Andreæ Gryphii HORRIBILICRIBRIFAX Teutsch. Breßlaw/ Bey Veit Jacob Treschern. 1665. Dem Hoch- und Groß-Edel- gebornen/ Erkornen/ Gestrengen/ Mannfesten Herrn/ Herrn Horribilicribrifax, von Donnerkeil/ auff Wuͤsthausen. Vnvergleichlicher Camerade/ be- staͤndiger und treuer Freund! M Einen zu Defendi rung seiner Ehre scharffgeschliffne- sten und von Tag zu Tage bey nuͤchternem Morgen außgeputzeten Degen zuvor: Jch befinde endlich/ daß die Literatis sich den hochmuͤthigen Neid so tieff be- sitzen lassen/ als iemahls wir/ die wir unsere Le- bentage Maestri delli Campi gewesen/ uns un- terstehen duͤrffen/ diesen lieblichen Furias Quar- A ij tier Zuschrifft. tier zu geben. Jch habe nunmehr ein paar douzine Jahre unserm weyland bekanten Freun- de vor zwey und dreysig tausend Millionen gu- te Worte gegeben und geben lassen: umb die Beschreibung unser Vortreffligkeit/ So er vor laͤngst/ und zwar bloß von der Faust auff- gesetzet/ ad lucibus dies zu geben: aber bloß umbsonst! unangesehen er auch auff Ansinnen Illustribus Personibus darzu angehalten wor- den. Er hat aber alles/ als wann er uns vor diesem nie durch ein zusprengtes Bolwerck an- gesehen/ hochmuͤttig negligegiret : und ich weis nicht was vor mirables excuses vorge- wendet. Neulich aber habe ich meinen alten/ nunmehr zimlich abgerissenen/ und stets getreu- en Major domo Signor Cacciadiavolo aus lauter impantienze zu ihm abgefertiget/ und selbten mit instructiones genungsam habili- bitiret : und durch selbten anhalten lassen/ Er wolte nicht laͤnger uns unser wol- meritiritires Lob mißgoͤnnen: und die Totus mundus, welche laͤngst die Zeitung unserer Wunderen Liebe/ avanturados, und horribles choses zu wissen begehret/ aͤffen und auffhalten: Hat sich ein unversehenes infortunium zu unserm besten erklaͤret. Sintemal mein Signeur Magior Zuschrifft. Magior Domo nach seiner hoch desiderabten Wiederkunfft/ prelatio bey mir/ nach gebuͤh- render Complementi rung/ abgeleget/ und mich berichtet: Er haͤtte unsern vor weilen gu- ten Patronium nach den und den tito verwi- chenen Monden nach Mittage umb 3. Uhr an- getroffen: und zwar/ nach dem etliche Gentil huomini von ihm geschieden/ vor welchen Er sich zimlich alterniret : were aber gleichwol zu ihm eingetreten/ da Er ihn dann noch unter vier oder fuͤnff/ dem Ansehen nach/ trefflichen Leuten gefunden: durch deren præsentiam er so gleich- sam chasmentiret, daß er nicht ein einiges Wort vorbringen koͤnnen. So bald ihn aber aus dem accantien seiner Wolredenheit und der nunmehr langgetragenen leporie unser Freund erkennet ; hette er ihn Humblementissi- me angenommen/ demuͤttig angehoͤret/ und statt der Antwort mit einem grossen Bocale Wein/ von Fino de Hungaria bewillkommet/ ihn zu sitzen execriret, und/ propter Seriam, ad cras beschieden ; Jn dessen hette er ihm nur muͤssen belieben lassen zu thun/ was dem Wir- the gefallen. Mit welchem anwesende Che- valieers, dann er muͤste gestehen al fe de Gen- til houmine, daß sie mehr denn diesen Tittu- A iij los Vorrede. los verdienet/ in unterschiedenen Redens Arten weitlaͤufftig discourssiret : und seiner Opina- tionum nach sollen sie wunderlich geredet ha- ben: bestund darauff/ er haͤtte wol etwas aber gar nicht multus nimios verstanden: glaube- te doch/ es muͤste von enportantze gewesen seyn/ weil sie zuweilen Farouchè gesehen/ zuweilen gelachet: Er haͤtte sich in frembde Haͤndel nicht mischen wollen noch sollen/ wie er dann vou mir nicht apprendiret, weniger darzu instru- xiret : Solte es aber zu Weitlaͤufftigkeiten kom̃en seyn/ solte ich mich versichern/ daß er sich nicht wolte haben roubiginiren lassen: Jndes- sen haͤtte er ihm angelegen gehalten/ redlich be- scheid zu thun/ haͤtte auch iederzeit denselben/ der am eiferigsten geredet/ mit einer brindisi be- saͤnfftiget/ und also guten Frieden befoͤrdern und stifften helffen. Nach dem nun auch die- se ihren Abschied hoͤchstfreundlichst genommen/ waͤre er zwar zu der Abend-Mahlzeit/ von wey- land treuem Freunde/ inficiret worden; derer er auch beygewohnet: Weil ihm aber bereits von der muͤhseligen Reise/ und dem hochwich- tigen vorgegangenen Discurssus das Haupt schwer gewesen/ wuͤste er nicht eigentlich zu nar- riren, was bey gedachtem Souppe vorgegan- gen; Vorrede. gen; ohne daß er ihm die eigentliche reflexion machete/ es waͤre ein grosser gebratener Hase auffgetragen worden: welches zweiffels ohn nicht so sehr meinem Herren Ambassiadoren als mir dem Primcali selbst gemeynet gewesen/ bin aber mit dem Conspect vergnuͤget. Wei- ter wuͤste er nichts/ als daß er vor zwey Stun- den devant my die aus einem sanfften Schlaff auffgewecket/ und alsobald zu unserm weyland lieben Patronium gefordert/ welcher ihn avec une horrible caprice vermahnet/ Er solte uns beyderseits in seinem Namen gruͤssen/ uns er- mahnen nunmehr klug zu werden: der baga- tellen uns zu eussern ; und wo nicht auff Gott/ doch auff unser Fictafium bey Zeiten zu den- cken: Jhn wunderte/ daß wir die Thorheiten seiner Jugend von ihm begehreten/ in welchen doch nichts/ als unsere eigene Schande zu lesen seyn wuͤrde. Ho! ho! caspita ! und weil mein lieber Getreuer vor Schrecken diese Worte nicht so bald reprehendiren koͤnnen ; haͤtt er sie ihm so gar en les tableltes, die er als gewe- sener Quartier-Meister/ nach dem der Teuffel laͤngst die rothen Scharlach Hosen mit den Silbernen Galaunen geholet/ ge dictioniret. Der Herr Bruder dencke/ wie dem redlichen A iiij Kerlen Vorrede. Kerlen bey solchem Respect zu muthe worden: Weil er aber genoͤthiget/ biß zu der Fruͤhmahl- zeit zu verharren/ auch ihm die Liefer-Gelder in- dessen zu manciniren begonnen: Hat er sich eilends aus dem Gemache/ und zwar in respi- ration einen Stoicidali schen Mord an sich zu- begehen retteriret ; Voila, aber was geschie- het: weil ihn das Schrecken in den Affterdarm catalogiret : eilet er nach dem Ort/ welchen man non avec permission nennen darff: in welchem er denn/ wegen vermeintlicher ungluͤck- seliger Ambassade, mehr durch die Nasibus und Oculis, als per derrire geweinet. Jn dem er sich aber etwas erholet/ und nunmehr Stoff zu der Reinigung von ihm desseriret wurd; erblicket er einen Hauffen deschirez col- lutulez \& de gutte pampieres, schwinget sich derowegen mit Freuden auff dieselbten: und in dem ersten Grieff erblicket er meinen erschreckli- chen Namen: Jam Te- nos facimus Fortunus eam ! Er greiffet nach denselben/ und findet das gan- tze Goncept unserer Liebe und Deversation : ausser daß es per curiam temporis durch die uͤbermuͤttige non chalance, unsers vorweilen Freundes hin und wieder Schaden gelidten/ und Vorrede. und was zuvor haͤtte gesaget werden sollen/ in so einnen veraͤchtlichen Ort verworffen: in wel- chem es freylich laͤngst/ seinem Belieben und Willen nach/ in tausend mal tausend/ ich darff nicht schreiben was/ vergangen/ wenn es nicht Tempum Genium und Fortunum, und die heilige Atropis, trotz aller Neid erhalten: Und dieses heist: Qvàm sæpe summa medio in culo la- tent. Nach gefundenem so grossen Schatz kuͤsset mein Don Cacciadiavolo dreymal den Grund/ auff dem es gelegen/ verbirget dieses laͤngstge- wuͤndschte Kleinot zwischen Fell und Hembde: isset demnach froͤlich mit dem/ der nicht weis/ was vor eine Helenam ihm entfuͤhret: und bringet auff gebogenen Knien zu mir/ was ich diꝛ hiermit mit entbloͤssetem Haupte stehend con- dicire : Jch muß cunfidiren, daß in dem Rorigi- nal aus Unachtsamkeit/ wo nicht Neid und Mißgunst des Autoribus die letzte zwey Sei- ten verfaulet/ aus welchen unsers Gegenparts Sempronius Testament abge copiret gewe- sen. Jch habe aber dieses nicht sonders geach- tet/ weil dieser unser steter Feind gewesen/ und A v dero- Vorrede. derowegen die Orte so confect itziger Methodi- bus nach mit ***** bezeichnet. Gehabe dich wol/ unvergleichlicher Came- rade ! Stirbest du eher/ als ich: so vermache mir doch deine Netze: Winde/ und deine kurtze Weh- re/ zu stetswaͤhrendem Andencken: Gehe ich voran; so bleib Erbe ex massa von meiner Par- tisane/ die ich von dem ererbet/ der jenem Her- tzog zu Eger den Rest gegeben. Hiermit ver- bleibe ich Meines unvergleichlichen Camerades/ Bruders/ Freundes/ und Gevattern Gegeben dieses Jahr/ an dem Schalttage. Obliganter biß in das Grab Daradiridatumtarides Wind- brecher/ von Tausend Mord/ auff N. N. N. Erbherr/ in und zu Windloch. Jn Jn diesem Schertzspiel wer- den eingefuͤhret als Redende: Palladius. Florian. Ein kleiner Jhm auffwarten- der Edelknabe. Bonosus. Cleander. Dionysius, Sein Diener. Selene. Eine hochmuͤttige/ doch arme/ Adeliche Jungfrau. Antonia. Mutter der Selene. Sophia. Eine keusche/ doch arme/ Ade- liche Jungfrau. Flaccilla. Mutter der Sophien. Cælestina. Camilla, Jhre Cammer Jungfer. Eudoxia. Don Daradiridatumta- rides. Don Horribilicribrifax. Zwey weilãd reformirete Hauptleute. Don Don Cacciadiavolo. Don Diego. Diener des Da- radiridat. Harpax. Page des Horribilicribrifax. Sempronius. Ein alter verdorbener Dorff Schulmeister von grosser Einbildung. Isaschar. Ein Jude. Cyrilla, eine alte Kuplerin. Die Pagen der Cælestine. als Schweigende : Das Frauen-Zimmer Cælestinæ und Eudoxiæ. Die Pagen Cælestinæ. Die Diener Palladii: Bonosi: Cle- andri. Weh- Wehlende Liebhaber. Schertz-Spiel. Der Erste Auffzug. Capitain Daradiridatumtarides Windbꝛecher von Tausend Mord. Don Caccia dia- volo. Don Diego, seine Diener. D On Diego ruͤcket uns den Mantel zu- rechte/ Don Cacciadiavolo, Jch halte/ daß das Ostliche Theil des Bartes mit der West Seiten nicht allzuwol uͤberein komme. Großmaͤchtigster Hr. Capiten, es ist kein Wun- der! die Haare der lincken Seiten sind etwas ver- senget von den Blitzen seineꝛ Feuꝛschiessenden Augẽ. Blitz/ Feuer/ Schwefel/ Donner/ Salpeter/ Bley und etliche viel Millionen Tonnen Pulver sind nicht so maͤchtig/ als die wenigste reflexion, die ich mir uͤber die reverberation meines Vngluͤcks mache. Der grosse Chach Sefi von Persen erzit- tert/ wenn ich auff die Erden trete. Der Tuͤrcki- sche Keyser hat mir etlich mal durch Gesandten eine Offerte von seiner Kron gethan. Der weit- beruͤhmte Mogul schaͤtzt seine retrenchemente nicht sicher fuͤr mir. Africa hab ich vorlaͤngst meinen Cameraden zu Beute gegeben. Die Printzen in Europa, die etwas mehr courtese hal- ten Freundschafft mit mir/ mehr aus Furcht/ als wah- Horribilicribrifax wahrer affection. Vnd der kleine verleckerte Bernhaͤuter/ der Rappschnabel. Ce bugre, Co larron, Ce menteur, Ce fils de Putain. Ce trai- stre, ce faqvin, ce brutal. Ce bourreau. Ce Cu- pido, darff sich unterstehen seine Schuch an mei- nen Lorberkraͤntzen abzuwischen! Ha Ma De esse! merville de monde adorable beaute ! Vnuͤber- windliche Schoͤne! unvergleichliche Selene ! wie lange wolt ihr mich in der Courtegarde eurer Vn- gunst ver arrestiret halten! Signor mio illustrissimo ! Mich wundert nicht wenig/ daß ihr das Bollwerck von Selene noch nicht habt miniren koͤnnen; Die Damosel- len dieses Landes erschrecken/ wenn sie euch von Spiessen/ Schlachten/ Koͤpff abhauen/ Staͤdte an- zuͤnden und dergleichen discuriren hoͤren. Sie meinen/ daß ihr todos los Diabolos in der Vor- bruch/ wie die Schweitzer in dem Hosenlatz/ traget. Mich duͤnckt Palladius richte mit seiner anmuthigen Courtesi weit mehr aus/ als wir mit allen unsern Rodomantaden. Palladius ? Wenn er mir ietzund begegnete/ wolte ich ihn bey der eusersten Zehe seines lincken Fusses ergreiffen/ dreymal umb den Hut schleudern/ und darnach in die Hoͤhe werffen/ daß er mit der Nasen an dem grossen Hundsstern solt kleben bleiben. Es were zuviel/ daß er von solchen Ritter- maͤssigen Haͤnden sterben solte. Wenn er uns gleich itzund in der furie begegnete/ wolte ich ihm blos in das Gesichte speyen/ er wuͤrde Zweiffels ohn bald in Asch und Staub verkehret werden. Behuͤte mich der grosse Vitrliputrli, was ist daß? dort (es erscheinet von ferne eine Katze) sehe ich zwey brennende Fackeln uns entgegen kommen? Holla! ins Gewehr! ins Gewehr ! Die Nacht ist niemands Freund. Darad. Schertz-Spiel. Ey last uns weichen! wir sind ausser unserm Vor- theil und moͤchten verraͤtherlich uͤberfallen wer- den. Jch will nicht von mir sagen lassen/ daß ich mich der Fuͤnsternuͤß zu meiner Victorie mißge- brauchet. Bey der Seel des General Wallensteins/ sie blasen zu Sturm. Ey last uns stehen bleiben ! sehet ihr nicht ? es ist eine Katze/ die also mit den Augen fuͤnckelt. Es mag der Beelzebub wol selber seyn. Ho/ ich bin vor ihm unerschrocken. Der gantze Leib zittert mir vom Zorn wie eine Gallart. Jch werde gantz zu lauter Hertze und kenne mich schier selber nicht/ ich schwitze vor Begierde zu fechten. Voicus le bras qvi rompt le cours de destins de tous ! Des fous ! und faͤhret vor Furcht auß den Hosen. Was sagt Don Diego ? Jch sage/ ihm reissen vor Vngedult zu warten die Hosen entzwey. zeucht den Degen aus: Sa! sa! he- ran/ heran/ du seyest auch wer du seyst! je brave la main des parqves, ich habe wol eheꝛ alleine dꝛeis- sig mal hundert tausend millionen Geister bestan- den. Minder eine halbe. Wol was geraß ist dieses? der Nachtwaͤch- ter beginnt zu singen/ Jhr lieben Leute last euch sagen/ und dergleichen. Bey meinem adelichen Ehren/ ich halte doch/ es gehen Gespenster umb. Was ists von noͤthen/ daß wir die Zeit so fruͤh auff der Gassen zubringen. Herein/ herein ins Gemach. Wer Vngluͤck suchet/ der verdirbet darinnen. An- Horribilicribrifax Antonia. Selene. Liebes Kind/ es ist nicht ohn/ ich bin deine Mut- ter/ und wolte bey dir thun/ was einer ehrlieben- den Frauen und Mutter zustehet: Du bleibest a- ber auff deinem Kopff/ und wilst gutem Rathe nicht folgen. Du weissest/ unsere Mittel sind in dem Kriege zerronnen: Wir stecken in Schulden/ und so es entdeckt wird/ verlieren wir unser uͤbriges Credit. Die Kleider/ Perlen und Geschmeide/ in welchen du herein gehest/ gehoͤren meiner Schwester/ welche sie eher wird abzufordern wis- sen/ als uns vielleicht lieb seyn moͤchte. Du weis- sest/ daß wir uͤber zwey gantze Hembde nicht in unserm Vermoͤgen haben. Wer dich von oben besiehet/ solte wol meinen/ wir haͤtten den gantzen Spitze Kram von Bruͤssel erb-eigen. Wer aber et- was genauer auff uns acht giebet/ wird wol er- kennen/ daß nicht alles Gold/ was gleisset. Du bist nicht die Juͤngste: unter den Schoͤnsten wird man dich nicht verlieren: und ich weis auffs beste/ was hin und wider an dir zu meistern: Auff Fuͤrsten darffst du nicht hoffen ? Das Kuͤh- und Schaaff- Fleisch gilt itzt schier mehr/ als Jungfern Fleisch. Drumb sihe vor dich/ und hilff dir und mir durch eine gluͤckliche Wahl. Frau Mutter! wol bedacht/ hat niemand Scha- den bracht. Jch muß mit dem Manne leben/ nicht ihr. Es ist bald genommen/ aber nicht so leicht davon zukommen. Was mangelt Possidonio ? Er ist reich/ von hohem Ansehen/ im bluͤhenden Alter/ hat vor- nehme Freunde/ stehet wol zu Hofe/ und liebet dich von gantzer Seele. Ha/ Frau Mutter/ solt ich meine Zeit mit dem wunderlichen Kopffe zubringen! lieber hettet ihr mich in dem ersten Bade ertrenckt. Anton. Schertz-Spiel. Man wird dir mahlen muͤssen/ was dir tuͤgen solle. Cleander, der dich vor begehret/ da er in geringerm Stande/ wil dich ietzt nicht/ da er ge- stiegen/ durch einen zubrochenen Zaun ansehen. Was werden wir an Palladio zu tadeln haben? Du siehest/ wie dessen Gluͤcke zu bluͤhen beginnet. Wol Frau Mutter! weil es bluͤhet/ so mag es reiff werden! Gelehrte: Verkehrte. Ein Gebuͤnd- lin Buͤcher/ und ein Packetlin Kinder ist ihre gan- tze Verlassenschafft. Was kan eine Dame von Qvalitaͤt vor contentament haben bey einem sol- chen Menschen ? Des Morgens umb vier/ oder auch eher/ aus dem Bette/ und unter die Buͤcher/ von dannen auff den Hoff/ in die Kirche oder zu den Krancken. Sie traumen an der Taffel/ oder belegen die Teller wol gar mit Brieffen. Denn gantzen Tag/ steckt ihnen der Kopff voll Maͤusene- ster/ und (was der Teuffel gar ist) wenn sie umb 12. Vhr wiederumb zu Bette kommen/ so schlagen sie sich mit tollen gedancken/ machen Verse oder schicken die fuͤnff Sinne gar in Ost Jndien. Vn- sere alte wasche Magd/ die schwartze Dorabelle, welche lange bey einem Koͤniglichen Rath in Dien- sten gewesen/ hat mich mit Eyd und Thraͤnen ver- sichert/ daß eine Bauer-Greta viel besser sich auff den Strosack befinde/ als des gelehrtesten Man- nes Frau auff Schwanen Federn. Sie sind nicht alle solche Traͤumer. Vnsere Schwaͤgerin Frau Sulpitia hat sich noch niemals beklagt: sie hat die Kasten voll/ das Hauß be- schicket/ die Schuͤttboden versehen/ die Keller son- der Mangel/ die Kuͤchen stets leuchtend. Da her- gegen Frau Gertrud, die den reichen Wucherer geheyrathet/ hunger stirbt/ und mehr Maul Ta- schen als Kramets Vogel von ihren Mann auff- fressen muß. B Selen. Horribilicribrifax Dem sey so! ich wil vor mich von keinem Gelehr- ten wissen. Ein Land-Juncker stuͤnde mir besser an. Der seine Hunde lieber siehet/ und die grosse Vieh Mago oͤffter kuͤsset/ als sein redlich Weib. Jch weis/ daß dir das Maul nach dem Narren- fresser/ dem Auffschneider/ Capitain Luͤgner/ von der Bernhaͤuterey/ stincke. Warumb/ Frau Mutter/ daß sie den redlichen Cavalier verkleinert ? ich sehe nicht/ warumb ich ihm nicht guͤnstig seyn solle; Er vermag bey 30000. contenten, weis seine Person zu præsen- tiren, ist bey vornehmen Leuten beruͤhmt und be- liebet. Er — — — Er hat dir vielleicht Brieff und Siegel uͤber sein Vermoͤgen gegeben. was solt er vor Vrsach haben ein mehrers von sich außzugeben als sich in der That befinden moͤchte? Wer auff der Buler vergebenes Reichthumb trauet/ befindet sich in dem Ehestande mit leeren Haͤnden. Nechst/ als er uns in den Garten tractiret/ war ja der gantze Tisch mit Gold und Silber besetzet. Er streuete Ducaten aus/ als waͤrens Stroh- Thaler: Die Diamantene Huttschnur und das Gehencke sind allein ein zehn oder zwoͤlfftausend Reichsthaler werth. Tochter/ Tochter! ich sehe dein Verderben vor Augen. Frau Mutter! koͤnnet ihr mir nicht helffen/ so hin- dert mich auffs wenigste nicht an meinem Gluͤck. Jhr werdet anderwerts erfahren