Da ist nun ein Unterschied zu machen, wenn ein Holz nur von ei- ner ner Gattung ist, und wenn mehrere Gattungen ne- ben einander darin stehen. Ein junger Eichwald kann in Zeit von 15 bis 20 Jahren so verduͤnnert werden, daß keine andere als Eichbaͤume darin ste- hen, und diese ungefehr 2 bis 3 Schuh weit von ein- ander. Wenn er so dann 20 Jahre wiederum ge- standen hat, so nimmt man eine Hauptverduͤnnerung vor, da alles was nicht schoͤn, gerade und wachs- muͤndig ist ausgehauen wird; sodann laͤst man ihn andere 40 Jahre stehen. Da er aber in solcher Zeit sehr weitlaͤuftig wird, maßen die Staͤmme 50 bis 100 Schuh weit von einander zu stehen kommen, so kann man mit Nutzen Kopfholz zwischen hinein pflanzen, als Eschen, Maßholdor, sonderlich Hage- buchen, die man dann in der Hoͤhe von 6 bis 10 Schuh abhaut, so daß sie in 15 oder 20 Jahren ei- nen betraͤchtlichen Vortheil an Brennholz auswer- fen. Ein Buchwald, der zu Oberholz bestimmt ist, soll von 15 bis 20 Jahren das erstemahl so verduͤn- nert werden, daß die Aspen, Erlen, Weiden, Bir- ken, Maßholder, Mahlbaͤume, wilde Birnen und Ae- pfelbaͤume ausgehauen werden; das zweitemahl aber etwa in seinen 30ten Jahre, da denn die Baͤu- me auf eine gewisse Weite verduͤnnert werden, und bis er erwachsen ist, hinfuͤhro nichts als das unter- wachsene ausgebauen wird. Ein Laubholz aber, daß zu 36 oder mehr Jahren ausgeholzet wird, oder die so genannte Haͤue, haben gar nicht noͤthig ver- duͤnnert zu werden. Ein Tannenholz sollte erstlich G 4 etwa etwa 25 Jahr dichte in einander aufwachsen, ohne verduͤnnert zu werden; sodann wuͤrde es wiederum 10 Jahre stehen, und wiederum verduͤnnert werden, und so nach und nach bis auf 100 Jahre, da man dann erst die groͤßten Stuͤcke zu Bauholz und Schiff- tannen noch stehen laͤst. Wenn ein Tannenwald nicht enge und dichte waͤchst, so schlaͤgt er desto staͤr- ker in die Aeste, da man dann die untersten nach und nach und bedachtsam abhauen, und den Baum ohne Schaden schneiteln kann. An dichtern Holze nuͤtzet es weniger, oder ist unnoͤthig, und wirft auch nichts aus. Wenn man aber aufstuͤcken oder schneiteln will, so muß solches vom Gallustage bis zu Ende des Wintermonaths geschehen; man muß die Aeste von unten auf abhauen, und Sorge tragen, das die Rinde am Stamm nicht verletzt werde. Man muß aber den Rothtannen allezeit wenigstens 9 Ringe stehen laßen. Es ist ferner noͤthig und nuͤtzlich zu wissen, was fuͤr Krankheiten und schaͤdlichen Zufaͤllen einzelne Baͤume oder ganze Stuͤcke Holz ausgesetzet sind, davon sie entweder verderben oder zum Gebrauch ganz unnuͤtz werden, um demselben wo moͤglich, vor zu bauen. Die Eichen nehmen großen Scha- den, wenn ihnen die Rinde abgestreift wird; sonst sind sie auch den Schroͤteln stark ausgesetzet, die sie inwendig zerfressen; insonderheit auch die aͤltern abstehenden Eichen einem Ungeziefer, das sie durchloͤchert, daher man sie zur rechter Zeit, ehe sie gaͤnz- gaͤnzlich verderbt sind, faͤllen muß. Die Buchen sind gesunde Baͤume, sie verderben aber, wenn sie von andern uͤberwachsen werden, daher ist es besser, man laße sie nicht zu enge in einander stehen. Auch wenn an einen solchen Baum Schwaͤmme wach- sen, muß man sie faͤllen, sonst verfaulen und verder- ben sie. Eben so kann auch der Eschenbaum nicht fortwachsen, wenn er von andern Baͤumen uͤber- wachsen ist. Der Ilmenbaum ist einer der ge- sundesten, dauerhaftesten Baͤume, daher er im Laubholz vorzuͤglich zu pflanzen ist. Die Rothtanne wird im Wachsthum gehemmet, wenn man sie allzu hoch aufstuͤckt, oder wenn sie an der Rinde sonst stark verletzt wird. Am allermeisten schadet ihr das Harzen; sonst schadet ihr auch das Epheu gar sehr. Diesem allen kann man vorbeugen. Neben diesen aber wird sie auch vor Alter krank, wenn sie nicht auf gar guten Boden steht, denn auf mosigten Grunde faulet sie schon fruͤhe, und im trocknen wird sie stockroth. Diesen muß man vor- kommen, wenn man einen Wald anlegt, und dabey nach obbemeldeten Regeln verfahren. Steht aber der Wald schon da, so ist nichts bessers zu thun, als in Zeiten, sobald sich die Krankheit spuͤhren laͤßt, den Wald faͤllen. Insbesondere aber scha- den die starken Windstuͤrme den Tannenwaͤldern, daß sie verderben, weil sie in ihren Wurzeln be- wegt worden sind. Diesem vorzubeugen, muß man, wie oben schon angerathen worden, Eichen G 5 zur zur Vormauer vor die Tannenwaͤlder pflanzen, da, wo die Winde am staͤrksten anstoßen. Wo aber der Schaden geschehen, kann man ihm am aller- besten ersetzen, wenn man denselben Platz umar- beitet, und mit jungen Taͤnnlein 1 bis 2 und einen halben Schuh hoch besetzet. Aber dieses muß entweder im Herbst oder im Fruͤhlinge geschehen, wenn sie noch nicht im Saft sind. Die Weißtan- nen sind dauerhafter und staͤrker, doch bekommen sie eine Gattung Kroͤpfe, die zwischen Holz und Rinde ansetzen, und um sich fressen, davon der Baum faulet; im Anfange kann man sie aushauen, sonst thut man wohl, wenn man auf Baͤume, die auf diese oder andere Weise beschaͤdiget sind, Ach- tung giebt, und sie beym verduͤnnern weghaut. Eine jede Gattung Holz hat auch eine gewisse Zeit, waͤhrend welcher es zu seiner Vollkommenheit gelangt, nachhero aber nicht groͤßer wird, so daß man es alsdann faͤllen muß. Diese Zeit ist bey dem Eichen am laͤngsten, kuͤrzer bey den Tannen, noch kuͤrzer bey dem Laubholz, und bey obernannten Haͤuen. Sie ist aber auch verschieden, in Absicht auf Lage und Boden; da in dem einen Grund und Gegend ein Holz laͤnger waͤchst und zunimmt, folg- lich auch nicht groͤßer wird, wenn man es gleich laͤn- ger stehen ließe. Ein Eichwald kann bis auf 200 oder 300 Jahre stehen. Das hoͤchste Alter des Tannenwaldes ist 150 Jahr, da er dann Staͤmme von 120 bis 140 Schuhe haben soll, im andern Grund Grund und Lage waͤchst er nur 70 bis 80 Jahr, und wird nicht groͤßer dann 50 bis 70 Schuh. Es giebt noch andern Grund und Boden, wo er nur 50 Jahre waͤchst, und nicht hoͤher wird, als 30 bis 40 Schuh. Diese Zeiten sind also kuͤrzer oder laͤn- ger, je nachdem der gute Holzboden mehr oder we- niger tief reichet; von welcher Tiefe das Abstehen der Baͤume hauptsaͤchlich abhaͤngt. Andere Arten, die auch zu Bauholz erwachsen, koͤnnen gemeinig- lich 100 Jahre stehen und zunehmen, besonders in guten Grund. Laubholz hingegen, oder die so ge- nannte Winterhaͤue, werden mit dem meisten Nu- tzen zu 25 bis 30 Jahren abgeholzet. Da aber diese Zeit unbestimmt ist, und man zu fruͤh oder zu spaͤt ein Holz faͤllen koͤnnte, so sind gewisse Zeichen und Merkmahle, auf die man Ach- tung geben muß, um die eigentliche Zeit zu bestim- men, wenn ein jeder Wald besonders zu faͤllen sey. Bey den Eichen ist das Zeichen, wenn sie keine oder nur kleine Schuͤße und Aestlein druͤcken; insonder- heit aber, wenn ihr Laub schon im August anfaͤngt gelb zu werden, und abzufallen, so ist dieses ein Zei- chen, daß der Baum nicht mehr in seinem Wachs- thum ist. Bey den Tannen, wenn sie oben hinaus keine lange Kerzen treiben; wenn das Reiß zu aͤu- ßerst in den Aesten abfaͤllt; und sie ihre lebhafte gruͤne Farbe verlieren; so ist es hohe Zeit, den Wald zu faͤllen. Im Laubholze ist neben den Zei- chen, wie bey der Eiche, auch noch dieses ein Merk- mahl mahl, wenn das junge Holz aus den Stoͤcken aus- schlaͤgt, und die alten Staͤmme faulen. Wenn man auf diese Zeichen nicht Achtung giebt, und ein Holz uͤberstehen laͤst, so nimmt das alte Holz ab, wird duͤrre und faul, indessen daß der junge Fasel, be- sonders im Laubholz, zwar waͤchst, aber dann beym Faͤllen des alten Holzes verderbt wird. Die Jah- reszeit, das Holz zu faͤllen, ist von Martini bis im Merz, wenn der Saft bestanden ist; es ist den Wurm weniger unterworfen, und giebt im Brennen besser aus. Eichen und Rothtannen kann man im Fruͤh- ling faͤllen, weil die Rinde davon geschaͤlet wird, aber den Sommer uͤber nicht auf den Boden liegen laßen, sondern mit etwas unterlegen. Man soll nicht faͤllen, wenn es hart gefroren ist, wegen den jungen Aufwachs: wenn dergleichen vorhanden, so schadet es ihm mehr, wenn er in der Kaͤlte beschaͤ- diget wird, als wenn er im Saft waͤre. Wo man beym Faͤllen eines Waldes zugleich ausstockt, ist es ebenfalls gut, wenn solches im Herbst geschiehet, weil sodann der umgeworfene Boden sich dem Win- ter uͤber bauet. Es koͤmmt auch viel darauf an, von welcher Seite ein Wald angegriffen werde, so wohl der Winde halber, als auch, damit die Sonne nicht zu stark auf den abgeholzten Platz scheine, und der junge Fasel verdorre. Man muß soviel moͤglich sehen, daß der Wald an der Morgenseite angegriffen werde, denn so besaͤet ihn der Abendwind von selbst, indem er den Saamen aus dem noch ste- hen- henden Holz darein traͤgt. Auch muß man sehen, daß das gefaͤllte Holz nicht uͤber den jungen Fasel weggeschleift werde, weil es sonst darin großen Scha- den thun wuͤrde. Es koͤmmt endlich auch bey Faͤllung eines Hol- zes viel darauf an, daß man dasselbe wohl anzuwen- den wisse, indem man von dem einen Holze sehr viel mehr Nutzen ziehen, und es theurer verkaufen kann, wenn man es zu einen Nutzen widmet, als vom an- dern. Bey dem Eichen hat es seine Bewandniß, daß es, so viel moͤglich, alles zu Bauholz bestimmt wird, das schoͤnste und spaltigste aber zu Stab- und Boͤtt- cherholz. Vom Tannenholze ist der groͤßte Nutzen, wenn man Boͤttcherholz daraus verfertiget. Das- jenige aber, so nicht gern spaltet, zu Saͤgbaͤumen und Bauholz bestimmt: das kleinere, so gern spal- tet zu Weinpfaͤhlen, wo nicht zu Bauholz; und end- lich das uͤbrige zu Brennholz. Das Laubholz ist am eintraͤglichsten, wenn man allerley Gattung Wagnerholz daraus liefern kann, oder auch Bau- holz; das uͤbrige aber ist zum verbrennen gut. Kurze Kurze Erlaͤuterung eines mit Vortheil zu verbessernden Hopfenbaues O bschon der wilde und zahme Hopfen ohne wei- tere Beschreibung bekannt genug seyn koͤnnte, der Anbau des letztern aber, nebst dessen verschiedenen vortheilhaften Anwendungen, noch weit bekannter seyn muͤßte; so macht doch ein unter den Landleu- ten dagegen herrschendes Vorurtheil, noch immer haͤufige Einwendungen, gegen welche alle zeitherige Aufmunterung fast nicht mehr hinreichend seyn wol- len. Wo sonst des Grundes und der Lage wegen Gelegenheit zum Hopfenbau ist, macht eine gute Einrichtung, bey einer Anzahl fleißiger Arbeiter, bald einen sehr ansehnlichen Zweig der Landwirth- schaft daraus. Bey guten Jahren traͤgt der wilde Hopfen im fetten Grunde stark zu, daß man ihm unter den andern mit verbrauchen kann: an sich aber, ist ist er der leichteste, weniger gewuͤrzhaft und stark, auch am Geschmack unangenehm, krautig, bitter und herbe. Man kauft und baut deßwegen den englischen und boͤhmischen Hopfen, oder doch an- dere davon fallende gute Arten. Das erstere schaft heimlich vieles Geld aus dem Lande und der Wirth- schaft, das letztere ziehet das Geld in die Landwirth- schaft, und verschaft uns starke dauerhafte gesunde Biere. Wenn man in Gaͤrten oder Bergen den Hopfen mit Nutzen bauen will, hat man zufoͤrderst auf den Platz, dessen Lage, Grund und Zubereitung zu se- hen. Eine freye Lage an der Nordoͤstlichen Seite, wo eine abwechselnde reine Luft, die Duͤnste leicht zerstreuen kann; wo keine uͤbermaͤßig druͤckende schwuͤhle Luft den Honig- und Mehltau leichte her- vorbringet und die Bluͤte verdirbt, ist die beste. Naͤße und Schimmel koͤnnen hier nicht uͤberhand- nehmen. Die Morgensonne ist deßwegen dem Hop- fen besonders zutraͤglich, er mißraͤth an dieser Seite seltner, und man hat wegen Kaͤlte und schaͤdlichen Nebel in den Sommermonaten weniger zu fuͤrchten. Die Suͤd-West und Nordwestseite hingegen wer- den mit einen Schutze von bald wachsenden Erlen, Ruͤstern, Espen, Weißpappeln oder Weiden verse- hen, um gegen die Reife des Hopfens die Stoß- winde im August und September etwas abzuhalten: diese Holzarten, wenn sie 8 Fuß von der Erde gestu- tzet, tzet, und aller 6, 8 bis 10 Jahr gehauen werden koͤnnen ohnedem gute Stangen geben. Der rechte Grund zum Hopfenbau muß locker, gemaͤßigt feuchte, fett, warm und fruchtbar seyn, wenig andere Frucht getragen haben, und von allem Unkraute und Wurzelwerk rein gemacht und gehal- ten werden. Ein tragbahrer Wiesegrund, ein fet- tes neues Bruch-Moor- und Kohlland schicken sich fast am besten dazu, wenn sie gehoͤrig erhoͤhet und durch tiefe Graben von allem wilden Wasser und kalten Quellen befreyet worden. Wie denn der gute Grund unter 3 Fuß nicht seyn kann, auch keine zaͤhe, kalte Thonlager, sondern vielmehr einen gro- ben Grand oder Grieß unter sich haben soll. Die hohen Oerter werden zur Anlage des Hopfens, im Herbste, die tiefen und flachen hingegen durch ein oͤfteres Pfluͤgen und Graben im Fruͤhlinge zubereitet, und nach einer solchen Ordnung mit kleinen Staͤben abgetheilet, in welcher nachgehends die Hopfengru- ben, welche 5 Fuß weit und 1½ Fuß rief gemacht werden, auch 4 bis 5 Fuß auseinander zu stehen kommen. Diese Gruben, die mit der fettesten und wohl verfaulten Kuͤh- und Schweineduͤnger gut ver- mischten Erde, ausgefuͤllet und in kleine runde Huͤ- gel erhoͤhet werden, erfordern einen so starken Vor- rath davon, daß man damit wenigstens in 12 Jah- ren 4 mahl herumkommen kann. Die jungen Hopfenstoͤcke werden hernach, um allem Schaden und Zufaͤllen auf das sicherste zuvor- zu- zukommen, im Fruͤhlinge zu 3 hoͤchstens 4 Stuͤcke in einer Grube zusammen, einen Fuß tief gepflanzet, mit der guten Misterde bedecket, erhoͤhet, angehaͤu- fet, und zum Zeichen, wohin die kuͤnftigen Stangen kommen sollen, mit den vorigen kleinen Staͤben wieder bestecket. Gedachte Wurzelstoͤcke, muͤssen stark seyn, auch nicht dichter, als gesagt, beysammen stehen. Man kann davon jaͤhrlich einen großen Vorrath machen, wenn man beym Auslesen der Ranken an die Stangen, immer etliche von der uͤberfluͤßigen Brut, anstatt sie wegzuschneiden, seit- waͤrts einleget. Es muͤssen indessen dergleichen junge Stoͤcke, wegen der verschiedenen Guͤte, Groͤße und Reifezeit der Fruͤchte, von wohltragen- den Arten immer aus einem gleichartigen Erdreich in das andere gebracht werden, folglich niemahls aus verschiedenen Boden oder von verschiedenen Arten hergenommen seyn. Wie man denn bey uns auch niemahls klein knoͤpfigten, klein troßtigen oder spaͤt bluͤhenden Hopfen anbauen soll. Der boͤhmische und englische Hopfen sind un- ter allen zum Anbau die zutraͤglichsten, und gehet der letztere den ersten in einigen Stuͤcken noch etwas vor. Denn 1) waͤchset er nicht uͤbermaͤßig hoch, er brin- get 2) seine meisten Fruͤchte nicht nur haͤufig auf der Spitze, sondern 3) sogleich auf beyden Seiten von unten auf reichlich, und 4) in großen dichten Trauben, 5) mit großen 1 auch 1½ zoͤlligen Fruͤch- Botan. Abhdl. II. B. H ten, ten, welche zuweilen das Laub verdecken, und deshalb gut zu gewinnen sind. Dem jungen Hopfen werden an etlichen Orten im ersten Jahre keine Stangen, an vielen andern hingegen 7 bis 10 fuͤßige gegeben, in allen folgen- den Jahren, muͤssen die Hopfenstangen 18 bis 20 Fuß hoch, und eines Armes stark seyn. Man nimmt sie aus den vorerwaͤhnten Holzarten, auch aus Weisbuchen, Birken, Pappeln, Haseln und den hohen Fischerweiden, in den ordentlichen Ge- hauen von Laubholze, Feld- und Dorfbuͤschen, wo sie besonders von den Hopfenbauenden Gemeinen ordentlich gezogen, und aller 6, 8 bis 10 Jahren vom Januar an bis zur Mitte des Merz gehauen werden koͤnnten. Sonst weiset man sie im Nadel- holze auch hin und wieder an, wo sie ohne Scha- den zu entbehren stehen. Diese Stangen werden geschaͤlet, und in freyer Luft auf hoͤlzern Kreuzen vor und nach jedem Gebrauche erhalten. Die beste Nutzung, die ein Hopfen-Berg oder Garten geben kann, erstrecket sich vornehmlich auf die ersten 12 Jahre, zu welcher er, durch eine gute Pflege, bey seiner Kraft erhalten werden muß. Nach deren Verlauf kann man die veralteten hol- zigen Wurzelstoͤcke sicher ausreißen, ausstocken, und diese Laͤndereyen von neuen anlegen. Wenn der auskeimende junge Hopfen seine Ranken verlaͤngert, und leicht und behutsam be- harkt worden ist, bekoͤmmt er die ersten kurzen Stan- Stangen, an welche die 3 besten Ranken zusam- mengewunden angeleget, die schlechtesten wegge- schnitten, und die uͤbrigen seitwaͤrts abgeleget wer- den. Man heftet sie mit Bast etwas an, macht dann das Land reine, und kontinuirt mit dieser Huͤlfe, so lange sie noͤthig ist, macht auch das zwi- schen den Gruben liegende Land so reine, daß es Braunkohl, Tartuffeln oder Schminkbohnen tra- gen kann. Wenn dieser Hopfen seine Frucht an- setzt und zur Reife bringet, wird er ½ Fuß uͤber der Erde mit der Sichel abgeschnitten, nach dem Be- trocknen von den Stangen abgestreift, in Buͤndel eingebracht, gepfluͤckt und auf einen luftigen Bo- den ausgebreitet, worauf er wohl getrocknet in Haufen gebracht, und endlich in Saͤcken oder hoͤl- zernen Kaͤsten zusammen gepreßt, etliche Jahre auf- bewahret werden kann. Die Stoͤcke werden uͤbri- gens mit Misterde gut bedecket, bis ihre weitere Pflege nach dem Winter von neuem fortgesetzt wer- den kann. Die Pflege des Hopfens im zweyten und fol- genden Jahren, die uns die Frucht liefert, nimmt ihren Anfang mit Ende des Merz, bis in die Mitte des Aprils. Die Stoͤcke werden alsdenn durch die Harke geluͤftet, von allen angesteckten, todten, hoh- len und faulen Wurzel- und Rankenwerke, durch den Schnitt gereiniget, alsdenn wieder mit frischer fetter Misterde bedeckt und angehaͤufelt, wie schon gesagt worden, wie denn das zwischen dem Hopfen H 2 gele- gelegene Land, das man die Baͤnke nennet, bis um Johannis gereiniget wird, zugleich nimmt man die jungen abgelegten Rankenstoͤcke ab, und leget die 3 staͤrksten Ranken an. Die Loͤcher zu den Stangen werden mit einem Pfahleisen etwas tief gemacht, und die Stangen fest eingestoßen. Wenn der Hopfen zu Ende des Junius seine Stangen uͤberlaufen hat, stehet er in voller Bluͤ- the; diese zu befoͤrdern und zu vermehren, auch die Verflechtung der Wipfel zu verhindern, schneidet man die Spitzen mit einer hohen Stangensichel sehr zeitig ab, worauf nicht nur die Trauben staͤrker wer- den, sondern auch die Fruͤchte, in großen traubigen Buͤscheln, bey guter Witterung um Bartholomaͤi zur Einsammlung eher reifen, ob wohl die Zeit der Reife nicht in allen Jahren gewiß und gleich ist. Die Fruͤchte des Hopfens, die man Hoͤpferlinge oder Hopfenhaͤupter zu nennen pfleget, sind lockere schu- pige, spitzig- oder stumpfrunde Knoͤpfe, die mit run- den Saamen und einem Mehle versehen sind, und den eigentlichen Hopfen ausmachen. Das Zeichen der Reife eines guten Hopfens ist der gewuͤrzhafte Geruch, und der deine bittere ge- wuͤrzhafte Geschmack, nebst der mehr ins hellgruͤne oder Hellbraune als ins unangenehme Dunkle fal- lenden Farbe. Nachdem der Hopfen der freyen Luft und Sonne mehr ausgesetzt ist, und an dem ei- nen oder dem andern Ende fruͤher zu bluͤhen anfaͤn- get, nachdem reifet er eher. Es muß alsdenn der Ho- pfen pfen noch wohl geschlossen seyn, seinen Saamen und voͤlliges Mehl haben, dabey ein oͤligtes fluͤchtiges gewuͤrzhaftes, und angenehmes bitteres, harziges Wesen enthalten, vermoͤge dessen er die verlangte Eigenschaften zeiget, lange dauert, und dem Biere die bekannten Vorzuͤge giebet. Wird er zeitiger oder spaͤter gepfluͤckt, und dabey uͤberhaupt nach ei- ner schlechten Pflege auch schlecht gewonnen, und behandelt, verlieret er gedachte Kennzeichen der Guͤte, Kraͤfte, Schwere, und folglich auch seinen Preis im Handel. Wegen der Sturmwinde oder einer einfallenden Naͤsse, kann man ihn nicht wohl spaͤter sammlen. Wenn man wegen der Reife gewiß ist, so wer- den die Ranken mit der Sichel 2 Fuß hoch uͤber der Erde abgeschnitten, damit sie an den Stangen be- trocknen, und mit diesen aus der Erde gehoben wer- den koͤnnen. Man pfluͤckt den Hopfen alsdenn an Ort und Stelle frisch ab, oder laͤßt ihn von den Stangen abgestreift in Buͤndeln einbringen, da man ihn denn bald abpfluͤcken laͤßt, ehe er sich er- hitzen kann. Der gepfluͤckte Hopfen wird auf luftigen Bo- den eine Hand hoch ausgebreitet, daß er, ohne durch das Ausdampfen allzuviel zu verlieren, so- bald als moͤglich recht lufttrocken werde. Einige bringen den Hopfen auf eine Darre, andere bringet die Noth dazu; der Vortheil davon ist immer schlecht, und der Unterschied betraͤchtlich. Den getrockneten H 3 Hopfen Hopfen laͤßt man auf Haufen bringen, und wegen des starken Ausdampfens mit groben gedoppelten Tuͤchern bedecken. Ist aber der jaͤhrliche Hopfen- gewinnst sehr stark, so bringet man ihn nach den Hopfenkammern in besondere Hopfenkasten, in de- nen er durch schwere Decken, Breter und Gewichte zusammengepreßt wird. Sonst wird er auch in Ho- pfensaͤcke fest zusammen getreten, wo er wegen des Ungeziefers zuweilen besehen werden kann. Er haͤlt sich in solchen trocknen Orten einige Jahre lang sehr gut. Alle Gegenden schicken sich indessen nicht zum Hopfenbau, er wird in einigen nicht reif, in an- dern mangeln die Arbeiter und der Duͤnger, in an- dern geraͤth er sehr gut, und erhaͤlt eine Menge von Menschen. Die starken Bierbrauereyen erfordern ihn schlechterdings, und die Vortheile aus dem Ho- pfenhandel sind laͤngst bekannt. Unsere Nachbaren verstehen dieses sehr wohl, sie sind noch in keinen Vorrath von Hopfen, deshalb werden die Untertha- nen noch fast uͤberall zum Hopfenbau aufgemuntert. Gedan- Gedanken uͤber die in etlichen Gegenden bey der kleinen Viehwirthschaft abwechselnd gebraͤuchlichen Staufuͤtterung mit abgeschnittenen frischen Getreiden. D ieses einzelnen Nothfutters bedient sich der Landmann bey melkenden Kuͤhen nur selten, außer in solchen Gegenden, die einen zu fruchtbaren Bo- den haben, und wo die Saat durch Zufaͤlle sich der- maßen uͤberwaͤchset, daß sie ihrer Geilheit halber zu einem Lagerkorn wird. Dieses geschiehet als et- was gewoͤhnliches, aber nicht immer, daß die Wai- zensaat deshalb, ehe sie in die Halme treibet, ein oder zweymahl geschroͤpft werden muß. Dieses Schroͤpfen oder Schragen giebt nach Verschieden- H 4 heit heit des Ackers und der Witterung viel oder weni- ger, aber das schoͤnste Futtergras. Diese Art sich dergleichen frisches Gras fuͤr das im Stalle zu fuͤt- ternde Vieh zu verschaffen, wird im Kleinen an an- dern Orten nicht selten ordentlich betrieben. Denn der Viehwirthschafter saͤet in hoͤhern, auch etwas schlechtern, aber gut zubereiteten Boden eben der- gleichen Getreide zu gleichen Absichten, und der Mischling , das Mengsel , welches aus Wicken, Erbsen, Hafer, Weitzen und Roggen bestehet, die Gerste insgemein davon ausgenommen, wie man ihn frisch und gruͤn zum Futter fuͤr Melkevieh, Ochsen und Pferde saͤet, ist bekannt. Mit der Gerste hat man seine Absichten auf eine gewisse Viehart insbesondere. Die von der Acker- und Viehwirthschaft geschriebenen alten und neuen Ta- gebuͤcher und Schriften handeln davon weitlaͤuftiger, als wir hier zu thun im Stande sind. Von der Saat des einfachen Wickfutters ist hier eben so wenig die Rede, als von dessen Nothwendigkeit, Gewinnung, Eigenschaften, und gruͤner und trock- ner Anwendung fuͤr die verschiedenen Arten des Viehes im Stalle. Es wird indessen, wie bekannt, mit der gruͤ- nen Futterung und der trocknen sehr ordentlich in den Staͤllen abgewechselt, es gehe nun dabey auf die Weide, oder nicht. Fuͤr den Landmann ist die Weide eine große Wohlthat, weil er sie in seiner Gemeinde, gleich andern, ohne Kosten haben kann, da da das Vieh auf die natuͤrlichste Art in der freyen Luft genaͤhret, und bey guter Bewegung, Verdauung, Nahrung und Kraͤften erhalten wird, wenn anders der Gebrauch davon, wie es sich von selbst versteht, auf die rechte Art gemacht wird. Denn da die wil- den Thiere weit staͤrker sind, als die zahmen, beyde zusammen aber nicht erschaffen sind, bestaͤndig in Staͤllen zu leben, so haben die letztern sowohl, als die erstern einen großen Anspruch auf die Nahrung in freyer Luft, wenn nur die uͤbrige Pflege der letz- tern damit in einem richtigen Verhaͤltnisse stehet. Da aber der Haus- und Landwirth seiner Ge- schaͤfte, Behandlungsart und besonderer Vortheile halber daran gewoͤhnt ist, um vornehmlich mehr Duͤnger als gewoͤhnlich zu sammeln, sein melkes Vieh ohne Hirten mehr zusammen zu halten, und besser behandeln zu koͤnnen, so koͤmmt es darauf an, ob die Stallfuͤtterung der Milch, Butter und Kaͤse halber vornehmlich betrieben werde, oder ob an manchen Orten die Menge eines guten Duͤngers die vornehmste Absicht sey, und also die Hauptvor- theile bringe. Beyderley kann abwechselnd Statt haben, oder auch nur mittelmaͤßig und sehr mittel- maͤßig seyn. Von diesem Unterschiede zeigen klei- nere Staͤdte, Flecken und die Vorstaͤdte großer weit- laͤuftiger Oerter, wegen der sogenannten Ackerbuͤr- ger, dabey die Rede von der Ackerwirthschaft des Landmannes selbst nicht ist, so groß uͤbrigens die H 5 Aehn- Aehnlichkeit in der Nahrungsart und Geschaͤften zwischen beyden immer seyn muß. Von den letztern werden Handthierungen und Ackerbau zugleich als Haupt- oder Nebengeschaͤfte betrieben, und die unter ihnen befindlichen Hand- werker haben etliche Stuͤcke Kuͤhe, und zu diesen wenig selbst eigenes Land, Acker- Wiesen- oder andere Grundstuͤcke, sondern vielmehr gemiethetes Land, wovon sie etwas Heu und Stroh gewinnen, sich den Duͤnger zu Bestellung ihrer Kohl- und Kuͤchenlaͤnder sammeln, dabey sie bald ibr Vieh mit auf die Weide gehen lassen koͤnnen, oder ganz im Stalle fuͤttern muͤssen. Viele haben dabey noch Brauen und Brandweinbrennen und etwas Maͤstung. In weitlaͤuftig großen Staͤdten haben derglei- chen Leute oͤfters nur die Wohnung, Land und alles uͤbrige ist gemiethet, die Weide faͤllt weg, Heu-, Stroh-, Blaͤtterwerk, Weidegras, Trebern und Brandweintrank muͤssen sie kaufen, und sich uͤber- haupt schlecht behelfen. Des gruͤnen Futters we- gen bleibt ihnen nichts uͤbrig, als sich Wiesen und kleine Morgenlaͤnder, Grasgaͤrten und Hoͤfe zu miethen, und alles muͤhsam zusammen zu schleppen. Dergleichen Einwohner und Vorstaͤdter ha- ben hier zu Lande, ihrer vornehmsten Nahrungsar- ten halber, die Namen von Viehmaͤstern und Milchleuten, da sie insbesondere die großen Staͤdte taͤglich mit Milch versorgen, obschon wegen der vie- len len Saͤuglinge und der Arten von Speisen und Ge- traͤnken die Menge der Milch sehr oft von den naͤchst gelegenen Meyereyen, Vorwerken und Doͤr- fern unterhalten werden muß. Um nun in ihren nur gemietheten Wohnungen, bey ihrer nothwen- dig gewordenen Stallfuͤtterung, frisches Gras und Futter zu haben, so schleppen sie dasselbe aus den gemietheten Grundstuͤcken uͤberall her taͤglich zu- sammen, und verfahren im uͤbrigen damit zu ih- ren Absichten, wie davon schon gesagt ist. Un- ter andern gruͤnen Futter legen sie ihrem Melke- und Zugvieh die Schrape von Waizen, Hafer und Roggen mit andern Grase abwechselnd vor, wie sie es bekommen koͤnnen. Der Anbau dieser Getreidearten ist eben so einfach, als diesen Leuten nuͤtzlich, denn sie erhalten dadurch eine maͤßige Menge von frischen, reinen, suͤßen Futtergrase , wozu sie das Land theils noch vor Winters, theils im Fruͤhlinge vom Ausbruche des Birkenlaubes an bis gegen Johannis bey kuͤhler Witterung bestellen, und durch den Regen dabey uͤberaus beguͤnstigt werden. Wenn sich die Saat wohl bestaudet und bis zu der Groͤße gehoben hat, daß es abgemaͤhet oder besser mit der Sichel ge- schnitten werden kann, so geschiehet dieses. Wor- auf sich aus dem Knoten uͤberall noch neue Pflan- zen erzeugen, die man zum zweytenmahle schneiden kann: obne daß man sich dabey vor dem Abschnei- den der Halme zu fuͤrchten haͤtte. Man maͤhet da- von von so viel als man dem Vieh auf ein- oder ein paarmahl vorzulegen willens ist: da es denn alle Vorzuͤge eines jungen und frischen Grases, gegen ein anderes zaͤhes und grobstichliches Gemische zei- get, dergleichen den Sommer hindurch aus den Kohl- und andern Garten mit allerhand groͤbern Blaͤtterwerk ausgejaͤtet wird. Und so nutzet man dieses Gras in etlichen Abschnitten, bis man im Herbst den letzten Schuß stehen laͤsset, damit er voͤl- lig mit den Aehren auswachsen kann, ohne daß er zum reifen Saamen kommen duͤrfte, dieser wird endlich geschnitten, getrocknet eingebracht und das Stroh davon im Winter verfuͤttert. Wiewohl etli- che von vorgedachten Viehmaͤstern dergleichen zu- letzt durch Ochsen nach dem letzten Schnitte bald ab- huͤthen lassen. Wenn man diese Umstaͤnde erwaͤget, und mit den vorbesagten, in kleinern einzelnen Viehwirthschaft- ten vorkommenden, richtig vergleichet, so wird man als Sachverstaͤndiger den wirklichen Nutzen an sei- nen rechten Orte voͤllig einsehen, dagegen sie bey großen Viehwirthschaften, wo fuͤr Winter- und Sommerfuͤtterung, Weide, Heuschlag und Ackerbau alles besorgt ist, mit Recht vor Kleinigkeiten gehal- ten werden koͤnnen. Denn der Mangel an Gele- genheit zu frischem Grase macht dieses Anbau- und Futterungsgeschaͤfte nur unter gewissen Bedingun- gen nothwendig und nuͤtzlich, noch mehr, da man etli- chemahl junges frisches und reines nahrhaftes Gras zu rechter Jahreszeit dadurch erhalten kann. Dieses ist bey Viehmaͤstern und Milchleuten in großen Staͤdten um desto vorzuͤglicher, da dem Vieh aller- hand Unkraut und Wiedekraut aus den Gaͤrten vor- geleget wird, das es meistens unter die Fuͤße treten muß, und dabey Appetit und Verdauung verliert. Man muß sich verwundern, wenn man derglei- chen Kraͤutereyen, die zaͤhe, vermischt, welk und weder Nahrungs- noch Arzeneymittel seyn koͤnnen, statt des frischen Grases zusammen bringet, da sie kaum die Stelle eines alten unkraͤftigen Grases vertre- ten koͤnnen. Dieser Umstand war deshalb noͤthig zu beruͤhren, weil man oft, ohne dem Vieh die gehoͤrigen, gesunden Nahrungsmittel zu geben, von Milch, Fleisch, Haut und Duͤngung dennoch alles zu ver- langen und damit zu erzwingen gedenkt, wovon der im gemeinen Leben entstehende Schaden, bey einer genauern Policeyuntersuchung, gerade das Gegen- theil zeiget. Kurze Physikalische oͤkonomische Abhandlung von den Wiesen und deren Behandlung. D ie Wiesen sind, wie die Triften, Viehweiden und Waldungen, landwirthschaftliche, aber natuͤr- liche und zwar solche Grundstuͤcken, von einer, von jenen sehr verschiedenen, aber so vorzuͤglichen Be- schaffenheit, daß sie von denjenigen Gras, Kraͤu- ter- und Staudengewaͤchsen, die ihren eigentlichen Zustand abwechselnd bestaͤndig darauf haben, eine groͤßere Menge hervorbringen, die außer der Laͤnge die Eigenschaft haben muͤssen, daß sie deshalb zu Heu gemacht werden, und werden koͤnnen, wodurch sich die Wiesen eben bey der Anwendung von an- dern grastragenden Stuͤcken unterscheiden, ob gleich die Wiesen schon unter gewissen Umstaͤnden, auch zu zu anderer Zeit, zur Weide genutzt werden. Nach Beschaffenheit der Lage und des Grundes ist ihre Graͤ- serey