Handbuch der vergleichenden Anatomie . Handbuch der vergleichenden Anatomie von J. F. Blumenbach. Spartam quam nactus es, orna . Erasmi adag . Mit Kupfern . Göttingen, 1805. Bey Heinrich Dieterich. Vorrede . Seit ich aus Neigung und Beruf den grössten Theil meiner reifern Stu- dien und meiner bessten Zeit der Grund- feste der Arzneywissenschaft, wie Zim- mermann die Physiologie nennt, und der prima materia philosophiae , wie die Naturgeschichte bey Bacon von Ve- rulam heisst, gewidmet habe, bin ich sehr bald und täglich mehr über- zeugt geworden wie wahr es ist wenn Haller sagt: die Physiologie habe von der vergleichenden Anatomie mehr Licht erhalten als selbst von der Zer- gliederung menschlicher Leichen; und wenn J. J. Rousseau eben jene ana- *3 tome Vorrede . tome comparata für die lebendige Seele der ganzen Naturgeschichte der Thiere erklärt. Und wenn ich glauben darf in jenen beyden Feldern nicht ohne Nut- zen gearbeitet zu haben, so verdanke ich das grösstentheils der Beyhülfe die mir die vergleichende Anatomie dazu gewährt hat; so wie ich es mir ander- seits wohl zu einigen Verdienst anrech- nen darf, dass ich, meines Wissens, wenigstens in Deutschland zu erst, schon seit langer Zeit alljährig Seit 1777. über einzelne Fächer und Ge- genstände derselben, z. B. über Osteo- logia comparata , Zootomie der hielän- dischen Hausthiere u. s. w., dann aber seit 1785. immer den vollständigen Cur- sus über die ganze Disciplin. ei- gene Vorlesungen über dieselbe gehal- ten und selbst dadurch das meinige beygetragen habe Sinn und Eifer für Vorrede . für dieses fruchtbare Studium zu er- wecken und immer mehr zu verbrei- ten; und so hoffe ich nun auch durch die Ausgabe dieses Handbuchs, als des ersten das je über die ganze anatome comparata erschienen ist, dieses Stu- dium noch mehr zu erleichtern, und selbst dadurch gemeinnütziger zu ma- chen. Es ist dieses Buch in derselben Manier abgefasst, die bey denen so ich über die andern beyden gedachten Wis- senschaften über die Physiologie und Naturgeschichte herausgegeben, Bey- fall gefunden; auf den ich auch wohl bey dieser neuen Arbeit um so eher rechnen darf, da sie, wie gesagt die erste in ihrer Art ist, die nämlich mit ihrem scientifischen Gehalt und zweck- mässigen Plan, besonders auch die zu einer brauchbaren Grundlage für Vor- *4 lesun- Vorrede . lesungen erforderliche Form ver- bindet. Zu dem für ein solches Handbuch zweckmässigen Plan, gehört aber vor allem eine recht überdachte Auswahl, aus der unermesslichen Fülle von Ma- terialien die sich bis jetzt schon bey der Bearbeitung dieses Studiums ange- häuft haben; wobey ich denn die be- ständige Anwendung auf Physiologie und Thiergeschichte vor Augen gehabt, auch eben desshalb hin und wieder kleine Bemerkungen aus jenen Wis- senschaften eingestreut habe. Und so begreift sich von selbst, warum hinge- gen ausführliche Myologie, Angiologie, Nevrologie u. s. w. ganz ausser den Grenzen eines solchen Handbuchs lie- gen. Anders verhält es sich hingegen mit der vergleichenden Osteologie, da der Vorrede . der Knochenbau der rothblütigen Thiere nicht nur im genauesten Bezug mit der übrigen Anatomie, sondern auch mit der Totalform jener Geschöpfe, mithin auch grossentheils mit ihrer ganzen Oeconomie und Lebensweise steht. Auf unsere jagdbaren und Haus- thiere habe ich aus einem doppelten Grunde vorzügliche Rücksicht genom- men. Theils weil sie zur Zergliede- rung überall am leichtesten zu schaf- fen sind; theils wegen des grossen In- teresse was die richtige Kenntniss ih- res Baues für Landwirthschaft und Vieharzneykunst haben muss. Von ausländischen hingegen habe ich immer ausgehoben was sich durch die bedeu- tendsten Eigenheiten auszeichnet. *5 Bey Vorrede . Bey dem was ich nicht selbst in der Natur zu untersuchen oder zu se- hen Gelegenheit gehabt, sind immer meine Gewährsleute angegeben, aber auch ausserdem theils die besten mir bekannten Abbildungen, theils beson- ders die vorzüglichsten kleinen Schrif- ten und die in periodischen Sammlun- gen zerstreueten Abhandlungen zur anatome comparata citirt, so dass ich nicht leicht eine von Wichtigkeit über- gangen, sondern beyläufig in den An- merkungen ein ziemlich vollständiges Verzeichniss zur Litteratur dieses Stu- diums gegeben zu haben glaube. Solche Hauptquellen hingegen wie die beyden bis jetzt erschienenen er- sten Bände von des um die verglei- chende Anatomie so unendlich verdien- ten Herrn Professor Cuvier 's classi- schen Vorrede . schen Werke, oder solche reiche Re- pertorien, wie die Hallersche grosse Physiologie, sind meist nur Ein für Allemahl, und auch das zu allem Ue- berfluss, genannt. Die Eintheilung der Abschnitte nach den vorlängst angenommenen vier Clas- sen von Functionen, bedarf hoffentlich keiner langen Entschuldigung. Ich sehe sehr gut ein wie wenig derglei- chen Eintheilungen in der Natur ge- gründet sind, und dass die Stimme z. B. keine functio vitalis ist u. dergl. Auch habe ich den Beweis dieser mei- ner Einsicht schon dadurch gegeben, dass ich manche Functionen in diesem Handbuch unter andere Classen als in dem physiologischen gebracht habe; z. B. die Absorbtion hier zu den vitalen, und dort hingegen zu den sogenannten natür- Vorrede . natürlichen. So vielseitig ist nämlich die Ansicht aus der sich so viele dieser Verrichtungen ordnen lassen. Aber die Classification selbst ist übrigens all- gemein bekannt und im Ganzen ver- ständlich, und daher an sich eben so wenig zu verwerfen, als die eben so bekannte und verständliche, ob gleich eben so wenig in der Natur fest be- gründete Classification der vier Tem- peramente und andere dergl. mehr. Noch weniger bedarf es wohl einer Apologie, dass ich viele lateinische oder griechische allgemein bekannte und allgemein verständliche Kunstwör- ter nicht erst verdeutscht habe, als wo- durch sie sicherlich für viele Leser gerade minder verständlich worden wären, so wie es sich auch widerlich ausgenommen haben würde, wenn ich immer Vorrede . immer und immer bey jedem Satze wo von etwas die Rede ist was irgend einer ganzen Classe oder Ordnung von Thieren gemein ist, den ewigen Re- frain von “ so viel bis jetzt bekannt ” oder “ meines Wissens ” u. s. w. hätte ausdrücklich wiederhohlen wollen, da es sich von selbst versteht, dass jede solche allgemeine Behauptung nichts anders sagen will und kann, als dass der welcher sie äussert bis jetzt noch von keiner Ausnahme weiss. Ueber die bestimmte Bedeutung der sonst in der Zootomie relativen Ausdrücke von oben, unten, vorn u. s. w., habe ich mich im Buche selbst (S. 68, 230.) erklärt. Aber das muss ich noch erinnern dass ein guter Theil desselben schon vor mehreren Jahren abgedruckt ge- wesen, Vorrede . wesen, ehe ich in der siebenten Aus- gabe des Handbuches der Naturge- schichte mein System der Säugethiere verbessert hatte, daher in jenen er- steren Bogen noch die Benennungen von einigen Ordnungen vorkommen, die nun ausgefallen sind, da die Bra- dypoda unter die Digitata , die Gli- res und Ferae aber theils unter diese, theils unter die Palmata vertheilt, und die Pecora nun Bisulca , die Bel- luae aber Multungula genennt worden. Göttingen, den 1. Jul. 1804. J. F. Blumenbach . Ueber- Uebersicht der Abschnitte . I. Vom Knochenbau der Thiere überhaupt. S. 3 II. Vom Gerippe der Säugethiere. 10 III. Vom Gerippe der Vögel. 80 IV. Vom Gerippe der Amphibien. 94 V. Vom Gerippe der Fische. 107 VI. Vom Schlunde und Magen. 119 VII. Vom Darmcanal. 163 VIII. Von der Leber, Milz und dem Netze. 178 IX. Von den Harnwegen. 187 X. Von den äusseren Bedeckungen. 192 XI. Von mancherley besonderen Secretio- nen. 205 XII. Vom Herzen und den Blutgefässen. 221 XIII. Von den absorbirenden Gefässen. 239 XIV. Von den Respirationswerkzeugen. 246 XV. Von den Stimmwerkzeugen. 274 XVI. Vom Gehirne und dem Nervensy- steme überhaupt. 291 XVII. Von den Sinnwerkzeugen überhaupt und den Organen des Tastens insbe- sondere. 319 XVIII. Von der Zunge. 329 XIX. Uebersicht der Abschnitte. XIX. Von den Geruchswerkzeugen. S. 346 XX. Von den Gehörwerkzeugen. 360 XXI. Von den Augen. 381 XXII. Von den Muskeln. 414 XXIII. Von den männlichen Genitalien. 429 XXIV. Von den weiblichen Genitalien. 453 XXV. Von der Leibesfrucht der Säugethiere und den Organen, mit welchen sie verbunden ist. 485 XXVI. Von den Brüsten und Zitzen der Säugethiere. 504 XXVII. Von dem bebrüteten Küchelchen, und den zu seiner Oeconomie gehö- rigen Organen des Eyes. 509 Erklärung der Kupfer. 525 Zusätze. 537 OSTEO - OSTEOLOGIA COMPARATA . A Erster Abschnitt. Vom Knochenbau der Thiere überhaupt . §. 1. Nur die rothblütigen Nur bey wenigen Insecten und Gewür- men finden sich wirklich knochenartige Theile: wie z. B. die überaus saubern kleinen Schilde, Bögen und Gräten am Magen des Hummers und einiger andern Krebse. — Das knöcherne Gestelle oder die sogenannte Laterne des Aristoteles in den See-Igeln u. a. m. Wenigstens ähneln diese Theile weit mehr wahren Knochen als etwa das so- genannte os sepiae . Thiere sind mit einem wahren Gerippe versehen, zu welchem ihre Knochen, und zwar bey den mehrsten nur bis auf wenige Aus- A 2 nahmen I. Abschnitt. nahmen Von der Art ist das Zungenbein; der Knochen in der männlichen Ruthe vieler Säugethiere; die ossicula clauicularia bey manchen derselben; der knöcherne gleichsam gefächerte Ring in der harten Haut der Vogelaugen, u. a. m. , untereinander verbunden sind, und wovon im Ganzen die Total- form s. Galen's Anwendung davon auf die Menschenähnlichkeit der Affen im Iten B. seines Meisterwerks de anatomicis admi- nistrat . T. IV. pag. 26. der Chartier. Ausg. und die mehrere oder mindere Gelenkigkeit ihres Körpers abhängt. §. 2. Die gewöhnlich Dass die Knochen mancher Thiere nach dem Genuss der Färberröthe roth wer- den, hat schon Ant. Misaud in der Mitte des XVI. Jahrh. angemerkt. s. dess. centurias memorabilium s. arcanor. omnis generis pag. 161. der Cölner Ausg. von 1572. 12. Merk- weisse Farbe der Knochen hat doch mancherley Abstufun- gen Vom Knochenbau der Thiere überhaupt. gen, selbst zuweilen am gleichen Stück (wie z. B. in den Backenzähnen der Ele- phanten) und bey einigen wenigen Gat- tungen oder Rassen von Thieren sind sie überhaupt von andrer Farbe Doch ist dergleichen auch von einigen Thieren ohne Grund behauptet worden. Denn was z. B. F. Nicholls im com- pendium anatomic . pag. 7. von den Ben- galis ( Fringilla amandaua ) u. a. vom Goldfasan gesagt, dass sie gelbe Kno- chen hätten, habe ich da ich beide Thiere frisch untersucht, nicht an dem gefunden. . So z. B. die Gräten des Hornfisches ( Esox belone ) grün, die Knochen mancher Abar- tungen von Hü h nern schwärzlich u.s.w. Namentlich von den Hü h nern zu Indore und Neermul in Berar sagte diess Akber's des grossen Vizier Abulfazel in s. clas- sischen . A 3 §. 3. Merkwürdig bleibt doch, dass dieser bekannte Versuch bey den kaltblütigen Thieren höchstens nur sehr unvollkom- men gelingt. I. Abschnitt. §. 3. Weit mannichfaltiger aber ist ihre Textur und Korn , und zwar sowohl überhaupt an den verschiednen Knochen des nähmlichen Scelets, als auch insbe- sondre in einzelnen Classen und Ord- nungen von Thieren, da sich z. B. das spröde Gefüge der Luftknochen der Vö- gel, das gleichsam langsplittrige bey vie- len grössern Amphibien und Fischen, das sonderbar Zähe und Dichte an einzel- nen Theilen mancher sogenannten Knor- pelfische u. s. w. gar auffallend von an- drer Knochen ihrem auszeichnet. §. 4. Die Kronen oder den freystehenden Theil der Zähne ausgenommen, sind die Knochen überhaupt von aussen mit Bein- haut bekleidet, und die mehrsten auch inwendig sischen Ayeen Akbery vol. II. Calcutta 1784. 4. pag. 72. und von denen um Persepolis, H. Cptn Niebuhr in s. Rei- sebeschr . II. B. S. 12. Vom Knochenbau der Thiere überhaupt. inwendig mit Mark Die von Aristoteles irrig behauptete Marklosigkeit der Löwenknochen bedarf jetzt keiner weitern Widerlegung. s. da- von so wie von einigen ähnlichen Sagen Ren. Hener apolog. pro Vesalio ad- vers . Sylvium . Ven. 1555. 8. pag. 27. versehen, das von verschiedner Consistenz, z. B. bey den Cetaceen ein flüssiger Thran ist. §. 5. Wiederum den grössten Theil der Zähne ausgenommen, werden die übri- gen Knochen durch Verknöcherung an- fänglicher Knorpel gebildet, welches Os- sificationsgeschäffte ceteris paribus bey den lebendig gebährenden Thieren sei- nen Anfang und Fortgang in frühern Terminen zu haben scheint, als bey den Eyerlegenden. Wenigstens verhält sich diess so beym bebrüteten Hühnchen in Vergleich zu ungebohrnen Säugethie- ren Beym Hühnchen im Ey, das bekannt- lich 21 Tage bebrütet wird, zeigt sich die . So wie hinwiederum unter A 4 diesen I. Abschnitt. diesen letztern manche Termine der Os- sification früher bey den Quadrupe- den als beym Menschen einzutreten scheinen So z. B. die Schliessung der Fontanellen, als welche ich bey unreifen Leibesfrüch- ten . die erste Spur eines Knochenkerns nicht früher als zu Anfang des neunten Tages, der mit der 17ten Woche der mensch- lichen Schwangerschaft zu vergleichen ist; da hingegen die ersten puncta os- sificationis im menschlichen Embryo schon in der 7ten oder 8ten Woche nach der Empfängniss (— aber gewiss nicht, wie neuerlich grosse Zergliederer gemeynt haben, gar schon in der 3ten bis 4ten Woche —) abgesetzt werden. Folglich begreift sich leicht, wie grosse Einschränkung es leiden muss was Hr. von Haller am Schluss seiner übri- gens so musterhaften Beobachtungen über die Bildung der Knochen im bebrü- teten Küchelchen sagt: “ quae de pullo- rum ossibus demonstrauimus, ea etiam de aliis animantium classibus vera erunt, et de ipso demum homine .” Vom Knochenbau der Thiere überhaupt. ten von feris und von pecoribus sehr gross, hingegen bey den reifen kaum noch eine Spur davon gefunden, die sich wenigstens mit der gewöhnlichen Grösse derselben beym neugebohrnen Kinde gar nicht vergleichen lässt. — Auch begreift sich leicht aus der Ver- gleichung des Beckens und der ganzen Mechanik des Geburtsgeschäftes des Wei- bes mit dem Becken und dem Jungewer- fen der weiblichen Quadrupeden, war- um nur beym Kinde jene — vorzüglich durch die Fontanellen bewirkte — nach- giebige Schiebbarkeit der grossen Sche- delknochen, zur Erleichtung der Geburt erforderlich war. A 5 Zwey- II. Abschnitt. Zweyter Abschnitt. Vom Gerippe der Säugethiere . §. 6. So vielartig auch die Formen der Säu- gethiere, zumal der vierfüssigen, und folglich auch die Gerippe derselben sind, so kommen dennoch diese entweder sämtlich, oder doch die mehresten der- selben in folgenden Eigenheiten mitein- ander überein, und unterscheiden sich zugleich durch dieselben vom Gerippe der andern Classe warmblütiger Thiere, der Vögel. A) Vom Gerippe der Säugethiere. A) SÄUGETHIERE. B) VÖGEL. 1) Schedel mit äch- ten Nähten. (Bis auf wenige Aus- nahmen: etwa der Ele- phant, und das Schna- belthier So ist es wenigstens bey meinem Exem- plar, dessen nahtloser Schedel auch von dieser Seite einem sceletirten Vogelkopfe auffallend ähnelt. . Schedel ohne ächte Nähte Versteht sich bey erwachsenen Vögeln; denn ganz junge haben wenigstens ab- gesonderte Schedelknochen, wenn gleich ohne wirklich gezähnelte ächte Nähte. . 2) Gebiss. Ausnahmen: die A- meisenbären. Manis. Schnabelthier. Ba- laena. Schnabel ohne Zähne. 3) Unbewegliche Oberkiefer. Bewegliche Ober- kiefer. Ausnahmen: z. B. der Nashornvogel. 4) Os intermaxillare. (Von den etwanigen Ausnahmen s. S. 25.) Kein solches os in- termaxillare. 5) II. Abschnitt. 5) Zwey condyli oc- cipitales. Nur Ein condylus occipitalis. 6) 7 Halswirbel. ( Ausnahmen: Das drey- zehige Faulthier und einige Cetaceen.) Mehr als 7 Hals- wirbel. 7) Bewegliche Rü- ckenwirbel. Unbewegliche Rü- ckenwirbel. 8) Geschlossnes Becken. ( Ausnahmen: Die Amei- senbären mit vorn offnem Becken: und die Cetaceen ohne alle Hüfftknochen. ) Vorn offnes Becken. ( Ausnahme: Der Straus.) 9) Nur bey weni- gen Geschlechtern wahre Schlüssel- beine. Durchgehends Schlüsselbeine; und fast eben so allgemein die Furcula. (Denn selbst beym Straus und Casuar zei- gen sich doch Rudi- mente dazu.) §. 7. Zuförderst nun vom Schedel der Säu- gethiere, als dessen Bildung überhaupt den Vom Gerippe der Säugethiere. den bedeutendsten grössten Bezug auf die ganze thierische Oeconomie hat; na- mentlich als Behälter des Gehirns, der mehrsten Sinnorgane, und der Fress- werkzeuge. §. 8. Bey der bekannten Eintheilung der Schedelknochen in die eigentliche Hirn- schale ( ossa caluariae ) und in die Ge- sichtsknochen ( ossa faciei mit Einschluss des Unterkiefers) ist das theils auffallende Verhältnis der respectiven Grösse dieser beiden Haupttheile merkwürdig Dazu dient sowohl die Ansicht im Pro- fil als von oben her. Vom Nutzen der letztern (der norma verticalis ) nament- lich zu Vergleichung der Nationalformen der Menschenschedel, habe ich in der dritten Ausg. der Schrift de generis hum. varietate natiua pag. 203. und in der IVten Decas cranior. diuersar. gentium pag. 12. not. q) gehandelt. . Man vergleiche z. B. um nur einige Paar Gattun- gen aus gleichen Ordnungen zu nennen, den II. Abschnitt. den Schedel des eigentlichen Orangutang ( Simia satyrus ) mit dem vom Mandril ( Papio maimon ); oder den vom Tümm- ler ( Delphinus delphis ) mit des Caschelot ( Physeter macrocephalus ) seinem. §. 9. Die Anzahl der eigentlichen Hirn- schalenknochen ist im Ganzen wie beym Menschen. Doch das Stirnbein bey den mehrsten gehörnten Thieren aus zwey Hälften zusammen gesetzt; hingegen die Scheidelbeine bey manchen derselben zu einem zusammenhängenden Stück und bey andern mit dem Hinterhauptsbeine verwachsen. Und einige aus der Ord- nung der glirium haben noch einen eig- nen in die Breite laufenden flachen Kno- chen zwischen den Scheitelbeinen und dem Hinterhauptsbein s. Hrn. Prof. Merrem 's Zergliederung der Haus-Maus in seinen vermischten Abhandlungen aus der Thiergeschichte. S. 59. . §. 10. Vom Gerippe der Säugethiere. §. 10. Eine Hauptverschiedenheit der Schei- telform hängt vom Mangel oder aber vom Daseyn und dann wiederum von der Grösse und Richtung der crista occi- pitalis ab, die meist in bestimmten Be- zug zur mehrern oder mindern Stärke des Gebisses steht. Sie mangelt z. B. dem eigentlichen Orangutang, und ist hingegen bey dem furchtbaren unge- schwänzten Pavian von Borneo Der vom Hrn. von Wurmb im IIten B. der Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap p. 245 zuerst beschriebne (nur sehr irrig mit dem Namen des grossen Orangutang oder Pongo belegte) gänzlich ungeschwänzte Pavian, dessen 4 F. 2. Z. hohes ungeheuer starkes Ge- rippe ich im Dec. 1791 im Erbstatthal- terschen Cabinet im Haag abgezeich- net habe. von mäch- S. 59. tab. 2. fig. 11. a., und Hrn. D. Nic. Meyer prodromus anatom murium Jen. 1800. pag. 15. fig. 6. 8. Letz t rer nennt es os transuersum. II. Abschnitt. mächtiger Grösse. — Die longitudinale crista ist zumahl beym Dachs auffallend stark ausgewirkt: so wie die transver- sale z. B. am Biber. — Bey den Elephan- ten liegt zwischen den hochgewölbten Seitentheilen des Oberschedels eine tiefe weite Grube, auf deren Boden eine kleine longitudinale crista sitzt. — Unter den Hunderassen findet sich hierin viele Verschiedenheit; wenn man z. B. den Mops mit dem Neufundländer vergleicht. §. 11. Auch die Lage und Richtung des grossen foramen occipitale zeigt bey man- chen Gattungen merkwürdige Verschie- denheit. Statt dass es nemlich beym Menschen am weitsten nach vorn und meist horizontal liegt (zuweilen gar mit dem vordern Rande höher als mit dem hintern); so liegt es hingegen bey den mehrsten Quadrupeden am Ende der Grundfläche des Schedels, und zwar schräg, mit dem hintern Rande mehr oder Vom Gerippe der Säugethiere. oder weniger aufwärts gekehrt: bey ei- nigen gar am Hinterkopfe geradeaus in verticaler Richtung; und zuweilen, wie z. E. beym Murmelthier ( Marmota al- pina ) sogar mit dem obern Rande mehr vorwärts gerichtet, als mit dem untern s. Daubenton sur les différences de la situation du grand trou occipital dans l'homme et dans les animaux in den Mém. de l'Acad. des sc. de Paris 1764. pag. 568. Dieser treffliche Zootome grün- dete auch auf diese Verschiedenheit seine sogenannte Occipital-Linie , eine der Normalregeln die man zur Vergleichung der Schedelformen unter einander, an- gegeben hat. — Er zieht nemlich zwey gerade einander durchschneidende Li- nien im Profil der Schedel: die eine vom hintern Rande des foramen magnum (der auch zugleich bey den allermehr- sten Säugethieren der obre ist) durch den untern Rand der Augenhöle; die andre aber durchs planum horizontale jener grossen Hinterhaupts-Oeffnung, mitten zwischen beiden condylis; und bestimmt . §. 12. B II. Abschnitt. §. 12. Die wahren Nähte, wodurch die Hirn- schalenknochen unter einander verbun- den werden, sind bey den mehrsten Qua- drupeden, wenigstens von aussen, min- der geschlängelt als beym Menschen. Doch sind sie bey den gehörnten peco- ribus zu leicht einzusehendem Zweck sehr stark und scharf gezähnelt; auch die Stirn- knochen dabey überaus dick Hingegen habe ich die Hirnschalenkno- chen bey den mit der Drehkrankheit be- hafteten . Soge- bestimmt dann nach dem Winkel, worin diese beiden Linien zusammenstossen, die Aenlichkeit oder Verschiedenheit der Schedelformen. Gar viel scheint übrigens durch diese Regel nicht gewonnen, da einmal bey den bey weitem allermehrsten, übrigens noch so sehr von einander verschiede- nen Quadrupeden, dieser Winkel immer zwischen 80 und 90° fällt, und andrer- seits die kleinern Abweichungen selbst individuell in einer und eben derselben Gattung variiren. Vom Gerippe der Säugethiere. Sogenannte Zwickelbeinchen ( ossicula Wormiana ) finden sich selten an Thier- schedeln. Doch habe ich welche an Ha- sen, und am Schedel des eigentlichen Orangutang vor mir; welcher letztere auch durchgehends ausnehmend elegante Suturen hat Es ist daher mit Einschränkung zu ver- stehen, wenn Eustach von den Nähten an den Affenschedeln sagt: “ vbique ad- eo obscurae sunt, vt magna ex parte suturae nomen, aut nullo modo, aut vix mereantur.” Ossium exam. pag. 173. . §. 13. Die Facialknochen des Schedels tra- gen überhaupt durch ihre Richtung und stärkere oder mindere Prominenz auf- B 2 fallend hafteten Schafen (den sogenannten Seeg- lern oder Quesenköpfen ), wenn die Wurmblase ( Hydatis cerebralis ) nahe unter der Hirnschale lag und gross war, an dieser Stelle grösstentheils absorbirt und zuweilen bloss wie eine dünne, dem Druck sehr nachgebende knorpelartige Haut gefnnden . II. Abschnitt. fallend viel zur Totalform des ganzen Kopfs bey Zur festern Bestimmung derselben hat Camper seine Facial-Linie angenom- men, deren Anwendung am ausführlich- sten in seinem posthumen Werke über den natürlichen Unterschied der Ge- sichtszüge u. s. w. (übers. von Hrn. Hofr. Soemmerring , Berl. 1792. 4) aus einan- der gesetzt ist. — Er zieht auch wie Daubenton im Profil eines jeden Sche- dels zwey gerade einander durchschnei- dende Linien, aber in andern Richtun- gen als jener. Eine horizontale nem- lich, die durch den äussern Gehörgang und den Boden der Nasenhöle läuft; und dann eine andre von der Wölbung der Stirne mitten über der Nase nach dem äussersten prominirenden Rande der Oberkiefer oder des Intermaxillar-Kno- chen, mitten unter der Nase. Letztre ist die eigentliche Facial-Linie, und der Winkel, den sie mit jener horizontalen macht, bestimmt nach ihm die Verschie- denheiten der Thierschedel, so wie der National- ; und zwar wird diese Pro- Vom Gerippe der Säugethiere. Prominenz grösstentheils durch die ver- längerten Oberkiefer selbst; zum Theil aber auch, und bey manchen hauptsäch- lich, durch den zwischen denselben gleich- sam eingekeilten berühmten Interma- xillar-Knochen bewirkt. B 3 §. 14. Nationalphysiognomieen der mancher- ley Menschenrassen. In Rücksicht auf diese letztre Anwen- dung habe ich meine Erinnerungen da- gegen schon in der dritten Ausg. der Schrift de gener. hum. var. pag. 200 u. f. beygebracht. Und was ihren Gebrauch zu Unterscheidung der Thierschedel be- trifft, so gilt mutatis mutandis auch hier, was oben von der Daubentonischen Li- nie gesagt worden, dass nemlich die bey weitem allergrösste und mannich- faltigste Menge der übrigens dem Kopfe nach noch so verschieden gebildeten Quadrupeden (— wenigstens drey Vier- theile von den ohngefähr vierhundert Gattungen derselben, die wir bis jetzt kennen —) dennoch eine und eben dieselbe Faciallinie haben. II. Abschnitt. §. 14. Statt dass nemlich beym Men- schen die beiden Knochen des Oberkie- fers vorn unter der Nase an einander stossen und alle oberen Zähne enthalten; so sind sie hingegen bey den übrigen Säugethieren vorn durch diesen beson- dern, — einfachen oder gepaarten — Intermaxillar-Knochen Gotth. Fischer über die verschiedne Form des Intermaxillarknochens in ver- schiednen Thieren. Leipz. 1800. 8. mit Kupfern. getrennt, der gleichsam darzwischen eingekeilt ist, und bey denjenigen, welche mit obern Schneidezähnen versehen sind, diesel- ben aufnimmt Vesalius de c. h. fabrica pag. 46. (der besten Ausg. von 1555.) fig. 1. . Er findet sich aber auch bey den pecoribus, denen diese Zähne im Oberkiefer abgehen, so wie auch bey solchen Geschlechtern, die über- haupt keine Vorderzähne haben, wie das Schnabelthier ( ornithorhynchus pa- radoxus ) Vom Gerippe der Säugethiere. radoxus. ) und die Elephantengattungen, ja selbst bey gänzlich zahnlosen Säuge- thieren, wie die Ameisenbären und ei- gentlichen Wallfische Desshalb habe ich diesen Knochen lieber os intermaxillare als mit Haller os in- cisiuum genannt. Blair in seiner treff- lichen Osteographia elephantina nennt ihn os palati; Vitet os maxillaire in- férieur. . — Er wird von den benachbarten Schedelknochen durch deutliche Suturen abgesondert, die von aussen neben der Nase und Schnauze Eustachius tab. anat. XLVI. fig. 2. , am Gaumen aber neben den vordern foraminibus palatinis Da wo auch zuweilen an Menschensche- deln, wenigstens von ganz jungen Kin- dern, das foramen incisiuum auf bei- den Seiten mit einer Ritze umzogen ist, von welcher Fallopius schon 1561 so richtig sagte: “ reperio hanc diuisionem, vel rimam potius esse, quam suburam, cum os ab osse non separet, neque in exterio- B 4 laufen. II. Abschnitt. laufen. — Seine Grösse und Form ist in manchen Ordnungen und Geschlech- tern exterioribus appareat, vel cum os cum osse non coniungat, quod suturarum munus est. ” s. Dess. Obseruation. ana- tomic. fol. 35. b. der Venetian. Orig. Ausg. Um so unerwarteter war mirs daher, dass Vicq-d'Azyr noch 1780 hierin eine ihm unerwartete Aenlichkeit zwischen dem Schedel des Menschen und mehre- rer Quadrupeden finden konnte. s. Mé- moires de l'ac. des sc. de Paris v. jen. J. pag. 489. Unter den Anatomen des XVI. Jahr- hunderts, die bey der bekannten Streit- frage, ob Galens Osteologie nach Men- schen- oder nach Affen-Gerippen abge- fasst sey, das letztre unter andern aus dem von ihm auch dem Menschen zu- geschriebnen Intermaxillar-Knochen er- wiesen, verdient hier vorzüglichst In- grassias angeführt zu werden, weil er in seinen classischen Commentariis in Galeni librum de ossibus, Panorm. 1603 fol. besonders durchgehends auf diejeni- gen Vom Gerippe der Säugethiere. tern von Säugethieren von auffallender Verschiedenheit. Bey vielen feris z. B. ist er klein; so auch beym Wallross. Hingegen bey den gliribus theils mäch- tig gross; so beym Biber, Murmel- thier; auch beym Nilpferd, beym Tümm- ler, Caschelot u. a. m. — Die selt- samste Form haben die beiden haken- förmig gebognen durch eine breite Syn- chondrose von einander getrennten In- termaxillar-Knochen des Schnabelthiers. (s. tab. I. n. o. ) Ich darf nicht alles hier wiederholen, was vom Intermaxillar-Knochen in der 3ten Ausg. de gener. hum. variet. pag. 34 bis 41 gesagt ist, wo ich auch einige Affen und Meerkatzen angeführt, an deren Schedeln, ohngeachtet sie von jungen Subjecten waren, sich doch keine Spur dieses Knochens erkennen liess. — Man . B 5 §. 15. gen Stellen aufmerksam macht, “ vbi ex simiarum dissectione deceptus Galenus , a vera hominis constructione ac sceleto deuiat.” s. pag. 120. 125 u. f. II. Abschnitt. §. 15. Die eben gedachten vordern fora- mina palatina (oder incisiua ) sind bey den mehrsten Säugethieren, so wie beym Menschen, Man müsste denn annehmen, dass er bey allen diesen Thieren schon in ihrem un- reifen Alter ganz verwachsen wäre, wenn gleich die übrigen Schedelknochen noch aufs deutlichste ihre Suturen er- halten hätten. Auch bey verschiednen Säugethieren aus andern Ordnungen, namentlich dem Bradypus tridactylus und Vespertilio ferrum equinum, konnte Herr Bibliothe- kar Fischer keine Spur des Intermaxil- lar-Knochen auffinden. s. Dess. oben angeführte meisterhafte Monographie S. 47. 89. Doch giebt er selbst die Mög- lichkeit zu, dass wenigstens beym Faul- thier jener Knochen lossgestossen und verloren gegangen seyn könne. — Kurz, alle die angeführten Ausnahmen bedürfen erst noch weiterer genauer Untersuchung an mehrern recht vollständigen Exem- plaren aus verschiednen Lebensperio- den u. s. w. Vom Gerippe der Säugethiere. Menschen, doppelt. Meines Wissens sind sie bey den Quadrupeden weit grösser als beym Menschen, zumal bey den pe- coribus von auffallender Länge und Weite. So auch im Hasengeschlecht Bey manchen, wie z. E. beym Löwen, sind die Ausgänge dieser grossen Oeff- nungen am Gaumen sogar beym lebendi- gen Thiere sehr sichtlich. — s. J. El. Ridinger 's Abbildung des zahmen Lö- wen, der 1760. in Deutschland zu sehen gewesen. gr. Fol. . §. 16. Besonders merkwürdig sind bey den meisten pecoribus die an der Aussenseite der Oberkiefer neben den Nasenbeinen befindlichen grubenförmigen Eindrücke von den aussen daran liegenden soge- nannten sinibus sebaceis. — Beym Ha- sen, der auch hierin, so wie in so vie- len andern Stücken seines Baues, eine so auffallende Aehnlichkeit mit den wiederkauenden Thieren jener Ordnung zeigt, II. Abschnitt. zeigt, ist diese Stelle zum Theil wie netzförmig durchbrochen. §. 17. Das Zygoma zeigt vielerley und sehr bedeutende Verschiedenheit, die zumal mit den Beisswerkzeugen in sehr di- rectem Bezuge steht Pinel , Recherches sur une nouvelle me- thode de classification des quadrupêdes im Iten B. der Actes de la Soc. d'histoire naturelle de Paris pag. 50. . Bey den meh- resten wird es bloss durch die Verbin- dung des Jochbeins mit dem Schlafbeine gebildet. Bey manchen Palmatis und Digitatis aber (z. E. bey den Ottern, Bi- ber, Opossum, Meerschweinchen u. s. w.) ist noch ein besonderer Knochen zwi- schen eingeschaltet. Fast fadenförmig und meist gerade- laufend ist das Zygoma beym Maulwurf. Hingegen von ungeheurer Stärke und weitem innern Raum für die mächtigen zur Bewegung des Unterkiefers be- stimmten Muskeln bey vielen Raubthie- ren, Vom Gerippe der Säugethiere. ren, wie z. B. beym Tiger; aber auch bey manchen gliribus , wie beym Bi- ber. — Bey manchen unterwärts gebo- gen, wie bey der Ratte u. a. m.; bey andern aufwärts, z. B. bey den Wieseln. Besonders auffallend ist ein grosser herabsteigender Fortsatz, wodurch sich das Jochbein der Faulthiere auszeichnet. §. 18. Von den Nasenknochen zeigt sich bey dem Elephanten gleichsam nur ein Imi- tament. Bey den mehrsten Affen, und selbst beym Orangutang ist er einfach, dreyeckt, und sehr klein. Bey den aller- mehrsten eigentlichen Quadrupeden aber ist er doppelt und theils von ausneh- mender Grösse. So z. B. bey den peco- ribus und dem Hasengeschlecht; auch beym Pferd, Schwein u. s. w. Bey den Gattungen des Rhinocergeschlechts ver- wachsen die das Horn tragenden Nasen- knochen frühzeitig zusammen. §. 19. II. Abschnitt. §. 19. Die Thränenbeine fehlen den Elephan- ten gänzlich. Am ansehnlichsten zei- gen sie sich hingegen bey den pecori- bus , vor allen aber bey den Antilopen. §. 20. Die Augenhölen sind, zumal in Rück- sicht ihrer Richtung, ihres Umfanges und ihrer Tiefe, von mancherley merk- würdiger Verschiedenheit. Bey den al- lermehrsten sind sie seitwärts gerich- tet. Bey den Affen, Pavianen und Meerkatzen, so wie beym Menschen, vorwärts, und zwar weit näher bey- sammen als beym Menschen. Beym Biber stehen sie aufwärts. In Rücksicht des Umfangs sind sie bey den gedachten Quadrumanen ganz geschlossen. Bey den pecoribus und so- lidungulis haben sie zwar nach aussen einen kreisförmigen Rand, aber die hintre Seitenwand der Höle ist offen. Bey den feris endlich und manchen gliribus ist auch Vom Gerippe der Säugethiere. auch selbst der äussere Rand nach hin- ten unterbrochen. Eben so vielartig ist auch die Tiefe oder Fläche dieser Hö- len. Bey manchen sind sie so flach, dass sie kaum diesen Namen verdienen. So z. B. beym Maulwurf und den Ameisenbären. §. 21. Bey den mit Hörnern versehenen Säu- gethieren sitzen dieselben auf besonders dazu bestimmten Fortsätzen gewisser Schedelknochen. Beym einhornigen Rhinocer nemlich auf einer rauhen etwas erhabnen Fläche des ungeheuren Nasen- beins. Und eben da sitzt auch das vor- dere des zweyhornigen; das hintre aber so wie bey den gehörnten pecoribus auf dem Stirnknochen Geoffroy in den Mémoires de la Societé d'histoire naturelle de Paris . a. 7. Cah. I. . Und zwar zeigt sich bey den letztern eine doppelte merk- würdige Verschiedenheit, nachdem sie entweder im Ochsen- Ziegen- und Anti- lopen- II. Abschnitt. lopengeschlecht eigentlich sogenannte Hörner, oder aber im Hirschgeschlecht Geweihe tragen. Bey jenen erwächst nemlich dem jungen Thiere die äussre Tafel der Stirnbeine zu einem Zapfen, in welchen sich bey den mehr- sten (die Antilopen ausgenommen) selbst die Stirnhölen erstrecken; und dessen äussre Haut allgemach Horn abscheidet, und damit wie mit einem Futteral über- zogen wird. Im Hirschgeschlecht Ich habe nun wohl gegen 20 verschiedne Beyspiele zusammen gebracht, wo man seit der Mitte des XVIten Jahrhunderts hin und wieder in Europa, und auch in Ostindien gehörnte Hasen mit kleinen Rehbockartigen Geweihen gefunden zu haben versichert. Hätte diess seine Rich- tigkeit, so wäre es noch ein Umstand mehr, worin diese Thiere den pecoribus ähneln. Was mir aber dieses Vorgeben sehr verdächtig macht, ist, dass ich bis jetzt, hingegen (und zwar bey den mehrsten Gattungen nur bey Vom Gerippe der Säugethiere. bey den Männchen) Von anomalischen Beyspielen von Hirsch- kühen, die, durch eine in die Zwitter- gestaltung schlagende Abweichung des Bildungtriebes, Geweihe bekommen, s. G. E. Stahl propempt. de cornu cerui deciduo . Hal. 1699. J. Jac. Scheuchzer in J Fr. Leopold diss. de alce . Bas. 1700. Jam Hoy in den Transact of the Lin- nean Soc . vol. II. pag 356. u. a. m. Von einem gehörnten Reh, das 1790 bey Westerzelle im Hannoverschen ge- schossen worden, besitze ich eine colo- rirte Zeichnung und genaue Nachricht. erhebt sich jene Tafel bloss zu einem kurzen stumpfen Stuhl oder Rosenstock, auf welchem nach jetzt, aller angewandten Mühe ohnge- achtet, noch von keinem einzigen Exem- plare solcher Hörnchen habe vergewis- sert werden können, wo dieselben auf dem Kopf des Hasen selbst fest sässen. Und die, von welchen ich genaue Zeich- nungen vor mir habe, sind offenbar für den Hasen von unverhältnissmässiger Grösse. C II. Abschnitt. nach der Hand das eigentliche Geweihe empor wächst, das alljährlich gewech- selt wird, und während seines Wachs- thums mit behaarter sehr gefässreicher Haut bekleidet ist Die jährliche Reproduction der Geweihe gehört aus mehrerer Rücksicht zu den merkwürdigsten Phänomenen in der thierischen Physiologie. Sie giebt eins der auffallendsten Beyspiele a) von der Stärke der Nutrition und dem dadurch bewirkten schnellen Wachsthum bey warmblütigen Thieren. Denn das Ge- hörn eines Capitalhirsches, das wohl ¼ Centner am Gewichte hält, ist den- noch binnen 10 Wochen völlig ausgebil- det: — b) vom partiellen Lebenslaufe eines thierischen Theils, der vom Le- bensalter des ganzen Thiers (als wel- ches sich beym Hirsch auf 30 Jahre er- streckt) ganz unabhängig ist: — c) von der Veränderlichkeit des Calibers ein- zelner Blutgefässe, da die zur Ernäh- rung des Geweihes bestimmten Aeste der äussern Carotis während des Auf- setzens . Die Vom Gerippe der Säugethiere. Die einfachen Hörnchen der Giraffe halten gleichsam das Mittel zwischen C 2 jenen setzens so auffallend erweitert werden, und sich hingegen, sobald dasselbe ver- eckt ist, wieder zusammenziehen: — und d) von dem merkwürdigen soge- nannten Consensus , der zwischen dem Aufsetzen der Geweihe und dem Zeu- gungsgeschäfft vorwaltet; dass nemlich absichtliche Castration oder auch zufäl- lige, aber wesentliche Beschädigung an den Genitalien ein so auffallendes Hin- derniss der Erzeugung, oder regelmässi- gen Ausbildung, oder aber des Wechselns der Geweihe abgiebt. s. z. B. die merk- würdigen Versuche des Dr. Rich. Rus- sell in seiner Oeconomy of nature in acute and chronical Diseases of the glands pag. 21. Noch auffallender ist die Bemerkung, die man gemacht zu haben versichert, die aber doch erst noch genaue Prü- fung erfordert, dass durch eine Art von Reaction die Verletzung des neu auf- gesetzten Gehörns den Hirsch wenig- stens II. Abschnitt. jenen beiderley Hauptarten von Gehörn. Die Form, Textur, und dass sie peren- niren, haben sie mit den Stirnzapfen der eigentlichen Hörner, die behaarte Bekleidung aber mit den Geweihen gemein Bey der jungen Giraffe bildet dieser Stirnzapfen, wie ich an einem durch- gesägten Exemplare gesehen habe, eine epiphysis , die durch eine deutliche Knorpelscheibe vom Stirnbeine abgeson- dert ist, aber nach der Hand zu einer sogenannten apophysis spuria mit ihm verwächst. . §. 22. Der Unterkiefer der Thiere derjeni- gen Classe, bey welcher wir jetzt ste- hen, weicht auffallender als kaum ir- gend ein andrer Knochen ihres Gerippes vom menschlichen ab. — Vor allem gleich schon durch den Mangel des aus- zeich- stens für eine Zeitlang impotent mache. s. Hrn. Gr. von Mellin in den Beob. und Entdeck. der Berliner naturforsch. Gesellsch . IV. B. pag. 360. Vom Gerippe der Säugethiere. zeichnenden Characters der Humanität, des prominirenden Kinnes, als welches alle Rassen des Menschengeschlechts mit- einander gemein haben, und das hin- gegen keinem bis jetzt bekannten an- dern Säugethiere zukommt. Auch hat der Mensch, nach Verhältniss zum Sche- del, den kürzesten Unterkiefer (worin ihm nur etwa der Elephant Vergl. Pinel sur les os de la tête de l'E- lephant im Journ. de Phys . T. XLIII. p. 54. gleich- kommt), so wie er sich auch durch die eigne Form und Richtung der Gelenk- knöpfe auszeichnet. Die Einlenkung derselben ist nach der Verschiedenheit des Gebisses sehr viel- artig. Bey den feris z. B. liegen beide meist in gleicher Linie, sind walzen- förmig, und genau in die lange cauitas glenoidea wie in eine ausgefurchte Rinne gepasst, in welcher sie als in einem festen Gewinde laufen. Am allerauf- fallendsten ist diess beym Dachs, wo C 3 diese II. Abschnitt. diese walzenförmigen Gelenkknöpfe von den Rändern ihrer Rinnen so umfasst werden, dass (wenigstens beym erwach- senen Thiere) der Unterkiefer, selbst nach der Maceration des Schedels, nicht herausfallen kann. — Bey manchen Her- bivoren (im weiten Sinn des Worts) sind jene condyli wirklich kugelförmige Knöpfe; so beym Elephanten und beym Biber. — Bey den pecoribus hingegen sind sie wie mit einer flach ausge- schweiften Delle gleichsam abgeschnit- ten; und zugleich ist bey dieser Ord- nung von Thieren (am auffallendsten bey der Giraffe) der Unterkiefer un- gleich schmaler als der obere, so dass folglich die beiden Zahnreihen nicht auf einander passen, sondern erst durch die freyere Seitenbewegung der Kinn- lade beym Wiederkauen an einander geschoben werden. — Bey vielen gli- ribus liegen beide Condyli nach der Länge fast einander parallel; so z. E. beym Hasen, dem auch (so wie dem Ameisen- Vom Gerippe der Säugethiere. Ameisenbären) der processus coronoideus fast gänzlich abgeht; der hingegen bey der Giraffe von ganz auffallender Höhe ist. — Bey den Cetaceen ist die Gelenk- fläche des Unterkiefers fast gerade nach hinten gekehrt Den seltsamen und doch ziemlich ge- meinen Irrthum, da die Hälften des Un- terkiefers vom eigentlichen Wallfisch für Rippen angesehen worden, hat schon Rondelet widerlegt. de piscibus p. 53. . Ueberhaupt sind wenige andre Kno- chen am Gerippe der Säugethiere von so vielförmiger Verschiedenheit als der Unterkiefer. Zu den alleranomalischten gehört der nach vorn schaufelförmig flache des Schnabelthiers (— tab. I. i —). Noch ist endlich zu bemerken, dass die beiden Hälften des Unterkiefers bey vielen Säugethieren entweder bis ins er- wachsene Alter oder gar lebenslang durch eine blosse Synchondrose ver- bunden bleiben, die sich im Kochen oder Maceriren leicht von einander giebt. C 4 So II. Abschnitt. So z. B. bey vielen feris, gliribus und cetaceis . Hingegen verwachsen sie wie beym Menschen früh zu einem Stück bey den Quadrumanen, auch beym Pferd, Rindvieh, Schwein, Elephanten u. s. w. §. 23. Bis auf wenige Ausnahmen sind bey den allermehrsten Säugethieren die Kie- fer mit Zähnen (los. Guich. Duverney ) Lettre conte- nant plusieurs nouvelles observations sur l' osteologie . Par. 1689. 4. Jo. Jac. Kober de dentibus eorum- que diuersitale . Argent. 1774. 4. c. f. ae. P. Mar. Aug. Broussonet compa- raison entre les dents de l' homme et celles des quadrupedes in den Mém. de l'Acad. des sc. de Paris 1787. pag. 550. versehen: denn gänz- lich zahnlos sind bloss die eigentlichen Wallfische ( Balaenae ), die Schuppen- thiere, und die Americanischen Amei- senbären. Substanz und Gefüge der Zähne sind von aller andern Knochen ihren ver- schieden. Vom Gerippe der Säugethiere. schieden. Besonders zeichnet sich der Schmelz ( substantia vitrea ) an den Kro- nen derselben sowohl durch seine aus- nehmende Härte, da er theils am Stahl Funken giebt, als durch den Mangel des Schleimgewebes aus, womit der innere mehr knochenartige Theil ( sub- stantia ossea ) der Krone, so wie die Wur- zel durchzogen ist. Er scheint den El- fenbeinzähnen so wie den Hauern des Wallrosses und dem Stosszahn des Narh- wal zu fehlen; doch unterscheidet man auch an allen diesen eine äussre dünne Rinde womit sie bekleidet sind. Ueber- haupt haben aber diese Zähne manches eigne in ihrer Textur; und besonders ist sie im Elfenbein ohne ihres Gleichen Mancher andern Eigenheiten des Elfen- beins zu geschweigen, wodurch selbst noch neuere Naturforscher verleitet worden, es für eine Art von Horn zu halten, so zeigt sich die Verschiedenheit seiner Tex- tur von anderer Zähne ihrer namentlich in . C 5 Bey II. Abschnitt. Bey einigen Thieren zeichnen sich die Kronen gewisser Zähne von aussen durch in dem überaus merkwürdigen patholo- gischen Phänomen, da man zuweilen beym Zersägen grosser Elfenbeinzähne mitten in ihrer Substanz Kugeln auf eine eigne Weise verwachsen gefunden, womit das Thier in jüngern Jahren ge- schossen worden. Haller bediente sich desselben sowohl zur Widerlegung von Duhamel 's Meinung, als ob die Kno- chen aus der Beinhaut, so wie das Holz der Bäume aus dem Splinte gebildet werde, als auch zum Erweis der bestän- digen Erneuung der festen Theile des thierischen Körpers. Noch belehrender wird es aber zur Erklärung der beson- ders durch die Petersburger Preisaufgabe bekannten nutritio vltra vasa . — Bey- spiele beschreiben Daubenton bey Buf- fon T. XI. pag. 161. Gallandat over de Olyphants Tanden im IX. D. der Ver- handelingen der Genootsch. te Vlissin- gen pag. 352. und Hr. Prof. Bonn in der descr. thesauri Houiani pag. 146. In allen diesen Fällen waren es eiserne Ku- geln Vom Gerippe der Säugethiere. durch besondre Farbe aus. So sind die Nagezähne mancher glirium , z. B. des Bibers, Murmelthiers und Eichhörnchens, wenigstens an der Vorderseite, nuss- braun; und die Backenzähne vieler pe- corum grossentheils wie mit einer schwar- zen Glasur überzogen Zuweilen ist diese schwarzbraune Gla- sur, zumal bey dem domesticirten Horn- und . §. 24. geln die im Elfenbein verwachsen waren. Auch ich besitze ein solches Stück. — Aber ohne allen Vergleich bewunderns- werther ist ein andres in meiner Samm- lung, wo eine Bleykugel , ohne platt ge- druckt zu seyn, in einem Segment eines Ostindischen Elfenbeinzahns, der von der Dicke eines Mannsschenkels ge- wesen seyn muss, dicht an der innern Höle des Zahns so verwachsen liegt, dass der Eingang des Schusses auf der Aussenseite wie durch eine saubere Ma- ser geschlossen, die Kugel selbst als mit einer besondern Rinde umge- ben, und der Elfenbeinsaft am innern Rand in die Hölung des Zahns gleich- sam stalactitförmig ausgewuchert ist. II. Abschnitt. §. 24. Eine Eintheilung der Zähne, wenn sie allgemein passend und doch ver- ständlich seyn soll, hat ihre Schwierig- keiten. — Inzwischen taugt doch immer die Lage derselben besser dazu, als etwa ihre Form, (denn die ist z. B. bey den Cascheloten und Delphinen fast durch- gehends die gleiche;) und so lassen sie sich im Ganzen unter die bekannten drey Classen von Vorderzähnen, Eck- zähnen und Backenzähnen bringen, nur muss der Begriff von denselben genau bestimmt werden. §. 25. Vorderzähne sind im Oberkiefer die- jenigen, die im os intermaxillare sitzen, (daher und Wollvieh noch mit einer sogenann- ten Weinsteincruste von auffallender metallisch glänzender Bronzefarbe über- zogen. s. Kil. Stobaeus de inauratione spontanea dentium quorundam anima- lium in den Act. literar. Sueciae . vol. III. a. 1733. pag. 83. Vom Gerippe der Säugethiere. (daher freylich auch die Stosszähne des Elephanten darunter gehören;) und im Untern die, so mit diesen Zähnen, oder bey denjenigen Thieren, welchen diesel- ben mangeln, mit dem vordern Rande jenes Knochens zusammen passen. — Zahl und Form derselben ist sehr ver- schieden. Von letzterer doch einiges zum Beyspiel anzuführen, so sind bey den gliribus zumal die untern meisselför- mig, daher J. Hunter diese Thiere scalpris dentata nannte. Bey einigen derselben, namentlich beym Biber und der Hausmaus, hat das untere Paar ganz ausnehmend lange Wurzeln. Im Ha- sengeschlecht sind die obern doppelt, so dass sich noch ein ganz kleines Paar hinter dem grössern vordern Paare findet. Beym Wallross ähneln die Kronen der Vorder- sowohl als der Backenzähne flachen Knöpfen. Beym Tümmler ragt, gegen die Weise bey andern Thieren, das Vorderende des Unterkiefers mit sei- nen äussersten Vorderzähnen weiter her- vor, II. Abschnitt. vor, als das vom obern. — Ueberhaupt haben die untern Vorderzähne der Säu- gethiere eine mehr oder weniger schräge Lage, da sie hingegen beym Menschen aufrecht stehen, als worin ihm höch- stens nur der Orangutang von Bor- neo ähnelt. §. 26. Von den Eckzähnen sitzen die obern im Kiefer selbst nahe an den Intermaxil- lar-Knochen, folglich gehört der wun- derbar lange Stosszahn des Narhwal Ueber die Frage, ob der Narhwal wirk- lich nur Einen oder aber eigentlich zwey solcher Stosszähne habe, muss ich auf das verweisen, was ich darüber im 5ten Heft der Abbildungen naturhi- storischer Gegenstände zu tab. 44 ge- sagt habe. , so wie die Hauzähne des Wallrosses, unter diese Classe. — Bey manchen Pavianen, zumal aber bey den grössern reissenden Thieren, sind diese Zähne theils von furchtbarer Stärke; und bey den letztern der Vom Gerippe der Säugethiere. der ganze Profilumriss und Wurf des Vorderschedels nach denselben gerichtet, was z. B. am Tiger auffallend sichtlich ist. Die sonderbarste Bildung haben die obern Eckzähne des Babirussa, deren Zweck, bey einer solchen Länge und fast kreisförmigen Richtung im Ver- gleich zu ihrer Dünne, noch unbekannt scheint. — Merkwürdig sind bey den jetzt existirenden Bärenarten und meh- rern andern Gattungen dieses Geschlechts die ganz kleinen Eckzähnchen, die neben den grossen nach hintenzu sitzen So ist es namentlich beym braunen Al- pen-Bär, von welchem ich drey Schedel vor mir habe, und eben so bey einem schwarzen Americanischen, ferner bey einem andern im Nationalmuseum zu Paris, dessen Vaterland unbekannt ist, und auch beym nordischen Eisbär; von welchen allen ich meisterhafte Zeich- nungen von der Güte des Hrn. Prof. Cüvier besitze. Hingegen . §. 27. II. Abschnitt. §. 27. Die Backenzähne sind in so fern die allgemeinsten, dass, wenn anders Säuge- thiere Zähne haben, dieselben wenig- stens aus dieser Classe sind, wenn auch gleich manchen, wie den Tatus und dem Schnabelthier, die Vorder- und Eck- zähne abgehen. Nur der Narhwal macht hiervon eine Ausnahme, als welcher, seinen Stosszahn ausgenommen, übri- gens zahnlos ist. — Form, Textur und respective Lage der Backenzähne sind von merkwürdiger Verschiedenheit. Bey vielen Quadrumanen z. B. haben die beiden vordern, den Eckzähnen zunächst stehen- Hingegen fehlen diese kleinen Eck- zähnchen dem ungeheuer grossen fossi- len Bär der Vorwelt ( Vrsus spelaeus ), zu dessen Osteologie ich eine grosse Sammlung aus den drey berühmten Kno- chenhölen Deutschlands, nemlich der Scharzfelder am Harz, der Gailenreuter am Fichtelberge, und der Altensteiner auf dem Thüringerwalde, zusammenge- bracht habe. Vom Gerippe der Säugethiere. stehenden, so wie beym Menschen kleinere Kronen und einfachere Wur- zeln als die hinteren Bey manchen Affen und Pavianen hat der vorderste Backenzahn im Unterkie- fer eine sehr ausgezeichnete Bildung: die Krone nemlich (fast wie bey den feris , von welchen sogleich die Rede ist,) zusammengedrückt, mit einer schar- fen Spitze, und ausserdem auch lang herabsteigendem Vorderrande; mit wel- chem die vordere der beiden Wurzeln einen stumpfen Winkel macht. — s. die treffliche Abbildung vom Schedel des grossen Mandril (engl. Man-tyger ) in Che- selden 's osteography vor dem 1ten Cap. : wesshalb sie auch von J. Hunter mit dem Namen biscuspides bezeichnet, und nur die letz- tern molares genannt worden Ich finde diesen Unterschied zwischen den Backenzähnen schon in dem aller- ersten nach menschlichen Leichen abge- fassten anatomischen Compendium, nem- lich in der berühmten anatomia partium corporis humani beobachtet, die Mondini in . — In D II. Abschnitt. In der eben genannten Ordnung sind die Kronen der Backenzähne, so wie auch bey den feris und beym Men- schen, ganz mit Schmelz überzogen Eben so auch bey dem ungeheuern jetzt fossilen Ohio- I ncognitum aus der Vor- welt, dem vulgo sogenannten fleisch- fressenden Elephanten ( Mammut ohio- ticum ), s. den IIten Heft der Abbild. naturhistorischer Ge ge nst . tab. 19. fig. A. : da in der ersten Hälfte des XIVten Jahrhun- derts geschrieben, da er in jedem Kiefer ausser den 4 Vorderzähnen und 2 Eck- zähnen “ quatuor maxillares et sex molares ” rechnet. pag. 370 b der clas- sischen Ausg mit Berengar 's Com- mentar. — Und eben so habe ich auch die Eintheilung dieser beiderley Arten von Backenzähnen in dem berühmten Volumen von bewundernswürdigen ana- tomischen Zeichnungen des auch hierin unvergleichbaren Lion. da Vinci ge- funden, das in der grossen Sammlung von Handzeichnungen in der Bibliothek Sr. Majestät des Königs aufbe- wahrt wird. Vom Gerippe der Säugethiere. da hingegen bey vielen gliribus Bey vielen — denn bey einigen, z. E. beym Murmelthier, ist die ganze Krone dieser Zähne mit Schmelz überzogen. , so wie bey den solidungulis, pecoribus Vom innern Bau der Backenzähne der pe- corum s. Hollmann de ossibus fossilibus in den Commentar. soc. Reg. scient. Gottingens . T. II. pag. 263. und den mehrsten belluis , auch Kno- chensubstanz auf der obern Fläche der- selben zu sehen ist, die mit vertical- stehenden theils sonderbar gewundnen Blättern von Schmelz, der etwas mehr hervorragende Kanten bildet, gleichsam durchschlängelt ist Die specifisch verschiedne Form dieser Blätter bey den beiden Gattungen des Elephantengeschlechts, der Asiatischen und der Africanischen s. in den Abbild. n. h. Gegenst . a. a. O. fig. B. C. . Bey manchen bloss grasfressenden und nicht rumini- renden Thieren, wie die solidungula und die Elephanten, liegen die breiten Kronen der Backenzähne meist hori- D 2 zontal II. Abschnitt. zontal auf einander. Bey den mehrsten pecoribus hingegen sind sie schräg aus- geschlegelt, so dass an den obern die äussern Ränder, an den untern hinge- gen die innern höher sind, so wie es in Verbindung mit dem schmalen Un- terkiefer und der Art seiner Einlenkung (§. 22. S. 38.) der Function des Wie- derkauens angemessen ist. Bey den mehrsten reissenden Thieren, zumal aus dem Löwen- und Hunde-Geschlecht, haben die Backzähne zackichte nach der Länge der Kiefer gleichsam zusammen- gedrückte Kronen, davon die untern dicht innerhalb der obern liegen, so dass beiderley beym Zerbeisen mittelst des festen Gewindes der walzenför- migen Gelenkknöpfe des Unterkiefers wie Scheerenblätter an einander weg- gleiten. §. 28. So wie manchen Ordnungen, Geschlech- tern und Gattungen der Quadrupeden ge- wisse Arten von Zähnen gänzlich abgehen, wie Vom Gerippe der Säugethiere. wie z. B. den pecoribus die obern Vor- derzähne, den Elephanten die untern, dem Africanischen Nashorn sowohl diese als jene; den gliribus die Eckzähne u. s. w.; so sind dann auch bey manchen andern gewisse Abschnitte des Gebisses, zumal die Eck- und Backenzähne, durch Zwischenräume von einander ab- gesondert. So z. B. im Pferde- und Bären-Geschlecht. Bey keinem andern Thiere sind aber wohl die sämmtlichen Zähne so eben an einander gereihet und von so gleichförmiger Höhe als beym Menschen. §. 29. Ueber das Wechseln der Zähne lässt sich aus Mangel satt s amer Beobachtun- gen S. als Muster die ausführliche Beschrei- bung des Zähnewechselns des Pferdes, von Tenon sur une methode particulière d'etudier l'anatomie in den Mém. de l'In- stitut national T. I. pag. 558. , zumal an wilden Thieren, we- nig Zuverlässiges sagen. Manche ehe- D 3 malige II. Abschnitt. malige irrige Behauptung, wie z. B. dass nur das Hausschwein seine Zähne wechsle, und die wilde Sau hingegen nicht, bedarf jetzt keiner weitern Wi- derlegung. Unter den feris haben na- mentlich Hunde und Fischottern wäh- rend des Wechselns oft doppelte Eck- zähne, wenn der neue perennirende früher hervorbricht, als der alte Milch- zahn ausgefallen war. — Wenigstens bey manchen Affen finden sich, so wie beym Menschen, unter den Milchbacken- zähnen noch keine bicuspides . sondern an deren Statt auf jeder Seite jedes Kie- fers anfänglich zwey eben so vielzak- kichte Zähne, wie die eigentlichen maxillares So sind z. B. in dem Schedel eines noch unerwachsenen Orangutangs von Bor- neo, den ich der Güte des Hrn. van Ma- rum verdanke, noch keine bicuspi- des , sondern die vielzackichten Milch- backzähne. . — Besonders merkwür- dig ist die Art, wie das Wechseln der Backen- Vom Gerippe der Säugethiere. Backenzähne bey den Elephanten er- folgt, da der neue perennirende hinter dem alten Milchzahn ausbricht Vortrefflich ist diess am Schedel eines jungen Africauischen Elephanten im hie- sigen academischen Muscum zu sehen. , von welchem dann allgemach eine Verti- calschicht nach der andern absorbirt wird s. Hrn. Prof. Brugmanns Bemerkungen darüber in van Maanen diss. de absorp- tione solidorum . Lugd. Batav. 1794. 8. pag. 51. , und dagegen jener in glei- cher Masse zunimmt Von der überaus sonderbaren Bildung dieser Verticalschichten in den Backenzäh- nen der Elephanten, ehe sie zu ihrem Durchbruch gelangen, besonders von der Art wie ihr Schmelz aus der substan- tia ossea in kleinen Zäpfchen aus- schwitzt, habe ich in der Preisschrift über die Nutritionskraft , St. Petersb. 1789. 4. pag. 16. fig. 1. eine Abbildung gegeben. . — Ueber- haupt aber giebt es schwerlich irgend D 4 ein II. Abschnitt. ein Thier dieser Classe, bey welchem sowohl der erste Ausbruch als das nach- herige Wechseln der Milchzähne nach Verhältniss so auffallend späte erfolgt als beym Menschen. §. 30. Mit den Jahren werden die Kronen der Zähne durch den Gebrauch mehr oder weniger abgenutzt Daher hat man bey gliribus verschie- dentlich bemerkt, dass wenn sie das eine Paar ihrer Vorderzähne verloren haben, sodann das entgegenstehende zu einer theils ganz monstreusen Länge fortge- wachsen ist. Etwas ähnliches soll auch erfolgen, wenn sie bloss weiche Nah- rungsmittel zum Futter erhalten. — s. Morton 's natural history of Nort- hamptonshire p. 445. Hrn. Prof. Achard 's chy misch-physische Schriften pag. 161. , und erhal- ten dadurch zum Theil das Ansehen wie angeschliffene Flächen, die zumal bey den Eckzähnen der Schweine und des Nil- Vom Gerippe der Säugethiere. Nilpferdes s. Hrn. Hofr. Beckmann 's Vorbereitung zur Waarenkunde I. B. pag. 344. sichtlich sind. An den Vorderzähnen der Pferde lässt sich dar- nach das Alter derselben bestimmen. §. 