muͤssen/ was euch nicht lieb ist. Wehe den Eltern/ die ihre Toͤchterlin zusehr in der Jugend verzaͤrteln! Wehe den Toͤchtern/ die nicht selber ihr bestes suchen/ Schertz-Spiel. suchen/ und es auff der wunderlichen Mutter Vor- sorge aukommen lassen. Flaccilla. Sophia. Ach mein Kind! wenn ich dich entweder nie ge- bohren hette/ oder wenn du in meiner Schoß ge- storben werest: wie vielem Hertzleid weren wir beyde zeitlich entkommen! was nuͤtzet aus hohem Geschlecht entsprossen seyn/ wenn man nicht nur den Stand nicht fuͤhren/ sondern auch das Leben nicht erhalten kan ? Frau Mutter! es gehe so hart zu als es wolle; man bleibet dennoch nicht von GOtt verlassen. Was wollen wir anfangen? womit wollen wir uns erhalten ? alle Mittel sind hinweg: Dein Mannbares Alter erfodert einen Braͤutigam: Der Mangel aller Huͤlffe schneidet dir alle Hoff- nung ab: deine Tugenden sind an diesem Orte un- gangbare Muͤntze: Die grossen Versprechungen/ dich zu befoͤrdern/ werden zu Wasser? der Prin- cessin/ die dich in ihren Hoff vor diesem anzuneh- men gesinnet/ ist bereits eine andere auffgedrun- gen. GOtt sorget dennoch fuͤr uns/ und hat mehr als ein Mittel/ die Seinigen zu erhalten. Diese Worte fuͤllen den Magen nicht/ und tuͤ- gen weder zu sieden noch zu braten. Wenn du jenem Edelman werest etwas besser an die Hand gegangen/ oder noch gehen woltest/ es stuͤnde be- qvemer umb mich und dich. Ha/ Frau Mutter! lieber das Leben verlohren/ als die Ehre! lieber Hunger gestorben/ als die Keuschheit hindan gesetzt! Man muß aus der Noth eine Tugend machen. Solche grosse Worte stehen reichen Damen/ nicht verlassenen Kindern/ an. Wir haben zwey Tage B 2 son- Horribilicribrifax sonder Kirchen Gebot gefastet/ und wissen noch heute weder Brodt noch Zugemuͤse. Wir haben nichts zuverkauffen/ nichts zu versetzen/ haben beyde kein gutes Kleid/ und alles/ was du an dem Leibe traͤgest/ ist mit Nadeln zusammen gestecket/ als die Schindeln auff einem Kirchen Dache mit den Naͤgeln. Wo du an den Wind komst/ so we- het er dir alle Flecke von der Haut. Was Rath bey diesem Zustand? Ach/ meine Mutter! warumb mir nicht eher ein Messer durch die Bruͤste gestecket/ als mich ermah- net von der Tugend abzusetzen? Jst kein ander Mittel zu leben/ so lasset uns dienen! duͤncket euch diß in diesem Ort zu schaͤndlich/ so lasset uns einen unbekandten suchen! Fleug Vogel sonder Federn! Wo wollen wir uns hinmachen sonder Zehrung ? werden wir so bald fuͤr Maͤgde angenommen werden/ wenn wir uns nur anmelden ? wer wird nicht dein Gesicht in Verdacht ziehen/ und genau nach unserm Zu- stand forschen? Jch weis wol mein Kind/ daß ich wider GOtt/ und Stand/ und dich thue/ in dem ich auff solche Gedancken gerathe/ aber der/ dem das Wasser biß an die Lippen laufft/ muß lernen schwimmen. Hetten wir indessen nur auff einen oder zwey Tage Vorrath/ so koͤnten wir versu- chen/ ob und wie deinem Vorgeben nachzukom- men. Wir haben nichts/ als uns selbst zu versetzen oder zu verkauffen. Auff dieses Pfand pflegt niemand nichts zu lei- hen/ es verstehet sich zu geschwinde. Wolan/ ich habe noch etwas/ daß ich ausser mei- ner Ehre wagen kan. Du hast vielleicht einen verborgenen Schatz ge- funden/ und komst mir fuͤr/ wie die Goldmacher/ die Schertz-Spiel. die in hoͤchster Armuth von viel Tonnen Goldes zu reden wissen. Der Schatz ist offenbahr/ ob er wol nicht viel werth. Schneidet mir diese Haar von dem Haupt/ und verkauffet sie irgends einer Hoff Da- men. Der Gewinn von dieser Kauffmanschafft wird so groß nicht seyn. Geringe Handels Leute muͤssen nicht gar zu gros- sen Gewinn hoffen. Loͤset mir die Flechten auff! Lasset uns hinein! denn die Noth leidet keinen Auffschub. O hoͤchste Tugend! wie unwerth bist du in die- sem Armuth/ und wie ungeachtet in diesem Elend! Sempronius. Αιὼν πάντα ϕέρει, Sed omnia vincit Amor, O- mnia, id est, omnes homines, \& omnia pecora Campi, Et nos cedamus Amori, saget das Wun- der der Lateinischen Poeten Virgilius. Wer solte geglaͤubet haben/ daß ich/ der ich ein Wunder bin inter eruditos hujus seculi, und numehr meine fuͤnff und sechtzig Jahr cum summa reputatione erreichet/ mich auffs neue solte per faces atqve ar- cus Cupidinis haben uͤberwinden lassen? Ach Cœlestina ! ach Cœlestina! tu mihi spes voti, tu mihi summus Amor, wenn ich deine rosenliebli- che Wangen betrachte/ werde ich verjuͤnget/ als ein ander Phœnix. Aber qvid hæc suspiria solus montibus \& sylvis ? Virgilius Ecloga 2. Wa- rum greiff ich nicht zu Mitteln/ und versuche/ was zu erhalten. Hasce amoris mei interpretes Episto- las, Cicero ad Atticum, ha be ich heute fruͤh ( Auro- ra Musis amica ) mit hoͤchstem Judicio \& ingenio zusammen gesetzet/ und warte nur auff Gelegen- heit/ ihr selbige durch ein beqvemes subject, wel- B 3 ches Horribilicribrifax ches sie kenne/ zu uͤberantworten. Hir in der Naͤhe wohnet eine beqveme Frau die alte Cyrille, die sich gar gerne zu solchen Legationen gebrau- chen laͤst/ \& nisi me fallit animus, so ist dieses ihr Hauß. Sed eccum, illa ipsa prodit, last uns hoͤ- ren in hoc angulo, was vor excursus sie vorbrin- gen werde. Die alte Cyrille. Sempronius. Kaͤtterle/ schleuß das Haus wol zu/ und wo die Braut kommt/ der ich rathen solte/ so gib ihr das Wasser/ wenn sie dir 3. Ducaten eingeliefert hat. Wird Don Diego nach mir fragen/ so sage/ daß ich in seinen Geschaͤfften ausgegangen bin. Es ist ietzt alles theur: die Welt ist gar auff die Neige kommen: die Jungfern sind so geitzig/ wie der Teuffel/ und die Junge Gesellen haben lauter lau- ter Nichts in den Beutel. Es ist gar eine ander Welt/ als da ich noch jung war: die Liebe ist gar gestorben. Nun muß ich gehen und sehen/ ob ich heute was verdienen kan. Nu das walte/ der es walten kan. Matthes gang ein/ Pilatus gang aus/ ist eine arme Seele draus. Arme Seele wo kommst du her ? Ach daß ist ein troͤstlich Ge- beth! Prolixam texit fabulam, interrumpam \& allo- qvar. Bona dies, bona Dies ! Aus Regen und Wind/ und aus dem feurigen Ring. Bona dies, Cyrille. Was sagt Herr Jonigis, ô ja die is. Ha Bestia/ verstehestn nicht was ich sage? Ja freylich bin ich die beste/ es ist in der gantzen Stadt keine so redliche fromme Frau/ Herr Cric- cronigs. Ego appellor Sempronius. Cyril- Schertz-Spiel. Ob ich Semmeln oder Honig ha ? Ne Herr Gri- gories, ich verkaͤuffe nicht mehr Obst und Naͤsche- rey. Jch sage euch nicht von Semmeln oder Honig/ sondern wuͤndsche euch einen guten Morgen. Dem wird der Engel Uriel nehmen sein Horn/ und blasen drein Tit titu. Was murmelt ihr? Jch bete ein troͤstlich Gebet vors Feber und boͤse Wetter. Seponamus ista. Ob ich Seiffe haben muͤsse. Ja freylich lieber Herr Procrecriis. Die Waͤsche kost viel Geld/ man muß vor ein Muderhembdlin einen guten Gro- schen geben. Ey lasset uns diß beyseite setzen! hoͤret nur/ ich sage euch ἀληθῶς, purè. Da soll euch der Teuffel dafuͤr holen; sagt ihr/ daß ich eine alte Hure bin? das kan mir kein redli- cher Mann mit gutem Gewissen nachreden/ du alter graubaͤrtigter ungehangener Dieb/ du darffst mir nicht viel/ ich gaͤte dir den Bart aus. Ey/ ihr verstehet mich nicht recht/ ich rede Grie- chisch und Lateinisch ἀληθῶς purè. Saget mir nicht mehr von der alten Hure/ oder. ἀληθῶς purè, das heist in der Warheit/ ich weis doch wol/ daß ihr eine redliche Frau seyd; die gantze Stadt haud negat. Daß ich mirs Haupt gebadt/ was gehet der gantzen Stadt daran ab. Surdo narro fabulam. Ey Herr/ redt doch kein Polnisch mit mir/ ich versteh euch nicht. Jch rede nicht Polnisch/ ich rede Lateinisch. Ey ihr seyd ein Doctoribus, und ich bin nicht B 4 studi- Horribilicribrifax studiret, wozu dienet der Lateinische Vnrath? Qvid Gallo margaritum ? Ja im Keller ist Margrice. Eine Sau fragt nicht nach Muscaten. Mußkaten in warm Bier sind gut vor die Mutter- Kranckheit. καλῶς με ὑπέμνησας. Ja wenn ich kalt aaß/ so nisete ich. καταγελᾳς᾽ μȣ. Ja die geele Kuh! Ey nun ad rem tandem. Redet ich hab es verstanden. Hoͤret Frau Cyrille, ihr koͤnnet mir uͤbermas- sen befoͤrderlich seyn in einer Sachen/ welche ist Grandis momenti. Scheltet ihr von gotz Elementen? je Herr/ es ist grosse bittre Suͤnde. Grandis momenti. heist eine Sache von Wich- tigkeit. ἀλλὰ ταῦ τα ὲάσωμεν. Ja so meent ihr? Nein doch! planè non ! Jch bin keine Nonn. Hoͤret doch recht zu! Ey Herr/ so muͤst ihr reden/ daß ich es verstehen kan. Jhr kennet Jungfrau Cœlestinam wol/ no- stin’ ? Herr/ sie wohnt nicht gegen Osten/ es ist grade ge- gen Mittag. An dieselbe habe ich einen Brieff von Jmpor- tantz. zu bestellen. Habt ihr mit derselben einen Tantz zubestellen? Jch sage/ daß ich ihr hanc Epistolam, diesen Brieff/ gerne zustellen wolte. Aber ist dieser gestolne Brieff vom Tantzen? Sempr. Schertz-Spiel. χεδὸν. Doch ! er ist nicht vom tantzen/ er ist vom lieben. Aber wer hat den Brieff geschrieben? Ego. Jch kenne den guten Mann nicht. Σεμπρόνιος πεποίηϰα, das ist/ ich in eigner Person. Jhr Gelehrten habt wunderliche Namen. Aber stehet in dem Brieffe/ daß ihr Jungfer Cœlesti- nam lieb habt? Divinavit. Die Jungfer haͤlt nichts vom Koͤnig David. Meine wehrteste Zierde! redet mein bestes/ was ihr in meinem Hause begehren werdet/ das ist al- les euch zu Dienst. Tua sunt, posce. Wie sprechet ihr/ Pfut Hund/ huste? Herr Ce- cronius werdet ihr meine Jahre auff dem Halse haben ihr werdet genung husten. Jch sage darvon nicht/ ich bitte/ ihr wollet meine Sache bey Jungfrau Cœlestina befoͤrdern/ und ihr diesen Brieff de manu in manum uͤberant- worten. Ha/ ha/ nu merck ich/ wo der Hase ligt. Fuͤr wen seht ihr mich an ? vor eine alte Kuppelhure ? Solt ihr mir dis anmuthen ? was hindert mich/ daß ich nicht anfange Zeter zuruffen/ muß ich diß auff meine alte Tage erleben ? Ha!a!a!a!a!a! Ey Frau Cyrilla was bildet ihr euch ein ? Meinet ihr/ daß ich solche Sachen fuͤrhabe ? aliter catuli olent, aliter sues, sagt Plautus. ἄλλο ϰορώνη ϕθέγγεται. Was ? soll ich mich an Hals haͤngen? Ey nein doch/ Jch bin ein ehrlich Mann/ und ihr eine ehrliche Frau/ und habe etwas ehrliches fuͤr/ beschweret euch nicht mir in dieser Sach be- B v huͤlff- Horribilicribrifax huͤlfflich zu seyn. Jhr duͤrffet derowegen in eu- ren Geschaͤfften nichts versaͤumen/ und schauet/ umb daß ich euch den Morgen auffgehalten habe/ und vielleicht verhindert/ so nehmet diese zwey Ducaten/ accipe. Ach in Warheit Herr Kikilorius, ihr seyd ein lie- ber redlicher Herr/ ihr sorget allein fuͤr das liebe Armuth. Euch zugefallen will ich gern den Gang auff mich nehmen. Einem andern thaͤte ichs bey meiner Seelen nicht. Wo habt ihr euren Brieff ? Dieser ists. Wie wolt ihr aber in das Hauß kommen/ qvis recludet tibi Januam, wer wird euch das Schloß eroͤffnen? Kuͤmmert euch nicht/ kuͤmmert euch nicht! last mich nur machen ; Frauen List/ uͤber alle List. Jch will Flachs oder Schleyer Leinwand hin zuver- kauffen tragen/ oder schon sonst was erdencken. Bringet ihr mir gute Antwort wieder/ so sollet ihr einen neuen Rock haben/ und solt gekleidet werden à vertice ad talos. Viertzig Thaler die sind gut mit zu einem neuen Rock. Nu/ nu Herr Senckelhorius/ es wird sich wol schicken; Jch gehe gleich drauff zu. Darauff verlasse ich mich. Vale basilicè, athle- ticè, pancraticè, ἔῤῥωσυ ἐυδαιμόνος, das heist/ guten Morgen. GOtt der HErr bewahre euch. Das ist ein gut Gluͤck gewesen: Der Segen hat geholffen: es war doch in einem Wege mit zu Jungfer Sophien. Nu last uns weiter: Die heilige Sanct Margritte/ die bitt ich/ daß sie mich behuͤte/ fuͤr Puͤffen/ Fal- len und vor Schlaͤgen/ auff allen meinen Wegen. Ach du lieber heiliger Sqventz, bewahre mir Huͤ- ner und Gaͤns. Die Schertz-Spiel. Die andere Abhandelung. Horribilieribrifax Donnerkeil. Harpax sein Page. W As ? daß der Keyser Friede gemacht habe sonder mich umb Rath zu fragen ? Oh gvarta! novella de spiritare il mondo! So sagen sie/ daß der Keyser Frieden gemacht ha- be mit dem Koͤnig in Schwaben. Mit dem Koͤnig in Schweden wilst du sagen! Ja Schweden oder Schwaben/ es ist mir eins. Friede zu machen sonder mich? à qvæsto modo si! hat er nicht alle seine Victorien mir zu dancken ? hab ich nicht den Koͤnig in Schweden niederge- schossen? bin ich nicht Vrsach/ daß die Schlacht vor Noͤrdlingen erhalten ? habe ich nicht den Sach- sen sein Land eingenommen? hab ich nicht in Den- nemarck solche reputation eingelegt ? was wer es auff dem Weissen Berge gewesen/ sonder mich ? E che fama non m’acqvistai, qvando contesicol Gran Turca? Pfui! trit mir aus den Augen/ denn ich erzuͤrne mich zu tode/ wo ich mich recht er- bittere/ Vinto dal ira calda e bollente e dallo sdegno arrabiato, so erwische ich den Stephans- Thurm zu Wien bey der Spitzen/ und druͤck ihn so hart darnieder/ si fortè in terra, daß sich die gantze Welt mit demselben umbkehret/ als eine Kegel- Kaul. Ey/ Signor mio. wo wolten wir den stehen blei- ben ? Non temere! Als wenn sich iemand kuͤmmern duͤrffte/ der bey mir stehet! laß mich darvor sor- gen! aber/ siehe da/ meine Sonne! mein Leben! meine Horribilicribrifax meine Goͤttin erscheinet. Signora mia, bella di corpo, bellissi ma d’animo! Cœlestina. Camilla. Horribilicribrifax. Der Page. Jsts moͤglich Camilla, daß so inbruͤnstige Lie- be/ die ich zu ihm trage/ muͤsse vergebens seyn ? o- der ist er aus allen loͤblichen Gemuͤtes Neigungen der einigen nicht faͤhig/ welche man die gegen Lie- be nennet ? Muß ich/ die ich vor diesen vielen bin unerbittlich gewesen/ nun erfahren/ daß ich von dem nicht geachtet werde/ den ich hoͤher halte/ als mein Leben ? Wenn er seine Gedancken anderswo hingese- tzet/ wie koͤnnen wir ihn bewegen/ nach uns zu se- hen ? Seine Gedancken anderswo hingesetzet ? wird Er wol mehr auffrichtige und reinere Liebe finden koͤnnen/ als bey mir ? Warumb nicht eben also/ wie er gespielet ? Sol- te ich mich wegen eines Menschen so hefftig kraͤn- cken/ dem ich unwerth/ oder der nicht so viel Ver- stand bey sich hat/ als noͤthig/ eine keusche Gewo- genheit zu erkennen ? O wiewol koͤnnen wir Rath geben/ wenn wir selber gesund seyn! Still meine Jungfrau! der Hauptmann ist ver- handen. Jch habe diesen Tag ein gewisses Vngluͤck zu ver- hoffen/ weil mir der Vogel zu erst entgegen kommt. Nobilissima Dea, Cortesissima Nimfa. Ochio del mondo. Durchleuchtigste unter allen schoͤ- nen; beruͤhmteste unter den fuͤrtrefflichsten/ uͤber- natuͤrlichsten an Vollkommenheit/ unuͤberwind- lichste an Tugenden/ euer unterthaͤnigster Leib- eigner Schertz-Spiel. eigner Sclav’, der durch die Weltberuͤhmete Ca- pitain Horribilicribrifax von Donnerkeil/ Herr auff Blitzen und Erbsaß auff Carthaunen Knall/ præsenti ret/ nebenst Verwuͤndschung unsterblicher Gluͤckseligkeit/ seiner Keyserin bey angehendem Morgen seine zwar wenige/ doch iederzeit bereit- willigste Dienste! Mein Herr Capitain, er muß uns so gewogen nicht seyn/ wie er vorgibt/ sintemal er uns so bald den Tod wuͤndscht. Den Tod ? I a morte ? Jo rim ango petrificato dalla meraviglia! Ey da behuͤte mich der Blitz von diesem glorwuͤrdigsten Degen fuͤr dergleichen Got- teslaͤsterung! Er verwuͤndschte uns ja unsterbliche Gluͤckselig- keit. Certo si. Nicht anders. Selbige erlangen wir/ wie ich weis in dem ewi- gen Leben. Dazu aber koͤnnen wir nicht eingehen/ als durch den Tod. Meine schoͤne ist unuͤberwindlich so an Scharff- sinnigkeit/ als Schoͤnheit. Qvella fu buonissi- ma e sapientissima dimostratione! Mein Herr Capita in liebet meine Jungfrau mit diesem Bedinge/ daß sie bald sterbe: so wuͤr- de er Erbe ihrer Guͤter/ und theilete den Raub aus. Ha Jungfrau Camilla, also mit mir zu spotten ? il vostró fù un ragiona troppo mordente. Sie kennet mein auffrichtig Gemuͤtte/ und weis/ wie fest ich ihn liebe gegen meine Englische Cœlesti- nam verbunden stehe. Wenn mich nicht ihre Ge- genwart allhier auffhielte/ haͤtten die Venedier laͤngst den Tuͤrcken durch mich aus Constantino- pel vertrieben. Mein Herr Capitain. wir entschlagen euch dieses Arrests. Horribilicribrifax Arrests, des gemeinen Bestens wegen. Wir wol- len nicht Vrsach seyn/ daß so eine schoͤne Gelegen- heit das Christenthumb zu befoͤrdern hindan gese- tzet w e rde. Fermate vi in cortesia \& ascoltate mi per vostro bene, Anima mia ! Meine himmlische! wil sie ein Probstuͤck meiner Staͤrcke sehen/ sie sage nur ein Wort/ ich wil eine groͤssere That verrichten/ als die Victorie vor Lepante auff der See gewesen. Hat sich mein Herr Capitain auch bey selben so beruͤhmten Treffen befunden? Jch zwar damals des Don Gioanne, Austria Lu- ogotenente. So muß mein Herr eines ziemlichen Alters seyn/ weil dieselbe Victori noch vor unser Groß Vaͤter Zeiten erhalten ist? Ey es ist so lange nicht/ ich bin noch Assai Gio- vane e Galant huomo gagliardo, robusto e di bouna natura, umb sie meinen Engel zubedie- neu! Mein Herr Capitain, Jch bin so grosser Ehren nicht wuͤrdig. Meine Princessin/ vnico spechio di bellezza, Regina de gli astri. miraculo de i cieli, \& honor della natura, weil sie Keyserin von Trapezont, Koͤnigin von Morenland/ Fuͤrstin von Egypten. Churfuͤrstin von neu Zembla, und Graͤsin von Nirgendsheim. Anzi Hertzogin uͤber Persen genennet werden ? sie gebiethe! all diese Kronen sollen inner einem Monat/ drey Tagen und zwey Stunden/ und viel- leicht in qvæsto giorno, zu ihren Fuͤssen liegen. Mich wundert/ Herr Capitain daß er nicht selbst fuͤr sich etliche aus gedachten Koͤnigreichen in Be- sitz genommen! Ha! l Honore e l’ Avaritia non possono star in- sieme! Schertz-Spiel. sieme! Jch bin allein vergnuͤgt mit meinem Gluͤck und Degen/ als mit welchem ich alles kan zuwe- gen bringen. Das ist gut/ daß man alles kan darmit zuwegen bringen: unser Koch weis sonsten aus Degen kei- ne Pasteten zu machen. Vns genuͤget/ Herr Capitain an unserm Stan- de. Final mentè: wil meine Goͤttin sich anbethen lassen ? sie wincke nur/ sie soll mich stracks mit dem guͤldenen Rauchfaß fuͤr ihr auff den Knien sehen. Der Herr Capitain haͤlt meine Jungfrau fuͤr ei- ne heilige auff dem Altar einer Kirchen. Fuͤr eine Heilige in meinem Hertzen/ non e cosa più chiara, wil sie/ daß ich ihr zu Ehren auff der Spitze eines Dachs