und deren Menge und Guͤte gar sehr verschie- den, welches aus einer genauern Kenntniß und Un- tersuchung deutlich erhellet. Das Gras ist also ihr natuͤrlich eigenes und bestaͤndiges Produkt, das sie von selbst ohne weitere Bestellung geben, wenn sie nur sonst bey ihren guten tragbaren Eigenschaf- ten erhalten werden. Der Grund muß unter al- len natuͤrlichen grastragenden Laͤndereyen auf den Wiesen so vorzuͤglich tragbar oder fruchtbar seyn, daß er nicht nur mehr Gras zum Heu als anderer, sondern auch selbst von den dazu gehoͤrigen guten Arten giebt; denn dessen innere Guͤte unterstuͤtzt die Lage, die Witterung vermehret sie, und die ordent- liche Behandlung unterhaͤlt sie. Wenn man auf die guten tragbaren Wiesen sie- het, auf welchen die eigentlichen nahrhaften Grase und Grasarten, gegen die dazwischen hervorkom- menden uͤbrigen Kraͤuter, Standengewaͤchse, Schilf- rohr und Riedgraͤser, auch starke Arzeneygewaͤchse, gewiß 3 Theile, oder wenigstens doch etwas uͤber die Haͤlfte betragen muͤssen; so wird sich finden, daß der groͤßte Theil solcher Graͤser, weil er mit kriechenden oder doch weit um sich gehenden flachen, oder in etwas verschiedener Tiefe uͤber, unter und durcheinander streichenden Wnrzeln versehen ist, auch weitlaͤuftige und dichte Rasenstuͤcke bildet, wo- durch der maͤßig feuchte und lockere gute Boden feste feste, auf 3 bis 6 und 8 Zoll tief dermaßen uͤberall durchflochten wird, daß er ganze Flaͤchen, in Ver- mischung mit den nachfolgenden, als eine feste filzige Decke uͤberziehet. Diese erstere Art der Wurzeln unterhaͤlt die Wiesen, befestiget den Rasen, und hat die laͤngste Dauer und groͤßte Lebhaftigkeit. Zwischen solchen Grasen koͤmmt eine groͤßere oder geringere Menge von andern Grasen hervor, die nicht sowohl weit auslaufende, wie die vorigen, aber desto dichtere und staͤrkere faserige Wurzelstoͤcke und Buͤsche machen. Diese Art, wodurch die Wiesen ein dichtes und haͤufiges Gras erhalten, ist eben so vorzuͤglich als noͤthig, und stirbt immer abwech- selnd in der Mitte der Stoͤcke aus, ob sie sonst schon ziemlich dauerhaft gefunden wird, und ersetzet sich von selbst. Eine dritte Gattung der Graͤser, welche auch unter die bestaͤndigen gehoͤrt, wurzelt einzeln zwi- schen beyden vorigen, ohne sich stark zu vermehren, und die Sommergraͤser, welche nur eine jaͤhrlich oder 2jaͤhrige Dauer haben, wachsen zwischen den uͤbrigen, und Wasser und Wind erhalten ihren Zu- wachs abwechselnd. Zur Erhaltung der Wiesen tragen sie selbst weniger bey, als vorige, da sie nicht immer da sind, und fast an alle grastragende Oerter hinfliegen und kaum an irgend einem Orte ungestoͤrt sind, auch manche Jahre sehr mangeln, da aus den Saamen, der an Raͤndern stehen geblieben, sich Stau- den erzeugen muͤssen, welches ungewiß ist. In In erwaͤhntem derben und zaͤhen Rasenfilze von Gras wurzeln die Sommerkraͤuter nur flach, sie vermehren aber doch das gute nahrhafte Heu, ob sie schon auf der Weide von groͤßern Nutzen sind. Die bestaͤndigen 2, 3, 6 und selbst 10jaͤhrigen klei- nern niedrigen und hohen Staudengewaͤchse gehen mit ihren zaserigen oder einfachen Wurzeln zwi- schen denselben in ungleicher Tiefe, wie die Grase selbst, daß man es von 2, 4 bis 6 Zoll tief abwech- selnd rechnen kann; die Graͤser mit kriechenden und ausschweifend laufenden Wurzeln hingegen flechten sich uͤberall durch und durch, wie etwa vom Que- ckengrase bekannt genug ist. Die wenigsten von den gewoͤhnlichen Wiesengewaͤchsen darunter haben starke wagerecht streichende flache Wurzeln, sie muͤssen ihre Richtung nach der Dichte und Festig- keit des Rasens zu oft aͤndern, den sie zu durch- bohren gezwungen sind. Einige haben einzelne Knol- len oder etliche ruͤbenfoͤrmige, keil- oder kegelfoͤrmi- ge Wurzeln, welche zugleich einzeln wachsen, aber dabey recht stark und derb fleischig sind. Diese ste- cken theils in starken Rasen zwischen den Gras- wurzeln, auf 2, 3 bis 5 Zoll tief, und die aller- groͤßten, deren 1, 3 bis 4fache Wurzeln einen Fuß und druͤber in die Laͤnge haben, stehen mit andern Graswurzelarten schon unter den Rasen, und auf 1½ Fuß tiefer, als alle andere. Aller Wiesen Grase und Gewaͤchse Wurzeln, welche so dichte als moͤglich in und unter einem Ra- Botan. Abhdl. II. B. J sen- senfilze beysammen und in einander verwachsen, treiben insgemein bey uns vom Merz bis zum An- fang des Septembers nach und nach, auch noch spaͤter hervor, in welcher Zeit sie sich bis zu ihren Saamen voͤllig entwickeln, oder nur bis zur Bluͤthe gelangen, zum Theil aber wegen verstrichner Jah- reszeit kaum noch die Halme und Stengel hervor zu bringen im Stande sind. Die letztern darunter machen der Zeit nach nur Stoͤcke und Blaͤtter im Herbste, um die Saͤfte fuͤr das kuͤnftige Jahr zu sammlen, die im Winter theils noch gruͤnen, theils uͤber der Erde vergehen. Wenn man also die natuͤrliche Staͤrke und Dich- tigkeit des Rasens in einem fruchtbaren Wiesen- grunde bedenket, welcher in einem festen Zusammen- hange eine Decke uͤber dergleichen weitlaͤuftige Laͤn- dereyen ziehet, unter welcher sich die noͤthige nahr- hafte Feuchtigkeit ansammeln, ausbreiten und das ganze Jahr hindurch lange genug bey der warmen Witterung erhalten kann; Wenn man ferner die uͤber und unter einander in verschiedenen Tiefen, in der obern Dammerde ausstreichende Wurzeln be- trachtet, nebst denjenigen Wurzeln, die sich in die- sem Wurzelfilz, sowohl besonders verbreiten, als durch den ganzen Rasen hindurch in die unterlie- gende Erdschichte gehen; so muß man sich uͤber die große Menge von Keimen wundern, die jaͤhrlich und fast ohne Aufhoͤren daraus, nach einander ab- wechselnd aus etlichen Quadratfuß Rasen, hervor- kom- kommen, daran genaͤhret werden, und sich bis in das Kraut, die Stengel, Blumen und Saamen voͤllig entwickeln, und zur Erzeugung kuͤnftig meh- rerer Koͤrner doch noch immer Platz und Nahrung genug uͤbrig lassen. Ein dergleichen dichter bestaͤndiger Rasen erfo- dert zu seiner Unterhaltung einen sehr feinen nahr- haften und bestaͤndig gemaͤßigt feuchten Boden, wenn er bleiben soll, wie man ihm auf fruchtbaren Auen, Angern und Weiden findet. Noch weit mehrere Fruchtbarkeit desselben gehoͤret darzu, wenn er so vielerley nach einander hervorkommende feine niedrige, mittlere und hohe Grasarten, in einer verhaͤltnißmaͤßigen Hoͤhe in den bluͤhenden Halme und Stengeln bestaͤndig tragen soll, daß man 1, 2 bis 3mahl im Jahre sogar wiederholt einen ordent- lichen und guten Heuschlag darauf fuͤhren kann, das sie also wirkliche Wiesen oder Matten bleiben, und nicht blos als Weiden und Triften mit kurzem und geringem Gras dienen muß. Lage und Witterung, nebst der Behandlung, kommen hierbey allemahl zu statten, wie sie auch im Gegentheil die besten Wiesen und ihre guten Eigenschaften zu verringern, laut Erfahrung, im Stande sind. Es verstehet sich von selbst, daß es schlechtere, mittelmaͤßige und gute Wiesen in aller Absicht, und wieder mit ihren, dem Grunde und Lage eigenen, mancherley Unterschiede gebe, bey welchen nicht allein, die mit dem Rasen durchflochtene und bedeckte Dammerde, sondern J 2 auch auch die untern und naͤchst verdeckten auswitternden Erdlagen, und verborgene Quellen und dergleichen, in Betrachtung kommen. Ganze Laͤndereyen, so wie sie in manchen Ge- genden weitlaͤuftig an einander hangende fruchtbare Wiesen ausmachen, auf den ein ordentlicher Heu- schlag eingefuͤhret worden ist, wechseln dennoch in der Lage und Tragbarkeit der Dammerde zuweilen dergestalt ab, daß darinnen einzelne schlechte Stri- che von Sand, Kley und kaltspringigen Stuͤcken, steinigen und sumpfig torfigen Boden gefunden wer- den, worauf alsdenn viele vorerwaͤhnte Umstaͤnde und Vortheile ihren großen Abfall leiden, daß auch dergleichen einzelne Flecken zuweilen als Ackerland oder zu andern Gebrauch angewandt werden, wenig- stens doch zu einem bessern Graswuchs abwechselnd muͤssen bearbeitet werden, welches die an sich na- tuͤrlich fruchtbaren nicht noͤthig haben, noch weni- ger aber wenn sie sich nehmlich durch Wind und Wasser ordentlich von weiten her selbst besaamen, und durch fruchtbare Waͤsserung jaͤhrlich einen duͤn- genden Schlamm verschaffen, dabey ein gewisser gelinder, schraͤger Hang zum Abzug der Winter- und wilden Wasser nach flachen Graben, worin sich die noͤthige Feuchtigkeit, das ganze Jahr uͤber in der besten Jahreszeit, hinreichend erhalten kann, sehr gut ist. Eine solche Lage unterhaͤlt den Wiesengrund bey seiner Guͤte und Vorzuͤgen, je mehr sie ihm aus den den anliegenden fernen und nahen Gegenden Vor- theile zu verschaffen im Stande ist, daß deren Guͤte anhaltend bleibt; so wie eine weniger gute Lage dergleichen stufenweise, bald oder langsam, gar merklich zu veraͤndern vermoͤgend ist, dergestalt daß erst der Wachsthum sich vermindert, und aus 3 oder 2maͤhigen vorher guten Wiesen, einmaͤhige und zu- letzt Viehweiden werden. Hierbey verlieren sich ge- wisse Sorten von Gras und Kraͤutern, welche an Guͤte und Menge sich in Heu vorzuͤglich erweisen, daß die Wiesen nachher nur ganz duͤnnes Gras bringen, oder dafuͤr entstehen andere groͤbere und schlechtere Arten, welche ganze Wiesen uͤberziehen, den wenigsten Vieharten angenehm und nuͤtzlich sind, oder gar nicht dienen, wenn sie nicht etwa gar unnuͤtze sind, oder in frischen Grase oder dem Heue wohl gar schaͤdlich werden. Die Lage der Wiesen macht ein Hauptstuͤck aus, wenn sie zu der Guͤte des Grundes sich paßt, worauf der Landwirth zu sehen hat, daß er die Wiese so einrichtet und in einem solchen Zustande unterhaͤlt, daß er davon bestaͤndig profitiren kann. Sind aber die Wiesen gut, wie man sie verlanget, so veraͤndern sich doch oft manche Umstaͤnde einer umliegenden Gegend, durch neue nicht zu verhin- dernde oͤkonomische Einrichtungen der Nachbaren, bey den Feldern, Wiesen, Huͤgeln, Landseen, Stroͤmen, Forsten und Suͤmpfen, als aus welchen uns das Wasser durch jaͤhrliche zu rechter Zeit ein- J 3 fallende fallende und kurzdauernde Ueberstroͤmung, die trag- bare Gartenerde aufgespuͤhlt, und guten Saamen bestaͤndig zugefuͤhrt hatte, und es erstrecken sich die Folgen davon oͤfters auch auf unsere Laͤndereyen; alsdenn sind wir genoͤthiget, dergleichen Grundstuͤ- cke, wenn besagter Nutzen aufhoͤret, doch gegen alsdenn etwa entstehende Zufaͤlle zu verwahren, daß sie durch solche Veraͤnderung nicht zu sehr ent- kraͤftet werden, sondern ihnen auf andere Weise zu statten zu kommen suchen. Wer auf dergleichen Veraͤnderungen nicht acht giebt, oder zu geben ver- stehet, wird sie schwerlich einsehen, in ihren Fol- gen, die uns ohne unsere Schuld begegnen koͤnnen: oder sie nicht fuͤr so wichtig halten, wie sie es doch sind. Da aber die Erde auf ihrer obern Flaͤche ei- ner bestaͤndigen Veraͤnderung unterworfen bleibet, wovon die Nahrungsumstaͤnde ganz ungemein ab- haͤngen, so hat der Landwirth davon allerdings seine Kenntniß zu nehmen, und Einrichtungen zu seiner Sicherheit zu machen. Der Naturforscher ist gewohnt, seit 20, 40, 60 und mehrern Jahren, in welchen die Aufmerk- samkeit zu seyn angefangen, dergleichen zu sehen, zu untersuchen, und ist wegen seiner Kenntniß dazu am geschicktesten, da er ihre Ursachen, Nothwen- digkeit oder Zufaͤlligkeit aus natuͤrlichen Gruͤnden einsiehet, und sie aus den wahren Umstaͤnden lange vorher sehen, auch langsam ankommen und wirken sehen kann. Er muß sich bey aller gruͤndlichen Kennt- Kenntniß der natuͤrlichen Wirkungen, Wirkungs- arten und Folgen, auf die Quellen der besten und allgemein nuͤtzlichen Nahrungszweige im menschli- chen Leben, doch von der Menge unwuͤrdiger, un- wissender und niedertraͤchtiger Betruͤger laͤcherlich machen, verfolgen und unterdruͤcken lassen; wie es denn den Anschein gar nicht hat, daß Anstalten und Ordnungen nach Einsichten aufrichtig betrieben werden sollten. Vielleicht ist eine so nothwendige Ausuͤbung bey der Oekonomie, mit Fleiß den jetzt- lebenden noch vorenthalten. Fast zeigen sich bey der Haus- und Landwirthschaft noch uͤberall der- gleichen Vorfaͤlle, wo man alles außer der gehoͤri- gen natuͤrlichen Ordnung, mit Hintansetzung der- nach den allerwahresten Kenntnissen gemachten Ein- richtung, noch dazu durch ganz uͤbertriebene Anstal- ten geltend zu machen suchet. Der vernuͤnftige Landwirth, welcher sich uͤber- all Kenntnisse zu verschaffen sucht, auch diese zu er- weitern bemuͤhet ist, weiß von den natuͤrlichen Zu- stande und Eigenschaften seiner Grundstuͤcken, dessen Unterhaltung, Dauer, Veraͤnderung und Nutzung einen bessern Gebrauch zu machen, als auch von solchen Umstaͤnden, welche er als mitarbeitend zu seinen Absichten billig ansiehet, und bestaͤndig ein- zurichten bemuͤhet ist. Als natuͤrliche Grundstuͤcke, die als solche bey der Landwirthschaft, ohne jaͤhrliche neue Zubereitung, vorzuͤglich genutzt werden, sind die Wiesen und Waldungen, zu betrachten; J 4 beyde beyde entstehen von selbst, und unterhalten sich oh- ne einiges kuͤnstliche Zuthun und Bearbeitung der Menschen, wenn sie nicht mit Fleiß daran verhin- dert, oder zu andern Absichten veraͤndert und einge- richtet werden. Die Wiesen insbesondere entste- hen, in einem zum Graswuchs vorzuͤglichen Grun- de, in welchem sich nach der Lage der weitlaͤuftigern Oerter oder kleinern Landstriche Gelegenheit findet, daß Wasser und Wind besondere feine, nahrhafte und gemaͤßigt fruchtbare Erdlagen von tragbaren lockern Staub oder Schlamm und vergangenen Duͤnger, aus den umliegenden nahen und fernen Ge- genden, nach Verlauf gewisser Zeit, zusammen fuͤh- ren, und sie vor andern viel fruchtbarer und trag- barer machen. Berge, Huͤgel, Felder, Wiesen, Gaͤrten auch viele Weiden, werden zuweilen all- maͤhlig abgespuͤhlet, nach den gelegenen abhaͤngigen Laͤndereyen hingefuͤhret, daß sie damit bedeckt und aufeinander versenkt und vermischt werden, und auf solche Weise einen besondern zum Wiesenwachs eingerichteten Boden bilden, wozu die zu verschie- dener Jahreszeit gewisse und stark wehenden Winde noch uͤberdem die dazu schicklichen Saamen hinbrin- gen auch das nachfolgende Wasser selbst jaͤhrlich damit continuiret. Zu dieser Naturwirkung, die einen deutlichen Beweis der gewoͤhnlichen Erdveraͤnderung abgiebt, wird geraume Zeit erfordert; denn sie macht den Grund, und auf diesem das Gras wachsend, wor- aus aus in der Folge, nach Unterschied der Lage, des umliegenden Bodens und der Guͤte, Anger, Trift und Weide werden, welche sich, der Fruchtbarkeit halber, endlich zu wirklichen Wiesen von verschiede- ner Art und Guͤte verwandeln. Wenn vorbesagte Umstaͤnde immer die nehmlichen bleiben, wie sie zur Bildung der fruchtbaren Wieselaͤnder bestaͤndig gewesen sind, so unterhalten sie ihren guten Zustand und Beschaffenheit. Sobald sie aber in der Naͤhe oder Ferne an den Laͤndereyen durch mehr oder we- niger gewaltsame ploͤtzliche Zufaͤlle oder langsamere oͤkonomische, oder andere Veraͤnderungen und Be- gebenheiten, von ihren vorigen Eigenschaften in so fern abgehen, daß Wasser, Winde, und Witte- rung von der vorigen Wirkungsart allmaͤhlig abwei- chen, oder zum Theil ganz aufhoͤren, oder, von ei- nem gewissen Zeitpunkte an, ganz andere und dem vorigen gerade entgegen laufende Wirkung thun; so zeiget diese Wirkung an solchen Wiesen, so un- merklich es auch anfaͤnglich zugehet, daß dergleichen Wiesen anfangen, an den Arten von Gras auszu- arten, an der Menge zu verlieren und endlich uͤber- dem ein so kurzes Gras zu bringen, daß aus 3 oder 2maͤhigen Wiesen 1maͤhige, aus den letztern aber endlich auf Heu nicht weiter zu nutzende Triften, Weide und Anger werden, die man entweder dem Pflug unterwerfen und in Felder verwandeln, oder von neuem zu Wiesen kuͤnstlich und muͤhsam zube- reiten muß; denn man setzt voraus, daß man bey J 5 der der Landwirthschaft, ohne Abgang des einen allge- meinen Artikels derselben, jede Art der Laͤndereyen accurat und eigentlich zu denjenigen Produkten an- wenden, und zu keinenandern, als die, worinnen sie ihren hoͤchsten und mehrsten Nutzen geben, be- stimmen muͤsse. Nun ist die Verschiedenheit des Wiesengrun- des an und fuͤr sich gewiß und offenbar; denn einen andern macht das Meer an vielen Orten durch An- setzung des Schlickers, einen anderen und sehr unter- schiedenen die Stroͤme; Seen und Suͤmpfe; und was vor Erdarten von vergangenen Kalk-Schiefer- Thon-Eisenschuͤßigen Lagen und Sandgebuͤrgen le- gen sich nicht oft zwischen ganze Schichten oder vermi- schen andere, zwischen die Lagen von Torf in den Moo- sen- und Rasenwurzeln und bringen die durch die Tage- wasser nach und nach zusammengespuͤhlten Pflanzen- und Thiererden mit dem feinsten Schlamm dahin, und findet man nicht selbst, daß sich darinnen die an dem Ausgehenden der Vorgebirge befindlichen Salzquel- len darinnen verbreiten. Alle diese und dergleichen Erdmischungen, mit ihren Unterlagen und Waͤsserun- gen, sind geschickt, sowohl eine verschiedene Graͤsung in Menge, Groͤße, Feinheit, und Wirksamkeit her- vor zu bringen, als auch dieselbe fruͤhzeitig, spaͤt zugleich oder ungleich zum Heu wachsend zu ma- chen, und auch, welches ein Hauptstuͤck ausmacht, dabey gewisse Gras- und Gewaͤchsarten vor andern hervorzubringen, die im Heu, gut, fein, kraͤftig und und nahrhaft, oder in frischen Grase besser zu nutzen sind, oder sie sind grob, unkraͤftig, unnuͤtze oder gar schaͤdlich, frisch und getrocknet. Denn jeder Grund traͤgt nicht alle oder einerley Gattung, von einer und eben der Guͤte, wie etwa einige Stellen darunter, welches Vernunft und Erfahrung hinrei- chend beweisen. Mit Veraͤnderung eines fetten Grundes in ei- nen magern, eines nassen in einen trocknen, eines lockern in einen festen und so weiter, veraͤndern sich alle auf einer Wiese stehende Gras- und Gewaͤchs- arten mehr oder weniger, nachdem der magere Grund fetter, der lockere fester, der leichte schwe- rer, und der trockne nasser wird, an ihren Wachs- thume und uͤbrigen Eigenschaften; und da sich viele auch deshalb ganz verlieren, so finden und vermehren sich andere gegen die ersten, welche vor- her darauf gar nicht oder doch nicht merklich da waren. Dieses nun geschiehet jaͤhrlich, nach den gewoͤhnlichen Naturwirkungen, ganz unmerklich, dergestalt, daß ein Wiesengrund in Zeit von 10, 20 bis 30 Jahren an Graͤsung selbst, und den Ei- genschaften stark veraͤndert wird, und werden kann: die verschiedene Witterung verdeckt oder offenbaret manches besonders. Der Landmann merkt diese Veraͤnderung an der Menge und Farbe des Grases, auch der Guͤte und an den uͤbrigen Eigenschaften des Heues, ob er schon nicht immer die rechten Ursachen solcher Ver- aͤnde- aͤnderung wirklich einsiehet, am allerwenigsten aber den Zuwachs oder Verminderung von den eigentli- chen guten oder schlechten Arten des Grases kennt, denn die wenigen von schlechtern, auch grob- stenglichen und schlechten Arten, welche er auf einmaͤhigen Wiesen und unter den Grummt etwa kennen gelernet, machen die Kenntniß noch nicht aus, oder auch von solchen die sich etwa auf neu gemach- ten Wiesen im Anfange noch finden, und im fol- genden Jahre, wie uͤherhaupt auf keiner Wiese, ei- gentlich sonst gefunden werden. Gewaltsame Naturbegebenheiten machen er- staunende und ploͤtzliche verwuͤstende Veraͤnderun- gen und Unordnungen auf der Erdflaͤche; sie erschaf- fen Berge, hinterlassen weitlaͤuftige Vulkanen, Ab- gruͤnde, Erdfaͤlle und Seen, veraͤndern den Lauf der Stroͤme und Fluͤsse, thun einige Quellen auf und verstopfen andere, und kehren die Erdlagen beym Einstuͤrzen um. Wenn sie aber aufhoͤren, und die durch sie ganz verunstaltete und veraͤnderte Gegend ihre vorige Ruhe dergestalt genießet, daß die gewoͤhnliche Witterung 3 bis 400 Jahre wieder darauf wirken kann; so uͤberziehen sich die wildesten und ganz entbloͤsten Berge, Ebenen und Abgruͤnde mit einer Moos- Gras- und Holzdecke, und die Seen, Erdfaͤlle, Suͤmpfe und Fluͤsse werden nach und nach mit Sand, Stein, Moos oder Schlamm ausgefuͤllet, erhoͤhet, auch zuletzt in Weiden und Wiesen langsam verwandelt. Denn daß selbst in- ner- nerhalb der weitlaͤuftigen Vulkane, große Ebenen, Weiden, und ansehnliche mit Wild besetzte Wal- dungen entstehen, ist eine Sache von gemeiner Er- fahrung. Von der bekannten Verschiedenheit des Wie- sengrundes haͤngt der Graswuchs, und folglich die Art und Nutzbarkeit des Heuschlages ab; wie er ge- wissen Gegenden oder Laͤndereyen uͤberhaupt eigen ist; so wie ihn Lage und Witterung ordentlich oder außerordentlich befoͤrdern, vermehren, beschleuni- gen oder hindern, vermindern und verspaͤten, wel- ches in gewissen einzeln Jahren mehr oder weniger merklich ist. Demnach giebt der eine Grund viel, aber grobes Gras, der andere zartes aber weniger davon, oder auch mehr, und immer gleich viel, und hat eine Lage, daß Sonne und Witterung darein gleich wirken koͤnnen. Der Abzug des Wassers von ganzen und fruchtbaren Ueberschwemmungen, die gewoͤhnlich sind, oder auch des wilden Som- mer- Winter- Eis- und Schneewassers, kann zu rechter Zeit dergestalt von den Wiesen geschehen, daß sich der Grund im Fruͤhlinge bald erwaͤrmen kann, und doch bis im August eine gemaͤßigte Feuchte zu erhalten geschickt ist, ohne daß es nach der Heuerndte gewaͤssert werden duͤrfte; daß das Gras fruͤh in einen feinen gleichen Wachsthum kommen, sich heben, und noch in den Fruͤh- lingsmonaten gehauen werden kann, ohne daß es ein ein unvollkommenes, stark schwindendes auch groͤß- tentheils weniger unkraͤftiges Heu gaͤbe. Auf den Wiesen ist zwar allgemein eine Ver- mischung von mehr oder weniger jaͤhrlichen 2jaͤhri- gen und bestaͤndigen Gewaͤchsarten; doch ist das Verhaͤltniß zwischen denselben nur uͤberhaupt in so fern aͤhnlich aber nicht bestaͤndig, daß man auf reinen Graswiesen, blumige oder auch schilfige Striche fin- det, welche zuweilen auf ihre niedrige, einzelne, hohe, ebene, tiefe, sauerbeizige, moorige trockne Flecke abwechselnd sich beziehen, andere sind durchgehends von einer oder der eben angezeigten Beschaffenheit. Graßwiesen haben den groͤßten Theil von Gras, gegen andere blumigen Kraͤuter und Gat- tungen von Staudengewaͤchsen, sie geben also ein einfoͤrmiges Heu oder Grummet. Andere sind blumenreich und dabey bald feiner und kraͤftiger, bald grobstenglicher auch unkraͤftiger, schlechter als solche, mit weniger Gras, und die Schilfarten und roͤhrigen Pflanzen sollten allezeit das wenigste aus- machen, da sie doch leicht die Wiesen uͤberziehen, welche spaͤt gehauen werden, und machen ein schlechtes oder altes Heu mit andern, worunter noch darzu die uͤbrigen Grase, Riedgrase und gro- be Staudengewaͤchse sind. Diese saͤmmtliche Wie- sengewaͤchse halten ihre gewisse Jahreszeit in wel- cher sie nacheinander hervorkommen, welches nicht nothwendig, oder in allerley Boden zusammen gleich eintreffen muß: daß sich also einige uͤberstehen lange lange vor oder kurz vor der Heu- und Grummet- Erndte, die andern alsdenn kaum halb ausgewach- sen sind, und etliche in der Bluͤthe oder Saamen stehen. Dieser Zustand macht eine starke Vermi- schung, daß deswegen bald die eine Wiese die man zu einer gesetzten Jahreszeit zu hauen gewohnt ist, oder machen kann, nur ein gutes Gras zur gruͤnen Futterung, die andere zu Heu, und die dritte zu beyden liefert: welcher Umstand gewiß nicht etwa in der Einbildung bestehet, manchmahl wechselt, manchmal aber bestaͤndiger ist. Bey 3 auch 2maͤhigen Wiesen ist der Nach- wachs von fruͤh abgehauenen jungen Grase gewiß genug, der sich unter dem von selbst spaͤter wachsen- den folgenden Grasarten findet, welches dem Heu und Grummet gar verschiedene Eigenschaften geben kann: denn man hat zuweilen dreyerley Graswuchs bey einem Heuschlage oder Nachmath beysam- men, nachdem viel fruͤhe oder spaͤte Grasarten zusammen kommen, wo nehmlich spaͤte Heuerndte dergleichen zugleich haben. Unter der ersten Pflanze und deren Nachwachs ist indessen immer ein Unterschied, wegen der Menge der Vollkom- menheit und Guͤte. Denn manche Grase bluͤhen und tragen Saamen 3 bis 4 Monate, andere bluͤ- hen 2mahl, andere nur einmahl, daß man sie unter der uͤbrigen Graͤserey mehr oder weniger in ihren verschiedenen Alter und Umstaͤnden abwechselnd antrift. Denn Denn wenn 3maͤhige Wiesen in der ersten Haͤlfte des July gehauen werden, und viele schon im May, oder gar im April in der Bluͤthe schon gestandenes, und also 6, 7, 8 Wochen altes Gras haben, wenn andere schon nach Johannis den Ju- lius hindurch gemaͤhet werden; so haben solche oft andere von der ersten unterschiedene Arten Gras, und die erstern Fruͤhlingsgraͤser fehlen dabey, oder sind grobstenglich geworden, und stehen schon in reifen oder unreifen Saamen, dabey ihr Mark schon gebrochen ist in Halm und Stengeln: wer die Arten kennet, wird einem Landwirth augen- scheinlich dasjenige Gras und Kraut, so wie es in verschiedenen Boden zu einer gesetzten Jahreszeit in einem kraͤftigen und vollkommenen Futterungszu- stande ist, davon unterweisen koͤnnen, da es nach dieser Zeit, auch außer solchen in 14 Tagen bis 3 Wochen, nicht mehr seyn kann. Bey den Herbst- wiesen um Michaelis, da sie gemacht werden, ist ein langsamer und grober Wuchs, es fehlet eine große Menge der vorigen Grase und Gewaͤchse aus den Sommer, dagegen andere da sind, welche sich unter dem vorigen Heu oder Grummt noch nicht be- finden. Dieses sind fuͤr Kenner des Wiesenwach- ses wichtige Unterschiede, die nothwendig einen gro- ßen Einfluß in die gemeine und trockne Futterung so verschiedener Arten von Thieren, und deren Zucht, Dauer, auch verschiedener Anwendung bey der Stadt- und Landwirthschaft haben muͤssen. Ein Ein vorzuͤglicher Wiesenwachs, macht einen guten Heuschlag, und wird, bey der Guͤte des Grun- des, von der schicklichen Lage und den gedeihlichen Witterungsumstaͤnden, bey dem Uebergang der einen Jahreszeit in die andere, abwechselnd bestim- met, so daß er sich bald gut, bald schlecht, bald mit- telmaͤßig zeiget, mit Vorbehaltung derjenigen beson- dern Eigenschaften, die ein jeder Grund der Graͤ- serey selbst demohngeachtet noch besonders giebt. Das Gras muß sowohl fein und dichte stehen, und so hohe Halme und Stengel treiben, daß es die Sense fassen kann; es muͤssen auch die dazwischen befindlichen Kraͤuter so beschaffen seyn, daß sie auf der Schwade mit der Harke wohl gewendet werden koͤnnen, ohne die Blaͤtter zu verlieren, oder sich beym Sammeln zu verstreuen. Andere Grasfle- cken, die sich dadurch von den Wiesen unterschei- den, theils, daß sie zur gruͤnen Fuͤtterung und nicht auf Heu genutzt werden koͤnnen, theils wegen des kuͤr- zern und duͤnnern Grases darauf nicht genutzt wer- den, lassen zwar den Hau der Sense zu, aber wer- den doch mehr durch die Sichel abgeschnitten, we- nigstens das erste- oder zweytemahl. Manche Wie- sen koͤnnen, da sie spaͤte oder Herbstwiesen sind, nur einmahl mit der Sense ordentlich behauen werden, das zweytemahl werden sie zur Viehweide wegen des Grases angewendet, wie die Triften und Anger, welche weder der Sense noch der Sichel unterwor- fen seyn koͤnnen. Botan. Abhdl. II B. K Alle Alle diese und dergleichen Umstaͤnde haben nach der gemeinen Erfahrung uͤberhaupt zwar ihre Gewißheit, allein auch das ist gewiß, daß alle und jede Gewaͤchsarten ihren natuͤrlichen Stand haben und behaupten, in welchen sie ihre natuͤrlichen Ei- genschaften und Guͤte entweder ohne alle oder doch mit einer sehr geringen Abaͤnderung beybehalten, nach welchen man sie zu nutzen gewohnt ist. So richtig solches also ist, so giebt es auch verschiedene Gewaͤchse und deren Grasarten, welche zugleich ih- ren Stand in verschiedenem Grunde und Boden haben, nehmen und behalten; doch wenn der Stand ihnen natuͤrlich ist, so erhalten sie sich, im Gegentheil werden sie schlechter, und halten darin- nen gar nicht, oder doch nicht lange aus. Denn daß die Gewaͤchse nach einer gewissen Zeit und Dauer ihre Standplaͤtze wirklich veraͤn- dern und veraͤndern muͤssen, ergiebt sich klar aus ihrer bestaͤndigen Wanderung, die einem erfahrnen Naturforscher bekannt genug ist, und deren sich die Natur, wie bey den Thieren, zur Unterhaltung des bestaͤndigen, schlechten und nothwendigen Abganges, in ihrer Haushaltungsordnung bedienen muß; da indessen den Gewaͤchsen das Vermoͤgen, sich aus ei- nem Orte in den andern willkuͤhrlich zu begeben, (als uͤberfluͤßig bey diesen Uhrkoͤrpern) versagt ist, so geschiehet ihre Wanderung durch die Saamen und Fruͤchte. Die Mittel dazu sind Wasser und Winde, Stuͤr- Stuͤrme und Ueberstroͤmungen, die sich in gewissen Jahreszeiten, bey der Reife der Saamen, zu wieder- holtenmahlen, gewoͤhnlich oder ungewoͤhnlich ein- stellen, auch allerley Thiere, welche bey ihren ver- schiedenen Zuͤgen und Nahrungsarten an Stand und Ruheplaͤtzen die gemeine Besaamung in den entlegensten Gegenden befoͤrdern helfen, und die Saamen sowohl auf als in dem Leibe eine Zeitlang herumtragen. Durch nur erwaͤhnte und mehrere Zufaͤlle kann der reife Saame eben so gut, auch so weit, aus einander gebracht werden, daß er wieder seinen na- tuͤrlichen Stand fuͤr sich findet, da er auf 5 bis 6 Meilen ganz verschiedenen Boden fallen kann, wo- hin er nicht gehoͤret, und daselbst weniger oder merk- lich veraͤnderte Pflanzen erzeuget, bald nicht ein- mahl aufgehet, oder gedeihet. Dieses alles haͤngt von bloßen Zufaͤllen ab, welche mehr oder weniger gewoͤhnlich sind, und also zur Verbesserung der Wiesen und des Grases bald zutraͤglich seyn koͤnnen, bald auch nicht; sie bleiben aber auch zuweilen mit aͤhnlichen Folgen außen, das Wasser bringt die Saamen mit dem zarten Erdschlamme vermischt von den Gebirgen und Hoͤhen, nach den Tiefen, und der Wind treibt sie an Oerter von beyderley Lage, bis zwischen die hoͤchsten Felsen, die Thiere legen die Saamen auf verschiedene Weise, an ihren Lager- staͤtten und Oertern, durch die sie gehen. K 2 Dem- Demnach kommen Pflanzen und Graͤsereyar- ten und Gattungen aus ganz entlegenen Orten nach und nach unvermerkt zusammen, und auf gleiche Weise werden sie wieder zerstreuet. Einige sind bestaͤndiger, daß sie an einem Orte laͤnger aushalten als andere, wie wir dieses auch von mancherley Gattungen der groͤßern und kleinern Thiere und Insekten zu sehen gewohnt sind; aus den Feldern, Ebenen und freyen Niederungen werden manche in die Huͤgel und Verge, andere hingegen in die ver- schiedene Waldungen, oder aus diesen auf die Wie- sen gebracht. Der verstaͤndige Landwirth, Hirte und Schaͤfer erfaͤhret gedachte Veraͤnderung der Jahreszeit an Guͤte, Menge, und andern Eigen- schaften auf Wiesen, Angern, Triften und Gras- plaͤtzen zuweilen nach Verlauf gewisser Jahre und vorgewalteten Witterungsarten. Die Aufmerksamkeit auf die natuͤrliche Ver- aͤnderung, welche sich bey den Graͤsereyen, und dem Wiesenwachse aͤußert, verschaft uns eine solche Er- kenntniß, der Ursachen, Zufaͤlle, Anstalten