31. So viel vom Schedel der Säuge- thiere. Nun zum Rumpf ihres Gerippes, nach der Ordnung der drey Haupttheile desselben, Rückgrat, Becken und Tho- rax : wovon ersteres überhaupt der all- gemeinste Theil des Gerippes ist, der nemlich allen rothblütigen Thieren ohne Ausnahme, und hingegen keinem ein- zigen weissblütigen zukommt. §. 32. Merkwürdig ist, dass die Thiere die- ser Classe, wenigstens die Quadrupe- den, im Ganzen einerley Anzahl von Halswirbeln haben. Die Giraffe und das Pferd z. B. nicht einen mehr als der Maulwurf oder die Ameisenbären. D 5 Durch- II. Abschnitt. Durchgehends nemlich, so wie beym Menschen, ihrer sieben. Nur bey den Faulthieren hat Hr. Prof. Cuvier die unerwartete Anomalie entdeckt, dass sie deren 9 haben. Bey manchen Ce- taceen hingegen scheinen sich nur 6 zu finden: überhaupt aber sind bey den- selben meist ihrer 4 oder 5 zusammen verwachsen. — Bey den mehrsten feris zeichnet sich der erste Halswirbel ( atlas ) durch seine ausnehmende Stärke und grossen flügelähnlichen processus trans- versos aus Vesling in Severini vipera Pythia . Pa- tav. 1651. 4. pag. 232. Von dem Bezug den diess auf das Ge- biss dieser reissenden Thiere hat. s. Eu- stachius de dentibus pag. 86. . §. 33. Die Zahl der Brustwirbel richtet sich nach den Rippenpaaren, wovon unten einiges gedacht werden wird. — Zumal bey den langhalsigen Quadru- peden, wie das Pferd, die Giraffe, Ca- mele Vom Gerippe der Säugethiere. mele und mehrere andere pecora , und bey den sehr schwerköpfigen, wie die Elephanten, sind die processus spinosi dieser Wirbel, besonders der vordern, an welche das grosse ligamentum suspen- sorium colli mit seinem hintern Ende befestigt ist, von auffallender Länge. §. 34. Auch die Lendenwirbel variiren gar sehr in der Zahl. Die Elephanten z. B. haben ihrer nur 3, die Camele 7. Eben so manche Quadrumanen, z. B. der Man- dril. Das Pferd 6. Der Esel 5. (Die Maulthiere meist 6, zuweilen aber auch nur 5). — Bey den mehrsten Quadru- peden sind die Fortsätze dieser Wirbel vorwärts (wie bey den Affen nach der gewöhnlichen Stellung derselben auf- wärts Da Galenus in seiner Osteologie die Richtung dieser Fortsätze eben so an- giebt, so zeigte Vesalius auch hieraus, so ) gekehrt. — Die processus trans- versi II. Abschnitt. versi sind, zumal bey vielen wieder- kauenden Thieren, von ausnehmender Grösse; und so zeigen sie sich auch beym Hasen. §. 35. Noch vielartiger ist die Form und das Verhältniss des Kreuzbeins . Die An- zahl seiner sogenannten Wirbel variirt selbst bey verschiedenen Gattungen des gleichen Geschlechts. Bey den mehr- sten Affen z. B. besteht es aus 3 Stuk- ken Vesalius de c. h. fabrica pag. 99. fig. 4. 5. , beym Orangutang aus 4 Camper sagt, das Kreuzbein dieses be- rühmten Thiers bestehe aus drey Wir- beln. , beym so wie aus der Galenischen Beschreibung des Kreuz- und Kukuksbeins und meh- reren anderen Stellen, dass dieselbe nach Affen und nicht nach Menschen abgefasst sey. — s. dessen Epistola ra- tionem modumque propinandi radicis Chynae decocti, pertractans . pag. 49. der grossen Oporinischen Ausg. 1546. gr. 4. Vom Gerippe der Säugethiere. beym Schimpanse aus 5 Tyson 's anatomy of a Pygmy pag. 89 der Ausg. von 1751. . — In der Bildung zeichnet sich unter andern das vom Pferd durch die grossen flügelför- migen Seitenfortsätze am vordern Ende, und das vom Maulwurf durch ein gleichsam scharfkantiges schmales Blatt aus, in welches die processus spinosi des- selben verwachsen sind Etwas ähnliches zeigt sich auch beym Armadill, von dessen überhaupt sehr anomalisch gebauten Becken, so wie von seinem ganzen merkwürdigen Gerippe Hr. Prof. Wiedemann in s. Archiv für Zoologie und Zootomie I. B. 1. St. pag. 106 eine sehr genaue Beschreibung giebt. — Vergl. damit die Abbildung eines Ar- madill-Gerippes in Cheselden 's osteo- graphy vor dem 8ten Cap. . — Den Ce- taceen kann beym Mangel der Hüft- knochen kein wahres Kreuzbein zuge- schrieben werden. §. 36. beln. In dem Exemplar in meiner Samm- lung aber sind offenbar ihrer viere . II. Abschnitt. §. 36. Das Kukuksbein wird bey den ge- schwänzten Thieren zur sogenannten Schwanzrippe verlängert, die bey man- chen aus einer grossen Anzahl von Wir- beln besteht. Z. B. beym Todtenköpf- chen ( Cercopithecus morta ) aus 22. Beym Coaita ( Cercopithecus paniscus ) aus 32. Beym zweyzehigten Ameisen- bär aus 41 Wenn sich, wie das oft der Fall ist, Meerkatzen, Beutelratten u. s. w. in der Gefangenschaft entweder selbst ein Stück des Schwanzes abfressen, oder es durch andern Zufall verlieren, was dann zu- weilen in der Bestimmung der Gattun- gen Irrthum veranlasst hat, so bildet sich gewöhnlich am äussersten Wirbel des ver- stümmelten Schwanzes ein sonderbarer knorrichter theils wie cariöser Auswuchs. . §. 37. Die Hüftknochen im weitern Sinn, oder was man insgemein die ungenann- ten Beine nennt, machen in Verbin- dung Vom Gerippe der Säugethiere. dung mit dem Kreuzbein das sogenannte Becken Bernh. Gottl. Schregeri peluis ani- mantium brutorum cum humana compa- ratio . Lips. 1787. 4. J. H. F. Autenrieth et J. Fischer observationes de pelui mammalium . Tu- bing. 1798. 8. aus. Indess lässt sich, so pa- radox es auch lautet, wohl behaupten, dass ausser dem Menschen gar kein andres Thier ein Becken habe: da in der That bey keinem derselben die genannten zusammen verbundnen Kno- chen von beckenähnlicher Gestalt sind. Denn auch bey den menschenähnlich- sten Affen sind die beiden Hüftknochen doch weit länger als breit; und bey den Elephanten, beym Pferd u. s. w. haben sie wegen der langen Schaambeinverbin- dung eben so wenig Beckenform. — Bey manchen, wie beym Biber und Kän- guruh, ist gar keine Synchondrose der Schaambeine, sondern beide Knochen sind an deren Stelle zu einem Stücke mit II. Abschnitt. mit einander verwachsen. Hingegen stehen sie bey den Ameisenbären fast wie bey den Vögeln von einander. — Beym Maulwurf ist das Becken so eng, dass es gar die innern Genitalien und übrigen benachbarten Eingeweide nicht fassen kann, sondern diese ausserhalb der Schaambeine liegen müssen. — Bey dem Känguruh Ever. Home on the mode of genera- tion of the Kanguroo in den philos. Transact. for 1795. tab. 21. a. a. und andern Beutel- thieren Daubenton vol. X. tab. 51. fig. 3. N. O. P. Q. (— Dieses Citat bedeutet hier und in der Folge immer die erste Origi- nalausgabe des Büffonischen Werks in 4. das ich aber nicht unter Büffon 's Namen anführen darf, da bekanntlich gerade der zootomische Theil, von Dau- benton , in den mchresten andern Aus- gaben weggelassen ist. —) findet sich am obern oder vordern Rande der Schaambeine am Bauche hin noch ein besonderes Paar etwas divergirender länglicher platter Knochen Vom Gerippe der Säugethiere. Knochen (die cornua peluis abdominalia ), das diesen Thieren ausschliesslich eigen ist, und dem Weibchen zur Stütze des Zitzenbeutels dient, aber doch (wenig- stens bey manchen Gattungen) auch in den Männchen gefunden wird Diess ist Eins der Beyspiele, deren die Zootomie eine Fülle darbietet, um den bestimmten Begriff von Bildungs- trieb zu erläutern, in so fern dieses Wort die Verbindung der beiden Princi- pien beym Zeugungsgeschäffte bezeich- net, die man sonst für unvereinbar ge- halten hat, des teleologischen nămlich mit dem mechanischen . Die zweckmässige Bildung dieses sonst so anomalischen Knochenpaars, zur Stütze des sonderbaren Zitzenbeutels der Weibchen , deutet offenbar auf das teleo- logische . Dass hingegen der Bildungs- trieb auch bey den männlichen Thieren dieser Gattung, wo doch jene Zweck- mässigkeit wegfällt, dennoch derglei- chen Knochen gleichsam nach dem ein- mal . Die E II. Abschnitt. Die Cetaceen haben, da ihnen die Hinterfüsse mangeln, auch keine Hüft- knochen, und folglich gar kein Becken; doch unten am Bauche ein paar kleine Knochen, die man gewissermassen mit den Schaambeinen vergleichen kann Rondelet de piscib . pag. 461. Tyson 's anat. of a Porpess . Lond. 1680. 4. p. 28. . §. 38. Der Thorax ist, bey den allermehrsten, wo nicht bey allen Thieren dieser Classe, schmaler, und hingegen vom Brustbein nach den Wirbeln gemessen, nach Verhält- niss tiefer als beym Menschen. Diess hängt theils von der schwächern Krüm- mung ihrer Rippen, theils von der schlan- kern Form des Brustbeins ab. Am auffal- lendsten ist jene kielförmige Bildung ( thorax carinatus ) bey den hochbeinich- ten Quadrupeden, wie z. B. bey der Giraffe, dem Hirschgeschlecht u. s. w. §. 39. mal für diese Gattungen bestimmten Normalschema hervorbringt, dient zum Erweis des mechanischen Princips. Vom Gerippe der Säugethiere. §. 39. Nur sehr wenige Säugethiere, nem- lich einige Gattungen von Fledermäu- sen und Armadillen, haben ein Rippen- paar weniger als der Mensch. Bey wei- tem die allermehrsten haben hingegen deren mehrere. Selbst viele quadrumana haben 14 Paar. Das Pferd 18. Die Ele- phanten 19 So ist es wenigstens an dem Scelet des asiatischen Elephanten in Cassel; so fand es Blair in dem, wovon er die vortreffliche Anatomie geliefert; und so finde ich es auch in einer handschrift- lichen italiänischen Notiz von dem Ge- rippe desjenigen Elephanten, der 1657 zu Florenz gestorben, die ich aus der her- zoglichen Bibliothek zu Gotha vor mir habe. — Allen Moulin hingegen (im anatomical Account of the Elephant burnt in Dublin . Lond. 1682. 4.) und Dau- benton geben 20 P. an. . Das zweyzehichte Faul- thier ( Bradypus didactylus ) gar 23 Paar. — Beym zweyzehichten Ameisenbär ( Myr- mecophaga didactyla ) zeichnen sich die E 2 16 II. Abschnitt. 16 Rippenpaare durch ihre auffallende Breite aus, womit der ganze Rücken und die Seiten des Scelets, fast bis zu den Hüftknochen, gleichsam wie ge- panzert sind. §. 40. Das Brustbein ist bey den mehrsten Thieren dieser Classe cylindrisch und wie gegliedert. So ist es selbst bey vie- len Quadrumanen und bey den Bären, deren Gerippe sonst in vielen Stücken dem menschlichen ähnelt. — Am son- derbarsten ist dieser Knochen beym Maulwurf gestaltet, wo er sich nach vorn Kaum bedarf es wohl erst der Erinne- rung, dass die Ausdrücke von vorn, hinten, oben, oder unten, bey den Quadrupeden immer nach der horizon- talen Richtung ihres Körpers zu verste- hen sind. Folglich nach vorn das was beym Menschen in seiner aufrechten Stellung nach oben heissen müsste u. s. w. in einen langen fast pflugschaar- förmigen Fortsatz verläuft, der unter den Vom Gerippe der Säugethiere. den Halswirbeln, und mit denselben pa- rallel, liegt. §. 41. Endlich zu den so genannten Ex- tremitäten des Gerippes, die sich, so viel- artig auch ihre Gestaltung in dieser Thierclasse ist, dennoch im Ganzen und nach ihren Haupttheilen, und der re- spectiven Verbindungsart derselben Ein paar Stellen beym Aristoteles , hist. animal . II. 1. und de animal. in- cessu c. 11. und beym Plinivs XI. 102. haben zu dem seltsamen qui pro quo Anlass gegeben, als ob bey den mehrsten Quadrupeden Elnbogen und Kniee in Vergleich zu den menschlichen nach der ganz entgegengesetzten Richtung flectirt würden. Dieses Missverständniss muss wohl dadurch veranlasst seyn, dass da der Schulterknochen ( os humeri ) und das Schenkelbein, zumal bey den hochbeinichten Quadrupeden sehr kurz sind und nahe am Rumpfe anliegen, und nicht so, wie beym Menschen und den E 3 u. s. w., II. Abschnitt. u. s. w., sämmtlich mit denen am Men- chen vergleichen lassen. — Zuerst von den vordern. §. 42. Die Schlüsselbeine , die selbst von treff- lichen neuern Zoologen bloss Lin- né's Primaten (worunter er ausser dem Menschen und den Quadrumanen auch die Fledermäuse begriff) zugeschrieben worden den Quadrumanen, und Bären, Ele- phanten u. s. w. frey hervorstehen, die- selben desshalb verkannt, und demnach überhaupt auch die übrigen Haupttheile der Extremitäten bey jenen Thieren un- richtig mit andern als den wirklich damit correspondirenden Theilen des menschlichen Körpers verglichen wor- den. — s. darüber Fabric . ab Aqua- pendente de motu locali animalium se- cundum totum in dess. oper. anatomic . pag. 342 der Albinischen Ausg. und Bar- thez des mouvemens progressifs de l'homme im Journal des Sçav . vom Jan. 1783. pag. 34 der Pariser 4t Ausg. Vom Gerippe der Säugethiere. worden, finden sich ausserdem noch bey einer grossen Anzahl von Säuge- thieren Jo. Gottl. Haase comparatio clauicu- larum animantium brutorum cum huma- nis . Lips. 1766. 4. Vicq d'Azyr sur les clavicules et sur les os claviculaires in den Mém. de l'Acad. des sc. de Paris 1785. pag. 350. : besonders bey denjenigen Quadrupeden, die besondern Gebrauch von ihren Vorderfüssen machen, z. B. zum Fassen, wie Eichhörnchen und Biber: oder zum Graben, wie der Maul- wurf; oder zum Wühlen, wie die Amei- senbären und Igel Den Zweck der Schlüsselbeine bey man- chen der genannten Thiere hat schon der wackre Fabric. Hildanvs richtig eingesehen. s. dess. Kurtze Beschreibung der Fürtrefflichkeit der Anatomy . Bern 1624. 8. pag. 219. ; oder zum Klet- tern, wie die Faulthiere u. s. w. — Viele andere haben wenigstens an deren E 4 Stelle II. Abschnitt. Stelle einen analogen kleinen, bloss zwi- schen Sehnen steckenden Daher Serao denselben mit den Se- samsbeinchen vergleicht. s. dess. opus- coli di fisico argumento . Napol. 1766. 4. pag. 84. , Knochen auf jeder Seite, den Vicq d'Azyr da- her zum Unterschied os clauiculare nennt. So bey den meisten feris Pallas spicileg. zoologica . fascic. XIV. pag. 41. und man- chen gliribus . — Uebrigens ist auch die Form und relative Grösse der wahren eingelenkten Schlüsselbeine sehr man- nichfaltig. Bey den Fledermäusen sind sie von auffallender Länge. — Beym Orangutang haben sie die grösste Aehn- lichkeit mit dem menschlichen: beym zweyzehichten Ameisenbär sind sie fast rippenförmig: am alleranomalischten, fast cubisch, beym Maulwurf. — Sie fehlen hingegen gänzlich den hochbei- nichten Quadrupeden mit kielförmiger Brust, Vom Gerippe der Säugethiere. Brust, namentlich den pecoribus und so- lidungulis ; aber auch den Cetaceen. §. 43. Die Schulterblätter finden sich durch- gehends bey allen rothblütigen Thieren, welche Vorderfüsse oder ähnliche Bewe- gungswerkzeuge haben. Namentlich also in beiden Classen der warmblüti- gen Thiere ohne Ausnahme. Ihre Bil- dung ist aber selbst bey den Säugethie- ren von mancherley Verschiedenheit: zumal das Verhältniss ihrer drey Haupt- ränder gegen einander, das sich nach der Lage dieser Knochen, und dieses sich nach der Totalform des Thorax (§. 38.) richtet. So ist z. B. der nach dem Rückgrat gekehrte Rand bey den mehrsten eigentlichen Quadrupeden, zu- mal bey den hochbeinichten mit schma- ler Brust, als bey welchen die Schul- terblätter zu beiden Seiten derselben liegen, am kürzesten; bey manchen aber, z. B. beym Elephanten, so wie bey den chiropteris , bey den meisten Qua- E 5 dru- II. Abschnitt. drumanen, und zumal beym Menschen selbst, am längsten. — Wiederum ganz anomalisch, fast einem Röhrenknochen ähnelnd, sind die Schulterblätter des Maulwurfs. — Dass die beiden Haupt- fortsätze an diesen Knochen, der cora- coides und das acromium bey denen am ansehnlichsten ausgebildet seyn müssen, die wahre lange Schlüsselbeine haben, lässt sich schon a priori erwarten. §. 44. Die merkwürdigsten Verschiedenhei- ten an den eigentlich so genannten vor- dern Extremitäten lassen sich am füg- lichsten nach den Ordnungen und Ge- schlechtern der Thiere dieser Classe zu- sammen fassen. Am allerauffallendsten und abweichendsten ist ihr Bau bey den Fledermäusen und beym Maulwurf. Jenen fehlt der radius im Vorderarm Ich habe im ehemaligen Hagenschen Ca- binet zu Nürnberg einen merkwürdi- gen Osteolithen in Solenhofer Kalk- schiefer . Ihr Vom Gerippe der Säugethiere. Ihr Daumen ist kurz, mit einer haken- förmigen Kralle: hingegen die phalan- ges der übrigen 4 Finger, zwischen welchen die Flatterhaut ausgespannt ist, ausser allem Verhältniss lang, dünne, fast grätenförmig, und ohne Nägel. Beym Maulwurf ist die Form des Schul- terknochen ( os humeri ) ohne ihres glei- chen; in der Mitte schmal, und an bei- den Enden aufs sonderbarste breit aus- geschweift. Seine Schaufelpfoten zeich- nen sich zuförderst durch einen ganz eignen sichelförmigen Knochen aus, der vom vordern Ende des radius nach dem Daumen hin liegt; ferner finden sich an den Phalangen der Finger zahlreiche Fortsätze, und auf ihrer Aussenseite eine schiefer gesehen, der aus drey sehr schlanken nach der Länge an einander articulirten Röhren bestand, und für einen versteinten Vogelflügel gehalten ward, aber nach der Einfachheit und Länge der mittlern Röhre zu urtheilen, wohl ohne Zweifel einer grossen Süd- indischen Fledermaus zugehört. II. Abschnitt. eine Menge Sesamsbeinchen ; alles zur Vergrösserung des Insertionswinkels der Sehnen als Hauptmittel zur Erleichte- rung der Muskelbewegung. — Beson- ders merkwürdig sind einige Eigenhei- ten am metacarpus und metatarsus der Thiere mit gespaltnen Klauen und Hu- fen. Beym Schwein nemlich bestehen diese Theile aus vier Röhren. — Bey den pecoribus vor der Geburt aus zweyen dicht an einander liegenden, die aber nachher durch Absorbtion der Scheide- wände zu einer gemeinschaftlichen Röhre umgebildet werden Jo. Bapt . Com. a Covolo de metamor- phosi duorum ossium pedis in quadru- pedibus aliquot . Bonon. 1765. 4. — Fou- geroux in den Mém. de l'Acad. des Sc . 1772. P. II. pag. 520. . — Beym Pferd aus einer einzigen Hauptröhre ( gamba Veget . Fr. le canon ), an deren hintern Seitenrändern ein Paar weit kürzere un- bewegliche Nebenröhren (Fr. les poin- çons oder os epineux ) wie angewachsen sitzen, so dass nur jene Hauptröhre mit dem Vom Gerippe der Säugethiere. dem Fesselknochen (Fr. le paturon ) ar- ticulirt, welcher sich mit der ersten Phalanx eines der mittlern Finger in der Menschenhand, so wie der Hufkno- chen gewissermassen mit dem dritten oder Nagelgliede desselben vergleichen lässt s. Stubbs in seiner unübertrefflichen Anatomy of the horse . zu tab. 1. . — Ueberhaupt aber ist diese äusserste Phalanx nach der Verschieden- heit der hornartigen Bedeckung dersel- ben durch platte Nägel oder Krallen oder Hufe oder gespaltne Klauen u. s. w. selbst von verschiedner damit corre- spondirender Bildung. §. 45. Endlich auch noch einiges von den hintern Extremitäten . — Bey den aller- mehrsten Quadrupeden ist das Schen- kelbein weit kürzer als ihre Schienbein- röhre, und daher gar nicht oder kaum merklich vom Unterleibe abstehend. Nur bey wenigen, wie z. B. beym Bär, ist der erstgenannte Knochen länger, und so II. Abschnitt. so auch bey manchen Affen, nament- lich beym Orangutang, bey welchem auch, so wie bey verschiednen andern wahren Affen und Pavianen, die Röhren des Ober- und Vorder-Arms auffallend länger sind, als die vom Ober- und Unter-Schenkel. — Manche, wie z. B. die Elephanten, haben kein ligamentum teres am Schenkelkopf, folglich auch keine Grube dafür auf demselben, so wie sie hingegen andre, z. B. die Nas- hörner, haben Auch diese scheinbare Kleinigkeit hat mir doch, so wie manche ähnliche bey Bestimmung von grossen fossilen Kno- chen der Vorwelt, auf sichere Spur geholfen. . — Den pecoribus fehlt fast durchgehends die fibula . — Die eigne Form des talus bey den Thieren der nämlichen Ordnung ist aus dem Ge- brauch desselben zum Knöchelspiel der Alten bekannt Aristotelis H. A. l. II. c. 1. — Von den mancherley Benennungen dieses so all- gemein . — Bey manchen Qua- druma- Vom Gerippe der Säugethiere. drumanen, und namentlich beym Orang- utang, sind die beiden hintern Phalan- gen der vier Finger an ihrer Hinter- hand merklich bogenförmig gekrümmt, wodurch sie zum Anhalten auf den Baumästen bequem, hingegen zum auf- rechten Gange desto unfähiger sind. — Die Cetaceen haben gar keine Knochen in ihren Schwanzflossen, aber wohl in den Brustflossen So auch beym Manaten, dessen vor- dere Ruderfüsse weiland für Sirenen- hände ausgegeben worden. s. z. B. Th. Bartholini histor. anatomic . Cent. II. pag. 188. , wo sie im Ganzen denen in den Vorderfüssen der Rob- ben ähneln. gemein bekannt gewordnen Knochens in den mehrsten Europäischen und Mor- genländischen Sprachen, so wie von seiner Form bey verschiedenen Thieren, s. Th. Hyde historia talorum im IIten B. des Syntagma dissertationum Des- selb. Oxon. 1767. 4. pag. 310 u. f. Dritter III. Abschnitt. Dritter Abschnitt. Vom Gerippe der Vögel . §. 46. Der Totalbau des Vogelgerippes hat in der ganzen Classe viele übereinstim- mende Gleichförmigkeit; und zeigt, wenn er mit den so ungleich vielför- migern Sceleten der Säugethiere vergli- chen werden soll, noch die mehrste, theils auf den ersten Blick unerwartete Aehnlichkeit mit dem menschlichen Wie schon der treffliche Belon gezeigt hat. s. Dess. histoire de la nature des oyseaux, avec leurs naïfs portraicts re- tirez du naturel . Paris. 1555. fol. pag. 40. . §. 47. Zu den Eigenheiten des Schedels der Vögel gehört, dass, wenigstens bey den Erwach- Vom Gerippe der Vögel. Erwachsenen, die eigentlichen Hirn- schalenknochen Von diesen eigentlichen Hirnschalen- knochen der Vögel s. ausführlichst Vinc. Malacarne delle parti relative all' En- cefalo degli Uccelli in den Mem. della Società Italiana . T. I. pag. 747. und T. II. pag. 237. ohne ächte Nähte, son- dern wie zu einem Stücke verwach- sen, sind Hier verdient eine, so viel bis jetzt bekannt, blos der Scharbe ( Pelecanus carbo ) eigne Anomalie erwähnt zu wer- den, als bey welcher auf dem Hinter- theil des Scheitels ein sonderbarer sä- belförmiger kleiner Knochen befindlich ist, der, wie man glaubt, dem Thiere als Hebel dient, um den Kopf zurück zu schlagen, wenn er die weggeschnapp- ten Fische erst in die Höhe wirft, um sie dann mit offnem Rachen der Länge nach aufzufangen. — Aber freylich thun das gar manche andere fischfres- sende Vögel auch, ohne doch dazu mit diesem besondern Knochen versehen zu seyn. . Ferner F III. Abschnitt. Ferner haben sie ohne Ausnahme nur einen einzigen mit dem obersten Halswirbel articulirenden condylus am vordern Rande der grossen Oeffnung des Hinterhauptes. Und eben so allgemein ist auch wohl in der ganzen Classe der Quadratkno- chen (Fr. os carré ) Diesen Namen hat ihm Hé rissant bey- gelegt in der nachbenannten Abhand- lung pag. 356. Aber schon Coiter hat ihn im angeführten Werke genau bestimmt. , wodurch der Un- terkiefer in der Ohrgegend zu beiden Seiten mit dem Schedel eingelenkt ist. Das Thränenbein haben zwar die Säugethiere mit den Vögeln gemein; doch seyn. — Das ganze Gerippe der Scharbe hat schon Coiter auf der IVten von seinen trefflichen Tafeln mit Thiersce- leten abgebildet, die den von ihm heraus- gegebenen Lectionibus Fallopii de par- tib. similaribus etc. Norib. 1575. fol. beygefügt sind. Vom Gerippe der Vögel. doch scheint es bey diesen noch allge- meiner als bey jenen; ist meist von an- sehnlicher Grösse, und muss genau von dem, vermuthlich nur den Raubvögeln eignem s. Merrem 's Abhandl. aus der Thierge- schichte . pag. 120. Superciliarknochen unterschie- den werden. §. 48. Ihre Kiefer sind durchgehends zahn- loss; aber der obere , der bey den Säuge- thieren gänzlich unbeweglich ist, hat bey den Vögeln, bis auf wenige Aus- nahmen, mehrere oder mindre Beweg- lichkeit Hé rissant sur les mouvemens du bee des oiseaux in den Mém. de l' Ac. des sc. de Paris 1748. pag. 345. mit trefflichen Kupfern. ; entweder so dass er, wie bey den Papageyen Auch von dem Oberschnabel des Peleca- nus varius sagt Hr. Labillardi è re : “ cette mandibule est mobile comme celle „des , einen eignen F 2 von III. Abschnitt. von der Hirnschale abgesonderten Kno- chen ausmacht, der durch eine wahre Articulation mit derselben verbunden ist, oder doch so, dass er bey den aller- mehrsten übrigen zwar in Einem Stück, aber doch mittelst nachgiebiger elastischer Knochenblätter mit derselben zusammen- hängt. — Nur bey wenigen, z. B. beym Auerhahn, zumal aber beym Nashorn- vogel So ist es wenigstens an einem Schedel dieses abentheuerlichen Geschöpfs in meiner Sammlung, der noch aus dem Nachlass des verdienstvollen C. Clusius abstammt. ( Buceros rhinoceros ), scheint er gänzlich unbeweglich. §. 49. Das Verhältniss der eigentlichen Hirnschalenknochen zu den Kiefern ist auch in dieser Classe sehr verschieden. Jene sind z. B. bey den Eulen von auf- fallen- „des perroquets.“ s. Dess. Relation du voyage à la recherche de la Pérouse . T. I. pag. 210. Vom Gerippe der Vögel. fallender, so wie diese hingegen bey den Nashornvögeln von ungeheurer Grösse Eine bewundernswerthe Sexual verschie- denheit zeigt sich hierin am Schedel der Hollen hühner , als bey welchen der Stirn- theil der Hirnschale wie zu einer mon- strosen Blase aufgetrieben wird, auf welcher dann ihr grosser Federbusch sitzt. — Eine erbliche Abweichung des Bildungstriebes, die meines Wissens ausserdem im ganzen Thierreich ihres gleichen nicht hat. s. Stobaeus in Act. literar. Suec . vol. III. 1730. pag. 53. Pallas in spici- leg. Zoolog . fasc. IV. pag. 22. und Sandi- fort im Mus. anat. acad. Lugd. Bat . vol. I. pag. 306. . §. 50. Zu den übrigen vorzüglich characte- ristischen Verschiedenheiten der Vögel- schedel unter einander Vergl. Jac. Th. Klein stemmata auium . Lips. 1759. 4. mit 40 Kupfertafeln. , gehört beson- ders, dass die Augenhöhlen (die über- F 3 haupt III. Abschnitt. haupt in dieser ganzen Classe von an- sehnlicher Grösse sind), bey manchen bloss durch eine membranose, bey an- dern durch eine knöcherne mehr oder weniger durchbrochne Scheidewand von einander abgesondert sind; und dann das Verhältniss der Nasen- und Gau- menöffnung zum Oberkiefer; das selbst bey verschiednen Gattungen des glei- chen Geschlechts ausnehmend differirt; denn so sind z. B. diese Oeffnungen klein beym Storch, und hingegen beym Kra- nich von einer solchen Weite, dass da- durch der längste Theil des Kiefers nur wie ein durchbrochnes Prisma aus drey weit von einander abstehenden, nach der Schnabelspitze convergirenden, schmalen Knochenstreifchen zu bestehen scheint. §. 51. Die Steifheit des Rückens der Vögel wird durch zahlreichere und bewegli- chere Halswirbel compensirt, deren, um nur wenige Beyspiele anzuführen, der Rabe Vom Gerippe der Vögel. Rabe 12 hat, das Huhn 13, der Straus 18, der Storch 19, der Schwan 23. §. 52. Am Rumpfe ( truncus ) des Vogelge- rippes sind überhaupt weniger knorpe- lichte Theile als bey den Säugethieren, zumal ist der dazu gehörige Theil des Rückgrates kurz und steif, und ohne wahre Lendenwirbel. So wie auch kein Vogel ein zu einer wahren geglieder- ten Schwanzrippe verlängertes Kukuks- bein hat. §. 53. Das Becken der Vögel wird haupt- sächlich durch einen breiten einfachen gemeinschaftlichen Hüftknochen gebil- det, dessen Seitentheile bey mancher- ley Gattungen verschiedentlich gestaltet sind, nach unten aber, statt eine Schaam- beinverbindung zu machen, weit von einander abstehen, wovon, so viel bis jetzt bekannt, bloss der Straus die merk- würdige Ausnahme macht, dass sein F 4 Becken III. Abschnitt. Becken auch, wie bey den allermeisten Quadrupeden, nach unten, und zwar, wie bey einigen derselben (— §. 37. pag. 63. —) durch völlig zusammen ver- wachsene Schaambeine geschlossen ist. (— tab. II. e —). §. 54. Die Vögel haben weniger Rippen als die Säugethiere. Meines Wissens nie über 10 Paar. Auch liegen die so ge- nannten unächten ( costae spuriae ), die nemli e h gar nicht ans Brustbein rei- chen, bey ihnen nach vorn, nicht wie bey jener Thierclasse nach den Hüften zu; und die ächten sind nur mittelbar durch besondre kleine Zwischenknochen mit den Rändern des Brustbeins ver- bunden. Auch zeichnen sich, wenig- stens die mittlern Paare, durch einen besondern flachen fast hakenförmigen Fortsatz aus, der nach oben und hinten gekehrt ist. §. 55. Vom Gerippe der Vögel. §. 55. Das Brustbein dieser Thiere verläuft sich nach unten in das verticale Kno- chenblatt ( crista ) zur Anlage der mäch- tig grossen Brustmuskeln. Beym männ- lichen wilden Schwan ( Anas cygnus ), so wie bey einigen Gattungen des Rei- hergeschlechts, z. B. beym Kranich, bil- det dieser Theil eine sonderbare hohle Kapsel, die zur Aufnahme eines be- trächtlichen Theils der Luftröhre dient. — Dem Straus fehlt aber jenes Kno- chenblatt gänzlich, da sein Brustbein die in dieser Classe sonst unerhörte Form einer flachgewölbten Schale oder eines Brustharnisches hat. §. 56. Die Flügel mit dem Rumpfe zu ver- binden, dienen dreyerley merkwürdige Knochen Von mancherley Verschiedenheiten im Bau derselben s. Vicq d'Azyr in sei- nen . Die überaus robusten F 5 Schlüs- III. Abschnitt. Schlüsselbeine , welche gerade Röhren- knochen bilden. Dann das dieser Classe eigne Gabelbein ( furcula , Fr. la lunette , Engl. merry thought ), wodurch das obere Ende derselben mit dem Brust- bein zusammenhängt, und die säbelför- migen Schulterblätter. §. 57. Die Flügelknochen lassen sich im Gan- zen füglich mit denen im Arm des Menschen oder der Quadrumanen ver- gleichen, und bestehen bey den aller- mehresten Vögeln aus einer Oberarm- röhre, zwey Vorderarmröhren, zwey Knochen in der Handwurzel, zweyen meist zusammen gewachsenen in der Mittelhand, einem Daumenknochen, und zweyen Fingern, wovon der zunächst am Daumen liegende aus zwey Glie- dern, der äusserste aber nur aus einem besteht. nen Mémoires pour servir à l'anatomie des oiseaux in den Mém. de l' Ac. des sc. de Paris 1772. P. II. pag. 626. Vom Gerippe der Vögel. besteht. — Zu den merkwürdigsten Ab- weichungen davon gehört, so wohl was die Zahl als die Bildung und das re- spective Verhältniss dieser Knochen ge- gen einander betrifft, die Einrichtung derselben in den fast flossenartigen Ruderflügeln des Penguingeschlechts (— tab. III. —) Die Abbildung stellt den sceletirten rechten Flügel einer Aptenodytes demersa aus mei- ner Sammlung in natürlicher Grösse vor. Ueberhaupt zeichnen sich die sämmtli- chen Flügelknochen desselben schon durch ihre auffallend flache gleichsam plattgedrückte Form, dann aber auch durch zwey überzählige Knochen am Eln- bogen, so wie anderseits durch den Mangel des Daumenknochen aus. 1. ist das untere Ende der Oberarm- röhre. — 2. 3. die beiden überzähligen Knochen. — 4. die Elnbogenröhre. — 5. die Speiche. — 6. 7. die beiden Kno- chen in der Handwurzel. — 8. das ge- theilte os metacarpi . — 9. 10. die beiden Phalangen des vordern Fingers. — 11. der nur aus einem Glied bestehende Ne- benfinger. . §. 58. III. Abschnitt. §. 58. Der Knochenbau der untern Extre- mitäten ist am Vogelgerippe einfacher als bey den Säugethieren, und begreift im Allgemeinen bloss das Schenkelbein, die Schienbeinröhre (bey manchen mit einer kurzen fast grätenförmigen Ne- benröhre), eine Röhre des Mittelfusses ( metatarsus ), und die Fusszehen. Selbst statt der Kniescheibe findet sich bey vielen ein blosser Fortsatz der Schien- beinröhre. Und da die Vögel weder wahre Nebenröhre ( sibula ), noch auch Fusswurzel ( tarsus ) haben, so articu- lirt ihre Schienbeinröhre unmittel- bar mit der gedachten Mittelfussröhre. — Bey den mehrsten Vögeln ist eine merkwürdige Progression der Zahl der Phalangen in ihren Zehen, da die grosse Zehe aus zwey Gliedern, die nächst- folgende aus dreyen, die mittlere aus vieren, und die äusserste aus fünfen be- steht. Vom Gerippe der Vögel. steht Viele treffliche Bemerkungen über die- sen, so wie über manche andre Theile der Osteologie dieser Thierclasse, giebt Hr. Prof. Schneider in seinen so reich- haltigen commentar. ad reliqua librorum Friderici II. Imperatoris pag. 30. . — Doch haben die Papageyen an der grossen Zehe noch einen beson- dern Querknochen. Vierter IV. Abschnitt. Vierter Abschnitt. Vom Gerippe der Amphibien . §. 59. Bey den Amphibien sind erstens die beiden Ordnungen derselben, die vier- füssigen nemlich und die Schlangen, und unter jenen wiederum die drey Hauptgeschlechter von Schildkröten, Frö- schen und Eidechsen, in der Totalform ihres Körpers, und mithin auch in der Einrichtung ihrer Gerippe, so sehr von einander verschieden, dass es am bessten seyn wird, das hierher gehörige nach der Folge dieser Ordnungen und Ge- schlechter selbst, zusammen zu fassen. Zuerst also von den Reptilien . §. 60. Vom Gerippe der Amphibien. §. 60. Die Schildkröten , deren ganze Ge- rippe Gute Abbildungen von Schildkröten- Sceleten s. bey Coiter, Cheselden und zumal in Joh. Dan. Meyer 's Zeitvertreib mit Betrachtung curioser Vorstellungen allerhand Thiere u. s. w. T. I. t. 29. 31. T. II. t. 62., und die einzelnen Theile in Giov. Caldesi osservaz. anatom. intorno alle Tartarughe . Fir. 1687. 4. überhaupt, so wie diese Thiere selbst, einen ausnehmend sonderbaren Bau haben, sind völlig zahnloss; haben aber vorn am Oberkiefer eine Art von os intermaxillare . Der hornichte Ueber- zug ihrer Kinnladen hat, zumal an der obern, in Rücksicht seiner Verbindung mit derselben, manche theils auffallende Aehnlichkeit mit dem Pferdehuf. Ihre Hirnhöhle ist äusserst eng in Vergleich zur Grösse des Schedels, dessen grössten Raum die beiden weiten fossae laterales einnehmen, in welchen die mächtig grossen Beissmuskeln liegen. §. 61. IV. Abschnitt. §. 61. Der eigentliche Rumpf des Scelets ist mit den beiden grossen Schalen des Thiers verwachsen: so, dass die Brust- wirbel und Rippen in der Rückenschale festsitzen, das Brustbein hingegen dem Bauchschild zur Grundlage dient. Die knöcherne Rückenschale besteht aus ohngefähr 50 Stücken, die theils durch ächte Nähte unter einander ver- bunden sind. §. 62. An den Beckenknochen unterschei- det man die gleichen drey Haupttheile, wie bey der Säugethiere ihren, aber im umgekehrten Verhältniss der respectiven Grösse. Die Schaambeine nemlich sind so hoch und breit, dass sie die beiden grössten flachen Knochen ( ossa plana ) am ganzen Schildkröten-Scelet aus- machen, die Hüftknochen hingegen am kleinsten. §. 63. Vom Gerippe der Amphibien. §. 63. Am sonderbarsten ist Form und Lage ihrer Schulterblätter und Schlüsselbeine. Jene liegen ganz anomalisch nach un- ten, hinter dem Brustschilde, und diese haben gleichsam die Gestalt eines Win- kelhaken, wo aussen an der Ecke des- selben die Oberarmröhre ( os humeri ) ein- gelenkt ist. §. 64. Frösche und Kröten Gerippe der Hieländischen s. in Rö- sel 's allgemein bekannten Meisterwerke t. 7. 12. 16. 19. 21. 23. 24. und das son- derbare Scelet der Pipa genau beschrie- ben und abgebildet, in Hrn. Professor Schneider 's hist. amphibior . Fasc. I. Es zeichnet sich dasselbe zumal durch auf- fallend grosse Seitenflügel des Kreuz- beins und dann durch eine räthselhafte, diesem Thier wie es scheint, ausschliess- lich eigne knöcherne Kapsel ( cista Schneid .) aus, die am Bauche hinter dem Brustbeine liegt. sind ebenfalls zahnloss Versteht sich, dass hier von wirklichen Zähnen, und nicht von den sogenann- ten und haben ein sehr kurzes Rück- G IV. Abschnitt. Rückgrat, das sich hinten in einen ein- fachen geraden Knochen endigt, der mitten zwischen dem fast gabelförmi- gen Hüftknochen zu liegen kommt. §. 65. Sie haben gar keine Rippen; dage- gen aber breite processus transuersos der Brustwirbel, und eine sonderbare Ver- bindung der fast Schuppenförmigen Schulterblätter und zweyer Paare von Schlüsselbeinähnlichen Knochen mit dem Brustbeine. §. 66. Noch verdient eine sonderbare Ein- richtung in der Vorderarmröhre und dem Schienbein dieser Thiere Erwähnung, als welche zwar nur aus einem Stücke bestehn und noch dazu in der Mitte dicht sind ohne Markhöhle, aber sich an beiden Enden gleichsam in zwey fast ten gezähnelten Rändern der Kiefer die Rede ist. Vom Gerippe der Amphibien. fast trichterförmige Röhren mit deutli- chen Markhölen spalten s. des ber. Wundarztes Mich. Troja Memoria sopra la struttura singolare della tibia e del cubito nelle Rane e nei Rospi , in seinen Sperienze intorno alla Rigenerazione delle ossa. Nap . 1779. 8. pag. 250. t . 7. 8. . §. 67. Unter den Eidexenartigen Das Gerippe der gemeinen grünen Eidexe s. bey Coiter t. 4. Meyer T. I. t. 56. Des Salamanders bey Meyer T. I. t. 54. Der Wassermolche ebendas. t. 55. 56. Des Chamäleon bey Cheselden vor dem 6ten Cap. Amphi- bien mögen hier die Crocodile Crocodilscelete s. in Nehem. Grew musaeum Regalis Societatis Lond. 1681. fol. t. 4. — vorzüglich aber in Herrn Faujas-Saint-Fond hist. naturelle de la montagne de St. Pierre de Maes- tricht t. 24. we- gen mancher besonders merkwürdigen Eigenheiten in ihrem Bau zum Bey- spiel dienen. G 2 Schwer- IV. Abschnitt. Schwerlich sind bey irgend einer an- dern Art von Thieren die Kiefer von so auffallender Grösse in Vergleich zu der äusserst engen Hirnhöle. Der obre endigt sich vorn in ein an- sehnliches os intermaxillare , und die Sei- tenflügel des untern bestehn aus meh- rern zusammengefugten Stücken. Besonders ist auch bey diesen Thie- ren Ein Uebergang zu dieser Art von Ein- lenkung zeigt sich an den Kiefern der Schildkröten. die Einlenkung des Unterkiefers; da derselbe die am Oberkiefer befindliche Gelenkwalze ( condylus ) in seiner Gelenk- rinne ( cauitas articularis ) aufnimmt Jene Gelenkwalze ähnelt (wenigstens beym Alligator , dessen Schädel ich vor mir habe) gewissermassen der Rolle ( trochlea oder rotula Alb .) am untern Ende der Oberarmsröhre. Vielleicht hat eben diese merkwür- dige Einlenkungsweise zu dem alten. Irrthum Anlass gegeben, der doch selbst von so guten Anatomen, wie Vesa- lius . §. 68. Vom Gerippe der Amphibien. §. 68. Ihre zahlreichen Zähne haben das merkwürdige, dass zum Behuf des Wech- selns anfänglich immer ihrer zweye wie Tuten in einander stecken Zuweilen gar ihrer dreye, wie Hr. Prof. Retzius versichert, in sein. animaduers. circa crocodylum Lund. 1797. 4. p. 12 sq. . G 3 §. 69. lius und Columbus adoptirt worden, als ob beym Crocodil der Oberkiefer beweglich, der untre hingegen unbe- weglich sey. Aber der Augenschein lehrt, dass zwar die Crocodile, wenn gleich der Unterkiefer ruhig liegt, dennoch den übrigen Schädel in jenem Gelenke auf und nieder bewegen können, und dass diess bey ihnen sowohl wegen des Ver- hältnisses des Oberschädels zur unge- heuren Grösse des Unterkiefers; als auch wegen jener anomalischen Articu- lation leichter geht, als bey andern Thieren: dass aber an eine eigne Be- weglichkeit der blossen Oberkieferkno- chen, (so wie sie bey den allermehre- sten Vögeln, Schlangen und Fischen Statt hat) bey ihnen nicht zu denken ist. IV. Abschnitt. §. 69. Die allerauffallendste Sonderbarkeit an ihrem Gerippe ist aber ein wunder- bares sternum abdominale , was ganz vom vordern eigentlichen Brustbein verschie- den ist, und sich vom Schwerdknorpel desselben nach den Schaambeinen er- streckt, und zur Stütze der Bauchein- geweide zu dienen scheint An drey ostindischen Crocodilsceleten, die ich untersucht, hatte der thorax 12 Paar Rippen, nemlich 10 P. ächte und 2 P. sogenannte spurias . Erstre hatten knöcherne appendices und zwi- schen dem Hauptstück der Rippe und diesen Anhängen auch noch überdem ein drittes kleines Mittelstück. Das sternum abdominale bestand aus 7 Paar zusammen verbundner knorp- lichter Bogen; von welchen die 6 vor- dern Paare mit offnen Zwischenräumen durchbrochen waren, hingegen der Raum zwischen dem hintersten Paar und den Schambeinen mit einem breiten Knor- pelblatt . §. 70. Vom Gerippe der Amphibien. §. 70. Die Schlangen Gerippe verschiedner Schlangen s. bey Meyer T. I. t. 88. 90. 91. und T. II. t. 17. haben wohl sämmt- lich einen, unabhängig von der übrigen Hirnschale schon für sich mehr oder weniger beweglichen Oberkiefer . §. 71. Bey ihrem Gebiss ist vor allem die wichtige sehr bestimmte Verschiedenheit zu merken, wodurch sich die giftigen Gattungen von Schlangen von den ungleich zahlreichern giftlosen aus- zeichnen. Die letztern haben nämlich im Ober- kiefer vier mit kleinern Zähnen besetzte G 4 Maxil- pelblatt ausgefüllt war. — Von dem wenigstens gewissermassen ähnlichen Bau beym Nilcrocodil vergl. Jo. Veslingii obseruationes anatomicas . Hafn. 1664. 8. pag 43 seq. und vom Alligator die Beschreibung des P. Plumier in den Mémoir. de Trevoux vom Jan. 1704. pag. 165. IV. Abschnitt. Maxillarknochen, wodurch gleichsam eine gedoppelte doch weit von einan- der abstehende Reihe von Zähnen ge- bildet wird, wovon die eine nach in- nen auf jeder Seite längs des Gaumens, die andre aber nach aussen am vordern Kieferrande sitzt. Den giftigen fehlt diese äussre Reihe von kleinen Zähnchen; dagegen haben sie aber am vordern Rande des Ober- kiefers die längern röhrenförmigen Gift- zähne, welche mit den Giftblasen in Verbindung stehen, und im Grunde als wahre knöcherne ductus excretorii an- zusehen sind, wodurch das Gift beym Biss in die damit gebissne Wunde ein- geflösst wird Beyspiele zur Vergleichung s. im IVten Hefte meiner Abbildungen naturhisto- rischer Gegenstände tab. 37. wo die Köpfe einer Klapperschlange und der Riesenschlange beide mit offnen Rachen zu dieser Absicht vorgestellt sind. . §. 72. Vom Gerippe der Amphibien. §. 72. So wie es überhaupt scheint dass die Menge der Rückgratswirbel bey den rothblüthigen Thieren mit der Grösse und Stärke ihrer äussern Bewegungs- werkzeuge in umgekehrten Verhältnisse stehen; so haben namentlich die Schlan- gen beym gänzlichen Mangel solcher Werkzeuge die allerzahlreichsten Wir- bel; theils über 300. Bey den Klapperschlangen sind die letzten Schwanzwirbel breit, und mit den ersten blasenförmigen Gliedern der hornartigen Klapper überzogen; so wie auch die übrigen, holen Glieder dieses in seiner Art so Einzigen und räthsel- haften Organs Von dem vermuthlichen Zweck dieses den Klapperschlangen so ausschliesslich Eignen Organs, und wie fern es diesen sehr trägen Geschöpfen doch vielleicht dazu dienen könne, die dadurch auf- geschreckten Vögel u. s. w. zu sich herun- ter auf eine bewunderns- werthe Weise an einander eingelenkt sind. G 5 §. 73. IV. Abschnitt. Vom Gerippe d. Amphibien. §. 73. Auch finden sich bey den Schlangen die allermehresten Rippenpaare; bey manchen auf dritthalbhundert. Darunter verdienen besonders die sogenannten costae scapulares der Bril- lenschlangen bemerkt zu werden, die ihnen zum Aufblähen des Halskragens dienen Dasselbe ist auch wohl bey einigen andern Gattungen des Coluber -Ge- schlechts der Fall, namentlich bey der Aegyptischen C. haje , die auch ihren Hals im Zorne sehr weit auftreiben kann. . Hingegen sind die Schlangen wohl unter allen rothblüthigen Thieren die einzigen die gar keine Spur eines Brust- beins haben. ter zu bringen (was dann den Anlass zu der Sage von ihrem vermeynten Fascinationsvermögen gegeben haben kann) s. Hrn. Hofr. Voigt 's neues Ma- gazin I. B. 2tes St. S. 37 u. f. über die Zauberkraft der Klapperschlangen, be- sonders in Rücksicht einer Schrift des Hrn . Dr. Barton . Fünfter Fünfter Abschnitt. Vom Gerippe der Fische . §. 74. Bey der mannichfaltigen Verschie- denheit in der Totalbildung der Fische begreift sich von selbst wie vielartig auch die Form ihrer Gerippe seyn muss Noch fehlt es an Abbildungen von Gerippen der verschiedenartigsten See- fische. Ein schönes Rochen-Scelet fin- det sich bey Cheselden hinter der Vorrede. Von 25 Gerippen verschiedner Süss- wasserfische hat Meyer in den beyden ersten Bänden seines schon öfter an- geführten Werks gute Vorstellungen geliefert. Ein , doch V. Abschnitt. doch kommen sie im Ganzen darin untereinander überein, dass sich ihr Rückgrat vom Schedel bis zur Schwanz- flosse erstreckt; dass die übrigen Fin- nen, zumal die Brust- und Bauch-Flosse an besondre dazu bestimmte Knochen eingelenkt sind; überhaupt aber die Fi- sche weit mehr lose vom übrigen Sce- let abgesonderte Knochen haben, als die Thiere der vorigen Classen Treffliche Bemerkungen über den Bau des Scelets der Fische im Allgemeinen, giebt Hr. Prof. Autenrieth in Hrn. Prof. Wiedemann 's Archiv I. B. 2tes St. Von den Gerippen einzelner Ord- nungen von Fischen s. Vicq-d'Azyr im VII. B. der mémoires presentés à l'Acad. des scienc . Deutsch mit An- merkungen und Zusätzen des Hrn. Prof. Schneider in dessen Sammlung von anato- . §. 75. Ein Karpen-Scelet s. in Du Hamel Traité des pèches (einem Theil der grossen Descriptions des arts et métiers ) P. II. Sect. I. tab. 3. Vom Gerippe der Fische. §. 75. Der Schedel ist bey vielen Knorpel- fischen, (namentich bey den Rochen) von sehr einfachen Bau und besteht (den Unterkiefer abgerechnet) meist nur aus Einem Haupt-Stück. Bey den Grä- tenfischen hingegen ist er aus desto zahlreichern Knochen zusammen gesetzt, deren man z. B. am Kopfe des Barsch auf 80 zählt. Die meisten von diesen haben ei- nen mehr oder minder beweglichen Oberkiefer . §. 76. Besonders zeigt sich in dieser Classe grosse Mannichfaltigkeit im Bau des Gebisses . Manche Geschlechter wie z. B. die Störe sind zahnloss. Ihr Gebiss, das aus anatomischen Aufsätzen und Bemerkun- gen zur Aufklärung der Fischkunde . I. Th. Leipz. 1795. 8. V. Abschnitt. aus den Oberkiefern, Jochbeinen und beiden Hälften der Unterkinnlade be- steht, macht einen vom übrigen Sche- del abgesonderten, eignen beweglichen Theil aus, der aus dem, unten nach dem Halse zu liegenden Maule, heraus- geschoben und wieder eingezogen wer- den kann. §. 77. Unter den mit Zähnen versehenen Fischen findet sich ausnehmende Ver- schiedenheit in Form, Menge und Lage derselben. So haben z. B. manche Gattungen des Brachsengeschlechts ( Sparus proba- tocephalus u. a. m.) fast menschenähnliche Vorderzähne Augustin. Scilla de corporibus mari- nis lapidescentibus ed. Rom. 1759. 4. tab 2. fig. 3. die auch mit Wurzeln in Zahnzellen eingekeilt sitzen. Bey Vom Gerippe der Fische. Bey sehr vielen andern Fischge- schlechtern hingegen werden die Zähne durch zapfenförmige Fortsätze der Kie- ferknochen gebildet, die nur wie mit einer Rinde von Schmelz ( substantia vi- trea ) überzogen sind. Bey den allermehresten Hayfischen ist das Gebiss mit zahlreichen Zähnen auf den Nothfall zum Ersatz von ver- lohren gehenden, versehen. Der carcha- rias z. B. hat ihrer über 200, die in mehreren Reihen fast wie die Blätter einer Artischocke auf einander liegen. Nur die in der äussersten Reihe am Kiefer-Rande stehen auswärts und bloss. Die in den übrigen Reihen hingegen sind kleiner, mit den Spitzen rückwärts gekehrt und mit einer Art Zahnfleisch bedeckt. Sie brechen durch und schla- gen sich rum wenn welche in der äu- ssern Reihe verlohren gehn s. Hérissant in den Mém. de l'Ac. des sc. de Paris 1749. pag. 155. und W. André in den phil. Transact . vol. LXXIV. pag. 274. . Es ver- steht V. Abschnitt. steht sich daher bey dieser Einrichtung von selbst, dass sie keine Wurzeln ha- ben können. Nur der Sägefisch ( Squalus pristis ) hat an beiden Seitenrändern seines Schwerdförmigen Gewehrs fest einge- keilte Zähne. Bey manchen Fischen ist selbst der Gaumen und bey einigen (z. E. beym Lophius piscatorius ) sogar das Zungen- bein, so wie bey vielen Rochen der Rand des Mundes mit Zähnen wie ge- pflastert Eins der wunderbarsten Arten von Ge- biss findet sich bey einer westindi- schen Rochengattung ( Raja flagellum Schneid ) und ist von Sloane als die Zunge des Thiers beschrieben und ab- gebildet in den philos. Transact . vol. XIX. pag. 674. — Das Stück, was ich da- von besitze, ist ein flacher Knochen gegen 5 Zoll lang, fast z Zoll breit, und klein Fingers . §. 78. Vom Gerippe der Fische. §. 78. Das Rückgrat besteht bey den lang- gestreckten Fischen mit kurzen Flossen aus desto zahlreichern Wirbeln (§. 72.), deren sich z. E. beym Aal über 100, bey manchen Hayen über 200 finden. Das Hauptstück oder sogenannte corpus dieser Wirbel ist meist cylin- drisch, auf beiden Flächen mit einer trichterförmigen Vertiefung und con- centrischen Ringen, deren Zahl sich nach dem Alter des Thiers richten soll. Das Rückenmark läuft oberhalb der- selben durch einen an der Wurzel der Dornfortsätze gebildeten Canal. Mit Fingers dick, der aus 15 nach der Länge an einander stehenden bogenförmigen Abschnitten zusammen gefügt, und je- der dieser Bogen auf der obern Seite mit 60 dicht neben einander liegenden schmalen Zähnen bedeckt ist. H V. Abschnitt. Mit den sogenannten Brustwirbeln sind bey den mehrsten Gräten-Fischen die Rippen eingelenkt; bey manchen stehen sie aber ausser dergleichen Ver- bindung mit denselben; und den Knor- pelfischen kann man gar keine eigent- lichen Rippen zuschreiben. §. 79. Unter den besondern Knochen die zur Grundlage und Einlenkung der Flossen dienen, lassen sich die an den Brustfinnen mit Schulterblättern, und die an den Bauchflossen gewissermassen mit den Hüftknochen der vorigen Thierclassen vergleichen Ich besitze ein Exemplar des überaus sonderbaren, hierher gehörigen Knochen der im Museum Wormianum pag. 270. in Jacobaei museum regium tab. 9. fig. 2. und in Olearii Gottorf. Kunstkammer tab. . §. 80. Vom Gerippe der Fische. §. 80. Viele Fische sind endlich auch noch mit blossen Fleischgräten ( ossicula mu- H 2 sculo- tab. 12. fig. 3. abgebildet, und lange für ganz räthselhaft gehalten worden. Er ist dicht, flachrundlicht, ohngefähr von der Form und Grösse einer glatten Castanie, verläuft sich am obern Rande mit der einen Seite in einem knochich- ten Stachel, und articulirt auf der an- dern mittelst eines bewundernswerthen Ginglymus ohne seines Gleichen mit zwey kleinen Knöchelchen verschiede- ner Grösse, die ohngefähr die Form von Pfeilspitzen haben. Höchst wahr- scheinlich gehört er einem ostindischen Chaetodon (vermuthlich dem Ch. arthri- ticus Schneid .) zu; so dass das grössere Stück zur Grundlage der Rückenflosse dient, und die kleinen die ersten ra- dios derselben ausmachen. — Vergl. W. Bell 's description of a Chaetodon cal- led by the Malays Ecan Bonna , in den philos. Transact . 1793. V. Abschnitt. Vom Gerippe der Fische. sculorum Artedii ) versehen, die theils gabelförmig sind, immer bloss zwi- schen den Muskeln liegen und zur Be- wegung derselben dienen. FVNCTIONES NATVRALES . H 3 Sechster Abschnitt. Vom Schlunde und Magen. §. 81. Auf die vergleichende Uebersicht der Gerippe, als von welchen die Totalbil- dung der rothblütigen Thiere abhängt, folgt nun der zweckmäsige Aushub des- sen, was von übrigen thierischen Kör- perbau und dessen Verrichtungen hier zu merken ist; und diess zwar nach der gewöhnlichen Eintheilung in vier Classen von Functionen; die, so man- cher Einschränkung sie auch unterwor- fen ist, doch im Ganzen auch hier gar füglich befolgt werden kann. In den Unterabtheilungen jedes Ab- schnitts werden dann die einzelnen H 4 Thier- VI. Abschnitt. Thierclassen, nach der im Vortrag der Zoologie gewöhnlichsten Ordnung durch- gegangen. §. 82. Die sogenannten Functiones naturales die das Ernährungs-Geschäfte der Thiere im weitern Sinne begreifen, machen um so füglicher den Anfang, da sie einer- seits allen Thierclassen ohne Ausnahme zukommen, ja sogar, wenn gleich auf eine andre Weise, den Pflanzen mit den Thieren gemein sind: anderseits aber doch auch gerade in der eigenthümli- chen Art wie sie von den Thieren voll- zogen werden, ein Hauptcharacter der Animalität liegt; insofern nemlich die Thiere diejenigen organisirten Körper sind, die in der Regel Als Einseitige Ausnahmen von dieser Regel könnte man theils solche Thiere anführen, an welchen man vor der Hand noch keinen Mund hat entdecken können ihre Nahrung mit- Vom Schlunde und Magen. mittelst willkührlicher Bewegung su- chen, und sie durch den Mund in den Magen bringen. H 5 A) können (wie z. B. manche sogenannte In- fusionsthierchen, und gewissermassen auch manche Quallen, die wenigstens keine einfache dergleichen Oeffnung, sondern mehrere Mündungen zur Auf- nahme ihrer Nahrung zeigen): — theils solche, an welchen bis jetzt noch keine deutliche willkührliche Bewegung beob- achtet worden (wie z. E. an manchen wirklichen Blasenwürmern). Allein man ist neuerlich weiter ge- gangen, und hat sogar Dinge für Thiere erklärt, an welchen doch weder das Eine noch das Andre, eben so wenig ein Mund als willkührliche Bewegung zu finden ist. Das sind gewisse hydropi- sche Blasen, die sich zuweilen bey der Leichenöffnung wassersüchtiger Personen (seltener bey andern warmblütigen Thie- ren) zumal in der sogenannten Bauch- höle, und zwar theils in zahlloser Menge und verschiedner Grösse, von der eines Gänse- VI. Abschnitt. A) SÄUGETHIERE. §. 83. Von ihrem Gebiss ist das merkwür- digste schon im zweyten Abschnitt ge- sagt. Gänse-Eyes bis zu der des kleinsten Nadelknopfs gefunden haben. So viel ich aber an einer Mannichfaltigkeit der- selben habe sehen können, die ich im Aug. 97 aus der frischen Leiche eines wassersüchtigen Greises erhalten habe (dessen Krankheitsgeschichte und Section Hr. Hofr. Richter in Hrn. geh. Hofr. Loder 's chirurg. Journal III. B. S. 415 u. f. beschrieben hat), so differiren diese, in ihrem ganzen Bau, und namentlich in der Beschaffenheit ihrer Häute, doch weit mehr von den wahren Blasenwür- mern als von so manchen andern ledig- lich krankhaften Wasserblasen, die sich nicht selten im Körper warmblütiger Thiere finden, und so unwiderredlich bloss aus widernatürlich umgebildeten Gefässen und Häuten entstanden sind, dass an keine eigenthühmliche selbst- ständige Vom Schlunde und Magen. sagt. — Manche Affen, Paviane und Meerkatzen, sind so wie die Hamster und einige demselben ähnliche Gattun- gen des Marmotengeschlechts mit Bak- kentaschen ( thesauri ) versehen, worin jene Quadrumanen bey ihrem Aufent- halte auf den Bäumen im Nothfall kleine Provisionen aufnehmen, und die Ham- ster u. dergl. Wintervorrath in ihre Erd- hölen eintragen Eine genaue Beschreibung und Abbil- dung derselben s. in einer der muster- hafte- . §. 84. ständige Animalität derselben zu den- ken ist. So habe ich z. B. gerade jetzt ähnliche Wasserblasen aus einer eben geöffneten Henne vor mir, wovon die grössten (von der Grösse eines kleinen Hünereyes), so wie jene aus der ge- dachten Leiche ganz frey und losse la- gen, die zahlreichen übrigen aber durch ihre Verbindung mit dem Eyerstocke auf den ersten Blick zeigen, dass sie nichts anders als Dotterhäute ( calyces ) sind, die aus krankhafter Ursache statt des Dotters Lymphe enthalten. VI. Abschnitt. §. 84. Bloss bey den Camelen der alten Welt ist bis jetzt der sonderbare drü- senreiche willkührlich bewegliche Beu- tel ( bursa faucium ) bemerkt worden, der hinten am Gaumen sitzt, und ver- muthlich diesen Thieren bey ihrem Auf- enthalt in dürren Sandwüsten zur Netzung des Rachens dient s. Ever. Home 's Life of J. Hunter vor dieses letztern posthumen Werke on the blood, inflammation etc. p. 42. §. 85. Der Schlund der Quadrupeden zeich- net sich von dem Menschlichen beson- ders durch den fast schraubenförmigen Lauf der beiden Reihen von einander durchkreuzenden Querfasern in seiner Fleischhaut aus. — Bey gierig schlin- genden Raubthieren wie z. E. beym Wolf haftesten naturhistorischen und zooto- mischen Monographieen, Hrn. Rath Sulzer 's Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters p. 41. 58 u. f. tab. 3. fig. 1. Vom Schlunde und Magen. Wolf ist er von auffallender Weite: so wie hingegen bey vielen grössern Gras- fressenden, zumal aber bey den Wie- derkauenden seine Häute desto robu- ster sind Vom Schlund, so wie vom ganzen tu- bus alimentarius vieler Thiere aus ver- schiedenen Classen s. besonders Grew im Anhange zum obgedachten museum Regal. Societ . . Auch die Mündung des Schlundes in den Magen zeigt in Rücksicht der Weite sowohl, als der Art ihrer Inser- tion manche Verschiedenheit; daher be- greiflich ist warum sich manche Thiere, wie der Hund, so sehr leicht, andre hingegen, wie z. B. das Pferd, kaum anders als in äusserst seltnen Fällen s. Hrn. Prof. Nebel de nosologia bru- torum cum hominum morbis comparata . Giess. 1798. 8. pag. 66. , erbrechen können Unerwartet scheint es auf den ersten Blick, dass auch die wiederkauenden bisulca, . §. 86. VI. Abschnitt. §. 86. Weit mehr ist der Magen selbst bey vielen Thieren dieser Classe in Form und Bau und Function verschieden. Bey bisulca , denen doch der Rückweg des Futters aus ihren ersten Mägen in den Schlund so geläufig ist, ebenfalls nur äusserst schwer zum Erbrechen zu brin- gen sind. — Ich besitze von der Güte des verdienstvollen Veterinararztes, Hrn. Havemann 's, Directors der Vieharzney- schule zu Hannover einen Haarballen aus dem Pansen einer Kuh, die an Stockung in der Verdauung litt, wel- cher nach der Anwendung eines Stücks weisser Niesswurz, das dem kranken Thier durch einen Einschnitt vorn am Brustlappen unter die Haut geschoben worden, mit Heftigkeit weggebrochen ist. Eine ausführlichere Nachricht da- von habe ich im II. B. von Hrn. Hofr. Voigt 's Magazin für den neuesten Zu- stand der Naturkunde pag. 637 u. f. mitgetheilt. Vom Schlunde und Magen. Bey den mehrsten fleischfressenden Herm . H. C. Schrader de digestione animalium carniuororum . Goett. 