nach dem Ringe reite ? Jch liebe meines Herrn Gefahr nicht. Wil sie/ daß ich einen grimmigen Loͤwen im vol- lem Lauff erwische/ und ihm in ihrem Angesicht den Hals abreisse. Cosi sarà per certo. Hasen/ Herr Capitain, weren besser. Einen Loͤwen/ Herr Capitain, solte diß wol moͤg- lich seyn ? O/ mein Herr hat wol groͤssere Thaten verrichtet; wenn ich erzehlen solte/ was er einmal auff der Jagt mit dem Koͤnig in Persen zuwege gebracht; es wuͤrde weit anders lauten. Ey ein schoͤnes Paar zusammen! so Herr/ so Knecht! Lieber/ last uns hoͤren/ was es fuͤr eine Helden- That gewesen! Ob ich wol in meiner Gegenwart mich ungern ruͤhmen lasse/ auch meine Diener der owegen nicht halte/ dennoch weil es mein Engel zu wissen be- gehret/ geb ich dir Freyheit dieses zu erzehlen. dite purè. Page Horribilicribrifax Der Koͤnig hatte die Ehre meinen Capitain neben sich auff die Jagt zu fuͤhren. Das Wild wurd angetroffen/ die Jaͤger eileten so hir als dar zu- sammen/ der Perß aber traff auff einen sehr gros- sen Hirschen. Mein Herr verfolgete denselben nebenst dem Koͤnige: Doch umbsonst/ weil er zu hurtig auff die Fuͤsse/ und die Pferde allbereits zu muͤde. Q weide Messer! O Jaͤgerrecht! Alß der Perß etliche Pfeile vergebens abgehen las- sen/ ergrimmte mein Capitain, daß er das Jaͤger- Horn von seinem Halse rieß/ und mit demselben nach dem Hirschen warff. Damit wird er ihm zweiffels ohn das Gewichte in Stuͤcken zerschmissen haben. Gefehlt Jungfrau Camilla! Denn das Horn flog just dem Hirsch zum Hindern hinein/ und weil das Wild in vollen Fartzen war/ gab es so ein wunderlich Getoͤne/ daß alle Hunde herzugelauf- fen kamen/ und den Hirschen anhielten/ also ward das Wild gefaͤllet. Cœlestina und Camilla fangen an zu lachen. Du ungehobelter Galgenschwengel/ Cane odio- so! Furfante! Scimia di Barbaria, solst du deinen Herrn also schimpffen! Ey Herr Capitain, er erzuͤrne sich nicht. Wenn ich nicht meines Lebens ein rede gelten lies- se/ so wolte ich dich/ al primo colpo, mit dem Stabe zwoͤlff Ellen tieff in diese Mauren jagen/ daß nichts von dir hier/ ohn der rechte Arm/ zuse - hen seyn solte/ mit welchem du den Hut abziehe n koͤntest/ wenn mein Engel etwa voruͤber gienge. Herr Capitain, ich bitte umb Verzethung/ daß ich ihm fuͤr dieses mal nicht laͤnger Gesellschaff halten kan. Meine Schoͤne wird zum wenig sten mir zulassen sie zu- Schertz-Spiel. sie zubegleiten. Sò che lo potete fare, per la commodita mia. Fuͤr diesesmal bitte ich zum hoͤchsten umb Ent- schuldigung. Adio dann/ wenn es ja nicht anders seyn kan/ mein Engel/ A dio meine Goͤttin/ Adio mein Auf- fenthalt/ Adio mio bene, adio mia gloria, adio donna Celeste ! adio! Palladius. Cœlestina. Camilla. GOtt lob/ daß wir des verdruͤßlichen Menschen loß worden! Koͤnt auch iemanden seines gleichen in dem Traum vorkommen! Diß ist unertraͤglich/ daß er nicht verstehen wil/ daß weder Gunst noch Liebe fuͤr ihn zu finden sey. Trit zuruͤck! Palladius ist verhanden! O daß nu meine Augen reden koͤnten. Es ist doch vergebens! Meine Jungfrau ist bey ihm in so grossem Ansehen/ als ich bey dem Prin- tzen von Peru. Jch hoffe durch Standhafftigkeit meiner Liebe ihn zugewinnen. Jn dem ich mich auffhalte und bemuͤhe andern zu rathen/ vergesse ich meiner selbst. Herr Pos- sidonius hat mir schier die Zett gantz zu nichte ge- macht/ welche ich viel lieber mit dieser zugebracht haͤtte/ welche meine Seele gefangen haͤlt. Doch was versaͤumt/ ist nicht wieder zu holen ! Jch wil nur bald zu ihr mich begeben/ ehe mir ein ander Hindernuͤß vorkommen moͤchte: aber schau/ von dem Regen in die Trauffe! Cœlestina kommet mir so recht entgegen/ als wenn sie bestellet were/ mir etwas in den Weg zulegen. Was thu ich nun ? kehr ich umb? diß solte zu rauhe scheinen. Jch wil nur fuͤruͤber/ und sie mit kuͤrtzen Worten C abfer- Horribilicribrifax abfertigen. Der Jungfrauen meine Dienst! Ach mein Herr Palladi, wie ist er so freygebig mit Dienst Anbittungen/ und so fest mit der Liefferung! Was ich der Jungfrauen versprochen/ und ver- spreche/ bin ich stets willig zu leisten/ ob wir wol bewust/ daß ihr an meinen gering schaͤtzigen Dien- sten wenig oder nichts gelegen. Die mag sich wol seelig schaͤtzen/ welche seiner Dienste geniessen kan. Jch selbst wolte mir fuͤr die hoͤchste Ehre achten/ mit derselben umbzugehn/ so wuͤrde ich vielleicht ihrer Gluͤckseligkeit in etwas theilhafftig. Die Jungfrauen halten fuͤr ihre Lust/ mit uns ein wenig zu schertzen/ und wir fuͤr unsere Ehr/ von thnen umbgefuͤhret zu werden: Vnd mein Herr Palladius fuͤr seine Ergetzligkeit mit uns zuspotten. Bey mir ist Hertz und Zunge in guter Vertreulig- keit. Sie reden beyde eine Sprache. Jch bit- te umb Verzeihung/ hoͤchstwehnteste Jungfrau/ daß ich dieselbe in ihren Gedancken verstoͤret; und befehle mich in dero stetsbluͤhende Gewogenheit. Ey Herr Palladi, er eile doch nicht so hefftig! be- fiehlet er sich in meine Gunst/ und wil mir seine Gegenwart nicht einen Augenblick vergoͤnnen? Jch fuͤrchte der Jungfrauen durch mein Vnnuͤ- tzes Geschwaͤtz beschwerlich zu seyn/ und dadurch ihrer Gunst gantz entsetzet zu werden. Jch wil ihn versichern/ daß er die Gunst/ die ich zu ihm trage/ nimmermehr verlieren kan! So wenig/ als ich die jenige/ die er zu mir traͤgt! Jch verstehe nicht/ was fuͤr ein Geheimnuͤß hin- ter diesen Worten stecke. der Herr sage: er wolle es nicht verstehen. Diese Gunst/ die ich zu ihm trage/ zu verlieren ist mir unmoͤglich/ weil sie zu tieff in mein Hertz einge- wur- Schertz-Spiel. wurtzelt: Seine gegen mir kan er nicht verlieren/ weil er sie noch niemals gehabt. Wie solte es denn meine Gunst seyn/ wenn ich sie niemals gehabt hette. Er hat Gunsts genung/ aber fuͤr eine/ die dersel- ben nicht wuͤrdig ist. Wenn sie gegenwertig were/ wolten wir sie daruͤ- ber vernehmen: unterdessen erkenne ich noch/ daß ich Jungfrau Cœlestine Gunst niemals wuͤrdig gewesen: nichts weniger wil ich mich bemuͤhen sel- bige zuverdienen/ und verbleibe der Jungfrauen stetswilligster! Noch ein Wort/ Herr Palladi. Die Jungfrau verzeih/ ich seh daß eine Person sie ansprechen wil! Sie fahre wol. wie kaltsinnig zeucht er darvon. Ach Camilla, Camilla, wie schmertzlich ists auff un- fruchtbaren Sand saͤen! Sie liebe/ was sie liebet/ und lasse fahren/ was nicht bleiben wil. Deus meus. der heilige Sanct Andereus! beschere uns ein gutes Jahr/ und guten Abgang zu meiner Wahr/ Amen. Hodie tibi, cras sibi, Sanct Pau- lus, Sanct Bartholomeus, Die zween Soͤhne Ze- bedæus, der heilige Sanct Wenzel/ und der See- lige Stenzel, die seyn gut vors kalte Weh/ und behuͤten fuͤr Donner und Schnee. Nu/ ich bin bey Jungfer Sophien gewest/ und habe Voͤgel ge- sucht in einem leeren Nest: Die wil nichts von Don Diego wissen und hoͤren. Wenn ich so schoͤ- ne waͤr/ als sie/ ich wolte meiner Zeit besser war- nehmen: es kaͤme doch hernach ein einfaͤltig Schaff/ daß mich unter der Musterung durchge- hen lisse. Nun wir woln sehn/ wies bey Cœle- C 2 stinen Horribilicribrifax stinen gehen wird. Sie ist schoͤne/ sie ist reich/ sie ist jung/ und schoffert allein in ihrem Kopff. Nach dem alten Ceremonigis wird sie wol nicht sehen/ wo nicht seyn Geld was zu wege bringt. Doch/ die Liebe ist blind/ und faͤlt wie die Sonne/ so bald auff eine Grase Muͤcke/ als auff ein liebes Kind. Last sehn! hier wohnt sie: ich wil anklopf- fen. Sie klopfft. Camilla. Cœlestina. Cyrilla. Die Pa- gen und Gesinde von Cœlestina. Wer klopfft ? INRI. Memnentau mauri. Wer klopfft ? Ein gute Freundin/ liebe Jungfer. Verziehet/ ich thue auff. Was bringet ihr/ Frau Cyrilla? Nicht gar viel Jungfer Simille. Jst Jungfer Cœlestine nicht anzutreffen? Habt ihr etwas anzumelden ? Jch habe etliche Stuͤcke schoͤne Spitzen zu ver- kauffen. Jch wil sie herausser fodern. Geht/ geht/ geschwinde geht/ liebes Kind ! Die heilgen sieben Planeten/ die troͤsten uns in allen noͤthen! Haccus, Maccus, Baccus, die heilgen Wort/ die bewahren uns in allem Ort ! Willkommen Frau Cyrilla! was bringet ihr uns guts neues ? O liebes Kind! ach eure Mutter war eine fromme redliche Frau! O GOtt sey ihrer Seelen genaͤdig! O was hat Sie mir guts gethā! ihr gleicht ihr so eben/ als wenn ihr ihr aus den Augen geschnitten waͤret. Schertz-Spiel. waͤret. O liebes Kind! liebes Kind! welch eine gute Zeit war damals. Weinet nicht/ weinet nicht/ Frau Cyrilla. Seht es ist nu alles theur/ man kauffet ein Stein Flachs umb einen Thaler/ den man da umb acht- zehn gute Groschen krigte. Man hat mir gesagt/ ihr braͤchtet was zuverkauf- fen. Wolt ihr uns nicht euren Kram sehen las- sen. O ja: gar gerne. Harret nur/ ich wil die Bril- len auffsetzen. Denn sehet/ ich bin etwas uͤber- sichtig und habe trieffende Augen ! Seht/ wie ge- fallen euch diese Spitzen ? es ist recht Brabandisch Gut. So maͤssig! habet ihr nur dieser Gattung ? Nein/ ich habe noch unterschiedene: das Hertzgen/ zwey Hertzgen/ das Hertzgen mit dem Pfeil/ das Toden Koͤpffigen/ das Hasen Zaͤnichen. Wie theur die Elle von dieser Gattung ? Nicht naͤher als umb fuͤnff Guͤlden/ sechs Gro- schen. Vnd von dieser Art ? Diese kostet mit einem Wort/ achtzehn Guͤlden und vierzehn Groschen. Ey/ Frau Cyrilla, ihr seyd viel zu theur. Die Lilie wil ich euch umb zehn Guͤlden lassen. Zehn Guͤlden/ und nicht mehr geb ich fuͤr die ge- doppelten Hertzgen. Die Lilie ist nicht sechse werth. Ey/ Jungfer Cœlestine, wo wolte ich hin ? ich wuͤrde zu einer armen Frauen dabey. Gebt etlff Guͤlden und ein halben fuͤr die gedoppelten Her- tzen! So eine reiche Jungfer muß nicht so genau dingen! Vnser Herr GOtt segnet sie denn wider mit einem reichen Manne. Jhr schertzet/ Cyrilla. Nun/ daß wir zu einem C iij Ende Horribilicribrifax Ende kommen; Eilff Guͤlden wil ich geben. Gebet noch die fuͤnff Groschen dazu. nicht einen Heller mehr. Nun/ nun! umb eines andernmals Willen. Wie viel Elen wolt ihr haben. Jch wil das gantze Stuͤck behalten. Wie viel helt es? Gleich achtzehn Elen und eine halbe; das macht gerade 203. Guͤlden/ und ein halben. Sehet/ ich wils euch in den Fingern her rechnen. Ein Elle ist 11. Guͤlden. 2. Elen sind 22. Guͤlden. 4. Elen 44. Guͤlden. 8. Elen 88. Guͤlden. 16. Elen 176. Guͤlden. Nu die uͤbrigen zwo Elen sein wieder 22. Guͤlden. Die zu den vorigen gerechnet/ machet 198. nu bleibet noch die halbe Ele vor sech- ste halbe Guͤlden. Wenn wir die nu zu der vori- gen Summe nehmen/ so macht es gar zusammen/ wie ich vor sagte 203. und ein halben Guͤlden. Hir habt ihr Geld. Drey/ sechs/ neun/ zwoͤlff/ funfftzehn. Jst der Du- caten auch wichtig? Es ist abgewogen Gold. Seht liebes Kind/ alte Leute die irren sich leicht- lich/ achtzen/ ein und zwantzig/ vier und zwantzig/ sieben und zwantzig/ dreißig/ dar mangelt einẽr. zehlet noch einmal/ ich habe recht gezehlet. Es ist wahr: Vngrische Guͤlden soll man zwey- mal zehlen. Fuͤnffe/ 10. 15. 20. 25. 30. 33. 1. Reißthaler/ ein halben Reißthaler/ ein Guͤlden. O Hertzes Kind/ habt mirs ja nicht voruͤbel! ich bin so was vergeßlich: ich muß das Gold in die Tasche schliessen. Camilla, hole mir die Ele. Meine liebe Jungfrau/ weil wir so alleine sind/ muß ich euch was erzehlen. Wenn ihr es nur nicht woltet uͤbel oder auffs aͤrgste außlegen. Cœlest. Schertz-Spiel. Nein gar nicht. Erzehlet frey/ was ihr wollet! Als ich heute außgehen wolte/ ist mir ein Herr be- gegnet/ der euch freundlich durch mich gruͤssen laͤst. So weit. Ein feiner reicher Mann/ der uͤbermassen in euch verliebet ist. Wie heist Er ? Jhr werdet es wol aus diesem Brieffe sehen. Wo ist der Brieff? Hier hab ich ihn in dem Aermel stecken. O Her- tzes Kind/ euch wird wol mit dem Manne gera- then seyn. Jungfrau Cœlestina, hier bring ich die Elle. Wolt ihr die Spitzen messen ? Camilla ruffe mir stracks die Pagen und das Ge- sinde hervor ! Jch wil dir alten Kuppelhuren den Ruͤcken mit Pruͤgeln messen lassen: und wenn ich deiner grauen Haare nicht schonete/ solten dir die Ohren so weit von einander genagelt werden/ daß man sie mit zweyhundert Klafftern Bindfaden nicht solte zusammen knuͤpffen koͤnnen. Mit dem Gesinde. Wie ists meine Jungfrau ? ist die Maß nicht vollkommen ? Soltest du altes Rabenfell dich unterstehen mit derogleichen Schand Brieffen fuͤr mein Gesicht zu treten. Frau Cyrilla! Heist dieses Spitzen verkaufft ? Schmieret die alte Hexe zum tuͤgen ab/ daß ande- re eine Abscheu nehmen derogleichen zu begehen. Cœlestina geht davon. Wir wollen dem Befehl schon ein Genuͤgen thun. Alte Hexe/ was macht der Teuffel ? Nu/ Nu/ last mir meine Muͤtze/ ihr werdet mir die Schaub in Stuͤcken reissen. A meine Tasche/ meine Tasche/ mein Korb. C iiij Der Horribilicribrifax Schau/ das alte Vngeheur hat eine Pe- ruqve auffgesetzet. A gebt mir meine Tasche wieder. Still/ wir wollen ihr einen Bart von Pech an- schmieren. A meine Tasche! meine Tasche ! Gebet ihr die Tasche/ und lasset sie vor den Teuf- fel lauffen! Die Pagen schmieren sie umb und umb mit Koth/ und gehn mit Camilla davon. Cyrilla bleibet stehen/ wischet die Augen ab/ und faͤhret redent fort: Ach mein Kopff! mein Bauch! mein Ruͤcken! O mein Schleyer/ meine Muͤtze! mein Koͤrblin ist gar in Stuͤcken. Hab ich auch noch meine Spitzen gar/ 1.2-3.4.5.8. 12. Stuͤck; ja das heist Brieffe getra- gen. Aber schaut/ dort kompt Don Diego, der muß mirs wol bezahlen. Don Diego. Cyrilla. Der Kopff thut mir weh uͤber dem unmaͤßi- gen Auffschneiden unseres Capitains, welcher doch in Warheit nicht anders ist/ als ein gehel- meter Hase; wer ihn reden hoͤret/ meinet er were der ander Hercules, oder der grosse Rolād. So bald er aber in eine occasion gerathen/ wil er fuͤr Furcht gar zu trieffen. An itz weil er sich fertig macht seine Selenisse zu besuchen/ hab ich mich von ihm weggestolen/ in Meynung allhier der alten Cyril- le zu erwarten. Welche ich nu zu unterschiede- nen malen abgefertiget Jungfer Sophien zu uͤber- eden. heulende: Ja Jungfer Sophien zu uͤberreden. Was potz hundert ist dieses ? wo seyd ihr so uͤbel angelauffen/ Frau Cyrilla. Cyrilla. Schertz-Spiel. Jch wolte noch wol fragen/ sehet nur wie mich eure Sophia abge wuͤrtzet hat! Sie weis wol/ daß besser Wuͤrtze an euch verloren ist. Ja/ und ihr wolt mich noch darzu auslachen! Wie das Fleisch ist/ so ist der Pfeffer! aber ich kan kaum glauben/ daß Sophia so unbarmhertzig mit euch umbgegangen. Welcher Teuffel solte es sonst gethan haben/ hat sie nicht Leute gnug bey sich im Hause/ die sich ih- rer annehmen. Sie wohnet ja mit ihrer Mutter gantz alleine. Was weis ich/ wer stets bey ihr stecket/ sehet nur ich speye Blut. Sie reuspert sich. Purgiere dich Teuffel/ friß Flechtenmacher/ scheiß Siedeschneider/ wische den Ars an Feuermauer- kehrer. Ja was hab ich nu darvon als Stanck und Vn- danck. Wer nicht recht spielen kan/ dem schlaͤget man die Lauten an dem Kopffe entzwey. Das dacht ich. Seyd zu frieden/ seyd zu frieden/ Mutter Cyrill, und folget mir! ich will euch schon Satisfaction thun. Gehet voran; ich wil euch folgen. wenn mich ie- mand sehen wird/ muß ich sagen/ ich sey so gefal- len. Dar ist sen in dem Walde ein Roͤßlein roth/ das hat sen geschaffen der liebe GOtt/ O trauriges Leben betruͤbte Zeit! Du hast mir ge- nommen alle meine Freud. Gehet betend ab. Cœlestina. Camilla. Die thoͤrichte Naͤrrin dorffte sich unterstehen mir C v dero- Horribilicribrifax derogleichen Brieffe einzulieffern! Last uns doch sehen/ wie und von wem er geschrie- ben! Da ist er: leset ihn/ Camilla. Wenn er von Herren Palladio geschrieben we- re/ wuͤrde Cyrille vielleicht eine bessere Beloh- nung darvon getragen haben. Was saget ihr ? Jch verwundere mich/ daß die Außschrifft so schoͤn gestellet : Dem himmlischen auff der Erd e n scheinenden Nordstern meiner Sinnen/ dem gros- sen Beeren meines Verstandes/ der eintzigen sub- tili tet und hoͤchstem Enti meiner Metaphysica, der wuͤrdigsten Natur in der gantzen Physica, dem hoͤchsten Gut aller Ethicorum, der Beredsamsten Phœbussin dieser Welt/ der zehenden Musæ, an- dern Veneri, vierdten Chariti und letzten Parcæ, meines Verhaͤngnisses/ dem hochedlen wolgebor- nen Fraͤulin Cœlestine, meiner glorwuͤrdigsten Gebieterin/ ad proprias. Es blicket wol an dem Gesang/ was es fuͤr ein Vogel seyn muß. Si vales, benè est, ego autem valeo, sagt Ci- cero. Jch hergegen/ O ihr einiger Schleiffstetn meines Verstandes — — — Es wird ein Messer Schmied oder Glaßschneider seyn/ weil er von Schleiffen redet. Si vales benè est: ego autem non valeo, das ist/ ich ægrotire, melancholisire, dec umbire, lan- gvire, es sind mehr frembde Worte hierinnen/ die ich nicht wol lesen kan. Vielleicht ist es Tuͤrckisch oder Griechisch: last uns das uͤberschlagen. Verstehen wir doch das Lateinische nicht. Woher koͤnnet ihr aber so wol Lateinisch lesen ? Jch habe in meiner Jugend in einem Kloster Seiden Schertz-Spiel. Seiden stuͤcken gelernet; da hab ich aus Kurtzweil diese Kunst von den Jungfrauen begriffen. Nun sie hoͤre weiter! Jch langvire in dem Hospital der Liebe/ in welches mich eure grausame Schoͤnheit ein furiret, und wie ein Krancker sich nach nichts sehnet/ als nach seinem Artzt. Ita ego vehe- menter opto nur einen Anblick eurer Clementz, welchen ihr doch Hunden und Katzen nicht mißzu- goͤnnen pfleget. Wiedrigen Falls gehet der Schneider schon zu Wercke/ meiner Hoffnung/ die nichts hat/ als Pein und Knochen ein Traur Kleid zu machen; weil ich gaͤntzlich entschlossen bin mit dem ersten Schiff/ welches Charon wird nach dem Campis Elysiis abgehen lassen/ mich von hir da- hin zubegeben/ ubi veteri respondet amore Si- chæus. Dieses/ wo euch moͤglich/ verhuͤttet und seyd gegruͤsset von Dem/ der die Erde kuͤsset/ auff welcher das Gras gewachsen/ Welches der Ochse auffgessen/ aus dessen Leder eure Schuch- Solen geschnitten Titus Sempronius, Caji Filius, Cornelii Nepos, Sexti Abnepos. Ach armseliger Sempron i! wilst du vor grossem Alter gar kindisch werden ! Ja wol/ armseliger Semproni! warumb bist du nicht Palladius! Was wollen wir aber mit dem Brieffe thun ? Stellet ihn unsern Koch zu. Denn weil er so voll feuriger Gedancken/ koͤnnen wir etwas Holtz zu dem Braten