und Umstaͤnde, die in Absicht und Anwendung solcher auf den Werth der Grundstuͤcke, der Viehzucht und des Ackerbaues von großer Wichtigkeit zu seyn befun- den wird. Sie ist gewoͤhnlich auch kein Werk eines gemeinen Landwirthes, als welcher nur lauter Hand- arbeiten von den landwirthschaftlichen Geschaͤften und ihre Ausuͤbung in seiner Gegend, durch Laͤnge der der Zeit kennen gelernt, ohne daß er dabey die wah- ren Ursachen des dabey bestaͤndigen oder abzuaͤn- dernden Betriebes in ihrer Ordnung und Verbin- dung einsaͤhe. Er wird also demohngeachtet bey der Ausuͤbung in einzelnen Faͤllen, die er lange ge- nug gewohnt ist, so lange er unter gewisser Aufsicht mit Anweisung arbeiten muß, immer brauchbar seyn; allein Ueberschlaͤge ins Große zu wichtigen Anstal- ten, in Hauptdingen, da Wiesenwirthschaft, Pferde, Rindvieh und Schafzucht mit den uͤbrigen Theilen des Feldbaues, in gehoͤrigen Verhaͤltniß ohne Abgang der Ordnung verbunden werden muͤßen, thut er die verlangten Dienste nicht. Er macht lauter Ver- suche, wie einer der voller Zweifel ist, und der im Finstern tappet. Eben so wenig wird er, im Fall eines Man- gels der besagten noͤthigen Erkenntniß von Wiesen, Triften, Weide, Heu und Grummet, wirklichen Nutzen stiften, wenn er in andern Gegenden ein Gutachten geben soll, ob Stutereyen, Kuhmelke- reyen, Schafzucht, Fettweiden und dergleichen da- bey einzufuͤhren sind, ehe er nicht vorher vielmahl aus Unwissenheit mit seinen Vorschlaͤgen und An- stalten Schaden genug angerichtet, oder doch sonst weniger Vortheil verschaft, weil er erst dadurch gleich- sam hintennach einigermaßen klug geworden ist. K 3 Denn Denn einmahl ist eine hinreichende Erkenntniß von Grundstuͤcken nach ihren wirklichen und kuͤnst- lichen Eigenschaften noͤthig, wenn man sie so zum Nutzen anwenden will, wie es wirklich seyn muß. Ferner ist die allmaͤhlige Veraͤnderung von Graͤsern bey den Wiesen, wie bey den Waldungen, zum Gu- ten- und Boͤsen gewiß, oder sie erhalten sich bey ihrem Zustande laͤnger oder kuͤrzer, dabey ist auch der Unterschied der Graͤserey außer Zweifel nach ihren Gattungen, der Art der Lage, des Bodens, nebst der Wirkung der Witterung bey den 4 Jah- reszeiten; aber auch in Absicht auf die Beschaffen- heit, Nutzung, Vorzuͤge und Fehler ist es gar nicht gleichguͤltig, was vor Gattungen der Graͤ- ser und andere Gewaͤchse auf unsern Wiesen hervor kommen. Denn wir verlangen zur Unterstuͤtzung des Ackerbaues davon gute und nahrhafte Graͤserey, welche theils frisch zur Stallfutterung oder einer ordentlichen Vieh- auch Fettweide verschiedener Thiere, theils zum Heu, tuͤchtig seyn sollen. Der Graswuchs ist auch, laut der allgemeinsten Erfah- rung, in Absicht derjenigen Arten von einzelnen Ge- waͤchsen, die einigen Gegenden mehr eigen sind, als andern, und die sich auf der Wiese und Weide abwechselnd beysammen befinden, schlechterdings an gewisse Jahreszeiten gebunden, und er macht also auch nach den bloßen Jahreszeiten, in seinem gewis- gewissen Grund und Boden, dabey uͤberdem einen sehr merklichen Unterschied. Einige Triften wer- den vor Johannis nicht behuͤtet, ob sie schon voll von Graͤserey und kraͤftiger Kraͤuter sind, weil das Rindvieh und Pferde darauf Zufaͤlle bekommen. Der verschiedene Zustand wird, theils durch das Heu von Fruͤhlings- Sommer- und Herbstwiesen, theils durch das Grummet oder durch die Nach- math klar. Auch beweiset bey der Viehzucht der Gras- wuchs auf Triften, Angern und Weiden eben das, durch die verschiedene Huͤtung und Huͤtungsart, bey Rindvieh, Pferden und Schaafen, welche je- des Ortes oder in ganzen Gegenden, nach der Jah- reszeit, das ist, wegen des auf gedachten Grund- stuͤcken jedesmahl befindlichen alten und neuen, star- ken, geringen, schlechten oder nahrhaften Gras- wuchses, bald sogleich im Fruͤhlinge oder Herbste, bald erst im Sommer darauf geweidet werden duͤr- fen, wenn man ihnen reine und hinreichende, ge- sunde Nahrung verschaffen, und selbige vor schaͤd- lichen Zufaͤllen verwahren will, daß es daselbst vor den Landwirth gut und lange stehen soll. Mit der Fettweide im Herbste hat es wegen kurzer Dauer schon weniger zu bedeuten. Die nach der Math in den 3 Haupt- Jahres- zeiten benannten Wiesen unterscheiden sich wirklich K 4 und und zwar nach der Graͤserey uͤberhaupt; denn auf den fruchtbaren fruͤhlingsfruͤhzeitigen Wiesen ist bey der Heuerndte allemahl der erste Fruͤhlings- wuchs in seiner Vollkommenheit, welcher vom Ausgange des Aprils angehet, und bis zur ersten Haͤlfte des Brachmonats in voller Bluͤthe stehet, (das ist bey guter einschlagender Witterung ohnge- faͤhr in 6 bis 7 Wochen), und zu seiner Vollkom- menheit koͤmmt, auch allein ein sogenanntes reifes Heu geben kann. Dieser erste Wuchs hat bereits den angehenden noch jungen Sommerwuchs mit in sich welcher erst im Wachsen und Schießen ist, auch zwischen den ersten Fruͤhlingswuchs die Wiesen treflich fuͤllet, ohne zur Bluͤthe gelangt zu seyn. Man wird sich indessen leicht vorstellen, was eine fruͤhere oder spaͤtere Erwaͤrmung des Bodens dabey beschleuni- gen, eine schattige, kalte, waldige, gebuͤrgigte, nordliche, verdeckte, auch eine anhaltende, trockne Lage, rauhe Witterung, und ein langstehendes Winterwasser auf den Ebenen dabey verzoͤgern muͤsse. Die zweyte Sommermath solcher fruchtbaren Fruͤhlingswiesen, oder erste Nachmath, die Grum- met giebt, fuͤhrt vornehmlich eine groͤbere Graͤserey, die mit dem feinen Nachwachse der ersten Erndte mehr oder weniger vermischt seyn muß. Sie entstehet nach der ersten bey guter Witterung, in Zeit von 5 bis 6 Wochen, nehmlich von der andern Haͤlfte des Ju- nius nius bis July und Ende des August; dieser zweyte Nachwachs ist denn theils in der Bluͤthe theils schon in Saamen; der darauf folgende ist noch im groͤßten Wachsthume, und der letzte zur dritten Math macht erst jung die Halme, so daß man also unter den ersten Grummet von den Fruͤhwiesen dreyerley Graswuchs antreffen muß; aus der Verschiedenheit zum Heumachen, auf 2, 3 und 1maͤhigen Wiesen und eben aus dem Nachwuchs laͤßt sich erweisen, daß eine und eben die Art Gras, so- wohl in Saamen, als in der Bluͤthe stehen konne, die erstern oͤfters in der Saamenreife, die folgenden zugleich mit jenen in der Bluͤthe. Die dritte oder Herbstmath der Fruͤhlingswie- sen, welche das zweyte, spaͤte und groͤbere Grum- met giebet, ist in allem schlechter in der Futterung, als die 2 erstern. Der Graswuchs ist theils alt geworden, und mehr ein Nachswuchs beyder vor- hergehender, als der Wuchs von der eigentlichen an sich selbst spaͤten Herbstgraͤserey. Dieser Herbst- wuchs faͤngt sich mit den Wiederwachse des abge- maͤhten vorherigen 2ten Sommerwuchses, nach der andern Haͤlfte, gegen das Ende des Heumonats an, auch in einigen Gegenden erst im August, und wird gegen das Ende des Septembers um Mi- chaelis insgemein gemacht, und giebt das zweyte Grummet. K 5 Diese Diese drey verschiedenen Mathen haben jede sowohl ihren eigentlichen Graswuchs besonders, als auch noch dazu einen Nach- oder Viehwachs. Denn einige staudige Grasarten bluͤhen zweyschuͤ- rig, andere von selbst 2mahl im Jahre, und ver- schiedene setzen von May an ihre Bluͤthe nach ein- ander 1 bis 2 Monate fort, und etliche kann man erst die meiste Zeit im Jahre in der Bluͤthe, auch noch spaͤter finden, welche Umstaͤnde, einzeln genom- men oder zusammen betrachtet, immer sichere An- zeigen von unterschiedenen Grassorten sind. Was die Sommerwiesen betrift, so werden darunter solche verstanden, welchen ein weniger fruchtbarer Grund und Boden in allen Gegenden eine solche etwas spaͤtere Eigenschaft giebt, daß ihre Graͤserey erst im Juny in einen Wachsthum koͤmmt, daß sie ein zeitiges nutzbares Heu im July das erstemahl, und im September das 2temahl Grummet, oder ihre Nachmath einmahl geben koͤn- nen, welche Nachmath bey der vorhergehenden allezeit gedoppelt ist. Der ganz erste Wuchs, ob er gleich in gewissen Jahren etwas besser seyn kann, ist gegen den ersten auf den Fruͤhlingswiesen, spaͤt, einzeln, duͤnne, auch so schlecht, daß er von keinen Belang gefunden wird. Man rechnet also nicht darauf, und laͤßt ihn, bis zur Heuerndte im July mit stehen, da er bereits zum Theil im Saamen ist. Hier- Hiervon muß man die 2maͤhigen vermeintli- chen Wiesen nach einer nachlaͤßig betriebenen Wiesenwirthschaft in recht fruchtbaren weitlaͤufti- gen Auen, wohl unterscheiden, welche wegen Ue- berfluß des guten Wiesewachses und der Wei- de, aus einer verkehrten Gewohnheit auch Un- fleiß, als 2maͤhig traktiret werden, und eben des- halb bey der ersten Heuerndte im July ein sehr gro- bes Heu geben muͤssen: dagegen selbige wenn sie andere Jahre schon im Johannis das erstemahl ge- hauen worden sind, ein sehr feines gutes Heu ge- ben, und hernach, noch 2 Nach- oder Grummet- mathen: man muß also wohl zusehen, daß man nicht eine Heuerndte verliehre, aus schlechter Be- urtheilung des Bodens und Grases, und noch dazu ein altes und grobes Heu dafuͤr gewinne. Die Herbstwiesen oder einmaͤhigen sind die spaͤtesten wegen der Lage des geringen und schlech- ten Bodens, sie geben nur eine Heuerndte um Mi- chaelis insgemein, von groben bald etwas lang und grobstieligen bald nur kurzen Heu; sie geben aber keine Nachmath, wie die vorigen. Man nennet sie auch eben, wegen dieser ihrer groben Math, oͤfters Grummetwiesen; da alsdenn die Jahreszeit ei- nes neuen Graswuchses schon viel zu weit verstri- chen, als daß diese Wiesen von neuen wieder in be- sondern Wachsthum kommen koͤnnten; so werden sie nachher bald abgehuͤtet, bald wegen eines gu- ten ten Bodens zu einer besondern Fettweide ange- wendet. Alle guten aber vernachlaͤßigten Wiesen koͤnnen endlich in den Zustand dieser letztern kommen, da ihnen alsdenn durch Duͤngen, Aufreißen, Besaͤen, und endlich durch eine gehoͤrige Beackerung, auch wech- selsweise Bestellung zur Frucht, wieder aufgeholfen wird. Bey vielen dieser Art, wo die Cultur aus mancherley Ursachen nicht angebracht werden kann oder darf, werden Viehweiden daraus, wenigstens in trocknen Jahren. In hohen Gebirgen, Mittel- und Vorgebirgen, auch bey denen um, an, und zwischen denselben liegenden Wiesen, giebt es we- gen der damit zu treibenden Wirthschaft, zur Zeit der Heuerndte und des Grummtmachens, wie auch in Absicht auf die verschiedentliche abwechselnde Gras- und Kraͤuterarten, selbst manche Ausnahmen und Abaͤnderungen, welche auch dem besten Landwirth nicht immer voͤllig bekannt seyn, und den davon sonst angenommenen guten Principiis, nicht selten zu wi- dersprechen scheinen koͤnnten. Der salzige Weide- und Wiesegrund mit oder ohne dergleichen Quellen, er liege nun hin und wieder mitten im Lande oder an dem Meere selbst, giebt ein fettes, dunkelgruͤnes Gras, und eine gute Weide. Da aber hier allein die Rede von den ei- gentlichen Wiesen ist, auf welche ein ordentlicher und und bestaͤndiger Heuschlag ist, das ist, von solchen grastragenden Laͤndereyen, die wegen des starken und hohen Graswuchses auf Heu genutzet werden auch werden koͤnnen: so schließen sich die uͤbrigen von selbst aus, wenn sie noch so fruchtbar sind, so- bald sie wegen des kurzen und duͤnnen Grases mit der Sense nicht gehauen und zu Heu genutzt werden koͤnnen. Der Grund und Boden kann in gewissen Gegenden zwar einerley oder verschiedene Graͤse- rey tragen, welche saͤmmtlich gut und nahrhaft sind, aber dabey ein ganz duͤnnes auch kurzes Gras tragen, das man mit der Sichel zu schneiden und frisch zu verfuttern pfleget: andere koͤnnen ein noch viel kuͤrzeres Gras bringen, das sich gar nicht ab- maͤhen laͤßt, und folglich als eine verschiedene Art von Viehweide gebraucht werden kann. Es kann auch in gewissen Jahren an einzeln Orten in den Waldungen schoͤnes Gras seyn, daß einmahl zu Heu gemacht wird, in vielen Jahren hingegen nur mit der Sichel zu frischem Futter geschnitten wer- den kann, in den meisten aber zur Waldhuͤtung ste- hen bleiben muß. Die Wiesen haben nach dem Grunde und Boden ihre gewisse Unterschiede, welche auf de- ren Haupteigenschaften zuweilen einige Beziehun- gen haben, als da sind Feldwiesen, Bergwiesen, Bruch- und Moorwiesen, Wald- oder Forst- Hey- dewiesen, Gartenwiesen. Denn etliche sind fruͤh etliche etliche spaͤt, andere geben hohes, kurzes, feines oder hartes zaͤhes, grobes sauerbeiziges Schilfgras, mit einer Mischung von solchen hierher gehoͤrigen Kraͤutern, auch etlichen Wolletragenden Stauden- arten, auch so gar schaͤdlichen und giftigen Pflan- zen, vor einiges oder vor alles Rindvieh, wenn sie haͤufig sind, oder auch zu frisch in Heu verfuttert werden. Wegen der giftigen oder doch schaͤdlichen Pflanzen kommen alle grastragende Laͤndereyen uͤberein, daß sie bald haͤufig zumahl in gewissen Jahren sind, bald einzeln in ihren eigenen Mona- ten, oder sie fehlen gar. In Ansehung der Wir- kung solcher frischen Gewaͤchse kann die Wei- de und Trift schaͤdlich werden, das Heu aber ist es nicht. Es kann im ersten Fruͤhlinge die Weide an manchen Orten schaͤdlich werden, ganz im Fruͤh- linge, weil die ersten Triebe alsdann am aller- staͤrksten seyn, und noch mehr beym Vieh, wel- ches nur mit schlechten Futter und Hechsel den Winter durchgebracht worden, auch wegen der Menge ihrer sehr kraͤftigen Arzeneykraͤuter, wel- che doch nicht giftig sind, und wegen der starken Bewegung in den Thieren Zufaͤlle erregen; im Heu hingegen faͤllt diese Besorgniß eines Theils weg, da sie 4 Wochen aͤlter und zur Bluͤthe er- wachsen sind, auch getrocknet worden, wenn nicht etwa die Wiesen allzuvoll von bittern zugleich schar- scharfen reizenden Gewaͤchsen sind, als die allzu heftig Harn- und Schweistreibend sind, auch purgieren, statt Nahrung zu geben, und Arzeney- wirkungen thun wenn sie zumahl in Menge ge- nossen werden, als wovon das Vieh matt, laͤßig und mager wird, wie es auf der Weide zuweilen bald verspuͤret wird. Man muß also hier sehr unterscheiden unter den Nahrungsgewaͤchsen und starken oder auch gemaͤßigten Arzeneykraͤutern. Die erstern gehoͤren zur Nahrung und Erhaltung der Thiere und Menschen, die andern zur Wie- derherstellung ihrer verlohrnen Gesundheit. Man wird verhoffentlich nicht gerne in der Hand- und Hauswirthschaft mit lauter kranken Thieren zu schaffen haben wollen, folglich hat man den Ueber- fluß an Arzeneykraͤutern, wenn sie stark sind, nie zu wuͤnschen. Denn so wenig man bey guten Laͤndereyen solche Wiesen zur Weide braucht, die eben des- halb einen sehr geringen Werth haben, wenn sich darauf ein Ueberfluß von den scharfen pur- gierenden bittern Gratiola findet, eben so we- nig muͤssen die Gaͤrten, Wiesen und Grasflecke vor Kaͤlber und jungen Vieh zur Weide, die statt des eigentlichen Grases zu viel von Ta- naceto, Jacobea, Alcea, Artemisia offinalis, auch um die Seen, Suͤmpfe und Erdbuͤscher herum von Epatorio, Lysimachia, Thalictro, Ulmaria, auch auch andere bey der Heuerndte, und den folgen- den Grummethau schon zu sehr alt auch uͤber- standen und grobstenglich werdenden Kraͤutern traͤgt. Das junge Vieh wird mager und verhun- gert fast mitten unter der Menge solcher blumigen Staudengewaͤchse, wenn nicht andere feinere, und suͤße, gute Grasarten dazwischen stehen. Bey der ersten fruͤhen Heuerndte sind dergleichen noch niedrig, auch kaum zu maͤhen, im July aber zu alt, grob und unverdaulich, unkraͤftig, und ihr spaͤtes Nachwachs in Grummet erst wieder gut. Auf einen feuchten lockern fruchtbaren Wiese- grunde, bleiben dergleichen hohe Stauden viel laͤn- ger weich und saftig, und wachsen wieder eher nach, als auf hohen, trocknen, heißen Boden. Ueber- haupt sind viele schlechte Grasarten und Gewaͤch- se, zur Weide und Heu in gutem Grunde gut, in schlechtern aber schlechter, und in gewisser Gegend auch die beste Art immer schlechter auch unnahrhaf- ter, ei verbessern sich im Heu, andere werden schlecht, w ohlriechende balsamische, theilen dem Heu we nn sie in Haufen stehen, indem sie ausduͤnsten, einen Theil ihrer fluͤchtigen Bestand- theile mit, wie die Muͤnzarten, das Tunkegras, und andere wohlriechende mehr. Alle Gras- und Gewaͤchsarten kommen ent- weder auf der Weide, und der Trift, in Feldern, auf auf Angern, in Waldungen, auf Bergen und Huͤ- geln vor, wo sie nutzen, ein gewisser Theil davon aber nur auf den Wiesen allein, damit sie Heu ge- ben. Von den Wiesen und Graskraͤutern haben die Weiden und Triften auch einen Theil, der aber eben, weil er daselbst entweder nicht zu Heu ge- macht wird, oder werden kann, abgehuͤtet werden muß, eben so, wie einige Wiesen nur 1 bis 2mahl gemaͤhet werden, und ihr kurzer oder spaͤter Nach- wachs abgehuͤtet werden muß. Reine Graͤsung ist die gesuͤndeste, sie ist rein in Absicht auf die Art der Gewaͤchse, auf den Grund und dessen freyen, hohen, oder ebenen Lage, welches die Wirkung auf Heu und Weide ausweisen, wenn sie nehmlich reine, weiche, hinreichende Waͤsserung, ohne Schlamm und scharfen Schleim, auch zu rechter Jahreszeit einen guten Abzug haben, und, wegen gleicher Erwaͤrmung des Grundes, auch glei- chen Graswuchs, und eine solche Lage zur Ausduͤn- stung haben, daß sie die frische Luft bestreichen, und die daraus gehenden, und sich sonst mit einer großen Menge der Insekten niedersenkenden, schweren, fet- ten, ungesunden Duͤnste bestaͤndig zerstreuen kann. Das Clima erhoͤhet die Guͤte der Gewaͤchse, die in einem andern schlechter sind, und die besten werden in einem schlechtern immer schlechter. Die ganz fruͤhen Grase und Gewaͤchse, die auf den Wiesen im April zu bluͤhen anfangen, und bis zur ersten Haͤlfte des Mayes fortbluͤhen, sind Botan. Abhdl. II. B. L bey bey uns wenige, und zum Theil gegen die Heuerndte schon in reife oder unreife Saamen, gegangen oder doch grob, unschmackhaft und unkraͤftig, oder auch zu niedrig, als daß die Sense viel davon beym Maͤhen fassen koͤnnte, und zerstreuen sich im Heu groͤßten- theils selbst; auf allen Arten von Triften und Wei- den hingegen sind sie desto betraͤchtlicher. Ob nun schon alle und jede natuͤrliche Grund- stuͤcke, welche die Eigenschaft haben, Graͤserey und Kraͤuter von selbst in großer Menge hervor zu brin- gen, einen sehr betraͤchtlichen Theil solcher Gewaͤchse unter sich gemein haben, daß sie, in einem abwech- selnden Verhaͤltniß vermischt, mit dem Wechsel der Jahrszeiten, des Himmelsstrichs, der Witterung, auch des Grundes und Bodens, darauf beysammen wachsen; so haben doch verschiedene Grundstuͤcke, auch in Ansehung der Arten von Graskraͤutern und Staudengewaͤchsen, ihre eigene und besondere Arten, welche sie vor sich allein hervorbringen. Dieses wird man an den verschiedenen Wiesen, Triften, Weiden, Fruchtfeldern, Waldungen, Bruͤchen, Inseln, Huͤ- geln, Bergen, Weingebirgen, Kalkgebirgen, und Garten gewiß wahr befinden. Hier ist indessen nur die Rede von wirklichen Wiesenwachs, das ist solcher Graͤserey, die ihrer Menge, guten Wachsthums und Eigenschaften hal- ber, die Wiesen zu Wiesen macht, so daß sie zum Heuschlag allezeit tuͤchtig sind und bleiben, ob schon viele fruͤhere oder spaͤtere, kleine auch sehr kurze Grase Grase darauf unter den uͤbrigen hochwachsenden Arten zuweilen in verschiedener Menge befindlich sind, die auf jedem Grundstuͤcke auch vorkommen, aber auf Heu oder Grummet weder genutzt werden, noch werden koͤnnen. Denn wenn sie dazu taugen sollen, muͤssen sie vorher schon zwischen Pfingsten und Johannis, oder doch in der Mitte des July, ferner zum andern oder drittenmahle von da an, bis Anfang des Septembers, zum Hauen oder Abmaͤhen gehoͤrig ausgewachsen seyn, und ihre Hoͤhe haben. Demnach giebt es fruͤhe, spaͤte, gute, mittlere und schlechte Wiesen, auch nicht alle Oerter die Graͤse- rey bringen, sind zu Wiesen tauglich, wegen ihres geringen Graswuchses. Ein Grundstuͤck, Ort, Feldmark, Provinz, Land und Gegend hat wenig oder stark und guten Wiesenwachs, die andern hin- gegen zwar viel Graͤserey, aber deshalb keinen Heuschlag. Da nun die Wiesen solche natuͤrliche Grund- stuͤcke sind, auf welchen die Graͤsereyen ihren natuͤr- lichen Hauptstand haben, und von selbst hervor- kommen, so bestehen diese noch nicht immer, oder noch uͤberall an allen Orten aus etlichen Arten, noch weniger aus einer einzeln allein, sondern aus mehrern oder wenigern, welche untereinander, und im Jahre nacheinander hervorkommen, und zwar insgemein in einem eben nicht zu bestimmenden be- staͤndigen Verhaͤltniß. L 2 Die Die Graͤsereyen bestehen hauptsaͤchlich aus dreyerley Gewaͤchsarten, die unter den Namen des Grases verstanden, zu Heu gemacht, und zuletzt oder in manchen Jahren abgehuͤtet werden, als: 1) aus einem wirklichen Grase, welches von den uͤbrigen Gewaͤchsarten voͤllig verschieden ist, 2) aus Kraͤutern, welche ihre wohlbestimmten Kennzeichen haben, 3) aus Staudengewaͤchsen, die mit den Kraͤutern außer der Groͤße, Dauer, Ansehen und Vermehrung vieles gemein haben, in Absicht aber auf die Nutzung von vieler Bedeutung sind. Was das eigentliche Gras betrift, so macht es auf den Wiesen allezeit den groͤßten Theil aus, und wenn die Futterung sowohl frisch, als in Heu, die rechte Eigenschaft haben soll, muß es allezeit, vor allen andern das meiste seyn. Das Gras selbst ( Gramen ) hat als eine zahl- reiche Gewaͤchsklasse, seine verschiedenen Arten und deren Gattungen, deren Unterschiede in aller phy- sikalischen und oͤkonomischen Betrachtung unge- mein wichtig sind. In Betrachtung der Nutzung zu oͤkonomischen Absichten giebt es wahre Grase, ( Gramina vera ) und deren verwandte Gewaͤchsar- ten ( Gramina officinalia ) welche sonst Riede- Seg- ge- Schilf- Cyper- und Binsenartige Graͤser ge- nennet werden, auf die der Landwirth, wegen ihrer Eigenschaft zu futtern oder zu schaden, gar sehr Acht zu geben Ursache hat, so wie er von den wahren Grasen aus der Erfahrung hat, daß sie bald gruͤn bald bald in Heu, zu rechter Zeit und in gehoͤrigem Zustande gemacht, gut oder schlecht, auch zuweilen gar nicht fut- tern. Denn die Grase, welche gewissen Gegenden und Wiesen abwechselnd eigen sind, bestimmen die Ei- genschaft des Heues und frischen Futters vornehm- lich dergestalt, daß es gar nicht einerley seyn kann, welches Gras, oder in welcher Menge, auch zu welcher Jahreszeit es vor andern zugegen sey, und in vollem Wachsthume stehe, daß es seinen besten Nutzen geben kann. Gegen die uͤbrigen Gewaͤchse gerechnet, muß das Gras auf guten Wiesen allezeit das meiste ausmachen, und zwar ein gutes, feines, nahrhaf- tes Gras, welches auch im Heu von seiner Guͤte nichts, oder wenig verlieret. Es muß nicht zu fruͤh im Jahre voͤllig erwachsen, und vor der ersten Heu- erndte verbluͤhet haben, es mag vielmehr spaͤter kommen, und bey der 1sten bis 2ten Nachmath im- mer nachwachsen. Man hat etliche sehr gute suͤße Graͤser, welche den May, Juny, und July durch bluͤhen, und also bestaͤndig ihren jungen Nachwachs haben. Andere sind zu fruͤh ausgewachsen, und bey der Heuerndte schon zu alt, zaͤhe, grob und uͤber- standen, als daß sie noch Kraͤfte zu naͤhren haben sollten; der Grund aͤndert die besten, einige verlie- ret er, andere behaͤlt er laͤnger oder kuͤrzer, und bes- sert zuweilen die schlechtgewordenen, wenn sie nicht von Natur schlecht sind, und Verbesserung er- lauben. L 3 So So wenig gleichguͤltig also ein gutes Gras und Heu dem Landwirthschafter immer seyn muß, eben so wenig koͤnnen es also die guten und schlechten Arten, und deren erster Ueberfluß und der letztern geringer Antheil auf den Wiesen seyn, und um desto weniger kann es uͤberfluͤßig seyn, die gehoͤrige Kennt- niß davon wirklich zu haben. Die meisten denken zwar, es ist Gras, und Gras ist Gras, und eine naͤhere Bestimmung und besondere Kenntniß einzelner Graͤ- ser und zwar der besten Gattung ist ihnen uͤberfluͤßig, oft laͤcherlich, weshalb sie auch, aus großer Gleich- guͤltigkeit, die Wiesen selbst vor lauter Gras nicht deutlich zu sehen, und gruͤndlich genug mit einem oͤkonomischen Auge zu beurtheilen, im Stande sind. Die meisten sind im eigentlichen Verstande keine Oekonomen, sondern bloße Handarbeiter bey der Landwirthschaft, von denen man nichts von Einsich- ten in die Landwirthschaftsgeschaͤfte, Ordnung, Un- terhaltung und Verbesserung fordern darf. Kurze Kurze Anweisung zum Anbau der Baumwollen Weide und deren Pflege, nebst einem Unterrichte, wie die reife Wolle zum Nutzen der Fabriken davon ordentlich zu gewinnen ist. D iese Anweisung erstreckt sich auf die Mark, Pommern und Preußen , und zwar vornehmlich auf solche Gegenden, in welchen tief gelegene Els- bruͤche, unbrauchbare zwischen Heiden und Triften gelegene Pfuͤhle, und Torf- und Moorwiesen vor andern haͤufiger angetroffen werden, die nie vor dem Ende des July, und dennoch kaum, auch wohl gar nicht austrocknen, auch uͤberall ein saures, gro- bes und schlechtes Gras einzeln hervorbringen. L 4 Die- Diesen folgen andere feuchtere Bruͤche und sandiger Boden, nebst den uͤbrigen morastigen Oertern um die Waͤlder, welche lange und oft unter Wasser und Eis stehen, und sonst mit flachen Graben durchzo- gen sind, oder unter schattigen und kaltspruͤngigen Bergen liegen, oder auch wegen des Vorwassers ungenutzt liegen bleiben, wohin nach oͤkonomischen Gruͤnden weder Rindvieh noch Schafe geweidet werden duͤrfen, auch die Ziegen nicht hinkommen koͤnnen. Andere fruchtbare Striche von Laͤndereyen, die man besser nutzen kann, muͤssen zum Anbau der Baumwollen Weide nicht angewendet werden, es muͤßte denn seyn, daß diese Weide um die Doͤrfer in naßem Grunde, an den Baͤchen, Muͤhlgraͤben, Daͤmmen, Landstraßen und Zaͤunen unter den uͤbri- gen staͤnden, weil doch die Nutzung von einer sol- chen vollkommen ausgewachsenen Baumwollen- Weide allezeit diejenige uͤbersteigt, welche der Land- mann von dem Maulbeerbaume zeither gehabt, oder sonst von solchen Plaͤtzen haben kann. Die Weide, die die Baumwollenweide, Schafweide, Bitterweide und Lorbeerweide ge- nennet wird, hat mit den uͤbrigen Weiden, außer der Nutzung des Holzes und des Laubes zur Futte- rung, vieles gemein, als welches, als hier nicht zur Sache gehoͤrig, auch in gegenwaͤrtiger Abhand- lung uͤbergangen werden soll. Sie waͤchset in vor- erwaͤhnten Koͤniglichen Provinzen von selbst, und zwar nur einzeln, aber doch zu einer kuͤnftigen star- ken ken Vermehrung immer hinreichend genug. Man wuͤrde sie haͤufiger finden, wenn sie sich, wie andere Wiesenverderbende kleinere Strauchweiden, durch den Saamen haͤufiger vermehrte, und dabey nicht unter den Namen eines Werftstrauches mit den Wurzeln uͤberall unwissend ausgerissen worden waͤre. Diese Weide ist in ihren natuͤrlichen nassen Moorboden oft ein Baum, wenn sie nicht verhin- dert wird, ihre Zweige ordentlich abzuloͤsen und ein Baum zu werden, der aber zwischen den Elsen und uͤbrigen Weiden nicht sonderlich regelmaͤßig seyn kann, ob er gleich deren Hoͤhe erreichet; in freyen und geraͤumten Bruͤchen hingegen wird sie nur ein hoher Strauch, der sich stark ausbreitet. Sie treibt 2 bis 3 Nebenstaͤmme und viele Brut, welche letztere sehr uͤberhand nimmt, wenn sie stark ge- hauen oder gestutzt wird. Diese Staͤmme sind ins- gemein Armesdick und rauh, werden mit dem Alter brauner als andere, auch wohl 3 bis 4 Spannen stark, ohne auszufaulen. Das juͤngere zaͤhere Holz hat eine glatte Rinde, welche dunkelgrauer ist, bey den neuen Zweigen und Ruthen ist selbige, wenn sie gesund sind, roͤthlich oder dunkelroth, aber nicht sehr biegsam, die Stengel sind glatt und glaͤnzend, als wenn sie mit Firniß uͤberstrichen waͤren. Ihr Laub ist an dem verschiedenen Holze auch verschieden, so daß es bald dunkelgruͤn und stark, bald heller und weicher, kleiner, kuͤrzer und run- L 5 der, der, oder groͤßer und laͤnger, nach Unterschied des Alters, Bodens und der Fruͤhlingswitterung ge- funden wird. An Gestalt gleichet es oft den gro- ßen Kirschlaube, bald den Kirschlorbeerblaͤttern, bald dem Mandel- oder Pfirschenlaube, und fuͤh- ret unten am Stiele 2 kleinere Ohren. Diese Un- terschiede, die man hier im Lande zuweilen so gar an einem einzelnen Baume zugleich finden kann, wech- seln mit dem Alter, dem Grunde und der Jahres- zeit oͤfters so, daß der Baum ein ganz verschiedenes Ansehen bekoͤmmt, welches bey den Schriftstellern mehrere Arten hervorgebracht hat, als es davon wirklich giebet. Die belaubten Zweige haben ei- nen sehr angenehmen erquickenden Geruch, wenn sie zusammen in die Stube gebracht werden, und geben den Baͤumen ein sehr schoͤnes Ansehen und Glanz. Bricht man diese Zweige mit dem jungen Laube, so wird dieses daran beym Trocknen leicht schwarz, im Herbste aber gelb. Vor dem Ausschlagen werden die Baumwol- lenweiden unter den uͤbrigen von den Landleuten, vorerwaͤhnter Veraͤnderung halber, bey uns etwas schwerer erkannt, auch nicht immer an ihren an- sehnlichen Blumenzapfen, welche sonst den Blu- men des gemeinen Werftes gleichen, welche vor dem Laube im Fruͤhlinge, etwas spaͤter aber, als bey andern Werstarten, ausbrechen. Sie wird auch oft im Ausschlagen mit einer rothen großblaͤtt- rigen und einer andern wolltragenden Mandelweide ver- verwechselt, die schon im July stirbet, und eine ziemliche Wolle traͤget. Wenn das schoͤne wohl- riechende Laub ausgewachsen, und die Zweige ihren Glanz erhalten haben, ist sie leicht in den dunkeln Elsbruͤchen zu unterscheiden, oder sie stehet einzeln in denselben an den Triften. Das beste und gewisseste Unterscheidungszei- chen, woran sie die Bauern, Hutleute und Foͤrster schon von weitem erkennen, sind ihre langen und großen Baumwollenzapfen, darin sich die feinen Saamen enthalten, und zwar zur spaͤten Jah- reszeit, da man dergleichen Wipfel nicht wahr- nimmt. Besonders unterscheiden sie sich 1) in Anse- hung ihrer Groͤße, 2) wegen der außerordentlichen Jahreszeit, 3) wegen ihrer Dauer an den Baͤu- men, 4) der haͤufigen und weißen Wolle wegen. Denn diese großen mit zwey Blaͤtterchen versehene Zapfen haͤngen an laͤngern, wegen zunehmender Schwere, sehr starken Stielen, und verlaͤngern sich, bleiben auch zu einer solchen Jahreszeit noch immer an den Baͤumen, da man sie sonst an keiner einzi- gen Weide mehr nach dem Monat July (da die andern gaͤnzlich ausgestaͤubet haben) hier im Lande zu sehen oder zu finden gewohnt ist, wie es denn geschiehet, daß nach einem spaͤten Honigthau die Zweige verderben, oder aus andern Ursachen eine Nachreife thun, und man nicht selten die Zapfen mit der Baumwolle her- nach, den ganzen Winter uͤber, auf den kahlen Zwei- gen, gen, bis sie wieder ausschlagen, finden kann, wel- cher einzige Umstand den Landleuten diese Weiden- art kenntlich genug macht. Indessen ist es gut, so- wohl den Ort, als diese Art von Straͤuchen und Baͤumen, durch kleine weiße Stoͤcke oder Pfaͤle zu bemerken, damit sie allezeit wieder gefunden wer- den koͤnnen, wenn sie auch ohne Laub und Zapfen sind, damit sie Reiß und Zweige davon zur