1755. 4. Quadrupeden, zumal bey den sogenann- ten Reissenden Thieren, ist er dem Menschlichen im Ganzen ziemlich ähn- lich, doch theils von andrer Gestalt, wie z. E. bey der Robbe ( Phoca vitulina ) wo der Schlund gleich am linken Ende des Magens eintritt, so dass dasselbe gar keinen sogenannten blinden Sack bildet. Bey manchen andern, z. E. beym Löwen, Bär u. s. w. ist er um die Mitte herum durch eine schwache Verengerung wie in ein paar Abschnitte getheilt, und überhaupt sind bey den Carnivoren seine Häute, zumal die Fleischhaut sehr ro- bust Doch ists nicht wörtlich zu nehmen, wenn Röderer sagte: “Der Bär hat „einen doppelten Magen: des erstern „und grössern Bau ist wie bey den „fleischfressenden Thieren; des zwey- „ten und kleinern wie bey den Vögeln, „die sich mit harten Saamen nähren.” . §. 87. VI. Abschnitt. §. 87. Bey manchen Herbivoren scheint er von aussen ebenfalls einfach; ist aber inwendig entweder wie beym Pferd Bertin in den mém. de l'Ac. des scienc. de Paris a. 1746. tab. 7. , durch auffallende Verschiedenheit der beiden Hälften der innern Haut die ihn auskleidet An beiden Hälften dieser innersten Haut des Pferdemagens finden sich, zumal im Frühjahr, so häufigst die Lar- ven zweyer Gattungen des Bremsenge- schlechts, vom Oestrus equi nemlich (— den Linné Oe. bouis nannte —), und vom haemorrhoidalis , deren wahre Naturgeschichte erst neuerlich durch den vortrefflichen Veterinararzt Herrn Bracy Clark im III. B. der Transactions of the Linnean Society . pag. 298 u. f. aufgehellt worden. — Die Figur der Pferde-Bremse und ihrer Larve fin- det sich auch in meinen Abbildungen naturhistorischer Gegenstände , im 5ten Heft tab. 47. fig. 3. 4. 5. ; oder aber wie bey so vielen mauseartigen Thieren durch eine fast Vom Schlunde und Magen. fast klappenförmige Verlängerung der- selben Haut gleichsam in zwey Ab- schnitte getheilt. Diess ist auch beym Hasen und Caninchen der Fall, und da zeigt sich, besonders wenn sie ein paar Stunden vorher gefressen haben, auffal- lende Verschiedenheit zwischen der Be- schaffenheit des Futters in derjenigen Hälfte wo der Schlund eintritt, in Ver- gleich zu der die nach dem Darm geht. §. 88. Bey manchen andern, zumal eben- falls grasfressenden Säugethieren, be- steht er aber aus zwey oder noch meh- rern schon von aussen ganz von ein- ander unterschiedenen, und gleichsam eben so viele Mägen bildenden Ab- schnitten. So z. E. beym Hamster aus zweyen Trefflich beschrieben von Sulzer a. a. O. pag. 81 u. f. ; beym Känguruh So sagt Labillardiere in der Relation du voyage à la recherche de la Pérouse. T. I. pag. 134. , zumahl aber I VI. Abschnitt. aber beym Bisamschwein Tyson in den philos. Transact . vol. XIII. pag. 364. tab. 1. fig. 5. tab. 2. fig. 1. 2. aus dreyen; bey den Faulthieren aus vieren Daubenton . Vol. XIII. pag. 54. tab. 3. und pag. 63. tab. 7. und Hr. Prof. Wie- demann in sein. Archiv . I. B. 1tes St. pag. 145 u. f. . Aber auch die fleischfressenden Ce- taceen haben einen vielfachen Magen, und zwar manche Gattungen dersel- ben von drey, andre von vier und theils von fünf sackförmigen Abtheilun- gen s. z. B. Tyson 's anatomy of a Porpess . Lond. 1680. 4. tab. 1. fig. 6. und J. Hunter in Hrn. Prof. Schneider 's Bey- trägen zur Naturgeschichte der Wall- fischarten . I. Th. pag. 51 u. f. . §. 89. Die so zu sagen kunstreichste Ein- richtung, zumal des innern Baues und seines Mechanismus findet sich bey den allgemein bekannten vier Mägen der wieder- Vom Schlunde und Magen. wiederkauenden Thiere mit gespaltnen Klauen, wovon wir die von zwey da- hin gehörigen Hausthieren, dem Horn- und Wollvieh zum Muster nehmen Von dem Heer von Schriftstellern, die über die Mägen der wiederkauenden Thiere und deren Function geschrieben haben, führe ich nur folgende wenige, we- gen der deutlichen Abbildungen an, die sie geliefert, besonders diejenigen, aus welchen sich die in den ersten Lebens-Pe- rioden so auffallend zunehmende Grösse des ersten Magen im Vergleich zum vier- ten ersehen lässt. Obseruationes anatomicae collegii pri- vati Amstelodamensis . (P. I.) 1667. 12. pag. 12. fig. 3. (vom neugebohrnen Kalbe) Perrault im III. B. seiner Essais de physique . pag. 211 u. f. tab. 13. 14. Jo. Conrad. Peyeri merycologia . Basil. 1685. 4. Jo. Jac. Harderi apiarium ib. 1687. 4. pag. 16. tab. 1. (vom ungebohrnen Kalbe) Daubenton . T. IV. tab. 15-18. (unter andern tab. 15. fig. 2. von einem Kalbe von fünf Wochen) P. . I 2 Der VI. Abschnitt. Der erste Magen, der Pansen ( ru- men, penula, magnus venter, ingluuies ) ist beym erwachsnern Vieh (noch nicht so beym neugebohrnen oder Säugling) bey weiten der allergrösste; von aussen am Ende gleichsam in zwey sackför- mige Anhänge, inwendig aber wie in vier Hölungen abgetheilt; und seine in- nere Haut wie mit unzähligen plattge- drückten Zäpfchen besetzt Meist in diesem ersten Magen, seltner im zweyten finden sich zuweilen bey manchen wiederkauenden bisulcis ku- glichte oder länglichtrunde krankhafte Concremente von dreyerley Stoff; die nemlich entweder aus verschluckten Haaren, oder aus unverdauten Pflan- zenzasern zusammengeballt, oder aber aus Säften, als Steine abgesetzt sind. Die . Hier- P. Camper Lessen over de thans zwee- vende Veesterfte , Leeuward. 1769. 8. H. Vink Lessen over de herkauwing der Runderen , Rotterd. 1770. 8. Vom Schlunde und Magen. Hierauf folgt zweytens die Haube; Mütze, oder das Garn ( reticulum, ol- I 3 lula ) Die Haarballen, zumal beym Horn- vieh, entstehen aus ihren eignen Haa- ren, die sie sich ablecken, und die dann im Magen gleichsam zusammen gefilzt werden. Sie bleiben entweder auch von aussen haaricht, oder werden da wie mit einer schwarzglänzenden Glasur überzogen, die der an ihren Backzähnen ähnelt (— § 23. S. 43. —). Die aus vegetabilischen Stoffen, und wie man sagt, besonders aus den ma- cerirten Zasern der aethusa meum ge- bildeten Gemsballen ( aegagropilae ) fin- den sich bey den Gemsen, und sind meist von einem überaus zarten, fei- nem Zunderschwamme ähnlichen Ge- webe, von aussen aber auch mit einer glatten schwarzen Rinde bekleidet. Von den steinartigen oder sogenann- ten Bezoaren kommen die orientalischen aus wilden Ziegen. Die occidentali- schen aber aus den Südamericanischen Gattungen des Camelgeschlechts. Letz- tre VI. Abschnitt. lula ) die gleichsam als ein kuglichter Anhang zum Pansen anzusehen ist, sich aber doch besonders durch die ausneh- mend saubre Bildung der polygonischen scharfkantigen Zellen oder Fächer von demselben auszeichnet, die durch die innerste Haut derselben formirt werden. Der dritte Magen heisst das Buch, der Psalter, Faltenmagen, oder Löser, ( echinus, conclaue, centipellio, omasum ) ist der kleinste, und von den vo- rigen beiden sowohl in seiner Form, die man mit der eines zusammengeku- gelten Igels verglichen hat, als in sei- nem Innern gänzlich verschieden; denn seine Hölung wird durch zahlreiche (beym Schaf gegen 40, beym Ochsen gegen 100) blätterförmige Duplicaturen seiner innern Haut sehr beengt, die längs tre sind meist von gelblichgrauer Farbe; erstre grünlichschwarz mit concentri- schen schaalichten Ablosungen, und hal- ten zuweilen als Kern ein Stückchen Reisholz. Vom Schlunde und Magen. längs liegen und von verschiedener re- gelmässig abwechselnder Breite sind. Der vierte endlich, oder der soge- nannte Laab ( abomasum, faliscus, ven- triculus intestinalis ) ist nächst dem Pan- sen der grösste, länglicht birnförmig, und seine innere Haut der in andern Thiermägen ähnlich, mit grossen längs- laufenden wulstigen Falten. §. 90. Die ersten drey Mägen stehen auf eine überaus merkwürdige Weise unter einander und mit einer rinnenförmigen Fortsetzung des Schlundes in Verbin- dung. Dieser tritt nämlich da ein wo Pansen, Haube, und Buch an einander grenzen; verlauft sich aber dann in- wendig in die gedachte Rinne, so dass das obre Ende derselben mit ihm con- tinuirt, das untre aber in den dritten Magen geht. Als Rinne steht sie dann zugleich den rechts und links liegenden beiden ersten Mägen offen. Wenn sich I 4 aber VI. Abschnitt. aber ihre wulstigen fast lippenähnlichen Seitenränder an einander legen, so bil- det sie dann eine geschlossene Röhre, die gleichsam als eine directe Fortsetzung des Schlundes in den dritten Magen an- zusehen ist. §. 91. Die verschiedene Verrichtung dieses sonderbaren Theils entweder als offne Rinne, oder als geschlossene Röhre, scheint also dahin abzuzwecken, dass sie im ersten Fall das abgegrasste nur obenhin zermalmte noch halb rohe Fut- ter in den Pansen als in ein Magazin fallen lässt; von wannen es in klei- nen Portionen in die Haube kommt, und von dieser, nachdem es mehr durch- weicht ist, (gleichsam durch eine Art von motus antiperistalticus ) in den Schlund zurück, und so wieder ins Maul getrieben, daselbst ruminirt und zum zweyten mal geschluckt wird; wobey sich aber sodann die Rinne zur Röhre schliesst Vom Schlunde und Magen. schliesst Das setzt freylich eine Art von will- kührlichen Bewegungsvermögen in die- sem Theil voraus. Aber überhaupt ist der Einfluss des Willens auf das Ge- schäft des Wiederkauens unverkennbar. Es ist an keine bestimmte Zeit gebun- den, sondern die Thiere können es bey vollem Pansen nach Gelegenheit der Umstände früher oder später in Gang setzen. — Unter den nicht gar seltnen Beyspielen von ruminirenden Menschen wird von manchen ausdrück- lich gesagt, dass es bey ihnen ein willkührliches Geschäfft gewesen. Ich selbst habe zwey Männer gekannt, die ihr Gemüse u. a. vegetabilische Nah- rung wiederkaueten. Beide versicher- ten (was ebenfalls schon von andern angemerkt worden) dass für sie die Ru- mination ein wahrer Genuss sey: und der eine hatte es ganz in seiner Will- kühr, wenn er sich denselben erlauben durfte, oder nach Beschaffenheit der Umstände versagen musste. und den wiedergekauten Bissen geradeswegs in den dritten Ma- I 5 gen VI. Abschnitt. gen leitet So hats schon der alte Severino in seiner reichhaltigen Zootomia Democri- tea eingesehen: “ a penula et ollula media reuomitur ad os, hinc ruminatum ad conclaue descendit, et hinc postremo ad ventriculum proprie dictum .” . Hier wird das ruminirte bey seinem vermuthlich nur kurzen Auf- enthalt, zwischen den Blättern dessel- ben noch mehr zur Verdauung vorbe- reitet, und diese dann vollends im vier- ten oder eigentlich sogenannten Magen beendigt Ich habe schon anderwärts das Ge- ständniss geäussert; dass mir die allge- meine, auf alle wiederkauende Thiere passende Endursache der Rumination und der Hauptnutzen, den diese so wun- derbar zusammengesetzte Function für ihre Oeconomie haben muss, noch un- bekannt ist. Was insgemein dafür an- genommen wird, ist sämmtlich unbe- friedigend. Den alten Aristotelischen und Galenischen Wahn als sey es zum Ersatz der Vorderzähne, deren Stoff . §. 92. Vom Schlunde und Magen. §. 92. Noch ein paar Eigenheiten an den Mägen einiger andern Säugethiere fin- den gerade hier ihre passendste Stelle, ehe wir zu der Vögel ihren übergehn, da sie darin mit dem übereinkommen, wodurch sich sonst viele von diesen auszeichnen. Beym Stoff bey diesen Thieren zu Hörnern und Geweihen verwandt werde, hat schon Fabric. ab aquapendente mit leichter Mühe widerlegt. Perrault u. a. meynten, es sey zur Sicherheit dieser vielfressenden und meist schüchternen Thiere, um nicht zu vielen Nachstellungen ausgesetzt zu seyn, wenn sie lange Zeit mit Kauen auf offner Weide zubringen müssten. Aber der Indische Buffel ruminirt auch, der doch vor keinem Löwen flieht, sondern ihn eher anfällt und gemeinig- lich zu nichte stösst. Und der Steinbock hausst in solchen alpinischen Regionen, die jedem Raubthier unzugänglich sind, und was dergleichen mehr ist. VI. Abschnitt. Beym Beutelthier nemlich stehn ganz gegen die sonstige Regel in dieser Thier- classe die beiden Mündungen des Ma- gens, so nahe oder eigentlich noch dichter beysammen als bey so vielen Vögeln. Der Biber hat am obern Magen- munde ein eignes corpus glandulosum , ohngefähr von der Grösse eines Gulden nach innen voller Schleimhölen; das im Ganzen dem bulbus glandulosus am Vogelmagen ähnelt, und diesem bewun- dernswerthen Thiere wohl zur Verdauung und Animalisirung seines trocknen Fut- ters von Baumrinden, Spänen u. s. w. dient. Und der Magen des Pangolin ( Ma- nis pentadactyla ) ist fast so derb und fleischicht als ein Hünermagen, und enthält auch so wie der von den Kör- nerschluckenden Vögeln, Steinchen und Grant, der von jenen Thier wahrschein- lichst Vom Schlunde und Magen. lichst zu gleichem Zweck, wie bey die- sen Vögeln, eingeschluckt wird Nemlich wohl gewiss nicht, wie Hr. Burt im IIten B. der Asiatick Researches ver- muthet, um sich davon zu nähren, son- dern wie mir es scheint, vielmehr um die lebendigen Insecten u. a. kleinen Thie- re, die sein gewöhnliches Futter sind, dadurch todt zu quetschen u. s. w., die sonst vermöge ihrer Vitalität der blossen chemischen Action des Magensafts eben so wohl resistiren würden, als es bey Menschen und andern Säugethieren die einheimischen Spulwürmer, oder ver- schluckte Wassermolche u. s. w. thun. — Davon unten ein mehreres. . B) VÖGEL. §. 93. So wie oben der Backentaschen bey manchen Säugethieren gedacht worden, so verdient hier der Kehlsack Erwäh- nung, der beym Trappen vorn am Halse unter der Haut liegt, und sich mit ei- ner VI. Abschnitt. ner weiten Mündung unter der Zunge öffnet, dessen Nutzen aber noch nicht ganz entschieden scheint Edwards 's natural History of Birds . T. II. tab. 73. und Hrn. Prof. Schneider ad reliqua librorum Friderici II. T. II pag. 9. . §. 94. Der Schlund , der überhaupt bey den meisten Vögeln der Luftröhre zur rech- ten herabsteigt, ist bey vielen fleisch- fressenden so wie auch ihr obrer Ma- genmund von auffallender Weite; (meist ungleich weiter als der Darmcanal;) theils um die ganzen Fische oder grosse Knochen die sie schlucken und die der Magen nicht fassen könnte, einstweilen zu beherbergen Eine Seemöve ( Larus tridactylus ), die ich Jahre lang lebendig unter Augen ge- habt, konnte Spannenlange Knochen verschlucken, so dass bloss das untre Ende davon in den Magen reichte und von dem- ; theils auch um das Ge- Vom Schlunde und Magen. Gewölle (die Haar- und Knochen- oder Gräten-Ballen) desto leichter wieder auszubrechen Ueber den ähnlichen Ursprung der gal- lertigen vulgo sogenannten Sternschnup- pen s. Morton 's natural History of Nort- hamptonshire . pag. 353. und Hrn. Dr. Persoon in Hrn. Hofr. Voigt 's neuen Magazin . I. B. 2tes St. pag. 56. . §. 95. Nur bey den Landvögeln wie es scheint, und auch nicht einmal bey die- sen Allen, (übrigens aber bey vielen Raubvögeln Hr. Wolf in dem eben angeführten Magazin . I. B. 4tes St. pag. 73. tab. 1. so gut als bey Körner- fressenden,) erweitert sich der Schlund vor dem Brustbein erst in den Kropf ( ingluuies, prolobus , Fr. jabot ), der mit zahlreichen, theils in regelmässige Rei- hen demselben verdaut ward, indess das übrige noch in den Schlund hinaufragte, und so wie jenes aufgelösst ward, all- gemach nachrutschte. VI. Abschnitt. hen vertheilten Schleim- oder Speichel- Drüsen besetzt ist; die besonders bey denen die ihre Junge aus diesem Kropfe ätzen, um diese Zeit merklich anschwel- len J. Hunter on animal oeconomy . pag. 193. tab. 1. 2. und eine beträchtlichere Menge Saftes secerniren Vom umgekehrten Verhältniss des Al- ters der jungen Tauben zur Zeit wie lange die Alten das Futter für die- selben im Kropfe behalten, s. Viridet du bon chyle pour la production du sang . T. I. pag. 78. . §. 96. Ohne Vergleich allgemeiner und ver- muthlich der ganzen Classe zukommend, ist ein andres drüsenreiches secerniren- des Organ, der bulbus glandulosus ( echi- nus, infundibulum, prouentriculus, cor- pus tubulosum etc.) der vor dem Ein- tritt des Schlundes in den eigentlichen Magen liegt, dessen Bildung und rela- tive Vom Schlunde und Magen. tive Grösse aber bey verschiedenen Ge- schlechtern und Gattungen vielartig dif- ferirt. Beym Straus z. E. nimmt er sich in Grösse und Form völlig wie ein zweyter Magen aus Vallisnieri nennt ihn daher auch bey diesem Thier ventricolo primo ; s. dess. Notomia dello Struzzo . tab. 1. pag. 159 u. f. der Ausgab. v. 1713. 4. . Bey manchen andern Vögeln, wie z. E. bey Papa- geyen, Reihern u. s. w. weicht er zwar vom eigentlichen Magen in der Gestalt ab, übertrifft ihn aber an Grösse; so wie er hingegen bey den Hünern u. s. w. weit kleiner ist Von mancherley andern Verschieden- heiten dieses Theils an allerhand Vögeln s. die Pariser Mémoires pour servir à l'histoire naturelle des animaux , hin und wieder. . §. 97. Bey den mehresten Vögeln liegt der Magen mehr nach oben s. oben S. 68. Not. *). , nach dem K VI. Abschnitt. dem Rückgrat zu, und ruht gleichsam auf einer Unterlage von Gedärmen; beym Kukuk hingegen kommt er unten zu liegen; doch ist diess bey weiten keine ausschliessliche Eigenheit dieses merk- würdigen Geschöpfs Wie Herissant glaubte und darin den Grund suchte, warum der Kukuk nicht brüten dürse, s. die Mém. de l'Acad. des sciences de Paris 1755. , sondern ich habe das gleiche auch bey manchen an- dern, namentlich beym Pfefferfras ( Ram- phastos tucanus ) und Nussheher ( coruus caryocatactes ) gefunden. §. 98. Der Bau des Magens scheint zwar bey den verschiednen Ordnungen und Geschlechtern dieser Classe von auffal- lend grosser Verschiedenheit zu seyn. Bey vielen Fleisch- und Insectenfressen- den z. E. nur wie ein häutiger Schlauch in Vergleich zu dem mit den derben muskulösen Ballen bey den Körner- schlucken- Vom Schlunde und Magen. schluckenden Vögeln. Aber zwischen diesen beiden Extremen finden einer- seits mannichfaltige Uebergänge Haller hat deren eine Menge gesammelt in den Elem. physiol . T. VII. pag. 115. , und anderseits auch grosse Analogieen statt; zumal was den Lauf der Faserbündel in der Fleischhaut Duverney oeuvres anatomiques T. II. pag. 447. und das gleich- sam schwielichte Ansehen der inner- sten Wepferi cicutae aquaticae historia et noxae pag. 174. — Ueberhaupt eins der reichhaltigsten Werke zu diesem ganzen Abschnitt der Zootomie. betrifft, als worinn doch auch viele von jenen sogenannten membra- nösen Mägen mit dem bey den Hü- nern u. s. w., merkliche Aehnlichkeit zeigen. §. 99. Freylich aber ist beides, zumal der muskulöse Theil, am ventriculus bulbosus K 2 der VI. Abschnitt. der körnerschluckenden Vögel, bekannt- lich von ganz ausgezeichneter Stärke J. Conr. Peyeri anatome ventriculi gal- linacei an seiner Exercit. de glandulis intestinor . Scashus. 1677. 8. . Hier finden sich nemlich statt der blossen Fleischhaut die vier ausnehmend dicken derben Muskeln; das grosse Paar he- misphärische laterales , und zwey klei- nere wulstige intermedii über den beiden Enden der Magenhöhle. Alle viere un- terscheiden sich sowohl durch ihre Tex- tur Wier. Gu. Muys de carnis musculosae structura Leid. 1741. 4. tab. 1. fig. 10. 11. und beyspiellose Festigkeit, als durch die ihnen eigene Farbe von allen andern Muskeln des thierischen Körpers. Die schwielichte innerste Haut, de- ren Furchen und Runzeln von beiden Halbkugeln wechselseitig in einander greifen, verhält sich wie eine wahre Epidermis, indem sie so wie diese durch anhal- Vom Schlunde und Magen. anhaltenden Gebrauch von Druck und Reiben allgemach dicker wird Al. Monro des Aelt. Versuch über ver- gleichende Anatomie . Aus dem Engl. Götting. 1790. 8. pag. 71. . Die Höhle dieser sonderbaren Mägen ist nach Verhältniss enge und klein, und verläuft sich trichterförmig in den untern Magenmund, der nahe bey dem obern liegt. — Kurz, alles ist an die- sem merkwürdigen Organe auf mächtige Triturationskraft Reaumür 's zahlreiche Versuche die Stärke dieser Triturationskraft zu bestimmen, sind allgemein bekannt. Sie stehen un- ter andern im Hamburgischen Magazin XII. B. pag. 63 u. f. Ein paar minder bekannte Beobach- tungen sind, dass Fel. Plater einen Onyx, den eine Henne verschluckt hatte, nach vier Tagen um ein Viertheil klei- ner fand, und dass ein Louisd'or auf diese Weise im Magen einer Ente 16 As am Gewicht verloren hatte, s. Swammer- dam bibl. nat . pag. 168. berechnet, zu de- K 3 ren VI. Abschnitt. ren Verstärkung noch der bekannte In- stinct der körnerschluckenden Vögel kommt ausser ihrem Futter immer auch rauhe harte Steinchen zu sich zu neh- men Zweck und Nutzen dieses Steinschluk- kens ist sehr verschieden angegeben worden. — Nach Caesalpinus sollte es mehr ein Medicament als ein all- tägliches Beförderungsmittel zur Ver- dauung seyn. — Nach Boerhaave na- mentlich ein absorbens gegen die Ma- gensäure. — Nach Redi ein Surrogat für den Mangel der Zähne. — Nach Whytt besonders ein mechanisches Reitzmittel für den Magen, das ihnen bey der so schwielichten Haut, womit er ausgekleidet sey, zu statten komme, und was dergleichen mehr ist. Spallanzani verwarf geradezu alles Zweckmässige dabey und meinte, die Vögel thätens bloss aus Stupidität. Ich zweifle aber, ob man in dieser Mei- nung grosse Sagacität finden kann, wenn man weiss, wie schlechterdings unent- behrlich . C) Vom Schlunde und Magen. C) AMPHIBIEN. §. 100. Bey den Seeschildkröten hat der weite Schlund eine ganz auffallende Eigen- heit, da er inwendig mit unzähligen K 4 grossen, behrlich ihnen dieses Hülfsmittel zur Verdauung ihrer Körner ist, da sie ohne dasselbe beym reichlichsten Futter ab- zehren u. s. w. — Auch ist daher jenes Paradoxon schon von J. Hunter on animal oeconomy pag. 155. und von D. G. Fordyce on digestion pag. 23. treff- lich widerlegt worden. Mir scheint übrigens das Bedürfniss des Einschluckens dahin abzuzwecken, um die Saamenkörner dadurch zu töd- ten und ihrer Lebenskraft zu berauben , die sonst der Digestionskraft widersteht (— s. oben S. 141. N. *) —); so wie man gefunden hat, dass die Pferde, wenn man ihr Futter an Hafer und Gerste vorher durch abbrühen tödtet, nur halb so viel brauchen und doch besser dabey gedeihen als sonst. VI. Abschnitt. grossen, steifen, an den Spitzen fast hornartigen Stacheln von weisser Farbe besetzt ist Ruysch thesaurus anatomicus VIII. tab. 2. fig. 4. . Sie stehen alle in einer- ley Richtung, mit den Spitzen rück- wärts nach dem Magenmunde zu. Ver- muthlich um den Rücktritt des dahin- eingeschluckten Futters zu verhüten, das nur allmälich in den Magen gelan- gen kann. §. 101. Bey den Crocodilen ist der Schlund trichterförmig, und ihr Magen hat so- wohl in der benachbarten Lage seiner beiden Mündungen als auch gewisser- massen in der Derbheit seiner Häute, einige (wenn gleich nur entfernte) Aehn- lichkeit mit der körnerfressenden Vö- gel ihrem. §. 102. Bey den Schlangen zeigt der Ma- gen wenig andere Verschiedenheit vom Schlun- Vom Schlunde und Magen. Schlunde, als dass er etwas weiter, aber in Verhältniss zu dieses seiner ansehn- lichen Länge auffallend kurz ist. D) FISCHE. §. 103. Dagegen ist der Schlund bey den mehresten Fischen desto kürzer. Doch ist diess weder wie Aristoteles glaubte Vergleiche Fabric. ab Aquapendente pag. 100. der obgedachten Ausg. der ganzen Classe gemein, noch auch, wie Andere es modificirt, der verlängerte Schlund den langgestreck- ten Fischen eigen. §. 104. Grösse und Form des Magens va- riirt in dieser Classe sehr mannichfal- tig Abbildungen von mancherley Fisch- mägen s. im IIten B. von Sam. Col- Lins's . Bey den mehresten Fischen ist K 5 er VI. Abschnitt. er dünnhäutig. Bey gar manchen aber auch ziemlich derb und fleischig Rondelet pag. 70. und inwendig mit schwielichter Haut aus- gekleidet; doch dass auch bey diesen die vermeinte Aehnlichkeit desselben mit dem Magen der körnerschluckenden Vögel nur sehr entfernt bleibt. E) INSECTEN. §. 105. Was schon anderwärts Im Handbuch der Naturgeschichte S. 298. der VIten Ausg. angemerkt worden, dass das Ernährungsgeschäfft der Insecten bey weiten nicht bloss, wie bey den allermehresten rothblü- tigen Thieren, auf ihre Selbsterhal- tung, sondern hauptsächlich darauf ab- zweckt, lins's System of anatomy Lond. 1685. Fol. und bey Vicq-d'Azyr in den oben [pag. 108. Not. *)] angeführten Abhand- lungen. Vom Schlunde und Magen. zweckt, dass sie organisirte Materie consumiren sollen, das wird durch den ausgezeichneten Bau ihrer sogenannten ersten Wege augenscheinlich bestätigt: da zumal bey den allermehresten von denen, die sich einer Verwandlung un- terziehen, der Magen im Larvenzustande von mächtiger Grösse in Verhältniss zu dem kurzen Darmcanal ist; und dage- gen bey denen die in ihrem vollende- ten Zustande wenig oder keine Nahrung mehr zu sich nehmen, alsdann auch ganz auffallend verkleinert und gleich- sam zusammengeschrumpft erscheint Vergl. z. B. den Magen der Raupe von Papilio vrticae bey Swammerdam bibl. naturae tab. 34. fig. 4. mit dem des Schmetterlings tab. 36. fig. r. Und den von der Bienen-Larve tab. 24. fig. 6. mit dem der Arbeitsbiene tab. 18. fig. 1. . §. 106. Ueberhaupt kann von den endlos mannichfaltigen Besonderheiten des in- nern VI. Abschnitt. nern Baues in einzelnen Geschlechtern und Gattungen dieser so vielförmigen Thierclasse hier nur sehr weniges Platz finden: also auch von denen am Schlund und Magen derselben bloss ein Paar Worte Hierher gehörige Abbildungen von Mä- gen aus den verschiedenen Ordnungen dieser Classe haben gegeben: z. B. von der Larve des Nashornkäfers Swammer- dam tab. 27. fig. 11. 12. vergl. mit Rösel II. B. Erdkäfer 1. Cl. tab. 8. fig. 1. 2. Von der Larve des Hornschröters Rösel a. a. O. tab. 9. fig. 8. Vom Ohrwurm C. F. Posselt tenta- tamina circa anatomiam Forsiculae au- riculariae . Jen. 1800. 4. fig. 26. Vom Gryllus verruciuorus Rösel II. B. Heuschrecken tab. 9. fig. 2. Vom Seidenwurm Malpighi de bom- byce Lond. 1669. 4. tab. 5. fig. 1. und in der Puppe tab. 8. fig. 3. vergl. mit Rösel IIIten B. tab. 9. fig. 1. 2. und F. Bibiena in den Comm. instit. Bononiens . T. V. P. I. . Bey Vom Schlunde und Magen. Bey vielen wird Anfang und Ende des tubus alimentarius , Schlund und Mastdarm, von einer ringförmigen Thei- lung des Rückenmarks umfasst. Im Ohrwurm ist der obere Magen- mund inwendig mit einigen Zähnen in zwey Reihen besetzt Posselt a. a. O. pag. 27. fig. 27. . Bey manchen Heuschrecken ist der Magen selbst zwar klein, dafür aber der Schlund von desto grösserer Weite. Bey P. I. tab. 2. fig. 7. 8. 10. 11. und tab. 3. fig. 13. Von der Weidenraupe Lyonet's Mei- sterwerk tab. 13. fig. 1. 2. Vom Uferaas ( Ephemera horaria ) Swammerdam tab. 15. fig. 1. 5. Von der Puppe der Musca chamaeleon tab. 41. fig. 6. Von der Käsemade ( Musca putris ) tab. 43. fig. 5. Von der Laus tab. 2. fig. 3. VI. Abschnitt. Bey manchen Gattungen dieses Ge- schlechts, zumal bey der Maulwurfs- grille besteht der Magen aus drey bis vier blasenförmigen Abtheilungen Cuvier in den Mémoires de la Societ. d'hist nat. de Paris a. 7. tab. 4. fig. 8. , die man mit den Mägen der wieder- kauenden Säugethiere verglichen hat Swammerdam algem. Verhandel. van de Bloedeloose Dierkens . Utr. 1669. 4. pag. 93. und G. Hier. Velschii heca- tosteae obs . Aug. Vindel. 1675. 4. pag. 41. . Des mit Gräten und andern Knochen- stücken versehenen Magens des Hum- mers und einiger anderer Krebse Vom Hummer s. Willis de anima bru- torum . Lond. 1672. 8. tab. 3. fig. 1. Und vom Flusskrebs Rösel III. B. tab. 58. fig. 9 und 12. ist schon oben gedacht [— §. 1. Not. Cuvier in den Mémoires de la Societ. d'hist nat. de Paris a. 7. tab. 4. fig. 8. —]. Bekanntlich liegen auch an die- sem seine drey Zähne, die, wenigstens beym Vom Schlunde und Magen. beym Flusskrebs, so wie der Magen selbst alljährlich reproducirt werden. F) WÜRMER. §. 107. Auch aus dieser Classe die so sehr vielartig von einander verschiedene Ge- schöpfe begreift, können hier nur we- nige Beyspiele gleichsam als Muster ausgehoben werden Abbildungen von Mägen bey Würmern aus den verschiedenen Ordnungen ha- ben unter andern folgende Zootomen gegeben: Vom Spulwurm Tyson in den philos. Transactions . vol. XIII. N. 147. Vergl. mit P. Chr. Fr. Werneri vermium in- testinal. expositio . Lips. 1782. 8. tab. 7. fig. 153 und 154. Vom Regenwurm Willis a. a. O. tab. 4. fig. 1. vergl. mit Vandelli diss. de Aponi thermis etc. Patav. 1758. 8. Vom . Einen VI. Abschnitt. Einen überaus sonderbaren Magen hat der wegen seiner wunderschönen Farben allge- Vom Blutigel Morand in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris a. 1739. vergl. mit Bibiena in den comm. instit. Bo- noniens . T. VII. pag. 102. Von der Weg-Schnecke Swammer- dam tab. 9. fig. 2. Von Tintenfischen ebendas. tab. 51. fig. 5. vergl. mit Monro's Physiologie der Fische tab. 31. der Schneiderschen Uebers. Von mancherley Muscheln Poli in den testac. vtriusque Siciliae Parm. 1791-95. II. B. gr. Fol. und zwar na- mentlich unter den Vielschaligen, von pholas dactylus T. I. tab. 7. fig. 2. 8. — und unter vielen zweyschaligen vor- züglich von Tellina planata T. I. tab. 14. fig. 8. von Mactra neapolitana T. II. tab. 19. fig. 1. 3. 4. 5. und von Venus chione tab. 20. fig. 4. 7. Von Schnecken s. z. B. den der He- lix pomatia bey Swammerdam tab. 5. fig. 6. 7. 8. Vom Schlunde und Magen. allgemein bekannte Goldwurm ( Aphro- dite aculeata ), bey welchem dieses Eingeweide an Form und Grösse fast einem Dattelkern, so wie an Derbheit des Gefüges beynahe dem bey den kör- nerschluckenden Vögeln ähnelt Pallas miscellanea Zoologica tab. 7. fig. 9. 10. 11. 12. und 12 *. . Bey vielen Schalthieren, zumal un- ter den Bivalven wird der Schlund wie zu einen Kropf oder Vormagen erwei- tert; und ist bey manchen inwendig mit hunderten von zarten Zähnchen besetzt z. B. im Chiton cinereus bey Poli T. I. tab. 3. fig. 9. Vergl. damit den auf eine ähnliche Weise bezahnten Schlund der Tinten- fische in Turberv. Needham 's nouvel- les observations microscopiques tab. 3. fig. 1 und 4. . In dem sehr robusten und dehnba- ren Magen der Bulla lignaria sitzen drey Vom See-Igel ( Echinus esculentus ), Monro a. a. O. tab. 32. L VI. Abschnitt. Vom Schlunde und Magen. drey harte kalkichte Schalen womit das Thier andre Conchylien die es verzehrt zu zermalmen im Stande ist Draparnaud im neuen Journ. de phy- sique T. VII. pag. 146. Eben dieser Magen war neuerlich von einigen Naturforschern für ein eige- nes Geschlecht einer ganz neuen Ord- nung von dreyschaligen Conchylien au- geschen worden. Sieben- . Bey den mehrsten eigentlichen Mol- lusken ist der Magen von einfachem häutigen Bau, und nach Verhältniss von sehr verschiedner Grösse. Auffal- lend gross habe ich ihn z. E. bey Scyl- laea pelagicum gefunden. Vollends bey den Blutigeln füllt er bekanntlich den grössten Theil des Leibes und ist in- wendig mittelst zehn häutiger durch- brochener Scheidewände wie in Ab- schnitte getheilt. Die Armpolypen endlich und andere ihnen ähnliche Zoophyten sind überhaupt kaum für etwas anders als für einen be- seelten an der Mündung mit Fangarmen besetzten Magen anzusehen. Siebenter Abschnitt. Vom Darmcanal . A) SÄUGETHIERE. §. 108. Der Darmcanal (— überhaupt nächst dem Magen das allerallgemeinste Ein- geweide im ganzen Thierreich —) zeigt bey den Thieren dieser Classe, beson- ders nach der Nahrungsweise derselben eine doppelte Hauptverschiedenheit, in- dem er in der Regel bey den Fleisch- fressenden nach Verhältniss kürzer, und dann auch die Strecke der sogenannten dünnen Därme bey denselben im Aeu- ssern weniger von den dicken verschie- den ist, als bey den Herbivoren. — Doch leidet auch alles dieses seine Aus- nahmen. Denn so hat z. B. die Robbe L 2 auf- VII. Abschnitt. auffallend lange, und hingegen das Faul- thier sehr kurze Gedärme; so sind ferner beym Dachs, der doch kein eigentlich fleischfressendes Thier ist, ja selbst bey manchen bloss Herbivoren, wie z. E. beym Siebenschläfer ( Glis escu- lentus ) u. a. m. die dünnen Därme meist von gleicher Stärke mit den dicken, und was dergl. m. ist. §. 109. In den dünnen Därmen sind bey den mehresten Säugethieren die sogenannten Kerkringischen Klappen schwächer aus- gewirkt als beym Menschen; bey man- chen ganz unmerklich; und das sowohl bey Fleischfressenden als Herbivoren. — Bey den Cetaceen hingegen ist die ganze innere Fläche der Därme mit längslau- fenden meist geschlängelten Falten be- setzt. Die flockichte zur Einsaugung des Milchsafts dienende innerste Haut un- terscheidet wohl ganz allgemein die dün- Vom Darmcanal. dünnen Därme von den dicken, als welche mehr bloss zur Aufnahme des Unraths bestimmt sind. Beym Bär sind diese Flocken auffallend langzottig. Die Fallopische Klappe ( valuula coli ) fehlt wohl nur wenigen Thieren dieser Classe wie z. B. dem Igel Genaue Beschreibung dieser Klappe bey den hieländischen Hausthieren gibt J. M. Röderer de valvula coli . Argent. 1768. 4. pag. 46 u. f. . §. 110. Der Blinddarm zeigt bey ihnen, und zwar selbst bey manchen Gattungen aus dem gleichen Geschlecht, grosse Ver- schiedenheit. Manche, zumal unter den Fleischfressenden haben ihn gar nicht; doch fehlt er auch einigen Herbivoren wie z. B. dem Siebenschläfer. Bey an- dern Grasfressenden ist er hingegen theils von ausnehmender Grösse und Weite. Z. E. beym Hasen und Canin- L 3 chen VII. Abschnitt. chen länger als das ganze Thier, und inwendig mit einer sonderbaren in Schneckenwindung laufenden Klappe besetzt. — Der Klipdas ( Marmota ca- pensis ) hat erst ein grosses weites coecum und dann eine Strecke weiter hin von neuem zwey andre conische Blinddärm- chen Pallas Spieilegia Zoologica II. tab. 3. fig. 7. 8. . Der wurmförmige Anhang mangelt gar vielen Säugethieren; selbst manchen Affen (z. B. dem syluanus u. a. m.) §. 111. Der Grimmdarm ( colon ) ist bey den mehresten grasfressenden Thieren die- ser Classe wie in blasenförmige Ab- schnitte getheilt, und von grosser Weite und Länge. So z. B. auffallend beym Elephant und Pferd. Bey letztern ist die ganze Strecke der dicken Därme auf 24 Fuss lang; da sie hingegen bey einem Vom Darmcanal. einem mittelmässigen Hunde wenig über eine Spanne beträgt. Bey diesem zeich- net sich der Mastdarm durch starke Querfalten aus, wodurch er beengt und auch wohl die Ausleerung des Unraths erschwert wird. Bey einigen wenigen z. E. beym Bi- ber und Faulthier haben Mastdarm und Harnröhre einen gemeinschaftlichen Aus- gang der sich gewissermassen mit der cloaca der Vögel vergleichen lässt So wie oben der Bezoare und anderer Magen-Concremente gedacht worden, so verdienen hier die Intestinalsteine, die sich zuweilen bey Pferden finden, und die köstlichen Stercoralverhärtun- gen bey Cascheloten, Erwähnung. Jene sind gemeiniglich gelblich grau, kugelrund, von aussen fettglänzend, auf dem Bruche matt, erdig; halbhart; ihre mittlere Grösse ohngefähr wie die einer Billardkugel; theils aber hat man sie auch grösser als ein Menschenkopf ge- sehen; . L 4 B) VII. Abschnitt. B) VÖGEL. §. 112. Diese haben im Ganzen einen weit kürzern Darmcanal als die Säugethiere; und sehen; so wie überhaupt alle diese äusseren Kennzeichen gar vielartig va- riiren. Das Merkwürdigste ist ihr Ge- halt, der nach Fourcroy 's und Bar- tholdi 's Analyse, wenigstens bey vie- len, zur Hälfte aus phosphorsaurer Talk- erde besteht. — Gewöhnlich finden sie sich bey Müllerpferden, die lange mit Kleie und Mehlstaub gefüttert worden; meist nur Einer, zuweilen aber auch ihrer eine grosse Menge beysammen; am öftersten im Grimmdarm, sehr sel- ten im Magen (wenn anders diese von der nämlichen Art gewesen sind). In den häufigsten Fällen sind sie erst nach dem Tode des Thiers bey der Section gefunden worden. — In den Episto- lis de re numismatica ad Z . Goezium pag. 247. finde ich aber auch ein Bey- spiel, wo ein Pferd geraume Zeit hin- durch Vom Darmcanal. und ebenfalls ist er bey den Fleisch- fressenden gemeiniglich kürzer als bey L 5 denen durch alle Monathe einen solchen Stein von der Grösse eines Hünereyes mit dem Miste von sich gegeben. Die Stercoralverhärtung vom Casche- lote oder Pottfische ist die unter dem Namen des grauen Ambers bekannte kostbare Substanz, die schon vorlängst für ein thierisches Excrement, neuer- lich aber von vielen für ein Fossil, von andern für ein Baumharz gehalten worden; deren animalischer Ursprung aber nun nach den genauesten Untersu- chungen ausser Zweifel gesetzt scheint. — Der Herr Baronet Banks schrieb mir darüber vor einiger Zeit, dass nach dem was er von den englischen Süd- seewallfischfängern erfahren, der im ge- sunden Zustande des Caschelots fast flüssige Auswurf durch eine Art von Verstopfung zu Amber verhärte; daher man ihn nur in matten abgemergelten Thieren finde, und der festeste kost- barste komme, wie es scheint von Tod- ten, die nämlich an der dadurch verur- sachten Krankheit gestorben. VII. Abschnitt. denen die sich vom Gewächsreich näh- ren. Auch zeigt sich bey ihnen im Aeussern kein merklicher Unterschied zwischen den dünnen und dicken Där- men; vielmehr sind sie bey manchen am Anfange weiter als gegen das Ende. §. 113. Die mehresten Vögel haben zwey Blinddärme , die bey manchen Gattun- gen zumal unter den Geschlechtern der Hünerartigen und Wasservögel von an- sehnlicher Länge sind. Beym Straus zeichnen sie sich durch eine merkwür- dige schneckenförmig gewundne Klappe aus Vallisnieri a. a. O. tab. 2. fig. 1. 2. . Einige wenige Wasservögel ha- ben nur Einen solchen Blinddarm, und manchen, besonders unter den Raubvö- geln fehlen sie gänzlich. §. 114. Der Mastdarm endigt sich in die so- genannte cloaca , eine schlauchförmige Wei- Vom Darmcanal. Weitung worin sich zugleich die Harn- leiter, die Genitalien, und die hinter ihr liegende bursa Fabricii öffnen. Diese letztre ist bei den verschiednen Gattungen von ungleicher Form, eyför- mig, oder länglich wie ein Blinddärm- chen u. s. w., und bey jungen Vögeln am grössten: im Alter schrumpft sie zusammen, so dass sie z. E. bey alten Hahnen kaum ein Hirsenkorn fasst De Graaf de mulierum organis gene- rat. inseruientibus tab. 17. vergl. mit God. Gu. Tannenberg spicileg. observ. circa partes genital. masculas auium , Goett. 1789. 4. tab. 2. fig. 1. tab. 3. fig. 2. . C) AMPHIBIEN. §. 115. Nur aus jeder der beiden Hauptord- nungen Eine Gattung als Beyspiel. Bey der Caret-Schildkröte ( Testudo caretta ) ist der Darmcanal fünfmal so lang als das ganze Thier; die sogenann- ten VII. Abschnitt. ten dünnen Därme beträchtlich weiter als die kurze Strecke der dicken. Beide inwendig durchaus der Länge nach ge- faltet Im Mastdarm fand ich diese Falten so breitblätterig und in solcher Menge dicht an einander liegend, dass ein Querdurchschnitt desselben das Ansehen eines sternförmigen breiten Ringes hatte. , und (wie diess wohl in der ganzen Classe der Fall ist), mit einer Menge zähen Schleim überzogen Diejenige Streke des dünnen Darmes, die dem Sprachgebrauche nach das ieiunum heissen würde, war in dem Thiere, das ich secirt, zumal da wo das Ge- kröse ansitzt, etwa spannenlang mit unzähligen kleinen beutelförmigen Fort- sätzen besetzt; (fast wie die sogenannten appendiculae epiploicae , die sich zuwei- len bey manchen Säugethieren finden.) . §. 116. In der Natter ( Coluber natrix ) be- trägt die ganze Länge des Darmcanals nicht einmal die des Thiers. Die dün- nen Därme bilden durch ihren verlän- gerten Vom Darmcanal. gerten Eintritt in die dicken eine an- sehnliche Fallopische Klappe. Nur das letzte Ende der dünnen ist so wie die dicken und wie der Schlund (der wohl ⅓ so lang als das ganze Thier ist) und Magen inwendig der Länge nach ge- faltet Vergl. Charas nouvelles experiences sur la vipére . Par. 1672. 8. und Tyson 's anatomy of a Rattle-Snake in den philos. Transact . Vol. XIII. N. 144. . D) FISCHE. §. 117. Sie haben, höchstens bis auf wenige Ausnahmen einen sehr kurzen Darmcanal. Bey einigen, z. E. im Zitterrochen ist er nur halb so lang als der Magen Lorenzini osservaz. intorno alle torpe- dini Flor. 1678. 4. tab. 2. fig. 4. . Doch wird bey ihm (so wie auch bey mancherley andern Knorpelfischen) der Weg den der Darmbrey und nach- her der Unrath darin zu machen haben, durch VII. Abschnitt. durch eine breite Klappe verlängert, die schneckenförmig hindurchläuft Aus einer andern Gattung von Rochen abgebildet von Swammerdam in der vierten (überhaupt für die Zootomie gar reichhaltigen) Ausg. von Th. Bar- tholini anatome Lugd. Bat. 1673. 8. pag. 297. Aus einem Hayfische in Perrault 's Essais de physique T. III. pag. 219. . §. 118. Ueberaus merkwürdig, und wie es scheint allen Fischen gemein, sind die sogenannten appendices pyloricae , die sich theils am untern Magenmunde, meist aber zu Anfang des Darm c anals in den- selben öffnen und einen Darmsaft ab- scheiden, der einen Haupteinfluss auf das bey diesen Thieren in kurzer Zeit zu beendigende Verdauungs- und Chy- lifications-Geschäft zu haben scheint Das Hauptwerk über diesen merkwür- digen Theil ist die äusserst seltene Pars altera . Meist Vom Darmcanal. Meist haben sie die Gestalt kleiner frey- hängender Blinddärmchen Bey manchen, wie z. E. bey der Quappe, haben sie ein gleichsam fingerähnliches Ansehen; daher dieser Theil bey diesem Fische vorlängst unter dem Namen Quappenhändchen oder Quappenfuss be- kannt war. s. Chr. Encelius de re metallica . Francof. (1551.) 8. pag. 241, wo auch meines Wissens die erste (Ab- bildung davon gegeben worden. , deren An- zahl bey den verschiedenen Gattungen von einem einzigen bis zu mehreren hunder- ten variirt; bey manchen Knorpelfischen aber sind sie wie in einem drüsenarti- gen Eingeweide verwachsen Die Folgen, die sich hieraus zur Auf- klärung des Secretionsgeschäfts über- haupt ziehen lassen, habe ich schon in den institution. physiolog . pag. 367 u. f. angedeutet. , das man altera obseruationum anatomicarum col- legii priuati Amstelodamensis , 1673. 12, die fast ganz Swammerdam 's Arbeit ist. VII. Abschnitt. man mit dem pancreas der warmblüti- gen Thiere verglichen hat. E) INSECTEN. §. 119. Aehnliche solche Blinddärmchen ( va- sa varicosa Swammerd .) finden sich auch an dem vollends überaus kurzen Darmcanal vieler Insecten Sie sind von manchen Zootomen für dünne Därme, von andern für Gallen- wege, von noch andern für Milchge- fässe gehalten worden. , der sich übrigens in dieser Classe besonders durch den Mangel eines Gekröses von den Därmen der rothblütigen Thiere auszeichnet Hierher, so wie zu manchen der fol- genden Abschnitte, gehören die mehre- sten der schon oben pag. 156 und 159 angeführten Abbildungen. . F) WÜRMER. §. 120. Unter den Mollusken haben manche wie z. B. der Goldwurm ( Aphrodite acu- leata ) Vom Darmcanal. leata ) ebenfalls solche Blinddärmchen zu beiden Seiten ihres kurzen Haupt- darms. Unter den Schalthieren scheinen die festsitzenden überhaupt einen kürzern und einfachern Darmcanal zu haben, als die so sich von der Stelle bewegen. Bey den mehresten Bivalven geht der Mastdarm nach Poli's Versicherung mitten durchs Herz. Bey den Weg- schnecken ( Limax ) sowohl als bey de- nen mit dem Haus ( Helix u. s. w.), öffnet sich der Mastdarm vorn auf dem limbus dicht neben dem Luftloch. Dem Blutigel kann eigentlich gar kein Darm zugeschrieben werden, doch hat er allerdings einen After am Schwanz- ende, wodurch er nur zuweilen etwas weniges von Unrath (bey weiten das mehrste aber durch den Mund) von sich gibt. Die Armpolypen hingegen haben auch nicht einmal so eine Oeffnung. M Achter VIII. Abschnitt. Achter Abschnitt. Von der Leber, Milz und dem Netze. §. 121. Was von diesen dreyen Organen hier angeführt werden muss, kann füglich zusammengefasst werden, da sie in Rücksicht ihrer Functionen in nahen Bezug untereinander stehen; Milz und Netz scheinen minder allgemein als die Leber, und dieser gleichsam untergeord- net zu seyn: welche letztere hingegen wohl keiner Classe oder Ordnung des Thierreichs mangelt, die mit einem Her- zen und Circulationssystem versehen ist. A) SÄUGETHIERE. §. 122. Die Leber dieser Thiere zeigt ausser den minder bedeutenden und wohl nicht immer Von der Leber, Milz und dem Netze. immer constanten Varietäten der Grösse, Farbe, Abtheilung durch Einschnitte u. dergl. Beyläufig verdient doch als eine beson- dre Eigenheit der Leber einiger an und in der See lebenden vierfüssigen Säugethiere, des Eisbären nämlich und gewisser Seehunde, erwähnt zu werden, dass ihr Genuss für den Menschen giftig zu seyn scheint. So erfuhren es an jenem, Heemskerk's Gefährten auf No- waja Semlja, und an diesen, die schiff- brüchige Mannschaft von Anson's Ge- schwader an der Küste von Patagonien. vorzüglich die zweyfache Hauptverschiedenheit, dass sie bey man- chen Geschlechtern und Gattungen alle ihre Galle unmittelbar in den sogenann- ten Zwölffingerdarm ergiesst, bey vie- len andern aber sich ein Theil dersel- ben vorher in die Gallenblase sammelt. Diese fehlt unter andern dem Pferde- Manche haben freylich den sehr weiten Gallengang des Pferdes auch eine Blase nennen wollen. s. z. B. Sr. Th. Brown 's pseudo- M 2 und VIII. Abschnitt. und Hirsch-Geschlecht, und den Ce- taceen. Bey manchen von denen so hinge- gen damit versehen sind, namentlich beym Rindvieh, zeigen sich die berühm- ten ductus hepaticystici die unmittelbar aus der Leber in dieselbe übergehn. Ebenfalls beym Ochsen so wie auch beym Schaaf u. s. w. zeichnet sich die Milz durch ein eignes zellenartiges Ge- füge von dem bloss adrigen vieler an- drer Thiere dieser Classe aus Stukeley on the Spleen tab. 3 und tab. 4. fig. 2 und 4. Beides, jene Leber-Blasengänge und diese zellichte Textur verdienen um so mehr Erwähnu n g, da sie zu Irrthümern in der Physiologie Anlass gegeben. . Ein pseudodoxia epidemica pag. 119. der Ausg. von 1672. Eher kann man das vom Elephanten sagen, dessen Gallengang bey seinem Eintritte in den Darm eine blasenför- mige Weitung macht. Camper van de Ontleding eens jongen Elephants pag. 16. Von der Leber, Milz und dem Netze. Ein eigentliches wahres Netz scheint wohl den Säugethieren ausschliesslich eigen Vom besondern Ansehen des Netzes bey einzelnen Gattungsn führe ich seiner auffallenden Eigenheit wegen nur das vom Waschbär ( Ursus lotor ) an, das ich so eben von einem eifrigen Zooto- men Hrn. Dr. Albers in Bremen er- halten habe. Es ist nach Verhältniss sehr gross und besteht aus unzähligen riemenförmigen netzartig zusammen ana- stomosirenden Fettstreifen von einer aus- nehmenden Eleganz, die durch eine äusserst zarte fast Spinnweben ähnliche Zwischenhaut unter einander verbun- den sind. . Und selbst was man bey an- dern Thieren eine Milz genannt hat, ist doch ebenfalls in seiner Textur, Ver- bindung u. s. w. von jenem Eingeweide wie es sich in dieser Classe findet, sehr verschieden. B) VÖGEL. §. 123. Die Leber ist bey dem Hausgeflügel nach Verhältniss auffallend grösser als M 3 bey VIII. Abschnitt. bey den wilden Vögeln Br. Robinson on the food and dischar- ges of human bodies Lond. 1748. 8. pag. 97 u. f. tab. 1 und 2. . Bekannt- lich fehlt die Gallenblase auch vielen Gattungen dieser Classe, (z. B. den Tau- ben, Papageyen u. s. w.) ja selbst zu- weilen einzelnen Individuis einer Gat- tung die sonst nach der Regel damit versehen ist, wie z. B. unter den Haus- hünern. Ein kuchenförmiger Fettklumpen der bey manchen Wasservögeln die Därme deckt, ist wohl eher für ein Netz ange- sehen worden. C) AMPHIBIEN. §. 124. Ueberhaupt ist die Leber bey diesen Thieren von ansehnlicher und bey man- chen, z. E. beym Salamander von ganz auffallender Grösse. Auch ist mir keine Gattung bekannt der die Gallenblase mangelte. Die Von der Leber, Milz und dem Netze. Die gelben, theils keulenförmigen, theils wie gefingerten ductus adiposi oder appendices luteae die bey den Fröschen zu beiden Seiten des Rückgrats über den Nieren liegen, hat zuerst Mal- pighi für eine Art von Netz gehalten De omento et adiposis ductibus , Oper. T. II. pag. 35. 42. 46 und 49. der Londn. Fol. Ausg. . Wie entfernt aber diese Aehnlichkeit sey, zeigt ausser so vielen andern Ver- schiedenheiten besonders das constante merkwürdige Verhältniss worin die ver- änderliche Grösse derselben mit dem Paarungsgeschäft dieser Thiere steht. D) FISCHE. §. 125. Bey vielen ist der kurze Darmcanal von der grossen langen Leber wie um- fasst und gleichsam bewachsen. — Bey manchen, in ihrem übrigen Körper fast fettlosen Fischen, wie z. B. die Rochen, M 4 der VIII. Abschnitt. der Kabeljau u. s. w. strotzt hingegen die Leber von Thran. — Nicht vielen Gat- tungen fehlt die Gallenblase; wie z. B. der Lamprete, Rothbarbe u. s. w. E) INSECTEN. §. 126. Ein wirklich gallebereitendes und in sofern leberähnliches Organ scheint sich bloss bey den wenigen Thieren die- ser Classe zu finden, die mit einem Herzen und System von Saftgefässen versehen sind; also namentlich bey den Krebsen Willis de anima brutorum tab. 3. fig. 1. — Rösel III. Th. tab. 58. fig. 9. tab. 59. fig. 15. 16. . — Dass aber auch die bey vielen andern befindlichen Blinddärm- chen theils für Gallenwege angesehen worden, ist schon oben erinnert. So wie dann auch manchen Zooto- men das grosse corpus adiposum das bey den Raupen und vielen andern Insecten den Von der Leber, Milz und dem Netze. den grössten Theil ihres Leibes aus- füllt Lyonet tab. 5. fig. 1. 5. und tab. 12. fig. 9. , einige Aehnlichkeit mit einem Netze zu haben geschienen hat. F) WÜRMER. §. 127. Die Organe worin der Saft abge- sondert und enthalten wird, von wel- chem die Tintenfische den Namen ha- ben, sind längst mit Gallenwegen ver- glichen worden, so dass man den My- tis für eine Leber, und den Tinten- beutel für eine Gallenblase genommen hat Vergl. die Abbildungen bey Swammer- dam, Turberv. Needham und Monro . . Bey vielen Schalthieren, zumal un- ter den Bivalven, liegt die Leber um den Magen und ergiesst ihre Galle in M 5 die VIII. Abschnitt. Von der Leber u. s. w. die Höhle desselben Poli T. I. tab. 3. fig. 5. 10. vom Chiton cinereus . — tab. 4. fig. 13. 16. von Le- pas balanus- — tab. 8. fig. 7. von Pho- las dactylus . — tab. 13. fig. 1. vom Solen strigilatus . — tab. 14. fig. 12. von Tel- lina planata . — tab. 22. fig. 11. 12. vom Spondylus gaederopus u. s. w. . — Bey man- chen Schnecken füllt sie die obern Win- dungen des Gehäuses Swammerdam tab. 5. fig. 6-9. von He- lix pomatia . . Neunter Neunter Abschnitt. Von den Harnwegen . §. 128. Diese reinigenden Organe gehen gar vielen Thieren ab die doch noch Gal- lenwege haben, und finden sich aus- schliesslich bloss in den rothblütigen Classen, als welchen allen die Nieren gemein sind, da hingegen die Blase manchen Ordnungen und Geschlechtern derselben mangelt. A) SÄUGETHIERE. §. 129. Die Nieren haben bey manchen der- selben, wie namentlich beym Bär Evstachii tabulae auatomicae tab. 4. fig. 4. , einen IX. Abschnitt. einen gleichsam traubenartigen Bau, so dass jede wie aus vielen kleinern Beym Bär wohl aus 50 und darüber. s. H. F. v. Fleming deutscher Jäger Leipz. 1719. Fol. pag. 126 u. f. zu- sammengesetzt ist, die durch ihre Blut- gefässe und Harngänge mit gemein- schaftlichen Stämmen derselben zusam- men hängen. — Die Blase hat bey den mehrsten Quadrupeden eine freyere Lage in der Bauchhöhle als beym Men- schen Vasalii anatomicar . Falloppii obser- vationum examen . pag. 126 u. f. der Orig. Ausg. v. 1564. 4. Riolani anthropo- graphia pag. 241. der Pariser Ausg. v. 1626. 4. . In den reissenden Thieren ist sie nach Verhältniss weit kleiner als in den Herbivoren. Vorzüglich gross ist sie bey den wiederkauenden bisulcis und dem Hasen Bey den Pferden, von deren Intesti- nalsteinen oben die Rede gewesen, finden sich auch nicht gar selten Harn- blasen- . B) Von den Harnwegen. B) VÖGEL. §. 130. Ihre Nieren Aloys. Galvani in den comment. instit. Bononiens . T. V. P. II. pag. 508. tab. 1. 2. bilden (bis auf sehr wenige Ausnahmen beym Cormoran u. s. w.) eine doppelte Reihe von ein- zelnen von einander abgesonderten drü- senartigen Körperchen Eins der lehrreichsten Beyspiele von auffallender Aehnlichkeit zwischen den secernirenden eigentlich sogenannten Eingeweiden und den glandulis con- glomeratis . Vergl. die institut. physio- logiae a. a. O. die zu bei- den Seiten der Lendenwirbel, in beson- dern Vertiefungen der Hüftknochen, wie ein- blasensteine und zwar theils von aus- nehmender Grösse. Diese zeichnen sich in Rücksicht ihres Stoffes gar sehr von den Menschlichen aus, da sie nach Fourcroy's und Vauquelin's Untersu- chung weder Phosphorsäure noch Harn- säure, sondern statt deren Kohlensäure enthalten. IX. Abschnitt. eingepresst liegen. — Dass der ganzen Classe die Blase mangelt, ergibt sich aus dem was oben von ihrer cloaca ge- sagt worden, von selbst. C) AMPHIBIEN. §. 131. Im Schildkröten- und Frosch-Ge- schlechte findet sich eine Harnblase, die bey manchen der eigentlich soge- nannten Frösche gedoppelt ist, so dass ihrer zweye neben einander liegen. Die Crocodile hingegen und manche wahre Eidechsen haben keine; so we- nig als die Schlangen bey welchen sich die Harnleiter in die cloaca öffnen. D) FISCHE. §. 132. Merkwürdig ist, dass so viel be- kannt, dieser Classe die Neben-Nieren ( capsulae suprarenales ) abgehn; die also bloss Von den Harnwegen. bloss den mit Lungen athmenden Thie- ren zuzukommen scheint . Ohngeachtet nicht abzusehen ist, wozu den Fischen, und überhaupt den blossen Wasserthieren, eine Harnblase nutzen kann, so ist doch wenigstens eine grosse Zahl von Geschlechtern und Gattungen derselben damit ver- sehen. Zehnter X. Abschnitt. Zehnter Abschnitt. Von den äussern Bedeckungen . §. 133. Unter den mancherley verschiedenen Bestimmungen und Functionen der so- genannten allgemeinen Integumente, ist wenigstens für die rothblütigen Thiere eine der allerwichtigsten, so wie die allgemeinste, dass sie denselben als rei- nigende Organe dienen; daher denn auch das was hier von denselben zu sagen ist, seine passendste Stelle gleich hinter den Harnwegen finden kann. §. 134. Die Grundlage aller übrigen äussern Bedeckungen macht die lederartige ei- gentliche Haut ( corium ) die allen vier Classen Von den äussern Bedeckungen. Classen von rothblütigen Thieren ge- mein und gleichsam als die filzartig verdichtete (mit Nerven und Blut- und Saug ‒ Adern durchwebte) Aussenfläche ihres Zellgewebes anzusehen ist. — Diese wird zu äusserst mit der Oberhaut bedeckt, die wenigstens bey den mit Lungen athmenden Thieren grosse Aehn- lichkeit unter einander zeigt. — Zwi- schen beiden liegt der Malpighische Schleim der aber doch nur bey den warmblütigen sich als eine besondere Hautschicht unterscheiden lässt. — Die Oberhaut ist endlich noch in den ver- schiedenen Classen mit besondern, wie es scheint zunächst zur Ab- und Ausschei- dung gewisser Stoffe bestimmten Or- ganen besetzt; wie bey den Säugethie- ren mit Haaren, bey den Vögeln mit Federn u. s. w. N A) X. Abschnitt. A) SÄUGETHIERE. §. 135. Ihr corium ist von auffallender Ver- schiedenheit der Stärke. Z. B. ausneh- mend zart im Flügel der Fledermäuse; ungeheuer dick hingegen bey manchen Multungulis (namentlich bey den Rhino- cern) und Palmatis [vor allen beym Wallross Daher schon die alten Normannen ihre fast unverwüstlichen Ankertaue daraus verfertigten. — s. J. Spelmanni vita Aelfredi magni Anglor. Regis . Oxon. 1678. Fol. pag. 205. ]. Auch die Form der Pa- pillen auf seiner Aussenfläche ist bey den mancherley Thieren dieser Classe und selbst an verschiedenen Theilen desselben Thieres vielartig; theils gar fadenförmig, wie z. B. an den Tatzen des Bären und ausnehmend sauber an den Zitzen des eigentlichen Wallfisches ( Balaena mysticetus ). Die Farbe in der Malpighischen Schleimhaut variirt zuweilen individuell bey Von den äussern Bedeckungen. bey Thieren einer und eben derselben Gattung so wie bey verschiedenen Rassen im Menschengeschlechte Namentlich habe ich diess z. E. bey mehreren Macacos ( Simia cynomolgus ) und Mandrils ( Papio maimon ) bemerkt. . Am dicksten ist sie bey manchen Cetaceen Frisch habe ich diese Haut der Cetaceen bloss bey einem gestrandeten Finnfische ( Balaena boops ) und einem Delphine zu untersuchen Gelegenheit gehabt. Bey beiden bildete sie eine ansehnliche Schleimlage: doch war sie bey wei- ten nicht von der Dicke eines kleinen Fingers. wie sie an einem übrigens un- bestimmten Wallfisch im Museum Gau- bianum 1783. 