ersparen. Camil- Horribilicribrifax Jch fuͤrchte fuͤrwar/ er wuͤrde mit seiner Kaͤlte alles Feur in der gantzen Kuͤchen außloͤschen. Cyrilla. Sempronius. λάλησον. Nicht die alte Lyse. Et illa hat meinen Brieff angenommen ? Nicht Camilla, sondern Cœlestina selber. Et qvid dixit? Sie schlos ihn nicht in die Buͤchse/ sondern steckte ihn in den Schubsack. έ υ, καλῶς, κάλλιςα. Lachrymor præ gau- dio. Ja kalt ists/ und sie lachte dennoch die Haut voll. Ecqvis me felicior ? Jn der Ecke ist sie vorgestanden/ und hat den Brieff alleine gelesen. Aber was giebt sie Solatii ? Ja Herr Semororiis, Kohl hat sie hie/ ihr muͤst ihr was anders schicken! Ey/ ihr verstehet nicht meum velle. Ey Herr/ was soll es ihr mit Maͤusefallen/ es muß Gold oder was derogleichen seyn. Auro venalia jura. Das versteh ich nicht! heist ihr mich eine Hure? meinet ihr/ daß ichs ihr nicht geben werde. Jhr versiehet nicht meinen mentem. Was Verstand darff ich zu euren Endten ? Jch frage/ was Jungfrau Cœlestina mir zur Ant- wort schicket ? Ecqvid responsi. Ja Herr/ ich gewon sie/ sie sah zwar erstlich ein wenig saur. Aber als sie euch nennen hoͤrte/ muste sie laͤcheln/ wie sehr sie es auch verbergen wolte. Sat est. Ja ich wil wol satt essen/ wenn ihr mir nur was geben woltet. Sempr. Schertz-Spiel. Jch wil schon geben zu essen und zu trincken sine modo. Nein Herr Sbrosemigis, mein Rock darff nicht nach der Mode seyn. Non intelligis. Jch sehs wol/ daß es helle ist/ aber wenn der Win- ter kompt/ ist ein gantzer Rock besser als ein zu- schnittener. Kommet kommet sodes. Herr/ ich esse nicht nur Sodt/ es muß auch Fleisch drinnen seyn. Pruriunt ipsi dentes. Sagt ihr/ die Hure isset huͤbsche Endten ? Ey/ ich rede Lateinisch/ das verstehet ihr nicht. Jch rede wie Marcus Tuilius zu Rom. Es schmeckt nicht uͤbel auff dem grossen Stul/ Marck und R o hm. Jch sage/ daß ich ῥωμαιςὶ, Lateinisch rede. Ja Rom isset sie! Herr Vicmonius, ich verstehe es wol/ ich weis aber nicht/ ob ihr mich eine Hure heisset. Ey nein/ ihr seyd ein ehrlich Weib/ ich meine mei- ne Coqvam, welche der Teuffel zu reiten pflegt. Ja es ist wahr/ daß der Teuffel auff dem Bock zu reiten pflegt. Aber ich habe keine Gemein- schafft darmit. Conscientia mille Testes. Die Pestilentzia unter den Fuͤllen/ ist nicht die be- ste. Jch sage/ qvod me haut intelligas. Da man ein Meisen Haupt auff dem Teller aß ? Auff deutsch! ihr verstehet mich nicht/ haut ca- pis me. Haupt Kapis ist mehr als eine Meise. Jch rede nicht von Essen/ nicht von edendo. Ja meint ihr dehn do. Sempr Horribilicribrifax Jch verstehe den Element, was ich wolle. Jch rede noch von Cœlestina, was laͤst sie mich endlich wissen/ qvid vult ? Ja sie ist euch huld. Mere ? Was wolt ihr mehre? Recht so/ non fallis me? Ja Herr/ ich fiele mehr/ als einmal. Seyd ihr truncken ? Nein Herr Secconies, ich bin nicht ertruncken/ aber gar tieff in den Dreck gesuncken. O misera! Ja es kam mich sehr an. Folget/ folget/ drinnen calesces ad ignem. Wenn man kahl ist/ laͤst sichs uͤbel singen. Die Thuͤr ist offen/ folget hernach/ wir wollen schon weiter/ was zur Sachen dienlich/ ponde- riren. Eyre/ Mehl und Butter lassen sich am besten un- terruͤhren. Daradiridatumtarides. Selenissa. Cac- ciadiavolo. Diego. Mon Dieu! So giebt sich endlich meine bißher un- uͤberwindliche Schoͤne auff Gnade und Vngnade ihrem werthen Freinde dem streitbaren und tapf- fern Daradiridatumtarides Windbrecher von tau- sentmord. Ja/ mein Herr Capitain, mit diesem Handschlag versprech ich mich auff ewig die Seine zn seyn/ trotz allen/ dehn es leid/ und die mir diß grosse Gluͤcke mißgoͤnnen. Graces aux Dieux! Vos avez mis mon Ame au plus haut degrez de la felicitè. Mit dieser guͤl- denen Ketten/ welche mir der unsterbliche Soldat von Pappenheim mit eigenen Haͤnden an den Hals Schertz-Spiel. Hals gehangen/ als ich zu erst mich auff die Mag- deburger Mauren gewagt/ verbinde ich mir meine Goͤttin/ welche mir GOtt Mars selber mit allen seinen Feurspeyenden Granaten und Donner- schwangeren Canonen nicht abjagen soll. Jch bitte/ mein werthester Braͤutigam geruhe/ als ein Zeichen meines standhafftigen Gemuͤths und reinen Hertzens/ diesen Demant von mir an- zunehmen! Den wil ich nicht verlieren/ als mit dieser Faust. Jch glaͤube/ daß Amor selbst seine Pfeile hierauff geschaͤrffet habe. Wer ist auff der gantzen Welt gluͤckseliger/ als ich ? Don Cacciadiavolo, Don Diego, herfuͤr! wuͤndschet eurem großmaͤchtig- sten Capitain Gluͤck. Jay gaigné mon proees! Die Festung/ die ich bißher so lange belaͤgert/ hat parlamentiret, der Accord ist geschlossen/ und soll von uns beyden auff kuͤnfftig unterzeichnet/ auch bald darauff die Citadel in possess genom- men werden. Vive l’ amour \& ma Deesse! Vive l’amour \& sa Deesse! Es ist kein Bluts-Tropffen in meinem gantzen Leibe/ der sich nicht in lauter kleine Feur Grana- ten verkehre/ und mir durch alle Sinnen und Gei- ster schwerme. Jch wuͤndsche diesem neuen Mar- ti und der andern Veneri unvergleichliches Gluͤck! Pallas und Bellona lasse diß treffliche Paar gluͤcklich zusammen kommen/ froͤlich beysammen leben/ und langsam von einander geschieden wer- den. Aus uns werden Kinder geboren werden/ welche die Welt bezwingen/ die Hoͤlle stuͤrmen/ und den Jupiter aus dem Himmel jagen werden/ nicht an- ders/ als wie die Riesen/ welche Berge auff Ber- ge gesetzet/ durch die Wolcken gedrungen/ und biß an die neundte Sphær Sturm gelauffen sind. Jch kenne Horribilicribrifax kenne mein Geschlecht/ und weis gar wol/ aus was fuͤr einer Art wir kom̃en. Alsbald ich auff diese Welt geboren bin/ hab ich auff der Erden herumb gesprungen/ ich habe meines Vatern Degẽ von der Maur herunter gezogen uñ damit so ritterlich her- um̃ geschwermet/ daß ich der Hebam̃en den Kopff/ und der Kinder-Magd den Leib entzwey gehauen. Es brennet bey zeiten/ was eine. Nessel wer- den soll. Muth komt vor den Jahren bey wackeren Gemuͤt- tern. Einen Chevalieur muß man aus dem Bart nicht æstimiren. Cet assetz! Last uns her- ein/ Don Diego, daß man die Trompeten bestelle/ Don Cacciadiavolo, daß man unsre Hochzeit mit einem Salve verehren lasse! Es soll geschehen/ Gestrenger Herr! grosser Gott/ hier ist Zeit gewesen Hochzeit zumachen. Bey uns ist so viel Schuld/ daß ich nicht weis/ die Waͤscherin vor ein Hembde zusaubern zubezahlen. Wird die Braut ein grosses Heyrath Gut mit sich bringen/ so wird es hoch von noͤthen seyn: wo nicht/ so werden wir saͤmtlich Elend aus Essig essen/ mit Mangel betreuffen/ und in bittern Wer- mutt arme Ritter backen. Der dritte Auffzug. Bonosus. Palladius. Es ist nicht anders/ als wie ich erzehlet! Selenissa achtet weder meines Standes/ noch seiner Vortreffligkeit. Sie ist mit dem Groß- sprecher numehr fest. Mich schmertzt nicht mehr/ als daß wir/ wegen der nichts werthen unbedacht- samen/ solche heimliche Feindschafften und Verbit- terung- Schertz-Spiel. terungen gegen einander getragen. Er hat die unvergleichliche Ariana verlassen/ und ich habe die Sinn- und Tugendreiche Corneliam geringe ge- halten/ ja schier gezwungen meinen Vetter zu hey- rathen/ damit ich desto freyer dieser Wanckelmuͤ- tigen auffwarten koͤnte. Solte es aber wol moͤglich seyn/ daß es gesche- hen ? Des Capitains Diener/ welcher des meinen Landsmann und getreuer Camerade, hat anitz in meinem Hause den gantzen Zustand entdecket. Vnbesonnene! thoͤrichte! leichtfertige undanck- bare Selenissa! Mein Herr/ last uns nicht auff sie fluchen/ ich tra- ge ein hertzliches Mittleiden mit ihr/ sie darff kei- ner Straffe mehr/ die durch eine solche Heyrath mehr denn uͤberhefftig gestraffet wird. Wo ich dem Capitain auff seine Hochzeit nicht einen sondern Schimpff erweise/ so muͤsse die gan- tze Stadt von meiner Zagheit sagen. Mein Herr/ der hat Schimfps mehr denn zu viel/ dem man keinen Schimpff mehr erweisen kan. Die gantze Welt haͤlt ihn fuͤr einen Landluͤgner. Er steckt in tausend Schulden vertaͤuffet biß uͤber die Ohren. Selenissa hat auff der Welt nichts! wie kan man beyden mehr Vngluͤcks wuͤndschen ? Jch kan mich nicht genung verwundern uͤber der thoͤrichten und unbesonnenen Jugend! Cleander. Bonosus. Palladius. Recht! Finde ich die Herren und wehrteste Freunde hir beysammen! Jch habe Herren Pal- ladium den gantzen Morgen gesucht. Mein Herr/ die Ehre/ die er seinem geringsten Diener erweiset/ ist zu hoch! und ich bin schuldig ihm auch sonder sein Begehren stets auffzuwarten. D Cleand- Horribilicribrifax Mein Herr Palladi, die Worte sind unvonnoͤ- then. Jch komme anietz auff Befehl ihrer Durch- lauchtikeit/ unsers gnaͤdigsten Fuͤrsten ihn auff den Hoff zufodern/ da er den Eid/ als von ihrer Fuͤrstl. Durchl. selbst erkohrner Mareschall able- gen soll; zu welcher von ihm wol verdienten Er- hoͤhung ich ihm was er selbst begehren mag/ von Hertzen verwuͤndsche. Was hoͤre ich/ Herr Cleander? Jch halte mein Herr treibe den Spott mit seinem Diener! Was solte ich vor Vrsach zu spotten haben in so wichtiger Sachen. Jch bitte mein Herr wolle bald sich mit auff den Hoff begeben/ und nach ab- gelegter Pflicht mir/ nebenst andern werthen Freunden/ welche sich uͤber dieser seiner neuen Eh- re hoͤchlich ergetzen. Seine Gegenwart an met- ner Taffel goͤnnen! Mein Herr Bonosus wird/ wie ich auffs hoͤchste ihn bitte/ kein Bedencken tra- gen uns Gesellschafft zuleisten. Mein Herr Cleander, ich erfreue mich hoͤchstes uͤber seinem unverhofften/ doch wolverdienten Gluͤcke. Mein Herr/ ich weis bey diesem Zustand nicht/ wie oder wenn ich zufoͤrderst zudancken verpflich- tei; Diß einige ergetzet mich/ daß ich Mittel an die Hand bekommen/ ihnen in der That zuerwei- sen/ daß ich ihrer allerhoͤchst verpflichtester Die- ner. Sempronius. Cyrilla. Amor vinumqve nihil moderabile sva- dent. Schwaden in Milch gekocht ist gut. Nihil ad Rhombum. Michel worumb drumb ? Semp Schertz-Spiel. Ἐγὼ σκόροδά σοι λέγω, σὺ δὲ κρομμὐ ἀποκρί- νϵις. Ja freylich muß man das Korn lesen/ wenn es krum und nicht gruͤne ist. Jch rede de plaustris, ihr antwortet de trahis. Jhr redet von der Plautze/ die ich wegtrag itz ? Jch rede von meinem Cordolio. Jo ich hab den Korb voll jo. Von meiner Cœlestina bey der ihr umb Antwort anhalten sollet/ wo es in fatis. Ja ich soll fragen/ ob sie Fladen isst ? Der sollet ihr bringen diese margaritas. Das soll ich bringen meiner Margritte. Jhr sollt die Perlen Jungfer Cœlestinen geben/ sag ich/ zu einem Mnemosyno. Sol ich sie geben meinem Sohn? Ey nein doch/ ihr sollet sie zustellen Fraͤulein Cœ- lestinen zum Mnemosyno. Ja/ ich meine so. Wenn seh ich euch rursus. Herr ihr vergesset euch/ ich heisse nicht Vrse. Ερωτάω. Ein rot Auge ? Ego qværo, ego interrogo, ego sciscitor, das heist/ ich frage euch/ qvando reversura sis ? Nu seht nur Herr/ ihr redet so geschwinde/ und fraget immer/ ob Anne eine Hure ist. Ey was ist mir daran gelegen. Jch frage/ wenn ihr wiederkommen wollet mit Antwort und guter Ver- richtung. So bald als moͤglich. ὕπαγε ἐις ἐιρήνην. Ja/ ja ich wohne hierinnen. Cœlestina. Camilla. Nun ists vergebens! meine Hoffnung ist todt! D 2 Him- Horribilicribrifax Himmel/ muß meine getreue Liebe mit einem so traurigen Außgang belohnet werden! Gedult und Zeit/ werthe Jungfrau/ aͤndert und heilet alles. Die Wunde ist zu groß/ und der Schmertz zu hef- tig. Jch glaub es gern/ daß nichts verdrießlichers und schaͤndlichers/ als wann man treuer Liebe mit Vndanck begegnet. Aber was kan euren Verstand besser auff den rechten Weg bringen/ als wenn ihr uͤberleget/ wie uͤbel er mit euch bißanher ge- handelt. Aber warumb schneid ich mir selbst alle Hoffnung ab? liebeste Camilla, suche doch noch einmahl Ge- legenheit mit ihm zu reden/ und ihm meine grosse Gewogenheit zu verstehen zu geben. Meine Jungfrau/ hat er sie nicht geachtet/ als er noch im geringerm Stande geschwebet/ was wird er ietzund thun/ nun er so unversehens so hoch gestiegen ? Ehre aͤndert die Gemuͤtter und macht aus Muth Hochmuth. Wolte GOtt/ sie aͤnderte sein Gemuͤtte/ daß er ein wenig besser umb sich sehe und betrachtete/ wer diese waͤre/ die er verachtet. Ach/ meine Jungfrau! Jhr begehret ein Wun- derwerck und eine zu unsern Zeiten unerhoͤrte Sa- chen! kennet ihr Palladii unveraͤnderlichen Vorsatz nicht ? Eher wolte ich wilde/ ja Felsen bewegen/ als ihn/ wenn er einen Schluß einmal gefasset. Mit einem Wort/ ich hoͤre nichts mehr als meine Verdamnuͤß in dem Rechtshandel der Libe. Es kan hier nicht anders seyn. Euer Richter ist gar zu unbarmhertzig. Gilt denn keine fernere Beruffung ? kein Auff- schub? keine Linderung des Vrtheils ? Zu oder vor wen wollen wir des zihen ? Cœlest. Schertz-Spiel. Zu Palladio selber/ wofern meine Schoͤnheit/ meine Jugend/ mein Stand/ Vermoͤgen und Tu- genden/ welche andere/ ihrer Einbildung nach/ hey mir reichlich antreffen/ nicht seiner Gunst wuͤrdig; wird ihm doch vielleicht meine unver- gleichliche Standhafftigkeit zu Gemuͤthe dringen. Jch fuͤrchte gegentheils/ er werde unsers Elen- des spotten/ und uns aus seinem eignen Munde hoͤren lassen/ was wir schon ohne diß vernuͤnfftig muthmassen koͤnnen. Jch bin bereit nicht nur aus seinem Munde das Vrtheil meines Todes anzuhoͤren/ sondern wolte wuͤndschen/ wenn moͤglich/ von seiner Hand zu sterben; ia ich wolte mir solchen Vntergang fuͤr die hoͤchste Gluͤckseligkeit und letzte Ervoͤllung al- les meines Wuͤndschens halten. Jch bin weit anders gesinnet. Aber/ ich sehe den Capitain! last uns beyseit/ daß er meiner Jung- frauen nicht verdrießlich falle. Capitain Horribilicribrifax. Harpax. Hast du es glaubwuͤrdig vernommen ? Mit diesen meinen zweyen Ohren hab ich es ge- hoͤret. Vnd du hast es gehoͤret ? Jch hab es gehoͤret. Du hast es gehoͤret ? Jch/ ich/ ich/ ich hab es gehoͤret. Mit deinen Ohren? So wol mit den Ohren/ als offnem Munde/ ja Gehirne und allen fuͤnff Sinnen! Daß Sempronius sich unterstehe seine Gedancken da einzuqvartiren/ wo allein der unuͤberwindliche Horribilicribrifax Winterlaͤger halten soll ? Signor Capitano, wird eure Herrligkeit nicht bey Zeiten darzu thun/ so duͤrfften noch wol andere D iij als Horribilicribrifax als Sempronius ehe eine Feldschlacht aldort lie- fern/ als er an das Winterqvartir gedencken. Se mi monta il grillo nella testa, satò huomo da scannar Marte e Morte, e Sempronio, e far si, che di lei non si ragioni mai piu. Welch Bellero- phon, Rinocerote, Olivir, Palmerin Roland, Galmy Peter mit dem silbernen Schluͤssel/ Tri- strant, Pontus, duͤrffen sich unterstehen nur der- gleichen Sache zugedencken/ schweige denn ins Werck zusetzen. Jch erbasiliske mich gantz und gar/ die Haare ver medusiren sich in Schlangen/ die Augen erdrachen sich/ die Stirne benebelt sich mit Donnerspeienden Wolcken. Die Wangen sind Ætha und Mon Gibello, die Feurfuncken stieben mir aus dem Munde wie aus dem Heckel- berge/ der Hals starret wie der Thurm zu Babel/ es blitzet mir im Hertzen nicht anders/ als wenn tausend Hexen Wetter darinnen gemacht haͤtten. Jedweder Finger vertheilet sich in noch dreissig an- dere. Die Fuͤsse schiessen in so viel Wurtzeln aus. Somma ich erzuͤrne mich zu tode. Jo Sputo Ar- chibusi, Pistolle, e fulmini, daß mir nicht einer von den Mordvoͤgeln entgegen geflogen koͤme/ daß ich meinen Grimm an ihm außlassen koͤnte/ mit ei- nem Anblick wolte ich ihn in lauter Asch verkehren nicht anders/ als die Granaten/ wenn sie in die Heuschober fliegen. Signor Capitano, Signore e Padron mio glorio- sissimo, darff ich euch unter Augen treten? Wozu dienet diese Frage? Jch fuͤrchte/ ihr moͤchtet mich auch anzuͤnden/ ich bin etwas duͤrre von Hunger. Sey sonder Sorge ! meine Augenstralen haben Verstand. Qvelli che meco vivono, e che Ser- vono la persona mia ornata di tanti trofei e tri- omfi, non vivono in pericolo. Harpax. Schertz-Spiel. Nun ist Noth verhanden: Sempronius kompt selbst selber zu seinem Vngluͤck E. Herrlikeit in die Haͤnde. Horribilicribrifax. Sempronius. Harpax. Omnes homines summa ope niti decet, ne vi- tam silentio transigant veluti pecora. Salust. de Conjuratione Catilinæ. Multa dies variusqve labor mutabilis ævi rettulit in melius. Virgil. lib. 9. Æn. Amavi, amavisti, amavit, amo, der Fuchs aͤndert die Haare/ nicht das Gemuͤthe/ sa- get das Deutsche Sprichwort. Vnter dieser grau- en Aschen meines Kopffs/ sub hisce canis, liegen noch viel gluͤende Kohlen der Liebe verborgen/ i- gnes suppositi cineri doloso. Horatius. Er ist verloren! er hat gelebet! er ist todt. Ey/ Ey/ Herr Capitain! Sed qvid sibi vult Pyrgopolynices iste qvi ita gla- diatorio animo ad nos affectat viam? Wer bist du? Wer bist du ? Qvesta e una domanda impertinente, la qvale merita per risposta una pugnatat’a vel cuore. Du magst wol ein Bernhaͤuter in der Haut seyn hastu redliche Leute nicht lernen gruͤssen ? Saluta libenter, sagt Cato. Jch werde rasend. Helleboro opus est homini! er ist toll. Bisogna, ch io faccia in pezzi, chio fulmini, qvæ- sto ladrone ! Sag ihm wer ich sey! Mein Herr Sempronias thut sehr uͤbel/ daß er sich an einem so fuͤrtrefflichen Mann vergreifft! Er ist der Weltberuͤhmte Capitain Horribilicribrifax von Donnerkeil! Jst er Horribilicribrifax von Donnerkeil/ so bin D iv ich Horribilicribrifax ich Sempronius vom Wetterleuchten/ famâ super æthera notus. Tu sei un Bufalo. Wo ich mich recht erzuͤrne/ so haue ich euch in kleine Stuͤcken/ daß euch die A- meissen in zweyen Augenblicken wegtragen. Qvi moritur minis, illi pulsabitur bombis. Wer fuͤr Draͤuen stirbet/ dem laͤutet man mit E- selsfuͤrtzen aus. π ολλὰ μεταξὺ πέλει κύλι- κος καὶ χείλεος ἄκρομ. Oder meinet ihr/ daß ich in meiner Jugend auff der Universität nicht auch habe fechten lernen ? πολλῶν ἐγὼ θρίων ψόφμος ἀκήκοα! Huc si qvid animi ! Jch verstehe nichts was er wolle. Jch glaube daß er gesonnen uns zu beschweren. Jhr habt die unvergleichliche Cœlestinam lieb. Das thu ich zu trotz/ euch und allen den es leid ist/ qvid id ad te ? Jch sage/ daß ich ihrer Liebe wuͤrdiger bin. Mentiris, Das heist auff deutsch/ es ist erlogen. Oh qval’ oltragio! Sol ich dis Wort hoͤren ? was hindert mich/ daß ich euch nicht in einem Streich in hundert tausend