Vermeh- rung im Fruͤhlinge nehmen koͤnnen. Diese langstieligen Baumwollenzapfen wach- sen viel langsamer und laͤnger, als an unsern hiesi- gen Landweiden; sie werden daher auch groͤßer und schwerer an Wolle, als die andern, und reifen erst mit dem Ende des Augustmonats und der ersten Haͤlfte des Septembers, ob sie schon den ganzen Oktober durch, wegen der kuͤhlen Witterung und Nachtkaͤlte, noch an den Baͤumen sitzen bleiben, bis sie endlich aufplatzen, abfallen, und mit Verlust des feinsten Antheils der Wolle nachher gefunden werden. Einige Baͤume reifen an waͤrmern Stel- len, wo sie von der Sonne besser beschienen werden koͤnnen, 8 bis 14 Tage fruͤher, als andere, viele aber scheinen nur dieses zu thun, weil sich die weiße Wolle schon an den Spitzen der etwas zuvor geoͤf- neten Wollenknoͤpfchen zeiget, wodurch man sich nicht irre machen lassen, und die unreifen Zapfen einsammlen muß, wie einige mit wenigem Vortheil versucht haben. Die Die rechte Reife faͤllt hier im Lande von der Mitte des Septembers bis zur Mitte des Okto- bers ein, da man bey guten stillen Wetter das Pfluͤ- cken der Zapfen durch Kinder ordentlich, ohne die Zweige herunter zu brechen, anfangen lassen kann. Ehe man aber dieses unternimmt, werden kleine Partien vorher davon zur Probe gepfluͤcket, in die Stuben oder Kammern auf dem Boden gebracht, die sich in der Waͤrme bald in 8, 10 bis 12 Stun- den, in der Kaͤlte aber erst nach 3, 4 bis 6 Tagen oͤf- nen, da denn die Wolle in einiger Menge heraus tritt, und die ganzen Zapfen uͤberziehet, so daß man sie davon taͤglich etlichemahl abnehmen muß. Findet man nun, daß die meisten Wollenknoͤpfchen fein zu- gleich aufspringen, und nicht etwa nur zuweilen hie und da, die Wolle aber auch nicht recht weiß (ob sie schon aus dem Weißen ins Gruͤnlichte faͤllt) auch dabey lang, recht gelinde und weich, und nicht kurz ist, daß sie sich voͤllig abloͤset, auch ihre Saa- menkoͤrnchen mit den kleinen Stielchen, Fasern und Blaͤtterchen groͤßtentheils fallen laͤsset; so ist es Zeit, die Zapfen abpfluͤcken zu lassen, weil sie sonst an den Baͤumen uͤberreifen und uͤberall aufspringen, da sie alsdenn gerade die erste laͤngste und beste Wolle geben, die sich selbst loͤset, durch Wind und Wetter aber verlohren gehet. Die Baͤume werden mit dem 3ten oder 4ten Jahre tragbar, diese Zeit nimmt an den meisten Gegenden ihren Anfang von der Mitte September und und dauert bis Ausgang des Oktobers, ob schon an andern Orten noch bis Mitte November gesammelt werden kann; sie tragen alle Jahr ziemlich stark, aber je aͤlter und weniger beschnitten sie werden, je mehr Wollzapfen bringen sie. Die ganz niedrigen Straͤucher, welche noch allzustark ins Holz treiben, und immer abgehauen werden, bringen ebenfalls in Zweigen wenig und gar nichts, oder doch sehr kleine kurze und duͤnne Zapfen, welche etwa 1½ Zoll lang sind; dieses geschiehet auch, wenn sie in trocknen Or- ten stehen, eine große Hitze und Duͤrre einfaͤllet, oder die Torfmoore, wegen allzu tief ausgestochnen Graben, zu zeitig im Jahre ihre Feuchtigkeit verlie- ren, es giebt aber auch Saamenspaͤtlinge, die an und vor sich kleiner, als die andern Zapfen, sind. Die alten Baͤume hingegen, welche nicht ganz frey stehen, und zwischen den Elsen hoch aufwach- sen, ohne behauen zu werden, wo das Grundwas- ser nicht vor den August, auch nicht ganz, vertrocknet, bringen solche starke Zapfen, die in der Laͤnge mehr als eine Querhand ausmachen, auch eine große Menge von einer langen Wolle enthalten. Da in- dessen schon die Menge der inlaͤndischen Baumwolle an einzelnen Baͤumen, nach kurz vorher erwaͤhnten Umstand, von 5 bis 6 kleinen und sehr schlechten Straͤuchern, etwa 10, 12 bis 14 Pfund rohe Wolle betraͤgt, wenn solche in guten und nassen Grunde stehen; so geben doch auch 3 bis 4 große alte Baͤume zusammen wohl 30 bis 32 Pfund, und man kann davon davon noch mehr erhalten, wie die Erfahrung be- weiset. Ueberhaupt kann man von den einzeln lan- gen und recht reifen Zapfen mit Gewißheit sagen, daß sie, wo nicht mehr, doch eben so viel, an Baumwolle geben, als die Fruͤchte der fremden cy- perschen und persischen Baumwollenstaude, nur daß unsere Baumwolle noch feiner und leichter ist, und der kurzen Art von fremden Baumwolle in der Laͤnge gleich koͤmmt. Die Sammlung der reifen Wollenzapfen ge- schiehet durch Kinder, oder andere in der Wirth- schaft entbehrliche Leute, zwischen andern Arbeiten, so lange das Wetter gut ist. Die Zapfen muͤssen mit ihren langen Stielen, ohne alle Zweige und Blaͤtter, rein in Kobern und Koͤrben bey trockner Witterung gepfluͤckt werden, wozu man keine beson- dere Anweisung vonnoͤthen hat, es muͤßte denn diese Erinnerung dabey noͤthig seyn, daß man in der ersten Zeit, ehe man niedrigere und ordentlichere Baͤume genug angezogen haben wuͤrde, die wilden allzu hoch wachsenden Baͤume nnd Straͤucher an ihren aͤußern Zweigen durch Abreißen, Abstreifen und Abschneiden verschonen muß, damit sie im kuͤnf- tigen Jahre weiter bluͤhen koͤnnen, welches sonst die neuen Zweige nicht thun, und man sich also die- ser Ursache wegen etliche Jahre um die Wolle brin- gen wuͤrde. Man sammlet auf einmahl nur so viel, als man ausbreiten kann, welches, wo nicht viel Platz ist, in großen Stuben, Staͤllen, auf den Botan. Abhdl. II. B. M Taͤn- Taͤnnen und luftigen Boden, auf glatten Brettern ganz duͤnne geschehen muß, damit sie Platz haben, sich zu oͤfnen, ihre Wolle ordentlich zu geben, und sich nicht etwa fest aneinander anhaͤngen. Am be- sten aber geschiehet es, wenn es seyn kann, auf ge- flochtnen Horden oder ausgespannter Leinewand; wie sie denn nicht lange auf einander liegen duͤrfen, ohne sich zu erhitzen, da sie noch gruͤn und saftreich sind, auch nicht zu hoch, denn sie quellen zu sehr auf, und erfordern mehr Platz, es muͤste denn seyn, daß man sie sehr kuͤhle setzen koͤnnte, wobey sie nicht so stark ausduͤnsten, sich erhitzen, und zu ge- schwind oͤfnen. An solchen Orten, wo man Sei- denwuͤrmer haͤlt, oder andere aͤhnliche Anstalten macht, kann man sich im Herbste der dabey gewoͤhn- lichen Stellagen und Geruͤste bedienen, die sich gut dazu einrichten lassen; weil die Zapfen darauf liegen koͤnnen, bis die Wolle abgelesen ist. Wenn die reifen Wollzapfen an vorgedachten Orten ausgebreitet sind, wo sie mehr Waͤrme ha- ben, als in freyer Luft, werden sie nach etlichen Tagen langsamer oder geschwinder aufspringen. Dieses kann man in warmen Stuben annoch da- durch ungemein befoͤrdern, daß es nehmlich geschwind hinter einander geschehe, damit man mit einem Theil bald fertig wird; auch wenn man die Zapfen etwas hoͤher setzet; da denn die austretende Wolle Kinder und alte Leute so geschwind und fast bestaͤndig be- schaͤftiget, so, daß man mit den Abnehmen der Wolle Wolle nicht so bald fertig werden kann, als die Wolle unter den Haͤnden sogleich wieder heraus- quillt, welches bey einigen 5, 6 bis 8mahl ge- schiehet, bis in dem Zapfen nichts zuruͤck bleibet, als ein kurzes, wolliges, sproͤdes Wesen, das man weder achtet, noch mit der schoͤnen lockern Wolle vermengen muß, da es uͤberdem etwas aufhaͤlt und heraus gezopft werden muß. Dabey muß man ver- huͤten, daß die Zapfen nicht in waͤhrenden Auf- springen von der Hitze trocken werden, weil sich sonst die uͤbrige Wolle nicht loͤset. Das Abnehmen der hoch und voͤllig aus dem Zapfen heraustretenden Wolle, geschiehet durch Ablesen aus einer Hand in die andere, und zwar so viel, als darin auf einmahl Platz hat, worauf man die Wolle mit beyden flachen Haͤnden etwas gelinde reibet und zusammen druͤcket, damit sie nicht verflie- get, und in kleine Klumpen in Saͤcken oder Kaͤsten weggelegt werden kann. Zu allen diesen Verrichtun- gen hat man eben so wenige Anweisung vonnoͤthen, als zum Federnreißen, weil sich die Handgriffe und Vortheile von selbst zeigen, und bald erlernen las- sen. Man wird sich uͤbrigens leicht vorstellen, daß sowohl das Pfluͤcken, als das Ablesen und Sam- meln der rohen Wolle, unter einer Aufsicht vor Tagelohn geschehen, und die Arbeiter ordentlich be- schaͤftigen muͤsse: wovon man hier im Lande vor der Hand noch keine Quantitaͤten oder gewisse Preise festsetzen kann, ob es sich gleich durch Berechnung M 2 findet findet, daß von dieser Wolle sehr viel fuͤr schlechtes Lohn eingesammelt werden koͤnne, und daß es oͤf- ters nichts weiter koste, sie zu gewinnen, als viel große Baͤume, die keine weitere Pflege kosten, zu besitzen, und sie sammeln zu lassen. Denn es laͤsset sich in etli- chen Stunden von Baͤumen, wo man dazu kann, an Zapfen sehr viel pfluͤcken, und allezeit mehr, als man in 4 bis 5 Tagen durch das Einsammeln der Wolle abfertigen kann. Das Ablesen und Samm- len der Wolle wuͤrde, wo auch nicht uͤberall sehr große Gelegenheit waͤre, kuͤnftighin bey zunehmen- der Menge in alten Gebaͤuden, wo große Kammern und Boden sind, und zwar in Hospitaͤlern und Waysenhaͤusern, mit wenig Kosten durch Kinder und alte Leute geschehen koͤnnen, welchen die Za- pfen bey kuͤhler Witterung, wenn sie locker uͤbereinan- der liegen, haͤufig zugefuͤhret, und daselbst gleich ausge- breitet werden koͤnnen, und zwar an solchen Orten, wo sie so lange ungestoͤrt liegen, und aufspringen, bis die Wolle bequem abgelesen werden kann. Vielleicht wuͤrde dieser Artikel eine Art von Unter- haltung fuͤr die Monate September, Oktober und November, fuͤr gewisse Spinnerdoͤrfer mit abgeben koͤnnen, wo man hernach die Wolle lesen, reinigen, mischen und streichen, auch nach verschiedener Starke, als in einer ordentlichen Niederlage, spin- nen lassen koͤnnte; wie es die Baumwollenfabrikan- ten, blos oder in vermischten Waaren zu nutzen gut finden. Sollte sich auf dem Lande keine Gelegen- heit heit finden, diese Baumwolle ordentlich zu gewin- nen, wie es seyn muß, so wird der Landmann dennoch seine Baͤume pfluͤcken, und an dergleichen Oertern, zu weiterer Sammlung der Wolle, nach geschloßner Taxe, Scheffelweise fuͤr gewisse Preise die reife Zapfen bringen koͤnnen, da man aus dem Scheffel 3 bis 4 Pfund Wolle rechnen kann. Um aber der inlaͤndischen Handlung einen neuen Zweig zu verschaffen, und eine sichere Anlage im Lande zu machen, um dergleichen nuͤtzliche Baumwolle zur Verarbeitung in den Fabriken, kuͤnftig jaͤhrlich in Menge zu gewinnen, deren Un- terhaltung wenig oder nichts kostet, und demohn- geachtet erst nachher desto importanter werden muß, da alle Proben der Nutzung und Verarbeitung den Gebrauch bey allerhand Waaren, die curantes Kauf- mannsgut sind, auch ohne daß sie auf leere Pro- jekte und Spielereyen hinauslaufen sollten, den Land- mann von der Realitaͤt der Sache uͤberzeugen, wel- cher, ohne sie gruͤndlich zu kennen, sonst zu wider- sprechen gewohnt ist; so muß man baldmoͤglichst im Lande die Baumwollenweide uͤberall aufsuchen, wie sie vorher gleich Eingangs beschrieben worden ist, auch an allen gleichfalls angezeigten schicklichen Orten, so geschwind und so haͤufig man kann, an- pflanzen, um nach und nach mit den Jahren davon eine immerwaͤhrende Erndte dieses Landesprodukts zu erhalten, welche ohne Kosten, Kuͤnste und Muͤhe bestaͤndig zunehmen muß, ohne daß den uͤbrigen M 3 Haus- Haus- und landwirthschaftlichen Artikeln das ge- ringste dabey abgehen darf; zu geschweigen den be- sondern Nutzen der Blaͤtter dieser Weidenart bey der Winterfuͤtterung in den Schaͤfereyen, wenn sie auch nicht zur Baumwolle angepflanzt worden. Die Baumwollenweide, welche ohne diesen Namen, als ein Werftstrauch, aus vorangefuͤhr- ten Zeichen, bekannt ist, laͤßt sich nach diesen Zeichen an gehoͤrigen Orten leicht ausfinden, wenn fuͤr das erste nur Anstalt gemacht wird, daß sie durch die Foͤrster, Meyer, Schaͤfer und andere Hutsleute aufgesucht wird, wie man denn jedes Ortes durch Befehle leicht veranstalten koͤnnte, daß sie durchgehends in allen Hauigten, und wo sie sich etwa finden moͤchte, richtig angezeigt und bis auf weitere Ordre mit dem gewoͤhnlichen Aus- hauen und Ausraden verschonet wuͤrde, um den noͤ- thigen Vorrath zur jaͤhrlichen Vermehrung fuͤr den Anfang daher zu machen. Was ihre Anpflanzung und jaͤhrliche Vermeh- rung weiter betrift, so hat solche nicht die geringste Schwierigkeit, wenn sie in gewisser Ordnung be- folgt wird, daß diese Weide nehmlich etwas spaͤter, als andere Weiden, im Lande seyn muß; deswegen kann diese Vermehrung allezeit in der Mitte des Merzes und den ganzen April festgesetzt werden, wenn der Frost aus der Erde, und sie nur etwas erwaͤrmet ist, wenn sie nur schon auszuschlagen und zu bluͤhen angefangen hat, wie die Erfahrung bestaͤtiget. Sie hat hat zwar uͤberhaupt bey der Vermehrung groͤßten- theils die Eigenschaften der uͤbrigen Weidenarten, vermehret sich aber nirgend bey uns so ausschwei- fend, wie die andern Weiden; durch den Saamen geschiehet es am allerwenigsten, da man keine Spuren ihrer jungen Saatweiden in den Elsbruͤ- chen zeither gefunden hat. Also kann es blos durch abgehauene Zweige geschehen seyn, die zufaͤlliger- weise an nassen Orten liegen bleiben und Wurzeln schlagen, oder wenn dergleichen mit Fleiß eingele- get worden sind; den Anbau der Weide muß sich also niemand selbst beschwerlich oder muͤhsam machen. Wenn man feuchten und zugleich lockern Grund hat, dergleichen sich in allen zuerst ange- fuͤhrten Orten findet, werden im Merz und April vor der Hand von der Baumwollenweide Zweige gehauen, dabey man wie es uͤberhaupt und schlech- terdings geschehen soll, die alten guten Baumwolle tragenden Baͤume mit allen Abhauen verschonen, und nur von denen 2 bis 3jaͤhrigen Holze hierzu anwenden muß; dazu laͤßt man die Erde in ordent- lich schmale Reihen tief ausgraben, und die Zweige 8 bis 10 Fuß weit auseinander einlegen, daß sie uͤber der Erde kaum 6 bis 8 Augen behalten, allenfals schneidet man sich auch das Reiß, nach Befinden kuͤrzer. Hier- zu nimmt man sowohl Reiß als andere 2 bis 3 dau- menstarke Setzlinge und Aeste, unter einander, worunter uͤberhaupt dasjenige Strauchwerk am be- M 4 sten sten anschlaͤgt, auch weit eher waͤchset, das von un- tern Stamm-Ende und den Wurzeln genommen wird, als die obersten und aͤußersten Zweige. Es ist nicht noͤthig, starke Stangen, wie zu den Satzweiden, auszuhauen, und die tragbaren, zumahl jetzo zum Anfange, dadurch zu verderben, ob man wohl sonst beydes thun kann, da daraus theils die kleinen Ru- then in feuchten lockern Grunde, in Zeit von 3 Jahren, hohe und starke Straͤucher genug machen, welches man recht gut befoͤrdern kann, wenn man sie nicht zu dicke neben einander in die Graben ein- leget, damit sie starke Wurzeln genug machen koͤnnen, anderntheils weil sie durch das Ausputzen ohnehin leicht zu dauerhaften 2, 3 bis 4aͤstigen niedrigen zum kuͤnftigen Gebrauche sehr bequemen Baͤumen gemacht werden koͤnnen, wenn sie alsdenn vorher mit starken Wurzeln versehen sind. Dieses Einle- gen der Straͤucher hat vor dem Einstecken bey der ersten Anlage der staͤrkern Stangen oder Satzwei- den diese Vortheile, daß beym ersten saͤmmtlich die Zweige die ersten 3 Jahre ruhig ihre Wurzeln ma- chen, und weniger ausgehen, beym andern aber, da sie die ersten Wurzeln und oberwaͤrts die Krone machen, selbige bey starkem Sturm und Windstoͤßen zur Erndtezeit bewegt werden, ihre aͤußersten zarten Wurzelkeime einbuͤßen und leichter verdorren, oder doch so zuruͤcke schlagen, daß sie erst in 2 bis 3 Jahren zu niedrigen Straͤuchern werden, welche hernach durch das Ausputzen wieder gezogen wer- den den muͤssen. Ehe man aber zu derjenigen Menge von Baͤumen von einem solchen Alter gelanget, welche die inlaͤndische Baumwolle vor die Fabri- ken tragen, muß man sich vor allen Dingen huͤten, den im Lande befindlichen tragbaren Baͤumen ihre Zweige zu nehmen. Man suchet unterdessen die aus den Staͤmmen unten herum ausgeschlagenen 2 bis 3jaͤhrigen Latten dazu aus, und von den uͤbri- gen niedrigen Straͤuchern die Zweige, welche ohne- dem abgewartet werden muͤssen, wenn man sie aus- putzen will, und verfaͤhrt mit solchen, wie schon vorher gesagt worden ist. Wenn diese Zweige und Setzlinge 3 Jahr ge- legen und gut gewachsen sind, werden sie ausge- putzt, die staͤrksten Stangen davon gleich zu niedri- gen Baͤumen mit 2 bis 3 Staͤmmen gezogen, die schwachen aber ganz kurz bis etwa Spannenhoch von der Erde abgeschnitten; mit den 2 bis 3jaͤhri- gen Reiße oder Strauchwerke macht man weitere Anlagen, ohne sich damit die nutzbaren Plaͤtze zu verderben, wie schon erwaͤhnt worden ist. Die Wolletragenden Baͤume muͤssen des be- quemen Pfluͤckens wegen nicht zu hoch gezogen werden, auch deshalb nicht andern dickewachsen- den Baͤumen zu nahe stehen, damit sie sich aus- breiten koͤnnen und nuͤtzlich werden, theils wegen des allzustarken Schattens und der Traufe, theils wegen der Luft, die sie mit ihren Wipfeln allezeit suchen, daß sich oͤfters die untern Zweige wenig M 5 oder oder gar nicht ausbreiten, sondern verdorren und abloͤsen, daß daher ein Stamm von etliche 30 bis 40 Fuß hoch, außer seinen Wipfeln, wenig oder nur ganz flatterich wachsende gruͤne Zweige hat; wie sie denn auch nicht wohl unter andern dicken Baͤumen auswaͤrts an breiten und tiefen Wasser, Moraͤsten und Graben stehen muͤssen, wo sie nicht nur auf der einen Seite kahl werden, sondern sich auch uͤber das Wasser dermaßen ausbreiten, daß man nicht davon pfluͤcken kann, und die Wollzapfen ohne Nu- tzen ins Wasser fallen. Ferner lieben diese Art Weiden einen solchen feuchten Sand, wo sie nicht ganz frey den trockenen Winden voͤllig ausgesetzt sind, sie werden aber wolltragend, wenn sie sich im Schatten ausbreiten koͤnnen. Sie wachsen zwar an ganz freyen Orten auch im trocknen Boden, koͤn- nen aber die Menge von so großen wollreichen Za- pfen nicht bringen, als warum sie eigentlich ange- bauet zu werden vorzuͤglich verdienen. Bey ihrer Pflege ist nichts besonders zu be- merken, als daß man sie nicht in ganz freye hohe und trockne Gegenden verpflanze, 1) wegen der Sturmwinde im Herbste und der schaͤdlichen Nacht- froͤste im May, wenn sie verbluͤhet und die jungen Zapsen angesetzet haben, 2) wegen des noͤthigen Saftes bey der Hitze, damit sich die Wollzapfen gehoͤrig vergroͤßern, und nicht eintrocknen, oder vor der Zeit reifen und allzu kurze mehr ins Gruͤne fal- lende, auch steifere, sproͤdere Wolle bringen. 3) Ferner Ferner daß man sie nicht zu Kropfweiden ziehen und in gewissen Jahren kroͤpfen solle. Man kann ihnen die untersten und innersten Aeste nehmen, wo sie zu dicke stehen, und ohnedem absterben, welches sie sehr stark zu thun pflegen. Sollten sie zu hoch ge- hen, alsdann verschonet man den Wipfel nicht. Die Nebensprossen aus der Wurzel und dem Stammende nimmt man ihnen alle 2 Jahr, um sie zur Anlage zu gebrauchen; wenn aber die Baͤume zu alt werden, durch den Honig-Mehlthau zuwei- len zuruͤcke gehen, oder sonst schlecht werden, laͤßt man einen oder zwey von den staͤrksten Schossen ste- hen, und mit aufwachsen, da man denn mit der Zeit einen von den alten schlechten dagegen abnimmt, und auf diese Weise die tragbaren Staͤmme und Baͤume erneuert. Bey der Baumwollenweide giebts wenige Zu- faͤlle, welche sie mit andern Arten in nassen und schat- tigen Gegenden in gewissen Jahren von der Witte- rung und Insekten nicht gemein haͤtte; der Honig- thau schadet dem Wachsthume der jungen Zweige und der Wollzapfen nicht wenig, wo kein Regen bald erfolget, wie sich denn in manchen Jahren wunderliche Gewaͤchse daran befinden, da die saft- reichen Spitzen in starke Knollen aufschwellen, oder breit, platt und kammfoͤrmig zusammen gepreßt ste- hen, auch in ganz verwirrte knotige Blaͤtterbuͤschel sich verkuͤrzen. Was den Wachsthum der Baum- wollenzapfen oder Aehren betrift, so erfordert dieser in in den Fruͤhlingsmonaten eine gemaͤßigte Waͤrme, daß die Bluͤthenzapfen an den Baͤumen fein gleich abbluͤhen, wenn sie staͤuben, und die zarten Frucht- knoͤpfe ausdehnen. Diese Zapfen bleiben sonst uͤber die Haͤlfte Staub, bey der Hitze und lang an- haltenden Trockniß auch sehr kurz und klein, wach- sen auch sehr klein und einzeln, welches letztere nicht nur im trocknen Boden, sondern oͤfters an jungen und niedrigen noch sehr stark wachsenden Straͤuchern, wahrgenommen wird, bey gemaͤßigter Waͤrme in feuchten Grunde werden oft gedachte Zapfen groß, zuweilen doppelt so lang als sonst, wenn nehmlich die Baͤume stark auch recht ausge- wachsen sind. Ob das Pfropfen oder Okuliren groͤßere Zapfen und laͤngere Wolle hervorbringt, ste- het zu versuchen, es kann auch etwas weichlichere Baͤume hervorbringen. Es wird indessen das er- stere im Merz, das zweete in der Mitte des July vorgenommen werden muͤssen. Was die Art der Einsammlung der inlaͤndi- schen Baumwolle betrift, so ist das dazu gehoͤrige vorher schon angefuͤhrt worden. Von dieser Wolle selbst ist noch so viel anzumerken, daß sie, laut Er- fahrung, weder von den Motten noch durch Naͤsse und Frost verdorben werde: wie man denn damit Versuche genug gemacht hat, auch in Ansehung solcher, die den ganzen Winter durch in Eis, Schnee und Wasser gelegen hat. Beym Gewinnen dieser Wolle hat man zu wissen, daß allezeit der lockere An- Antheil der das erste- zweyte- und drittemahl von selbst aus den Wollzapfen herausdringet, und nur ganz locker mit den Fingern abgenommen werden darf, der feinste und beste, auch laͤnger als der nach- folgende Rest sey, der letzte hingegen, welcher aus den Wollenknospen heraus gepfluͤckt wird, ist schlechter, etwas sproͤder, und kann deshalb nicht wohl mit Nutzen gemischt werden, doch wissen ver- staͤndige Arbeiter diese Sproͤdigkeit, aus aͤhnlichen Zubereitungen, bald zu behandeln; das allerletzte ist zu kurz, zu steif und haͤnget zu feste, als daß man es des Einsammelns werth halten koͤnnte. Die Wolle von einer Nachreife der Wollenzapfen muß man mit den feinsten auch nicht vermengen. Die feinste Art davon ist zwar ungemein weiß, faͤllt aber nach der Verarbeitung, und noch vor der Bleiche doch etwas ins Gruͤnliche, welches sich aber theils verlieret, theils aber auch bey der Farbe nichts verhindert, da die Wolle, gelb, blau, gruͤn auch schwarz wohl annimmt. Die inlaͤndische Baumwolle hat sich bereits seit Jahr und Tag in verschiedenen Vorproben sehr brauchbar erwiesen, so daß kein Kunstverstaͤndiger an ihrer Brauchbarkeit und wirklichen Nutzen beym Fabrikenwesen dagegen mit Grunde etwas anfuͤh- ren kann, welcher verstehet, von einem rohen Ma- terial dasjenige zu verlangen, was es nach seinen Eigenschaften leisten kann. Im feinen Gemenge beym Huthmachen hat sie, vorher gereinigt, sich wohl wohl verarbeiten lassen, und recht schoͤne schwarze auch feine Huͤthe gegeben, von Papier sind eben gute Proben vorhanden. Was die durch die neuern Proben bekannt gewordene Zubereitung dieser Wolle betrift, so beste- het sie außer der Reinigung darinnen, daß man ihr die noͤthige Gelindigkeit giebt. Die Reinigung ist nach verschiedenen Gebrauch der Arbeit bey einigen Handwerkern auch verschieden; die allgemeinste, da sie von Spitzen, Saamenkoͤrnern, feinen Blaͤt- terchen und Stielchen gereinigt werden muß, ge- schiehet sehr bequem, durch eine hierzu gemachte und versuchte Maschine, die in den Schwedischen Ab- handlungen der Koͤnigl. Akademie zu Stockholm be- kannt gemacht worden, welche aber noch einige Ver- besserung erfordert, auch erhalten hat, durch wel- che man eine groͤßere Quantitaͤt von solcher außer- ordentlich feinen Wolle mit einem mahl reinigen kann. Die Erfahrung hat alsdenn gewiesen, daß man die Wolle zum Spinnen rein genug damit ma- chen koͤnne. Die Mittel, eine sehr feine aber dabey etwas sproͤde Wolle zu machen, sind den geschickten Baumwollenarbeitern hinreichend bekannt, wobey uͤberall besondere Vortheile obwalten. Wenn die inlaͤndische Baumwolle gehoͤrig ge- reinigt und gelinde gemacht worden ist, wird sie mit der kuͤrzesten Art der Levantischen Baumwolle ver- mischt und gestrichen, denn da sie kurz ist, kann sie ohne diesen Zusatz nicht verarbeitet werden. Zu an- andern Arten der Wolle ist sie noch nicht verarbeitet worden. Man hat verschiedene Proportionen von der Levantischen Baumwolle damit zusammengesetzt, wovon die, zur Haͤlfte genommen, als die beste be- funden worden ist; dabey hat sich gefunden, daß man aus etlichen Oertern derselben den Kern herausgezogen, und nur den groͤbern Antheil mit der inlaͤndischen vermischt, welches ein recht feines Gespinnste gegeben. Denn man hat zu merken, daß die inlaͤndische Baumwolle noch feiner und an Gewicht viel leichter, als die Levantische sey, und folglich an Masse mehr einbringen muͤsse ins Ge- menge, als jene. Das Streichen der inlaͤndischen Baumwolle, mit der Levantischen in Vermischung, geschiehet mit kleinen und feinen Kartetschen, dergleichen man sich zu Berlin zu Bereitung der Florettseide bedienet, und da wegen Kuͤrze der Wolle auf die Gleichheit der Faden besonders zu sehen ist, so geschiehet die- ses Streichen derselben allein in der Laͤnge, damit Faser an Faser zu liegen koͤmmt, und zwar auf dem Knie am besten, anstatt daß es sonst wie bey der ordentlichen Baumwolle in die bekannten Floͤten ge- macht wird. Das Spinnen wird auf denen in Berlin neuerlich eingefuͤhrten und verbesserten kleinen Raͤ- dern vorgenommen, und aus 1 Pfund 20 bis 21 Stuͤck Stuͤck gesponnen, auch man hat nicht zu fuͤrchten, daß sie beym Spinnen verstaͤube, wenn man nur damit ordentlich zu verfahren verstehet, wie denn dieses Vorgeben gegen die gemeine Erfahrung laͤuft. Aus einem solchen Garne sind vor das erste Struͤm- pfe verfertigt worden, welche man theils roh gelas- sen, theils schwarz gefaͤrbet hat. Ferner hat man sehr dauerhafte Schnupftuͤcher, auch 2 Ellenbrei- tes gestreiftes Zeug mit leinen Aufzug davon verfertigt, und endlich auch einen guten Catun dar- aus gewebt. Da es nun blos auf einen jaͤhrlichen bestaͤndi- gen Vorrath von dieser sehr feinen Baumwolle hauptsaͤchlich ankoͤmmt, und aus denen damit ge- machten vorlaͤufigen Proben sowohl, als andern davon anfangs schon bekannt gewordenen Umstaͤn- den mit großer Gewißheit voraus zu sehen ist, daß dieses vortrefliche Landesprodukt mit der Zeit beym Fabrikenwesen mit wirklichen Vortheil im Lande weiter und besser zu verarbeiten stehen werde, auch unter den Haͤnden erfahrner und kuͤnstlicher Fabri- kanten recht gute und aͤchte Kaufmannswaare ge- ben koͤnne; So kann man die wirklichen Anstal- ten zur Anlage der hierzu erforderlichen Weiden- plantagen gewiß fuͤr ein hoͤchst importantes Werk ansehen, das mit der Folge bey der Landwirth- schaft und dem Fabriquenwesen einen neuen sehr na- tuͤrlichen Nahrungszweig verschaffet, der allemahl immer immer um desto wichtiger seyn muß, da er ohne Abgang der uͤbrigen Artikel einen jaͤhrlichen Ge- winnst dem Landmanne ohne große Kunst und son- derliche Muͤhe liefert, auch jeder sie ohne son- derliche Kosten muͤhsamer Unterhaltung von selbst erhalten kann. Botan. Abhdl. II. B. N Beytrag Beytrag zur natuͤrlichen, oͤkonomischen und Arzney-Wissenschaft der Weiden . D ie Weiden , deren Arten wir in vielen Gegen- den von Deutschland mehr in ihren abwechselnden Veraͤnderungen zu sehen, als richtig von einander zu unterscheiden gewohnt sind, sind mit ihrem ganzen Geschlechte, eben weil sie zu gemein sind, bey unsern wirthschaftlichen und uͤbrigen Anstalten von jeher fuͤr so schlecht gehalten worden, daß man sie besser zu kennen und zu nuͤtzen fast fuͤr uͤberfluͤßig gehalten. Denn man stehet sogar noch immer in den sehr fluͤchtigen Gedanken und Vorurtheilen, daß man alles dasjenige schon wisse, was ihre Ei- genschaften, Nutzen und Nutzungsarten bey der Anwen- Anwendung betrift, und daß folglich dem Natur- forscher, dem Arzte oder dem Haushalter gar nichts, oder doch nichts erhebliches weiter davon, zu entde- cken uͤbrig gelassen sey. Wir denken hingegen an andere nur halb oder wenig bekannte fremde Baͤu- me, z. E. der Ceder von Libanon, dem Lingvo- Eben-Mahony-gelben Sandel-Gvajac-Ad- lerholz- Calambac-Granadillen-Neroli- Ro- senholze , der Chinarindenbaͤume und anderer, mit einer besondern verwunderungsvollen Achtsam- keit, wir erkaufen ihre Hoͤlzer und Rinden pfund- weise oͤfters vor schweres Geld, kennen aber dabey die Guͤte und Vorzuͤge unserer Landbaͤume, der Tannen und Fichten , als wahrer Balsambaͤume , der Ruͤstern, Ahornen, Wacholdern, Eschen und des Taxus- oder Eybenbaumes , auch mehre- rer vortreflichen Holzarten dermaßen schlecht, daß sie in manchen aͤhnlichen Handelsartikeln, wo es doch recht wichtige Landesprodukte betrift, sehr weit, auch noch lange genug unter der Balance mit frem- den bleiben, und ihre Indianischen Colonien mit un- terhalten helfen werden. Denn wer wuͤrde wohl einer oder der andern von unsern Weiden- oder andern Holzarten die Ehre anthun, sie so genau kennen zu lernen, zu be- schreiben, sie zu einem gangbaren Handelsprodukte zu machen, und, wie es mit dem Baume der Chi- narinde geschehen ist, sie etliche 100 bis 1000 mahl abmahlen, und den Reisenden aus Vorsicht N 2 aus- austheilen zu lassen, damit sie davon zu allerhand Absichten in andern Gegenden Kenntniß nehmen und sie entdecken koͤnnten? Welch Ungluͤck aber wuͤrde es fuͤr unsere jetztlebende Welt nicht seyn, wenn einmahl die auf den hoͤchsten amerikanischen Kettengebirgen, los Cordileras, immer drohenden Vulkane, einen Theil der fruchtbaren Gegend von Quito oder andere Gegenden mit Lava uͤberstroͤmte, und den daselbst wachsenden Chinarindenbaum , Cin- chona, auf eine geraume Zeit verwuͤsteten? Als- denn wuͤrde die Frage seyn, ob die Handlung mehr, als die Fieberpatienten durch ihre Aerzte verlieren koͤnnten, welche außer der Chinarinde kein einziges wirksames Arzeneymittel von gleichen Kraͤften mehr auszufinden im Stande waͤren, wie sie sich und an- dern einbilden wollen? Wer weis, ob man die al- te Welt, vor der durch einen Zufall entdeckten Fie- berrinde, eben fuͤr ungluͤcklicher halten konnte, als die jetzige. Gesetzt aber, daß sich alle unsere Holzarten oder doch die meisten, in Fieberrindenbaͤume , oder in jene bereits angezeigten theuren Hoͤlzer verwan- deln koͤnnten, so wuͤrde es noch darauf ankommen, ob uns eine solche Neuigkeit in der That vortheil- haft seyn und lange genug bleiben koͤnnte? Sollte man deshalb etwa anfangen, die Forsten schicklicher zu behandeln, als es in vielen deutschen Provinzen geschehen ist? sollte man alsdenn von diesen Schaͤ- tzen des Staats wohl bessere Kenntnisse nehmen, wie wie es von allen nutzbaren Landesprodukten uͤber- haupt seyn muͤßte? Vielleicht ist es nicht zu hart gesagt, daß sich noch wichtige Anstalten in ihrer er- sten und eben derjenigen Kindheit befinden, welcher sich die Naturgeschichte, ohne dem Staate zu nutzen, wegen der Menge ihrer uͤbertriebenen Spielwerke, mit starken Schritten fast wieder zu naͤhern scheint. Zu dem, was ich hier sage, veranlasset mich