8. pag. 14. angegeben wird. . Son- derbar ist der schon von Aristoteles bemerkte consensus in welchem oft bey manchen gefleckten Hausthieren, be- sonders bey Schafen, Caninchen und Hunden der Gaumen und zuweilen selbst der Augenstern mit dem Felle steht, N 2 so X. Abschnitt. so dass wie dieses gefleckt ist, sich auch Flecken in jenen Theilen zeigen s. unter andern Schneider's Zusätze zu Monro's Physiologie der Fische pag. 81. . Die Oberhaut ist nach Verschieden- heit ihrer Bestimmung oft an einzelnen Theilen eines Thiers von sehr un- gleicher Stärke. Z. B. sehr zart an den Fingerspitzen der Affen und Pa- viane in Vergleich zur Dicke derselben an mancher ihrer Gesäss-Schwielen. Bey manchen Multungulis , zumal am Ele- phanten, bildet sie an vielen Stellen des Körpers gleichsam hornartige dicht an einander stehende Zapfen So wie ich sie bey mehreren dieser Thiere über dem Rüssel unter der Stirne befunden, hatten sie grosse Aehnlichkeit mit der warzichten Oberhaut der beiden englischen sogenannten porcupine-men , die ich ohnlängst zu sehen Gelegenheit gehabt und in Hrn. Hofr. Voigt's neuen Magazine III. B. 4. St. beschrieben. . Doch dieser Verschiedenheiten sind zu end- los Von den äussern Bedeckungen. los mancherley, als dass sie hier be- rührt werden könnten. §. 136. Haare finden sich, wenigstens ein- zeln, wohl bey allen erwachsenern Säugethieren, selbst die Cetaceen nicht ausgenommen. Ihre verschiedene Stärke macht, von der feinsten Schafwolle bis zu den dicksten Stachelschweinstacheln, unmerkliche Uebergänge. Dickere Borsten und Haare, so wie z. B. die im Schwanze des Elephanten u. a. m. ähneln in ihrem Gefüge gar sehr dem Horn oder Fisch- bein. So wie anderseits manche von diesen beiderley Stoffen sich leicht in Borsten spalten. Gewöhnlich sind die Haare cylindrisch; doch manche breit, gleichsam zweyschneidig; so z. B. die oben auf den Zehen des Schnabelthiers und des gemeinen Stachelschweins. Andere wie z. E. die Barthaare der Rob- ben Albini annotat. academicae L. III. pag. 66. sind auch etwas flach, aber wie mit N 3 stumpf X. Abschnitt. stumpf gezähnelten Rändern, so dass sie gleichsam ein knotiges oder geglie- dertes Ansehen erhalten. Etwas ähnli- ches zeigt sich auch schon beym Haar von manchen Bisulcis Durch gewisse Abweichungen des Bil- dungstriebes, die zumal in fehlerhafter Beschaffenheit des corii ihren Grund zu haben scheint, kann auch bey Men- schen das Haar eine ihm sonst unna- türliche, gewissermassen dem von man- chen Quadrupeden und namentlich dem von Hirschen und Rehen ähnelnde Form erhalten. Diess war z. B. der Fall bey dem Mädchen aus dem Trierischen, das in den 70ger Jahren hier so wie in einem grossen Theile von Europa zur Schau herumgeführt worden. s. Lava- ter's physiognom. Fragmente IV. Th. pag. 68, und den IV. B. des Supplement zum Büffon pag. 571. , am auffallend- sten bey dem womit der Bisambeutel am männlichen Moschusthier besetzt ist. Diese sind zugleich nur wie mit einem lockern Markgewebe gefüllt, und daher Von den äussern Bedeckungen. daher sehr brüchig. — Manche sind zwar dicht und fest aber doch mit einer durch ihre Axe laufenden engen Röhre wie durchbohrt; so die langen steifen Barthaare des Seebären ( Phoca vrsina ). Und die am Schwanze einiger Gattun- gen von Stachelschweinen sind ganz hohl, gleichsam wie Federspulen. Ueberhaupt sind die Haare die un- verweslichsten Theile der Säugethiere, und besitzen beiderley Art von Repro- ductionskraft [die gewöhnliche im na- türlichen Zustande und die ausserordent- liche nach zufälligen Verlust Handb. der Naturgeschichte pag. 28. der 6ten Aufl. ] in auf- fallender Stärke. — Sie sind zumal bey manchen Gattungen ausnehmend elektrisch, und dienen den dichtbehaar- ten Thieren überhaupt wohl vorzüglich zur Absetzung des Ueberflusses von Phosphorsäure Fourcroy Syst. des connoissances chi. miques T. IX. pag. 270. ; manchen Gattungen N 4 oder X. Abschnitt. oder Rassen aber auch nach der Ver- schiedenheit ihrer Integumente noch zu besondern Ausleerungen, die sich durch eigenthümlichen Geruch äussern, der da- her z. E. bey manchen Pferde- und Hunde-Rassen eben so specifisch ist als der Nationalgeruch mancher Spiel- arten im Menschengeschlecht Mehr davon habe ich in der 3ten Ausg. der Schrift de generis hum. varietate natiua pag. 163 u. f. gesagt. . B) VÖGEL. §. 137. Die dreyerley Häute haben die Be- deckungen der Vögel mit der Säuge- thiere ihren gemein. Auch sind man- che, wie der Lämmergeyer ( Vultur bar- batus ), die Raben, Puter u. e. a. an ein- zelnen Stellen mit Haaren versehen. Und andre, wie der Casuar in seinen Flügeln, mit hornichten oder fischbein- ähnlichen Stacheln, die sich aber doch durch Von den äussern Bedeckungen. durch das kielartige Gefüge ihrer Wurzel schon dem Bau der Federn als der all- gemeinen und ausschliesslichen Beklei- dung dieser Thierclasse, nähern. Die besondern Verschiedenheiten des Gefie- ders sind unzählbar. Zu den merkwür- digern gehören z. B. die schuppenähnli- chen kleinen Federchen (gleichsam squa- mulae ciliatae ) an den zum rudern be- stimmten Stummelflügeln der Pinguine; die lanzettförmigen Blättchen an der Spitze der Hals- und Flügelfedern des wilden Stammhahns, und an den hintern Schwungfedern des Seidenschwanzes; auch dass gar mancherley Vögel aus ver- schiedenen Ordnungen Doppelfedern ha- ben, bey welchen nämlich immer zwey oder auch mehrere An den Rückenfedern eines so eben aus dem Ey gekrochenen jungen Strauses, den ich vor mir habe, sind theils bis 20 in einem gemeinschaftlichen Kiele verbunden. Schafte aus Einem gemeinschaftlichen Kiele entspringen u. dergl. m. N 5 Ihr X. Abschnitt. Ihr periodischer Wechsel beym Mau- sern erfolgt in kürzerer Zeit, und fällt daher schon deshalb mehr in die Augen als das Haaren der Säugethiere, wobey man schon oft und an mancherley Gat- tungen von solchen Vögeln deren Männ- chen anders gefiedert sind als ihre Weib- chen, die für die Physiologie höchst in- teressante Bemerkung gemacht hat, dass letztre in zunehmenden Alter wenn sie aufhören Eyer zu legen, männliches Ge- fieder erhalten haben. Dass übrigens die Integumente der Vögel ebenfalls zu reinigenden abfüh- renden Organen dienen, zeigt nament- lich sowohl die Mause selbst, als auch bey manchen die Abscheidung beson- drer Stoffe durch diesen Weg; wie z. E. des weissen mehlichten Staubes, der zumal bey den weissen Cacadus (aber auch bey manchen andern Gattungen des Papageygeschlechts und auch bey mehrern Vögeln aus andern Ordnungen) beson- Von den äussern Bedeckungen. besonders zur Brunftzeit häufig abge- sondert wird. C) AMPHIBIEN. §. 138. Die vielartigen Bedeckungen bey den verschiedenen Ordnungen oder Ge- schlechtern dieser Classe, von Schil- dern, Reifen, Schuppen oder nackter Haut, sind zu äusserst mit einer Ober- haut bekleidet, die bey vielen, nament- lich bey den Schlangen (als sogenanntes Natterhemd,) und bey den Wassermol- chen häufig abgestreift wird. Bey letz- tern, zumal im Frühjahr und Herbst, wohl wöchentlich zu mehrern Malen. Manche von den feingeschuppten, wie das Chamäleon, oder mit nackter Haut, wie so manche Frösche, ändern zu Zeiten, zumal nach Verschiedenheit des Lichts, der Wärme und auch der Leidenschaf- ten, ihre Farbe. D) X. Abschnitt. V. d. äussern Bedeckungen. D) FISCHE. §. 139. Wohl alle Fische ohne Ausnahme sind mit Schuppen bedeckt, die bey vie- len von denen die sich bloss in hoher See aufhalten, bloss liegen, hingegen bey denen die an den Küsten und im süssen Wasser leben, mit einer Schleim- haut überzogen sind. Merkwürdig ist dass die Hautfarbe mancher Fische, na- mentlich z. B. der Rothbarbe, sich ge- nau nach der Leber ihrer richtet Santorini obseruat. anatomicae . Venet. 1724. 4. pag. 4. . Die Schuppen selbst werden nicht wie Haare und Gefieder gewechselt, sondern perenniren, und sollen jährlich eine neue Lage zu ihrem blättrigen Gefüge erhalten, aus deren Zahl sich folglich das Alter des Thiers erkennen lasse. Eilfter Eilfter Abschnitt . Von mancherley besondern Secretionen. §. 140. Noch verdienen mancherley Organe Erwähnung, die zur Abscheidung be- sonderer Säfte, grösstentheils von noch nicht genug bekannten Nutzen, in ein- zelnen Classen oder Geschlechtern und Gattungen von Thieren bestimmt sind, und wohl am füglichsten hier am Schlusse der Hauptabtheilung von den sogenannten natürlichen Verrichtungen kurz zusammen gefasst werden können. A) SÄUGETHIERE. §. 141. Ausser den allgemein bekannten Spei- cheldrüsen findet sich besonders beym Hund XI. Abschnitt. Hund und einigen andern reissenden Thieren auch eine in der Augenhöhle, die Nuck beschrieben hat, und deren Ausführungsgang sich am Oberkiefer bey einem der hintern Backzähne öffnet Ant. Nuck sialographia tab. 3 und tab. 6. fig. 2. 3. . §. 142. Beiderley Gattungen des Elephan- tengeschlechts, die Africanische sowohl als die Indische, und zwar die weibli- chen so gut als die männlichen, haben eine ansehnliche secernirende Drüse s. die Hist. des animaux der Pariser Academisten P. III. pag. 138. tab. 22. fig. Y. Z. und die zwar schon in den 70ger Jahren gestochenen aber noch nicht edirten Tafeln des sel. Camper zur Elephantenanatomie tab. 6. fig 1. und tab. 7. fig. 1. 2. an den Schläfen, zwischen dem Auge und Gehörgang worinnen zur Brunft- zeit ein bräunlicher Saft abgeschieden wird, Von mancherley besondern Secretionen. wird, der dann durch eine Oeffnung in der Haut ausfliesst Eine alte Bemerkung, die schon in der Indischen Mythologie vorkommt. s. L t. F. Wilford im IIIten B. der Asia- tick Researches pag. 443. Später auch bey Strabo im XVten B. pag. 1031. der Almelov. Ausg. Vergl. auch Gen. Bbaulieu's voy. aux Indes orientales pag. 105. (in des ältern Thevenot Samml. T. II.) und J. Wolfg. Heydt's Ostind. Schauplatz pag. 212. . Mit dieser Secretion scheint mir übrigens was den Bau der Organe be- trifft, die hinten auf dem Rücken des sogenannten Bisamschweins ( Sus taiassu ) noch die mehreste Aehnlichkeit zu haben. §. 143. Viele wiederkauende bisulca und so auch die Hasen haben auf der obge- dachten Stelle der Oberkiefer (— §. 16. —) die sinus sebaceos , die von dem fettigen Schleime XI. Abschnitt. Schleime so genannt worden der bey manchen derselben in ansehnlicher Menge darin abgeschieden wird, und besonders beym Hirsch unter dem Na- men der Thränen bekannt ist s. Hrn. Prof. Schneider im Leip- ziger Magazin zur Naturkunde 1787. pag. 436. . §. 144. Ebenfalls bey den mehresten wie- derkauenden Thieren und auch wieder bey den Hasen finden sich hinten in den Weichen, neben den Genitalien und Zitzen die antra inguinalia wie sie Hr. Pallas nennt, worin aus darunter lie- genden Drüsen eine Art von starkrie- chendem Schmalz abgesetzt wird Ebendas. pag. 430. . §. 145. Einige andre Säugethiere haben zu besondern Zwecken eigene inwendig fein behaarte Taschen am Unterleibe, worin- Von mancherley besondern Secretionen. worin auch gewisse fettige Feuchtigkeiten von eigenthümlichem Geruch abgesondert werden. So z. B. der Afterbeutel des Dachses; und der Zitzensack der weib- lichen Beutelthiere Die gelbe Feuchtigkeit in diesem letz- tern verglich Tyson mit derjenigen, die beym Menschen in den Jahren der Mann- barkeit unter den Achseln ausgeschwitzt wird. Phil. Transact. vol. XX. pag. 120. . §. 146. Gleichfalls beym Dachs und den Beu- telthieren, aber auch sonst noch bey sehr vielen andern fleischfressenden Thie- ren (sowohl unter den digitatis als pal- matis ) sitzen am Ende des Mastdarms, die After-Drüsen und Bälge, die einen eigenen im frischen Zustand meist sehr heftig und widerlich riechenden gelben schmierigen Stoff secerniren, wovon bey manchen ihr Auswurf einen fast bisam- artigen Geruch erhält s. z. B. Grew a. a. O. tab. 23. vom Iltis, Wiesel, Fuchs und Katze. Dau- . §. 147. O XI. Abschnitt. §. 147. Von diesen Afterdrüsen muss man eine andre Art von solchen secerniren- den Glandeln und Bälgen unterscheiden, in welchen zwar ebenfalls starkriechende Stoffe abgeschieden werden, die aber mehr mit den Genitalien in Verbindung zu stehen scheinen Tyson, der übrigens zuerst recht ge- naue Untersuchungen über die mancher- ley von ihm sogenannten Scent-Bags angestellt (in Plott 's natural history of Oxfordshire pag. 305. und in den philos. Transact. vol. XIII. pag. 39. 377. vol. XX. pag. 120. u. s. w.), hat doch die verschiedenen Arten derselben miteinan- der verwechselt. So auch Haller in den Elem. physiol. T. VII. P. I. pag. 147. u. a. m. . Sie finden sich sowohl bey gar manchen der nämlichen fleischfressenden Thiere die auch mit den Afterdrüsen versehen sind, wie z. E. beym Daubenton T. IX. tab. 4. fig. 1. vom Löwen. tab. 16. fig. 2. vom Panther. tab. 32. vom Zibotthier. T. VII. tab. 13. von der Fischotter u. s. w. Von mancherley besondern Secretionen. beym Löwen u. s. w., dem Zibet-Thier u. a. m.; als auch bey manchen von Ve- getabilien lebenden, denen jene Organe mangeln; und zwar bey manchen von diesen in beiden Geschlechtern, wie z. E. beym Biber Daubenton T. VIII. tab. 41. 42. , bey der Ondatra Sarrazin in den Mém. de l'Ac. des sc. de Paris 1725. tab. 12. fig. 9. tab. 13. fig. 11. , ( Mus zibethicus ) u. s. w., bey andern aber bloss beym männlichen, so z. E. beym Bisamthier dessen Beutel in der Na- belgegend an der Vorhaut befindlich ist Pallas Spicileg. zoolog. XIII. tab. 6. fig. 4. 8. 10. . §. 148. Endlich verdienen auch noch die in- wendig behaarten drüsenreichen Höhlen Erwähnung, die sich an den Füssen von mancherley wiederkauenden bisulcis und namentlich beym Schaf finden und sich O 2 mit XI. Abschnitt. mit einem besondern Ausführungsgang in der Fuge zwischen den Klauen öff- nen Rob. R. Livingston im IIten B. der Transact. of the Soc. of New-York pag. 140. , dessen Verstopfung, zumal durch lang anhaltende nasse Witterung, bey diesen Thieren beschwerliche Zufälle verursacht. B) VÖGEL. §. 149. Ohngeachtet die Vögel überhaupt ihre Speise nicht wirklich kauen, so sind doch manche derselben, und vor allen die Spechte mit ansehnlichen Speichel- drüsen, an den Seitenflügeln des Unter- schnabels u. s. w., versehen, die durch ihre Secretion die so sehr häufige und starke Bewegung der Zunge beym Schlucken erleichtern helfen. Die Bauch-Speicheldrüse, wie man neuerlich das Pancreas genannt hat, ist zumal bey denjenigen Raubvögeln die nicht Von mancherley besondern Secretionen. nicht saufen von beträchtlicher Grösse; übrigens in dieser Classe von vielar- tiger Form und Gefüge. §. 150. Die Oeldrüsen am Vropygium sind nach Verhältniss bey den Schwimm- vögeln am grössten, und bey manchen derselben, wie z. E. bey der Bisam-Ente ( Anas moschata ) von einem ausgezeich- neten Geruch. Nur bey der ungeschwänz- ten Hüner-Rasse, dem Kluthahn ( Gal- lus ecaudatus ) hat sich dieses Organ durch die Degeneration verloren de Reaumur Art de faire éclorre des oiseaux domestiques. T. II. pag. 332 u. f. der Ausg. von 1751. . C) AMPHIBIEN. §. 151. Ob das was man bey gar manchen Thieren dieser und der folgenden Clas- sen so oft für ein Pancreas genommen O 3 hat, XI. Abschnitt. hat, diesen Namen mit Recht verdient, ist mir sehr unwahrscheinlich Die Zootomen haben sich selbst nicht darüber vergleichen können. Charas z. B. nahm bey den Schlangen das für ein Pancreas was Tyson mit den Alten für eine Milz ansah u. s. w. . Aber Afterdrüsen die zu gewissen Zeiten einen starken specifischen Ge- ruch verbreiten, finden sich allerdings sowohl bey manchen Reptilien, wie z. E. beym Kaiman ( Lacerta alligator ), als bey Schlangen, wie namentlich bey den Klapperschlangen Tyson in den philos. Transact. vol. XIII. pag. 38. . §. 152. Manche Reptilien, z. E. der Salaman- der und die Kröten schwitzen, zumal wenn sie gereitzt werden, eine scharfe Feuchtigkeit durch zahlreiche Poren der Haut. Und der Gecko soll eine wirklich giftartige zwischen seinen blät- terigen Fusszehen secerniren. Weit Von mancherley besondern Secretionen. Weit heftiger ist aber das Schlangen- gift, das bey so manchen Gattungen abgeschieden wird, die sich durch die dazu bestimmten schon oben (— S. 104 —) angeführten Organe von den Giftlosen auszeichnen. D) FISCHE. §. 153. Die allergemeinste von den h ier zu nennenden Secretionen in dieser Classe ist die des Haut- und Schuppen-Schleims in den längs der Seitenlinien liegenden Canäle s. des Erfinders Stenonis beide classi- sche Werke, de musculis et glandulis pag. 42. und elementor. myologiae spe- cimen pag. 72. Vorzüglich aber Lorenzini pag. 7 u. 21. , deren auf jeder Seite eine oder etliche vom Kopf bis zur Schwanz- flosse laufen. Bey manchen Fischen ergiesst sich ihr Schleim durch die Zwi- schenräume der Schuppen, bey andern sind aber diese selbst mit regelmässigen O 4 Oeff- XI. Abschnitt. Oeffnungen zum Ausfluss desselben wie durchbohrt ( Aug. Quir. Rivinus ) in den Leipziger Actis eruditor. 1687. pag. 161. tab. 3. vergl mit Perrault in den Essais de Physique T. III. tab. 20. fig. 2. . E) INSECTEN. §. 154. Bey den Insecten finden sich wohl gar keine wahren glandulae conglome- ratae oder analoge Eingeweide; son- dern ihre mancherley Secretionen wer- den bloss durch freyliegende Gefässe bewirkt s. Cuvier in den Mém. de la Soc. d'- hist. nat. de Paris a. 7. pag. 40. . Ausser so mancherley Abscheidungen gewisser Stoffe die bloss einzelnen Gat- tungen eigen sind, wie zum Beyspiel der Dunst den einige kleine Laufkäfer ( Carabus crepitans, marginatus u. s. w.) von sich treiben, oder die heftig riech- bare Ausdünstungen womit sich viele Wan- Von mancherley besondern Secretionen. Wanzen im Nothfall vertheidigen u. dergl. m. ausser diesen verdienen haupt- sächlich zweyerley Arten von abgeson- derten Säften in dieser Classe bemerkt zu werden, der Seidenstoff den zumal die Raupen der Phalänen s. z. B. Lyonet tab. 5. fig. 1. und tab. 14. fig. 10. 11. und die Spin- nen Rösel T. IV. tab. 39. fig. 2. 3. 4. verweben, und dann das Gift womit zumal manche hymenoptera Von der Biene s. Swammerdam tab. 18. fig. 1. 2. 3. und tab. 19. fig. 3. und aptera Rich. Mead opera medica T. II. tab. 3. bewaffnet sind. Gewissermassen kann aber auch das Wachs das die Honigbiene und der Indi- sche Coccus mellificus bereiten, mit zu den Secretionen, die manchen Thieren dieser Classe eigen sind, gerechnet werden. F) WÜRMER. §. 155. Die merkwürdigsten hierher gehöri- gen Secretionen finden sich bey den Schal- O 5 thieren; XI. Abschnitt. Von mancherl. bes. Secret. thieren; die allgemeine nämlich, wodurch sie sich in einem besondern nahe beym Herzen belegenen Eingeweide ( sacculus calcarius Swammerd. glandula testacea Pol. ) den Kalkstoff zu ihren Schalen ver- arbeiten Swammerdam tab. 5. fig. 4. 5. von He- lix pomatia. Poli T. II. tab. 20. fig. 6. von Venus chione — tab. 26. fig. 11. 13. von Arca pilosa. ; dann die besonders einigen Gattungen von Seeschnecken (wie z. B. Buccinum lapillus, echinophorum, Murex brandaris, trunculus u. s. w. Helix ian- thina u. a. m.) und sehr wenigen Mu- scheln (z. B. Arca nucleus ) eignen, da sie den Purpur bereiten s. z. B. vom Buccinum lapillus Ström im XIten B. der Kiöbenh. Selsk. Skrifter pag. 30. ; und endlich die welche bey manchen Bivalven, bloss in ausserordentlichen Fällen, Statt hat, wenn sie nämlich die Perlen absetzen Poli T. I. introduct. pag. 19. . FVNCTIONES VITALES . Zwölfter Abschnitt. Vom Herzen und den Blutgefässen. §. 156. Ein wahres vollständiges Circula- tionssystem dem einerseits rohe Säfte durch absorbirende Gefässe zur Verar- beitung zugeführt, und aus welchem anderseits wieder andre Säfte in Drüsen und drüsenartigen Eingeweiden abge- schieden werden, scheint wohl bloss den rothblütigen Thieren eigen und allgemein. Und eben so allgemein we- nigstens ist auch wohl bey denselben der Herzbeutel Sonderbar ist, wie so manche, sonst gute Anatomen, dem Igel haben den Herzbeutel absprechen können. So z. B. Bla- . — Aber Theile eines ähnli- XII. Abschnitt. ähnlichen Systems, zumal Herz, und gewisse damit verbundene Gefässe fin- den sich allerdings auch bey manchen Geschlechtern in den beiden weissblüti- gen Classen. A) SÄUGETHIERE. §. 157. Der innere Bau ihres Herzens ist im Ganzen wie beym Menschen; aber die Lage desselben bey den Quadrupe- den und Cetaceen anders. Es liegt nämlich bey denselben mehr längs des Körpers; ruht mehr auf dem Brustbein als auf dem Zwergfell ; auch ist daher der Herzbeutel dieser Thiere (höchstens bis auf sehr wenige Ausnahmen) nicht so wie im Menschen mit demselben ver- Blasius, Peyer, Harder, Ottav. Tozzetti u. s. w. — Freylich ist er bey diesem Thier meist sehr zart und es er- fordert einige Behuthsamkeit bey Oeff- nung der Brust dass er nicht zerreisse. Vom Herzen und den Blutgefässen. verwachsen Vergl. Morgagni in den epist. anat. pag. 302 und f. der fol. Ausg. von 1764. ; die Strecke der untern Hohlader die innerhalb der Brust liegt, nach Verhältniss länger und was dergl. mehr ist. §. 158. Die erwachsenen grössern bisulca und auch das Schwein haben da wo die aorta aus dem linken Ventrikel tritt, einen oder zwey kleine platte Knochen, die sogenannten (zumal am Hirsch wei- land berufenen) Herzbeinchen. Der an- gebliche Nutzen derselben zur Stütze der Valveln Clem. Jac. Keuchen de ossiculis e cor- dibus animalium. Groning. 1772. 4. u. s. w. scheint nicht sehr einleuchtend. §. 159. Man hat gemeint die Amphibien in dieser Classe ( palmata ) und die Ceta- ceen hätten in der Scheidewand der bei- den sinuum ein offenes foramen ouale wie XII. Abschnitt. wie die Leibesfrucht, und müssten es haben, da sie bey ihrer Lebensweise im Tauchen oft geraume Zeit des Ath- mens entbehrten u. s. w. Diess ist nun widerlegt, da wiederhohlte Zergliede- rungen erwachsener Thiere dieser Art gezeigt haben, wie selten sich diese ungewöhnliche Ausnahme von der ge- genseitigen allgemeinen Regel findet. Aber wohl hat man dagegen bey mehrern Geschlechtern und Gattungen von palmatis sowohl als cetaceis (na- mentlich bey der Flussotter sowohl als bey der Seeotter, beym Delphin u. s. w.) beträchtliche und constante Erweiterun- gen nnd Geflechte an gewissen Bluta- dern, zumal an der untern Hohlader entdeckt, die wohl ohne Widerrede da- zu dienen, um während des Untertau- chens einen Theil des nach den Her- zen zurücklaufenden Blutes einstweilen aufzunehmen, bis das Thier wieder athmen und dadurch den kleineren Blut- Vom Herzen und den Blutgefässen. Blutumlauf wieder in Gang bringen kann Kulmus in den Act. acad. nat. curio- sor. T. I. pag. 25. . §. 160. Von besonders merkwürdigen Ver- theilungen der Schlagadern an einzelnen Theilen gewisser Thiere dieser Classe, verdienen vorzüglich das sogenannte rete mirabile beym Eintritt der carotis cere- bralis in die Hirnschalenhöhle von vie- len wiederkauenden bisulcis Aus einem ungeborenen Kalbe abgebil- det bey Hrn. Prof. Monro on the ner- vous System tab. 1. und reis- senden Thieren; und dann die überaus sonderbare Art Erwähnung, wie, nach Hrn. Carlisle's Bemerkung In den philos. Transact. for 1800. pag. 98 u. f. tab. 1. 2. bey den Faulthieren sowohl als bey dem Lemur tardigradus die Stämme der zu den Beinen laufenden Arterien sich bey ihrem P XII. Abschnitt. ihrem Austritt aus dem Rumpf sogleich in zahlreiche meist parallele Aeste oder plexus vertheilen, die sich zum Theil dann gegen die Elnbogen und Kniee hin auch wieder miteinander verbinden. B) VÖGEL. §. 161. In dieser ganzen Classe zeigt sich so viel bekannt ohne Ausnahme die überaus merkwürdige Eigenheit im Baue ihres Herzens, dass der rechte Ventrikel statt einer membranösen Klappe (wie sie sich bey den Säugethieren in beiden Herzhöhlen und bey den Vögeln selbst auch in der linken findet) mit einem derben straffgespannten, fast dreyeckten Muskel versehen ist. Diese sonderbare Einrichtung dient wohl dazu um das Blut aus dem rechten Herzen mit desto mehr Nachdruck in die Lungen treiben zu können, da sich diese selbst (wegen ihres Zusammenhanges und Verbindung mit Vom Herzen und den Blutgefässen. mit den man c herley Luftbehältern von welchen unten die Rede seyn wird) nicht so wie bey den Säugethieren durch die Inspiration aufblähen, als wodurch der Uebertritt des carbonisirten Die Gründe warum ich mich der Be- nennungen von carbonisirten und oxy- genirten Blute statt deren von arteriel- len und venösen bediene, habe ich in den institut. physiolog. pag. 13. ange- geben. Bluts in dieselben ohnehin schon erleichtert wird Ausführlicher habe ich davon im IXten Bande der commentat. der Königl. Soc. der Wiss. gehandelt und auch daselbst die Abbildung dieses Muskels aus dem grauen Reiher pag. 128. fig. 2. gegeben. . C) AMPHIBIEN. §. 162. Wenigstens bey unseren hieländi- schen Fröschen, Eidexen und Schlangen besteht ihr einfaches Herz unverkenn- P 2 bar XII. Abschnitt. bar nur aus Einem Ventrikel und Ei- nem sogenannten Ohr Die deutlichste Zeichnung des Frosch- herzens und der damit zunächst in Verbindung stehenden Blutgefässe gibt Swammerdam tab. 49. fig. 3. 4. . §. 163. Anders verhält es sich hingegen in den Seeschildkröten, über deren Herz und dessen Theile mehr als über das irgend einer andern Ordnung von Thie- ren, gestritten worden. Die Haupteinrichtung desselben kommt auf folgendes hinaus: Ihr Herz hat zwey Ohren Eine auffallende Verschiedenheit finde ich hier zwischen der Testudo caretta und der mydas , von welchen beiden ich die Herzen vor mir habe. — Bey jener sind die Ohren, wie bey den warmblütigen Thieren, dünnhäutig, schlapp. , die so wie bey den warmblütigen Thieren durch Vom Herzen und den Blutgefässen. durch eine verschlossene Scheidewand von einander abgesondert sind, und ihr Blut auch durch eben die Wege wie bey diesen, empfangen; das rechte Ohr nämlich aus den beiden Hohladern, das linke aus den venis pulmonalibus. Jedes ergiesst dann auch sein Blut in den ihm zugehörigen Ventrikel; denn deren sind ebenfalls zwey; folglich alles bisher erwähnte im Ganzen wie bey uns. Aber die auffallende Eigenheit wo- durch sich das Herz dieser Thiere aus- zeichnet und von anderer ihrem unter- scheidet, liegt in zweyerley. Dass näm- lich 1) diese beiden Ventrikel durch eine besondere fleischichte fast röhrenförmige Valvel, die aus dem linken in den rech- ten hinüber geht, mit einander mün- den, jener in diesen sich öffnet: und P 3 dass schlapp; bey dieser hingegen ausneh- mend derb, ihre äusseren Wände fast dicker und robuster als selbst an den Ventrikeln. XII. Abschnitt. dass 2) die sämmtlichen grossen Schlag- ader-Stämme allein aus dem rechten Ventrikel (gar keiner derselben aus dem linken) entspringen: die aorta nämlich mit ihren drey Hauptästen Davon zwey nach dem Unterleibe ge- hen, rechts nämlich die eigentliche aorta abdominalis und links der duetus com- municatiuus Meryi , der mit dem ductus arteriosus der Leibesfrucht verglichen worden. mehr nach rechts und oben, die pulmonalis hinge- gen wie aus einer Nebenweitung Mery rechnete diese Weitung für einen dritten ventriculus intermedius; daher sich begreift, warum manche diesen Schildkröten nur Einen Ventrikel (we- gen der offenen Zwischenmündung), an- de r e zwey, und noch andere ihrer drey zugeschrieben haben. desselben Ventrikels, in der Mitte der basis des Herzens nach unten (— versteht sich, wie schon oben ein für alle Mal erinnert worden, nach der Vom Herzen und den Blutgefässen. der horizontalen Lage der Thiere zu reden. —) Nun begreift sich leicht wie diese merkwürdige anomalische Einrichtung, — dass nämlich alles Blut bloss aus dem rechten Ventrikel weiter getrieben wird, — der Lebensweise dieser Schild- kröten beym langen Untertauchen zu statten kommt, indem bey ihnen der sogenannte grosse Blutumlauf vom klei- nen der durch die Lungen geht, in so fern unabhängig ist, dass dann, wäh- rend sie unter Wasser sind und nicht athmen, dessen ungeachtet jener seinen Fortgang behält; anders als bey den warmblütigen Thieren, wo bekanntlich nach ihrer Geburt die aorta kein Blut fortführen kann, was nicht so eben erst aus den athmenden Lungen durch den linken Ventrikel ihr zugeführt worden wäre Die besten und deutlichsten Abbildungen des innern Baues vom Herzen der See- schild- . P 4 D) XII. Abschnitt. D) FISCHE. §. 164. In dieser Thierclasse ist das Herz nach Verhältniss zum ganzen Körper ausnehmend klein, und von einem sehr einfachen Bau, da es bloss aus Einem Ventrikel und Einem Ohr besteht, die zuzammen mit dem sogenannten cor dextrum der warmblütigen Thiere zu vergleichen sind. Denn der aus dem Ventrikel entspringende Arterienstamm (der bey den mehrsten Fischen gleich bey seinem Austritt aus demselben wie zu schildkröten hat Mery gegeben in den Mém. de l'Acad. des sc. 1703. tab. 12, so irrig auch übrigens die Anwendung war, die er davon auf den vermeinten Weg des Blutlaufs im Herzen der mensch- lichen Leibesfrucht machen wollte. Nach der Vergleichung mit meinen Präparaten zu schliessen, vermuthe ich, dass seine Zeichnungen nach einer Te- studo caretta gemacht sind. Vom Herzen und den Blutgefässen. zu einem kleinen Schlauch erweitert wird) geht gerade vorwärts zu den Respirationsorganen, den Kiefern; aus welchen das Blut nachher mittelst ei- ner grossen, der aorta zu vergleichenden, Schlagader die längs des Rückgrats nach hinten läuft in den übrigen Körper ver- theilt und nachdem es in die Venen übergetreten, durch die Stämme der Hohl- ader nach dem Herzohr zurück gebracht wird Abbildungen geben Perrault in den Essais de physique T. IV. tab. 19. Duverney in den posthumen Oeuvres anatomiques T. II. tab. 9. Gouan histo- ria piscium tab. 4. fig. 4. 5. (— nur dass diese alle den Stamm der Bronchialar- terie für die aorta nehmen —) und Monro Physiol. der Fische tab. 1. fig. 4. tab. 15 und 18. . §. 165. Ueberhaupt haben die mehrsten kalt- blütigen Thiere, namentlich die Fische P 5 und XII. Abschnitt. und die hieländischen Amphibien Nach einem Versuch, den ich mit er- wachsenen frisch eingefangenen Was- sermolchen ( Lacerta palustris ) ange- stellt, erhielt ich aus 24 derselben, die zusammen anderthalb Unzen wogen, nur drittehalb Scrupel Blut; ein Gewicht, das sich folglich zu dem ihres ganzen Körpers verhielt, wie 2½ zu 36; da es hingegen beym erwachsenen gesunden Menschen wie 1 zu 5 angenommen wird. nach Verhältniss weit geringere Blut- masse und weniger Blutgefässe als die warmblütigen. Dagegen ohne Vergleich mehr aus dem Arteriensystem ensprin- gende vasa decolora. E) INSECTEN. §. 166. Nur bey den wenigsten sogenann- ten weissblütigen Thieren findet sich ein wahres Herz und damit zusammen- hängendes Adersystem; hier in dieser Classe Vom Herzen und den Blutgefässen. Classe wohl bloss bey einigen Geschlech- tern der ungeflügelten Insecten, wie die Krebse Willis de anima brutorum tab. 3. fig. 1. Rösels Insectenbelustigungen III. Band tab. 58. fig. 9 und 14. und Kiefenfüsse. Denn die Meinung so vieler älterer Zooto- men, die das lange theils zu beiden Seiten gleichsam gefiederte Rücken-Ge- fäss bey den Raupen u. s. w. für ein Herz angenommen, hat schon Lyonet widerlegt. Und selbst bey den ge- nannten Geschlechtern scheint doch kein Uebergang der Arterienenden in die Anfänge der Venen, folglich kein wah- rer Kreislauf statt zu haben. F) WÜRMER. §. 167. Bey zahlreichen Geschlechtern die- ser Classe, zumal unter den Molluscis s. z. B. vom Limax maximus, Swam- merdam tab. 9. fig. 1. und von der Se- pia und XII. Abschnitt. und Testaceis Vom Chiton cinereus, Poli T. I. tab. 3. fig. 13. — von Pholas dactylus tab. 7. fig. 8. und tab. 8. fig. 7. 8. — von Mya pictorum tab. 9. fig. 11. 12. — vom So- len siliqua tab. 10. fig. 16. — vom So- len strigilatus — von Tellina planata tab. 14. fig. 14. — von Venus chione T. II. tab. 20. fig. 10. — von Arca pilosa tab. 26. fig. 13. Von Ostrea edulis, Willis a. a. O. tab. 2. fig. 2. Von Helix pomatia, Swammerdam tab. 5. fig. 4. vergl. mit tab. 4 fig. 1. ist ein Herz unver- kennbar Hr. Cuvier theilt dem zu Folge die ganze Classe der Würmer, je nachdem sie mit einem Herzen und dazu gehörigen Gefässsystem versehen sind oder nicht, in zwey Hauptfamilien, wovon er jene Mollusca und diese Zoophyta nennt. , und theils von auffallend sonderbarem Bau. So besteht es z. E. bey den Tintenfischen aus einem Ven- trikel pia officinalis tab. 52. fig. 1. vergl. mit Hrn. Monro 's Physiol. der Fische tab. 31. fig. 1. 2. Vom Herzen und den Blutgefässen. trikel und zwey Ohren, die aber von einander abgesondert zu beiden Seiten desselben nach den beiden Kiemen zu liegen. — Auch manche Bivalven sol- len nach Poli zwey Herzohren, und einige gar ihrer viere haben. Aber auch bey allen diesen Schalthieren hat man noch keinen Zusammenhang zwi- schen ihren Arterien Poli T. II. tab. 25. fig. 2. von Arca noae und tab. 27. fig. 8. 12. von Ostrea jacobaea. und sogenann- ten Venen bemerken können Ebenders. T. I. introd. pag. 39. ; so wie anderseits gar manche Geschlechter aus andern Ordnungen dieser Classe zwar mit einem zusammenhängenden Gefässsystem aber ohne Herz versehen sind Bern. Fr. Bening de hirudinibus. Har- derov. 1776. 4. pag. 23. — eine meister- hafte Monographie. , und den eigentlichen Zoo- phyten weder das eine noch das andere zugeschrieben werden kann, als bey wel- XII. Abschn. Vom Herzen u. d. Blutgefässen. welchen die Ernährung wohl bloss durch unmittelbare Einsaugung des Nahrungs- saftes aus ihrer Bauchhöhle in das gal- lertartige parenchyma ihres Körpers vor sich geht Spallanzani, Fontana, O. Fr. Müller und mehrere berühmte Naturforscher haben das dunkle Körperchen im Leibe des Räderthiers ( Vorticella rotatoria ) für ein Herz gehalten, ohngeachtet es willkürliche Bewegung hat, die sich nach der wirbelnden Bewegung der Sternräderchen richtet. Vielmehr hat man durch eine sonderbare petitio principii daraus demonstriren wollen, dass es folglich Thiere gebe, die ihr Herz ganz nach Willkür in Bewegung setzen oder ruhen lassen könnten u. s. w. — Ich habe aber schon vor 23 Jahren gezeigt, dass dieses merkwürdige Organ nichts weniger als ein Herz sey, son- dern zum Speisecanal gehöre. . Drey- Dreyzehnter Abschnitt. Von den absorbirenden Gefässen . §. 168. Schon Valsalva nahm als Axiom an, dass da wo wahre Blutgefässe sind auch die eigentlich sogenannten absor- birenden oder lymphatischen Gefässe nicht fehlen. Umgekehrt scheint es auch dass nur diejenigen Thierclassen mit wahren lymphatischen Gefässen ver- sehen sind, bey welchen sich zugleich ein vollständiges Circulationssystem von Blutgefässen findet. Das wäre also nur bey den vier Classen von rothblütigen Thieren. (— §. 156. —) Bey gar vielen sogenannten weiss- blütigen ist zwar eine Art von Ein- sau- XIII. Abschnitt. saugung entweder ganz evident, wie bey den Armpolypen, deren paren- chyma, wenn sie farbige Insecten ver- schluckt haben, nach einiger Zeit mit gleicher Farbe tingirt erscheint; oder doch nach der Analogie aus andern Phänomenen zu vermuthen, wie bey der Verwandlung der verpuppten Rau- pen u. s. w. — Aber doch ist noch kein wirkliches System von eigentlichen absorbirenden Gefässen an denselben erwiesen Dem Seidenwurm u. a. Raupen hat Sheldon absorbirende Gefässe zuge- schrieben, in. s. History of the absor- bent System P. I. pag. 28. So dem Seeigel ( Echinus esculentus ) Hr. Monro in der Physiol. der Fische pag. 88 u. f. . §. 169. Dieses System, das eben wegen des constanten Verhältnisses, worin es zum wahren Blutumlauf steht, am füglich- sten Von den absorbirenden Gefässen. sten auch hier gleich abgehandelt wird, begreift bekanntlich die aus den dünnen Därmen entspringenden Milchgefässe, und die eigentlich so genannten lym- phatischen im übrigen Körper; dann die glandulas conglobatas, die wenig- stens bey den mehrsten damit versehe- nen Thieren bloss aus knaulförmiger Verwickelung jener beiderley Unterar- ten von Gefässen zu bestehen scheinen; und endlich den ductus thoracicus als den Hauptabführungscanal der durch jene Gefässe dem Blute zuzubringen- den Säfte. A) SÄUGETHIERE. §. 170. In dieser Classe sind alle die ge- dachten Theile des absorbirenden Sy- stems am vollständigsten und deutlich- sten ausgewirkt Auch sind bekanntlich alle Haupttheile dieses wichtigen Systems von Gefässen . Auch zeichnen sich bey Q zuerst XIII. Abschnitt. bey ihnen die Milchgefässe, wenn sie Chylus enthalten, durch die weisse Farbe desselben von den übrigen ein- saugenden Gefässen aus, die nur meist wasserhelle oder blassgelbliche Lymphe führen. Die erstern laufen, besonders bey Schafen und Ziegen in ansehnliche Stämme zusammen: und die letztern, die eigentlich so genannten lymphati- schen Gefässe, sind unter andern, na- mentlich an den Unterschenkeln des Pferdes, in überaus saubern Geflechten zu sehen. Die Milchsaftröhre ist bey vielen Quadrupeden, z. B. beym Hund, dop- pelt Pecqueti experimenta noua anatomica pag. 21. der Paris. Ausg. 1654. 4. , und bildet bey den mehrsten grössern Gattungen an ihrem Anfang (constan- zuerst an Säugethieren nach und nach entdeckt worden. Von den absorbirenden Gefässen. (constanter als beym Menschen) eine blasenförmige cisterna chyli Ueberhaupt aber variiren Lauf und Ver- theilung des ductus thoracicus auch bey den Quadrupeden — wenigstens bey unsern Hausthieren — so gut wie im menschlichen Körper. Er bildet z. B. namentlich beym Hund gegen das obere (oder vordere) Ende nicht selten eine gleichsam ringförmige Theilung, aus welcher unbedeutenden Varietät dann der wunderliche van Bils etwas constan- tes — sein vermeintes receptaculum tortuosum etc. — machen wollte. Er hat es auf einem übrigens, (von Seiten der Kunst,) schönen Blatte abbilden lassen in seiner Responsio ad admoni- tiones Io. ab Horne . Roterod. 1661. 4. pag. 7. . Und bey vielen, zumal unter den feris, findet sich ein ansehnliches Ag- gregat von Gekrösdrüsen, das unter dem unpassenden Namen des pancreas Asellii bekannt ist Asellius de lactibus tab. 1 et 2. . Q 2 B) XIII. Abschnitt. B) VÖGEL. §. 171. In dieser Classe ist der Chylus meist durchsichtig, mithin unterscheiden sich auch die Milchgefässe nur durch ihre Lage und Function von den eigentli- chen lymphatischen. Auch bilden sie keine Gekrösdrüsen, da sich doch an andern Stellen bey vielen grössern Vö- geln glandulae conglobatae zeigen. Ihr ductus thoracicus ist gedoppelt Hewson in den philos. Transact. vol. LVIII. tab. 10. vom Huhn. . C) AMPHIBIEN. §. 172. Bey den Seeschildkröten finden sich in ihrem zarten Gekröse ausnehmend starke Milchgefässe. Ihre Milchsaft- röhre ist ebenfalls doppelt: und die lymphatischen Drüsen scheinen ihnen gänzlich zu fehlen Monro 's physiology of Fishes tab. 30. des Originals. . D) Von den absorbirenden Gefässen. D) FISCHE. §. 173. Bey diesen sind, so viel man bis jetzt untersucht hat, die absorbirenden Gefässe ohne Valveln; auch scheinen ihnen die lymphatischen Drüsen abzu- gehen; und ihr ductus thoracicus theilt sich, wenigstens nach vorn (oder oben), in zwey Hauptäste Hewson und Monro an den a. O. — vergl. auch vom Cyclopterus lumpus Th. Bartholini anat. renov. p. 609. der Ausg. von 1673. . Q 3 Vier- XIV. Abschnitt. Vierzehnter Abschnitt. Von den Respirationswerkzeugen . §. 174. So unentbehrlich wenigstens den bey weiten allermehrsten Thieren die le- benswierige Unterhaltung des grossen chemischen Processes ist, wodurch ihnen der Sauerstoff, dieses wahre pabulum vitae, zugeführt und gegen Ueberfluss von Wasser- und Kohlenstoff umgesetzt wird, so sehr verschieden sind die Or- gane und der Mechanismus, wodurch diese bewundernswerthe Function voll- zogen wird Aug. Broussonet variae positiones circa respirationem. Monspel. 1778. 4. und in Hrn. Prof. Ludwig delectus opusculor. ad scient. naturalem spectant. Lips. 1790. 8. pag. 118. . Beym gebohrnen Säu- gethier, Von den Respirationswerkzeugen. gethier, so wie beym ausgekrochnen Vogel und den ausgebildeten Amphi- bien, ist das Hauptlaboratorium zu die- sem Behuf in die Lungen verlegt, bey den Fischen in die Kiefern, bey den mehrsten Insecten in die Luftröhren, bey den Würmern in analoge, aber selbst wieder verschiedenartige, Werkzeuge. A) SÄUGETHIERE. §. 175. Die Lungen der Quadrupeden in die- ser Classe kommen im Ganzen, was Gefüge, Form und Verbindung betrifft, mit den menschlichen überein. Bey den Cetaceen hingegen und den zu- nächst an dieselben gränzenden palma- tis, wie z. E. beym Manaten, zeichnen sie sich durch festere Textur, zumal der sie umgebenden Haut, so wie auch der eignen Gestalt aus, da sie nicht in so genannte lobos eingetheilt, sondern ohne Einschnitte, und langgestreckt, Q 4 aber XIV. Abschnitt. aber flach, und theils mit dem Brust- fell, theils auch dadurch mit dem aus- nehmend robusten fleischichten Zwerch- fell verwachsen sind Tyson 's phocaena pag. 30 u. f. . B) VÖGEL. §. 176. Die Werkzeuge des Athmens in die- ser Classe gehören wegen vieler Eigen- thümlichkeiten, besonders aber wegen ihres Zusammenhangs und Verbindung mit mancherley durch einen grossen Theil des ganzen Körpers verbreiteten Theilen, zu den merkwürdigsten Ein- richtungen in der thierischen Oecono- mie Ladisl. Chernak de respiratione volu- crum. Groning. 1773. 4. . Die Lungen selbst sind bey den Vö- geln nach Verhältniss klein, flach, hin- ten am Thorax angewachsen, gleich- sam in die Zwischenräume der Rippen einge- Von den Respirationswerkzeugen. eingefügt, und werden bloss nach vorn oder unten mit dem Brustfelle beklei- det, so dass sie folglich, genau zu reden, ausserhalb der Brusthöhle liegen. Ein grosser Theil dieser Höhle wird dage- gen, so wie auch ein Theil der so ge- nannten Bauchhöhle, von membranösen Luftsäcken eingenommen Harvey 's Entdeckung, de generat. ani- mal . pag. 4 sq. der Orig. Ausg. von 1651. 4. , in welche sich die Lungen durch ansehnliche Mün- dungen öffnen. Jene in der Brust sind, wenigstens bey grossen Vögeln, durch häutige querliegende Scheidewände in einige Abschnitte getheilt Perrault Essays de physique T. III. tab. 18. vom Straus. , deren jeder, so wie auch die im Bauche lie- genden Säcke, durch eine besondere Oeffnung in den Lungen mit den Luft- wegen derselben, und folglich mit der Luftröhre in Verbindung steht. Eben- falls bey grössern Vögeln zeigen sich in den Membranen dieser Luftsäcke hin Q 5 und XIV. Abschnitt. und wieder ansehnliche Bündel und Streifen von Muskelfasern, die man für ein Surrogat des dieser Thierclasse man- gelnden wahren Zwerchfells angesehen hat Casp. Bartholini diaphragmatis struc- tura noua . Paris. 1676. 8. pag. 31. Sonst sind noch neuerlich die Mey- nungen der Zootomen getheilt gewesen, welche von den verschiedenen Häuten in und an der Vogelbrust man eigentlich mit dem Zwerchfell vergleichen solle. s. z. B. J. Hunter in den Philos. Trans- act . vol. LXIV. P. I. pag. 207. und Mich. Girardi in den Memorie della Societa Italiana T. II. P. II. pag. 739. , und die, wie man bey Vivisec- tionen solcher grösserer Vögel sieht Wepfer cicutae aquaticae historia pag. 171. , hauptsächlich dazu dienen mögen, die durchs Einathmen hinein gebrachten Luftvorräthe nach Bedürniss wieder in die Lungen zurück zu treiben, wobey auch die Füllung oder Ausleerung der Brust- Von den Respirationswerkzeugen. Brustsäcke mit denen im Unterleibe ab- zuwechseln scheint Jo. Bapt. du Hamel Regiae scientiar. Acad. historia pag. 141. . §. 177. Ausser diesen Säcken ist aber auch, wenigstens bey den allermehresten Vö- geln (denn es findet darin bey den ver- schiedenen Geschlechtern und Gattungen gar vielartige Verschiedenheit, Ausnah- men u. dergl. Statt) ein beträchtlicher Theil ihres Gerippes zu Luftbehältern bestimmt. Hauptsächlich gehören da- hin die grösseren Röhrenknochen, na- mentlich die Schulter- und Schenkel- knochen und die Schlüsselbeine. Dann aber auch die mehrsten flachen und viel- eckichten Knochen am Rumpfe, beson- ders das Brustbein, die Hüftknochen, und die Rückenwirbel. Alle diese sind bey den erwachsenen Vögeln, wenig- stens XIV. Abschnitt. stens im Mittelstück, markleer Das wusste schon Kais. Frider . II. de arte venandi cum auibus p. 39 sq. der Schneider schen Ausg. , so dass die Röhrenknochen eine grosse Höh- lung enthalten, und meist nur gegen die Enden zu wie mit knochichten Quer- fäden durchkreuzt; die übrigen aber mit einem Gewebe von leeren Knochenzel- len gefüllt sind. Sie haben (zumal die Röhrenknochen an dem nach der Brust zugekehrten Ende) ansehnliche Oeffnun- gen Camper 's kleine Schriften I. B. 1. St. tab. 1 u. 4. , wodurch sie vermittelst beson- derer Gefässe mit den Lungen in einer Verbindung stehen, die sich durch man- cherley Versuche an lebendigen oder todten Vögeln zeigen lässt Vorzüglich merkwürdig sind die scharf- sinnigen Versuche des Hrn. Dr. Albers , der mittelst eines besonders dazu ein- gerichteten Apparats lebendige Vögel durch diese Luftknochen hat verschiedene Gasarten . Dass Von den Respirationswerkzeugen. Dass diese Luftknochen den mehr- sten Vögeln zur Erleichterung im Flug Willis de anima brutorum pag. 30. , so wie manchen Wasservögeln beym Schwimmen, und dem Straus u. mehr. beym schnellen Lauf u. s. w., dienen mögen, wird schon daher wahrschein- lich, weil man gerade bey vielen der grössern hochfliegenden Vögel, Adler u. dergl. die mehrsten und geräumigsten Luftknochen findet; vollends aber, weil diese Knochen beym ganz jungen erst ausgekrochenen Vogel allerdings mit blutreichem Marke versehen sind, das sich erst gegen die Zeit wenn sie flück werden, durch Absorption, bey man- chen ganz, bey andern, zumal unter den Wasservögeln, doch wenigstens grösstentheils verliert. Dass aber anderseits doch nicht alle diese knöchernen Luftbehälter, so wie die Gasarten einathmen lassen. s. Dess. Bey- träge zur Anatomie und Physiologie der Thiere Istes Heft. Brem. 1802. 4. pag. 110. XIV. Abschnitt. die Luftsäcke, directen Bezug auf das Respirationsgeschäft dieser Thiere haben mögen, lässt sich schon daher schliessen, weil ausser den gedachten, auch bey vielen der Zwischenraum zwischen den beiden Knochentafeln der Hirnschale und der Unterkiefer Luft fasst, deren Zuführungsgänge in keiner Verbindung mit den Lungen, sondern bloss mit den Eustachischen Röhren stehen. §. 178. Durch den gleichen Weg wird auch in derjenigen Ordnung der Vögel, die desshalb Levirostres genannt werden, ihr theils ungeheurer Schnabel mit Luft versehen, als welcher ihnen nicht, wie andere Zergliederer gemeint z. B. Cajet. Monti in den Comment. instit. Bononiens . T. III. pag. 298 sq. , zu Ge- ruchwerkzeugen, sondern ebenfalls zum Luftbehälter dient. (— tab. V. e. f . vom Ramphastos tucanus . —) §. 179. Von den Respirationswerkzeugen. §. 179. Endlich gehören aber auch die Fe- derspulen zu diesen Behältern Handbuch der Naturgesch . Iste Ausg. 1779. pag. 154. , die wie die gedachten Luftknochen beym jungen erst ausgekrochenen Vogel ebenfalls mit einer Art von blutreichem Mark ge- füllt, aber nach der Absorption des- selben hohl werden, und sich mittelst des Athmens mit Luft füllen oder da- von ausleeren lassen, daher sich auch das schnelle willkürliche Sträuben des Gefieders bey Putern, Dohmpfaffen u. s. w. erklären lässt. §. 180. Ausser dem schon erwähnten Nutzen dieser mancherley Luftbehälter, mögen sie überhaupt auch dazu dienen, dass die Vögel bey mancherley schnellen oder anhaltenden Bewegungen, und die Sang- vögel beym Schlagen Willis a. a. O. , seltner zu ath- men XIV. Abschnitt. men brauchen, so wie die Bauchsäcke offenbar auch zur Ausleerung des Un- raths, und bey den Weibchen vielleicht selbst zum Legen des Eyes wirken. C) AMPHIBIEN. §. 181. Die Lungen der Amphibien Die von Schildkröten s. bey Caldesi sulle Tartarughe tab. 8. fig. 6. 10. 12. zeich- nen sich von der warmblütigen Thiere ihren schon sowohl durch ihre auffal- lende Grösse als durch ihre ausneh- mend lockere Textur aus Zum Grund des bekannten Phänomens, dass die Lungen bey lebendig geöffne- ten Schildkröten und Fröschen nicht wie bey Vivisectionen der Säugethiere zu- sammenfallen, sondern sich oft noch geraume Zeit, wenigstens zum Theil. aufgetrieben erhalten können, fan- den ; was denn vielen Von den Respirationswerkzeugen. vielen derselben besonders zum Schwim- men zu Statten kommt. §. 182. Beym Chamäleon sind sie mit zahl- reichen, gleichsam gefingerten, Fortsätzen oder Anhängen versehen Vallisnieri istoria del Camaleonte pag. 68. tab. 3. fig. 10. . Bey den Wassermolchen endigen sie sich nach hinten in eine längliche Blase. Die Schlangen (wenigstens die aller mehresten) haben nur eine einzige Lunge, den Malpighi a. a. O. und neuerlich Hr. Rob. Townson de amphibiis Goett. 1794. 4. die zusammenziehenden Mus- keln der Stimmritze (constrictores glot- tidis) hinreichend; Bremond hingegen hielt diess nach seinen Versuchen nicht für allein zulänglich, sondern rechnete dabey viel auf die eigne Lebenskraft der Lungen selbst; und hiermit vergl. auch Hrn. Prof. Rudolphi 's Versuche in s. auatomisch- physiologischen Abhandl . pag. 119 u. f. R XIV. Abschnitt. Lunge, die einen langgestreckten, bla- senförmigen Schlauch bildet Bey einer viertehalb Fuss langen Natter die ich secirte, mass die Lunge 1 Fuss 1 Zoll; ihre vordere Hälfte ähnelte einem fleischichten Darm, dessen innere Haut überaus sauber gegittert war (im Kleinen fast wie die innere Fläche der Haube bey den wiederkauenden Thieren mit gespaltenen Klauen); die hintere hinge- gen bildete bloss eine dünnhäutige, lange Blase. . §. 183. Bey den neugebornen Fröschchen (Kaulquappen) und denjenigen Eidexen, die im Wasser jung werden Man hat gezweifelt, ob auch die Junge des wahren Salamanders mit solchen Kiemen versehen seyen, und Hr. La- treille in der Histoire naturelle des Salamandres de France fragt noch (pag. 19 u. f.) “Les jeunes Salamandres ter- „restres ont — clles des branchies? Voilà „une , findet sich Von den Respirationswerkzeugen. sich in diesem ihren Larvenzustande ein Paar den Fischkiemen gewisser Massen ähnliche Organe ( appendices fimbriatae Swammerd . Swammerdam bibl. nat . pag. 822. Rö- sel tab. 2. fig. 18. ); die aber frey zu bei- den Seiten des Halses heraus ragen, und nicht permanent sind, sondern sich all- gemach (bey unsern hieländischen Repti- lien jener Art meist binnen wenigen Tagen,) in die Brust zurück ziehen, und R 2 ihre „une question que je mots encore au „rang des problèmes ” etc. Ich habe aber diese Frage schon vor 15 Jahren und zwar bejahend nach der Natur beant- wortet, da mehrmals trächtige Salaman- derweibchen, die ich in Gläsern mit et- was Wasser auf dem Zimmer gehabt, unter meinen Augen ihre Junge geheckt haben, die ansehnliche solche Kiemen mit zur Welt brachten. s. das Specimen physiologiae comparatae im VIIIten B. der Göttingischen Societäts-Commenta- tionen pag. 99. XIV. Abschnitt. ihre Reste da noch für einige Zeit als so genannte Afterlungen Swammerdam pag. 822. tab. 49. fig. 1. Rösel pag. 82. tab. 19. fig. 2. neben den wahren Lungen zu sehen sind Die räthselhafte Siren lacertina aus Ca- rolina hat nach J. Hunter 's Zergliede- rungen bey ihren äussern Kiemen zu- gleich auch in ihrem Innern zwey bla- senförmige Lungen. s. Philosoph. Trans- act . vol. LVI. pag. 307 u. f. Dasselbe ist der Fall bey dem nicht minder räthselhaften Proteus anguinus im Sitticher See in Krain, dessen son- derbaren inneren Bau Hr. Dr. Schrei- bers in eben diesen Transactions v. J. 1801 beschrieben und abgebildet hat. . Und Statt der Kiemenöffnung, wodurch die Fische das durch den Mund einge- schluckte Wasser wieder von sich geben, haben manche Kaulquappen an der lin- ken Seite des Kopfs neben dem Auge zu diesem Behuf einen kleinen schlauch- förmi- Von den Respirationswerkzeugen. förmigen Ausführungsgang Rösel tab. 18. fig. 7. 8. Vorzüglich deutlich habe ich dieses Organ an ein paar grossen Larven der Rana paradoxa vor mir. , der von der kleinen Röhre an der Unterlefze mancher dieser Larven unterschieden werden muss, womit sich dieselben zur sicherern Haltung anfangs an Was- serpflanzen fest saugen Rösel tab. 14. fig. 17. . D) FISCHE. §. 184. Statt der Lungen ist diese Thier- classe mit Kiemen oder Kiefern ( bran- chiae ) versehen, die zu beiden Seiten am Hintertheile des Kopfs jede unter ihrem beweglichem Kiemendeckel (oper- culum branchiale) liegen (der nur den chondropterygiis abgeht), und mit dem Rachen in Verbindung stehen, wodurch R 3 ihnen XIV. Abschnitt. ihnen ihr Sauerstoff aus der im Wasser befindlichen Luft (so wie den durch Lungen athmenden Thieren mittelst der atmosphärischen) zugeführt wird Wie diess schon Mayow mit seinem be- wundernswürdigen Scharfblick in den chemischen Process des Respirationsge- schäfts eingesehen hat. de thermis Ba- thoniensibus in den Tractat. medico-phy- sicis . P. I. pag. 259 der Oxforder Ausg. 1674. 8. . Sie geben das Wasser nachher durch die Kiemenöffnungen (aperturae bran- chiales) wiederum von sich; und zeich- nen sich folglich auch schon dadurch von den Thieren der vorigen drey Clas- sen aus, dass sie nicht so wie diese durch den gleichen Weg exspiriren, durch welchen sie vorher eingeathmet hatten. §. 185. Wie die Kiemen zum Behuf dieses so genannten phlogistischen Processes ihr venöses Blut durch die Branchial- arterie Von den Respirationswerkzeugen. arterie erhalten, und es nach seiner Umsetzung in arterielles, durch die Aorta wieder fortschicken, ist schon oben (— §. 164 —) berührt worden. Die Ver- theilung dieser Gefässe auf den Falten und Feldern der Kiemenblätter selbst aber gehört zu den allerzartesten und zahllosesten im thierischen Kör- perbau Fischer 's naturhistor. Fragmente . I. B. pag. 213 u. f. . Bey den mehrsten Fischen Monro tab. 25 vom Schellfisch; tab. 26. vom Lachs. be- steht jede der beiden Kiemen aus vier Blättern, die an eben so vielen mit dem Zungenbein verbundenen bogen- förmigen Gräten oder Knorpeln sitzen. Meist findet sich nur Eine Kiemenöff- nung auf jeder Seite; bey manchen aber, namentlich unter den Knorpelfischen, ihrer mehrere. R 4 §. 186. XIV. Abschnitt. §. 186. Sehr viele Seefische, zumal aber die im süssen Wasser lebenden, sind mit einer einfachen oder doppelten Schwimm- blase Gottl. Fischer über die Schwimmblase der Fische . Leipz. 1795. 8. und Nachträge dazu in Dess. naturhistorischen Frag- menten . I. B. S. 229 u. f. an beiden Orten mit Abbildungen der Blase aus verschie- denen Fischen. Dergleichen aus mehreren andern geben Needham de formato foetu tab. 7. Redi de viuentibus intra viuentia tab. 3 — 6. und die Observ. anatom. collegii priuati Amstelod . P. II. tab. 10. versehen, die, wenigstens bey den hieländischen, Stickgas enthält. Ob sie ausser dem allgemein bekannten Nutzen, nach welchem sie benannt ist, noch zu andern Functionen diene, ist noch unentschieden; inzwischen findet sie doch aber immer eben so wohl als oben die Luftbehälter der Vögel hier in diesem Abschnitt füglich ihre Stelle. Sie Von den Respirationswerkzeugen. Sie sitzt in der so genannten Bauch- höhle, am Rückgrath fest, und steht gewöhnlich mit dem Schlunde, bey ei- nigen mit dem Magen, durch einen besondern Canal ( ductus pneumaticus ) in Verbindung, in welchem man bey manchen, wie z. B. beym Karpen, Klap- pen gefunden hat, die, wie es scheint, wohl die Luft durch denselben aus der Blase heraus, aber keine von aussen hinein lassen. E) INSECTEN. §. 187. Dass auch den weissblütigen Thie- ren, im Ganzen genommen, eine Art von Respirationsgeschäft unentbehrlich sey, liess sich schon nach der Analo- gie aus dem in den mehrsten Ordnun- gen beider Classen derselben entdeckten wunderbaren Apparat von Kiemen oder Luftröhren schliessen; bey vielen der- selben ist aber auch der Process selbst, R 5 die XIV. Abschnitt. die Umsetzung des Sauerstoffs gegen Kohlenstoff u. s. w., durch directe Ver- suche erwiesen s. davon die beiden reichhaltigen Schrif- ten: F. Loth. Aug. Sorg disquisit. phy- siolog. circa respirationem insector, et vermium . und Fr. Hausmann tentamen solutio- nis a Societ. Reg. scientiar. Goetting. circa insectorum respirationem proposi- tae quaestionis . Uebrigens unterscheiden sich die weissblütigen Thiere von den rothblü- tigen schon dadurch, dass, so viel be- kannt, keines derselben durch den Mund Luft schöpft. §. 188. Unter den Insecten J. Flor. Martinet de respiratione in- sectorum . Lugd. Batav. 1753. 4. sind manche von denen die im Wasser leben, wie namentlich die Fluss- und Seekrebse, da wo die Beine ansitzen, mit einer Art Von den Respirationswerkzeugen. Art von Kiemen So z. B. am Flusskrebs, bey Willis de anima brutorum . tab. 3. fig. 2. 3., und Rösel 's Insectenbelustig . III. Th. tab. 58. fig. 9. 11. tab. 59. fig. 17. , unter den übri- gen aber, zumal die Landinsecten, die bekanntlich überhaupt ohne Vergleich die bey weiten grösste Zahl in dieser Thierclasse ausmachen, mit bewunderns- würdigen durch den grössten Theil ihres Körpers verbreiteten Luftgefässen versehen: und zwar sind letztere bey denen die sich einer Verwandlung unter- ziehen müssen, in ihrem Larvenzu- stande (— während also ihr Nutritions- geschäft im vollsten Gange ist, —) in ungleich grösserer Menge und Stärke vorhanden, als nachdem sie ihre letzte, so genannte vollkommene, Gestaltung erlangt haben. §. 