Stuͤcken zerheile. Qvid me retinet, daß ich nicht mit diesem meinem alten guten Spannischen Degen/ mit welchem ich auff so vielen Universit aͤten den Bachanten Loͤcher geschlagen/ den Haͤschern Schenckel und Koͤpff abgehauen/ die tollesten Teuffel blutruͤnstig ge- macht/ die Steine auf der Gassen zuspalten/ dem Rectori Magnifico die Fenster außgestochen/ den Pedellen die Fuͤsse gelaͤhmet/ eine solche That veruͤ- be/ daß die Sonne am Himmel druͤber erschwartze/ und die Planeten zuruͤcke lauffen/ nec dum omnis hæbet effœto in corpore Sangvis. Virgil. Ob ich euch wol mit diesem Degen koͤnte auff an- dre Meinung bringen/ ( havent’io un giorno nel amfi- Schertz-Spiel. amfiteatro di Verona ucciso dimia mano molto mille gladiatori ) wil ich euch doch darthun aus eu- rer eignen Wissenschafft/ daß ich besser sey als ihr/ damit ihr sehen sollet/ daß ich eben wol studiret bin/ und in Artem Aratoriam Verstand habe. Jhr seyd ein Gelehrter/ und macht profession von dem Buch/ als ich von dem Degen. Jst das nicht wahr ? Rem acu! Nu wisset ihr ja wol/ daß man das Buch unter dem Lincken Arm traͤgt: und den blossen Degen in der rechten Hand fuͤhret/ Ergò gehen die Gelehr- ten unten und wir oben an. Καλῶς. Ergo gefehlet. Als weñ man nicht den Degen auff der lincken Seiten truͤge/ und ein offen Buch in der rechten Hand hielte: als wenn man nicht die Feder oben auff den Hut steckte/ welches ich weitlaͤufftiger mit vielen Syllogismis, Enthy- mematibus, Soritibus, Inductionibus, Elenchis, Mesosyllogismis, Argumentationibus crypticis, Distinctionibus, Divisionibus, Exceptionibus, außfuͤhren koͤnte/ nisi res esset liqvidissima per se, und klaͤrer als die Sonne in ipso meridie. Last uns fliehen/ mein Herr/ er zaubert/ er redet der boͤsen Geister Sprache. Si me le direte: lo sapero! Als wenn ich nicht mit vielen Sonneten, Madrigalen, Qvadrinen, Oden, Canzonen, Concerten, Sarabanden, Serena- den, Aubaden, das Widerspiel beweisen koͤnte ; doch damit ich euch Schamroͤthe abzwinge/ und beweise/ daß ich ein besser Arator bin/ als ihr; so wil ich eine Roration halten/ die ich gethan/ als Pappenheim Magdeburg einnahm/ und man kurtz zuvor in dem Kriegsrath herumb fottirete. Habt ihr so viel Muhts/ so beantwortet mir dieselbe Au- genblicks D v Sem- Horribilicribrifax Ego sum contentissimus. Harpax, Du solst unterdessen General Tylli seyn. Setze dich derowegen hier nider. Bildet euch nun ein/ hir sitze General Tylli, und neben ihm Feldmarschall Pappenheim, Hora, diamo princi- pio alla narrativa! Es wurd deliberiret, ob man Magdeburg denselben Morgen antasten oder ver- ziehen solte/ biß unsre Abgeordneten wieder ins Laͤger kaͤmen/ Don Arias von Toleto, welcher in dem uͤbrigen ein hurtiger Cavalier, aber in der- gleichen actionen troppo ardito: hatte vor mir geredet/ ich richtete mich con la grandezza mia superbissima è con meraviglia e tremore di tutti circonstanti, auff diese meine Marmoͤrne schenckel/ gab ihm einen unversehenen Blick mit diesen zwey- en brennenden Carfunckeln/ oder glaͤntzernden La- ternen dieses meines fleischlichen Thurms. Die Frantzosen nennen es une oillade. Jch zittere und bebe uͤber diesem Angesichte! Nachmals als ich sah/ daß ich dem Don Arias ein Schrecken duꝛch alle Beine gejagt ; und sich die gan- tze Compagnie uͤber mir entsetzete/ wolte ich die Gemuͤtter etwas saͤnfftigen/ damit sie mich mit de- sto groͤsserer Anmuth hoͤren moͤchten/ derowegen prima d’ogn’altro, bacio le ginochia Jhrer Ex- cellentzen, des Tylli und des Pappenheims/ come si conviene. Nachmals/ inchinai la testa gegen die umbstehenden Herren/ und sprach also: Herr Semproni! ihr habt schon verlohren! Jhr werdet diß nimmermehr nachthun. Sintemal Jhre Excellentzeste Excellentze, die Zeit sehr kurtz/ in dem wir den Feind vor der Stir- ne haben und eine Etunde/ Minnte/ ja Augenblick uns die Victorie geben oder nehmen kan; diro an- cor’ io qvalche cosa, und wil mit wenigem mein Gemuͤth entdecken und sagen/ daß ob es wol uns Cava- Schertz-Spiel. Cavaliren uͤbel anstehe/ mehr mit der Zungen/ als dem Degen zu reden/ und du mein beruͤhmtes Schwerdt/ tu mia spada fulminea, tagliente e fen- dente! Wenn du eine Zunge haͤttest/ eben diß sa- gen wuͤrdest; nichts desto weniger wil ich sagen/ weil mir zu sagen gebuͤhret/ und die Reye zusagen an mich gelanget ist/ und wil nicht sagen/ daß ich zu beweisen willens/ daß ich wol und viel sagen koͤnte/ sondern wil auffs einfaͤltigste vor euch sa- gen/ was mich duͤncket/ das gesaget werden muͤste/ und will nichts weniger sagen/ als was gesaget ist von den beruͤhmtesten Leuten/ denn wenn ich et- was anders sagete/ wuͤrde ich sagen wider Kriegs- manier/ nach dessen Gewonheit ich auffgestanden bin/ etwas zusagen. Vnd so iemand unter dem Hauffen ist/ der sich einbildet/ daß er mir sagen duͤrffte/ ich solte nicht also sagen/ der mache sich herfuͤr und sage es/ ich weis daß er nicht anders sagen wird/ als was ich sagen wil. Jch sage denn was drey Personen aus diesem unzehlichen und unuͤberwindlichen Heere werden sagen/ koͤnnen sa- gen/ muͤssen sagen/ wollen sagen/ und sagen auch sonder ein Wort zusagen. Die ersten Zwey sind ihr excellentzeste Excellentz, (und hiermit mach- te ich einen Reverentz) die Dritte bin ich. Weil mir aber nicht wol anziemet was zu sagen/ so schweige ich aus Modestie, und remittire mich im uͤbrigen auff dieselbe/ die etwas gesaget haben/ und noch sagen werden. Hor su, Finiamo, la qvi. Koͤnte man wol was schoͤners gesaget haben/ Harpax ? Das ist ein schoͤn untereinander gemischetes Ge- sage! waͤre nicht eine Abschrifft darvon zu erlan- gen ? Mi sarà di sommo contento, gar sehr wol/ aber zu einer andern Zeit! itzund last uns hoͤren/ was dieser dargegen zu sagen habe. Har- Horribilicribrifax Monsieur Sempronius, die Reye etwas zusagen/ ist nun an euch gelanget. Jch sage derowegen/ qvod nihil dictum sit ab eo, qvod non sit dictum prius; und bey dieser Ge- legenheit etwas zu sagen/ wolte ich lieber also ge- saget haben: ὑψηλὰν ἀρετᾶν Ανακτες! Hoͤret Wunder! hoͤret! Daß man mir nicht in die Rede falle! O ihr durchlauchtigsten und unuͤberwindlichsten Heroës, welcher unvergleichliche Staͤrcke sich nicht auffhal- ten laͤsset in den alten und gedrangen Graͤntzen/ Montium Pyreneorum, Alpium, Atlanticorum, Apenniorum und Sarmaticorum, sondern weit uͤ- ber die Graͤntzen/ in welchen Calisto nicht auff- gehet/ sese penetrat, unb herumb faͤhret durch den zwoͤlffthierigen Kreis des Titanis, penetrans die beschwaͤrtzten Æthiopes, streiffet umb das Vorge- birge bonæ Spei, floret durch die wolrichenden Mo- luceas, henget sich an die bepfefferte Bengala, ge- het fuͤruͤber bey denen/ ihrer Einbildung nach zwey aͤugichten Chinesern, und haͤlt Mittags Ruh in Japan. Jch der ich nicht bin der andere Marcus Tullius Cicero, der nicht erreichen kan lactifluam eloqventiam Titi Livii, qvi non adspiro ad gravi- tatem Salustianam, neqve asseqvor Cornelii Ta- citi divinam Majestatem, Jch/ sage ich/ der ich gleichwol diese Discursus vor die treflichsten halte/ ὁίτινες περὶ μεγίςων τυγχάνομσιν ὄντες, καὶ τμὸς τε λέγοντας λάλιςα έπιδεικνύομσι, will euch mit vielen Worten nicht auffhalten/ cùm a- lias die Zeit kurtz/ \& jus sit in armis: remittire mich also auff die/ die bißanher geschwiegen haben/ und noch de facto schweigen. Dixi. Was haͤlt Har- pax von dieser Oration ? Sie war bey meiner Seel auch schoͤn: ob ich wol kein Schertz-Spiel. kein Wort darvon verstanden habe. Herr Capitain es muß ein verdrießlich Ding seyn einen General abzugeben. O hime’che parole son qveste ? Warumb ? Warumb ? solte er doch tolle werden/ wenn er nur iedweden Tag solcher zwey Rorationes hoͤren muͤste. Tu non m’intendi ? Va! Va! Du bist ein igno- rant, / und verstehest nicht die Zierligkeit der Wol- redenheit. Dem sey/ wie ihm wolle. Aber welches Oration war nu die beste ? Mir ist/ als wenn ich bey einer Fuͤrstlichen Taffel saͤsse/ und nicht wuͤste unter den Gerichten zu weh- len/ oder eins mit mir zu werden/ welches das schmackhaffteste. Vertraget euch selber unter ein- ander. Jch resignire euch die Excellentz, mit sampt der Tilly schafft und dem Generalat. Ergò ἔῤῥωστ, Herr Capitain. Adio signor Semproni. Ho/ ho/ sie kommen ja beyde noch lebend von einander. Der Jude traͤgt ein silbern Gießbecken unter dem Arm/ und die Kanne in der Hand. Rabbi Isaschar. Frau Antonia. Ey bey meinem Juͤdischen Maddah! bey meinem Eyde! es ist nicht anders/ als ich euch sage! mez- zekenim ethbonam! So were ich die elendeste Frau auff dem gantzen Erdboden. Andere reden gleichwol gar anders. Lo jaden velo jafinu. Jhr werdet das in der That erfahren/ denn ich sage euch nichts als die blosse lautere Warheit! Was haͤtte ich fuͤr Vrsach euch zubetriegen ? ich weis/ ihr seyd eine Ehrliche Frau/ es Horribilicribrifax es ist nicht anders/ so wahr/ als ich Rabbi bin/ und heute gedauscht habe. Es scheinet aber unglaublich zu seyn. Vnglaublich ? warumb unglaublich ? es geschehen wol mehr derogleichen Sachen/ und ihr kennet das gemeine Sprichwort: Der Tod und Heyrath ent- decken alle Dinge/ wenn es nicht so waͤre/ man wuͤrde malcanderen den gehelen Dag sonder Ers- gatt beschiten/ spricht der Hollaͤnder. Mein lieber Rabbi, seyd mir doch zu Dienste mit zwey oder dreyhundert Reichsthalern/ nur auff wenige Tage/ gegen genungsames Pfand. Ey warumb das nicht/ liebe Frau ? auff ein Jahr und laͤnger/ wenn das Chafol Tof und Thuf ist; last mich es schauen! Hir hab ich es. Sehet welch eine treffliche Kette mit Diamanten versetzet. Ey Frau Antonia ? welch schoͤn Ding ist das? col hefel hefalim! Es ist ein trefflich Stuͤck/ wie ihr selber sehet/ nehmts in eure Haͤnde/ und beseht sie gar wol. Frau Antonia, wir sind gute Freunde; ich habe euch mehrmahls gedienet/ und thu es noch gern: Hoffe auch/ ihr werdet mir erlauben/ daß ich ein omer oder zwey mit euch reden moͤge. Wie viel begehret ihr/ daß ich euch auff diese Chach leihe ? Dreyhundert Reichsthaler. Wolt ihr/ daß ich euch mit einem nifo sage! Ey Rabbi Isaschar, machet die Sache nicht schwer! die Kette ist auffs wenigste zwey tausend Ducaten werth. Frau Antonia! mit einem Wort ich wil euch auff diese Kette schilen — — — Wie viel? Fuͤnff Silbergroschen! und ist noch he ed ith. Was fuͤnff Silber Groschen ? seid ihr toll ? Rabbi. Schertz-Spiel. Mein/ Frau Antonia, ich bin chachan, aber die Kette ist von Messing/ und die Steinichen von Glaß. Das sag ich euch bey meinem Juͤdischen Alah! Wie kan es moͤglich seyn ? es hat sie noch vor zwey Stunden der tapfferste Cavalier an seinem Halse getragen! Traut meinen Worten/ und gebt die Kette dem wider/ von dem ihr sie empfangen habet. Die Kette ist von Messing. Der braveste Cavalier ? O es ist lo achet geschehen! ihr sind mehr/ die de- rogleichen Ketten tragen! So ist weder Treu noch Glauben in der Welt! Von wem habt ihr sie geachazt ? von Capitain Daradiridatumtarides. Ho? es ist der groͤste maschgeh, Bescheisser und Betruͤger in der Welt ! Ey Rabbi, bedencket euch! was saget ihr ! Jch wolte es ihm in die Augen sagen/ zu heteln, falsche Siegel nachzumachen/ Handschrifften zu- verfaͤlschen/ Brieffe zu erdichten/ ist seines glei- chen nicht! Er ist mir achthundert Kronen schul- dig/ und schier so viel neschech, und schweret alle Tage/ daß ihn der Schet holen moͤchte. Aber ich sehe weder Zahaff noch Silber/ noch Zinse. Das beste wird seyn/ daß ich ihn lasse Thapsen/ und in das Esur stecken. Es ist unmoͤglich! Er ist mit nicht allein schuldig; es ist kein Kenaani, kein Kramer/ kein Schneider/ kein Schuster/ kein Hutmacher/ der ihn nicht auff seinem megillha o- der Buche habe. Das ley GOtt in dem hohen Himmel geklagt! Gluͤck zu/ Frau Antonia, ich muß bacek und die- ses silberne aggan mit der Gießkanne einschlissen. Schaut dieses hat mir auch ein Cavalier, der den Fuͤr- Horribilicribrifax Fuͤrsten heute eingeladen/ zu Pfande gegeben/ gleich als sich die Gaͤste gewaschen/ damit ich ihm Keseph zu Brodt liehe. Wenn sie werden Taffel gehalten haben/ hat er mir versprochen das Saltz- faß mit den Tellern und Schuͤsseln dargegen zu- schicken/ damit ich ihm das Becken wiederfolgen lasse/ daß sie sich nach der Mahlzeit wider Thaharn koͤnnen. O das Hertz moͤchte mir fuͤr Vngedult in tau- send Stuͤcken brechen; O meine Tochter! meine Tochter! in was Elend hast du dich und mich durch deine Vnbesonnenheit gestuͤrtzet! Der vierdte Auffzug. Bonosus. Palladius. Cleander. Jch bitte die Herren verschonen meiner mit derogleichen Wortgepraͤnge; Sintemal ich sie nach Wuͤrden vor diesesmal nicht habe bewirthen koͤnnen: Doch verhoffe ich mein guter Wille werde die Taffel/ stat der Speisen besetzet haben. Mein werthester Cleander, ich bleibe ihm e- wig verbunden. Herr Mareschall ich sterbe der Seinige. Mein Herr Cleander, ich bitte/ er wolle mir befehlen/ er sol mich bereitwilligst finden/ ihm zu dinen. Mein Herr/ ich bin gantz der Seinige. Herr Mareschall/ er denck unserm geheim Gespraͤche et- was nach. Fraͤulin Eudoxia ist eines Liebhabers von sonderbaren Vortrefflikeiten wuͤrdig. Dem Herren meine Dienst ! Mein Herr/ ich bleibe der Seine. Cle- Schertz-Spiel. Jch ersterbe der Herren bereitwilligst- und ver- pflichtester Diner. Bonosus. Palladius. Jn warheit/ Herr Mareschall/ die Speisen wa- ren uͤberaus koͤstlich. Der Stadthalter laͤst an Magnificentz nichts gebrechen/ und verleuret lieber sechs Pfund Blut/ als eine scrupel reputation. Aber/ was sagen wir von Fraͤulin Eudoxia ? Mein Herr Marschall/ er seufftzet! sie ist wol verwechselt mit Selenen, und gehet ihr an Stande/ Schoͤnheit und Geschlecht ein weites voran. Herr Bonosus schertzet nach seiner Art. Wir wol- len zu anderer Zeit davon reden. Er ist getroffen/ man merckt es aus allen seinen Geberden. Sein Diener/ mein Herr! Ein gluͤckseliges Widersehen/ mein Herr Mare- schall. Flaccilla. Cleander. O werthestes Pfand der keuschesten Seelen/ wel- ches die Ehre der Schoͤnesten zuretten auffgesetzet wird. O Haar das hoͤheren Ruhms wuͤrdig/ als das jenige/ welches die unzuͤchtigen Liebhaber umb die Arme winden! O Haar/ das zwar mit keinen Perlen/ aber doch mit den Thraͤnen der Keusche- sten gezieret. O Haar/ das keinem Golde der Welt gleich zu schaͤtzen/ und doch geringer geach- tet wird/ als Staub/ von denen/ die ihres grossen Reichthumbs sich zu eigenem Verderb mißbrau- chen. Dionysi, nim den Degen/ und folge mit den Pa- gen. Diodor vermelde dem Herren Mareschall/ daß ich seiner nebenst einer angenehmen Gesell- E schafft Horribilicribrifax schafft zu der Abend Collation in meinem Lustgar- ten gewaͤrtig. Ach dort komt der Stadthalter! keiner ist/ dem ich meine Wahre lieber feil bieten wolte als ihm/ wenn mich nicht meine euserste Scham/ und sein grosser Stand ihn anzureden/ verhinderte! Jch weis doch wol/ daß er einem vortrefflichen Fraͤulin auffwarte/ welcher dieses ein angenehm Geschen- cke seyn wuͤrde! gehe ich ? stehe ich? was thue ich ? Allezeit Geschaͤffte. Jrre ich/ oder bringet diese Frau eine Bittschrifft getragen ? Ach ! Er hat mich erblickt! Vnd scheuet sich mich anzureden ? Woher meine Frau ? Ach gnaͤdiger Herr ‒ ‒ ‒ ‒ Redet unerschrocken. Was traget ihr allhier verborgen? Wo kommt ihr mit diesen Haaren her ? Ach genaͤdiger Herr/ sie sind zuverkauffen. Jch bin in dieser Meinung auff den Hoff kom- men/ sie iemand aus dem Frauenzimmer anzubie- ten. Trefflicher Handel ! ich hoͤre in Ost Jndien nehme man den Weibern Wolle von den Koͤpffen/ und mache Schnupfftuͤcher draus. Was wird man bey uns nicht zu letzte mit den Haaren an- fangen! last schauen eure Kramerey. Diß ist ein schoͤnes Haar! wo der Baum so anmuthig als die Blaͤtter/ wolten wir uns wol in dessen Schat- ten ergetzen. Jhr Genaden koͤnnen ihrer Liebsten mit diesem Geschencke nicht unangenehm seyn. Wir wissen von keiner Liebe: und da wir unsere Gewogenheit auf eine Person geleget haͤtten; wuͤr- de uns ja keine Kahle beliebet haben. Flac- Schertz-Spiel. Die Vornehmsten unter dem Frauen-Zimmer pflegen frembde Haare mit einzuflechten. Die offt an dem Galgen abgefaulet/ oder von den Frantzosen außgefressen. Jch versichere eure Gnaden/ daß von diesen Haaren nichts derogleichen zuvermuthen. Raͤudige Schaafe lassen die Wolle gerne gehen: und wenn der Fuchs kranck wird/ so staͤubet ihm der Balg. Ach ‒‒‒ Ach! Warumb erseufftzet ihr so heftig? geschichts viel- leicht/ weil ich euch die Warheit sage? Ach Jhre Genaden irren in diesem Stuͤck heff- tig! Warumb weinet ihr? Wessen sind diese Haare ? Jch bitte demuͤtigst/ Jhre Genaden wolle meineꝛ veschonen! Durchaus ich wils wissen! Sind sie vielleicht einer Todten abgeschnitten worden ? Ach Jhr Genaden/ die Person ist bey Leben/ und wol die Keuscheste die in dieser Stadt zu fin- den. Sind sie irgends einer geistlichen Jungfrau ? Ach! Saget sonder Weinen heraus/ wessen sind sie? Ach Jhr Genaden/ sie sind ——— Wessen ? Nun fort. Ach ! meiner einigen Tochter. Also! Weil der Vogel nicht gelten will/ so ver- kaufft ihr die Federn! betruͤbet euch nicht/ meine Frau! mich duͤnckt/ ich solle euch irgends wo vor diesem gesehen haben. Wo wohnet ihr ? Ach! Es muß etwas auff sich haben/ daß sie sich nicht E ij meldet. Horribilicribrifax meldet. Wie ist euer Name ? Jch bin eurer Genaden Dienerin. Jch frage nach dem Namen. Ach eure Genaden/ ich heisse Flaccilla. Vnd die Tochter ? Sophia. Jst nicht euer Ehemann Possidippus genennet worden ? Ach ja! Was treibet euch solchen Handel zu fuͤhren? Die eusserste Noth/ mein Leben/ und der Toch- ter Ehre zuretten. Seid ihr deñ aller Mittel so gantz entbloͤsset? wei- net nicht! weinet nicht! was begehret ihr fuͤr die Haare ? Es wird in Eurer Genaden Belieben gestellet. Servili, fuͤhre sie in das Haus/ und lasse ihr ein tu- tzend Ducaten zustellen. Verlasset euch auff mich! und wo euch was gebricht/ so sprechet mich sicher an. Cleander. Dionysius. Zuruͤck ihr Diener und Pagen! Dionysi komm hieher! kennest du diese Frau ? Sehr wol/ genaͤdiger Herr/ sie ist aus einem der beruͤhmtesten Geschlechter dieses Landes. Vnd ihre Tochter. Die Schoͤneste und aͤrmeste/ die irgend anzutref- fen : aber/ die zugleich den Ruhm der Keuschheit hinweg traͤgt. Die Jungfern sind alle Keusch/ weil niemand mit Geschencken oder Fragen auffwartet. Gnaͤdiger Herr/ sie ist so hoch und offt bewehret/ daß an ihrer Keuschheit nicht zu zweiffeln. Es hat nicht gemangelt an derogleichen Auffwartern/ die bey ihrem hoͤchsten Armuth ihr Goldes genung gebo- Schertz-Spiel. gebothen haben/ und dennoch nichts außgerich- tet. Hab ich sie nicht irgend gesehen! Sie haͤlt sich trefflich eingezogen. Doch er- innere ich mich/ daß sie vor dreyen Tagen in der Kirchen eurer Gnaden recht gegen uͤber gesessen. Meinest du dieselbe in den weissen Haaren/ und schwartzen Kleidern/ nach welcher ich bald hernach fragen lassen ? Eben dieselbe. Wol/ wir wollen sie auch auff die Pruͤfe setzen; Jch will dir Gelds genung reichen lassen. Ver- fuͤge dich noch heute zu ihr/ und versuche/ ob sie zu- bewegen. Gnaͤdiger Herr/ ich versichere Eure Gnaden/ daß man mich in das Haus nicht lassen wird: oder/ wo mich ja/ als eurer Genaden Dianer/ eingelassen werde/ und von dergleichen Sachen zureden an- fange/ eines gewissen Schimpffs werde gewaͤrtig seyn muͤssen. Thu was ich befohlen. Wofern sie so fest auff ihrer Keuschheit haͤlt/ so falle das Haus an/ nim sie mit Gewalt heraus/ und liefere sie uns auff den Hoff. Meine Diener sind starck genung dir bey- zustehen. Genaͤdiger Herr/ dieses Stuͤck siehet etwas weit- laͤufftig aus. Thue was ich befehle; Du verstehest meine Ge- danckẽ nicht. Berichte mich mit ehesten/ wie es ab- gelauffẽ. Jn dem Lustgaꝛtẽ weꝛde ich anzutreffẽ seyn Mein Herr hat die Federn gesehen/ es scheinet er wil den Papagoy selbst haben. Doch ich bin ein Diener! Es stehet zu seiner Verantwortung. Cœlestina. Camilla. Palladius. Daß man zwischen ihm und Fraͤulin Eudoxia E iij eine Horribilicribrifax eine Heyrath schliessen wolle? Diß hab ich glaubwuͤrdig vernommen. Camilla gehe zu meiner Naͤterin/ und sage/ daß sie mir meinen angedingeten Sterbe Kuͤttel verfertige. Eudoxiæ hohes Geschlecht und vor- nehme Freundschafft laͤsset mich nu nichts mehr hoffen. Werthe Jungfrau/ es sind mehr vortreffliche Maͤnner verhanden als Palladius! man findet ja seines gleichen noch ! muͤssen es denn lauter Mare- schalle seyn? Was sagest du von dem Mareschall ? ich liebe nicht seinen Stand/ sein Gut/ sein Geschlecht/ son- dern nur ihn allein! ach/ daß er der aͤrmeste auff der gantzen Welt waͤre/ und ich die groͤsseste Prin- cessin/ so koͤnt ich ja vielleicht Mittel finden ihn zu meiner Liebe zu bewegen. Jch glaube bey meiner Seelen Seeligkeit/ und wolte darauff sterben/ daß unter allen Jungfrauen in dieser Stadt nicht eine/ ja unter Eilff-Tau- senden kaum eine zufinden/ die dieser Ketzerey zu- gethan. Villeicht ist in dieser Stadt/ ja unter Eilfftausen- den/ nicht eine/ die verstehe/ was rechte Liebe sey. Sie lieben Geld/ sie lieben Stand/ sie lieben Eh- re/ und wenn sie sich in ihrem Sinn betrogen fin- den so verkehret sich die feurige Liebe in unaus- loͤschlichen Haß. Jch libe diß an Palladio, was ihm keine Zeit/ keines Fuͤrsten Vngenade/ keine Kranckheit/ kein Zufall nehmen kan/ nemlich seine Tugend. Jch hasse diß in Palladio, was ihm keine Zeit/ kein Vnfall/ keine Widerwertigkeit nehmen wird/ nemlich seine hartnaͤckigte Vndanckbar- keit. Cœlest. Schertz-Spiel. O er kompt selber! was hindert mich daß ich ihm nicht entgegen gehe ? Last uns in der Thuͤren stehn! weine Jung- frau wird dennoch Gelegenheit haben ihn anzu- sprechen. Das ist eine frembde Sache/ die mir der Stadt- halter erzehlet von unserm Capitain Daradirida- tumtaride, daß er ihm seine Braut mit einer so trefflichen Guͤldenen Kette verbunden! andere moͤgẽ hinfuͤro die Augen besser auffthun! doch ich schaͤ- tze mich gluͤckselig/ nachdem ich Eudoxien erblicket/ daß ich jener Bande so leicht erlediget worden. A- ber/ was ist dieses/ ich dachte wol es wuͤrde an Cœlestines Gesichte nicht fehlen ! Der Jungfrau- en meine Dienst. mich verdreust dieses Schauspiel laͤnger anzuse- sehen. Mich jammert der armseligen Cœlesti- nen! Mein Herr/ ich dancke ihm von Hertzen fuͤr so werthes Anerbieten/ und wuͤndsche zu der neuer- langten Ehre von dem Allerhoͤchsten ihm stets bestaͤndiges Gluͤck und immerbluͤhendes Woler- gehen! Der Wundsch ist mir uͤbermassen angenehm/ und waͤre noch angenehmer/ wenn er nicht mit diesem Seufftzen besiegelt waͤre. Jch wag wol seufftzen. Ja weinen moͤchte ich/ wenn ich bedencke/ welch einen werthen Frrund ich verloren. Die Jungfrau erzehle/ wen sie verlohren/ daß ich Gelegenheit nehmen koͤnne mein Mitleiden gegen sie zu erweisen. Mein Herr/ ich habe ihn selbst verlohren ! sein hoͤherer Stand hat mir ihn geraubet! auch ist es vergebens/ daß er mich seines Mittleidens versi- chert; weil ich es nie damals von ihm hoffen E iv koͤn- Horribilicribrifax koͤnnen/ da er noch der vorige Palladius gewe- sen. Mein Stand ist mir umb keiner anderen Vrsachen Willen angenehm/ als daß ich vermeine/ in und durch denselben meiner Werthen mehr und ange- nehmere Dienste zu leisten. Wolte GOtt/ ich koͤnte derselben seiner Werthen auffwarten! Meine Jungfrau muͤste ihr denn selbst auffwar- ten. O falsche Wort! O verlarvetes Gesicht ! Was sagt Jungfrau Camilla? Nichts/ als daß ihre Genaden in dem Wahn/ daß sie Fraͤulein Eudoxien vor sich haben. Warumb das ? verdienet Jungfrau Eudoxia nicht alle Ehrenpflicht ? Mein Herr/ ich muß es gestehen/ daß sie die hoͤch- ste verdiene: weil sie dem Gefallen/ welchem nichts als die Vollkommenheit selbst gefallen kan. Jch wuͤndsche nur/ daß selbige ihm ewig gefallen moͤge! Sie gefaͤllt mir nicht anders/ als alle Fraͤulin von Tugend und Stande/ welchen ich schuldig bin mit Darsetzung meines Lebens zudienen; und Jung- frau Cœlestina hat nicht anders von mir zuver- muthen/ als eine auffrichtige Gewogenheit. O kalte Worte! mein Herr Palladi! ich bitte/ er sey auffs wenigste eingedenck/ daß Cœlestine sich gluͤckselig schaͤtzen wuͤrde/ wenn mein Herr Gele- genheit finden moͤchte/ sich ihrer Guͤter und Mittel zugebrauchen. Habe ich nicht Vrsach mich uͤber Jungfrau Cœle- stinen znbeklagen/ die mir ihre Guͤtter anbeut/ und die Gunst versaget/ das ist/ die Schalen an- bietet/ und die Frucht vor sich behaͤlt. Man uͤberreichet die Frucht keinem/ dem sie nicht ange- Schertz-Spiel. angenehm/ vornemlich/ wenn sie fuͤr sich selbst unwerth. Solte sich aber Gelegeuheit finden/ ich welcher ich darthun koͤnte/ wie hoch Cœ- lestine Palladium ehre/ wolte ich kein Bedencken tragen/ dieses mein weniges Leben vor das seine auffzusetzen. O auffrichtigstes Gemuͤth! Warumb laß ich mich laͤnger meine eigene Fantasien verleiten ? Wolte GOtt/ wertheste Jungfrau/ mir were moͤglich ihr mitgleicher Libe und Ehren-Neigungen zubegeg- nen. Vnterdessen/ gebe ihr ich mich selbst zu ei- nem Pfande der von mir versprochenen Dienste/ und bitte sie/ sie geruhe zu glauben/ daß sie die ei- nige sey/ welche durchaus und allein uͤber Palla- dium gebieten mag. Cœlestina weinet. Mein Herr Palladi, wir haben die hohen Worte des Hofes laͤngst kennen lernen ! Der Hoff fuͤhre solche Worte/ wie er wolle! meine Worte sollen ewig feste bleiben. Jch schliesse mit dieser Faust/ mit welcher ich die ihre umbfange/ die ich inbruͤnstig kuͤsse. Mein Herr Palladi, was werde ich ihm fuͤr so werthes Geschenck uͤbergeben koͤnnen/ daß ihm an- genehm ? Jch begehre nichts/ als ihre mir zuvor verspro- chene Gewogenheit! Meine Jungfrau/ ich hoͤre Volck ankommen. Jch bitte/ mein Herr Palladi, trete etwas mit ab in mein Hauß/ in welchem er uͤber alle zuge- bieten! Selenissa. Antonia. Jch bin das allerelendeste Weib/ daß auff der Erden lebet! E v Sele- Horribilicribrifax Der Auffschneider! der Holuncke! Der Cujon! der Berenheuter! der Landluͤgner! der Ehren- Dieb! der Ertzberenhaͤuter! Jch elende verlas- sene Jungfrau! was fange ich an? So gehts/ wenn man der Eltern guten Rathe nicht folgen will. Jch will ihm seine falsche Kette umb den Hals werffen/ und den Buben darmit erwuͤr- gen. Jhr werdet beyde zu Landlaͤuffern werden/ und ich vor Wehmut sterben muͤssen. Ey Frau Mutter! es ist noch Rath/ Palladius liebet mich von gantzer Seelen. Er wird kein Mittel unterlassen mich von dem Betrieger loß zu machen: Bonosus ist auch der meine/ nehmet nur die Muͤhe auff euch/ und redet ihn an/ ich wil Gelegenheit suchen Palladium zu finden. Es sind ja Mittel vor alles Vbel/ ausser dem Tode. Sol ich gehen/ und soll unsre eigne Schande an die grosse Glocke schreiben ? Die du vorhin so lie- derlich verachtet hast/ werden nunmehr viel nach dir fragen. Frau Mutter/ man muß das enserste versuchen! Jch wil mich lieber lebend begraben lassen/ als mit diesem leichtfertigen Menschen vermaͤhlen. O se- het! sehet ! das Gluͤck selber spielet mit uns. Her- ren Palladii kleiner Page kommet dort hervor/ durch diesen kan ich ihm auffs beqvaͤmste meine Meynung wissen lassen. Florianus. Antonia. Selenissa. hat beyde Haͤnde voll Zuckerwerck/ und taumelt von einer Seiten zu der andern: A sa! sa! sa! Jch bin sticke wicke voll! daß ist ein froͤ- Schertz-Spiel. froͤlicher Tag/ ich wolte/ daß diß Leben hundert Jahr waͤren/ und dieses der erste Tag seyn solte! Der Herr Mareschall wird Morgen ein trefflich Pancket halten. Deswegen hat er mich nach hau- se geschicht/ daß ich es bestellen soll/ wie ich aber die Thuͤre heraus gehen wolte/ begegnete mir Jungfer Rosinichen/ die ließ confect herauf tra- gen. Jch kuͤssete sie einmal/ und sie fuͤllete mir allebeyde Hosen Saͤcke voll Zucker Naͤscherey. Was saget er von dem Mareschall ? Er wird ja nicht von dem Palladio abgeschafft worden seyn ? Sehet aber/ was trug sich ferner zu; es blieb bey diesem Gluͤcke nicht/ Jungfrau Camilla ruffte mir zuruͤck/ und fragte ob ich nicht Durst haͤtte/ und reichte mir eine grosse silberne Kaune von rotem suͤssen Weine/ die schier so groß war/ als ich selbst. Jch erbarmete mich daruͤber/ und tranck aus allen meinen Kraͤfften/ biß nicht ein Tropffen mehr da- rinnen uͤbrig. Hernach lieff ich fort/ und sah’ daß Jungfer Cœlestina an statt einer Thuͤr zwey gebauet hatte! nu das gehet auff Hause zu. Florentin, steh stille. Ho la! wer ruffet mir ? Kennest du mich nicht mehr Florian ? O Jungfrau Selenissa, habt ihr doch zwey Haͤup- ter und vier Angen bekommen! O sehet doch/ wie viel Sonnen! eine zwey/ drey/ viere/ fuͤnffe. Hoͤre doch Florian, was ich dir sagen will ? Guten Morgen! guten Morgen/ Frau Anto- nia! Es ist ja nicht Morgen/ ist es doch schon uͤber Mittag. Jungfrau Selenissa, wolt ihr ein paar uͤberzogne Mandelkernen haben/ oder ein Stuͤcke Marzi- pan/ Horribilicribrifax pan/ die Lippen werden euch so suͤsse darnach wer- den. Wo hast du so viel confect bekommen ? Wo! bey Jungfrau Cœlestine n ist die gantze Taffel voll gesetzet. Wir werden Hochzeit machen: Der Herr Marschall und Jungfrau Cœlestina, und ich und Jungfrau Rofinichen. Dienst du nicht mehr Herren Palladio ? Warumb solte ich nicht meht bey ihm dienen/ sonderlich nun es so stattlich bey uns hergehet/ morgen wird er uns allen neue Hosen und Maͤn- tel geben von gelbem Sammet mit gruͤnen guͤl- denen Posementen. Was machst du denn bey dem Mareschall? Jhr seyd truncken/ Frau Selenissa, und auch ihr Jungfer Antonia! wenn ich bey Herrn Palladio bin/ so bin ich ja bey dem Mareschall; wisset ihr nicht/ daß mein Herr ist Marschall worden ? O daß erbarme GOtt in Ewigkeit! Tochter/ Tochter/ wir sind verloren. Frau Mutter/ es ist noch nichts nicht verloh- ren: Jungfrau Selenissa! Auff meines Herren Hoch- zeit wollen wir mit einander tantzen! Ja wenn dein Herr wird mit mir Hochzeit ha- ben. Nein/ nein! er wird mit Jungfrau Cœlestina Hochzeit haben. Jch rauffe mir die Haare aus dem Kopffe. Wer hat das gesaget ? Jch habe es gesaget/ mein Herr hat es gesaget/ und Jungfer Cœlestine hat es gesaget. Ach! er hat Jungfrau Cœlestinen eine Schnur Perlin gegeben sechs Rutten lang/ jedwede Perle war so groß/ als mein Kopff/ und einen grossen guͤldnen Ring mit einem glaͤntzernden Steinlein/ nicht einen Schertz-Spiel. einen solchen Rinck/ wie ihr mir neulich verehret; Nein/ er war mehr als zwoͤlff Silber Groschen werth. Was hat ihm Jungfrau Cœlestina gegeben? Sie kuͤsset ihn/ daß es eine Lust zu sehen war/ gab ihm einen Hauffen Rosinen/ Feigen/ uͤberzogne Mandelkernen/ uͤberzogne Zienement/ sie ließ die Musicanten holen/ und stackte ihm an den kleinen Finger ein so glaͤntzend Steinlin/ mit einem Rin- ge/ daß ich mich druͤber verwundern muste. Jch (diese Worte singet eꝛ muß heimgehen/ heimgehen/ lasset mich heimgehen/ daß ich bald wiederkommen kan; Jch hoͤre so gerne singe Christoffen zu/ der hat ein krummes Eisen von Messing/ das stecket er in den Hals/ und zeucht es immer auff und nider/ biß sei- ne Gedaͤrme zuschnurren beginnen. Wilst du nicht deinem Herren ein kleines Brief- lein bringen/ welches ihm ein guter Freund ge- schicket. Gar gerne. Gebet mir den Brieff her. Lauff nach Hause; Wenn du wirst voruͤber gehen/ so klopffe hir an: ich will den Brieff su- chen. Guten Tag denn/ Jungfrau Antonia, guten Mor- gen/ Frau Selenissa! O Tochter! Tochter! welch ein Gluͤcke hast du muttwillig verschertzet! Cyrilla. Daradiridatumdarides. Sempronius. Qvibus, qvabus! sanctus Haccabus. Sur- gite mortis ; fenitur sic judis. Ach Jusuph du lieber Mann/ biß mein Compan. Pater nisters gratibis plenis. Vnsre Erden eindruͤckende Schenckel/ les perte- corps Horribilicribrifax corps de moy mesme, werden nunmehr den betlichen Himmel meiner irrdischen Juno, nieder- treten sollen. Weil wir aber es an nothwendi- gen Spesen nicht muͤssen ermangeln lassen; wol- len wir unterdessen diesen Rinck zu Pfande setzen/ biß wir Gelegenheit haben selbigen wider an uns zubringen. Mein Diego hat die alte Cyrille, la diablesse des femmes, hie her bestellet/ die wollen wir nun erwarten/ denn wenn sie zu uns in das Hauß kommen solte/ wuͤrde es nur Argwohn ver- ursachen. Der Kackelthen Drumtraiis hat mich auff diesen Ort erbitten lassen/ er wird vielleicht weil er Hochzeit machet/ meiner Huͤlffe von noͤthen ha- ben! Dort kommet sie hergeschlichen. Da kommet er gegangen/ Cosper, Baltzer, Mel- cher zart/ Herodis hatte einen langen Bart/ sie liegen zu Koͤllen am Rheine. Bonjour, Bonjour, Madame, Cyrille. Was saget ihr/ o Hure/ o Hure Mame Zyrille! och Herr! och Herr GOtt ! heissen mich doch nun alle Leute eine Hure/ sie thun mir groß Vnrecht! ich halte Caͤtherle hat irgend was gesaget. Je vous recontre heuresement. Seyd ihr contra Band. Qvoy! Hoy! hoy! Comment vous estes vous portè. Schreyet ihr uͤber mich Mord und Weh! O mein Lebenlang habe ich kein Kind umbgebracht! Qvel Diable. Daß ich sie sabele. Jhr verstehet den Teuffel. Ach Herr/ Jch verstehe mich nicht mit dem Teuf- fel. Ach! in principipis (sie macht ein Creutze) ero Schertz-Spiel. ero verbibus, was erlebet man auff seine alte Tage nicht ? Jhr verstehet mich nicht recht/ Frau Cyrilla. Jch hab anders mit euch zu reden/ Entendez uous. Tand zu der Kuh. Herr eine gute melcke Kuh ist kein Tand. Ey mit den Narrenpossen/ E cutez ecutez, Frau Cyrilla. Ja Herr/ ich bin heut in den Kott gefallen/ die schelmischen Jungen die Brodschuͤler haben mich hinein gestossen. Jch darff noͤthig Geld. Das sagt die gantze Welt. Koͤnnet ihr mir nicht auff diesen Ring etwas zuwe- ge bringen ? Doch ihr muͤstet ihn in einen Ort tragen/ daß er nicht erkennet wird. Das will ich gar gerne thun. Aber Herr Musce- tariis, wenn wolt ihr das Geld haben ? Noch heute vor Abends/ si cela est dedans læ sphere d’activite de vostre cognoissance. Es ist ein schweres gehacke/ rothe Eyer in die Mohnsantzen. Doch will ich sehen/ was ich kan zuwege bringen. Kommet fein zeitlich wider/ und lasset mich durch Don Diego wissen/ was ihr verrichtet. Adieu. Nu ber liebe GOtt bewahre euch. Das sagen die sieben Siegel/ das alle Fische werden bruͤllen/ die Engel werden weinen/ und werffen sich mit Steinen/ die Wege werden schwimmen/ die Was- ser werden glimmen/ die Graͤßlein werden zannen/ und alle hoche Tannen. Da kommet her Fecc- phoniis, dem werde ich den Ring geben/ und wer- de sprechen/ daß ihm Jungfrau Cœlestina dieses Liebes Pfand geschicket. Die Perlen will ich vor mein Kaͤtterlin behalten/ und den Kackelthen wil ich anderwerts wo ich kan/ forthelffen. Sempr. Horribilicribrifax Ut nox longa qvibus mentitur amíca diesqve. Horatius in Satyr. Tot sunt in amore dolores. Virgilius in Ecclog. Wo mag sich Cyrille so lange auffhalten/ suspicatur animus nescio qvid mali, videone illam ? sie ist es selbst. Jm Himmel/ im Himmel/ sind Freuden so viel/ do dantzen die Engelchen und haben ihr Spiel. Expectata venis! Fragt ihr/ ob Speck zu wehn ist? O ich bin mein Lebenlang nicht dorte gewesen. Διὰ τὶ ομ το βραδέως ἥκεις; Nein/ der Tod hat mich nicht gekuͤsset. Non asseqveris divinas ratiocinationes meas, nec satis aptè respondes adqvæsita. O Herr/ ihr redet gar zu geschwinde. Jch weis nicht/ ob es Boͤhmisch oder Polnisch sey. Loqvar ergo tardius. Woher irgend ein Marder ist? Antwortet purè. Beym heilgen Creutze/ ich leid es in die Laͤnge nicht! Last mich mit der Hure ungestichelt/ bin ich eine/ so bin ichs vor mich! Was ist euch daran ge- legen? mir geschicht unrecht ! ich bin so reine/ als ich von Mutterleibe geboren worden bin ! alle Leu- te heissen mich heute eine Hure. Ketterle/ Ket- terle muß geschwatzet haben. Buͤldet euch doch nicht dergleichen Gedancken ein/ absit injuria! Nun sehet/ ihr heisset mich eine Pfaffenhure/ und ich soll immer schweigen. Ey nein doch/ Jch rede Ciceron iane/ und ihr verstehet es nicht. Jch verstehe genung/ daß ihr mich stichelt/ und außholippert. Jch frage/ qvid respondet Cœlestina? Ja/ ja/ sie ist verwundet Cœlestina, sie laͤs- set Schertz-Spiel. set euch einen frenndlichen guten Tag vermelden. Evax! Nein Herr/ es ist nicht Kickskacks. Sie nahm die Perlen/ und hteng sie an ihren Hals. Ach sie thaͤt so freundlich das liebe Kind ! Deus sum! Sie gab sie nicht Matthesen umb: sie behilt sie selber. Qvid me beatius? Sie sagte nichts von Pilatzius! Aber/ num qvid addidit? Ob sie Vieh huͤtt? Thut