eine sehr gewoͤhnliche Nachlaͤßigkeit bey der Untersu- chung und dessen Anwendung der deutschen Holzar- ten und uͤbrigen nutzbaren Landesprodukte, von welchen ein großer Theil, fast blos aus diesem Grunde, gegen die fremden immer noch ungenutzt bleibt. Was nun die Weide betrift, als einen der Betrachtung des Naturforschers, des Arztes und des Haushalters nicht unwuͤrdigen Vorwurf, so habe ich unter denen in meiner Systematischen Ein- leitung in die neuere Forstwissenschaft angefuͤhr- ten 103 wilden Holzarten , die in saͤmmtlichen Landen Koͤnigl. Preuß. Hoheit, von der Flaͤche des Meeres, den Preuß. Pommerischen und Ostfriesi- schen Kuͤsten, und den Ufern des Rheinstromes an, uͤber die Westphaͤlischen Harzen, und deren anstei- gende Mittelgebirge, auch die in unsern Landfor- sten ausstreichenden Vorgebirge, bis nach Schlesien auf das Riesengebirge und die Grafschaft Glatz ge- funden worden, nur 13 verschiedene und wohl zu bestimmende Weidenarten , ausgezeichnet, wie N 3 diese diese in Zeit von 40 Jahren nach und nach in ihren Abaͤnderungen entdeckt worden sind. Außer diesen Graͤnzen hat der verstorbene Ritter von Linné in speciebus Plantarum 31, Mr. Duͤ Hamel 32, der Herr von Haller in Historia Stirpium Helvetiae 22, der beruͤhmte Rajus in Historia Plantarum 20, und Herr Scopoli in flora carneolae altera 12, an- gegeben, worunter aber noch manche Abaͤnderungen der Hauptarten mit begriffen sind. Alle Weidenarten aber theilen sich bey uns von selbst in 2 Hauptunterschiede , welche, ob sie schon bey den Votanisten in keine besondere Be- trachtung kommen, doch dieselbe in Absicht auf die Landwirthschaft und Forstkenntniß verdienen. Ihre Rennzeichen sind sehr sinnlich und entschei- dend, nehmlich die fruͤhe Bluͤthe der einen Ord- nung von Weiden , welche zuerst noch vor dem Ausbruche des Laubes geschiehet, auch aus beson- dern Bluͤthenknospen , die von den uͤbrigen Blaͤt- teraugen ganz besonders sind. Diese haben den Namen des Werftes oder der Werftweiden, Pal- men und Palmweiden . Die zweyten Weidenar- ten hingegen, welche eigentlich Weiden genennet werden, unterscheiden sich von den erstern darinnen, daß ihre Blumenzapfen mit dem ausbrechenden Laube auch kurz nach demselben zum Vorschein kommen. Es befinden sich unter allen diesen zusammen genommen nur 7 Gattungen , die man bey uns ge- wohnt wohnt ist, besonders anzubauen, und zu Baͤumen zu ziehen , und deshalb zahme Stamm- Baum- Kropf- und Zucht-Weiden genennet werden; ob man sie gleich, ihrer langen Ruthen halber, mit etlichen von den uͤbrigen, auch zu besondern Absichten, zu hohen, mittlern, oder feinen Straͤuchen ziehet, oder gar wild aufwachsen laͤßt, unter welchen sich die Stamm- weiden , zumahl in ihren natuͤrlichen Standoͤrtern, wieder in niedrige schwarze Strauchweiden , auch von selbst in Stammweiden verkehren, wie es nach Anzeige des Theophrasts der Myrtenbaum , auch viele von den aus Ablegern erzogene, oder sonst in Krone und Stamm fehlerhaft gewordene, Laubhoͤlzer auch thun. Dieser Umstand des wieder Ausschla- schlagens der Sprossen oder Lohden aus Wurzel und Stamm unterscheidet fast alles große Na- delholz , das wir kennen, als wahre natuͤrliche Baͤume von andern aͤhnlichen immergruͤnenden Gattungen, weil es nach dem Hiebe des Stammes niemahls aus seiner Wurzel wieder ausschlaͤgt, und folglich nur ein einziges mahl denjenigen hoͤchsten Nutzen geben kann, den man von Stamm- oder Oberholze erwartet. Die uͤbrigen Weiden werden entweder, we- gen der kurzen Dauer ihrer schwachen Staͤmme , nicht zu Baͤumen erzogen, oder sie bringen groͤßern Nutzen, wenn man sie in niedrigen Straͤuchern er- ziehet. Ein Theil von den letztern bleibet allezeit niedrig, und treibet, nach Unterschied des Bodens, N 4 bald bald kurze, bald laͤngere, doch immer schwanke und schwache Ruthen, ohne das Ansehen der ersten je- mahls zu erhalten, und fuͤhret den Namen der Heck : oder Strauchweiden . Die allerkleinsten Gattungen , darunter sind die Erd-Zwerg-An- ger-Feld-Berg-Stein-Moos-Bruch-Moor- und Grund-Weiden , welche zuweilen auf Wiesen, Triften und in Forsten uͤberhand nehmen, wo sie ohne weitere Kenntnisse, unter dem Namen der wilden Weiden und des Unkrautes , ausgerottet werden muͤssen. Unkraut aber ist keine besondere Gattung, Ordnung, oder Klasse von Gewaͤchsen, es erhaͤlt vielmehr jede sonst uͤberall nuͤtzliche Pflan- ze den Namen des Unkrautes alsdenn, im land- wirthschaftlichen Verstande, sobald sie auf den ge- bauten oder natuͤrlichen Grundstuͤcken gegen die Absicht entstehet, darauf uͤberhand nimmt, und den uͤbrigen Pflanzen aus den Boden das Nahrhafte entziehet. In diesem Verstande werden die klei- nen und jungen Erdweiden oͤfters Unkraut ge- nennet, wenn sie zumahl, dem Aeußerlichen nach, den Staudengewaͤchsen gleichen. Sie bleiben dem- ohngeachtet doch wahre, aber die kleinsten und schwaͤchsten Holzarten von allen, indem sie nicht nur eine bestaͤndige, holzige Wurzel haben, sondern auch holzige, bestaͤndige Stengel und Triebe zu- gleich, die sich jaͤhrlich, wie die großen Holzarten, durch einen Zusatz von Holzringen vergroͤßern. Die wahren Staudengewaͤchse hingegen, sie moͤgen an Groͤße, Groͤße, Staͤrke und uͤbrigen Wachsthume mit den kleinsten Holzarten so viele Aehnlichkeit zeigen, wie sie wollen, werden doch bey uns niemahls Holzar- ten, indem sie noch, vor der Zeit, alle Jahre ihr Mark verlieren, und folglich sterben, sobald ihre Fruͤchte oder Saamen reif geworden sind, ehe sich aus ihrer Rinde der Bast absondern, in den Splint verwandeln, der Splint aber zu Holze werden kann, da sie denn als abgestorbene Stengel abgeworfen werden, oder doch vergehen. Dagegen ersetzet die bestaͤndige Wurzel den Abgang dieser Zweige jaͤhr- lich durch neue Sprossen. So wenig man aber eine zu ihrer Vollkom- menheit ausgewachsene große Baumweide , deren nur 7 Arten bey uns unterhalten werden , mit an- dern ihrer Gattung verwechseln kann, so leicht ist es doch sich in den Kennzeichen derselben zu irren, sobald man nur die aus ihren Zweigen gezogenen Zaum- Heck- Bach- und Wasserweiden vor sich hat, oder in einen solchen natuͤrlichen Aufschlag geraͤth, wo sich, wie nach den Wasserjahren, etli- che Sorten von Baum- und kleinen Erdweiden untereinander von abfliegenden Saamen in Moos- Schlamm-weißen oder Torf-Moor selbst gesaͤet ha- ben, oder durch Sturmwinde an den hohen Felsen, zwischen andern Gestraͤuche von Erd- und Berg- weiden, ein junger Aufschlag erfolget. Das physi- sche Clima jeder Gegend, nebst der verschiedenen Art des hoch und frey, tief, schattig, trocken oder N 5 feucht feucht gelegenen Grundes veraͤndert dergleichen junge Saamenpflanzen eben so stark, wie die aus der aͤltern Wurzel entstehenden Triebe, auch bis ins unkenntliche, daß man zur Sicherheit ihrer Bestimmung, ohne schnell zu seyn, mehrerer Kenn- zeichen halber, ihre folgende Ausbildung abwarten muß. Der junge Ausschlag und Aufschlag des Werftes , den man sonst Sol- oder Seil- und Saalweide nennet, giebt mit seinen Arten und de- ren Abaͤnderungen, in seinen ersten Zeitalter, man- che Gelegenheit, daß sich sonst wohl geuͤbte Kenner in Schlagehoͤlzern, auf sumpfigen Wiesen, an bu- schigen Huͤgeln und zwischen den Steinfelsen auf hohen Gebirgen, selbst dadurch hintergehen lassen. Der alte verehrungswuͤrdige C. Bauhin zu Basel, an welchen man ohne Dankbarkeit nicht denken sollte, der in seinen muͤhsamen Schriften noch immer lebet, und eine Menge von Tadlern uͤberlebt hat, welche in ihren Schriften mehr Critik und Geschrey angebracht hatten, als daß sie damit den Nachkommen bey der Anwendung haͤtten Nu- tzen schaffen sollen, dieser hat uns in seinem Pinace 25 Weidenarten angegeben, und Mr. Tournefort , der mir und allen Kennern immer gleich groß bleiben wird, hat sich nach diesen aufrichtigen Vorgaͤnger in vielen Stuͤcken uͤberaus gerichtet, wie auch der juͤngst verstorbene Herr von Haller , welchen drey großen botanisch- praktischen Maͤnnern zusammen- genommen, ich bey vielen Umstaͤnden weit mehr zu zu trauen Ursache finde, als vielen andern, die sich mehr mit fremden Federn geschmuͤckt, und durch Meynungen beruͤhmter gemacht, als durch selbst erlangte Kenntnisse und Arbeiten. Der durch- schauende Ritter von Linné , ein seltenes Origi- nal seiner Nation, dessen Wachsamkeit nicht leicht eine alte oder neue Pflanze entwischen konnte, wenn nur davon wenigstens einige obschon dunkle Spu- ren aufzufinden moͤglich waren, hat bey der schwe- ren Bestimmung der Weidenarten alles gethan, was er unter einem solchen Clima, worunter er le- ben mußte, thun konnte. Dieser wegen Einrichtung seiner Pflanzen- charaktere hoͤchst verdiente Gelehrte hat mir uͤber die offenbare Veraͤnderung der Alpen- und Ge- birgsweiden in Lappland , wenn sie in die Gaͤr- ten verpflanzt werden, eine schriftliche Erklaͤrung gegeben. Diese Weiden sind , wie man siehet, und wie durch die noch neuern Guͤldenstaͤdtischen und andere Erfahrungen noch versichert wird, von denen auf den hoben Schweizergebirgen, den Pyrenaͤischen, Walla- chischen, Caucasischen, Savoischen, Tridentinischen, Schottischen, Ungarischen, und andern Italieni- schen Alpen wenig verschieden, daß sie vielmehr manches mit ihnen gemein haben. Der Ritter meldet in seinen Nachrichten an mich, er habe diese seine Weiden in Speciebns Plantarum so bestimmt, wie er sie gleich anfangs in ihren natuͤrlichen Stand- orten bestimmen koͤnnen, habe aber an eben diesen, in in seinen Garten verpflanzten Alpenweiden eine sehr betraͤchtliche Veraͤnderung erfahren, indem sie an ihrer aͤußern Gestalt, nebst andern Eigenschaften, mit den zunehmenden Alter und Wachsthume, mehr oder weniger, aber doch dermaßen veraͤndert wor- den, daß er, wegen der unbrauchbar werdenden ehe- maligen Kennzeichen, ganz neue annehmen muͤssen, um ein an Gattungen so reiches Geschlecht richtiger bestimmen zu koͤnnen. Der Herr von Haller berichtet mir einen et- was aͤhnlichen Umstand, der aber nicht die Ver- aͤnderung der Alpengewaͤchse durch das Verpflan- zen in Gaͤrten, sondern die merkwuͤrdigen, unbe- staͤndigen Abaͤnderungen der hohlen, staudigen, fremden Delphiniorum und Aconitorum betraf, und sich durch die Saat dieser Gewaͤchse ereignet hatte; wobey er eine schriftliche Vergleichung zwischen jenen und der Unbestaͤndigkeit der neuen Linnaͤischen Pflanzengeschlechtscharakteren macht. Ueber diese von beyden großen Maͤnnern angegebe- nen Abweichungen und Veraͤnderungen, die sich aus einem physischen Clima in das andere zutragen, habe ich gelegentlich hin und wieder in meinen Schriften so faßliche Erklaͤrungen gegeben, als mir davon zu geben moͤglich gewesen ist, welchen ich hier nur folgendes beyzufuͤgen im Stan- de bin. Es giebt nehmlich ganze natuͤrliche Ge- waͤchsordnungen , die sich nicht nur schwerer, son- dern dern auch seltener veraͤndern, bey andern ist die Ver- aͤnderung theils langsamer, theils unmerklicher, wel- ches sogar bey ihrer Vermehrung angemerkt zu werden verdient, da unter andern die aus Wur- zeln, Ablegern, Knospen und Pfropfreißern, ver- mehrten Gewaͤchse, zum großen Vortheil der Haus- und Landwirthschaft, bestaͤndiger sind, als andere, die man aus der Saat zumahl im Grase erziehet. Ueberhaupt aber ist keine einige Geschlechtsart, un- ter ihren natuͤrlichen Clima, und in einerley ihr be- sonders zukommenden Standorten, so bestaͤndig, daß sie nicht zuweilen aus einem schlechtern Zustan- de in einen bessern, oder aus dem letztern in den er- stern uͤbergehen sollte, wobey sich nicht allezeit an Groͤße, Gestalt, Farbe, Geruch und Geschmack, die Merkmale aͤußern koͤnnten. Bey der natuͤrlichen und kuͤnstlichen Aussaat der Gewaͤchse, wenn sie im Großen geschiehet, sind zu Zeiten weniger, ein andermahl viele oder die meisten, ja fast alle, Veraͤnderungen und Veraͤnde- rungsarten gradweise, auf einmahl beysammen zu finden, die man davon erwarten kann, sie moͤgen betreffen, welche Theile der Eigenschaft sie wollen, oder auch deren Fehler und Vollkommenheiten, das Clima mag außerdem einerley oder verschieden seyn. Dabey aber ist wohl zu merken, daß vieles, nach der verschiedenen innern Vollkommenheit der Saamen selbst, in denen abwechselnden Ausbil- dungsperioden der Gewaͤchse, vor sich gehet, und sich sich bey einem großen Theile derselben erst kurz zu- vor, oder nach ihrer Befruchtungsperiode aͤußert, von welchen allen der Grund schon in den Zufaͤllen lieget, die in des eben auskeimenden Saamens ganz ersten und unbegreiflich zarten Anlage und Saͤften dermaßen wirken, daß dessen faßrig markiger Ent- wurf dergleichen nicht auszuhalten im Stande ist. Aendern nun die innern Bewegungen unter andern die Richtung der unentwickelten Fasern nur im ge- ringsten und auf das unmerklichste, so werden sich die Folgen davon bey der abweichenden Ausbildung der Pflanzentheile allemahl zeigen muͤssen, indem diese nachfolgenden aͤußerlichen Umstaͤnde mit der Lebhaftigkeit, Heftigkeit, Schwaͤche, Gleichheit und Ungleichheit der innern Bewegungen so genau verbunden sind, daß sie, nach Maasgabe der uͤbri- gen zufaͤlligen Ausbildungsursachen, davon groͤßten- theils abhaͤngen. Ob uns nun zwar eine tiefere Einsicht in das Innere der natuͤrlichen, auch der davon verschiede- nen abweichenden und der unnatuͤrlichen, gestoͤhrten Ausbildungsordnung bey den Gewaͤchsen aus ihren belebten Saamenkeimen nicht uͤberlassen ist, daß wir von denen dabey abwechselnd vorgehenden Na- turwirkungen entscheidend genug urtheilen koͤnnten; so nehmen wir doch die aͤußerlichen Veraͤnderungen bey der verschiedenen abweichenden Entwickelung der Pflanzentheile, als Folgen davon, ganz deutlich wahr. Denn die aͤußere Gestalt, Groͤße, Farbe und und noch andere Eigenschaften mit Geruch und Geschmack , sind oͤfters nicht mehr diejenigen ge- woͤhnlichsten, welche wir sonst, nach der uͤbereinstim- menden Vielheit solcher Kennzeichen, vor die na- tuͤrlichsten halten koͤnnen, wie uns denn einzelne Gewaͤchse dadurch gradweise dermaßen fremd und unkenntlich werden, daß zuletzt die Kenner selbst in Verlegenheit gerathen muͤssen. Die natuͤrlichen Pflanzenordnungen koͤnnen hiervon die richtigsten Beweise geben, und man kann von vielen einzelnen Gewaͤchsen mit Wahrheit sagen, daß es zuweilen weit leichter sey, ihre na- tuͤrliche Ordnungen zu erkennen, als die Geschlech- ter zu errathen, unter welchen die so zahlreichen Ab- aͤnderungen stehen muͤssen; ob gleich, dem einmahl bestimmten Naturgesetze zufolge, kein einziges Ge- waͤchse, gleich allen uͤbrigen organischen belebten Naturkoͤrpern, im eigentlichen Verstande ausarten kann, das ist, aus seiner oder derjenigen Art schla- gen kann, aus welcher dasselbe entstanden ist. Aus der nunmehro angefuͤhrten Veraͤnderung der natuͤrlichen Pflanzengattungen durch die natuͤr- liche und kuͤnstliche Saat, kann man auf diejenige leicht schließen, welche den in den Upsalischen Gar- ten verpflanzten Lapponischen Alpenweiden wieder- fahren ist. Der Umstand wird vor das erste schon vor die Botanisten sehr betraͤchtlich gefunden, daß er manche unter ihnen, wegen ihrer allzu betruͤgli- chen und uͤbereilten Bestimmungskennzeichen von Ge- Geschlechtern und Gattungen recht aufmersam ma- chen sollte. Denn wie wuͤrde es mit diesen und vielen andern Gewaͤchsarten weiter gehen, wenn sie unter einen noch gemaͤßigtern Himmelsstriche, als unter welchen Upsal gelegen ist, verpflanzet wuͤrden. Der natuͤrliche Zustand und Standort der Ge- waͤchse auf unserm Erdballe macht, gegen die mehr gekuͤnstelte und oft sehr unnatuͤrliche Gaͤrtnerbehand- lung derselben unter fremden Himmelsstrichen, sehr große Unterscheide, die die Pflanzengeschlechtscha- raktere so wie die Arten bey den Botanisten und uͤbrigen Naturforschern, fast bestaͤndig aͤndern, und zuweilen ganz ausstreichen; daß sie deshalb auf die kuͤnftige Gewißheit und Ewigkeit ihrer Lehrgebaͤude eben so wenig und nicht gewissere Rechnung zu ma- chen haben, als auf die Dauer eines Registers. Aus- Ausfuͤhrliche Instruktion fuͤr den Schlesischen Landstand , wie sowohl der Wolletragende Weidenbaum anzubauen und zu pflegen, als auch wie dessen Wolle zu sammeln, und zum Gebrauch zuzurichten sey. A uf mancherley Baͤumen, Pflanzen, und Graͤ- sern Deutschlands hat man meistens zwischen ihren Saamen eine haͤufig wachsende Wolle von so ver- schiedener Beschaffenheit und Feine getroffen, daß man, geruͤhrt von dieser Vorsorge der guͤtigen Natur allerhand wohl uͤberlegte Versuche damit ange- stellt. Die mehresten hiervon geriethen, so wie wir wuͤnschten, und konnten jedermann sattsam uͤber- zeugen, daß diese Baum- und Pflanzenwollen zu Botan. Abhdl. II B. O viel- vielfaͤltigen Haushaltungs- und Manufakturge- brauch mit Nutzen anzuwenden waͤren. Die Na- turgeschichte Schlesiens belehrt uns auch ganz un- truͤglich, daß bereits vor 5 Jahren die gelehrte Aufmerksamkeit einiger Schlesier eine feine, weiße, auf den Lorbeer- oder Schaafweiden wachsende Baumwolle nicht nur in Schlesien zuerst entdeckt, sondern, daß auch ihr nachahmenswuͤrdiger Fleiß und Geschicklichkeit, in denen damit angestellten gro- ßen und kleinen Versuchen, es ehedem schon ziem- lich hoch gebracht habe. Die Fortsetzung derselben wurde durch die seit etliche und zwanzig Jahren in Schlesien abwechselnden Kriegsunruhen gaͤnzlich unterbrochen. Nachdem aber auf allerhoͤchsten Koͤnigl. Be- fehl in Breslau besonders seit ein Paar Jahren mit der Weidenwolle viele neuerliche Versuche an- gestellet, und die Nutzungen derselben sehr erheblich befunden, auch bereits von vielen Dominiis ein be- traͤchtlicher Vorrath dieser Wolle anhero geliefert worden; so hat man nicht laͤnger Anstand genom- men das darnach begierige Schlesische Publikum annoch umstaͤndlich zu unterrichten, wie diese ehe- malige Schlesische schoͤne Entdeckung koͤnne ge- meinnuͤtziger gemacht werden, und wie die schon vorgekehrten guten Anstalten mit leichter Muͤhe und großem Vortheil zu unterstuͤtzen seyn. Nach den genauen physischen neuerlichen Un- tersuchungen sind in Schlesien und hauptsaͤchlich im Bres- Breslauischen Fuͤrstenthum 22 Sorten Baum- und Strauchweiden, darunter aber vornehmlich 8 Wolletragende Gattungen aufgefunden worden, die sowohl an Menge, als auch an Guͤte, sehr unter- schiedene Wolle tragen. Ob nun gleich bey den Landoͤkonomien die Fortpflanzung aller Weiden uͤberhaupt, wegen der vielfachen Nutzung ihres Holzes, hierdurch gar nicht untersagt wird, so sind doch vorzuͤglich, zur Erfuͤl- lung der so vortheilhaften Absichten mit der Baum- wolle, nur zwo Gattungen bekannt, deren Wolle die andern 6 Sorten an Menge und an Feinheit weit uͤbertreffen, weswegen man den Anbau derselben um desto haͤufiger zu veranstalten vor noͤthig befindet, da sie entweder noch gar nicht, oder doch nur spar- sam, vorhanden sind. Die erste Gattung heißt der Landmann nicht nur in Schlesien, sondern auch in andern Provinzen, die Lorbeer- oder Schaafweide, welche sich von al- len andern Weiden, aus der gleich folgenden Be- schreibung, am allerkenntlichsten unterscheiden laͤßt. Sie waͤchst, besonders wenn sie oͤfters tief behauen wird, und aus den untersten Stamme wieder neue Triebe und Aeste machen muß, als eine Strauch- weide. Stehet sie aber nur lange ruhig, und kann sie unbehauen ohne Hinderniß fortwachsen, oder wird sie bald anfangs in langen vierelligen Stangen fortgepflanzt; so wird daraus ein Stamm von mehr als 20 Ellen in der Hoͤhe, dergestalt, O 2 daß daß es blos die Verschiedenheit des ersten Anbaues und der Pflege bestimmt, ob man sie nur unter den Strauchweiden, oder ebenfalls unter den Baͤumen, wo nicht mitten in großen harten Holzwaͤldern, doch an den Raͤndern derselben suchen soll. Die Stammrinde eines schon ziemlich erwach- senen Baumes ist etwas schuppigt, von mehr brau- ner Farbe, als bey andern Weiden: die jungen 4 bis 5jaͤhrigen Staͤmme oder Aeste, bedeckt eine glatte Rinde von etwas dunkler gruͤnen Farbe. Das Holz ist hart, zaͤhe und fester, mithin auch die Aeste nicht so sehr biegsam, sondern etwas sproͤ- der, demohnerachtet aber knackt es im Feuer viel- mehr, als Tannenholz. Es macht eine schoͤne feine Asche, die beynahe der Asche von Buchen- holz gleich kommt. Sehr selten, ja fast gar nicht, trift man von dieser Art Weiden, so ausgehoͤlte und beynahe nur mit ein wenig Rinde zusammenhaͤngende Staͤmme an, wie bey andern Weiden am gewoͤhnlichsten ist, woraus ganz deutlich zu schließen, daß dies Holz in freyer Luft von Wuͤrmern und Insekten nicht leicht angegriffen wird, auch dauerhafter und schwe- rer, als gemeines Weidenholz, sey. Das von allen uͤbrigen Weidenblaͤttern sich so sehr unterscheidende Blatt hat mit denen jedermann bekannten gemeinen Lorbeerblaͤttern eine große, doch nicht vollkommene, Aehnlichkeit. Es ist dunkel, gruͤn, breit, lanzenartig, gespitzt, steif, an beyden Raͤn- Raͤndern oder Kanten fein gezackt, und auf beyden Seiten glatt und glaͤnzend. Es waͤchst auf rothen duͤnnen Stielchen, die kaum einen Zoll lang sind. Zwischen den Blaͤttern traͤgt sie sowohl an den obern als untern Aesten, nach Maasgabe des Ue- berflusses ihrer Saͤfte, viel, oder wenig lichtgruͤne Wollaͤhren oder Zaͤpfchen, die selten drey Zoll lang sind und 60 bis 80 kegelartige, oben zugespitzte, bis zur Reife verschlossene, Knospen reihenweise an einen fortgesetzten gruͤnen Stiele tragen, welche etwas dicker als die Wollenknospen von andern Weiden sind. Zunaͤchst unten an den Aehrenstielen stehen gemeiniglich kleine, schmaͤlere, und nicht scharf ge- spitzte Blaͤttchen, worunter auch einige oberwaͤrts rund verschnitten sind. In den kegelartigen Knos- pen steckt ein mit zwo Valveln versehenes Saamen- behaͤltniß, worinnen die Natur, aus einem zuvor ge- wesenen dicken Safte, die belobte Wolle erzeugt, welche das ungemein kleine, schwarze, schmale und kurze Saamenkoͤrnchen in sich fast. Zuweilen wach- sen auch, nach Angabe einiger Gelehrten, auf der- gleichen Lorbeerweiden, Aehren oder Zaͤpfchen mit kelchartigen, reihenweise an einem Stiele, neben und uͤbereinander haͤngenden, offenen Schuppen, aus welchen gerade auf lange fadenfoͤrmige Roͤhr- chen hervorragen, worauf sich ein in 4 zarte Faͤcher getheiltes Behaͤltniß mit den gelben Blumenstaub befindet. Diese heißt man maͤnnliche Blumen , O 3 und und duͤrfen, weil sie nicht Wolle tragen, nicht auf- gesammelt werden. Jene hingegen mit der Wolle sind die weiblichen Blumen , die zu unsern Absich- ten dienen. Wir erinnern dies blos beylaͤufig des- wegen, damit, wenn man ja in einigen Gegenden sol- che Lorbeerweiden mit maͤnnlichen Blumen finden sollte, das Publikum doch hiervon sattsam unter- richtet sey. Ihre Bluͤthezeit ist, nach Beschaffenheit des Bodens, des schattigen, oder Sonnenreichen Orts, und der Witterung verschieden, gemeiniglich schon zu Anfange des Augustmonats, in andern Gegen- den aber auch manchmahl drey bis vier Wochen spaͤter. An Teichdaͤmmen, an ordentlichen Was- sergraben, an feuchten Wiesen und Straßen, in Gegenden, wo Erlen, Orlen, Aspen, Ruͤstern, Eschen und dergleichen befindlich sind, in schwarzer, in gruͤner und in Moorerde, in feuchten und etwas sumpfigen, ferner in lehmigen, wie auch in Lehm- mit Sande vermischten Boden, pflegt die gedachte Weide am geschwindesten zu wachsen, und am be- sten Wolle zu tragen. In grob kiesigen, in star- ken und fein sandigen Boden, der mit keiner an- dern Erde vermischt ist, kommt sie zwar auch fort, bleibt aber viel schwaͤcher, und traͤgt sowohl weni- ger als kleinere Wollenzaͤpfchen, weil sich die Re- genfeuchtigkeiten nicht lange genug um die Wur- zeln aufhalten, sondern bald durchseigern, imglei- chen auch, weil die durch die Sonnenstrahlen zu sehr sehr erhitzten Sandkoͤrner die in den Wurzeln be- findlichen Nahrungsfeuchtigkeiten, auf mancherley Art, verderben und vermindern. Ob man gleich, vermoͤge genauern Untersuchun- gen, in einem einzigen Wollenzaͤpfchen oder Aehre einige Hundert Saamenkoͤrner wahrgenommen, so ist doch die Vermehrung dieses Baumes durch den Saamen allzu langweilig, so daß, mit weniger Ar- beit, und mit weit besserm Fortgange, ihre Fort- pflanzung nach Art anderer Weiden vorzunehmen ist. Im Fruͤhjahr schneidet man Stangenaͤste und Zweige ab, und steckt solche, sobald der Boden von Eis und Frost befreyt ist, an den dazu bestimm- ten Orten, 3 bis 4 Ellen weit auseinander in die Erde, wobey man aber, nach der jedem Landmanne bekannten Art, wie mit andern Satzweiden, ver- faͤhrt. Weil nun, wie oben erwaͤhnt, ob diese Weide kuͤnftig hoch, baumstammig oder niedrig und strauch- artig ist, meistens durch die erste Anpflanzung bestimmt wird, so ist rathsam, ein bis zwo Zoll dicke und drey bis vier Ellen lange Stangen und Aeste ein- zustecken, woran die unten aus dem Stamme anse- tzenden Schoͤßlinge sorgfaͤltig abzuputzen sind, damit die ganz oberwaͤrts ausschlagenden Triebe desto geschwinder ihre vollstaͤndige Krone bekommen. Es belohnet diese Vorsicht ein mannigfaltiger Vortheil, denn das allzustarke ganz niedrige Ausbreiten der Aeste einer Strauchweide vermindert dem auf O 4 dem dem Boden befindlichen Grase seinen Wachsthum, und wegen der vielen so gar starken verwachsenen Aeste kann es nicht genugsam genutzt werden. Sie nimmt auch unnoͤthigerweise durch dies Ausbreiten zu viel Platz ein. Das in diesen Gegenden wei- dende Vieh, besonders Schaafe und Ziegen, wie nicht weniger Haasen und Fuͤchse pflegen um desto bequemer die jungen Sproͤßlinge, die zarten Blaͤt- ter, und die feinen Aestchen zu erreichen, und abzu- beißen. Ja man hat beobachtet, daß Ziegen und Schaafe die jungen, halberwachsenen, annoch voller Saft steckenden, Bluͤthen und Wollenaͤhren, als ein Leckerbißchen, mit besonderer Begierde abfres- sen; besonders wenn die in der Naͤhe befindliche Weide, bey duͤrrer Zeit, entweder zu sparsam oder zu trocken ist, oder wenn solche den diesen, nach al- lerley Futterungsabwachse so begierigen Viehe, ge- woͤhnlichen Appetit nicht genugsam erfuͤllen mag. Wird hingegen gleich bey dem ersten Anbau darauf gesehen, hochstaͤmmige Baͤume zu erziehen, so kann das Vieh nicht durch Abfressung der Sproͤßlinge den Wachsthum der Baͤume hindern; die darun- ter befindliche Graͤserey waͤchst reichlicher, und ist vollstaͤndiger zu nutzen: imgleichen koͤnnen die Wol- lenzaͤpfchen ungestoͤrt fortwachsen, und uͤber dies alles ist es bekannt genug, daß eine baumartige in der Hoͤhe sich ausbreitende Weide eine viel groͤßere Menge Wollenaͤhren traͤgt, als eine niedrige Strauchweide, deren Wachsthum auf mancherley Art Art mehr verhindert wird. Sonst ist bey der uͤbri- gen Kultur noch besonders zu beobachten, daß man diese Art Weiden nicht, wie die andern Gattun- gen, in gewissen Jahren behauen duͤrfe, weil ihre Nutzung nicht sowohl in Ruthen und Holz, sondern blos in der darauf wachsenden Wolle bestehet. Die neu anwachsenden Aeste sind gemeiniglich erst im dritten Jahre faͤhig, Wollenaͤhren zu tragen, wes- halb man hierbey hauptsaͤchlich auf die Conservation und Pflege der Aeste zu sehen hat, wofern man sich nicht muthwillig einer reichlichen Wollensammlung verlustig machen will. Nach Verschiedenheit der Lage der Oerter und der Witterung, reifen die Wollenzaͤpfchen in Schlesien gegen Ende des Augustmonats, und auch wohl erst im Herbstmond. Hierbey ist eine sorgfaͤltige Aufmerksamkeit anzuwenden. Die Aehren bleiben in der besten Reife gruͤn, und die daran haͤngenden Fruchtbehaͤltnisse pflegen, wenn sie reifen, dergestalt von einander aufzuspringen, daß die Wolle heraustritt; bis dahin ist bey der Wollensammlung selten zu warten, weil sonst zu viel von diesem nutzbaren Material verloren gienge, welches ebenfalls geschiehet, wenn Sonnenhitze und Winde das Stielchen zu sehr vertrocknen, mithin die Aehre abzufallen noͤthigen, da denn uͤberdies das Abfallen und das uͤberstaͤndige Reifen der Wolle selbst an ihrer Substanz und Feine Schaden macht; uͤbereilt man sich hingegen mit der Samm- O 5 lung, lung, obgleich an einigen zu oberst stehenden kegel- foͤrmigen Fruchtbehaͤltnissen der tragenden Aehre sich schon, durch das anfangende Aufspringen, weiße Spitzen zeigen, und werden sie noch unreif abge- nommen, so ist die Wolle kurz, kraus, und gar viel sproͤder, als bey voͤlliger Zeitigung. Zwar verderben weder Feuchtigkeit, noch Motten, diese Wolle, doch ist es zutraͤglich sie an Tagen, da es nicht regnet, zu sammeln. Wenn man einige Aeh- ren oder Zaͤpfchen 24 Stunden lang in Kammern, Scheunen, oder lauligten Gemaͤchern liegen laͤßt, und die Wolle faͤngt von selbst an heraus treten, so daß sie die Aehren fast bedecket, und daraus ohne Gewalt leicht abgestreift werden kann, weiß man ein untruͤgliches Kennzeichen der Reife. Ferner lehrt auch die Erfahrung, daß, sobald die Spitzen des kegelfoͤrmigen Saamens oder Fruchtbehaͤltnis- ses, aber nicht nur die obersten, sondern die an der ganzen Aehre durchgehends, sich auf den Baͤumen etwas zu oͤfnen angefangen, das Abpfluͤcken best- moͤglichst ohne Aufschub zu veranstalten sey, weil sonst, bey uͤbermaͤßiger Zeitigung und laͤngern War- ten, die Wollenbehaͤltnisse ganz aufspringen, zu- gleich aber auch nur durch einen maͤßigen Wind die mehreste Wolle verstaubt wird, und verloren gehet. Diese angegebenen Kennzeichen des rechten Punkts der Reife sind von allen denen wohl zu beurtheilen, die eine zu Haushaltungs- und Manufakturarbei- ten recht dienliche Wolle mit Nutzen zu sammeln, ge- gewilligt sind. Ueberdies muͤssen sich die Samm- ler und Abpfluͤcker sorgfaͤltig in Acht nehmen, daß sie aus obigen angefuͤhrten Ursachen, nicht ganze Aeste abbrechen, sondern nur die Aehren mit den Stielen abpfluͤcken, weil viele abgebrochne dreyjaͤh- rige und staͤrkere Aeste die Tragbarkeit und Nutzung des Baumes auf einige Zeit vermindern. Oefterer Regen und darauf jaͤhlings erfolgter Sonnenschein reizt die Aehren auf den Baͤumen zu zeitig zum Auf- springen, und macht, daß die Wolle auf einmahl zu viel heraustritt, da sie denn auch von der gering- sten Luft als leichte Koͤrperchen zerstreut wird. Bey nassen Jahren ist darauf gar genau Acht zu geben, und dagegen maͤchtige Vorsicht zu brauchen, damit nicht die ganze Sammlung dieses Produkts auf einmahl fehlschlage und sich vereitele. Das Ab- pfluͤcken der Aehren kann durch darzu unterrichtete Kinder gar wohl vollbracht werden, damit man die erwachsenen Personen nicht bey andern Haus- und Feldarbeiten vermißt. Die gesammelten Aehren lege man ausge- streut an einen bedeckten Ort, Kammer, Stube, Boden und dergleichen, wo keine Luft dazu kommt. In etlichen Stunden eroͤfnen sich die Knoͤspelchen, die Wolle quillt heraus, sammelt sich oberwaͤrts, und wird bequem zusammen abgerast. Nach fer- nern Verlauf von 20 bis 36 Stunden ist wieder aufs neue Wolle ausgetreten, die man auf eben diese Art abstreifen und bey der ersten verwahren kann, kann, hernach