189. Bey den Raupen z. B. liegt zu bei- den Seiten unter der Haut eine starke Luft- XIV. Abschnitt. Luftröhre ( trachea ), die nach aussen mit neun Luftlöchern ( stigmata ) mün- det; nach dem Innern hin sich aber durch eben so viele Stämmchen von Luftgefässen ( bronchiae ) in zahllosen Ramificationen verbreitet Lyonet tab. 4. fig. 1. tab. 5. fig. 1 u. f. tab. 6. fig. 1. tab. 7. fig. 1. tab. 10. fig. 1. 2. und tab. 11. Vergl. damit die Abbildungen der Luft- wege im Nashornkäfer bey Swammer- dam tab. 29. fig. 9. 10. tab. 30. fig. 1. 10. Im Hornschröter, bey Malpighi de bombyce . tab. 3. fig. 2. In einer Cicade, ebendas. tab. 3. fig. 3. In einer Heuschrecke tab. 4. fig. 1. und Hr. Cuvier in den Mém. de la Soc. d'hi- stoire naturelle de Paris , an 7. pag. 39. fig. 2. Im Seidenwurm, Malpighi tab. 3. fig. 1. In einer Libelle, Hr. Cuvier a. a. O. fig. 2. 5. 6. Im Uferaas. Swammerdam tab. 14. fig. 1. tab. 15. fig. 1. 4. 7. In . Beides Von den Respirationswerkzeugen. Beides, ihre Tracheen und Bronchien, sind von silberweisser Farbe, und die Hauptmembran derselben besteht aus spiralförmig gewundenen Fäden (fast wie der Ueberzug der gesponnenen Sai- ten). Ihre aller zartesten und zahlreich- sten Enden vertheilen sich in den Speise- canal, vorzüglichst aber in das oben (— §. 126 —) erwähnte grosse corpus adiposum . §. 190. Uebrigens zeigt sich so wohl in der Anzahl als in der Lage der zum Ath- men der Insecten bestimmten äussern Mündun- In der Honigbiene, ebendas. tab. 17. fig. 9. 10. tab. 25. fig. 10. tab. 24. fig. 1. 2. 3. In der Ochsenbremse, Hr. Bracy Clark in den Transact. of the Linnean Society . T. III. tab. 23. fig. 25. In Fliegenmaden, Swammerdam tab. 40. fig. 1. 2. tab. 41. fig. 1. 2. tab. 42. fig. 3. 8. tab. 43. fig. 2. In der Laus, ebendas. tab. 1. fig. 8. 4. 7. XIV. Abschnitt. Mündungen vielartige Verschiedenheit s. zumal Hausmann a. a. O. . Bey den mehresten liegen dieselben zu beiden Seiten des Leibes. Viele von denen im Wasser lebenden Larven oder auch ausgebildeten Insecten hingegen schöpfen atmosphärische Luft mittelst des Endes vom Hinterleibe. Besonders merk- würdig ist die Veränderung, die mit man- chen Thieren dieser Classe in dieser Rück- sicht während ihrer Verwandlung vor sich geht; da z. B. die gemeinen Mücken ( Culex pipiens etc.) als Larven durch eine Röhre am Hinterleibe, als Nymphen hingegen durch zwey andere am Kopfe Luft schöpfen Swammerdam algem. Verhandel. van de Bloedeloose Dierken's . 1669. tab. 2. . F) WÜRMER. §. 191. In dieser so vielartige Geschöpfe umfassenden Thierclasse sind auch die Organe Von den Respirationswerkzeugen. Organe des Athmens von sehr verschie- denem Bau vergl. hierüber vorzüglich Cuvier so- wohl im Journal d'histoire naturelle 1792. T. II. pag. 85. als in seinem tableau de l'hist. nat. des animaux . S. 384 u. a., und Sorg, Hausmann a. a. O. , und einigen Ordnungen, namentlich bey den Bewohnern der Co- rallen und den eigentlich so genannten Zoophyten, vielleicht auch den Intesti- nalwürmern, scheinen sie gänzlich zu mangeln, so dass, wenn auch bey ihnen eine analoge functio vitalis Statt hat, sie doch auf andern vor der Hand noch unentdeckten Wegen vor sich gehen muss. §. 192. Bey denen aber die mit eigentlichen Respirationswerkzeugen versehen sind, zeigt sich so wie unter den Insecten, wiederum die gleiche Verschiedenheit, dass das nämlich bey Manchen, wie z. B. XIV. Abschnitt. z. B. bey den Tintenfischen Swammerdam bibl. nat . tab. 51. fig. 1. Monro tab. 41. fig. 1. und besonders Hrn. Dr. C. Fr. Gu. Tilesius de respiratione Sepiae officinalis . Lips. 1801. 4. tab. 1. 2. , Au- stern Willis tab. 2. u. s. w., eine Art von Kiemen — selbst wieder von mancherley Bau —; bey den mehresten hingegen Tracheen sind, wie z. B. bey so vielen andern Schaalthieren Vom Lepas balanus s. Poli tab. 4. fig. 20. 22. von Pholas dactylus tab. 8. fig. 61. von Solen strigilatus tab. 13. fig. 5. von der Helix pomatia , Swammerdam tab. 4. fig. 1. und Molluscis von nackten Wegschnecken ebenfalls Swammerdam tab. 8. fig. 7. tab. 9. fig. 1. und Intestinis Von den Blutigeln s. Bening de hi- rudinibus pag. 20 u. f. . Doch sind viele aus der ersten dieser Ordnung mit beiderley Re- spirationswerkzeugen zugleich versehen. Bey manchen Bewohnern der Bivalven, z. B. Von den Respirationswerkzeugen. z. B. der Venusmuscheln An der Venus laeta bey Poli tab. 2. fig. 17. , liegen die Luftgefässe zwischen den Häuten eines einfachen oder doppelten röhrenförmi- gen Schlauchs, der am Vordertheile des Thiers befindlich ist, willkürlich aus- gestreckt oder eingezogen werden kann, und an sich noch zu andern Zwecken, z. B. zum Eyerlegen, dient, am Rande seiner Mündung aber mit den Oeffnun- gen der Tracheen als mit Stigmaten besetzt ist. S Funf- XV. Abschnitt. Funfzehnter Abschnitt. Von den Stimmwerkzeugen . §. 193. Schon Aristoteles hat richtig ein- gesehen, dass nur denjenigen Thieren wahre Stimme zugeschrieben werden könne, die mit wirklichen Lungen ath- men, folglich bloss denen in den ersten drey Classen des Thierreichs. Aber auch selbst unter diesen sind manche Geschlechter und Gattungen entweder überhaupt stumm, wie z. B., so viel bekannt, die Ameisenbären An einem — freylich trocknen — Präpa- rate vom Larynx und den Lungen des kleinen Tamandua ( Myrmecophaga di- dactyla ) finde ich den Kehlkopf ganz knöchern, völlig von der nemlichen Substanz , die Schuppen- Von den Stimmwerkzeugen. Schuppenthiere, die Cetaceen J. Hunter hat bey den Cetaceen, die er zergliedert, keine glandula thyreoidea gefunden. Das reimte sich mit der Hy- pothese, dass diese Drüse zur Bildung der Stimme diene. , Schild- kröten, mancherley Eidexen und Schlan- gen; oder geben doch in gewissen Erd- strichen keine Stimme von sich, wie z. B. die Hunde in manchen Ländern von America, oder die Wachteln Pennant 's arctic Zoology T. II. p. 320. und Frösche Müller 's Sammlung Russischer Ge- schichte T. VII. pag. 123. Vergl. J. Chr. Beckmann 's historische Beschreibung der Chur und Mark Bran- denburg . T. I. pag. 590. in vielen Gegenden von Sibirien. S 2 A) Substanz wie das Zungenbein, die aus- nehmend kurze Luftröhre aber ist wie ein bloss häutiger Canal zusammen ge- fallen, ohne eine merkliche Spur von Knorpelringen. XV. Abschnitt. A) SÄUGETHIERE. §. 194. Die aller mehresten Thiere dieser Classe Ausser den beiden ältern Hauptwerken über die Stimmwerkzeuge von Casse- rius und Fabric. ab Aquapendente , und den in der Folge anzuführenden Schrif- ten, gehört vorzüglich hieher Marc. Jan Busch diss. de mechanismo organi vocis , Groning 1770. 4. die viele treff- liche Bemerkungen von P. Camper enthält. haben das mit einander ge- mein, dass ihre Stimmritze vorn mit dem Kehldeckel (und dieser, wenig- stens bey sehr vielen, mit einem be- sondern vom Zungenbeine entspringen- den, im Menschen nicht befindlichen, Muskel) versehen ist; und die Seiten- ränder jener Ritze durch die doppelten Stimmbänder ( ligamenta thyreo-arytae- noidea ) gebildet werden, zwischen wel- chen auf jeder Seite die Stimmhöhlen ( ventriculi laryngis ) liegen. Der Kehl- deckel Von den Stimmwerkzeugen. deckel fehlt inzwischen den mehresten Fledermäusen; und bey einigen mause- ähnlichen Thieren, wie z. B. beym Sie- benschläfer, ist er kaum merklich. So wie anderseits die obern Stimmbän- der, mithin auch die Stimmhöhlen, manchen bisulcis , z. B. dem Ochsen und Schaafe, abgehen. §. 195. Bey manchen Gattungen von Säuge- thieren wird die ihnen eigenthümliche sich besonders auszeichnende Stimme, oder doch gewisse Töne noch durch andere Organe gebildet, wohin vorzüg- lich bey einigen sonderbare gespannte Membranen, bey andern aber eigene Blasen und Säcke gehören, die mit dem Innern des Kehlkopfs in Verbindung stehen, und theils als Fortsetzungen der Stimmhöhlen anzusehen sind. Beym Pferde z. B. wird der Anfang des Wieherns durch eine besondere zart- sehnige, fast sichelförmige Membran S 3 bewirkt, XV. Abschnitt. bewirkt, die in der Mitte am Schild- knorpel sitzt, und mit ihren Enden nach den äusseren Rändern der Stimm- ritze läuft Herissant in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris 1753. tab. 9. . Das eigene Geschrey des Esels hin- gegen wird dadurch hervor gebracht, dass sich unter einer ähnlichen Mem- bran eine besondere kesselförmige Ver- tiefung im Schildknorpel befindet, und ausserdem noch zu beiden Seiten ein paar Oeffnungen liegen, die zu beson- deren Höhlen führen Ebendas. tab. 10. . Und nun das Maulthier —, das wiehert nicht wie die Pferdestute, von welcher es geworfen ist, sondern schreyt wie der Eselhengst, von dem es er- zeugt worden, und hat auch ganz den Kehlkopf desselben, und nichts von jenen eigenen Stimmorganen seiner Mutter. Eine Erscheinung, die wie so Von den Stimmwerkzeugen. so viele andere sich wohl schwerlich mit der vermeinten Präexistenz der prä- formirten Keime im mütterlichen Eyer- stocke reimen lässt Jener so wesentlichen ganz specifischen Verschiedenheit im Bau des Kehlkopfs des Pferdes und Esels habe ich im Handb. der Naturgesch . pag. 26 der 7ten Ausg. als Einer von so manchen Instanzen gegen die von Ray, Büffon u. a. ange- nommene Regel gedacht, als ob alle die- jenigen Geschöpfe zu Einer Species ge- hören müssten, die mit einander frucht- bare Nachkommenschaft zeugen. . Bey der Katze liegen unter den Stimmbändern ein Paar zarte Membra- nen, die vermuthlich das diesen Thie- ren eigene Schnurren oder Spinnen ver- ursachen Vicq-d'Azyr in den Mém. de l'Ac. des sc. de Paris 1779. tab. 11. fig. 17. . S 4 Das XV. Abschnitt. Das Schwein hat zwey beträchtliche membranöse Säcke vorn oberhalb der Stimmbänder Casserius de vocis auditusque organis tab. 10. fig. 9. 10. pag. 55. “ ad grunni- tum in porcis efficiendum .” — Herissant a. a. O. tab. 11. . Mancherley Affen Z. B. der Orang-Utang ( Simia satyrus ), s. Camper 's Naturgesch. desselben tab. 3. fig. 2. tab. 4. a. fig. 2. 3. Der Magot ( Simia inuus ) in Hrn. Prof. Ludwig 's Grundr. der Naturgesch. der Menschenspecies . tab. 1. 2. Bey einem gemeinen Affen ( Simia sil- vanus ), den ich vor einiger Zeit zerglie- dert, liess sich der rechte Kehlbeutel Daumens dick und drey Zoll lang auf- blasen, der linke hingegen nur zur Grösse einer Muskatennuss. Den Kehlbeutel eines geschwänzten Affen, (vermuthlich Simia cynomolgus ) s. bey Camper tab. 4. a. fig. 2. und Pavia- ne Der Mandril ( Papio maimon ) bey Vicq- d'Azyr a. a. O. tab. 7. haben, so wie auch das Ren- thier Von den Stimmwerkzeugen. thier Camper a. a. O. tab. 8. fig. 7. , vorn am Halse ansehnliche ein- fache oder doppelte Kehlbeutel von ver- schiedener Form und Abtheilung, die mit einer oder zwey Oeffnungen im Kehlkopf zwischen dem Zungenbein und Schildknorpel münden. Und bey manchen Meerkatzen (z. B. beym Cercopithecus seniculus und beel- zebub ) bildet der mittlere oder Vorder- theil des Zungenbeins eine sonderbare knöcherne Capsel von fast kugelichter Form Vicq-d'Azyr tab. 9. 10. Camper tab. 4. b. fig. 4. 5. , mittelst deren diese Thiere ihr durchdringendes weit schallendes Geschrey hervorbringen. B) VÖGEL. §. 196. Die bis auf sehr wenige Ausnahmen allgemeinste Haupteigenheit der Stimm- S 5 organe XV. Abschnitt. organe in dieser Classe reducirt sich dar- auf, dass die Vögel, wie man insge- mein sagt, einen doppelten — oder wie man richtiger sagen sollte, einen an beide Enden der Luftröhre vertheilten Kehlkopf und zweyerley Stimmritze haben. §. 197. Am oberen Ende der Luftröhre liegt nämlich bloss die obere oder eigentliche Stimmritze, und zwar ohne Kehldeckel Was Warren in den philos. Transact . vol. XXXIV. pag. 113. beym Straus für einen Kehldeckel ansah, ist bloss eine kleine Erhabenheit auf der Zungenwurzel. s. Hrn. Cuvier in der Ménagerie du Mu- seum national d'histoire naturelle . Par. 1801. Fol. No. I. bey tab. 3. , deren scheinbarer Mangel bey sehr vie- len durch die conischen Fleischfasern zu beiden Seiten der Ritze ersetzt wird. §. 198. Der Hauptapparat zur Bildung der Vogelstimme findet sich hingegen im untern Von den Stimmwerkzeugen. untern oder Bronchial-Larynx Daher mancherley Vögel, wenn man ihnen schon die Luftröhre unter der obern Stimmritze durchschneidet, doch noch mittelst des Bronchial-Kehlkopfs ihre Stimme ziemlich unverändert von sich geben können. s. Duverney in der Hist. de l'Acad. des sc. de Paris T. II pag. 7. Hrn. Girardi in den Memorie della Società Italiana T. II. P. II. pag. 737. und Hrn. Cuvier im Magazin en- cyclopédique ann. 1. T. II. pag. 357. , der inwendig eine zweyte Stimmritze ent- hält, die durch gespannte Membranen gebildet wird, und bey vielen, zumal unter den Wasservögeln, mit einem so genannten Schnarrwerk in den Orgel- pfeifen verglichen werden kann: von aussen aber bey den verschiedenen Ord- nungen und Geschlechtern mit mehre- ren oder wenigern Muskelpaaren so wie mit einer Art von Schilddrüse versehen ist. Uebrigens zeigt sich, und zwar ebenfalls besonders bey den Wasservö- geln, theils schon in der verhältniss- mässigen XV. Abschnitt. mässigen Länge und Lauf der Luftröhre, hauptsächlich aber im Baue des untern Kehlkopfes, bey vielen Gattungen, und bey manchen derselben wieder nach der Sexualverschiedenheit, vielartige Abän- derung Vom Bronchial-Larynx s. vorzüglich Herissant, Vicq-d'Azyr , und Hrn. Cu- vier a. den a. O., und noch eine zweyte Abhandlung des Letztern im 2ten B. des IVten Jahrg. vom Magaz. encyclopéd . Ferner Hrn. Prof. Schneider im Leipzi- ger Magazin v. 1786 und 1787. und in seinem reichhaltigen Commentar ad re- liqua libror . Friderici II. pag. 33. 211 u. f. Ins besondere vom wilden Schwan s. Aldrovandi ornitholog . T. III. p. 13 u. f. und von der Gans, Haller 's meister- hafte Beschreibung de partium c. h. fa- brica et functionibus T. VII. pag. 321 u. f. verglichen mit den schönen Abbildun- gen bey Herissant a. a. O. tab. 12 u. 14 . So hat z. B. der so genannte zahme oder stumme Schwan ( Anas olor ) eine gerade auslaufende Luftröhre, die hingegen beym männlichen wilden oder singen- Von den Stimmwerkzeugen. singenden ( cygnus ) in die oben gedachte Capsel des Brustbeins tritt (— §. 55. —). Beym Löffelreiher ( Platalea leucorodia ), so wie auch beym Katraka ( Phasianus motmot ) u. a. finden sich ähnliche Win- dungen der Luftröhre, doch ohne jene Brustbeincapsel. Bey vielen Schwimm- vögeln aber haben bloss die Männchen am untern oder Bronchial-Larynx eine knöcherne Blase von mancherley Ge- stalt Vergl. wieder ausser Herissant und Hrn. Cuvier a. a. O. Aldrovandi orni- thol . T. III. pag. 190. Willoughby orni- thol . tab. 73. Bloch in den Beschäftig. der Berliner naturf. Gesellsch . T. IV. pag. 579 u. f. tab. 16 u. f. und in den Schriften T. III. pag. 372. tab. 7. u. f. und Hrn. Latham in den Transactions of the Linnean Society vol. IV. pag. 90. tab. 9 — 16. , die ebenfalls zur Verstärkung ihrer Stimme dient S. darüber schon des alten Fabricius Hildanus Beschr. der Fürtrefflichkeit der Anatomy pag. 223. . So die gemeine Aente XV. Abschnitt. Aente, die Europäische Haubenänte ( Anas fuligula ), die Brandänte ( tadorna ), die weisse Tauchänte ( Mergus albellus ), die Tauchergans ( Merganser ) u. a. m. C) AMPHIBIEN. §. 199. In dieser letzten Classe von anima- libus vocalibus ist der Bau der Stimm- werkzeuge im Ganzen ziemlich ein- fach, doch wieder bey den mancherley Geschlechtern, Gattungen, und selbst theils nach der Sexualverschiedenheit, von vielartiger Einrichtung. §. 200. Bey manchen Schildkröten Blasii Zootomia . Amst. 1677. 8. tab. 17. fig. 5. und Crocodilarten macht die lange Luft- röhre Von den Stimmwerkzeugen. röhre verschiedene Windungen. Bey den Fröschen ist sie sehr kurz; doch bey den Männchen etwas länger als bey den Weibchen; auch ihre Stimm- ritze weiter. Uebrigens ist diese auch wohl bey allen Thieren dieser Classe mit Stimmbändern versehen Vicq-d'Azyr a. a. O. tab. 13. fig. 45. 46. von Schildkröten; fig. 41. 42. 44. von Frö- schen; fig. 47 bis 52 von Schlangen. Den Kehlkopf der Klapperschlange s. bey Tyson 's Anatomy of a Rattle-snake in den philos. Transact . vol. XIII. Nr. 144. fig. 5. . §. 201. Bey manchen Fröschen zeichnen sich die Männchen noch durch beson- dere Luftsäcke aus, wohin die grosse Kehlblase des Laubfrosches und die Backenblasen gehören, die der grüne Wasserfrosch ( Rana esculenta ) zur Paa- rungszeit XV. Abschn. Von den Stimmwerkzeugen. rungszeit an beiden Seiten der Mund- winkel durch ein Paar Oeffnungen auf- bläht, die am Unterkiefer nahe an der Stimmritze liegen Camper 's kleine Schriften I. B. 1 St. pag. 144. tab. 3. fig. 1 — 4. . FVNCTIO- FVNCTIONES ANIMALES . T Sechszehnter Abschnitt. Vom Gehirne und dem Nervensystem überhaupt. §. 202. In keiner andern Classe von Fun- ctionen der thierischen Oekonomie ist eine so reine einleuchtende Stufenfolge vom einfachsten Bau zum zusammen- gesetzten bemerklich, als in der, zu welcher wir jetzt übergehen, die den Hauptcharakter der Animalität bestimmt, und selbst davon ihren Namen erhal- ten hat S. über diese ganze Classe von Functionen vor allen die beyden bis jetzt allein noch erschienenen Bände der meisterhaften Le- çons d'anatomie comparée des Hrn. Prof. Cuvier , von welchen Hr. Prof. Fischer eine deutsche Uebersetzung geliefert hat. . T 2 §. 203. XVI. Abschnitt. §. 203. Bey manchen der einfachsten Thiere, aus der Classe der Würmer, zumal bey den so genannten Zoophyten, ist über- haupt wenig oder keine Verschieden- heit von partibus similaribus So wurden bekanntlich von den Alten die homogenen organischen Stoffe, Ner- ven, Muskeln, Sehnen, Knochen, Knor- pel u. s. w. genannt, aus deren Verbin- dung partes dissimilares des thierischen Körpers, nämlich seine Theile, Glied- massen, Eingeweide u. s. w. gebildet sind. ihres Körpers, und namentlich nichts zu er- kennen, was als ein besonderes Ner- vensystem oder dazu gehörige Theile angesprochen werden könnte: sondern die Nervenmaterie, die sich übrigens durch Empfindungs- und Bewegungs- vermögen bey ihnen so gut als in irgend einer andern Ordnung oder Classe des Thierreichs äussert, ist in ihre ganze meist homogene Masse wie verschmol- zen: so dass z. B. bey den fast durch- scheinen- Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. scheinenden Armpolypen, die sich in unsern Gewässern doch oft mit Zoll langen Körper und Spannen langen Fangarmen finden, selbst bey bester Beleuchtung und starker Vergrösserung, doch nichts als ein körniges, (gleich- sam gekochten Sago ähnelndes) Gefüge zeigt, das durch eine gallertartige Grund- masse in die bestimmte Form verbun- den wird. §. 204. Schon bey vielen andern Würmern sind, so wie bey den Insecten, beson- dere Nerven zu unterscheiden, die gröss- tentheils aus dem so genannten Rücken- mark entspringen, an dessen Kopfende das eigentliche Gehirn nur einen sehr kleinen unansehnlichen Theil macht: der hingegen in den beiden Classen von Thieren mit rothem kalten Blute, noch viel mehr aber bey den warmblütigen, von weit zusammengesetzteren Bau und relativ beträchtlicherer Grösse ist, worin T 3 endlich XVI. Abschnitt. endlich der Mensch in so fern alle übri- gen übertrifft, dass er, nach Hrn. Söm- merring's scharfsinniger Bemerkung S. Dess. Diss. de basi encephali , Goetting. 1778. 4. pag. 17. und tabula baseos en- cephali Francof. 1799. Fol. pag. 5 u. f. Vergl. damit Jo. Godofr. Ebel obser- vat. neurologic. ex anatome comparata , Francof. ad Viadr. 1788. 8. , das bey weiten allergrösste Gehirn in Verhältniss zu der Feinheit seiner dar- aus entspringenden Nerven hat Den grossen Einfluss den dieses Ver- hältniss der Grösse des Gehirns zum übrigen Nervensystem auf die ganze thierische Oeconomie der kaltblütigen Thiere, verglichen mit den warmblüti- gen, äussert, wie namentlich davon ihre weit mindern Consensus, folglich die schwächere Mobilität ihrer ganzen Ma- schine, anderseitig hingegen auch die grössere vom Hirn unabhängige, sondern eigenthümliche, Vitalität der einzelnen Theile, so wie die ausnehmende Stärke ihrer Reproductionskraft abhängt, von alle . A) Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. A) SÄUGETHIERE. §. 205. Schon die beiden grossen Scheide- wände welche die harte Hirnhaut als so genanntes Zelt ( tentorium ) zwischen dem grossen und kleinen Gehirn, und als Sichel ( falx ) zwischen den beiden Hälften des erstern bildet, zeigen bey einigen Thieren dieser Classe die merk- würdige Eigenheit, dass sich ein star- kes Knochenblatt als Fortsatz der be- nachbarten Hirnschalenknochen zwi- schen ihre Duplicatur erstreckt. Von einer knöchernen Grundlage der Sichel ist mir zwar unter den Quadru- peden dieser Classe nur Ein Beyspiel ohne seines gleichen bekannt, das ich T 4 bey alle dem habe ich ausführlicher gehan- delt in dem Specimen physiol. comp. in- ter animantia calidi et frigidi sanguinis im VIIIten B. der Societäts-Commenta- tationen; auch im Handb. der Naturge- schichte pag. 225 u. f. der 7ten Ausg. XVI. Abschnitt. bey dem an Anomalien der Art so rei- chen Ornithorhynchus gefunden (— tab. I. c. —); unter den Cetaceen aber findet sich etwas Aehnliches, wenigstens bey den Delphinen Etwas Achnliches, aber bloss als eine mei- nes Wissens beyspiellose anatomische Varietät, zeigt sich in einem Schedel einer 30 jährigen Weibsperson in meiner Sammlung, in welchem die so genannte tabula vitrea des Stirnbeins, da wo der processus falciformis anliegt, ebenfalls wie beym Schnabelthier, eine lange knö- cherne sichelförmige crista bildet. . Uebrigens tritt auch die Sichel selbst, bey manchen Gattun- gen mehr, bey andern weniger tief zwischen die Hirnhälften S. hier von die überhaupt für die verglei- chende Anatomie des Gehirns ausneh- mend reichhaltige Schrift des Hrn. Hofr. Soemmerring vom Hirn und Rückenmark , Mainz 1788. 8. . Weit häufiger findet sich hingegen bey manchen Säugethieren ein tentorium cerebelli Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. cerebelli osseum , das aber bey den ver- schiedenen Gattungen von ungleicher Grösse und Umfang ist. Es wird durch besondere Knochenblätter gebildet, die sich hauptsächlich von der so genann- ten tabula vitrea der Scheitelbeine, und zum Theil auch von den beiderseiti- gen Felsenbeinen in das tentorium der harten Hirnhaut erstrecken, und im Ganzen eine doppelte Verschiedenheit zeigen. Bey manchen nämlich, stellt es gleichsam eine knöcherne Wand vor, die nur nach unten einen meist vier- eckten Durchgang lässt. So bey den mehresten Gattungen des Katzen- und Bärengeschlechts, beym Marder u. a. m., sogar bey einer Meerkatze, dem Coaita ( Cercopithecus paniscus ) S. Hrn. Prof. Josephi's Anatomie der Säugethiere . Beytr. zum Isten B. S. 34. tab. 4. fig. 1. . T 5 Bey XVI. Abschnitt. Bey andern hingegen besteht es aus drey von einander abstehenden Stücken, deren eins von oben und hinten, wie ein Dach, in die Hirnschalenhöhle hin- ein ragt; die andern beiden aber seit- wärts von den Felsenbeinen entsprin- gen. So bey manchen phocis Im Schedel einer jungen Robbe, den ich besitze, hängt die vordere oder obere Seite jenes dachförmigen Stücks durch ein sehr robustes verticales Knochenblatt, das sich bis an die Mitte der sutura lamb- doidea erstreckt, mit der innern Fläche des Hinterhauptbeins, da wo die Sichel sich endet, zusammen. , im Hunde- und Pferdegeschlecht u. s. w. Endlich zeigt sich aber auch bey noch andern, z. B. beym Schwein, Ca- ninchen, manchen Mäusen u. dergl. doch ein Rudiment zu den letztgedach- ten Seitentheilen, wenigstens ein schar- fer Rand an den Felsenbeinen Von den Hauptverschiedenheiten des knöchernen tentorii und seinem angebli- chen . §. 206. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. §. 206. Zu denen Eigenheiten aber, wodurch sich bey den Säugethieren das Gehirn selbst Abbildungen von Gehirnen aus dieser Thierclasse (ausser denen, die in den folgenden Noten angeführt werden), ge- ben z. B. vom Schimpanse ( Simia troglodytes ), Tyson in seiner vortrefflichen Monogra- phie fig. 13. 14. vom Hund, Collins im System of anatomy vol. II. tab. 53. fig. 1. und Ebel a. a. O. tab. 1. fig. 7. von der Katze, Collins tab. 53. fig. 2. und Ebel tab. 1. fig. 3. vom Pferd, Vicq-d'Azyr in den Mem. de l'Ac. des sc. von 1783. tab. 7. und Ebel tab. 1. fig. 1. vom von dem menschlichen aus- zeichnet, chen, aber nicht wahrscheinlichen Nutzen habe ich schon im osteologischen Hand- buche S. 117 u. f., und von letzterm auch in den instit. physiolog . pag. 116 u. f. gehandelt. XVI. Abschnitt. zeichnet, gehört überhaupt, ausser der schon erwähnten grössern Stärke der daraus entspringenden Nerven, auch das nach Verhältniss zum grossen Ge- hirn beträchtlichere Volumen des klei- nen, so wie die ansehnlichere Dicke des Rückenmarks Das Auffallende dieser Verschiedenheit, selbst schon bey den so genannten an- thropomorphis , den Quadrumanen, zeigt die Abbildung des Hirns eines Mandrills ( Papio maimon ), die ich in den beiden ersten Auflagen der Schrift de generis hum. variet. natiua tab. 1. fig. 1. gege- ben habe. . §. 207. Ferner ist das merkwürdige und räth- selhafte Sandhäufchen, das sich beym Menschen vom Schaf, Vicq-d'Azyr tab. 8. fig. 1. und Ebel tab. 1. fig. 8. vom Ochsen Vicq-d'Azyr tab. 8. fig. 2. und Ebfl tab. 1. fig. 6. und 9. vom Schwein, Collins tab. 54. und Ebel tab. 1. fig. 10. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. Menschen nach den ersten Jugendjahren bis auf höchst seltene Ausnahmen, immer an seiner Zirbeldrüse findet Soemmerring de lapillis vel prope vel in- tra glandulam pinealem sitis . Mogunt. 1785. 8. , bis jetzt nur erst bey wenigen andern Säuge- thieren, und zwar namentlich bey man- chen bisulcis , beobachtet worden In einem Damhirsch hat es Hr. Hofr. Soemmerring gefunden, a. a. O. pag. 10. in der Ziege Hr. Malacarne . s. Dess. Encefalotomia di alcuni quadrupedi . Mant. 1795. 4. pag. 31. . §. 208. Bey den eigentlichen Quadrupeden (also die Quadrumanen ausgenommen) verlaufen sich die vordern lobi des grossen Gehirns nach unten in die so genannten processus mamillares S. Hrn. Hofr. Metzger's Specimen ana- tomiae comparatae primi paris neruorum in Dess. Opusc. anatom. et physiolog . Goth. 1790. 8. pag. 100 u. f. , aus welchen XV. Abschnitt. welchen hernach die Geruchnerven des ersten Paars entspringen. Sie sind, zu- mal bey den Grasfres s enden, von an- sehnlichster Grösse Abbildungen dieses Organs, zumal an Hirnen von bisulcis und vom Hasenge- schlechte s. in Collin's System of ana- tomy vol. II. tab. 51 u. f. Ebel a. a. O. Willisii anat. cerebri fig. 2. Monro on the nervous System tab. 9 und 24. , überhaupt aber um so merkwürdiger, da sie, besonders wegen der Verlängerung der vordern Ventrikel, die sich hinein erstrecken, weiland zu grossen physiologischen Irr- thümern Anlass gegeben haben Die zuerst und ganz mit der Natur von dem wackern Conr. Vict. Schneider zu Wittenberg widerlegt worden, in s. clas- sischen kleinen Liber de osse cribriformi . 1655. 12. . §. 209. Uebrigens findet zwischen dem Hirn der grasfressenden Quadrupeden und der Carnivoren auch fast durchgehends noch Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. noch die eigene Verschiedenheit Statt, dass bey ersteren die vordern von den corporibus quadrigeminis oder die so ge- nannten testes grösser sind, als die hin- tern, bey letzteren hingegen das Wi- derspiel Statt hat. So wie auch bey jenen die eminentia candicans gross und einfach, bey den Fleischfressenden hin- gegen klein und doppelt ist S. Soemmerring vom Hirn u. s. w. pag. 91 u. f. . B) VÖGEL. §. 210. Allerdings bildet auch bey manchen Vögeln die harte Hirnhaut einen sichel- förmigen Fortsatz, der folglich mit Un- recht der ganzen Classe abgesprochen worden Selbst noch von Haller , de partium corp. hum. fabr. et funct. T.VIII. pag. 163. . Ja, beym Auerhahn habe ich sogar eine knöcherne Grundlage dazu, XVI. Abschnitt. dazu, fast so wie in der Hirnschale des Schnabelthiers (§. 204), gefunden Ebenfalls beym Auerhahn ist das Gehirn in Verhältniss zur Grösse des Kopfs und ganzen Körpers ganz auffallend klein; da es hingegen bekanntlich bey manchen andern Thieren dieser Classe, zumal unter den Sangvögeln, in eben dieser Relation, selbst das menschliche übertrifft. . §. 211. Das Hirn selbst ähnelt, im Ganzen genommen, dem in der vorigen Thier- classe (selbst darin, dass es sich bey manchen Vögeln nach vorn in eine Art von processibus mamillaribus verläuft), so wie es sich hingegen von dem in den folgenden auffallend auszeichnet. Doch unterscheidet es sich von der Säu- gethiere ihrem ausser seiner glatten Oberfläche (ohne wulstige Windungen) besonders dadurch, dass die thalami der Sehenerven nicht innerhalb des eigent- lichen oder grossen Gehirns eingeschlos- sen, Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. sen, sondern hinter demselben frey lie- gen, meist von kuglichter Form und inwendig hohl sind; ein Bau, den im Ge- gentheil die Vögel mit den beiden Clas- sen der Thiere mit rothem kalten Blut gemein haben. — Auch sind diejeni- gen Körper, die bey den Säugethieren mit Recht striata heissen, bey den Vö- geln nur einfarbig. §. 212. Hingegen fehlen den Vögeln manche Theile des Gehirns, die sich bey den Säugethieren finden, entweder gänzlich, oder die Meinungen darüber sind we- gen abweichender Eigenheiten im Bau u. s. w. wenigstens getheilt. Ersteres ist allem Anschein nach der Fall mit dem corpus callosum , der Brücke u. a. m.; letzteres mit dem fornix, der Zirbel- drüse, den eminentiis mamillaribus, cor- poribus quadrigeminis etc. S. Haller's kernigen Aufsatz de cere- bro auium im IIIten Bd. der Oper. minor . pag. 191. . C) U und XVI. Abschnitt. C) AMPHIBIEN. §. 213. Ueber das Hirn der Amphibien ist vergleichungsweise noch wenig gearbei- tet. und Malacarne's weitläuftigen Com- mentar darüber in den Memorie della Societa Italiana T. I. pag 747- T. II. P. I. pag. 237. T. III. pag. 126. Abbildungen von Vogelgehirnen haben gegeben; z. B. von einem Habicht Ebel tab. I. fig. 13. von einer Eule Id. ib. fig. 12. vom Eisvogel Collins tab. 49. fig. 1. vom Kolkraben Vicq-d'Azyr in den Mém. de l'ac. des sc. 1753. tab. 10. fig. 1. vom Indianischen Haubenfink Col- lins tab. 58. fig. 3. von einem Finken Ebel tab. 2. fig. 6. von einer Taube Id. tab. 58. fig. 5. vom Rebhuhn Id. ib fig. 6. vom Haushuhn Vicq-d'Azyr a. a. O. tab. 9. fig. 3. 4. 5. vom Truthahn Collins tab. 57. fig. 3. 4. 5. vom Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. tet. Im Ganzen scheint es sehr klein und einfach; besteht nur aus fünf rund- lichen Partien, nämlich den beiden Hemisphären, den dahinter frey und abgesondert liegenden durch Ventrikel ausgehöhlten beiden thalamis , und dem kleinen Gehirn, das in beiden Classen von Thieren mit rothem kalten Blut in seinem Innern keinen so genann- U 2 ten vom Trappen Id. tab. 57. fig. 1. 2. von der Waldschnepfe Id. tab. 57. fig. 6. von der Heerschnepfe Id. ib. fig. 8. von der Brachschnepfe Id. tab. 58. fig. 1. von der Pfuhlschnepfe ib. fig. 2. vom Schwan Id. tab. 56. fig. 1. von der Gans Id. Tab. 56. fig. 1. und tab. 59. fig. 2. und von der Seite und im Innern Hr. Prof. Ludwig de cinerea cerebri substantia Lips. 1779. 4. fig. 1. 2. 3. von unten Ebel tab. 2. fig. 1. von der Kriekänte Collins tab. 57. fig. 7. und von der gemeinen wilden Aente Id. tab. 56. fig. 3. 4. XVI. Abschnitt. ten arbor vitae zeigt. Hingegen ist das Rückenmark verglichen mit der Klein- heit des Gehirns, bey den mehresten Amphibien von ausnehmender Stärke Abbildungen des Gehirns einer Land- schildkröte s. bey Caldesi tab. 2. fig. 5. von Fröschen. bey Ludwig, Vicq- d'Azyr und Ebel a. a. O. und von der Viper ebenfalls bey Vicq-d'Azyr tab. 10. fig. 8. . D) FISCHE. §. 214. In dieser Classe füllt das Gehirn bey weiten nicht die Hirnschale aus: son- dern zwischen der dura mater (die bey den mehresten grossen Fischen von einer fast knorpelartigen Festigkeit ist,) und der pia findet sich eine Menge einer fet- tig-salzigen Feuchtigkeit in einem lockern Schleimgewebe, das einer schau- migen Sulze ähnelt und die Stelle der arachnoidea zu vertreten scheint S. die herrliche Abbildung eines geöff- neten Hechtkopfs bey Casserius de au- ditu tab. 12. . §. 215. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. §. 215. Uebrigens ist der Bau des Hirns bey den verschiedenen Geschlechtern und Gattungen (ja selbst nicht gar selten bey den Individuis der nämlichen Spe- cies) von Fischen von vielartiger Ver- schiedenheit, besteht aus mancherley meist paarweise gereihten tuberculis oder lobulis , unter welchen doch durchge- hends die fünfe, deren bey den Amphi- bien gedacht worden, als die constan- testen sich auszeichnen Haller de cerebro piscium in den Oper. minor . T. III. pag. 198. Abbildungen von Fischgehirnen fast aus allen Ordnungen, doch meist nur von der obern Aussenseite finden sich bey Collins tab. 60. bis 70. Ausserdem von Rochen Camper in s. klein. Schr. II. B. 2. St. tab. 3. fig. 1. 2. Monro Physiol. der Fische , tab. 1. 34. und 37. und Scarpa de auditu et olsactu , tab. 1. fig. 1. von . U 3 §. 216. XVI. Abschnitt. §. 216. Eine eigne Merkwürdigkeit die zu vielen physiologischen Untersuchungen und Folgerungen Anlass gegeben, ist, dass wenigstens bey den mehrsten Fi- schen die Sehenerven sich (ungefähr wie von Hayfischen Stenonis in den Elem. myologiae tab. 5. fig. 4. und tab. 7. fig. 1. auch Scarpa a. a. O. tab. 2. fig. 6. vom Froschfisch ( Lophius piscatorius ) Camper a. a. O. tab. 1. fig. 1. 2. vom Meeraal ( Muraena conger ) Vicq- d'Azyr a. a. O. tab. 10. fig. 3. vom Kabeljau ( Gadus morrhua ) Id . ib. 1. B. 2. St. tab. 1. fig. 2. Camper a. a. O. und Monro tab. 39. vom Schellfisch ( Gadus aeglefinus ) Id . on the nervous System tab. 32. von der Steinbutte ( Pleuronectes ma- ocimus ) Vicq-d'Azyr tab. 10. fig. 5. vom Wels Ebel a. a. O. tab. 2. fig. 4. vom Hecht ausser Casserius a. a. O. Vicq-d'Azyr tab. 10. fig. 4. Ebel tab. 2. fig. 2. und Scarpa tab. 2. fig. 1. vom Karpen Ebel ib. fig. 3. und Scarpa tab. 2. fig. 4. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. wie ein Paar übereinander geschlagene Finger) kreuzen S. Hrn. Hofr. Soemmerring in den Hes- sischen Beyträgen zur Gelehrsamkeit 1. B. 2. St. 1784. S. 205. und Dess . Diss. de decussatione nervor. opticor . Mo- gunt. 1786. pag. 24. G. Coopmans neurologia pag. 38. u. f. Hrn. Prof. Rudolphi im Wiede- mann ischen Archiv . 1. B. 2. St. pag. 156. und viele der in der vorigen Note angeführten Abbildungen. . Eben diese Nerven haben bey man- chen Fischen den sonderbaren Bau einer der Länge nach aufs sauberste zusam- mengefalteten Markhaut S. Eustachii ossium examen pag. 227. und eine Abbildung aus dem Schwert- fisch bey Malpighi de cerebro . Um damit das gewöhnliche Gefüge andrer Nerven zu vergleichen s. man z. B. die Abbildung von dem physiolo- gischen Präparat des Anfanges vom 5ten Paar . U 4 Und XVI. Abschnitt. Und die Geruchsnerven bilden bey manchen, z. E. beym Stock-Kabeljau ( Gadus merluccius ) und Karpen Scarpa a. a. O. ehe sie sich in die unten zu erwähnende ge- faltete Nasenhaut verbreiten eine Art von Nervenknoten, dergleichen sich sonst, so viel bekannt, am übrigen Ner- vensystem der Fische nicht finden. §. 217. Endlich verdienen hier auch noch diejenigen Nerven besondere Erwähnung, die sich bey den elektrischen Fischen in ihre bewundernswerthen aponeuro- tischen Zellen vertheilen, welche mit Eyweiss ähnlichen Stoffe und Gallerte gefüllt sind und ihnen gleichsam statt einer Leidner Flasche oder elektrischen Batterie Paar beym Elephanten in Abr. Kaau Boerhaave historia anatomica ( prior ) infantis, cuius pars corporis inferior monstrosa . Petrop. 1754. 4. tab. 1. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. Batterie dienen. Beym Zitterrochen ( Raia torpedo ) liegen bekanntlich diese son- derbaren Organe nach den Seitenflossen des Thiers I. Hunter in Philos. Transact . Vol. LXIII. pag. 481. tab. 20. Mich. Girardi in den Memorie della Societa italiana . T. III. pag. 553. und erhalten ihre Nerven vom 5ten Paare. Beym Zitteraal ( Gymno- tus electricus ) finden sie sich gegen Ende des Hinterleibes I. Hunter in Philos. Transact . Vol. LXV. pag. 395. tab. 9. und ihre Nerven kommen von den vertebralibus . Und beym Zitterwels ( Silurus electricus ) sind sie, wie man spricht, zwischen Fell und Fleisch über den ganzen Leib des Thiers verbreitet und ihre Nerven entspringen vom 8ten Paare Hr. Prof. Geoffroy im Bulletin de la Societé philomatique 6e année . T. III. pag. 169 sq. . U 5 E) XVI. Abschnitt. E) INSECTEN. §. 218. Der allgemeinen Einrichtung des Nervensystems in dieser Classe ist oben (§. 204.) gedacht. Bey den Raupen, als bey welchen es bis jetzt am genauesten untersucht worden S. vor allen Lyonet 's Nevrologie der Weidenraupe tab. 9. tab. 10. fig. 5. 6. und tab. 18. fig. 1. vom Seidenwurm Swammerdam tab. 28. fig. 3. (besser als bey Malpighi ) und Bibiena in den comm. instit. Bononiens . T. V. P. I. tab. 4. fig. 17. 18. 20. und im Schmetterling fig. 21. In der Raupe des Nessel-Papilions Swammerdam tab. 34. fig. 7. In der des gemeinen Buttervogels Bi- biena fig. 19. , liegt das Gehirn gleichsam wie ein bohnenförmiger doppelter Ner- venknoten in der nach Verhältniss zu demselben mächtig grossen hörnernen Hirn- Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. Hirnschaale. Von da läuft der nervige Strang der bey den rothblütigen Thieren das Rückenmark macht, hier längs des Bauches und bildet unterwegs ein Dutzend einfache ganglia , aus welchen zunächst, so wie aus dem doppelten Hirn- knoten, die Nerven-Paare entspringen Von anderen Insecten s. z. B. das Ner- vensystemder Larve des Nashornkäfers bey Swammerdam tab. 28. fig. 1. und Roe- sel T. II. Erdkäfer 1ste Cl. tab. 8. fig. 4. vom Uferaas Swammerdam tab. 14. fig. 1. tab. 15. fig. 6. vom Männchen der Imme Id . tab. 22. fig. 6. von Musca chamaeleon in verschiede- nen Stadien der Verwandlung Id . tab. 40. fig. 5. tab. 41. fig. 7. von der Käsemade Id . tab. 43. fig. 7. von der Laus Id . tab. 2. fig. 7. von einem Schneckenkrebs Id . tab. 11. fig. 9. vom Hummer Willis de anima bru- torum tab. 3. fig. 1. Viele . F) XVI. Abschnitt. F) WÜRMER. §. 219. Die Bewohner der Corallen und die eigentlich sogenannten Zoophyten aus- genommen, ist nun bey vielen Geschlech- tern aus den übrigen Ordnungen dieser Classe ein distinctes Nervensystem, so gut wie bey den Insecten, erwiesen S. z. B. vom Regenwurm Ios. Mangili de systemate nerueo hirudinis, lumbrici terrestris aliorumque vermium . Ticini 1795. Deutsch im IIten B. von Hrn. Oberbergrath Reil 's Archiv . vom Blutegel schon Redi de viuenti- bus intra viuentia tab. 14. fig. 9. und Bibiena in den comment. instit. Bono- niens . T. VII. tab. 2. fig. 5. tab. 3. fig. 6. — vergl. . Selbst Viele treffliche anatomische und phy- siologische Bemerkungen über das Ner- vensystem mancher Insecten enthalten Hrn. Fr. Al. von Humboldt 's Versuche über die gereitzte Muskel- und Nerven- faser I. B. pag. 273 bis 86. Vom Gehirne u. d. Nervensystem überhaupt. Selbst bey vielen von denen, welchen es sonst von andern Naturforschern aus- drücklich abgesprochen worden war S. darüber Hrn. von Humboldt a. a. O. pag. 257 u. f. und Hrn. Prof. Cuvier 's oben schon ein für alle Mahl angeführtes classisches Werk. T. II. pag. 298. u. f. . In manchen zeigt selbst der Bau und die Vertheilung dieses Systems auffal- lende Aehnlichkeit mit der Insecten ih- rem. So z. E. des Goldwurm ( Aphrodite aculeata ) seines, verglichen mit der Raupen ihrem Pallas Miscellanea Zoologica tab. 7. fig. 13. . Bey anderen ist es hingegen desto anomalischer, wie z. E. beym vergl. auch Bening 's treffliche Mono- graphie pag. 19 u. f. und Mangili a. a. O. von einer Wegschnecke Swammer- dam tab. 9. fig. 2. von der Weinbergschnecke Swam- merdam tab. 4. fig. 6. tab. 6. fig. 1. ver- glichen mit Spallanzani in den Memo- rie della Societa italiana . Tab. II. P. II. pag. 545. XVI. Abschnitt. Vom Gehirne u. s. w. beym Tintenfisch, aus dessen Gehirn zwey dicke Stränge entspringen, die sich in der Brust in zwey käulenförmige ganglia enden, von welchen sich zahl- reiche Nerven verbreiten Swammerdam tab. 52. fig. 2. Monro 's Physiol. der Fische tab. 41. fig. 3. und Scarpa a. a. O. tab. 4. fig. 7. . Sieb - Siebzehnter Abschnitt. Von den Sinnwerkzeugen überhaupt und den Organen des Tastens ins Besondere. §. 220. Ueber wenige andere Gegenstände der vergleichenden Anatomie und Physiolo- gie sind die Meinungen so verschieden und getheilt gewesen, als über die Sinn- werkzeuge mancher Thierclassen Viele nützliche Collectanea so wie zur vergleichenden Physiologie überhaupt, so besonders über die Sinnwerkzeuge der Thiere s. in P. Boddaert 's natuur- kundige Beschouwing der Dieren . 1. D. Utrecht 1778. 8. . Vieles Missverständniss hierin ist offen- bar dadurch veranlasst worden, dass man zu voreilig und unbedingt von den menschlichen Sinnwerkzeugen auf der Thiere XVII. Abschnitt. Thiere ihre geschlossen; folglich z. B. gemeint hat, Thiere, die eine Zunge haben, müssten deshalb auch damit schmecken können; hingegen Thieren an denen keine Nase zu unterscheiden ist, fehle der Sinn des Geruchs, und dergl. m. Beobachtung und Nachsinnen lehrt bald, dass um nur bey den eben- gedachten Beyspielen zu bleiben, sehr vielen Thieren, z. B. unter den Säuge- thieren den Ameisenbären, und dann den allermehrsten Vögeln, die Zunge wo- mit sie versehen sind, nach der Substanz oder auch nach dem Mechanismus der- selben zu urtheilen, unmöglich als Or- gan des Geschmacks sondern bloss zur Ingestion ihres Futters dienen kann; und dass andere, besonders unter den Insecten, sehr scharfen Geruch verra- then, ob sich gleich kein Theil an ih- rem Kopfe angeben lässt, den man der Analogie nach für eine Nase ansprechen dürfte. §. 221. Von den Sinnwerkzeugen überhaupt u. s. w. §. 221. So allgemein wohl den Thieren das Gefühl überhaupt zukommt, wodurch sie besonders für die Eindrücke von Wärme und Kälte empfänglich werden, so sind hingegen nur sehr wenige, so wie der Mensch, mit Organen versehen, die ausschliesslich zum Tasten bestimmt sind; um nämlich damit absichtlich äussere Gegenstände zu befühlen, zu exploriren, gleichsam zu sondiren. Ueberhaupt scheint sich dieser Sinn, so viel wenigstens bis jetzt bekannt, nur in drey Thierclassen zu finden: nämlich bey mehreren Säugethieren, bey weni- gen Vögeln, und dann wahrscheinlich bey den Insecten. A) SÄUGETHIERE. §. 222. Am vollkommensten, dem mensch- lichen Bau am ähnlichsten, ist bekannt- lich das Organ des Betastungssinnes bey X den XVII. Abschnitt. den Quadrumanen ausgebildet; als bey welchen die Fingerspitzen, zumahl an den Hinterhänden, mit einer eben so weichen, und eben so sonderbar und regelmässig zartbefurchten Haut beklei- det sind als beym Menschen. Auch unter den Digitatis mögen mehrere mit diesem Sinn versehen seyn. Namentlich glaube ich ihn an der Un- terseite der Vorderzehen des Waschbär ( Vrsus lotor ), und dem feinen Gebrauch den er davon macht, zu bemerken. Minder ausgemacht dünkt mich, ob man den Rüssel des Maulwurfs Derham 's Physicotheology p. 206. not. 60. und der Schweine Darwin 's Zoonomia T. I. pag. 162. , geschweige die Zunge bey den solidungulis und bisulcis Buffon , hist. des Oiseaux . T. I. pag. 47. , oder die Schnauze bey diesen und ande- ren Thieren Id . hist. naturelle . T. III. pag. 360. , für wahre Organe des Beta- Von den Sinnwerkzeugen überhaupt u. s. w. Betastungssinnes in der obgedachten Be- deutung ansehen darf Noch weniger können wohl die langen steifen Barthaare beym Katzengeschlecht und vielen andern Säugethieren für Or- gane des Tastens im oben bestimmten Sinn angesehen werden, ob sie gleich dazu dienen mögen, die Thiere, wenn sie damit anstossen, zu warnen oder auf andete Weise aufmerksam zu machen. S. darüber Darwin a. a. O. Hrn. Prof. Wiedemann in den Götting gel. Anzei- gen . 1798. S. 210. Hrn. Dr. Albers eben- das. 1803. S. 603. und Hrn. Prof. Vro- lik over het Nut der Knevels by vier- voetige Dieren . Amst. 1800. 8. . Eher möchte man ihn noch dem Rüssel des Elephan- ten zuschreiben können. Desto unverkennbarer zeigt sich der- selbe hingegen nach meinen Untersu- chungen an dem so wunderbaren Schna- belthier ( Ornithorhynchus paradoxus ), und zwar ist bey ihm so wie bey den Aenten u. s. w., das Organ dazu, die ausnehmend nervenreiche Haut womit X 2 seine XVII. Abschnitt. seine schnabelförmigen Kiefer, zumahl der obere, bekleidet sind, und in wel- che sich die ansehnlichen Nerven vom fünften Paare, und zwar hauptsächlich vom zweyten Aste desselben, im gan- zen völlig wie bey den genannten Schwimmvögeln, verbreiten. (— tab. I. k. l. m. p. —) B) VÖGEL. §. 223. Das so eben gedachte Organ des Be- tastungs-Sinnes beym Schnabelthier stimmt seinem Bau nach zum Bewun- dern mit dem bey den Gänsen und Aen- ten überein, als bey welchen der Schna- bel mit einer ähnlichen äusserst empfind- lichen Haut überzogen, und diese mit einer Menge Nerven von allen drey Aes- ten des fünften Paars durchzogen ist. (— tab. IV. c und f bis o —) Offen- bar dient ihnen dieser Apparat um da- mit im Schlamme, wo ihnen weder Se- hen Von den Sinnwerkzeugen überhaupt u. s. w. hen noch Riechen zu Statten kommt, nach ihrem Futter umher zu tasten . C) AMPHIBIEN. §. 224. Es ist wohl mehr witzig als wahr, wenn man von den Schlangen gesagt hat Girtanner in s. Darstellung des Dar- win schen Systems 1. Th. pag. 124. , ihr ganzer Körper sey gleichsam eine Hand, wodurch sie sehr richtige Gefühlsbegriffe erhalten könnten. Viel- mehr scheint jener der Hand zukommende Sinn des Tastens, von welchem hier die Rede ist, der ganzen Classe der Amphi- bien abzugehen. D) FISCHE. §. 225. Und eben diess ist wohl der Fall bey den Fischen, wovon übrigens die mehresten, zumahl am Bauche und an X 3 den XVII. Abschnitt. den Lippen ein äusserst feines Gefühl haben La Cepede , hist. naturelle des paissons . T. I. Discours . pag. 65. . E) INSECTEN. §. 226. Mehr als bloss wahrscheinlich ist es hingegen nach allen Untersuchungen und Beobachtungen, die über den Bau der Antennen, dieser den vollkommnern Insecten wohl allgemein zukommenden eigenen Organe, und den unverkennba- ren Gebrauch angestellt worden, den so viele Geschlechter davon machen, dass dieselben wirklich das sind, was ihr deutscher Name andeuten soll, Fühlhörner, oder noch eigentlicher Be- tastungswerkzeuge, um damit zu sondi- ren und zu exploriren S. hierüber vorzüglich Hrn. Dr. M. Chr. Gottl. Lehmann de antennis insectorum Diss. I. II. Lond. 1799. 8. Und , was ihnen bey Von den Sinnwerkzeugen überhaupt u. s. w. bey der Unempfindlichkeit ihrer äussern meist hornartigen Bekleidung und den mehrsten auch bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen um desto nöthiger ist. F) WÜRMER. §. 227. Minder entschieden scheint es hinge- gen vor der Hand noch, ob auch die so- genannten Fühlfaden ( tentacula ) bey so vielen Würmern, und namentlich die Arme der Sepien Nach Buffon , hist. naturelle . T. III. pag. 360. , für Organe des Tastens, in dem engern Sinne wovon hier die Rede ist, angesehen werden dürfen S. darüber ebenfalls Hrn. Dr. Lehmann de sensibus externis animalium exsan- guium Goetting. 1798. 4. pag. 43 u. f. . Und besonders von den Fühlhörnern der Käfer Herrn Prof. Knoch 's neue Beyträge zur Insectenkunde 1. Th. Leipz. 1801. 8. pag. 33 u. f. X 4 Und XVII. Abschn. Von den Sinnwerkz. u. s. w. Und Hrn. Dr. F. Ios. Schelver 's Versuch einer Naturgesch. der Sinnes- werkzeuge bey den Insecten und Wür- mern . Ebendas. 1798. 8. pag. 28 u. f. Besonders aber Hrn. Prof. Drapar- naud 's Tahleau des Mollusques terrestres et fluviatiles de la France . Montpell. 1801. 8. pag. 8 u. f. Acht - Achtzehnter Abschnitt. Von der Zunge . §. 228. Dass bey uns und manchen andern Thieren die Zunge das Organ des Ge- schmacks ist, berechtigt uns freylich nicht, allen Thieren, die eine Zunge ha- ben, deshalb denselben zuzuschreiben. Denn manchen dient dieses Organ, wie schon gedacht, offenbar bloss zur Inge- stion Nach der verschiedenen Ingestionsweise ist auch das Zungenbein bey den Thie- ren in den drey ersten Classen von vielartiger Verschiedenheit. S. darüber schon viel Treffliches bey Fabric. ab Aquapendente de larynge pag. 276. u. f. und Casserius de vocis organis mit braven Abbildungen. Die , und bey vielen andern ist es X 5 wenig- XVIII. Abschnitt. wenigstens noch sehr zweifelhaft, ob sie wirklich damit schmecken. Aber eben so wenig sind wir befugt, weder die- sen noch den ganz zungenlosen Thie- ren den Geschmackssinn abzusprechen, der bey ihnen einen andern Sitz haben kann Ich habe selbst einen erwachsenen übri- gens sehr wohl gebildeten Menschen gesehen, der ohne Zunge geboren war, und der mir dennoch, wenn ich ihm die Augen verband und Auflösungen von Salzen, Zucker, Aloe u. s. w. an den Gaumen strich jedesmahl hernach den Geschmack schriftlich angab, den jede dieser Solutionen ihm verursacht hatte. Warum sollten also nicht auch Thiere, die entweder gar keine oder eine aller Vermuthung nach zum Schmecken un- ge- . Ueberhaupt aber ist diess wohl unter Die sonderbaren Zungenbeine des Wallrosses und Braunfisches (Delphinus phocaena) wird Hr. Dr. Albers im IIten Hefte seiner Beyträge beschreiben. Manches hierher gehörige ist schon be- rührt, anderes kommt in der Folge vor. Von der Zunge. unter den fünf Sinnen derjenige, über welchen sich vor der Hand noch in der vergleichenden Physiologie am wenig- sten mit Gewissheit entscheiden lässt. A) SÄUGETHIERE. §. 229. Eine völlig menschenähnliche Zunge hat sich meines Wissens noch bey kei- nem andern Säugethiere gefunden. Selbst der Affen ihre unterscheidet sich davon durch ihre schmalere langgestreckte Form und geschickte Zunge haben, dennoch einen Geschmackssinn in einem oder dem an- dern benachbarten Theile besitzen. Nur würde ich nicht mit dem sonst so scharf- sinnigen Grew (in seiner comparative anatomy of stomachs and guts pag. 26.) die innere Haut der drey ersten Magen bey den bisulcis für das Organ ihres Ge- schmacks halten, um so weniger, da schon Wepfer u. a. längst den Genuss des Wohlgeschmacks bemerkt haben, der mit dem Wiederkauen des zurück- gebrachten Futters verknüpft ist. XVIII. Abschnitt. und durch die grössere Differenz der mehr verschiedenartigen Papillen, womit ihre obere Seite gleichsam besäet ist So ist z. B. die Zunge des gemeinsten ungeschwänzten Affen (Simia syluanus) , die ich vor mir habe, fast drey Mahl so lang als breit, hat hinten nur drey, wie im Triangel stchende papillas pe- tiolatas , dann aber auf 200 obtusas , die vor jenen und an beyden Seiten der Zunge, am meisten aber am vor- dern Ende derselben, wie weisse Körn- chen aufsitzen, selbst zwar nicht ganz von gleicher Grösse sind, sich aber doch sämmtlich auf den ersten Blick ohne Vergleich auffallender von den conicis , welche die übrige ganze Oberfläche be- decken, auszeichnen, als diess bey der Menschenzunge der Fall ist. . §. 230. Bey den mehrsten Herbivoren, zu- mahl aber bey den bisulcis , ist sie mit einem festen und dichten epithelium be- kleidet, das zahllose zugespitzte und rückwärts gekehrte Papillen bildet, die wenig- Von der Zunge. wenigstens bey den hieländischen, ihrer Consistenz und Richtung nach, zum Ab- rupfen des Grases zu nutzen scheinen. Weit schärfer greift hingegen die gleich- sam stachelige Zunge der Thiere aus dem Katzengeschlecht ein Daubenton Vol. IX. tab. 15. fig. 2. vom Panther. Fig. 3. von der Katze. Tab. 22. fig. 2. 3. vom Luchs. . Doch fin- den sich ähnliche scharfe Papillen auch auf der Zunge mancher andrer, z. E. bey manchen Fledermäusen Ebendas. Vol. X. tab. 15. vom fliegenden Hund. Pallas spicileg . III. tab. 2. fig. 5. 6. vom Vespertilio cephalotes . , Beutel- thieren So fand ich auf der Zunge eines Opos- sum (Didelphis marsupiaiis) die Mitte des vordern Endes mit scharfen steifen Papillen besetzt, die stärker in die Haut hakten als der Katzen ihre. u. s. w. Inzwischen scheint kein Zweifel, dass doch auch allen diesen Thieren ihre Zunge, XVIII. Abschnitt. Zunge, wenigstens an den vordern Rän- dern, allerdings auch zum Schmecken diene. §. 231. Anders verhält es sich hingegen bey denjenigen zahnlosen Säugethieren, die wie die Ameisenbären Bey einem zweyzehigen Ameisenbär, den ich zergliedert, war die Zunge dritthalb Zoll lang und am dicken Wur- zelende doch nur von der Stärke eines Taubenkiels, meist cylindrisch, doch längs der obern Seite mit einer kaum merklichen feinen Furche. Hinten an der Wurzel fanden sich zwey sehr feine Foramina coeca . Das Zungenbein ro- bust, doch nicht sonderlich gross, auch ziemlich einfach, hufeisenförmig. Hin- gegen die dazu gehörigen Muskeln, die geniohyoidei , der mylohyoideus , zumahl aber der genioglossus von ausnehmen- der Grösse und Stärke. Da und Schuppen- thiere Von der Zunge. thiere ihr Futter ganz schlucken, als bey welchen wohl offenbar die lange wurm- Da eben von der Zunge, als Organ der Ingestion, die Rede ist; so findet auch wohl hier der vulgo sogenannte Tollwurm der Hunde seine fügliche Stelle; ein sehniges spindelförmiges Band das unter ihrer Zunge längs bis gegen die Spitze läuft, ziemlich lose, wie in einer häutigen Scheide liegt, ohne als eine wahre Sehne mit einem der benachbarten Muskeln verwachsen zu seyn, und dessen Exstirpation ein altes Vorurtheil, wenigstens schon seit Plinii Zeiten, für ein Präservativ gegen die Hundswuth hielt. Ueber den Bau dieses übrigens allerdings sonderbaren und noch aus mancher Rücksicht räth- selhaften Theils s. Morgagni de sed. et causs. morbor . T. I. pag. 67. der Venet. Ausg. von 1761. Fol. Schon Casserius meinte, dieses Organ diene wohl den Hunden zum Einlecken bey der eigenen Weise, wie sie saufen. Damit reimt sich wenigstens, dass das gedachte Opossum, das ich lange Zeit lebendig gehabt XVIII. Abschnitt. wurmförmige Zunge lediglich zum Or- gan der Ingestion bestimmt scheint. B) VÖGEL. §. 232. Zwar sind wohl alle Vögel mit einer Zunge versehen, denn auch der Pelican ( onocrotalus ), dem man sie absprechen wollen, hat doch allerdings ein deutli- ches Rudiment davon: aber nur weni- gen Geschlechtern scheint dieselbe wirk- lich zum Schmecken zu dienen. Doch ist diess wohl mit manchen Raub- und Schwimmvögeln, besonders aber mit den mehrsten Papageyen der Fall, als deren weiche, dicke Zunge mit Papillen besetzt ist und mit speichelartiger Feuch- tigkeit benetzt wird, und die auch mancherley Getränk und flüssige oder weiche Speisen mit derselben wirklich kosten und auswählen. §. 233. gehabt, und das auf ähnliche Weise soff, auch ein Rudiment eines ähnlichen Bandes unter der Zunge hat. Von der Zunge. §. 233. Hingegen ist bey vielen andern Vö- geln die Zunge hornartig, steif, nerven- los, folglich durchaus zum Schmecken unfähig, sondern bloss zur Ingestion bestimmt. So um Ein auffallend un- verkennbares Beyspiel statt vieler anzu- führen bey den Pfefferfrassen, deren Zunge theils Spannenlang und doch an der Wurzel kaum zwey Linien breit, durchaus wie ein Streifen Fischbein und an den Seitenrändern vorwärts geza- sert ist. §. 234. Ueberhaupt ist die Zunge bey den verschiedenen Geschlechtern und Gat- tungen dieser Thierclasse von sehr viel- artiger Gestaltung S. die Kupfertafeln zu Iac. Chr. Schaef- fer elementis ornithologicis Ratisb. 1774. 4. und Mechanismus. Von letzterm verdienen zwey Beyspiele beson- Y XVIII. Abschnitt. besondre Erwähnung; der nämlich an der Zunge der Spechte und des Auer- hahns. Insgemein wird den Spechten eine ausnehmend lange Zunge zugeschrieben. Dem ist nicht so. Denn was man bey andern Vögeln eigentlich ihre Zunge nennt, ist bey jenen winzig klein; gleichsam nur ein hornartiges Pfeilspitz- chen mit Wiederhaken an den Seiten- rändern. Dahinter aber folgt ein über- aus sonderbares schlankes, aber sehr lang- schenkeliges Zungenbein, das aus fünf fast grätenförmigen, theils knorpeligen Stücken besteht, einem einfachen und vier gepaarten. In der Ruhe liegt je- nes in einer fleischigen sehr dehnbaren Scheide im Schnabel. Das erste Paar der damit articulirenden Seitenschenkel liegt zu beiden Seiten des Halses, das andre hieranstossende aber läuft unter der Haut über den Schedel, wo die convergirenden Extreme neben einander wie in einer Rinne liegen, und vorn, gewöhn- Von der Zunge. gewöhnlich zur linken im Oberschnabel, enden. An diesem hintern Paar hängt das ganze sonderbare Ingestionsorgan gleich- sam wie in Stahlfedern Ein schönes Beyspiel zum Erweis des grossen Antheils, den schon die blosse Federkraft an der Vollziehung man- cher Functionen der thierischen Oeco- nomie hat. . Das vordre aber legt sich, wenn die Zunge ausgeschossen werden soll, an einander, wird von dem hintern Ende der alsdann ausgedehnten fleischigen Scheide des Vorderstücks mit aufgenommen; und dadurch die gleichsam verlängerte Zunge mehrere Zoll weit herausgetrieben Mery in den Mém. de l'Acad. des sc . 