sie mir sonst kein præsent? Ja Herr/ sie kuͤsset euch die Haͤnd/ und schicket euch diesen Rinck; Sie laͤsset euch darneben einen guten Abend sagen/ und andeuten/ daß ihr auff den A- bend umb neune sie besuchen sollet in dem hinter Garten. ϒμὴν ὦ ὑμέναι, ώ ὑμήν. Simen wird nicht auff die Zeit zu hause seyn. Jch werde rasend præ lætitia atqve gaudio. macht ein Creutz! Je behuͤte GOtt/ Herr Ficfonys! ich hab es lange gedacht/ daß er nicht muß klug seyn/ weil er so seltzame Worte im Reden gebraucht. Jch bin nicht unsinnig/ sondern es ist eine Art also zu reden bey den Lateinern. Nu wollet ihr denn auff den Abend kommen? Ασμένως ποιἡσ ω. Nicht zn Herr Asman, sondern zu Jungfer Cœ- lestinen. Sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic, sic. Je Herr ist doch keine Zige dar! Jch will schon da seyn mellea. Herr sie wird euch keine Merlin geben. F Semp r . Horribilicribrifax Vnterdessen will ich gehen/ und auff diesen Rinck hoc amoris pignus, hanc fidei arrham, dreissig tausend Epigrammata, siebenhundert Sonneten/ Septenarius est numerus mysticus, und hundert Oden machen. Jch will auff den Abend mich in den Garten ver- stecken/ daß Herr Sephonius glaubt/ Jch sey Cœ- lestine, und kriegt er mich einmal/ so muß er mich behalten sein Lebenlang. Sophia. Flaccilla. Dionysius. Palladii Gesinde mit blossen Degen umb ihn her. Dionysius hat die Jungfrau auff den Arm. Flaccilla laufft hinter ihnen her. Gewalt/ Gewalt! O rettet! rettet ! kom- met mir zu Huͤlffe/ die ihr Ehre und Keusch heit achtet. Kommt mir zu Huͤlffe/ rettet! rettet! Fort ihr Bruͤder/ fort! fort ! gebet Feuer wo te- mand kommet. O Himmel/ ist denn keine Huͤlffe mehr verhan- den! Horribilicribrifax. Harpax. Jch hoͤre Gewalt ruffen! sind die Pistolen rich- tig? Recht wol/ gestrenger Herr! Solte einer sich unterstehen eine Gewalt dar zu- veruͤben/ wo der grosse Horribilicribrifax (Essend’ io persona d’ altissimo affare) zugegen/ da muͤste der Himmel druͤber brechen/ und die Erden in lau- ter Staub verkehret werden. Kommet/ wir wollen folgen. Qvesta e di cosa decente al esser mio. Jch folge. Wo Noth verhanden/ wird mein Herr gewis Schertz-Spiel. gewiß der fertigste zu dem Lauff seyn/ und ich der nechste hinter ihm! Der fuͤnffte Auffzug. Florianus. Selenissa. Antonia. Bey Bonoso ist nichts mehr/ wie du siehest/ zu suchen/ er verachtet/ und nicht sonder Vrsach/ dise/ die vorhin seiner nicht geachtet. Es ist daran nichts gelegen/ wenn Palladius noch unser ist. Jch fuͤrchte/ wir werden bey Palladio ankom- men/ wie wir verdienet ! ich sehe nichts/ als un- ser hoͤchstes Vngluͤck in bester Vollkommenheit. Auffs wenigste hoffe ich Antwort auff mein Schreiben zu erhalten. Mich duͤnckt/ ich sehe den kleinen Florian daher gelauffen kommen. singend : Lustig ihr Bruͤder: auff lasset uns leben! Lesbia meine Freud’ hat sich ergeben! Wer mich wil neiden/ der muͤsse zuspringen! Lustig ihr Bruͤder/ es wil mir gelingen! Ho la! er jauchtzet etliche mal nacheinander/ nach- mals faͤhret er fort: Guten Morgen/ guten Morgen/ Jungfrau Selenissa. Es ist numehr Abend/ nicht morgen. Vmb welche Zeit des Abends wird es Abend. Wenn die Sonne wil untergehen. O warumb geht die Sonne nicht alle Abend drey- mal unter/ so gienge ich mit meinem Herren jed- wedern Abend dreymal zu Gaste. Was machst du mit der Fackel ? F ij Flor- Horribilicribrifax Jch will sehen/ ob gut Wetter ist/ Jungfrau Sele- nissa, umb welche Zeit des Abends schlaͤgt es sechse. Wenn es vier Viertel nach fuͤnffen geschlagen hat. Bringest du mir keinen Brieff/ mein Kind? Bin ich euer Kind? so seyd ihr meine Mutter: warumb habt ihr mich den keinmal gekuͤsset? Wo du mir einen guten Brieff bringst/ so will ich dich zweymahl kuͤssen ! O ich habe einen schoͤnen Brieff mit rothem Lack zugesiegelt. Jn meines Herren Schreibekam- mer ligen etliche tausend Brieffe; wo Jhr mich fuͤr jedweden kuͤssen wollet/ wil ich euch mor- gen beyde Hosen Saͤcke und mein Hembde voll bringen/ aber fuͤr die grossen/ an welchen die Schoͤ- nen Siegel hangen/ muͤsset ihr mich viermal kuͤs- sen. Hast du denn letzunder keinen Brieff bey dir? Ja/ ja/ mein Herr hat mir einen gegeben. Laß mich den Brieff sehen! Jhr muͤsset mir zuvor Tranckgeld geben. Du solt auff meiner Hochzeit mit mir tantzen. Nein/ ich tantze nur mit meiner Rosinen! dis ist der Brieff. Es ist seine eigne Hand. Guten tag/ guten Tag! ich muß fort! Morgen umb zwey zu Mittage/ wenn Mitternacht ist/ wil ich widerkommen/ und mehr Brieffe mitbrin- gen. Laß schauen/ was hat er geschrieben. O ich bin des Todes! Lustig ihr Himmel/ ich habe gewonnen Sie/ die Durchlauchtigste unter der Sonnen: Lustig ihr Sternen/ ich werde sie haben: Welche die Goͤtter und Geister begaben. Gehet singend hinein. Sele- Schertz-Spiel. lieset den Brieff: Wehlende und unbesonne- ne Jungfrau/ die Zeit ist nunmehr aus/ in wel- cher ich meiner Vernunfft beraubet/ euch einig zu Gebotte gestanden. Jzt erkenne ich meine Thor- heit/ und schertze mit eurer Vnbedachtsamkeit. Die allerkeuscheste und vollkomneste Seele Cœlestina haͤlt mich auff Ewig gebunden/ und wuͤndschet euch Gluͤck zu eurer Hochzeit mit dem elenden Auff- schneider/ welchẽ ihr euch allein zu stetem Schimpf- fe/ wackern Gemuͤttern vorgezogen. Gehabt euch wol mit ihm/ und bleibet von mir/ weil ihr meines Grusses nicht beduͤrffend/ ewig geseg- net! Selen faͤlt nieder/ und wird ohnmaͤchtig. Dieses Vngluͤck hab ich vor langer Zeit als ge- genwertig gesehen. Selene. Selene. Sie ziehet die Tochter hinein. Daradiridatumdarides. Don Diego. O rage! o dese Spoir! Daß muͤssen siebzehn hun- dert tausend Frantzosen walten/ daß meine Braut so arm/ und ich nichts als lauter Betteley bey ihr zugewarten: daß waͤre ein Fressen fuͤr Capitain Daradiridatumdarides. Was ich sage/ hab ich aus glaubwuͤrdigem Bericht. Da hat pour dire le vraii, ein Teuffel den andern beschissen/ wer wil sie nun beyde wischen? Ha fu- neste object! bey der Seele des Großvaters von Machomet, die Ertzbesttẽ ziehẽ auf ! als lauteꝛ Pꝛin- zessen! es bleibet bey Tausenden nicht! man kom̃t auf hundert tausend. Wenn man es aber bey dem Lichte besihet/ und man mit einander verkoppelt/ so sind es ohngefehr zwey Papire/ die Le Grand Diable des Juristes selber nicht zu Gelde machen F iij koͤn- Horribilicribrifax nen; und kaum so viel kahle marckbahres Geldes/ daß man Arschwische darvon auffs Scheishaus/ und Schwefel-Lichter in die Kuͤchen kauffen kan. Doch/ point de brouit, sie hat noch etwas von goͤldnen Ketten und Perlen/ daß muß hebræ isch lernen/ dir in Vertrauen entdecket/ Fendrons le vent Morgen weil sie noch schlaͤfft! was nicht mit- gehen wil/ das nehmen wir/ und sehen/ ob unsere Klepper noch das Thor finden koͤnnen. Wir muͤs- sen anderswo unser Gluͤck suchen! faisons, selon le lieu, \& le temps. Selenissa. Antonia. Daradiri- datumtarides. Mit dem Klepper zu dem Thore hinaus? da soll dir der Teuffel ehe den Halsbrechen/ ehe es dazu kommet. Jch will ihn anreden. Voila, dort kommt meine Reiche. Finde ich meinen Braͤutigam so hier allein! Nenni, sondern vergesellet mit seinem unuͤber- windlichen Gedancken/ avec un ceur d’ un Mars. Was machet meine Werthe hier vor der Thuͤren? Sie muß sehr unwerth seyn/ weil ihr Geschencke so gering geachtet/ daß es nicht an seinem Finger mehr Platz haben kan. Mort de ma vie, es gilt hir eins umbs ander! weil sie unsre Kette nicht wuͤrdiget an ihren Hals zuheucken/ stehet uns auch der Rinck nicht an. Wir sind niemals gewohnet/ Ketten von Mes- sing zutragen. Cocqvette arrogante! Habt ihr doch keine bessre zubezahlen. Jch wil lieber Messing das mein ei- gen ist als geliehen Gold! oder habt ihr mich we- gen des Geldes genommen? Jch halte diese Ket- ten Schertz-Spiel. ten hoͤher als aller naͤrrischer Jungfern Tocken- Kram! hab ich sie euch fuͤr golden gegeben? Jch habe sie dem Koͤnige in China, als ich fuͤr dreyen Jahren mit den Tartern eingefallen/ und ihr Ge- neral gewesen/ mit meinen eignen Haͤnden von dem Halse gerissen. Vnd daselbst schaͤtzet man Messing weit uͤber Gold. Ander Land/ andre Sitten! wenn ich ihm zu arm/ haͤtte er eine moͤgen in China heyrathen/ die etliche Koͤnigreiche besessen haͤtte. Cest assetz. Je cherche vous. Andere kan ich ieden Augenblick haben. Als wenn mir nicht die Koͤnigin von Monopotapa noch gestern durch einen eignen Curir ihr Koͤnigreich haͤtte anbieten lassen/ mit dem Bedinge/ daß ich sie heyrathen solle! Er heyrathe sie denn nach seinen Willen/ und lasse mich und mein Kind unbetrogen. Was? wolt ihr mir die Heyrath auffkuͤndigen? Outrage pour l’ outrage! da soll euch der Don- nerknall von Carthaunen darfuͤr erschlagen! euch zu Trotz muͤst ihr mich haben/ Jhr sollet mich ha- ben/ und wenn ich euch gleich nicht haben wolte/ so will ich dennoch euch anietzo behalten ; damit ihr sehet/ daß es nicht in eurer/ sondern in meiner Macht stehe mit euch zuhandeln/ zu thun und zu lassen/ zu schelten und zu walten. Jch mag euch verschencken/ verkauffen/ verstechen/ verjagen/ verschicken/ verwechseln/ verbeuten! ihr seyd mein avec tous ces deffauts, nicht anders als leibeigen; darnach habts euch zurichten ! denn das ist unser endlicher/ ernster/ und ungnaͤdigster Wille. Er gehet darvon. Jch will mein Leben daran setzen/ und nicht ru- hen/ biß ich seiner loß worden/ oder ihn von dem Platze gebracht. Jch will den Capiten Horri- F iv bili- Horribilicribrifax bilicribrifax auff ein par Worte zu mir bitten las- sen. Der wird mir schon zu diesem Stuͤck befoͤr- derlich seyn. Cœlestina. Palladius. Camilla. Nunmehr befinde ich mich in dem Besitz hoͤchster Gluͤckseligkeit/ nun ich seiner Treuen gegen Liebe versichert. Welche in und umb uns breunen und wuͤrcken soll/ biß unsre Leiber in Aschen verkehret. Auch unter der Aschen der erblichenen Leichen sol sie noch glimmen/ und unsre auffgerichtete Grab- zeichen sollen nichts anders seyn als denckmahle/ der schlaffenden Liebe/ biß wir auff den Tag der grossen vereinigung in Vollkommenheit der Lie- be auffs neue ewig miteinander vermaͤhlet wer- den. Es ist numehr Zeit den Heeren Stadthalter zuer- suchen. Wo sind die Diener? Camilla komm und folge. Cyrilla mit schoͤnen Kleidern angezogen/ und auffgeflochtenen Haaren. Verwundert euch nicht/ daß ich so schoͤne bin ! die Kleider hab ich bey einer Juͤdin geborget/ umb Herren Vixephonigis eine Nase zu machen. Jung- fer Cœlestina ist nicht daheime/ das weis ich wol. Deswegen kan ich mich desto besser in ihrem Lust- Garten verstecken. Wo ich ihn diesen Abend recht betriege/ muß er mich sein Lebenlang/ behalten! Da komt der Monden. Sey mir gnaͤdig du neu- neues Licht/ fuͤr das Fieber und auch die Gicht. u.d.g. Se- Schertz-Spiel. Selenissa. Horribilicribrifax. Harpax. Sie zweifelt nicht/ er ist todt! es ist unmoͤglich/ daß er leben kan/ wenn sie sich meines Degens/ mit welchen io rompe esserciti, e fracasso armate, metto Spavento al Cielo, al mare \& al inferno, darzu gebrauchen woltet. Ja miꝛ einem Anblick kan ich ihn von der Erden heben. Solte mich ei- ne Jungfrau umb etwas ausprechen/ das ich ihr versagen koͤnte! Er muß entweder tod seyn/ oder ich muß bey ihm nicht leben/ und solte ich gleich des andern Tages den Kopff lassen! lieber einmal muthig und hurtig gestorben/ als sein Lebenlang in Jammer und Elend gestecket. Veramente pensiero nobilissimo. Vnd warumb Verzogen? Die Jungfrau glaube sicher/ das Werck ist sonder alle Gefahr. Wenn ihn nur niemand meldet. Was? mein gantzes Verlangen ist d’ esser co- noscinto! Denn es ist vornemlich daran gelegen/ daß man wisse/ wer die That verrichte. Denn die gemeine Kundschafft von meiner Großmuͤttig- keit hebet alle Gefahr auff. So bald als die toͤd- lichen Wunden an den Leichen gesehen werden/ schleust man/ daß sie von keines andern Hand/ als von der meinen herruͤhren. So bald als sie vor die Meinigen erkennet worden/ ist kein Mensch/ welcher klagen/ kein Zeuge/ der etwas ablegen/ kein Notario, der etwas schreiben/ kein Advocato, der den Process formiren, kein Stadt Diener der an- greiffen/ kein Richter der examini ren/ keine O- brigkeit/ die Vrtheilen/ kein Scharffrichter der exeqviren doͤrffte. Es ist nicht anders/ als wie mein Herr erzehlet. F v Jch Horribilicribrifax Jch weiß mich noch wol zuerinnern/ daß er/ nach dem er einen niedergestossen/ sich aus einem son- dern capricio selber bey dem Richter fuͤr den Thaͤ- ter angegeben habe. Der Richter aber/ damit er nicht in Gefahr geriethe/ gab fuͤr/ als wenn er dem Capiten keinen Glauben zustellete/ damit er seiner nur mit Ehren loß werden konte. Es ist unglaublich. Noch ein andermal gab er sich fuͤr einen Bandito aus/ und ließ sich zu dem Galgen fuͤhren. Es war zu Venedig auff Sanct Marcus Platz. Als er nun die Leiter mit dem Hencker hinauff gestie- gen/ rieß er die Stricke entzwey/ sprang uͤber das Volck in ein Schiff/ und ließ den Hencker selbst angeknuͤpfft. Cane cativo furfante senza ingegno! Must du derogleichen Stuͤcke von mir erzehlen/ als wenn es sonst an Heldenthaten mangelte/ die ich ver- richtet habe. Nun zu der Sachen ! signora mia bellissima, sie entschliesse sich/ auff welche Art sie ihn will hinrichten lassen. Wil sie/ daß ich ihn mit dem Arm ne l’ aria in die Lufft schmeisse/ daß er sich in dem Elementarischen Feuer anzuͤnde? will sie/ daß ich ihn mit einem zornigen Anblick in ei- nem Felsen verwandele ? will sie/ daß er von dem Schnauben meiner Nasen/ als Schnee zurschmel- tzen muͤsse? will sie/ daß ich ihn per le treccie auff- hebe und zu Boden werffe/ daß er in die Sechs und dreissigmahl hundert tausend Stuͤcke zersprin- ge/ wie Glaß ? O ich komme von mir selber uͤber diesem Erzeh- len! Der Herr Capiten mache es auffs kuͤrtzte/ und schiesse ihm ein Pistol durch den Kopff! Die Jungfrau verzeihe mir/ ich gehr auche mich keineꝛ vortheilhafften und berenhaͤuterischen Waf- fen. De latri \& assassini, wenn ich etwas ver- rich- Schertz-Spiel. richten will. Will sie/ daß ich ihm einen Nasen- stuͤber gebe/ daß ihm Stirne/ Gehirne/ Augen Nase/ Maul/ Wangen/ so untereinander gemen- get werden/ daß er sich sein Lebenlang nicht mehr kenne? Jch stelle alles in des Herren Capitens Belie- ben/ wenn ich nur seiner loß werde. Or su ! finiamola qvi, es soll schon gehen/ wie es gut ist. Jch stelle mich und meine Ehre in seine Haͤn- de. Der Herr Capitain bleibe gesegnet. Mox erat \& cœlo fulgebat luna sereno, inter minora sidera. Horatius. Speluncam Dido, Dux \& Trojanus eandem devenient, Virgilius Lib. 2. Æneidos. Κωμάσδω ποτὶ τὰν Α’μαρυλλίδα Theocritus. Das heist/ Herr Sempronius wird zu Jungfrau Cœlestina gehen. Qvas vol- vit fortuna vices? Statius lib. 10. Thebaidos. Wer haͤtte dis heute morgen geglaubt? Aber es heist: kein verzagtes Hertz krieget eine schoͤne Dam. Non per tormire poteris ad alta veni- re! Sed, per studere poteris ad alta sedere. Nun/ das gehet drauff hin ! Casta fave Lucina! Spar- ge marite nuces, hilaris, tibi ducitur uxor! Vir- gilius in Eclogis. Die resolution ist gefasset. Herr Palladius ist fest mit Cœlestinen, und ich/ durch Zuthuen des Stadt- halters mit Eudoxia. Man erwartet meiner/ wie ich vernehme/ bey dem Herren Cleander. Derowegen ist es Zeit/ daß ich mich nicht laͤnger Horribilicribrifax laͤnger auffhalte/ sondern mit ehesten dahin ver- fuͤge. Daradiridatumdarides. Horribili- cribrifax. Vnd wenn du mir biß in den Himmel entwichest/ und schon auff dem Lincken Fus des grossen Beeren sessest/ so wolte ich dich doch mit dem rechten Spornleder erwischen/ und mit zweyen Fingern in den Berg Ætna werffen. Gardez vous Follastreau! meinest du/ daß ich vor dir gewichen? und wenn du des grossen Carols Bruder/ der grosse Roland selbst/ und mehr Tha- ten verrichtet haͤttest/ als Scanderbeck/ ja in die Haut von Tamerlanes gekrochen werest/ solt est du mir doch keine Furcht einjagen. Jch? ich will dir keine Furcht einjagen/ sondern dich in zwey und siebentzigmal hundert tausend Stuͤcke zersplittern/ daß du in einer See von dei- nem eignen Blute ersticken sollest. Jo ho vinto l ' inferno e tutti i Diavoli. Jch will mehr Stuͤcker von dir hauen/ als Ster- nen ietzund an dem Himmel stehen/ und will dich also tractiren daß das Vlut von dir fluͤssen soll/ biß die oberste Spitze des Kirchturnes darinnen ver- suncken. Per non lascias piu oltre passar qvesta superba arroganza, will ich die gantze Belaͤgerung von Troja mit dir spielen. Vnd ich die Zerstoͤrung von Constantinopel. Io spiro morte e turore, doch lasse ich dir noch so viel Zeit/ befiehle deine Seele GOtt/ und bete ein Vater unser! Sprich einen Englischen Gruß und hiermit stirb. Du wirst zum wenigsten die reputation in deinem Tode Schertz-Spiel. Tode haben/ daß du von dessen unuͤberwindlichen Faust gestorben/ der den Koͤnig in Schweden nie- dergeschossen. Troͤste dich mit dem/ daß du durch dessen Hand hingerichtet wirst/ der dem Tylli und Pappenheim den Rest gegeben. So hab ich mein Schwerd außgezogen in der Schlacht vor Luͤtzen. Morbieu, me voyla en colere! mort de ma vie! je suis faschè per ma foy. So hab ich zur Wehre gegriffen in dem Treffen vor Nerglingen. Eine solche positur machte ich in der letzten Nie- derlage vor Leipzig. So lieff ich in dem Waal Graben/ als man Glogau hat einbekommen. Ha! ha! Jst er nicht qvesto capitaino, mit dem ich Kugeln wechselte bey der Gula ? O! ist er nicht der jenige Signeur mit dem ich Bruͤ- derschafft machte zu Schlichtigheim. Ha mon signeur, mon Frere ! Ha Fratello mio illustrissimo! Behuͤte GOtt/ welch ein Vngluͤck haͤtte bald ge- schehen sollen! Welch ein Blutvergiessen! massacre \& stra- ge, wenn wir einander nicht erkennet haͤtten! Magnifici \& Cortesi Heroi, koͤnnen leicht unwis- send zusammen gerathen. Ler beaux Esprits lernen einander durch derglei- chen recontre erkennen. Dionysius. Daradiridatumdarides. Horribilicribrifax. Welche Berenhaͤnter rasen hier fuͤr unsrer Thuͤ- Horribilicribrifax Thuͤren? wisset ihr Holuncken nicht/ daß man des Herren Stadthalters Pallast anders zu re- spectiren pfleget. Trollet euch von hier/ oder ich lege euch beyden einen frischen Pruͤgel umb die