sind die Aehren einige mahl aufzulo- ckern und umzuwenden, daß das oberste zu unterst kommt, damit die uͤbrige Wolle vollends heraus quillt. Mit diesem Verfahren haͤlt man so lange an, bis die Zaͤpfchen ganz ausgeleeret seyn. Der Sonnenschein oder eine andere gelinde Waͤrme des Gemachs befoͤrdert das Austreten der Wolle ganz ungemein. Da nun aber, aller Sorgfalt unerachtet, doch manchmahl aufgesprungene Knoͤspelchen, Huͤl- sen, und allerhand andere Unreinigkeiten in der ge- sammelten Wolle zuruͤckbleiben, die sie zum Spin- nen und zu andern Arbeiten untauglich machen, so ist es noͤthig, selbige vorher zu reinigen. Die vor- trefliche Akademie der Wissenschaften in Schweden, welche mit diesem Material auch viel nuͤtzliches un- ternommen, hat diesfalls im VII. Bande ihrer Schriften eine Reinigungsmaschine bekannt ge- macht, wornach der Magistrat zu Breslau unter einigen Verbesserungen ebenfalls eine verfertigen lassen, auf welcher von etlichen Hospitalknaben eine betraͤchtliche Menge Wolle sehr gut bearbeitet worden. Man stellet es einem jeden frey, sich nach diesem Modell eine dergleichen Maschine anzuschaf- fen. Wem aber dies zu weitlaͤuftig oder zu kostbar zu seyn schiene, dem schlagen wir hier eine etwas leichtere Methode zur Reinigung vor, weil doch der Landmann die Wolle bereits von ihren groͤbsten Unreinigkeiten gesaubert abliefern soll. Man breite breite nehmlich entweder die Wollenzaͤpfchen selbst, oder die schon bereits davon abgesonderte und abge- rafte Wolle auf Brettern, Boden oder Tischen et- wan zwo Queerfinger hoch uͤber einander aus, und lasse solche mit kleinen Stoͤckchen oder Gerthen von einigen Kindern eine Zeitlang bestaͤndig stark peit- schen, und in heftige Bewegung setzen, so wird alles unreine Wesen unterwaͤrts liegen bleiben, die reine feine Wolle hingegen in der Hoͤhe herumfliegen, bis sie, nachdem man aufgehoͤrt hat zu peitschen, wie- derum herab sinkt, und alsdann sehr bequem kann abgerast werden. Oeftere Versuche und Erfahrun- gen bestaͤtigen dies sattsam. Vielleicht theilt auch die Erfindungskunst einem oder dem andern, der daruͤber weiter nachdenken will, kuͤnftig noch eine bequemere und bessere Methode mit, wodurch eben diese Absichten vollkommen zu erlangen waͤren. Wir muͤssen jetzt noch die zweyte sehr gute Sorte von Wolletragenden Weiden beschreiben und anpreisen, die man am haͤufigsten in Schweitsch bey Breslau zu einigen hundert Stuͤcken gefunden, und wir zweifeln gar nicht, daß dieselbe eben auch in andern Gegenden und Kreisen wuͤrde anzutreffen seyn, wofern man sich die Muͤhe nicht reuen ließe, solche mit Fleiß aufzusuchen. Mit Recht heißt man sie die Weide mit den langen, breiten, glaͤnzenden und geoͤhrten Blaͤt- tern, und mit den laͤngsten Wollenaͤhren. Sie waͤchst als ein starker, hoher und gemeiner Weiden- baum. baum. Die Rinde ist leichter, braun, und das Holz weicher, als von der Lorbeerweide, daher man auch zuweilen so ausgehohlte Staͤmme, wie bey den gemeinen Weiden, findet. Es ist eben nicht hoͤchst noͤthig, sie in den vor- her gedachten Boden anzubauen, da sie auch mit einem vermischten Lehm und Sande vorlieb nimmt, wenn es nur nicht lauter grober Triebsand ist, als in welchem Boden sie wohl wachsen, aber sehr spar- sam tragen wuͤrde. Sonst kann ihr Anbau auf die oben erwaͤhnte Art veranstaltet werden. Ihr Blatt ist glaͤnzend, lang, oben spitzig, unterwaͤrts rund verschnitten, an einen gruͤnen Stiel gewach- sen, und an beyden Raͤndern tiefzackig eingekerbt. Meistentheils in der Mitte des Astes von dreyjaͤh- rigen und aͤltern Wuchse treibt die Natur zehn bis zwoͤlf Wollenzaͤpfchen hervor, woran unten am Stiele zwey bis drey schmaͤlere, kuͤrzere, oben ver- schnitten und unterwaͤrts zugespitzte, und an den Raͤndern sehr fein gekerbte Blaͤttchen haͤngen, die von dem großen Astblatte dieser Weide ganz ver- schieden sind, und man auch Aehrchenblaͤtter nennt. An den fuͤnf bis sechs Zoll langen Aehren sind 100 bis 140 kegelfoͤrmige Kapseln, nur etwas schmaͤler, sonst fast von gleicher Gestalt wie bey der Lorbeer- weide gewachsen, in welcher die Wolle befindlich ist. Da diese Weide sehr wollig und auch die allerlaͤng- sten Aehren mit den zahlreichsten kegelfoͤrmigen Wollenbehaͤltnissen traͤgt, so ist sie auch eben so nutz- nutzbar, wo nicht an Menge der Wolle nach ergie- biger, als die Lorbeerweide, obgleich beyde Sorten an Feinheit einander ganz gleich sind. Sie bluͤhet gemeiniglich etwas zeitiger, nehm- lich schon mit Ende des Heumonats oder bald mit Anfange des Augusts. Die Merkmale, wenn ihre Wolle in den Behaͤltnissen voͤllig reif ist, sind eben aus dem Aufspringen der Knospelchen, nach denen oben ertheilten genugsam erklaͤrten Regeln und Kennzeichen, genau zu pruͤfen; gleichwie auch die Sammlung, das Ausbreiten der Zaͤpfchen und Knoͤspelchen, imgleichen das Abraffen und die Rei- nigung der Wolle auf eben diese Art, wie oben schon angewiesen, nur mit dem Unterschied kann vorgenommen werden, daß da die Wolle, wenn sie nicht die Witterung daran hindert, etwas eher rei- fet, mithin auch die Sammlung derselben etwas zei- tiger zu besorgen sey. Bey dieser Beschreibung, die sich auf mancher- ley genaue und richtige Untersuchungen gruͤndet, erhellet von selbst, daß sie eben sowohl, wie jene Weide angebaut und fortgepflanzt zu werden ver- dient. Wenn demnach in gewissen Gegenden oder in ganzen Kreisen gar keine Lorbeerweide anzutreffen waͤre, hingegen sich daselbst diese jetzt belobte Wei- de mit dem langen, breiten, spitzigen Blatte und mit den allerlaͤngsten Aehren befinden sollte; so wuͤrde der Anbau dieser Sorte dem Landmanne jaͤhrlich ebenfalls eine ziemliche Menge guter Baum- wolle wolle zu einer reichlichen Sammlung anbieten, und die Koͤnigl. Allerhoͤchsten Absichten auch dadurch zu erfuͤllen seyn. Dem fleißigen und der Natur immer nachfor- schenden Landmanne thut man noch den Vorschlag, daß er doch naͤchstens versuchen moͤgte, diese zwey Sorten Weidenbaͤume mit einander durch die be- kannte allgemeine Einpfropfung zu vereinigen. Wir verstehen darunter, daß er in den Aesten der Lorbeerweide zu rechter Jahreszeit Augen von der Weide mit den laͤngsten Aehren, und wiederum in diesen Aesten Augen von der Lorbeerweide gehoͤrig einpfropfe und dabey sorgfaͤltig Achtung gebe, wenn diese Aeste tragbar wuͤrden und ob die darauf wachsende Wolle etwa an Feine, Zaͤhigkeit oder Menge einige nutzbare Abweichungen erhielte. Die Naturkunde lehrt, daß, durch dergleichen Vermi- schungs- und Einpfropfungsproben, nicht nur eine unzaͤhliche Menge von Fruͤchten, groͤßer, schmack- hafter und eßbarer werden, sondern daß man auch durch diese Kunst viele neue, schoͤne und wohl- schmeckende Sorten von Fruͤchten hervorgebracht, die sonst noch gar nicht bekannt gewesen. Viel- leicht entstuͤnde auch daraus eine neue Art Weiden, deren Wolle zu Manufaktur- und Haushaltungs- arbeiten annoch verbessert waͤre und gewisse Vor- zuͤge besaͤße. Da man in einigen Stunden etli- che Dutzend Aeste einpfropft, und diese leichte Ar- beit mit geringer Muͤhe von den Lehrjungen der Gaͤrt- Gaͤrtner gar wohl kann verrichtet werden, so hoffet man, das Publikum werde diesen Versuch nicht unterlassen, und davon an behoͤrigen Ort weitern Bericht einsenden. Die mit dieser Wolle bereits auch in andern Gegenden mit gutem Erfolg gemachten Proben haben die Nutzbarkeit derselben bey allerhand Haus- haltungs- und Manufakturarbeiten, gegen alle Vor- urtheile und Einwendungen, sattsam bestaͤtiget. Wir wollen hier nicht weitlaͤuftig erinnern, wie solche mit gutem Vortheil zu halbseidenen Zeugen, zu Nesseltuch, Kattun, Parchent, Watten, zu ge- schicklichen Bettdecken, und besonders zu außeror- dentlich feinen Huͤten gebraucht werden; vielmehr benachrichtigen wir das Publikum, wie man noch zu mehreren dergleichen nuͤtzlichen Versuchen mit allen Eifer die staͤrksten Vorkehrungen macht, und wie man sowohl hier, als anderwaͤrts, sich bestrebet, durch neuerliche Entdeckungen, die Sache in noch bessern Fortgang zu setzen, und immer hoͤher empor zu bringen. Man hat daher das Vertrauen, die denen Schlesiern mit allem Recht zuzuschreibende Ehre der ersten Erfindung und des Gebrauchs die- ser Baumwolle werde auch noch jetzt die Bewohner Schlesiens anreitzen, nicht nur in emsiger Fortpflan- zung besagter Wolletragender Weiden, und auch in sorgfaͤltiger Sammlung und Zubereitung der belob- ten Baumwolle, sondern auch in allen andern zur Botan. Abhdl. II B. P Erfuͤl- Erfuͤllung dieser so nutzbaren Absichten dienlichen Beschaͤftigungen allen moͤglichen Eifer anzuwenden, damit die Nachwelt uͤberzeugt werde, der erfindende Fleiß und die Geschicklichkeit der Schlesier habe den Gebrauch der deutschen Baumwolle vor andern Nationen auf die nuͤtzlichste Art vollkommen zu ma- chen gewußt. Vom Vom Anbau der Bienenzucht und ihrer Wartung . D a meine Gedanken uͤber den Plan, die zum Theil unterlassene, theils verkehrt behan- delte und folglich fast ganz darnieder liegende Bie- nenzucht, in einigen Koͤniglichen Laͤndern, in eine vorzuͤgliche Aufnahme zu bringen, erfordert worden, unter andern aber die Frage ist, ob 1) sich die Bienenzucht in hiesigen Landen wirklich in eine bessere Aufnahme bringen lasse? P 2 2) was 2) was daraus dem Lande vor Vortheile zu- wachsen wuͤrden? 3) wie dabey das Koͤnigl. Interesse gewinnen koͤnnte? und ob 4) auch ein dergleichen Unternehmen den Sei- denbau befoͤrdern wuͤrde? so dienet auf die erstere Frage in ergebenster Ant- wort: wie nach einem gehoͤrigen Plane sowohl an der Aufnahme der Bienenzucht, als des Seiden- baues, durch die dazu schicklichen Etablissements im geringsten nicht zu zweifeln stehe, da beyde den rech- ten Stoff in gehoͤriger Menge, Guͤte und einer be- staͤndigen Dauer zu verschaffen im Stande sind. Denn, da sie eigentlich durch besondere, und einzig und allein ganz besonders dazu bestimmte zu unter- richtende und einzurichtende Leute betrieben werden sollen, welche dazu willig, geschickt und ordentlich seyn, und bey solchen ihrem Metier geschuͤtzt wer- den muͤssen, so muͤssen auch Bienen- und Seiden- bau durch sachverstaͤndige Besitzer und Aufseher ge- hoͤrig veranstaltet und besser eingerichtet werden, als es zeither fast uͤberall geschehen ist: wobey aber denn zugleich viele Laͤndereyen welche eine lange Zeit her, oder fast von jeher zwischen den Forsten, und um dieselben, fast ohne allen wirklichen Nutzen des Koͤnigs und des Landes, auch wohl nur blos ihrer Entfernung halber, wuͤste geblieben sind, an- gebauet gebauet werden, und von Meilen zu Meilen nach und nach dergestalt unter Kultur gebracht werden koͤnnten, daß sie Menschen und eine erstaunende Menge von Bienen, wie auch in gewissem Ver- haͤltniß, einige Arten von Vieh ernaͤhren wuͤrden, wodurch denn gewiß ein ganz neuer und weit be- traͤchtlicherer Theil von Honig und Wachs aus den Heiden und umliegenden Gegenden, als vorher noch nie recht genutzter Landesprodukte, daraus gezo- gen, auch theils roh, theils im Lande schon in meh- rere Waaren verarbeitet, und von seinen Besitzern als aͤchtes Kaufmannsgut aus dem Lande gefuͤhret werden koͤnnte. Dieser noch zur Zeit nur viel zu wenig gekannte Zweig der Landwirthschaft, wel- cher den uͤbrigen Feldarbeiten und Arten von Ge- werbe gewiß nicht das geringste entziehet, auch wenn er recht ordentlich betrieben wird, niemahls entziehen darf, muß zu Vermehrung eines innerli- chen Reichthums im Lande gewiß das seinige beson- ders beytragen, besonders da, wo einige andere ein- traͤglichere Theile derselben sonst fast von Natur wegfallen muͤssen. Zu allen solchen Anlagen, de- ren Vortheile sich ganz sicher auf Tonnen Goldes in der Folge erstrecken muͤssen, wenn zumahl ge- wisse Familien dazu besonders von Sachverstaͤndi- gen und Erfahrnen instruirt, und dabey bestaͤndig erhalten werden, giebt der hohe Landesherr aus sei- nen Kassen nicht das geringste, er unterstuͤtzt sie le- diglich durch Begnadigungen, die ihm im Ganzen P 3 betrach- betrachtet nichts entziehen, und dennoch an urbaren vorher ungenutzten Laͤndereyen, neuen Untertha- nen, einer besondern Art der verbesserten Nah- rung im Lande, und den uͤbrigen heimlichen und oͤffentlichen Cameralinteressen, allezeit vortheilhaft werden muͤssen. Wenn die bekannten Vorschriften in denen zu einem Bienenstande schicklichen Gegenden gehoͤrig befolget werden sollten, so wuͤrde ein vorher ganz un- erkannter Schatz gesammelt werden, welcher an und fuͤr sich im Handel und Wandel keines Er- weises bedarf, ob er gleich an Ort und Stelle von Herrschaft und Unterthanen fast gar zu wenig be- guͤnstigt worden ist, so, daß man den Verlust des- selben, nur von einem Jahrzehend in das andere be- rechnet, immer zu Tonnen Goldes schaͤtzen kann, den man doch haͤtte vermeiden koͤnnen, wenn man nur haͤtte Lust gehabt, nach einer guten Anweisung Bienen zu halten, und fuͤr ihre Vermehrung eine bessere und bestaͤndige Sorge zu tragen. Es ma- chen sich freylich nur sehr wenige auf eine recht- schaffene Weise mit der Bienenzucht zu thun, weil nur sehr wenige solche recht nuͤtzlich zu ma- chen verstehen: und diese sind es, die man beguͤn- stigen soll, denn sie unterhalten eine gewisse Art von Arbeitern, das sind die Bienen, die fast ohne sonderlich bemerkt zu werden, und ohne andere zu stoͤhren, einen solchen Stoff zusammen zu tragen im im Stande sind, den niemand in der Welt, außer ihnen, zu sammeln, und also ihren Herren, aus allen schon vielfaͤltig genutzten und noch zu nutzen- den Grundstuͤcken, noch einen besondern Nutzen zu verschaffen versteht, den er ohne sie nicht haben kann. Wollte man aber nur 10 Jahre lang die wuͤsten und ungebauten Oerter liegen lassen, die doch bey der Bienenzucht wirklich zu nutzen stehen, wie groß muͤßte der Verlust eines Gewinn- stes nicht seyn, den man sonst mit so wenigen Anstal- ten haben koͤnnte. Zu einer solchen Einrichtung verlanget man weder an der Zahl der wuͤsten Mor- gen Landes, noch an Beguͤnstigungen etwas aus- schweifendes. Die Verwuͤstung von Pohlen durch die Moldau, Wallachey, Bulgarien, Ukrai- ne, bis in Romanien, wird uns die folgende Jahre von der Gewißheit uͤberzeugen, und noch mehr, wenn wir fuͤr das Kuͤnftige weniger rohes Wachs und Honig, (außer fuͤr hohe Preise) wer- den erhalten koͤnnen, deren Durchgang und Abla- gen uns ehedem lange Zeit einige Vortheile ver- schaften, welche billig haͤtten groͤßer seyn sollen. Denn diejenigen Nachbaren, wo noch jetzt die Ruhe herrscht, haben bereits solche Masregeln genommen, daß der Honig in mehr verarbeiteten Waaren, und das Wachs nicht ferner unge- bleicht ausgefuͤhrt werden darf, außer in solchen hohen Preisen, wofuͤr wir es in- und außerhalb Landes nicht weiter werden nutzen koͤnnen. So P 4 wie wie es scheint, muͤssen wohl einige anf die Schif- fahrt und Handlung sehr aufmerksame Nationen in Europa, diese Umstaͤnde bereits in der Ferne erblicken, besonders diejenigen, deren Einrich- tungen erfordern, daß sie jaͤhrlich etliche hundert Centner an Wachs mehr verbrennen, als an- dere, die deshalb, ohngeachtet sie sonst durch Handlung fast alles haben koͤnnen, dennoch die Bienenzucht mit Eifer zu betreiben anfangen. Mit der Bienenzucht selbst vertraͤgt sich der Sei- denbau uͤberaus wohl, zumahl, wenn nach der neuern Art der Bearbeitung das uͤbertriebene Kuͤnstliche, das Weitlaͤuftige und allzu Muͤh- same durch gute Anstalten vermindert und gar abgestellt wird. Die Vortheile so aus einer solchen Einrich- tung fuͤr die Koͤniglichen Lande fließen, sind aus den vorher angefuͤhrten Gruͤnden an und fuͤr sich außer allen Zweifel, indem die Hofnung eines Zu- wachses an brauchbaren Laͤndereyen und gangba- ren Landesprodukten, welche bey unsern Nach- baren noch nicht außer Preis gekommen, auch kaum kommen werden, seine Richtigkeit hat. Nicht einmahl, bey gut einschlagender Witterung, bey einem starken Vorrath von Maulbeerblaͤttern, vom Seidenbau zu gedenken, so muß der Honig, den Meth-Brandweinbrennereyen und Eßigbraue- reyen schlechterdings einen staͤrkern Zuwachs ver- schaf- schaffen. Von rohen und gelaͤuterten Honig ist ge- genwaͤrtig, zur Consumtion in der Wirthschaft, der Arzeney und der Pfefferkuchenfabriken, die so be- traͤchtlich sind, noch lange kein hinreichender Vorrath im Lande, und wird sich bey der jetzigen hoͤchst elenden Bienenwirthschaft auch niemahls finden. Da indessen die allermoͤglichste Vermeh- rung und Nutzung aller rohen Landesprodukte, mit ihrer Versilberung der verarbeiteten, zugleich in aus- waͤrtigen Laͤndern, wegen des hohen Cameralinteresse, allemahl ein Augenmerk weit sehender und wohlge- sinnter Finanzverstaͤndigen seyn und bleiben wird, so kann man auch hier eines fernern Erweises voͤl- lig uͤberhoben seyn. Denn solchen braucht man nicht zu sagen, was fuͤr nuͤtzliche Landesprodukte zu dem Interesse ihres Herrn und des Landes bey- tragen, sie haben selbst Gruͤnde der Ueberzeugung, noch mehrere Erfahrungen, und endlich viele Ge- legenheit und Ansehen, gute Anstalten zu unterstuͤ- tzen. Bey Vermehrung der Bienenzucht koͤnnen die Gewaͤchse auf den nahegelegenen Morgen Landes sehr schicklich abwechseln, da nehmlich Maulbeerbaͤume mit den Ruͤstern, Ahorn, Linden und andern stark und geschwind wachsenden Baͤumen, dabey Hey- dekorn, Suͤßholz nebst andern nuͤtzlichen Futter, Bienen-Farbe- und Fabrikengewaͤchsen in Menge erzogen und manche brauchbare Dinge gezogen wer- den koͤnnen. Und wie sich aus der wahren Be- schaffenheit der vorher angefuͤhrten Umstaͤnde ein P 5 gro- großer Vortheil ergeben wird, so sind die vorgeschlage- nen Anstalten, wegen der jetzigen Lage der Sachen, bey unsern Nachbaren nicht lange aufzuschieben, wenn sie durch die Bienenzucht und Anlage zum Seidenbau dem Lande und dem damit auf das ge- naueste verbundenen Koͤniglichen Cameralinteresse die erwuͤnschten Vortheile bringen sollen. Von Von der in einigen warmen Laͤndern noch gebraͤuchlichen uralten Art , die heißen trocknen Sandfelder mit dem Kraute der weißen Lupinen zu duͤngen . D ie alten roͤmischen Ackerwirthe kannten schon zu ihrer Zeit in einzelnen Gegenden diese Art von Duͤngung, als eine der alleraͤltesten, und wußten selbige in hoch belegenen trocknen Sandlaͤndern recht wohl zu benutzen. Alle uͤbrigen Arten von Duͤngung, wie sie sich fuͤr Laͤndereyen von verschiede- ner Beschaffenheit schickten, waren bey ihnen eben- falls gebraͤuchlich. Diese wurden saͤmmtlich, laut ihren kurzen aber deutlichen davon hinterlassenen Nachrichten, mit Vorsicht und den gehoͤrigen Vor- thei- theilen schicklich angebracht. Im obern Theile von Italien sind von allen diesen und aͤhnlichen Acker- duͤngniß- und Bestellungsarten noch heut zu Tage Ueberbleibsel genug vorhanden. Man bedient sich desselben auch anderwaͤrts, wie bey uns, mit ganz ungleichen Vortheilen, wenn man nehmlich frem- de Wirthschaftsarten ohne Einsichten blind nach- ahmt. Seit einiger Zeit hat man die Absicht, allerhand landwirthschaftliche Angaben in hiesigen Laͤndern geltend zu machen, und unter andern auch die Duͤngung der Sandlaͤnder durch die Lupinen zu versuchen vorgeschlagen. Man spricht aber davon, als von einer neuen ganz unbekannten Sache, wird aber im Ausgange erfahren, daß man damit bey den schlechten trocknen Sandfeldern, nicht mehr gethan habe, oder haben thun koͤnnen, als mit andern schicklich angewandten und, nach wohl gemachten Ueberschlaͤgen in der Mark Brandenburg ausge- fuͤhrten, und von eben der Guͤte befundenen Duͤn- gungsarten wirklich geschehen. Da man hier von der Duͤngung des schlechten Sandackers mit Lupinen nur einige Umstaͤnde in Erinnerung zu bringen die Absicht hat, so kann hier die Wiederholung anderer weitlaͤuftig abgehan- delten Duͤngungsarten des guten und schlechten Bodens von keinen Nutzen seyn. Das aber kann man bey jeder Art von Duͤngung und des Ackers nicht unberuͤhrt lassen, daß man nehmlich 1) unter der Vorbereitung des Fruchtlandes zur Duͤngung, und und 2) unter der nachfolgenden Duͤngung selbst einen Unterschied zu machen habe. Denn diese Vorbereitung des Ackers besteht nicht nur in einem Auflockern, mehrern oder wenigern Durchpfluͤgen, Eggen und Reinigen des Erdbodens allein, nach- dem es nach der Art und Lage des Bodens zutraͤg- lich seyn kann, sondern auch in gewissen schicklichen Zusaͤtzen von andern Erdarten, welche bey der Vor- bereitung selbst nothwendig sind, um denselben in den geringen Stand zu setzen, daß er die folgende Duͤngung zu einem staͤrkern Ertrag der Feldfruͤchte wohl annehmen kann, und also darinnen wirksam genug wird. Da es aber bey der verlangten Wirksamkeit eines jeden Duͤngers vornehmlich dar- auf mit ankoͤmmt, daß er sich in der Ackererde bald und hinreichend aufloͤse, und seine Kraͤfte durch und durch uͤberall hin verbreiten kann, auch uͤberdem eine solche Dauer habe, die nicht sogleich beym er- sten Ertrag ganz zu Ende gehe, und der Acker wie- der eben so schlecht gelassen werde, wie vorher, so verstehet es sich von selbst, daß eine richtige Beur- theilung und genaue Kenntniß eines rohen, ma- gern, unfruchtbaren, kalten, hitzigen, zu lockern, oder auch strengen, schweren, fetten, nassen, der- ben, kleyigten und grusigten, moorigen, scharfen, schwammigen, salzigen, torfigen und dergleichen Landes, schlechterdings dabey erfordert und vor- ausgesetzt werde. In allen solchen Arten von Bo- den thun Witterung und Duͤngung ihre besondere Wir- Wirkung, wie die Folgen des Wachsthums und Ertrages es am richtigsten anzeigen. Mancher Gattung des Ackers fehlet der bin- dende Antheil, daß also davon ein verhaͤltnißmaͤßi- ger Zusatz erfordert wird, wenn sich anders die zu schnelle Ausduͤnstung der Feuchtigkeiten maͤßigen soll, um die Aufloͤsung, Wirkung und Dauer des Duͤngers zu befoͤrdern, und zu erhalten. Einer andern Art des Bodens mangelt diejenige Eigen- schaft, welche dessen Dichtigkeit und Zaͤhigkeit zu maͤßigen im Stande ist, um die Ausduͤnstung und Einwitterung zu bestimmen und die Vertheilung der naͤhrenden Saͤfte aus dem Duͤnger besser zu verbreiten. Von der Nothwendigkeit dieser Um- staͤnde erhaͤlt man eine deutlichere Vorstellung, so- bald man die Arten des rohen Grundes vor ihrer voͤlligen Ein- und Zurichtung, und die Gattungen von Materien, die sich zum Duͤnger anwenden lassen, nach ihren baldigern oder langsamern Aufloͤ- sungskraͤften und verschiedenen Wirkungsarten ge- nauer betrachtet, und die mit allen solchen Mate- rien seit etlichen hundert Jahren gemachten Versu- che vergleichet. Alle drey Naturreiche liefern zwar Materien zur Duͤngung, wenn sie nach ihrer Aufloͤsung mit andern in eine gewisse seifenartige Vermischung oder Verbindung uͤbergehen, oder nach dem Ueber- gange aus einer Klasse in die andere sich veraͤndern, den Boden duͤngen, und die Pflanzen zu naͤhren im im Stande sind. Die aufgeloͤßten thierischen Koͤr- per, mit ihren Saͤsten und Auswuͤrfen, sind hier- innen vor den Gewaͤchsen vorzuͤglicher, da die letz- tern schwaͤcher gefunden werden, und als Duͤnger im Acker nicht so kraͤftig bleiben und aushalten; sie muͤssen also bey der Aufloͤsung zu diesem Ende ver- mischt seyn, so wird man sich von der Wirkung ei- nes solchen Duͤngers, mit Beyhuͤlfe der Witte- rung, einen guten Ertrag des Ackers versprechen koͤnnen. Ohne in dergleichen nuͤtzlichen Betrach- tungen weiter zu gehen, wollen wir nur anfuͤhren, daß sich die Fruchtlaͤnder von aller Art oͤfters ohne einen wirklich eingebrachten Duͤnger behelfen muͤs- sen, und andere dergleichen seltener, aber doch nur wenig, erhalten. Zum Beyspiel dienen hier an sich natuͤrlich fruchtbare Felder, mit denen ganz frisch und neu aufgerissenen und stark ausduͤnsten- den Fruchtstuͤcken, so wie auch ausgetrocknete zur Saat bestellte Teiche, und schlechte weit abgelegene Hinterlaͤnder, die aus Mangel des Duͤngers nicht beduͤnget werden. Unter diesen muͤssen sich einige mit einem sechs- oder achtjaͤhrigen verstockten Ra- sen, statt des Duͤngers, allein behelfen, zu dessen Wiedererzeugung in folgenden Jahren viele Zeit gehoͤret. Kann aber der Ackerwirth seine Felder besser duͤngen, so wird er dieses, nach der Nochdurft zu thun, niemals versaͤumen. Man stelle sich indessen die besten, mittlern, gemeinen, auch schlechtern und die allerschlechtesten Fel- Felder, als zum Exempel einen außer Duͤngung gekommenen, oder auch rohen niemahls geduͤng- ten, magern, trocknen, hochgelegenen Sand- boden vor; was fuͤr Duͤngung, und in welcher Menge sie dahin gehoͤret, wird man selbst begrei- fen, und doch damit weder allezeit alles ausrichten, noch weniger aber Wunder thun koͤnnen, indem beyde der Grund und die Art des Duͤngers, und dabey die Bestellungsart selbst verschiedene Fehler zeiget, oft aber auch gewisse Vortheile enthaͤlt. Nun moͤgen Duͤngerarten vorgeschlagen werden, welche es nur immer seyn wollen, und unter einen großen Geschrey zuweilen angepriesen werden, so lassen sie sich dennoch unter eine der schon laͤngst er- probten sehr leicht bringen. Der Gewohnheit nach kann man den Unwissenden dabey immer so lange nachgeben, bis sie durch die Zeit und Erfah- rungen endlich daruͤber belehrt werden, wenn sie die Einsichten von andern Landwirthen vorher nicht beruhigen koͤnnen. Von den zahmen, großen, weißen Lupiner- Kraute ist es unter andern bekannt und außer Zweifel, daß es wie mehrere von unsern Huͤlsen- fruͤchten die magern Sandlaͤnder duͤnge, und alles Getreide darinnen vorzuͤglich besser wachse, als in einem bessern Grunde. Aber wie viele andere Ar- ten der Feldfruͤchte bey uns sind nicht noch uͤbrig, die eben dergleichen thun, aber deshalb weder be- merkt, noch besonders versucht worden. Die Lu- pinen pinen , deren Geschichte man kennen muß, wenn man beurtheilen will, ob sie auch bey uns zu die- sem Endzwecke in allen Faͤllen gebraucht werden koͤnnen, oder noch gar besondere Vorzuͤge haben, gehoͤren zu den fremden Huͤlsenfruͤchten, die in etlichen suͤdlichen Theilen von Frankreich, in Spa- nien und dem Obertheile von Italien, theils von selbst unter dem Getreyde wachsen, oder auch zu oͤkonomischen Absichten, oder wegen Geruch und Farbe der Blumen, in Gaͤrten erzogen werden. Von dem ganzen bluͤhenden frischen Kraute der wei- ßen, großen zahmen Lupinen ist nur hier die Rede. Ihre Blumen sind weiß, wie die runden platten Koͤrner, welche bitter, mehlig, innerlich mehr gelb sind, und Wolfs- oder Feigbohnen genennet wer- den. Ihr Gebrauch in der Speise und Arzeney gehoͤret nicht hieher. Der Ritter von Linné giebt ihrer Pflanze den Namen Lupinus albus, Caspar Bauhin aber Lupinus sativus flore albo. Im April wird dieselbe gesaͤet, oder gesenket, sie bluͤhet in drey Zeitpunkten, in langen Blu- menspitzen zum Eingange des Heumonats, bringet aber ihre Huͤlsenfruͤchte nur im August zur Voll- kommenheit; die zweyten hingegen bey uns, die aus langen, hohen und starken Nebenzweigen kom- men, werden selten reif, und die von der dritten Blume und an den kleinen Aesten toͤdten Reif und Frost. Die ersten geben den Saamen zur Saat, und in dem andern, oder zwischen diesem und dem Botan. Abhdl. II B. Q drit- dritten Zeitpunkte wird die Pflanze, wenn sie in vol- ler Bluͤthe stehet, und noch im besten Saft und Wachsthum ist, auf den trocknen Sandfeldern untergepfluͤget. Man darf nicht warten, bis sie zu holzig, oder gar fast trocken wird, da sie einen schlechten oder gar keinen Duͤnger giebt. Erbsen, Buchweitzen, Hafer, Wicken und allerhand unreines Futtergemenge, Turneps, Ruͤben, Beete und andere saftige Pflanzen thun im Acker, wie laͤngst bekannt, ein gleiches. Doch muß man als Kenner dabey bedenken, was eine bloße Pflanzenerde und ihre Saͤfte im Acker zu thun im Stande sind, und daß sie nur eine leichte Duͤn- gung von kurzer Dauer geben; denn daß Mist von Thieren und Thiererde den Acker fetter machen, ist laͤngst außer Zweifel. Wenn aber der Duͤnger aus beyden zusammen genommen bestehet, so hat man den rechten davon verlangten Nutzen. Die uͤbri- gen Umstaͤnde von Seiten der Ackerverschiedenheit, die Aufloͤsung des Duͤngers zu Nahrungstheilchen fuͤr die Feldfruͤchte, und die dazu erforderliche guͤn- stige Witterung verstehen sich von selbst. Will man sich aber zu oͤkonomischen Absichten der Lupinensaat bedienen, so wird man aus eben den Gruͤnden vorher wohl untersuchen, woher der jaͤhrli- che Vorrath derselben zu nehmen sey, auch, ob man nicht dabey zugleich mit vorgedachten schon von Al- ters ters her gebraͤuchlichen Saamen, Versuche anzustel- len habe. Denn man hat den Gebrauch der Lu- pinen zur Duͤngung laͤngst gewußt, und außer Ita- lien nachzuahmen versucht, aber in Deutschland Ursachen gefunden, ihn nicht beyzubehalten, und doch auf magern Feldern Fruͤchte zu ziehen. Diese und dazu gehoͤrige Umstaͤnde sind als Ursachen zu untersuchen, und in Erwaͤgung zu ziehen. Q 2 Kurze Kurze Geschichte des Schwaden- oder Deutschen Mannagrases. U nter dem Namen des Schwadens verstehen so- wohl unsere Landleute als andere, welche in den Staͤdten damit handeln, kleine, laͤngliche, weiß- gelbliche zuweilen sehr weiße oder gruͤngelbliche, mehlig schleimige, suͤßliche Koͤrner, die von einer besondern Grasart gesammelt, ausgehuͤlset und getrocknet worden sind. Sie sind gewohnt, derglei- chen nach dem Gewichte in leinenen Beuteln oder ohne dieselben zu verkaufen. Die nuͤtzliche Gras- art, die der Schwaden traͤgt, ist den Schriftstel- lern aͤlterer Zeiten, unter den uͤbrigen, bekannt ge- wesen, den wenigsten aber, wegen ihres Saamens, welcher der Schwaden ist. Ein Theil der Land- leute, leute, welche die niedrigen und weitlaͤuftigen, mo- rastigen Gegenden bewohnen, und sich mit der Viehzucht und dem Heuschlag beschaͤftigen, haben dieses Gras strichweise in den Bruͤchen um die Vorwasser, Suͤmpfe, Feldgraben, und um die nassen Waͤlder und Huͤtungen wahrgenommen, auch an solchen Orten, in welchen das Winterwasser zuweilen lange gestanden. Daselbst kommen die langen stumpfspitzigen Blaͤtter gleich im Fruͤhlinge ziemlich tief aus dem Wasser hervor, und legen sich ganz platt oben auf das Wasser. Ohne vom Schwa- dentragenden Grase etwas zu wissen, hat man die- sen Blaͤttern den Namen Flott - oder Flutgras ge- geben. Unter dem Flottgrase machen eben diese Leute wieder einen Unterschied, und zeigen uns ein weißes Flottgras, welches gramen fluviale album der Alten, Alopecurus geniculatus oder infractus des Herrn von Linne, das kleine deutsche Wasser- Fuchsschwanzgras ist. Von einer andern Seite wird das Schwadengras von denen um die großen Stroͤme, Landseen und Moraͤste wohnenden Fi- schern und Jaͤgern gekannt, welche es Entengras, Gramen anatum , deshalb zu nennen gewohnt sind, weil sie wissen, daß unter den wilden Wasservoͤ- geln besonders die jungen Enten von dem im July davon haͤufig (besonders bey starken Regen), abfal- lenden Saamen ungemein zunehmen, auch deswe- gen