1709. pag. 85. Waller in den philosoph. Trans- actions Vol. XXIX. pag. 509. Hr. Wolf im neuen Voigt ' schen Magazin II. Th. pag. 468 u. f. . Beym Auerhahn hat die Zunge eine noch mehr anomalische Mobilität, in- Y 2 dem XVIII. Abschnitt. dem sie mit sammt dem Kehlkopf in der Ruhe tief unten im Schlunde steckt, und doch mittelst ansehnlicher Mus- keln auch schnell und leicht heraufge- zogen werden kann Frisch Vögel in Deutschland tab. 108. Schneider ad reliqua libror . Frideri- ci II. tab 2. Gilibert , médecin naturaliste . Lyon 1800. 8. pag. 294. . C) AMPHIBIEN. §. 235. Auch aus dieser Classe nur einige wenige Beyspiele von Hauptverschie- denheiten. Bey den Crocodilen, denen die Zunge von Herodotus bis Hasselquist so oft ganz abgesprochen worden, ist sie klein, von weniger Beweglichkeit und zwi- schen dem Unterkiefer wie verwachsen Corn. Gul . de Rhoer de fide Hero- doti rite aestimanda in den Verhande- lingen . Ihnen Von der Zunge. Ihnen ähneln hierin die Salamander. Ganz verschieden hiervon ist hinge- gen die wunderbare oft beschriebene Zunge des Chamäleon, deren Mechanis- mus gewisser Massen eher mit der Spechte ihrer verglichen werden könnte; doch ist die Form anders, das vordere Ende kolbicht, mit einer ausgehöhlten Ver- tiefung u. s. w. S. ausser den schon oben hin und wie- der zur Anatomie dieses Thiers ange- führten Quellen B. Hussem in den Verhandelingen van de Maatschappye te Haarlem VIII. D. II. St. pag 228. Und I. Fr. Miller icones animalium et plantarum tab. 11. . Y 3 Die lingen van Teyler's tweede Genootschap VII. St. pag. 104. L. v. Hammen de herniis pag. 105. Nouvelles de la république des Lettres Oct. 1688. pag. 1125. XVIII. Abschnitt. Die Zunge mancher Schildkröten ist am vordern Rande mit langfaserigen Papillen dicht besetzt So fand ich sie noch dieser Tage bey einer Testudo graeca von Magador. Die verschiedene Form der Zungen- beine der Schildkröten s. bey Caldesi tab. 8. . Bey den Fröschen liegt die flache fleischige Zunge in der Ruhe von vorn nach hinten, d. h. sie ist vorn hinter dem Bogen des Unterkiefers festgewach- sen und ihr freyes Ende ist rückwärts gekehrt, so dass es mit seinem meist halbmondförmigen Ausschnitt die Stimm- ritze umfasst. Um Beute damit zu ha- schen, wird die Zunge vorwärts und zum Maule heraus geschlagen. §. 236. Eine ähnliche Befestigung und Rich- tung der Zunge findet sich auch bey den Schlangen Dr. Seetzen in F. A. A. Meyer 's zoo- logischen Archiv II. St. pag. 65. , nur ist sie rund und schlank, Von der Zunge. schlank, mit zweyspaltiger Spitze und ihre Wurzel wie in einer fleischigen Scheide, aus welcher sie aus und ein gezogen werden kann Abbild. naturhist. Gegenstände IV. Heft tab. 37. von der Boa und Klapper- schlange. Das sonderbare Zungenbein der Schlan- gen, das mit zwey Knorpelfäden vorn zu beyden Seiten der Luftröhre herab- steigt s. bey Tyson in den philos. Transact . Vol. XIII. pag. 58. fig. 5. . D) FISCHE. §. 237. Von der Zunge dieser und der bey- den folgenden Thierclassen lässt sich vor der Hand noch wenig sagen. Vollends ob und in wie fern sie als Geschmacks- organ diene? Bey den Fischen zeigt sie wenig- stens keine deutlichen Papillen Lorenzini osservaz. sulle Torpedini . pag. 41. , und Y 4 ist XVIII. Abschnitt. ist hingegen bey vielen mit Zähnen besetzt. Was man an manchen, z. E. beym Karpen, insgemein die Zunge nennt, ist ein oben am Gaumen befestigter, drüsenartiger, aber am lebendigen Thier äusserst reitzbarer Theil Observ. coll. priv. Amstelod . I. pag. 40. . E) INSECTEN. §. 238. Dasjenige Organ das allgemein bey den Insecten die Zunge genannt wird Ueber diesen Theil und seine Verschie- denheiten habe ich eine überaus ge- naue mit zahlreichen Zeichnungen er- läuterte Monographie eines trefflichen Entomologen des Herrn Dr. Iac. Chr. Gust. Karsten aus Rostock in der Hand- schrift vor mir, die hoffentlich bald be- kannt gemacht werden wird. , dient wohl offenbar bloss zur Inge- stion Schelver a. a. O. pag. 39 u. f. Aug . , hingegen ist es nach den ge- nauen Von der Zunge. nauen Beobachtungen des Hrn. Prof. Knoch sehr wahrscheinlich, dass we- nigstens vielen derselben das hintere Paar Palpen zum Schmecken gegeben sey a. a. O. pag. 32. tab. 1. fig. 9. d. d . vom Scarabaeus Frischii . tab. 8. fig. 4. vom Carabus vnicolor etc. . F) WÜRMER. §. 239. Im Munde mancher Mollusken Vom gemeinen Tintenfisch Swammer- dam pag. 882 u. f. tab. 50. fig. 4. 5. und Schnecken Von der Weinbergsschnecke Id . pag. 109. tab. 5. fig. 3. findet sich ein Organ, das man seiner Lage wegen für eine Zunge zu nehmen pflegt. Aber bis jetzt ist noch keine der über ihren Nutzen angestellten Beobachtungen entscheidend genug, um sie für Sinnwerkzeuge des Geschmacks halten zu dürfen. Aug . W. Knoch neue Beyträge zur Insectenkunde 1. Th. 1801. 8. pag. 40. tab. 1. fig. 30. Die Zunge des Maykäfers ( Scarabaeus melolontha ). Y 5 Neun- XIX. Abschnitt. Neunzehnter Abschnitt. Von den Geruchswerkzeugen . §. 240. Der Sinn des Geruchs ist im Thier- reich ohne Vergleich ausgedehnter und allgemeiner als der des Geschmacks, da er nicht nur zahlreichen Gattungen zur Unterscheidung ihres Futters nöthig ist, wenn sie gleich dasselbe nachher nicht erst zu Schmecken brauchen, sondern auch ausserdem so sehr vielen bey Be- friedigung ihrer Geschlechtstriebe zum Aufsuchen der Gatten dient. Doch ist auch hier, zumahl was die dazu be- stimmten Werkzeuge betrifft, in den beyden Classen der sogenannten weiss- blütigen Thiere noch vieles problema- tisch Ueber die Geruchswerkzeuge vieler Gat- tungen aus den vier Classen von roth- bluti- . A) Von den Geruchswerkzeugen. A) SÄUGETHIERE. §. 241. Bey den vierfüssigen Säugethieren Fr. Chr. Rosenthal diss. de organo ol- factus quorundam animalium Ien. 1802. 4. im weitern Sinn (d. h. mit Einschluss der Quadrumanen und Fledermäuse,) lässt sich schon am Schedel die grössre oder mindre Stärke ihres Geruchssinnes, und zwar hauptsächlich aus dreyerley beur- theilen. a) Aus dem Bau ihres Siebbeins, be- sonders aus der Menge und symmetri- schen Anordnung der Oeffnungen, die im obern Horizontalblatt desselben zum Durchgang der Nervenfäden vom ersten Paar blütigen Thieren s. ausser den schon im Vorhergehenden angeführten Wer- ken von Cuvier, Scarpa u. s. w. noch besonders B. Harwood 's System der vergleichenden Anatomie und Physiologie, übers. mit Anm. und Zusätzen von C. R. W. Wiedemann 1. Heft, (das auch viel über den Bau des Gehirns enthält) Berl. 1799. 4. XIX. Abschnitt. Paar bestimmt sind; b) aus der Bildung der untern Muscheln; und c) aus dem Daseyn und Verhältniss der mittelbar zum Geruchsorgan beytragenden Neben- höhlen der innern Nase, vorzüglichst aber aus der Beschaffenheit der Stirn- höhlen. §. 242. Als Muster von gleichsam kunst- reichster Ausbildung des Siebbeins, so- wohl an Eleganz des siebförmigen Quer- blattes als der wundersamen Windun- gen seiner Muscheln, um in dem be- engten Raum der Nasenhöhlen durch die grösstmöglichste Fläche für die Schneidersche Haut zu erhalten, dienen namentlich die vom Igel, Maulwurf, Wiesel- Bären- Hund- und Katzenge- schlecht, ferner die von den mehresten bisulcis und von den Elephanten. Lau- ter Thiere die auch bekanntlich in der ausnehmenden Schärfe des Geruchs eminiren. Ueber- Von den Geruchswerkzengen. Ueberaus enge und wenig ausgebil- det ist hingegen das Siebbein der meh- resten Quadrumanen, als bey welchen es nicht zwischen ihren so dicht an ein- ander stossenden Augenhöhlen (§. 20) Am Gerippe eines Cercopithecus capucinus , das ich besitze, ist die ohnehin dünne Scheidewand zwischen beyden Augen- höhlen, da wo am Menschenschedel die so genannten ossa papyracea lie- gen, mit einer grossen Oeffnung durch- brochen, die im frischen Zustande nur wie mit einem Fenster von Beinhaut geschlossen scheint. , sondern tiefer in die Nase hinab liegt, so dass ihre Geruchsnerven erst zwischen den partibus orbitalibus des Sti r nbeins wie durch einen Canal herablaufen, auf dessen Boden das kleine unansehnliche Siebchen befindlich und nur mit weni- gen Oeffnungen durchbohrt ist S. Hrn. Prof. Joseph i Anatomie der Säu- gethiere 1. B. pag. 179 u. f. . Den Cetaceen kann gar kein Sieb- bein zugeschrieben werden; so wie ih- nen XIX. Abschnitt. nen auch überhaupt das erste Nerven- paar zu mangeln und dagegen der erste Ast des fünften Paars dessen Verrich- tung zu vertreten scheint. §. 243. Die untern Muschelbeine stehen bey den meisten Quadrupeden in Rücksicht der mehr oder minder gewundenen Abtheilungen mit den obern im Sieb- bein in gleichem Verhältniss. Besonders gross und fast tutenförmig sind sie bey den bisulcis S. des jüngern Casp. Bartholini ana- lecta obseruationum an seinem Specimen Historiae anatomicae tab. 3. fig. 3. 4. vom Schaf. Salv. Morand in den Mem. de l'ac. des sc . 1724. tab. 24. vom Ochsen. . Mit sehr zahlreichen Win- dungen bey vielen reissenden Thieren Casp. Bartholinus a. a. O. fig. 5. 6. vom Jagdhund. . Beydes aber, nämlich ausnehmend gross und Von den Geruchswerkzengen. und zum Bewundern vielfaltig durch einander gewunden bey der Robbe Eine treffliche Abbildung dieses Theils im Wallrosse wird im IIten Heft von Hrn. Dr. Albers's Beyträgen erscheinen. . §. 244. Die Stirnhöhlen sind, um nur we- nige Beyspiele auszuheben Ueber den Bau dieser Höhlen in den zahlreichen Geschlechtern und Gattun- gen aus den verschiedenen Ordnungen der Säugethiere habe ich ausführlich gehandelt in einer prolusio de sinibus frontalibus . Goetting. 1779. 4., wo ich eben aus der vergleichenden Anatomie den Antheil den diese Höhlen zur Ver- stärkung des Geruchs haben, zu erwei- sen, und hingegen die Meinung, als ob sie zur Bildung der Stimme dienten, zu widerlegen gesucht habe. , am aller- ungeheuersten beym Elephanten Stukeley an seiner History of the Spleen pag. 101. tab. 5. fig. 2. ; nächst dem bey dem so scharfwittern- den XIX. Abschnitt. den Schwein. Bey vielen von den mit eigentlichen Hörnern (§. 21. pag. 31 u. f.) versehenen Thieren dieser Classe, er- strecken sie sich mehr oder weniger in die Hornzapfen des Stirnbeins, doch bey keinem so sehr weit hinauf, als beym Steinbock. Ueberhaupt sind sie bey den bisulcis ansehnlich Bey den Schafen dienen sie bekanntlich den Larven des Oestrus ouis zum Ab- lager; so wie die Fälle nicht gar selten sind, dass sich bey Menschen zufälliger Weise andere Insecten, zumahl aber Sco- lopendra electrica hinein genistelt und theils heftige und langwierige Zufälle verursacht haben. , so auch bey den solidungulis und den mehresten reissen- den Thieren. Hingegen fehlen sie der Robbe, und so auch den meisten nagen- den Säugethieren, und den Cetaceen. §. 245. In Betreff der äussern Verlängerung und Oeffnungen der Nase, verdienen vor allen wegen ihres anomalischen Baues der Von den Geruchswerkzeugen. der Rüssel der Elephanten und die Blas- röhren der Cetaceen, Erwähnung. Bey jenem ist der Zwischenraum zwischen der äussern Haut und den beyden durch eine Scheidewand von einander abgesonderten innern Canälen hauptsächlichst mit zahllosen Muskel- bündeln von zweyerley Richtung und Function ausgefüllt. Mit transversalen nämlich, die gleichsam eccentrisch von jenen langen Nasenhöhlen nach den äussern Bekleidungen laufen Hist. des animaux T. III. tab. 22. f. g. Stukeley a. a. O. tab. I. fig. 2. ; und dann mit bogenförmigen, die mehr nach der Länge des Rüssels, doch mit ihren Enden nach innen gekehrt liegen Hist. des animaux a. a. O. b. c. d. . Stukeley tab. 5. fig. 1. . Jene dienen denselben auszudehnen, ohne dass doch dadurch seine beyden Höhlen beengt werden; die letztern hingegen ihn zu verkürzen; und bey- derley Z XIX. Abschnitt. derley ihm seine wundersame Beweg- lichkeit nach allen Richtungen zu geben. Bey den Cetaceen aber ist das Blase- loch ( fistula ) nicht wie viele Naturfor- scher gemeint, ein besondres, von den Nasenlöchern verschiednes Organ, son- dern ganz mit denselben einerley Wie schon Tyson richtig bemerkt hat. S. Dess . anatomy of a Porpess tab. 2. fig. 8. 9. , scheint aber überhaupt nicht zum rie- chen sondern bloss zum athmen und mittelst einer Klappe zum Aussprützen des mit ihren Fras in den Rachen drin- genden Wassers bestimmt zu seyn Cuvier im Magas: encyclopéd . A. III. T. II. pag. 299 u. f. . B) VÖGEL. §. 246. Die Nasenlöcher münden bey den mancherley Geschlechtern dieser Classe an sehr verschiedenen Stellen des O b er- schna- Von den Geruchswerkzeugen. schnabels; bey manchen, wie z. E. bey den Papageytauchern ( Alca arctica etc.) an den Seitenrändern desselben mit ei- ner so schmalen Ritze, dass sie leicht übersehen werden können Das mag Büffon's irrige Behauptung entschuldigen, als ob vielen Vögeln die Nasenlöcher gänzlich mangelten, so dass sie die Gerüche blos durch die Gaumen- öffnung empfangen könnten u. s. w. Hist. des oiseaux T. I. pag. 13. . §. 247. Die Vögel haben kein eigentliches Siebbein, sondern ihre Geruchsnerven treten durch die Augenhöhlen in die innere Nase und vertheilen sich in die Schleimhaut, womit zumahl die zwey bis drey Paar knöchernen Vorzüglich gross sind die schwammigen knöchernen Muscheln beym Kranich. oder knor- peligen und membranösen So z. E. beym Pfefferfras (— tab. V. b. —) Muscheln ( bullae turbinatae oder tubulatae vesi- Z 2 cae XIX. Abschnitt. cae Unter diesem Namen beschreibt sie schon vortrefflich der verdiente Conr. Vict. Schneider de osse cribriformi pag. 180 u. f. , von vielartiger Form und Grösse bekleidet sind Scarpa de auditu et olfactu tab. 3. fig. 1. 2. 3. von der Gans. fig. 4. vom wälschen Hahn. fig. 6. 7. vom Reiher. . C) AMPHIBIEN. §. 248. In dieser Thierclasse ist das Ge- ruchswerkzeug minder deutlich ausge- wirkt. Doch zeigen sich auch hier we- nigstens ein Paar knorpelige Erhaben- heiten, die den Muscheln der warmblü- tigen Thiere ähneln Scarpa tab. 5. fig. 1. 2. von einer See- schildkröte. fig. 10. o. p. von der Viper. . D) FISCHE. §. 249. Die mehresten Fische scheinen auf jeder Seite gedoppelte Nasenlöcher zu haben, Von den Geruchswerkzeugen. haben, da die Mündung derselben durch eine klappenförmige, bewegliche Haut als wie mit einer Scheidewand getheilt ist Der alte, doch noch neuerlich behaup- tete Wahn, als ob diess auch der Weg sey, durch welchen die Fische den Schall empfänden, bedarf jetzt keiner Wider- legung mehr. . §. 250. Hinter derselben liegt bey den meh- resten, statt der Muscheln eine überaus sauber, meist excentrisch gefaltete Mark- haut (ungefähr von der Form einer gestreiften Napfmuschel,) in welche sich das Ende des Geruchsnerven vom er- sten Paare verläuft Vom Nagelrochen ( Raja clauata ) Scarpa tab. I. fig. 1. 2. vom Glattrochen ( Raja batis ) Harwood tab. 7. Von Hayfischen Stenonis im Speci- men myologiae tab. 7. fig. 1. vom Squalus catulus Scarpa tab. 2. fig. 6. 7. Vom . Z 3 E) XIX. Abschnitt. E) INSECTEN. §. 251. Dass viele Insecten riechbare Dinge mit ausnehmender Schärfe, theils aus weiter Ferne wittern, ist durch zahl- reiche Erfahrungen längst ausgemacht. Nur ist man noch über das Organ zwei- felhaft, das ihnen zu diesem Behufe dient. Da alle rothblütigen Landthiere nur mittelst der Luft riechen, die sie ein- ziehen, so haben manche Naturforscher auch die Stigmaten der Insecten für die Geruchs- Vom Froschfisch Id . tab. 1. fig. 1. 3. Vom Hecht Casserius de auditus organis tab 12. Camper in den kleinen Schriften II. Th. 2. St. tab. 2. fig. 1. Scarpa tab. 2. fig. 1. 2. Harwood tab. 5. fig. 4. Vom Karpfen Id . tab. 2. fig. 4. 5. Einzelne Bemerkungen über die Ge- ruchswerkzeuge einiger Fische gibt Mor- gagni in den epist. anatom . pag. 350. der Paduan. Ausg. 1764. Fol. Von den Geruchswerkzeugen. Geruchswerkzeuge derselben gehalten Das war schon die Muthmassung des ehrwürdigen Herm. Sam. Reimarus über die Triebe der Thiere pag. 308. der dritten Ausg. Vergl. Hrn. Duménil im Magas. en- cyclopéd . A. III. T. II. pag. 435 u. f. . Andre schreiben diese Function wahr- scheinlich dem vordern Paar Palpen zu S. Hrn. Prof. Knoch in seinen neuen Bey- trägen zur Insectenkunde pag. 32. tab. 1. fig. 8. b. f. vom Scarabaeus Frischii und tab. 8. fig. 3. vom Carabus vnicolor . . F) WÜRMER. §. 252. Auch manche Würmer zeigen, dass sie riechen können. So nahmentlich viele Landschnecken ( Helix pomatia etc.) Swammerdam pag. 110. . Aber wie es geschieht, ist noch unbekannt. Etwa durch das stigma thoracicum? Z 4 Zwan- XX. Abschnitt. Zwanzigster Abschnitt. Von den Gehörwerkzeugen . §. 253. Der vielartige Nutzen, den das Ge- hör den Thieren gewährt, sie für Ge- fahr zu warnen, viele Raubthiere zu ihrem Frasse zu leiten, bey manchen andern die Gatten zur Paarung zusam- men zu bringen u. dergl. m. lässt schon auf die Allgemeinheit desselben in den mehrsten Thierclassen schliessen Von den Gehörwerkzeugen in verschie- denen Thierclassen s. Casserius de vo- eis auditusque organis Ferrar. 1600. Fol. (Der Theil vom Gehör ist auch seinem Pentaestheseion inserirt.) Perrault Essais de Physique T. II. Geof- . Die roth- Von den Gehörwerkzeugen. rothblütigen sind wohl ohne Ausnahme damit versehen. Aber auch bey man- chen sogenannten weissblütigen zeigt sich ein analoges Organ desselben, und von verschiednen andern weiss man we- nigstens, dass sie hören, wenn auch gleich das dazu bestimmte Werkzeug noch unbekannt ist. A) SÄUGETHIERE. §. 254. Die vierfüssigen Säugethiere sind die einzigen mit wahren äusseren Ohren Z 5 verse- Geoffroy sur l'organe de l'ouie etc. Amst. 1788. 8. (Deutsch, Leipz. 1780. 8.) Scarpa's schon öfter angeführtes Werk. Andr. Comparetti observationes ana- tomicae de aure interna comparata . Pa- tav. 1789. 4. Alex. Monro's three Treatises, on the Brain etc. Edinb. 1797. 4. und Ever. Home in den philos. Transact . for 1800. P. I. pag. 1 u. f. XX. Abschnitt. versehenen Geschöpfe; und davon sind doch auch die mehresten von denen ausgenommen, die im Wasser oder un- ter der Erde leben. So fehlen sie z. B. den mehresten Gattungen des Robben- geschlechts, dem Wallross und der See- kuh, dem Schnabelthier und dem Maul- wurf. Hingegen sind sie manchen an- dern mit Unrecht abgesprochen wor- den, wie dem Erdzeiselchen ( Marmota citillus ). Eben so irrig werden insge- mein die nur ungeheuer grosse Ohren der einen hieländischen Fledermaus ( Vespertilio auritus ) für doppelt ausge- geben Das sind sie eben so wenig als dass sie, wie es Hrn. v. Haller entfallen, eine zufällige Monstrosität seyn sollten. . In den wesentlichen Theilen kommen sie wohl durchgehends mit dem menschlichen überein; nur ist ihre Totalform sehr vielartig verschieden. Ausser den Quadrumanen haben wenige andre, wie z. B. das gemeine Stachel- schwein, menschenähnliche Ohren. Bey keinem Von den Gehörwerkzeugen. keinem aber scheint die knorpelige Grundlage derselben (nach Verhältniss der Grösse,) von so festem elastischen Gefüge als beym Menschen. Bey man- chen, wie nahmentlich am Beutelthier ( Didelphis marsupialis ) sind sie fast bloss häutig. §. 255. Der äussere Gehörgang ist bey man- chen, zumal im Wasser lebenden oder doch hineingehenden Quadrupeden die- ser Classe, mit einer eignen Klappe zum untertauchen verwahrt, die z. E. bey der Wasserspitzmaus ( Sorex fodiens ) von ausnehmend kunstreicher Einrichtung ist. Länge, Weite und Richtung des Ganges selbst variiren bey vielen Ge- schlechtern mannigfaltig. Ausnehmend lang und sonderbar gewunden ist er beym Schnabelthier Ever. Home in den philos. Transact . 1802. P. I. pag. 79. . §. 256. XX. Abschnitt. §. 256. Dass alle Säugethiere ein Paukenfell , die dahinter liegende Paukenhöhle , und eine damit correspondirende, von jedem Ohr nach dem Schlunde [nur bey den Cetaceen nach dem Blaseloch (§. 245.)] gehende Eustachische Röhre haben, be- darf kaum erst einer Erwähnung. Ihr Paukenfell ist nach aussen etwas con- cav; indem es nach dem Mittelpunct eine kleine Grube bildet. Eben so sind alle mit den beyden sogenannten Fenstern versehen; dem eyförmigen, das der Fusstritt des Steigbügels füllt, und dem runden, das zur Mündung der Schnecke führt. §. 257. Mit der eigentlichen Paukenhöhle steht bey vielen vierfüssigen Säugethie- ren eine andre Cavität in Verbindung, die nach der Lage des knöchernen Or- gans worin sie befindlich ist, mit den Zellen im Zitzenfortsatz am Schlafbein des Von den Gehörwerkzeugen. des erwachsenen Menschen, verglichen werden kann. Bey vielen bildet dieses Organ eine ganz hohle knöcherne Blase ( Bulla ossea ). So bey Katzen, Hunden, Mardern, Eich- horn, Haase, auch bey manchen bisul- cis; und eine Anlage dazu zeigt sich selbst bey manchen Meerkatzen. Beym Rindvieh hingegen und bey den Schwei- nen ist die Höhlung durch zahlreiche Knochenblättchen in längliche Zellen (fast wie die Fächer in einem reifen Mohnkopf,) abgetheilt Vesalii anatomicar. Fallopii obser- vationum examen Venet. 1564. 4. pag. 20 u. f. . §. 258. Die allermehrsten warmblütigen Qua- drupeden haben, wie der Mensch, drey Denn dass der vermeinte lenticulus nichts weiter als eine Apophyse des Ambosses ist, habe ich schon in der Gesch. und Beschr. der Knochen des menschl. Kör- pers pag. 144 u. f. gezeigt. Gehör- XX. Abschnitt. Gehörknöchelchen; im Ganzen auch von ähnlicher Form; nur das durchaus so anomalische Schnabelthier hat ihrer bloss zweye Home a. a. O. ; hingegen findet sich, zumal bey manchen bisulcis , zuweilen noch ein oder das andere überzählige Nebenbeinchen Adair in Cowper's myotomia reformata Lond. 1694. 8. pag. 70. fig 9. F. Teichmeyer vindiciae quorundam inuentor, anatomicor . Ien. 1727. 4. fig. 5. . §. 259. Auch der sogenannte Labyrinth scheint, so viel bekannt, bey den dess- halb untersuchten vierfüssigen Säuge- thieren, im Ganzen und Wesentlichsten mit dem beym Menschen überein zu kommen. Doch hat die Schnecke (— die übrigens dieser Classe ausschliesslich eigen ist —) bey einigen ein Gewinde mehr als bey ihm; anderer minder bedeu- Von den Gehörwerkzeugen. bedeutenden Verschiedenheiten zu ge- schweigen Vergl. hierüber ausser den schon genann- ten Werken Scarpa de structura fene- strae rotundae auris . Mutin. 1777. 8. pag. 94 sqq. Ph. Fr. Meckel de laby- rinthi auris contentis . Argent. 1774. 4. . §. 260. Hingegen zeigt sich bey den Ceta- ceen Vom Gehörwerkzeug des eigentlichen Wallfisches s. Camper's kleine Schriften II. B. 1. St. Des Pottfisches Eben das. I. B. 2 St. Der Delphine Klein hist. nat. pis- cium missus I. pag. 29. tab. 5. fig. 1 ‒ 4. und 7 ‒ 9. und Monro's Treatises on the Ear etc. tab. 5. 6. von Delphinen und dem Caschelot; vergl. auch des letzteren schon oft angeführte Physiologie der Fische tab. 35. vom Braunfisch. ausser dem was schon von ihrer Eustachischen Röhre erwähnt wor- den, noch in gewissen andern Stücken ihres Gehörorgans so manches Beson- deres, und von der warmblütigen Qua- drupeden XX. Abschnitt. drupeden ihren Abweichendes, dass es allerdings eine eigene Erwähnung verdient. Dass sie kein äusseres Ohr haben, ist bekannt. Die Oeffnung ihres Ge- hörganges ist auffallend enge. Das knö- cherne Gehörorgan ist bey den Delphi- nen nur lose mit dem Schedel ver- bunden. Bey den Balänen und Casche- loten aber wie ganz davon abgesondert. Der bekannte weiland officinelle massive Knochen, den man ganz irrig Lapis manati s. tiburonis genannt hat, ist nichts anders, als der Aussentheil der Paukenhöhle, und bulla ossea der Balänen. Die Gehörknöchelchen und das La- byrinth, besonders die desshalb lange verkannten Bogengänge ( canales semi- circulares ) sind überhaupt bey den Ce- taceen ausnehmend klein. B) Von den Gehörwerkzeugen. B) VÖGEL. §. 261. In der ganzen Classe Vom Gehörwerkzeug der Vögel s. ausser den schon oben (pag. 360 not. *)) ge- nannten: Allen Moulin in den philos. Trans- act . vol. XVII. pag. 712 sq. Vicq-d'Azyr in den Mém. de l'acad. des sc. de Par . 1778. pag. 381 sqq. Scarpa de structura fenestrae rotun- dae auris etc. pag. 101 sqq. mit Abbil- dungen aus dem wälschen- und Haus- hahn, und de auditu tab. 1. fig. 10 u. f. von der Gans. Galvani in den comm. instit. Bonon . T. VI. pag. 420 sqq. tab. 19 — 22. von einem Raubvogel. Comparetti tab. 2. fig. 2 — 12. von Raubvögeln, dem Haushahn und Sperling. findet sich so wenig als in den folgenden, ein knorpeliges äusseres Ohr Denn die riemenförmigen Lappen am Halse des Orikugeyers vom Cap haben keinen Bezug auf sein Gehörorgan. , das also bloss A a XX. Abschnitt. bloss den mehresten Säugethieren aus- schliesslich eigen ist. Bey den Vögeln wird dieser scheinbare Mangel durch die, zumal bey vielen Raubvögeln, überaus regelmässige excentrische Stel- lung der Federn um die Oeffnung des Gehörganges herum ersetzt. Auch sind manche, zumal gleichfalls unter der eben genannten Ordnung, und nah- mentlich unter den Eulen, mit einer überaus sonderbaren, theils häutigen, theils muskulösen Klappe, in der ge- dachten Oeffnung versehen Roberg bey Klein , stemm. auium tab. 10. fig. 2. a . Comparetti tab. 2. fig. 2. der dieses Organ mit den muschelförmigen Thei- len des Menschenohrs vergleicht. . §. 262. Das Paukenfell ist bey den Vögeln nach aussen convex; und die Pauken- höhlen beyder Ohren stehen bey den mehresten durch die markleeren Zellen der Von den Gehörwerkzeugen. der Hirnschale mit einander in Ver- bindung Eine ähnliche Verbindung mittelst der Zellen in der Hirnschale, hat Hr. Home am Elephantenschedel bemerkt. . Sie haben nur Ein Gehörbeinchen, wodurch das Paukenfell mit dem ey- förmigen Fenster connectirt, und das folglich die Stelle von Hammer und Steigbügel der Säugethiere vertritt. Der Theil, der den Hammer vorstellt, ist meist nur knorpelig, und mit keinem tensor tympani versehen. Die Eustachischen Röhren öffnen sich hinten am Gaumengewölbe, wie mit einer gemeinschaftlichen Mündung. §. 263. Ihr Labyrinth zeichnet sich durch ansehnliche, ziemlich freyliegende (nicht wie bey den mehresten Säugethieren in dichter Knochenmasse vergrabene) Bo- gengänge, besonders aber durch den Mangel der Schnecke aus. Statt der- A a 2 selben XX. Abschnitt. selben haben die Vögel einen kurzen, stumpfen, hohlen, knöchernen Zapfen, der aus dem Vorhof schräg nach hin- ten herabsteigt, übrigens aber so wie die Schnecke der Säugethiere, durch eine Scheidewand in zwey Gänge ab- getheilt ist, deren einer auf das runde Fenster stösst; überhaupt auch eben so, wie jene Schnecke, Markfäden vom Ge- hörnerven aufnimmt u. dergl. m. C) AMPHIBIEN. §. 264. Das Gehörorgan zeigt in den ver- schiedenen Ordnungen, und selbst bey manchen Geschlechtern dieser Thier- classe S. ausser den schon genannten, Bru- nelli im VII. B. der comment. instit. Bononiens . pag. 301 u. f. mit Abbildun- gen des Gehörorgans von See- und Fluss-Schildkröten, Fröschen, Eidexen und Schlangen. Andere Figuren aus eben mehr Verschiedenheit, als in den Von den Gehörwerkzeugen. den beyden vorigen, oder in den nächst folgenden; daher die vorzüglichsten der- selben einzeln angeführt zu werden verdienen. §. 265. Unter den Reptilien haben die Schild- kröten, Frösche, und die mehresten Gattungen des Eidexengeschlechts, ausser den Bogengängen des Labyrinths, auch noch, wie die warmblütigen Thiere, eine Pauke mit der Eustachischen Röhre, welches beydes aber, so wie auch die eigentlichen Gehörbeinchen, den Sala- mandern abgeht. Bey den Schildkröten hat das Pau- kenfell eher das Ansehen eines knor- A a 3 peligen eben diesen Geschlechtern und Ordnun- gen von Amphibien hat Comparetti tab. 2. fig. 13 bis 35 gegeben. Und vor- züglich schöne aus einer Seeschildkröte, einem Crocodil, der grünen Eidexe, dem Salamander, der Viper und Blind- schleiche, Scarpa de auditu etc. tab. 5. Auch von einer Seeschildkröte Monro in der Physiol. der Fische tab. 36. XX. Abschnitt. peligen Deckels, der selbst wieder mit den gemeinschaftlichen Integumenten bekleidet ist. Ihr einzelnes Gehörbein- chen ähnelt der Vögel ihrem. Die Frösche haben bekanntlich ein grosses, frey zu Tage liegendes Pauken- fell, und weite Gaumenmündung ihrer kurzen Eustachischen Röhre, zwey knorpelartige Gehörbeinchen, und in dem Säckchen am Vorhofe des Laby- rinths, schon ein Rudiment eines sol- chen kleinen weichen Steinchens, der- gleichen bey den Eidexen und Schlan- gen, so wie in den folgenden drey Thierclassen, mehr vorkommen. Die Crocodile sind wohl die einzi- gen Amphibien, die eine Art von äusse- rem Gehörgang haben. Sie sind, so wie die mehresten übrigen Eidexen, so- wohl mit Gehörbeinchen, als auch mit den eben gedachten steinartigen Kör- perchen am Vorhofe des Labyrinths versehen. Dass Von den Gehörwerkzeugen. Dass den Salamandern die Pauke nebst Zubehör abgeht, ist schon ge- dacht. Ihr eyförmiges Fenster ist bloss mit einem knorpeligen Deckel ver- schlossen, und der Sack an ihrem Vor- hof enthält ein weiches Steinchen. §. 266. Auch die Schlangen haben (höch- stens bis auf wenige Ausnahmen, z. B. der Blindschleiche Scarpa a. a. O. pag. 26. ) weder Pauke noch Eustachische Röhre. Doch wie ein Rudiment eines gleichsam in Fleisch verwachsenen Gehörbeinchens. D) FISCHE. §. 267. Nur bey einigen Geschlechtern von Knorpelfischen, den Rochen und Hayen, erstreckt sich ein fast röhrenförmiger Anhang vom Vorhof des Labyrinths nach hinten und aussen, so dass er für ein Rudiment einer Pauke angesehen werden kann. A a 4 §. 268. XX. Abschnitt. §. 268. Die übrigen Thiere dieser Classe S. ausser den schon so oft in diesem Abschnitt angeführten Quellen, Klein mantissa ichthyologica Lips. 1746. 4. Kölreuter in den nov. comment. acad. Petropolit . T. XVII. pag. 521. tab. 10. vom Stör und Hausen. Camper 's kleine Schriften I. B. 2. St. pag. 1. tab. 2. vom Kabeljau, und II. B. 2. St. pag. 1. und 39. tab. 1. 2. 3. vom Froschfisch, Hecht, und Rochen. Zu vergleichen mit den Abbildungen bey Comparetti tab. 3. von Rochen, Hayen, Stören, Tunnfisch, Aal, Scholle, Hecht, Karpen, Kaulkopf, und Schlan- genfisch ( Ophidium ); bey Scarpa tab. 1. 2. 4. von Rochen, Hayen, Frosch- fisch, Hecht und Karpen; und bey Monro sowohl in der Physiolog. der Fische tab. 34. und 37., als on the Ear etc. tab. 7. 8. sämmtlich aus einem Rochen. J. Hunter 's obs. on animal oeconomy pag. 69. hingegen, haben nichts dergleichen, son- dern ihr Gehörwerkzeug besteht bloss aus Von den Gehörwerkzeugen. aus den drey sehr ansehnlichen und meist frey ausgewirkten und in der Schedelhöhle sichtlichen Bogengängen, in deren gemeinschaftlichen Vorhof an den feinsten Enden des bey ihnen vom fünften Paare kommenden Gehörnerven, bey manchen ein, bey andern zwey, und bey den mehresten drey, theils überaus sauber ausgebildete Steinchen hängen, die, zumal bey vielen Gräten- fischen, von Farbe weiss wie Porcellan, aber überaus spröde und brüchig sind Klein hist. piscium . Miss. I. tab. 2. . §. 269. Ueberhaupt aber zeichnet sich dieses innere Ohr der Fische von dem bey den übrigen drey Classen von rothblü- tigen Thieren durch die merkwürdige Eigenheit aus, dass es mit den Jahren wächst, folglich seine Grösse in be- stimmten Verhältniss mit dem des gan- zen Thiers und seinem Alter steht. A a 5 E) XX. Abschnitt. E) INSECTEN. §. 270. Dass viele Insecten Gehör haben, ist keinem Zweifel unterworfen S. die schon öfter zusammen angeführ- ten beyden Schriften von Lehmann und Schelver . Jene pag. 22 u. f. Diese pag. 50 u. f. ; aber ungewiss bleibt noch, welches ihr dazu bestimmtes Organ seyn mag. Nur bey manchen der grösseren Krebse zeigt sich allerdings ein besonderer Theil, welcher der Analogie nach mit dem Vorhof des Labyrinths in den vorigen Thierclassen verglichen werden muss P. Ant. Minast continuaz. delle disser- taz. sopra vari fatti meno ovvi della storia naturale . Nap. 1775. 8. fig. 4. vom Cancer pagurus . Scarpa de auditu tab. 4. fig. 4. 5. 6. vom Flusskrebs. Comparetti tab. 3. fig. 26. 27. 28. von mehreren Gattungen von Krebsen. Ob aber die auf eben dieser Tafel fig. 29. . Es findet sich Von den Gehörwerkzeugen. sich nämlich an der Wurzel ihrer Fühl- hörner auf jeder Seite ein kurzes bein- artiges Röhrchen, dessen äussere Oeff- nung mit einer festen Membran ver- schlossen ist, und das ein häutiges Säckchen enthält, worein sich ein Nerve verliert, der mit dem zu den Antennen gehenden aus einem gemeinschaftlichen Stamme entspringt. Letzterer Umstand könnte die Meinung begünstigen, als ob die Fühlhörner selbst mit zu Gehör- organen dienten, sie wird aber sowohl durch Beobachtungen über das feine Ge- hör solcher Insecten, die, wie z. B. die Spinnen, gar keine wahren Antennen haben, als durch Versuche an andern, z. B. an Heuschrecken, entkräftet, die nachdem man ihnen die Fühlhörner ab- geschnit- 29. bis 34. vorgestellten Organe am Kopf anderer Insecten. Käfer, Cicaden, Schmetterlinge, Hornissen, und Stu- benfliegen, gleichfalls Gehörwerkzeuge seyen, ist noch sehr zweifelhaft. XX. Abschn. Von den Gehörwerkzeugen. geschnitten, dennoch nach wie vor scharf gehört haben Lehmann de antennis insector . Diss. po- ster. pag. 45 sq. . F) WÜRMER. §. 271. Nur bey den Sepien hat man bis jetzt, und zwar in dem knorpelartigen Ringe, der den grossen tentaculis die- ser Thiere gleichsam zur Basis dient, zwey ovale Höhlen, und in jeder der- selben ein Beutelchen gefunden, das eine kleine knochenartige Substanz ein- schliesst, an welche sich Nervenfäden, so wie an denen im Vorhof des Laby- rinths der Fische verlieren Scarpa a. a. O. tab. 4. fig. 7. bis 11. Comparetti tab. 3. fig. 10. und 16. . Ein Ein und zwanzigster Abschnitt. Von den Augen . §. 272. Empfindung für Licht ist wohl allen den Thieren gemein, die demselben in ihrem freyen Naturzustande ausgesetzt werden; evident zeigt sich diess wenig- stens bey manchen der einfachsten Zoo- phyten, wie z. E. bey den Armpoly- pen; aber Empfänglichkeit für Bilder von äussern Gegenständen ist nur denen eigen, die zur Aufnahme derselben mit Augen versehen sind. Denn ausserdem hat die Natur auch einigen Gattungen selbst von rothblütigen Thieren, zwar nach dem bloss mechanischen Normal- typus des Bildungstriebes ihrer Classen ein Rudiment von Augen gegeben, die übrigens nicht zum Sehen nutzen kön- nen, XXI. Abschnitt. nen, wie diess unter den Säugethieren von dem Slepez ( Marmota typhlus ) und unter den Fischen von der Myxine glu- tinosa versichert wird. §. 273. Da das Auge Vergl. Bidloo de oculis et visu vario- rum animalium . Lugd. Bat. 1715. 4. Zinn de differentia fabricae oculi hu- mani et brutorum in den Commentar. societ. Reg. scientiar. Göttingens . T. IV. a. 1754. pag. 191 sqq. und in den Com- mentation. antiquior . T. I. ad a. 1778. pag. 47 sqq. W. Porterfield on the Eye . Edinb. 1759. II. vol. 8. hin und wieder. Haller in Operib. minorib . T. III. pag. 218 sqq. , zumal bey den roth- blütigen Thieren, ein sehr zusammen- gesetztes Organ ist, so fassen wir bey den anzuführenden Eigenheiten dessel- ben erst die zusammen, die den Aug- apfel selbst, seine Häute und Feuchtig- keiten betreffen, hernach die von den ihn umgebenden Theilen, den Augen- liedern, Thränenwegen u. s. w. A) Von den Augen. A) SÄUGETHIERE. §. 274. Dass die Sclerotica bey vielen Qua- drupeden dieser Classe, so wie beym Menschen selbst, nicht durchgehends von gleicher Stärke, sondern, zumal in ihrem Hintergrunde, am dicksten ist, war längst bekannt Zinn , Commentar. societ. Reg. scient. Goettingens . T. IV. pag. 192 sq. . Auch liess sich wohl vermuthen, dass diese Einrich- tung auf die sogenannten mutationes oculi internas ihren Bezug haben möge, um die Form des Augapfels, folglich die Länge seiner Achse und die respe- ctive Lage der Linse nach der Nähe oder Ferne der zu sehenden Gegen- stände und andrer dergleichen Verhält- nisse zu accommodiren. Ich hoffe aber, diese Vermuthung durch den bewun- dernswerthen Bau dieser Haut bey warm- blütigen Amphibien (die nämlich ab- wechselnd, nicht nur in mancherley Entfer- XXI. Abschnitt. Entfernungen, sondern sogar durch zweyerley Medium von so sehr ver- schiedener Dichtigkeit, als Luft und Wasser ist, sehen müssen), so wie ich ihn zuerst am Auge einer Grönländi- schen Robbe ( Phoca grönlandica ) gefun- den, zur Gewissheit gebracht zu ha- ben Commentat. societ. Reg . vol. VII. ad ann . 1784. pag. 46. Hr. Dr. Albers hat in einer der Kö- nigl. Societ. zugeschickten Abhandlung den nämlichen Bau am Auge des Wall- rosses ( Trichechus rosmarus ) beschrie- ben, und beyläufig, Satz für Satz die Zweifel gehoben, die man neuerlich ge- gen den angegebenen Zweck dieser merkwürdigen Einrichtung daher hat nehmen wollen, weil sich eine schwache Aehnlichkeit derselben auch bey Land- thieren, dem Pferde u. s. w. finde. — s. Götting. gelehrte Anzeigen 1803. pag. 601 u. f. . Die Hornhaut dieses Auges ist nämlich sehr dünne und nachgiebig; das zunächst an ihr anstossende Seg- ment Von den Augen. ment der Sclerotica dick und fest; der mittlere Gürtel derselben wieder un- gleich dünner und geschmeidig; end- lich ihr Hintergrund am allerdicksten, fast knorpelartig (— tab. VI. —). Nun ist der ganze Augapfel mit überaus ro- busten Muskeln umgeben, und so be- greift sich leicht, wie durch die nach den Umständen accommodirte Action derselben jene erforderlichen innern Ver- änderungen bewirkt werden müssen, um die Augenachse, wenn das Thier durch die Luft sehen will, zu verkür- zen, die Linse dem Hintergrunde des Augapfels näher zu bringen, so wie es die starke Brechung der Lichtstrahlen erfordert, die dann aus dem dünnen Medium der Luft in das Dichtere des Auges gehen; und v. v. Bey den Wallfischen zeichnet sich die Sclerotica durch ihre mächtige Stärke und Festigkeit, zumal im Hintergrunde, aus, als wo sie, wenn der ganze Aug- apfel etwa die Grösse einer Orange hat, B b beynahe XXI. Abschnitt. beynahe einen Zoll dick ist, so dass bey der fast kugeligen Form des Auges doch der innere Raum für den Glaskör- per gleichsam linsenförmig ausfällt. Je näher aber die Sclerotica der Hornhaut kommt, desto dünner wird sie. Zumal im Hintergrunde zeigt sie ein überaus sonderbares, wie aus festen sehnigten Fasern und Blättern, aufs dichteste zu- sammen gewirktes oder gleichsam ge- filztes Gefüge, das, vorzüglich an den Sei- ten, von mehr als Knorpelhärte ist Ruysch thesaur. anat . II. tab. 1. fig. 1. 2. 6. und Hrn. Geh. R. Loder tabulae ana- tomicae vol. I. tab. 56. fig. 8. Von den Eigenheiten der Wallfisch- augen überhaupt, vergl. B. S. Albini in- dex supellectilis J. J. Ravii pag. 36 sqq. Ei. annotat. academ . L. VII. pag. 40. Supellex anatomica eiusd . pag. 132 sqq. Musei Gaubiani pars complectens praeparata anatomica pag. 14. . Das Von den Augen. Das Verhältniss des Umfanges der Hornhaut zur Sclerotica, ist bey den mancherley Gattungen von Säugethie- ren sehr verschieden. Am grössten ist es wohl beym Stachelschwein ( Hystrix cristata ), als bey welchem die Horn- haut fast die Hälfte des Augapfels einnimmt. §. 275. Ein bis jetzt ganz beyspielloses, ei- genes Organ ist neuerlich in den Augen des Ostindischen Nashorns entdeckt worden. Es entspringt vom innern Hin- tergrunde der Sclerotica mit vier sehnich- ten Bändern, die sich vorwärts zusammen in einer muskulosen Haut verbinden, welche die Choroidea umgibt, und sich in der Gegend des breitesten Querdurch- messers des Augapfels in dieselbe ver- liert Leigh Thomas in den philos. Transact . 1801. P. I. pag. 149. tab. 10. fig. 1. 2. 3. und in Voigt 's neuem Magaz . IV. B. pag. 240 u. f. tab. 4. fig. 6. 7. 8. . Vermuthlich dient es gleich- B b 2 falls XXI. Abschnitt. falls zu den erwähnten mutationibus oculi internis . Bey den Wallfischen besteht die Cho- roidea deutlicher, als bey einem der übrigen Säugethiere, aus zwey beson- dern Blättern, wovon das innere (die Membrana Ruyschiana ) auch mit einem matten Tapetum versehen ist. §. 276. Die Choroidea zeichnet sich bey vie- len Geschlechtern dieser Classe, zumal von solchen reissenden Thieren, die ihrem Geschäfte im Dunkeln nachgehen, und dann unter den bisulcis durch die schön- farbige, meist saphirblaue oder seladon- grüne, theils wie Atlas glänzende zart- flockige Fläche (das so genannte Tape- tum lucidum ) Zinn a. a. O. pag. 196 u. f. H. Fr. Elsaesser (praes. Storr ) de pigmento oculi nigro etc. deque tapeto . Tubing. 1800. 8. aus, womit ein Theil vom Hintergrunde ihrer innern Seite auf dem schwarzen oder braunen Pig- ment Von den Augen. ment Bekanntlich fehlt dieses Pigment ent- weder durchaus, oder doch grössten- theils im ganzen inneren Auge der so genannten Albinos oder Kackerlacken , dergleichen sich nicht selten unter Men- schen und manchen Gattungen von andern Säugethieren und von Vögeln finden. Unter den Kaltblütigen ist mir hingegen noch kein Beyspiel eines Albino bekannt. Diese fehlerhafte Anomalie ist immer angeboren, und mit eben so anomalisch weisser Farbe der Haare oder Federn verbunden, und macht unter manchen Säugethieren eine constante erbliche Rasse; so zumal bey den weissen Ca- nichen, Mäusen, und Pferden (wel- che letztere unter dem Namen der Glas- augen bekannt sind). Hingegen zweifle ich, dass irgend einer ganzen Gattung von warmblütigen Thieren dieses Pig- ment ursprünglich mangeln sollte, und halte eben desshalb das Frettel ( Mustela furo ) nur für eine Abart des Iltis ( M. putorius ). Aus- überzogen ist, und wahrschein- lich dazu dient, um weniger Licht zu B b 3 absor- XXI. Abschnitt. absorbiren, sondern es vielmehr an die davor liegende Markhaut zurück zu werfen. §. 277. Die Markhaut ( Retina ) zeigt bey manchen Quadrupeden, namentlich beym Hasen und Caninchen, ihr Nervenmark in überaus saubern deutlich abgeson- derten gleichsam flammigen, zumal in die Quere laufenden Streifen Zinn a. a. O. tab. 8. fig. 3. Fontana sur le vénin de la vipére . vol. II. tab. 5. fig. 12. . Das merkwürdige foramen centrale , das Hr. Sömmerring in der menschli- chen Markhaut entdeckt hat, ist seit- dem auch bey mehreren Quadrumanen, deren Ausführlicher habe ich über diesen Mangel des zur gesunden Organisation des Auges so nöthigen Pigments ge- handelt, so wohl in den Commentat. societ. Reg. scient . vol. VII. pag. 29 u. f., als in der dritten Ausg. der Schrift: de generis hum. variet. natiua pag. 272 u. f. Von den Augen. deren Augen in parallelen Achsen vor- wärts stehen, gefunden worden So habe ich es z. B. sehr nett in den ganz frischen Augen eines so genann- ten Türkischen Affen ( Simia syluanus ) gesehen. Der Eintritt des Sehenerven machte innerhalb der Markhaut einen kleinen orangegelben Kreis. Darneben aber zeigte sich in der imaginären Achse des Auges ein etwas grösserer asch- grauer Querstreif mit der Centralöff- nung in seiner Mitte. . §. 278. Die Regenbogenhaut ( Iris ), über- haupt ein Organ ohne seines Gleichen, zeigt bey den mancherley Geschlechtern und Gattungen von Säugethieren man- nichfaltigere und sonderbarere Verschie- denheiten, als irgend ein anderer Theil des Auges. Die den verschiedenen Gat- tungen eigene Farbe ihrer Vorderseite variirt bey den Rassen und Spielarten unter den Hausthieren, doch minder auffallend, als bey denen im Menschen- B b 4 geschlecht, XXI. Abschnitt. geschlecht; steht aber auch, wie bey diesen, meist mit der Farbe der Haare in Consensus; sogar dass sich nicht sel- ten bey gefleckten Hunden, Caninchen u. s. w., auch correspondirende Flecken auf dem Augensterne zeigen. Das Gefüge der Iris ist nach Ver- schiedenheit der Gattungen von sehr ungleicher Dichtigkeit. Bey keiner ein- zigen aber, deren Augen ich desshalb untersncht , habe ich noch eine Spur von wahren Muskelfasern finden können. Eben so wenig bey denen vom Ele- phanten und von Wallfischen, die ich vor mir habe, als bey den weissen Ca- ninchen mit ihrer zarten fast durch- scheinenden Regenbogenhaut. In dem gedachten Seehundauge sind die Ciliargefässe nicht in die Iris ver- theilt, sondern liegen grossentheils frey an der Vorderseite derselben, so dass sie von aussen, auch ohne Einsprützung, sehr Von den Augen. sehr sichtliche und ansehnliche Netze bilden Commentationes soc. Reg. scient . a. a. O. fig. 2. 3. . Bekanntlich ist die Oeffnung der Iris, die Pupille, bey den bisulcis , so wie bey den solidungulis, cetaceis u. s. w., trans- versal, im Katzengeschlecht, zumal im hellen Lichte, oblong u. s. w. Anderer kleiner Eigenheiten an diesem Theil zu geschweigen, wie z. B. der flockigen mit schwarzen Pigment Selbst in einem so genannten Pferde- glasauge (— s. oben S. 389. not. *) —) in meiner Sammlung, sind diese Flok- ken caffeebraun, da übrigens die an- dern sonst dunkel gefärbten Theile in diesem Auge nur einen sehr schwachen gräulich-bräunlichen Anflug zeigen. tingirten kleinen Anhängsel, womit, zumal beym Pferde, mehrentheils die Mitte des obern Randes der Pupille besetzt ist Swammerdam sagt in den Bibl. nat . pag. 881. bey Gelegenheit des sonderbaren Pupillen- . B b 5 §. 279. XXI. Abschnitt. §. 279. Einer der bewundernswürdigsten, aber was seine gewiss höchst wichtige Function betrifft, bis jetzt noch immer räthselhaftesten Theile des Auges, ist das Corpus ciliare , zumal die so genann- ten processus auf seiner Rückseite mit der Fülle und unbeschreiblichen Ele- ganz ihrer Blutgefässe. Ihre feinern Verschiedenheiten bey den schon dess- halb untersuchten Gattungen, lassen sich nicht aufzählen, geschweige ohne Abbildungen verständlich beschreiben Manches Gute darüber hat Jac. Hovius de circulari humorum motu in oculis ed, 2. Lugd. Batav. 1716. 8. eine Schrift, die aber auch gar manches Unverständ- liche und Unzuverlässige enthält, und also mit Vorsicht genutzt werden muss. . Unter Pupillendeckels der Rochen, er habe dergleichen auch in einem Pferdeauge entdeckt. Wenn das nicht ein unge- wöhnlicher Bau, und bloss etwa sol- che Anhängsel gewesen, so ist die Ver- gleichung übertrieben. Von den Augen. Unter andern scheint mir, nahmentlich beym Elephanten und Hund, die Zart- heit ihres Baues von ausgezeichneter Schönheit. §. 280. Das Verhältniss der so genannten Crystalllinse zum Glaskörper variirt bey den verschiedenen Gattungen theils sehr auffallend. Die grösste Linse aus die- ser Rücksicht habe ich in dem an sich sehr kleinen Auge des Beutelthiers ( Di- delphis marsupialis ) gefunden; die klein- ste hat, wie bekannt, der Wallfisch. Bey keinem Säugethier ist sie wohl so schwach gewölbt, als beym erwachse- nen Menschen. Bey der Katze, dem Hasen, den bisulcis , dem Pferd, dem Beutelthier, den Seehunden, ist sie in der Folge, wie sie hier genannt wer- den, immer convexer. Endlich bey den Cetaceen fast sphärisch F. Pourf. du Petit in den Mém. de l'Ac. des sc . 1730. pag. 4 sq. übers. in Hrn. Prof. Froriep's Bibl. für die ver- gleich. Anat . I. B. pag. 200 u. f. . Merk- XXI. Abschnitt. Merkwürdig ist doch auch die be- stimmte Regelmässigkeit, mit welcher bey manchen Gattungen die Linse durchs Austrocknen oder Einbeizen in Säuren u. dergl. vom Mittelpunct nach dem Umfange in Hauptsegmente springt Leuwenhoek arcana naturae detecta pag. 73 u. f. Perrault in der hist. des animaux P. I. tab. 30. fig. S. Th. Young in philos. Transact . for 1793. tab. 20. fig. 2. 3. Dav. Hosack im folgendem Jahrgang tab. 17. fig. 4. J. C. Reil de lentis crystallinae stru- ctura fibrosa . Hal. 1794. 8. . §. 281. Die Thränendrüse Bertin in den Mém. de l'Ac. des sc . 1766. pag. 281 u. f. ist wohl allen Thieren dieser Classe gemein. Viele Quadrupeden haben auch noch eine oder die Von den Augen. die andere überzählige, die dem Men- schen abgeht. Aber manche haben wenigstens keine Thränenpuncte, und der Elephant überhaupt auch keinen Thränensack Camper's Ontleding cens jongen Ele- phants pag. 6. , so wie kein Thränen- bein (§. 19.). §. 282. Die Blinzhaut ( membrana nictitans, palpebra tertia s. interna, periophthal- mium ), wovon sich bey den Quadruma- nen, so wie beym Menschen, nur ein Rudiment findet, ist bey manchen Qua- drupeden Tabarrani in den Atti di Siena T. III. pag. 115 sq. von ansehnlicher Grösse und Beweglichkeit. So nahmentlich im Katzengeschlecht, beym Beutelthier, den Seehunden, und vor allen beym Ele- phanten. §. 283. Die respective Grösse der eigentli- chen Augenlieder zeigt bey den Thieren dieser XXI. Abschnitt. dieser Classe mancherley Verschieden- heit. Das untere ist, z. E. beym Ele- phanten ganz ansehnlich, beym Pferd sehr klein; und bey diesem so wie bey den mehresten Quadrupeden, ohne Wim- pern, da hingegen bey den Quadrumanen, auch beym Elephanten, bey der Giraffe u. s. w. beyde damit besetzt sind. B) VÖGEL. §. 284. Ueberhaupt sind die Augen der meh- resten Vögel S. ausser den schon oben (pag. 382. not. *)) angeführten Schriftstellern: mehrere Aufsätze von Petit in den Pariser Mém. de l'Ac. des sc . von den J. 1726. 1735. und 1736. Die letzteren übers. in Froriep's Bibl. I. B. Home in den philos. Transact . for 1796. pag. 9 u. f., übers. in Reil's Ar- chiv II. B. 2. Heft. Dr. Albers's Beyträge I. Heft. pag. 69 n. f. , folglich auch die knö- chernen Von den Augen. chernen Augenhöhlen in Verhältniss zum Kopf, von auffallender Grösse. Bey den Raubvögeln haben sie eine ganz eigene fast kelchförmige Gestalt, so dass dann die sehr gewölbte Horn- haut den Boden des Kelchs vorstellt, und der Hintergrund der Sclerotica gleich- sam den Deckel Severini Zootom. Democrit . pag. 336. Em. König in den Eph. A. N. C . Dec. II. a. 4. obs. 34. . §. 285. Diese Eigenheit der Form rührt von der Krümmung und Zusammenfügung der dicht neben einander liegenden Knochenblätter her, die bey diesen, so wie überhaupt bey allen andern Vö- geln Coiter miscell. obseruat. anat. chirur- gicar . pag. 130. Pierce Smith in den philos. Trans- act. for 1795. P. II. pag. 263 u. f. *) , im Vordertheil der Sclerotica verwach- XXI. Abschnitt. verwachsen, aber bey den übrigen nur kurz, und gleichsam schuppenförmig sind, so dass sie zusammen nur einen flachen etwas gewölbten Ring bilden, hingegen bey den Raubvögeln, wegen ihrer Länge und Beugung, dem ganzen Augapfel die gedachte Kelchform geben Hr. Dr. Albers vermuthet a. a. O., dieser knöcherne Ring diene zum Er- satz der bey den Vögeln so unvollkom- menen Orbita . . §. 286. Schärfer und deutlicher als bey an- dern Thieren, zeigt sich im Auge man- cher Vögel die Grenze zwischen einigen Häuten desselben, von welchen man sonst gemeint hat, dass sie in einander continuirten. So habe ich z. E. die zwi- schen der Choroidea und der Iris vor- züglich schön im Auge des Schuhu ( Strix bubo ), und die zwischen dem Rande der Retina und dem äussern Umfang des Ciliarkörpers nirgend bestimmter, als in dem Von den Augen. dem eines Pfefferfrasses ( Ramphastos tu- canus ) gefunden. §. 287. Ein dem Auge der Vögel wohl ei- genthümlicher überaus sonderbarer und noch grossentheils räthselhafter Theil ist der so genannte Fächer S. z. B. die nette Abbildung vom innern Auge des Fischadlers bey Dieter. G. Kie- ser de anamorphosi oculi . Goett. 1804. 4. tab. 2. fig. 1. — so wie überhaupt die ganze Schrift lehrreiche Beyträge zu die- sem Abschnitt enthält. ( pecten pli- catum, marsupium , Fr. la bourse, le peigne ), der innerhalb der retina wie aus einer Spalte derselben entspringt, schräg in den Glaskörper dringt, und in demselben befestigt ist, und bey manchen Gattungen bis an den Rand der Kapsel der Linse reicht. Sein Um- riss ist ein verschobenes Viereck; in seinen Falten laufen zahlreiche Blutge- fässe C c XXI. Abschnitt. fässe; und das vorzüglich starke Pig- ment, womit er angeschwärzt ist, macht es wahrscheinlich, dass er hauptsächlich mit zur Absorbtion des blendenden Lichts bestimmt seyn mag. §. 288. Die Vögel haben ansehnliche Thrä- nenwege, deren Ableitungsgänge sich oben in die Gaumenhöhle ergiessen Al. Monro fil. observations anatomi- cal and physiological , Edinb. 1758. 8. Albers a. a. O fig. 1. 2. . Ihre Blinzhaut Die pellicula palpebrarum , wie sie bey Kais. Friedrich II. heisst. ist mit zwey deutlichen Muskeln versehen Prtit in den Mém . 1735. tab. 6. fig. 7. 8. und 1736. tab. 5. fig. 4. 5. . Von ihren Augenliedern hat bey man- chen Gattungen, z. E. beym Haushuhn, Puter, Gans, Aente u. s. w. das untere, das ein eigenes kleines Knorpelblatt ent- hält, die mehreste Beweglichkeit; bey anderen Von den Augen. anderen hingegen, wie bey den Papa- gayen, dem Straus u. s. w. das obere. Nur bey wenigen sind beyde Augen- lieder mit Wimpern besetzt. So z. E. beym Straus, dem Secretär ( Falco ser- pentarius ), dem Ani, manchen Papa- gayen u. s. w. C) AMPHIBIEN. §. 289. Von merkwürdigen Besonderheiten der Augen in dieser Thierclasse ist noch wenig bekannt Petit in den Mém . 1737. pag. 142. und in Froriep's Bibl . I. B. . Um indess doch Einiges anzuführen, so macht bey manchen hieländischen Reptilien und Schlangen die gemein- schaftliche Oberhaut eine Art von festem Fenster vor den Augäpfeln, die sich hin- ter demselben frey bewegen. C c 2 Wenig- XXI. Abschnitt. Wenigstens die Riesenschildkröte Eine genaue Zergliederung ihres Auges haben wir von Hrn. Dr. Albers zu er- warten. hat, wie die Vögel, einen aus Knochen- scheibchen zusammengesetzten Ring in der Sclerotica . Ueberhaupt sind die Schildkröten mit ansehnlichen Thränen- drüsen und, so wie die Frösche u. s. w., mit einer sehr beweglichen Blinzhaut versehen Caldesi tab. 8. fig. 11. . D) FISCHE. §. 290. Die Eigenthümlichkeiten der Fisch- augen Noch fehlt es an recht deutlichen Abbil- dungen des innern Baues der Fischau- gen, und die besten die ich kenne, zu Guenellon's Anatomie der Augen des Kabeljau's, stecken in einem Buche wo man sie nicht leicht suchen würde, in Bayle's Nouvelles de la Republique des Lettres , vom März 1686. pag. 326. , welche entweder der ganzen Classe Von den Augen. Classe oder doch den mehresten Ge- schlechtern und Gattungen derselben ge- mein sind, betreffen theils die Trennung ihrer Choroidea und Retina in mehrere deutlich abgesonderte Blätter; theils ein paar kleine im Innern des Auges befind- liche Organe, die ausser dieser keiner andern Thierclasse zukommen. §. 291. Statt dass nämlich die Choroidea beym Menschen nur eine einfache, bey manchen anderen warmblütigen Thieren, besonders bey den Cetaceen, eine dop- pelte Haut bildet; so besteht sie hinge- gen bey den Fischen aus drey distincten Blättern, indem die innerste derselben eine wahre membrana Ruyschiana vorstellt, die mittlere aber ( membrana vasculosa Halleri ) sowohl von dieser als der äussersten verschieden ist, wel- che letztere mit der allen rothblütigen Thieren gemeinen eigentlich so genann- ten Choroidea verglichen werden muss. C c 3 Eben XXI. Abschnitt. Eben diese letztgedachte wird bey den Fischen vorn zur Iris, und zeichnet sich bey vielen durch den bekannten eigenen Silber- oder Goldglanz aus. Die Retina ist deutlich in zwey Blät- ter theilbar, wovon das äussere markig, das innere aber von sauber faserigem Ge- füge ist. §. 292. Die beyden andern den Fischaugen ausschliesslich eigenen und, wenigstens den Grätenfischen, gemeinen Organe, sind erstens ein meist hufeisenförmiger Wulst, der zwischen den beyden ge- dachten inneren Blättern der Choroidea (der Ruyschiana und vasculosa Hall .) liegt, und von manchen für musku- lös, von anderen hingegen für drüsicht gehalten wird; und zweytens die klok- kenförmige Gefäshaut ( campanula Hal- leri ), die aus der Ruyschischen ent- springt, und nach der Linse geht, mit- hin einige (aber doch nur entferntere) Aehnlich- Von den Augen. Aehnlichkeit mit dem Fächer im Vogel- auge (§. 287) zu haben scheint. Hingegen findet sich wiederum, wenig- stens bey den Grätenfischen, kein wah- rer Ciliarkörper. §. 293. Die Crystalllinse ist bey den mehresten Fischen, nach Verhältniss zum Augapfel, von sehr ansehnlicher Grösse, und fast oder vollkommen kugelig. Die gläserne Feuchtigkeit hingegen klein, und die wässerige bey vielen kaum merklich. §. 294. Zu den merkwürdigen Eigenheiten an den Augen einzelner Geschlechter und Gattungen von Fischen gehören z. E. die festen durchsichtigen Scheiben der ge- meinschaftlichen Integumente, hinter welchen sich die Augäpfel, wie bey man- chen Amphibien (§. 