Ohren. Jo rimango petri, ficato dalla meraviglia. Sol Capiten Horribilicribrifax diß leiden? Sol Capitain von Donnerkeil sich also despe- ctiren lassen? Jo mi levo il pugrale dal lato, der Herr Bruder leide es nicht! Me Volla, der Herr Bruder greiffe zu der Wehre/ ich folge. Comminciate di gratia. Jch lasse dem Herren Bruder die Ehre des ersten Angriffs. Mein Herr Bruder/ ich verdiene die Ehre nicht/ er gehe voran. Cest trop discourir: Commen- sez. Ey der Herr Bruder fahre fort/ er lasse sich nicht auffhalten. la necessita vuole. Heran/ ihr Ertzberenhaͤnter/ ich will euch die Haut sonder Seiffen und Balsam einschmie- ren. Ha! Patrone mio qvesta supercheria è molta ingiusta. O monsieur bey dem Element/ er sihet mich vor einen Vurechten an. Ey signore mio gratioso, ich bin signor Horribi- licribrifax. Dionysius nimpt beyden die Degen und schlaͤgt sie darmit umb die Koͤpffe. Auffschneider/ Luͤg- ner/ Berenhaͤuter/ Bengel/ Baurenschinder/ Ertz- Narren/ Cujonen. Ey ey monsieur, basta qvesto pour istesso, es ist genung/ der Kopff blutet mir. Horrib. Schertz-Spiel. Ey Ey Signor, Jch wuste nicht/ daß der Stadt- halter hier wohnete. Packet euch/ oder ich will euch also zurichten/ daß man euch mit Mistwagen soll von dem Platze fuͤh- ren. Sempronius. Cyrilla. Ὄ ιμοι παρανοίας ὡς εμαινόμην ἀρα. Por- ro Qvirites! Deum atqve hominum fidem egoné ita sum deceptus. Ja es heist nu nicht Zepffe/ es heist/ hast du mich/ so behalte mich. Impura meretrix. Ja die Hure ist fix, wer hat mich darzu gemacht/ als ihr? Jhr muͤst mich nun wieder redlich ma- chen/ oder der Hencker soll euch holen! Αττα πατατα. Ey da! da! Me miserum! Sehre hin sehre her. Was rath nun! Qvid facio! Ein Patzen do. Nein/ ich lasse mich so nicht ab- weisen. Est aliàs dives vetula. Heist ihr mich die beste Fettel? O du Hure! O du Schelm! O du Kuppel Hure ! lena fœda ! We Magdalenen? Du Ehbrecher! Du Maͤgdehaͤndlerin ! Du Susanne Bube ! Du Teuffelsfettel! Du Teuffels Banner! Du Pileweissin! Cyrill. Horribilicribrifax Du Hexenmeister! Du Pulver Hure! Du Bley Schelme! Du Excetra ! Ja Zeter uͤber dich! Du Furia ! Du Hurenjuͤger! Du Erinnys. Ja darinn ists. Jch will dir die Haare außreissen. Jch will dir den Bart außrauffen. Jch will dir die Nase abbeissen. Jch will dir die Augen außkratzen/ und in die Loͤ- cher scheissen. Jch will mir den Ars an deine Zunge wischen. Jch wil dein Maul unter ein Scheis Haus na- geln. Der Hencker soll dir den Ruͤcken mit Ruten ab- putzen. Der Hencker soll dir die Spinneweben mit Besen abkehren/ und den Bart mit dem breiten Messer scheren. Sie fallen uͤber einander und schlagen einander zum guten Tiegen ab. O mein Bart! O mein Haar. O mein Auge. O mein einig Zahn! vertragen wir uns lieber in der Guͤte mit einander ! Je meinethalben! was haben wir auch sonsten vor? Jch kan trefflich gebrand Wasser machen/ und Zaͤhn Pulver verkauffen/ und babe ein schoͤn Stuͤck- lein Heller vor mich bracht. Semp- Schertz-Spiel. Wolan/ unsre Guͤter moͤgen gemein seyn! ihr muͤst mich aher huͤbsch halten/ weil ich ein Gelehr- ter bin. Jch will euch alle Morgen eine warme Suppen kochen. Hettet ihr das also bald gesaget/ so hette es so vie- ler Weitlaͤufftigkeiten nicht beduͤrffet. So gebet mir denn eure Hand drauff! So sind wir vertragen. Sic erat in fa- tis ! Ja in der Stadt ists. Kommet mit mir in mein Haus/ ich will einen Notarigus holen lassen/ der unsern Eh- contract auffsetzet/ und uns/ vor die Gebuͤhr/ ein in nominus macht! Cleander. Bonosus. Eudoxia. Palladius. Cœlestina. Flaccil- la. Sophia. Jch bitte/ sie treten etwas hinter die Ta- pete/ und hoͤren unseren Reden mit Gedult zu! Dionysi ruffe die Jungfrau mit der Mutter he- rein. Wenn ich auffs wenigste die Freyheit zuster- ben erhalten kan/ schaͤtze ich mich gluͤckselig/ daß/ in dem ich die Angst meines Lebens be- schliesse/ auch der Ehren die unbefleckte Seiden meiner Keuschheit mit der Purpur dieses Bluttes zufaͤrben/ und/ dadurch meine Auffrichtigkeit zu- bezeugen/ faͤhig worden. Jst dieses eure Tochter/ meine Frau/ wel- cher Schoͤne und Keuschheit ihr so sehr geruͤh- met? G Sophia Horribilicribrifax faͤllet vor ihm auff die Knie: Die ungluͤckse- lige Schoͤnheit/ gnaͤdiger Herr/ ist diß eintzi- ge/ was mir/ doch zu meinem Vngluͤck/ die Natur verliehen. Wenn sie mich und die Rei- nigkeit meines Gemuͤthes in Gefahr setzen soll/ wuͤndsche ich eher die weissen Bruͤste mit meinein eignen Blute zuerroͤten/ als ein durch Vnehr beflecktes Gesicht/ vor Euer Genaden auffzu- heben. Jch bitte in diesem Schrancken in wel- chem mich Elend/ Armuth und Gewalt driu- get und herumb treibet/ Eure Genaden wolle mir dieses eintzige erhalten und beschuͤtzen helffen/ was mir noch die euserste und recht Eiserne Noth nicht abzwingen koͤnnen/ oder mitlei- dend gedulden/ daß ich vor seinen Fuͤssen dem geaͤngsteten Geiste den Weg durch diese Bruͤste oͤffne! Meinet ihr/ daß wir euren verstelleten Thraͤ- nen und falschen Geberden so viel Glauben ge- ben? Wir koͤnnen der Weibes Personen Art und wissen/ wie heilig sie sich stellen/ wenn sie ih- re Wahre hoch außbringen wollen. Himmel/ ende nun meine armselige Tage ! bin ich noch laͤnger auff dieser Welt zu leben begierig/ wenn ich Namen und Ehre verloh- ren? Namen und Ehre sind eine Hand voll Wind/ und werden nicht geruͤhmet als nur Scheines halber. O GOtt ! ist es nicht genung/ daß ich bey allen in Argwohn gerathen bin; durch diese ge- waltsame Hinwegfuͤhrung ? Muß noch mei- ne Vnschuld von dem in Zweiffel gezogen wer- den/ welcher von allen fuͤr den kraͤfftigsten Be- schuͤtzer elender unnd verlassener Waisen ge- hal- Schertz-Spiel. halten wird? Gute Nacht Himmel ! sey zum letztenmal gegruͤsset Erde! Was verziehe ich weiter ! Sie holet aus mit einem blossen Messer. Clean- der faͤllet ihr in die Armen: die and ern kom- men alle herzu gelauffen. Genung meine wertheste ! Jhre Kenschheit hat wie ein lauteres Gold durch eine so hefftige Anfechtung bewehret werden muͤssen! Sie ist in diesen Hoff nicht durch Verlust der Ehren ge- drungen/ sondern durch ihre Tugend einge- fuͤhret/ damit dieselbe nach so langem Ver- dienst praͤchtiger gekroͤnet wuͤrde. Diese Haar- locken sind es/ welche uns gefangen! Doch die Keuschheit Sophiæ hat diese Bande fester zusammen gezogen/ welche eine heilige Ehe zwischen Mir und Jhr unauffloͤßlich verknuͤpf- fen soll. Dionysi, Thersander, Pompei, Pto- lomæe, bringet Kleider/ Perlen und Deman- te/ umb meine Schoͤneste also außzukleiden/ wie ihre Tugend und unser Stand erfordert/ ob sie wol mehr gezieret wird durch diese abge- schnittene Haare/ als durch alles Reichthumb dieser Welt. Werthe Jungfrau Sophia, Jch wuͤnd- sche zu dieser unverhofften Ehe und Ehre Jhr so viel Gluͤcks/ als dero keusche Tugend ver- dienet/ unnd schaͤtze mich gluͤckselig/ in dem ich heute Jhre Kundschafft erhalte/ von Jhr/ als dem vollkommenen Spiegel al- ler Zucht zu lernen/ was Vns allen anste- het. G ij So- Horribilicribrifax Sophia wird von denn Jungfrauen auffs praͤchtigste gekleidet. Jndessen wuͤnd- schen die andern einander allerseits Gluͤ- cke. Dionysius, welcher diesem unsern Vorsatz bey sich die Hand geboten/ soll nicht sonder Lohn dieser Freude beywohnen/ wenn Jungfrau Cœlestina ihre Camillam ihm vermaͤhlen will/ werden wir Mittel finden/ sie beyde bester mas- sen zu besoͤrdern; Vnnd damit Horribilicri- brifax und Daradiridatumdarides nicht alleine bey der allgemeinen Freude sich mit Schlaͤgen/ wie uns erzehlet/ behelffen duͤrffen/ wollen wir dem Daradiridatumdaride, doch mehr aus Mitleiden gegen die ungluͤckselige Selenis- sam, das Commendo uͤber die gvarnison in dem nachsten Flecken/ dem Horribilicribrifax aber eine Corporalschafft Tragoner in der Vorstadt vertrauen. Lasset die Personen alle auff den Hoff fordern/ und unterdessen die Heerpaucken und Trompeten erschallen! Die Personen gehen alle ab/ biß auff Floren- tin. Hochzeiten uͤber Hochzeiten! was werde ich Marcepan bekommen! Laß schauen/ ich muß zeh- len/ wie viel es Heyrathen setze! Jch und Rosi- na, das ist die Erste; mein Herr und Cœlestina, das ist die Ander; Camilla und Dionysius, das ist die Dritte. Bonosus und Eudoxia, das ist die Vierdte; der ungeheure Capiten mit dem Namen von sieben Meilen/ und Selenissa, wer- den die fuͤnffte halten; Ja wol/ es mangelt mir noch eine/ ey ja! ja! der Stadthalter mit der fremb- Schertz-Spiel. frembden Jungfrau/ das ist die Sechste. Wenn doch sieben wehren/ so haͤtten wir eine gantze Wo- che voll Hochzeit! wolan! Capitain Horribili- cribrifax mag unsre grosse/ dicke/ derbe/ alte/ vier- schroͤtige/ ungehobelte/ trieffaͤugichte/ spitznaͤsich- te/ schluͤsseltragende Schleusserin nehmen/ so ist die Reihe vollkommen. Jhr Herren/ Jungfrauen und Frauen/ wo euch Sophiæ großmuͤthige Keuschhett/ uñ Cœlestinen bestaͤndige Anmuth/ zuforderst aber Florentini (und der bin ich) hoher Verstand ge- fallen/ so kommet alle mit auff die Hochzeit! jener grosse weit maͤulichte Baur der dort hinten stehet/ mag wol zu Hause bleiben/ Er moͤchte uns den Wein gar aussauffen/ und alles aufffressen/ daß die Braut selbst hungerig zu Bette gehen muͤste. Der Auffzug wird beschlossen unter Trompeten und Heerpaucken mit einem Tantz/ in welchem al- le Personen/ wie auch Sempro- nius mit seiner Cyrilla erscheinen . G iij Hey- Heyraths- Contract Heyraths- Contract Herren Sempronii und Frauen Cyrille. In nomine Deorum Nuptialium \& Fescenninorum. K Vnd und zu wissen sey hiemit ied- weden/ dem daran gelegen/ daß vor mir Romano Pompilio, *********************** No- tario, wie auch denen darzu erbe- tenen Zeugen/ des hochtieffgelehrten Herren Pe- ter Sqventzen, wohlbestellten Schulmeisters zur Rumpels-Kirchen/ und Expectanten des Pfarr-Ampts daselbst/ auch des weitvorsichti- gen und scharffschleiffenden Herren Poppii, Narrenfressers/ breitberuͤhmten Glaßschleif- feres und Bruͤllenmachers; Des durchsichti- gen Herren Cuntzen von Tadelmuth/ Bir- nen Beckers und groß Pflaumen Haͤndlers; des hochgedencklichen Herren Rodomont, von und auff Fensterloch/ Erbrichtern zu Mist-statt; heute den 30. Februarii, dieses tausend sechshun- dert acht und viertzigsten Jahres/ wesentlich er- schie- Hn. Sempronii und Fr. Cyrille. schienen/ der Weltberuͤhmte und uͤberall be- schriene Herr Sempronius von Wetterlench- ten/ und Semper heim/ Oberster Inspector der Calfacte rey zu Hinderlocheshausen/ Mit Re- gent des Collegii zu Vitterlingen/ Verwalter des Zoll Ampts zu Blitzloch/ und designireter Vice Stadt Schreiber des Koͤniglichen Fle- ckens Schitstroh/ nebest der Wohl Erbahren/ wolgeachteten und Gestrengen Frauen Cyril- la, Sidonia, Procopia, Sergii Schlirenschlaf- fes von Koͤrbentragen hinterlassener Wittib/ welche sich beyderseits fuͤr mir obengemeldeten in meinem Gemach/ welches lieget in dem hin- ter Hause/ gegen dem Garten/ welche an die Fortzeymer Gassen anstoͤsset/ wo man gegen der lincken Seiten zu der rechten Hand hinein gehet/ angegeben/ daß sie ************** sich in ein festes Eheverbuͤndnuͤß mit einander eingelassen/ mit allen denen solenniteten, ceremonien und Gebraͤuchen/ welche in dergleichen Faͤllen de jure oder consvetudine uͤblich/ auch einer Mor- gengabe von siebentausend Doppel-Ducaten/ welche Herren Sempronio baar außgezahlet werden sollen/ wann sie verhanden/ und die ihm in seinen Nutzen anzuwenden/ hiermit uͤberge- ben/ mit außdruͤcklicher Bedingung/ daß wo G w Herr Heyraths- Contract. Herr Sempronius vor Frauen Cyrilla sonder Leibes-Erben Todes erbleichen solte/ welches doch nicht geschehen wolle/ gedachte Frau Cyril- la vierzehntausend zuvorgedachter Sorte dop- pel-Ducaten eines Schlages/ zuvor aus seiner Verlassenschafft bekomme/ das uͤbrige Ver- moͤgen aber soll an Herren Sempronii hinter- lassene Blutsverwandten devolviret werden. Doch also/ daß Frau Cyrilla wiederumb mit denselben zu gleichem Theile gehe. Dafern a- ber aus solcher Ehe Kinder erfolgen/ welche beyderseits wuͤndschen/ wird sich Frau Cyrilla mit ihrem gebuͤhrender legitima vergnuͤgen las- sen/ welcher hergegen statt Leibgedinges Herr Sempronius ein Fuhrwerck an der Ost Seiten der Neustadt/ zwischen Marcus Pluncken Fi- delbogen-Macher/ und Jhr gestrengter Herren/ Herren Narrenkopff von Fliegenheim Guͤt- tern gelegen/ hiermit kraͤfftiglich verschreibet/ nebest Jaͤhrlichen Renten von Zwoͤlfftausend Reißthalern/ welche bey einer Erbahren Zunfft der Loͤffel- und Flechten-Macher stehen/ wie denn auch sechs Packentroͤgen von fichtenem Holtze/ unter welchen einer etwas abgenuͤtzet. Allen seinen Kleidern/ wie er die in frembden Landen und zu Hause/ auff Fest- und Werckelta- gen/ Hn. Sempronii und Fr. Cyrille. gen/ zu Ehren/ und sonsten getragen/ nebest sei- nem alten Schlepchen von Corduan/ einen Paar neuen/ und einen Paar alten Pantoffeln und einem Badehuͤtlin von Stroh mit Mu- scaten gezieret; und noch uͤber diß eine blecherne Lacerne mit etwas verbrandten Horne/ eine Brille/ zwey Brillen Futter/ einen Nachtstuel mit einer zubrochenen Scherben/ und den be- sten aus seinen hoͤltzernen Haͤnge-Leuchtern/ mit noch sechs Schock Schwefel-Liechtern/ und ei- nem ledigen Feuerzeug. Doch also/ und mit nachfolgenden conditionen: Daß erstlich Frau Cyrilla Herren Sempronio ihrem erkohrnen Ehe Schatz/ jedweden Abend mit einem Bette- Wermer von Zien auffwarte/ des Nachtes ihn fein trocken lege/ ihm die abgefallenen Bet- te sonder Murren wiederlange/ die Schlaff- Hauben wol auffsetze/ des Morgens aber eine warme Suppen/ oder nach Jahres Gelegen- heit eingemachte confituren præsentire, die Haare und den Bart wol außkaͤmme/ die Na- sen wische/ ein reines Schnuptuch an den Guͤr- tel henge/ und vier Stuͤck Papier seiner Noth- durfft nachzugebrauchen/ in die Hosen stecke; Weiter begehret auch Herr Sempronius, daß sie die Speisen fertig/ sauber und warm auff G v den Heyraths- Contract den Tisch bringe/ den Wein nicht mit Wasser verfaͤlsche/ kein Kuͤhefleisch fuͤr Ochsen Fleisch aufftrage/ und seine zwey Tischgaͤnger und Mit Esser/ Perlichen von Braband das weisse Huͤndlein/ und Mirmex Mauer von Muͤntzen Schloß/ seinen schwartzen Kater/ freundlich halte; den Vogeln/ so in seiner Studierstuben/ alle Morgen frisch Wasser einschencken lasse; und sich im uͤbrigen aller Koplerey/ Briefftraͤ- gerey/ Salben Kraͤmerey/ als die ihrem Stan- de nun nicht mehr anstendig/ gaͤntzlich enthalten/ und als einer fuͤrnehmen Mannes Frauen ge- buͤhret/ verhalten solte. Jm wiedrigen Falle solle das Frauen Cyrillæ vermachte Gutt/ de facto verfallen/ und der wohl Erbahren Zunfft der Brieff-Mahler/ und Qvem Pastores Schreiber zugewendet werden. Hergegen wird sich Herr Sempronius dahin befleissen/ daß er fein deutlich und Deutsch ihr seine Mey- nung entdecke/ und aller freinbden Woͤrter sich enthalte/ biß sie Frau Cyrilla zuvor gruͤndlich von ihm in dem Demosthenes und M. T. Ci- cero unterwiesen. Solte sie Frau Cyrilla a- ber ingleichen/ wie wir alle sterblich/ fuͤr ihm oh- ne Eh Segen dahin gehen/ wird Herr Sempro- nius, seinem hohen Verstande nach/ schon wis- sen Hn. Sempronii und Fr. Cyrille. sen mit allen zuhandeln/ und der Sachen abzu- helffen. Diesen ihren Heyraths- Contract habe ich unten geschriebener ************ nach empfangener Gewalt extendendi publicum Instrumentum vel Instrumenta, ad consili- um sapientis, \& in omni meliore modo \&c, post renunciationẽ\&c. privilegiorum omni- um, qvæ faciunt ad favorem dominarum \&c. auffgesetzet/ und mit meiner Hand und auffgedrucktem Notariat Signet bekraͤfftiget. Actum wie suprà. I. Herr Sempronius von Wetterleuch- ten/ dessen Wappen ein gevierdter Schild/ in dessen erstem Felde eine Fama mit Trompeten/ in dem andern ein Leuch- ter auff drey Dintenfaͤssern stehen/ in dem dritten zwey Fecht Degen Ereutzweisig uͤ- bereinander/ durch welche ein Morgen- stern/ der gar zubrochen/ wie ihn die Clau- dit chen zu Leipzig fuͤhren; Jn dem vierd- ten/ ein Wagen mit 6. Rossen und auff demselben Herr Sempronius selbst/ und in der perspective seiner Vorwercke/ zu Oberst ist ein offener Helm/ auff demselben drey Heyraths- Contract drey Hahnschwaͤntze/ und zwischen denen die drey Koͤpffe des hoͤllischen Cerberi, welche Feuer speien. II. Frau Cyrillæ Sidoniæ Procopiæ, er- betener Curator, Herr Fortius von Seiffkeffellmacherheim/ in dessen Wap- pen ein Doppelter Schild/ und zwar in dem rechten eine Salbenbuͤchse auff drey Todten Koͤpffen/ darauff eine Fleder- maus/ zur Lincken aber ein altes Weib auf einem Bocke/ zu oberst ein offener Helm/ auff demselben ein Katzen Kopff mit offe- nem Maule/ aus dessen Munde eine Kinder Hand hanget. III. Peter Sqventz, dessen Signet ein ge- vierdter Schild/ in dessen rechten O- berfelde ein Thurm mit einer Glocken/ welche Herr Sqventz zeucht/ in dem Lin- cken aber zwey Rutten Creutzweis uͤber- einander/ und in der mitten ein Cantor- stecken; in dem untersten Felde zur rechten ist ein Schauplatz/ auff welchem Pira- mus Hn. Sempronii und Fr. Cyrille. mus und Thisbe, zu der Lincken aber ein Repositorium voll Buͤcher. IV. Poppius Narrenfresser; sein Signet ist ein Affen-Kopff/ in dessen auffge- sperretem Schlund ein Schiff voll Nar- ren faͤhret. V. Cuntz von Tadelmuth/ sein Wappen ist ein Kopff/ dessen Maul nach seineꝛ Nasen beist. Auff dem mit Schlangen Zungen gekroͤneten Helm liegen drey in einander gewundene Nattern. VI. Rodomont von Fensterloch. Des- sen Schild fuͤnfffach. Jn dem mit- lern Felde sind 3. Carthaunen; in dem rechten ein Spies voll gebratener Ler- chen: in dem Lincken ein Lachs Kopff: un- terst in dem rechten/ zwey uͤbereinander geschrenckte Fahnen/ durch welche eine Partisane gehet: in dem lincken ein Par Heer Paucken mit aller Zugehoͤr. Auff dem Heyraths- Contract dem einen Helm sitzet ein Affe/ welcher mit einem Pistol nach einem auff dem an- dern Helm sitzenden Kater zilet/ welcher sich stellet als wolte er den Schus mit ei- nem blossen Sebel pariren. VII. Romanus Pompilius, dessen Signet ist ein Esel mit einer Schreibefeder in der einen/ und einen Dintenfaß in der an- dern Klauen. Turpe est, difficiles habere nugas.