sich sehr gerne im Schwadengrase aufhalten. Q 3 Allem Allem Vermuthen nach haben sie Zufaͤlle oder sernere Betrachtungen von einem bessern Gebrau- che des Saamens unterrichtet, da sie gefunden, daß sich dieser Saamen mit dem Anfange des Som- mers fast alle Jahre in großer Menge sammeln las- sen, daß man denselben mit wenigen Handgriffen, nach Art des Foͤnnigs, Hirsen oder Reises zur Speise, und zu einem tauglichen Kaufmannsgute beym inlaͤndischen Handel, zubereiten koͤnnte: uͤber alles aber zeigte die Erfahrung, daß der Schwaden in der Speise eine weit feinere und leichtere Nah- rung gaͤbe, als jene. Er wurde in der Folge den Einwohnern in den Staͤdten bekannter und im Handel gemeiner, indem er jaͤhrlich in einiger Men- ge nach fremden Laͤndern verschickt wurde, wie es noch immer geschiehet. Das Gras, von welchem hier die Rede ist, hat in den neuern botanischen Lehrbuͤchern den Na- men Festuca fluitans , und koͤnnte mit Recht Festuca amphibia heißen, weil es in und außer dem Wasser seinen natuͤrlichen Stand hat. Caspar Bauhin nennet es Gramen aquaticum fluitans, spica multiplici , außerdem findet man es hin und wieder unter dem Namen Gramen mannae, Oryza silesiaca , der Man- naschwingel, Hatschengras, Himmelsthau, Schle- sischer Reis, der graue Schwaden, Bruchschwa- den, milde Schwaden. Das Gras ist ein sehr dauerhaftes und bestaͤndiges Gewaͤchse, welches in in allen guten, lockern, feuchten Wiesengrunde, Morast und fetter Erde, ungemein wuchert. In einem solchen Grunde stehet es einen ziemlichen Theil des Jahres unter Wasser, wie der Reiß, kann aber auch außerdem selten dauern, wenn nur der fette Moorgrund recht locker und feuchte bleibet. Die Wurzel ist eine weißliche, kriechende, gegliederte, braune oder weiße, welche uͤberall an ihren Gelenken ganze Buͤschel von weißen, brau- nen oder schwaͤrzlichen, faͤßrigen Haarwurzeln her- vorbringet. Sie treibet im Fruͤhlinge, nehmlich im April auch wohl erst im May, da sie noch tief unter Wasser stehet, ganze Buͤschel mit sehr lan- gen dunkelgruͤnen glatten Blaͤttern, die sich in ei- ne stumpfrunde Spitze endigen, und die bey ihrer Laͤnge uͤber dem Wasser so schwach sind, daß sie sich auf dasselbe platt hinlegen. Wenn bey zuneh- mender Sonnenwaͤrme die Wasser nach und nach verduͤnsten, so kommen die 1½fuͤßigen auch zwey- fuͤßigen, mit zwey, drey oder vier Knoten verse- hene Halme zum Vorschein, welche mit vier oder fuͤnf aͤhnlichen, aber weit kuͤrzern, etwa vier oder sechszoͤlligen, Blaͤttern besetzt sind. Die Blaͤtter- scheiden, die den Helm von einem Knoten bis zu dem andern umfassen, sind nicht voͤllig glatt, son- dern etwas gestrichelt. Nachdem auch das Schwa- dengras im Wasser, Sumpferde, oder in etwas an- Q 4 dern dern Boden außer dem Wasser stehet, sind ge- dachte Blaͤtter bald laͤnger, schmaͤler, oder steifer und kuͤrzer, bald glatter, glaͤnzender und feiner ge- streift; wie sich denn ferner der Halm des Bruchschwadens auf den Wiesen, von dem, wel- cher im Wasser stehet, durch sein Ansehen etwas unterscheidet, sehr grade aufschießet, und nicht so kurze oder so einzelne Zweige hat. So unbestaͤn- dig dergleichen Abaͤnderungen sind, so betraͤchtlich werden sie doch wegen der groͤßern oder geringern Menge des Saamens. Dieser Halm bringet im May bis zur ersten Haͤlfte des Juny, mit der Bluͤ- the, eine von vier Zoll, bis einen halben auch gan- zen Fuß lange Rispe oder Raspe, die bald viele, duͤnne, ungleiche und weitlaͤuftig gesetzte, bald mehr geschlossene Zweige hat. Bluͤthe und Saa- men bilden lange, duͤnne und runde, spitzige Aeh- ren, die, wenn sie eintrocknen, und gegen die oder nach Reife des letztern, etwas von ihrer Spreu ab- fliegen lassen, eine von der ersten ganz verschiedene Gestalt annehmen. Die Bluͤthe ist, wie bey andern Grasarten, weißlich oder roͤthlich, der Saamen aber, welcher laͤnglich, duͤnne, und an beyden Seiten etwas zu- gespitzt ist, zeiget nach der Laͤnge, eine zarte Furche, und wird in seiner Huͤlse anfaͤnglich braun. Die Reife des Saamens ist im July, da er bey trocknen warmen Wetter stark ausfaͤllt. Das Das Schwadengras findet man zwar in vie- len Laͤndern von Deutschland, Boͤhmen, Pohlen, Ungarn, Preußen, Liefland, Curland, Schle- sien, der Niederlausitz und der Churmark Bran- denburg, um die Warte, Oder, Spree und Havel, auch um die Vorwasser, Landseen, großen Stroͤ- me, Teiche und Daͤmme, in und an den Graben, auf sumpfigen und fetten Wiesen, und wo auf ei- nem lockern, gutem Grunde die Wasser lange ste- hen, daß man es unter die gemeinen Graͤser rech- nen kann; allein es waͤchset demohngeachtet nicht uͤberall in einer so großen Menge daß es sich auf Schwaden ordentlich nutzen ließe. Wo es aber besser gekannt und wirklich genutzet wird, geschie- het das Einsammeln des Schwadens im July, vor der Heuerndte, durch das Gesinde, des Mor- gens sehr fruͤh, bey einem starken Thau, nach den Abfuttern und Melken des Viehes, da der Schwa- den noch naß in die Siebe geschlagen wird, wel- che lange Stiele haben. Man nennet dergleichen Sammlung das Schwadenschlagen und nimmt sie deswegen so fruͤh vor, weil dieser Saame hernach beym Anruͤhren der Halme in den heißern Stunden allzuhaͤufig ausfaͤllt, daß davon wenig gewonnen werden kann. Der auf erwaͤhnte Art geschlagene und zwi- schen Leinentuͤchern etwas abgetrocknete Schwa- den wird hierauf weiter verluftet, getrocknet, Q 5 nach nach Art des Hirsens von seiner Spreu gereiniget und gestampfet. Die Zubereitung und Reinigung des Schwadens geschiehet, wegen des darauf ste- henden Schlammes, mit heißen Wasser, ohne der- gleichen Reinigung bleibet sowohl der Geruch als Geschmack des Schwadens eckel, man mag ihn hernach mit Wasser, Milch oder Fleischbruͤhe ko- chen, oder sonst zubereiten. Man verwahret den wohlgereinigten Schwaden, und wendet ihn theils in der Hauswirthschaft an, theils wird er nach den Maͤrkten zum Verkauf gebracht, wo man ihn aus der ersten Hand Metzenweise, hernach aber in der Handlung nach dem Gewichte haben kann. Der Schwaden ist einer der gesundesten Saamen, der ein feines, leicht zu verdauendes, nahrhaftes, suͤßlich schleimiges Wesen hat, mit ei- ner sehr wenigen, mehligen Erde, welche bey wei- tem so grob, bluͤhend oder auch zusammenziehend und stopfend nicht gefunden wird, als im Hirsen, Foͤnnich und den meisten Huͤlsenfruͤchten. Der Reiß folget ihm in der Guͤte, ist aber nicht feiner in der Nahrung. Es duͤrfte demnach wohl gethan seyn, den Schwaden, als ein herrliches Landpro- dukt durch die Saat an schicklichen Orten, in gu- tem Moorlande haͤufiger anzubauen. Vielleicht haͤtte bey ihm die Art des Anbaues statt, die die Chineser bey ihrem Reiß, und die Erfurter bey ih- rer vortreflichen Brunnenkresse in denen sogenan- ten ten Klingen, mit so vielem Vortheil anwenden. Die Koͤrner wuͤrden groͤßer und weißer, und das Stroh laͤnger werden. Zuweilen findet sich ein Baͤrtiger oder Bart- schwaden wie bey dem Weizen, auch wohl ein fehlerhafter mit schwarzen, langen, sehr aufge- triebenen, gekruͤmmten Koͤrnern, wie das sogenann- te Mutterkorn. Von Von den Schaaflecken . U nter den Schaaflecken wird ein Gemische von Salz mit verschiedenen Kraͤuterpulvern, oder auch zuweilen kleingescharbten, frischen oder gruͤnen Kraͤutern verstanden, welches den Schaafen in hoͤl- zernen Rinnen zu gewisser Jahres- und Tagezeit zu lecken vorgelegt wird. Das Verhaͤltniß der Kraͤu- ter gegen das Salz ist sehr verschieden, wie auch die Abwechselung der erstern in verschiedenen Ge- genden, so wie auch Weide und Absichten zur Vor- bauung gegen gewisse Krankheiten, oder auch wenn die Schaͤfereyen dergleichen in manchen Jahren uͤberstanden haben, verschieden ist. Was das Salz betrift, so sind viele Arten des wilden und des zahmen Viehes, ungemein begierig darnach, es mag nun ein gemeines, reines Kuͤchen- salz, oder auch ein etwas alkalisches, urinoͤses und sogar mehr bitteres, vermischtes Salz seyn, und sich sich im Leime, Aschen, Sand oder andern Erdar- ten finden, wenn nur dessen Menge dem Geschma- cke reizend genug ist. Daher sich denn die Schaͤfer und andere bey der Viehwirthschaft sehr gut damit zu helfen wissen, sonst aber bald Stemsalz, bald ein reines, graues oder groͤberes, schwarzes Kuͤ- chensalz, und wie sie dergleichen in der erforderli- chen Menge und um gute Preise ihres Orts haben koͤnnen, anzuwenden gewohnt sind. Es wird auch Boy- oder Meersalz dazu genommen, und die He- ringslacke mit verbraucht. Je schaͤrfer aber eine Salzart befunden wird, je weniger wird in der Lecke den Schaafen davon gegeben, welches auch mit der Salzlecke uͤberhaupt, sowohl im Winter, als auf einer sehr salzigen Weide selbst eben so gehalten wird. Wie denn auch den S ch afen zur Sommers- zeit etwa alle vierzehn Tage, und zur Winterszeit hingegen nur selten, oder alle vier Wochen derglei- chen zurechte gemacht wird. Es versteht sich von selbst, daß das Salz mit allerhand bittern, seifenartigen, gewuͤrz- und cam- phorhaften und gemaͤßigt herben, zusammenziehen- den oder trocknenden Kraͤutern, bey den Schaafen eine ganz vortrefliche und wirksame Arzeney seyn muͤsse. Denn es wird dadurch das auf der Weide und mit andern Futter eingeschluckte kleine Ungezie- fer getoͤdtet, der Magen nebst den Gedaͤrmen zur Verdauung gestaͤrket und von dem schleimigen Un- rathe rathe gereinigt, dessen staͤrkern Abgang nebst dem Harne das Salz besonders befoͤrdert, den Schleim bestaͤndig verduͤnnet, und in Vermischung mit vor- gedachten balsamischen und bittern Kraͤutern das Vieh gesund erhaͤlt. Zur Vermehrung der Wolle, und Menge einer reinen Milch dienet das Salz mit dergleichen Kraͤutern noch außer- dem ganz ungemein. Die Gewaͤchse muͤssen dazu zu rechter Jah- reszeit eingesammelt seyn, wenn sie die meisten Kraͤfte haben, im Schatten wohl getrocknet, nicht aber, wie manche vorgeben, im Backofen ausge- dorrt werden, wie es wohl mit etlichen Beerarten geschiehet, weil sich sonst mit dem Verluste der fluͤchtigen Arzeneytheile auch zugleich ihre Kraͤfte zu stark vermindern. Bey solchen wohl eingesam- melten, zubereiteten und verwahrten Kraͤutern oder Wurzeln, Beeren, Saamen und Schaalen findet man beym Gebrauche, in Absicht auf die Wirkung in die Koͤrper des Schaafviehes folgende Haupt- unterschiede. Die bekanntesten und gebraͤuchlich- sten sind unter andern nachfolgende: Gewuͤrzhafte Schaafkraͤuter zur Schaaflecke . Liebstoͤckelkraut. Braune Doste. Krausemuͤnze. Lavendel. Wacholderbeeren, nebst andern. Sie Sie staͤrken den Magen und Appetit zum Fressen befoͤrdern die Verdauung und den Harn, und verduͤnnen den Schleim. Raute und Knob- lauch sind gewuͤrzhaft und scharf, reizen also etwas schaͤrfer wie die ersten. Alandwurzel, Roßmarin, Thymian, Lorbeerbeeren, Qvendel, Isopp, Sal- bey und Osterlucey, sind noch staͤrker, fluͤchtiger und hitziger, weil sie einige dem Campfer aͤhnliche hoͤchst feine Theilchen bey sich haben. Diese trock- nen staͤrker aus, und widerstehen der Faͤulniß und dem Gewuͤrme deshalb weit mehr. Rein Farn- Wermuth- und Scordienkraut sind außer dem ge- wuͤrzhaften, fluͤchtigen Wesen sehr bitter und ma- chen deshalb die Thiere munter, sie staͤrken den Ap- petit, und fuͤhren den schleimigen Unrath aus den Daͤrmen und alle uͤberfluͤßige Feuchtigkeit sehr stark aus, machen aber mager, wenn sie zu haͤu- fig gegeben werden, wie man bey Pferden auf einer Weide gewahr wird, welche viele bittere Kraͤuter hat. Bittere Kraͤuter zur Schaaflecke. Der rothe Entian, Cichorienkraut und Wur- zel, nebst der Klappe oder Wasserdreyblatte, und dem Tausendguͤldenkraute, sind sehr bitter, aber ohne alles gewuͤrzhafte und fluͤchtige Wesen. Sie vertreiben die waͤßrige Geschwulst bey den klunker- baͤuchigen Schaafen, befoͤrdern den Harn, toͤdten die die Wuͤrmer, oͤfnen die verstopfte Leber, ma- chen starken Appetit, purgieren, und reinigen das Blut. Gelinde stopfende und anziehende bitterlich- herbe und etwas balsamische Kraͤuter sind Lungenkraut, Meerhierse, Beyfuß, Ehren- preiß und das Leberkraut, die gelinde getrockne- ten Fliederbeeren halten den Leib offen, daͤmpfen die Schaͤrfe des Blutes und befoͤrdern Ausduͤn- stung und Harn. Die beruͤhmte Maywurzel, ein Geheimniß unserer Schaͤfer, gehoͤret auch unter die letztern Arten, und thut den Schaafen besonders gut auf etwas nasser und niedriger Wei- de, und bey einer dergleichen Witterung, wie auch nach dem Bocken, aber weder vorher, noch waͤh- rend demselben. Die Kreide maͤßig gebraucht, schlaͤgt die Saͤure nieder, wie man auch vom grauen Schwe- fel glaubt und von Schwefelblumen, wie sie im Gegentheile den Appetit zum Fressen mindert und den Leib sehr stark verstopft. Sonst hat man sich vor der Menge solcher Mittel zu huͤten, die ohne genauere Kenntniß der Weide und der verschiedenen Ursachen von Schaaf- krankheiten sonst so zuversichtlich angepriesen wer- den, den, wenn man seinen guten Stand nicht allzu geschwind zu Grunde richten will. Eisenvitriol und Alaune sind sehr zusammenziehend, und erfor- dern beym Gebrauche eine reife Ueberlegung; Ku- pfervitriol sollte gar nicht gebraucht werden, wegen der hoͤchst beizenden Schaͤrfe; heftige Entzuͤndung der Eingeweide, Brand und Sterben sind davon die gemeinsten Folgen. Botan. Abhdl. II. B. R Vom Von Anwendung der Witterungs-Beobachtungen bey der Ackerwirthschaft . D er groͤßte Haufe der gemeinen Ackerleute han- delt aus einer alten und blinden Gewohnheit, die sich auf Unwissenheit, Vorurtheile und Eigensinn gruͤndet; nach solchen glaubt er, das Pfluͤgen und Saͤen muͤsse allezeit, ohne Ausnahme in einerley Ordnung betrieben werden. Um die Witterung selbst, deren jaͤhrliche Veraͤnderungen und Einfluß auf den Ackerbau und den verschiedenen Saamen, ist er, wegen Nutzens oder Schadens, weit weniger bekuͤmmert, als um seine Gewohnheit, nach den laͤngst eingewurzelten Kalenderglauben, auf Zeiten, Tagen, Tagen, Stunden, Zeichen und die Zu- und Abnahme des Mondes genau Acht zu geben. So lange der- gleichen Meynungen und Gewohnheiten unter sol- chen Landleuten herrschen, hat man zu einer gruͤnd- lichen Verbesserung des Ackerbaues wenig Hofnnng , und eben so wenig zu solchen Einsichten, nach wel- chen man in Stand gesetzet wird, den Witterungs- zufaͤllen gewissermaßen vorzubeugen, oder ihre Fol- gen zu mildern. Man weiß zwar wohl, daß der Ackersmann die ausschweifenden Witterungen nicht hindern, nicht aͤndern, und die Zufaͤlle von starken Nachtfroͤsten, von uͤbermaͤßiger Naͤsse, und einer anhaltenden Duͤrre nicht gaͤnzlich abhalten kann; doch aber lassen sich diese in vielen Stuͤcken, durch einige wohl angebrachte Anstalten, oͤfters maͤßigen, und sehr verbessern, daß man also aus den ersten Ansehen gar nicht schließen kann, der Ackersmann habe sich weniger um die Witterung, als um seine Arbeiten zu bekuͤmmern, und ihre Ursachen so ge- nau kennen zu lernen. Es kann also keine Frage mehr seyn, ob sich der Ackersmann blos bey seinen Arbeiten und da- von zu erwartenden Vortheilen einem blinden Schicksal uͤberlassen, oder nicht vielmehr nach sol- chen Gruͤnden handeln muß, aus denen er wissen kann, was er in diesen oder jenen Umstaͤnden thun, auch warum er es eigentlich nur so, und nicht an- ders machen duͤrfe, oder koͤnne. Den Einfluß der Witterung in die Beschaffenheit der verschiedenen R 2 Erd- Erdarten des Ackers, mit denen daher entstehenden guten oder schlimmen Veraͤnderungen, will nie- mand in Zweifel ziehen, weil hierin die Erfahrun- gen allzu einleuchtend gefunden werden: warum sollte man den Anstand nehmen, die gute oder schlechte Beschaffenheit einer solchen Erde vorher allemahl wohl zu wissen, ehe man ihr einen guten Saamen anvertrauet. Es erfordert ja nur ein ge- ringes Nachdenken, ohne Kosten und andere Be- schwerden. Man kann mit der Betrachtung der feuchten oder trockenen Witterung im Herbste und Winter, bis zur Haͤlfte des Fruͤhlings, anfangen: dieses sind die ersten betraͤchtlichen Perioden, wel- che in Absicht auf die Folgen, vor die Feldfruͤchte, und wegen der Maßregeln zu Bearbeitung und Be- stellung der Laͤndereyen, in einzelnen Jahren unge- mein entscheidend sind. Denn wenn man den in- nern und aͤußern Zustand der tragbaren bearbeiteten oder noch zu bearbeitenden Ackererde wohl kennet, welchen eine vorhergehende Witterung darin bewir- ket hat, so wird man nach vernuͤnftigen Erfahrungs- gruͤnden gewiß voraussehen, was fuͤr Wirkungen dieses in Absicht auf den zarten auskeimenden Saa- men nach sich ziehen koͤnne, und sich alsdann von selbst um die nachfolgende Witterung der uͤbrigen Jahreszeiten etwas genauer bekuͤmmern, in welchen die Felder mit denen verschiedenen Fruchtarten nach einander bestellet werden muͤssen. Nun aber ist die Frage, woher man sicher vermuthen kann, ob die fol- folgende Witterung trocken, feuchte, vermischt, oder gemaͤßigt seyn werde? wie man ferner, nach der Beschaffenheit und Folge einer jeden insbeson- ders, seine Ordnung im Pfluͤgen und Bestellung zur Saat mit Nutzen darnach einrichten solle? Diese Umstaͤnde haͤngen unter einander vollkommen und dermaßen zusammen, daß man in deren Verbin- dung die Aufloͤsung der Frage leicht finden kann. Wenn man also seine tragbare Ackererde beur- theilt, deren fette und schwere, zaͤhe magere oder leichte Beschaffenheit, mit der natuͤrlichen, hohen, platten, tiefen, abhaͤngigen oder wechselnden Lage des Feldes wohl zu unterscheiden und zu vergleichen ist, wo man die Wirkung einer trocknen oder feuch- ten Witterung nach den verschiedenen Graden des Eindringens der Naͤsse wahrnimmt; so wird man um desto leichter begreifen, ob dieselbe von einiger Dauer, und wie lange sie es seyn werde: ob also diese Erde ihre erhaltene Eigenschaft und Kraft aus dem Herbste mit in den folgenden Winter bringen, und durch diesen weiter bis in die Mitte des Fruͤh- lings behalten werde, oder nicht; denn was ein ge- linder, trockner oder nasser, ein harter und mit vielen Schnee anhaltender Winter in die verschiedenen und ganz verschieden zubereiteten Arten des Ackers vor Wirkungen gethan, was sich ferner beym Ausgange des ersten und Eintritte des letzten zugetragen, laͤßt sich aus dem, was man aus eigner Erfahrung vor sich hat, ohne viele Schwierigkeiten schon ausfinden, R 3 ehe ehe man noch den Ueberschlag und den Anfang zur Bearbeitung der Felder macht. Demnach kann man wissen, daß ein feuchter, gemaͤßigter Herbst der innern Erde fuͤr die Wurzeln aller Gewaͤchse den noͤthigen Vorrath von Feuchtigkeit fruͤhzeitig genug verschaffe, und also dasjenige zu rechter Zeit ersetze, was durch den vorhergegangenen Sommer erschoͤpft worden ist, falls etwa der darauf folgende Winter trocken und ohne sonderlichen Schnee seyn sollte. Von einem trocknen Herbste ist gerade das Gegen- theil wahr, und wenn darauf ein trockner Winter einfaͤllt, wird die Erde ihre noͤthige Feuchtigkeit mit dessen Endigung und im Anfange, oder zuweilen erst gegen die Mitte des Fruͤhlings, erhalten: folg- lich kann alsdenn der Trieb aller Gewaͤchse aus der obern Erde niemahls so frisch und stark seyn, als außerdem, sondern nur maͤßig. Sollte der Aus- gang des Winters ohne starken Schnee, und der Fruͤhling selbst meist trocken seyn, so kann das Wachsthum der Feldfruͤchte bey zunehmender Hitze niemahls anders als schlecht und unvollkommen seyn. Aus der wahren Erkenntniß der eigentlichen Ackerwirthschaft wird sich ergeben, daß eine aufmerk- same Witterungsbeobachtung zum Ausgang des Winters und Eingange des Fruͤhlings hoͤchst wich- tig sey, weil sie die rechte Zeit, mit der Ordnung der Bearbeitung des Feldes und Bestellung einer jeden Art des Ackers zur Saat, mit Gewißheit entscheidet und feste setzet. Sie erwaͤget die Veraͤnderungen und und Zufaͤlle einer nachfolgenden Witterung, nach welcher man sich, als nach gewissen Bedingungen, durchaus zu richten hat. Denn man kann alsdenn wissen, in welcher Zeit die obere und tragbare Acker- erde den Pflug mit Vortheil erfordern und zulassen werde, und wie sie wirklich beschaffen seyn muͤsse, wenn die Bearbeitung ihren Anfang nehmen soll, damit sie auch dadurch gebuͤhrend zertheilet und durch die nachfolgende Egge recht voͤllig muͤrbe ge- macht werden koͤnne, um in der Folge dem Saa- men darinnen eine sichere Bedeckung, Lage, Nah- rung, und den jungen Pflanzen das Wachsthum zu verschaffen. Aus allen zusammen genommen folget ganz richtig, daß die vernuͤnftige Erkenntniß und behutsa- me Anwendung der Witterungsbeobachtungen einem Ackersmann, wegen seiner zu machenden Anstalten, sehr noͤthig und nuͤtzlich, und gewisser, als Kalender: zeichen, und Sorge uͤber den Mondwechsel sey. R 4 Be- Beschreibung der Stammraupe . D ie Raupe, welche im Jahr 1769 die Obstbaͤu- me hiesiger Gegend verheeret, und die ganze Hof- nung unsrer Obsterndte vereitelt hat, ist eben kein neues Ungeheuer in der Natur. Die Gaͤrtner ken- nen sie unter dem Namen der Stammraupe, wel- cher sich darauf beziehet, daß der Schmetterling, der sie erzeuget, seine Eyer nicht etwa, wie andere Schmetterlinge, deren Raupen noch in demselbigen Sommer auskommen, und hernach in der Puppe uͤberwintern auf gruͤne Blaͤtter; noch wie die Rin- gelraupe ( phalaena Neustria Linn. ) in einem Ringe um die duͤnnen Zweige herum, sondern vielmehr in großer Menge, auf einem Haufen, selbst an den Stamm und an die starken Aeste des Baumes an- legt. Ein einziges solches Angeschmeiche von Eyern enthaͤlt deren oft weit uͤber hundert, welche saͤmmt- saͤmmtlich in ein graues aus lauter kurzen Haaren bestehendes wollichtes Gewebe eingefuͤttert sind, so ihnen vermuthlich sowohl zur Winterdecke, als um sie bey einander zu halten, dienet, und weil der ganze Haufe damit uͤberkleidet ist, demselben das Ansehn eines schwammigten Auswuchses an einem Baume giebt; dahero auch einige Gaͤrtner diese Stammraupe lieber die Schwammraupe nennen. Die Eyer selbst sind in der Groͤße und Gestalt ganz kleiner Hirsenkoͤrner, fleischfarbig ins gelbliche fallend, glatt und glaͤnzend auf der Oberflaͤche; bestehen aus ei- ner harten Schaale, welche inwendig mit einer Feuch- tigkeit angefuͤllt ist, und knacken, wenn man sie zer- druͤcket. Den Winter durch liegt das Ey in der Ruhe, und man nimmt aͤußerlich keine weitere Veraͤnde- rung daran wahr, außer daß die Eyer gegen das Fruͤhjahr groͤßer zu werden scheinen, und das Ge- spinnst, mit welchem sie uͤberzogen sind, eine weiß- lichte Farbe gewinnet, so daß man es von der Rinde der Baͤume besser unterscheiden kann. Etwa in der letzten Haͤlfte des Aprils kommen die jungen Raupen heraus. Es war dieses Jahr der 23ste, als ich sie schon ungemein haͤufig an den Weiden bemerkte; und sie waren damahls ohnstrei- tig schon etliche Tage alt. Den 1sten May d. J. thaten sie schon ihre erste Reise, und kamen von den Weiden uͤber einen Gottesacker her, durch eine Distanz von mehr als 100 Schritten, in meinen R 5 mit mit vieler Muͤhe und Sorgfalt ausgeraupten Gar- ten, wo sie in kurzer Zeit alle Baͤume uͤberzogen. Die meisten waren damals in der Laͤnge eines Na- gels am kleinen Finger. Ich erinnere mich noch wie die weiße Waͤsche, die selbigen Tages auf dem Kirchhofe aufgehangen war, von diesen Raupen ganz schwarz bedeckt wurde. Wenn man einem unerfahrnen sagte, daß ein solch kriechendes Gewuͤrme, wie diese Raupen wa- ren, in seinem dermahligen Zustande vermoͤgend sey, sich ohne Fluͤgel durch die Luft von einem Orte zum andern, und durch eine solche Entfernung, zu begeben, so wuͤrde er nicht wissen, wie dieses moͤg- lich seyn koͤnne. Es hat indessen mit dieser Sache seine Richtigkeit. Die jungen Raupen haben die Art an sich, daß wenn man den Zweig, an welchem sie sitzen, durch ein gelindes Klopfen ein wenig er- schuͤttert, sie sich mit einem langen Faden herunter- terspinnen. Da nun ein jeder Wind diese Erschuͤt- terung verrichtet, und ihr Koͤrper uͤbrigens von so geringem Gewicht ist, daß er, besonders wenn sie noch den Faden aus sich heraus gesponnen haben, gar leicht von der Luft getragen werden kann, so be- dienen sie sich dieses Mittels, um von einem Zweige und von einem Baume auf den andern zu kommen. Auf solche Weise gieng damahls ein ganz unzaͤhlba- res Raupenheer, mit einem guͤnstigen Nordwinde, von den Weiden ab, wo niemand daran gedacht hatte, ihre Nester zu zerstoͤhren, nach den Gaͤrten zu zu unter Segel. Waͤre der Wind anders gekom- men, so wuͤrden wir so viele Raupen nicht gehabt haben. Zum Beweise dessen dienet ein Garten, welcher gleich neben den Weiden abendwaͤrts lieget, und in welchem auch nicht ein Baum beschaͤdigt ist, desgleichen auch ein anderer mitten im Orte, wel- cher durch Gebaͤude vor dem Winde gedeckt war. Beyder Gaͤrten Eigenthuͤmer hatten auch Raupen- nester genug gehabt, allein sie hatten sie zerstoͤret, wie wir andern alle gethan haben, nur blos weil ihnen der Wind keine neue Colonie zufuͤhrte, so sind sie gluͤck- licher, als andere davon gekommen. Ich habe gesagt, daß die Raupe anfaͤnglich schwarz ist. Aber nach ihren uͤberstandenen Haͤu- tungen, wenn sie ganz ausgewachsen ist, und sich in ihrem Lustre zeiget, ist sie bunt. Sie ist alsdenn etwa 2 Zoll lang, mit langen Haaren besetzt, deren mehrere aus einem Punkte kommen. Der Laͤnge nach ist sie auf dem Leibe herunter mit feinen weißen Linien gezeichnet. Neben diesen nehmen sich 2 Reihen Punkte aus, welche vom Kopfe bis zum Hintertheile auf dem Ruͤcken herunter gehen; die vordersten von diesen Punkten sind blau, die hin- tersten dunkelroth; der Kopf ist gelb mit schwarzen Punkten, als mit Schoͤnpflaͤsterchen besaͤer, und vorne am Kopfe hat sie eine starke, schwarze Zeichnung, fast in Form eines Hufeisens, welches ihr ein ziemlich schnurbaͤrtiges Ansehen giebt. In- nerhalb des Maules ist ein gelber Triangel, welcher sich sich sehr merklich ausnimmt. Was ihre Fuͤße be- trift, so hat sie deren am Mitteltheile des Leibes ( pedes abdominales ) 8; am Vordertheile ( pecto- rales ) 6, und hinten ( caudales ) 2. Mit diesen 16 Fuͤßen kann sie sich festhalten, und zugleich nach Gelegenheit kehren und wenden, wie sie will. So unmaͤßig sie auch frißt, so machet sie doch einen Unterschied unter ihren Speisen. Ihr vor- nehmstes Gesetz scheinet zu seyn, keine Jahrge- waͤchse zu beruͤhren, sondern nur solche die perenni- rende Wurzeln haben. Alle Arten von Kohl, alle Erbsengewaͤchse, Salat, Gurken, Getreidesorten ꝛc. sind von ihnen ganz unbeschaͤdigt gelassen. Sie fressen aber auch nicht einmahl alle Sorten von Baumblaͤttern. Der Herr von Linne sagt, daß der Eichbaum dem Fraß dieser Raupe unterworfen sey. Vermuthlich fuͤhrt sie deswegen den Namen der buntkoͤpfigen Waldraupe. Meine Erfahrun- gen aber beziehen sich nur auf das, was ich dieses Jahr in dem Bezirk meines Ortes wahrgenommen. Hier sind keine Eichbaͤume vorhanden, und in die Forsten sind diese Raupen in diesem Jahre nicht gekommen. Dagegen haben sie gefressen 1) die Linde, doch so, daß eine, welche an der Suͤdseite stehet, und einen sehr frischen Wuchs hat, ver- schont geblieben. 2) Die Weiden ( salix alba fra- gilis, und viminalis ), doch sind die Pappelweiden ( populus nigra ), an welcher ich dagegen dieses Jahr desto mehrere Schmetterlinge von der pha- laena laena salicis herumfliegend, wahrgenommen, frey ausgegangen. 3) Die Ruͤstern ( ulmus ) sind eben, wie die Weiden, ganz kahl gefressen. 