289.), bewegen Abbild. naturhistor. Gegenst . VI. Heft. tab. 58. am Ostracion bicuspis . ; C c 4 die XXI. Abschnitt. die sonderbare articulirende Verbindung des Augapfels der Rochen und Hayen mit einem knorpeligen Stiel Stenonis specimen elementor. myologiae tab. 5. fig. 1. Goyeau im Mercure de France Dec. 1757. pag. 130 u. f. ; das gleichsam gefingerte operculum pupillare im Rochenauge Stenonis de muscul, et glandul . pag. 68. Camper in den Mém. présentés à l'A- cad. des sc. de Paris T. VI. tab. 3. fig. 1. ; der ganz beyspiel- lose wunderbare Bau des Auges bey der Cobitis anableps mit getheilter Hornhaut und doppelter Pupille bey einer ein- fachen Linse Thesaur. rer. natural . Alb. Sebae T. III. tab. 34. Camper in Monro's Physiol. der Fische pag. 165 u. f. Lacepede in den Mém. de l'Instit. national T. II. pag. 372 u. f. u. dergl. m. E) Von den Augen. E) INSECTEN. §. 295. Bekanntlich finden sich bey den Thieren dieser Classe Lehmann und Schelver a. a. O. zwey ihrem Bau nach ganz von einander verschiedene Arten von Augen. Kleine, einfache ( stemmata ) und grosse gleichsam polye- drische oder facettirte (oder auch wie mit Kugelflächen oder Kegelspitzen be- setzte), die wie aus Tausenden von an- dern kleinen Augen zusammengesetzt scheinen S. z. B. Hooke 's micrographia restaurata tab. 20. fig. 3. tab. 21. . Die ersten in verschiede- ner Anzahl bey den mehresten Apteris , so wie bey vielen nachher geflügelten in ihrem Larvenzustande. Mit den Flü- geln erhalten diese in ihrer letzten so genannten vollkommenen Ausbildung die grossen zusammengesetzten Augen. Viele Geschlechter von geflügelten In- secten haben aber auch dann so wie C c 5 manche XXI. Abschnitt. manche aptera (z. B. die grössern Gat- tungen von Kiefenfüssen Andrk in den philos. Transact . vol. LXXII. P. II. tab. 16. vom Monoculus po- lyphemus . , ausser die- sen noch einige stemmata . §. 296. Der innere Bau hat bisher nur an den grossen polyedrischen Augen unter- sucht werden können Swammerdam tab. 20. fig. 1. und 5. von der Drone oder Deckbiene. Cuvier in den Mém. de la Soc. d'hist. nat, de Paris A. VII. pag. 41. fig. 3. von der Libellula grandis . . Die innere Fläche der facettirten Hornhaut ist mit einem farbigen Pigment überzogen. Hin- ter diesem liegen eben so viel prisma- tische oder eigentlich keilförmige Zäpf- chen dicht neben einander zusammen- gehäuft, als die Hornhaut Facetten hat. Hierauf folgt noch weiter nach innen eine zweyte farbige Haut; und auf diese zu innerst etwas markiges, das für eine Von den Augen. eine Fortsetzung des Sehnerven genom- men wird. §. 297. Wie aber die Insecten mit diesen Au- gen sehen, das bedarf, so wie über- haupt die wahre Bestimmung jener zwey so ganz verschiedenen Arten der Au- gen Ich habe schon anderwärts Gründe ange- führt, warum es mir gegen die sonstige allgemeine Behauptung wahrscheinlich ist, dass die polyedrischen Augen mehr für die Ferne, und die einfachen für nä- here Objecte bestimmt seyen. Wenig- stens reimt sich diess damit, dass die Schmetterlinge in ihrem geflügelten voll- kommenen Zustande solche grosse com- ponirte telescopische Augen kriegen, da sie vorher als Raupen nur myopische kleine Augen hatten. Aber freylich habe ich bey alle dem noch eigene Zweifel über die Bestim- mung dieser zweyerley Augen: z. B. dass doch auch vollkommene animalia subter- ranea , wie die Maulwurfsgrille, die bei- derley Augen haben, u. dergl. m. , erst noch weiterer Untersuchung. F) XXI. Abschnitt. F) WÜRMER. §. 298. In dieser ganzen Classe Lehmann und Schelver a. a. O. sind ei- gentlich bis jetzt bloss bey den Tinten- fischen wahre unverkennbare Augen er- wiesen, bey welchen sie zwar denen der rothblütigen Thiere, zumahl der Fische, im Ganzen sehr ähnlich, wenigstens ohne Vergleich ähnlicher sind, als die Augen irgend eines bekannten Insects; doch dass sie sich auch von jenen durch man- cherley eigenthümliche Besonderheiten auszeichnen Swammerdam tab. 52. fig. 2. u. f. . So ist bey ihnen z. B. statt der Hornhaut nur eine locker mit dem übrigen Augapfel verbundene Haut vorgespannt; die Iris ist von sehr fester, zäher Substanz, gleichsam wie eine Fortsetzung der Sclerotica, und am obern Rande mit einem in die Pupille ragen- den Fortsatz versehen, wodurch letz- tere eine fast halbmondförmige Ge- stalt erhält; ihr Ciliarkörper vorzüglich voll- Von den Augen. vollkommen und deutlich ausgebildet u. s. w. Allen andern Würmern fehlen die Augen entweder gänzlich, oder sie sind wenigstens noch sehr zweifelhaft. Denn selbst bey den Landschnecken Id . tab. 4. fig. 7. 8. von Helix pomatia . ist es doch noch problematisch, ob die schwar- zen Puncte am äussersten Ende ihrer so genannten Hörner für wahre zum Sehen bestimmte Augen angesprochen wer- den dürfen Lehmann pag. 44. Slevogt in Voigt 's neuen Magaz . VI. B. pag. 466 u. f. . Zwey XXII. Abschnitt. Zwey und zwanzigster Abschnitt. Von den Muskeln . §. 299. Vom Herzen und andern muskulo- sen Eingeweiden ist schon anderwärts gehandelt. Hier ist nun von den ei- gentlichen Muskeln die Rede, welche für die insgemein so genannten willkür- lichen Bewegungen bestimmt sind. Doch liegt die ausführliche specielle Myologie ausser dem Plan dieses Handbuchs, als für welchen nur etwas Weniges von dem gehört, was von Eigenheiten im Muskelbau der verschiedenen Classen und einiger desshalb besonders merk- würdiger Gattungen vorzüglich wichtig scheint Dass der Iste B. von Hrn. Cuvier 's vor- trefflichen Werke bey weitem das voll- ständig- . A) Von den Muskeln. A) SÄUGETHIERE. §. 300. Die grössere oder geringere Aehnlich- keit des Muskelbaues der übrigen Säu- gethiere Vorzügliche Myologien von einzelnen Gattungen dieser Classe haben geliefert vom Schimpansee, Tyson . vom Hund. Jac. Douglas im Speci- cimen myographiae comparatae und Ga- rengeot in der Myotomie humaine et ca- nine . Paris. 1724. 8. vom Pferd statt aller Stubbs in sei- ner unübertrefflichen Anatomy of the horse . vom Hornvieh Vitet im Isten B. sei- ner Médecine veterinaire . zu des Menschen seinem, lässt ständigste enthält was wir über verglei- chende Myologie im Ganzen haben, brauche ich nicht erst zu erinnern; — so wenig als dass sich eine Fülle von einzelnen dazu gehörigen Bemerkungen bey Borelli de motu animalium und Barthez nouvelle mechanique des mou- vements de l'homme et des animaux , Car- cassone 1798. 4. findet. XXII. Abschnitt. lässt sich schon aus der mehrern oder mindern Analogie folgern, die ihr Ge- rippe in Vergleich zum menschlichen zeigt. Mithin ist sie bey den Quadru- manen am auffallendsten. Und doch unterscheiden sich auch diese selbst schon von aussen durch die Kleinheit ihrer Gesäss- und Wadenmuskeln, als deren Stärke und Wölbung bekanntlich zu den Eigenthümlichkeiten der schönen menschlichen Form gehört Aristoteles de partibus animalium IV. 10. . §. 301. Unter den Muskeln die dem Men- schen und, so viel bekannt, auch den Quadrumanen abgehen, hingegen wenig- stens den allermehresten Quadrupeden gemein sind, verdienen vorzüglich der grosse Hautmuskel des Rumpfs Er fehlt unter andern auch dem Schwein. Ist hingegen vorzüglich bey denen Qua- drupe- ( pan- niculus Von den Muskeln. niculus carnosus, expansio carnea, muscu- lus subcutaneus ) und der suspensorius oculi Zinn in commentation. Soc. Reg. scient. antiquior . T. I. pag. 48. Erwähnung. §. 302. Zu denen die hingegen nur gewissen Geschlechtern und Gattungen eigen sind, gehören z. E. die theils äusserst zahlrei- chen am Rollschwanze mancher Meer- katzen drupeden die sich zusammenkugeln, z. E. bey den Tatus, Manis, Stachelschwei- nen, Igeln u. s. w. von ausnehmender Stärke. — S. die treffliche Monographie des Hrn. Hofr. Himly über das Zusam- menkugeln des Igels . Braunschw. 1801. 4. tab. 1—3. Bey grossen Cetaceen lassen sich die Sehnen dieses Hautmuskels in Faden von hundert und mehr Fuss Länge spalten, woraus nahmentlich die Aleuten ihren zum Bewundern feinen zweydrähtigen Sehnenzwirn verfertigen. D d XXII. Abschnitt. katzen Mery zählte am Rollschwanze eines sol- chen Thiers nicht weniger als zwey- hundert und achtzig Muskeln J. B. Du Hamel Reg. scient. acad. hist . pag. 276. u. a. Südamerikanischen und Nenholländischen Säugethiere; die schon erwähnten im Elephantenrüssel Ueberaus merkwürdige eigne Beobach- tungen des Hrn. Prof. Cuvier über den Organismus des Elephantenrüssels s. in der VIIten Lieferung der Ménagerie du Museum national . Er gedenkt den wun- derbaren Bau dieses in seiner Art so ein- zigen Organs in einem besondern Werke durch zwölf Knpfertafeln zu erläutern. Einiges darüber findet sich anch in der überaus reichhaltigen Description anatomique d'un Eléphant màle par P. Camper , publiée par son fils , A G Cam- per Par 1802. fol. die mir erst jetzt zu Gesichte gekommen. ; der am Kehldeckel vieler Quadrupeden J. G. Runge de voce eiusque organis . Lugd. Bat. 1753. 4. pag. 13. ( ceratoëpiglottidaeus ) u. s. w. §. 303. Von den Muskeln. §. 303. Andere Muskeln, die wohl den meh- resten Ordnungen der ganzen Classe ge- mein sind, zeichnen sich aber doch bey manchen Gattungen durch ausnehmende Stärke zu besondern ihnen eigenthüm- lichen Bewegungen aus; wie z. B. der glutaeus medius beym Pferd Stubbs , muscles tab. 2. q. Q. r. s. t. und tab. 3. a. b. c. d. , der in Verbindung mit einigen andern, zu- mahl mit dem gemellus Id . ibid. tab. 3. — 60 bis 64. , vorzüglich das diesen Thieren eigene Hintenaus- schlagen bewirkt; so die ungeheuer star- ken flexores am Biberschwanz u. a. m. C) VÖGEL. §. 304. Die Muskeln dieser Thierclasse zeich- nen sich im Allgemeinen schon durch die physiologische Eigenheiten aus, dass ihre Reizbarkeit vergleichungsweise sehr D d 2 schwach, XXII. Abschnitt. schwach, und im Tode sehr bald ver- gänglich ist, und dass bey vielen die Sehnen der langen Muskeln, zumahl an den Extremitäten, doch theils auch am Rumpfe, mit zunehmenden Alter ver- knöchern Ein Phänomen, wodurch manche Phy- siologen des XVIIten Jahrhunderts zu dem Fehlschluss verleitet worden, als ob die Knochen überhaupt, wenigstens grossentheils, aus Sehnen entstünden. s. Nic. Stenonis de musculis et glandu- lis pag. 26. Casp Bartholini iun. spe- cim. hist. anatomicae partium corp. hu- mani pag. 185. . Auffallend habe ich diess nahmentlich am Kranichscelet gefunden. §. 305. Von der besondern Myologie Ueber die Myologie der Vögel vergl. Ste- nonis in den Act. Havniensib . 1673. pag. 6. und in Valentini amphitheatr. zootomic . P. II. pag. 8. Vicq- der Vögel ist schon das Merkwürdigste im Vorher- Von den Muskeln. Vorhergehenden berührt; z. B. von Muskeln die ihnen eigen sind, wie die an ihrer Blinzhaut; oder die ihnen feh- len, wie das fleischigte Zwerchfell; oder die sich bey ihnen durch ihre ausneh- mende Grösse und eigne Form auszeich- nen, wie die Brustmuskeln u. s. w. C) AMPHIBIEN. §. 306. Die beyden Hauptordnungen dieser Classe zeichnen sich durch eine auffal- lende Verschiedenheit in ihrem Muskel- bau von einander aus, die sich nach der eben so grossen Verschiedenheit ihres Gerippes richtet. Bey den Reptilien nämlich, zumahl bey den Schildkrö- D d 3 ten Vicq-d'Azyr in den Mém. de l'Ac. des sc. de Paris 1772. u. f. Hrn. Prof. Merrem 's vermisehte Abh. aus der Thiergesch pag. 144. tab. 5. 6. und Hrn. Hofr. Wiedemann in s. Ar- chiv II. B. 2. St. pag. 68. XXII. Abschnitt. ten S. die Myologie der so genannten getä- felten Schildkröte, ebenfalls von Hrn. Hofr. Wiedemann in s. Archiv III. B. 2. St. pag. 78. und Fröschen, bey welchen der Rumpf ihres Scelets so wenige Beweg- lichkeit hat, sind der Muskeln wenigere (— denn den Schildkröten fehlen sogar ausser dem Zwerchfell auch die eigent- lichen Bauch- und Brustmuskeln —), aber dafür, besonders bey dem eben ge- dachten Geschlechte, von ausnehmender fleischiger Stärke: bey den Schlangen hingegen sind sie einförmiger, dünner, dagegen aber, wie es die mächtige Menge ihrer Wirbel und Rippen und andern- theils der Mangel aller äussern Bewe- gungswerkzeuge erfordert, bey weiten desto zahlreicher. D) FISCHE. §. 307. Das Muskelfleisch der Fische La Cepede hist. naturelle des poissons T. I. Discours pag. 47. unter- scheidet sich von dem der durch Lungen athmen- Von den Muskeln. athmenden Thiere im Ganzen schon ausser seinem geringen Blutgehalt und der davon herrührenden blassern Farbe, vorzüglich durch das ihm eigene bey den mehresten gleichsam blättrige und zu- gleich grossentheils sehnenlosse im Gan- zen aber sehr einförmige Hr. Prof. Kielmeyer über die Verhält- nisse der organischen Kräfte untereinan- der u. s. w. Stuttg. 1793. 8. pag. 22. Gefüge; eine Einrichtung, die übrigens in Ver- bindung mit der Menge ihrer Muskeln genau dem grossen Aufwand von An- strengung und Kraft angemessen ist, den der Aufenthalt und die ganze Oecono- mie dieser Thiere mit sich bringt s. Hrn. Dr. Gilb. Blane 's Lecture on muscular motion . Lond. 1788. 4. pag. 54. . E) INSECTEN. §. 308. Was so eben von der Einförmigkeit, Menge und Kraft der Muskeln bey den Fischen gesagt worden, das findet im D d 4 Ganzen XXII. Abschnitt. Ganzen ebenfalls, nur anders modificirt, aber meist noch auffallender bey den Insecten statt Von der Einförmigkeit der Muskeln bey den Insecten und Würmern s. Kielmeyer a. a. O. . Doch zeigt sich schon bey den wenigen die aus dieser Rück- sicht genauer untersucht worden, man- cherley Verschiedenheit. So haben z. B. die äusserst starken Muskeln in den Krebs- scheeren Stenonis specim. elementor. myologiae pag. 55. Perrault Essais de physique T. III. tab. 4. fig. 3. vergleichungsweise noch grosse Aehnlichkeit mit denen bey man- chen Organen der rothblütigen Thiere, da sie sich hingegen bey andern In- secten, wie nahmentlich bey den Rau- pen, durch ihre eigene bläulichweisse Farbe; platte, gleichsam kurzen Band- streifchen ähnelnde Form; weiches Ge- füge und ganz ausnehmende Anzahl von denen bey den vorigen Thierclassen aus- zeichnen. Denn so zählte bekanntlich Lyo- Von den Muskeln. Lyonet Tab. 6. 7. 8. 15. 16. 17. und tab. 5. fig. 7. 8. in der Weidenraupe nicht weniger denn 4061 Muskeln Das sind ihrer also fast zehnmahl so viel als der Mensch an seinem Körper hat; — und beynahe noch einmahl so viel als Stücke zu einem Strumpfwirkerstuhl gehören. , von welchen nur allein 2186 dem tubus ali- mentarius zugehören. F) WÜRMER. §. 309. Mit dem Totalhabitus des Muskel- systems der eben gedachten Raupen hat wiederum das bey den Mollusken Vergl. z. B. die Myologie der Aphrodite aculeata von Pallas in seinen Miscellan. zoolog . tab. 7. fig. 13. Von den Tritonien, Aplysien u. a. m. Cuvier in den Annales du Muséum na- tion. d'hist. nat . T. I. und II. und den Bewohnern der Conchylien S. z. B. von der Weinbergsschnecke Swammerdam tab. 6. fig. 2. Von einer Menge Bivalven und Mul- tivalven Poli auf vielen Figuren durchs ganze Werk. D d 5 im XXII. Abschnitt. Von den Muskeln. im Ganzen grosse Aehnlichkeit. Ausser denen die den Würmern dieser beyden Ordnungen überhaupt gemein sind, haben, wie sich von selbst versteht, die von der letzten noch besondere eigene Muskeln zur Verbindung mit ihren Scha- len und zur Bewegung derselben. So z. B. in den Schnecken ansehnliche Mus- kelbündel an ihrem Hinterleibe, mittelst deren sie in dem Hauptgewinde ihres Hauses festsitzen und sich in selbiges hineinziehen; die Bivalven ihre mächtig starken adductores um ihre Schalen zu schliessen J. Hunter on the blood pag. 111. Poli vol. I. introduct . pag. 59. u. s. w. Vielen, besonders von den eigentlich so genannten oder nackten Mollusken, dient ein eigener Apparat von Hautmuskeln zu der theils so auffallenden Verkürzung ihres Kör- pers: die hingegen bey den mehresten Zoophyten und Bewohnern der Corallen auch ohne sichtliche Muskelfasern durch das ausnehmende Contractionsvermögen in ihrem gallertigen Parenchyma statthat. FVNCTIO- FVNCTIONES GENITALES . Drey und zwanzigster Abschnitt. Von den männlichen Genitalien . §. 310. Die vergleichende Anatomie muss sich bey den Sexualfunctionen bloss auf diejenigen Thiere beschränken, bey wel- chen bestimmte männliche Organe für Befruchtung und weibliche zur Em- pfängniss vorhanden sind. Zu jenen gehören hauptsächlich die Geilen, Samenbläschen, Prostata und männliche Ruthe. Doch sind die letz- tern drey, zumahl die Bläschen und Prostata, selbst unter den rothblütigen Thieren, bey weitem nicht allgemein. §. 311. Die Geilen, und theils auch die Sa- menbläschen und Prostata, sind bey vie- len XXIII. Abschnitt. len von denjenigen männlichen Thieren die eine bestimmte Brunstzeit haben, von ausnehmend veränderlicher Grösse. um diese Zeit nemlich mächtig angeschwol- len, und hingegen in den von dieser Pe- riode entferntesten Monaten äusserst klein. Besonders auffallend ist diess z. B. an den Geilen des Maulwurfs, Sperlings, der Frösche u. s. w. Etwas ähnliches ereignet sich auch bey den verschnittenen Thieren nach dem Verlust der Geilen an manchen der übri- gen genannten Organe. — S. z. B. von den Samenbläschen bey den castrirten Hengsten oder so genannten Wallachen Bourgelat Elémens de l'art veterinaire . Par. 1769. 8. pag. 359 u. f. . §. 312. Beyläufig verdienen doch auch erst noch im Allgemeinen die eignen Organe Erwähnung, womit die Männchen eini- ger Gattungen von Thieren ausser den Genitalien zu dem Zweck versehen sind, um ihre Weibchen bey der Paarung da- mit Von den männlichen Genitalien. mit fest zu halten. So z. B. die Sporn an den Hinterfüssen des männlichen Schnabelthiers; der knollige schwarze Ballen der sich im Frühjahr am Daumen des männlichen Grasfrosches bildet; die beyden mit articulirenden Knochen ver- sehenen Glieder neben den Genitalien des männlichen Zitterrochen und eini- ger andern Knorpelfische Ray. Klein, Battarra u. a. hielten diese Glieder (so wie Menz und Krüger die gedachten Ballen an den Froschdau- men) irrig für wirkliche Zeugungsorgane. ; die Zange am Hinterleibe der Libellen-Männchen u. dergl. m. A) SÄUGETHIERE. §. 313. Ein scrotum worin die Hoden ausser- halb der so genannten Bauchhöhle hän- gen, findet sich bloss unter den Säuge- thieren; aber bey weitem nicht bey allen Gattungen derselben. Unter andern fehlt es, und zwar sehr zweckmässig, den im Wasser XXIII. Abschnitt. Wasser lebenden Thieren dieser Classe; so wie den vollkommenen subterraneis , dem Maulwurf u. s. w.; und denen die sich, wie der Igel u. a. bey Gefahr kug- licht zusammenrollen. Von diesen be- ständigen testicondis müssen diejenigen Thiere unterschieden werden, bey wel- chen (wie z. E. beym Hamster Sulzer pag. 38. 67. und der canadischen Bisamratte Sarrazin in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris a. 1725. tab. 13 und 14. ) die Hoden, nach Erforderniss der Umstände, aus dem Unterleibe heraus oder auch wieder zurücktreten können. Bey solchen testicondis wo auch zu- gleich die männliche Ruthe ausser ihrer Sexualfunction sehr versteckt liegt, wie bey dem Kater, dem Rammler, dem Elephanten u. s. w., hält es, vollends wann sie noch jung sind, oft schwer, sie auf den ersten Blick von den weib- lichen Thieren derselben Art zu unter- scheiden. §. 314. Von den männlichen Genitalien. §. 314. Bey vielen eigentlichen Quadrupeden, z. B. beym Hund, Hengst, Widder u. a. m. liegt in oder neben der Achse des Testikels nach dem Nebengeilen zu ein Streif von verdichtetem Schleimgewebe, der unter dem Nahmen des corpus High- mori bekannt, aber weder ein hohler Canal, noch auch sonst von so kunst- reichem Bau ist, als er von vielen Zer- gliederern des 17 ten Jahrhunderts be- schrieben und abgebildet worden Z. E. bey de Graef de viror. organis ge- nerat. inseruient . tab. 3. fig. 4. vom Hund. Vergl. damit die sehr getreuen Abbil- dungen bey Al. Monro iun. de testibus , Edinb. 1755. 8. tab. 4. fig. 5. ebenfalls vom Hund. fig. 8. vom Pferd. tab. 3. fig. 5. vom Schwein u. a. m. . §. 315. Bey weiten die mehresten Gattungen von Säugethieren, und zwar, die Ceta- ceen E e XXIII. Abschnitt. ceen ausgenommen Wenigstens spricht J. Hunter (in den philos. Transact . vol. LXXVII. pag. 442) den Cetaceen ausdrücklich die Samen- bläschen ab. Zwar weiss ich wohl, dass insgemein behauptet wird, der übrigens um die Zootomie so höchst verdiente Rondelet habe diesen wichtigen Theil zu allererst bey der Zergliederung eines Delphins entdeckt. Allein die dafür an- geführte Stelle seines classischen Werks de piscibus marinis pag. 461 scheint mir diess eben so wenig zu beweisen, als was Ray ebenfalls von den männlichen Genitalien des Tümmlers (in den philos. Transact . vol. VI. pag. 2276.) sagt, und von Haller auch auf Samenbläschen ge- deutet worden. , aus allen übrigen Ordnungen der ganzen Classe, sind mit Samenbläschen versehen, die sich bey manchen, wie z. E. bey einigen Affen, vor allen aber beym Igel Daubenton vol. VIII. tab. 7. und 8. , während seiner Brunstzeit durch eine auffallende Grösse auszeichnen. Zu Von den männlichen Genitalien. Zu denenjenigen Gattungen hinge- gen, denen sie gänzlich abgehen, ge- hören nahmentlich das Hunde- und Katzengeschlecht, die Bären, Beutel- thiere, Fischottern, Seehunde und das Schnabelthier. §. 316. Die bey manchen Gattungen ein- fache, bey den mehresten aber doppelte Prostata , ist wohl nur den Säugethieren eigen, aber vermuthlich allen Gattungen der ganzen Classe gemein. Wenigstens finden sich bey denen, welchen sie von Manchen abgesprochen werden, wie beym Bock und Widder, ansehnliche drüsenartige Körper, die im Ganzen doch mehr Aehnlichkeit mit diesen, als mit den Cowperschen Drüsen zu haben scheinen S. z. B. Haller in Commentar. soc. reg. scient. Goettingens . T. I. tab. 1. . §. 317. Zu den vom menschlichen Baue ab- weichenden Eigenheiten der männlichen E e 2 Ruthe XXIII. Abschnitt. Ruthe in dieser Thierclasse gehört, dass dieselbe bey manchen Gattungen nur Ein corpus cauernosum penis ohne Schei- dewand hat. So z. E. beym Schwein und bey den Cetaceen, bey welchen letz- tern dieser schwammiche Körper gar wunderbar wie mit sehnichten Zellen durchkreuzt ist Ruysch epist. problematica XV. tab. 19. fig. 5. . Bey einigen Gattungen, deren Paa- rung eine längere Zeit braucht, wie z. E. bey den Hunden, Dachsen u. s. w. ist der schwammiche Körper der Eichel, und theils auch der untere Theil am hintern Ende der Ruthe, so eingerichtet, dass er während jenes Acts weit stärker als die übrige Ruthe anschwillt, und da- durch die festere Verbindung mit den weiblichen Organen bewirkt wird Vergl. Daubenton T. V. tab. 47. und des Hrn. Geh. R. Walter Mém. sur le Blaireau in den Mém. de l'acad. de Ber- lin 1792. pag. 20. . §. 318. Von den männlichen Genitalien. §. 318. Viele Gattungen von Säugethieren, zumahl von denen die keine Samenbläs- chen haben, und wohl eben desswegen einer längern Zeit zur Paarung bedür- fen, doch auch manche von den übri- gen So hat z. B. ein Simia cynomolgus , den ich neulich zergliedert, ein kleines os penis bey mächtig grossen Samenbläschen. sind mit einem besondern, meist cylindrischen, theils rinnenförmi- gen Knochen Eine Menge Abbildungen dieses Kno- chen aus mancherley Thieren finden sich bey Redi de viuentib. intra viuentia tab. 26. so wie bey Meyer 's Thierscele- ten, im Daubenton , u. s. w. in der männlichen Ruthe versehen. So einige Affen, die mehresten Fledermäuse, der Hamster und viele andere mäuseartigen Thiere, der Hund, Bär, Dachs, das Wiesel, die Robbe, das Wallross u. a. m. Merkwürdig ist, dass sich dieser Kno- chen doch nicht eben bey allen Gattun- gen . E e 3 §. 319. XXIII. Abschnitt. §. 319. Bey den allermehresten männlichen Thieren dieser Classe verläuft sich die Harnröhre bis zur Eichel, und dient zum gemeinschaftlichen Ausführungsgang für den Harn, den liquor prostatae und den Samen. Bey einigen wenigen Gattun- gen sind aber für den erstern und für die zum Zeugungsgeschäfte gehörigen Säfte besondere Abführungswege vor- handen. Beym Opossum z. B. ist die gabelförmig gespaltene Eichel mit drey Mundungen versehen; eine für den Harn in der Fuge wo jene Theilung beginnt, und zweye für den Samen an den bey- den Spitzen der Eichel Cowper in den philos. Transact . vol. XXIV. pag. 1583. fig. 2 — 5. Zu . Beym Schna- belthier gen desselben Thiergeschlechts findet. So fehlt er z. B. den mehresten Gattun- gen von Affen, manchen Arten von Fle- dermäusen, im Hundegeschlecht der Hyäne u. s. w. Vergl. J. F. Hermann obseruat. ex osteolog. comparata . Argent. 1792. pag. 13. Von den männlichen Genitalien. belthier öffnet sich die kurze Harnröhre gerade in die cloaca , und die ansehn- liche Ruthe hingegen dient bloss zur Ausleerung des Samens, der sich durch die beyden mit stachelichten Papillen be- setzten Mündungen der gleichsam zwey- kolbigen Eichel ergiesst Herr Home in den philos. Transact . 1802. tab. 4. fig. 1. ; beym orni- thorhynchus hystrix endigt sich die im übrigen dem eben gedachten Bau ähn- liche Ruthe gar in vier Eicheln Id. ibid. tab. 12. fig. 1. . §. 320. Die Eichel ist, zumahl bey manchen Gattungen aus dem Katzengeschlecht, mit Widerhäkchen besetzt, die wohl auch diesen mit keinen Samenbläs- chen versehenen Thieren zur innigern E e 4 und Zu andern Eigenheiten dieses sonder- baren Geschöpfs gehört auch, dass bey ihm die Ruthe hinter dem scrotum liegt. XXIII. Abschnitt. und längern Verbindung bey der Paarung dienen mögen Ich habe in der Lampischen Sammlung in Hannover eine männliche Ruthe ge- sehen, die vom Tiger oder einer ihm verwandten Gattung seyn sollte, und an dem Untertheile der Eichel mit zwey starken neben einander liegenden horn- artigen dreyzackigten Widerhaken be- setzt war. . §. 321. Endlich verdient auch noch ange- merkt zu werden, dass bey manchen Gattungen dieser Thierclasse die männ- liche Ruthe, so lange sie sich ausser Erection befindet, nach hinten gekehrt ist, so dass sie ihr Wasser in der glei- chen Richtung wie die weiblichen Thiere lassen. So, um nur wenige Beyspiele zu nennen, der Hase, der Löwe und die Camele. Aber irrig ist die seit Aristote- les Hist. animal . II. 1. V. 2. und de partib. animal . IV. 10. so oft nachgeschriebene Behaup- tung, Von den männlichen Genitalien. tung, als ob diese retromingentia sich auch rückwärts paarten. B) VÖGEL. §. 322. Die an den Nieren liegenden Geilen und die ductus deferentes sind die einzi- gen in dieser Classe allgemein constan- ten Theile der männlichen Genitalien Godofr. Gu. Tannenberg Spicilegium obseruationum circa partes genitales mas- culas auium Goett. 1789. 4. mit Knpf . . Nur bey wenigen, wie z. B. beym Hahn, endigen sich die eben genannten Gänge in eine längliche Weitung, die man für ein Analogon der Samenbläs- chen hat wollen gelten lassen. Statt einer Ruthe finden sich bey den mehresten in der cloaca zwey kleine Pa- pillen, in welche sich jene Samengänge verlaufen. So z. E. beym Hahn De Graef de mulierum organis tab. 17. und Herr Collegienrath Tannenberg a. a. O. tab. 1. und 2. fig. 1. 2. , Pu- ter, Tauber u. s. w. E e 5 Einige XXIII. Abschnitt. Einige wenige Gattungen aber haben eine einfache Ruthe von beträchtlicher Länge, die ausser der Paarung neben der cloaca zusammengeschlagen und verbor- gen liegt, aber nachdem das Thier sein Weibchen getreten hat, noch einige Zeit sichtbar bleibt, ehe sie sich wieder zu- rückzieht. Beym Aentrich Id. ib. tab. 2. fig. 3. und tab. 3. und Herr Home a. a. O. tab. 12. fig. 2. ist diess eine lange, wurmförmige Röhre; beym Straus hingegen eine Rinne, die auch beym Harnen des Thiers zum Vorschein kommt Herr Prof. Cuvier im Iten Heft der Mé- nagerie du museum national . . C) AMPHIBIEN. §. 323. Bey den Schildkröten liegen die Nie- ren, Geilen und Nebengeilen dicht an einander, jedes von diesen drey Organen unterscheidet sich aber durch eigene Farbe und Gefüge auf den ersten Blick. Samen- Von den männlichen Genitalien. Samenbläschen scheinen sie nicht zu haben Ich würde mich kaum zweifelhaft dar- über ausdrucken, wenn nicht der be- kannte Anatome Lieberkühn der Schild- kröte (er sagt freylich nicht welcher?) Samenbläschen zugeschrieben hätte. In G. Erh. Hambergeri physiologia medica pag. 712. Ueberhaupt herrscht in den verschie- denen Beschreibungen der männlichen Genitalien des Schildkrötengeschlechts viele Undeutlichkeit. Die mancherley Angaben darüber hat Hr. Prof. Schnei- der zusammengestellt in seiner allgem. Naturgesch. der Schildkröten pag. 129 u. f. Vergl. damit Hrn. Prof. Gilibert in seinem Médecin naturaliste I e Série. Lyon. 1800. 8. pag. 290. ; wenigstens finde ich bey ei- ner Testudo graeca , die ich kürzlich zer- gliedert, keine Spur davon. Hingegen ist ihre Ruthe von auffallender Grösse; ausser der Sexualfunction in der Cloaca zurückgezogen; statt der Harnröhre mit einer Rinne versehen, deren Seitenrän- der sich aber wohl in der Erection an einan- XXIII. Abschnitt. einander legen, und so eine geschlossene Röhre bilden Ungefähr wie die rinnenförmige Fort- setzung des Schlundes, die nach dem drit- ten Magen der wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen läuft (§. 90. 91.). . Die Eichel endigt sich in eine stumpfe, hakenförmige Spitze, gewissermassen wie das Ende des Ele- phantenrüssels. §. 324. Unsere hieländischen eigentlich so ge- nannten Frösche Rösel tab. 5. fig. 1. 2. 3. und tab. 6. fig. 1. vom braunen Grasfrosch. haben ansehnliche Samenbläschen, und statt der Ruthe in der Cloaca eine kleine Papille. Den Kröten Id. tab. 21. fig. 25. 26. von der gemeinen Kröte. fehlt beydes; sowohl die Bläschen als diese Warze. §. 325. Die Crocodile haben eine einfache Ruthe; die hieländischen Landeidechsen hingegen Von den männlichen Genitalien. hingegen ihrer zwey; die Wassermolche aber, die sich nicht paaren, überhaupt nichts einem solchen Organ ähnliches. §. 326. Die Schlangen haben sehr lange, schmale Geilen, keine Samenbläschen, aber doppelte Ruthen, deren jede wieder gabelförmig gespalten, und mit stache- ligen Widerhäkchen besetzt ist Tyson in den philos. Transact . vol. XIII. tab. 1. fig. 2. von einer Klapperschlange, und fig. 3. von der Viper. . D) FISCHE. §. 327. Die männlichen Genitalien sind in den verschiedenen Ordnungen dieser Classe Ph. Cavolini über die Erzeugung der Fische und der Krebse; mit Anm. von E. A. W. Zimmermann . Berl. 1792. 8. selbst von verschiedenem Bau S. z. B. de Graef partium genitalium defensio pag. 253. . Wir heben XXIII. Abschnitt. heben nur zwey Gattungen als Muster aus. Von Knorpelfischen, den Zitterro- chen, von den mit Gräten versehenen, den Karpen. Bey jenem finden sich deutliche Geilen, die theils aus zahllosen Drüsen- körnchen, theils aber, wie bey den Grä- tenfischen, aus Milch bestehen; vasa de- ferentia , und ein Samenbläschen, das sich mittelst einer kleinen Papille in den Mastdarm öffnet Lorenzini tab. 4. fig. 4. Vergl. Monro 's Physiologie der Fische tab. 11. 12. . Beym Karpen Petit in den Mém. de l'ac. des sc . 1733. tab. 17. hingegen vertritt, so wie bey vielen andern Grätenfischen, die Milch die Stelle der Geilen, und bil- det bey diesem zwey längliche, platte Eingeweide von ansehnlicher Grösse, weisser Farbe und zackiger, irregulärer Gestalt, die zu beyden Seiten der Ge- därme und der Schwimmblase liegen, so dass Von den männlichen Genitalien. dass die linke den Mastdarm wie eine Rinne umfasst. Mitten durch jeden dieser beyden Milche läuft ein ductus deferens , der hinten in eine Art Samen- bläschen übertritt, das sich dann beym After nach unten öffnet Merkwürdig ist, dass sich unter den Karpen häufiger als bey andern Fischen einzelne anomalische Zwitter-Individua mit vollkommen ausgebildeten beider- ley Sexualorganen finden. S. z. B. Ali- scher in den Breslauer Samml . XIV. Vers. pag. 645. Schwalbe im commerc. litte- rar. Noric . 1734. pag. 305. und Morand in der Hist. de l'ac. des sc . 1737. pag. 51. Ich habe die vollständigen Eingeweide zweyer solchen Zwitterkarpen vor mir, die ich im vorigen Jahre kurz hinter einan- der, so wie sie eben gefangen waren, vom Hrn. Dr. Filter aus Nordhausen erhalten. . E) INSECTEN. §. 328. Auch aus dieser Classe erlaubt uns die vielartige Verschiedenheit des Baues bey XXIII. Abschnitt. bey den verschiedenen Ordnungen, Ge- schlechtern und Gattungen S. z. B. vom Scarabaeus nasicornis Swam- merdam tab. 30. fig. 8. 9. Von einem grossen Wasserkäfer Id. tab. 22. fig. 5. Von einer Cicade Malpighi de bom- byce tab. 11. fig. 2. Von Nepa cinerea , Swammerdam tab. 3. fig. 6. Von Papilio vrticae Id. tab. 36. fig. 2. Von Ephemera horaria Id. tab. 14. Von der Drone Id. tab. 21. fig. 1 — 4. und tab. 22. fig. 1 — 4. Von Musca chamaeleon Id. tab. 42. fig. 7. Von Musca putris Id. tab. 43. fig. 17. Von einer Krabbe Cavolini tab. 2. fig 10. 11. Vom Cancer Bernhardus Swammer- dam tab. 11. fig. 6. Vom Flusskrebs Rösel III. B. tab. 60. fig. 23. , nur ein Paar der letztern als Beyspiele auszu- heben. Von den männlichen Genitalien. heben. Den Seidenwurmschmetterling wegen der Aehnlichkeit seiner Genita- lien mit denen bey manchen der so ge- nannten vollkommenern warmblütigen Thiere. Und eine Heuschrecke wegen der scheinbaren äussern Analogie ihrer männlichen Zeugungstheile mit den weiblichen. Bey dieser (dem Gryllus verruciuo- rus ) sehen nämlich zumahl die mächtig grossen Testikel mit ihren bündelweis zusammengefalteten Gefässen, den eben so grossen Eyerstöcken mit den auch gleichsam bündelweis darin vertheilten Eyern, auffallend ähnlich Id. II. B. Heuschrecken tab. 9. fig. m. n . . Beym Seidenfalter aber unterscheidet man ausser den Geilen auch noch lange davon ableitende vasa deferentia , selbst eine Art von Samenbläschen, und eine sehr ansehnliche Ruthe mit hakenför- miger Eichel Malpighi tab. 10, fig. 1. vergl. mit Swammerdam tab. 28. fig. 3. unten. . F) WÜR- F f XXIII. Abschnitt. F) WÜRMER. §. 329. Eben so auch aus dieser Classe nur zwey Beyspiele statt vieler Von männlichen Genitalien solcher Wür- mer, bey welchen beyderloy Sexualor- gane in jedem Individuum verbunden sind, s. z. B. die von einer Wegschnecke bey Swammerdam tab. 8. fig. 9. Von den Aplysien, Clio borealis und Tritonia Hrn. Cuvier a. a. O. Von Lepas balanus Poli vol. I. tab. 4. fig. 13. Von Helix pomatia Swammerdam tab. 5. fig. 10. . Eins von einem Intestinalwurm ( Ascaris lum- bricoides ), weil es auch noch für Noso- logie Interesse hat, das andere von einem Molluscum, dem Tintenfisch, wegen der ganz sonderbaren Eigenhei- ten bey den männlichen Genitalien des- selben. Der Spulwurm hat nur Einen Geilen, der ungefähr in der Mitte des Thiers liegt, Von den männlichen Genitalien. liegt, und aus einem einzigen in ein längliches Bündel zusammengefalteten Gefäss besteht, das sich leicht auseinan- der wickeln lässt, und dann gegen drey Fuss lang ist. Es verliert sich nach dem Hintertheil des Wurms zu in eine dickere Röhre, fast von der Stärke einer Rabenspule, und hieran stösst die im Schwanzende verborgene Ruthe, die vermuthlich bey der Paarung heraus- tritt Tyson in den philos. Transact . vol. XIII. pag. 161. fig. 1. . Die männlichen Genitalien des Tin- tenfisches ( Sepia loligo ) sind zumahl durch die merkwürdigen, freylich wohl in der Beschreibung etwas verschöner- ten, Beobachtungen berühmt worden, die Türberv. Needham daran ge- macht S. dess. nouvelles observations micro- scopiques tab. 3. fig. 6-9. und tab. 4. , und die Büffon zu einer Hauptstütze seiner Zeugungshypothese F f 2 be- XXIII. Abschn. V. d. männl. Genitalien. benutzt hat Hist. naturelle T. II. pag. 230. . Der Theil, der sich mit der Milch der Grätenfische verglei- chen lässt, enthält zur Leichzeit viele hundert kleiner (etwa vier Linien lan- ger) röhrenförmiger Samenbehälter, die bündelweis nach dem Ausführungsgang hin gerichtet sind, und zusammen in einer zähen Feuchtigkeit liegen. Diese ganzen Röhrchen werden excernirt, da dann ein spiralförmiges Gefäss, welches sie nebst dem eigentlichen Samen wie in einer Hülse enthalten, das dünnere Vor- derende derselben sprengt, so dass sich der Same selbst ergiesst und die geleich- ten Eyer des Weibchens befruchtet. Vier Vier und zwanzigster Abschnitt. Von den weiblichen Genitalien . §. 330. Von allen zu den weiblichen Geni- talien gehörigen Organen ist ein Eyer- stock der allerwesentlichste und allge- meinste. Ausser ihm finden sich bey allen durch Lungen athmenden Thier- classen, so wie bey manchen Fischen und vielen weissblütigen Thieren, auch so genannte Eyergänge (Fallopische Röhren u. s. w.), die vom Eyerstock zur Gebärmutter führen, und endlich, — wenigstens bey denen, die durch wirkliche Paarung befruchtet werden, auch eine Scheide, wodurch wiederum der Uterus mit den äussern Sexualtheilen in Verbindung kommt. F f 3 Bey XXIV. Abschnitt. Bey den Vögeln sind alle diese Theile nur einfach. Manche Knorpelfische ha- ben zwar doppelte Eyergänge, die aber doch mit einer gemeinschaftlichen Mün- dung beginnen, und sich auch in einer einfachen Gebärmutter enden. Das weib- liche Menschengeschlecht, so wie viele andere Säugethiere, hat zwey Eyer- stöcke, und für jeden einen besondern Eyergang, aber einfache Gebärmutter und Scheide. Viele andere weibliche Thiere dieser Classe haben einen vterus bicornis; einige andere aber fast durch- gehends gedoppelte innere Genitalien, nämlich selbst vollkommen doppelte vteros , und, wenigstens zum Theil, auch doppelte Scheiden, wie das Opos- sum (— tab. VII. —). A) SÄUGETHIERE. §. 331. Von den zu den äussern weiblichen Sexualorganen dieser Thierclasse gehöri- gen besondern Theilen ist wohl die cli- toris Von den weiblichen Genitalien. toris der allgemeinste Linné hielt die clitoris für ein eigen- thümliches Unterscheidungszeichen des weiblichen Menschengeschlechts von den Aeffinnen. Aber gerade bey diesen fin- det sie sich meist von auffallender Grösse. Am stärksten ausgebildet habe ich sie bey einem Mandril ( Papio mai- mon ), den ich zergliedert, gefunden. , als welche vielleicht bloss dem Schnabelthier ab- geht Home in den philos. Transact. for 1802. pag. 81. , sich hingegen selbst bey den Cetaceen findet Tyson's Porpess tab. 2. fig. 3. Bey einer 52 Fuss langen Balaena boops , die ich frisch gestrandet zu sehen Gelegenheit gehabt, war dieser Theil selbst im Verhältniss zum ganzen un- geheuern Thier doch auffallend an- sehnlich. . So wie sie überhaupt manche Aehn- lichkeit mit der männlichen Ruthe zeigt, so ist sie auch bey mehrern Gattungen von Säugethieren, z. E. bey der Ziesel- F f 4 maus XXIV. Abschnitt. maus ( Marmota citillus ), dem Wasch- bären, der Löwin, der Fischotter u. s. w. mit einem kleinen Knochen versehen; und so wie die Ruthe des männlichen Beutelthiers eine gespaltene Eichel hat (§. 219), so ist auch der Kitzler beym weiblichen auf eine ähnliche Weise ge- theilt (— tab. VII. c . —). Beym Loris ( Lemur tardigradus ) geht die Aehnlich- keit gar so weit, dass sich selbst die Harnröhre in denselben verläuft und sich an seinem vordern Ende mündet S. in Audebert hist. nat. des Singes die anatomischen Figuren tab. 2. fig. 8. . Aber auch schon bey der Ratte, Haus- maus, dem Hamster u. s. w. liegt die clitoris und die Oeffnung der Harnröhre vom Eingang zur Scheide entfernt, mehr nach vorn; ein Bau, der daher zu- weilen für eine widernatürliche Zwit- tergestaltung missgedeutet worden Io. Iac. Döbel in nov. literar. mar. Balth . 1698. pag. 238. Vergl. Io. Faber ad Franc. Hernandez plantar . etc. Mexicanar. histor . pag. 547. . §. 332. Von den weiblichen Genitalien. §. 332. Ein wahres hymen ist wohl, we- nigstens in der Form und Lage wie bey Mädchen und Jungfrauen, noch bey keinem andern weiblichen Thiere bemerkt worden. Denn selbst die be- kannte häutige Klappe vor der Harn- röhrenmündung in der Scheide der Stute u. s. w. Ruini pag. 164. Daubenton T. IV. tab. 4. fig. 2. und tab. 8. Bourgelat a. a. O. pag. 383. Io. Brugnone in den Mém. de l'ac. des sc. de Turin . T. IV. pag. 406. ist doch sehr davon verschieden Von einem analogen Theil am Kam- tschatkischen Manaten s. Steller in nov. Comm. acad. Petropolit . Tom. II. pag. 308. . §. 333. Die Mutterscheide ( vagina ) der Qua- drupeden, so viel ich deren aus dieser Rücksicht untersucht habe, unterschei- det sich hauptsächlich durch zweyerley von der menschlichen. Durch ihre Rich- F f 5 tung, XXIV. Abschnitt. tung, und durch den Habitus ihrer in- nersten Haut. Jene liegt nämlich, so wie es der Bau ihres Beckens mit sich bringt, mit dem uterus, oder wenig- stens mit dem Mutterhalse, fast ganz in der gleichen Axe. Und diese, die drüsenreiche Haut, womit ihre Höh- lung ausgekleidet ist, bildet keine so äusserst elegante Querfurchen wie im Menschengeschlecht, sondern ist bey den mehresten bloss in die Länge gerun- zelt; und wo auch Querfalten sind, so finden sie sich doch entweder nur, wie bey der Kuh, am vordern Ende der Scheide hinter dem äussern Mutter- munde, oder wenn sie sich, wie bey den Aeffinnen, weiter erstrecken, so sind sie doch, wie gesagt, durchgehends von der ausnehmenden Sauberkeit, die sich in der menschlichen vagina zeigt, sehr entfernt Abbildungen der geöffneten Scheide der Stute gibt Daubenton T. IV. tab. 4. fig. 2. Der . §. 334. Von den weiblichen Genitalien. §. 334. Die Gebärmutter selbst ist in dieser Classe von auffallend verschiedener Tex- tur und Gestaltung. Von solcher Stärke und Derbheit des parenchyma wie beym Weibe findet sie sich wohl bey keinem andern Säugethiere Schon Haller sagt: “ Vterus humanus „ab omnium animalium vteris differt, „quae ego inciderim. Quadrupedum „vterus . Unter denen, die Der Kuh, Nic. Hoboken anat. secun- dinae vitulinae . Vltraj. 1675. 8. fig. 3. und I. Gunth. Eberhard over het ver- lossen der Koeijen . Amsterd. 1793. 8. tab. 1. Der Schafmutter, Fabric. ab Aqua- pendente de formato foetu tab. 17. fig. 35. 36. und de Graef de mulierum organis tab. 20. Der Hirschkuh, Daubenton T. VI. tab. 17. Der Ratte, Id. T. VII. tab. 38. fig. 3. Der Genettkatze, Id. T. IX. tab. 37. fig. 2. Des Pantherthiers, Id. ibid. tab. 16. XXIV. Abschnitt. die ich zergliedert, hatte das Weibchen von Simia syluanus vergleichungsweise noch den derbsten uterus. Nächst dem das von dem zweyzehichten Ameisenbär. Bey den allermehrsten Säugethieren ist er hingegen, wie bekannt, dünnhäutig, gleichsam darmähnlich, aber mit einer unverkennbaren wahren Muskelhaut ver- sehen. §. 335. Die vielartige Form des ungeschwän- gerten uterus in dieser Thierclasse lässt sich auf folgende Hauptverschiedenhei- ten zurück bringen: 1) Einfach ohne Hörner ( vterus sim- plex ) meist birn- oder eyförmig. So zumahl bey den gedachten Thieren mit derber Gebärmutter. Doch ist sein Um- riss bey manchen Aeffinnen von mehr dreyeckter Form, als beym Weibe, und bey „vterus verus est musculus, pene vt „oesophagus. — Crassior etiam est in „homine, quam in vllo animale.” Elem. physiol . T. VII. P. II. pag. 56. Von den weiblichen Genitalien. bey einigen (z. B. beym Gibbon) finden sich oben nach den Fallopischen Gängen zu schon gleichsam Anlagen zu ein paar stumpfen Säcken Daubenton T. XIV. tab. 5. fig. 2. , die beym Loris ( Lemur tardigradus ) noch deutlicher aus- gewirkt sind, und sich schon dem vte- rus bicornis nähern Id. T. XIII. tab. 31. fig. 4. . 2) Einfach, aber mit geraden oder etwas gebogenen Hörnern ( vterus bicor- nis ). Gerade sind sie bey der Hün- dinn Vesalius pag. 585. ed. 1555. ; auch bey den hieländischen Fledermäusen, bey der Fischotter, den Seehunden u. s. w. Daubenton T. IX. tab. 16. vom Pan- therthier. tab. 33. von der Zibethkatze. tab. 37. fig. 2. und tab. 38. 39. von der Genettkatze. T. XIII. tab. 51. vom Seehund. ; mehr gebogen bey den Cetaceen Tyson tab. 2. fig. 3. , bey der Stute La Fosse tab. 45. 46. , beym XXIV. Abschnitt. beym Igel, noch stärker bey den bi- sulcis Vom Schaaf de Graef tab. 20. Von der Kuh Hoboken fig. 29. 30. Eberhard tab. 1. . 3) Dopp e lt, als blosse Hörner, die mit keiner besondern einfachen Mutter- höhle zusammenhängen, sondern un- mittelbar in die Scheide münden ( vte- rus duplex ), bey den Hasen Daubenton T. VI. tab. 45. und Caninchen De Graef tab. 25. Daubenton l. c. tab. 56. . 4) Doppelt, mit sonderbaren grossen Seitenwindungen ( vterus anfractuosus ), beym Opossum (— tab. VII. —) Erst nachdem ich diesen wunderbaren Bau an einem Opossum, das ich einige Jahre lebendig besessen, frisch zu un- tersuchen Gelegenheit gehabt, sind mir die theils dunkeln, theils widersprechen- den Beschreibungen, die andere davon gegeben, , und Von den weiblichen Genitalien. und auf eine ähnliche Art auch beym Känguruh Herr Home in den philos. Transact. for 1795. tab. 18. fig. 1. tab. 19. fig. 3. . §. 336. Jene vielartigen Gestaltungen leiden aber im trächtigen Zustande auch ver- schiedenartige Abänderung. Beym einfachen uterus scheint sich diese äussere Formänderung im Ganzen wie bey der schwangern Gebärmutter des Weibes zu verhalten. Beym trächtigen vterus bicornis ist wiederum die Form anders bey denen, die in der Regel nur Ein Junges auf ein- mahl werfen, als bey den multiparis . Bey der Stute liegt die Frucht bloss in der Höhle der eigentlichen Gebär- mutter. gegeben, verständlich worden, und ich darf erwarten, dass das die Leser eben so finden werden, wenn sie meine Ab- bildung mit denen bey Tyson, Dauben- ton u. a. m. vergleichen wollen. XXIV. Abschnitt. mutter Ruini pag. 181 u. f. Fabric. ab Aqua- pend. tab. 20. 21. . Bey der Kuh aber ausserdem auch zugleich in dem einen damit zusam- menhängenden erweitertem Horne Hoboken fig. 1. 6. 31. Eberhard tab. 9. 10. . Bey denen hingegen, die viele Junge zugleich werfen, so wie auch beym vterus duplex der Hasen und Caninchen, in beyden Hörnern, die sich dann bey denen, wo sie im ungeschwängerten Zu- stande gerade sind, wie bey den Hun- den, krumm winden, und nach der Zahl der darin befindlichen Früchte durch flache Einschnitte abgetheilt wer- den Fabric. ab Aquapend. tab. 28. vom Hund. Vom Schwein Id. tab. 24. Dauben- ton T. V. tab. 20. Von der Maus Fabr. ab Aquapend. tab. 29. Vom Meerschweinchen Id. tab. 30. . Der Von den weiblichen Genitalien. Der vterus anfractuosus der Beutel- thiere erleidet wohl die mindeste Ab- änderung seiner sonstigen Gestaltung, da diese wunderbaren Geschöpfe ihre Brut so ausser Verhältniss klein, gleich- sam als ganz unreife Abortus gebären. §. 337. Von den Fallopischen Röhren bemerke ich hier bloss, dass dieselben bey man- chen, wie z. E. beym gemeinen Affen ( S. syluanus ), und noch mehr beym Opossum (— tab. VII. l. r . —) wie knaulförmig in einander geschlängelt sind. Und von den so genannten Fim- brien , dass diese bey andern, wie z. E. beym Caninchen, eine meist trichter- förmige Gestalt haben. §. 338. Die Eyerstöcke sind bey den mehre- sten Gattungen eyförmig, so dass die Graafischen Bläschen im Parenchyma derselben gleichsam versteckt liegen. Bey manchen, wie z. E. beym Schwein, G g pro- XXIV. Abschnitt. prominiren diese Bläschen nach aussen, so dass die ovaria wie mit kuglichten Buckeln besetzt (mammelonirt) schei- nen Hr. Hofr. Wrisberg in Gommentat. Soc. Reg. scient. Goetting . T. IV. pag. 69. ; beym Igel aber hängen die Bläschen meist ganz frey, so dass die Eyerstöcke dieses Thiers kleinen Trau- ben, und in so fern der Vögel ihren ähneln. Die Anzahl der Bläschen scheint im Ganzen ungefähr mit der Menge der Jungen übereinzustimmen, die eine Mutter in ihrem Leben hecken kann J. Hunter in den philos. Transact . vol. LXXVII. pag. 233. Da sich nun aber hierin eine ganz auffallende Verschiedenheit zwischen der Fruchtbarkeit der zahmen und wilden Rassen von einer und eben derselben Gattung zeigt, so scheint mir diess ein neues sehr einleuchtendes Argument zur Wider- . Und Von den weiblichen Genitalien. Und die gelben Körper , die diesen Nah- men von der Farbe haben, die sie in den Eyerstöcken der Kühe zeigen, fin- den sich wohl schwerlich bey irgend G g 2 einem Widerlegung der vermeinten Präexistenz der präformirten Keime im weiblichen Eyerstocke abzugeben. Das Hausschwein z. B. wirft gewöhnlich zweymahl des Jahrs, und dann wohl eher 20 Ferken auf einmahl. Die wilde Sau hingegen nur einmahl im Jahre, und dann höch- stens 10 Frischlinge, und beyde errei- chen doch ungefähr das gleiche Alter von circ. 20 Jahren. Eine ähnliche Differenz findet sich zwischen der zahmen Katze und der wilden; zwischen der Haustaube und der wilden Holztaube u. a. m. — Wo. her sollten nun jene Hausthiere, die sich der Mensch durch Domestication aus den wilden Stammrassen umgeschaf- fen hat, eine so auffallende Majorität von Jungen haben, wenn sie aus Kei- men entwickelt werden müssten, die seit der ersten Schöpfung präformirt gewesen wären? XXIV. Abschnitt. einem Quadruped anders, als nach vor- gängiger Befruchtung Dass, und unter welchen Umständen sich hingegen allerdings wohl bey Mädchen gelbe Körper in den Eyer- stöcken bilden können, so gut als sich zuweilen leere calyces in denen von Vögeln finden, die noch von keinem Hahn getreten worden, habe ich ge- zeigt in Commentat. Soc. Goettingens . T. IX. pag. 109. . B) VÖGEL. §. 339. Die weiblichen Genitalien dieser Thierclasse lassen sich am fasslichsten unter drey Hauptabtheilungen bringen. Die äussern mit Inbegriff der cloaca; dann der darmähnliche tubus genitalis; und endlich der fast ganz davon abge- sonderte Eyerstock. Und da ihr Totalbau bey allen weib- lichen Vögeln, so viel bekannt, im Ganzen sehr übereinstimmt, so können wir Von den weiblichen Genitalien. wir nur gleich die allgemeinstbekannte Gattung, die Henne, zum Muster neh- men Der Kürze wegen verweise ich ein- für allemahl bey dieser Beschreibung der weiblichen Genitalien der Vögel auf die trefflichen Abbildungen des Ulmus in Aldrovandi ornithol . T. II. pag. 209 u. f. ed. 1637. und de Graaf 's tab. 18. . §. 340. Die äussere Mündung der Genitalien wird durch eine Querspalte hinter den von einanderstehenden Schambeinen (§. 53.) gebildet, die bey der Henne grösser ist, als beym Hahn, und deren kleinere vordere Lefze von der grössern hintern ( velabrum ) bedeckt wird. Diese Spalte führt zur cloaca , in welcher viererley verschiedene Organe münden (§. 114). Der Mastdarm, und an dem wulstigen Rande seiner Oeffnung die beyden Harnleiter; zu seiner Linken G g 3 die XXIV. Abschnitt. die Mutterscheide, und hinter jenem Rande nach oben die bursa Fabricii Die Meinung des berühmten Anatomen, von welchem dieses räthselhafte Organ den Nahmen führt, als ob dasselbe zur Aufnahme und langen Aufbewahrung des Saamens diene, den der Hahn, wenn er die Henne tritt, dahinein er- giesse u. s. w., widerlegt sich unter an- dern schon dadurch, dass diese bursa sich ja auch beym Hahne selbst, und gerade bey diesem ohne Vergleich grösser, als bey den Hühnern findet, ja dass sie bey den letztern oft so sehr klein ist, dass sie daher sogar neuerlich denselben abgesprochen worden. Doch diess mit Unrecht. Denn ich habe sie allerdings, wenigstens bey jungen Hühnern, so oft ich sie gesucht, auch jedesmahl gefun- den. Nur hat sie oft bloss die Grösse eines Gerstenkorns; liegt auch nicht so frey, wie beym Hahn, sondern ist im Schleimgewebe wie verwachsen, daher es dann einige Uebung und Vorsicht er- fordert, sie auszupräpariren. Ihre Mün- dung, wodurch sie sich sogar aufblassen lässt, . §. 341. Von den weiblichen Genitalien. §. 341. An dem langen darmähnlichen, im Ganzen freylich ziemlich einförmigen, G g 4 tubus lässt, findet sich an der obern Seite der cloaca, hinter der Oeffnung des Mast- darms, am vordern Rande einer kleinen schildförmigen Erhabenheit ( scutel- lum ), deren Grösse und scharfe Ausbil- dung mit der bursa ihrer in umgekehr- tem Verhältniss zu stehen scheint. Ueberhaupt aber ist es mir, nach allem was ich über diesen Theil (den Perrault sehr unpassend le troisième coecum nannte) zu beobachten Gelegen- heit gehabt, wahrscheinlich, dass seine zweckmässige Function dem männlichen Geschlechte zugehört, und er hingegen bey den Hühnern nur als mechanisches Rudiment anzusehen ist, mithin wieder ein Beyspiel von den beyderley im Bildungstrieb verbundenen Principien [S. 65. Note *)] gibt, wo im gegen- wärtigen Falle das teleologische bey der bursa des Hahns, das bloss mechanische hingegen bey den Hühnern ihrer vor- waltet; so wie umgekehrt, z. E. bey den XXIV. Abschnitt. tubus genitalis lassen sich doch drey Theile wiederum besonders unterschei- den. Die Scheide, der eigentliche vte- rus und der ouiductus , der sich zu äusserst in das ohnehin ganz davon dif- ferirende infundibulum endet. Die Scheide ist etwa anderthalb Zoll lang, sehr dehnbar, hat aber eine ge- schlängelte Lage. Der vterus ist ungefähr eben so lang, aber von weiterem Umfange, fleischich- tern Wänden, und, zumahl inwendig, gefaltet. Der ouiductus (Fr. la portière ) ist gleichsam eine Fortsetzung desselben, wohl anderthalb Fuss lang, darmförmig gewunden, hin und wieder durch schwache Einschnitte um etwas veren- gert, den Brüsten, das teleologische am weib- lichen Geschlechte einleuchtet, da sie hingegen am männlichen nur als Rudi- mente erscheinen, die nach dem mecha- nischen Princip gebildet worden. Von den weiblichen Genitalien. gert, überhaupt conisch, nämlich nach dem infundibulum zu schlanker, seine innere Haut mit unzähligen Zäpfchen zur Abscheidung des mehrsten Eyweisses besetzt Fast wie im Pansen bey den bisulcis . S. Sal. Schinz de calce terrarum et la- pidum calcariorum . Lugd. Bat. 1756. 4. fig. 2. und nach oben wie mit einer Art von Gekröse ( mesometrium s. mese- raeon vteri ) am Rückgrat befestigt. Er mündet endlich an seinem äusser- sten dünnern Ende ins infundibulum , das zur Aufnahme der Dotter aus dem Eyerstocke bestimmt ist, und eine läng- liche ausgebreitete feine Haut mit aus- nehmend sauber gefaltetem Rande vor- stellt, die hinterwärts durch ein rundes sehnichtes Band mit dem vterus ver- bunden wird. §. 342. Der traubenförmige Eyerstock liegt unter der Leber, und hält bey einem G g 5 jungen XXIV. Abschnitt. jungen Legehuhn wohl gegen 500 Dot- ter, von der Grösse eines Nadelknopfs bis zur Reife, und zwar liegen die reif- sten immer nach dem äussern Umfange des Stocks. Jeder Dotter ist in einer Haut ( calyx ) eingeschlossen, die mit- telst eines kurzen petiolus am Stocke sitzt. Wenn ein Dotter reift, so zeigt sich aussen an seinem calyx eine weisse glänzende Linie, nach deren Richtung diese Haut endlich berstet und ihren Dotter von sich lässt, der vom infun- dibulum auf eine schwer zu begreifende Weise Wepfer cicutae aquaticae hist. et noxae . pag. 173. Ein Beyspiel statt vieler von so man- chen ganz sonderbaren eigenthümlichen Bewegungen in der thierischen Oecono- mie, die sich wohl schwerlich auf die allgemeinen bewegenden Lebenskräfte, auf Contractilität, Irritabilität u. s. w. nach den bisher davon in der Physio- logie angenommenen Begriffen zurück- bringen aufgenommen und in den oui- ductus Von den weiblichen Genitalien. ductus getrieben wird, wo er während seines Durchgangs sein Eyweiss und seine Häute, und endlich auch seine Kalkschale erhält, die im uterus zu ihrer vollen Festigkeit gelangt. Der ca- lyx hingegen bleibt am Eyerstocke und schrumpft allgemach ein, so wie über- haupt bey alten Hühnern, wenn sie aus- bringen lassen, und die ich daher, um sie aus dieser Rücksicht zu unterschei- den (— bey Leibe nicht um dadurch etwas zu erklären —) mit dem Nahmen von vita propria wenigstens ad interim und für so lange auszeichne, bis man die bisherigen Begriffe von den gedach- ten allgemeinen Lebenskräften so er- weitert und abgeändert haben wird, dass sie mit auf solche ganz eigenthüm- liche Bewegungen, wie die, von wel- chen hier die Rede ist, angewandt werden können. Ausführlicher habe ich mich hierüber erklärt in den curis ite- ratis de vi vitali sanguini deneganda, vita autem propria solidis quibusdam corporis humani partibus adserenda . Goett. 1795. 4. XXIV. Abschnitt. ausgelegt haben, die sämmtlichen in- nern Genitalien fast bis zur Unkennt- lichkeit einkriechen und schwinden. C) AMPHIBIEN. §. 343. Bey den Schildkröten , nahmentlich bey den auf dem Lande lebenden, ist in den äussern Genitalien eine deut- liche, in der cloaca liegende, clitoris zu merken. Ihre vteri, ouiductus und Eyer- stöcke haben im Ganzen viel Aehnlich- keit mit der Vögel ihren, nur dass bey ihnen alle diese innern Sexualorgane gedoppelt da sind, und sich auch die kurzen Scheiden mit zwey Mündungen in die cloaca öffnen Caldesi . tab. 6. fig. 9. 10. . Auch sind nur die beyden Gebärmütter fleischig, die oviductus hingegen überaus zarthäutig. §. 344. Die hieländischen, eigentlich so ge- nannten Frösche haben ausser der cloaca einen Von den weiblichen Genitalien. einen grossen blasenförmigen uterus, der aber inwendig durch eine verticale Scheidewand in zwey Höhlen getheilt ist, aus welchen zwey wohl eine Elle lange darmförmig gewundene oviductus entspringen, die in ihrem Fortgange enger werden, und sich zuletzt mit einer offenen Mündung zu beyden Sei- ten des Herzens enden. Die Eyerstöcke hingegen liegen unter der Leber, so dass es auch schwer zu begreifen ist, wie die einzelnen Eyer von da in die eben gedachten Mündungen gelangen Rösel tab. 6. fig. 2. tab. 7. 8. . Den Kröten fehlt jener blasenför- mige uterus, sondern ihre oviductus treten über der cloaca in einen gemein- schaftlichen Ausgang zusammen Id . tab. 21. fig. 24. Und so ists auch bey der Pipa . S. Camper 's kleinere Schriften I. B. 1. St. tab. 3. fig. 1. . §. 345. XXIV. Abschnitt. §. 345. Auch bey den hieländischen Eidech- sen ist der Bau dieser Theile im Ganzen wie bey den letztgedachten Thieren, nur sind die oviductus nach Verhältniss weiter, aber kürzer, und der Eyerstock enthält wenigere Eyer. §. 346. Die weiblichen Schlangen haben anch doppelte äussere Oeffnungen der Geni- talien, zur Aufnahme der doppelten Organe ihrer Männchen (§. 326.). Ihre langen oviductus sind meist sonderbar geschlängelt und gefaltet; und ihre Eyer- stöcke ähneln einem Paar langer mit gelbartigen Bläschen besetzter Schnüre. D) FISCHE. §. 347. Aus dieser Classe Vergl. Cavolini a. a. O. hier nur wieder, so wie im vorigen Abschnitt, den Zit- ter- Von den weiblichen Genitalien. terrochen und Karpen als Muster der beyderley Hauptarten von Fischen. Jener Lorenzini tab. 3. fig. 1. 2. Vergl. auch Monro 's Physiol. der Fische tab. 2. und 13. von Raja batis . hat doppelte uteros, die nach hinten mit einer gemeinschaftli- chen Scheide in die cloaca münden, nach vorn aber in die oviductus über- gehen, welche sich dann am Ende in ein ebenfalls gemeinschaftliches infun- dibulum zur Aufnahme der successiv reifern und dann in Vergleichung zu den Grätenfischen sehr grossen Dotter aus den traubenförmigen Eyerstöcken öffnen. Diese Dotter werden erst wäh- rend ihres Durchgangs durch den ovi- ductus mit Eyweiss und der sonder- baren hornartigen Schale versehen, die unter dem Nahmen der Seemaus W. G. Tilesius über die so genannten Seemäuse oder hornartigen Fischeyer . Leipz. 1802. 4. tab. 4. 5. be- kannt, XXIV. Abschnitt. kannt, und von länglich vierkantiger Form ist, deren vier Ecken sich bey den Rochen in eine gekrümmte Spitze, und bey den Hayen in einen sonderbar gekräuselten hornartigen Faden verlie- ren I. Hermann tabula affinitatum anima- lium . pag. 279 u. f. . Zu dieser Secretion des Ey- weisses und Ausbildung der Schale dient theils die papillose innere Haut der Eyer- gänge, theils auch die beyden drüsenarti- gen Wülste, die gerade in den Sommer- monathen, während welcher diese Knor- pelfische ihre Eyer legen, am vordern Ende der Eyergänge, gegen das infun- dibulum hin, zu sehen sind Diese temporären Organe hat schon Aristoteles gekannt und Brüste ge- nannt. Vergl. auch Rondelet de piscib. marinis p. 380. Collins vol. II. tab. 43. und Monro und Tilesius a. a. O. . Beym Karpen, so wie vermuthlich bey den allermehresten eyerlegenden Grätenfischen, ist der Bau weit einfacher. Die Von den weiblichen Genitalien. Die beyden Rogen liegen nämlich, so wie die Milch der Männchen (§. 327.), zu beyden Seiten der Gedärme, Leber und Schwimmblase bis zum After; be- stehen bloss aus einer zarten Haut, wel- che die durchgehends gleich grossen und äusserst zahlreichen Eyer (beym Karpen über 200,000) einschliesst; und endigen mit einem gemeinschaftlichen Ausgang hinter dem After Petit a. a. O. tab. 13. . E) INSECTEN. §. 348. Wieder nur von den beyden schon im vorigen Abschnitte zu Beyspielen gewählten Gattungen Bey den oben pag. 448 Not. *) angeführ- ten Schriftstellern finden sich, auch von den mehrsten der daselbst genannten Insectengattungen, Abbildungen ihrer weiblichen Genitalien. . Beym Gryllus verruciuorus hält jeder der beyden ansehnlichen Eyerstöcke auf 50 H h XXIV. Abschnitt. 50 gleichsam bündelweise vertheilte Eyer, und beyde verbinden sich am hintern Ende mit einander und öffnen sich zwischen den beyden Scheiden des Legestachels Rösel a. a. O. tab. 9. fig. 3. . Beym Seidenfalter hingegen besteht jeder seiner beyden Eyerstöcke wie aus vier Perlschnürchen, deren jedes auf 60 Eyer enthält, die durch einen kurzen Ausführungsgang (der aber mit mehre- ren sackförmigen, vor der Hand noch problematischen, Eingeweiden zusam- menhängt) am Ende des Hinterleibes gelegt werden Malpighi tab. 12. fig. 1. 2. . F) WÜRMER. §. 349. Ebenfalls bloss die beyden Thiere als Muster deren männliche Zeugungs- theile oben beschrieben worden Von einigen andern s. wieder die pag. 450 Not. *) genannten Werke. . Beym Von den weiblichen Genitalien. Beym weiblichen Spulwurm ist die Oeffnung seiner Genitalien ohngefähr auf der Mitte des Körpers, und führt erst zu einem kurzen Gange, der sich dann nach dem hintern Ende des Thiers hin in zwey lange Schenkel theilt, die zuletzt in zwey noch weit längere auf und abgewickelte zarte, fadenförmige Eyergänge sich verlieren Tyson fig. 2. , welche oft bey gedrückten oder geborstenen Spul- würmern zum Leibe heraushangen, und wohl eher zu dem Irrthum verleitet ha- ben als seyen das junge Würmer, das Thier folglich lebendig gebährend u. s. w. Beym Tintenfisch scheint der weib- liche Bau im Ganzen sehr einfach; ein doppelter Eyerstock mit Eyern, von ungleicher Grösse, der sich in einen ge- meinschaftlichen Ausgang beym After und der Mündung des Tintenbeutels endigt Turberv. Needham tab. 2. . H h 2 Damit XXIV. Abschnitt. Von d. weibl. Genitalien. Damit zu vergleichen, die freylich in manchem davon verschiedenen Abbil- dungen bey Lister , conchylior. biual- vium exercit. anat. tertia Lond. 1696. 4. tab. 1. fig. 10. und bey Swammerdam tab. 52. fig. 10. Fünf Fünf und zwanzigster Abschnitt. Von der Leibesfrucht der Säugethiere und den Organen, mit welchen sie verbunden ist. §. 350. Das erste was sich nach der Befruch- tung der weiblichen Säugethiere in ihrer dadurch trächtig gewordenen Gebärmut- ter bildet, sind die Häute ( inuolucra ) der eyförmigen Blasen, in welchen dann nach bestimmten Terminen die Leibes- frucht sichtbar wird, die mittelst der Nabelschnur mit jenen Häuten, und so mit dem vterus der Mutter selbst, in Verbindung steht, und dadurch bis zu ihrer Wurfzeit ernährt wird. Demnach scheint es die natürlichste Ordnung, auf die Beschreibung der Gebärmutter nun zunächst die von den Häuten und ande- H h 3 ren XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere ren Theilen der sogenannten Nachgeburt und zuletzt endlich das folgen zu lassen, was auch über die Leibesfrüchte selbst hier angemerkt zu werden verdient. §. 351. Die Verbindungsart des trächtigen uterus mit den Häuten der Nachgeburt und durch diese mit der Frucht, zeigt bey den Säugethieren eine dreyfache Hauptverschiedenheit. Entweder näm- lich hängt die Gebärmutterhöhle mit der ganzen äussern Haut des sogenannten Eyes zusammen; oder sie ist mittelst ei- ner einfachen placenta , oder aber durch zahlreichere cotyledonen mit derselben verbunden. §. 352. Das erstere ist der Fall bey der träch- tigen Sau Fabric. ab Aquapend . tab. 25. und tab. 26. fig. 50. Daubenton T. V. tab. 21. 22. ; und noch bestimmter bey der Stute, als bey welcher die äussere Haut u. d. Organen, mit welchen sic verbunden ist. Haut des sogenannten Eyes, das chorion , gewissermassen einen sackförmigen Mut- terkuchen vorstellt. Es ist dasselbe nämlich, zumahl in der zweyten Hälfte des Trächtigseyns, mit zahlreichen und theils gar starken Verästelungen der Nabelschnuradern durchzogen, und auf der Aussenseite mit unzähligen schwam- michten Zäpfchen besetzt, die mit der innern Seite der Gebärmutter zusam- menhängen Fabric. ab Aquapend . tab. 21. 22. und tab. 23. fig. 46. . §. 353. Bey denen Thieren dieser Classe die ihre Früchte mittelst eines Mutterku- chens ernähren, zeigt sich wieder bey mancherley Gattungen merkwürdige Ver- schiedenheit, theils in der Form und bey einigen auch in der successiven Verän- derung derselben, theils aber auch im einfachern oder zusammengesetztern Bau dieses Organs. H h 4 Bey XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere Bey den mehresten Digitatis , so wie bey den Quadrumanen, ist die placenta rundlich s. z. B. Daubenton T. VII. tab. 38. fig. 3. 4. von der Ratte. Ib. tab. 40. fig. 7. 8. von der Hausmaus. T. VIII. tab. 13. fig. 6. vom Maulwurf. ; doch theils wie aus zwey neben einander liegenden Hälften zu- sammengesetzt, bey der Hündinn aber so wie bey der Katze, Marter u. s. w. gurtförmig ( cingulum s. zona ) Vom Hund: Eustachii tab. anatomicae tab. 14. fig. 7. 8. Fabric. ab. Aquapend . tab. 27. 28. Daubenton T. V. tab. 50. Von der Katze Gualt. Needham de formato foetu tab. 4. fig. 1. Daubenton T. VI. tab. 6. Vom Marter In. T. VII. tab. 20. , und beym Iltis hält ihre Form gleichsam das Mittel zwischen diesen beyden, da sie aus zwey runden Kuchen besteht, die durch ein breites gurtförmiges Zwi- schen- u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. schenstück mit einander verbunden sind Id . T. VII. tab. 27. . Von Formwandelung dieses Organs glaube ich das allersonderbarste Beyspiel im Igel gefunden zu haben. Bey die- sem nimmt nämlich einige Wochen nach der Befruchtung die placenta meist den ganzen Umfang des chorii ein, hat ungefähr die Gestalt und Grösse einer Ha- selnuss, und ist dabey von innen schwam- micht, blutreich; nach aussen aber derb und fest, gleichsam von Knorpelhärte. Doch ist sie nicht durchaus von gleicher Stärke, sondern nach der concaven Seite der Mutterhörner hin weit dünner und geschmeidiger als an der entgegengesetz- ten. (— Tab. VIII. fig. 1. —) Mit der Zeit aber nimmt jene dünne, geschmei- dige Stelle an Umfang zu, wird allge- mach fast membranös und die entgegen- stehende dickste hingegen bildet sich H h 5 nach XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere nach und nach zu einer gleichsam sat- telförmigen sehr dicken und festen pla- centa mit dünn zulaufenden Rändern. ( Tab. VIII. fig. 2. —). Diese kommt dem reifern foetus meist quer über die Hüften zu liegen, doch so, dass auch der Nächstanliegende ebenfalls zum Theil damit bedeckt und für Beschädigung bey äussern gewaltsamen Druck geschützt wird. Denn gerade das scheint die Endabsicht bey dieser so sonderbaren und meines Wissens in ihrer Art einzi- gen Einrichtung, um dadurch die zar- ten Fötus im Leibe eines Thiers zu si- chern, das sich bekanntlich mit solcher Anstrengung zusammenkugelt, dass ohne jene Vorkehrung die trächtige Gebär- mutter und ihre Bewohner dadurch gefährlichem Druck ausgesetzt seyn müssten. Bey mancherley Gattungen von Di- gitatis ist die nach dem uterus zuge- kehrte Aussenseite des Mutterkuchens, noch u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. noch mit einem besondern weissen, gleich- sam drüsenartigen Körper ( corpus glan- dulosum Everardi Cosmopolitae historia naturalis 1686. 12. pag. 60. s. subplacenta ) besetzt, der kleiner ist als die eigent- liche placenta, von derselben eingefasst wird Vom Hasen Daubenton T. VI. tab. 46. Vom Caninchen Gualt. Needham tab. 3. de Graaf tab. 26. 27. Vom Meerschweinchen Fabric. ab Aqvapend . tab. 30. Daubenton T. VIII. tab. 4. fig. 6. Von der Wasserratte. Id . T. VII. tab. 46. fig. 4. 5. , und sich, je mehr die Frucht reift, durch desto leichtern Druck da- von trennen und ablösen lässt. §. 354. Bey den Bisulcis endlich ist der Mut- terkuchen in zahlreiche cotyledonen von ausnehmend merkwürdiger und für die ganze Physiologie der placenta über- haupt XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere haupt lehrreicher Einrichtung, vertheilt. So nennt man nämlich eigene fleischige Auswüchse ( glandulae vterinae ), die sich im befruchteten uterus auf seiner inne- ren Fläche ausbilden, und in welchen eben so viele genau damit correspondi- rende flockichte Gefäss-Büschel ( carun- culae ) auf der Aussenfläche des chorii gleichsam eingewurzelt sind, so dass dann die pars vterina und die pars foe- talis des Mutterkuchens zwey deutlich von einander verschiedene und gegen die Zeit, da die Frucht reift, auch leicht von einander zu trennende Theile aus- machen, von welchen nur die letztern mit der Nachgeburt abgehen, die erstern aber, nämlich die Cotyledonen, im uterus, nachdem er seiner Bürde quitt gewor- den, allgemach einschrumpfen. Zahl und Form jener Auswüchse ist bey den mancherley Geschlechtern und ihren Gattungen verschieden. Bey Schafen und Kühen steigt ihre Zahl zuweilen auf hundert. Bey Schafen und Ziegen sind u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. sind es im Wortverstande Darum belegte auch Massa diejenige Stelle der menschlichen Gebärmutterhöhle, an welcher die placenta in ihrer verdickten decidua sitzt, mit dem Nahmen cotyledon . Cotyledo- nen, nämlich napfförmig oder wie die sogenannten Krebsaugen Von der Schafmutter Fabric. ab Aqua- pend . tab. 12. 14. 15. ; da sie hin- gegen bey den Kühen, Rehen u. s. w. gleichsam Knöpfe oder Pilze mit Kugel- fläche Von der Kuh Hoboken , zumahl fig. 14 bis 17. Von der Hirschkuh Daubenton T. VI. tab. 17. bilden. §. 355. Die Stämme der von der placenta (§. 353.) oder den Carunkeln (§. 354.) kommenden Venen und hinwiederum von der Frucht zu ihnen laufenden Ar- terien XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere terien verbinden sich in der Nabelschnur , die, so viel bekannt, bey keinem andern Säugethier nach Verhältniss von einer so ansehnlichen Länge ist als beym rei- fen Kinde Am kürzesten ist sie vielleicht beym Il- tis. s. Daubenton T. VII. tab. 27. fig. 3. . Am Füllen hat sie so wie beym Kinde nur Eine Nabelvene Ruini pag. 189. , da sich hingegen bey den mehresten andern Quadrupeden deren zwey finden, die sich aber entweder nahe am Leibe der Frucht, oder doch innerhalb dessel- ben, zu einem gemeinschaftlichen Stam- me verbinden Vom Kälbchen s. Hoboken fig. 23 bis 27. . §. 356. Das amnion , die innerste von den beyden Häuten des sogenannten Eyes, welche die schwangere Frau mit den trächtigen andern Säugethieren gemein hat, u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. hat, zeichnet sich doch bey manchen der letztern, wie z. E. bey der Kuh, durch ihre zahlreichen Blutgefässe aus, da sie hingegen beym Menschen blut- los ist. §. 357. Ausserdem aber findet sich bey den mehresten trächtigen Quadrupeden und selbst bey den Cetaceen zwischen dem chorion und amnion die sogenannte allantois oder Harnhaut . Den letztern Nahmen hat sie, weil sie mittelst des vrachus mit der Harnblase der Frucht zusammenhängt, daher man denn auch die wässerige Feuchtigkeit, wovon sie strotzt, für den Harn derselben gehal- ten, der dahinein seinen Abfluss habe u. s. w. Allantois aber hat man sie we- gen der Wurstform genannt, die sie bey den Bisulcis und dem Schweine zeigt Z. B. vom Schaf Fabric. ab Aqvapend . tab. 13. tab. 14. fig. 29. und tab. 17. fig. 37. und , die XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere die aber bey mancherley andern Ge- schlechtern und Gattungen auch anders gestaltet ist. So ähnelt sie z. B. unter den Digitatis beym Hasen, Caninchen, Meerschweinchen u. s. w. einer kleinen Flasche die mit ihrem Boden auf der in- nern Fläche der placenta aufsitzt; beym Iltis einer eyförmigen Blase u. s. w. Bey den Solidungulis kleidet sie die gan- ze innere Fläche des chorii aus, und schliesst das Füllen mit seinem amnion in sich, und eben bey den Thieren die- ser Ordnung findet sich auch am häu- figsten (doch auch nicht selten bey Kü- hen) in dem Wasser der allantois ein gleichsam coagulirtes Sediment in grö- ssern und von einem Embryo am 19ten Tage nachdem die Schafmutter besprungen worden, in Io. Chph. Kuhlemann ob- seruat. circa negotium generationis in ouibus . Gotting. 1753. 4. tab. 2. fig. 1. 2. Von der Kuh Hoboken fig. 10 bis 13. und 25. Vom Schwein Fabric . tab. 25. u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. ssern oder kleinen Klumpen verschiede- ner Form und Anzahl, das längst unter dem wunderlichen Nahmen des Pferde- gifts, (Hippomanes) bekannt ist Daubenton T. IV. tab. 9. fig. 1. 2. vom Pferd. Hoboken fig. 19 ‒ 21. und 37. von der Kuh. . Manchen Ordnungen und Geschlech- tern von Säugethieren, nahmentlich den Quadrumanen und unter den Digitatis dem Igel, fehlt aber jene Harnhaut, so wie dem Menschen ganz und gar; ja beym Igel verläuft sich nicht einmahl die Harnblase, wie bey der menschli- chen Leibesfrucht in ein Rudiment des urachus, sondern ist schon beym Fötus kugelicht, ohne Oeffnung im Boden der- selben (— Tab. VIII. fig. 2. f —). §. 358. Hingegen zeigt sich bey dem eben genannten Thiere, so wie auch bey der Hün- I i XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere Hündinn, Katze u. s. w., ebenfalls zwi- schen chorion und amnion eine auf dem ersten Blicke zwar der allantois ähnliche Blase, die tunica erythroides (— Tab. VIII. fig. 1. c . fig. 2. c . —), die im Anfange des Trächtigseyns auch, so wie jene, von einer wässerigen Feuchtigkeit strotzt, aber schon dadurch gänzlich von ihr unterschieden ist, dass sie keinesweges durch einen urachus mit dem Boden der Harnblase, sondern durch die vasa om- phalomeseraica (— Tab. VIII. fig. 2. k . —) mit den Blutgefässen des Gekröses der Frucht in Verbindung steht Fabric. ab Aqvapend . Das kleine Kupfer vor tab. 1. vom Hund. Gualt. Needham tab. 4. fig. 1. von der Katze. . Eben diese Verbindung zeigt auch die Aehn- lichkeit, die sie, einerseits mit dem Dot- tersacke der bebruteten Vögel, und an- derseits mit der so merkwürdigen vesi- cula vmbilicalis , an zarten menschlichen Embryonen aus den ersten Monathen der u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. der Schwangerschaft Commentat. soc. Reg. scient. Goettin- gens . vol. IX. pag. 128. fig. 1. hat; auch ist jene tunica erythroides , so wie dieses eben gedachte Bläschen, nur bey zar- ten Leibesfrüchten recht gefüllt und strotzend, und schrumpft hingegen in der Folge so zusammen, dass man of- fenbar sieht, beyder ihre Function muss bloss für die frühere Lebensperiode der Frucht bestimmet seyn. §. 359. Die erste Spur von Bildung der Frucht selbst, zeigt sich bey den verschiedenen Gattungen dieser Thierclasse immer erst eine bestimmte meist beträchtlich lange Zeit nach der Empfängniss. Auch ist, so wie beym menschlichen Embryo, ihre anfängliche Gestaltung noch weit von der nachwärtigen Vollkommenheit des reifen Fötus entfernt Vergl. treue Abbildungen zarter thieri- scher Embryonen aus frühen Perioden, wie , und die I i 2 Ordnung XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere Ordnung des Wachsthums und der Aus- bildung der Gliedmassen, ist bey wei- tem nicht in der ganzen Classe die näm- liche, sondern ist bey den besondern Gattungen dahin berechnet, dass immer diejenigen äussern Organe am frühesten ausgebildet und vervollkommnet wer- den, die gerade dem jungen Thiere zu seiner Lebensweise die nothwendigsten sind. Daher z. B. die auffallende Grösse der Hinterhände der ungebornen Qua- drumanen , oder der Füsse der Eichhörn- chen, kurz der Säugethiere die auf Bäu- men zu leben bestimmt sind, oder aber auch der jungen Füllen, Ziegenlämmer u. s. w., die sogleich nach der Geburt schon auftreten und laufen müssen Beym neugebornem Känguruh, so wie es nämlich noch ganz unreif in den Zitzen- , in wie z. B. von Caninchen, bey de Graaf tab. 26. fig. 8 ‒ 10., und in v. haller oper. anat minor . T. III. tab. 21. fig. 1 ‒ 4. Von Schafen bey Kuhlemann tab. 2. u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. in Vergleich mit den Verhältniss der da- mit correspondirenden Theile der rei- fen menschlichen Leibesfrucht Die seit Aristoteles so oft wieder- hohlte Sage von der vermeynten Un- form der ungebornen und selbst der neugebornen Bären bedürfte jetzt wohl kaum noch einer Rüge, wäre sie nicht selbst noch von manchen der neusten, und übrigens sorfältig genauen, Zoolo- gen nachgeschrieben worden. Die bün- digste Widerlegung dieses Wahns habe ich im IVten Heft der Abbild. naturhi- stor. Gegenst . tab. 32. an einem sehr un- reifen und dessen ungeachtet sehr nett ausgebildeten Bären-Embryo, aus mei- ner . I i 3 §. 360. Zitzensack gelangt: sind die Vorderfüsse weit grösser und stärker als die hintern, weil es jener zuförderst bedarf, um sich zum Saugen anzühalten. Erst in der Folge worin das nun reifere Geschöpf gleichsam zum zweytenmahle geboren, und sich bald selbst überlassen werden soll, wachsen dann die Hinterbeine zu der bekannten, fast enormen Grösse. XXV. Abschn. V. d. Leibesfr. der Säugethiere §. 360. Das wichtigste von dem, worin man- che Gattungen ungeborner Säugethiere in ihrem inneren Bau von der mensch- lichen Leibesfrucht abweichen, ist schon gelegentlich angeführt. Im übrigen, so viel nämlich bisher darüber angemerkt worden Splanchnologische Abbildungen des Fö- tus vom Pferd gibt Ruini pag. 189. und Daubenton T. IV. tab. 7. Vom ungebornen Schaf Kuhlemann tab. 2. fig. 8. Vom ungebornen Kalbe Hoboken , zu- mahl fig. 24. 25. , wie z. B. in der membrana pupillaris Herr Hofr. Wrisberg in den nov. com- mentar. soc. Reg. scient. Goettingens . T. II. pag. 207. , den dreyerley räthselhaf- ten, sogenannten Drüsen, thymus, thy- reoidea und den suprarenalibus u. s. w., schei- ner Sammlung gegeben, den ich der Güte des Hrn. Dr. Stoffregen in Riga verdanke. u. d. Organen, mit welchen sie verbunden ist. scheinen sie mit dem ungebornen Kinde im Ganzen meist übereinzukommen. Kleiner Verschiedenheiten zu geschwei- gen, wie z. B. dass das meconium bey den reifern Früchten von Bisulcis und mau- seartigen Thieren schon festen scybalis ähnelt H. Fr. v. Fleming deutscher Jäger pag. 130 sq. auch schon Harvey de ge- nerat. animalium pag. 197. u. dergl. m. I i 4 Sechs XXVI. Abschnitt. Sechs und zwanzigster Abschnitt. Von den Brüsten und Zitzen der Säu- gethiere. §. 361. Zur ersteu Nahrung der reifen und neu gebornen Frucht, ist in dieser Thier- classe die Muttermilch bestimmt, die in den Brüsten abgeschieden wird, von welchen die ganze Thierclasse, der diese Secretion ausschliesslich eigen ist, den Linnéischen Nahmen mammalia erhalten hat. Doch sind beym Schnabelthier noch keine Zitzen (als die äusseren Anzeichen derselben) gefunden worden Herr Home in den philos. Transact. for 1802. pag. 69. . So wie dieselben bey einigen andern, wie nah- mentlich beym Hamster und Mongos, den Männchen zu fehlen scheinen, da doch Von den Brüsten und Zitzen der Säugethiere. doch sonst dieses Geschlecht bekanntlich eben so wie das weibliche damit verse- hen ist Sogar dass man zahlreiche Beyspiele von männlichen Thieren, nahmentlich von Böcken, Ochsen, Hunden, Katzen und Hasen hat, die, so wie manche Manns- personen, wahre Milch in ihren Brü- sten abgeschieden. Ich habe von die- sem physiologischen Phänomen, bey Anlass eines Ziegenbocks auf einem be- nachbarten Amte, der lange Jahre hin- durch einen Tag um den andern ge- molken werden musste, in hannöver- schen Magazine v. J. 1787. pag. 753 u. f. ausführlich gehandelt. Und so wie sich gewöhnlich Milch in den Brüsten neugeborner Kinder findet, bey Knäbchen so wohl als bey Mädchen, so ist das nämliche auch bey jungen Fül- len und Kälbern angemerkt worden. , wenn sie auch gleich diesel- ben entweder wie der Hund in gerin- gerer Anzahl, oder wie der Hengst an andrer Stelle Daubenton in Herrn Fourcroy 's méde- cine eclairée T. II. pag. 274. haben. I i 5 §. 362. XXVI. Abschnitt. §. 362. Ueberhaupt ist die Lage so wie die Anzahl der Zitzen bey den verschiede- nen Gattungen von vielartiger Verschie- denheit. Letztere ist doch, zumahl bey unsern Hausthieren, mancherley Ano- malien unterworfen Buffon T. X. pag. 295. ; so wie denn auch die insgemein angenommene Regel, als ob die Thiere meist noch einmahl so viel Zitzen hatten als sie gewöhnlich Junge würfen, bey manchen Gattungen, wie z. E. nahmentlich beym Hausschwein, beym Meerschweinchen u. s. w., ihre grossen Ausnahmen leidet. Und was ihre Lage betrifft, so ist dieselbe bekanntlich bey den weiblichen Beutelthieren am wunderbarsten, wo sie auch ausser der Zeit da die Mutter gerade Junge in ihrem Zitzensack trägt kaum zu erkennen sind Der sonst so ausnehmend scharfsichtige Tyson konnte an seinem frischen Opos- sum- . §. 363. Von den Brüsten und Zitzen der Säugethiere. §. 363. Bey eben diesen sonderbaren Thieren sind auch, so wie bey den im Wasser und sum-Weibchen durchaus keine Spur von Zitzen finden. Und d'Aboville versi- chert geradezu, sie würden erst durchs Ansaugen der Jungen gebildet, darum fänden sich auch bey saugenden Müt- tern immer nur so viele als sie dasmahl Junge geworfen, und sie sässen auch ohne alle Symmetrie, sondern wie sich eben die Jungen bey ihrer Ankunft in den Sack festgesogen hätten u. s. w., s. voyages du Marqu . de Chastellux dans l'Amerique septentrionale vol. II. pag. 332 u. f. Ich habe aber bey einem dieser Thiere das ich mehrere Jahre lebendig gehabt, und an dessen Eyerstöcken ich nachher, da ich es anatomirte, keine Spur einer ehemahligen Empfängniss finden können, dessen ungeachtet im Zitzensacke, den ich desshalb noch in Spiritus aufbe- wahre, drey Paar freylich ganz flache, aber sehr regelmässig in einen halben Mond gereihte Zitzen gesehen. XXVI. Abschn. V. d. Brüsten u. Zitzen u. s. w. und unter der Erde lebenden Säugethie- ren, (und zwar bey allen diesen aus leicht zu übersehenden Endabsichten), die Milchdrüsen selbst nur ganz flach unter die Haut verbreitet, ohne zu Brü- sten oder Eutern ausgebildet zu seyn, und ihre Milchgänge verlaufen sich in keine solche Weitungen und Höhlen, worin sie hingegen bey den Bisulcis , auch bey der Stute u. s. w. zusammen- kommen Daubenton T. V. tab. 12. von einer Ziege die doppelte Striche an jedem Euter hatte. . Aber auch bey denen die mammas pectorales haben, sind diese doch nie von derjenigen Form, wodurch sich das weibliche Menschengeschlecht in der Blüthe des Lebens so ausschliesslich auszeichnet. Sieben Sieben und zwanzigster Abschnitt. Von dem bebrüteten Küchelchen, und den zu seiner Oeconomie gehöri- gen Organen des Eyes. §. 364. Alle die mannichfaltigen Lebens- und Nutritions- und Formations-Processe, denen sich das neuentstandene unge- borene Säugethier in seiner Mutter Leibe, und durch den innigsten Zusammen- hange mit derselben unterzieht, die führt hingegen das Küchelchen im Eye selbst- ständig, ganz unabhängig von seiner Mutter, und ohne irgend eine andere fremde Hülfe als die der atmosphäri- schen Luft in Temperatur von Brüt- wärme. §. 365. Das reife befruchtete Ey , so wie wir es oben (§. 342.) nach seiner Ausbildung im XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, im oviductus und uterus verlassen hat- ten, ist zunächst innerhalb seiner Schale, mit der weissen, dichten, aderlosen Haut ( membrana albuminis ) ausgekleidet, de- ren beyde übrigens dicht zusammenhän- gende Blätter nur gewöhnlichst am stumpfen Ende einen mit atmosphäri- scher Luft I. C. L. Hehl obseruata physiologica de natura et vsu aëris, ouis auium incluso . Tubing. 1796. 4. gefüllten Zwischenraum lassen. Von dieser Haut wird zunächst das doppelte Eyweiss umschlossen, wovon jedes wieder mit einer zarten Membran umgeben, das äussere flüssiger und durch- sichtiger, das innere aber dichter und trüber ist, sich auch in hartgesottenen Eyern eins vom andern schalicht ablö- sen lässt. Vom innern wird bekanntlich der Dotter umflossen, der mit einer eigenen Haut umzogen ist, von welcher sich mehren- u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen d. Eyes. mehrentheils zwey gleichsam knotige, und an den äussersten Enden flockichte Schnüre, die sogenannten Hagel ( gran- dines, chalazae ) Hr. Léveillé sur la nutrition des foe- tus . Par. 1799. 8. unterscheidet noch ein drittes Eyweiss und hält die Hagel für absorbirende, mit demselben umge- bene Gefässe, die dazu bestimmt seyen, während des bebrütens dieses und das bekannte innere albumen mit dem Dot- ter zu vermischen. in das innere Eyweiss verlaufen. Oben auf der Haut des Dotters ist endlich ein kleiner milchweisser rund- licher Fleck, der irrig sogenannte Hah- nentritt ( cicatricula s. macula ) zu merken, der mit einem oder mehreren weisslichen concentrischen Kreisen ( halones s. circuli ) umgeben wird, deren Nutzen aber so wie der vom Hahnentritt selbst, und von den Hageln noch nicht ausgemacht scheint. §. 366. XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, §. 366. Und nun zu den bewundernswerthen successiven Veränderungen, die während des bebrütens im Eye vorgehen, und zu den Metamorphosen welchen sich theils die Totalform des Küchelchen, theils einzelne Eingeweide desselben unterzie- hen, wobey wir zur Angabe der Ter- mine, wieder aus dem schon angeführ- ten Grunde, das von der Henne zum Muster nehmen Zeichnungen von der Ausbildung des Küchelchens im Eye geben: Malpighi de formatione pulli Lond. 1673. 4. Id . de ouo incubato ib. 1686. fol. W. Langly in Iust. Schraderi ob- serv. et histor. de generatione Amst. 1674. 12. Ant. Maître-Jan observ. sur la for- mation du poulet . Par. 1722. 12. Casp. Fr. Wolff theoria generationis . Hal. 1759. 4. tab. 2. Id . . Erst das ganze nur curso- u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. cursorisch in chronologischer Ordnung Die Termine so angegeben wie ich sie in eigenen und oft wiederhohlten Rei- hen von Beobachtungen am constante- sten gefunden habe. . Dann aber noch über einige der wichtig- sten Theile und deren Geschäfte ein Wort ins besondere. §. 367. Id . in nov. comment. acad. Petropolit . T. XII. tab. 7. T. XIII. tab. 13. und T. XIV. P. I. tab. 11. Weil aber die von Langly und Wolff nur die frühern Anfänge betreffen, und die übrigen wenigstens nicht mit der verdienten Eleganz und Klarheit gear- beitet sind, so habe ich im IVten und VIIten Heft der Abbild. naturhist. Ge- genstände , einige mit aller Sauberkeit ganz nach der Natur verfertigte Zeich- nungen geliefert, die aus ein paar Perio- den gewählt sind, wo gerade die wich- tigsten Phänomene in der Oeconomie des bebrüteten Küchelchens in ihrer vollsten Deutlichkeit zu beobachten sind. K k XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, §. 367. Nicht in oder auf dem Hahnentritt selbst, sondern dicht neben ihm zeigt sich zu Ende des ersten Tages, an wel- chem das Brüten seinen Anfang genom- men, auf der Dotterhaut eine glänzende meist länglicht abgerundete, aber in der Mitte etwas schmalere Im Umriss völlig wie die allbekannteste Art von länglichten Zuckerbiscuit. , kleine Stelle, ( nidus pulli s. colliquamentum s. areola pellucida ) das dem künftigen Küchelchen gleichsam vorläufig die Stätte bereiten soll. Eine wahre erste Spur von diesem selbst, wird schwerlich vor Anfang des zweyten Tages beobachtet seyn; und zwar erscheint sie dann noch unge- krümmt, wie ein kurzer gallertiger Fa- den mit kolbichten Enden, und ziemlich enge eingeschlossen in dem anfangs kaum von ihm zu unterscheidenden amnion . Die Halonen (§. 365.) erweitern um diese Zeit ihre Kreise, schwinden aber kurz u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. kurz darauf so wie auch bald nachher der Hahnentritt für immer. §. 368. Gegen Ende des zweyten Tages zei- gen sich die ersten Spuren von rothen Blut auf der Fläche der Dotterhaut. An- fangs als Puncte die allgemach wie in Furchen oder Rinnen zusammenfliessen, so wie diese dann bald hernach zu wah- ren Adern sich schliessen, und in ge- meinschaftlichen Stämmen sich mit dem Küchelchen verbinden. Die Aderfläche selbst heisst figura venosa s. area vascu- losa; die Blutader wodurch sie begrenzt wird vena terminalis; und der Hauptstamm aller dieser Venen tritt in die Pfortader des Küchelchens, so wie hingegen die in diese Dotterhaut sich verlaufenden Schlag- adern aus dem Stamme der Gekrösarterie desselben entspringen. §. 369. Zu anfange des dritten Tages verräth sich das indess neu gebildete Herzchen K k 2 (das XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, (das Hauptorgan des nun eingeleiteten Circulationsprocesses,) durch seinen Tri- ple-Schlag als dreyfaches punctum sali- ens . So wie nämlich gar manche Theile des bebrüteten Küchelchens sich einer successiven Formwandlung unterziehen müssen, so gilt diess vor allen von der Metamorphose des Herzens, als welches in seiner ersten Gestalt einem zusam- mengeschlängelten Canal mit drey im Triangel dicht aneinander liegenden Wei- tungen ähnelt, wovon die eine das dann noch gemeinschaftliche (eigentlich rechte) Herzohr; die andere den dann auch noch alleinigen (eigentlich linken) Ventrikel; und die dritte den bulbus aortae vorstellt. Um die gleiche Zeit krümmt sich nun das anfänglich langgestreckte Rückgrat des zarten Geschöpfes zur sogenannten carina , in welcher die distincten Wirbel deutlich zu erkennen sind; und die Au- gen verrathen sich durch ihr schwarzes Pigment, und ihre nach Verhältniss auf- fallende u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. fallende Grösse; zeichnen sich aber in der Folge besonders durch eine eigene Spalte der Regenbogenhaut s. Malpighi de format. pulli tab. 2. fig. 18-21. und de ouo tab. 3. fig. 18. 20. tab. 4. fig. 21. Und meine Abbildungen VII. Heft tab. 64. Vergl. auch Haller sur la format. du coeur dans le poulet T. I. pag. 163. 194. T. II. pag. 160. aus, womit die- selbe nach unten zu unterbrochen wird Und eine völlig gleiche Spalte habe ich auch in der iris unreifer Landeidechsen ( Lacerta agilis ) gefunden, die ich aus dem Eye genommen; also gerade bey solchen Thieren, denen hingegen die membrana pupillaris abgeht. . §. 370. Vom vierten Tage an, wo das Küchel- chen schon eine Länge von 4 Linien er- reicht hat, und seine wichtigsten Bauch- eingeweide, Magen, Gedärme und Leber (doch diese bis zum 6ten Tage noch ohne Gallenblase) sichtbar werden, zeigt sich K k 3 auch XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, auch in seiner Nabelgegend ein gefäss- reiches Bläschen ( chorion s. membrana vmbilicalis ) das in den folgenden Tagen fast zusehendes anwächst, bis es in der zweyten Hälfte der Brütezeit den gröss- ten Theil der Schale innerhalb der mem- brana albuminis (§. 365.) auskleidet, um einstweilen für die Lungen zu vicariren, und an ihrer Statt den sogenannten phlo- gistischen oder Respirationsprocess zu führen. Denn die Lungen selbst fan- gen zwar schon vom fünften Tage an ausgebildet zu werden, sind doch aber so lange das Küchelchen noch von sei- nem amnion (§. 367.) umgeben, und von dessen liquor umflossen ist, eben so un- thätig als die im ungebornen Säugethiere. §. 371. Am sechsten Tage wenn nun das Hühnchen schon gegen 7 Linien lang ist, zeigt es auch die erste Bewegung willkürlicher Muskeln. Am u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. Am neunten beginnt das Verknöche- rungsgeschäfte, da der erste Knochen- saft abgesetzt wird und in puncta ossifi- cationis verhärtet (§. 5. Not. **). Recht als Puncte oder gleichsam als ein kreisför- miges Schnürchen von ein paar Dutzend der zartesten Perlen, sieht man sie im Augapfel rund um die Hornhaut, wo sie die Grundlage des Knochenrings der Sclerotica machen Noch ungleich eleganter als beym Hühn- chen habe ich diesen zarten Perlkreis in den Augen bebrüteter Pfauen, vom 14ten und folgenden Tagen gesehen. . Im gleichen Termine fangen dann auch auf der Dotterha u t die schönen Zeichnungen der gelben Dottergefässe ( vasa vitelli lutea ) an sichtbar zu werden. Am vierzehnten Tage brechen die Kiele der Federn hervor, und das Kü- chelchen ist schon im Stande, wenn man es aus dem Eye nimmt, nach Luft zu schnappen. K k 4 Am XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, Am neunzehnten vermag es schon Stimme von sich zu geben, und am ein und zwanzigsten seinen Kerker zu durch- brechen und sein zweytes Leben zu beginnen. §. 372. Nun zum Schluss noch ein Paar Worte über die beyden schon gedachten wunderbaren Membranen, die Dotter- haut und das chorion, von denen das Leben und die Erhaltung des kleinen Geschöpfes am unmittelbarsten abhängt. Letzteres, das chorion , dieses so höchst einfache und so höchst vollkommene temporäre Surrogat der Lungen, gibt in einem mit Vorsicht geöffneten Ey, aus der zweyten Hälfte des Bebrütens, auch ohne alle weitere künstliche Einspritzung u. s. w., einen der prachtvollesten Anblicke in der organischen Schöpfung. Ein Feld von zahllosen Ramificationen strotzender Blutgefässe beyderley Art. Und zwar die Venen — scharlachroth, indem sie oxyge- u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. oxygenirtes Blut zum Küchelchen hin- führen; die Arterien hingegen — schwarz- roth, weil sie carbonisirtes Blut von dem- selben herausbringen Daher denn bekanntlich ein noch so fri- sches bebrütetes Küchelchen sogleich ersticken muss, wenn man seine Schale überfirnisst und dadurch folglich seinen phlogistischen Process niederschlägt. (§. 161. Not. *). Ihre Stämme hängen mit den iliacis des Hühnchens zusammen, und ihre dünn- häutigen Aeste geben im frischgeöffneten noch lebenden Eye, das beste microscopi- sche Object, um den Blutumlauf an einem warmblütigen Thiere zu demonstriren. §. 373. Auch die andere der genannten bey- den Häute, die membrana vitelli hängt mit dem Unterleibe des Küchelchens — aber auf eine doppelte und ganz andere Weise als die vorige — zusammen. Theils durch den ductus vitello-inte- K k 5 stinalis XXVII. Abschn. V. d. bebrüteten Küchelchen, stinalis ( pedunculus s. apophysis ) Den inzwischen Hr. Léveillé a. a. O. pag. 77. für ein blosses Ligament ansieht. Auch findet sich bekanntlich kein wahrer Dotter im Darm des bebrüteten Hühn- chens. — Aber man kann doch zuweilen (freylich nicht immer, und vielleicht nur unter gewissen noch nicht genug be- stimmten Umständen) durch jenen pedun- culus Luft aus dem Darm des Küchel- chens in die Dotterhaut einblasen, wie schon Maître-jan und nach ihm Hal- ler erfahren, und ich selbst noch erst heute, da ich dieses schreibe, an einer frischgeöffneten 22 Tage lang bebrüte- ten jungen Aente wiederhohlt habe. Auch der analoge Nabelsack der un- geborenen Hayen (dergleichen aber auch viele andere Fische und manche Repti- lien haben) hängt mit dem dünnen Darm, nämlich mit der sogenann- ten bursa Entiana , einer besonderen Weitung am hinteren Ende desselben zusammen. s. Collins vol. II. tab. 33. fig. 2. mit einer Stelle des dünnen Darms, theils wie u. d. zu seiner Oecon. gehör. Organen des Eyes. wie schon obgedacht (§. 368.) durch seine Blutgefässe mit der arteria meseraica und der Pfortader des Vogels. Nun aber wird der Dotter im Fort- gange des bebrütens durch Beymischung des inneren Eyweisses (§. 365.) immer blasser und dünner: und zugleich bil- den sich an der inneren Fläche der Dot- terhaut, da wo auf der äusseren die schon erwähnten gelben geaderten Zeich- nungen sichtbar werden (§. 371.), zahl- lose in den Dotter hinabhängende ge- franste Gefässe mit flockichten Enden, von einem ganz eigenen, meines Wissens sonst beyspiellosen Bau Ich wüsste ihre sonderbare Form nicht sogleich mit etwas passenderen zu ver- gleichen, als mit der sogenannten che- nille einer sehr bekannten Art von flockichten, seidenen Schnüren, die zu Besetzung weiblichen Putzes gebraucht wird. , die wohl sicher dazu dienen den Dotter einzusau- gen und in die gedachten Venen zu füh- ren XXVII. Abs. V. d. bebrüt. Küchelchen, u. s. w. ren Bey wiederhohlten und vielartig abge- änderten microscopischen Beobachtun- gen der Dotterhaut aus der letzten Wo- che des bebrütens, glaube ich den wirk- lichen Uebergang des Dotters aus den gelben flockichten Gefässen, auf der in- neren Seite jener Haut, in die nach dem Küchelchen laufenden Blutadern derselben — nämlich deutliche gelbe Streifen zwischen und neben dem in diesen Venen enthaltenen rothem Blute — gesehen zu haben. , wo er dem Blute assimilirt und demnächst zur Nutrition des Küchelchens verwandt wird; so dass beym auskrie- chenden jungen Hühnchen, nur noch der Rest des ganzen Dotters und seines Sackes im Bauche zu sehen ist, der all- gemach in den folgenden Wochen so weit vollends eingesogen wird, dass sich zuletzt nur noch die Spur davon wie eine an der Aussenseite des Darms kle- bende Narbe bemerken lässt. Erklä- Erklärung der Kupfer . (— Tab. II. und die Nebenfigur auf Tab. VIII. ausgenommen, sind auf den übrigen die Gegenstände in na- türlicher Grösse abgebildet —). Tab . I. Der Schedel des Schnabelthiers ( Or- nithorhynchus paradoxus ). Von der Hirn- schale, die keine Nähte hat, ist ein Stück der rechten Seite ausgebrochen, um das Innere zu zeigen. a. b . Die beyden condyli occipitales . c . Die sonderbare knöcherne falx . d . Das Jochbein. e . Die rechte Augenhöhle. f . Erklärung der Kupfer. f . Der breite processus mandibularis am Oberkiefer. g . Ein ähnlicher an der Unterkinnlade. h . Der Gelenkknopf dieser Kinnlade. i . Der fast wie bey den Aenten ge- zähnelte Rand des vordern Seitentheils derselben. k . Der zweyte Ast des fünften Ner- venpaars. l. m. p . Zweige dieses Astes die sich in die Schnabelhaut vertheilen. n. o . Der Intermaxillarknochen die- ser Seite. Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . II. Das Becken und die Schenkelkno- chen vom Straus ( Struthio camelus ). a. b . Das Kreuzbein (20 Zoll lang). c. d. e . Die vorn zusammenverwach- senen ungenannten Beine. f. g . Die markleeren Schenkelknochen. Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . III. Der sceletirte rechte Fittig des Cap- Pinguins ( Aptenodytes demersa ). Die Erklärung s. S. 91. Not. *). Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . IV. Der Schedel einer Aente. Besonders zur Vergleichung mit dem Schedel des Schnabelthiers, tab. I. a. Der einfache condylus occipitalis. b. Der Quadratknochen. c. Das Thränenbein. d. Die elastischen Knochenblätter zur beweglichen Verbindung der Oberkiefer mit der Hirnschale. e. Die membranosen Muscheln der inneren Nase. f. c. Der erste Ast des fünften Ner- venpaars. g. Zweige desselben in die Ober- schnabelhaut. h. i. Der zweyte Ast jenes Nerven- paars. k. l. m. Zweige desselben in die ge- dachte Haut. L l h. n. Erklärung der Kupfer. h. n. Der dritte Ast des fünften Ner- venpaars. o. Zweig desselben in die Unter- schnabelhaut. Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . V. Der nach der Länge vertical halbirte Schedel und Oberschnabel eines jungen Pfefferfrases ( Tucanus ramphastos ). a. Die Hirnschalenhöhle. b. Die membranosen Muscheln der inneren Nase. c. Eine grosse Aushöhlung im Schna- bel, vor diesen Muscheln. d. Eine membranose verticale Schei- dewand, wodurch jene Aushöhlung ab- getheilt ist. e. f. Der hornichte, inwendig zel- lichte Oberschnabel. L l 2 Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . VI. Augapfel der Phoca grönlandica. a. Die sehr dünne cornea. b. Die dicke vordere Zone der scle- rotica. c. Die dünne nachgiebige mittlere Zone, gleichsam der Aequator derselben. d. Der fast knorpelartige dickste Hin- tergrund dieser harten Haut. e. Der breite orbiculus ciliaris. f. Der Augenstern. g. Die Pupille. h. Die vordere Fläche der Crystall- linse. i. Der neruus opticus. Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . VII. Die weiblichen Genitalien des Beu- telthiers ( Didelphis marsupialis ) mit den benachbarten Eingeweiden. Die vagina ist von der Seite längs aufgeschnitten und offen auseinander gelegt. a. b. Der gemeinschaftliche Theil für beyde Scheiden. c. Die doppelte clitoris , deren Ei- cheln aus der Vorhaut herausragen. d. Der Eingang zur Harnröhre. e. Die Scheide linker Hand ungeöffnet. b. f. Die zur rechten laufende, so wie der gemeinschaftliche Theil a. b. der Länge nach aufgeschnitten und ausein- ander gelegt. g. Die erste Windung des uterus rech- ter Seite. h. Die zweyte die da mit der entge- gen liegenden o. in eine gemeinschaftliche Höhle zusammentritt. L l 3 i. k. Erklärung der Kupfer. i. k. Die dritte (was Tyson die cor- nua vteri nennt). l. Die geschlängelten feinen Win- dungen der Fallopischen Röhre dersel- ben Seite. m. Der Eyerstock. n. o. p. q. r. s. Dieselben Theile von der linken Seite. t. Die Harnblase. u. u. Das Ende des dicken Darms. v. Der After. w. x. Die Afterbälge ( Scent-bags ) (§. 146.) y. z. Die Mündungen der Ausfüh- rungsgänge derselben. Tab . Erklärung der Kupfer. Tab . VIII. Ungeborene Igel verschiedenen Alters, besonders um die Veränderung zu zei- gen die mit ihrem Mutterkuchen vorgeht: Fig. 1. Ein noch sehr unreifer conceptus. a. b. b. Das eyförmige chorion geöff- net, so dass die ganze vordere Hälfte weggenommen ist. a. Der dicke fast knorpelharte Theil desselben. b. b. Der dünnere geschmeidigere Theil. c. Die tunica erythroides die so wie d. der Embryo mit seinem amnion vorher im chorion eingeschlossen gewesen. Fig. 2. Eine reifere Frucht. L l 4 a. b. Erklärung der Kupfer. a. b. Der nun sattelförmige Mutter- kuchen. c. Die tunica erythroides. d. Der Fötus mit geöffneten Unter- leib, dessen Eingeweide und Gefässe in der Nebenfigur vergrössert sind. e. Die Leber. f. Die Harnblase ohne urachus. g. h. Die beyden arteriae vmbilicales. i. Die vena vmbilicalis. k. Die vasa omphalomeseraica. Zusätze . Zusätze . Zu S. 9. Z. 3. Doch habe ich kürz- lich ein paar Köpfchen von neu gebo- renen Seidenhasen mit ganz ansehnli- chen Fontanellen erhalten. Zu S. 30. zu Ende des §. 19. Noch auffallender beym Opossum ( Didelphis marsupialis ). Zu S. 31. zu Ende des §. 20. Unrich- tig ist Haller 's Behauptung ( Elem. T. V. pag. 343.) “homini maior quam vlli be- „stiarum orbitae pars ossea est.” Schon die Katze z. B. hat nach Verhältniss weit grössere Augenhöhlen, vollends aber so manche Makis, von deren Schedeln Hr. Hofr. Fischer im Iten B. seiner. reich- haltigen Anatomie der Maki Frankf. 1804. 4. treffliche Abbildungen gegeben hat. Zu S. 51. Not. **) — und Hrn. Prof. Schreger in Isenflamm 's und Ro- L l 5 sen- Zusätze. senmüller 's Beyträgen für die Zerglie- derungskunst I. B. 1. Heft S. 5. u. f. Zu S. 65. oben. Doch hat auch das Schnabelthier eine Art von cornubus pel- vis abdominalibus. s. Hrn. Home in den philos. Transact. for 1802. P. I. tab. 3. Zu S. 75. Z. 6. Das fliegende Eich- horn hat an der Aussenseite des carpus einen eigenen grätenförmigen Knochen, der mittelst zwey kleiner rundlicher Beinchen an der Handwurzel befestiget. und in der zum Fallschirm dienenden Seitenhaut eingewachsen ist. Zu S. 85. Not. *). Ich habe neuerlich mehrere Köpfe solcher Hollenhühner frisch untersucht, und gefunden, dass der so sonderbar aufgetriebene Vordertheil der Hirnschale durch die Hemisphärien des eigentlichen oder grossen Gehirns ge- füllt; und dieser Theil der Hirnschalen- höhle von dem Hintern, der wie bey den gemeinen Hennen das kleine Gehirn fasst, Zusätze. fasst, durch eine auffallende Verenge- rung derselben abgesondert wird. Zu S. 90. §. 56. Der Straus und Ca- suar haben zwar keine abgesonderte fur- cula; dagegen aber auf jeder Seite, am Vordertheil des Thorax, einen sonderba- ren, länglicht flachen Knochen, der aus einem Rudiment derselben so wie aus dem Schlüsselbein und Schulterblatt gleichsam in Eins verschmolzen ist. Zu S. 122. in der Note. — Wohl aber habe ich neuerlich bey der Zergliederung einer Simia cynomolgus deren Lungen, Leber und Netz mit einer Menge Was- serblasen verschiedener Grösse besetzt waren, in denselben eine zahllose Menge microscopisch kleiner, frey in der Lym- phe womit die Blasen gefüllt waren, lie- gender Körperchen gefunden, die sich unter starker Vergrösserung aufs deut- lichste, als kleine mit scharf ausgebil- deten Hakenkranz und Saugemund ver- sehene Zusätze. sehene Blasenwürmchen, folglich als wahre selbstständige Thiere zeigten. Zu S. 124. oben. Nach Hrn. Cuvier (im Iten Heft der Ménagerie du museum national ) hat nur das gemeine Camel mit Einem Buckel ( Dromedarius ) den son- derbaren Schlundbeutel, und treibt ihn nur zur Brunstzeit hervor. Zu S. 134. letzte Z. der Note. — Bey einem ziemlich grossen orientalischen Be- zoar, den ich zur Untersuchung durchsägt, besteht der Kern aus rothbraunen überaus zarten und dichten Gewebe wie Zunder- schwamm, oder wie die Substanz der Gemsballen. Zu S. 141. §. 93. Z. 4. Der verstor- bene Dr. Bloch wollte auch bey weib- lichen Trappen den Kehlsack gefunden haben. Vermuthlich war diess aber ein Irrthum. Wenigstens habe ich noch erst im vorigen December eine Trapphenne untersucht, die durchaus keine Spur da- von zeigte. Zu Zusätze. Zu S. 144. §. 96. Z. 1. vermuthlich ). Doch scheint der bulbus glandulosus man- chen Vögeln, z. B. dem Eisvogel, zu mangeln. Zu S. 146. Eine meines Wissens bey- spiellose Anomalie ist, dass des erwachse- nen Kuckucks Magen (der eigentliche ven- triculus ) inwendig mit einer Menge kur- zen borstenartigen, und in spiralförmiger Richtung dicht anliegenden Haren be- setzt ist. Zu S. 155. Note *). Die Bienenlarve hätte ich hier nicht anführen sollen. Denn da dieser das Futter in den Stock zugetragen wird, so kann ihr Consum- tionsgeschäfte nicht hoch angeschlagen werden. Zudem gibt sie wenig Unrath von sich, daher bey ihr das was sie ver- zehrt, doch meist zur Selbsterhaltung und zu ihrer schnellen Ausbildung die- nen muss. Zu S. 164. unten. — Ueber den Bau dieser flockichten Haut in vielerley Gat- tungen Zusätze. tungen aus allen vier Classen von roth- blütigen Thieren, s. Rom. Ad. Hed- wig disquisitio ampullularum Lieber- kühnii Lips. 1797. 4. und K. Asm. Rudolphi's anatomisch physiologische Abhandlungen S. 41. Zu S. 167. letzte Z. — Am auffal- lendsten ist diese Aehnlichkeit bey der cloaca des Schnabelthiers. Hr. Home a. a. O. tab. 4. Zu S. 169. in der Note Z. 3. — Eine ganz von diesen Darmsteinen verschie- dene Art von kugelichten Concrementen, die sich ebenfalls zuweilen bey Pferden im colon und zumahl im coecum findet, ist aus vegetabilischen feinen Zasern in- nig zusammengeballt, und ähnelt auf den ersten Blick den Gemskugeln; da- her auch Lafosse der sie beschrieben und abgebildet, dieselben aegagropilas (und hingegen die wahren Darmsteine bezoar equinum ) nennt. s. Dess. cours d'hippiatrique pag. 158. tab. 51. fig. 20-22. Sie Zusätze. Sie sind so wie die Gemsballen weit leichter als jene Darmsteine, und nicht selten finden sie sich Paarweise beysam- men. Ein grösserer (wohl wie ein Kinds- kopf,) napfförmig, in welchen der an- dere kleinere kugelichte einpasst. Zu S. 196. Note **). — W. G. Ti- lesius Beschreibung und Abbildung der beyden sogenannten Stachelschweinmen- schen. Altenb. 1802. fol. Zu S. 222. §. 157. Ueber das Verhält- niss der Länge des Herzens zu der des ganzen Körpers s. Theoph. H. Berg- mann primas lineas pathologiae compa- ratae Goett. 1804. 4. pag. 14. 59. Zu S. 224. Z. 9. — So besitze ich durch die Güte des Hrn. Dr. Albers in Bremen, ein allerdings sehr merkwürdi- ges Herz eines erwachsenen Seehundes, in welchem nicht nur das foramen ouale, sondern auch der ductus arteriosus noch vollkommen offen; ausserdem aber auch beyde grosse Schlagaderstämme, zumahl aber Zusätze. aber der von der aorta, zu einem wei- ten, gleichsam aneurysmatischen Sacke ausgedehnt sind. Und das letztere hat auch gerade so der wackere Seger an einen Seehunde bemerkt, in den Ephe- mer. nat. curios. Dec. I. a. 9. pag. 252. Zu S. 226. zu Ende des §. 160. — Von merkwürdigen Vertheilungen der Venen ist eine der wunderbarsten und in ihrer Art prachtvollesten die womit der Hufknochen des Pferdes auf der Vor- derseite in fast zahllosen meist parallel- laufenden Zweigen und auf der untern Hohlfläche in netzförmigen Anastomosen überzogen ist. Zu S. 228. §. 163. Z. 2. in den See- schildkröten ). — Neuerlich habe ich auch eine Landschildkröte aus Marocco ( Ab- bild. naturhist. Gegenstände VII. Heft tab. 66.) geöffnet, die ich ebenfalls durch die Güte des Hrn. Dr. Albers lebendig erhalten, und den Bau ihres kleinen Herzens, worüber selbst Morgagni noch Zusätze. noch zweifelhaft war, in der Hauptsache, — d. h. in der Verbindung der beyden Ventrikel durch eine Zwischenöffnung und in dem Ursprung der sämmtlichen grossen Schlagadern aus dem rechten Ven- trikel, so wie auch in der Theilung der aorta und der Verbindung ihrer beyden Hauptäste im Unterleibe —, gerade eben so gefunden wie in den Seeschildkröten. Auch die Höhlungen der Ventrikel nach Verhältniss eben so eng, die fleischich- ten Wände derselben dagegen eben so schwammig u. s. w. Nur die Mündung zwischen beyden Ventrikeln war einfa- cher ohne den bekannten valvelartigen Bau, wie er sich im Herzen der See- schildkröten zeigt; die Ohren schlapp und dünnhäutig wie bey der caretta, nicht so derb und schwammig wie bey der mydas. Zu S. 236. u. f. Eine Abbildung vom Herzen des Calmar gibt Herr Prof. Cu- vier in sein. Tableau élémentaire de l'hist. M m natu- Zusätze. naturelle des animaux. Par. 1798. 8. tab. 8. fig. 1. Zu S. 237. unten. — Auch die Me- dusen haben kein Herz und dennoch ein deutliches Circulationssystem von Arte- rien und Venen. s. Mitchill in Hrn. Dr. Albers 's americanischen Annalen Ites Heft pag. 121. Zu S. 271. Note *) letzte Z. — auch Spallanzani , Mémoires sur la respira- tion. Genève 1803. 8. Zu S. 286. §. 200. Die Landschild- kröten (wenigstens T. graeca ) haben ei- gentlich zwey Luftröhren, indem sich der kurze gemeinschaftliche Stamm gleich beym dritten Halswirbel in zwey lange Hauptäste theilt, die weit in die Brust hinabsteigen ehe sie in die Lungen ein- treten. Jeder macht seitwärts eine starke Krümmung, über welche sich die beyden aortae abdominales herumschlagen. Zu S. 318. Note *) — und Tilesius in Isenflamm 's und Rosenmüllers Bey- Zusätze. Beyträgen für die Zergliederungskunst I. B. 2. Heft tab. 2. Zu S. 319. Ueber das Verhältniss der Sinne in den verschiedenen Thierclassen vergl. Hrn. Dr. Troxler 's Versuche in der organischen Physik. Jena, 1804. 8. Zu S. 341. Note *). — Ueber die Zunge des Chamaeleon s. vor allen Hrn. Du- vernoy im Bulletin de la Societé philo- matique 8. année T. III. nro. 86. tab. 24. fig. 5. 6. Zu S. 362. unten. — Ein wahres Ohr- läppchen, so wie beym Menschen, scheint sich doch bey keinem anderen Säugethier zu finden. Zu S. 382. Note *). — Jo. Lud. An- gely de oculo organisque lacrymalibus ra- tione aetatis, sexus, gentis et variorum animalium. Erlang. 1803. 8. Zu S. 390. u. f. — Da ich im vorigen Februar bey der Zergliederung eines an- deren frischen Affen (S. cynomolgus ) das M m 2 fora- Zusätze. foramen centrale desselben im Collegium der vergleichenden Anatomie demonstrir- te, so äusserte ich dabey über den Nutzen desselben folgende Vermuthung: — der Mensch und diejenigen Quadrumanen bey welchen die Augen in parallelen Achsen liegen, haben den Vortheil dass sie die Objecte mit beyden Augen zu- gleich und folglich desto schärfer sehen. Aber auch den Nachtheil dass im allzu- hellen Lichte beyde Augen zugleich um so eher und um so stärker geblendet werden, weil das blendende Licht auf die correspondirenden focos principales in beyde (noch dazu mit keiner Blinz- haut versehene) Augen zugleich fällt. Dieser Nachtheil wird wie es scheint durch das foramen centrale gehoben oder gemindert, wenn diejenige Stelle der re- tina vor welche der focus principalis fällt, sich im blendenden Lichte wie zu einer Art von kleinen Pupille öffnen, und den concentrirten Lichtkegel durch dieselbe hindurch und auf die dahinter liegende Zusätze. liegende choroidea fallen lassen kann, deren Pigment dieses blendende Licht absorbirt. Zu S. 485. u. f. Viel zu diesen und den letzten Abschnitt gehöriges, enthält des Hrn. Dr. J. Fr. Lobstein 's Essai sur la nutrition du foetus. Strasb. 1802. 4. Verbesserungen . Seite 23. Zeile 1. statt Elephantengattungen lies Armadillgattungen. S. 30. Z. 2 und 3. von unten, l. aber die äussere Seitenwand der Höhle ist nach hin- ten offen. S. 43. Z. 5. 6. st. pecor u m l. bisulcorum, so wie auch der Elephanten, S. 44. §. 25. Z. 1. nach Oberkiefer s. der Quadrupeden und Delphine. S. 51. Z. 4. st. obern Fläche l. Endfläche. S. 58. Z. 2. 3. l. bey dem dreyzehichten Faulthier; Z. 5. l. es deren 9 hat. S. 65. Z. 1. in der Parenthese hinter die s. ossa marsupialia oder. S. 74. letzte Z. nach Vorder- arm s. oder sie haben höchstens nur ein grätenför- miges Rudiment davon. S. 83. Note **) Z. 1. st. bee l. bec. S. 95. Z. 3. v. u. nach Raum s. bey den See- schildkröten. S. 141. §. 93. Z. 4. vor Trappen setze männlichen. S. 158. Note ***) Z. 1. st. Hummer l. Flusskrebs; ibid. vorletzte Z. die Worte vom Fluss- krebs auszustreichen. S. 174. §. 118. Z. 2. zwischen scheint und allen setze bis auf sehr wenige Ausnah- men (z. E. beym Hecht ). S. 191. Z. 2. st. scheint l. scheinen. S. 222. §. 157. Z. 7. l. Zwerchfell. S. 233. Z. 3. st. Kiefern l. Kiemen. ib. Note *) Z. 7. st. Bron- chial l. Branchial. S. 306. in der Note Z. 11. st. 1753. l. 1783. S. 339. Z. 1. st. linken l. rechten. S. 501. Note Z. 5. st. worin l. wenn.