4) Die Pflaumenbaͤume aller Orten haben aufs aͤußerste gelitten, namentlich Kreken, Kurzlinge, Weinpflau- men, und was den groͤßten Verlust in der Haus- haltung macht, die Herbstpflaumen oder Schwetsch- ken. 5) Kirschbaͤume und Aprikosen, doch ha- ben die Kirschbaͤume noch ihre mehresten Blaͤtter behalten, vielleicht weil ihr Laub zu glatt und hart ist. 6) Die Birn- und Aepfelbaͤume; letztere sind ebenfalls ganz ganz kahl gefressen, wie auch die mehresten der erstern. Doch fand ich, da ich im Anfang des July, nach einer Abwesenheit von einigen Wochen, nach Hause kam, und mein gan- zer Obstgarten mir einen Winteranblick mitten im Sommer darstellte, daß unter allen doch ein einzi- ziger Sommerbirnbaum sein Laub in gutem Wohl- stande erhalten, und der gefraͤßigen Wuth dieser raͤuberischen Insekten Trotz geboten hatte. Von Heckengewaͤchsen sind gefressen, 1) die Haselstau- de, 2) die Johannisbeere, 3) die Stachelbeere, welche drey doch nur aus Hunger, nachdem die an- dern Baͤume gaͤnzlich entbloͤßt waren, angegriffen zu seyn schienen. Dagegen war ihnen 4) die Maulbeere ( Ribes alpinum ), und 5) die Rose, (sowohl Rosa canina als centifolia ) viel angeneh- mer gewesen. Unter den Kraͤutern hatten sie sich 1) an die Erdbeere, 2) eine Sorte von Rhabar- ber ber, ( Rheum raponticum ), 3) an die zum Saa- men stehende Pinpernelle und Esparcette ge- macht, von deren Stengeln sie die Blaͤtter abfres- sen. Zu den Baͤumen ist noch der Lerchenbaum und die Quitschbeere zu rechnen. Die Welsche Nuß ( juglans regia und nigra ) der Holunder ( sambucus, der Weinstock, und von Heckengewaͤchsen, das Caprifolium, das Nimmer- gras ( Lonicera Xylosteum ), der Spindelbaum ( Euonymus ), die Spießbeere ( Ligustrum ), der Spanische Holunder ( Syringa ), der Suͤmach, der Biesambaum, ( coluthia ), das Laburnum, die dornichte Acacia (gledithsia trianacthos); das Meni- spermum canadense nebst einigen andern, waren eben so unversehrt geblieben, wie die Jahr- und Kuͤchengewaͤchse, wenn gleich um sie her alles ab- gefressen war, und waren zu der Zeit, da alle Baͤu- me als verdorret standen, die einzige Zierde meines Gartens. Gegen das Ende des Juny und Anfangs July hat die Raupe ihre Nahrungsmittel verzehret. Sie wird alsdenn matt, und naͤhert sich ihrer Ver- wandlung. Den 8ten July d. J. hatten sich die mehresten schon eingesponnen, bis auf einige we- nige, die noch auf acht Tage hinter dem Heere her marodirten. Sie uͤbersteht ihre Verwandlung in einer dun- kelbraunen Puppe, welche mit einem geringen Ge- spinnste an den Zweigen der Baͤume befestigt ist. Am Am haͤufigsten findet man diese Puppen in Hoͤlun- gen der Baͤume, oder zwischen zwey Aesten, wo sie Schutz haben. Etliche Puppen sind kleiner, etliche groͤßer und dicker; aus erstern erhaͤlt man die maͤnnlichen, aus den letztern aber die weiblichen Schmetterlinge. Nach 14 Tagen kommen die Schmetterlinge aus. Es war dieses Jahr den 18ten July, als sich schon die Vortruppen sehen ließen, die ein weit fuͤrchterliches Corps ankuͤndigten, als das vorigjaͤh- rige gewesen seyn konnte. Den 22sten July und die folgenden Tage, lebte und regte sich alles von Schmetterlingen. Der Herr von Linne hat diesem Ungeziefer den Namen Phalaena Dispar gegeben, ( Syst. Nat. p. 821.) vermuthlich weil das Maͤnn- chen, dem ersten Ansehen nach, zu dem Weibchen gar nicht zugehoͤret. Sie sind aber nicht nur von einerley Raupe, sondern man trifft sie auch allent- halben sich paarend an; und bey genauerer Betrach- tung ist ihre Aehnlichkeit offenbar genug. Sie ha- ben beyde nicht allein die allgemeinen Kennzeichen der Phalaͤnen, was die Fuͤhlhoͤrner und die Stel- lung der Fluͤgel betrift, sondern sie kommen auch darin uͤberein, daß sie beyde auf ihren obern Fluͤgeln mit 5 Querlinien, die wellenfoͤrmig gezogen sind, so, daß jedes Theil derselben, von einer Fluͤgelnerve zu der andern, einen andern vorstellet, und uͤberdem mit dem syrischen Buchstaben ( R. ) ܪ, oder einem halben Circumflex mit einem Punkte daruͤber, end- lich lich auch am untern Fluͤgelrande mit einer Reihe schwarzer Punkte, deren jeder auf der Flaͤche zwi- schen zwey Fluͤgelnerven befindlich ist, eins wie das andere, gezeichnet sind. Der Unterschied aber ist dieser, daß das Maͤnnchen große gefiederte Fuͤhl- hoͤrner hat, an sich selbst kleiner, und die Grundfar- be seiner Fluͤgel braun und grau gewoͤlket, so wie auch auf dem Ruͤcken und am Leibe dunkler ist. Das Weibchen dagegen ist noch einmal so groß, als das Maͤnnchen, und man kann sich vorstellen, daß ihr Leib, als ein Magazin von so vielen Eyern und milchigter Feuchtigkeit, aus welcher sie die Beklei- dung derselben zu verfertigen scheinen, ungemein stark und dick seyn muͤsse. Seine Fuͤhlhoͤrner sind schlicht und schwarz. Die Grundfarbe aber auf den Fluͤgeln und auf dem Ruͤcken, wie auch an Brust und Leibe ist weiß. Ihren Flug muͤssen sie als Phalaͤnen eigent- lich zur Nachtzeit halten. Ich habe auch gesehen, daß, als ich einmahl des Abends, nachdem es dunkel geworden, ein Feuer anlegte, es in allen Baͤumen flatterte und rege war. Sie fliegen aber auch bey Tage, und bey heitern Wetter und hellen Sonnenschein nur desto haͤufiger. Inzwischen sind es hauptsaͤchlich nur die Maͤnnchen, die man flie- gen siehet. Selten daß sich ein Weibchen durch die Luft bewegt, es muͤßte denn seyn, daß diese be- sonders die Nachtzeit zu ihren Wanderungen er- waͤhlen. Doch Doch glaube ich, daß sie wegen ihres schwe- ren Koͤrpers nie, oder sehr selten, ohne gewaltsame Ursache reisen. Es ist auch zu ihrer Begattung nicht noͤthig, da die Maͤnnchen mit einem sehr mun- tern Fluge allenthalben umherstreichen, und die Weibchen aufsuchen. Von den mehresten weibli- chen Raupen ist es gewiß, daß sie nahe an der Stelle, wo sie ausgekommen sind, sitzen bleiben, gleich an dem Tage, da sie das Licht erblicket ha- ben, ganz der Vergaͤnglichkeit ihres Lebens ange- messen, schon wieder Hochzeit halten, und ihre Brut demselben Orte anvertrauen, den sie vorher als Raupen zu ihrer Schlafstaͤtte erwaͤhlt hatten. Das ganze Leben des Schmetterlings wird wiederum einen Zeitraum von etwa 14 Tagen ausma- chen. Den 18ten July sahe ich die ersten; vom 22ten bis 28ten hielten sie ihren staͤrksten Flug, am 6ten August flog kein einziger mehr, nur noch einige Weibchen saßen sterbend auf ihren Brutstellen, und hatten nur noch ein Paar Faden uͤber ihre letz- tern zwey Eyer zu wuͤrken, mit welchen sie ihr Le- ben ausspannen. Da in der Natur alles seine Absichten hat, und diese Absicht im Ganzen allezeit wohlthaͤtig ist, so muß auch dieses so schaͤdlich erscheinende Insekt dennoch in der großen Oekonomie der Natur seinen Nutzen zu stiften bestimmt seyn, und so kann man auch an dem verachtesten Insekt die Wunder der Allmacht erkennen. Denn bey aufmerksamer Botan. Abhdl. II B. S Beob- Beobachtung zeigt sich, daß diese Thiere wieder an- dern, die entweder mittel- oder unmittelbar nuͤtzli- cher sind, zur Speise dienen, und daß in der Na- tur alles leben muß, wenn nicht alles zu Grunde gehen soll, so wenig auch dieser Trost dem Gaͤrtner und dem Oekonomen hinreichend seyn mag, ihn mit diesem gehaͤßigen Insekt auszusoͤhnen. Es ist die- ses aber auch nicht noͤthig, denn es gehoͤrt mit zu dem Nutzen der Insekten, daß sie die Wachsamkeit der Menschen ermuntern, und ihnen ein Sporn zu Beschaͤftigungen sind, die sie zu ihrer Vertilgung anwenden muͤssen. So viel wenigstens ist wahr- scheinlich, daß wenn keine Raupen waͤren, welche zuweilen ein Paar Jahre hinter einander die Obst- erndte verduͤrben, die mehresten Gaͤrten, wenigstens auf dem Lande, lauter Obstgaͤrten seyn wuͤrden, und der Anbau der zur menschlichen Gesundheit in den Sommertagen sehr noͤthigen Kuͤchengewaͤchse wuͤrde, weil er allezeit mehr Muͤhe und Kosten er- fordert, zu sehr versaͤumet werden. Von dieser Seite muß man die Sache angreifen, wenn man den Raupen eine Lobrede halten will. Ja ein kuͤh- ner Lobredner koͤnnte auch noch hinzu setzen, daß sie eigentlich nur solche Baͤume zu Grunde richten, die an sich selbst schon fehlerhaft und meistens abge- storben sind, dagegen aber denen, die ein frisches Wachsthum haben, nicht nur nicht so leicht scha- den, sondern ihnen vielmehr zur Erreichung eines desto hoͤhern Alters befoͤrderlich sind, und ich wuͤrde wuͤrde wenigstens aufmerksam seyn, seine Gruͤnde, die er hierzu anfuͤhrte, zu hoͤren. Ich bin indes- sen auch versichert, daß die ganze Raupenrepublik sowohl dem Menschen, als allen uͤbrigen Mitteln in der Natur, die zu ihrem Verderben geruͤstet sind, sehr viele Verbindlichkeit schuldig sey, da alles, was zu ihrer Vertilgung geschieht, eigentlich ihre Erhaltung befoͤrdert. Denn ich will den Fall setzen, daß dieses Ungeziefer, da es unsere Baͤume nicht blos der Blaͤtter und Bluͤthen auf ein Jahr beraubet, sondern auch sehr viele Augen mit aus- frißt, andere dagegen zum Treiben bringt, die ge- ruhet haben wuͤrden, und viel unreifes Holz in den Baͤumen verursachet, welches von dem Froste des kommenden Winters gar leichtlich Schaden nimmt, sich, ohne daß seiner uͤberhand nehmenden Menge Einhalt geschaͤhe, bestaͤndig vermehrte, so wuͤrden sie sich nicht allein gleich im 2ten Jahre einander ihre Nahrung gar sehr verringern, son- dern es wuͤrde auch aufs aͤußerste im 4ten oder 5ten Jahre dahin kommen, daß alle Baͤume, von wel- cher diese Raupen leben, verdorreten, und da wuͤrde denn die ganze Gesellschaft, trotz aller ihrer Freß- begierde auf einmahl verschmachten muͤssen, und eine fuͤrchterlichere Niederlage derselben entstehen, als man ihnen durch alles, was man sonst zur Vertheidigung seiner Baͤume gegen sie versucht, beybringen kann. S 2 Im- Immerhin also, daß diese Insekten in der Natur ihren Nutzen haben; immerhin, daß der Schaden, den sie durch ihr allmaͤhliges und fortge- setztes Fressen, in einem Jahre anrichten koͤnnen, bey weitem nicht so groß sey, als wenn man den Baͤumen, wenn sie in vollen gruͤnen sind, alle Blaͤtter auf einmahl abpfluͤcken wollte, als wodurch man ihre Wurzeln ohnfehlbar zum Faulen bringen wuͤrde; immerhin endlich, daß sie selbst der Baum- zucht und den Waldungen einen wirklichen Nutzen schaffen; so wuͤrde ich doch immer alles moͤgliche thun, um, wo sie mir in den Weg kommen, an ihrer Vertilgung zu arbeiten, und bin dabey versi- chert, daß ich nichts weiter ausrichten werde, als daß ich ihren Ueberfluß einigermaßen einschraͤnken helse , als wohin die Natur, auch ohne menschliches Zuthun, bestaͤndig arbeitet. Und das ist eben das beste daß die wirksam- sten Mittel gegen dieses Insekt in der Natur sel- ber sind. Diese, einzeln betrachtet, so ohnmaͤchtig scheinende Kreaturen sind Heere Gottes, die den Menschen, der, wenn sich Laͤnder bevoͤlkern, eher den Wolf im Gebirge und den Tiger in der Wuͤ- sten, als dieses Insekt aus den Gaͤrten gaͤnzlich ausrottet, bey seiner Herrschaft uͤber die Kreatur, von seiner Ohnmacht uͤberzeugen, und etwas hoͤher zu denken erwecken, als er sonst thun wuͤrde; wenn aber der Schoͤpfer sie vertilgen will, so sind auch Mit- Mittel von allen Seiten zur Zerstoͤrung bey der Hand. Daher siehet man insgemein, wenn unsre Raupen sich ein Paar Jahr recht gluͤcklich gehal- ten, und nun dergestalt vermehrt haben, daß man auf das folgende mit dem fuͤrchterlichsten Anscheine bedrohet wird, wie alsdenn alles auf einmahl weg ist, und meistens sieben Jahre zu vergehen pflegen, ehe man dergleichen wieder zu sehen bekoͤmmt. Eine Beobachtung, die ich schon anderswo gelesen, und die sich durch die Erfahrung an meinem Orte, seit den letztern Raupenjahren 1760 und 1761, da wir eben mit dieser phalaena dispar geplagt waren, ge- nau bestaͤtiget hat. Ein kalter harter Winter ist wahrscheinlicher Weise im Stande, alle vorhandene Eyer dieser Raupe in ganzen Gegenden zu zerstoͤren. Denn daß diese Eyer an sich selbst durch einen starken Grad der Kaͤlte zerstoͤrbar seyn muͤssen, schließe ich eben daraus, weil sie zum Schutz wider die Kaͤlte mit einer wollichten Bedeckung besponnen werden. Wahrscheinlich ist dieses auch die Ursach, weswe- gen unsre Raupe sich in den noͤrdlichen Laͤndern von Europa, als Schweden ꝛc. nicht aufhalten kann; wo sie auch um so viel weniger etwas nuͤtze seyn wuͤrde, weil das junge Holz, welches nach ihrem Abfraße, in der Mitte des Sommers waͤchset, da- selbst gaͤnzlich erfrieren wuͤrde. S 3 Fuͤrs Fuͤrs zweyte scheint es mir auch sehr natuͤr- lich, wenn in der Mitte des Aprils oder nachher, wenn die jungen Raupen eben ausgekommen sind, recht viele Naͤsse und kalte Witterung, Schnee und Frost einfaͤllt, daß alsdenn die ganze junge Raupenbrut zerstoͤrt werden kann. Wenn sie aͤlter geworden sind, schadet ihnen der Frost nicht, wie dieses Jahr, da es Nachts vom 8ten bis zum 9ten May noch Eis fror, ohne daß sie dadurch umge- kommen waͤren. Drittens glaube ich, daß ein anhaltender Re- geu zu der Zeit, wenn die Schmetterlinge fliegen, das ist in der letztern Haͤlfte des Julius, uns auf einmahl auf etliche Jahre von der Raupenlast be- freyen koͤnne. Der Regen schlaͤgt die Schmetter- linge ins Gras, an die Erde nieder, waͤscht ihnen den Staub von den Fluͤgeln, macht sie matt zum Fluge, und hindert sie an ihrer Begattung. Ich habe eben dieses Jahr, da wir in der Flugzeit die- ser Phalaͤne, in der Nacht vom 20ten bis 21ten, vom 21sten bis 22sten, vom 25sten bis 26sten, vom 27sten bis 28sten, und vom 28sten bis 29sten July Gewitter und Regen hatten, bemerket, daß sie, ohn- geachtet der starken Hitze zwischen dem Gewitter, doch immer etliche Stunden Zeit gebrauchten, ehe sie sich nach dem Regen erholten, und wieder zum Fluge kommen konnten. Ich habe es auch sonst an einer kleinen graulichten Phalaͤne, deren Raupe die die Eichbaͤume in Niedersachsen oͤfters abfraß, be- merket, daß wenn in ihrer Flugzeit, welche immer noch vor Johannis war, anhaltende Regen einfie- len, alsdenn das darauf folgende Jahr keine Rau- pen zu besorgen waren. Zu diesen drey Hauptfeinden, die wider das Raupenheer, daß ich mich so ausdruͤcke, aufmar- schiren, und den ganzen Schwarm zu Grunde rich- ten, lassen sich unzaͤhliche andere hinzu setzen, die gewissermaßen den kleinen Krieg wider sie ausfuͤh- ren, und die, zusammen genommen; doch etwas Großes ausmachen; dahin rechne ich sowohl die Niederlagen ganzer Partheyen, als die Aufreibung einzelner Stuͤcke durch besondere Vorfaͤlle der Wit- terung, durch andere Thiere, und durch allerley kleine Ungluͤcksfaͤlle. Eine anhaltend stille Luft, zu der Zeit wenn die Raupen wandern wollen, verursachet, daß ih- rer viele, die auf einem abgesonderten Baume sitzen, nachdem sie ihren Vorrath verzehret, nicht weiter kommen. Sie lassen sich alsdenn mit ihren Faden auf die Erde herab, und kommen auf der Erde um. Ein Wind zu der Zeit, wenn die Schmetterlinge fliegen, zerstreuet ganze Schaaren von ihnen, wirft die schwer beleibten Weibchen an die Erde nieder, und reißt die leichtern, oft kaum ausgekrochenen, Maͤnnchen mit Gewalt in die Felder und auf halbe S 4 Mei- Meilen lang auf andere Doͤrfer hin, wo sie ohne ihr Geschlecht fortpflanzen zu koͤnnen, in trauriger Einsamkeit ihre Tage beschließen. Ob Spechte und Meisen den Eyern und der Raupe nachgehen, habe ich nicht beobachtet. Allein die Sperlinge sind ein bestaͤndiger Feind dieses In- sekts. Sie fressen die Raupen, holen die Puppen von den Baͤumen, und sind endlich auch geschickt genug, den fliegenden Schmetterling zu fangen. Doch werden sie in dieser Geschicklichkeit von den Schwalben noch uͤbertroffen. Die Nachtschwalbe oder der Caprimulgus wuͤrde ihrer noch mehrere auftreiben, denn er hat einen Rachen, in welchem ein solcher Schmetterling, fast ohne anzustoßen, hineinfahren kann. Nur Schade, daß dieser Vo- gel nicht haͤufiger ist. Es ist aber das Schicksal der Raupen, daß sie oft noch viel schmaͤhlichere Todesarten erfahren muͤssen, als diese ist, daß sie von andern gefressen werden. Ich habe mehrmahlen Raupen einge- sperrt gehabt, die sich verwandeln sollten, allein ehe ihre Verwandelungszeit kam, starb die Raupe, und Wuͤrmer krochen ihr aus allen Theilen des Leibes. Diese waren die Jungen von einer Ichnevmons-Fliege, welche sich die Freyheit ge- nommen hatte, ihre Eyer mit ihren Legestachel in die lebendige Raupe hineinzulegen, daß sie an dieser wider- widernatuͤrlichen Geburt sterben mußte. Auf solche Art werden vermuthlich auch manche von dieser Stammraupe umkommen muͤssen. Ein andermahl habe ich Pnppen gehabt, und wenn ich den Schmet- terling erwartete, so kam statt dessen ein anderer Ichnevmon heraus, von der Art die der Herr von Linné den Ichnevmon compunctor nennet. Wer weiß, wie viele Schmetterlinge von unserer Pha- laͤne auch auf diese Art zuruͤckbleiben. Und was koͤnnen nicht sonst fuͤr sichtbare und unsichtbare In- sekten seyn, die ihrer taͤglich eine Menge auf- reiben. Wie viele werden endlich nicht als Raupen von Vieh und Menschen zufaͤlliger Weise zertreten, oder verfliegen sich als Schmetterlinge durch die Fenster, kommen in Gebaͤuden um, oder werden von Kindern auf der Straße gefangen. Ich habe selbst in meinem Garten viele gesehen, die sich in einer Englischen Distel ( pieris echioides ) gefangen hatten, und dergestalt fest darin klebten, daß sie nimmer wieder los konnten. Manche sterben, in- dem sie aus der Puppe kriechen. Und warum sollte dieses Ungeziefer, mehr als andere Kreaturen von Ungluͤcksfaͤllen, Krankheiten ꝛc. frey seyn? Ich habe also zum Beschluß die Maßregeln und Huͤlfs- mittel anzufuͤhren, deren sich der Gaͤrtner und Hauswirth gegen die vorgedachten Raupen bedie- S 5 nen nen kann, damit er auch seines Theils bey einer so wichtigen Sache, nicht muͤßig gefunden werde; vornehmlich, sofern dieselben in den vorhergehen- den Beobachtungen gegruͤndet sind. Es sind folgende: 1) Man sey nicht sicher, wenn man in etli- chen Jahren keinen Schaden von dieser Raupe ge- habt hat. Es ist desto gewisser, daß sie bald wie- der kommen. Vielleicht bestaͤtigt sich die Anmerkung noch weiter, daß sie ihre Periode von 7 Jahren halten. Auf solche Weise wird man dem Anfang des Uebels desto besser widerstehen koͤnnen, und auch in den Zwischenjahren, wenn sich diese Raupe in geringe- rer Menge finden sollte, wenn man sie erst recht kennet, sie nicht aus der Acht lassen. 2) Man halte seine Baͤume in gutem Stan- de. Werden auch alle frisch wachsende Baͤume nicht immer verschonet, so ist es doch gewiß, daß sie durch den Raupenfraß nicht so sehr zuruͤck ge- bracht werden, als alte, abgestorbene, kuͤmmer- liche, und vernachlaͤßigte Baͤume. Mein ange- fuͤhrter Birnbaum, der mitten in dem kahl abge- fressenen Garten, sein gruͤnes Laub erhalten hatte; die junge und noch frisch wachsende Linde, in Ver- gleich gleich mit einer alten abgelebten, und ein wilder Birnbaum, den ich immer wie eine Weide abkoͤ- pfen lasse, und der jezt 3jaͤhriges Holz hatte, koͤn- nen als ein Beweisexempel zu der an sich schon klaren Wahrheit angesehen werden. Man um- grabe und duͤnge also seine Baͤume, haue sie aus, und reinige sie sorgfaͤltig von uͤberfluͤßigem Holze. Vielleicht lassen sich auch einige Sorten von Birn- baͤumen ausfindig machen, welche etwa haͤrteres Laub haben, und dadurch einen besondern Werth erhalten, daß sie von diesen Raupen nicht leicht an- gefressen werden. 3) Wenn man seinen Baͤumen die rauhe Rinde benimmt, und das unordentliche Gewirre von Zweigen heraus hauet, um ihnen noͤthige Luft zu machen, so hat man davon mehr als einen Vor- theil wider die Raupen zu gewarten. Fuͤrs erste habe ich gesehen, da die Raupen wie Zugvoͤgel, mit dem Winde auf meinen Garten angeflogen kamen, daß sie sich hauptsaͤchlich nur auf die alten Birn- baͤume niederließen, und sich hernachmals erst von solchen auf die Pflaumen- und Aepfelbaͤume, deren Laub ihnen noch lieber zu seyn scheinet, verbreite- ten. Davon war aber die Ursach, daß die Birn- baͤume eine rauhere Borke haben, und sie mit ih- ren Faden desto leichter daran kleben konnten. Fuͤrs zweyte habe ich bemerket, daß die meisten Pup- Puppen sich an solchen Orten zusammen befinden, wo der Baum Loͤcher und Hoͤlungen hat, wo die Rinde am rauhesten ist, wo die Aeste eine enge Zwille machen, und wo die Zweige am krausesten in einander gewachsen sind. Kurz das Ungeziefer sucht Schutz wider die Witterung, Sperlinge u. d. gl. und eben an solchen sichern Orten setzen sie auch am haͤufigsten ihre Eyer, wenigstens werden sie sich daselbst allezeit am besten halten. Was ist also vernuͤnftiger, als daß man ihnen ihre Sicher- heitsoͤrter zerstoͤre. Hat man an den Baͤumen das Seinige ge- than, so muß mans bey eintretenden Raupenjahren an den Raupen auch thun. Wenn denn, 4) sich auf einmahl viele Schmetterlinge die- ser Art zeigen, so ist am besten daß man sich um die Maͤnnchen, deren man sonst, wenn man eine Jagd zum Vergnuͤgen anstellen wollte, unzaͤhliche auf vielerley Weise wegfangen und toͤdten koͤnnte, gar nicht bekuͤmmere. Denn es kann nichts nuͤtzen, da sie ohnedem bald sterben, und ihre Nachkom- menschaft zugleich vertilget wird, wenn man die Weibchen mit ihrer Brut zerstoͤret. Die Natur hat zum großen Vortheil fuͤr uns, beyde Geschlech- ter dieses Schmetterlings so sehr verschieden ge- zeichnet. Will man sich dieses Vortheils bedienen, so kann man mehr als die Haͤlfte der Arbeit schon als als gethan ansehen. Ja ich glaube fast, daß zehn mahl mehr maͤnnliche Schmetterlinge im Garten umherfliegen, als weibliche darin vorhanden sind. Die Weibchen aber kann man wegen ihrer Groͤße sowohl, als wegen der weißen Farbe auf ihren Fluͤgeln, nicht nur leicht entdecken, sondern man hat auch wenig Muͤhe sie zu erhaschen, da sie be- staͤndig auf einer Stelle, am Stamm, und an den dicken Aesten der Baͤume sitzen, und gar nicht da- von fliegen, wenn man ihnen nahe koͤmmt. Man kann mit einem Holze, oder mit einer Fliegenklappe von einer Schuhsohle, ihrer taͤglich sehr viele toͤd- ten, ehe sie ihre Eyer saͤmmtlich ausgelegt, oder solche mit der noͤthigen Winterdecke versehen haben. Man kann mit einem beliebigen Instrument auf der Rinde des Baumes, an den Orten, wo sie sitzen, herumfahren, und sie zu sammt ihrer Brut herunter scharren. Sie werden sich nicht leicht wieder erheben, wenn sie an die Erde gefallen sind, und die Eyer muͤssen doch gewiß umkommen. Die Natur thut diesem Geschmeiß durch den Regen in ihrer Brutzeit vielen Schaden. Wollte man also zum oͤftern Wasser auf die Baͤume spruͤtzen, so wuͤrde man dadurch ebenfalls etwas ausrichten. Ob Kalkwasser, mit welchem man die Baͤume von Moose zu reinigen pfleget, die Raupeneyer am Auskommen hindere, habe ich noch nicht untersu- chen koͤnnen. Ohn- Ohnstreitig ist indessen die Zeit, da der Schmet- terling auf den Eyern sitzet, die beste zur Vertil- gung des Insekts. So sorgfaͤltig er seine Brut bedecket, so ist er doch ihr Verraͤther. Wenn der Schmetterling erst weg ist, so hat man unsaͤgliche Muͤhe anzuwenden, und wird doch nicht leicht alle Stellen, wo alle Eyer angeleget sind, entde- cken. Hat man aber die beste Zeit versaͤumet, wie manches Ortes, wegen der eintretenden Erndtearbeit, leicht geschehen kann, so muß man 5) den Winter uͤber seine Baͤume fleißig durchgehen, und wo man die Eyer entdecket, solche herunter scharren, oder sie zerdruͤcken. Es muß ein großer Garten seyn, den man in 6 Monaten nicht reinigen koͤnnte. Wie aber, wenn 6) die Raupen in der Nachbarschaft ausge- kommen sind, und durch den Wind herbey gefuͤhret werden? Hier moͤchte eine in den Sammlungen des Herrn D. Schrebers vorgeschlagene Dampfku- gel Dienste thun. Hilft diese nicht, so wird man, mit den uͤbrigen bekannten Mitteln wider die Rau- pen, gegen ein so unzaͤhlbares Heer noch weniger ausrichten koͤnnen. Man wird sie also fressen lassen und warten muͤssen, bis sie sich einspinnen, da man denn 7) Ent- 7) Entweder die Baͤume schuͤttelt, daß die vor ihrer Verwandlung kranken und ohnmaͤchtigen Raupen herabfallen, oder die Puppen absuchen laͤßt. Vielleicht sind die haͤufigen Regen Ursache, daß, wie ich heute noch im Garten bemerket habe, eine Menge Puppen, auf deren Entwickelung ich bisher vergeblich gewartet habe, saͤmmtlich verdor- ben, und inwendig mit nichts, als mit einer braunen faulenden Feuchtigkeit, angefuͤllet sind. Wo man Wasser genug im Garten hat, koͤnnte man also auch besonders die auswaͤrts an Baͤumen haͤngende und am schwersten zu erlangende Puppen, in erman- gelnden Regen, durch Huͤlfe einer Handspruͤtze be- feuchten, um zu sehen, ob dieser Versuch sich vor- theilhaft zeigen wuͤrde. Uebrigens habe ich gegen die Schmetterlinge einen Rauch gemacht, und mehrerley Versuche an- gestellet, aber so wenig etwas ausfindig machen koͤnnen, was ihren Sinnen unangenehm waͤre, um sie zu vertreiben, als auch irgend eine Witterung, wodurch man sie haͤufig an einen Ort, als zur Schlachtbank, zusammen locken koͤnnte. Da mehrere Schmetterlinge von der Phalaͤ- nenart des Nachts ins Feuer fliegen, so habe ich auch dieses probiret. Aber diese fliegen nicht ins Feuer, und wenn sie auch einmahl hineinfloͤgen, wuͤr- wuͤrden sie keinen Schaden nehmen. Ich habe ei- nigen, die an einem Baume saßen, die brennende Lampe untergehalten, aber sie waren so hartnaͤckig, daß sie sitzen blieben. Da jeder nicht nur um sein selbst, sondern auch um seiner Nachbaren willen, seinen Garten auszu- raupen verbunden ist, so waͤre es gut, wenn dies- falls Befehle aus den Aemtern ergehen, auch zu- gleich mit einschaͤrfen zu lassen, daß die um das Dorf stehenden Baͤume nicht vergessen werden muͤssen. Schließlich gehoͤret noch zur Naturgeschichte, daß die Phalaena dispar schon in der Gegend von Hannover, wo man 52 Grade 20 Minuten Nor- derbreite hat, ganz unbekannt ist; dergleichen sich in Absicht mehrerer Insekten z. E. der Spanischen Fliege Meloe vesicatorius ), die gleichfalls hier zu Lande in manchen Jahren einige Baͤume und Ge- straͤuche kahl frißt, bemerken laͤßt. Dagegen wird diese Phalaͤne weiter in Obersachsen eben so be- kannt seyn, wie hier. Wie denn die Raupe, wel- che dieses Jahr in Thuͤringen und in der Gegend von Jena vieler Orten die Obsterndte vernichtet hat, vermuthlich eben dieselbe seyn wird. Hier ist es in einem Distrikt von wenigstens ein Paar Meilen, nur dieser einzige Ort, welcher mit dieser Plage Plage heimgesuchet worden, und ob der Schaden gleich hoch berechnet werden kann, so wird er sich doch aus der Nachbarschaft einigermaßen ersetzen lassen. Ich wuͤnschte nur daß die Raupen durch verursachten Mangel des frischen Obstes uns keine allzu gefaͤhrliche Ruhrkrankheit mitgebracht haben moͤgen. Botan. Abhdl. II. B. T Kurze Kurze Anweisung zu den geschwindesten Rettungsmitteln , durch welche man den aus dem Wasser gezogenen Verungluͤckten am sichersten zu Huͤlfe kommen kann. O bschon bey den verschiedenen Handthierungs- arten, Gewerbe und Umstaͤnden, die oͤftern Un- gluͤcksfaͤlle den Staat eines gewissen Antheils von Menschen zwar ploͤtzlich, aber doch schleichend, be- rauben, die demselben noch immer nothwendig, und nuͤtzlich seyn, oder zu kuͤnftigen Diensten Hof- nung geben koͤnnen; so wird doch die Wichtigkeit dieses heimlichen Abganges nicht uͤberall beherzigt, wie wie es seyn sollte, und zuweilen werden die Pflich- ten der Menschheit selbst so gar aus den Augen gesetzet. Man vergißt nehmlich entweder den ins Wasser gefallenen elenden Personen die schleunig noͤthige Huͤlfe zu leisten, oder gehet doch dabey nur allzu saumselig und unwissend zu Werke. Wie denn manche Laͤnder, ansehnliche Gegenden und Staͤdte, die eine so gluͤckliche Lage haben, daß sie an den Seekuͤsten, großen Stroͤmen, Landseen, und durch bequeme Kanaͤle einen betraͤchtlichen Handel treiben koͤnnen, oder andere die sich haupt- saͤchlich, von den Fischereyen ernaͤhren muͤssen, dennoch an solchen guten und wirksamen Anstalten zur Rettung der Ertrunkenen den groͤßten Mangel leiden. Zwar kann man, sowohl von den Obrig- keiten, als dem uͤbrigen gruͤndlich und billig denken- den Theile der dasigen Einwohner nicht sagen, daß sie dabey ganz gleichguͤltig, oder gar unbillig waͤ- ren; doch gehet bey dergleichen ungluͤcklichen Um- staͤnden, bey welchen zur Rettung des menschlichen Lebens eben so eilige Huͤlfe und Anstalten erfor- dert werden, alles, ohngeachtet des hohen Werthes desselben, noch viel zu langsam zu, da doch dieser Werth, alle Sorg- und Lieblosigkeit schlechterdings verbannen sollte. Die Menschenfreunde machen es sich dahero zur besondern Pflicht, nach ihren Kraͤften und Ge- legenheit, die große Unwissenheit, Nachlaͤßig- T 2 keit, keit, Fuͤhllosigkeit, Eigensinn und andere Nieder- traͤchtigkeiten des Poͤbels und anderer, die ihnen an Denkungsart und uͤbrigen Unarten gleich sind, gleichsam zu uͤbertragen, zu lenken, und auch dar- aus zur Erfuͤllung eines guten gemeinschaftlichen Entzweckes, die besten Vortheile zu ziehen; da man, statt nach bloßen Einfaͤllen zu handeln, auch sogar die ungluͤcklichsten Umstaͤnde eines Elenden noch im- mer zu nutzen suchen muß; ohne Nutzen aber der ge- meine Mann in keine Bewegung zu setzen ist. Ein wuͤr- diges Beyspiel dieser Art hat die 1767 zu Amsterdam errichtete vortrefliche Gesellschaft zur Rettung der Ertrunkenen gegeben, die auch bereits das Gluͤck gehabt, an etlichen andern Orten ihre eifrige Nach- folger zu finden. Diese Gesellschaft hat seit der Zeit nehmlich Praͤmien an diejenigen gegeben, die von etlichen ehrlichen Leuten sichere Zeugnisse beybringen koͤn- nen, daß sie Ertrunkene wieder aufgelebet haben. Zur Hebung anderer Schwierigkeiten aber, die ein so gemeinnuͤtziges Stuͤck von Seiten einer poͤbel- maͤßigen Eigennuͤtzigkeit oͤfters vereiteln, hat sie außerdem alle Kosten bezahlen lassen, die bey der Pflege und Rettung selbst angewendet werden muͤs- sen, der Ertrunkene hat moͤgen zum Leben wieder gebracht worden seyn, oder nicht. Wie denn die Austheilung der Praͤmien und Bezahlung der Ko- sten sten an gewissen dazu bestimmten Orten, ohne alle Weitlaͤuftigkeit ausgezahlt worden ist. Die zuverlaͤßigsten und vorzuͤglichsten Ret- tungsmittel zur Wiederherstellung eines Ertrunkenen, welche zum Theil zur Erhaltung der Praͤmie als Bedin- gungen vorausgesetzt worden, sind wenige einfache, dem gemeinen Mann wohl begreifliche, und in der Noth aller Orten bey jeden anzubringende Huͤlfsmit- tel; sie finden alsdenn zuverlaͤßig statt, wenn man weiß, daß ein verungluͤckter Mensch etwa nur eine Vier- telstunde oder eine ganze Stunde unter Wasser ge- wesen. Damit aber nichts unterlassen werde, oder unversucht bleiben moͤge, muͤssen sie auch an solchen, die laͤnger im Wasser gelegen haben, versucht werden; außer an solchen, an denen sich sichere Zeichen einer Verwesung aͤußern. Das erste Rettungsmittel wird ohne Zeitver- lust, so bald eine verungluͤckte Person jedes Orts, in Staͤdten, Doͤrfern, auf Feldern, Wiesen oder Landstraßen an das Ufer gebracht, oder auch in ein Fahrzeug geleget, gleich angewendet. Es bestehet nehmlich darinnen, daß man eine duͤnne, un- schaͤdliche, stumpfe Roͤhre, Tabackspfeife, oder auch was man von dergleichen etwa aͤhnliches zuerst bey der Hand hat, gelinde in den Mastdarm anzu- bringen suchet, wozu auch sonst ein Blasebalg, mit einer duͤnnen Roͤhre sehr geschickt ist. Durch alle T 3 der- dergleichen Instrumente muß nun die Luft so stark, so geschwind und so anhaltend, als moͤglich, eingebla- sen werden, um die Gedaͤrme zu reizen. Ein noch staͤrkerer Reiz entstehet durch das Einbringen einer angezuͤndeten Tobackspfeife oder Tobacks-Clystierpfeife, weil, der Erfahrung zu- folge, der warme, fluͤchtige, scharfe und oͤhlige Tabacksrauch viel heftiger und wirksamer ist, und in den Gedaͤrmen zugleich eine staͤrkere Abfuͤhrung des eingeschluckten Unraths erreget, als eine bloße Luft. Mit diesem reizenden Mittel wird zugleich, und ohne Anstand, ein anderes verbunden, welches sehr gute Wirkung thut, da nehmlich dem Ertrun- kenen von jemand die Nase zugehalten wird, und dessen Lungen durch den Mund eines andern un- mittelbar stark aufgeblasen werden. Das Aderlaßen ist gleich zum Anfang aus der großen Droßelader oder am Arme so noͤthig, daß es nicht vernachlaͤßigt werden darf. Man hat gewoͤhnlich Gelegenheit, diese Mittel als die ersten und wichtigsten an sehr vielen Or- ten mit einander zu verbinden, sie auch leichter, als manche andere, zu verschaffen. Das zweyte Hauptmittel ist, den aus dem Wasser gebrachten Koͤrper, welcher naß, kalt und erstarrt ist, von seinen Kleidern zu befreyen, und ihm eine warme, trockene Kleidung von den Umste- hen- henden anzulegen, oder ihn in eine wollene, wohl durchwaͤrmte Decke, Schaafsfelle oder in Betten einzuwickeln; dabey aber muß der Koͤrper nicht auf ein- mahl zu stark erwaͤrmet werden, sondern nach und nach mit einiger Vorsicht, warmer Asche, Kleye auch Sand bedeckt werden, und thut auch sonst die Waͤrme eines gemaͤßigten Feuers hierbey die besten Dienste. Au- ßerdem hat sich gefunden, daß die natuͤrliche Waͤrme einer oder zweyer gesunder Personen, die den Ver- ungluͤckten zwischen sich in ein warmes Bette ge- nommen, gleichfalls hinreichend gewesen sey. Unter waͤhrenden Einblasen des Tobacks- rauchs und Waͤrmen, oder auch abwechselnd mit jenen, ist das Reiben des Ruͤckgrads, der Brust, des Unterleibes, der Arme und Fuͤße, mit warmen trocknen Lappen, die mit Salz bestreuet, oder in Brandwein getaucht werden, vom groͤßten Nutzen. Das scharfe Buͤrsten, ferner Brandwein, starker Schnupftoback, oder Salmiakgeist in die Nase ge- bracht, so wie auch das Kitzeln mit einer Feder unter der Nase thun gute Wirkungen. Sobald nun der Verun- gluͤckte einige Lebenszeichen von sich zu geben ange- fangen, ist es Zeit, ihn mit Wein oder Brandwein zu erquicken, auch mit diesen etwas salzige und reizende Sachen einzugießen, aber nicht vorher. Bey guter Anwendung besagter durch die Er- fahrung zur Genuͤge bestaͤtigter Rettungsmittel, kann kann man aller sonst gewoͤhnlich gewesenen, wider- sinniger, und zum Theil schaͤdlicher Mittel uͤberho- ben seyn, worunter das Stuͤrzen auf den Kopf, das Hin- und Herrollen uͤber eine Tonne, und das Aufhenken an Armen oder Beinen die bekannte- sten sind. Ueberhaupt hat man bey allen dergleichen betruͤb- ten Zufaͤllen zu wuͤnschen Ursache, daß vorerwaͤhnte Versuche, und alle zur Rettung der Ertrunkenen abzie- lende Anstalten, uͤberall mit mehreren Ernst zur Ausuͤbung gebracht werden moͤgen.